Mr. 92. Abonnements- Bedingungen: bonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 8,80 t, monatl. 1,10., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Bellage Die Neue Belt" 10 Big. Bost Elbennement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Bost- Zeitungs Breisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemar?, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Cridelat täglich außer Montags. Vorwürts Berliner Volksblatt. 24. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Betragt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Staum 50 Big., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins und Bersammlungs- Anzeigen 80 Bfg. Kleine Anzeigen". das erste( fett. gebrudte) Wort 20 Big., jebes meitere Wort 10 Bfg. Stellengefuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., Jedes weitere Bort 5 Big. Borte aber 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in ber Expedition abgegeben werden. Die Expedition i bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm breffe: Sozialdemokrat Berita. Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Sonnabend, den 20. April 1907. 1906 die Schweinezahl Preußens auf 15,3 Millionen, d. i. um über 22 Proz. sich vermehrt hat. Aber nunmehr Erstens, Vom Schwein und vom Reichs- fich eine Umfehrung des Verhältnisses. 15x8 kanzler. für Vor etlichen Wochen sang im Landwirtschaftsrat der deutsche Reichstahzler das hohe Lied des Schweines. Mit Recht pat mein Freund, Herr v. Oldenburg", sagte der Kanzler,„ darauf hingewiesen, daß wir dem braven Schwein Dank schulden. Gar manchen Abgeordneten hat es durch den reißenden Wahlstrom getragen. Schon darum gebe ich es nicht preis, sondern schüße es vor Pestilenz". Jubelnd stimmten ihm die Agrarier zu. nach einiger Zeit gewinnen auch die Rindviehzüchter die Möglichkeit, ein stärkeres Angebot zu machen. Zweitens, die Schweinezucht wird, ohne daß er es merkt, für den Klein bauern selbst unvorteilhaft. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. eruivrecher: Amt IV. Nr. 1984. Fanfare- Schamade. Dem wütenden chauvinistischen Entrüstungsorkane ist wenigstens in einem Teil der Regierungspreffe- wieder einmal lachender Sonnenschein auf dem Fuße gefolgt. Namentlich die Nehmen wir wieder das landwirtschaftliche Jahrbuch zur Kölnische Zeitung", die sich neben der Deutschen Hand:" In größerem Umfange ist die Schweinezucht nur dort Tageszeitung" in der Englandhezze besonders hervorgetan, vorteilhaft, wo erhebliche Mengen von Futterstoffen, welche wiegelt wieder einmal ganz beträchtlich ab. Sie läßt sich offiziös anderweitig gar nicht oder doch minder zweckmäßig verwendet melden, daß die deutsche Regierung zurzeit keinerlei Anlaß werden können, zur Disposition stehen. Namentlich gilt dies zu haben glaube, Wasserstrahlen nach London zu ent. von Molkereiwirtschaften, welche Butter und Käse fabrizieren, fenden; wonach ihre früheren Wutergüsse als nicht offiziös in denen daher Wolfen und Buttermilch in großer Menge anzusprechen wären. Diese nachträgliche Abwiegelung entlastet Also das Schwein hat die Wahlen gemacht neben gewonnen werden. Außerdem tönnen Wirtschaften, welche freilich weder die rheinische Offiziöse noch die Regierung in den Dernburg, selbstverständlich! Wurden diese Wahlen nicht über Abfälle von Brennereien, Brauereien oder Rübenzucker- Augen des Auslandes. Hat doch gerade die" Deutsche Tageszeitung" als Rettung des Vaterlandes vor der sozialistischen Gefahr fabriken verfügen, eine umfangreiche Schweinezucht betreiben... dieser Tage erst der freisinnigen Bresse ein Privatissimum darüber gepriesen? Das Schwein hat es also gerettet. Das Schwein Dagegen ist es nicht vorteilhaft, die Schweinezucht vorzugs- gelesen, in welcher Art nach Bismard schem Rezept sich die hat Kaiser und Reich wieder vereinigt. weise auf die Verabreichung solcher Futtermittel zu begründen, Regierung offiziöser Sprachrohre zu bedienen pflege, ohne doch die Nunmehr wissen wir es auch aus dem Munde des Reichs- welche ebenso gut an andere Haustiere verabreicht oder gar äußere Verantwortung für die Ergüsse solch offiziöser Organe tanzlers selbst, weshalb die Viehsperre aufrecht erhalten bleibt: verkauft werden können, z. B. auf Kartoffeln, Getreidekörner, zu übernehmen! man braucht die teueren Fleischpreise, um die agrarischen angekauftes Kraftfutter." Mit anderen Worten, die SchweineDie neueste offiziöse Erleuchtung des rheinischen nationallibeStimmen bei den Wahlen beisammen zu halten. Inzucht ist nur vorteilhaft, wenn sie mit den Abfällen der Wirt ralen Organs besteht in der Mitteilung, daß nach der Auffassung bustrialismus, Liberalismus oder gar Sozialpolitik? Redens- schaft stattfindet, wenn die Futtermittel nicht verrechnet oder der maßgebenden Kreise" das Zusammentreffen der Könige von arten! Der Hauptpunkt bleibt- Schweinepolitik! Niedrige nur zu einem geringen Betrage verrechnet werden. England und Italien in Gaeta keineswegs einen Charakter trage, Löhne und hohe Fleischpreise! Magere Menschen und fette Da die Abfälle beim Kleinbauern nicht weit reichen, so der für die" Ruhe Deutschlands" oder für den Frieden der Welt" Schweine! Gepriesen sei das Schwein und gepriesen sei die verkauft er die Ferkel und verkauft das junge Schwein. Wenn bedrohlich werden könnte. Die Zusammenkunft Bülows mit Tittoni Best! Denn ohne Viehseuchen könnte man auch keine Vieh- er aber, angelockt durch die hohen Fleischpreise, das Schwein und die jetzige Zusammenkunft der gekrönten Häupter von England perren errichten. Sie erst ermöglichen es, unter dem Vorwand groß zieht und überhaupt feine Schweinezucht vermehrt, so und Italien hätten nichts miteinander zu tun. Die Monarcheneiner veterinären Maßregel die Handelsverträge, auf die man muß er verkäufliche Futtermittel verwenden, weshalb ihm begegnung sei schon seit geraumer Zeit in Aussicht genommen fich berpflichtet hat, gröblich zu verlegen. dann das Schweinefleisch selber biel zu teuer zu stehen worden. Man glaube in den„ maßgebenden politischen Kreisen", Doch das Schwein fümmert sich nicht um das Lob des tommt. Indessen hat er bereits der Stonkurrenz des daß die Zusammenkunft nur den Charakter einer freundlichen Reichstanzlers, das Schwein denkt nicht daran, daß es zum Rindviehzüchters zu begegnen und auch der Konkurrenz des Begegnung der beiden Könige trage. Es sei sogar nicht überGestein der ganzen Reichsherrlichkeit geworden ist; wie alles großen Schweinezüchters, der Molkereien, Zuckerfabriken usw., raschend, wenn König Eduard auch noch mit dem König von in Deutschland, wie selbst die Offiziere z. D., macht auch be- die erst den fleinen Züchter haben vorangehen lassen, aber Griechenland zusammentreffen werde. reits das Schwein Opposition. Gerade in diesem Augenblick nunmehr mit ihren wohlgemästeten Schweinen auf dem Blättern zu finden, die ganz im Stile der Deutschen Tageszeitung" Die gleiche Beruhigungsepistel ist auch in den Wiener spielt es der Reichsregierung einen böfen Streich. Bir be- Markte erscheinen. Obendrein tritt bei jeder Fleischteuerung und der Kölnischen Zeitung" sich gegen den„ Gintreisungsfinden uns mitten in einer Schweinetrifts. ein Punkt ein, da das tonsumierende Publikum durch Ver- verfuch" Deutschlands gewendet haben. Das Schwein ist dasjenige landwirtschaftliche Haus- Preise sinken. Was tun? Das Schwein frißt und frißt biel. eines deutschen Chauvinismus in der Regierungspreſſe muß natürminderung des Verbrauchs die Nachfrage heruntersetzt. Die berfuch" Deutschlands gewendet haben. jäugetier, welches am schnellsten wächst, sich am raschesten ver- Der Kleinbauer kann nicht warten, denn das Schweinefleischlich im Auslande die Auffassung entstehen, als ob derartige Setmehrt und bezüglich des Futters am wenigsten wählerisch ist. wird ihm selbst immer teuerer, auch braucht er Geld, so artikel von der Regierung inspiriert worden seien oder mindestens Besonders wichtig ist die Schweinehaltung für die länd- muß er denn losschlagen. Nunmehr sinken die Preise erst recht. gebilligt wurden. Nachträgliche Dementis vermögen dann Sichen Tagelöhner, welche gleichzeitig einen eigenen fleineren Wir haben gegenwärtig die charakteristische Erscheinung den üblen Eindruck kaum noch zu verwischen. Fürst Bülow, der Landwirtschaftlichen Haushalt haben. Die Haltung von vor uns, daß die Schweinepreise rapid sinken, während die fich von seinen Geheimräten sozialdemokratische Auslaffungen in wenigen Schweinen bietet das wohlfeilste und geeignetste Rind- und Kalbfleischpreise stabil blieben. Und was weiter? so tendenziöser und entstellter Weise zusammenstellen Mittel, den Bedarf von Fleisch und Spec zu befriedigen oder Es liegen bereits flar sprechende Beispiele bor, um einen Verläßt, um sie bei Gelegenheit gegen die Sozialdemokratie im ReichsSurch Verkauf eines Schweines ihre baren Einnahmen über gleich zu bekommen. So war es zulegt 1903. Vorher während tag auszuspielen, sollte doch die Möglichkeit finden, die in Neen Tagelohnverdienst hinaus erheblich zu steigern." Also ist mehrerer Jahre stiegen die Schweinefleischpreise sehr bedeutend. gierungsfreisen verbreitete Auffassung rechtzeitig zur Kenntlefen in den landwirtschaftlichen Lehrbüchern. Dann sanken sie. Darauf trat eine Verminderung der Schweine- nis der Regierungsorgane gelangen zu lassen! Sollten aber Blätter Es sei uns gestattet hier einzuschalten, daß das Schwein zucht ein und die Preise gingen wieder in die Höhe. So wird vom Schlage der Kölnischen Zeitung" und der Deutschen Ben ältesten Zieren gehört, die der Mensch gezähmt hat. es auch jetzt sein. Da die ausländische Konkurrenz so gut wie Tageszeitung" ungeachtet solcher Orientierung eine die Reerit später ging er zur Züchtung von Großvieh über. Wie ausgeschloffen bleibt, so ist es der einheimische Großgierung frondierende und diskreditierende Politik belieben, so böte um auch jetzt noch unter den primitivsten Völkern die Großzüchter, der die geringsten Produktionskosten hat, und nicht, ja immerhin noch die„ Nordd. AII g. 8tg." weißes Papier getebzüchter auf die Kleinviehzüchter mit Berachtung hinblicken wie der Kleinbauer, gezwungen ist, schnell zu verkaufen, nug, um In- und Ausland über die Meinung der maßgebenden amb diese noch unterwerfen, wie jetzt in Südafrika die Hereros sondern ruhig abwarten und das Schwein weiter mästen Streife" zu informieren! und Hottentotten die Buschmänner und Bergdamaras, so ist wohl auch die Verordnung, mit der die Bibel von den Söltern, die sich von Schweinefleisch ernähren, spricht, ber mutlich aus diesem Gefühl der wirtschaftlichen Ueberlegenheit abzuleiten und darauf zum Teil das Verbot des Genusses son Schweinefleisch zurückzuführen. Wie das tam, ist sehr interessant zu verfolgen. tann; er ist es, der die Preise bestimmt. Diesem großen Züchter war die Schweinekrisis gar nicht unwillkommen- denn er hat ja den Nutzen davon, wenn die vielen Kleinbauern jetzt veranlaßt werden, ihre Schweinezucht einzuschränken. Das ist alles ganz schön: aber durch solche Tobsuchtsausbrüche Die russische Revolution. Spannung. Darum erklärten die Agrarier im preußischen Landtage, erst durch die Krisis seien die Schweinepreise auf das normale Die Meldungen, die von allen Seiten einlaufen, deuten darauf Der wirtschaftliche Unterschied zwischen dem deutschen Maß" gebracht worden. Nunmehr möchten sie freilich dem hin, daß Revolutionäre und Reaktionäre ihre Kräfte von neuem Gutsherrn und dem deutschen Tagelöhner ist kein geringerer, Preisrückgang, obwohl die Fleischpreise noch immer höher scharf anfpannen. In Sewastopol soll eine große Niederlage von als zwischen dem herdenreichen Herero und dem Bergdamara, stehen, als sie jemals waren, ein Ende machen. Allein die Waffen und Patronen entbedt, es sollen 18 Personen verhaftet der nur über etliche Ziegen verfügt, oder zwischen dem Juden Schweine der Kleinbauern müssen erst weggegessen werden. worden sein. der Bibel, der mit Ochsen acerte und Knechte hielt, und seinem Dabei stößt man aber auf den fatalen Umstand, daß der Gemäß einer allerdings offiziösen Mitteilung aus Petersverschuldeten Nachbar, der nur Schweine züchtete, doch unsere Fleischverbrauch der Bevölkerung sich nicht nach ihrem Appetit, burg sollen die dort in lezter Beit vorgenommenen Haushöheren Kulturzustände offenbaren sich darin, daß die reichen sondern nach ihrem schmalen Beutel richtet, der überdies von fuchungen zu der Entdeckung geführt haben, daß in Petersburg Gutsherren den armen Tagelöhnern auch in der Schweine- den Land- und Hausagrariern und vom Staat fortgefeßt aus eine weitverzweigte Organisation zur Agitation unter dem Militär" zucht Konkurrenz machen. gepreßt wird. Unter diesen Umständen erinnern sich die besteht. Diese Organisation führe den Namen" Militärberband" Die Tagelöhner und die Kleinbauern überhaupt waren Agrarier an die patriotische Pflicht der Fleischermeister, die und befize mehrere Druckereien, in denen ihre Schriften die ersten, die sich auf die Schweinezucht warfen, um den Preise entsprechend herunterzusehen. gedruckt werden. Bei den Haussuchungen wurden, fo Steigenben Fleischbedarf der Städte zu befriedigen. So sehen Und nun das Schlußergebnis. An Stelle des ameri- heißt es, etiva 30 Personen, darunter mehrere Frauen, wir dean, daß die Zahl der Schweine, die 1873 in Preußen tanischen Schweinezüchters tritt in Deutschland selbst der verhaftet. Gegenwärtig werden in der Umgegend von Petersburg 4,8iffionen betrug, von Viehzählung zu Viehzählung tombinierte landwirtschaftliche Großbetrieb mit Brennerei resp. und allen Hauptplägen Rußlands Nachforschungen nach 3 weigwächft, um 1902 bereits 12,7 Millionen zu erreichen. Darauf Zuckerfabrik und der weitgehendsten Ausnüßung der land- abteilungen des Militärverbandes" angestellt. trat eine Stagnation ein und 1904 wurden 12,6 Millionen wirtschaftlichen Nebenprodukte, darunter auch Schweinezucht. In einem Petersburger Gefängnis stellten am Donnerstag die gezählt. Die Fleischpreise bleiben hoch. Allein der Kleinbauer hat Sträflinge in 12 Werkstätten die Arbeiten ein und erklärten, auf Um die weiteren Zusammenhänge vollkommen zu würdigen, nunmehr das Nachsehen. Durch die Krisis erlitt er direkten Speise und Trank zu verzichten. Da sie außerdem die Fenster einmüssen wir noch einer Eigenschaft des Schweines gedenken. Schaden. Auch weiter kommt er umsoweniger vorwärts, als schlugen, sich an die auf der Straße angesammelte Menge wandten „ Das Schwein gilt nicht umsonst als Bild überschwänglicher zugleich die Futtermittel im Preise steigen, die Bodenpreise und lärmten, wurden zwei Kompagnien Infanterie herbeigerufen, Beugungsfraft, es zeigt oft eine ganz exorbitante Fruchtbar- steigen und die Pachtpreise steigen. Um seine geringe worauf der Lärm berstummte. Es stellte sich heraus, daß die Arfeit. Rueft erwähnt einer 22 jährigen Zuchtsau, die in Schweinezucht aufrecht zu erhalten, sucht er, wie auch früher beitseinstellung eine Sympathiekundgebung für die drei Stunden 22 Ferkel warf. Schmalz erwähnt einer schon, an dem Unterhalt seiner eigenen Familie zu sparen: politischen Gefangenen in diesem Gefängnis bezweckte, die seit drei Oldenburger Sau, die in zwei Würfen 59 Ferkel zur Welt er entzieht seinen Kindern die Milch und verfüttert an Tagen aus Unzufriedenheit mit der Gefängnisverwaltung den brachte. Nach der Berechnung eines Engländers können zwei das Schwein die Kartoffeln, die er selbst braucht. Er läßt Sungerstreit begannen und auf ihren Spaziergang verzichteten. In Schweine, deren jedes ein Jahr alt ist und die in zwei seine Familie sich aufzehren, füttert das Schwein und macht der Nacht hatte sich die Lage im Gefängnis noch nicht geändert. Würfen zusammen jährlich zehn Junge ferkeln, sich binnen doch niemand fett, als nur den Gutsherrn und den reichen Auf die Nachricht von den blutigen Zusammenstößen, die am zehn Jahren auf 39 Millionen vermehren." Mittwoch in Odessa zwischen Angehörigen der Kampforganisation Nun tritt bei jeder Knappheit der Fleischzufuhr, Gestützt auf Dernburg und das Schwein, wollte Graf des Verbandes wahrhaft russischer Leute und Hafenarbeitern statt. jeder Steigerung der Fleischpreise, wie sie besonders plöglich b. Bülow das Jahrhundert in die Schranken fordern. Allein fanden, hat Stolypin angeordnet, die„ Schuldigen" den Gerichten bei Bollerhöhungen oder Viehsperren sich einstellen, das grunzende Borstenvieh erweist sich, wie wir sehen, als ein zur strengen Bestrafung zu überantworten und die energischsten folgendes ein nisi i selbst für Agrarier nicht immer geeignetes politisches Reittier- Maßnahmen zur Berhütung weiterer Unruhen zu treffen. Der Viehzüchter. Die Schweineglichter erscheinen zuerst am Blaze und und was aus Dernburg ward, das ist zwar auch eine Minister bringt in seinem Grlaß an den Generalgouverneur erneut machen gute Geschäfte: Daraufhin vermehren sie rasch ihren lustige Geschichte, doch steht sie auf einem anderen Blatt. in Erinnerung, daß keinerlei bewaffnete Organisationen geduldet Schweinebestando fehen wir denn, daß von 1904 bis werden dürfen gotin sulat fi Da» Ijetfei fiatürKdj: Arbeiter. Juden und ähnliches„Gesindel" hat sich von den Pogrommännern, Stolypins intimsten Freunden, »»«i Ge»e«wehr hinmetzeln zu lassen. Das geht deutlich aus einen antzere» Erlaß, den der Minister des Innern geboren hat. hervor. laut«Vochem alle in der Bildung begriffenen Organisationen des jüdischen Selbstschutzes an Orten, wo zu Ostern Pogrome er- »artet«erden, aufzulösen und ihre Tätigkeit zu verhindern ist! Er verbot der Redaktion des offiziellen Charlower Regierungs- anzeiger», in dem nichtosfiziellen Teil zu PogromS aufreizende Artikel zu veröffentlichen I Im offiziellen Teile also sind sie gestattet!! ES gärt unter den Matrosen, die von Kosaken„behütet" Serben. Aus Odessa wird gemeldet: Die Arbeiter beschlossen, falls ihre Forderung, die Ritglieder deS Verbandes echt russischer Leute zu entwaffnen, nicht erfüllt wird, in den allgemeinen Ausstand zu treten. Der Hafen gleicht einem Kriegslager. In der Stadt herrscht gedrückte Stimmung. Nach einer anderen Meldung soll die Arbeit im Hafen von Odessa wieder aufgenommen sein.— Die Regierung beschönigt ihre Repressions-Vorbereitungen in sehr naiver Weise. Sie läßt z. B. das Gerücht aussprengen: die Strafeisenbahnzüge, über deren Instandsetzung wir dieser Tage berichteten, seien niir mit „Ersatzmaterial" für etwa beschädigte Strecken versehene, aller- dhtgS militärisch besetzte Züge, welche im Falle von Unruhen sofort zur Wiederherstellung der Ordnung in die betroffenen Ge- biete abgelassen werden. Die Meldung von der Mobilisierung derselben bedeute, daß man, obwohl zurzeit nichts Beunruhigendes bekannt sei. doch mit der Möglichkeit eines Eiscnbahnstreiks oder«anderer Unruhen", wenn auch nicht für die nächste Zeit, rechnet.— Die Pogrom-Taktik. Die„Russ. Korresp." erhält das nachstehende Telegramm: Petersburg, 19. April. Die Aufmerksamkeit wird durch die Gerichtsverhandlung nochmals auf den Pogrom in Bialystok zurückgelenkt. Aktenmäßig festgestellt wurde einer- feit» die volle Untätigkeit der Behörden während des PogromS» andererseits die Begünstigung der am Pogrom Beteiligten durch die Behörden. Wie Zeugenaussagen ergeben, töteten Hooligans viele Personen in Gegenwart von Offizieren! Der Stationskomman. dant Schröter, welcher um Hülfe bittende Juden verjagte, ist nach dem Pogrom zum Obersten befördert wordcn! Niemand von den Mördern wurde verhaftet. Eine ganze Reihe von Beamten, welche vom Untersuchungsrichter wegen eines Verbrechens verfolgt wordcn sind, wurden gleichkohl nicht zur Verantwortung gezogen, sodatz sie jetzt im Prozeß als Zeugen figurieren können! Unter diesen Umständen können über das Ergebnis des Prozesses keine Illusionen bestehen. Die Scheußlichkeiten von Akatui. Gestern(Freitag) berhandette die Reichsduma über die von unserem Privat-Korrespondenten tagS zuvor telegraphisch mitgeteilten Gefängnis-Greuel. Bei der Beratung der be treffenden Interpellation erklärten die sozialistischen Abgeord neten, daß sie für die Interpellation stimmen werden, um zu zeigen, daß die Duma mit dem Volke gegen die Regierung ist. Die Redner der Rechten, besonders Graf Bobrinski, erklärten, daß sie ebenfalls für die Interpellation stimmen werden, aber wegen der Ungesetzlichkeit der von der Gefängnisverwaltung begangenen Akte, nicht ive�en der von den Sozialisten dargelegten revolutionären Gründe. Bobrinski protestierte gegen die VerHerr- lichung politischer Mörder und erinnerte daran, daß in der französischen Kammer Minister Pichon nicht gestattet habe, daß man von der Ermordung des Großfürsten Sergius als von einer„Hinrichtung" sprach, fondern diese Tat„einen abscheulichen Mord" nannte! Die Jnter pellation fand einstimmige Zustimmung!— politilcbc Qcbcrlicht. Berlin, den 19. April 1907. Block-Angst und Block-Eile. Der Block hatte gestern Beklemmungen, daß bei der schlechten Besetzung des Hauses der Zuschuß für die Höh- königsburg abgelehnt werden könnte. Darum hatte er die Beschlußunfähigkeit des Hauses feststellen lassen. Inzwischen hat man per Telegraph alle Blockbrüder herangeholt, und richtig: sie waren als Retter vor kaiserlicher Ungnade heute zur Stelle. Gegen die Stimmen des Zentrums, der Polen und der Sozialdemokraten wurde die Forderung, bestrilligt. Die freisinnigen stimmten früher gegen die Forderungen für die kaiserliche Burg, heute stimmten sie als Rekruten des Regierungsblocks bewilligungslustig dafür. Beim außerordentlichen Etat des ReichSamtes des Innern forderte Genosse B r ü h n e, die Regierung solle durch Verordnung das Wohnuugselend drr Gärtnergehülfen beseitigen. Die erste Beratung des Nachtragsetats, Subventionen an südwestafrikanische Farmer betreffend, füllte den Rest der Sitzung aus. Der Kolonialdirektor Dernburg bo fürwortete die Vorlage und erörterte die Frage, ob die aus. geworfenen Summen(zirka 12� Millionen Mark) ganz oder teilweife als Darlehen an die subventionslüsternen Farmer gegeben werden sollen, und er kam zu dem Schlüsse, daß in Rücksicht auf die durch den Aufstand entstandenen Schäden Subventionen gewährt werden sollten. Der Abgeordnete Spahrn neigte unter vielen„Wenn" und„Aber" der entgegengesetzten Auffassung zu, obgleich er für bestimmte Fälle auch direkte Unterstützungen zu- lassen will. Die Streitfrage«Subventionen oder Darlehen?" ver- wischt den wahren Zweck dieser kolonialpolitischen Aktion. In Wahrheit wird die Entschädigungsfrage nur vorgeschützt, um durch die Auswersung reicher Mittel eine künstliche Auf- päppelung von Ansiedelungen in diesem Kolonialgebiet zu erzielen. Bebel hängte den schlauen„Schiebern" die Schelle an, und er konnte sich mit Recht aus die vorher- gehenden Ausführungen des Gouverneurs für Südwest- afrika, v. Lindequist, berufen, der sich in schier endlosen Lobeserhebungen über die jetzigen politischen Zustände in den Kolonien ergangen hatte. Aber Bebel wies auf die Konsequenzen hin, die eine derartige Subventionierung nach sich zieht, und kontrastierte mit dieser Subventionssucht die Teilnahmlosigkeit der preußischen Regierung nach dem durch die bekannte Roburit-Explosion in Annen- Witten herbeigeführten Unglück. Dort stehen heute noch viele zerstörte Häuser als Ruinen da. weil die Betroffenen nicht die Mittel zum Wiederaufbau haben! ferner konstatierte Bebel, daß auf jeden in Afrika zu entschädigenden Farmer eine Summe von rund 13 WKt Mark käme, während doch feststehe, daß mancher ohne jedes Ver- tmatr in dir KelkUeo gegangen Lei. daß an tdete gkpS Strecken Landes verschenkt wordcn seien und daß der Krieg gegen die Eingeborenen den Händlern große Pro fite gebracht habe! In der weiteren Erwägung, daß die be- absichtigten Subventionen ja aus den die arbeitenden Klassen drückenden Steuern aufgebracht werden müssen, wird, so schloß Bebel, die sozialdemokratische Fraktion die forderung ab lehnen. Die Kolonialfexe ä!a Semler sowie K o p s ch usto traten noch schnell für die Subvention ein, und der Nach tragsetat wurde sodann an die Budgetkommission ver wiesen. Gegen, die noch heute beabsichtigte Beratung des Justizetats erhob Bebel Einspruch, und er beantragte die Vertagung. Er führte aus/ daß die vom Block be-- liebte Durchpeitschung der Vorlagen eine gründliche Be ratung verhindere und unerhörte Anforderungen an die Arbeitskraft und die Gesundheit der Abgeordneten stelle Tie Journalisten solle» bereits einen Streik in Aussicht ge stellt haben, falls der Block die Sitzung wieder so ungebühr lich ausdehne wie gestern. Die Sitzung wurde vertagt.— Der sozialpolitische,>Hammellauf" im Abgeordnetenhause Das A�eordnetenhaus setzte heute die zweite Lesung des Etats des Ministeriums für Bauten und öffentliche Arbeiten fort Zunächst wunden noch zwei Kanalfragen vorweggenommen: da« Kanalprojekt'Campe-Dörpen im Ruhrrevjer und die Er- richtung von Kasserstraßenbeiräten. DaS neue, von den Jnter- essenten lebhaft betriebene Kanalprojekt wurde natürlich von den Konservativen aufö schärfste bekämpft, weil ihnen einmal jeder Verkehrsfortschrttt zuwider ist. Auch der Nationalliberale Für- bringer schloß sich ihnen an. Andererseits aber entpuppte sich Dr. Diederich Hahn vom Bund der Landwirte plötzlich als ein — Kanakschwärmer, weil nämlich der Ausbau gerade dieser Strecke seinem Wahlkreise zugute käme! Die Regierung nahm vorläufig keine Stellung; sie unterhandelt noch mit Oldenburg über dessen Beitrag zu den Kosten. Die Wasser st raßenbeiräte sollen nach einer Er klärung des Ministers vor allem die Verwaltung der durch die Schiffahrtsabgaben erzielten Einnahmen übernehmen und„die soziale Fürsorge für die am Kanalbau beschäftigten Arbeiter fördern".— In Wahrheit sollen sie aber genau so wenig Einfluß auf den Laus der Verwaltung haben, wie etwa der Landes- eisenbahnrat auf die Gestaltung der Eisenbahntarife hat, sie sollen nach einem Worte des verstorbenen Eisenbahnministers v. Thielen wie Schaum, blasen auf der Suppe sein. Ihrer Be- deutungSlosigkeit wird die Geringfügigkeit der sozialpolitischen Leistungen der preußischen Regierung für die Kanalarbeiter ent- sprechen. Mit einem bißchen Arbeiterwohnungsbau und Per- teilung von Merkblätbern gegen den Alkoholismus will die preußische Regierung darüber hinwegtäuschen, daß sie für ihre Kanalbauten Italiener, Galizier und Russen als Lohndrücker ins Land zieht und sie tu den erbärmlichsten Verhältnissen dahin vegetieren läßt. Die Mehrheitsparteien des Abgeordnetenhauses betonten ausdrücklich ihr» Forderung, daß daS so bleiben solle. Unter keinen Umständen Jollen der Industrie oder der Landwirt- schaft Arbeitskräfte entzagen werden; denn diese.nationalen' Parteien fürchten ja ein Steigen der Löhne der deutschen Arbeiter viel mehr als die Einschleppung Tausender von Ausländern nach Deutschland. Bei der allgemeinen Debatte über das Ministergehalt regte der Abg. Dr. Krause(natl.) die Schaffung eines be sonderen Wasserbauministeriums an. In der Tat ist der jetzige Zustand, daß Eisenbahnverwaltung und SchiffahrtS verkehr in einer Hand vereinigt sind, wegen der Konkurrenz der beiden nicht unbedenklich; bei einer Trennung fürchtet man aber, daß der Wettbewerb zwischen ihnen noch schärfer werden könnte. Und weil dadurch vielleicht der Verkehr gewinnen würde, muß eS in Preußen beim jetzigen Zustande bleiben. Von den Freisinnigen und vom Zentrum wurden die Forde rungen der Bauarbeiter auf Verbesserung der Bautenkontroll« in die Debatte, geworfen. Der konservative Abg. Hammer, ein Jnnungsmalermeister. der nach eigenem Geständnis„zeitlebens nur mit großen Pinseln zu tun gehabt" hat, war über die bloße Erwähnung des Wortes„Bautenkontrolle" so empört, daß ex den Freisinnigen die bittersten Vorwürfe über ihre Beteiligung an dem sozialpolitischen„Hammellauf" machte, wie er'S in seinem Jargon nannte. Unterstaatssekretär Holle wiederholte die Versicherung, daß die Regierung sich in Zukunft etwas eiftiger um den Bauarbeiter- schütz bemühen werde, lehnte aber natürlich das einzig wirksame Mittel zu seiner Verbesserung, die Heranziehung von Arbeitern zur Bautenkontrolle, ab! Morgen wird die Debatte fortgesetzt. Eine neue Justizaktion im Zeugniszwangsverfahren gegen den Genossen Geck. In der Mannheimer„Volks stimme" vom Donnerstag befindet sich eine„Berichtigung" deS Ersten Staatsanwalts und eine des Untersuchungsrichters.„Beide„Berichtigungen" wenden sich", so schreibt unser badisches Parteiblatt,„gegen die Erklärung unseres Kollegen und Genossen Oskar Geck. Untersuchungsrichter wie Staatsanwalt wissen ganz genau, daß er, Geck, weder drr Ber- fasse» noch der sonstige Urheber der unter Anklage gestellten Notiz des„Schnupftabak" ist. Untersuchungsrichter wie Staatsanwalt erklären in ihren Berichtigungen, diese Behauptung Gccks sei unwahr. Das sind ja hochinteressant« Bekundungen der Männer, die nun seit mehr als zwei Monaten eine ganze Reihe von Mannheimer Bürgern wegen eines lappalischen Karnevalsscherzes mit Kon> fiskationen, Haussuchungen, Vernehmungen, Bestrafungen und schließ« lich mit der Zeugnishaft Plagen! Herr Erster Staatsanwalt Jung- Hanns, der Entrepreneur der hochnotpeinlichen Anklage gegen den „Schnupftabak" wegen.Majestätsbeleidigung', und der Herr Unter- suchungSrichter Dr. Haa» wußte» als» gestern, am 17. April, noch nicht, was am 19. März, also volle vier Wochen zuvor der wichtigste Zeuge in der Sache, Redakteur Adolf G e ck, vor dem obengenannten Untersuchungsrichter Haas unter Eid aus» gesagt hat. nämlich: daß keiner der drei Angeklagten Appel, Lintz und Dietrich wie auch keiner der Redakteure der „VolkSftimme"(als» auch Geck nicht!) der Verfasser des inkriminierten Karnevalsscherzes seil DaS ist uns— gelinde gesagt— unverständlich; denn man sollte doch glauben, daß der öffentliche Ankläger, insonderheit in einer Strafsache, die soviel Staub aufwirbelt wie die vorliegende, sich über die Ergebnisse der Voruntersuchung Zug für Zug auf dem Laufenden erhält, weil seine ganzen weiteren prozessualen Maßnahmen von diesen Feststellungen abhängen. Wenn aber Geck bei diesen Herren wirklich unter dem verdacht der Täterschaft steht, warum richten sie denn nicht dir Anklage gegen ihn, anstatt drei völlig Unbetoiligt«, deren Unschuld durch Zeugeneid bewiesen ist, unter Anklage zu stellen und Über Geck, den angeölich Berdäch'igen, die Zeugmszwangshojt zu verhängen 3 1 Wie stimmt zur„Berichtigung" dieses Zcugniszwailgsverfahr-n gegen Geck? Wenn in der Jdeenkonstruktion der Herren wirklich Raum vorhanden war für den Verdacht, Geck könnte der Täter fQin: wie wollen sie es begründen, daß Geck die Zeugnis- zwangsdaum schrauben angelegt werden, da dieser sich, unt der Zwangshaft zu entgehen, dann doch mir selbst bezichtigen müßte,— ein Verfahren. daS die Strafprozeßordnung mit Recht völlig verwirft?!— Man sieht: alles Fragen, die die Zahl der .Unstimmigkeiten" und Unbegreiflichleiten in dem seltsamen „Majestätsbeleidigungs'-Verfahren imr noch vergrößert, mit dem der erste' Repräsentant der Großherzoglichen Staatsanwaltschaft Mannheim das Jubelfest der Stadt für die Justiz einleiten zu müssen glaubte. Geck hat durch seine eidlichen Aussagen vor dem Untersuchungs- richter Haas jeden Verdacht der Täterschaft eines Mitgliedes der „BolkSstimme"-Redaktion an dem„Schnupftabak"-Artikel ausgeschlossen er hat- in der Versammlung des Journalisten- und Schriftsteller» Vereins bereits am 2S. März d. I. vor den versammelten Kollegen ausdrücklich und in aller Form ertlärt, daß er der Täter nicht sei, er hat endlich vor aller Oeffentkickkeit in der Presse vorgestern diese Erklärung bekräftigt: jeder anständig Denkende wird also ihm, der sich in der ganzen Angelegenheit als Mann von Ehre gezeigt hat, Glauben schenken, und auch Herr Junghanns wie Herr Haas werden sich dieser Pflicht nicht entziehen können. Wenn dem aber so ist. d. h. wenn Geck— wie auch wir bestimmt wissepDW? anch eidlich zu belrnstigen in der Lage sind— an der unter An» klage gestellten Notiz wirklich völlig unschuldig ist, wie wollen.«» Staatsanwalt und Untersuchungsrichter dann noch länger verfcvV daß er seiner Freiheit beraubt, von seiner Familie gerissen und seinem Beruf entzogen wird in einer Sache, die, selbst wenn man den Täter eruierte, aller Wahrscheinlichkeit nach mit einer Frei» sprichung enden würde!? Der Herren Vermutung, Geck könnte am End? doch der ssftjgh sein, hätte der Zwangshaft, unter der Geck nun schon die»„triß Woche leidet, wenigstens noch einen Schein von moralischUjM� rechtigung verliehen; nun die Herren von Gecks Schuldlosigkeit zeugt sein müssen, ist die Haft vollends zur darbarischen OuiPfpft geworden." �üchf * Aus Mannheim erhalten wir zu obiger Angelegenheit folgendes Telegramm: Geck wurde heute aus der Zeugnishaft entlasse», weil der Ver« dacht drr Mittäterschaft ausgeschlossen erscheint. *•* veutfckes Reich. ' Ter Maulkorb für Roeren und Erzberger. Ein Hamburger Blatt behauptete, daß die Zentrums, frccktion denjenigen Abgeordneten, deren Auftreten vor dem 13. Dezember vorigen Jahres den Konflikt mit der Rc- gierung verursachte, nämlich den Abgeordneten Roere.r und Erzberger, kürzlich ausdrücklich durch ein S ch r i f t, stück größere Zurückhaltung auferlegt habe. Dü „Kölnische Volkszeitung" gibt gewissermaßen die Richtigkeit dieser Meldung zu. indem sie schreibt: „Daß viele Mitglieder des Zentrums, bei Anerkennung,-der hervorragenden Eigenschaften und der Verdienste dieser beiden Herren(der Abgeordneten Roeren Erzberger), mit ihrem parlamentarischen Vorgek nicht immer einverstanden waren, ist seit lang« so bekannt, daß man es nickst einmal als öffentliches Geh bezeichnen kann, und daß Mitglieder der ZentrumSfraltion neuerdings versucht haben, sie„zur Zurückhaltung' bestimmen", ist leicht möglich." . Es scheint danach, als ob das Zentrum trotz aller Ruhrii-- redigleit das Schicksal, fürs erste aus dem Reaierungsblock verdrängt worden zu sein, schwer empfinde. Offenbar will man speziell auf kolonialpolitischem Gebiete alle neuen Zu- sammenstöße ernsterer Natur vermeiden. Es ist also anzunehmen, daß das Zentrum auch die Denkschrift über die Kolonialskandale nichL mit dem Ernste, der Gewissenhaftigkeit und der Sach. kenntnis behandeln wird, mit der sie nach der Wissen' schaft der Herren Roeren und Erzberger behandelt zu werden� verdiente.� Gerade die Herren Roeren und Erzberger sind noch in höherem Maße als verschiedene f r e i s i n n i iia Abgeordnete in der Lage, durch Verwertung des ihneu be* kannt gewordenen Tatsachenmaterials an der Denkschrift»i� der Regierung wenig angenehme Kritik zu üben! Es bH deshalb abzuwarten, ob die betreffenden Zentrp abgeordneten sich mehr nach dem Ruhebedürfnis der schweigetaktiker ü la Hertling beeinflussen oder vor öffentlichen Bloßstellung scheuen werden!—, . Adickeß bleibt vorgemerkt. Die gelegentlich offiziös bedienten„Münch. N e«'estt. Nachr." behaupten, es sei richtig, daß Herr Adicke» mtf-Pm» anlassung des Chefs ideS ZivilkabrnettS v. LucanuS nach Aeriit» berufen worden sei und mit ihm hier verhandelte. Wörtlich schreibt der Berliner Korrespondent des Münchener BlatteS sodann: „Den Namen AdickeS für das Kultusministerium hat zuerst, und zwar schon im Januar, der Minister beS Innern, H�c v. Bethmann-Hollweg, dem Reichskanzler genannt, Fürst Bülotv hat diesen Vorschlag aufgegriffen und dem Kaiser vor�x. legt. Darauf ist dann Adickes nach Berlin berufen worden; er hat erklärt, daß er zu-rzeit sein Amt in Frankfurt a. M. nicht zu der- lassen wünsche. Damit aber ist ferne Kandidatur n-,chr erledigt, auch ist ja im Augenblick kein Portefeuille frei da Herr v. Ststdt den Zeitpunkt seines Rücktritts noch nicht festgefttzt hat. Für ein anderes Ministerium als das des Kultus und des Unterrichts ist unseres Wissens Herr A d j st e z nicht in.Frage gekommen."- Die„Deutsche Tages. Ztg." behauptete bekanntliG. daß Adickes wohl als Nachfolger PosadowSkyS, nicht � künftiger Kultusminister in Fpage gekommen fcr. hat, ist natürlich nicht festzustellen. Die Hintertrep politischen Intrigantentums unserer herrschenden Kl in Verbrüderung mit den unberechenbaren Einfällen �____ liehen Kurses eine politische Wirrnis, in der sich kein Mensih zu recht zu finden vermag. Die Grundlinien der Politik des Reiches jewohl wie der preußischen Politik werden freilich durch die Jmprovisierung irgendwelcher Kamarilla in keiner Weise derschoben. Ob Studt oder AdickeS. oder PosadowSky oder AdickeS—. der Kurs bleibt der alte!—_ Bergherrrn-TerroriSmuS. Aus Essen wird uns geschrieben: Den Bergherren genügt es anscheinend nicht wehr, nur ihre Arbeiter zu maßregeln, auch die unteren Beamten be« kommen jetzt die Knute zu fühlen. ES stehen nämlich die Beamten des Bochumer und Dortmunder Reviers ganz besonders in dem Ge» ruch, unseren Genossen Hue und Bömelburg bei der verflossenen ReichStagswahl ihre Stimme gegeben zu hoben, und darum wird ihnen jetzt ihre Abhängigkeit vom Kapitalismus,-d««tllch zu Gemüte gefühtt. Seit dem 2S. Januar müssen nämlich Steiger und sonstige kleine Beamte, die sich um Stellung-Hfimirben. angeben, welcher Konfession sie angehören. eiu»:Wß»ahme, die bor der Wahl nie beachtet wurde. Hat nun ein Stell ungkucheirder daS Unglück, athvlisch zu sein so bekommt er überhaupt keine Antwort gesck weiqs kefttt«ine zusagende, dem» von den katholischen Beamten wird in erster Linie angenommen, dah sie.antinational" gewählt haben. So treiben. eS die Herren, die sahraus jahrein in ihrer Presse über angeblichen sozialdemokratischen TerrorismuZ winseln und die Arbeiterbewegung unter Ausnahmegesetze stellen möchten. Natürlich wissen die Beherrscher des Ruhrkohlenbergbaues sehr genau, welcher Sympathie die Genossen Hue und Bömelburg sich nicht nur bei den Arbeitern, sondern auch bei den Beamten des Bergbaues erfreuen und welche? lebhaste Echo die Reden unserer Genossen, die sie bei der Interpellation über die„Borussia"-Katastrophe" im Reichstage am 10. Februar 1906 hielten, im Nuhrkohlenrevier weckten. Sie wissen ebenfalls, dasi die Mehrzahl der. Beamten„Bravo" sagte, als sie lasen, daß Hue nicht ihnen die Schuld an den Mißständen im Berg- betrieb beimaß, sondern den Herreu, die in den Bureaus der Banken säßen, und daß ihre— der Unterbcamten— Interessen besser in den Händen unserer Genosien gewahrt sind als bei den kapitalistischen „Volksvertretern. Die Bergherren sind jedenfalls eifrig dabei, durch ihre jetzigen Maßnahmen die Wahrheit dieser Ausführungen für die Begriffsstutzigsten zu erweisen._ 1 Sächsische Justiz in Baden. Die„Mannheimer Volksstimine" meldet: Das Großh.Landgericht Mannheim hat auf Antrag der Stdrchenbrauerei in Speyer verfügt, daß bei einer Geldstrafe von 300 M. für jeden Fall der Zuwiderhandlung „öffentliche Aufforderungen und Kundgebungen jeder Art, welche auf die Bohkottierung der Brauerei„Zum Storchen" ab- zielen", zu unterbleiben habe». Die Wirkung diese? echt sächsischen Entscheides dürste von den Antragstellern kaum beabsichtigt sein. Die Kandidatur FervcrS für den Wahlkreis Malmedy-Montjoic-Sch leiden ist nunmehr gesichert. Am Mittwoch fand eine zahlreich besuchte Vcrtrauensmännerversammlung des Kreises statt, die sich einmütig für die. von dem Wahlkreiskomitee vorgeschlagene Kandidatur Fervers aussprach. Die„Rheinische V o l k s st i m m c"> das Zentrums- agrarische Blatt, vermag sich immer noch nicht zu beruhigen. Sie schreibt in ihrer Nummer vom Donnerstag:„Es handelt sich hier nicht darum, welchen Kandidat der kleine Eifellrcis in den Reichs- tag schickt, sondern die Bauern der ganzen Rheinprovinz, von denen ein großer Teil seine Wünsche durch den Vorstand des Rheinischen Baucrnvereins der Leitung der Rheinischen Zentrums- Partei und den Vorsitzenden der drei einzelnen Kreise hat unter- breiten lassen, wollen jetzt wissen, ob die Versprechungen, die ihnen während der Wahlnöte der letzten Monate gemacht wurden, als ein Manneswort gehalten werden oder bereits vom Winde wieder verweht sind."_ Furcht, blinde Furcht hat man in Breslau. Aus Breslau wird uns unterm 19. d. M. geschrieben: Die für heute abend, am Jahrestage der Polizeischlacht gegen wehrlose Proletarier auf dem Striegauer Platze geplanten vier Ge- dächtnisversammlungen wurden in letzter Stunde noch polizeilich verboten. Den Veranstaltern, dem Metallarbeiter- und Transport- arbeiter-Verband, ging im Laufe des Vormittags folgender Be- scheid zu: J.-Nr. 3a, P. 3299. Zur. Eingabe vom 17. d. M. Die für Freitag, den 19. d. M.. abends 8 Uhr, im Saale (folgen Versammlungslokale) angemeldete öffentliche Ver- fammlung wird hierdurch. zur Wahrung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit gemäß 8 19, Teil II, Titel XVll des Allgemeinen Landrechts verboten. Der königliche Polizei-Präsident. I. A.: Frost. Die Erinnerung an die blutigen Vorgänge wird durch da? Ver- bot der vier GcdächtniSversammlungen sicherlich nicht vernichtet werden.~~ Husland. Belgien. Die Krise und die Sozialdemokratie. Brüssel, 18. April.(Eig. Ber.) Die Zurückziehung des Berggesetzes hat in Belgien stärksten Widerhall gefunden. Die Aufregung über den unerhörten Gewalt- streich spiegelt sich unausgesetzt in einem großen Teil der fortschritt- lichen bürgerlichen Presse, und Politiker und Journalisten machen in diesen Tagen von der belgischen Freiheit, über den König ungeniert die Wahrheit zu sagen, zienilich ausgiebigen Gebrauch. Nebenbei hat sich Leopold, wie um justament zu zeigen, wie wenig er sich aus dem ganzen„Rummel" macht, ohne jede äußere Notwendigkeit nach dem Ausbruch der Krise noch ein paar Tage Aufenthalt auf Kap Ferrat zugegeben, hat erst noch an diversen privaten DinerS teil- genommen, und auf der Heimreise machte er noch einen kleinen Ab- stecher nach Paris.... Wer wird sich denn um ein bißchen Ber- faffungsbruch und Krise nach Hause beeilen? Die tiefste Wirkung hat die letzte Wendung der Dinge natur» gemäß in den Kreisen der belgischen Arbeiterschaft hervor- gebracht; denn der königliche Erlaß bedeutet eine Herausforderung der Arbeiterschaft, welcher mit einem stivolen Federzug ein Gesetz vernichtet wird. daS für sie die Anerkennung einer ihrer wichtigsten Forderungen: deS Prinzips der gesetzlichen Regelung der Arbeits- zeit darstellt. Die Politik des König« und der Regierung geht in diesem Falle offen und direkt gegen die Arbeiter. Die Versammlung des GeneralrateS der sozialdemokratischen Partei war denn auch von dieser Stimmung getragen. Ja, einige der Redner, vor allem der Abgeordnete D e st r ö e, vertraten die Meinung, daß man das persönliche Regiment, das Leopold II. immer mehr zum Regierungsprinzip mache, nuu mit einer stärkeren Betonung des republikanischen Gedankens beantworten müsse. Dieser Meinung traten jedoch Bertrand, Anseele und Denis entgegen, die eine derartige Taktik im gegen- wärtigen Augenblick als einen politischen Fehler darstellten. Im Vordergrunde stehe, so meinen diese, die ö k o n o m i s ch e Frage, der Achtstundentag, und über diese Frage sei die Regierung gefallen. Natürlich sind auch die Anhänger dieser Auffassung nicht wider eine ausgiebige Agitation gegen den König, der ja schließlich in der Frage des Achtstundentages nur als oberstes Haupt der Bourgeoisie spricht. Der Generalrat einigte sich auf Grund der Bertrandschen Bor- schläge aus die Abfassung eines Manifestes über den Achtstundentag und die Zurückziehung des Berggesetzes, zu dessen Redigierung die Genossen Lafontaine, de Broucköre, Lekeu und Furnämont bestimmt wurden. Außerdem beschloß die Versammlung, an der fast sämtliche sozialistische Abgeordnete und Senatoren teilnahmen, Achtstundentag- Kundgebungen für den 28. April und 1. Mai. Die sozialistische Parlamentsgruppe wird die Zurückziehung deS letzten Erlasse« in der Kammer fordern. ».» Die belgischen Bergarbeiter haben folgenden Aufruf erlassen: „Genossen l Wenn die bürgerliche Regierung den Kapitaliste» gratis für 80 Milliarden Konzessionen für die Bergwerke in der Campine gibt, so g e n e h m i g t der König und unterzeichnet. Die BergwerkSkonzessionen, die der Bourgeoisie zwanzig Milliarden Gewinn bringen und den Arbeitern nichts. billigt der König I Wenn die Regierung unsere Millionen für den Kongo- staat ausgibt und für uns nichts, so unterzeichnet's der König I Wenn die Regierung unnötig 100 Millionen für Festungen «nd Kanonen ausgibt, womit man Arbeiter töten kann, so unterzeichnet der König auch. Wenn die Regierung vier Stimmen den Bürgerlichen gibt und eine den Arbeitern, so unterzeichnet der König! Wenn das Parlament, von den Sozialisten getrieben, für den A ch t st u n d e n t a g stimmt, darin unterzeichnet der König nicht mehr und verweigert seine Genehmigung I Es hat sich wieder gezeigt) daß wir nur auf uns selber zählen können. Nur wenn die Bergarbeiter stark genug sind, können sie es durchsetzen, daß ihre Löhne im Verhältnis zu dem Gewinn, den sie erzeugen, steigen. Dann nur können sie den Achtstundentag erreichen. Also, Genossen I Wir konstatieren wieder, daß die ganze Welt gegen die Arbeiterklaffe.-steht. Wir können darauf nur antworten, durch eine starke Organisation. Wer von Euch, Genossen, noch nicht organisiert ist, der soll sich jetzt anschließen, wenn er nicht ein Verräter an seiner Klasse werden will. Dann werden wir auch stark genug sein, um das zu betonimeu, was man uns verweigert. Es lebe die Arbeiterunion I Es lebe die Organisation!" *** Brüssel, 19. April.(B. H.) Der König hat gestern lange Zeit mit dem zurückgetretenen Ministerpräsidenten de Smet de Naeyer auf Schloß Laken konferiert. Smet de Naeyer war fest entschlossen, auf seiner Demission zu bestehen; der König hat darauf die Eni- lassung des gesamten Kabinetts angenommen. May nimmt an, daß der zurückgetretene Minister des Innern d e T r o o z die Kabinetts- bildung übernehmen werde und daß der jetzige Kammerpräsident Schollaert sowie der Baron de Scamps, der zu gleicher Zeit den Titel„Staatsminister des Kongostaates" führt. in das neue Kabinett berufen werden. Wie jedoch die Zusammensetzung ausfallen möge, so ist es dennoch klar, daß jenes Kabinett anläßlich der not- wendigen Behandlung der Kongoangelegenheit nur von kurzer Dauer sein wird, fall« nicht der König bedeutende Konzessionen macht I Vandervelde, der Führer der Sozialisten, erklärte in einer Unter- redung, daß der König zwar durch sein Verhalten Waffen gegen die monarchische Institution liefere, aber bis zu einer republikanischen Aktion seien die Wege noch weit. Bandervelde ist g e'g e n eine Auf- lösung der Kammer. England. Englischer Etat und Handel. London, 16. April.(Eig. Ber.) Der Schatzkanzler Mr. Asquith wird am 13. d. M. den Etat für das Finanzjahr 1907/98 dem Parlamente borlegen. DaS ver- floffene Finanzjahr war sehr günstig und schloß mit einem be- deutenden Ueberschuß ab. Die Einnahmen überstiegen den Vor- anschlag um mehr als 60 Millionen Mark, hauptsächlich infolge der größeren Sterblichkeit von reichen Leuten(Erbschaftssteuer), und die Ausgaben waren infolge von Ersparnissen um mehr als 66 Millionen Mark geringer als im Voranschlage, so daß ein Ueberschuß von rund 107 Millionen Mark bleibt. Derartige unvorhergesehene Ueber- schüsse fließen nach altem Gebrauch, der deshalb als ein Teil der Verfassung zu betrachten ist, in den Tilgungsfonds der Staats- schulden und werden zum Ankauf von Konsols verwendet. Im einzelnen stellten sich die Einnahmen im Finanz. jähre 1906/1907 wie folgt: Einnahmequellen. JnlOOOPfd. Sterl. Verbrauchssteuer......... 35704 §ölle............. 83 115 rbschaftssteuer........ 19 084 Stempel............ 7 950 Grund« und HauSsteuer...... 2 600 Einkommensteuer......... 31 600 Post und Telegraphen....... 21 425 Verschiedenes.......... 3 669 Insgesamt 155 037 Demgegenüber standen Ausgaben für Staatszwecke und für Lokalregierungszuschüsse: Staatsausgaben... 189 424 000 Pfd. Sterl. Lokalregierung.. 10 222 000„„ Insgesamt 149 646 000 Pfd. Sterl. Der Etat für das verflossene Finanzjahr stellte fich also wie folgt: Einnahmen.. 155 037 000 Pfd. Sterl, Ausgaben... 149 646 000„ Ueberschuß... 5 391 000 Pfd. Sterl. Da hier mit runden Zahlen gerechnet wurde, während der Schatzkanzler die genaueren Zahlen angeben wird, so bürsten die beiden Resultate kleine Abweichungen zeigen. Mit Ausnahme der Ziffern deS konsolidierten Fonds und des Schuldendienstes find die emzelnen Posten des Ausgaben- Voranschlages für das kommende Finanzjahr 1907/03 bereits bekannt. Diese Posten sind: Armee...... 27 760 000 Pfd. Sterl. Flotte...... 31 419 500 i Staatsdienst.... 80107000,. Zölle.. 958 500.,, Steuern...... 2 299 300,, Post und Telegraphie. 17 367 700„ Insgesamt..... 109 912 000 Pfd. Sterl. Hinzu kommen der konsolidierte Fonds und der Schulddienst von ungefähr 31 350 000 Pfund sowie die Lokalregierungszuschüsse von ungefähr 10 Millionen Pfund. Der Ausgabenvoranschlag für da« kommende Finanzjahr dürste sich demnach auf etwa 151 260 000 Pfund belaufen. Da die Einnahmen des verflossenen Finanzjahre» zur Basis des neuen EiunahmevoranschlageS genommen werden, so darf der Schatzkanzler mit einem bedeutenden Ueberschuß rechnen. Wie er den Ueberschuß verwenden wird, ist noch nicht bekannt. Der Schatzkanzler hat mit dreierlei Ansprüchen' zu rechnen. Das Großkapital verlangt, daß der Ueberschuß in den Tilgungsfonds der Staatsschulden fließt, damit der Staatskredit, d. h. der Preis der Konsols, befestigt wird. Die Mittelklassen verlangen eine Herab- setzung der Einkommensteuer. Die Arbeiter verlangen, daß der Ueberschuß zur Grundlage einer AlterSpensionSkasse gemacht wird. Der Ueberschuß wird zwar nicht so groß sein, wie im verflossenen Finanzjahre, da inzwischen der Kohlenausfuhrzoll abgeschafft wurde und da auf eine große Sterblichkeit der Millionäre nicht gerechnet werden kann, aber er wird immerhin de- deutend sein, wenn die Lage des Handels ebenso günstig bleibt, wie sie in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres war. Im Gegensatz zum Außenhandel des Deutschen Reiches zeigt der Außenhandel Englands eine ununterbrochene Steigerung. In den ersten drei Monatm des laufenden Jahres belief sich der Wert der Einfuhr auf 171192 542, der Wert der Ausfuhr auf 128 196 352 Pfd. Sterl. Die Zunahme gegen die gleiche Periode des verflossenen JahreS beträgt bei der Einfuhr rund 17 Millionen, bei der Ausfuhr 14,3 Millionen Pfund Sterling.— • Am Donnerstag gab Aöquith im Unterhause sein Exposö: Der Ueberschuß für 1905/06 beträgt genau 5399 000 Pfd. Sterl. Die Ausgaben für 1907/08' schätzt er auf 140 957 000 Pfund, daS heißt 1 664 000 weniger als 1906/071 Er gibt der Hoffnung Ausdruck, daß dieser Rückgang sich gar noch steigern werde! Die Einnahmen werden auf ungefähr 144190000 Pfund geschätzt. Aus Asquiths allgemeinen Ausführungen ist hervorzuheben, daß er sagte: Er sei kein Sozialist, aber es gebe nichts, was so dringend erforderlich sei wie die sozialen Reformen bezüglich der Alters- Versicherung. Er erkläre sich nicht für ein bestimmtes Schema, aber alles, was unternommen werde, müsse mit Rücksicht auf die finanzielle Lage nur stufenweise getan werden. Die Regierung betrachte diese Frage als eine der vreimcndsten der Sozialreform und hoffe, daß eS ihr gelingen werde, noch vor Schluß der nächsten Tagung die Grundlagen dieser Reform festzulegen. Sodann schlug der Schatzkanzlcr vor, die Einkommen- st e u erlauf Arbeitseinkommen, das 2000 Pfund Sterling jährlich nicht übersteigt, von ein Schilling per Pfund auf neun Pence herab- zusetzen, sie im übrigen aber unverändert zulassen. Andererseits solle die Erbschaftssteuer bei Bcrmögensobjekten von mehr als 150 00V Pfund Sterling Wert erhöht werden. Die erstere Maßnahme bringe einen Ausfall von zwei Millionen Pfund Sterling, die zweite eine Einnahmeerhöhnng von 600 000 Pfund Sterling mit sich. Tie natioiiale Schuld würde im gegenwärtigen Finanzjahr um fast lo Millionen Pfimd Sterling verringert, einen Betrag, wie«r einzig dastehe in der Geschichte des' Landes. Amerika. Die städtische Wahl in Chicago hat der sozialistischen Partei nur 15 000 Stimmen gebracht, bei einer Stimmenabgabe von 338 000. Vor einem Jahre erhielt die Partei 23 000 Stimmen. Der starle Rückgang wird zum größten Teil durch die Straßenbahnfrage erklärt, deren Entscheidung nur bei den Republikanern oder den Demokraten liegen tonnte, und von diesen beiden Parteien wurden für die Wahl- agltation über 200 000 Dollar ausgegeben. Eine größere sozialistische Stimmenzahl hatte man immer- hin schon aus dem Grunde erivartet, iveil Chicago jetzt eine tägliche Parteizeitung in englischer Sprache besitzt. Der Prozeß gegen die Arbeiterführer in Idaho ist auf den 9. Mai Verlegt worden. Der Verteidigungsfonds für die Angeklagten ist auf 87 000 Dollar angewachsen. Davon sind bereits 74 000 Dollar ausgegeben. Viele Arbeiterorganisationen haben noch Beiträge zu- gesichert.—_ GewcrkfcbaftUcbceo Und das Alles prö nidilot Die heftigen Frühjahrsstürme, die jetzt wehen und namentlich auch den gewerkschaftlichen Teil unseres Blattes durchtoben, haben irgendwo das folgende Blatt aufgewirbelt und sanft auf unseren RedaktionStisch fallen lassen: Verband Berliner Metall-Jndustrieller. Eingetragener Verein. Geschäftsstelle Berliir ZSl. 4, Gartenstr. 16/17. J.-Nr. 452/07, Berlin, den 18. April 1907. Rundschreiben Nr. 7/1907. Wir geben Ihnen nachstehend Kenntnis von dem in unserer außerordentlichen Hauptversammlung am 17. d. Mts. gefaßten Beschluß: „Die außerordentliche Hauptversammlung beschließt, dem Antrage der Vertrauenskommission, eine Umlage in Höhe bis zu 1 M. pro 1000 M. Lohnsumme des JahreS 1903 zur Unterstützung des im Arbeitskampf befindlichen Holzgewerbes zu erheben, Folge zu geben und ermächtigt die Vertrauens- kommission, die erhobenen Summen nach bestem Ermessen zu verwenden; die Erhebung der Summe soll nach Bedarf in Raten erfolgen." In Ausführung dieses Beschlusses bitten wir Sie um Angabe der im Jahre 1906 von Ihnen gezahlten Lohnsumme und sogleich um Einzahlung von ein Viertel des auf Sie entfallenden Be- träges, d. h. vyn 25 Pf. auf je 1000 M. Lohnsumme an die Hauplkasse der Firma A. Borsig, Berlin H., Chausseestr. 0, für unsere Rechnung. Verband Berliner Metallindustrieller. Zu spät l Du rettet den Freund nicht mehr! Lerlln und llmgegend. Der Streik der Drahtarbeiter. Wie H a n d t k e in der am Freitag abgehaltenen Versammlung der Streikenden berichtete, hat sich die Situation im allgemeinen wenig geändert. Bemerkenswert ist, daß eine Firma aus dem Verein der Drahtindustriellen ausgetreten ist und den Tarif bewilligt hat. Diese Firma beschäftigt zwar nur wenige Arbeiter, aber ihre Be- willigung ist insofern von Erfolg, als sie zeigt, daß man selbst in den Reihen der Mitglieder des Vereins der Drahtindustriellen ein- gesehen hat, es geht nicht länger mit dem Widerstande gegen die Forderungen der Arbeiter. Die Fabrikanten sind in der Tat in einer bedrängten Lage, denn sie wissen nicht, wie sie die von den Kunden verlangten Arbeiten fertigstellen sollen, denn Arbeitswillige finden sich nicht, obgleich sie durch Inserate in auswärttgen Zei- tungen fortwährend gesucht werden.— Die„Arbeitgeber-Zeitung" hält den Streik schon als für die Arbeiter verloren. Diese Annahme wird am besten durch die Tatsache widerlegt, daß Fabrikanten die bei ihnen streikenden Arbeiter aufsuchen, um sie zur Aufnahme der Arbeit zu bewegen. Das würde doch nicht nötig sein, wenn die Fabrikanten, wie die„Arbeitgeber-Zeitung" behauptet, Arbciter genug hätten. Die 13 Firmen, welche bis jetzt bewilligt haben, be- stehen nun seit 14 Tagen recht gut trotz der erhöhten Löhne, ja sie machen sogar glänzende Geschäfte. Hiermit ist die Behauptung der Unternehiner widerlegt, daß es nicht möglich sei. die Forderungen zu bewilligen. Was die achtzehn Fabrikanten tun, das können die anderen auch. Aber die Forderungen werden nicht deshalb abgelehnt, weil sie unerfüllbar sind, sondern weis den Fabrikanten der Streik aus geschäftlichen Gründen willkommen ist. Wie der Referent de- merkte, sagte ihm vor dem Streik ein Fabrikant, den Unternehmern sei es sehr erwünscht, wenn die Arbeiter streiken, denn so könnten sie den Kunden sagen, die Forderungen der Arbeiter bedingen höhere Preise der Fabrikate.— Nach Lage der Sache wird der Streik nicht so bald beendet sein. Die Drahtarbeiter werden diesmal den I.Mai als Streikende feiern können. Aber auch die längere Dauer des Kampfes wird keinen der Streikenden mutlos machen. Die Disküssions- redner gaben derselben Meinung Ausdruck. Friede im Steinfetzergewerbp. � Eine außerordentlich zahlreich besuchte Versammlung der drei Filialen des„Verbandes der Steinsetzer, Pflasterer und Berufs- genossen Deutschlands" Groß-Bevlins tagte Donnerstagabend bei Wille, Brunnen,lraße, um zu den Vereinbarungen in der Schlich. tungskommission Stellung zu nehme». Der große Saal und die Vorräume waren überfüllt, Tische und Stühle entfernt, so daß Steinsetzer, Ramme r. Steinschläger und H u l f S- a r b e i t e r Kopf an Kopf gedrängt standen und selbst daS Po- dium dicht besetzt hielten. Schenke als Obmann der Schlich- tungskommission erstattete den Bericht über die Verhandlungen, deren Resultat von den Anwesenden mit lautem Unwillen aufge- nommen wurde. Eine Lobnzulage von nur 5 Pf. die Stunde sei zu gering, nachdem sie seit dem Jahre 1900 keine Lohnaufbesserung erfahren. Damals sei ihnen ohne Kamps ein sofortiger Lohn- Zuschlag von 10 Pf.(von 65 auf 75 Pf.) zugestanden worden. Warum das nicht auch heute möglich sein sollte, wo fast alle Ver- brauchSartikel wesentlich im Preise gestiegen sind? Den Unter- nehmern feien bereits von den Berliner Behörden höhere Preise. bewilligt worden, doch nur im Hinblick daraus, daß höhere Lohns gezahlt werden müßten. Viele Arbeitgeber zahlten schon fiel willig fi Pf. Stundenlohn mehr. Die Verkürzung der Arbeitszeit sei eine Notwendigkeit und mühte sogleich eintreten, schon aus dem Grunde, weil sich die Arbeitsgelegenheiten immer mehr und mehr auf die Peripherie unseres Tarifgebiets ausdehne. Daher mühten viele Kollegen bereits morgens 5 Uhr ihre Wohnungen verlassen, uni rechtzeitig an ihrer Arbeitsstelle zu sein. Die Vorschläge der Schlichtungskommission seien nicht annehmbar und abzulehnen. Während dieser Ausführungen war die Versammlung immer un- ruhiger geworden, die Zwischen- und Zustimmungsrufe immer lebhafter, so dah der Vorsitzende sich genötigt sah, um einer poli- zcilichen Auflösung vorzubeugen, die Versammlung auf 10 Mi- nuten zu vertagen. Nach Wiederaufnahme der Verhandlungen ergreift der Verbandsvorsitzende K n o l l das Wort, der einen schweren Stand hatte, die Massen zu beruhigen und zu überzeugen, daß eine Zustimmung zu den Vorschlägen der SchlichtungS- kommission nach der ganzen Sachlage im Baugewerbe und unter Berücksichtigung des Umstandes, dah die Arbeitgeber jetzt gegen früher viel stärker daständen, da sie auch geschlossene Organisa- tioncn hätten, das einzig Richtige für die Arbeitnehmer sei. Sie erhielten ohne Kampf, ohne Kosten eine sofortige Zulage von 5 Pf. die Stunde und nach 3 Jahren weitere 5 Pf., so dah dann der Stunderilohn 8ö Pf. betrage. Ebenso trete sodann eine Verkürzung der Arbeitszeit von 9 auf 8V2 Stunden ein, das sei immerhin ein Erfolg. Beschliehe die Versammlung den Streik, so sei er über- zeugt, dah ein solcher 13 Wochen und darüber andauern könne, und ob dabei etwas besseres herauskomme, sei mehr als fraglich. Ein Streik koste jede Woche 36 000 M. Ein Kampf könne im besten Falle doch nur einen teilweisen Erfolg haben. Das Angebot, was die Schlichtungskommission mache, fei doch derart, dah es ange- nommen werden könne und auch angenommen werden mutz. Nach längerer Diskussion wird ein Antrag auf Schluh der Debatte an- genommen und nun stellt es sich heraus, dah noch 21 Redner sich zum Wort gemeldet hatten. Es erfolgt nunmehr Abstimmung über die Vereinbarungen in der Schlichtungskommission, deren Resultat die Annahme derselben gegen eine starke Minderheit ergab.— Nachdem noch den Hamburger Hafenarbeitern eine Unterstützung von 500 M. zugesprochen war, erfolgt mit einem Hoch auf die Or- ganisation der Schluh der ziemlich stürmisch verlaufenen Ver- sammlung._ Die Brunnenbauer und Hülfsarbciter kamen am Donnerstag bei Meyer, Oranienstr. 103, zu einer Beratung über ihre Lohnbewegung zusammen. Sie fordern 70 Pf. Stundenlohn bei neunstündiger Arbeitszeit für Gesellen und Kolonnenführer, 55 Pf. für Hülfs- arbeiter; Ueberstunden sollen mit 25 Proz., Sonntags- und Nacht- arbeit mit 50 Prozent Aufschlag bezahlt werden. Bisher wurden 60 resp. 45 Pf. Stundenlohn bezahlt. Einige Firmen haben in der letzten Zeit 5 Pf. zugelegt, aber das genügt den Arbeitern nicht. K r i b 0 w referierte über die gegenwärtige Lage und trat dafür ein, die gestellten Forderungen hochzuhalten. Die Innung sowie einzelne Unternehmer, die vom Verbände gefragt wurden, welche Stellung sie den Wünschen der Arbeiter gegenüber einnehmen, haben nicht einmal eine Antwort erteilt. Die Versammelten wurden ermahnt, sich zu einem Kampf zu rüsten und bereit zu sein, wenn die Organisation sie ruft. Der Lohnkauipf in der Landschaftsgärtnerei nimmt mit jedem Tage immer schärfere Formen am Am Freitag früh, so berichten die Streikposten, hatten sich am Kömgin Luisenstift in Dahlem neun Gendarmen, darunter drei Berittene, eingefunden, um die Arbeitswilligen zu schützen. Da es der dort die Arbeiten aus- führenden Firma Buckacker nicht gelungen ist. Gartenarbeiter zu erhalten, so setzt sie sich ins Einvernehmen mit der Gartenverwaltung der Gemeinde Steglitz und das Unglaubliche wird eintreten: die Gartenverwaltung schickt Gartensrauen nach dem Königin Luisenstift, damit die Anlage, so schlecht es eben geht, fertiggestellt wird. Wir wissen zurzeit nicht, ob den Gartenfrauen der von uns für Gartenfrauen geforderte Stundenlohn, pro Stunde 30 Pf. gezahlt wird,; ob die Gartenverwaltung Erlaubnis von höherer Instanz zum Verrichten von Streikarbeiten erhalten hat. Dasselbe haben wir von der Gartenverwaltung der Stadt Rix- darf zu berichten. Es ist ein bei der Gartenverwaltung zu Rixdorf angestellter Gärtnergehülfe zur Beaufsichtigung der Garten- arbeiter verwendet worden, welche die Finna Späth zur Herstellung der Gartenanlage.Herzbergplatz" angeworben hat. Nachdem nun die Arbeitswilligen sich mit den Streikenden auch solidarisch erUärt haben, übernimmt die Gartenverwaltung die Aus- fiihrung dieser Anlage und verrichtet damit Streikarbeit. Die Gründe, welche die Gartenverwaltung zu Rixdorf hatte, als sie die Herstellung deS Schmuckplatzes in private Hände gab, wollen wir hier nicht untersuchen. Wir»vollen aber gleich bemerken, daß, wenn die Kostenfrage ausschlaggebend war, das Rechen- exenipel zweimal gemacht werden wird. Ein geübter, gelernter Arbeiter wiegt zwei solche Arbeitswilligen auf wie die Gartenverwaltung eingestellt hat und ist demnach billiger. Der Gedanke, den Schmuckplatz mit gebrechlichen Invaliden und ungelernten Arbeitern fertigstellen zu können, ist der Garten- Verwaltung erst gekommen, als die Landschaftsgehülfen und Gartenarbeiter bei der Millionenfirma L. Späth sBesitzer Oekonomie- rat L. Späth) um einen Stundenlohn von 60 Pf. in den Streik treten mußtem Andere Firmen des Verbandes der Arbeitgeber, Körner u. Broderfen, Rob. Müller, Koch u. Rolfs haben mit ihren Arbeitswilligen und polnischen, galizischen Arbeitern bisher wenig Freude erlebt. Auf der Neuanlage in der Hildebrand- strahe 16 haben sich die organisierten Bauarbeiter mit den Streikenden solidarisch erklärt und die Bauleitung veranlaht, den Arbeitswilligen die Arbeitsstelle zu verweisen. Achtung, Kupferschmiede! Wie uns durch Zirkular mitgeteilt kvird, sind in Kopenhagen 30 Kollegen ausgesperrt und sollen in einigen Tagen sämtliche auf den Schiffswerften beschäftigte folgen. Die Kollegen ersuchen uns, den Zuzug fernzuhalten. Wir erwarten daher, daß alle Arbeitsangebote nach dort strikte ab- gelehnt werden und auch sonst jeder Zuzug fern gehalten wird. Urbeiterfreundliche Blätter werden um Abdruck gebeten, Verband der Kupferschmiede Deutschlands. Filiale Berlin. Achtung, Friseurgehülfen! Die im Verband deutscher Barbier-, Friseur, und Perückenmachergehülfen Berlins herausgegebene Kontrollkarte ist nur gültig, wenn sie die Namensunterschrift Vaumgart trägt und die laufende Woche abgestempelt ist. Gleichzeitig machen wir nochmals darauf aufmerksam, dah sich der Arbeitsnachweis nicht mehr Schillingstratze 15— 16 befindet, sondern derselbe ist nach Wegnors Restaurant, Dircksenstrahe 46, hin verlegt worden. Bureauzeit von 10— 1 Uhr. Telephon Amt 3, 1824. Unter den Arbeitgebern, die bewilligt haben befinden sich noch Putzke, Rüdersdorferstrahe 43, Schobert. Schröderstrahe 7 und Markowsky, Reuchlinstrahe 7. Differenzen sind ent- standen bei Schmock, Ratiborstrahe 16. Verband deutscher Barbier-, Friseur- und Perückenmache rgehülfen Berlins. Der Vorstand. I. A.: Baumgart. Deutfehes Reich. Der Kampf im Eulengevirge. IN drei riesig besuchten Versammlungen nahm die Textil- arbeiterschaft des Reichenbacher Bezirks Stellung zu der ihr aus An- laß der von den Liehrschen Arbeitern in Langenbielau eingereichten Kündigung angedrohten Aussperrung. Von Mutlosigkeit war nir- gendS eine Spur zu entdecken. In allen Versammlungen gelangte einstimmig folgende Resolution zur Annahme: Die heute am 17. April 1907 tagenden Textilarbeiter ver- urteilen aufs schärfste das Verhalten der Textiliudustriellen des Reichenbacher Jndustriebezirks. Die vereinigten Industriellen beab- sichtigen, durch ihr rigoroses Vorgehen die Organisation der Arbeiter, den deutschen Textilarbeiter-Verband, zu zertrümmern, um jede Lohnforderung illusorisch zu machen. Da die Löhne in der schlesi- scheu Textilbranche, selbst nach amtlichen Berichten, noch weit hinter den Löhnen anderer Bezirke Deutschlands zurückstehen, braucht die Textilarbeiterschaft eine entschiedene Interessenvertretung. Als solche gilt heute einzig und allein der Zentralverband deutscher Textil- arbeiter. Die Versammelten erklären, sich durch keine. Drohung vonseiten der Unternehmer beirren zu lassen und an ihrer Organisation für alle Zeit festzuhalten. Die Versammelten erklären ferner, ihren Kollegen bei der Firma W. Lieht in Langenbielau, die um wenige Pfennige Lohnzulage kämpfen, die Zurücknahme der Kündiguitg nicht durch die von den Unternehmern geschaffene Situation empfehlen zu können, sondern ihnen die Entscheidung selbst zu über- lassen. Die Versammelten bedauern auf das lebhafteste, dah die ver- einigten Textilindustriellen aus einem so geringen Anlah von 15 Pf. Lohnzuschlag eine solche Massenaussperrung vornehmen wollen. Sie sind der Meinung, dah eine Verständigung bei einigermahen Ent- gegenkommen möglich ist. Sie beauftragen daher die Verbands- leitung, Schritte einzuleiten, durch die eine Einigung erziell werden kann."_ Der Streik der Gärtner in F r a n k f u r t a. M. ist beendigt. Durch Vermittelung des Gewerbegerichts kam eine Einigung zu- stände, die allerdings den Arbeitern keine bestimmt festgesetzten Vor- teile bietet. Da aber schon 200 Gärtner zu den neuen Bedingungen arbeiten und nur noch 65 ausständig waren, wurde der Streik auf- gehoben._ Zum Streik bei Seidel und Naumann. Die Polizeidirektion in Dresden tritt aus ihrer bisher in anerkennenswerter Weise beobachteten Reserve heraus. Sie hat jetzt das Streikpostenstehen vor dem Betrieb der Firma verboten und droht jedem Streikenden, der sich auf der Hamburgerstrahe. auf der sich auher einigen Fabriken keine Häuser befinden und auf der tagsüber fast gar kein Verkehr herrscht, sehen läßt, zu sistieren. Und der Anlah zu diesem Frontwechsel? Donnerstag nach- mittag kam ein Arbeitswilligentrupp aus Berlin, der durch einen Leiterwagen von der kleinen Station Stetzsch, einige Sta- tionen vor Dresden, abgeholt und nach der Fabrik überführt wurde. Da um diese Zeit gerade eine Versammlung der Streikenden zu Ende gegangen war, befanden sich die in den Vororten Cotta usw. wohnenden auf dem Heimweg und begegneten dem Arbeits- Willigentransport gerade vor dem Fabriktor. Dadurch entstand eine kleine Ansammlung. Die Streikposten machten die Arbeits- willigen auf die Situation aufmerksam und ein Arbeiter soll den Pferden in die Zügel gefallen sein. Er wurde verhaftet. Die bürgerliche Presse bauscht diesen harmlosen Vorfall kolossal auf und lügt, dah die Streikenden versucht hätten, die Streikbrecher vom Wagen zu zerren und faselt von mehreren Verhaftungen. Diesen Vorgang hat die Polizei zum Anlaß ihres nach der bekannten Reichsgerichtsentscheidung ungesetzlichen Streikposten- Verbots genommen. Es sind sofort von der Leitung des Metall- arbeiterverbandes resp. dem Streikkomitee die nötigen Schritte bei den höheren Behörden getan, um die Aufhebung des Verbots zu erlangen._ Die Maler und Anstreicher in Leipzig haben, nachdem die Ver- Handlungen mit der Innung gescheitert sind, am Tonnerstag die Arbeit niedergelegt. Die Gehülfen hatten ihre Lohnforderung ermäßigt von 65 auf 62 Pf. die Stunde und auch die Forderung auf Verkürzung der Arbeitszeit fallen gelassen, die Innung wollte nur einen Zuschlag von 3 Pf. auf den gegenwärtig geltenden Minimallohn von 58 Pf. gewähren. Im Ausstande befinden sich etwa 1000 Mann._ Zur Lohnbewegung in den Offenbacher Maschinenfabriken. Die Metallindilstriellen Offenbachs drohen den Arbeitern, die am 27. April in den Ausstand treten wollen, in einem Zirkular indirekt an, eine MetallarbeiterauSsperrung in Frankfurt a. M. um d Umgebung vorzunehmen. In dem Zirkular sagen � die Unternehmer, daß sie den Geschäftsführer des Deutschen Metallarbejterverbandes als Vertreter aller ihrer Arbeiter nicht anerkennen. Sie wären jedoch bereit, auf dem Wege gütlicher Verständigung mit. den Arbeitern zu verhandeln, aber nur,»venu die Arbeiter ihre Forderungen, Verkürzung der Arbeitszeit bis auf itenn Stunden, Einführung von MinimqNöhnen und einer all- gemeinen Lohnerhöhung von 15 Proz., fallen lassen. Hätten ihre Arbeiter dagegen andere Wünsche vorzubringen, so solle» sie dieselben ohne Vermittelung außerhalb ihres Bettiebes Stehender bis zum 18. d. M. einreichen. Zum Schlüsse machen dann die Herren darauf aufmerksam, daß htiiter den Offenbacher Arbeitgebern die Mitglieder des Verbandes der Metallindustriellen von Frankfurt a. M. und Umgegend mit 15 000 Arbeitern stehen, welche laut einstimmigem Beschluß vom 12. d. Mts. ihr Ein- Verständnis mit dem Vorgehen der Offenbacher Metallindustriellen bekundet haben. Die Unternehmer wollen es also züm Streik kommen lassen. Wenn sie aber meinen, den Arbeitern mit der versteckten Drohung einer Aussperrung bange zu machen, so irren sie sich. Eine über- füllte Versammlung der Offenbacher Metallarbeiter nahm nach Be- sprechung des Zirkulars der Unternehmer einstimmig eine Resolution an. in der es heißt, daß die Arbeiter nach wie vor den Metall- arbeiterverband als ihren berufenen Vertreter bezeichnen mühten, und»andere Wünsche", wie die vorgebrachten, nicht hätten. TltisUnd. Der Streik der Kaffeehanskellner. Paris. 18. April.(Eig. Ber.) Seit gestern steht ein Teil der..Zmyms.- timouaclisrs"— der Kellner der Cafö-Restaurants— im Streik.. Der Ausstand war iin geheimen vorbereitet worden, und wenn auch in den Agitations- Versammlungen natürlich darüber gesprochen wurde, so kam der Ausbruch für die Unternehmer ganz unerwartet. Genau um 7 Uhr abends legten die Kellner in einer Anzahl der vornehmsten Boulevard- lokale und in anderen grohen Etablissements die Arbeit nieder. In manchen konnten die Geschäftsführer mit den Aufwärtern und den „Chasseurs", die schon die Rolle der„Piccolos" vertteten, notdürftig die Bedienung der Gäste fortsetzen, manche Lokale mußten indes gesperrt werden. Heute wurde tagsüber der Betrieb von dem Notpersonal so gut es ging aufrechterhalten. Vor allen Cafös waren Polizeiposten zum Schutz der„Arbeitswilligen" aufgestellt, ohne übrigens„Arbeit" zu bekommen. Dafür wurden die Streikenden, als sie von einer Versammlung zurückkehrten, von der Polizei gewalttätig auseinandergesprengt. Das Streikkomitee legt in einem Manifest die Ursachen des Ausstandes und die Forderungen der Ausständigen dar. Sie be- stehen in folgenden Punkten: Einhaltung des gesetzlichen Ruhetages. Abschaffung der Trinkgeldbüchsen. Abschaffung der Kostendeckung. Das Recht auf das Tragen eines Schnurrbarts. Zur Erklärung � der zweiten und der dritten Forderung diene folgendes: Die Kellner waren bisher gehalten, die Trinkgelder in einer Metallkassette bei der Kasse zu deponieren. Diese Kassette wird alle 14 Tage oder jeden Monat geöffnet. Von den: Inhalt nimmt der Unternehmer zunächst einen Betrag für das abgenutzte oder beschädigte Material m Anspruch, außerdem den für die Bezahlung der Unterkellner und Lehrlinge erforderlichen Beträge, der für den Unterkellner ungefähr 100 bis 120 Fr. ausmacht. Das ist aber noch lange nicht alles. Bei 10 Kellnern z. B. wird ein elfterTeil für den.Maitre d'Hotel" und vier bis fünf Teile für den Unter- ne h mer selbst abgezogen, so daß mehr als 60 Proz. vom Trinkgeld dem Unternehmer zufallen! Es ist also nicht dieser, der die Arbeiter bezahlt, vielmehr bezahlen die Arbeiter den Unternehmer! UeberdieS haben die Kellner auch für die Zeitungen und Zeitschriften, für Briefpapier und Tinte usw. aufzu- kommen. Die„Humanito" schildert heute die trübe Kehrseite des glänz« vollen Bourgeoisluxus, die die Existenz der Kellner darbietet. Im eleganten„Cafs de la Paix" z. B., dem Stelldichein der reichen Bourgeois und aller Halbwelten, bekominen die Angestellten zur Hauptmahlzeit einen einzigen Gang— dazu in ungenügender Ouantät— vorgesetzt I Als„Speisesaal" dient ihnen ein 6 Meter langer und 3'/« Meter breiter Raum, der nur durch ein Kellerfenster Luft erhält und direkt an der Mistgrube und bei den Abtritten ge- legen ist. Hier nehmeu 42 Menschen innerhalb einer Stunde ihi Mahl ein! In demselben Raum befinden sich die Garderoben- schränke, so daß sich die Kellner hier auch aus- und anziehen müssen So gehts in den„vornehmen" Lokalen zu. In den minderen ist? noch viel schlechter. Ein Manifest der Arbeitskonfödcration. Die Arbeitskonföderation hat ein scharfes Manifest gegen die Regierung erlassen, die die gewerkschaftliche Organisation zu ber- Nichten trachtet und sich sogar nicht scheut, die„lois scelerates", die „verbrecherischen Gesetze" anzuwenden, die die Clömenceau, Briand und Viviani ehemals selbst mir den stärksten Worten verdammt haben. Aber die organisierte Arbeiterschaft wird sich ihr Recht nicht rauben lassen und ihre Solidarität wird über die verbrecherische» Regierungen triumphieren._ Die Farbigen in Kairo beginnen sich ebenfalls gegen die kapitalistische Ausbeutung zu wehren. Vor einiger Zeit streikten die Hafenarbeiter und Kohlen- Verlader. Dieser Tage war in der ganzen Stadt keine Droschke zu mieten, infolge des Ausstandes der Droschkenkutscher. Morgens kam es zu erregten Szenen zwischenTrupps von Aus- ständigen und einigen Arbeitswilligen. Die Ausständigen zer- schnitten das Geschirr der Pferde, beschädigten die Wagen und schlugen die Kutscher und Pferde. Zu weiteren Zusammenstößen kam es gegen Abend, als etwa tausend Araber lärmend durch die Straßen zogen und die Omnibusse anhielten; doch sind ernste Beschädigungen nicht vorgekommen. Berittene Polizeipatrouillen halten die Ordnung aufrecht; zahlreiche Verhaftungen wurden vor- genommen._ eingegangene Druchrcbriften. Fachblatt für Holzarbeiter. Hest 4 des 2. Jahrgangs, April 1907. Herausgegeben vom Deutschen Holzarbeitcr-Verband, e-tuttgart. Plutiis. Hesttk. Herausgeber: G. Bernhard. Vierteljährlich 3,50 M. Verlag: Charlottenburg, Goethestratze ö9. Zur nächsten tntergouvernrmentale» Konferenz im Haag von Berta v. Suttner. 50 Ps.— Ein mitteleuropäischer Zollbund von A. v. d. Lippe. 50 Pf. Verlag: W. Süßerott. Berlin\V. 30.— Mein Kampf um die Wahrheit. Preis: 1,20 M. Konkordia, Deutsche Verlags- anstatt, Herm. Ehbeck, Berlin IV. 50.— Verwaltungsbcricht der gemein. samen Ortslranlenlassen Straßburg i. Elf. 1906. 56 Seiten. Selbst. oerlag._ Letzte JMachricbten und Depefcben« Die Genickstarre in Kamerun. Berlin, 19. April.(W. T. B.) Im Bezirk Kribi(Kamerun) ist jüngst eine durch Krujungen aus Monrovia eingeschleppte kleine Epidemie von Genickstarre aufgetreten. Es handelt sich um etwa zwanzig Fälle, von denen ein größerer Teil tätlich verlief. Nach einem späteren vom 6. März datierten amtlichen Bericht scheint jedoch die Epidemie bereits wieder erloschen zu sein. 12000 Textilarbeiter ausgesperrt. Breslau, 19. April.(W. T. B.) Die 159 Arbeiter der Firma W. Liehr in Langenbielau haben ihre Kündigung nicht zurück- gezogen; die Folge ist, dah morgen allen im Textilarbeiterverbaud organisierten und bei den vereinigten Fabrikbesitzern beschäftigten Arbeitern für den 4. Mai gekündigt wird. Die Zahl der Aus- gesperrten wird etwa 10— 12 000 betragen. Wahlrechtsänderung. Frankfurt a. M., 19. April.(W. T. B.) Die„Frankfurter Zeitung" meldet aus Darmstadt» die hessische Regierung werde in den nächsten Tagen den Ständen einen abgeänderten Wahlrechts- entwurf vorlegen, der wieder das direkte Wahlrecht bringen werde. freundschaft ergangen, welche den deutschen Bürgenneistern inx vorigen Jahre in London erwiesen worden ist. AuS der Reichsduma. Petersburg, 19. April. Die Beratung über einen Antrag, deu Unwillen der Duma über die politischen Verbrechen auszudrücken. wird auf die nächste Sitzung verschoben. Bei der daran folgenden Besprechung des Antrages auf Ungültigerklärung der Wahlen im Gouvernement Tambow lommt es zu einigen Zwischenfällen. Roditscheff greift in heftigen Ausdrücken die Regierung an. die er der Wahlfälschung beschuldigt. Nach einer erregten Debatte beschließt die Duma, die Wahlen für gültig zu erklären. Die Mehrzahl der in Betracht kommenden Abgeordneten gehört der Linken an. Präsident Golowin verliest sodann Proteste der Bndgetkommis- sio» gegen die Haltung des Ministerrats, welcher sich weigerte, der Kommission verschiedene Aktenstücke vorzulegen, die sich auf die interne Geschäftsführung der Ministerien bei der Aufstellung ihrer Budgets beziehen. Die Kommission weist in ihrem Protest hin auf die Auslassungen deS Ministerpräsidenten Stolypin über den Wunsch der Regierung nach einem Zusammenarbeiten mit den Er, wählten der Nation. Die Sitzung wird darauf geschlossen. 20 000 Menschen obdachlos. Manila, 19. April.(W. T. B.) Ein Feuer, das noch weiter- wütet, hat heute die Ortschaft Jlo-Jlo zerstört, wodurch 20 000 Personen obdachlos geworden sind.— Aus verschiedenen Teilen der Philippinen wird berichtet, dah auch dort heftige Erdstöße verspürt und zahlreiche Gebäude zerstört worden sind. 'VerantV. Redakteur; Hau» Weber, Berlin. Inseratenteil orrantl�r MD. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchtr.«. verlagsanMD Maul Singer Mo.. Berlin L VV/ Hierzu 4 Beilagen». UnterhaltungSilatt Die Ncberfchwemmung der Donau. Budapest, 19. April.(W. T. 50.) Die Ortschaften Borrsa und Baranyos in der unteren Donaubucht find überschwemmt. Die Ein- Wohnerschaft wurde durch Schleppschiffe gerettet. Organisiertes Spitzelwesen. Paris, 19. April.(Meldung der„Agence HavaS".) In der Angelegenheit der Montagnini-Papiere hat die Subkommission heute nachmittag mit der Untersuchung begonnen. Nach den Mitteilungen eines 5lommisstonsmitgliedes dürfte durch rinzelne Aktenstücke klargestellt werden, daß die Nuntiatur ein regelrechtes System von Angebezetteln durchgeführt hatte, besonders mit Bezug aus gewisse Offiziere._ Generalstreik. Mailand, 19. April.(B. H.) In Savonna ist der Generalstreik der Arbeiter aller Branche» ausgclirockwtt. Auch die Hafenarbeiter haben sich den Ausständigen angeschlossen. Die Stadt wurde rnili, tärisch besetzt; alle Versammlungen sind polizeilich verboten. Englischer Besuch! London, 19. April.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Der Lordmayor und die Sherisss von London werden sich aus Einladung des 50crliner Oberbürgermeisters im Mai oder Juni dieses Jahres nach Berlin begeben. Die Einladung ist in Erwiderung der Nr. 92. 34. Zahrgasg. 1. Icilogt ilks.Amiirls" Kerlim WsM w rTffläl Reichstag. 81. Sitzung. Freitag, den 19. April, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: Graf Posadowsky. Die Genehmigung zur Strafverfolgung des Abg. Hilpert wegen Beleidigung des Volksschullehrers Deininger wird der sagt. Dann wird die Beratung des Etats für das Reichsamt des Inneren fortgesetzt, und zwar bei der Abstimmung über die Forderung der 7. Rate(150(XX) M.) zum Ausbau der Hohkönigs- bürg. Die Position wird von der Rechten, den Nationalliberalcn und Freisinnigen gegen die Stimmen des Zentrums und der Sozialdemokraten bewilligt. Bei der Position„Für Forschungen auf dem Gebiete der Reblausbekämpfung", 2. Rate(20 000 M.) tadelt Abg. Prciß(Elf.) die Bekämpfung der Reblaus durch den Schutzgürtel als kostspielig und nutzlos; die einzig wirksame Bekämpfung bestehe in der Aufpfropfung unserer Reben auf amerikanische. Abg. Blankenborn(natl.) tritt diesen Anschauungen entgegen. Staatssekretär Graf Posadowsky: Das vom Abg. Preitz empfohlene Verfahren der Aufpfropfung unserer Reben auf amerikanische gibt auch nicht absolute Sicherheit, weil die amerikanische Rebe sich den aufgepfropften akklimatisiert; außer- dem liege darin die Gefahr einer Verschlechterung unserer Weine. Die Position wird bewilligt. Bei der Position„Kosten zur Ausführung der Berufs- und Betricbszählung im Jahre 1997". 3. Rate(2 3cX>cXX> M.), be- mangelt Abg. Dr. Pothoff(frs. Vg.) Einzelheiten der Zählkarten, ins- besondere in bezug aus die landwirtschaftlichen Betriebe. Der Titel wird hierauf bewilligt, ebenso der Rest des Ordinariums. Im Extraordinarium werden zur Herstellung von Kleinwohnungen für Arbeiter und gering besoldete Beamte in den Betrieben und Verwaltungen des Reiches 4 Millionen(gegenüber 5 Millionen im Vorjahre) verlangt. Abg. Dr. Jaeger(Z., auf der Tribüne fast unverständlich) bedauert, daß die Wohnungsreform so stückweise vor sich geht. Staatssekretär Graf Posadowsky: Die Voraussetzung für ein schnelleres Tempo des Fortschreitens in Verbesserungen des Wohnungswesens ist eine stärkere Benutzung des E r b b a u- rechts seitens der Kommunen und auch seitens einzelner Kapi- talisten. Vielleicht empfiehlt sich auch eine bessere s u r i st i s ch e Ausgestaltung des Erbbaurechts. Abg. Brühne(Soz.): Die Städte können bielfach gar nicht mehr Boden erlangen, Wn ihn in Erbbaurecht zu vergeben, weil sich der Boden schon längst in den Händen von Spekulanten befindet! Es muß an- erkannt werden, daß in den Großstädten durch Ballgesellschaften einiges erreicht ist; doch können gerade die Arbeiter davon meist keinen Gebrauch machen, weil sie auf den Weg zur Arbeits- stätte Rücksicht zu nehmen haben. Aber selbst da, wo für die Verbesserung der Wohnungen etwas geschehen könnte, unter- bleibt eS auch; fo wird aus einer Kunst- und Handelsgärtncrei über die elenden Verhältnisse berichtet, unter denen die Gehülfen hausen müssen. Leider sind die Gärtnergehülfen sehr schlecht organisiert, sonst würden sie diese Verhältnisse längst abgeändert haben. Je weiter man nach Osten kommt, um so schlimmer werden die Verhältnisse, und gerade dort hätte man schon längst etwas zur Verbesserung tun können. Die Berichte der Gewerbe- inspcktoren zeigen uns in Ziegeleien bei Breslau Wohnungs- Verhältnisse der Arbeiter, durch welche die Gesundheit und die Sittlichkeit der Betreffenden untergraben werden muß; und diese Verhältnisse sind keineswegs vereinzelt, wie aus den Berichten deutlich hervorgeht. Bei gutem Willen hätte hier längst energisch vorgegangen werden können.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Abg. Singer(Soz.): Ich bin durchaus mit dem Herrn Staatssekretär einverstanden, wenn er empfohlen hat, es möge dahin gewirkt werden, daß die Vor- teile der Ausnutzung des Erbbaurechtes durch die Gemeinden für die ärmere Bevölkerung möglichst allgemein werde. Der Herr Staatssekretär hätte aber in seiner aintlichen Stellung auch Gelegen- heit, praktisch auf die Erfüllung seines Wunsches hinzuwirken. Er müßte sich darüber klar sein,'daß in der bestehenden Gesetzgebung ein wesentliches Hindernis für die Erfüllung dieses Wunsches durch die Gemeinden liegt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich möchte ihn bitten, zunächst beim Bundesstaat Preußen seinen Einfluß dahin zu verwenden,'daß die Schwierigkeiten, die den großen Gemeinden in bezug auf die Arrondierung ihres Terrains durch Eingemeindungen gemacht werden, beseitigt werden. Gerade durch die preußische Regierung sind den Bestrebungen der Gemeinde Berlin auf Eingemeindung von Vororten erhebliche Hindernisse in den Wey gestellt, und zwar nach meiner Überzeugung nicht aus wirtschaftlichen Erwägungen, sondern aus politischen Gründen, damit nämlich die politische Macht der Stadt Berlin nicht noch mehr verstärkt werde. Ferner möge der Herr Staatssekretär darauf hinwirken, daß die Bestimmung der preußischen Städteordnung beseitigt wird, wo- nach die Hälfte der Stadtverordneten Hausbesitzer sein müssen. Gerade dieses HauSbesitzer-Privileg hindert die Städte, auf dem Gebiete der WohnungSpolitik vorwärts zu kommen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es gibt nicht nur Landagraricr, sondern auch Hausagrarier,(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten) und ihr Einfluß wird geradezu unüberwindlich durch diese Bestimmung der Städteordnung. Diese Hausbesitzer sehen in den Bestrebungen der Gemeinden, den Grund und Boden für allgemeine soziale Zwecke zu verwenden, ein Hindernis für die LluSbeutung des� Grund und Bodens, wie sie in ihrem Interesse liegt. Solange dieses Privileg der Hausbesitzer besteht, ist an eine vernünftige, gesunde Wohnungspolitik der Ge- meinden nicht zu denken, und solange werden alle theoretischen Be- lehrungen des Herrn Staatssekretärs in bezug. auf das Erbbau- recht keinen praktischen Erfolg haben. Es ist ja eine traurige, aber doch begreifliche Erscheinung, daß die Hausbesitzer, die nur ein Interesse an möglichst hohen Mieten haben, solche sozialen Be- strebungcn der Gemeinden als Konkurrenz empfinden. Die Haus- besitze! sind es auch, die sich dagegen wehren, daß die Wertzuwachs- steuer von den Kommunen als Einnahmequelle ausgenommen wird. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten,) Ich will das Haus nicht aufhalten mit langen Ausführungen auf diesem Gebiete, mir lag nur daran, zu beweisen, daß es Aufgabe der Gesetzgebung sein muß, die Hindernisse aus dem Wege zu räumen, welche der Verwertung des durch die Anlagen der Gemeinden naturgemäß im Werte immer steigenden Grund und Bodens zugunsten der ärmeren Bevölkerung durch die einzelstaatliche Gesetzgebung in den Weg gelegt werden. Möge der Herr Staatssekretär nach dem Worte des Herrn Reichs- kanzlers„Preußen in Deutschland voran", zunächst Preußen der- «mlassen, daß eS durch Aenberung der Städteorbnung in der Abschaffung dieses Privilegs der Hausbesitzer vorangehe und gleichzeitig dafür sorge, daß in Preußen allgemeines, gleiches und direktes Wahlrecht für die Kommunen eingeführt wird. Dann wird der Herr Staatssekretär den Boden geschaffen haben, welcher die Voraussetzung für die Erfüllung der von ihm gewünschten sozialen Aufgaben durch die Gemeinden ist.(Bravo! bei den So- zialdcmokraten.) Das Extraordinarium und die Einnahmen werden hierauf tzewilligt. Es folgt die Resolution der Bud�etkommission: Den Reichs kanzler um einen Ergänzungsetat für 1907 zu ersuchen, durch welchen Mittel für eine Besserstellung verschiedener Beamten bereitgestellt werden. Unterstaatssekretär im Reichsschatzamt Tiede: Ich bitte Sie. die Resolution in der vorgeschlagenen Form nicht anzunehmen; denn es ist Ihnen bekannt, daß der Reichskanzler beabsichtigt, für das Jahr 1908 in eine organische Prüfung der Gehaltsregelung der Beamten einzutreten. Die Resolution wird angenommen. Der nächste Gegenstand der Tagesordnung ist die erste Be- ratung des zweiten Ergänzungsetats für die Schutzgebiete für 1907(Entschädigung für die Farmer in Südwestafrika). Stellvertretender Kolonialdirektor Dernburg: Für den gleichen Zweck sind bereits einmal zwei und dann noch einmal drei Mil lionen aufgewendet worden. Diese Summen sind aber zum Wirt schaftlichen Wiederaufbau des Schutzgebietes nicht hinreichend. Der Reichstag hat eine Nachweisung über die Verwendung der bereits bewilligten 5 Millionen gewünscht; dieser Nachweis ist der Vor- läge beigegeben, wobei zugleich eine Nachweisung der noch zu leistenden Beihülfen gegeben ist, aus der sich die Höhe unserer Forderung, 7 530 000 M. ergibt.— Man hat diese Beihstlfen mit solchen verglichen, die das Reich oder der Staat bei Wasserschäden und Schäden durch ähnliche Katastrophen gewährt. Doch trifft das kaum zu. Ich bitte Sie, zu bedenken, daß die Farmer, um deren Unterstützung es sich handelt, unter Außerachtlassung ihrer eigenen Interessen dem Vaterlandc Gut und Blut geopfert haben.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Abg. Dr. Spahn(Z.) beantragt Ucberwcisung der Vorlage an die Budgetkommission. In einem großen Teil der Fälle wird doch wohl die Gewährung von unverzinslichen Darlehen mehr an- gebracht sein als die Ucberlassung der Bcihülfe als Geschenk.(Sehr richtig! im Zentrum.) Abg. Freiherr v. Richthofcn(K.): Ich stehe nach wie vor auf dem Standpunkt, daß es vor allein darauf ankommt, den Farmern zu ermöglichen, wieder als Farmer tätig zu sein. Gouverneur v. Lindcquist: Von einzelnen Streifzügen der Eingeborenen vielleicht ab' gesehen, ist der Aufstand in Südwestafrika soweit niedergeschlagen, daß der Wirtschaftsbetrieb der Kolonie wieder aufgenommen werden kann. Die vom Reichstag seinerzeit so schnell bewilligten 5 Millionen sind von großem Segen für die Kolonie geworden; ohne sie wäre ein allgemeiner wirtschaftlicher Ruin unvermeidlich gewesen. Prinzipiell ablehnend hat sich der Reichstag auch im vorigen Jahre nicht gegen eine weitere Hülfcleistung gestellt; doch hat er eine besondere Nach Weisung über die Verwendung der Hülfeleistungen gewünscht. Diese Nnchweisung ist der Borlage beigegeben. Darüber, daß ihnen ein Rechtsanspruch nicht zusteht, sind die Farmer nicht im Unklaren gelassen; dagegen ist es eine Ehrenpflicht des Deutschen Reiches, den Leuten, die Gut und Blut für Deutschland geopfert haben, zu ermöglichen, ihren Wirtschaftsbctrieb voll und ganz wieder aufzunehmen. Das Reich wird dann, glaube ich, noch viel Freude am Schutzgebiet erleben. Davon ist ja keine Rede, daß die Farmer vollständig entschädigt werden; das ist schon deswegen nicht der Fall, weil heute die Preise für das Vieh bedeutend höhere sind. Aber die Arbeits- freudigkeit wächst durch die Beihülfen.' Erfreulicherweise haben sich jetzt viele junge Leute zur Uebersicdelung nach dem Schutz- gebiete gemeldet, vermögende junge Leute, die sich auf Farmen beschäftigen wollen; die älteren Farmer müssen wir als Lehr- m e i st e r im Lande halten und s o stellen, daß sie den Neuein- wandernden Musterbetriebe vorstellen können. Wenn die im Lande schon Anwesenden stets nur Klagen vorbringen und sich mit Mühe durchschlagen müssen, verlieren die Neueinwandernden den Mut. Inwieweit die Farmer an dem Aufstande schuld waren, will ich nicht untersuchen: das Kriegsministerium und die Bevölkerung in den Schutzgebieten glauben, daß eine der Hauptursachen war, daß eine zu geringe Schutztruppe im Lande war! Auch aus diesem Gesichtspunkte ist wohl eine Unterstützung der Farmer geboten. Ich verstehe voll und ganz, daß es schwer ist, nachdem schon so viel für das Schutzgebiet aufgewendet ist.»och 7% Millionen als Geschenk, nicht als Tarlehen zu gewähren. Diese 7% Millionen werden aber produktiv angewendet werden, und sie werden Ihnen die ewige Dankbarkeit des Schutzgebietes sichern.(Bravo! rechts und bei den Nationalliberalen.) Abg. Bebel(Soz.): Wenn wir auch der Vorlage gegenüber auf einem a b- kehnenden Standpunkt stehen, so sind wir doch selbstverständlich mit der Kommissionsberatung einverstanden. Herr v. Lindcquist hat sich ja sehr ernst seiner Schutzbefohlenen angenommen. Das ist feine Pflicht. Aber ich habe poch den Eindruck, daß er etwas gar zu sehr den Standpunkt des Gouverneurs von Südwestafrika hervorgekehrt und weniger das Interesse des Reiches berücksichtigt hat. Ich glaube ihm recht gern, daß die 5 Millionen, die der Reichs- tag früher bereits zur Unterstützung der Ansiedler bewilligt hat, in Südwcstafrika sehr willkommen geheißen worden sind. Wenn statt der 5 Millionen 50 Millionen bewilligt worden wären, würde die Freude sicher eine noch weit größere gewesen sein.(Heiter- keit.) Ob aber ein derartiges System überhaupt gerecht- fertigt ist. das ist eine aridere Frage. Die Gesichtspunkte des Herrn v. Lindequist, daß es darauf an- komme, eine möglichst zufriedene Stimmung der dortigen Ansiedler zu erzeugen, können für uns doch nicht maßgebend sein. Wir dürfen nicht die Konsequenzen eines solchen Vorgehens über- sehen. Ich erkenne an, daß auch von den Herren der Regierung der Standpunkt vertreten worden ist, daß ein rechtlicher Anspruch seitens der Ansiedler nicht erhoben werden könne. Aber auch Gnadengeschenke haben ihre Konsequenzen. Was wir dort tun, wird in allen künftigen Fällen, wo ähnliche Ereignisse vorliegen, notwendigerweise die Reichsgesetzgebung veranlassen, ähnlich vor- zugehen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Keiner von Ihnen wird wohl annehmen, daß wir niemals mehr in unseren Kolonien mit Aufständen zu rechnen haben werden. Aber auch, wenn es zu einem Kriege in Deutschland selbst kommen sollte, könnten von den dann geschädigten Deutschen genau dieselben An- sprüche in Konsequenz des Vorgehens, das jetzt von uns verlangt wird, gestellt werden. Wir wären gar nicht>n der Lage, solche An- forderungen zu erfüllen. Auch auf anderen Gebieten können sich unabsehbare Konse- quenzen ergeben. Wir haben heute in der Budgetkommission er- fahren, daß ein Taifun die Karolinen heimgesucht hat und daß Mittel zur Hülfe für die Geschädigten in einem Nachtragsetat ge- fordert werden sollen. Dasselbe aber könnten doch deutsche Reichs- ungehörige verlangen, wenn sie durch Feuer, Hagelschlag oder der- gleichen enormen Schaden erleiden! Da werden aber bekannter- maßen nur in allerdürftigster Weise Mittel bewilligt. Im letzten November ist durch die Roburitexplosion i» St. Annen die ganze Stadt zerstört worden; eine Unmenge Häuser stehen als Ruinen da, weil die Leute nicht die Mittel haben, sie aufzubauen, und weil der Preußische Staat nicht geneigt ist, Mittel dazu zu geben!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Herr v. Lindequist hat darauf hingewiesen, daß England nach dem Burcnkriege 60 Millionen Mark Entschädigungen bewilligt habe. In den beiden in Betracht kommenden Staaten handelt es sich aber um einige hunderttausend Menschen! Die Engländer haben das Land nach allen Richtungen hin verwüstet; zehntausende von Einwohnern, Männer, Frauen und Kinder sind in diesem Kriege zugrunde gegangen. Die Engländer haben das Land nach Kriegsgebrauch zu ihrem Eigentum gemacht. Daß sie in einem solchen Falle ein bisher blühendes Land nach Möglichkeit wieder aufzurichten trachteten, versteht sich von selbst. Aber da handelte es sich, wie gesagt, um ganz andere Wertobjekte ats in Südwest- afrika überhaupt vernichtet werden konnten!— Wenn in diesem Falle die Engländer nur 60 Millionen bewilligten, dann sind die hier geforderten 12(4 Millionen im Verhältnis eine weit höhere Summe.(Sehr wabr! bei den Sozialdemokraten.) Es kommen ungefähr 960 Entschädigungsbcrechtigte in Südwestafrika in Frage; bei 12(4 Millionen kommen also auf jeden Ilnterstübungsberechtigten rund 13 000 Mark. � (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wie viele von diesen Ansiedlern mögen wohl nach Südwestafrika mit einem ähnlichen Kapital gewandert sein? Die Denkschrift selbst betont, daß vielfach Leute nach ihrem Austritt aus der Truppe 5000 Hektar Farmland umsonst bekamen. Die sind ihnen nicht weg- genommen worden, die haben sie noch! Und das war auch nicht kultiviertes Land im deutschen Sinne. Wenn ein gründ- licher Regen kommt, ist es vielleicht nach dem Aufstande besser als vorher.(Heiterkeit.) Dabei steht fest, daß viele der Farmer gerade durch den Krieg zu reichen Leuten geworden find. Es sind hier im Reichstage Briefe von Leuten aus der Kolonie mitgeteilt worden, in denen dieselben erklärten, daß der Aufstand für die Ansiedler geradezu eine Rettung vom wirtschaftlichen Bankrott bedeutete! Es ist ja unbestrittene Tatsache, daß durch die Be- satzung nicht nur viel Geld ins Land gekommen, sondern auch große Profite gemacht sind. Nun ist zugegeben, daß die Ab- schätzUng des Schadens sehr schwierig ist. Die Gesamtforderungcn haben sich auf 17 Millionen belaufen, davon sind 13 Millionen als berechtigt anerkannt. Aber wir haben auch heute gehört, daß es sich eigentlich gar'nicht mehr darum handelt, den Leuten die erlittenen Verluste zu ersetzen, sondern vor allen Dingen darum, Mittel in die jiolonie zu schajfen, damit die Kolonisationszwecke im höheren Grade erreicht werden können als sonst. Das ging aus der Rede des Herrn v. Lindequist hervor, und das beweist klar der Satz, mit dem die zweite Denkschrift des Dr. Rohrbach schließt: „Für die Entscheidung über Gewährung oder Versagung der Hülfe werden allerdings weniger Erwägungen über die Bedürftig- keit der Ansiedler als die über den Wert oder Unwert der Kolonie an sich entscheidend sein."(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Angesichts der großen finanziellen Nöte, in denen wir uns im Reiche befinden, angesichts der Tatsache, daß im nächste» Jahre 100 Millionen neuer Steuern notwendig werden, angesichts der Tatsache, daß der größte Teil der Neichseinnahmen aus indirekten Steuern erhoben wird, die im wesentlichen von der arbeitenden Bevölkerung aufgebracht werden, lehnen wir daher die jetzt aufgestellte Forderung ab. (Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Scmler(natl.): Die Entschädigung für die Farmer ist notivendig, denn s e l b st können sie den Schaden nicht tragen, sie haben nichts. Die Kolonie braucht vor allem Geld, viel Geld! (Große Heiterkeit.) Aber angesichts der Hnnderte von Millionen, die bereits aufgewendet sind, sollte man jetzt vor den 8 Millionen nicht zurückschrecken! Man soll allen Farmern die vollen Mittel geben, die sie zu ihrem Betriebe brauchen, aber nicht als Geschenk, sondern als D a r l c h e n.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Ach. Kopsch(frs. Vp.): Es wird vom Reichstage verlangt, er solle freigebig sein; aber wir dürfen nicht vergessen, daß wir mit dem Gelde der deutschen Bevölkerung freigebig sein sollen!(Zu- stimmung bei den Freisinnigen.) Daß die Bevölkerung im Schutz- gebiete die Schuld an dem Aufstande dem Reichstage beimißt, wundert mich nicht— wollen doch die Farnuer und vor allem die Händler ihre eigene Schuld verdecken. Die Ausführungen vom Bundes ratstisch ermöglichen uns noch nicht eine endgültige Eni- scheidung; wir stimmen daher dem Antrag auf Kommissioitsberatung zu. Man spricht hier zwar von einer Beihülfe, es handelt sich aber um eine Entschädigung; denn der Abstrich von einem Viertel dar im ganzen angemeldeten 17% Millionen Schäden ist sicherlich durch zu hohe Anmeldungen veranlaßt. Mit dem Hinweise auf die Konsequenzen der Bewilligung hat der Abgeordnete Bebel vollkommen recht.(Bravo! bei den Freisinnigen.) Abg. Herzog(Wirt. Ver.): Das Reich hat die moralyche Vor- pflichtung zur Beivilligung der geforderten Entschädigungen. So weit als möglich, sollte sie in Form von Vieh gegeben werden; das würde am ehesten zur wirtschaftlichen Hebung des Landes be,- tragen. Abg. v. Licbert(Rp.): Meine politischen Freunde sehen m der Frage eine nationale und eine Wirts cha f t l i che Seite. Die nationale sehen wir darin, daß Südwestafrika für uns ein Zteu- Deutschland werde, und dazu brauchen wir die alten Farmer. Die Wirt s cha ftlich e Seite sehen wir darin, daß wir eine SiedlungS- kolonie mit weißer Bevölkerung bekommen. Wir würden der Forde. rung schon jetzt zustimmen; da aber Kommissionsberatung be- antragt ist, werden wir für diese stimmen.(Bravo! rechts.) Die Debatte ist erschöpft. Der Antrag auf Heberwegung der Vorlag« an die Budgetkommission wird angenommen. Präsident Graf Stolberg: Wir kommen zum nächsten Punkt der Tagesordnung, der zweiten Beratung des Justizetats.(Rufe: Ver- tagen!) Abg. Bebel(Soz.)(zur Geschäftsordnung): Ich beantrage die Vertagung des Hauses. Es ist der Wunsch ausgesprochen worden, das; der Reichstag vor Pfingsten geschlossen wird. Dieser Wunsch ist begreiflich; er darf aber nicht erfüllt werden auf Kosten der Uebcranstrengung des Hauses. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es geht absolut nicht an, daß wir setzt regelmäßig bis 8 und 9 Uhr des Abends tagen. Diejenigen, die in den Kommissionen arbeiten, sind gezwungen. morgens um WO von Hause fortzugehen und abends gegen 9 Uhr kommen wir nach Hause. Man hat doch auch noch was anderes zu tun. Und dann— wir haben jetzt acht Tage lang über Arbeite� schütz gesprochen— da wollen wir doch vor allen Dingen auch einmal der Herren Beamten dieses Hauses, der Beamten im Steno» graphischen Bureau, der Maschinenschreiber und-Schreiberinnen. dann auch der Herren auf der Tribüne gedenken.(Sehr richtig!) Eine ganze Reihe von Zeitungen sind auch aus technischen Gründen nicht imstande, über die nach 7 Uhr stattfindenden Verhandlungen zu berichten. Dabei sind auch wir interessiert daran, daß es geschieht.(Abg. Dr. Arendt(Rp.): G e s ch i e h t ja!) Die sachlichen Beratungen des Reichstags selbst leiden bei dieser Hand- habung der Geschäfte. Ich beantrage also die Vertagung selbst auf die Gefahr hin. daß wir vor Pfingsten nicht fertig werden. (Bravo!) �,. Präsident Graf Stolberg: Ich schließe mich dem Antrage auf Vertagung an.(Lebhaftes Bravo I) � Nächste Sitzung: Sonnabend 11 Uhr.(3. Beratung der Ge. bührenordnung des Kaiser Wilbelmkanals. Zweit« Beratung des Justizetats.) Schluß 6% Uhr. � parlamentarilches. Zur Abgeordneten-Immunität Hat die sozialdemokratische Fraktion folgende Interpellation eingebracht: Der Reichstag wolle beschließen, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen das neuerdings in Frage gestellte Recht der Reichstags. abgeordneten, in Ansehung dessen, was ihnen in dieser Eigenschaft anvertraut ist, das Zeugnis zu verweigern» ausdrücklich festgestellt und ein gleiches Recht für Mitglieder eines Landtages oder einer Kammer eines zum Reiche gehörigen Staates begründet wird,«Mch die Beschlagnahme von GegenstSndea. die eine dieser Personen in dieser ihrer Eigenschaft erhalten hat, und von Auf. Zeichnungen, die sie in dieser ihrer Eigenschaft gemacht hat, untersagt wird. Aus der Budgetkommission. (Sitzung vom 19. April.) Vor Eintritt in die Tagesordnung beschwert sich Abg. Sem- lex sehr lebhaft über schlechte Berichterstattung aus der Budgetkommission: In den„Hamburger Nachrichten" werden ihm die Worte in den Mund gelegt:„Als Interessent wolle 0r sich zu der Wörmann-Angclegenheit nicht äußern". Er hat das gerade Gegenteil gesagt, und er betont, daß ihn keinerlei Interessen mit Wörmann verbinden; auch Bebel gegenüber seien in dieser Beziehung einige Richtigstellungen am Platze. Ag die Beschwerde Semlcrs knüpft sich eine lebhafte AuS» spräche. Frhr. v. H erkling möchte die Berichterstattung ganz untersagen! Dagegen wenden sich Singer, Bebel und Paasche; Erzberger möchte eine offizielle Berichterstattung eingeführt wissen. Der Bericht des offiziösen Wolffschen Depeschen- bureaus über den Fall Tcsch sei beispielsweise total falsch gewesen. — Die ganze Angelegenheit bleibt schließlich auf sich beruhen. Abg. Bebel gibt der Meinung Ausdruck, daß schon infolge der Aussprache Besserung eintreten werde. Dernburg teilt nunmehr ein soeben eingetroffenes Tele- gramm mit, wonach auf den Karolinen die ganze Ernte durch einen Taifun vernichtet sei, so daß Hungersnot eingetreten ist. Durch einen Nachtragsctat soll Hülfe geschaffen werden. Die Beratung des Kolonialctats wird bei den Einmaligen Ausgaben fortgesetzt: Für Unterstützung der Bestrebungen, Acntralafrika zu erschließen, werden 200 000 M. bewilligt.— Tie Forderung von 18 000 M. für einen Kolonial-Attache in London und Paris gibt Anlaß zu längerer Debatte; man ist der Ricinung, daß solche Beamte viel besser in fremde Kolonien gesandt werden, statt sie in den Großstädten sitzen zu lassen. Diesen Standpunkt vertritt insbesondere Genosse Lcdebour. Außerdem verlangt Ledebour, ebenso Erzberger, daß die Rechtsverhältnisse der Eingeborenen studiert werden. Ueber diese Forderung entspinnt sich eine lange Debatte. Dernburg erkennt die Wichtigkeit der Frage an, aber sie Hätz nach ihm nur historisch-theoretische Bedeutung. Eine Kodifizicnmg des Eingcborcncnrechts sei weder möglich noch er- strebenswert! Man wolle doch modernes Recht in den Kolonien zur Geltung bringen.— Arendt ist der Meinung, daß eö ein Eingeborenenrecht Überhaupt nicht gibt!— Ledebour nimmt ihn wegen dieser Aeußerung hart mit; unter starker Heiterkeit iviedcrholt Arendt indessen diese Behauptung mit noch größerem Aachdruck. Die Position wird bewilligt, aber' die Bestimmung über die Verwendung des Geldes wird erweitert, so daß den geäußerten Wünschen Rechnung getragen werden kann. Für Vorarbeiten zur Erschließung der Schutzgebiete werden 000 M. genehmigt. Die Forderung von 20 000 M. für die Kolonieschulcn Wihenhausen und Hllnfeld führt zu einer überraschenden Entdeckung: Abg. L a t t- mann hat Material von den Schulen erbeten, dabei aber erfahren, daß eine Koloiualschule Hünfeld gar nicht existiert! Die Polizei hat ihn, mitgeteilt, daß aber eine Missi-nsanstalt daselbst bestehe!! Dieser M i s s i o n s a n st a l t sind bisher die 10 000 M. zugewandt worden!!! Dernburg hat den Posten von der früheren Kolonialvcrwaltung übernommen— er weiß von nichts. In der nächsten Sitzung soll nähere Auskunft gegeben werden.— Die Budgetkommission besprach dann noch eingehend die Regelung der NeichSzuschüsse zu den Kolonien. Erzberger will, daß erstens die Zuschüsse nur subsidiär sein sollen, das heißt, daß Ersparnisse an- den Zuschüssen an das Reich zurückgezahlt werden müssen. Zweitens sollen die Zuschüsse beschränkt werden auf die Ausgaben für Militäreisenbahnen und Hafenbauten.— Dernburg ist im Prinzip mit einer solchen Regelung einverstanden, aber jetzt seien, wie er ausführt, die Boraussetzungen noch nicht geschaffen. Erst müsse Stabilität in den eigenen Einnahmen der Kolonien bestehen; die Kolonien müßten eine gewisse Selbstverwaltung haben, welche Einnahmen und Ausgaben selbständig festsetzt. Die ganze Frage wird an eine Sonderkommission verwiesen, welche Vorschläge machen soll. Die offiziöse Meldung über den verheerenden Taifun lautet: Berlin, 19. April. Kolonialdirektor Dernburg teilte in der heutigen Sitzung der Budgetkommission des Reichstages folgendes mit: Nach einer telcgraphischen Meldung des Bezirksamtes Jap hat am Karfreitag in der Südsee ein schwerer Taifun die nord- östlich der Nord-Karolinen gelegenen Ululsi�Jnseln berührt und schwere Verwüstungen angerichtet. 230 von 800 Eingeborenen sind tot. Die KokoSpalmcnbcstände sind vernichtet; NahrungS- Mangel ist zu befürchten. S. M. Vermessungsschiff„Planet" hat sich, durch einen wracken japanischen Schooner benachrichtigt, sofort an Ort und Stelle begeben, uni Hülfe und Nahrung zu bringen. Auch der Postdampfer„Germania" der Jaluit-Gesellschaft hat sich zur Verfügung gestellt, um möglichst viele Eingeborene nach den Palau-Jnseln und den Marianen überzuführen. tk Ergebnisse der Budget-Debatten in der Duma. Petersburg, 15. April.(Eig. Ber. Die allgemeinen Debatten über das Budget sind zu Ende. Die Aufstellung für 1907 ist mit allen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Sozialrevolutionäre einer Budget- kommisiion überwiesen worden. In den Budgetdebatten haben sich klar alle unheilvollen Mißstände und Gegensätze abgespiegelt, die für die nächste Zukunft noch weiter in Betracht kommen werden, w.shalb wir eine zusammenfassende Darlegung der Debatten für angezeigt halten. Was zunächst das Budgetrecht der Duma anbelangt, so haben wir auf dessen staatsrechtliche und politische Einengung schon hin- gewiesen. In der letzten Budgetberatungssitzung kam der Finanz- minister Kokoffzcw auch auf dieses Thema zu sprechen, und er versuchte, die Anschuldigungen zu entkräften, daß die Regierung das Budget durch die Beschränkungen fast vollständig dem korrigierenden Eingreifen der Volksvertretung entzogen habe. Von den 2472 Millionen des Budgets seien, so sagte Koloffzew, nur 002 Millionen unantastbar und 689„leicht gepanzert", 1230 Mil- lionen der Ausgaben blieben ganz der Bestimmung der Duma überlassen. Der Minister verschwieg aber, daß die„leicht ge- panzerten" Posten nur durch besondere langwierig: �ofetzgeberische Akte gekürzt werden können, und daß in der letztgenannten Summe schwer miodifizierbare Ausgaben stecken, die für die Wirt- schafilichen. Unternehmungen des Staates notwendig sind. Es bleiben so im ganzen nur 200 Millionen übrig, über welche die Duma ein ernstes Wort reden kann. Also nur ein ganz ber- schwindend kleiner Bruchteil. Man sieht, der russische Minister ivollte auch in diesem Falle vor dem Ausland nur das„verfassungs- mäßige" Zustandekommen des russischen Budgets demonstrieren, um die Herzen der Geldgeber zu gewinnen. Die Volksvertretung legte natürlich Gewicht darauf, diesen Schwindel öffentlich an- zunageln, und das gelang ihr auch vortrefflich. Es gab in d ie s e r Frage zwischen den einzelnen Parteien der Opposition keine Meinungsverschiedenheit. Einstiminig erklärten sie alle, daß von einer wirklichen Kontrolle deS Staatshaushalts bei der Karikatur des russischen Budgetrechts nicht die Rede sein könne, abgesehen von den übrigen staatsrechtlichen und politischen Hindernissen, die eine wirksame Kontrolle des Budgets in Rußland illusorisch machen müssen, wenn das Budgetrecht durch die Beseitigung des Budget- statuts vom 8.(21.) März 1906 auch wesentliche Erweiterungen erfahren würde. Selbst das beste Budgetrecht könnte in k u r z e r Zeit in den seit Jahrzehnten bestehenden Mißständen keinen Wandel schassen. Nur eine gründliche U m g e st a l t u n g des ganzen Rechtsstatuts und eine durchgreifende Stärkung der sozialen und parlamentarischen Rechtsgarantien vermöchte bei der Zer- fahrenheit der russischen Finanzverhältnisse eine wirkliche Besserung der Finanzlage zu bewirken. Trotzdem waren die Kadetten für die Kommissionsberatungen, und zu ihnen gesellten sich, wenn auch nicht aus den gleichen Gründen die Volkssozialisten und Trudowiki. Zweierlei soll bei den Kommissionsberatungen erreicht werden: Man will versuchen, einen Blick in die dunklen Geheimnisse der russischen Finanzen zu werfen, was aber kaum gelingen dürfte, da es sehr fraglich erscheint, ob der Kommission die betreffenden Materialien zur Verfügung gestellt werden. Dann aber will man die Regierung zu Konzessionen zwingen! Wie das zu erreichen sein soll, wo es für die Regierung schon jetzt gewiß ist, daß die Mehrheit für die Genehmigung deS Budgets stimmen wird, das ist nicht recht klar. Wir haben da also ein Stückchen aus der Schacher- taktik der Liberalen, die ja nie haben begreifen können, daß auf diesem Wege nie und nimmer bleibende Resultate zu erlangen sind, sondern nur moralische und politische Verwirrungen in den eigenen Reihen. Auf diese Bedenken wiesen wiederholt die sozialdemokratischen Tagesblätter hin, so die„Narodnaja Duma" und„Nasche Echo". Zutreffend bemerkt die erstere: Den Umstand, daß auch die Re- gierung gezwungen ist, die Duma zu schonen, habe die Mehrheit der Duma nicht auszunutzen gewußt. Dadurch, daß der Etat einer Kommission überwiesen wurde, so schreibt„Nasche Echo", hat man dem Auslande zu verstehen gegeben, daß der Etat die Sanktion der Duma erhalten wird, und die Folge war eine Hebung der Renten- kurse auf den verschiedenen Börsen und das Jauchzen der deutschen Börsenblätter. Wohl heißt es bei den am weitesten links stehenden Liberalen und Demokraten, daß die Regierung nicht so ohne weiteres auf eine Gutheißung des Budgets hoffen könne, am aller- wenigsten auf die Genehmigung einer Anleihe; man wird jedoch nicht fehlgehen in der Annahme, daß mit der Eröffnung der Kom- inissionSberatungen der Regierung das Budget so ziemlich gesichert ist. Sollte die Dumamehrheit auch später die Zustimmung zu einer Anleihe versagen, der Kredit der Regierung wird jedenfalls gestärkt sein und es wird ihr dann weniger schwer fallen, unter Berufung auf die Budgetsanktion der Duma neue willige Geldgeber zu finden. Daher auch das Frohlocken der»Nowoje Wremja", die ihre Re- dattionsbemcrkungen zu der Budgetabstimmung mit der kenn- zeichnenden Aufschrift versieht:„Der erste Schritt!"„Gewiß,„der erste Schritt" zu weiterem Feilschen und Markten," so bemerkt „Nasche Echo". Der Duma wird nur die kleinliche Flickarbeit ge- lassen werden, während die Bureaukratie nach wie vor schalten wird. Von diesem Standpunkt aus beleuchtete der sozialdemokratische Abgeordnete Alcxinski das Budget am zweiten Budgettage.„Die Budgetfrage in Rußland ist ei.ne Frage der allgemeinen Politik", führte er aus,„der inneren wie auch der aus- wältigen. Die innere Politik der Regierung ist eine Politik der Verdummung, der Gewalt und der groben Mästungsinteressen. Bc- trachten Jvir die einzelnen Zweige der Staatslvirtschaft, so sehen wir, daß sie nur die inländischen und ausländischen Parasiten bereichern. Seit dem Jahre 1900'bringen unsere Eisenbahnen nichts als Defizite. Eine ganze Reihe von Kreditinstituten dient aus- schließlich dem Zweck, den Adel zu unterstützen und verkrachten Edelleuten auf die Beine zu helfen. Die Staatsbank steht am Rande des Abgrundes. Daß es mit den Kronsparkajsen nicht besser bestellt ist, weiß man zur Genüge; die Duma darf aber in die Rechnungen dieser Institutionen keinen Blick tun! In der aus- wältigen Politik spielt die Regierung den„internationalen Gendarmen", oder sie treibt eine Abentcurerpolitik, die uns in den ostasiatischen Krieg verwickelte und dem Volke eine neue Schulden- last von beinahe drei Milliarde» aufwälzte."— In bezug auf das Verhalten der Kadetten zum Budget führte Alexinski aus:„Sie machen gegen das Budget nur unwesentliche Einwände, ihre Politik ist nur von dem Wunsche beseelt, um jeden Preis eine Einigung mit dem alten Regime zu erzielen." Auf dem Hintergrunde der sozialistischen Kritik hoben sich die von den verschiedenen Rednern vorgebrachten Einzcltatsachen um so deutlicher hervor. Der Exminister Kutler aus der Kadetten- Partei hatte darauf hingewiesen, daß im Budget eine Reihe von Einnahmen und Ausgaben überhaupt nicht angegeben sind, wie z. B. daS ganze Ressort der Kaiserin Maria Feodorowna. Dieses Ressort hat u. a. den gesamten Handel mit Spielkarten, in seine Kasse fließt eine besondere Vergnügungssteuer, es erhält von der Krone die beträchtliche Unterstützung von 2,5 Millionen Rubel. Wie aber alle diese Gelder verwaltet werden, davon erfährt kein Mensch etwas. Nicht einmal die Beamten auS dem Reichskontrollamt! Ein ganz besonderes Bild bietet der Anhang zum Budget. Nur etwa 11 Proz. der Einnahmen fließen aus direkten Steuern, die übrigen aus indirekten! Die Branntweinsteuer allein er- reicht bei uns 706 Millionen. Die Hauptlast dieser Steuer wird von der armen Bevölkerung getragen. Mithin ist unser ganzes Budget auf dem Branntweinmonopol aufgebaut, was einen finan- ziellen und moralischen Krach der ganzen Volkswirtschaft Rußlands bedeutet.(d�B. Nicht umsonst nennt denn auch ein Publizist unser Budget das„besoffene Budget" l) Verderblich ist auch unser Zoll- shstem. Sogar die direkten Steuern, z. B. die Gewerbesteuern, werden größtenteils von der armen Bevölkerung getragen. Der Monopolhandel, die Eisenbahnvcrwaltung und sämtliche Operationen der Krone sind schlecht organisiert. Um z. B. die Pferdezucht zu heben, gibt die Krone nach Berechnung Kutlcrs durchschnittlich 1500 Rubel pro Pferd aus, während der Preis der Pferde etwa 200 Rubel beträgt!? Diese mehr in die einzelnen Teile des Budgets sich vertiefende Kritik setzten besonders scharf und sachlich die Redner der polnischen Fraktion, Jan Stecki und Schukowski, fort. Ueber die Verschuldung Rußlands gab eine eingehende Darlegung der Redner der Volkssozialisten, Alaschejew: Die großen Schulden Rußlands find in den letzten 20 Jahren entstanden. Die Steuerkraft des Volkes hat schon längst ihre Grenzen erreicht. Die Jahres- einnahmen des Russen betragen im Durchschnitt nur 62 Rubel, Rußland bleibt also sogar hinter Portugal zurück! Nun zahlt aber z. B. der Bauer des Gouvernements Moskau nicht weniger als 45 Rubel an indirekten Steuern. Eine Bauernfamilie dieses Gouvernement» mit ihren 250 Rubel Gesamteinnahmen jährlich gibt also ein Viertel ihrer Einnahmen an die Kronskasse ab. In anderen Gouvernements finden wir, daß die Steuern und Ab- gaben sogar 50 Proz. de» Bauernbudgets verschlingen. Auf dieser Grundlage kann sich der Staatshaushalt also nicht mehr lange halten. Von den 9 Milliarden Schulden, die die Regierung dem Volke aufgehalst hat, wurden nur etwa 2 Millionen für die Be< dürfnisse der Bauern assigniert, mit dem Ausbruch de» Krieges wurde aber auch dieser geringe Kredit gestrichen. DaS ist Raub- Wirtschaft schlimmster Sorte, die da» Grundkapital de» Volks- Wohlstandes zerstört hat. Dem Auslande find diese Resultate unserer Staatewirtschaft nicht unbekannt. Solange die Volks- Vertretung nicht der wirkliche Mandatar de? Volkes ist, aus- gestattet mit wirklichen Rechten, haben wir auch nicht das Recht, das Budget zu genehmigen. Und wie lautete die Antwort der Regierung auf alle diese Ausführungen? Hören wir das Urteil der sog.„mäßigen" und übermäßigen Presse:„Slowo" findet, daß der Finanzminister nur den„oberflächlichen Kommentar eines Buchhalters" gegeben habe. Er hätte in seiner einleitenden Rede ein Gesamtbild der finanziellen Lage deS Reiches geben müssen und sich nicht mit der Aufzählung einiger trockenen Daten begnügen dürfen. Die „St. Petersburger Zeitung" hat für das Auftreten des Finanz- Ministers Kökoffzew folgendes Urteil:„Er gab nicht einen Ueber- blick über die grundlegenden Prinzipien der staatlichen Wirtschaft, sondern er bewegte sich in recht allgemeinen, inhaltlosen Phrasen." — Wohl den treffendsten Kommentar zu den Debatten und der gesamten Finanzlage des Reiches gab ungewollt die„Nowoje Wremja", die schreibt:„Der Kredit eines Staates wird am besten durch den Kurs seiner hauptsächlichsten grundlegenden Fonds charakterisiert. Nehmen wir unser wichtigstes Papier, die Rente, die 2,8 Proz. bringt. In der zweiten Hälfte der neunziger Jahre und in den ersten Jahren des jetzigen Jahrhunderts, bis es anfing nach Krieg zu riechen, stand die Rente auf 97 bis 101. Am Tage, wo der Krieg begann, stand sie auf 94, als Port Arthur fiel 90�, Mulden 89%, Tsuschima 82%, Friede von PortSmouth 85. Die inneren Unruhen aber haben die Rente auf 72 bis 73 gebracht." In dieser Zahlenreihe liegt auch teilweise daS Geheimnis unserer politischen EntWickelung und die Frage über Sein oder Nichtsein der Volksvertretung in Rußland eingeschlossen. Eine gesunde, anhaltende AufwärtSbewcgung in diesen Zahlen ist un- denkbar, solange Rußland nicht radikal mit der zaristischen Ver- gangenheit gebrochen haben wird. Die nüchterne Prüfung muß zu dem Urteil kommen, daß die Finanzlage Rußland? nach wie vor dem Ausland zu den größten Besorgnissen Anlaß geben muß. Das billige Flittergold der Reden KokoffzewS in der Duma kann ebensowenig über den drohenden Krach hinwegtäuschen wie die Spielerei eines rückgratschwachen Liberalismus mit Budget- genehmigungen und illusorischen Parlamentsrcchten. £Iiis der Partei. Borbercitungen zur Maifeier. Die organisierte Arbeiterschaft von Erlangen hat beschlossen, von der bisherigen Form der Maifeier, die immer am Sonntag nacb dem ersten Mai abgehalten wurde, abzugehen und sie am 1. Mai selbst durch Arbeitsruhe zu begehen. Der Beschluß wurde dadurch veranlaßt, daß die Zahl der Feiernden mit jedem Jahre bedeutend zugenonuiicu hat. In Fürth i. B. hat der Stadtmagistrat die Genehmigung zur Veranstaltung eines Maisestzuges erteilt. Da aber der Stadt Fürth die Befugnis zur Ausübung der Distriktspolizei entzogen ist. hat hierüber noch das Bezirksamt zu entscheiden, das bisher stets hinter- her ein Verbot erlassen hat._ Bon den Organisationen. Der sozialdemokratische Verein für den Wahlkreis H a ni m- S o e st hat in letzter Zeit ein ersrenlichcs Steigen der Mitgliedschaft zu verzeichnen. Sie hat die Zahl 1400 überschritten. Der sozialdemokratische Verein Stuttgart beschloß nach längerer lebhafter Debatte, den Monatsbeitrag aus 40 Pfennig zu erhöhen. Nnsere Toten. In Leipzig-Stötteritz starb, erst 53 Jqhre alt, der Genosse Robert Wölfe l. Ein Menschenalter hat er. so schreibt die„Leipziger VolkSzeitung", mit seiner ganzen Kraft der Partei gedient. Unter der Schreckenszeit des Sozialistengesetzes kämpfte er mit im Vordertreffen. Die Genossen sandten ihn in den Gemeinderat zu Thonberg, dem er bis zur Auflösung des Gemeinde- rats infolge der Einverlerbung Thonbergs in das Stadtgebiet Leipzig angehörte. Unerhörtes auS Württemberg. Der Stuttgarter Gemeinde- rat genehmigte das Gesuch des sozialdemokratischen Vereins um Ueberlassung des städtischen BolkSfestplatzes auf den Cannstätter Wiesen zur Abhaltung einer großen Volk«. Versammlung anläßlich de» am 13. August hier beginnenden internationalen Soziali st enkongresseS. Alle Perücken in Preußen und gleichwertigen Bundesstaaten werden sich gen Himmel sträuben. Der Antichrist im österreichischen Wahltampfe. AuS Marienbad wird der„Wiener Arbeiterzeilung" geschrieben:„Sonntag fand in dem benachbarten Hohendorf eine Wählerversammlung unserer Partei statt. Die Christlichsozialen gerieten in heillosen Schrecken, daß in Hohendorf. daS ganz nahe beim Stift Tepl gelegen und ganz aus Stistsbesitz gebaut ist— man denke I—, eine sozialdemokratische Bersammlung abgehalten werden soll. Die christlichen Brüder schlugen infolgedessen Plakate folgenden Inhalts an: Warnung. Liebe, gutgesinnte Christen I Es wird euch schon bekannt fern, daß Sonntag, den 14. April, der Antichrist zum Soziwirt Schuster in Hohendorf kommt und eine Versammlung für die Sozi abhalten wird. Hütet euch daher und haltet fest zu eurem Glauben, denn nirgends in der ganzen Umgevung gibt solchem P o f e l von Sozi jeinand Unterkunft als der Soziwirt Schuster von Hohendorf. Die Bersammlung war infolge dieser Art Agitation glänzend besucht. Die Bauern. Arbeiter und Lehrer aus der ganzen Um» gebung waren zusammengekommen und lauschten mit großer Be» geisterung den Ausführungen des Genosten de Witte auS KarlS- bad. Die sozialdemokratische Kandidatur wurde unter stürmischem Jubel einstimmig angenommen. Den„Antichrist" als Agitations- mittel gegen uns anzuwenden, daS heißt doch vre Rüstkammer des Mittelalters ausplündern." poli-eitlcbes, ßerlcktticbea usw. Die GefSngnlSkost als Strafe. Die.Arbeiter» Zeitung" �u Dortmund berichtet: Unser LandcSverttauenSmann, Genosse Mar König, hat gestern auf Staatskosten an der Lübeckerstraße Wohnung genommen. Er wird einen Monat dort bleiben, um— einen Zeitungsartikel zu sühnen, für den ihn als Herausgeber der „Wahrheit" der Staatsanwalt verantwortlich gemacht hat. Selbst- b e k ö st» g u n g wurde dem Genossen König v e r w e i g e r t mit der Motiviernng. daß eine Gefängnisstrafe mit Selbstbeköstigung— keine Strafe sei. Nach der Ansicht der maßgebenden Kreise besteht also bei Gefängnishaft die eigentliche Strafe in der Kost. Der Küche an der Lübeckerstraße wird da allerdings kein besonders gutes Zeug» nis ausgestellt._ Mus Industrie und ftandel« Fette Gewinne! Räch dem Geschäftsbericht der Badischen Anilin« und Sodafabcik wurden im letzten Jahre zuzüglich des Gewtnnvortrages 18 41S 235 Mark Rohüberschuß erzielt. Der verfügbare Ueberschuß stellt sich auf.13 605 423 M.. gegen 1906 664 424 M. mehr. Räch Ab- schreibungen in Höhe von 4 453435 M. verbleibt ein verfügbarer Reinüberschuß von 8823 518 M. Daraus werden auf das 21 Millionen Mark betragende Aktienkapital 30 Proz. Dividende (1905: 27 Proz.) verteilt, 1230 249 M. als Gewinnanteile und Be» lohnungen ausgeschüttet und 1 293 169 M. auf neue Rechmur» vor« getragen. Ende Dezember waren 7BB1 Arbeiter beschäftigt. Diese Zahl als Jahresdurchschnitt unterstellt, ergeben sich pro Kopf der Be- schäftigten folgende Gewinnziffcrn: verteilter Reingewinn Rohgewinn Abschreibung M. M. 243» 589 834 Di« letztjährigen Abschreibungen machen über 21 Proz. des Aktienkapitals aus. Reserven stehen in Höhe des Aktienkapitals und der Anleihen zu Buch. An der Duisburger Kupferhütte ist das Unternehmen mit 1 280 000 M. beteiligt. Im Geschäftsbericht wird bemerkt, der Geschäftsgang sei ein guter gewesen. Das kann kaum bestritten werden. WaS aber haben die Arbeiter bekommen? Erneuter Aufstieg der Gctreidepreise. Die Hoffnung, mit der die Konsumenten in das Jahr 1907 hineingingen, daß der Rückgang der Getreidepreise gegenüber dem Vorjahre andauern werde, erwies sich schon im Februar als trügerisch; die Preise gingen allmählich wieder über den vor- jährigen Stand hinaus. Dann kam wohl wieder eine kurze Zeit der Abwärtsbewegung, so daß eine einheitliche Tendenz aus der Bewegung der Getreidepreise schwer herauszulesen war. Jetzt aber hat eine erneute Aufwärtsbewegung eingesetzt, die, wie in der landwirtschaftlichen Fachpresse ausgeführt wird, von längerer Dauer .fein wird und deshalb besondere Beachtung verdient. Nach den Notierungen der Preisberichtsstelle des deutschen Landwirtschaftsrats kostete nämlich Mitte April in Berlin eine Tonne in Mark: 1903 1904 1905 1906 1907 Weizen.. 163 177 174 176'/z 192 Roggen.. 133 134 133>/z 160'/� 172 Roggen ist. heute um beinahe 10 Proz. teurer als Weizen in der gleichen Zeit 1903 1 Er ist in den letzten fünf Jahren um nicht weniger als 30 Proz. hinaufgeschnellt und Weizen ist nicht weit dahinter zurückgeblieben. Dieser Abstand ist aber nicht nur in Berlin besonders scharf, sondern auch an den anderen Getreide- Märkten ist der Preis mit gleicher Vehemenz, ja vereinzelt sogar noch stärker gestiegen. So ergibt ein Vergleich des Weizen- und Roggenpreises mit dem Vorjahre bei nachfolgenden Städten diese Spannung: Weizen Roggen 1906 1907 1906 1907 Danzig... 178 187—196 1B2— 1B3 165—166 Stettin... 160-172 183—187»/, 145—153 164-169 Breslau... 173 183 154 163 Frankfurt a. O..-— 150 165-168 Dortmund,. 180 192 165 179 Neuß..., 165-175 187.148-158 170 Auch diese wenigen Stichproben zeigen durchweg, wie erheblich der Preis für Brotgetreide über dem des Vorjahres steht. Ver- gleicht man mit dem Preisniveau Mitte März, so ist evident, daß die letzten Wochen im Zeichen der Aufwärtsbewegung standen. Zur Lage des Llcincisengewcrbcs. Aus der am Dienstag in Hagen unter dem Vorfitze des Herrn Kommerzieyrates Fmtcke ab- gehaltenen Hauptversammlung des Vereins der Märkischen Klein- eisenindustrie berichtet die„K. V.-Ztg.": Es wurde zunächst der Jahresbericht erstaltet. Aus diesem geht hervor, daß zurzeit 188 Firmen dem Vereine angehören, die sich auf die Kreise Hagen Stadt und Land, Schwelm, Altena, Iserlohn, Lüdenscheid, Hörde, Witten, Warstein, Brilon und Meschede verteilen, lieber die Lage des Kleineisemjewerbes sagt der Bericht, daß es fast ausnahmslos reichlich beschäftigt war. Die öffentliche und private Bautätigkeit brachten große Nachfrage nach Baubeschlägen, Schlössern, Schrauben usw., ebenso nach Werkzeugen, wie Hämmern,« Zangen usw. Das Geschäft mit dem Auslande hatte aber kleinen Rückgang zu ver- zeichnen, wobei fich die Wirkung der neuen Zollverhältnissc bereits unangenehm fühlbar machte. Die Einfuhr von Kleincisenwaren nahm um 24,44 Proz. zu, während die Ausfuhr um 1,54 Proz. zurückging. In den Kreisen Hagen und Schwelm stieg die Zahl der Kleineisenbetricbe von 433 auf 448, die der Arbeiter von 19 800 auf 21300. In der ganzen Berufsgenossensckaft des Kleineisengcwerbes von Rheinland und Westfalen stieg die Zahl der Betriebe von 7368 auf 7443, die der Arbeiter von 165 769 auf 210 041. Die Zahl der Arbeiter in diesem Zweige hat sich in den letzten 10 Jehren fast verdoppelt, während sich die Zahl der Betriebe nur wenig erhöhte. GeschSstsergebnisse. Bensberg- Gladbacher Berg- Werks- und Hütten- Akt.- Ges.„Berzelius" in BenSberg. Der Bruttogewinn de« Gruben- und Hüttenbetriebes beträgt 598 327 M. l335 244 M.). Der Reingewinn stellt fich auf 264 369 M.(120 243 M.). Die Aktionäre erhalten 6 Prozent <3 Prozent).— V e r. Ravenösche Stabeisen- und Träger« Handlungen Akt.- Ges. in Berlin. Die Gesellschaft er- zielte in dem verflossenen ersten Geschäftsjahre einen Bruttogewinn von 1 933 489 M. Aus dem mit 1 041 992 M. verbleibenden Reingewinn wird eine Dividende von 10 Prozent auf das 8»/, Mill. Mark betragende Aktienkapital in Vorschlag gebracht.— Saganer Wollspinnerei undWeberei. Der Aufsichtsrat hat beschlossen, der Generalversammlung nach wiederum starken Abschreibungen die Verteilung einer Dividende von 12 Proz. auf die Vorzugsaktien und von 6 Proz. auf die Stammaktien vorzuschlagen.— Zinkhütten- Gesellschaft de la Vieille-Montagne in Angleu r. Nach dem Geschäftsbericht für 1906 ergibt sich ein Rohüberschuß von 12 018 202 Fr. si. V. 10 488 849 Fr.), ein Gewinn von 10677319 Fr. (i. V. 9120 938 Fr.) zu folgender Verwendung: Abschreibungen 3 525 000 Fr.(i. V. 2 500 000 Fr.). Reserve 1282 949 Fr. si. V. 1 226 913 Fr.), Tantiemen 301 843 Fr.(I. V. 766 820 Fr.). 45 Fr.(i. B. 40 Fr.) Dividende auf die Aktie gleich 5 062 500 Fr. M. Rundfcbau. D«S Ende des Reiches. Deutschland und Preußen im Zeitalter der großen Revolution. Von Kurt Eisner. Verlag Buch- Handlung Vorwärts. Das Werk will, um mit der Vorrede zu sprechen, einen Beitrag zu dem„großen Problem der politischen und wirtschaftlichen Weg- scheidung der europäischen Kulturen" liefern und hauptsächlich Materialiensammlung sein. Als bloße Materialiensammlung ist es jedoch nicht anzusprechen. In fünf weitangelegten Kapiteln gibt es eine Schilderung vorzugsweise der politischen und diploma- tischen Zustände und Begebenheiten Preußens in den letzten anderb halb Jahrzehnten vor dem Zusammenbruch des Jahres 1806. Es ist, um das vorwegzunehmen, ein Verdienst des Werkes. eingehender auf zeitgenössische Quellen zurückgegriffen zu haben. Dem sozialdemokratischen Schriftsteller sind die amtlichen Archive verschlossen. Was aus ihnen veröffentlicht wurde, ist zum größeren Teile verstümmelt und in seiner wahren Gestalt durch eine servile Geschichtsschreibung verdeckt. Es hat der byzantinischen Haus- legende dienen müssen, die in keinem Lande üppiger wuchert als in Preußen, weil nirgendwo soviel an dynastischer Borniertheit und Perfidie zu verdecken war. Hier bietet nur die zeitgenössische Literatur eine wenn auch nicht vollwichtige Ergänzung. Denn ein Bürgertum im modernen Sinne war am Schluß des 18. Jahr- Hunderts erst im Entstehen und sein Klassenegoismus wagte sich politisch kaum hervor; das Zeitungswesen stak noch völlig in den Kinderschuhen und das ganze Schrifttum unterlag einer straffen Zensur. Trotzdem ist die Ausbeute, die der Verfasser liefert, eine reiche. Erwähnt sei u. a. die stärkere Heranziehung der sogen. Pamphletliteratur. Zweifellos ist sie nur mit Vorsicht zu ge- brauchen, aber sie bietet doch des Historischen die Hülle und Fülle und ohne Frage mehr als in anderen Ländern unter anderen Verhältnissen. War und ist doch die preußische Wirklichkeit nichts anderes als ein fortlaufendes Pamphlet auf Recht und V«tninft. Der Titel des Buches schmeckt einigermaßen nach Sensation und greift, wie schon aus der näheren Bezeichnung der Aufgabe hervorgeht, die der Verfasser sich gestellt hat, über den Rnh«en dieser letzteren hinaus. Im frldericianischen Staat potenzieren sich wohl die Ursachen, die zum Zerfall des tausendjährigen deutschen Reiches führten und seine Geschichte läßt sich zu einer solchen des gesamten Reiches erweitern. Da aber der Verfasser das letztere weder getan noch beabsichtigt hat, so hätte auch der Zwiespalt zwischen dem etwas romanhaften Titel und dem Inhalt des Werkes vermieden werden sollen. Diejenigen Partien sind am besten gelungen, bei denen der Verfasser die Erfahrungen und die Schulung des politischen TageS- schrlftstcllcrs zu verwerten in der Lage war. Die Darstellung der politischen Situationen und der diplomatischen Kreuz- und Querzüge zeugen von großer Kenntnis des Details. Die Ereignisse treten uns in lebendiger Anschaulichkeit entgegen, manches, wie der Baircuther„Neutralitätsbruch", der Zarenkult der Königm die widerliche Possenszene, die sie zu Tilsit vor Napoleon auf- führte, u. a. wird durch neue Gesichtspunkte beleuchtet. Einzelne Charaktere freilich scheinen uns verzeichnet, einzelne Begebenheiten nicht in ihrer vollen historischen Tragweite erkannt. So kommt u. a. die gefallsüchtige, verschwenderische, intrigante Königin, die sich beklagt, nur drei Gänge zu Mittag zu haben, während unter ihren Augen die Provinz Ostpreußen von den Russen schonungs- loS verwüstet wurde, zu glimpflich weg. Ihre Feindschaft gegen den Reichsfreiherrn vom Stein ist nicht mit der genügenden Schärfe hervorgehoben. Ueberhaupt findet die Persönlichkeit Steins seitens des Verfassers nicht die rechte Würdigung. Wenn schon die gleich- mäßige Besteuerung der Getränkefabrikation, des Schlachtens und des Weißbrotbackens, die Stein 130S nach seinem Eintritt in das Generaldirektorwm vorschlug, um eine größere Gleichheit zwischen Stadt und Land anzubahnen, als„liberale kapitalistische Tendenzen" angesprochen werden, so schießt das auch über das Ziel hinaus. Auch Steins Vorstoß gegen die Kabinettsregierung scheint in feiner vollen, von Stein beabsichtigten Bedeutung nicht erfaßt. Ihm handelte es sich nicht um einen Kampf gegen Symptome, sondern gegen das System, und er war einer der wenigen, die die Not- toendigkeit eines völligen Shstemwechsels begriffen. Dieser aber präsentierte sich vor Jena zunächst als Personalfrage in der Re- gierung, die gelöst werden mutzte, sollte überhaupt die Aussicht auf weitere Reformen sich eröffnen. Indem Stein gegen das Doppel- rcgiment von Kabinett und Ministerium und die zweifelhaften Persönlichkeiten und politischen Tagediebe in der Regierung vom Leder zog, traf er den Krebsschaden des Regierungssystems gerade in seinen beiden charakteristischen Symptomen, Punkte, wo eine Reformtätigkeit hätte einsetzen können und müssen. Daß nicht einmal diese Frage zu lösen gelang, zeigt nur, wie völlig unmöglich Reformen vor Jena geworden waren. Auch in anderer Hinsicht ist über die Persönlichkeit und Tätigkeit Steins etwas knapp und kurz hinweggegangen. Am wirksamsten und eindrucksvollsten wird die Darstellung dort, wo die Quellen selber reden, vor allem im dritten und vierten Kapitel, die den wirtschaftlichen und politischen Zuständen Preußens sowie der Hecresverfassung gewidmet sind. Der vernichtenden Wucht des Ouellenmaterials vermag sich der Leser nicht zu cnt- ziehen. Es ist eine Abrechnung mit der landläufigen Legende, die nicht ohne dauernde Wirkung zu bleiben verdient. Wir müssen es uns versagen, aus dem Vielen Einzelnes zu zitieren; es mag genügen, auf diese Teile des Werkes als die wissenschaftlich und politisch fruchtbarsten hingewiesen zu haben. Durch die Schläge von 1806 und 1848 ist die Position des Junkertums wohl erschüttert, aber nicht vernichtet worden. Es dominiert heute noch in Deutschland und die Untersuchung seiner„historischen Rechtstitel" ist daher für die Arbeiterklasse, die sich den junkerlichen Schnapphähnest je länger je mehr ausgeliefert sieht, stets von größtem Interesse. Um so willkommener wird manche gute Waffe sein, die das Werk bietet. Zu einer Einschränkung allerdings sehen wir uns auch hier genötigt. Der Verfasser ist uns mit dem Königtum noch zu schonend um- gegangen, wir hätten an manchen Stellen eine noch schärfere Her- vorHebung seiner totalen Abhängigkeit von der junkerlichen Raub- Politik gewünscht. Bisweilen scheint es, als sei der Verfasser der Meinung, im Ministerium sei mehr das junkerliche, im Kabinett mehr das bürgerlich-städtische Element zur Geltung gekommen. Darin liegt u. E. eine Verkennung deS historischen Ursprungs der Bureaukratie. Der absolute Staat bedurfte ihrer zur Bewältigung der verwaltungstechnischen Aufgaben. Friedrich Wilhelm l. ver- suchte, sich in ihr ein gewisses Gegengewicht gegen das Junkertum zu schaffen. Aber nachdem die Junker schon früher nur gegen Anerkennung der vollen Gutsherrlichkeit und ihrer sonstigen Privi- legten die Errichtung eines stehenden Heeres gestattet hatten, seit- dem sie aus diesem in immer höherem Maße eine feste Pfründe zu machen wußten, war diese Politik von vornherein zur Aussichts- losigkeit verurteilt. In Vreußen ist niemals wie tn Frankreich der Versuch gemacht worden, dem Absolutismus mit Hülfe des aufkommenden industriellen Bürgertums zum Uebergewicht zu ver- helfen, und hätten selbst die preußischen Könige Neigung dazu be- sessen, er hätte nicht unternommen werden können, weil die Bour- geoisie der Manufaktur und deS Handels nahezu völlig fehlte. So scheiterte die Polrtik Friedrich Wilhelms l. und wurde von Frie- drich II. völlig preisgegeben, um auch von dessen Nachfolgern nicht wieder aufgenommen zu werden. Die Bureaukratie ivar seitdcni nichts anderes als die Exekutive des durch den Absolutismus absolut herrschenden Junkertums und in der Kabinettsregierung kamen „städtische Interessen" nur soweit in Frage, als sie die Privat- schotulle des Oberjunkers, des Königs, betrafen. Ueber die Art, wie der Verfasser sich mit der sogen, historischen Schule, den Romantikern, überhaupt mit der philosophtschen und literarischen Widerspiegelung der Klassengegensätze jener Tage ab- findet, wäre manches zu sagen. Wir nähern uns damit den Teilen öes Werkes, die als die schwächeren bezeichnet werden müssen. In Kritiken, die in der Parteipresse über das Buch veröffentlicht worden, ist die Meisterschaft gerühmt, mit der der Verfasser dte materialistische Geschichtsmethode handhabe. Es soll anerkannt sein, daß der Verfasser sich bemüht hat, zum wirtschaftlichen Untergruitd der Erscheinungen vorzudringen, daß sein Werk auch in geschichts- materialistischer Hinsicht manchen fruchtbaren Gedanken enthält. Aber auf der anderen Seite sind doch wirtschaftliche Erscheinungen unberücksichtigt gelassen, die zum vollen Verständnis der Ereignisse unerläßlich waren. Wir sehen dabei über kleinere Züge hinweg; so wenn die politisch-nationale Zerrüttung als Ursache dafür an- geführt wird, daß in Deutschland Klassenbewegungen unmöglich waren, während es sich im Grunde hierbei um die Wirkungen der noch feudal gebundenen Wirtschaftsweise handelte; so wenn die Kaiserkrönung Napoleons als Ursache des Stimmungsumschwungs in Deutschland wider Frankreich angesehen wird, während der Um- fchwung seinen wirklichen und tieferen Grund in der Wirtschafts- Politik Napoleons Deutschland gegenüber besaß. Was wir in erster Linie vermissen, ist eine Darlegung der wirtsckaftlichen Struktur Deutschlands selbst. Der Verfasser erörtert wohl des näheren die wirtschaftliche Stellung des Junkertums und der ostelbischen Land- berölkerung; auch auf die bäuerlichen Verhältnisse des Westens geht er ein und sucht ihre Unterschiede— nicht in allem zutreffend — von der Landwirtschaft des Ostens klarzulegen. Aber schon die Schilderung der wirtschaftlichen Stellung der ostelbischen Städte läßt manches zu wünschen. Beiläufig wird wohl die schlesische Textilmanufaktur erwähnt; doch von der kommerziellen Bedeutung der Seestädte, ihrem Import und Export, ihrem Einfluß auf das Wirtschaftsleben der Monarchie erfahren wir so gut wie nichts. Noch weniger ist der Stadtproduktion des WaitenS Rertzming ge- tragen. Und doch liegt in der höheren indifstmllen Enttvickclung, in der abweichenden wirtschaftlichen, rechtlichen und selbst politischen Stellung der Städte des Westens nicht nur der Schlüssel zum«er- ständnis für die Scheu, die Preußen vor Eroberungen int Westen hegte, sondern der ganzen Stellung Preußens zu den Anfängen der französischen Revolution und zur deutsch�?, Halftik Napoleons, die Erklärung dafür, daß Napoleon an der Elbe Halt machte und in gewissem Sinne Halt machen mutzte und für vieles andere. Der preußische Staat, der sich mehr und mehr auf den Osten konzen» trierte, im polnischen Raub, Arrondierung, Ausdehnung und ein wirtschaftlich geschlossenes Produktionsgebiet suchte und vorüber- gehend auch« fand, war nicht nur ein feudaler, sondern politisch ein Kastenstaat. Der Fortschritt, den bier Jena brachte, war die Zer- trümmerung des Kastenwesens, während im Westen die Stadt- Produktion über die feudale Wirtschaftsweise hinausgewachsen war, die französische Invasion die Sprengung der wirtschaftlichen Fesseln bedeutete. So waren die Mrkimgen der napoleonischen Kriege, wiewohl in der gleichen Richtung auf Befreiung vom Fat- dalismus gelegen, wiewohl sie die politische Annäherung von Ost- und Westdeutschland ermöglichten, doch für beide Gebietsteile ver- fchieden, entfprechcnd der verschiedenen wirtschaftlichen Struktur vor allem der Städte. In der Vergrötzerungssitcht Preußens Oesterreich gegenüber sieht der Verfasser den Grundgedanken von Preußens auswärtiger Politik. So richtig dies ist, so findet es in dem eben gesagten seine Begrenzung. An Vergrößerungen im Westen konnte dem preußifchen Junkertum nicht viel gelegen sein. Daher die Leichtig- keit, mit der Preußen sich mit der Abtretung des linken Rhcinufers einverstanden erklärte, ein Reichsvcrrat, den die Darstellung unserS Buches in eine unzweideutige und verdienstvolle Bakuchtung gerückt hat. Daher die Sucht, Oesterreich im Westen Mzulegen und ihm dort Schloierigkeiten zu bereiten, daher die Verbindung der preußischen Diplomatie mit den Jakobinern und Montaquards, über die der Verfasser auffälligerweise leicht hinweggegangen ist, daher die Politik der Demarkationslinie, die nichts aüoercs war, als das junkerlich ostclbische Wirtschaftsidyll ins Politische über- tragen. Doch die Politik der DentarkationSlinie hat noch eine andere Seite, die der Verfasser ebenfalls übersieht. Die preußischen Junker hatten die Bildung des Handelskapitals in den Seestädten nicht verhindern können. Anders ihre polnischen Brüder, die den Getreidehandel in ihren eigenen Händen monopolisiert und so das Aufkommen einer modern bürgerlichen Schicht überhaupt unterbunden hatten. Nach dem polnischen Raub und den damit verbundenen Güterkonfiskationen versuchten die preußischen Junker in die Fußwpfcn ihrer polnischen Kollegen zu treten. Die Auf- teilung Polens und die Politik der Demarkationslinie nahm den Charakter eines Kampfes der Funker wider das Handelskapital der Seestädte cm. Der Verfasser sucht den Grund für den Anschluß Preußens an die englische Politik in den Exporttnteressen der Junker. Gewiß war der englische Markt für sie ein wichtiges Absatzgebiet. Aber in der Ausschließlichkeit, mit der der Verfasser die Behauptung aufstellt, ist sie nicht richtig. Auch für das Junkertmn kanten wmal nach dem polnischen Raub bedeutende Exportintercffen auf oen spanischen, holländischen, französischen Märkten in Frage, wo- hin ein nicht unbeträchtlicher Prozentsatz ihres Getreides ging. Gerade diese geteilten Marktinteressen haben zum guten Teile die schwankende, unzuverlässige und perfide Haltung der preußischen Diplomatie verursacht. Was schließlich zum Anschluß an England drängte, war der Umstand, daß dte englische Flotte jederzeit die Ostsee sperren und so den ganzen preußischen Handel lahm zu legen vermochte, war der russische Druck, dem Preußen nach der polnischen Annexion noch rettungsloser verfiel als zuvor, war nicht zuletzt die hassende Abneigung gegen die westdeutsche Industrie, die in der Hauptfache auf die Verbindung mit Frankreich, Holland und Belgien angewiesen war und deren kapitalistischer Aufschwung dem Junkertum gefährlich werden mußte. Nach dem Gesagten wird es nicht verwundern» wenn der Ver- fasser auch die deutsche Politik Napoleons nicht richtig aufgefaßt hat. Er hebt selbst hervor, wie Napoleon das gesamte links- rheinische Gebiet durch hohe Schutzzölle auch vor dem übrigen Kon- tinent begünstigte; er betont, wie in den Verwaltungskollegien, die in den Städten des westlichen Deutschlands geschaffen wurden, das Grundbefitzerelement die Oberhand behielt. Nopoleon kannte seinen historischen RcchtStitel sehr gut. er wußte, daß er in der Be- sreiung des Bürgertums vom Feudalismus bestand. Die drohende Koalition des kontinentalen Feudalismus war zudem auf die Dauer nur unschädlich zu machen, wenn ihm die wirtschaftliche Grtmdlage entzogen ward. Die Maßnahmen, die Napoleon nach dieser Hinsicht in Deutschland ergriff, waren durch das Interesse Frankreichs geboten uns machten Halt, wo die französischen In- tercffen ins Spiel kamen. Sie waren Maßnahmen der Politik und zwar einer von ausländischen Interessen diktierten Politik. So zertrümmerte Napoleon das ostelbische Kastenwesen und lieh doch im übrigen dort so ziemlich alles beim alten, von einigen Er- leichterungen abgesehen, die er aus politischen Gründen den unteren Volksschichten gewährte und die das hohe Lob nicht rechtfertigen, das der Verfasser ihm dieserhalb erteilt. Westlich der Elbe ging er weiter und mußte er weiter gehen, weil die EntWickelung an und für sich schon weiter sortgeschritten war. So schuf er hier jene Reihe von Mittelstaaten, die Frankreich politisch nicht ge- fährlich werden konnten, deren politische Botmäßigkeit der französischen Industrie jedoch ein bequemes Marktgebiet sicherte. Napoleon benutzte auf deutschem Boden die wirtschaftliche Be- freiung als politisches Mittel, und doch hatte er kein Interesse oaran, der französischen Industrie einen neuen Konkurrenten groß zu ziehen. Deshalb die großen Vorteile, die er dem linksrheinischen Gebiet an Zöllen, Ausfuhrerleichterungen und Einfuhrverboten gc- währte. Der politische Ausdruck dieser industriell-kapitalistischen Schutzzoll- und Handelspolitik ist Napoleons Kaisertum. Die deutsche Politik Napoleons ist in ihrem inneren Wesen zwiespältig, Napoleon war nicht der deutsche, er blieb der französische Cäsarc Daher der spätere Haß der deutschen Patrioten wider ihn, daher die Leichtigkeit, mit der das deutsche Bürgertum sich für die sogenannten Befreiungskriege begeistern ließ, um der Reaktion der heiligen Allianz in jener politischen Unfähigkeit und Verblendung, die es stets ausgezeichnet hat, ins Messer zu laufen. Die unrichttge Bewertung der deutschen Politik Napoleons führt den Verfasser zu ei«er unrichtigen Bewerwng der Per- fönlichkeit jenes.„Der französische Konsul wie der Kaiser erscheint als Held eines abwehrenden, aufgezwungenen Verzweiflungs- kampfes Wider den britischen Universaldespotismus, er streitet für die ökonomische EntWickelung nicht nur Frankreichs, sondern des europäischen Kontinents."„Ist so aus dem Bilde der französischen Kaiserzeit und aus dem politischen Charakter Napoleons jeder Zug eines ehrgeizigen und perfiden Weltunterdrückers bis auf den letzten Rest getilgt, so ist Napoleon immer doch nur der revolutionierende Vorkämpfer der bürgerlichen, kapitalistisch- industriellen Entwickelung auf dem europäischen Festlande, nicht aber der Revolutionär der Weltfreiheit, nicht der Träger und Bringer der Demokratie." Napoleon war das Schwert,"das die französische Bourgeoisie gegen die KoaUtionspolltik führte. Er tritt auf als der Vollstrecker ihrer Interessen und so wenig wie die letzteren erscheint sein Charakterbild frei von Ehrgeiz und Expansionssucht. Keineswegs ist es die bloße Selbstcrhaltung, die auf französischer Seite das alleinige Wort führt. Die fran- zösische Bourgeoisie hatte an der Kriegsperiode ein ebenso materielles Interesse ivie die englische. Gerade unter dem Druck der ge- wältigen Anforderungen, die die Armeelieferungen an sie stellten, reckte sich die französische Industrie kapitalistisch aus, lernte sie Massenproduktionen größten Umfangcs bewältigen. Damit soll nicht geleugnet fein, daß das bürgerliche Frankreich fortgesetzt um die Existenz kämpfte, nur die Tatsache soll betont werden, wie der Selbsterhaltungstrieb beständig in Handelsinteresscn umschlug und so in dialektischer Bewegung den Krieg ergänzen half. Beide Ge» fichtspunkte müssen herangezogen werden, wenn man die Epoche der RcvolutionSkriege würdigen und verstehen will. Ein sonderbares Quidpropro unterläuft dem Verfasser bezüglich der Revolution selbst. Die politische Gleichheit, meint er, sei in Deutschland in eine soziale umgedeutet und erweitert worden und so ans der Ethik der Revolution der geschlossene HandclSstaat Fichte'S entstanden. Es wäre demnach das Prinzip der Revolution in Deutschland theoretisch schärfer ausgeprägt gewesen als in Frank- rcichuselbst. Abgesehen davon, daß man in Frankreich dem utopischen Glstchheitskoinmunismus der Vahouvisten begegnet, heißt es die Träger der Volkserhebung und Volksbewaffnung doch unterschätzen, wollte man annehmen, sie hätten sich mit der politischen Gleichheit begnügt, ohne die soziale anzustreben. So scharf der Konvent das individuelle Eigentumsrecht betonte, so sehr suchte er die soziale Gleichheit der Vermögen zu verwirklichen. Mittels deS Erbrechts, durch die unbedingt gleiche und obligatorische Teilung der Ver- mögen im Rahmen der Familie und die Abschaffung deS Substitu- tionsrcchts sollte das Ziel erreicht werden. Man weiß, was daraus geworden. Das revolutionäre Kleinbürgertum ward von der Groß- bourgeoisie vervrängj. der Konvent von der Direktorialregierung abgelöst, die Gfsetzgebtam des Konvents durch den Code civil verwässert. Aber die soziale Gleichheit als Vorbedingung und Ga- rantie der politischen ist von der Revolution scharf betont, ihre Durck'führung bewußt erstrebt worden. So verlockend es wäre, dem Verfasser auf das Ge- biet der universalen englisch- französischen Beziehungen und Gegensätze zu folgen, muß es bei dem Gesagten, um die Besprechung nicht allzu weit auszudehnen, sein Bewenden haben. Auch aus einzelne gewgyte Behauptungen, die sich in dem Werke Verstrettt figden, können wir nicht eingehen. So ist es, um nur ein Beispiel der letzteren Art herauszugreifen, nicht richtig, wenn der Verfasser beiläufig behauptet, die Wehrpflicht sei bereits in der äl testest deutschen Verfassung eirthalten. Von einer Wehrpflicht ließe sich da höchstens im Rahmen der Sippe reden; im übrigen aber kannte oie älteste deutsche Zeit nur ein Wehr recht. Wenn sich auch nicht sagen läßt, daß der Verfasser in der Alt- Wendung der geschichtL-materialtstischen Methode eine besonders glückliche Hand bewiesen hat, so bietet sein Werk doch vieles An- regende und in der Detailforschung vieles Verdienstliche. ES kann den Genossen zur Lektüre angelegentlichst empfohlen werden. H. Laufenberg. Singegangene Druchrcbnften. „März-, Halbinonatsschrist für deutsche Kultur. Herausgeber: L. Tboma, H. Hesse, A. Langen, K. Aram. Zweites Aprilheft 1907. Preis 1,20 M.• Der Kunstwart. Rundschau über Dichtung, Theater, Musik. Heraus» geber F. AvenariuS. Verlag von Georg D. W. Callwev in München. Vierteljährlich 3,50 M., daS einzelne Heft 70 Pf. „Neue Gesellschaft.- Heft 3. Herausgeber Dr. H. Braun und Lily Brattn. Verlag Berlin W. 15. Der ZukunftSfiaat. Eine Skizze von W. Cremat, Hauptmann a. D. Preis 50 Pf. Selbstverlag deS Verfassers in Gross-Lichterfelde. Praktische llnterrichtsblätter für jedermann. Monatlich zweimal. Vierteljährlich 80 Pf. Verlag der Praktischen Unterrichtsblätter WilmerS» dorj-Berlin. Der Mensch und die Erde. Lieferung 20 und 21. Herausgegeben von H. Kroner. 120 Lieferungen a SO Pf. Verlag Bong u. Co., Berlin W. 67. GefchäfkSbericht deS Arbeiter-RadsabrerbundeS.Solidarität' für das �sahr 1900. 199 Seiten. Gutenberg-Buchvruckerei Berg u. Schulze, Halber- Der Kulturkampf in Vergangenheit und Gegenwart. Bon Eh. Mengers. Ol Seiten. Verlag v. Wigand, Leipzig. Wir Pfarrer. Von H. Kutter. 170 Seiten. 2 M. Verlag H. Hacsscl in Leipzig. Zeitschrift für Sozialwissenschast. Heft 4. Herausgeber Dr. I. Wolf. Vierteljährlich 5 M-, Emzelhcft 2 M. Verlag AT Dcichert(G. Böhme), Leipzig. 8. Jahresbericht des ArbeitersekretariatS Mtcnburg S.-A. für bat Jahr 1906. 44 Seiten. Selbstverlag. Ncliatonshygiene. Von Oderarzt Dr. I. BreSler. 1 M. Verlag C. Marhold In Halle a. S. Die wtrtschaftkichc Bedeutung des DctailreisenS und seine gesetz, llche Regelung in Deutschland. 31 Seiten. Verlag de» ZentralvereliiS für die Interessen des DetailreisenS, Bielefeld. S. Jahresbericht des Arbeiterjekretariats in Lübeck. 75 Seiten. Selbst, Verlag. Jeder Herr!! ist verpflichtet, mein Angebot zu prüfen! Vornehme tadellose Eigene Betriebswerkstätten. Maß- Arbeit aus nur guten ausgeprobten Stoffen und Zutaten liefert nur die längst für gut und reell bekannte Firma S. Littmann Leske& Lehrer Kein Kaufzwang. Zentrale für Herren- u. Knaben- Moden mur No. 2 Granienstraße nur No. 2 nahe Station Hochbahn Oranienstraße. 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