Nr. 97. Abonnements- Bedingungen: abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 8,30 M., monatl. 1,10 R., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Big. Post. Elbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Boft Beitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Crideint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 24. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 60 Big., für bolitische und gewerkschaftliche Bereinsund Versammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebrudte) Wort 20 Bfg., jebes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf stellen Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Bort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müffen bis 5 11hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition i bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ..Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernivrecher: Amt IV. Mr. 1983. Parlamentarische Regierung. So oft aus den Reihen der Linksliberalen das neuerbings beliebt gewordene Schlagwort parlamentarische Regierung" ertönt, werden einige Reaktionäre nervös und beweisen haarklein, daß ein solches System in Deutschland„ unmöglich" sei. So hatte Dernburg, der Vater, vor einiger Zeit behauptet, Bismard habe im Jahre 1878 eine parlamentarische Regierung bilden wollen, wofür er von Herrn Dertel sehr derb abgekanzelt wurde. Bismard, sagte der, habe nie eine parlamentarische Regierung bilden wollen, und Bülow dente ebenso wenig daran. Freitag, den 26. April 1907. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1984. damals einen offenen Brief an Bismarck, unterzeichnet von 46 Stimmen der Anschluß des Verbandes an die Bestrebungen der Internationalen Arbeiterassoziation ausgesprochen wurde. I ,, einigen stillvergnügten Republikanern", wo es hieß: Die Freiheit der Ausbeutung. Unser Freund Friedrich Hecker sagte einst in einer Boltsrede:„ Bevor man euch Deutschen nicht Riemen aus dem Rücken schneidet und euch damit durchhaut, erwacht ihr Es ist eine hohle Phrase, eine leere Redensart, wenn die nicht aus eurer Trägheit". Sie( Bismarck) sind nun der Mann, Bourgeoisie der Arbeiterpartei die Heiligkeit der individuellen Freider dieses tut. Gewissermaßen haben Sie das selbst ausgesprochen, heit" entgegen hält. Wohl ist die individuelle Freiheit heilig, aber denn das Eisen, von dem Sie drohend sprachen, ist offenbar das, wo ist sie? jenige, womit Sie diese Riemen ausschneiden, und das Blut, das damit in Verbindung steht, ist dasjenige, das bei dem Ausschneiden bergossen wird.... Ohne Ihr Wissen und gegen Ihren Willen handeln Sie im Interesse von ganz Deutschland, indem Sie den Republikanern die schwere Hälfte ihrer Arbeit, das Auf regen oder sogenannte Wühlen abnehmen. Denn wir gestehen gern ein, daß in dieser Beziehung alle anderen nur Stümper im Verhältnis zu Ihnen find." sans phrase. Freiheit setzt gleiches Recht voraus; doch vergebens suchen wir im Staate nach der Gleichstellung der Arbeiter gegenüber den beiden herrschenden Klassen. Das größere Maß der Rechte, das größere Maß der Freiheit gehört der Bourgeoisie und der Aristokratie, und diese Ungleichheit stempelt die individuelle Freiheit, welche die herrschenden Klaffen im Munde führen, zur Willfür. Diese individuelle Freiheit der Bourgeoisie heißt: Unantastbarfeit und Kapitalherrschaft!" " Wenn Bismarck 1878 den Nationalliberalen wirklich von einer„ parlamentarischen Regierung" gesprochen hat, so hat er irgend einen Humbug mit denselben vorgehabt, ähnlich wie Auch hier täuschte man sich. Bismard wußte durch seine in seiner gelegentlichen Aeußerung, er sei eigentlich Re- Unverfrorenheit den Liberalismus zu verblüffen und sein ver- ,, Wenn aber der Arbeiter mehr Arbeit leistet, als er bezahlt erpublikaner". Daß unter Bülow an eine liberale parla- fassungswidriges Regiment so lange fortzuführen, bis er zum hält, wer wagt es, ihm die Gerechtigkeit seiner Forderung zu be mentarische Regierung nicht zu denken ist, ergibt sich aus der Striege gerüstet war. Er trat eben einfach nicht zurüd wie streiten, daß er seinen Anteil an dem Arbeitsprodukte erhalte? Nicht Sachlage selbst, und der reaktionäre Meergreis Schmoller seine beiden Vorgänger in der Regierung, und der verblüffte um eine Zerstörung des Nationalreichtums handelt es sich, sondern hätte sich und anderen den ledernen Artikel, mit dem er in Liberalismus wußte die Situation nicht zu benutzen. Bismard um eine gerechte Verteilung des Arbeitsertrages. Das ist das der Neuen Freien Presse" gegen das parlamentarische Re- spielte ein abenteuerliches, verwegenes Spiel; wäre Moltte bei foziale Broblem, welches zu lösen ist, oder mit anderen Worten: giment zu Felde gezogen ist, ersparen können. Königgrät geschlagen worden, dann wäre es Bismarck schlimm an die Stelle der Armut, Ohnmacht und Unwissenheit, welche das Der deutsche Liberalismus ist nämlich gar nicht fähig, ergangen. Aber der Hinterlader siegte über den Vorderlader Los der Arbeiterklasse sind, sollen Wohlstand, Bildung und Freiheit eine parlamentarische Regierung zu übernehmen. Das läßt und Bidmard gewann fein Spiel. Die militärischen Erfolge treten." sich aus seiner Vergangenheit unschwer erweisen. berwandelten den eben noch widerspenstigen und grollenden* Proletariat und Militarismus. Der Versuch, sich zu einer parlamentarischen Regierung auf Liberalismus zum größten Teil in eine Partei Bismarc, Aber es ist nicht allein die Ausbeutung seiner Arbeitskraft durch zuschwingen, wurde bekanntlich von der liberalen Mehrheit das Kapital, welche den Arbeiter zu Boden drückt. Auch der schwerste des preußischen Abgeordnetenhauses in den sechziger Jahren Darum konnte sich dieser Liberalismus auch nach der Teil an Steuern, an Geld und Blut lastet auf ihm. Die für ihn unternommen. Die damalige liberale und demokratische Gründung des Reiches nicht mehr zu einem ernsten Versuche mit unentbehrlichsten Lebensmittel sind es, von welchen der Staat die Strömung im preußischen Volke war der naturgemäße Gegen- bem parlamentarischen Regiment aufschwingen. Bismard hätte größten Steuern erhebt und, nicht genug damit, reißt er ihn plößlich stoß auf die finstere Reaktion der fünfziger Jahre und diese damals zu vielen Ronzessionen gezwungen werden können; von der Arbeit hinweg und zwingt ihn, nicht nur die schönsten Strömung war so start, daß sie die Mauern des Dreiklassen einer entschlossenen Parlamentsmehrheit hätte er nachgeben Jahre seiner Jugend unproduktiv in der Uniform zu verlieren, wahlgesetes überflutete. Die Reaktionäre wurden zurück- müssen, um die neue Einheit nicht wieder in Frage zu stellen. fondern auch für Zwecke, die nicht die feinigen sind und nie sein gedrängt. In der damaligen Fortschrittspartei befanden sich Aber Liberalismus" war damals schon beinahe gleich werden, seine gefunden Glieder und sein Leben einzusetzen. Gibt es Leute, die während der Revolution von 1848 hervorgetreten bedeutend mit Servilismus geworden, und Bismard ein anderes Mittel für den Arbeiter, diese Uebelstände zu beseitigen, waren. Jedenfalls stellten die Waldeck, Soberbed, brauchte nur mit seinem Rücktritt zu drohen, um diesen als daß er nach politischer Macht trachtet, daß er der Bourgeoisie Virchow usw. damals einen viel fräftigeren Libe Liberalismus" in allen Stücken gefügig zu machen. und der Feudalpartei das Recht entreißt, ausschließlich Politik zu ralismus vor als die Liberalen von heute bon Wenn sich nach alledem die Liberalen der verschiedenen machen? Der Arbeiter muß gleichberechtigt neben ihnen stehen; er Bassermann bis Payer. Sie wagten es wenigstens, den Schattierungen nicht scheuen, dem Lande Hoffnung auf eine muß die Macht haben, dem Ehrgeizigen und Herrschfüchtigen, der Stampf mit dem preußischen Militarismus aufzunehmen, nach von ihnen zu erstrebende parlamentarische Regierung zu machen, ihn im 19. Jahrhundert in Krieg und Tod schicken will, dem Wilhelm I. bei seiner Strönung die nur beratende dann fann man den schmerzlichen Stoßseufzer des Ameritaum etwa dem Nachbar einen Feßen Landes Feßen Landes zu entreißen, Stimme des Landtages betont hatte. Das Land stand hinter fahrers Dr. Barth wohl verstehen, welcher meinte, ein oder um sich tvertlosen Lorbeer eines Kriegsruhms um die Stirn dieser Volksvertretung, die wiederholt aufgelöst wurde, aber parlamentarisches tonservativ- fleritales Parteiregiment zu flechten, entschieden zu widerstehen. Dann wird zugleich die Fesse! trotz des Dreiklassenwahlsystems immer mit einer oppofitionellen fei tausendmal besser als der jetige berlogene Zustand. gelöst, mit welcher die Kriegsfurcht die Welt lähmt und die fruchtMehrheit wiederkehrte. Zwei Ministerien sahen sich genötigt, In der Tat der Liberalismus, wie er sich wendet und tragende Tätigkeit stört, da der Zustand von heute keine Garantie angesichts der Voltsbewegung im Lande zurückzutreten, nach breht, wie er sich färbt und schminkt, wie er sich verschmilzt bietet, was morgen sein werde. Frieden ist es, was die Arbeit dem die Abstimmungen des Abgeordnetenhauses gegen sie aus und gruppiert er wird's nicht mehr bessern. gefallen. Nun schien die Bahn zur definitiven Begründung einer fonstitutionellen und parlamentarischen Regierung in Preußen gebrochen da erschien Bismarck auf dem Plan, den der Stönig in seiner Bedrängnis an die Spike der Regierung berufen hatte. " Robert Schweichel. aber braucht, und der Ehrgeiz der Dynastien ist es, der ihn, gestützt auf die bestehenden Heere, fortwährend bedroht. Darum fort mit den stehenden Heeren, auf daß die Arbeit zu ihrem vollen Rechte gelange! Wer den Arbeitern fagt, daß sie sich nicht an der Politik beteiligen brauchen, um alle diese Uebelstände zu beseitigen, der ist ein Verführer, welcher sie mißbrauchen will zu Zwecken, die gegen ihre eigenen Interessen gerichtet sind. Er will sie mißbrauchen im Interesse entweder der Bourgeoisie oder der Konservativen. Oder glauben Sie, meine Herren, daß der parlamentarisch aufgeputzte Absolutismus der Gegenwart uns volle Gleichberechtigung, allgemeines Wahlrecht, freies Versammlungs- und Koalitionsrecht Kriegsministerliche Bußpredigten. Erst wenige Tage sind es her, daß das deutsche Proletariat in Ueber diese Bedrängnis am Hofe äußert sich Bismarck unübersehbarem Zuge einen seiner Alten, Ignaz Auer, zu Grabe geselbst in seinen Gedanken und Erinnerungen", indem er leitete. Heute steht das deutsche Proletariat an der Bahre eines schildert, wie er dem von Baden- Baden zurückkehrenden König anderen unvergeßlichen Toten. Robert Schweichel, ein bis Jüterbog entgegenkam: Senior der deutschen Sozialdemokratie und ein Senior der deutschen „ Ich erwartete den König in dem noch unfertigen, von Literatur, ist im 86. Lebensjahre verschieden. Reisenden dritter Klasse und Handwerkern gefüllten Bahnhof, Welcher Kontrast zwischen den beiden Toten und doch welche gewähren und an die Stelle der stehenden Heere, welche unseren im Dunkeln auf einer umgestürzten Schiebkarre sigend. verwandten Züge in ihrer innersten Wesensart. Auer aus Schweiß nuglos verzehren, die Boltsbewaffnung segen werde, wenn Ich hatte einige Mühe, durch Erkundigung bei furz angebundenen der Tiefe des Volkes hervorgegangen, fraftvoll emporgewachsen zum wir die Hände in den Schoß legen?... Der demokratische Staat Schaffnern des fahrplanmäßigen Zuges den Wagen zu ermitteln, redegewaltigen politischen Führer und Organisator des Klassen- ist es daher, welchen wir erstreben müssen!" in dem der König allein in einem gewöhnlichen Coupé erster Klasse bewußten Proletariates. Schweichel von bürgerlicher Herſaß. Er war unter der Einwirkung des Verkehrs mit seiner funft, der Sohn eines Kaufmanns, ein Akademiker Gemahlin sichtlich in gedrückter Stimmung, und als ich gleichwohl ein Workämpfer des sozialistischen Proletariats. War Auer mir die Erlaubnis erbat, die Vorgänge während seiner Ab- durch die Schule des proletarischen Daseins zum Sozialdemokraten wesenheit darzulegen, unterbrach er mich mit den Worten: Ich geworden, so war der freiheitsbegeisterte Student Schweichel durch Dem preußischen Kriegsminister v. Einem scheinen die fehe ganz genau voraus, wie das alles endigen wird. Da vor theoretische Studien, durch wissenschaftliche Reife zum Bekenntnis des Lobsprüche und Vertrauensvoten, die ihm die bürgerliche dem Opernplatz, unter meinem Fenster, wird man Ihnen proletarischen Sozialismus, des modernen Klaffentampfes gelangt. Mehrheit des Reichstages am Mittwoch so überreichlich den Kopf abschlagen und später mir." Und wie er sich schon als Siebenundzwanzigjähriger an das Bolt spendete, schon zu Kopf gestiegen zu sein. War er am Wilhelm I. glaubte also, die preußischen Fortschrittler wendete und in dem Sturmjahr 1848 den Königsberger Arbeiterverein Mittwoch scharf gegen die Sozialdemokratie, so ward er am wollten Langes Barlament" oder„ Konvent" spielen und gründen half, so schloß er sich zwei Jahrzehnte später, in der Donnerstag schärfer. Gegen die Schärfe an sich hätten wir seien fähig, ein neues 1649 oder 1793 erstehen zu lassen. Bollkraft seines Lebens, offen der modernen Arbeiterbewegung an, nichts einzuwenden, aber Herr v. Einem gefällt sich dabei in Von seiner Kamarilla wurde er darin bestärkt, die einen so befannte er sich mit aller Schärfe zum internationalen Sozia einer Ueberhebung, die dadurch nicht besser wird, daß sie sich Staatsstreich erhoffte, wozu Wilhelm, wie man sieht, sich nicht lismus. in die Form biedermännisch- patriarchalischer Wendungen fleidet. entschließen wollte. Er scheint ein tragisches Schicksal für un- Freilich war Schweichel nicht in erster Linie Politiker, sondern Wie ein Hauptmann feinen Leuten, erlaubt er sich den Sozialvermeidlich gehalten zu haben. Künstler. In den letzten Jahrzehnten feines langen Lebens trat demokraten und den Polen halb väterlich- warnende, halb strenger politisch nicht mehr hervor. Aber seine sozialistische Welt- drohende Strafpredigten zu halten, ein Beginnen, dessen Unanschauung trat in lebendiger Gestaltung in seinen dichterischen angemessenheit nur durch seine Komik übertroffen wird. Werken zutage. Genosse Noste hatte zu Beginn der Sigung die Kritik Robert Schweichel war eine jener seltenen Künstlergestalten, des Genossen Bebel ergänzt und diverse Einwände der bürgerdie nicht im Hochgefühle ihrer vermeintlichen Ueberlegenheit oder lichen Redner vom Mittwoch kritisch beleuchtet, insbesondere aus artistischer Engherzigkeit und politischer Gleichgültigkeit die auch die saubere Taktik der Rechten gekennzeichnet, gegen einen Seine für richtig erklärten Antrag Berührung mit der profanen Maffe zimperlich scheuen. - den auf Aufbesserung des geistige Regsamkeit führte ihn zur Beschäftigung mit der Politik und Mannschaftssoldes lediglich deshalb zu stimmen, weil er fein politisches Interesse erschöpfte sich nicht in ein paar liberal- demo- von Sozialdemokraten gestellt wurde. Zum Schluß legte er fratischen Phrasen, sondern drängte ihn zu wirtschaftlichen Studien, dar, daß Gegnerschaft gegen den Militarismus nicht die ihn für immerdar für den Sozialismus gewannen. Das deutsche Gegnerschaft gegen gegen die Wehrhaftigkeit der Nation beund wenn daß, auch die Proletariat bedeckt den Sarg dieses Intellektuellen" mit den deutet Arbeiterschaft Immortellen der Liebe und der Dankbarkeit! im Falle eines Angriffstrieges ihre Pflicht tun werde, so doch Begeisterung fürs Vaterland nicht in einem gebüttelten Proletariat aufkommen kann. Bismarc tannte die Liberalen besser. Er wußte, daß sie nicht so gefährlich waren, und nahm die Geschichte gar nicht ernft. " Ich erriet," erzählt er weiter, und es ist mir später von Bengen bestätigt worden, daß er( der König) während des acht tägigen Aufenthaltes in Baden mit Variationen über das Thema Bolignac, Strafford, Ludwig XVI. bearbeitet worden war. Als er schwieg, antwortete ich mit der kurzen Phrase: ,, Et après, Sire?" " Ja, après, dann sind wir tot," erwiderte der König. " Ja," fuhr ich fort, dann sind wir tot, aber sterben müssen wir früher oder später doch, und können wir anständiger umfommen?" Und auf der Fahrt nach Berlin brachte er den König in „ eine fröhliche, faj, tampflustige" Stimmung hinein! Der verstand sein Metier! Zur Kennzeichnung des Politikers Robert Schweichel Was der König Wilhelm von dem oppositionellen mögen einige Zitate beitragen, die der Programmrede bes Der Kriegsminister bestritt die Säbelrasselei, gegen die Liberalismus befürchtet hatte, das hofften die radikalen Demo- Verstorbenen auf dem Nürnberger Verbandstage des Verbandes sich der sozialdemokratische Redner gewendet hatte, und hielt fraten von dem Verfassungskonflift in Preußen. Der alte deutscher Arbeitervereine entnommen find. Diese Programmrede dann eine militaristische Kapuzinade, die wir im Eingang Revolutionär von 1848, Gustav v. Struve, veröffentlichte trug nicht zuletzt dazu bei, daß nach heftiger Debatte mit 69 gegen schon charakterisiert haben. Mit allerlei Scheinargumenten „bewkeS" er die Minderwertigkeit des Milizsystems. DaS■ jetzige Heersystem ist ein Meisterwerk. und ein Verbrechen ist es. daran zu rütteln. ein Ver- brechen, das sich an seinen Vertretern schwer rächen wird. Weh denen, die auf den falschen Wegen wandeln— ober sagt v. Einem im Butzpredigtstil den Sozialdemokraten und den Polen und hängt zum Schluß einen im hoch- fahrendsten Kommandoton gehaltenen„Rüffel" an. Der polnische Redner, Graf M i e l z y n s k i, hatte be- fonders die Gehässigkeit des Militärboykotts gegeißelt. Der Schwatz des Reichslügenverbändlers Hagemann, der sich st la Liebert in unqualifizierbarer Weise gegen die Sozialdemokratie wandte, fand eine Abfertigung durch eine persönliche Bemerkung Bebels, der auch dem Kriegs- minister die Fähigkeit absprach, die Ideen der Sozialdemo- kratie verstehen zu können. Dann wurde die Generaldebatte durch einen Schluß- antrag beendet und die sozialdemokratische Resolution, die eine höhere Löhnung fordert, sowie die Resolution der Frei- sinnigen, die eine Reform des Militärstrafrechts und des Beschwerderechts fordert, angenommen. In der Spezialdiskussion brachte eine ganze Reihe bürger- licher Redner die SpezialWünsche verschiedener Beamten- kategorien und ihrer Wahlkreise vor. Von unserer Seite er- griffen zu kurzen Bemerkungen noch das Wort Genosse Hoch, der die Praktiken der Kriegsverwaltung beim Kasernenbau kritisierte, und Genosse N o s k e zu den Forderungen der Agrarier, daß die Militärverwaltung ihnen höhere Preise für ihre Pferde zahle. Da es an ihren Geldbeutel ging, so »varen die Agrarier aller Couleur einig im Stöhnen über un- zureichende Preise, und als Genosse Noske ihnen in die Parade fuhr, heulten sie vor Wut und explodierten sie in ruppigen Bemerkungen. Die Herren sind eben sehr empfindlich, wenn ihr Portemonnaie in Frage komnit. Die Weiterberatung wurde auf Freitag»ertagt. Deutsche Anslaitdspolitik. Die durch die offiziösen Aeußerungen der„Köln. Ztg." geschürte nervöse Aufregung der sogenannten nationalen Presse über die poli« tischen MissionSfahrten des englischen Königs hat sich etwas gelegt; doch noch immer können cüiige patriotische Blätter sich nicht ent- halten, allerlei versteckte Ausfälle gegen England zu richten und das jetzige englische liberale Kabinett perfider Ab- sichten zu verdächtigen, während sie über die Unfähigkeit der Bülowschen Auslandspolitik, die Deutschland in die jetzige isolierte Position gebracht hat, vollständig schweigen, so daß. man, wenn nicht einzelne Aeuherungen das Gegenteil bewiesen, fast zu der Annahme kommen könnte, sie hielten die Unzulänglichkeit der Bülowschen Leistungen auf dem Gebiete der auswärtigen Politik für so bekannt, daß es sich nicht mehr verlohne, ihre Qualität noch zu kritisieren. Tatsächlich müßte selbst dann, wenn die eng- lische Politik die ihr zugeschriebene Absicht der„Einkreisung" Deutschlands durch den Abschluß geheimer Alliancen mit den europäischen West- und Südmächten verfolgte, der Vorwurf, Deutsch- land in seine jetzige einflußlose Stellung gebracht zu haben, sich weit mehr an die verantwortlichen und unverantwortlichen Dirigenten der deutschen Auslandspolitik richten als au daS englische Kabinett, das nichts anderes getan hat, als die Naivität der deutschen Politik im Interesse der Weltmachtstellung Englands auszunutzen. Die Aus- gäbe der Diplomatie besteht doch wohl nicht nur in äußerlicher Repräsentation, sondern in der geschickten Vertretung der poli- tischen und wirtschaftlichen Interessen des eigenen Landes. Wenn also die englische Diplomatie in geschickter Ausnutzung der falschen Schachzüge des deutschen Partners die ihr gebotene Gelegenheit ergriff, die Erregung der ftanzöftschen Bourgeoisie über die Faschoda-Affäre zu beschwichtigen und mit Frankreich zu einem Einverständnis zu gelangen, die Bloßstellung des deutschen diplo« matischen Spiels in AlgecieraS zur Steigerung seines Einflusses auf die spanische Regierung auszunutzen, Italiens Anhänglichkeit an den Dreibund auf ein minimales Maß herabzusetzen und England am Bosporus die frühere einflußreiche Stellung zurück- Zugewinnen, so hat sie lediglich— und zwar gerade vom bürger- lichen Standpunkt aus— ihre Pflicht erfüllt. Der Vorivurf, daß England in kurzer Zeit solche Erfolge zu er- ringen vermochte, trifft demnach nicht die englische, sondern die dentsche Diplomatie und besonders den Reichskanzler, der, wenn er bielleicht auch die Richtung der deutschen Auslandspolitik nicht bestimmt, doch für sie die Verantwortung trägt. Der deutschen Regierung bot sich. nach der Faschoda-Affäre die günstigste Gelegenheit, mit Frankreich zu jener„�irtsnts cordiale" zu gelangen, die England trotz Faschoda zu erreichen wußte. Doch die deutsche Auslandspolitik verstand nicht die günstige Gelegenheit zu benutzen; und als dann die marokkanische Frage auftauchte und -Spanien und Frankreich über sie verhandelten, verhielt Deutschlands zünftige Diplomatie sich zunächst völlig passiv, aber kaum schickte Frankreich sich an, seine Ansprüche auf Marokko zu realisieren, so brüskierte sie den westlichen Nachbar, anstatt die Gelegenheit zu benutzen, gegen die Unterstützung der französischen Pläne in Marokko Frankreichs Hülfe zur Stärkung des deutschen Einflusses am Bosporus einzutauschen. Ebenso kurzsichtig erwies sich die deutsche Politik in Ostasien, wo sie England zum Bündnis mit Japan verhalf. Allerdings ist die Hülflosigkeit der deutschen AuSlandspolitik nicht allein durch die deutsche Diplomatie verschuldet. Im gewissen Sinne hängen Inlands- und AuSlandspolitik zusammen. Das halb absolutistisch- militärische. zwischen feudal« romantischen Neigungen und modernen weltpolitischen Anwandlungen hin und herschwankende jetzige Negiernngssystem, mit seinem starken Einschlag an persönlicher Regiererei und persönlichen Stimmungen, verleiht nicht nur der offiziellen deutschen AuSlandspolitik einen militärischen Charakter, sondern bewirkt auch, daß daS Ausland sie als einen unberechenbaren, keinerlei feste Richtlinien einhaltenden DillettantiSmus be- trachtet, von dem man nicht wissen kann, ob er nicht in jedem beliebigen Augenblick durch persönliche Einflüsse von einem Extrem zum anderen gedrängt wird. Die Folge ist, daß Deutschlands Politik als Gefährdung einer ruhigen internationalen Entwickelung empfunden wird, und die Mächte, die gleichartige materielle Interessen und ein ähnliches parlamen- tarischeS Regierungssystem haben, sich einander nähern. Sehr richtig schrieb am 20. d. M. die liberale deutschfreundliche Londoner „Tribüne" in einem Artikel über„Deutschland und König Eduards Fahrten", eS fei ein natürliches Ergebnis der jüngsten internatio- naken EntWickelung, daß Handel, Kultur und Praxis eines ähnlichen politischen Systems die parlamentarisch regierten Staaten dazu bringe, sich einander zu nähern und so„die Gemeinsamkeit der Ideen und Ziele, die in früheren Zeiten dynastische Allianzen und Staatenverbindungen herbeiführten, in Zukunft notwendigerweise zu demokratischen Verbindungen führen" würde. Theodor Schtemann erwidert darauf in der gestrigen iFreuz-Ztg.": „Unter„liberalen" Staaten sind offenbar diejenigen mit parlamentarischer Verfassung gemeint, wobei dann freilich als politisches Dogma angenommen wird, daß die Freiheit durch politische Formen bedingt werde, und daß da? parlamentarische Regime diese Idealform darstelle. Wir unsererseits find anderer Meinung und halten monarchischen Despotismus und den Despotismus der regierenden Parlamentspartei für gleich gefährlich. Kann in beiden'Staatsformen zeitweilig ein gesundes politisches Leben gedeihen, so ist die Versuchung, die Macht zu mißbrauchen, gleich groß beim unumschränkten Herrscher wie bei der un- umschränkten Partei, und an Beispielen für beides fehlt es nicht. Niemand hat schärfer gegen den Despotismus des jetzt in der Opposition stehenden konservativen Kabinetts geeifert als die heute regierenden englischen Liberalen, und sie sind es gewesen, die in Schrift und Wort gegen die Ungerechtigkeit des südaftika- nischen Krieges protestiert haben." Die Einwendung trifft den Gedanken der„Tribüne" gar nicht, denn es handelt sich nicht darum, ob das parlamentarische oder nicht parlamentarische Regime eine größere DosiS bürgerlicher Freiheit gewährleistet, sondern darum, daß unter einem parlamen- tarischen Regiment persönliche Stimmungen und Verstimmungen nicht den Einfluß auf dieRichtung der Auslandspolitik zu gewinnen vermögen wie im Deutschen Reich preußischer Nation, und deshalb jene überraschenden Wendungen, die der Zickzackkurs der letzten Jahre aufweist, ausgeschlossen erscheinen. Ab�r selbst wenn diese Anficht falsch wäre, würde dadurch an der Wirkung der deutschen auswärtigen Politik auf die europäischen Staaten nichts geändert. Denn diese Wirkung wird nicht dadurch bestimmt, was die deutsche Auslandspolitik im innersten Kerne wirklich ist, sondern Wieste den fremden Mächten er- scheint, d. h. unter welchem Gesichtswinkel sie von diesen er- saßt und wie sie ihrem äußeren Gehaben nach von ihnen verstanden wird. Vielleicht überschätzt England in nicht genügender Berück- sichtigung der Vorliebe des heutigen deutschen Kurses für theatralische Effekte manche gehaltenen Reden; vielleicht auch nimmt es das offiziöse imperialistische Geschwätz der„No r d d. A l l g e m. Ztg." allzu ernsthaft: Tatsache ist nun aber mal, wie die politische Literatur jener Länder zeigt, daß die ausländischen Politiker solche Aeußerungen als inpulsive Offenbarungen der innersten Motive der von der deutschenRegierung befolgte»Politik betrachten und danach ihre Taktik einrichten. Wenn die Presse des nationalen Blocks nicht die kaiser- lichen Reden ständig glorifizieren, und wenn die Block- Parteien die auswärtige Politik nicht als ein Spezial- reffort der Krone betrachten wollten, dann würde das weit nützlicher für die politischen Beziehungen Deutschlands zum Auslande sein als das jetzige Verfahren, die Westmächte zu verdächtigen. Doch fast scheint es, als wenn ein Teil der deutschen Presse— allerdings nur ein sehr kleiner Teil— die Situation, in die Deutschland durch die Unfähigkeit seiner auswärtigen Politik geraten ist, durch den Appell an die Waffen korrigieren zu können glaubt. Das wäre ein frevelhaftes Spiel, denn eS hieße Deutschlands politische Zukunft aus eine höchst zweifelhaste Karte setzen. Frevelhast nicht nur insofern, als Deutschland in solchem Kriege auf keinerlei Hülfe von außen zu' rechnen hätte. sondern auch, weil daS deutsche Volk sehr wohl versteht, daß es sich um keine entscheidende Frage semer Existenz handelt, sondern ledig- lich darum, die absolute Unzuläuglichkeit seiner Diplomatie durch Aderlässe auszugleichen.' Jeskos Ehrenrettung. Die Verhandlung gegen Jcsko f. Puttkamer vor dem Potsdamer Disziplinargericht gipfelte in einer A n- klagerede des Kammerger ichtsrats Dr. Kleine, die als eine Ehrenrettung Puttkamers bezeichnet werden kann. Der öffentliche Ankläger kleidete seine Anklagerede in das Gewand einer p i k a n t e n P l a u d e r e i, wie sie wohl vor französischen Gerichtshöfen nicht zu den Seltenheiten gehören dürfte, wie sie aber vor einem seriösen deutschen Disziplinargericht kaum je gehört worden sein mag. Wir wollen allerdings von vornherein zugeben, daß Herr v. Putt- kamer in der Bildergalerie unserer Kolonialheroen zu den harmlose st en Erscheinungen gehören mag. Herr v. Puttkamer hat nur..f a h r I ä s.s i g e r w e i s e" einen Paß ausgestellt, der ein falscher Paß war. Er hat sich, wie durch Zeugenaussagen bewiesen wurde, um seine Geschäfte verteufelt wenig gekümmert. Er ist, wie aus seinen Führungsattesten hervorging, mit einem untilgbaren Leichtsinn behaftet gewesen, also mit einer Eigenschaft, die ihn unserer Kolonialverwaltung gerade zu einem verantwortungs- vollen kolonialen Posten besonders geeignet erscheinen ließ! Er hat in die Justizpflege in gröblichster Weise ein- gegriffen, weil er befürchtete, daß der Einfluß der Mission gar zu groß werden und die Behandlung der Reger allzu human ausfallen könnte. Aber trotz alledem erschien dem Ankläger und dem Disziplinargericht Herr v. Puttkamer in der Glorie einer 21jährigen aufopferungs- vollen Dien st zeit, lind das trotz seiner sich vier Monate lang ausdehnenden Erholungsreisen, bei denen er mit„dem Gelde nicht knauserte". Trotz seiner Liebes- Händel, die ihn mehr beMstigten, als seine Rcgierungs- angelegenheiten, trotz seines amtlich bestätigten Leichtsinns, trotz seiner— natürlich im„guten Glauben" erfolgten— Eingriffe in das ordnungsmäßige richterliche Verfahren; mit einem Wort, Herrn Puttkamer ist durch die Angriffe der Presse bitterstes Unrecht widerfahren, und es ist nur das eine un- begreiflich, daß einem so verdienten kolonialen Pionier noch ein Verweis und eine Geldstrafe von 1000 M. aufgebrummt werden konnte! Die sozialdemokratische Presse hat auf den Fall Puttkamer von vornherein nur seyr geringen Wert gelegt. Ihr galt der Mann nicht etwa als ein besonders verruchter Ver- brccher, sondern nur als ein Typus des von einflußreichster Seite protegierten aristokratischen Kolonialbeamten. Und wenn der Verteidiger Puttkamers, Herr Sello, darüber wetterte, daß ein solch verdienter Mann von einem blöden Janhagel verfolgt werde, so bezieht sich diese Charakterisierung völlig-auf diejenige liberale Presse, die gerade wegen der ge- schlechtlichen Pikanterien des Falles Puttkamer dessen Ver- fehlungen mit einer wahren Wollust ungezählte Spalten breit behandelt hatte. Sehr hübsch allerdings nahm es sich aus, daß Herr Sello auch erklärte, diese„Verunglimpfungen hätten sich auf die Bekundungen„eines Mannes wie Wistuba" gegründet. In der Tat: Wie kann denn einem aristokratischen Rou� und Lebenskünstler wie Puttkamer gegen- über ein seiner prosaischen Pflichttreue wegen von dem neuen Dernburgschen Kolonialregime gemaßregelter proletarischer Unterbeamter„wie Wistuba" in die Schranken zu treten wagen! Sei es drum! Unser Kronzeuge ist Herr Wistuba sa nicht gewesen. Hoffentlich empfiehlt die liberale Presse nach dieser glänzenden„Rechtfertigung" Herrn v. Puttkamer dringlichst der Begnadigung!— Die ersten Beamtenmastregelnnge«. Paris, 22. April. Mg. Ber.) Vorgestern standen die Genossen Clavier, Amalrie«nd Oui Ii ci vor dem DiSziplmarrat. Sie waren angellagt, als Delegierte des allgemeinen Verbandes der Pop- und Telegraphenbeamten 1. dem Zeutralkomitee zur Ver- teidigung der Koalitionsfreiheit anzugehören; 2) an der Redaltion des„Lnenen Briefes" an Clemenceau teilgenommen zu haben, der «durch seine drohende Sprache und durch seine heftigen Wendungen, durch den aus ihm sprechenden Geist der Insubordination, durch seine Aufreizungen und durch seine große Verbreitung einen überaus schweren Akt der Disziplinlofigkeit darstelle". Dte An- geschuldigten wurden schuldig erkannt und mit der Strafe der Absetzung belegt. Das Stimmenverhältnis im Disziplinar- rat war 7 zu 2, bei zwei Enthaltungen. Ein anderes Resultat war nicht zu erwarten. Man kann von den Disziplinarräten keinen Heroismus verlangen. Hängt doch das Damoklesschwert der Maß- regelung auch über ihnen. Das heutige Disziplinarverfahren war aber nur eine Ein- leitung. Am 25. wird der zweite Karren zur Guillotine fahren. Es kommt die Reihe an Genosse Grangier, den Sekretär des Gewerkschaftsverbandes der Postunterbeamten und an Simonnet von den„jungen Briefträgern". Und nach den Postbeamten konunen die Lehrer, zuerst Genosse N s g r e, und dann die anderen, bis die Panik und die Sorge um die Familie die um ihr Vereinigungsrecht kämpfenden Beamten zu Paaren treibt. Dies ist das schöne Pro- gramm der„radikalen" Regierung!„Ordnung, Disziplin. Subordination"— dieses positische Lexikon der Restaurationszeit ist zum Katechismus der Bourgeoisdiktalur geworden, die sich gleich dem gegenrevolutionären Absolutismus die Maske eines patriarcha- lischen Wohlfahrtsstrebens vorhält. Herr B r i a n d hat in einer von„Sozialisten" seines Schlages in seinem Wahlkreis einberufenen Versammlung von seinem„väterlichen" Vorgehen gegen die Lehrer gesprochen. Entschieden die kühnste Stelle seiner Rede war die Be- hauptung, daß er seineAnschauungen über das Gewerlschafts- Problem nicht geändert habe, da er immer der Meinung ge- Wesen sei, daß sich die Bewegung der Beamten mit der der Arbeiter nicht vermischen dürfe! Bekanntlich hat Briand flammende Reden für den revolutionären General st reik gehalten, und die Arbeitskonföderation war sogar so boshaft, nach seinem Eintritt in die Regierung eine dieser Reden mit seinem Konterfei und seinem jetzigen Titel herauszugeben! Im übrigen trägt Briand die Melodie vor, die jetzt alle radikalen Bourgeoisblätter herunterleiern, von dem Nutzen, den die revolutionäre Bewegung durch die Aengstigung des Bürgertums der besiegten llerikalen Reaktion bringe. Die Argumentation dieser„Demokraten" ist wirklich köstlich. Ehemals hieß eS. die Arbeiter müßten ihre Klassenforderungen zurückstellen. bis die Kirche besiegt sei. Jetzt sollen sie sie nicht erheben dürfen. weil die Kirche wieder zu Kräften kommen könnte. Auf diese Art wäre der Antiklerikalismus ein immer wirksames Schutzmittel gegen die Sozialreform. Ein Glück nur, daß die Proletarier auf diesen groben Kniff doch nicht mehr hereinfallen.� Pari», 23. April. Der Disziplinarrat der Posten«nd Telegraphen sprach sich für Dienstentlassung des Generalsekretärs der Unteragenten Gran gier und des General- fekretärs des Syndikats der jungen Briefträger, S i m o n n e t. aus, weil sie den offenen Brief an Clemenceau über das Recht zur Syndikatsbildung unterzeichnet haben! politilcbe Ücberficbt. verlin. den 25. April 1903. Die dritte Lesung des Etats. Am Donnerstag begann das Abgeordnetenhaus die dritte Beratung des StaatshauShaltsetats. Von erner General- debatte nahm man Abstand, um sofort in die Spezialdiskussion einzutreten. Die meisten Etats wurden ohne jede Debatte er- ledigt, und d a, wo es noch zu einer Debatte kam, handelte cL sich nur um eine kleine Nachlese: Verschiedene Redner, denen bei der zweiten Beratung das Wort abgeschnitten war oder die damals den Anschluß verpaßt hatten, suchten das Ver- säumte nachzuholen. Beim Etat der Ansiedelungskommission kam es programmäßig wieder zu einer Polenhetze. Die Vertreter des unverfälschten Deutschtums, allen voran der urgermanische Dr. Arendt(fk.). haben an den fortgesetzten Niederlagen, die sich die preußische Regierung im Kampfe gegen die polnischen Staatsbürger geholt hat, noch nicht genug; sie� fordern, daß noch mehr Geld aus den Taschen der Steuer- zahler für die„Erhaltung des Deutschtums im Osten" heraus» geholt wird, und sie sind ungehalten darüber, daß die Re- gicrung in dieser Session keine neue Polenvorlage mehr ein- bringen will. Um etwas Feuer dahinter zu machen, brachten sie einen Antrag auf„kräftige Fortführung der Bodenpolitik zum Schutze des Deutschtums in den Ostmarken" ein, aber, da die Polenfresser ihres Sieges zu sicher waren und es nicht ein- mal für nötig hielten, sich von ihren Plätzen zu erheben, wurde der Antrag abgelehnt! Darob allgemeines Er- staunen: denn zwei Drittel der Abgeordneten stehen auf dem Boden des Antrags. Eine Wiederholung der Abstimmung ist nach der Geschäftsordnung unmöglich, und so bleibt denn den Antragstellern nichts anderes übrig, als ihren Antrag ge- legentlich als selbständigen Antrag wieder einzubringen. Wird er dann angenommen, woran nach der Zusammensetzung des Hauses kein Zweifel ist, dann haben wir das seltsame Schau- spiel, daß ein und derselbe Antrag in der gleichen Session ab- gelehnt und angenommen ist. Allerdings wäre das nur eine der vielen sonderbaren Blüten, die die Polenpolitik treibt. Der Etat der For st Verwaltung gab verschiedenen Rednern Veranlassung, ihre„Beamtenfreundlichkcit" durch die Forderung der Aufbesserung der Gehälter der Förster AuS- druck zu verleihen. Dagegen hielt es keiner von ihnen für nötig, den bekannten Erlaß des neuen Landwirtschafts- Ministers, durch den die Förster ihrer verfassungsmäßigen Rechte beraubt werden, einer Kritik zu unterziehen. Nicht einmal die Freisinnigen, die sich doch sonst so gern als Hüter der Volks- rechte aufspielen, brachten diesen haarsträubenden Erlaß, der alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt, zur Sprache. Beim Etat der landwirtschaftlichen Ver- w a l t u n g spornten die Agrarier wieder einmal mit Erfolg die Regierung an: sie verlangten die Bereitstellung- von Mitteln zur Entschädigung derjenigen. Grundbesitzer in den Grenzkreiscn, die durch die im Interesse der heimischen Vieh- zucht getroffenen Sperrmaßregcln geschädigt werden. Dieser Antrag ist typisch für die agrarische Habgier. An eine Ent- schädigung der weiten Kreise des Volkes, die die Sperr- maßregeln mit hohen Fleischpreisen bezahlen müssen, denkt niemand. Im Gegenteil, das V o l k soll noch mehr bluten, nur damit die Agrarier sich ihre Taschen füllen können. Beim Etat der Bergverwaltung lenkte Ab- geordneter B r u st(Z.) die Aufmerksamkeit des Hauses auf- die immer mehr zunehmende Zahl von Unfällen im Bergbau. sowie auf den Versuch einer Bergwcrksinspektion, den Ar- beitern das K o a l i t i o n s r e ch t zu nehmen. Der Handels» minister Delbrück begnügte sich damit, die Ursachen der letzten Grubenunfälle, soweit sie durch die Untersuchunc' bisher pffliTRelt TtnS, Bern Zause mitzuteilen, aber eine Erklärung darüber, ob er endlich bereit sei, energische Maßnahmen zur Verminderung der Unfallgefahr im Bergbau zu ergreifen, gab er nicht ab. Wieviel tausend brave Bergleute werden erst noch Gesundheit und Leben opfern müssen, bevor die gesetzgebenden Körperschaften Preußens sich an ihre Pflicht erinnern! So- lange sich die Verwaltung aus Furcht vor der Sozialdemo- kratie mit Händen und Füßen gegen die Hinzuziehung von Grubenkontrolleuren aus der Arbeiter- klaffe wehrt, ist an eine wirklich durchgreifende Besserung nichts zu denken.� Man setzt Kommissionen und wieder Kommissionen ein, die mit ihren Erwägungen über- Haupt nicht zu Ende kommen, und an das Nächstliegende denkt man nichü— Der Minister erklärte ausdrücklich, daß er von der gesetzlichen Einführung von Arbeiterkontrollcuren nichts wissen wolle!— Sie geringer der Schutz ist, den die Regierung den Berg- Arbeitern zuteil werden läßt, um so größer ist ihr Eingreifen in die gesetzlich gewährleisteten Rechte der Arbeiter. Der Chef der Verwaltring, Minister Delbrück, folgt seinem Kollegen von der Eisenbahnverwaltung und wagt es, den Bergarbeitern den Beitritt zu Organisationen zu verbieten, die„unvereinbar sind mit den Grundlagen der Staats- und Gesellschaftsordnung".— Zu diesen Vereinen rechnet Herr Delbrüch die freien Gewerkschaften. Uferloses F-lottenrüsten. Der Generalmajor Keim, der bekannte Wahlagitator de»�FIottenvereins, befürwortet in einem Artikel des ..Tag" dringlichst ein rascheres Bautcmpo der Schlachtslotte. Spätestens der Herbst dieses Jahres müsse darüber Klarheit bringen. Im Verhältnis zu unseren Seeintcrcsscn sei Deutsch- lands Kriegsflotte viel zu klein.» Herr Keim könnte allenfalls als politischer Eingänger er- scheinen. Aber auch die„Deutsche Tageszeitung", das Organ der grünen Internationale, erklärt unter dem Titel„Jeden Mann und jeden Kahn" ostentativ, daß die Agrarier gewillt seien, alles für Heer und Flotte zu bewilligen, was der- langt werde. Das Blatt sagt wörtlich: „Angesichts der jetzigen Weltlage würde es geradezu frivol sein, wenn man dem Vaterlande das versagen wollte, was es zu seiner Kriegstüchtigkeit auf dem Lande und auf dem Wasser bedarf. Für die Agrarier gibt es in solchen Dingen und in solchen Zeiten kein Feilschen und kein Markten. Sie wissen, daß die Last am schwersten auf ihnen liegt und daß ihnen die größten Opfer zugemutet werden, aber sie bewilligen alles, was notwendig ist— jeden Mann und jeden Kahn." Die konservativ-libcrale Paarung trägt also ihre Früchte! Nicht etwa in liberaler Ausgestaltung der Bolksrechte, sondern auf dem Gebiete des wahnsinnigsten Wettrüstens. Hinter dem Wettlauf des Freisinns in imperialistischer und marinistischer Be- Ziehung kann natürlich das Agrariertum nicht zurückbleiben. Die liberalen Flottenfexe werden von den agrarischen Strebern um die Gunst des persönlichen Gondelregiments womöglich noch über- trumpft! Sie bewilligen„jeden Mann und jeden Kahn". Das nationale Schwein und Herr Ternburg gebären so in wundersamster Paarung den uferlosesten Militarismus zu Lande und zu Wasser!—_ „Vergessene Fragen." DaS„Berliner Tageblatt", das von dem ernst zu nehmenden politischen Freisinn bereits als enkant terridle von der Liste der offiziösen Freisinnsblätter gestrichen worden ist, lcitartikelt über die„vergessene Frage" der Vorlage über die Einschränkung der Majestätsbeleidigungs- Prozesse. Diese Frage sei bereits am 27. Januar durch den kaiserlichen Erlaß und am 19. Februar durch die Thronrede an- gekündigt worden. Aber während der gegenwärtigen Tagung des Reichstags werde diese Vorlage wohl kaum zur Erledigung tommen. Es sei deshalb die„vergessene Frage" aufzuwerfen:„W i e steht eS mit der Reform der Majestäts- bcleidigungSprozesse?" Nun, mit dieser Reform steht es nicht anders als mit der ja auch so emphatisch verheißenen Sieform des Vereins- und Versammlungsrechts. Sie ist als Köder zum Fangen des liberalen Spießbürgertums an die Angel des Bülow-Dcrnburg-KurscS gespießt worden. Das liberale Philistertum hat darauf angebissen; nun mag es zappeln. Viel eiliger hat es die Regierung mit der Bewilligung neuer militärischer und marinistischer Forderungen. Wenn diese erst nach dem Wunsche der Regierung verabschiedet sind, darf sich der Liberalismus wieder melden. Tann vielleicht wird die Re- gierung ihre Versprechungen einlösen. Welche Gestalt dann diese Vorlagen tragen werden, darüber schweigt einstweilen des Sängers Höflichkeit!—_ Ter Reichsverband— eine unerfreuliche Erscheinung im öffentlichen Leben. In einer Versammlung des Jungnationalliberalen Vereins in Jena, in der dieser Tage der Generalsekretär Paul Zimmermann aus Köln einen Vortrag hielt, kam es ganz programmwidrig zu einer Aussprache über den Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie. Der Referent wandte sich in einer beiläufigen Bemerkung gegen den Reichsverband und dessen Methode und erzielte damit, daß der Reichsverband in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt wurde. Es geschah dies in einer Weise, die für den Aeichsverband nichts weniger als schmeichelhaft ist. Nach dem Bericht des„Jenaer Volksblanes" gab Rechtsanwalt W i tz m a n n unter dem Beifall der Versammlung seiner Freude darüber Aus- druck, daß der Referent mit aller Entschiedenheit den Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie ablehnte, was umso be- merkenswerter sei, weil es von einer nationallibcraler Seite aus geschehen ist. Das war gerade in Jena sehr nötig. Als Regicrungsrnt Donath eine Lanze für die„gute Absicht" des Reichsverbandes brach, hielt der Referent seine Behauptung auf- recht, daß die Methode des Reichsverbandes auf eine banale Sentimentalität und Histörchenerzählung, auf ein Bangemachen politischer Kinder abzielt. Privatgelehrter Thiele verwies darauf, daß der Reichs- verband von Leuten gegründet worden ist, die auf der äußersten Rechten stehen.»Sage mir. woher du kommst, und ich sage dir, wer du bist." Rechtsanwalt Witzmann legte in einer weiteren Rede Wert darauf, daß im politischen Kampfe auf Anstand und Achtung des Gegners gesehen wird. Prof. Harms bezeichnete den Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie als„eine unerfreuliche Erscheinung im öffentlichen Leben", das beweist zur Genüge feine Agitationsmethode. Der Sozialismus sei eine Kulturbewegung und auch der Marxismus habe eine kulturelle Mission erfüllt, indem er die Massen für eine Illusion begeisterte. Indem man die Führer der Sozialdemokratie verlästere, erreiche man nicht, daß sich die Massen von den Führern abwenden, sondern daß sie sich nur noch fester an sie anschlössen. Der Reichsverband verkenne insofern unsere politische Entwickelung, als er selbst die Gewerkschaften bekämpfe. Die Hoffnung bestehe darin, daß sich die sozialdemokratische Partei allmählich zu einer Arbeiterpartei entwickele, die sich auf den Boden des gegenwärtigen Staates stelle. Soweit also die nationalliberalen Politiker noch auf politischen Anstand halten und sich einiges Verständnis der kulturellen Be- deutung der Arbeiterbewegung bewahrt haben, sehen auch sie in dem Liebertschen Reichsverband„eine unerfreuliche Erscheinung im öffent- lichen Leben". Das' hindert jedoch nicht, daß auch bei dem jetzigen Wahllampf in Glauchau-Meerane die Nationalliberalen sich wieder die Mannen des Reichsverbandes zu Hülfe geholt haben.— . In der Strafsache gegen den Redakteur Johannes Weber in Berlin, Carmen Sylvastraße S, geboren am 3. Juni 1874 zu Berlin. Dissident'— 33 M. 24. 06.— wegen Beleidigung, hat die vierte Strafkammer des königlichen Landgerichts I in Berlin am 25. Sep- tember 1006 für Recht erkannt: 1. Der Angeklagte ist der Beleidigung durch die Presse schuldig und wird deshalb unter Auferlegung der Kosten des Verfahrens zu einer Geldstrafe von dreißig Mark, an deren Stelle im Unvsr- mögensfalle eine Haftstrafe von drei Tagen tritt, verurteilt. 2. Der Artikel„Oberschlesische Polizeizustände" in Nr. 88 des „Vorwärts" vom 15. April 1006 und derjenige Teil der Platten und Formen, auf welchen sich dieser Artikel befindet, sind unbrauch- bar zu machen. 3. Den Beteiligten, nämlich dem Kriminalbeamten Willibald Wenzlawiak in Zawodzie, sowie dem Landrat des Kreises Katto- Witz als Vorgesetzten des Beleidigten, wird die Befugnis zu- gesprochen, den verfügenden Teil des Urteils binnen Monatsfrist von der Zustellung des rechtslräftigen Urteils an den Beleidigten auf Kosten des Angeklagten öffentlich bekannt zu machen. Die Bekanntmachung hat zu erfolgen durch den„Vorwärts" in der„Politischen Uebersicht", und zwar mit derselben Schrift, wie der Abdruck des Artikels„Oberschlesische Polizeizustände", sowie durch das„Kattowitzer Krcisblatt", und zwar durch jede der ge- nannten Zeitungen einmal._ Ein sozialdemokratischer Erfolg. In der Reichstagssitzung vom 18. Januar hat der Abgeordnete für den Wahlkreis Duisburg, Genosse Hengsbach, die grauenhaften Zustände in den Koloniehäusern der bekannten Großindustriellen Thyssen und Stinnes einer Kritik unterzogen, wobei er sagte, daß die Häuser schon bezogen würden, bevor auch nur die Wände vcr- putzt seien. Mehrere Hundert Menschen hätten sich ein Viertel Jahr lang ohne Abort begnügen müssen. Von Kanalisation sei in der zur Zeche„Deutscher Kaiser" gehörenden Kolonie keine Rede. Die Abwässer wüxden auf die Straße gegossen und stinken be- sonders im Sommer gen Himmel. Aber es regte sich keine Stadt- Verwaltung, keine Polizei schreite ein, kein Staatsanwalt erhebe Anklage; selbst die Aerzte schienen diese offene Kloake, die Brut- stätte giftiger, todbringender Bakterien, zu übersehen. Und von den Massenquartieren der Italiener und sonstiger Eingewanderter sagte Hengsbach, sie seien grauenerregend. Er verlangte, daß das in Gelsenlirchen bestehende bakteriologische Privatinstitut vom Reich übernommen und in dem dichtbevölkerten Ruhrgebiet Unter- stationen eingerichtet werden. Vielleicht gelinge es dann, die Genickstarre erfolgreich zu bekämpfen. Jetzt wird gemeldet, daß in' Gelsenkirchen am Mittwoch unter dem Vorsitz des Obermedizinalrats Professor Dr. Kirchner-Berlin eine Konferenz von Aerzten und Verwaltungsbeamten stattfand. um Matznahmen zur Bekämpfung der Genickstarre zu ergreifen. Es wurde beschlossen, die Zahl der bakteriologischen Stationen des Vereins zur Bekämpfung der Voltskrankheiten im Ruhrgebiet zu vermehren. Der Minister hat die Hergabe«eiterer Aerzte für das Institut in Gelsenkirchen zugesagt.— Koloniale Hochkultur. Dr. Karl Peters leistete sich jüngst im„Tag" in einem Artikel über Kolonialpolitil und Kolonialskandal folgende Sätze: „Ich wette zehn gegen eins, daß eS in den deutschen Kolonien einen größeren Prozentsatz von Gentlemen gibt als im deutschen Reichs- tage oder im Durchschnitt deutscher Zeitungsredaktionen."„Der deutsche Philister verdaut die Skandale mit Behagen an seinem schmutzigen Kneiptische."„Der Beurteilung liegt neben Neid und direkter Schadenfteude die michel- und pinselhaft« Einsetzung des Negers zugrunde."„Das kennzeichnet das Deutschtum vor aller Welt als eine minderwertige Rasse und disqualifiziert es zur Welt- Politik. Wir geraten damit dem nationalen Anstände nach auf die Stufe von Serben und— Ungarn." Wir hatten keine Veranlassung, den Ergüssen des Hänge-Peters näherzutreten, da wir uns genügend mit dessen Tätigkeit beschäftigt haben, sind aber doch erstaunt darüber, daß die öffentliche Meinung, die eS angeht, mit einem Worte, daß das„Deutschtum" sich der- artige Liebenswürdigkeiten ohne zu mucksen einfach bieten läßt I— Liebknechts Militärbroschüre. Ueberall wird jetzt nach der vom Genossen Karl Liebknecht ver- faßten wertvollen Broschüre„Militarismus und Antimilitarismus" gehaussucht. Nachdem vor zwei Tagen in der Buchhandlung der „Leipziger Volkszeitung" 18 Exemplare beschlagnahmt worden sind, wurde heute auch in der„Mecklenburgischen Volkszeitung" in Rostock Haussuchung abgehalten. Selbst in der Wohnung der beiden Redakteure wurde gehaussucht und bei einem der Redakteure eine Broschüre beschlagnahmt. Zugleich fand in der Privatwohnung Liebknechts eine Haussuchung statt. Gefunden wurde dort ebenfalls ein Exemplar.—_ Die unsittlichen Plakate. Dem katholischen Pfarrer Horstmann in Mörs bangt um seine Tugend, toenn er Plakate mit hübschen Fraucngestalten. die nicht bis zum Hals geschlossene Kleider tragen, sieht. In seinem Pfarrort war eine katholische Schule eingeweiht und ein Rektor in sein Amt eingeführt worden, die Nachfeier wurde in einem größeren Saale gehalten. Kaum betrat der Pfarrer das Lokal und erblickte verschiedene der vorerwähnten Plakate, als sich schon seine sittliche Entrüstung in den Worten:„In einem solchen Saal bleibe ich nicht" Luft machte. Die anstößigen„Plakate" wurden schnell mit Fahnen überhängt, aber das war nutzlos, der sittliche Pfarrer verließ mit seinen Getreuen den entweihten Saal. Daß ein solches Vorgehen des Pfarrers gleichbedeutend mit der Ver- hängung des Boykotts über das Lokal ist, wird jeder, der die Verhältnisse kennt, begreifen. Ein wie sonderbar geartetes Em» pfinocn muß doch so ein katholischer Geistlicher haben, wenn er an solchen Plakaten sogleich die Erregung sündiger Fleischeslust befürchtet.—_ Bundesrat. In der heutigen Sitzung des Bundesrates würde den Ausschußbcrichtcn über den Entwurf eines Gesetzes betreffend die Bestrafung der Majestätsbeleidigung sowie über eine Ergänzung zum ReichshauShaltetat auf das Rechnungsjaihr 1007.(Erweiterung des Kaiser Wilhelm-Kanals) die Zustimmung erteilt, frankrdd). Antimilitarismus in der Kaserne. Paris, 25. April. Die Blätter berichten über einen ernsten Zwischenfall, der sich in der Kaserne dcS 73. Infanterieregiments in Bethune zugetragew habe. Danach habe ein Unteroffizier der Reserve, früher Kürgermeistcr einer Gemeinde des Grubenbezixles, der zu einer 13tägigen Uebung einberufen war. eine äußerst schärft antimiliiariftische Rede in der Kaserne gehalten und im Anschluß daran seine Abzeichen von der Uniform abgerissen. Er wurde ver- haftet und ins Gefängnis gebracht, um vor ein Krieasgericht gestellt zu werden, Otigarn. Die Freizügigkeit abgeschafft. Die maßlose politische Knechtung und die gesteigerte wirk» schaftliche Ausbeutung des ungarischen Volkes hat dahin geführt» daß alljährlich tausende ihre Heimat verlassen und in überseeischen Ländern ein neues Vaterland suchen. Dieser ständige Aderlaß ist sogar von der Regierung unterstützt worden, und sie hat durch ihre Abmachungen mit. den Schiffahrtsgesellschaften sogar Nutzen aus der Auswanderung gezogen! Nun beginnt aber die Sache für die Unternehmer gefährlich zu werden. Die Entvölkerung des Lande» nimmt nämlich einen solchen Umfang an, daß der Mangel cm Arbeitskräften sich mehr und mehr fühlbar macht, und demzufolge steigen die Löhne.— Die Regierung, die getreue Schützerin der kapitalistischen Interessen, weiß aber auch hier Rat. Sie. beginnt nun Maßnahmen zu ergreifen, um die Auswanderung einzu- dämmen. Im Gegensatz zu ihrem früheren Verhalten macht sie den Äuswanderungsagenten Schwierigkeiten, wogegen an sich vielleicht nichts einzuwenden wäre. Sie geht aber noch weiter und hat an die untergeordneten Behörden ein Rundschreiben erlassen, in dem sie diesen verbietet, die Landarbeiter, welche Erntearbeits- Verträge abgeschlossen haben, auswandern zu lassen. Sie sollen keine Pässe verabfolgt erhalten. Man stützt sich dabei auf alte Dienstbotengesetze und Verordnungen, in die man die obigen Be». stimmungen hineininterpretiert.— Die russische Revolution. Die Bauern klopfen an._____ Petersburg, 25. April.(Reichsduma.) Ein von 32 Mitgliedern der Rechten eingebrachter Antrag, einen Tag nach den Osterfeier- tagen festzusetzen, an dem über die Mißbilligung politischer Ver» brechen verhandelt werden soll, wird mit 233 gegen 127 Stimmen abgelehnt.„ ,,, t, Im Namen der Sozialdemokraten bringt Ceretell darauf Anträge auf Interpellationen ein, betreffend die Unterdrückung von gewerkschaftlichen Organisationen durch den Präfelten von Peters- bürg und betreffend den gestern in der Fabrik Tschencher im Wiborgcc Stadtteil Petersburgs ausgebrochenen Ausstand. Präsident Golöwin erklärt, er habe noch nicht Zeit gehabt, die Interpellationen zu lesen und könne deshalb eine Debatte über dioselbcn nicht gc- statten. Eereteli erklärt die JnteripeLatioiieii für bring lich und verlangt sofortige Besprechung derselben. Der Präsident erklärt nochmals, er könne eine Besprechung der Jnterpellationeir, ehe er von deren Inhalt Kenntnis genommen, nicht zulassen. Eereteli ver. läßt unter Protestrusen dar Sozialdemokraten und unter dem Gelächter der Rechten die Rednertribüne. Einigen sozialdemokra- tischeiii Rednern, die darauf über den Gegcnistand sprechen wollen, wird vom Präsidenten nicht das Wort erteilt.— Das Haus geht zur Weiterberatung der Agrarfrage über. Im Laufe der Debatte halten mehrere bäuerliche Abgeordnete heftige Reden in denen sie die Grundeigentümer, die Regierung und die konstituiionell-dcmolratische Partei angreifen, welch letztere den Ankauf der Ländereien vorschlage, die doch von den Bauern mit deren hartnäckiger Arbeit bereits mehrmals bezahlt seien. Der Bauer Mo roz aus Podolsk erklärt:„Wir stehen vor verschrossencr Tür und verlangen Brot, um nickst� vor Hunger zu sterben. Wer klopfen leise an, aber man ist still. Wir klopfen stärker, aber man will uns nicht ihören. Sollen wir. 100 Millionen ausgehungerter Menschen, denn die Türe mit Gewalt brechen? Seid auf Eurer Hut. meine Herren Grundbesitzer, noch ist es Zeit, aber bald Wirt- es zu spät sein."— Die Polizei gegen die Arbeiter. ; Sodann wird ein Beschluß gefaßt, die Sitzung zu ver» läng c r n, um über die Interpellation wegen der Vorfalle tiv der Fabrik von Tschenscher in Petersburg zu beraten, wo die Polizei der Arbeiterschaft gegenüber bei einer Arbeits- sireitigkeit G e w a l t m a ß r e g e l n ergriffen hatte Es wird für die Interpellation die D r i n g l i ch k e r t beschlossen. Die Sozialdemokraten greifen den Stadthauptmann in heftigen Ausdrücken an: alle seine Handlungxn dienten dazu. die Lage für die Arbeiterschaft unerträglich zu machen und weitere blutige Zusammenstöße zu veranlassen. Bei der A b- stimmu.ng über die Dringlichkeit für die �ntcr- pellation wurden die Rechte und die Kadetten von den zu- sammengehenden Parteien dar Linken und der Arbeiterpartei überstimmt, die auch die Verlängerung der Sitzung über ß Uhr abends hinaus durchsetzten. Im weiteren Verlaufe der Sitzung wird die Interpellation angenommen. Schluß der Sitzung um 7 Uhr. Was Streiks und Pogrome kosten. Unter den jetzt im russischen Handelsministerium einlaufenden Beschwerden der Naphtaindustriellen befinden sich u. a. die vom statistischen Bureau der Bakuer Naphtaindustriellen angestellten Untersuchungen- darüber, inwieweit sich die ungenügende Naphta- gewinnung, die in diesem Jahre eine neue Krists in der Industrie hervorzurufen droht, als Resultat der Streiks und Pogrome er« weist. Daraus ergibt sich das nachfolgende Bild: Durch den Pogrom im August 1005, wobei% der Naphta- werkc zerstört wurden, ward eine Unterproduktion von 135 bis 145 Millionen Pud hervorgerufen, abgesehen von den Verlusten. die dadurch entstanden, daß die Bohrlöcher unbrauchbar gemacht und verstopft wurden und daß viel Inventar verbrannte. Dieser Pogrom verursachte, wenn man ddS Naphta zu 20 Kopeken per Pud rechnet, durch Mindergewinnung allein einen Schaden von 28 000 000 Rubeln.— Die Streiks ergeben folgende Resultate: Bon Dezember 1004 bis Septembör 1006. also für einen Zeitraum von 21 Monaten, beträgt der Minderectraz an Naphta, ausschließ- lich durch Streik hervorgerufen, 144 bis 154 Millionen Pud, d. h. wiederum einen Schaden von 28 000 000 Rubeln. Die Streiks brachen nun bekanntlich hauptsächlich infolge der Nichtbewilligung der berechtigten Forderungen der Arbeiter aus. Was die Naphtaindustriellen aber durch ihre ablehnende Haltung den Arbeitern gegenüber verloren haben, das geht aus nachfolgender Zusammenstellung hervor: Rechnet man die Zahl der Arbeiter aus 25 000 Personen(abgesehen von Fabrikarbeitern) und rechnet man, daß, um ihren Forderungen zu genügen, zu ihrem bisherigen Lohne etwa 100 Rubel hätten hinzugelegt werden müssen, so würde diese Lohnerhöhung für alle Arbeiter nur 2 500 000 Rubel jährlich gekostet haben, d. h.: für die Dauer des Streiks(21 Monate) hätten die Naphtaindustriellen den Arbeitern 4 500 000 Rubel bezahlt, also nur ein Sechstel der Summe, die sie infolge der Arbeitseinstellung und der Unterproduktion von Naphta verloren haben. Mil anderen Worten: Der Eigensinn der Naphtaindustriellen kam denselben auf 23 500 000 Rubel zu stehen. Aber auch jetzt wieder, wo die Haltung der Arbeiter im Naphtarayon eine drohende ist und eS nickt weiter geht, hoffen die russischen Naphtaindustriellen, daß die nun „energisch" vorgehende russische Regierung Remedur schaffen wird, ohne daß man zu Lohnerhöhungen zu schreiten braucht!— Es gibt eben Leute, die nicht einmal durch Schaden klug werden.— Professor Martens. Der„Russ. Korresp." wird aus Petersburg geschrieben: Professor Martens veröffentlichte bekanntlich in den„Times" einen Artikel, in dem er erklärte, daß die Duma arbeitsunfähig sei und daher aufgelöst werden müsse. Da der hohe Titel und die Stellung des Herrn Martens die öffentliche Meinung des Auslandes leicht irre führen können, so verlohnt es sich, einiges über die Rolle und„Bedeutung" des dienstfertigen Professors in seineuz Vaterlande mitzuteilen. In seiner Fachwissenschaft(Völkerrecht) sind irgendwelche selb- ständige Werke des Herrn Martens völlig unbekannt. Für das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten hat er eine„Sammlung von Traktaten und Konventionen Rutzlands mit fremden Staaten" zusammengestellt. Die Talentlosigkeit des Professors tritt so klar zutage, daß deutsche Historiker sich über ihn lustig machten und auf Grund zahlreicher Zitate die„Samm- lung" als Muster, wie wissenschaftliche Werke nicht geschrieben werden sollten, hinstellten. Durch seine Dienstfertigkeit den Vorgesetzten gegenüber verstand sich Herr Martens sehr beliebt zu machen, so daß man ihn gern benutzte. Der Diplomatie stand er stets zur Verfügung, und es kam ihm nie darauf an, die Interessen des russischen Volkes zu schädigen. Zu seiner Charakterisierung sei noch erwähnt, daß während der großen Streikbewegung, Ende tg05, als die Postbeamten in Petersburg sich dem Streike anschlössen, um ihre klägliche materielle Lage zu verbessern, Herr Martens, der Wirkliche Gcheimrat und trofessor, als Streikbrecher und freiwilliger Postbeamter fungierte. olche.Verdienste" werden nie vergessen. So schätzt man Herrn Martens in der Heimat. Seine Autorität als Politiker hier ist gleich Null, und eine Null ist er auch in der russischen Wissenschaft. kommunales. Stadtverordnetcn-Bcrsammlung. 18. Sitzung vom Donnerstag, den 25. April, nachmittags 5 Uhr. Zunächst findet heute in gemeinsamer Sitzung mit dem Magistrat unter Vorsitz des Oberbürgermeisters Kirschner die Wahl des ersten stellvertretenden Mitgliedes der Abteilung II des Berliner Bezirks- ausschusses statt. Gewählt wird Rechtsanwalt Dr. Bollert. Sodann eröffnet der Vorsteher Dr. L a n g e r h a n s die Sitzung der Versammlung. Die Tagesordnung ist ausnahmsweise wenig umfangreich. Mit der Zuwendung des Erlöses der reponierten und zu verkaufenden Akten und Belege der Bureaus der städtischen Werke an die Gemeindebeamten st erbe- k a s s e der Stadt Berlin erklärt sich die Versammlung einverstanden. Für die vom 20. April bis 21. Mai 1907 in Werder(Havel) stattfindende Allgemeine Ausstellung für Obst-, Garten- und Ackerbau, Nahrungs- und Genutzmittel, Gewerbe und Hand- werk werden zur Beschaffung einiger städtischer Ehrenpreise für hervorragende Leistungen auf dem Gebiete des Obstbaues und der Obstverwertung 300 M. bewilligt. Das Grundstück A l t- M o a b i t 39— Zwingliftr. 24 soll dem Kaufmann Wilhelm Gericke für Gemeindeschulzwecke abgekauft werden. Es ist 3184 Quadratmeter groß und ist zum Preise von 100 M. pro Quadratmeter Bauland(3092 Quadrat- meter; die 92 Quadratmeter Vorgartenland sollen unendgeltlich aufgelassen werden) angeboten. Der neue Schulbau soll die bisher und zwar bereits seit 14 Jahren in dem Hause Beusselstr. 1 als Mietsschule untergebrachte 248. Gemeindeschule aufnehmen. Die Versammlung stimmt zu. Ueber die künftige Einrichtung des Berliner Rettungswesens verbreitet sich eine Magistratsvorlage, die das Ergebnis der von der Versammlung gewünschten weiteren Verhandlungen mit der Rettungsgesellschaft darstellt. Die Anträge des Magistrats auf Grundlage der getroffenen Vereinbarungen gehen dahin: 1. Die Uebernahme der Einrichtungen der Berliner Rettungsgesellschaft zum 1. Mai d. I. und die Weiterführung der sechs Rettungswachen durch den Berliner Aerzteverein unter Aufsicht der Stadt zu genehmigen und dazu 40 000 M. für die Gesellschaft und eine Pauschale bis zum Betrage von 50 000 M. für den Aerzteverein zu bcivilligen; 2. nachträglich das vorläufige Abkommen wegen einstweiliger Weiterführung der Rcttungs- wachen zu genehmigen; 3. mit der Zahlung der den Sanitäts- wachen und Unfall st ationen bisher gewährten Zu- s ch ü s s e unter der Bedingung sich einverstanden zu erklären, daß die Sanitätswachen -0 für einen ständigen ordnungsmäßigen ärztlichen Dienst sorgen, b) nur erste Hülfe zu leisten und jede Nachbehandlung auszuschließen, c) der Stadt die Aufsicht und Kontrolle über die Tätigkeit der Wachen einzuräumen haben, Und daß die Unfallstationen ebenfalls nur die erste Hülfe leisten und der Stadt die Kontrollbefugnis einräumen. Stadtv. Runge(A. L.) beantragt Ausschußberatung, Haupt- sächlich um den mkk dem Aerzteverein zu schließenden, zunächst nur auf ein Jahr vereinbarten Vertrag näher zu prüfen. Stadtv. Dr. Weyl(Soz.): Im Prinzip stehen wir dieser Vor- läge gewiß recht sympathisch gegenüber, beantragen aber auch die Niedersetzung eines Ausschusses von 15 Mitgliedern. Wir hatten gern den Magistrat und dem um die Vorlage wohlverdienten Bürgermeister Reicke ein unbedingtes Kompliment gemacht; dieser hat mir aber vor zwei Tagen das Konzept verdorben, indem er in einer Versammlung des Aerztevereins eine Rede gehalten hat, wonach von der Verstadtlichung des Rettungswesens auch trotz der heutigen Vorlage noch nicht gesprochen werden kann. Die Herren von den Sanitätswachen werden vielleicht dadurch etwas beruhigt worden sein; wir, die wir die Berstadt- lichung wünschen, sind dadurch einigermaßen mißtrauisch geworden. Die Vorlage schafft nur für 11 Monate ein Provisorium. Einer der wichtigsten Punkte ist ganz außer acht gelassen worden, der Krankentransport, daS Krankenbeförderungswesen. Auch dieses muß in den kommunalen Bereich einverleibt werden. Dem„Ver- band für erste Hülfe" wird es bald ebenso gehen, wie jetzt der Rettungsgesellschaft, die vor dem Nichts steht und zum 1. M a i nicht einmal die erforderlichen Gehälter zahlen kann. So muß es schließlich allen privaten Vereinen gehen; zuerst fließen die Gelder der wohltätigen Spender reichlich, dann läßt das nach, man wendet sich an die Stadt, die subventionieren und schließlich um teuren Preis-die Einrichtungen selbst in die Hand nehmen muß. Weiter interessiert uns das Verhältnis zu den st a a t l i ch e n Krankenhäusern. In der Vorlage heißt es, sie würden wohl zum 1. Mai Anschluß an die städtische Zentrale nehmen. Ich habe mir aber sagen lassen, daß sie vorläufig nicht daran denken, ihre Drähte ohne weiteres mit der Zentrale zu verbinden. Die Charitedirektion und das Kultusministerium befürchten, daß dann möglicherweise� die städtischen Krankenhäuser das sogen. Glück haben werden, über die sogen, interessanten, Krankheitsfälle zu verfügen. Deswegen verlangt der Direktor der Charite auch Sitz und Stimme in der betr. Körperschaft, die dafür einzusetzen wäre. Mindestens so notwendig ist aber auch, daß die Berliner Krankenkassen ihre gehörige Vertretung in einem solchen Kuratorium finden; auch davon ist.in der Vorlage nicht die Rede. Die Krankenkassen haben diese Notwendigkeit in einer besonderen Broschüre bewiesen; nahezu zwei Drittel der bei dieserEinrichtungdes Rettungswesens Hilfesuchenden sind Krankenkassenmitglieder; rund 150 000 M. das Jahr fallen von dort in die Kasse der Rettungsgesellschaft ein. Ferner geht die Vorlage gar nicht auf die Frage der a r z t l i ch e n Versorgung ein. Der Magistrat konnte ja freilich gar nichts anderes tun, als die Sache, wie sie liegt und steht, zu übernehmen. Die Versorgung, wie sie hier beliebt werden soll, vermag doch, wie manche Kreise der Bürgerschaft glauben, vielleicht nicht den berech- tigten Wünschen der Bevölkerung ganz zu entsprechen; vielleicht wären festangestellte Aerzte oder mindestens ein beschränkter Kreis von Aerzten vorzuziehen. Ferner will uns nicht recht gefallen, was über die Beziehung der Rettungswachen zu den Sanitäts- wachen gesagt ist. Mit dem verbleibenden Torso von der RettungS- acsellschaft sollen die Sänitätswachen in möglichst inniger Be- ziehung treten, möglichst soll eine Verschmelzung eintreten. DaS wird zu Konflikten führen; schon jetzt hat ,n einem Falle der Vorsteher einer Sanitatswache einfach verweigert, den Vertrag mit dem Aerzteverein der Rettungsgesellschaft zu unterschreiben� «erantw. Redakteur: HanS Weber. Berlin. Inseratenteil vcrant».: Auch über das Verhältnis der Stadt zu den Unfallstationen geht die Vorlage cavslierement hinweg. Wir haben doch einstimmig den Unfallstationen keinen Pfennig Subvention mehr geben wollen; die Vorlage ignoriert das und will ihnen die 10 000 M. ruhig weiter gewähren. Wir haben jetzt 18 oder 20 Unfallstationen, aber nur 6 oder 8 Rettungswachen; da läßt sich leicht eine sehr große Zahl von Fällen herausrechnen. Der Magistrat sollte doch von den Unfall- stationen eine genaue statistische Aufstellung und den Nachweis ver- langen, daß es sich um einen großen Prozentsatz armcnrcchtlicher Fälle handelt. Werden später die städtischen Rettungsivachen ge- hörig ausgebaut, dann werden die Unfallstationen nicht mehr in dem Umfange in Anspruch genommen werden; es werden ja auch die Krankenkassen dem Magistrat hier einen' sehr wertvollen Beistand leisten, denn sie sind in der Lage, ihre Mitglieder zu veranlassen, in Zukunft die Unfallstationen zu meiden. Die Drohung mit Repressalien seitens der Unfallstationen würde dann gcgenstands- los. Diese Polikliniken der Berufsgcnofsen- s ch a f t e n haben sich ja doch das humanitäre Mäntel- chen nur äußerlich umgeworfen. Das Geld kann also wirklich gespart, es braucht nicht vergeudet und hinausgeworfen zu werden. Was soll endlich mit den Personen werden, welche jetzt in der Rettungsgesellschaft tätig sind? Der Burcauvorsteher soll übernommen werden; die anderen aber sollen sich nach anderen Stellen umsehen. Das geht nicht an; wenn die Stadt die Rettungsgesellschaft übernimmt, muß sie auch für die Unter- bringung dieser Leute sorgen. Die Sanitätswachen wollen wir nicht ohne weiteres beiseite schaffen; wie meinen, beide Arten von Wachen würden früher oder später ein einheitliches städtisches Rettungswescn bilden, so daß die berechtigten Interessen der historisch-denkwürdigen und verdienten Gebilde der Sanitäts- wachen erhalten bleiben. Jedenfalls ist notwendig, daß bei einer Sache, die uns l'/j Jahre lang beschäftigte, wir nicht aus dem Handgelenk entscheiden, sondern diese sämtlichen Fragen, die ich angeregt habe, in einem Ausschuß erörtern. lBcifall.) Bürgermeister Dr. Reicke: Auch dem Magistrat wird es sehr an- genehm sein, im Ausschuß auf Einzelnes näher einzugehen. Wir haben allen Anlaß, den Rettungswachen, den Sanitätswachen und den Unfallstationen dankbar zu sein, und hätten die Fortsetzung des löblichen Wettstreits der drei Institutionen in bisheriger Weise am liebsten gesehen; aber die Verhältnisse sind stärker als unsere Wünsche. Es hat keinen Sinn, mit städtischen Mitteln Privat- Vereinigungen zu füttzern. Mit der Rettungsgesellschaft sind wir soweit; sie mutzte entweder sterben oder die Stadt ihre Einrichtungen übernehmen. Der Magistrat glaubt gut daran zu tun, das von ihr geschaffene aufrecht zu erhalten. Ein recht großer Teil ihrer Geschäfte, der Bettennachweis, ist bereits in den Händen der Stadt; die Zentrale dafür besteht seit dem 1. April 1900. Ihr haben sich die städtischen und ein Teil der privaten Krankenhäuser ange- schlössen, die Königliche Charitee und das Königliche Klinikum haben sich in diesen Tagen durch eine Zuschrift an uns bereit erklärt, sich ebenfalls anzuschließen, wenn ihnen für Mediziner- Ausbildungszwecke geeignetes Krankenmaterial zugewiesen wird. Wir haben unsererseits keinen Grund, Fälle die besonders lehrreich sind, nicht diesen Instituten zu über- weisen. Es besteht gar kein Zweifel, daß am 1. Mai die Zentrale Groß-Berlin versorgen wird.— Der Redner geht nunmehr auf die Einzelheiten der Vorlage mit größter Ausführlichkeit ein. Ein Provisorium liegt nur hinsichtlich der Bedienung der Wachen vor; alles übrige sei ein Definitivum, namentlich der Uebergang der privaten Rettungswachen. Die Verbindung mit dem Aerzteverein halte man für richtiger als die Anstellung von fixierten Aerzten; es solle darüber aber nicht daS letzte Wort gesprochen sein. ES schade der allgemeinen Aerzteschaft, wenn daS Publikum sich an Behandlung ohne Honorar gewöhnt. Man müsse Erfahrungen sammeln; es solle also beim Aerzteverein bleiben, der die Funktionen der Rettungsgesellschaft bisher wahrgenommen und auch das Jncasso besorgt habe. Bezüglich des Krankentrans- Portes müsse man ebenfalls die weitere Entwickelung abwarten. Die Rettungsgesellschaft könne mit den 40 000 Mk. auch alle Ver» pflichtungen, die sie gegen ihre Angestellten habe, ablösen. Stadtv. Roseno«(N. L.): Wir können ebenfalls Ausschuß- Prüfung nur befürworten. Die Vorlage befriedigt uns nicht. Es wird nichts übrig bleiben, als nach dem Probejahr das Rettungs- Wesen endgültig zu vcrstadtlichen. Der noch immer nicht beendete Streit über die Priorität und die bessere Leistung der einen oder der anderen Institution muß endlich verstummen. Die Bedenken des Stadtv. Wehl wegen der Königlichen Anstalten sind zum Teil durch das verlesene Schreiben der Charite-Direktion erledigt. Aber das Verlangen der Ueberweisung geeigneten Kranlenmaterials ist doch eine sehr genau zu erwägende Frage. Stadtv. Dr. Nathan(soz.-fortschr.) teilt die Auffassung des Vorredners und ist seinerseits auch mit der Vorlage sehr zufrieden. Die Einsetzung eines besonderen Kurawriums hält er zurzeit für ganz unzweckmäßig: eventuell würden ja in einem solchen auch Vertreter der Krankenkassen zu sitzen haben. Die Ueberweisung interessanter Fälle an die Charite werde man nicht ausschließen können. Der Abschluß mit dem Aerzteverein sei dem System der fixierten vorzuziehen. Auch hier zeige sich ein Mangel darin, daß noch kein Groß-Berlin bestehe. Stadtv. Hammerstein(A. L.) hält nach den Erklärungen des Bürgermeisters Ausschußberatung eigentlich für überflüssig. Den Stadtv. Dr. Wehl fragt er, woher er wisse, daß der Verein für erste Hülfe am Ende seiner Leistungsfähigkeit stehe? Das treffe eben» so w e n i g zu wie die Behauptung, daß das städtische Geld für die Unfallstationen„vergeudet" sei. Die Bestrebungen der letzteren seien großartig. Die Krankenkassen hätten ja schon bisher in den leitenden Kreisen dieser Institutionen mitreden dürfen. Stadtv. Dr. Langerhans(A. L.): Ein so wichtiges Institut, das die Stadt einrichten soll, darf nicht gleich entartet in die Welt gc- schickt werden. Die völlige Uebernahme der Rettungsgesellschaft durch die Stadt halte ich für ein Unglück. Hoffentlich hat der Magistrat nicht mit dem Aerzteverein einen Vertrag auf das Datum des 1. Mai geschlossen, denn sonst würde er ohne Er- mächtigung über städtische Mittel verfügen. Die Versammlung wird auf diese Weise vom Mitreden ausgeschlossen. Warum hat man nicht diesen Anlaß benutzt, um etwas für Groß- Berlin Nütz- lichcs zu schaffen? Einen besseren Anlaß konnte es gar nicht geben. Wie jetzt die Wachen liegen, können sie nicht liegen bleiben, denn in einem Teil der Stadt sind sie gehäuft, anderswo fehlen sie. Ueber den Nachtdienst ist kein Wort gesagt. Um kein Vakuym zu lassen, möge ein Pauschquantum bewilligt werden. Stadtv. Dr. Weyl: Dr. Joseph, der beste Kenner unseres Krankenhauswesens, hat mitgeteilt, daß der„Verband für erste Hülfe" mit einem Defizit von 20 000 Mk. abgeschlossen hat. Der sehr segensreichen Einrichtung habe ich damit natürlich keinen Vor- wurf machen wollen. Ueber die entgegenkommenden Ausführungen des Bürgermeisters bin ich ja sehr erfreut; aber in dem Punkte werden wir nicht zusammen kommen, daß er der Stadt in der Sache zum Teil eine Nachtwächterrolle zuweist. Alles was Wohltätigkeit, freie Liebestätigkeit usw. genannt wird, hat für die Arbeiterklasse einen bitteren Beigeschmack, denn jene Dinge werden doch nur möglich durch die Ausbeutung der Arbeiter(Große Unruhe). Das Problem der Krankenversorgung ist schließlich nur von der Kommune, zu lösen; auch auf diesem Gebiete ist die Mgemeinheit verantwortlich. Damit schließt die erste Beratung. Die Vorlage geht an einen Ausschuß von 15 Mitgliedern. Schluß der öffentlichen Sitzung um �8 Uhr. Versammlungen. Die Zahlstelle � Berlin des Verbandes der Portefeniller hielt ihre Generalversammlung bei Graumann in der Naunynstraßc ab. Nach dem Geschäftsbericht, den Hofman gab. hatte die Zahlstelle am Schluß des I. Quartals einen Mitgliederbestand von 691 männ- lichen und 41 weiblichen Mitgliedern. Es würden abgehalten: rt.GIicktlBerlin. Druck u. Verlag: Vorwärts«uchdr. u. BerlagSanKs 1 General- und 3 Mitgliederversammlungen, 18 vorstandSsitznngen und 3 Delegiertenversammlungen. Den ausgesperrten Holz» arbeitern hat die Ortsverwaltung 200 M. als Zeichen der Sympathie überwiesen. Dies wurde von der Generalversammlung einstimmig gebilligt. Den Kassenbericht gibt H a u p t m a n n. Die Einnahmen für die Zentralkasse betrugen 2299,15 M., die Aus» gaben 1790,25 M. Die Einnahmen der Lokalkasse 1280,06 M., die Ausgaben 1055,05 M. Dann berichtet Hofmann über den Ver» bandstag. Dort wurde die Erhöhung der Beiträge, der Unter- ftützungssätze und die Neueinführung einer Sterbeunterstützung beschlossen. Den weiblichen Mitgliedern soll„Die Gleichheit" un- entgeltlich geliefert werden. Bezüglich der Verschmelzungsftage mit den Sattlern und Täschnern wurde eine Resolution ange- nommen, welche die Verschmelzung im Prinzip begrüßt. Als Vor- sitzender des Ausschusses wurde H. Wolf. Berlin, gewählt. In der an den Bericht anknüpfenden Diskussion wurde von verschiedenen Rednern an einzelnen Beschlüssen Kritik geübt, jedoch den Berliner Delegierten einstimmig Entlastung erteilt. Als Bureauangestellter wird Hauptmann auf drei Jahre einstimmig gewählt. In den Ausschuß werden Krebs, Gründler, Scheel und Baum» gart gewählt. Die diesjährige Maifeier-Versammlung findet in den Rittersälen. Ritterstr. 75, statt. Treffpunkt bei Bieberstein und Hahn, vormittags 9 Uhr. Der Zcntralverband der Stukkateure hielt am Montag in den Musikcrsälcn seine ordentliche Generalversammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das An- denken des Genossen Auer, sowie der Mitglieder Pfeiffer und Reichenberg. Die Abrechnung liegt gedruckt vor und bilanziert für Haupt- und Filialkasse in Höhe von 23 815,08 M. In der Filialkasse verbleiben 11 582,29 M. Es werden an dem Bericht nur die hohen Unkosten des Vergnügungskomitces gerügt, welche als ein Defizit zu betrachten seien. In betreff der Maifeier wird der vorjährige Beschlutz, durch Arbeitsruhe zu feiern, erneuert. Die Mitglieder werden ersucht, sich in den Lokalen der Zahlstellen ein- zufinden, um geschlossen zur Versammlung zu gehen.— An der Urabstimmung über die Einführung der Erwerbslosen» unter st ützung haben sich von den 1050 Mitgliedern der Filiale Berlin. bereits 780 beteiligt. Es wird beschlossen, den 27. April als Endtermin der Abstimmung festzusetzen. Das Ergebnis der Zahlstcllenbcsprechungen, zum Zwecke einer besseren Streikführung den Beitrag um 3 0 P f. pro Woche zu erhöhen, wird gutgeheißen. so daß der Wochenbeitrag nunmehr 1 M. beträgt. Der Zcntralverband der Schuhmacher hielt am Mittwoch bei Boeker seine Vierteljahres-Generalversammlung ab. Der von B e n d i g erstattete Kassenbericht weist für die Hauptkasse eine Ein- »ahme von 13 750,80 M., für die Lokalkasse eine solche von 7579,18 Vi. auf und ist ein Kassenbestand von 2050,20 M. vorhanden. Die Lokalzuschußkasse erreichte inklusive einer Kapital- anlage von 4031,90 Ä. eine Höhe von 5580.45 M. Der Mitglieder- bestand betrug am 31. März d. I. 2824, es ist also im letzten Vierteljahre eine Zunahme von 45 Mitgliedern zu verzeichnen. Den Vorstandsbericht erstattet H i I d e b r a n d, der die Maßnahmen der Verwaltung bei Streitigkeiten mit den Unter- nehmern der Schuhwarenbranche eingehend erörtert.— In der Maifeierfrage liegt ein Beschluß der Vertrauensmännerkörperschaft vor. welcher den Mitgliedern die Feier des 1. Mai durch ArbcitSruhe entpfiehlt. Bisher haben zirka 60 Fabriken beschlossen, am 1. Wial die Arbeit ruhen zu lassen. Eingegangene Druchrcbrifta». Apologetische Borträge. 2. Heft. Herausgeber: VollZveretn sür daS katholische Deutschland. 1,50 M. Selbstverlag in M.-GIadbach. Sechster Jahresbericht der Dresdener Volks-Singakadcmie. 10 Seiten Druck: Kaden u. Co., Dresden. Sechster Jahresbericht des Arbeiterfekretariatx in Köln 1306. Preis 20 Pf. Druck:„Rheinische Zeitung" in Köln. Letzte JVacbncbten und Dcpefcbca Unsere notleidenden Kapitalisten. Berlin, 25. April. Die heute zur öffentlichen Zeichnung auf- gelegten 300 Millionen Mark vierprozentiger Schatzanweisunge» des Reichs und Preußens sind nach einer vorläufigen Feststellung rund. 45fach gezeichnet worden._ Bauarbeiterstreik in Halle. Halle a. ja, aber eS bat doch eine einfache Beleidigung eines Vorgesetzten(Hört I hört l bei den Sozialdemokraten) für vor- liegend erachtet und die Leute zu sechs Wochen mittleren Arrest ver- urteilt. Daß solche Bestrafungen Begeisterung siw militärische Einrichtungen nicht wecken, ist wohl selbstverständlich. Die Schlag« fertigkeit des Heeres würde nicht die geringste Vermindening erleiden, Ivenn solche total veralteten Strasbestimmungen aufgehoben würden.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Daß Forderungen, wie sie der Abg. Bebel seit einer Reihe von Jahren hier vorgetragen hat, eine agitatorische Wirkung ausüben, ist doch nicht Schuld der Sozialdemokraten, sondern der Regierung und der bürgerlichen Parteien, welche die gerügten Uebelstände weiter bestehen lassen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Herr v. Oldenburg sagte gestern, er und seine Partei werden unserm Antrage auf Erhöhung des Soldes nicht zustiinmen, weil wir mit ihm lediglich eine agitarorische Wirkung beabsichtigen. Wir bestreiten das. Die Leute, die unter den Mißständen zu leiden haben, sind Fleisch von unserem Fleisch, eS sind unsere Verwandten, und eS ist selbstverständlich, daß wir Verbesserungen für sie zu erreichen suchen. Dazu treibt uns auch die Rücksicht auf die Hunderttausende armer Familien, die von ihrem kärglichen Einkommen noch für die Soldaten abgeben müffen, welche mit 22 Pfennigen unmöglich ihre Bedürfnisse bestreiten können. Wollen wir nrit diesem Antrag Agitation treiben, so haben Sie ja die Möglichkeit, dem die Spitze abzubrechen, indem Sie den Antrag so schnell wie möglich in die Tat umsetzen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wenn die Sozialdemokraten nach dem Muster der Herren Kreth, v. Liebert und v. Dirksen Verfahren wollten, so hätten wir das Recht, in endloser Reihenfolge die schlimmsten Fälle von Soldatenmißhandlungen hier vorzutragen. Wenn die Herren rechts es für eine verdienst- volle Tat halten, stundenlang Fälle von sogenanntem„TerroriSnius" vorzutragen und für jeden solchen Fall uns verantwortlich machen, so hätten wir daS Recht, in gleicher Weise den TerroriSmuS in der Kaserne, wie er in den Soldatenschindereien von Unteroffizieren und Offizieren sich darstellt, hier vorzutragen. Die ungerechtfertigten Beschuldi- gungeu sind gestern von Herrn v. Liebert auf die Spitze getrieben worden, der für Soldatenquälereien die sozialdemokratische Agitation verantwortlich macht. Diese Rede des Herrn v. Liebert zu beant- Worten hieße ihr zu viel Bedeutung beilegen.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Der sächsische Militärbevollmächtigte hat sie schon im voraus widerlegt. Sachsen hat eine sehr starke sozialdemokratische Bewegung. Nach Herrn v. Liebert müßten dort also die schlimmsten Mißhandlungen vorkoinmen. Tat- sächlich sind dort aber weniger Mißhandlungen festgestellt als im übrigen Deutschland. Eine schlagendere Widerlegung der Behauptungen des Herrn v. Liebert kann gar nicht gedacht werden. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Auch sonst ist es eine be- kannte Tatsache, daß in Sachsen mit seiner entwickelten industriellen Bevölkerung iveniger Roheitsdelikte vorkommen als in anderen Gegenden, besonders in den Gegenden OstelbienS, wo die Herren von der rechten Seite ihre erzieherische Wirkung geltend machen. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Nach Herrn v. Liebert müßten ja die Soldatcnschindcr verkappte Sozialdemokraten sein, die das Heer in Mißkredit bringen wollen. Weiter glaubt Herr Liebert. daß die Roheiten in der Familie zunehmen. Wer im Volke lebt, der weiß, daß tatsächlich in der Arbeiterschaft die Gesittung beständig zunimmt. Freilich wird es damit noch besser werden, wenn Wohlstand und Bildung den Arbeitern mehr zugänglich gemacht werden.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Freilich kann nicht verkannt werden, daß schon versucht worden ist, die heiligsten Pflichten der Kinder gegen die Eltern in Abrede zu stellen. Roheiten der Kinder gegen die Eltern scheinen mir das Abscheulichste, was ich mir denken kann. Aber Sozialdemokraten waren es nicht, die den Söhnen zugemutet haben, auf Befehl auf Vater und Mutter zu schießen.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Sehr gut I Ruf rechts: Olle Kamellen I) Aufgefallen ist mir. daß unter den wegen Mißhandlung bestraften Soldatenpeinigem besonders viele ehemalige Unteroffiziers- s ch ü l e r anzutreffen sind. Das scheint auf einen Mangel in der Ausbildung hinzudeuten. Für die Häufigkeit der Soldatenschindereien ist auch die milde Bestrafung der Soldatenpeiniger verantwortlich zu machen. Ein Unteroffizier, der einem Rekruten, welcher daS linke Auge nicht schließen konnte, einen Papierstreifen mit heißem Siegel- lack auf das Auge klebte, wurde nur wegen vorschriftswidriger Be- Handlung bestraft; das Kriegsgericht nahm nicht Mißhandlung an, sondern nur einen„Scherz".(Hört I hört I bei den Sozial- demokraten.) Auch daS sogenannte.Rekrutenschästen", die Miß- Handlung der Rekruten durcb die älteren Jahrgänge, ist noch immer in Uebung. Diese Mißhandlungen führen zuweilen zum Selbstmord der betroffenen Rekruten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wie wenig die Klagen und Beschwerden, die wir hier vorbringen. fruchten, sehen wir daran, daß bei den Verhandlungen vor dem Militärgericht die Oeffentlichkeit geradezu ausgeschlossen ist. Herr Müller-Meiningen hat schon vorgebracht, wie man das zum Teil durch Verheimlichung der Termine zu erreichen sucht; der direkte Ausschluß der Oeffentlichkeit erfolgt aber auch sehr häufig gerade bei ganz gewöhnlichen Soldatenschindereien.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) In Schikanen gegen die Berichterstatter wt sich besonders der Kriegsgerichtsrat Dr. Franke in Cheinnitz hervor. Ich hoffe, daß hierin eine Aenderung geschaffen wird. Würde man aus die Klagen und Beschwerden der Volksvertretung Rücksicht nehmen, so würde auch die Frage des Militärboykotts längst erledigt sein. In Sachsen wird der Militärbohkott jetzt etivas milder ausgeübt als früher. Und in der Budgetkommission hörten wir, daß auch der preußische Kriegsminister die mildere Handhabung für Preußen gelten lassen will. Ich lege Wert darauf, das hier auszusprechen, weil von dieser Ansicht des preußischen Kriegsministers in der Oeffentlichkeit noch nichts bekannt ist. Aber auch in Sachsen wird nach wie vor boykottiert, obwohl man der Sozialdemokratie damit am wenigsten schadet.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die milderen Bestimmungen sind auch lediglich der Saalbesitzer halber erfolgt, die sich wegen der Geschäftsschädigung beschwert haben. Trotzdem wird aus den verschiedensten Gründen der Boykott weiter verhängt. In einem Falle z. B. deswegen, weil in dem betreffenden Lokal auch ein sozialdemokratisches Blatt ausliegt I(Heiterkeit bei den Sozial- demokraten.) Ich kann mir nichts Lächerlicheres denken; dadurch die Soldaten vom Lesen sozialdemokratischer Blätter abhalten zu wollen, ist einfach ein Unding. In Sachsen kommen jetzt mindestens täglich in 200 000 Familien sozialdemokratische Zeitungen. Kommt ein Soldat auf Urlaub, so findet er bei seinem Vater oder in einer befreundeten Familie sozialdemokratische Blätter und liest sie dort, wenn er lesen will, während er in die Kneipe geht, um sich zu amüsieren.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Der Boykott wird verhängt, um die Wirte zu schädigen, aus bloßer Schikane. Ein drastisches Beispiel dafür ereignete sich in Waldheim, wo der Wirt des„Schweizertal" Einquartierung bekam, und ebenso der Konsumverein. Da dieser sie nicht unter- bringen konnte, wollte er sie beim Wirt im„Schweizertal" unterbringen. Dies war anfangs zugestanden, wurde dann aber verboten. Die Soldaten, für deren Verpflegung der Wirt bezahlt werden sollte, durfte er nicht behalten! Drastischer kann kaum ge- zeigt werden, daß es lediglich auf die wirtschaftliche Schädigung, nicht auf die Vehütung der Soldaten vor sozialdemokratischem Ein- flutz beim Boykott ankommt. Außer den Verbesserungen fordern wir auch eine andere Heeres« organisation. Herr v. Oldenburg und der Kriegsminister taten so, als verlangten wir die Abschaffung des Heeres. Weil wir sagen, der Zukunftsstaat ist der Friede, schließt der Minister, daß wir das Heer jetzt abschaffen wollen. Freilich erwarten wir, daß die fortschreitende Kultur die Völker dahin bringen wird, den Rüstungen ein Ende zu machen, und es ist wohl niemand im Hause, der diesen Wunsch nicht hegt.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Aber was wir im Gegenwartsstaat für notwendig halten, kann der Minister nicht init einem aus dem Zusammenhang gerissenen Zitat beweisen, sondern das muß er aus unserem Programm ersehen. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Dort heißt eS: „Erziehung des Volkes zur allgemeinen Wehrhaftigkeit." Ich kann mir nicht denken, daß der KriegSmiiuster— auch von seinem Standpunkt aus— daran was auszusetzen hat. Unsere Stellung zum Militär ergibt sich aus unserer Auffassung des Nalionalitätsprinzips. Wir wollen die Unabhängigkeit und das Selbstbestimmungsrecht aller Nationen. Das bedeuiet aber, daß wir selbstverständlich auch alle Mittel für die Unabhängigkeit der eigenen Nation aufwenden wollen.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Zum Ausdruck haben wir Sozialdemokraten von jeher nur gebracht, daß wir Gegner von Eroberungskriegen sind. Und wenn nun auch gestern der Abg. Licbermann v. Sonnenberg darauf hin- gewiesen hat. daß derjenige ein Verleumder sei, der die Friedens- absichten Deutschlands in Zweifel ziehe, wenn also von Eroberungs- kriegen abgesehen werden soll, dann ist nicht einzusehen, was Sie gegen die von der Sozialdemokratie befürwortete Einführung von Volksheeren einzuwenden haben. Es soll nicht eine Art Krähwinkler Landsturm sein, was wir wollen, aber die von Ihnen verlangte bessere Ausbildung wäre auch bei einer kürzeren Dienstzeit möglich, denn lange Dienst- zeit bedingt noch nicht tüchtige Soldaten. Der KricgSminister hat mit Recht darauf hingewiesen, daß eS auf den Geist und die Opfer- freudigkeit des Heeres ankommt. Daß lange Dienstzeit nicht aus« schlaggebend für die Tüchtigkeit ist, dafür haben die Sachsen im Jahre 1866 den Beweis erbracht, und auch die Soldaten in den sogenannten Befteiungskriegen(Zuruf des Abg. Oriola:„Geschichte schwach!") hatten durchaus nicht lange gedient. Wir verlangen iniiner die Erziehung der Jugend zur Wehrhaftigkcit, also wir arbeiten nicht auf eine Wehrlosmachung des deutschen Volkes hin, auch wenn wir die Abschaffung des Gamaschendrills usw. fordern. Daß den ursprünglich von sozialdemokratischer Seite erhobenen Forderungen in gewissem Umfange Rechnung getragen werden muß und Rechnung getragen wird, das beweist ja die von meinem Genossen Bebel seit vielen Jahren verlangte Um- Wandlung der Uniformen, die ja nun zur Tatsache iverden soll. In unserem Bestreben, daß für frühzeitige körperliche Ausbildung der Jugend möglichst viel getan werde, werden wir von den Behörden durchaus nicht immer unlerstiitzt. In Sachsen iverden den Arbeiterturnern systematisch Schwierigkeiten gemacht, indem man ihnen städtische Hallen und Plätze aus kleinlichem Parteigeist verweigert. Auch um der K o st e n willen fordern wir die Aenderung der Hecresorganisation. Herr v. Oldenburg sagte. Frankreich und Eng- land zahlten viel mehr für ihr Heer. Das ist nur ein un- zureichender Trost; es kommt darauf an, wie man die Rechnung ausstellt. Wenn wir Militärctat, Marinectat, PensionSctat und Zinsen der Reichsschuld, soweit sie auf Militär und Marine fallen, derücksichtigen, so macht das zusammen gegen 1300 Millionen Mark aus, also 22>/z M. pro Kopf der Bevölteniiig. England und Frankreich haben außerdem eine starke Kolonialarmee, die sehr teuer ist.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Die Soldaten erhalten auch höhere Löhnung!) Selbst wenn bei einem Volksheere die unmittel- baren Militärausgaben nicht geringer werden als beini jetzigen stehenden Heere, so würde doch für den Volkswohlstand außerordent» lich viel herausspringen, weil bei der Verkürzung der Dienstzeit große Beträge infolge des vermehrten Arbeitsverdienstes herausgeholt werden. Der Kriegsminister hat uns gestern zu unrecht den Vorwurf gemacht, wir wollten den Leuten den Heeresdienst verekeln. Nicht sozialdemokratische Reden, sondern die Z u st ä n d e. die wir kritisieren, verekeln den Leuten den Dienst. Wenn den Angehörigen der einzelnen bürgerlichen Parteien im Hause ein Ausspruch eines Mannes vorgehalten wird, der anscheinend zu ihrer Partei gehört. dann erklären sie mit Recht, daß die Partei nicht für die Aussprüche eines einzelnen verantwortlich sei. Aber ebenso können auch wir Sozialdemokraten verlangen, daß nicht bei jeder Gelegenheit aus der Dreimillionenpartei ein Rann herausgegriffen wird, dessen Ansicht dann als die Ansicht der Partei gelten soll.(Sehr richtig l bei den Sozialdemokraten.) Wenn wirklich ein Sozialdemokrat von Ver- ekelung gesprochen hat, so halte ich dem entgegen, daß der Reihe nach drei sozialdemokrattsche Parteitage einmütig und entschieden jede Kasernenagitation abgelehnt haben. Das allein ist inaßgebend. Da können wir doch verlangen, daß nicht ganz un- gerechtfertigte Anschuldigungen von den amtlichen Stellen immer wieder gegen uns erhoben werden. Die amtlicheu Stelle» SdftHB«? t«»fffen5oft jJtOfen. ehe fk« fo«twaS ft»»«».(Sehr gut! bei den Sozialdemokralen.) Der Kriegs- nnnister hat die Resolution unseres Parteitages in Jena Zrwähnt, in der gefordert wird, daß die Soldaten auf ihr Beschwerde «cht hingewiesen werden. Dagegen kann doch der Kriegsminister nichts haben; jedenfalls ist für die S o l d a t e n Vertrautheit mit dem Beschwerderecht wichtiger, als für den Offizier Kenntnis des ÄechselrechtS.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Wenn eine Beschwerde bei der ersten Ausschreitung des Vorgesetzten vorgebracht wird, wird fie dazu führen, daß systematische Schindereien der- schwinden. Es ist in der Resolution weiter vom Abscheu vor dem Militarismus die Rede. Abscheu vor dem Militarismus noch nicht Abscheu vor der Wehrhaftigkeit. Militarismus unnötiger Drill, Soldatenschinderei, Abschließung der Offiziere als Kaste, Erklärung des Heeres als Machtmittel, die Herrschast der defitzenden Klaffen unter allen Umständen aufrecht zu erhalten. D a- gegen allein wenden wir uns. Ferner wird uns vorgeworfen, wir seien Gegner der Disziplin. Wo gibt es, so muß ich fragen, außer Jm Heere, ein größeres Maß von Disziplin als in der sozialdemo lratischen Partei und ihren Gewerkschaften? Wir wollen leinen Kadavergehorsam, wollen nicht, daß ein Mensch sich widerspruchslos wie«in Hund behandeln laffen soll. Aber wir find durchaus darüber im klaren, daß der einzelne die Pflicht hat. sich unterzuordnen, sobald die Interessen der Gesamtheit in Frage kommen. Ei« machen unS ja so oft den Borwurf, daß wir auf Disziplin halten. Ich ftimm« als Sozialdemokrat mit dem Kriegsminister darin überein, daß der deutsche Soldat die beste Waffe haben muß. Ich habe jahrelang dm Gestellungsbefehl für den ersten Mobil- machungstag in der Tasche gehabt, und da habe ich wie jeder andere i natürlich ein Interesse daran, daß der Soldat mit einem modernen Gewehr statt mit einer Heugabel ins Feld zieht.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Daß wir den Etat ablehnen, macht man uns zum Vor- wurf. Ganz mit Unrecht. Denn daß man aus prinzipiellen Gründen Dinge ablehnen kann, die man für richtig hält, hat Herr v. Oldenburg bewiesen, der die sozialdcmokraftsche Resolution ablehnen will, weil er meint, daß die Sozialdemokratie davon Bor- teil hat. Wir protestieren durch die Ablehnung des Etats dagegen, daß die Heermittel dazu benutzt werden sollm, das Volk selbst niederzuhalten; denn immer wieder wird uns gesagt, daß das Heer gegen uns selbst losgeschickt werden solle, wenn wir den herrschenden Klassen unbequem werden. Ich erinnere noch einmal an den schreck- lichen Ausspruch vom Schießen auf Vater und Mutter, auch daran, daß vor Jahresfrist in Preußen und Sachsen Soldatm ein paar Sonntage hintereinander mit scharfen Palronen dagestanden haben, um Wahlrechtsdemonftrationen der Sozialdemokraten zu verhindern. Und dabei sind Straßendemonstrationen doch erlaubt, werden sogar gutgeheißen, wenn es sich zum Beispiel darum handelt, daß Angehörige der bürgerlichen Parteien vor das Reichskanzlerpalais und das kaiserliche Palais ziehen.(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demokraten.) Die Ablehnung des Etats bedeutet keineswegs, daß wir eine Wehrlosigleit und Ehrlosigkeit unseres Vaterlandes erstreben. Wenn wir die Verantwortung zu tragen hätten, dann würden wir die Wehrhaftigkeit des Voltes so einrichten, wie es uns richtig er- scheint.(Lachen rechts.) Immer wieder werden erlogene Behauptungen gegen die Sozialdemokratie aufgestellt. So jetzt wieder, die Sozial- demotraten wollten, daß Franzosen, Engländer oder Russen Deutschland verwüsteten. Die Behauptung ist ebenso gemein wie närrisch. Darüber find wir Sozialdemokraten durchaus im klaren, daß unter einem verlorenen Kriege die arbeitende Be- völkerung am allermeisten zu leiden hätte.(Sehr wahrt bei dm Sozialdemokraten.) Genosse Bebel hat schon betont, daß s e I b st- verständlich im Falle eines Angriffes die Sozialdemokraten die Flinte auf den Buckel nehmen würden, und ich behaupte, daß es keinen deutschen Sozialdemokraten gibt, der eine andere Auffassung ausspricht. Wenn ich feststelle, daß wir Sozial- demolratm Angriffe mit ebenso großer Entschiedenheit zurück- zuweisen bemüht sein würden wie irgend einer der Herren auf der rechtm Seite des Hauses, so muß ich doch betonm, daß wir eine Säbelrasselei, wie gestern und vorgestern im Reichstage hier, für überflüssig halten. Alle Welt weiß, daß wir ein großes Heer haben, da hat man nicht nötig, bei allen möglichen Gelegenheiten Säbelraffelreden zu halten. Wenn die gegenwärtige politische Weltsiwation ganz außerordentlich gespannt ist, dann dürfen wir nicht verkennen, daß von gewisser Seite in Deutschland durch un- vorsichtige Redewendungen viel dazu beigetragen ist.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Zur Verteidigung des Baterlandes gegen freche Angriffe begeistern Sie aber unser Volk nicht dadurch, daß Sie es zwingen, an überlebten Einrichtungen festzu- halten. Wir Sozialdemokraten als stärkste Partei Deutschlands haben allen Anlaß, von unserer Regierung rückhaltlose, ehrliche Friedenspolitik zu fordern. Begeiftem können Sie unser Volk nur dadurch, daß Sie mit uns Sozialdemokraten sich bemühen, Deutschland für das ganze Volk so wohnlich, so freiheitlich, kulturell so hochstehend ein- zurichten, wie es nur denkbar ist.(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demokraten.) Kriegsminister v. Einem: Ich akzeptiere die Versicherung des Vorredners, daß die sozial- demokratische Partei entschlossen sei, im Falle eines Angriffskrieges auf das Deutsche Reich es mit derselben Treue und Hingabe zu ver- leidigen wie die anderen Parteien.(Lebhafte Zurufe bei den Sozial- demokraten: Selbstverständlich I Haben wir immer gesagt!) Ich muß mich aber entschieden verivahren gegen seine Behauptung, daß ich renommiert oder mit dem Säbel geraffelt hätte. Nichts hat mir ferner gelegen. Ich habe vorgestern mit meinen Schlußworten nur sagen wollen, daß wir gerade in diesem Moment verpflichtet gewesen wären, große Anforderungen auch an Geld zu stellen, um unsere Rüstungen zu beenden, und ich hatte das Glück, daß das HauS , neiner Ansicht zustimmte: daß wir stets kriegsbereit sein müssen. (Sehr wahr I rechts.) Auch seine Aufforderung zu einer durch und durch friedliebenden Politik war nicht notwendig; die haben wir seit dem Friedensschluß von 187t getrieben und durch die den Frieden auch aufrecht erhalten,(Lebhafter Beifall.) Der Abgeordnete Bebel hat auf dem Jenoer Parteitag von der Fähigkeit der Deutschen zur Organisation gesprochen und dabei auch das deutsche KriegSheer ein Meisterlverk der Organisation genannt. Ein Meisterwerk der Organisation zur Verteidigung deS Vaterlandes! Trotzdem wollen Sie dieses Heer abschaffen!(Abg. Bebel ruft: Umwandeln!) Ab- schaffen! In allen Ihren Wahlaufrufen steht:.Nieder mit dem Militarismus I Hoch die Boltswehr I'(Lebhafte Zwischenrufe bei den Sozialdemokraten.) Aber so seien Sie doch still, wir haben ja dasselbe Ziel: Sie dürsten nach Wahrheit und ich will Ihnen diesen Durst stillen.(Große Heiterkeit und lebhafter Beifall rechts.) Eine tausendjährige geschichtliche Erfahrung hat ge- lehrt, daß die Voiksheere den Krieg nur verlangern und verteuern. Der Krieg in der Umon wie der deutsch- französische Krieg sind erst zu Ende gegangen, als die Bolls- heore zu Soldaten geworden waren. Dteie Grundsätze stehen für jeden Soldaten fest. Schon Feldmarschall Graf Mottle hat sie hier auseinandergesetzt. Auch die viel zitierten Heere der Revolution � lesen Sie nur Camille Roussel— sind nichts weiter als ein« Bande gewesen, silnruhe bei den Sozialdemokraten.) Bei Kaisers- lautern, bei Zweibrncken sind die preußischen Heere der damaligen Zeit Sieger über die Sansculotten geblieben. Allerdings haben diese Siege der Armee geschadet. Es waren Scheinstege gegen eine nicht kriegSgewohnte Armee. Die Armee, die dann 180S den Rhein überschritt. geführt von dem KriegSgotte selbst, war durch und durch soldatisch, und von ihr wurde Europa überrannt. bis es neue Heere gebildet hatte. Wenn Sie(zu den Sozialdemokraten) also die Notwendigkeit des Heeres anerkennen und den Frieden wollen, so bleiben Sie bei dem zetzigen bewährten System; es hat bisher den Frieden erhalten und wird ihn in seiner jetzigen Kriegsfähjgkeit auch weiter erhalten. (Beifall rechts.) Der Ada. Noske hat gemeint, daß die sozial- drmolrstische Agitation für die Disziplui ungefährlich sei. daß sie sich nur gegen die Auswüchse des Militarismus richte, dem Heere aber nichts schade. Wenn dem so ist, ist die Sozialdemokratie ein Teil von jener Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft.(Sehr gut! rechts.) Denn die Sozialdemokratie untergräbt tatsächlich den militärischen Geist im Volke, sie tritt die Erinnerung an die Siege von 1870 mit Füßen.. (Lebhafte Unterbrechungen bei den Sozialdemokraten.) Ich habe in der.Erfurter Tribüne" gelesen:.Bleibt uns endlich fort mit den Erinnerungen an die Heldengräber von Metz; das deutsche Helden tum liegt in der Werkstatt." Und der..Vorwärts" schrieb an- läßlich des Crimmitschauer Streiks: Diese Weber wären die wahren Helden, weit größer als die Sieger von 1870, die sich an Champagner und Pasteten gütlich getan hätten.(Lebhaftes hört I hört I Rufe rechts. Zwischenrufe b.d.Soz.). Wenn Sie da« nicht wollen so schmeißen Sie doch die Redakteure zum Fenster hinaus, die das schreiben.(Große Heiterkeit.) Bei dem Uebermaß von Intelligenz, über das Sie ver« fügen, kriegen Sie ja andere. Oder erziehen Sie doch die Redakteure mit der famosen Disziplin, die Sie haben.(Heiterkeit.) Wenn Sie der Jugend den militärischen Sinn rauben, können Sie weder ein stehendes Heer erhalten noch die Wehrhaftmachung der Nation. Heer bleibt Heer, wie Sie es auch nennen. Wenn Sie die soldatischen Tugenden untergraben, fällt jedes Heer zusammen wie ein morsches Reis. Man muß das Voll erziehen, damit man sich in schwerer Zeit darauf verlassen kann.(Bravo I rechts.) Herr Noske hat gemeint, die Sozialdemokratie kämpfe nur dafür, daß jeder Mann mit voller Freude und Begeisterung in den Krieg ziehe und wisse, wofür er sein Vaterland verteidigt. Wenn Sie weiter nichts wollen— nun, das hat das preußische Voll schon in allen früheren Kriegen getan, es ist 1870 mit lohender Be- geisternng ins Feld gezogen. Dazu brauchen wir Sie nicht, dafür sind Sie nicht nötig.(Lebhafter Beifall beim Block und im Zentrum, große Unruhe bei den Sozialdemokraten. Abg. Bebel ruft: Bis aus den letzten Mann brauchen Sie im Notfalle das deutsche Heer l Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wenn die Sozial- demokratie nur dieses Ziel hat, dann ist sie auf einem falschen Wege. Ich kann nur wünschen und Ihnen raten, von diesem Wege abzugehen.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Wir müssen das Volk in gesundem Geiste erziehen, aber Ihr Geist ist ungesund. Die Mannszucht in einem Volke ist das Merkmal für den Stand seiner Kultur. Die MannSzucht, die wir 1870 gehabt haben, hat uns die Hochachtung der ganzen Welt erworben. Die Mannszucht aber, die Sie jetzt in die Jugend pflanzen und in der Sie sie er« ziehen wollen, wird uns nur die Verachtung der Welt eintragen. (Großer Beifall beim Block und im Zentrum, Zischen bei den Sozialdemokraten.) Generalmajor Ballet de Barrcs(im Anfang unverständlich) erklärt gegenüber Ausführungen des Abg. Erzberger, daß die Militärverwaltung den Wünschen der Militäranwärter nach Mög- lichkeit entgegenzukommen bestrebt sei. Abg. Graf Brudzewo-Mielczpnski(Pole): ES ist nicht wahr, daß unter den Polen eine gehässige Stimmung gegen die Armee herrsche. In der Budgetkommission ist schon auf die Tapferkeit und brave Haltung der polnischen Soldaten im Kriege von 1870 bis 71 hingewiesen worden. Präsident Graf Stolberg bittet den Redner, nicht auf Bor- gänge in der Kommission einzugehen.(Rufe b. d. Polen und den Soz.: Warum nicht? Es ist doch bisweilen notwendig!) Abg. Graf Brudzewo-Mirlczynski fährt fort: Ich habe keinen Namen genannt, sondern ganz allgemein gesprochen. Das Saalbohkottsystem, von dem der Abg. Bebel sprach, wird in kolossalem Umfange auch gegen die Polen geübt. Der Besuch der Theater, in denen polnisch gespielt wird, wird den polnischen Soldaten untersagt. In Wreschen wurde eine Frau, die einen Lehrer beleidigt hatte, der ihr Kind blutig geschlagen hatte, zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, während ein Ulan, der einen polnischen Arbeiter erschlagen und sogar noch die Leiche mißhandelt hatte, mit einem Jahr Gefängnis davonkam!(Hört! hört! b. d. Polen und den Soz.) Der Abg. v. Oldenburg und die anderen Herren der Rechten find gar nicht berechtigt, der sozial- demokratischen Fraktion bei ihrem Antrage auf Erhöhung der Soldatenlöhnung agitatorische Beweggründe zu unterschieben. (Sehr wahr! b. d. Soz.) Aber selbst wenn solche Motive zugrunde lägen, was wäre damit gegen den sachlichen Gehalt des Antrages bewiesen?(Sehr wahr! bei den Polen und den Soz.) Kriegsminister v. Einem: Ich gebe zu, daß der Boykott eine kleinliche, gehässige, unter Umständen zu wirtschaftlichem Ruin führende Maßregel ist.(Sehr wahr! links.) Von der Zentral- stelle aus wird niemals der Boykott verhängt; vielmehr wird möglichst auf seine Einschränkung hingewirkt. Die Ver- hängung des Boykotts erfolgt von den lokalen Militärbehörden in Gemeinschaft mit den Zivilbehörden. Leider ist bisweilen der Boykott unvermeidlich, weil Gründe der Disziplin ihn dringend verlangen. Der Soldat muß vor der Berührung mit der groß- polnischen wie der sozialdemokratischen Agitation bewahrt werden. Die Herren Polen sollten aber etwas vorsichtiger mit ihren Klagen über den Boykott sein. Gerade die Polen haben den Boykott zum Range einer nationalen Institution erhoben.(Lebh. Sehr wahr! rechts und bei den Natt.). Jm Osten wird von polnischer Seite fortwährend zum Boykott der Deutschen und der Juden aufge- fordert.(Redner verliest«ine Anzahl Zeitungsstellen.) Neulich ist wieder eine Anzahl radikalpolnischer Zeitungen in Kasernen eingeschmuggelt worden. Meine Herren Polen! Sie gehen einen gefährlichen und wenig ritterlichen Weg. indem Sie arme Soldaten aufhetzen und schwerer Strafen aussetze». Unterlassen Sie erst solche Wühlereien, und dann mögen Sie mit Ihren Klagen über den Boykott wiederkehren!(Lebh. Beifall rechts u. b. d. Natl.) Abg. Hagemann(natl.) will sich angesichts der Geschäftslage des Hause»„wirklich kurz fassen"(Bravo!) und verliest eine halbe Stunde lang antimilitaristische Zitate au» sozialdemokratischen Zeitungen, Parteitagsprotokollen usw. Jm Wahlaufrufe des zweiten Hamburger Wahlkreise» heißt eS, daß die deutschen Soldaten in den Kasernen schlimmer gemartert werden, als ein Jndianerstamm seine Gefangenen martert. Darüber kann man nur lachen.(Sehr richtig I recht.) Die Erklärungen deS Abg. Noske über die Haltung der Sozialdemokraten im Kriegsfalle waren ja sehr erfreulich. Wenn sie aber praktischen Wert haben sollen, so muh erst eine völlige Umwandlung an Haupt und Gliedern erfolgen. Die Sozialdemokraten stellen gewohnheitsmäßig Aeuße» rungen. wenn sie ihnen unbequem werden, in Abrede.(Unruhe b. d. Soz.) Redner geht ausführlich auf die Aeußerung Bebels auf dem Münchener Parteitag in der Agrarfrage ein. Alles Drehen und Wenden hilft nichts: die Aeußerung wandte sich nicht nur gegen die Agrarier, sondern gegen die Bauern.(Große Unruhe und Widerspruch b. d. Soz.) Redner bringt Wünsche der Büchsen- macher und anderer Kategorien vor. Wenn da» KriegSmirnsterium fortfährt energisch, wie bisher, die Soldatenmißhandlungen zu be- kämpfen und andere Ursachen deS Mißvergnügen» abzustellen, so werden die nächsten Wahlen das Werk der Vernichtung der Sozial» demokratie vollenden.(Beifall rechts und bei den Natl.. Lachen bei den Sozialdemokraten� Hierauf wird»in Schlußantrag v. Normann lkons.), Müller-Meiningen(fteif. Ppt.) und Graf Hompesch(Z.) gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Persönlich bemerkt Abg. Bebel(Soz.): Der Abg. Hagemann hat aufs neue trotz wiederholter Feststellung meine Aeußerung auf dem Münden« Parteitage entstellt. Ich verzichte darauf, dies Verfahren weiter zu bezeichnen.(Lebhafte Zustimmung be, den Sozialdemokraten). Die Rede des Kriegsministers bewies wieder seine völlige Unfähigkeit, sich in den Gedankengängen unserer Partei zurechtzufinden(Sehr wahrl hei den Sozialdemokraten, Lachen recht»). Der Schluß der Debatte hat mir die Möglichkeit genommen, ihm sofort zu antworten; ich werde aber Gelegenheit finden, ihm gründlich zu dienen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten). Das Gehalt des Kriegsministerz wird bewilligt. Es folgt die Abstimmung über die Resolutionen. Di« Resolution des Zentrums über die Ausdehnung der Port«, Vergünstigung für Postsendungen auf solch», die von Soldaten nach der Heimat gehen, wird einstimmig angenommen! Di« Resolution A l b r e ch t u. Gen.(Soz.) auf Erhöhung der Löhnung dt» Man»« L' schaften und Unteroffiziere findet gegen die Stimmen der Rechten Annahme. Die Resolution Müller-Meiningen(fts. Vp.) auf Bekämpfung der Soldatenmißhandlungen, Reformen des Be- schwerderechts, des Militärstrafrechts und des ehrengerichtlichen Berfahrcns wird gegen die Stimmen der Rechten a n- genommen, ebenso der zweite Teil der Resolution betreffend Maßregeln gegen die BeWucherung der Offiziere, doch enthalten sich hier die Nationalliberalen unter großer Heiterkeit des Hauses der Abstimmung. Eine Reihe von Kapiteln wird ohne erhebliche Debatte be» wiillgt. Beim Titel„Militärjustizverwaltung" sagt Preutz. Kriegsminister v. Einem eine eingehendere Ausbildung der Offiziere im Militärstrafrecht zu. Beim Titel„Höhere Truppenbefehlshaber" verlangt Abg. Mommsen(fts. Vg.): Aufhebung der Rahonbeschränkungen in Danzia, namentlich im Interesse der arbeitenden Bevölkerung. Preuß. Kriegsminister o. Einem kann keine zusagende Er« klärung abgeben, da Danzig zwar keine besondere Festung mehr sei, aber doch eine wichtige Aufgabe bei der Landesverteidigung habe; immerhin sollen neue Rayons an keiner Stelle mehr ge- bildet werden. Zum Titel„Gehalt der Militärärzte" wird eine Resolution. des Abg. Liebermann v. Sonnenberg(Antis.): Die Dienstzeit der Studierenden der Zahnheilkunde derjenigen der Mediziner entsprechend zu regeln und Stellen für Militärzahnärzte einzurichten, debattelos angenommen. Beim Titel„Beamte" verlangt Abg. Werner(Antis.) Besserstellung der Büchsenmacher, wird aber damit vom Generalleutnant v. Arnim auf die allgemeine Aufbesserung der Gehälter im Jahre 1903 verwiesen. Abg. Hanisch(Antis.) erklärt in längeren, auf der Tribüne unverständlichen Ausführungen, er wolle sich kurz fassen, und er- weckt dadurch stets stallende Heiterkeit. Als er sagt:„Nun könnte man einwenden," wird ihm zugerufen:„Nein, wir wenden nicht ein." Unter stürmischem Gelächter verläßt der Redner die Tribüne. Abg. Dr. Wagner(k.): Die Militärkapellen haben cm sich nicht den Zweck, den Zivilmusikern Konkurrenz zu machen. Wenn sie konzertieren, sollten sie daher nicht die Bergünstigung der Militär- fahrkarten haben. Abg. v. Oertzen(Rp.) verlangt strenge Durchführung deS Er- lasses, wonach den Militärkapellen verboten ist, in kleinen Trupps zu konzertieren. Beim Kapitel„Naturalverpflegung" wünscht Abg. Leonhart(fts. Vp.): eine stärkere Heranziehung der land- wirtschaftlichen Genossenschaften. Beim Kapitel Garnisonverwaltung und Servi»« Wesen, Titel„Mieten für Kasernen nebst Zubehör" erhält das Wort Abg. Hoch(Soz.): Das Reich baut vielfach feine Kasernen nicht e l b st, sondern veranlaßt die Städte zum Bauen, um dann äe Kaserne zu mieten; so soll eS jetzt auch in Hanau geschehen. Dabei hat die Budgetkommission wiederholt dem Wunsch Ausdruck gegeben, daß das Reich die Kasernen, die es braucht, selbst bauen soll. Auch ist nicht zu billigen, daß die Heeresverwaltung auf die Städte einen Druck ausübt, daß sie den Mietsprei» billiger stellen, als dies den Baukosten entspricht. Abg. Erzberger(Z.): Die Budgetkommisfion ist jetzt mit dem Verfahren der Heeresverwaltung einverstanden. Generalleutnant Sixt v. Arnim: Die Kaserne in Hanau wftch«st nächstes Jahr in den Etat eingestellt werden. Beim Kapitel„Pferdebeschaffung" bittet Abg. Rogalla v. Bieberstein(k.) beim Titel„Ankauf der Remontepferde", im nächsten Jahre eine erheblich höhere Summe in den Etat einzustellen. Abg». Wachborst de Wentr(natl.) schließt sich dem Wunsch auf Erhöhung der Preise für Remontepferde an. Abg. Günther(fts. Vp.): Jm Namen der freisinnigen Parteien bitte ich um Ablehnung der Resolution. Abg. Krcth(k.): Da die Militärverwalttmy schweigt, nehme ich ihve Zustimimung zu unserer Resolution am Gegenwärtig«leiden die Verkauf« von Remontepferden Schaden; um das zu wissen, brauchen Nur keine Erhebungen oder Nachweisungen. Abg. v. Pfetten(ZJ spricht sich für die Resolution ans. Abg. Dr. Hah«(B. d. L.): Jm Interesse der Hebung der Pferdezucht ist die Erhöhung der Preise für die Remontepferde dringend geboten. Abg. Noske(Soz.): Ich hatte eine Berechtigung, zu sagen, daß den Landwirten bei den Ankäufen von Remontepferden eine Liebes» gäbe zugewendet Witt»; die Pferde werden ihnen 100—200 M. teuerer bezahlt als auf dem freien Markt.(Widerspruch rechts.)! Uebelstände bestehen auf dem Remontemarit, vor allem die so- genannten Privatmärkte. ES kommt vor, daß ein Pferd von einer Remontenkonrmission zurückgewiesen, dann aber in drei Tagen von derselben Kommission auf einem Privatmarkte gekauft wurde! Diese Privatmärkte bestehen darin, daß nicht auf öffent- lichem Markte, sondern auf einzelnen GutZhöfen gekauft wird. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Mit diesem System sollte fo rcffch als möglich gebrochen werden.(Beifall bei den Sozial- demokraten.). �_. Abg. Becker(Z.): D« Herr Vorredner versteht von der Sache nichts, fönst würde« feine Behauptungen nicht haben aufstellen können. Die Preise, die wir jetzt erhalten, decken nicht einmal die v. Bieberstein(t): Was Herr Koste angeführt hat, sind olle Kamellen, die so unrichtig sind, wie sie alt sind. (Beifall rechts.) Preußsscher KriegSminist« v. Einem: Ich bin erstaunt darüber, daß allgemein gesagt wird, wir zahlten zu niedrige Preise. Aber wir haben 1200, 1400 M. gezahlt, und daS gar nicht selten. Freilich, wir»Verden den steigenden Preisen folgen müssen, wenn ich auch nicht garantieren kann, daß wir höhere Summen:m nächsten Etat verlangen werden. Dann werden— ja, mein« Herren, ich kann die Notiz, die ich mir aufgeschrieben habe, nicht lesen.(Große � Die Resolution wird in Ziffer 1(Erhöhung der Preise für Mc- montepferde) gegen die Stimmen d« Freisinnigen und Sozialdemo- kraten. in Ziffer 2(Nachmessung der bisher gezahlten Preise) eiiv- stimmig angenomm en. � � m Der Titel wird bewilligt. Debattelos werden eme Reche weiterer Kapitel bewilligt.. �_. Bor dem Kapitel Artlllerie. Waffenwesen bettagt sich daS Haus auf Freitag 1 Uhr. Tagesordnung: Fortsetzung der Beratung. Beratung des RrichSpostetatS. Schluß 7 Uhr._ Parlamentarisches. Aus der Ludgetkommissie». (Sitzung vom Lb. April.)! Die Beratung beginnt mit dem Etat für Kamerun. Di« eigenen Einnahme» betragen 3 068 700 M-, und zwa, 238 800 M. Steuern und 3 330 000 M. Zölle. Die Regierung beqbsichtigt,«ine Zollerhöhung eintreten zu lassen und damit di« eigenen Ein- nahmen zu steigern. Der Referent Abg. S e m l e r wendet sich gegen die Zollerhühung. besonder» gegen die Zollerhöhung auf Schaumwein. Zigarren und Zigaretten. Schaumwein sei in Kamerun kein Luxusgetränk. sondern ein notwendige» Genußmittel. /TV_____<...*>/» XaC* 1*1.�.. i. i i d* T Xo»'DrtfTavfwrtT*..«.-» />«•£ X-Itt Dernburg«klärt, daß her Hauptteil der Zollerhöhung auf den Schnaps entfällt, und der Schnap» soll l Kolonien ferngehalten werden. Au» der„..... Mehreinnahme von 800 000 M. erzielt werden soll doch möglichst au» den . 4... ejne liemet Zoll zurück» leine wesent sagt: Wenn die Einfuhr von Schnav» durch hohen gedrängt werden soll, so dürfte auch die Zollerhöhung reme we,eni> sich höheren Einnahmen bringen. Lattmann vettangt starte Sollerhöbung auf Ret» und Stockfische: Heid» Produkte wü-ttll st t eingeführt, iahet eS fei besser, wenn diese Einfuhr erschwert würde, um die Eingeborenen zu zwingen, ihre Unterhaltungsmittel selbst zu produzieren! Dernburg sagt Erwägung dieser Wünsche zu. Im übrigen gibt er Auskunft über die Kameruner BergwerkSverhSltnisse. Die Ausbeute an Petroleum sei noch unbedeutend. Neuerdings sei Glimmer gefunden worden, der als JsolationSmittel für Elek- trigitätswerke eine große Rolle spielt. Eine eigene Ausbeute der Bergwerke sei nicht gedacht, aber die Regierung wahre sich durch Verträge überall einen gewissen Einfluß.>— v. Richthofen spricht sich aus Ernährungsrücksichten gegen die Zollerhöhung auf Reis, Starz für die Lattmannsche Forderung aus, um„erzieherisch" zu wirken. Die Zolleinnahmen werden um 200 000 M. höher eingesetzt und die Einnahmen so genehmigt. Bei dem Ausgabeposten„Gehalt des Gouverneurs" fragt stapsch über den Fall Puttkamer an. Dernburg gibt zu, daß der Regierungsbeamte Rothe in einem Bericht den Wunsch ausgesprochen habe, es möge kein Disziplinarverfahren gegen Puttkamer eingeleitet wer- den! Er ist deswegen zur Disposition gestellt worden. Ueber den Fall Puttkamer möchte sich Dernburg heute nicht aus- sprechen, da heute die Verhandlung gegen ihn stattfinde?. Die Anklage geht dahin, daß er falsche Pässe ausgestellt und Kameruner Erwerbsgesellschaften begünstigt habe, weiter eine extravagante Dienstführung betrieben und Instruktionen an Richter erlassen habe, zu denen er nicht berechtigt war. Wenn die Verhandlung vorüber ist, soll gern jede weitere Auskunft erteilt werden. Ledebour fragt an, wie es mit dem Urteil gegen die Akwa-Leute steht und was aus ihnen geworden. Dernburg erklärt, daß daS Urteil aufgehoben und die ganze Angelegenheit untersucht sei. Das Ergebnis der Untersuchungen ginge heute noch gedruckt dem Reichstag zu.— Erzberger bringt den Fall des Oberrichters Meyer zur Sprache. Dernburg gibt zu, daß sich Meyer ein schwarzes Mädchen zum Geschlechtsverkehr kaufte, der Behörde aber die falsche Auskunft gegeben habe, er wolle sich verheiraten und habe das Mädchen zu häuslichen Diensten zu sich genommen! Er sei des- wegen im Disziplinarwege bestraft worden; denn ein Richter dürfe falsche Angaben nicht machen. Im übrigen sei— menschlich betrachtet— das Verhalten Meyers nicht so hart zu verurteilen. Bei deMsonstigen Personalausgaben sollen infolge Stellenver- mehrung einige Mehrausgaben eintreten; der Referent ist da- gegen; im Interesse einer guten Verwaltung bittet Dernburg, die angeforderten Stellen zu genehmigen. Ter Referent Semler betont demgegenüber, daß die Unordnung nicht an dem Mangel. sondern an der schlechten Etatisierung in Kamerun liege. Wenn Puttkamer ein Vorwurf zu machen sei, dann der, daß ihm der ganze Etat von oben bis unten gleichgültig gewesen sei. Wenn man sparen wolle, müsse man an Beamten sparen, die über- flüssig erscheinen. DaS gilt für den Buchdrucker, die Zollassistenten und den technischen Sekretär für die Materialienverwaltung. Man könne die Bedürfnisse in den Kolonien doch nicht an den Bedürfnissen der Heimat messen. Die Anforderungen werden schließlich nach der Vorlage ge- nehmigt, ebenso alle übrigen Ausgaben für die Zivilverwaltung. Für die Militärverwaltung sind 1»17 000 M. angefordert, 327 000 Mark mehr als bisher. Diese Mehrausgaben sind insbesondere durch eine neue Kompagnie verursacht, die in Kamerun errichtet werden soll. Hauptmann Dominik, dem kurz vor der Auflösung deS Reichstag? böse Grausamkeiten nachgesagt wurden, ist anwesend und hat die Aufgabe, die Forderung' zu begründen. Er führte auS, daß in Kamerun die militärische Machtsphäre nur über die Distrikte ausgedehnt worden sei, die wirtschaftlich große Bedeutung erlangt haben. Im Süden Kameruns seien große Be- stände von Elfenbein und Gummi; dieser Teil der Kolonie bringe letzt schon die Hälfte der Einnahmen, aber es sei dort viel mehr zu machen. Neuerdings feien Wasserstraßen aufgeschlossen, die eine starke EntWickelung erboffen lassen. Aber dort sei eine sehr kampflustige Bevölkerung, die zu den gefährlichsten Kannibalen zähle, die eS gebe. Das geht schon daraus hervor, daß sie ihre alten Eltern zum Auffressen an andere verkaufen.— Wenn die Weißen kommen mit ihren Glasperlen usw., werden sie freudig auf. genommen, weil die Eingeborenen den Wert des Elfenbein? und Gummis nickt kennen, aber sowie dann Ordnung geschaffen werden soll, daß Kaufleute und Eingeborene keinen Raubbau mit den Gummibäumen treiben, daß die Kinder zur Schule heran- gezogen werden usw.. dann„entstehen Gefahren", und da m u ß d i e Schutztruppe verstärkt werden! Die Gefahr erhöht sich noch, da die von der Sckutztruppe entlassenen Eingeborenen, an sich sehr tüchtige Leute, jetzt nach Tausenden zählen und in ihren Wäldern und Sümpfen bei dem dortigen Klima sehr gefährlich werden können. Wenn einmal ein Aufstand käme, wisse er nicht, wie der bekämpft werden solle! Darum müsse die 10. Koin» pagnie bewilligt werden, um sie im Süden zu stationieren. Der Wafftnkauf müßte ganz verboten werden. Wenn die Eingeborenen mit ihrem Elfenbein über die Grenze gehen, so müßten Verein. barungen mit den angrenzenden Kolonien getroffen werden, da. mit auch dort der Waffenverkauf an Eingeborene verboten wird. Dernburg hält die Sachlage in den Kolonien gleichfalls nicht für ungefährlich. Darum solle man die Kompagnie be- willigen. Erzberger glaubt, eS sei besser, wenn man den E r» werbsgesellschasten mehr auf die ginger sieht und Grau- famkeiten verhindert, die von diesen beim Handel verübt werden. Er führt solche Fälle an. Wenn man hier nichts tun und nur immer neue Schutzkompagnien bewillige, werde man bald bei der IS. Kompagnie sein. D ernbur O'bt Verfehlungen der weißen Sändler zu, glaubt aber solche Mißstände durch Anlegung von ahnen beseitigen zu können! Deshalb soll dem Reichstag bald ein Bahnprojekt vorgelegt werden, damit dann die Ver» waltung sichergestellt und der Handel ruhig betrieben werden kann. Abg. S e m l e r hat große Bedenken, eine Kompagnie in den Süden zu setzen, da dadurch neue Reibungsflächen geschaffen iverden und die Gefahr des AufstandeS w ä ch st. Arendt spricht für die Forderung. Richthofen gleichfalls; dieser wünscht weiter die möglichste Unterdrückung der„wilden Händler, die sich der Kon« trolle entziehen und durch ihr Verhalten Unruhen heraufbeschwören. Semler macht den Vorschlag, die Polizeitruppe zu ver, st ä r k e n und ein Subgouvernement in den Süden zu ver. legen; das scheine ihm tunlicher als eine Verstärkung der Schutz- truppe. Hauptmann Dominik malt noch einmal die Gefahren eines Aufstandes aus, wenn die Schutztruppe nicht verstärkt werde. Die Schwarzen lieben uns nicht, wir stehen dort Kraft unserer Macht und unserer europäischen Uebcrlegenheit; würden die Eingeborenen diese Ueberlegenheit einmal nicht mehr empfinden, würden sie erst einmal ein paar weiße Händler totschlagen, so griffe der Aufstand sicher auf die benachbarten Kolonien über, und wir hätten einen Aufstand, der kaum zu bewältigen wäre. L a t t m a n n verlangt, daß sich Hauptmann Dominik auf dw Angriffe im Reichstage äußert. Dernburg gestattet da? aber nicht, weil' die Sache vor dem Militärgericht schwebe.»Gr sei von der Nn- schuld Domontks überzeugt. Ledebour hält es nach den Dar- legungen Dominiks für feststehend, dah wir in absehbarer Zeit mit einem Ausstand in Kamerun zu rechnen haben. Und es stehe wohl auch jetzt schon fest, daß daran die Händler schuld seien. An- gesichts der drohenden Gefahren sei es das beste, wenn wir auf die Okkupation des Kameruner Hinterlandes verzichtete». Damit ist die Debatte erschöpft. Der Referent Demler zieht seine Vorschläge zurück, da keine Aussicht für Annahme vorhanden und empfiehlt Annahme der Regierungsvorlage. Die 10. Schuntruppenkompagnte wird dann gegen einig« frei- sinnige und gegen die sozialdemokratischen Stimmen bewilligt, und der Etat der Militärverwalturo in Kamerun ohne weitere Debatte angenommen. Jesko v. Puttkamer. Vor der kaiserlichen Disziplinarkammer für Reichsbeamte ge- langte heute der Prozeß gegen den zur Disposition gestellten Gouverneur in Kamerun, JeSko v. Puttkamer. wegen Paßfälschung und unerlaubter Beteiligung an kolonialen Erwerbsgesellschaften zur Verhandlung. Die Paßfälschung, wegen deren sich Jesko v. Puttkamer heute zu verantworten hat, besteht bekanntlich darin, daß er für seine frühere Freundin, das damalige Fräulein Martha Ecke aus Berlin, die jetzige Frau v. Germar, einen falschen Reisepaß unter dem Namen einer Freiin v. Eckardtstein aufgestellt und diese Dame als seine Emisine ausgegeben hat. Die Be- günstigung sieht die Anklage darin, daß Herr v. Puttkamer sich in einer Weise an kolonialen Erwerbsgesellschaften, insbesondere an der westafrikanischen Pflanzungsgesellschaft Viktoria beteiligt haben soll, die für ihn als obersten Beamten der Kolonie Kamerun absolut unzulässig war. Er soll sich im Besitz von Ehrenanteilschcinen dieser Gesellschaft befunden haben. Diese Ehrenanteilscheine haben nichts voraus vor anderen Anteilscheinen, aber sie haben den Vorzug, daß sie den Eigen- tümer nichts kosten. Jesko v. Puttkamer stellte bisher jede Schuld in Abrede. Die Verhandlung wurde kurz nach 10 Uhr durch den Vor- sitzenden Landgerichtspräsident Dr. Ehrenberg eröffnet. Der An- geklagte v. Puttkamer schildert seine Personalien wie folgt: Er ist am 2. Juli 185b in Berlin geboren, evangelisch und un- verheiratet. Er hat sein Refcrendarexamen gemacht und ist dann nach Königsberg in Ostpreußen gekommen, wo er ein Jahr lang als Referendar beschäftigt war. Dann kehrte er nach Berlin zurück, wo er beim Kammergericht als Referendar angestellt wurde. Von dort ist er in die Handelsabteilung deS Auswärtigen AmteS übergetreten und wurde 1882 als stellvertretender Vize- konsul nach Chicago geschickt. Von Chicago wurde v. Puttkamer in daS Auswärtige Amt zurückberufen. Am 30. Juli 1887 wurde er interimistisch kaiserlicher Konsul für Togo, 1388 interimistisch kaiserlicher Konsul in Lagos, am 21. Oktober 1883 hat er dem jetzigen Kaiser den Diensteid als Reichsbeamter in Berlin geleistet. Ende 1889 kehrte er nach Togo zurück und wurde im Januar 1890 mit der Ver- tretung deS Gouverneurs von Kamerun betraut. Am 6. Dezember 1891 wurde er kaiserlicher Kommissar für Togo, und am 13. August 1895 erfolgte dann seine definitive Ernennung zum Gouverneur von Kamerun.— V o r s. z Wie hoch war Ihr Einkommen? — A n g e k l.: Alles in allem 32 700 M., von denen jedoch nur 12 000 M. pensionsberechtigt sind.— Vors.: Sie wurden im Januar v. I. zur Berichterstattung zurückberufen?— A n g e k l.: Jawohl, ich traf am 1. Februar in Berlin ein, seitdem bin ich nicht in die Kolonien zurückgekehrt.— Vors.: Sie haben den Antrag auf Versetzung in den Ruhestand gestellt?— A n g e k l.: Ja, ich habe das im Mai v. I. getan, nach einer längeren Unterhaltung mit dem damaligen stellvertretenden Direktor des Kolonialamtes, Erbprinzen v. Hohenlohe. Ich habe auch ein ärztliches Attest eingereicht, daß ich mit Rücksicht auf meine 21jährige Tätigkeit in den Kolonien nicht mehr im vollen Umfange den Anforderungen in den Tropen gewachsen bin. Diesen Antrag habe ich jedoch zurückgezogen mit Rücksicht auf das von mir selbst beantragte Disziplinarverfahren. Hierauf nimmt KammergerichtSrat Dr. Kleina das Wort. um die Anklage vorzubringen. Die Anklage zerfällt in sechs Punkte, von denen zwei die Pahfälschung betreffen, während die übrigen vier sich auf einzelne BegünstigungSfälle zugunsten ver westafrikanischen PflanzungSgesellschaft Viktoria erstrecken. Von der Erhebung einer Anklage wegen weiterer Begünstigung der West» afrikanischen PflanzungSgesellschaft Viktoria hat der Reichskanzler Fürst Bülow Abstand genommen. ES wird dann in die Beveivanfnahme eingetreten, die sich zunächst mit der Paßfälschung beschäftigt. Die Anklage geht dahin, daß der Angeklagte v. Puttkamer 1. dem Fräulein Marie Ecke einen Paß auf den Namen einer Freiin v. Eckardtstein ausgestellt hat, um nach Kamerun zu kommen; ferner, daß er ihr emen zweiten Paß ausgestellt haben soll, als ihr in Berlin nach ihrer Rückkehr von der Polizei Schwierig» leiten ssemacht wurden. 3. soll der Angeklagte, als Ermittelungen über die Paßfälschung schwebten, versucht haben, die Ecke iu ihrer Aussage zu beelnflussen.— Der Angeklagte v. Puttkamer erklärt bezüsslich deS ersten Punktes, daß er in der Tat angenommen habe, daß sie eine greiin v. Eckardtstein sei, und daß er infolge- dessen den Vorwurf der Paßfälschung abweisen müsse. . Es werden darauf die Ergebnisse der Voruntersuchung verlesen, soweit sie sich hauptsächlich auf die Lebensweise und die Herkunft ve» Fräulein Ecke, der jetzigen Frau v. Germar bezogen haben. In dieser Beziehung ist festgestellt, daß Fräulein Ecke nach ihrer Rückkehr auS Kamerun in Dresden am 11. Juli 1899 wegen Urkundenfälschung und unbefugter Annahme eines Adels- Prädikats zu acht Wochen Gefängnis und einer Woche Haft verurteilt worden ist, ferner, daß sie in Dresden wegen An- nähme eines fremden Namens eine zweite kurze Haftstrafe ver- büßen mußte, daß ferner in Berlin ein strafgerichtliches Ver- fahren wegen Pfandhinterziehung und Betruges gegen sie eingeleitet wurde, das aber mangels aenüaenden Belastungs- Material» eingestellt werden mußte. Es folgte die Erörterung deS zweiten Punktes der Än- klage. Als die Ecke nach Berlin zurückgekehrt war, wurden ihr, da sie keinen Paß hatte, Schwierigkeiten gemacht. Die Polizei verlangte die Vorlegung eines Abmeldescheines au« der Kolonie. Daraufhin schrieb die Ecke an den Angeklagten d. Puttkamer, und dieser hat ihr nach der Snklag« einen zweiten Paß ausgestellt. Vors.: Was sagen Sie dazu?— Angekl.: Ich kann mich Iber Vorgänge gar nicht mehr so genau entsinnen, aber ich kann die bestimmte Erklärung abgeben, daß ich von der Ausstellung eines zweiten Passe« absolutnichts weiß. Das Einzige, was möglich ist, ist. daß die Ecke geschrieben habe, st« sei in Berlin unter dem Namen Eckardl angemeldet, und«« würden ihr nun Schwierig» leiten gemacht, da sie als greiin v. Eckardtstein zurückgekehrt se». Sie bat mich, ich möchte ihr eine Bescheinigung ausstellen, daß sie identisch sei mit der Person, die sich früher als Eckardt in Berlin aufhielt. Da will ich zugeben, daß ich ihr das in«ine« Briefe attestiert habe. Aus der Aussage der jetzigen Frau v. Germar geht hervor. daß ihr nach ihrer Rückkehr von Kamerun von der Berliner Polizei Schwierigkeiten gemacht wurden. Sie habe daraufhin an Herrn V. Puttkamer geschrieben und um ein Abzugsattest gebeten. Darauf erhielt sie unter dem Namen Maria Eckardt. geboren am 25. Sep- tember 1873 in Halle, einen Paß und zeigte ihn der Polizei vor. Beide Pässe habe sie vernichtet.— In Kamerun selbst wurde über die Ausstellung diese» zweiten Passes nicht» ermittelt.— Es wird als Zeuge Hofrat Geiger aufgerufen, der 1897 da» Paßregtster in Kamerun unter sich hatte.-- Vors.: Der Angeklagte behauptet, daß Sie die Paß» formulare unter amtlichem Verschluß hielten, und daß eS ganz un» möglich sei, daß er sich auS diesem Verschluß heraus Formulare hätte nehmen können.— Zeug,: Die Sache ist so lange her. daß ich mich auf Einzelheiten nicht be« sinnen kann. Wenn ich im Bureau war, war eS natürlich ausgeschlossen, daß ein Formular zu unerlaubtem Zwecke verwendet wurde. Ich war aber häufig krank und oftnicht im Bureau.— Bert. Seiko: Waren die Formulare nicht numeriert oder wurden sie nicht abgezählt ge» liefert?— Zeuge: DaS war nicht der Fall.— Vertreter der Anklage Kammergerichtsrat Dr. Kleine: Wenn die Polizei in Berlin von Fräulein Ecke einen Patz verlangte, würde sie sich doch unmöglich mit einem Briese begnügt haben, den ihr der Angeklagte geschrieben haben will.— Angekl.: Es kann auch ein Anmelde- schein gewesen sein, so genau weiß ich das nicht mehr. Vors.: In der Anklage ist die Rede von einem Abzugsattest. — Angekl.: Das kann sein. Ich glaube auch noch bestimmt zu wissen, daß auf dem ersten Paß beide Namen des Fräulein Ecke enthalten waren; sie nannte sich Freiin v. Eckardtstein, genannt Eckardt. Es ist ja recht bedauerlich, daß die Papiere abhanden gekommen sind. — Der Vertreter der Anklage: Das ist eine ganz neue Be» hauptung, daß auf dem ersten Paß beide Namen ssestanden haben sollen, das hat der Angeklagte bisher nie erwähnt.— Angekl.: Ich kann nur wiederholt bemerken, daß die Vorgänge so weit zurückliegen, daß ich mich auf Einzelheiten nicht besinnen kann. — Ein Beisitzer konstatiert an der Hand eines ihm vorgelegten Paß- formulars, daß es ausgeschlossen erscheine, daß die Jä: ckardt etwa durch Radieren den ersten Paß gefälscht haben könne, denn daS Papier sei schraffiert. Die Verhandlung wendet sich nun der angeblich von de» Sn« geklagten versuchten Beeinflussung des Fräulein Ecke zu, die er während der bereits eingeleiteten Ir« Mittelungen ausgeführt haben soll.— Angekl.: Es lag mir ganz fern, irgendwelche illegitimen Beeinflussungen auS- zuüben. ES war mir aber die phantastische Sucht der Ecke, die Unwahrheit zu sagen, zu genau bekannt, als daß ich nicht glaubte mit allen Mitteln versuchen zu müssen, sie bei der Wahrheit zu halten. Sie schrieb mir eines Tages einen Brief, daß sie von Kriminalbeamten belästigt und zu Aussassen ver- leitet würde. Ich sagte ihr sofort: das ist ganz ausgeschlossen, daS ist wieder so eine Lüge! Ich schrieb ihr darauf einen be- ruhigenden Brief, der natürlich in einem Stil abssefaßt sein mußte, den die Ecke verstand. Ich schrieb:»Der Kriminal« mann ist Schwindel und Falle I" Jede rechtswidrige Absicht und jede Absicht irgend einer Beeinflussung lag mir voll« ständig fern. Der zweite Teil der Anklage betrifft die Begünstigung zugunsten der westafrikanischen SiedelungSgesellschast Viktoria. Der Angeklagte bestteitet mit aller Entschiedenheit eine solche Begünstigung. Die zu diesem Punkte vorliegenden Zeugenaussagen widersprechen sich zum Teil diametral. Der Borsitzende der Land- kommission in Kamerum, Ttationsleiter L e u s ch n e r. bekundet, daß Herr v. Puttkamer nie etwas zugunsten der SiedelungSgesell- schaft Viktoria getan habe, das der Kolonie und ihrer EntWickelung zum Schaden gereicht hätte. Sein Verdienst sei vielinehr. daß Kapital ins Land gekommen und damit die kulturelle EntWickelung der Kolonie gefördert worden sei. Ihm sei auch nicht» bekannt, daß der Gouverneur gegen die Beschlüsse der Landkommission zugunsten der SiedelungSgesellschast Viktoria Einspruch erhoben habe. Er habe auch nicht wahr- genommen, daß der Gouverneur die Schwarzen ungerecht behandelt hätte. Er stand sich mit allen Personen in der Kolonie gut, bis auf die Baseler Mission. Mit Esser, dem Direktor der SiedelungS« gesellschaft Viktoria, verkehrte er freundschaftlich. Er tat es, weil Esser sich um die EntWickelung von Kamerun verdient gemacht hatte. Daher kam e» auch, daß nun die Uebergriffe Essers auf daS Konto PuttkamerS gesetzt wurden, und daß der Glaube aufkam, v. Puttkamer sei finanziell von Esser abhängig. Für die Berechti« gung dieser Annahme hat Zeuge jedoch keinen Anhalt.— Bezirks- amtmann Geo Schmidt bekundet, daß manche Bewohner der Kolonie den Eindruck hatten, daß Puttkamer in der Begünstigung des Esser und der Gesellschaft zu weit gegangen fei> daß er aber b e- wüßt oder vorsätzlich die Interessen deS Schutzgebietes außer acht gelassen habe, könne ihm nicht bewiesen werden.— Aehn- liche Bekundungen macht der Bureauvorsteher Wistuba.— Zeuge Esser hat die ErNärung abgegeben, daß v. Puttkamer nie einen Pfennig von der Gesellschaft oder ihm personlich erhalten habe.— Auch der Bücherrevisor, der in 356 Stunden eine um- fangreiche Revision der gesamten Bücher der Gesellschaft Biktoria vornahm, hat keinen Posten gefunden, der Herrn v. Puttlama irgendwelche Vorteile geboten hätte. Der letzte Punkt der Anklage betrifft den Versuch des unzulässigen Eingriffes in die Rechtspflege der Kolonie. Ts handelt sich darum, daß v. Puttkamer von dem als Richter in der Stadt Viktoria fungierenden Herrn Emmermaier annahm, daß er den Aussagen der Schwarzen zu großen Wert und den Aus- sagen der Weißen zu geringen Wert beilegte, sowie daß er gegen Weiße zu harte und strenge Urteile fällte.— Angekl.; Ich hielt allerdings die Rechtsprechung des Herrn Lommermann für gefährlich, besonders für gefährtich an einem Ort, an dem 10000 farbige Arbeiter und nur 150 Europäer wohnen. Ich sah in dieser Recht- sprechung eine langsame, aber sichere Sufzüchtung eines Aufsiandss. und war daher entschlossen, den Lommermann auf einen weniger gefährlichen Posten zu versetzen. Da ich aber keinen Ersatz für ihn hatte, wollte ich eS mit einer gründlichen Belehrung ver- suchen. DaS. was ich ihm gesasst hatte, sollte keine In- struktion über die Rechtsprechung sein, sondern lediglich ein guter Rat. Als ich merkte, daß Lommermann in meiner Aeußerung einen Eingriff in die Rechtspflege sah, habe ich sofort dieser Aeußerung eine authentische Interpretation gegeben, daß ich keineswegs in die Rechtspflege eingreifen möchte.— Die unter Anklage stehende Aeußerung von PuttkamerS lautet wie folgt:„Wenn in dieser Weise weiter gearbeitet wird, so muß das Ansehen der Weißen in den Augen der Schwarzen unbedingt leiden. Dann kann die Kolonie ebensogut den Missionaren überlassen bleiben. Es scheint hier Kamerum mit Berlin oder München verglichen zu werden. Wenn das so weiter geht, dann wird Dr. Effer sich in Berlin beim Reichs- kanzler beschweren oder im Reichstage durch einen hervorragenden Abgeordneten eine Interpellation einbringen lassen!"— Zeuge Richter Lommermann bekundet: Gouverneur Puttkamer sei über feine Amtstätigkeit schlecht unterrichtet gewesen. Angesicht« seiner Unkenntnis der Dinge mag Herr V. Puttkamer gefürchtet haben, daß seine, de« Zeugen, Tätigkeit der Kolonie schaden könne. Er mag im besten Glauben gehandelt haben, aber objektiv hatte er keinen Anlaß zum Einschreiten. Er glaube auch, daß Herr v. Puttkamer in der Form über das zulässige Maß hinausgegange» stt. — Oberrichter Meyer aus Kamerun befand sich zur Zeit der Vorgänge auf Urlaub in Europa. Als er nach Kamerun zurückkam, hörte er von dein Boraehen Puttkamer«. v. Puttkamer habe außerdionstlich mit ihm darüber gesprochen und gesagt, eS Hab« ihm ferngelegen. ungerechtferttgterweife in die Rechtspflege einzugreifen.— Zeuge Staatsapotheker Trump war wiederholt Beisitzer in Pcozessei». tu denen Lommermann den Borsitz führte. ES set immer richtig Recht gesprochen worden, v. Puttkamer hatte ein unbezähmbares Herrschaftsgefühl, in dem die unabhängige Stellung eine» Richters keinen Platz fand. Er glaubte verlangeu zu können, daß die Rechtsprechung rn Kamerun sich seinem Geiste anpasse.— Andere Zeugen bekunden, daß in der Tat die Rechtsprechung Lommermann? eine Bevorzung der Schwarzen vor den Weißen bedeutete, und daß dadurch große Beunruhigungen in der Kolonie hervorgerufen wurde. Der Angeklagte erklärt, zu seinem Borgehen durch einen Brief seines Borgänger« in Kamerun, des Freiherr» V. Soden, veranlaßt worden zu sein, der ihm, als er von der Rechtsprechung Lommer- manns hörte, schrieb:„Willst Du denn die Kolonie zugrunde richten?" Es gelangen sodann die Führungszeugnisse über Herrn von Puttkamer zur Verlesung. Sie stellen ihm durchweg ein gute» Zeugnis aus. wenn auch ein gewisser Hang zu» Leichtsinn ihm nicht abgesprochen werden könne. Darauf wird die Beweisaufnahme geschlossen, und «A ergreift zur Begründung der Anklage das Wort Kammergerichtsrat Dr. Kleine: Ich will unbeirrt durch der Parteien Haß und Gunst, gewissermaßen von einer höheren Warte, als der Zinne der Partei aus, die Verfehlungen des Angeklagten schildern mit der ganzen Strenge, die mein Amt als Ankläger in diesem Falle erfordert, aber auch mit der strenge» Objektivität, die dem Richter ziemt. Man hat es nun dem Angeschuldigten zum Borwurf gemacht, daß er sich überhaupt mit der Ecke einließ. Aber erst nach der Rückkehr aus Kamerun stellte sich heraus, daß die Ecke eine Hochstaplerin war. Sie logierte sich in Dresden unter adeligem Namen in verschiedenen Hotels ein und fälschte in ihrer Geld- Verlegenheit zwei Wechsel. Dafür tourde sie mit Gefängnis be- straft. Ich bin der Meinung, daß in bezug auf die Paßfnlschiing dem Angeschuldigten nicht das geringste nachgewiesen ist. Die Ecke sollte garnicht nnt nach Kamerun konimen. sie sollte in Las Palmas sich zu ihrer Gesundheit aufhalten. Es mochte ihr aber schmeicheln, die Geliebte eines Gouverneurs zu sein und eines Mannes, der mit Geld nicht knauserte, was ja solchen Leuten besonders sympathisch ist.(Heiterkeit.) Sie ließ sich infolgedessen nicht bo- wegen, in Las Palmas auszusteigen, sondern blieb auf dem Schiff. v. Puttkamer machte gute Miene zum bösen Spiel»nd als sie in Kamerun ankamen, konnte er doch nicht gut die Ecke als seine Maitresse ausgeben und nannte sie seine Cousine Freiin von Eckardtstein. Es dauerte nicht lange, da erkannten sie mehrere Marineoffiziere von Berlin her, ihr Wicderauftreten erregte Anstoß, und so tat der Angeschuldigte das, was er tun konnte, er sorgte dafür, daß sie mit der nächsten Gelegenheit aus Kamerun entfernt wurde. Er gab ihr den Laufpatz, aber dieser Laufpaß war falsch.(Heiterkeit.) Es mag ja verwunderlich er- scheinen, daß in den zahlreichen vertraulichen Stunden, die die Ecke mit dem Angeschuldigten zubrachte(Heiterkeit), sie nicht ein einziges Mal ihn über ihre wahre Herkunst aufgeklärt haben sollte. Das Auffällige dieser Erscheinung verschwindet aber sofort, wenn man den Charakter und das Vorleben der Ecke in Betracht zieht. Sie war eine reisende Dirne, die mit Vorliebe frequentierte Bäder besuchte, um sich dort an die vornehme Welt heranzumachen. Sie war eine gefährliche Hochstaplerin, die durch die Pracht der unbe- zahlten Toiletten es verstand, junge Leute und namentlich Offiziere in ihre Netze zu locken und zugrunde zu richten. Das war gerade ihre Trick, daß sie, die auf der Bühne nichts erreichte, in der Welt vorzüglich die Aristokratin zu spielen verstand. Leute aller Stände hat sie in dieser Beziehung zu täuschen verstanden. Da ist es kein Wunder, wenn sie dem Angeschuldigten gegenüber, der sie aus- hielt, auch nicht den Schleier zerriß, den sie selbst über ihre Geburt verbreitet hatte. Weder in der Tropensonne Afrikas, noch in Deutschland hat sich ein einziger Mensch gesunden, der auftrat und sagte, der Angeklagte konnte über die wahre Natur der Ecke nicht im Zweifel sein. Selbst der lauteste Rufer im Streit, der Abge- ordnete E r z b e r g e r, hat nichts Positives aussagen können und mutzte schließlich auf Leute wie Pöplau und Wistuba hinweisen. Aber auch Pöplau und Wfftuba konnten, als es sich darum handelte, nicht blotz Klatschereien zu verbreiten, sondern ver Wahrheit die Ehre zu geben, nicht eine einzige Tatsache dafür anführen, daß der Angeschuldigte die Person der Ecke genau kannte. Trotzdem bin ich der Meinung, daß der Angeschuldigte fahrlässig gehandelt hat. Solange er der Geliebte der Ecke war, brauchte er sich nicht um ihre Person zu kümmern— der Liebe tut der Name nichts zurSache. In dem Augenblick, wo er amtlich mit ihr zu tun hatte, und es sich darum handelte, eine öffentliche Urkunde auszustellen, mußte er sich genau vergewissern. Das hat er nicht getan. Es liegt eine Fahrlässigkeit vor. d. h. ein Ver- gehen gegen§ lv des Reichsbeamtengesetzes. Bezüglich der Be- günstigung hat sich nicht nur kein Anhalt für eine Schuld gefunden, sondern es ist der volle Beweis für die Unschuld des Angeschuldigten erbracht. Was schließlich den Eingriff in die Rechtspflege anlangt, so mutz berücksichtigt werden. daß Lemmermann ein Neuling in kolonialen Dingen war? der Angeschuldigte konnte mit Recht befürchten, daß die Recht- sprechung Lcmmermanns eine schwere Schädigung der Kolonie mit sich bringen ivürde. Er war bei seinem Perhalten von den besten Absichten beseelt, dennoch mutz ihm vorgeworfen werden, daß er hier gegen klare Bestimmungen des Gesetzes verstoßen hat. Z 1 des Gerichtsverfassungsgesetzes, der auch in den Kolonien gilt, bestimmt, daß die Rechtsprechung durch unabhängige Richter aus- geübt werden soll. Der Angeschuldigte kann sich nicht darauf stützen, daß er sich seines rechtswidrigen Verhaltens nicht b e- wüßt war. Er hatte durchaus das Recht, Lemmermann abzu- setzen. Die Unabhängigkeit des Richters ist zwar garantirrt, aber nicht die Unabsetzbarkeil. Wäre der Angeschuldigte mit strengeren Mitteln vorgegangen, so wäre nichts gegen sein Verhalten einzuwenden; so aber griff er in unzulässiger Weise in die Rechtsprechung ein. Was endlich die Beeinflussung der Ecke anlangt, so mutz dem Angeschuldigten vorgeworfen werden, daß er sich überhaupt während des schwebenden Disziplinarverfahrens mit ihr in Verbindung setzte, er mutzte vor- nehme Zurückhaltung bewahren. Andererseits mutz man aber berücksichtigen, daß die Ecke ihre Aussagen so häufig wechselte, wie ihre Liebhaber.(Heiterkeit.) Bei der Strafausmessung kommt als mildernd das lebhafte Temperament des Angeschuldigten in Betracht und daß er zum besten der Kolonie zu handeln glaubte. Andererseits mutz man aber von einem Gouverneur verlangen, daß er vorbildlich wirkt. Es mutz auch mildernd in Betracht ge- zogen werden, daß die Angelegenheit 10 Jahre zurückliegt und daß diese 10 Jahre für den Angeschuldigten reich an Arbeit und Er- folgen waren. Aus allen diesen Gründen beantrage ich aus Grund des 8 73 Absatz 2 des Reichsbeamtengesetzes die Dienstentlassung. Vert. Justizrat S e l l o beschäftigt sich eingehend mit dem Charakter der Ecke. Sie ist eine internationale Hochstaplerin der allerschlimmsten Sorte. Alle Welt täuschte sie über ihre Herkunft, und so auch den Angeklagten. Es ist ganz ausgeschlossen, daß der Angeschuldigte ihr noch einen zweiten Patz ausgestellt, d. h. sich eines schweren Verbrechens schuldig gemacht hat, wo doch die Ecke gar keinen Patz, sondern einen Abzugsschein brauchte. Dem Manneswort des Angeklagten steht hier gegenüber die verblaßte Erinnerung einer an den Pranger gestellten Prostituierten. Man darf den Angeschuldigten nicht unter dem Gesichtspunkt der Putt- kamer-Hetze betrachten. So etwas von Haß und Bosheit, wie in dieser Sache, ist noch nie vorgekommen. Im Reichstag wurde über den Angeschuldigten hergefallen wie über einen Mann, der für das Zuchthaus reif sei. Nachher mutzte man zugeben, daß man sich nur auf einen Mann wie Wistuba berufen konnte. Alle Abend kann man in Berlin sehen, wie der Mann, von dem der Staatsanwalt anerkannte, daß er 21 Jahre in Interessen des Staates tätig war, von einem blöden Janhagel mit Kot beworfen wird. Der Angeschuldigte hatte durchaus recht, sich von der Ecke eine Bescheinigung geben zu lassen, daß er sie als Freiin von Eckardstein gekannt hat. Bezüglich der Begünstigung sei nichts festgestellt. Was schließlich den Eingriff in die Rechtspflege an- langt, so hat gerade das Beispiel Südwestafrikas gezeigt, wie aus kleinen Fehlern der Verwaltung grotze Kriege entstehen können. Das hat der Angeschuldigte verhüten wollen und dafür gebührte ihm der Dank des Vaterlandes. Der Verteidiger schließt mit dem Antrage auf völlige Freisprechung des Angeklagten. Der Angeklagte v. Puttkamer gibt die Erklärung ab, daß er in 21iähriger Tätigkeit nur das Wohl des Reiches und derKolonien im Auge gehabt und niemals gegen deren Jnter- essen verstoßen habe. Darauf zog sich um 3 Uhr der Gerichtshof zur Beratung zurück.____ Ukkimtwortlicher Redakteur: Hans Weber. Perlin. Für de» Nach mehr als einstündiger Beratung verkündete der Vor- fitzende Landgerichtsrat Dr. Ehrenberg folgendes Urteil. Der Angeschuldigte wird wegen dienstlicher Vergehen zu einem Verweise und zu einer Geldstrafe von tausend Mark verurteilt. In der Begründung führte der Vorsitzende aus: Ter Gerichtshof hat dem Angeschuldigten insoweit guten Glauben beigemessen, als er die wahre Natur der jetzigen Frau v. Germar nicht kannte. Man hat ihm nicht widerlegen können, daß er sie für die Freiin v. Eckardtstein gehalten habe. Ein so hochgestellter Beamter aber, wie Herr v. Puttkamer, durfte gar nicht soweit gehen, ein per- sönlichcS Verhältnis unter amtlichem Charakter mit einer Person, wie die Ecke es war, einzugehen. Er durfte ihr einen Paß nicht ausstellen, er mußte sich sagen, daß dieser Patz späterhin eine er- höhte Bedeutung gewinnen konnte, und daß es von unabsehbaren Schwierigkeiten begleitet sein konnte, wenn sich herausstellte, daß die Trägerin des Passes nicht die richtige war. Der Gerichtshof hat ein Dienstvergehen darin erblickt, daß der Angeschuldigte, bevor er den Patz auf den Namen der Freiin v. Eckardtstein ausstellte, nichts getan hat, um sich zu überzeugen, ob sie wirklich die Freiin v. Eckardtstein sei. Bezüglich der Ausstellung des zweiten Passes hat sich der Gerichtshof nicht überzeugen können, daß hier irgend ein Vergehen des Angeschuldigten vorliege. Die Aussagen der Frau v. Germar, daß sie auch einen zweiten Patz erhalten habe, könne die Behauptung des Angeklagten nicht widerlegen, daß er einen zweiten Patz nicht ausgestellt habe. Dagegen erblickte der Gerichtshof in dem Schreiben des Angeschuldigten an die Ecke schon zur Zeit des Disziplinarverfahrens ein Vergehen und ver- mißte hierbei die vornehme Zurückhaltung, die ein Mann wie Herr v. Puttkamer üben mutzte. Die Begünstigung der Siedclungs- gesellschaft„Viktoria" hat der Gerichtshof verneint. Bezüglich des Eingriffs in die Rechtspflege ist der Gerichtshof der Ansicht, daß ein Gouverneur nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht hat, politischen Beamten in der Kolonie Weisungen zu erteilen, die nach seinem besten Wissen nötig erscheinen; denn er ist ja verant- wortlich für die Arbeiten in den Kolonien und für die EntWickelung des ganzen kolonialen Besitzes. Dagegen darf der Gouverneur in die Tätigkeit eines Richters nicht eingreifen. Ein Eingriff in die Rechtspflege kann auch in den Kolonien zu den bedenklichsten Erschütterungen des Rechtsbewutztseins führen. Der Gerichtshof räumt jedoch dem Angeschuldigten ein, daß ihm der Gedanke eines rechtswidrigen Eingriffs absolut fernlag, und glaubt auch, daß er nichts anderes im Auge hatte, als die wirksame Förderung der Interessen der Kolonie. Er wollte einen Mann, der nach seiner Meinung nicht für diese Arbeit geeignet war, eine Warnung und Belehrung zuteil werden lassen. Das alles haben wir dem An- geschuldigten zugute gehalten. Bei der Strafzumessung sind wir davon ausgegangen, daß der Angeschuldigte 21 Jahre lang sein ganzes Wissen und Können und seine Kraft in den Dienst des Vaterlandes gestellt hat. Er ist niemals vorbestraft, weder kriminell noch disziplinarisch. Von den verschiedensten Seiten ist seiner Arbeit Zustimmung und Vertrauen entgegengebracht worden. Deshalb hat der Gerichtshof die Strafe der Dienstentlassung weit von sich gewiesen, denn das ist die härteste Strafe. Er hat es vielmehr für angezeigt erachtet, daß dem Angeschuldigten zunächst wegen der Aeutzerung gegenüber dem Richter Lemmermann ein Verweis erteilt werde, weil die Form, in der die Aeutzerung geschah, nicht dasjenige Matz von Aufmerksamkeit erkennen läßt, welches bei so wichtigen und einschneidenden Dingen erforderlich ist. Be- züglich der beiden Verfehlungen, die das Verhältnis des An- geschuldigten zu der Ecke betrafen, war der Gerichtshof der Meinung, daß. wenn sie auch 10 Jahre zurückliegen, derartige Versehen doch durch eine härtere Strafe gebüht werden müssen. Er hat deshalb eine hohe Geldstrafe für angezeigt erachtet. Em der Partei. Die Maifeier- Paris, 23. April. Die„Humanitö" veröffentlicht den Auf- ruf der sozialdemokratischen Partei an die französischen Arbeiter bezüglich der Feier am 1. Mai. In dem Aufrufe wird der Regierung, die im Solde der Bourgeoisie stehe, der Prozeß gemacht, die Marottopolittk getadelt und werden alle Arbeiter aufgefordert, am 1. Mai den Massenausstand zu feiern. Verbotener Maifcstzug!' DaS Bezirksamt Fürth i. B. hat der vom Stadlmagistrat erteilten Genehmigung des Maifestzuges das Verbot prompt auf dem Fuße folgen lassen. Es wurde schon am Tage nach der Magistratssitzung verfügt und zwar, wie es in der Begründung heißt, weil der Aufzug nach den begleitenden Umständen tatsächlich als eine auS Anlaß der sozialdemokratischen Maifeier ver- anstaltete öffentliche, parteipolitische Demonstration zu erachten ist. welche im Interesse der öffentlichen Ruhe und Ordnung nicht zulässig erscheint".— Die Begründung ist wörtlich aus den Verboten früherer Jahre abgeschrieben. Die Stadt Fürth wäre somit wieder einmal vor dem Umsturz bewahrt._ Gemeindewahlsieg. Essen- Ruhr, 25. April.(Privatdepesche des„Vorw.") In Schonnebeck(Kreis Essen) siegten bei der heutigen Gemeinderatswahl zum ersten Male unsere Genossen mit 304 Stimmen gegen 266 der vereinigten Gegner. I« der Generalversammlung des sozialdemokratischen Vereins für den ReichstagSwahlkreis Frankfurt a. M. erstaltete der Partei- fekretär Genosse Dittmann Bericht von der Reichstagswahl sowie über das vierte Quartal ISOg und das erste Quartal 1907. Die Gesamtausgaben für die Reichstagswahl betrugen 18 116,12 Mark; durch Sammellisten und sonstige fteiwillige Zuwendungen wurden 16 734,34 Mark vereinnahmt. Es mußten daher noch 1381.78 Mark dem Wahlfonds entnommen werden. An Flugblättern und Laufzetteln wurde während der Wahl die immense Zahl von zwei Millionen Exemplare heraus- gegeben.— Der Mitgliedergewinn betrug im 4. Quartal 1906: 443, im 1. Quartal 1907 726 Genossen, so daß am 1. April ein Mitgliederbestand von 5161 zu verzeichnen war. Dies sind nur 17,6 Proz. der 28 S69 sozialdemokratischen Reichstagswähler vom 25. Januar d. I. Wobei allerdings noch in Betracht zu ziehen ist, daß eine ganze Anzahl organisierter Parteigenossen nicht Reichs- tagswähler sind, was den angegebenen Prozentsatz sehr ungünstig beeinflußt. DaS erste Quartal schließt mit einem Kassenbestand von 492,65 Mark ab; die Einnahmen und Ausgaben bilanzieren mit 5434,23 Mark. Bei dem Bericht über den Stand der Partcipresse konnte erfreulicherweise konstatiert werden, daß die„Volksstimme" weitere 4000 AbonneMen gewonnen hat. Die Räumlichkeiten der Union- druckerei genügten nicht mehr. ES wurde daher das jetzige Heim für 420 000 Mark käuflich erworben, und es soll durch Umbau entsprechend eingerichtet werden. Eine neue Rotationsmaschine, zwei Schnellpressen und eine weitere Setzmaschine sollen angeschafft werden. Um über die lokalen Bor- kommniffe in den umliegenden ReichStagSwahlkreisen der„Volks- stimme" ausführlicher berichten zu können, sind für H ö ch st und Wiesbaden eigene Korrespondenten angestellt; für Hanau schweben noch Verhandlungen. Redakteur S. Grumbach scheidet am Inseratenteil vermitw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» 1. Juli d. I. aus der Redaktion der„VollSstimme"; für ihn wird Ersatz gesucht. Zum Gedächtnis Jznaz Auers veranstalteten die Nürnberger Parteigenossen am Mittwochabend in den Zentralsälen eine imposante Feier, die vom Philharmonischen Orchester durch Beethovens Leonoren-Ouvertüre und„Siegftieds Tod" von Richard Wagner, so- wie vom Arbeitergesangvereiu„Union" durch den Chor„Ein Sohn des Volkes" eingeleitet wurde. Darauf hielt Genosse Kurt Eisner die Gedächtnisrede, in der er die Persönlichkeit des Verstorbenen und sein Wirken in der Partei schilderte. Es folgte der Gesangschor „Empor zum Licht!" Der„Einzug der Götter in Walhall" und die Robespierre-Ouvcrtüre schloffen die Feier. Aus Schlesiens Hauptstadt. Wir erhalten folgendes Privattelegrarnm: Breslau, 23. April 1907. Soeben wurde das Gewerkschaftshaus Margaretenstraße im Wege der Zwangsversteigerung vom sozialdemokratischen Verein und vom Gewerkschaftskartell für 353 400 M. angekauft. Em sozialistischer Senator gestorben. Paris, 23. April.(Eig. Ber.) Gestern ist in Saint-Leutaverny im Departement Puy-de-DSme der 84 jährige Senator Jean Chantagrel gestorben, das einzige Mitglied des Oberhauses, das der geeinigten sozio« l i st i s ch e n Partei angehörte. Chantagrels Verhältnis zur französischen Partei läßt sich etwa mit dem Johann I a c o b y S zur deutschen Sozialdemokratie vergleichen. Auch Chantagrel war ein konsequenter Demokrat, der am Ausgang eines kampferfüllten Lebens erkannte, daß eine Verwirklichung seiner Ideale nur vom organisierten Proletariat zu erhoffen sei. Chantagrel, welcher Professor an der juridischen Fakultät von Clermont-Ferrand war, wurde 1835 als radikaler Kandidat in die Deputicrtenkammer gewählt. Llls Mitglied der Kommission der Panamalotterie bewährte er eine Unbestechlichkeit, die den Zierden des bürgerlichen Parlamentarismus fremd war. Eine Million wurde ihm für seine Stimme geboten! Er wies sie verachtungsvoll zurück. 1893 wurde Chantagrel in seinem Departement zum Senator gewählt und behauptete das Mandat, diesmal als radikalsozialistischer Kandidat, ebenso 1900. 1902 bekannte sich der Neunundsiebzig- jährige zum Programm der sozialistischen Partei I Als sich nach der Einigung der Partei die Föderation seines Departements konstituierte, trat er in sie ein, und er ließ sich auch als Mitglied der sozialistischen Fraktion einschreiben, zum Mißvergnügen seiner bourgeoisradikalen Wähler. Im Senat war er der einzige Vertreter der geeinigten Partei; denn die zwei anderen„Sozialisten", Flaissiöres aus Marseille und Delhon aus dem Departement Herault, gehören der„Partei" der„Unabhängigen" an. Das Senatsmandat in dem stark agrarischen Departement, das durch Chantagrels Tod erledigt ist, ist natürlich für die Partei nicht zu halten. Das Wahl- shstem für den Senat macht ja die Wahl von sozialisttschen Kan- didaten überhaupt so gut wie unmöglich. Eine Konferenz der deutschen und der österreichischen Sozialisten in der Schweiz wurde am vergangenen Sonntag in Aar au ab« gehalten; vertreten waren 21 Orte durch 30 Delegierte. Genosse Dr. Adler-Wien eröffnete die Verhandlungen mit einem warm- empfundenen Nachruf für Genosien Auer. Dem Tätigkeitsbericht des Landesausschusses ist zu entnehmen, daß die Organisation 41 Ver- eine mit zirka 3000 Mitgliedern umfaßt. In den Bibliotheken der Vereine befinden sich 11686 Bände, von denen im vergangenen Jahre 5399 Bände ausgeliehen wurden. An sozialdemokratischen Schriften wurden in den Organisationen für 6653 Frank verlaust. Für die deutschen Reichstagswablen wurden über 3000 Frank gesammelt. Beschlossen wurde die Anstellung eines Sekretärs. Der Sitz der Zentrale verbleibt in Zürich. Die nächste internationale Zusammen- lunft findet 1903 in Schaffhausen statt. Sozialistische Wahlsiege in Amerika. Wie die Partei in den Ver« einigten Staaten im kleinen tätig ist und manchen Erfolg dabei erzielt, zeigt sich wieder aus einer Reihe von Berichten über die Kommunalwahlen, die im April an vielen Orten stattfanden. So erwählten die Sozialisten den Bürgenneister von TwoHarborS in M i n n e s o t a; er ist ein Skandinavier von Geburt, und seine Landsleute, die in jener Stadt zahlreich find, haben viel zu seiner Wahl beigetragen. In South Glen Falls, New York, wurden zwei Sozialisten in den Ortsvorstand gewählt. In E o a l Creek in Colorado brachten die Sozialisten eine Mehrheit im Gemeinderat durch. In Milwaukee, Wiskonsin, wurden zwei Sozialisten als Schulräte und in South Milwaukee vier zu Stadträten gewählt. In Manitowoc, Wiskonsin, wählten die Sozialisten zwei Genoffen in den Stadtrat. In St. Louis, Missouri, erzielten die Sozialisten bei der städtischen Wahl 4313 Stimmen; für die Kandidaten zum Staats- Parlament wurden 4688 Stimmen abgegeben. polireilickes, GmcfmicheB ukw* Nachspiele zur Reichstagswahl. Aus Halle a. S. berichtet man uns: „Eine ganz exorbitante Strafe verhängte das Hallesche Schöffen« gericht gegen den Bergmann Christoph Sander in Amsdorf, der wegen Beleidigung eines Amtsdiencrs angeklagt war. Der Amts- diener hatte im Januar eine Wahlversammlung aufgelöst und dann „kraft seines Anites" Ruhe geboten. Darauf hatte ihm Sander die Worte zugerufen:„Na, Du hast hier gar nichts zu sagen; Du bist blotz Nachtwächter I" Das Gericht verhängte deshalb gegen Sander eine Gefängnisstrafe von 10 Tagen! »» Während des Wahlkampfes in Naumburg-Zeitz war in Beziehung auf den Kandidaten, Genoffen Redakteur Thiele das Gerücht verbreitet worden, er sei wegen Sittenverbrechens, begangen mit Schulkindern, zu Zuchthaus verurteilt worden I Da diese Ge- meinheit an mehreren Orten gleichzeitig verbreitet wurde, vermutete man dahinter einen Trick der Helden des ReichslngenverbandeS. Auch ein Führer des Freisinns, Gärtnereibesitzer Loof in Tauchern, hatte das Schandgerücht mit verbreitet. Genosse Thiele klagte und ließ Milde walten gegen Loof, indem dieser vor Gericht die Be- leidigung als jeder Begründung entbehrend mit Be« dauern zurücknahm und die Kosten trägt. Eue der Frauenbewegung. Versammlungen— Veranstaltungen. Berein für die Interessen der Hausangestellten. Oeffentliche Ver> fammlung, Sonntag, den 28. April, Anfang 6 Uhr, in„Beckers Festsälen", Kommandantenstr. 62. Vortrag, Herr S. Katzen- stein: Arbeiterfchutz und Arbeiter-Versicherung für HauS- angestellte. Schöneberg. Sonnabend, 27. April, 9 Uhr, bei Obst, Martin Lutherstr. 51. Lichtbildervortraa. Genosse Roth:„DaS Leben und Treiben im Bergwerk". eingegangene Drudtfcfmften. BierteljabreSbcricht des Internationalen BergarbeiterverbandeS. 1. Quartal 1907. 22 Seiten. Jahresbericht 1905 und I90G des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands. 194 Seiten. Selbstverlag, Bochum. Süddeutsche Monatshefte. Hest 5. Herausgegeben von P. N. Coß- mann. Quartal 4 M., Einzclhest l,50 M. Selbstverlag in München. wchdruckerei u. BerlaasanstaltHaul Singer äTCo.. Berlin SW, Nr. 97. 24. Jahrgang. 2. Üfilnjf Ks Jctniärts" Kcrlim NsldsbIM Freitag. 2«. April 1907. 10. Generalversammlung des Zentralverbandes der Schiffstimmerer Deutschlands. Zweiter Berhandlungstag. Ru Punkt 8: Agitation und Organisation liegen mehrere Anträge vor, die lebhaft pro et contra erörtert werden. Der Antrag, die Firma des Verbandes zu ändern in „Verband der Schiffbauer" wird abgelehnt, ebenso der Antrag auf Anstellung eines zweiten besoldeten Beamten. Einstimmige An- nähme findet der Antrag auf Anschluß an die Internationale Holzarbeiterunion. Eine längere Debatte verursacht dieser Antrag: „Jedes Jahr Fragekarten herauszugeben, wodurch die Mitglieder befragt werden, ob sie Mitglied der Partei und Leser der Arbeiter- presse sind". Die Befürworter dieses Antrages betonen, die Gegner machten doch keinen Unterschied zwischen der Gewerkschaft und der sozialdemokratischen Partei, rede man doch immer von sozialdemo- kratischen Gewerkschaften. Werfe man Gewerkschaften und Partei in einen Topf, dann brauchten auch die Arbeiter nicht mehr dagegen zu demonstrieren. In Hamburg seien fast alle Gewerkschaftsführer her- vorragend auf politischem Gebiete tätig und seien stolz auf den Ehrennahmen„Sozialdemokrat". Die für die Neutralität des Ver- bandcs eintretenden Delegierten halten es ebenfalls für selbswer- ständlich, daß ein aufgeklärter Arbeiter auch Sozialdemokrat sei, meinen aber, der Verband solle nicht in ein Gebiet eingreifen, das die Parteiorganisation zu bearbeiten habe. Man müsse überall die noch nicht der Partei angehörenden Kollegen aufzuklären suchen und der Erfolg werde nicht ausbleiben. Der Antrag wurde mit zwei Stimmen Mehrheit abgelehnt. dagegen einstimmig ein Antrag angenommen, daß die Zahl- stellen auf die Kollegen einwirken sollen im Sinne des abgelehnten Antrages. Scharf gerügt wurde die auf den Staatswerftcn beliebte Praxis, über 4i) Jahre alte Arbeiter nicht mehr einzustellen. 3. Kerbandstag des Zentralverbandes der Zivilmflker Dentschlaads. Dresden, 24. April. In der heutigen Sitzung nimmt der Verbandsvorsitzende F a u t h das Wort, um auf die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu antworten. Betreffs des unregelmäßigen Erscheinens der �Fachzeitung" weist er die Schuld von sich. Die Zusendung des Manuskripts an den Hauptborstand sei statutengemäß. Aber eine Verzögerung sei dadurch nicht entstanden. Das Manuskript sei zu spät eingesandt worden und in ungeeigneter Form, so daß die Druckerei(Auer u. Co., Hamburg) nicht mehr in der Lage gewesen sei, die Zeitung rechtzeitig herzustellen. Nur eine einzige Nummer sei pünktlich erschienen. Auch den ihm gemachten Vorwurf der Bevormundung weist F a u t h zurück. Er habe nur seine persön- liche Anficht zum Ausdruck gebracht, persönliche Ratschläge erteilt. Für die Ablehnung des Artikels betr. die Reickstagswahl führt der Vorsitzende einen Beschluß des Berbandstageö zu Hannover ins Feld, der bestimmt» daß politische Fragen nur soweit in der Fach- zeitung behandelt Wersen sollen, als gewerkschaftliche Interessen dadurch berührt werden. Er verliest dann-den von ihm beanstandeten Artikel zur Reichstagswahl. Der Schreiber hatte, das geht aus der Verlesung hervor, die Absicht, durch ihn die Musiker zur Wahlbeteiligung m arbeiterfteundlichem Sinne anzufeuern, ihnen die große Wichtigkeit des gleichen Wahlrechts auch für die Gewerkschaftsbewegung darzulegen. Die vorgekommenen Verzögerungen in der Geschäftsführung erklärt der Vorsitzende mit Ueberlastung und Jnteressenlosigkeit der Kollegen. Er habe ftüher, als er noch Redakteur war, ver- schiedene Male absichtlich„Unsinn" in die Verbandszeitung ge- bracht, um zu sehen, ob die Kollegen die„Fachzeitung" auch wirklich mit Interesse und Verständnis verfolgten..Es habe sich aber niemand gerührt. Auch den Ortsverwaltungen macht er schwere Vorwürfe wegen der nachlässigen Erledigung der Organisations- angelegenheiten. Er führte eine Reihe allerdings drastischer Fälle an.> In der Debatte nimmt der Vertreter der Generalkommission K n o l l das Wort und gibt seiner Meinung Ausdruck, daß der Vorsitzende, wenn er wegen Ueberlastung die Geschäfte nicht mehr ordnungsgemäß führen kann— und ein Teil der Kritik scheint ihm berechtigt— er die Anregung zur Abhülfe geben müsse. Sie wäre sehr leicht möglich, wenn das Amt eines Vorsitzenden und Redakteurs nicht mehr im Nebenamt, sondern durch einen voll an- gestellten Beamten ausgeführt werde. Der Redakteur, der eine große Verantwortung in moralischer, materieller wie strasrecht- licher Hinsicht trage, müsse zwar die maßgebende Verbandspolitik vertreten, dürfe aber nicht zum„Hausknecht" degradiert werden. In dem beanstandeten Wahlartikel habe er nichts gefunden, was gegen gewerkschaftliche Prinzipien verstoße. Die Erzichungs- Methode des Vorsitzenden den Mitgliedern und Ortsverwaltungcn gegenüber scheine ihm völlig verfehlt. Man solle froh sein, wenn recht viel Lebem in den Mitgliedschaften herrsche. Der Vorstand habe die Pflicht der Initiative. In der Debatte halten die Delegierten die Vorwürfe gegen Fauth wegen der Vernachlässigung der Verbandsgeschäfte im Srcfee, i und ganzen aufrecht. Unter der Redaktion des Kollegen i a u t h seien in einem Jahre sieben Nummern, in einem anderen a in Abzug kommen. Ferner gehen ab die Abschreibungen mit 587 877 M.(480 839 M.) und die Verluste bei der Kundschaft 10 643 M. (3144 M.). Dann verbleiben 4 451 667 M.(3 739 288 M.) Reingewinn Die Aktionäre erhalten 22>/s Prozent.— Bergbau-Aktien- gesellschaft„Justus I" in Volpriehausen. Der Aufsichtsrat des im Vorjahre in eine Aktiengesellschaft umgewandelten Unternehmens schlägt für das abgelaufene erste Geschäftsjahr die Verteilung einer Dividende von 10 Prozent vor.— Der Brutto- gewinn der Chemischen Fabrik Griesheim Elektron stieg von 6 329 091 M. auf 7 009 871 M.. der Reingewinn von 3 021 377 M. auf 3 416 059 M. 12 Prozent Dividende kommen zur Verteilung.— Elektrizitäts-Lieferungs-Gesell« schaft. Der Reingewinn beträgt 1073 259 M.(981 264 M.) Die Aktionäre erhalten 10 Prozent(9 Prozent).— Aktiengesellschaft für Glasindustrie vorm. Fried r. Siemens in Dresden. Bei Abschreibungen im Betrage von 1 111 685 M. verbleibt ein Reingewinn von 1756 421 M. (1 651 393 M. i. V.), 16 Prozent Dividende(15 Prozent i. V.) be- anspruchen 1 600 000 M., Tantieme des Aufsicktsrates 76 522 M. <70 330 M. i. V.), Gratifikationen an Beamte 15 000 M.— Ver- liner Spediteur-Verein Akt. Ges. Laut Geschäftsbericht für 1906 erzielte die Gesellschaft einen Bruttogewinn von 1 372 101 Mark(i. V. 1327 819 M.). Die Abschreibungen wurden auf 66 786 Mark(i. B. 56 490 M.) bemessen. Aus dem 99 059 M. sammen, um endgültig über den von der paritätischen Schlichtungs- kommission ausgearbeiteten Tarif zu beschließen. Derselbe wurde denn auch ohne weitere Aenderungen angenommen und stehen jetzt auf seiteu der Arbeitgeber nicht mehr wie bisher die vier Innungen als Tarifkontrahentzni, sondern der wm gegründete Arbeitgeber- Verband der Provinz Brandenburg. Es wurde auf diesbezüglichen Antrag weiter beschlossen, daß die Gültigkeit des TarifeS vom 22. April lautet, mithin hat die Lohnzahlung a,n Sonnabend, den 27. April schon nach den Bestimmungen dies es Tarifes zu geschehen. Ueber eine Verschnielzung der beiden Tarife, des Steinsetzer- und Rammer- tarifes, hat die SchlichtungSkoMmission zu entscheiden. Wo die Zahlung am Sonnaoend für Steinsetzer sowohl als für Rammer nicht geschieht, ist der Schlichtungskommission Nachricht zu »eben._ Achtung, Klempner! Die Firma Schindler, Elsasserstr. 78, ist für Klempner gesperrt. Deutscher Metallarbeiter-Verband, Ortsverwaltung Berlin. Die streikenden Drahtarbeiter hielten am Donnerstag wieder eine Versammlung ab. Ueber die Situation des Streiks wurde folgendes berichtet: Am Sonntag hatten die Unternehuer eine Versammlung, wo sie einen Verband für ganz Teutschland gründeten. Was sonst noch beschlossen wurde, ist nicht bekannt geworden.— Die voin Streik betroffenen Unternehmer sind nach wie vor be- müht, Streikbrecher von außerhalb zu bekommen. Das Ergebnis aller Bemühungen war, daß die Firma Lerin n. Ludctvig vier Arbeitswillige aus Schlesien bekam. Da die Versuche, Streikbrecher in ausreichender Zahl zu gewinnen, den gewünschten Erfolg nicht haben, so bemüht man sich, die Streikende» selbst zum Umfall zu bewegen. So hat ein Beauftragter der Firma H e i n z e die streikenden Arbeiter einzeln aufgesucht und ihnen alle inöglichen Ver- sprechungen gemacht, um sie zur Aufnahme der Arbeit zu bewegen. Den Arbeitern wurde in Slussicht gestellt, daß sie zu Meistern ge- macht werden und einen Vertrag für ein Jahr abschließen sollen. Es sollte alles, was die Arbeiter fordern, bewilligt werden, nur unterschreiben könne die Firma nicht. Aber alle diese Verlockungen hatten keinen Erfolg. Nur zwei Arbeiter ließen sich betören, die übrigen blieben fest und lehnten alle Angebote der Firma ab. Die beiden Abtrünnigen erhalten mehr als gefordert wurde, wodurch aufs neue bewiesen ist, daß die Forderungen der Arbeiter sehr wohl bewilligt werden können. Auch von der Firma Wolf u. F r'i e d r i ch wurde ähnliches berichtet. Aus alledem geht hervor, daß die Fabrikanten in Verlegenheit sind. Sie können eben ohne die eingearbeiteten Kräfte auf die Dauer nicht auskommen. Die Fabrikanten, welche die Forderungen bewilligt haben, machen glänzende Geschäfte, sie stellen täglich neue Arbeiter ein, um die Llufträge, mit denen sie überhäuft sind, ausführen zu können. Die Sache der Streikenden steht gut. Wenn sie so aushalten, wie bisher, woran nicht zu zweifeln ist, so wird die Bewegung mit einem Siege enden. Wenn auch der Streik noch einige Zeit dauern sollte, so werden sich, wie in der Diskussion allseitig betont wurde, die Streikenden dadurch nicht in ihrer Haltung beeinflussen lassen, eben- sowenig durch die Drohung der Fabrikanten, es würden schwarze Listen aufgestellt und die Streikenden in ganz Deutschland keine Arbeit mehr finden. Die Streikenden sind entschlossen, den Kampf bis zu einem günstigen Erfolge zu führen.— Schließlich wurde noch darauf hingewiesen, daß die zu den geforderten Bedingungen in Arbeit stehenden Drahtarbeiter mit grünen Berechtigungskarten versehen sind, welche den Bauarbeitern gegenüber als Ausweis dienen. Die Bauarbeiter werden ersucht, das zu beachten. Ei» Tarifvertrag der Militärschneider Berlins ist durch Verhandlungen mit den Arbeitgebern zustande gekommen. Vor vier Jahren führten die Militärschneider einen langwierigen Kampf, ohne etwas zu erreichen. Sie haben seitdem unermüdlich an der Stärkung ihrer Organisation gearbeitet, und als sie nun am 16. März d. I. von neuem Forderungen zur tariflichen Regelung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse einreichten, zeigten denn auch die SlrBeitgeBer etwas mehr Entgegenkommen als damals. Die Kommisston, die mit den Arbeitgebern ver» handelt hatte, gab am Mittwoch einer Versammlung der M i l i t ä r s ch n e i d e r, die in den„Johannissälen" tagte. Bericht von dem Ergebnis. Der Tarifvertrag ist auf vier Jahre ab- geschloffen. Die Tanfvorlage der Arbeitnehmer fand im allgemeinen, mit einigen Aenderungen, die Zustimmung der Arbeitgeber. Be- fonders wichtig erscheint die Abschaffung des Prozentunwesens. daS nach dem verlorenen Streik von 1903 allgemein gemacht wurde. Damals bewilligten die Arbeitgeber eine sonderbare Art Lohnaufschlag von 7 Proz., die als eine Garantie gegen etwa auftauchende Streit- gelüste der Gehülfen gelten und den Gutgesinnten halbjährlich ausgezahlt werden sollte. Irgend ein klagbares Recht auf diese Prozente wurde den Gehülfen nicht zugestanden, was dann auch für Entscheidungen des Gewerbegerichts maßgebend wurde. Bei den Tarifverhandlungen wurde nun erreicht, daß diese Prozentberechnung abgeschafft wird. Die angesammelten Prozentgelder werden den Gehülfen aus gezahlt. Im neuen Tarif wurden diese 7 Proz. auf die bisher üblichen Lohnsätze aufgeschlagen, außerdem aber wurden die Preise für Großstücke noch um S Proz., die für Hosen und Besatzarbeit um L Proz,, die Preise fiir einige besonders schwer zu verarbeitende Spicke noch etwas mehr erhöht. Der Zeitlohn wurde für Stundenarbeit au mindestens öv Pf. festgesetzt, der Minimalwochenlohn für Tag schneider auf 32 M. Für Nachtarbeit wird ein Zuschlag von 3,5V M gezahlt. Die Arbeitszeit beträgt zehn Stunden. Die' Lohnzahlung >oll Freitags bis spätestens 7 Uhr abends erfolgen. Der Tarife vertrag soll von der nächsten Woche ab gelten. Von der Versammlung wurde der Tarifvertrag nach längerer Diskussion gutgeheißen._ Bessere Lohn- und Arbcitsverhäliniffe in der Knabenkonfektion, wie die geschaffen werden können, das war die Frage, die am Dienstag auf der Tagesordnung einer Versammlung stand, welche für die im Osten und Südosten Berlins wohnenden Arbeiter und Arbeiterinnen dieser Branche einberufen war und bei Haberecht in der Großen Frankfurterstratze tagte. Der Referent Mähr gab die Antwort, daß Verbesserungen nur durch einmütiges Handeln in einer starken Organisation zu erreichen sind, eine Tatsache, die allmählich auch der Masse der in der Konfektion tätigen Frauen wie Männer klar werden sollte und auch klar wird. Daß die Löhne in der Knabenkonfektion dringend der Verbesserung bedürfen, ist wohl hinreichend bekannt, und darüber herrschte selbstverständlich auch in der Versammlung kein Zweifel. In der Diskussion wurden einige Beispiele der elenden Arbeitslöhne angeführt, wie man sie eben nur armen, in ihrer großen Masse noch unorganisierten Ar beitcrinnen und Arbeitern zu bieten wagt und leider auch noch mit Erfolg bieten kann. Da wurde mitgeteilt, daß für Knabenhosen 15 Pf., ja sogar 12�6 Pf., daß für Jacken 35 Pf., für ganze, große Knabenanzüge 65 Pf., für große Capes mit Taschen, wovon eine Arbeiterin in ihrem langen Arbeitstag kaum zwei fertigstellen kann, 60 Pf., ja nur 59 Pf. gezahlt werden. Sehr treffend be- merkte eine Diskussionsrednerin, daß, wer Einsicht in diese Ver- hältnisse gewinnt, geradezu empört werden muß über die elende Bezahlung die hier den Llrbeiterinnen für ihre rastlose, auf- reibende Tätigkeit geboten wird, die ihre Kräfte frühzeitig auf- zehrt, sie aufs Krankenlager wirft, wie dies ja deutlich genug in den Jahresberichten der Ortskrankenkasse der Schneider und Schneiderinnen zutage tritt. Allgemein war in der Versammlung die Ueberzeugung, daß endlich einmal auch für diese Branche Tarife geschaffen werden müssen, die der Willkür in der Ausbeutung der Arbeitskräfte gewisse Grenzen setzen, daß aber dazu eine starke Organisation notwendig ist, die zu schaffen und auszubauen jeder mitwirken muß. der selbst zu dieser Einsicht gelangt ist.. Zur Dachdeckerdewcgung. Die Zahl der Ausständigen ist jetzt auf 469 gestiegen', was darauf zurückzuführen ist, daß in Aus- fllhrung der letzten Versaininlnngsbeschliisse ein Teil der Dach- decker aus solchen Werlstellen heransgeholt worden sind, in denen Streikarbeit verrichtet werden sollte. ES laufen täglich Bewilligungen ein. Die Stimmung und die Disziplin der Slreikenden ist eine gute. Bei der Entnahme der Berechtigungskarte für diejenigen Dach- decker, welche zu den altesi Bedingungen arbeiten, wird die Beobachtimg gemacht, daß verschiedene Arbeitgeber ihre Leute nicht ausgesperrt haben, obgleich sie Mitglieder des' ArbeitgeberverbandeS sind. Alle Dachdecker, welche ohne Slrbeitsberechtigungslarte arbeiten, sind als Arbeitswillige zu betrachten. Die streikenden Leitergerüstbauer versammelten sich am Mittwoch- abend im„Englischen Garten" zur Beratung der Lage, die im all- gemeinen von Hannemann als günstig geschildert wurde. Wo eS den Unternehmern gelingt. Arbeitswillige heranzuziehen, da be- kommen sie selten einen guten Rüster. und sie müssen sich mit unfähigen Leuten begnügen. Daß darin aber zu- gleich eine große Gefahr für das Publikum liegt, bewies ein Unglücksfall am Mittwoch morgen zwischen 7 und 8 Uhr in dxr Scharnweberstr. 4 zu Friedrichsberg. Der 63jährige Töpfer Fentzke, der ahrnmgslos an dem Hause vorüber« ging, wurde von einer herabfallenden starken Bohle getroffen und getötet.(I) Dort waren a r b e i t S w i II i g e Gerüstbauer an- gestellt: eine Firma„Heinrich" hatte den Bau übernommen; ober den Streikenden ist diese Firma nicht bekannt. Es soll an der Un- glücksstelle auch an der vorgeschriebenen Absperrung durch die Polizei gemangelt haben.— Die Unternehmer wissen ihre alten sachkundigen Leute wohl zu schätzen; das zeigt sich an manchen Beniühnngen, sie in Bereitschaft zu halten, sobald der Streit beendet ist. Arndt in der Elbingerstraße läßt es nicht an Versprechungen fehlen, aber er versteht, die Sachen hinzuziehen und versucht, die Leute zu be- wegen, vorläufig als Platzarbetter Beschäftigung anzunehmen; später würde er unterschreiben, so tröstet er sie. Alis solche Borschläge sollte sich- niemand einlassen, erst mutz der Vertrag unterzeichnet sein, ehe die Arbeit aufgenommen wird.— Ein Unternehmer meinte:„Ein Teil von uns macht die Dummen bei der Geschichte; Arndt und Altmann können lachen, die lassen arbeiten und ich sitze fest mit Aufträgen für 37 Rüstungen!"— Die Unternehmer haben sich geirrt, wie Werner ausführte; sie waren sicher, daß der Streik amMoittag zusammenbrechen würde und sehen jetzt mit Unbehagen, daß die Arbeiter mit derselben Einmütigkeit weiter aus- halten. Wenn sich keine Zlbtriinnigen finden, können die Unternehmer keine Geschäfte machen, denn die neuangeworbenen Leute, so viele sich auch melden mögen, können die alten, geübten Rüster nicht ersetzen. Trotzdem ist der Sieg nicht leicht zu erkämpfen und nach den Berichten der Vertrauensleute wäre es notwendig, den Streik- postendienst noch besser wie bisher zu versehen. Lshnbewegnng der Knrbelstickcr und-Stickerinnen. Die in dieser Industrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen hatten bereits mehrere Versammlungen abgehalten, um über Mittel und Wege zur Verbefferung ihrer wtrtschaftlichen Lage zu beraten. In ihrer letzten Versammlung beauftragten sie eine Dreizehner- Kommission, einen neuen Lohntarif auszuarbeiten. Dieser Tarif lag Mittwochabend einer Versammlung, die in den Jndustnesälen tagte, zur Beschlußfassung vor. Die Hanptforderungen sind: Die Kurbel- st i ck e r und-Stickerinnen erhalten einen Mindeststundenlohn von 80 Pf.; Ueberstnnden werden mit 1 Mark entlohnt. Bei Akkordarbeit darf der Verdienst nickt unter IM. die Stunde betragen und Ueberstunden 25 Pf. Zuschlag. Rahmensttckerinnen 60 Pf.; Pauserinnen 50 Pf., andere Hülfsarbeiter 30 und 40 Pf. die Stunde, Ueber- stunden 20 Pf. Zuschlag, bei Ssmnd'tger Arbeitszeit. Von den be- sonderen Bestimmungen sind hervorzuheben: Den in Werkstellen Beschäftigten dürfen reine Arbeiten mit nach Hause gegeben werden. Bei Arbeitsmangel ist die Arbeitszeit zu verkürzen. Die Kurbel- sticker, die hauptsächlich in der Damenkonfektion ihre Be- schäftigung haben, sind nur Saisonarbeiter, die nach der vcktjährigen Stattsttk etwa 18 Wochen im Jahre in diesem Fache Arbeit haben und während der übrigen Jahreszeit sich anderweit ihren Lebensunterhalt verdienen müssen. Der Durchschnittswochenlohn soll während 18 Wochen etwa 25 Mark betragen. Die Arbeitgeber sollen bereits mit Aus- sp errung gedroht haben, im Fall die Arbeiter sich„mausig" niachten.— Ter Tarif wurde angenommen und das Bureau be- aufttagt. denselben den Arbeitgebern mit einem Anschreiben zu unterbreiten. Oeutrehes Reich. Achtung, Rehrleger und Helfer! Der Krankenhausbau in R a t h e n o w ist für Heizungsmonteure gesperrt. ES ist Hamburger Arbeit. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Um eine Lerftändigung herbeizuführen, haben die Tischler BromSerg». welche seit dem 2. April 1907 im Streik stehen. nachträglich ihre Forderungen auf Erhöhung deS Zeitlohnes sowie des prozentualen Zuschlages auf Stücklohnarbeit herabgesetzt. Sie mochten den Arbeitgebern den Borfchkag, eine Lohnerhöhung von 2 Pf. sogleich, eine fernere von 2 Pf. am 1. April 1908 und eine weitere von 1 Pf. ani 1. April 1909 pro Stunde eintreten zu lassen. Bezüglich der Akkordarbeit schlagen die Streikenden vor, sofort einen fünfprozentigen und vom i. April 1908 bis 1910 einen weiteren fünfprozentigen Aufschlag zu gewähren. Demgegenüber gestanden die Arbeitgeber ihnen zu: für Zeitlohnarbeit für 1907 2 Pf., 1908 ferner 1 Pf. und 1909 weitere 2 Pf. pro Stunde Aufschlag; für Stücklohnarbeit für 1907 bis 1908 2 Proz. und von 1909 bis 1910 weitere 4 Proz. Aufschlag. Da die Arbeitnehmer die Zugeständnisse der Arbeitgeber nicht akzeptierten, sondern von ihren jetzt gestellten Bedingungen nicht mehr abließen, zogen die Arbeit- geber nunmehr die gemachten Zugeständnisse zurück. Zur Aussperrung im Eulengebirge. In allen Betrieben der der Unternehmerorganisation angehörenden Textilindustriellen werden die Kündigmigen der organisierten Arbeiter fortgesetzt; schon sind die ersten Ausgesperrten vorhanden. Einigungsverhondsimgen, deren Erfolg abgewartet werden muß. sind eingeleitet worden._ Zur Lohnbewegung der Zimmerer Düsseldorfs. Die zwischen den Zimmermeistern und den Organisaiionsver- tretern der Zimmerer gepflogenen Verhandlungen haben nicht zu einer Einigung geführt. Die Vertreter der Meister erklärten sich bereit, bei ihren Mandatgebern in Vorschlag zu bringen, den Lohn für Zimmerer sofort von 60 Ps. aus 63 Pf. und vom 1. April 1903 auf 65 Pf. pro Stunde zu erhöhe», jedoch müsse alsdann ein Vertrag bis zum Jahre 1910 abgeschlossen werden. Mit diesem Angebot beschäftigte sich eine Versammlung des Zeniralverbandes, welche daS ?lngebot einstimmig ablehnte, und da nach den Ans- führungen der Meister weitere Verhaiidlmigen zwecklos sind, wurde mit übergroßer Mehrheit beschlossen, sofort in den allgemeinen Streik einzutreten.— Der Zuzug von Zimmerern ist somit von Düsseldorf und Umgegend streng fernzuhalten.- Verdientermaßen eins hinter die langen Ohren! In bekannt frecher Weise hatte die„Schlesische Zeitung", das Hauptscharfmachcrovgan, gelogen, daß die Langenbielaner Maurer. die mit den Unternehmern einen auf zwei Jahre lautenden Tarif abgeschlossen haben, den Tarif gebrochen hätten. Darauf muß ich die„Schlesische" eine nichts an Deutlichkeit übrig lassende Be- richtigung des L o r s i tz e n d e n d e s Arbeit gcvcr Verbandes für das Baugewerbe des Kreises Reichenbach i. Schi., Herrn Emil W e rler-Langenbielau, gefallen lassen, wonach der Tarif von den Maurern durchaus inne gehalten wird und niemand daran denke, den Tarif zu brechen. Wenn schon Unternehmer sich verpflichtet fühlen, dsln Breslauer Scharfmacherorgan Berichtigungen zu senden, dann muß das Blatt wirklich arg geschwindelt haben und das ist in der Tat so. Zum Streik bei Seidel u. Naumann. Streikbrecherimport im größeren Umfange betreibt die Finna Seidel u. Naumann zu Dresden. Dienstagnacht was aus HiMer- chlefien ein Transport— zirka 80— Arbeitswillige, Frauen und Männer, in sehr reduziertem Znstande, teilweise barfuß, auf einem Betriebsgleise in der Nähe deö Betriebes der Firma ein, von wo aus sie direkt unter dem Schutz von zirka 30 Gendarmen in die von der Firma in ihrem Betriebe errichtete„Herberge" gebracht wurden. Die Staatsbahnverwaltung mischt sich alio nach berühmten Mustern gleich der Polizei auch in den Kampf zwischen Kapital und Arbeit ein. Wenn man da»«rbeitswilligenmateriak ansieht, das die Firma heranzieht, dann kann man ohne weitere» sagen, daß der Firma init solchen Leuten nicht im geringsten gedient ist. Damit läßt sich o diffizile Arbeit Nicht herstellen. Diese Arbeitswilligenzufuhr soll denn anck wohl nur bezwecken, die Streikenden wankelmütig zu machen. Bis jetzt ist aber trotz aller Maßnahmen noch niemand um- gefallen. In den Berliner Herbergen zur Heimat wird alles auf- gesammelt, was sich irgendwie arbeitswillig zeigt. Der Menschheit lanzer Jammer faßt einen an, wenn man diese Gestalten sieht. Immerhin sollte dafür gesorgt werden, daß der Zuzug von Berlin ganz au-fhört! DaS unberechtigte Streikpostenverbot der Polizeidirektion ist immer noch nicht aufgehoben. Auch die Beschwerde über diese Maß- nähme bei der Kreishauptmannschaft ist noch nicht entschieden. Man wartet damit vielleicht bis nach Beendigung des StreiiS. * Der gelbe Lorbeerkranz. Bei der JohrcSversanmiluiig deS gelben Vereins der Maschinen- äbrik Augsburg-(Nürnberg) wurde beim Chorgesang der Gelben den Direktoren B u z und Dr. G u g g e n h e i m e r in feierlicher Zeremonie ein gelber Kranz aufS Haupt gesetzt. Die beiden als Scharfmacher innerhalb der bayrischen Metallindustrie bekannten Herren wurden von dem Streikbrecherverein zu Ehrenmitgliedern ernannt I Sie Habens verdient. Soziales. Kindermarkt. In welch' unverantwortlicher Weise Geistliche' als Vermittler für Kinderausbcutung sorgen, zeigt folgende, einem ultramontanen Blatte entnommene Schilderung des„FriedrichShafener Kindcr- markts", der am 11. d. M. in Friedrichshafen abgehalten wurde: „Gestern abend �10 llhr sind die Tiroler Hütekinder von Landegg aus abgefahren und heute morgen 8 Uhr mit Extraschifs von Bregenz hier eingetroffen. Es waren 180 Knaben und 40 Mädchen im Lllter von 11—18 Jahren. Der sogen. „Kindermarkt" war sofort ein sehr reger. Man glaubt immer, die Nachfrage WeRpe wohl heuer eine unbedeutende fein, zumal ja manche Dienstherrschaften schon am 22. März hier waren und, wie schon berichtet, damals unverrichteter Sache abreisen mußten, weil die Hütekindcr infolge Sperrung der Slrlberger Bahn nicht abreisen könnten. Trotzdem fanden sich aber heute wieder mehrere hundert Dienstherren aus den Oberämtern Tettnang, Ravens- burg, Waldsee, Leutkirch, Wangen, Biberach, Saulgau, Ehingen. Sigmaringen. Konstanz, Radolfzell. Ueberlingen, Schasfhauscn, Pfullendorf, Thurgau, Stockach, Bonndorf usw. usw. hier ein, und d i e Hü tekinder erzielten Löhne von 40 M. bis 170 M. samt dem ortsüblichen„doppelten Gwand". Diese Löhne sind sehr hohe zu nennen, namentlich in anbetracht dem Kürze der Dauer(12. April bis 28. Oktober) des Dienstverhältnisses. In Württemberg find die Hütekinder nicht schulpflichtig, wohl aber in Baden und Hohcnzollern. � D i e R e r f e b e g l e i t u n g �der Kinder hatten über» nommen d i e K a p l ä n e A l o i s K l e i n undWilhelm Kerber in Landegg, Dietel inPianS und Halb- ei s i n I m st. Diese Herren schloffen auch mit den Dienst- Herren im Gasthof zum„Rad" die Verträge ab. Durch letztere verpflichten sich die Dienstherrschaften, das Hütckind in ihren Dienst zu nehmen, dasselbe zu Feldarbeiten, Besorgung von Pferden, zu Hirtendiensten, als fiindsmädchen zu verwenden gegen den festgesetzten Lohn, ortsübliche Kleidung und Haftgeld. ohne Abzug der Kosten für Krankentasse. Der Dienstgeber ver- pflichtet sich außerdem, den jugendlichen Arbeiter so, wie eS einem braven Hausvater zusteht, zu behandeln, denselben zur Ordnung und guten Sitten anzuhalten und insbesondere auch denselben an Sonn- und Feierlagen regelmäßig in die hl. Messe und in die Christenlehre zu schicken, ihm auch Gelegenheit zu bieten, daß er einigemal die hl. Sakramente empfangen kann. Die Rückfahrt nach Friedrichshafcn erfolgt auf Kosten des Dienst, gebers. Das Sütetind hat sich im Dienstort bei dem betreffenden Inahme der Klage einen friedlichen Abschluß zu geben. Er knüpfte| schwebt in großer Gefahr; einige Gehöfte find, wie gleichfalls aus Bfarrer mittels Meldetarte vorzustellen und das Pfarramt wird an die am Montag im Reichstage getane eußerung des Staats. Innsbrud gemeldet wird, bem Feuer bereits zum Opfer gefallen. ersucht, das Kind in religiös- sittlicher Beziehung zu beaufsichtigen, sekretärs Dr. Nieberding an und bemerkte, daß nach der Gesezes vor schlechtem Einfluß zu bewahren, eventuell Klagen des Dienständerung, wie sie aller Voraussicht nach eintreten werde, ähnlichen Neue Erdbeben. Gestern früh 5 Uhr 58 Minuten wurde in gebers oder des Kindes zu untersuchen und zu schlichten und der Klagen auf Grund von Konkurrenstlaufelverträgen ein Riegel Bogen ein furges, ziemlich heftiges Erdbeben verspürt. Auch in Vorstehung des Vereins für Hütetinder und jugendliche Arbeiter vorgeschoben würde. Aber auch aus moralischen Gründen follte die Berona tpurde eine starke wellenförmige Erderschütterung wahrin Bandegg mitzuteilen, dem Kind in jeder Beziehung zu raten Firma Wertheim die Klage zurückziehen. Was schabe ihr der Aus- genommen, um 7 Uhr 9 Minuten eine zweite. Obwohl kein Unfal und zu helfen, auf Einhaltung der Bedingungen des Diensts tritt einer Verkäuferin, für die ihr stets bielfacher gleichwertiger eintrat, war die Bevölkerung doch sehr beunruhigt. bertrages zu bringen und nach Ablauf der Dienstzeit ein Sitten Ersatz zur Verfügung stande. Wer fönne es aber andererseits zeugnis auszustellen. Daß auch der Humor auf dem Kinder einem jungen Mädchen verdenken, wenn es die Gelegenheit einer markt nicht fehlt, das beweist folgende ergözliche Geschichte von fo erheblichen materiellen Besserstellung 60 m, monatlich M. heute. Zwei Dienstherren aus Sigmaringen und Sigmaringen ergreife? dorf wollten unter der Bahnhofshalle drei Knaben dingen. Giner der Burschen stellte die Frage: Wo seid Ihr her?" Auf die gegebene Antwort fragte der Bursche weiter:" Sind Sigmaringen und Sigmaringendorf preußisch?" Als der Dienstherr mit" Ja" antwortete, sprangen die Knaben davon und riefen:" Bu de Preuße gang et mir nit." Der andere Dienstherr schrie ärger lich:" Wenn Amerita preußisch wär, ging fein einziger nei." Dieses Intermezzo rief stürmische Seiterkeit unter dem neu gierigen Publikum hervor." Abermals Konkurrensklauselflage. Giner der Dußend Konkurrenstlaufelprozesse, die das Waren haus Wertheim tros des einmütigen Widerspruches in der Deffent lichkeit durchzuführen gedenkt, gelangte am Mittwoch vor der dritten Kammer des Kaufmannsgerichtes zur Verhandlung. Die Klage richtete sich diesmal gegen die Verkäuferin Frieda Leszinsky, die im Warenhaus Wertheim ein Monatsgehalt bon 140 m, bezog und in das Kaufhaus des Westens mit einem Gehalt von 200 M, über trat, trotzdem sie die bekannte Konfurrenzflausel unterzeichnet hatte. Der Vorsitzende legte dem flägerischen Vertreter eindringlich • nahe, dieser Angelegenheit, die nun soviel die Oeffentlichkeit und erst in diesen Tagen das Parlament beschäftigt hat, durch Zurüd Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Anfang 7, Uhr. Freitag, den 26. April Kgl. Schauspielhaus. Julius Cäsar. Neues fgl. Operntheater. Ges schlossen. Deutsches. Der Gott der Nache. Rammerspiele: Aglavaine und Selysette.( Anfang 8 Uhr.) Trotz dieser Vorhaltung hielt der Vertreter der flägerischen Firma die Klage wie auch den Antrag auf Haftstrafe aufrecht. Gr führte aus, er habe das Gefes nicht gemacht, und solange ihm das Gefeß zur Seite stände, verlange er auch sein gefeßliches Recht. Das Kaufmannsgericht beschloß, erst die Entscheidung des Landgerichts abzuwarten, welches in dem ersten Prozeß gegen die Verfäuferin Fräulein Eisenstaedt das Berufungsurteil zu fällen hat. Nach Kenntnisnahme der Entscheidung und Begründung des Berufungsgerichtes wird das Kaufmannsgericht in der vorliegenden Sache sein selbständiges Urteil fällen. Unseres Erachtens hätte aus den von uns am 10. Februar bei Gelegenheit der ersten Konkurrenzflaufeltlage angeführten Gründen das Kaufmannsgericht die Klage fofort abweisen fönnen und sollen, da auch diese Konkurrenzflausel dem§ 188 des Bürgerlichen Gesetzbuches widerspricht, der einen Bertrag für nichtig erklärt, der gegen die guten Sitten verstößt. Vermischtes. Ein Waldbrand brach gestern bei Tisens aus, der infolge der herrschenden Trockenheit rasch um sich griff. Das Dorf Lisens Urania. Schiller- Theater. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Schiller- Theater 0.( Wallner Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Traumulus. Schauspiel in 5 Aften von Arno Holz Durch Dänemark und Sildschweden, unb Dslar Berichte. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der Dieb. Morgen und folgende Tage: Der Dieb. Leffing. Die Stügen der Gesellschaft. Lustspielhaus. Lorking. Fra Diabolo. Anfang 8 Uhr. Kgl. Opernhaus. Salome. Neues Schauspielhaus. Alt- Heidel berg. Berliner. Die Sittennote. Schiller 0.( Wallner Theater.) Traumulus. Schiller Theater Charlottenburg. Moloch. Der zerbrochene Strug. Schiller N.( Friedrich Wilhelm städtisches Theater.) Am grünen Weg. Komische Oper. Don Juan. Zentral. Der luftige Krieg. Westen. Die lustige Bitme. Nachmittag 3 Uhr: Dramatische Aufführung. Kleines. Das Kududsei. Neues. Der Dieb. Abends 8 Uhr: Husarenfieber. Zentral- Theater( Operette). Abends 8 Uhr: lustige Schiller- Theater Charlottenburg. Freitag, abends 8 Uhr: Moloch. Eine unvollendete Tragödie( 2 Atte) von Friedrich Hebbel. Hierauf: Der zerbrochene Krug. Ein Luftsp. in 1 Aufz. v. Heinr. Kleift. Wie aus Rom berichtet wird, wurde gestern früh kurz vor 6 Uhr in Babua, Salo, Mantua, Cremona, Piacenza und Urbino ein Erdbeben verspürt, das auch die seismographischen Apparate in Domodossola, Moncalieri, Porto Maurizio, Modena und Florenz registrierten. de Chile ein dort jetzt verstorbener Reger erreicht. Ein Alter von 150 Jahren hat nach einer Meldung aus Santiago Bor einem Londoner Gerichtshof wurde jüngst ein Mann wegen Der verlorene ,, Bruder" ist eine englische Schwindler- Spezialität. Betruges in drei Fällen verurteilt. In vielen anderen Fällen fonnte man seine Schuld als verlorener Bruder" nicht genügend beweisen. Er verstand es, Personen zu finden, die in den englischen Kolonien irgendwo Berwandte besaßen, von denen sie seit Jahren nichts mehr gehört hatten. Nachdem er sich um die näheren Verhältnisse solcher Leute etwas gefümmert hatte, trat er auf als der lang verlorene Bruder oder Better aus Kanada, Australien, Indien oder sonstwo her. Er ließ sich gut bewirten, nahm bei der ersten Gelegenheit einen guten Pump auf und verschwand wieder. In einem Falle ließ er eine alte reiche Dame in der Nacht wecken und fiel ihr, vor Freude laut weinend, um den Hals und begrüßte fie als feine liebe Schwester, die er nach 25 Jahren wiedersah". Zu solchen Kolonialschwindlern haben wir es in Deutschland noch nicht gebracht. Folies Caprice Palast- Theater. Linienstr. 132, an der Friedrichstr. Koloffaler Erfolg! Eine Nacht Sonnabend, abends 8 Uhr: Sonnabend, nahm. 3 Uhr: in der Apotheke. Heimat. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Der Vogel im Käfig. Sonntag, abends 8 Uhr: Heimat. WINTER CARTEN Operettle in 3 aften bon 3. Giraus. Letzte Vorstellungen Letzte Vorstellungen Strauß. Schiller- Theater N. Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Sommerpreise. Anfang 8 Uhr. Unsere Käte. Residenz- Theater. Direktion Richard Alexander. Anfang 8 Uhr. Resibens. Haben Sie nights au Haben Sie nichts zu verzollen? berzollen Lustspielhaus. Husarenfieber. Deutsch- Amerikanisches. Mamzelle Nitouche. Thalia. Bo die Liebe hinfällt. Luisen. Lenore. Trianon. Fil. Josette meine Frau. Bernhard Rose. Die Geher- Wally. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Gebr. Herrnfeld. Ein verrüdtes Hotel. Wintergarten. Cleo de Mérode. Eleo de Mérobe. Spezialitäten. Apollo. 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Gastspiel des Theater des Westens: Jeden Abend 8 Uhr bis 30. April intl.: Mamselle Nitouche. Celestin Edm. Löwe a. G. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Troubadour. Cleo de Mérode und das interessante Programm. Gebr. HerrnfeldBorbert. Anfang Theater 11-2ur 8 Uhr. 57 Sommandantenstraße 57. Ein verrücktes Hotel. Hauptrollen. Anton u. Donat Herrnfeld. In Vorbereitung: Es lebe das Nachtleben! Eine Separée- Affäre von Anton u. Donat Herrnfeld. DERNHARD ROSE THEATER Walhalla( Gr. Frankfurterstr. 132. Heute und morgen: Die Geier- Wally. Sonntag nachmittag bei halben Sonnabend, Sonntag: Die Sitten: Preisen: Der Trompeter von Sät note. Montag: Der Richter von fingen. Zalamea. Neues Schauspielhaus Pollo Freitag, den 26. April 1907: C Theater Alt- Heidelberg. 8 Uhr: Die bebeut. Spezialitäten. Anfang 28 Uhr. Sonnabend: Herthas Hochzeit. Anfang 8 Uhr. Lortzing- Theater Bellealliancestr. 7/8. Freitag, den 26. April 1907: Fra Diavolo. Anfang 8 Uhr. Abonnements gültig! Sonnabend: Fidelio. Kleines Theater. Anfang 8 Uhr. Das Kuckucksei. Sonnabend zum 1. Male: Heimkehr. Bolfsstüd in 3 Auszügen von Rudolj Bawel. 8: Merians Original- Bauern Hunde Theater: Ein treuloses Weib. Variete Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Heute abend 8 Uhr: Das große April.Programm. 10 10 Geni Family Pers. Pers. Circensische Spiele zu Pferbe. Grete Gallus Charakter- Soubrette. 12 erstklassige Nummern 12. Wilhelm Tell. Sonnabend, abends 8Uhr: Traumulus. Sonntag, nach m. 3 u br: Der Pfarrer v. Kirchfeld. Sonntag, abends 8 Ulbr: Flachsmann als Erzieher. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brunnenftr. 16. Zum letzten Male: Anfang 8 Uhr. Borverkauf an der Theaterkasse und bei Wertheim. Trianon- Theater. Anfang 8 Uhr. Burgstr. 24, 2 Min. v. Bahnhof Börse. Nur noch kurze Zeit: Hasson und Jenny Kugelläufer. Alcide und Alberti fliegender Bambus. Onkel Moritz Schwank und 10 erstklassige Nummern. Fräulein Josette- meine Frau. Schluß der Saison: Sonntag 3 Uhr: Der Hausfreund. Dienstag, den 30. April 1907. 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Laut Verbandstagsbeschluß zu Hamburg erhöht sich der Verbandsbeitrag in allen Beitragslassen vom 1. Mai laufenden find, zu entrichten, da sonst für die restierende Woche der erhöhte Beitrag in Frage kommt. D. D. NB. bieles Sabres ab um 10 Bf. Die Kollegen werden ersucht, die jeßigen Beiträge, ſoweit diese nicht auf dem Gustav Bahrens- Theater. Orts Krantentaffe Arbeiter- Bildungsschule Berlin SchönebergBerlin W., Goltzstraße 9. Der Clou der Saison: Der urfom. Chauffeur mit feinem mufit. Auto. Die Goldamfeln Stadt Schöneberg Die Statutenmachträge VIII und IX bom 4. Ditober 1906 bezw. 29. November 1906 zum Statut vom 22./26. August 1901 u. f. find am Freitag, den 3. Mai 1907, abends 6½ Uhr, im Schullokal, Grenadierstraße 37: Generalversammlung. Tages- Ordnung: 14. Februar cr. durch den Bezirks. 1. Bericht des Vorstandes, des Lehrerkollegiums und der Revisoren. ausschuß zu Potsdam genehmigt worden und am 11. März cr. in Straft 2. Neuwahl des Vorstandes, der Unterrichtsvertreter und der getreten. fowie die neuen Spezialitäten. 8. Schluß die großart. Ausst.- Operette: Meschuckmann im Sündenpfuhl Berlin. Anfang 8 Uhr, Sonntags 6 Uhr. Otto Pritzkow, Münzstr. 16, 8 Welt- AusstellungsBiograph-( St. Louis) Theater lebender Photographien. Der Untergang des Dampfers Berlin". 168 Tote, 12 Gerettete. Den ganzen Tag Vorstellung. VIII. Statutennachtrag. Es find folgende Erhöhungen der Leistungen vorgesehen: Berliner ArbeiterRadfahrer- Verein" 8 Mitglied des Arbeiter. Radfahrer- Bundes Solidarität". Vereinstour. Sonntag, den 28. April, früh 8 Uhr, nach Bernsdorf( Julius Knorr), nachm. 1, Uhr, Eichwalbe( Witte). Start: Schlesische Brüde Die Abteilungen an ihre Starts eine halbe Stunde früher. Freitag, den 26. April, abends 9 Uhr: Fahrmart- Sigung bei Bosse, Klosterstr. 101. Pünktliches Erscheinen erwünscht. Die Abteilungs- Sigung der 2. Abteilung findet von jetzt ab jeden 1. und 3. Mittwoch im Monat im Lokale Hermann Nevi, Kaiser Friedrich- Plaz, Ede Fontane Brome nade, statt. Starts ebendafelbft. Am 1. Mai teine Sihung. Dr. Simmel Spezial- Arzt dicht am 15: a) Die Kaffe ist berechtigt, auf ihre Kosten Hauspflege eintreten zu laffen; b) ferner wird den Angehörigen der im Krankenhause behandelten Mitglieder eine Unterstüßung von zwei Dritteln des Stranten geldes gewährt, und schließlich o) den im Krantenhause unter gebrachten, welche den UnterRevisoren. 3. Anträge. 4. Schulangelegenheiten und Verschiedenes. Mitgliedsbuch, legitimiert. Beiträge werden entgegengenommen. 4/12 Verband der Tapezierer. Filiale Berlin.- Sektion der Kleber. Achtung, Kleber! Jeder zu tarifmäßigen Preisen arbeitende Kleber halt von Angehörigen aus ihrem muß im Befihe einer Kontrollkarte sein, und muß sich im zweiten Felde eine grüne Marke befinden. Die Marke gilt vom 28. April bis 12. Mai. Arbeitsverdienst nicht bestritten haben, ein Achtel des Kranten geldes gezahlt. 19: a) Schwangere erhalten eine Schwangerschafts- Unterstützung für die Dauer von vier Wochen in Höhe des Krankengeldes; b) zu den Kosten für die Hebammendienste wird ein Buschuß von 10 M. geleistet. Schließlich hat die Unterstützung für die Familienangehörigen§ 27 der Statuten insofern eine Erweiterung er fahren, als Die Karten werden verabsolgt Sonntag, den 28. April, vormittags bon 9 bis 12 Uhr bei: N., Krüger, Lhchenerstr. 8. N.. Döhling, Stolbergerstr. 28/29. NO., Kempin, Tilſiterstr. 85. NW., Pankow, Perlebergerstr. 32. 178/4 SO., Stephan, Wienerstr. 31. W., Ridert, Steinmetstr. 36a. Charlottenburg Hacker, Rosinenstr. 9. Die Verbandsleitung. 2. Berliner Reichstagswahlkreis. Bezirk 228. Todes- Anzeige. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Glaser Paul Hertwig, Wassertorstr. 5, am am 23. April plöglich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonnabend, den 27. April, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 239/5 Der Vorstand. Vereinigung der Glaser u. verw. Berufsgen. Deutschlands. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser treues Mitglied, der Glaser Paul Hertwig am Dienstag, den 23. d. M., abends 5, Uhr, im 29. Lebensjahre an Herzlähmung gestorben ist. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. 214b Die Beerdigung findet Sonnabend, den 27. d. M., nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Bentral- Friedhofs in Friedrichs. felde aus statt. Um recht rege Beteiligung bittet Der Vorstand. Allen Freunden, Bekannten und Verwandten die traurige Nachricht, daß am Dienstag, den 23. April, nach furzem schweren Leiden unser inniggeliebter Sohn und Bruder Paul Müller im 15. Lebensjahre verstorben ist. Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme an Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 27. April, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Beg, aus statt. 2206 Tischler- Verein zu Berlin. Rigboifer Friedhofes, Mariendorfer ( E. H. Nr. 89.) c) Familienangehörige von Mit Sonnabend, den 27. April, abends 8, Uhr, Melchiorstraße 15: gliebern, fofern lektere der Staffe länger als sechs Monate ange Versammlung. hören und sofern erstere nicht Bereinsangelegenheiten. Zahlen der Beiträge.[ 198/11] Der Vorstand. felbft in einem gefeglichen Ber ficherungsverhältnis stehen, auf ihren Antrag, sobald die Nots wendigkeit durch einen bei der Staffe angestellten Arzt begut achtet wird, in der für Kaffenmitglieder üblichen Verpflegungs. Deutscher Metallarbeiter- Verband Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hof III. Amt 3, 1987. Elaffe freie Stur und Verpflegung Hof L. Amt 3, 1239. in einem bon der Staffe zu Charitéstraße 3. wählenden Krankenhause erhalten. Sonntag, den 28. April 1907, vormittags 9% Uhr, IX. Statutennatrag. Die§§ 28 und 29 erhalten folgende Faffung: § 28. für Haut- und Harnleiden. Die Erhebung der Eintrittsgelder tommt vom 31. Dezember 1906 ab Prinzenstr. 41, Moritzplatz, in Fortfall. Die§§ 30, 31, 32, 60, 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. 68, erhalten- foweit sie die Zahlung der Eintrittsgelder berühren eine dementsprechende Fassung. §. 29. Greift zu! Abonnementsanzüge. 13.00 ben besten Monatsanzüge b. 9,50m. B " Pfandlethanzüge Partieanzüge. 11,00 12,00 " Gehrockanzüge 14,50 Anzüge, Erfat f. Mak, 20.50 Paletots Hosen. 9,50 2,00 Moldauer Prinzenstraße 64, Ecke Annenstraße, im Laden. - Straßenbahn- Bergütung.. Bilz Sanatorium „ Schloss Lössnitz" RadebeulDresden. Prosp. fr. FrühjahrsGünst Hellert 3 Aerzte Dir. Alfred Bilz Chefarzt Dr. Ascake Internationaler Verkehr. Milde Lage KUREN! Sachs. Nizza Bilz Naturhellbuch ea, 1 Mill. verk. 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M., nach mittags 4 Uhr, vom Friedhof der Gethsemane Gemeinde, NiederSchönhausen- Nordend aus statt. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Otto Maaß am 23. April verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 26. April, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Danteskirchhofes( Blanke. ftraße) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 85/11 Die Ortsverwaltung. Orts- Krankenkasse der Möbelpolierer, Berlin. Nachruf. Am 22. d. M. starb nach langem Leiden unser früherer Vorstands. follege, der Möbelpolierermeister 1. Der Wert der Verkürzung der Arbeitszeit. Referent: Fritz Mozikatis. Genosse A. Störmer. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Heute Freitag, abends 81%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15: Ehre seinem Andenken! 273/19 Der Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranz Spenden bei der Beerdigung meines 46962 lieben Mannes Hermann Kretschmer sage ich allen Freunden und Kollegen, Sitzung der Ortsverwaltung. Insbesondere ben Einſezern der Firma Restaurant Gewerkschaftshaus. Heute Frische Blut- und Wurst Freitag: Leberin bekannter tabelloser Dualität. Mittagstisch. Reichhaltige Abendlarte. Sonntags: Fricassee vom Huhn. Rich. Augustin, Engel- Ufer 15. Brennaber Preisverzeichnis kostenlos. 320665,50 Mark gewannen Rennfahrer in dieser Saison auf Brennabor. Ein solch enormer Gewinn lässt sich nur mit einer wirklich gediegenen Pahrradmarke erreichen. Brennabor- Werke, Brandenburg a. H. Mittag, dem Deutschen Holzarbeiter. Verband, sowie dem Wahlverein Char lottenburg meinen herzlichsten Dant. Witwe Anna Kretschmer nebst Tochter. Am 1. Mai bleibt auch in diesem Jahre mein Geschäft geschloffen. Arbeitsanzüge Wilh. Pahr, Brunnenstr. 116. 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Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 27. April, nachmittags 2 Uhr auf dem neuen Rigdorfer Kirchhof statt. Sozialdemokratisch. Wahlverein Rixdorf. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metallschleifer Richard Muras ( 20. Bezirt) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabendnachmittag 2 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Nir dorfer Friedhofes( Mariendorfer Weg) aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 232/14 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metallschleifer Richard Muras am 21. April am Bundstarrkrampf gestorben ift. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 27. April, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Rirdorfer Friedhofes, Mariendorfer Weg, aus ftatt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Todes- Anzeige. Am 21. April verstarb unser braver Kollege, der Metallschleifer Richard Muras. Lange Jahre Mitglied der Agitationskommission der Schleifer, war er bestrebt, unseren Stampf führen zu helfen. Jederzeit war er zur Stelle, wenn er gerufen wurde, und hat er bis wenige Tage vor seinem Tode seine Schuldigkeit getan. Er war uns ein lieber Freund und tüchtiger Kollege, und tief betrauern wir sein allzu frühes Dahinscheiden, welches durch eine ruchlose Hand herbeigeführt wurde. Wir werden ihn nicht vergessen und sein Andenten in Ehren halten Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 27. d. M., nachmittags 2 Uhr, von der Leichens halle des Rigdorfer Kirchhofes, Mariendorfer Beg, aus statt. Wir ersuchen die Kollegen um recht rege Beteiligung. Die Agitationskommission der Metallschleifer. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. ( Bezirk Norden II.) Am 24. April 1907 verstarb plöglich unser Kollege Hermann Weidauer im Alter von 67 Jahren durch Ueberfahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntagnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle der Bionsge meinde in Nieder- SchönhausenNordend aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 139/2 Der Vorstand. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten sowie den Kollegen vom Holzarbeiter Berband, die meinem Manne die legte Ehre erwiesen haben, sage ich hiermit meinen beften Dant. 46972 Witwe Emma Lindner. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für ben nferatenteil veranto.: 26. Glade, Berlin. Drud r. Verlaa: Vorwärt Bachoruderet u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Nr. 97. 24. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Partei- Angelegenheiten. " Stralau. Sonntag, den 28. April, nachmittags 2 Uhr, findet im Lokal Alte Taverne"( Jnh. Schröder), Alt- Stralau Nr. 26, eine öffentliche Versammlung für Frauen und Männer statt. Tagesordnung: Vortrag über Kommunalpolitik, Referent Genosse Fendel- Weißensee. 2. Diskussion. 3. Berichterstattung des Ge meindevertreters, Genosse W. Buck. 4. Verschiedenes. Genossen agitiert für zahlreichen Besuch dieser Versammlung. Gleichzeitig werden die Genossen ersucht, sich zu der heute abend stattfindenden Handzettelverbreitung zahlreich einzufinden. Der Vorstand. Gewerbeaufsichtsbeamten in den unten bezeichneten Dienstlokaler und zu den nachbenannten Zeiten zu sprechen: A.) Für Arbeiter und Arbeitgeber: Dienstags und Freitags bon 1 bis 2 Uhr mittags. Freitag, 26. April 1907. B.) Für Arbeiter allein: Donnerstags von 7 bis 8 Uhr abends und am ersten Sonntag des Monats von 9 bis 10 Uhr vormittage. C.) Für Arbeiterinnen allein halten die Gewerbeinspektions- am 30. Januar d. J. verbunden waren. Das Schöffengericht erassistentinnen, Fräulein Reichert, Fräulein Kummert und Fräulein Conradt, zu den unter B angegebenen Zeiten Sprechstunden in den Räumen der Gewerbeinspektion Berlin C. beziv. SO. und N. ab. Außerdem sind zur Auskunftserteilung über alle die Gewerbeaufsicht betreffenden Angelegenheiten täglich von 1 bis 3 Uhr Gewerbeaufsichtsbeamte in den Dienstlokalen der Gewerbeinspektion anwefend. Die Bezirke der Gewerbeinspektionen im Landespolizeibezirk Berlin, umfassend die Stadtkreise Berlin, Charlottenburg, Schöneberg, Rigdorf und Deutsch- Wilmersdorf, sind wie folgt abgegrenzt: I. Gewerbeinspektion Berlin C. Schenkendorf b. Königs- Wusterhausen. Die Mitgliederverfammlung des Wahlvereins findet am Sonnabend, den 27. April, abends 8 Uhr, im Lokale von O. Pätsch statt. Wegen der Wichtigteit der Tagesordnung ist zahlreiches Erscheinen notwendig. Der Vorstand. Reinickendorf- Ost, West und Wilhelmsruh. Sonntag, den 28. April, nachmittags 3 Uhr, findet für unsere Außenbezirke und benachbarten Ortschaften eine Volksversammlung im Lokale des Herrn Often, Zehlendorf, statt. Genosse Beglin referiert über Geschäftsbereich: Polizeirebiere 1, 2, 12-16, 19-22, 27, 38, 40 unterschiebslos in allen Fällen absolute Schmerzlosigkeit beim Die Ziele der Sozialdemokratie". Anschließend daran erfolgt die Gründung eines neuen Bezirkswahlvereins für die Außenbezirke. Borstand: Gewerbeinspektor Dr. Jungfer. Wir bitten die Genossen, sich recht zahlreich an diesem Unter. Sülfsarbeiter: Gewerbeassessor Schürholz. nehmen zu beteiligen. Sin- und Rüdfahrt über Lehnis, von dort Assistentin: Fräulein Reichert. Fußmarsch. Abfahrt ab Schönholz 10.5, ab Reinidendorf- Rosenthal Bureau: NO. 43, Georgenkirchplatz 2. Der Bezirksvorstand. 10.9, ab Wittenau 10.14. und 93. II. Gewerbeinspektion Berlin N. auch ferner erscheinen. Der genannte Verein stellte daher Straf antrag wegen falscher Titelführung und unlauteren Wettbewerbes und, da Altmann auch wegen Bessionen Pfändungen behufs Grstattung ihm zur Last fallender Prozeßkosten unmöglich gemacht hatte, auch wegen Betruges bezw. strafbaren Eigennutes. Gegen Altmann waren noch eine ganze Anzahl anderer Strafanzeigen erlassen, die zu einer Gesamtverhandlung vor dem Schöffengericht fannte wegen Körperverlegung, tätlicher Beleidigung, Nötigung und Hehen von Hunden auf Menschen auf 6 Wochen Gefängnis und wegen falscher Titelung und unlauteren Wettbewerbes auf 500 M. Geldstrafe. Gegen dieses Urteil hatte sowohl der Angeklagte als auch der Staatsanwalt Berufung eingelegt. Der Angeklagte war zum Termin nicht erschienen, sondern hatte ein ärztliches Attest eingereicht, welches das Gericht aber nach Anhörung des Gerichtsarztes Dr. Störmer für nicht wirksam und durchgreifend erachtete. Es wurde deshalb in Abwesenheit des Angeklagten nur auf die Berufung des Staatsanwalts verhandelt. Das Gutachten des gerichtlichen Sachverständigen Zahnarztes May Carow, schmerzlose Operationen betreffend, war von allgemeinem Interesse. Der Sachverständige führte aus, daß niemand in der Lage sei, Zahnziehen usw. zu versprechen. Die örtlich wirkenden Mittel, Kokain usw., feien wohl an sich geeignet, die Schmerzen erheblich herabzusehen, auch in manchen Fällen die Schmerzempfindung vollständig aufzuheben. Ein bestimmter Erfolg könne aber niemals allgemein versprochen werden, da die anatomischen Verhältnisse besonders des Unterkiefers dem entgegenstehen, auch die Arzneien wendung finden dürfen. Alle diese örtlich anzuwendenden Mittel wirken zudem individuell verschieden, der Grad des Erfolges sei also schwer vorauszubestimmen. Auch die allgemeine Betäubung sei nicht geeignet, ein generelles Versprechen für absolute Schmerzlosigkeit zu rechtfertigen. Eine Narkose könne bekanntlich nicht bei jedermann eingeleitet werden, sie sei bei sehr schwierigen lebensrettenden Eingriffen nicht zu umgehen, doch sei das Ausziehen von Zähnen sonders bei kurz dauernden, nicht sehr tiefen Narkosen der Patient erwachen, ehe der Eingriff beendet sei. In solchen Fällen werde ein Eingriff, wenn auch vielleicht abgeschwächt, so doch immerhin schmerzhaft empfunden. Wenn der Angeklagte wirklich, wie er behaupte, Chloroformnarkosen zum Zwecke des Ausziehens von Mühlenbed.( Bezirk Nieder- Schönhausen.) Am Sonntag, den Geschäftsbereich: Polizeireviere 9, 10, 11, 17, 18, 46, 50, 59 bis felbft nur in der durch die Marimaldosis gegebenen Menge Ber 28. d. M., nachmittags 4 Uhr, findet bei Baersch die regelmäßige 62, 68, 80, 81, 88-90, 97-99, 105 und 109. Wahlvereinsversammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Verstand: Gewerbeinspektor Dr. Ruhnau. Genossen Julius Hesse über Das Erfurter Programm". Sülfsarbeiter: Gewerbeassessor Grün. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um regen und zahlreichen Besuch Assistentin: Fräulein Conradt. dieser Versammlung bittet der Vorstand. Für die Nieder- Schön- Bureau: N. 20, Prinzen- Allee 88. Hauser Genossen findet der Abmarsch um 23 Uhr, von Bratbogel aus, statt. " Spandau. Am Sonntag, den 28. d. M., findet eine Flugblatt. berbreitung für Stadt und Land statt. Die Genossen werden ersucht, sich recht zahlreich um 7 Uhr in ihren Bezirkslokalen ein. zufinden. Der Vorstand. Berliner Nachrichten. Aus der Stadtverordneten- Versammlung. III. Gewerbeinspektion Berlin O. 94-96, 102, 103, 106 und 108. Geschäftsbereich: Polizeireviere 23, 24, 44, 45, 51, 52, 65, 66, 92, au letzterem doch nicht zu rechnen. Weiterhin tönne aber auch beBorstand: Gewerbeinspektor Dr. Welzel. Bureau: O. 34, Warschauerstraße 70. IV. Gewerbeinspektion Berlin SO. Geschäftsbereich: Polizeireviere 25, 26, 29, 43, 49, 53, 54, 55, Bähnen auch bei schwer Herz- und Lungenleidenden mache, so treibe 70, 79, 86, 87 und der Stadtkreis Rigdorf. Vorstand: Gewerbeinspektor Dr. Fischer. Hülfsarbeiter: Gewerbeassessor Schumann, Barten. Gewerbereferendar V. Gewerbeinspektion Berlin S. Geschäftsbereich: Polizeireviere 28, 30, 41, 42, 47, 48, 67, 72, 78 und 85. Sülfsarbeiter: Gewerbeassessor Dr. Beckerhoff. Vorstand: Gewerberat Knoll. Hülfsarbeiter: Gewerbeassessor Dr. BeckerhoffBureau: S. 53, Kaiser Friedrich- Platz 3. VI. Gewerbeinspektion Berlin SW. Die Verstadtlichung des gesamten Rettungs- Affistentin: Fräulein Kummert. wesens ist für Berlin seit langem ein frommer Bureau: SO. 16, Elisabeth- Ufer 45. Wunsch und bleibt ein frommer Wunsch auch dann noch, wenn die Pläne ausgeführt werden, die der Magistrat jetzt den Stadtverordneten vorgelegt hat. Was der Magistrat will, ist nicht viel, aber er würde selbst dieses Wenige nicht wollen, wenn nicht auf diesem Gebiete die Privat tätig. feit, die vielgepriesene, am Ende ihres könnens angelangt wäre. Die Rettungsgesellschaft stand längst, wenn man so sagen darf, vor der Pleite- nun muß die Stadtgemeinde wohl oder übel die Aufgaben übernehmen, die bisher von dort Geschäftsbereich: Polizeirebiere 3, 31-37, 39, 56, 63, 71, 73, 77 aus gelöst worden sind. Die Stadtgemeinde könnte die Gelegenheit Vorstand: Gewerberat Heffe. und die Stadtkreise Schöneberg und Deutsch- Wilmersdorf. benutzen, noch mehr zu tun: Sie könnte, wie in der gestrigen Sülfsarbeiter: Gewerbereferendar Edey, Gewerbereferendar Ritter. Sigung von unserem Genossen Weyl ausgeführt wurde, Bureau: Schöneberg W. 30, Eisenacherstraße 87/88. zugleich ein eigenes Krankentransportwesen einrichten. Aber so schnell schreitet man in unserem Berlin nicht vorwärts. Das Strankentransportwesen ist immer noch ein Geschäftsbereich: Polizeireviere 4, 64, 74-76, 83, 84, 100, 104 recht lohnendes Gewerbe für private Unterund der Stadtkreis Charlottenburg. nehmer, mithin darf so ist's Freisinnsgrundsatz die Borstand: Gewerbeinspektor von Gizhdi. Gemeinde nicht mit rauher Hand eingreifen und steuerzahlenden Hülfsarbeiter: Gewerbeassessor Dr. Ernst, Gewerbereferendar VII. Gewerbeinspektion Berlin W. er dadurch ein freventliches Spiel mit dem Leben der sich ihm Anbertrauenden. Die Verhandlung hatte das Ergebnis, daß die Berufung des Angeklagten verworfen und auf die Berufung des Staatsanwalts der Angeklagte zu sechs Monaten Ges fängnis, 600 M. Geldstrafe und 14 Tagen Haft wegen Betruges, Hezzens von Hunden auf Menschen, unlauteren Wettbewerbes und Führung eines ärztlichen Titels verurteilt wurde. Bürgern ihre Erwerbsquelle vernichten. Bürgermeister Reide ließ auch feinen Zweifel darüber, daß an eine wirt. Bureau: Charlottenburg, Mommsenstr. 61,( Fernsprech- Amt Char- Steinfeger Emil Groth aus der Auguststraße 48. G., der auf lottenburg, Nr. 5643). VIII. Gewerbeinspektion Berlin NW. Auf's Auto geschleudert statt drunter. Ein Unglüdsfall, wie et fich bisher wohl noch nicht ereignet haben dürfte, hat Mittwochabend in der Brunnenstraße große Aufregung hervorgerufen. Der 41jährige Postschaffner Friedrich Kläre, Kastanien- Allee 50 wohnhaft, war mit seinem Freunde an der Kreuzung der Ramler- und Brunnenstraße über den Fahrdamm gegangen. Beim Ueberschreiten der Straßenbahngleise gerieten die beiden zwischen einen Straßens bahnwagen und ein aus entgegengesetter Richtung kommendes Autogefährlichen Situation zu befreien, dagegen wurde S. von dem mobil. Der Begleiter des St. vermochte sich noch rechtzeitig aus der Strafiwagen erfaßt und nicht etwa unter das Gefährt, sondern oben auf geschleudert. Strampshaft hielt er sich vorn am Zylinder fest, bis das Auto zum Stehen gebracht werden konnte. Da der Verunglückte aber trotzdem schwere Quetschungen und innere Erschütterungen er litten hatte, wurde er sofort in dem Wagen nach einer nahen Klinik gebracht. Bon einem Bedag- Automobil totgefahren wurde der 49jährige einem Bau in der Fennstraße beschäftigt war, wollte am Mittwochs liche Verstadtlichung des gesamten Rettungswesens noch lange vormittag dort mit mehreren Arbeitskameraden einen Jmbiß einnicht zu denken sein wird. Der Magistrat steht ja, wie aus Herrn Reices Worten herauszuhören war, auf dem Stand einer Bretterunterlage zurecht gemacht hatten. Raum hatte man sich punkte, daß die Stadt eigentlich zu gar nichts niedergelassen, da kam eine Automobildroschke in schnellster Fahrt berpflichtet ist, und das ist auch die Meinung der freidaher und fuhr gegen den Schemel des Groth, der von seinem Sitz sinnigen Versammlungsmehrheit, wenn das auch gestern nicht geschleudert wurde und unter die Räder des Automobils geriet. ausdrücklich erklärt wurde. Am Schluß der sehr ausgedehnten Auf dem Berliner Zentralvichhof waren am Mittwoch über Das Fahrzeug hatte noch einen zweiten Arbeiter zur Seite geDebatte, in der gegen die Vorschläge des Magistrats fein 15 000 Schweine aufgetrieben, meist leichte; schwere vollschlachtreife schleudert, der glücklicherweise ohne Verlegungen davonfam. G., der nennenswerter Widerspruch laut wurde, betonte Genosse Schweine fehlten in genügender Bahl. Infolgedessen konnten sich die verheiratet war, wurde nach dem Birchow- Krankenhause gebracht, wo Wehl noch einmal die Pflicht der Kommune, Preise befestigen und wurde der gesamte Auftrieb verkauft. Auch verheiratet war, wurde nach dem Birchow- Krankenhause gebracht, wo das Problem der Krankenversorgung durch der Auftrieb an Rindern, Kälbern und Schafen war, was die er jedoch bald den schweren Verlegungen erlag. Die Schuld an Qualität anlangt, ungenügend. Von dem Auftrieb blieben die dem schweren Unfall trifft den Droschfenkutscher Mag Kunig und den fassende Organisation des Rettungswesens zu lösen. Die gering entwickelten Schlachttiere, für die hohe Preise verlangt wurden, Führer des Automobils, den Chauffeur Hermann Schulze aus der Vorlage wurde dann einem Ausschuß überwiesen, der sich unverkauft. Nathenowerstraße. Dieser hatte dem K. den Wagen zu einer Probevoraussichtlich mit dem, was die Vorlage fordert, in allem Wesentlichen einverstanden erklären wird. Er darf's, 300 M. zu Ehrenpreisen für hervorragende Leistungen auf dem Ge- der Chauffeur sich in einem Lokal befand. Auf der Rückfahrt bog Für die Ausstellung in Werder a. d. H. hat der Berliner Magistrat fahrt überlassen, die er nach dem Nordhafen unternahm, während denn fie fordert wirklich nicht viel und der Stadtfreifinn braucht biete des Obstbaues und der Obstverwertung bewilligt. der des Fahrens unkundige St. in schnellstem Tempo in die Fenn nicht gleich zu fürchten, daß dadurch sein Fortschrittstempo allzu sehr beschleunigt wird. In der 7. Fortbildungsschule, Gräfestr. 85, ist in diesem Halb. straße ein und fuhr den unglücklichen Groth über den Haufen. jahr unentgeltlich Gelegenheit geboten zur Teilnahme am Der auf diese entsetzliche Weise ums Leben Gekommene war ein Unterricht in Elektrotechnit, tursus I Schwachstromtechnik, Kursus II braver Parteigenosse und im fünften Wahlkreise organisiert. As Starkstromtechnik und in Chemie der Metalle mit praktischen Uebungen Mitglied des Bezirks 451 war er stets auf dem Posten, wenn es der Teilnehmer. galt, die Juteressen der Partei wahrzunehmen. eine umDie Gewerbeinspektion im Landespolizeibezirk Berlin. Der Polizeipräsident veröffentlicht folgende Bekannt machung: Gemäß§ 120 u. ff. der Gewerbeordnung sind die Gewerbeunternehmer verpflichtet, die Arbeitsräume, Betriebseinrichtungen, Maschinen und Gerätschaften so einzurichten und zu unterhalten, daß die Arbeiter gegen Gefahren für Leben und Gesundheit so weit geschützt sind, wie es die Natur des Betriebes gestattet. borhanden sein. Geschäftsbereich: Polizeireviere 5, 6, 7, 8, 57, 58, 69, 82, 91, nehmen, den sie sich auf der Straße, hart an der Bordschwelle auf 101 und 107. vorstand: Gewerbeinspektor Belgry. Bureau: N. 39, Tegelerstraße 6. Mit den Arbeiten für den Schillerhain" auf dem Wedding soll Zusammenstoß im Schiffahrtsverkehr. Auf der Spree- Dders in diesem Sommer begonnen werden. Die aus Dünensand bestehenden Rehberge, auf denen jetzt nur hin und wieder einmal ein Grashalm wächst, sollen durch Schlick von den Rieselfeldern und Anfuhr von fruchtbarer Erde für die Anpflanzungen vorgerichtet werden, wie dies beim Viktoriapart, der ebenfalls reinen Sand zur Unterlage hat, der Fall gewesen ist. Wasserstraße in der Nähe von Fürstenwalde hat gestern ein Bua fammenstoß zwischen einem Laftfahn und einem Schleppzug stattgefunden, wobei der Kahn in den Grund gebohrt wurde. Das dem Schiffseigner Schubel gehörige Fahrzeug war mit Ries beladen. Bei der Einfahrt in den Spree- Dder- Sanal fuhr es so unglüdlich mit dem im Schlepptan befindlichen Frachttahn des Schiffseigners Neubert zusammen, daß das Vorderteil start beschädigt wurde und das Fahrzeug in wenigen Minuten unterfant. Der auf dem Grund liegende Sahn war erst fürzlich in den Verkehr gestellt worden. Insbesondere ist für genügendes Licht, ausreichenden Luftraum und Luftwechsel, Beseitigung des bei dem Betriebe entstehenden Staubes, der dabei entwickelten Dünste und Gase, sowie der dabei Die neuen Feuerwachen in Berlin. Im Nordosten von Berlin, entstehenden Abfälle Sorge zu tragen. im Bözow- Viertel, wird jetzt in der Schönlanterstraße, nahe dem Ebenso find diejenigen Borrichtungen herzustellen, welche zum Friedrichshain, eine neue Feuerwache gebaut. Der Bau hat in der Schuße der Arbeiter gegen gefährliche Berührungen mit Maschinen letzten Zeit große Fortschritte gemacht und wird, falls feine HinderEin tödlicher Unglüdsfall ereignete sich gestern um 1 Uhr in der oder Maschinenteilen, oder gegen andere in der Natur der Betriebs- nisse eintreten, so weit gefördert werden, daß die Wache im nächsten Huſſitenstraße. Vor dem Hause Nummer 8 hielt ein Strantenſtätte oder des Betriebes liegende Gefahren, namentlich auch gegen Jahre mit dem noch fehlenden vierten Zuge der ersten Kompagnie transportwagen und Krankenträger waren damit beschäftigt, einen die Gefahren, welche aus Fabrikbränden erwachsen können, er- besetzt werden kann. Dann würden sämtliche fünf Kompagnien der Kranken aus dem Hause zu holen. Dabei sammelten sich wie geforderlich sind. Berliner Feuerwehr vier Züge und zusammen demnach 20 Züge be- wöhnlich zahlreiche Neugierigen an, unter denen sich auch viele In Anlagen, deren Betrieb es mit sich bringt, daß die Arbeiter sitzen. Der neu zu bildende vierte Bug soll, falls die Versuche mit Kinder befanden, auch der dreijährige Sohn Alfred des Bigarren fich umkleiden und nach der Arbeit sich reinigen, müssen aus den zwei Automobilfahrzeugen günstig ausfallen, mit mehreren arbeiters Holz aus dem Hause 75 war darunter. Als nun der reichende, nach Geschlechtern getrennte Anfleide- und Waschräume Automobilfahrzeugen ausgerüstet werden. Eine zweite neue Feuer Wagen abfuhr, wollte der kleine Alfred den Fahrdamm nach der wache ist für den Norden in Aussicht genommen worden. Gin gegenüberliegenden elterlichen Wohnung überschreiten, sab aber nicht, Die Bedürfnisanstalten müssen so eingerichtet sein, daß sie für die Zahl der Arbeiter ausreichen, daß den Anforderungen der passendes Grundstück ist dafür in der Grunowstraße, nahe der daß ein Flaschenbierwagen der Firma Engelhardt herannahte. Der Müllerstraße, vorhanden. Diese Wache soll zur Erhöhung der Feuer- Kutscher suchte zwar sofort aus Leibeskräften das Gefährt zum Gesundheitspflege entsprochen wird, und daß ihre Benutzung ohne ficherheit der Gegend dienen, die als das„ Afrikanische Wiertel be- Stehen zu bringen, konnte es jedoch nicht verhindern, daß das eine Berletzung von Sitte und Anstand erfolgen fann. Vorderrad des schweren Gefährts dem Kinde über Brust und Hals Das Polizeipräsidium, welchem die Pflicht obliegt, auf die zeichnet wird. ging; es wurde sofort von einem hinzukommenden Feuerwehrmann Durchführung der gesehlichen Bestimmungen hinzuarbeiten und Schmerzlose Zahnziehen. Eine Anklage wegen unlauteren aufgehoben und nach der Rettungswache im Lazarus- Krankenhause namentlich dafür zu sorgen, daß die oben angeführten Forderungen Wettbewerbes usw., die gestern vor der achten Straffammer des getragen, starb jedoch auf dem Transport dorthin. in neu zu errichtenden Anlagen berücksichtigt werden, bringt des- Landgerichts I berhandelt wurde, hat allgemeines Intereffe. Der halb die bezüglichen Bestimmungen in Erinnerung. Chemiker Ewald Altmann, der am Alexanderplatz ein ZahnDa bauliche Henderungen, wenn sie während des Betriebes atelier betreibt, verspricht in seinen zahlreichen Anzeigen ganz all. borgenommen werden müssen, in der Regel unliebfame Störungen gemein absoluteste Schmerzlosigkeit beim Bahnziehen. Er beund einen größeren Kostenaufwand verursachen, so liegt es im zeichnete sich als Zahnarzt, sein Unternehmen als Zahnklinik. Durch Interesse der Gewerbeunternehmer, den gesetzlichen Forderungen eine vom zahnärztlichen Standesverein Berlin angeſtrengte Unterbei der Neueinrichtung ihrer Anlagen Rechnung zu fragen. Die laffungsklage, die bis zum Reichsgericht durchgeführt wurde, waren Gewerbeaufsichtsbeamten geben darüber bereitwillig eingehende seine Anpreifungen in allen Instanzen als unlauferer Wettbewerb Auskunft. festgestellt, ihm auch für Uebertretungsfälle eine fiskalische Geld= Zu diesem Zwede, sowie zur Auskunfterteilung über alle strafe angedroht worden. Trotz zweier bereits über ihn verhängter anderen, die Gewerbeaufsicht betreffenden Angelegenheiten#nd die Strafen von 2000 und 3000. ließ Herr Altmann die Anzeigen Truppenübungsplatz in Döberiß. Ein Unfall des Prinzen Eitel Friedrich ereignete fich auf dem Als der Prinz während des rerzierens fich auf den Hals feines Pferdes niederbeugte, erhielt ins Gesicht, so daß er, vom Schmerz betäubt, einen leichten Ohner von dem zurückschlagenden Kopf des Tieres einen heftigen Stoß machtsanfall erlitt und vom Pferde sant. Der Unfall ist nur leichter machtsanfall erlitt und vom Pferde fant. Der Unfall ist nur leichter Natur. Ueber einen Eisenbahnunfall wird amtlich gemeldet: Auf der Südringstrecke zwischen den Anschlußbuden Vdp und Vp entgleiften aus bisher unaufgeklärter Ursache gestern abend gegen 8 Uhr von Setn auf der Fahrt von Tempelhof, Sdan�Ierbahnhof, nach WilmerS. borf befindlichen Durchgangsgüterzuge Nr. 8S37 die Zugmaschine und 8 folgende Wagen, wodurch beide Gütergleise und das nächste Vollringpersonengleis gesperrt wurden. Personen sind nicht der- letzt. Der Verkehr der Güter» und Vollringpersonenzüge konnte eingleisig aufrecht erhalten werden. Die Aufräumungsarbeiten werden voraussichtlich heute mittag Rßen 1 Uhr beendet sein. Ein gewerbsmäßiger Fahrradmardcr, der monatelang das Ge- wcrkschaftshaus am Engelufer hehnsuchte, wurde gestern endlich ertappt und unschädlich gemacht. Wiederholt wurden Personen, die»m Arbeitsnachweis ihre Geschäfte abwickelten oder sonstwie im Gewerkschaftshause zu tun hatten, sehr oft die Räder gestohlen, die sie auf dem Hofe oder in den Torwegen stehen licsien. Die Kriminalbeamten beobachteten das'Haus und erwischten gestern einen Mpnn, der ohne Rad kam und dann mit einem Rade davon- gehen wollte. Der Angehaltene nannte sich Arbeiter Wenger aus der AckerstraEje und behauptete, das Rad sei sein Eigentum. Während die Beamten die bezeichnete Wohnung in der Ackcrstraße durchsuchten, kam plötzlich der wirkliche Wenger, der Wohnungs- inhaber. Dieser erklärte, daß ihm den Streich, seinen Namen und seine Wohnung anzugeben, nur der Kellner Karl Heinze gespielt haben könne, der seine Verhältnisse genau kenne. Als man jetzt dem Verhafteten auf den Kopf zusagte, dasi er Heinze sei, gestand er, die Fahrraddiebstähle seit Monaten gewerbsmäßig ausgeführt zu haben. verlassen und vergessen. Vierzehn Tage lang hat die 76 Jahre alte Witwe Wanda Eitrich geborene Klauscwitz aus der Pappel- Allee 14 tot in ihrer Wohnung gelegen. Ihr Mann, ein Pantinen- macher, war vor 12 Jahren gestorben. Seitdem wohnte sie allein, zuletzt in der Pappel-Allee in einer Küche im vierten Stock des Seitenflügels. Seit 14 Tagen wurde sie im Hause nicht mehr ge- sehen. Der Hausverwalter öffnete gestern mit Gewalt die von innen verschlossene Küchentür und fand die alte Frau tot auf dem Fußboden. Ein Arzt stellte fest, daß sie schon 14 Tage tot war und vermutlich einem Herzschlag erlegen ist. Unter dem Strohsack im Bett entdeckte die Polizei 3200 M. Das Geld und die Ein- richtung wurden der Armendirektion überwiesen, die gestern die Habseligkeiten nach dem Asyl in der Fröbclstraße bringen ließ, Wird aus dem Einzelsall, daß eine Almosenempfüngerin eine größere Geldsumme hinterließ, an gewissen Stellen wieder Kapital geschlagen? Straßensperrungen. Die Bergmannstraße von der Bärwaldstraße bis zum Kaiser Friedrichplatz, der westliche Fahrdamm der Straße Am Warschauerplatz zwischen Stralauer Allee und Rotherstraße, der nördliche Fahrdamm der Danzigerstratze von der Greifswalder- bis zur WinSstraße sowie das Garten- und Tiergartenufer zwischen Berlinerstraße und Lichtenstein-Allee werden behufs Pflasterung bezw. Rohrlegung bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. vermißt wird der Buchbinder Paul Lorenz, der sich am 23. April 1906 aus seiner Wohnung Jmnmnuelkirchstr. S entfernt hat. Derselbe ist später im Krankenhause in Treuenbrietzen ermittelt worden. Von dort ist er am 8. Mai 1906 entlassen und seitdem spurlos vcr» schwnnden. Wer über den Verbleib des Lorenz irgend welche An- gaben machen kann, wolle Nachricht an Frau Lorenz. 0. 34. Tilsiter- straße 25 bei Hoffmann gelangen lassen. Roald Amundsen aus Kristiania, dessen Gjöa- Expedition sich unter die erfolgreichsten und wichtigsten Polarexpeditionen neuerer Zeit einreiht, wird Freitag, den 3. Mai, abends 8 Uhr, im Wissenschaft- lichen Theater der Urania, Taubenstraßc, über: Die Nordwestpassage und seinen Aufenthalt bei den Eskimos sprechen. Feuerwehrbrricht. Mittwoch nachmittag wurde der fünfte Zug nach dem Markgrafendamm 13 in Stralau gerufen, wo ein Späne- keller in Flammen stand. Um eine weitere Ausdehnung de« Brandes zu verhüten, mußte kräftig Wasser gegeben werden. Als die Stralauer Ortsfeuerwehr erschien, wurde dieser die weitere Löschung überlassen. Ein zweiter Kellerbrand beschäftigte den siebenten Zug in der Tadinerstr. 15, Lumpen u. a. brannten dort. Auf einem unbebauten Grundstücke in der Gottschedstr. 4 brannte ein Möbelwagen, der vermutlich in Brand gesteckt worden war. Als die Feuerwehr erschien, stand der Wagen schon total in Flammen. Gestern früh um 5 Uhr kam in der Fehrbellinerstr. 52 Feuer aus. Im rechten Seitenflügel brannte der Fußboden, das Zwischengebälk im Erdgeschoß u. a. In der Heimstr. 19 mußte ein Wohnungsbrand gelöscht werden. Ferner hatte die Wehr in der Krautstr. 1a und Forsterstr. 45 zu tun.. Vor dem Hause Blücherstr. 13 war in der letzten Nacht ein Rohr der städtischen Wasserleitung gebrochen, wo- durch die Straße überschwemmt wurde. Die Feuerwehr benachrichtigte die städtischen Wasserwerke, die durch Einsehen von Schiebern die Gefahr beseitigte. Ein Teil der dortigen Häuser war heute früh ohlie Wasser._ Vorort- JVacbncbtcm Nummelsburg. Ucbcr die WertzuwachSsteuer referierte in einer am Freitag in Witwe WeiaelS Lokal tagenden gut besuchten öffentlichen Versamm- lung Genosse Stadtverordneter Hugo Heimann. Unter großem Beifall entwickelte der Referent in instruktiver Form den Anwesenden die Notwendigkeit und das Wesen der Wertzuwachssteuer. Eingehend wies er die Argumente, welche die Gegner gegen diese Steuer ins Feld führen, zurück. Wir glauben, da wir über diese Frage und über die Ausführung des Referenten schon wiederholt berichtet haben, von einer wesentlichen Wiedergabe des Referats absehen zu können. In der Dislussion erwähnte Genosse Ritter die hohe Steuer- Veranlagung der unteren Schichten. Genosse John zeigte, welchen Werdegang die Frage der WertzuwachSsteuer in der Gemeinde- Vertretung genommen hat; anfangs sei man dieser Steuer freundlich gesinnt gewesen, sogar der Bürgermeister habe Zuneigung gezeigt, nachdem aber die Gegner ihre Feindschaft gegenüber dieser Steuer dokumentiert hatten, sei auch das Oberhaupt wieder mutvoll zurück- getreten. Die Angelegenheit sei nun vorläufig vertagt worden. Als Sozialdemokraten, meint Redner, dürfen wir aber nicht eher ruhen, bis die Steuer zur Einführung gelangt ist. Gerade in Rummels- bürg befindet sich noch viel Terrain, das einen bedeutenden Gewinn für die Gemeinde durch Einführung der Wertzuwachssteuer in Aussicht stellt. Ober-Schöneweide. Ungültigkeit von Gemcindewahlen. In der Klagesache des Genossen Grunow auf Ungültigkeitserklärung der am 3. März 1906 vorgenommenen Gemeinderatswahlen für alle drei Klassen hat jetzt der Bezirksausschuß das Urteil des Kreisausschusses bestätigt, wo- nach nur die Wahlen für die dritte Klasse ungültig seien. In Betracht kommt das Mandat des Genossen Grunow und das des Herrn Wierzhk als Hausbesitzer. Das Gericht stellte sich nicht auf den Standpunkt der Klage, daß, nachdem eine Verinehnuig der Ver- treter-Schöffenzahl beschlossen war, vor der Neuwahl der Vertreter erst der weitere Schöffe zu wählen sei, um so das Verhältnis zwischen Angesessenen und Unansässigen für die neue Körperschaft festzustellen. Zu dem Schluß auf Ungültigkeits- erNärung kam da« Gericht auf Grund der Tatsache, daß der Ge- meindevorsteher willkürlich bestimmt hat, daß im zweiten Wahlbezirk der dritten Klasse der Angesessene zu wählen sei. Nach Ansicht de« Gerichts mußte in diesem Falle— da zum ersten Male in zwei Be- zirlen gewählt wurde— da« Los entscheiden. Wenn jetzt von keiner Seite Einspruch erhoben wird, haben dem- nächst Neuwahlen stattzufinden. Gelingt eS unseren Genoffen, einen Kandidaten aufzustellen, der Angesessener ist, dürste der von den Katholiken gewählte Herr Wierzyk nicht wieder einziehen, der seiner- zeit auch nur infolge Uneinigkeit der sogenannten Liberalen gewählt werden konnte. Nieder-Schöneweide. Unsere Volksschule lautete da« Thema eines vortrage», den Genosse Schubert in der Generalversammlung dos Wahlverems hielt. Unter lebhaftem Beifall keunzeickmete der Referent die bildungsfemb- lichen Bestrebungen der bürgerlichen Parteien und der Regierung. Dem Vorstandsbericht ist zu entnehmen, daß im ersten Quartal drei Mtgliederversammlungen, vier Generalversammlungen und vier Vorstaudssitznngen stattgefunden haben. Die Mitgliederzahl ist von 50 auf 74 gestiegen. Als Bezirlsführer wurden gewählt für den ersten Bezirk die Genossen Elias und Schwarz, für den zweiten die Genossen Piepke und Goldmann und für den dritten die Genossen Gehrt und Ceilawsky. Der Kassenbericht weist eine Einnahme von 83,56 M. und eine Ausgabe von 19,87 M. auf; an den Zentral- vorstand wurden abgeliefert 55,71 M. Betreffs Maifeier wurde be- schlössen, von einer Vormittagsversammlung Abstand zu nehmen, die Genossen schließen sich einem der nächsten Orte an. Die Abend- feier findet beim Genossen Fischer statt. Vor Eintritt in die Tages- ordnnng hatten die Genossen in ehrender Weise des verstorbenen Genossen Jgnaz Auer gedacht. Nixdorf. Linicnäiidcning bei der StvaßenliiiHn. Die Straßenbahn ist ge- nötigt, wegen Asphaltierung der Walterstraße von heute an den Betrieb folgender Linien zu ändern. Linie 47 wird in den Abend- stunden nicht an der Endhaltestelle in der Walterstraße, Ecke Julius- straße endigen, sondern wäbrend dieser Betriebszeiten bis zur End- Haltestelle in der Rudowerstraße durchgeführt. Der Betrieb der Linie 48 wird bis zur Endhallestelle in der Bergstraße, Ecke Knesebeckstraße verkürzt. Die Aenderungen bleiben bis zur Beendigung der Arbeiten in Kraft. Wilmersdorf. Die Stadtvcrordiictcnversammlung wählte am Mittwoch zum ersten Bürgermeister den bisherigen Amts- und Gemeindevorsteher Bürgermeister Habermann mit 43 von 45 abgegebenen Stimmen. und zum zweiten Bürgermeister den bisherigen besoldeten Sckiöffen Stadtrat a. D. Peters simt 44 von 45 Stimmen). Zu besoldeten Stadträten wurden ferner gewählt: der bisherige besoldete Schöffe Assessor a. D. Brohm, wwie die bisherigen Gemeindebauräte Herrnring, Lambert und Müller. Groft-Lichterfelde. Todessturz bei der Arbeit. Durch eine schadhaft gewordene Leitersprosse hat der 30 Jahre alte Dachdecker Dopischai aus der Kursürstenstraße 39 sein Leben verloren. D. hatte aus dem Neubau Ferdinandstraße 24 die Fensterbesestignngen einer Nachprüfung unterzöge». Er benutzte dazu eine Leiter, die er an der Außenseite des Gebäudes angebracht hatte. Plötzlich brach eine der Sprossen mitten durch und D. stürzte rücklings in die Tiefe. Er zog sich einen schweren Schädelbruch und innere Verletzungen zu, an deren Folgen er bald darauf starb. Adlershof. Einen normalen Verlauf nahm am Montag die Fortsetzung der kürzlich aufgelösten öffentlichen Versammlung, zu der sich wiederum eine stattliche Besucherzahl eingefunden hatte. Die erregten Gemüter der überwachenden Beamten hatten sich wieder beruhigt, weshalb Genosse H e i n i g seinen Vortrag über:.Die Rechte der Frau" un- gestört halten konnte. Kalkberge-Nudersdorf. Die wirtschaftliche Lage der arbeitenden Klassen beleuchtete in wirksamer Weise die Genossin Frau Martha Jeetze in einer bei Grewe staltgefundenen Volksversammlung. In klaren Zügen zeichnete die Referentin die immer schroffer hervortretende Aus- beutung der niederen Volksllassen durch eine profitgicrige Unter- nchmerclique, deren Reichliimer ins Unermeßliche steigen. In flammenden Worten mahnte sie die Anwesenden, insbesondere die Frauen, teilzunehmen am Kampfe für eine neue Gesellschaslsordnnng. Dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Referat schloß sich eine kurze Diskussion an, an der sich die Genossen Graste und Richter be- teiligten und die Versammelten anfforderten, die parteilosen ZeiNingen aus ihrem Hause zu entfernen und die Parteipresie zu abonnieren. Nur diese vertrete die Interessen deS arbeitenden Volles. Weistensee. Ein neuer Vcrnichter der Sozialdemokratie ist in der Person des bekannten Professors Dr. Kemsies erstanden. Die Gründung eines nationalen Arbeiterbundes unter dem Protektorat des Kaisers ist sein Ziel. Am Dienstag hatte er eine.große" Versammlung nach dem.Berliner Hof" einberufen, wo denn auch einige Dutzend Personen erschienen waren, darunter vier Referenten, im übrigen nur JnnungSmeister und sonstige Scharsmacher. Herr Dr. Kemsies brachte die bekannten Tiraden des Reichslügen- Verbandes vor. Das Programm des neuen Bundes soll in folgenden vier Punkten zur Verwirklichung kommen: 1. das Bewußtsein der nationalen Zusammengehörigkeit, 2. die politischen Rechte des Arbeiters sollen erstrebt und erhalten werden, 3. die Lohn- und ArbeitSverhält- niffe des Arbeiters müssen gebessert werden, so daß der Arbeiterstand den Weg in den Mittelstand finden könne und nicht zu den Enterbten gehöre, 4. Verbesserung der_ allgemeinen und beruflichen Vorbildung. Hier biete sich, meinte Redner, ein großes Feld für Arbeiter und kleine Beamte, mit uns zu arbeiten an der nationalen Weltanschauung. Dann sprach ein Herr Lange, Parteisekretär des evangelischen AroeiterbundeS. Er sprach den Wunsch aus, keinen Keil in die christlichen Organisationen zu treiben, denn sie haben durch ihre Organisation fünf Abgeordnete in den Reichstag gesandt. Ein ehemaliger.Auchgenosse", Maurer Lindemann, rühmte sich einer langjährigen Tätigkeit in der sozial- demokratischen Partei und fand bei seinen Zuhörern Dank, als er seine sogenannten Erfahrungen auS dem Parteileben bekannt gab, er empfahl die Gründung einer Organisation mit vaterländischer Tendenz. Herr Pastor Krätschel gab den Rat, sich heute noch nicht auf eine bestimmte Form� der Organisation zu einigen, am Sonnabend finde noch eine Versammlung statt, in der ein Sekretär de« Reichsverbnndes sprechen wird und in welcher man sich dann schlüssig ivcrden wolle. Die Arbeiterschaft kann dieser Neugründung zwar mit Ruhe entgegensehen, indes muß sie durch eine doppelte Agitation für die Organisation den Herren begreiflich machen, daß alle Mühen, die Organisation der Arbeiterklajse zu schwächen oder sie durch neue zu ersetze», vergeblich sind. Tegel. In der Gcmeindrvertretrrfitzung wurden anfangs eine ganze Anzahl Mitteilungen gemacht. Die Grube Reeden bedankt sich für die übersandten 385,20 M. Die Aussichtsbehörde hat den Steuer- statutsnachtrag genehmigt, wonach bis 300 M. Einkommen steuerfrei ist. Eine Zuschrift des KreiSlandratS besagt, daß der Polizei- Präsident von Berlin eS abgelehnt hat, den Droschkentarif bis Tegel auszudehnen. Da der Polizeipräsident bezüglich der Kriminal-, Sitten- und politischen Polizei Tegel als zu Groß-Berlin gehörig zählt, so beschließt die Versammlung gemeinsam mit gleich- getroffenen Gemeinden weiter vorzugehen. ES folgten eine An- zahl von Einladungen. Beschlossen wird, auf der Jubiläumsausstellung für WohnungSreform und Hygiene in Leipzig die Zeichnungen und Grundriffe der neuen Bedürsnisanstalten Tegels auszustellen. Der Gemeinderat nimmt die zum Pfarrhausbau angebotenen 25 000 M. vorbehaltlich aller Rechte an. Im Prozeß Tegel— Germantawerft jFriedr. Krupp) wird bescklossen, die Taxe deS Sachverständigen anzuzweifeln. Die Lage des vom Zweckverband projektierten Kranken» Hauses wird für zweckentsprechend erklärt. Dagegen stimmt nur Gemeindevertreter Borfig. Die Auflassung von Straßenland in der Kolonie»Freie Scholle' seitens der Baugenossenschaft wurde ge« nehmigt. Da« Ortsstatut zur Regelung der BedürftnSfrage für Gast« und Schankwirtschasten, sobald Tegel mehr als 15 000 Ein- wobner hat, wurde endgültig genehmigt. Dagegen waren unsere Ge- nossen Lichtenberg und Rodeike. Zum Erlaß einer Polizeiverordnimg betr. den Maulkorbzwang für Hunde wurde auf Antrag Gutstein der Amtsvorsteher gebeten, vom allgemeinen Maullorbzwange zur- zeit noch abzusehen und die Verordnung von 1881, nach der bissige Hunde einen Maulkorb tragen müssen, bestehen zu lassen. Zum Armendeputierten und Waisenrat wurde Lehrer Artops einstimmig gewählt. Die Denkschrift des Verbandes der Baugeschäfte Berlins und der Vororte in Sachen der Lohnbewegung der Maurer, Zimmerei und Bauarbeiter erregte eine lebhaste Debatte. Genosse Lichtenberg wünschte, daß die Gemeinde keine Rücksicht auf Streik und Ans- sperrnng nehmen solle. Gcmeindevertreter Borsig meinte, die Ge» meinde müsse neutral bleiben, keine prinzipielle Stellung nehmen und von Fall zu Fall entscheiden. Genosse Lichtenberg be- gründete kurz die Berechtigung der Forderungen, die nur gewerkschaftlicher, nicht politischer Natur seien. Er be- antragte eine Verlängerung der Lieferzeit abzulehnen. Der Antrag Borsig wurde gegen die Stimmen der Genossen Lichtenberg und Rodeike angenommen. DaS Gesuch des Brandenbnrgischen Provmzial- Vereins zur Bekämpfung der Tuberkulose wegen Beihülfe zur Heil- stätte Burg-Daber wurde abgelehnt, weil der Verein schon einmal 2000 M. erhalte» hat und die Gemeinde 100 M. jährlichen Beitrag zahlt. Die Erweiterung der Fortbildungsschule durch eine wissen- schaftliche und eine Zeichenklasse zum 1. April und weiterer gleicher Klassen und einer Vorklasse für zurückgebliebene Volksschüler zum 1. Oktober wurde gebilligt. Der Aenderung der Mädchenschulräume, die durch starken Andrang zu klein waren, wurfo zugestimmt. Der Vertrag mit der Spandauer Dampfschiffahrtsgesellschaft einschließlich 400 M. Gewinnbeleiligniig wurde auf drei Jahre genehmigt. Die Gesellschaft wird sick, künftig„Tegel-Spandauer Dampfschlffahrts- gesellschaft" nennen. Eine Anfrage des Genossen Lichtenberg, ob die Seenfersperre nun aufgehoben werden würde, wurde kurz abgewiesen. Zur Beschaffung der Anleihe von 100 000 M. wurde dem Gemeindevorsteher Vollmacht erteilt. Der Abfindungssumme von 16 198,55 M. für de» Krnmpohler- und Breiten Weg, die die Stadt Berlin anbot. wurde beigestimmt. Endlich ersuchte die Versammlung das Kuratorium der Realschule, baldigst Borschläge für ein passendes Realschulgelände zu machen. Nordend. Auf dem Friedhofe erschossen hat sich vorgestern früh der 69jährige Musikdirigent G. Zimmer auS der Selowerstraße. Er fuhr vom Schönhauser Tor nach Nordend und begab sich auf den Fried- Hof der HimmelfahrtSgemeinde, wo sich das Grab seiner Frau be- findet. Hier schoß er sich eine Kugel in den Kopf und blieb auf der Stelle tot. Bei dem Lebensmüden fand man 35 Mark in barem Gelde. sechs Lose der preußischen Klassenlotterie und eine an seinen Bruder gerichtete Postkarte, auf welcher er diesem mitteilt, daß er zu Unrecht schwer beschuldigt werde und deshalb aus dem Leben gehen müsse. Seine Angehörigen erklären, daß keinerlei Beschuldigungen gegen Z. vorliegen, der in letzter Zeit an Wahnvorstellungen litt und sich verfolgt glaubte. Die Angst vor den vermeintlichen Verfolgungen hat ihm die Waffe in die Hand gedrückt. Bernau. Neber ihre Tätigkeit als Stadtverordnete berichteten in einer Volksversammlung die Genoffen Helbig und Wünsche. Die Gc- nossen sind in der Annen-, Etat- und RechnungS-, Einschätzungs-, Gesundheits- und Wafferleitungskommission vertreten. Anträge unserer Genossen wurden von den Gegnern stets abgelehnt, so auch eine Resolution, welche gegen das Schulunterhallungs- gesetz eingebracht wurde. Bernau hatte im vergangenen Jahre 10 Typhnsfälle zu verzeichnen, weshalb die Stadt angewiesen wurde. in Balde sich eine Wasserleitung und Kanalisation zu beschaffen. Zu diesem Zweck sind bereits drei Ingenieure gehört worden, welche sich über Einrichtung von Wasserleitung geäußert haben. Zn Aussicht genommene Neubauten für dieses Jahr sind: Der Bau eures Schul- hauseS. eines Krankenhauses zu 40 Betten sowie eines RcstaurationS- gebäudes am Liepnitzsee, woselbst das Terrain Eigentum der Stadt ist. Die Beschlußfassung über Gehaltserhöhung der Beamten wird nach einem übliche» Geschäftsordnungsbrauch in nichtöffentlicher Sitzung vollzogen. Unsere Genossen beabsichtigen in diesem Jahre einen Antrag aus Aenderung der Geschäftsordnung einzubringen, wie auch die bisher stets abgelehnten Anträge zu wiederholen. Der Etat für 1906 war in Einnahme und Ausgabe auf 200 000 M. festgesetzt, der für 1907 auf 264 000 M. Die Redner forderten die Versammlung auf, bei der im November dieses Jahres stattfindenden Stadtverordnetcnwahl ihre Schuldigkeit zu tun und weitere zwei Genoffen in die Stadt- Vertretung zu wählen. Die Versammlung erklärte sich mit den Ausführungen einverstanden, nnr wurde moniert, daß die Genossen Helbig und Wünsche für die Aufhebung der freien Arztwahl im hiesigen Kranlenhause gestimmt hatten. Bisher existierte der Brauch. daß alle vier anlässigen Aerzte da? Recht hatten, ihre Kassenpatienten, sofern deren Ausnahme im Kranken- Hause nötig war, dort weiter behandeln zu dürfen. Dieses führte zu Unliebsamkeiten und beantragte der Magistrat bei der Stadt- verordnetenversammlung die Aufhebung des Rechts der freien Arztwahl im hiefigen Krankenhause, wofür unsere Genossen Helbig und Wünsche stimmten._ Öcrichts- Zeitung* „Christus unter den Menschen". Vor der dritten Strafkammer hatte sich gestern der Schrift- steller Robert Wendtlandt wegen Urkundenfälschung. Betruges usw. zu verantworten. Der Angeklagte hat sich viel mit theologischen Studien bekaßt. Durch Ucberarbe,tung will er sehr nervös ge- worden sein und wiederholt Sanatorien, u. a. in Liebcnstein, aufgesucht haben. Kurze Zeit wurde er für das Bibliographische Institut in Leipzig engagiert. In Leipzig hat er sich als„Dr. Phil." ausgegeben und erzählt, daß er.Lektor Sr. Maj. des Kaisers" sei und besondere Beziehungen zum preußischen Kultusministerium habe. Mit dem Minister Dr. v. Studt sei er persönlich be- freundet und auf dessen besondere Empfehlung habe er vom Kaiser eine Beihülfe von 5000 Mk. erhalten, um die Herausgabe eines von ihm geplanten Werkes„Christus unter den Menschen" zu besorgen. Durch diese Erzählungen hat er ver- sucht, auf eine Anzahl von hervorragenden Theologen Leipzigs einzuwirken, um sie zur Mitarbeit an dem Werke zu bewegen. Er benutzte auch mitunter Visitenkarten des Kultusministers Dr. Studt, die er sich ohne dessen Wissen hatte drucken lassen. Er zeigte den Professoren auch mehrere Schriftstücke, die genau so aus- sahen, als ob sie aus dem preußischen Kultusministerium stammten und vom Kultusminister unterschrieben seien. Tatsächlich sind sie aber in Berlin nach seinem Diktat hergestellt. Darin wird dem Angeklagten die Anerkennung über sein Buch„Deutsche Synophen" und sein Drama„Der dritte Salier" ausgesprochen und ihm volle Unterstützung des Kultusministeriums für sein Werk„Christus unter den Menschen" zugesagt.— Der Angeklagte erklärte auf die Porhaltungen des Vorsitzenden, wenn die Anklage ihre Angaben positiv behaupte, so gebe er sie auch zu. Er sei in hohem Grade nervös und habe in keiner Weise mit seinem Vorgehen irgendwelche persönliche VermögenSvorteile erstrebt. Mit den Vor- arbeiten für das Werk„Christus unter den Menschen" sei er fünf Jahre lang beschäftigt, er habe das ganze Skelett schon so weit fertig gehabt, daß nur noch daS Fleisch herumgctan zu werden brauchte. Um nun das Werk recht würdig ausarbeiten zu lassen, habe er sich mit den hervorragenden Theologen Leipzigs in Ver- bindung nesctzt.— Bei dem eigenartigen Sachverhalt hatte der Gerichtshof ex okücio zum gestrigen Termin den Mcdizinalrat Dr. Hoffmann als medizinischen Sachverständigen geladen, da die Professoren bei ihrer Vernehmung sich u- a. auch dahin ge- äußert hatten, daß der Angeklagte einen verwirrten Eindruck gc- macht habe. Medizinalrat Dr. Hoffmann erklärte, ohne genauere Untersuchung sich auf Grund deS vorliegenden Materials, das ja einige Bedenken hervorrufen müsse, über den Geisteszustand dc3 Angeklagten nicht äußern zu können. Der Verteidiger verwies darauf, daß der Angeklagte, der u. a. auch einen von Grote ver- legten Roman verfaßt habe, in den letzten 5 Jahren 3 Gehirn» crschütterungen durch Fallen auf den Hinterkopf erlitten habe. Das Gericht beschloß, Auskunft der Lernte, die den Angeklagten behandelt haben, ebenso aus Bad Liebenstein, einzuholen und dag gesamte Material dem Medizinalrat Dr. Hoffmann zur weiteren Vorbereitung eines Gutachtens zuzustellen. Ein Krawallprozeß. Seit Dienstag verhandelte die zweite Strafkammer des Land, Gerichts I gegen 14 Angeklagte, die sich bei einem Groß- teuer im �uli an blutigen Krawallen am Strautzberger Platz und L>en angrenzenden Straszen in aktiver Weise beteiligt haben sollen. Die im wesentlichen auf Aussogen von etwa 40 Polizeibeamten fußende Beweisaufnahme ergab folgenden Sachverhalt: Am Sonnabend, den 15. Juli v. I.. kurz vor 12 Uhr nachts, kam in dem Hause Krautstr. 52 ein Brand zum Ausbruch. Das unter dem Namen..Gewerbehaus" bekannte Grundstück umfaßt fünf Höfe und beherbergt etwa zwanzig Fabrikbetriebe, unter denen sich vor- wiegend Möbelfabriken und Tischlereien befinden. Der Brandherd lag in der Phonographenfabrik von Lissauer, in welcher ca. 50 OVO Walzen lichterloh brannten. Anfänglich war nur Mittelfeuer gc- meldet worden, weshalb auch nur sechs Schutzleute zur Aufrecht- erhaltung der Ordnung abkommandiert wurden. Als schließlich der Dachstuhl in Flammen aufging und weit herum einen hellen Feuerschein verbreitete, umlagerte eine tausendköpfige Menschen- menge die Brandstätte. Während die Feuerwehr gegen das ent- feßelte Element kämpfte, hatte sich eine Rotte Rowdys zusammen- gefunden, die es sich zur Aufgabe machte» die wackeren Feuerwehr- manner und die Schutzleute wo es ging zu hindern. Die brennen- den Fackeln der Feuerwehr wurden umhergeworfen und ausgetreten, die Pferde der Schutzleute mit Nadeln und Spazierstöcken unruhig gemacht. Als der Leiter der Feuerwehr von diesen Vorgängen dem Reviervorstand Mitteilung machte, gab dieser, der Polizei- Hauptmann K u b o n, den Befehl, den Straußbcrger Platz und die Krautstraße zu räumen. Hierauf soll das Pflaster aufgerissen und Pflastersteine gegen den Hauptmann geworfen sein. Dieser wehrte sich mit dem Säbel. Ter Angeklagte Schlächtergeselle Schumann soll hierbei versucht haben, dem Hauptmann Sand in die Augen zu werfen. Als S. auf den Beamten eindrang, versetzte ihm dieser einen Hieb auf den' Arm. Der verletzte S. wurde in einem Wagen zur Unfallstation geschafft. Unterwegs wurde der Schutzmann, der den Transport begleitete, tätlich angegriffen und machte von seinem Säbel Gebrauch. Es wurden nunmehr eine große Anzahl Verhaftungen vorgenommen, wobei die Polizei noch wiederholt blank zog. Unter den Verhafteten befanden sich die jetzigen vier- zehn Angeklagten, gegen welche ein Strafverfahren anhängig ge- macht wurde, während die übrigen mit Strafmandaten davon- kamen.— Vor Gericht bestritten die Angeklagten sich irgendwie strafbar gemacht zu haben und behaupteten fast sämtlich, sie wären ohne ihre Schuld in die Volksmenge hineingeraten und dann später mit vorwärtsgeschoben worden. An den Ausschreitungen gegen die Polizei habe sich niemand beteiligt. Nach zweitägiger Verhandlung erkannte das Gericht wie folgt: gegen Reichert, Scholköpf, Vincenz auf je 10 Monate Gefängnis, gegen Hoffmann auf ö Monate Gefängnis, gegen Kaiser, Schubert, Schumann, Mende und Witt auf je 1 Woche Haft. Freigesprochen wurden Becker, Müller, Regel und Dänisch. Brutale Roheit. Infolge eines brutalen Roheitsaktes hatte der Bankbeamte Georg Jäger aus Charlottenburg sich gestern gegen die Anklage wegen Körperverletzung mittels ge° fährlichen Werkzeuges vor der 6. Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten.— Am 19. Juli v. I. hatte der Angeklagte, der damals bei einer großen Berliner Bank angestellt war, mit einem Bekannten eine kleine Zechfahrt durch verschiedene Lokale gemacht. In bunter Reihenfolge oerleibtegr die beiden Zechkumpane ihrem Innern Bier, Portwein, Rheinwein, Sekt, Whisky und verschiedene „Bols" Liköre ein, so daß sie sich bald in einem ftarkalkoholisierten Zustande befanden. Jäger kam schließlichan ein Lokal in den Zelten. Hier belästigte er ein Fraulein F., die mit ihrem Bräutigam am Tische saß, derartig, daß man den Oberkellner Hart- mann zum Schutze herbeirief. Als dieser den Angeklagten in Höf- lichem Tone bat, an einem anderen Tische Platz zu nehmen, sprang Jäger plötzlich auf, ergriff sein Bierglas und ließ es mit voller Wucht auf den Kopf des Oberkellners niedersausen. Aus einer klaffenden Kopf- wunde blutend, stürzte H. zu Boden und blieb längere Zeit bewußtlos liegen. Nur durch andere Gäste konnte es verhindert werden, daß der Angeklagte den am Boden Liegenden noch weiter mißhandelte. Das Schöffengericht hatte auf Grund eines Gutachtens des Hausarztes des Angeklagten angenoimnen, daß I. sich bei Begehung der Tat in einem Zustande von Bewutztlofigkeit befunden habe, durch welche seine freie Willensbestimmung ausgeschlossen war. Jäger wurde daher gemäß§ 51 des Strafgefetzbuches freigesprochen. Hiergegen legte der Verletzte Berufung ein und schloß sich zugleich dem Verfahren als Nebenkläger an. In der Berufungs- in stanz ergab es sich, daß von einer sinnlosen Trunkenheit keine Rede sein könne, Staatsanwalt Katz hielt mit Rücksicht auf die Roheit der Tat eine ganz e mp find l iche G e fä n g n i s° strafe für geboten, wenn man nicht annehmen müsse, daß der Alkohol hierbei eine gewisse Rolle spiele. Nur mit Rücksicht hierauf sei eine Geldstrafe am Platze. Dem Antrage des S t a a t s- a n w a l t s gemäß erkannte die Berufungsstrafkammer auf die milde Strafe von 300 M a r k G e l d st r a f e eventuell 30 Tage Ge- fängniS._ Versammlungen. ArbeitersSngerbund Berlins und Umgegend. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte in der letzten Aus- schußsitzung der Vorfitzende-des verstorbenen Genossen I g n a z Auer und erhoben sich die Anwesenden zn Ehren des Verstorbenen von ihren Plätzen.— Von�den sich zur Aufnahme meldenden Ver- einen wurde der Verein„Sangesfreunde 1905" in den Sängerbund ausgenommen.— Zur Gencraloersainmlung der Liedergemeinschaft wurden folgende Anträge gestellt: 1. Seitens der Licdergemeinschaft volkstümliche Lieder herauszugeben, bei denen das Verlegerrecht abgelaufen ist. 2. Die ErganzungAwahlen zum Ausschuß der Lieder- gemeinichaft werden von dem Bund vorgenommen, wo der Ausschuß fcinen Sitz hat.— Als Vertreter zur Generalversammlung werden seitens des Bundes der Sarigesbrüder Ba r o w S k i. S ch d n t h a l. Seikrit entsandt.— Betreffend Mitwirkung der Vereine zur Maifeier wurden die Vereine nochmals angewiesen, sich vollzählig dort einzufinden, wohin sie überwiesen wurden; ebenso haben die Mitglieder bei den Proben am 28. April in den zur Maifeier be° stimmten Lokalen sämtlich zu erschienen. Auch wenden die Sanges- brüder ersucht, die VormittagSversammlungen der Gewerkschaften, wenn irgend die Möglichkeit vorhanden ist, durch den Gesang zweck- entsprechender Lieder stimmungsvoll zu gestalten.— Ein unliebsamer Zwist des WahlvereinsvorstandeS in Rixdorf mit dem Ge» sangvcrein„Rixdorfer Männerckor" gab zu einer leohaften Debatte Veranlassung. ES wurde die Nrchwerücksichtigung dieses VeremS zur Maifeier allseitig bedauert, die Iveitcre Regelung dieser An- gelegenheit dem Vorstand übertragen.— Der Vertreter der Brandenburger Vereine nahm Veranlassung, aus das am 9. Juni er. in Brandenburg a. H. stattfindende Provinzial-Sängerfest hinzuweisen und ersuchte um rege Beteiligung-der einzelnen Vereine. Mcbdungen mit der Angabe, ob die Vereine Sonnabens abends oder Sonntags morgens zu fahren gedenken, sind schleunigst dem Sanges- b rüder Lartel, Berlin N., Brunnanstr. 95, schriftlich zu übermitteln. — Wegen vorgerückter Zeit wurden die übriaen Beratungsgegcn- stände vertagt._ Die Filiale Berlin des Zentralverbandcs der Töpfer hielt am 19. April im großen Saal des Gewerkschaftshauses ihre General- Versammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken deS Genossen Jgnaz Auer.— Der Bericht d e S Vorstandes erstreckt sich diesmal nur auf 10 Wochen. Wie der Vorsitzende Segave ausführte, hat sich, namentlich im Laufe der letzten Wochen, die nun eingetretene Krise bemerkbar gemacht, was auch auf das Verhalten der Unternehmer nicht ohne Einfluß geblieben ist. Man versucht Abzüge zu machen, selbst wenn der Lohn noch so deutlich im Tarif angegeben ist. Ob» wohl wenig Arbeit vorhanden war, hatte der Vorstand im Laufe d?r 10 Wochen nicht weniger als 48 Streitfälle auf Bauten zu regeln, wobei eS sich meist um Lohnstreitigkeiten und andere Ver stoße gegen den Tarif handelte, und in 8 Fällen um Maßregelung. Es zeigt sich in letzter Zeit mehr und mehr, daß Gehülfen ohne jede Veranlassung entlassen und statt ihrer andere eingestellt werden Unter solchen Umständen sollten es die Kollegen selbstverständlich ablehnen, bei einem solchen Arbeitgeber in Arbeit zu treten. Die Sperre wurde verhängt über die Bauten des Kaufmanns Wik- Helm Meinke und des Töpfermeisters Runge, der die Arbeit ausführt. Wie sich die Krise im Berufe allmählich geltend machte, zeigt sich in der Arbeitsnachweisstatistik. Im Monat Januar wurden 295 Arbeitslose vom Dezember übernommen, neu einschreiben ließen sich 857, Arbeit erhielten 619 und 43 reisten ab, so daß am Monats- schlutz 490 eingetragene Arbeitslose vorhanden waren. Zu diesen 490 ließen sich im Februar neu einschreiben 684 Arbeitslose, Arbeit erhielten 188, 3 Arbeitslose reisten ab und somit waren am Monats- schluß 983 Arbeitslose übrig, wogegen am selben Datum des Jahres 1906 nur 800 Arbeitslose vorhanden waren. Im März ließen sich 359 Arbeitslose neu einschreiben, in Arbeit traten 678, 8 Arbeits lose reisten ab, so daß am 31. März noch 656 Arbeitslose eingeschrieben waren. Am selben Datum des vorigen Jahres betrug ihre Zahl nur 25 4. Der Redner erwähnt schließlich noch, daß der Tarifvertrag in diesem Herbst abläuft. Die Gchülfenschaft wird demnächst in Be- zirkssitzungen und dann in Mitgliederversammlungen über die Tariffrage beraten. Mit Rücksicht aus die Krise ist es mehr als je notwendig, daß alle auf der Hut sind, um eine Verschlechterung abzuwehren. Die Abrechnung vom 1. Quartal 1907 ergab für die Zentral- lasse in Einnahme und Ausgabe 14 109,81 M. Unter den Ausgaben figurieren 7141,80 M. für Krankenunterstützung an 274 Mitglieder. Die Abrechnung der Lokalkasse schließt mit 10 509,50 M. Ein nahmen und 8266,33 M. Ausgaben. Das Vermögen der Filiale war am Quartalsschluß auf 41 310,07 M. angewachsen.— Die Generalversammlung erteilte dem Kassierer einstimmig Decharge. — Die Mitglieder Albert und Otto Meinke legten Wert darauf, zu erklären, daß sie nicht mit dem von der Aausperre betroffenen Kaufmann Meinke identisch sind. Der nächste Punkt der Tagesordnung war die Maifeier. Ohne Debatte wurde einstimmig beschlossen, daß der 1. Mai wie bis. her durch Arbeitsruhe gefeiert werden soll. Die Berliner Mit glieder nehmen an der im GewerkschafishauS stattfindenden Ver sammlung teil, bringen ihre Mitgliedsbücher mit, um sich die Mai marke einkleben zu lassen. Die Mitglieder in den Vororten, wo vom Kartell vormittags Versammlungen veranstaltet werden, nehmen daran teil und verschaffen sich hier einen Ausweis über ihre Beteiligung an der Feier. Die Angelegenheit des Mitgliedes Huhn soll in der in der ersten Maiwoche stattfindenden Mitgliederversammlung erledigt werden. Die Sektion der Putzer vom Zentralverband der Maurer hielt am Sonntag eine Mitgliederversammlung im„Luisen- städtischen Konzerthause" ab. Nach dem Kassenbericht vom ersten Quartal 1907 bilanzierten Einnahmen und Ausgaben der Haupt. kasse mit 4576,75 M. In der Lokalkasse waren die Einnahmen mit 99 632,17 M., die Ausgaben mit 6194,11 M. verzeichnet, somit bleibt ein Bestand von 93 438,06 M. Die Mitgliederzahl betrug am Schlüsse des Quartals 2577. Auf Antrag der Revisoren wurde der Kassierer entlastet.— Die Delegierten vom 9. Vcrbandstage, Neumann, Lehnig und Vogel erstatteten einen längeren Bericht, der im großen und ganzen den„Vorwärts"-Lesern bereits bekannt war. Für nähere Einzelheiten steht den Mitgliedern das Protokoll der Verhandlungen, das zum Preise von 10 Pf. abgegeben wird, zur Verfügung. Eine Diskussion über den Bericht vom Ver bandstage wurde nicht beliebt. Die Frage der Beitrags- erhöhung(auf 85 Pf. für die Putzer) soll in einer anderen Ver sammlung speziell auf die Tagesordnung gesetzt werden. Der erste Mai wird wie bisher von den Putzern gefeiert werden, das Nähere darüber wird noch bekannt gemacht. Der Zentralverband der Maschinisten und Heizer(Orts- Verwaltung Berlin) hielt am Montag seine statutenmäßige Generalversammlung ab. Die Abrechnung für das erste Vierteljahr ergibt folgende Hauptzahlen: Gesamteinnahme 9799,25 Mk., Gesamtausgabe 9020,39 Mk., also Mehreinnahme 778,86 Mk. Es kommt hinzu ein Saldovortrag vom 31. De- zember 1906 in Höhe von 7686,87 Mk., so daß der Kassenbestand am 31. März 8465,73 Mk. betrug. Dem Kassierer Holz wurde nach einer Debatte einstimmig Decharge erteilt. Das Stiftungs- fest ergab nur einen kleinen Ueberschutz. Das Vergnügungs- komitee teilte mit, daß am Himmelfahrtstage eine Herrenpartie nach Straußberg stattfindet.— Zum Puükt:„Berich terftat- tung von der Gewerkschaftskommission" vermochte der Delegierte Wagner nur mitzuteilen, daß keine Sitzungen im ersten Vierteljahr stattgefunden hätten. Eine Einladung sei nicht gekommen.— Das führte zu einer Diskussion, in der betont wurde, daß es sich kaum aus der Tatsache der ReichStagswahlen erklären lasse, wenn keine Sitzung stattgefunden habe. Aus Anlaß ver- schiedener Aussperrungen und Streiks(Schneider, Holzarbeiter usw.) hätten nach Meinung verschiedener Redner die Delegierten zu- sammenberufen werden müssen. Es schiene in der Gewerkschafts- kommission nur der Ausschuß au herrschen. Von einem Redner wurde angeregt, daß der Delegierte bei der Kommission den An- trag stellen möge, die Kommission hätte zwar nach Bedarf im all- gemeinen die Sitzungen abzuhalten, aber mindestens a l l- monatlich eine._ BrUfkarten der Redaktion. Tie juristische Eprechfinnde sinde« Fried richstr. 19, Ausgana 4, «Ine Treppe(.Hinidclsftättc Bellcnlliance, Durchgang auch Lindcnstr. 101), wochentaglich von?>/, b>» O'U Uhr abend» statt,(«eöisnct 7 Ithr. Soiniabciids beginnt die eprcchstuiid« nm« Uhr. Jeder Slnsragc ik» ein Buchstabe>,»d eine Kahl nl» Merkzeichen beizusiigcu. Brieslichr ilntwvrt >»ird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. P. N. 125. Invalidenrente wird für den Fall der Invalidität, Alters« reute nach zurückgelegtem 70. Lebensjahr gezahlt. Voraussetzung sür die Invalidenrente ist, datz mindestens 200 Marten geklebt sind. Wie viel Marken im Fall der Altersrente geklebt werden müssen, hängt von dem Alter de» Bclresfcnden ab.— Zukunft. Die ausgeklagte Forderung ver- jährt erst in 30 Jahren. Diese Verjährungssrift laust von jeder Pfändung ab von neuem.— E. G. 255. 1. Den Kindern mutz der Pflichttell gc- lassen werden. 2. Väterliches Erbteil hat Ihre Fran noch zu erwarten.— T. in H. Sie müssen zahlen.— O. Sich. 22. Sie erhalten als Aus- länder keineswegs etwas von den geklebten Marken zurück, wenn Sie nach dem Ausland zurückkehren.— 91. P. Ober-Schäiieweidc. Nein, sie müßten sich mit dem Wirt einigen.— M. W. 1000. Nein. — Naumann. Ist wegen Fehlens dauernder Erwerbsunsähigkeil der An- trag aus Invalidenrente endgültig abgelehnt, so kann er vor Abiaus eines Jahres seit Zustellung der Eulscheidimg nur zugelassen werden, wenn glaub- hast bescheinigt wird, daß Umstände eingetreten sind, aus denen sich da? Vorhandensein der dauernden Erwerbsunfähigkeit ergibt. Sic tu» gut, solche Sachen ntcht selbst zu ocilolgen, sondern sich an das Arbeitersekretariat zu wenden. Ausführlichere Antworten im Bricskasten sind unmöglich.— 9l. S. 03. Wenn Sie fest angenommen sind, so können Sic Ihr Gehalt bis zum 1. Juli einklagen.— C. 08. Eine Erhöhung der Renten ist nicht eiiigetielen. Ist Ihr Zustand ein schlechterer geworden, so können Sie bei der Dircklion Erhöhung der Rente beantragen.— L)t. G. 1002. Die Naturalisation eines Richtdeulschen kostet 50 M. Ein Recht aus Nawrnliiatlon hat ein Nichtdcutscher nicht.— M. P. 100. Ja. — O. F. 10. Nach dem JnvaUdeiwersicherurigSgesetz kann in bestimmten Fällen Befreiung von der Klebepflicht beantragt werden. Schildern Sie den Sie betreffenden Fall, allgemeine Darlegungen sind schon mit Rücksicht aus den Raum unmöglich. � Z> 200. 7,50 M. monatlich als Hinterbiiebc»«»- rente des im Betriebe venmglllcklen Landarbeiter» ist leider richtig be- rechnet. Die Witwe könnte sich höchstens an die Gemeinde um Armen- Unterstützung wenden.— 91. K. Schiineberg. SonntagSarbeitSverdienst ist ebenso steuerbar, wie anderer.— SM. B. 70. Wahrscheinlich wird die Klag« abgewiesen.— F.<£. 42. Sie müssen sich an das Polizeipräsidium wenden. Der spätere Kursus kostet 300 M. Sind Sie-jetzt älter als 27 Jahr«, so hatte die Meldung zum Hebammenkursus keinen Zweck, weil Sie mindestens drei Jahre warten müßten und nach erreichte»! 30. Lebensjahre nicht mehr angestellt werden könnten.— I. T. 10. Wenn Sie nach Deutschland kamen, könnten Sie zur Ferienkolonie eingezogen werden. — G. H. 100 Hermsdorf. Sie müssen sich beschwerdeführend an die Leitung der dortigen Parteiorganisation wenden.— O. Ja. — K. 7. Erdbeben registriert der Seismograph(Erdbebenzeiger) nicht mittels Leitungen, sondern durch Pendel, die durch Erschütterungen deS Erdbodens in Bewegung geraten.— F. St. 070. Berufung gegen Urteile des Gewerbegerichts find nur zulässig, wenn das Objekt 100 M. überstetgt. Die Berufung ist durch einen Rechtsanwalt innerhalb eines Monats bei dem Landgericht einzulegen.— I.<£. 100. 1. Nein. 2. Sie können unter Darlegung des Sachverhalts, insbesondere der Notlage, Bestrasnug bei der Staatsanwallschast beantragen. 3. Ervicht.— A. R. 10. 1. Ja. 2. Un» unbekannt.— O. R. 24. 1. Der Anspruch ist innerhalb 10 Jahren geltend zu machen. 2. Die Schulden sind abzuziehen. 3. Kosten sür Begräbnis usw. sind abzuziehen. 4. Was unter zur Führung des ehelichen Haushalt» nötigeu Gegenständen gehört, ist von Fall zu Fall zu entscheiden. Schmuck- gegenstände und dergleichen gehören nicht dazu. 5. Zum Nach- laß gehören alle Aktiva und Passiva. 6. Der Verzicht ist iingültig. Die V-, fallen also den Erben der Mutter zu. — H. L., Neil-Lichteuberg. 1. Leider ist die Firma zur Zahlmig ntcht verpflichtet. 2. Nein.— I. O. 100. Sie müßten bei Gericht einen Zahlungsbesebl beantragen oder eine Klage dort einreichen.— K. 57. Der außereheliche Erzeuger eines Kindes ist auch dann verpflichtet, Sechswochen» kosten usw. sür die Mutier des KindcS und Alimente für das Kind zu zahlen, wenn die Mutter es ablehnt, ihn zu heiraten.— R. I. 50. 1. Ja, 2. Als Stencrjahr koinmt, wie auSsührlich zuletzt in dem Artikel„Steuer- fragen"(„Vorwärts" vom 28. März) dargelegt ist, das Kalenderjahr 1906 in Betracht Ebendort ist ausführlich ausgeführt, was bei der Besteuerung in Abzug gebracht weiden kann. 3. New.— H. D-, Thaerstraste. Eine» bestimmten Satz kennt daS Gesetz nicht. 24 Mark würden als angemessener Satz monatlich zu erachten sein.— 100 C. B. Ein notariell beglaubigte» Anerkenntnis ist anzuraten.— 100 W. Darüber bestehen allgemeine Vorschriften nicht. Bei der Bauabnahme bat die Baupolizei aus einen angemessenen Zugang zu achten.— M. W. 007. Sie haben unrecht. — H. S. 13. Der Betreffende müßte aus Grund de» Nachlaßverzeichnisses und feiner Berechnung, wieviel er danach zu bekommen hat, das Erbteil verlangen, was nach seiner Ansicht ihm zusteht. Wird das abgelehnt, so müßte der Betreffende sür die neue Klage sich wiederum das Annenrecht beivilligen lassen.— E. M. 84». Beantragen Sie bei dem Standes- bcamicn, eventuell bei dem Amtsgericht Berichtigung der Schreibweise Ihre» Namens.— Villettsteiier. Wenn die Kosten gemeinsam getragen und aus sogenannte Billetts übertragen werden, ist eine Steuer nicht zu zahlen. — F. R. 100. In Angelegenheiten, die die Auswanderung betreffen, erhalten Sie zuverlässige ÄuSkunst durch das amtliche Auskunsisburcau, Schellingstr. 4.— 91. H. 40. 1. Ja. 2. Etwa 75—100 Mark. 3. Sachen, die ausbewahrt werden, dürfen nicht verlaust werden. Man kann nur aus Abnahme der Sachen klagen.— K. 00, Waschanstalt. Ja.— E. N« Lassen Sie es aus eine Klage ankommen. Der»Ausgang der Klage hängt von dem Inhalt des Scheines ab, den Sie etwa unierschrieben haben. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtilchen Marklhallen-Direttion.(Großhandel.) Rindfleisch 1» K6-70 Dr. 100 Pjd., na 60-65, nia 56-59, Bullenfleisch la 64-68, IIa 54-62, Kühe, seit 52—58, da. mager 42—50, Fresser 50—62, Bullen, dän. 55—66, do. Holl. 00—00. Kalbfleisch, Doppcuender 105—130, Mastkälber la 90—94, IIa 78—86, nia 00— 00, Kälber ger. gen. 56—70, do. Holl. 55—62, dän, 57—64. Hammelfleisch Mastlämmer 65—70, la 63—65, IIa 58—63, Schafe 53—56. «chweiiieflcisch 48—54. Rehwild, plomb. per Psd. 0,83. Rothirsch 0,00. Rothirsch. Abschuß 0,57, Damhirsch 0,00. Wildschweine 0,00. Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stück 0,70—1,00. Hühner, alle, per Stück 1.60—2,40, do. Ha 1,55, do. junge 1,65. Wolgahühner 0,75—1,80. Tauben 0,40— 0,65, italienische 0,00. Enten per Stück 2,00—2,60, dito Eis- per Stück 2,75—2,90, dito Hamburger per Stück 2,50 bis 5,00. Gänlc, Hamburger per Pfund 1,10—1,30, dito Eis- 0,55. Hechte per 100 Psund 86—108, klein 0,00, groß, mittel 77. Zander mittel 0,00, do. klein u. matt 106-114. Schleie boll. IIa 102, Nein 0,00, do. 114 bi» 128, Aale, groß 117—125, klein 0,00, mittel 121, unsortiert O.OO. Plötzen, klein 0,00, do. groß 0,00, do. matt 43. Karpfen unsortiert 0,00, do. 80— 100er 0,00, do. 40-50er 00-00. Bleie 00-00. Aland 45-50. Bunte Fische 79. Barse 0,00, do. matt 76. Karauschen 0,00. Blei» fische 0,00. Wels 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer per 100 Pfd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. lila neuer 75. Seelachs 20—25. Sprotten, Kieler, Wall 1,00—1,50, Danziger, Kiste 0,50—0,70. Flimdcni, Kieler, Stiege la 3—4, do. mittel ver Kiste 2—3. Hamb. Stiege 4—5, halbe Kiste 2,00. Bücklinge, per Wall Kieler 2,50—3,00, Strals. 2,50—3,00. Aale, groß per Psd. 1,10—1,50, mittelgroß 0.80—1,10, klein 0.60-0,80. Heringe p.Schock 5-9. Schellfische Kiste 3.00-5,00, do. Kiste 2—3. Kabliau, geräuch. p. 100 Pfd. 20. Dorsch 2,50—3,50. Sardellen. 1902er per Anker 95. 1904er 93, 1905er 80—85, 1906cr 75. Schottische Vollberinge 1905 0,00, larg;« 40—44, füll. 38— 40, weck. 36—42, deutsche 37—44. Heringe, neue Matjes, per a/i To. 60—120. Sardinen, rusf. Faß 1.50—1,60. Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1,50—1,75. Neunaugen, Schocksaß 11, kleine 5—6, Riesen- 14. Eier, Land-, per Schock 2,75—3,00. Butter per 100 Psd. la 106—110, IIa 103—106, IUa 100-102, abfallende 90-05. Saure Gurken Schock 4,50, Bsessergurke» 4,50 Kartoffeln per 100 Pfund magnurn bonum 2,75—3,00, Dabersche 2,75—3,00, Rosen 0,00, weiße 2,40—2,60, Salatkartoffcln 0,00. Spinat per 100 Psund 15—25. Karotten per 100 Pfund 20—25. Sellerie, hiesige, per Schock 4,00—10,00, do. pommcrsche 12,00—15,00. Zlvicbein große, per 100 Pfund 3,00, do. Keine 3,50—4,00. do. hiesige(Perl-) 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün, Schockbund 1,00—1,50. Kohlrabi per Schock 0,00. Rettig, bahr, per Schock 2,40— 4,80. Mohrrüben ver 100 Psund 3,50—4,00. Teltower Rüben per tOO Psd. 0,00. Weiße Rüben, große 0,00, kleine 0,00. Rote Rüben 0,00—0,00. Blume, ikohl ital. per Korb 3,00—6,00. Kohlrüben per Schock 2,00—2,50. Wirsingkohl Holland., per Schock 15—26. Rottohl holländ., per Schock 20—26. Weißkohl per 100 Psd. 0,00—0,00. Rosenkohl per 100 Pfd. 0,00. sprutkohl per 100 Psund 8—10. Rhabarber 100 Bund 4,00—6,00. Birnen, per 100 Psd. hiesige 15—13, böhm. 0,00, ital. 0,00. tzlepsel, per 100 Psd., hiesige 8-20, Tiroler, Kiste 0,00. Calville, Kiste 60-100, Amerikanische in Fäss. 15,00-30,00, Ital., Kiste la 10,00-15,00, exira 18,00 bis 26,00. Zitronen, Messina. 300 Stück 7,50—10,00,>.360 Stück 8,00-10.00. 200 Stück 8,00-12,00. Apseisinen, Jaffa, per Kiste 0,00, Mnreia 200er Kiste 6—9, do. 300er 7—10, Valencia 420er Kiste 12—24,00, do. 714 er 15—20,00, Messina, 100er 4,00—6, 150er 4,75—6, 16t er 8— 13,00, 200«; 7,60-12, 300«: 8-13, Blut- 100er 5—7,50, do. 150 er 6-8,00, 80« 6,00-8,00._ Witte», ingstivrrftcht vom SS. 9lpril lvt»7. morgen» 8 III)». Slattmen LS - S 5 3 S)- ii B e "-C fö Bellet Swtnemde. Hamburg Berlin franff.aM .hünchen Wien 755 NW 763 WNW 759 WNW 767 W 767 W 76t NW 6 bedeckt 7 heiter 5 wolkig Lb-deckt 6bedeckt 5 bedeckt B-- f 11 ß» � tC Statt«!«» aparanda; 749 SO ietcrSburg 75t SO Sctlly Aberdeen Bari» 77 l WNW 768 W 7 70 Still BeU»t 2 bedeckt 1 bedeckt 1 Nebel 2 heiter wolkenl « s> 2 6 11 7 11 Wetter. Prognose für Freitag, den 30. April 1»07. Vielfach heiter, bei starken, später abnehmenden nordwestlichen Winden, etwas kälterer Nacht und.langsam steigender Tagestemperatur, keine erheblichen Niederschläge. � Berliner Wettert» u reo ir INSERATE sür die nächste Rummer müffen spätestens bis 5 Uhr nachmiitags de» vorherigen Tage» in unserer ...... Expedition abgegeben werden...... Größere Anzeigen sür die Sonntags- Nummer erbitten dagegen schon vi» Freitag nachmittag 5 Uhr, da nur In diesem Falle die Ausnahme garantiert X X X X X X werden kann. X X X X X X Achtung! Achtung! Arbeiter, Parteigenoffen Berlins n. Umg. Die Bestrebungen unserer Organisation, auch in den Detailgeschäften der Herrenkonfektion Betriebswerkstätten und feste tarifmäßige Löhne zu erringen, haben bei den Firmeninhabern, welche um Bewilligung dieser Forderungen angegangen wurden, unter Ausflüchten, die wir als stichhaltig nicht anerkennen können, Widerstand gefunden. Wir sehen uns deshalb genötigt, gegen diese Geschäfte das Mittel des Boykotts in Anwendung zu bringen. Die Delegierten zur Berliner Gewerkschaftskommission haben einem dementsprechenden Antrage ihre Zustimmung erteilt und die Parteigenossen von Groß- Berlin sind diesem Beschluß beigetreten. Wir appellieren deshalb mit Gegenwärtigem an die Parteigenossen und Gewerkschaftsmitglieder Berlins und Umgegend, bei ihren Einkäufen und Bestellungen von Herren- und Knabengarderobe in Zukunft nachstehende Geschäfte meiden zu wollen: Osten: Bohne, Landsbergerstr. 79. Luciau, Landsbergerstr. 56. Süden: Esders u. Dyckhoff, Oranienstr. 48. Karl Stier, Dranienstr. 166. Konfektionshaus Böhm, Staligerstr. 39. Schulmeister, Dresdenerstr. 4. Zentrum: Norden: Schendel, Rosenthalerstr. 8. Westen: Kaplan, Friedrichstr. 1. S. Adam, Leipzigerstr. 27/28. Karl Stier, Potsdamerstr. 113a. Landsberger, Friedrichstr. 108. Thiéry n. Sigrand, Friedrichstr. 179. Bandsburger, Friedrichstr. 7. Weltmann Nachf. Stephan Esders, Kaiser Vandsburger, Turmſtr. 30. Wilhelmstr. 41. Esders u. Dyckhoff, am Dönhoffplatz. Die Firma Leineweber, Köllnischer Fischmarkt und Dranienstraße, lehnt es ab, die von ihr ausgesperrten Kollegen wieder einzustellen. Die Werkstätte ist mit Streitbredhjern besetzt. Die Firma Peek u. Cloppenburg lehnt die Entlassung der Streifbrecher ab. Wir bitten dies in gebührender Weise zur Kenntnis zu nehmen. Alle übrigen Geschäfte sind als frei zu betrachten. Unsere Forderungen anerkannt bezw. Verträge mit uns abgeschlossen haben folgende Firmen: Hoffnung", Produktiv- Genossenschaft der Schneider, Brunnenstr. 185. Baer Sohn, Chausseestr. 24, Brückenstr. 12 und Große Frankfurterstraße. Julius Lindenbaum, Gr. Frankfurterstr. 141 und Franseckistr. 15. Haake, Landsbergerstr. 91. Sachs, Gr. Frankfurterstr. 132. Blik", Gr. Frankfurterstr. 137, Chauffeestr. 80, Rosenthalerstr. 9 und Kommandantenstr. 43. May Mannheim, Frankfurter Mee 112. Philipp Fabisch, Rosenthalerstr. 1. Fabisch u. Co., Rosenthalerstr. 3. Bernh. Baer, Rosenthalerstr. 5. Riethmüller, Moltenmarkt. Th. Juras, Chausseestr. 79. Amerikan. Verkaufshallen, Weinmeisterstr. 1. J. Wand, Chausseestr. 80a. Leske u. Lehrer, Kottbuser Damm 78. Ad. Wormann, Kottbuser Damm 77. Gebr. Schweriner, Chausseestr. 113. Verkaufshalle Vulkan, Große Frankfurterstraße 5 und Frankfurter Alee 134. Behrendt, Grüner Weg 84. Ringel, Chausseestr. 31 und Brunnenstr. 47. Lewy u. Co., Brunnenstr. 50 und Wilmersdorferstr. 47. Bendit, Brunnenstr. 68. Bornstein, Brunnenstr. 181. Littmann, Dranienstr. 2. Kommandithaus Schendel, Drantenstr. 38. Verband der Schneider, Schneiderinnen u. verw. Berufsgenossen Deutschlands Filiale Berlin, Michaelkirchplah 1, parterre. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pig. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Teppiche mitfarbenjehlern Fabrit. niederlage Grohe Frankfurterstraße 9, parterre fein Laden. Mauerhoff.+1 Steppdecken billight Febril Große Frankfurterstraße 9, parterre.+1 Gardinenhaus Großerantiurter ftraße 9, parterre. Kein Laden. Mauerhoff. 1+ Teppiche!( jeblerbajte) in allen Größen für die Hälfte des Wertes Im Teppichlager Brünn, Hadeicher Markt 4, Babi: hof Bōrie. 255/2 Federbetten, Stand 10,50, große 16,00, Brautbetten, Bettwäsche, Leib wäsche, Steppdecken spottbillig Piandleibhaus, Stüftrinerplatz 7. 2346s 120/ 26* Heute wie seit Jahren erfreuen sie sich der Gunst der Raucher, welche Qualität suchen und dieselbe zu würdigen verstehen. 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