Nr. 90. Abonnements- Bedingungen: " bonnements Breis pranumerando: Bierteljährl. 8,30 R., monatl. 1,10 R., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Big. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Belt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Bost Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweig Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 24. Jahrs. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder beren Raum 50 Bfg., für bolitische und gewerkschaftliche Bereins und Bersammlungs- Anzeigen 80 Bfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett gebrudte) Bort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf ftellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg. jebes weitere Bort 5 Pfg. 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Wenn einigermaßen auszugleichen sucht oder wenn er sich auch nur die Behauptung der Unternehmer, die Holzindustrie gehe einer gegen Lohnherabsehungen wehrt, dann braust der Klein. Nach einem Beschluß des Parteivorstandes lautet von ungünstigen Konjunktur entgegen, zutreffend ist, dann würden meister auf. Der Arbeiter erscheint ihm nunmehr fetzt ab die Adresse des Parteibureaus sie auch ohne Vertrag keinen Streit zu fürchten haben, denn als derjenige, welcher dem Kleinmeister das in einer Zeit des geschäftlichen Niederganges wird die Leitung schwer macht. Diese Ansicht ist ist zwar grundfalsch, einer Arbeiterorganisation nicht zu einem Angriffsstreit aber sie herrscht unter den Kleinmeistern und sie erklärt schreiten. Die Holzindustrie würde heute noch ganz gewiß, und es, daß diese, veranlaßt durch die demagogische Agitation der wahrscheinlich noch auf längere Zeit im tiefsten Frieden leben, Wortführer des Arbeitgeber- Schutzverbandes, Arm in Arm wenn es nicht den Führern der Unternehmer gefallen hätte, mit ihren wirklichen Feinden, den Großunternehmern, gegen den Kampf vom Zaune zu brechen, dem Holz- ihren vermeintlichen Feind, die Arbeiterorganisation, in den arbeiter- Verband den Krieg zu erklären und die Aussperrung Kampf gezogen sind. Wir sehen also: Alle Interessengegenins Wert zu sehen zu einer Zeit, wo der alte Vertrag noch fäße, welche zwischen den verschiedenen Kategorien der Arbeitnicht einmal abgelaufen war. geber bestehen, sind zurückgetreten hinter den einen Ge Der Arbeitgeberschußverband wollte den Kampf, um die wirt- danken: Kampf gegen den Holzarbeiter. schaftliche Macht und den Einfluß des Holzarbeiter- Verbandes für Verband! Kampf, wenn nicht bis zur Vernichtung, so doch immer zu brechen. Das wird durch die Tatsachen bewiesen, so sehr bis zur Machtlosigkeit der Arbeiterorganisation! sich auch die Unternehmer von Anfang an bemüht haben, es Auch darin tritt der ausgesprochene Klassencharakter dieses abzuleugnen. Wenn es den Unternehmern um die Erhaltung Kampfes flar hervor, daß hinter den Arbeitgebern des HolzEin volles Vierteljahr währt jekt der Kampf in der friedlicher, und geordneter Zustände zu tun gewesen wäre, gewerbes auch die organisierten Arbeitgeber anderer IndustrieHolzindustrie. Seit dreizehn Wochen ringt der Arbeitgeber- dann hätten sie bei den Tarifverhandlungen vor Weihnachten zweige stehen und den Tischlermeistern ihre Unterstützung zuteil Schutzverband für das Holzgewerbe mit dem Deutschen Holz- nur zu sagen brauchen, wie weit sie den Forderungen der werden lassen. Das organisierte Unternehmertum gegen den arbeiter Verband. Als die Arbeitgeberorganisation am Arbeiter entgegenkommen wollen und es wäre ohne große Deutschen Holzarbeiter- Berband, der ja neuerdings nicht nur 12. Januar den von langer Hand vorbereiteten Angriff auf Schwierigkeiten eine Verständigung auf der in Berlin, sondern auch in einer Anzahl anderer Städte durch den Holzarbeiter- Verband in Berlin begann, waren die mittleren Linie zustande gekommen, wie es beim Abschluß die Aussperrung bekämpft wird. führenden Unternehmer überzeugt, und auch ihrer Gefolg von Tarifverträgen in der Regel zu geschehen pflegt. Der Umstand, Es verdient hohe Anerkennung, daß der Holzarbeiterschaft hatten sie den Glauben beigebracht, daß sie, die Arbeit- daß die Unternehmer jedes, auch das geringste Entgegen- Kerband dem Angriff der Unternehmer nun schon 13 Wochen geber, nach kurzem Stampf als Sieger über den Holz- tommen ablehnten, beweist, daß sie eine Verständigung nicht hat Stand halten können, und daß er, was nicht zu bezweifeln arbeiter Verband triumphieren würden. Auf seiten des wollten; und daß sie einen Machttampf gegen den ist, noch länger aushalten kann, wenn es sein muß. Holzarbeiter Verbandes. wußte man dagegen, daß der Holzarbeiter- Verband beabsichtigten, wird dadurch bewiesen, Eine Neigung, sich den Unternehmern bedingungslos zu erKampf, nachdem er einmal ausgebrochen war, ein daß der Vorstand des Arbeitgeber- Schutzverbandes schon Mitte geben, ist in den Reihen der Arbeiter nicht vorhanden. heftiger und vor allen Dingen langer sein werde, Dezember, während der alte Vertrag noch galt, Verhaltungs- Zum Frieden sind sie, wie von Anfang an, bereit, doch denn es handelte sich ja nicht nur um die Frage, ob maßregeln veröffentlichte, nach denen am 12. Januar, drei darf der Friede nicht gleichbedeutend sein mit Unterdie Berliner Holzarbeiter diese oder jene Verbesserungen ihrer Tage vor Ablauf des Vertrages, die allgemeine Aussperrung werfung. Auf der Unternehmerseite, wenigstens Arbeitsbedingungen erreichen würden, sondern es stand weit in Berlin beginnen sollte. den Führern, scheint aber noch feine Neigung zu mehr auf dem Spiele. Die Unternehmer hatten sich das So steht also die Berliner Holzindustrie seit einem Viertel- einem annehmbaren Entgegenkommen vorhanden zu sein. Kampfziel geftect: Dem Holzarbeiter Verbandejahr in einem Stampfe, den die Unternehmer, einem Macht- Daß sie eine Verständigung mit dem Holzarbeitermuß die Möglichkeit, für seine Mitglieder gelüft zu Liebe, freventlich heraufbeschworen haben. Der Verband ohne Zugeständnisse nicht erlangen werden, darüber bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu Stampf wird sowohl auf der Seite der angreifenden Unter- sind sich die führenden Unternehmer schon lange flar. Sie erwirten, genommen werden. Um dies Ziel nehmer als auch auf Seite der angegriffenen Arbeiter mit haben ja auch den Standpunkt, den sie vor Weihnachten einzu erreichen, wollten die Unternehmer den Holzarbeiter zäher Ausdauer und unter schweren Opfern geführt, und noch nahmen, verlassen und sich zu Lohnerhöhungen und einigen Verband zwingen, einen neuen Vertrag mit ihnen ab- ist nicht abzusehen, wann er sein Ende erreichen und welches von den Arbeitern gewünschten sonstigen Verbesserungen bereit zuschließen, der die Lohn- und Arbeitsverhältnisse, welche Ergebnis er haben wird. Es ist ein Klaffenkampf in des erklärt. In der Frage der Arbeitszeitverkürzung nehmen wahrer bis zum 15. Januar galten, für weitere zwei oder drei Wortes Bedeutung, wird hier nicht aber die Unternehmer eine Haltung ein, welche in den Jahre unverändert festlegte. Der Holzarbeiter- Verband konnte mehr gekämpft um einige Pfennige Lohnerhöhung oder Verhältnissen des Gewerbes feine Begründung findet. auf ein solches Ansinnen nicht eingehen. Auch die Unter- um eine Verfürzung des Arbeitstages um 10 oder 20 Gefordert wurde ursprünglich eine Verkürzung der Arbeitsnehmer hätten ein solches Verlangen gewiß nicht gestellt, wenn Minuten, sondern es ist ein Stampf um die Macht, den woche um zwei Stunden. Der Holzarbeiter- Verband würde es nicht von vornherein ihre Absicht gewesen wäre, die Ge- das organisierte Unternehmertum gegen die sich vielleicht damit begnügen, wenn ihm vorerst eine Stunde Legenheit des Tarifablaufs zu benutzen, um den Einfluß des organisierte Arbeiterschaft führt! Aber nicht bewilligt und die zweite Stunde für später in Aussicht gestellt Holzarbeiter- Verbandes auf die Gestaltung der Lohn- und nur das Ziel des Kampfes, sondern auch die Gruppierung der wird. Aber das ist der Punkt, über den die Arbeitgeber nicht Arbeitsverhältnisse zu brechen. Kämpfenden zeigt, daß es sich um einen Klassenkampf han- hinwegkommen. Während die Arbeiter jede, auch die geringste In jedem Berufe, wo Tarifverträge bestehen, galt es bisher delt, der zurückzuführen ist auf die durch die wirtschaftliche Verkürzung der Arbeitszeit als einen Kulturfortschritt als etwas selbstverständliches, daß bei Erneuerung der Verträge Entwickelung bedingte Verschärfung der Klassengegensäge. betrachten und diese Forderung deshalb mit Nachdruck die Arbeiter Verbesserungsanträge stellten und daß diese Anträge Die Berliner Holzindustrie, namentlich das Tischler- vertreten, sehen die Unternehmer, anscheinend auf Grund eines wenigstens zum Teil von den Unternehmern bewilligt und gewerbe, um das sich der Kampf hauptsächlich dreht, trägt noch allgemeinen Uebereinkommens, jede Verkürzung des Arbeitsbeim Abschluß des neuen Vertrages berücksichtigt wurden. nicht den ausgeprägten Charakter der maschinell betriebenen tages unter neun Stunden als einen Schritt an auf Eine Arbeiterorganisation, die sich für mehrere Jahre der Großindustrie. Wohl gibt es hier eine Anzahl kapital- dem Wege zum Achtstundentag, und weil dieser nicht nur von Möglichkeit begibt, die Konjunktur zugunsten der Arbeiter träftiger und kapitalistisch arbeitender Großunternehmer. den Gewerkschaften, sondern auch von der Sozialdemokratie auszunuzen, will und muß natürlich wenigstens einige fleine Der Zahl nach überwiegen aber die Klein- und Mittel- erstrebt wird, darum gilt den Unternehmern jeder Schritt auf Verbesserungen als Gegenleistung für diesen Verzicht ein- betriebe, von denen wohl die meisten nach ihrer Stellung im diesem Wege als eine Stonzession an eine sozialdemokratische" tauschen. Um es mit einem volkstümlichen Worte aus- Produktionsprozeß als Zwischenmeister anzusprechen sind, die Forderung, und deshalb lehnen sie jede Arbeitszeitverkürzung zudrücken: Man begnügt sich mit dem Sperling in für Großfabrikanten und Händler arbeiten. Diese Klein mit Entschiedenheit ab. Hier sind es also politische Gründe, der Hand und jagt der Taube auf dem Dache nicht meister, die, wirtschaftlich betrachtet, eine Zwitterstellung welche die Unternehmer leiten, eine Stulturforderung abzulehnen, Arbeiter einnehmen, nach. Das ist im Wesen des Tarifvertrages begründet. zwischen Unternehmer und sind die sie ohne Schaden für sich oder ihr Gewerbe ohne weiteres bcNach diesem Grundsatz ist auch bisher stets verfahren worden, keineswegs durch eine völlige Interessengemeinschaft mit willigen könnten. Ist es nicht geradezu lächerlich, wenn man das wenn es galt, einen abgelaufenen Vertrag zu erneuern. den Großfabrikanten, den wirklichen Unternehmern ihres Be- Bublifum glauben machen will, die Verkürzung des ArbeitsDie Unternehmer in der Holzindustrie glaubten dagegen, sie rufes verbunden, denn diese sind es ja gerade, welche infolge tages um 10 Minuten werde den Ruin des Gewerbes" könnten unter der Führung ihres Obermeisters Rahardt der tapitalistischen Ueberlegenheit, der Ausnutzung aller herbeiführen? In der Tischlerei herrscht ja fast ausschließlich neue Wege einschlagen. Sie wollten zwar auch einen Vertrag, technischen Neuerungen und Hülfsmittel den Markt be- Affordarbeit. Was schadet es also dem Arbeitgeber, wenn die Daß die aber die Arbeiterorganisation sollte beim Abschluß desselben herrschen und den kleinen und mittleren Meistern das Leben Arbeiter täglich 10 Minuten weniger arbeiten. teinen einzigen ihrer Wünsche erfüllt fehen. Sauer und die Existenz immer schwerer machen. Ihrer Unternehmer den Widerstand, gegen die geringste Verkürzung Einzig und allein den Absichten und den Interessen der wirtschaftlichen und sozialen Lage nach stehen wohl die der Arbeitszeit zum Prinzip machen und zwar aus Furcht, Unternehmer Rechnung tragend, sollten die Arbeits- meisten Inhaber von Mittel- und Kleinbetrieben den Arbeitern damit einer sozialdemokratischen Forderung entgegenzukommen, Trotzdem finden das ist auch ein Zeichen für die Zuspigung der Klassengegenbedingungen in der Holzindustrie für mehrere Jahre festgelegt näher als den großen Unternehmern. wir sie im Lager der großen Unternehmer und sie säte und für die Verschärfung des Klassenfampfes. Es sind durchaus keine unbescheidenen Forderungen, welche gehen mit diesen Schulter an Schulter gegen den Holz- Wie nun auch der Kampf in der Holzindustrie enden der Holzarbeiter Verband zur Voraussetzung der Vertrags- arbeiter Verband vor, dem viele von diesen Stleinmeistern noch möge: Der Holzarbeiter- Verband kann durch denselben wohl erneuerung machte. In der Hauptsache forderte er eine Lohn- vor wenigen Jahren als Mitglieder, manche fogar an finanziell, nicht aber moralisch geschwächt werden, ihn zur erhöhung von zehn Prozent und eine Verkürzung der Arbeits- führender Stelle, angehörten. Mancher Kleinmeister, der jegt Einflußlosigkeit herabzudrücken, wird den zeit um zwei Stunden in der Woche. Auf weitergehende die Aussperrung mitmacht, stand bisher auf kollegialem Fuße Unternehmern niemals gelingen. So lange es sich Forderungen hatte der Holzarbeiter- Verband verzichtet, in der mit den von ihm beschäftigten Arbeitern, mancher von ihnen darum handelt, die Macht des Holzarbeiter- Verbandes zu Erwartung, daß diese bescheidenen Verbesserungen ohne galt noch bis in die jüngste Zeit als Sozialdemokrat. Und brechen, was gleichbedeutend wäre mit Vernichtung, so lange Schwierigkeit gewährt werden können und daß so der Frieden viele von diesen sind jetzt, unter Führung des Obermeisters ist die Sache des Holzarbeiter- Verbandes die Sa che aller erhalten bleibe. Aber im Rate der Unternehmer war Rahardt geeint, zum erbitterten Angriff auf den Holz übrigen Gewerkschaften, ja aller tlassenbewußten es anders beschlossen. Sie verhandelten zwar wochenlang arbeiter- Verband vorgegangen. Das ist eine Erscheinung, die Arbeiter, und jeder derselben wird sich verpflichtet mit den Vertretern der Arbeiter, erklärten aber kategorisch, bei oberflächlicher Betrachtung verwunderlich erscheint, die aber fühlen, diesen Kampf nach Kräften zu unterstützen. Triumph darf und soll den Unternehmern nicht bereitet daß sie nichts, aber auch gar nichts bewilligen würden.-leicht erklärliche Ursachen hat. Der Holzarbeiter Verband sagte dagegen: Wenn wir denn Die Lage der zahlreichen Kleinmeister in der Tischlerei ist werden, daß sie sagen könnten, eine große Arbeiterorganisation keine Verbesserungen erlangen können, so arbeiten wir unter wohl eine auskömmliche, aber keine rosige. Sie können nur in habe vor ihnen fapituliert. Das kann und wird nicht geden alten Bedingungen weiter, aber ohne Vertrag. Hartem Kampf gegen die Konkurrenz des Großunternehmers ihre schehen, so verzweifelte Anstrengungen die Unternehmer auch So wie die Dinge jezt stehen, ist es Zu teiner Zeit hat der Holzarbeiter Verband daran ge- Existenz behaupten. Dazu kommt, daß die Zoll- und Wirtschafts- machen mögen. dacht, die Forderungen, welche er für die Vertragserneuerung politit ihnen das Rohmaterial und die Lebensmittel berteuert. tein Zweifel, daß ein großer Teil, ja vielleicht alle im Tischlergewerbe um Kopf und aufstellte, durch einen Streit zur Anerkennung zu bringen. Aber diese Faktoren, welche schwer auf seine wirtschaftliche Lage Kleinmeister Es wäre also, auch wenn die Unternehmer die Forderungen der brücken, kommen dem Kleinmeister weniger zum Bewußtsein. Sragen spielen. Gewiß, fie erhalten ja ihre StreifArbeiter nicht bewilligen wollten, nicht zum Stampfe gekommen. Er fühlt wohl die Wirkung des wirtschaftlichen Druckes, fennt unterstüßung", wodurch sie sich während der Aussperrung Der Holzarbeiter- Verband hat nie auf dem Standpunkt gestanden, aber nicht die Ursache. Wenn aber der Arbeiter die durch über Wasser halten mögen. Aber wenn der Kampf so oder so daß unter allen Umständen gestreift werden müsse. Db die die gegenwärtige Bollpolitik verursachte horrende Berteuernng sein Ende erreicht hat, wird mancher von ihnen mit Schrecken werden. 03 " Der sehen, daß er. indem er den Scharfmachern und Großunter- nehmern folgte, um in den Arbeitern seinen vermeintlichen Feind zu bekämpfen, sein Geschäft und damit seine Existenz ruiniert hat. Wenn dieser Erfolg eingetreten ist, dann>vird vielleicht mancher, wenn auch zu spät, zu der Einsicht kommen, daß die angeblichen MittelstandLrettcr in Wirklichkeit Mittel st andsvernichter sind. Zur„Säuberung" der Kolonial- Verwaltung. Der Reichslanzler hat der Budgetkommission gestern vor Beginn der Beratung des Etats der Kolonialverwaltung einen ihm vom Kolonialdirektor Dcrnburg erstatteten Bericht über das Ergebnis der von Herrn Dernburg vorgenommenen Untersuchung der Kolonial- skandale vorgelegt. Dieser Bericht läßt an Dürftigkeit nichts zu Wünschen übrig! Denn über nicht weniger als 27 Fälle— Prinz Arenberg, Kannenberg, v. Vesser, Horn, v. Puttkamer, v. Notberg, Dr. Kersting, Graf Zech, v. Brauchitsch, Dr. Meyer und wie die Beschuldigten alle heißen— ist auf ganzen fünf halben Seiten be- richtet wordenl Dieser dürftige Bericht genügt dem Reichskanzler und soll nunmehr auch dem Reichstage genügen I Nun hat ja zwar am Schlüsse dieses summarischen Berichts Herr Dernburg den Reichskanzler gebeten und hat dieser bei Neber- gäbe dieses Berichts au den Reichstag sich damit ausdrücklich einverstanden erklärt, daß Herr Dernburg»an der Hand der Aufzeichnungen"(I Ij der Budgetkommission/3 Pf. pro Kilometer billige Fahrt gewährte, ist die an sich schon vorhandene Liebe zum preußischen Staate im Wachsen begriffe». Hinzu kommt, daß man auch der„verschämten Armen", als welche man die neue 3 d- K I a s s e bezeichnet, große Sympathie entgegenbringt; diese verschleierte Dame 4. Klasse täuscht auch die Badenser nicht über ihr innerstes preußisches Wesen hinweg. Hörte man also jenseits der Mainlinie alle die sanften Wünsche, die aus den badischen Bahnhöfen laut werden, dann könnte man sich einen Begriff machen, welche tiefe Wurzeln der süddeutsche Partikula« rismuS infolge des neuesten preußischen Fortschritts noch zu schlage» imstaude ist.—_ Malmedy- Montjoie- Schleiden. DaS Generalsekretariat der rheinischen Zentrumspartei erklärt, daß die Kandidatur F e r v a r s nicht von der Kölner Zentrums- Icitung ausgehe, diese Kandidatur entspringe der völlig freien Ent- schließung des WahlkrciSkomitceS. Die„Rheinische Volksstimme" findet jetzt deS Rätsels Lösung in der Z u s a m m e n s e tz un g deS Malmedy- Mo utjoie-Schleidener Wahlkomitees. Dieses besteht nämlich aus sieben Personen: ein Fabrikbesitzer,_ ein Rentner, zwei Geistliche, ein Arzt, ein Apotheker und ein Kanzleirat. „So sieht," heißt es in dem zentrumSagrarischen Blatt,„die Ve' tretung eines zu mehr als nerinzig Prozent ländlichen Wahlkreises aus.... Der Affront, den man den bäuerlichen Wählern von Malmedy- Montjoie- Schleiden angetan hat, schlägt seine Wellen iveit über die Grenzen des Kreises hinaus, und besonders am Nicderrhein macht sich eine dumpfe Gärung fühlbar, die in masicnhaften an uns gelangten Zuschriften zutage tritt. Wiedergabe entzieht, gefordert, man müsse die rätselhaften Vorgange im Kreise Schleiden-Montjoie-Makmedy aufs genaueste beobachten, um daraus seine Konseguenzen für die Wahl bei den nächsten Vakanzen zu ziehen.... Das Kreiswahlkomitee hat nicht bloß in den umstrittenen Wahlkreis, sondern in die ganze Provinz, die kaum erst wieder zur Ruhe gekommen ist, Unfrieden und Zwietracht hinemgetragcn; die Folgen davon sind nicht abzusehen." Beim Zentrum ist ja vieles möglich, aber ftagen darf man doch, weshalb sich die mehr als 90 Prozent ländlichen Wähler von Malmedy-Montjoie-Schleiden ein solches Wahlkomitee gefallen lassen?—_ Zur Eisenbahntarifreform. Die Finanzkommission der Zweiten württembergischen Kammer stimmte heute der für den 1. Mai ge- planten Tarifreform zu, beschloß aber, die Regierung zu ersuchen, Landeskarten für die gleiche Zeitdauer zuzulassen, für die in Baden noch die Kilometerheste gelten.— Druckfrhlerberichtigung: In„Die Bülowgarde in der Wahl- Prüfungskommission" sollte es gestern heißen(Absatz 2, Schluß), daß die Liberalen und ihre Blätter eine Melodie anstimmen, deren Töne dem Reichskanzler jetzt minder rauh ins Ohr klingen.>»- Busland, Frankreich. Die Diktatur der Bourgeoisie. Paris, 15. April.(Eig. Ber.) „Journal des DSbats" und„Temps" Pfeifen, und Cl6mcnceau tanzt. Die Streikbewegung ist den Kapitalisten unangenehm, und flugs läßt Clsmenceau ein paar Agitatoren einsperren. Diesmal gebraucht er nicht ein- mal den Vorwand einer„Verschwörung" wie im vorigen Jahre, als er Griffelhues und L6vy vor dem 1. Mai ver- haften ließ. Die Verhaftung A V e t o t s und M a r ck s, die heute in den Zeitungen berichtet wird, ist angeblich auf An- suchen der Staatsanwaltschaft von Nantes wegen Auf- reizung zum Mord, begangen durch die Presse nach den Artikeln 23 und 24 des Gesetzes von 1881, erfolgt. Avetot, der Sekretär der Föderation der Arbcitsbörsen, wurde in Nantes selbst verhaftet, wohin er von der Arbeits- konföderation gesandt worden war, um den im Streik stehenden Hafenarbeitern beizustehen. Marck, der Delegierte der Marinearbeiter in der Konföderation und in dieser als Beamter angestellt ist, war von Avetot nach Nantes geschickt worden, aber schon vor niehr als einer Woche zurückgekehrt. Die„Aufreizung", die er begangen haben soll, muß also nicht sehr gefährlich gewesen sein, wenn sich das Gericht solange Zeit lassen konnte, ihn ins Gefängnis zu bringen. Noch weniger eilig hat's freilich das Gericht gehabt, den Polizisten oder Gendarnien ausfindig zu machen, der in den ersten Tagen des Dockarbeiterstreiks einen Demonstranten er- schössen hat. Es scheint übrigens, daß. entgegen der offiziösen Version, die Anklage nicht wegen eines Preßvergehens, sondern wegen Versammlungsreden erhoben werden wird, und zwar auf Grund des berüchtigten Anarchistengesetzes(der so- genannten Joi sc616rate"), zu dessen erbittertsten Gegnern Clömenceau selbst gehört hat! Aber war nicht Cl6menccau auch der feurigste Anwalt der persönlichen Frei- heit und des gesetzlichen Schutzes gegen grundlose Ver- Haftungen? Und war er nicht auch ein erklärter Verteidiger des Gewerkschaftsrechtes-der Beamten? Ja, welcher Freiheit war Clömenceau n i ch Vorkämpfer--«einst im Mai"?— Eine Skandalaffäre im Kolonicnministerinm. Paris, 16. April.(Eig. Ber.) Vor einigen Tagen brachte die„Humanits" Enthüllungen über skandalöse Mißbrauche, die bei der Verwendung deS aus Anlaß der Katastrophe von Martinique bewilligten Kredits von hohen Beamten des Kolonienministeriums verübt worden seien. Die Regierung, die offenbar die unangenehme Sache gerne im Stilen erledigt hätte und zu diesem Beginnen auch bei der bürgerlichen Presse Unterstützung gefunden hat, ist nach dem Artikel des sozialistischen Blattes außerstande gewesen, diese Taktik fortzusetzen. Der heutige„Matin" ver- öffentlicht ein Interview mit dem Kolonicnminister, das die Nichttgkeit des Berichtes der„Humanits" in allen Einzelheiten beweist! Nach der Zerstörung von Saint-Pierre im Jahre 1902 bewilligte das Parlament etwa 3 Millionen an EntschädigungS- kreditcn. Davon nahm das Kolonienministcnum 320 000 Frank zum Zweck der Wiederherstellung der vernichteten Archive in Anspruch. Diese Arbeit war notwendig, da es galt, die Besitz- Verhältnisse klarzustellen. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts werden alle die Kolonien betreffenden Akte in einem Duplikat im Archiv des Kolonienministeriums hinterlegt. Es handelte sich also um eine ungeheure Kopierarbeit— die Zahl der ver- nichteten Akten betrug etwa 400000— und die kleinen Beamten des Ministeriums hofften bei dieser Gelegen- heit einen schönen Nebenverdienst zu bekommen. Sie wurden aber arg enttäuscht. Der damalige Kolonicnminister hatte bestimmt, daß ein Schriftstück von 60 Zeilen mit 1 Fr., das Kollationieren(Vergleichen) mit 50 Cts. und jede Unterschrift mit 3 Cts. bezahlt werden sollte. Diese zwei letzten Tätig- keiten fielen, da sie den Charakter einer Konttolle trugen, ohne weiteres den Chefs zu, zur A b s ch r e i b e a r b e i t sollte das ganze Personal herangezogen werden. Aber die höheren Archivbeamten legten auf das ganze Material Beschlag und die kleineren Angestellten des Ministeriums be- kamen nur hin und wieder etwas Arbeit zugeteilt, so daß einzelne von ihnen im Laufe der Zeit 400 bis 500 Frank erschreiben konnten. Dann aber hieß es, die Arbeit sei schon so gut wie fertig und die Kredite erschöpft. Unterdes bezogen die Herren Chefs und Vizechefs des Archivs die üppigsten Nebeneinnahmen I Aller- dings konnten sie die Arbeit, die sie den kleinen Beamten vorenthalten hatten. nicht selbst ganz bewältigen, aber sie beteiligten Verwandte und Freunde damit, die „Freundinnen" einbegriffen.— Von einem Beamten erzählt die„Humanitü". daß er seinrr Geliebten täglich vom Bureau- diener Akten zutragen ließ. Unter denen, die aus dem Unglück von Saint-Pierre ihren Gewinn zogen, war sogar der— Chauffeur des famosen Exministers Clementel. Schließlich verfielen die Archivbcamten darauf, aus der Vergebung der Arbeit ein profitbringendes Unternehmen zu machen. Es fanden sich genug arme Teufel, die das Schriftstück, welches dem Beamten mit 1 Fr. honoriert wurde, für 50, ja für 25 Cts. schrieben! Die Differenz steckte der„Unternehmer" ein. Eine Reihe dieser Beamten hat 20000— 25000 Fr. auf diese Art „verdient", ein Bureauchef hat in 4 Jahren sogar 40000 Fr. bezogen, einer ist jetzt Besitzer einer Villa bei Paris usw. Die kaltgestellten Unterbeamten waren endlich zu der Ucbcrzeugung gekommen, daß man sie gefoppt hatte, als man ihnen sagte, daß keine Arbeit mehr da sei. Eine Delegation ihrer Berufsvereinigung legte dem Kolonienminister Milliss- Dar'n wird zum Teil mit einer Schärft in'-er Foriw die sich der j Laer rix die Machenschaste» dar, imd dieser ordnete sofort s an, daß Kopierarbeiten künftig nur solchen Beamten zugeteilt 'werden dürften, die höchstens 4500 Fr. beziehen. Anrecht auf diese Arbeiten haben die Beamten aller Dienstzweige, und die Verteilung soll nach einem Ablösungssystem geschehen. Die Untersuchung, die der Minister, wie er selbst sagt, mit Widerwillen eröffnet hat, geht noch fort. Ein Vertuschen bei der Affäre, und die Schonung der Schuldigen ist nun nicht mehr möglich.— Die wahrhaft französischen Leute. Paris, 15. filpril.(Eig. Ber.) Ein Symptom der Wut, von der die Bourgeoisie angesichts deS fottschreitenden Sozialismus ergriffen worden, ist ein Aufruf, den der heutige„Figaro" veröffentlicht. Sein Autor ist ein Dr. juris Leandri, den offenbar der Ruhm der schwarzen Banden Ruß- lands nicht schlafen ließ. Herr Leandri macht der Welt die Mit- teilung, daß er zur Bekämpfung des revolutionären Kollektivismus, der die Regierung zum„Verbündeten und Komplicen" habe(II), in allen Pattser Bezirken und auch in der Provinz gegen- revolutionäre Sektionen ins Leben zu rufen im Begriff sei. Er appelliert „an alle, deren Patriotismus sich empört, deren Interessen bedroht werden, deren Gewissen sich beunruhigt fühlt"— kurz„an alle guten Franzosen", die eine Regierung der Autorität, der Ordnung und des Fottschritts wollen.— Das Aktionsprogramm des Herrn Leandri ist in folgenden vielversprechenden Sätzen niedergelegt: „Um Frankreichs Leben zu sichern, sind wir zu allem bereit, selbst zum Kampf mit den Waffen. Zahlreicher als man denkt sind die Patrioten ohne Furcht und Tadel, die vor Begierde glühen, die Gefahren und den Ruhm künftiger Schlachten zu teilen.... Wr werden unseren Platz in den ersten Schlacht- reihen suchen, möglichst nahe der Horde der Vaterlandslosen und den Apachen der sozialen Republik.... Wir werden zunächst für die unmittelbare Eroberung der Gewissensfreiheit und der Freiheit der Arbeit kämpfen. Jede Arbeits- börse, von der ein antifranzösisches Wort oder eine Aufforderung zum Bürgerkrieg ausgeht, muß sofort ge- schlössen, jeder ungesetzlich organisierte Beamte, der von den Ideen des Internationalismus beherrscht wird, desinitiv abgesetzt werden. Endlich muß die Arbeitskonföderation aufgelöst werden... Wenn die Regierung diese Mission erfüllt, ivird sie keine energischeren Helfer haben als uns. Wenn sie sich aber dieser Pflicht entzieht, wird der Augenblick für unsere Freunde da sein, in die Reihe zu treten. Möge die Stunde des letzten Kampfes kommen, der«große Abend"; wir sind bereit. Wir konspirieren nicht, denn heißt eS konspirieren, wenn wir den elenden Aposteln des AniipatriotismuS zurufen: Wir kennen euch und behalten euch im Auge? Wenn ihr, entgegen unseren Hoffnungen, nicht sofort unter die Schärfe des Kriegsrechts fallen werdet, werden wir uns selbst danrit befassen, euch unschädlich zumachen! Und die Geiseln. die man au die Mauer stellen wird, werden andere Leute sein, als man denkt." Es ist charakteristisch, daß der„Figaro" diesem tollhäuslerischen Gerede eine und eine halbe Spalte einräumt und nur eine Ver- Wahrung in bezug auf den vom Autor gepredigten Bürgerkrieg beifügt. Natürlich wird niemand die Nenommistereien des Dr. Leandri ernst nehinen. Wozu die Selbstwehr der„Gutgesinnten" gerade noch taugt, hat man ungefähr bei den Kircheninventuren ge- sehen, wo sie sich an Polizisten austobte, denen höfliche Zurück- Haltung gegen die vornehme Gesellschaft kommandiert war. Vor energischen Arbeiterfäusten würde sie rasch Rcißctzis nehmen. Aller- dings brauchte sich Herr Dr. Leandri gar nicht so zu erhitzen. Ist .doch Elemenceau auf dem besten Wege, das ganze Programm seines Wunschzettels zu erfüllen.— Belgien. Der Staatsstreich und die Arbeiterschaft. Brüssel, 17. April.(W. T. B.) Der Generalrat der Arbeiterpartei beschloß in einer Sitzung in» Volkshause unter Zustimmung der sozialistischen Deputierten und Senatoren, an das Land eine Erklärung zu richten, in der vor allem die wirtschaftliche Bedeutung der Zurückziehung der Berg- gesetzvorlage hervorgehoben werden soll. Ferner wurde be- schlössen, am 28. April und am 1. Mai im Lande zwei große Kundgebungen zugunsten der Einführung des Achtstunden- tages zu veranstalten.�— Brüssel, 17. April.(B. H.) Wie verlautet, hat der König die Demission des Kabinetts abgelehnt; nur der Arbeits- und der Land- wirtschaftsministcr sollen ersetzt werden. Sollte das neue Kabinett keine Mehrheit in der Kammer erzielen, so wird voraussichtlich zu einer Auflösung des Parlaments geschritten werden. Eine solche Auflösung wird aber von den Mitgliedern der Rechten sehr ge- fürchtet, und es ist daher, möglich, daß das neue Kabinett die not- Ivendige Mehrheit erlangen lvird. Brüssel, 17. April. Die liberale Linke hat heute ein« Tages- ordnung angenommen, in der sie sich bezüglich der Zurückziehung der Berggesetzvorlage ein parlamentarisches Vorgehen für den Tag des Wicderzusammcntritts der Deputiertenkammer vorbehält und mit Energie gegen die schwere Verletzung, die der Würde deL Parla- ments zugefügt fei, und gegen die Haltung des Kabinetts protestiert, die den parlamentarischen Gewohnheiten widerspreche. England. Freiheit und Gerechtigkeit. London, 17. April. Tie aus Anlaß der Kolonialkonferenz hier weilenden kolonialen Premierminister wohnten gestern abend einem vom„Eighty Club", einer liberalen Vereinigung, veranstalteten Bankett bei. Louis Botha, der Premierminister von Transvaal, stand im Mittelpunkt des Interesses. Der Premierminister Canchbell-Bannerman, der die Gäste begrüßte, führte in seiner An- spräche aus. die Liberalen seien dafür, daß das britische Reich auf dem Boden der Freiheit und der Gerechtigkeit erhalten bleibe; denn ohne diese verdiene es nicht fortzubestehen. Botha hielt einen Trinkspruch auf die Reichsregierung und er» klärte darin, daß das Vertrauen, das Transvaal bezeigt worden sei, niemals vergessen werden würde. Transvaal habe die ihm entgegen. gestreckte Freundschaftshand ergriffen und werde sie nimmer la-sfen. Der Unterstaatssekretär der Kolonien. Churchill, führte aus, daS Prinzip der Selbstregicrnng fei das einzige Prinzip, das ge- eignet fei, das Reich zusammenzuschließen. Die Reichsregierung sei entschlossen, Botha von ganzem Herzen bei der VerschmelMng der zwei großen Nationen zu einer Afrikändernation unter britischer Flagoe zn imte-rstützen._ Berufung in Strafsachen! London, 17. April. Unterhaus. Der Generalstaats- anwalt Sir John Lawson Walton brachte eine Vorlage be- treffend Errichtung eines Berufungsgerichts für Sttafsachen ei«, das die Befugnis erhält, Verurteilungen wegen strafrechtlicher Vergehen der Revision zu unter- ziehen.—_ GewerkfebaftUebe#). Terror. Die Scharfmacher im Arboitgeber-Verbande der Holz» industtte in Düsseldorf versenden an ihre Kollegen daselbst folgendes Zirkular; 8tBc{tjeBer«8erein der Holzindustrie und Schreiner-Jnnung Düsseldorf. Düsseldorf, den 12. April 1907. An unsere Mitglieder! In der außerordentlichen gemeinsamen Generalversammlung dom 10. April wurden eine Reihe Herren gewählt, welche in den nächsten Tagen alle Betriebe daraufhin kontrollieren sollen, ob Schreiner aus den imLohnlampfe befindlichen Orten hier beschäftigt werden. Abgesehen von der Ehrenpflicht, unsere kämpfenden Kollegen durch Nichteinstellung von deren Leuten zu unterstützen, machen wir wiederholt darauf aufmerksam, daß es satzungsgcmäß bei hoher Strafe verboten ist. Streikende oder Ausgesperrte aus Verbands- Wim zu beschäftigen. In Frage kommen folgende Orte: t. Berlin und Vororte, 2. Kiel, 3. Burg, 4. L ü b e ck und zwar seit Anfang Januar, 6, Bernau, 6. Dresden, 7. Leipzig, 8. Halle, S.Görlitz, 19. Spandau. 11. Barmen, diese seit Ende März. Da mehrfach die Schreiner kurze Zwischenstellen in anderen besonders kleinen Vororten benutzt haben, um so ihre Herkunft aus Streikorten zu verschleiern, wolle man nicht nur die letzte Stelle prüfen, sondern an Hand der ja nach Provinzen vcr- schiedenen Ouitwngsmarken auf den Jnvalidenkarten genau fest- stellen, ob einer der obigen Orte in Frage kommt. In diesen Fällen sind die Betreffenden schleunigst zu ent- lassen, selbstredend unter Wahrung der gesetzlichen Vorschriften in bezug auf etwaige Kündigungsfrist und Vollendung von Mkorden. Die Personalien derartiger Leute bitte dem Vorsitzenden des Arbeitgeberverrins umgehend zu melden, ebenso wie etwaige zweifrl- hafte Fälle. Freiwillige Beiträge für Berlin und die anderen Kampforte bitte den mit der Sammlung beauftragten Herren Karl Stür- mann und Werschkuli oder direkt dem Kassierer des Arbeit- geberverems Herm Gotthelf Neumann baldigst zu über- weisen. Mit kollegialem Gruße Der Vorsitzende des Arbeitgebervereins Paul Siebet. Der Obernieister der Schreiner-Jnnung H e i n r. Fuchs. Die nämlichen Leute, die stets über Terrorismus der Arbeiter salbadern, üben hier einen unerhörten Terrorismus aus. Bei An- drohung hoher Strafen fordern sie die Unternehmer auf, Arbeiter zu entlassen, die ohne eigenes Verschulden vom Unternehmertum auf die Straße geworfen wurden und nun andere Arbeit fanden. Und nicht allein das; ste verlangen auch noch ein Namensverzeichnis dieser Arbeiter, um sie dauernd dem Hunger überantworten zu können, uni diese Arbeitswilligen an freiwilliger Arbeit zu hindern. Offener ist noch nie gegen§ 153 der Gewerbeordnung der- stoßen worden. Ocffnen sich für die Unterzeichner des„Zirkulars" die Pforten des Gesängniffes oder findet hier wieder das bekannte Ministerwort: „Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe" Anwendung? Verlin un«l Umzegencl» Achtung, Klempner! Die Firma Bauer, Mohrenstraße 15, hat den Tarif nlcyr an- erkannt. Angebahnte Verhandlungen hatten kernen Erfolg. Zwei Kollegen erhalten den tarifmäßigen Lohn. Achte jeder Kollege darauf, daß er nur zu den tarifmäßigen Löhnen eingestellt werde; es muß uns dann gelingen, den Tarif zur Anerkennung zu bringen. Die Ortsverwaltung des Metallarbeiterverbandes, Verwaltungsstelle Berlin. Die�Tarifbewegung im Baugewerbe. Bis jetzt ist es noch zu keiner endgültigen Entscheidung ge- kommen. Am Mittwoch waren die Vertreter der Parteien wieder auf dem Gewerbegericht beisammen. Sie verhandelten von 19 Uhr vormittags bis ö Uhr nachmittags, jede Partei für sich unter Hin- zuziehung ihrer Vertrauensmänner im Einigungsamt. Eine Ver- ständigung konnte jedoch nicht erzielt werden. Das Einigungsamt fällte deshalb einen Schiedsspruch, der nach Eröffnung der Sitzung, bei der auf Verlangen der Unternehmer die Oeffentlichkeit aus- geschlossen war, verkündet wurde. Man konnte aber den Schieds- spruch unmittelbar nach Schluß der Sitzung erfahren. Er lautet: „Mit Rücksicht auf die augenblickliche Lage im Baugewerbe empfiehlt das Einigungsamt den Parteien, einen Tarif auf die Dauer von drei Jahren abzuschließen, den gegenwärtigen Stundenlohn im ersten Jahre der Tarisdauer um 3 Pf., im zweiten Jahre wieder um 2 Pf. und im dritten Jahre nochmals um 2 Pf. zu erhöhen, die gegenwärtig bestehende neunstündige Arbeitszeit aber für die Dauer des Vertrages beizubehalten. Den Parteien wird eine Frist bis zum 24. April gesetzt, innerhalb deren sie sich über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruchs zu erklären haben. Erfolgt bis zum 24. April keine Erklärung, so gilt der Schiedsspruch als abgelehnt." Als die Sitzung geschlossen war, verabschiedeten sich einige her- vorragende Führer der Arbeitgeber von einigen Ver- tretern der Arbeiter in sehr höflicher Form und bemerkten dabei: „Es hat uns gefreut, fünf Jahre mit Ihnen zusammen zu arbeiten. Jetzt sehen wir uns nicht wieder. Diese Vorschläge können wir nicht annehmen. Jetzt gibt eS einen Kampf, wie er noch nie dagewesen ist. Also nochmals Adieu! Wir sehen uns nicht wieder."_ Die Arbeiter der Englischen Gasanstalten waren am Montag zahlreich im Hofjägerpalast versammelt, um über einige den Arbeiter- ausschüssen zu überweisende Forderungen zu beraten. Eingangs der Versammlung hielt Heckmann- Mannheim ein mit lebhaftem Beifall aufgenommenes Referat über„Die Hülfsmittel der Arbeiter im Kampfe ums Dasein".— Die Vertrauensleute und Ausschuß- Mitglieder unterbreiteten der Versammlung die Anträge: 1. Forderung der Verkürzung der jetzt zehn Stunden betragenden Arbeitszeit auf neun Stunden für sämtliche Hofarbeiter, Handwerker und Außenbetriebsarbeiter; 2. Zahlung eines Zuschlages von 59 Prozent für Sonntagsarbeit; 3. Zahlung der Differenz zwischen Lohn und Krankengeld, analog den Bestimmungen der Stadt Berlin. Nach kurzer zustimmender Debatte wurden diese Forderungen gutgeheißen und fanden einstimmige Annahme. Zwei Resolutionen, deren eine die Arbeiter zum festen Zusammenschluß in der zuständigen Organisation, dem Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter auffordert, und die andere den städtischen Kollegen die tatkräftige Unterstützung der Arbeiter der Englischen Gasanstalten bei der Durchführung ihrer Forderungen ausspricht, gelangten eben- falls einstimmig zur Annahme.— Vor Eintritt m die Tages- ordnnng hatten sich die Versammelten zu Ehren des verstorbenen Genossen Auer von den Plätzen erhoben. Der Streik der Leitergerüstbauer dauert unverändert fort. Die Situation für die Streikenden hat sich insofern günstiger gestaltet, als sich seit Dienstag die 6 Poliere von der Firma Arndt u. Co. ebenfalls, und zwar durch das sonderbare Vorgehen des Firmen- inhabers den Streikenden angeschlossen haben. Die 6 Poliere hatten am Montagabend unter sich eine Aussprache, auf Grund welcher sich dieselben dahin einig wurden, daß sie mit Rücksicht auf die für sie selbst erhöhte Lebensgefahr, welche dadurch entsteht, daß sie von der Firma angehalten wurden, mit ungeübten Arbeitswilligen zu arbeiten, die Arbeit abzulehnen. Sie wurden am Dienstag- morgen, nachdem die Firma noch am Montagabend telephonisch da- von benachrichtigt war. bei Herrn Arndt vorstellig und gaben ihm ihren Entschluß bekannt. Die Poliere erklärten sich bereit, die Ißeraijtw. Redakteur: HanS Weber, Berlin. Inseratenteil verggtv� Arbeit fortzusetzen, wenn Herr Arndt einwilligt, daß sie, die 8 Poliere, zusammen eine Kolonne bilden könnten, auch wollten sie Platzarbeit verrichten. Herr Arndt herrschte die Leute an, wie sie sich unterstehen könnten, nach dem Platz zu kommen. Ihre Pflicht sei es gewesen, nach der Arbeitsstelle zu gehen; sie hätten somit den Vertrag gebrochen. Herr Arndt händigte jedem einzelnen ein be- reits ausgefertigtes Schriftstück aus, laut welchem er jedem eine Bedenkzeit von IVi Stunden gewährte. Sollten sie jedoch nicht ge- willt sein, die Arbeiten wiechisher auszuführen, dann seien sie ent- lassen. Die 6 Poliere nahmen unter diesen Umständen die Ent- lassung an. Dadurch ist nun die Firma Arndt u. Co. in größte Verlegenheit geraten, so daß sie die Arbeiten in der Marine- ausstcllung nicht ausführen und deshalb regreßpflichtig gemacht werden kann. Die ausführende Firma„Deutsche Hausbaugesell- schaft" hat nunmehr die Itüstarbeiten in eigener Regie übernommen. Die Firma hat mit der Lohnkommission verhandelt und die Forde- rungen unterschriftlich anerkannt, und zwar mit der Maßgabe, daß die Firma Arndt u. Co. keinerlei Vorteile durch dieses Abkommen erzielt.— Die Arbeit ist infolgedessen am Mittwoch früh in der Ausstellung aufgenommen worden und werden daselbst 36 Mann beschäftigt. Die nächste Versammlung der Streikenden, an welcher auch die in Arbeit stehenden Gerüstbauer teilnehmen, findet am Freitag im„Englischen Garten" statt. Zu dem drohenden Ausstand der Brauerciböttcher, wegen Ab- lchnung der neunstündigen Arbeitszeit, erklärte der Syndikus des „Vereins der Brauereien Berlins und Umgegend", die verlangte Verkürzung der Arbeitszeit könne aus dem Grunde nicht gewährt werden, weil für alle anderen Arbeiterkategorien die g�hstündige Geltung habe. Man werde den Böttchern vielleicht durch Ein- legen von Pausen entgegenkommen, um einen Ausgleich herbeizuführen. Man erwartet, daß auf dem Wege der Vevhand- lungen noch ein Ausgleich erzielt und kein Kampf ausbrechen werde. DeuvkcKes Reich. Die Friedensverhandlungen in Hamburg. Hamburg, 17. April 1997. (Privattelegramm des„Vorwärts".) Heute nachmittag hat eine Versammlung der Schaucrleute stattgefunden, die zur Frage der Maifeier Stellung nahm. Im Anschlüsse an diese Versammlung findet heute abend in.Hamburg eine Versammlung sämtlicher Hafenarbeiterorganisationen statt. Nachdem der Vorsitzende mitgeteilt hatte, daß er mit dem Partei- vorstand in Berlin konferiert habe und nach einer ziemlich leb- haften Debatte faßten die Schauerleute folgenden Beschlutz: Die Versammelten beschließen, falls die Aussperrung vom Hafen-Betriebsverein tatsächlich aufgehoben wird, trotzdem sie die Arbeitsruhe am 1. Mai als würdigste Form der Feier halten. im Interesse des Friedens in diesem Jahre von der Teilnahme durch Arbeitsruhe Abstand zu nehmen. Diese Resolution hat für die Schauerleute nur dann Verbindlichkeit, wenn die übrigen Hafenarbeiter dasselbe beschließen. Unternehmerstil. Die Bleiglaser und Glasmaler in Düsseldorf haben kürzlich über die zwei Glasmalerfirmen Fritz Hauswald und Hein- rich Wunderwald die Sperre verhängt. Durch besondere Dreistigkeit zeichnet sich von diesen beiden Unternehmern Herr Hauswald aus. Er hatte folgendes Plakat in seiner Werkstatt angeschlagen: „Zur Unterdrückung der überhandnehmenden Faulheit unter den Gehülfen sehen wir uns zu dem einzig bleibenden Machtmittel gezwungen, von heute ab ohne Kündigung zu arbeiten. Tagediebe werden stündlich entlassen. 23. 3. 97." Auch im übrigen soll die schlechte Behandlung, die hier den bisher unorganisierten Gehülfen geboten wurde, alles übertreffen, was man in anderen derartigen Werkstätten erlebte. Diese Dinge ?aben bis jetzt wenigstens den guten Erfolg gehabt, daß die Ge- ülfen den Weg zur Organisation gefunden habe»»nd sich die Behandlung nicht mehr bieten lassen. Die Arbeiter der Linoleumfabrik„Schlüsselwerke" zu Delmen- Horst befinden sich im Streik. Es wird nun versucht, unter der Hand Kontorpersonal nach hier zu ziehen, angeblich, um schriftliche Arbeiten zu machen. Es ist festgestellt, daß Kontorpersonal hier in Ueberfluß vorhanden ist und die nach hier Gezogenen allem An- schein nach nur Arbeitswilligendienste verrichten sollen. Zuzug ist nach wie vor streng fernzuhalten. Verband der Fabrik-, Land-Hülfsarbeiter. Zahlstelle Delmenhorst. Fort mit dem Harmonie-Dosel. Die„Westdeutsche Arbeiter-Post". das Blatt der Hirsch- Dunckerschen Gewerkvereine von Rheinland und Westfalen, weist darauf hin, daß die Reformbewcgung in den Gewerkvereinen, die den entschiedenen Kampf für die Besserung der Arbeiterverhältnisse vertrete, sich von jeher gegen die alte Lehre von der Harmonie der Interessen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gewendet habe. Aber keine Generalversammlung der Gewerkvereine habe sich bisher bemüßigt gefunden, diese Theorie aufzugeben, trotzdem sie in der Praxis läng st über den Haufen geworfen sei. „Eben gibt", heißt eS dann weiter.„der Generalrat der Maschinenbauer eine Broschüre heraus über die Lohnkämpfe des Gewerkvereins in 1996. Wir finden da Berichte von etwa 97 selb- ständig geführten Lohnkämpfen, teils solche mit, teils ohne Streik. Wer nun noch von Harmonie redet, belügt sich selbst, denn es gibt keinen schlagenderen Beweis gegen die Har- monie als solche, wohl nicht einmal ganz vollständige Sammlung von Lohnkämpfen eines Gewerkvereins aus einem Jahre. Angesichts dieser Umstände fragen wir, ob es denn nun nicht angebracht sei, auf dem kommenden Verbandstage die Stellung der Gewerkvereine zum Unternehmertume zu beraten und die H a r m o n i e t h e o.r i e endgültig auszuschiffen? Zur Klärung der Köpfe in den Gewerkvereinen und zur Vereinheitlichung der Agitation wäre das sehr dienlich." Huslanck. Der Ausstand der Nahrungsmittelarbeiter. Paris, 15. April.(Eig. Ber.) Der Bäckerstreik beginnt sich den Unternehmern nun doch empfindlich bemerkbar zu machen. In einigen Bezirken waren die Meister nicht imstande, ihre regelmäßigen Kunden zu befriedigen. In S t. C l o u d hat der Bürgermeister M i l i t ä r b ä ck e r requiriert. Ein gutes Beispiel von Unparteilichkeit hat der s o z i a- listische Bürgermeister Escartefigoe von T o u l o n, wo die Bäcker gleichfalls im Streik stehen, gegeben. Um die Ver- sorgung der Stadt mit Brot zu sichern, ohne den Meistern Streik- brecher zur Verftigung zu stellen, hat er die kommunale Brotproduktion organisiert. Die Armee- und Marine- b ä ck e r sind aus den Privatwerk st ätten zurück- gezogen worden. Die Gemeindebeamten haben außerordentlichen Dienst, um den Verkauf zu überwachen. Die Streikenden haben den Bürgermeister zu seiner Verfügung beglückwünscht. Die Streik- lommission versichert weiter, daß die Ausständigen durch ihre Haltung dem sozialistischen Gemeinderat keine Verlegenheit bereiten werden und erklärt, daß sie an dem Straßenunfug, der in der Sonntagnacht bei der für dies Krankenhaus liefernden Bäckerei an- gerichtet wurde, keinen Anteil genommen haben. Dreitausend Staatsbeamte für die Gewerkschaftsfteiheit. Paris, 16. April.(Eig. Ber.) Gestern abend haben die Staatsbeamten und Staatsarbeiter der verschiedenen Ressorts eine genieinsame Versammlung veranstaltet. AG�cke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Luchdr. u. Verlag»an Mi! die einen imponierenden Verlauf nahm. Die Vertreter der großen Gewerkschaften der gewerblichen Arbeiter und der staatlichen Manu- fakturen versprachen, den um ihr Koalitionsrecht kämpfenden Be- amten mit allen Kräften beizustehen. Vor der sozialistischen Partei waren die Genossen D e j e a n t e und Renaudel delegiert worden, deren scharfe Reden gegen das Ministerium starken Bei- fall fanden. Eine einssimmig angenommene Resolution fordert das uneingeschränkte Gewerkschaftsrecht für die BeamUn und die sofortige Einstellung des Disziplinarverfahrens, das gegen sieben Gewerkschaftsleiter der Lehrer und Postbeamten eingeleitet worden ist._ Streik und Aussperrungen in Schweden. Eine allgemeine Aussperrung der Maler« gehülfen in Stockholm ist am Montag durchgeführt worden. Sie erstreckt sich auf ungefähr 1999 Mann. Ursache der Aus- sperrung sind Forderungen auf Lohnerhöhung und Arbeitszeit- Verkürzung. Zwar wurde vorher mit den Unternehmern ver- handelt, doch iam es zu keiner Einigung, weil die Unternehmer auf die zehnstündige Arbeitszeit bestanden und nicht über 64 Oere Stundenlohn bewilligen wollten.— Die Hafenarbeiter von Norrköping haben am Sonnabend die Arbeit niedergelegt, nach- dem Verhandlungen mit den Unternehmern gescheitert waren.— Die städtischen Arbeiter von Göteborg stehen nun seit ungefähr 14 Tagen im Streik/ Die städtische Verwaltung sucht Streikbrecher heranzuziehen, bietet ihnen 79 Oere Stundenlohn, während die Verhandlungen mit den organisierten Arbeitern g» einer Forderung von 38 Oere Stundenlohn gescheitert sind, Letzte]Nfachricbten uud Oepeleden. Der erste Mai und die Hafenarbeiter. Hamburg, 17. April.(W. T. B.) In einer heute abend stattgehabten Versammlung sämtlicher Hafenarbeiter wurde eine Resolution gefaßt, worin erklärt wird, daß sich die Hafenarbeiter unter voller Wahrung des Staudpunktes, daß die ArbeitSruhe am 1. Mai die würdigste Feier sei, in An- betracht der gegenwärtigen Verhältnisse veranlaßt sehen, in diesem Jahre von der Teilnahme an der Maifeier durch die Arbeitsruhe abzusehen. Die Versammelten beschlossen, eineu Teil ihres am 1. Mai verdienten Tagelohnes au die aus- gesperrten Schauerleute abzuführen. Die Hamburger Aussperrung vor der Bürgerschaft. Hamburg, 17. April.(W. T. B.) Zu Beginn der heutigen Bürgerschaftssitzung interpellierte der sozialdemokratische Abgeord- nete und Redakteur des„Hamburger Echo", Emil Fischer, die Mit- glieder der Deputation für Handel und Schisfahrt, welche Schritte diese Behörde zur Beilegung des Hafenarbeiterkonsliktes getan habe und was sie zu tun gedenke. Das Mitglied der Deputation, Eiffc, gab eine aktenmäßige Darstellung der Entstehung des Konfliktes und erklärte, daß dieser von den Schaucrleuten provoziert worden sei. Dr. Karl Petersen, von den vereinigten Liberalen, rügte, daß Eiffc, als Vertreter einer Hamburger Behörde, nicht unparteiisch gesprochen habe. Auch die politische Presse, speziell die„Hamburger Nachrichten" und das„Hamburger Fremdenblatt", hätten in un- erhörter Weise gesündigt, indem sie die Gegensätze verschärften, anstatt, der Aufgabe der politischen Presse entsprechend, sie aus- zugleichen. Es sprachen dann noch Dr. Mommsen, Syndikus der Hamburg-Amerika-Linie, und Dr. Westphal von der Fraktion der Rechten, der es für unzweckmäßig hielt, daß sich die Deputation in den Konflikt einmischte. Darauf wurde zur Tagesordnung über» gegangen._ Bom Hauseinsturz in Breslau. Breslau, 17. April.(W. T. B.) Von den bei dem Einstürze des Neubaues in der Kaiser Wilhelmstraße verschütteten Personen werden noch zwei vermißt. Im Laufe des Nachmittags erschienen der Oberpräsident, der Polizeipräsident, der Oberbürgermeister, mehrere Baurqte sowie der Vertreter der Staatsanwaltschaft auf der Unglücksstätte. Die Trümmermassen sind durch brennende Koksöfen, die zum Trocknen der Wände aufgestellt waren, in Brand geraten. Die Feuerwehr war abends noch mit dem Ablöschen der Trümmermassen und mit Versuchen zur Rettung der Vermißten beschäftigt.__ Felssturz. Innsbruck, 17. April.(B. H.) Vom Südabhange des Almesur« stadcs in der Lcchthaler Kette erfolgte gestern abend ein Felssturz. Der Weilerbach und die Gemeinde Nasserein am Arlberg war äußerst bedroht. Zehn Meter vor dem letzten Haus staute sich die Trümmermasse haushoch. 89 999 Quadratmeter guter Wiesengrund wurde verschüttet. Ein Grundstück eines Bauern wurde total ver- nichtet. Schon mittags war das Krachen so heftig, daß die Be- wohner die Häuser verließen. Hoch oben wurden immer größer werdende Risse bemerkbar und zur Dämmerzeit erfolgte der Riesen- felssturz, der wohl 1 Million Kubikmeter umfaßt.(„Franks. Ztg."� Kcllnerstreik in Paris. Paris, 17. April.(W. T. B.) Die meisten Kellner der großen Boulevards-CafsS und-Restaurants sind heute Abend in den Aus- stand getreten. Der Streikbefehl war ihnen vom SyndikatsauSschnß mittels versiegelter Briefe zugegangen und sofort befolgt worden. Die Restaurants, deren Personal sich dem Ausstande nicht an- geschlossen hat, werden polizeilich bewacht. Die Ausständigen ver- langen u. a. Regelung der Arbeitsstunden und feste Löhne. 1090 Arbeiter ausgesperrt. Roubaix, 17. April.(W. T. B.) Die Webereifirma Motte u. Delecluse hat infolge einer von den Arbeitern verlangten Lohn- erhöhung heute morgen die Fabrik gesperrt. 1999 Arbeiter find be- schäftigungslos._ Abgedankt. Rom, 17. April.(W. T. B.) Finanzminister Massimini hat, wie die„Tribuna" meldet, sein Entlassungsgcsuch eingereicht. Die Kämpfe in Lodz. Lodz, 17. April.(W. T. B. Von einem besonderen Korrespon- deuten.) Der Kampf zwischen den Parteien dauert fort. Heute wurde» hier fünf Personen erschossen und sechs verwundet, auch Ueberfälle zur Beraubung offener Läden und Kontore kommen vor- Dreißig Personen wurden verhaftet. Eine Schreckenstat. Riga. 17. April.(B. H.) Ein Arbeiter schlitzte im Deliriu» seiner Schwester, Neffen, Nichte und derem Kinde den Bauch auf. Erdbeben und Unwetter. Madrid, 17. April.(W. T. B.) Gestern nachmittag ist i» Totana(Murcia) eine heftige Erdcrschütterung wahrgenommcr worden, die fünf Sekunden dauerte. Im Norden Spaniens wütet ein heftiger Sturm. In Bilbao ist der Schiffsverkehr eingestellt worden. i., Berlin S W, Hierzu 3 Beilagen«. llnterhaltungsblatt Nr. 90. 24. Jahrgang. 1. ßtilnp des Jonnörtü" Knlim Sollisblntt. Donnerstag. 18. April 1907. Reichstag 81. Sitzung vom Mittwoch, den 17. April 1907, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: Graf Posadowskh. Auf der Tagesordnung steht Fortsetzung der zweiten Beratung des Etats für das Reichsamt des Innern, Kapitel Reichs gesnildheitsamt. Alig. Dr. David(Soz., zur Geschäftsordnung): Ich beantrage, von den bei diesem Kapitel zur Verhandlung kommenden Fragen die W e i n f r a g e gesondert zu beraten. Mehrere Abgeordnete sprechen sich in gleichem Sinne aus. 1 wird beschlossen, die Weiufrage zuerst zu beraten. Präsident Gras Stolberg: Meine Herren, ich muß Sie bitten, fich noch einmal zum Wort zu melden, da ich nicht wissen kann, wer von den Herren, die zum Worte gemeldet sind, zur Weinfrage sprechen will. Es entsteht ein Sturmlauf der Abgeordneten zu den Sitzen der Schriftführer, die im Augenblick von etwa 30 Abgeordneten umlagert find.(Schallende Heiterkeit.) Mit zur Verhandlung steht eine Resolution des Zentrums behufs einer Revision des Gesetzes betr. den Verkehr mit Wein; danach sollen zur Ausführung des Weingesetzes und zur Ueberwachung des Weinbaues und Weinhandels besondere Beamte angestellt und jede Weinhandlung der zuständigen Verivaltungsbehörde angemeldet werden; ferner soll die ständige Führung eines Lagerbuches zur Pflicht gemacht, der Zusatz von Zuckerwasser wirksamer eingeschränkt, die Deklarationspflicht für den Verschnitt von Rotwein mit Weiß- wein festgesetzt und jede absichtliche Uebertretung des Gesetzes mit Freiheits- und Geldstrafe geahndet werden. Abg. Dr. Ruegcnberg(Z.)(bei der großen Unruhe zuerst sehr schwer verständlich): �Lei der letzten Besprechung des Weingesetzes find die Zustände im deutschen Weinhandel als außerordentlich schlimme hingestellt worden. Das hat Erbitterung bei den Jnter- essenten hervorgerufen und der ausländischen Presse will kommenes Material zur Diskreditierung des deutschen Wein Handels geboten. Namentlich ist das Moselweingebiet angegriffen worden, ohne daß seine Vertreter in der Lage waren, diese Angriffe zurückzuweisen. In seinen weiteren Ausführungen polemisiert der Redner gegen die Abgg. Stauffer, Rösicke und Ehrhart und begründet die einzelnen Forderungen der Resolution des Zentrums. Abg. Dr. David(Soz.): Die Abgg. Stauffer und Rösicke haben bei der letzten Besprechung des Weingesctzes Aeußerungen gemacht, welche die größte Erregung hervorgerufen haben, weil man sie als Diskreditierung des deutschen Weinbaugebietes auffassen mußte. Herr Stauffer hat auch einen Fall aus RüdeSheim erwähnt und in einer Weise behandelt, daß sich nicht nur die Schuldigen, sondern die ganze Gemeinde und das ganze Gebiet getroffen fühlen mußten. Es wäre Wünschens wert, wenn man eine Beschuldigung gegen eine einzelne Firma nicht in einer solchen Weise verallgenieinern würde, daß man eine ganze Gegend auf die Anklagebank setzt. Uebrigens zeigt gerade dieser Fall, wie notwendig eine einheitliche Kontrolle in Deutschland ist. Im allgemeinen muß ich sagen, haben die Herren Rösicke und Stauffer durch ihre Verallgemeinerungen und Ucbertreibungen unserem Weinbau nicht genützt, namentlich auch nicht im Interesse der kleinen Weinbauern. Es ist eine unglückliche Tatsache, daß die Vertreter eines Wcinbaugebietes die eines anderen Weinbaugebietes zu diskreditieren suchen; denn der Er- folg ist schließlich eine Diskreditierung der ganzen Wein- bauindustrie. Uebrigens ist dies nur eine Folge davon, daß wir keine einheitliche Weinkontrolle haben; deshalb greifen die einzelnen Gebiete zur Selbsthülfe, indem sie bei Prozessen, welche ihre Solidität in Frage stellen, die Schuld auf ein anderes Weinbaugebiet mit minder scharfer Kontrolle abzuwälzen suchen. Daß auch wir bereit sind, mitzu- arbeiten und zu helfen, hat unser Kollege Ehrhart bereits am 7. März dar- gelegt. Ich will mich darum nicht auf Einzelheiten einlassen. Im allge- meinen sind wir einverstanden, daß eine scharfe Buchkontrolle ein- geführt wird, daß der Zuckerzusatz verboten wird und daß versucht wird, eine Uebereinstimmung über die Volumeneingrenzung zu er- zielen. Wir sind bereit, zu erwägen, wie weit schärfere Bestrafungen eintreten müssen: denn daß da, wo Hunderttausende verdient worden find, mit Strafen von einigen tausend Mark vorge- gangen wird, ist geradezu eine Aufforderung zur Fälschung. Graf Posadowskh hat angeführt, daß eine einheitliche Kontrolle sehr kostspielig würde, und zur Beseitigung dieser fiskalischen Schwierig- leiten hat man verlangt, daß die Kosten durch neue Weinsteuern aufgebracht werden sollen. Wir würden das auf keinen Fall mit- niachen; denn die Ankündigung dieser Ausnahmestener hat schon eine hochgradige Erregung hervorgerufen, und es würde gesagt werden können, daß von Preußen versucht wird, den Weinbau mit einer überaus ungerechten neuen Steuer zu belasten. Die Frage wird zufriedenstellend nur durch eine einheitliche strenge Nahrungs- Mittelkontrolle gelöst werden. Man hat früher Nahrungsmittel ge- fälscht, aber heute ist es unter dem Einflüsse der kapitalistischen Wirtschaftsordnung noch viel schlimmer geworden. Was man auch heute an Lebensmitteln kauft, stets riskiert man, gesundheitsschädliche Produkte einzukaufen. Aus allen Gebieten der Nahrungsmittel- Produktion ist die Kontrolle unzureichend. Aus diesem Grunde sollte die Reichsregierung alles aufbieten, um zu verhindern, daß die preußische Regierung die Dinge noch weiter hinausschiebt. Dann noch eine Seite, die ich zum Schlüsse andeuten will. Alle diese Kontrollmaßregeln, die wir schaffen, werden nicht alle Fälschungen aus der Welt schaffen, ebensowenig wie Dieb- stahl und Mord ausgerottet werden können. In gewissem Maße kommt auch hier die Selbsthülfe des Publikums in Frage. und auch die liegt noch außerordentlich im argen. Es ist Klage darüber zu führen, daß selbst in Berlin, das'doch Zentral- gunkt der Intelligenz sein will, das Publikum sich das Minder- wertigste für vieles Geld ruhig aufhalsen läßt.(Sehr richtig I bei zen Sozialdemokraten.) Das erregt Erstaunen, wenn man eS be- obachtet, auch in den modernen Lokalen von Berlin W. Das kommt vielleicht daher, daß die Konsumenten nicht das Gesetz kennen, sonst würden sie sich nicht einfach über den Löffel barbieren lassen. Wenn sie lesen„RüdeSheimer",„Piesport", so glauben sie, der Wein käme auch daher. Auch wenn„Wachstum" dabei steht, ist das noch keine Garantie. Garantie bietet mir der Zusatz, daß eS ein naturreines Produkt sei. Es ist in Frage gekommen, daß der Weinkonsum zurückgegangen sei, und man hat die Schuld daran auf die Abstinenzbewegung geschoben. Meiner Meinung nach sehr zu Unrecht. Die Abstinenzbewegung hat doch sonst so wert- volle Tendenzen, daß man sie aus diesem Grunde heraus auf keinen Fall diskreditieren darf. Der Weinlonsum leidet auch nicht unter der freiwilligen, sondern unter der aufgezwungenen Abstinenz. 90 Prozent der Bevölkerung sind gar nicht in der Lage, sich Wein leisten zu können, dieser ist vielmehr nur LuxuSgetränk der wohlhabenden Schichten. Schließen Sie sich unserer sozialpolitischen Wirtschafrs- Politik an, die darauf hinausläuft, die wirtschaftliche Lage der Schwachen zu heben, so werden Sie leicht den Konsumentenkreis er- weitern. Aber durch die Verteuerung der notwendigsten Lebens- mittel wird erreicht, daß natürlich ein Glas Wein ein unerschwing- licher Luxus für die arbeitende Bevölkerung ist. Wenn die Herren von der Rechten sich als Beschützer der kleinbäuerlichen Wein- Produzenten gerieren, so sollten Sie doch daran denken, daß diese Verteuerung auch ein schwerer Schaden für unsere weinproduzierende Bevölkerung ist.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Keller(fraktionslos): Daß Herr Rösicke der pfälzischen Weine siS anoenommen hat, finde ich durchaus begreiflich, nur I durfte er das nickrt auf Kosten eines benachbarten Weinbaugebietes 1 tun. Herr Stauffer hat erklärt, daß die Hälfte aller in den Konsum 1 gebrachten Weine gefälscht sei. Derartige Uebertreibungen sind ein wahres Fressen für die ausländische Presse und die ausländische Konkurrenz. Bezüglich der Frage eines neuen Weingesetzes meint ein großer Teil der Interessenten, daß man mit dem alten Gesetz noch sehr gut auskommen könnte, falls es nur einheitlich in ganz Deutschland ausgeführt würde; ein anderer Teil der Interessenten freilich, die Winzergenossenschaft zum Beispiel, meint. daß mit dem alten Gesetz in keiner Weise auszukommen sei. Auf jeden Fall muß das Weiirpantschertum vom Erdboden vertilgt werden. (Bravo.) Abg. Dr. Rösicke(B. d. L.): Dr. David hat uns schuld daran gegeben, daß es den kleinen Winzern schlecht gehe; denn wir hätten Fleisch und Brot verteuert. Die Landwirte haben niedrige Schweine- preise, aber die Detailpreise in den Städten werden nicht herab- gesetzt.(Sehr richtig l rechts.) Das Kriegsbeil ist hier erhoben morden gegen die, welche gegen Pantsch und Manisch auf- getreten sind. Ich habe die Verhältnisse in Hessen zur Sprache ge- bracht, um die Notwendigkeit der einheitlichen Kontrolle in ganz Deutschland zu begründen. Das aber wollen die Herren aus Hessen ja ebenfalls. Auch die anderen gegen mich erhobenen Vorwürfe sind teils falsch, teils übertrieben. Ich habe nur den unreellen Weinhandel angegriffen, und darin sollten die reellen Weinhändler mir beistehen. Ohne guten Wein hätten wir die schönen Scheffelschen Gedichte nicht erhalten. Reinen Wein wollen wir jedermann in Deutschland kredenzen.(Redner trinkt ein Glas Wasser und setzt sich. Laute Rufe: Prosit I Große Heiterkeit.) Abg. Dove(frs. Vgg.): Die Vorwürfe gegen den Berliner Weinhandel sind unbegründet; denn dieser ist so solide wie der Wein- Handel irgendwo.(Große Heiterkeit.) Abg. Stauffer(Wirtsch. Vg.): Auf die Angriffe des Weinhändler- Vereins der Mosel werde ich auf keinen Fall eingehen, ich behaupte nach wie vor, daß an der Mosel ebenso gefälscht wird wie anders- wo. z. B. wie in der Pfalz. Redner führt zum Beweise für seine Behauptung eine Reihe von Beispielen an, aus denen hervorgehen soll, daß mindestens die Hälfte aller Weine gefälscht sei. Abg. Preiß(Eis.): Im reellen Weinbau und Weinhandel ist infolge der verfehlten Gesetzgebung ein großer Notstand eingetreten, während gewissenlose Händler schnell reich werden. Wir dürfen die Verantwortung für die Fortdauer solcher Zustände nicht über- nehmen. Abg. Gräfe(Antis.): Es ist bedauerlich, daß den Weinfälschern von den Gerichten mildernde Umstände geradezu auf dem Präsentier- teller entgegengebracht werden. Die gesetzlichen Bestimmungen müssen schärfer gefaßt werden.(Bralvo bei den Antisemiten.) Abg. Dr. Mayer-Kausbeuren lZ.), verlangt den Schutz nament- lich der lothringischen Winzer gegen die Rebenschädlinge. Abg. Dr. Dahlem(Z.): Da allgemeine Uebereinstimmung über das Vorhandensein von Mißständen im Weinhandel und der Wein- Produktion besteht, so sollte man doch mit der Vorlegung eines ent- sprechenden Gesetzes nicht zögern, zumal auch über die'Mittel zur Abhülfe keinerlei M e i nu ngeve Nschiedenhäi t herrscht. Den Wider- stand des fiskalisch denkenden Preußen sollte das Reichsgesundheit energisch zu brechen suchen. Daraus wird auf Antrag der Rechten, der Nationalliberalen und der Freisinnigen die Weindebatte geschlossen. Unter stets sich steigernder Heiterkeit bedauert eine ganze Reihe von Abgeordneten, durch den Schluß der Debatte nicht zu Worte gekommen zu sein. In der nun folgenden allgemeinen Debatte zum Kapitel«Ge- sundheitsamt" erhält zunächst das Wort Abg. Dr. Fleischer(Z.): Meine hochansehnliche Versammlung! (Schallende Heiterkeit.) Für die hygienischen Verhältnisse der arbeitenden Bevölkerung muß ganz entschieden mehr getan werden. Gegen die Schäden der gewerblichen Gifte muß man aus das energischste einschreiten. Wetter ist unbedingt die Anzeigepflicht zn fordern für alle Betriebe, die mit Giftstoffen arbeiten. Mit Nachdruck ist eine bessere gowerbe-hhgienische Vorbildung der Kreis- ärzte zu fordern, ist doch die Diagnose bei Erkrankungen durch ge- werbliche Gifte besonders schwierig, für die Behandlung aber be- sonders wichtig. Man sollte deshalb ein Institut für experimentelle Fabrikhhaiene errichten, das vielleicht mit der chemisch-technischen Reichsaustalt zu verbinden wäre, von welcher der Staatssekretär letzthin gesprochen hat. Dies« unsere Forderungen sind reif; sie sind das Ergebnis internationaler Verständigung, nämlich in der internationalen Vereinigung für gewerblichen Arbeiterschutz, die eine entsprechende Eingabe an den Staatssekretär des Reichöamts des Innern gerichtet hat. Staatssekretär Graf Posadowskh: Die Wichtigkeit der vom Vor» redner geforderten Fürsorge für die Gesundheit der arbeitenden Bevölkerung ist nicht zu verkennen. Wir sind aber nicht schlechter gestellt als das Ausland; denn in England darf der Gewerbcauf- sichtsbeamte nur das anordnen, was in dem Statut für das be- treffende Gewerbe vorgeschrieben ist; in Deutschland dagegen kann er vorschreiben, was er nach seiner Kenntnis der Sache für not- wendig hält. Auch müssen bei uns bei der Konzessionierung von gewerblichen Anlagen auf Grund des§ 16 G.°O. die Vorschriften zur Verhütung von Gefahren für die Gesundheit der Arbeiter in die Konzessionsurkunde hineingesetzt werden. Zur Ausführung der Vorschläge der internationalen Vereinigung für gewerblichen Ar- beiterschutz sind eine Reihe von Verordnungen notwendig, derent- wegen ich mich mit dem Kultusminister und dem Handelsminister in Verbindung gesetzt habe. Zur Verhütung der Giftgefahren haben wir auf Grund von Gutachten der ersten Autoritäten schon Merk- blätter erlassen, um da? Verhalten der Arbeiter in den Betrieben zu regeln. Für die keramische Industrie mutz vor Erlaß einer Per- ordnung zunächst geprüft werden, ob und welche Glasuren giftig sind. Die mehrfach verlangte Einrichtung von Lehrstühlen für ge- werbliche Hygiene hält der Kultusminister für unnötig, weil schon bei den medizinischen Vorlesungen diese Materie berücksichtigt werde. Den Hauptschwerpurikt bei Regelung dieser Materie werden bilden gründliche Erörterung der Bedingungen für den Betrieb bei der Konzessionserteilung, dann eine Aufficht, die das Nötige anordnen kann, und endlich Belehrung der Arbeiter. Der Erlaß von Ver- Ordnungen wird immer nur die Ausnahme bilden müssen. Abg. Fischbeck(frs. Vg.)(auf der Tribüne fast unverständlich) tritt für eine reichsgcsetzliche Regelung der Abdcckereifrage ein. Geh. Oberregierungsrat Kaufmann: Die Beschwerden des Ab- geordneten Fischbeck über die Buntscheckigkeit des AbdeckmiwesenS in der Provinz Brandenburg gehören ins preußische Abgeordneten- haus. Die Regelung der Abdeckereifrage selbst hält auch die Reichs- regicrung für sehr notwendig, und sie ist bestrebt gewesen, durch ein Reichsgesetz die Grundlage zu schaffen, damit die Bundesstaaten die Frage durch Ausführungsbestimmungen regeln. Abg. Rösicke(Bd. d. L.): Die Landwirtschaft wird durch die Ab- decke rci nicht unerheblich geschädigt, da hier oft eine Konfiskation von Eigentum ohne Entschädigung eintritt. Abg. Rupp(Bd. d. L.) wendet sich im Interesse der Landwirt- schaft gegen dasi Fleischbeschaugesetz., Darauf vertagt sich das Haus auf Donnerstag 1 Uhr. Tages- ordnung: Fortsetzung der Beratuna. dann Beratung des Reichs- justizetats. Schluß%7 Uhr._______ Parlamentarisches. Wahlpriifungskommifsi-n. Die Berichte über die Wahlen der Abgeordneten Stengel (Wahlkreis Rügen-Stralsund) und v. Richthofen(Wahlkreis Schweidnitz-Striegau) wurden festgestellt; bei letzterem handelte es sich nur um die schriftliche Feststellung, daß gestern der Versuch ge- macht wurde, den auf Ungültigkeitserklärung lautenden Beschluß vom 11. April umzustoßen.— f Dann wurde die Wahl des Abgeordneten Schlüter, Reichspartei (Wahlkreis Züllichau-Crossen), gegen die ein umfangreicher Protest von freisinniger Seite vorlag, geprüft. Nach allen auf den Beschlüssen über Verstöße beruhenden Abzügen bleibt dem Abgeordneten Schlüter noch eine Mehrheit von 36 Stimmen. Indes soll die Auf« rechnung und endgültige Abstimmung über die Wahl in der morgigen Sitzung stattfinden. Die Prüfung der Wahl des nationalliberalen Abgeordneten HauSmann(Wahlkreis Hameln-Springe) führte zur Gültigkeits- erllärung der Wahl._ Aus der Budgetkommissiou. (Sitzung vom 17. April.) Die Beratung des Kolonialetats wird bei Titel 4 (Bureauvorsteher, Rendailten, Expedienten, Sekretariatsassistenten usw.) fortgesetzt. Hierüber bringt Erzberger den Fall Tesch zur Sprache, der seinerzeit au Gehalsbezügen zu viel liquidiert haben soll und von dem in dein famosen„Untersuchungsbericht über die Kolonial- skandale" lako nisch bemerkt ist, die Beschuldigung sei unzutreffend! Allerdings traf die Schuld weniger den �Hofrat Tesch als die Kolonialverwaltung, die dem Manne zu Unrecht 600 M. pensionsfähige Zulage gab. Jetzt, nachdem das so heftig kritisiert wurde,' gibt man ihm 760 Mark aus dem RemunerationsfondS I Bei der Regierung fällt eben jeder, der in solcher Weise zur öffentlichen Kritik Anlaß giebt, die Treppe hinauf. Die angeforderten Summen werden für diesen wie für die sonstigen Personalausgaben betreffenden Titel genehmigt. Die sachlichen Unkosten werden ohne Debatte genehmigt. Bei der Position„Fahrkosten und Tagegelder für Mitglieder des Kolonial- ratö" verlangt Lattmann eine Reform diesrKKolonialrats, dessen Beratungen öffentlich sein sollen. Im Verlauf der Debatte hierüber komint zur Sprache, daß im Kolonialrat in der Hauptsache Interessenten sitzen, die ihre Kenntnis von Plänen der Regierung zum eigenen Borteil ausnutzen könnten. D e r n b u r g ist der Meinung, daß der Kolonialrat in seiner jetzigen Verfassung keinen Zweck hat! Es würde zweckmäßiger sein, ihn auf weniger Personen zu beschränken— jetzt zählt er 40 Mitglieder— und ihm gewisse technisch- wirtschaftliche Aufgaben zu stellen. In Zukunft sollen die Verhandlungsberichte der Budget- kommission zugänglich gemacht werden.— Es wird ferner gewünscht, daß der Kolonialrat eine mehr selbständige Stellung erlange, etwa ähnlich dem deutschen Landwirtschaftsrat. Ein Wahlrecht zu dieser Körperschaft wie auch zum Gouvernementsrat, einer ähnlichen kleinen Körperschaft, soll nicht gewährt werden. Beschlüsse werden nicht gefaßt, die Anforderung wird bewilligt. Eine geforderte Vergütung von 26 500 M. an das Hamburger Institut für Schiffs- und Trope ukrankheiten grbt Anlaß zur Erörterung des Planes einer Kolonialakademie. Ab- geordneter Semler meint, es stünden in Hamburg Millionen für diesen Zweck glatt zur Verfügung! Dernburg hat schon einen Plan für die Akademie ausgearbeitet, aber bisher habe es an Geld gefehlt. Im Bericht an den Reichstag soll ausgesprochen werden, daß der Plan einer Kolonialakademie weiter verfolgt werden möchte. Semler teilt noch mit, daß der Hamburger Geldmann Oswald heißt. Zu Titel 21, unter welchem 42 000 M. für Vorbereitung von Beamten, Offizieren, kaufmännischen und technischen Kräften verlangt werden, geben verschiedene Mitglieder der Budgetkommission An- reaung für die Ausbildung der kommenden Kolonialbeamten zum besten.— Der Rest der Ausgaben für die Zivilverwaltung, die im ganzen 1220000 M. betragen, wird bewilligt. Die kommende Kolonialarmee. Die Verwaltung der militärischen Einrichtungen im Kolonial- Wesen lag bisher mit in den Händen der Kolonialverwaltung. Nach der Schaffung des Kolonialamtes soll hier nun eine Teilung in Zivil- und Militärverwaltung eintreten und die Militärverwaltung oder wie sie auch sonst heißt, das Kommando der Schutztruppen soll eine selbständige Stellung einnehmen. Die Organisationsänderung erfordert eine Mehrausgabe von 568 000 M., die gesamte Militär- Verwaltung in diesem Jahre 1682 800 M. Referent Semler und Korreferent Wiemer tragen Bedenken, von vornherein der Forderung schon zuzustimnien; erst möchten sie die Regierung hören; schon des- halb, weil man in der Neuerung die Anfängeteincr Kolonialarmee sehe. Kolonialdirektor Dernburg schildert die Bemühungen, das Kom- mando der Schiitztruppen dem preußischen Kricgsniinister zu über» tragen. Diese Bemühungen sind bekanntlich gescheitert, da sich der Kriegsminister, wie er früher der Budgetkommission selbst mitteilte, sehr entschieden weigerte, sich in das koloniale Wespennest zu setzen. Deshalb soll nun das Schutztruppenkommando ausgebaut und auf eigene Füße gestellt werden. Ein Ueberwiegen der Militär- Verwaltung über die Zivilverivaltung befürchtet Dernburg nicht. Hinsichtlich der Kolonialarmee erklärt er, daß die Regierung nicht daran denke, eine solche Armee zu schaffen, aber man müsse immer auf alle Fälle eingerichtet sein; eine friedliche Okkupation vollziehe sich eben in den Kolonien nicht; er erinnere nur an die vielen Kolonialkriege der Engländer und Holländer. Oberst- leutnant Quade sucht gleichfalls die Bedenken zu zerstreuen, daß mit der geplanten Neuorganisation ein militärisches Ueber- gewicht in den Kolonien geschaffen werden solle. Die Mkitär- gewalt in den Kolonien stehe immer bei dem Gouverneur. Das einheimische Schutztruppenkommando habe wesentlich mili- tärische Berwaltungsaufgaben und diese hätten sich in der letzten Zeit sehr vermehrt. Redner schildert sehr eingehend die Verteilung der Arbeiten bei dieser Neuorganisation und General Sixt v. Armin verteidigt danach den Plan als absolut not» wendig. Dr. A r n i n g(natl.) ist mit der Forderung ein- verstanden. Die Vertreter anderer Parteien kommen erst morgen zum Wort, da um 1 Uhr wegen der Plenarsitzung Vertagung eintritt._ Die russische Revolution. Väterchen schützt seine schwarzen Hundert. Die.Russische Korrespondenz" erhält das nachstehende Tele» gramm: Petersburg, den 17. April. Der Präsident des ApellhofeS zu Moskau, Senator Arnold, einer der gcachtetsten Vertreter des russischen Richterstandes, ist abgesetzt worden. Die Hofkreise waren längst gegen Arnold aufgebracht, weil in dem sogenannten Fiedlerschen Prozeß anläßlich des Moskauer Aufstandes von 1VVS die Angeklagten verhältnismäßig milde verurteilt worden waren. Unmittelbar nach dem Prozesse sagte der Zar, wie ich auS zuverlässiger Quelle weiß, Schtscheglewiteff möge sofort einen Gesetzentwurf wegen Beseitigung der Unabsetzbarkeit der Richter vorlegen! Der Justizminister zog es vor, um eine öffentliche Diskussion zu vermeiden, die Unabsetzbarkeit theoretisch bestehen zu lassen, hingegen tatsächlich Richter abzusetzen. Die Absetzung des Präsidenten Arnold erfolgte, weil im MoSlauschen Gerichtsbezirl gegenüber Mitgliedem des Verbandes des russischen Volkes sachlicher Recht gesprochen wurde, als es sonst üblich ist. Kürzlich wurde der Präsident der Filiale des Verbandes in Kostroma, ein verabschiedeter Unteroffizier, vom Ge- richte verurteilt. Diese Verurteilung nun führte zur Absetzung Arnolds), welche Schtscheglewiteff aus allerhöchsten Befehl dem Appellhospräsidenten, und zwar am nämlichen Tage übermittelte, als er in der Duma eine Erklärung über die Unabhängigkeit der russt- schen Gerichte abgab! Das Verhalten von Schtscheglewiteff in der Duma ist um so charakteristischer, da ich aus dem mir borliegenden geheimen Proto» kollen der Adelskonferenz vom November ISOö ersehe, dah Schtscheglewiteff auch gegenüber dem Adeligen Tschemaduroff er- klärte, die Demoralisation des russischen Richterstandes sei nicht abzuleugnen und fie erkläre sich aus der Unabsetzbarkeit der Richter. Die Gesellschaft ist über die Absetzung Arnolds empört. D«S jüdische Proletariat an die sozialdemokratische Dumafraktion. aVotz ungeheurer Kräfteanspannung ist eS der Organisation der jüdischen' Arbeitermassen— dem„Bund"— nicht gelungen, auch nur einem Vertreter des jüdischen Proletariats Rußlands Zutritt in die Duma zu verschaffen. Nunmehr wendet sich dieses Proletariat vertrauensvoll an seine russischen Klassengenossen in der Duma und legt in deren Hände die Vertretung seiner Klassen- und Menschen- rechte. In dem Aufrufe heißt es: .An Euch, die Ihr von der russischen Arveiterklasse entsandt seid, für die Bevölkerumg ganz Rußlands Freiheit zu erkämpfen, richten wir unser Wort, das Wort des jüdischen Proletariats. Gemeinsame Jirtereffen, gemeinsame Ziele und Aufgaben haben uns mit dem Proletariat Rußlands durch ein unzerreißbares Band ver- knüpft. Nur in der BeftSiung der Arbeit, im Triumph des Sozialis- NM» sehen wir unsere Erlösung von der schweren Lebenslast des Lohnarbeiters. In der politischen Freiheit erblicken wir aber eine notwendige Vorbedingung für den erfolgreichen Kampf um den Sozialismus. „Hand in Hand mit dem Proletariat ganz Rußlands, zu einer sozialdemokratischen Arbeiterpartei vereint, kämpfen wir gegen die selbstherrschende Regierung, gegen die Unterdrückung der Millionen- maffen des Volkes durch ein Häuflein der Veamtenherrschaft und des Adels.... „Als Arbeiter fühlen wir— gleich den übrigen Arbeitern Rußlands— den ganzen Druck des absolutistischen Regimes. Als jüdische Arbeiter haben wir auch noch die ganze Last jähr- hundertlanger nationaler Unterdrückung zu tragen. Die nationale Unterdrückung ist ein wohlerprobtes Mittel der zarischen Politik, die Entsachung nationalen Hasses ein bewährter Kunstgriff, um die Auf- nierksamkeit des armen, unwissenden, hungrigen Volkes von den wahren Urhebern seiner Leiden abzulenken.... Ausnahmegesetze, Judenmetzeleien lasten schwer auf dem jüdischen Volke und vor allem auf dem jüdischen Proletariat, welches unter der Leitung seiner sozialdemokratische» Organisation— der„Bund"— einen hartnäckigen, erbitterten Kampf gegen die Regierung führt.... Eine ganze Reihe ungünstiger Bedingungen hat die An- Wesenheit eines dem„Bund" angehörenden Abgeordneten in der Duma verhindert. Wir wissen aber,— die Solidarität der Interessen des Proletariats von ganz Rußland bürgt uns dafür, daß die Ver- teidigung unserer Jttteressen in der Duma sich in den treuen Händen der sozialdemokratischen Abgeordneten befindet: sie, die Beschützer aller Unterdrückten, werden die kühnsten und unerschrockensten Kämpfer auch für die Befreiung der Juden von nationaler Unter- drückung sein... „Wir sind überzeugt, daß von allen Dumaparteien einzig die Sozialdemokratie fähig ist, entschlossen und ohne zu weichen den Weg der Organisierung der Volksmassen, die allein dem alten Regime ein Ende machen kann, zu gehen; und wir glauben fest, Genossen, daß Ihr in dieser Arbeit das Vertrauen rechtfertigen werdet, mit dem wir das Wort von unseren Leiden und Kämpfen an Euch richten."_ Hub der Partei. Borbenitangen zur Maifeier. Ans Landsberg wird uns berichtet: Der geplante Matumzug wurde auch hier verboten. Die Begründung veranlaßt mtS, llb�r ein bloßes Registrieren dieses Verbotes hinauszugehen. Der ablehnende Bescheid besagt nämlich: „Der Umzug darf nicht gestattet werden schon aus dem rein formalen Ljrunde, weil die Zeit(Stunde), zu welcher der Umzug stattfinden soll, entgegen der auch hier Anwendung findenden aus- drücklichen Bestimmung des ß 9 Absatz 4 der Verordnung vom 11. März 1859 nicht angegeben ist." Nun steht in der Eingabe:„Der Zug wird vormittags 10 Uhr vom Lokal Kirsch, Küstrmerstraße 80 abgehen." Dann sind die. Straßen benannt, die zu passieren wären. Man sollte meinen, daß Zeit und Stunde nicht gut genauer angegeben werden könnten. Noch interessanter find aber die folgenden Sätze des Bescheids: „Die Erlaubnis zu dem Umzüge muß aber auch versagt werden, weil aus ihm Gefahr für die öffentliche Ord« n u n g zu befürchten ist. Der 1. Mai, an welchem Tage der Umzug stattfinden soll, fällt auf einen Mittwoch, einen Werktag. »gesehen davon, daß der Aufzug geeignet ist, die Ordnung des öffentlichen Verkehrs zu beeinträchtigen, liegt in seiner Ver- anstaltnng. welche sich unzweifelhaft in erster Linie und vor- nehmlich an die Arbeiter richtet, ein Anreiz für und eine Aus- forderung an diese Kreise, an dem gedachten Arbeitstage d i e Arbeit, sei es auch unter Mißachtung gesetzlicher Verpflichtungen, ruhen zu lassen. Ein solches Ruhenlassen der Arbeit unter Mißachtung ge- setzlicher Verpflichtungen zur Arbeit würde aber unbedingt einen Verstoß gegen die öffentliche Ord- nung enthalten." Eine salomonische Begründung l Parteiliteratur. Eine Abrechnung mit dem RcichSlttgcnverbande. Unter diesem Titel hat die Buchhandlung Vorwärts in Berlin die Ver- Handlungen des Reichstages über die sozialdemokratische Jnter pellation betreffend die Wahlbeeinflussung der obersten Reichsbehökden herausgegeben. Die Broschüre enthält di.e Verhandlungen vom IS. und 19. März nach den stenographischen Berichten. Das von den Genossen F i s ch e r und Bebel gegen die Wahlumtriebe der Reichsbehörden und gegen die in der Wahl betvegung vom„ReichSverbande zur Bekämpfung der Sozialdemo- kratie" gegen unsere Partei gerichteten Lügen und Verleumdungen borgetragene Material wird unseren Parteigenossen bei der Bekämpfung der Gegner wesentliche Diensie leisten. Der Preis der Broschüre beträgt 20 Pf., Organisafionen erhalten sie zu ermäßigtem Preise, wenn sie Partien beziehen. Die Reden der Abgeordneten Fischer und Bebel sind vom Verlage zu Agitationszwecken in besonderen Ausgaben heraus- gegeben, die nur an Wahlvereine usw. abgegeben werden. Wegen Preisofferte wende man sich an die Verlagsbuchhandlung Vorwärts, Berlin STV. 68, Lindenstr. 09. Das End», des Reiches. Das von der Parteipreffe allgemein mit lebhaftem Jntereffe aufgenommene Werk von Kurt Eisner ist in der e r st e n starken Auflage bereits vergriffen. In den nächsten Tagen erscheint die zweite unveränderte Auflage, auf die Bestellungen entgegengenommen werden. Diepgen, I., Die Zukunft der Sozialdemokratte. Preis 50 Pfennig. Agitationsausgabe 20 Pfennig. Verlag: Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68. Ein neuer Abdruck mit Vor- und Nachwort ist soeben von dieser Dietzgenschen«gttattonSschrist erschienen. Der Verfaffer gibt in der Schrift eine treffende Antwort auf die Frage: Wie wird es im Zuknnftsstaat aussehen? Die Schrift legt in populärer Weise dar, daß und wie die Sozialdemokratie die Zukunft schaffen wird. *» Im Verlage der„Pfälzischen Po st"(Gerisch u. Co.) zu Ludwigshafen erschien: Herzberg, Wilhelm, Wegweiser durch das neue bayerische Wahl- gesetz nebst Wahltreiseintcilung. III. vermehrte und verbesserte Auflage. Die dritte Auflage der in handlichem Format erschienenen Schrift berücksichtigt die inzwischen erschienenen Vollzugsvorschristcn des Ministeriums des Innern. Bei den bevorstehenden Landtagswahlen wird das Büchlein wegen seiner klaren, übersichtliche», durch ein ans- führliches alphabetisches Inhaltsverzeichnis unterstützten Anordnung und der Ansühnlng auch anderer während der Wahlbewegnng in Ve- tracht kommenden Gesetzesbestimmungen(Versammlungen, Plakate usw.) den bayrischen Wählern ein willkommenes HülsSmittel sein. Der billige Preis erleichtert seine Anschaffung. Eine bedenkliche Gedankenlosigkeit hat unser Lörracher Parteiblatt begangen. Es hat in schwülstig-unklaren Worten der Arbeiterschaft den Besuch spiriti st i scher Vorträge empfohlen, „zumal der organifierlen Arbeiterschaft besondere Vorzugspreise ge- währt werden." Die österreichische Parteipreffe hat durch die Wahlbewegnng einen riesigen Aufschwimg genommen. Die Wiener„Arbeiter-Zeitnng" berichtet: Unsere slowenischen Genossen geben seit einigen Tagen den „R d e c i P r a p o r"(R o t e F a h n e) täglich heraus. Mit welchen Schwierigkeiten sie dabei zu kämpfen haben, geht daraus hervor, daß das Blatt in L a i b a ch, wo es erscheint, keine Druckerei finden konnte und in Krainburg gedruckt werden muß.— Das„P r a v o Lid u" gibt für die Zeit des Wahlkampfes ein Abendblatt heraus, so daß es das erste sozialdemokratische Blatt sein wird, das zweimal täglich erscheint. Die Abendausgabe unseres Prager Bruder- blattes wird um halb 5 Uhr nachmittags erscheinen und um zwei Heller verkauft werden. Sozialdemokratische Wahlrrfolgc in dec Schweiz. In Winterthnr (Kanton Zürich) haben unsere Genossen am letzten Sonntag bei den städtischen Wahlen schöne Erfolge erzielt. Gegenüber den Liberalen und Demokraten zusammen hahen sie einen dritten Platz im engeren Stadtrat(Magistrat) erobert, der sieben Mitglieder zählt. Im Großen Stadtrat haben sie statt der bisherigen 15 Sitze deren 17 auf 45 Mit- glieder errungen, in der Primarschulpflege ihre Vertreterzahl von zwei auf vier verdoppelt und in der Steuerlommission sind statt der bisherigen sechs Sozialdemokraten deren zehn, die Hälfte von der zwanzig betragenden Gesanitmitgliederzahl. Als Friedensrichter wurde ohne Gegenkandidat unser Genosse Werner mit 4419 Stimmen wiedergewählt.— In der Umgebung von Winterthnr siegte die sozialdemokratische Liste in den Gemeinden Töß, Ober-Winter- thur, Bern, Woltheim und W u l f I i n g e n.— Auch in Affoltern(Affoltern) bei Zürich fiegte bei den Gemeindcwahlen die sozialdemokratische Liste. „Der kleine Millerand in der Schweiz." Unter dieser Spitz- marke haben wir kürzlich zwei Artikel der.Berner Tagwacht" er- wähnt, die diese Ueberschrift trugen und gegen unseren Genossen Regierunasrat W u I l s ch l e g e r in Basel gerichtet waren. Dieser hat nun seinen Standpunkt in einer im„Basler Vorwärts" ver- öffentlichten Artikelserie gerechtfertigt und außerdem hat sich mit dem Fall auch eine Parteiversammlung unserer Baseler Genossen be- schäffigt, wozu eine Interpellation des Genossen Arbeitersekretär Grimm den direkten Anlaß gab. In seiner Antwort führte Wullschleger u. a. aus, er begreife wohl, baß die Genossen lieber den Staats- als den Privatbetrieb gesehen hätten; allein die ungewöhnliche Art des Schiffahrtsbetriebes auf dem Rbein bis Basel habe dessen Verstaatlichung al» nicht ratsam erscheinen lassen und es sei auch nirgends gesagt, daß die Sozial- demokraten um jeden Preis für die Verstaatlichung eintreten müßten. Sei man doch seinerzeit auch in Sachen der Verstaatlichung der Zentralbahn(wegen deS exorbitant hohen Preises, nicht grund- sätzlich) geteilter Meinung gewesen, und zwar war damals gerade der radikale Flügel der Partei in der Opposition. Die Regierung hatte aus einer Reihe gewichtiger Gründe sich für den Privatbetrieb entschieden, weil für die Ein- und Durchführung der Rheinschiffahrt doch noch eine lebhafte Propaganda entfaltet werden muß, die von Privaten in viel zweckmäßigerer Weise entfaltet werden kann als vom Staate. Der Interpellant war von der Antwort nicht vollständig beftiedigt und er bemängelte namentlich noch, daß in der auf 30 Jahre erteilten Konzession keine Bestimmungen zum Schutze der Arbeiter enthalten sind. Er ist überhaupt der Meinung, daß für die Beteiligung der Arbeiter an den Regierungsgeschästen die Zeit noch nicht gekommen sei. Genosse Wullschleger erwiderte, daß er den Posten eines RegierungSrates nicht gesucht habe und an demselben auch nicht unbedingt festhalte. Er erinnerte sodann daran, was auf sozialem Gebiete geschehen sei und daß in der Konzessionsurkunde angesichts ihrer Dauer für 30 Jahre nichts über die Arbeits- Und Lohn- Verhältnisse gesagt werden konnte. Er habe aber so viel Vertrauen zur Gewerlschastsbewegung. daß fie schon für geregelte Arbeits- und Lohnverhälttnsse sorgen werde. Die übrigen Diskussionsredner sttmmten in der Hauptsache mit dem Genossen Wfillschleger überein. Ohne weitere Beschlußfassung wurde mit der erfolgten gegen- seifigen Aussprache die Angelegenheit für erledigt erklärt. poUseUickies»(jcricbtllcfico uftr. Strafkonto der Presse. Schon wieder einmal hatte sich Genosse Arno Franke von der Dortmunder„Arbeiter- zeitung" vor dem Dortmunder Schöffengericht zu verantworten. Diesmal sollte er einen Kaplan aus dem Wahlkreise Essen beleidigt haben, dem in der„Arbeiterzeitung" der Vorwurf gemacht worden war, er habe sich zwecks Agitation in einem Wahllokale aufgehalten, während man ihn draußen vergeblich-gesucht habe, um ihn zu einem Kranken zu holen. Arno Franke wurde für schuldig befunden und zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Die Ladung von Eni» lastungszeugen wurde vom Gericht abgelehnt, deshalb wird sich auch noch die Berufungsinstanz mit der Sache befassen müssen. Osterfeld» Justiz. Das Schöffengericht zu Osterfeld im Wahlkreise Zeitz verhandelte kürzlich folgenden Fall: Am 28. Oktober v. I. hatten fünf Genossen aus Zeitz in Osterfeld den Agitationskalender verbreitet. Sie hatten— nach der Aussage des Polizeibeamten— die Kalender unter dem Heber- zieher verdeckt getragen und der Polizist konnte erst durch Nach« fragen in verschiedenen Häusern feststellen, was unsere Genossen getan hatten. Aus die erfolgte Anzeige erhielten unsere Genossen ein Strafmandat über fünf Mark. Sie beantragten gerichtliche Entscheidung und baS Osterfelder Schöffengericht erkannte auf je zehn Mark und sagte im Urteil: Das Vertreiben der Kalender wurde kurz bor'/zlv Uhr vormittags eingestellt. Die sämtlichen Angeklagten haben sich dann nach dem Gasthof„Zur Sonne" begeben und dort zunächst im Gastzimmer geftühstückt. Dort hat der Zeuge Schuhmachermeifter Lauer, was die Angeklagten auch einräumen, bemerkt, daß die Angeklagten ihren Vorrat an«Volks- kalendern" herauszogen und gleichmäß unter sich verteilten. Nach der weiteren Bekundung deS Zeugen Polizeisergeant Fuchs find sämtliche Angeklagte drei Minuten nach 11 Uhr vormittags auf- gebrochen und um 11 Uhr 25 Minuten im Lokale„Zur Sonne" wieder erschienen und haben dem Angeklagten Eysel Geld abgeliefert, nämlich daS Geld, welches ihnen aus freien Stücken die Abnehmer des.Volkskalender' gegeben hatten. In diesem Tatbestande erblickt das Gericht die Vornahme öffentlich bemerkbarer Arbeite«. Es�mag sein, daß in großen Städten ein solches Austragen von Schriften nicht weiter auffällt, in einer solch Keinen Stadt wie Osterfeld fällt aber eine solche Tätigkeit am Sonntage, wenn sie noch dazu während der HauptgottcSdiensfiiunden vorgenommen wird, die auf vormittags 8'/z— tl'/z Uhr festgesetzt sind, ohne weiteres auf. Ob die Schriften verdeckt getragen werden oder nicht, ist ganz gleichgültig. Weiterhin war in dem Verteilen der Kalender unter den fünf Angeklagten in der öffentlichen Gaststube und in Gegenwart von anderen Gästen eine öffentlich bemerkbare Arbeit zu erblicken; des- gleichen in dem Abführen des Geldes..., daß also die Kriterien einer öffentlich bemerkbaren Arbeit vorlagen, ist in dreifacher Be« ziehung dargelegt. Usw. Daß dieses Urteil unhaltbar war, lag auf der Hand, und daS Landgericht zu Naumburg hat diese Ansicht dieser Tage bestätigt; es hat nach einem Plaidoyer des Rechtsanwalts Dr. Dittenberger- Halle, der das Urteil gründlich zerpflückte, die Angeklagten nach ganz kurzer Beratung freigesprochen. Em Industrie und Ftandel 400 Millionen Mark Anleihen. Ueber die Verhandlungen betreffend die Begebung neuer heimi« scher Anleihen, die am Mittwoch zu Ende geführt wurden, berichtet „W. T. B.": Die unter Teilnahme des preußischen Finanzministers und des Staatssekretärs des Reichsschatzamts in der Reichsbank ge« pflogenen Verhandlungen wegen Begebung heimischer Anleihen haben zu einem allseitigen Einvernehmen geführt. Hiernach wird der Bedarf des Reiches und Preußens durch Ausgabe von 400 Millionen Mark Schatzanweisungen(zur Hälfte Reich, zur Hälfte Preußen) gedeckt, die mit 4 Prozent fest verzinslich und im Jahre 1912 rückzahlbar sind. Ueber den Betrag von 100 Millionen Mark ist bereits fest verfügt. Die Auflegung der übrigen 300 Millionen Mark zur öffentlichen Zeichnung zum Kurse von 99 Prozent wird in den nächsten Tagen erfolgen._ „Unser Fritz". Das Kohlenbergwerk„Gewerkschaft Unser Fritz" erhöhte im Jahre 1906 seine Förderung auf 758 331 Toimcn, von 649 Ivo Tonnen im Jahre 19V5. Bei einer Einnahme von 7 129 396 M. stellt sich die Bctriebsausbeiit« auf 2174057 M., gegen 1582 273 SR. im Vorjahre. Die„Rh.-Westf. Ztg." gibt aus dem Geschäftsbericht noch folgende Angaben: Die Selbstkosten betrugen durchschnittlich wieder 7,08 SR. und der Durchschnittserlös ist gegen das Vorjahr um 0,438 M. die Tonne gestiegen(i. B. um 0,008 M. gefallen). Der Arbeitslohn pro Mann der Belegschaft(einschließlich der jugendlichen Arbeiter) stellt sich im Durchschnitt auf 4,66 M.<4,35 M.). Die Löhne zeigten schon von Anfang des Jahres an eine steigende Richtung. Der Gesamtdurchschnittslohn stieg im Betriebsjahre auf 4,43 M. im Januar aus 4,94 M. im Dezember, also um 11,5 Prozent; der Durchschnittslohn der Kohlcnhauer von 5,26 M. aus 5,93 M., also um zirka 14 Proz. Diese Lohnsteigerung bedeutet eine Mehrausgabe von zirka 400000 SR. pro Jahr und eine Ver- teuerung der Selbstkosten um 8 Proz. Die Ausgaben zugunsten der Arbeiter betrugen 221 108 M.— 100 SR. pro Kopf der Beleg- schast und die Steuern usw. auf 362 484 M.— 26,85 Proz. (351 658 SR.— 29,30 Proz.) der zur Verteilung gelangten Aus- beute. Die Reserve ist jetzt auf 2'/« Millionen Mark gestiegen. Durch den Wagenmangel erlitt die Zeche eine Schädigung um mindestens 80 000 M. und die Arbeiter der Zeche einen Lohn« ausfall von rund 60000 M. Die Zahlen könnten auf den ersten Blick zu dem Glauben ver- leiten, die armen Kuxenbesitzer würden durch die Lohnerhöhungen arg geschröpft, so daß man schon des Augenblicks sich vergegen- wältigen müsse, jaß die Papierinhaber der Kouponabschneiderei überdrüsfig, zur Kohlenhacke greifen, um als Bergarbeiter ein beneidenswertes Dasein zu stiften. Aber die letzte Angabe muß doch schon etwas stutzig machen. Durch den Wagenmangel ergibt sich für die Zeche eine Schädigung von 80 000 M.. für die Arbeiter ein Ausfall von nur 60000 M. Demnach kommt auf je eine Mark Arbeitslohn 1,13 M. Unternehmergewinn. Selbst wenn man die Generalunkosten mit in Betracht zieht, bleibt immer noch ein ganz außerordentlich ungesundes Verhältnis zwischen Unter- nehmergewinn und Arbeitslohn bestehen. DaS ergibt sich auch aus folgender Berechnung: Nach dem Geschäftsbericht stellt sich der Tagesdurchschnittslohn in 1905 auf 4,35 M., mithin der JahreS- durchschnittSlohn für einen Vollarbeiter(300 Arbeitstage) auf 1305 SR. und für 1906 springt bei einem Durchschnittslohn von 4,66 M. pro Tag ein Jahreslohn von 139S M. heraus. Damit kommt man zu folgendem Resultat:> ES bestägt pro Bollarbeiter der Jahres- die Betriebs» durchschnittslohn ausbeute M. M. 1905... 1305 1212 1906... 1398 IZSS Auf je 100 Pf. Lohn entfallen III Pf. BetriebSauSveute i«ei solcher Rifikoprämie darf man die Hoffnung hegen, daß die Kuxen- arbeiter vorläufig doch noch bei dem Handwerk aushalten werden und den schwelgenden Bergarbeitern aus jenen Reihen kein« lohn- drückende Konkurrenz erwachsen wird. Das Warenhaus A. Wertheim hat, laut„Kons.", eine Export- und Ueberseeabteilung eingerichtet, die speziell das Geschäft mit Süd« amerika pflegen soll. Stahlverband. Der Versand in Produkten A betrug im März 1907: 508 681 Tonnen, Fcbruarversand 1907: 449 264 Tonnen, Märzversand des Vorjahres: 527 857 Tonnen. Der März d. I. hatte infolge des Osterfestes zwei Arbeitstage weniger als im Vor- jähre, so daß sich der Märzversand auf den Arbeitstag noch um rund 800 Tonnen höher stellte als in 1906. An Halbzeug wurden im März versandt 147 944 Tonnen, gegen 141 347 Tonnen im Februar d. I. und 178052 Tonnen im März 1906, an Eisenbahnmatertal 208 262 Tonnen gegen 133111 Tonnen rm Februar d. I. und 172 698 Tonnen im März 1906 und an Formeisen 152475 Tonnen gegen 124306 Tonnen� im Februar d. I. und 177 107 Tonnen im März v. I. Der Märzversand in Halbzeug ist somit um 6597 Tonnen höher als im Vormonat, der von Eisenbahnmaterial um 25 151 Tonnen und der von Formeisen um 27 699 Tonnen höher. Gegenüber dem gleichen SRonat des Vorjahres wurden an Eisenbahnmaterial 35 364 Tonnen mehr versandt, an Halbzeug 30 103 Tonnen weniger und an gormeisen 24 632 Tonnen weniger. Trotz des Minder- Versandes an 30 000 Tonnen Halbzeug gegenüber März 1906 blieb der arbeitstägliche Jnlandsversand im SRärz 1907 gegenüber März vorigen Jahres nicht zurück, während der verhältnismäßige Anteil des Inlandes an dem Gesamtversand von Halbzeug um rund 8 Proz. höher war als im März 1906 und um 18 Proz. höher als März 1905. Nadel und Zwirn werden teurer i Im Zuge der Preisaufschläge. die in letzter Zeit die verschiedensten Gebrauchsartikel erfahren haben, sind nun auch Nadel und Zwirn teurer geworden. Es wurde die Nähnadel um 10 Proz., die Stecknadel per Kilograntm, daS find 4000—6000 Stück, um 32 Pf., der gewöhnliche Zwirn und zwar der kleine Knäuel per 300 Dards(275 Meter) um 0,80 Pf., der große Knäuel per 910 DardS(1000 Meter) um zirka 3 Pf. verteuert. Mansfeldsche Kupferschiefer bauende Gewerkschaft. Der gesamte Geldüberschuß fiir das letzte Geschäftsjahr stellt sich auf 14 136 533 M. abzüglich der hierauf entfallenden Ausgaben als„allgemeine Be- lastuiig" mit 2 677 755 SR.---- 11 458 795 M. und der Ertrag auf 19 064 125 M. abzüglich der hierauf entfallenden Ausgaben der „allaemeinen Belastung" mi" 2 019 245 M.— 17 044 880 M. Dieser Ertrag setzt sich zusammen aus dem Geldüberschub mit 11 458 795 M., der Wertvennehrung des Naturalvermögens Schlub 1906 gegen Schluß 1905 mit 2 120 915 M. und der auf den Sachkonten in 19 in Zugang gestellten Vermögenswerte mit 3 46ö 169 M. Es gelangt eine Osterausbeute von 100 M. pro Kux zur Verteilung, so datz einschließlich der bereits gezahlten Abschlagsausbeute für das Jahr 1006 zusammen 120 M. pro Kux oder auf 69120 Kuxe im ganzen 8 234400 M. Ausbeute zur Verteilung kommen. Preiserhöhung. Die verewigten Wirkwarenindustriellen in Apolda erhöhten die Preise für wollene und baumwollene Artikel um 5 Proz.. für halbseidene um 10 bis 15, für seidene um 20 Proz. Die Preiserhöhung tritt für das Inland ab 15. April, für Exporteure ab 1. Mai ein. Erbarmen mit den Armen. Dem Geschüftsbericht des Stein- kohlenbergwerks„Carolus Magnus" pro 1906 ist zu entnehmen, daß die Kohlenförderung von 237 765 To. im Jahre 1905 auf 262 622 To. gestiegen ist. Die Kokerei stellte 16 007 To. Koks, die Destillation 281 To. Teer und 146 To. Ammoniak her. Der Durchschnitts- erlös betrug für die Tonne Kohlen 9,87 M.(9,07 M.). Koks 14,80 M. und Teer 21,50 M. Die Belegschaft verfuhr im Grubenbetrieb 250 105(219 998) achtstündige Schichten mit 1 183 990 M.(961 871 M.) Lohn, oder 4,75 M.<4,37 M.) für die Schicht; im Kokereibetrieb 8994 Schichten mit 27 974 M. Lohn oder 3,11 M. für die Schicht. Die Leistung pro Mann und Schicht war 1,02 To.(1,01 To.) der Nutzförderung und 1,07 To. (1,06 To.) der Nettoförderung. Die öffentlichen Lasten betrugen 148 955 M.— 0,59 M. für die Tonne Nutzförderung oder 49,65 Proz. der verteilten Ausbeute, oder 38,36 Proz. vom Bruttogewinn. Der Bericht stellt auch ungenügende Arbeiterberhältnisse und andauernd heftigen Wagemnangel fest. Nach 88 061 M. Absibreibungen blieb ein Reingewinn von 300 261 M., aus dem 300 000 M. Ausbeute zur Verteilung gelangten, während 261 M. auf neue Rechnung vor- getragen wurden.— Unter Zugrundelegung der Angaben des Ge- fchäftsberichtes über geleistete Schichten, ermitteln wir für das letzte Jahr 863 Vollarbeiter. Und auf den Kopf derselben entfällt ein Reingewinn von nur Z48 Mark. Man wird sagen, daß sei doch ein ganz respekrabler Gewinn. Für notleidende Kohlenkönige nicht I Aber das Geheimnis deS niedrigen Papierlohnes enthüllen wohl genügend die Bemerkungen des Herrn Stinnes in der letzten Gewerken« Versammlung, nämlich, daß für die vorhandenen 900 000 M. Schulden, die aus den �euanlagcn, wie Kokereianlagen mit Neben- Produktengewinnung, Wasche usw., noch herrühren, monatlich etwa 5000 M. Zinsen verrechnet werden müßten. Also ans den Betriebsergebnissen werden bedeutende Kosten für Reuanlagen bestritten. Man darf beruhigt sein, die Kuxeninhaber kommen aus ihre Kosten Stellawerk Aktiengesellschaft varm. Wilisch«. Co. in Homberg a. Rhein. Dieses mit einer Million Mark Grundkapital arbeitende Unternehmen(feuerfeste und chemische Erzeugnisse) erzielte im zweiten Geschäftsjahre 1906, nach 174 056 M.(i. V. 98 830 M.) Abschreibungen einen Reingewinn von 260 173 M.(236 447 M.), lvoraus eine Dividende von wieder 15 Proz.(wie im Vorjahre) berteilt wird. Die Farbwerke'vor«. Meister» Lucius u. Brüning erzielten nach 2 363 185 M.(i. V. 2 202 990 M.) Abschreibung einen Reingewinn von 10 736 440 M.(i. V. 8 698 548 M.). Es werden 30 Pro«. (i. B. 24 Proz.) Dividende vorgeschlagen. Gewerkschaft Orange bei Bulenkc. Das Geschäftsjahr 1906 er- brachte nach 19 318 M.(im Vorjahre 15 826 M.) Abschreibungen einen Reingewinn von 174 446 M.<123 465 M.), aus dem 149 600 M.---- 160 M.(107 525 M.— 115 M.) auf 935 Kuxe als Ausbeute verteilt wurden._ Die Nllevtgkltlichkelt der Fehmittel m der Schroei;. Zürich, 6. April.(Eig. Ber.), Die schweizerische Bundesverfassung bestimmt die Un- entgeltlichkeit des Unterrichts, und in allen fort- schrittlich gesinnten Kreisen besteht die Aufiassung, daß deren not- wendige Konsequenz die Unentgeltlichkeit der Lehrmittel(Schul- bücher) und Schreibmaterialien(Papier. Hefte, Schiefertafel, Griffel. Bleistifte. Federn. Radiergummi. Heftmappen usw.), sut die Arbeitsschule die Unentgeltlichkeit der Arbeitsmaterialien sei. Diese ist denn auch bereits in verhältnismäßig großem Umfange vorhanden, immerhin aber noch lange nicht allgemein. Der verdienstvolle Herausgeber des Jahrbuches für das Unter- richtSwesen der Schweiz, Dr. A. Huber. Staatsschreiber des Kantons Zürich, hat im vorigen Jahre eine Enquete über den Stand der Unentgeltlichkeit der Lehrmittel veranstaltet und ihre Ergebnisse in dem kürzlich veröffentlichten Jahrbuche mitgeteilt. Danach hatten die Kantone Zürich, Glarus. Solothurn, Baselstadt, Basel- land. Appenzell A.-Rh., Waadt, Neuenbürg und Genf die staatliche obligatorische Unentgeltlichkeit der Lehrmittel und der Schreib- Materialien für die Primarschule(Volksschule), und davon die Kantone Zürich. Baselstadt und Genf auch für die Sekundärschule (Realschule). Baselstadt überdies für die Mittelschulen. Ferner geben die Kantone Zürich, Baselftadt, Baselland» Waadt, Neuen- bürg und Genf auch die Arbeitsmaterialien für weibliche Hand- arbeiten an die Schülerinnen unentgeltlich ab. In den 5lantonen Zug, St. Gallen und Thurgau besteht nlit die Unentgeltlichkeit der Lehrmittel, also nicht auch die der Schreibmaterialien; im fromm-katholischen Kanton Appenzell J.-Rh. werden nur für die Fortbildungsschule die Lehrmittel unentgeltlich abgegeben. Diese 13 Kantone umfassen 1842 517 Einwohner(52,6 Proz. der Gesamtbevölkerung), und es kommt die Unentgeltlichkeit der Lehrmittel 256 518 Volksschülern, 14 680 Realschülern und 610 Fort- bildungöschülern, zusammen 271 308 Schülern zugute, somit un- gefähr der Hälfte der gesamten Schülerzahl der Schweiz. Die Kosten der Unentgeltlichkeit belaufen sich auf rund 1M> Millionen Frank, wovon 700 000 Fr. der Staat(die Kantone) und 800 000 Fr. die Gemeinden tragen. In den Kantonen Zug, Baselstadt. Appen- zell A.-Rh.. St. Gallen und Genf trägt die Kosten der Staat allein, in den Kantonen Glarus und Solothurn tragen sie Staat und Gc- meinden zusammen. In den Kantonen Bern, Aargau und Thurgau leistet der Staat Beiträge für Schulmaterialien denjenigen Ge- meinden, die die Lehrmittel usw. unentgeltlich an die Schüler ab- geben. In den zwölf Kantonen, welche die staatliche obliga- torische Unentgeltlichkeit der Lehrmittel usw. noch nicht haben. ist sie aber von zahlreichen Gemeinden freiwillig— ohne den staatlichen Zwang— eingeführt worden, ein Zustand, wie er früher auch in den anderen Kantonen bestand; denn in der Schweiz gehen die meisten Fortschritte, insbesondere die sozialen, tn der Regel von der Gemeinde aus. und zwar ebenso regelmäßig auf die Initiative der organisierten Arbeiterschaft hin. Dann erst der- allgemetnert sie der Kanton durch G e s e tz. Ein Kanton folgt dem anderen nach, und je nachdem wird die Einrichtung durch Bundes- g-.ssch auf das ganze Gebiet der Eidgenossenschaft ausgedehnt. Die Gemeinden in den zwölf Kantonen- ohne staatliches Obligatorium geben alljährlich rund 400 000 Fr. für die Lehrmittel aus. Diese Kantone leisten überdies noch einiges, um jene gemein- nützige Einrichtung zu fördern. Der Kanton Bern z. B. besitzt einen staatlichen Lehrmittelverlag, der die Bücher zur Hälfte der Selbstkosten an die Gemeinden liefert. Auch die Kailtone Waadt und Zürich haben eigenen Lehrmittelverlag. Ferner befitzt die Stadt Zürich für sich eine besondere Lehrmittel- und Schreibmaterialien-Zentralstelle. Die Kantone Graubünden, Ob- walden, Luzern, Appenzell J.-RH.. St. Gallen Und Thurgau geben Staatsbeiträge oder verwenden die seit einigen Jahren gewährten Staatsbeiträge dazu. di«e Lehrmittel zu ermäßigtem Preise abzugeben. Die Kosten der Unentgeltlichkeit der Lehrmittel für den einzelnen PriMarschlller schwanken pro Jahr zwischen 80 Rapven (64 Pf.) in Appenzell A.-Rh. und 2,50 Fr.(2 M.) in Zug. die der Schreibmaterialien zwischen 1 bis 3 Fr. pro Schüler und Jahr. Die erheblichen Schwankungen dieser Durchschnittskostey erklären fich aus der Verschiedenheit der Qualität der Lehrmittel und der Schreibmaterialien, ferner aus den verschiedenen Umständen: ob die Lehrmittel vom Staate selbst hergestellt werden, ob das Material vom Staate im großen angeschafft oder von Privaten, d. h. von Buchbindern bezogen wird. Die Unentgeltlichkeit der Lehrmittel ist in der Schweiz seit 25 Jahren eingeführt. Als die Forderung das erste Mal erhoben wurde, stieß sie auf allgemeine Opposition, die mit den verwegensten Einwänden und den bekannten Scheingründen argumentierte: Es sei eine Ungerechtigkeit, den reichen Lewten die Lehrmittel zu „schenke n"; durch die Unentgeltlichkeit der Lehrmittel werde eine Verschwendung und Liederlichkeit im Gebrauche der Lehr- mittel und Schreibmaterialien herbeigeführt werden, denn wenn die Eltern die Schulutensilien für ihre Kinder nicht mehr b e zahlen müßten, würden sie auch kein Interesse mehr daran haben, diese zum soliden Gebrauche derselben und zur Sparsam- keit anzuhalten usw. Diese„Argumente" kehren auch heute in allen Fällen wieder, wenn Sozialdemokraten die Einführung der Unentgeltlichkeit der Schulsachcn beantragen. Auf der anderen Seite haben die Freunde der Unentgeltlich keit gute neue Argumente für die Verteidigung ihrrcr Sache erhalten: Dr. Huber hat die kantonalen Erziehungsdirektionen (Unterrichtsministerien) um ihr Urteil über die Uneiatgeltlichkeit der Lehrmittel ersucht, und sie haben sich in sehr bemerkenswerter Weise darüber geäußert. So erklärt die Erziehuugsdärektion des Kantons Glarus:„Die Befürchtung, es würden die Schüler bei der Unentgeltlichkeit der Lehrmittel ungleich weniger Sorge zu den Lehrmitteln tragen, als wenn die Eltern für den Schaden auf- zukommen haben, hat sich als unbeqründet erwiesen." Und die des Kantons Baselstadt konstatiert:„Im allgemeinen darf festgestellt werden, daß die UNettigeltlichkeit der Lehrmittel, abgesehen von der starken finanziellen Belastung des Budgets, zu keinen Ucbel- ständen geführt hat, indem die Schuljugend mit den Büchern nicht weniger sorgfältig umgeht, als in früheren Zeiten. Dafür spricht der große Prozentsatz der zum zweitenmal verwendeten Lehrmittel. Die Bevölkerung empfindet diese Unterstützung des Staates als eine große Wohltat und würde sich eine Aufhebung der Un- enigeltlichkeit kaum gefallen lassen." Selbst aus der welschen Schweiz, wo die bürgerlich-kapitalistischen Politiker noch völlig manchesterlich und jeder Sozialpolitik feindlich gesinnt sind, liegen günstige Berichte vot. So meint die Neuenburger Erziehung� direktion:„Der Unterricht hat an Leichtigkeit und Einheit gr� Wonnen, die Disziplin hat sich bedeutend gebessert, und andere sehr wesentliche Vorteile für den Fortschritt Unserer Schulen sind die folgen davon." Selbst die sozial rückständige Regierung des antons Waadt erkennt an, daß mit der Unentgeltlichkeit der Lehr- mittel mehr Ordnung und Regelmäßigkeit in deN Gang des Unterrichts gebracht wurde. So ist das Hubersche Jahrbuch für 1906 ein ausgezeichnetes Bgitationsmitiek für die weitere Ausbreitung der Unentgeltlichkeit der Lehrmittel und Schreibmaterialien in allen Schulen und zu- gleich ein ehrenvolles Monument der positiven Arbeit der Sozial- demokrati«; denn ihr Werk, iht Erfolg ist diese wahrhaft kulturelle Schöpfung, die dem gesamten Volke eine große Er- leichterung bietet, der Gemeinde und dem Staate Gelegenheit gibt, etwas wirklich Geitteinnübiges zu leisten,.und die eine ungemein tatkräftige Förderung Und Hebung der Volksschule und der ge- samten Volksbildung bedeutet. *• Und in Preußen? Vor einigen Jahrzehnten traten die Freisinnigen— vornn Waldeck— mit- Lebhaftigkeit für die UN- entgeltlichkeit der Lehrmittel au? pädagogischen Gründen und als Notwendigem Körrelai der Schulpflicht ein. Heute treten für die- selbe Forderung nur vereinzelte Bürgerliche ein. Auch in Berlin ist bekanntlich der bereits im Jahre 1890 von sozialdemokratischer Seite gestellte Antrag auf Einführung der Unentgeltlichkeit für Lehrmittel nicht zum Beschluß erhoben. Soziales. Wer terrorisiert? Wir hatten schon einigemal über da» Gebahren de» Neinmeister. lichen ScharsmacherverbandeS im Maler-, Lauterer- und Anstreicherberuf für Duisburg und Umgegend berichtet. Jetzt liegt uns abermals ein Dokument dieses Aucharbeitgeber. Verbandes vor, das geradezu eine Erpressung in des Wort« ernstester Bedeutung darstellt. Das Ding ist an die Materl- ailtentieferanten gerichtet und steht so aus: An unsere verehrlichen Lieferanten! Auf Grund unserer Verträge und auf Beschlutz de» rheinisch-westfälischr» Verbandes waren wir gezwunaev. unsere »rganisterten Gehlllfeu zu enflnssen. Zur erfolgreichen Durchführung dieser Sperre ist eS absolut notwendig, datz diejenige« Meister, die unserem Verbände noch fetnftehen und aus der Be« wegung Nutzen ziehen wollen, keine Materialien brkomMen. Wir Überreichen Ihnen deshalb umstehend eine Liste unserer Mitglieder und bitten Sie dringend, an andere als die darin aufgeführten Meister Materialien nicht verabfolgen zu wollen; ebenso bitkett wir Sie, Aufkräge von Ihnen bis- her unbekannten auswättigeii Leuten nicht ausführen zu wolle«, ohne vorher mit un» Rücksprache zu nehmen. Bei den Bestellungen von auswärts handelt eS sich Haupt« sächlich um die Städte Aachen, Elberfeld-Barmen, Krefeld, Düssel- dorf, Essen, Bochum, Herne, Dortmund. Hagen, Haspe, Gevelsberg, Vohwinkel, Opladen, Velbert, Mettmann, Mülheim a. d. Ruhr, Oberhausen, Duisburg. Unser hiesiger OrtLverband hat beschlossen. diejenigen Lieferanttn, welche unseren Wünschen, die ja auch in Ihrem eigenen Interesse liegen, nicht nachkommen, in Zukunft bei Vergebung ihrer Aufträge nicht zu berücksichtigen. An Private dvrfe« unter keinen Umstünden Materialien ver» kauft werde««, die darauf schließen lassen, datz es fich um Arbeite« handelt» die von streikenden(d. h. ausgesperrte» l) Slnstreichcr-Ge- hülfen ausgeführt werdrn. Hochachtungsvoll «rbeitgebrrverband für das Maler- und Anstreicher, usw. Gewerbe für Duisburg und Umgegend. Also die Arbeiter Werde« auügasperrt und den Ma- terialien-Lieferanten wird mit der Entziehung der Kundschaft gedroht, wenn sie sich de« Wünschen der Herren vom Pinsel nicht fügen. Und düS alles, weil die Arbeiter das schamlose Ansinnen zurückgewiesen haben, einen Revers zu unterschreiben, der besagt, daß sie„weder einem christ- lichen noch frei-gewerkschaftlichen Verbünde angehören und diese Verbände weder moralisch noch finanziell unterstützen wollen"!— Weiter kann man wohl nicht gut gehen in der Anwendung terroristischer Mittel, höchstens bliebe noch der Appell an die rohe Gewalt. Fast will eS scheinen, als ob diese handwerksmetsterlichen Scharfmachet in ihrem Großmachtskitzel den Staatsanwalt geradezu heraus- fordern wollen, um zu probieren, wo für das Arbeitgebertum in puncto Nichtachtung der Gesetze die Grenze liegt. Köstlich nimmt sich daS zynisch-dreiste Eingeständnis au», daß lediglich»auf Grund von Verträgen und auf Beschluß de» Arbeitgeberverbandes der Duisburger Orts- verband gezwungen war, die»rgantfierien Gehülfen zu entlasse»". Die Herren glauben also nicht einmal mehr nötig zu haben, ytntgstens des BerfuH.einer moralischen Vertetdtgung ihre» Vorgehens gegen daS KoalitionSrechk der Arbeiter mache?» zu müssen. Man merkt es täglich mehr, daß wir«im Staate der vollendetsten Rechtsgarantien" leben! Arbeitgeber für Vermehrung der Betriebsunfälle. Gelegentlich des in der Ostertvoche in Köln abgehaltenen Ver» bandstages der Maurer wurde von dem Referenten über„Bau- ntbeiterschutz"(Heinke-Hamburg) an der Hand eines reichhaltigen statistischen Materials unter anderem auch auf die höchst beachtens- werte, von uns wiederholt betonte Tatsache hingewiesen, daß in Bayern seit der Anstellung von Arbeiterkontrolleuren die Zahl der tödlich verlaufenen Unfälle von 1,19 auf 0,72 und die Zahl der entschädigungspflichtigen Verletzten von 19,50 auf 11,85 pro 1000 vollbeschäftigte Arbeiter gesunken sei. Für jeden vorurteilslosen und unparteiischen Menschen wird dadurch der schlagendste Beweis erbracht» datz die Institution der Arbeiterkontrolleure in Bayern sehr segensreich gewirkt und sich geradezu glänzend bewährt hat. Wir sagen: jeder vorurteilslose und unparteiische Mensch muß zu dieser Schlußfolgerung kommen. Anders die Rheinisch-Westfälische Baugewerksbertlfsgcnossenschaft, die nach eingehender Be- sprechung dieser Materie in einer am 20. Februar er. abgehaltenen Genossenschaftsversammlung folgende„Resolution" angenommen hat: „Die Genossenschaftsversammlung der Rheinisch-Westfülischen BaugewerkSberufsgenosscnschaft vom 20. Februar 1907 legt ent- schiedene Verwahrung ein gegen alle behördlichen Bestrebungen» die auf Anstellung von Bau- und Betriebskontrolleuren aus Ar- beiterkreisen durch die Ttäger der Unfallversicherung hinzielen. Diese Bestrebungen stellen sich als ein durch nichts gerechtfertigter Eingriff in das Selbstvetwaltungsrecht der Berufsgenossenschaftrn dar, und ihre Verwirklichung wäre bei der anerkannt ungenügenden theoretischen und technischen Borbildung von Arbeiterkontrolle»»»» gleichbedeutend Mit einer geradezu bedenklichen Verschlechterung des Arbeiterschutzes, den die Berufsgenossenschaften mit ihrem Heere von berufenen und qualifizierten Kräften bereits— und mit gutem Erfolge— ihre ganze Aufmerksamkeit zuwenden. ES steht außer Zweifel, daß die Arbeiterkontrolleure ihre Tätigkeit in de» Hauptsache parieigenössischen Zwecken dienstbar machen und somit ein ficiedlichcs Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeit- Nehmer vollends zerstören würden." Also die Arbeiterkontrolleure sollen sowohl technisch wie theo- rctisch zu ungebildet sein, um die Kontrolle ausüben zu könne»! Merkwürdig, daß die 4jährige Tätigkeit der Arbeiterkontrolleure in Bayern geradezu ein glänzendes Zeugnis der Befähigung für den Posten ergeben hat. Und wie besorgt die Berufsgenossenschaft um den Arbeiterschutz ist! Schade, daß die Arbeiter von dieser Fürsorge so verflucht wenig zu spüren bekommen. Die niedrige Beschuldigung, datz böt einer eventuesten Anstellung von Arbeiter- kontrolleuren diese ihre Tätigkeit in der Hauptsache zu Partei- genössischem Zwecke ausüben würden, kritisiert sich selbst. Aehn- liche haltlose Beschuldigungen gehören zu dem eisernen Bestände der Waffen unserer Gegner. Das„Herr im Hause sein" ist eS, was den Berufsgenossenschaftlern in den Knochen steckt. Der Ein- griff in die angemaßten Rechte gefällt ihnen nicht. Die Tatsache, daß infolge der Heranziehung von Baukontrolleuren die Zahl der Unglücksfälle herabgegangen ist, liegt so klar zutage, daß sie auch öen Mit det Säche bekannten Mitgliedern der Bauberufsgcnossen- chwft nicht entgangen fein kanN. Die Phrasen ihrer Resolution äuschen darüber nicht hinweg, baß ihnen also eine Verminderung der Unfälle unangenehm ist. Es ist angesichts der erschreckenden, von Jahr zu Jahr zunehmenden Unfälle die höchste Zeit, daß reichS- gesetzlich übötall ArbditekkcMttolleUke angestellt werden, denen das Recht des Erlasses und der Ueberwachung von Unfallverhütungs- Vorschriften eingeräumt wird. Beseitigung der Akkordarbeit, Schutz des Koalitionsrechts und der Arbeiterorganisationen wären weitere leicht erfüllbare Förderungen zur Verminderung der Unfälle. Fiel« endlich die Beseitigung des Schadenersatzanspruches gegen den Unternehmer(auf Zahlung der Differenz zwischen dem wirk- lichen Schaden und der Unfallrente), so würden jährlich viele tausende von Arbeitern weniger auf dem Schlachtfeld der Arbeit al» lm Betriebs Getötete oder Verwundete vorhanden sein. Das gekennzeichnete Verhalten der Bauberufsgenossenschaft gegen diese Folgen vermag auch dem eingefleischtesten Anhänger der be- stehenden Eigentumsordnung die Augen über die Gemeingefähr- lichkeit des Pridaksigentums an den Produktionsmitteln und de? bestehenden Organisation der Eigentümer zu öffnen. Tsziale Fürsorge in der Feldmelsterri. Dieser Tage hat daS Feldmeisteramt angeordnet, baß den Arbeitern bei den Artillerie-Depots jährlich ein Erholung»- urlaub unter Fortaewährung des Lohnes bewilligt werde. Die Arbeiter, welche sieben Jahr« km königlichen Dienst tätig sind, haben Anspruch auf einen viertägigen, die mit zehn- jähriger Dienstzeit einen solchen aus einen sechstägigen Urlaub. Des weiteren ist für diese Arbeiter eine zehnstündige Arbeitszeit bestimmt worden: von 7 Uhr früh bis ü'/z Uhr abend? mit einer Mittagspause von 12—!>/« Uhr. Für Frühstück und Vesper wird eine Viertelstunde gewährt, sodaß die Effektiv- ärbeitSzeit 9'/s Stunden beträgt- An Sonnabenden und de« Tagen vor großen weltlichen oder kirchlichen Festtagen wird die Arbeitszeit um zwei Stunden nachmittags gekürzt. Ein Abzug vom Lohn findet nicht statt. Die Urlaubsbestimmung entspricht der Um die Wahlzeit für die preußischen Sisenbahnbetriebswerkstatten erlassenen durchaus un- zulänglichen Vorschrift. Erheblicher ist die Verkürzung der Arbeits- zeit. Sie ist Wohl eine Folge des so häufig im Reichstag von sozialdemokratischer Seite erhobenen Verlangens, in den vom Reich betriebene« Werkstätten Erholungsurlaub zu erteilen und insbesondere die Arbeitszeit herabzusetzen. Die erlassene Verordnung kann trotz ihrer Unzulänglichkeit als eine kleine Abschlagszahlung begrüßt werden. Ueber die Erfahrungen, die die Verwaltung mit Herab- setzuNg der Arbeitszeit gemacht hat, wird die Verwaltung ja be- richten und wir bezweifeln nicht, sie wird zu der Erkenntnis ge- langen, falls ihr diese nicht schon beiwohnt, daß die Herabsetzung der Arbeitszeit nicht nur im Interesse der Arbeiter liegt. Wird die Militärverwaltung bann trotz der Macht der Scharfmacher für eine gesetzllche Maximalarbeitszeit eintreten? für die nächste Rümmer müssen spätestens bis 5 Uhr nachmittags des vorherigen TageS in unserer ...... Expedition abgegeben werden...... Größer« Anzeigen für die Sonntags- Nummer erbitten dagegen schon bis Freitag nachmittag 5 Uhr, da nur in diesem Falle die Ausnahme garanttert X X X X X X«erden kann. X X X X X X KA WIRTSCHAFTSARTIKEL Donnerstag Porzellan weiss Speiseteller, tief und flach. Dessertteller. 1 Freitag Sonnabend 0.18 0.12 ... 0.09 1.15, 1.35, 1.75 Glaswaren Porzellan dekoriert Wassergläser, gepresst...... 0.04 Rosenmuster Wassergläser mit poliertem Boden 0.08 Speiseteller 0.25 Bierbecher mit Goldrand..... 0.06 Tee- und Bierbecher mit Bordüre 0.10 Suppenteller 0.25 Kompotteller. Dessertteller, ca. 19 cm. 0.15 Terrinen... Citronenpressen...... 0.06 Butterdosen 0.15 0.20 Kompotteller, ca. 15 cm. 0.12 Ragoutschüsseln.. Kaffeekannen.. 0.55, 0.75 Saucieren Zuckerschalen... Kuchenteller.. Weinblätter, Eisglas Käseglocken, geschliffen.... Kompotteller, Olivenschliff Käseglocken... Porterschalen, glatt, 0,3 Liter 0.22, 0,4 Liter 0.28 Grätzertulpen, glatt, 0,3 Liter 0.22, 0,4 Liter 0.25 Kompotteller, verschiedene Muster...... 0.04 Kompottieren 0.06, 0.08, 0.10, 0.15,0.25, 0.30 Teekannen Mokkatassen Kaffeetassen Bouillontassen Kuchenteller. Butterdosen... Kompottieren. Satz 6 Stück 0.35 0.45, 0.55, 0.95 0.15 0.18 0.25 0.38 0.12 0.15 0.38 0.38 1.65 0.06 0.65 Milchtöpfe, hohe Form, Satz 6 Stück.... 1.10 0.95, 1.15, 1.45 Bratenplatten, oval.... 0.18, 0.25, 0.35, 0.45 Gemüseschüsseln, rund, tief u. flach 0.50, 0.75 Kompottieren, eckig... 0.18, 0.25, 0.35, 0.45 Kompottieren, rund gerippt 0.12, 0.15,0.18,0.33 Küchengarnitur, runde Form Gemüsetonnen Rosenmuster 0.45, 0.65 0.68 Gewürztonnen.. 0.28 0.18 Weissbierpokale, 0,3 Liter, gepresst..... 0.18 Steingut- Küchengarnitur Kristall- Weingarnitur ff. graviert Essig- und Oelkrüge.. 0.68 Salz- und Mehlmesten 1.65 Milchtöpfe, Satz 6 Stück.... 1.75 Bowlengläser.. 0.48 Rotweingläser.. 0.42 Kleeblattmuster, eckige Form Rena Rheinweingläser. 0.42 Gemüsetonnen 0.85 Gemüsetonnen... 0.38 Portweingläser**** 0.35 Gewürztonnen..... 0.32 Gewürztonnen.. 0.18 Liquergläser....... 0.30 Essig- und Oelkrüge.. 0.85 Essig- und Oelkrüge 0.38 Champagnergläser. 0.42 Salz- oder Mehlmesten 1.45 Salz- oder Mehlmesten. .. 1.15 Bierbecher. 0.38 Milchtöpfe, Satz 6 Stück.. 1.45 Kompottieren, Satz 6 Stück... 0.85 Selterbecher:: Teebecher 0.28 Kaffeetassen mit Goldrand...... 0.18 0.35 Kompottieren, blau Zwiebelm., Satz 6 Stück 1.25 Karaffen...... 1.25, 1.75, 2.25 Kaffeetassen mit blauen Linien Kaffeetassen mit buntem Decor 0.23 0.28 Tafel- Service für 6 Pers., 23 Teile 12.75 30 Teile 14.25 für 12 Personen, 60 Teile für 12 Personen, 78 Teile für 12 Personen, 94 Teile. Wasch- Service 5 Wirtschafts- Artikel Kaffee- Service für 6 Personen, 8 Teile 1.75 38.00 42.50, 53.00 45.00 für 6 Personen, 9 Teile 2.50, 3.00, 4.75 für 12 Personen, 16 Teile. für 12 Personen, 16 Teile 6.50 7.50 Martha Ortrud Lona Hertha Meta Hilda 1.35 1.75 2.20 3.45 Eisschränke Erstklassiges Fabrikat 1 türig............ 14.00, 18.00, 22.50, 44.00 2türig.......... 50.00, 58.00, 63.50, 74.00 Innen Zink mit Butterkühler 4.75 6.25 Emaillierte Geschirre Prima Qual. Schmortöpfe, bauchige Form 12 14 16 18 20 grau, neubl. 22 24 26 cm 0.50 0.55 0.65 0.80 0.95 1.10 1.30 1.55 Kochtöpfe, gerade hohe Form Gaskocher, 2 Loch, 2 Flammen 6.75 Gaskocher, 4 Loch, 2 Flammen 9.75 2 Gasplätten mit Erhitzer.. 4.95 Aermelplättbretter 0.42 1 türig... Plättbretter mit Bezug 1.95 2türig.... Wringmaschinen 36 39 42 cm mit Glasplatten ausgelegt 1 türig 31.50, 36.75, 42.50 9.00, 11.00 40.00, 50.00, 65.00 66.00, 78.00 42.00, 55.00, 66.00 65.00, 80.00, 95.00 14 12 prima Walzen 9.50 10.50 11.50 John's Volldampf- Waschmaschinen Zink- Waschzober.... Zink- Waschwannen m. Wulst 9.75, 13.00, 17.50 Zink- Waschwannen mit Drahteinlage Gardinenspanner„ Spanne mit Liebe" solide Qualität Wirtschaftswagen. 400 8.50, 10.00 11.75 1.35, 1.65 Messerputzmaschinen auf Brett mit 1 Dose Schmirgel 6.50 Fleischhackmaschinen mit 4 Scheiben... 2.85 Fleischhackmaschinen Marke„ Aal 3.65 Kochkiste Hausfreund 8.75, 13.00, 16.00 Reibemaschinen 0.90, 1.15, 1.40 Kaffeemühlen..... 0.50, 1.05, 1.45 Amerikan. Eismaschinen„ Blizzard" 2 3 8 Quart 7.50 8.50 10.50 14.00 17.00 6 Sämtliche Eisen- Kurzwaren. 2türig. Bürstenwaren Amerik. Teppich- Kehrmaschinen Marke K, d.W. 8.00, 11.00, 12.50, 14.00 Rosshaarbesen, prima Qualität 2.00, 2.40, 2.75 Rosshaarhandfeger, pa.Qualität 1.15, 1.35, 1.65 Graue Kehrbesen...... 0.75, 1.00, 1.25 Graue Handfeger 0.40, 0.50, 0.65 Bohnerwachs, weiss und gelb 1/2 Kilo 0.50, 0.65 0.45 Stahlspäne, 3 Pack Gieskannen...... 0.45, 0.70, 0.80, 0.90, 1.25 SPEZIALITÄT Kompl. Kücheneinrichtungen 16 18 20 22 24 26 28 cm 0.50 0.60 0.70 0.90 1.10 1.45 1.85 2.25 Stielpfannen, flach 14 16 18 20 22 24 26 28 cm 0.20 0.25 0.30 0.35 0.40 0.50 0.60 0.70 0.80 24 26 cm Wasserkessel 1.25 1.50 1.75 2.00 2.50 18 20 22 Kaffeekannen....... 0.85, 1.00, 1.20, 1.40 Milchtöpfe, gebaucht. 0.35, 0.45, 0.55, 0.65 Küchenschüsseln, tief, weiss/ weiss 20 22 24 26 28 30 32 34 36 cm 0.35 0.40 0.45 0.55 0.60 0.75 0.80 0.90 1.00 Abwaschwannen, oval 35 40 45 50 55 60 65 cm 1.15 1.30 1.50 1.90 2.35 2.85 3.50 Eimer, grau, neublau oder marmor, 28 cm 0.72 Toiletten- Eimer mit Messingbügel u. Knopf 2.75 Kehricht- Eimer mit Deckel und Schrift.. 2.45 Brittania- Esslöffel.......... 0.13, 0.15, 0.18 Brittania- Kaffeelöffel..... 0.06, 0.08, 0.10 Alpacca- Esslöffel... 0.35, 0.45 0.18, 0.25 Alpacca- Kaffeelöffel............ KAVFHAVE WESTENS G.M.B.H. = DES Unser Kaufhaus wird um 19 Uhr geöffnet. Berantwortlicher Redakteur: Sans Weber. Berlin. Für bea niferatent- il b tartto.. Tb. Gilarte. Merlin Drudu. Nerlaa: Rormart Budbruderei u Berlaasonitalt Baul Ginger& Co, Berlin SW Dr. 90. 24. Jahrgang. 2. DIU iits Jmmltls" Kerlim WlksdlM. ÜU5 öem lüerliver?oIi?ei-Zumpf. Ein Jahr ist'S jetzt her, da pflückten wir aus den üppigen Pflanzen, die im Polizei-Sumpf am Alexanderplatz in sorgsamer Reinkultur gezogen werden, zwei Blüten heraus: Kriminalschutzmann Nr. S844 Ludwig Hemker, Arndtstraße 29, der, so wie Paul Hehse seine„Novellen in Versen" in klassischer Sprachreinheit schreibt, seine„Romane in Polizeibriefen" aus Brüflel in klassischer Prosa sandte, als er hinter unseren Genossen Bebel und Singer dorthin„in vertraulicherMission" geschickt worden ivar. In freudig- stolzer Siegessicherheit hatte er schon„in nächster Nähe" des Jnter- nationalen Sozialistischen Bureaus seinen„Korrespondenten" für die Berliner Zentrale gewonnen, als er plötzlich durch den begeisterten Empfang des Publikums bei der zwangsweisen Regenschirmvorstellung am Brüsseler Nordbahnhof zur rauhen Wirklichkeit erwachte und trotz seines raschen Verschwindens einen Vorgeschmack der hohen Wertschätzung erhielt, die man dort den Gentlemen vom Alexander- platz zuteil werden läßt. Als zweite Blüte konnten wir damals unserem allmählich recht reich gewordenen Polizeistrauste einverleiben: Kriminalschutzmann Gustav Neumann, Oldenburgerstr. 11» IV. Er hatte auch bereits geglaubt, unseren Genossen Karl Fischer als„Nichtgentleman" für die Gentlemen der VII. Abteilung am ehemaligen.Ochsenkopf" gewonnen zu haben, und so sicher war die Sache bereits, daß Herr Kriminalkommissar v. Arnim selber sie in seine reinfallgeübten Hände nahm und den Tugendpreis in blankgemünztem Golde sandte, das dann unser Gerisch schmerzbewegt der Parteikasse einverleibte, weil weder Neumann noch sein„Herr Hauptmann" v. Arnim es an unserer Kaste erheben wollten. Zwar stellte sich ein paarmal ein angeblicher Herr Schaff vom Schiffbauerdamm 29") als Abgesandter eines Herrn Neumann vor, um die 200 M. abzuheben, aber da er die ge- forderte Legitimation nicht vorweisen konnte, fürchteten wir das Schicksal des Herrn v. Arnim zu teilen und das Geld dem Falschen aus- zuzahlen, und übergaben eS daher lieber dem sicheren Parteikassierer, dem wir ohne Legitinmtion trauen durften. Zu diesen vorjährigen Polizeiblüten können wir als dies- jährige Frühlingsblüte aus dem Alexanderplatz-Sumpfe der VII. Abteilung unseren Genosten heute präsentieren: Kriminalschutzmann Nr. SSSO Paul Dietrich, Kochhannstraße 15. Die politische Polizei ist zwar in ihrem Handwerk sehr konser- vativ, aber doch auch sehr vielseitig; sie spielt verschiedene Instrumente, wenn auch jedes recht stümperhast, und wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, so geht Polizei-Mohammed eben zum Berge. Fällt Herr v. Arnim beim Werben von„Nichtgentlemen" aus den Reihen der Arbeiterklaste hinein, so versucht er es wieder einmal mit dem alten Polizeitrick und schickt seine Gentlemen selber direst in die politischen und gewerkschaftlichen Organisationen hinein, um dort zu horchen und zu berichten. Und der Neid muh gestehen. diese Herren, die direkt vom Alexanderplatz kommen, über« tragen ihrenDiensteifer auch auf die Parteiarbeiten. Aber das Flugblattverteilen treppauf und treppab wt'S allein nicht; auch das Abonnentenwerben für den„Vorwärts" macht allein noch nicht den vertrauenswerten Genossen; sogar daß er neue Mitglieder für den Wahlverein heranschleppte, genügte nicht. In einer vergeßlichen Stunde hatte Herr Kriminalschutzmann Nr. 52bO Paul Dietrich bei«ugustin seinen Ueberzieher so aufgehängt, daß auf seiner Innen- seite da? schöngestickte Monogramm: P. D. fichtbar wurde. Aber Herr Paul Dietrich hatte wie gesagt vergessen, daß er als Wahlvereinsmitglied den Namen Ernst Philipp trug; und Ernst Philipp konnte doch unmöglich in seinem Ueberzieher das Monogramm P. D. tragen. Bei seiner Aufnahme in den Wahl- verein hatte Kriminalschutzman» Nr. 5250 Paul Dietrich fich alS » Hausdiener Ernst Philipp, geboren am IS. Oktober 1876 in Angermünde, vorgestellt; seit dem 1. Mai 1806 war er im fünften Wahlkreis als eingeschriebenes Wahlvereinsmitglied„tätig"; am 1. Juli 1906 trat er in den dritten Wahlkreis über mit der Angabe, Kürassier- stratze 10» im Bierverlag Mauroschat beschäftigt zu sein.(Mauroschat soll Bierlieferung nach dem Polizeipräsidium haben.) Seit dem 19. Oktober war er auch im Verband der Handels, Transport« und Verkehrs» arbeiter Mitgliedsbuch Hauptnummer 84 958. Berliner Nummer 12 8S3 organisiert. Er glaubte also nach jeder Richtung hin fleppenrein zu sein: mit so„sauberer Wäsche" hielt er sich über jeden Verdacht erhaben, zumal er im Restaurant R., Prinzessinnenstraße, so tapfer kneipte, daß eS manchmal sogar der Frau Wirttn zu lange dauerte; er wurde ja gerade dann ganz besonders seßhaft, wenn die Gäste fich entfernt hatten, denn im ungestörten Duo ließ sich so hübsch über„Parteisachen" plaudern. Wurde dann mählig die Zunge schwer, so kam es wohl vor, daß auch das Hirn etwas müde wurde, so daß er ärgerlich meinte, er werde wohl vom Augustinschen Zahlabend nach einem andern ziehen, wo die „Gemäßigten" seien; die„Radikalen" seien ja mit dem Vorstande einig, die„Gemäßigten" aber würden wahrscheinlich über den Vor- stand schimpfen, und daerfahre er dannmehr. So suchte er auch bei„seinem Abgeordneten" fich anzubiedern, indem er ihn um Tribünenkarten ersuchte; aber dieser ließ ihn— natürlich höflich wie immer— abfallen. „Ernst Philipp" hatte auch keine Ahnung, daß seine Beziehungen zum 18. Polizeirevier in der Oranienstrahe bekannt geworden waren; auch seine Recherchen beim Genosten Fritz wähnte er ganz geheim. Seine Kalkulation war ja im übrigen ganz richtig, nur hätte er nie vergessen sollen, daß andere Leute auch gut hören, wenn sie hören wollen. Herr Philipp-Dietrich, der natürlich alle„Sitzungen" erfahren wollte, kalkulierte: wenn ich zu Fritz gehe, der parterre wohnt, kann ich auf dem dunklen Hofe sehen, ob er zu Hause ist oder nicht; ist er zu Hause, dann ist keine Sitzung, und ich kann, statt„Schmiere zu stehen", den Abend ruhig für mich genießen. Aber—»so was tut man. so waS sagt •) Dieser Hermann Schaff. HerculeS-Ledermattenfabrik, Berlin HIV. 6. gab als seine Telephonnummer Amt IH 1822 an und sowohl unter dieser Telephonnummer wie unter der angegebenen Adresse: Schiffbauerdamm 29 fand sich: Max Adler, Frachtagentur für Deutsche Ostafrika-Lime, Wörmanu-Linie.- man nicht", auch nicht, wenn man sich allein und sicher wähnt. Und wenn man zum Zahlabcnd oder in die Parteikneipe geht und wegen der arbeitsungewohnten Hände aufzufallen fürchtet, so braucht man sie nicht gerade am Trottoir, an Bauzäunen und an Hauswänden anzuschmutzen, um„Arbeiterhände" markieren zu können, oder man mutz— von Zeit zu Zeit mal hinter sich sehen. Das sind vielleicht Anweisungen des„Herrn Diener", aber der„Hausdiener Ernst Philipp" braucht nicht schmutzige Hände zu haben; diese fallen oft mehr auf als schwielenlose Hände, zumal nicht jeder Hausdiener ein— schmutziges Handwerk treibt I Und wenn man als Sozialdemokrat und«Hausdiener Ernst Philipp" zu den Sonntagsversammlungen mit nachfolgendem Familienkränzchen geht, so muß man auch das Gefühl des Kriminalschutzmanns Nr. 5250 Dietrich II überwinden können. Wenn da auch wirklich mal ein paar Soldaten sich hinverirren, um im Kreise ihrer früheren Kollegen das Tanz- bein zu schwingen, so darf der„Hausdiener Ernst Philipp" nicht mit dem Biereifer oder Spürsinn des Kriminalschutzmannes die Nummer an der Plempe heraus- spionieren wollen, weil er durch sein plumpes Herandrängen den Verdacht erweckt, die Soldaten denunzieren zu wollen. Unsere Genossen mögen sich auch das für alle Gelegenheiten zur Warnung dienen lasten, denn nicht immer ist der ungeschickte Eiser so groß, daß er auffällt. •• » Gar manchen Monat jarbeitete der„Hausdiener Ernst Philipp sich das Vertrauen der Genossen zu erwerben— und hatte keine Ahnung, daß er der Beobachtete war. Warum, sagten sich die Genosten— sollten wir ihm das Handwerk legen: entlarven wir ihn. dann schickt die Polizei einen anderen, den wir vorerst nicht kennen; den„Ernst Philipp" kennen wir nun einmal genau so gut wie... einige andere, die noch unter dem Schwerte des Damokles stehen. Außerdem hat dieses laisser faire, laisser aller noch den weiteren Borzug, daß wir seinen Umgang und seine Freunde kennen lernen. Und so ließ man Kriminalschutzmann Nr. 5250 Dietrich II ruhig weiter„observieren" und observiert werden. Auch als nach der Reichstagsauflösung«alle politisch und gewerkschaftlich organisierten" Kriminalbeamten von dem Polizeipräsidium die Weisung erhielten, nunmehr für einige Zeit aus der Partei zu ver- schwinden— nach früher gemachten Erfahrungen will„man" vermeiden, daß die„sozialdemokratischen" Kriminalbeamten zu öffentlich bemerk- baren sozialdemokratischen Wahlarbeiten herangezogen werden, zumal ja die Ablehnung dieser Wahlarbeiten Verdacht erregen würde— auch damals also hielten dieGenossen sein weiteres Verbleiben im Wahlverein noch für angebracht. Natürlich„verduftete" auch Herr Philipp- Dietrich, nicht ohne sein Verschwinden bei den Genossen recht eindringlich zu bedauern, zumal er ja während des Wahl- kampfeS recht fleißig an den schriftlichen Arbeiten sich hatte be- teiligen wollen und weil es ja gerade im 3. KreiS auf jede Stimme ankomme. Aber wenn die Schlummermutter selber ins Wirtshaus nachstürzt und eine Depesche bringt, daß der gute Onkel gestorben sei. so ist eS klar, daß die„Erbschaftsregulierung" auch die Abwesenheit während der Wahlperiode entschuldigt. Daß er nun trotzdem gerade während dieser„Erbschaftsrcgulierung in Anger- münde' in Berliner Parteikneipen, z. B. bei Liere in der Grenadierstr. 83, gesehen wurde, ist natürlich wieder Pech ge- Wesen, für das aber die Herren Diener und v. Arnim nach ihren eigenen bitteren Erfahrungen wohl verständnisvolles Mit- leid haben. Da schien eS letzten Mittwoch angebracht, Herrn„Ernst Philipp' den Genossen unter seinem richtigen Namen vorzustellen. Um ihm aber den„Gewerbebetrieb im Umherziehen" zu vereiteln und zu verhindern, daß er— nach der Alexanderplatz-Schablone— heute im fünften, morgen im dritten, übermorgen im zweiten, vierten oder sechsten seine amtlichen Funktionen ausübe— nebenbei gesagt war er auch im Niederbarnimer Kreise tätig— dachten die Genossen bei der Abschiedsvorstellung fich eine Photographie von ihm zu erbitten. Gedacht, getan. Hausdiener Emst Philipp» Dresdenerstr. 38» vor» IV bei Elger, erschien pünftlich und ahnungslos im Restaurant Manegold, Sebastianstt. Nr. 1, zum Zahlabend. Er wurde herausgemfen, und als er hinter sich die Türe schloß, flammte das Blitzlicht auf und Kriminalschutzmann Rr. 5250 Dietrich II war auf der sozialdemokratischen Platte festgebannt. Wir werden diese Photographie den Genossen zur Kenntnis nähme bringen, und wenn sie in unserem Expeditionsschaufester auS hängen wird, so dürfte sie manchem ein Vergnügen bereiten, weil sie in der Angst, die der„Hausdiener Ernst Philipp auf dieser Photographie zur Scheu trägt, zugleich zeigt, wie un» erwartet dem Kriminalschutzmann Nr. 5250 Dietrich U die plötzliche Entlarvung als Pseudo-Sozialdemokrat kam; und den Augenzeugen dieser Entkleidungsszene— vielleicht stellt sie der Flottenverein an Stelle des gerügten. Damenbades" in seinen Mutoskopen an den Bahnhöfen auf— wird diese Photographie eine angenehme Erinnerung sein, denn ein Bild größerer Aug st und Verlegenheit hatte bisher keiner zu Gesicht bekommen. Rur ein Gedanke beherrschte während der kurzen Standrede, in welcher Ge- nosse Eugen E r n st den „Hausdiener E r n st Philipp" als Kriminalschutzmann Nr. 5250 Dietrich II vorstellte, den„Hausdiener Ernst Philipp", nämlich der Gedanke: nur hinaus aus diesem Zimmer, nur fort aus dieser Gesellschaft! Und wie die in die Enge getriebene Katze stürzte„Emst Philipp" auf die Türe zu. Rette sich, wer kann! hieß eS für ihn. Ohne Hut, ohne Ueberzieher, schweißtriefend rannte er hinaus, über den Luckauer Platz weg— „Und Roß und Reiter sah man niemals wieder!" Wenn je eine Rettungsmedaille verdient worden ist, so hier! So tapfer und so mutig hat noch nie einer jemanden aus Wasser« oder Feuersnöten gerettet als wie hier der Hausdiener Ernst Philipp. Dresdenerstr. 38. vorn IV bei Elg, den Kriminalschutzmann Nr. 5250 Dietrich II Kochhann st raße 15. •»• Zum Schluß noch ein historisches Dokument. Als am Abend die Genossen zum Heimbruch rüsteten, fand einer in seiner lleverziehertasche folgende nach dem Origmal wieder« gegebene Aufstellung: 1 M.(davon 20 Pf. Stadtbahn) Geschrieben: Eine Mark habe ich in dienstlichem Interesse verauslagt und zurückerstattet erhalten und zwar: am 22. 8. 07 Recherche szd. Gemeindevertreter Britz.. 0,40 am 25. 3. 07 Streckendienst(Stadtbahn Station Tiergarten) 0,20 am 25. 3. 07(Abends) Recherche Gemeindevertr. Britz.. 0,20 am 23. 3. 07 Observation Wiesenstr. 41/42...... 0,20 1,00 am 28. 3. 07„„ 0.20 am 30. 3. 07.„ 0,20 am Berlin, den 28. März 1907 2. 4. 07(Stadtbahn Tiergarten)...... 0,20 zus. 1,60 Dietrich II. Kr.-Schutzmann 5250 Auf anderen Notizblättern hatte Dietrich Adressen und Straßenangaben, die Aufschluß gaben, wann und wo er mit der Ueberwachung hier lebender Russen beschäftigt war; ja sogar die Wohnung von Leuten wollte er ermitteln, die, wie der italienische Sozialist Labriola, noch gar nicht in Berlin eingetroffen waren, sondern von denen eS nur in den Zeitungen geheißen hatte, daß sie nach Berlin kommen wollten. Nun begreifen die Genossen „seines" Zahlabends, warum er manchmal gar so neugierig nach den„russischen Brüdern" frug, und mit seiner täppischen Neugier die von anderen Leuten wachrief. »» » Man kann sich das Erstaunen des Genossen vorstellen I Wie kam diese Abrechnung und diese Notizzettel in Tasche? Da stellte sich heraus, daß er einen falschen Ueberzieher angezogen hatte— nämlich den deS Kriminalschutzmanns Nr. 5250 Dietrich II. Die politischen und ulirtschastlichen Folyen des Zusammen' brnches des agrarischen Milchringes erörterte Rechtsanwalt Dr. Flatau in einer am Dienstag abgchal- tenen Versammlung der Berliner Milchpächter. Den Darlegungen des Redners entnehmen wir folgende dle Gemeingesährlichkeit der verflossenen Gründung und der weiteren Projekte kennzeichnenden Darlegungen. Nicht die Landwirtschaft, führte der Redner aus, wohl aber der Bund der Landwirte hat eine schwere Niederlage erlitten. Gerade die Landwirtschaft darf sich zu dem Scheitern der Ring. schen Gründung Glück wünschen. Denn so ist sie vor der dauernden Unterwerfung unter die monopolistische Herrschaft der Bundes» leitung bewahrt, die im Falle ihres Obsiegens in der Lage war. allen widersprechenden Elementen der Landwirtschaft nach Willkür den Absatz ihrer Produkte zu sperren. Nach dem bekannten Rund- schreiben des verstorbenen Agrarierführers Ring zu Beginn de» Milchkrieges war ja die Gründung der Milchzentrale, wie die Er» richtung der Viehzentrale und des Magerviehhofes nur ein Glied in der Kette monopolistischer Pläne, die unter grundsätzlicher Aus» schaltung des Handels dem Bund der Landwirte die Herrschaft über den gesamten Absatz der landwirtschaftlichen Produkte ver- schaffen sollte. Der Bund der Landwirte besitzt, dank der schwäch» lichen Haltung unserer Beamtenschaft schon jetzt auf dem Lande einen Einfluß, der dem der Staatsregierung mindestens gleich kommt. Wären die Herren Ring, Diedrich Hahn und Wangen» heim auch nur mit einem Teil ihrer Monopolpläne durchgedrungen, so stände die Staatsregierung der ländlichen Bevölkerung überall in derselben Ohnmacht gegenüber, wie bereits dem Kohlenshndikat und den anderen starken monopolistisch gegliederten wirtschaftlichen Verbänden. Das Wort von den„Ministern, die uns was können", wäre dann allerdings mehr als eine agitatorische Phrase, und die königliche Regierung hätte dann wirklich den Drahtziehern des Bundes der Landwirte gegenüber so gut wie„nix to seggen". Wenn die märkischen Landwirte sehr bald nach Beginn des Milchkrieges anfingen, sich zurückzuziehen und demnächst in wachsender Anzahl zu offener Gegnerschaft übergingen, so war hierfür nicht nur die Einsicht in die gröbliche Irreführung über die Finanzlage der Milchzentrale bestimmend, die ja in der ganzen Presse des Bundes bis in die neueste Zeit hinein unternommen wird, auch die Er- kenntnis der Gefährlichkeit der vom Bund der Landwirte ange- strebten Monopolstellung hat viel beigetragen. Konnte es doch der Milchring bei dem absolutistischen Zuschnitt in der Leitung des Unternehmens im Vertrauen auf die Machtmittel des Bundes so» gar wagen, die Geschäftsführung einer vorher als Mittelstands« retter tätig gewesenen Persönlichkeit von notorisch krimineller Ver» gangenheit zu übertragen und aller Vorstellungen ungeachtet in dieser maßgebenden Stellung zu halten. Bei der neuen jetzt vom Bund betriebenen Gründung einer„Gesellschaft m. b. H." würde die völlige Recht- und Machtlosigkeit gegenüber der Leitung noch stärker zutage treten. Schon jetzt haben 9 Untergenossenschaftcn der Milchzentralc den Konkursantrag stellen müssen. Der preu» ßische Finanzminister hat von einer„märchenhaften" EntWickelung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens gesprochen. Viel» leicht zeigt sich sehr bald, daß die verblüffende Erhöhung der Ge- nossenschaftszisfern durch formularmäßige Gründungen völlig ver- mögensloser, nur auf dem Papier der giegisterakten lebender Ge- nossenschafte» die Bezeichnung„märchenhaft" in etwas anderem Sinne verdient. Es besteht da ein vollkommener Rattenkönig von Untergenossenschaften, die dem Konkurs geweiht sind. Der Einfluß des Bundes der Landwirte hat durch diese Vorkommnisse bei den kleinen und mittleren Landwirten der Mark Brandenburg eine schwere Schädigunwerlitten. Die Erregung ist nach übereinstimmen« den Berichten aller Orten im Wachsen. Den märkischen Landwirten er- scheint es geradezu als ein Rätsel, wie in der kurzen Zeit ein Bcr- lust von rund 11 Millionen Mark entstehen konnte. Die gericht- liche Untersuchung, die trotz den frommen Wünschen der Abgcord- neten Hammer und Diedrich Hahn in vollem Gange ist, wird vor» aussichtlich auch hierüber eine allerseits befriedigende Klarheit schaffen. Die Liquidawren der Milchzentrale sind nach der klaren Vorschrift des Gesetzes verpflichtet, jetzt Konkurs anzumelden. Die vom Gesetz vorgesehene Ueberschuldun�j ist schon in der letzten Bi- lanz nur deswegen nicht buchmäßig»n die Erscheinung getreten. weil man die vom Kammergericht für gesetzwidrig erklarten For» derungen an ausgeschiedene Genossenschafter ruhig als Aktiven ein- gestellt hat. Die Führer der agrarischen Partei werden sich tn dieser Hinsicht den„guten Glauben" schwerlich durch Berufung auf einen als Autorität sür die Sanierung von Börsen« firmen anerkannten Anwalt sichern können, der erklärt haben soll, daß er das Urteil des Kammergerichts nicht verstehe! Der Zusammenbruch der Milchzentrale wird aber in keinem Falle„das erschreckende Fallen des Milchpreises" zur Folge haben, von dem die Wandcrredner deZ Bundes im Interesse der Gründung eines neuen Milchringes den Landwirten vorerzählen. Groß-Berlin verbraucht täglich 720 000 Liter Milch. Davon hatte die längst bedeutungslos gewordene Milchzentrale kaum 50 000 Liter an die Konsumenten abgesetzt. Das sind allerdings noch 60 000 Liter zuviel, wenn man sich der gehässigen Feindseligkeit des extremen Agrariertums gegen Berlin und der ganzen Gefähr. lichkeit seiner wirtschaftlichen Pläne erinnert. Aber es bleibt ohne jeden Einfluß auf die Preisbestimmung, ob dieser Bruchteil durch eine agrarische oder eine nichtagrarische Firma an die Verbraucher gelangt. Vcr Weis wird M liivftig ohne künUiche Stäv'«""- fctaj Vngevot önb Nachfrag« regeln, wobei baS ständige Wachsen der Berliner Bevölkerung jedem dauernden Sinken des Preises ent- gcgcnwirkcn muß. Für eine Erneuerung des Kampfes, wie sie der Bund unter Führung eines Vetters unseres Landwirtschafts. Ministers anstrebt, fehlt es daher an jedem Vorwand. Bedauerlich '.st nur, daß der jetzige LandwirtschaftSminister das Agrariertum noch in einer stärkeren Konzentrierung vertritt, als dies selbst durch Podbielsli geschah: Gehört doch der jetzige Minister als Mitglied dem Milchring an, während sogar Podbielski diese Beteiligung aus Rücksicht auf seine Ministerstcllung abgelehnt hat! Von der Zurück- Haltung, die man von dem neuen Landwirtschaftsminister gerade wegen seiner Zugehörigkeit zum Milchring erwarten konnte, hat man bis jetzt nichts bemerken können. Auch daS neue Einfuhr- verbot gegen Holland und Belgien enthält keineswegs nur eine formelle Wiederholung der seit langem bestehenden Vorschriften, und die gegenteilige Behauptung in der„Deutschen Tageszeitung" ist nne Irreführung des Publikums. Das neue unbeschränkte Ein- fuhrberbot für tierische Produkte hat die bis jetzt sogar von Podbielski geduldete Einfuhr sterilisierter Sahne aus Holland un- möglich gemacht. Die Tendenz, die Preise zugunsten der einheimi- schen Landwirtschaft künstlich zu steigern, tritt hierbei um so drastischer hervor, als den deutschen Landwirten weiter frei gestellt ist, Milch und Sahne sogar aus urkundlich verseuchten Ställen nach erfolgter Sterilisierung in den Verkehr zu bringen, während bei der holländischen Sahne die klotze M ö g l i ch k e i t der Uebertragung der Maul- und Klauenseuche ein Verbot derselben Produkte recht- fertigen soll. Der Milchhandel und die Bevölkerung Grotz-Berlins hat keinen Grund, sich vor einer etwaigen Erneuerung dieses Wirt- schaftlichen Kampfes zu fürchten. Wir haben den Kampf bis zum Siege durchgeführt, obwohl der Reihe nach alle überhaupt in Preußen existierenden Machtfaktoren des Staats aus dem Kampfplatz er- schienen sind,— vom Landwirtschaftsminister, dem Polizeipräsi- den, dem Kultusminister, dem Justizminister Schönstedt, dem Eisen. babnminister an bis zu den Amtsvorstehern, den Landgeistlichen und den Kreisblättern, in denen jede agrarische Verdächtigung ebenso bereitwillige Ausnahme fand, wie die Schilderungen des glänzenden Geschäftsganges und der günstigen Finanzlage der Milchzentrale. Die Berliner Bevölkerung hat sicherlich den auf- richtigen Wunsch, mit der Landwirtschaft in Frieden zu leben, wie dies vor der Tätigkeit des Bundes der Landwirte der Fall gewesen ist: Sie hat es aber auch in der Hand, in kürzester Zeit durch ein zielbewußtes Vorgehen in Verbindung mit Vertretern des Handels. ftandes jeder neuen Milchzcntrale das Schicksal der alten zu bc- reiten. So der mit den Verhältnissen genau vertraute Redner. Die Ringsche Gründung ist das vollendetste Muster für ein strafbar leichtfertig geführtes Unternehmen, das unter dem Vorgeben, der Landwirtschaft helfen zu wollen. Klein- und Mittelbauern aufs schwerste geschädigt und verkrachten Existenzen reichliche Einnahmen gewährt hat._ 17. Gtlmaloersllmmluug des ZiAmerervtrbllndes. Köln, 16. April. Den Kassenbericht, umfassend die Zeit vom 1. Januar 1965 bis 31. Dezember 1966 erstattet der Hauptkassierer Römer. Es betrugen nach den der Hauptkasse übermittelten Vierteljahres« abrechnungen der Zahlstellen die Einnahmen 1905: 1048 162 M., die Ausgaben 977 530 M.; im Jahre 1906; die Einnahme 1428 015 Mark, die Ausgabe 1 336 170 M. Die Bestände beliefen sich Ende 1905 auf 389 575 M.. Ende 1906 auf 431 421 M. Das Gesanitvermögen bclief sich Ende 1905 auf 919 161 M., Ende 1906 auf 1 322 303 M.(Die Pfennigzahlcn haben wir stets weggelassen.) Tie Totaleinnahmen bewegten sich pro Kopf der Mitglieder in den drei letzten Jahren wie folgt: 15,45 M., 17,80 M. und 19,66 M.. die Totalausgaben: 13,21 M.. 12,07 M. und 14,88 M. Die 1906 in Kraft getretene Arbeitslosenunterstützung erforderte eine Aus- gäbe von 105 000 M., was der durch die Erhöhung der Beiträge geschaffenen Mehreinnahme entspricht und die Nichtigkeit der vor der Einführung der Arbeitslosenunterstützung aufgestellten Kalku- lation bestätigt. Es wurden ferner u. a. im Jahre 1906 der- ausgabt: für das Verbandsorgan 72 906 M., für Agitation 107 519 M., für Streiks 298 164 M., für Reiseunterstützung 8197 M.. Rechtsschutz 11 201 M., verbranntes Handwerkszeug 2348 M. usw. Den Bericht des Ausschusses gibt K u b e- Berlin. Er- hebliche Störungen seien im Vcrbandsleben nicht vorgekommen. Unter vielen anderen Sachen ist zu erwähnen, daß eine Beschwerde aus Nürnberg(jegen die Verweigerung der Gematzregeltenunter- stützung für einen aus Anlaß des 1. Mai gemaßregelten Kameraden zurückgewiesen werden mußte, weil die wegen der Maifeier Gcmatzregelten nicht unter diese Unterstützung fallen, sondern aus Lokalmitteln zu unterstützen sind. Kube warnt vor einer Aenderung dieses Standpunktes, da das die Unabsehbarsten Folgen für die Finanzverhältnisse des Verbandes haben könne. Die Arbeitslosenunterstützung habe sich gut bewährt. Der Aus- schütz hat sich auch in gemeinsamer Sitzung mit dem Zentral- vorstand mit dem Streit zwischen Partei und Gewerk- s ch a f t e n befaßt. Es wurde für die Funktionäre des Verbandes als Richtschnur die folgende Resolution festgelegt: „Wir halten nach wie vor daran fest, daß der Zweck unseres Verbandes in erster Linie ist die Wahrung und Verbesserung der bcruflich-wirtschaftlichen Lage der Zimmerer Deutschlands, und daß dieses Ziel erreicht werden soll durch eine demokratische Organisation und eventuell durch den Kampf gegen die Kapita- listen und Arbeitgeber unseres Berufes. Diese Bestrebungen haben im Vordergrunde unserer Organisation zu stehen. Aus- cinandersetzungen, die den Zweck haben oder die dahin' führen, unsere Organisation von diesem prinzipiellen Boden zu ent- fernen, sind so weit wie möglich zu vermeiden. Ein eventuelles Eingreifen in dieselben darf nur von diesem prinzipiellen Boden au« geschehen." Der Bericht der Preßkommission beschäftigt sich Haupt- sächlich mit dem Konflikt zwischen dem Verbandsorgan und der Parteipresse. Dieser Gegenstand führte später zu einer aus- gedehnten Debatte. In der Diskussion über die Berichte tritt I m b s- Straßburg den Bemerkungen Schräders über die Jugend- organisation entgegen: Wenn wir die Jagend nicht heran- ziehen, tun es unsere Gegner. Die Mitglieder müssen zur Arbeits- ruhe am 1. Mai verpflichtet werden, ohne daß sie durch den Ver- band vor den Folgen gedeckt werden? sie sollen auS idealen Gründen feiern und die Folgen auf sich nehmen. Klosowski- Berlin: Wir dürfen unsere Verbands- angestellten nicht so sehr belasten, daß sie keine Zeit finden, sich auch der politischen Arbeiterbewegung zu widmen.— Brünner- yalle vertritt den Standpunkt, daß die Verlegung der Maifeier auf den Sonntag deren Kampfcharakter keinen Eintrag tun werde. — Mehrere Redner vertraten den Standpunkt, daß zwar der 1. Mai in ausgiebigstem Matze zu feiern sei, daß aber die Haupt- lasse nicht dadurch belastet werden dürfe. Die Verbandsmittel müßten vorbehalten werden für die noch zu führenden Lohn- kämpfe. Kube(Ausschußmitglied) steht in Uebereinstimmung mit der Generalkommission auf dem Standpunkt, daß die jetzige Form der Jugendorganisation nicht die richtige sei. ES solle darin nicht die materielle Interessenvertretung, sondern die körperliche, geistige und sittliche Erziehung gepflegt"werden. Jedoch wolle man in dieser Frage zunächst mal die Stellung des Parteitages abwarten. Die angestrebten Jugendorganisationen sollten hauptsächlich ein Gegengewicht bilden zu den konfessionellen Jugendvereinen, deren Leiter der modernen Arbeiterbewegung feindlich gegenüberstehen. Knüpfer-Berlin vertritt den Standpunkt, daß man die Jugend nicht durch das Versammlungswesen und durch ernste Dinge von der Ausbildung und Erziehung ablenken solle. Er warne vor Ilebcrtreibung der Jugendorganisation.— Schubert» Leipzig beantragt diese Resolution: „Die Generalversammlung erkennt an, daß die Gründung v«y Jugendorganiffltionen im Interesse der Arbeiterbewegung liegt, hält eS aber zurzeit nicht für angebracht, in unserem Zentralverband solche zu gründen. Die Pflicht der Delegierten ist es, im Sinne der jetzt gegründeten Jugendorganisationen zu wirken und die Lehrlinge unseres Berufes bei der Arbeit in politischer und wirtschaftlicher Beziehung aufzuklären." Groß- Hamburg ist nicht für besondere Jugendorganisa- tioncn, sondern empfiehlt, daß man wie in Hamburg die Jugend den Fortbildungsvereincn zuweist, wo sie Belehrung und Spiele haben. Stach einer weiteren Debatte werden die zur Frage der Jugendorganisation vorliegenden Anträge einer Kommission überwiesen. Zur Spezialberatung der Maifeier liegen folgende Anträge vor: Nürnberg: Mitglieder, welche wegen der Feier am 1. Mai gcmatzregelt werben, erhalten die statutarische Streikunterstützung. Frankfurt a. M.: Werden Mitglieder wegen der Mai- feier gcmatzregelt. so erhalten sie Arbeitslosenunterstützung nach § 8, Abs. 1 des Statuts. Halle: Mitglieder, welche nach einem Beschlutz der Zahl- stelle sich an der Maifeier beteiligen und infolgedessen nachweislich plötzlich entlassen werden, kann von der Zentralkasse die übliche Eemaßregeltenunterstützung gewährt werden. Pinneberg: Die Maifeier ist im Verbände obligator-sch einzuführen und die dieserhalb Gematzrcgelten sind aus der Jen- tralkasse zu unterstützen. Krause(Stettin) fordert von den Antragstellern, daß sie in Konsequenz ihrer Forderungen auch die Schaffung der Mittel ins Auge nehmen für die großen Aussperrungen, die im Falle der Annahme der Anträge zweifellos kommen würden. Brlngmann(Redakteur): Die früheren Verbandstage haben sich auf den Standpunkt gestellt, datz die Maifeier ein Aktionsmittel der sozialdemokratischen Partei sei. Diese Feier solle man in jeder möglichen Weise unterstützen, nicht aber den Verband zum Träger der Maifeier machen. Im übrigen müsse gegenüber gewissen Vorwürfen darauf hingewiesen werden, datz gerade die Zimmerleute in hoher Zahl sich an der Maiseier be- teiligten. Wenn die Unterstützung der Gematzregelten aus der Hauptkasse beschlossen werde, so werde das Unternehmertum das als willkommenen Anlaß nehmen, um durch eine große Aus- sperrung den Verband mit einem Schlage für die nachfolgende Saison oder sogar auf Jahre hinaus lahm zu legen. Wenn auch der Verband in der sozialdemokratischen Partei die Interessen- Vertretung der gesamten Arbeiterschaft erblicke, so seien doch noch nicht alle Zimmerleute Sozialdemokraten. Der Verband aber wolle alle Kameraden in seiner Organisation vereinigen und jeden Zimmermann moralisch verpflichten, sich dem Verband anzu- schließen. Darum müsse der Verband seinen jetzigen Charakter be- wahren. S t o l t e-Bremen sieht in den Anträgen ebenfalls die Gefahr einer Aussperrung. R u d o l f-Leipzig will die Maifeier gemäß dem Beschlutz des internationalen Kongresses von 1889 als ein Kampfmittel gegen die kapitalistische Herrschaft, für den Achtstundentag und den Arbeiterschutz betrachtet wissen. Der Verband müsse in der Frage einen anderen Standpunkt einnehmen und die Maifeier als ein Kampfmittel der gesamten Arbeiterbewegung, nicht lediglich der politischen Partei, betrachten. Wenn der Verband für die Feier eintrete, müsse er auch die unterstützen, die auf der Strecke bleiben. Wenn das Unternehmertum ein Mittel zum Anbinden suche, brauche es nicht auf den 1. Mai zu warten. Nach einer weiteren Debatte werden die obigen Anträge zur Maifeier sämtlich gegen eine bezw. zwei Stimmen ab- gelehnt. Der Antrag auf Herausgabe eines Taschenkalenders wird ab- gelehnt. Angenommen wird ein Antrag: Das Material der sta- tistischen Erhebungen ist vom Zentralvorstand den Zahlstellen zum Selbstkostenpreis zu liefern. Bezüglich des Ausschlusses von Streikbrechern wird beschlossen, datz auch bei diesen der Ausschluß aus dem Verbände durch den Zentralvorstand auf Antrag der Verwaltungsstellen erfolgt.— Die Streikunterstützung soll künftig an allen in die Woche fallenden Feiertagen gezahlt werden. In Sachen der Unterrichtskurse wird einstimmig diese Resolution angenommen: � Die 17. Generalversammlung beschließt, alljährlich bis zu 20 Mitglieder an den Unterrichtskursen der Gcneralkommission auf Kosten des Verbandes teilnehmen zu lassen. Vorbedingung zur Teilnahme ist in der Regel eine sechs- jährige ununterbrochene Mitgliedschaft im Zentralverbande und mutz jeder um die Teilnahme Nachsuchende imstande sein, seinen Lebenslauf schriftlich wiederzugeben. Ueber die Teilnahme der Mitglieder an den Kursen ent- scheidet der Zentralvorstand in Verbindung mit dem Verbands- ausschutz. Die Entschädigung der Teilnehmer ist wie folgt zu regeln: Die Angestellten des Zentralverbandes erhalten außer ihrem Gehalt das Fahrgeld dritter Klasse und 5 M. Diäten pro Tag. Teilnehmer aus Mitgliederkreisen erhalten Fahrgeld dritter Klasse und 5 M. pro Tag, wenn sie ledig sind? Verheiratete sollen außer Fahrgeld und 5 M. Diäten eine Entschädigung in Höhe des entgangenen Arbeitsverdienstes erhalten. Die sich aus Berlin und nächster Umgebung meldenden verheirateten Teil. nehmer erhallen eine Entschädigung in Höhe des entgangenen TagelohneS._ Versammlungen. Der Wahlverein deS ersten Wahlkreises hielt am Mittwoch abend eine Mitgliederversammlung in Dräsels Fest- sälen ab. Die von der letzten Generalversammlung her noch un- erledigten Berichte der Preß-, Lokal- und Agitatmnskommission wurden zurückgestellt, weil die Mitglieder bereits durch den Jahres- bericht davon in Kenntnis gesetzt waren. Ehe Genosse Molken- b u h r das Wort zu einem Vortrage erhielt, erhob sich die Ver- sammlung zu Ehren des verstorbenen Genossen Auer, dem der Vorsitzende Wolderski einige warm empfundene Worte der Anerkennung als Nachruf widmete. Mit großer Aufmerksamkeit folgte die Versammlung den AuS- führungen von Molkenbuhr über den„Wert des Parlamen- tarismus für die sozialdemokratische Partei". Der Redner zeigte, datz der Parlamentarismus ein Mittel zur Förderung der proletarischen Interessen sein kann? eine mächtige Klassen- bcwegung der Arbeiter ist aber notwendig, wenn der Parlamen- tarismus nicht zum Mittel für die besitzenden Klassen allein werden soll, um ihre Herrschaft unumschränkt ausüben zu können. Auf die Geschichte deS deutschen Parlamentarismus, von 1867 an, näher eingehend, erklärte der Vortragende, datz die Partei, als sie eine kleine Fraktion im Parlament bildete, als Hauptausgabe ihrer Aertreter die Agitationsreden ansah, die aus dem Fenster hinaus ans Volk gerichtet waren. 1890 wurde durch„die Jungen" der Streit um den Wert des Parlamentarismus innerhalb der Partei besonders heftig. Auf dem Erfurter Parteitage fanden hitzige Auseinandersetzungen statt. Der Redner verlas die Reso» lution des Parteitages über den Parlamentarismus. Der zweite Teil des Erfurter Programms enthält Forderungen, die innerhalb der bestehenden kapitalistischen Gesellschaft durchgesetzt werden sollen. Das setzt nicht voraus, datz wir etwas aufgeben. Im Gegenteil schreiten wir von einer Klassenforderung zur anderen, um dem Endziel näher zu kommen. Wir zwingen die anderen Parteien, sozialpolitisch tätig zu sein? wir sehen, datz ihre Forderungen in der Sozialpolitik aus dem Arsenal der Sozial- demokratie stammen und in einer sehr verschlechterten Form vor- getragen werden. Mit der Erstartung der Partei wird auch der Klassenkampf immer schärfer geführt. Wo im Kampf der Gewerkschaften gegen die Unternehmer die Druckmittel gegen das Groß- kapital versagen, da müssen die Arbeiter versuchen, mit anderen Mitteln dieselben Forderungen durchzuletzen. in der Politik- durch die Gesetzgebung. Daraus ergibt sich, datz der Wahlkampf immer schärfer und rücksichtsloser geführt wird, um den Arbeitern auch diesen Weg zu versperren. Das soll nicht etwa bedeuten, daß die Gewerkschaften geringer einzuschätzen seien; im Gegenteil ist ihre Stärke sehr notwendig, um die Durchführung der erlassenen Gesetze zum Nutzen und Schutz der Arbeiter zu überwachen. Der Redner streift den letzten Wahlkamps und erklärt, datz die Unter- nehmerklasse schärfer als vorher für ihre Interessen eingetreten ist, weil sie die wachsende Macht der Sozialdemokratie fürchtete. Der Parlamentarismus ist heute ein Kampfmittel in den Händen der Arbeiterklasse; sie braucht ihn zur Durchsetzung ihrer Klassenforderungen.(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion hatte Genosse A r o h gegen die AuS- führungen des Redners in bczug auf den letzten Wahlkampf einige Einwendungen zu machen, die Genosse Molkenbuhr in seinem Schlußwort dahin widerlegte, datz er es als Hauptaufgabe der Partei erklärte, die Klasscninteressen der Arbeiter zu vertreten. Würde die Partei den Mittelschichten zuliebe eine andere Taktik einschlagen, so müßte sie in der Arbeiterklasse an Boden verlieren. Zwei Anträge des 630. Bezirks lagen dem Wahlverein zur Beratung vor zur Empfehlung an den Verband von Grotz-Berlin. Nach dem ersten Antrage sollten zwei Zahlabcnde pro Monat ein- gerichtet werden. Der zweite Antrag verlangt Anregungen im „Mitteilungsblatt" für kleine Diskussionen und Vorträge und�eine systematische Zusammenstellung von empfehlenswerten Broschüren. Beide Anträge wurden abgelehnt. Das preußische Vereins- und Versammlungsrecht und daS Wettrennen nach Sozialreform. hätte das Thema lauten müssen, über das Genosse Severing. der Abgeordnete von Bielefeld-Wiedenbrück, am Dienstag in einer Mitgliederversammlung des Wahlvereins für den, dritten Berliner Reichstags Wahlkreis sprach. obwohl eigentlich nur„Das Wettrennen nach Sozialreform" auf der Tagesordnung stand. Diese Versammlung im..Metzpalast" begann nämlich mit einiget» teils widerwärtig, teils erheiternd wirkenden Vorgängen— widerwärtig, weil sie das Elend des preußischen Vereins- und Versammlungsrechts wieder einmal aufdeckten, er- heiternd, weil sie zeigten, zu welch törichten Matzregeln dieses „Recht" Veranlassung gibt. Zu der übrigens gut besuchten Ver- sammlung hatte sich eine kleine Anzahl Frauen eingefunden. Der überwachende Leutnant verlangte ihre Entfernung aus dem Saal und wollte sich auch nicht damit zufrieden geben, datz sie in einer Ecke, getrennt von den Männern, untergebracht würden. Nach Rücksprache mit dem Vorsitzenden Genossen Pohl wurde es dann doch zugelassen, datz die Frauen von der kleinen hoch gelegenen Galerie der Versammlung beiwobnten. Die Beamten aber fühlten sich veranlaßt, umzuziehen und ihren Sitz nach der anderen Seite der Bühne zu verlegen, um von dort aus besser acht geben zu können, datz die paar Frauen da oben nicht etwa den schönen preußischen Staat in Gefahren stürzten. Nun endlich�schien alles in bester Ordnung zu sein. Aber kaum hatte Genosse Severing seinen Vortrag begonnen und, die am selben Tage im Reichstag angenommene Resolution Abiatz über das Vereins- und Versamm- lungsrecht erwähnend, gesagt, datz das soeben Erlebte den Glauben erwecken könnte, als wollte die königlich preußische Polizei nun gerade zeigen, wie notwendig jene Resolution war, da erhob siw. den Helm aufgesetzt, der Herr Leutnant und verbat sich jede Kritik der Matznahmen der überwachenden Beamten.—«Ich mutz Sie ersuchen, mich in meinen Ausführungen nicht zu unterbrechen," erwiderte der Redner ebenso bestimmt.„Mit keiner Silbe habe ich die Matznahmen der überwackenden Beamten kritisiert.— Wir müssen es der Polizei selbst überlassen, wie sie sich mit den skan- dalösen Zuständen abfindet, die das preußische Vereins- und Ver- sammlungsrecht geschaffen hat." Danach erst konnte die Versammlung ohne Störung tagen. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Zur Diskussion verlangt! niemand das Wort. Aufgefordert wurde zu eifriger Beteiligunj an der Flugblattverbreitung am Sonntag. Die Zahlstelle Verlin des Buchbinderverbandes hielt am 15. April im Gewerkschaftshause eine außerordentliche General, Versammlung ab, die den großen Saal füllte. Vor Eintritt in du Tagesordnung erhoben sich die Anwesenden zu Ehren des ver> storbenen Genossen Auer von ihren Plätzen.— Der erste Punkt der Tagesordnung war der Bericht vom Kuratorium des paritätischen Arbeitsnachweises. den Eugen Brückner gab. Im Laufe von zwei Jahren hat das Kuratorium zwar nur vier Sitzungen abgehalten, aber gleichwohl wichtige An- gelegenheiten erledigt. Di« Buchbinderinnung hatte bereits vorher als der paritätische Nachweis kaum ein Jahr alt war, begonnen. Dinge zur Sprache zu bringen, die wie der Redner meinte, daraus berechnet waren, vom Nachweis loszukommen. Bald erklärten die Jnnungsvertreter, daß der Beitrag der Innung zu hoch sei und nickt dem Nutzen entspräche, den der Nachweis ihren Mitgliedern biete; dann kamen sie mit dem Antrage, datz alle Arbeitslosen, also auch die organisierten, das Einschreibegeld zahlen sollten usw. Die Anträge wurden jedoch abgelehnt mit Stimmengleichheit. In- folge der Lohnbewegung im Jahre 1906 traten dann ckne Innung und der Verband Berliner Buchbindereibesitzer aus dem paritätischen Nachweis aus und die Innung gründete einen eigenen Nachweis. Treu blieben dem paritätischen Nachweis, neben dem Buchbindervcrband, der Verein der Buchbindereibesitzer des Gc- schäftsbücherfacheS und der Verein der Kartonfabrikanten. ES lourde auf Kosten des Zentralvereins für Arbeitsnachweis an alle Prinzipale ein Zirkular versandt, das sie auf das Fortbestehen des paritätischen Nachweises aufmerksam machte. Ferner wurde über die Regelung der Arbeitgeber-Vcrtretung im Kuratorium beraten. Eine Aenderung des diese Angelegenheit betreffenden Paragraphen des Nachweis-Statuts wurde jedoch bis auf weiteres nicht für erforderlich erachtet. Die beiden dem Nachweis treu gc- blicbenen Ärbeitgeberorganisationen ernennen zwei Vertreter. während die übrigen Arbeitgebervertreter vom Zentralverein für Arbeitsnachweis ernannt werden. Die Vertreter der Arbeitnehmer werden wie bisher von der Zahlstelle des Buchbinderverbandes ge» wählt. Als ihren Arbeitsvcrmittler schlugen die Arbeitgeber- Vertreter den bisherigen Arbeitsvermittler der Innung, Herrn Hahn, vor, der dann auch einstimmig gewählt wurde, nackdein er erklärt hatte, daß er sich nun nicht mehr als Arbeitsvermittler der Innung betrachte. Der Redner bemerkte zum Schluß, daß die Tätigkeit des Nachweises seit Austritt der Innung keineswegs nachgelassen hat, sondern sich vielmehr in aufsteigender Richtung bewegt. Mit Beschwerden über den Nachweis sollen sich die Ver- bandsmitglieder stets an ihre Kuratoriumsvcrtreter wenden. Bei Arbeitslosigkeit ist immer der paritätische Nachweis zu benutzen. — Hieraus fand die Neuwahl der Arbeitnehmerbeisitzer zum Kuratorium statt. Sie erfolgt durch Stimmzettel. Gewählt wurden: Eugen Brückner, Franz Bytomski, Pauline Hieber» Ernst Klar und Paul Schade; als Stellvertreter: Berg er, Härder, Klappenbach, Schisske und Schönfelder. Dann wurde über die Maifeier beschlossen und hierzu nach kurzem Referat Gerbers folgende Resolution an» genommen: „Die Versammlung hält die Feier des 1. Mai durch Arbeitsruhe für die wirksamste und würdigste Demonstration für den Achtstundentag und für die Durchführung der Arbeiter- schutzgesetzgebung. Sic beschließt deshalb, datz in allen Betrieben Werkstubenversammlungen stattfinden, welche sich mit der Frage der Arbeitsruhe am 1. Mai beschäftigen, und, nachdem sich eine Mehrheit für Arbeitsruhe gefunden hat, durch Vorstelligwerden bei den Firmenleitungen die Freigabe deö Tages zu erwirken. In den Betrieben, wo eine Beteiligung an der Maifeier durch Arbeilsruhe nicht durchführbar ist, sind die Mitglieder ver- pflichtet, einen einmaligen Beitrag an die Lokalkasse zu ent- richten, und zwar bei einem wöchentlichen Verdienst bis zu 15 M. 25 Pf., bis zu 24 M. 50 Pf. und bei mehr als 24 M. 75 Pf. Für die obigen Beitragssätze werden Marken ausgegeben, die in das Mitoliedsbuck äjuuüefmf ftnü." Danach wurde über die Einführung der Jnbalidcnunter- stützung beraten, über die, einem Beschlutz des letzten Verbands- tages entsprechend, der Verbandsvorstand eine Urabstimmung angeordnet hat. Die Fragezettel müssen, von den Mitgliedern ausgefüllt, bis zum 27. April bei den Ortsverwaltungen ein- gereicht sein. In der Debatte sprachen sich u. a. der Verbands- Kassierer Haueisen wie der Verbandsvorsitzende Kloth für die In» validenunterstützung aus, wogegen einige andere Redner meinten, datz die Einführung eines solchen Unterstützungszweiges den Kcunpfcharakter der Organisation beeinträchtigen werde. Die Versammlung beschäftigte sich schlietzlich noch mit An- trägen zum Verbandstage, der in Nürnberg stattfindet und am 23. Juni beginnt. Es wurde zunächst über Anträge auf Beitrags- erhöhung, Einführung von Staffelung der Beiträge und Ein- führung von Krankenunterstützung für die männlichen Mitglieder beraten.— Die Krankenunterstützung besteht bereits für die weib- lichcn Mitglieder.— Die Beratung der Anträge konnte jedoch wegen vorgeschrittener Zeit nicht zu Ende geführt werden, weshalb die Versammlung vertagt wurde. Der Eharlottenbnrgcr Wahlvereia beschäftigte sich in einer am Dienstag abgehaltenen Mitgliederversanunlung sehr eingehend mit dem Antrage des Genossen Habicht, der den Wahlverein auffordert, beim Parteivorstand den Ausschlutz Georg Bernhards zu beantragen. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende Z i e t s ch des verstorbenen Mitgliedes Steinhäuser und widmete dem Genossen Auer Worte der Ehrung.— Dann wurde« 44 Delegierte zur Generalversammlung von Groh-Berlin gewählt und darauf begann die Verhandlung über die Angelegen- hcit Bernhard. Der Vorstand des Wahlvereins hat bereits über den Antrag Habicht verhandelt. Ueber diese Verhandlungen er- stattete der Vorsitzende Z i e t s ch Bericht. Der Antrag stützt sich auf die Veröffentlichungen Bernhards in der bürgerlichen Presse („Volkszeitung" und„Welt am Montag"), die Bernhard damit begründet, datz in der Partei eine Clique herrsche, die es ihm und der revisionistischen Richtung unmöglich mache, seine Ansichten im „Vorwärts" zu vertreten. Der Antragsteller erblickt darin einen Disziplinbruch, datz Bernhard in der bürgerlichen Presse innere Parteiangelcgenhciten kritisierte.— Der Vorstand hat, wie Z i e t s ch ausführte, die Angelegenheit eingehend untersucht, Bernhard hatte ausgiebige Gelegenheit, sich zu verantworten, er hat auch einige Zeugen für seine Behauptung, datz der„Vor- wärt?" von einer Clique beherrscht werde, benannt, die der Vorstand gehört hat. Die Untersuchung des Vorstandes erstreckte sich nicht auf die Anschauungen, welche Bernhard vertrat, sondern nur auf die Fragen: 1. Hat Bernhard recht, wenn er behauptet, datz in der Partei eine Clique besteht, welche darauf ausgeht, eine gewisse Richtung, den Revisionismus, in der Partei mundtot zu machen? und 2. Hat Bernhard die Parteidisziplin gebrochen, indem er seine Ansichten über Parteiangclegenheiten in der bürgcr- lichen Presse veröffentlichte? Der Vorstand ist auf Grund ein- gehender Beweiserhebung zu dem Entscheid gekommen: Es ist nicht erwiesen, datz in der„Vorwärts"-Redaktion, in der Pietz- -ommisfion oder im Partcivorstand eine Clique besteht, welche es dem Genossen Bernhard unmöglich macht, seine Ansichten ini „Vorwärts" zu vertreten. Bernhard hatte wohl Grund, sich durch eine gegen ihn gerichtete Notiz des„Vorwärts" verletzt zu fühlen, ober auch er Hot in seiner Polemik gegen den„Vorwärts" kein Blatt vor den Mund genommen. Wenn Bernhard sich über den „Vorwärts" zu beklagen hatte, so mutzte er sich an die zuständigen Parteiinstanzen wenden. Das tat er aber nur in einem Falle, im übrigen benutzte er die bürgerliche Presse. Zu der Annahme, eine radikale Clique beherrsche den„Vorwärts" uttd Bernhard müsse sich deshalb an die bürgerliche Presse wenden, lag lein Grund vor. Dadurch, datz Bernhard die bürgerliche Presse zur Besprechung von Parteiangelegenheiten benutzte und datz er sagte, er werde dieselbe auch ferner dazu benutzen, hat er sich eines Disziplinbruches schuldig gemacht, denn wenn jeder Genosse so handeln wollte, so wäre daS gleichbedeutend mit einer völligen Desorganisation der Partei. Bernhard mutzte auch wissen, datz sein Vorgehen, un- mittelbar nach der ReichStag�wahl, wo die Partei von den Gegnern in verläumderischer Weise angegriffen wurde, den Gegnern neuen Stoff zu Angriffen geben würde. Ob Bernhard sich hiermit einer ehrlosen Handlung schuldig gemacht hat, das zu entscheiden ist Sache des Schiedsgerichts, der Vorstand befürwortet die Einsetzung eine? solchen. Bernhard erhielt nunmehr das Wort. Er begründete sein Verhalten und seinen Standpunkt in einer IM- stündigen Rede. Der Ausgangspunkt sei die Charlottenburger Volksversammlung ge- Wesen, Ivo er seine Ansichten über die Ursachen des Wahlausfalles entwickelte. Nichts anderes als das, was er dieser Versammlung unter allgemeinem Beifall gesagt, habe er in der„VolkSzeitung" und in der.Welt am Montag veröffentlicht. Hätte der„Vor- wärts" einen Bericht über die Versammlung gebracht, so wäre die ganze Sache erledigt gewesen. Ich wutzte, datz der„Vorwärts" einen Bericht erhalten hatte, und da er nicht erschien, mutzte ich annehmen, man habe ihn absichtlich unter den Tisch fallen lassen. Dieser Verdacht hat sich nicht bestätigt. Der Bericht war so, datz er �nicht abgedruckt werden tonnte. Das entlastet zu einem ge- wissen Teile die Redaktion. Dann kam mein Interview in der „Bolkszeitung". Der„Vorwärts" gab es gefälscht wieder. Ich schickte eine Berichtigung, der„Vorwärts" nahm sie nicht auf; ich gab sie dann, wie ich für den Fall der Ablehnung gleich an- gekündigt hatte, an die„Volkszeitung". Ist das Disziplinbruch? Ich bin gegenteiliger Ansicht und zwar schon deshalb, weil eS keine scharfe Grenze zwischen bürgerlicher und sozialistischer Presse gibt. Und weiter: Wenn die Parteiprcsse meine Artikel ablehnt, so ist mir dadurch ein Maulkorb angelegt. Die Partei kann verlangen, datz alle, auch die dümmsten Anschauungen der Genossen, ihr zur Entscheidung vorgelegt werden. Wenn jemand Dummheiten schreibt, werden dte Genossen schon sagen: Von dem wollen wir nichts mehr wissen. Wenn ein Parteiblatt einen Artikel auf- nimmt, dann wirkt er in der Oeffentlichkeit genau so, als wenn er in irgend einem anderen Blatte stände. Es ist also ganz gleich- gültig, wo ein Schriftsteller seine Artikel veröffentlicht. Das ist meine Meinung, und wenn zwanzig Schiedsgerichte dagegen sprechen. Was ich tat, war eine Flucht in die Oeffentlichkeit. Diesen Weg mutzte ich wählen, um zu den Arbeitern zu sprechen, an die ich durch den„Vorwärts" nicht herankommen konnte. Nach- dem der„Vorwärts" mein Interview in der„VolkSzeitung" seinen Lesern verfälscht vorgesetzt hatte, blieb mir kein anderer Weg, als meine Ansichten in der„Welt am Montag" darzulegen. Die An- rufung der Parteiinstanzen habe ich nicht zu scheuen, aber ich ging meinen Weg, weil ein System vorliegt, welches nicht nur gegen mich, sondern auch gegen andere angewandt wird und weil man die Parteigenossen über dieses System täuscht.— Diese feine An- sichten begründet der Redner durch Anführung einiger Einzelfälle, wo Ausführungen, die er in seiner Zeitschrift„Plutus" machte, vom„Vorwärts" angeblich gefälscht worden seien und er auch den Parteigenossen als eine nicht cinwandSfrcie Persönlichkeit denunziert worden sei. In dieser Hinsicht bezieht sich der Redner auf seine Stellung zur AufsichtsratSsteuer, zur Broschüre des Re- gierungsratS Martin und zum Fall Dernburg und die Aeutzerungen, welche der„Vorwärts" dazu machte. Die sehr ein- gehenden Ausführungen, welche der Redner zu diesen Fällen macht, sollen beweisen, datz er da nichts geschrieben habe, was sich nicht mit dem Standpunkt der Partei deckt, datz ihm aber der„Vor- wärtS" das Gegenteil unterstellt habe, und zwar durch Anwendung schwerer Fälschungen.— Ebenso sei der„Vorwärts" auch gegen andere Genossen verfahren, so gegen Eduard Bernstein, Calwer, Schippel, Heinrich Braun und Lüi Braun. Bernstein, Calwer und H. Braun siRd auch in der Vorstandssitzung als Zeugen für diese Behauptung aufgetreten.— Aus alledem— so führt der Redner aus— könne man den Schlutz ziehen, datz eine Clique vorhanden sei, eine Anzahl von Personen, die ihre Meinung durch. zudrücken suchen und andere nicht zum Wort kommen lassen. Diese Clique erstrecke sich nicht nur auf Berlin, sondern über die ganze Partei. Er halte es für notwendig, den Genossen zu zeigen. dich sie vo» diesen Leuten fortwährend an der Nafe herumgeführt werden. Wenn an diesen Zuständen nichts geändert werde, so würde das zum Ruin der Partei führen. Beschwerden an die Pretzkommission und den Parteivorstand hält der Redner für nutzlos, weil auch diese Instanzen nicht objektiv ihm gegenüber seien. Auch vom Schiedsgericht hoffe er nichts. Von dem Be- schlutz der Versammlung werde es abhängen, ob in unserer Partei noch freie Kritik geduldet werden darf. In der Diskussion sprachen acht Redner, sie wandten sich fast alle gegen Bernhard. Zietsch erhielt das Schlutzwort als Referent. Er trat den Ausführungen Bernhards in allen wesentlichen Punkten scharf und bestimmt entgegen. Unter anderem sagte er, wenn Bernhard in der Volksversammlung das gesagt haben sollte, was er in der bürger- lichen Presse schrieb, so würde sich die Versammlung das wohl nicht haben bieten lassen. Wenn Bernhard im„Vorwärts" nicht zum Wort kam, so standen ihm doch andere Parteiblätter zur Verfügung, er brauchte sich also nicht an die bürgerliche Presse zu wenden. Wenn Bernhard sagt, er könne sich nicht bei der Pretzkommission und beim Parteivorstand beschweren, er müsse deshalb in die bürgerliche Presse gehen, so sei dem entgegen zu halten: Wer sich den Gesetzen der Parteiorganisation nicht fügt, der mutz die Kon- scqucnzen davon tragen. Disziplin und Unterordnung unter die Gesetze der Partei werde von jedem Arbeiter verlangt, also müßten sich auch die gebildeten Literaten dem fügen, ja, sie sollten den Arbeitern ein Vorbild sein. Es ist unverantwortlich, wenn ein Parteigenosse in einer Situation, wie sie unmittelbar nach der Wahl war, wo alles gegen uns im Kampfe steht, der bürgerlichen Presse Stoff liefert, der von den Gegnern benutzt wird, um uns aufs neue zu begeifern. Es ist notwendig, datz in dieser Angelegenheit ein Schiedsgericht eingesetzt wird. Bernhard erhielt als Angeschuldigter ebenfalls das Schlutz- wort. Er wandte sich gegen die Ausführungen des Genossen Zietsch und sagte unter anderen:: Gewitz ist es ein Disziplinbruch, wenn ein Genosse Parteiangelegenheiten in der bürgerlichen Presse er- örtert. Aber nicht jeder Disziplinbruch ist eine ehrlose Handlung, und nur solche kann als Ausschlutzgrund gelten. Die ganze Ge- schichte ist von einer Clique eingefädelt, die Charlottenburger Ge- nossen werden nur als Handlanger benutzt. Zietsch verwahrt sich gegen diese Aeutzerung und bemerkt noch, er habe die einstimmige Meinung des Vorstandes zum Ausdruck gebracht. Nun erfolgte die Abstimmung. Die Versammlung nahm mit ISS gegen 49 Stimmen den Antrag auf Einsetzung eines Schieds- gerichts an. Bernhard erhält das Wort zu einer Erklärung. Er sagt: Parteigenossen, ich habe mich bemüht, Ihnen klar zu machen, datz meine Handlungsweise kein Grund zum Ausschlutz aus der Partei ist. Das ist m,r nicht gelungen, Sie haben sich mit sehr grotzer Mehrheit gegen mich entschieden. Jetzt mützte ein Schiedsgericht und schlietzlich noch der Parteitag sich mit der Sache beschäftigen. Um zu vermeiden, datz die ganze Angelegenheit nochmals vor der Oeffentlichkeit behandelt wird, erkläre ich hiermit meinen Austritt aus dem Wahlverein und aus der Partei. Ich werde autzerhalb des Rahmens der Parteiorganisation meine Ansichten nach wie vor vertreten. Vorsitzender Zietsch: Damit ist diese Sache für uns und für die Partei erledigt. ••• Wenn mit diesem letzteren Ausspruch des Genossen Zietsch gesagt sein soll, datz sich ein Ausschlutzverfahren gegen Bernhard nun erübrigt, so möchten wir bemerken, datz die Konsequenzen eines Austritts und eines Ausschlusses aus der Partei sehr ver- schieden« sind. Ein Ausgeschlossener kann nur mit Genehmigung des Parteitags wieder in die Partei aufgenommen werden, ein Ausgetretener dagegen kann jederzeit, sofern er erklärt, datz er die Pflichten eines Parteigenossen wieder zu erfüllen bereit ist, durch eine beliebige Unterorganisation aufs neue aufgenommen werden. Nach dem Bericht haben sich auch die Genossen Bernstein, Schippel und Calwer als Zeugen über ungerechte Behandlung durch den„Vorwärts" beschwert. Wir stellen demgegenüber nur fest, datz diese Genossen niemals Veranlassung genommen haben, durch An- rufung der AufsichtSinstanzcn des„Vorwärts" eine objektive Fest- stellung der Berechtigung ihrer subjektiven Beschwerde herbei- zuführen. Verband der Nriseurgehülfen Deutschlands. lZweigverein Berlin und Vororte.) Auherordentliche Generalversammlung am 18. d. M., abends 8'/, Uhr, Rosenthalerstr. 11/12. Eue der frauenbeweefung. Eine Volksversammlung, einberufen von der Vertrauensperson der sozialdemokratischen Frauen, tagte am 16. April im„Neuen Klubhaus" in der Kommandantenstratze, um einen Vortrag des Genossen Emanuel Wurm über:„Die Ziele der Sozial- demokratie und die Arbeiterinnen" zu hören. Vor dem Eintritt in die Tagesordnung widmete die Vorsitzende, Genossin Ottilie Baader, dem Genossen I. Auer einen warmen Nachruf, den sie mit der Mahnung schlotz. den verstorbenen Vorkämpfer durch Nach- eiferung zu ehren.— Genosse Wurm führte aus: Der nament- lich früher viel gepredigte Grundsatz, datz die Frau ins Haus ge- höre, sei längst überwunden durch die Wucht der wirtschaftlichen Entwickelung. Schon 1882 habe eS in Deutschland Millionen erwerbstätiger Frauen gegeben. Bei der nächsten Zählung im Jahre 1895 seien es bereits 0% Millionen gewesen und bcr der nächstjährigen Zählung würden es sicher 8 Millionen sein. Ar- beiterinnen seien davon 2 Millionen im Jahre 1882 gewesen, 3 Millionen im Jahre 1895 und jetzt würden es 4 Millionen sein. Allein in Fabriken beschäftigt waren vor 16 Jahren 666 666 und gegenwärtig wären sicher 1 Million Fabrikarbeiterinnen vorhanden. Demgegenüber wäre es Unsinn, zu verlangen, datz die Frauen um Politik sich nicht kümmern sollten. Die Schranken, die ihnen in politischer Beziehung noch gesetzt seien, müßten überwunden werden. Nach der Richtung mühten die Frauen dieselbe Ent- Wickelung durchmachen, die die Männer durchgemacht hätten. Redner entwirft dann in großen Zügen ein Bild von der Ent- Wickelung des Kapitalismus und erwähnt unter anderem die Bru- talitäten, die besonders der Zeit seines Werdens den Stempel aufdrücken. So gedenkt er der Ausnutzung der Kinder, die schon im zarten Alter von 4 Jahren vom frühen Morgen bis zum späten Abend in der Fabrik festgehalten wurden. Beschämend sei, datz ein preutzischer Polizeipräsident sich damals gezwungen sah, an die Regierung mit dem Ersuchen heranzutreten, datz sie für eine Beschränkung der Kinderarbeit und der Beschäftigung der Jugendlichen sorgen solle, weil man sonst keine Soldaten mehr bekäme.— Im Anschlutz an Ausführungen über das Enipor- kommen der Arbeiterbewegung als notwendiger Folgeerscheinung der kapitalistischen Entwickelung verweist Redner darauf, wie selbst die Zuspitzung der wirtschaftlichen Gegensätze Schranken der Arbeiterbewegung, die Koalitionsverbote, überwindet. Die Zu- sammenschwcitzung vieler in der Fabrik schafft eine natürliche Koalition der Arbeiter; mit der Weiterentwickelung müssen die Koalitionsverbote selbst schwinden. Weitere Darlegungen betrafen die Grundgesetzo und das Wesen der kapitalistischen Wirtschafts- ordnung, wobei Redner nachweist, datz die wirtschaftlichen Gegen- sätze im Klassenkampf ihren Ausdruck finden müssen und datz die Konsequenz der gegebenen Entwickelung der Sozialismus sei. Die« erkannt und klargelegt zu haben, sei die große geniale Leistung unseres Karl Marx. So fei unser Programm entstanden, das unser Ziel und unsere Forderungen umfasse. Nicht um ein willkürlich zurechtgemachtes System handele es sich, sondern um die Feststellung einer notwendigen Konsequenz der ganzen geschicht- lichen, der wirtschaftlichen wie politischen Entwickelung. Unter Betonung des inneren Zusammenhanges unserer so. genannten„Forderungen an den Gegenwartsstaat" mit dem End- ziel, ging Genosse Wurm auf einige der hauptsächlichsten dieser Forderungen ein und berücksichtigte daS Interesse der Frauen daran. Mit dem Vordringen der Frauen im Erwerbsleben mutzten ihnen auch die politischen Rechte werden. Denn wenn die Arbeiter politische Rechte hätten, dann infolge ihrer Wirtschaft- lichen Qualitäten als Arbeiter.— Der Sozialismus sei die Ver- körperung des Arbeiterschutzes. Die Verkürzung der.Arbeitszeit verlangten wir, und besonders den Schutz der Frau, die die Mutter des Volkes sei. Leicht könnten wir wieder so weit kommen, datz, wie er anfangs ausführte,„keine Soldaten mehr" heranwüchsen. Die Säuglingssterblichkeit steige, und wie die Statistik lehre, sei sie weitaus am höchsten in den Arbeitervierteln. Auf dem Wedding und am Gesundbrunnen sei ein Verhältnis von 27 Proz., im reichen Westen der Stadt nur ein solches von 16 Proz. festgestellt. Ganz klar zeige.es sich, datz die Steigerung zusammenhänge mit dem mangelnden Schutz der Arbeiterinnen. Die Unternehmerschaft sträube sich sogar gegen die gesetzliche Einführung des Zehnstundentages, obwohl er zumeist in den Fa- briken durchgeführt sei. Was wir fordern»nützten, wäre der Acht- stundentag, und er könne auch durchgeführt werden. Wenn daS Unternehmertum glaube, wir seien niedergeritten, dann täusche es sich. Wir werden am l. Mai wieder für den Achtstundentag demonstrieren, gleichzeitig mit den Arbeitern und Arbeiterinnen aller anderen Länder. Das sei auch ein ehrendes Kennzeichen des Sozialismus, datz er keine nationalen Grenzen kenne, sondern den Gedanken der Brüderschaft verwirkliche, indein er international für unsere Forderungen kämpfe und vorivärtsschreite, dem End- ziel zu, der Befreiung der Arbeiterklaffe aus den Banden des Kapitals.(Lebhafter Beifall.)— ES sprachen dann noch im Sinne des Referats die Genossinnen G r u s ch k e und Ottilie Baader unter dem Beifall der Versammlung. Vermischtes. Neue Erdbede«. Nach den bisher borliegenden spärlichen Nachrichten sind bei dem Erdbeben in Mexiko 38 Personen getötet und 93 der« wund et worden, doch befürchtet man, datz, wenn die aus vielen kleineren Ortschaften noch ausstehenden Berichte eingegangen sein werden, diese Zahlen sich bedeutend höher stellen werden. Die Ort- schasten A v u t l a und Ometepec sind völlig zerstört, die Stadt Acapulco ist zum Teil überschwemmt, T I a p a ist stark beschädigt. Aus allen größeren Ortschaften des Südens wird gemeldet, daß man dort das Erdbeben verspürt hat, daß aber Personen nicht verunglückt sind und der angerichtete Schaden gering ist. Nachrichten vom Jsth,nus von Tehuantepec werden mit Besorgnis erwartet. Auf den Eisenbahnlinien im Süden sind verschiedene Stellen eingesunken, die Telegraphenlinien sind stark beschädigt. Wie aus Mailand berichtet wird, wurde verflossene Nacht in Calabrien ein Erdstoß verspürt, der von unterirdischem Getöse be- gleitet war. Die Bevölkerung verließ panikartig die Häuser und kampierte auf offenem Felde.— Gesten» mittag 12 Uhr 26 Min. wurde in Aschabad(Transkaipien) ein 6 Sekunden währendes, ziemlich starkes wellenförmiges Erdbeben verspürt. Breslau, 17) Süml.(Gig. Ber.)> Ein schweres Bau»»nglllck, bei dem 6 Arbeiter verschüttet wur- den, ereignete sich am Mittwochvormittag in der elften Stunde. Auf dem Grundstücke der Friedländerschen Villa in der Schillerstratze steht ein Seitenflügel, in dem im Laufe des Vormittags Stemm- arbeite:» an den massiven Gicbelwänden vorgenommen wurden. Bei dieser Arbeit stürzte die Giebelwand des Neubaues, der im Winter mit rasender Schnelligkeit in die Höhe getrieben sein soll. mit furchtbarem Krach ein und begrub 6 Arbeiter unter seinen Trümmern. Zwei von ihnen wurden nach etwa einstündiger mühevoller Arbeit hervorgeholt, die übrigen sind bis 2 Uhr nach- mittags noch nicht aus ihrer qualvollen Lage befreit. Man nim,nt an, datz noch einige Stunden bis zu ihrer Befreiung vergehen werden und hat die Hoffnung, datz sie»toch leben, schon aufgegeben. Bei dem Einsturz ist noch Feuer entstanden, vermutlich durch brennende Oefen. Ein weiteres Nachstürzen der noch stehenden Mauern wird jede Minute erwartet. Die Feuer- wehr war bald zur Stelle und machte sich sogleich an die NettungS- arbeiten und das Feuerlöschen heran. Die städtische Baupolizei, die Staatsanwalt und andere Behörden sind auf der Unglücksstellc anwesend. Schiffsunfall. Bei Baltrum strandete, wie aus Hamburg gemeldet wird, ein englischer Dampfer namens„King Bleddhn". Er»var mit einer Ladung Roggen nach Hamburg be>tiinmt. Er kollidierte mit einem deutschen oder dänischen Dampfer, der schwer beschädigt vor der Elbe liegt. Schlepper find zur Hülfeleistung ausgelaufen. Gestrandet ist, wie aus Norderney gemeldet wird, nordöstlich des Leuchtturms auf dem Autzenriff der englische Dampfer King Bleddhn. Er kollidierte mit einem deutschen oder dänischen Dampfer, der schwer beschädigt vor der Elbe ligt. Als Schlepper von Baltruin zur Hülfeleistung an der Stelle eintrafen, fanden sie den Dampfer leck. Eine Abteilung des Danipfers war bereits voll Wasser ge- laufen. Gestern waren drei Schlepper tätig, um das Schiff ab- zubringen. Eisenbahnzusanimeiistoß. Aus Lievenwerda»vird amtlich gemeldet: Am 17. April vormittags kurz nach 6 Uhr stieß der Be- darfskieszug 7691 mit dem letzten Wagen des Güterzuges 8S53 a>n ivestlichen Ende des Bahnhofes Liebenloerda der Strecke Kohlfurt« Falkenberg zusammen. Personen wurden nicht verletzt. Mehrere Wagen der Züge 7691 und 8553 wurden stark beschädigt; die kleine Elsterbrücke bei Kiloinetcr 135 erlitt solchen Schade», daß sie uu» befahrbar wurde; infolgedessen müssen die Schnell- und Durchgangs- gütcrzüge umgeleitet werden, der sonstigc Personenverkehr wird durch Umsteigen an der Unfallstelle aufrecht erhalten. Die Störung dauert voraussichtlich 24—36 Stunden. Zug 7691 hatte daS auf Halt stehende Ausfahrtssignal überfahren. Hochwasser in Mazedonien. Hochwasser richtete in ganz Mazedonien enormen Schaden au. Der Eisenbahnverkehr stockt a»»f den meisten Linien. In Vesküb steht das Armenviertel unter Wasser; die Obdachlosen mußten in EifeiibahnwaggonS untergebracht werden. In Koprülu und Gewgeli sind infolge der Ueberschwemmung mehrere Häuser eingestürzt und eine Anzahl Menschen und Vieh uinZ Leben gekommen. Die Ortschaft Karasuli steht unter Wasser. Die Zufuhr von Lebensmitteln nach Salonichi gestaltet sich äußerst schwierig; die Preise steigen ganz bedeutend in die Höhe. Da der Verkehr mit Serbien unterbrochen ist. wird die Post über Konstanza geleitet. Berhasteter Eisenbahnräuber. Unter dem Verdacht, am S. Juli vorigen Jahres den Eisenbahnraub an der auf der Fahrt nach Norderney befindlichen Frau Geh. Oberfinanzrat Roelle aus Grotz- Lichterfelde verübt zu haben, wurde gestern in Rathenow ein Mann festgenonimen, der zuletzt in Wittstock unter dem Namen Joseph Ebert gearbeitet hat, in Wahrheit aber Hermann Rescher heitz». 25 060 Dollar gestohlen. In S t. P a u l(Minnesota) winde aus dem in dem Bahnhofsgebäude befindlichen Geschäftslokal der Norihern Expreß- Company 2Ü006 Dollar geraubt. Der Täter entkam. Wetter. Prognose für Donnerstag, den 18. April 1SV7. Etwas lühler. zeitweise aufklarend, vorwiegend trüb« mit leichten Regensällen und mäßige» nordwestlichen Winden. 0erli««r Settrrdiirian. Orts Krankenkasse der Gastwirte a. verwandt. Gewerbe zu Berlin. Ordentl. General- Versammlung ber gewählten Kassenvertreter am Donnerstag, den 25. April, nachmittags 4 Uhr, im Lokale des Herrn C. Hahn, Gr. Frankfurterstr. 74. Tages- Ordnung: 1. Bericht der Revisionskommission. 2. Abnahme und Besprechung des Jahresberichtes pro 1906. 3. Beschlußfassung über die Anstellungsverträge mit den Kassenbeamten. 4. Beschluß faffung über die Beteiligung des Stassenvorstandes an einer Petition Stukkateure! Montag, den 22. April, abends pünktlich 8 Uhr: General- Versammlung der Filiale Berlin diesmal bei Elsner, Kaiser Wilhelmstr. 18m. Zagesordnung: 1. Abrechnung vom ersten Quartal 1907. 2. Stellungnahme zur Maifeier. an den Reichstag behufs Ausdehnung 3. Die Urabstimmung über Erwerbslosen- Unterstützung. 4. Das Ergebnis der Zahlstellenbesprechung vom 7. d. M. der Unfallversicherung auf das Gastwirtsgewerbe. 5. Antrag des Vereins der BerlinerSchankwirte und Wirtinnen auf Abänderung des§ 62 des Statuts. 6. Allgemeines. Der Vorstand 272/19 der Ortskrankenkasse der Gastwirte u. verw. Gewerbe zu Berlin. H. Poppe, Vorsitzender. G. Braun, Schriftführer. 3754L* Nur noch kurze Zeit! InventurExtrapreis! 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Münzstr. 16, Welt- AusstellungsBiograph-( St. Louis) Theater lebender Photographien. Der Untergang des Dampfers Berlin". 168 Tote, 12 Gerettete. Den ganzen Tag Vorstellung. Eintritt nur gegen Vorzeigen des Mitgliedsbuches. Zahlreiche Teilnahme erwartet Achtung! 173/15 Die Ortsverwaltung. Achtung! Zentralverband der Maurer Deutschlands Zweigverein Berlin. Freitag, den 19. April 1907, abends 8 Uhr, bei Freyer, Koppenstr. 29: Außerordentliche General- Versammlung für sämtliche Bezirke und Zahlstellen der Maurer, der Sektion der Puter, der Gips- und Zementbranche, sowie der Fliesenleger. Tages Drdnung: 1. Berichterstattung vom 9. Verbandstag. 2. Diskussion. 3. Neuwahl des Verbandsausschusses. 4. Stellung. nahme zum 1. Mai. 5. Berschiedenes. 187/ 17+ Mitgliedsbuch legitimiert! Ohne dasselbe kein Zutritt. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht jedes Kollegen, zu erscheinen. Der Zweigvereinsvorstand. J. A.: E. Thōns. Zentral- Verband der Töpfer Deutschl Filiale Berlin. Freitag, den 19. April 1907, abends 6½ Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( großer Saal): General- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Bericht des Borstandes. 2. Stedungnahme zum 1. Mat. 3. Berichterstattung der Kommission in Sachen Huhn. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Die früher angekündigte Tagesordnung mußte umständehalber geändert werden. Zahlreichen Besuch erwartet Soeben erschien als 12. Heft der ArbeiterGesundheits- Bibliothek": Vom medizinischen Aberglauben Bon Dr. E. Thesing- Magdeburg. Preis 20 Pf. GOO In den Kapiteln: Zur Geschichte des medizinischen AberglaubensTheistische und mechanische Weltauffassung Das Gesundbeten Der Reliquienschwindel, Sympathie und Magie Moderne Formen medizinischen Aberglaubens Der Arznei- Aberglaube Der Natur heil- Aberglaube Aberglaube und Suggestion- bespricht der Berfaffer die schädlichen Wirkungen des medizinischen Aberglaubens und meist den Arbeitern den richtigen Weg, mit der Stritit auch vor eigenen Vorurteilen nicht halt zu machen, sondern sich zu befreien von Vorurteilen jeder Art. Wir empfehlen ferner: Heft 1: Die erste Hülfe bei Unglücksfällen bon Dr. Christeller. Muß in Fabriten, Werkstätten, auf Bauplägen vorhanden sein. Seft 2: Das erste Lebensjahr. bon Dr. Silberstein. Jeder jungen Mutter zur Anschaffung zu empfehlen. Heft 3: Gesundheitspflege des Nervensystems bon Dr. Hirschlaff. Wer seine Nerven gesund erhalten will, lefe diese Anleitung. bon Dr. Zadek. Eine ärztliche Begründung der sozialdemokrat. Forderung. Heft 4: Der Achtstundentag. Seft 5: Alkoholfrage u. Arbeiterklasse von Dr. Fröhlich. Eine empfehlenswerte Agitationsbroschüre. Seft 6: Das Schulkind bon Dr. Silberstein. Die Kinder vor Schulfrankheiten zu schüßen, ist 8wed des Büchleins. Seft 7: Geschlechtsverkehr u. Geschlechtskrankheiten bon Dr. Gebert. Belehrend über diese für jeden Menschen wichtige Frage. bon Dr. Chajes. Nahrung und Ernährung Seft 8: Ein wichtiges Kapitel für jeden Arbeiter und seine Familie. Seft 9: Wie sollen wir uns kleiden? von Dr. P. Bernstein. Eine belehrende Abhandlung über diese wichtige Frage. Seft 10: Der Arbeiterschut...... bon Dr. M. Epstein. Mit befonderer Berüdsichtigung der Werkstatthygiene. Heft 11: Frauenleiden und deren Verhütung bon Dr. J. Zadek. Mit einem Anhang: Die Verhütung der Schwangerschaft. Jedes Heft koftet 20 Pf. Diese Abhandlungen find für jedermann verständlich geschrieben und sollten in feiner Familie fehlen. 233/ 10* Expediton des Vorwärts", Berlin SW. 68 99 Lindenstraße 69, Laden. Singer Nähmaschinen. RIGINAL Paris 1900: SINGER 44272 Einfache Handhabung! Große Haltbarkeit! Hohe Arbeitsleiftang! Weltausstellung Grand Prix Weltausstellung St. Louis 1904. Unentgeltlicher Unterricht, auch in moderner Kunftstiderei. Elettromotore für Nähmaschinenbetrieb. AHMASCH Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. Berlin W., Leipzigerstr. 92. Filialen in allen Stadtteilen. Der Vorstand. 196/3 Allen Bekannten, Freunden und Kollegen die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau und unsere gute Mutter Marie Walter geb. Mach am 16. April gestorben ist. Die Beerdigung findet Freitag, den 19. April, nachm. 4 Uhr, vom Georgen- Kirchhof, Weißensee, aus statt. Um stille Teilnahme bittet Albert Walter, Tischler, nebst Kindern. Danksagung. 29676 Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und Baters sage ich allen Freunden und Bekannten meinen aufrichtigsten Dant. 46292 Wwe. Minna Buller und Sohn. Orts- Krankenkaſſe der Maler und verwandten Gewerbe. Montag, den 22. April 1907, abends 8 Uhr, in Frankes Festfälen, Sebastianstr. 39: General- Versammlung der Delegierten. Zages Drdnung: 1. Geschäftsbericht und Abnahme der Jahresrechnung pro 1906. 2. Antrag der Delegierten auf Abänderung des§ 20 des Statuts. 3. Berwaltungsangelegenheiten. 29655 Der Vorstand. Orts- Krankenkasse ant Hiermit unseren aufrichtigsten Dant die Wärmehallen Mitglieder, Freunde und Bekannten für die Aufmerksamkeiten zu unserer Silber 46302 hochzeit. Gustav Walter und Frau. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Arbeiter August Weber wohnhaft Oppelnerstr. 2, Stadt bezirk 106, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nachmittag 2 Uhr von der Leichenhalle des Gemeinde- Friedhofs in Friedrichsfelde aus statt. 244/2 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Zentralverband der Handels-, Transport-, Verkehrsarbeiter and Arbeiterinnen Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin II. Hierdurch diene den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Bretterträger August Weber am 14. d. M. verstorben ist. Unser braver Kollege hielt es für seine Pflicht, den Genossen Ignaz Auer auf seinem legten Gang zu begleiten und ereilte ihn dort ein jäher Tod. Ein Herzschlag machte seinem Leben ein frühes Ende. 71/13 Wir werden seiner stets in der Schmiede. Ghren gebenfen. Sonnabend, den 27. d. M., abends 82 Uhr, bei Tabert, Markusstr. 14, Eingang Grüner Weg: Ordentliche General- Versammlung. Zages Ordnung: 1906. 2. Bericht der Revisoren und 1. Borlage der Jahresrechnung Antrag auf Erteilung der Decharge. 3. Verschiedenes. 273/3 Der Vorstand. 3. 2.: Ad. Pilgrim, Borfigender. Zentralverband der Handlungsgehülfen und Gehülfinnen Deutschlands. Bezirk Berlin. Neue Königstraße 36. Handlungsgehülfen! Handlungsgehülfinnen! Heute Donnerstag, den 18. April, abends 9 Uhr: Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 18. d. M., nach. mittags 2 Uhr, von der Leichen halle des Friedrichsfelder Friedhofes aus statt. Um recht zahlreiche Beteiligung aller Mitglieder sowie der Kollegen, welche den Verwaltungen Berliu I, III und IV angehören, wird ersucht. Die Ortsverwaltung Berlin II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied August Weber beim Begräbnis Auers am Sonn tag plöglich gestorben ist. Ehre feinem Andenken! Sparverein„ Fester Wille 1904", Stalizerstr. 69 b. Graßmann. Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, den 18. b. M., nach mittags 2 Uhr, von der Leichen halle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelbe aus ftatt. 46285 Oeffentliche Versammlung Fachverein der Tischler im Neuen Klubhause, Kommandantenftr. 72. Tages Drdnung: Eine neue Fessel für die Handlungsgehülfen. Referent: Kollege Julius Kaliski. Diskussion. Zahlreichen Besuch erwartet 289/12 Die Ortsverwaltung. Rummelsburg. Freitag, den 19. April, abends 8 Uhr, im Saale der Ww. Weigel, Türrschmidtstr. 45: Volks- Versammlung. Tagesordnung: Berlins und Umgegend. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Otto Stöbe geftorben ift. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 18. April, nachmittags 3%, Uhr, vom Trauer hauje, Simon Dachstr. 13, aus nach Wilhelmsberg statt. Rege Beteiligung erwartet 186/4 Der Vorstand. Zentral- Verband der Maurer. Zweigverein Berlin. Sektion der Puker. Unferen Mitgliedern aur RachVortrag des Genoffen Stadtverordneten Heimannidht, daß unser Mitglied über: Die Wertzuwachssteuer. Freie Diskuffion. Schriftlich eingeladen sind zu dieser Bersammlung die beiden hiesigen Grundbesitzervereine sowie die Mitglieder des Bürgervereins. 8/4 Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Dampfschiffs- Reederei Tismer A Nieder- Schöneweide. Telephon Nr. 14. Den verehrten Vereinen, Fabriken ust. empfehle ich meine großen Salondampfer zu fulanten Preisen. Abfahrtstelle Berlin: Schillingsbrücke. 43632* Jedes Jenensia- Rad ein Meisterwerk deutscher Technik. Teilzahlung! Zwei Jahre Garantie! Freilauf Sozial- Räder. 60.-, Sozial- Luxus- t m. 95.-. Gebrauchte Räder billig! Fahrradzubehör billig! Bitte genau auf Hausnummer 23" zu achten! 23, R. Groskurth, Berlin C., Münzstr. 23. A Ausschneiden! Mittwoch, 1. Mai: MA Große Extra- Dampferfahrt mit Musik nach dem herrlich am Crossin- See gelegenen Etablissement ,, Sportshaus Ziegenhals" Snbaber: Max Mörschel. Wegen der schon jett enormen Nachfrage nach Billetts wird dringend gebeten, biefelben unverzüglich zu lösen! Abfahrt: Nachm. 12 Uhr v. b. Dampferstat. Jannowitzbrücke, Rest. Schultheig. Fahrpreis f. Hin- u. Rückfahrt nur 70 Pf.( Kind. d. Hälfte). Billett- Borvert. durch Big bl. P. Horsch, Engel- Ufer 15. Gaftw. H. Stramm, Ritterstr. 123. Gaft. J. Karbe, Rigd., Schinfeftr. 11. Fris. Scharntke, Müllenhoffftr. 10. Cantwortlicher Bedakteur: Wars Weber, Berlin, für den feratentei berantw.: Th. Glede, Berlin. Drud u. Verlag: Barwärts Rob. Pitzrich am am 11. b. M. berstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, den 18. 6. M., nachmittags 3 Uhr, von der Leichen. halle des Friedhofes der Auferstehungs- Gemeinde( Weißensee, Lichtenbergerstraße) aus statt. Die örtliche Verwaltung. 3. 2.: E. Schulze. Allen Freunden und Bekannten hierdurch die traurige Nachricht, daß unfere innigftgeliebte Tochter Else am 17. April nach furzem, aber schwerem Leiden verschieden ist. Um stilles Beileid bitten Bruno Tanschke u. Frau geb. Siebenhaar. 29755 Die Beerdigung findet Sonn abend, den 20. April, nachmittags 2 Uhr, bom Trauerhause, Rigdorf, Richardstr. 107, aus nach dem alten Zalobi- Kirchhof ftatt. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes fage allen Teilnehmern, insbesondere bem Bahlverein des fünften Bahl freifes unseren herzlichsten Dant. Wwe. Johanna Buraseh nebst Kindern. bruderes u. Verlagsanstalt Kaul Singer& F., Berlin SW. 29735 Nr. 90. 24. Jahrgang. 3. Stilnjt des Jotmirtf Knlim IsIMM. Dauuerstag, 18. April 1907. parte!- Hngelegenbeiten* Achtung I Am Sonntag, den 21., früh 8 Uhr, findet Don den dekannten Bezirkslokalen die Flugblattverbreitung zugunsten des Verbandes der Schneider statt. Wir ersuchen die Parteigenossen, gemäß den früheren Be schlüsseu der Zahlabende, sich pünktlich Mann für Man» znr Verbreitung einzufinden, damit solche prompt und schnell er ledigt wird. Der Zentralvorstand. Trebbin. Am Sonnabend, den 20. April, abends 8 Uhr, findet die Generalversammlung des Wahlverems statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen A. P a g e l s- Rixdorf über:„Der neue Reichstag und was haben wir von ihm zu erwarten 2. Abrechnung vom 1. Quartal. 3. Bericht von der Kreis- Generalvcrsamm lung. 4. Mitteilungen de§ Vorstandes. 5. Maifeier. S. Verschiedenes. Pflicht eines jeden Genossen ist es. pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. ßerliner JVachncbten. Säuglingsheim. In den letzten Jahren sind von bürgerlicher Seite einige Wohlfahrtsanstalten ins Leben gerufen worden, die den An spruch darauf machen, ein Stück praktischer sozialer Arbeit zu leisten und in ihren Aufrufen wenigstens ihren wesentlichen Unterschied von den bisher geübten Wohltätigkeitsbestrebun gen betonten. Auch das in Schöneberg in der Akazienstrahe gelegene Säuglings- und MUtterheim machte derartige An sätze, aber der jetzt vorliegende Bericht für das Jahr 1906 zeigt, wie weit die Leitung des Vereins noch von jedem wirklich sozialen Denken und Empfinden entfernt ist, und wie tief sie noch in den beschränkten Anschauungen bourgeoiser Wohltätigkeit steckt. jEs soll gar nicht so weil gegangen werden, Sport und Eitelkeit als die Haupttriebfeder der Wohltätigkeit anzusehen, aber wir müssen unserer Kritik vor anstellen, daß es mit dem guten Herzen und Wohlwollen allein nicht getan ist. sondern daß es notwendig ist, um die Volksseele zu verstehen, zunächst die Klassenvorurteile abzu legen. Leider scheinen dieselben bei dem Verfasser des Be richts noch tief zu wurzeln, denn scharf stellt er gegenüber auf der einen Seite die Mütter, die veredelt oder bestraft werden müssen, auf der anderen die sich gütig herablassenden „Damen". Wenn auch eine wirkliche Erbprinzessin den Ehrenvorsitz führt, wenn auch Herrn v. Studt den Verein durch einen Jahresbeitrag von 10 M. unterstützt, sollte man doch glauben, daß ein Verein von nicht gar zu kleinlichen Gesichts punkten geleitet werden sollte, dessen Zweck es ist. unehelichen Müttern und ihren Kindern für die ersten drei Monate nach der Entbindung ein Heim zu schaffen, in dem sie mit ihren Kindern zusammen und für diese kurze Zeit sorgenfrei leben können. Zur Charakteristik seien hier einige Proben aus dem Bericht angeführt: „Die meisten Mütter entstammten dem Dienstmädchen� stände; verhältnismäßig wenig Arbeiterinnen suchten Auf nähme. Unter denen, die sich in die Ordnung der Anstalt nicht einfügen wollten oder konnten, überwogen außerdem noch die Arbeiterinnen: die Gründe hierfür liegen auf der Hand!" Wir nehmen an, daß hiermit den Arbeiterinnen eine Rüge erteilt werden soll, andererseits können wir aber auch hieraus einen Schluß, ziehen, der nicht gerade schmeichelhaft für das Heim wäre. An anderer Stelle heißt es, daß von 102 Müttern 24 vor der Zeit, d. h. vor Ablauf der 3 Monate, die sie im Heim zubringen sollten, die Anstalt verlassen haben, uud zwar aus folgenden Gründen: 3 wegen Ueberführung in ein Krankenhaus, 1.„ des Kindes in ein Krankenhaus, 4» Tod des Kindes, 9 r Ungehorsam, Schwachsinn u. dergl., 1„ Heirat usw. usw. Also sind von 102 Müttern 9 ungehorsam oder schwache ännig, was dem Vorstand des Säuglingsheims wohl so ziem- lich gleichbedeutend ist. Doch wie segensreich die Tätigkeit des Vereins ist. sehen wir daraus, daß„auch in Fällen, in denen die Mütter wegen Ungehorsams entlassen werden mußten," von feiten des Säuglingsheims für geeignetes Unterkommen des Kindes gesorgt wurde. In dem Bericht wird uns ferner mitgeteilt, daß einmal wöchentlich-eine Lesestunde abgehalten wird, gegen die wir sicher nichts einzuwenden hätten, wenn sich die„Damen" nicht einbildeten, dadlirch einen„erzieherischen Einfluß" jmf die Mütter airszuüben. Der Bericht wäre nicht vollständig, wenn nicht die„hohe Protektion" mehrmals als„leuchtendes Vorbild" in allen Tonarten gepriesen würde. Also auch das obligate Bauch- rutschen! Wir sehen aus der Liste der reichen Beiträge, daß der Verein bald in der Lage sein wird, ein größeres Heim zu gründen. Wir wollen hoffen, daß das ganze Unternehmen dann von einem mehr humanen und sozialen Geiste getragen wird, als es uns der Bericht des Jahres 1906 zeigt. Heber die Berhandlungen in der BerkrhrSdeputotion wird ma- gistratsoffiziös berichtet: Von dem Unternehmer L. war ein Ge> such eingegangen, ihm die Anbringung von Reklamen an den Haltestellen der Großen Berliner Straßenbahn zu gestatten gegen Uebernahme der Verpflichtung, diese Tafeln und eisernen Pfähle stets sauber zu halten. Die Deputation hat diesen Antrag aus verschiedenen Gründen abgelehnt, wobei betont wurde, daß die Straßenbahngesellschaften verpflichtet sind, die qu. Haltestellen- tafeln sauber zu halten. Ferner beschäftigte sich die Deputation sehr eingehend mit dem Verlangen der Gemeinde Stralau, für die Anschlußgleise in der Stralauer Allee zur Verbindung deA geplanten Osthasens am Stralauerangcr mit der Ringbahn usw. eine besondere Ueber- führung in Gestalt einer Brücke oder eines Tunnels zu erbauen. Die Deputation hat dies wegen der enormen Kosten, Verschlechte- rung des Verkehrs nach Berlin und der sonstigen Schwierigkeiten einmütig abgelehnt. Die Brücke würde rund 1060l>lX)M. und der Tunnel rund 1 4 000 M. kosten. Die Eisenbahn macht in einem Gutachten darauf aufmerksam, daß die Sohle des Bauwerks für die Untertunnelung etwa 3 Meter unter dem Grundwasserspiegel zu liegen käme. Bei dem jetzigen Stande der Tiefbautechni! sei der Bau wohl ausführbar, es scheine aber mindestens zweifelhaft, ob die Landespolizei einen derartigen gefährlichen Bau unter den stark belasteten Gleisen der Ringbahn zulasse, solange noch eine andere Lösung möglich sei. Während bei einer Niveaukreuzung die etwa 375 000 M. kosten werde, noch Züge mit 60 beladenen Achsen auf den Anschlußgleisen fortbewegt werden könnten, sei dies bei der Unterführung wegen der großen Steigung nur noch mit 30 Achsen möglich. Es würden also doppelt so viel Züge au- die Ringbahn überführt werden müssen, was ohne eine sehr weit läufige Verlängerung der Gleise bis zu dem Punkt, wo die Ring bahn von dem Rangierbahnhof Rummelsburg abzweigt, überhaupt nicht statthaft. Die Betriebskosten würden sich fast um das Doppelte vermehren und die Baukosten sehr wesentlich erhöhen. Es wurde beschlossen, aus all diesen Gründen die Enteignung der erforderlichen Flächen in die Wege zu leiten. Von einer Ueber brückung oder Untertunnelung der Stralauer Allee würde lediglich der nicht erhebliche Verkehr nach Treptow und Rixdorf einen kleinen Vorteil haben, der schon an und für sich durch die Spree in andere Bahnen gelenkt sei. Zur Organisation des Rettungsdienstes. Die seit langer Zeit zwischen dem Magistrat der Stadt Berlin und der Berliner Rettungs- gesellschaft wegen Weiterführung der von dieser geschaffenen Ein richtungen für das Rettungswesen schwebenden Verhandlungen haben zu einem alle Teile befriedigenden Abschluß geführt. Infolgedessen wird die Berliner Rettungsgesellschaft mit dem 1. Mai ihre Tätigkeit sowohl in der Zentrale als Bettennachweis- und VernnttelnngSstelle für Unterbringung von Kranken in Krankenanstalten, als auch in den Berliner Rettungswachen einstellen. Dagegen wird der Magistrat die im Rathause im vorigen Jahre eingerichtete städtische Zentrale an alle bisher mit der Berliner Rettungsgesellschaft verbundenen Krankenanstalten Berlins und der N a ch b a r st ä d t e an- schließen und sich angelegen sein lassen, ein ununterbrochenes. ordnungsmäßiges Funktionieren des Rettungsdienstes auf der bis- herigen wohlbewährten Grundlage vom 1. Mai ab herbeizuführen. Ferner übernimmt der Magistrat die von der Berliner Rettungs. gesellschaft eingerichteten Rettungswachen vom t. Mai ab in städtische Aufsicht. Der ärztliche Dien st und die Betriebsleitung in diesen Rettungswachen ist dem Aerzte- Verein der Berliner RettungSgesellschast übertragen worden. wodurch ein fach- und ordnungsgemäßes Weiterarbeiten dieser segensreichen Einrichtungen gewährleistet wird. Neue Steuerorganisation für Groß-Bcrlin. Im Stand und in den Befugnissen der Zoll- und Steuerstellen im Bereiche der Hauptsteuerämter zu Berlin und Eberswalde sind umfangreiche Aenderungen eingetreten, von denen wir die wichtigsten hier zu sammcnstellen. Neben den Hauptsteuerämtern für ausländische Gegenstände und für inländische Gegenstände zu Berlin ist in Berlin ein Hauptsteueramt mit der Bezeichnung Hauptsteueramt für die Stempelsteuer in Berlin errichtet worden. Die Steuer- ämter I zu Charlottenburg und Rixdorf sind aufgehoben worden. In Berlin-Charlottenburg und in Berlin-Rixdorf sind zwei neue Hauptsteuerämter errichtet worden mit der Bezeichnung Haupt. steueramt in Charlottenburg und Hauptstcueramt in Rixdorf. Vom Bezirke des Hauptsteueramtes zu EberSwalde ist der Bezirk des Steueramtes I zu Köpenick abgezweigt und dem Bezirke des Hauptsteueramtes in Rixdorf zugeteilt worden. Die Diensträume des Hauptsteueramtes für ausländische Gegenstände zu Berlin befinden sich in Alt-Moabit Nr. 145; die Diensträume des Haupt. steueramtes für inländische Gegenstände zu Berlin und des Haupt. steueramtes für die Stempelsteuer zu Berlin befinden sich Kleine Museumstraßc bD— G; die Diensträume des Hauptsteueramtes zu Charlottenburg befinden sich in der Berliner Straße 47 und die Diensträume des Hauptsteueramtes zu Rixdorf Ecke Hasenheide und Hermannstraße. Für die genannten 5 Hauptsteuerämter ist eine Hauptzoll- und Steuerkasse errichtet worden, die der Pro- vinzialsteuerdirektton angegliedert ist. Die. Diensträume der Kasse befinden sich in Berlin, Alt-Moabit 145. Der Amtsbezirk der Hauptsteuerämter für ausländische Gegenstände, für inländische Gegenstände und für die Stempelsteuer in Berlin deckt sich mit dem Bezirke des Amtsgerichts Berlin-Mitte und umfaßt Teile von Berlin, Charlottenburg, Niederbarnim und Teltow. Das Haupt- steueramt für ausländische Gegenstände in Berlin behält die ge. samte Erhebung und Kontrollierung der Zölle und Uebcrgangs- abgaben, insbesondere auch die Uebcrwachung der fortlaufenden Konten und der zollfteien Niederlagen, jedoch ohne die Postzoll- abfertigungsstellen I, ll, IV, Schlesischer Bahnhof und Velvet- fabrik. Dem Hauptsteueramte sind unterstellt der Packhof, die Zoll- abfertigungsstellen am Lehrter und Bahnhof Fricdrichstratze, so- wie die Postzollabfertigungsstclle III. Der Amtsbezirk des Haupt- steueramtes in Charlottenburg besteht aus dem Bezirke der Sonder- hebestelle des Hauptsteueramtes und des Steueramtes I Pankow. Dem Hauptsteueramte sind unterstellt das Steueramt I in Pankow, die Zollabfertigungsstelle am Anhalter Bahnhof, die Postzoll- abfertigungsstelle IV, die Zollabfertigungsstelle im Petroleum. lager in Plötzensee, die Branntweinabfcrtigungsstclle in Reinicken. dorf. Dem Hauptsteueramt Rixdorf sind unterstellt das Steuer. amt Köpenick, die Zollabfertigungsstelle am Schlcsischen Bahnhof, die Postzollabfertigungsstellen l, II und mehrere Privatstellen. Eine gute Spiclkartenabnehmerin ist auch die Stadt Berlin; das dürfte sicher vielen unbekannt sein, aber es ist Tatsache. Neu lich wurde im Rechnungsausschusse festgestellt, daß von der Verwal tung des städtischen Obdachs für die dieser Anstalt bisher ange gliederte— jetzt nach dem Virchow-Krankcnhaus verlegte— Geschlechtskrankenstation in vier Monaten 75 neue Spiele Karten angeschafft worden sind. Die Waldbrände in der Umgebung Berlins häufen sich in diesem Jahre in ungewöhnlich reichem Maße. Trotz der noch ver hältnismäßig frühen Jahreszeit brechen täglich in den verschie densten Gegenden Wald- und Wiesenbrände aus. Auch durch die Funken von Lokomotiven sind bereits eine ganze Reihe von Bränden verursacht worden. Dienstag morgen wurden durch Aus- werfen von Funken aus der Maschine des Schnellzuges nach Schlesien in der Nähe von Erkner nicht weniger als zehn kleinere Feuer entfacht. Durch frisch aufgeworfene Schutzstreifen konnte eine größere Ausdehnung der Brände verhindert werden. Auch bei Tegel wütete wieder ein starker Wald- und Wiesenbrand. Etwa zwei Morgen Fläche waren in Brand geraten. Zahlreiche Milchdiebstähle sind in letzter Zeit auf der Schle- fischen Bahn vorgekommen. Da es trotz großer Wachsamkeit nicht gelungen ist, dem Täter auf die Spur zu kommen, glaubt man, daß die Milchfässer schon unterwegs, während des Bähntransports von der Produktionsstelle, entwendet worden sind. Da vielfach den unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen auf der Bahn die Schuld an den Diebstählen zugeschrieben wird, will einer der geschädigten Berliner Milchpächter, aus prinzipiellen Gründen, die kol. Eisen- bahnverwaltung auf Schadenersatz verklagen. Nach Verlegung der Schöffensäle des Amtsgerichts Berlin-Mitte in ihr altes Heim, das alt« Kriminalgerichtsgebäude, herrscht jetzt im neuen Kriminalgerichtsgebäude eine auffallende Ruhe und man sieht auf den weiten Wandelgängen und vor den Gerichtssälen nur sehr wenige Menschen. Seitens der Hausverwaltung sind die auf- wartenden Gerichtsdiener angewiesen worden, das Publikum in höflicher Weise zu ersuchen, in den Wartehallen Platz zu nehmen. Der Auftuf der einzelnen Termine erfolgt nicht allein vor dem be- treffenden Saal, sondern auch in diesen Wartehallen, die mit be- quemen Bänken ausgestattet sind und in denen sich sauber gehaltene Wasserbecken und Tnnkgeschirre befinden. In den im Hause selbst befindlichen Büfetts gibt eS Gelegenheit zur Erquickung durch Kaffee, Milch, Kakao, Bouillon, Selterwasser und Brötchen. Den Gerichtsdienern ist größte Zuvorkommenheit gegen das Publikum zur Pflicht gemacht, so daß dem Publikum das oft lange Warten nicht mehr so zur Qual wird, wie dies früher der Fall war. Der Storch im Auto. Ein eigenartiges Abenteuer erlebte vor- gestern nacht der Chauffeur eines„Bedag". Er hatte eine Herr- schaft vom Theater nach der Villenkolonie Grunewald gefahren und kehrte in gemächlichem Tempo nach der Stadt zurück. Plötzlich hört er ein unterdrücktes Schluchzen und Wimmern; kurz ent- schlössen hält er an, springt ab und findet am Wegrande ein armes, halb erstarrtes Weib in Wehen liegen. Nach einigem Ueber- legen hebt er das bedauernswerte Wesen in sein Gefährt und saust damit zur Charitee. Als jedoch der diensthabende Assistenzarzt den Schlag öffnete, tönte ihm bereits zwiefaches Wimmern entgegen; denn die Einwohnerzahl Berlins hatte sich während der Fahrt zur Charitee um einen strammen, kleinen Bengel vermehrt, der sich jedenfalls später rühmen kann, seine Fahrt ins Leben auf die mo> dernste Art bewerkstelligt zu haben. Als vermeintlicher„Geldschrank-Knacker" verhaftet wurde vor» gestern nacht im Flur des Hauses Zimmerstr. 34 der bei der Jnstallationsfirma Armin Tenner beschäftigte Arbeiter K. Bei dieser Firma ist in der Nacht zum letzten Sonnabend ein schwerer Einbruch verübt worden, bei welchem den Dieben 500 M. in preußischen Konsols in die Hände fielen. K., der bereits bei- nahe zwanzig Jahre in den Diensten der Firma Tenner steht, hatte sich in den Kopf gesetzt, die Einbrecher zu entdecken. Zu diesem Zwecke legte er sich jedoch unklugerweise in einer im selben Hause befindlichen Destillation auf die Lauer. Hier hatte dieser zweite Sherlock Holmes einen im wahren Sinne des Wortes „vollen" Erfolg zu verzeichnen. Schwankenden Schrittes verließ er nach Mitternacht seinen„Beobachtungsposten" und nahm im Hausflur Aufstellung. Als dann eine Schutzmannspatrouille vor- über kam und ihn mißtrauisch nach dem Zwecke seines Aufent- Haltes dort befragte, wurde er grob und endlich handgreiflich, so daß er kurzer Hand auf das Polizeirevier Nr. 30 transportiert wurde. Man glaubte schon, einen der Täter erwischt zu haben, besonders da noch ein Dietrich in seinem Besitze gefunden wurde, aber am anderen Tage stellte sich dann die Unschuld des In- haftierten heraus. K. soll aber geschworen haben, nie wieder Detektiv zu spielen. Ueber einen recht groben Aprilscherz weiß eine hiesige Kor- respondenz folgendes zu berichten: Ende voriger Woche erhielten zahlreiche hiesige Anwohner, teils Bekannte, teils Verwandte und Gäste eines in der Rathcnowerstraße wohnenden Restaurateurs St., einen Trauerbrief mit schwarzem Rand, der folgende Nach- richt enthielt:„Das am 13. April 1907 um 2� Uhr erfolgte Hinscheiden unserer geliebten Lotte zeigen hiermit tiefbetrübt an und bitten hierdurch ergebenst um stilles Beileid. Stadthaus und Fr-rn, Rathenowerstr. 30.— Die Beerdigung findet am Dienstag, den 16. April, vom Trauerhause Rathenowerstr. 30 aus statt." Natür- lich machte sich der größte Teil der Benachrichtigten Dienstag nach- mittag auf den Weg zur Beisetzung der Verstorbenen. Mit Kränzen versehen, fanden sich die Leidtragenden teils auf dem Friedhof, teils in dem Restaurant ein. Im schwarzen Rock empfing St. die Erschienenen und mit feierlicher Miene nahm er die- Beileidsbezeugungen entgegen. Keiner der Anwesenden dachte daran, sich einmal nach der Toten umzusehen. Das Billard ver- schwand förmlich unter den zahlreichen Kranzspenden. Bald fiel das merkwürdige Schweigen des Gastwirts auf. Als die Stunde der Beisetzung gekommen war und man sich zum Gange nach dem Begräbnisplatz rüstete, machte St. die Mitteilung, daß der Verstor- bene kein Mensch, sondern— sein alter treuer Hund sei. Ruf« allgemeiner Entrüstung folgten dieser Bekanntgabe und es fehlte nicht viel, so wäre St. von den Empörten gelhncht worden. In- zwischen hatten auch auf dem Friedhof Leidtragende vergeblich nach der Grabstätte der angeblich Dahingeschiedenen gesucht. Der Inspektor wußte überhaupt nichts von der angesagten Beerdigung. Es blieb den Enttäuschten schließlich nichts weiter übrig, als sich nach dem Trauerhause zu begeben, wo sie dann den wahren Sach- verhalt erfuhren. Für St., der als Spaßmacher bekannt ist, dürfte dieser Scherz noch ein böses Nachspiel haben, denn die zur„Bei- setzung" erschienenen Personen beabsichtigen, ihn wegen der für sie entstandenen Kosten auf Schadenersatz zu verklagen. Ein Kindesmord ist auf dem Grundstück Michaelkirchstratze 14a entdeckt worden. Auf dem Hofe fanden Hausbewohner in einer Ecke in einer Kiste die Leiche eines neugeborenen Kindes weib- lichen Geschlechts. Am Halse wies der Körper mehrere Strangu- lationSabdrücke auf, ein Zeichen, daß das Kind erwürgt worden ist. Die Leiche hatte bereits einige Tage in der Kiste gelegen. Sie wurde zur Obduktion in das SchauhauS gebracht. Zwei schwere Straßenunfälle ereigneten sich am gestrigen Tage im Norden der Stadt. In der Prinzenallee scheuten die Pferde eines von dem Kutscher Karl Hinsch gesührten Arbcitswagens. H. wurde bei dem Anprall des Gefährtes an die Bordschwelle des Bürgersteiges vom Bock geschleudert und stürzte so unglücklich auf das Stratzenpflaster, daß er unter den schweren Lastwagen geriet, dessen Vorderräder ihm über die Brust und den linken Arm hin- weg gingen. Der Brustkasten wurde dem Bedauernswerten ein- gedrückt, der Arm vollständig zermalmt. In bewußtlosem Zustande brachte man den Schwerverletzten nach der königlichen Klinik, wo er hoffnungslos daniederliegt.— Ein zweiter schwerer Unfall trug sich gestern nachmittag an der Ecke der Müller- und Schulzendorfer- straße zu. Der 24jährige Dreher Karl Steffen, der sich auf dem Wesse nach seiner in der Gvenzstraße belegenen Wohnung befand, geriet an der erwähnten Straßenkreuzung gegen einen vorbei- fahrenden Steinwagen und wurde zu Boden geschleudert. Er siel so unglücklich, daß er unter das Gefährt geriet und die Hinterräder ihm über den Kopf und Leib hinweg gingen. Steffen erlitt schwere innere Verletzungen, sowie einen Schädelbruch und wurde in hoff- nungslosem Zustande nach der Charit« übergeführt. Dir Pocken in Berlin. Ein am 11. d. Mts. von einer Orient- reise zurückgekehrter 56 Jahre alter Kaufmann erkrankte in seiner Wohnung in der Lindenstraße unter allgemeinen Fiebercrscheinnngen. Am 16. er. wurde der Ausbruch der schwarzen Pocken durch den behandelnden Arzt und den Kreisarzt festgestellt. Die Ansteckung ist zweifellos im Orient erfolgt. Bereits gestern wurde der Kranke mit seiner Einwilligung nach dem Virchow-Krankenhause gebracht und sämtliche Vorsichtsmaßregeln, wie Schutzimpfung der An- gehörigen und DeSinfektton der Wohnung, von den Behörden ge- troffen, so daß das Publikum nicht das geringste zu befürchten hat. Der Kranke ist in einer Baracke deS Vircholv-KrankcnhauseS isoliert. Vergiftet. Ein trauriges Geschick hat eine russische Fannlie betroffen, die sich auf der Durchreise vom Süden nach Rußland in Berlin aufhielt und in einem Hotel am Potsdamer Platz abgestiegen war. Die Frau des Hofrats Lewinski aus Kiew und ihre 17jährige Tochter kauften in einem hiesigen Delikatessengeschäft Krabben. Das junge Mädchen aß von ihnen und erkrankte bald darauf unter ver- dächtigen Erscheinungen. In der gestrigen Nacht mußte die junge Dame schließlich in bewußtlosem Zustande nach dem Krankenhanse Moabit geschafft werden, wo sich Professor Renvers und eine Reihe anderer Aerzte bemühen, die Kranke am Leben zu erhalten. Das Bewußtsein ist bisher noch immer nicht zurückgekehrt. In besinnungslosem Zustande wurde gestern nachmittag der in der Meierei Bolle als Milchausträger beschäftigte 14 Jahre alte ranz Manzak in daS Krankenhaus Westend eingeliefert. Der Mrsche war am gestrigen Morgen zu spät geweckt worden und hatte deshalb den Drenst versäumt. Die Eltern machten dem ' ungen Vorwürfe, die ihn sehr erregten. Manzak begab sich in den itall deS Grundstücks Potsdamerstraße 36, wo seine Eltern wohnen, und verriegelte die Tür. Gegen 2 Uhr suchte einer der Spiel- genossen den Bursche» in dem Stall und fand ihn auf einem Bflnbel Stroh liegen. Neben ihm stand eine Flasche Kreolin. Der Lebensmüde hatte den größten Teil des Inhalts der Flasche ge- trunken. Er wurde in bedenklichem Zustande nach dem Krankenhause Westend gebracht._ Eine neue Fessel für Hanblungsgehülfen. Vor einiger Zeit besprachen wir ein Urteil des hiesigen Kauf- mannsgcrichts in einem Prozeß, /den die Firma Wertheim gegen eine Verkäuferin wegen Nichteinhaltung der Konkurrenzklausel an- gestrengt hatte. Die Schärfe dieses Urteils veranlaßt« die Mehr- fahl der Handlungsgehülfen zur Forderung der vollständigen Be- eitigung der Konkurrcnzklausel. Heute erfahren lvir von einer neuen Fessel, die der Handels- Proletarier wartet. Die Vertreter der Ehcfs im Kaufmannsgericht, die setnerzeit gegen die Forderung des Achtuhr-LadenschlusseS stimmten, haben einen neuen Beweis ihrer reaktionären Gesinnung geliefert. Der§ 7» des Handelsgesetzbuches schreibt vor, daß aus einem wichtigen Grunde das Dienstverhältnis ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist gelöst werden kann, daß aber der schuldige Teil verpflichtet ist, den hierdurch entstehenden Schaden zu ersetzen. Die Chefbeisitzer beantragen nun folgenden/Zusatz: „Erfolgt die widerrechtliche Auslösung dcS Dienstverhältnisses seitens des Handlungsgessülfen, so ist dieser, wenn nichts anderes vereinbart ist, zur Zahlung einer Strafe an den Prinzipal in Höhe desjenigen Gehaltes, welches bis zur vertraglichen oder gesetzlichen Beendigung des Dienstverhältnisses ausgekommen sein würde, der- pflichtet. Mit ihm haftet als Gesamtschuldner der neue Prinzipal, so- fern er von dem Sachverhalt Kenntnis hatte. Piese Fgrde- rung ist an den Nachweis eines Schadens nicht ge'- Kunden. Durch ihre Geltendmachung wird der Anspruch auf Erfüllung des Vertrages und auf weiteren Schadenersatz aus- geschlossen." Der Zentralverband der Handlungsgehülfen und Gehülsinnen Deutschlands, Bezirk Berlin, hat für heute abend nach dem„Neuen Klubhaus", Kommandantenstr. 72, eine Versammlung einberufen, die den Herren eine genügende Abfuhr erteilen wird. Hoffentlich finden sich recht viele Handlungsgehülfen ein. die gegen derartige Anträge protestieren._ Der Zirkus Schumann, der gleich dem Zirkus Busch Berlin in kurzer Zeit verläßt, hat seinem ohnehin reichhaltigen Repertoir eine neue Programmnummer eingefügt. Frau Piloiy von Kaulbach pro- duziert sich als Hindutänzerin. Zwei indische Tanze führte sie dem Publikum vor: den„Weihrauchtanz" und den„Tempeltanz". Der «Weihrauchtanz" stellt eine ehrfurchtsvolle Begrüßung dar, wie sie vornehmen Fremden bei», Eintritt in das Haus zuteil wird. Ge- wöhnlich ist es die Lieblingstochter des Hauses, welche dem er- warteten Gast die Aufmerksainkeit des Weibrauchtanzes erweist. Der Tempeltauz bildet eine Darstellung der fünf Sinne. Zum Schluß opfert sich die Tänzerin und stirbt im Wahnsinn. Die Darstellung dieser Tänze durch Frau Piloty erinnert an die Borführungen der vor einiger Zeit in Berlin wirkenden Ruth St. Denis, reichen aber in ihrer Ausführung auch nicht im entferntesten an die Leistungen der letzteren heran. Uns schien, als sollte ein glänzendes Kostüm im Berein mit farbige» Lichteffekten an Aeußerlichkeit das ersetzen, was an Innerlichkeit abging. Dagegen waren die Leistungen der Luftgymnastiker lder 4 Ressowsj sowie die Pferdedressuren des Herrn Schumann vorzüglich. Die hübsche Pantomime«St. Hubertus" wird noch bis zum Schluß gegeben. Fcuerwehrliericht. Drei Kellerbrände mußte die Berliner Feuer« wehr gestern abend, bezw. in der letzten Nacht in der Skalitzer« straße 47/48, Wilsnackerstr. 45 und Sickingenstr. 1 löschen. In der Skalitzerstr. 47/48 wurden eine Menge Strohhüte ein Raub der Flammen und an den beiden anderen Stellen HanSrat u. a. Vor dem Hause Wiesenstr. 65 brannte gestern ein elektrischer Straßenbahn- wagen der Linie Mittelstraße— Pankow. Wegen eines Zimmer- brandes wurde der 9. Zug nach der Königgrätzerstr. III(Oper- mannsche Stiftung) gerufen.' Ferner hatte die Feuerwehr m der Behmstraße auf Lagerplatz 5 am Gesundbrunnen, in der Siemens- straße 16 und anderen Orten zu tun. Vorort- JVadmcbtcn* Rixdorf. Ei», schwerer Bauunfall hat sich vorgestern aus dem Neubau an der Ecke der Weser- und Hobrechtstraße zugetragen. In der dritten Etage war der Zimmermann Eugen Berger beim Balkenlegcn, als er plötzlich infolge eines Fehltritts das Gleichgewicht verlor und in die Tiefe stürzte. Mit schwere«, inneren Berletzungen wurde B. dem städtischen Krankenhause zugeführt. Charlottenburg. Der Bortrag des Genossen Maurenbrecher, den die«Freie BolkSbühne Charlottcnburg" heute abend 8 Uhr im B ol k S h a tl s e veranstaltet, hat das Thema„Schiller und das Ideal der Freiheit" und ist für die Vereiusmitglieder somit eine sehr geeignete Vorbereitung auf die nächste Theater- Veranstaltung, die an, Sonntag den„Tel!" bringt. Auch Nichtmit- glieder haben freien'Zutritt und sind als Gäste willkommen. ES bedarf für sie nur der Einführung durch ein Vereinsmitglied. Adlershof. Recht interessante Zwischenfälle ereigneten sich während der letzten von den Frauen AdlershofS einberufenen öffentlichen ver- sammlung. In Adlershof, dem bekannten Wirkungsort des Herrn v. Oppen, sorgt heute„och die Polizei dafür, daß der Spießbürger aus seiner Ruhe nicht gestört wird. ZlmSchst glaubten die zur Uebertvachung obiger Versammlung entsandten Beamten die Teller- fammlung am Eingang beanstanden zu müssen. Erst als man sie darauf aufmerksam machte, daß sie hierzu kein Recht hätten, liehen fie von ihrem Borhaben ab. Der Referent der Versammlung, Ge- nosse Heinig tat in seinem Referat dieses Borfalls Erwähnung und bemängelte die unzulängliche Gesetzeskenntnis der Beamten. Als die Genossin Thiel m der Diskussion die Rechtlosigkeit der Frau be- leuchtete und alsdann erklärte, daß dieselbe trotz der angeblich ge- ringeren Bildung strafrechtlich mit dem Manne gleichgestellt werde, erhob sich der Beamte und erklärte die Versammlung für aufgelöst. Anlaß zu Auflösung der Versammlung war durch dies« Aus- führungen keinesivegs gegeben. Es scheint deshalb, daß der Beamte das, was die Rednerin ausgeführt, inhaltlich nicht ersaßt hat. Die Genossinnen tun gut,' Beschwerde gegen die Auflösung zu erheben. Grünau. Die Grünauer Gemeindevertretung hat jede Beteiligung an dem Projekte einer elektrischen Straßenbahn Rixdorf-Schknöckwitz ab- gelehnt. Nieder-Schöneweide. Rekognosziert ist der am vergangenen Sonntag in der Ober« spree in der Nähe des Kaisersteges ertrunkene Mann. Obschon eS bisher noch nicht gelungen ist, die Leiche des Verunglückten zu landen, konnte doch mit Sicherheit festgestellt werden, daß eS sich um den Ivjährigen Sohn des in der Hasselwerderstraße in Nieder-Schöne« weide wohnenden Arbeiters Neumüller handelt. Steglitz. Spurlos verschwunden ist seit dem 7. April der Kutscher Adolf Klamle, der bei dem Milchhändler Tiede in der Schildhornstr. 6 beschäftigt war. K. hatte an dem genannten Tage seine Arbeitsstelle verlassen und angegeben, baß er nach Berlin fahren wolle, um dort Bekannte zu besuchen. Bei diesen ist der Kutscher jedoch nicht ein« getroffen und auch nach Steglitz nicht zurückgekehrt. Die angestellten umfangreichen Recherchen haben zu einem Resultat nicht geführt, so daß angenommen wird, daß der Vermißte entweder da» Opfer eines Verbrechens geworden oder verunglückt ist. Mahlsdorf a. d. Ostbahn. In der Generalversammlung dcS Wahlvereins berichtete Genosse Bartsch über die Tätigkeit unserer Genossen in der Gemeinde- Vertretung. Aus dem Bericht ist hervorzuheben, daß, da der bis- herige Gemeindevorsteher die Weiterführung der Geschäfte abgelehnt hat, ein besoldeter Borsteher angestellt wird, wodurch sich, um den Steuersatz von 106 Proz. nicht zu überschreiten, die Erschließung neuer Steuerquellen notwendig macht. Dem Wirken unserer Ge- „offen in der Gemeindevertretung ist es zu danken, daß die Ein- führung der Grundwertsteuer angenommen wurde und daß ferner der in Mahlsdorf wohnende Arzt beauftragt ist, edes Schulkind jährlich dreimal auf Kosten der Gemeinde zu unter- uchen.— Zur Maifeier wurde beschloffen, wie im vorigen Jahre vormittag« eine Versammlung in Kaulsdorf abzuhalten. Abends 6 Uhr soll in Mahlsdorf eine Volksversammlung stattfinden mit daraus folgendem geselligen Beisammensein. Gegen das bisherige Mitglied Spenemann war wegen unsolidarischen Verhaltens bei der Holzarbeiteraussperrung der Ausschluß beantragt worden. Da SP. jedoch schon freiwillig ausgetreten ist, wurde eine Resolution an- genommen, welche besagt, daß sein Ausschluß sowieso erfolgt wäre. Spandau. Bekanntlich hat auch die Spandau» Arbeiterschaft den Kampf um Erringung eine? größeren Versammlungslokals aufgenommen. In einer vor längerer Zeit stattgehabten öffentlichen Versammlung wurde beschlossen, die Sperre über das Seitzsche Lokal zu verhängen. In diesem Kampfe zeigt auch die Spandauer Polizei eine außer- ordentliche Schneidigkeit. Vier Genossen haben bereits wegen Ver- teilung von Druckschristen Strafmandate in Höhe von je 6 Mark erhalten. Gegen zwei Genossen ist ein Strafverfahren wegen groben Unfugs eingeleitet. Es scheint demnach, daß die Lokalsperre bereits ihre Wirkung tut. Das.Spandau» Tageblatt" meinte zwar vor einiger Zeit, daß die 600 WahlvercinSiniiglieder sich nicht erdreisten können, über Geschäftsleute den Boykott zu verhängen. Nun zunächst sind eS 1000 Wahlvereinsmitglieder und hinter diesen stehen noch 4000 gewerkschaftlich organisierte Arbeiter und diese dürfen wohl beanspruchen, daß sie von de» Saalbesitzern als gleichberechtigte Bürger behandelt Iverden. Wenn nicht, nun dann soll man sich auch nicht darüber entrüsten, wenn den Arbeitern der Gednldfaden reißt. Indes ist eS die letzte Zeit ziemlich still geivorden im Spandauer Blätterwalde. Nur der„Spandauer Anzeiger" jammert in seiner Numiner vom Dienstag, daß die Gastwirte sich in einer schlimmen Lage befänden, indem,«venn sie ihre Lokale der sozialdemokratischen Partei zur Bersügung stellten, den Militärboykott zu erwarten hätten. Herr Seitz soll sich auch bereits an die Kominandantur gewandt und Militärverkehr erbeten haben. Den Arbeiterverkehr wrrd er jedoch schlverlich missen können. Die organisierte Arbeiterschaft Spandaus ist fest entschloffeii, den Kampf uin ein VersainmllUtgslokal durch- zuführen. In diesem Bestreben werden die Genossen, wie uns mit- geteilt wird, von den Geiverkschaften nach Kräften unterstützt, indem dtefe Koittrolleure zur Unterstützung der Lokalkommisfion gewählt haben. Wird dieser Kampf in gewohnter Entschlossenheit und Ein- mütigkeit durchgeführt, so kann der Erfolg nicht ausbleiben. iZemKts- Leitung. Pfandbruch? Gestern hatte sich wegen einer eigenartigen Anklage, wegen Pfandbruchs, die Ehefrau des ehemaligen Restaurateurs vom Belle- Alliance-Thcater, Linde, zu verantworten. Ein Herr Baumann hatte dem Ehemann Linde vertraglich 3000 Mark Kaution gestellt, weil er in einem von Linde zu übernehmenden Geschäft als Büffctier einzutreten gedachte. Linde übernahin das Geschäft nicht, zahlte aber auch die 3000 Mark nicht zurück. Durch List gelang es Bau- mann, 1400 Mark von den 3000 Mark zurückzuerlangen. so daß er an den Linde immer noch eine ausgeklagte Forderung von 1600 M. hatte. Er beauftragte den Gerichtsvollzieher Teschncr, in dem Lokal des Linde eine Pfändung vorzunehmen. Teschner kam am 21. April 1906 zu Linde, ließ sich aber von der Ehefrau desselben überreden, anstatt die Sacken ihres Ehemannes, einige dem Ge- richtsvollzieher als ihr gehörig bezeichnete Gegenstände zu pfänden. Darauf erhob sie gegen die Pfändung Einspruch. Später verkaufte sie die gepfändeten noch nicht freigegebenen Sachen mit anderen Gegenständen zusammen im August 1906 an den Nachfolger ihres EheinanneS. Die Pfandobjekte verblieben in den Restaurations-' räumen des Belle-Alliance-Thcaters. Erst am 5. September 1906 erfolgte auf Grund erneuter Intervention die Freigabe. Im Termin gab der Gerichtsvollzieher Teschner zu. gewußt z» habe», daß die Sachen dem Ehemann Linde, den er pfänden sollte, nicht gehörten. Er habe die Sachen, die ihm die Angeklagte als ihr Eigentum bezeichnete, auch nur so gesiegelt, daß die Siegel nicht zu sehen waren. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragt auf Grund dieser Aussage die Freisprechung, da die Ehefrau demnach in gutem Glauben gehandelt hatte. Das Gericht erkannte diesem Antrage entsprechend._ Rohlinge. Wegen Körperverletzung resp. Beihülfe hatten sich die jugend- lichen Arbeiter Zivanztg, Manykal und Raabe gestern vor der hiesigen Strafkammer zu verantworten. Im Oktober vorigen Jahres haben die drei einen Herrn Hübner, als derselbe mit mehreren Ver- wandten zur Nachtzeit den Lausitzer Platz überschritt, durch anzüg- liche Redensarten oelästigt und als er sich dies verbat, mit einem Schlagring oder Messer derartig zugerichtet, daß er ganz erhebliche Wunden davontrug. Das Gericht verurteilte die drei Rowdys, welche trotz ihrer Jugend bereits vorbestraft sind, unter Zubilligung mildernder Umstände zu je einer Woche Gefängnis. „WeS Brot ich eß, des Lied ich sing'." Der Expedient Erich B. hatte-seine Stellung beim Deutsche» Kolonialwarenhaus ohne Jnnehaltung der KtfndigungSfrist verlassen, weil er vom Prinzipal Herrn Antelmann nach seiner Be- hauptung gröblich beleidigt worden war. Seine Klage auf Ge- Haltszahlung kam dieser Tage zur Verhandlung vor dem Kauf- mannsgericht. Während ein Zeuge, ein früherer Angestellter, zu gunsten des Klägers aussagte und behauptete, Kläger wäre abstcht» [ich schikaniert worden, traten vier andere Zeugen, die jetzt noch bei der beklagten Firma tätig sind, der Aussage direkt entgegen. Von ihnen wollte keiner die beleidigenden Ausdrücke gehört haben. Da erklärte der Kläger, die vier Zeugen seien samtlich beeinflußt worden und führte als Beweis an» daß Frau Antelmann die Zeugen aufgefordert habe, zur Firma und nicht zum Kläger zu halten, indem sie ihnen zurief:„WeS Brot ich eh, des Lied ich sing'". Diese Aeuherung seiner Frau wurde vom Beklagten nicht bestritten, nur meinte er, sei sie harmloser auszulegen. Man habe vor Geschäftsschlutz den Kläger öfter vor dem Geschäftslokal auf- und abgehen sehen und da habe seine Frau nur sagen wollen, die Angestellten sollten sich mit dem der Firma feindlich gesinnten Manne nicht einlassen. Das Kaufmannsgericht wie» trotzdem den Kläger mit seiner Forderung ab, weil es den Aussagen d» vier Zeugen Glauben beimaß._ Regreßanspruch gegen den EisenbahnfiSkuS wegen Brandschaden durch Funkenflug einer Lokomotive. Die an der Eisenbahnstrecke zwischen Greisfenberg und Hirsch- berg t» Schlesien gelegene Scheuer des Landwirts D. brannte am 23. Juni 1904 kurze Zeit nach Vorbeifahren eines Schnellzuges ab und mußte die Versicherungsgesellschaft Phönix dem bei ihr ver» sicherten D. 2841,13 M. als Entschädigung zahlen, wofür ihr D. seine Ansprüche gegen den preußischen EisenbahnfiskuS abtrat. Die Versicherungsgesellschaft klagt nun gegen den preußischen Eisen- bahnftSku» auf Grund des§ 25 des Gesetzes über Eisenbahnunter- nehmungen vom Jahr« 1835, nach welcher Gesetzesbestimmung der Eisenbahnbetriebsunternehmer für Sachschäden hastet, die durch den Betrieb der Eisenbahn entstanden sind. Zur Begründung der Klage wird behauptet, daß das Feuer durch Funkenflug der Loko- Motive des Schnellzuge? entstanden sei; die Bahn macht an der be- treffenden Stelle eine starke Kurve(im Halbmesser von 7—15 Meter) und sei durch das starke Rauchauspusten bei der Kurve der Funkenflug verursacht worden. Der beklagte Fiskus wendet hiergegen ein, daß an dem betreffenden Tage südlicher Wind geherrscht habe, welcher den Rauch gerade auf die entgegen- gesetzte Seite zu geblasen hätte. Von Bedeutung ist die Aussage eines Schrankenwärters, welcher bekundet, daß nordöstlicher Wind geherrscht habe, so daß die Funken der Lokomotive auf die abge- brannte Scheune zugeweht worden sind. Auch habe es nach Vorbei- fahren des Schnellzuges an der westlichen Seite des Bahndammes angefangen zu brennen. Während des Brandes habe sich dann der Wind gedreht. Diese Windrichtung wurde auch noch von einem anderen Zeugen bekundet, während der Heizer der betreffenden Schnellzugslokomotive aussagt, daß nach seiner Beobachtung süd- licher Wind gewesen sei. Das Landgericht Breslau hielt das Gesetz von 1835 für die entstandene Entschädigung für anwendbar. Es erblickte in dem Umstände, daß das Feuer kurz nach Vorbeifahren des Schnellzuges entstanden ist, den Kausalzusammenhang zwischen dem Funken- flug der Lokomotive und dem entstandenen Brande und kam in- folgedessen zur Verurteilung des EisenbahnfiskuS. Die Aussage des Heizers hielt es für belanglos, weil man auf der fahrenden Lokomotive die Windrichtung nicht so genau feststellen könne. Das landgerichtliche Urteil wurde vom Oberlandevgrricht Breslau be- stätigt." Die vom Eisenbahnfiskus beim Reichsgericht eingelegte Revi- sion wurde vom 5. Zivilsenat zurückgewiesen. Wären die Grundsätze des Eisenbahngesetzes von 1835 auf die Unfälle in Fabriken und auf die durch Automobile hervorgerufenen Schäden anioendbar, so würde in einer großen Reihe von Fällen an minder Bemittelte Schadenersatz zu zahlen sein, die heute nur einen geringen Teil des Schadens oder gar nichts ersetzt erhalten. Zulässigkrit des BerwaltungSstreitverfahrenS bei Schankkonzessionen. Das Oberverwaltungsgericht befaßte sich gestern mit einer prinzipiell wichtigen Streitfrage. Der Restauratcur Krause be- trieb m Frankfurt a. O. zirka 15 Jahre lang ein Restaurant und war während dieser Zeit 8mal wegen Ueberschreitung der Polizei- stunde und anderer Uebertretungen mit Geldstrafen von 2— 8 Mark bestraft worden. Demnächst verlegte er seinen Wohnsitz nach Fürstenwalde und erwarb dort ein Restaurationsgrundjtück, für «velches er sich um die Schalikerlaubnis bewarb. Er wurde jedoch im Hinblick auf seine Vorstrafen sowohl mit seinem Gesuche, als auch mit seiner Klage im Verwaltungsstreitverfahren von beiden zulässigen Instanzen abgewiesen. Da nach ausdrücklicher Gesetzes- Vorschrift die Urteile der Bezirksausschüsse in denjenigen Ver- waltungsstreitsachen. in welchen es sich um die Erteilung einer Konzession handelt, endgültig sind, so war dem Krause ein weiteres Rechtsmittel versagt. Um aber in dieser seine Existenz und Zu- kunft berührenden Frage eine Entscheidung des Oberverwaltung»- gcrichts herbeizuführen, lieh sich Krause von dem bisherigen Grund- stückseigcntümcr und zugleich Konzcssionsinhabcr als Stellvertreter bei der Polizei anmelden. Diese aber untersagte nunmehr durch Verfügung unter Hinweis auf die endgültige Entscheidung des Bc- zirksansschüsses diese Stellvertretung. Hierauf klagte Krause auf Aufhebung dieser polizeilichen Verfügung beim Bezirksausschuß in Frankfurt a. O. Dieser wies unter Berufmig auf seine frühere Entscheidung die Klage kostenpflichtig ab. Gegen dieses Urteil legte Krause Berufung beim Obcrverwaltungsgericht ein, welche der Erste Bürgermeister Zeidler von Fürstenwalde persönlich bekämpfte. Er hielt dieses ganze Verfahren, durch welches entgegen der gesetzlichen Vorschrift das endgültige Urteil des Bezirksausschusses durch das OberverwaltungSgericht nachgeprüft werden solle, für unzulässig. Im übrigen sei die Auffassung des Bezirksausschusses durchaus zu- treffend, daß Krause wegen seiner Vorstrafen unziwerlässig sei. — Nach längerer Beratung hob daS OberverwaltungSgericht unter Aufhebung der Entscheidung des Bezirksausschusses die polizeiliche Bersügung auf. Das Gericht hielt das vorliegende Verfahren für zulässig und demgemäß sich selbst für verpflichtet, die Frage der Zuverlässigkeit des Klägers selbständig zu prüfen. Hierbei komme eS aber zu einer anderen Auffassung als der Bezirksausschuß. Die Strafen des Klägers seien in der Tat zu gering und über einen viel zu langen Zeitraum verteilt, als daß schon jetzt die Annahme eines Gewerbemißbrauchs für die Zukunft gerechtfertigt sei. Hier- nach rechtfertige sich die Aufhebung der polizeilichen Verfügung. Vcrltuer Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der flädtllchen Marktballen-Direkston.(Großlmndel) Rindfleisch la 66- 70 t>r. 100 Pfd., IIa 60 65, lila 56—59, Bullcnsleisch la 64— 68, IIa 64— 62, Kühe, fett 52—58, do. mager 42—50, Fresser 50—62, Bullen, dän. 60—62, So. Holl. 00- 00. Kalbfleiich, Doppclländer XOö— 130, Mastkälber la 92—98. IIa 82- 90. ma 00 00. Kälber ger. gen. 58—72. do. Holl. 55-62. dän. 57— 64. Hammclfleilch Mastlöinmer 71—74, la 66—70, IIa 62-65,«Schafe 55—60. Srfiiuemeflcilrt) 44- 50. Rehwild, ploinb. per Psd. 0,80. Rothirsch 0,00. Rothirsch, Abschuß 0,61. Damhirsch 0,00. Wildschweine 0,00. Frischlinge 0,00. Kallinchen per Stück 0,60—0,90. Hühner, alte, per Stück 1,75—2,95, do. IIa 1,40, do, junge 0,00. Wolgahühner 1,25—1,85. Tauben 0/50—0,65, italienische 0,00. Enten per Stück 0,00, dito Ms» per Stück 2,90, dito Hamburger per Stück 2,60 bis 5.00, Gänse, Hamburger per Psuud 1,10—1,25, dito EIS. 0,50. Hechte per 100 Psuud 76—90, mittel 75, klein 0,00. Zander mittel 0,00, unsortiert 0,00, do. matt 0,00. Schleie Holl. IIa 82—83. do. mittel 110. Aale, groß 122—123, Nein 0,00, mittel 0,00, unsortiert 0,00. Plötze», klein 0,00, do. groß 0,00, da. 38—43. Karpsen 35— 40er 61—68, do. 100er 61—63, do. 25— SOer 67—71. Bleie matt 0,00. Aland 55. Bunte Fische 40, Barse 8l, do. matt 0,00. Karauschen 0,00. Blei- fische 0,00. WAS 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer per 100 Psd. 110— 130, do. Ha neuer 90—100, do. Ma neuer 75. Seelachs 20—25. Sprotten, Kieler, Wall 1,00—1,50, Danziger, Kiste 0,50—0,70. Fliindern, Kieler. Stiege la 3—4, do. mittel ver Kiste 2—3. Hamb. Stiege 4—5, halbe Kiste 2,00. Bücklinge, ver Wall Kieler 3—4, Stralsunder 3,50. Aale, groß per.Pid. 1,10—1,50, mittelgroß 0,80—1,10, klein 0,60—0,80. Heringe p.Schock 5—9. Schellfische Kiste 3,50—4,50, do.>/. Kiste 2—3. Kabliau, geräuch. p. 100 Psd. 20— 25. Heilbutt 0,00. Sardellen. 1902er per Anker 95, l904er 93. ISOöer 80—85, 1906er 75. Schottiiche Bollberinae 1905 0,00, large 40— 44, füll. 38—40, med. 38— 42, deutsch» 37— 44. Heringe, neue MatjcS, per»/. To. 60—120. Sardinen, rust.. Faß l. 50— 1,60. Bratheringe. Büchse<4 Liter) IM— 1,75. Neunaugen, Schocksaß 11. Keine 5— 6, Riesen. 14. Mer. Land», per Schock 2.90— 3,40. Butter per 100 Psd. la 106-108, IIa 103—105, lila 98—102, absallende 90—95. Saure Gurken schock 4,10— 4,50, Pfeffergurken 4,00—4,50. Kartoffeln per 100 Piund raagnura bonum 2,76—3,00, Daberfche 2,75—3.00, Rosen 0,00, weiße 2,25—2,75, Salatkartoffeln 0,00. Spinat per 100 Psund 15—20. Karotten per 100 Pfund 20—25. Sellerie, hiesige, per Schock 4,00—10,00, do. pommersche 12,00—15,00. Zwiebeln große, per 100 Psund 4,00— 5,00, da. lleme 3,50—4.00. do. hiesige