Nr. 91. 24. Jahrg. Abonnements- Bedingungen: bonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 8,30 I., monatl. 1,10 2, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Belt" 10 Big. Bofte Abonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Bost- Beitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Erideint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 50 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ..Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Bort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf ftellen Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 5 11hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition i bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ..Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1983: Uniere auswärtige Politik. Freitag, den 19. April 1907. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. ernivrecher: Amt IV. Nr. 1984. Įder dadurch beförderte koloniale Expansionsbrang Deutschland eine Ablehnung, sondern die Förderung und Zustimmung in Gegensag gebracht zu allen Mächten, denen es um ihren zum englischen Vorschlag auf der Konferenz ist daher die Kolonialbesik bange zu werden beginnt. So fern dem Forderung, in der sich das deutsche Proletariat eins deutschen Volke irgend eine Bedrohung anderer Mächte weiß mit dem Proletariat aller Länder, insbesondere Es ist noch gar nicht so lange her, daß Herr Bassermann, auch liegt, so wenig es hier auch eine Striegspartei gibt, auch mit der antimilitaristischen und antiimperialistischen seiner Majestät und insbesondere des ten Bülow ge- so hat doch die Art und Weise, in der manche Rede ge- Politik der englischen und französischen Arbeiterpartei. Bir treuefter Oppositionsmann, seine Lenden gegürtet und jene halten wurde, einen solchen Eindruck im Auslande hervorgerufen vertreten mit dieser Forderung nicht nur das Interesse der Rede gehalten hat, die Fürst Bülow Gelegenheit gab, der und verstärkt. Ein gut Teil Schuld an der Verschlechterung Arbeiter, sondern das der überwiegenden Mehrheit des ungläubigen Welt zu versichern, daß es so etwas wie ein unserer auswärtigen Stellung hat der feige Byzantinismus, deutschen Volkes auch das Interesse der Mittelschichten, persönliches Regiment gar nicht gäbe. Darauf trat allgemeine der die bürgerlichen Parteien des Parlaments verhindert hat, die mit am schlimmsten unter einer gewalttätigen Politik Stille in Parlament und Presse ein und bald darauf brach dieser Politik des persönlichen Regiments entgegenzutreten, leiden müßten. dann jene nationale Begeisterung los, die sich gegen die Hereros, wenn nicht der Reichskanzler sich die alleinige Leitung der Aber die Zustimmung zum englischen Vorschlag ändert den auswärtigen Feind, und gegen die Sozialdemokratie, Politit, für die er verantwortlich ist, zu wahren wußte. auch durchaus nichts an der Machtstellung Deutschlands. Es den inneren Feind, richtete. Da der neue Reichstag glücklich Dieses Mißtrauen des Auslandes mußte. noch vermehrt ist das offene Programm Englands, für jedes neue deutsche beisammen ist, gestattet sich Herr Bassermann von neuem das werden durch die törichte Art, wie man den Konflikt herbei- Striegsschiff zwei englische zu bauen. England ist reich genug, Verguügen, die Politit der Regierung zu fritisieren, dem führte, der die Reichstagsauflösung zur Folge hatte. War die um dieses Programm durchführen zu können. Die Verdeutschen Volke die auswärtige Bolitik zu erklären und es Politit, die zur Reichstagsauflösung führte, vom Standpunkt mehrung der deutschen Flotte tommt so allein den an dem aufzufordern, unter Herrn Bassermanns Führung dieses ihm bis der inneren Politik eine durchaus unwahre, so vom Stand- Bau interessierten Kapitalisten zugute, ohne Deutschland eine dahin so fremde Gebiet mit einem Besuche zu beehren. Einige punkt der äußeren Politit eine völlig finnlose. Man größere Sicherheit zu bieten. bürgerliche Blätter scheinen auch nicht übel Lust zu haben, denunzierte die Mehrheit des deutschen Volkes als anti- Dagegen macht eine Zustimmung Deutschlands zur AufHerrn Bassermann in dieser selbstgewählten Führerrolle zu national, man entfesselte eine nationale Demagogie, von der rechterhaltung des gegenwärtigen Standes den Befürchtungen bestätigen. Es ist also nötig darauf hinzuweisen, daß die das Ausland glauben mußte, daß sie nur die Vorbereitung sei und Verleumdungen des Auslandes ein- für allemal ein Ende. ganze Rede des Herrn Bassermann nur in der Wieder für die Erzeugung einer Stimmung, die auch einen Krieg nicht Es nimmt der imperialistischen Politik des Auslandes ihr gabe der Gedankengänge der legten zwei Artifel scheuen würde. Es wußte ja ebensowenig, wie die bisher in- wichtigstes und zugkräftigstes Argument und stärkt den Einfluß der Hardenschen Zukunft" bestand, Artikel, die in ödester, differenten deutschen Wähler, die sich zur Urne treiben ließen, der immer mehr erstarkenden antimilitaristischen und antichauvinistischeſter Weise Heppolitik treiben. Auch Herrn daß dieser ganze Coup nur ein Mittel war, um den Blick von imperialistischen Politik, die von den Arbeitern aller Länder Bassermann ist unsere auswärtige Politit offenbar noch nicht den Verlegenheiten und Mißerfolgen der äußeren Politik getragen wird. herausfordernd genug. Er verurteilt natürlich das viele Bülows auf die innere abzulenken. Es ist daher kein Wunder, Aber freilich, diese auswärtige Politik des Friedens und Reden und Telegraphieren und sagt hier nur dasselbe, was daß die Geschäftigkeit König Eduards sich in den letzten Mo- der Verständigung kann nicht getragen werden von einer wir Sozialdemokraten von Anfang an gesagt haben, als die naten noch steigerte. diplomatischen Adelskaste, sie tann nur geführt werden von Herren Bassermann und Konsorten sich in byzantinischen Lobes- Die Haager Konferenz soll nun Klarheit schaffen über die einer energischen, zielbewußten Demokratie. Die deutsche hymnen auf den jungen, energischen, temperament und talent deutsche auswärtige Politit. Verfolgt Deutschlands auswärtige Arbeiterklasse muß alles daran setzen, auch die auswärtige bollen, genialen Monarchen nie genug tun fonnten. Uebrigens Politit teine triegerischen Absichten, will sie den bestehenden Politik der Kontrolle des Voltes zu unterwerfen! hoffen wir, daß Herr Bassermann das Reden und Telegraphieren Bustand aufrechterhalten, so kann sie dem englischen Vorschlag, nicht nur gegen den äußeren Feind verurteilen wird, sondern auch die Flottenrüstungen nicht weiter zu vermehren, ruhig zudann, wenn es sich gegen die größte Partei des deutschen stimmen. Tut sie es nicht, so erscheint Deutschland als Störer Die Internationale am Grabe Auers. Boltes richtet. Sonst aber ist es uns nur recht, wenn wir des Weltfriedens. Dies ist der Plan Englands. Den bereits beröffentlichten Beileidstelegrammen des sozialistischen Bern. Sozialdemokratische Parteileitung. 8graggen, Moor. Nervi.. Die deutschen Genossen bitte ich die tiefste Teilnahme der 0 Plechanow. Der Präsident des Komitees: Schiosky. Broselyten machen, und Herr Bassermann fann versichert sein, Wir möchten fofort bemerken, daß diese Schlußfolgerung daß er im Stampfe gegen das persönliche Regiment unsere durchaus nicht zwingend ist. Eine Flotte wird nicht nur Auslandes find noch die folgenden anzufügen: Unterstügung finden wird. Hoffentlich erschrickt er nicht wieder gebaut, weil man Strieg führen will. Am Bau der Flotte fofort über seine Kühnheit und ergreift nicht wieder das hängen die wichtigen Interessen der Eisenindustriellen, der Beim Hinscheiden Auers wünschen wir der deutschen BruderHasenpanier, Dagegen hat Herr Bassermann in unverant- Geschütz- und Panzerplattenfabrikanten, der Schiffswerften und partei, daß in ihr die von Auer bewiesene Treue an der Partei und wortlicher Weise gegen England und Frankreich gehegt. so sort. Dazu kommt das Interesse der militärischen und adeligen ihren Grundsätzen stets lebendig bleiben möge. Gewiß, die allerhöchste deutsche Auslandspolitik tut sehr Streise nach Vermehrung ihrer Machtsphären. Wie mächtig geschäftig, und diese Geschäftigkeit ist ebensowenig dem diese Interessen bei uns find, welch' großen Einfluß sie auf Frieden förderlich, wie die jett ja etwas eingeschränkte die Regierung ausüben, ist bekannt; weniger befannt sind Geschäftigkeit des Königs Eduard. Es würde viel- diese Tatsachen im Auslande, das die Weigerung Deutschlands leicht ganz nützlich sein, wenn unsere Genossen im engli- in der Tat als ein wenig friedensfreundliches Bekenntnis an- russischen Sozialdemokraten am Tode des Genoffen Auer entgegenschen Barlament über diese Retsepolitik ein ernſtes Wort sehen würde. Eine Weigerung Deutschlands würde also seine zunehmen. sprächen. Aber wir dürfen nicht vergessen, daß diese Politik internationale Stellung nur verschlechtern. Petersburg. Eduards nur möglich war durch die Fehler unserer aus- Wir haben wiederholt dargelegt, daß der englische Vor- Die Dumafraktion der Sozialisten Revolutionäre drückt ihr wärtigen Politik, durch jene großsprecherischen Fanfaronaden, schlag bestimmten Interessen entspringt. England ist folonial tiefes Bedauern aus über den Verlust, den die deutsche Sozialdie uns in der ganzen Welt nur Mißtrauen gebracht haben, gesättigt, seine politischen Probleme bewegen sich weniger um bemokratie und der internationale Sozialismus erlitten hat durch obwohl kein Volk der Welt friedliebender ist als das deutsche, die Erweiterung, als um den engeren Zusammenschluß seiner den Tod des bedeutenden Praktikers und tätigen parlamentarischen und kein Volt eine so starke sozialdemokratische Partei hat, Stolonien. Die Vernichtung der russischen Flotte und die Vertreters Ignaz Auer. die unter allen Umständen über die Erhaltung des Friedens Schwächung der russischen Landmacht hat es von seinem gewacht. fährlichsten Gegner befreit. Es tann auf eine Vergrößerung Diese Wachsamkeit ist aber jetzt dringender nötig als seiner Flotte verzichten, wenn ihr Verhältnis zu der der jemals, und je ungeschickter das Spiel ist, das die anderen Mächte das gleiche bleibt. In ähnlicher Lage ist sich um die auswärtige Politik befümmern, die von immer eine weitere Ausdehnung der Rüstungen erschwert, sowie die größerer Bedeutung auch für die innere Politik wird. Der der Mittelmeerstaaten. Sie alle sehen mit steigendem Sozialdemokratie erwächst die dringende und äußerst wichtige Unwillen und Besorgnis auf die Vermehrung der deutschen Aufgabe, fortgefeht das Proletariat über die Motive und Trieb- Flotte, die auch sie zum Wettrüsten zwingt. ist von dem weitaus größten Teil der Parteiprefse ohne Kommentar Träfte der auswärtigen Politik aufzuklären und die Interessen Die deutsche Diplomatie hat sich in dieser Lage, wie es abgedruckt worden. Nur zwei Parteiorgane, das Harburger des Proletariats auch auf diesem Gebiete gegenüber den scheint, gespalten. Sie ist zwar darin einig, vom englischen Voltsblatt" und die Fränkische Tagespost" haben Interessen der herrschenden Klasse zur Geltung und energischen Vorschlag nichts wissen zu wollen, aber sie ist uneinig, wie gegen den Aufruf Einwendungen erhoben. Bertretung zu bringen. In dieser Politik zeigt sich zugleich sie ihn vereiteln soll, ob durch offene Ablehnung von Beginn Das Harburger Voltsblatt" nennt den Nat des die Interessensolidarität der Arbeiterklasse aller Länder. Wie an oder durch eine versteckte Ablehnung nach vorausgegangener Parteivorstandes, dort, wo die Gewißheit einer Aussperrung besteht. die britischen Arbeiter einstimmig den Burenkrieg und den Diskussion. Um dieses edle Problem scheinen sich unfere, unter den obwaltenden Umständen" von der ArbeitsImperialismus Englands verurteilt und durch ihre Haltung diplomatischen Meister Meister herumzustreiten unter Assistenz ruhe abzusehen, eine ungeheuerliche Empfehlung". Das bei den Wahlen das konservative Regime beseitigt, wie die der bürgerlichen Presse, bon denen die der Junker Blatt bemerkt dann weiter: französischen Sozialdemokraten durch ihre mutige und ent- und Scharfmacher für ihre geliebte Offenheit, die der für ihre nicht minder schlossene Haltung in der Marokkofrage zur Erhaltung des Liberalen geliebte versteckte Weltfriedens beigetragen haben, so muß auch die deutsche Methode eintreten. Man sieht, von einer einheitlichen Politik Sozialdemokratie mit aller Schärfe gegen eine Politit auf ist in Deutschland auf dem Gebiet der auswärtigen Politit treten, die, seit Jahren von Mißerfolg zu Mißerfolg ftolpernd, ebensowenig die Rede, als auf dem der inneren. Das gehört für ihre selbstgeschaffenen Verlegenheiten keinen Ausweg weiß. eben zum Wesen des persönlichen Regiments. Aber diese Die Stellung Deutschlands in der auswärtigen Politit Dinge mögen die bürgerlichen Politiker in Unruhe versetzen. hängt aufs engste zusammen mit seiner verderblichen Handels- Wir wissen, daß sie nicht anders zu beseitigen sind, als durch politik. Die Schutzzollpolitik Deutschlands zwingt die übrigen die Ersetzung des persönlichen Regiments durch eine wirkliche Staaten gleichfalls zum Schutzzoll und hat den Abschluß Demokratie. Diplomatie betreibt, defto nötiger ist es, baß die Völker ſelbſt Frankreich, deffen geringe Bevölkerungszunahme allein schon Der Maifeieraufruf des Parteiift vorteilhafter Handelsverträge mit den übrigen Staaten unmöglich Wir haben uns vielmehr zu fragen, welche Interessen gemacht. Sie erweckt in der deutschen Bourgeoisie dadurch, das deutsche Volk in seiner übergroßen Mehrheit auf der daß ihr die Handelspolitik die Möglichkeit industrieller Ex- Haager Konferenz und in der auswärtigen Politik überhaupt pansion nicht genügend gesichert hat, den Drang nach zu wahren hat, und müssen ohne weiteres zu der Antwort tolonialer Expansion, die sie für die Erschwerung der Absatz- kommen, daß weder die Politik der versteckten und vorsichtigen. möglichkeiten entschädigen soll. Die Schutzzollpolitik Deutsch- noch die Politik der offenen und herausfordernden Ablehnung lands der mächtigste Förderer des britischen im geringsten den Interessen der arbeitenden Klassen entImperialismus, des Zusammenschlusses des englischen spricht. Auch die Arbeiterschaft muß innerhalb der Weltreiches, der größten Gefährdung für die deutsche kapitalistischen Gesellschaft die Ausdehnung der Industrie Industrie. Aus Furcht vor der Sozialdemokratie und wünschen. Aber wir fördern diese Expansion auf dem friedlichen aus dem Streben nach Erhöhung der Kartellprofite hat die Wege einer guten und freiheitlichen Handelspolitik und nicht deutsche Industrie sich mit den Agrariern verbündet und jene durch den gewalttätigen Weg folonialer Expansion. Wir berSchutzollpolitik ermöglicht, die selbst den englischen Feinden langen daher eine auswärtige Politik der Verständigung, nicht des Imperialismus die Stellung erschwert. Sie hat somit der Provokation. Ein Aufhören der Vermehrung der Rüstungen selbst die Gefahr vergrößert, die ihr droht. Zudem aber hat liegt durchaus im Interesse des deutschen Volkes. Nicht " vorstandes. " " ,, Damit ist die Maifeier einfach hinfällig geworden und vom Parteivorstand einfach zu einer Farce herabgewürdigt. Denn das Unternehmertum wird jezt selbstverständlich zu der Arbeiterschaft sagen:„ Wenn Ihr den 1. Mai feiert, so sperren wir Euch aus; und nach dem Willen Eures Parteivorstandes habt Ihr auf die Maifeier zu verzichten, weil wir Euch ja aussperren." Damit ist dann die Maifeier endgültig begraben." Unserer Ansicht nach verkennt unser Harburger Bruderorgan durchaus die Absichten und auch die Wirkung des Aufrufs des Parteis vorstandes. Es übersicht völlig, daß die Empfehlung des Parteiborstandes gerade durch die in der augenblidlichen Situation „ obwaltenden Umstände" motiviert wird. Diese besonderen Umstände kennzeichnet der Parteivorstand deutlich genug durch die Säße: Wie wenig der soziale Frieden heute möglich ist, dafür legen flassisches Zeugnis ab die gewaltigen Rämpfe, die in diesem Augenblic in Deutschland innerhalb der ver schiedensten Berufe sich abspielen und hunderttausend deutsche Arbeiter auf die Straße geworfen haben. Die angesichts einer Hochkonjunktur fast fondergleichen und angesichts der mächtig gestiegenen Mieten und Lebensmittelpreise mur zu gerechtfertigten Forderungen zahlreicher Arbeiterschichten bat das Unternehmertum in einer langen Reihe von Fällen mit der Aussperrung der Fordernden beantwortet. Für diese einzutreten und ihnen zu einem Siege zu verhelfen, ist die vornehniste Aufgabe der organisierte Arbeiter. Schwere finanzielle Opfer, schwere Opfer an Familiens fifflä und Kindertvoh! werden den Arbeitern aufgezwungen, um die Gewaltstreiche der Unternehmerllasse zurückzuweisen.'Und nach neuen Gewalt st reichen giert diese. Dort,� wo solche Gelüste vorhanden sind, dürfen wir nicht die Befriedigung derselben er- möglichen. Das gebietet die Klugheit und das Interesse der beteiligten Arbeiters Das„Harburger Volksblatt* überschätzt aber auch die Wirkung deS Aufrufs, wenn es befürchtet, daß dadurch die Widerstandskraft deS Unternehmertums gegen die Arbeitsruhe am 1. Mai gestärkt und die Energie der Arbeiterschaft für die Erringung der Arbeitsruhe gelähmt werde. Wir haben bereits vorgestern der freisinnigen Presse gegenüber nachgewiesen, daß die Partei stets— so zum Beispiel durch den Mund des Maifeierreferenten Fischer in München 1S02— offen ausgesprochen hat, daß die Maifeier nicht um jeden Preis als Wirt- schaftliche Machtprobe zwischen Unternehmertum und Proletariat zu betrachten sei. So nachdrücklich die Partei eine möglichst umfassende Arbeitsruhe anstrebte— sie hat niemals, einen Zweifel darüber gelassen, daß auch in dieser Frage die Taktik von den jeweiligen Umständen abhängt. Wir befürchten deshalb von dem Aufruf des Parteivorstandes weder eine Ernüchterung der Parteigenossen, noch eine Stärkung der Position des Unternehmer« tum». In einer günstigeren Situation wird die Arbeiterschaft wieder einen um so energischeren Bor st oß unternehmen, sofern nur, was wir hoffen und wünschen, der nächste I n t e r- nationale Kongreß in Stuttgart die bisherige Form der Maifeier aufrecht erhält. Die.Frank. Tagespost* schreibt: „Der Aufruf des Parteivorstandes ist ein weiterer er- freulicher Schritt auf dem Wege des voll- ständigen Ausgleichs zwischen Partei und Ge- werkschaften. Der Parteivorstand stellt sich jetzt mit der denkbar größten Entschiedenheit auf den noch vor kurzem so leiden- schaftlich umstrittenen Standpunkt der Gewerkschaften. Freilich vermögen wir den besonderenZweck einer aus- jährlichen Kundgebung in dieser>Form nicht einzu- sehen. Die Partei kann dieses Jahr mit um so größerer Berechtigung das deutsche Proletariat zu einer würdigen Feier des 1. Mm anfeuern, als sie ja jetzt bereit ist, auch an den finanziellen Opfern, die Maßregelungen infolge der Arbeitsruhe notwendig machen, zu ihrem Teil beizutragen. Darum hat der Vorstand Wohl auch diesmal entgegen dem ftüheren Brauch sich für ver- pflichtet gehalten, in einer besonderen Kundgebung im voraus die Parteigenossen zu einer eindrucksvollen Kundgebung zu ver- anlassen. Der Aufruf bringt ja insofern nichts Neues, als es seit jeher selbstverständlich, daß wir nicht leichtsinnig das Proletariat in Opfer stürzen, die in keinem Verhält« nis zum Wert des Erreichbaren stehen. Um so weniger aber sehen wir ein. warum eine Form deS Auftufs zur Maifeier gewählt wurde, die eine Warnung vor der Maifeier in einigen Sätzen verzweifelt ähnlich sieht. Wenn die Gewißheit ein erAussperrung künftig ein zwing ender Grund zur Unterlassung der Maifeier sein soll, so geht diese Auffassung nicht nur über den Mannheimer Beschluß ?inauch sondern sie bedeutet die Beseitigung der Mai- ei er überhaupt, soweit die Arbeits ruhe in Betracht kommt. Denn die Unternehmer werden dann natürlich immer mit der Aussperrung drohen und jede Maifeier dadurch unmöglich machen. Wir würden eine solche— gewiß nicht beabsichtigte— Abrüstung der Maifeier bedauern. Aber noch unerträglicher als der völlige Verzicht auf die Maifeier dünkt uns die ver- wirrende Unsicherheit des jetzigen Zustandes. Nimmt man die warnenden Sätze wörtlich, so hat die deutsche Sozialdemokratie die Verpflichtung, dem nächsten internationalen Kongreß, der in Deutschland stattfindet, dem Stuttgarter Kongreß, die Aufhebung der Maifeier vorzuschlagen. Wir dürfen keine Spannung zwischen Wort und Tat dulden, das ist der Tod jeder politisch ernsthaften Partei. Hat man aber nur gemeint, vor Unüberlegtheiten warnen zu müssen, so hätte man das einmal klarer sagen sollen, und dann meinen wir: Gerade das deutsche Proletariat steht am allerwenigsten im Verdacht, unbesonnen, unruhig, leidenschaftlich, impulsiv zu handeln: es bedarf wahrlich nicht der Mahnungen zur Selbstbeherrschung und kühlen nüchternen Erwägung." Diese Auslassungen scheinen uns verschiedene unüberbrückbare Widersprüche zu enthalten. Die eigene Stellungnahme der „Fränk. Tagespost" zur Frage der Arbeitsruhe erscheint uns zudem sehr wenig deutlich ersichtlich. Die„ Fränk. TageS p o st* nennt den Auftuf einen„er- freulichen Schritt auf dem Wege des vollständigen Ausgleichs zwischen Partei und Gewerkschaften*. Er stelle sich auf den„noch vor kurzem so leidenschaftlich umstrittenen Standpunkt der Gewerkschaften".. Was versteht aber die„Fränk. Tagespost" unter diesein„Standpunkt der Gewerkschaften"? Die Rücksicht- nähme auf die gewerkschaftliche Situation? An dieser Rücksicht« nähme hat eS die Partei niemals fehlen lassen. Schon 1895 empfahl ja Bebel, nach dem Vorbild Berlins die Durchführung der Maiftier den Gewerkschaften zu überlassen I Oder identifiziert die„Fränk. Tagespost" den Standpunkt der Gewerk- schaften mit dem Standpunkt des Genossen Robert Schmidt, der auf dem Kölner Gewerkschaftskongreß im Jahre 1995 unter Zustimmung zahlreicher Delegierter eine Resolution empfahl, die den Verzicht auf die Arbeitsruhe forderte? Dieser Annahme widerspricht wiederum der Satz:„Wir würden eine solche gewiß nicht beabsichtigte>7- A b r ü st u n g der Maifeier bedauern." Dann freilich erklärt unser Nürnberger Bruderorgan wieder, daß ihm noch unerträglicher als der v ö l l i g e Verzicht« auf die Maifeier die„verwirrende Unsicherheit des jetzigen Zu- standes" dünke. Die„verwirrende Unsicherheit des jetzigen ZustandeS* wird schwerlich durch ein in der grauen Theorie ja leicht zu stellendes„Entweder— oder* zu beseitigen sein. Auch wenn man— wie bisher— die möglich st e Durchführung der ArbeitSruhe erstrebt, wird man auch künftig nicht umhin können, den besonderen Umständen jedes Jahres Rechnung zu tragen. Man wird in dem einen Jahre mit allem Nachdruck für die Arbeitsruhe eintreten können, während man ein anderes Mal eine durch die Umstände gebotene Vorsicht übt. Diesen Standpunkt hat die Partei bisher eingenommen, und trotzdem hat unseres Erachtens die Mai- feier zwar langsam aber stetig an Boden gewonnen. Wir können uns nur den Ausführungen, die Genosse Fischer in Jena über die ArbeitSruhe am t. Mai gemacht hat, vollinhaltlich anschließen. Bekanntlich erstrebt gleichwohl eine Anzahl Gewerkschaftler— eine einheitliche Stellungnahme hat sich bis jetzt auch inner- halb der Gewerkschaften nicht ergeben— den völligen Verzicht auf die Arbeitsruhe und die ausschließliche Verlegung der Feier auf den Abend des 1. Mai. Diese Frage wird ja den internationalen Kongreß in Stuttgart eingehend beschäftigen. Vor- auSfichtlich wird dieser Erörterung auch noch eine ausgiebige DiS« kussion in der Presse vorausgehen. Soll diese Diskussion zur Klärung der Frage beitragen, so darf die Frage nicht etwa ge- stellt werden: entweder ArbeitSruhe auf jeden Fall oder Verzicht auf die ArbeitSruhe, sondern: Aufrechterhaltung des bisherigen Zustandes oder Preisgabe der ArbeitSruhe zugunsten einer einheit- lichen Sben�ier. « Die russische Revolution. Erregung unter der Arbeiterschaft. Petersburg, 18. April. Die Arbeiter des Gütep- und Rangicrbahnhofes der Nikolaibahn haben mit dem so- genannten„italienischen Streik", d. h. der passiven Resistenz, begonnen. Statt 2000 Wagen sind nur 200 in Dienst gestellt worden. Die Angestellten auf den be- nachbarten Stutionen der Nikolaibahn sind dem Streik beigetreten. Ein Versuch, den Verkehr mit Hülfe der Gendarmen in vollem Umfange wiederherzustellen, ist mißlungen.— Petersburg, 18. April. Nach Meldungen hiesiger Blätter aus Odessa ist die Arbeiterschaft über die Ausschreitungen des Verbandes der wahrhaft russischen Leute in außerordent- licher Aufregung. Der Hafen ist mit Kosaken und Polizei- Mannschaften angefüllt.—. Bedenkliche Rüstungen. Petersburg, 18. April. Auf Weisung des Berkehrsministers sind an allen Knotenpunkten der Bahnen die Strafeisenbahnzüge mobilisiert, welche bisher auf Rescmgleifen bereit gestellt waren. Wo es nötig erscheint, wird dir Schutzwachc verstärkt. Auch werden neue Dtrafzüge ausgerüstet. Einer, der in der Station Pensa ausgerüstet wurde, besteht aus 25 Wagen; 13 davon enthalten Material für den Fall von Beschädigungen des Gleises oder der Wagen, die übrigen 12 sind von 178 Untermilitürs und K Offizieren eingenommen. Im Zuge befinden sich 8 Maschinengewehre!! Das Trlegraphenbureau der Station Pensa ist militärisch besetzt. Märtyrer. Petersburg, den 18. April.(Privat-Depesche des„Vor- wärts") Wie mir aus Akutuisk in Sibirien telegraphiert wird, werden die dort eingekerkerten„Politischen" furchtbar mißhandelt. Auf Befehl Borodulies drangen 60 Soldaten ins Gefängnis ein und schlugen die Gefangenen mit Ge- ivehrkolben nieder, so daß der Fußboden im Blute schwamm. Die Geschlagenen wurden an den Füßen die steinernen Treppen herabgeschleppt oder auf die Steine hinunter- geworfen. Unter den Mißhandelten befinden sich viele bekannte Genossen.— Die Agrarfrage in Bauernköpfe». Petersburg, 18. April.(R ei ch s d u m a.) Das Haus be- schließt zunächst, aus Anlaß des Osterfestes die Sitzungen vom 39. d. M. bis zum 12. Mai ausfallen zu lassen. Hierauf werden die Verhandlungen über die Agrarfrage fort- gesetzt, in deren Verlaufe zwei bäuerliche Mitglieder der Rechten heftige Angriffe gegen die Polen und Israeliten richten und er- erklären, der Grundbesitz müsse den Grundeigentümern gegen B e- zahbung, aber nicht gegen zu hohe, abgenommen und unter die Bauern verteilt werden. Was die Behauptungen betrifft, so führten die Redner weiter aus. daß die Bauern ungebildet sind, so muß man sich der Ansicht der Eigentümer anschließen; aber ist es des Adels würdig, die Erde zu bearbeiten? Der Kaiser hat nicht Land genug, deshalb muß es den G r u n d e i g e n- t ü m c r n abgenommen werden, und wenn sie die Hergabe verwei- gern, muß eine ungeheuer hohe Grundsteuer eingeführt werden, um die Grundeigentiimer anderen Sinnes zu machen. Die Reden riefen auf der Rechten und auf der Linken Beifall hervor.-- Die Korruption. Petersburg, 18. April. Der Senat hat in seiner gestrigen Sitzung verfügt, daß der Gouverneur von Nischny-Nowgorod, Baron Fredericks, der in die Lidwall-Angelegenheit verwickelt ist, wegen Untätigkeit, Kompetenzüberschreitung und Mißbrauch der Amtsgewalt zu eigennützigen Zwecken und ebenso der Vizegouver» neur Kisjukow vor Gericht gestellt werden. Für die gerichtliche Verfolgung der übrigen Mitglieder der VcrpflegungSbehörde des Gouvernements liegt nach Ansicht des Senats ein Grund nicht vor.—_ politilche Qeberlicbt. Berlin, den 18. April 1007. Anklagen vor tauben Ohren. Vor teilnahmlosem Hause hielten in der heutigen Reichstags- sitzung, in der der Etat des Reichsamts des Innern weiter beraten wurde, unsere Genossen Severing und Hengsbach scharfe Anklagereden wider die Führenden der deutschen Industriellen, die Gruben- und Hüttenmagnaten. Sie leuchteten hinein in die Höllen, darin Walzwerk- und Hüttenarbeiter Arbeitskraft und Gesundheit verschleißen müssen, in die volksbedrohenden gesundheitswidrigen Wohnungsverhältnisse, in die die Thyssen und Klassengenossen die Arbeiter des Ruhrreviers zwängen, in die Brutstätten des Typhus und der Genickstarre. Nur der Staatssekretär PosadowSkh ant- wartete mit seinem gewohnten Ja— Aber; die bürgerlichen Par- teien hüteten sich, auf die gefährlichen Materien einzugehen. Die Debatte verlor sich in allerlei Einzelheiten; man beeilte sich, in Bausch und Bogen eine Anzahl von Kapiteln und Resolu» tionen anzunehmen. Die Sitzung wurde übermäßig ausgedehnt, bei skandalöser Besetzung des Hauses wurde der Etat herunter- gepeitscht, mehrere Vertagungsanträge wurden abgelehnt. Schließ. lich mußte beim Kapitel„Ausbau der Hohkönigsburg" die Sitzung wegen Beschlußunfähigkeit des HauseS abgebrochen werden. Freitag 1 Uhr geht die Etatsberatung weiter. Schuldentvirtschaft.— Schiffahrtsabgaben. Im preußischen Abgeordnetenhause gab heute beim Etat der Staatsschuldenverwaltung der Finanzminister Freiherr von Rhein baden eine längere Erklärung über die vorgestern abgeschlossene„Finanzoperation* des Reiches und Preußens ab. die darin besteht, daß, weil jeder von ihnen 299 Millionen Mark brauchte. sie die 499 Millionen zusammen gepumpt haben. Dabei klagte der Finanzmiiüster des reichest Preußens, der dem Reichsschatzselretär Frhr. v. Stengel gegenüber wirklich ein KrösuS ist, über seine ständige Geldnot so beweglich wie ein Bülowscher„Schnorrer" Die Reichsanleihen und die des Staates Preußen erfreuen sich zumeist an der Börse und bei den übrigen Kapitalisten einer höchst ge- ringen Wertschätzung; sie sinken unaufhörlich im Kurse, so daß die mittleren Kapitalisten daran Hunderttausende verloren hätten. Der Erklärungsgrund für diese Erscheinung ist in der Tat so leicht zu finden, daß selbst der Finanzminister, der so elegant die Last der indirekten Steuem wegzudisputieren versteht, nicht umhin konnte, ihn einzugestehen. Während England heute nicht mehr Schulden hat als vor 59 Jahren. Frankreich 1991 gegen 1831 seine Schulden um keinen Pfennig vermehrt hatte, haben das Deutsche Reich und Preußen allein in den letzten 19 Jahren 4 Milliarden 133 Millionen Mark neue Anleihen auf- genommen. Freiherr v. Rheinbaben will nun natürlich nicht mit dieser Schuldenwirtschaft ein Ende machen und der wahnsinnigen Verschwendung des deutschen Nationalvermögens für die Weltnmchts- und Kolonialträume entgegentreten, sondern sucht die Hülfe in allerlei höchst kleinlichen Maßregeln, zum Beispiel in dem Zwang auf die Sparkassen, einen Teil ihres VerniögenS in Staatspapieren anzulegen. Einstweilen hat sich die Regierung dazu verstehen müssen, den Zinsfuß wieder auf 4 Proz. zu erhöhen. Uu» den Kurs der übrigen Staatspapiere mit niedrigeren Zinssätzen nicht allzu sehr zu drücken, hat fie allerdings nur Schatzanveffunge»«ff bis Dauer von fünf Jahren ausgegeben. Aber es besteht natürlich keine Aussicht, daß fie in fünf Jahren finanziell irgendwie besser bestellt sein wird. So hat sie sich durch diese Zeitbeschränkung nur selbst e« Damoklesschwert über dem Haupte ausgehangen, das ihr einmal leicht in einer kritischen Zeit auf den Kopf fallen kann. Das Abgeordnetenhaus nahm diese Mitteilung kritiklos entgegen; nur der fteifimnge Berliner Abg. Kreitling jammerte noch rasch etwas über die Gefahren einer Erhöhung der Einkommensteuer. Daß diese Steuer«wf die Wohlhabenden nicht zu straff angespannt wird, ist die Hauptsorge des Freisinns. Das Abgeordnetenhaus bewilligte dann eine Reih« kleinerer Etats. Unter anderem auch die unnützen Ausgaben für den Landtag selbst und das Zivilkabinetl des Königs. Dann kam man zum Etat der Bauverwaltung, bei dem man die Schiffahrtsabgabea vorweg nahm. Die Geschichte dieser Schiffahrtsabgaben ist ein klassisches Beispiel für die Haltlosigkeit und zugleich für die agrarische Rücksichtslosigkeit der preußischen Regierung. Ms zuerst der Gedanke an die Schiffahrtsabgaben inden Köpfen einiger agrarischer Heißsporne auftauchte— es war in der Zeit, wo eS vom Mittellandkanal noch hieß:„Gebaut wird er doch I*— da erklärte der Ministerpräsident Fürst Bülow sie für verfassungswidrig. Inzwischen kroch er ver« gnügt unter das kaudinische Joch der Agrarier, und jüngst erklärte der Eisenbahnminister in der Budgetkommission, daß die Frage der BerfassungSmäßigkeit dieser Abgaben für die Regierung dadurch er- ledigt sei, daß beide Häuser des Landtages mit Zustimmung der Re- gierung sie beschlossen hätten. Er verkündete also den Grundsatz, daß die preußischen„Volksvertretungen* das Recht hätten, ReichSverfassungs- bestimmungen aufzuheben. Darauf interpellierte unsere Reichstags- sraktion durch den Genossen Dr. Frank wegen der Schiffahrts- abgaben die Regierung im Reichstage. Die Regierung verschob die Beantwortung mit der Begründung, daß sie erst ein Gutachten des Reichsjustizamtes einholen müsse, daS sie also noch nicht hatte. obwohl die Frage seit mehr als fünf Jahren schwebt. Heute end- lich gestand der sogenannte Verkehrsminister im Abgeordnetenhause, daß vor Einführung der Schiffahrtsabgaben der Artikel 54 der Reichsverfassung geändert oder, wie er ausweichend sagte,„authentisch interpretiert* werden müßte. Es scheint also der preußischen Rc- gierung tatsächlich gelungen zu sein, durch allerlei Schikane die süd- deutschen Staaten und Sachsen zur Einwilligung in diese Verfassungsänderung gezwungen zu haben. Die Konservativen und das Zentrum waren über diese Mitteilung natürlich hocherfteut. Der nattonalliberale Dr. Krause fand sich mit der Tatsache der bevorstehenden Einführung dieser Abgaben auf den Verkehr leicht ab. ja stimmte ihm sogar direkt zu. Vor 2 Tagen hat der nationalliberale Abgeordnete für Leipzig Dr. Junck im Reichstage den Beschluß verkündet, die Freiheit der deutschen Ströme mit Klauen und Zähnen zu verteidigen. Heute stimmt sein nationalliberaler Frakttonskollege Krause, der noch oben- drein Vorsitzender des Verein? für Kanal- und Flußschiffahrt ist, der Einführung von Schiffahrtsabgaben unbedenklich zu. DaS ist die nationalliberale Fraktion! Die Freisinnigen ärgerten fich über ihren neuesten Hereinfall nicht wenig; sie hatten nämlich gehofft, daß fich im Bundesrat keine Mehrheit für diesen Lieblingswunsch der preußischen Junker finden werde. Jetzt sind sie enttäuscht und die Handelskreise und Schiffahrtsinteressenten werden eS an ihrem Geldbeutel zu spüren bekommen, daß fie bei den Hottentottenwahlen wieder eine agrarische Mehrheit in den Reichstag gewählt haben, der nun allein noch die Schiffahrtsabgaben von ihnen abwenden könnte. So zeigt sich wieder einmal an diesem Beispiel drastisch, daß in Deutschland nur die Sozialdemokratie die Interessen des Handels und der Industrie, die Verkehrsfteiheit zu schützen versteht. Morgm wird die Beratung des Etats der Bauverwaltung fort- gesetzt.—__ Sozialpolitik für höhere Töchter. Der„Vorwärts* veröffentlichte vor einiger Zeit den Aufsatz einer Potsdamer Volksschülerin über die Sozialdemo- kratie, der nach dem Diktat der Lehrerin angefertigt worden war. Als Beweis, daß in den höheren Mädchen- schulen nicht weniger gegen die Wahrheit gesündigt und politische Verdummung getrieben wird, sei hier der Auffatz aus einer höheren Mädchenschule in einer rheinischen Großstadt mitgeteilt. Das Thema lautete„die Für- sorge der Hohenzollern für den Arbeiter- st a n d Die Lehrerin gab genaue Anweisung über den Inhalt und den Gedankengang deS Aufsatzes; den Erfolg ihrer sozialpolitischen„Aufklärungs"arbeit sieht man an der Art. wie eine der besten Schülerinnen der Klasse sich ihrer Aufgabe erledigte. Nämlich so: Die Fürsorge der Hohenzollern für den Arbcitcrstand. Im Jahre 1879/71 nach dem deutsch-französischen Kriege nahmen Industrie, Handel und Verkehr einen ungeahnten Aus- schwung. Manche Waren, die früher vom Auslande bezogen wurden, wurden jetzt in Deutschland selber verfertigt, mit deutschem Kapital, deutschem Fleiße und von deutschen Arbeitern. Viele Fabriken wurden errichtet. Tausende von Arbeitern fanden darin leichte und lohnende Beschäftigung. Männer, Frauen und Kinder wurden zur Arbeit herangezogen und vielen Arbeiter- familicn gelang eS, einen gewissen Wohlstand zu erlangen. Im ersten Eifer wurden zu viele Waren fabriziert, es fand sich kein genügender Absatz dafür. In den Fabriken wurde oft Tag und Nacht ohne Unterbrechung gearbeitet. Es entstand eine allgemeine Reaktion. Viele Fabrikbesitzer waren genötigt, ihre Fabriken zu schließen, andere mutzten eine große Anzahl von Arbeitern cnt- lassen. Dadurch entstand Not und Elend in der Arbeiterklasse. Viele waren auf öffentliche Wohltaten angewiesen, um ihr Leben fristen zu können. Große Unzufriedenheit in der Arbeiterklasse war naturgemäß zu erwarten. Kaiser Wilhelm I. richtete sein größtes Trachten danach, den Stand der Arbeiter möglichst zu vcr- bessern. Auf des Kaisers Veranlassung wurden in den Fabriken Inspektoren angestellt, die dafür Sorge tragen mußten, daß die Arbeiter nicht überanstrengt wurden. Auch wurde die Arbeit der Frauen und Kinder eingeschränkt und Sonntagsruhe eingeführt. Bisher arbeiteten Männer, Frauen und Kinder ohne Unter- brechung, was aber gesundheitsschädlich ist. Das Schiedsgericht wurde eingesetzt, und somit waren Arbeiter und Arbeitgeber nicht immer darauf angewiesen, bei Streitigkeiten das Gericht zu Rate zu ziehen. Aber die niedriggesinnten Arbeiter waren mit all' den Wohltaten des Kaisers noch nicht zufrieden und beschlossen, ihn zu töten. Sie übten ein Attentat auf den Kaiser auS. Aber trotz seines hohen Alters erholte sich der. Kaiser wieder zum großen Jubel des Volles. Er konnte somit den Wohlstand der Arbeiter weiter verfolgen. DaS Volk sann lange darüber nach, wie es dem Kaiser seine Freude über dessen Wiedergencsung bezeugen solle. Endlich kam es zu dem Allgcmeinbcschlutz, eine Gcldsammlung zu veranstalten. Der Kaiser bestimmte das erhalt-ne Geld dazu, erwerbsunfähige Arbeiter zu versorgen. Im Jahre 188l erließ der Kaiser eine Botschaft an den Reichstag und gab den Befehl, die Abgeordneten sollen sich hauptsächlich damit befassen, ein Gesetz zum Wohle der STrBcttet zu beraten und zu beschließen. Nach mannigfachen Vor- arbeiten kam 1883 das Kranlenversicherungsgesetz zur Beschluß- nähme. Die erkrankten Arbeiter werden seitdem auf Kosten der Krankenkasse wiederhergestellt. Der wohltätige Kaiser war aber noch nicht befriedigt. Bald darauf wurde das Unfallversicherungs- gcsetz eingeführt für diejenigen Arbeiter, welche einer das Leben gefährdenden Beschäftigung obliegen. Ereignet sich ein Betriebs- Unfall, so wird der Verunglückte durch eine Summe entschädigt, stirbt er an den Folgen der erlittenen Verletzung, so wird der Witwe und den Waisen eine Summe ausgezahlt. Aber dem Kaiser war dies alles noch nicht genug; er wollte auch für diejenigen Sorge tragen, die wegen Alter und Schwäche nicht mehr arbeiten konnten. Er bereitete ein Alters- und In- validitätsgesetz vor, aber leider konnte er sein Vorhaben nicht vollenden, da der Tod seinem Leben und Wirken ein Ziel setzte. Sein Sohn Friedrich bestieg den Thron mit der besten Absicht, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Aber nur zu kurze Zeit hatte er das Glück, als Kaiser zu herrschen. Er regierte nur lw Tage. Sein Nachfolger ist unser jetziger Kaiser Wilhelm II. Schon in seiner Thronrede erklärte er, für das Wohl des Volkes Sorge tragen zu wollen. Unter ihm trat das Alters- und In- validitätsgesetz in Kraft. Jeder Arbeiter, der das 70. Lebensjahr vollendet hat und auch der, der dauernd arbeitsunfähig wird, er- hält von der Invalidenversicherung eine Rente. Kaiser Wilhelm berief eine internationale Arbeiterversammlung nach Berlin. Es wurde nun bewiesen, daß in Deutschland am meisten für das Wohl der Arbeiter getan wird. Aber die Sorge unseres Kaisers für den Arbeiterstand ist bis heute noch nicht erschöpft. Er der- anlaßte» daß gesunde Arbeiterwohnungen gebaut wurden, auch richtete er Volksbibliotheken ein, um die Bildung der Arbeiter zu heben. Somit ist ganz besonders der Arbeiterstand den Hohenzollern zum Danke verpflichtet, weil sie ihnen immerdar väterliches Wohl- wollen entgegenbrachten. Der Zweck eines Unterrichts, der solche Früchte zeitigt, liegt auf der Hand: Verherrlichung des Kaiserhauses, Pflege der„guten Gesinnung"— auf Kosten der Wahrheit I Wenn nur die Hohenzollern glänzend dastehen, dann darf nach der Meinung solcher Volkserzieher die ganze Arbeiterklasse der- leumdet, herabgewürdigt und beschimpft werden. Bei der Jugend der Volksschule, die später zum guten Teil in die Arbeiterklasse aufgeht, tut ja nun die Erfahrung des Lebens, tut die Aufklärung im Verkehr mit den Klassengenossen das nötige, um die verdummenden und irreleitenden Wirkungen des VolkSschulunterrichts auf diesem Gebiete wieder aufzuheben. Airders bei der Jugend der sogenannten höheren Stände. Sie sind und bleiben abgeschlossen von der Arbeiterklasse, kennen das Leben nur nach den Anschauungen ihrer Umgebung und denken vom Volk, so wie sie es in der Schule gelernt haben. Nach dieser �Vorstellung leben die Arbeiter auf Grund der hohenzollernschen Fürsorge herrlich und in Freuden, nicht nur ihre Braten-, sondern auch ihre Kompottschüssel ist gefüllt bis oben hin, aber sie sind dennoch nicht zufrieden, und niedriger Gesinnung voll, wie sie nun einmal sind, töten sie die Fürsten, die ihre ganze Sorge auf das Wohl der Arbeiter verwendet habett. Je alberner das ist. umso größer aber auch die Schmach für eine Gesellschaft, die nach solchen Grundsätzen ihre Zugend erzieht.— ■*»# Deutfcbes Reich. Sabelraßler! Die Scharfmacherpresse setzt ihre beispiellos frivole Hetze gegen England mit beispielloser Unverfrorenheit fort. Das „Berliner Tageblatt" hatte erklärt, daß der gestern von uns zitierte Hetznrtikel der„Kölnischen Zeitung" nicht offiziösen Ursprungs sei. Demgegenüber setzt die agrarische„Deutsche Tageszeitung" ihr schnödes Verhetzungshandwerk folgendermaßen fort: „Das.Berliner Tageblatt" hält sich für berufen und ver- pflichtet, heute nochmals hervorzuheben, daß der vielerörterte Artikel der.Kölnischen Zeitung", der die Bedeutung und Wirkung eives kalten Wasserstrahles nach England hin hatte, nicht offiziös sei. Das krampfhafte Streben des ge- Nannten Blattes, den Artikel seiner angeblichen Offiziosilät zu entkleiden, macht einen geradezu spaßhaften Eindruck. Wir möchten dem.Berliner Tageblatt" raten, sich einmal daS wieder anzusehen, was Fürst Bismarck über den Ge- brauch der offiziösen Presse gesagt und ge- schrieben hat. Wir unsererseits halten es unter den ob- waltenden Umständen nicht für zweckmäßig, diese Aussprüche wiederzugeben, weil man sie unmittelbar auf den vorliegenden Fall anwenden könnte. Daß der Artikel keine offizielle oder offiziöse Verlautbarung der deutschen Regierung war, liegt auf der Hand; das erklärt die„Köln Ztg." heule selbst, und das hat auch kein verständiger Mensch angenommen. Es liegt aber ebenso auf der Hand, daß die in dem Artikel entwickelten Anschauungen in allen nationale» Kreise», und zwar sowohl bei den Regierenden, als auch bei den Regierten, geteilt werden. Ob das„Berliner Tageblatt" zu diesen Kreisen gehöre, möchten wir dahingestellt sein lassen." Wie unsinnig gebärdet sich das Zeitungsgeschwister .ReichSbote"—„Staats bürg er-Zeitung". In tinem bandwurmartigcn Hetzartikel heißt es: „Vor allem aber tut gegenüber dem A b r ü st u n g s rummel, der die Probe unserer Feinde auf die allmählich offenbar ge- wordene Schwäche Deutschlands darstellt, eine klare und ent- schiedene Stellungnahme der Reichsregierung not. Wenn sich das Schauspiel von AlgeciraS wiederholt, daß wir, über die Stellung der sogenannten befreundeten Staaten durch eine düpierte Diplomatie schlecht_ infonniert, völlig vereinsamt und vor Europa als Friedensstörer gebrandmarkt da- stehen, so würde eine derartige Niederlage den letzten Nest von Prestige tilgen, über den wir aus vergangenen besseren Zeiten un» noch herübergerettet haben. Deshalb kann hier nur eins fluchten: eine bündige Absage, dir Horner und Zähne hat." Toller hat es seinerzeit auch die Boulanger-Presse nicht getrieben I Das Scharfmacherwm leidet seit den Hottentottenwahlcn nicht nur an Tobsuchtsanfällen gegenüber der Arbeiterklasse, sondern es ist auch dem Ausland gegenüber von einem bcrserkernden rnptus teutonious befallen I Und das alles, >v eil schlimm st enfalls den Panzerflotten- Patrioten das Gcschäft ein wenig verdorben werden konnte! Deshalb spielt man mit einem Weltkrieg! Und das entrüstet sich dann über das Blut- vergießen der russischen Revolutionäre!— Die Kolonialskandale nicht erledigt! Die„Freisinnige Zeitung"� schreibt über den famosen Bericht der llntersuchungskommission über die Kolonialskandale: ..«Wer da geglaubt hatte, daß in diesem Bericht ausführ- lich auf die Beschuldigungen eingegangen sein würde, und daß nachgewiesen worden wäre, wie weit sie berechtigt find, wie weit nicht, der irrt sich ganz gewaltig. Es sind über die einzelnen Fälle nur ganz kurze Notizen angegeben, in denen der Gegenstand der Beschuldigung und der Ausgang dkr Untersuchung mitgeteilt wird. Ein einigermaßen jjU!- treffende? Bild darüber, ob die Anklage begründet und ob die Untersuchung erschöpfend gewesen ist, kann man sich auS dem Schriftstück absolut nicht machen.... Bei verschiedenen Gelegenheiten, beispielsweise bei der DiS- ziplinaruntcrsuchung gegen den Gouverneur v. Püttkamer ist un- widersprochen von mehreren Seiten behauptet worden, daß der richterliche Beamte seine Untersuchung nur ans b e st i m m t e Anklagepunkte ausgedehnt, alle übrigen Punkte aber u n b e- r ü ck s i ch t i g t gelassen habe. Hierüber finden sich in dem Be- richt absolut keine Angaben. Es kann also gar keine Rede davon sein, daß mit der Veröffentlichung dieses Doku- ments die Sache auch für diejenigen Beamten abgeschlossen sein kann, deren Fälle als„erledigt" angegeben werden." Man wird ja sehen, welche Haltung die freisinnigen Herren Abgeordneten än der Kommission und im Plenum einnehmen werden!—_ Die Rachwahl im Wahlkreise Glanchau-Meeranr. Meerane, 13. April. (Privattelegramm.) Die heutige Kreiskonferenz der Sozialdemokratie hat einstimmig als Kandidaten für die ReichStagSnachwahl den Genossen Parteisekretär H. Molkenbuhr aufgestellt. *« • Die Genossen des 17. sächsischen Wahlkreises haben sich also die Aufgabe gestellt, den Genossen Molkenbuhr dem Reichstage wieder« zugeben. Der sozialdemokratischen Reichstagsflaktion wird mit dem Wiedereintritt des auf dem Gebiete der Sozialpolitik hervorragenden Sachkundigen eine werwolle Kraft zurückgegeben. Die Genossen des Wahlkreises werden dafür sorgen, daß Genosse Molkenbuhr mit imposanter Majorität der Nachfolger Auers im Mandat wird. Die Aussperrung der Schauerleute vor der Hamburger Bürgerschaft. Wie schon telegraphisch berichtet, beschäftigte sich dieses illustre Privilegierten- und Geldsacksparlament in seiner Sitzung vom Mittwochabend mit einer Interpellation der sozialdemokra- tischen Fraktion über die Aussperrung und deren das Gesamtintercsse berührende Begleiterscheinungen. Nach der Ver- fassung der Elbrepublik braucht der Senat bei solchen'Dingen nicht Rede und Antwort zu stehen, wie er sich überhaupt nicht ver- treten zu lassen braucht. Dazu sind die Deputationen da, deren bürgerschaftliche Mitglieder, größtenteils aus Interessenten bestehend. Rede und Antwort stehen. Wie die Interpellationen von sozialdemokratischer Seite beantwortet werden, davon haben wir schon verschiedentlich Mitteilung gemacht. In eingehender Rede begründete Genosse Fischer die Jnter- pcllation. Er wies auf die schweren sanitären Gefahren hin. die durch die Ansammlung von ausländischen Streikbrechern auf den Kasernenschiffen und die damit in Verbindung stehende Verunreini- gung der Elbe der Gesamtheit drohen und geißelte das unsoziale Empfinden des Reederklüngels und dessen sozialpolitische Rück- ständigkeit. Den Unternehmern Vernunft beizubringen, gegen sie die gesetzlichen Bestimmungen in Anwendung zu bringen, wäre Sache der Behörden getvesen, die aber, wie immer, gegen die Arbeiter Partei ergreifen. Die Deputation für Schiffahrt und Handel hätte längst eingreifen sollen, wenn die Lobpreisung unserer sozialen Gesetzgebung Berechtigung haben solle. Der offizielle Vertreter der genannten Deputation, Großkauf- mann E i f f e, schilderte die Ursachen des Streiks, daß seinen Klassengenossen das Herz im Leibe lachte und hielt die K a s e r n e n- schiffe zum Schutz der Arbeitswilligen für notwendig, weil die Polizei ihnen sonst nicht den nötigen Schutz hätte gewähren können. Die Unterzeichnung der festen Jahreskontrakte für Schauerleutc würde zu geordneten Zuständen geführt haben. Dem Kaidirektor(dieser ist Staatsbeamter), den Herr Stalten in der vorigen Sitzung angegriffen habe, werde man nicht ver- wehren;„ungeeignete Elemente" vom Kai fern- zuhalten. Auch die famose ZwangSkasse der Reeder hielt dieser Herr für den Ausfluß hoher sozialpolitischer Reederweisheit. Diese Beantwortung der Interpellation ging auch Herrn Petersen, einem Enkel deS früheren Bürgermeisters von Ham- bürg, über die Hutschnur. Herr Petersen verlangte von den Be- Hörden Unparteilichkeit und wandte sich gegen die Reederpresse. Dafür wurde er von den anderen Rednern aus dem kapitalistischen Lager ein„Idealist" genannt, der von dem praktischen Leben nichts verstehe. Der Syndikus der Amerika-Linie. Dr. M u m f f e n, will nicht, daß ein paar Schauerleute den Hafen beherrschen.(Zuruf: Aber ein Ballini) Dann sprach dieser Verfechter der Reeder- interessen von der„Legende" der 3östündigen Arbeitszeit im Hafen, die nur— eine Verweilungszeit sei. Herr U l f e r t von der Linken verlangte ein Verbot des MaifestzugeS, weil ja alles mögliche passieren könne. „Denken Sie an die Schopenstehlexzesse!"— Herr Reimer, verunglückter Scharfmächerkandidat bei der letzten Reichstags- wähl für Hamburg II, möchte dem Streikpostenstehen zu Leibe gegangen wissen.— Die Genossen Stalten und Hoffmann gingen mit diesen Vertretern des Ballinismus scharf ins Gericht. Wie immer, verlief auch diese Verhandlung„Programm- mäßig": durch Schlußanträge wurde die weitere Debatte abgemurkst!_ Vom polnischen Schulstreik. Die Erwartung, der polnische Schulstreik werde nach den Osterflrien ganz erlöschen, hat sich nicht erfüllt. Nach amtlichen Ermittelungen streiken noch im Regierungs- bezirk Danzig 2282 Kinder in 33 Schulen und im RegierungS- bezirk Marienwerder ö88 Kinder in SU Schulen; das sind noch 31 Prozent der Gesamtzahl der ursprünglich in Westpreußen streitenden Schulkinder. In Karthaus verurteilte der Kreis- ausschutz als Disziplinargericht vierzehn Gemeindeschöffen, welche trotz des Diensteides ihre Kinder am Schnlstreik teilnehmen lassen, teils zu Geldstrafen von IS— 60 Mark, teils zur Amtsentsetzung. Gemeindesteuerreform in Elsaß-Lothringen. Die Finanzverhältnisse der Gemeinden deS Reichslandes berufen nach den alten flanzösischen Gesetzen in der Hauptsache auf Ver- brauchsabgaben, dem Oktroi und den Zuschlägen zu den staatlichen direkt en Steuern. Dieses Finanzshstem reicht schon heute bei den immer mehr gesteigerten Anforderungen an die Gemeinden, besonders an die großen Städte, nicht mehr zur Deckung der Bedürfnisse auS, so daß in den meisten größeren Ge- meinden eine Finanzmisere eingetreten ist. Diese Kalamität wird noch verstärkt durch den Wegfall eines erheblichen Teiles der Verbrauchsabgaben vom 1. Januar 1910 ab durch Inkrafttreten des 8 13 des Z o l l t a r i f g e f e tz e S. Es ist daher eine unbedingte Notwendigkeit, den Gemeinden anderweitige Möglichkeiten der Steuer- erhebung zu eröffnen. Die Regierung hat bisher nichts getan, den Gemeinden neue Wege zu weisen. Aber auch die Gemeinden haben bisher jede Initiative, zu neuen Einnahmequellen zu gelangen, ver- missen lassen. Jetzt, nachdem die Not sehr hoch gestiegen ist, haben ie sich endlich aufgerafft, um der Regierung ihre Wünsche auszudrücken. Auf dem ersten elfaß-lothringifchen Städtetage. der am 14. April in Straßburg abgehalten wurde, besprach man verschiedene Vorschläge zu einer Reform der Gemeindesteuergesetz- gebung in Elsaß-Lothringen. Anlaß dazu gab ein? Denkschrift der Stadt Mülhausen über die Einführung der Wertzuwachs« st euer im Reichslande. Nach eingehender Debatte, in der sich alle Vertreter prinzipiell mit einer Wertzuwachssteuer einverstanden er- klärten, wurde nachfolgende Resolution angenommen: Die Finanzlage eines sehr erheblichen Teiles der elfoß- lothringischen Gemeinden ist eine wenig günstige. Während die Ausgaben in fortwährendem Wachsen begriffen sind, weisen die Einnahmen keineswegs eine entsprechende Steigerung auf. Dazu kommt, daß durch das im Jahre 1910 bevorstehende Inkrafttreten des§ 13 des Zolltarifgesetzes, welches die Verbrauchssteuern auf Getreide, Hülsenfrüchte, Mehl- und andere Mühlenfabrikate, Back- waren, Vieh. Fleischwaren und Fett aufhebt, ftir eine größere Anzahl von Gemeinden ein sehr beträchtlicher Ausfall von Oktroieinnahnien entstehen wird... Bei dieser Sachlage scheint es geboten,»ine Reform der Gemeindesteuergesetzgebung in der Richtung ins Auge zu fassen, daß den Gemeinden in bezug auf das Besteuerungsrecht weiter- gehende Befugnisse und größere Bewegungsfreiheit, als die jetzt bestehende, eingeräumt werden. In erster Linie dürfte dabei den Gemeinden die Befugnis zu einer selbständigen stärkeren Be- steuerung des Grundbesitzes zu gewähren sein, da der Grund- besitz in der heute bestehenden Form der Zuschläge zu der staatlichen Grundsteuer in ganz unzureichenden und gegenüber den anderen Steuerquellen— Gewerbebetrieb, Kapitalbesitz, Lohn und Be- soldung— abnorm geringen Maße zu den Gemeindelasten heran- gezogen ist, während gerade dem Grundbesitz aus einer Reihe von Einrichtungen, welche die Gemeinden infolge ihrer fortschreitenden Entwickelung und räumlichen Ausdehnung auf Kosten aller Steuer- zahler treffen müssen, besondere Vorteile durch eine mehr oder minder große Steigerung seines Werte? erwachsen; Die Form der Besteuerung anlangend, so dürste in erster Linie eine Besteuerung des unverdienten Wertzuwachses(indirekte Steuer), daneben auch die Besteuerung der Grundstücke nach dem gemeinen Wert in Betracht zu ziehen sein. Ebenso mutz es als wunschenS- wert bezeichnet werden, daß der Artikel 30 des Gesetzes vom 1«. September 1807, welcher den Gemeinden die Befugnis erteilt, die durch die Vornahme gemeindlicher Arbeiten in besonderem Maße begünstigten Grundeigentümer zu Beiträgen heranzuziehen, eine Umänderung erfährt, durch welche bei Anwendung dieser Be- stimmung eine größere Wirkung zugunsten der Gemeindekasse erzielt wird, als dies bis jetzt erfahrungsgemäß der Fall gewesen ist. Als weiteres Mittel, die Finanzlage der Gemeinden zu ver- bessern, bettachtete der Städtetag eine Erhöhung der Hunde- st euer, die denn auch beschlossen wurde.— Gemaßregelt. In dem meiningischen Dorfe L eis lau bei Camburg wirkte bis vor kurzem der Pfarrer v. N. Vagi. Plötzlich wurde er seines Amtes enthoben. Ueber die Ursache dieser Maßregelung teilen thüringische Blätter folgenden Sachverhalt mit: Am 6. Februar(also nach den ReichStagSwahlen hatte V. Vogl einen Familienabend veranstaltet und bei dieser Gelegenheit einen Vortrag„Ueber die politischen Parteien des Reichstags" gehalten. Der Bortrag sollte, wie der Redner in der Einleitung und am Schluß betonte, dazu beitragen, daß die Parteien einander verstehen lernen und sie mit den ehrlichen Waffen der Wahrheit und Gerechtigkeit den Kampf führen möchten. Wiederholt wurde von dem Vortragenden betont, daß er lediglich referieren, seine eigene politische Ueberzeugung also für sich be- halten und niemand zu nahe tteten wolle.... Obwohl die Ueberzahl der Anwesenden konservativ gesonnen war. wurde der Vortrag mit Beifall belohnt. Nur der Ritterguts« besitzer Schlüter(jetzt Rentner in Naumburg) trat sofort an v. Vogl heran und belehrte ihn, daß der Pfarrer die Sozialdemokratie zu bekämpfen habe. Er ver- langte, der Redner solle noch nachtragen, daß die Sozial« demokratie die Ehe und Familie zerstören und da? Christentum abschaffen wolle, v. Vogl wies das Ansinnen mit döw Bemerken zurück, daß von Ehe und Fa« milie gar nichts im sozialdemokratischen Programm enthalten sei, von Religion bloß: Religion ist Privatsache. Darauf verließ Herr Schlüter mit seiner Frau ostentativ den Saal. Niemand von den Anwesenden folgte ihm, obwohl er sich Mühe gab, die Leute von der Ungehörigkeit des Vortrages zu überzeugen. Ungefähr 14 Tage daraus wurde vom Oberkirchenrat in Meiningen das Konzept des Vortrages mit Beschlag belegt, der Pfarrer seines Amtes enthoben und ihm zugleich ein Drittel seines Gehaltes entzogen.... Nach langem Verhör wurde die Sache an den Oberkirchenrat verwiesen, dessen Ausspruch noch aussteht._ ES wird alles bezahlt! rief der Rittergutsbesitzer Brauns dem erregten Publikum in Weimar zu, als er mit seinem Automobil einen 64jährigen Mann totgefahren hatte. Der notleidende Rittergutsbesitzer ist nämlich nebenbei auch Kohlenbaron und nahm als solcher an der in Weimar stattgefundenen Sitzung des Sächsischen Kohlensyndikats teil. Dabei mag es ganz animiert zuge« gangen sein. Ja recht fideler Stimmung steuerte der Notleidende sein Automobil selbst, um abends gegen 9 Uhr noch einige not» leidende Kohlenaktionäre von Weimar über Erfurt, Gotha, nach Eisenach zu kutschieren. Kaum von dem Hotel weg, an der nächsten Straßenecke fuhr der notleidende Autolenker bereits dem Kunst- inaler Schnitze aus Weimar den Schädel entzwei. Nach kurzem Aufenhalk brachte es der RittergutÄbesitzer und Kohlenbaron fertig, höchst eigenhändig seine Gesellschaft noch nach Eisenach zu fahren. Von dort aus teilte er dann der Staatsanwaltschaft rn Weimar mit, daß er sich ihr zur Verfügung stelle. Wie würde die bürgerliche Presse über die Verrohung der Ar» bester losziehen, wenn sich ein Angehöriger der Arbeiterklasse einer nur annähernd gleichen Handlungsweise schuldig machte.— Gräbel— Walter. In der erneuten Verhandlung>deS Prozesses Grübe!— W a l t e r vor der Berufungsstrafkammer deS Gothaer Landgericht» ereignete sich ein heiterer Zwischenfall. Walter, der frühere Redakteur des„Gothaischen Tageblatts", ist wegen Be- leidigung des Kommerzienrats Gräbel, des Vorsitzenden des Thüringer Webervereins, vom Gothaer Schöffengericht zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt worden. In dem Urteil des Schöffengerichts heißt es, daß das Verhalten des Kläger» Grübe! bei Leitung des Thüringer Webervereins„zu moralischem Bodenken mehr oder minder Anlaß gebe". Hiergegen hat Grübe! Be- rufung eingelegt, so daß sich auch die Strafkammer mit der Ange- lcgcnheit zu befassen hatte. In der Verhandlung wurde wiederum ein umfassendes Bild des Wirkens des der agrarischen Partei angehörenden Herrn Gräbel entworfen. In seinem Schlußwort äußerte der Angeklagte Walter u. a. folgendes: „Eine sehr angesehene und einflußreiche Persönlichkeit sprach sich seinerzeit auf Anfrage des gothaischen StaatSministeriumS da- gegen aus, daß Herrn Gräbel der KommerzienratStitel verliehen tveroe. Dieselbe Persönlichkeit äußerte einmal im Kreise von Landtagsabgeordneten:„Den Gräbel, diesen Menschen, hasse ich nicht bloß, den verachte ich!"(Zwischenruf Grübel»; .DaS war Ihr Freund!") Herr Gräbel schien auf den sozialdemokratischen Abgeordneten Bock anzuspielen. Walter:„Nein, Herr Gräbel, das war nicht mein Freund, sondern Ihr Freund, mit dem Sie jetzt freund« schaftliche Händedrücke wechseln. Es war der Landtagspräsident Licbetrau." 'Herr Gräbel lehnte sich erstaunt an seinen Stuhl und ließ die Arme sinken.— Das Urteil in dem Prozeß, der im Herzogtum Gotha viel Staub gusgcwlrbelt hgt, wird nächsten Sonnabend verkündet. Hustand. Oesterreich. Bor den Wahle». Aus Prag wird uns geschrieben: Wir stehen jetzt knapp vor den ReichSratswahlen. die am lt. Mai ?att finden werden. Am 23. Mai erfolgen dann die Stichwahlen. Zum ersten Male wird das österreichische Proletariat bei allgemeinem, gleichem, direktem Wahlrecht über die nächsten sechs Jahre RcichSrats- session entscheiden. Wie wird nun das nächste Parlament aussehen? � Von 516 Mandaten entfallen 108 auf die böhmischen Wahl- bezirke. Kandidaten in allen 108 böhmischen Bezirken hat bis heute nur die böhmische Sozialdemokratie aufgestellt, und zwar entfallen davon auf Städtebezirke 33 Landgemeinden t2 auf Mähren: Städte 10 . Landgemeinden 20 „ Schlesien: Städte 3 108 Die böhmischen Sozialdemokraten gehen mit Freude in den Kampf, und wenn auch dielleicht nur wenige Mandate erobert werden, so kann man schon heute ruhig sagen, dah die Stimmen- zahl wohl die aller anderen Parteien übertreffen dürfte. Die Herren haben die Wahlbezirke schon so eingerichtet, daß den Sozial- oemokraten nur wenige Mandate zufallen können.— Schweiz. Die Friihjahrssesfion der Bundesversammlung. Bern, 14. April..,BcrIjnLW. HierzuZBeilagcnu.Untcrhaltungsblatt Ar. St. 2A. Iahrgasg. L Seiligr des Jotmörts" Kerlim loMiitl Freitag, 19. April 1907. Reid�etag. 32, Sitzung vom Donnerstag, den 18, Aprtr, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: Graf Posadowskh. Die zweite Beratung des Etats für das Reichsamt des Innern wird beim Kapitel Reichsgesundheitsamt fort- gesetzt. Abg. Prinz Schönaich-Carolath(natl.): Ist den Vertretern der Regierung, speziell den Mitgliedern des Reichsgesundheitsamts, etwas Näheres über die Versuche bekannt, welche von der Auto mobilindustrie zur Einschränkung der Dampf- und Staubentwicke lung gemacht werden? Das Reichsgesundheitsamt mühte sich um diese Dinge ernstlich kümmern; es ist bereits dahin gekommen, dah man den Tiergarten und den Grunewald kaum noch als Erholungs- stätten für die Bevölkerung bezeichnen kann.(Lebhafte Zustimmung auf vielen Seiten.) Abg. Severing(Soz.): Der Abgeordnete Fleischer forderte die Anstellung von Aerzten bei der Get�rbeinspektion. Um einer Legendenbildung vorzu- beugen, stelle ich fest, dah die Sozialdemokraten schon seit 10 Jahren auf diese Notwendigkeit hingewiesen haben. Im November vorigen Jahres, hat der Reichstag bereits eine von den Sozialdemokraten eingebrachte Resolution gegen wenige Stimmen angenommen, welche die Einschränkung der Arbeitszeit in den Walz- und Hüttenwerken forderte. Hierauf hat die Regierung erst am letzten Sonnabend etwas hören lassen. Der Staatssekretär für das Reichsamt des Innern erklärte nämlich, es liege die Absicht einer Enquete über die einschlägigen Verhältnisse in der Eisenindustrie vor; er habe sich deshalb an den preutzischen Handelsminister gewandt und müsse abwarten, welchen Erfolg diese Enquete haben werde. Diese Ant- wort befriedigt uns nicht. Wir fordern nicht Erhebungen, sondern Verordnungen zum Schutze der Arbeiter, die in den Walz- und Hüttenwerken beschäftigt sind.(Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Aber selbst wenn die Regierung meint, sie könne solche Verordnungen nicht ohne vorhergehende Erhebungen erlassen, ist eS nach unserer Auffassung nicht angebracht, mit diesen Er Hebungen das preuhische Handelsministerium zu beauftragen; denn zu diesem haben die Arbeiter kein Vertrauen. Mindestens mühten die Erhebungen vom Beirat für Arbeiterstatistik angestellt werden. Daß das preuhische Handelsministerium kein Vertrauen verdient, hat ja auch der Staatssekretär Graf Posadowskh am Sonnabend selbst bewiesen, als er uns mitteilte, dah der preuhische Handels minister ein Bedürfnis zur Regelung der Arbeitszeit durch einen Maximalarbeitstag für Männer und Frauen nicht anerkennt. (Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Will die Reichsregierung zuverlässiges Material über die Arbeitsverhältnisse in den Walz- und Hüttenwerken haben, so werden ihr die gesamten Arbeiter- organisationen, besonders der Deutsche Metallarbeiterverband, die tätigste Mitwirkung zuteil werden lassen. Es handelt sich hier um eine Arbeiterschaft von über 1VH Millionen, mit ihren Angehörigen um etwa S Millionen Deutscher, die in der Eisen- und Metall- industrie ihren Erwerb finden. Diese Tatsache beweist, wie wichtig der«chutz dieser Arbeiterschaft ist. Graf Posadowskh sagte ja selbst einmal, dah die Gröhe der deutschen Industrie auf der Tüchtigkeit ihres Arbeiterstandes beruhe. Dann hat die Reichsregierung doch die Verpflichtung, für den Schutz der Ärbeiterschaft einzutreten. Die Behauptungen des Unternehmertums, dah die Industrie durch unsere soziale Gesetzgebung ganz unerträglich belastet werde, zer fallen bei näherem Zusehen in nichts. In 12 Hüttenwerken wurde im Jahre 1904 ein Reingewinn von 52 Millionen Mark, 1905 von 57 Millionen und 1906 gar von 70 Millionen Mark erzielt. Das Werk-Rote Erde" allein hatte in den Jahren von 1885/86 bis 1892/94«inen Reingewinn von 35 Millionen Mark und verteilte 212 Proz. Dividende, durchschnittlich also 23% Proz. im Jahr. Die Rentabilität dieser Werke läht also sehr wohl nicht nur höhere Löhne, sondern auch einen höheren Schutz der Gesundheit der Ar- beiter zu.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es ist doch charakteristisch, dah die Arbeiter von„Rote Erde" im vorigen Jahre in den Streik getreten sind, nicht sowohl um eine Lohnerhöhung durchzusetzen, sondern um eine Verlängerung der Mittagpausen, eine vierzehntägige Lohnzahlung und eine bessere Bezahlung der Sonntagsarbeit zu verlangen. Räch den Angaben der Berufs gcnoffenschaften in der Eisen- und Stahlindustrie finden wir Arbeitsverdienste von 868 bis 1087 M. jährlich. Bei den gesteigerten Preisen aller Lebensbedürfnisse reicht aber selbst ein verhältnismähig höherer Arbeitsverdienst zur Führung einer guten Lebenshaltung nicht aus, wie unter anderen auch der bürgerliche Nationalökonom Dr. Ehrenberg ausdrücklich anerkannt hat. Dah übrigens die angeblich hohen Verdienste der Arbeiter in den Walzwerken nur durch eine ganz übermähig lange Arbeits- zeit zustande kommen, zeigt deutlich die vom Deutschen Metall- arbeiterverband veranstaltete Enquete. Bei dieser Untersuchung er- gab sich in 3 Werken eine Arbeitszeit von über 12 Stunden, in 127 Werken, das ist die übergroße Mehrzahl, eine solche von 12 Stunden, in 19 Werken eine Arbeitszeit von 11 Stunden, in 2b Werken eine lOstündige, in 21 Werken eine 9stündige Arbeits- zeit und in nur 9 Werken eine Arbeitszeit von 8 Stunden. Nach den Ausführungen, die der Kollege Giesbcrts neulich hier gemacht hat, kommen wöchentliche Arbeitszeiten von 100 bis 110 Stunden vor, und 24 Stunden Arbeit hintereinander, selbst 36stündige Arbeit ohne Unterbrechung ist keine Seltenheit.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Unternehmer in der deutschen Metallindustrie kennen wir ja und wir wissen, dah sie keine Verkürzung der Arbeitszeit eintreten lassen wollen. Um so mehr also muh die Gesetzgebung eingreifen. um die Gesundheit der Arbeiter zu schützen. Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Möglichkeit der Verkürzung der Arbeits- zeit ist ja auch an vielen Orten schon praktisch bewiesen; das zeigen die achtstündigen Schichten in Gaswerken, das zeigen auch die Aus- führungen reinbürgerlicher Sozialpolitiker. Die Herabsetzung der Arbeitszeit ist eine absolute Notwendigkeit, um die Gesundheit der Arbeiter in den Hütten- und Walzwerken zu schützen. Welche Degeneration der Arbeiter durch die übermähig lange Arbeitszeit herbeigeführt wird, dafür geben uns auch bürgerliche Sozialpolitiker — ich nenne nur Dr. Stillich und Hasselbart— Beispiele in Hülle und Fülle. Auch die Zahl der Unfälle nimmt in erschreckendem Mahe zu; so sind sie im Bezirk der Rheinisch- Westsälischen Stahlwcrksgenossenschaft von 9,5 auf 15,2 pro lOOO gestiegen, im Bezirk der Rheinisch-Westfälischen Walzwerk- berufsgenossenschast sind die Unfälle von 17 863 im Jahre 1905 auf 19 404 im Jahre 1906 gestiegen. Wir fordern in unserer Reso- lution, dah zur Ueberwachung der Unfallverhütungsvorschriften in schärferer Weise eingewirkt wird und dah Arbeiterkontrollcurr den Gewerbeinspektoren beigegeben werden. Wie richtig diese von uns schon seit Jahren erhobene Forderung ist. beweisen zahlreiche Be- richte von Gewerbeinspektoren über die Mitwirkung von Arbeiter- ausschüssen. Die Enquete des Metallarberterverbandes hat sich nicht nur auf die Arbeitszeit und die Unfallgefahr beschränkt, sondern ist auch auf die sanitären Einrichtungen ausgedehnt worden. Und auch da haben sich in bezug auf Trinkgelegenheit, auf Waschgelegenheit, auf Speiseräume, auf Ventilation der Arbeitsräume usw. wahrhaft erschreckende Zustände ergeben; kein einziges Werk entspricht in seinen Einrichtungen modernen, sanitären Anforderungen.(Hörtl hörtl bei den Sozial- Demokraten.) Die Arbeiter in diesen Werken sind auch sehr schlecht organisiert, und das erklärt sich zu einem Teile daraus, dah von den Besitzern und Leitern der Werke der denkbar schärfste Terrorismus ausgeübt wird.(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Für die geringfügigsten Versehen sind hohe und willkürliche Strafen an der Tagesordnung. ! Auch in den Metallschleifereien, zu denen ich mich nun wenden will, sind die Gesundheitsverhältnisse überaus schlecht. Auf Veo anlassung' des Reichsamts des Innern ist im Jahre 1905 eine Untersuchung darüber veranstaltet. Ich kann es nicht verstehen, dah die Reichsregierung sich daraufhin nicht entschließen will, all gemein gültige Vorschriften über die sanitären Einrichtungen in den Schleifereien zu erlassen. Die Regierung hat zwar ein Schleisermerkblatt herausgegeben; um aber einen genügenden Schutz zu gewährleisten, ist das nicht genügend. Gewiß ist es geeignet, die Arbeiter über Krankheitsursachen und Vermeidung von Krank heiten aufzuklären, und in den Gewerkschaftsorganisationen wird alles getan, um das Merkblatt unter den Arbeitern zu verbreiten. Aber Merkblätter allein("n es nicht. Der Herr Vorredner hat mit Recht darauf hingewiesen, daß man darauf hinwirken mutz, die Lungen gesund zu erhalten und dah deshalb die Staubentwickelung durch Automobile zu bekämpfen ist. Im vollsten Maße trifft dies aber auch auf die Arbeiter in den Schleifereien zu, und nur auf gesetzlichem Wege kann hier ein wirksamer Schutz erreicht werden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) In der Presse wird zwar behauptet, daß die Gcsundheitsverhältnisse in den Schleifereien besser geworden sind, doch ist das nicht richtig, wie namentlich auch die Berichte der Gewerbeinspektoren beweisen, von denen ebenfalls mehrere den Erlaß allgemein gültiger Vorschriften über die Einrichtungen in den Metallschleifereien verlangen. Die Berichte zeigen sogar, dah die Gesundheitsverhältnisse der Schleifer nicht besser, sondern schlechter geworden sind. Bei dem überaus häufigen Wechsel der Arbeiter in den Schleifereien kann übrigens gar nicht genau festgestellt werden, ob ihre Gesundheitsverhältnisse sich verbessert oder verschlechtert haben. Jedenfalls bedürfen die Verhältnisse hier sowie in den Hütten- und Walzwerken dringend der Verbesserung, und da die Unternehmer nichts tun wollen, so ist das Eingreifen der Reichsregierung notwendig. In der Generaldebatte wurde von allen Seiten das Wohlwollen für die Soziapolitik betont. Wenn es Ihnen mit Ihren Aus- führungen für ein einheitliches und freies Koalitionsrecht, über die Einführung des Maximalarbeitstages für Männer und Frauen, über einen wirksamen Schutz der Arbeiter gegen Unfall- gefahr ernst ist, dann müssen Sie die Reichsregierung energisch zu gesetzlichem Einschreiten auffordern; das tun Sie, wenn Sie unsere Resolution annehmen.(Bravo l bei den Sozialdemokraten.) Abg. Wattendorf(Z.): In letzter Zeit sind in Rheinland- Westfalen nicht weniger als 21 Todesfälle an Genickstarre vorgr- kommen. Im Interesse unserer Bcrgarbeiterbevölkerung wäre dringend erwünscht, wenn eine Spezialkommission ernannt würde, die an Ort und Stelle die Krankheit erforscht. Hoffentlich bringen uns die Fortschritte der medizinischen Wissenschast bald Aufklärung über die verheerende Seuche.(Bravo I) Abg. Korfanty(Pole) bringt die Arbeitsverhältnisse in den oberschlesischen Gruben zur Sprache, in denen die Unfallverhütungs- Vorschriften so gut wie gar nicht beachtet werden. Abg. Hoeffel(Rp.) befürwortet, dah die jungen Mediziner einen Teil ihrer Vorbildungszeit bei praktischen Aerzten zubringen sollten. Redner tritt für die WohnungSreform als Grundlage der Gesundung des Familienlebens ein. Abg. Dr. Mugdan(fr. Vp.) tritt für die rcichsgesetzkiche Altersversorgung der Krankenpflegerinnen ein. Auch das Heb- ammcnwesen bedürfe reichsgesetzlicher Regelung. Die Kindersterb- lichkeit fei ständig im Steigen. Das ganze Medizinalsystem im Reiche leidet unter der Einfluhlosigkeit des Reichsgcsundheitsamtes und der Vermischung von Verwaltung und Wissenschaft in ihm. Eintz wirksame Bekämpfung der Seuchen durch 25 Bundes- regierungen ist unmöglich.(Beifall links.) Staatssekretär Graf Posadowskh: Für die WohnungSfsirforge ist von mehreren Seiten die Unter- stützung gemeinnütziger Bauunternehmungen gefordert worden. Ich mache darauf aufmerksam, daß die Landesversicherungsanstalten schon jetzt das Recht haben, ein Viertel ihres Vermögens in nicht mündelsicheren Unternehmungen für humanitäre Zwecke anzulegen, mit Zustimmung der Kommunalvenvaltungcn, die für die Leistungen der Invalidenversicherung haftpflichtig sind, sogar die Hälfte. Das Vermögen der LandcsversicherungSanstalten be- trägt zurzeit 1138 Millionen. 145 Millionen davon sind zur Unter- stützung gemeinnütziger Bauten ausgegeben worden. Die Invaliden- Versicherungsanstalten nutzen also ihre Fonds sehr vernünftig aus und haben noch sehr bedeutende Summen zu ihrer Verfügung. Zur Unterstützung gemeinnütziger Baugenossenschaften hat das Reich allein bis zum Jahre 1906 25 Millionen aufgebracht. Einwohn- Häuser zu unterstützen, entspricht nicht unseren Absichten; diese Einbauten können zu leicht spekulativen Zwecken dienen. In bezug auf die Forderungen eines Reichswohnungsgcsetzes stehe ich auf dem alten Standpunkt, dah wir die Erfahrungen des' größten Bundesstaats Preutzens mit seinem großen Verwaltungsapparat abwarten müssen. Vor einigen Jahren ist ja dort das Projekt eines Wohnungsgesetzes vorgelegt worden. Wie weit das gesetz- geberische Vorgehen jetzt gediehen ist, weih ich nicht, jedenfalls müssen wir erst das preußische Wohnungsgrsetz abwarten, ehe wir im Reiche ähnliche Mahregeln treffen! Der Wunsch, dah auch die Beamten und Arbeiter der Militärwcrkstätten mit Staatsbeihülfe Baugenossenschaften gründen möchten, steht unmittelbar vor seiner Erfüllung. Ein paar Worte zu den Anregungen des �Prinzen Carolath. Der wachsende Automobilverkehr bringt in der Tat auch gewisse Belästigungen des Publikums, namentlich auch in sanitärer Beziehung, mit sich.(TeilweiseS Sehr wahr!) Andererseits ist das Automobil auch ein sehr nütz- liches Kulturinstrument, und keine Polizeiverordnung könnte die Entwickelung des Kraftfahrzeuges aufhalten. Gerade weil aber diese Verkchrsmaschine eine große Zukunft hat, weil wir erst am Anfang ihrer Verwendung— namentlich für gewerbliche "wecke, für die Beförderung von Lasten und für landwirtschaftliche Zwecke— stehen(von den 27 000 Automobilen dienen jetzt 25 815 der Personenbeförderung, davon 39 Prozent ausschliehlich Sport und Vergnügungszweckcn), wäre es sehr gut, wenn die Maschinen fabriken ihr Augenmerk darauf richteten, die Nachteile der großen Rauchentwickclung im Interesse des großen Publikums möglichst abzuschwächen. Die neuen Berordnungen für die Metallschleifereir« beruhen auf den Erhebungen des preußischen HandclsministerS. Für die gesundheitsschädlichen Metallschleifercien sind auf Grund dieser Erhebungen in den Regierungsbezirken Arnsberg, Düffel- darf und Aachen Provinzialverordnungen erlassen worden. Da sie ich außerordentlich bewährt haben, habe ich mich auch an die übrigen Bundesregierungen mit der Bitte gewandt, überall, wo Metall- schleifereien in gröherem Umfange in Frage kommen, diese Ver- Ordnung zu erlassen. In gewissen Schleifereien ist das Absaugen des Staubes leider technisch noch nicht möglich. Weiter ist geklagt worden über die Gesundheitsschädigungen der Arbeiter in den Bleihütten. Im Jahre 1905 ist aber für diese eine neue Bundesratsverordnung erlassen worden; über«hre Er- folge fehlt cS noch an Nachrichten. Ein Fürsorgegcsetz, das die Wünsche deS Abgeordneten Dr. Mugdan für die Versicherung der Krankenpfleger berücksichtigt. ist in Vorbereitung; die Verhandlungen darüber zwischen Preuhen und dem Reichsamt deS Innern sind im Gange. Die Wünsche deS Abgeordneten Dr. Mugdan auf anderweitige Gestaltung des Reichs- gcsundheitsamts sind allerdings mit guten Gründen belegt, würden doch aber, wenn sie ausgeführt würden, einen stark unitarischen Charakter tragen. Die Ausführung der Gesetze und die praktische Verwaltung muh doch verfassungsgemäh den Einzelstaaten überlassen bleiben. Eine Behörde neben dem Reichsgesundheits- amt, die gleichzeitig Verwaltungsbefugnisse im Sanitätswesen hätte, wie sie der Abgeordnete Dr. Mugdan zur wirksameren Bekämpfung der Krankheiten wünscht, wäre ein Eingriff in die Zuständigkeit der Einzelftaatcn. Die Bekämpfung der Genickstarre macht autzerordentliche Schwierigkeiten, weil auch gesunde Menschen Träger des Krank» heitsbazillus sein können, die Ansteckungsiähigkeit aber erst fest- gestellt werden kann, wenn der gesunde Mensch erkrankt ist. Dann erst lassen sich die nötigen Absperrungsmahregeln vornehmen. Die Genickstarre ist in das Reichsgesetz zur Bekämpfung der ge- meingefährlichcn Krankheiten leider nicht aufgenommen worden, doch verfährt Preuhen nach diesem Gesetz. Die Anregung auf Be- rufung einer Spezialkommission zur Erforschung und Bekämpfung der Genickstarre werde ich sofort dem preußischen Herrn Minister für die Medizinalangelegenheiten mitteilen. Damit glaube ich auf alle in der Debafte gegebenen An- regungen eingegangen zu sein.(Beifall.) Abg. Bindewald(Ant.): Die Landwirte in Oberhessen klagen darüber, dah durch die Bestimmungen des Viehseuchengesetzes eS ihnen unmöglich gemacht ist, überhaupt noch Schafe zu halten und zu züchten; sie erleiden dadurch ganz außerordentlichen Schaden. Das Zurückgehen der Schafbcstände ist sehr bedauerlich, weil daS Schaf ein sehr genügsames Tier ist.(Große Heiterkeit.) Ein Regierungskommissar: Der Rückgang der Schafbcstände hat wohl andere Ursachen, als der Vorredner annimmt. Die Schaf- räude ist seit der Einführung des Viehseuchcngcsetzes erheblich zurückgegangen. Abg. Hengsbach(Soz.): Bereits am 17. Februar vorigen Jahres hat Graf Posadowskh meinem Parteifreunde Hue hier geantwortet, das Reichsgesund- heitsamt verfolge die Genickstarre mit der größten Aufmerksam- keit, und er werde die gegebenen Anregungen dem preuhischcn Minister für Mcdizinalangelegenheiten mitteilen. Seitdem ist die Krankheit erheblich weiter geschritten, und es ist erklärlich, daß die Bevölkerung in den Bergwerksdistrikten immer unruhiger wird und wünscht, dah irgend etwas geschieht, um der Krankheit Einhalt zu tun. Den Krankheitserreger hat man gefunden, aber sonst ist nichts geschehen, was ihr Einhalt gebieten könnte; man steht hier noch ziemlich ungelösten Rätseln gegenüber. Kürzlich ist ein Merkblatt herausgegeben, das auch der sozialistischen Presse beigelegt wurde; darin wird betont, dah das schlechte Lüften der Wohnungen der Genickstarre in erheblichem Mahe Vorschub leiste. Das ist wohl richtig. Deshalb mühten aber auch die Bau- und Gesundheits- Polizei viel energischer einschreiten, als es bisher geschehen ist. Aber freilich, den Herrschern des Ruhrgebietes gegenüber, den Herren Thyssen und Stinnes gegenüber, wendet man die bestehenden Baupolizeivorschriftcn nicht an. Wer glaubt, diese Herren würden mit demselben Maße gemessen wie andere, hat einen Köhlerglauben. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Fortgesetzt kommen Klagen aus dem Königreich Thyssen, die ein geradezu grauenerregendes Bild zeigen. In den Zcchenkolonic- Wohnungen werden die Krankheitsherde geradezu künstlich a«» züchtet. Freilich sind für jode Familie 4 Zimmer vorgesehen. aber sie werden stets von 2 Familien bewohnt, die noch Kostgänger hinzunehmen l Zu diesen Einschränkungen zwingt den Bergmann einerseits der Umstand, dah er mit den sogenannten hohen Löhnen nicht auskommen kann, andererseits liegt die Ursache in der großen Wahnungsnot. Die Zuwanderung in daS Reich der Jndustriekönige ist ja eine ganz enorme und wird durch gewissenlose Agenten noch künstlich gesteigert. Die Bergwerksleitungen wissen sehr wohl, da' die Abhängigkeit der Arbeiter in den Aoloniewohnungen größer i" und deshalb werden Wohnungen in aller Eile gebaut, wobei ol sanitären Begriffe dort außer Uebung sind. Die Leute ziehen hinein, wenn die Wände noch nicht verputzt sind, und behelfcn sich mit dem einen Raum, während der andere verputzt wird. Oft fehlt noch die Treppe, und mit Leitern müssen sie ein- und aussteigen. Daß der- artige im Herbst bezogene Wohnungen im Winter nicht austrocknen können, liegt auf der Hand, um so weniger als die Straßen ringS- herum einen wahren Morast darstellen. Da sind denn Moder, Pilze, Schimmel, von den Türen und Wänden herunterlaufendes Wasser die Merkmale solcher wie Pilze aus dem Boden geschossenen Zechenkoloniewohnungen.> Dah hierunter der Körper der Bewohner leiden muh, ist ganz selbstverständlich. WaS soll man z. B. sagen, wenn in einem Quartier mehrere 100 Bewohner über ein viertel Jahr ohne einen Abort sich begnügen müssen! Es war das auf der Zeche„Deutscher Kaiser" des Herrn Thyssen II Aber da regt sich keine Staatsgewalt, keine Stadwertretung. keine Polizei. Und kein Staatsanwalt erhebt Anklage. Selbst die Aerzte scheinen diese Zustände zu übersehen oder zu überriechen.(Heiterkeit.) Nach dem Warum braucht man nicht zu fragen; man braucht nur den Namen Thyssen aus- zusprechen, und man hat die Antwort.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die Jndustriegewaltigen würden es sich schön verbitten, wenn man irgendwie gegen sie einschreiten würde, um ihren dreimal geheiligten Profit zu beschneiden. Die geschilderte gesundheitsgefährliche Bauart wird besonders von einem Bauunter- nehmer ausgeübt, der ein Millionär ist.(Hörtl hörtl bei den Sozialdemokraten.) Durch richtiges Austrocknen der Wohnung würde ja ein Zinsvcrlust entstehen, und das darf umsoweniger der Fall sein, als in diesen Wohnungen das italienische Lumpcnprole- tariat haust, diese bedürfnislosen Ausländer, die als willige Schutz- truppe des Unternehmertums ins Land geholt werden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Schmutz, Moder, Alkoholdunst lassen den Eintretenden vor diesen Pesthöhlen zurückprallen. Ebenso sieht es in den Massenquartieren der sicbenbürgischen Ar- beiter aus. Bei polizeilichen Revisionen versteht man den Be- amten nicht recht, und allzu scharf geht ja auch die Polizei gegen die Unternehmer nicht vor; sie macht gern beide Augen zu. Als Gegenstück freilich muh ich erwähnen, daß ein Parteigenosse von mir, der von einer Dreizimmerwohnung ein Zimmer abvermieten wollte, sofort mit einem polizeilichen Strafmandat bedacht wurde! Im Gebiete der Ruhrgcwaltigen wird diese ungleiche Behandlung als etwas ganz Selbstverständliches betrachtet. Die geschilderten Zustande sind nicht etwa Ausnahmezustände. Hier sollte es Aufgabe des Reichsgesundheitsamtes sein, mit eisernem Besen Auskehr zu balten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Schon im vorigen Jahre wurde von meinem Parteifreunde angeregt, das Bakterio- loglsche Institut in Gelsenkirchen auf den Reichsetat zu übernehmen. «l dieses Institut im öffentlichen sanitären Interesse mit bestem Erfolge arbeitet. Gleichzeitig wäre zu empfehlen, in einer Anzahl von Orten Unterstationen dieses Instituts zu errichten. Der Staats» sekretär Graf Posadowskh hat damals erklärt, dah es sich hierbei lediglich um eine preuhische Einrichtung handelt und eS dem preußischen Minister für Mcdizinalangelegenheiten überlassen bleiben müsse, das Institut auf seinen Etat zu übernehmen. Das ist die alte Geschichte, die wir auch heute wieder gchört haben: nicht w»r. sondern Preuhen hat die Aufgabe!— Auch im vorigen Jahre wurden wir auf die Lösung der Aufgabe durch Preuhen ver- wiesen. Die Krankheit ist also weiter geschritten. Der preußische Minister hat augenscheinlich in dieser Sache nichts getan.(Sehr richtig! bei den Sozialdernokraten.) Wäre Preußen in der Welt auch nur helbwcgs voran, so brauchten wir heute nicht in dieser Frage dieselben Mahnungen wicher von neuem vorzubringen, dann waren diese Verhältnisse längst geregelt. Gerade einer solchen ge- waltigen Seuche gegenüber muß energisches Vorgehen der maß- gebenden Faktoren gefordert werden. Handelt eS sich hier doch um die Gesundheit aller Volksgenossen. Selbst den Unternehmern sängt 8le SdSfe jetzt schon an etMS ttenzkich zu toetttn, fWe«in Sfrtifel der„Rheinisch-Westfälischen Zeitung" beweist. Auch sie fordern nicht mit Unrecht, daß etwas geschehen müsse. Ich bin überzeugt. daß eine große Mehrheit des Hauses gern bereit ist. die erforb lichcn Mittel zu bewilligen. Um so grötzer ist ldi« Aerantivortu_ der Regierung, wenn nichts unternommen wird.( Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Hierauf wird ein Schlnstantrag von Novmann(f.). Müller- Mein ingen(frs. Vp.). Bassevmatm(natl.), Graf von Hom. Pesch lg.) angenommen. Abg. Kobelt(wilbl.) bedauert zur Gefchäftsordnuna mit er- hobener Stim-ine, daß es ihm auf diese Wchse unmöglich gemacht werbe, die Behauptung des Abgeordneten Rösicke zurückzuweisen, daß die Fleischpveise nicht mit den Viehp reisen entsprechend herab- gegangen wären. Er werde das bei anderer Gelegenheit nachholen. (Große Heiterkeit.) Es folgt die Abstimmung über die vorliegenden Resolu- tionen. Die Resolution Baumann u. Gen.(Z.), welche möglichst noch in dieser Session eine Revision des Wein- gesetzes verlangt, wird gegen die Stimmen der Freisinnigen angenommen. Eine Resolution Brandys(Pole) u. Gen. auf Bekannt- machung der UnfallverhütungSvorschriften in Bergwerken usw. in der Muttersprache'der betr. Arbeiter wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, des Zentrums, der Polen und des Abgeord« neten Neumann-Hofsr(frs. Vg.) abgelehnt. Einstimmig angenommen wird die Resolution Dr. Jäger (Z.) auf Borlage eines ReichSwohnungsgesetzeS. Eine Resolution Giesberts u. Gen.(Z.), wonach der Reichskanzler ersucht werden soll, erstens durch den Beirat für Ar- bciterstatisttk Unicrsuchungen veranstalten zu lassen über die Av- bcitervcrhältnisse in den Walz- und Hüttenwerken, zweitens auf Grund der Ergebnisse dieser Untersuchungen entsprechende Verord- nungen zum Schutze dieser Arbeiter zu erlassen, wird in ihrem ersten Teile einstinimig, im zweiten Teil gegen die Stimmen der Konservativen angenommen. Eine Resolution A l b re cht(Sog.) u. Gen., die Verordnungen zum Schutze der in Walz-, Hüttenwerken und Metallschleifereien beschäftigten Arbeiter verlangt, und eine dieselbe Materie be- handelnde Resolution Brandys u. Gen.(Pole), welche außerdem ei««» Gesetzentwurf verlangt, wodurch für die Arbeiter der erwähnten Betriebe nach dem Muster der Bergknappschaftskassen Versicherungsvereins gegründet werden, finden gegen die Stimmen der Konservativen und Nationalliberalen Annahme. Beim Kapitel„Biologische Anstalt für Land- und Fiorstwirtschaft" regen die Abgg. Dr. Arendt(Rp.) und Fuhrmann(natl.) die Errichtung einer Reichsanstalt für Züchtung s- versuche an.... Staatssekretär Graf Posadowsky erklart, das liege noch in weiter Ferne und soll« besser den Cinzelstaaten überlassen blechen. Es folgt das Kapitel„Patentamt". Abg. Funck(natl.): Wir haben schon vor mehreren Jahren eine Revision des PatentgesetzeS beantragt; sie unterliegt jetzt der Be- ratung einer Kommission, die der Deutsche Verein zum Schutze des gewerblichen Eigentums eingesetzt hat. Vor allem sollte die bevor- stehende Rovision die übermäßig hohen Patentaebühren herabsetzen. Eine solche Herabsetzung der Gebühren liwe im Interesse deö gewcrb. lichen Mittelstandes, der heute gar keine Patente wegen der zu hohen Gebühren erlangen kann. Eine gewisse Hohe der Gebühren muß allerdings aufrecht erhalten bleiben, damit nicht unnütze Patente aufgeiiommen werden..„, �„.... Abg. Burlagc(Z.) spricht sich unter Bezugnahme auf daS be. kannte Buch von Arved Jürgensohn.Patentgesetzgebung und Er- findcrschicksale" ebenfalls für eine Herabsetzung der Paten-tgebühren aus. In Frankreich und Amerika sind die Gebühren viel geringer. In Amerika nur 147 M. für 17 Jahre, bei unS dagegen S300 M. für IS Jahre. Ganz unhaltbar ist der Zustand, daß die Angestellten ihre Erfindungen unentgeltlich der Firma überlassen müssen. Abg. Dr. Posthoff(frs. Vg.) bittet, die Reform deS Patent. aeletzcs möglichst zu beschleunigen. Wenn in den Vertragen ' ilt öen Xnaestellteu sich direkt Bestimmungen finden, die. mit den Kn Sit�icht vorewbar sind, sollten die Angestellten solche«er- 1C0�tÄtoK& Graf P-sab-wSkY- Das Patentgesetz wie daS Warenzeichengesetz bedürfen der Abänderung. Vorarbeiten sind im Gange; in der nächsten Session wird aber jedenfalls daS neue Gesetz noch nicht vorgelegt werden können. Die Frage der Patent- gebühren soll aus Grund der Anregungen aus dem Hause eben- falls geprüft werden. DaS Kapitel wird bewilligt. ES folgt daS Kapitel Reichsversicherungsamt. Abg. Becker(Z.): Die.Zahl der Unfälle ist im letzten Jahre zwar nicht gestiegen, aber die unfallhäufigkeit ist noch immer viel zu groß. Die BerufSgenossenschaften geben noch viel zu wenig für die Unfallverhütung aus, insbesondere die landwirtschaftlichen. 48 landwirtschaftliche Berufsgenossenschaften hatten nur IS Auf- sichtSbeamte. Man klagt so viel über die Lasten der Versicherung für die Unternehmer. Ich gebe zu. daß für manche kleine Unter- nehmer diese Lasten recht drückend sein mögen, aber man sollte doch keineswegs so weit gehen. daS Unfallversicherungsgesetz noch zu ver- schlechtem. Der ostpreußische landwirtschaftliche Zentralverein ist aber in dieser Richtung bereits so weit gegangen, die Nichtauszah- luna der Renten unter 33% Prozent zu verlangen!(Zuruf � bei den Sozialdemokraten: DaS Zentrum auch!) DaS ist bereits von dieser Stelle aus so zurückgewiesen, daß man unserer Partei diesen Vorwurf nicht mehr machen sollt«.— Das Nentenfeststellungs- verfahren ist immer noch sehr langsam: Ein Arbeiter mutzte drei viertel Jahre auf einen Vorbescheid warten.(Hört! Hort!) In diesem Jahre soll wieder«ne Unfallzählung stattfinden; die letzte wurde im Jahre 1837«KWeiwmmen. Es wäre wünschenswert, daß die Zählungen häufiger stattfinden und aus den Zählkarten auch nach den Ursachen der Unsälle gefragt wird. In der Renten- drückung gecht man doch etwas zu weit; das führt nicht dazu, die Freude an der sozialen Versicherung unter den Arbeitern zu heben. Leider werden die Vorteile der Weiterversicherung bei der Ver- heiratung noch nicht genügend erkannt. Die Standesbeamten sollten veranlaßt werden, auf diese Vorteile hinzuweisen.(Bravo l im Zentrum.) Abg. Dr. Mugban(fr. Vpj: Von der Uebernahme des Heilverfahrens verspricht man sich meines Erachtens zu viel für die BerufSgenossenschaften. Bezüglich der Vertrauensärzte für die Schiedsgerichte wird häufig insofern gefehlt, als fast gewohnheits- mäßig in manchen Bezirken die Vorschläge der ärztlichen Standes- Vertretungen nicht beachtet werden.- Der Staatssekretär klagte über ungenügende Vorbereitungen der Anträge aus Renten in den unteren Instanzen; das sind Mängel, die im Gesetz selbst begründet sind. Ein großer Mangel ist, daß der Begriff der Erwerbs« Unfähigkeit in der Invaliden» und in der Unfallversicherung ein verschiedener ist. Was den Unterricht der Studierenden der Medizin in der Gewerbehygiene und der Arbeiterverficherung be- trifft, so ist es bezeichnend, daß die deutschen Regierungen dies nicht für selbstverständlich halten, sondern Umfragen darüber bei den Fakultäten veranstalten. Es ist eben ein sehr großer Mangel, daß beim Reichsversicherungsamt nicht auch Aerzte tätig find.(Sehr richtig I bei den Freifinnigen.) Zur schnelleren Rechtsprechung, die gerade bei der Arbeiterversicheruna sehr notwendig ist, würde es bei- tragen, wenn die Zahl der Mitwirkenden in jedem Senat erheblich eingeschränkt würde.(Bravo! bei den Freisinnigen.) Abg. Nenner(natl.) regt an, daß bei kleinen Unfällen häufiger von der KapitalSabfindung Gebrauch gemacht werde. Abg. Dr. Jäger(Z.) auf der Tribüne unverständlich, begründet effie Resolution, die JnvalidenversicherunaSanstalten mehr als bisher für die Befriedigung des Wohnungsbedürfnisses der minderbemsttelten BolkSklassen nutzbar zu machen. Das Kapitel wird bewilligt. Die Resolution des Zentrums wird angenommen. Nach unwesentlicher Debatte werden die Kapitel Physikalisch- Technische Reichsanstalt und Kanalamt bewilligt. Ein Vertagungsantrag findet nicht die geschäftS- ordnungsmäßige Unterstützung von 30 Mitgliedern— es find kaum 40 Mitglieder im ganzen anwesend— nur die Sozialdemokraten er- heben sich für die Vertagung. Beim Kapitel„AufsichtSamt für Privat-Ver- f i ch e r u« g" bemerkt Abg. Hue(Soz.) er werde die wichtige Frage, wie weit die Feuerversicherungsanstalten für derartige Katastrophen wie die Rovorit« explosion in St. Annen hasten müssen, bei der dritten Lesung zur Sprache bringen. Das Kapitel wird bewilligt. Nach unwesentlicher Debatte wird der Übrig« Teil des Ordinariums und ein Teil deS ExtraordinariumS bewilligt. Vor der Beratung der Forderung der letzten Rate zum Aus- bau der Hohkönigsburg beantragen die Freisinnigen die Vertagung. Der Antrag wird nicht genügend unterstützt. Frhr. v. Richthofe»(L): Ich bezweifle die Beschlußfähigkeit deS Hauses. Abg. Dr. Spahn/z- und 3 Prozent-Papiere sehr ungünstig beeinflußt(Sehr richtig I), und«S würden in die Deroute auch die Kommunalpapiece und landwirtschaftlichen Papiere hereingezogen.(Sehr richtig I) Die Wahl dieses Typus würde auch als ein Zeichen wirtsckjaftlicher Schwäche angesehen werden, was wir vermeiden müssen. Tin Papier von der inneren Qualität der preußischen Staatspapiere muß einen niedrigeren Zinsfuß haben. Deshalb haben wir den richtigen Ausweg gewählt, zu Schatzanweisungen— also einer momentanen Geldanlage— zu 4 Proz., die fünf Jahre fest verzinslich sind, überzugehen. Ich hoffe, daß wir dadurch die nötigen Mittel beschaffen und andererseits das Publikum vor Ver- lüften bewahren. Abg. v. Hcydcbrand u. d. Losa(kons.) erklärt, daß seine Freunde bei der dritten Lesung deS Etats des Finanzministeriums auf diese Sache zurückkommen werden. Abg. Kreitling(frs. Bp.) macht darauf aufmerksam, daß der auf Grund des Gesetzes vom 3. Mai 1903 geschaffene Ausgleichs- fonds von 200 Millionen sich auf 142 331 883 M. beziffere. Da daS letzte Rechnungsjahr wieder mit einem erheblichen Ueberschuß abschließe, dürfte die Gefahr der Erhöhung der Einkommensteuer beseitigt sein. Der Etat der Münzverwaltung wird bewilligt, ebenso die Etats der Staatsarchive, des Geheimen Zivil- k a b i n c t t S und des K r i e g S m i n i st e r t u m s. Es folgt die Beratung des Ba u e t a t s. Zunächst findet die Besprechung der Frage der S ch i f sah r tsa b g o b e n statt. Abg. v. Pappenheim(k.): Nach der Erklärung des Minister? in der Kommission ist die Frage der Schiffahrtsabgaoen für Preußen gelöst. Die Schiffahrt soll gar nicht belastet werden, denn die Einnahmen sollen ihr wieder zugute kommen. Minister Breitenbach: Ich freue mich, daß der Herr Vorredner diese so heiß umstrittene Frage in so sachlicher Weise behandelt hat. Ich kann mich im wesentlichen mit seinen Ausführungen einver. standen erklären. die Selbst- Herrlichkeit der Einzelstaaten sei. Es ist Nicht zweifelhaft, daß die Abschaffung der Schiffahrtsabgaben seinerzeit vor allem erfolgte, um moralische Eroberungen in Süddeutschland zu machen. Der Satz von 0,04 M. pro Tonnenkilometer wird zu einer ganz erheb, lichen Belastung des Verkehrs führen.(Beifall links.) Abg. Voriger(fk.): Die Zustimmung deS Abgeordneten Broemel wird die Staatsregierung wohl niemals finden.(Sehr richtig! rechts.) In einer in Mannheim abgehaltenen Protestver- sammlung gegen die Einführung von Schiffahrtsabgaben hat Pro- sessor Gothein gemeint, die Schiffahrt auf dem Rhein werde durch Abgaben bedroht. Davon kann doch aber nicht gesprochen werden angesichts der kleinen Gebühren, oie geplant sind. Minister Breitenbach: Der§ 19 ist in das Kanalgesetz auf» genommen, und damit ist die Sache für Preußen erledigt.(Zu- stimmung rechts, Unruhe links.) Wie die Sache im Reiche erledigt wird, zu crwägeiu wird meine Sache sein. Der Abgeordnete Fisch- deck hat eine B«nerkung gegen einen meiner Beamten gemacht. Ich erwidere darauf, daß sich in der Frage, die hier zur Beratung steht, die Gelehrten durchaus nicht einig sind und daß ich deshalb die Bestimmungen der Reichsversassung für tnterpretierungs- bedürftig halte. Abg. v. Pappenheim(k.) verwahrt sich gegen den Vorwurf» antediluvianische Zustände herbeiführen zu wollen. Damit söyließt die Beratung. Die weitere Beratung des Bau- etats wird auf Freitag 11 Uhr vertagt. Schluß: 3� Uhr._ parlamentanfcbeds WahlprüfungSkommisfion. Nach Aufrechnung der nach den Be- schlüssen.der Kommission eventuell dem Abgeordneten Schlüter abzuziehenden Stimmen würde demselben noch eine Mehrheit von 61 verbleiben, weshalb die Majorität der Kommission beschloß, die Wahl für gültig zu erklären. Der Zcntrumsabgeordnete Mayer(Wahlkreis Pfarrkirchen) ist mit 16 Stimmen Mehrheit gewählt. Gegen die Wahl ist Protest eingelegt vom Bayerischen Bauernbund. Eine Anzahl von behaust- teten Verstößen wurde von der Kommission für erheblich befunden und darum beschlossen, die Wahl zu beanstanden und Beweis- crhebungen zu beantragen. Gegen die Wahl des Abgeordneten v. Steinäcker(Wahl- kreis Randow-Greifenhagen) war moniert worden, daß die Er- klärung des Abgeordneten über die Annahme der Wahl bei den Wahlakten fehlte. Gestern wurde in der Kommission die Erklärung präsentiert und verlesen, die rechtzeitig von dem Abgeordneten ab- gegeben, aber von der Behörde aus unbekannten Gründen zurück- behalten worden ist. Die Wahl wurde nunmehr für gültig er- klärt._ Aus ber Budgetkommiffion. (Sitzung vom 18. April.) Die Auseinandersetzung über die Kolonialarmee, die sich aus- wächst zu einer Debatte über Kolonialpolitik überhaupt, nimmt noch die ganze heutige Sitzung in Anspruch. Abg. Spahn ist gegen die militärische Neuorganisation; er hält es nicht für not- wendig, daß so viele Soldaten draußen in den Kolonien sind, und bringt den Begründungen der Regierung in dieser Hinsicht großes Mißtrauen entgegen: sie habe für alle? Gründe bei der Hand, wenn sich diese auch später als durchaus unstichhaltig er- weisen. Südwestafrika sei der dünnstbcvölkccte Teil der Erde— (Storz verweist protestierend auf Grönland! Grohe Heiterkeit), wcshalh es auffallend sei, so hohe Summen füt militärischen Schutz aufzuwenden. Er wolle aber den Wert der Kolonien nicht be- streiten und hält sie für entwickelungSfäbig. Zum Schluß nimmt Spahn die Firma Wörmann sehr warm in Schutz! l Kolonialdirektor Dernburg knüpft an die letzten Ausfüh- rungen an und teilt mit, daß die Verträge mit Wörmann einem Schiedsgericht, dem der hanseatische ObcrlandeSgerichtspräsident vorsteht, unterbreitet seien. Er schätze Wörmann auch, aber er mache auch darauf aufmerksam, daß die Firma in dem Bestreben, die erst« Firma der Welt zu sein, sich übernommen habe und sich dann an die Ämerika-Linie um Hülfe wenden muhte. Es sei jedenfalls nicht gut. wenn die Regierung keine Auswahl unter den Gesellschaften habe, mit denen sie Verträge abschließen muß. Wa» den Wert der Kolonien anlange, so werde er die Grundlagen seiner Jnventuraufnahme morgen jsslr Stelle schaffen. Der von Spahn gewünschte Plan der militärischen Entwickelung sei einfach: im selben Maße wie die Bahnverbindungen zunehmen, könne die Schutztruppe aufgelöst werden und an ihre Stelle könnten Polizeitruppen treten. v. Richthofen spricht sich für die ReglernngSvorlage aus, bemerkt aber, daß er zunächst nur für sein« Person spreche; die Stellungnahme seiner Partei bleibe vorbehalten.— General Arnim und Oberstleutnant Q u a d e geben noch Äu»kunft über Einzelheiten. Letzterer bemerkt, daß Polizeitruppe und Schutztruppe gar nichts miteinander zu tun haben. Die Polizettruppe stehe völlig unter der Zivilvcrwaltung, die Schutztruppe unter der Militärverwaltung. Bebel wendet sich zunächst gegen Spahn» auffälligen Versuch. Wörmann zu rehabilitieren. Die Ausführungen Spahn» stehen im schroffen Gegensatz zu den Aeuherungcn seiner Parteigenossen im Plenum. Wae se, denn der Grund der Angriffe auf Wörmann? Dastzrr in seinen Verträgen mit dem Reiche Forderungen aufgestellt habe, die eine starke Schädigung de» Reiche? darstellen. Wenn Dernburg sich in etwas verdient gemacht habe, dann durch die Lösung der Verträge mit dieser Firma, und die Sozialdemokraten würden in d e r Frage stets hinter ihm stehen. Es ist zuzugeben, daß ein Krieg höhere Anforderungen stellt und die Kosten auch höhere sind, aber die Wörmannschcn Forderungen gingen denn doch über alles erlaubte Maß hinaus. Mit den Riesenverdiensten habe die Firma ihren Schiffsbestand ungeheuer vermehrt, und wenn sie sich an die Amerika-Linie wenden mußte, dann wahrscheinlich nicht wegen Mangel an Geld, sondern wegen Mangel an Beschäfti- gung für ihre Schiffe. Die Verdienste um die Gewinnung von Westasrika sind nicht weit her; solche Unternehmer arbeiten nur. wenn sie verdienen, und die Firma verzeichnete ja unlängst erst einen Verdienst von 72 Proz. Zur Frage der Regierungsforderung spricht sich Bebel sehr entschieden gegen die geplante Neu. Organisation aus. Die Selbständigkeit des Schutztruppen- kommandoS und der Kolonialverwaltung treiben ganz allein zu einer ständigen Vergrößerung. Die verlangte Organisation sei die Grundlage der kommenden Kolonialarmre» und in der geplanten Militärverwaltung habe man das kommende Kolonial-KriegLministerium. Darauf deuten auch eine Reihe Bemerkungen in der BegründungS. Denkschrift und der Regierungsvertreter hin. Wenn Herr v. Nicht- Hofen, der auch gegen eine Kolonialarmee ist, gleichwohl für die Forderungen stimme, mit der Begründung, daß er jene Be. merkungen nicht sehen wolle, so lege er sich selbst Scheuklappen an. — Wir können in den Kolonien Kriege vermeiden; wir brauchen nur die Eingeborenen entsprechend zu behandeln! Es steht doch dokumentarisch fest, daß der letzte Aufstand durch die Schuld der Kolonisten verursacht wurde. Eine Schutztruppe im gewissen Umfange müsse man ja haben, wenn man sich überhaupt auf den Standpunkt der Erhaltung der Kolonien stellt, aber bei weitem nicht in dem Maße, wie hier verlangt werde. DaS zeige, wie alles auf die Kolonialarmee hinausläuft. ES stehe jedenfalls fest. daß wir mit den Kolonien einen Block am Beine hängen haben, der uns sehr teuer zu stehen kommt. Die sozialdemokratische Fraktion werde einstimmig gegen die Forderungen sein. Dernburg verliest eine Erklärnag de» Auswärtigen Amte», daß in den Kolonien nur so viel Truppen gehalten werden sollen. als zum Schutze gegen die Eingeborenen notwendig seien. Damff soll erwiesen werden, daß eine Kolonialarm«? nicht geplagt i- - W< e m e r hat sich durch die Erklärungen Dernburgs und der anderen Regierungsvertreter«überzeugen lassen", daß eine Kolonialarmce nicht komme; er werde also für die Neu- organisation eintreten!— Wenn später doch Forderungen kommen, die auf eine Kolonialarmee hindeuten, so könne man sie ja ablehnen! Er beantragt, nur den Kommandeur und seinen Adjutanten zu streichen, weil der Kommandeur in zu hohem Range stehe(Generalmajor). In der Beurteilung der Wörmanngesellschast ist er mit Bebel einverstanden. O u a d e verteidigt gegen Wiemer den Kommandeurposten. Gouverneur v. Lindequist sucht die Bedenken zu zerstreuen, als ob ein Aufstand der Ovambos drohe; es sei Anordnung er- gangen, daß nur ganz zuverläsfige Deutsche das Ovambo-Land betreten dürfen.— Lattmann tritt sehr lebhaft für die Re- gierungSvorlage ein und polemisiert unter Verwendung von Zitaten aus Calwcrs Artikel gegen Bebel.— S e m l e r verteidigt die Wörmanngesellschast gegen Bebel: es sei keine Aktien- gesellschaft und könne also auch nicht Dividende verteilt haben. Dag der Gewinn nicht 72 Proz. betrage, behauptet Semler nicht, und seine Verteidigung wird wohl auf ein Spiel mit Worten hinauslaufen. Dernburg gibt sich nochmals Mühe, den General an der Spitze der neuen Militärverwaltung zu retten und kündigt an, daß, wenn er jetzt gestrichen werde, die Regierung ihn im nächsten Jahre wieder fordern werdet Nach einer wetteren Debatte, in der Erzbergcr in der Haupt- fache Bebel beitritt und seinem Fraitionskollegen Spahn gegen- über seine Meinung über Wörmann aufrecht erhält, wird ab- gestimmt. Der Schutztruppenkommandcur nebst seinem Ad- jutanten wird einstimmig gestrichen, und demgemäß werden 28 000 Mark abgesetzt. Das kommende Kolonial-Kricgsmmisterium aber wird— mit einem Stabsoffizier an der Spitze— gegen die Stimme» des Zentrums und der Sozialdemokraten bewilligt.— Huö der partei* Vorbereitungen zur Maifeier. Da» Hamburger Gewerkschaftskartell und d i e M a i f e i e r. In der am Mittwochabend stattgehabten Sitzung von Kartell- und Gcwerkschaftsvorständcn berichtete Gewerkschajts- sckretär H e n s e über die Beschlüsse der Landcsorganisation der sozialdemokratischen Partei Hamburgs hinsichtlich der Maifeier. Wie in den Vorjahren solle auch in diesem Jahre ein Demon- strationszug am Vormittag stattfinden. Die Absicht, den Festzug zu teilen und nach zwei verschiedenen Richtungen zu dirigieren, sei von der Polizeibehörde vereitelt worden, die nur die Aufstellung an der Koppel mit dem Endpunkt Mühlentamp erlaubt habe. Die Maikarten kosten inklusive Festzcitung 30 Pst für die männlichen und 10 Pst für die weiblichen Teilnehmer. Die Äartellkommission empfehle, sich den Beschlüssen der Landcsorganisation anzuschließen. Im übrigen liege gar kein Anlast vor, irgendwelchen Scharfmacher. allüren Konzessionen zu machen, denn was der Arbeiterschaft auf der einen Seite an Kämpfen erspart bleibe, werde ihr doch auf der anderen Seite wieder aufgezwungen. Die Vorschläge wurden dcbattelos einstimmig gutgeheißen. Den Genossen von Lokstedt ist auf ihr Ersuchen uut Ge- stattung eines MaifestzugeS geantwortet worden: .Altona, den 11. April 1V07. Die mit Ihrem Schreiben vom 0. April 1907 im Auftrag« de» Sozialdemokratischen Verein» von Lokstedt beantragte Genehmigung zur Veranstaltung eines offentlithen Aufzuges am 1. Mai 1907 wird Ihnen hierdurch versagt, weil aus dem Aufzuge Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu befürchten sein würde. gez. Rosenhagen." Da» erste Verbot eines Maikestzuge« in Bayern ist herau». Da» Gewerkschaftskartell in Schweinfurt hatte beabsichtigt, am t. Mai einen Festzug zu veranstalten. Er wurde vom Magistrat verboten mit der Begründung, daß der 1. Mai au einen Werktag falle(I) und nach den Anlünvigunaen in der sozial- demokratischen Presse die Feier«wen demonstrativen Charakter haben solle._ Roch ei» Beteraa. Im wllrttemvergischen Lande ist neben dem Genossen K l o st noch ein zweiter verdienter Genosse in diesen Tagen ins siebente Jahrzehnt eingetreten, der Genosse A. Dietrich. Die „Schwäb. Tagwacht" widmet ihm die folgenden ehrenden Worte: Genosse Dietrich durchlief fast genau dieselbe Bahn.(Wie Ge nasse Klost; Red. d..Vorw.'j Auch er, der Buchbinder, war an der Gründung seiner Berufsorganisation Hervorraaend beteiligt, auch er Ivurde deren Leiter und Hüter, auch er mußte kraft seines Amte» sorgem reiche Kämpfe durchfechten helfen, auch er vernachlässigte neben seiner ge- werrschaftlichen Tätigkeit die eifrige Betätigung seiner früh gewonnenen sozialdemokratischen Ueberzeugung nicht. Wie Klost so ward Dietrich ein Führer der Partei in Württemberg, die ihn wiederholt auf Jahre hinau» zum Vorsitzenden ihrer LandeSorgantsation berief. Auch ihm wurden öffentliche Ehrenämter zuteil, zunächst, kurz nach Klost im Jahre 1893 das Amt des BürgerauSschustmitgltedeS. dann, gemeinsam mit Klotz, 1897 das Amt deS Gememderat», und nun gehört Dietrich gleich Klotz auch dem württembergischen Landtage an. 00» de» Organisationen. Im Wahlkreise Reichenbach- N e u r o d e gehören reichlich 2000 Genossen der politischen Organs sation an. Langenbielau zählt allein 1122 Organisierte. Abgegeben wurden bei der letzten Wahl in Langenbielau 2ö50 Stimmen, so dast der Prozentsatz der Organisierten em ganz guter ist. Unsere Toten. Gestorben ist zu R o st o ck der Genosse Zigarrenmacher Kehr. Er war einer von der alten Garde, die schon vor und unter dem Sozialistengesetz treu zu der Partei hielten und ihr manchen wertvollen Dienst leisteten. Kehr hat zeitlebens schwer um seine wirtschaftliche Existenz kämpfen müssen; die graue Sorge verlieh ihn nie. Seit vielen Jahren war Kehr körperlich leidend; der Tod erschien ihm als Erlöser. Ein Opfer der Klassenjustiz. Das„Voltsblatt" für Bochum meldet:„Genosse Johann Meyer, der langjährige Kassierer deS Bergarbeiter-VerbandeS, hat Bochum, feine alte Heimat, vor einigen Tagen verlassen und ist mit seiner Familie nach Eisenach übergesiedelt, in der Erwartung, dort in der Wald- und Gebirgs- luft, autzerhalb- des industriellen Leben? und Treibens, seine zer- rüttete Gesundheit wiederzuerlangen. Meyer gehört zu den ältesten Parteigenossen unsercr engeren Heimat und zu den Mitbegründern des Bergarbeiter-Vcrbandcs, dem er seine Kraft gewidmet hat, bis ihn eine tückische Krankheit am Schaffen hinderte. Er ist aber auch das am härtesten betroffene Opfer des Essener Meineids- Prozesses in Sachen Schröder und Genossen von 1804. Drei und ein halbes Jahr steckten die Geschworenen von Essen unseren Genossen ins Zuchthaus näch Hamm, weil er einen wissentlich falschen Eid geleistet haben sollte. Jeder, der ihn kannte, wrrd ihn nicht für fähig halten, auch nur die geringste Unwahrheit zu sagcnj denn alles, was Meyer sprach, sprach er im vollsten Ernst und mit wahrer Ueberzeugung. Doch die Geschworenen glaubten dem Gendarm Müntcr und verurteilten unsere Genossen, und als Meyer und Schröder damals von der Stätte ihres Wirkens nach dem Zuchthause geschleppt wurden, jubelten die Zechenorgane, daß mit diesem Schlage der Verband vernichtet sei, der Schlange sei nun endlich der Kopf zertreten. Die Organisation, das Werk der Verurteilten, haben sie nicht vernichtet, wohl aber die Gesundheit unseres Genossen zerstört. Meyer, ein körperlich starker Mann, ist seelisch äustcrst empfindlich, und so zehrte der Gram, unschuldig im Zuchthause zu schmachten und nachher noch mit dem Brandmal des Ehrenverlustes umherzulaufen. Dazu kam noch, dast seine Frau, der nun allein die Versorgung der Kinder und die Verwaltung des geringen Besitzes oblag, während seiner Kerkerhaft starb. Solche Schickjalsschläge konnte eine Natur wie Meyer nicht überstehen, und er bat sie leider auch nicht überstanden. Aus dem Zuchthause zurückgekehrt, stellte ihn die Generalversammlung des Verbandes in Altenbura wieder auf den Kassiererposten, den er dann auch noch einige Jahre äußerst pflichtgetreu versah, biS ihn eine Nerven krankheit unfähig machte, den ihm so lieb gewordenen Posten weiter zu bekleiden. Seit einigen Jahren ist er nun aLnzlich arbeitS- unfähig und da alle bisherigen Versuche zur Wiederherstellung seiner Gesundheit erfolglos blieben, bat er jetzt seinen Wohnsitz dauernd in Eisenach aufgeschlagen. Wir sagen dem kranken und scheidenden Genossen und Freiheitskämpfer herzlich Lebewohl und wünschen ihm recht baldige Wiederherstellung seiner Gesundheit und Rückkehr auf sein altes Tätigkeitsgebiet." Gemcindewahlsieg in Oesterreich. In Linz(Oberösterrcich' gelangten bei den Gemeindewahlen alle vier sozialdemokratischen Kandidaten zur Stichwahl. Die sozialdemokratische Partei war zudem die einzige, deren Kandidaten bei der Wahl einen Stimme» zuwachs zu verzeichnen hatten, alle übrigen Parteien erlitten Stimmenverluste. Bei der Stichwahl haben alle vier sozialdemo kratischen Kandidaten über ihre dcutsch-nationalen Gegner m i großer Mehrheit gesiegt. Soziales. Steigerung der Unfälle. Die Jahresberichte der preußischen Gewerbeinspektoren kon« statieren für eine Reihe Bezirke ein weiteres Anschwellen der Unfall- Ziffern. Ganjz besonders stark haben die Unfälle zugenommen im rheinisch-westfälische» Industriegebiet, wo die Grostkönige der In- dustrie noch ziemlich unbeschränkt herrschen. Wir stellen auS den Berichten folgende Zahlen zusammen. Es betrug: Bezirk Arnsberg » Düsseldorf « Koblenz. In den drei meldeten Unfälle Zahl der Unfälle 1903 1900 14 368 16 m 30 710 33 100 1 562 1 995 Bezirken stieg die Zahl auf Sl 401 oder gegen Zahl der tödl. Unfälle 1903 1906 105 149 160 167 ? 16 der den Beamten ge das Vorjahr um 4361 stieg die Zahl der töd -=- 9,73 Proz. Im Bezirk Arnsberg allein lichen Unfälle um 44--- 42 Proz. Ungewöhnlich starkltahme» auch die Unfälle im Bergbau zu. Nach dem Bericht der Knappschafts Bcrufsgenossenschaft für 1906 schnellte die Zahl der entschädigungs Pflichtigen und tödlichen Unfälle von 10 066 im Jahre 1903 au 10 784 im Jahre 1906 hinauf. Im ReichSdurchschnitt entfallen au je 1000 Versicherte 13,63 entschädigungspflichtige und tödliche II» fälle; für die Sektion Bochum mit 279 707 Versicherten stellt sich die Prozeniziffer aber auf 18,30 und für Tarnowitz gar auf lS,58 i Und die bürgerlichen Parteien und die Regierung betonen jeden Tag ihren sozialpolitischen Eifer— aber zu Taten raffen sie sich nicht auf._ GewerkfebaftHebee* Wer will den Kampf? Herr Magistratsrat v. Schulz hat der«Volkszeitung" fob gende Zuschrift gesandt: „Der„Vorwärts" berichtet in seiner heutigen Morgen- nummer von den gestrigen Einigungsverhandlungen im Bau« gewerbe, gleich nach Schluß der Verhandlungen hätten maß> gebende Arbeitaebervertreter sich für die Ablehnung des Schieds spruches ausgesprochen. Demgegenüber ist es notwendig, festzu- stellen, daß eine solche Ablehnung seitens der Arbeitgeber bisher nicht erfolgt ist. Sie wäre durchaus nicht zu vereinen mit der Erklärung der Arbeitgeber, daß die Lohnfraae die Verständigung nicht hindern könne, wenn nur der Achtstundentag schwinde. Wir halten daran fest, daß die von un» berichtete Aeußerung gefallen ist. Wir haben sie registriert, um beim wirklichen Aus bruch eines Kampfes dem üblichen Scharfmacherschwindel zu be gegnen, die A r b e i t e r hätten eine„Machtprobe" inszeniert. Wir wollen auch gleich weiter mitteilen, daß man sich schon jetzt in dem Baugewerbe fernstehenden Scharfmacherkreisen mit der Frage beschäftigt, auf welche Weise man in dem etwaigen Kampfe im Baugewerbe zugunsten der Unternehmer eingreifen könne. Die „Herren im Hause" in den diversen Berufen sind offenbar so wenig Herren der eigenen Entschließung, daß sie sich von Draht- ztehern hinter den Kulissen in„Prinztptenkämpfe" hineinschieben lassen, die ihnen hinterher so leid tun, wie jetzt den Berliner Holzindustriellen die so herrlich verpfuschte Aussperrung. die sie nicht aufheben können, weil sonst die Wechsel« Krawatte zugezogen wirdl ßerUn und llmgegend« Achtung, Metallarbeiter! Die Kollegen in Offenbach a. M. haben den Fabrikanten eine Forderung betreff Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit vorgelegt. Durch die ablehnende Haltung der Unternehmer wird es ivahrscheinlich zu einem Ausstand kommen. Offenbach ist deshalb für Dreher, Maschinenarbeiter und Schlosser bis auf weiteres gesperrt. In Saalfeld a. d. Saale haben die Kollegen und Kolle- ginnen, welche in der Drahtindustrie beschäftigt sind, wegen Disfe- renzen die Arbeit niedergelegt. Für Radier, Spinner, Siebmachcr, als wie auch für die übrigen Drahtarbeiter und Arbeiterinnen ist Saalfell» bi» auf weiteres gesperrt. Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbande». Die Bauunternehmer und die Maifeier. Eine außerordentliche Generalversammlung des Verbandes der Baugeschäfte von Berlin und den Vororten tagte gestern abend im Architektenhause und nahm den Bericht über die am ver- gangenen Mittwoch vor dem EinigungSamt stattgehabten VerHand lungcn zwecks Beilegung der Differenzen und dem vom Einigung? amt ausgesprochenen Schiedsspruch entgegen. Der erste Vorsitzende des Verbandes, Baumeister Vahl, referierte. Die Versammlung sah vorläufig von jeder Diskussion und Abstimmung hierüber ab. Es soll deswegen demnächst eine neue Versammlung einberufen werden. Ferner beschäftigte sich die Versammlung mit der bevov stehenden Maifeier. Die Versammlung beschloß, da die Maifeier ihrer Meinung nach nicht eine gewerkschaftliche, sondern eine sozial demokratische Feier sei. alle den 1. Mai feiernden Bauarbeiter zu entlassen und nicht vor dem 6. Mai wieder einzustellen. Berein Berliner Hausdiener, Mitgliedschaft I de» Zcntvalvcr- banldes der Handels., Transport- und Verkehrsarbeiter. Als Dele- gierte zur HauptgcneralversammAung sind folgende Kollegen ge« wählt: Wappler Fritz, Meißner Hermann, Bernhardt Max, Müller Wilhelm, Luckow Fritz. Der Vorstand. Die streikenden und ausgesperrte» Dachdecker versammelten sich am Donnerstag morgen im„Englischen Garten", um den Bericht über den Stand ihrer Lohnbewegung entgegenzunehmen. Deck Vorsitzende Karl Görnitz gab eine kurze Uebersicht über den seit 14 Tagen geführten Kampf. Als in der Versammlung vom Donnerstag, den 4. April, beschlossen wurde, daß die Dachdecker in den Streik zu treten bereit seien, wenn ihre Forderungen nicht anerkannt werden, traten die Vertrauensmänner zusammen, um die entsprechenden Mahnahmen vorzubereiten, und am Freitag wurde die Arbeit bei fünf Firmen eingestellt. Anv Sonnabend er- olgte die Arbeitsniederlegung bei Horn u. Hummel. Die Unter- nehmer versuchten sofort, die Bewegung niederzuhalten, indem sie erklärten, daß sie eine allgemeine Aussperrung vornehmen würden, wenn die Streikenden bis zum Dienstag, den 9. April, die Arbeit nicht wieder aufnehmen. Die Drohung der Arbeitgeber schüchterte die Arbeiter durchaus nicht ein und am Donnerstag, den 11. April, war die Aussperrung perfekt geworden, allerdings nicht in dem Maße, wie die Unternehmer es wünschten. Die Berichte, welche darüber in die Presse gelangten, entsprachen nicht den Tatsachen. ES meldeten sich 308 Dachdecker zur Kontrolle. 4 Firmen, die zusammen 40 Mann beschäftigten, erkannten die Forderungen, 90 Pf. Stundenlohn bei 8 Stunden Arbeitszeit, an, und die Arbeit wurde dort wieder aufgenommen. Etwa 20 Kollegen reisten ab, so daß am Mittwoch, den 17. April, 430 Mann in der Streikliste verzeichnet standen. Dazu kommen noch 150 Ausgesperrte vom „christlichen Verbände". Das ergibt 600 Mann. Nach den Be- richten in der Presse sollten aber 1000 Mann ausgesperrt sein, und mit dieser Zahl wollte man den Erfolg der Aussperrung beweisen. Es ist notwendig, darauf hinzuwerfen, daß 400 Mann noch in Arbeit stehen, denn man rechnet im ganzen hier mit 1000 Dach- deckcrn. Ein Teil des Unternehmertums hat nicht ausgesperrt und dadurch ist viel Uneinigkeit in den Reihen der Arbeitgeber hervorgerufen. Kleinere Unternehmer bewilligen täglich, von den größeren erklären manche, daß sie die Forderungen anerkennen wollen, aber die Unterschrift verweigern müßten. Man hat heraus- gefunden, daß vielfach die Arbeiten an Zwischenmeister oder unter Decknamen vergeben werden, wodurch die Streikenden sich natürlich geschädigt fühlen, und sie sind entschlossen, dagegen Front zu machen. In der Diskussion wurde auf diesen letzten Punkt besonders viel Gewicht gelegt. Man verlangte auch, daß die Poliere die Arbeit einstellen sollten. Die Fahrstuhl- a r b e i t e r wurden ermahnt, überall sich mit den streikenden Dach- deckern solidarisch zu zeigen. Ein engeres Zusammenwirken mit den Dachdeckcrhülfsarbeitern wurde gewünscht. Die Kontrolle über die Bauten sollte schärfer ausgeübt werden. Von den Dachdeckerhülfsarbeitern sind zusammen 260 in Mit- leidenschaft gezogen. Der folgende Antrag gelangte zur Annahme: „Die im„Englischen Garten" am 18. April tagende Versamm- lung der Dachdecker beschließt: Diejenigen Kollegen, welche zu den alten Bedingungen arbeiten, sowie diezenigen, welche Bauten für Unternehmer, wo andere Firmen Material liefern» fertigstellen, haben die Arbeit sofort niederzulegen." Die Aussperrung der Kurbelsticker der Firma Rosenberg, Adalbertstr. 52, dauert unverändert fort. Die Firma sucht jetzt in den Berliner Annoncenblättern nach Kurbelstepperinnen, die für den um zehn Pfennige verringerten Stundenlohn dieselbe Arbeit leisten sollen, als die Ausgesperrten. Unter den Augen der zur Hülfe geholten Polizei hielten denn auch drei Arbeitswillige ihren Einzug. Es gelang aber den Kollegen, die, wie die Inhaberin d« Firma selbst anerkennen mußte, sehr gut arbeiteten, diese drei wieder herauszuziehen. Zuzug ist noch wie vor streng fernzuhalten. Die Bäckermeister halten an ihrer komischen Ausfassung über die Form der Verhand- lungen mit den Gesellen fest. Dia Borstände und Obinänne-r der vereinigte» 15 Bäckerinnungen Groß-Berlins hialten gestern nach» mittag im Gemnania-JnnungshauS, Chausseestraße, eine gemein- same Sitzung ab. Es wurde mitgeteilt, daß sich samtliche VorortS- Innungen in ihren Versammlungen einstimmig ans denselben ab- lehnenden Standpunkt gegenübe-c den Forderungen der Gesellen gestellt haben, wie die beiden Berliner Innungen. Sie hielten nach wie vor an den im Frühjahr 1906 getroffenen Ver- einbarungcn fest.(Na nu? Die haben sie ja doch nicht gehalten!) Sie erklärten sich jedoch ebenfalls zu Verhandlungen mit dem Ge- sellenausschuß bereit,anken:Ohne einen ehrenvollen Vergleich wird die Arbeit nicht aufgenommen. » Der Holzarbeiterverband hielt am Mittwochabend eine all- gemeine Vertrauensmännerversammlung est. Auch dort erstattete S tu sche Bericht über die Lage der Aussperrung. Die Zahl der Ausgesperrten und Streikenden beträgt gegenwärtig in Berlin 4494, in Nixdorf 273, in Weitzcnsee 154, in Charlottenburg 199, in Schöneberg 3, in Neuenhagen 3, das sind in Berlin und den Vor- orten 5927. Außerdem sind jetzt ausgesperrt in Bernau 65, in Barnien 59, in Leipzig 399, in Dresden 328, in Bremen 599, in Halle 117, in Görlitz 146, in Burg 139, in Kiel 371. Das sind im ganzen in Berlin nnd im Reiche 7534. Am 21. April soll in Oldenburg, am 1. Mai in Guben die Aussperrung beginnen. In Landsberg a. W. und in Brandenburg a. H. sind die Verträge zum 1. Juli gekündigt. Die Aussperrungswut der Unternehmer hat für die Berliner Möbelindustrie eine Folge, die den Arbeitgebern einen nicht wieder gut zu machenden Schaden bringt. Durch die lange dauernde Aussperrung gehen die Arbeiten nach außerhalb. Ver- schiedcne Orte, die sonst kein Absatzgebiet in Berlin hatten, liefern jetzt nach Berlin, und in Süddeutschland, wo sonst ein gutes Absatz- gebiet der Berliner Industrie war, wächst eine eigene In- d u st r i e e m p o r. So sorgt die unbesonnene Hartnäckigkeit der Unternehmer dafür, daß die Berliner Industrie schwer geschädigt wird. Die Arbeiter als die Angegriffenen können zur Beendigung des Kampfes nichts tun. Sie müssen abwarten, bis die Unter- nehmer zum Frieden geneigt sind, und werden im Kampfe aus- halten, wenn er auch noch so lange dauern sollte. Dieselbe Meinung kam auch in der Diskussion zum Ausdruck. öS wurde betont, daß die Ausgesperrten nach wie vor entschlossen sind, fest zusammen zu stehen u/id den Angriff der Unternehmer mit aller Kraft zurück zu weisen. Die arbeitenden Kollegen sind bereit, wie bisher so auch ferner kein Opfer zu scheuen, um die Kämpfenden zu unterstützen. Ein Zurückweichen vor den Arbeit- gebcrn gibt es nicht. Diese haben den Kampf herbeigeführt, sie müssen nun auch die Folgen tragen. Das war die einmütige Meinung der Diskussionsredner, die auch bei den Versammelten ungeteilten Beifall fand. Einige Beispiele wurden angeführt, welche dafür sprechen, daß so manche kleinere Arbeitgeber schon längst des Kanipfes überdrüssig sind, aber sie haben sich der Macht der Scharfmacher so sehr überantwortet, daß sie nicht mehr die Möglichkeit haben, zu tun, was sie möchten. Die Unterstützung, welche die Kleinmeister von ihrer Verbandsleitung erhalten, muß nämlich zurückgezahlt werden, sobald der Betreffende die Aus- sperrung aufhebt. Das ist der Strick, den sich die Meister um den Hals gelegt haben und den die Leitung des Arbeitgeber-Schutz- Verbandes jeden Augenblick zuziehen kann. Die Versammlung beschloß, daß auch die Arbeitslosen ver- pflichtet sind, Streikposten zu stehen, und daß sie nur unter dieser Voraussetzung Unterstützung erhalten.— Ferner wurde beschlossen, den obligatorischen Beitrag von 1,99 M. beizubehalten Und die Kol- legen für verpflichtet zu halten, außerdem einen freiwilligen Bei- trag von 1 M. zu entrichten.— Auf eine Anfrage gab S t u s ch e bekannt, daß Sammellisten, welche für die Ausgesperrten sich in Umlauf befinden, vom Gewerkschaftskartell ausgegeben sind. Der Verband hat keine Sammellisten ausgegeben und gibt auch keine aus. Ueber die diesjährige Maifeier sprach Glocke. Er sagte, es liege trotz der gegenwärtigen Situation kein Anlaß vor, von der Arbeitsruhe am 1. Mai abzusehen. Die Berliner Holzarbeiter würden auch in der gegenwärtigen Situation zeigen, daß sie keine Furcht vor den Unternehmern haben. Der Redner empfahl eine Resolution, welche einstimmig angenommen wurde. Sie besagt: Als würdige Feier des 1. Mai ist nur die Arbeitsruhe zu be- trachten. Jeder Vertrauensmann hat die Pflicht, daß die Kollegen am 1. Mai die Arbeit ruhen lassen. Aussperrung im Eulengebirgr. Den Färbereibesitzern Suckert und Li ehr in Langenbielau hatten die Belegschaften Forderungen überreicht, die im wesentlichen in der Forderung auf Erhöhung des Lohnes um 15 Pf. pro Tag gipfelten. Beide Firmen verhielten sich ablehnend, angeblich auf Veranlassung des Verbandes schlesischer Textilindustrieller. Nicht genug damit, kündigte Herr L i e h r noch drei Arbeitern, eine Maß- nähme, die von den Arbeitern als Maßregelung betrachtet wurde. Dies konnten und wollten die Arbeiter sich nicht gefallen lasien und einmütig reichte deshalb am Sonnabend die Belegschaft der Liehr- schen Färberei die Kündigung ein. Die Unternehmer antworteten darauf mit der Androhung der Aussperrung der organisierten Ar- beiter des Bezirks Reichenbach in Schlesien. In allen dem Verband schlesischer Textilindustrieller des Bezirks Reichenbach angeschlossenen Betrieben wurde am Dienstag folgender Ulas angeschlagen: Bekanntmachung. Infolge der Sonnabend erfolgten Masienkündigung bei der Firma W. Liehr sehen sich die unterzeichneten Firmen genötigt. ihren Arbeitern, soweit diese dem Deutschen Textilarbeiter- verbände angehören, zum Austritt spätestens am Sonnabend, den 4. Mai zu kündigen, falls bis zum nach st en Freitag, den 19. A p r i l, abends 6 U h r, die Arbeiter der Firma W. Liehr ihre Kündigung nicht zurückgenommen haben. Zu dieser gemeinsamen Maßnahme sehen wir uns gezwungen, weil die erneuten Lohnforderungen in Rücksicht auf die wieder- holten erheblichen Lohnzulagen der letzten Jahre unter Verkürzung der Arbeitszeit abgelehnt werden mußten. Es steht fest, daß die jetzigen Löhne der Firma W. Liehr keineswegs hinter dem be- kaimtlich schon sehr hohen allgemeinen Durch- schnitt der Löhne in der Textilindustrie des Reichenbacher Bezirks zurückstehen. Außerdem stellt nach Aeußerungen des Gauleiters F ritsch die Lohnbewegung bei der Firma Liehr nichts anderes dar, als den ersten Schritt auf dem vom„Textilarbeiter' empfohlenen Wege,„durch fortgesetzte Beunruhigung der Be- triebe den Arbeitgebern den Willen dieser Ar- beiterorganisation aufzuzwingen.' Die unterzeichneten Firmen werden darum diesen Be- strebungen nunmehr einen entschiedenen Widerstand entgegensetzen. Für diejenigen Arbeiter und Ardeiterinnen, die nicht Mit- glieder genannter Organisation find, bleiben die Betriebe unbedingt weiter geöffnet. F. G. Alter. G. Böhm. Cohn Gebrüder. Chr. Dierig. August Ertelt. E. Elxleben u. Co. G. F. Flechtner. A. Fleischer. Jos. Fröhlich. Jos. Gritzbach. Ferd. Haase. E. F. Hain. Otto F. Huesker. Gottlob Jung. W. Liehr. B. Neugebauer Söhne. Neugebauer. C. Postpischill. Franz Rosenberger jr. H. Roth. Schlesisch- Türkischrot- Färberei. F. Suckert E. F. Zwanziger u. Söhne. Letztere ist die bekannte Firma, von der Gerhart Hauptmann in seinem Drama„Die Weber' spricht. Wie wenig die„Lohnzulagen', soweit solche bisher überhaupt gewährt worden sind, bedeuten, beweisen die amtlichen Zahlen der verschiedenen Textilberufsgenossenschaften. Diese Zahlen be« weisen auch, wie wenig die schlesischen Textilindustriellen berechtigt sind, von dem„schon sehr hohen allgemeinen Durchschnitt der Löhne' in Schlesien zu reden. Nach den Feststellungen der Textilberufs- genossenschaften betrug der durchschnittliche Tagelohn für einen Vollarbeiter im Bereich der Rheinisch-WestfälischenTextil-BerufSgenossenschast 2,73 M. Sächsischen»» 2,52„ Norddeutschen». 2.47. Elsaß-Lothringischen,. 2,34, Süddeutschen.. 2.16. Schlesischen„» Demnach wird in Schlesien in der Textilindustrie durchschnittlich rund eine Mark weniger Tagelohn gezahlt wie in Rheinland- Westfalen. Damit sind am besten die Angaben der Unternehmer widerlegt. �., Die Arbeiter werden sich durch die Maßnahmen der Unter- nehmer nicht ins Bockshorn jagen lassen. Daß die Unternehmer die Aussperrung schon von langer Hand vorbereitet haben, ersiebt vriantwvrtlicher'Rkdaltevr: Hon» Weber, Berlin. Für d» man aus einem Bericht über eine Ausschußfitzung des Verbandes schlesischer Texttlindustrieller, abgehalten am— 28. Juli 1906! In dieser Sitzung war Herr W. Kauffmann gegen eine allgemeine Aussperrung sämtlicher Arbeiter, weil in seinen Betrieben noch das alte patriarchalische Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitern herrsche und nur sehr wenige der letzteren irgend einer Organisation angehörten. Herr Generaldirektor Gärtner erklärte, daß er eine evenwelle Aussperrung der organisierten Arbeiter, gleich- viel welcher Organisation sie angehörten, für sehr empfehlenswert halte. Demgemäß wurde auch beschlossen. Die Verantwortung für die Aussperrung trägt also das Unternehmertum. Interessant ist aus der Ausschußsitzung noch, daß der Syndikus der Textilindustriellen, Herr Dr. Reißer, darauf aufmerksam machte, daß eine evenwelle Aufforderung an die Mitglieder zur Zahlung der im Reichenbacher Statute und in dem Reichenbacher Entwürfe zum Hauptstawt vorgesehenen Geldstrafen, sofern sie unter Androhung der Jnkurssetzung der hinterlegten Akzepte erfolge, unter die Strafbestimmimg des§ 153 der Gewerbeordnung fallen würde. Es wäre daher möglich, daß die Vorstandsmitglieder des Verbandes eventuell eine gerichtliche Strafe sich zuziehen könnten. Die Er- schienenen erklärten aber, daß man ohne eine solche Bestimmung nicht auskommen könne; man habe ja sonst kein Mittel in der Hand, aus Mitglieder, die sich den Beschlüssen in einem Einzelfalle nicht fügen wollten, einen Druck auszuüben. Wie man sieht, fragen die Unternehmer nichts nach den Gesetzen; Hauptsache ist, daß sie ihren Terrorismus auszuüben vermögen._ Zur Aussperrung der Hamburger Schauerleute wird uns telegraphisch von dort gemeldet, daß der Hafenbetriebs- verein im Bureau der Hamburg-Amerikalinie gestern vormittag eine Sitzung abgehalten hat. Am Nachmittag fanden Verhandlungen mit einer Vertretung der Ausgesperrten statt, deren Re- sultat einer heute vormittag stattfindenden Versammlung der Schauerleute unterbreitet wird. Es wird über die gepflogenen Verhandlungen Verschwiegenheit gewahrt, jedoch wird boraussichtlich die Aussperrung heute ihre Beendigung finden. Der Streik der Hamburger Schneider ist beendet! Nachdem am Mittwoch vor dem Hamburger Gewerbegericht Vergleichsver- Handlungen stattgefunden, beschäftigte sich abends eine bis nach zwölf Uhr tagende Versammlung der Arbeitnehmer mit dem Er- gebnis der Verhandlungen, das als akzeptabel bezeichnet wurde. Beschlossen wurde, am Donnerstag morgen die Arbeit zu den vor dem Gewerbegericht stipulicrten Bedingungen aufzunehmen. Im Streik befanden sich noch 599 Gehülfen, während der Rest schon anderweitig in geregelten Betrieben Arbeit gefunden hatte. Die Scharfmacheraktion hat sich als ein Schlag ins Wasser erwiesen. Die Leipziger Maler, Lackierer und Anstreicher beschlossen, Donnerstag früh die Arbeit niederzulegen, nachdem die nach Kllndi» gung und Ablauf des bisherigen Tarifs gepflogenen Verhandlungen an dem geringen Entgegenkommen der Innung gescheitert waren. Die Friseurgehülfen in Leipzig haben eine neue Lohnbewegung eingeleitet, um den im vorigen Jahre gescheiterten Abschluß eines Tarifvertrags herbeizuführen. Bis zum 25. dieses Monats er- warten sie von der Innung eine Erklärung, ob sie gewillt sei, mit der Gehülfenorganisation Verhandlungen anzuknüpfen. Zum Streik bei der Firma Seidel u. Naumann in Dresden. Wer erinnert sich nicht der wüsten Hetze des Reichsverbandes über den angeblichen Streikterrorismus, über die Vergewaltigung der neuen Arbeitswilligen, über Stveikunruhen und ähnliche für ein Philistorgemüt erschreckliche Dinge. Um so mehr muß die un- befangene Würdigung hervorgehoben werden, die das Dresdner amtliche Organ, der„Dresdner Anzeiger', der dieselbe wüste Hetze während der Wahl mitgemacht, jetzt den 1599 Streikenden der Firma Seidel und Naumann widerfahren läßt. In feiner am Mittwoch erschienenen Nummer schreibt er: „Die Streikenden haben ihre ruhige und abwartende Haltung weiter bewahrt und es muß ausdrücklich hervorgehoben werden, daß die Ruhe und Ordnung trotz der manchmal bedeutenden Menschenansammlungen(wenn die„Gelben', zirka 799 zur Arbeit gehen! D.-Ber.) vor der Fabrik und in deren Umgebung nicht gc- stört worden ist." An Stelle der Firma hat jetzt der Metallindustriellenverband für die KreiHauptmannschaft die Verhandlungen überiwmmen. Streikbrecher sind nach einer offenbar von ihnen inspirierten Notiz im„Anzeiger' wenig vorhanden. Die wenigen kommen meist von Berlins!?); Es ist deshalb dringend vor Zuzug nach Dresden zu warnen. Gegenüber dieser einwandsfreien Berichte rstatwng des Rats- blattes rst besonder» auf die schofle Haltung der liberalen„Dresdner Zeitung', die wir schon vor einigen Tagen beleuchteten, hinzuweisen, die auch von dieser vorurteilsfreien Würdigung der Haltung der Streikenden keine Zeile bringt. Auch die„Gelben", Arbeitswilligen, sind eifrig bemüht, die Streikenden zu provozieren, so mischte sich ein solcher vor einigen in Gespräch, das ein Streikender mit einem anderen Ar- Tagen in ein__________ beiter über den Stand des Streiks führte, indem er triumphierend laut und höhnisch auf die„ersolgreiche Streikbrecherzufuhr" hin- wies und als er dafür entsprechend abgeführt wurde, sich sofort hülfe- flehend an einen Gendarm wandte, und auch eine Sistierung des „Antasters der Arbeitswilligen-Ehre' erreichte. Die Aussperrung der Altenburger Bauarbeiter ist am Dienstag aufgehoben worden. Arbeiter und Unternehmer haben sich aus folgender Grundlage geeinigt: Bei g'/zstündiger Arbeitszeit in zwei« jähriger Vertragsdauer werden solgende Löhne gezahlt: 48 Pf. für Maurer und Zimmerer und 38 Pf. für Hülfsorbeiter für die Stunde von jetzt ab bis 31. März 1998; vom 1. April 1998 bis �39. Juni 1998: 49 Pf. für Maurer und Zimmerer und 39 Pf. für Hiilfs- arbeitet; vom 1. Juli 1998 bis 31. März 1999(Ende der Vertrags- dauer) 59 Pf. für Maurer und Zimmerer und 49 Pf. für Hülfs- arbeitet. Für Ueberstunden werden 19 Pf. und für Nacht- und Sonntagsarbeit sowie für Arbeiten im Wasser 29 Pf. für die Stunde mehr bezahlt.— Die Arbeit ist am Dienstag im vollen Umfange ausgenommen worden. An der Aussperrung haben die Unternehmer nach 14tägiger Dauer genug bekommen. Die Tapezierergehülfe» zu München haben den Unternehmern einen neuen Tarif vorgelegt. Bor dem Einigungsamte wurden nicht nur Mindestlöhne festgelegt, fondern auch eine Verkürzung der Arbeitszeil auf 83/� Stunden zugestanden. Während eine stark- besuchte Gehülfenveriammlung diese provisorisch festgelegten Tarif- Vereinbarungen akzeptierte, wurden sie von einer Versammlung des Arbeitgeberverbandes abgelehnt, worauf sämtliche Gehülfen die Arbeit niederlegten. Zuzug von Tapezierern nach München ist fernzuhalten I HueUmtL Ueber dir gewerkschaftlichen Kämpfe und Konflikte in Däne- mark haben in den letzten Tagen Verhandlungen zwischen den Vor- ständen der dänischen Arbeitgebervereinigung und des Verbandes der Gewerkschaften stattgefunden, teils mit Hinzuziehung von Ver- tretern der direkt beteiligten Parteien. Zu einer Einigung ist es gekommen zwischen den Fuhrleuten und ihren Arbeitgebern, so daß die allgemeine Aussperrung unterbleibt, die sämtliche organisierten Fuhrleute in Kopenhagen treffen sollte. Auch über den Konflikt im Stratzenbahnbetricbe der dänischen Hauptstadt ist verhandelt worden, doch ohne Erfolg. Verhandlungen über die übrigen Kämpfe und Konflikte stehen noch bevor oder sind bereits eingc-leitet. Die Aussperrung auf den großen Werften, ebenso der Schuhmacher- streik in Kopenhagen dauern unverändert fort. Die dänischen Dampfschiffsmaschinisten haben gestellt. Die Reedereivereinigung weigert sich zu verhandeln. Kommt es zu keiner Einigung, so wird wohl im Mai ein Streik ausbrechen, der den Dampfschiffsvcrkehr lahmlegt. Die Organi- sation der dänischen Maschinisten hat sich bereits mit den aus- ländischen Bruderorganisattonen verständigt, um dem Zuzug von Streikbrechern aus den anderen Ländern vorzubeugen. Streik im Baugewerbe Antwerpens. Die Maurer, die Stukka« teure und die Steinhauer Antwerpens befinden sich seit 14 Tagen im Streik und verlangen Lohnerhöhung sowie Verkürzung der Arbeitszeit. Der Streik umfaßt jetzt 2499 Mann. Drei große Unternehmer haben bewilligt, die Unternehmerorganisation ver- hält sich ablehnend.________ Hub Industrie und ftandel* Die schlauen Reeder. Die Ballinleute bemühen sich krampfhast, den von der Hapag ausgeübten Terrorismus, die Aussperrung der Arbeiter, als einen Streik zu stigmattsieren. Das Bemühen, mit einer solchen Fälschung Erfolg zu haben, scheiterte aber doch an den offen zutage liegenden Tatsachen. Daß die Unternehmer die Aussperrung willkürlich vor- genommen haben, kann nicht geleugnet werden, aber sie wollen zu dieser Willkür gezwungen worden sein, weil die Arbeiter den Revers über die Leistung von Nachtarbeit nicht unterzeichnen wollten. Die Aussperrung sei deshalb eigentlich ein Streik. Die preußischen Staatsanwälte sollten bei den Hamburger Pfeffersäcken in die Schule gehen, diese sind ihnen in der Jnterpretationskunst wirklich noch über. Wir möchten übrigens den Unternehmer sehen, der eine von ihm vorgenommene Aussperrung nicht als eine von den Arbeitern erzwungene Maßnahme deklariert. In dem vorliegenden Falle handelt es sich aber nicht nur um den Versuch, die öffentliche Meinung zugunsten der Reeder zu beeinflussen, die Sache hat auch noch einen sehr materiellen Hintergrund. Die Reeder wollen fich zivilrechtlichen Ansprüchen entziehen. Durch ihren Gewaltakt haben sie nämlich auch sehr viele Händler und Industrielle geschädigt, indem die übemommenen Transporte verzögert worden sind. Die Geschädigten wollen daher mit Entschädigungsklagen gegen die Ballin-Gesellschaft vorgehen. Nun enthalten die Konnossements aber die sogenannte Streikklausel, die die Unternehmer von jeder Haftung befreit, wenn höhere Einwirkungen, als welche auch Streiks betrachtet werden, Bettiebsstörungen verursachen. Daher der Versuch, aus der ganz willkürlichen Aussperrung einen Streik zu machen. Würden die Reeder mit solchem Trick Erfolg haben, dann hätte ein Vertrags- verpflichteter es immer in der Hand, sich einer kontraktlichen Ver- pflichtung zu entziehen. Er hätte nur notwendig, die Arbeiter zu zwingen, provozierenden und sie schädigenden Ansprüchen Widerstand entgegenzusetzen und dann eine Aussperrung vorzunehmen. Ans diesem Grunde hat die Frage für den gesamten Handel und die Industrie eine prinzipielle und eine materiell ganz hervorragende Bedeutung._ Bon dem Bericht der Handelskammer z» Berlin für 1906 ist nunmehr der zweite Teil erschienen, der in der Hauptsache eine Schilderung des Geschäftsganges in den einzelnen Zweigen des Handels und der Industrie bietet. Das Urteil über die allgemeine wirtschaftliche Lage, wie sie Berlins Handel und Industrie im Jahre 1906 aufwiesen, faßt der Handelskammerbericht in folgenden Worten zusammen:„Angespannte Tättgkeit, der oft genug die nötigen Arbeitskräste fehlen, lebhaste und große Umsätze werden von allen Seiten gemeldet; ebenso eine fast allgemeine Aufwärts- bewegung der Preise. Am stärksten war diese bei den Rohstoffen und Halbfabrikaten ausgeprägt, die den schon hohen Stand von 1995 noch weit übersttegen; einige Ausnahmen, die zum Beispiel für Zink, Pettoleum, Kaffee, einzelne Chemikalien zu konstatieren find, fallen gegenüber der überwältigenden Mehr- heit der im Preise gestiegenen Waren wenig ins Gewicht. Die weiter verarbeiteten Waren folgten dem schon seit den Vorjahren von den Rohstoffen ausgehenden Anstoße in mehr oder minder raschem Tempo, im allgemeinen um so langsamer, je näher sie dem letzten Käufer gerückt waren, weil hier die Vielseittgkeit des Angebotes, das Vorhandensein älterer, billiger einstehender Bestände und der Widerstand der Verbraucher die Durchsetzung der höhere» Preise am meisten erschwerten." Der Waren- verkehr Berlins(abgesehen vom Viehverkehr), der sich auf Eisen- bahn und Wasser vollzieht, hat im Jahre 1996 eine Viertel Milliarde Doppelzentner überschritten. Er stieg gegen daS— ebenfalls gute— Vorjahr um nahezu 18 Proz. Beachtenswert ist, daß von den beiden für dir Güterzufuhr in Betracht kommenden Beförderungsmitteln, Wagen und Kahn, der erstere dies- mal einen Vorsprung erreichte, während noch im Vorjahre die Zu- fuhr per Wasser überwog. Der Mangel an Haseneinrichtungen macht fich auf diese Weise bemerkbar. Den Darlegungen deS Handels« kammerberichts über die loirtschafllichen Ergebnisse der einzelnen Branchen ist ein umfangreicher Anhang beigegeben, der die Statistik des Güterverkehrs enthält, ferner die von der Handelskammer im Jahre 1906 erstatteten Gutachten über HandelSgebräuche usw. wieder- gibt und endlich eine Uebersicht über die bei der Kammer bestehenden Kommissionen, Fachansschüsse usw. sowie ein Verzeichnis der öffent- lich angestellten Sachverständigen usw. bringt. Hub der Frauenbewegung. Versammlungen— Veranstaltungen. Berlin. Mittwoch, den 24. April, 8>/z Uhr, im„Neuen Klubhaus', Kommandantenstr. 72, Vortrag:„Die Teilnahme der Frauen an der Kranken- und Invalidenversicherung". Referent: Dr. S. Rosenseld. Friedrichshagen. Montag, den 22. April, 8�/, Uhr, im.WilhelmSbad': Vortrag. Genossin Ihrer. Adlershof. Montag, den 22. April, 8 Uhr, bei Kähne, Bismarck- ftraße 60: Oeffentliche Versammlung. Bortrag. Herr Kurt Heinig:„Die Rechte der Frau". Bericht und Neuwahl der Vertrauensperson für Adlershof. Lichtenberg. Montag, den 22. April. 8'/z Uhr, in Neu-Lichtenberg, Wilhelmstr. 69, Ecke Sophienstraße, bei Ennert: Vorttag:.D,e Frau im Lichte der Kulturentwickelung'. Referent: Redakteur Wennuth. Groß Lichterfelde und Umgegend. Der Besuch der Arbeiterwohlfahrt- Ausstellung findet erst Sonntag, den 12. Mai. statt. Treffpunkt: Charlottenburg, am Knie, Berliner- und Bismarckstraßen-Ecke pünktlich'/s2 Uhr._ Sozialdemokratischer Lese- und Diskutierklub„Demoscheues". Heute abend'/,S Uhr bei Vollmann. Prinz Eugcnstr. 8: Sitzung. Sozialdemokratischer Lese- und Tiskutierklub„Iohairn Jacoby". Heute abend 81), Uhr bei Bugge, Kastanien-Allee SS: Sitzung. Sozialdemokratischer Lese- und Diskutierklub„Hasenclever*. Heute abend S'l, Uhr, bei Korst, Elisabethkirchslr. 18: Sitzung. Agitatioiisverein für de» Wahlkreis Landsderg- Soldin. Heute, Freitagabend 3'/, Uhr, Versaminlung im Gewerkschastshause. Gäste willkommen. Wetter- Prognose für Freitag, deu 1». April 1907. Kühl und veränderlich, vielfach wollig mit etwas Regen und ziemlich frischen nordwestlichen Winden. Berliner We t t e r b u r» a o. Wasterftand am 18. Ahril Elb- be» Rüstig— Meter. Bei Dresden+ 46 dp.— Elbe bei Maadeburg 3,01 Reter.— Oder bei Ratibor 3 Meter, steigt.— O d e r bei Breslau+ 0,40 Meter.— Oder bei Brieg 3,32 Meier.— Neißemündung 2,98 Meter. Forderungen auf Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen-----------------_ Itfecatenteil ver-ntw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck u.«erlag: BorwärW' M»chdruckerei u. Verlageanstalt Paul Singer& Co.. Berlin rt. Nr. 91. 24. Jahrgang. 2. Ktilize 1» Joraöite" Kerlim pMlott Freitag, 19. April 1907. Denkschrift über das Kartellwesen. Dem Reichstag ist jetzt der 3. Teil der Denkschrift über die Kartelle zugegangen. Er behandelt die Kohlenindustrie. Die offen in die Erscheinung tretende monopolistische Tendenz der Kohlensyndikate erklärt die Denkschrift aus dem Umstände, daß der Betrieb örtlich durch das Vorkommen von Kohle gebunden ist, die Schachtanlage und der Abbau der Kohle bedeutende Kapitalien, Sachkenntnis und Erfahrung, sowie wegen des mit dem Vertriebe verbundenen Risikos, besonderen Unternehmungsgeist erfordert. Dazu komme noch der trotz aller Verschiedenheit der Sorten ein- heitliche Charakter der Erzeugnisse, die Einheitlichkeit der Kosten der Gewinnung, insoweit die Unsicherheit im Preise eines Vor- Produktes entfällt und endlich der beschränkte Wert der Erzeugnisse im Verhältnis zu den Transportkosten. Befestigt- wird der monopolistische Charakter der Kohlenkartelle dadurch, daß die Kohle einen notwendigen Rohstoff für die Industrie und für die Masse der Bevölkerung ein unentbehrliches Brennmaterial bildet. Was der Bericht als Gegengewicht gegen die monopolistische Tendenz der Kartelle anführt, erscheint sehr wenig stichhaltig. Er rechnet hierher, daß der Kohlenbergbau kein räumlich zusammenhängendes Wirtschaftsgebiet bilde, die Braunkohle an Verwendbarkeit und damit an Bedeutung gewonnen habe, und vor allem der Wett- bewerb ausländischer Kohle in Betracht komme. Die etwa 10 Proz. der Erzeugung betragende Einfuhr von Stein- und Braunkohle in das deutsche Zollgebiet ist von 4 68g 242 Tonnen im Durchschnitt der Jahre 1876 bis 1880 auf 17 344 954 Tonnen gestiegen. Namentlich zeigt die Einfuhr der englischen Steinkohle eine wesentliche Steigerung. Sie betrug 1838 4 506 163 Tonnen, im Jahre 1900 6 033 316 Tonnen und stieg 1905, wo die deutsche Produktion infolge des großen Bcrgarbeiterstreiks zurückging, auf 7 483 421 Tonnen gegen 5 808 032 Tonnen im Jahre 1904. Als weitere Faktoren, die der wirtschaftlichen Machtstellung der Kartelle Schranken setzen, betrachtet die Denkschrift das Vorhandensein fiskalischer Kohlengruben, deren Ausbeute allerdings nur 14 Proz. der Gesamtförderung betrug, und den Umstand, daß die Eisen- bahnen sich im Besitze des Staate? befinden und somit niedrige Frachtsätze zu Konkurrenzzwecken seitens der Kartelle nicht in Anwendung gebracht werden könnten. Das hat natürlich nur für das bestrittene Absatzgebiet Bedeutung, d. h. für solche Bezirke, wo beispielsweise die schlesische Kohle mit der westfälischen in Kon- kurrenz tritt. Das westfälische Kohlensyndikat beherrscht aber durch den Umfang seiner Produktion den Markt fast vollständig, wie die Kohlenverbraucher namentlich in den Jahren des Kohlen- mangels genügend erfahren haben. Von den im Ruhrbecken ge« förderten Kohlen hatte das Syndikat 1905 einen Anteil von rund 58 Proz., während die nichtsyndizierten Zechen mit nur noch 2,3 Proz. beteiligt waren. Vor der Neuregelung der Verträge im Jahre 1903 betrug der Anteil der letzteren aber noch rund 17 Proz., ein Beweis dafür, wie das Syndikat seine Monopolstellung aus- dehnt und befestigt, auch ohne daß es die Eisenbahnfrachtsätze be- herrscht. Wie sehr übrigens die Kirdorf, Stinnes usw. auf die Wünsche der Regierung unter Umständen pfeifen, hat diese bei der bekannten Hibcrniaangelegenheit erfahren. Aber auch dort, wo keine großen Interessen der Magnaten auf dem Spiele stehen, kehren sie der Regierung gegenüber gerne ihren protzigen Herrenstand- Punkt hervor, wenn diese sich um Dinge kümmert, die den Kohlen- baronen unangenehm sind. Zur Feststellung der Verhältnisse in der Kohlenindustrie war die Regierung mit den Syndikats- Vertretern in kontradiktorische Verhandlungen eingetreten. Solche Verhandlungen überhaupt abzulehnen, lag natürlich nicht im Interesse der Syndikatsvertretcr, weil ihnen daran liegen mutzte, der Regierung und, mit Rücksicht auf die zu erwartende Veröffent- lichung der Verhandlungen, der weiteren Oeffentlichkeit eine niöglichst günstige Meinung von den Einrichtungen und Wirkungen des Kartells beizubringen. Als nun aber die Regierungsvertreter über die Zusammensetzung des Beirats, der im Syndikat nicht nur die obere Instanz für Entscheidungen über Festsetzung der Beteili- gungsziffer für die einzelnen Zechen bildet, sondern der vor allem auch die Richtpreise festzustellen hat, bezüglich der verschiedenen Interessengruppen und der Einwirkung dieser Gruppen auf die Festsetzung der Richtpreise eine Auskunft wünschte, wurde eine solche abgelehnt. Ebenso wurden nähere Angaben hinsichtlich der Stimmenzusammensetzung bei der Abstimmung über die Richtpreise mit der Begründung abgelehnt, daß die Gruppierung der Mitglieder keine ständige sei und daß darüber in den Protokollen nichts vermerkt werde. Die Tatsache, daß die Kohlenzechen den Kohlenbedarf zeit- weise nicht voll beftiedigen konnten, ist zum Gegenstand von Ver- Handlungen mit dem Syndikat gemacht worden. Die Minder- Icistuna�beruhe, so wurde vom Syndikat versichert, nicht auf einer technischen Leistungs.infähigkeit der Zechen— diese seien nach Maß- gäbe ihrer technischen Einrichtungen in der Lage, die Förderung zu verstärken— sondern auf den Mangel an Arbeitern. Durch die im Jahre 1906 wiederum eingetretene Hochbewegung sei übrigens der Beweis geliefert, daß der Heranziehung neuer zahlreicher Ar- bcitskräfte überhaupt jetzt ein Ziel gesetzt sei, indem der freiwillige Zuzug aus dem Osten fast gänzlich aufgehört habe. Eine Heran- zichung geschulter Kräfte aus den östlichen und österreichischen Berg- revieren würde unter gleichen Verhältnissen früher wohl stattgefunden haben, versage jetzt aber vollständig. Der niederrheinisch-westsälische Kohlenbergbau sei dadurch in die Zwangslage gekommen, sich mit der vorhandenen Belegschaft zu bchelfen und seinen Absatz der er- reichbaren Förderung anpassen zu müssen. Aus diesem Grunde habe man trotz der dringenden Nachftage sich mit der geringeren Bcteiligungsziffer abfinden und den Arbeitermangel als höhere Gewalt, welche die Strafbestimmungen wegen Minderlieferung außer Kraft setze, anerkennen müssen. Daß die Arbeiter aus dem Osten, der Eifel und anderen Ge- genden heute nicht mehr so zahlreich nach dem rheinisch-westfäli- schen Kohlenrevier strömen, wie in den 90« Jahren, soll nicht bc- stritten werden. Die Zahl der im Oberbergamtsbezirt Dort- mund auf Zechen und Aufbereitungsanstalten beschäftigten Ar- beiter ist m den ersten drei Vierteln des Jahres 1906 mit 276 094, 276 055 und 275 623 Mann annähernd gleich geblieben. Wenn aber wirklich Arbeitermangel bestünde und die Zechcnbesitzer aus diesem Grunde die Kohlenförderung nicht zu steigern vermöchten. so rächen sich an ihnen hier die brutalen Maßregelnngen der Berg- arbciter wegen ihrer politischen und gewerkschaftlichen Betätigung. Konstatierte doch der Dortmunder Handelskammerbericht zener Zeit, daß nach dem Streik im Januar 1893„achthundert Bergleute dauernd von der Bergarbeit ausgeschlossen seien." Diese Berg- leute sind zu einem großen Teil mit ihren Familien ausgewandert; in Schottland bestehen noch heute mehrere deutsche Bergarbeiter- kolonien, deren Mitglieder durch die brutale Anwendung der wirtschaftlichen Macht der heute über Arbeitermangcl klagenden Kohlcnprotzen in die Fremde hinausgetrieben wurden. In der Sitzung der Zechenbesitzer-Versammlung vom 19. De- zember 1905 teilte der Vorsitzende Kommerzienrat Kirdorf mit, daß der Ausschuß über die Beteiligungsanteile für das 1. Viertel- jähr 1906 zu einem einstimmigen Beschluß nicht gelangt sei. Dem Verlangen nach völliger Freigabe der Beteiligungsziffer wurde von anderer Seite entgegengehalten, daß dadurch die vorhandenen Schwierigkeiten nur vermehrt werden würden, insbesondere in- folge des Bemühens der Syndikatsmitglieder, sich die erfor» derliche Anzahl von Arbeitern zu beschaffen. wodurch der A r b e i t e r m a n g e l nur verschärft werden würde. Beschloffen wurde, die Beteiligungsziffer in Kohlen, Koks und Briketts auf 90 Proz. festzusetzen. In einer am 8. Juni 1906 abgehaltenen Versammlung der Zechcnbesitzer schlug der Synditatsvorstand laut Protokoll die Frei- gäbe der vollen Betejligungsziffer für Kohlen vor. Angesichts der (allgemeinen Kohlenknappheit und der berechtigten Erregung, welche sich der Oeffentlichkeit bemächtigt habe, könne der Vorstand nicht anders, als die volle Beteiligungsanteile für Kohlen fordern. Andererseits sei er auch denjenigen Mitgliedern gegenüber dazu verpflichtet, die in der Lage seien, ihren vollen Anteil zu liefern. Aus dem Kreise der Mitglieder, so heißt es weiter, seien gegen die Freigabe Bedenken geltend gemacht worden mit der Begründung, daß die Arbeiterschwierigkeiten, die schon heute besorgniserregend seien, dadurch weiter an Ausdehnung gewinnen. Und nun winkte der Herr Kirdorf der Mehrheit mit dem Zaunpfahl. Seine Worte seien nicht tragisch zu nehmen, den Antrag des Vorstandes könne man ruhig ablehnen. Laut Protokoll erklärte er, daß in Uebereinstimmung mit der Mehrheit der Mitglieder des Aufsichtsrats und des Ausschusses der Vorstand sich dem Willen der Zechenbesitzerversammlung anschließe, wenn seine(d. h. des Vorstandes) Stellungnahme zu Proto- koll genommen werde und er hierdurch der Ver- antwortung enthoben sei. Nachdem dann ein Bergrat Stapenhorst eine Freigabe der Beteiligungsanteile für untunlich erklärt, weil sie(widersinnige Begründung) doch nicht voll geleistet werden könne und ein derartiger Beschlutz nur neue Unruhen in die Belegschaft hineintragen werde, wurde denn auch der Antrag des Vorstandes abgelehnt und die Be- teiligungsziffer für Kohlen und Koks auf 95 und für Briketts auf 90 Proz. festgesetzt. Kann man sich einen egoistischeren Standpunkt vorstellen, als ihn hier die Mehrheit der Zechenbesitzer einnimmt? Wohl kaum! Der Vorstand anerkennt: es besteht eine allgemeine Kohlenknappheit, es besteht darüber eine berechtigte Erregung. Diejenigen Mitglieder, welche die volle Beteiligungsziffer liefern können, habe einen Anspruch darauf. Aber trotz alledem erfolgt die Ablehnung, weil die Preise sinken und die Arbeiter Forderungen stellen kö n n t e n III Lächelnd akzeptiert der Vorstand die Ablehnung seines eigenen Beschlusses, denn er ist ja der Oeffentlichkeit gegenüber jetzt gedeckt. Die Zeche„König Ludwig" versuchte, als ihr eine Revision der Beteiligungsziffer zu ihrem Gunsten mangels hinreichender Unterlagen im Vertrage glatt zurückgewiesen worden war, auf dem Wege der Klage zu ihrem Rechte zu kommen. Der Einwand des Syndikats, daß laut Vertrag die Entscheidung der ordentlichen Gerichte ausgeschlossen sei, genügte. Die klagende Zeche wurde von den ordentlichen Ge- richten wegen Unzulässigkeit des Rechtsiveges abgewiesen. Und während diese allmächtige Kapitalistengesellschaft das Interesse der auf den Bezug von Kohlen angewiesenen Industrien zu ihrem Gunsten rücksichtslos niedertritt und dafür ihr eigenes selbstsüchtiges Interesse zum Drehzapfen der wirtschaftlichen Ent- Wickelung machen möchte, plärren die Stresemann, Semler und andere im Reichstag von dem Terrorismus und der fortgesetzten Beunruhigung unserer vaterländischen Industrie durch die Ge- werkschaften. Terrorismus gegen Arbeitswillige. Die systematische Behinderung Arbeitswillige» an Betätigung ihrer Arbeitskraft durch Konkurrenzklauseln— jenen Vertrag s- vereinbarungen, die über die ArbeidsvertragSzeit hinaus den Arbeiter in der Verwertung seiner Arbeitskraft behindern, wird insbesondere von Großindustriellen betrieben, möge' es sich um Handlungs- gehülfen, um Werkmeister, BetricbSbeamte oder einfache gewerbliche Arbeiter handeln. Dieser Terrorismus ist insbesondere auch Nicht- Handlungsgehülfen gegenüber in immer stärkerem Maße zur An- Wendung gelangt und hat eine gemeingefährliche Ausdehnung er- langt Da ist die Festnagelung solcher Praktiken insbesondere dann von Wert, wenn die Großindustriellen selbst z u g e b e n, ein solches Verfahren sei verwerflich, das gegen die guten Sitten verstoßende Verfahren aber selbst amvenden. Solche Feststellung ist gegenüber dem nationalliberalen Abgc- ordneten Freiherr von Heist zu Herrnsheim bekanntlich am 14. März im Reichstag erfolgt. Genosse Heine hatte behauptet, im Betrieb des genannten Abgeordneten habe ein Arbeiter mit 24 M. Wochen- lohn sich bei einer Konventionalstrafe von 5990 M. einer Kon- kurrenzklausel unterwerfen müssen. Das bestritt dieser national- liberale Abgeordnete, der seine rücksichtslosesten Scharfmachertaten durch ein sozialpolitisches Rede-Mäntelchen zu verhüllen beflissen ist. Ausweislich des von uns am 19. März niedriger gehängten stenographischen Berichts erklärte er der Festnagelung gegenüber: „Verträge(Konkurrenzklauselverträge) mit Arbeitern werde» in meinem Betriebe überhaupt nicht gemacht."„Verträge mit Kon- kurrenztlauseln werde» m meinem Betriebe nur mit Vertrauens- Personen abgeschlossen."„Ich würde diese Konventionalstrafe bei 24 M. Wochenlohn unter keinen Umständen billigen."„Keinesfalls ist er(der Vertrag) von mir unterschrieben." Er teilte mit, er habe sofort nach Worms telegraphiert, um Mitteilungen über das Tatsächliche zu erhalten. Er werde nach erhaltener Rückantwort nähere Aufklärung geben. Im Anschluß an unsere Festnagelung, daß dies Versprechen des Freiherrn Hey! zu Herrnsheim nicht eingehalten worden ist. be- zweifelten wir, ob der sonst so redselige Herr von Hehl zu Herrus- heim die Sprache in dieser Session wicdarsinden werde. Der mit der Adelsncuheit und Scharsmacherci des nationallibcralen Herrn von Heyl konkurrierende freikonservative Abgeordnete von Dirksen meinte am 15. dieses Monats, Herr von Heyl werde auf die Sache zurückkommen. Dies Versprechen des Herrn von-Dirksen ist noch weniger wert, als das seines Freundes. Wir wollen nachstehend versuchen, die plötzliche Zungenlähmung des nationalliberalen Leder» lönigs wenn nicht zu heilen, so doch zu erklären. Die von unS oben wiedcrgegebencn Behauptungen und Be- streitungen, die der nationalliberalc Abgeordnete Freiherr von Heyl zu Herrnsheim in der Sivung des Reichstags in breitester Oeffentlichkeit aufstellte, sind Punkt für Punkt unwahr. Seinen feierlichen Erklärungen entgegen ist wahr: 1. Herr von Heyl hat eigenhändig de» von ihm abgeleugneten Bertrag unterschrieben, 2. dieser Vertrag ist mit keiner Vertrauenspcrson, sondern mit einem Drgrasarbeiter abgeschlossen, 3. gleichlautende von Heyl im Reichstag verurteilte Verträge sind mehrfach in Heyls Betrieb durch Herrn von Heyl abgeschlossen. Unser Bruderorgan, die„Pfälzische Post", veröffentlicht in ihrer Nummer vom 6. April einen solchen Vertrag. Im§ 2 dieses Vertrages hat der mit 24 M. Wochcnlohn angestellte Arbciter sich verpflichten müssen: ...... in allem, was auf die Fabrikationsversichren und überhaupt auf das Geschäft dieser Firma Bezug hat, jederzeit die größte Verschwiegenheit zu oeachten. Derselbe verpflichtet sich ferner, jo- wohl währeird der Zeit, in welcher er in Diensten der Firma steht, als auch noch während der drei ersten Jahre nach seinem Austritt odersrinerEntlassung aus deren Diensten in keinerlei Weise einem den Geschäften derselben gleichen oder auch nur ähn- lichen Geschäfte in Hessen, Baden, der Pfalz, Elsaß-Lothringen, der Rheinprovinz, Hessen, Nassau. Thüringen und Königreich Sachsen seine Tätigkeit und Erfahrung weder direkt»och indirekt anzu- wenden, in ein solches einzutreten, sich an einem solchen zu beteiligen oder selbst ein solches zu gründen. Als gleich oder ähnlich hat jedes Geschäft zu gelten, welches auch nur einen der nachverzcichneten Artikel fabriziert, nämlich: Lackleder, Wichsleder, Braunleder, Kidleder, Satinleder, Kunst- sohlleder, farbige Schuh- und Portefeuilleleder, Chromleder jeder Art, Leim und Dcgras, oder einen sonstigen Artikel, welchen die Firma Cornelius Hehl bei dem Aufhören deS Dienstverhältnisses fabrizieren wird. Diese Verbindlichkeiten gelten selbstverständlich nur solange das Geschäft der kontrahierenden Firma besteh«, solange dasselbe besteht, gelten sie aber unbedingt, einerlei unter welchem Eigentümer«der unter welcher Firma das Geschäft fortgeführt wird. Für jede» Fall, daß einer dieser Verpflichtungen zu- widerhandeln würde, ist er verbunden und verbündet er sich, eine Konventionalstrafe von Fünftausend Mark zu zahlen, ohne daß.... sich durch Zahlung derselben von seinen Verpflichtungen zum Ersatz eines höheren Schadens befreien kann." Herr von Heyl zu Herrnsheim hat in dem Vertrage u. a. noch folgende, gegen ine guten Sitten verstoßende Vertragsbcstimmung getroffen, Me niedriger zu hängen angebracht sein dürfte: „Sollte..... den Anordnungen des Fabrikhcrrcn oder sonst einer in diesem Vertrage eingegangenen Verpflichtungen zuwider- handeln, so ist die Firma Cornelius Heyl berechtigt, ihn sofort ohne Entschädigung zu entlassen. In diesem Falle tritt selbstverständlich die Bestimmung des§ 2 in Wirksamkeit, wonach..... während der ersten drei Jahre nach der Entlassung keinem Geschäfte ähnlicher Art feine Tätigkeit zuwenden darf. Gleiches gilt, wenn eine Entlassung nach Maßgabe der §§ 123 Nr. 1 bis 7 resp. 133c der Gewerbc-Ordnung für das deutsche Reich stattfindet, wodurch gegenwärtiger Vertrag keine Abänderung erleiden soll, soweit er die Verpflichtung aus§ 2 betrifft." Der Inhalt dieser HeylSvcrträge enthält eine so wucherische Be- Hinderung Arbeitswilliger an der Verwertung ihrer Arbeitsirast, daß es begreiflich ist, wenn selbst Herr von Heyl in der Reichstags- sitzung die Rechtsbeständigkeit eines solchen Vertrages in Frage und der freikonsevvative Herr von Dirksen eine Verteidigung dieses Terrorismus in Aussicht stellte. Für den Sozialpolitiker und für den Gesetzgeber erwachst aber die gebieterische Pflicht, schleunigst solche Verträge ausdrücklichst zu verbieten. Und das um so mehr, als es unrecht wäre, Herrn von Heyl zu Herrnsheim als den einzigen Fabrikanten anzusprechen, der ähnliche Verträge abschließt. Solche selbst von Herrn von Heyl als verwerfliche bezeichneten, auf Lahmlegung oder Beschränkung der Erwerbsmoglichkeit gerichteten Verträge sind in der Großindustrie gang und gäbe. Wir veröffentlkhen nachstehend einen ähnlichen Vertrag aus einer Chemnitzer Maschinenfabrik. Der Vertrag lautet in dem entscheidenden Teil: „Wir bestätigen hiermit, daß Herr..... vom.... ab in unserer Fabrik als Konstrukteur für den Stick- und Tüllmaschinen- bau usw. angestellt ist gegen ein monatliches Gehalt von 175 M. — Einhundertundfünfundsiebzig Mark— bei vicrwöchentlicher, am 1. eines jeden Monats anzubringender Kündigung. Herr...... verspricht insbesondere, daß er nach seinem Austritt aus der Maschinenfabrik Kappel während zweier Jahre zu keiner in--der ausländischen Fabrik-, die Stick- und Tüllmaschine» baut, in Stellung geht, auch nickst in irgend einer Weise für solche tätig sein wird und verpflichtet sich, eine Konventionalstrafe von Zehntausend Mark an die Maschinenfabrik Kappel zu zahlen, falls er diesem Ver- sprechen zuwider handelt. Tagegen sichert ihm die Maschinenfabrik Kappel zu, daß sie ihm im ersteu Jahre seiner Stellung bei ihr nicht kündigen und seinen Gehalt nicht ermäßigen wird, wenn er seinen Pfllchten in gewissenhafter Weise nachlommt. Chomnitz-Kappel, am..... � ej,.. t„ • Maschinenfabrik Kappel. Hammer. Knecht. Gedenken die bürgerlichen Parteien urst» die Regierung endlich solchem Terrorismus für die Zukunft durch Annahme des sozial- demokratischen Antrages entgegenzutreten, der die gesetzliche Fest- legung der Nichtigkeit von Konkurrenzklauseln verlangt? 17. Generalverlammlung des Zimmererverbandts. Köln, 17 April 1907 Es folgt der Punkt Presse. Die Auflage des Verbandsorgans„Der Zimmerer" stieg von 41 745 im Jahresdurchschnitt 1904 aus 49 152 in 1905 und 57 037 in 1996. Der von Fr. L u n d erstattete Bericht der P r e ß- komm ission befaßt sich vorwiegend mit dem Streit zwischen dem„Zimmerer" und dem„Vorwärts". Die Kommission hat die Haltung des Verbandsorgans gutgeheißen. Der Verbandsausschuß und der Zentralvorstand unterbreiten der Generalversammlung eine lange Resolution, die Ziel und Zweck des Zimmererverbandes darlegt, wobei sie sich auf die Be- schlüsse des Mannheimer Parteitages und den nach dem Jenaer Parteitag bekanntgegjebcnen Standpunkt des Parteivorstandcs stützen und dann sagen, daß der bisherige Charakter des Verbandes mit diesen beiden Erklärungen nicht im Widerspruch steht und daß an diesem Charakter sestgel�lten werden soll. Dann heißt es bezüglich der Erklärungen der beiden Parteiinstanzen:„Wird dieser Grundsatz von beiden Bewegungen(Partei und Gewerkschaften) als Richtlinie konsequent innegehalten, dann gehen die Bahnen beider Bewegungen nahe nebeneinander; sie berühren sich vielfach, aber kreuzen sich niemals feindlich." Weiter wird in der Resolution der Verkehr zwischen Verbandsmitgliedern und Verbandszeitung ge- regelt. Es heißt da unter ander ein:„Beschwerden gegen leitende Personen oder Institutionen des Verbandes gehören nicht in das Verbandsorgan, sondern vor die dazu bestimmten Brsckstverde- lisstanzen des Verbandes." Zu dem Gegenstand„Presse" liegen U. a. diese A n t r a g e vor: Nürnberg: Im„Zimmerer" ist eine Preßpolemik mit Parteiblätbern nicht zu führen. Berlin: Alle Zahlstellen haben das Recht, sich mit der Schreibweise des„Zimmerer" zu beschäftigen. Sind Resolutionen gegen die Redaktion bezw. die Schreibweise des„Zimmerer" in den Versammlungeil der Zahlstellen angenommen, so hat die Redaktion die Pflicht, dieselben wie alle übrigen Versammlungsberichte im „Zimmerer" zum Abdruck zu bringen. Merseburg: In Zukunft sind Polemiken, wie s,e vor dem Parteitag in Mannheim mit dem„Vorwärts" und der«Leipziger Volkszeitung" im„Zimmerer" stattgefunden haben, zu unterlassen. Dortmund: Kritiken und Polemiken zwischen dem Ver- bandsorgan und den Parteiorganen, wie es im verflossenen Jahr mehrfach geschehen ist. sind zu vermeiden. Leipzig: Das Verbandsorgm, ist politisch und Wissenschaft. lich im Sinne der modernen Arbeiterbewegung weiter auszubauen. Nachdem B ringmann(Redakteur) die' Resolution be- gründet hat. führt als erster Diskussionsredner Rudolf(Leipzig) aus, daß er Bringmann als tüchtigen Redakteur durchaus schätze, doch habe er im vorigen Jahr den Leipziger Kameraden die?lgita- tion für das örtliche Parteiblatt erschwert. Auf dem Mannheimer Parteitag sei die Streitaxt begraben worden, und darum wolle er die geschehenen Dinge ruhen lassen. Jedoch wünsche er, daß im „Zimmerer" Propaganda gemacht werde zum 1. Mai, was er im vorigen Jahre vermißt habe. Das Blatt müsse auch so ausgestaltet werden, daß es in abgelegenen Gebieten, in die die Arbeiterpresse nicht komme, die politische Zeitung in etwas ersetze. M a r k h a r d t(Hamburg) schließt sich dem Wunsche, den der Vorredner zuletzt geäußert hatte, an. Er will ebenfalls nicht die alten Sachen aufrühren, gibt aber dem Wunsche der Hamburger Zahlstelle Ausdruck, daß solche Dinge in der Folgezeit nicht wieder vorkommen. Dem Antrag Dortmund: Polemiken mit der Partei» presse zu vermeiden, stimme er zu. Klosowski(Berlin): Der Wünsch, über das Vergangene hinwegzugehen, fei schwer zu erfüllen. Wenn man bedauere, daß die Sachen vorgekommen sind, so hätte man nicht den Anlaß dazu geben sollen; denn nicht nur von der Parteipresse, sondern auch von der Gewerlschaftspresse, in erster Linie vom Zimmerer" sei da schwer gesündigt worden. ES sei kein Wunder, wenn in den großen Zahlstellen, wo die Mitglieder sich lebhaft politisch betätigen, dadurch böses Blut gemacht werde. Die Generalversammlung dürfe es nicht beim„Bedauern" lassen, sondern müsse versuchen, Remedur zu schaffen. Solche Polemiken wirkten zersetzend und schädigten den Verband und die Arbeiterbewegung besonders in rückständioen Gsgendev ü e! ch lLeipzig): ES Kcgc nicht im Interesse der Bewegung, icne Polennten in die Gewcrksehaftsprcsse zn bttnßen; sie könnten anderswo ausgetragen werden. Tie Schuld liege aber nicht nur auf Seiten der GewcrkschaftSpresse. Bringmann: Es handele sich bei der vorliegenden Frage um etwas anderes, als um eine persönliche Polomit, sondern darum, daß die Gewerkschaften hineingedrängt werden sollten in den Kampf um die politische Macht. Es sei also die Frage, ob die Gewerkschaften dem folgen, oder ob sie an der durch Beschlüsse festgelegten Tradition festhalten sollen. B o m m(Nürnberg): ES könne nicht die Aufgabe der GeWerk. schaften sein, den Nurpolitikern die Arbeit abzunehmen. Wenn die Gewerkschaften von geivifser Seite verunglimpft werden, so müsse darauf geantwortet werden, und das habe der„Zimmerer" in lobenswerter Weise getan. O n n e n(Wilhelmshaven): Der„Zimmerer" habe die Jnwr- essen des Verbandes so vertreten, wie man es verlangen und für die Zukunft wünschen müsse. Dreh(Nürnberg): Der„Zimnierer" sei in der Polemik zu weit gegangen und habe provozierend gewirkt. Wenn man fort- während die Verteidigung in Angriffe verwandle, könne man sich über die Folgen nicht wundern. K a b i tz k i(Berlin): Es bestreite den Kameraden Bringmann niemand, dasi er eyt ebenso guter Parteigenosse wie Gewerkschaftler sei; aber seine Schreibweise in den Polemiken könne man nicht billigen. Statt neues Oel aufs Feuer zu gießen, habe er denken sollen: Der Klügste gibt nach Ziege(Berlin): Er und ein großer Teil der Berliner Käme. raden stehe nicht auf dm von den, Vorrednern aus Berlin ver- trctcncn Standpunkt. Es sei von Akademikern und Theoretikern der Versuch gemacht tvorben, die Gewerkschaften unter die Oberhoheit der Partei zu bringen, obwohl beide Teile der Arbeiterbewegung gleichberechtigt sein müßten, um in den großen Fragen zusammen,- zugehen. I e r tz(Duisburg) kann Bringmann keine großen Vorwürfe machen; es sei aber nötig, solche Polemiken ferner nicht auf die Spitze zu treiben. Kube(Berlin). Mitglied des Ausschusses, stellt fest, daß Bringmcmn, wenn auch nicht Wort für Wort, von dem Zentvawor- stand und dem Verbandsausschuß gedeckt werde; die Artikel seien sogar durch diese beiden Körpersmaften veranlaßt worden, als die Angriffe eine Antwort nötig machten. Nachdem noch S te i n ke lDortmund) und Schall er(Nürn- berg) gesprochen haben, erhält B r i n g m a n n das Schlußwort: ES gebe niemand, der die Polemik zwischen„Zimmerer" und..Vor- wärts" mehr bedauern könne als er; aber er müsse die Schuld an den Vorkommnissen von dem„Zimmerer" entschieden wegweisen. Im übrigen sage er gegenüber dem Berliner Antrag, tofc Beschwerden gegen den„Zimmerer" nicht in diesen, sondern vor die Preßkommission gehörten. Die Ouintessenz des Berliner Antrages wäre, daß man einen Maulwurfsgang in den Verden ü> hineinschaffen würde, den außerhalb des Verbandes stchende Elemente be- nutzen könnten. K l o s o w s k i zieht den Berliner Antrag zurück. Die von der Zentralleitung vorgelegte Resolution wird mit allen gegen drei Stimmen angenommen, ferner mit allen gegen acht Stimmen eine Resolution Lewerenz(Krefeld), die das Vorgehen des„Zimmerer" bei den Polemiken mit einigen Parteiblättern billigt. Der Nürn- beiger Antrag wird abgelehnt, lvomit der Dortmunder und der Merseburger Antrag erledigt sind. Der Antrag Leipzig wird angenommen. Damit sind die Berichte erledigt, und es wird dem Zentral. Vorstand, der Redaktion, dem VerbandsauSschuß und der Preß- kommission einstimmig Entlastung erteilt. Bei der Statutenbcratuiig wird der folgende Antrag Leipzig dem Vorstand zur Er- wägung überwiesen: „Der Zentralvorstand wird beauftragt, bis zur nächsten Generalversammlung(lllOtl) eine Vorlage auszuarbeiten, wonach cS ermöglicht wird, die Arbeitslosenunterstützung in eine Er- werbslosenu nterst ü wu n g umzuwanoeln, und zwar auf der Grundlage, daß vom Ä). Dezember bis 10. Januar keine Unterstützung ausgezahlt wird ui»d diejemgen, die vor der Ruhe- pause arbeitslos und unterstützungsberechtigt waren, und während der ganzen Dauer der Ruhepause arbeitslos verblieben, sofort nach deren Beendigung weiter bezugsberechtigt sind." Ueber alle Anträge auf Einftihrung der Sterbegeld- Unterstützung geht der Verbandstag zur Tagesordnung über. Die Anträge auf Einführung einer Krankenunterstützung sind durch den Antrag Leipzig für diesmal erledigt. Der Verbandstag lehnt mit 1L8 gegen IS Stimmen jede Beitragserhöhung für jetzt ab. „Das Rezept." Im Verlage von I. Alt zu Frankfurt a. M. ist eine neue Zeit- schrift erschienen, die herausgegeben wird von den beiden Acrzten Dr. Clasen-AItona und Dr. Linke-Wiederau. Es gehört nach dem Inhalt der Zeitschrift wirklich Mut dazu, wie der Verlag treuherzig erklärt, eine neue Zeitschrift herauszugeben. Die Herausgeber wollen„Führer" aller Beteiligten sein, der Krankenkassen auch, damit sie,„die so oft im Arzte ihre gebovenen Feinde zu sehen glauben" anderen Sinnes werden. Sie wollen ferner den„Ver- kehr" zwischen Arzt und Apotheker„freundlicher, auf gegenseitiges Vertrauen gestützt— einleiten— weil sie„zwei so sehr auf ein- ander angewiesene hohe Berufe sind."! Wer aber Unkundigen ein„Führer" sein will, mutz aber besser Bescheid wissen als der „Geführte". Diese Voraussetzung dürfte nach dem ersten Leitartikel der neuen Zeitschrist,„Soziales Empfinden" betitelt, der sogar einem„Vortrage, gehalten in einer gemeinsamen Sitzung sämtlicher Krankenkassen in M. von D. L." entnommen wurde, bei dem„Rezept" fehlen. Mit dem.letzten Sozialistenkongrcsse" hebt der Erguß an. auf welchem sich der„einzige teutonische Kämpe" des von Bismarck ge. prägten„kuror teutonicus" erinnert haben soll. Die Backen werden ziemlich voll genommen:„eine solche Gesetzgebung, wie sie unsere arbeitende Bevölkerung unter dem Szepter Kaiser Wilhelms des Reichsgründers durch seine eisenfeste Handlanger gegeben wurde, besitzt heute noch keine Kation der ganzen Kulturwclt". Man meint den Ausrufer einer Schaubude vor sich zu haben:„Kommens rein, meine Herrschaft, kommen« rein, hier ist zu sehen.. Der von keiner Sachkenntnis getrübte UeberpatriotiSmuS steigert sich noch: „Und diese Riesenwohltat war nicht der feige Akt einer schwachen Regierung, welche dem übermächtigen Volkswillen nachgab, nein, im Gegenteil. eS war ein freies Geschenk des Großen Kaisers an seine Nation, die der großen Idee in ihrer großen Masse eine absolute V erständnislosigkmt entgegenbrachte. Wäre nicht damals ein großer Kanzler neben einem großen Kaiser und als Dritter im Bunde ein der Mehrheit nach aus großen, bedeutenden, einsichtS» reichen Geistern zusammengesetzter Reichstag dagewesen, so stände unser Volk noch auf eben demselben Tiefstande sozialen Empfindens wie sämtliche übrige Nationen des ganzen Erdballes." Wenn also eine Regierung dem„übermächtigen Volkswillen nachgeben" würde, so wäre dies der„feige Akt einer schwachen" Regierung. Ganz der Ton unserer Junker. Daß wir in einem konstitutionellen Lande wohnen, scheint dem Redner unbekannt zu sein. Alles hochherzige„freie Geschenke" eines„großen Kaisers", eines„großen Kanzler»" und„großer Geister" de» damaligen Reichstages.„Geschenke", die man aber in Form von Kassen- beitragen selbst aufbringen muß, sind doch alles, nur keine„Ge- schenke"/ Doch der Redner hält daran fest, daß die also„Beschenkten" Dank schulden und erklärt sich die Undankbarkeit der Massen wie folgt: „Nur weil unsere Arbeiterschaft seit einem Menschenalter diese Großtat als etwas Selbstverständliches ansieht, fehlt ihrem Munde und Herzen der Dank für die Schöpfer der Wohltat." Die„Asten" wüßten, welche elende Zeit vor dieser„Wohltat" vorhanden war, haben deshalb„das wirkliche Arbeiterelend" kennen gelernt, das natürlich heute gar nicht mehr existiert. Heil! Heil! Vorbei ist, wie der Verfasser deS Ergusses jubelt:„jene furchtbare, grausame Zeit des Alterselendes, in der alle die Millionen Alte, Schwache und Kranke den Kindern, der Gemeinde, dem Hunger, anheim fielen." Doch davon„ahnt ja unsere Generation und di« Jugend nichts mehr."! Weshalb dann der„Rückblick"? Die „heutige Generation" fieht ja die„Alten" noch von der Schwelle der Fabrik als„Unbrauchbare" gejagt, wartend bis sie im Alter von 70 Jahren die hohe Rente von 15 M. pro Monat„erhaschen" können. sieht den Hunger der„Schwachen" und den Kampf der Krüppel um ihre sogenannte„SchnapSrente" führen. Genügt das nicht? Als„Fachmann" tritt der Redner auch auf, wenn er meint: „Wie viel größere Wohltat könnte dem einzelnen Kranken schon jetzt geboten werden, wenn im Volke von Anfang an Verständnis für dieselbe vorhanden und gepflegt worden wäre, wenn jeder Ar- beiter, jede Arbeiterin seit LS Jahren schon den Kassen beigetreten wäre. Dann stünde heut kein arbeitsunfähiger Mensch außerhalb der Wohltat. Und wieviel mehr erhielte der Einzelne, wenn er sich von Anfang an zu seinem wirklichen Wochenverdienst in gesunden Tagen eingeschätzt hätte und endlich, wenn die Kassen nicht bei einem zu niedrigen Prozentsatze der Steuer verharrt hätten, während doch in den 25 Jahren die Löhne auf doppelte Höhe emporgeschnellt sind. Nur der Lohn des Arztes für seine Arbeit ist stehen geblieben." Steigert sich denn die„Wohltat" der Versicherung mit den Reihen der Jahre? Bei der„Krone der Sozialreform", der Jnva- lidenversicherung wohl, denn bei jeder Marke„steigert" sich die Rente, bis sie zuletzt L0 Mark pro Monat ausmacht. Auf die Kranken- und Unfallversicherung hat diese Bemerkung deshalb keinen Ehtfluß. Zu den„arbeitsfähigen Menschen" zählen aber doch die Millionen landwirtschaftlicher Arbeiter, unständiger Arbeiter, Dienstboten usw., die doch mit dem besten Willen den Krankenkassen nicht„beitreten" konnten, wie der Redner fordert, da bis dato eine Versicherungspflicht für sie nicht existiert.„Schätzt" nicht der Unternehmer bei seiner Anmeldung zur Kasse den„wirklichen" Ver- dienst des Arbeiters ein? Können die Krankenkassen ihre„Steuer" so erhöhen, wie viele ivohl selbst möchten? Drohen nicht die Unter- nehmer dann mit Neugründuiig von Betriebs- und Jnnungskrankcn- kassen? Setzt sich nicht selbst die Behörde der geplanten Ver- schmelzung zahlreicher, leistungsunfähiger Krankenkäßchen zu einer großen leistungsfähigen Kasse aus„politischen Gründen" entgegen? Und dann der„arme Arzt", dessen Lohn„stehengeblieben" ist! Soll man erst durch große umfangreiche Statistiken die Ausgaben der Krankenkassen für Arzthonorare, das Gegenteil beweisen? Doch nur ein Beispiel wie die„Löhne der Aerzte"„stehen geblieben" sind. Die Ortskrankenkasse Marburg berichtet, daß die Ausgabe für Arzt- Honorar wie folgt gestiegen ist: Jahr 1805, 1000, 1905, Durchschnitts- Mitgliederzahl 2301 2025 3734 Aerztekosten pro Mitglied 1.01 M. 3.75. 5.04. Angesichts der heftigen Kämpf« der organisierten Aerztcschaft Deutschlands um höheres, immer höheres Honorar, liest sich der nachstehende Satz auch erheiternd: „Wenn wir i>m ganzen Reiche sehen, mit welcher Selbst- l o s i g k c i t die gesamte Aerztcschaft am Ausbau nicht nur der sozialen Gesetzgebung, sondern auch der gesamten Volkswohlfahrt mitarbeitet, wie sie sich überall, ohne nach klingendem Lohne dafür zu fragen, in die Schanze schlägt, wo c« gilt, usw." Ueberall loirkt der Arzt in seiner„Selbstlosigkeit" mit, wie der Redner ausführlich erklärt, in der Fabrik, im Krieg usw., er hat nur die.Hinrichtungen" vergessen, wo die Todesursache ziemlich leicht festzustellen ist. Wer hat die Millionen durch seine„Hin- gäbe usw." gerettet? ruft der Redner: „ L e d i g l i ch die Aerzte waren es, welche die Regierungen auf Sicherheitsmaßregeln aufmerksam machten zur Abwehr unver- schuldeter Unfälle in den zahllosen Betrieben. Die Anstellung der Bergwerks-, Fabrik- und Bahnbetriebsinspektorcn wurde durch die Aerztewelt gefordert. Kein anderer Stand stand in jener Zeit, in welcher die Notwendigkeit dieses dringendsten Arbeiterschutzes zur Anerkennung gelangte, aus gleicher Höhe sozialen Empfindens als der Aerztestand." Das ist starker„Tabak"! Die Organisationen der Arbeiter, die Arbeiterpresse, die Vertretung der Arbeiter iy» Parlamente usw. haben geschlafen, nur die Aerzte haben„gewacht",„gefordert" und deshalb den so„herrlichen" Schutz der Arbeiter von heute erreicht! Heil dem Aerztestand! Heil Mugdan und Comp.! Denn ohne die„selbstlose Unterstützung" der Aerzte wäre nicht dieser Schutz entstanden, auch die„ganze soziale Gesetzgebung wäre in ihren ersten Ansangsstadien an Eangraena sofort abgestorben". BumS?„Sogenannte GeschäftSrücksichtcn" kennt auch der deutsche Aerztestand nicht, denn:„Nur der Aerztestand hielt sich hoch erhaben über dieser Rückgratslosigkeit. Er dzente Arm und Reich ganz gleichmäßig. Nicht das Geschäft, sondern seine Wissen. schaft und Kunst, sein barmherziges Gemüt und seine Opferfreudig- keit gaben ihm das Gesetz seines WirkcnS. Einen Ehrenrat brauchte ernicht." Wie sehr verkennt man doch den Aerztestand, der um Mitter- nacht ebenso gerne in die Hütte des Armen, als in den Palast des Reichen eilt und niemals nach der Höhe des Honorars fragt! Wcs- halb dann noch Ehrengerichte, die dieser Stand gar nicht„braucht"? So schwadroniert der Arzt als Redner weiter. Wunderlich, daß die Zuhörer,„lauter Kassenborstände". so geduldig zuhörten! Daß er davon redet, daß„keine Unfall-, Kranken? oder Jnva- lidenrente"— ohne den Arzt gewährt werden kann, ist wohl richtig, unglaublich ist es aber, daß auch„keineAlterSrente" ohne den Arzt gewährt werden kann! Die Geburtsurkunde beweist doch. daß der Alle glücklich da» 70. Lebensjahr erhungert hat. soll er auch noch das übliche Arzigutachten beibringen? Nur nickst auf. schneiden! Nachdem der Redner all die Wohltaten aufgezählt hat, die unsere Gesetzgebung der Arbeiter brachte, die auch noch„in kurzem die Witwen- und Waisenversorgung erhalten werden", ruft er pathetisch aus: „Und da nennen sich diese Empfänger heute noch die„Ent- erbten"! Wem dieses Geschenk von Kaiser. Kanzler, Reichstag und Aerzten noch nicht genug ist, der frage sich selbst, was denn der Arbeiter heule häfte, wenn er Franzose, Engländer. Amerikaner. Oesterreicher. Russe oder Japaner wäre. Gar nichts!" Unverschämte Kerle, diese„Empfanger" t, die zu ihren .Schenkern" auch noch die„Aerzte" zählen können, wcvon bis heute noch niemand eine Ahnung hatte! Was wären sie ohne diese Gc- schenke? Doch der Redner gibt in liebenswürdiger Weise die kluge Antwort selbst—„Gar nichts"! Deshalb Ruhe! Nieder mll den Hetzern! AbMgicxt daA«ReMt"/ UM suck> die Zerzen Apotheker zum Abonnement der neuen Zeitschrift einzuladen, plaudert der Verfasser etwas aus der Schule: „Früher gehörte es zur Standcsehre des Arztes, ein elegantes Rezept zu schreiben, bei dem auch der Apotheker etwas zum Leben übrig behielt. Jetzt besteht im wesentlichen seine Arbeit nur noch in der Ausführung der vorn Kassenarzt möglichst billig aussortierten Rezepte, aus welche er in- folge schmählicher Konkurrenz der Nachbarapothcken auch noch bis 20 Proz. Rabatte gewähren muß. Mit der Erwähnung dieses Miß- standcs sind wir aber auch an dem Punkte angelangt, an dem wir betonen müssen, daß die Ausnützung dieser grauenvollen Konjunk- turen unserer Tage eine hohe Gefähr bietet, daß das soziale Empfinden der beiden Großmächte der sozialen Arbeft Arzt und Apotheke erlischt. Videant Consules!!" So schließt der Artikel!„Elegante Rezepte" wurden ge- schrieben, damit der arme Apotheker„auch noch etwas zum Leben übrig behielt." Deshalb fort mit der„schmählichen Konkurrenz", die ihn zwingt, auch noch Rabatt zu gewähren! Damit ja nickst da? „soziale Empfinden" der„beiden Großmächte der sozialen Arbeit" erlischt! Dann wäre alles aus! Wenn es auch noch erlischl! Dunkelheit würde die deutsche Arbeiterschaft umgeben, wenn die „beiden Großmächte" kein„Empfinden" mehr hätten! Heil den „beiden Großmächten der sozialen Arbeit"!! Uff! Wie ist das „Rezept" interessant redigiert! Schreibt der helle Sachse so weiter. dann werden die Arbeiter in den deutschen Krankenkassen in „Massen" diese neue Zeitschrift bestellen, die, wie man sieht, einem „wirklichen Bedürfnisse" entspricht und der arme Verleger braucht wirklich„Mut", um durch„gesteigerte Auflage" den Heißhunger der„zahlreichen Leser zu stillen"! �enebtö- Zeitung* Bon der Wirtschaft bei einer königlich preußischen Regierung. Merlwürdige Zustände in einer preußischen BerwaltungSbehörve wurden in einein Prozeß gegen den RegicruilgSbausekretär Friedrich Lehman» zutage gefördert, der das Schwurgericht in Frankfurt a. D. in einer fünftägigen Sitzung beschäftigte. Aus der Unter- suchungshast wurde L. den Geschworenen vorgeführt, um sich wegen Amtsverbrechen, Unterschlagung in 17 Fällen, Urkundenfälschung und Vernichtung, und Be- truges in 15 Fällen zu verantworten. Dein Angeklagten war es gelungen, einen sehr verantwortungS- vollen VerttauenSposten bei einer Staatsbehörde zu erlangen, ob- wohl er bereits wegen Diebstahls mit einer Woche G c- s ä n g n i s und später lvegen Unterschlagung und Urkundenfälschung mit sieben Monaten Ge- sängnis bestraft worden ist. Vorsitzender: Wie kam eS. daß Sie trotz dieser Borstrafeil noch als Beamter angestellt wurden?— Angeklagter: Man hat mich nicht danach gefragt. Eigenartige preußische Zustände! Handelt eS sich darum, ob ein ehrlicher Mamv in dem Amt bestätigt werden soll, in das ihn das Vertrauen seiner Mitbürger berufen hat, so schnüffelt man nach seiner polittschen Vergangenheit und allem möglichen anderen. Handelt es sich um einen „könizstrcucn" Menschen, der über Geld zu verfügen hat. so erfährt man nicht einmal die Vorstrase» wegen Eigentuindelikts. Der Angeklagte war. bevor er Bausekretär wurde. Bureaugehülse und bezog ein Gehalt von 200 Mark. Dann wurde er bei der Wasserbauinspektion Supernnmerar und erhielt 7>/z Monate lang nur 75 M. Monatsgehalt, dann 100. 110 M. usw. Der Angeklagte gibt zu, in der Zeit von 1002 bis 1004 1200 M. Unterstützung von der Regierung bezogen zu haben. Als„königlicher RegiernngSbausekretär" hatte er bei der Wasser- bamnspektion in Fürstenwalde die Rechnungssachen zu bearbeiten. Hierbei hat sich der Angeklagte seit Jahren große Unter- schleife bei der Führung seines Amtes zu schulden kommen laffen, die im August v. I. erst zur Entdeckung kamen. als sich Lchmaim auf Urlaub befand. In seinem Pult wurden große Mengen nicht abgesandter Rechnungen und andere amtliche Schriftstücke entdeckt, die der Angellagte unterdrückt hatte. Die eingeleitete Untersuchung durch die Regierung förderte zirka 40 Einzelfälle von Vergehen und Verbrechen zutage. Bon dem Hoszimmermeister Möbus in Char- lottenburg waren für das Leihen fiskalischer Geräte 266 M. an die Wasserbauinspektion abgesandt worden. Anstatt das Geld an die Regiernngshauptlaffe in Potsdam abzuführen, behielt Lehmann es für sich und ließ die hierauf bezüglichen Papiere verschwinden. Einen von der Niederlausitzer Eisen- bahngesellschaft für Kohlen gezahlten Bettag von 133 Mark ließ der Angeklagte ebenfalls verschwinden. In mehreren gleichliegenden Fällen machte sich L. auf folgende Weise eines Betruges gegen die Staatskasse schuldig. Im Frühjahr 1005 hatte der Bagger in ei st er Uttikal in Fürstenwalde für den fiskalischen Bauhof Nutzhölzer zum Preise von 062 Mark ge- liefert. Seitens der königl. Baukassen dürfen nur Beträge bi« zu 500 Mark bezahlt werden, während höhere Beträge direkt bei der RegierungShauptkasse eingezogen werden müssen. Da Uttikal gc- lcgcntlich äußerte, er brauche das Geld gerade notwendig, schlug ihm der Angeklagte vor, er solle dann Einzelrechnungen auSlchreiben. die insgesamt den Bettag von 062 M. ausmachen. Auf diese Weise würde er de» langwierigen Umweg durch die Hauptkaffe vermeiden. In raffinierter Weise verstand es der Angeklagte sodann, den Ullikat zur Ausstellung von drei neue» Rechnungen zu veranlassen, da die drei ersten Rechnungen angeblich ein zu kurz auseinander liegendes Datum trügen, die dann später vernichtet werden sollten. Der Angeschuldigte nahm diese Vernichtung jedoch nicht vor, sondern kassierte sie später auf eigene Faust bei der Haupt- lasse ein.— Ein beuierkensiverter Fall erregte m der Verhandlung großes Aufsehen. Die Regierung in Potsdam hatte für ein neues Dienstgebäude in Fürstenwalde den Betrag von 40 000 Mark bewilligt. Da dieser Fonds aber im Laufe der Bauzeit durch un- vorhersehbare Preissteigerungen überschritten wurde, nahm der Vor- gesetzte des Angeklagten, der RegierungSrat Grohn, eine Umbuchung einzelner Beträge auf den für UntcrhaltungSzwecke des Teltoiv- kauals verfügbaren Fonds vor. Da auch diese Transaktion nicht zur Deckung' ausreichte, so gab der RegierungSrat Grohn, wie er vor Gericht zugab. aus seinrm Privatvcrmögen 5887 Mark her. Wie vor dem Schwurgericht festgestellt wurde, ist dann dieses Privatgeld des Regierungsrates auf folgende Weise wieder in seine Hände zurückgelangt. Um die Regierungsbehörden nicht in diese eigenartigen Verhältnisse cinzulvcihen, zugleich ober semem Vor- gesetzten das ausgelegte Privatgeld zurückzuerstatten, ließ der An- geklagte durch mehrere Unterbeamte fingierte Rechnungen ausstellen, m denen die Beträge von den betteffenden Lieferanten als empfangen quittiert wurden. Diese fingierten Rechnungen präsentierte der An- geklagte sodann bei der RegierungSkasse. hob das Geld ab und führte dadurch das von dem RegierungSrat Grohn verauslagte Privatgeld diesem wieder zu. Zugleich aber brachte der Angeklagte auch sein eigenes Schäfchen dadurch ins Trockene, daß er ganz willkürlich weitere Rechnungen ausstellte und das Geld für sich selbst bei der RegierungSkasse abhob.— In der Berhandlung mußte der als Zeuge vernommene Regierungsrat Gröhn zugeben, daß er zu dem Angeflagten gesagt habe, er folle die Ueberschreitung des Baufonds fo deden, daß bei der Rechnungslegung keine Schwierigkeiten entstehen, er solle aber ja vorsichtig dabei sein, ,, daß sie uns nicht einmal an das Hammelbein faffen". Daß er ferner dem Angeklagten Anweisung gegeben habe, die fingierten Beläge fowie das einschlägige Rassenbuch zu vernichten, fönne er ebenfalls nicht bestreiten. schrieb andrichter Altmann an Profeffor Bannwis fünf davon stürzten über die Brüstung des Viadukts, einer der letzteren einen Brief. Durch den Inhalt dieses Briefes fühlte sich Direktor liegt auf der Lenneperstraße. Sofmann beleidigt. Seine Klage stand gestern bor dem Schöffen Amtliche Meldung: Gestern früh 6 Uhr 20 Min. entgleiste auf gericht hier zur Verhandlung. Nach mehrstündiger Verhandlung Bahnhof Battscheid der Strecke Opladen- Born der Personenzug 1000. gibt der beklagte Landrichter Altmann die nachstehende Erklärung ab, Bersonen sind nicht verlegt. Der Verkehr wird durch Umsteigen aufworauf die Klage zurüdgenommen wurde: rechterhalten. Der Beflagte erklärt: Jch erkenne an, daß ich durch mein Schreiben vom 11. März 1905, gerichtet an Herrn Prof. Pannwviz, den Privatkläger Herrn Hofmann beleidigt habe. Ich nehme diese Beleidigungen und die seine Ehre verlegenden Behauptungen zurüd und spreche Herrn Hofmann mein Bedauern aus. Zu meiner Rechtfertigung erkläre ich aber ausdrücklich, daß Der Regierungsrat hat ferner, als der Regierungssekretär dieser Brief nicht für die Deffentlichkeit bestimmt war und durch eine Mayfarth nach Fürstenwalde versezt wurde, zum Angeklagten gesagt: von mir als Vertrauensmißbrauch bezeichnete Handlung zur Kenntnis Seien Sie ja vorsichtig und weihen Sie den Mayfarth nicht in unsere dritter Personen gelangt ist." Raffen- und Rechnungsgeschäfte bezüglich des Dienstgebäudes ein, damit der nicht erfährt, was für Manöver wir hier haben vornehmen müssen, um alle Kosten unterzubringen. Man weiß nicht, ob Mahfarth nicht wieder zur Regierung kommt, daß er uns da nicht etwa Schwierig feiten macht und der Regierung nachteilige Mitteilungen macht." Der Zeuge gab auch zu, daß er dem Angeklagten streng verboten habe, irgendwelche Mitteilungen über die Art und Weise der Verrechnungen in Form von Notizen in den Aften liegen zu lassen. Nach fünftägiger Berhandlung sprachen die Geschworenen den Angeklagten für schuldig in vier Fällen schwerer Amtsunterschlagung, in fünfällen einfacher Unterschlagung und in drei Fällen des Betrugs. Mildernde Umstände wurden dem Angeklagten zugebilligt. In acht weiteren Unterschlagungs- und drei Betrugsfällen wurde die Schuldfrage verneint. beantra Der Staatsanwalt beantragte eine Gesamtstrafe von sechs Jahren Gefängnis und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre. Das Gericht fällte folgendes Urteil: Der Angeklagte wird zu 3 Jahren Gefängnis, wovon drei Monate als in der Untersuchungshaft verbüßt angesehen werden, unter Zubilligung mildernder Umstände berurteilt. Außerdem werden dem Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre aberkannt. Und der Regierungsrat? Um eine Filiale von Monte Carlo. Die schöne Insel Madeira steht zurzeit im Mittelpunkt eines wahren Rattenkönigs von Prozessen. Alle diese Prozesse haben ihren Ausgangspunkt in der befannten deutschen Sanatoriengründung auf Madeira, die nach der Behauptung der einen Seite den besser fituierten Lungenkranken Deutschlands eine einzigartige Heilstätte bieten sollte, während sie nach Behauptung der anderen Seite nichts mehr und nichts weniger als die Schaffung einer Spielhölle à la Monte Carlo bedeutete, deren Zustandekommen nur durch das Eingreifen der portugiesischen Regierung berhindert worden wäre. Vermifchtes. 2a Bulkanausbruch und Erdbeben. Die Erdstöße der letzten Tage in Merito scheinen auch unheilbolle Wirkungen nach Chile getragen zu haben. Aus Valparaiso wird gemeldet, daß der Bullan Buyehue in der Probing Baldivia in heftiger Eruption sei. Es werden große Mengen Lavaasche und kochendes Wasser hochgeschleudert. Den Ausbruch begleiten unter irdisches Rollen, erdbebenartige Stöße und elektrische Lichterscheinungen. Die Lavaströme setzen die Wälder in Brand. Die Bevölkerung flieht in Banit. Aus Megito wird über das Erdbeben noch gemeldet, man glaube, ein unterseeischer Bulfanausbruch westlich von Megito habe das Erdbeben am Sonntag veranlaßt. Der in Acapulco angerichtete Schaden ist schwer. Die Gefängnisse und das bürgerliche Hospital wurden zerstört; die Kranken entkamen nur mit Mühe. Die Kaserne sowie viele Häuser sind unbewohnbar und die Staatenregierung er nährt die in Not befindlichen Einwohner. Die Stadt Chilapa litt erheblich; die Kathedrale und viele Häuser stürzten ein. Jn Tabasco, an der Südgrenze, wurde das Erdbeben ebenfalls start verspürt. San Juan Bautista wurde heftig erschüttert; viele Landhäuser find dort ganz oder teilweise zerstört. Der Schaden in der Stadt Merifo beträgt an 400 000 Mart. Die neuesten Verlustlisten weisen mur Eingeborene auf. Vom Hauseinsturz in Breslau. Von den bei dem vorgestrigen auseinsturz in der Kaiser Wilhelmstraße Verschütteten ist gestern morgen die Leiche des Kaufmanns Floethe geborgen. Kurz nach 11 Uhr vormittags ist auch die Leiche des verschütteten Kontoristen Bleil geborgen worden. der Kaschau- Dderberger Bahn lief ein Personenzug auf ein auf dem Bom Bahndamm gestürzt. Auf der Station Kriva Dieta Gleise liegendes Felsstück. Lokomotive und der Gepäcwagen stürzten den Bahndamm hinab. Menschenleben sind, soweit bekannt, nicht zu beklagen. Nachklänge über die Schiffskatastrophe des Imperatrig". Die Staatsanwaltschaft hat von einer gerichtlichen Berfolgung des Kommandanten und der Mannschaft des verunglückten Dampfers Jms peratrig" Abstand genommen, da erwiesen ist, daß die Statastrophe infolge einer Ableitung der Magnetnadel durch atmosphärische Stö rungen und den gleichzeitigen heftigen Sturm sich ereignet hat. Bon den Hafenbehörden wurden jene Matrofen, welche, als das Unglück erfolgte, eigenmächtig sich der Boote bemächtigt hatten, im Disziplinar wege bestraft. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen a 60-65, IIIa 56-59, Bullenfleisch Ia 64-68, IIa 54-62, Stübe, fett Markthallen- Direttion.( Großhandel.) Rindfleisch Ia 66-70 pr. 100 ẞid., 52-58, do. mager 42-50, Freifer 50-62, Bullen, dän. 60-62, do. holl. 00-00. Kalbfleisch, Doppelländer 105-130, Mastfälber Ia 92-98. IIa Sammelfleisch Mastlämmer 71-74, Ia 66-70, IIa 62-65, Schafe 55-60. 82-90, IIIa 00-00, Kälber_ger. gen. 58-72, do. holl. 55-62, bän. 57-64. Schweinefleisch 45-51. Rehwild, plomb. per f. 0,00. Nothirsch 0,00. Rothirsch, Abschuß 0,00. Damhirsch 0,00. Wildschweine 0,00. Frischlinge 0,55. Kaninchen per Stüd 0,80-0,95. Hühner, alte, per Stud 1,80-3,00, bo. IIa 0,00, 1,00-1,85 Tauben 0,50-0,65, italienische 0,00. Enten per Stüd 2,50-8,75, do. junge 0,00. Bolgahühner Dito Gis per Stüd 2,90-3,00, dito Hamburger per Stüd 8,50 bis 5,00, Gänse, Hamburger per Pfund 1,10-1,25, bito Gis 0,56. echte per 100 fund 83-91, mittel 00, Hein 00. Bander mittel 0,00, unsortiert 0,00, do. matt 0,00. Schleie holl. IIa 84-108, bo. mittel 113. Hale, groß 117-121, flein 0,00, mittel 0,00, unsortiert 0,00. Blöken, ein 0,00, bo. groß 0,00, Do. 47-47. Starpfen 35-40er 00, bo. 100er 55-60, bo. 25-30er 65. Bleie matt 0,00. Aland 00. Bunte Fiche 46-71, Barje 72-75, bo. matt 0,00. Sarauschen 0,00. Blei fifche 0,00. Bets 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs Ia neuer per 100 Bfb. 110-130, bo. Ila neuer 90-100, bo. IIIa neuer 75. Seelachs 20-25. Sprotten, Stieler, all 1,00-1,50, Danziger, Stifte 0,50-0,70. Büdlinge, per Wall Rieler 3-4, Stralsunder 3,50. Aale, groß per Bfb. 1,10-1,50, mittelgroß 0,80-1,10, flein 0,60-0,80. geringe p.Schod 5-9. Schellfische Stifte 3,50-4,50, do.%, Stifte 2-3. Stabliau, geräuch. p. 100 Bfb. 20-25. Seilbutt 0,00. Sardellen, 1902er 1905 0,00, large 40-44, full. 38-40, med. 36-42, beutfche 37-44. per Anker 95, 1904er 93, 1905er 80-85, 1906er 75. Schottische Bollheringe Beringe, neue Matjes, per o. 60-120. Sardinen, russ., Fay 1,50-1,60. Bratheringe, Büchse( 4 Liter) 1,50-1,75. Neunaugen, Stiege 4-5, halbe Stifte 2,00. Flundern, Kieler, Stiege Ia 3-4, bo. mittel per Stifte 2-3, Hamb. Kartoffeln Sellerie, per 100 fund 15-20. Karotten per 100 Bfund 20-25. Rojen 0,00, weiße 2,25-2,75, Salatkartoffeln 0,00. Spinat hiesige, per Schod 4,00-10,00, bo. pommerfche 12,00-15,00. Bwiebeln Ein Telegramm aus Vera Cruz berichtet, daß eine große Flutielle die Küste von Meriko überschwemmt und enormen Schaden angerichtet hat. Die Stadt Acapulco ist teilweise unter Waffer gefeßt, der Eisenbahnberkehr im Westen und Süden ist gestört. Zum legten Erdbeben wird noch berichtet: Der Vulkan Conlia befindet fich in voller Tätigkeit und wirft Lava und Asche aus. Nach den letzten Nachrichten sind 12 Städte und Ortschaften zerstört worden. Die Zahl der Opfer wird nunmehr auf über 100 angegeben. Die Meldungen über den Als Gründer dieser Madeira- Attien- Gesellschaft" tommt in Umfang der Katastrophe Laufen infolge der Störung der Telegraphen erster Linie Prinz Karl v. Hohenzollern in Betracht, der vor und Eisenbahnlinien mur spärlich ein. In Chilapa find 14 Personen einigen Jahren von der portugiesischen Regierung eine Konzeffion zur Erbauung und zum Betriebe von Sanatorien für Lungentrante unter den Trümmern eines Hauses tot hervorgeholt worden, Schodfaß 11, fleine 5-6, Riesen- 14. Eier, Lands, per Schod 2,80-3,00. Butter 39 waren verletzt. In Tigla wurden gleichfalls 12 Tote geborgen. Verein mit dem bekannten Hamburger Reeder A. Boermann, 29 Schwerverlegte werden unter freiem Himmel verpflegt. In Saure Gurten Schod 4,10-4,50, Pfeffergurten 4,00-4,50. dem im Kaffeler Treber- Prozeß und anderen sensationellen Bant- Chilpancingo find 12 Berfonen getötet und 30 schwerverlegt worden. per 100 Biunb magnum bonum 2,75-3,00, Daberiche 2,75-3,00, prozessen als Sachverständigen bekannt gewordenen Geh. Hofrat Wie aus Rom gemeldet wird, hat gestern bormittag um 10 Uhr Hecht- Mannheim und eine Reihe anderer Bant- und Finanzgrößen 25 Min. in Kalabrien sowie in dem nordöstlichen Teil von Sizilien auszunuzen bestrebt war. Es war neben der Hauptgesellschaft noch eine Erderschütterung stattgefunden. eine Borbereitungsgesellschaft gegründet, zu deren Direktor der frühere Auch in den Osttiroler Tälern fotie in Agordo ist, wie aus Geschäftsführer des Zentralfomitees der Lungenheilstätten im deutschen Reiche" Professor Dr. Pannwig- Berlin bestellt wurde, während Erient gemeldet wird, ein kurzes Erdbeben verspürt worden. 3,50-4,00. Keltower Stüben per 100 Bib. 8-10. 28eiße Rüben, große die Leitung der Hauptgesellschaft in den Händen des Direktors Abgeschleppt. Der nordöstlich des Leuchtturms aufgelaufene Hofmann lag. Zwischen diesen beiden Herren ist es dann aber bald zu argen Berstimmungen getommen, so daß schließlich Profeffor Londoner Dampfer King Bleddyn" ist, wie aus Norderney berichtet Banntoit fein Amt niederlegte. Bald darauf tauchten in der wird, in der letzten Nacht mit Schlepperhülfe wieder freigekommen, deutschen Presse die ersten Nachrichten darüber auf, daß die mit nachdem man einen Teil der Ladung über Bord geworfen hatte. großer Reflame ins Werk gesezte Sanatoriengründung auf Madeira Eisenbahnunfälle. Wie amtlich gemeldet wird, fuhr gestern in Wirklichkeit nichts anderes als eine Filiale von Monte morgen 3 Uhr 5 Minuten der von Lennep mit Kleinschlag beladene Carlo bedeute, daß Prinz Karl v. Hohenzollern be- Arbeitszug 10017, welcher das Halt zeigende Einfahrtssignal überziehungsweise Direktor Hofmann und ein auf Madeira fahren hatte, bem von Behenburg tommenden Gilterzuge 7198, ber in wohnender Interessent der Madeira- Aftien Gesellschaft" namens der Einfahrt in den Bahnhof Langerfeld begriffen war, auf der rechten Gonçalves ihr Hauptaugenmerk nicht so sehr auf den Ausbau Seite des Wupperviadukts in die Flanke. Ein Hülfsbremser des 200er 7,50-12, 300er 8-13, Blut 100er 5-7,50, bo. 150 er 6-8,00, 80 er von Sanatorien als auf die Erlangung der Spielfonzeffion für Arbeitszuges wurde getötet und der Lokomotivführer desselben am 6,00-8,00. Jtal. in Rörben per 100 Bfd. 0,00. Mandarinen, Rifte 0,00, Madeira richteten. Aus Anlaß der Verhandlungen über das Projekt Kopf und an den Armen verlegt. 24 beladene Wagen entgleisten, do. 100er, Stifte 0,00. Heute um 5 Uhr nachmittags entschlief nach schwerem Leiden sanft mein innigft geliebter Gatte, meines Kindes liebevoller Bater, unser unvergeßlicher Bruder, Schwager und Onlel Hugo Kröner. Berlin, den 17. April 1907. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Frau Auguste Kröner geb. Schlüter. Die Trauerfeier vor Ueberführung des Verstorbenen nach Altona findet am Sonnabend, den 20. April, nachmittags 5 Uhr, im Trauer hause, Kazbachstraße 22, statt. 155 Am 17. dieses Monats verschied nach längerem Leiden und in der Blüte seiner Mannesjahre der Leiter unserer Berliner Filiale Herr Hugo Kröner welcher über 12 Jahre mit unserem Hause verbunden war. In dem allzu früh Verblichenen, der seine ganze Straft in unsere Dienste stellte und noch während seiner Strankheit dem Geschäfte alle mögliche Fürsorge zuwandte, verlieren wir einen unserer schäßenswertesten Mitarbeiter und Freunde, dem wir ein ehrendes Andenten in Dankbarkeit alle Zeit bewahren werden. Leipzig. Berger& Wirth, Farbenfabriken. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Am 16. April 1907 berstarb nach langem Leiden unser Mitglied Wilhelm Schielicke im Alter von 28 Jahren an Lungenleiben. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitagnachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des Gethsemane Kirchhofs in NiederschönhausenNordend aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 137/18 Der Vorstand. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Tischlers 46392 Karl Launer fage ich allen, insbesondere den Mit gliedern des Fachbereins ber Tischler meinen herzlichften Dant. Berta Launer nebst Kindern. 135 Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Todes- Anzeige. Am 16. April starb unfer treues Mitglied, Frau Allen Freunden und Bekannten hierdurch die traurige Rachricht baß meine liebe Frau Emma Fickert 146 am 16. b. M. berstorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag, den 21. b. M., nacham Kranken- Unterstützungs- u.Begräbnisverein für Bau- u. gewerblichen Hülfsarbeiter Berlins und Umgegend. Sonntag, den 21. April 1907, vormittags 10%, Uhr, im Lokal Lange- Straße 65: mittags 3 Uhr, von der Leichen General- Versammlung. halle des Simeons Kirchhofes, . Briz, Mariendorfer Weg aus statt. Louis Fickert nebst Angehörigen. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß am 15. April mein lieber Mann, unser guter Bater Sohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Klempner Oskar Klein nach langem Leiden sanft ent schlafen ist. Die trauernde Witwe nebst Kindern. Die Beerdigung findet heute, Freitag, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des neuen JakobiKirchhofes aus ftatt. 215 Bentral- Verband der Emma Fickert. Böttcher Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 21. April, nachmittags 3 Uhr, auf dem SimeonsKirchhofe in Brig am Mariendorfer Weg statt. Um rege Beteiligung bittet Der Vorstand. 55/9 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie für die zahlreichen Blumenspenden bei der Beerdigung Sohnes, unferes meines lieben Bruders und Schwagers Emil Schulze fagen wir allen Genossen, Freunden und Bekannten sowie ben Stameraden der Firma Prüfer, insbesondere dem Gefangverein Frohe Hoffnung unfern tiefgefühlten Dant. Die trauernden Hinterbliebenen. und Hülfsarbeiter Deutschlands. Filiale Berlin, Freitag, den 19. April cr., abends 8 Uhr, bei A. Boeker, Weberstr. 17: Außergewöhnliche Mitglieder- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Die Lohnbewegung in den Brauereien Berlins und der Umgegend. 2. Der Ausstand in der Spritfabrit 2. Kahlbaum in Adlershof. 3. Berschiedenes. 39/5 Das Erscheinen aller Stollegen ist bringend notwendig, besonders der aus den Brauereien. 15 Kein Mann darf fehlen! Der Borstand. Tages Drdnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1907. 2. Bahl eines 1. und eines 2. Schrift führers. 3. Wie stellen fich die Mitglieder zur Abänderung des§ 2 des Statuts? 4. Vereinsangelegenheiten und Ber schiedenes. 37/3 Arbeiter jeden Berufes, bom 16. bis zum 45. Jahre alt, werden in der Verfammlung aufgenommen. Das Grscheinen sämtlicher Mitglieder ist dringend nötig. Der Vorstand. ArbeiterRadfahrerklub ,, Geier" Lichtenberg ( Mitglied des Arbeiter RadfahrerBundes Freiheit"). Unserem Sportsgenossen 1/10 Waldemar Reuschel und Sportsgenossin Fräulein Johanna Neuheuser zu ihrer am 20. April stattfindenden Bermählung ein fräftiges Frisch Auf! Der Schriftführer. Greift zu! den besten B 11,00 Monatsanzüge. b. 9,50m. Abonnementsanzüge.. 13,00 Pfandleihanzüge Partieanzüge. 12,00 Gehrodanzüge 14,50 Anzüge, Ersak f.Mak, 20.50 Paletots 9,50 Hofen 2,00 Moldauer Prinzenstraße 64, Ede Annenstraße, im Laden, -Straßenbahn- Bergütung.per große, per 100 Bfund 4,00-5,00, do. fleine 3,50-4,00. do. hiesige( Berl) 0,00. Charlotten 0,00. Beterfilie, grün, Schodbund 1,00-1,50. Stohlrabi per Schod 0,00. Rettig, bayr. per Schod 2,40-4,80. Mobrrüben per 100 Bjund 0,00, fleine 0,00. Rote Rüben 0,00-0,00. Blumentohl ital. per Storb 2,25-4,00. Kohlrüben per Schod 2,00-2,50. 23irfingfoh! 100 Bfb. 0,00-0,00. Rotkohl per 100 Bfb. 0,00-0,00. Rosenfohl per 100 Bfd. 0,00. Weißtohl per 100 fb. 0,00-0,00. Spruttohl per 100 Bfund 12-15. Rhabarber 100 Bund 4,00-15,00. Birnen, per 100 Bfd. biesige 15-18, böhm. 0,00, ital. 25-32. Aepfel, per 100 Bid., biefige 5-25, Tiroler, Stifte 0,00, Calville, Rifte 80-110, Amerikanische in gaff. 15,00-30,00, Stal., Stifte Ia 12,00-20,00, extra 18,00 bis 26,00. Bitronen, Messina, 300 Stüd 8,00-12,00, 360 Stüd 8,00-10,00, 200 Stück 8,00-15,00. Apjeljinen, Jaffa, per Stifte 0,00, Murcia bo. 714 er 15-23,50, Messina, 100er 4,00-6, 150er 4,75-6, 16 er 8-13,00, 200 er Stifte 6-9, bo. 300 er 7-10, Balencia 420er Stifte 13-24,00, Bären ein kräftiger aromatischer, stets gleichmäßiger Kaffee. Original% Pfd. Packung zu 60, 70, 80, 90 und 100 Pf. in circa 2000 Geschäften. Kaffee eb Möbelfabrik Julius Apelt 6 Adalbert- Straße Hochbahnhof Kottbuser Tor ( früher: Stalizer- Straße 6). Großes Lager kompletter 19169 Fomist Orts- Krankenkaffe des Zimmerergewerbes zu Berlin. Sonntag, den 28. April, vormittags 10 Uhr, findet im Gewerffchafts: hause, Engel- Ufer 15, Saal 7, die Wohnungs- Einrichtungen Ordentl. General- Versammlung Musterzimmer Salons, Herrenzimmer, Schlafzimmer, farbige Küchen b. d. einfachsten bis ele gantesten in meinen neuen ca. 1000 m. umfassend. Geschäftsräumen. Besichtigung ohne Kaufzwang erbeten. usverkauf zurüdgejester Möbel zu billigen Preisen bis zur völligen Räumung in den alten Geschäftsräumen Skalitzer- Str.6. ftatt. Tages- Ordnung: 1. Rechnungslegung pro 1906. 2. Bericht des Prüfungsausschusses. 3. Beschlußfassung über die Abnahme der Jahresrechnung und Dechargeerteilung. 86 4. Gehaltsregulierung der Staffenbeamten. 5. Berschiedenes. Die in der Wahlversammlung am 21. November 1906 gewählten Ver treter werden hierzu eingeladen. Einladungstarte legitimiert. Der Vorstand. August Brunzel, Borfizender. Ewald Potermann, Schriftführer. Für den Juhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, den 19. April Anfang 7%, Uhr. Kgl. Opernhaus. Das Rheingold. Kgl. Schauspielhaus. Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Nenes tgl. Operntheater. Ge schlossen. Deutsches. Der Revisor. Rammerspiele: Aglavaine und Selyfette.( Anfang 8 Uhr.) Leffing. Die Stüken der Gesellschaft. Anfang 8 Uhr. Lorking. Martha. Menes Schauspielhaus. Heidelberg. Mt. Berliner. Der Hund von Baskerville. Schiller 0.( Wallner- Theater.) Traumulus. Schiller Theater Charlottenburg. Moloch. Der zerbrochene Strug. Schiller N.( Friedrich WilhelmUrania. Wissenschaftliches Theater. 8 Uhr: Durch Dänemark u. Südschweden. Eintritt 50 Pf. Invalidenstraße 57/62: Sternwarte, täglich geöffnet von 7-11 Uhr abends. 19. und 21. April im Theatersaal, abends 8 Uhr: Viktor v. Rautenfeld: Natur und Kultur in den russischen Ostseeprovinzen. Residenz- Theater. Direktion Richard Alexander. Anfang 8 Uhr. Haben Sie nichts zu verzollen? Schwank in 3 Atten v. M. Hennequin und P. Beber. Robert de Trivelin: Rich. Megander. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Prinzgemahl Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. Anfang 8 Uhr. städtisches Theater) Unsere State. Eine offizielle Frau. Komische Oper. Neug. Frauen. Zentral. Die Fledermaus. Weften. Die lustige Witwe. Kleines. Eine triviale für seriöse Leute. Neues. Der Dieb. Komödie Residenz. Haben Sie nichts au berzollen Schauspiel in 4 Alten v. J. Lehmann. Sonnabend 4 Uhr Stindervorstellung zu fleinen Preisen: Mag u. Morig. 8 Lenore. : Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Traumulus. Schauspiel in 5 Aften von Arno Holz und Oskar Jerschke. Sonnabend, abends 8 Uhr: Narrenglanz. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Der Vogel im Käfig. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Pfarrer v. Kirchfeld. Donnerstag, den 25. April 1907: Abschieds- Vorstellung. Zirkus Schumann Heute abend präzise 712 Uhr: Extra- Gala- Vorstellung u. zum erstenmal in Deutschland! Indische Tänze ausgeführt von Madame Piloty v. Kaulbach. 1. Abteilung: Der Weihrauchtanz. 2. Abteilung: Der Opfertanz. Vorher Galaprogramm und Die fliegenden Menschen, Emir, das Wunderpferd, sowie die neu engagierten Spezialitäten. Um 9%, Uhr: Sonntag 3 Uhr: Marlarme, ein Beib St. Hubertus. aus dem Bolte. 8 Uhr: offizielle Frau. Montag: Eine offizielle Frau. Sonntag: 8wei Gala- Borstellungen. Dentich- Ameritanijages. Mantelle Deutsch- Amerikanisches Theater. Brunnen- Theater Thalia. Eine Iuftige Doppelehe. Luifen. Die offizielle Frau. Trianon. Fil. Josette Frau. meine Bernhard Nose. Der Trompeter von Sädingen. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Gebr. Herrnfeld. Ein verrüdtes Hotel. Jeden Abend 8 Uhr Gaftspiel des Theater des Westens: Mamselle Nitouche. Celestin Edm. Löwe a. G. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Zar und Zimmermann. Gesundbrunnen. Babftraße 58. Direktion: Bernhard Rose. Die Kinder der Exzellenz. Lebensbild in 4 Aufzügen. Wintergarten. Cleo de Mérobe. DERNHARD ROSE THEATER Staffeneröffnung 7 Uhr. Anf. 8 Uhr. Spezialitäten. Apollo. Der Triumph des Beibes. Spezialitäten. Rafino. Nid Carter. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Folies Caprice. Eine Nacht in der Apotheke. Im Inspektionsgimmer. Intimes. Eine vom Ballett. Bapfenstreich. Palast. Spezialitäten. Passage. Mal was Anderes. Spe. zialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Sr. Frankfurterstr. 132. Der Trompeter von Säffingen. Trompeter von Säkkingen. Sonnabend und Sonntag: Der Sonntag nachm. bei halben Breisen: Sherlock Holmes. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brummenstr. 16. Bum legten Male: Abends 8 Uhr: Durch Dänemark Dorf und Stadt und Südschweden. Sternwarte, Invalidenftr. 57/62. Im Theatersaal abends 8 Uhr: Bittor v. Rautenfeld: Natur und Kultur in den russischen Ostseeprovinzen. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Anfang 8 Uhr. Der Hund Schiller- Theater Charlottenburg. Freitag, abends 8 Uhr: Moloch. Eine unvollendete Tragödie( 2 Arte) von Friedrich Hebbel. Hierauf: Der zerbrochene Krug. Ein Lustsp. in 1 Aufz. v. Heinr. Kleist. Sonnabend, abends 8 Ubr: Die Verschwörung des Fiesko zu Genua. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Wilhelm Tell. Sonntag, abends 8 Uhr: Traumulus. Zirkus Busch. Am 24. April: E Schluß der Saison. Freitag, den 19. April, 7, Uhr: Komischer Gala- Abend. Die 4 urfomischen Fratellinis als Kunstschützen. Francois mit dem Dadelpferd. Clown Revelly als Preisborer. Magrini, der befte Springer der Welt. Um 9 Uhr: ROM. Gr. Drig.- Ausstattungs- Panto mime in 7 Bildern. Sonnabend, 20. April: Benefiz für Herrn Burkhardt- Foottit. Folies Caprice Linienstr. 132, an der Friedrichstr. Soloffaler Erfolg! Eine Nacht in der Apotheke. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf an der Theaterkaffe und bei Wertheim. Kottbuser Billettvorverkauf von 10-2 Uhr an Sanssouci, Stra der Theaterkaffe. Walhalla Varieté Theater Weinbergsweg 19/20, Rofenth. Tor. Heute abend 8 Uhr: Das große April- Programm. 10 10 Geni Family Pers. Pers. Circensische Spiele zu Pferde. Grete Gallus Charakter- Soubrette. 12 erstklassige Nummern 12. ober:' s Lorle. Schaufpiel von Charl. Birch- Pfeiffer. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Bf. Sonnabend: Große Extravorstellung. Kasino- Theater Cipollo Theater Täglich: Die Spezialitäten- Attraktionen und das Hunde- Bauern- Theater bon E. Merian. von Baskerville. Ein treuloses Weib. Sonnabend, Sonntag: Der Hund von Baskerville. Neues Schauspielhaus Freitag, den 19. April: Alt- Heidelberg. Anfang 8 Uhr. Sonnabend nachmittag 3 Uhr: Weh' dem, der lügt. Abends 8 Uhr: Alt- Heidelberg. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der Dieb. Morgen und folgende Tage: Der Dieb. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Eine triviale Komödie für seriöse Leute.( Bunbury.) Sonntag nachm. 3 Uhr: Eine triviale Komödie für seriöse Leute.( Bunbury.) Abends 8 Uhr:' s Statherl. Montag:' 3 Katherl. Lortzing Theater Bellealliancestr. 7/8. Abends 8 Uhr: Martha. Abonnements gültig! Sonnabend: Fidelio. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Husarenfieber. Zentral- Theater. ( Operette.) bends 8 Uhr: Der lustige Krieg. Sonnabend: Wiener Blut. Schiller- Theater N. Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Abends 8 Uhr: Unsere Käte. Anfang 8 Uhr. Trianon- Theater. Framein Josette- meine Frau Sonntag nagmittag 8 Uhr: Die lebebichautel. Berantwortlicher Stealten 9: Der Triumph des Weibes. Sonntag, den 21. April, nachs mittags 3, Uhr: Doppelvorstellung. Vorletzte Metropol- Theater Anfang 8 Uhr. Der Teufel lacht dazu. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Massary. Wolff. Bender. Giampietro. Josephi. Rauchen überall gestattet. Sonntag, 21. April, nachm. 3 Uhr: Auf in's Metropol. WINT BARTEN Cleo de Mérode Neues Programm. Palast- Theater. Burgstr. 24, 2 Min. v. Bahnhof Börse. Heute 8 Uhr. 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KeilM i>ks Jotiüätlf Knlim HolMlatt Freitag, 19. April 1907. parte!- Angelegenheiten. «ummelsburg. Heute, Freitagabend. 8 Uhr. spricht Genosse Stadtverordneter Heimann in einer Volksversammlung im Saale der Ww. Weigel, Türrschmidtstr. 45, über: Die kommende Wertzuwachssteuer. Da die Einführung der Wert- zuwachssteuer für die EntWickelung unserer Gemeinde von großer Bedeutung ist, so wird das Erscheinen aller Parteigenossen er- wartet._ Auch sind die Mitglieder der hiesigen Grundbesitzervereine lowie die Mitglieder des Bürgervereins eingeladen. Der Vorstand. KrauSnick. Sonntag, den 21. April, findet die Mitglieder- Versammlung des Wahlvcreins statt. Es ist Pflicht eines jeden Genossen, in der Versammlung zu erscheinen. Der Vorstand. Friebrichshagen. Sonnabend, den 20. April, abends 9 Uhr, im Restaurant Wilhelmsbad, Seestr. 45: Monatsversamm- lung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Julian Borchardt über:»Umsturz und Re- V o l u t i o n". 2. Diskussion. 3. Bereinsangelegenheiten(u. c. Neuwahl des 1. Schriftführers). 4. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste willkommen. Der Vorstand. Alt-Glienicke. Am Sonnabend, den 20. d. M., abends 8 Uhr, hält der Wahlverein seine Generalversammlung bei Satz, Grünauerstratze, ab. Da die Tagesordnung eine sehr reichhaltige ist, ist es doppelte Pflicht jedes Genossen, pünktlich zu erscheinen. Die neu eingetretenen Genossen sind besonders hierzu eingeladen. Der Vorstand. Weißensee. Die Flugblattverbreitung findet Sonntag, den 21. April d. I., früh 8 Uhr, von den sechs Abteilungslokalen aus statt. Die Genossen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu er- scheinen, da fast alle Abteilungsführer zur Generalversammlung für Grotz-Berlin delegiert sind und sich schon wieder vormittags nach dorthin begeben müssen. Der Vorstand. Oranienburg. Den Mitgliedern des Wahlvereins zur Nach- richt, datz unsere rezelmätzige Mitgliederversammlung umstände- halber erst am Sonntag, den 28. April, stattfindet. Gleichzeitig werden die Mitglieder gebeten, sich vorher mit Maifeicrbillets zu versehen._ Der Vorstand. Berliner JVachrichten. AuS der Stadtverordneten-Versammlung. Gestern hat im Rathause die„Aesthetik" gesiegt. „Aesthetische" Rücksichten waren ausschlaggebend für den Be- schlutz der Stadtverordneten-Versammlung, dem Magistrats- antrag auf Enteignung des Jnselspeichers zu- zustimmen. Ein langes und breites wurde noch einmal über die„teure Ruine" geredet, ehe es zur Entscheidung kam. Zu den Gegnern des Magistratsantrages zählte auch die sozial- demokratische Fraktion. Genosse B o r g m a n n tyachtc geltend, daß deck Verkehr nur sehr wenig Gewinn von der Verbreiterung der Straße an der Fischerbrücke haben werde. Ta sei es wirklich nicht nötig, sich mit der Ausführung dieses kostspieligen Projektes zu übereilen und dem Besitzer des Jnselspeichers sein Land abzunehmen, ehe er selber es zu einem erträglichen Preise herzugeben bereit sei. Doch Herr Oberbürgermeister Kirsch n er war entschlossen, die Ruine endlich zu Falle zu bringen— koste es, was es wolle. Er appellierte an den„Schönheitssinn" der Berliner Stadt- verordneten-Versammlung— und, siehe da! er hatte Erfolg. Sein Hinweis auf die Häßlichkeit der vielumstrittenen Ruine wirkte, und die gewünschte Mehrheit für die Magistrats- Vorlage fand sich zusammen. Man sieht: der Magistrat „kann auch anders". Wenn es ihm mal in den Kram paßt. pfeift er auf die„Pflicht der Sparsamkeit", an die er sonst so gern erinnert._ Zum Kapitel „Aus dem Berliner Polizeisumpf" ersucht uns Herr Eduard Manroschat, Bierverlag, Kürassier« st ratze 10», mitzuteilen, datz der Kriminalschutzmann 5250 Dietrich II dessen Momentphotographie in unserem Expeditionsschaufenster zum Ergötzen aller Passanten aushängt, nie bei ihm als Hausdiener be- schäftigt gewesen sei. Zwar habe er sich voriges Jahr bei ihm als„Hausdiener Ernst Philipp" angebiedert; er habe ihn auch ersucht, für ihn den„Vorwärts" zu aboimieren, weil er so weit wegwohne— angeblich sei er in einem Kuhstall in der Äaiserstratze beschäftigt gewesen—, aber er, Mauroschat, habe nie eine Ahnung gehabt, datz„Ernst Philipp" eigentlich ein Kriminalsch"tzmann sei, sonst würde er mit ihm nicht verschiedene Male gekneipt haben, trotzdem„Philipp" dabei die Spendierhosen angehabt habe. Auch habe er nie nach dem Polizeipräsidium Bier geliefert. Herr Dietrich II scheint Humor gehabt zu haben, als er Mauroschat gegenüber seine Stelle im früheren„Ochsenkopf" zu einer Anstellung im Kuhstall verwandelte. Dieser Humor kaim ihn ja jetzt in seinem Leide trösten, wenn er wieder.Streckendienst" im Tiergarten leistet.___ Eine Ehrung. DaS Schaufenster unser Hauptexpedition war gestem ständig von einem zahlreichen Publikum umlagert, das be- sonders in der Mittagsstunde stark anwuchs. Zunächst waren es Arbeiter, die aus dem gestrigen„Vorwärts" ersehen hatten, daß der„Hausdiener Ernst Philipp" nach einer längeren „Wirksamkeit" in Parteikreisen als ktriminalschutzmann Nr. 5250 Dietrich II gestellt und in demselben Moment aus der Platte festgehalten wurde. Philipp alias Dietrich glaubte die Partei- genossen zu haben, während in Wirklichkeit diese ihn hatten und zwar nicht nur vorübergehend, sondern dauernd. Unsere Genossen sind sehr freigebig und so sind sie auf den Gedanken gekommen, das Bild, das den Moment der Entlarvung spiegelgetreu wiedergibt, in dem Schaufenster unserer Ex- pedition auszustellen und damit auch weiteren Kreisen einen Spaß zu machen. Diese Absicht scheint auch volles Verständnis ge- funden zu haben, denn aus den Gesichtern der meisten, die das Schaufenster umlagerten und sich das ausgestellte Bild ansahen, leuchtete eine gewisse Schadenfreude hervor. Mancher konnte sich nicht enthalten, dieser Schadenfreude lauten Ausdruck zu geben und herzlich über den Reinfall des Hausdieners Philipp, alias Kriminalschutzmanns Dietrich zu lachen. Aber es gab unter denjenigen, die das Bild in Augenschein nahmen, auch einige Leute, die eS mit anderen Augen ansahen, als die große Masse des Publikums. Wir meinen die paar Personen, die vom Alexanderplah gckominen waren und mit den Augen des Kollegen das Bild betrachteten. Ihnen mag doch ein gewisses Grauen aufgestiegen sein, in vielleicht nicht allzu ferner Zeit in einer gleichen oder ahn- lichen Situation auf die Platte gebracht zu werden und dazu beizutragen, unsere Bildergalerie zu vervollständigen. A»S der städtischen Verwaltung. Die Feierabendstunden an den Tagen vor den Festen Neujahr, Ostern, Pfingsten und Weihnachten wurden in der letzten Kuratoriunissitzung des städtischen Vieh- und Schlachthofes für die da beschäftigten'Werkstattarbeiter endgültig festgesetzt. Bekanntlich hatte unser Vertreter im Kuratorium die letzten Streitigkeiten zwischen der Direktion und den Arbeitern an- lätzlich des verflossenen Osterfestes zur Sprache gebracht und eine Regelung der Angelegenheit verlangt. Es wurde beschlossen, für die erstgenannten drei Feste den Schluß der Arbeit auf 4 Uhr nach- mittags, für den Weihnachtsabend aus 2 Uhr mit halbstündiger Mittagspause am letzteren Tage festzusetzen. Weiter nahm das Kuratorium Stellung zu einem Streit, der zwischen der Verwaltung und den Engrosschlächtern ausgebrochen ist. Nach§ 13 der Schlachthofordnung mutz alles Blut von geschlachteten Tieren, welches die Meister in ihrem Betriebe nicht verwerten, den aus dem Schlachthofe errichteten Peptonfutterwerken überwiesen werden. Nun hat sich neuerdings die in der Greisswalderstratze errichtete Blutverwertungsgesellschaft hinter die Schlächter gesteckt, um von diesen für ihren Betrieb das Blut zu erwerben. Weil das aber auf Grund der oben angezogenen Verordnung nicht zulässig ist, hat die Direktion des Schlachthofes den Angestellten dieser Ge- sellschaft den Zutritt zum Schlachthof verboten.' Und nun wenden sich die Schlächtermeister mit aller Energie gegen diese ihnen unbequeme Verordnung und zwar mit den eigenartigsten Mitteln. Die Meister erklären, datz sie wohl durch die Verordnung verpflichtet seien, aber das Blut gehöre ja den Gesellen, die es als einen Teil ihres Lohnes behalten und damit»lachen können, was fie wollen. Nur aus Liebe zu den armen Gesellen wende man sich gegen die Verordnung. Durch den Dezernenten Herrn Stadtrat Fischbeck wurde aber nachgewiesen einmal die Gültigkeit dieser Bestimmung, dann aber auch die Not- wendigkeit im Interesse der Gesundheit. Genosie Hoffmann kenn- zeickmete die sonderbare Arbeitersteundlichkeit der Meister; sie sollen dafür sorgen, daß der Lohn»m den Erlös aus dem Blute erhöht werde. Es sei übrigens gesetzlich unzulässig, in dieser Weise Arbeiter zu entlohnen, daS Trucksystem dürfe man nicht fördern. Andererseits war man sich darüber einig, datz die Peptonfabrik für Beseitigung der schlechten Gerüche Sorge zu tragen habe, ein Wunsch, der nicht nur von den Fleischermeistern, sondern auch von Anwohnern gehegt wird. Auf dem Gebiete der Jrrenpflege hat die Stadt Berlin viel versäumt und nachzuholen. Einmal ist nicht genügend für die Jnternierung der Geisteskranken Sorge getragen, die anläßlich eines Verbrechens einer Irrenanstalt überwiesen werden, dann aber sind diese antisozialen Elemente in keiner Weise genügend getrennt von den übrigen Geisteskranken. Eine solche Trennung, auch räumlicher Natur, ist unbedingt zu verlangen. Dann aber besteht in Berlin der Mißstand, datz infolge des Mangels an Irrenanstalten zahlreiche Geisteskranke in Privat- anstalten untergebracht sind, in denen keineswegs die Gewähr etner genügenden Beanfsichtigung und Behandlung der Kranken und des mit der Wartung und Pflege betrauten Personals ge- geben ist. Diese Privatanstalten sind Unternehmungen, aus denen der Besitzer recht viel Geld herausschlagen will, und die Stadt Berlin hat nach Vorkommnissen, wie sie jetzt wieder in dem Prozeß gegen Angestellte der Edclschen Anstalt an die Oeffentlichkeit ge- kommen sind, alle Ursache, sich die Privatanstalten genau anzu- sehen, denen sie Kranke überweist. Die Stadt sollte überhaupt dafür Sorge tragen, datz sie eine solche Unterbringung der Kranken nicht nötig hat und genügend eigene Anstalten errichten. Das geschieht zwar im Augenblick, hätte aber schon längst geschehen sein müssen. Aber damit sind die Aufgaben der Stadt auf dem Gebiete des Jrrenwesens nicht erschöpft. Eine der Hauptaufgaben auf diesem Gebiete liegt in der Heranziehung eines ständigen, zuver- lässigen Pflegepersonals. Und da hat Berlin ein großes Sünden- register aufzuweisen. Will man gutes Pflegepersonal haben, hat man auch die Verpflichtung, für ein angemessenes Auskommen dieser Pflegepersonen zu sorgen. Das ist bisher aber nicht ge- schehen und so darf man sich garnicht wundern, datz der Wechsel des Personals in unseren Irrenanstalten ein ganz erheblicher ist. Es ist garnicht uninteressant zu hören,' wie sich einer der be- kanntesten Psycknater, Geheimer Medizinalrat Dr. Sander, der Direktor der städtischen Irrenanstalt Dalldorf, über diese Frage auslätzt. Einem Mitarbeiter des„Berliner Tageblatt" hat sich Herr Dr. Sander wie folgt ausgesprochen: „Jeder Irrenarzt weiß, wie schwer es ist, geeignete und tüchtige Pfleger zu bekommen. Wer in seinem erwählten Beruf Tüchtiges leistet, der wird nicht Jrrenpfleger werden. Die jungen Leute in den zwanziger Jahren, die aus allen möglichen Berufen in die Irrenanstalten strömen und zu Pflegern ausgebildet wer- den, betrachten diese Tätigkeit nur als Notbehelf; die wenigsten bleiben ihr treu und werden Oberwärter. Dazu kommt, datz die Pfleger immer noch nicht genügend besoldet werden, obwohl gerade die Stadt Berlin erst jüngst die Löhne aufgebessert hat. Daher ist das Menschenmaterial, das sich unter den Pflegern findet, nicht so gut, wie es eigentlich sein sollte. Uebergriffe und Pflichtwidrigkeiten werden in den städtischen Anstalten streng geahndet— erst jüngst ist in Dalldorf ein Wärter entlassen worden, weil er einen Patienten zu hart angefaßt hatte. Der Arzt kann nicht jeden Augenblick bei den Kranken sein. Hoffentlich kommen wir mit der zunehmenden Ausbildung der Jrrenpflege auch zu einem geschulten Stamm von tüchtigen Pflegern, deren schwere, oft undankbare Tätigkeit natürlich entsprechend besoldet werden mützte. Viel besser liegen die Verhältnisse bei den Frauen, da die Pflegerinnen länger in dieser Tätigkeit bleiben, für die sie sich ihrer Natur nach mehr eignen als Männer. Der zweite verbesserungsbedürftige Punkt ist das Verhältnis der Privatheilanstalten zu den städtischen Anstalten. Wir haben im allgemeinen mit den Privatanstalten gute Erfahrungen ge- macht, und ich bin in meiner langen Tätigkeit als Irrenarzt keinem besonders auffallenden Uebelstand in ihnen begegnet. Aber eS mutz trotzdem unser Bestreben sein, alle städtischen Kranken i» eigene Pflege zu übernehmen. Die Anstalt Dalldorf steht mit etwa zwanzig Filialen(Privatanstalten) in Per- bindung. in denen im Jahre 1905 durchschnittlich 1800 Kranke untergebracht waren. Im Jahre 1906 erfuhr diese Zahl durch die Belegung der dritten Irrenanstalt in Buch eine Verwinde- rung um etwa 800 Personen, wie auch die Hauptanstalt selbst 1400 Patienten nach Buch abgegeben hat. So wie die Dinge leider jetzt noch liegen, können wir die Privatpflege nicht ent- bchren. Die Zahl der Geisteskranken wächst infolge ver- schiedener Einflüsse, unter denen der Alkoholismus an erster Stelle steht, und die Bauten von städtischen Irrenanstalten in Berlin haben damit nicht gleichen Schritt gehalten. Ich bin im Prinzip dafiir, datz die Stadt nach und nach alle ihre Patienten in die städtischen Anstalten übernimmt und die Privatpflege all- mählich einschränkt und ganz abschafft." Ohne uns alle Einzelheiten dieser Darlegungen zu eigen zu machen, so dürfte die Feststellung dieses Sachverständigen, datz die Pfleger noch immer nicht genügend besoldet werden, um gutes Personal zu behalten, von hohem Interesse sein. Ob Herr Sander damit bei unseren engherzigen Kommunalpolitikern Glück hat, ist eine andere iftage; bisher hat man Anträge der Angestellten und solche der sozialdemokratischen Vertreter auf Besserstellung de" Lage des Pflcgerpersonals adgrlrhnt. Die Schuld dafür, daß die Stadt die tüchtigen Kräfte infolge schlechter Bezabluna verliert, trifft lediglich die itädtische Verwaltung. Verband der Schneider und Schneiderinnen. Filiale Berlin. Achtung, Flugblattverbreitung! Am Sonntag, den 21. April, morgens 8 Uhr, findet über ganz Berlin eine Flugblatt- Verbreitung wegen des Boykotts der Detailkonfektionäre von den bekannten Lokalen aus statt. Wir fordern unsere Kollegen auf. sich an derselben recht zahlreich zu beteiligen. _ Die Ortsverwaltung. Die Beerdigung August Webers. Einer unter den vielen Tausenden, die am Sonntag dem Genossen Auer das letzte Geleit gaben, war Genosse Weber, den mitten im Trauerzuge ein plötzlicher, jäher Tod ereilte. Gestern nachmittag trug man auch ihn zur Gruft. Im Sarge ruhend, erreichte er nun die Stätte, der er in Erfüllung einer Pflicht der Pietät am Sonntag zustrebte, ohne sie erreicht zu haben.— In der Leichenhalle des Zcntralfriedhofcs war der Sarg aufgebahrt. Ein ungewöhnlich zahlreiches Gefolge hatte sich eingefunden. Mehr als tausend Frauen und Männer, Partei- und Gewerkschafts- genossen des Verstorbenen, hatten sich eingefunden, um dem so jäh aus ihrer Mitte gerissenen Freunde die letzte Ehre zu erweisen. Eine schlichte, würdige Leichenfeier war es, die der Bestattung vorausging.— Als die letzten Töne des Liedes:„Ein Sohn des Volkes" verklungen waren, trat Genosse H a ck e l b u s ch an den Sarg und sprach im Namen des Wahlvereins des vierten Kreises, dem der Verstorbene angehörte, warm empfundene Worte des Nachrufes. Er gedachte des treuen, pflichteifrigen Parteigenossen und seines tragischen Geschickes und legte den Kranz vom Wahl- verein auf den Sarg.— Genosse B ö s k e widmete dem Ver- storbenen einen prächtigen Kranz vom Verbände der Wahldereine Grotz-Berlins. Vorstandsmitglieder vom Zentralverband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter brachten drei Kränze und gedachten mit ehrenden Worten des verstorbenen Mitgliedes ihrer Organisation. Auch die Arbeiter der Firma, wo Genosse Weber beschäftigt war, hatten eine Deputation mit einem Kranze gesandt.— Der Gesang des Liedes:„Wenn sich zwei Herzen scheiden" schloß die Feier in der Halle. Der Sarg wurde zur Gruft getragen, gefolgt von dem langen Zuge der Freunde und Genossen des Verstorbenen, und unter Gesang hinabgesenkt.— Wenige Schritte vom Grabe Auers, das ein Hügel von Kränzen und Palmenzwcigen deckt, fand August Weber seine letzt» Ruhestätte. Der Arbeiter-Radfahrer-Bund„Solidarität" dessen Sitz sich seit Oktober v. I. bekanntlich in Chemnitz befindet, hat soeben seinen Geschäftsbericht für das Jahr 1906 heraus- gegeben. Aus demselben ist zu ersehen, datz der Bund seinem Be- streben, die Interessen der radfahrenden Arbeiterschaft wahr- zunehmen, auch im abgelaufenen Jahre voll gerecht geworden ist. Welche Anerkennung die Leistungen des Bundes innerhalb der Arbeiterschaft gefunden haben, zeigt der Umstand, datz die Mit- gliederzahl sich im abgelaufenen Jahre um nahezu 20 000 ver- mehrt hat, so datz der Bund zurzeit 65 000 Mitglieder zählt, die sich auf zirka 1700 Vereine in ebcnsovielen Orten verteilen. Was die Leistungen des Bundes seinen Mitgliedern gegen- über betrifft, sei erwähnt, datz an Unterstützung bei Erwerbs- Unfähigkeit verursachenden Radnnfällen, die— pro Tag 1 M. bis 1,50 M.— im abgelaufenen Jahre die stattliche Summe von 22 598 M. zur Auszahlung gelangt. In elf Fällen erhielten Ver- unglückte die Unterstützung bis zur Höchstdauer von 13 Wochen. Die seit 1. Juli 1906 eingeführte Sterbeunterstützung für Hinter- bliebene im Betrags von 50 M. wurde in 29 Fällen ausgezahlt, ferner wurden bei Unfällen mit tödlichem Ausgang in 3 Fällen die Hinterbliebenen mit 100 M. unterstützt. An Rechtsschutz, den der Bund in allen Fällen, die für Radfahrer von prinzipieller Bedeutung sind, gewährt, wurden 1456 M. verausgabt. An son- stigen Leistungen sind noch zu erwähnen, datz im verflossenen Jahre 2849 Grenzkarten zur zollfreien Grenzüberschreitung zur Ausgabe gelangten. Das Bundesorgan,„Der Arbeiter-Radfahrer", das monatlich zweimal jedem Mitglieds gratis zugestellt wird und eine Mcn" unterhaltenden und belehrenden Stoffes für jeden Radfahrer' hält, erforderte eine Ausgabe von 48 365 M. Dasselbe ersck zurzeit in einer Auflage von 67 000 und wird in der Dr der Chemnitzer„Volksstimme" hergestellt. Zur Agitation gelangten an die 23 Gauv. 17 683 M. zur Rückzahlung. Das Vermögen des Bun am Schlüsse des Jahres 765 766 M. r.... Der Bericht legt Zeugnis davon ab, datz eine Organisation trotz ihres verhältnismäßig niedrigen Beitrages(da? EinirittZgeld beträgt 60, der Beitrag monatlich 20 Pf.), sofern sie ernste Ziele verfolgt und den in bürgerlichen Vereinen üblichen Klimbim meidet. Segensreiches und ErsprietzlicheS leisten kann. Wie alle übrigen Arbeitervereinigungen wird auch der Ar- beiter-Radfahrer-Bund„Solidarität" von den Behörden in fana- tischer Weise bekämpft. Der Bericht führt in dieser Beziehung geradezu klassische Beispiele an. Der wütende Haß der Herr- schenken Gewalten gegen alles, was Arbeitervereinigung heißt, hat aber auch hier nur zur Festigung und Stärkung beigetragen und somit das Gegenteil von dem erreicht, was er erreichen wollte. Schließlich wird auch die Tatsache erwähnt, daß aus Anlaß eines vom vorletzten Bundestage gefaßten Beschlusses, nach welchem an jedem Orte nur ein Bundesverein bestehen darf, in einigen Großstädten— namentlich Berlin— einige Vereine sich lossagten und einen Arbeiter-Radfahrer-Bund„Freiheit" gründeten, der nicht lebensfähig ist und nur als Beweis dafür existiert, datz der Gedanke, datz die Arbeiterschaft auf allen Gebieten also auch im gesellschaftlichen Bereinsleben— nur durch,« schlossene Organisationen ihre Ziele erreichen kann. noch nicht genügend in Fleisch und Blut übergegang _ SchmalhanS in der Volksküche. Die Berliner Volksküchen haben in ihrem Betriebsjahre 190S. über das jetzt der Vorstand den Jahresbericht veröffentlicht, endlich wieder mal einen Gewinn erzielt. Grotz ist er nicht, es find nur 163 Mark. Aber wenn man berücksichtigt, datz daS Jahr 1906 mit einem Verlust von 5047 Mark abgeschlossen hatte und im Jahre 1904 sogar 11 483 Mark eingeschustert worden waren, dann begreift man's, datz die 163 Mark Ueberschutz aus 1906 dem Vorstand schon als ein sehr günstiges Ergebnis gelten. Die Volksküchen der Frau Lina Morgenstern beruhen auf dem Prinzip, datz sie sich selber zu erhalten haben. In den letzten Jahren war ihnen dieses Kunststück nicht mehr gelungen, im Jahre 1906 haben sie eS wieder fertig gebracht. Wie sie eS fertig gebracht haben, das wird manchem ein Rätsel sein, wenn er daran denkt, datz wir in den beiden Jahren 1995 und 1906 eine sehr fühlbare Fleischteuerung gehabt haben. Aber im Volksküchen-Verein verstehen sie's, alle Hindernisse zu überwinden. Lehrreich in dieser Hinsicht find die Rechnungs» abschlüsse auS den letzten drei Jahren. In den Jahren 1904, 1905, 1906 wurden aus dem Verkauf von Speisen eingenommen: 142 792 M.. 149 835 M., 154 443 M. Dagegen wurden für LcbcnSmittelankauf und Speisen., ubereitung ausgegeben: 93 203 M., 95 184 SP}., 96 326 M. Man sieht, wie hier die Einnahmen für Speisen um ziemlich 12000 M.. die Aufgabe', dagegen rut um 8000 M. gestiegen sind. Nun haben aber die Volksküchen natürlich auch noch andere Unkosten- In den genannten drei Jahren wurden ausgegeben für Miete, Löhne, Feuerung usw.: 54127 M., 58 075 M., 50 844 M. Hier sind also sogar Ersparnisse gemacht winden, allerdings hauptsächlich dadurch, dah im Jahre IVOS wieder eine mit Verlust arbeitende Küche geschlossen wurde, um nicht die Rentabilität des ganzen Unternehmens gefährden zu lassen. Aus gegeben wurden ferner noch für Generalunkosten sBureau, Druch fachen usw.) sowie für Versicherungsbeiträge: 03§0 M., 6623 M., 7110 M. Die Gesamtausgaben stellten sich hiernach auf: 154 275 M.. 154 882 M., 154 280 M. Sie blieben also in den drei Jahren fast unverändert, während die Ein- nahmen, wie oben schon angegeben wurde, beträchtlich stiegen. Daß die Ausgaben nicht gleichfalls gestiegen find, das ist den Ersparnissen zu danken, die zum kleineren Teile bei den Mieten, zum sehr viel grösseren bei den Lebensmitteln ge» macht wurden. Selbstverständlich haben die Volksküchen nicht etwa um so viel billiger als sonst einkaufen können. Höchstens bei den Kartoffeln und einigen Gemüsearten wird ihnen das möglich ge. Wesen sein. Im übrigen aber haben sie die Zusammensetzung ihrer Speisen den veränderten Preisverhältnissen anzupassen gesucht, so dass sie trotz bedeutenden Mehrumsatzes und bedeutender Mehr- einnahmen nicht sehr viel mehr für Lebensmittel auszugeben brauchten. Nun. am Ende ist dieses Kunststück gar nicht mal so schwer, wie es aussieht. In der minderbemittelten Bevölkerung muss das jede Hausfrau können, wenn teuere Zeilen kommen. Sie muh dann„s ch l e ch t e r l o ch e n", d. h. muh Zutaten nehmen, die minder teuer sind, aber auch minder gut zu sein pflegen, muh beispielsweise die Fleischportionen kleiner machen, aber dafür daS » Gemüse und besonders die Kartoffeln reichlicher zumessen. grau Lina Morgenstern hat allezeit eine Ehre darin gesucht, eine tüchtige Hausfrau zu sein. Auch in ihren Volksküchen be- währt sie ihre Hausfrauenkunst» indem sie dort Schmalhans noch mehr als sonst Küchenmeister sein lässt, sobald die Lebensmittel teurer werden. Im Jahresbericht für 1005 yatte sie da? deutlich genug durchblicken lassen, im Jahresbericht für 1006 übergeht sie es mit vorsichtigem Schweigen. Warum eigentlich? Ein Sterbegeldschwindler. Bei der Witwe des verstorbenen Genossen August Weber fand sich ein unbekannter Mann ein. Er forderte von der Frau die Sterbeurkunde und die letzte Invaliden- karte und gab vor, er komme im Auftrage der Unfallberufsgenossen- schaft und brauche die Papiere, Um den Tod des Verstorbenen als Unfall anzumelden. Zunächst erreichte der Schioindler seine Absicht nicht. Bit einem zweiten Besuche aber erhielt er die verlangten Papiere. Frau Weber schenkte dem Manne Glauben, war aber glücklicherweise so vorsichtig, dem Vorsitzenden pes vierten Wahl- Vereins. Genossen Hoffmann, sofort Mitteilung zu machen von dem, was geschehen. Hoffmann merkte sogleich, dass es sich hier um einen unverschämten Schwindel handelte. Auf seinen Rat fuhr Frau Weber unverzüglich nach dem Bureau der Kranken- lasse, welcher der Berstorbene angehört hatte. Da war auch der Schwindler schon anwesend, um sich auf Grund der Sterbeurkunde das Sterbegeld auszahlen zu lassen. Auf Verlangen der Frau Weber gab er ihr die Papiere zurück und entfernte sich schleunigst, che den im Bureau Anwesenden klar werden konnte, um was es sich handelte. So entkam der sieche Schwindler der Festnahme und der Strafe. Allgemeine Entrüstung rief gestern morgen ein Unglücksfall hervor, der durch einen rücksichtslosen Radfahrer verursacht worden war. In der Nähe des SckmlhauseS in der Gartenstrasse schritten auf dein Fahrdamm zahlreiche Kinder, die auf dem Weg zur Schule waren. Ohne zu klingeln fahr ein Radfahrer in die Schar hinein. Der siebenjährige Sckiüter Willr Urban, Äesenstr. 10, wurde nieder- gerissen und mit solcher Gewalt gegen die Bordschwelle geschleudert. dass er bewusstloS liegen blieb. Blutüberströmt brachten Passanten den Kleinen nach einem Arzt. Der Radfahrer schwang sich, ohne auf sein Opfer zu achten, schleunigst wieder auf sein Rad und raste davon. Zu dem Unfall in der Werkstatt von A. Lehman«, Chaussee- straße 57, Über den wir in Nummer 83 berichteten, schickt Herr � Lehmann selber uns einen ganz unnötig aufgeregten Brief. Er er- HMhlt darin, der von dem Unfall betroffene Lehrling H. König habe en Auftrag gehabt, auf die Transmission den Riemen rgen. ES sei m seiner Werkstatt den Lehrlingen überhaupt .en. da? während des Betriebes zu tun. Wir geben jpiitteilrmg wieder, aber wir möchten hiermit nicht etwa ~ ebnis der amtlichen Untersuchung vorgegriffen haben. fchertich eingeleitet werden wird oder wohl schon ehr- rden ist. Herr Lehmann ersucht uns um Richtig- Bemerken, dass er»sich andernfalls zu weiteren n gezwungen sehe'. Uns ist nicht klar geworden. eint. W i r raten ihm d i e.weitere Massnahme' lten drei Lehrlingen schleunigst auch ein paar G e- ..iizustelleii, damit die Lehrlinge nicht ohne Aufsicht zu bleiben brauchen. Vielleicht wird nächstens die Gcwerbedeputation dafür sorgen, dass er zu dieser Massnahme.sich gezwungen sieht'. Die Tatsache, dass Herr Lehmann in seinem ganzen Betriebe gegenwärtig nur diese drei Lehrlinge und keinen Gehülfen beschäftigt, wird i» dem Briefe nicht bestritten. Auch da» wird von Herrn Lehmann nicht in Abrede gestellt, dass seine Lehrlinge ohne Aufsicht waren, als der Unfall sich ereignete. Vom Tode ereilt wurde gestern abend in der Schützenstratze der Bankbeamte Kuhn, wohnhaft Lothringerstrasse 10. Von einem Blut- stürz befallen, brach er plötzlich, zusammen. Auf der Unfallstation in der Krausenstrasse, wohin ihn ein Schutzmann mittels einer Droschke brachte, konnte nur noch der Tod dcS Kuhn festgestellt werden. Im Thalia-Theater geht am Sonnabend die Erstaufführung deS neuen Schwankes:„Wo die Liebs hinfällt" in Szene. der bimgrwerblichen Hülfsardeiter ersucht uns um ir Notiz: Beim Maskenball der baugewerblichen tri Moabit) ist eine Taschenuhr gesunden worden. ltl Grothe, HavelSbergerstr. 7, Seitenflügel oehrbrrlcht. Gestern siüh um 5 Uhr hatte der dritte Zug > Kopenhagenerftr. 71 zu tun. Dort stand da» Zwischeiigebälk nmen. In der Oppelnerstr. 11 brannten nacht« Kleidungs „ und anderes, in der Potsdamerftr. 121" dcfc Nieverwallstr. 2 Bohnermasse und anderes. �enerwehr nach der Bronimy-Brücke sObersprre) aber nicht in Tätigkeit._" Vorort- ISachnchtcn. Rixdorf. Der sozialdcmokrattsche Wahlveretn Rixdorf hielt am 15. April bei Hoppe seine stark besuchte Generalversammlung ab. vor Sin- tritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung da» Andenken Jgnaz Auer» sowte sieben verstorbener Mitglieder in der üblichen Weise. Nach dem VorstandSbericht des Genossen Zirkel haben statt- gefunden 14 Vorstandssipungen, darunter drei erweiterte, zwei Mit- gliederversammlungen und zwei Flugblattverbreitunaen. Der Vor» stand beabsichtigt die«eschäste zu teilen, damit die Anstellung eine» Beamten nicht notwendig ist. Statt der Kassenbücher wird eine Kartothek eingerichtet. Auch sollen die Parteispediteure durch Schaffung einer BibltothekSkommisfion entlastet werden. Je eins der au» acht Mitgliedern bestehenden Kommission soll täglich von 6—8 Uhr abends in der Spedition respektive Bibliothek anwesend seht; es werden die Mitglieder ersucht, diese Zeit strikte inn» zu halten. Die geschäftlichen Angelegenheiten deS Vereins sollen fn Zukunft nur in der Generalversammlung behandelt Gardinen und in Ferner wurde die gerufen, kam dort werden: während die Mitgliederversammlungen nur agitatorischen und Bildungszweckeir dienen sollen. Die Mitgliederversammlungen gedenkt der Vorstand fortan als Volksversammlungen einzuberufen, um hier mehr wie bisher auf die Indifferenten wirken zu können. Die Agitation für den.Vorwärts" und den Wahlverein hat 750 neue Abonnenten und 700 neue Mitglieder gebracht. Zur besseren Orientierung sollen neue Bezirksplakate hergestellt werden, auch sollen die Funktionäre auf den Zahlabenden dafür sorgen, daß keine leichtsinnigen Aufnahmen gemacht werden. Der Mitgliederstand beträgt gegenwärtig 7279 gegen 6065 am Schlüsse des vorigen Quartals. Wegen restierender Beiträge gestrichen wurden 42 Mit- glieder, 4t verzogen, 9 find ausgetreten und 7 verstorben.»Vor- wärts"» Abonnenten waren 10 600, Abonnenten auf den.Wahren Jakob' 1400,„Postillon" 27..Neue Zeit' 72,.Freie Stunden" 45. Um das Bildungsbedürfnis der Mitglieder zu befriedigen, gedenkt der Vorstand im Winterhalbjahr vier Vortragskurse ein- zurichten. Der Kassenbericht, den Genosse Stielcr gab, weist eine Einnahme von 9126,20 M. und eine Ausgabe von 4870,66 M. auf. Am Ort verbraucht wurden 1053,50 M. Es verbleibt mithin ein Bestand von 3202,04 M. AuS der Bibliothek sind 1371 Bücher entlehnt worden, 337 mehr als im selben Quartal des Vorjahre». Einem Antrag, der Bibliothek 300 M. zu Neu- anfchaffungen zu bewilligen, stimmte die Generalversammlung zu. Genosse Köster richtete sich noch gegen die Vereinsmeierei der Genossen, die der Parteibewegung sehr schade. Eine Verbilligung deS.Vorwärts', die die meisten Diskussionsredner wünschten, hält er für unmöglich, wenn nicht die Anzahl und der Preis der Inserate steige. Die Zahlabende seien mehr zu beleben, um die Parteigenossen mehr zu bilden und aktionsfähiger zu gestalten. Genosse Zirkel wies in seinen, Schlußwort nach, dass der Vorstand an der Oede in den Zahl» abenden nicht schuld( sei; den Bezirksführern werden Broschüren usw. genügend geliefert, damit diese für{je- eigneten Stoff sorgen können. Die kleinliche, unzweckmäßige D,S- kussion müsse aus oen Zahlabenden und auch au« den Versammlungen verschwinden. Die Genossen müßten sich immer mehr von grossen Gesichtspunkten leiten lassen. In die Bibliothekkommission gewählt wurden Schulz, Lücke, Fröhlich, Müller, Wcllmann, Hutzelmann, Schanz und Thomas. Ausserdem wurde bekannt gegeben, dass am HimmelfahrtStage eine Herrenpartie nach BeeSkow stattfindet. Wegen vorgerückter Zeit wurde die Versammiung vertagt. Die Fortsetzung derselben findet am Dienstag, den 23. April, ber Hoppe statt. Ein gefundenes Portemonnaie kann beim Genossen Zirkel, Lenau- strasse 12, abgeholt werden. Durch Steinwirft schwer beschädigt wurde in der vorletzten Namt ein Grabdenkmal deS SteinsepmeisterS Herzog, Hermann« strasse 158 im Werte von 1500 M. Der Täter konnte nicht er- mittelt werden. Schöneberg. In der lebten Sitzung der Schöneberger Gewerkschaftskommisfion machte der Obmann die Mitteilung, daß die Sckilächterinming die Absicht babe, in Schöneberg eine JimungS-Krankenkasse zu gründen; es sei Pflicht der Gewerkschaften, das Bestreben der organisierten Schlächtergesellen, die» zu hintertreiben, nach Möglichkeit zu unter- stütze». Die Beteiligung an der Statistik über den Haushalt der Arbeiter, welche vom statistischen Amt aufgenommen wird, sei leider eine so schloache, daß dieselbe kein klares Bild ergibt. Der Obmann forderte die Bertreter auf, dahin zu wirken, dass die Beteiligung eine bessere werde. Ferner ermahnte er die Gewerkschaften, de» Ausschuß mit mehr Material zu versehen, damit in den Sitzungen eine regere Diskitssion stattfinden könne. Der Vertreter der Schuhmacher forderte die Genossen auf, darauf acht zuageben, ob in de» Geschäften, Ivo sie arbeiten lassen, die Forderungen der Gesellen bewilligt sind. Nach einer Aufforderung de» Genossen Wardin, den Beisitzern zum Ge- Werbegericht die Löhn- und Arbeilstarife zukommen zu lassen, erfolgte Schluss der Sitzung. Wilmersdorf. Di» Stadwerordneteiwersammluug beschloß am Mittwoch die Beibehaltung der zurzeit bestehenden Kommissionen und Deputationen. Die Zahl der Mitglieder der RechnungsprüfungSkomniissio», sowie des Ausschusses zur Prüfung von Stadtverordnetenwahlen wurde auf 13 angesetzt, der PetitlonsauSschnss besteht aus neun Mit- gliedern. Die Gesuiidbeitskommissioil bilden ausser zwei Magistrats- initglieder fünf Mitglieder der Bürgerschaft. Zur ErhaUung des Baumbestandes in den Strassen wurde beschlossen, dass kein städtischer Baum ohne die Genehinigung der Stadtverordneten gefällt iverden darf. Von den im Etat festgelegten 400 000 M. zur Asphal- tierung von Strassenzügen werden auf Antrag des Magistrats 208 000 M. zur Asphaliierung der Holsteinschenstrasse, Nassauischen- strasse und deS Olivaerplatzes verwendet. Die weiteren 102 000 M. verbleiben zur Regulierung der.Brandenburgischensttatze, Meier« ottostrasse und dem Bezirk am Nürnberger Platz. Die An- wohner der Meinrottostrasse wünschen die Regulierung derselben. Stadtv. K l e t t k e wandle sich gegen die Schaffung eines Präzedenz« falles. Die Regulierung der Strasse könne»och einige Jahre ber- bleiben. Der größte Teil der Redner trat den Ausführungen«nt- legen. Stadtv. Krause vertrat die Meinung, dass eS notwendig ei, den.steuerkrästige» Bürgern' mehr Rechnung zu tragen. Die Versammlung beschloß, die Vorlage der Tiefbaudeputation zur Prüfung zu überweisen.— Obivohl die Aula abgeändert ist, erscheint die Alustik derartig ungeeignet, daß die nächste Stadtverordneten- Versammlung wieder im SiyungSsaale deS Rathauses stattfindet. Biesdorf. Ein schwerer Eisenlahmmfall ereignete sich gestern siüh bei der hiesigen Bahllstaiio». Hier wollte sich der Dachdeckcrmeister Höcht auS KaulSdorf mit seinem mit zwei Pferden bespannten Wagen nach BieSdorfshöhe begeben, um mit seinen Lehrlingen Richard StepputeS und F. Musewald auf einem Neubau Dachdeckerarbeiten vor- zunehmen. Als das Fuhrwerk an die Station Biesdorf kam, waren die Schranken des Bahnüberganges herabgelassen, da gerade ein Güterzug von verlin die Station passierte. Als der Zug vorüber gefahren war, ging die Schranke hoch. Der Wärter hatte aber übersehen, dass in umgekehrter Richtung von Kmilsdorf her eine Nangiermaschiue mit einem Packwagen sich nach der Station zu bewegte, und dass gleichzeitig daS Höchtsche Fuhrwerk von der dem WärterhäuSchen entgegengesetzten Seite her den siei gewordenen Bahnübergang beschritt. Durch den Güterzug war sowohl dem Wärter wie dem Führer der Rangtermaschtn» und dem Fuhrwerks- besitzer der siele Ausblick versperrt worden. Die Lokomotive erfasstö das Fuhrwerk. dt« Pferde wurdenmitgerisfen. Höcht und sain Lehrling StepputeS wurden herabgeschleudert und unter den Rädern der Maschin« getötet, während der zweite Lehrling Musewald durch den jähen Ruck deS Wagen» vom Rücksitz herubgeschleudert und ohne Per- letzungen davonkam. Der Leichnam deS Meisters und seines Lehr- ling» waren entsetzlich verstümmelt. Ein Pferd mußte alsbald ge- tötet werden, da» andere ist dem Verenden nahe. Höcht hinterläßt eine Frau mit fünf zum Teil noch unmündigen Kindern. Amtlich wird gemeldet: Am IS. d. MtS., vormittags 7 Uhr 50 Min. wurde auf dem Ueberwege in km 8,5 am Bahnhof Biesdorf der Ostbahnstrecke ein ArbcitSfuhrwerk des Dachdeckermeisters Höcht auS Kaulsdorf von einem Güterzuge überfahren und zertrümmert. Hierbei wupde der Besitzer deS Fuhrwerks sowie sein Lehrling ge» tötet. Die beiden Pferde wurden schwer verletzt. Die Schuld an dem Unfall trifft den Schrankenwärter, welcher eS unterlassen hatte, die Schranke zu schließen. Nach den oben gegebenen Schilderungen deS Vorfalls ist der arme Wärter das Opfer eines verhängnisvollen Ver- sehenS geworden. Bekanntlich haben vor längerer Zeit einmal Verhandlungen zwischen der Gemeinde Biesdorf und der Eisenbahn- behörde wegen Anlage einer Unterführung für den Wagenverkehr stattgefunden. Diese habm sich jedoch wieder zerschlaqen. ES dürft« deshalb an der Zeit sein, den Plan einer solchen Unterführung zu verwirllichen. T eltow. Raubanfälle ereigneten sich vor einigen Tagen in der Teltower Umgebung. Der Eigentümer Kohlmann auS RithlSdorf wurde, als er mit seinem mit zwei Pferden bespannten Fuhrwerk die Sputen- dorferstrasse passierte, von einem Manne aNgehalren. Dieser richtete den Revolver auf ihn und gebot, ihm das Geld auszuhändigen. K. hieb hierauf auf seine Pferde ein und fuhr davon. Der Räuber schoß hierauf mehrmals dem Gefährt nach und verwundete ein Pferd tödlich. Ei» anderer Ueberfall ereignete sich einige Stunden später auf der Grossbeeren-Chaussee. Anscheinend derselbe Bursche Überfiel hier den Kutscher eines Selterwasserfuhrwerks aus Gross-Lichterfelde. ES gelang ihm, demselben 90 Mark gewaltsam zu entwenden und zu entkomme». Die Ermittelungen nach dem Tater. der ein etwa Mjährtger kräftiger Mensch sein soll, haben zu einem Anhalt noS nicht geführt. Nieder-Tchönhausen. Achtang, Gemeindewahl i «m Freitag, de» 26. April, in der Zeit von 12 bis 7 Uhr findet im Liedemitschen Lokale eine Gemeinde- vertreter-Ersatzwahl für die dritte Abteilung statt. Parteigenossen l Da die Frist eine solch' kurze ist, heißt eS rasch an die Arbeit gehen. Agitiert, wa» in Suren Kräften steht! Nehmt jede Gelegenheit wahr, damit endlich der erste Sozialdemokrat in unser Dorfparlament einzieht._ Die letzte Gemeindevertretersitzmig nahm Kenntnis von dem Schreiben des Gemeindevertreters Weber, worin derselbe mitteitt, dass er infolge Zeitmangels die Sitzungen nicht mehr besuchen könne »nd deshalb sein Amt niederlege. Da die Turnhalle aus den, neuen Schulgrundstück schleunigst in Angriff genommen werden soll, wird der Architekt Nitsche beauftragt, ein Projekt auszuarbeiten. Der Be- trag von 1400 M. hierzu wird bewilligt. Der Punkt Bewilligung der Koste» zur Erlangung von Projekten zum Rat- Hausbau wird auf ei» halbes Jahr vertagt. Zur Vergebung der Pflnsterarbetten des ÄürgerstrigeS in der Kaiser Wilhelmstratz« wurde beschlossen, dieselben dem Steinsehmeister Kollrepv zum Be- trage von 26 537 M. zu übertragen. Die Kosten für die kreisärzt« liche Untersuchung deS in Benutzung zu nehmenden FriedhofsgelöndeS werden bewilligt. Des weiteren wird eine Etatsüberschreitung betr. den Zuschuß zu den Amtsunkosten für 1906 gutgeheißen. Hierauf fand eine geheime Sitzung statt. Tegel. Die Sperrung des Schloßparkes in Tegel wird, wie man uns be» richtet, zu Prozessen Veranlassung geben. Bekanntlich hat die Schloß- Verwaltung �cgel mit der Absperrung ihreS Parkes auch den KommunikationSweg südlich ier eingesiiedigten grossen Lindenallee geschlossen. Die Bewohner von Heiligensee fühlen sich durch diese Massnahme schwer geschädigt und erheben gegen diese Absperrung Protest mit der Behauptung, Voss der Weg durch Verjährung öffentlich sei und nicht eingezogen werden dürfe. Es wird angeführt, daß ursprünglich die Lindenallee den öffentlichen Kommunikationsweg gebildet habe und dass die Sperrung dieses Ersatzweges ohne Zu- stimmung der Oeffentlichkeit keineswegs geschehen durfte. Durch den von der Gemeinde Heiligensee eingelegten Protest wird der Prozeß auf dem Verwaltungswege anhängig gemacht. Kein Freibad mehr im Tegeler See. Der AmtSauSschuss in Tegel hat beschlossen, siir den Amtsvorsteher ein Motorboot zu beschaffen. Als Grund wurde angegeben, daß das Baden im Tegeler See an nicht dam sicigegebener Stelle ein entschiedeneres Einschreiten er» fordere, va das' unsittliche Benehmen Badender Passanten auf dem Lande und in vorüberfahrenden Dampfern und Kähnen allzuhäufig höchst unliebsames AergemiS berette, durch das die ganze Gegend leide. Tpnndan. Der Direktion der Staatsbettiebc scheint eS schwer im Magen zu liegen, dass ein grosser Teil der Staatswerkstättenarbeiter bei der letzten ReichStagSwahl, trotz des ReichslllgenverbandeS und behörd- lichem Druck, für den sozialdemokratischen Kandidaten gestimmt haben. Nachdem alle Bemühmigen der Direktion, die irregeleiteten Schäflein wieder aus den reichstreuen Weg zu bringen, misslungen sind, so warnt man st« in folgender Bekanntmachung: Wie verlautet, sollen Anhänger der Sozialdemokratte be- schlössen haben, sich behufs langsamen und heimlichen Wirkens in sozialdemokratischem Sinne innerhalb der Arbeiterschaft der staatlichen Institute eines Kartensystems zu bedienen. Die Karten, welche al» Legitimation gelten, sind zur Aufnahme von Marken bestimmt, die als Nachweis für gezahlte Beiträge dienen sollen. Die Arbeiter werden ernstlich gewarnt, auf derarttge An- erbietungen einzugehen und werden darauf hingewiesen, dass bei Zuwiderhandlungen unbedingt Kündigung erfolgt. Auf den am 8. 4. 07 ausgehängten Nachtrag XV zur Arbetts- ordnuilg, Teil I, wird Bezug genommen. Spandau, den 12. 4. 07. gez. Kronisch Oberst und Direktor. Der oben angezogene Nachttag XV lautet:* Nachtrag XV zur Arbeitsordnung. Teil L Tritt mit dem April in Kraft. Die einzustellenden Arbeiter dürfen nicht sozialdemokratischen Bestrebungen Vorschub leisten oder sonstige Personen sein, von denen vorausgesetzt werden darf, daß sie den Frieden zwischen der Behörde und den Arbeitern oder der Arbeiter unter einander stören wollen. Nach dieser Bekanntmachung wird eS erst recht verständlich. warum und zu welchem Zweck sich vor einiger Zeit ein Herr, angeblich �Ingenieur der Staatswerkstätten" zun, Borsttzeuden des Wahlverems beinühte, um als Kartenmitglied Aufnahme zu finden. ES wurde dem Herrn bedeutet, dass er Mitglied deS Wahlvereins nicht werden könne, hingegen könne er aber, sofern er gewillt sei, die Partei zu unterstützen, eine Karte bekommen, auf welcher die ge- leistete finanzielle Uiiterstützuilg der Partei quittiert werde und welche als«»«weis diene. Zu diesem Zweck möge er sich an den Kassierer wenden. Der Herr ist dann auch zum Kassierer gegangen. die Auskunft resp. der Erfolg daselbst hat ihn aber wohl nicht befriedigt. auS welchem Grimde er auch das Wiederkommen vergaß. Kurze Zeit darauf ist der Herr„Ingenieur der Staats- Werkstätten" nach dem zum Wahlkreise Ost-Havelland gehörenden Ort Ketzin verzogen. Auch hier fand er sich bald bei dem Vorsitzenden des sozialdemokratischen WahlvcrcinS ein, mit dem Wunsche, Kartell- Mitglied zu werden, wobei er sich noch die Frage gcstatlet«, ob er dann an den internen Sitzungen teilnehmen könne. Auf diese Weise glaubt man die zur Partei gehörigen StaatSwertslältenarbetter aus- zuspionteren. Wenn selbst Iiigenicure dieses Sptonagesystem betreiben und zu diesem Zweck einen Umzug nicht scheuen, so muss dock die Rotseuche in de» GtaatSwerkstatttn schon sehr weit ver- breitet sein. Die sozialdemokratischen Staatswerkstättenarbeiter werde» aber auf den neuesten Erlaß, der ste zu Heloten und polt- tische Rechtlosen stempelt, zu parieren wissen. DaS System politischer Bevormundung wird bcamwortet werden durch eine immer stärkere Verbreitung des sozialistischen Gedankens in ihren Reihen, PotSda». Die Leiche eines bvjährigen Manne« wurde Mittwoch abend gegen 6 Uhr an der Laubenkolonie am Lustgarten unterhalb der Eisenbahnbrücke angeschwemmt. Der Tote, dessen rechte Schläfe eine Schusswunde aufwies, war durch das lange Liegen im Wasser bis zur Unkenntlichkeit entstellt und konnte bisher nicht rekognosziert werden. Er trug Winterjacke und braune Weste. In seiner Westen» tasche fand man noch zwei Revolvcrpattonen. Die Leiche wurde von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Deutscher Holzarbeiter- Verband Heute Freitag, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15: tung 6. 6. Wahlkreis. ber Orts Krankenkasse Stadt Schöneberg. Sitzung der Ortsverwaltung. Sonntag, den 21. April, abends 6%, Uhr, in Wilkes Lokal, Brunnenstraße 188: Freitag, 26. April, abends 8 lipe, Maschinenarbeiter. Montag, den 22. April, abends 8, Uhr, Andreas& Festfäle, Andreasstr. 21: Branchen- Versammlung. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Die Bersammlung wird pünktlich eröffnet. Die Branchenkommiffion. Versammlung für Männer und Frauen. Tagesordnung: 1. Borttag des Rebatteurs Karl Wermuth: Der Gozialismus von der Utopie zur Wissenschaft 2. Diskussion. Bu recht zahlreichem Besuche laben ein Die Abteilungsführer. Nach der Bersammuing: Gemütliches Beisammensein mit Tanz. bei Obst, Meiningerstr. 8: Ordentliche General- Versammlung. Tages Ordnung: B 248/ 19* 1. Erstattung bes abresberichts 1906. Vereinigung der Zimmerer Deutschlands. 2. Bericht der Prüfungskommission und Erteilung der Entlastung. 3. Wahl eines Vorstandsmitgliedes ( Arbeitgebers). 278/4 4. Beschlußfaffung über die Hand habung bezi. Fortsetzung der frei▸ willigen Branche der Musikinstrumentenarbeiter. Bureau: Berlin C. 54, Dragonerstr. 15, Hof 1.- Fernsprecher Amt 3, Nr. 5029. 5. intrag bes Generalversammlungs. Montag, den 22. April, abends 8%, 1hr, im Gewerkschaftshause, Engel: Ufer 15( Saal 1): Branchen- Versammlung. Tages bertreters Herrn Dr. Halle betr. Einführung der freien Arzttvahl. Sonntag, den 21. April 1907, vormittags 10 Uhr, in den Industriesälen,[ 6. Kenntnisnahme von dem Wortlaut Beuthstraße 20: General- Versammlung 20 adbne 1. Bortrag bes Genoffen Duwell the enges des Vereins der Zimmerer Berlins u. Umgegend. über: Politische Tagess fragen". 2. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. - Mitgliedsbuch legitimiert. Um zahlreichen Besuch ersucht Die Branchenkommission. Tages- Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quattal 1907. 2. Der Schiedsspruch bes Einigungsamts, und welche Stellung nehmen wir zu demfelben ein? 3. Vereinsangelegenheiten. Mitgliedsbuch ist vorzuzeigen. NB. Es wird ersucht, auf den Bersammlungskontrollaettel im Mitglieds 257/8 buch zu achten. Der Vorstand. 3.: A. Juppenlatz. Branche der Vergolder! Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Montag, den 22. April, abends präzise 8 Uhr, in der Alhambra, Wallnertheaterstraße 15: Branchen- Versammlung. Tages Ordnung: Zweigverein Berlin. Sektion der Puter. Achtung! Putzer! Achtung! 1. Unsere Stellungnahme zur Maifeier. Referent: Stollege R. Leopold. Sonntag, den 21. April, vormittags 10% Uhr, im Luifenstädtischen Konzerthause, 2. Distuffion. 3. Ergänzungswahl zuy Branchenkommission. 4. Verschiedenes. Pünktliches Erscheinen erforderlich. Am Eingang find die MitgliedsDer Branchenleiter. bücher vorzuzeigen. Deutscher Metallarheiter- Verhand Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hof I. Amt 3, 1239. Hof III. Amt 3, 1987. Charitéstraße 3. Sonntag, 21. April, vorm. 10 Uhr, bei Meier( Frankes Festsale), Sebaftlaufte. 39: Alte Jakobstraße 37: Mitglieder- Versammlung. Tages Drdnung: Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht. des durch den Beschluß der General bersammlung geänderten Pensionsregulativs. 7. Berliebenes. W Schöneberg, ben 16. April 1907. Der Vorstand. E. Flamme, F. Geft, Vorsitzender. Schriftfahrer. Berliner Spar- und Bauverein eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Sonntag, den 28. April 1907, bormittags 9 Uhr, in den Sophien- Sälen, C., Sophienstraße 17/18: Fünfzehnte ordentliche General- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Staffenbericht vom 1. Quartal. 2. Berichterstattung der Delegierten vom neunten Verbands: Gewinn und Verlustberechnung für tage. 8. Wahl einer Schlichtungstommission. 188/17 Achtung! Die örtliche Verwaltung... G. Schulze. Achtung! Versammlung Zentralverband der Maurer Deutschlands der Rohrleger und Helfer Berlins und Umgegend. Tages Ordnung: 1. Bortrag des Genossen Wicky über:" Germanisationspolitik in ElsaßLothringen." 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Mit Rüdsicht auf die wichtigkeit der Tagesordnung, ist es Bflicht eines jeden Stollegen, in die Versammlung zu kommen. Ohne Mitglieds buch feinen Zutritt. 116/19 Sonntag, den 21. April, vorm. 10 Uhr, im Königstadt Kafino, Alexanderstraße, Ecke Holzmarktstr. 72: Zweigverein Berlin. Die für Freitag, den 19. April 1907, abends 8%, Uhr, bei Freyer, Koppenstraße 29, anberaumte Außerordentliche General- Versammlung fällt umständehalber aus. An deren Stelle findet Montag, den 22. b. Wits., eine Branchen- Versammlung Außerordentliche General- Versammlung aller in der Metall- und Eisen- Industrie beschäftigten Hobler, Bohrer, Stoßer und Fräser. aller zum Zweigverein Berlin gehörigen Zahlstellen und Bezirke der Maurer statt. Zages Drbnung: 1. Bortrag bes Genossen G. Link. 2. Diskussion. 3. Bericht der Agitationstommiffion. 4. Neuwahl des Branchenbertreters und ber Agitationskommission. 5. Verschiedenes. Folgende Zahlstellen sind neu errichtet: Paul Horsch, Engel- Ufer 15. F. Fröhlich, Muskauerstr. 1. Julius Schmidt, Kiefholzstr. 22. Albert Reuter, Borsigwalde, Schubert- u. Reuschstr. Ecke. Die Ortsverwaltung. Verband der Hafenarbeiter u. verw. Berufsg. Deutschlands. Mitgliedschaft Berlin. Sonntag, den 21. April, vormittags 10%, Uhr, im Rönigftabt. Rafino", Holzmarktstr. 72: Mitglieder- Versammlung. Zages Drbnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1907. 2. Berbandsangelegenheiten. 3. Verschiedenes und Aufnahme neuer Mitglieder. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Restaurant Gewerkschaftshaus. Heute Frische Blut- und Wurst Freitag: Leberin bekannter tadelloser Qualität. Mittagstisch. Reichhaltige Abendkarte. Sonntags: Fricassee vom Huhn. Rich. Augustin, Engel- Ufet 15. Bilz Sanatorium Behloss Lössnitz" RadebeulDresden. Prosp. fr. FrühjahrsGünst Heilert. 3 Aerzte Dir. 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Erstattung des Geschäftsberichtes unter Vorlegung der Bilanz nebst das Jahr 1906. 2. Bericht der Re bifionstommiffion. 3. Beschlußfaffung über die Genehmigung der Bilanz und die Verteilung des Gewinnes. 4. Reutbahlen zum Aufsichtsrat. 5. Bericht über den Verband der auf der Grundlage des gemeinschaftlichen Eigentums stehenden deutschen Baugenossenschaften. 6. Beschlußfaffung über den Gesamtbetrag, welchen An leihen der Genossenschaft und Spar einlagen bei ihr nicht übersteigen sollen. 7. Beschlußfassung über die usschließung von fäumigen Genoffen. Die Bilanz sowie die Gewinn- und Berluftberechnung für das Jahr 1906 find in der Geschäftsstelle, Sidingen. Straße 8, einzusehen. 127/4 Der Vorstand. 2. Schmidt. Ernst Roscher. „ Berliner ArbeiterRadfahrer- Verein" Mitglied des Arbeiter Radfahrer Bundes Solidarität". Touren Sonntag, den 21. April: 2. Abt. nachmittags 14, Uhr nach Miersdorf( Lier). Start: Urban Straße 7. 8. Abt. früh 6 Uhr nach remmen ( Baproth). Nachmittags 1 Uhr nac Hennigsdorf( Brose). Start: Ma vlannenplag. 4. Abt. nachmittags 1, Uhr nach Saatwintel. Start: Stifftrinerplay. 5. Abt. früh 7 Uhr nach Straus berg. Nachmittags 1 Uhr nach Alt Landsberg. 6. Abt. früh 7 Uhr nach Blefens thal- Tempelfelde. Nachmittags 1 Uhr nad Goriensee bei Schönwalde. Start: Genossenschaft, Dderberger Straße 30. 7. Abt. früh 7 1hr nach Biefenthal ( Schütenhaus). Nachmittags 1 libe Bernau( Elyfium). Start: nach etteftes Teilzahlungs. Gefäßt Grenzfte. 21, Wegner. Kein Laden. BrennaborRäder. Günstigste Bedingungen. BERLIN SO., 8. Abt. früh 7 1hr nach Rauen. Nachmittags 1 Uhr nach Fallenhagen. Start: Waldftr. 8, Bilike. Heute abend: Engere Vorstands. Siung bei C. Schönfeld, Eisen bahnstr. 34.( brechnung.) 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Wir appellieren deshalb mit Gegenwärtigem an die Parteigenossen und Gewerkschaftsmitglieder Berlins und Umgegend, bei ihren Einkäufen und Bestellungen von Herren- und Knabengarderobe in Zukunft nachstehende Geschäfte meiden zu wollen: Osten: Behrendt, Grüner Weg 84. Bohne, Landsbergerstr. 79. Lucian, Landsbergerstr. 56. Verkaufshalle Vulkan, Große Frankfurterstraße 5. Verkaufshalle Vulkan, Frankfurter Allee 134. Süden: Wormann, Rottbuser Damm 77. Kommandithaus Schendel, Dranienstr. 38. Esders u. Dyckhoff, Dranienſtr. 48. Karl Stier, Oranienstr. 166. Konfektionshaus Böhm, Stalizerstr. 39. Schulmeister, Dresdenerstr. 4. Zentrum: Norden: Ringel, Chausseestr. 81. Ringel, Brunnenstr. 47. Lewy u. Co., Brunnenstr. 50. Bendit, Brunnenstr. 68. Bornstein, Brunnenstr. 181. Schendel, Rosenthalerstr. 8. Westen: Kaplan, Friedrichstr. 1. S. Adam, Leipzigerstr. 27/28. Karl Stier, Potsdamerstr. 113a. Landsberger, Friedrichstr. 108. Thiéry u. Sigrand, Friedrichstr. 179. Bandsburger, Friedrichstr. 7. Vandsburger, Turmſtr. 30. Weltmann Nachf. Stephan Esders, Kaiser Esders n. Dyckhoff, am Dönhoffsplay. Wilhelmstr. 41. J. Lewy u. Co., Wilmersdorferstr. 47. Die Firma Leineweber, Köllnischer Fischmarkt und Dranienstraße, lehnt es ab, die von ihr ausgesperrten Kollegen wieder einzustellen. Die Werkstätte ist mit Streitbrechern besetzt. Die Firma Peek u. Cloppenburg lehnt die Entlassung der Streitbrecher ab. Wir bitten dies in gebührender Weise in Kenntnis zu nehmen. Alle übrigen Geschäfte sind als frei zu betrachten. Verband der Schneider, Schneiderinnen n. verw. Berufsgenossen Deutschlands Filiale Berlin, Michaelkirchplak 1, parterre. Dr. Simmel Das größte Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. 120/26 Das größte Brot! 6 Stück 10 Pf. dicht am Albrechts Bäckereien: Prinzenstr. 41, Moritzplatz, Sonntags Neue Königstraße 48, 1 Treppe, Alexanderplatz. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4 geöffnet! Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pfg. 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