N». 96. lllwnnfmentS'Bedlngungcii: StBonnemenM• Preis pränumerando! MerteljShri. S>Z0 SSt, monatl. 1.10 M5., »SchenUich 28 Pfg. frei ins HauS. Sinzelne Nummer 5 Pfg. EonnlagS« nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Reue Well' 10 Psg. Post- «bonnemenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungZ- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 3 Marl, für daZ übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnement« nehmen an: Belgien. Dünemarl, Holland. Italien, Luzemburg, Porlugal, Rumänien, Schweden und die Schweig. 24. Jahrg. (rfchelBt Hill*»Bcr Osotaat. Vevlinev Volksblatt. Sie InKrtlonS'GtbOfer BeMgl(fit die sechsgespaltene«olonel- geile oder deren Raum 50 Pfg., ffir politische und gewerlschastliche Vereins- und LersammlungS-Anzeigen 80 Psg. „Kleine Snreigen", das erste ssett» gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- slellen-Anzeigen daS erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte fiber 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen diS 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpeditist» tft biS? Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adreffe: ..ZSÄlUtwSli»! gtlllfi". ZcntraXovgzn der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 8W. 68, Lindcnstrasse 69. Kernstirrrlier:«ml IV. Nr. I!»s:t. Expedition: Söd. 68, Lindenstraese 69. fleriiivrecher: Mint IV. Nr. inst. Die Züchtung von tilillidnären. Wollt Ihr aus nichts Millionen machen? So geht zu Dernburg und gründet Kolonialgesellschasten. Allerdings müßt Ihr dazu: 1) auf der Börse eingeführt sein, 2) dem Reichs- verband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie angehören. Genügt Ihr diesen Bedingungen nicht, seid Ihr gar Arbeiter, so werdet Ihr gewiß nicht einmal vorgelassen, und zwar aus gutem Grunde: weil es dann Eure Pflicht ist, die Steuern aufzubringen, und es die größte Vermesseuheit wäre, wolltet Ihr den Staatsschatz schröpfen. Denn die Millionen aus nichts, das sind doch die Millionen aus dem Steuersäckel des Volkes,— darum fällt Euch die Rolle der geprellten Massen zu! Wer aber jenen Bedingungen genügt und über die nötige Arroganz und Skrupellosigkeit verfügt, was jedoch dann als selbst- verständlich vorauszusetzen ist, der besteige sein Automobil und lasse sich zum Kolonialamte fahren: er kommt als reicher Mann heraus. Auf diese Gedanken wird man gebracht, wenn man den Vertrag über den Bau der Eisenbahn von Aus nach Feldschuhborn liest, der jetzt dem Reichstag zur Be- willigung vorgelegt wird. Die Deuts che Kolonial- Eisen- bahnbau- und Betriebs-Gesellschaft in Berlin übernimmt es, diese Eisenbahn für den Staat zu bauen. Die Baufrist ist auf IVa Jahre berechnet. Ist die Bahn abgeliefert, so hat die Firma mit dem Geschäft nichts mehr'zu tun. Sie ist also nur dazu da, um die Bahn zu bauen; ob die Bahn sich rentieren wird, geht sie nichts an; sie trägt kein Risiko, sie macht ein reines Ge- schüft! Der Staat liefert der Firma den Grund und Boden, sorgt für Sicherheit, Schutz usw. Der Staat bezahlt„die auf- gewendeten Selbstkosten bis zur Höhe von 11 Millionen Mark". Sollten diese Kosten überschritten werden, so hat es die Gesellschaft zu tragen. Die Kosten werden aber sicher nicht überschritten werden, denn: 1. sind sie dem Kosten- Voranschlag der Gesellschaft selbst entnommen, 2. sind sie alles weniger denn niedrig berechnet— soll doch diese Eisenbahn auf 85862 M. Per Kilometer zu stehen kommen, während die Anfanaslinie Lüderitzbucht— Aus nur 56 260 M. Per Kilometer gekostet hat, wobei allerdings für diesmal die größeren Schwierigkeiten des Terrains mit zu berücksichtigen sind. Der Staat bezahlt der Firma noch extra die Ver- waltungskosten mit 597 000 M. Der Staat führt auf eigene Kosten die Oberaufsicht über den Bau. Der Staat bezahlt außerdem der Gesellschaft einen Reingewinn von 950 000 Mark. Das alles ist, so wie wir es wiedergeben, im Vertrage ausgemacht. Der Staat bezahlt alles und sichert der Gesell- schaft für anderthalb Jahre einen Reingewinn von mindestens 950 000 Mark. Was trägt nun die Firma ihrerseits zum Unternehmen bei't Wie groß ist das Kapital, das sie anlegt? Nach Artikel 19 des Vertrages hat die Gesellschaft„als Pfand für die Erfüllung ihrer Baupflichten" 600000 Mark zu hinterlegen. Sie erhält aber andererseits nach Artikel 18 „am Tage nach Abschluß dieses Vertrags vom Staat 1000000 Mark! Was der Staat mit der einen Hand von der Firma nimmt, gibt er ihr also sofort, reich vermehrt, mit der anderen Hand zurück; er beleiht das„Pfand" mit 166 Proz. seines Wertes und gibt vor, auf diese Weise eine Sicherheit erlangt zu haben I Er behauptet, daß er von der Gesellschaft ein Pfand bekommt, währenddem er in Wirk- lichkeit ihr einen Vorschuß zahlt. Er zahlt aber noch mehr I Der Staat zahlt an die Gesellschaft, außer der Million beim Abschluß des Vertrages,„bis zum 30. September 1907 am Schlüsse eines jeden Monats eine Abschlagszahlung von 1000000 M." Nachdem so die großen Baukosten der ersten Monate be- stritten worden sind, erhält dann die Gesellschaft„neun Monate lang an jedem Monatsschluß eine Abschlagszahlung von 360000 M." Die Schlußrechnung wird binnen drei Monaten bezahlt. Woraus sich ergibt: Der Staat streckt sämtliche Baukosten vor. Er berechnet dafür keine Zinsen, obwohl er doch selbst für seine Anleihen Zinse« zu bezahlen hat. Rechnet man das kürzer, so kommt, selbstverständlich, die Eisenbahn um so viel teurer zu stehen! Die Gesellschaft braucht nicht einen Pfennig Anlagekapital. Das Kapital, mit dem sie das Geschäft eröffnet, ist eine negative Größe—— 400 000' M. der Differenz zwischen dem Staatsvorschuß von 1000000 M. und der Kaution von 600 000 M. Sie braucht nicht einmal Bankkredit, da Zahlungen innerhalb 30 Tagen als Barzahlungen gelten und die größeren Lieferanten ihr noch ganz andere Zahlungsfristen gewähren werden. Und sie erhält mindestens 959999 M. Gewinn, ungerechnet die 597 999 M. VerwaltnngSkosten, die ja auch sicher dazu dienen werden, etliche fette Pfründen zu schaffen. So wird ans nichts eine Million gemacht! Mit dem Vertrag in der Tasche kann die Gesellschaft diese Million auf der Börse sofort eskomptieren. Sie wird es aber selbstver- ständlich vorziehen, ihre Aktien in die Höhe zu treiben. Das gehört mit zum Schwindel- Wir fragen: Da der Staat den Grund und Boden liefert, da der Staat das Kapital zum Bau der Eisenbahn liefert, da der Staat sämtliche Baukosten bezahlt, da der Staat die technische Oberaufsicht führt, was ihm ja auch etwas kostet, da der Staat außerdem sänitliche Ver- waltungskosten bezahlt: Wofür erhält da noch die Deutsche Kolonial-Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft 959 999 M.? Wofür? Ja, zu welchem Zweck sonst wird denn Kolouialpolitik getrieben, als um die Kolonialgefellschafteu zu bereichern? Wofür hat denn die Börse mobil gemacht bei den letzten Reichstagswahlen? Handelte es sich denn nicht dabei um die heiligsten Interessen des Kapitals? Und sind das nicht die Interessen der Ausbeutung des Volkes?! Bereichert Euch! Der Ruf zieht durch die be sitzenden Klassen des ganzen Landes. Bereichert Euch— an dem Fleischwucher, an dem Brotwucher, an den Arbeiter «lassen, die Ihr in den Fabriken zusammenpfercht, in die Gruben hineintreibt, an den Milliarden, die für die Armee und die Kololonien verschleudert werden! Schafft Dividenden Nur nicht zaghaft sein und kleinlich I Amerikanisch ist Trumps Nur frisch gewagt, weit ausgeholt und fest zugegriffen! Die Macht des Staates ist hinter Euch und schützt die Beute! Die Schweinezucht und die Züchtung von Millionären— das sind die Grundlagen, au• denen ein neues Deutsches Reich erstehen und zu nie geahnter Herrlichkeit erblühen soll! Wir aber sagen: Deutschland wird dadurch anS geplündert!_ Krieg oder Frieden im Berliner Bangewerbe? Die Frage ist noch nicht endgültig entschieden. Aber die Situation ist eine hochdramatische und jeder Augenblick, jeder kleine Zwischenfall kann die Explosion herbeifuhren. Die Massen haben alle die Erwägungen der Führer gegen einen derzeitigen Kampf unberücksichtigt gelassen und mit großer Majorität den Schiedsspruch des Einigungsamtes verworfen. Der Zentralverband der Maurer hat die entscheidende Abstimmung am Dienstag in den Bezirks Versammlungen vorgenommen. An der Abstimmung be teiligten sich 6007 Mitglieder. Davon stimmten 4743 gegen, 1195 für Annahme des Schiedsspruches, 69 Stimmen waren ungültig. Das Resultat von drei Vorortsbezirken steht noch aus, kann aber an dem Gesamtergebnis nichts mehr ändern. Der Zentralverband der Bauhülfs a r b e i t e r hat sich gleichfalls gegen die Annahme des Schiedsspruches entschieden, und zwar mit 3278 gegen 718 Stimmen. Der Zentralverband der Zimmerer hatte zum Zweck der Abstimmung am Dienstag eine D e- legiertenversammlung einberufen. Dieselbe er- klärte sich mit einer Mehrheit von ungefähr zwei Dritteln gegen den Schiedsspruch. Damit ist der Schiedsspruch von allen am bisherigen Vertrage beteiligten Organisationen abgelehnt, da ja auch die Vereinigung der Zimmerer sich gleichfalls für Ablehnung erklärt hat und die Entscheidung der lokal- organisierten Maurer, die gestern in später Nachtstünde vor sich ging und über die wir— wenn sie noch zeitig genug bekannt wird— an anderer Stelle berichten werden, ja nicht zweifelhaft ist. «- Die Unternehmer haben nach dem„Lokal-Anzeiger" im Gegensatz zu den Arbeitern sich für den Schiedsspruch er- klärt. Gleichzeitig haben sie nichtsdestoweniger ihre Kriegs- Vorbereitungen getroffen. An die in Frage kommenden Interessentenkreise ist eine Denkschrift versandt worden, welche die Situation vom Gesichtspunkte des Unternehmer- tums erörtert und namentlich auch die Behörden um Nach- ficht. im Falle von Bauverzögerungen ersucht. Auch die Scharfmacher rüsten sich, bei einem etwaigen Kampfe im Baugewerbe auf die Seite der Baulöwen zu treten. So wird sich der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller dem- nächst mit der Frage beschäftigen, welche Stellung er in dem etwa ausbrechenden Kampfe zu nehmen hat. * Nach der am Dienstag von uns veröffentlichten Er- klärung der vereinigten Vorstände der Arbeiterorgani- sationen ist die Ablehnung des Schiedsspruches keines- Wegs gleichbedeutend mit der Pro- klamierung eines Streiks. Die genannte Er- klärung sagt vielmehr ausdrücklich, daß ein Angriffsstreik seitens der Arbeiter nicht beabsichtigt ist. Nach den Ab- machungen mit den Unternehmern gilt der alte Tarif so- lange weiter, bis eine der Parteien die VerHand- lungep schriftlich für abgebrochen erklärt. Das ist bisher noch nicht geschehen. Und insofern besteht immer noch die Möglichkeit zu einem Ausgleich, wenn— ja wenn nicht unvorhergesehene Ereignisse den Krieg ohne „Abbruch der diplomatischen Beziehungen" bringen. Hoffen wir, daß solche Ereignisse nicht eintreten! „Unser herrliches Kriegsheer." Das war der Kehrreim aller Reden der bürgerlichen Sprecher in der R e i ch s t a g s s i tz u n g am Mittwoch, die der Weiterberatung des Militäretats galt. Alle trieften sie von Begeisterung für unser herrliches Kriegsheer, von Be- wunderung für unser herrliches Offizierkorps, für den unvergleichlichen preußischen Leutnant,„den uns kein Volk nachmacht", von Vertrauen und abermals Ver- trauen zur Heeresleitung. Sie überboten sich in Bücklingen vor dem Kriegsminister und in patriotischen Wallungen gegen die bösen Feinde, die äußeren und die inneren. Der Militarismus kann sehr zufrieden auf die erste Militäretatsdebatte unter der konservativ-liberalen Paarung blicken. Der Freisinn erweist sich der Ehre, die ihm durch die Erhebung zur„nationalen" Partei angetan ward, auch auf diesem Gebiete durchaus würdig. Aengstlich ist er bedacht, die schöne Harmonie des nationalen Lobliedes aufs herrliche Kriegsheer nicht zu stören und seiner zahmen Kritik an Nebensächlichkeiten, die er der Tradition halber doch noch vorbringen muß, auch die letzten Wackelzähne auszubrechen. Er wickelt sie ein in soviel Lobeserhebungen und Vertrauens- Worten und Betonungen, daß er von Ausnahmen rede und daß er um alles in der Welt nicht verallgemeinern wolle, so daß diese Kritik den empfindlichen Gaumen des Militarismus nicht mehr wehe tun kann. Wenn den Militärs diese Verhimmelung zu Kopfe steigt, so ist's wahrhaftig kein Wunder, wenn künftig der Bürger noch mehr als bisher über hochmütiges Herab- sehen des Militärs auf das Zivil heimlicherweise zu klagen hat— öffentlich wagt er's ja nicht als loyaler Staats- bürger— so mag er sich darob bei seinen Parlamentsvertretern bedanken. Nur eine Partei steht außerhalb dieses allgemeinen chauvinistischen Taumels, der die Reattion des deutschen Bürgertums auf die erfolgreichen englischen Bestrebungen zur Isolierung Deutschlands darstellt— in gewohnter Kurzsichtig- keit und Feigheit erbost sich dieses Bürgertum nicht gegen die Zickzackpolitik des persönlichen Regiments im eigenen Lande, das den englischen Politikern erst die Gelegenheit für das An- bringen ihrer Minen gab, sondern gegen das Ausland, das die Fehler dieser Politik selbstverständlicherweise ausnützt. Nur eine Partei, die Sozialdemokratie. Bebel sprach für sie. Eine gründliche, mit vielem trefflichem Beweis- Material gepanzerte, sich auf das Wesentliche beschränkende Rede. Bei aller Ruhe und Sachlichkeit des Vortrages— nur bei einigen Einwürfen der Gegner und bei der Kennzeichnung der kleinlichen Nadelstiche des Militärboykotts loderte das Feuer des Temperaments hell auf— eine die Hauptpunkte unseres Gegensatzes zum Militarismus klar und deutlich heraus- kehrende Rede. Und zugleich eine überlegene Kennzeichnung der immer wiederkehrenden Verleumdung von der Vaterlands- losigkeit der Sozialdemokratie. Mit einer Rede im Pücklerstil folgte ihm der Januschauer Oldenburg. Mit seinen unendlich platten Mätzchen fand er natürlich den jubelnden Beifall der nationalen Mehrheit, der bei den letzten, in der Art einer mäßig auswendig ge- lernten Kriegervereinsrede mit voller Lungenkraft hervor- gestoßenen„patriotischen" Sätzen zum Gipfel stieg. Unsere Fraktion behandelte ihn mit der gebührenden Nichtachtung. Etwas geschliffener in der Form, aber von gleichem Kaliber war die Rede Liebermann v. Sonnenbergs; Herr Bindewald spielte mit komischem Pathos und sittlicher Entrüstung den wildgewordenen Wotans-Verehrer und teutschen Helden. Der Reichslügenverbaizds-General v. Liebert redete wieder eine Reichsverbandsrede, worin die Sozialdemokratie für alle Fehler des Militarismus verantwortlich gemacht wird. Ernst zu nehmen waren von all den Ausführungen nur die des Kriegsministers und des Freisinnigen Müller-Meiningen. Herr Müller bemühte sich, eine einigermaßen unabhängige Haltung zu den Sünden des Militarimus zu markieren. Es gelang ihm trotz schönen Materials nur halb; man ist eben nicht uftgestraft im Block. Daß er für„Gebildete" eine besondere Vorzugsbehandlung verlangt, zeigt am besten, wie wenig der Freisinn sich mit der Arbeiterschaft noch ver- Kunden fühlt. Der Kriegsminister v. Einem war höflich in der Form und verstand seine Sache nicht ungeschickt zu führen. Ueber unbequeme Dinge glitt er elegant hinweg. Der Beschränkt- heit des Militarismus zollte er seinen Tribut in einer ernst- haften Verteidigung des hehren Gutes des Kommandos: Stillgestanden!" Zum Schluß ward er schärfer, als er zum Angriff auf die Sozialdemokratie überging, aber da be- währte er sich nicht mehr als guter Stratege. Seine Aus- stihrungen über unsere Stellung zum Heerwesen zeigten lediglich seine arge Unwissenheit in diesem Punkte. Amüsant zu sehen war es, wie unangenehm den Herren !>er Mehrheit ein Stück positiver Arbeit der Sozialdemokratie ist: ihr Antrag auf Erhöhung des unzureichenden Soldes ür die Maynschaften. Was sie alles ausgeboten haben, um diesen Antrag zu diskreditieren! Bei der Fortsetzung der Beratung am Donnerstag wird ihnen darauf wohl noch ge- bührend gedient werden.— Der Wahlkamps in Glauchau-Meerane. Durch die perfide Kompfesweise unserer Gegner sind nunmehr die Gemüter glücklich bis zum Siedepunkt erhitzt. Die Gegner Der- leumden in einer nie dagewesenen Art. Eine ganze Schar von Rednern. ReichSverbändler. Christlichsoziale usw., treibt sich im Wahlkreis herum. Unsere Genossen meiden die gegnerischen Ber. sammlungen, denn sie find dort vor Provokation und anschließender Denunziation nicht sicher. So sprach der nationalliberale Reichstagsabgeordnete Dr. E v e r l i n g in Lichtenstein in einem fast 3000 Personen fassenden Saal vor 49 Besuchern! Die Wut der Gegner darüber kennt keine Grenzen. Sie besuchten nun unsere Versammlungen, speziell der Kandidat Dr. Clauß ging stets dem Genossen Molkenbuhr nach. Däbei traten diese Leute in unerhört provozierender Weise auf. Bebel sprach am Sonntag in Glauchau. Diese Versammlung sollte zur Auf- lösung gebracht werden, zu welchem Zweck sich die Gegner einen angeblichen„Müller aus Dresden" gedungen hatten, der Bebel in der unflätigsten Weise persönlich beschimpfte. Mit Mühe und Not konnte die Auflösung vermieden werden. Nun haben die Gegner Sprengkolonnen gebildet. Der Versuch, am Montagabend eine Versammlung in Meerane, wo Dr. David sprach, zu sprengen. mißlang. Desto besser glückte es in dem Dorfe Rothenbach bei Glauchau, wo Stück len reden sollte. Eine halbe Stunde vor Beginn der Versammlung erschien der angebliche„Redakteur Müller aus Dresden" in Begleitung eines Schuldirektors, eines Gerichtsbeamten, einiger Lehrer, eines Herrn Pfefferkorn(Teil- haber der Spinnerei Pfefferkorn u. Co.) sowie noch einiger anderer Personen der gebildet sein wollenden Stände. Kaum hatte der Ein- berufer das Podium betreten, als auch der Ehrenmann„Mülle r" an der Bühne erschien und in barscher Weise erklärte, daß er das Wort verlange. Nach der Bureauwahl stellte er dasselbe Verlangen in unerhört dreister Weise an den Vorsitzenden. AIS Stückle n den Burschen darauf aufmerksam machte, daß er nach seinem Verhalten hier in Glauchau überhaupt nichts zu fordern habe, brüllte er diesem entgegen:„Halten Sie das Maul! Mit Ihnen rede ich überhaupt nicht." Die Empörung der Versammlung wuchs von Minute zu Minute, der Mann provozierte weiter. Vor dem Podium stehend, brüllte er unausgesetzt:„Zur Geschäftsordnung!" Der über- wachende Beamte steht auf und droht mit Auflösung der Bersamm- lung. Der„Müller" geht zu seinen Begleitern und brüllt dort weiter. Der Versammlung hat sich eine ungeheure Auf- r e g u n g bemächtigt. Als Stücklen zu sprechen anfing, tobte der Mensch wie besessen, sein Gebrüll muß man auf der Straße gehört haben, fast gewann es den Anschein, daß man es mit einem Wahn- sinnigen zu tun habe. Mit großem Gleichmut sahen seine Begleiter dem Treiben zu, bis er nach einigen Minuten seinen Zweck ereicht hatte�— Der Unberwachenbe löste die Versammlung auf. Stürmische Rufe der Verwünschung, gegen den„Müller" ge- richtet, erschollen aus Hunderten von Kehlen, und was macht er? Er setzt den Hut auf, nimmt den Stock in die Hand, steckt die Zigarre in den Münd und verlacht und verhöhnt die empörte Menge. Die Absicht dieses Menschen war klar, er wollte an- gegriffen, mißhandelt werden, dann hätte das Preßgesinde des Dr. Clauß in die Welt hinausposaunt:„Die Sozialdemokraten haben einen nationalgesinnten Mann miß. handelt." Stücklen erkannte das Gefahrdrohende der Situa- tion. sprang vor und, nachdem einen Moment Ruhe eingetreten war, bat er die Menge eindringlich, kaltes Blut zu bewahren. Das wirkte. Der Gendarm begleitete „Müller" aus dem Saal hinaus; dann skanbalierte er in der Gast- stube so lange, bis ihn der Wirt hinausschob. Nur lang- sam legte sich die Empörung der Leute, die gekommen waren, einen Vortrag zu hören und nun durch diesen Krakehler um ihre Absicht betrogen waren." Diese Bersammlungssprengungen sollen weiter fortgesetzt wer, den, weshalb unsere Genossen eine besondere Versammlungspolizei organisiert haben, die solche Elemente glatt an die frische Luft befördert. Genosse Bebel hat außer mit einer Versammlung auch noch Mit einem Aufruf zugunsten Molkenbuhrs gewirkt. In diesem Aufruf sagt er: „Hermann Molkenbuhr hat sich während seiner Mit- glicdschaft im Reichstage sowohl in diesem wie im Bundesrat den Ruf erworben, einer der besten Kenner unserer A r b e i te r v e r s i cher un g s- und Sozialgesetzgebung zu sein. Er hat durch seine Sachkunde und die objektive Behandlung der einschlägigen Fragen großen Einfluß auf die Gestaltung der betreffenden Vorlagen in den Kommis- sionen wie im Plenum des Reichstages ausgeübt und eine Reihe nicht unwesentlicher Verbesserungen durchgesetzt. Als im Jahre 1892 die Kommission für Arbciterstatistlk ins Leben gerufen wurde, ernannte die sozialdemokratische Fraktion Molkenbuhr zu ihrem Vertreter in derselben. Und als diese Kommission vor einigen Jahren in den Beirat für Ar- beiterstatistik umgewandelt wurde, blieb er auch Vertreter der Fraktion in diesem und hat hier, wie selbst seine politischen Gegner anerkennen, ebenfalls erfolgreich gewirkt. Als dann vor drei Jahren von feiten der Reichsregierung eine Kommission niedergesetzt wurde zur Prüfung des Kartell- wesenS in der Großindustrie, ernannte die sozial- demokratische Fraktion ihn auch für diese Kommission zu ihrem Vertreter und hat er an deren Arbeiten abermals den fleißig- st e n und sachkundigsten Anteil genommen. Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages sah eben in Molkenbuhr den Mann, der für die erwähnten Aufgaben sich be- sonders eignete, und er hat das in ihn gesetzte Vertrauen nie getäuscht." , Die Empörung unter den Wählermassen ist eine ungeheure, das Verhalten der Nationalliberalen findet selbst in bürgerlichen Kreisen Verurteilung. DaS Mandat Auers. wird unS nicht entrissen werden! � Ministerwechsel in Baden. Ueber den nicht freiwillig erfolgten Austritt des Mnisters Schenkel aus dem badischen Ministerium und seine Ursachen wird uns aus Baden geschrieben: Der Rücktritt der Exzellenz Schenkel kam, soviel auch bereits über die Sache geschrieben worden ist, doch überraschend. Ueber die Ursachen gehen die Meinungen in der bürger« lichcn Presse stark auseinander. Die einen, Zentrum und Konservative, suchen' sie in der Parteikonstcllation bei den letzten Landtagswahlen, indem sie Herrn Schenkel — ganz gegen die Wahrheit der Tatsachen— als Vater des liberalsozialistischen Stichwahlkompromisses bezeichnen, und in dem Ausfall der jüngsten R e i ch s t a g s w a h l e n. wo er es versäilmt habe, die Einigung des Gesamtbürgertums gegen die Sozialdemokraten zu fördern. Andere wieder schieben als Ursachen der Ausschiffung Schenkels aus dem Ministerium v. Dusch Meinungsverschiedenheiten in der Frage der Schiff- fahrtsabgaben und die bekannten Differenzen mit dem Bor- stand der Fabrikinspektion Dr. Bittmann in den Vordergrund. Am meisten Glauben findet Wohl die Version, daß bezüglich der Finanzpolitik des badischen Staates die Harmonie der Regierung durch Herrn Schenkel gestört wurde. Er habe— heißt es— im Gegensatz zum derzeitigen Finanzminister Hansell der Deckung außerordentlicher Staatsausgaben durch Anlehns- mittel das Wort geredet, also die. Finanzpolitik der großen Städte auf den Staat zu übertragen versucht, während die herrschende Richtung im Ministerium bei dem alten System der Befriedigung solcher Bedürfnisse aus den laufenden Wirtschaftsmitteln beharren wollte. So sei es auch in der Frage der Erhöhung der Beamten- gehälter zu Differenzen gekommen, indem Herr Schenkel für diesen Zweck größere Summen bereitzustellen verlangte, als die„Sparer" der alten finanzpolitischen Richtung ihm gewähren wollten. Hinsichtlich der Bedeutung der Ausschiffung Schenkels für die künftige Richtung der inneren Politik des Lances geht die allgemeine Auffassung der Presse dahin, daß wohl mit einem Beharren im derzeitigen Kurs zu rechnen sei, wenn auch da und dort von einem„Ruck nach rechts" gesprochen wird. Herr v. Bodman», der von der Leitung des Wasser- und Straßen- baues weg als Nachfolger Schenkels berufene ehemalige Bundesratsbevollmächtigte Badens, wird als liberaler Politiker bezeichnet, so daß die Partei Bassermanns allen Grund habe, ihm volles Vertrauen entgegen zu bringen. Er werde— meint beispielsweise die„Straßb. Post"— die Politik seines Vorgängers sicherlich fortsetzen; insbesondere erwartet man von ihm, daß er die Organisation der inneren Ver- w a l t u n g des Landes, die in vielen Beziehungen nicht mehr den Anforderungen der modernen Zeit entspricht, auf eine neue Grundlage stellt. Die Mannheimer„Volks stimme" beurteilt den Ministerwechsel folgendermaßen; „Wir Sozialisten werden der„kleinen Exzellenz" keine Träne nachweinen. Denn trotz zeitweiliger in der Form konzilianter Sympathiebezeugungen für die Arbeiterklasse war Schenkel im Innersten seines Herzens— und als treuer Diener seines Herrn war das ja auch seine Pflicht!— ein erbitterter Feind der sozialistischen Arbeiterbewegung. Die be- rüchtigten Spitzelerlaffe an die Bezirksäinter zur politischen AuS> schnüffelung der Relruten; die schroffe Kriegserklärung an unsere Partei aus Anlaß der Kräuterschen Kammerrede im Interesse der Freiburger Polizeiunterbeamten im März v. I., wobxi es, wie er- innerlich, zu einer stürmischen Gegenkundgebung der Sozialisten kam; die Prügel, die er in der letzten Zeit dem Vorstand unserer Fabrikinspektion, Dr. Bittmann, zwischen die Beine warf, um ihn den Wünschen der Scharfmacher und sozialpolitischen Reaktionäre gefügig zu machen; die Hartnäckigkeit' im Widerstand gegen die Einführung eines gerechteren Wahlsystems für die Gemeinde- Vertretungen; die schmähliche Verleugnung jedes freiheitlichen und volkstümlichen Verwaltungsgeistes anläßlich der internationalen Sozialistenzusammenkunft in Konstanz im August 1905, wie auch anläßlich der Behandlung der Beschwerden gegen die Schäfereie» bei der Mannheimer Pernerstorfer-Versammlung und den Kund- gebungen am„roten Sonntag"— all das und manches andere dokumentierte die illiberale Polizeiseligkeit des verflossenen Ministers und seinen Mangel an Verständnis für die politischen und sozialen Bedürfnisse der aufftrebenden Arbeiterklasse." Der blamierte Reichskanzler. Ueber den Ausgang des Prozesses gegen den verantwortlichen Redakteur der„Frankfurter Zeitung" haben wir gestern bereits kurz berichtet. Wir lassen heute den Bericht über die Verhandlung vom Dienstag folgen. Für die Behauptung, � daß das Flugblatt bereits am Abend vorher gelesen worden sei, wolle der Angeklagte den Beweis der Wahrheit antreten. Als Zeuge hierfür wurde der Schlosser- meister Dalquen vernommen. Dieser will am Wend vorher im Gallussaal in der Mainzer Landstraße ein Paket gesehen haben, auf welchem ein ähnlich aussehendes Flugblatt geklebt war! Die Stichworte wie„Stimmenfang" oder Stimmenkauf", und auch die Aufforderung„Wählt Dr. Quarck" habe er sich genau gemerkt. Als dann das Flugblatt verteilt worden sei, habe er seine Wahr- nehmungen einem Herrn Blattner mitgeteilt. Dieser habe ihn auf die Redaktion der„Frankfurter Zeitung" geschickt, und dort habe er erklärt: Das Flugblatt habe ich. wenn ich nicht irre, bereits gestern abend gesehen. Auf Befragen des Rechtsanwalts Dr. Löwenthal erklärte der Zeuge: Dem Redakteur Dr. Goldschmidt habe er gesagt: Er wisse nicht genau, ob er„Stimmenkauf" oder „Stimmenfang" gelesen hätte. Zeuge Tapezierer Wilhelm Häscher, der dem Partei- sekretariat die Mitteilung von dem versuchten Stimnienkauf über- brachte, ist einmal wegen einer Schießerei in der Neujahrsnacht mit einer kleinen Geldstrafe vorbestraft und nicht, wie die„Frank- furter Zeitung" behauptete,„ein häufig vorbestrafter Mensch." Er hat sich in der Bendergasse mit einem Kollegen über die Wahl unterhalten und erklärt: Er wähle Dr. Ouarck. Es sei dann ein feingekleideter Herr zu ihm gekommen und habe gesagt: „Wenn Ihr Oes« wählt, gebe ich Euch 10 Mark." „Was will der?" habe sein Kollege ihn gefragt. Der feine Herr sei aber auch schon verschwunden gewesen.„Ich war momentan so verblüfft," meinte unter großer Heiterkeit der zahlreich anwesenden Zuhörer der Zeuge,„daß ich die 10 M. gar nicht genommen habe!" Der Zeuge bestätigte auf Befragen Dittmanns, daß er aus dem Parteibureau ganz genau, unter Stellung von Kreuz, und Quer- fragen, ausgefragt worden ist. Der feine Mann habe ihm 10 M. geboten, wenn er Oeser wählen würde. Der Vorsitzende machte nochmals einen Verglcichsvorschlag: Die Wahl sei doch jetzt vorbei und die Gemüter hätten sich auch wieder beruhigt. Genosse D i t t m a n n betonte, es handele sich für ihn nicht um eine hohe Bestrafung des Redakteurs, sondern nur um die gerichtliche Feststellung, daß das Flugblatt nicht, wie behauptet worden sei, am Tage vorher gedruckt wurde. In der hiesigen Gegend sei die Bülowrede vom Reichslügcnverband in 490 000 Exemplaren verteilt worden. Der Reichskanzler habe ihn vor dem ganzen Volk beleidigt und trotz einer Richtigstellung die! Beleidigung nicht zurückgenommen. Es folgte noch die Vernehmung des Arbeitersckretärs Genossen Heiden als Zeuge: Mit dem Manuskript habe er später Dittmann in der Druckerei von Benno Schmidt getroffen. DaS Flugblatt kann erst nach 11 Uhr vormittags gedruckt worden sein. Nach der Vernehmung dieses Zeugen rät der Vorsitzende dem Angeklagten unter allen Umständen zu einem Vergleich. Klarheit herrsche doch jetzt darüber, daß das Flugblatt erst am Stichwahltage gedruckt worden sei. Der Vergleich scheiterte an der Hartnäckigkeit dcS Beklagten. Er loollte nur erklären, daß seine Behauptungen nicht er- miesen sind!— Auch dem Reichskanzler will er keine Mitteilung davon machen.—>— Es folgten die PlaidoherS: Rechtsanwalt Dr. L ö w e n t h a l: Mein Mandant würde wohl kaum geklagt haben, wenn ihm der erste Beamte des Reiches, Reichskanzler Fürst v. Bülow, im Reichstage nicht vorgeworfen hätte, daß er eine bewußte Unwahrheit in die Welt gesetzt und schon am Tage vorher geschrieben hätte, was am nächsten Tage passiert sei. Der Vorwurf ist unbegründet. Es ist durch Zeugen. Vernehmung erwiesen-, daß das Flugblatt erst am Wahltage, bor- mittags gegen 10 Uhr, geschrieben und' gedruckt wurde. Auf die Stimmenkaufsaffäre will ich nicht weiter eingehen, obwohl dt« Sache so liegt, daß der Zeuge Häscher— dem ja fälschlicherweise von der Verteidigung borgeworfen wird, er sei schon im Zuchthause gewesen, während er nur eine einzige Vorstrafe von 20 M. hat— »nter Eid ausgesagt hat, daß ihm 10 M. angeboten worden seien, wenn er Oeser wähle. Der Verteidiger des Beklagten, Rechtsanwalt Dr. Hertz, führte aus, der Angeklagte habe in gutem Glauben gehandelt und eS müsse ihm der§ 193 fWahrnehmung berechtigter Interessen) zugebilligt werden. Er bitte um Freisprechung. Nach der Beratung verkündete der Vorsitzende das von unS bereits gestern laut Telegramm wiedergegebene Urteil: Der Angeklagte ist der öffentlichen Beleidigung schuldig und wird zu 390 M. Geldstrafe verurteilt. Ferner muß er auf seine Kosten das Urteil im„R e i ch s a n z e i g e r" und in der „Frankfurter Zeitung" publizieren. In der Begründung heißt es, die im Flugblatt enthaltenen Tatsachen seien als richtig anerkannt worden, obschon dem Gericht die Möglichkeit nicht gegeben war, die Stimmenkaufsgeschichte ganz aufzuklären. Der Kläger Dittmann konnte den Angaben des Zeugen Häscher Glauben schenken. Es habe sich herausgestellt, daß die Angaben des Zeugen Dalquen auf der Redaktion der„Frank- surter Zeitung" unrichtig sind. ES ist erwiesen, daß das Flugblatt er st am Vormittag des Stichwahltages gedruckt worden sei. Der Angeklagte sei, als er den Artikel ge- schrieben habe, der Meinung gewesen, daß die Angaben Dalquens richtig seien. Es sei außerdem zu berücksichtigen, daß der Vorgang sich während des Wahlkampfes abgespielt habe. Auch sei es be- danerlich, daß die Sache im Reichstage zur Sprache gekommen sei. Die Form des Artikels sei beleidigend; darum war, wie geschehen, zu erkennen. «„» Wenn Bülow wirklich der„seine Mann" ist, als den er sich so gern gibt, dann wird er nun doch endlich an der Stelle, wo er unseren Genossen Dittmann so schwer beleidigte, ein Wörtlein der Entschuldigung finden. �_ Klassenjustiz. In der Montagssitzung des Reichstages hat der freisinnige Ab» geordnete Müller- Meiningen behauptet, Genosse Heine habe über den Nürnberger Krawallprozeß völlig einseitig nach dem „Vorwärts" berichtet. Der„Arbeitswillige" Thiel habe lediglich in Notwehr gehandelt, wie selbst mehrere am Streik beteiligte„Rädels- führer" anerkannt hätten. Zu diesem leichtfertigen Geschwätz des redseligen Herrn Müller wird uns aus Nürnberg geschrieben: „Nicht die Darstellung des Genossen Heine war einseitig. sondern die des Abgeordneten Müller- Meiningen; denn der „Vorwärts", und mit ihm die übrigen sozialdemokratischen Blätter, haben über den Prozeß einen streng sachlichen und aus- führlichen Bericht gebracht. Der Bericht enthielt alle Zeugen- aussagen, auch diejenigen, die für die Angeklagten ungünstig lauteten. Ander? war es um die Berichterstattung der bürgerlichen Presse bestellt. Zu dem Prozeß hatte nur der freifinnige„Fränkische Kurier" einen Vertreter entsandt, der zugleich auch die übrigen bürgerlichen Lokalblätter mitversorgte. Auf den Bericht des „Fränkischen Kurier" hat sich nun Dr. Müller- Meiningen bei seinen Ausführungen im Reichs» tage gestützt. Dieser Bericht brachte jedoch nur die Behauptungen der Anklageschrift und des staatsanwaltschaftlichen PlaidoyerS, sowie die Aussagen einiger Arbeitswilliger, die die Angeklagten be- lalasteten, während die günstigen Aussagen und das, waS die Arbeitswilligen zugunsten der Angeklagten zugeben mußten, unter« schlagen wurden. DaS Ergebnis deS Prozesses auf Grund beschworene« Zeugenaussagen war nun daS:„Rädeisführer", von denen Müller. Meiningen spricht, hat eS bei dem Fall überhaupt nicht gegeben. Das Gericht verneinte die Frage auf Landfriedens» bruch und bejahte nur die auf Körperverletzung. Die ganze Geschichte entpuppte sich als eine Prügelei zwischen Streikbrechern und Streikenden, die in ihrer ersten EntWickelung durch das Auftreten der von dem Direktor Maurer aufgehetzten Streikbrecher provoziert war. Es wurde festgestellt, daß schon wochenlang vor dem Zusammenstoß die Arbeitswilligen ohne Anlaß die Streikposten verhöhnt, als Faulenzer. Lumpen usw. bezeichnet und bedroht hatten, und daß ferner der Direktor am Tage de« un» glückseligen Zusammenstoßes sie im Fabrikhofe mit den Worten an- gefeuert hatte:„Geht doch hinaus und haut sie zu- sammen, die Lumpen. Euch geschieht ja doch nichts" usw., sowie, daß am Bormittag dieses Tages in der Fabrik Waffen für die Streikbrecher bereitgestellt wurden. Was nun die Frage anbelangt, ob bei der Erschießung de» Streikführers Fleischmann der Streikbrecher Thiel in Notwehr ge. handelt habe, so ist von einigen arbeitswilligen Zeugen dies aller» dings behauptet worden; die meisten aber zogen es vor, sich über diese Frage überhaupt nicht zu äußern. Andere Zeugen stellten be. stimmt das Vorliegen von Notwehr in Abrede. Für das letztere spricht auch die Tatsache, daß die Schüsse auv einer Entfernung von 10 bis 1b Metern abgegeben wurden, und daß der erste, tödliche Schuß Fleischmann in die Seite traf; ferner, daß nur sechs oder sieben Streikende anwesend waren, während die Streikbrecher, weit über 100 Mann, geschloffen die Fabrik verließen. Herr Müller-Meiningcn hat es so hingestellt, als ob der Mörder Thiel deshalb wieder aus der Haft entlassen worden sei, weil sich aus den Zeugenaussagen ergeben habe, daß er in Notwehr ge- handelt habe. Thiel wurde sofort nach der Mordtat verhaftet, aber schon am nächsten Morgen wieder freigelassen. Ob Notwehr vor- liege, kann bis zu dieser Zeit noch gar nicht festgestellt worden sein. Er mußte eine Adresse angeben, unter der er jederzeit erreichbar sei; benutzte aber die Gelegenheit, um sich„unauffindbar" zu machen, und das Gericht hatihn auch bis heute noch nicht gefunden. Die„Einseitigkeit" der Darstellung ist also ganz auf der Seite des Herrn Müller-Memingen." pohtifchc Clcberlicbt. Berlin, den 24. April 1907. «»de der Etatsberatung. Das preußische Abgeordnetenhaus beschloß heute gegen die Stimmen der Freisinnigen: das Urteil das gegen unsere Parteiblätter rn Düsseldorf und Erfurt»vcgen Beleidigung des preußischen Abgeordnetenhauses gefällt worden ist. g» mäß der ihm gegebenen gerichtlichen Ermächtigung zu publizieren: Die Publikation des Urteils wird den deutschen Arbeitern, die in diesem„Hause der Würde und Ehre" keine Vertretung haben— wegen des Ausdruckes„Haus der Schmach und Sckiande" erfolgte die Verurteilung—, noch einmal ins Gedächtnis rufen, daß von den schweren Vor- würfen, die die unter Anklage gestellten Artikel erhoben, kein einziger widerlegt worden ist, daß die Anklagebehörde sich von der behaupteten„Mitteilung nicht erweislich wahrer Tatsachen" zurückgezogen hat in die uneinnehmbare Festung der formalen Beleidigung, und daß es nur mit Hülle dieses Kunststückchens gelungen ist, ein paar Monate Ge- fängnis gegen zwei unserer Parteigenossen herauszuschinden, die nichts anderes getan hatten, als das Urteil des Volkes über das Dreiklassenparlament zu reproduzieren. DaS HauS erledigte eine Wahlprüfung: es erklärte die Wahl des konservativen Abgeordneten Rudorf-Minden für ungültig, nachdem er jetzt zu Unrecht 3� Jahre das Mandat ausgeübt hat! Ter Rest der Etatsberatung, der die Sitzung ausfüllte, bot keine wesentlich neuen Gesichtspunkte mehr. Der frei- sinnige Antrag, den unteren und mittleren Beamten schon in diesem Jahre eine einmalige Teuerungszulage zu geben. fand bei keiner anderen Partei Gegenliebe, obwohl die Re- gierung bekanntlich im Reiche versprochen hat, den Reichs- veamten die gewünschten Zuwendungen zu machen. Per- gebens wiesen die freisinnigen Redner darauf hin, daß die Eisenbahnüberschüsse bedeutend gestiegen seien und daß die Einkommensteuer einen Mehrertrag von ungefähr sechzig Millionen im Jahre bringen werde. Nebenbei bemerkt �.sind diese vermehrten Steuern hauptsächlich aus den Arbeiter- massen herausgepreßt, und zwar mit Hülfe jener famosen Bestimmung des Einkommensteuergesetzes, die den Arbeit- geber verpflichtet, der Steuerbehörde die Lohnlisten seiner Arbeiter auszuliefern. Aber trotz dieser Mehreinnahme aus Proletariergeldern wollte man den Beamtenproletariern nichts zukommen lassen; man diskutierte lieber des langen und breiten über Börsengesetzgebung und Stand der Staats- anleihen— Fragen, die die kapitalistischen Parteien des Ab- geordnetenhauses natürlich aufs lebhafteste interessieren. Morgen beginnt die dritte Beratung.— Die offiziöse Presse über die Maifeier. Der offiziösen Hetzprefie, die über den Aufruf des Parteivorstandes gehöhnt, gefällt natürlich auch unser gestriger Artikel über die Mai- feier nicht. Auch er soll die.Niederlage" und den„Rückzug" der Partei nur fadenscheinig maskieren. Es würde uns schlimm zu Mute werden, wenn unser Artikel uns gar das Lob der„Nord- deutschen Allg. Ztg." und der.Deutschen Tages- Zeitung" eingetragen hätte. Aber diese braven bülow-offiziösen Organe versuchen es auch mit einer ganz besonderen„Bosheit". Sie entdecken in unseren Aus- lassungen eine Spitze gegen den Parteivorstand. Nämlich in der Wendung von der„vielleicht nicht ganz diplomatischen Fassung des Auftufs des Parteivorstandes". Das sei eine direkte Desavouierung des Parteivorstandes. Zunächst eine Vorbemerkung. Die Redaktion des„Vorwärts" untersteht zwar in prinzipieller Hinsicht der Kontrolle des Partei- Vorstandes. Es entspricht aber durchaus den bornierten brireau- kratischen Auffassungen der Scharsmacherpresse, weim sie sich ein- bildet, daß deshalb der„Vorwärts" etwa nach Art des„Reichs- anzeigers" nur das Sprachrohr des Parteivorstandes wäre und auf jede freie Meinungsäußerung der Redaktion zu verzichten hätte. Dazu würde sich niemals eine Redaktion des Zentralorgans her- geben I Das Groteske ist aber, daß die Bülow-Presse den Sinn unseres Artikels in unbegreiflicher Weise verkannt hat. Die Tendenz unseres ganzen Artikels ist ganz unverkennbar die, daß einzelne Parteiorgane sich ganz unbegründeterweise über die mangelnde Diplomatie des Parteivorstandes entrüstet hätten, daß aber die Zukunft der Maifeier nicht von einer„Order" oder.Gegenorder" des Parteivorstandes abhänge, sondern von den politischen und wirtschaftlichen Um ständen und der durch 17 jährige Praxis gegebenen taktische» Schulung der Masse nl Gerade wir betonten die Notwendigkeit der.Ge- wöhnung an die wirklichen Kampfbedingungen', an die„Wahrheit«- gemäße Darstellung der zu überwindenden Widerstände"! Also nicht wir legten auf diplomatische Feinheiten Gewicht! Daß wir in der Sache den Ansichten des Parteivorstandes zu- stiinmen, sollte die offiziöse Presse doch schon aus unseren früheren Auslastungen eingesehen haben. Daß w i r aber auf diplomatische Finessen erst recht keinen Wert legen, sollte der offiziösen Presse doch auch nicht verborgen geblieben sein l Aber warum sollten wir für uns eine bessere Zensur verlangen wie der Parteivorstand. Mag das offiziöse Preßgelichtcr höhnen und Hetzen— uns genügt das Verständnis der Parteigenossen!— Aus dem Lande der unbegrenzten Polizeigewalt. LluS Anlaß der Reichstagswahl fand Mitte Januar in Gerres- heim bei Düsseldorf eine von der sozialdemokratischen Partei einberufene Volksversanunlung statt. In der Diskussion wurde auch das scharfe Vorgehen der GerreShcimer Polizei gegen den Vereins- Wirt Strauch erörtert, wobei Genosse Röseler anführte, zwei Polizisten von Gerresheim hätten von Strauch sich 200 Mark borgen wollen, der Wirt habe abgelehnt und darauf seien die vielen Protokolle, die er seitdem erhalten habe, zurückzuführen. In diesen Worten erblickte die Polizeiverwaltang eine Beleidigung der beiden Polizisten Baues und Zwilling; sie stellte gegen Röseler Strafantrag, der dann unter Ablehnnng aller Beweisanträge vom Schöffengericht in Gerresheim zn.vier Wochen Gefängnis verurteilt wurde. Röseler legte Berufung ein, worauf die Sache vor der Strafkammer in Düsseldorf nochmals zur Verhandlung kam. Der als Zeuge vernommene Wirt Strauch bekundet:„ES ist wahr, daß Baues undZwilling Geld von mir borgen wollten. Baues ist diescrhalb wohl vier- oder fünfmal beimirgewesen:ergaban. seine Frau komme bald in die Wochen, und außerdem unterstütze er seine Schwägerin, deshalb gebrauche er nösig das Geld. Ich versuchte Baues auf später zu vertrösten, Zwilling habe ich abgewiesen. Nach dieser Zeit bin ich auffallend viel mit Pro- tokollen bedacht worden und zwar wegen Kleinigkeiten. Ich führe daS auch darauf zurück, daß ich d e r S 0 z i a l d e m 0- kratie und den Gewerkschaften mein Lokal zur Verfügung stelle. Deshalb hat man mir auch die Polizei- st un de auf 9 Uhr f e st g e s e tz t, während alle anderen Lokale in Gerresheim bis 11 Uhr und darüber offen halten dürfen. Von 1901 bis 1906 habe ich nur ein Protokoll bekonimen, von da ab hat es für inich Polizcistrafcn geregnet." Die Zeugen Baues und Zwilling werden vom Vorsitzenden ein- dringlich ermahnt, nur die reine Wahrheit zu sagen. Baues gibt zuerst an, er könne sich der Sache nicht mehr erinnern; nach mehrere» weiteren Fragen hält er es für möglich, mit Strauch über das Geld- leihen gesprochen zu haben. Zwilling will den Wirt nur gefragt haben, ob er nicht wisse, wo man Geld ge- liehen bekomme.— Per Staatsanwalt beantragt, die Berufung zu verwerfen und eS bei der erkannten Strafe zu belassen.— Das Urteil lautet auf F r e i s p r e ch u n g. Die Beweisaufnahme habe ergeben, daß die Behauptungen des Angeklagten bezüglich des Geld- leihens auf Wahrheit beruhen. In der Bemerkung, daß die vielen Protokolle auf die Ablehnung des Borgversuches zurückzuführen sei, liege �ine Beleidigung, aber unter den vorliegenden Verhält- nissen konnte der Angeklagte von der Wahrheit seiner Behauptung überzeugt sein. Zudem habe er auch in Wahrung berech- tigter Interessen gehandelt, als er in einer poli- tischen Versammlung kommunale Mißstände zur Sprache brachte. Die Behandlung, die dem Wirt Strauch durch die GerreShetmer Polizei zuteil ward, erhält noch eine besondere Beleuchtung durch die Tatsache, daß bei den vielen Gerichtsverhandlungen, die sich mit Gerresheimer Roheitsgeschichten befassen, das Lokal von Strauch bisher nicht ein einziges Mal genannt worden ist. Nicht minder interessant ist die vom Verteidiger hervorgehobene Tatsache, daß von den 67 Polizeiprotokollen, mit denen Strauch inderletzten Zeitbedacht worden ist, 6ö vomGe- richt wieder aufgehoben wurden. Nichts destoweniger wird sein Lokal, während die anderen Wirtschaften bis 11 Uhr und länger offen halten dürfen, um 9 Uhr geschlossen. Die Polizei will es so, und in Preußen hat die Polizei immer recht— auch wenn sie einen solchen Reinfall erlebt, wie die Gerresheimer Polizei ihn jetzt erlebt hat.—_ Verweis— statt Amtsenthebung. Wie kürzlich im„Vorwärts" mitgeteilt wurde, ist der Pfarrer Dr. V 0 g l in Leislau bei Camburg vom Oberkirchenrat in. Meiningen seines Amtes enthoben worden, weil er sich weigerte, in einem Vortrage nach der Methode des Reichslügenverbandes gegen die Sozialdemokratie vom Leder zu ziehen. Ein ehemaliger Rittergutsbesitzer namens Schlüter hatte ihn dazu aufgefordert und ihn dann beim Oberkirchenrat denunziert, als er mit seinem An- sinnen abgeblitzt war. Vom Oberkirchenrat kam die Sache vor das Oberverwaltungsgericht, das dieser Tage seinen Spruch fällte. Er lautete lediglich auf einen Verweis. Da das Oberverwaltungs- gericht die höchste Instanz ist, so dürste die Angelegenheit, soweit der Rechtsweg in Betracht kommt, erledigt sein. Aus einer liberal regierten Stadt. Man berichtet uns aus Halle a. S.: In der letzten Stadt- verordnetensitzung verlangte man aus den Mitteln der Steuer- zahler eine„Ehrengabe" von 5999 M. zur Begrüßung der Schützengesellschaft zum 23. mitteldeutschen Bundes- schießen und 1999 M. zum Empfang eines Fechtvereins. Unsere Genossen Thiele und Osterburg erklärten sich gegen diese Vergeudung der Steuergroschen und wiesen daraus, hin, daß die Arbeiterturnvereine jüngst nur zu einem Sonntage von dem unter Leitung der Stadt stehenden„Vollswohl'-Vereine einen freien Platz zu Turnübungen erbeten hätten, und jener Verein, an dessen Spitze der frühere Oberbürgermeister Stunde stehe, habe das Gesuch der Arbeiterturner abgelehnt. Das sei eine schreiende Ungerechtigkeit. Dem bürgerlichen Stadtvater Professor Bangert lies eine Laus über die Leber und er erklärte: Wenn wir alle Sozialdemokraten vom Turnen ausschließen wollten, könnten wir die Bude zumachen. Das Kollegium paarte sich aber bald wieder und bewilligte gegen die Sozialdemokraten die ge- forderten 6000 M.—_ fv&nkrtid). Clämenccau kriecht zum Kreuz. Paris, 23. April.(Eig. Bcr.) Clemenceau stürmt von Blamage zu Blamage. Er hat es fertig gebracht, sein Regierungssystem den Klerikalen zum Gespött, den Sozialisten zum. Abscheu und seinen eigenen Parteigenossen zu einem unaufhörlich sprudelnden Quell von Verlegenheit, und Verdruß werden zu lassen. Jetzt hat er auch in der von ihm provozierten Affäre des Festes der Jeanne d'Arc einen lächerlichen Rückzug vollzogen. Ganz offenbar war sein Vorgehen ursprünglich daraus angelegt, eine antiklerikale Stimmung für die bevor- stehende Kammertagung zu präparieren und das vom Untergang bedrohte Regierungsschifflein durch die Stürme der sozialpolitischen Debatte zu tragen. Aber Clemenceau hatte diesen Plan am un- geeignetsten Orte auszuführen gesucht: just dort, wo er die Wirt- schaftlichen Interessen des radikalen Spießertums� in Mitleideg.?. schaft zog. Und so hat er sich zu einer stanz jämmerlichen Renrade bequemen müssen.„Kein Klerus im Festzug!" hatte er ursprünglich dekretiert,„Zulassung des Klerus, aber ohne Kreuze" hieß es bei der ersten Rückzugsetappe, und nun gibt der Ministerpräsident ganz klein bei: Der Klerus darf— wie bisher— mit Kreuzen ausrücken, und die Freimaurer werden im Stillen dazu bewogen, auf einen korporativen Aufmarsch zu verzichten! Der Bischof von Orleans, der sich in der Affäre viel klüger benommen hat als der Ministerpräsident, ist Sixger geblieben, indem er den Antiklerikalen getrost die Wahl zwischen Prinzip und Profit überließ. Clemenceau aber hat die Spießbürger von Orleans durch sciNd' Nachgiebigkeit nicht versöhnt. Denn da er sie in die Situation gebracht hat, die Blößen ihres Antiklerika- lismus zeigen zu müssen, wird der unausbleibliche Katzenjammer nach dem Festrausch des profitlichcn Gedenktages seine Mißlaune notwendig gegen den ungeschickten Minister kehren.— Snglancl. Die Koloniallonferenz erkannte in ihrer Beratung am Dienstag in einer Resolution die Schaffung eines Generalstabrs als notioendig an, der aus Offizieren der Streitkräfte des ganzen Reiches zusammengesetzt und berufen sein soll, die Vcrteidigungs- Pläne vorzubereiten und Ratschläge bezüglich der Ausbildung und der Kriegsorganisation der Truppen der Krone in jedem Teile deS Reiches zu erteilen. Bei der Darlegung der Vertcidignngspläne der Admiralität betonte Lord Twcedmouth besonders die Notwendigkeit einer ein- heitlichen Kontrolle der Flotte. Er erklärte weiter, eins der Ziele der Admiralität sei. die Seestreitkräfte auf solcher Höhe zu er- halten, daß sie England die Oberherrschaft zur See in jedem ver- nünftiger Weise als möglich anzunehmenden Falle sichern. Er wolle nicht auf weitere Bewilligungen an Mannschaften und Geld- Mitteln drängen, ein Mitarbeiter der Kolonien in der ihnen selbst angenehmsten Form würde aber von ihm herzlich willkommen geheißen werden.— Nach einer allgemeinen Diskussion wurde be- schloffen, daß die Frage der Seeverteidigung bis zu einer späteren Sitzung vertagt werden solle und daß die Vertreter der Kolonien inzwischen gesondert mit der Admiralität konferieren könnten. Die Konferenz beriet ferner über die militärische Verteidigung des Reiches..Kricgsmiilister Haidane wies dabei in einer Rede darauf hin, daß der südafrikanische Krieg gezeigt habe, wie durch- aus notwendig die Kriegsbereitschaft sei, und er.. sprach sich ein- gehend darüber anS, wie wünschenswert dit Aufstellung eines großzügigen Planes einer militärischen Organisation des. ganzen. britischen Reiches sei, der durch den vorgeschlagenen Zcntralstab geschaffen werden solle. Die einzelnen Premierminister sprachen sodann der Reihe nach ihre Ansichten über die Organisation der lokalen Streitkräfte in den eizelnen Kolonien aus.— Dänemark. Was alles mißglückte. Der dänische Reichstag hat Ende der vorigen Woche stine Sitzungen geschlossen.' Er tritt erst Ansang Oktober wieder zu- sammcn. Wohl ist in der verflossenen Session der Zahl noch eine große Menge von Beschlüssen zustande gekommen; von großem Wert für die gesamte Arbeiterklasse ist jedoch' nur da? endgültig be- schlossenc Gesetz über Staatsbeiträge zur Arbeikslosenversichernng. Ferner ist besonders erwähnenswert em Gesetz zur Einführung deS Metershstems an Stelle der veralteten Maße nach Elle; Fuß und. Zoll. Im übrigen sind alle die großen Resormvorlageu der Re- gierung und ihrer Partei wieder einmal gescheitert, beschnitten oder sonstwie verunglückt. Genosse Borgbjerg zog sn. einer großen Rode die„Reformbilanz" der regierenden Linkcnpartei mit folgenden Worten: „Das Ehcgesetz krepiert, die Wahlkreisreform kassiert, die Gerichtsreform halbiert, die Zollreform barbiert, das Eisenbahn- gesetz stagniert, das Ministerveraniwortlichkeitsgesetz schimpfiert, die kommunale Wqhlrechtsrefon» kastriert!" Dramatisch war der Abschluß der FolkethingKsession: Nach den üblichen Hurras für den König und die Verfassung rief der Radikale Zahle:„Das allgemeine Wahlrecht soll loben!" und drei kräftige Hurras der Radikalen und der Sozialdeimokraten folgten. Verblüfft saßen die Liberalen da. Erst beim dritten Ruf- stimmten einzelne von ihnen ein, wohl in dem dunklen Gefühl, daß auch auf i h r e m Programm das allgemeine Wahlrecht steht.— Die russische Revolution.- Die baltischen Bluthunde. Nur in einem Teil unserer gestrigen Auflage konnten wil die sensationellen Aufklärungen veröffentlichen, die durch den am Dienstag in der Duma vorgetragenen Kommissionsbericht über die Greuel der russischen Folterknechte verbreitet worden sind. Wir geben daher das wesentliche des Berichts heute nochmals wieder: In dem Kommissionsbericht, der von dem Abgeordneten Per- gament verlesen und- dessen Richtigkeit vom Ministergehlllfen Mgkarow in allen wesentlichen Punkten anerkannt wurde, heißt es unter anderem: Mit dem Beginn der Strafexpedition in den baltischen Pro» binzen begannen auch die Folterungen von Gefangenen, um ihnen Geständnisse zu erpressen, die genügten, um sie erschieße» zu lassen. In Riga wurde zum Zweck der Folterungen eine Kommis. sion gebildet, bestehend aus dem Gehülfen des Chefs der politi« scheu Polizei, mehreren Polizeikommissaren und-Agenten. Dies« Kommission war vom Staatsanwalt und der Gendarmerieverwal» tung mit besonderen Instruktionen für ihre Tätigkeit versehen und vom Gouverneur mit dem Recht ausgestattet, politische An» geklagte ohne gerichtliches Verfahren zn töten. Den Vcrwaltungs- Behörden, dem Staatsanwalt und'dem Gendarmeriroberste» waren die Martern und Folterungen, denen Gefangene unter- zogen wurden, bekannt. Ein Gefangener wurde � von einem Polizeikommissar niedergeworfen, worauf der Kommissar auf der Brust des Gefangenen so lange herumsprang, bis ihm sämtliche Rippen gebrochen waren und er fürchterlich leidend mehrere Tage lang keine Nährung zu sich nehmen konnte, bis er dann erschossen wurde. Ein anderer wurde so lange aus die Waden geschlagen, bis alles Fleisch sich von den Knochen gelöst hatte. Einem dritten wurde das Geständnis, das man von ihm verlangte, buchstaben- weise mit Kautschukknütteln auf den Rücken geschlagen. Die- jenigen Gefangenen, die während der Folterungen nicht ge- storben waren, deren Wunden-<>ber nicht geheilt werden konnte» oder dauernde Spuren hinterließen, wurden nachts in der Nähe des Gefängnisses erschossen. Ein anderer Gefangener wurde von zwei Kosaken an den Händen und Füßen gehalten und mit Gummikniittcln so lange geschlagen, bis der Erdboden von Blut triefte. Um Geständnisse zu erzwingen, wurden gefangenen Weibern die Nägel vom Fingern und Zehen gerissen, die Haare bündelweise ausgerissen, die Knochen an Armen und Beinen ge- brachen. Die Martern und Foltern waren von der Polizeibehörde organisiert und unter ihrer Beteiligung ausgeführt. Ein Lehrer wurde gemartert, um das Geständnis zu erzwingen, er habe im Gouvernement Mohilew einen Polizxibeamten ermordet. Als sich herausstellte, daß er unmöglich der Mörder sein konnte, wurde er in das Gefängnis geschafft und nach etwa einem Monat wieder vorgeführt, um zuzugestehen, daß er der Mithelfer Velen- zows bei dem Moskauer Bankraub gewesen sei! Er wurde so lange mit Kautschukknüttcln geschlagen und mit Strangulation bedroht, bis er alles„gestand". Ein anderer wurde erst mit Kautschukknütteln, sodann mit Eisenstäben geschlagen, worauf er auf- den Boden gelegt und in die Wunden Zucker gestreut wurde. Andere wurden„massiert", indem man sie blutig schlug und in die Wunden Salz einrieb. Ein anderer wurde auf eine Bank gelegt und auf seine Brust ein Brett, aus dem zwei Polizisten dalanciesten, bis das Rückgrat gebrochen war. worauf er er- Mossen Wurde.>j M-'• Die„.Vossische Zeitung", die sich vor kurzer Zeit zum Sprach» rohr der..echt Russischen" gemacht Und das Vorkommen von Fol» terungen in Riga abgeleugnet hatte, sieht sich nun gezwungen, der Wahrheit die Ehre zu geben und die hundsföttischen Bestialitäten der Schergen Nikolaus' II. mit an d»n Pranger zu stellen. Der Dumapräsident beim Zaren. Am Dienstag wurde Golowin von Nikolaus in Zarskoje Scla empfangen. Die Audienz währte eine halbe Stunde, und der Kaiser geruhte huldvollst, sich eme Denkschrift über die bisherige Tätigkeit der Duma überreichen zu lassen. Ob er ein Wärt dieser Denkschrift lesen wird?— Leere Worte. Petersburg, 24. April. Äer Präsident deS Ministerrates, Stolypin, hat am 23. April an die Generalgouverneure, Gouver- neure und Kreischess in der den Juden zur Ansiedelung ein» geräumten Zone ein Rundschreiben erlassen, in welchem es heißt: Ich erhalte Meldungen, daß für Ostern Pogrome organisiert würden; ich bin fest überzeugt, daß die Lokalbehördcn alle Matz- regeln ergreifen, um jede Art von Gewalttätigkeit zu verhindern, und ordne an, daß zur Beruhigung der Bevölkerung öffentlich bekamctgegeben wird, daß jeder Versuch einer Ruhestörung sofort durch polizeiliche und militärische Gewalt unterdrückt werden wird. Ich gestatte in der gegenwärtigen Zeit nicht auch nur den Gedanken an Schwäche der Verwaltung und führe auf ihre Festigkeit die Ruhe, die in den Dörfern wiederkehrt, zurück. Die. Beyölkerüng muß von der Ilebcrzeugung durchdrungen sein, daß die ordentlichen Behörden die Pflicht haben, Unruhen sofort ohne Verzug zu unterdrücken, da die Behörden selbst für die Folgen von Agrarunruhen und Pogromen gegen die Juden nach der vollen Strenge des Gesetzes aufzukommen haben werden. Viel besser als durch die vielen Worte konnte Stolypin durch die T a t beweisen, daß er's ernst meint mit dem Wunsche, Pogrome zu verhindern. Er brauchte nur von seinen intimsten Freunden, den pogromlustigen Schwarzhundertlern, abzurücken., Im. übrigen hat Stolypin selbst ein paar, nicht gerade suden- fresserische Worte meist nur dann zur Hand, wenn eine Anleihe in Sicht ist.—_ Gewerkrcbaftlicbee. < Berlin und Umgegend. > Achtung, Metallarbeiter! Die Firma, üblir die in der gestrigen Nummer des„Vorwärts" die Sperre veröffentlicht wurde, heißt nicht Norddeutsche Eiswerkc sondern Norddeutsche Eisenwerke. Wir bitten, dies zu- beachten. Diejenigen Drahtarbeiter.-welche zu den.neuen tariflichen Bedingungen arbeiten, müssen-sich durch eine Berechtigungskarte (grüne) mit unserem Organisationsstempel versehen, legitimieren. Deutscher Metallarbeiter-Berband. Ortsverwaltung Berkin. Achtung. Bauklempner. Die Differenz bei Bauer ist mit Erfolg beendet._ Die Ortsverwaltung. Kommunale Arbeiterfürsorge. . Seit Jahren bereits streben die R-evidierer und Stcmdaufnehmer -der Nevierinspcktionen der städtischen Gaswerke eine Reform im Holen der Revision»- und Rechnungsstände an. Von der Direktion locrdeü ftm offenen. Gelände 130, im. beballten Gelände jSV Rech, NUngsstände gefordert, ganz gleich, welche Gegend es ist. Vom grünen Tisch aus lassen sich die obigen Zahlen sehr leicht fcftsrtzgn, in der Praxis spielt es sich wesentlich anders ab.-Aus» schlaggebenh ist fttt da» Bringen der Stände, wie die Gasmesser -in den einzelnen Stadtbezirken stehen, sowie auch die Lage der- selben. Ferner kommen noch eine Reihe von anderen Bcgleit- umständen In Frage: Da' nun die Rcdierinspekwrcn angewiesen sind- darauf zu achten, daß die obige Zahl auch wirklich gchoft wird, !o wird auf der anderem Seite eine starke Kontrolle ansgeüdt und st rS dem Inspektor dadurch in die Hand gegeben. Arbeiter, welche ihm nicht zu'agen, zu entlassen. Jüngst ist nun ein derartiger Fall passiert, das;.'in Standaufnehmer nach V'/ejährigor Arbeitszeit seine Entlas ung erhielt. Die Direktion bestätigte die Entlassung als zu Recht bestehend und konstatierte seine Leistungsunfähigkeit. Den Glauben an die Leistungsunfähiykcit scheint die Direktion aber selbst nicht zu haben, denn sonst hätte diese bcrt von einer Versammlung beauftragten Arbeiteransschuß in. dieser Angelegenheit empfangen. Gegenwärtig ruht dieser Fall bei der Deputation und Wird abzuwarten sein, wie diese sich entscheidet. Betreffs der Aufnahme der Rcchrmngsistände hatte dieselbe Versammlung ihre schon früher gestellten Anträge der Deputation übermitteln lassen, weil man von der Direktion auf ein Entgegen- kommen nicht mehr rechnen konnte. Wenn man nun jedoch glaubte, in etwas den Anträgen der Arbeiter entgegenzukommen, so irrt man sich. Eine neue Verfügung der Direktion besagt folgendes: „Diejenigen Rechnungsstände, welche von einem Stand- aufnehmer über den Sab von 15» Stück täglich gebracht werden, sind mit 2Vj Pf. pro Stand zu vergüten.— Für unrichtige Stände soll dagegen eine Strafe von 5 Pf. pro falschen Stand erhoben werden." Dies setzt denn doch allem die Krone auf. Ein Prämiensystem, wie es der Privatunternehmer nicht einmal anwendet. So zeigt sich die kommunale Arbeiterfürsorge im schönsten Lichte. Für Lohnerhöhungen ist kein Geld vorhanden, aber wenn es gilt, den gerechten Forderungen der Arbeiter entgegenzuarbeiten, so scheut nian keine Geldausgaben. Diese Art und Weise kennzeichuet am besten, daß die im Besitze der Gemeinde befindlichen Gaswerke gcnau nach kapitalistischem Muster gshandhabt werden. Hoffentlich loerdcn die Standaufnehmer aber so besonnen sein, und nicht auf den hingeworfenen Köder hineinfallen. AnihrerGesundheit muß ihnen mehr gelegen se i n. Wenn man sich die Entlohnung betrachtet, so findet man die obigen Angaben bestätigt. Anfangend mit 4 Vi., erreichen die Standaufnehmer nach 14 Jahren 5 M. Aber auch bei den übrigen Kategorien ist es nicht besser. Die Rohrleger und Schlosser erhalten einen Ansangslohn von 4,80 M. Gar kein Vergleich zur Privat- Industrie. Trotzdem ist der Tarif für Gasmesserausstellungen von 2,40 aus 2,80 M., ja, selbst der Arbeitslohn, welcher dem Konsu- menten in Rechnung gestellt wird, ist für einen Rohrleger und einen Arbeiter pro Tag um 2 M. vom 15. Dezember 1906 ab erhöht worden; früher betrug dieser 12 M., jetzt 14 M. Der Rohrleger und Arbeiter erhalten im Durchschnitt zusammen 9 M. Im gün- stigstcn Falle, wenn also die Rohrleger nach zirka 20jähriger Arbeiitszeit 6 M. und der Arbeiter 4,20 M. erhält, macht der Arbeitslohn 10,20 M. aus. Also nicht nur am Produkt verdienen die Gaswerke, sondern auch an dem Arbeitslohn. Vielfach taucht im Publikum die Meinung auf, ixrß die obigen Preiserhöhungen infolge von Lohnerhöhungen eingetreten sind. Lohnerhöhungen haben jedoch seit Mai 1905 nicht stattgefunden. Keine Lohnerhöhung aber Maßregelung bei der Großen Berliner. Die Große Berliner Straßenbahn hat vor mehreren Jahren bekanntlich einer Vereinigung ihrer Angestellten zum Dasein ver- Holsen, die ein Gegengewicht gegen den„roten" Verband mit seinen gar so unverschämten Forderungen bilden sollte. Jenes liebe Kind der Direktion ist nun aber in letzter Zeit auch schon ein bißchen unartig geworden, und die„Gelben" scheinen ihr bereits bedenklich ins rötliche zu schimmern. Man fühlt sich sogar schon veranlaßt, mit Maßregelung gegen sie vorzugehen. Von den 40 Vertrauensmännern, die die Interessen der An« gestellten der Direktion gegenüber ordnungsgemäß zu vertreten haben, gehören seit der letzten Wahl 12 dem Verbände und 28 dem Verein an. Nun haben gerade die Vereinler bei der Frühjahrs- konferenz, die am 17. April stattfand, Forderungen auf Lohn- erhöhung der Direktion gegenüber mit einer bisher bei ihnen nicht üblichen Entschiedenheit vertreten. Aber der Direktor Micke-ist ihnen ebenso entschieden und scharf entgegengetreten. Er hat die Forderungen abgelehnt und dabei auf die Finanzlage der Ge- sellschaft verwiesen, die so sehr unter dem starken Schneefall des letzten Winters gelitten haben soll, und auf die schönen und kost- spicligen Wohlfahrtseinrichtungcn. Wie behauptet wird, hat der Herr Direktor es ganz in der Ordnung befunden, daß die Frauen der Angestellten mit verdienen müssen, weil ihre Männer nicht so viel verdienen, wie zur Erhaltung der Familie notwendig ist. Ferner soll Herr Micke auch gesagt haben, daß die Vertrauens- leute nicht nur Vertrauensleute der Angestellten, sondern auch solche der Direktion seien und in dieser Hinsicht die Aufgabe hätten, zu hören, wie die einzelnen Angestellten denken und fühlen, und dies der Direktion mitzuteilen. Hier liegt scheinbar der Gedanke zugrunde, daß die Vertrauensmänner das Vertrauen derer, die sie gewählt haben, zu Spitzeldiensten mißbrauchen sollen, um sich eine schöne Vertrauensstellung bei der hohen Direktion zu er- gattern. Im übrigen scheint für die Angestellten bei der Konferenz nichts herausgekommen zu sein, wenigstens nichts gutes. Aber am 21. April wurden plötzlich zwei Vertrauensleute, unter Zusicherung ihres Gehaltes bis zum 1. Juni, entlassen, und zwar ein Vereins- Mitglied, ein Schaffner, der 29 Jahre im Dienste der Gesellschaft tätig war, und ein Verbandsmitglied, ein Fahrer, der kurz vor Vollendung seines sechsten Dienstjahres stand. Sie wurden cnt- lassen:„wegen erwiesener Uebertretung unseres Verbotes zu agi- tieren", wie das Schriftstück der Direktion sagte. Das Vergehen des Schaffners war, daß er eine Vertrauensmännersitzung ein- berufen hatte, und seinen Kollegen von, Verband traf das Schicksal nach dem nicht gerade gerechten aber doch sehr beliebten Grundsatz: mitgefangen, mitgehangen. ES ist unseres Wissens bei der Großen Berliner das erste Mal, daß ein„Gelber" gemaßregelt wird; bisher waren es immer nur Verbändler, die den Zorn der hohen Herren so sehr erregten, daß sie ohne Umstände aus dem Dienst gejagt wurden. Wohin soll eS führen, wenn nun dieser gelbe Verein, das liebe Kind, das man mit so großer Mühe aufgepäppelt hat, nicht mehr will, wie es soll? Vielleicht muß doch einmal die hohe Direktion mit ihren Angestellten wie mit gleichberechtigten, zielbewußten Arbeitern ver- handeln und Verträge schließen, die auch gehalten werden, selbst wenn der Profit der Aktionäre ein wen'" Einschränkung erleiden sollte._ Deutrchco Reich. Achtung» Gewerkschasten! DaS Maschinen- und Kesselpersonal der Preußisch. Rheinischen, Düsseldorfer und Niederländer Dampfschiffahrt ist am 25. April w eine Lohnbewegung eingetreten. Die Forderungen sind folgende Für 1. Maschinisten während der Fahrt wöchentlich 42 M. »2.»»»»» 86, , Heizer.... 28. Bei Eisgang oder Reparaturen vergeringern fich diese Lohnsätze um 2 M. pro Woche. Ueberswnden werden mit 60 bezw. 50 Pf. gezahlt. Sonntags- und gesetzliche FeiertagSarbeit wird mit 4 bezw. 3 M. für angefangenen halben Tag gezahlt. Die Arbeitzeit während der Fahrt beträgt 8 Stunden unter Zugrundelegung einer zwei- stündigen Wacheeinteilung. Im Hafen beträgt die Arbeitszeit exklusive der Pausen zehn Stunden. Abschaffung der Nebenarbeiten, Bedienen der Dampfwinden usw. Auf hygienischem Gebiete wird gefordert: Einrichtung von Klosetts und Waschvorrichtung, jede dritte Woche Wechseln der Bett- Wäsche, Beschaffung von Kleiderschränken sowie geräumiger und lustiger Logisräume, Anerkennung der Organisation, Maßregelungen dürfen nicht stattfinden._____________ gUifljjitp, Liedakteurp Ha»» Wcbrr, Berlin. Inseratenteil vcrant»./ Zuzug ist streng fernzuhalten. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Nachdruck gebeten. Der Zentral-Verband deutscher Maschinisten und Heizer. Gausitz Mainz. Achtung, Metallarbeiter! In der Waggonfabrik Crull u. Cie. in Wismar sind Differenzen ausgebrochen. Zuzug nach dorthin ist bis auf weiteres fernzuhalten. Deutscher Metallarbeiterverband. sOrtsverwaltung Berlin.) Die Wiedereinsiellung der Hamburger Schauerleute geht schnell von statten, da Arbeit in Hülle und Fülle vorhanden ist. Am Dienstag morgen waren nur noch wenige Schauerleute ohne Be- schäftigung. In den nächsten Tagen wird der Rest der englischen Streikbrecher, etwa 2000, mit einem Sonderdampfer abgeschoben werden. Die deutschen Streikbrecher haben schon größtenteils Hamburg den Rücken gekehrt, so daß bald wieder geordnete Zu- stände an der Wasserkante herrschen werden. Den Stauern war es gestern anheimgestellt, welche Arbeiter sie einstellen wollten; sie griffen zu ihren alten, bewährten Leuten. Die Maler in Leipzig haben den Generalstreik aufgehoben und den partiellen Streik erklärt. 53 Betriebe mit 120 Gehülsen haben bewilligt. Etwa 800 Mann sind noch ausständig. Die Tarifbewcgung in der Konfektion. Seitens des Schneiderverbandes ist man schon seit mehreren Wochen unernnidlick tätig, um endlich einmal auch in der Berliner Herrenkonfektion einigermaßen vernünftig geregelte Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu schaffen, wozu ja in ihrer Weise auch die ganze Arbeiterschaft Berlins mithelfen soll. Bon ihr wird jedoch nicht mehr verlangt, als daß sie die Geschäfte meidet, die sich der Beivegung feindlich gegenüber stellen, und gelegentlich durch Flugblätter diesen Gedanlen unter die Masten bringt. Mühevoll ist aber die Arbeit der unmitrelbar beteiligten Arbeiter, die für die Bewegung wirken. Unablässig müssen sie tätig sein, um diejenigen ihrer Kollegen, die noch in Gleichgültigkeit verharren, in ihren Wohnungen und„Werkstätten" aufzusuchen, sie aufzurütteln, um sie zunächst einmal dahin zu bringen, daß sie in die Versammlungen und Geschäftssitzungen kommen, die Woche für Woche stattfinden. Am Montag war wiederum eine öffentliche Versammlung der Gesellen der Konfektionsbranchen bei Mendt in der Münzstraße und gleichzeitig tagte im selben Hause eine Geschäftsversammlung der Arbeiter der mittleren Konfektionsgeschäfte. Beide Bersammlungen dienten hauptsächlich der Agiiation. In der öffentlichen sprach der Verbandsvertreter M i r u s. Er führte unter anderem aus. daß sich der Schneiderverband seit zwei Jahren wieder besonders eifrig damit beschäftigt, in ganz Deutschland Tarife für die Konfektionsarbeiter festzulegen. Ueberall, wo ernsthaft der Ver- such gemacht wurde und die Kollegenschast selbst auf dem Posten war, ist dies gelungen. In Südwestdeutschland, wo die Konfektions- arbeiter auf weitem Umkreis zerstreut wohnen und es schwer war, ie zu einniütigem Handeln zu vereinen, ist es doch auch gelungen, und zwar durch dreiwöchigen Kampf, einen feste» Tarif und au- nehmbare Lohnerhöhungen zu erringe». In Elberfeld erreichte mau dasselbe Ziel nach sieben Wochen des Kampfes, in München, Siettin, Breslau und Stuttgart aber auf friedlichem Wege. Von den Haupt- Plätzen der Koufektionsindustrie steht nur noch Berlin, der größte, zurück. Was der Redner über den Stand der Dinge hier in Berlin berichten konnte, ist den Lesern des„Vorwärts" bereits bekannt. Die Unternehmer haben einen Verband gegnindet und nicht etwa eine Lohnkommission zum Verhandeln mit der Schneiderorganisation, fondern eine Agitationskommission gewählt, die Hausagitation bei den Großlonfektionären betreiben soll. Man will Front machen gegen die„unberechtigten" Forderungen der Arbeiter, das soll der Zweck des Verbandes sein. Unberechtigt, unerfüllbar hat man auch in den Städten und Lohngebieten, die jetzt feste Tarife haben, die Forde- ruugen derKonseltionsarbeiter genannt, und dort konnten die Unter- nehmer noch dazu mit einem Schein von Recht auf ihre großen Konkurrenten in der Reichshauptstadt verweisen, als auf diejenigen. die man zuerst für einen feste» Tarif gewinnen müßte. Aber sie mußten doch nachgeben, gezwungen durch die Macht der Organi- salion. So wird es auch hier gehen. Darum alle hinein in den Schneiderverband I— In dieser Aufforderung llang der Vortrag aus, der lebhaften Beifall fand und offenbar auch seine Wirkung picht verfehlte. In der Geschäftsversammlung fand eine rege Aussprache über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse statt. Es trat hier recht deutlich zutage, zu welchen Lohndrückereien und anderen Mißständen der Mangel einer sinheitliche» Lohnregulierung, der Mangel an festem Zusammenhalt der Kollegenschaft fiihrt. Es zeigte sich aber auch. wie sich die Erkenntnis mehr und mehr Bahn bricht, daß hier gründ- lich Wandel geschaffen werden mutz. Zum Konflikt bei Seidel u. Naumann. Dieser Tage gelang es zwei organisierten Tischlergehülfen unter dem Vorgeben,„arbeitswillig" werden zu wollen, in den Betrieb der Firma zu gelangen und ihn zu inspizieren und die Direktoren auszuholen. Sie fanden in sämtlichen der Holz- Verarbeitung dienenden Sälen inkl. der Maschinensäle knapp 50 entweder ganz alte Arbeiter oder ganz junge Burschen. Aus den Ausführungen des Direktors ging unverhohlen hervor, daß sie sich in schweren Schwulitäten befinden. Er versprach den beiden Tischlern einen Verdienst bis 70 Mk. in zwei Wochen und einen Stundenlohn von 45 Pf. in der Einrichtungszeit. Die Arbeits- willigen kommen zweifellos wieder an die Luft, wenn der Friede wieder hergestellt ist. denn der Direktor meinte, die ausständigen Leute kämen nicht wieder herein—„solange der Streik dauert!" fügte er vorsichtig hinzu. Daß unter den Rausreitzern sich sehr unbequeme Elemente befinden müsten, geht aus dem Zwischenfall hervor, der sich während des Gesprächs ereignete. Da kam ein Arbeitsmädchcn gelaufen und rief dem Direktor zu, daß dem Sohn des Obermeisters der ganze Kopf zerschlagen worden sei. Die Firma richtet jetzt in ihrem Betriebe in einem Fabriksaal — Platz hat sie ja genug— eine Herberge für die fremden Arbeits- willigen ein, damit diese nicht ausreißen können. Dieser Tage wurde eine ganze Fuhre Matratzen zur Fabrik hineingefahren. Alles in allem scheint die Firma in arger Verlegenheit zu sein. Wäre ihr Verhalten einwandsfrei gewesen gegenüber den Arbeitern, hätten die Metallindustriellen schon lange ihre Ausfperrungs- drohungen wahr gemacht. So sehen aber diese— wenn sie es auch in der Oeffentlichkeit nicht zugestehen— selbst ein, daß das Vor- gehen der Firma gegen ihre Arbeiter ein durch nichts zu recht- fertigendes war. Ob dieser Kampf dem Absätze der Erzeugnisse der Firma: Nähmaschinen und Fahrräder in der Hauptsache— sehr förderlich sein wird» wagen wir billig zu bezweifeln. TiusUmck. Das Referendum der belgische» Bergarbeiter über de» Achtstundentag. B r ü ss e l. 22.«prisi(Eig. Ber.) Bei den Beratungen über das neue Berggesetz berief sich der Handelsminister Francotte. um den bescheidenen Fortschrttt des Amendements Beernaerts zu bekämpfen, auf die Bergarbeiter, daß diese selbst gegen den Achtstundentag seien. Mittlerweile ist ja auch diese Aussicht, die den Bergarbeitern der neuen Bergwerke eine gesetz- liche Regelung der Arbeitszeit in— zehn Jahren verhieß, illusorisch temacht worden, denn der König hat dieses Gesetz für nichtig erklärt. )aS Referendum über den Achtstundentag. das die Bergarbeiter aller belgischen Bassins veranstaltet haben, zeigt nun in seinen Resultaten, wie großartig der gewesene ArbeitSminister über die Wünsche der Bergarbeiter unterrichtet war; aber die Ziffern werden andererseits auch den König über die Bedeutung und die eventuellen Folgen seines Erlasses belehren.... Daß die Berg- arbeiter bereit sind, für den Achtstundentag mit aller Energie zu kämpfen und das Aeußerste einzusetzen, haben die Verhandlungen des am Sonntag in AuvelaiS sArrondijsement Namur) abgehaltenen außerordentlichen Bergarbeiterkongresses g e zeigt, aus dem mit 76 gegen TD.BIocke, Berlin. Druck u. Verlag: vorwärIs!öuchdr.u.«crIag»anff»K 23 Stimmen beschlossen wurde, falls die neue Kammer die sofortig« Beratung des neuen Projekts des Genossen D e st r 6 e über den Achtstundentag verweigert, auf Grund eines vorangegangenen Referendums am 15. November in den General- st r e i k einzutreten. Die interessante Volksabstimmung über den Achtstundentag, � die unter offizieller Kontrolle stattfand und an der sich nur die über 13 Jahre alten Arbeiter beteiligten, ergab folgende Resultate: Bassin Centre: 16 936 Stimmen für den Achtstundentag» 160 gegen. Zahl der Beschäftigten: 22 174. Bassin Charleroi: 24 645 Stimmen für den Achtstunden- tag, 78 gegen. Zahl der Beschäftigten: 43 358. Bassin Lüttich(Hier haben nur unter Tag Beschäftigte gestimmt): 13 946 Stimmen für den Achtstundentag, 131 gegen. Zahl der Beschäfttgten: 29 795. Bassin Möns: 17 787 Stimmen für den Achtstundentag, 220 gegen. Zahl der Beschäftigten: 32 890. Bassin Basse-Snmbre: 2449 für den Achtstundentag, 26 gegen. Zahl der Beschäftigten: 4229. Im ganzen haben au der Abstimmung 81 955 Arbeiter teil- genommen, wovon sich 80 763 für, 615 gegen den Achtstundentag (Ein- und Ausfahrt einbegriffen) erklärten. Auf dem erwähnten nationalen Bcrgarbeiterkongreß wurde in einer Resolutton auch gegen die Haltung des Königs und der demissionierten Minister protestiert und die Gesamtheit der Berg- arbeiter aufgefordert, mit allen Kräften die Zurückziehung des be- züglichen Erlasses zu erwirken. Die Bewegung im Baugewerbe. Die Vereinigung der Maurer nahm am Mittwoch- abend in einer stark besuchten Versammlung Stellung zur gegen- wältigen Bewegung im Baugewerbe.'Der Referent Gehl schickte seinen Ausführungen die Bemerkung voraus: Wenn Thons in der Versammlung des Maurcrverbandcs sagte, die Vorstände der beteiligten Organisationen hätten sich dahin geeinigt, den Mit- gliedern die Annahme des Schiedsspruches zu empfehlen, so sei das nicht zutreffend. Der Vorstand des Vereinigung der Maurer habe nicht den Standpunkt eingenommen, seinen Mitgliedern den Schiedsspruch zu empfehlen. Weiter führte der Redner aus, der Verband habe sich jetzt eifrig bemüht, den Arbeitern klar zu machen, daß die Zeit für den Kampf nicht günstig sei. Auch der„Vor- wärts" habe nach dieser Richtung seine Schuldigkeit getan und in einem Artikel den Bauarbeitern den Rat gegeben, sie möchten es sich zehnmal überlegen, ehe sie sich für den Kampf entscheiden. Das hätte sich der„Vorwärts" sparen können. Er solle es nur den Arbeitern selbst überlassen über ihre Angelegenheiten zu ur- teilen und zu entscheiden. Der Vcrbandsvorstand habe ja auch, um sich den Rücken zu decken, zu seiner Sitzung den Parteivorstand hinzugezogen, damit er helfe, Stimmung gegen den Kampf zu machen. Was den Schiedsspruch anbetrifft, so habe die Vereinigung eigentlich leinen Anlaß, dazu Stellung zu nehmen, weil sie nicht an dem Vertrage beteiligt war. Aber was den Arbeitern durch den Schiedsspruch geboten wird, müsse entschieden abgelehnt werden. Die Kollegen würden unbedingt an der Verkürzung der Arbeitszeit festhalten. Der Verband habe ja auch entgegen der Mahnung der Führer und des„Vorwärts" den Schiedsspruch äbgelehnt, ebenso die anderen Organisationen. Die Unternehmer dagegen haben sich für die Annahme desselben erklärt. Angesichts dieser Situation frage es sich, was sollen wir tun, abwarten oder angreifen.(Rufe: Angreifen!) Man könne nicht morgen gleich anfangen zu streiken. aber die an der Bewegung beteiligten Vorstände müßten so schnell wie möglich die Vorarbeiten für die weitere Bewegung machen. Ueber die Taktik des Kampfes könne jetzt natürlich noch nicht ge» sprechen werden. Wenn wir noch bis zum 1. Mai hinkommen» dann eine große Demonstrationsversammlung abhalten und vom 2. Mai an die Arbeit ruht, so werde das einen großen Eindruck machen und der Erfolg werde nicht ausbleiben. In demselben Sinne sprachen auch die Diskussionsredner. Sie meinten, die Situation sei für den Kamps günstig, derselbe dürfe nicht mehr hinausgeschoben werden. M e tz k e sagte, als Partei- genösse wehre er sich dagegen, daß sich der„Vorwärts" in die An- gelegenheit der Bauarbeiter einmische. Am Sonntag habe Genosse Singer den Maiausruf des Parteivorstandcs verteidigt.(Rufe: Flaumacherl) Der Redner sagt, er könne behaupten, daß drei Viertel der Generalversammlung von Grotz-Berlin mit den Aus- führungen Singers nicht einverstanden waren. Nur aus Klug- heitsrücksichten habe niemand dagegen gesprochen. Das möge sich der Parteivorstand gesagt sein lassen, er solle die Arbeiter, die den Kampf wollen., nicht zurückhalten.— Nach Schluß der Diskussion wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Versammlung nimmt Kenntnis von dem Schiedsspruch des Einigungsamtcs. Sie lehnt denselben entschieden ab und hält nach wie vor an der Verkürzung der Arbeitszeit fest und erwartet von'den matzgebenden Instanzen der in Betracht kommenden Or. ganisationen unverzüglich die erforderlichen Maßnahmen zur Durch, führung derselben zu treffen." Hierauf wurde noch ohne Debatte beschlossen: Die Vereinigung der Maurer steht nach wie vor auf dem Standpunkt, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern. eingegangene Oruckfclmtten. Muster Jahresbericht des Arbcitcrsekretarials zu Gotha. 32 Selten. Selbstverlag. Kapital und Erfindung. Nr. 2. Herausgeber: O. WicSner. Monat- lich ein Hest 40 Pf. Selbstverlag: Berlin S\V. 47. Geschäftsbericht über das achte GeschästSjahr 1906 der WohnungS» gesell! chajt. Selbstverlag, Berlin. Schäserstr. 40. Letzte JVaebr lebten und Depefeben, Erst abwarte». Wien» 24. April.(B. H.) Dem„Neuen Wiener Abendbl." telegraphiert man aus Petersburg, eine vollständige Aenderung deS politischen Kurses sei eingetreten. Die konservattvrn Minister treten aus; Stolypin gründet ein liberales Ministerium mit den Kadetten. GolowinS Audienz sei glänzend verlaufen. Beendigung der Textilarbeiteraussperrung. Rcichcnberg(Böhmen). 24. April.(W. T. B.) Die Lohn. betvegung in der Tuchindustrie ist beendet; die Aussperrung wird aufgehoben, da zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern eine Einigung erzielt worden ist._ Pnlvercxplosio». Innsbruck, 24. April.(B. H.) In Mals(Bintschgau) explodierte heute nachmittag infolge Unvorsichtigkeit der Pulvervorrat eines SchirßstandrS. Das Gebäude flog in die Luft, die Trümmer flogen bis in den Ort Mals hinein. Der Pharmazeut Pöll und ein Tage- löhner wurden als Leiche» unter den Trümmern hervorgeholt. Rom Kellnerstreik in Pari«. PariS, 24. April.(W. T. B.) Ministerpräsident Clemcnccau empfing eine Abordnung der Wirte und gab ihnen den Rat. das Syndikat der Kellner anzuerkenncn und mit demselben zn vre. handeln. Auf Vorschlag Clemenceaus erklärten sich die Wirte bereit, die Streikangelegenheit hchuft eventueller schiedsgerichtlicher Schlichtung dem Friedensrichter des ersten Bezirks zu unterbreite«. Revolte der Arbeitssklaven. Barbados, 24. April.(W. T. B.) Auf der Insel Santa Lucia haben die Kohlenträger Unruhen hervorgerufen. Eine Ab» teilung freiwilliger Truppen mit Maximgcschützen und 80 Mann von der Polizeitruppe sind dorthin abgegangen.__ Paul SingerLcCo., Berlin LVV7 Hierzu 2 Beilagen».Unterhaltungsblatt Nr. 96 24. Jahrgang. Reichstag. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donnerstag, 25. April 1907. 37. Sigung bom Mittwoch, den 24. April 1907, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: v. Einem, Frhr. v. Stengel Der Vertrag zwischen dem Deutschen Reiche und den Niederlanden über die gegenseitige Anerkennung der Altiengesellschaften und anderer fommerzieller, industrieller und finanzieller Gesellschaften vom 11. Februar 1907 wird in dritter Beratung debattelos angenommen. " Es folgt die Fortsetzung der zweiten Beratung des Etats für die Verwaltung des Reichsheeres. Abg. Bebel( Soz.): Der Herr Kriegsminister hat gestern am Schlusse seiner Rede auseinander gefeßt, in welchen Momenten fünftiger Entwickelung mit Rücksicht auf das, was das Ende der Dinge sein kann. Also ich gehöre selbst in diesem Augenblid, wo der politische Himmel nichts weniger als unbewölft erscheint, noch zu den Optimisten. Aber abgesehen davon, entsteht doch außerdem die Frage, ob es in der Tat unmöglich sein soll, selbst unter den gegenwärtigen Verhältnissen und auf dem Boden der heutigen Militärorganisation nicht er hebliche Erleichterungen eintreten zu lassen. Daß die höheren Militärausgaben in hohem Grade die Ausgaben für Kulturaufgaben, namentlich in den Einzelstaaten beeinflussen, ist eine Tatsache, die niemand bestreiten tann. Die einzelstaatlichen Minister haben oft genug erklärt: wir bedauern, wir haben kein Geld, das Reich nimmt zu sehr unsere Mittel in Anspruch. Der einzige Puntt, wo gegenwärtig erheblich gespart werden tönnte, würde der sein, ob nicht eine Diese Marschleistung war eine infanteristische Glanzleistung, die der Schweizer Armee kaum eine andere Armee nachmachen dürfte." Ein öster Mißhandlungen im Laufe des Jahres 30 scharfe Patronen auf dem Schießstand zu Ich möchte dann auf ein anderes Kapitel eingehen. Ich habe verschießen hat, worüber genaue Kontrolle geführt wird. Eine solche wiederholt ausgeführt, daß nach meiner Auffassung bei der AusEinrichtung haben wir in Deutschland allerdings nicht. Jeden hebung der Mannschaften von militärärztlicher Seite etwas zu leichte steht fest, daß das Schießen in der Schweizer Armee mit finnig vorgegangen wird. Daß bei einem derartigen raschen Vereiner Virtuofität geübt wird, die jedenfalls ich foill mich milde fahren, wobei große Massen in Frage kommen, von einer gründlichen cusdrücken von der deutschen Armee in keiner Weise über- Untersuchung gar keine Rede sein kann, ist selbstverständlich. troffen wird. Es ist eine weitere Tatsache, daß auch die Schweizer Auf den geistigen Zustand der Rekruten kann bei einer derartigen Artillerie vollkommen auf der Höhe steht. Daß die Schweizer Armee Untersuchung überhaupt keine Rücksicht genommen werden, und doch jedenfalls etwas ganz Ueberraschendes für die kurze Ausbildungszeit spielt das für die spätere Ausbildung in der Armee eine ganz der Leute leistet, beweist unter anderem ein Artifel des Berliner gewaltige Rolle. Ich habe oft Beispiele angeführt, daß einzelne Tageblattes", worin ein ausländischer Offizier, der die Schweizer Leute die furchtbarsten Armee bei den Herbstübungen gesehen hat, mitteilt, daß unter anderem eine Alp von 1521 Meter Höhe mit bewundernswerter beim Militär haben erdulden müssen, bis man nach langer Zeit entLeichtigkeit, Raschheit und Gewandtheit erstiegen worden sei und sein deckte, daß sie geistig vollständig minderwertig seien. Urteil zusammenfaßt in die Worte: ( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es wäre interessant, einmal festzustellen, wie viele von den mißhandelten Soldaten infolge geistigen Defettes außerstande waren, das aufzufassen, was ihnen beigebracht werden sollte. Auf diesem Gebiete hat nun ein Hamdie Möglichkeit von Ersparnissen beim Militäretat beſtehe. Er hat Auch bei dem Abstieg, der unter Umständen noch viel gefährlicher burger Lehrer Caarier das Verdienst, daß er die Hamburger Ober. hervorgehoben, daß wenn erst die neue Bewaffnung für die ist als der Aufstieg, wurden seine Erwartungen in jeder Beziehung schulbehörde veranlaßte, sich mit dem Generalfommando des 9. ArmeeArtillerie und Infanterie, der Umbau der Landesbefestigungen und übertroffen. Ebenfalls findet er Worte des höchsten Lobes über forps über ein Abkommen zu verständigen über die Verhütung der einiges andere durchgeführt sei, dann wohl die Möglichkeit einer die Herbstübung der schweizerischen Armee. Die Uebung habe Einstellung geistig Minderwertiger in die Armee, wonach die Schule Herabsetzung der Kosten für den Militäretat vorhanden sei. Diese durchaus den Eindrud erwedt, als ob Offiziere und Unteroffiziere fünftig Zeugnisse ausstellen solle, um nachzuweisen, inwiefern auch Antwort gab er in Rücksicht auf die Erklärung des Reichskanzlers dauernd unter den Waffen stünden. Auch in den Biwats war geistig der junge Mann in der Lage ist, den an ihn gestellten Anbom 25. Februar 1907, in welcher der Reichskanzler auch eine Herab- alles durchaus kriegsmäßig. Bei ungeheuerer Hiße und Staub forderungen zu genügen. Die Petitionskommission des vorigen setzung der Kosten für die Heeresverwaltung in fein Programm legten die Truppen an einem Tage 38 Kilometer zurüd. Es sei Reichstages hat ja eine Anzahl von Punkten vorgeschlagen, die aufgenommen hatte. Die Botschaft hör ich wohl, allein auch völlig falsch, die eidgenössische Kavallerie als militärisch mindere fünftig bei der Aushebung der Mannschaften berücksichtigt werden mir fehlt der Glaube. Seit dem Bestehen des Reiches und wertig anzusehen. Die Behandlung der Pferde sei z. B. besser als sollten. Es wird darin verlangt, daß Schul- und Militärbehörden des norddeutschen Bundes haben wir eine Herabsetzung der Kosten in der deutschen Armee. Nach Beendigung seiner kurzen Dienstzeit Hand in Hand arbeiten. Wie ich weiter lese hat auch das preußische für die Heeresverwaltung noch nicht erlebt. Immerhin hat mir die nimmt der Schweizer Kavallerist sein Pferd mit nach Hause und Ministerium der Medizinalangelegenheiten sich Erklärung des Herrn Kriegsministers bedeutend beffer gefallen, als eine hat es das ganze Jahr über in Pflege. So verwachsen Roß und veranlaßt gefehen, in ähnlicher Weise Instruktionen vor einigen Tagen gehaltene Rede des freisinnigen Herrn Müller- Sagan, Reiter förmlich miteinander. Von der schweizerischen Dis- an die preußischen Behörden zu erlassen. Wir dürfen also annehmen, worin derselbe erklärte, daß angesichts der Gestaltung der aus- ziplin habe er eine schlechte Meinung gehabt. Er habe daß fünftig auf diesem Gebiete in höherem Maße als es bisher der wärtigen Verhältnisse in Europa seine Bartei bereit sei, wenn es geglaubt, daß es in einer vom demokratischen Geiste durchwehten Fall war, die nötigen Beobachtungen gemacht und mitgeteilt werden. notwendig sei, auch für Erhöhungen im Militäretat einzutreten. Die Miliz mit der Disziplin bös stehen müsse. Er habe sich aber n wie hohem Maße das notwendig ist, geht daraus hervor, daß Breslauer Zeitung" hat gestern erklärt, daß diese Auf- getäuscht. Seine Beobachtungen faßt er dahin zusammen:" Ich im Jahre 1901/2 nicht weniger als 377 Geistestrante, 429' Fallfassung des Herrn Müller- Sagan diejenige der ganzen Partei habe in den geringsten Kleinigkeiten des inneren Dienstes kaum süchtige, 329 Neurastheniker und 242 Hysterische als Rekruten eingestellt worden sind, deren Zustand erst nach langer Zeit erkannt fei. Die Herren begrüßen es wohl heute mit Genugtuung, daß, einen Verstoß bemerkt. Endresultat: wurde. Auch bei den in diesem Zeitraum vorgekommenen nachdem sie in ein verwandtschaftliches Verhältnis zu der rechten Seite Die Disziplin ist ganz vorzüglich." dieses Hauses getreten sind, sie aus der ihnen selbst unangenehmen Hier haben Sie eine volle Anerkennung der schweizerischen Armee 319 Selbstmorden und Selbstmordversuchen oppositionellen Stellung befreit sind, die sie bisher eingenommen aus militärischem Munde.( hört! hört! bei den Sozial- wird mancher Soldat in Betracht kommen, der als geistig Schwacher haben.( Heiterkeit.) Wir nehmen also von diefer Erklärung Aft. demokraten.) In ähnlichem Sinne hat sich der französische General infolge von Mißhandlungen Hand an sich gelegt hat. Ich gehöre augenblicklich nicht zu den Schwarzsehern, denn ich bin 2 angloy ausgesprochen. Langloh erklärt, daß nach seinen Wahr- Ich gehe dann mit einigen furzen Ausführungen zu den Mißder Ansicht, ehe man in Europa zu dem großen Generalmarsch bläft, nehmungen die schweizerische Armee durchaus in der Lage sei, die handlungen über. Gegen die gestrige Unterstellung des Grafen wird es jeder sich Aufgabe zu erfüllen, die man an sie stelle, nämlich ihr Land aus- b. Oriola, ich wollte dadurch die Armee nach Möglichkeit diskredi zehnmal überlegen, giebig gegen einen militärisch beffergeschulten Feind zu verteidigen. tieren,( Widerspruch 6. d. Natl.) muß ich mich auf das allerentschie( Sört! hört! bei den Gogialdemokraten.) Insbesondere seien die denste verwahren.( Abg. Graf v. Driola: Ich habe kein Wort dabon llebungen der schweizerischen Armee in dem Gebirge nach jeder gesagt.) Dann bitte ich um Entschuldigung, dann habe ich Sie mißHinsicht überraschend. Die Schüßenausbildung laffe nichts zu verstanden. Jedenfalls bringe ich diese Fälle mit rückhaltloser Kritik Die Kavalleristen fäßen gut zu Pferde. Die nur vor, damit Besserung eintrete.( Sehr richtig! bei den Sozialwünschen übrig. Die Kavalleristen fäßen gut zu Pferde. demokraten), und wir können ohne Uebertreibung sagen, daß die Offiziere seien durchweg gut beritten usw. Wenn wir nun die inländischen und ausländischen Sachber- fortgesetzten Kritiken auch eine große Wirkung gehabt haben.( Sehr ständigen über die Leistungen unserer deutschen Armee bernehmen, richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es handelt sich für uns dabei, wenn wir einmal so egoistisch fein wollen, auch um eigene Söhne so lauten diese Urteile keineswegs ebenso erfreulich. reichischer Ofizier, der den letzten großen Manövern in Schlesien und Brüder, um Angehörige einer Partei, die bis heute doch beiwohnte, erklärt, die große Armeeparade habe ihm im ersten Allgemach würde die Sache aber zu Ihrem Leidwesen die stärkste Partei Deutschlands ist. Aber diese Augenblic tolossal imponiert. etwas triste und man beginne es ganz eigentümlich zu finden, kommen hier nicht in Frage, denn die Sozialdemokraten werden wenn diese ungeheuere Masse in geraden Linien einherstampft. G8 am wenigsten von den Mißhandlungen betroffen. Das hat selbst frage sich, ob man da nicht zuviel Mühe, zuviele Millionen Ar- der Reichsfangler v. Caprivi anerkannt. Auch andere Leute beitsstunden auf einen derartigen Parademarsch und derartige fagten, die Sozialdemokraten find viel zu flug, als daß sie es auf erhebliche weitere Herabsetzung der Dienstzeit Gewehrgriffe verwende und ob es nicht besser sein würde, die auf Nonflifte in der Armee ankommen lassen und durchschnittlich gemöglich ist. Ich weiß ja, daß bei den Herren der Militärverwaltung den Pavademarsch verwandte Zeit friegsmäßigen Uebungen zuzu hören sie auch zu den intelligenteren Elementen.( Große Heiterkeit.) sehr wenig Entgegenkommen ist, aber unsere Aufgabe ist es denn wenden.( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Es ist notorisch. Das hat fogar Fürst Bismard schon in den fiebziger Jahren an doch, die Angelegenheit auf das allerernsteste zu prüfen. Die Fach- daß eben diese Ansicht heute auch von deutschen Offizieren nicht erkannt, der den Zuwachs der sozialdemokratischen Stimmen in den bäuerlichen Bezirken Schleswig- Holsteins damit erklärte, daß gerade autoritäten haben schon sehr oft auf den verschiedensten Gebieten gerade selten vertreten wird.. Dinge für unmöglich erklärt, die hintennach, wenn die Not sie zwang, Ueber die Armeeleitung äußert sich der österreichische Offizier bie intelligenteren, strebfameren Elemente sich zur Erringung einer fich als ausführbar erwiesen haben. Ich erinnere nur daran, was dahin: Die den beiden Parteikommandanten zugefallenen Aufgaben selbständigen Eristenz der Sozialdemokratie anschlössen.( Große für einen außerordentlich lebhaften Kampf die Herabsetzung der waren enger umgrenzt als in Desterreich und stellten an ihre Ent. Heiterkeit.) Ja, meine Herren, trotz allen Ihren Lachens ist das Dienstzeit von drei auf zwei Jahre bei den höchften Spigen in der schlußfähigkeit keine hohen Ansprüche. Die Anlage und Durch wahr. Ich will sehr gern aussprechen, daß der Kriegsdurch Armee gekostet hat. Nun steht in einem Werke, betitelt: Kaiser führung der Uebung feitens der Manöverleitung und die Gefechts- minister alles aufgeboten hat, um den Mißhandlungen entgegenWilhelm I. und der Kriegsminister Roon", heraus- arbeit der Truppen erschien uns nicht immer ganz kriegsgemäß. zutreten, aber leider ist es ihm nur in mäßigem Umfange gegegeben von General v. Blume, das die Geschichte der Armee-( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Eine sehr scharfe Ver- lungen, und namentlich im Herbst und Winter lesen wir Woche organisationsfragen des vorigen Jahrhunderts behandelt, daß urteilung findet die bekannte Kavallerieattade. Der österreichische für Woche von ganz barbarischen und rohen Mißhandlungen. Ich unter anderem im Laufe der Jahrzehnte von seiten hoher Offizier erklärt: Die Sucht der deutschen Kavallerie, bei jeder Ge- stimme mit dem Grafen Oriola überein, daß die Armeeverwaltung Generale Vorschläge gemacht worden seien, die Militärdienstzeit Tegenheit auch intatte Infanterie au attadieren, dürfte selbst bei das Interesse hat, speziell den Unteroffizieren den Dienst zu er auf 18, ja fogar auf 12 Monate herabzusehen.( hört! hört bei unseren extremsten Kavalleristen teine Bustimmung finden.( Sört! leichtern, aber es ist eine ebenso feststehende Tatsache, daß die Anden Sozialdemokraten.) Insbesondere war es der Kriegsminister hört! bei den Sozialdemokraten.) Im gleichen Sinne haben sich sprüche an die Unteroffiziere bezüglich der Ausbildung der Refruten b. Boyen, der diese Auffassung in der nachdrüdlichsten Weise ver- inländische Offiziere ausgesprochen. Oberst Ga ebte bezeichnete immer größer geworden find. Graf Oriola hat selbst beklagt, und bon seinem Barteistandpunkte aus einer derartigen trat. Thr gegenüber stand die Auffassung des späteren Kaiser in einem Artikel des ,,, Berl. Tageblatts" die Attacke als einen der wenn Rüge Ausdrud gibt, so muß das Uebel sehr stark borWilhelm I., der diese Vorschläge auf das allerheftigste bekämpfte, unfinnigften Reiterangriffe, handen sein, daß sehr häufig die Deffentlichkeit der und dessen Einfluß auch wesentlich zu verdanken ist, daß damals die Militärgerichte bei den Militärmißhandlungen ausgeschlossen Dienstzeit in der Armee nicht herabgesetzt wurde.( hört! hört 1 bei wird. In dieser Beziehung wird den Bestimmungen der Militärden Sozialdemokraten.) strafprozeßordnung von vielen Seiten eine Auslegung gegeben, die damals der Reichstag und vielleicht auch die Militärbehörden nicht gewünscht haben; es gibt Armeeteile, wo bei fast sämtlichen Verwird. die Deffentlichkeit ausgeschlossen Merkwürdigerweise stimmt mit diesem Urteil die Berliner Bost". Handlungen Auch dem Standpunkte aus, daß das Opfer an militärischer Dienstzeit ein tonservatives Drgan, durchaus überein, ebenso die Neue mili- der Reichskanzler hat es bor einigen Jahren als einen für die Betroffenen bedeutend ermäßigt werden kann. Außerdem tärische korrespondenz", also ein zweifellos von Sach- Vorteil erklärt, daß die Deffentlichkeit bei derartigen Verläßt sich dadurch die Arbeiternot einschränken, so daß die Industrie verständigen geleitetes Organ, das sein Urteil zusammenfaßt. Weit er- handlungen vorhanden sei, und es ist ja auch kein Zweifel, und Landwirtschaft nicht mehr in dem heutigen Maße gezwungen freulicher Offenheit und beneidenswerter Uebereinstimmung werden daß, wenn derartige Dinge in die Deffentlichkeit kommen, auch die fein werden, auf ausländische Arbeitskräfte, die keineswegs immer die im Heere und in der Presse die taftischen Leistungen der Stavallerie Berfonen in der Armee daraus lernen und sich in acht nehmen, in besten sind, zurüdzugreifen.( Beifall bei den Sozialdemokraten.) Nun habe ich weiter gefunden, daß die militärische Dienstzeit, die ich und ihre Führung im Kaifermanöver als nicht zureichend und start ähnlichen Fällen ähnlich zu verfahren. Es kommt eine ganze Reihe hier im Auge habe, bereits seit einer ganzen Reihe von Jahren bei verbesserungsbedürftig bezeichnet. Dann wird weiter ausgeführt, von Urteilen vor, wo man sich beim Lesen der Verhandlungen fagt: daß im Ernstfalle derartige Manöverangriffe von den allerbedenk- Ja, ist das eine Strafe, die für eine solche Schandtat ausgesprochen der schwedischen Armee eingeführt ist. Die Dienstzeit für die Kavallerie, Feldartillerie, Ingenieure und Feldtelegraphentruppe be- Stritilen finden in den Kaisermanövern immer wieder derartige Uebungen der 6. Kompagnie des 95. Infanterieregiments in Hildburghausen Ravallerie, Feldartillerie, Ingenieure und Feldtelegraphentruppe be- lichsten Folgen begleitet sein würden. Trotz aller derartigen scharfen wird? So hat der Unteroffizier Johann Krüger von trägt dort ein Jahr und für die übrigen Truppenteile, speziell für die Infanterie, den Hauptteil der Armee acht statt. Es ist gerade, als wenn man dieser fachverständigen Kritit zum Troß an dem Musketier Neubert unausgesetzt die ärgsten Mißhandlungen an dem einmal eingelebten, an dem, was man aus persönlichem ausgeführt, ihm u. a. befohlen, aus dem an der Erde stehender Monate. Ich habe einen langen Artikel im Deutschen Geschmad für notwendig hält, festhalten wolle. Wenn man die Eßnapf zu freffen wie ein Schwein.( hört! hört! bei den SozialDffiziersblatt" bom 14. April gelesen, in in welchem Kritit Manöver, bie bekanntlich dem deutschen Bolte ungeheuer viel Geld demokraten.), Ist das nicht eine maßlose Roheit?( Sehr richtig! an dieser Organisation und ihren Wirkungen geübt und ausgeführt toften, für notwendig erachtet, ich halte sie meinerseits für not- bei den Sozialdemokraten.) Jch begreife ein Schimpfwort, ich fann wird, daß bei einer derartigen kurzen Dienstzeit die schwedische wendig- dann sollten sie auch annähernd dem Ernstfalle entsprechen. mir sogar ein paar Dhrfeigen erklären, aber folche barbarische Armee in ihrer Gesamtheit ein Bild darbiete, von dem man wohl wir haben als Abgeordnete das allerdringendste Intereffe daran, Roheit, solche ganz wendig- dann fagen könne, daß es daß in dieser Beziehung Wenderungen herbeigeführt werden. unfagbare Gemeinheit im Ernstfalle jeder Aufgabe gewachsen sei. Mit der von mir befürworteten Verfürzung der Dienstzeit tann ich nicht verstehen.( Buruf: Das ist eben die Bestie im Menschen!) Ich bin der Ansicht, was die Schweden leisten, fönnen wir muß die Gewiß, aber es ist schlimm, daß wir so viele Bestien haben.( Heiterfeit.) militärische Jugendausbildung Deutschen auch leisten, wenn man sich nur bei der MilitärDas Ende war, daß der Unteroffizier für alle seine Roheiten 4 Monate berwaltung zu der Höhe erhebt, daß man auf eine ganze Hand in Hand gehen, wie sie schon Scharnhorst vor hundert Gefängnis befam, allerdings auch degradiert wurde.( Buruf rechts: Reihe von Dingen, die nach meiner Ueberzeugung mit der Jahren verlangt hat. Zum ersten Male ist der Gedanke Na also 1) Ja, das war allerdings die empfindlichste Strafe. Aber eigentlichen friegsmäßigen Ausbildung der Armee nichts oder 1875 wieder aufgenommen und zwar durch den die Gefängnisstrafe für solche Barbareien war doch viel zu gering. so gut wie nichts zu tun haben, berzichtet.( Sehr richtig! links.) damaligen Oberst v. b. Gols, der in seinem Werte Leon Gambetta Gewiß, man soll nicht barbarisch strafen, aber vergleichen wir doch Wir haben ja in den letzten Jahrzehnten auf diesem Gebiete allerlei und sein Bolt" darauf hinwies, welche ungeheure Leistungsfähigkeit einmal diefe Strafe mit einer anderen. In Grimma wurde ein Erfahrungen gesammelt, so mit der mur 20 Wochen dauernden Aus- das nach Sedan niedergeworfene Frankreich noch gezeigt habe. Sufar Monate hindurch auf das schlimmste mißhandelt, und das bildung der Erfagreservisten, die nach dem Urteil der zuständigen Dieser Gedanke ist bis heute, wenn wir von fleinen Spielereien ab- Ende vom Liede war, daß der Unteroffizier zu bier Monaten In Niesa Offiziere sich beit den Linientruppen taum unterscheiden. Wenn wir sehen, die bemittelte Privatleute borgenommen haben, nicht zur Gefängnis, aber ohne Degradation berurteilt wurde. außerdem bedenken, daß im Falle eines Krieges immerhin ein erheblicher Ausführung gekommen. Auch Feldmarschall Graf Häfeler soll in wurden im Winter 1904/5 bie Refruten einer Batterie nach dem ReitTeil der Armee die jeßige gefegliche Dienstzeit noch nicht hinter fich legter Beit ähnliche Gedanken ausgesprochen haben. Auch er ist der play gefchickt; dort mußten fie auf Befehl des Sergeanten die Eishat, dann geht doch daraus hervor, daß eine Henderung fehr wohl möglich Anficht, daß damit die Dienstzeit abgekürzt werden könne. In der beden der zugefrorenen Wasserpfüßen auftreten und dann mit der ist. Für diese Möglichkeit spricht auch der Zustand in der Schweiz, Schweiz hat man leider von einer Einführung der obligatorischen Hand das Wasser ausschöpfen und nach den Schleusen tragen. deffen Milizarmee nach dem Urteil militärischer Autoritäten für den Wehrfähigkeit der Jugend abgesehen. Aber im vorigen Jahre war hierbei hat sich einer der Leute die Hände erfroren. Die Strafe Kriegsfall durchaus triegsmäßig ausgebildet ist und zu leiften vermag, in einem Artifel der Leipziger, Neuesten Nachrichten", also fiel hier etwas schärfer aus. Der Sergeant belam 1 Jahr 1 Monat Wie aber urteilen die Kriegswas man von ihr beanspruchen fann. Nach den bisher bestehenden eines Blattes, das wahrhaftig nicht in dem Verbachte steht, sozial Gefängnis und wurde degradiert. Bestimmungen- neuerdings soll freilich die Uebungszeit verlängert demokratische Gesinnungen zu hegen, zu lesen, daß die angeborenen gerichte, wenn es sich um Vergehen eines Gemeinen gegen Ein Berliner Referbemann erscheint werden hat der Schweizer Infanterist als Refrut 47 Tage Aus- friegerifchen Tugenden der Japaner burch eine ausgezeichnete Borgesetzte handelt? Er weigerte sich, bildungszeit burchzumachen und dann alle 2 Jahre 10 Tage zu üben. törperliche Ausbildung der Jugend vom frühesten Kindesalter betrunten in einer Kontrollversammlung. Die Ausbildungsfrist ist auf Grund des neuen Gesezes, die in diesem an gestärkt würden, die dem Gegner zu Leibe rüde mit einem Feuer- die Bigarre fortzulegen, läuft aus dem Gliede und macht Jahre in Kraft tritt, 65 Tage. Das Genietorps hat eine Ausbildungszeit eifer, daß jeder Europäer dieser ghmnastischen Ausbildung der zu allerlei täppische Bemerkungen. bon 52 Tagen, die Artillerie 57, die Kavallerie 82, die Verwaltungs- fünftigen Baterlandsverteidiger seine volle Anerkennung zolen muß. und Sanitätstruppe 40-48 Tage. Im weiteren wird allerdings in Run, ich meine, da ist Deutschland, das lange Zeit an der Spige ber Schweiz verlangt, ähnlich wie in Schweden, daß der Infanterist der militärischen Ausbildung stand, längst überholt. Unzweifelhaft wird eine weitere Herabsetzung der Dienstzeit in der Armee Erleichterungen nach den verschiedensten Seiten bringen, nicht allein finanzieller Art, sondern insbesondere auch von die er je gesehen habe( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten), und faßt sein Endurteil dahin zusammen: Würde man eine der artige Raballerieattde im Kriege geleistet haben, dann wäre es zweifellos, daß das ganze Neitergeschwader vernichtet worden wäre." Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) worden " er Bom Major zur Rede gestent, antwortet er mit finnlosen Reden. Kurz, der Mann war vollständig betrunken, was er selbstverständlich nicht sein durfte. Er wurde vom Oberkriegsgericht wegen Gehorsamsveriveigerung, Achtungsverlegung und Widersetzlichkeit zu vier Jahren Gefängnis verurteUt.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Eine ganz kolossale Strafe! Man denke dabei an das milde Urteil gegen Brüsewitz. Ein noch schlimmerer Fall hat sich vor dem BrcSlauer KriegSgencht jüngst ab- gespielt,, der wahrscheinlich noch die höhere Instanz beschäftigen wird. Es handelt sich mn einen Reiter aus der Schutztruppe, den Gefreiten August Kühnel in Reichenbach, der allerdings schon wegen Ge- borsanisverweigerung in Südwestafrika bestraft worden ist. Er hatte einen Streit mit einem seiner Unteroffiziere, den er vor die Brust und ins Gesicht schlug. Er war auch sinnlos betrunken. Da? Kriegsgericht hat ihn zu nicht weniger als 10 Jahren und einen Tag Gefängnis verurteilt.(Hört I hört l bei den Sozialdemokraten.) Es ist geradezu fürchterlich, wenn man derartiges liest.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Die Mißhandlungen würden einen ganz anderen Charakter an- nehmen und jedenfalls viel seltener vorkommen, wenn dem Soldaten das Recht eingeräumt würde, wenn er ungerechtfertigterweise körper- lich gemißhandelt wird, die Selbstverteidigung auszuüben.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten. Widerspruch rechts.) Wenn er das aber tut, wird er bei uns erst recht bestraft. Selbst in der französische» Fremdenlegion, wo die Zustände übrigens so traurig sind, daß wir unsere Landsleute nur dringend warnen können, in Ifie einzutreten(Sehr richtig I), hat der mißhandelte Rekrut das Recht, eine Mißhandlung, wenn dieselbe in einem Schlage, in einem Tritte besteht, an dem Vorgesetzten sogleich mit gleicher Münze zurückzugeben.(Hört I hört I bei den Sozialdemolraten.) Das wird den Rekruten schon in der ersten Jnstruktionsstunde gesagt. Es ist merkwürdig, Gründe zur Erklärung habe ich nicht, daß namentlich in der sächsischen Armee die Zahl der Mißhandlungen unverhältnismäßig hoch ist. In dieser Armee sind im letzten Jahre auch zwei Offiziere wegen Mißhandlungen bestrast worden: der Major v. Zetschwitz vom Bezirkskommando Freiberg mit 66 Tagen Festung und der Hauptmann Franz Schulze vom Jnfanterie-Regiment Nr. 136 mit 31 Tagen Stubenarrest. Ich möchte Wetter die Aufmerksamkeit des Kriegsministers darauf lenken, daß in einer geraumen Reihe von Jahren die Zahl der Militärfähigeu in erheblicher Abnahme begriffen ist. Ich irre mich wohl nicht, wenn ich annehme, daß die zunehmende Industrialisierung Deutschlands im wesentlichen dazu beiträgt, das Zusammenrücken großer Massen in die Städte und Jndustriebezirke bei ungenügenden Lebens-, Arbeits- und namentlich schlechten Wohnungsverhältnissen. Schon aus diesem Gesichtspunkt wäre es wünschenswert, wen» der Äriegsminister den Städten bei der Auflassung von FestungSterrain möglichst ent- gegenkäme, damit eS diesen möglich ist, Lust und Licht zu bekommen und die neuen Stadtteile menschenwürdig zu bebauen. Unzweifelhaft verschlechtert sich in dem Matze, wie das Land entvölkert und die Städte und Jndustriebezirke übervölkert werden, der körperliche Zu« stand der Bevölkerung; damit vermindert sich die Zahl der Militär- tauglichen Leute.(Sehr richtig l rechts.) Ja, das geben wir unbedingt zu,' ändern können Sie aber an dieser EntWickelung nichts, und wenn sie nichts daran ändern können, dann ist es um so notwendiger, daß Reichstag und Regierung energisch für eine ausgedehnte Arbeiterfchutzgrsetzgebung wirken(Lebhafte Zustimmung beiden Sozialdemokraten), für eine Verkürzung der Arbeitszeit, für eine strenge Ueberwachung der Arbeitsräume, für bessere Wohmmgsverhältnisse, kurz für alle Ein- richtungen, die notwendig sind, um ein körperlich starkes Geschlecht heranzuziehen. Gerade in Rücksicht auf die Landesverteidigung hat der Kriegsminister in erster Linie ein Interesse daran, daß auf diesem Gebiete andere und bessere Zustände platzgreifen. Unser Antrag aus Erhöhung der Löhne der Maunschafte» und Unteroffiziere für 1963 hat die Z u st i m m u n g de« Grafen Oriola und deS Herrn Erzberger gefunden. Graf Oriola hat sich nur gewundert, daß w i r gerade diesen Antrag gestellt haben.(Heiterkeit.) Nun, darin muß es sich schon finden.(Heiterkeit.) Irgend welche Hinter- gedanken haben wir bei dem Antrag nicht gehabt, der unseren An- trägen aus dem Jahre 1884 zugunsten der Reservisten und unserem Verhalten bei der Frage der Jnvalidenpensionen durchaus entspricht. ES ist durchaus kein perfider Antrag, um mtt den Worten deS Reichskanzlers zu reden, wir stellen ihn im wohlverstandenen Interesse derjenigen, die in die Armee eintreten müssen. Graf Oriola meinte, wir hätten es leicht, solche Anträge zu stellen, wir stimmten nachher gegen das ganze Budget. Gewiß, das bestreiten wir nicht. Man versucht ja bei jedem Gesetz- eittwurf ein Gesetz nach Möglichkeit zu verbessern, um es annehmbar zu machen. Gelingt eö nicht, so stimmt man gegen das Gesetz, und so halten wir es beim Etat. UebrigenS haben ja auch die National« liberalen von 1882—68 dem Ministerium Bismarck das Budget ver- weigert. Wenn man uns saxst, wenn wir die Mehrheit hätten, käme kein Budget zustande, so erwidern wir, ja. wenn wir die Mehrheit hätten, würden wir da« Budget nach unseren Anschauungen einrichten(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten), und für ein solches Budget würden wir selbstverständlich stimmen. Graf Oriola meinte, der Antrag sei nicht in unserem Garten gewachsen. Das ist ganz falsch. In einer der ersten Sitzungen meiner Frattion ist der Antrag von mir gestellt und angenommen worden. Genau so sind wir ja auch vor 11—12 Jahren für da» warme Abendbrot der Soldaten eingetreten. Das Los der Soldaten nach Riöglichkeit zu verbessern, entspricht ganz unserem Standpunkt. Die ungeheuere Mehrheit der Leute, auch der Unteroffiziere, find Proletarier, die nichts übrig haben, und die mit den knappen Pfennigen, die ihnen der Staat jetzt zahlt, unmöglich auskommen können, zumal die Ansprüche an ihre Leistungsfähigkeit bedeutend gestiegen sind. Der gemeine Soldat ist bei seinen 22 Pf. täglichen Sold auf die Unterstützung seiner Eltern und Verwandten angewiesen. (Sehr rtchttg I bei den Sozialdemokraten.) Ein Teil des Widerwillens, der unter den jüngeren Leuten herrscht, wenn sie in die Kaserne müffen, wird durch den. Hinblick auf die elende Bezahlung verursacht. Eine Erhöhung der Löhnung würden nicht nur die Soldaten, sondern auch zahlreiche Eltern mtt lebhaftem Dank begrüßen.(Sehr richtig 1 bei den Sozialdemokraten.) Wir haben einen bestimmten Satz, um den die Besoldung erhöht werden müßte, in unserem Antrage nicht genannt, aber um Pfennige darf es sich dabei nicht handeln. Das Minimum der Solderhöhung für den gemeinen Mann sollte 10 Pf. täglich betragen, was im ganzen 18'/, Millionen Mark kosten würde. Der Sold der Unternffiziere sollte um 8 Mark monatlich, also etwa 160 Mark jährlich erhöht werden. Das würde bei 84 060 Unteroffizieren rund 8 Millionen Mark machen. Die Uebernahme der Ausgaben für die notwendigen An- schaffungen beim Eintritt in die Armee auf das Reich— ich begreife übrigens gar nicht, wie man das Anschaffen von Putzzeug, das Ein- nähen der Namen in die Uniform usw. bis jetzt noch von den Sol- date» bezahlen läßt(Zustimmung bei den Sozialdemokraten)— alles das mag dann noch insgesamt«ine Million Mark ausmachen. In Summa gibt das 27 Millionen Mark, ohne Frage eine beträchtliche Mehrausgabe, aber eine absolut notwendige, so notwendig wie die Erhöhung oer Zivilgehälter. Die 22 Pf. find 1867 aus der preußischen Armee herübergenommen. Sie genügen bei den total veränderten Lebensverhältnissen nicht im entferntesten mehr. Wenn die verbündeten Regierungen uns direkte Reichösteueru zur Beschaffung der zur Besserstellung der Soldaten und Unter- offiziere notwendigen Mittel in Borschlag bringen, find wir gern bereit, zuzustimmen. In anderen Armeen ist die ver- pflegung wie die Entlöhnung eine bedeutend beffere. In der Schweiz erhält der Rekrut für die Uebungszeit pro Tag 40 Pf., der auSgebildeie Soldat 64 Pf., der Unteroffizier 1 M. bis 1,80 M. nach unserem Gclde. Für seine Verpflegung hat der schweizerische Soldat keinen Pfennig auszugeben. Die ver- pflegung ist eine vorzügliche: morgens Milchkaffee oder Schokolade nach Wahl, mittags Suppe, Gemüse und Fleisch, abend» eine nahr» hafte Suppe. Die Tagesration beträgt 1'/, Pfund Brot und'/.Pfund Fletsch, wozu an Manövertagen noch eine Zugab« von Käse und V, Liter Wein tritt.(Zuruf de» Abg. Grafen v.rtola.) Herr Graf Oriola, wenn Sie meine Angaben bezweifeln, so erkundigen Sie sich doch an Ort und Stelle.— Zweifellos sind also die schweizerischen Milizsolbaten besser gestellt als unsere Soldaten. Um so wünschenswerter ist es, daß der von uns ge« stellte Antrag auf Erhöhung der Löhnnog zur Annahme gelangt. (Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Ich komme nun zu einem schon in der Budgetkommission er« örterten Punkt: zu der leidigen Saalboykottierung. Verschiedene Mlitärverwalwngen— freilich nicht alle— leisten recht Bedeutendes auf diesem Gebiet. Daß auch Bayern und Württemberg ebenso vorgehen, habe ich noch nicht vernommen. (Zunif bei den Sozialdemokraten.) Also doch l Dann haben sie es von Preußen übernommen, denn von Preußen kommt alles Schlechte. (Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Während der Wahl- kampagne hat der Reichskanzler gegenüber einem Freifinnigen mündlich oder schriftlich das Saalabtreiben, gegen welche Partei es sich auch wenden möge, als eine ganz gehässige Maßregel bezeichnet.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Wir verlangen gar nicht, wie ich schon in der Budget- kommission ausgeführt habe, daß man den Soldaten erlauben soll, in den Restaurationen zu verkehren, in denen für gewöhnlich Arbeiter verkehren. Wir wiffcn, daß die Militärverwaltung aus Angst vor der Berührung der Soldaten mit Arbeitern dies verlangen niemals er- füllen würde. Was wir verlangen, ist lediglich, daß man nicht die Saalinhaber boykottiert, die ihre Säle für Volks- und Wahl- Versammlungen hergeben. Die Versammlungsfreiheit wird zur Farce, wenn nicht dtt Saalfreiheit damit verbunden ist.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Was nutzt das beste ver- eins- und Versammlungsrecht, wenn die Säle fehlen? Die Militär- behörden scheinen aber zu befürchten, daß in einem Saale, wo sozialdemokratische Volksversammlungen abgehallen werden, der sozialdemokratische Bazillus an den Wänden, an den Möbeln, wo- möglich in der Luft hängt und sich den Soldaten mitteilt.(Heiter- kcit und Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Eine solche ungeheuere Kleinlichkeit und Gehässigleit ist wahrhaftig einer hohen Staatsbehörde unwürdig. Man sollte sich schämen, mit solchen Matzregeln gegen Sozialdemokraten vorzugehen. Wir Sozialdemokraten müffen doch auch Steuern zahlen und Soldaten werden— mit Recht; dann lönnen wir aber auch verlangen, daß wir unsere politischen Rechte in derselben Weise betätigen dürfen wie andere politische Parteien. — Das Vorgehen der Militärbehörde wird bisweilen direkt zur Absurdität. Als ich 1803 in Worms, der Residenz deS Herrn v. Hehl(Heiterkeit) eine Wahlversammlung abhielt, durften die Soldaten der dortigen Garnison von nachmittags 3 Uhr an nicht die Straße betreten.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Die Armee soll unpolitisch sein; hier aber sehen wir, wie die Militär« behörden direkt politische Agitation betreiben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Das sahen wir auch wieder bei dem letzten Wahlkamps e. An diesem be- teiligten sich in ganz hervorragender Weise auch die Militärvereine. Ihre Leiter gaben die bekannte Parole gegen Zentrum, Polen und Sozialdemolraten auS. Wie die Einmischung des Flottenvereius in die Wahlagitation zum Austritt einer erheblichen Anzahl Mitglieder und zum Protest des bayerischen Verbandes führte, so hat die Einmischung der Militärvereine in die Wahlagitation bei ihnen ganz ähnliche Folgen gezeitigt. Nach einem Bericht der.Germania' aus Saarbrücken haben die dortigen Kriegervereine in der gehässigsten Weise gegen das Zentrum Partei ergriffen, obwohl viele Zentrumsleute Mitglieder dieser Bereine sind. Das führte dazu, daß eine Anzahl Zentrumsleute aus den Vereinen austraten, in denen sie in der Minderheit waren, und daß die Bereine, m denen sie in der Mehrheit waren, gegen das ganze verfahren protestierten. Das BezirkSlommando in St. Johann beantwortete die Beschwerden mit der Aufforderung an 67 bisher noch keinem Kriegerverein angehörende Reserveoffiziere, sich schleunigst dem Kriegerverein als einer staatSerhattenden Einrichtung an- zuschließen. Gegen diese ungesetzliche politische Tätigkeit der Kriegervereine legen wir auf das entschiedenste Protest ein. Die Tausende von Staatsanwälten, höheren Beamten, Richtern usw. in den Krieger« vereinen müßten eS wissen, daß die Kriegervereine durch thre polittsche Betättgung gegen da« Gefetz verstoßen. Aber auch hier wieder das Messe» mit zweierlei Maß. Ein.Reichs- treuer' kann daS Gesetz verletzen, wie er will; gegen ihn wird nicht vorgegangen.(Widerspruch rechts und bei den Nationalliberalen.) Für Flotten- und urieflervereine besteht da« Gesetz nicht.(Zu- ftimmung bei den Sozialdemokraten.) Wenn andere.nichtpolitische' Vereine derart an der Wahlagitation teilgenommen hätten, so wäre sofort gegen sie auf Grund des preußischen Vereinsgesetzes vorgegangen. Wir verlangen, daß mit diesem Ausnahmerecht gebrochen wird und da« gleiche Recht für alle ohne Unterschied der Personen gilt.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Wg. v. Oldenburg(t): Wir blicken mit vollem vertrauen auf das deutsche Offizier- korps, auf die deuffche Armee und auf die Verwallung der Armee. (Bravo l rechts.) Was den 13. Hauptmann anlangt, so begrüßen wir es, daß der Herr KrieaSminister selbst Abstellung der Mißstände, die in dieser Beziehung bestehen, zugesagt hat. Wir hoffen, daß der Herr Kriegsminister fortfahren wird mtt dem System der kleinen Garnisonen schon im Interesse der Beseittgung der Leutenot auf dem Lande.(Bravo! rechts.)— Die Resolutton Ablaß lehnen wir ab. Wenn wir auch selbstverständlich die Soldatenmitzhandlungen aufs schärfste verurteilen, so geht doch auch aus den Beispielen deS Herrn Bebel hervor, daß wenigstens die wochenlangen shstemattschen Quälereien einzelner unglückllcher Soldaten aufgehört haben, und wir haben das Vertrauen zum Herrn Kriegsmmister. daß er auch weiterhin gegen die Mißhandlungen mit großer Strenge vorgehen wird. — Was die Resolutton der Sozialdemokraten anlangt auf Erhöhung der Löhnungen für Soldaten und Mannschaften, so werden wir dagegen stimmen, weil wir der Ueber- zeugung sind, daß sie lediglich agitatorische Zwecke verfolgt. DaS geht auch aus dem bekannten Buche Ihres Parteigenossen Dr. Karl Liebknecht hervor. Im übrigen haben wir daS Ver- trauen zu dem Herrn Kriegsminister, daß er selbst mit Anträgen auf eine solche Erhöhung der Löhminaen kommen wird.— Wie eS in der Schweizer und der schwedischen Armee zugeht, geht uns ersten« nichts an und zweitens brauchten diese Länder eigentlich überhaupt keine Armee, denn in einem Kriege mit emer europäischen Großmacht würden sie doch über den Haufen ge- rannt werden, und wenn sie noch so schön eingerichtete Armeen hätten. (Heiterkeit rechts.)— Herr Bebel hat wieder über den Parademarsch ab- fällig geurteilt. Wenn er selbst gedient hätte und w e n n i h m s e l b st ein gediegener langsamer Schritt tndenLetbge- pumpt worden wäre(Große Heiterkeit recht«), so würde er mehr Wert auf den Parademarsch legen. Ganz abgesehen von der Disziplin ist es auch notwendig, daß da» deutsche Heer fich a n- st S n d i g p r S s e n t i e r t. Die Aushebungen sollen nicht sorgfältig genug vorgenommen werden. Ist denn noch niemand von Ihnen Beisitzer gewesen bei einem solchen Kanton? Dann fehlt Ihnen waS an Ihrer Bildung I(Große Heiterkeit.) Wenn Sie sagen, daß die Sozialdemokraten der intelligenteste Teil der Armee ist. so ist Gott fei Dank die Sozialdemokratie in da» Offizierkorp» noch nicht eingedrungen und außerdem habe ich die Ueberzeugung, daß die ganze Sozial« demokratte eine Spekulation auf die Dummheit der Massen ist.(Heiterkeit recht».) Mit de» vovk-ttmaßuahmrn de« Herrn Krtrgsminister» find«ir»ollkommen einverstanden.— Di« deutsche Armee und Marine sind für nn« da» erste Bollserziehung». mittel. Wtr wünschten, daß der Herr KriegSmtnister al« Vertreter Deutschland» zur Friedenskonferenz nach dem Haag geschickt werde und würden ihn darum bitten, folgende Zahlen zu verlesen. Deutsch. land verwendet für Armee und Marine auf den Kopf der Bevölkerung 13.40 M.. Frankreich 23.21 M. und England 80.68 M.(Hört I hört! recht«.) Mögen die anderen Mächte erst mal aus den Stand Deutsch. land» zurückgehen, dann werden wir weiter mit un» reden lassen. (Brav»! rechts.» Sächflscher Bundesratsbevollmächtigter Freiherr v. Salzt SeKttttet daß in Sachsen die meisten Militärmißhandlungen vorlroABD� Abg. Dr. Müller-Meiningen(fts. vp.): Namen» der fteifinnigen Parteien erkläre ich, daß mffer Atand- Punkt zu den Militärftagen genau derselbe ist wie bisher: � die Interessen der Nation stellen wir über die der Partei und werde» jede Forderung genau prüfen. Allerdings ist uns das Urteil' von Sachverständigen wertvoller als das des Herrn Bebel. Be- züglich der alten Liebe des Herrn Bebel zur Schweizer Miliz bemerke ich, daß dort die Sozialdemokraten von dieser Miliz als von einer kapitalistischen Söldnertruppe sprechen. ' Der Aggregiertensonds ist eine budgetäre Inkorrektheit; nach- dem aber die Sanierung für 1908 in Aussicht gestellt ist, weiden wir die Forderung nicht ablehnen. Dem sozialdemokratischen Antrag auf Erhöhung der Löhnung und Uebernahme der Susrüstungsaegenständs stimmen wir zu, ebenso dem Zenirumsanttag auf portofreie Sendungen seitens der Soldaten in die Heimat, und dem Antrage des Herrn v. Liebermann bezüglich der Zahnärzte. Bezüglich der Saalabtreibungcn hat Herr Bebel vollkommen recht; mit solchen Maßregeln schadet man der Sozialdemokratie nicht, sondern agittert für sie. Ich wende mich nun zu unserem Antrag gegen die BeWucherung der Offiziere. Es handelt sich darum, gegen dieses Eitergeschwür energisch vorzugehen. Die Militärverwaltung muß alles tun, um dem Schuldenmachen entgegenzutreten. Ich wende mich zu dem ersten Absatz unseres Antrages, der die Bekämpfung der Sol- datenmißhandlungen fordert. Herr Oldenburg hat sich theoretisch auch gegen die Soldatcnmißhandlnngen ausgesprochen, um so be- d a u e r l i ch e r ist es, daß die Konservativen gegen unsere Resolution stimmen wollen. Ich bedauere auch das� von Herrn Oldenburg leichthin gebrauchte Wort:„Roheiten lassen fich nicht ver- meiden".' Der Erlaß des Kricgsministers über die Einstellung von geistig Minderwertigen in die Armee ist zu begrüßen, aber das ist bei weitem nicht genügend. Bei einem Pionier wurde Schlappwerden als andauernder Ungehorsam bestrast, und zwar mit der Begründung, daß die Ansicht deS Kompagniechefs maßgebend sei.(Hört I hört! links.) Bei einem in Darmstadt zur Bestrafung gekommenen Falle jahrelang fortgesetzter Mißhandlungen muß man vor allem�sragen, wie solche Fälle jahrelang den Vorgesetzten entgehen können.(Sehr richtig l links.)— Auch die O e s s e n t l l ch k e i t des Gerichtsverfahrens ist vielen Offizieren noch ein Greuel; mit einer gewissen Raffinade (Heiterkeit) wird vielfach zu verhindern gesucht, daß die Presse überhaupt erfährt, wann eine Verhandlung stattfindet. DaS istunwürdig derOffiziere und der Presse.(Sehr richtig! links.) Zum Schluß noch eine Be- schwerde und einen Wunsch. Bei den Kontrollversamm» lungen wird zu viel Politik getrieben; in Dresden ist ein Mann zu 14 Tagen Mittelarrest verurteilt worden, weil er am Abend der Kontrollversammlung eine Gewerkschaft»- Versammlung besuchte.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Durch Schaffung solcher Märtyrer agitiert man für die Sozialdemokratie. Der tollste Fall, der mir vorgekommen ist, ist der de» Rechtsanwalts Schmidt in Magdeburg. Der Mann hatte am Tage der Konttoll- Versammlung Schnupfen und mußte niesen; dafür erhielt er 24 Stunden Mittelarrest. Weil er sich darüber schriftlich beschwerte, erhielt er 48 Stunden Mittelarrest; dabei war dem Manne, der nie Soldat gewesen, auf den Kontrollversammlungen nie gesagt, daß eine Beschwerde nur mündlich, nicht schriftlich vorgettagen werden dürfe. Weiter erhielt er zehn Tage gelinden Arrest wegen angebsicher Achtungverletzung in seiner schriftlichen Beschwerde. Die Offiziere müssen Rücksicht und Achtung für den bürgerlichen Beruf der Männer haben, die fich zu Konttollversammlungen einfinden.(Sehr wahr! bei den Freisinnigen.) Auf den guten Geist in der Armee kommt es vor allem an; er wird gefördert durch Gerechtigkeit. (Beifall bei den Freifinnigen.) «bg. Liebermann v. Sonnenberg(wirtsch. Dg.) spricht fich gegen da» Institut der Einjahrig-Freiwilligen au». Dem Antrage der Sozialdemokraten werde er zustimmen, doch sollten die Sozial- demokraten auch die Konsequenz ziehen und den Gesamtetat nicht ablehnen. Redner begründet dann die von ihm beanttagte Reso- lutton, um die Zahnpflege in der Armee zu förder». Man ist b«- sttebt, Deutschland zu isolieren; wir verttauen aber auf Gott und unsere gute Armee. Sie mögen kommen.(Bravo l recht».) Kriegsminister v. Einem: Bezüglich der Mißhandlungen find Sie wohl alle, auch Herr Bebel, überzeugt, daß ich fie für einen Krebsschaden der Armee halte, und alle höheren Stellen in der Armee haben dieselbe Meinung. Sie hat auch Früchte gettagen. Die Zahl der Bestrafungen wegen Mißhandlung Untergebener ist von 609 im Jahre 1904 aus 306 im Jahre 1906 heruntergegangen, die Zahl der Gemißhandelten von 1672 auf 780. Diese Zahlen reden eine deutliche und für uns angenehme Sprache.— Ueber die Urteile der Kriegsgerichte kann ich Herrn Müller-Meiningen nur sagen, daß uns manches Urteil gewiß nicht gefällt, aber das kommt auch bei den Zivil- gerichten vor.(Zurufe rechts.) Der Sozialdemokrat Dr. Liebknecht freilich schreibt:„Uns bietet die Form der diS- ziplmaren GewaltauSübung gerade wegen der im System begründeten Notwendigkeit mn ausgezeichnetes Mittel, den M i l i- tarismuS grundsätzlich und höchst erfolgreich zu bekämpfen(Hört I hört I rechts), immer breitere Massen gegen ihn aufzuregen und das Klassenbewußtsein in solche Kreise htneinzutragen, die uns sonst schwer zu erreichen sind.' Wenn das richtig ist, müßte man annehmrn, daß die Herren ihre Klagen nur vorbringen, um Sgitation zu tteiben.(Zuruf deS Abg. Bebel.) Wenn es Ihnen mit der Beseittgung der Mißstände ernst ist, so bekämpfen Sie solche Bücher.(Abg. Bebel: Das habe ich auf dem Parteitage getan I) Den von Herrn Müller-Meiningen vorgebrachten Fall stellen meine Akten etwas anders dar. Sicher ist jedenfalls, daß der'Herr sich bei deriKonttollversammlung nicht so betragen hat, wie man«S von ihm �erwarten muß. Bei uns weiß jeder, mag er gedient haben oder nicht, daß. wenn einmal stillgestanden kommandiert fit. kein Mensch ein Glied rührt.(Sehr richtig! rechts.)_ Wenn jeder, der an seinem Körper ein unangenehmes Gefühl verspürt, sich krabbeln könnte(Schallende Heiterkeit.), dann gäbe es überhaupt kein Stillgestanden mehr. Herr Müller-Meiningen bat dann eine für den Offiziersstand sehr peinliche Sache berührt; er hat erwähnt, daß eine große Organisatton von Wucherern über ganz Deutschland verbreitet ist, welche nach den jungen Offizieren ihre Anne ausstreckt. Gegen diese Organisation vorzugehen, ist sehr schwer. Warnungen erreichen zu- weilen das Gegenteil, was sie sollen. Allerdings muß ich zugeben, daß die jungen Offiziere manchmal mil einem grenzen- losen Leichtsinn und einer unglaublichen Naivität diesen Leuten mS Garn gehen. Wir haben Fälle gehabt,— ich will sie nicht erzählen, fie find zu dumm.(Große Heiterkeit.) Weiter führte Herr Bebel an unter Berufung auf Zahlen in der Presse, daß die Zabl der Diensttauglichen seit einigen Jahren dauernd gefallen sei. Hierbei sind die Zahlen derjenigen Tauglichen außer vettacht gelassen, die überzählig waren und deshalb der Ersatzreserve und der Marineersatzreserve überwiesen wurden. Be- rücksichtigt man diese, so ergibt sich, daß die Prozent, ahl der Tauglichen gestiegen ist. Weiter hat Herr Bebel über die Einstellung der geistig Minderwertigen eine Anfrage an mich gerichtet. Herr Müller-Meiningen hat auf eine Verfügung de» KrieaSministeriumS hierüber hingewiesen. Auch wir find der Meinung, daß daS noch nicht genug ist: e» werden aber auch die Eingestellten von Anfang an stärker al» früher m ärztliche Behandlung genommen und unter- sucht. Herr Bebe' wünschte ferner eine Lerkürzung der Dienstzeit. Ein höherer schweizerischer Offizier sagte zu mir in einem Gespräche, daß die Tendenz zur Verkürzung der Dienstzeit fich durchsetzen werde, und daß fie möglich sei. weil überall die Notwendigkeit eine« starken Heeres sich zeige und deshalb jeder, der in das Heer einttitt, auch umsomebr überzeugt sei, daß er sich der Disziplin unterwerfen müsse. Sie aber(zu den Sozialdemokaten) leugnen die Notwendigkeit de« Heere».(Rufe bei deu Sozialdemokrattu: Rein!) Dam, mügeo Sie doch nicht immer schreiben: Der Zukunftsstaat ist der Friedens- staat. beitsbedingungen verbessern wollten. Nach alledem sei die F r e i> sprechung gerechtfertigt. Ist ,Kttrra"-Nufen grober Unfug? Am Dienstag verhandelte das Schöffengericht in Lübeck gegen zwei streikende Holzarbeiter und zwei andere Arbeiter wegen groben Unfugs. Es sollte dieses Verbrechen darin liegen, daß die vier Uebeltäter Hurra gerufen haben. Die Sache lag so: Am 22. Februar kamen auf dem Lübecker Bahnhofe eine Anzahl arbeitswilliger Holzarbeiter an, die sogleich durch eine Anzahl Meister und Schutzleute in mehreren bereitstehenden Droschken weiter befördert werden sollten. Als die Droschken abfuhren, schwenkten die auf dem Bock sitzenden Meister die Hüte und riefen „Hurra!" Die Folge war, daß auch das anwesende Publikum, unter dem sich Meister und streikende Holzarbeiter befanden, „Hurra" rief. Das paßte jedoch der heiligen Hermandad nicht, und so wurden vier der Hurrarufer— Arbeitgeber hatte man natürlich nicht gefaßt— mit einem Strafmandat, lautend auf drei Tage Haft, bedacht, und zwar wegen groben Unfugs. Hiergegen legten die Betroffenen selbstverständlich Berufung ein. Am Dienstag hatte sich nunmehr da? Schöffengericht mit der Sache zu beschäftigen, und alle vier Uebeltäter wurden wegen groben Unfugs zu acht Tagen Haft verurteilt. In der Begründung des Urteils heißt eS:„Das Polizeiamt habe das richtige Strafmaß(drei Tage Haft) angewandt. Weil aber die Angeklagten Berufung eingelegt hätten, sei auf eine WocheHaftzu erkennen." So von„Rechts wegen". Schreien Kriegervereinler, Ballonmützcnvormarschierer bei Fahnenabholungen, dunkle Existenzen„Hurra"— dann ist eS eine löbliche, patriotische Tat. Rufen Arbeiter„Hurra"— dann ist's in Lübeck grober Unfug. Und erwarten Arbeiter gar Gerechtigkeit von einem bürgerlichen Gericht, so ist's noch gröberer Unfug, der mit 5 Tagen Zubuße zu bestrafen ist. Eine solche Rechtsprechung kritisiert sich schärfer, als die kräftigste Darlegung deS WaltenS einer Klassenjustiz sie kritisieren könnte. Denn sie stellt unbewußt als Rechtsgrundsatz auf: Arbeiter, die einen Rest von Vertrauen zu gerechter Recht sprechung haben, sterben mit 5 Tagen Haft extra bestraft, Hu 9 der Partei. Zum Maifeier-Aufruf deS Parteivorstandes äußerten sich die „Münchener Post" und das„Offenbacher Abend- blatt' in zustimmender Weise, das letztere speziell in Zurück- Weisung der pessimistischen Auffassung deS Harburger„Volk«» blatteS". Die„Rheinische Zeitung' erklärt, mit dem Urteil über den Aufruf des ParteivorstanbeS bis nach der Maifeier zurückhalten u wollen.— Mit den Ausführungen der„Fränkischen Lagespost" erklärt sich die„Rh. Ztg." insofern einverstanden, als die Partei bei der Maifeier, deren Aufhebung sie unter keinen Umständen wünsche, wieder zu feste» Regeln kommen müsse. Die Frankfurter„Volks st imme" erklärt, einem großen Teil des in der„ F r ä n k. T a g e s p o st" Gesagten zustimmen zu müssen: „Die hier niedergelegten Bedenken entsprechen, wie wir für unseren Teil hinzufügen möchten, zahlreichen Aeußenmgen m den Kreisen der Genossen, die seit gestern den Aufruf mit Kopf- schütteln gelesen haben. Weil wir eine weitere Störung unserer einzigen großen proletarischen Kundgebung im Jahre vermeiden wollten, verzichteten wir bisher daraus, diesem Kopffchütteln Au«- druck zu geben. Nachdem jedoch die Diskussion eröffnet ist, stimmen wir einem großen Teile des von der„Fränkischen Tage«- Post" Gesagten zu. Nur handelt es sich vielleicht in der Tat mehr um die ungeschickte Form, al« um Differenzen in der Sache. Auch wir freuen unS, wenn sich Partei und Gewerkschaften verständigen, und haben diese Verständigung al» dauernde Einrichtung oft genug gewünscht. Dennoch darf diese Verständigung nicht dazu führen, daß der auch von den Gewerkschaften anerkannte und in der Jnteruationalltät unser» Bewcmeog begründete Kern d» Maifeier durch eine unkluge Flanmacherei beinahe tSdlich ge« troffen wird." Auch w i r werden erst nach der Maifeier auf diesen Meinungs- austausch zurückkommen._ vom Zentralwahlverein Westprignitz liegt der Jahresbericht vor. Er erstreckt sich auf die Zeit vom 1. Januar 1906 bis 31. März 1907. Zu Beginn deS Jahre« 1900 waren, außer in Wittenberge, Organi» sationen nicht anzutreffen. Die Zahl der in Wittenberge organisierten Genossen betrug etwa 120. Wie in anderen Kreisen, so wirkte auch hier der Lokalmangel ungemein hemmend. In Städten wie Perleberg, Havelberg, Wilsnack, Lenzen war eS unmöglich, einen W:rt zur Her- gäbe seines Lokals zu bewegen. In Perleberg ging die Behörde sogar so weit, die Erteilung der Konzession an die Wirte davon abhängig zu machen, daß sie da» bündige Versprechen gaben, ihre Lokaliläten den Arbeitern zu Versammlungen nicht zu überlassen. Eine Versammlung, welche am 18. März 1900 unter freiem Himmel stattfinden sollte, fand nicht die Genehmigung der Polizei. Die eingelegte Beschwerde wurde von allen Instanzen zurückgewiesen. Trotzdem gelang es, die dortigen Genossen zur Gründung eines Wahlvereins zu bewegen, dessen Mitgliederzahl augenblicklich über 20 beträgt. Am 20. Mar wurde der Zentralwahlverein für den Wahlkreis gegründet. In Havelberg wurden die Versuche zur Gründung eines Vereins dadurch vereitelt, daß der Vertrauensmann gemaßregelt wurde und den Ort verlassen mußte. Erst im Oktober gelang eS durch eifrige Agitation, mehrere Genossen zu gewinnen, die zur Gründung eines Wahlvcreins die Hand boten. Es fiel den Genossen ein Geheimvertrag der Havelberger Gastwirte in die Hände, worin dieselben unter Androhung einer Strafe von 300 M. verpflichtet worden, ihre Räume den Arbeitern zu Versammlungen nicht her- zugeben. Infolge der Veröffentlichung und scharfen Kritik dieser rigorosen Abmachung gab einer der Wirte sein Lokal ftei, und die Genossen konnten am 2. Januar 1907 einen Wahlverein mit 00 Mitgliedern anmelden, deren Zahl während der Wahlbewegung auf über 100 stieg. Auch in Wilsnack konnte, nachdem ein Lokal erlangt war, ein Wahlverein mit etwa 20 Mitgliedern gebildet werden. Es existieren also nunmehr in vier Orten Wahlvereine mit etwa 350 Mitgliedern. Neben mehreren Exemplaren des„Vorwärts" und des„Ham- burger Echo" wird die„Brandenburger Zeitung' in etwa 290 Exemplaren bezogen, die„Gleichheit" sowie der„Wahre Jacob" werden von je 100 Genossen und Genossinnen gelesen. An gerichtlichen Verfolgungen fehlte es nicht. ES wurden nach dem 14. Januar die Wahlflugblätter in mehreren Orten beschlaa- nahmt und 21 Strafmandate gegen die Verteiler verfügt. Etliche dieser Verfügungen wurden auf Einspruch zurückgenommen, bei einigen endete das Verfahren mit Freispruch, bei anderen mit Ver» urteilungeu bis zur Höhe von 30 M. Sogar während der letzten Reichstagswahl wurden in Putlitz Flugblätter beschlagnahmt und die Verteiler angeklagt, aber freigesprochen. Schikanierung der Wahlkontrolleure, von denen einige sogar Prügel bekamen, waren nebenbei auf der Tagesordnung. Wenn auch die letzte Wahl namentlich w den Dörfer« einen Stimmenverlust gebracht hat, so sind die Erfolge der im letzten Jahre geleisteten Agitation doch zufriedenstellend. Der Kaffenbestand weist inklusive der Kosten für die Reichstags» wähl eine Einnahme von 2529,90 M. auf, der eine Ausgabe von 2180.57 M. gegenübersteht, so daß ein Kassenbestand von 349,33 M. verbleibt. Von der Gesamtsumme haben die Genoffen des Kreises 829,90 M. selbst aufgebracht. Die„Fackel" wird in etwa 1000 Exemplaren nach zirka 80 Orten des Kreises gesandt. Neben den diversen Flugblättern wurde der „Märkische Landbote" in 15 000 Exemplaren im Kreise verbreitet. Da? rote Zürich. Auf den Sieg der sozialdemokratischen Partei vom vorigen Sonntag in Winterthur folgte an diesem Sonntag ein noch glänzen» derer Sreg unserer Genossen in Zürich, indem ihre vier Kandidaten, o g e l s a n g e r mit 20 079, W y ß(die beide auf den Listen aller drei Parteien standen) mit 18 547, der von den Liberalen und den Bürgerverbändlern bekämpfte Dr. E r i» m a n n(der auch auf der demokratischen Liste stand) mit 12 357 und K l ö t i, der allein aus der sozialdemokratischen Liste war, mit 12 827 Stimmen in den Stadtrat gewählt wurden. Die bürgerlichen Kandidaten erhielten 18 320 bis herunter zu 10 086 Stimmen; 5 derselben standen auch auf der sozialdemokratischen Liste. Vortrefflich gehalten hat sich das Arbeiterquartier Außerfibl. wo 7034 bis 8002 sozialdemokratische und nur 2090 bis 2090 bürgerliche Sttmmen abgegeben wurden. Der Sieg ist ein schöner, selbsterfochtener und voraussichtlich au« dauernder; über ihn darf sich die gesamte Sozialdemokratie ehrli. freuen. Nun ist auch bis zum sozialdemokratischen Stadtpräsidenten für das rote Zürich nicht mehr weit. Die ,N. Zürcher Ztg." klagt über die Niederlage ihres Polizeidirektors Welti und nennt das Wahlergebnis„betrübend"._ Ein italienisches Tageblatt. Nun haben auch die italienischen Genossen in T r i e st ein Tage» blatt. Der„Lavoratore", der bisher dreimal wöchentlich heraus- gegeben wurde, erscheint seit Donnerstag täglich. Das Format des Blattes ist das große Format der meisten italienischen Blätter. Wir begrüßen den neuen Kämpfer, der wohl jetzt bei den Wahlen wie auch späterhin seine Pflicht im Dienste der Partei tun wird. polizeiliches, OerithtUches ufw. Strafkonto der Presse. Genosse Emil Meier von der Mannheimer„Volks st imme" wurde gestern wegen Beleidi- gung des Kriegsgerichts von Mannheim vom Schwurgericht zu Mannheim zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Die Be- leidigung wurde in einer Kritik des KriegSgerichtSbeschlusse» erblickt, der den Hauptmann v. Muschwitz außer Verfolgung setzte, weil es an» nahm, der Hauptmann sei schon bei der Anpöbelung deS Genoffen Dr. Frank auf einer Konttollversammlung verrückt gewesen. ' In Staatspension nach Hoheneck hat sich gestern(Mittwoch) Ge- noffe S e g e r von der„Leipziger Bolkszettung" begeben, um vorläufig vier Monate Freiheit der sächsischen Gerechtigkeit zu opfern. Ueber weitere 25 Tage Gefängnis hat noch die Bemfungs- instanz zu befinden, und außerdem steht ihm noch ein Prozeß bevor._ Verband deutscher Barbiere, Friseure und Perückenmacher. Kehülfen, Berlin. Heute, Donnerstag, den 25. April, abends 10 Uhr, Versammlung im Lokale Dircksenslraße 40. Verband der Friseurarhülfe» Deutschlands(Zweigverein Berlin und Vororte). Außerordentliche Generalversammlung heute Donnerstag, den LS. April, abend» 9'/, Uhr, Sophtenstr. 18. Nur Mitglieder haben Zutritt._ Eingegangene Dmchrcbiiften. Strafgesebdnch für das Deutsche Reich. Neueste Fassung. Preis 0,00 M.— Neueite vollständige Gewerbeordnung sür das Deutsche Reich elnschltekllch des Innung»- und HandwcrkcrgesctzeS nebst Reichs. sletschbeschaugcsetz. Preis 1 M. Verlag L. Schwarz u. Comp., Berlin 8. 14, SreSdenerltr. 80. Der««lturkampf der Kirche, vo« Paulus Saulu». Verlag von Rudolf Kraut, Dresden 1907. 0.75 M. ßriefftaton der Expedition. Patienten in Beelitz, Buch usw. Dieiemge» unserer Abonnenten, die noch während'' de» ganzen nächsten Monats in der Seilstätte bleiben, wollen un» wegen der Ueberweisung von Freiexemplaren sofort tbre Adresse ewsenden, da vet verspäteter Bestellung die ersten Nummern de» neuen Monat» von der Post nicht aeltescrt werde«. Alle Adressen müssen jeden Monat oeuetagelandt werde». Achtung! Dr. Simmel Achtung! Spezial- Arzt Arbeiter, Parteigenoffen Berlins n. Umg.! Die Bestrebungen unserer Organisation, auch in den Detailgeschäften der Herrenkonfektion Betriebswerkstätten und feste tarifmäßige Löhne zu erringen, haben bei den Firmeninhabern, welche um Bewilligung dieser Forderungen angegangen wurden, unter Ausflüchten, die wir als stich haltig nicht anerkennen können, Widerstand gefunden. Wir sehen uns deshalb genötigt, gegen diese Geschäfte das Mittel des Boykotts in Anwendung zu bringen. Die Delegierten zur Berliner Gewerkschaftskommission haben einem dementsprechenden Antrage ihre Zustimmung erteilt und die Parteigenossen von Groß- Berlin sind diesem Beschluß beigetreten. Wir appellieren deshalb mit Gegenwärtigem an die Parteigenossen und Gewerkschaftsmitglieder Berlins und Umgegend, bei ihren Einkäufen und Bestellungen von Herren- und Knabengarderobe in Zukunft nachstehende Geschäfte meiden zu wollen: Osten: Bohne, Landsbergerstr. 79. Lucian, Landsbergerstr. 56. Süden: Kommandithaus Schendel, Dranienstr. 38. Esders u. Dyckhoff, Oranienſtr. 48. Karl Stier, Dranienstr. 166. Konfektionshaus Böhm, Stalizerstr. 39. Schulmeister, Dresdenerstr. 4. Zentrum: Norden: Schendel, Rosenthalerstr. 8. Westen: Kaplan, Friedrichstr. 1. S. Adam, Leipzigerstr. 27/28. Karl Stier, Potsdamerstr. 113a. Landsberger, Friedrichstr. 108. Thiéry u. Sigrand, Friedrichstr. 179. Bandsburger, Friedrichstr. 7. Weltmann Nachf. Stephan Esders, Kaiser Vandeburger, Zurmstr. 30. Wilhelmstr. 41. Esders u. Dyckhoff, am Dönhoffplatz. Die Firma Leineweber, Köllnischer Fischmarkt und Oranienstraße, lehnt es ab, die von ihr ausgesperrten Kollegen wieder einzustellen. Die Werkstätte ist mit Streitbrechern besetzt. Die Firma Peet u. Cloppenburg lehnt die Entlassung der Streifbrecher ab. Wir bitten dies in gebührender Weise zur Kenntnis zu nehmen. Alle übrigen Geschäfte sind als frei zu betrachten. Unsere Forderungen anerkannt bezw. Verträge mit uns abgeschlossen haben folgende Firmen: Hoffnung", Produktiv- Genossenschaft der| Th. Juras, Chausseestr. 79. Schneider, Brunnenstr. 185. Baer Sohn, Chausseestr. 24, Brückenstr. 12 und Große Frankfurterstraße. Julins Lindenbaum, Gr. Frankfurterstr. 141 und Fransedistr. 15. Haake, Landsbergerstr. 91. Sachs, Gr. Frankfurterstr. 132. Blik", Gr. Frankfurterstr. 137, Chauffeeftr. 80, Rosenthalerstr. 9 und Kommandantenstr. 43. May Mannheim, Frankfurter Allee 112. Philipp Fabisch, Rosenthalerstr. 1. Fabisch u. Co., Rosenthalerstr. 3. Bernh. Baer, Rosenthalerstr. 5. Riethmüller, Moltenmarkt. Amerikan. Verkaufshallen, Weinmeisterstr. 1. J. Wand, Chausseestr. 80a. Leske u. Lehrer, Kottbuser Damm 78. Ad. Wormann, Kottbuser Damm 77. Gebr. Schweriner, Chausseestr. 118. Verkaufshalle Bulkan, Große Frankfurterstraße 5 und Frankfurter Alеe 134. Behrendt, Grüner Weg 84. Ringel, Chausseestr. 31 und Brunnenstr. 47. Lewy u. Co., Brunnenstr. 50 und Wilmersdorferstr. 47. Bendit, Brunnenstr. 68. Bornstein, Brunnenstr. 181. Littmann, Dranienstr. 2. 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Die Ueberführung von dort nach dem Moabiter Bahnhofe behuss Einäscherung in Hamburg findet am Freitagnachmittag 4 Uhr ftatt. Um stilles Beileid bittet Wilhelm Bierwirth Beuffelstraße 50. Danksagung. Sage allen Freunden und Bekannten Jowie dem Zentralverein der Bildhauer für die herzliche Teilnahme und Stranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes meinen besten Dant. Ww. Ottilie Koswig 1926 nebst Kindern. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und vielen Strangspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Arbeiters Hermann Stolzki sage ich allen, so auch dem Wahlverein Rigdorf, dem Arbeiter Gesangverein Briz" und dem Pflanzer- Verein " Früh auf" meinen herzlichen Dant. Wwe. Stolzki nebst Kindern. Drts Krankenkasse d. Zigarrenmacher, Zigarettenmacher, Zigarrensortierer u. deren gewerbl. Hülfsarbeiter zu Berlin. Laut Beschluß der Generalversamm lung vom 28. März 1907 finden die Kaffenstunden wochentäglich von 8 Uhr früh bis 1 Uhr mittag statt. Die bisher üblichen Abendkassen stunden werden hiermit aufgehoben. Sonn- und Feiertage finden keine Der Vorstand. gratis und franko. Staffenstunden statt. Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz 273/17 Sozialdemokratischer Wahlverein für den Bezirk Lichtenberg. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Lagerhalter Wilhelm Gierach verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 26. April, nachmittags 5 Uhr, vom Trauerhause, Blumenigalstraße 37 aus nach dem Gemeindefriedhof, Bornißstraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht 14/9 Der Vorstand. Verband d. baugewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. Bezirk Rigdorf. Todes- Anzeigen. Am Montag, den 22. April, verstarb unser treuer Stollege Friedrich Brasch. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 25. April, nachmittags 31, Uhr, von der Leichenhalle des Rigdorfer Kirchhofes am Mariendorfer Weg aus statt. Der Zweigvereinsvorstand. Bezirk Zehlendorf. Am Montag, den 22. April, erstarb unser treuer Kollege Karl Klein. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 25. April, nachmittags 51, Uhr, von der Leichenhalle des Kirchhofes Spandauerstraße aus statt. 33/15 Der Zweigvereinsvorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter 2056 Emma Fickert fagen wir allen Freunden, Bekannten und Kollegen sowie dem Verein der Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse und dem Gesangverein" Borwärts" unseren herzlichsten Dant. Louis Fickert nebst Söhnen. Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Kein Aprilscherz! sind die unglaublich billigen Verkaufspreise unserer allbekannten Konfektionshäuser Blitz. Wir empfehlen unserer geehrten Kundschaft sich unsere ungeheuren Läger vor Einkauf zu besichtigen. Unsere Läger betragen zurzeit ungefähr 3/ 34 Millionen Mark Hiermit geben wir von einzelnen Artikeln die Preise bekannt: " Herren- Anzug, grau, gestreift und kariert, in hell und dunkel Stück Herren- Anzug, blau Cheviot u. gemusterte Buckskin, sehr haltbar Herren- Anzug, zweireihig, neueste Fasson, in allen Farben.. Herren- Anzug, prima Kammgarn, in allen erdenklichen Mustern Herren- Anzug, das Wunder Berlins, Maß- Ersatz Herren- Paletot, hell und dunkel kariert. Herren- Paletot, in allen Mustern, mit Sattel mit und ohne Seide Herren- Paletot, prima Ware, seltene Gelegenheit, das Neueste, Herren- Paletot, prima Kammgarn, Modell 1907, auf Seide. Herren- Paletot, das Wunder Berlins, Maß- Ersatz 785 1150 1450 M. M. M. 9 1775 2250 17 M. " 25 M. " 935. M. 1350 M. . 9 " 1800 " 2250 M. Burschen-, Knaben- und Kinder- Anzüge und Paletots sowie Herren-, Burschen- und Knaben Hosen zu jedem nur annehmbaren Preise. 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Die Erhebungen über die Arbeitszeit in Wasch- und Plätt- anstalten sind, soweit die Bearbeitung der Fragebogen, die im Oktober 1905 ausgegeben wurden, in Frage kommen, nunmehr vom Reichsstatistischen Amt veröffentlicht, Zie Enquete erstreckte sich auf 3199 Pläit- und Waschanstalten in 261 Erhebungsorten. Die Gliederung der Betriebe nach Betriebsgrößenklassen läßt den Charakter des Kleingewerbes deutlich erkennen. Kleine Betriebe im engeren Sinne waren 2375 vorhanden. Mittelbetriebe, die 6— 10 Personen beschäftigen, waren 262 Betriebe, Betriebe mit II— 15 Personen 44 und Großbetriebe, d. h. solche, die über 16 Per- sonen beschäftigen, waren 13 beteiligt. Die Zahl der in diesen Betrieben beschäftigten Arbeiter betrug 265, die Zahl der Ar- bcitcriniien 8187. Die Arbeitszeit mußte in der Weise er- mittelt werden, daß für die Erhebung eine ganze Woche in Ansaß gebracht und für jeden einzelnen Tag in dieser Wcche die Arbeitszeit angegeben wurde. Die Dauer der Arbeitszeiten an den einzelnen Wochen ta gen ergibt sich aus folgender Uebersicht: Tägliche Arbeitszeit einschließlich der Pausen s hatten die neben st ehende Arbeitszeit am Montag| Dienstag I Mittwoch l Donnerst, j Freitag s Sonnabd Betriebe bis einschl. 6 Stunden über 6 bis 10 Stunden!! . 10., 12.. 12 13 14 16 13 14 16 18 18 Stunden 6? 178 1211 330 40 13 1 überhaupt sj 1840 60 143 1379 423 87 30 2 2129 75 146 1487 440 90 27 6 2271 70 136 1679 461 106 31 3 1 2487 60 133 1673 469 143 93 11 2 2589 74 172 1341 423 216 165 25 7 2422 Montag s Dienstag j Mittwoch jDonnerSt.s Freitag s Sonnabd, Personen 133 368 2614 1050 96 23 2 4286 104 278 2990 1229 179 73 8 4861 122 248 8201 1287 188 74 11 5131 91 222 3554 1369 212 76 4 2 5530 95 216 3488 1310 283 240 31 3 5666 135 593 2873 1204 381 302 42 12 5342 Die Feststellung weist den Mangel auf, daß die Arbeitszeiten nicht ermittelt werden konnten, die zu Zeiten besonderen Andranges üblich sind. Es mag dabei auf die große Zahl der Wasch- und Plättanstalten in den Badeorten während der Hochsaison hinge. wiesen lvcrden, die bei der Ermittelung gänzlich ausschieden. Es hat sich fernerhin herausgestellt, daß eine immerhin erhebliche Zahl von Personen nicht während der ganzen Woche beschäftigt wird, sondern vielfach nur tageweise. So wurde ermittelt, daß einen Tag 389, zwei Tage 805, drei Tage 812, vier Tage 787, fünf Tage 997 und sechs Tage 4694 Personen in der Woche beschäftigt werden. Die Tabelle über oie Arbeitszeiten weist eine außerordentlich schwankende Anspannung der Arbeitskräfte an den einzelnen Tagen der nach. Die kurze Arbeitszeit kommt am Montag am hAusigirbn vor, während sie dann nach Mitte der Woche seltener und die Arbeitszeiten von 10— 13 Stunden häufiger werden; der Aufstieg geht dann bis zu 16 Stunden. Für das Waschpersonal ist die Beschäftigung zu Beginn der Woche am stärksten und flaut am Ende der Woche ab. Ueber die Art der Pausen wird folgendes berichtet: Von der Gesamtzahl der Betriebe waren 10, für welche ausdrücklich mit- geteilt war, daß die darin beschäftigten Personen keine Pausen er- hielten. Die Zahl dieser Personen betrug 28 und zwar waren alle über 16 Jahre alte weibliche Personen. In den 3139 Betrieben, in denen Pausen gewährt wurden, waren Art und Zahl der Pausen'sehr verschieden. In 3026 Betrieben gleich 94,9 Proz. wurde eine Frühstückspause gewährt, deren Dauer in 704 Betrieben bis zu M Stunde, in 2310 Betrieben bis zu Vz Stunde und in 12 Betrieben mehr als l-b Stunde betrug. Eine Mittagspause wurde in 3942 Betrieben gleich 98,5 Proz. gewährt. Sie dauerte bis zu% Stunde in 521 Betrieben, bis zu einer Stunde in 1954 Betrieben, bis zu zwei Stunden in 657 Betrieben und über zwei Stunden in 10 Betrieben. Nachmittagspausen wurden am häufigsten gewährt, in 3143 Betrieben gleich 98,7 Proz. Die Dauer der Nach- Mittagspausen betrug in 748 Betrieben bis zu M Stunde, in 2385 Betrieben bis zu Ä Stunde und in 15 Betrieben mehr als % Stunde. Endlich wurden noch andere, nicht näher bezeichnete Pausen(Abend- und Nachtpausen) in 163 Betrieben gewährt. Die Dauer dieser Pausen betrug in 120 Betrieben bis zu%• Stunde, in 42 Betrieben bis zu einer Stunde und in einem Betrieb mehr als eine Stunde. In der Mehrzahl der Betriebe, und zwar in 2850 89,4 Proz., wurden Frühstücks-, Mittags- und Nachmittagspausen gewährt. In 160 Betrieben— 5 Proz. wurden außer den drei genannten Pausen auch noch andere Pausen gewährt und in 95 Betrieben— 3 Proz. wurde nur eine Mittags- und eine Nachmittogspause gewährt. Die Erhebungen über die Sonntagsarbeit haben zu dem Er- gcbnis geführt, daß erhebliwe Arbeit an Sonntagen nicht konsta- tiert werden konnte. Ein Unternehmer äußert sich darüber wie folgt:„Es kommt oft vor, daß sich die Arbeitszeit vom Sonnabend- eckend bis Sonntag hinein ausdehnt, weil die Kundschaft die schlimme Airgewohnheit hat, die Plättwäsche erst in den letzten Tagen der Woche zu bringen und dieselbe zum Sonntag haben will. Man ist deshalb genötigt, aus Geschäftsrücksichten, manchmal bis zum Sonntagmorgen zu arbeiten." Bei den Arbeitern ist folgende Aeußerung sehr beachtenswert: ,„Jch hätte nur die einzige Bitte, daß bald eine Aenderung in! unserem Fach statsinden möchte; denn unter diesen Berhältniflen und diesem jammervollen Verdienst, wofür man Tag und Nacht schuften muß, ist eS nicht möglich, daß man sein eigenes Leben als Arbeiterin einigermaßen über Wasser halten kann. Ich stimme lebhast für den 9 Ithr-Ladenschluß." Eine andere Arbeiterin be- merkt:„Es wäre Zeit, daß eine Aenderung eintritt; denn so kann eS nicht weitergehen. Bei dieser Schusterei kommt man doch einmal soweit, daß man nicht mehr weiter kann. Bor allen Dinge» reget- mäßige Pausen, einen bestimmten Feierabend und anständige Preise." Der Beirat für Arbestevstatistick, dem nunmehr die Ergebnisse zur weiteren Beurteilung vorliegen, wird zur Pevvollständ-igung der Erhebungen die persönliche Vernehmung von Arbeitern und Arbeitgebern anordnen, um nach dieser Richtung hin die Ergebnisse zu vervollständigen._ 10. Generalversammluug des Zentralverbandes der SchiffgWmerer DenWlauds. Erster Berhandlungstag. Die Generalversammlung wurde in Tütges Etablissement in Hamburg abgehalten. Anwesend sind außer drei Vorstandsmitgliedern ein Mitglied der Kontrollkommission und 26 Delegierte; als Vertreter der Generalkommission ist Cohen- Berlin erschienen. Dem Bericht des Vorstandes für die beiden letzten Geschäftsjahre entnehmen wir, daß der Ver- band um 1000 Mitglieder, von 2600 auf 3600, gewachsen ist. Dem- entsprechend sind auch die Einnahmen und Ausgaben gestiegen. Durch die brutale Aussperrungswut der Unternehmer sind auch die indifferentesten Kollegen der Organisation zugeführt worden. Die Einführung des Neunstundentages auf den Staatswerften zeige den auf den Privotwerften beschäftigten Schifsszimmerern, welchen Weg sie einzuschlagen haben. Auf den Privatwerftcn herrsche eine bedeutend längere Arbeitszeit. Außerordentlich groß war die Zahl der Aussperrungen und Streiks. In den meisten Fällen handelte eS sich um Kraftproben des Unternehmertums, das nicht immer günstig abschnitt. Sowohl in Groß- wie in Kleinbetrieben wurden Lohnerhöhungen und sonstige Verbesserungen erzielt. Die Berechnungen für das auf dem vorigen Verbandstage be- schlossene Unterstützungswesen haben sich als unrichtig herausgestellt. denn der Fonds hat nicht die veranschlagte Höhe erreicht. In Rück- ficht auf die abflauende Konjunktur und die zu erwartende erhöhte Arbeitslosigkeit beantragt der Vorstand die Erhöhung des Beitrags von 40 auf 60 Pf. Die Einnahme in 1905 betrug 36 695,22 M.» die Ausgabe 34 352.46 M.. 1906: Einnahme 54 809,11 M.. Ausgabe 34 979,14 M. Das Vermögen beläuft sich auf 77 289,70 M. gegen 48711,45 M. Ende 1904. Die Streiks usw. erforderten eine Summe von 37166,09 M., die Arbeitslosenunterstützung 1053,80 M., die Krankenunterstützung 4251,30 M. In der sehr umfangreichen Berichterstattung aus den Zahlstellen wurde zumeist hinsichtlich der Lohn- und Arbeits- bedingungen ein erfreulicher Fortschritt konstatiert, herbeigeführt durch das Eingreifen der Organisation. An diesem Fortschritt partizipieren auch die Nichtorganisierten, die ernten, ohne gesäet zu haben. Neben Lohnerhöhungen hat auch mehrfach eine Verkürzung der Arbeitszeit stattgefunden, die teilweise noch bis elf Stunden be- trug. Im Direktionsbeztrk Magdeburg der Dampfschiffahrts-Ge- sellschaft Dresden-Magdeburg streiken die Kollegen nunmehr rund «in Jahr. Erst hatte die Direktion in Magdeburg eine Lohn- crhöhung zugestanden, die aber, wie berichtet wird, durch das Ein- greifen der Generaldirektion in Dresden illusorisch gemacht wurde. Bei einer Verhandlung erklärte ein Vertreter der Gesellschaft, diese könne sich doch nicht vor dem Verbände der Schiffszimmerer beugen; der Herr gab aber zu, daß der Gesellschaft ein Schaden von 50 000 bis 60 000 M. entstanden sei, weil Arbeiten auf Privatwerften hätten ausgeführt werden müssen. Dieses Geld werde also von der 14 Millionen-Gesellschaft zum Fenster hinausgeworfen, während die Forderungen der Arbeiter sie, bei einer Lohnzulage von 2 Pf. pro Stunde, pro Jahr mit etwa 1100 M. belasten würde. An Unter- stützung aus der Hauptkasse hätten die Streikenden 1292 M. er- halten, trotzdem streikten sie weiter, weil sie nicht Willens seien, be- dingungslos zu kapitulieren. Sie hätten sich zum Teil anderen Arbeiten zugewendet, zum Teil hätten sie gemeinsam Pribatarbeiten ausgeführt. Den Punkt Taktik bei Lohnbewegungen und Streiks behandelte der Vorsitzende, der unter anderem hervorhebt, daß zwar Fortschritte zu verzeichnen seien, die aber nicht gleichen Schritt ge- halten hätten mit der Verteuerung der Lebensmittel- und Miets- preise. Sollte die Balance im Haushalte des Arbeiters hergestellt werden, so müßte eine Lohnerhöhung von mindestens 19 Proz. ein- treten. Wie statistisch bewiesen, sei durch die ruinöse Arbeitsmethode der letzten Jahrzehnte das Durchschnittsalter der Schifsszimmerer von 50 bis 52 auf 30 bis 32 Jahre gesunken. Das Unternehmertum hoffe, uns niederreiten zu können, es müsse sich aber an der festen Mauer der Arbeiterorganisation den Schädel einrennen. Der Magen sei ein revolutionäre Geselle, der oft rebelliere. Wie„national" die Unternehmer gesinnt seien, könne man zurzeit in Hamburg sehen, wo man sich nicht scheue, eine internationale Verbrecher- kolonie zu errichten. Das bekannte Wort:„Mit den Erfolgen wachse die Verfolgung" bewährt sich auch hier. Redner bespricht sodann die Taktik, die man immer der jeweiligen Situation anpassen müsse. Der Vertreter der Generalkommission, C o h e n. gab hinsichtlich der Taktik beachtenswerte Winke. Die Unternehmer seien viel besser daran, als die Arbeiter, weil für sie das Vereinsgesctz nicht existiere, während letztere stets öffentlich verhandeln müßten. Die Unternehmer seien daher stets über die Vorgänge im Arbeiterlager informiert, dagegen tappten umgekehrt die Arbeiter im Dunkeln. Man müsse alle Reibereien und Zwistigkeiten in den eigenen Reihen vermeiden und stets geschlossen an die Unternehmer herantreten, denen nur eine geschlossene Macht imponiere. Die Vorstände müßten bezüglich der Taktik Bewegungsfreiheit haben, weil die Zentrale die allgemeine Situation besser zu überschauen vermöge, als eine Zahl- stellenleitung. Die Unternehmer haben zunächst von uns gelernt, jetzt müßten wir in taktischen Fragen von ihnen lernen. 3. Verbaudstag des Zentralverbandes der Zioilmuflker Deutschlands. Dresden, den 23. April. Der Kongreß tagt im kleinen Saale des Volkshauses. Es sind 14 Orte durch 16 Delegierte vertreten. Außerdem sind zwei Vertreter des Vorstandes F a u th und Alten, ein Vertreter des Ausschusses, Blanschefski, und der Vertreter des Fach- blattes, Tietz, erschienen. Als Vertreter der GeneralkommWon ist Knoll anweseick. Es wird dann vom Kongreß beschlossen, dem Vertreter der dem Zentralverband noch nicht angeschlossenen freien Vereinigung der Musiker Leipzigs, Hesse, bei eventuellen Anschlußverhandlungen Sitz und Stimme zu gewähren. Die Diäten werden auf 12 M. für auswärtige. 9 M. für Dresdener Delegierte festgesetzt gegen bisher 10 respektive 7 M.; auch sollen die Reisetage ent- schädigt werden, was bisher nicht geschehen ist. F a u t h- Hamburg gibt den Bericht über die Tätigkeit de« Borstandes. Die Hoffnungen, die man seinerzeit betreffs der Enttvickelung der Organisation gehegt, seien nicht in Erfüllung gegangen. Die Mitgliederzahl betrage knapp 1000. Es sind sieben neue Filialen gegründet, aber eine ganze Reihe von Verwaltungen sind aufgelöst worden. Mit der freien Vereinigung der Zwilbcrufsmusiker in Leipzig sind Verhandlungen betreffs Anschlusses eingeleitet. Die Frage wird aus dem Kongreß erörtert werden. Anläßlich der Beschickung des letzten Gewerkschaftskongresses war eine Anfrage an 51 Kartelle gerichtet worden zwecks Ver- anstaltung von Versammlungen zum JnSlebenrufen von Filialen des Verbandes. Von 25 Kartellen sei da geantwortet worden, daß solche Versammlungen zwecklos seien, da die anwesenden Musiker, soweit sie organisationsfähig seien, dem Allgemeinen Musiierverein angehören. Der Vorsitzende beklagt die Interesselosigkeit der Orts- Verwaltungen statistischen Erhebungen gegenüber, so z. B. die auf das Kost- und LogiSwesen und die Konkurrenz der Militärmusik bezüglichen. Der Borsitzende erörterte dann die MaifeierkonfliktSfraye der Musiker in Berlin. Dort sollen einzelne Avbeiterkorporationen den Mitgliedern des Allgemeinen Musikervereins am 1. Mai 2—3 M. mehr bezahlt haben als den Mitgliedern des Zentralverbandcs. Es sei dem Vorstand aber gelungen, die Konflikte beizulegen und eine gerechtere Regelung herbeizuführen. Auch andere ähnliche Kon- flikte sind durch das Eingreifen deS Vorstandes beigelegt worden. Redner ist der Apsüht. daß der Streik für die Zivilmufiler nahezu ausgeschlossen sei, viel erfolgveichcr sei der Boykott, der wiederholt zum Ziele geführt hat. Die von den boykottierten Gastwirten an- gestrengten Prozesse sind verschieden ausgefallen. Dasselbe Gericht (.Hanseatisches Oberland esgcricht) hat in zwei Prozessen verschieden geurtcilt. Die Sache schwebt jetzt bor dem Reichsgericht. Redner erörtert einen Fall, in dem ein Mitglied des Verbandes Militärmusikern, die auf einem Arbeiterseste spielten, angedroht hat, sie beim Kommandeur zu denunzieren. Ter von den Hannoverischen Genossen beantragte Ausschluß aus der Organisation ist aber ab- gelehnt worden, weil der Vorstand, wenn auch'das Verfahren deS Mitgliedes verurteilt würde, doch cm seiner bösen Absicht zweifelte. In einem anderen Falle, in dem ein Mitglied einen Gastwirt wegen Uebertretung der Polizeistunde denunzierte, wurde der Ausschluß als berechtigt anerkannt. Der Vorsitzende bespricht noch die finanzielle Gebarung deS Verbandes und rügt die wenig exakte Kassengebarung der meisten Ortsverwaltungen. Auf Wunsch des Vertreters der Allgemeinen Leipziger Musiker» Verbindung wird in der Nachmittagssitzung zunächst der Anschluß dieser Lokalorganisation— zirka 50 Mitglieder— am den Zentralverband erörtert. Hesse- Leipzig erklärt die Bereitwilligkeit zum Uebertritt und wünscht Erlaß des Eintrittsgeldes. Nach längerer Aussprache, in der sich die Redner teils für. teils gegen die Auf» nähme aussprechen, nimmt der Vertreter der Generalkommisston, Knoll, das Wort, um die Vereinigung zu befürworten unter Erlaß deS Eintrittsgeldes. Er weist besonders auf dem Wert der Aufhebung einer Sonderorganisation hm. Ein die Vereinig«,» befürwortender Antrag wird gegen drei Stimmen angenommen. Den Bericht des Ausschusses erstattet B lan sch efs k i- Berlin. Er spricht sich in scharfer Weise aus über die Geschäftsführung des Vorsitzenden, der eme ganze Anzahl an ihn von Mitgliedern und OrtsverwalwngeN ge- richtete Briefe und Anfragen nicht beantwortete. Auch das unregel- mäßige Erscheinen der Fachzeitung wurde konstatiert. Zum Bericht über die Presse nimmt der Redakteur Tietz- Berlin das Wort und schildert seine Tätigkeit und die schwierigen Verhältnisse, unter denen er die Re» daktion übernommen und fortgeführt hat. Er spricht sein Be» dauern aus über das geringe Verständnis einiger Berliner Kollegen gegenüber ernsten gewerkschaftlichen Fragen. Er sei verhöhnt worden bei dem Erscheinen solcher Artikel. Die Verzögerung in dem Erscheinen sei auch heute noch nicht behoben und hccke ihren Grund hauptsächlich darin, daß sämtlicher Stoff erst dem Haupt- vorstand zur Sanktion eingeschickt werden müsse. So sei beispielsweise die Aprilnummer bis heute(23. April) noch nicht erschienen. Auch über die Ablehnung einiger Artikel durch den Hauptvorstand be. schwert er sich bitter. So sei ein Artikel zur Reichstagswahl abgelehnt worden, weil er nicht die„gewerlschastliche Neutralität" genügend berücksichtigt habe. Auch einen Aufruf„Zur Jahres- wende" habe er nicht unterzeichnen wollen, weil darin die politisch indifferenten Kollegen etwas scharf herangenommen wurden. Ferner habe sich der Hauptvorstand geweigert, die Adresse der Ne» daktion zu veröffentlichen. Dadurch sei ein Brief mit Orgami- sationSinternas der Redaktion des gegnerischen Fach- organs in die Hände gefallen. Seine Briefe cm den Hauptvorstand seien' nicht beantwortet worden. Referent bean- sprucht, von der Vormundschaft des Hauptvorstandes befreit zu werden, sonst müsse er seinen Posten abgeben. Auch sei ein öfteres Erscheinen der Fachzeitung notwendig. Der Kassierer A lten» Hamburg gibt den Kassenbericht und bezeichnet ihn als verhältnismäßig günstig- Der Kassenbestand sei auf 6514,55 M. gestiegen. Ein Antrag der Filiale Bremen, zur Prüfung der Geschäft?- führung des Hauptvorstandes eine Kommission von drei Mitgliedern unter Zuziehung des Vertreters der Generalkommission einzusetzen, wird zurückgezogen. Die Beschwerden sollen im Plenum erörtert werden. Es wird dann die Diskussion über den Geschäftsbericht des Vorstandes und der dazu gestellten Anträge eröffnet, in der eine scharfe Kritik an der Tätigkeit des Vorsitzenden geübt wird. Eine neue Spaltung der französischen Bergarbeiterschaft. Die Hoffnung, die unerquicklichen Streitigkeiten innerhalb der französische» Bergarbeiterschaft endlich beigelegt zu sehen, hat sich nicht erfüllt. Der Landcskongretz, der in der vorigen Woche in D e n a i n tagte, hat vielmehr zu einem neuen, vollständigen Bruch geführt. Der Konflikt, der ihn verursacht hat, geht auf die Begeben- heften während des vorjährigen Streiks im Pas de Calais zurück. Gegen das unter der Leitung der Deputierten B a s I y und Lam endin stehende„Syndikat du Pas de Calais" trat damals die»Föderation shndicale du PaS de Calais" auf, die an die Arbeiterföderation angeschloffen ist und die Taktik der„direkten Aktion" befolgt. Ihr Führer war der dem Anarchismus sehr nahestehende Broutchoux. Zwischen den beiden Gruppen wurde, zum Nutzen der Unternehmer. ein wütender Kampf geführt. Die Anhänger Broutchoux' verübten Gewalttätigkeiten gegen die Führer des alten Syndikats, dafür ließ eS das Organ Baslys, der„Revail du Nord" in Lille, an Angriffen und Verdächtigungen gegen die Arbeftskonföderation nicht fehlen. Das Organ Broutchoux' erwiderte noch saftiger I Nach Beendigung des Streiks schien sich indes eine Verständigung anzubahnen und die beiden Organisationen kamen sogar im Prinzip überein, sich zu der- schmelzen. Aber es erhob sich eine unüberwindliche Schwierigkeit, als die Arbeitskonföderation dem um die Aufnahme ansuchenden alten Syndikat die Bedingung stellte, daß BaSly zuvor ausgeschieden werden müsse. Gleichzeitig erhob Baslh gegen das junge Syndikat die Anklage. daß es die für die Witwen von Courriöreö gesammelten Gelder anderen Zwecken zugeftihrt hätte und beschuldigte obendrein im besonderen Broutchoux selbst, die für die Inhaftierten gesammelten Beträge unterschlagen zu haben. Broutchoux bestreitet! das, jedoch auch in seiner eigenen Gewerkschaft hat die Beschuldigung Baslys manche Bestätigung gefunden. So zeigte der Kongreß gleich am Beginn eine außerordentliche Gereiztheit der Streitparteien und der größte Teil der Verhandlungs- zeit wurde, zur Entrüstung der Delegierten der anderen Reviere. mit dem immer aufs neue hervorbrechenden Gezänk ausgefüllt. ES fanden sich auch sonst allerhand Motive zu persönlichen Debatten zwischen den sich befehdenden Gruppen. So die Affäre von Baslys Leutnant E v r a r d, der den Orden der Ehrenlegion, wen» auch nach seiner Behauptung nicht verlangt, so doch angenommen hat. Da Evrard und seine Anhänger sich schließlich auf die gerade von ihren Gegnern geforderte Autonomie der Föderationen beriefen, sahen sich diese genötigt, für den Nebergang zur Tages- ordnung mitzustimmen. Die Verhandlungen zeigten übrigens auch, daß hinter den persönlichen Polemiken sachliche Gegensätze wirksam sind, so bei der Debatte über die Schiedsgerichte, die Altersversorgung und be- sonders bei der über dm Militarismus. Bouchard(Loire) «rklärte, datz der Kongreß auf dem wirtschaftlichen Gebiete bleiben müsse und nicht anarchistische Politik treiben dürfe. Die von ihm borgelegte Resolution fordert eine Propaganda zur Aufklärung der Arbeiter im Waffenrock, daß sie auf ihre Brüder nicht schießen dürfen. Dumoulin vom jungen Syndikat forderte eine Erklärung für den AntipatriotiZmus und den Generalstreik im Kriegs- falle. B e u g n e t vom alten Syndikat erwiderte, die Frage sei nicht wirtschaftlicher Natur und darum nach dem Beispiel der Nachbar- länder den sozialistischen Kongressen zur Entscheidung zu überlassen. Der AntipatriotiZmus sei eine anarchistische Kinderei. Im Interesse des Proletariates sei es, die Unabhängigkeit der Nationen gegen den eroberungslustigen Militarismus zu schützen. Bouchard> wies im Schlußworte auf den Unterschied zwischen sozialistischem Anti- Militarismus und anarchistischem Antipatriotisinus hin und erklärte den Generalstreik im Kriegsfalle nur dann für zulässig, wenn er international sei. Die angenommene Tagesordnung entspricht diesem Standpunkte. Zur Schlichtung des Konflikts im PaS de Calais hatte der Kongreß ein Ehrengericht gewählt. Aber die Vertreter der beiden Parteien vermochten sich über ihre Kompetenz nicht zu einigen. Die Vertreter des alten Syndikats forderten, daß außer der Affäre der Sammelgelder und dem Defraudationsfall Broutchoux auch alle übrigen Streitpunkte untersucht werden sollten, und stützten sich auf den diesbezüglichen einstimmig gefaßten Kongreßbeschluß. Die Delegierten des jungen Syndikats erklärten hingegen, sie seien über die Tragweite des Beschlusses getäuscht worden und könnten auf eine Untersuchung anderer Affären als der zwei besonders ge- nannten nicht eingehen. Da keine der Parteien nachgeben wollte, ging das Ehrengericht ergebnislos auseinander. Die unmittelbare Folge war der neuerliche Ausbruch des offenen Kampfes in schärffter Form. In der öffentlichen Ver- sammlung nach Schluß des Kongresses, in der nach ausdrücklichem Beschluß vom Konflikt nicht gesprochen werden sollte, richteten die Redner des jungen Syndikats wütende Angriffe auf das alte und gegen die Köngreßbeschlüsse. Die Redner der Kongreßmehrheit wurden niedergeschrien und zum Schluß eine Resolution zugunsten der syndikalistischen Gewerlschaft angenommen. In der Versammlung verlas aber auch ein Sprecher der Syndikalisten eine Erklärung, wonach acht Verbände aus der nationale» Föderation austreten und die«Union föderale", die vor der vorjährigen Einigung bestand, wieder inS Leben rufen. Die„lJnite miniere", die Einigkeit der Berg- leute, ist also— gewesen. Bo« der„Romantik des Seemanns- lebens. Ein Gewaltsmensch schlimmster Sorte ist der böjährige Schiffs- kapitän Paul Gottlieb Schober aus Eimswarden bei Norden- Hamm a. d. W., de? sich am Freitagnachmittag vor der Straf. kammer 4 des Landgerichts zu Hamburg wegen schwerer Miß- Handlung, begangen an einem großen Teil seiner Mannschaft, grober Ueberschreitung seiner Disziplinarbefugnisse und FreiheitS- beraubung zu verantworten hatte. In der Verhandlung wurden Dinge zur Sssrache gebracht, wie sie beinahe nicht schlimmer auf den früheren Sklavenschiffen, befehligt von mit despotischen Macht- bcfugnissen ausgerüsteten Kapitänen, passiert sein können. Kapitän Schober befehligte in den Jahren 1002/1£K)3 nicht etwa eine chinesische Dschunke, sondern die Hamburger Bark„All»", mit der er Reisen nach Afrika, Australien und nach der Westküste von Südamerika machte. Seine damalige Mannschaft hat er zum größten Teil in London angemustert. Bald bekam-die Mannschaft das strenge Regiment und die harte Faust ihres stier- nackigen Despoten in unliebsamer Weise zu fühlen. Einen acht- zehnjährigen Leichtmatrosen, den er zum Aufwärter degradierte, regalierte er mit Backpfeifen, so daß der junge Mensch davonlief. Einen Matrosen zerrte er mit Gewalt aus der Koje, einen anderen Matrosen hat er in seiner Kajüte mit Füßen gestoßen. Einem vierten Schiffsmann verabfolgte er Hiebe mit einem Stock aus RhinozeroZhaut, so daß die eine Körperhälfte anschwoll. Einem fünften warf er von hinten ein heißes Plätteisen in den Rücken usw. Die tollsten, etwas ulkig klingenden Dinge verübte er im Hafen von Juiiin bei I q u i q u e(Chile), wo sein Schiff Kohlen löschte. Außer 15 Leuten von seiner Besatzung waren beim Löschen auch sechs chilenische Schaucrleute tätig. Er verlangte, die Leute sollten pro Tag 75 Tons löschen. Doch brachten sie es am ersten Tage nur auf 45, am zweiten auf 53 Tons. Der Kapitän glaubte nun ein probates Mittel anwenden zu sollen, um die Mannschaft gefügig zu machen; er ließ einfach acht Matrosen an Land bringen und ins Gefängnis setzen, wo sie sich bis zu siebzehn Tagen mit gefesselte» Verbrechern aufhalten mußten. Er behauptet nun, sich an den dortigen Hafenkommandanteu Kapitän Pordero gewandt zu haben, der nach Kenntnis der Sachlage die Leute ins Gefängnis gesteckt habe. Bei seiner kommissarischen Vernehmung hat Pordero dies entschieden in Abrede gestellt. Er will dem auf ihn ein- redenden Kapitän nur das Gefängnis überlassen und dabei be- merkt haben, die Verantwortung müsse er, Schober, tragen. Als Kapitän Schober eines Tages sein Gefängnis in Junin revidierte. soll der Matrose Schonefeld vor dem Gefängnis gestanden haben, tveshalb der Kapitän ihm eine Ohrfeige versetzte. Für die Be- köstigung der internierten Leckte will der Kapitän gesorgt haben, der sie täglich fragte, ob sie mehr arbeiten wollten. Die Leute erklärten, das sei ihnen nicht möglich, worauf der Schiffsthrann sagte:„Wir sprechen uns später." Vorsitzender:„Das sind ja tolle Sachen. Sie sind ei» gewalttätiger Mensch."— Angeklagter:„Das ich nicht wüßte. Ich habe dem Leichtmatrosen nur eine väterliche Züchtigung angedcihen lassen."— Borsitzender:„Sie meinen eine fürchterliche Züchtigung. Wie kommen Sic dazu, ins Gefängnis zu gehen, wo Sie doch gar nichts verloren hatten und dort einen Mann zu mißhandeln, der doch nicht mehr Ihrer Botmäßigkeit unterstand? Was meinen Sie wohl, was Ihnen passieren würde, wenn Sie in ein Hamburger Untersuchungsgefängnis kämen und einen Gefangenen miß- handelten?"— Angeklagter:„Chilenische Gefängnisse kann man nicht mit deutschen vergleichen. Schoncfeld stand vor dem Gefängnis und tanzte mit einer Köchin des Kommandanten. Ich sagte zu ihm, er solle sich hineinscheren, worauf er meinte, ich hätte ihm nichts zu sagen, weshalb ich ihn backpfeifte."— Vor- sitzender:„Sie hatten ihm doch nichts zu sagen. Dais ist doch kaum glaublich, wenn Sie es nicht selbst sagten."— An- geklagter:„Er hat meinen Befehlen zu folgen."(Die Richter sehen sich gegenseitig lächelnd an.) Der Angeklagte behauptet, der deutsche Konsul habe gesagt, die Leute säßen im Gefängnis so gemütlich wie in einem Hotel.— Vorsitzender:„Aus den Akten geht etwas anderes hervor. Es befanden sich auch gefesselte Verbrecher im Gefängnis, und zwar in demselben Raum. Die Leute sollen erst nach 14— 16 Tagen Freiheitsberaubung aus dem Gefängnis gekommen sein, nachdem sich des Konsuls Sohn ins Zeug gelegt hatte."(Der Konsul hat seinen Sitz in Jquique; er wußte zunächst gar nicht, um was es sich handelte.) Der Angeklagte, der sein Verhalten teils zu beschönigen suchte, teils als etwas ganz Selbstverständliches bezeichnete, gab zu, die Leute können etwa elf Tage im Gefängnis gewesen sein. Der Vorsitzende be- tonte, daß der Hafenkommandant eidlich erklärt habe, er sei an der Gefangensetzung der Schiffsleute unschuldig. Die Aussage des Angeklagten, daß die Matrosen sich elf Tage, aber jedenfalls länger als eine Woche im Gefängnis befunden haben, wurde protokolliert, worauf der Staatsanwalt wegen Unzuständigkeit des Gerichts, weil ein Verbrechen vorliege, die Aussetzung der Verhandlung und die Ueberweisung der Angelegenheit au das SchwurIrricht beantragte. Der Angeklagte gab nochmals die Erklärung ab, sich im Rahmen seiner Machtbefugnisse gehalten und sich nicht besonders vergangen zu haben. Das Gericht beschloß im Sinne des Staatsanwalts. Der An. geklagte, der seit 33 Jahren Seemann und seit 17 Jahren Schiffs- kapitan ist, will am 1. Mai d. I. einen nach Brasilien vercharterten Dampfer dorthin überführen. Bemerkt sei noch, daß der Kapitän in Abrede stellte, ein Trinker zu sein, während die Mannschaft das Gegenteil behauptet. Wie der Vorsitzende durchblicken ließ, sind die Aussagen der kommissarisch vernommenen Seeleute, die erst im Schwurgerichts- Prozeß zur Verlesung kommen, äußerst gravierend gegen den An- geklagten._ Prinzessin und Kammerfrau. Die Angeklagte ist freigesprochen. Zu Beginn der gestrigen Sitzung protestierte die Angeklagte in sehr energischer Weife gegen die in der gestrigen Verhandlung auf- getauchte Behauptung, sie habe sich, als sie die Tanzschule des Tanz- lehrers Meißner in Charlottenburg besuchte, schon vor mehreren Jahren als Freifräulein oder Gräfin ausgegeben. Sie beantragt, den Tanzlehrer zu laden. Es wird bejchlossen, den Tanzlehrer tele- phonisch zu laden. Hierauf wird die kommiissarische Vernehmung des Herzogs Ernst Günther von Schleswig-Holstein verlesen, die dieser auf Schloß Primkcnau abgegeben hat. Nach einem Spezialgesetz braucht der Herzog sowie ein regierender Fürst vor deui Gerieht nicht zu erscheinen, sondern ist in seiner Behausung zu vernehmen. Der Zeuge hat angegeben daß die Prinzessin Amalie, seine Tante, ihm gegenüber einmal erklärt hat, daß jene fraglichen drei Reihen römischer Perlen von Anfang an unecht gewesen seien. Die Prinzessin habe, soweit ihm bekannt sei, auch niemals unechten Schmuck getragen, auch habe sie ihm niemals mitgeteilt, daß sie der Milewsli irge-udwelche Schmuckgegenfiände geschenkt habe. Zu ihm selbst habe sich die Prinzessin miede rholt in einem sehr ungünstigen Sinne geäußert. Die letzte Bemerkung der Prinzessin über die M. soll gewesen sein: O, diese Lügen, diese Lügen.— Dem Zeugen selbst war es bekannt, daß die Milewski häufig Schmucksachen der Prinzessin trug. Bei sämtlichen Familienmitgliedern sei es auch kein Geheimnis gewesen, daß sich die M. wiederholt den gräflichen Titel zulegte und sich als Gräfin Arnim, Gräsin Michalawska usw. ausgab.„Dies habe sich allmählich so herumgesprochen," so erklart der Zeuge weider,„daß meine Tante von den übrigen Familienmitgliedern fast gemieden wurde, da sich zeder weigerte, mit derselben Person, die früher am Dienstboten- tisch gesessen habe, nunmehr an einem Tische zu sitzen und mit ihr wie mit seinesgleichen verkehren zu müjsen." In der ungünstigen Beurteilung der Angeklagten seien sich alle Familienmitglieder einig gewesen und wiederholt wären an ihn, als Familienoberhaupt, Ersuchen gelangt, die Prinzessin dem Einfluß der Angeklagten zu entziehen. Er habe dies aber zunächst stets abgelehnt, auch als die Kaiserin selbst Einspruch gegen' das fernere Zusammenleben der Prinzessin mit ihrer Kammerfrau erhob. Auch die Prinzessin Henriette, jetzige Frau GeHeimat v. ESmarch in Kiel, die Prinzeisin Feodora, die Prinzessin Handjery, die Prinzessin Friedrich Leopold von Preußen u. a. hatten sich wiederholt an ihn gewendet mit dem Ersuchen, die Prinzessin dem ungünstigen Einfluß der Milewski zu entziehen, ehe möglicherweise ein öffentlicher Skandal daraus entstehe. Es sei unwahr, daß er, der Herzog, mit seiner Tante irgeirdwie aus gespanntem Fuße gelebt habe. Im Gegenteil habe zwischen ihnen ein herzliches Verhältnis bestanden; sie habe ihn zum Universalerben eingefetzt und in ihrem letzten Testament als „ihren lieben Neffen" bezeichnet. Unter Tränen habe ihm die Tante ihr Bedauern darüber ausgedrückt, daß die letzte Phase ihres Lebens in.solcher Disharmonie verlaufen müsse und sie solche Trauer über die Familie gebracht habe. Was die Angeklagte von Verfolgungen seinerseits bchaupte, entspringe ihrer freien Phantasie. Erst als das Auftreten der Angeklagten, ihre unwahren Angaben über ihr Herkommen, ihren Anspruch auf den Titel„Gräfin" usw. zum öffentlichen Skandal wurde und diese Vorspiegelungen zu� den ärgerlichsten Verwickelungen geführt hatten, seien einige Familien- Mitglieder mit der Aufforderung an ihn hercmgeteten, die Prin- zessm von der Angeklagten zu befreien. Die Vermutung, daß die Angeklagte die Geisteskräfte der Prinzessin durch Narkotika geschüoäckff habe, um sie sich ganz willsähvig zu machen, werde auch von der Kaiserin, der Prinzessin Friedrich Leopold und der Prinzessin Feodora geteilt. Hierauf wird der inzwischen erschienene Tanzmeister Meißner vernommen. Er bestätigt der Angeklagten, daß diese in den Tanzstunden sich nie anders als Anna Milewski bezeichnet habe. Sie habe sich nie fälschlich das Adelsprädikat oder den Grafentitel beigelegt. Ein Fräulein, das 18Sg bis ILM Kammersrao bei der Herzogin Ernst Günther in Primkenau gewesen ist, bekundet: Sie hat seinerzeit ihre Stellung aufgekündigt, sei aber sofort entlassen worden und hat mit dem Herzog eine Prozeß geführt, der beendet ist. Nach rhrer Be- hauptung hat die Prinzessin Amalie in Primkenau wiederholt ihre Schmucksachen ge- zählt und der Angeklagten einige davon ge- s ch e n k t. Die Angeklagte habe sie nicht annehmen wollen. Die Prinzessin habe aber gesagt, sie solle es nur annehmen, aber gar nichts den Verwandte» der Prinzessin sagen. Die Angeklagte wirft hier dazwischen, daß sie diesen Rate auch gefolgt sei und auch dem Dienstpersonal von diesen Schenkungen nichts gesagt habe, um nicht deren Neid zu erregen. Aus der weiteren Bekundung der Zeugin geht hervor, daß ihr gegenüber die Prinzessin Amalie kckwn damals von einem Perlenkollier gesprochen habe, welches aus römischen Perlen �bestände. Sie habe noch hinzugefügt: sie wünschte, die Perlen ccfyt. Auf Antrag de« Rechtsanwalts Dr. Graefc werden zwei Briefe verlesen, die die Angeklagte im Jahre ILM an Fräulein Sch. gerichtet hat. Sie beklagt sich schon damals darüber, daß sie der Herzog Ernst Günther mit Gehässigkeiten verfolge und sie mit Gewalt von ihre lieben guten Prinzessin trennen wolle. Ter Herzog solle sich sogar dahin geäußert haben, daß er nicht ruhen wolle, bis er dieses Ziel erreicht habe. Sie tue aber nichts Böses und ihr könne nichts passieren. Der Herzog wisse doch ganz genau, daß die Prinzessin von ihr Geld geliehen habe. Ihr Vater werde, obgleich er nur ein einfacher BürgerSmann sei, von dem Herzog Rechenschast verlangen usw. usw. Die Zwillingsschwester der Angeklagten. Frau Ida Glowe geb. Milewski, macht von dem ihr zustehenden Recht der Zeugnis- Verweigerung keinen Gebrauch. Ihr Vater sei nicht mittellos, ge- Wesen, denn sie selbst habe eine sehr anständige Aussteller im Werte von 10(WO bis 12 000 M. erhalten. Ihre Schwester habe ein Vermögen von 3L0M M. de- scssen.— Präs.: Woher stammte denn dieses ganz bedeutende Vermögen?— Zeugin: Das weiß ich nicht.— P rast: Das ist doch sehr ausfällig, daß Sie danach gar nicht gefragt haben.— Zeugin: Meine Schwester hat ja auch jetzt wieder ein sehr be- deutendes Vermögen.— Präs.: Danach habe ich Sie nicht gefragt. Alst»: Sie meinen, schon bor Eintritt Ihrer Schtvester in den Dienst der Prinzessin hat sie ein großes Vermögen besessen?— Zeugin: Im Juni 1898 hat meine Schwester meinem Manne 80 0M M. gebracht, damit er das Geld anlege. Die Anlage unter- blieb aber wegen ausgebrochener Zwistigkeiten; die Schwester nahm das Geld, welches in lauter Tausendmarkscheinen bestand, wieder an sich juid trgt bald daraus ihre StfMuß to der.Prinzessin an, Sie habe das Geld gewöhnlich auf der Brust getragen. Die Prinzessin Amalie habe, wenn sie in Berlin war, sie und ihren Mann mit der Schwester wiederholt besucht. Sie seien mehrfach zusammen gewesen, unter anderem auch im Monopol-Hotel. Die Schwester habe auch einmal mit der Prinzessin im königlichen Schloß gewohnt, als die Kaiserin ihre Tante eingeladen hatte. Bei einer solchen Zusammenkunst mit der Prinzessin habe diese zugegeben, daß sie der Schwester bereits 16 066 M. schulde. Als die Schwester das erste Mal die Stellung bei der Prinzessin aufgegeben hatte, habe sie, die Zeugin, sie gewarnt, wieder in diese Stellung zurückzukehren; denn die Schwester habe in schrecklicher Weise die Rachsucht des Herzogs Ernst Günther geschildert. Bei einem Zusammensein mit der Prinzessin im Monopol-Hotel habe diese der Angeklagten eine Brosche geschenkt, mit dem Hinzufügen:„Das brauchen die Verwandten nicht zu wissen." Diese Brosche habe so ausgesehen, wie die eine, die sich unter den angeblich gestohlenen Schmucksachen befindet Zeuge Bankbeamter Glawe, seit 18 Jahren im Bankgeschäft von Fromberg u. Co., ist der Schwager der Angeklagten. Auch er weiß, daß die Angeklagte, ehe sie zur Prinzessin Amalie kam. ein Vermögen von 79 500 Mark besessen habe, er habe sie aber nie gefragt, woher es stamme. Er bestätigt. daß er das Geld habe anlegen sollen, es aber wegen der Differenzen wieder zurückgegeben habe. Wenn die Prinzessin in Berlin war, seien sie fast täglich mit ihr zusammengewesen. Eines Tages im Monopol-Hotel hat die Prinzessin ihn gefragt: Wie gefällt Ihnen die Brosche, die ich Ihrer Schwägerin geschenkt habe?— Da Fräulein Milewski die Brosche nicht anhatte, hatte sie sie auf ihre Bitte anlegen müssen und wir haben sie bewundert. Wir haben uns dann noch bedankt durch einen Handkuß. Es fehlte in der Brosche ein Stein, den die Prinzessin einsetzen lassen wollte. Sie wollte der Angeklagten auch noch eine andere Brosche, die sie selbst trug, zum Geburtstag schenken. Beide Brosche» scheinen sich unter den angeblich gestohlenen zu befinden. Die Prinzessin sagte auch, sie habe sich 16 000 M. von der Angeklagten geliehen. die sie zurückzahlen wolle. Da die Angeklagte dann noch für die Prinzessin 36M M. Miete nach Pau schicken mußte, so sei die Schuld also auf IL MO M. angeschwollen. Die Angaben seiner Frau be- züglich des Tecserviccs und der Kleider, die sich die Prinzessin auf dem Namen seiner Frau für 18M M. habe machen lassen, seien richtig. Justizrat W r o n k e r: Halten Sie sich vielleicht gesagt, daß die 80 ML M. aus Beziehungen herrühren tonnten, die es Ihnen ver- boten, indistreterweise nach dem Ursprung zu fragen?— Zeuge: Jawohl.— Bert.: Hat Ihnen Ihre Schwägerin jemals eine größere Summe Geldes geschenkt?— Zeuge: Nein!— Bert.: Hat die Prinzessin nicht erklärt, daß sie der Angeklagten ihre ganzen Schmucksachen verpfändet habe bis zur Zurückgabe des Geldes?— Zeuge: Jawohl, die Prinzessin hat auch einmal einen Brief an meine Schwägerin geschrieben, in dem sie um 20 Mark bat für die Wäsche, da sie keine Mark bares Geld besitze. Rechtsanwalt Dr. Gräfe überreicht einen Brief der Angeklagten aus Paris an ihren Schwager. Sie spricht darin von einer Perlennadel, die sie in Paris gekauft hat. Aus einer Depesche der Angeklagten, kurz vor ihrer Verhaftung, verliest der Verteidiger eine Stelle, die dahin geht, daß die Glowes keine Angst haben sollten, denn sie sei sich keiner Schlechtigkeit bewußt. Der Verteidiger verweist ferner darauf. daß alle Briefe der Glowes an die Angeklagte an„Fräulein Anna Milewski" adressiert seien. Zeuge Fritz Glawe, der Bruder des Vorzeugen, macht mit diesem übereinstimmende Aussagen. Der Zeuge ist seit 14 Jahren in einem ersten kaufmännischen Geschäft angestellt. Kammerherr von Blumcnthal ergänzt noch seine gestrigen Bekundungen dahin: Die Angeklagte sei bei ihrer Wegbeförderung aus Kairo mit aller Rücksicht bc- handelt worden. Er habe auch keinerlei Absicht gehabt, Strafanzeige zu erstatte», um die 73 jährige Prinzessin nicht aufzuregen. Auch nach dem Tode der Prinzessin habe er nicht diese Absicht gehabt, trotz der Un- Wahrheiten, die die Angeklagte in den Zeitungen verbreitete. Als er festgestellt hatte, daß die Perlen in dem Kollier falsch waren. habe er die Prinzessin gefragt, wo die echten hingekommen sein mögen. Die Prinzessin habe sich erinnert, daß sie die Pcrlenschnüre einmal bei einem Juwelier zum Neuaufziehen der Perlen gegeben habe. Da es sich um ein Haus ersten Ranges handelte, sei jeder Verdacht nach dieser RiDstung hin hinfällig. Dann seien die Ge- danken der Prinzessin wieder zur Mielewski hinüberaeschweift und sie habe gesagt:„Sie war ja furchtbar leichtsinnig, aber so schlecht. daß sie die Perlen vertauschte, war sie doch nicht!" Als Zeuge und Sachverständiger wird der Hofjuwelicr Dr. Leopold Schröder vernommen. Er erklärte, er selbst wisse persönlich nichts, ein Angestellter habe ihm erzählt, daß die Prinzessin Amalie von Schleswig-Holstein jenes Brillant-Rubinschlotz zum Umarbeiten geschickt habe.— Die Angeklagte bemerkt hierzu, sie habe mit diesem Wertstück absolut nicht- zu tun. Es sei ihr allerdings bekannt, daß die Prinzessin einmal ein derartiges Schloß habe umarbeiten lassen. Der Zeuge Schröder müsse sich aber daraus besinnen, daß dieses umgearbeitete Wert- stück an die Prinzessin selbst nach Kiel in einem Einschreibebrief nachgesandt worden sei. Der Z�uge kann sich jedoch hierauf nicht mehr besinnen. Als Sachverstandiger erklärt Dr. S.. nachdem ihm die Schmucksachen vorgelegt worden sind, daß wenige Schmuck- fachen einen größeren Wert haben. Jenes Perlenhalsband, welches angeblich aus der dänischen KönigSfamilic stammen sollte, sei eine sogar ziemlich schlechte Imitation, die so gut wie wertlos sei. er selbst wolle sie nicht geschenkt haben. Er sei sehr erstaunt darüber, daß nicht die Prinzessin selbst die sehr plumpe Imitation erkannt habe. Gänzlich ausgeschlossen erscheine es ihm, daß der Schmuck, so wie er jetzt vorliege, ein Präsent der Königin von Dänemark gewesen sein, und daß diese jedem Laien erkenntliche Imitationen aus einem königlichen Familicnschatz stammen könnten. In eingehender Weise plädiert der Staatsanwalt für eine Gefängnisstrafe von einem Jahre und sechs Monaten. Die Verteidiger verlangen Freisprechung. Die Angeklagte zum legten Wort verstattet, bemerkt noch: Alles, was gegen sie vorgebracht werde, sei unhaltbar und beruhe teilweise auf Er- fiuduna. Wenn die Prinzessin Amalie nur noch 6 Wochen länger gelebt hätte, würde sie. die Angeklagte, nicht hier sitzen. Der frühe Tod der Prinzessin habe sie der Möglichkeit beraubt, nur ein einziges Mal sich in Gegenwart der Prinzessin zu verteidigen. Sie habe Herrn von Blumenthal gegenüber wiederholt betonte daß sie der Prinzessin gegenüber gestellt werden möchte. Daß dies nicht geschehen, sei Schuld der ägyptischen Re. gierunq und des Kammerherrn von Blumenthal. Sie sei vollständig unschuldig, Nach längerer Beratung ergeht da» Urteil dahin: Bezüglich der zur Anklage stehenden 20 Schmucksachen habe die Angeklagte sofort erklärt, daß 15 Sachen ohne weiteres aus- zuscheiden haben, da sie zweifellos der Prinzessin gehören und nur aus Irrtum unter ihre Sachen gekommen sein können. Verdächtig ist zwar, daß sie zu einer Zeugin gesagt hat: Alle diese Sachen habe sie von ihrer Großmutter geerbt. Sie hat die Sachen auch getragen, daraus folgt aber noch nicht, daß sie sie sich rechtswidrig aneignen wollte. Was die übrigen in Frage stehenden Sachen betrifft, so behauptet die Angeklagte, daß sie die große und die kleine Brosche von der Prinzessin geschenkt erhalten habe, während die Prinzessin einen Monat vor ihrem Tode erklärt hat, daß dies nicht der Fall sei. Wenn die Prinzessin nun auch geistig frisch gewesen sein mag, so war sie bei ihrer Vernehmung doch körperlich sehr krank, sie hatte sich von der Angeklagten sehr schwer getrennt und statt ihrer war nun der Herzog Ernst Günther bei ihr und stellte an sie eine Reihe Fragen. Es sei nicht ausge- schlössen, daß sie sich geirrt hat. Tatsache ist doch auch, daß die Angeklagte diese Sachen in Gegenwart der Prinzessin getragen hat, wie die Photographien erweisen. Das Gericht hat also nicht für widerlegt erachtet, daß ihr diese Sachen geschenkt worden sind. Dasselbe ist mit den übrigen Gegenständen der Fall. Bc züglich der birnenförmigen Perle an einer Nadel liegt der sehr dringende Verdacht vor, daß diese Perle ursprünglich nicht zu der Nadel gehört, sondern von einem Ohrringe der Prinzessin stammt. Anderseits hat aber die Angeklagte schon in einem Briefe aus Paris davon gesprochen, daß sie auf der Ausstellung eine solche Perle erstanden babe. Was das Perlenkollier betrifft, welches, wenn es aus echten Perlen bestand, einen Wert von 60— 100 000 M. gehabt hätte, so mag zugegeben werden, daß die Prinzessin früher im Besitz eines solchen echten Kolliers gewesen sein mag. Ob aber dieses Perlenkollier identisch ist mit demjenigen, welches die Zeugin Paul im August 1900 gesehen hat und als echt erkannt haben will, steht dahin. Außerdem hat eine glaubwürdige Zeugin bekundet, daß ihr d i e P ri n z e s s i n die hier frag- lichen Perlen selb st als„römische" bezeichnet und das Bedauern hinzugefügt hat, daß sie nicht echt seien. Es fehlt jeder Anhaltspunkt dafür, daß die Angeklagte die Perlen umgetauscht hat. Aus diesen Gründen ist der Gerichtshof zu einem von liouet gekommen und hat auf Freisprechung erkannt. » So hat denn der sechs Jahre lange Prozeß endlich, wenigstens in erster Instanz, ein Ende gefunden, das ohne das eigenartige Vorgehen in Kairo wohl schon vor fünf Jahren eingetreten wäre. Trotz aller Bemühung, allein die Kriminalsache zu behandeln, hat die Angelegenheit auf eigene Ansichten in„hohen Kreisen" ein bezeichnendes Licht geworfen. Soziales. „Wohlfahrtseinrichtungcn" der I. C. G. A. Ein eigenartiges Dokument für die Art kapitalistischer Wohlfahrtseinrichtungen liegt uns in einer Bekanntmachung der Direktion der I. C. G. A.(Englischen Gasanstalt) vor. Wir geben den Wortlaut der diesbezüglichen Bestimmungen wieder. Bekanntmachung. Die Gesellschaft hat beschlossen, in Zukunft Arbeitern welche in ihrem Betriebe arbeitsunfähig werden, schon nach lOjährigem ununterbrochenen Dienst und bei einem Lebensalter von mindestens 30 Jahren eine Versorgung i n A u s s i ch t z u st e l l e n. Jeder derartige Fall wird eingehend geprüft werden und es � wird, wenn eine Unterstützung gerechtfertigt erscheint, eine Pension oder eine einmalige Abfindung gewährt werden. deren Höhe sich nach dem Grade der durch ein ärztliches Zeugnis festzustellenden Erwerbsunfähigkeit bestimmt. In derselben Weise wird auch für die Witwen der Arbeiter gesorgt werden, sofern die Verstorbenen zur Zeit ihres Todes min- bestens.10 Jahre ununterbrochen in Diensten der Gesellschaft stehen und ein Lebensalter von mindestens 30 Jahren haben. 'Berlin, im März 1907. Unterschrift. Die Arbeiter der Englischen Gasanstalten haben alle Ursache, diese neue Wohlfahrtseinrichtung auf ihren wahren Wert zu prüfen. Der Absatz 2 der Bekanntmachung stellt es vollständig in das Belieben der Verwaltung, wer der Wohltat der Unterstützung teilhaftig werden soll. Jede bestimmte Angabe über die Höhe und über ein Anrecht auf diese Unterstützung fehlt. Eine der- artige unklare Fassung hat für die Arbeiter keinen Wert. Sie erweckt unwillkürlich die Auffassung, als soll sie auf die Arbeiter eine einlullende Wirkung ausüben. Eine derartige„Wohltat" im Augenblick, wo die GaSarbeiter sich ernstlich um die Verbesserung ihrer Lage beschäftigen, kann diese Äsiffassung nur bestärken. Der Arbeiter �will keine sogenannten Wohltaten, die ver- schwinden, wenn man nach ihnen greifen will, sondern klare, faß- bare Rechte. Die Arbeit in den Gasanstalten gehört zu den an- strengendsten und gesundheitsschädlichsten. In bezug auf Höhe der Krankheits- und der Sterblichkeitsziffer stehen die GaSarbeiter an zweiter Stelle, trotzdem bei Einstellung von Arbeitern sorgfältig darüber gewacht wird, nur jüngere, kraftige Leute zu bekommen. In verhältnismäßig kurzer Zeit ist der Arbeiter aufgebraucht. Hat die Verwaltung dies erkannt und meint sie es aufrichtig mit der Erfüllung ihrer sozialen Pflichten, so gebe sie den Ar- beitern ein festes Anrecht auf diese Versorgung. Konsumgenossenschaft mit Betriebskapital. Eine beachtenswerte Vorsicht hat die Konsumgenossenschaft „Vorwärts", die in Bremen am 2. Mai ihre Verkaufsläden eröffnen soll, bei ihrer Gründung beobachtet. Bevor ein Laden eröffnet und ein Hering verkauft ist, haben sich bereits über 6000 Arbeiter als Mitglieder einzeichnen lassen und dafür Sorge getragen, daß die Genossenschaft mit einem Betriebskapital von über 3 0 0 0 0 Mk. den genossenschaftlichen Kampf gegen die Ausbeutung der Konsumenten aufnehmen kann. Auf Grund dieses für ein neues Unternehmen außergewöhnlich hohen Mit- gliederbestandes und der günstigen finanziellen Grundlage ist der Verwaltung die Möglichkeit gegeben, mit der gleichzeitigen Er- öffnung von 8 Verkaufsstellen den Anfang zu machen. Die Konsumentenorganisation in Bremen wird durch das reaktionäre Verhalten der Bremer Bäckermeister noch wesentlich gefördert werden. Diese haben der Forderung der organisierten Bäcker- gesellen auf Abschaffung des Kost- und Logiswesens den hart- näckigsten Widerstand entgegengesetzt. Wenn in Bremen höhere Brotpreise bestehen wie in anderen Städten, beispielsweise in Hamburg, so ist das mit darauf zurückzuführen, daß man in Hamburg bereits mit dem Kost- und Logiswcsen gebrochen hat, während es in Bremen bis heute bestand und die Anzahl der Bäckereien in unverantwortlicher Weise vermehrte. In welchem Umfange das geschehen ist, zeigt die Tatsache, daß in Bremen auf 591 Einwohner eine Bäckerei kommt, während das in Hamburg erst bei 2500 Einwohnern der Fall ist. Wenn diese ungesunde EntWickelung im Bremer Wirtschaftsleben in den nächsten Jahren in andere Bahnen gelenkt wird, dann wird auch die„Konsumgenossenschaft Vorwärts" zum Nutzen der Be- völkerung bis zu einem gewissen Grade dazu beigetragen haben. Die Sozialpolitik des Nürnberger RathausfreisinnS hat wieder einen großartigen Triumph gefeiert. Im vorigen Jahre gründeten eine Anzahl Aerzte einen Verein zur Bekämpfung der Tuberkulose, dessen erste Tat die Errichtung einer Fürsorge- und Beratungsstelle für Lungenkranke war. Die hervorragendsten Aerzte Nürnbergs stellten diesem Institut ihre Dienste vollkommen unentgeltlich zur Verfügung. Die nicht unbedeutenden Kosten müssen ganz durch freiwillige Beiträge ausgebracht werden. U. a. hat auch das Arbeitersekretariat sich verpflichtet, einen jährlichen Beitrag von 2 00 M. zu leisten. Nach langen Bemühungen ist es nun auch gelungen, die Errichtung eines Wald- erholungsheims zu sichern, wodurch die Kosten natürlich bedeutend höher werden. Der Verein wendete sich nun an den Magistrat mit der Bitte, einen jährlichen Zuschuß von 10 000 Mark zu gewähren, und bemerkte dabei, daß die Stadt die Ver- pflichtung habe, das Unternehmen zu unterstützen. Damit forderte er jedoch die Entrüstung der hochmögenden Herren heraus. Der Magistrat erklärte durch den Mund des zweiten Bürgermeisters, daß er diese Verpflichtung entschieden ableugne. Heuer erhielt der Verein gar nichts, aber im nächsten Jahre will man einen Zuschuß gewähren, doch ohne Anerkennung einer Verpflichtung. Die Politik der Almosen ist die Sozialpolitik dieser Körperschaft, wie überall, wo die Häuptlinge des liberalen Blocks den Ton angeben. Volksschulelend in Pommern. Wie trübe es in Pommern mit der Schulbildung des Nach- wüchse? noch aussieht, dürften die nachfolgenden Zahlen beweisen. In der Umgegend von Naugard besteht schon seit Jahren eine geradezu unglaubliche Ueberfüllung der Volksschulen. So werden in Groß-Sabow 112, in Farbezin 105, in Rothenfier 104, in Lasbeck 100 und in Voigtshagen 97 Kinder von je einem Lehrer unter- richtet. In Groß-Sabow entfielen auf den einen Lehrer schon seit25Jahren regelmäßig über 100 zu unterrichtende Kinderl Jetzt soll endlich durch Einrichtung einer zweiten Schule Abhülfe geschaffen werden. Daß in einem solchen Torado die Bezahlung der Lehrer ähnlichen Verhältnissen unterliegt, läßt sich denken. Für ihre Kulturarbeit bezogen dieselben bis vor nicht allzu langer Zeit ein Grundgehalt von 900 Mart und 100 Mark AU«rs- zulage. Diese Sätze sind erhöht loorden auf 1100 M. bczw. 120 M. In den meisten Hommerschen Kleinstädten aber wird noch immer ein Grundgehalt von 1V00 M. und 120 M. Alterszulage als ausreichende Besoldung angesehen. Die Petitionen der Lehrer haben fast gar keinen Erfolg gehabt; man vertröstet sie auf die Revision des Lehrerbesoldungsgesetzes.— Wieviel Lehrer ließen sich leider bei den Wahlen als Treiber für die gegen Besserstellung der Lehrer und Schule gerichtete konservativ- liberale Paarung mißbrauchen! Hus Induftm und Handel. War es Herr Jacobs? Der Vorfitzende des Vereins Berliner Kaufleute und In» duftricller, Herr Emil Jacobs, will nicht die Anregung zu der Frage der der Weltausstellung gegeben haben. Das stimmt insoweit, als er nicht die Frage angeregt hat. sondern angeregt hat. die Initiative in dieser Sache zu ergreifen. In dem von Herrn Jacobs unter- zeichneten Protokoll der Vorstandssitzung des Vereins am 24. März heißt es wörtlich: „Der Vorsitzende regt sodann an, in Sachen einer Berliner Weltausstellung die Initiative zu ergreifen und die maßgebenden Instanzen in einer Resolution aufzufordern, dem Plane näher- zutreten. Der m—----«r»�— beb zweifellos beseitigt sein wird, weist darauf hin, daß sich aktiv beteiligen werden und hebt schließlich die Bedeutung einer Ausstellung für die Stadt Berlin hervor." In der Diskussion wurde die Frage eingehend erörtert. Da die Debatte auch sonst noch Interesse hat, geben wir diese ebenfalls zur Kenntnis: „Herr Mosse wünscht Milderung einzelner Punkte der vor- geschlagenen Resolution; Herr Meissmann weist aus die schlechte Börsenlage hin und bezeichnet den jetzigen Zeitpunkt als nicht günstig. Herr Mosse und der Vorsitzende teilen diese Bedenken nicht; letzterer weist auf die Beruhigung hin, die der Beschluß einer Weltausstellung auf dem Gebiete der internationalen Politik im Gefolge haben werde. Herr Dr. Noah ist der Ansicht, daß dem Rückgang der Börse ein Rückgang der Industrie folgen werde und die große Industrie Gegner einer Weltausstellung seL Herr Schmidt hält es für notwendig, gleich zu einem Beschlüsse zu kommen, damit sich Frankreich jetzt schon erkläre, ob es 1911 eine Weltausstellung veranstalten wolle. Herrn Dr. Waldschmidt wert. Der Vorsitzende erwidert, daß die Argumente in 14 Tagen sich nicht ändern/ Wer heute für Fachausstellungen und gegen Kopie früherer Weltausstellungen, sondern die Mitte halten zwischen Fach- und Weltausstellung. Auch Fachausstellungen wie die in Düsseldorf feien schon dazu übergegangen, andere Gebiete hinzuzuziehen. Der Verein aber fei als die berufene Vertretung der Kaufleute und Industriellen verpflichtet, zu dem aufgetauchten Plane sofort Stellung zu nehmen. Herr Meisemann weist darauf hin, daß man in Paris und Europa ausstellungS» müde sei und tritt für Fachansstellungen ein. Herr Dr. Koppel hält es für ein Gebot der Tatttk, jetzt mit einem Beschlüsse hervor» zutreten, da sonst zroeifelsohne andere Korporationen dem Verein zuvorkommen würden und führt aus, daß, wenn der Verein passiv bleib'e, dem Weltansstellungsgedanken von vornherein die treibende Kraft entzogen sei. Herr Dr. Waldschmidt hat Bedenken gegen 1913 und der Vorstand beschließt demgemäß, die JahrcS- angabe wegzulassen. Schließlich gelangt der Vorschlag des Vor» sitzeirden, mit dem Zentralausschuß zusammen in einer dem Welt. ausstellungsgedankcn günstigen Resolution Stellung zu nehmen, einstimmig zur Annahme."_ Eiukilo- Postpakete. Heber Einführung eines Paketes von einem Kilo berichtete tn der letzten Sitzung der Kölner Handelskammer Herr Dr. Horn. Die „K. V.-Ztg." berichtet darüber: Der Verband reisender Kaufleute Deutschlands hat beim Reichspostamt die Einführung eines Paletes von einem Kilo mit dem Frachtbetrage von 30 Pf. für alle Zonen ohne Begleitadresse und ohne Bestellgeld beantragt und die Handels- kammer um Unterstützung gebeten. Von vielen Postverwaltungen ist das Bedürfnis nach einer besonderen Vorstufe für leichtere Pakete bereits anerkannt worden, so in Oesterreich-Ungarn, Württemberg. der Schweiz. Dänemark. Holland. Der deutsche Paketportotarif kennt dagegen nur eine untere Gewichtsgrenze von 5 Kilo); alle weniger wiegenden Pakete werden wie Pakete von 5 Kilo bewertet. Die Verwaltung der Reichspost veranstaltet schon seit vielen Jahren Erhebungen über den Prozentsatz der Pakete von einem Kilo im gesamten inneren Paketvcrkehr; danach entfielen z. B. im Jahre 1905 12.5 Proz. aller Pakete ohne Wertangabe aus die Pakete bis zu einem Kilo Gewicht. Der VerkehrSanSschuß der Kammer hat min diese Frage wiederholt beraten und sich im Grundsatz für die Einführung deS Pakets von einem Kilo aus- gesprochen. Er hält aber eine Abstufung der Portotaxe für Pakete von einem Kilo(1. Zone 15 Pf., fönst 30 Pf.) zweckmäßiger, da ja schon jetzt innerhalb der 1. Zone(bis 75 Kilometer) die Gebühr für Pakete von 5 Kilo nur 25 Pf. kostet. Auf eine Ersatzpflicht der Post müßte für die Pakete von einem Kilo freilich verzichtet werden, da nach dem Fortfall der Begleitadresse jede Möglichkeit einer Auf- ficht fehle. Die Frankierung hätte durch Aufkleben von Marken auf das Paket selbst zu geschehen. Bestellgeld dürfte nicht erhoben werden. Jedenfalls würde die Einführung eines Paketes von einem Kilo für den gesamten Handel und Berkehr so erhebliche Vorteile bringen, daß demgegenüber die etwa.vorhandenen technischen Be- denken der Poftverwaltung zurücktreten müssen. Die Handelskammer wird in diesem Sinne selbständig vorstellig werden. „Lediglich"— aber„auch". In einer Notiz im„B. B. C." über das letzte Quartalsergebnis der Gewerkschaft.Ewald" bei Herten lesen wir: .... Wie schon im letzten Quartale de? Vorjahres ist das ungünstige Ergebnis auch dieses Quartals lediglich durch die stetig anhaltende Sleignng der Löhne und durch die aus sinkender Leistung herrührende Minversördermrg hervorgerufen. Auch hatte die Zeche in den Monaten Januar und Februar noch andauernd unter starkem Wagenmangel zu leiden, wodurch ebenfalls der Be- trieb erheblich erschwert und belastet wurde." Also„lediglich" durch Lohnerhöhungen, aber„auch" durch Wagenmangel wurde das finanzielle Ergebnis beeinträchtigt. Nach dieser klaren, präzisen Beweisführung wird natürlich niemand mehr daran zweifeln, daß man nach Begründungen für eine nicht erweis- lich wahre Behauptung sucht. Bankrott. DaS Bankhaus Graser und Müller hat die Zahlungen eingestellt. Die Inhaber sind verschwunden. Das Defizit soll 200 000 M. betragen. Arbeiterentlassung. Wie die„FraNkf. Zeitung" auS New Dork berichtet, hat die Western Elertric Company in den letzten Wochen insgesamt 5000 Arbeiter entlassen. Für de» Inhal« der Juierate »bernimuit die Redattion dein Publikum gegenüber(einerlei Berautwortiing. Cbcater. Donnerstag, de» 25. April Ansang T'/j Uhr. Kgl. Opernhaus. DaS war ich. Bajazzi. Kgl. Schauspielhaus. Die Raben steinerw. Neues tgl. Opcrntheater. Ge> ®eu«Wc«. Robert und Bertram. Kammerspiele: Der Trompeter von Säckingen.(Ansang 8 Uhr.) Lesfing. Die Stutzen der Gesellschast. Lortzing. Opernaufsuhrung. Stern« sches Konjervatorium. Ansang 8 Uhr. NeueS Schauspielhaus. Weh' dem, der lügt. Berliner. Der Hund von BaSkervMe. SNitlter O.(Wallner- Thealer.) TraumuluS. Schiller-Dhearer Charlottenburg. Heimat. Schiller N.(Frledrich Wllbelni- städttsches Theater.) Am grünen Weg. Komische Oper. Neugierige Frauen. Zentral. Wiener Blut. TSefte«. Die lustige Witwe. Kleines. DaS Kuckucks«' Neues. Der Dieb. Siestdenz. Haben Sie nichts zu verzollen? LuftspielbauS. Husarenfieber. Deutsch-Slineriknuisches. Mamzelle Nitouche. Dhalia. Wo die Liebe HInsSM. Luisen. Eine offizielle Frau. Xriauou. Frl. Jojette— mewe Frau. Bernhard Rose. DerTrompetervon Säckingen. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Gebr. Herrnfeld. Ein verrücktes Hotel Wintergarten. Eleo de Märode. Spezialitäten. Apollo. Der Triumph des Weibes. Spezialitäten. Kasino. Nick Carter. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Falles Capricc. Eine Nacht in der Apotheke. Im JnspemonS- zimmer. Intimes. Eine vom Ballett.— Zapfenstreich. Palast. Spezialitäten. Passage. Mal was Ander eS. Epe- zialiläten. ReichShallen. Stettin« Sänger. Urania. laubenstrahe 4H/49. 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Ref.: Robert Schmidt. Diskussion und Verschiedenes. Das Erscheinen der Mitglieder ist bei der Wichtigkeit der Tagesordnung besonders erforderlich. Der Zutritt ist nur gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte gestattet. 228/18 Der Vorstand. I. Vertr.: G. Winkler. P der Kürschner und verwandten Gewerbe zu Berlin. Montag, den 29. April cr.. abends 8 Uhr, in der Brauerei Bötzow, Prenzlauer Allee 242-247:: Ordentliche General- Versammlung der Delegierten. Tages- Ordnung: 1. Ver lesung des Protokolls. 2. Jahress bericht und Bekanntgabe der Restanten. 3. Bericht der Revisoren. 4. Erhöhung der Beiträge und Eintrittsgelder. 5. Gehaltserhöhung für zwei Kaffens angestellte. 6. Aenderung des§ 49 ( Anderweitige Festsehung der Dele giertenzahl). 7. Kaffenangelegenheiten. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen ist dringend notwendig. Die zugesandte Einladung legitimiert. Der Vorstand. Fr. Grandel, Borsigender. 273/16 = Orts- Krankenkasse der Klempner. Am Donnerstag, 2. Mai cr., abends 8 Uhr, findet im Gewert schaftshause, Eugel- lifer Nr. 15, Saal 7, eine Außerordentliche Saisonkarten à 6 Mark General- Versammlung für den Besuch der 31/ 7* Großen Berliner Kunstausstellung 1907 und des Landesausstellungsparkes Verkaufsstellen: Pförtner des Ausstellungsparkes( kleine Pforte, Alt- Moabit), Thormayer, Zigarrengeschäft, Königgrätzerstr. 129, 12 Filialen der Zigarrenfabrik J. Neumann. Eröffnung: Sonnabend, den 27. April 1907. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Die Ausgesperrten- Versammlung findet heute nicht statt. 85/9 BERR COMMERZIENRAT SABEN SJE BESTE Qualitat BANZ S die Güte zu prüfen, ob die Marke SALAMANDER elegante vornehme Stiefel für Damen u. Herren zum Einheitspreise von 12.50 Mk. Luxus- Ausführung 16.50 Mk. eine her0000 vorragende Leistung ist, 0000 ob der Salamander- Stiefel in Bezug auf Eleganz und welches Leder den Anforderungen entspricht, die in der guten Gesellschaft an einen Stiefel gestellt werden? 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Er enthält 352 Bilder und Dokumente aus der Zeit und eine Beilage. Preis broschiert 5 M., in Leinen geb. 7 M., in Halbfranz geb. 8 M. Expedition des„ Vorwärts", Berlin SW., Linden- Straße 69, Laden. der Vertreter derKaffenmitglieder und Arbeitgeber unserer Staffe ftatt. Tages- Ordnung: Fortsetzung über Regulierung ber Beamtengehälter. Der Vorstand. 1876 Orts- Krankenkasse der Gürtler. Bu der am Sonntag, den 28. April, vormittags 10 Uhr, im Märkischen Hof, Admiralstr 180, stattfindenden Ordentlichen General- Versammlung werden die Herren Vertreter der Arbeitgeber und der Kaffenmitglieder hiermit ergebenst eingeladen. Tages Drdnung: 1. Bericht der Reviforen und Abnahme der Jahresrechnung.. 2. Verschiedenes. Berlin, den 25. April 1907. Der Vorstand. 1965 G. Kneiff, Borsigender. InvalidenUnterstützungskasse der Gürtler. Sonntag, den 28. April, vormittags 11, Uhr, im Märkischen Hof, Abmiralftr. 180: Ordentliche General- Versammlung. Zages- Ordnung: 1. Bericht der Revisoren und Abnahme der Jahresrechnung. 2. Berschiedenes. Berlin, den 25. April 1907. Der Vorstand. Adolf Heller, Borsitzender. Siefahren gut L init 1975 Dr. Cratos Backpulver Puddingpulver Stra mann@ eyer etc Knusperchen- Fabrik Bielefeld Generalvertreter für Berlin: Alfred Hirsch, Augsburgerstr. 1 W. 30, Telephon Amt VI, No. 5787. Berantwortlicher Rebatteur: Hans Weber, Berlin. Für den Anferatenteil verantwo.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SWL Ii. 96. 24. Jahrgang. 3. SkilM des„flormrirtö" Sffliiitr WliMM Donnerstag, 25. April 1907. Berlin im Bericht der Gewerbe- infpektoren. In mehrfacher Beziehung spiegeln günstige Berichte der Gewerbe- infpektoren den Grad der wirtschaftlichen Konjunktur; sie lassen das Anwachsen der Arbeitskräfte im Bezirke erkennen, teilen mit, welche Aenderungen im Arbeitsverhältnis eingetreten sind, und geben manchen Fingerzeig zur Beurteilung der sozialen Verhältnisse. Im Landespolizeibezirk Berlin, umfassend die Städte Berlin, Charlottenburg, Schöneberg und Rixdorf, stieg die Zahl der revisionspflichtigen Betriebe von 13 646 mit 285 915 Arbeitern im Jahre 1965 auf 14 924 Anlagen mit 311915 Arbeitern im Jahre 1906. Die Aufsicht ist durchaus unzureichend. Wie der berichtende Aewerberat mitteilt, konnte im Berichtsjahre die Aufsicht erheblich ausgedehnt werden, weil der Jnspeklion zeitweilig eine größere Zahl Hülfsarbeiter überwiesen worden sind. Die Revisionen sind denn auch von 39,1 Proz. der Anlagen mit 72,2 Proz. der Ve- schäfkigten auf 43,2 Proz. der Anlagen mit 79,9 Proz. der Be- schäftigten gestiegen; aber mit diesen Ziffern bleibt Berlin noch weit hinter dem Durchschnitt Preußens mit 49,7 Proz. revidierter An- lagen zurück. Von 2991 Anlagen, die nicht zu den Fabriken usw. gehören, wofür aber besondere Bestimmungen erlassen sind, wurden nur 251 revidiert. Leider kann der Gewerberat über die Gesamtzahl der im Aufsichtsbezirk beschäftigten Kinder Angaben nicht machen. Die Zahl der beschäftigten Jugendlichen hat um 1635, die der erwachsenen weiblichen Arbeitskräfte um 7974 zugenommen. In der folgenden Tabelle geben wir für die Jahre 1965 und 1966 eine Uebersicht über den Anteil der Kinder, der Jugendlichen, der er- wachsenen Arbeiterinnen und der erwachsenen Arbeiter an der Gesamtzahl der Beschäftigten. In den Fabriken und gleichgestellten Anlagen wurden beschäftigt: ■. Erwachsene Arbeiterinnen Junge Leute Kinder ■ männliche überhaupt 9rrf,„;t„. 285 915 311915 Arbeiter 178 655 194 973 über von unter 16 Jahre 14-16 Jahren 14 Jahren 96 265 16 956 45 98 239 18 635 68 1965 1966___ Zunahme 26 066 16 318 7 974 1 685 23 Ueber Lohnverhältnisse kann der berichtende Beamte weiter nichts mitteilen, als daß ihm 46 Vereinbarungen über Lohntarife bekannt geworden sind. Dafür erfahren wir aber, daß die Zahl der Pensions- und Unterstützungskassen zugcnomiuen hat. Auch die Zahl der Fabriken, die den Arbeitern Urlaub gewähren unter Fortzahlung des Lohnes, hat zugenommen; die Firmen werden nicht bekannt gegeben. Die Verkürzung der normalen täglichen Arbeitszeit hat nach dem Bericht weitere Fortschritte gemacht; in manchen Industrien sei eine Arbeitsdauer von neun Stunden und weniger schon fast allgemein üblich geworden. In großen Gasanstalten arbeiten die Ofenleute vielfach in drei achtstündigen Schichten. Betreffs der Kündigungsfristen konstatiert der Bericht sowohl bei den Arbeitern als auch bei den Unternehmern die Neigung, die Kündigungsfristen abzukürzen oder ganz aufzuheben. Die letzteren wünschen größere Beweglichkeit, um sich dem Wechsel der Konjunktur schneller anpassen zu können; die Arbeiter wollen durch lange Kündigungsfristen nicht daran gehindert sein, sich ihnen bietende Gelegenheiten, die Arbeitskraft bester zu verwerten, aus- zunutzen. Die sozialen Kämpfe hielten sich in ziemlich beschränktem Rahmen, sieht man von den Aussperrungen aus Anlaß der vor- jährigen Maifeier ab. An diesen Aussperrungen, die sich auf die Dauer von 1—12 Tagen erstreckten, waren 366 Betriebe mit 25 857 Arbeitern beteiligt. Von dem Kampf im Lithographengewerbe wurden 20 Betriebe mit 2300 Arbeitern betroffen. Die Aussperrung dauerte elf Wochen, die Höchstzahl der gleichzeitig Ausgesperrten 766. Bei den bekannt gewordenen 1399 Ausständen waren insgesamt nur 13 278 Personen beteiligt; zirka 36 Proz. der in den betreffenden Betrieben Beschäftigten. Ein trübes Kapitel ist das über Gefahren für Gesundheit und Leben. Den Aufsichtsbeamten wurden 18 747 Unfälle<332 mehr als im Vorjahre) gemeldet; mithin pro 1060 Beschäftigte 60 Un fälle. 53 Unfälle hatten den Tod dcS Verletzten im Gefolge. Und der Beamte kann die Tatsache nicht unterdrücken, daß oft gröbliche Nachlässigkeit der Unternehmer die Unfälle verschuldet. Als„un gewöhnlich hoch" wird die Zahl(73 gegen 37 im Jahre 1905) der an Fahrstühlen sich ereigneten Unfälle bezeichnet und dazu bemerkt: «Die Ursachen dieser Unfälle liegen vielfach in der aachlässigen Unterhaltung lind Wartung der Aulagen, der schlechten Kon- siruktion der Türverschlüsse, dem Versagen der Fangvorrichtungen, der Abwickelung der Lastseile beim Festhängen des Fahrkorbes usw.... Bestrafungen von Gewerbeunternehmern wegen Nicht- befolgung behördlicher Anordnungen zum Schutze gegen Unfall- gefahren sind mehrfach notwendig gewesen und erfolgt." In einem Falle kam ein Arbeiter zu Tode, weil ihm befohlen war, während des Betriebes den Boden des Aufzugschachtes zu reinigen. Er wurde von dem niedergehenden Korbe erdrückt I Der Betriebsleiter wurde zu zwei Monaten, der Fahrstuhlführer zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Durch Einatmen giftiger Dämpfe sind mehrfach Arbeiter schwer geschädigt und getötet worden. ES wird von den Beamten beklagt, daß den Arbeitern vielfach immer noch daS erwünschte Verständnis für den Wert und die Bedeutung der Schutz- Vorrichtungen fehlt. Auf Antrag der Berufsgenossenschaften sind auch in mehreren Fällen Ordnungsstrafen in Höhe von 3 M. gegen Ge- hülfen und Lehrlinge erlaffen, weil sie vorhandene Schutzvorrichtungen nicht benutzt oder gar vollständig entfernt hatten. Der Beamte ver- schließt sich nicht der Erkenntnis, daß die Gleichgültigkeit der Arbeiter teilweise in der abstumpfenden, monotonen Beschäftigung und in der Akkordarbeit ihre Quelle findet; auch konstatiert er Ansätze einer besseren Wertschätzung der Unfallverhütungsvorrichtungen, was er auf die Tätigkeit der Arbeiterorganisationen zurückführt. Wie rücksichts- los einzelne Unternehmer sind, erhellt aus der Tatsache, daß die JnspektionSbeamten in mehreren Betrieben die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter au besonders gefährlichen Maschinen untersagen mußten. In einer Metallwarenfabrik wurden auf Veranlassung des JnspektionSbeamten Arbeiterinnen auS dem Schleif- und Polierraum entfernt. In mehreren Betrieben tonrde Ueber- füllung der Räume konstatiert. In einer ganzen Reihe Betriebe mußte die Einrichtung von Ankleideräumen für Arbeiterinnen an- geordnet werden, vielfach fehlte es an getrennten Ankleideräumen und Aborten für beide Geschlechter. Im Berichtsjahre wurden für 1469 erwachsene Arbeiterinnen 44 644 Ueberstunden genehmigt und für 1629 Arbeiter an 46 Tagen 7370 Stunden Sonntagsarbeit. Sehr groß ist wieder die Zahl der von den Beamten ermittelten Verstöße gegen Arbeitcrschutzgcsetze. Allein 164 Unternehmer wurden bestraft wegen verbotstvidriger Beschäftigung von Kindern. Es wurden„Strafen" festgesetzt von 66 M. bis hinab zu 1 M. 1 Wahrscheinlich weil es nur ganz kleine Kinder waren, gegen die man sich versündigt hatte. Ein bereits dreimal wegen Gewerbevergehen vorbestrafter Bäckermeister mußte die Gesetzesverachtung im vierten Falle mit 75 M. büßen, ein Kollege von der Schripppenmacherzunft, der zum 13. Male bestraft wurde, brauchte nur 45 M. zu zahlen. In 21 Betrieben wurde die verbotswidrige Beschäftigung von Arbeiterinnen an Sonn- abenden ermittelt. Als Sühne mußten die Gesetzesverüchter 3—56 M. zahlen. Die Ucbertretung der Gesetze hat den Leuten sicher viel mehr eingebracht, darum kann solche Strafe nicht schrecken. Zu denselben „hohen Strafen" wurden 182 Unternehmer und Betriebsleiter wegen unerlaubter SonntagSarbeit verurteilt. In nicht weniger als in 1378 Anlagen wurden Zuwiderhandlungen gegen die zumSchutzeJugendlickier erlassenen Gesetze und Verordnungen ermittelt und wegen dieser Vergehen insgesamt 252 Personen bestraft; Verstöße gegen die Schutzgesetze für Arbeiterinnen wurden in 1277 Anlage» ermittelt und 278 Personen wurden deswegen in Strafe genommen. Der Respekt vor den Arbeiterschutzgesetzen ist beim Unternehmertum noch sehr schwach entwickelt und die milde Beurteilung der Respektlosigkeit von den Gerichten dient eher dazu, diese zu erhöhen, als wie jenen zu stärken._ Partei- Angelegenheiten. Charlottenburg. Die Mitglieder des 5. Kommunalwahlbezirks werden nochmals auf die heute abend 81-2 Uhr im Volkshause stattfindende öffentliche Versammlung aufmerksam gemacht. Der Gruppenführer. FriedcrSdorf Mark, Cablow, Bindow und Umgegend. Sonntag den 28. April, mittags 1 Uhr, im Lokal von Pätcl, Friedersdorf, öffentliche Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag über die Notwendigkeit der politischen Organisation. 2. Diskussion. 3. Neuwahl des Vorstandes des Wahlvcreins Friedersdorf. Sämtliche Arbeiter und Parteigenossen werden dringend er- sucht, zu dieser Versammlung zu erscheinen. Nicdcrschönhausen. Die Wahlvcreinsmitglieder werden dringend aufgefordert, sich vollzählig an der Handzettel- Verteilung zur Gemeindevertreter wähl, die am heutigen Donnerstag abend 8 Uhr von den drei bekannten Lokalen aus stattfindet, zu beteiligen. Bezirk Waidmannslust. Der Wahlvcrein veranstaltet seine diesjährige Maifeier in Waidmannslust im Schweizerhäuschen (Dianastraße) bestehend in Konzert, Tanz und Festrede. Die Kaffeeküche steht den Genossinnen von 2 Uhr nachmittags ab zur Verfügung. Das Komitee ist bemüht, die Feier recht würdig zu gestalten und sind Billetts, deren Preis auf 16 Pf. festgesetzt ist, bei den Abteilungsführern und dem Obmann des Komitees Ge- nassen Scheck in Borsigwalde zu haben. Der Vorstand. Berliner JNaebnebten. Bon der Schuluot in Moabit. Eine Mietskaserne, die als Schulhaus dient, befindet sich auf dem Grundstück an der Ecke der Beusselstraße und der Straße Alt Moabit. Bereits vierzehn Jahre hindurch wird sie von der Gemeindeschulverwaltung benutzt. Doch jetzt bietet sich die Aussicht, daß die Stadtgemeinde dort endlich ein eigenes Schul- gebäude errichten muß. Der Mietsvertrag endet im Frühjahr 1969, das Wohnhaus wird dann sechzehn Jahre hindurch als Schulhaus gedient haben. Es ist nicht darauf zu rechnen, daß der Vertrag verlängert werden kann. Das Postamt, das auf demselben Grundstück unter- gebracht ist, dehnt sich immer mehr aus und braucht die Räume. Das ist ein Glück; denn sonst hätte diese als Schulhaus benutzte Mietskaserne eS wahrscheinlich noch„erlebt", daß sie ihr fünfund- zwanzigjähriges„Dienstjubiläum" feiern durfte, wie es im vorigen Herbst der Mietsschule in der Wcißcnburgerstraße beschieden war. Der Magistrat beantragt jetzt bei der Stadtverordnetenversamm- lung den Ankauf eines zwischen Alt-Moabit und Zwinglistraße liegenden Grundstücks, auf dem ein SchulhauS erbaut werden soll. In seiner bezüglichen Vorlage sagt er, daß„der stetig wachsende Verkehr auf diesem Postamt schon häufig zu Störungen des Unterrichtsbetriebes Veranlassung gegeben" hat. Der Magistrat gesteht hiermit selber ein, wie bedenklich die Benutzung solcher Mietshäuser ist. Aber das hindert die Gemeindeschul- Verwaltung nicht, an einer und derselben Stelle sich ein bis zwei Jahrzehnte hindurch oder noch länger mit gemieteten Räumen zu behelfen. Hinterher wird dann dreist hinausposaunt, das Bedürfnis nach Schul�iusern trete manchmal so„plötzlich" auf, daß wirklich nur übrig bleibe, zu dem Notbehelf der Mietsschulen zu greifen. Moabit ist ein Statdtteil, der von jeher ganz besonders unter der Schulnot zu leiden gehabt hat. Auch gegenwärtig bestehen dort außer der oben genannten MietSschule ganz in der Nähe noch zwei andere, eine auf dem Grundstück Wittstockerstraße 13 und eine auf dem Grundstück Wiclefstratze 2. Zwar hat die Stadt- gemeinde da draußen auch mehrere eigene Schulhäuser aufgeführt, aber sie schiebt die Erfüllung dieser ihr lästigen Pflicht immer so weit wie möglich hinaus. Es handelt sich ja„nur" um Gemeinde- schulen! Die Freisinnigen des Rathauses sind der Meinung, daß die minder steuerkräftige Bevölkerung, die ihren Nachwuchs in Gemeindeschulen schicken muß, eigentlich„gar nichts zu verlangen" hat._ Wir ein„ganzgevildeter" Christenmensch kämpft! An Nr. 93 hatten wir gezeigt, in wie drolliger Weise das Stöckersche „Reich" seine Gläubigen darüber zu trösten suchte, daß der Ab« fall von der Kirche immer mehr zunimmt. Das Blättchen. das gar zu gern noch einmal im„Vorwärts" genannt fein will, quält sich jetzt eine Antwort ab. Es beginnt mit der Behauptung, der„Vorwärts" habe über die Mehrung der Freireligiösen einen „Triumphgesansi" angestimmt, und jammert dann:„So steht's halt immer: Christliche Religion ist Privatsache, freireligiöse Propaganda ist Parteisache." Auf den Satz„Religion ist Privat- fache" beruft diese gottesfürchtige Menschcnsorte sich allemal dann, wenn sie in der Polemik gegen uns mit ihrem Latein zu Ende ist. Sprichst du davon, daß die Kirche den Besitzenden als Bollwerk siegen die Arbeiterklasse dient— gib Acht, da greifst du die„Religion" an! Willst du einem scheinheiligen Betbruder die Maske von seinem Heuchlergesicht reißen— sieh' dich vor, da versündigst du dich wiederum an der„Religion" I Oder »vagst du es. kühl und ruhig die Tatsache festzustellen, daß eine inuner wachsende Schar von Arbeitern den Pastoren und ihrer Kirche den Rücken kehrt und de» Besitzenden selber ihr Bollwerk überläßt— halt ein. auch diese Feststellung ist schon ein Ver- brechen an der„Religion"! Das Stöckersche„Reich" scheint sogar das schon als Verstoß gegen den Satz:„Religion ist Privat- fache" zu empfinden, daß wir diesem Paftorenblättchen vorgehalten "aben, welchen Unsinn es über den Anteil der Arbeiter- evölkerungan d en A us tri t t en aus der Kirchen- siemeinschaft zusammengeschwatzt hat. Aus Wut hierüber Ichivindclt es jetzt, der„Vorwärts" habe„gefälscht". DaS Blättchen hatte aitS ciuzeliien Genicinden die Zahl der dort wohnenden Dissidenten mitgeteilt und im Anschluß daran behauptet,„daß man nicht sagen kann, die Dissidenten wohnten in den Arbeitervierteln". Zlvar hatten lvir diese einfältige Bemerkung wörtlich zitiert. Aber das Stöckerblättchen erzählt jetzt dreist und gottesfürchttg seinen Lesern:„Dies fälscht der„Vorwärts" dahin, als hätte unser Blatt behauptet, daß die Dissidenten nicht in Arbeitervierteln lvohnen". Die von uns aus einer Versammlungsrede zitierte Aeußerung des Herrn Mumm, die gegenwärtige Bewegung zum Austritt aus der Kirchengelnciuschaft finde ja fast nur in der Arbeiter bevölkern n g Anklang, gibt dem„Reich" Anlaß, die„Gebildeten"(soll heißen: die Besitzenden) darob zu preisen, daß sie gegenüber dieser Bewegung sich ablehnend verhalten. Die„Bil- dung" ist schließlich auch der Haupttrumpf, mit dem das„Reich" den„Vorwärts" schlägt. Den„Gebildeten" des Stöckersche» Pastoren- blättchens sind»vir die„Halb- und V i er te l s g e b i l d et en"; so werden wir dort tituliert. Diese Armen im Geiste Stöckers ahnen nicht, daß zwischen Schnllvisseii und Bildung noch ein gelvaltisier Unterschied besteht. Niemand spricht so viel von„Bildung" und me» mand prahlt so viel mit„Bildung" als diejenigen, die trotz ihres auf Gymnasium und Universität erworbenen Wissens aller wahren Bildung bar geblieben sind. Mit der Vcrstndtlichung des Rettungswescus hat sich auch eine Sitzung der Vereinigung der Berliner Sanitätswachen beschäftigt. Bekanntlich beschränkt sich der Magistrat in seiner der Stadt- verordneteiiversainmlung zugegangenen Vorlage im wesentlichen auf die Organisation des Bctteimachiveises und der Uebernahme der Rettungswachen; weitergehende Wünsche auf Uebernahme der ersten Hülse sowie des KrankentranSportwesenS lehnt er ab. Daß die Vorschläge des Magistrats nur Halbheiten sind, geht auch aus den Darlegungen des in dieser Sitzung erschienenen Bürgermeisters Reicks hervor. Er nahm das Wort, um zu erklären, daß von einer Verstadtlichung des Berliner Rettungswcsens heute noch nicht ge« sprochen werden könne; der Vertrag mit dem Aerzteverein fei uoilvcndig geworden und laufe mit dem 1. April 1963 ab. Das letzte Wort sei also noch nicht gesprochen. ES bestehe der Wunsch, daß die Sanitätswachen, Unfallstationen und der Verband für erste Hülfe mit dem Krankentransport usw. sich weiter entwickele. Jetzt handele es sich mir um die Sorge für fünf Rettungswachen. De» Wünschen dieser Organisationen lvürde der Magistrat in der Zukunft genau so wie dies in der Vergangenheit geschehen sei, Rechnung tragen. Ter Vorstand der Vereinigung der Sanitätswachen war ein- mutig der Ansicht, daß die fundamentalen Einrichtungen der Sanitätswachen und Unfallstationen mit ständigen Äerzlen be« stehen bleiben müßten, Von einer Beschlußfassung lvurde aber nach den Erklärungen des Bürgermeisters Abstand genommen. Die Polizei, die helfen soll, gibt durch die Art ihrer Hülfstätigkeit uns manchmal die schwierigsten Rätsel auf. WaS hat sie z. B. zu tun, wenn sie am späten Abend auf der Straße einen arg zerhauenen Menschen findet? Muß sie ihn einem Arzt zuführen, damit der ihn zusammenflickt? Oder ist es zweckmäßiger, ihn nach der Wache zu schleppen und ihn dort die Nacht hindurch zu verwahren? Diese Frage drängen sich uns auf aus Anlaß eines Vorkommnisses, das vom Gesundbrunnen ge- meldet wird. Einem Arbeiter B. aus der S o l d i n e r st r a ß e ist da ein sehr schlimmes Abenteuer widerfahren. B. ging am 14. April (Sonntag) mit einem Freunde hinüber nach dem Wedding zu einer in der Neuen Hochstraße wohnenden Familie und machte sich abends vor 16 Uhr allein wieder auf den Heimweg. Man sagt, er sei betrunken gewesen, als er aufbrach. Nach Hause kam er erst am anderen Morgen. Als er eintraf, befand er sich in einem Zustand, über den seine alte Mutter sich entsetzte. Die Stirn war mit Beulen bedeckt, ein Auge schien verletzt zu sein, die Backen waren dick verschwollen, ein Ann war anscheinend verrenkt, der Rücken wies in der Kreuzgegend eine große Beule auf. Es sah aus, wie wenn man B. am Arme gezerrt, ihn mit Fau st hieben traktiert. ihm einen Tritt ins Gesäß gegeben hätte usw. B., der über heftige Schmerzen klagte, erzählte seinen Angehörigen, er sei auf dem Heimwege mit einem Schutzmann zusammengeraten, der habe ihn nach der Polizeiwache in der Hochstraße geschafft, und dort habe man ihn dann so zugerichtet. Von polizeilicher Seite soll inzwischen die Versicherung gegeben worden sein, B. sei zer- hauen auf der Straße aufgefunden worden. B. hat behauptet, auf der Polizeiwache sei er zerhauen worden, aber er hat keine Beschwerde oder Anzeige gegen die Schutzleute ein« gereicht, von denen er geprügelt zu sein meinte. Hätte er das getan, so hätte er sich darauf gefaßt machen können, noch wegen Schutz- mannsbeleidigung belangt zu werden. Und es erscheint sehr fraglich, ob ein Gericht es als strafmildernd angesehen hätte, daß er in der Trunkenheit bielleicht nicht so genau darauf geachtet habe, wo und von wem er die Hiebe bekam. B. hat, wie gesagt, sich nicht beschwert. Er hat aber wider Willen seine Beschuldigungen dadurch zur Kenntnis der Polizei und des Gerichts gebracht, daß er sich iuö Bett legte und starb. Wir wollen hier einschalten, daß B. lungen- leidend war und wegen Erwerbsunfähigkeit Invalidenrente bezog. Am 15. April war er zerhauen nach Hause gekommen, vom 17. an stand er nicht mehr aus dem Bett auf, am 19. war er aller Schmerzen ledig. Der Arzt, der geholt worden war, als B. bettlägerig wurde, verlveigerte die Ausstellung des Totenscheines. Die Leiche »vurde dann obduziert; dabei soll sich ergeben haben, daß B. an Lungenentzündung und Bauchfellentzündung gestorben sei. Am 24. April, Mittlvoch, ist er beerdigt worden. Die Angehörigen B.S werden es nun glauben müssen, daß er nicht an den Folgen der Prügel gestorben ist. Da sie aber auf dem Polizeibureau bei der Meldung des Todesfalles auch die Prügel« affäre nach der von B. gegebenen Schilderung mitgeteilt hatten, so ist eine Untersuchung hierüber eingeleitet worden. Dabei ent- »vickelt die Polizei einen Eifer, wie er größer kaum verlangt werden kann. Von dem Bureau Grünthalerstraße kam alsbald ein Leut« nant in eigener Person in die Wohnung des Verstorbenen, um sich zu informieren. Am anderen Tage wurden die Angehörigen vor die Polizei gefordert und dort vernommen. Nachdem das er- ledigt war, fand sich zwei Tage später in ihrer Wohnung ein Mann ein, der sich als Kriminalpolizist bezeichnete. Er erzählte, B. sei an jenem Abend von der Polizei in der Hochstraße nahe dem Eisenwarengeschäst der Firma Schröder aufgefunden worden, ein paar Zivilisten hätten das mit angesehen. Ein Schutzmann habe ihn nach der Unfallstation bringen wollen, aber B. habe sich geweigert. UnS ist neu, daß in einer solchen Affäre die Polizei das Er- gebnis ihrer Ermittelungen den Angehörigen eilfertig ins Haus trägt. Indes, dem Liebesdienste dieses Mannes verdanken wir nun wenigstens die Kenntnis der Darstellung, daß versucht worden sei, B. nach der Unfallstation zu bringen. V.s Angehörige versichern, B. selber habe ihnen hiervon nichts erzählt. Rätselhaft bleibt freilich auch so noch manches. Wird jemand annehmen wollen, daß B.. nachdem er die Hülfe abgelehnt hatte, zur Wache gebracht und dort verwahrt wurde und ohne Hülfe blieb? Oder wird einer zu glauben wagen, daß die Polizei sich nun nicht weiter um B. kümmerte, ob- ivohl er ihr eben noch als hülfsbedürftig erschienen»var? Wer sich an dem Wehrlosen vergriffen hat, das wird ja wohl niemals herauskommen. Aber einwandfrei muß unseres Erachtens festzustellen sein, wie eS um die Pflicht der Beschaffung ärztlicher Hülfe stand. Abenteuer auf der Polizeiwache. Von einem hiesigen Arzt wird dem.Berk. Tageblatt" geschrieben:„Montagabend ll'/o Uhr erregte am Bahnhof Alexanderplatz die hin» und herschwankend Gestalt eines betrunkenen Schutzmannes Aufsehen Bald gesellte sich der Beamte zu einer Dame, und nach wenigen Minuten wurde diese, ohne zu wissen warum, zur Wache geführt. Die Menge gab ihrer Entrüstung lauten Ausdruck, die noch stieg, als der Beamte auf dem Wege zur Wache in der Gontardstraste blank zog. Mit der einen Hand die Dame vor sich her treibend, mit der anderen den Säbel in der Luft schwingend, gelangte der Schutzmann, der sich kaum auf den Beinen halten konnte, auf das Revier. Hier boten �ich viele Zeugen an unter anderen wollte auch ich das Gesehene zu Protokoll geben Zum Dank dafür wurde ich von einem anderen Beamten— einfach in eine finstere Arrestzelle gestoßen und ein geschlossen, obgleich ich in ruhigem Tone versicherte, daß ich ja weiter nichts wolle, als meinen Namen und meine Adresse zur Zeugcnschaft nennen. Nach wenigen Minuten wurde ich aus meiner unangenehmen Lage durch den Wachtmeister befreit, nachdem ich mich durch Klopfen bemerkbar gemacht hatte.* Wie das„Tageblatt" auf Anfrage an zuständiger Stelle hört, sind die anitlichen Ermittelungen über die peinlichen Mißgriffe des betreffenden Schutzmanns bereits im Gange. Auch uns ist gestern über die Angelegenheit Mitteilung gemacht worden. Danach hat es Aufsehen erregt, daß der in Frage kommende Schutzmann sich auf offener Straße mit einer Zivilperson, anscheinend einem Schlächtermeister, umarmte und dann in das Bahnhofsgebäude hineinging. Hier soll er eine auf ihren Mann wartende Frau in der beleidigendsten Weise angesprochen und sie, da sie sich diese Be Handlung nicht gefallen ließ, schließlich mit sich gezogen haben, um sie nach der Wache zu bringen. Auf dem Wege dorthin sammelten sich viele Menschen an, die dieselben Beobachtungen wie der Arzt gemacht haben. Der in Frage kommende Arzt ist an einem hiesigen städtischen Krankenhaus angestellt. Wir sind wirklich begierig, was aus der Sache herauskommt. Es sollte uns wundern, wenn sie einmal anders verlaufen sollte, als sonst, wo die durch die Polizei Beleidigten noch ein Strafmandat erhielten Der Grunewald als Naturdenkmal. Für die Erhaltung des Grunewaldes in seiner natürlichen Beschaffenheit treten jetzt auch die wissenschaftlichen Kreise Berlins ein. In einer ausführlichen Eingabe wendet sich die Ortsgruppe Berlin und Umgegend des Vereins zur Förderung des Unterrichts in Mathematik und Natur- Wissenschaften an die Magistrate und Gemeindevorstände von Berlin und allen an der unveränderten Erhaltung der Grunewald- moore interessierten Vororte mit der Bitte, baldigst zu gemeinschaft- lichem Vorgehen zusammenzutreten. Die Ortsgruppe empfiehlt, zu beschließen: mit der königlichen Staatsregierung Unterhand- lungen anzuknüpfen, um das gesamte fiskalische Moorgebiet im Grunewald zu pachten und als wissenschaftliches Reservat dauernd im jetzigen Zustande zu erhalten; ferner: das Terrain des Schlachtensees, der Krummen Lanke und des Riemeistersees käuflich zu erwerben, um seine Ausschlachtung durch Privat- Unternehmer für alle Zeit zu verhindern. Es wird in der Eingabe besonders auf die verschiedenen Landschafts- und Vegetations- formen des Grunewaldes, wie Hoch- und Flachmoor, Vertorfung, schwingende Wiesen, und auf die ganz eigenartige, interessante Flora hingewiesen, die nicht nur für Geologen und Botaniker, sondern in noch höherem Grade für die Zwecke des praktischen Unterrichtes von allergrößter Bedeutung sind. Neue Spreebampfer. Die Probefahrt eines der neuerbauten Doppelschrauben- Passagierdampfer der Stern- Gesellschaft, des „Werner von Siemens", hat jetzt stattgefunden. Die Fahrt begann, unter Beteiligung der Direktionen der Besteller und der Erbauer, an der Werft der Stettiner Oderwerke und erstreckte sich über das große Haff bis in die Ostsee. Am Molenkopf bei Swinemünde wendete der Dampfer. Die Teilnehmer landeten am Bollwerk. Der neue Dampfer ist 33 Meter lang und etwa. 6,30 Meter breit. Er faßt etwa 4S0 Passagiere. Die innere Einrichtung entspricht den heutigen Anforderungen. Das Schiff hat trotz des ziemlich stürmischen Wetters bei entgegenstehendem Winde die Fahrt von Stettin bis Swinemünde in 3 Stunden 8 Minuten zurückgelegt. Es wurde dabei eine Höchstgeschwindigkeit von über 11 Knoten oder 20,6 Kilometer in der Stunde entwickelt. Ende dieser Woche wird das Schwesterschiff des Werner von Siemens fertig und seine Probe zu bestehen haben. Es erhält den Namen„Leopold von Ranke". Beide Dampfer sind für den Verkehr auf der Oberspree bestimmt. Was an den Schaltern zu lesen sein wirb. Mit Einführung der Tarifreform, 1. Mai d. I., sollen— nach einem Erlasse des Ministers Breidenbach vom 18. d. M.— zur Erleichterung des Verkaufs und der Kontrolle der Fahrkarten, sowie der Gepäck- abfertiaung in großer Schrift gedruckte Bekanntmachungen an auffallenden Stellen der Fahrkarten- und Gepäckschalter an- gebracht werden, und zwar für erstere folgenden Wortlauts: „Rückfahrkarten werden nicht mehr ausgegeben(aus- genommen im Seebäder- und Auslandsverkehr). Wer bei Lösung der Fahrkarte schon entschlossen ist, an demselben oder am nächst- folgenden Tage die Rückreise anzutreten, kann— soweit nicht Doppelkarten verausgabt werden— gleichzeitig mit der Fahrkarte zur Hinfahrt auch eine Karte zur Rückfahrt lösen. Die zur Rück- fahrt bestimmte Karte wird durch den Stemhelaufdruck„R ü ck f." als gültig zur Fahrt in umgekehrter Richtung gekennzeichnet. Zur Vermeidung von Verzögerungen bei den Fahrkarten- Prüfungen wird ersucht, die mit dem Stempel„Rückf." der- sehenen Fahrkarten den Schaffnern an der Bahnsteigsperre oder den Zügen bei der Hinfahrt nicht mit vorzuzeigen." Die an den Gepäckabfertigungen anzubringenden .Bekanntmachungen" sollen lauten: „Freigepäck wird nicht mehr gewährt. Reisegepäck im Gewichte bis zu 25 Kilogramm einschließlich wird zu folgenden Sätzen befördert: Auf Entfernungen von 1 bis 60 Kilometer(Zone dl und 1) 0,20 Mk., auf Entfernungen von 61 bis 300 Kilometer (Zone 2 bis 6) 0,60 Mk., auf Entfernungen über 300 Kilometer (Zone 7 bis 14) 1 Mk. Die Frachtsätze für höheres Gewicht sind aus dem aushängenden Tarife zu ersehen." Unglücksfälle im Straßenverkehr. Ein Opfer ihrer Kurz. sichtigkeit und ihres schlechten Gehörs ist gestern abend eine un. bekannte etwa 70 Jahre alte Frau geworben. Die Greisin war im Begriff gewesen, an der Kreuzung der Hohenstaufen, und Goltz. straße den Fahrdamm zu überschreiten. Sie bemerkte hierbei nicht das Herannahen eines Droschkenautomobils und rannte infolge ihrer Kurzsichtigkeit direkt gegen den Kraftwagen. Der Chauffeur bremste zwar sofort, konnte es aber nicht mehr verhindern, daß die alte Frau von den Vorderrädern überfahren wurde. Ohne ein Lebenszeichen von sich zu geben, wurde sie unter dem Gefährt hervorgezogen und nach der Rettungswache ,n der Eisenacherstratze gebracht. Dort konnte bei ihr aber nur noch der Tod festgestellt werden. Ueber die Persönlichkeit der Toten konnte noch nichts ermittelt werden.— Ein schwerer Unglücksfall im Straßenbahn- betriebe hat sich gestern nachmittag an der Ecke der Holstemischen und Güntzelstraße ereignet. Der zehn Jahre alte Sohn des Augen- arztes Dr. Mühsam. Motzstr. 79, wollte einen bereits von der Haltestelle abgefahrenen Straßenbahnzug der Linie 92 besteigen. Er glitt jedoch vom Trittbrett ab. kam ZU Fall und geriet nun unter den nachfolgenden Anhängewagen. Die Rader gingen ihm über den rechten Fuß hinweg und zermalmten ihn.fast vollständig, so daß er jedenfalls amputiert werden muß. M. fand»m Kranken- häufe Moabit Aufnahme. Großes Aufsehen hat in der Arndtstraße der Selbstmord eines fünfzehnjährigen Dienstmädchen erregt. Am Sonntagvormittag stürzte sich plötzlich ein junges Mädchen aus dem Fenster des Hauses in der Arndtstr. 44. Ecke der Heimstraße auf die Straße und blieb hier tot liegen. So- fort wurde sieDmit einem Wagen nach der Unfallstatton gebracht, ei konnte aber hier nur der Tod festgestellt werden. Ueber die Ursache dieses Schrittes werden in der dortigen Gegend die ungeheuerlichsten Ge- rüchte kolportiert. Es heißt, daß die Behandlung des jungen Mädchens durch ihre Herrschast, einer Rätin Frau Kleist, sehr viel zu wünschen übrig gelassen habe. Speziell an dem Unglückstage kurz vor dem Selbstmord des Mädchens soll es zu einem Auftritt gekommen sein. ES wäre in der Tat sehr wünschenswert, wenn sich die Behörden etwas eingehender um die Gerüchte kümmern wollten, die über die Behandlung des Dienstmädchens durch besagte Herrschaft im Um» lauf sind._ Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich am Montag, den 22. d. M., vormittags zwischen 9 und 10 Uhr in der A. E.-G., Hutten- straße(Turbinenfabrik). Einem jungen Manne ans der Abteilung deS Meisters Schulz(Installation) wurde mit einem elektrischen Lauf- kran die linke Hand vollständig vom Arme gettennt und der rechte Arm zwei- bis dreimal gebrochen, so daß die Knochensplitter heraus- sahen. Der Vorgang spielte sich folgendermaßen ab: Der Meister Schulz ließ von dem betreffenden Verunglückten Jnstallationsarbeiten an der Kranbahn ausführen, während der Kran hin- und herfuhr. Um etwas höher reichen zu können, stellte sich letzterer eine Leiter an die Kranbahn. Er hatte beide Arme auf der Bahn, als der Kran angefahren kam, und nun geschah das Entsetzliche. Der Kran fuhr ihm über beide Arme hinweg, so daß der rechte Arm zwei- bis dreimalgebrochen und die linkeHand vom Arm getrennt wurde. DerVer- unglückte stürzte von der Leiter. Er wurde von Kollegen aufgehoben und mittels Droschke sofort nach dem Krankenhause Moabit geschafft. Er dürste kaum mit dem Leben davonkommen. Wieder ist ein gesunder Mensch zum Krüppel geworden im Dienste des Kapitals. DaS Pferd auf der Unfallstation. Einen„hohen" Patienten hatte gestern die Unfallstation in der Eichendorffstratze zu behandeln. Ein Speditionskutscher war mit seinem Fuhrwerk am Stettincr Bahnhof gegen einen Lastwagen gefahren, wobei eines der Pferde klaffende Wunden an der Stirn und an der Brust davontrug. Auf Anraten eines Polizeibeamten brachte der Kutscher das Tier nach der nahen Unfallstation 9, wo ihm der starke Blutverlust durch Anlegen von Verbänden beseitigt wurde. Der seltsame Patient hatte natürlich allgemeines Aufsehen erregt. Die Gesellschaft für den Bau von Untergrundbahnen beabt- tchtigt mit dem Bau der Verbindungsstrecke ihrer Bahnen Schle lischer Bahnhof— Treptow und Niederschöneweide— Köpenick bereits in diesem Sommer zu beginnen. Es braucht nur noch die Ver- bindung zwischen Treptow und Niederschöneweide geschaffen werden. Alsdann besteht eine neue Verbindung zwischen Köpenick und dem Schlesischen Bahnhof in Berlin über Treptow und Schöne- weide. Die beteiligten Gemeinden haben bereits ihre Zustimmung erteilt. Gleichzeitig soll die alte Dorfstraße in Treptow reguliert und verbreitert werden. Sie soll eine Breite von 22 Metern er- halten, ebenso die Neue Krug-Allee. Die Kosten für die Regu- lierung der Dorfstraße übernimmt Treptow, die Gemeinde Berlin überläßt dafür �daS auf beiden Seiten erforderliche ihr gehörige Terrain zur Straßenverbreiterung und leistet für die Ver- breiterung der Neuen Krug-Allee als Eigentümerin der dortigen Geläüde einen Beitrag von 183 000 Mk. Hierbei ist zu be- rücksichtigen, daß Treptow noch im Anfang des vorigen Jahr Hunderts vollständig zu Berlin gehörte und erst später abgetrennt wurde, gegen die Verpflichtung, daß Berlin einen Teil der Ver waltungskosten trägt. Bei der Jagd auf seinen davongeflogenen Hut ist Dienstag vormittag der 60 Jahre alte Arbeiter Emil Holschewski ins Wasser gestürzt. Vor dem Hause Kottbuserdamm 44a entführte ihm der Wind seinen Hut und warf ihn auf die Uferböschung des Kanals. Holschewski überstieg das Geländer, verlor dabei das Gleichgewicht und rollte die Böschung hinab ins Wasser. Arbeiter der kgl. Wasserbauinspektion I, die zufällig mit einem Fahrzeuge in der Nähe der Unfallstelle hielten, zogen den Verunglückten wieder her> aus, worauf er von einem Schutzmann in einer Droschke nach dem Krankenhause Am Urban geschafft wurde, wo neben einer Ver- letzung des Hinterkopfes ein Backenknochenbruch festgestellt wurde. Feuerwehrbericht. In der vergangenen Nacht wurde die Feuerwehr fast gleichzeitig dreimal alarmiert. Um Mitternacht rannten in der Brandenburgstr. 20 Lacke, Regale, Leisten u. a. Die Flammen hatten schon eine beträchtliche Ausdehnung erlangt. Durch kräftiges Wassergeben gelang es indes, die Flammen auf einen Raum zu beschränken. Gleichzeitig stand ein Zigarrenladen Neu-Kölln a. W. 20 in Flammen. Holzkasten, Fußböden u. a. waren dort in Brand geraten. Vor dem Hause Alexandcrstr. 71 am Alexanderplatz brannte ein Automobil kurz vor Mitternacht. erner hatte die Wehr noch in der Krautstr. 1s, Gerichtstr. 86 und lumenstr. 61s zu tun. Nixdorf. Vorort- jNachnchtcn* Wenn ein Staatsbürger in die Hände der Polizei gerät, kann er manchmal die sonderbarsten Erlebnisse machen. In der dunklen Zelle der Polizeiwache sollen da oft Sachen passieren, die kaum nieder- geschrieben werden können und auch nicht dürfen, weil die Wände nicht als Zeugen vor das Gericht geschleppt werden können. Zu Nutz und Frommen weiterer Kreise wollen wir hier eine kleine Geschichte zum besten geben, die sich dieser Tage in Rixdorf ereignet hat. Ein Arbeiter kam mit seinem Arbeitgeber in Differenzen und erhielt seine Entlassung. Als er aufhören sollte, verlangte er auch seine Papiere. Diese waren wohl noch nicht vollständig ausgeferttgt und so kam es zwischen beiden zu einer etwas lauten Aussprache. Das hörte die Frau deS Verwalters des Hauses, Münchenerstr. 61. die ihren Mann herbeiholte, der in seinem Amte Schutzmann ist. Um den sich etwa» laut geberdenden Gast kos zu werden, packten ihn Arbeitgeber und Verwalter bezw. Schutzmann und wollten ihn nach der Polizei bringen. Warum das geschah, ist ganz unverständlich, da ja der Name des Arbeiters dein Arbeitgeber. Badeanstaltsbesitzer Prause. bekannt war. Auf der Straße kamen andere Beamte hinzu und brachten den Mann nach der Wache. Was nun da passiert ist, kann nicht genau kontrolliert werden. Jedenfalls ist der Sistierte in einer Verfassung wiedergekommen, die ein ärztliches Attest wie folgt kennzeichnet: Rixdorf, 23. 4. 07. Herrn Ludwig M. bescheinige ich hiermit, daß er an der linken Brustkorb- und Rückenseite bedeutende Schwellung und Schmerz- haftigkeit der Haut aufweist, außerdem find eine Reihe bi» 10 g e n t t- meter lange Striemen und blutunterlaufene Stellen vorhanden. Herr M. ist infolge dieser Verletzungen arbeitsunfähig. Nach seinen Angaben verdanken diese Verletzungen ihren Ursprung Mißhandlungen, die er auf einer Polizeiwache erlitten hat. Dr. Silberstein Rixdorf, Bttlinerstr. SS. S«wieweit die Angaben de» Verletzten zutreffend find, da» fest- en, wäre Sache der vorgesetzten Behörde. Irgendwo muß der Mann doch diese Verletzungen erhalten haben. Außerdem ist es gar nicht zu verstehen, warum der Mann nach der Polizei gebracht wurde, da doch gar kein Zweifel über die Person des Arbeiters obwalten konnte. Wilmersdorf. Das Schwein auf der Polizeiwache. In der borgestrigen Nacht verursachte em herrenloses Schwein allgemeine Heiterkeit. DaS Tier war seinem Besitzer am Nikolsburgerplatz entlaufen und nahm den Weg durch die Landhaus- und Berlinerftraße. Einem Straßenbahn- schaffner gelang es, den etwa zwei Zentner schweren Flüchtling bis zur Polizeiwache in der Auguslastraße zu locken. Dort aber war guter Rat teuer. Man sah sich schließlich gezwungen, das Borstenvieh anderweitig unterzubringen und es dort so lange zu lassen, bis sich der Eigentümer gemeldet haben wird. Lichtenberg. Tödlich verunglückt ist gestem morgen der 63 Jahre alte Töpfer Fentzke, Grüner Weg 28 wohnhaft. Derselbe wollte auf einem Neu- bau in der Scharnweberstraße Arbeit suchen. Als er den Eingang des Neubaues passieren wollte, fiel plötzlich ein Brett des Gerüstes aus der vierten Etage herunter und traf F. an die rechte Seite des Kopfes. Der Schwerverletzte brach sofort tot zusammen und wurde nach dem Lichtenberger Schauhause gebracht. Vetternwirtschaft? Zu der bereits erwähnten Provisionsangelegenheit nimmt nü« der Magistrat bezw. das Amtsblatt von Schkeuditz das Wort. Nach» dem bereits andere Zeitungen auf unsere Nachricht hingewiesen, wonach der Gemeinde Lichtenberg von der Sparkasse Schkeuditz ein Darlehn von 160 000 M. gegen 4 Proz. Zinsen angeboten sei, aber auch von einem Vermittler 1 Proz. Provision gefordert würde, er- klärt jetzt das„Schkeuditzer Wochenblatt", daß in der am Montag, den 29. April, stattfindenden Stadtverordnetensitzung „die ganze Angelegenheit aufgeklärt werden soll!" Vorläufig(!) bemerkt das Blatt: Zwischen der Gemeinde Lichtenberg und dem Sparkassendirektorium Schkeuditz sei nur direkt verhandelt worden l Die Sparkasse zahle keine Provisionen, auch fordere oder erhalte sie keine solche. Ein Vermittler sei von der Sparkasse nicht beauftragt gewesen. Habe die Gemeinde sich eines Vermittlers bedient, um erst auf die hiesige Sparkasse aufmerksam gemacht zu werden, so berühre das letztere in keiner Weise. Nun vergleiche man mit diesem Erguß die Erklärung bei Lichtenberger Gemeindevorstehers, nach der in der Regel auf direkte An- und Umfrage bei den Kasseneinrichtungen, ob dort Geld vor» banden sei, gar nicht oder verneinend geantwortet wird. Man ver- gleiche aber auch die Vorlage, die der Lichtcnberger Gemeinde- Vertretung zur Beschlutzfassung unterbreitet wurde, und man wird zu dem Schluß kommen müssen, daß es sich„um eine offizielle Ver- mittelung handelt". Borlage zu Punkt 7 der Tagesordnung der Gemeindevertretersitzung am 11. April 1907 betreffend Ausnahme einer Anleihe von 150 000 M. Durch die Vermitteln� des Herrn C. Walther in Wilhelms» ruh bei Berlin kann die Gemeinde Lichtenberg von der städtischen Sparkasse in Schkeuditz ein Darlehen von 160 000 M. gegen 4 Ssiroz. Zinsen erhalten; für die Vermtttelung wird eine Provision von 1 Proz. gefordert. Die Gemeinde Lichtenberg hat zwar bisher für die Vcrmittelung der Anleihen stets einen niedrigeren Satz gezahlt, doch glaubt der Gemeindevovstand, in dem vorliegenden Falle die Bewilligung der geforderten Provision vorschlagen zu können, weil die Beschaffung von Anleihen bei den augenblicklichen Geldvcrhältnissen äußerst schwierig ist, auch von dem Vermittler für die Beschaffung weiterer und größerer Anleihen eine niedrigere Provisionsfortderung in Aussicht gestellt ist. Es wird deshalb vorgeschlagen, die Gemeindevertretung wolle beschließen: 1. Bei der städtischen Sparkasse in Schkeuditz ist ein Dar» lehen von 160 000 M. zur teilweisen Deckung der Kosten des Schul- Hausneubaues in der Friedrichstraße aufzunehmen. Di« Anleihe ist mit 4 Proz. zu verzinsen und mit 3 Proz. zu amortisieren. 2. Tie Kündigung wird auf 6 Monate festgesetzt. 3. Für die Permtttckung ist eine Provision von 1 Proz. zu zahlen. Lichtenberg, den 9. April 1997. Der Gemeindevorsiarrd. Ziechen. Warten wir demnach ruhig ab, was die Stadtverordnetensitzung in Schkeuditz über die Vetternwirtschaft sagen wird. Das eine aber darf wohl schon heute als zweifellos angenommen werden: Die Vettern werden die„bösen Sozis" nicht segnen! Manches schöne Tausendmarkscheinchen ist in gleich müheloser Weise— nicht mehr zu erwerben! Oder doch?_ Nieder-Schönhausen. Nur ein Tag trennt uns noch von der Gemeindevertreterwahl. Parteigenossen, nützt diese kurze Frist nach Kräften aus, agitiert unermüdlich, daß es uns endlich gelingt, einen sozialdemokratischen Vertreter in unser Dorfparlament hineinzubringen. Niemand darf am Wahltage fehlen, auch nicht diejenigen Genossen, die am 1. April aus Nieder-Schönhausen verzogen sind. Auch ihnen steht die Aus- Übung des Wahlrechtes zu. Insbesondere aber bitten wir die Ber- liner Genossen, die mit Rieder-Schönhausener Arbeiter zusainmen in Berliner oder Borortsbetrieben, auf Bauplätzen usw. beschäftigt sind. dafür Sorge zu tragen, daß die Nieder-Schönhausener Kollegen ihr Wahlrecht ausüben. Wir verweisen nochmals daraus, daß jeder, der am Freitag bis 7 Uhr im Wahllokal(LiedemitS Restaurant) ist, wählen darf. Also Parteigenossen, tut Eure Pflicht und Schuldig- keit I Der Freitag muß uns den ersten sozialdemo- kratischen Gemeindevertreter ins Nieder-Schön- hausener Ortsparlament bringen! Tegel. Die Schulgemcindrvcrtretung nahm in ihrer letzten Sitzung am Dienstag zunächst Kenntnis von einem Dankschreiben der Lehrer und Lehrerinnen der Volksschule aus Anlaß der bewilligten Gehalts- erhöhungen und dann von der Genebmigung der sechs neuen Lehrer- stellen(drei zu Ostern und drei zu Michaelis) durch die Regierung. Der erste Punkt der Tagesordnung betraf einen Antrag auf Ein- richtung weiterer Osterllasien und Lehrerstellen an der Vollsschule. Die Osteraufnahine ist infolge der zunehmenden Zuzüge so enorm stark gewesen, daß zwei Klassen über 66 Kinder zählen und infolge- dessen geteilt werden müssen. Es sollen nun zwei Klaffen neu er- richtet und je eine Lehrer» und eine Lehrerinstelle neu geschaffen werden. Die Klassen müssen bis zur Vollendung deS neuen Schul« flügelS in den jeweilig freien Klassenräumen untergebracht werden. Geeignete Mietsräume sind sehr schwer zu haben. Das Provisorium wird nicht lange dauern, denn schon ist der Neubau bis an den dritten Stock gediehen. Auf die Anfrage an Rektor MärtenS, ob es nicht gut sei, die Anfangsklassen statt von 7 Uhr ab erst um 8 Uhr zu unterrichten, erhielt Genosse Lichtenberg die Antwort, daß die Erfahrung lehre, daß trotzdem die Kinder schon um 7 Uhr auf der Treppe der Schule lärmten. Er sei persönlich für die Anfangsklasse gegen jedes zu zeittge Anfangen des Unterrichts. Aus schul- technischen Gründen habe es sich aber hier in einer Klasse nicht anders machen lassen. Ein Antrag deS Genossen Lichtenberg forderte überdies noch, daß den Gemeindevertretern ein Klassen« Verzeichnis mit der betreffenden Schülerzahl für jede Klaffe zum Oster« und_ Michaelistermin zugestellt werde. Die Klaffenvermehrung, wie die Lehreranstellung und der AntraaLichten- berg wurden angenommen. Da der neue Schulflügel zu Michaelis 1908 spätestens voll sein wird, fo erwuchs gleichzeitig die Rot- wendigkeit, für weiteren Ersatz an Schulräumen zu sorgen. In Aus- ficht zu nehmen war da nur der Bau einer neuen Schule auf dem m südlichen OrtSteil vorgesehenen Gelände zwischen Haselhorster- und Spandauerstraße. Die Versammlung beschloß, den Schulvorstand zu ersuchen, recht bald geeignete Pläne und Kostenanschläge vorzu- legen. Das Kapital von 280 000 M. für die Schulanleihe ist jetzt \u 4'/« Proz. und 1 Proz. Geschäftsunkosten angeboten worden. ende wurde ermächtigt, eventuell abzuschueßen. Die Ge- Haitsregerung fflr Schuidiener Hinze wurde auf Antrag des Schöffen Reichelt gegen die Stimmen der Genossen Lichtenberg und Rodeile dem Schulvorstand überwiesen. Spandau. In der gutbesuchten Generalversnmmlnng des Wahlvereins ge« dachte der Vorsitzende der im letzten halben Jahre aus dem Leven geschiedenen Genossen. Besonders ermähnte er die große Be- deutung Jgnaz Auers, durch dessen Tod das Proletariat einen seiner besten Streiter verloren hat. Die Anwesenden ehrten das Andenken der Verstorbenen in der üblichen Form. Anschließend hieran gab der Vorsitzende den Borstandsbericht. Demselben ist folgendes zu entnehmen: Im letzten halben Jahre haben stattgefunden 26 öffent- liche Versammlungen, 6 Sitzungen der erweiterten Parteileitung, 17 Vorstandssitzungen, 2 kombinierte Sitzungen und S Sitzungen, in welchen persönliche Angelegenheiten beraten wurden. Die Abonnenten- zahl des.Vorwärts" hat sich innerhalb dieses Zeitraums um zirka 300 vermehrt und beträgt zur Zeit 1310. Große An- forderungen wurden an die Genossen in bezug auf die Flugblattverteilung gestellt und es muß zur Ehre der Partei gesagt werden, daß die Genossen bis zum letzten Augen- blick, von ganz verschwindenden Ausnahmen abgesehen, ihre volle Schuldigkeil getan haben. Im ganzen Kreise in 23 Orten haben 101 Versammlungen stattgefunden, außerdem sind 14 Flugblätter in einer Auflage von zirka einer halben Million im Kreise verbreitet worden. Rechnet man die speziellen für Spandau und einige andere Orte herausgegebenen Flugblätter hinzu, so ergibt sich eine Gesamt- sunime von zirka einer Million Exemplaren. Außerdem wurde noch die Wahlzeitung in 106 000 Exemplaren im Kreise verbreitet. Die Stimmenzunahme gegen die vorletzte Wahl beträgt 1447. Wenn aus dein Lande eine Stimmenabnahme von 443 zu konstatieren sei, so erkläre es sich aus dem Fehlen der Schnitter und Landarbeiter. Allein in Ketzin sind 250 Stimmen bei der diesmaligen Wahl weniger ab- gegeben worden. Daß auch die Unkosten dementsprechend große seien, sei wohl erklärlich. So betragen die Gesamtausgaben für den Kreis rund 18 000 M., dem jedoch eine fast ebenso hohe Einnahme gegen- überstehe. Da die Kassen jedoch leer seien, so sei es an der Zeit, wieder etwas Geld hineinzutun. Redner führte sodann einige Fälle von Wahlbeeinfluflung aus dem Kreise an. Aber auch die Spandauer Blätter, besonders das.Tageblatt" und der.Anzeiger", dessen Abonnenten ja noch zum großen Teil aus sozialdemokratischen Wählern bestehen, hätten die Sozialdemokratie verleumdet und beschimpft. So habe man für die auf den Namen Pauli lautenden ge- fälschten Stimmzettel die Sozialdemokratie verantwortlich zu machen gesucht. Wir waren, meint Redner, von vorn- herein überzeugt, daß es sich in der ganzen Sache nur um ein Schwindelmanöver des Reichslügenverbandes oder ihm nahe- stehender Personen handelte, noch dazu, da bisher auch nicht ein einziger derartiger Stimmzettel zum Vorschein gekommen ist. Beide Blätter haben denn auch auf Verlangen mit Wenden und Drehen eine Berichtigung gebracht. Eine Ausnahme davon mache das Kreis- blatt, welches ja die Fälschung direkt dem Genoffen Dr. Liebknecht unterstellte und folgedessen von demselben wegen Beleidigung ver- klagt sei. Vorläufig sei bei dem Herrn im Hause bei zwei Kindern der Scharlach ausgebrochen und folgedessen der schon anberaumte Termin abgesagt worden. Zum Zwecke der Beratung über die weitere Agitation sei eine fiebengliederige Kommission gewählt worden, jedoch befinde dieselbe sich noch im Stadium der Beratung, weshalb noch nichts mitgeteilt werden könne. Anschließend hieran gab der Kassierer den Kassenbericht. Derselbe ergibt eine Einnahme von 4816 M. und eine Ausgabe von 4682 M. Den Bericht der Lokalkommisfion gab Genosse Golz. Wenn, meinte Redner, über die Sperre des Seitzschen Lokals behauptet Iverde, wir wollte» den Wirt schädigen, so sei das falsch. Die Schädigung verursachen unsere Gegner, indem sie nicht mit uns in einem Lokal verkehren wollen. An den Bericht schloß sich eine lebhafte Diskussion, in der mehrere Genossen ihre oft erheiternd wirkenden Erlebnisse mit der Polizei zum besten gaben. Rupprecht führte an, daß es ähnlich wie der Lokalkommission auch anderen Genossen ergehe. So habe ein Polizeibeamter anläßlich der Aussperrung bei der Firma Reinicke die ganze Umgegend abgeklappert und bei den Hauswirten angefragt, ob sie sich durch die Streikposten stehenden Holzarbeiler belästigt fühlen. Nachdem noch mehrere Redner sich geäußert, gelangte ein Anttag zur Annahme, daß in nächster Zeit ein Flugblatt herausgegeben werden soll, welches die Lokalfrage behandelt. Für den aus der Lokal- kommission ausgeschiedeneu Genossen Wilde wurde Genosse Fallsehr zcwählt. Da mehrere Bezirke in ihren bisherigen Lokalen am Zahl- abend nicht mehr Platz finden, so wurde der Antrag gestellt, dieselben zu teilen. Der Antrag wurde der Parteileitung zur weiteren Be- rawng überwiesen. Des weiteren wurde beschlossen, am Himmel- fahrtstage einen Ausflug zu unternehmen. Näheres hierüber wird noch mitgeteilt. Sechzehn Lehrlinge und zwei Gesellen hatte der Schlossermeister August Schemmerling im September v. I. in seiner Werkstatt beschäftigt. Das war denn schließlich auch dem Gewerbeinspektor ein zu starkes Stück von Lehrlingszüchterei und es wurde auf dessen Veranlassung dem zünfttgen Meister untersagt, weitere Lehrlinge einzustellen, so lange wenigstens nicht, als ein besseres Verhältnis hinsichtlich der Zahl der Lehrlinge zu der der Gesellen hergestellt. Doch der biedere Meister, der außerdem ein frommer Mann ist. er gehört der Baplistengemeinde an, wußte sich zu helfen. Er stellte jetzt wieder drei junge, aus der Schule entlassene Knaben ein. aber nicht als Lehrlinge, sondern als Arbeitsburschen, ließ sie aber dieselben Arbeiten wie die Lehrlinge machen. Er hatte sich deshalb vor dem Schöffengericht zu verantworten und führte dort zu seiner Entschuldigung an, er habe geglaubt, ein gutes Werl zu tun, denn er werde von Leuten, die ihre Söhne bei ihm lernen lassen wollen, geradezu überlaufen. Das Gericht ist zwar der Ansicht, daß diese Bestimmung in der Gewerbeordnung, daß ein entsprechendes Vcrhälttns zwischen der Zahl der Gesellen und Lehr- linge bestehen inuß, sehr segensreich ist: denn heute könne nur der in der Welt ein gutes Fortkommen haben, der etwas TüchttgeS gelernt hat. Eine gute Ausbildung sei aber bei einer solchen Lchrlingszahl nicht möglich. Trotzdem verurteilte es den Lehrlings- züchter nur zu 20 M. Geldstrafe. Die 20 M. schlägt der Schlossermeister durch die Lehrlingsarbeit sehr bald wieder heraus. Serlcbts- Leitung. Bestrafung eines BaterS, weil er für seine Tochter eintrat. Wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und Beleidigung ist am 30. November v. I. vom Landgerichte Liffo i. P. der Schuh- machcrmeistrr Franz Kouieczny in Gostyn zu zwei Wochen GefLng- nis verurteilt worden. In der Schule in. Gostyn, namentlich in der ersten Mädchenklasse, hatten sich die Kinder geweigert, deutsch zu antworten. So auch die Tochter des Angeklagten, Josefa. Sie hatte auch die anderen Kinder hierzu überredet, und diejenigen, die ihr nicht folgten, Hakatisten genannt. � Die Lehrerin, der dies an- gezeigt wurde, ließ sie40MinuteninderEckestehen. Zu Hause sagte das Mädchen, sie müsse Tropfen nehmen; es sei ihr schlecht geworden. Der Hauptlehrer Schmidt stellte sie am Nachmittage zur Rede, weil sie gesagt hatte, sie mache sich aus den Lehrern und Lehrerinnen nichts. Er ließ sie aus der Bank heraustreten, um sie zu schlagen. Sie trat aber nicht heraus. Darauf schlug er sie mit dem Stocke über den Rücken. Tags darauf erhielt Schmidt vom Angeklagten einen Brief. Es wurde darin gesagt, er habe das Mädchen»ordinär gezüchtigt und bestialisch bestraft". Er selbst. K., habe ihr befohlen, nur polnisch zu antworten, und sie habe sich nach ihren Eltern zu richten. DaS Gericht hat in dem Briefe eine Beleidigung und den Versuch erblickt, den Lehrer zur Unter- lassung einer Amtshandlung zu nötigen. Die Ziichffguug eines Schulmädchens, so heißt es im Urteil, ist eine Amtshandlung des Lehrers. Durch Drohung mit strafrechtlicher Verfolgung wollte der Angeklagte den Lehrer von weiteren Züchtigungen abhalten.— In seiner Revision führte der Angeklagte aus: Die Ueberschreitung des Züchtigungsrechtes ist ein Mißbrauch der Amtsgewalt; nur vor solcher wollte der Angeklagte seine Tochter schützen.— Das Reichs- gericht erblickte in dem Urteile keinen Rechtsirrtum und verwarf am Dienstag die Revision. Das Urteil ist mit dem gesunden Rechtsempfinden von Eltern unvereinbar. Würden die Richter auch dann noch nicht annehmen, ein solcher Brief sei in Wahrnehmung berechtigter Interessen ge- schrieben, wenn i h r Kind geschlagen würde? Würden sie auch dann annehmen, das Verprügeln des Kindes— nach vernünftiger pädagogischer Ansicht stets ein Beweis für die Unfähigkeit zum Er- ziehen— sei eine„Amtshandlung des Lehrers"? Und wenn ja: würden sie dann nicht mit allen Kräften darauf hinwirken, daß eine Rechtsordnung, die die Bejahung dieser Fragen erheischt, geändert werde? Mögen die Eltern die erforderliche Nutzanwendung aus dem Prozeß ziehen und ihre Kinder so erziehen, daß derartige Urteile auch in Deutschland unmöglich werden. Eine Verordnung vom 1. Mai 1804 vor Gericht. Die Dorf-Polizeiverordnung für das Herzogtum Schlesien und die Grafschaft Glatz sjetzige Provinz Schlesien) vom 1. Mai 1804 ist eine auf Friedrich Wilhelms III. Veranlassung herausgegebene Sammlung von gesetzlichen Bestimmungen, die„für den gemeinen Landmann in allen seinen Verhältnissen von Bedeutung sind". Ein Abschnitt regelt auch den Nachtwachtdienst in den Dörfern. Sein ß 2 bestimmt dann:„Die Wächter, die nachlässig sind bei der Ausübung des Dienstes, sind mit Stock- a r r e st zu bestrafen." Wegen Uebertrctung dieser Bestimmung hatte sich der Wächter Richter� vor dem Landgericht Oels zu verantworten. Dieses sprach ihn wegen Ungültigkeit der Vor- schrift frei. Die Staatsanwaltschaft legte Revision e i n und machte geltend, die Ordnung gelte noch, nur daß jetzt nicht mehr auf Stockarrest, sondern nur auf Haft erkannt werden könne. Das Kammergericht verwarf aber am 18. d. M. die Revision. Es erklärte ebenfalls die Verordnung für un- gültig, indem es ausführte: Durch diese Angelegenheit sei der Senat fast zum Altertumsforscher geworden. Es sei zu unter- suchen gewesen, was Stockarrest bedeute. Die Polizeiverordnung von 1804 enthalte nichts darüber. Auf Grund von archivalischen Studien habe der Senat Verordnungen von 1781 und 1784 er- mittelt, welche Aufschluß geben. Danach komme Stockarrest zur Anwendung, indem der Delinquent„mit Händen und Füßen in den Stock eingeschlossen werd e". Es sei anzunehmen, daß die Dorf-Polizeiverordnung von 1304 die- selbe Vorstellung damit verbinde. Dann handele es sich aber um eine Leibes st rase. Solche Strafen seien aber beseitigt, und zwar schon durch das preußische Strafgesetzbuch. Darum sei die Vorschrift ungültig und R. mit Recht freigesprochen. Ternrifchtcs. Der Arsrnalbrand in Tonlon. Meldungen zufolge sind durch den Brand im Arsenal fünf große Gebäude zerstört. Vierzig Personen sind ver- wundet, drei davon tödlich. Die meisten Blätter widmen den, Brande des Touloner Marinearsenals eingehende Arttkel und heben hervor, daß dort in der Tat zu häusig Explosionen, Feuersbrünste und sonstige Katasttophen vor- kämen. Man könnte kaum die Vermutung zurückweisen, daß es sich nicht bloß um ein zufälliges Zusajnmeutteffen handele, und wenn auch die gestrige Feuersbrunst nicht von verbrecherischen Händen an- gelegt sein sollte, so müsse man doch sagen, daß diese häufigen Brände Zeugnis ablegten von einer ganz ungewöhnlichen Nach- lässigkeit seitens der Arbeiter und von einer sträflichen Sorglosigkeit seitens der mit der Ueberwachung bettauten Organe. Der Marineminister erhielt gestern ein Telegramm des Touloner Seepräfetten, nach welchem die Auffindung der aus Hobelspänen und Werg gedrehten Lunte in keinem Zusammenhang mit der Feuers- brunst stehe. Die bisherigen Ergebnisse der Untersuchung hätten keine Anhaltspunkte für die Annahme ergeben, daßlein verbrecherischer Anschlag vorliege._ Eine Explosion schlagender Wetter erfolgte nach Dortmunder Meldung gestern ftüh auf Zeche„Scharnhorst", bei der 4 Bergleute leichte Verletzungen davontrugen. Die Ursachen der Schiffskatastrophe der„Berlin". Das Londoner Seeamt hat jetzt über die Schuldfrage in dem Prozeß wegen Untergangs der„Berlin"� entschieden. Danach war der Grund des Scheiterns eine irrtümliche Beurteilung seitens des ertrunkenen Kapitäns, die darin bestand, daß er unter den herrschenden Wetterverhältnissen versuchte, in die neue Wasser- straße einzulaufen. Ferner: Das Schiff wurde nicht zu allen wesentlichen Zeiten mit der gehörigen seemännischen Sorgfalt navigiert und gehandhabt. Der Verlust des Schiffes und so vieler Menschenleben wurde durch eine irrtümliche Beurteilung, be- stehend in dem Einlaufen in die neue Wasserstraße unter den herrschenden Wettervcrhältnissen und der Unterlassung genügender Berüasichtigung des Windes und Seegangs veranlaßt. Der Ge- richtshof weist in seiner Entscheidung auf die drohende Gefahr eines Unglücks hin, welche diejenigen Kapitäne liefen, die, wenn ihnen viele Menschenleben und wertvolle Gegenstände anvertraut wären, die Verantwortlichkeit auf sich lüden infolge übermäßigen Selbstvertrauens oder des Wunsches, ihren Dienstherren gefällig zu sein. Die Genickstarre tritt, wie aus St. Ingbert gemeldet wird. dort wieder stärker auf. Täglich werden Kranke den Isolierbaracken zugeführt. Mehrere Fälle sind wieder tödlich verkaufen. Im ganzen dürsten im Bezirk bis jetzt etwa 100 Personen von der Krankheit heimgesucht worden sein. Acht Arbeiter verletzt. Auf der Lokalbahnstrecke Ochsenfurt— Roettingen fuhr gestern abend eine mit Arbeitern besetzte Draisine auf einen auf dem Gleise stehenden Schotterwagen. Hierbei wurden acht Arbeiter mehr oder weniger schwer verletzt. Ein Riesenbrand brach, wie das RegenSburger„Morgenblatt" meldet, gestern früh in Donaustauf in einem Sägewerk am Fuße des Schloßbergs aus, dem bis ö Uhr 13 Häuser zum Opfer fielen. Dieser Teil deS OrteS war bei dem großen Brande im Jahre 1830 verschont geblieben. Ein russischer Kncitzel. Warschauer Blätter melden auS Lublin: Ein von der Polizei verfolgter Räuber namens Liß ver- steckte sich in einer Schmiedewerkstätte. Polizei und Militär um- zingelten dieselbe. Liß gab Feuer, tötete einen Polizeibeamten und verwundete einen andern. Hierauf wurden Kanonen aufge» fahren und die Schmiede zerstört. Liß wurde dabei schwer verwundet. Ans dem Eruptionsgebiet. Räch einer Meldung au« Valparaiso finden immer noch heftige vulkanische Erderschütterungen im südlichen Chile statt. Ucber die Stadt Valdivia sind schwere Aschenregen niedergegangen._ Wasserstand am 24. April Elb« Bei Aussig— Meter. Bei Dresden+ 14 dp.— Elve bei Magdeburg 2,95 Meter.— Oder bei Rattbor 2,32 Meter.— Oder bei vreiiau-s- 0,14 Met«.— Dü tt bei vrieg 2,96 Meter.— Neitzemaudung PSS Reter. ßntfhaften der Redaktion. Sie furtftitche Svrechftunde findet Friedrichstr. I«. Aufgang 4, eine Treppe(Handelsstätte Bellealliance, Durchgang auch Lindenstr. lol), wochentägltch von t'/i biS O'/a Uhr abends statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um K Uhr. Jeder Anfrage ist«tu Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Brieflich» Antwort wird nicht erteilt. Eilige Jragen trage nian in der Sprechstunde vor. Grünthalerstraste. Sie leben, falls nichts anderes vereinbart ist, mit Ihrer Frau auch ohne besonderen Vertrag außer Gütergemeinschaft. Sie können das Vermögen Ihrer Frau noch ausdrücklich anerkennen. Eine Uebettragung Ihres eigenen Vermögens an Ihre Ehesrau in der Absicht. allen Gläubigern die Möglichkeit des Zugriffs zu nehmen, wäre ungültig, gleichviel ob der Verttag nur schristlich oder notariell oder gerichtlich ge- schlössen ist.— Höchstestraffe. In dem statistischen Jahrbuch sür das Deutsche Reich, herausgegeben vom kaiserlichen statistischen Amt finden Sie eine Zusammenstellung der Ergebnisse der Volkszählung und der Gemeinden von mehr als 16 660 Einwohnern nach der letzten Volkszählung. Das Buch können Sie in jeder öffentlichen Bibliothek einsehen.— Rixdorf 1001. Wenden Sie sich an den Vorsitzenden Ihres Wahlvereins mit dem Ersuchen, Ihnen den letzten Jahresbericht zu geben. Der Jahresbericht enthält das von Ihnen Gewünschte und mehr. — G. N. III. t bis 3. Ja. Ueber die Höhe des Abzugs ist von Fall zu Fall zu entscheiden. 4. Ja, mit Ausnahme Verbandsgetder. Genauere Aussührungen finden Sie In dem Artikel des„Vorwärts" vom 28. März. 5. Ja.— Z. 1. Was bei der Steuerreklamation in Abzug gebracht werden kann, ist ausführlich in dem Artikel Steuersragen vom 28. März dargelegt. Sie können den Attikel in der Expedition einsehen.— Tempo. Geben Sie den Krug heraus.— C. T. Lä. 1. Nein, Sie können nur Freistellung der Räume verlangen. 2. Nein, nur Klage.— W. 0S. Wenden Sie sich an die StIstungSdepulalion des Magistrats.— — M. B. 141. Soweit aus Ihrer Schilderung ersichtlich, hat Ihre Frau, nicht Sie, das Geld zu zahlen.— Bude 133. Der Passus würde vom Gericht wohl sür gültig erachtet werden.— P. H. 108. Wenden Sie sich an die Polizei. Eine Klage gegen den Wirt.— Holz für Hast. Dem steht nichts im Wege. Daß wir schrtstliche Antwort nicht erteilen, ist am Kops des Bricskastcns bemerkt.— Fürstenivalde N. 8. Der Witt würde mit einer Klage aus Einstellung der kleinen Speisewirtschast schwerlich Erfolg haben.— Peylke. 1. Nein. 2. 0,0. Wenn alberne Behauptungen von Gegnern ausgestellt werden, so verlangen Sie Beweise. Selbstverständlich können die Gegner in einer Stunde mehr lügen, als in einem Jahre sich widerlegen läßt.— R. B. 83. Wenn Sie die von Ihnen ausgestellten Behauptungen beweisen können, so würde die Klage Aussicht aus Erfolg haben.— K. 2. 3. 1. Das Reichstagswahlgesetz können Sie in jeder öffent- lichen Bibliothek einsehen. 2. Konzession zur Herausgabe einer Zeitung ist nicht erforderlich._ Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Martlhallen-Dirrktion.(Großhandel.) Rindfleisch 1» LS— 70 pr. 100 Pfd., lla 60-65, lila 56-59, Bullensleisch la 64-68, IIa 51-62, Kühe, seit 52—58, do. mager 42—50, Fresser 50—62, Bullen, dän. 55—66, do. Holl. 00—00. Kalbfleisch, Doppellender 105—130, Mastkälber la 92—95. IIb 82—90, ITIa 00-00, Kälber ger. gen. 58—72, do. Holl. 55— 62, dän. 57— 64. taminclflclsch Mastlämmer 65—70, la 63—65, IIa 58—63, Schaft 53—56. chiveincfletsch 46—52. Rehwild, plomb. per Psd. 0,83. Rothirsch 0.00. Rothirsch. Abschuß 0,32-0,60. Damhirsch 0,00. Wildschweine 0,48. Frischlinge 0,00. Kaninchen per stück 0,70—1,00. Hühner, alte, per Stück 1,70—3,00, do, IIa 1,00—1,60, do. junge 1,60. Wolgahühner 1,00—1,80 Tauben 0,40—0,72, italienische 0,00. Emen per Stück 0,00—0,00, dito Eis» per Stück 2,75—2,90, dito Hamburger per Stück 2,50 bis 5,00. Gänse, Hamburger per Pfund ILO— 1,30, dito Eis- 0,55. Hechte per 100 Psund 86—109, klein 0,00, groß 56—70. Zander mittel 0,00, do. unsortiert 0,00. Schleie Holl. IIa 86-107, klein 125, mittel 115 bis 126. Aale, groß 119, klein 0,00, mittel 108—116, unsortiert 0,00. Plötzen, klein 35—45, do. groß 0,00, do. matt 32—33. Karpfen unsortiert 0,00, do. 80— 100er 0,00, do. 40— 50er 00—00. Bleie 00—00. Aland 0,00. Bunte Fische 53—80. Barse 0,00, do. malt 0,00. Karauschen 65. Blei- fische 0,00. Wels 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer per 100 Psd. 110—130, do. IIa»euer 90—100, do. lila neuer 75. Seelachs 20. Sprotten, Kleier, Wall 1,00—1,50, Dauziger, Kiste 0,50—0,70. Flundern, Kieler. Sttege la 3—4, do. mittel per Kiste 2—3. Hamb, Sttegc 4—5, Kalbe Kiste 2,00. Bücklinge, per Wall Kieler 2,50—3,00, Strals, 2,50—3,00, Aale, groß per Psd. l.iO— 1,50, mittelgroß 0,80—1,10, klein 0,60—0,80. Heringe P.Schock 5—9. Schellsische Kiste 3,00—4,00, do.'/a Kiste 2—3. Kabliau, ger. p. 100 Psd. 20—25. Dorsch 2,50—3,50. Sardelle», 1902er per Anker 95, 1904er 93, 1305er 80—85, 190Ser 75. schottische Bollhcttnge 1905 0,00, large 40— 44, füll. 38— 40, med. 36— 42, deutsche 87— 44. Heringe, neue MatjeS, per To. 60—120. Sardinen, ruft., Faß 1,50—1,60. Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1,60—1,75. Neunaugen, Schocksaß 11, kleine 5—6, Riesen- 14. Eier, Land-, per Schock 2,75—3,00. Butter per 100 Psd. la 106-108, IIa 103-105. Ma 98-102, absallende 90-95. Saure Gurken Schock 4,50, Pftffergurken 4,50. Kartoffeln per 100 Psund magnum bontm 2,75—3,00, Daberfche 2,75—3,00, Rosen 0,00, weiße 2,50—2,75, Salatkartoftein 0,00. Spinat per 100 Psund 15—25. Karotten per 100 Psund 20—25. Sellerie, hiesige, per Schock 4,00—10,00, do. pommersche 12,00—15,00. Zwiebeln große, per 100 Psund 4,00, do. kleine 3,50—4,00. do. hiesige lPerl«) 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün. Schockbund 1,00—1,50. Kohlrabi per Schock 0,00. Rettig, bahr, per schock 2.40—4,80. Mohrrüben per 100 Psund 3,50—4,00. Teltower Rüben per 100 Psd. 6—8. Weiße Rüben, große 0,00, kleine 0,00. Rote Rüben 0,00—0,00. Blumenkohl ital per Korb 3,00—6,00. Kohlrüben per Schock 2,00—2,50. Wirsingkohl holländ., per Schock 20—26. Rotkohl holländ., per Schock 22—30. Weißkohl per 100 Psd. 0,00-0,00. Rosenkohl per 100 Psd. 0,00. Sprutkohl Per 100 Psund 8—10. Rhabarber 100 Bund 4,00—6,00. Birnen, per 100 Psd. hiesige 15-18, böhm. 0,00, ital. 0,00. Aepftt, per 100 Pid., hiesige 8—20, Tiroler, Kiste 0,00, Calville, Kiste 70-110, Amerikanische in Fäss. 15,00-30,00, Ital., Kiste I a 10,00-20,00, extra 18,00 bis 26,00. Zitronen. Messina. 300 Stück 7,50—10.00, 360 Stück 8,00-10,00, 200 Stück 8,00-12,00. Slpselsinen. Jaffa, per Kiste 0.00, Murcia 200 er Kiste 6-9. do. 300 er 7-10, Valencia 420 er Kiste 8-24,00, do. 714er 15—20,00, Messina. 100er 4,00-6, 150er 4,75— 6, 1L( er 8-13,00, 200er 7,50-12, 800« 8-13, Blut- 100er 5-7,50, do. 150 er 6-8,00, 80 er 6,00-8,00._ Wtttcruiigsüdrrstcht vom S4. April Iv»7, morgen»(t IIB«. Wetter- Prognose für Donnerstag, den SS. April 1007. Etwas kühler, zcltiveise heiter, jedoch unbeständig mit einzelnen Regen« schauern und ziemlich srijchen nordwestlichen Winden. Berliner ÄetterBur«au. J für die nächste Nummer müssen spätesten» bis 5 Uhr nachmittag» de» vorherigen TageS in«userer ...... Expedition abgegeben werben...... 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Bauten der Firma Akt.- Ges. für Bauausführung: Hardt u. Lesser, von der Heydtftraße 12. Ritterstraße 11, Fabrikgebäude. Bau der Firma Schüler: Wilmersdorf, Landshuter- u. Ber linerstr.- Ede, Bau Bielle. Banten der Firma Gebr. Schaar: Belder u. Plathen, Lichtenberg, Dorfstraße 9. Mig u. Genest, General Papestraße. Ellauerstr. 4. Berlin. Drud u. Verlag: Borwärt Charlottenburg: Franksen, Wangenheimstr.- Ede. Banten der Firma Hegelmann: Schaum, Wilmersdorf, Kaiser Allee, Ede Wilhelmsaue. Schulz, Jungfernheide, Mindenerstraße. Bauten der Firma Braun: Müller, Rigdorf, Cranoldplay, Fensterbau. Bauten der Firma Grünberg, Markgrafendamm: Springer, Schöneberg, Luther- u. Freisingerstraßen- Ede. Ede Bau der Firma Stellmacik: Pankow, Spandauerstraße, Kreuzstraße. Lux, Düsseldorferstraße. Bauten der Firma C. Prächtel, Lausitzerfir. 10: Dahlem, Botanischer Garten. Birchow- Serankenhaus, Seestraße. Packhof, Alt- Moabit. Bau der Firma Heinemann: Bell u. Klement, Charlottenburg, Schillerstr. 121-122. 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Banten der Firma Strotthoff: Herold, Charlottenburg, Giesebrecht. ftraße 17. Gutzeit, Ufer und Martin Dpitstraßen- Ede. Bau der Firma Noack, Hennigsdorferstraße: Giller, Nord- Ufer, zwischen Lhnar ftraße und Ringbahn. Bau der Firma Pohl& Sohn: Schossow, Charlottenburg, Sybell straße 61-62. Bauten der Firma L. Lassen: Demme, Urbanstr. 94. Schmadide, Elberfelder und Dortmunderstraßen- Ede. Blankenfeld, Müllerstr. 152. Lassen u. Brefinsky, Borhagen. Bau der Firma Hoffmann, Wollinerstr. 27a: Gleimftr. 46/47. Bauten der Firma Holstein: Schule, Lichtenberg, Scharnweber straße 22. Sonntag und Grhfiusstraße Ede. Bau Johmann, Frankfurter Chauffee 112. Bau der Firma Schneider, Griebenowstraße: Adalbertstr. 9. Altendorf, Charlottenburg. Bauten der Firma Schwarze, Nirdorf, Nogatstr. 25: Rigdorf, Emserstr. 32-34. Rigdorf, Siegfriedstr. 6. Bau der Firma Mitsch, Bar nimftr. 22: Christburgerstr. 41. Bauten der Firma Walter, Uferstraße: Töpfer, Pankow, Binzstraße. Töpfer, Pankow, Nordbahnstraße. Groß, Lichtenberg. Bauten der Firma Schrammer in Rigdorf. Hedemann, Inn- u. DonaustraßenEde. Thiemann, Rigdorf, Schöneweiderstraße 20. Keller, Rigdorf, Hermannstr. 11. Tiedecke, Brit, Rudower- u. Hannemannstraßen- Ece. Kutula, Niemegstr. 13 und 14. Bau der Firma Gustrau, Rigdorf: Stier, Ober- Schöneweide, Edison. straße 40. Bau der Firma Löchel, Nixdorf: Steglit, Päschteftr. 9/10. Bauherr Lempul u. Müller. Bauten der Firma Gebr. Ruge, Cadinerstraße: Ruwald, Romintenerstr., a. d. Kirche. Mühlhaase, Treptow, Kiefholzftr. Ede Bouchéstraße. Coteniusstr. 5. Bech, Huttenstraße. Bau der Firma Klempan Nachfl. Waisenhaus in Berneuchen. Bau der Firma Kurz, Charlottenburg: Boch, Charlottenburg, Fritschstraße. Bau der Firma Sommerkorn: Frankfurter Chauffee 61 a, b, c. Bau der Firma Reuter, Steinmetzstr. 24: Haumann, Münchener Ede Rofen heimerstraße. Bau der Firma Volkmann, Bankow: Lichtenberg, Eitel- und Rupprecht. straßen- Ece. Bau der Firma Dombrowski, Sounenburgerstraße: Tauisch u. Bethäuser, Wilmersdorf, Uhlandstr. 77. Bau der Firma Rösner, Boeckhstraße: Grosser, Wilmersdorf, Bayrischestraße 28-29. Treppengeländerbrauche. Banten der Firma Schmidt& Co., Schönhauser Allee: Wilmersdorf, Kaiser- Allee u. Sieg lindestr.- Ecke. Bauten der Firma Hundt, Grimmstraße: Beitscher, Kurfürstendamm 171/72. Haaje, Zehlendorf, Riemeisterstraße. Banten der Firma Törmer& Scharlau: Wilmersdorf, Kaiser- Allee 202. Schahorn u. Trödel, Gottlieb Kinkelftraße. Bauten der Firma Geißler, Dieffenbachstraße: Friedenau, Stubenrauchstr. 12. Mattner, Friedenau, Isoldestr. 6. Bauten der Firma Pasch, Pfarrstraße 35: Buggenhagen, Lichtenberg, Pfarr. ftraße 5. Wolf, Nieder- Schöneweide. Baut der Firma Stahl, Kurfürstenstraße 37: Beyer, Friedenau, Condriftraße. Bau der Firma F. Peschel & Söhne: Bertram, Schöneberg, Martin Luther ftraße 27. Bauten der Firma G. Bruns, Boppstraße: Lankwiz, Kurfürsten- und Froben straßen- Ede, Köhler. Roscher, Schöneberg, am Bahnhofe Papestraße. Bauten der Firma Völker, Tempelhof. Hübner, Charlottenburg, Bismard, Ede Weimarerstraße. Billa Werner, Klein Glienice bei Potsdam. Paulsen, Schlüterstr. 33/34. Lehmann, Dahlmannstraße, Ede Garvinusstraße. Bau der Firma Lindgren. Rigdorf: Wilde, Böhmischestraße, Ede Schu domastraße. Bauten der Firma Jensen & Wodrich: Prinz Regentenstr. 116, Bau Last. Bauten der Firma Grieser, Stegli, Heesestraße: Krüger, Lichterfelde, Chauffeestraße Ede Stegligerstraße. Bauten der Firma Meinhardt, Dennewitzstraße: Schönebergerstr. 27. Wilmersdorf, Hildegardstr. 25. Lange, Livländischestr. Bauten der Firma Brandenburg, Wilhelmstr. 124: Suarezstr. 13. Bau der Firma Vogt& Söhne, Stendalerstr. 6: Thiele, Wilmersdorf, Nassauischestraße. Bauten der Firma Fröbe, Hollmannstraße. Ueberholz, Kurfürstendamm 168/169. Bau der Firma Marzahn: Wilhelmstr. 45/46. Wegen Streit und Differengen gesperrt: Für Vergolder: 3. C. Pfaff, Beughofstraße. Die Ortsverwaltung. Bau der Firma Scharwis: Stödel, Friedenau, Cranachstraße. Bauten d.Firma Weise, Moabit: Charlottenburg, Kaiser Friedrichstr.1. Rigdorf, Schudowerstraße 5. Buchbruderei u. Berlagsanstalt Bar Singer& Co., Berlin SW.