Nr. 80. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pranumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 2, wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Numuner 6 Bfg. Sonntags mummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Bolt. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Bost Beitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 24. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel geile oder beren Raum 50 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebrudte) Wort 20 Bfg, jedes weitere Bort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafftellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jebes weitere Bort 5 Pfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1983. Militärische Geständniffe. Man schreibt uns: D " " " " Sonnabend, den 6. April 1907. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1984. der Verfasser der genannten Broschüre getan, hat. ist diese Seilfahrt nicht versehen, auch findet teine Prüfung Er ist unseres Erachtens einer der Wenigen, die im bes Seiles auf seine Tragfähigkeit statt. ewigen Einerlei des Dienstes nicht vollständig aufgegangen Die dem Unternehmertum dienstbare bürgerliche Bresse betont sind, die trotz der langen Militärzeit das rein menschliche mit aller Schärfe, die Bergleute sind durch Selbstver Denken und Fühlen nicht verlernt haben; kurz gesagt, einer schulden zu Tode gelommen! Wir stimmen dem nur bedingt ber Charaktere, die man unter Berufssoldaten, besonders in au! Gewiß haben die Leute verbotswidrig gehandelt; sie mußten Deutschland, so überaus selten findet. als Fahrweg Ueberhaue oder besondere Fahrschächte benutzen. Sind " 1 " deshalb wahrscheinlich Aber unter Dem Kaiferwort: Schwarzseher dulde ich nicht zum Trok hat sich in der Person des Oberstleutnants a. D. Nissen Meyer( ehemals Stommandeur des 1. Bataillons Das folgerichtige Aneinanderreihen der verschiedensten im diese aber auf Preußen" auch in einem Zustande, daß fie ohne 2. Ostasiatischen Infanterieregiments) wieder einmal einer deutschen Heere bestehenden Unfitten und Einrichtungen und Schwierigkeit benutzt werden können? Wir wissen es nicht vom Fach gefunden, um seinen Gedanken über Volt, Heer die hieraus sich ergebende Tatsache, daß die Soldaten- und wollen und System" in einer Broschüre Aus dem Lande der Unzu- schindereien ein unmittelbares, künstliches Produkt des das fein voreiliges Urteil fällen. weiß Schreiber dieser Zeilen aus Erfahrung, daß friedenen Ausdruck zu verleihen. auf manchen Bechen Fahrschächte und Ueberhaue nur in kriechender Abgesehen von den Auslassungen über unsere Arbeiter- preußischen Systems sind, wirkt geradezu vernichtend! Oberstleutnant Nissen- Meyer schildert, wie beispielsweise Stellung zu passieren find. Ja häufig sind sie ganz unpassierbar, organisationen, über die deutsche Kolonialpolitik und die der Ausfall des alljährlich stattfindenden Vergleichs- und weil der Ueberhau zu Bruche liegt und sich niemand darum kümmert. von der öffentlichen Meinung berlangte falsche Humanität", Prüfungsschießens, dazu benügt wird, die Lehrfähigkeit und Ordnungsmäßige Fahrschächte und Ueberhaue find nur selten anDinge, über die von deutschen Offizieren ja teine treffenden den Eifer der Kompagniechefs festzustellen resp. zu beurteilen. zutreffen. Urteile zu erwarten sind, können wir uns mit den Aus- Die natürliche Folge ist ein speziell auf die Besichtigung Es gibt viele Grubenbeamte, die es streng vermeiden, die führungen über die Fehler unseres Systems" nur ein- Sinarbeiten" aller und ein hieraus sich ergebendes Streber- schwer zu passierenden Ueberhaue als Fahrwege zu benutzen; fie bes berſtanden erklären. Bei der Untersuchung der zu den tum, das sich durch gelegentliches Geschenkemachen" nugen täglich verbotswidrig die Seilfahrt, selbst dann, wenn sie sich Soldatenmißhandlungen führenden Gründe entwickelt der sowie durch Eingehen auf die kleinsten Wünsche und nur von einem Ort zum anderen begeben wollen. Verfasser in verschiedenen Hauptpunkten sogar genau den Eigenarten der maßgebenden Vorgesetzten zu empfehlen sucht. Wenn nun aber der Fahrweg schlecht und unbequem ist und ſelben Gedankengang, den der Vorwärts" bei der Behandlung Hierdurch und in Verbindung mit der durch das Geheim- viele Beamten das behördliche Verbot unbeachtet laſſen, dann ist zu dieses Themas wiederholt, z. B. im Leitartikel in Nr. 83/06 halten der Dienstzeugnisse geschaffenen Unsicherheit greife eine verstehen, wenn auch die Bergleute nicht anders handeln. zum Ausdruck gebracht hat. Ueberfeinerung sonst ganz einfacher Dienstzweige Platz, die In diesem speziellen Falle kommt hinzu, daß die Bergleute sich Der lange Aufenthalt im Auslande befähigt diesen cheriegsausbildung werde nebenja chlich, allerlei die Nacht abgeradert hatten, fie also leicht der Versuchung erlagen, maligen Offizier besonders, die Wirkung der geradezu lächer- unnüßes Beiwert aber als Hauptsache behandelt. die bequeme Fahrt am Seil zu machen, anstatt mühevoll den Fahrlichen deutschen Prahlsucht und Selbstüberhebung auf die anderen Nationen richtig einzuschäzen. Er schreibt darüber: Das ewige Schimpfen und Tadeln" der Offiziere pflanzt sich schacht zu steigen. auf die Unteroffiziere fort. Das stete„ Bevormunden aller Es ist bereits gemeldet worden, daß der Mann, der die Berg" Ja, ich habe es erlebt, daß ein älterer Offizier in einem Untergebenen", der lange die Freizeit beschränkende Dienst leute auf die Förderschale nahm und die Bremse befranzösischen Stadtteil des Auslandes einen Trupp von etwa dreißig Mann mehrere Male im Stefritt an sich erwede bei den Mannschaften Unlust, Mißbehagen und diente, Ivegen fahrläffiger Tötung borüber marschieren ließ, und zwar sichtlich nur, um den Franzosen ständige" Unruhe"; durch diese Nervosität zeichne sich Anklage gestellt werden dürfte. So wird's schon kommen, zu zeigen, so marschieren wir. Daß er bei einer so kleinen die deutsche Armee besonders aus. In der Tat, man wir würden uns nur wundern, wenn's anders wäre. Das Truppe alles eher wie Bewunderung bei den Franzosen muß die legere Haltung österreichischer oder Schweizer schuldige System tommt nicht auf das Armesünderbänkchen. Die damit erregte, das lam ihm nicht in den Sinn. Und noch dazu Infanteristen bei der Ausführung schwieriger Kolonnen- Behörde muß es fich zur Aufgabe machen, mehr wie bisher die Bewar fein eigenes Gebaren, feine Miene, die Art, wie er fein bewegungen und im Gegensatz hierzu das geradezu ängstliche schaffenheit der Ueberhaue und Fahrschächte zu überwachen. Man Pferd drangfalierte, alles dies dazu angetan, nicht allein bei uns, Verhalten preußischer Musketiere schon beim Antreten der schaffe sichere, bequem paffierbare Fahrwege, dann wird kaum ein sondern vor allem bei den franzöfifchen Offizieren und Soldaten storporalschaft zum Dienst oder Kirchgang beobachtet haben, Bergmann versucht sein, verbotswidrig die Seilfahrt in den BremsDie englische Armee wird nach Ansicht des Verfassers von um erkennen zu können, daß die auf dem Paradefeld zur schächten zu benutzen. den deutschen Offizieren vielfach unterschäßt. Ein japanischer Schau getragene eiserne Ruhe" weiter nichts ist, als eine Offizier äußerte fich ihm gegenüber über die deutsche Armee durch Zwang, Drill und Organisation für den Augenblick befolgendermaßen:" Ja, wir haben viel von Ihnen gelernt, zwungene Unruhe! aber eins haben wir nicht mitgelernt: wir sagen nicht so laut, Der Verfasser schildert weiter, wie er einen seiner Feldwas wir können". webel erst nach leberwindung bedeutender Schwierigkeiten Der ehemalige Landeshauptmann von Südwestafrika, GeneralOberstleutnant Nissen- Meyer behauptet, die gegeißelte davon überzeugen konnte, daß die Gewährung einer an- major v. François, veröffentlicht im„ Tag" einen interessanten Ruhmredigkeit am meisten bei Offizieren, feltener gemessenen Freiheit erzieherisch auf die Mannschaften einwirkt. Artikel über Besiedelung und Hungersnot in Süd. bei Beamten, aber fast nie ,, bei unseren alten, lange im Aus- Ein anderer als besonders ruhig und besonnen geschildeter west afrika". Der Artikel dieses Kenners unseres südwestafrikalande angesessenen Landsleuten" angetroffen zu haben. Ereldwebel beichtete ihm einige Jahre nach seinem nischen Schußgebietes beweist aufs neue, wie abenteuerlich und schildert ferner einen Offizier, welcher, faum vierzehn Tage Uebertritt in den Zivildienst, daß auch er miß- unrealisierbar die Hoffnungen sind, die von unseren Kolonialanwesend, auf einem gemeinsamen Spazierritte fast allen handelt habe; ein Beweis, wie schwer das System selbst auf phantasten in die Entwickelungsfähigkeit des Landes gefeßt worden find. ihnen begegnenden Landeseinwohnern auf ihren freundlichen den besonnenen Elementen lastet! Leider huldigt das François meint, die erste Aufgabe der Regierung müsse darin Gruß, mit einem dem kombinierten Zierreich ganze System direkt dem Grundsatz, auf die Gesamtheit zu bestehen, zunächst einmal die Hungersnot in der Kolonie durch Beentlehnten Schimpfworte antwortete", Hier drücken, um die Vergehen einzelner zu vermeiden. Solcher schaffung eines ausreichenden Stodes von Muttervieh zu beseitigen. über zur Rede gestellt, entschuldigte sich der edle Kolonisator Druck ist z. B. die Zurückhaltung des Avancements innerhalb Solange es an Vieh mangele, fehle es an Rente für die Bahn, damit, daß ein gewöhnlicher Mann fein so feines Ehrgefühl eines ganzen Truppenteils unter gewiffen Umständen." an Ausnutzung der Wasserstellen, vor allem an billiger Voltshabe, um sich darüber zu ärgern! Das Beschwerde recht, das für den Soldaten zu ernährung. die unbändigste Heiterfeit zu erregen." " Das Hungerland Südwestafrika. In einer 500 Stilometer von Riautschou belegenen Fremden- schwer verständlich ist, beachtet nach der Ansicht des Verfassers Der Verfasser gesteht ein, daß seit drei Jahren die südwestniederlassung( Shanghai) ist ein die Siege der Deutschen über die Gleichheit vor dem Gesez" nicht; denn warum soll z. B. afrikanische weiße Bevölkerung eigentlich nur vom Kriege gelebt hat. die Borer verherrlichender Bronze- Ritter aufgestellt. Das der Offizier den Weg der Vermittelung haben und Die Verminderung der Truppe verde deshalb zweifellos für die ist deutsche Art, das Nationalgefühl anderer Völker zu ehren. der Mann nicht auch mit einem gleichen oder weiße Bevölkerung zunächst eine Strife heraufbeschwören. Sie treffe Diese im deutschen System wurzelnde Art der Rücksichtslosigkeit ähnlichen Vorteil" bedacht sein? Er wünscht einen hauptsächlich die etwa 3000 Kaufleute, Gastwirte, Handwerker und der Nichtachtung alles dessen, was nicht Offizier oder Anwalt oder Berater für den Beschwerdeführer. und Arbeiter. Das ist eine Tatsache, auf die auch wir längst hinfeien. reichlich". " " Mit Beamter ist, hat sich nach der Ansicht des Verfassers in Auch die finanzielle Seite unseres Heerwesens gewiesen haben. Würde man die Schußtruppe statt auf 4000 bis die Streise der unteren Beamten fortgepflanzt, so daß wird berührt durch den Vorschlag, die Bataillone ab 5000 Mann noch weiter reduzieren, so würde der südwestafrikanische die Klagen der Deutschland bereisenden Fremden über die zuschaffen, weil die Bataillonskommandeure als Ostrach ein geradezu fürchterlicher werden. Deshalb denkt denn auch Unhöflichkeit unserer Beamtenschaft vollauf berechtigt gewissermaßen als fünftes Rad am Wagen zu betrachten die Regierung nicht daran, eine solche Reduzierung der Schußtruppe feien. Es sollten Brigaden zu 4 Regimentern a 6 Kompagnien eintreten zu lassen. Sie braucht eine starte Schußtruppe, nicht nur Wie im Auslande zum Vorteil des Vaterlandes Geld gebildet werden. Durch Eingehen auf diesen Vorschlag würden als Grundstod einer Kolonialarmee, sondern auch um den „ gespart" wird, zeigt folgender Fall: Ein schöner Rasenplatz die Majore nicht nur vollständig überflüssig werden, sondern völligen wirtschaftlichen Zusammenbruch der war von einer berittenen Truppe vollständig" nirbergetreten es würde dem Brigadekommandeur, von dem es schon sprichsalonie zu verhüten. Die 40 oder 50 Millionen, die worden. Er gehörte einem der ärmsten Bewohner des Dorfes, wörtlich heiße, daß er nur an fünf Tagen des Jahres( während Deutschland jährlich für die Truppe ausgibt, sollen gleichzeitig den welcher infolge langandauernder Krankheit an der Aberntung des Brigadeererzierens) Dienst habe, ein größerer Wirkungs- finanziellen Rüdhalt des folonialen Wirtschaftsgebiets bilden. verhindert war. Der Adjutant wird beauftragt, dem Eigen- freis gegeben. anderen Worten: Südwestafrika ist im Grunde nichts anderes als tümer die verhältnismäßig niedrige Entschädigung von Wir können den maßgebenden Stellen des preußischen ein einziges Marketenderlager, das von der milchenden Kuh, der 3 Dollar( 12 Mark) zu überbringen. Heeres, insbesondere dem Kriegsminister Herrn v. Einem das Schugtruppe, lebt. Was wird von einem höheren Offizier befohlen? Wir eifrige Studium der erwähnten Broschüre nur angelegentlichst Aber selbst dann, wenn eine starke Schutztruppe zurückbleibt, wollen das den Leuten hier nicht angewöhnen." Und das," trok- empfehlen. Als Beweis, daß die Ansichten dieses Fach steht es um die Farmer außerordentlich schlecht. Diese können zwar dem einige tausend Mark Flurentschädigung etatisiert sind! mannes nicht einzig dastehen, gestatten wir uns, auf die sand genug zum Preise von 80 bis 100 Pf. den Hektar laufen, Die Engländer hingegen zahlen flugerweise in ähnlichen Fällen in den Nummern 83 und 238 des Vorwärts" aus dem Jahre aber um die landwirtschaftliche Produktion steht es um so schlechter: 1906 enthaltenen, das gleiche Thema behandelnden Aeuße Produzenten werden sie trosdem nicht. Feldbau Die zweijährige Dienstzeit hält Herr Oberst- rungen zu verweisen. können sie bekanntlich nicht treiben, Gartenbau lohnt nur da, wo Ieutnant Nissen Meyer für zwvedmäßig, weil das Herausziehen nahe Abfaggelegenheit ift; die Produktionskosten der jungen, noch in der Entwickelung stehenden Leute aus dem find höher, als die Preise für eingeführte Körnerfrüchte". gesundheitsschädlichen Kampf ums tägliche Aber auch um die Produktion bon Wieh ſteht es Brot" uns die träftige Nation mit den„ auffallend breiten außerordentlich schlecht. François schäßt nach Durchsicht Schultern" geliefert habe. Als ob eine sinn- und fachgemäße alles des beröffentlichten Materials den gesamten Bestand Fürsorge und Erziehung der früheren Jugend zum Schußgebietes an Mutterbieh auf etwa 5000 Stühe und 50000 MutterWaffendienst, wie wir fie fordern, diese Aufgabe nicht in schafe und Ziegen. Um aber den Milch- und Fleischbedarf einer biel höherem Maße erfüllen würde, ganz abgesehen von der Aus dem Ruhrrevier wird uns geschrieben: Bevölkerung von 6000 Weißen, 4000 Mann Truppen und 40 000 Hebung der materiellen Lage des arbeitenden Voltes! Wiederum haben sieben Bergleute infolge eines Seilbruches ihr Farbigen zu decken, der jährlich rund 20 000 Ochsen und 280 000 Die Ursachen der im deutschen Heere so außerordentlich Leben lassen müssen. Kleinvieh betrage, feien nötig 80 000 Kühe und eine Million Kleinhohen Zahl schändlicher Soldatenmißhandlungen Und es muß zugestanden werden: das Unglück ist eine Folge vieh- Muttertiere. Ohne einen solchen Viehbestand werde in Südzu ergründen, haben, allerdings sehr oft in recht ober- verbotswidrigen Handelns der Verunglückten! Das Unglück ist ge- westafrika chronische hungersnot herrschen. flächlicher Weise, schon viele Offiziere vom Kriegsminister schehen in einem fog. Stapel oder Bremsschacht. Die Benutzung Unter Zugrundelegung einer Berechnung des Farmers Schlettbis herab zum Hauptmann a. D. versucht. Unseres Wissens der Seilfahrt in einem solchen Schacht ist behördlich strengstens wein werde sich der vorhandene Viehbestand in zirka 15 Jahren bis hat aber nicht ein Einziger mit so flarem Blick und mit verboten. zu der zur Fleischversorgung der schon heute in der Kolonie befind folcher Unbefangenheit diese für den im Dienst befindlichen Der Stapel ober Bremsschacht dient zur Kohlenförderung aus lichen Bevölkerung von 50 000 Köpfen vermehrt haben, dabei seien Berufssoldaten äußerst schwierige Analyse vorgenommen, wie den Flögen zur Sohle. Mit besonderen Sicherheitsvorkehrungen aber die Gefahr der Berseuchung und andere Unsicherheiten des " Zu dem Unglück auf der Zeche ,, Preußen“. Betriebes nicht einmal in Betracht gezogen. Fran?ois macht des- halb den Vorschlag, sofort eine größere Summe, etwa 8 Millionen, staatlicher Subventionen für Viehankauf zu verwenden. Ge» schehe das, so würde schon nach 10 Jahren ein Viehstand von 50 000 Kühen und 800 000 Kleinviehmüttern in der Kolonie vor- Händen sein können. Herr v. Franyois nimmt also an, daß durch geeignete Maß- nahmen in 10 Jahren wiederum eine Menge von Vieh heran- gezüchtet werden könnte, um eine Bevölkerung von 50 000 Köpfen zu ernähren. Nun rechnet man aber in Deutschland bekanntlich damit, daß viele Tausende neuer Ansiedler während dieses Zeit- raumes ansässig gemacht werden könnten. Wovon diese leben sollen, ohne daß das Reich unzählige Millionen für ihren Unterhalt ausgibt, ist völlig rätselhaft. Ganz abgesehen da- von, daß die ganzen Viehzüchtungspläne des Herrn von Franyois durch die R i n d e r p e st, die gerade jetzt wieder arg auftretende Heuschreckenplage und u n g ü n st i g e W i t t e r u n g. das heißt jahrelanges Ausbleiben von Regen, zu nichts gemacht werden können! Man sieht, daß die EntWickelung Südwestafrikas nur durch an- dauernde ungeheure Zuschüsse des Reiches künstlich herbeigeführt werden kann. Und dieses trostlose Land ist von Herrn Dernburg als ein„neues überseeisches Deutschland" gepriesen worden. Die russische Revolution. Was geht vor? Purischkeivitsch, der Vizepräsident des Verbandes des Nissischen Volkes, und seine Kumpane haben die Regierung am Donnerstag durch ihr Verhalten in der Reichsduma scharf zu machen versucht. Welch' anderen Sinn könnte es haben, daß die braven„Patrioten" sich bei der Rede des Sozial- demokraten Alexinsky so provokatorisch benahmen? Welch' anderen Sinn kann es haben, daß sie sich gebürdeten, als sei die Majestät, der Zar allein und persönlich, beleidigt durch die Verlesung jener Stelle aus dem„Economist", wo es heißt: die Regierung habe durch die Auflösung der ersten Duma einen Treubruch begangen! Als dann Goloivin, der Präsident der Reichsduma, den Mitgliedern der Rechten, die sich wie toll gebürdeten, heim- leuchtete, wie kein deutscher ReichstagssUäsident Konservativen in ähnlicher Situation heimgeleuchtet hätte, da erscholl der vielsagende Ruf aus dem Munde des zarentreuen Abgeordneten Krupenzky:„Der Kaiser löst die Dnma auf!" Wird die Duma schon wieder aufgelöst? Werden die Scharftnacher Erfolg haben? Wird die russische Regierung abermals der Stimme„echtrussischer" Männer Gehör leihen? Man sollte es nicht für möglich halten, indessen— welche Dummheit, welche Unüberlegtheit, welche Brutalität, welcher Rechts- und Treubruch ist einem Stolypin nicht zu- zutrauen? Soviel steht fest: Die Regierung sinnt wieder Unheil, und— wenn nicht alle Zeichen trügen— stehen dem un- glückseligen Russenlande von neuem schwere, schwere Tage be- vor. Ein Telegramm meldet: Petersburg, 5. April. Die Stadt ist mit Militär gefüllt; be- sonders mit Kosaken und Dragonern wie zur Zeit der ersten Auf- lösuug der Duma. Und die„Vossische Zeitung" erhielt folgenden„Eig. Draht- bericht": Petersburg, 5. April. Die Petersburger Garnison ist, wie ich aus guter Quelle erfahre, in den letzten Tagen durch vier Regimenter verstärkt worden, die a u s d c r U in- g c g e n d herangezogen worden sind, und zwar das 93. Rc- gimcnt aus P s k o w, das 136. Omsk-Rcgimcnt aus Nnrvn, das Kavallerie-Garderegiment aus Gatschina und das Leib- garde-Ulanenregimcnt aus Zarsloje-Selo. Die Stadt ist für de» Fall von Unruhen in vier Bezirke eingeteilt worden. Mit dem Oberbefehl ist der Stadthauptmann von Petersburg, Drat- schcwski, betraut. Das sieht nach Sturmstimmung aus, zumal wenn man weitere Telegramme, die nichts Gutes künden, mit in Betracht zieht. So z. B.: Petersburg, 6. April, Wie die Blätter berichten, hat der Ver- band der wahrhaft russischen Leute eine besondere Abteilung so- genannter Kreuzzügler errichtet, die allerseits mit allen Mitteln für die Auflösung der Duma kämpfen sollen.— Moskau, 5. April. General Kaulbars hat auf das tele- graphische Ersuchen des Gouverneurs von Bessarabien eine Division in die Grenzbezirke gesandt, um jede Aufstandsbewegung unter der dortigen bäurischen Bevölkerung im Keime zu ersticken. Moskau, 5. April. Infolge des bestehenden Konfliktes zwischen dem UniversitätSseuat und der Studentenschaft steht die Schließung der Universität unmittelbar bevor. Die Regierung fühlt sich! Mit der Duma, mit der hauptstädtischen Bevölkerung, mit den Bauern, mit den Studenten— mit allen zugleich wagt sie's aufzunehmen, gc- stützt auf ihre treucstcn Söhne, die„Kreuzzügler" vom Verbände der„wahrhaft russischen Leute"! Möge sie— wenn sie wirklich Lust haben sollte, neue blutige Konflikte heraufzubeschwören— endlich den längst verdienten Lohn für ihre Frevel finden. Gar zu lange schon spielt sie mit der Geduld des Hundertmillioncnvolkes. Gar zu lange währt der ent- setzlichc Tanz auf dem Vulkan. Soll dessen glühende Lava sich wieder einmal über Rußlands Fluren ergießen, dann möge sie wenigstens die Schuldigen hinwegraffen und derer schonen, die für das Wohl des schwer heimgesuchten Landes nun gerade genug gelitten und geblutet haben.— Die Duma. Einstweilen tagt sie noch: die Reichsduma. Gestern(Freitag) setzte sie die Debatte über das Budget fort. 5? u t t l e r(Kadett) be- kämpfte die von den Ministern in den vorhergegangenen Sitzungen gemachten Ausführungen. P u r i s ch k e w i t s ch berührte unter allgemeiner Heiterkeit Fragen der verschiedensten Art und erklärte unter anderem, er sei kein Freund des Kabinetts, weil Stolypin konstitutioneller Minister sei, während er selbst die Autokratie verteidige! Unter Lärm und Gelächter des Hauses zitierte Purischkewitsch allerlei Sprichwörter und schloß mit der Auf- forderung, die Duma möge arbeiten! Auch die AuSstihrungen des nächsten Redners, des Grafen Bobrinsky(Monarchist), riefen Heiterkeit hervor.— Schirsky (revolutionärer Sozialist) schloß sich im Namen seiner Partei den früheren Ausführungen der Sozialdemokraten an und schlug vor, die Ernennung einer Budgetkommission abzulehnen, weil die Duma sonst in Rußland und im Auslande den Eindruck hervorrufen würde, daß sie mit der Regierung arbeite, während die Re- gierung die Duma als untergeordnet und unfähig be- handele l— Der Präsident verlas sodann einen Antrag, der dahin geht, die Plenarsitzungen der Reichsduma auf drei in der Woche zu be- schränken, um den Mitgliedern der Kommissionen, denen zur Er- i-dfliung ihrer Arbeiten nicht die erforderliche Zeit zur Verfügung steht, Gelegenheit zu geben, mehr Sitzungen abzuhalten. Der An- trag wird am Montag beraten werden. Sollte er angenommen werden, so wird die Duma in Zukunft nur an jedem Montag, Dienstag und Donnerstag Sitzungen abhalten. Die Agrardeklaration der sozialdemokratischen Dumafraktion. Die Deklaration, welche die sozialdemokratische Fraktion der Dumakommission als Material zur Regelung der Agrarfrage über- reichte, hat folgenden Wortlaut: „Wir zur sozialdemokratischen Fraktion gehörenden Mitglieder der Reichsduma sind der Ansicht, daß zur Erleichterung der Lage der Ackerbaubevölkerung Rußlands folgende Maßregeln getroffen Iverden müssen: 1. Aufhebung aller Beschränkungen der Bauern in der freien Verfügung über ihren Grundbesitz, sofern diese Beschränkungen aus der Standesabsonderung der Bauern hervorgegangen sind. Da außer dem Bauernkleingrundbesitz auch noch andere Formen des Grundbesitzes bleiben werden(städtische Ländereien, Grund- stücke der Städter und Dorfbewohner usw.), so können die Be- schränkungen in der freien Verfüguug über den Bauerngrundbesitz sich nur in denselben Formen äußern, wie die Beschränkungen gegen die sonstigen Eigner und die Genossenschafter, und nur im öffentlichen Interesse. 2. Enteignung ohne Loskauf der Kirchen-, Kloster-, Apanage- und Kabinettslündereien und Uebergabe derselben ebenso wie der Kronländereien an die Großorgane der örtlichen Selbstverwaltung. Da ein großer Teil der Apanage-, Kabinett- und Kronländereien noch nicht besiedelt ist und daher aus denselben ein Landfonds für Auswanderer geschaffen werden kann, so müssen die von der ört- lichen Bevölkerung noch nicht besetzten Landstücke ebenso wie die Wäldereien und Gewässer, die eine allgemeine staatliche Bedeutung haben, im Besitze des demokratischen Staates belassen werden. 3. Auf derselben Grundlage, d. h. ohne Loskauf, müssen die Privatländereicn— außer dem Kleingrundbesitz oder den Anteil- grundstücken— enteignet und der demokratischen örtlichen Selbst- Verwaltung übergeben werden, wobei die auf Grund der allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Abstimmung gewählten Organe der örtlichen Selbstverwaltung auch die Frage zu entscheiden haben, über welchen Betrag hinaus die Landstücke in jedem Gebiete der Konfiszierung unterliegen. 4. Dieselben Organe der örtlichen Selbstverwaltung werden auch die Frage zu entscheiden haben, in welcher Weise die Be- völkerung von den Ländereien, die in die allgemeine Nutznießung übergegangen sind, Gebrauch zu machen hat. 5.'Die rechtliche Gleichstellung aller Bürger und die Auf- Hebung der Stände und der Fesselung an dieselben geben an sich �selbst jedem Bürger das Recht, sich an einem beliebigen Orte niederzulassen, an der Tätigkeit der örtlichen Selbstverwaltungs- organe und somit an der freien Verfügung über die zur Selbst- Verwaltung gehörenden Landstücke und an der Bestimmung der Bedingungen zur Benutzung derselben teilzunehmen. Indem die sozialdemokratische Fraktion obiges als Grundlage der Agrarreform vorschlägt, erachtet sie es als notwendig, daß die Landfrage von der Bevölkerung selbst vorher an Ort und Stelle durch Vermittelung örtlicher von der ganzen Bevölkerung gewählter Komitees zur Erörterung gebracht werde." politische Qcbcrlicbt. Verlin, den 5. April 1907. Das Reinigungsverfahren des Herrn Dernburg. Als der Kolonialdirektor Dernburg sich dem Reichstage präsentierte, erklärte er mit einer gewisseit Feierlichkeit, mit den bis- herigen Vertuschungen in der Kolonialverwaltung gründlichst auf- räumen zu wollen. Um zu zeigen, wie ernst eS ihm mit der Untersuchung der vielen Beschuldigungen gegen Beamte sei, hob er hervor, daß er nicht nur einen, sondern gleich drei höhere richterliche Beamte— einen Kammergerichtsrar, einen Ober- Landesgerichtsrat und einen Staatsanwaltschaftsrat. den inzwischen zum Kammergerichtsrat beförderten Herr» Oelschläger, für eine unparteiische Untersuchung einberufen habe, deren Ergebnis dem Reichstage mitgeteilt werden solle. Das Ergebnis der Untersuchung ist nun dem Reichstage noch nicht mitgeteilt worden. Damit die Sache nicht im Sande verläuft, sei daher schon jetzt die Kolonialverwaltung auf die dem Reichstage auf alle Fälle schuldige Aufklärung hingewiesen! Was übrigens die„unparteiische" Untersuchung durch die mit dieser beauftragten drei preußischen richterlichen Beamten an- langt, so wird man sich vor Augen halten müssen, daß diese Beamten, trotzdem sie nicht ebenso wie die vortragenden Räte der Kolonialabteilung angehören, bei Ausübung ihrer untersuchenden Tätigkeit durchaus nicht freie Hand haben, sondern an die ihnen vom Kolonialdirektor Dernburg, vielleicht sogar von noch höherer Seite zugegangenen Weisungen ge- Kunden sind, so daß es ihnen ebenso ergangen sein kann wie dem Kammergerichtsrat S t r ä h I e r, dem die geladenen Zeugen in der Voruntersuchung gegen den Gouverneur v. Puttkamer zwar eine Menge von Vergehen des Herrrn Gouverneurs unterbreiten wollten. Freundlich lächelnd winkte der Herr aber ab mit dem Hinweis darauf, daß er auf die Vergehen, welche man ihm angeben wollte— einer der Vorgeladenen hatte nicht weniger als einige 40 Vergehen des Herrn v. Puttkamer vorzubringen— nicht eingehen, sondern nur über diejenigen Punkte— es waren nach seiner Mitteilung im ganzen drei!— Ermittelungen anzustellen habe, Ivelche die Kolonial- Verwaltung, also der Herr Kolonialdirektor besonders bezeichnet habe. Was es also mit der umfangreichen und durch- greifenden Untersuchung auf sich hat, kann man sich hiernach leicht vorstellen. Nun, wenn die Kolonialabteilung, der Kolonialdirektor oder gar der Herr Reichskanzler übersehen haben sollten, in allen den bekannt gewordenen Fällen und in dem nötigen Umfange die Untersuchung vorzunehmen, so wird vermutlich die Regierung zu der etwa notwendigen crgäilzriidcn Untersuchung nachdrücklichst auf- gefordert werden! Apropos Herr Strähler. Was mag wohl die Beranlaffung gewesen seien, daß man ausgerechnet diesen, den Korpsbruder des zuerst cum infamia aus dem Korps exkludierten, nachher(damit der Sprosse des bekannten Ministers v. Puttkamer und Verwandte des Altreichskanzlers nicht zu schiver getroffen werde, wiewohl JeSko meinte, daß man sich bei uns nie unmöglich macht") in porxstuum Diniitticrten zum Untersuchungsführenden zu ernennen? War es Zufall oder Absicht, daß gerade Herr Strähler zum Untersuchungs- richter ernannt wurde?_ Deutscher Jingoismus. Die Wildnationalliberale„Rheinisch-Westfälische Zeitung" feiert Bülows diplomatischen Schachzug vonRaPallo nicht nur als einen glänzenden Erfolg der Bülow-Politik, sondern auch als eine„diplomatische Niederlage Englands". Die Tendenz deS Flottenwettrüstens habe über Englands Abrüstungsmachenschaften glorreich triumphiert. Das Blatt der Panzerplattenpatrioten jubelt: „Es geht auch so. wie das neueste Ereignis gezeigt hat. Deutschland ist Manns genug, sich gegen ungerechtfertigte Machen- schaften zu verteidigen und seine Gegner abzuführen, wenn es nur zur richtigen Zeit eine scharfen Hieb einsetzt. Diesmal hat es ge- troffen. Der englische Plan darf als ge s ch e i t e r t an- gesehen werden, denn wenn Deutschland und Oesterreich bei den etwaigen Kommissionsberatungen im Haag nicht mittun, dann ist die ganze Komödie zwecklos. Nicht England wird der lachende Dritte fei», weil feine Gegner düpiert sind, sondern Deutsch- land der lachende Zuschauer, wenn um des äußeren Scheins willen das Satirspiel von England wider Willen zu Ende geführt werden muß. Es galt der deutschen Machtstellung und der deutschen Flotte. Wir haben die Gefahr rechtzeitig erkannt und auf sie hingewiesen. Wir dürfen nnt Genugtuung feststellen, daß die Reichs- regierung in dieser Frage gehandelt hat, wie es den vitalsten Interessen Deutschlands und der Gesinnung der Nation entsprach. Wir können nicht abrüsten, dürfen nicht und wollen auch nicht. Damit muß sich die übrige Welt abfinden. Wir treiben keiiie aggressive Polittk, aber wir lassen uns die Bewegungsfreiheit von niemand beschränken, in welcher Form auch immer dies versucht werden mag. England hat feine diplomatische Niederlage, im übrigen a corsairo corsaire et derni!" Es ist uns nicht gegenwärtig, ob sich auch die Redaktion der rheimsch-westfälischen Grubenbarone seinerzeit an der Englandreise deutscher Journalisten beteiligt hat. Jedenfalls aber kann sich auch die„Rheinisch-Wcstsälische Zeitung" nicht der Einsicht verschließen, daß durch solch brüske und provo- kalorische Ausfälle gegen England das, sei es auch nur „korrekte" Verhältnis der beiden Länder zueinander unmöglich gefördert werden kann. Das ist der„Rheinisch-Westfälischen Zeitung" natürlich auch vollständig gleichgültig. Denn je gespannter das Verhältnis der Staaten zu einander, je eifriger das Flottenwettrüsten, desto enormere Gewinne springen dabei für die Panzerplatten- Patrioten heraus! Daß die Nationen schließlich unter der Last des marisimen Wettrüstens zusammenbrechen müssen, kümmert die journalistischen Sachwalter unserer Schlotbarone nicht!— J•* * Dcutfcheo Reich. „Erfolge" des RcichLverbandeS. Der in Solingen erscheinende„Bergische Volksfreund", ein Zenttumsblatt, rechnet mit den dortigen bürgerlichen Blättern ab. die im letzten Wahlkampf reichlich in Liberalismus machten, sich dabei aber ebenso reichlich vom Material des Reichsverbandes füttern ließen. Das ist nun den politischen Geschäftemachern von der bürgerlichen Prcfse schlecht bekommen. Das genannte Zentrumsblatt schreibt darüber: „Die letzte ReichstagSwahl zeitigt noch fortwährend Früchte der verschiedensten Art. Bemerkenswert ist der R ü ck g a n g d e r bürgerlich-farblosen oder liberalen Blätter in geschäftlicher Hinsicht. Daran ist der famose Reichs- verband zur �Bekämpfung der Sozialdemokratie schuld. Er hat zurzeit der Wahlkampagne in den farblos-liberalen Blättern in einer Weise vom Lcder gezogen, daß sogar Doktor Vrunhüber(der„nationale" Kandidat) sich veranlaßt sah. von den schneidigen Herren, die aus der nichts- nutzigen Bekämpfung der Gegner ein gutes Auskommen haben, etwas abzurücken. Die färb- losen Blätter, die zur Wahlzeit plötzlich ihre Maske abwarfen, find nun schon seit Wochen einer andauernden Boykotterklärung der Sozialisten ausgesetzt, und der Erfolg ist nicht aus- geblieben. Auch die Zentrumspresse hat einen großen Fort- schritt gemacht. Seit Oktober 1906 hat sich ihre Abonnentenzahl um die Hälfte vermehrt." Die Freundschaft des berüchtigten Reichsverbandes hat, wie man sieht, ihre Schattenseiten für die„nationalen" Parteien.— Nene Landspekulation in Südwcstafrika. Die bürgerliche Presse bringt die Nachricht, daß die South- West-Afrika-Company den rühmlichen Entschluß gefaßt habe, auf eigene Kosten eine Eisenbahn von Otawi nach Grotfontein in einer Länge von 100 Kilometem zu bauen. Durch ein derartiges groß- zügiges, wirtschaftliches Unternehmen, so schreibt z. B. die „Kölnische Zeitung", werde die Company ihren vielen Gegnern und überhaupt den Gegnern der großen Kolonialgesell- ten am besten entgegentteten. Schade nur, daß sich dies gemeinnützige Unternehmen der Land- gesellschaft bei Lichte besehen als eine Spekulation schlimm- er Art darstellt. Fährt doch die„Kölnische Zeitung" fort: „Mit Fug und Recht wird allerdings die Gesellschaft der Ansicht sein können, daß ihr nicht zugemutet werden könne, in einem Gebiete, dessen Erschließung durch Eisenbahnen, wie in absehbarer Zeit beabsichtigt, in großem Umfange Land zum Farmbetriebe abzugeben, da sonst nicht die Er- bauer der Eisenbahn, sondern an dieser wirtschaftlichen Er- schließung des Landes ganz Unbeteiligte den Vorteil der Wert- crhöhung des durch die Eisenbahn berührten FarmgebictcS ge- nießen ivürden." Das gemeinnützige Unternehmen der South- West- Afrika- Company stellt sich also als nichts anderes als eine Landspckulation der geriebensten Art dar. Da Deutschland nach den Plänen Dern- burgs beabsichtigt, die Kolonisierung Wüstwests künstlich mit allen Mitteln und ohne Rücksicht auf die Kosten zu fördern, glaubt die Compagny die Zeit für gekommen, auch ihr Gebiet durch Eisenbahnbauten zu erschließen. Die ganze Route der Bahn liegt im Terrain der So�ith-West-Afrika-Company. Sie hofft das Gebiet, das sie seinerzeit für einen lächer- lichen Preis erworben, nun vorteilhaft an Farmer verkaufen zu können, und die offiziöse„Köln. Zeitung" findet es ganz in der Ordnung, daß die Terrainspekulanten der Company mit dem Ver- kauf der Farmen solange warten, bis sie einen möglich st hohen Preis herausschlagen können. Die Regierung ihrerseits wird durch die Stationierung von Truppen dafür sorgen, daß den sich dort ansiedelnden Farmern auch die nötige Absatzgelcgcnhcit für ihre Er- zeugnisse geboten wird. Die Kosten für die ganze Spekulation trägt dergestalt schließlich der deutsche Steuerzahler!— Erweiterung der Grenzsperre. Der„Rcichsanzciger" ver- öffcntlicht eine Verfügung des LandwirtschaftsmiNistcrs, durch die auf Grund des Z 7 des Rcichsgcsetzes betreffend die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen, vom 23. Juni 1880/1. Mai 1894 (N.-G.-Bl. 1894 S. 409) und des§ 3 des preußischen Ausführungs- gesetzes vom 12. März 1881 sowie des Gesetzes vom 22. Juli 1905 (G.°S. S. 318) die Einfuhr von lebenden Wiederkäuern und Schweinen aus Belgien und Holland in das preußische Staatsgebiet verboten wird. Als Grund für diese die Viehcinsuhr in Deutsch- land noch mehr beschränkende Maßregel wird angegeben, daß die Maul- und Klauenseuche, der Rotlauf und die Schweinescuche einen „bedrohlichen Umfang" in beiden Ländern angenommen haben.— Eine„Sympathieerklärung". Die„Kölnische Zeitung" teilt aus der ersten Versammlung des in Mülheim a. Rh. gegründeten jungliberalen Vereins als besonders bemerkenswert mit, daß ein Arbeiter erklärte, die Arbeiterschaft stehe der jnngliberalen Bewegung sympathisch gegenüber. Unter den 330 Mitgliedern des Vereins steht die Arbeiterklasse mit 50 Mit- gliedern an zweiter Stelle, nach den Kaufleuten und Handlungs- gehülfen mit 125 Mitgliedern. Mülheim a. Rh. ist eine Fabrikstadt mit 50 000 Einwohnern, darunter wohl 10 000 Arbeiter. Wenn von diesen ganze 50 dem jungliberalen Verein angehören, dann scheutt es mit der Sympathie der Mülheimer Arbeiterschaft für die Jungliberalen doch nicht sondern lich weit her zu sein.—_ Terrorismus. Bei den letzten Wahlen haben die bürgerlichen Parteien soviel gegen die Meinungsfreiheit gesündigt, soviel Wirt schaftlichen Terrorismus ausgeübt, daß sie nach der bekannten Spitzbubcntaktik Verfahren und der— Sozialdemokratie Terrorismus vorwerfen, um dadurch ihre eigenen Schaud taten zu vertuschen. Das Scharfmachertum des rheinisch westfälischen Industriegebiets hat ein neues terroristisches Heldenstückchen verübt. Laut Beschluß der vorigen General Versammlung des Bergarbeiterverbandes sollte die dies jährige Tagung in Bochum stattfinden. So beschlossen die Arbeiter— aber dunkle Mächte fügten es anders. Der Ver bandsvorstand sieht sich genötigt, die Generalversammlung in Dortmund tagen zu lassen. Die Ursachen gibt der Vorstand seinen Mitgliedern in folgender Mitteilung bekannt: „Wie unsere Kameraden aus der Aenderung des Tagung� ortes unserer Generalversammlung ersehen, ist es uns nicht mög- lich, unsere Generalversammlung in Bochum abzuhalten. Die Ursache dieser Nichterfüllung des Gcneralversammlungsbeschlusses liegt in der Abtreibung aller Versammlungslokale durch unsere Gegner und— durch sonstigen Druck aus die Wirte. Es ist geradezu ein Skandal, daß es in einer„Großstadt", wie Bochum einer Arbeiterorganisation nicht möglich ist. ein Kongreßlokal zu bekommen. Wir haben kein Mittel unversucht gelassen, um es zu ermöglichen, unsere Generalvcrsamnrlungsdclegierten am Sitze des Verbandes begrüßen zu können. Aber es hat nicht sollen sein. Nun gut, wir werden auch ohne Bochum tagen, welches sich dadurch aber kein Ruhmesblatt geschaffen hat." Wir freuen uns schon auf die Entrüstung, die dieser schäbige Terrorismus in der bürgerlichen Presie auslösen wird. Oder hat man nun— wichtigeres zu tun?.— Die Zoppotcr Polizeiaffäre, die wir im November vorigen Jahres schilderten, scheint doch nicht ganz den normalen Verlaus zu nehmen. sondern, wenn auch reichlich spät, ihre Sühne finden zu sollen. Wie wir mitteilten, war der Töpfer M. am 2ö. November, von Danzig kommend, auf dem Zoppoter Bahnhof von den Polizei sergeanten Kupper und Kamin tvegen einer ganz geringfügigen Schulstrase, deren Zahlung er sowohl wie schon vorher seine Ehe> frau anbot, verhastet und in das Polizeigefängnis im Rat hause interniert worden. Erst am folgenden Tage, einem Sonntage, abends, wurde er von dort, furchtbar zu gerichtet, mehr tot als lebendig entlassen. Zweifellos waren an dem im amtlichen Polizeiverließ völlig Wehrlosen schwere Verbrechen begangen worden. Rund sieben Wochen lang� war M. bettlägerig krank, und heute noch ist er nicht wieder hergestellt. Er befindet sich noch in ärztlicher Behandlung. Aus seine Anzeige gegen die Polizei beamlen Kupper und Kamin und den Gcfängnisbeaniten Skorczyk wegen Freiheitsberaubung, Körper Verletzung, Mißbrauch der Amtsgewalt' und schwerer Br leidiguug— man hatte ihn im Gefängnis unter anderem als„röter Hund" usw. tituliert— hat die Strafkammer des Landgerichts Danzig gegen den Kamin und Skorczyk das Hauptverfahren wegen Körperverletzung im Amte eröffnet. Gegew Kamin soll auch noch wegen der Beleidigung vorgegangen werden. Gegen den Kupper vorzugehen lehnte aber der Erste Staatsanwall zn Danzig ab. Auch haben sich sämtliche Beamte nach seiner Ansicht der Freiheitsberaubung nich schuldig gemacht. weil sie trotz der angebotenen Be zahlung angesichts des amtlichen Auftrages in gutem Glauben handelten l In der recht länglichen Untersuchung, die trotz der klaren Sach läge erst nach vollen vier Monaten zu diesem bescheidenen Re fultat gelangte, spielte aber eine besonders bedeutsame Rolle die Frage nach dem— Verfasser unseres. Artikels über die barbarische Polizciuntat I Was dieser Umstand mit der Aufhellung der an M. begangenen Verbrechen zu tun haben soll, vermag unser beschränkter Untertanenverstand nicht zu ergründen. Einen vollgültigen Beweis für den hohen Wert einer charakterfesten und unbeugsamen Presse möchten wir darin aber doch erblicken. Unnötig ist natürlich zu sagen, daß die amtliche Neugier selbswerständlich nicht beftiedigt wurde. Ein umfangreicher Mißhandlungsprozeß beschäftigte voo gestern das Oberkriegsgericht des Gardekorps. Auf der Anklage- dank saß der Unteroffizier' Sianieck von der 6. Kompagnie des 5. Gardcregimcnts; 4g Fälle von Mißhandlungen, teils schwerer. teils leichterer Art, und zwei Fälle vorschriftswidriger Behandlung Untergebener wurden ihm zur Last gelegt. St. ist ein noch junger Vorgesetzter von 20 Jahren. Es fiel ihm daher schwer, mit seinen Untergebenen, zumeist Rekruten, auszukommen. Häufig wurde er von seinem Vorgesetzten vor versammelter Mannschaft wegen un- genügender Ausbildung seiner Untergebenen gerügt. Er wollte nun mit Gewalt tüchtige Soldaten heranbilden. In roher und brutaler Weise vergriff er sich an den Rekruten, und es dauerte nicht lange, so beging er die Mißhandlungen geradezu systematisch. Mit den Füßen stieß er die Rekruten vor den Unterleib und gegen die Schenkel. Dem Grenadier Janz hatte der Angeklagte eines Tages den Auftrag gegeben, seine Stiefel zu putzen, lsie waren ihm nicht blank genug, und wütend schlug er so lange mit den Stiefeln dem I. ins Gesicht, bis Blut floß. Der Bedauernswerte mußte dann das Blut abwaschen und die Stiefel nochmals putzen. Der Vertreter der Anklage führte in seinem Plaidoyer aus, daß es trotz aller Sorgfalt nicht möglich sei, die Mißhandlungen vollständig aus der Welt zu schaffen. Was aber unter allen Um- ständen vermieden werden müsse und im Interesse der Dienst freudigkeit der Mannschaft unterlassen werden müsse, das seien derartige rohe Mißhandlungen. Er beantrage' für die Einzel- strafen im ganzen zwei Jahre und sieben Monate-und eine. Ge- famtstrafe von 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis, sowie Degradation. Das Gericht erkannte auf eine Gefängnisstrafe von v Monaten und auf Degradation. Eine Illustration zur konservativ-liberalen Paarung. Das «Mcmeler Dampfboot", ein sogenanntes„liberales" Blatt, ist gcmaßrcgclt worden. Der Kreisausschuß des Memeler'Landkreises hat ihm den Druck des„Memeler Krcisblattes" zum l. Juli gc- kündigt. Und was hat dieses regierungsfreundliche Blatt, das stets die Interessen der Arbeitgeber vertreten hat, verbrochen? Es hat gewagt, an den Maßnahmen der Lokal- und Provinzialbehörden betreffs der Eissperre im Memeler Hafen Kritik zu üben. Denn in dem Kündigungsschreiben heißt es: „Bei der Stellungnahme des„Memeler Dampfboot" gegen die königliche Staatsregicrung in der Angelegenheit der Eis- sperrung des hiesigen Hafens läßt sich die Gemeinschaft desselben mit dem Kreisblatt, welches zur Veröffentlichung der amtlichen Bekanntmachungen der Staatsregierung und ihrer Organe be- stimmt ist, nicht vereinigen." In Wirklichkeit ist diese Maßregelung— das finden auch die liberalen Zeitungen mit feinem Instinkt heraus— nichts anderes als eine Folge der Wahl des nationallibcralen Reichstags- abgeordneten Schwabach, für die sich das regierungsfreundliche „Mcmeler Tampfboot" mit besonderem Eifer ins Zeug gelegt hat.—_ Zur Landtagswahl im Ober- und Nicderbarnimer Wahlkreise. Die Ersatzwahl für den bisherigen konservativen'Vertreter Dr. Jrmer scheint, wie überall, wo die sozialdemokratische Partei sich an Wahlen nicht beteiligt, unter Ausschluß der Oeffentlichkeit vor sich zu gehen. Zu den am Mittwoch vorgenommenen Ersatz- und Ergänzungswahlen der Wahlinäuncr sind in den Bezirken die Wähler nur vereinzelt zur Wahl erschienen In einzelnen Wahlbezirken war ein einziger Wähler vorhanden, in anderen hat sogar nur der Wahlvorstand gewählt. Unsere Genossen, welche in einer Resolution beschlossen haben, sich an der Ersatzwahl nicht zu beteiligen, haben die Zustimmung des Parteivorstandes als Zentralvorstand für die Landtagswahlen in Preußen erhalten. Husland. Oesterreich- Ungarn. „Ausgleich". Budapest, 6. April.(W. T. B.) Wie verlautet, werden die vor Ostern unterbrochenen Ausgleichsverhandlungen zwischen den öfter» reichischen und den ungarischen Ministern auf der Grundlage in Wien weitergeführt werden, daß Oesterreich auf die Forderung eines langfristigen Ausgleichs verzichtet. Dagegen verzichtet Ungarn darauf, daß die gegenwärtig abzuschließende Vereinbarung mit Oesterreich in der Form eines Handelsvertrages abgeschlossen wird. Die Form des handelspolitischen Uebereinkommens, das bis 1917 abgeschlossen wird, wird die bisher übliche sein. Oesterreich und Ungarn werden sich schon jetzt für die nach 1917 erfolgende Zoll- trennung gegenseitig spezifische handelspolitische Behandlung zu- sichern. Frankreich. Ein«Kongreß" der Unabhängigen. \ Paris, 3. April.(Eig. Ber.) Die„unabhängigen" Sozialisten— so genannt wegen ihrer Abhängigkeit von den Regierungsrcpublikancrn— haben Ostern in Lyon ihren„Kongreß" abgehalten, der die Blütezeit der Partei einleiten sollte. Es scheint aber sehr, daß daraus nichts werden wird. Ueber die von einem Dutzend Deputierten und rund 100„Delegierten" besuchte Versammlung, die sich sogar den Scherz einer gravitätischen„Mandatsprüfung" leistete, könnte man ihrer vollkommenen politischen Bedeutungslosigkeit wegen ruhig hinweg. gehen, wenn sie nicht selbst ein Zeugnis des fortschreitenden Ein- flusses der revolutionären sozialistischen Idee abgelegt hätte. Denn sogar in dieser Schar der ganz Zahmen erhoben sich Kritiker, wie E. B u i s s o n, der den Verrat der Sonntagsruhe durch die Parlamentarier brandmarkte und ausrief, die„parlamentarisch- sozialistischen" Politiker seien augenscheinlich erst Minister und Abgeordnete und nur in zweiter Linie Sozialisten! Buissons Verteidigung der Klassenkampfidee fand allerdings ebensowenig den Beifall der Mehrheit wie das Verlangen L e- p e r t s: die Fraktion möge in Einvernehmen mit den geeinigten Sozialisten zu treten trachten. Vielmehr wurde der Fraktion das weitere Zusammengehen mit den bürgerlichen Links- Parteien ans Herz gelegt! Der Kongreß verwarf auch den Ge- neralstreik und den„AntiPatriotismus", nachdem u. a. der ehe- malige Sekretär der Partei, Orry aus Paris, dem Vater- ländischen Leierkasten die üblichen Melodien in Hülle und Fülle entlockt hatte. Sofern der„Kongreß" überhaupt eine Wirkung haben wird, kann es nur die sein, daß die paar bürgerlichen Ideologen, die in der Partei noch zurückgeblieben sind, enttäuscht von dem Treiben der Stellen- und Mandatjäger den Weg zur geeinigten Partei suchen.— England. Die Kolonialkonferenz. Die Premierminister, welche' an der Kolonialkonferenz in London teilnahmen, werden speziell folgende vier Punkte beraten: 1. Begünstigungszölle innerhalb des ganzen englischen Reiches. 2. Gründung eines permanenten kaiserlichen Rates. 3. Beteiligung der Kolonien an der Verteidigung des Reiches. 4. Bewilligung von Unterstützungsgeldern an englische Unter- tanen, welche nach den Kolonien auswandern.— Die Gesamteinnahmen aus der Erbschaftssteuer für''das Jahr vom 1. April 1906 bis 1. April 1907 belaufen sich auf un- gefähr 19 000 000 Pfund Sterling(380 Millionen Mark) und sind somit höher als je zuvor. Innerhalb der letzten 12 Jahre betrug die Erbschaftssteuer über 201 Millionen Pfiind Sterling(4 Milliarden Mark).—„ Amerika. Stabtwahlen in Ehicago. Am 2. April fanden in Chicago die Wahlen für die Stadtverordnetenversammlung und für die städ- tischen Beamten, vom Bürgermeister abwärts, statt. Der bisherige demokratische Bürgermeister Dünne, der durch seine Bestrebungen für die Verstadtlichung öffentlicher Einrichtungen, in erster Linie der Straßenbahnen, bekannt geworden war, wurde nicht wieder gewählt. William Randolph Hearst eilte selbst nach Chicago, um Dünne zu unterstützen, und er entfaltete eine eifrige Agitation, Dünnes Mißerfolg wird jetzt als eine Niederlage Hearsts betrachtet, Der Republikaner Busse wurde nach hartem Kampfe gewählt. Für die beiden Kandidaten wurden zusammen 335 807 Stimmen ab gegeben und Busse siegte mit einer Majorität von 13 121 Stimmen, Die mächtigen Straßenbahngesellschaften standen im Wahlkampf gegen Dünne und Hearst; denn dieser trat für die sofortige Uebernahme der Bahnen durch die Stadt ein, Busse dagegen wollte ihnen noch 20 Jahre Zeit gönnen und verlangte, daß sie erst allerlei Verpflichtungen erfüllen. D.amit wurde den Bürgern Sand in die Augen gestreut. Die Bürger hatten über diese Vorschläge eine Sondcrabstimmung vorzunehmen. Mit einer Majorität von 33126 bei insgesamt 298 566 abgegebenen Stimmen erklärten sie sich dafür, daß die Stadt- die Bahnen erst nach 20 Jahren über- nehmen solle! Die Stadtverordnetenversammlung hat nun eine-i e p u b I i° k a n i s ch e Majorität erhalten. Die Sozialisten haben sich am Wahlkampf beteiligt; nähere Resultate liegen noch nicht vor.— Sozialem Schadenersatzanspruch aus einem Unfall beim Umbau. Bauherren'und Bauleitern liegt es ob, alle Alsordnungen so zu treffen, daß der Bau ohne Gefährdung und mit Sicherheit ausgeführt wird. Bei Verletzung irgendwelcher baupolizeilichen Vorschriften machen sie sich strafbar, während zivilrichterliche Schadenersatzansprüche gegen sie schon geltend gemacht werden können, wenn die betreffenden Leiter irgend eine im Verkehrs- interesse vermutlich erforderlich gewesene Sorgfalt fahrlässiger- weise außer acht gelassen haben und durch diese Außerachtlassung von zweckmäßigen Anordnungen ein Malheur entstanden ist. Da die bei Bauten beschäftigten Arbeiter in der Regel dem Unfallgesetz unterstellt sind, das Unfallgesetz aber den Arbeitern das Recht auf Schadenersatz gegen den Bauleiter genommen hat, falls der Bauleiter nicht gar vorsätzlich den Unfall herbeigeführt hat, ist ein Schadenersatzprozeß gegen Bauleiter verhältnismäßig selten. Der im Nachstehenden kurz wiedcrgegebenc Rechtsstreit zeigt eine solche Haftbarmachung. In einem im Umbau begriffenen Hause hatte der Gipser- meister R. zu K i r ch h e i m u. T. die Decke eines Mansarden- zimmerS herzustellen, wodurch die Vereinigung zweier Räume von verschiedener Höhe bezweckt wurde. Um die hinteren Flächen der Balken in eine Ebene zu bringen, wurden an den höher liegenden Balken Bretter in der Stärke von 2— 2% Zentimeter mit Draht- 'tiftcn befestigt: aufgerippt. Auf das geebnete Gebälk wurden die Latten, die mit Gipsaufstrich versehen werden sollten, genagelt: anfgetäfert. Diese Arbeit ist von vier Arbeitern des Gipser- Meisters R. vorgenommen worden. Sodann strichen die Maurer auf der oberen Seite des Gebälks eine leichte Betonschicht über die Auftäferung und schütteten auf diese eine Schlackenauffüllung. Als die Schlacken eine Höhe von 8—10 Zentimeter erreicht hatten,' brach die Decke herunter und beschädigte den Werkmeister Nieffcr zu K i r ch h e i m. Nach den Feststellungen ist der Unfall dadurch entstanden, daß die Arbeiter des Gipsermeisters bei der Auf- rippung zu schwache Drahtstifte in zu geringer Zahl und in ungeeigneter Anordnung verwendet haben. Das gegen den Gipsermeister angestellte Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung wurde wieder eingestellt. Dahin- gegen aber verurteilte das Oberlandesgericht Stutt« gart unter Bestätigung des landgerichtlichen Urteils den Gipser» meister R. nach den Klageanträgen des Verunglückten N. Und zwar macht das Oberlandesgcricht den Beklagten für den Schaden des Klägers aus§ 823 B. G.-B. haftbar, weil er seine Arbeiter, denen et! keinerlei nähere Anweisungen erteilt hatte, ohne jede Aufsicht gelassen und die Deckenverschalung nach' der Fertigstellung nicht besichtigt und auf ordnungsmäßige Ausführung geprüft habe. Die gegen das oberlandcsgerichtlichc Urteil beim Reichs- g e r i ch t eingelegte Revision wurde von diesem als un- begründet zurückgewiesen. Und zwar führt der erkennende sechste Zivilsenat hierzu aus, daß die Feststellungen des Vorder- richters rcchtsirrtumfrei seien. Es handele sich hier um eine verantwortungsvolle Bauarbeit, deren unsachgemäße Ausführung den Absturz der Decke und unheilvolle Folgen für die Insassen des Zimmers hätte nach sich ziehen können. Es sei deshalb ge- boten gewesen, die voraussichtliche Belastung der Decke zu er- künden, weil sich danach die Stärke der Befestigung der Decke zu richten hatte. Eine solche Arbeit hätte der Beklagte bei An- Wendung der erforderlichen Sorgfalt seinen Arbeitern nicht ohne jede Aufsicht und Kontrolle überlassen dürfen. Auch wären die Mängel der Befestigung nachträglich leicht zu entdecken und un- schwer zu beseitigen gewesen, wenn der Beklagte seiner Kontroll- Pflicht gehörig nachgekommen wäre. Zur Hebung der ländlichen Dienstbotennot hat der Stadtmagistrat Würzburg ein wunderbares Mittel ent- deckt. Er hat nämlich verfügt, daß die Naturalverpflegungsstation vom 1. April bis Oktober für die ungelernten und landwirtschaft- lichen Arbeiter gesperrt werde. Die Arbeitslosen sollen darauf verwiesen werden, daß bei den Bauern auf dem Lande Arbeits- gelcgenheit in Hülle und Fülle vorhanden sei. Dies„christliche" „humane" Mittel wird hoffentlich die, freilich nicht beabsichtigte Wirkung haben, daß der Arbeiterbewegung leider noch fern- stehenden Arbeitern die Augen über die wahre Natur der„Arbeiter- freundlichkeit" der bürgerlichen Parteien geöffnet werden. Vom Ausnahmegesetz gegen das Gesinde und die ländlichen Arbeiter. Der§ 1 des preußischen Ausnahmegesetzes betreffend„Die Verletzungen der Dienstpflichten des Gesindes und der ländlichen Arbeiter" vom 24. April 1854 bestimmt:„Gesinde, welches hart- n ä ck i g e n Ungehorsam oder Widerspenstigkeit gegen die Befehle der Herrschaft oder der zu seiner Aufsicht bestellten Per- sonen sich zuschulden kommen läßt, oder ohne gesetzmäßige Ursache den Dienst versagt oder verläßt, hat auf den Antrag der Herr- schaft, unbeschadet deren Rechts zu seiner Entlassung oder Bei- beHaltung, Geldstrafe bis zu fünf Talern oder Gefängnis bis zu 3 Tagen verwirkt." Nach dem§ 2 des Gesetzes findet diese Vor- schrift u. a. auch auf die ländlichen Arbeiter der verschiedensten Gattungen Anwendung.— Auf Grund des Gesetzes war nun der Knecht beziehungsweise ländliche Arbeiter Kostuch wegen hart- näckigen Ungehorsams vom Landgericht Danzig zu einer Geld- strafe verurteilt worden, obwohl ausdrücklich festgestellt worden war, daß er dem Befehl des Aufsehers auf dem Rittergute des Herrn Meier zu Rottmannsdorf, an einer bestimmten Fcldstclle i m Trabe zu eggen, nur einmal nicht nachgekommen war. Nachher hatte er an der Stelle immer im Trabe geeggt. Das Landgericht deduzierte so: Der Begriff der Hartnäckigkeit im Sinne jener Bestimmung erfordere nicht einen wieder- holten Ungehorsam.„Hartnäckiger" Ungehorsam könne auch in einer Handlung oder Unterlassung gefunden werden, wenn der Gcgenwille des Bediensteten besonders intensiv zuni Ausdruck komme. Das sei hier der Fall, weil Kostuch die einmal nicht befolgte Aufforderung des Aufsehers zugleich mit einem „Halt de Fresse!" beantwortet habe.— Das Kammergcricht verwarf die Revision des Angeklagten. Es teilte die Rechts- auffassung des Landgerichts und erklärte dessen Auslegung des Handelns des Angeklagten für eine unangreifbare„tatsächliche Feststellung".— Gegenüber einem solchen Ausnahmegesetz, bei dessen Aus- legung der Erfahrungsgrundsatz des Ministers Suarez seine Geltung hat:„Im Zweifel neigt sich die Auslegung des Richters allemal auf die Seite der Herrschaft", wundern sich noch Leute über die„Leutenot" auf dem Lande. 182 und 183, nicht 162 und 163. In der gestrigen Besprechung des Urteil» des OberverwaltungS- gerichtS, nach dem Krankengeld für 26 Wochen und einen Tag zu zahlen ist, ist versehentlich wiederholt statt 183 Tage, für die der Arbeiter Krankengeld zu beanspruchen hat, 163 gesetzt- Aus dem Zusammenhang der Darlegung ergibt sich zwar, daß der Arbeiter für 183, nicht für 163 Tage Krankengeld zu beanspruchen hat. Wir wollen das aber noch ausdrücklich, um Irrtümern vorzubeugen, feststellen._ 6cwcrhrchaftUcbc#). Rahardts Bankerottcrklärung! Großer Dalles scheint in der Zentralkasse der Scharf- macher im Holzgewerbe zu herrschen; davon legt Zeugnis ab ein vertrauliches Rundschreiben an die Groß- industriellen im Ruhrrevier. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut: »Rheinisch- Westfälischer Arbeitgeberbund für das Holzgewerbe.— Ortsverband Bochum. Vertraulich! Bochum, den 30. März 1907. Wie Ihnen bekannt geworden, herrscht seit! Mitte Januar d. I. in unsere», Gewerbe ein erbitterter Lohnkampf, welcher wegen der unerfüllbaren Bedingungen des Holzarbeiterverbandes noch nicht beendigt werden konnte. Die Verhandlungen mit den christlichen Ge- werkschaften und dem Hirsch-Dunckerschen Ge» werkvereine haben zu einem gün st igen Resultat geführt. Der Hauptkampf spielt sich in Berlin ab. woselbst seit Januar d. I. 12000 Tischlergesellen ausgesperrt sind. Im An- schluß hieran ist der Streit auch in folgenden Städten aus- gebrochen wie z. B. Dresden, Burg b. Magdeburg, Halle, Weißensec, Görlitz, Guben, Oldenburg. Barmen, Spandau, Kiel, Leipzig. In diesen letztgenannten Städten sind die Verhandlungen ebenfalls an dem Beharren des sozialdeniokratischen Holzarbeiter- Verbandes bei den unerfüllbaren Forderungen gescheitert und werden, wenn bis am 1. April d. I. die Verhandlungen zu einem günstigen Abschluß nicht gebracht sind, welches nnzweifel- hast mcht eintreffen wird, im ganzen weitere 13000 Ge- hülfe» a u s g e s p e r r t. so daß am 1. April 30 000 Gehülfen ausgesperrt sein werden. In diesem Loh„kämpfe handelt es sich nur lediglich um eine Machtprobe des sozialdemo- kr a tischen Holzarbeiter-VerbandeS. Der Kampf mit diesem Verbände mutz erfolgreich sein, da sonst der Arbeitgeber in seiner eigenen Werk« statt überhaupt nichts mehr zu sagen hat. Es handelt sich nicht mehr um Erhöhung der Löhne, denn seitens der Arbeitgeber ist in diesem Punkte das weiteste Entgegen- kommen gezeigt worden. Die Führer der Sozialdemokraten fordern eine Verkürzung der Arbeitszeit, die in Berlin auf den achtstündigen ArbeitStaq hinauslaufen würde. Durch die Absicht des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes, die] Die Lohnbewegung der Dachbeder beschäftigte eine sehr stark be- berg) dem Verband ganze 148 Mitglieder geloftet trotz der ausbisher geübte Braris, die Verträge in den verschiedenen Städten suchte Versammlung des Zentralverbandes, die am Donnerstag im gesucht raffinierten Weise, mit welcher die Arbeiter zum„ freian verschiedenen Terminen ablaufen zu laffen, bleibt der Englischen Garten" tagte. öppner, der den Bericht erstattete, willigen" Beitritt gezwungen wurden. Dieſem momentanen AusVerband im stande, die Arbeitgeber einzeln abzuschlachten. fagte, nach der vorigen Versammlung ist nochmals der Versuch ge- tritt aus dem Verband folgten aber Neuaufnahmen in doppelter Nachdem nun der Bestand der Zentrale für Unter- macht worden, eine Verständigung mit den Arbeitgebern herbei- und dreifacher Zahl und der verhaßte Verband, der durch die gelbe ftühungen an die Arbeitgeber aufgebraucht ist, und die von zuführen. In Gegenwart des Herrn v. Schulz fand am Donnerstag Gründung umgebrungen werden sollte, ist für seine Haffer gefährden Ortsverbande Berlin aufgebrachte Summe von 500 000 bor Ostern eine unverbindliche Aussprache statt, an der sich von licher geworden denn je zuvor! Noch interessanter aber ist, daß Mark zur Neige geht, ist es erforderlich, um den Kampf beiden Seiten je zwei Bertreter beteiligten. Einen Erfolg hatte genannter Fabrit durch die Bareinlagen in die Kassen des gelben Mark zur Neige geht, ist es erforderlich, um den Kampf diese Unterredung jedoch nicht, denn die Arbeitgeber erklärten, fie Vereins jedes Mitglied auf zirka 1900 Mart zu stehen kommt. mit dem sozialdemokratischen Holzarbeiterverband fiegreich würden den Arbeitern teine Zugeständnisse machen. Sie verwiesen Man sieht, die Fabrik läßt sich die Züchtung von Streitbrechern schon zu Ende zu führen, daß für neue Mittel gesorgt wird. Zur auf das Abkommen mit dem christlichen Verband, welches dahin etwas tosten und zwar bei reiflicher Ueberlegung nicht nuzlos! Fortführung und erfolgreichen Beendigung des Streites ist geht, daß unter den alten Verhältnissen weiter gearbeitet wird, und Denn nach dem Naturgesez des modernen Kapitalismus muß noch mindestens eine Summe von 150-200 000 Mart er- wenn es den Maurern und Zimmerern gelingt, eine Verkürzung der sich jeder Pfennig rentieren. Wann werden dies die törichten, auf forderlich. Arbeitszeit durchzusetzen, soll dieselbe auch den Dachdeckern den Leim gekrochenen Arbeiter begreifen? Ein entsprechendes Rundschreiben an die Großindustrie ist seitens des Vorstandes des Ortsverbandes abgesandt worden. Die Zeichnungen von freiwilligen Gaben seitens der Mitglieder ist dringend notwendig. Wir bitten daher um gefl. Mitteilung, ob Sie zur Zeichnung eines freiwilligen Beitrages bereit sind. Jeder Kleinste Betrag wird dankend angenommen. Die Mitteilungen über event. Zeichnungen von Beiträgen nimmt der Vorstand entgegen; die Namen und Beträge der Zeichner werden durch unser amtliches Organ Die Fachzeitung der deutschen Tischlermeister" bekanntgegeben. Indem auf recht zahlreiche Beteiligung gehofft wird, zeichnet follegialischem Gruße! mit Der Vorstand In der Diskussion famen verschiedene Meinungen zum Ausdruck. Einige Redner waren für den sofortigen Streit, während andere das für eintraten, daß die Forderungen mittels partiellen Streits zur Anerfennung gebracht werden sollen. Schließlich wurde die Resolution fast einstimmig angenommen. . Aus Induftrie und Bandel. ( Siehe auch 1. Beilage.) Die Zentralverwaltung ersucht nun die Ortsverbände, diese gewährt werden. Es fragt fich nun, welche Stellung Summe durch freiwillige Gaben zu decken und gibt uns anheim, der Zentralverband zu dieser Situation einzunehmen hat. die Großindustrie um Gaben zu bitten. So find bereits in Köln Ein allgemeiner Streit erscheint augenblicklich nicht ratsam. und Düsseldorf zufammen mehr als 12 000 m. gezeichnet und Namens des Gauvorstandes empfahl der Referent folgende Nefolution: abgeführt worden. Da durch das Verhalten der Arbeitgeber eine Regelung der Das neue Warenhaus. In seiner legten Wirtschaftlichen Lohn- und Arbeitsverhältnisse auf friedlichem Wege unmöglich ge- Wochenschau" schreibt St. Calwer: Wertheim war zurzeit seiner Erworden ist, beauftragt die Versammlung den Vorstand und die öffnung das vornehme Warenhaus für Deutschland und ist bis heute Tariffommission, die zur Durchführung der Forderungen erforder- für den zahlungskräftigen Mittelstand das solideste Kaufhaus gelichen Maßnahmen zu treffen. blieben. Einige Jahre nach dem Vorgehen Wertheims errichtete auf der anderen Seite der Leipzigerstraße Tiez sein Kaufhaus und trat mit Wertheim in Wettbewerb. Aber aus dem anfänglichen Wettbewerb erwuchs mit den Jahren eine gewiffe Arbeitsteilung, bei der beide Warenhäuser wohl bestehen können: Tiez legte sich mehr auf die billigere, Wertheim auf die etwas teurere Ware. Die Konsumenten mit mittlerem Einkommen spalteten sich die Schichten mit höherem Einkommen, die im Berliner Leben eine große Rolle spielen, wandten sich mehr Wertheim zu, während der übrige Teil bei Tiez die seiner Lage entsprechenden Waren und Preise fand. Bei Wertheim kaufte aber auch das zahlungsfähigste Publikum, sofern es überhaupt seine Einkäufe im Warenhaus besorgte. So war es, bis das neue Kaufhaus des Westens auf dein Plane erschien: das Warenhaus der reichen Leute, das mitten in Berlin W den obersten sozialen Schichten feine Bedürfnisse und Launen abgesehen hat und auch dieses start individualisierende Publikum an den Großbetrieb im Detailhandel gewöhnen will und bei guter Geschäftsführung aller Aussicht nach gewöhnen wird. Und dieses Kaufhaus für die vornehme Welt es ist gegründet von der Firma Jandorf, dessen bisherige glänzend reussierende Warenhäuser den ausgesprochenen Charakter von aufhäusern für die Arbeiterbevölkerung haben. Welch' ein UnterBreise, selbst der Bedienung in dem Jandorfschen Warenhause am Bellealliance- Blaze und dem luguios ausgestatteten Staufhause Berlin W! Ein Besuch in beiden Räumen lehrt den überaus starken Unterschied des sozialen Niveaus in einer modernen Großstadt. Daß das Kaufhaus des Westens einen großen Teil des kaufenden Publifums von Wertheim ablenken wird, ist mit Sicherheit anzunehmen. aber das Gedeihen beider wird durch diese Sonderung der Konsumenten nicht berührt werden; das wachsende Berlin hat reichlich Raum für beide Arten von Kaufhaus. W. Bürger, Vorsitzender." Aus diesem Rundschreiben geht deutlich hervor, wie sehr sich die blindwütigen Unternehmer in die Neffeln gesetzt haben. Ob ihr Appell an die Großindustriellen Erfolg haben wird? Mit dem, was sie in den Großstädten Köln und Duisburg erzielt haben, dürfen sie jedenfalls nicht prunten. Zwei neue Scharfmacherverbände haben sich in der neuesten Zeit in Berlin wieder gebildet: in der Damenhutbranche und in der Herren- und Knaben Konfettion. Der erstere nennt sich„ Verband Berliner Damenhutfabrikanten", der lettere, deffen Gründung noch nicht völlig perfekt, jedoch als sicher in Aussicht genommen ist, nennt sich offen Arbeitgeberverband" und ist auch ausdrücklich zu dem 3wede gegründet worden, angesichts der binnen kurzem erwarteten Lohnbewegung in Aftion zu treten. Vorläufig sind hier die daran Troh ihrer Notlage sind sie aber weit davon entfernt, beteiligten Interessenten übereingekommen, dem Verein Berliner der Wahrheit die Ehre zu geben. Nicht um eine Straftprobe Herren- und Knabenkonfektionsfirmen engros die Führung im der Arbeiter, sondern der Unternehmer handelt es sich. Falle der Lohnbewegung zu geben und haben außerdem eine AgitaSoll man das nochmals nachweisen? Wir verweisen nur tionsfommission gewählt, um für das solidarische Zusammengehen auf Berlin. Die Arbeiter wollen, nachdem keine Ver- aller Interessenten der Branche im Falle eines Streikes zu wirken. besserungen des Tarifs zugestanden wurden, vertraglos weiter Der Verband Berliner Damenhutfabrikanten" dagegen er arbeiten. Die Unternehmer wollen den Arbeitern aber strebt als erstes Hauptziel eine gemeinsame Wahrung der Intereinen Tarif aufdrängen, der womöglich effen der Branche, speziell soll aber durch den Zusammenschluß der Verschlechterungen, jedenfals teine Ber- Fabrikanten ein Gegengewicht gegen die organisierten Hutbesserungen des Arbeitsverhältnisses bringt arbeiter" geschaffen werden, um mutwilligen Streits durch geeig. und ihnen auf Jahre hinaus die Möglichkeit zu solchen nimmt. nete Abwehrmaßregeln vorzubeugen." Gerechte" Forderungen Ebenso ist es an anderen Drten. Und weil die Arbeiter das ab- sollen aber hierunter keineswegs leiden. Der Vorstand seht sich lehnen, werden sie ausgesperrt. Die Ausgesperrten werden dann hier aus Dr. Vosberg- Rekow. Ferdinand Blumenthal, natürlich Streifende genannt. Das ganze Auftreten der Schäfer i. F. C. Betag, Sigismund Cohn i. F. Cohn u. Schwab Arbeitgeber ist Schwindel und Heuchelei. Sie jammern, und Meinhard Borchardt zusammen. wenn der Verband siegen würde, hätten sie in ihren Werkstätten nichts mehr zu sagen. Sie selbst haben aber verraten, Mit dem Streik der Leitergerüstbauer beschäftigte sich gestern daß es sich bei der Aussperrung um einen wohlüberlegten Plan handelt, den Holzarbeiter- Verband zu vernichten. Vergebliche Mühe! Die Unternehmer werden ihren Uebermut schwer büßen müssen, der Bettelsack wird sie nicht retten. Im übrigen ist das Bekenntnis gut, wie nett die Unternehmer sich mit den Christen und den Hirsch- Dunckerfchen abgefunden haben. Wie entschieden" müssen diese Organifationen die Interessen der Arbeiter, bertreten" haben! Berlin und Umgegend. abend wiederum der Arbeitgeberverband dieses Gewerbes. Man verblieb auf dem alten Standpunkt, mit der Organisation auf keinen Streifenden, daß sie die Arbeit zu den alten Bedingungen aufFall zu verhandeln und verlangte auch noch nach wie vor von den nehmen sollten. Eine Erhöhung der Löhne könne erst dann erfolgen, wenn eine solche für die anderen Bauberufe, die Dachdecker, Maurer und Zimmerer eingetreten sei. Deutfches Reich. Also Vorsicht, Arbeitslose! Einige Arbeitsvermittelngsagenten suchen in der letzten Zeit durch Annoncen in der bürgerlichen Presse und durch persönliche Werbung u. a. junge Männer als Fahrer Zum Lohnkampf der Herrenmaßschneider. und Schaffner für die Essener Straßenbahn zu Eine Versammlung der bei 3 wischenmeistern tätigen engagieren. Soviel uns befannt ist, steht zwar für Effen keine Schneidergesellen fand am Donnerstag im Klubhaus in Straßenbahnerbewegung in Aussicht; dennoch möchten wir den Arder Kommandantenstraße statt. Auf der Tagesordnung stand: Die beitsuchenden dringend raten, auf die Versprechungen der Agenten Bewegung in der Maßbranche und unsere Stellung dazu." Der nicht hineinzufallen. Der Betrieb der Essener Straßenbahn ist ein Referent a u ft mann schilderte furz, wie sich der Kampf in der Taubenschlag, bei dem die Mehrzahl der Angestellten es nur Branche entwickelt hat und wie die Lage jetzt ist. Er sagte, daß furze Zeit auszuhalten vermag. Zudem reicht das gebotene Andie Aussperrung sich als ein Schlag ins Wasser erweisen werde, fangsgehalt von 1200 Mart pro Jahr für die äußerst feure Lebensund daß, da ja der Schneiderverband den Kampf ohne Zagen auf unterhaltung des westfälischen Industriegebietes in teiner Weise der ganzen Linie aufgenommen hat und nicht zurüdweicht, die Ar zur Befriedigung der notwendigsten Lebensbedürfnisse. beitgeber bald merten müßten, daß fie durch ihre Gewaltmaßregeln Borsicht. nichts erreichen. Der Redner ging dann auf die Stellung der Zwischenmeistergesellen zu dem Lohntampf ein und fordert namentlich die Gesellen, die nicht am Streit beetiligt und bei Zwischen= meistern tätig sind, welche für Firmen arbeiten, die bewilligt haben, auf, genau darauf zu achten, daß ihnen teine Streitarbeit unter geschoben wird. Wird dergleichen versucht und manchmal geschieht um die gegen die Verschmelzung bestehende Opposition noch zu Sies unter Angabe einer falschen Firma so ist dem Streifbureau mindern soll aber die Verschmelzung erst auf dem nächsten Berin der Sebastianstraße oder dem Verbandsbureau am Michaelfirchplab sofort Meldung zu machen. Die Zwischenmeistergesellen haben bandstage bollzogen werden. Unter der Voraussetzung, daß der natürlich selbst ebenso großes Interesse an dem Kampf wie ihre Verband der Hoteldiener in diesem Sinne wirke, zog dann der Verunselbständigen Meister". Sind einmal von den eigentlichen Ar- band der Gastwirtsgehülfen seinen Einspruch gegen den beitgebern die höheren Löhne errungen, so muß unmittelbar auch Anschluß des Hoteldienerberbandes a t für eine Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse bei den Generalfommission zurüd, der dann einstimmig beZwischenmeistern gesorgt werden. In einer demnächst stattfindenden schlossen wurde. Bersammlung der Zwischenmeistergesellen soll eine Kommission gewählt werden, die sich mit dieser Frage befassen wird. Wann diese Der Verschmelzung des Verbandes der Hoteldiener mit dem Verbande der Gastwirtsgehülfen hat der gegenwärtig in Leipzig tagende Verbandstag der Hotel. diener im Prinzip zugestimmt. Aus praktischen Gründen Die Rohstoffversorgung im Baumwollgewerbe. Ganz unvermittelt ist im laufenden Jahre ein Aufschwung in der Versorgung Deutschlands mit Rohbaumwolle eingetreten, der in frassem Gegensatz zu der Bewegung der Zufuhr im Vorjahre steht. Damals in den ersten beiden Monaten des Jahres starke Abnahmen der Rohstoffversorgung, die sich dann späterhin in verstärktem Maße ersten beiden Monate, daß das erhebliche Minus des Jahres 1906 fortsetten, diesmal so gewaltige Zunahmen in jedem der nicht nur wieder ausgeglichen ist, sondern sogar ein bedeutender Ueberschuß gegenüber 1905 besteht. Die Mehreinfuhr von Rohbaumwolle nach Deutschland stellte sich nämlich in Doppelzentner auf: Januar Februar Zusammen 320 085 676 397 705 241 1901 356 312 1902 383 154 322 087 1903 413 294 407 116 820 410 1904 . 490 915 498 441 989 356 1905 392 721 406 832 799 553 1906 383 736 353 705 787 441 1907. 588 489 562 658 1 151 147 zwischen Rohstoff und Garnen Wie sich das Preisverhältnis zugunsten der Spinnereien gestaltete, zeigt nachfolgende Zusammen ftellung. Es tostete im Februar 1 Doppelzentner Baumwolle Bremen, Middl. Upland 1906 1907 112,87 111,21 Good Domrawutte. 87,25 82,12 Hamburg, New- Orleans, Middl. 114,25 109,50 Dagegen 1 Kilogramm Baumwollgarn Augsburg, Nr. 36/42. 1,89 2,21 Krefeld, Nr. 130/200 14,47 17,49 Mühlhausen i. E., Nr. 16 1,74 2,00 M.- Gladbach, Mule Nr. 8 1,32 1,51 Nun, nachdem die Baumwollpreise so gefallen, die Garnpreise aber so gestiegen sind, kommen die Spinnereien wieder mit größerer Nachfrage nach Baumwolle an den Markt. bie Letzte Nachrichten und Depeschen. Wer zahlt die Druckkosten? Hamburg, 5. April.( W. T. B.) Wie hiesige Blätter mitteilen, Die Gasarbeiter in Straßburg, die sich erst wenige wurden heute im Hafen und auf den Schiffen Flugblätter verteilt Bersammlung stattfindet, das wird im Fachorgan bekannt gegeben. Wochen im Fabritarbeiterverband organisiert haben, beendeten mit der Unterschrift Das Erefutibfomitee ttt", in welchen die Sie pird als Mitgliederversammlung einberufen. Vor allem haben die Zwischenmeistergesellen nun für eine weitere Stärkung der 2 Jahre( für die Anzünder 3 Jahre) Gültigkeit hat. Er bringt für beitswilligen bereitgestellten Kasernenschiffe fchleunigst zu verlassen, die Zwischenmeistergesellen nun für eine weitere Stärkung der ihre erste Lohnbewegung mit dem Abschluß eines Tarifes, der deutschen Arbeiter aufgefordert werden, die für die englischen ArOrganisation in ihren eigenen Reihen zu sorgen. die Arbeiter im wesentlichen nachfolgende Verbesserungen. Die da diese in den nächsten Tagen in die Luft fliegen würden. Die In der Diskussion, die dem mit lebhaftem Beifall aufgenom- Küchenarbeiter erhalten ab 1. April d. J. einen Schichtlohn von Zeitungen legen dem Vorfall nur die Bedeutung einer nicht ernst menen Vortrag folgte, zeigte es sich, daß die Lohn- und Arbeits- 4,70-5,50 2.( bisher 4,20-5.00 m.), die Retortendurchmacher gemeinten Drohung bei. verhältnisse bei den Zwischenmeistern dringend einer Regelung be- 3,70 m.( 3,20 m.), die Dampfkeffelheizer 4,00 M.( 3,60 M.), dürfen. die Wasserleute 3,20 bis 3,40 M.( 2,80 bis 3,00 M.), Zur Lohnbewegung im Bädergewerbe. Die Forderungen der Bäcker sind den zwölf Innungen seitens der Verbandsleitung mit einem Anschreiben zugestellt worden, in welchem es heißt, daß Antwort bis zum 9. April erwartet werde. An diesem Tage findet eine große öffentliche Versammlung der Bäckergesellen Groß- Berlins statt, die zu der Antwort Stellung von 90 M. Die Kohlenauslader und Charpenwerfer erhalten nehmen wird. In einem Aufruf heißt es u. a.: Ein Raub der Flammen. Wetterfturz. Hendaye, 5. April.( B. H.) Seit gestern herrscht an der ganzen spanischen Küfte ftarkes Schneetreiben; in vielen Provinzen find Nachtfröfte eingetreten, die an Früchten und jungen Gemüsen großen Schaden anrichteten. Auch aus Südwest- Frankreich laufen Nachrichten Schaden anrichteten. Auch aus Südwest- Frankreich laufen Nachrichten über einen plötzlich eingetretenen Wetterstura ein. Ueberfall auf ein Bostamt. die Ablöscher 3,80.( 3,60 M.), die Stohlenwieger 3,40 M. Innsbrud, 5. April.( B. H.) Die Ortschaft Mitteldorf am Ein( 3,00 M.). Ab 1. April 1908 verden die Löhne der Küchen- gange des Bingentals wurde durch Feuer total eingeäschert. Ins arbeiter, Retortendurchmacher, Wasserleute und Dampfteffelheizer gesamt sind 40 Gebäude zerstört worden. um weitere 20 Pf. pro Schicht erhöht. Die Anzünder erhalten einen Monatslohn in der ersten Klasse von 115 M.( 100 M.), in der zweiten Klaffe von 110 m.( 98 M.) und in der dritten Klaffe 3,50 2.( 3,00 2.), neueinzustellende Hofarbeiter mindestens Kollegen Berlins und der Vororte! Die Würfel find gefallen, 3,00 M.( 2,60-2,80 M.). Gin bedeutender Erfolg ist die Gedie Forderungen den Innungen unterbreitet. Alle Anzeichen deuten währung von Urlaub unter Fortzahlung des Lohnes für die Andarauf hin, daß es die Innungen diesmal nur auf einen Stampf ab- zünder; er beträgt nach einem Dienstjahr 3 Tage und nach gesehen haben. Sie machen geradezu verzweifelte An Dienstjahren 5 Tage. Statt der bisherigen dreimaligen Lohnstrengungen, um ihrem Wortbruch und ihrer hinter zahlung in einem Monat wurde die wöchentliche Lohnzahlung erhältigkeit die Krone auffeßen zu fönnen. Um so mehr ist reicht. Die Bildung eines Arbeiterausschusses wird vertraglich ge- 12 mit Revolvern bewaffnete Leute in das Postamt in der Petersburg, 5. April.( W. T. B.) Heute nachmittag brangen es aber unsere Pflicht, mit allen Fibern zu arbeiten. Für uns gilt sichert, der Wahl hierzu wird das Proportionalwahlsystem zugrunde 3werinstahastraße. Sie befahlen, daß niemand sich rühren solle, es eine große heilige Sache: Sechs Lage arbeiten und gelegt, fo daß Organisierte und Nichtorganisierte darin vertreten besetzten die Ausgänge, bemächtigten sich des in den Kassen befind den siebenten ruhen! Freie unbestochene Arbeits- fein werden. Streitigkeiten aus Anlaß der vertraglichen Bestimbermittelung, in welcher die Gesellenschaft die gleichen mungen entscheidet der Bürgermeister oder sein Bertreter. Neu- lichen Geldes im Betrage von 597 Rubeln und entflohen. Einem Rechte befizen muß, wie die Jinungen und die Meisterschaft! Für diese Ideale gilt es jetzt alles einzusehen. Viel zu lange einstellungen erfolgen nur durch Vermittelung des städtischen Ar Beamten gelang es, 1800 Rubel dadurch zu retten, daß er sie in fonnten Innungstreaturen ihre Lieblinge in jeder Weise bevorzugen. beitszeit und in den Baufen alkoholische Getränke nicht zu ge Für diese Ideale gilt es jetzt alles einzusetzen. Viel zu lange beitsnachweises. Die Arbeiter verpflichten sich, während der Ar- seiner Tasche berbarg. Man weiß nicht, wer die Uebeltäter gewesen sind. Biel zu lange haben wir es ruhig mit ansehen müssen, wie brabe nießen, an deren Stelle die Direktion für Tee und Malz= Familienbäter und tüchtige Arbeiter monatelang vergeblich auf taffee in guten Qualitäten zu sorgen hat. Die Verhandlungen Arbeit warteten, während gelbe Jnnungsgesellen aus einer guten bei Abschluß des Tarifs leitete der Bürgermeister. Das Werk beArbeit in die andere geschoben wurden. Jetzt ist die Zeit gefommen, um gründlich damit aufzuräumen. Jetzt heißt es, alle findet sich in den Händen einer englischen Gesellschaft. Mann zur Stelle! Eisenbahnerstreit in Argentinien. Buenos Aires, 5. April.( W. T. B.) Wie„ La Nacion" meldet, find die Stationsvorsteher und das Bahnpersonal, einschließlich der Mechaniker und Monteure in den Ausstand getreten. Auch die Eine tostspielige gelbe Gründung. Telegraphenbeamten haben sich dem Ausstande angeschlossen. Die Auf Grund des Jahresberichts der Filiale Augsburg des lekteren verlangen eine Gehaltsaufbesserung von 45 Broz., während deutschen Metallarbeiterverbandes hat die Gründung des berühmten die Bahnangestellten 30 Proz. Gehaltszulage und den achtstündigen gelben Streitbrechervereins in der Maschinenfabrik Augsburg(-Nürn- Arbeitstag fordern. Berantw. Rebatteur: Hans Weber, Berlin. Inferatenteil berant. Ch. Glede, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdr. u. Berlagsanftall Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Am Schlusse heißt es: Nieder mit denelenden feigen Berrätern! Hoch die sechstägige Arbeitswoche! Nr. 80. 24. Jahrgang. 1. Beilage des„ ,, Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonnabend, 6. April 1907. Die Agrarfrage in der Duma. Petersburg, 1. April.( Eig. Ber.) haben, als sie zur Zeit der ersten Duma war. einander. erklärung, in der die Leitgedanken zusammengefaßt sind, nach denen jedoch wünsche der Parteivorstand. Die Partei als solche habe nicht die sozialdemokratische Partei die Agrarreform gestaltet wissen das Recht, die" Nieuwe Thd"-Gruppe mit dem Namen„ Dienstmöchte: Sie erklärt sich gegen jedwelche besondere Beschränkung verweigerer" zu brandmarken; er bedaure, sich verpflichtet gesehen des bäuerlichen Grundbesizes, fordert die Konfiskation der Krons- zu haben, organisatorischer Ursachen halber sich dieses Ausdrucks zu bedienen. und Kirchen- sowie der Privatländer, mit Ausnahme kleiner Land- Anträge abgesetzt. Einstimmig werden die betreffenden Die Duma hat heute mit der Beratung der Landfrage begonnen, besige und der Landanteile in den Landgemeinschaften. Die Größe jener wichtigen Frage, die bekanntlich das Schicksal der ersten Duma der einer Konfistation nicht unterliegenden Besize soll in jeder wort auf die des Genossen Troelstra angekündigte Broschüre nicht Nunmehr erklärt Genosse van der Goes, daß seine als Antentschied und deren parlamentarische Behandlung auch jetzt wieder Gegend von besonderen dentokratisch gewählten Selbstverwaltungs- öffentlich erscheinen werde.( Langanhaltender Beifall.) Dies sei die schroffen Gegensätze der Interessen und Bestrebungen ber- behörden bestimmt werden. Diese Organe entscheiden auch über die aber keineswegs irgend welche Konzession in betreff der Ansichten schiedener Klassen aufeinanderprallen lassen wird. Die erste Duma Form der Landbenukung. Die ganze Landreformfrage soll der seiner Richtung über den Inhalt von Troelstras Broschüre. Gr hatte noch keine bestimmten agrarpolitischen Maßnahmen der Re- Bevölferung zur Prüfung vorgelegt werden. verlange, daß nunmehr aber auch auf lettere in feiner Weise mehr gierung vor sich. Die zweite hat ihr Urteil über eine ganze Reihe von Agrargesehen abzugeben, welche die Regierung auf Grund des vor etwa anderthalb Jahren selber Minister der Landwirtschaft war, sich plaren erscheinen, damit diese Institutionen von dem in der Nach dem sozialdemokratischen Redner sprach Nuttler, der noch Bezug genommen werde. Seine Broschüre folle in 30, nur für die leitenden Institutionen bestimmten, numerierten Erem Notgesetparagraphen in den sieben Monaten der Stolypinschen dann der konstitutionell- demokratischen Partei anschloß und jetzt an Broschüre niedergelegten Tatsachenmaterial Kenntnis nehmen Alleinherrschaft ohne Mitwirkung der Volksvertretung erlassen hat Stelle des ermordeten Herzenstein die Verteidigung der Landreform- tönnten. und unter denen sich so einschneidende Akte befinden wie die vom vorlage seiner Partei übernommen hat. Diese erfuhr seit der Be- Der Parteivorstand akzeptiert diese Anträge und Genosse 9.( 22.) und 15.( 28.) November über die Loslösung von der ratung in der ersten Duma eine Umarbeitung: sie schlägt jekt eine Troelstra erklärt, er wolle in der„ Nieuwe Tyd" die nötigen ErLandgemeinschaft und die Verpfändung der Landanteile, Afte, die viel fanftere Tonart an! Die Stadettenpartei spricht sich bestimmt gänzungen zu seiner eigenen Broschüre veröffentlichen, falls er für die agrarischen Verhältnisse Rußlands eine Umwälzung be- gegen die Ueberführung des Privatlandes in Nationalbesitz aus, durch das Tatsachenmaterial des Genossen van der Goes überdeuten und die Situation ohne Zweifel noch verworrener gemacht weil es einen zu radikalen Bruch mit den bestehenden„ Nechts- zeugt worden sei, daß er sich in irgend einem Bunkte geirrt babe Nachdem der Jahresbericht des Parteisekretärs und die verhältnissen" bedeuten würde! Außerdem sei die so radikale battionsführung des Parteiorgans Het Volk" besprochen worden Das Wesen aller agrarpolitischen Maßnahmen der Regierung Reform praktisch nicht durchführbar, da die politischen Macht- war, wird das Institut der tollettiven Redaktion mit großer besteht darin, durch Bevorzugung der wohlhabenderen Glemente der verhältnisse nicht gar so günstig lägen. Ebensowenig fönne gegen- Mehrheit bestätigt. Pauernschaft, den ärmeren Teil aus der Klasse der Landbesitzenden wärtig eine Zuteilung von Land nach der Arbeitsnorm stattfinden, Ein Antrag Amsterdam III, der das Referendum über ganz auszuscheiden, eine Klasse von stärkeren Landeigentümern zu weil das größere Landfonds erfordern würde, als bestenfalls zur die gestern angenommene Taktikcesolution verlangt, wird ebenfalls schaffen, ohne dabei den Bestand des dem Großgrundbesitz gehörenden Verfügung ständen. Landes anzutasten. Auf diese Weise wollte die Regierung eine die Bauern Land zu ihrem notwendigsten Unterhalt Gegenwärtig fönne nur erreicht werden, daß angenommen. Nach einem Schlußwort des Vorsitzenden, Genossen Vliegen, planmäßige, auf Bildung einer wirtschaftlich und politisch reaktio- bekommen, also nach der Ernährungsnorm. Ein Recht geht der Parteitag unter dem Gesange des Freiheitsliedes ausnären Grundbesiterklasse gerichtete Arbeit einleiten. Das erforderte auf Land könne die Kadettenpartei nicht anerkennen, ein solches das Interesse des alten Regimes, mit dem die Klasse der russischen se cht würde stets illuforisch bleiben! Was endlich die Frage der Junker in allen ihren Lebensnerven eng verwachsen ist. Eine Landbenukung anbelangt, so erklärt sich die Kadettenpartei für die Zwangsenteignung felbst nach den höchsten Entschädigungssäßen er- Begründung von individuellem Bauern- Landeigentum. Der scheint ihnen im Vergleich mit der Rente, die sie jetzt aus den Hauptunterschied zwischen der Stellung der Kadetten und der des verpachteten Ländern ziehen und die sie durch die bäuerliche Land- linken Flügels liegt aber in dem Postulat der Kadetten, daß den kreditbank unter den günstigsten Bedingungen zu fapitalisieren gegenwärtigen Landeigentümern der sogen..gerechte Preis" gezahlt hoffen, als ein noch allzu schlechtes Geschäft! werden müsse. Es gibt wohl auch in den linken Gruppen MeinungsAuf der anderen Seite ist aber die Ueberzeugung allgemein, verschiedenheiten in der Entschädigungsfrage, aber immerhin entdaß dem Landmangel und der elenden Lage der Bauern nur durch behren sie dort einer so starken prinzipiellen Prägung, wie weitgehende Enteignungen des Großgrundbesizes abzuhelfen ist. Für und wider die Enteignung eines beträchtlichen Teiles der Band- sie in dem Landenteignungsvorschlag der Kadetten zu finden ist. besiktümer der Junkerklasse und ihre Uebergabe an die Bauern tobt Liberalen und der linken Opposition über die Unmöglichkeit der Vollauf übereinstimmend aber sind die Anschauungen der die große Streitfrage, der sich eine Reihe anderer anschließen: über Lösung der Bandfrage durch Ansiedelungen in neuen Gebietsteilen die Formen der Landbenutzung, Individual- und Kollektivwirtschaft, oder durch Hebung der landwirtschaftlichen Kultur ohne vorher Einzelbesitz- und Landgemeinschaft mit ausgleichenden Verteilungen gehende Landzuteilungen oder auch durch die Erweiterung der Landund andere mehr. Aus halbhundertjährigen gelehrten Diskussionen, antaufs- und Verkaufstätigkeit der sogenannten Bauernbank. Recht unzähligen Untersuchungen und scharfen Polemiken in der Literatur Har waren die Ausführungen des Redners des polnischen„ Kolo", sind nun alle diese Fragen zum Gegenstand der parlamentarischen in denen aber immerhin ziemlich unzweideutig der polnische Agrarier Die Gesetzesvorlage ist von der Arbeitsgruppe eingebracht sich hören ließ. Die Polen bestehen auch jetzt wie schon in der worden. Die Generaldebatten sollen nach dem Beschluß der ersten Duma auf der Prüfung der Landfrage mit Berücksichtigung der Eigentümlichkeiten der verschiedenen nationalen GebietsFraktionen diesmal weniger Zeit in Anspruch nehmen, als in der teile des Reiches in nationalen Gesetzgebungsorganen. ersten Duma, und möglichst bald einer Kommission überwiesen werden. Jedoch schon furz nach der Eröffnung der Rednerliste hatten sich 136 Redner eintragen lassen! Es handelt sich eben um eine Frage, die 80 Prozent der 140 Millionen- Bevölkerung Ruß Schon in der heutigen Diskussion hoben sich die scheidenden Momente in der großen Frage recht deutlich hervor. Da ist z. B. der Fürst Swiatopolf- Mirski von der Rechten. Er singt das alte Lied, daß das Elend der Bauern nicht von dem Mangel an Land Arbeit geworden. lands unmittelbar angeht. Die Arbeitsgruppe schidte ihren Führer, Dr. Karatrajet, ins an Land ausflangen. den. Der Kongreß der belgischen Sozialdemokratie. Brüssel, 2. April.( Eig. Ber.) Der diesjährige Parteitag der belgischen Sozialdemokratie, der während der Osterfeiertage im Maison du Peuple" tagte, hatte fast ausschließlich in einer Reihe wichtiger politischer Parteifragen Entscheidungen zu treffen und tattische Richtungslinien festzustellen. Richtungen. Dem Parteitag präsidierte Anseele. Vertreten Der Kampf der Meinungen spielte sich in ruhigen Bahnen ab und die Beschlüsse resultierten durchgehends aus einem Kompromiß der waren 327 Gruppen durch 489 Delegierte. Vandervelde entschuldigte in einem Schreiben mit Gesundheitsrücksichten seine Abwesenheit. Der Bericht des Sekretärs M a es gedenkt der Ausdehnung der gewerkschaftlichen Bewegung, insbesonders des Aufschwungs der Bergarbeiter Lüttichs, ferner der großen Parteimanifestationen für den Achtstundentag am 15. August und der Manifestation für und Kämpfe des verflossenen Jahres, u. a. der großen Kundgebung den Frieden, wie der Aussperrung in Verviers. die bei der zweiten Lesung in der Kammer ein Amendement einPicard, bei welcher Gelegenheit Genosse Hubin den ZwischenSeine Der parlamentarische Berichterstatter AIIard gibt einen Ueberblick über die Tätigkeit der Fraktion und würdigt die VerLauter nichtssagendes Zeug brachte der Vertreter der Re- dienste der sozialistischen Abgeordneten in der Kongofrage und in gierung, Fürst Wasiltschikow, vor. Selbst die Rechte applaudierte den Verhandlungen über den Achtstundentag der Bergarbeiter. Die nicht, als er die Rednertribüne verließ! Was hatte Wasiltschikow feinerzeitige geteilte Abstimmung der sozialistischen Fraktion über aber auch zusammengestammelt: Zum Wesen der eingebrachten das Amendement, das von den Ingenieuren in der Campine die Kenntnis der blämischen Sprache fordert, führte zu einer alle Teile Gesetzesvorlage werde sich die Regierung erst später bei Einbringung zufriedenstellenden prinzipiellen Klärung, die darin ihren Ausdruck ihrer Entwürfe äußern. Dann folgte ein Schwarm von bauern- fand, daß der Vermittlungsantrag Huhmans angenommen freundlichen Phrasen, die in einer Hymne auf das Privateigentum wurde.( Ueberweisung der Frage an die parlamentarische Gruppe, Von den Sozialrevolutionären sprach Simin: Keine Kopeke für bringen soll, das die Kenntnis des Vlämischen nur von jenen Inkomme, sondern von der Landgemeinschaft: Die Bauern brauchten das blutgetränkte Land! Der Bauer hat für das Land mit seinem genieuren fordert, die mit blämischen Arbeitern zu tun haben.) nicht mehr Land, als sie haben, nur müßten sie ihre Wirtschaft Blute bezahlt. Die Regierung hatte wohl Geld für Kriegs- Ziemlich viel Zeit absorbierte der Zwischenfall Hubin- Picard. ausbessern; dabei könne ihnen mur der Großgrundbesitz behülflich abenteuer im fernen Often, sie hat aber kein Geld für die Hungern- Bei der Beratung über die neuen Berggejeze berief sich der sein. Der dürfe also nicht angerührt werden! Die Sozialrevolutionäre bestehen weiter darauf, daß die Ministerpräsident in seiner Rede auf den sozialistischen Senator Treffen, der ein erschütterndes Bild von der Lage der Bauern gab: ganze Bandreformfrage vom Volke selbst geprüft werde, indem ihm ruf machte: das ist ein Charlatan. Die Sache wurde auch in der Die Sterblichkeitsziffer beträgt in Rußland im Durchschnitt 31 pro Gelegenheit gegeben wird, zur Untersuchung der Vorschläge besondere Presse in der bürgerlichen mit dem bei solchen Fällen üblichen demokratische Ausschüsse zu wählen. In dieser Forderung ist die breiten Behagen besprochen. Picard, der als eigenartiger und Mille, in einigen rein acerbauenden Gouvernements sogar 40, also um das Doppelte mehr als in Westeuropa. Welche Unmasse von gesamte Linte einig, während die Kadetten nur auf parlamen- sehr fruchtbarer Schriftsteller in Belgien sehr bekannt ist, hat der tarischer Beratung der Vorlagen bestehen und von einer An- Partei durch seine ertravaganten und sehr persönlichen" Aufproduktiven Kräften und Mitteln geht durch diese Menschenverluste näherung der gefeßgebenden Tätigkeit der Duma an das Volk nichts fassungen, die sich oft gegen die elementarsten Grundbegriffe des Sozialismus stellten, schon viele Verlegenheiten bereitet. zugrunde! Die Ursachen der großen Sterblichkeit liegen in den wissen wollen. ungenügenden Ernährungsverhältnissen: In 42 Gouvernementa Zum Schluß sprach der Dorfgeistliche Tichtinsti, der auch diesmal war oft geistreich pointierten, aber für ein sozialistisches Blatt doch seltsam anmutenden Sonntagsartikel im Peuple" haben bei den Rußlands erhält die landwirtschaftliche Bevölkerung aus ihren Landwie bei der Beratung der Vorlage über die Aufhebung der Feld- Arbeitern, zumal durch ihre Verteidigung antisozialistischer Tenanteilen bloß 14 Bud Korn pro Stopf, während das Mindestmaß die ganze Duma hinriß. Tichivinski war früher denzen, oft ergernis erregt und die Redaktion selbst zuweilen gezur Erhaltung des Menschen selbst nach der Ansicht der Regierung Monarchist, ist aber jetzt Mitglied des Bauernverbandes. Seinen zivungen, gegen die Ausfälle Picards scharfen Protest zu erheben. 20 Bud beträgt. Der russische Bauer hat zu feinem Unterhalt irenigstens 49 Rubel jährlich nötig, er hat aber nach verschiedenen Platz hat er auf der äußersten rechten Seite gewählt. Als wir ihn So erst letthin bei seiner kritischen Darlegung der Wahlen in Berechnungen im Durchschnitt nur 38 Rubel! Der Fehlbetrag er- dort zum ersten Male erblickten, dachten wir: Das muß ein echter Deutschland, wo seine Auffassung über die deutsche Sozialdemo reicht für die 72 Millionen Bauern, die sich hauptsächlich mit Land- Jünger Pobjedonoszews sein. Aber schon bei den ersten Reden über kratie keine Spur einer sozialistischen Gedankenrichtung berrict. die Feldjustiz zeigte sich zu allgemeinem Erstaunen, daß er den Und auch in den großen politischen Fragen hat Picard oft die wirtschaft beschäftigen, im ganzen 800 Millionen Rubel jährlich! Partei kompromittiert zum Gaudium der bürgerlichen Blätter Reden der Linken applaudierte. Dann kam seine erste Rede, auch und Parteien natürlich. Auf dem Kongreß erschien Picard Als Folge dieser Unterernährung haben wir die Krankheiten und die Entartung des Volkes. Rußland stirbt aus und degeneriert. Vor damals ganz am Schluß der Sizung. Sie war zuerst unsicher, es trotz der Einladung nicht. Nach der Anklage- und Rechtfertigungsder Volksvertretung steht nun die Aufgabe, das Volk vor diesem schien, als ob er nach Gedanken suchte, dann aber packte er alle. rede Hubins übernahmen es De winne und Destré, Picard in Schicksal zu retten. Die Bauern sind erregt, der eigentliche Revo- So auch diesmal. In kurzen Säßen und mit längeren Pausen warmen Worten zu verteidigen, seine eigenartige Persönlichkeit zu fam er scheinbar nur mühsam vorwärts. Die progressive beleuchten und auch seine Verdienste um die Partei hervorzuheben, luzzer ist der Bauernmagen. die er in vierzigjährigem Kampf fich erworben habe. Der Parteitag hat von einer direkt gegen Picard gerichteten Tagesordnung abgesehen und in dem allgemein gehaltenen Antrag Lekeu= Meinungsäußerung die Mitarbeiter des Peuple" die ersten sein Destrée ausgesprochen, daß bei aller Respektierung der freien müssen, die in ihren Reden, Handlungen und Schriften die Prinzipien und die Taktik der Partei zu achten haben. Die Redaktion des" Peuple" wird weiter verpflichtet, von nun ab jedem Artitel, der gegen das Programm und die Taktik der belgischen Arbeiterpartei gerichtet ist, die Aufnahme zu verweigern. Damit war für den Parteitag der Bwischenfall erledigt. gerichte Der Redner wies weiter nach, wie bei der sogenannten Geistlichkeit, erklärte er, zählt das Kirchenland nicht zu ihrem Eigen Bauernbefreiung" den Bauern die besten Grundstüde weggenommen tum; sie wird es mit Freude weggeben. Glaubt Ihr wirklich, wurden und welche riesigen Summen die Bauern für das schlechte daß man mit Furcht regieren kann? Nein, meine Herren, ein Land zu bezahlen hatten. Das zweimillionenbudget tragen die Volt läßt sich nicht mit dem Bajonett regieren. Zum Regieren Bauern auf ihren Schultern und doch hat die Regierung für die braucht man moralische Macht."" Ihr erschreckt uns nicht!" Bauern nichts getan. Die Großgrundbesitzer erhalten Darlehen für fagt man den 100 Millionen gottesfürchtigen Bauern, die in ihrer 4½ Prozent, die Bauern müssen der Landbank 6½ Prozent zahlen! großen Masse den Zaren verehren. Wenn ich eine Tarnkappe hätte Das Lohneinkommen der Bauern ist geving. An eine rasche Hebung oder einen Märchenteppich, ich würde mich zu den Stufen des der Produktivität des Bauernlandes sei nicht zu denken, eine Thrones niederlassen und würde sagen:" Bar, Dein größter Feind, intensive Wirtschaft ist bei den kleinen Landparzellen überhaupt der größte Feind des Volkes ist das verantwortliche Ministerium!" nicht möglich, folglich muß den Bauern neues Land zugeteilt Stürmischer Applaus der gesamten Linken und des Zentrums. Die Rechte schweigt. Der Redner weiß immer wieder volkstümliche Auch die Uebersiedelung nach Sibirien kann nichts ändern, weil Gegenüberstellungen zu finden; ungefünftelt und ohne Pathos bringt dort die besten Ländereien bereits offupiert sind. Sibirien ist arm er in seine Argumente Zitate aus dem Evangelium, und immer an Land. Es bleibt also nur die Enteignung von Privatland in wieder geht ein Brausen des Beifalls durch den Saal. Für die Regierung ist das eine der gefährlichsten Figuren in der Duma. den landwirtschaftlichen Zentren des europäischen Rußlands. Nach Karawajem sprach ein zweiter Fürst: Genosse Fürst Seine Worte werden unter den Bauern einen weiten tiefaufBereteli aus dem Kaukasus, der Leader der sozialdemokratischen wühlenden Widerhall finden. Die nächste Debatte über die Bandfrage findet am 8. April Frattion. In fartastischen Wendungen zeigte er die Entstehung des adligen Großgrundbefizes: Die Baiserliche Familie und der statt; fie wird aber kaum wesentlich Neues mehr zutage fördern. Hof haben mit dem Lande des Volkes ihre Lieblinge bedacht. Die werden. Die Frage des Martells mit den Liberalen bei den künftigen Gemeindewahlen, das ein Antrag Banderveldes forderte, brachte eine ausführliche Ausein. andersehung der Befürworter und Bekämpfer dieser taktischen Maßregel. Unter den letzteren waren es u. a. Destrée und de Brouchère, die gegen die Tagesordnung Vanderveldes sprachen, in der die Kartellierung der verschiedenen dem allgemeinen Wahlrecht anhängenden Oppositionsparteien als wirksames Mittel empfohlen wird, um die klerikale Regierung auf den Weg des allgemeinen Wahlrechts und einer ehrlichen Proportionalvertretung zu drängen. Von den Gegnern des Kartells wurde eingewendet, daß durch solche Allianzen die Politik der Arbeiterpartei nur kompromittiert höchsten Beamten des Staates sind gleichzeitig Befiber bon 13. Parteitag der sozialdemokratischen werde und den Nußen in dem gegebenen Falle nur die Liberalen Arbeiterpartei Hollands. Haarlem, 2. April.( Eig. Ber.) Dritter Tag. Millionen Hektaren. Das erklärt auch den Unwillen der Regierenden gegen die Zwangsenteignung. Sie wollen das heilige Eigentum schüßen, heißt es. Schüßte aber die Regierungsgewalt das Eigentum, als sie dem Volfe das Land raubte? Schont die Regierung vielTeicht jetzt das Eigentum? Wurde das Eigentum geschont von den Militärexpeditionen in den baltischen Provinzen oder von General Nach einer einstündigen, nicht öffentlichen Versammlung setzte Alichanow im Kaukasus, der ganze Dörfer niederbrennen ließ? der Parteitag die Beratungen über die Anträge betr. die Haltung Es ist eine staatliche Notwendigkeit, daß dem Groß- der Genossen von der marristischen Richtung fort. Namens des grundbesitz sein Eigentumsvecht am Land genommen werde. Das er- Parteivorstandes fagt Genosse Troelstra unter dem Beifall des fordert der geschichtliche Augenblick. Der neue Kulturstaat kann nur auf Parteitages: durch die gestrigen Geschehnisse sei diese Haltung ausgewischt. Der Parteivorstand beantrage, alle auf sie bezüglichen den Trümmern des alten Eigentumsrecht der Junker erstehen. Am Anträge von der Tagesordnung abzusehen, ebenso die, Anträge beSchluß seiner Rede überreichte Zereteli eine besondere Fraktions- treffend Programmrevision; eine Untersuchung des Programms hätten. Anseele war auch diesmal ein warmer Verfechter der Kartellidee, deren Vorteile er mit vielen Gründen auseinanderfette. In der vom Kongreß angenommenen Tagesordnung Destrée de Brouchère, der auch Anseele zustimmte, bleibt es den regionalen Gruppen überlassen, wenn sie es für nüßlich halten, eine Kartellierung der Oppositionsparteien herbeizuführen, doch soll daran erinnert werden, daß derartige Allianzen nur als Ausnahmen zu betrachten sind und daß die Arbeiterklasse ihren Sieg nur durch eigene Kraft erwarten kann. Die Tagesordnung fordert auch die lokalen Organisationen zu einer Versammlungsfampagne für das allgemeine Wahlrecht und die gewerkschaftliche Organisation auf. Der Antrag wird in seiner olücklichen Lösung einstimmig angenommen. Der Kongreß beschloß ferner die Organisierung eines Referen« dums über die Berkürzung der Arbeitszeit, sowie einer Heimarbeit- Ausstellung, um der gesetzlichen Regelung vorzuarbeiten. Angenommen werden auch die Vorschläge der Genossin Till, m a n s. die sich auf die Unterstützung der Arbeiterinnen» bewegung beziehen.— Nachdem noch Adressen für die sozia» listischen und revolutionären Gruppen der Duma beschlossen waren, schloß A n s e e l e den Kongreß, indem er der glücklich voll- endeten Arbeiten gedachte, mit den Worten: Vorwärts für das all- gemeine Wahlrecht und den Achtstundentag. Tins der Partei. Sozialistenbekiimpfnug in Japan. Tokio, Z. April. Die hiesige sozialistische Partei wurde vom Minister des Innern als„gefährlich für die Erhaltung deL Friedens im Lande" aufgelöst. » Schon zu wiederholten Malen haben unsere japanischen Genossen die schwere Faust der Reaktion zu fühlen bekommen. Was sie mühsam aufbauten, wurde stets von neuem zer- trümmert. Gerade in der letzten Zeit glmibten sie, bald etwas freier ausatmen zu können, und jetzt stehen sie ivieder da, tvo sie ettua während des Krieges mit Rußland standen. Daß die Brutalitäten der Regierung den Mut und die Energie unserer japanischen Genossen nicht zu beugen per- mögen, dürfen wir nach den bisherigen Erfahrungen ohne weiteres annehmen. Der Vonuarsch des Sozialismus kann wohl verzögert, nicht aber aufgehalten werden. BildungSbestrebungrn. Die.Märkische Volks st imme" zu Forst schreibt: „lleberoll regt sich Bildung und Streben" in den Kreisen der Parteigenossen. Allenthalben werden VorbereiNnigen und Ein- richtnngen zur Abhaltung von Unterriibtskursen, Vortragszyklen usw. getroffen. Während in Berlin seit Jahre» die Arbeiter-Bildungs- schule fruchtbare Bildnngsarbciten an jungen Parteigenossen leistet, bestehen in Bremen, Kiel, Frankfurt usw. VildmigS- ausschüsse, in Hamburg. N e u m ü n st e r, L ü b e ck, H a l l e usw. Bilduugsvereine, aus deren Mitgliederbeständen mancher tüchtige Kämpfer in der Partei- und Gclverischaftsbewegung hervor- gegangen ist. In zahlreichen Städten, in denen bisher für systematische Ausbildung von Parteigenossen noch nicht oder nicht genügend gesorgt war(Breslau, Chemnitz usw.) trifft man Maßnahmen, die den Maugel für die Zukunft beheben sollen. So steht in Leipzig die Begründung eines Bildungslinternehmens auf breiter Grundlage bevor, in Dresden und Chemnitz haben Genosse Dunker und Genosse Diiwell Unterrichtskurse über Wirtschaftsgeschichte, Volkswirtschaftslehre, Parteigeschichte und Darwinismus übernommen, denen später lvcitere Kurse folgen sollen. In München lassen die Parteiiiistanzen den Genossen Vortragszyklen halten, in zahlreichen Orten Sachsens nnd Thüringens plant nian die Veranstaltung von Wanderkursen und ist bemüht, die ge- eigneten Lehrkräfte dafür zu finden. Denken wir noch an die inten- sive Bildnilgsarbeit, die jetzt in F o r st geleistet wird, wo in zwei Unterrichtskursen und zwanzig Vorträgen den Genossen eine Ein- führung in das Verständnis des Sozialismus vermittelt werden soll und weitere Schritte zur Vertiefniig und Befestigung des Ge- lernten angebahilt werden,— so haben wir ei» erfreuliches Bild ernsten Schaffens und Ringens vor uns, ein Bild, das den Bildungshunger im Proletariat wieder einmal in rühmlicher Weise illustriert. Freilich, eine klaffende Lücke tut sich iminer noch auf: für den Bildungseifer der Genossen in der Provinz ist noch nicht gesorgt. Dort, wo oft ausgezeichnete Talente schlummern und starke Kräfte des Schliffes warten, der sie branchbar machen soll für den Dienst in der Partei, wird der Mangel an geeigneten Bildungseinrichtungen ganz besonders schmerzlich empfunden. Für die Provinz müssen— was wir früher schon betont haben— Wanderkurse eingerichtet werden, in denen die erste Bitdungsarbeit an den Genoffen geleistet wird. Der Reichsverband ist uns hierin schon voraus. In seinem Tätigkeitsbericht für IVOS schreibt er u. a.:.AuS den Zukunftsplänen des RcichSverbandes, die sich naturgemäß nicht alle zu öffentlichen Erörterungen eignen, sei nur hervorgehoben, daß die Einrichtung der Rednerschule vom kommenden Jahr ab eine erhebliche Ausdehnung erfahren soll, so zwar, daß durch wissen- schaftlich gebildete Beamte deS Reichsverbandes eine Art fliegender Rednerschnlen eingerichtet werden soll. Auf diese Weise wird eS möglich sein, eine große Zahl von Mitgliedern des Reichsverbandes in den betreffenden Ortsgruppen selbst zum Kampfe gegen die Sozialdemokratie in Wort und Schrift zu schulen und ihnen die zum öffentlichen Auftreten nötigen politischen und volkswirtschaftlichen Kenntnisse zu verschaffen. Diejenigen Teil- nehmer, die in diesen fliegenden Rednerschnlen sich besonders hervor- tun, sollen dann zu einer weiteren Ausbildung nach Berlin geschickt und dort in der ständigen Rednerschule weiter ausgebildet werden. Ans diesem Wege hofft der Reichsverband für die Wahlen viele Hunderte von erfahrenen und gewandten Mitkämpfern zu gewinnen." Diese Mitteilung ist ein Fingerzeig, in welcher Richtung unsere Partei ihre Bildnngsarbcit mit besonderem Eifer zu betreiben hat. Wir hoffen, daß der BildungSauSschuß in Berlin recht bald mit ent- sprechenden Vorschlägen vor die Genossen treten wird. WahlkmSkonfcrenzr». Eine außerordentliche Generalversammlung des Wahlkreisvereins für Frankfurt a. O.- L e b u S fand am Ostermontag in Frank- f u r t a. O. statt. Erschienen waren S9 Delegierte aus 8 Ortsvereinen, außcrdeni waren anwesend der Genosse Dr. H. Braun, der Vorsitzende der AgitationSkommission Genosse Leo Zucht, sowie die Agitations- kommisstonsmitglieder Genossen Lucht und Schuster. Die General- Versammlung beschloß einstimmig, de»§ 9 des Statuts dahin ab- zufassen, daß den Mitgliedern deS ZeniralvorstandeS beratende und beschließende Stimme einzuräumen sei. Nach Bekanntgabe der provisorischen Tagesordnung beantragte Genosse Methner, den Punkt drei(Kandidatenfrage) von der Tagesordnung ab- zusetzen. Die Abstimmung ergab, daß die Mehrheit der Dele- gierten für Jnnehaltung der provisorischen Tagesordnung war. Auf den Bericht des Vorsitzenden deS Wahlvereins Genoffen E. Faber > folgte der Kassenbericht über die verflossene Reichstagsivahl, der als ein provisorischer angesehen werden soll, weil verschiedene Ortsvercine bisher noch keine endgültige Abrechnung einzusenden in der Lage waren. Der Kassierer soll einen spezialisierten Bericht hierüber aus der ordentlichen Generalversamnilung geben. In der Debatte wurde ein Antrag angenommen, nach dem für die Zukunft den einzelnen Ortsvereinen ein gedruckter Bericht über die Jahres- und sonstige Abrechnungen zugehen soll. Beim dritten Punkt der Tagesordnung(Kandidatenfrage) entspann sich ein« leb- hafte Debatte, an der sich hervorragend die Genossen Zucht, Felder, Bartel, Weiland, Bauer, Methner, Müller, Faber usw. beteiligten. Das Verhalten des Genossen Braun in den bekamlten Angelegen- hcitcn wurde teils getadelt, teils gutgeheißen. Schließlich ivurde eine Kommission, bestehend aus fünf Mitgliedern, gewählt, die in Verbindung mit den Ortsvereinen die Kandidatenfrage regeln soll. Zum Punkt 4 wurde beschlossen, den monatlichen Beitrag, der ans- uahmSweise für einzelne Zweigvereine auf 25 Pf. ermäßigt ivar, wieder aus 39 Pf. zu erhöhen. ÄlS nächster Generalversammlungsort wurde Buckow bestimmt._ Bon den Oegiuiisittioiirn. Vom Zentralwahlverein Ost-Prignitz liegt der Jahresbericht vor. Er erstreckt sich auf die Zeit vom 1. Januar 1006 biS 31. März 1007, also auf l1/« Jahre, Es kommt dies daher, weil mit der Gründung der Zentralisation, im März 190«. der Schluß des Geschäftsjahres auf den S1. März festgelegt wurde. Der Bericht zeigt, daß. wenn auch unter schwerer, opferreicher, so doch erfolgreicher Arbeit die Parteibewegung im Kreise ein gut Stück vorwärts geschritten ist. Die Ost-Prignitz ist rein ländlich. Industrie ist fast gar nicht vorhanden. Von den vier Städten des Kreises haben die beiden größten eine Einwohnerzahl von je 7500, die kleinere 6600 und die letzte 1800. Die Gauleiter der Gewerkschaften wissen«in bewegtes Klage- lied über die schwierige Beackerung diese» Feldes zu stngen. Die politische Organisation wurde mit bäuerlich-fanatischem Haß arg- wöhnisch beobachtet, und, wenn auch nicht öffentlich, wurde» die- jenigen, die sich offen als Mitglieder der Wahlvcreine bekannten, gemaßregelt und verfolgt. Es genügte schon, wenn irgend ein Arbeiter die«Fackel" las, um ihn unter Drohungen zu bewegen, mit den Roten zu brechen. Trotzdem hat die Zahl der politisch organisierten Genossen die Zahl der Zugehörigen zur Gcwerkschaftsorganisation bereits überflügelt. ' Zu Ansang des Jahre» 1906 waren unter der losen Organisation im ganzen Kreise etwa 10 Mann, die regelmäßige Beiträge zahlten, denen etlva 120— 130 Gewerkschaftsmitglieder gegenüberstanden. Die Zahl der Leser der Parteipresse betrug etwa 15. Durch die Arbeit eines Jahres ist es gelungen, unter der festen, zentralisierten Orgausiation in Pritzwalk. Wittstock und Kyritz Wahlvereine zu gründen, die ihre Angelegenheiten, Kleinarbeit für Organisation und Presse, trotz der Anfeindimgen der Gegner selbst we,terführcn werden. Die Zahl der organisierten Genossen betrug am 3t. März 1907 170, von denen 63 bereits Leser der«Brandenburger Zeiwng' sind. Etwa 160 Gewerkschostsmitglieder sind im ganzen Krerse vorhanden. An der für den sozialdemokratischen Kandidaten abgegebenen Stimmenzahl gemessen beträgt die Stärke der Organisation über 11 Proz. Der Kassenbericht bilanziert in der Höhe von 2273,83 M. Ein- nähme, von melcher Summe die Genossen des Kreise? etwa 800 M. selbst aufbrachten, und einer Ausgabe von 2223,26 M., so daß ein Kassenbestand von 60,57 M. verbleibt. Eine sozialdemokratische Zeitung auf Island. Die sozialdemokratische Bewegung ist nun auch nach Island ge- langt und scheint dort recht gute Fortschritte zu machen. Anfang deS Jahres 1906 wurde ein sozialdemokratisches Blatt gegründel, das allerdings nur in längeren Zwischenräumen erschien. Seit Neu- jähr erscheint eS jedoch als Wochenblatt. Der Redakteur ist Genosse Petur G. Gudmundsson in Reykjavik, der isländischen Hauptstadt. Wie dieser unserem Kopenhagener Bruderorgan mitteilt, hat es im ersten Jahre viel Mühe und Opfer gekostet, das Blatt anstecht zu erhalten. Jetzt ist aber die schwerste Zeit überstanden und die Zu- kunft des Blattes scheint gesichert. polizciUcbeSi PericbtUcbeo ukw. Strafkonto der Presse. Wegen Beleidigung christlicher Gewerkschaftsführer wurde am Dienstag Genosse M e e r f e l d von der«Rheinischen Zeitung" vom Schöffengericht Köln zu 100 Mark Geld- strafe verurteilt. Ein Artikel der«Rhein. Ztg." hatte die Tätig- keit christlicher Gewerkschaftsführer scharf kritisiert und sie Kreaturen des Zentrums genannt, die dem Zentrum zuliebe die christlichen Arbeiter dreimal am Tage verraten und verkaufen. Die Herren Stegerwald, Schiffer nnd Wieber, die in ihren christlichen Blättern gegen die steien Gewerkschaftler ständig die gemeinsten Verdächtigungen in der rüpelhaftesten Weise aussprechen, fühlten sich, da der Spieß einmal umgekehrt wurde, beleidigt. Wegen Beleidigung eines VikarS wurde der Genosse M e tz'e vom«Norddeutschen Volksblatt" zu Band-Wil- helmshaven zu 400 Mark Geldstrafe verurteilt. Es bandelte sich lediglich um die Behauptung, der Vikar habe einen Bäckergesellen am Weihnachtsabend aus dem Hause gewiesen. Daß der Geselle dem Blatte so berichtet hatte, wurde erwiesen, der Geselle selbst war aber nicht zu ermitteln. Verletzte Arbeitswilligenehre. Das Schöffengericht Nürnberg verhandelte gegen den Re- dakteur der„Frank. Tagespost", Genossen Paul Schlegel, wegen Beleidigung von Arbeitswilligen. Der Fall hat folgende Vor- geschichte: Zur Zeit des vorjährigen Bauarbeiterstreiks erhielten zwei streikende Maurer Strafmandate, weil sie das magistratliche Streikpostenverbot übertreten und bor einem Bau Streikposten ge- standen haben sollten. In der Verhandlung beschworen die Arbeitswilligen Edelhäuser und Link und noch ein dritter, daß die beiden von kurz nach 8 bis gegen 11 Uhr Streikposten gestanden hätten. Die Angeschuldigten konnten jedoch durch eine ganze Reihe von Zeugen nachweisen, daß sie sich am fraglichen Vorniittag ganz wo anders aufgehalten und nur zufällig etwa 100 Meter von dem Bau entfernt zusammengetroffen waren, worauf sie sich einige Minuten unterhielten. Das Gericht mußte sie freisprechen, und im Urteil wurde ausdrücklich bemerkt, daß ein Meineid vor- liege? Die„Fränk. Tagespost" hatte deshalb in ihrem Ver- Handlungsbericht bemerkt, die Arbeitswilligen hätten entweder einen Meineid oder wenigstens einen fahrlässigen Falscheid ge- leistet. Wegen dieser Bemerkung erhoben Link und Edelhäuser gegen Schlegel Beleidigungsklage, während der dritte es vorzog, den Vorwurf ruhig einzustecken. In der Verhandlung behaupteten die beiden Kläger nun, daß ihre damaligen Aussagen ganz anders gelautet hätten. Als ihnen das Protokoll vorgehalten wurde, erklärten sie dieses für falsch, während der Vorsitzende Richter jener Verhandlung die Nichtigkeit des Protokolls, das mit seinen eigenen Aufzeichnungen vollkommen übereinstimme, unter Eid bestätigte. Schlegel wurde dessenungeachtet zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt. In der Be- gründung heißt es, daß die behauptete Tatsache nicht voll. ständig erwiesen sei. Ein Meineid sei unzweifelhaft geschworen, aber wer ihn geleistet habe, könne nicht entschieden werden. Allerdings liege sehr begründeter Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Kläger vor.— Das im Artikel vorkommende Wort„Streik- brecher" sei als Beleidigung aufzufassen, da ihm ein verächtlicher Beigeschmack anhafte. Der Verurteilte hatte in der inkriminierten Bemerkung auch nur„begründete Zweifel an der Glaubwürdigkeit" der beiden Arbeitswilligen ausgedrückt; trotzdem wird er verurteilt!— Lithographen-Konfereu;. In Hannover tagt zurzeit eine außerordentliche Generalversamm- lung des Senefelderbundes. Derselben ging zunächst die Litho- graphen-Konferenz voraus. Anwesend waren etwa 26 Delegierte. Die Verhandlungen standen unter dem Eindruck der angestrebten Verschmelzung deS Seneselderbundes und des Lithographenbundes auf einer festeren organisatorischen Grundlage, die sich seit dem letzten Streik der Lithographen und Steindrucker mehr denn je als notwendig erwiesen hat und die deshalb auch hauptsächlich die be- vorstehende Generalversammlung beschäftigen wird. In seinem einleitenden Referate gab L a n g e» Berlin den Bericht über die gepflogenen Einigungsverhandlungen. Die Borschläge des Senefelderbundes gingen dahin, daß der Lithographenbund mit seinem gesamten Kassenwesen zum Scne- felderbund übertritt und dieser die Mitglieder des ersteren über« nimmt unter Anrechnung aller gezahlten Beiträge und Ueber- nähme des Vermögens, mit Ausnahme eines Teiles des Kranken- kassenvermögcn». das den bisher zugehörigen Mitgliedern ver- bleibt zur Fortführung einer besonderen Krankenzuschnßkaffe, da die Krankenkasseneinrichtung deS Senefelderbundes noch nicht so gut aus- gebaut ist. Es stehe zu hoffen, daß sich ans dieser Basis ein Weg zur Ver- einigiiiig finde: die weiteren Punkte, wie die fernere Gestaltnug der beiderseitige» Presse usw., würden keine Schwierigkeiten bieten. Zu einem Abschluß konnten die Verhandlungen der Konferenz»ich! führen, weil diese zunächst einen rein informatorischen Charaltei hatte und die Vertreter weitergehende Mandate nicht hatten. Zum Schlüsse empfahl Referent die Annahme folgender Resolution: «Die am 29. und 30. März 1907 in Hannover tagende Litho- graphenkonferenz hält an der bisherigen gemeinsamen Organi- sation im Verband der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe fest und verpflichtet sich, den weiteren Ausbau dieses Ver- bandes nach Kräften zu fördern. Als Mittel zu diesem Zweck hält die Konferenz folgende? für geboten: 1. Das bisherige Filialwesen wird als geeignet erachtet, die Lithograpbenfache in jeder Weise zu fördern. Wo Wünsche und Bedürfnisse nach dieser Richtung zutage treten, ist diesen nach Möglichkeit zu entsprechen. 2. Am Sitze des Hauptvorstandes ist eine Zentralkommission für Lithographen zu bilden, bestehend ouS den Lithographen des HauptvorstandeS und einigen von der Lithographenfiliale des OrteS zu wählenden Kollegen. 3. Diese Zentrallommission hat in Gemeinschaft mit dem Hauptvorstand die Agitation unter den Lithographen, Kartographen und graphischen Zeichnern nach allen Kräften zu betteiben. indem sie Flugblätter herausgibt, Agitationsversammlnugen arrangiert usw. '4. Sie hat darauf zu achten, daß in der„Graphischen Presse" in Zuknnst der Lithographensache mehr als bisher Rechnung ge- tragen wird. 5. Diese Zentralkommission hat auch allen anderen, die Litho- graphensache berührenden Punkten ihre größte Aufmerksamkeit zu widmen, wie: Alkordarbeit. Heimarbeit. Privatlithographie. LehrliugSwcsen, ArbeitönachweiL usw. und entsprechende Statistiken aufzunehmen. 6. lieber ihre Tätigkeit hat diese Zentralkommission jährlich in der„Graphischen Presse" Bericht zu erstatten." Die Resolution Lange wurde einstimmig angenommen. Zur Resolution Lange wurde noch folgender Antrag Mössinger angenommen: «Als geeignete Mittel, um die Agitation zu fördern, wird die bessere Ausgestaltung des Fachorgans im Interesse der speziellen Bcrussbranchen empfohlen. Auf die Ausstattung der Vereins- bibliothcken mit reichhaltiger und guter Fachliteratur ist großer Wert zu legen. Vorträge technischer Natur. Vorlesungen. AuS- stellungen. Unterrichtskurse usw. sollen Mittel sein, um das Jutcr- esse der Lithographen für die Organisation wachzuhalten und die graphische Kunst— als volkstümliche Kunst— in den Dienst der Arbeitersache zu stellen." Einstimmig wurde ebenfalls die folgende Resolution auge- nommen: „Die in Hannover tagende Lithographenkonferenz begrüßt die Einigungsverhandlungen zwischen dem Lithographen- und dem Senefelderbund und hofft, daß die in Aussicht genommenen weiteren Verhandlungen eine beiderseitig befriedigende Lösung dieser Frage finden." Es hielten noch Referate B a u k n e ch t- Stuttgart über die Lehrlingsfrage, Domnik- Berlin über die Akkord- arbeit, Barthel- Berlin über die Heimarbeit, Czech- Leipzig über die Privatlithographie. In entsprechenden Resolutionen brachte die Konferenz ihre Stellung zu den Fragen zum Ausdruck. Der Vorsitzende Lange- Berlin betonte zum Schluß, daß die Konferenz eine Notwendigkeit gewesen sei. Die Beratungen hätten der Wichtigkeit der Berufsfragen entsprochen. Hoffentlich werde die reiche Arbeit von Erfolg gekrönt, zumal wenn die Zentralkommission ihre Pflicht tun werde. Möge jeder Wunsch zum Besten der Litho- graphensache in Erfüllimg gehen. Mit einem Hoch auf den Senc- felderbund wurde die Konserenz dann geschlossen. AuKerordeutliche Generalversammlung des AeuMen StUtftlder.Kundes. Hannover, 1. April. 1. BerhandlungStag. Die 14. außerordentliche Generalversammlung des Deutschen Senefelder-Bundes(Verband der Lithographen, Steindrucker und verwandter Berufe) wurde am Ostermontag im Nordstädtcr Gesell- schaflshause eröffnet. B r a t k e- Hannover erinnerte in seiner Begrüßungsansprache daran, daß der Senefelder« Bund vor sechzehn Jahren ebenfalls in Hannover tagte, damals habe es gegolten, die Wunden zu heilen. welche das Sozialistengesetz geschlagen hatte. Jetzt sei von der Regierung die Organisation des Senefelder- Bundes lahni gelegt worden. Es sei deshalb notwendig, eine neue Organisationsform zu wählen. Der Vorsitzende des ZentralverbandeS, S i l l i e r- Berlin, teilte init, daß die Kollegen in Oesterreich einen Vertreter geschickt hätten. Anwesend find ferner Gewerlschaftsselretär Schmidt als Vertreter des GewerkschaftskartellS, ferner die Buchdrucker Fritsche und Ehr- Hardt als Vertreter des Buchdruckerverbandes und Arbeiterselrctär Schräder ans Hannover. Die Zahl der anwesenden Delegierten betrug 59. Sillier- Berlin erstattete sodann den Rechenschaftsbericht des HauptvorstandeS für die Zeit vom 1. Juli 1905 bis März 1907. Wir heben die Hauptpunkte hervor. Eine allgemeine Agitation regte der Haupt- vorstand nach der Streik- und AuSsperrungsbewegung an. Die Agitation war während der Lohnbelvegling besonder? lebhaft. Redner erinnerte an die Lithographenkonsercnz. Er begrüßt die offene Erklärung des Vorsitzenden des Lithographenbnndcs, die Lithographen hätten eingesehen, daß sie mit den Steindrnckern ge- meinsam kämpfen müßten, um ihre Jntereiseu fördern zu können. Die Eilligungsversnche würden hoffentlich Erfolg haben. Während der letzten zwei Jahre hatten die Mitglieder des Bundes 39 Streiks durchzumachen, darunter zwei Abwehrstreiks und die große Streik- und AuSsperrnngSbewegung. An Arbeitszeitverkürzungen wurden flir 4083 Kollegen in Summa pro Woche 12 860 Stunden erzielt. Lohnzulagen wurden erreicht für 3520 Kollegen in Summa 5104 Mark pro Woche. FeiertagSbezahlung erreichte» 1606 Kollegen. Redner besprach dann das bekannte, auch vom Reichsgericht bestätigte Urteil gegen den Senefelder-Bund, wonach die in der Generalversammlung deS Bundes vom 21. bis 26. April 1905 beschlossene Statutenänderung, soweit sie die Ausdehnung der Zwecke des Bundes auf seine Gewerkschaftskasse bezweckte, für ungültig erklärt wurde. Insbesondere wurde in dem Urteil die Untcrstütznng au» der Gewerkschaftskasse für den Fall eines Streiks, einer Maßregelung und einer Aussperrung für unzulässig erklärt. Vorübergehend wurde auch die GewcrkschaflS- koste gesperrt. Redner betonte, daß auch diese Maßnahmen den Bund nicht zu erschüttern vermochten. Während der Aussperrung hätten die Kollegen wie ein Mann zusammengestanden. Die Versuche der Unternehmer, vor dem Bunde graulich zu machen, seien erfolglos gc- blieben. Man wolle mit dem roten Tuche bange machen tiitd sperre überhaupt aus. gleichviel ob die Arbeiter einer christlichen oder nicht- christlichen Organisation angehörten, wenn sie mit Forderungen an die Unternehmer heranträten. Daher sei der gewerkschaftliche Zu- sammenschluß der Arbeiter liotwendiger denn je. Die Zahl der Mit- glieder sei von 9000 auf 16 000 gestiegen. Den Kassenbericht erstattete hierauf der Hauptkassierer B r a l l- Berlin. Ans der Gesamlübersicht über die Einnahmen und Ausgaben in der Zeit vom 1. Juli 1905 bis 31. Dezember 1906 sei hervorgehoben: Die Gewerkschaftskasse erhielt an Beiträgen 533 329 M., sie zahlte 126 196 Mark Arbeitslosenunterstützung. 23 353 Mark Umzugskostei,. 15 828 Mark Maßregelungsuntcr- stützung. 47 029 Mark für Rechtsschutz. Die Einnahmen und Ausgaben dieser Kasse balanzieren mit 546 152 Mark. Die Krankemmterſtügungs- und Sterbekasse verzeichnete 858 860 m. 1 Ein Antrag, dem Hauptkassierer Brall Decharge für| anwalts Heinemann müsse, um Klagen zu vermeiden, den Neu Beiträge. Sie zahlte für Krantenunterstützung 296 789 M. und seine Kassenführung zu erteilen, wurde angenommen. eintretenden freigestellt werden, ob sie der Gewerkschaftskasse oder 13 950 M. Sterbegeld. Die Invaliden- und Witwenkasse erhielt Auch die beiden folgenden Resolutionen wurden angenommen. den Unterstüßungstassen beitreten wollten. Streitbrecher können 254 949 M. Beiträge und zahlte für Invalidenunterstützung" Die in Hannover tagende Generalversammlung begrüßt die nur ausgeschlossen werden, wenn zwischen Gewerkschaftskasse und 100 433,50. und für Witwenunterstüßung 40 850 M. Aus Einigungsberhandlungen zwischen dem Lithographen- und dem Unterstüßungstasse eine reine Grenze gezogen werde. Redner bcder Uebersicht über die zur Unterstützung der Ausgesperrten bis Senefelder- Bund und hofft, daß die in Aussicht genommenen gründet eingehend eine Statutvorlage der Filialen I, III und IV 12. Januar 1907 eingegangenen Gelder( Streit Extrasteuer, weiteren Verhandlungen eine beiderseitig befriedigende Lösung der Filialen Berlins( Lithographen, Steindrucker und Lichtdrucker), Sammellisten usw.) entnehmen wir, daß aus Deutschland insgesamt dieser Frage finden. Die Einsetzung einer Verhandlungs- die sich grundsäßlich von der Statutvorlage des Hauptvorstandes tommission wird dem Hauptvorstand übertragen." unterscheidet, indem sie die 284 068 M. eingingen, aus England 7354 M., aus Desterreich 11 279 M. und aus der Schweiz 8333 M. Insgesamt zahlte das Ausland 23 962 M. Die Abrechnung über die Aussperrungen im Juni- August 1906 schließt mit 1060 276 m. ab. Von Kasse I ( Gewerkschaftskaffe) wurden 75 000 m. Zuschuß geleistet, von den Gewerkschaften durch die Generalfommission gingen 144 000 2. ein, durch Streifsteuerbeiträge der Kollegen 220 427 M. und sei undemokratisch. Der Hauptborstand wird verpflichtet, seinen Bericht den Trennung der Gewerkschaft vom Bund Delegierten zwei Wochen vor Abhaltung der Generalversammlung bezweckt. Von der neuen Geiverkschaftsorganisation ist hiernach zu übermitteln. Sollte es notwendig sein, so ist ein Nachtrag zum mit dem Senefelder- Bund ein Gegenseitigteitsvertrag zu übermitteln. Sollte es notwendig sein, so ist ein Nachtrag zum Vorstandsbericht herauszugeben." Müller- Berlin erstattet dann ein längeres Referat über die durch die bekannte Klage des Notenstechers Tepel und Genossen in Offenbach gegen den Senefelder Bund geschaffene Rechtslage des Bundes. In der Diskussion über die Berichte bemerkte u. a. StauferBremen, daß der Senefelder- Bund dem Lithographenbund nicht als Bittender nahe. Der Sonderbund der Lithographen sei eine Fehlgründung gewesen. Die Macht der wirtschaftlichen Verhältnisse Er ging aus von der am 1. Juli 1905 in Kraft getretenen Verzwinge den Lithographenbund, sich dem starken Senefelder- Bund an- schmelzung des Senefelder- Bundes mit dem Verband der Lithozuschließen. In der gemeinsamen Organisation dürften die Lithographen und Steindrucker. Die Verschmelzung sei notvendig gegraphen aber feine Vorrechte beanspruchen, z. B. bei Krantenunters wesen, um namentlich angesichts der so schnell steigenden Zahl der ftügungen. Invaliden die Bundeskaffen zu sanieren. Ohne die Verschmelzung Rudolf Hamburg sprach im Auftrage der Ottenser Ta hätten entweder die Unterstübungssäge erniedrigt, oder die Beiträge petendrucker den Wunsch aus, der Hauptvorstand müsse helfen, erheblich erhöht werden müssen. Bei der Verschmelzung fei tein den Zustand zu beseitigen, daß ein Teil der Tapetendrucker im 3wang zum Beitritt zur Gewerkschaftstaffe ausgeübt worden, das Fabritarbeiterverband und ein Teil im Senefelder- Bund sich befindet, bewiesen die Ausnahmebestimmungen. Von den 14 768 Mitgliedern während ein Teil überhaupt noch nicht organisiert ist. bei der Verschmelzung seien 1726 alte Bundesmitglieder den Ueber Haß Berlin und Mutschte Stuttgart verurteilten eine trittsbedingungen entsprechend von dem Beitritt zur GewerkschaftsResolution der Münchener Chemigraphenkonferenz, die verlangte, daß fasse befreit gewesen. Plötzlich sei die bekannte Klage von Tepel Lehrlinge, die in nichttariftreuen Anstalten gelernt haben, später als und Genossen gekommen. Ihre Entscheidung gegen den Bund habe Gehülfen auch nicht Mitglieder der Organisation werden können. bewiesen, wie die Rechtsprechung sei. Die aus Anlaß der VerDas verstoße gegen die Prinzipien der modernen Arbeiterbewegung schmelzung beschlossene Statutenänderung, soweit sie die Ausdehnung der Bundeszwecke auf die Gewerkschaftstasse bezivedte, fei für un einem größeren Verbande, dem Senefelder- Bund, beitrete, er eine Reichsgericht bestätigt worden. Die Richter wären der Ansicht geSillier- Berlin führte aus, wenn der Photographenverband gültig erklärt worden. Das Urteil sei auch in höchster Instanz vom größere Aktionsfreiheit gegenüber dem Unternehmertum erhalte. wesen, daß der Bund infolge der angefochtenen Satzungsänderung In seiner jezigen Gestalt tönne er sich gewerkschaftlich nicht mit feinem Zvecke nach zu einem anderen geworden, er sei aus einem Hülfsverein eine Gewerkschaft, aus einem Unterstützungsverein zu Erfolg betätigen. einem Kampfverein zur Erringung besserer Lohn- und Arbeits bedingungen geworden. Die Beteiligung an Förderung rein gewerkschaftlicher Zwecke sei den Klägern aufgenötigt worden. Wenn die läger sich dem nicht fügen wollten, tönnten sie laut Statut aus geschloffen werden und damit ihr Recht auf die eingezahlten Beiträge berlieren. Die Kläger hätten aber nicht etwa, so führt der Refe cent aus, ein bedrohtes Recht schüßen wollen, sondern sie hätten sich ein Recht auf Streitbruch sichern wollen; denn sie hätten in ihrer Klagebegründung ausdrücklich erklärt, sie würden zur Unterstüßung von Streits gezwungen, und da könnten sie als ältere Leute nicht mehr mitmachen. Sie hätten sogar die Sperrung der GewerkschaftsVor Eintritt in die Tagesordnung teilte der Vorsitzende kasse durch eine einstweilige Verfügung bewirkt zu einer Zeit, als Bratte Hannover mit, daß der Senefelder- Verein Böhmens ein die Kollegen im Bunde im heißen Kampfe mit den Unternehmern Begrüßungsschreiben geschickt hat, in welchem der Generalversamm- standen. So hätten die Kläger den Interessen des Schutzverbandes lung der deutschen Kollegen der beste Verlauf der Beratung und der Arbeitgeber gedient. Mit der späteren Freigabe der Kasse sei reicher Erfolg für die gute Sache des Bundes gewünscht wird. nichts genutzt worden. Die Kläger hätten sich bis zum allerleiten Als Vertreter der Generalfommission der Gewerkschaften Moment gesträubt, in die Freigabe der Kasse einzuwilligen, troßDeutschlands ist der Vorsitzende des Verbandes der Deutschen Buch- dem Sillier- Berlin namens des Hauptvorstandes den Vorschlag gedrucker Döblin- Berlin anwesend. macht habe, daß jedes Mitglied des Rechtsschutzvereins( die Kläger hätten sich in einem solchen vereinigt) bom Beitrittszipang zur Gewerkschaftskasse befreit werde, daß auch die Uebergangsbestimmungen betr. den Zwangsbeitritt für die Mitglieder des Rechtsschutzvereins feine Geltung haben sollten. Der Vorstand habe sich nach dieser Richtung hin schriftlich verpflichten wollen. Der Referent zerpflüdte die Gerichtsurteile dann im einzelnen und wies nach, wie die Gerichte keinen festen Grund für ihre Rechtsprechung hätten finden fönnen. Sie hätten von einem Standpunkt zum anderen geschwankt. Das gegen eine Arbeiterorganisation gerichtete Borgehen sei aus dem Geiste der Zuchthausgesehvorlage zu erklären. Hänlein, Borfizender des Photographengehülfenverbandes, betonte, daß infolge der Entwickelung des Photographiegetverbes die Intereffen der Photographen und Lithographen die gleichen geworden Interessen der Photographen und Lithographen die gleichen geworden feien. Auch mit den Chemigraphen müsse zusammen gearbeitet werden. Der Photographenverband müsse vom Senefelder- Bund in gewerkschaftlicher Richtung mehr unterstüßt werden. Bur ge gebenen Beit sollte dann der Zusammenschluß mit dem Bunde gebenen Zeit sollte dann der Zusammenschluß mit dem Bunde erfolgen.( Beifall.) 2. Verhandlungstag. Als Vertreter des Zentralverbandes der Buch- und Steindruckerei- Hülfsarbeiter und-Arbeiterinnen waren Frau Thiede, sowie die Kollegen Pucher und Aust erschienen. Rudolf Hamburg berichtete über die durch eine Kommission herbeigeführte Schlichtung von Differenzen, die zwischen Lithographen und Chemigraphen bezüglich der Ausübung des Gerstenauerschen Verfahrens in Stuttgart entstanden waren. Eine entsprechende Resolution wurde angenommen. Die Diskussion über die Rechenschaftsberichte des Hauptborstandes und der Kontrollkommission war am ersten Verhandlungstage geschlossen worden. abzuschließen. Der Senefelder- Bund soll dann alle Unterstützungszweige übernehmen, die ihm durch die Gerichtsurteile belassen wurden. Der Verband dagegen führt alle Unterstübungen ein, die der heutige Bund hat und erhebt dafür 1,20 M. pro Woche. Durch den abzuschließenden Gegenseitigkeitsvertrag überträgt jedoch der Verband die Durchführung der Unterstützungen, die dann in beiden Organisationen vorhanden sind, dem Senefelder- Bund. Das heißt: der Verband zieht von seinen Mitgliedern 1,20 m. pro Woche ein, wovon 90 Pf. für jedes Mitglied an die Bundestassen abgeführt werden. Die Verbandsmitglieder werden dadurch vollberechtigte Mitglieder des Bundes. Werden sie aus dem Verband aus irgend melchen Ursachen ausgeschlossen, so verlieren sie damit zugleich die Mitgliedschaft im Bunde. Nach längerer Diskussion faßt Bauknecht Stuttgart seinen Vorschlag zum Statut in der folgenden Resolution zusammen: A Um gegen alle weiteren Schikanen und Quer. treibereien gesichert zu sein, möge die heutige Generalbersammlung sich prinzipiell für Gründung eines neuen Verbandes aussprechen, und zwar auf der Grundlage des gegenwärtigen Statuts mit allen bisherigen UnterstützungsDieser neue Verband müßte dann sofort gegründet werden, wenn neue gerichtliche Schwierigkeiten entstehen, wodurch das arten und Rassen, bei einem Wochenbeitrag von 1,20 M. Hauptvorstand und Kontrollkommission werden beauftragt, Weiterbestehen des jebigen Bundes gefährdet ist. alles hierzu Erforderliche zu gegebener Zeit zu veranlassen. In diesem Falle ist sofort auch die Liquidation des Bundes in die Wege zu leiten. Hauptvorstand und Kontrollkommission haben dann sofort die notwendige statutarische gesebliche Urabstimmung auszuschreiben. Eine Gemäß Absatz 3 des bisherigen§ 66 ist dann das vorhandene Bermögen der Kranken- und Invalidenkasse des Senefelder. Bundes für auszuzahlende Unterstübungen festzulegen. ueberweisung des Vermögens an einen anderen Verband darf nicht stattfinden; von, dem festgelegten Vermögen sind zur Auszahlung von Unterstübungen zunächst die Zinsen zu verwenden, und dann das Kapital aufzubrauchen. Das Vermögen der Gewerkschaftskassen wird dem neuen Verbande sofort überwiesen. Diefer neue Verband hat die vollständige Garantie der Auszahlung von Unterstützungen an die alten Mitglieder zu übernehmen. Gr hat sich sogar soweit zu verpflichten, allen Invaliden, Witwen und Kranken, die noch bezugsberechtigt sind, und das Kapital des Bundes aufgebraucht sein sollte, Unterstübungen nach statutarischen Bestimmungen aus den neuen Verbandsmitteln weiter zu ge= währen. Allen zum neuen Verbande übertretenden Bundesmitgliedern müssen dann sämtliche vorher bezahlten Beiträge angerechnet werden. Bei eingetretener Krankheit oder Invalidität solcher Mitglieder werden jedoch diese Unterstützungen zunächst von dem alten Bundesvermögen gewährt. leber alle weiteren, hier nicht vorgesehenen Fälle hat der Hauptvorstand in Gemeinschaft mit der Kontrollkommission zu entscheiden und geeignete Maßnahmen zu treffen." Hus Induftrie und Handel. Mehrere Redner verurteilten das Vorgehen des RechtsschutzDer Vorsitzende des Hauptvorstandes, Sillier- Berlin, vereins als arbeiterfeindlich in schärfster Weise. Es sei unerhört, führte in seinem Schlußwort aus, daß der Hauptvorstand bereit sei, daß die Kläger mitten in dem heißen Lohntampfe zum Teil hinterdie Agitation unter den Tapetendruckern energisch zu fördern. Die rücks die Arbeiterschaft vor dem Senefelder- Bund warnten, sagten, Der Zusammenbruch in der Kaliindustrie. Tapetendrucker selbst wünschten die Veranstaltung einer Tapeten- daß jetzt der Bund lahmgelegt, gesprengt sei, daß er nicht mehr in Bereits vor ungefähr einem halben Jahre begann es in der Deutschlands auf gewerkschaftlichem Boden und den Anschluß an unterstüben. Es wurde auch der Vorwurf der Klassenjustiz erhoben, Raliindustrie zu frifeln, teilweise infolge natürlicher Einzelfatastrophen druder- Konferenz, um den Zusammenschluß der Tapetendruder der Lage sei, bei der Aussperrung die fämpfenden Genossen zu den Senefelder- Bund herbeizuführen. Die Auskunftskarte sei ein die dazu führe, daß Gerechtigkeit eine Legende werden fönne.( Verwerfungen im Schacht Justus" bei Bolpriehausen, Wassergeeignetes Mittel, um jogar Streits zu verhüten. Es set aber auf Mühlinghaus- Leipzig sprach unter lebhaftem Beifall von einbrüche bei Wilhelmshall- Delsburg usw.). Die Spekulantentätigkeit Das schärfste zu verurteilen, wenn Kollegen die Auskunftsfarten an einem Denkmal der Schande und der Schmach, das in den Reihen der letzten Jahre hat nun zu einem regelrechten Strach geführt. Der Brinzipale gäben, gegen die die Karten gerichtet seien. Die Kol- der Arbeiterschaft von Arbeitern aufgestellt sei. Döblin- Berlin war der Ansicht, daß mit mehreren Protest- solideste" Besiz fracht, und die zahlreichen Kleinkapitalisten und " Sparer", die ihr Geld zu den neuen spekulativen Unternehmungen Tegen seien verpflichtet, die Auskunft einzuholen, bevor sie bei einem Arbeitgeber in Stellung treten. Die Kollegen dürften eine resolutionen gegen das Urteil nichts erreicht werde. Das Reichs- hergegeben haben, sind in Zeit von wenigen Wochen arme Leute geworden. Die Verluste der Geneppten in Saliwerten werden Stellung nicht annehmen, wenn die Auskunftstarte sich dagegen er- gericht werde sein Urteil doch nicht revidieren. Das heutige Recht schüße nun einmal in umfassender Weise das Recht des Indivi kläre. Gegenüber Bratke müsse bemerkt werden, daß es nicht zu buums. Man solle aus dem Urteil die richtige Nubanwendung schon auf viele Millionen geschätzt, und die Kurse stürzen weiter. Die Kleinen sind wieder mal die dummen. Die Werke, die billigen sei, wenn durch die Versendung von Flugblättern vor der Deffentlichkeit zur Genugtuung der Arbeitgeber Beweise der Un- für den Bund ziehen. Heiße es doch im Urteil des Landgerichts bau erforderliche Geld nicht, die Papiere werden weiter entwertet einigkeit in den Reihen der Kollegen gegeben würden. Das An- Frankfurt a. M. in bezug auf§ 49 des Statuts von 1905:" Die teilweise noch nicht fertiggestellt sind, bekommen das für den Weiterfehen der Gewerkschaft leide darunter. Er, der Redner, nehme für Mitglieder haben gegen die tiefgreifende enderung des alten und die billigen Augen find nicht einmal verläuflich, wie sollen ba sich das Recht in Anspruch, der Redaktion der„ Graphischen Presse" Statuts keinen Einspruch rechtzeitig erhoben, mithin haben sie die oft großen Verbindlichkeiten bei den Banten gelöst werden? fich das Recht in Anspruch, der Redaktion der„ Graphischen Presse" Wünsche auszusprechen. Eine Bensur sei nicht beabsichtigt. Man es stillschweigend genehmigt." Nach diesem Urteil, so heiße es auch nach einer Aufstellung im„ Hannoverschen Courier" hatte der Stalihabe ihm vorgeworfen, daß er unnötige Reisen nach Wien und Hol- im Bericht des Vorstandes, habe der Bund nach wie vor das Recht, absatz im legten Jahre einen Wert von 92 Millionen Mart, die sich Für das laufende Jahr und das land gemacht habe. Domnit, der den Vorwurf erhoben, sollte doch voll in Geltung zu lassen. Mit einem weiteren Antrag, die An- auf 35 Syndikatswerke verteilen. einmal während einer Lohnbewegung praktisch mitarbeiten, dann werde er erfahren, daß man in einer Zeit, wo man wöchentlich gliederung der Gewerkschaftskasse ganz zu unterlassen, seien die Jahr 1908 dürften nicht weniger als 25 Werke förderfähig werden, sich bis dahin die Zahl der fördernden Werte etwa berdoppelt 60 000 M. brauche, mit Briefschreiben kein Geld heranholen könne. Kläger zurückgewiesen. Nach außen hin brauche man die Rechts- im Jahre 1909 werden voraussichtlich acht Werke hinzutreten, so daß Er, der Redner, habe es doch fertig gebracht, daß ihm in Wien sehr lage des Bundes doch nicht zu schwach zu schildern. Eine Kommission wurde beauftragt, die Ansichten der General- hätte. Dem kann der Absatz nicht folgen und die großen Syndikatsbedeutende Summen übergeben worden seien. Die Reise nach Holrecht, daß sie im freien holländischen Grenze feien Streits ausgebrochen, und die Streit über die in der nächsten Sizung Beschluß gefaßt werden soll. Der Hauptvorstand wurde beauftragt, die Geschichte des Pro- Werken einen größeren Anteil ergattern, als wenn sie diese kleinen brecher fämen aus Holland. Um das zu verhindern, um die hollän- zesses im Interesse aller Gewerkschaften vor der Oeffentlichkeit in dischen Kollegen aufzuklären und an die Pflicht der Solidarität zu einer Broschüre darzustellen. erinnern, sei er dann bingereist.. Uebrigens habe das Internationale Sekretariat in London die Reisekosten bezahlt. Die Agitation, Ein Antrag auf Entlastung des Hauptvorstandes und der die auch von anderen Kollegen geleistet, sei notwendig gewesen. Kontrollkommission unter Anerkennung der Tätigkeit der beiden Alle Reisenden hätten ihre Schuldigkeit im Interesse der gewerk. Störperschaften während der verflossenen Berichtsperiode wurde anschaftlichen Organisation getan. Es set überhaupt noch nicht ge= nügend agitiert worden. land sei sehr notwendig gewesen. In Krefeld und Rheydt an der bersammlung über den Prozeß in einer Resolution niederzulegen, Sonkurrenztampfe mit den neuen, meist fleinen und fapitalschwachen genommen. Sillier Berlin begründete namens des Hauptvorstandes in Uebereinstimmung mit der Kontrollkommiffion angesichts der prinzipiellen Meinungsverschiedenheiten in den Mitgliedschaften zur Statutenfrage aller Das Syndikat alle miteffen lassen von der Tafel des Syndikats. hat in seiner legten Sigung die Aufnahme neuen Werte abgelehnt, womit es seine Auflösung unversandte Mitteilung, daß die Schäzung des Jahresbedarfs nicht bermeidlich gemacht hat. Die vom Syndikate an seine Mitglieder erreicht werden würde, war wohl nicht dazu bestimmt, zur Wieder belebung der„ Salihoffnungen" beizutragen. Wie die Lage Heute bereits ist, zeigt der Umstand, daß einzelne Befizer angesichts der bevorstehenden Zubußen, die doch nicht vor dem endgültigen Verlust des„ berbohrten" Geldes schützen, ihre Sturen bereits vollkommen gratis abgeben wollten und sich für diese Schenkungen" nicht einmal Nehmer fanden! Die allgemeine zu erweitern. Börsenpanit wirkt natürlich mit, um die Kalifrisis zu vertiefen und Man könnte dem Walten der kapitalistischen Nemesis im Kalibergbau gleichmütiger zusehen, wenn nicht Arbeiter die Hauptleidtragenden wären. Hoffentlich werden sich die Kalifflaven noch in letter Stunde nach Möglichkeit schützen durch Anschluß an die Organisation. Margarinchandel. Nach dem Schlußwort des Hauptkassierers und des Vertreters der Kontrollkommission, wobei der lettere die Notwendigkeit betonte, daß die Kontrollfommission bei Angriffstreits gehört werden solle, rechtfertigte der Delegierte aus Wien, Mülberger, die den folgenden Dringlichkeitsantrag: Reise Silliers nach Wien, die gute Früchte gezeitigt habe. Die österreichischen Kollegen fühlten sich mit den deutschen solidarisch der Einheitsverband gewahrt bleibt, unter Zugrundelegung Die Generalversammlung möge das Statut so gestalten, daß und hätten das durch die Tat gekrönt, nämlich, indem die öster- der Bestimmung, daß die Neu eintretenden gezwungen sind, allen reichischen Kollegen 50 000 Stronen bei der Aussperrung geopfert. Kaffen augleich beizutreten, während es nach den Urteilen den eheKloth Berlin, der Vorsitzende des Zentralverbandes der maligen Nurbundesmitgliedern freisteht, Mitglied der Gewert Buchbinder, schildert die schlechten Lohn- und Arbeitsbedingungen schaftstasse zu sein. Eine schriftliche Erklärung, daß sie der Gevieler Gehülfen und Gehülfinnen im Buchbindergewerbe. Zu werkschaftstasse nicht angehören wollen, haben solche Mitglieder bis wünschen sei, daß das Verhältnis aller Organisationen in der spätestens den 1. Juli 1907 abzugeben. Nach diesem Zeitpunkt kann großen graphischen Familie fich möglichst innig gestalte. Es fei ein ein Austritt und Ausschluß nur aus allen Kassen zugleich statt- Mit einer polizeilichen Maßnahme im Margarinehandel, die von schönes Wort:" Proletarier aller Länder vereinigt euch!" Aber die finden, während ein Eintritt solcher Mitglieder, die jetzt der Ge- den Beteiligten sehr unangenehm empfunden wird, beschäftigten sich Proletarier aller Länder sollten nicht nur in den einzelnen Be- werkschaftstasse nicht angehören, in dieselbe später jederzeit er- die Weltesten der Kaufmannschaft in ihrer letzten Sigung. In der rufen spezielle Vorteile zu erreichen suchen, sondern auch mithelfen, folgen kann. letzten Zeit ist in Berliner Detailgeschäften das Feilhalten und der daß für verwandte Berufe etwas herausgeschlagen werde. Da Der Wochenbeitrag möge auf 1,20 M. für alle Kassen belassen Verkauf von würfelförmiger Margarine in Kartonpadungen in zahlfönnte ein graphisches Kartell helfen, die Vorstufe für einen bleiben, und zwar 30 Pf. für die Gewerkschaftstasse, 60 Pf. für reichen Fällen beanstandet worden. Es wurde gefordert, daß die Industrieverband. die Allgemeine Unterstübungstaffe( mit Reise-, Arbeitslosen- und Inschrift, Margarine" auf den Kartons in einer mindestens 15 BentiSchubert- Berlin, Vorsitzender des Zentralverbandes der Krankenunterstützung, sowie Sterbegelder) und 30 Pf. für die meter langen Umrahmung angebracht werde, obwohl diese Anbringung Formstecher, gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß die Invaliden- und Witwenkasse. Wer von den alten Mitgliedern wegen der geringen Breite der Kartons nicht möglich ist. Dieses Borbedingungen für einen Anschluß der Formstecher an den Senes nur der Allgemeinen Unterstüßungs- und der Invalidenkasse an- Vorgehen der Polizei hat in den Kreifen des Margarinehandels und felder- Bund gegeben seien. gehört, zahlt hiernach nur 90 f.; wer nur der Allgemeinen der Margarinefabriten eine große Beunruhigung hervorgerufen und Döblin Berlin, Vorsitzender des Zentralverbandes der Unterstützungstaffe allein angehört, 60 Pf. pro Woche. droht den Einzelverkauf von Margarine in Kartons zugunsten des Buchdrucker und Vertreter der Generalfommission, meinte, daß es Sollten wider Erwarten neue gerichtliche Schwierigkeiten ent- Verkaufs aus dem Fasse zurückzudrängen, was weder im Interesse nicht undemokratisch sei, wenn Lehrlinge, die in nichttariftreuen stehen, wodurch der Einheitsverband gefährdet ist, so ist hiermit der des Publikums gelegen ist, noch vom Gesetzgeber beabsichtigt war. Geschäften gelernt hätten, später auch nicht in tariftreuen Ge- Hauptvorstand in Gemeinschaft mit der Kontrollkommission beauf- Die Weltesten der Kaufmannschaft beschlossen, für eine Aenderung schäften beschäftigt werden sollten. Die Eltern, die für die Zu- tragt, sofort entsprechende Maßnahmen zu treffen." der Ausführungsvorschriften zum Margarinegesez einzutreten, damit funft ihrer Kinder verantwortlich seien, hätten die Pflicht, ihre Müller- Berlin führte dann aus, daß nach Ansicht der die Länge der Inschrift Margarine" auf den Kartons feinerlei BeKinder aus tariffeindlichen Schmuzgeschäften fernzuhalten. Es Rechtskundigen es wiederum bei Klagen zur Verurteilung des schränkungen mehr unterliegt. Gleichzeitig soll der Kultusminister gebe Piraten im Gewerbe, denen mit Gefühlsduselei nicht geholfen Hauptvorstandes tommen werde, wenn nach dem Statut alle Mit- um eine Anweisung an die Polizeiverwaltungen gebeten werden, daß werden dürfe. Der Bildung einer graphischen Union ständen auch glieder gezwungen werden sollen, allen drei Kassen, also auch der von Strafanträgen Abstand genommen wird, so lange die angeregte Schwierigkeiten gegenüber. Gewerkschaftstasse anzugehören. Auch nach Ansicht des Rechts- Beschlußfassung des Bundesrats noch nicht erfolgt fei. 01 Deutscher Holzarbeiter- Verband. Orts- Strantentafic| Achtung, Herren- Maßschneider! Branche der Musikinstrumenten- Arbeiter. Montag, den 8. April cr., abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( Saal V): Messerschmiede, Sente Sonnabend, früh 10 Uhr, im Gewerkschaftshause: Schwertfeger u. Ver- Mitglieder- Versammlung. Vertrauensmänner- Versammlung. fertiger chirurg. Tages Ordnung: 1. Die diesjährige Maifeier. 2. Bericht der Kommission. 3. Branchen- und Verbandsangelegenheiten. Zur Beachtung! Es ist dringend erforderlich, daß in dieser Ber: fammlung alle Betriebe vertreten sind. Mitgliedsbuch legitimiert. 84/6 Um pünktliches Erscheinen wird ersucht. Die Branchenkommission. Am Sonntag, den 7. April, vormittags 10 Uhr: Urania- Vorftellung. Zur Aufführung gelangt: ,, Die Feuergewalten der Erde". Billetts sind im Verbandsbureau zu haben. Die Ortsverwaltung. Vereinigung der Musikinstrumenten- Arbeiter Berlins und Umgegend. Montag, den 8. April, abends 6 Uhr, bei Graumann, Naunynftr. 27: Werkstatt- Delegiertenversammlung Tages Ordnung: 1. Bericht der Agitationskommission über die Geschäftslage im Beruf. Referent: Kollege Pipenhagen. 2. Bericht der Delegierten. 8. Der 1. Mai. 4. Organisationsangelegenheiten. 141/9 Kollegen! alle Betriebe vertreten sein. Bo tein Delegierter vorhanden, Angesichts der wichtigen Tagesordnung müssen unbedingt muß ein anderer Kollege die Vertretung übernehmen. Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hof I. Amt 3, 1239. Charitéstraße 3. Hof III. Amt 3, 1987. Den Mitgliedern zur Beachtung! Auf Beschluß der Generalversammlung vom 17. März 1907 beträgt der Beitrag für die Dauer von 15 Wochen, und zwar von der 14. bis 26. Woche für männliche Mitglieder 75 Pfennig. 116/5 Die Ortsverwaltung. Instrumente zu Berlin. Sonnabend, den 13. April 1907, abends 8, Uhr, im Lokal Rosenthalerstraße 11-12 bei Hempel: Ordentliche General- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Bericht der Revisoren über die Abnahme der Jahresrechnung. 2. Verschiedenes. Die Herren Arbeitgeber sind hierzu eingeladen. 272/2 Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Eine Mark wöchentliche Teilzahlung liefere elegante, fertige HerrenModen Ersatz für Mass. Mass- Anfertig. feinste Verarbeitung. Garantie tadellos.Sitz. J. Kurzberg An der Jannowitzbrieke 1, I. Direkt am Bahrhot. 163/17 Die Ortsverwaltung. Eine Mark Etablissement- Anzeige. 1 Grand- Restaurant mit Stadtküche. Berlin N., Müllerstr. 142. Defonom: Jul. Wernau. Eröffnung: Anfang Juli 1907 Pharus- Säle. ( 150, 1000, 1500, mit Garten bis 7000 Personen faffend.) 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Das Präsidium wird dem Ausschuß folgende Erklärung unter- breiten: „Der Ausschuß des Deutschen HandelStages spricht sein leb- Haftes Bedauern darüber aus, daß die in seiner Sitzung vom 20. November 1905 aufgestellten Forderungen zur Abhülfe gegen die Fleischteuerung nicht erfüllt worden sind. Unbeirrt durch vorüber- gehende Preisermäßigungen für einzelne Viehgattungen, welche bei Fortdauer der künstlichen Absperrungsmittel unter dem Einfluß der wechselnden Futtermittelernten stets wieder von Perioden bedroh- licher Preissteigerung abgelöst werden, erklärt der Ausschuß sich nach wie vor dafür, daß die Einfuhr von Vieh und Fleisch erleichtert werde, und ist der Ansicht, daß zu diesem Zwecke auch die Herab- setzung der übermäßig gesteigerten Zölle auf Vieh und Flersch zu fordern ist." Die AuSschußsitzung wird sich außerdem mit den gewerblichen Berufsvereinen beschästigen. Von der Kommission betreffend Sozial- polink wird dem Ausschuß folgende Erklärung unterbreitet werben: „Der vom Bundesrat beschlosiene, am 12. November 1906 dem Reichstag vorgelegte Entwurf eines Gesetzes betreffend gewerbliche Berufsvereme kann nicht als befriedigende Lösung der ihm zu- gründe liegenden Aufgabe betrachtet werden. Die Erteilung der Rechtsfähigkeit an Vereine unter Anschließung der Befugnis der Verwaltungsbehörde zum Einspruch wegen Ver- folgung politischer oder sozialpolitischer Zwecke und unter Außer- kraftsetzung der öffentlich-rechtlichen Vorschriften der Landesgesetze, nach denen ein Verein unerlaubt ist oder verboten werden kann. weil er einen politischen oder sozialpolitischen Zweck verfolgt oder ohne obrigkeitliche Genehmigung errichtet ist. sollte nicht in der Be- schränkung auf gewerbliche Berufsvereine, sondern in grundsätzlicher Weise allgemein geregelt werden. Die nach dem Gesetzentwurf mit der Erlangung der Rechts- sähigkeit verbundenen Vorteile sind nicht so groß, daß sie die Nach- teile aufwiegen, die ouS mehreren Vorschriften des Entwurfs für den Verein entstehen. Zu diesen Vorschriften gehört namentlich die Beschränkung des Vereins auf Angehörige desselben Gewerbes oder verwandter Gewerbe, die Bestimmung, daß die Interessen, deren Wahrung und Förderung der Zweck des Vereins ist, mit dem Berus seiner Mitglieder unmittelbar in Beziehung stehende gemeinsame ge- werbliche Interessen sein müssen und Unterstützung nur an Mitglieder gewährt werden darf, sowie die Ausstattung der Verwaltungsbehörde mit zu weit gehenden und nicht genügend umgrenzten Befugnissen gegenüber dem Verein. Für den Fall, daß ein neuer Gesetzentwurf ausgearbeitet wird, ist einerseits auf die Beseitigung der bezeichneten und anderer Mängel Bedacht zu nehmen, andererseits daran festzuhalten, daß mit den Rechten des rechtsfähigen Vereins die nach dem Bürger- lichen Gesetzbuch für ihn bestehenden Pflichten, insbesondere Hinsicht- lich der Haftung für seine Vertreter, verbunden bleiben." Bezüglich des B ö r s e n g e s e tz e s soll der Vollversammlung folgender Antrag unterbreitet werden: .Der am 28. November 1996 dem Reichstag vorgelegte Entwurf eines Gesetzes betreffend die Aenderung des Abschnittes IV des Börsengesetzes enthält zwar einige Verbesserungen der geltenden Bestimmungen, namentlich in bezug auf die Rechtswirksamkeit von Schuldanerkenntnissen und Sicherheitsbestellungen: er bleibt aber, indem er die vom Deutschen Handelstag in seiner Vollversammlung vom 24. März 1904 geäußerten Wünsche zum größten Teile un- berücksichtigt läßt, hinter den Anforderungen weit zurück, die zur völligen Gesundung des Handels in Wertpapieren und in Getreide gestellt werden muffen. Ist auch zu wünschen, daß die fetzt vor- geschlagenen Verbesserungen zur Einführung gelangen, so spricht sich doch die Vollversammlung des Deutschen Handelstages dahin aus, daß sie nur als der Anfang einer gründlichen Reform des Börsengesetzcs angesehen werden können." Bezüglich.Zeichenschutz," wird die Kommission betreffend Patente, Musterzeichenschutz der Vollversammlung ebenfalls eine Er« klärung vorschlagen._ Der Kampf gegen Kindergärten. Der ungeheuerliche Eingriff in die Rechte der Kinder auf Entfaltung ihrer geistigen Fähigkeiten durch die von uns am 31. vorigen Monats mitgeteilte Verfügung der Potsdamer Regierung wird von der Presse fast durchweg mit inißbilligendem Kopfschütteln aufgenommen. Eine Aus- nähme macht die unter freisinniger Firma besonders reak- tionär tobende Eharlottcnburger„Neue Zeit". Dies Blatt schreibt: „Tie Regierung in Potsdam hat der Vorsitzenden des Vereins „Freier Kindergarten", Frau Timi Sußmann, der Gattin des Augenarztes Dr. Sußmann in Charlottönburg, die Konzession entzogen, so daß der Kindergarten nicht mehr fort- gesetzt werden darf. Die Konzessionsentziehung erfolgte gleich- zeitig für den.Freien K i n d c r h o r t da auch diese Ein- richtung nach den Feststellungen der Behörde der Förderung politi- scher Bestrebungen dient. Frau Dr. Sußmann ist eine sozial- demokratische Agitatorin. Der„Freie Kindergarten" und „Kinderhort" sollten zwar nach den Statuten keine politischen Be- strebungen verfolgen: in Wirklichkeit zeigten jedoch schon die Namen der Hauptbeteiligten und der Redner, die zugunsten der genannten Einrichtungen eintraten, daß e» sich ebenso wie bei Gewerkschaften, Konsumvereinen usw. um sozialdemokratische Filialen handelt. Die staatliche Behörde schritt daher gegen diesen Versuch ein, politische Bestrebungen mit angeblich gemein- nützigen und wohltätigen Absichten zu decken und die eigentlichen Tendenzen zu verschleiern." Nicht eine einzige Tatsache vermag also die ehren- werte liberale Charlottenburger„Neue Zeit" dafür an- zuführen, daß jemals versucht ist, im Kindergarten die Kinder für die politischen Bestrebungen der Sozialdemokratie zu be- eiuflussen. Die Charlottenburger„Neue Zeit" weiß, daß es ein Unding wäre, solche Bestrebungen in Kindergärten einzuführen. Sie weiß, daß der Verein aus pädagogischen Gründen, entsprechend seinen statutarischen Grundsätzen. strengste Neutralität in politischen und religiösen Tin gen bcob ach t e t hat. Sie weiß das und deshalb vermag sie auch uicht die geringste Tatsache dagegen an- zuführen. Statt der Tatsachen wartet die liberale„Kultur"- pflanze nach berühmtem Muster mit Verdächtigung� auf. Ihre Leser muß sie für besonders dumme Gespenstergtäubige halten. Sonst könnte sie es schwerlich wagen, den Hokus- pokus— Geschwindigkeit ist keine Heperei— zu verüben, die lieben Spießbürger durch die Mitteilung gruselig zu machen: die Hauptbeteiligten seien böse Gottseibeiuns, wirkliche, echte Teufel von Sozialdemokraten. Wie abgrund- tief ist der Liberalismus gesunken, wenn fein Charlotten- burger Hauptorgan in einer so tief wichtigen Frage es wagt. ein schmachvolles Unrecht durch die Anführung zu beschönigen: es trifft ja nur.Sozialdemokraten, Wenn es wahr wäre, daß der„Freie Kindergarten" und der „Freie Kinderhort" nur oder hauptsächlich von So- z i a l d e m o k r a t e n geleitet wird, so läge auch noch nicht die geringste Berechtigung fiir den von der„Neuen Zeit" zu rechtfertigen versuchten Eingriff vor. Sozialdemokraten haben dasselbe Recht wie alle anderen Staatsbürger. Ein Beamter, der deshalb, weil Sozialdemokraten„Hauptleiter und Redner" in einem Verein„Freier Kindergarten" sind, den Kindergarten verbietet, verletzt auf das flagranteste die Verfassung, nach der„vor dem Gesetz alle Preußen gleich" sind, und damit den von ihm auf Beobachtung der Verfassung geleisteten Eid. Und bei solcher, freilich nicht strafbaren Eidesverletzung leistet das ehrenwerte Charlottenburger Or- gan Helfers- und Hehlerdienste. So treibt die liberale Char- lottenburger„Neue Zeit" Schindluder mit den Prinzipien, die ihre Liberalen sonst wenigstens mit den Lippen, wenn auch nicht stets mit dem Herzen verteidigen. Die Charlottenburger„Neue Zeit" spottet ihrer selbst und weiß nicht wie. Einmal da sie den Moralsatz der wider- wärtigsten reaktionären Heuchler verteidigt: ein Unrecht wird je nach der Person, der es zugefügt wird, zum Recht. Des ferneren, weil dem„Freien Kindergarten" eine gewisse Anzahl bürgerlicher, auch Ii- beralor Frauen und Mä nncr angehören, die gemeinsam mit Sozialdemokraten in selbstlosester Weise für die kulturelle Idee des Vereins wirken, den die..Neue Zeit" mit Schmutz zu bewerfen die Liebenswürdigkeit hat. Wir führen von solchen bekannteren liberalen Persönlichkeiten, die dem Verein angehören, z. B. an: Professor Förster und die Pastoren Naumann und Kötzschke. Die Charlottenburger„Neue Zeit" genießt bei dem übergroßen Teil selbst der liberalen Presse einen Teil des Maßes von Verachtung, das seine Haltung rechtfertigt. Wir hätten die Aeußerung des Charlottenburger Organs schon deshalb mit Stillschweigen übergehen können, wenn nicht das Auftreten der Charlottenburger„Neuen Zeit" gerade in dieser Frage so deutlich zeigte, welcher Partei in Preußen die Kulturbarbaren angehören, die selbst einer Mißhandlung der Rechte von Kindern das Wort reden. Lieber ein bor- nierter rücksichtsloser, urreaktionärer, aber offener Kon- servativer als ein solcher„Liberalismus". Partei- EtogeUgenKeiten. Zur Lokalliste. Im sechsten Kreis steht uns das Lokal„Paul Obligos F e st s ä l e"(früher Wernaus Festsäle). Schwedterstr. 23/24. nach wie vor z» allen Versammlungen zur Perfügung, dagegen wird uns das Lokal„Berein Shaus", früher„Eiskeller". Chausseestr. 33. verweigert. Pflicht der Parteigenossen ist es daher, allen dortigen Veranstaltungen fern zu bleiben. Richtigstellung: In der Lokalliste muß eS unter Nieder- lehme-Abbau heißen: „Zum SportshauS", Ziegenhals, M. Mörschel, „Restaurant ZiegenhalS", Gust. Heiß. Bitte auszuschneiden und der Lokalliste bei- zufügen. "' 8_ Die Lokalkommission. Zernsdorf. Der Wahlverein von Zernsdorf und Umgegend hält am Sonntag, den 7. April, nachmittags 4 Uhr, seine Mitglieder- Versammlung ab. Trcptow-Baumschulenweg. Parteigenossen! Am Sonn- tag. den?. er., früh findet eine„Borwärts'-Agitation statt. Die Genossen wollen sich pünktlich in den bekannten Lokalen zur Ver- füauna stellen. Am M o n t a g. den 3. cr., abends 8>/z Uhr, findet in Speers Festsälen. Baumschulenstr. 78. eine öffentliche Versamm- lung statt mit dem Thema:„Die TyphuSepidemie und die Treptower G-sundheitskommission". Referent: Stadtverordneter Genosse Dr. Alfred Bernstein. � Parteigenossen! Es ist Pflicht cmeS ,eden, ,n dieser Ver- sammlung zu erscheinen und für regen Besuch zu agitieren.— Der Herr Amisvorsteher Schablow sowie die anderen Mitglieder der GesundheitSkommisston sind besonders eingeladen worden. Der Borstand. Lerlmer J�acbricbteiv Was wird geboten? An Auktionslokalcn hat Berlin keinen Mangel und noch weniger an Auttionen, die heute hier, morgen dort abgehalten werden. Zu den ständigen Auktionsstätten gehört die Pfand- kammer in der Neuen Schönhauserstraße. Nach Passieren einer gewölbten Hausdurchfahrt gelangt man in einen lang- gestreckten, ziemlich schmutzigen und schlecht gepflasterten Hof. dessen scheinbare Verwahrlosung freilich nicht wundernehmen darf, da cr hauptsächlich als Standort für die zu versteigern- den Fuhrwerke und sonstigen größeren Vehikel dient. In diesem Hofe bemerkt man auf der rechten Seite fünf durch Tafeln kenntlich gemachte Auktionslokale. immer zwei mit- einander verbunden, nur durch eine Tür getrennt, in einer langen, niedrigen, in Rohbau ausgeführten stark verwitterten Baracke, die Spuren vieler Abnutzung tragend, an die Giebel vierstöckiger Wohnhäuser angelehnt sich hinzieht, während auf der linken Seite ein sechstes Lokal isoliert steht. Schon auf dem Hofe bewegt sich eine merkwürdige Gesell- schaft. Außer den ständigen Gästen, den Altwarenhändlern, die sich gegenseitig kennen und bezüglich der abzuschließenden Käufe in einem stillen Einverständnis handeln, sieht man da auch junge Leute, zum Teil auffallende Individuen, die Gelegenheitsgeschäfte betreiben, sogenannte„Nepper" mit meistens einem Zutreibcr. vor denen man auf der Hut sein muß, will man sich nicht etwas aufreden lassen und schließlich auf einen scheinbaren Wert hineinfallen oder gar gefälschte oder auf gestohlene Uhren usw. gelöste Pfandscheine einkaufen. Kenner fallen darauf nicht so leicht hinein, aber mit den Neu- gierigen, die stets da zu finden sind, läßt sich noch immer etwas machen. Unentschlossen und mit einem unbehaglichen Gefühl stehen wir vor dem Eingang zu einem solchen„Auktionslokal". das mit seinen mißfarbenen, dunklen und schmutzigen Wänden und durchaus nicht nach Patschuli duftend einen tvenig ein- ladenden Eindruck macht. Doch wir überwinden die ansang- liche Abneigung, treten ein und mischen uns in das Gewühl der„Interessenten", die zumeist schon vor Beginn der Auktion anwesend sind und die ausgestellten Sachen aus ihren Wert beaugenscheinigen, kritisieren und taxieren. Das ist nicht ein- mal so leicht und verlangt Routine. Denn die Händler haben damit zu rechnen, daß sie vor dem Wiederverkauf Aus- besserungcn vornehmen müssen; daß ein Stück vielleicht lange auf Lager bleibt, che es weggeht. Und das Geld muß „rollen", das ist auch bei ihnen die Hauptsache. Freilich, wer sein Geschäft versteht, der kann in ein paar Jahrzehnten ein gemachter Mann sein. Der Raum, in dem wir uns befinden, ist ungefähr 10 Meter lang und 8 Meter breit, mit drei recht„betrübten" Fenstern, die wohl lange keinen Schwamm mehr gesehen und grau in grau so recht zu dem ganzen Jimern passen. 2—3 Meter des Raumes gehen in der Länge für den Ver« steigerungstisch ab, in ziemlich Manneshöhe die ganze Breite des Raumes einnehmend; sowie den Privatraum des jeweilig amtierenden Gerichtsvollziehers, der, seiner Würde voll be- wüßt, an einem besonderen Tische sitzt, in der linken Hand das Zepter— wollte sagen den Hammer— und mit der rechten Hand seine Bemerkungen in das Registrierbuch ein- trägt. Vor ihm präsentiert sich sein Ausrufer, der eigentliche Versteigerer in blauer Bluse. Unter Knuffen und freundschaftlichen Rippenstößen, was hier gar nicht auffällt, hat man sich bis nach der hohen Tafel vorgearbeitet, die durch ihre starke Abgenutztheit dapon zeugt, wie viele Geschäfte schon über sie hinweg abgewickelt worden sind. Wie viele Millionen an Geld und Wert mögen schon über eine einzige solche Tafel gewandert sein l Natürlich wird hier alles mögliche versteigert und zwar wird unterschieden zwischen freiwilligen und Zwangs- Versteigerungen. So manche kleine Wirtschaft, die hier im Wege der Zwangsversteigerung losgeschlagen wird, könnte uns erzählen, wie viel Tränen geflossen sind, als sie dem vis- herigen Inhaber abgenommen wurde, wie vielleicht der Steuercrheber wegen rückständiger Steuern, der gierige Haus- Wirt wegen schuldiger Miete den Gerichtsvollzieher mit rück- sichtsloscr Einziehung seiner Forderungen beauftragte. Aber beobachten wir einmal eine solche Versteigerung. Eben ist der Artikel„Wein und Liköre" daran. In Batterien aufmarschiert blinken uns die Flaschen mit vielversprechenden Etiketts von der hohen Tafel entgegen. Nun, aus Echtheit wird ja keine Garantie geleistet I Jetzt reicht der Versteigerer zehn derselben mit feinsten Bordeauctikctts hervor und stellt sie in Reih und Glied auf. „Was wird darauf geboten?" Nachdem nun aus einem oder zwei Gläschen abwechselnd der gehörige„Probeschluck" genommen ist. geht der Handel an. „Vier Mark!" „Vier Mark zum Zwcitritt! Vier Mark zum Zwei- tritt!"— Oho! Zum Zweitritt? Ach so.„zum zweiten und dritten" soll es heißen, bemerken wir lächelnd. „Und fünfzig!" „Vier Mark 30! Zum zwcitdrittcn! Vier Mark 30 zum zweitdritten!"— „Und fünfzig!" „Fünf Mark! Fünf Mark zum zweitdritten! Fünf Mark zum zweitdritten!"— „Und zehn!" „Fünf Mark 10— zum zweitdritten I---" Und so wird es bis zu fünf Mark 90 getrieben; da end- lich schlägt der Würdevolle mit dem Hammer auf den Tisch. der Name des Lctztbietendcn wird festgestellt, welcher alsbald den gebotenen Betrag zu bezahlen hat, und sofort erscheint ein dienstbarer Geist, um die Flaschen nach seinem vorläufigen Platz, einem Winkel der Bude, zu schaffen und einer neuen Auflage Platz zu machen. Unterdessen hat sich nach dem Ausgange hin ein sonderbarer Zwischenhandel etabliert. Hier werden die eben ge- kauften Flaschen sowie vorher erstandene Zigarren den Neu- gierigen angepriesen und im einzelnen wieder loszuschlagen versucht. Teils ist dieses ganze Treiben dem kritisierenden Neuling spaßhaft, teils widert es ihn an. dieses Hasten und Jagen nach Erwerb. Und doch ist heutzutage so mancher darauf angewiesen, sich auch auf solche Art eine Existenz zu schaffen. so viele verlassen sich auf des Zufalls Walten und hoffen, daß ihnen das Glück hold ist. Wer de« Berlinern die schlechteste Milch liefert, darüber ist in den letzten Jahren viel hin und her gestritten worden. Im Milchkrieg haben die einander bekämpfenden Parteien, die Milchzentrale wie die Milchhändler, sich alle Mühe gegeben, die Milch des Gegners als minderwertig zu denunzieren. Zwischen diesen Parteien standen aber noch ein paar andere Milchinteressenten: dieMeierei C. Bolle und die Gesellschaft zur Bekämpfung der Säuglings st erblichkeit. Als die Warnung der Gesellschaft vor der von den Milchhändlern importierten dänischen Milch von der Milchzentrale als Agitationsmittel gegen die Milchhändler aus- genutzt wurde, antworteten diese mit„Enthüllungen" über das Ergebnis der in BolleS Laboratorium ausgeführten Unter« suchungen von Milch, die auS den der Gesellschaft angeschlossenen Molkereien entnommen sein sollte. Da hatten wir dann neben- einander und durcheinander alle vier Interessenten, die im Milchlrieg eine Rolle spielten. DaS Geheimnis jener Milchuntersuchungen wurde endlich auf- geklärt— so schien es wenigstens— durch den Beleidigungsprozeß Engel-Bongert, über den wir kürzlich berichteten. Dr. Engel be- hauptete vor Gericht, die Untersuchungen von Milch aus hiesigen Molkereien seien zwar in dem Laboratorium der Meierei C. Bolle von ihrem damaligen Angestellten Tierarzt Bongert ausgeführt worden, jene später veröffentlichten Untersuchungsergebuisse seien aber schon in der Zeit vor Gründung der Gesell- schaft gefunden worden. Bongert bestritt das nicht, und so mußte die Behauptung als Tatsache hingenommen werden. Jetzt kommt aber Herr C. Bolle und teilt der Wochen- schrift„Medizinische Reform" mit, die betreffenden Molkereien seien ja dem Verzeichnis entnommen worden. das dem Aufruf der Gesellschaft beigegeben war. Die Untersuchungen, fügt er hinzu, seien in seinem Auftrage ausgeführt worden. Früher aus« geführte Untersuchungen seien bei seiner Bekanntgabe der Stallungen, in denen tuberkulöse Kühe ermittelt wurden, nicht benutzt worden. Die Redaktton der„Medizinischen Reform" hat Volles Erklärung vor der Drucklegung Herrn Bongert zugestellt, mn ihm Gelegenheit zur Gegenäußerung zu geben. Bongert hat aber geantwortet, er verzichte auf Gegenäußerung. Er begründet die Ab- lehnung damit, daß der von dem Blatt gebrachte Bericht über seinen Beleidigungsprozeß ihm zugunsten Engels gefärbt erschienen sei. Es ist recht schade, daß dieser Herr Bongert so empfindlich ist. Man hätte gern mal eine bestimmte Erllärung über diesen Punkt von ihm selber gehört, aber er will nicht... Herr C. Bolle hat noch einen anderen Grund, aus dem er jetzt mitreden zu sollen glaubt— und der ist ihm offenbar der Ivichtigste. In der„Medizinischen Reform" wurde nämlich auch eine Aeufferung wiedergegeben, die Herr Bongert vor Gericht über die Untersuchung von Milch aus Volles Meierei getan hatte. Er hatte da gesagt, das ganze Geschrei über das Ergebnis jener Untersuchungen von Milch aus den Molkereien der Konkurrenten Volles sei Unsinn, jenes Ergebnis sei ja gar nicht ungünstig, in Bollescher Kindermilch seien ja noch öfter Tuberkelbaztllen gefunden worden. Dem gegenüber behauptet jetzt Bolle, bei ihm werde aber— anders als in den damals von der Ge- sellschaft empfohlenen Molkereien— der Viehbestand gewissen- hast auf Tuberkulose untersucht und jede tuberkulöse Kuh werde unverzüglich von der Kindermilchgewinnung ausgeschlossen. Bongert habe das gewußt, habe es aber verschwiegen.„Seine Mitteilungen, die— so schließt Herr Bolle— das konsumierende Publikum in der Beurteilung der von mir gebotenen Kindermilch irrcsühren können, nötigen mich, die Angelegenheit dem Gericht zu übergebe n." Mit dieser Ankündigung wird Bolle vielleicht die„Molkerei-Zeitung" einstweilen zufriedenstellen, die zu Vongerts Aeußeruug bemerkt hatte, da habe Bolle, falls das wahr sein sollte,„sich im geschäftlichen Konkurrenz- kämpf gegen die humanitäre Gesellschaft zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit eines unqualifizierbarcn Verhaltens schuldig gemacht, für welches er die juristische bona, fides nicht für sich in Anspruch nehmen könnte". Nebenbei bemerkt: von der Gesellschaft wurde nicht die Milch der Meierei C. Bolle, sondern die der kleineren Molkereien empfohlen. Zu diesem Punkt der Bolleschen Erklärung hat übrigens Bongert der Redaktion der„Mediz. Reform" seine Gegenäntzernng nicht verweigert. Er sagt, die Anrufung des Ge- richts sei ihm„ganz willkommen"; er„würde alsdann dafür Sorge trage», daß vor Gericht die ganze Angelegenheit und noch ver- schiedenes andere zur Klarstellung käme". Warten wir also die Gerichtsverhandlung ab, die hoffentlich wirklich zustande kommt. Es sollte uns freuen, wenn sie mit dazu beitragen könnte, Aufschluß über die wichtige Frage zu geben, wer den Berlinern die schlechte st e Milch liefert. Da wir aber gerade von Milchuntersuchungen reden und Herr Bolle mitgeredet hat, so wollen wir aus einer anderen Prozeßsache ein bereits vorliegendes Erkenntnis über Milchuntersuchungen mitteilen, das Herrn Bolle angeht. In, der„Zeitschrift für Fleisch- und Milchhygiene" des Prof. Ostertag, der als Vorstandsmitglied der Gesellschaft zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit gleichfalls in dem Streit um die schlechteste Milch eine Rolle gespielt hat, lesen wir unter der Ucberschrift:„Wer trägt für hohen Schmutz- gehalt der Milch einer Großmeierei die strafrechtliche Berant- wortnng?" ein vom Zehlendorfer Tierarzt Entreß mitgeteiltes Landgerichtserkenntnis gegen Kommerzienrat Bolle. Entreß hatte einem Bolleschen Wagen zwei Milchproben entnommen. Da beide durch hohen Schmutzgehalt auffielen, übergab er sie dem Nahrungsmittel- Untersuchungsamt. Der Befund ergab Ruß und Holzfasern. Bolle kriegte S M. Strafe aufgebrummt, legte aber Bernsung ein. Vor der Berufungsinstanz bekundete der Leiter seines Lavoratoriums, die Milch werde bei ihm sehr sorgfältig filtriert. Der„Ruß" seien wohl Fcttklumpen, die durch Reibung an der Kanne eine schwärzliche Tönung an- genommen hätten, das Holz aber stamine von dem Schwimmer, der in der Kanne sich am Trichter gerieben habe. Das Gericht sah mit dem Zeugen Entreß und dem Nahrungsmittelnntersllchungsamt das als unzutreffend an. Vermutlich sei infolge groben Versehens die Milch unfiltriert ausgefahren ftvorden, Bolle sei aber frei- zusprechen, weil er in seinem großen Betriebe mit zirka 2500 Arbeitern natürlich nicht alles selber kontrollieren könne. Herr Bolle, der Kommerzienrat und Großmeier, wird zufrieden sein. WaS aber loerden seine kleineren Konkurrenten, die sich um alles selber kümmern müssen, hierzu sagen?_ Der Magistrat hat den Oberstadtsekxetär Theodor G e u d e r an Stelle des kürzlich in den Ruhestand getretenen Bureaudirektors E. H a e s e ck e zum Bureaudirektor der Stadtverordneteu-Versamm- lung gewählt. Zum Besuche der städtische» Pflichtfortbildungsschule sind alle Männlichen Arbeiter(Lehrlinge, Gehülfen, Arbeitsburschen, Laufburschen usw.) verpflichtet, welche in einem gewerblichen oder kauf- männischen Betriebe im Weichbilde der Stadt Berlin beschäftigt werden und nach dem 30. September 1890 geboren sind. Die Ver- pflichtung dauert bis zum Schluß des Schulhalbjahres, in welchem die Betreffenden das 17. Lebensjahr vollenden.— Ausgenommen von dieser Verpflichtung sind Lehrlinge und Gehülfen in Apotheken, Angehörige eines Betriebes der Fischerei und Schifferei, der advokatorischen und Notariatspraxis, des Gewerbe- betriebes der AuswanderungSunternehmer und Auswanderungs- agenten, der Versicherungsunternehmer und der Eisenbahnunter- nehmungen, ferner die in Reichs- oder Staatsbetrieben beschäftigten Personen. Die Unternehmer haben ihr fortbildungsschulpflichtiges Personal spätestens am 6. Tage nach der Annahme bei der nachstehend näher bezeichneten Stelle anzumelden und nach der Entlassung spätestens am 3. Tage dort wieder abzumelden. Die schriftlichen oder mündlichen Meldungen sind zu richten für alle diejenigen schulpflichtigen Arbeiter usw., welche beschäftigt sind: im I. Bezirk: Berlin SW. und W.(mit Ausnahme des Teiles zwischen Königgrätzerstraße, Krausenstraße und Unter den Linden, welche zum IV. Bezirk gehören, an Herrn Direktor Dageförde, SW. 47, Wartenburgstr. 12; im n. Bezirk: Berlin 3., an Herrn Direktor Kandeler, 3. 42, Wassertorstr. 4; im III. Bezirk: Berlin 30., an Herrn Direktor Fechner, ,80. 33, Görlitzerstr. 51; iin IV. Bezirk: Berlin 0.(mit Ausnahme des Teiles nördlich der Stadtbahn bis zur Linie Königstraße— Neue Königstraße, welche zum VII. Bezirk gehören) und Berlin W.(zwischen Königgrätzerstraße. Krausenstraße und Unter den Linden) an Herrn Direktor Behm, 0. 19, Niederwallstr. 7; im V. Bezirk: Berlin 0., an Herrn Direktor Kracht, 0. 17, Langestr. 31; im VI. Bezirk: Berlin 170., an Herrn Direktor Schulze, 170. 43, Georgenkirchstr. 2; im VII. Bezirk: Berlin 0.(in dem Teile nördlich der Stadt- bahn bis zur Liuie Königstraße— Neue Königstraße) und Berlin 17. (in dem Teile zwischen Brunnenstraße und östlich von ihr bis zur Stettiner Bahn) an Herrn Direktor Sangkohl. 17. 58, Greifenhagener- straße 78/82; im VIII. Bezirk: Berlin 17.(nördlich der Bohenstraße und Liesenstraße und lvestlich der Stettiner Bahn— Wedding und Gesundbrunnen) an Herrn Direktor Frauendienst. 17. 20, Griinthaler- straße 19/20; ün IX. Bezirk: Berlin 17 W.(zwischen Unter den Linden, Königs- platz. Alsenstraße, Heidestraße einschließlich) und Berlin 17. in dem Teile bis zur Boye»- und Liesenstraße einschließlich und östlich der Stettiner Bahn bis an die Brunnenstraße, letztere ausgeschlossen) an Herrn Direktor Haßman», X. 24, Friedrichstr. 126; im X. Bezirk: Berlin XIV., westlich der SiegeSallee, des Königs- Platzes, der Alfen- und Heidestraße— Moabit—) an Herrn Direktor Schmidt. X�V. 21. Bremerstr. 13-17. Die genannten Direktoren halten ihre Sprechstunden Montag, Dienstag. Donnerstag und Freitag von 4—5 Uhr. Ihre Bureaus sind wochentäglich von 1—8 Uhr nachmittags, an den schulfreien Tagen von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags geöffnet. Schulgeld wird in den Pflichtfortbildungsschulen nicht erhoben. Für die Beschaffung der nötigen Lernmittel ist der Arbeitgeber verantwortlich. Von„sozialdemokratischen Aufgaben der Kommune" war die Rede in unserem Artikel„Wählt mehr Sozialdemokraten ins Rathaus hinein"(Freitagsnummer). der über die letzte Kommunal- w äh le r v ers a mm lung des 39. Wahlbezirks berichtete. Als„sozialdemokratisch" wurden da die Aufgaben unserer Kommune Berlin bezeichnet dank einem Druckfehler— oder vielleicht war's auch ein Schreibfehler. Gemeint waren aber nur„sozial- politische Aufgaben", deren Erfüllung uns als eine Pflicht der Berliner Komniunalverwaltung gilt. Die freisinnige Mehr- heit unserer Stadtverordnetenversammlung liebt es allerdings. jede an sie herantretende sozialpolitische Forderung so- fort als„sozialdemokratisch" zu denunzieren. Auch der Oberbürgermeister Kirschner hat, als er die Magistratsvorlage über die Einführung einer Wertzuwachssteuer gegen die Clique der Haus- agrarier des Rathauses verteidigte, es sich gefallen lassen müssen, daß von dort ans über ihn gesagt wurde, nun werde er wohl nächstens zum„Ehrengenossen" ernannt werden. Doch am Ende ist es sogar richtig, daß die einzig wahre Sozialpolitik nur durch die Sozialdemokratie verwirklicht werden kann. Und insofern hätte dann der Druck- oder Schreib- fehlerteufel schließlich doch den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Frühjahrs-Schonzeit der Fische beginnt am 10. d. M. früh und dauert bis zum 9. Juni abends. Während dieser Zeit darf die Fischerei nur au drei Tagen der Woche, Montag früh 6 Uhr bis Donnerstag früh 6 Uhr. betrieben werden, während der nicht freigegebenen Zeit sind die Fischereivorrichtungen wegzuräumen oder abzustellen. Zur Warnung an Arbeitslose, die sich mit einem Rad vor den Ausgabestellen des„Arbeitsmarktes" einfinden, möge ein Vorfall dienen, über welchen uns ein Arbeitsloser folgende Angaben macht: Am 2. April las ich vor der„Lokal-Anzeiger"- Filiale in der Rathenowerstraße den„Atbeitsmarkt", als ich von einem etwa 22 jährigen Manne angesprochen wurde. Er stellte mir eine an- genehme Stellung als Grammophonautomatenkassierer bei seinem Vater in Aussicht und forderte mich auf, ihm nach der Melanchthon- straße 20 belegenen Wohnung seines Vaters mit meinem Rade zu folgen. Dort angekommen, gab er vor, oben nachsehen zu wollen, ob der Vater zu Hause sei und ging in das Haus hinein. Nach kurzer Zeit kam der mir so„Wohlwollende" mit dem Bescheid zurück, daß sich der Vater in dem Verkaufsgeschäft in der Friedrichstraße befinde und per Telephon Bescheid gesagt habe, in einer halben Stünde zu Hause zu sein. Mein Gönner forderte mich auf, mit ihm nach einem besseren Restaurant zu gehen und die Zeit abzuwarten. Weil ich aber mein Rad in ein solches Restaurant nicht mit hinein- nehmen konnte, lehnte ich ab, worauf wir uns in eine einfachere Restauration begaben. Mein Rad nahm ich mit in die Wirtschast. Hier erteilte mir der mitleidige Sohn des zukünftigen Arbeitgebers An- Weisungen, wie ich mich in der neuen Stellung zu benehmen hätte, bezahlte auch ganz zuvorkommend die kleine Zeche. Dann begaben wir uns wieder»ach der angeblichen Wohnung des Vaters. Das Rad ließ er mich auf den Hof stellen und meinte, es sei nicht zu befürchten, daß es wegkomme, denn es sei ein anständiges Haus. Dann ging's die eleganten Treppen hinauf. Jedoch schon auf der ersten Treppe bemerkte der„gutmeinende" junge Herr, er müsse noch einmal zurück, da er etwas vergessen hätte, er käme gleich nach, ich solle einstweilen nach dem dritten Stock hinaufgehen und bei seinen Vater mit Namen Nogalskh klingeln, der sei schon durch das vorhergegangene Ferngespräch von meinem Kommen mformiert. Oben angekommen, stellte sich heraus, daß gar kein Mann dieses Namens existierte und nichts Gutes ahnend, gings zurück nach dem Hof. Der„wohlwollende" junge Mann war aber verschwunden und niit ihm mein Rad. Ich war einem nichtswürdigen Schwindler in die Hände gefallen und sein Opfer geworden. Zur Warnung sei dieser Vorfall weiteren Kreisen zur Kenntnis gebracht._ Ein schweres Binuiiigliick hat sich gestern morgen in der Müllerstraße 142 ereignet. Dort wird von der Baufirma Lang u. Ernst ein Neubau für das Restaurant „Pharus-Säle" aufgeführt. In den, in der ersten Etage belegenen Saal stürzte gestern morgen das ganze Gerüst zusammen und etwa zehn Arbeiter wurden mit in die Tiefe gerissen. Vier der Ver- unglückten zogen sich bei dein Sturz schwere Verletzungen zu und einer der Leute ist bei der Katastrophe so übel mitgenommen worden, daß an seinem Auskommen gezweifelt wird. Sechs der Verunglückten kamen glücklicherweise mit dem Schrecken davon. Die schwerer Verletzten wurden sofort nach der Unfallstation in der Lindowerstraße gebracht, wo sie die ersten Notverbände erhielten. Am schwersten verletzt war der 27jährige Stukkateur Hans Weyer aus der Frankfurter Allee. W. wurde in bedenklichem Zustande mittels Krankenwagens in das Krankenhaus Moabit geschafft. Die anderen Verletzten sind die Maurer Otto Hoffmann, Ruheplatzstr. 23, Karl Kretzschmar, Hermann- straße 202, und der Stukkateur Friedrich Egeholz, Sonntagstr. 2 lvohnhaft. Die Ursache des Einsturzes soll darauf zurückzuführen sein, daß das Gestänge nicht genügend versteift war. Die Unterlage vermochte infolgedessen die Last der Arbeiter nicht zu tragen. Die Schuld wird von den Arbeitern dem leitenden Polier, einem noch jungen Manne, zugeschrieben._ Bier Personen bei einem Automobilunfall verletzt. In der Königsallee der Kolonie Grunewald ereignete sich am Donnerstag- nachmittag 2 Uhr ein schwerer Automobilunfall, von dem die Familie des früheren Direktors der Deutschen B.ank, Max Stein- thal, hart betroffen wurde. Der 18jährige Sohn Erich und dessen 15jährige Cousine Elsa L e v y trugen sehr schwere Verletzungen davon, so daß sie alsbald operiert werden mußten. Zwei weitere Kinder des Direktors kamen mit leichten Quetschungen und Haut- wunden davon. Veranlaßt wurde der Unfall dadurch, daß das Automobil beim Ausweichen vor einem anderen Gefährt mit voller Wucht gegen einen eisernen Mast fuhr, wobei die Insassen hinaus- stürzten. Gestern ist die schwer verletzte Elsa Levy ihren Verletzungen erlegen. Das leidige Abspringen. Zwei Personen haben Dannerstag- abend die Unsitte, während der Fahrt die Stadtbahn respektive die Straßenbahn zu verlassen, schwer büßen müssen. Auf dem Bahnhof Wedding sprang die elfjährige Schülerin Elise Simon, Rönnestr. 10 lvohnhaft, auß einen« Nordringzuge, der sich noch in der Fahrt be- fand. Sie schlug mit dem Kopf auf den Bahnsteig und zog sich eine schwere Gehirnerschütterung zu.— In der Nähe des Nettelbeck- Platzes verunglückte die Witwe Stummer aus der Kantstr. 51 durch eigene Schuld. Sie verließ während der Fahrt trotz der Warnung des Schaffners einen Straßenbahntvagen, kam zu Fall und wurde auf den Fahrdamm geschleudert. Die. Unvorsichtige erlitt-gleichfalls eine Gehirnerschütterung sowie schwere Quetschwunden. Sie wurde nach Anlegung von Notverbänden auf der Unfallstation 6 in das städtische Krankenhaus gebracht.. Ei» Kinderhandel, der anscheinend gewerbsnräßig betrieben wird, beschäftigt die Äriminalbehörden von Berlin und Hannover. Seiner- zeit meldete sich auf die Anzeige einer Frau in Hannover, daß sie ein Kind zu vergeben habe, eine Frau, die sich Lehrerfrau Fricke nannte und Mittelweg 61 in Blankenese zu wohnen angab. Frau Fricke erhielt das Kind und versprach, über sein Gedeihen zu berichten. Als diese Berichte ausblieben, erkundigte sich die Mutter und erfuhr, daß die Frau sie belogen hatte. Wo das Kind geblieben ist, weiß man heute noch nicht. Eine„LehrerSfrau Dehnke" erschwindelte sich im vergangenen Jahre auf dieselbe Weise in der Nähe von Hannover ein Kind nach einem längeren Briefwechsel mit der Mutter, der postlagernd Hannover geführt wurde. Auch dieses Kind ist verschwtinden wie zwei andere, die kürzlich in Berlin ab« gegeben wurden. Gesperrt. Die Winterfeldtstraße von Potsdamerstraße bis Zietenstraße wird behufs Asphaltierung vom 8. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Gestohlen wurden am 2. April einem Arbeiter auf dem in Schöneberg Torgauer- und Gustav Müllerstraße belegenen Bau die Legitimationspapiere. Das Verbandsbuch trägt die Nummer 310 und das Wahlvereinsbuch die Nummer 6626; beide Bücher lauten auf den Namen Gustav Gallen, Kolonnenstr. 6. Aus der Treptow-Sternwarte spricht Dozent Jens Lützen am Sonntag, den 7. April, nachmittags 5 Uhr, über:'„Können wir mit dem Mars in Verbindung treten?", um 7 Uhr:„Wie entstehen landschaftliche Schönheiten?" Die Vorträge sind mit zahlreichen Lichtbildern ausgestattet.— Mit dem großen Fernrohr wird während der ganzen Woche nachmittags die Sonne, abends der Jupiter bezw. der Doppelstern Castor beobachtet. Der Wintcrgarten hat sich fürs Aprilprogramm wieder eine erstklassige Künstlerin auf dem Gebiete der Tanzkunst verschrieben: die Cleo de Mörode. Sie tanzt heute noch so wie vor Jahren, als sie im Wintergarten debütierte und wartet diesmal unter anderem mit einem Hindutanz auf. Große Triumphe feierte die Beleuchtungs- kunst in den von Mlle. Hero dargestellten Phantasiebildern: Die Favoritin, Venus aus der Oper ,. Tannhäuser", Morgenstern. Fontaine Lumineuse, Schmetterling und Sonne. Auf dem Gebiete der Jonglierkunst produzierte sich Herr N e b l a, während sich zwei Chinesinnen als geschickte Akrobatinnen erwiesen. Mit ihren dressierten Elefanten erzielt Miß Orfords nach wie vor den größten Beifall. Es ist einfach ergötzlich, zu sehen, wie diese plumpen Tiere mit ihrer Lehrerin den Cace Walk tanzen oder gar eine regelrechte Kegelpartie inszenierten, wobei ein Elefant auch die tahl der gefallenen Kegel mit Kreide an die Tafel schreibt. Das uge kommt zu seinem Recht in dem von der Tillertruppe aus- geführten Balletdivertissement:„J m Wunderland", und man kommt sich vor, als befände man sich in einer Kostümvorstellung. Glanz und Flitter müssen aber auch alles machen. Im wissenschaftlichen Theater der Urania finden in dieser Woche die letzten Wiederholungen des dekorativ und szenisch ausgestatteten Vortrages„Die Feuergewalten der Erde" statt. Am Sonnabend nachmittags 4 Uhr wird der Vortrag„Am Golf von Neapel", welcher mit zahlreichen farbigen Bildern begleitet ist, noch einmal zu kleinen Preisen gehalten.— Im Hörsaal beginnt am Dienstag nachmittags 6 Uhr Dr. B. Donath eine Reihe von Experimental- Vorträgen über die Mechanik flüssiger und gasförmiger Körper, sowie Einleitung in die Akustik(II. Quartal). Karten für diesen Zyklus sind an der Kasse des Instituts Taubenstr. 43/49 erhältlich.— Im großen Hörsaal der Urania- Sternwarte in der Jnvalidensttaße wiederholt am Sonntag Herr Dr. Peters seinen Vortrag„Das Leben auf Samoa" noch einmal. Der Vortrag beginnt um 8 Uhr. Die Feuerwehr wurde wegen einer Explosion nach der Eisen- gicßerei von Keyling u. Thomas in der Ackerstr. 129 gerufen. Dort ivar ein Tigel mit flüssigem Eisen in eine Grube mit Wasser ge- stürzt. Durch die Zersetzung des Wassers explodierte der Waffertopf und gerieten gleichzeitig mehrere niedrige Pappdächer auf dem Hofe in Brand. Durch kräftiges Wnssergeben wurde die Gefahr indes schnell beseitigt.— In der Sebastianstr. 4 wurde eine Frau tobsüchtig und versuchte sich aus dem Fenster zu stürzen. Als die von den Haus- bewohnern alarmierte Feuerwehr erschien, hatte man die Frau beruhigt und der Polizei übergeben.— Nachts um 3 Uhr erfolgte ein Alarm nach dem Arkonaplatz. Grober Unfug war die Ursache. Um 1 Uhr nachts stand in der Laubenkolonie an« Verlorenen Weg zwischen Berlin und Hohen-Schönhausen eine große Laube in Flammen. Als die Feuer- wehr erschien, war nichts mehr zu retten. In der Dalldorferstr. 6 mußte ein Küchenbrand und in der Oranienstr. 192 ein Kellerbrand gelöscht werden. Stroh, Körbe, Scheuertücher usw. brannten dort. Ferner hatte die Wehr noch in der Weber-, Gormann-, Freien- walder- und Oranienburgerstratze zu tun. Im Berliner Aquarium sind jetzt die ersten großen Transporte tierischer Lebewesen aus dem Mittelmeergebiet durch die Station Rovigno eingeliefert. Sie umfassen Angehörige aller in Betracht kommenden Formenkreise des Tierreiches. Von den Fischen sind insbesondere die in Aeußcrcm und Lebensweise höchst anziehenden Büschelkiemcr zahlreich vertreten und nun eine reizvolle Besatzung des sogen. Seepferdchenbeckens. Von Blumcntieren trafen sechs Arten in zahlreichen Exemplaren ein, die eine immer farbenschöner als die andere; in erster Linie zieht eine Cereactis mit prächtig rotem Körper und langen, fingerförmigen, rotgcspitzten Tentakeln und die ein gewisses Einsiedlerleben führende, ein bald grünlich- braunes, bald gelbes oder rotes Farbenkleid tragende Höhlcnrose die Aufmerksamkeit auf sich. In eigentümlicher Anmut und Schön- heit erscheinen zwei Arten der in selbstgebauten, freistehenden Kalk- und Sandröhren wohnenden Serpeln durch die aus den Röhren herausragenden prachtvollen, zarten, langen und bunten Kiemen- fädcnbüschel.' Und aus der Gruppe der glänzenden Meerschwämme leuchtet vornehmlich ein kugeliger gelber Äieselschwamm, ein Tethya. hervor., Der Zoologische Garten hat seine aus etwa 35 Arten bestehende Affcnsammlung um zwei seltene Formen vermehrt, die im neuen Affenhause untergebracht sind. Da ist zunächst ein schönes Paar indische Wanderus mit langem, glänzend schwarzem Pelz, von dem ein eigenartig das Gesicht umrahmender Bart seltsam absticht. Es sind stille, ernst und würdig aussehende Tiere, die nichts von dem Uebermut des andern Neuankömmlings, einer schmucken, West- afrikanischen Diana-Meerkatze haben. Oberseits dunkel gefärbt, fällt diese Meerkatze durch ihren langen Spitzbart auf, der wie die ganze Unterseite des Tieres weiß gefärbt ist und letzterem ein sehr apartes Aussehen verleiht. Vorort- j�aebnebtem Grotz- Lichterfelde. Bom I.Mai dieses Jahres ab wird Groß- Lichterfelde- Ost Schnellzuastation. Auf wiederholte Eingaben des Grundbesitzer- Vereins Ost hat vor einigen Tagen die Eisenbahndirettion zu Halle a. t. mitgeteilt, daß vom 1. Mai ab versuchsweise die Schnellzüge Nr. 4 Berlin ab 9«> .10.. 1°° „25„ an 11� „ 3„.8« in Groß-Lichterfelde-Ost halten werden. Falls bei der Durchführung dieser Einrichtung Betriebs- oder Berkehrsschwicrigkeiten hervortreten sollten, sowie bei ungenügender Benutzung der Verbindung im Fern- verkehr muß die Wiederbeseitigung der Aufenthalte in Aussicht ge- nommen werden. Diese Neuerung dürfte unzweifelhaft nicht nur für Groß-Lichterfelde, sondern auch für die angrenzenden Ortschaften von Interesse sein. Die Befürchtung, daß der Aufenthalt der Schnell- züge in Groß-Lichterfelde nicht lohnen und deshalb eine Wieder- beseitigung der Maßregel zu erwarten ist, dürfte nicht zutreffen. So- wohl Lichterfelde, wie auch seilte angrenzenden Nachbarorte Lankwitz, Steglitz. Zehlendorf uslo. beherbergen eine reiche und reiselustige Ein- wohnerschaft, die das Anhalten des Schnellzuges schon zu einer lohnenden Einrichtung machen wird. Nixdorf. denen die Wahrheit gesagt wurde, die Absicht der Beleidigung herbor- la ufnahme ergab jedoch, daß F. ohne zwingende Notwendigkeit Ein Bauunfall mit tödlichem Ausgange ereignete sich gestern geht. Eine Beleidigung ist ferner ausgeschlossen, wenn die sonst auf Bimmermann geschossen hatte. Der Staatsanwalt bebormittag auf dem Peterschen Neubau, Reuterstr. 69. Dort war der beleidigende Handlung in Wahrnehmung berechtigter Interessen antragte eine Gefängnisstrafe von 1½ Jahren. Die Strafim Alter von zwanzig Jahren stehende Zimmerer Krause, Warschauer- erfolgt. Rechtspflegeorgane, die nicht vom und aus dem Bolle ge- ammer zog in Betracht, daß der Angeklagte es nur der ärztlichen Kunst zu verdanken habe, daß er nicht unter der Anklage des Totstraße wohnhaft, in der vierten Etage mit dem Hochwinden eines wählt sind und aus allen Kreisen der Bevölkerung zusammengesezt schlages vor dem Schwurgericht stehe. Mit Rücksicht auf die schweren zu berbanken habe, daß er nicht unter der Anklage des TotBaltens beschäftigt, als er plötzlich von der Wrange in die Tiefe sind, können diese aus dem Recht und der Notwendigkeit, die Wahr- Folgen, welche die Tat des Angeschuldigten nach sich gezogen habe, geschleudert wurde. Ob den Verunglückten beim Aufwinden die heit zu schützen, folgenden Grundsäße nicht unparteiisch an- ging das Gericht erheblich über den Antrag des Staatsanwalts Kräfte verlassen haben oder der Unfall auf Unvorsichtigkeit zurück- wenden. Daher ist es nicht mehr auffällig, wenn auf Ge- hinaus und erkannte auf 2% abre Gefängnis. Zugleich zuführen ist, fonnte nicht ermittelt werden. Der Unglückliche starb bieten, wo Arbeiterinteressen in Frage stehen, von Tag wurde F., da mit Rücksicht auf die Höhe der Strafe Fluchtverdacht fofort und wurde dem Schauhauſe in Berlin zugeführt. zu Tag mit der wachsenden Zuspigung der Gegensäge trasfere borlag, fofort in Haft genommen.. Urteile gezeitigt werden, die dem gesunden Rechtsbewußtsein entSchöneberg. gegenstehen. Ueber ein solches Urteil, das dieser Tage in Hannover gefällt wurde, wird uns berichtet: Ein Arbeiter, der während eines Streits seinen Arbeitskollegen in den Rücken fällt, handelt als Verräter der Arbeiterinteressen. Sagt ihm das ein Arbeiter, so spricht er, noch dazu in Wahrnehmung berechtigter Interessen, entstand gestern auf Zeche Dahlbusch in Schacht V nach einem Grubenexplosion. Wie aus Gelsenkirchen berichtet wird, die Wahrheit aus. Ihn wegen dieser Aeußerung als Beleidiger zu Sprengschuß eine Explosion. Bier Bergleute wurden schwer bestrafen, heißt, die Unaufrichtigkeit und den Verrat zum Grundsak verlegt. unserer Rechts- und Staatsordnung erheben. Und doch ist in Sieben Häuser niedergebrannt. In Blumenfeld, Amt Hannover ein Arbeiter wegen Beleidigung bestraft, der einen Engen, sind, wie aus Konstanz berichtet wird, gestern nacht sieben Streitbrecher nicht Verräter nannte, sondern nur in Wahrnehmung Häuser abgebrannt. berechtigter Interessen als Streitbrecher im Verein bezeichnete. Der Fall lag wie folgt: Von einem Möbelwagen überfahren wurde gestern abend der achtjährige Schüler Kunze aus der Luitpoldstraße 12. Mit anderen Spielgefährten hatte sich der Knabe an die Deichsel eines Möbelwagens angehängt. An der Ecke der Luitpold- und Martin Lutherstraße stürzte er von der Deichsel herunter und der nachfolgende Wagen ging über ihn hinweg. Beide Unterschenkel wurden dem Kinde gebrochen. K. fand im Schöneberger Krankenhause Aufnahme. Lichtenberg. Die soziale Einsicht" unserer bürgerlichen" Gemeindebertreter fam während der Etatberatung zur Geltung. Die Sozialdemokraten stellten bei dem Titel„ Schulärzte" den Antrag, die Untersuchung der Kinder durch Spezialärzte Augenärzte, Zahnärzte vor nehmen zu lassen. Hierauf wurde entgegnet, die Augenuntersuchung fönne von jedem praktischen Arzte vorgenommen werden, die Bahn pflege aber sei Aufgabe der Eltern, man könne doch diesen nicht die ganze Erziehungspflicht abnehmen! Der Gemeindevorstand hat die Stelle eines befoldeten Schöffen ausgeschrieben. Die Bewerber sind verpflichtet, bei der Stadtwerdung eventuell eine Stadtratsstelle anzunehmen. Erkner. Infolge einer unsinnigen Wette hat sich in Ertner ein schwerer Unglüdsfall ereignet. Dort hatte ein Kutscher des Fuhrherrn Schwenn mit mehreren Freunden vorgestern abend eine amerikanische Luftschaukel bestiegen und gewettet, daß er besonders hoch schwingen fönne. Er segte nun den Schaukeltahn in so starke Bewegung, daß plöglich das eine Seil riß und der Kutscher, der trotz Verbotes in dem Boote gestanden hatte, in weitem Bogen auf die Erde geschleudert wurde. Der Verunglückte wurde in besinnungslosem Zustande nach dem Krankenhause in Fürstenwalde übergeführt, wo schwere innere Verlegungen festgestellt wurden. Reinickendorf. " Vermischtes. 200 Morgen Wald verbrannt. Wie aus München- Gladbach beWährend des Streiks der Arbeiter der Gummitamm- Compagnie richtet wird, zerstörte in Gangelt ein großer Waldbrand 200 Morgen haben zehn ältere Arbeiter, die Mitglieder der Unterstügungstasse der prächtigen Kiefernwaldes. Stammschleifer waren, vor Beendigung des Streits die Arbeit wieder Große Besorgnis herrscht in Marseille über den russischen aufgenommen. In einer Versammlung der genannten Unter- Dampfer Mathilde", der bereits seit zwei Wochen überfällig ist. worsigende, Arbeiter Wilhelm Wagner, erklärte vor Einstügungskasse wurden diese zehn Mitglieder ausgeschlossen. Der Man befürchtet, daß er während eines Sturmes untergegangen ist. tritt in die Verhandlung: Die Pocken. In Triest sind in der Familie des Gepäckträgers Er fordere die Streifbrecher Forstner die schwarzen Blattern ausgebrochen. Seitens der Beauf, die Versammlung zu verlassen. Die drei anwesenden hörden wurden die umfassendsten sanitären Maßregeln getroffen. Strafantrag wegen Beleidigung. Der Angeklagte Wagner eingeschleppt worden sei. Arbeiter Ahrens, Sandmacher und Brinkmann stellten daraufhin Man vermutet, daß die Seuche aus Frankreich oder Russisch- Polen berief sich auf die Wahrnehmung berechtigter Interessen und betonte, Ein Millionen- Defraudant. In Mailand ist ein hoher daß die genannten Zeugen ja wirklich streitbrüchig geworden städtischer Beamter nach Verübung großer Unterschlagungen zum waren. Das Schöffengericht Hannover sprach ihm indes Schaden der Stadt flüchtig geworden Es soll sich um Millionen die Wahrnehmung berechtigter Interessen nicht zu, betonte, daß der handeln. Angeklagte sich hätte anders ausdrücken können, der Ausdruck Streitbrecher sei stets beleidigend. Es erkannte auf 20 M. Geldstrafe eventuell vier Tagen Gefängnis und Publikationsbefugnis. Dies Urteil kann vor den höheren Instanzen schwerlich Bestand behalten. Am Abend Zwei Kesselrohrexplosionen ereigneten sich einem Telegramm aus Portsmouth zufolge auf dem Schlachtschiff Dreadnought" während der letzten Versuchsfahrten. Die erste Explosion im Golf von Aranci machte einen Kessel für den Rest der Fahrt unbrauchbar, die zweite ereignete sich auf der Heimreise von Trinidad; drei Heizer find schwer verbrüht. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter. Aus dem Fenster des zweiten Stodes gestürzt ist am Donnerstag Eine folgenschwere Schießaffäre bormittag das fünfjährige Söhnchen der Eheleute Saworski, Justus- beschäftigte gestern die zweite Straffammer des Landgerichts II. Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be. straße wohnhaft. Die Frau S. hatte den Kleinen allein in der Wegen schwerer Körperverlegung mußte sich der 38jährige Arbeiter mutung für jedermann, SW., Alexandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von Wohnung gelassen, um Einkäufe zu besorgen. Während ihrer Ab- August Fleming vor dem Strafrichter verantworten. Der An- 5-10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9-1 und 3-6 Uhr. wesenheit kletterte der Kleine auf die Fensterbrüstung, beugte sich zu geklagte arbeitete mit einem Arbeiter Zimmermann zusammen inn den Lesesälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. weit aus dem Fenster heraus und stürzte, das Gleichgewicht ver- war. Zimmermann, der sich gern mit dem Angefchuldigten nedte Sonntag, den 7. April, nachmittags 2 Uhr, im Lokale des Herrn Hoppe, einer Fabrit, in welcher auch der Sohn des Fleming beschäftigt Verein der Buchdrucker und Schriftgießer für Rigdorf- Brik. lierend, aus der Höhe der zweiten Etage auf das Straßenpflaster und hänselte, ugte ihn eines Tages dadurch, daß er behauptete, der Hermannstr. 49: Vereinsversammlung. hinab. Schwer verletzt wurde das Kind nach dem Kinder- Kranken- junge Fleming fönne gar nicht arbeiten, da er zu dumm dazu sei. hause gebracht, wo es hoffnungslos daniederliegt. Als 3. diese Neckereien fortjente, tam es in dem Arbeitsraume schon abends 8, Uhr, bei Batt, Dragonerstr. 15: Mitgliederversammlung. E. H. 29 Hamburg. Filiale Berlin 5. Sonnabend, den 6. April Ein schwerer Automobilunfall hat sich vorgestern abend in der zu Tätlichkeiten, die jedoch wieder beigelegt wurden. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 7. April, vormittags Seestraße, Ecke der Residenzstraße, zugetragen. Die 68jährige des 15. Dezember trafen sich die beiden Arbeitskollegen in 18 Uhr, im Rathause, Eingang Jüdenstraße, Saal 108: Bersammlung, Freis Näherin Paula Lindner überschritt an der genannten Stelle den einem Lokal in Schöneberg. Anfänglich ging alles noch ge- religiöse Vorlesung. Vormittags 10%, Uhr, in der Turnhalle der Schule zu, erst als Zimmermann wieder mit Fahrdamm und bemerkte dabei nicht, daß ein Privatautomobil in mütlich seinen Kleine Frankfurterstr. 6: Vortrag des Herrn Wilhelm Bölsche über„ Neue er würde ihm, Forschungen über die Entwidelungsgeschichte der Erde". Herren und Damen mehr auszuweichen und lief direkt gegen das Kraftfahrzeug. Sie wurde von den Rädern erfaßt und erlitt schwere innere und äußere der Straße kam es auf dem Heimwege zu einer Prügelei zwischen Sebastianstr. 39: Beschließende Bersammlung( für Mitglieder mit weißer Verlegungen. In bewußtlosem Zustande wurde die Bedauernswerte beiden. Plöglich riß der Angeklagte eine kleine Tesching. Legitimation). Tagesordnung: Wahlen. Parteigenossen aus dem Wahlkreise Steinau- Wohlau- Guhrau nach der Unfallstation in der Badstraße gebracht, wo sie die erste pistole hervor und drückte mit den Worten:" Die Kugel ist für Hülfe erhielt, und dann nach dem Lazarus- Strankenhause über- Dich!" auf Zimmermann ab, der sofort mit einem lauten Aufschrei geführt. zu Boden stürzte und bewußtlos liegen blieb. Die Kugel, die nur wenige Millimeter Kaliber hatte, war unter- Wetter Prognose für Sonnabend, den 6. April 1907. halb der Achselhöhle in den Körper des 3. eins Kühl und vorwiegend trübe mit geringen Niederschlägen und gedrungen und hatte die Lungenspize durchbohrt. frischen nordöstlichen Winden. Die Verlegung verschlimmerte sich durch das Hinzutreten einer Berliner Betterbureau. Fistel derartig, daß der Getroffene lange Zeit hindurch in Lebenshause entlassen werden konnte, da die Atemluft durch jene offene Dresden+1,02 dp. gefahr schwebte und erst am Tage vor dem Termin aus dem Kranken- Wafferstand am 5. April. Fistel entweicht. Bor Gericht behauptete der Ang etlagte, er bei Straußfurt diesem Augenblick herannahte. In ihrer Angst vermochte die 2. nicht Neckereien begann, drohte der Angeklagte, wenn er damit nicht aufhöre, die Jacke voll hauen. Auf als Gäste sehr willkommen. Montag, den 8. April, abends 8 Uhr, Gerichts- Zeitung. Die Wahrheit zn sagen ist stets strafbar. Die Klassenjustiz treibt allerorten wunderliche Blüten. Selbst unser reaktionäres Strafgesetzbuch betont, daß eine Beleidigung in der Behauptung einer erweislich wahren Tatsache nur liegen kann, wenn aus der Form der Behauptung oder aus den Umständen, unter Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Bublikum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Sonnabend, den 6. April. Anfang 7 Uhr. Kgl. Opernhaus. La Damnation de Faust. Nenes tgl. Operntheater. Don Juan. Kgl. Schauspielhaus. Die Duigows. Deutsches. Der Revisor. Kammerspiele. Das Friedensfest. Anfang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Weh, dem, der lügt. Lessing. Die Stüken der Gesellschaft. Anfang 8 Uhr. Berliner. Der Hund von Basterville. Schiller 0.( Wallner Theater.) Weh' dem, der lügt. Schiller- Theater Charlottenburg. Traumulus. Schiller N.( Friedrich Wilhelm. städtisches Theater.) Unsere Stäte. Komische Oper. Faust's Berdammung. Lorking. Der Barbier von Sevilla. Zentral. Wiener Blut. Westen. Die lustige Witwe. Nachmittags 3 Uhr: 8ar und Zimmermann. Kleines. Bunbury. Nenes. Der Dieb. Residenz. Haben Sie nichts zu berzollen? Lustspielhaus. Husarenfieber. Deutsch- Amerikanisches. Mamzelle Nitouche. Kasino. Nick Carter. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. wollen ihre Adressen an den Genossen Gustav, Kunzendorf, Wrangelstr. 14, gelangen laffen. Elbe bei Aufstg Meter, bei Elbe bei Magdeburg 3,54 Meter. Elbe Meter. Dber bei Statibor 3,30 Meter. fei von Zimmermann zuerst angegriffen worden und habe nur in Dber bei Breslau+0,78 meter.- Dber bei Brieg 3,66 Meter. der Notwehr von der Schußwaffe Gebrauch gemacht. Die Beweis- Reißemündung 3,21 Meter. Schiller- Theater. Folies Caprice. Eine Nacht in Schiller- Theater O.( Wallner- Theater). der Apotheke. Im Inspektions- Sonnabend, abends 8 Uhr: zimmer. Figaro. Geschlossen. Intimes. Eine vom Ballett. Zapfenstreich. Prater Theater. Geschlossen. Palast. Spezialitäten. Passage. Mal was Anderes. Spezialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Nachm. 4 Uhr: Sicilien. Urania. Wissenschaftliches Theater. 4 Uhr: Sizilien. ( Kleine Preise.) 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Sonnabend, Sonntag, Montag: Der Bund von Baskerville. Anfang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus Anfang 8 Uhr. Thalia. Olympische Spiele. Nacht- Weh dem, der lügt. asyl. Luisen. Der Trompeter von Sätfingen. Nachmittags 4 Uhr: Lumpacivagabundus. Sonntag: Herthas Hochzeit. Trianon. Fil. Josette meine Kleines Theater. Frau. Bernhard Rose. Der Pfarrer von Kirchfeld. Abends 8 Uhr: Metropol. Der Teufel lacht dazu. Eine triviale Komödie für Gebr. Herrufeld. Ein verrüdtes Ein verrüdtes seriöse Leute.( Bunbury.) Hotel. Wintergarten. Cleo de Mérode. Spezialitäten. Apollo. Der Triumph des Weibes. Spezialitäten. Sonntag nachm. 3 Ubr: Nachtasyl. Abends 8 Uhr: Ein idealer Gatte. Montag: Eine triviale Komödie für feriöse Leute.( Bunbury.) Weh' dem, der lügt. Schiller- Theater Charlottenburg. Sonnabend, abends 8 Uhr: Traumulus. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Luftspiel in 5 Auszügen von Franz Schauspiel in 5 Atten von Arno Holz Der Dieb. Grillparzer. Sonntag, nach m. 3 Ubr: Der Vogel im Käfig. Sonntag, abends 8 Uhr: Im bunten Rock. Mantag, abends 8 Uhr: Narrenglanz. C br: und Dstar Jerschke. Sonntag, nach m. 3 Der Pfarrer v. Kirchfeld. Sonntag, abends 8 Uhr: Kabale und Liebe. Montag, abends 8 Uhr: Im bunten Rock. astans Panopticum Friedrichstraße 165 Sonntag und folgende Tage: Der Dieb. Lustspielhaus. Husarenfieber. Residenz- Theater. Täglich abends 8 Uhr: Direktion Richard Alexander. Anfang 8 Uhr. Haben Sie nichts zu verzollen? Lortzing- Theater: Schwant in 3 Aften v. M. Hennequin Bellealliancestr. 7/8. Abends 8 Uhr: und P. Veber. Robert de Tripelin: Rich. Alerander. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Stündlich, Leiden u. Tod Jesu, Kinematographische Der Barbier von Sevilla. Brinzgemahl. Vorführung. Von abends 7 Uhr ab: Berliner Sänger. Reichhaltiges und originelles künstlerisches Programm. Zirkus Schumann Zirkus Busch. Heute Sonnabend, den 6. April 1907: Fortsetzung des Finale der großen internationalen Ringkampf- Konkurrenz Bon heute ab werden sämtliche angesezten Kämpfe bis zur Entscheidung ausgeführt. Heute ringen bis zur Entscheidung Chemjakin, Rußland und Omer de Bouillon, Belgien Paul Pons, Paris und Lassartesse, Bordeaux. Vorher: Gala- Programm und zum Schluß: St. Hubertus. Preise. Sonnabend, 6. April, 7%, Uhr: Das vollständige große Gala- Programm Die neuengagierten Geschwister Foureaux Francesko und Alberto. Ein Abend in der American Bar. Um 9 Uhr: ROM. Große Drig.- Ausst.- Bantomime in 7 Bildern. Besonders hervorzuheben: Die Todesfahrt über die zersprengte Brücke. X Radium- Ballett. X Feenhafte Licht und Wasserspiele. Morgen Sonntag: 2 große Gala Varstellungen nachm. 4 Uhr, abends 7 Uhr. Jedes Sind unter zehn Jahren( außer Galerie) halbe Preise. = Abonnements gültig! Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die lustigen Weiber von Windsor. Abends 7%, Uhr: Der Freischütz. Metropol- Theater Anfang 8 Uhr. Zentral- Theater. Der Teufel lacht dazu. ( Operette.) Täglich abends 8 Uhr: Gastspiel des Herrn Ed. Steinberger: Wiener Blut. Sonntag 3 Uhr: Der Bettelstudent. Schiller- Theater N. Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater Abends 8 Uhr: Unsere Käte. Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. Nachmittag 4 Uhr zu fleinen Preisen: Lumpacivagabundus oder: Das liederliche Kleeblatt. Abends 8 Uhr: Der Trompeter von Säkkingen. Sonntag 3 Uhr Kleine Preise: Lenore oder: Die Grabesbraut. 8 Uhr: Lumpacivagabundus Das lieberliche Kleeblatt. Seute reine erhöhten Bree. DERNHARD ROSE THEATED mabagabumbus oder: Sonntag 2 Galavorstellungen. Nachm. ein Kind frei. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brummenftr. 16. Große Extra- Vorstellung. Anna Lise. Schauspiel in 5 Alten von Hersch. Anf. 8 Uhr. Entree 30 Bf. Ball. Ehren- und Borzugskarten gültig. Sonntag: Dieselbe Vorstellung. ( Gr. Frankfurterstr. 132. Benefizvorstellung für Frieda Huse. Der Pfarrer von Kirchfeld. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Massary, Wolff. Bender. Giampietro. Josephi. Rauchen überall gestattet. Sonntag, 7. April, nachm. 3 Uhr: Auf in's Metropol. Brunnen- Theater Gesundbrunnen. Badstraße 58. Direktion: Bernhard Rose. Große Extra- Vorstellung. Sherlock Holmes Detektivkomödie in 4 Atten. Kaffeneröffnung 7 Uhr. Anf. 8 Uhr. Morgen Sonntag 7 Uhr abends: Das Geheimnis der alten Mamsell. Montag, den 8. April Benefiz Rosa Schäffel: Romeo und Julia. Intimes Theater Kasino- Theater Dresdenerstraße 97. Gastspiel des Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Nen! Nesemann" der beliebte 99 Boltsstüd mit Gesang in 5 aften Budapester Burlesken- Ensembles. Das vollständig neue April- Programm von Anzengruber. Billettvorverkauf von 10-1 Uhr an der Theatertaffe. Morgen abend: Sherlock Holmes. Linée Wolf. „ Eine vom Ballett."* #Zapfenstreich." Bunter Teil.. Nick Carter. Nid Carter, Detektiv: Dir. Hans Berg. Sonntag 4 Uhr: Ledige Leute. Deutsch- Amerikanisches Theater. Zentralverband der Handels-, Transport- u. Verkehrsarbeiter Gesamtgastspiel Theater des Westens. Heute und jeden folgenden Abend: Mamselle Nitouche. Alma Succur und Edm. Löwe a. G. Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin. " Gewerkschaftshaus", Engel- Ufer 15, II, 3immer 13-17. Bureau: Telephon- Amt IV, Nr. 4747. Arbeitsnachweis: Telephon- Amt IV, Nr. 3348. Trianon- Theater. Mitglieder aus allen Branchen! Anfang 8 Uhr. Am Sonntag, den 7. April 1907, vormittags von 9 bis 1 Uhr, finden die Fräulein Josette meine Frau. 23ahlen der Delegierten zur Haupt- Generalversammlung in folgenden Lokalen statt: Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Liebesschaukel. Folies Caprice Linienstr. 132, an der Friedrichstr. Kolossaler Erfolg! Eine Nacht 5. Kolberger Salon, Kolbergerstraße 23. 6. Berolina- Säle, Schönhauser Allee 28. 7. Keller( Inh. Freyer), Koppenstraße 29, Tunnel. 1. Industrie- Festsäle, Beuthstraße 19/20. 2. Donath, Schönleinstraße 6. 3. Wiemers, Bülowstraße 49. 4. Kronenbrauerei, Alt- Moabit 47/48. Mitgliedsbuch ist am Eingang zum Wahllofal vorzuzeigen. Mitglieder, welche mit ihren Beiträgen über zehn Wochen im Rüdftande sind, haben kein Wahlrecht. Zu wählen find 12 Delegierte. Die Wahl erfolgt in der Weise, daß den Mitgliedern am Eingang zum Wahllokal gegen Borzeigung ihres in der Apotheke. Mitgliedsbuches die Standidatenliste ausgehändigt wird, welche folgende 20 Namen enthält: Anfang 8 Uhr. Vorverkauf an der Theaterkaffe und bei Wertheim. WWMOBARTEN 65 Cleo de Mérode 18 Werner, August 66 Steinide, Paul 98 Meuer, Christian 11952 Schülzte, Paul 3879 Fromte, Starl 153 Schulz, Gustab 13116 Bodin, Heinrich 4712 Alisch, Gustav 26833 Snittel, Starl 672 Sucherd, Emil 406 Philipp, Margarete 168 Püschel, Frik 4881 Prinz, Hermann 8678 Lubowitty, Paul 973 Bled, Adolf 12616 Nitschke, Otto 11083 Meinert, Rudolf 72 Utheß, Albert 20148 Zeit, Hermann 4189 Walter, Hermann Gleichzeitig erhält jedes wählende Mitglied einen Stimmzettel, auf welchen dasselbe 12 Namen von der Kandidatenliste auswählt und diese auf den Stimmzettel niederschreibt. Der Stimmzettel ist dann dem Wahlbureau zu übermitteln. Stimmzettel, auf denen mehr als 12 Kandidaten vermerkt sind, sind ungültig. Ebenso find Stimmen, welche auf nicht vorgeschlagene entfallen, ungültig. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Bürstenmacher Max Pfand am Mittwoch, den 3. April, berstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 6. April, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des St. Bartholomäus- Kirchhofes in Weißenfee( Faltenbergerstraße) aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Danksagung. Allen denen, welche bei der Beerbigung meines lieben Mannes, desMalers Otto Bratow liebevolle Teilnahme bewiesen haben, sage hiermit meinen herzlichsten Dank, insbesondere aber den Genossen des 4. Wahlkreises und dem Vorstande der Drts- Krankenkasse der Schneider für die herrlichen Kranzspenden. 26615 Die tiefbetrübte Witwe Berta Bratow nebst Stindern. Englischen Unterricht, einzeln und im Zirkel, erteilt 36372* Gertrud Swienty, Schöneberg, Sedanstraße 57, III. Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten fei hiermit die traurige Mitteilung gegeben, daß am 4. d. M. mein liebevoller Mann und mein guter Vater, der Restaurateur Wilhelm Langner nach furzem Stranfenlager im Alter von 40 Jahren an der Lungenentzündung verstorben ist. Die Beerdigung findet morgen Sonntagnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des Himmelfahrtsfriedhofes in Nordend aus statt. Dies zeigt schmerzerfüllt an Wwe. Berta Langner nebst Kind. 26735 Sozialdemokratisch. Wahlverein 6. Berliner Wahlkreises. des Todes- Anzeige. Am 4. April verstarb unser langjähriges Mitglied, der Bezirksführer Schankwirt Wilhelm Langner Huffitenstr. 42. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 7. April, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Himmelfahrts: Kirchhofes in Nordend aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Als gewählt gelten diejenigen Kandidaten, welche die absolute Mehrheit der in allen fieben Lokalen abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen. Zwischen denjenigen Kandidaten, Otto Pritzkow, Münzstr. 16, 248/12 welche die abfolute Mehrheit nicht erreichen, hat Stichwahl stattzufinden. Hierbei entscheidet die relative Mehrheit. Ein jeder kann seine Wahl in demjenigen Lokal ausüben, welches ihm am bequemsten liegt. Die fich notwendig machenden Stichwahlen finden am Sonntag, den 14. April, in derselben Zeit und in denselben Lokalen wie oben angegeben statt. Neues Programm. Pollo Walhalla Passage- Theater. Jeden Abend 8 Uhr: 1 Das großartige Theater 9% Uhr Gaftspiel des Original- Bauern- Hunde- Theaters bon E. Merians. Ein treulofes Weib. Abends 92: April- Programm! Der Der Triumph des Weibes. Ki- ta- fuku Borher: Die die beste Japaner- Truppe der Spezialitäten- Attraktionen. Welt. Paul Corradini Berlins beliebtester Komiker und die erstklassigen 14 Attraktionen 14. Gebr. HerrnfeldVorbert. Anfang Theater 11-2ub 8 Uhr. Uhr 57 Rommandantenstraße 57. Die stürmisch bejubelte Herrnfeldiade Gin verrücktes Hotel Komödie in 3 Atten mit Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Morgen: Dieselbe Borstellung. Palast Theater. Burgstr. 24, 2 Min. v. Bahnhof Börse. SteidlTheater und Konzerthaus, Brückenstr. 2( a. d. Jannow.- Br.) Jubel! Jubel! Jubel! Bureau Piepenbrink und Der 16. August. Anfang 8 Uhr. Borher: Militär- Konzert. Steidl- Restaurant: Großes Militär- Konzert. eute: Garde- Dragoner. Dir. Peschke. erschien: Varieté- Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Heute abend 8 Uhr: Das neue April Programm. Pers. Geni Family Pers. Circensische Spiele zu Pferde. Grete Gallus Charakter- Soubrette. 12 eetlaſſige Nummern 12. Kottbuser Sanssouci, Straße 4 a. Direktion Wilhelm Reimer. Heute, Sonnabend, 8, U. abds. Lané und Ney das berühmte Antispiritistenpaar werden neue Experi mente vorführen.Aufklärung üb. Spiritismus, Gedankenlesen, Zitieren der Geister, Tischrücken, Gefundbeten zc. Entree 50 Pf., Reserviert 75 Bf. an der Abendkasse. 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Mts., nachmittags 4 Uhr, von der Leichen halle des Himmelfahrts- Friedhofes in Nieder- Schönhausen( Nordend) aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. 176/7 Die Ortsverwaltung. Verband der freien Gastu. Schankwirte Deutschlands Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Wilhelm Langner Hussitenstr. 42 verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 7. April, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen halle des Himmelfahrt- Kirchhofs zu Nordend statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 69/14 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former Wilhelm Peter am 1. April an der Schwindsucht gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 5. April, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Kirchhofes der GnadenGemeinde, Barfus straße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. 116/6 Todes- Anzeige. Hierdurch zur Nachricht, daß mein inniggeliebter Mann, unser guter Bater und Schwiegervater, ber Steinträger Wilhelm Brunk 26705 im Alter von 40 Jahren plötzlich und unerwartet uns durch den Tod entrissen wurde. Dies zeigen tiefbetrübt an Die trauernde Witwe nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. April, nachmittags 5%, Uhr, von der Leichena halle des neuen Luisen- Kirchhofes in Nigdorf, Hermannstraße, aus statt. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere Herzensgute Mutter Anna Schulze geb. Klunter nach furzem, schwerem Leiben am 3. April, nachmittags 1, Uhr, verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. b. Mis., von der Leichenhalle des St. PetriFriedhofs, Friedenstr. 84, aus statt. Um stilles Beileid bittet Otto Schulze nebst Kindern, 44852 Frankfurter Allee-128. Berantwortlicher Redakteur; Sans Weber, Berlin. Für den Snferatenteil berantto.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 80. 24. Jahrgang. 3. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt Achte ordentliche Generalversammlung des Zentralverbandes der Glasarbeiter und-Arbeiterinnen. ernstlich aber niemand wollen. Uebrigens feien die Einrichtungen 5. Verhandlungstag. Benzig, 4. April. Nach längerer Debatte, in welcher für und gegen die Anstellung von Gauleitern gesprochen wurde, wurden die Anträge 108-120, welche speziell den Ausbau der Agitation behandeln, dem Vorstande zur Berücksichtigung überwiesen. Bei militärischen Uebungen werden Beiträge nicht erhoben, ebenfalls in Krantheitsfällen und bei Verbüßung einer Freiheitsstrafe. Vom Militär kommende Mitglieder müssen sich die Verbandsrechte wieder erwerben. Bei Abwehrstreiks und Aussperrungen werden Unterstützungen vom 1. Tag, bei Angriffstreiks und Arbeitslosigkeit von der 2. Woche an gezahlt. Die§§ 15-18 werden in ihrer alten Fassung belassen. Die Abänderung des§ 22 wird dem Hauptvorstand überlassen. Bei den Wahlen zur Generalversammlung entfallen in Zukunft auf 75-250 Mitgliedern 1 Delegierter, darüber 2 Delegierte. Mehr als 2 Delegierte darf keine Zahlstelle entsenden. Die Generalbersammlungen finden entgegen einem Abänderungsantrag weiter alle 2 Jahre statt. des preußischen Herrenhauses vom König auf Lebenszeit ernannt würden. Mit faulen Wihen schädige man die Sache. Wenn Hein die geistige Ueberlegenheit der Angestellten fürchte, so sei es folgerichtig, auf jedes geistige Emporarbeiten zu verzichten. Das könne im Verbande derart, daß die Gauleiter vom Vorstande finanziell vollständig unabhängig und bisher ihre Meinungsfreiheit auch noch immer zu wahren gewußt hätten. feit. Sonnabend, 6. April 1907. 6. ordentliche Generalversammlung des Verbandes der Kupferschmiede. Zweiter Verhandlungstag. L Breslau, 4. April Laufe der Zeit gut ausgebaut worden. Die Mehrzahl der Berufsangehörigen arbeitet in reinen Branchenbetrieben und die Agitaeiner Berufsorganisation erfolgreich betreiben, da die persönliche tion lasse sich bei der Kleinheit der meisten dieser Betriebe nur von Bekanntschaft die größte Rolle spiele. Die persönliche Fühlung unter der Kollegenschaft würde aber in einem großen Industricverbande leiden. Der Verband fei ferner auch schlagfertiger in feinem Vorgehen, als wenn 3. B. bei Lohnbewegungen mehrere Instanzen mit zu beraten hätten. Als Vertreter der Generalfommission der Gewerkschaften Sämtliche Abänderungsanträge werden abgelehnt und Deutschlands ist der Redakteur des„ Correspondenzblatt", Genosse Baul Umbreit- Berlin erschienen. Den Vorsitz führt Bibleibt es dabei, daß sowohl die prozentuale Einteilung zur Deleschoff Hamburg. gation als auch das Recht der Teilnahme für die Beamten bestehen Hecht Berlin hält sein Sorreferat zur Frage des Anbleibt. Beschlossen wurde, den Sitz des Verbandes in Berlin zu beSehr lebhafte Klagen werden geführt über die Nachlässigkeit schlusses an den Deutschen Metallarbeiterverband. Das Referat laffen.§ 4 des Statuts wird entgegen einem Berliner Antrage im Meldewesen bei der Abreise von einem Ort zum anderen. Samt- fußt darauf, daß es dem Bestande der Branchenorganisation zu abgelehnt. Ein Antrag Weißwasser, den Satz und im Wiederaufliche hierzu gestellten Anträge auf Einführung von Strafen werden verdanken sei, daß im Berufe der Kupferschmiede gegnerische Or nahmefalle ebenfalls 50 Pf. ist zu streichen", wird angenommen. jedoch abgelehnt. ganisationen nicht entstanden sind. Das Unterstüßungswesen sei Die 20 Pf. Beitragsklasse wird beseitigt, die übrigen Beitragsklassen Bum§ 19 des Statuts, der die Verbandsbeiträge im Verbande der Kupferschmiede von Anfang an gepflegt und im werden beibehalten. Die Ortsverwaltungen werden ermächtigt, in regelt, liegen allein 34 Anträge vor, die teilweise die Wiedereinaußerordentlichen Fällen Ertrabeiträge zu erheben. Der§ 8 im führung von Winterbeiträgen, die unteren Beitragsklassen Statut bleibt in feiner alten Fassung bestehen, der Lokalverwaltung aufheben, die Einführung von Gytrabeiträgen und die bleibt es überlassen, Restanten zu streichen und dem Hauptvorstand| Schaffung neuer Beitragsflaffen( 70 bezt. 65 Pf.) die Stundung in gewissen Fällen zu befürworten. fordern. Hierzu führt Bö melburg aus: Nachdem es im Vorjahre geschienen habe, als ob die Unternehmer große Kämpfe zur Sohnbewegung der Organisation der Arbeiter inszenieren würden, fei verbandsseitig sofort die Frage einer Beitragserhöhung erwogen und in vielen Versammlungen auch bereits Stellung dazu genommen. Redner erklärt sich indes nicht prinzipiell gegen eine Ver Abgesehen von ganz vereinzelten Fällen sei überall zum Ausdruck schmelzung, nur müsse erst gesagt werden, welche Rechte den gekommen, daß die Mitgliedschaften zu der äußersten Anspannung Generalfommission möge eine Konferenz aller Berufsorganisa Kupferschmieden im Industrieverbande eingeräumt würden. Die bande herrsche über die Abwendung einer solchen Gefahr Einmütig bande noch bestehen, in die Wege leiten, auf der man über eine bereit seien, um die eventuellen Angriffe zu parieren. Im Ver- tionen, die in der Metallindustrie außer dem Metallarbeiter- Verbis zu 3 Mart pro Woche zu erheben. Heute zeige fich indes, daß sammenschluß kämen dabei in Betracht, daß alle Filialen mit mehr So habe Berlin z. B. den Vorschlag gemacht, Grtrabeiträge Verschmelzung verhandeln könne. Als Bedingungen für einen Zuman im Vorjahre zu schwarz gesehen habe. Der Verbandsborstand stehe deshalb auf dem Standpunkte, daß zunächst von einer als 30 Mitgliedern eigene Branchengruppen, mit selbständigem Versammlungsrecht bilden dürften. Bei Lohnbewegungen, insBeitragserhöhung unter gewissen Bedingungen abgesehen werden besondere in reinen Kupferschmiedebetrieben, müsse man völlig freie fönne. Die Finanzen des Verbandes seien derart, daß sie für Sand behalten. Alle zwei oder drei Jahre müßten Branchennormale Verhältnisse ausreichten. 1901 habe der Verband 600 000 and behalten. Alle zwei oder drei Jahre müßten Branchenfonferenzen abgehalten werden dürfen. Auch hinsichtlich der ZeiMark Vermögen besessen, inzwischen seien Sterbe und Krantenunterstübung eingeführt, die im Vorjahre allein tung feien Bedingungen zu stellen. Die Kupferschmiede müßten 1 200 000 Mart erfordert hätten, und dennoch sei die Verbandskasse ihre Lokalkassen behalten und ein Teil der Lokalzuschläge müßte heute 2 Millionen start. Eine weitere Steigerung der Mit- ihnen zugesichert werden. Bei der gegenwärtigen Struktur des Metallarbeiterverbandes könnten diese Bedingungen indes nicht glieder bedinge höhere Einnahmen, aber nur verhältnismäßig geringe erfüllt werden, und sei somit die Zeit für den Anschluß noch nicht Steigerung der Ausgaben, so daß eine weitere Besserung der Finanzen in Aussicht stehe. Bewillige der Verbandstag die beiden In der Diskussion tamen fünfzehn Delegierte zum Wort, und neuen Beitragsklassen zu 65 und 70 Pf. und stimme der Verbands- als gegen Mittag ein Schlußantrag angenommen wurde, lagen tag dem weiteren Vorstandsantrage zu, daß im Falle der Not noch eine ganze Anzahl von Wortmeldungen vor. Für den Ander Verbandsvorstand in Gemeinschaft mit dem Ausschuß und den schluß sprach nur Blum- Bremerhaven. Der letzte Redner, Gauvorsitzenden dann Egtrabeiträge ausschreiben Schröter- Leipzig, ist persönlich für den Anschluß, da aber die fönnten, wenn die Arbeitgeber dennoch einen Kampf Ansichten der Mitglieder in diesem Falle weit auseinandergehen, heraufbeschwören sollten, dann verzichte der Vorstand hält auch er die Zeit für den Anschluß noch nicht gekommen. Alle auf seine weiteren Anträge auf Beitragserhöhung. Es sei vielfach anderen Redner erklärten sich gegen eine Verschmelzung mit dem auf die am 31. März 1908 ablaufenden Verträge hingewiesen. Metallarbeiterverbande. Einige von ihnen ersehen zwar in einer Die Sache sei nicht so schlimm. Daß bei 550 Tarifverträgen, die allgemeinen Arbeiterunion ihr Ideal, nicht aber in den Industrie. durchschnittlich auf 2 Jahre abgeschlossen, mehrere Hundert im berbänden. nächsten Frühjahr zu Ende seien, habe an sich nichts besonderes. Dann müsse eben von neuem verhandelt werden. Uebrigens feien Arbeitgeber und Arbeiter im Baugewerbe auf einander angewiesen, weil beide ihren Erwerb daraus ziehen. Wir fordern, daß man uns als gleichberechtigte Faktoren anerkennt. Bernünftige Arbeitgeber saben das auch ein. Und wenn die Vernunft oben bleibe, dann werde sich ohne besonderen Kampf der Abschluß neuer Verträge vollziehen können. Werden aber all diese Voraussetzungen nicht zu treffen, dann würde ein Sturm der Entrüstung durch die gesamte Kollegenschaft gehen und die Kollegen selbst würden dann den Weg schon angeben, der zu gehen sei. Um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, ersucht Redner um möglichst einstimmige Annahme der Vorstandsanträge.( Lebhafter Beifall.) Den weiblichen Mitgliedern wird im Entbindungsfalle eine einmalige Unterstüßung von 8 Mt. gezahlt. Der Hauptvorstand hat der Generalversammlung 1909 eine Borlage zu unterbreiten zweds Einführung einer Invalidenversicherung. Ein Antrag, die Protokolle der Generalversammlung mit 20 Pf. an die Mitglieder abzugeben, wird abgelehnt. Abgelehnt wird auch ein Antrag Stralau, die gelegentlich der Streitigkeiten Berlin- Stralau durch Denkschriften verursachten Kosten auf die Verbandskasse zu übernehmen. Die Rechenschaftsberichte werden in Zukunft nur in einer Auflage von 10 Proz. zur Zahl der Mitglieder berausgabt iverden. Das Gehalt der Gauleiter wird um 200 Mt. erhöht, die Gehälter der übrigen Beamten werden wie bisher belaffen. Die nächste Generalversammlung findet in Hannover statt. Die Wahl ergibt die Wiederwahl Girbig als Hauptvorstand, Hamann als Kassierer. Die Anstellung weiterer Beamten wird dem Vorstand zur Erledigung überwiesen. Das Gehalt des Kassierers wird um 200 Mt. erhöht. Der internationale Glasarbeiterfongreß wird beschickt durch Sorn, Girbig, Göbel und Wußmann. Hartmann Stralau wird als Ersaßmann für Horn gewählt. Nach einem begeistert aufgenommenen Schlußwort Girbige wird die Generalversammlung geschlossen, 9. Verbandstag des Zentralverbandes der deutschen Maurer. Köln, den 4. April 1907. Dritter Verhandlungstag. Die heutige Verhandlung beginnt mit der Statutenberatung. = fesseln. gekommen. Im Laufe der Diskussion erklärt der Vertreter der General. tommission: diese könne sich in die Frage des Anschlusses nicht einmischen. Die Frage könne nur von den Beteiligten selbst auf Grund der vorhandenen Verhältnisse entschieden werden. Dagegen sei die Generalfommission gern bereit, sich auf Antrag an den bezüglichen Verhandlungen zu beteiligen. Die Frage einer allge= meinen Arbeiter- Union stehe doch aber in noch weiterer Ferne, als die der Verschmelzung von Berufsorganisationen zu Industriever. bänden. Der nächste Gewerkschaftstongreß werde sich übrigens des Näheren mit der Frage der Industrieverbände und Grenzstreitig feiten zu beschäftigen haben. # Scholz Hamburg hat inzwischen seinen Antrag dahin abgeändert, daß das Ergebnis von Verhandlungen mit dem Vorstande des Metallarbeiterverbandes der nächsten Generalber= sammlung zu unterbreiten ist, anstatt wie zuerst gesagt wurde, daß die Mitglieder durch eine Urabstimmung über die Frage der Verschmelzung entscheiden sollten. = Nach diesen Erklärungen des Vorstandes können die weiteren Reden zur Sache nur noch in minimaler Weise die Anwesenden Die ersten Stunden der Beratung fördern wesentliches nicht In der Nachmittagssikung werden die Vorstandsanträge so wie zutage, da die von den einzelnen Delegierten begründeten Abände- fie Bömelburg formuliert, einstimmig angenommen. Damit Die Abstimmung ist eine namentliche. Für den Antrag rungsanträge ihrer Zweigvereine meistens abgelehnt werden fallen alle anderen Anträge, die auf diesen Punkt Bezug haben. Scholz stimmen 4, dagegen 35 Delegierte. Damit ist der Anoder, wo Annahme erfolgt, es sich vorwiegend um formale Selbst. Die Einführung von Winterbeiträgen wird abgelehnt, ebenfalls schluß an den Metallarbeiterberband vorläufig verständlichkeiten handelt. Ein fleines Scharmütel entspinnt sich die Streichung der unteren Beitragsklassen. bei§ 12 des Statuts, der die Beschickung des Verbands= Bei§ 20 entſpinnt sich eine Debatte darüber, ob die ört- abgelehnt. Für den Antrag Scholz stimmte dieser selbst, sowie Effenberg Danzig, Papier- Bremen und Blum- Bremer tages behandelt. Schlag Elberfeld, der mehrere Anträge be- lichen Lokalzuschläge, die für den Bau von Gewerkhaben. bon Einrichtung fürwortet, die darauf hinauslaufen, die Gaubeamten von der Teil- schaftshäusern, Arbeitersekre= In der Nachmittagssigung referiert Kühne- Küstrin über die nahme am Verbandstage auszuschließen bezw. ihnen nur tariaten usw. erhoben werden, als Verbandsawede an: Einführung der Erwerbslosen Unterstützung. beratende Stimme zuerkennen wollen, nennt den Verbandstag ein gesehen werden können. Es liegen Anträge vor, die Lokalzuschläge Er erklärt sich für die Einführung auf der Grundlage der bis„ Herrenhaus", wenn die Gaubeamten darin dominieren. Auch ganz aufzuheben oder nur solche Lokalzuschläge zuzulassen, herigen Ortsunterstüßung bei einer Beitragserhöhung von 10 f Seefeld- Bremenhafen betont, daß die Kollegen sich in ihrem die lediglich für Verbandszwede nötig sind. Gin Antrag in pro Woche. Selbstbestimmungsrecht eingeengt fühlen. Bei noch weiterem Aus- letterem Sinne ist auch vom Verbandsvorstand gestellt. Blase Mannheim als Korreferent befürchtet von der Einbau des Beamtenkörpers werde schließlich ein bureaukratisches Re- Bömelburg erklärt dazu, daß der Antrag gestellt sei, um Miß- führung der Erwerbslosen- Unterstützung bei nur 10 Pf. Beitragsgiment einreizen.- Hein Düsseldorf befürchtet, daß die Beamten brauch mit den örtlichen Lokalzuschlagsbeschlüssen zu berhindern. erhöhung einen Rüdgang des Vermögens des Verbandes, das man Surch ihr besseres Rebetalent die übrigen Delegierten umstimmen So z. B. habe man in Kiel von zugereisten Kollegen 3 Mark zum für eventuelle Kämpfe braucht. Da die Einführung dieser Unterwerden und so die Meinung der Mitglieder nicht zum wahren Aus- Bau eines Gewerkschaftshauses erhoben. So weit dürfe es nicht ftüßung aber eine Notwendigkeit sei, müsse der Beitrag um 15 Pf. druck komme. Dagegen wird von Heuse Hamburg, DeIp= gehen. Würden am Orte Einrichtungen getroffen, wie Arbeiterpro Woche erhöht werden. Darmstadt und Ded Karlsruhe ausgeführt, daß man die Beamten sekretariate u. dgl., die von den Kollegen mit beschlossen und benutzt Die Erwerbslosen- Unterstützung wurde nach folgender Stala zu Mitgliedern zweiter Klasse stempele, wenn man ihnen die Rechte werden, so hätten sie auch den auf sie entfallenden Anteil zu tragen nehme. Bömelburg weist darauf hin, daß in einzelnen Orten und eventuelle Lokalzuschläge zu erheben, das dürfe aber nicht ausBei einer Mitgliedschaft von eine förmliche Hehe gegen die Beamten inszeniert werde. Die arten wie in Kiel und an verschiedenen anderen Orten. Wochen pro Tag Orte, welche die Beamten nicht leiden könnten, sollten sich doch keinen Die Materie wird ebenfalls in dem von Bömelburg empfohlenen 1,00 M. wählen. Die Entwidelung der Organisation erfordere das System Sinne geregelt. der befoldeten Beamten. Diese selbst seien aber vielfach schuld Weiter werden noch einige fleine Aenderungen bezüglich der am an der Animosität, sie sollten sich gegen die Angriffe in den ein- Orte verbleibenden Gelder usw. nach dem Vorschlage des Vorzelnen Zweigvereinen wehren und ihre Rechte verteidigen. Man standes erledigt. dürfe der leider vielfach in der Arbeiterbewegung bestehenden Kleingeisterei feine Konzessionen machen. Was es mit dem„ Herrenhaus" für eine Bewandtnis habe, zeige am besten der Umstand, daß die Beamten auf Grund eines demokratischen Wahlsystems bon den Zweigvereinen selbst gewählt wurden, während die Mitglieder # angenommen: 52 104 1,00 pro Woche 6,00 M. 6,00 bis zur Höhe von 60 M. 75 156 1,25 " 7,50# 90 208 1,35 " 260 1,50 " 8,10 9,00 105 D 120 " 520 2,00 12,00 150 " " Die Unterstüßung wird nach der 2. Woche des Beginns der Erwerbslosigkeit ausgezahlt. Wegen Umbau und Umgestaltung irises Grosser Ausverkauf. 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