Nr. 99. Abonnements- Bedingungen: bonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pig. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Big. Sonntags. hummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Belt" 10 Big. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Bost Beitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 24. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel. geile oder deren Raum 50 Pig., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Bfg., jedes meitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf. stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Bort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. tr. 1983. Sonntag, den 28. April 1907. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernivrecher: Amt IV. Nr. 1984. Arbeiter! Rüstet zur Maifeier! Die Wahlen in Spanien. 41 Madrid, den 23. April.( Eig. Ber.) In den mittleren Provinzen, in denen das beamtete Element durchweg sehr mächtig ist, hat die Regierung nadieser Regel gibt's nur eine Ausnahme: In der Provinz Guadalajara hat der Graf von Romanones, ein persönlicher Feind des Ministerpräsidenten, über den Regierungsfandidaten gefiegt. Bon wirklichen Wahlkämpfen kann nur die Rede sein, soweit Valencia, die bastischen Provinzen, besonders aber, soweit Katalonien in Betracht kommt, wo von 44 Abgeordneten 38 antiministerielle durchfamen. Angeefelt und zur Verzweiflung gebracht durch all' jene Dinge, stürzten sich unsere Genossen auf zwei Wahlurnen und zertrümmerten sie. Zwischen den Sozialisten und den Mietlingen der Geldherren von Bilbao entspann sich ein Kampf, in dessen Verlauf mehrere Personen verwundet wurden. Am Montag, den 22., ward die Wahlhandlung in den Abteilungen, in welchen die Tumulte stattgefunden hatten, wiederholt, aber unsere Genossen nahmen an der Wahl nicht teil; es war das ein Protest gegen die Willkür der hohen Bourgeoisie und der Regierung. Santander u. a. m., wurden viel Stimmen für die Sozia In anderen Städten, so z. B. in Oviedo, Gijon, Vigo, listen abgegeben, ohne daß es indessen gelang, auch nur ein einziges Mandat zu erobern! Reichs. eigentlich durchgekommen find! Die konservativen und die| listen maßgebend waren; darin lag für uns ein Nachteil, der noch republikanischen Kandidaten find eben noch dabei, den Schacher bergrößert wurde durch die Verfügung des Wahlkommissars, wonach um die Verteilung der Size abzuschließen. Und die Ergeb- Wähler, die in der Zwischenzeit aus dem Bezirk verzogen waren, nisse werden schließlich nach den Wünschen der Regierung in nicht mehr in ihrem alten Wahlbezirk wählen durften und sich Zwar ist noch nicht das Resultat aller Wahlen, die den Bureaus des Ministeriums des Innern zurechtgemacht. natürlich im neuen Bezirk nicht etwa eintragen lassen konnten; In Bilbao, wo wie immer Genosse Iglesias also ihr Wahlrecht durch den Umzug verloren hatten! Weil vorgestern stattgefunden haben, bekannt, indeſſen kann man kämpfte, war die Schlacht gewohntermaßen höchst erbittert. zwischen der Haupt- und der Nachwahl der 1. April als ll mzugs. wohl schon heute etwas Abschließendes über sie sagen. Gemäß den Gepflogenheiten der spanischen Behörden Das Geld floß in Strömen, und es gab da ein vollständiges termin lag, ist es flar, daß wir davon betroffen werden mußten. versteht es sich von selbst, daß das Ministerium, dem zurzeit Söldlingsheer, das von den Großkapitalisten der Stadt ge- Und zwar weit mehr als die Gegner, die eine mehr seßhafte der starrköpfige und unumschränkte Herr Maura präfidiert, fauft, von den Behörden geduldet und darauf dressiert war, Wählermasse hinter sich haben. Weiter kam hindernd dazu, daß bei eine erdrückende Mehrheit erlangt hat. Auf dem Bande, in die Wahlen zu gewinnentofte es, was es wolle. Da gab uns die Kandidatenfrage erst gelöst werden mußte. Wenn es dazu den südlichen Provinzen zumal, wurden die ministeriellen es erle, die sechs, ja sieben Mal wählten, und der eine auch nur zweier Tage bedurfte, so war doch der neue Kandidat, Randidaten mit tausenden von Stimmen gewählt" ob oder der andere von ihnen drängte sich ins Wahlbureau mit Genoffe Moltenbuhr, im Wahlkreise noch gar nicht bekannt. Alles Momente, die uns nicht günstig waren. Dennoch war in wohl die Wählerschaft sich fast völlig der Abstimmung dem Revolver in der Hand. enthielt. zwei Tagen alles zum Kampf formiert; Freitag, den 19. April erschien bereits ein Flugblatt für die Kandidatur Moltenbuhr, vom anderen Tage ab wurde eine täglich vierfeitig erschienene Wahlzeitung in einer Auflage von 30 000 Gremplaren verbreitet. Das hatten die Gegner nicht vermutet, und wohl wesentlich des halb fette auch sofort der Kampf mit äußerster Heftigkeit ein. Zunächst wurde versucht, die Arbeitermassen in die gegnerischen Versammlungen zu loden, denn die Gegner wissen im Streise aus Erfahrung, daß sie nur dann eine größere Versammlung zustande bringen können, wenn die Arbeitermassen hingehen. Dazu, den handen, und deshalb suchten die Gegner unsere Versammlungen Gegnern die Säle zu füllen, war aber weder Zeit noch Lust vorDen hervorstechenden Zug in der Schlacht vom Sonntag auf. Wir gewährten natürlich Redefreiheit, wo= hingegen die Gegner in ihren Versammlungen dem ersten Diss bildet eben diefer Sieg der katalonischen Elemente, die im Wenn unsere Genoffen gewollt hätten, konnten sie 2 bis fuffionsredner eine halbe Stunde, jedem weiteren fozialdemokra Kriege ſtehen gegen das bedrückende Zentralisationssystem 3 Size zum mindesten gewinnen. Sie brauchten nur das tischen Redner aber nur 10 Minuten gewähren wollten. Das der Behörden von Madrid, gegen die Bureaukratie, gegen Bündnis zu schließen, das ihnen von der republikanischen sozialdemokratische Wahlkomitee hatte lediglich die Einschränkung die Günstlingswirtschaft. Es ist in der Tat das erste Mal, Partei angeboten war. Aber Partei angeboten war. Aber- Iglesias hat's am Tage vor getroffen, daß Reichsverbändlern in unseren Versammdaß man die spanische Regierung in einem ganzen Landes- der Wahl gesagt – die Bartei wollte allein in den Wahl- lungen unter keinen Umständen das Wort erteilt werden bereiche völlig vom Kampfplate verdrängt sieht, im fampf ziehen, weil dieser Kampf nichts anderes ist, als ein sollte, weil beim Gingreifen dieser Elemente von einem sach. industriellsten und meistbevölkerten Bereiche Spaniens. Der Kampf wider die Zentralgewalt ist in Katalonien Teil des Kampfes, den das Proletariat gegen die gesamte lichen Wahlkampf keine Rede mehr hätte sein können. Daraufhin nicht etwa neuen Datums; aber bisher ward er von einer nicht etwa neuen Datums; aber bisher ward er von einer Bourgeoisie führt, und weil die Sozialisten fich in feinem blieben die bekannten Reichsverbändler fern, es erschien aber einzigen Partei geführt: von der katalonisch- regionalistischen Falle mit ihren mehr oder minder offenen Feinden ver- eine andere Garde, die durch ihr Auftreten vermuten ließen, daß mischen sollen. Agenten des Partei, der es nie gelungen war, mehr als 7 oder 8 Pläge Biehen wir ins Parlament ein" so schloß Genosse schwindelverbandes zu tun habe. Die verteilten Flugim Parlament zu erobern. Diesmal verbündeten sich mit der Katalonisch- regionalistischen Partei die Republikaner des Jalefias seine Rede so dürft Ihr sicher sein, daß wir's blätter stammten ebenfalls aus der Subelküche des Reichsverbandes. Herrn Salmeron, die Karlisten und die föderalistischen Ele- unserer eigenen Kraft zu danken haben werden. Wir brauchen Die gegnerischen Redner waren natürlich auch mit dem„ Material" mente, mit einem Worte: alle Parteien Kataloniens außer dann nicht die Flagge zu senken, vor wem es auch sei; denn des Schwindelverbandes ausgerüstet, wie ja auch die bürgerliche wir haben feinen entehrenden Handel getrieben. Gewiß Presse aus dieser Schlammquelle ihre Weisheit" schöpfte. Der den beiden Regierungsparteien: der konservativen und der wir haben ein Interesse daran, ins Parlament zu kommen, gegnerische Kandidat selbst sprach in jeder um unsere Feinde besser zu bekämpfen und das Feld für Bersammlung, in der Moltenbuhr referierte. Das Kartell der katalonischen Oppositionsparteien, ge- unsere Propaganda auszudehnen. Jedoch man darf nicht Dabei spielte er sich als Jungliberaler" auf, der das Vernannt Solidaridad Catalana"( katalonische Solidarität), " ward von vornherein von der öffentlichen Meinung Kata- bergessen, daß unsere Tätigkeit sich nicht nur im Parlament halten der Nationalliberalen nicht billigen zu fönnen erklärte. An entfaltet. Unsere gewerkschaftlichen und unsere politischen den beiden letzten Tagen hielt er überhaupt nur noch sozialloniens mit großer Sympathie aufgenommen und der Erfolg Organisationen, die Kundgebungen in Volksversammlungen demokratische" Reden; um jeden Preis sollte uns das Mandat verstärkte sich bald unter dem Eindruck der Schifanierungen und auf der Straße und die Propaganda durch die Presse entriffen werden. Der Kandidat spielte den anständigen Mann, seitens der Regierung sowie der Gegnerschaft der mili- bleiben und werden immer bleiben die Kardinalpunkte der von den Rüpeleien seiner Wahlgarde nichts wissen wollte, aber anarchistischen Deputierten Zerroux geleiteten pseudo- revo- unserer revolutionären Tätigkeit." lutionären Partei. Bei den Provinzialratswahlen kürzlich siegte Solidaridad Catalana auf der ganzen Linie. Bei den Korteswahlen jeßt siegte Solidaridad Catalana im ganzen, In welchem Geruche aber selbst unter diesen Elementen der oben näher bezeichneten Gebiete, und zwar trotz des Wider- Mit einer Spannung ohne gleichen haben in den letzten Tagen Reichsschwindelverband steht, das wird am besten durch die Tatsache standes der Regierung und trotz der Machenschaften der nicht nur wir, sondern auch die Gegner auf den Kreis gesehen, der illustriert, daß diese Leute alle miteinander vom ReichsPseudo- Revolutionäre, welche den Versuch unternahmen, als erster nach den Januarwahlen die Probe auf die angekündigte verband nichts wissen wollten, es erschien ihnen zu Salmeron, den Führer der Republikaner, zu ermorden, und allgemeine Vernichtung der Sozialdemokratie bestehen anrüchig, als Reichsverbändler betrachtet zu werden. Wie sie welche Cambó, den Führer der Katalonisten, schwer ver- follte. Die Arbeiterwähler in Glauchau- Meerane haben die von aber ihre Kenntnisse aus dem Schmuzarsenal des Schwindelwundeten. In der Hauptstadt Barcelona erzielte Solidaridad uns in sie gefeßten Erwartungen nicht getäuscht, sie haben den verbandes bezogen hatten, so war auch ihr Betragen dem der ReichsCatalana 51 000 Stimmen gegen 21 000 der Pseudo- Revo- gegnerischen Ansturm abgewiesen- so gründlich, daß die Gegner verbandsagenten vollständig würdig. In unseren Versammlungen lutionäre. wohl die Hoffnung aufgeben müssen, gerade in diesem Kreise jemals spielten sie sich zunächst als die Herren auf, die zu bestimmen Das Vorgehen Kataloniens, das Aussicht hat, auf die Sozialdemokratie verdrängen zu können. Wie in wenigen Ge- hätten, was zu tun und zu lassen wäre. Als sie damit nicht durchValencia, Biskaya, die Balearen überzugreifen, macht starken bieten Deutschlands stehen sich dort die Klaffengegensätze scharf drangen, schritten sie zum Radau, und die letzten Tage war es Eindruck auf die öffentliche Meinung Spaniens, und sowohl gegenüber. Man braucht nur der schweren Kämpfe von offenbar darauf abgesehen, uns die Versammlungen zu fprengen. Maura wie die diversen Führer der liberalen Partei er- Crimmitschau zu gedenken. Das nationalliberale Unter- Daß dabei ganz systematisch vorgegangen wurde, erhellt am besten fennen übereinstimmend an, daß die Tätigkeit der Soli- nehmertum in dem benachbarten Glauchau- Meerane ist aus dem aus der Tatsache, daß in den gegnerischen Zeitungen der Reichs= daridad Catalana im Verein mit der der karlistischen und gleichen Holz geschnitzt. Die Unternehmer sind zumeist Empor- treue Verein" neben seinen eigenen auch unsere Versammlungen republikanischen Minderheiten der Regierung in der neuen fömmlinge, probig brutal den Arbeitern inferierte, mit der Aufforderung, jeden Nachmittag um vier Uhr Rammer viel zu schaffen machen wird. Und auch darin gegenüber. Es besteht dort an sich schon ein überaus ge- in einem bestimmten Lokal zu erscheinen, um zu besprechen, welche stimmen jene überein, daß höchstwahrscheinlich eine neue spanntes Verhältnis. Auf wirtschaftlichem Gebiet haben in den Versammlungen besucht werden sollten. Die Fabrikanten in politische era im öffentlichen sowie im Regierungsleben meisten Fällen die Unternehmer bewiesen, daß sie die Stärkeren Meerane entließen am Tage einer von uns einberufenen VersammSpaniens anhebt. find, sie wollten nun auch noch das politische Uebergewicht lung ihr Kontorpersonal, Wertmeister usw. bereits um halb sechs liberalen. taristischen Elemente und der von dem ehemaligen Glauchau- Meerane. man es mit berkappten natürlich nicht das mindeste tat, um diesen Leuten Anstand zu empfehlen. Mindestens 50 Mann sind von gegnerischer Seite den ganzen Tag unterwegs gewesen, um auf jede denkbare Art Agitation zu betreiben. Was nun das Eingreifen der sozialistischen an sich reißen. Sie bauten darauf, daß gerade in diesem Kreise Uhr, mit der Weisung, den Saal zu befeßen, ehe die Ar. Partei betrifft, so hat sie wie immer den Wahlkampf die Wahlbeteiligung stets eine verhältnismäßig schwache war. Das beiter aus den Fabriken tämen. Dieser saubere Plan geführt mit dem Ausblick auf Propaganda und auf die po- zu fam, daß der langjährige Vertreter Auer, durch Krankheit ver- wurde nur dadurch vereitelt, daß der Einberufer den Saal abschloß; litische Erziehung des Proletariats, ohne auf große Erfolge hindert, sich seit Jahren fast nicht mehr um den Kreis tümmern darauf holten die sprengluftigen Leute die Polizei, damit diese zu rechnen; hat sie doch außer gegen die Regierungs- fonnte, alles Dinge, die sehr wohl Beachtung verdienten. Bei die sofortige Oeffnung des Saales erzwinge! Das allerdings konnte Korruption auch noch gegen die vereinigten bürgerlichen der Hauptwahl im Januar büßten wir 2274 Stimmen ein, die die Polizei nicht schließlich kamen die Arbeitermassen, und die Mächte, monarchische wie republikanische, zu kämpfen. Gegner gewannen 6000 Stimmen ein bedenkliches Zeichen. beabsichtigt gewesene Sprengung der Versammlung mußte unter-Trotzdem hoffte die Partei, in Madrid und in Bilbao zu Das hat die Gegner in der Meinung bestärkt, daß ihre Hoffnung bleiben. Derartige Vorkommnisse mußten natürlich die ohnehin fiegen, wo sie ja starke politische und gewerkschaftliche Organi- auf einen bürgerlichen Sieg in diesem Kreise keineswegs vorhandene Verbitterung noch ganz bedeutend steigern, und wenn sationen besitzt. Wieder einmal hat sie sich getäuscht. Aller- aussichtslos ſei. Durch den unerwarteten Tod Auers sollte es nicht zu Gewaltausbrüchen kam, dann ist dies vor allen Dingen dings- darauf war nicht zu rechnen, daß die Willkür der rascher als sich vermuten ließ, die Möglichkeit zu einer Erprobung der bewundernswerten Ruhe der Massen zu ber Regierung und die Schamlosigkeit der Bourgeoisie solche dieser Meinung geboten werden. danken. Wenn daher jetzt die bürgerliche Presse die Nachricht berDimensionen annehmen fönnte wie diesmal. In Madrid Mit einer ganz ungewohnten und ungewöhnlichen Schnelligkeit breitet, ein gewisser Müller sei nach einer Versammlung verlegt weiß man zur Stunde noch nicht einmal, welche Kandidaten ist die Neuwahl angefekt worden, für die noch die alten Wähler- worden, so muß konstatiert werden, daß der besagte Müller der Hauhtskäftbalmachet ift flnfefcn BerscttNmlunSK tvak. Fcr es offenbar darauf abgesehen hatte, gelegentlich gepackt zu werden, um dann die Schaucrmär verbreiten lassen zu können,„ein nationaler Wähler sei mißhandelt worden". In der Versamm- l u n g, in der man ihm mit Rücksicht auf seine Rüpeleien das Wort natürlich nicht erteilte, ist ihm auf alle Fälle nichts passiert. Wohl aber ist möglich, daß er draußen die Massen weiter provozierte und beschimpfte und daß er da in der Dunkelheit einen Stoß erhielt. Jedenfalls ist die Sache riesig aufgebauscht. Was diese Gesellschaft sich herausnahm, dafür nur ein Beispiel: Genosse Singer saß am Abend vor der Wahl, von einer Versammlung in Hohenstein kommend, im Wartesaal des Bahnhofes Hohenstein-Ernsttal. In der Meinung, ihn damit ärgern zu können, gröhlte ihm die gleichfalls anwesende nationalliberale Sprcngkolonne„patriotische" Lieder vor, um zum Schluß noch die Anwesenden aufzufordern, in ein Hoch einzustimmen, nicht auf Einger, sondern auf den Kaiser. Das ist die Art, wie die Partei der Unordnung, die sich fälschlich Ordnungspartei nennt, den Wahl- kämpf geführt hat! Isuf einen Sieg hatten die Nationalliberalen b e st i m m t ge- rechnet, sie glaubten dem Fürsten Bülow, daß die Sozialdemo- kratie iwch weiter verdrängt werde, sie glaubten dem Reichsverbands- gencral v. L i e b e r t. der im Reichstag schwadronierte, daß seine Garde, die deutsche Ausgabe des russischen„Per- bau des echt russischer Leute", uns noch mehr Wahlkreise abnehmen könne. Die sächsischen Nationalliberalen wollten be- weisen, daß sie R e i t k ü n st l e r sind, die das Niederreiten der Sozialdemokrati��sorgen können. Sie sind aber keine Rauhreiter, sondern jam m erhafte Sonntagsreiter gewesen. Die Kniffe der Reichsverbändler haben einmal gezogen, mit dieser Schablone kann man aber auf längere Zeit hinaus nicht gegen eine Partei ankämpfen, deren Riacht und Stärke im Volke wurzelt. Die ältesten Ladenhüter mußten als Waffen gegen uns dienen. Die Zitate einzelner bekannter sozialdemokratischer Parteiführer, die Gehälter, die Mehring und Kautsky beziehen, die vielen Millionen Singers und Bebels— mit einem Wort: D i e a l t e S ch a b l o n e. Selbst die zu Wahl. Laufburschen herabgesunkenen Studenten konnten den Nationallibcralen nicht helfen, wie es ihnen nichts half, daß sie die Reichstagsabgeordneten Dr. S t re s em a n n. Everling. Fuhrmann. Goerke, Merkel und Weber dem Publikum vorführten. Unsere Genossen wußten, was auf dem Spiel stand. Der Verlust unserer ältesten Hochburg wäre in der Tat ein ungemein schmerzlicher Verlust für uns ge- Wesen, der die Gegner obendrein in ihrem dünkelhaften Uebermut noch bestärkt hätte. Daß die Gegner bei den letzten Wahlen so bedeutende Wähler- Massen auf die Beine bringen konnten, lag neben den allgemeinen uns nicht sonderlich günstigen Umständen, namentlich auch in der vom Reichsverband zur Verfügung gestellten Wahltechnik, die auch in Glouchau-Meeranc angewendet wurde. Ein Glied in dieser Technik ist die Warnung vor gefälschten Stimm. zetteln. So haben auch in diesem Kreis die Amtsblätter vor Stimmzetteln gewarnt, auf denen der Name des bürgerlichen Kandidaten falsch gedruckt sei, wiewohl nicht ein einziger solcher Zettel zum Vorschein gekommen ist. Wir haben nicht überall eine so gut durchgebildete Wahltechnik, wie das in den in- dustricllen Großstädten der Fall zu sein pflegt. Wo es daran mangelt, dort müssen speziell zur Führung des WahlkampfcS damit vertraute Genossen eingesetzt werden, wie dies bei dieser Nach- wähl mit Erfolg versucht worden ist! Daneben fortgesetzte Auf- klärung. Der Mandatserfolg der Reaktionäre im Januar d. I. hat bei ihnen den Uebermut geweckt, sie meinen, daß ihnen eine fort- laufende Reihe von Siegen in Aussicht steht. Diese Hoffnung müsssn wir zerstören, wie wir sie in Glauchau- Meeranc zerstört habenl Der Stimmenrückgang im Januar, die Kampfesweise der Gegner, die Tätigkeit der Spreng- kolonnen. das alles hat unsere Genossen aufgepeitscht: bei Wind und Wetter, die halben Nächte hindurch waren sie tätig. Ein paar Stunden Nachtruhe, dann zum kapitalistischen Frondienst. am Abend aber übernahmen sie freudig wieder die Arbeit für die Partei. Eine Partei, die über solche' Kampfestruppen verfügt, kann zwar gelegentlich eine Schlappe kriegen, aber niederzwingen kann man sie nicht! Die Stimmenverschiebung in Glauchau- Meerane, obwohl viele Arbeiterwähler durch den Umzug ihr Wahlrecht cingebütz't haben dürften. berechtigt uns zu der Ueberzeugung. daß, wenn eS bei künftigen Wahlen ans„Niederreiten" geht, die Sozialdemokratie der Reiter sein wird! Der„eiserne Besen" oder die„weitze Weste". Nach einer halboffiziösen Mitteilung soll Jesko v. Puttkamer wiederum als Gonvernenr nach Kamerun geschickt werden! Freilich solle Puttkamer nicht dauernd auf seineni Posten verbleiben, sondern die Rücksendung solle nur deshalb geschehen, um die„Antoritätwieder herzu- st e l l e n" und den Gouverneur„in vollem Maße zu rehabilitiere n." Im Juli d. I. werde dann Putt- kamer geruhen, seinen Abschied einzureichen.— In der Tat ein tolles Stück! Nicht nur nach dem blamablen Verlauf der Disziplinarverhandlung. sondern auch nach den ungeheuer- lichen Dingen, die die amtliche Denkschrift über die Angelegen- heit der verurteilten A k w a h ä u p t I i n g e vor der Oesfent- lichkeit enthüllen mußte! Die„Germania" meint, eine solche Rehabilitierung Puttkamers mache dem„eisernen Besen" des neuen Kolonial- direktors alle Ehre. Selbst freisinnige Blätter finden, daß die Behandlung Puttkamers mit der Politik des „eisernen Besens," wie sie die Kolonialexzellenz mit der „weißen Weste" so pathetisch verheißen, sehr wenig im Ein- klang zu bringen sei. So schreibt die„Frankfurter Zeitung" noch vor dem Bekanntwerden der Absicht der Rücksendung Puttkamers auf seinen Gouverneurposten: „Wir namrten das Urteil befremdlich milde, nicht weil die verhängte Disziplinarstrafe an sich niedrig ist, sondern weil sie die Möglichkeiteiner dien st lichen Weiter- Verwendung Puttkamers läßt, oie um der deutschen Autorität willen, auf alle Fälleverhindert werden muß. Da? Reichsbeamtengesetz sieht Ordnungsstrafen und Entfernung aus dem Amte vor. Von dieser zweiten Eventualität— Straf- Versetzung oder Dienstentlassung— hat die Disziplinarkammer abgesehen und dafür auf die höchstzulässige Ordnungsstrafe er- kannt. Es würde also danach möglich sein, daß Kamerun seinen bisherigen Gouverneur wioderechalt— eine Möglichkeit freilich, die das Kolonialamt gar nicht in Aus- ficht nehmen kann, wenn eS nicht mit einem Schlage allejS Vertrauen einbüßen will; denn nur die Erwartung einer Abkehr von früheren schlechten Ge- pflogenheiten der Kolonialverwaltung hat überhaupt erst die Stimmung für koloniale Anforderungen etwas gebessert, und es bedarf noch vieler A rbeit, um sich das Vertrauen auch wirklich zu erhalte u." Um das Charakterbild der Puttkamerunsr Wirtschaft ein wenig in vervollständigen und die Dernburgische KorruptionShehlerei erst ins rechte Licht zü setzen, möchten wir aus einem amtlichen Aktenstück einige Stellen zitieren. Der inzwischen von Dernburg aus unbekannten Gründen gemaßregelte Geheimrat Rose sandte an den Chef der Reichskanzlei, Herrn v. L ö b e l l unter dem 31. Mai 1906 eine Information, in der es hieß: Gelegentlich eines HeimvtsurlaubeS im Jahre tSSL lernte v. Puttkamer die Ecke in Berlin kennen... Als v. Puttkamer im August 1836 auf seinen Posten zurückkehrte, nahm er die Person bis nach Teneriffa mit. Von dort aus folgte sie ihm kurze Zeit später nach Kamerun. Während der Fahrt hat sie sich auffallend frei benommen, s» daß keiner der Mitreisenden im Zweifel war. daß man es mit einer fragwürdigen Person zu tuu habe. In Kamerun wurde sie als ein Fräulein v. Eckardtstein, Cousine des Gouverneurs, eingeführt und hat dort in allen Kreisen, auch mit dem Kommandanten und den Offizieren S. M. S.„H y än e" verkehrt. In diese Zeit fiel ein Besuch des Gouverneurs der spanischen Nachibarkolome Fernando Po, der mit zwei Kanonenbooten nach Kamerun gekommen war. Bei dem Essen, da? v. Puttkamer zu Ehren des spanischen Gouverneurs gab und an welchem die deutschen und spanischen Seeoffizere teilnahmen, war auch die Ecke anwesend. Noch Eintreffen S. M. S.„Habicht. dem auf der Aus- reise von Deutschland nach Kamerun in den angelaufenen Plätzen der wesiafrlkanischen Küste die verschiedenen Gerüchte über die Cousine des Gouvereurs»«getragen waren, ließ sich die Täuschung nicht mehr aufrechterhalten, v. PutÄamer gefcing es, die En t- rüstung der Seeoffiziere zu beschlvickstigcn. Die Ecke wurde zunächst beim Stationsleiter Leuschner in dem damaks ganz abgelegenen Gebirgport Musa untergebracht, in dessen Familie sie sich jedoch in Worten und Taten sounanständig aufführte, daß ihr dos Hau« verboten wurde. Bald daraus schiffte sie sich nach Deutschland ein. Bei der Abreise stellte ihr v. Puttkamer eigenhändig einen Reisepaß auS» der aus dem Namen v. Eckardtstein lautete."' In der Information des Geheimrats Rose hieß es an anderer Stelle: „Em weiterer Mißstand lrcgt in dem Mangel der festen Zu- sqmmcnfassung und Beaufsichtigung des zahlreichen Beamten- �körpers. Die hierdurch verursachten Schäden äußern sich "'namentlich bei den unteren Organen, über deren rohes Verhalten gegen dir Eingeborenen zahlreiche begründete Klagen erhoben werden. In der Finanzwirtschaft des Schutzgebietes herrscht ein Zustand größter Unordnung. Ucberschreitungen der im Haushalt vorgesehenen Mittel sind an der Tagesordnung und erreichen eine bei den anderen Schutzgebieten unbekannte Höhe... Angesichts der vorstehend geschilderten Zustände liegt es sowohl im Interesse v. Puttkamers als in dem des Schutzgebietes Kamerun, von seiner Wiederentscndung abzusehen. Es ist deshalb auf v. Puttkamer in diesem Sinne eingewirkt worden, daß er sein Ausscheiden auS dem Dienste herbeiführe. Er hat daraufhin am 13. d. M. die Gewährung eines dreimonatigen Erholungsurlaubes und daran anschließend seine Versetzung in den dauernden Ruhestand beantragt. Es besteht die Absicht, diesem Antrage stattzugeben." . Und dieser Mann, der schon vor einem Jahre zur Verabschiedung gedrängt wurde, soll nun, nach seiner „Rehabilitierung", und zum Zwecke seiner völligen Rchabili- tierung auch in den Augen der von der Puttkamcrei mißhandelten Eingebor enen, wiederum als Gouverneur, sei es auch nur auf ein paar Monate, nach Kamerun entsendet werden! So waltet der„eiserne Besen" der Kolonialerzellenz mit der„weißen Weste" seines Amtes! Der bescheidene Liberalismus. Der Liberalismus ist so unendlich bescheiden geworden. daß er die von uns gestern gekennzeichnete„R e f o r m" der Majestätsbeleidigung wenigstens als kleines Zugeständnis begrüßt. Daß dieses Zugeständnis bei Lichts besehen, ein Ausnahmegesetz gegen den Umsturz ist, kümmert den Liberalismus nicht. Im Gegenteil, nach seinein Avancement zur Regierungspartei, nach seiner be- dingungslosen Unterstützung aller Wünsche des persönlichen Regiments, empfindet er es mit Genugtuung, daß die neueste Reform die Maschen des Majestätsbeleidigungsparagraphcn derart erweitert haben, daß e r kaum noch Gefahr läuft, darin hängen zu bleiben. Tie Drangsalierung des„Um- stürze s" aber ist ihm Hekuba! Lediglich die„Volks- Zeitung", der auf proletarischen Bauernfang ausgehende demokratische Ableger des Mosse-Blattes sieht sich ge- nötigt, auch die K e h r s e i t e der Reform aufzuzeigen. Das Blatt schreibt: „Die Einschränkung der obligatorischen Strafverfolgung auf hie„böswillig" oder„mit Vorbedacht" begangenen Majestätsbeleidigungen ist, wie man aus der Begründung ersieht, gut gemeint. Wenn sich olles in der Welt so einfach gestaltete. wie es sich in der Idee darstellt, so wäre diese Bestimmung so gut. wie sie sich auf den ersten Blick ausnimmt. Allein darüber, ob jemand eine Majestötsbeleidigung,„böswillig" � begangen hat, kann immer nur ei» Jndizienveweis geführt werden, da man keinem Menschen ins Herz sehen kann. Und darum fürchten wir, daß mit der Wahrscheinlichkeit ge- rechnet weriden mutz, es könne in dieser Hinsicht die politische Gesinnung sowie die politische Parteisiellung eines Angeschuldigten mehr al»„Indizium" für die„bösartige" Gesinnung heran- gezogen iverden, alS innerlich gerechtfertigt ist. Die Gefahr, daß infolgedessen aus den Majesdärsbeleidiaungsprozessen mehr als bisher politische Parteiprozesse werden könnten, liegt jeden- falls vor. ES wird bei der Beratung im Reichstaae Bedacht darauf zu nehmen sein, daß diesem dem Staatsinteresse sicherlich nicht dienlichen Entgleisungen möglichst vorgebeugt werde... Sehr bedauerlich ist, daß man an dem bisherigen Straf- maßnicht rüttelt. Eine Ntajostätsbeleidigung kann immer noch um zwei Jahre schwerer bestrast werden als eine Gottes- lästern ng. Auch soll in Zukunft unter das Mindestmaß von zwei Monaten Gefängnis nicht heruntergegangen werden, während eine Gotteslästerung schon mit einem Tage Gefängnis ab- gegolten werden kann. Hält man sich gegenwärtig, daß manche Majestätsbeleidigung nichts weiter ist als ein rasch hingeworfene?, ohne„bösartige" Absicht und ohne niedrige Gesinnung hin. geworfenes Wort, das dem Urheber schon leid ist in demselben Augenblick, da es dem Gehege seiner Zähne allzu rasch entflohen ist, so ist eine Mindeststrafe von ztvei ganzen Monaten ein barbarisch hohes Ausmaß von Sühne." Gleichwohl wird der Liberalismus sich im Lande mit der �Konzession brüsten, die er durchgesetzt hat! Freisinnige Tölpel. Man entsetze sich nicht über den„Sauherdenton" unserer Ueberschrift. Nicht wir haben das Wort von den freisinnigen Tölpeln geprägt, sondern dle„R h e i n i s ch- W e st f ä l i s ch e Zeitun g", ein liberales Organ, das aus der Sorge um die konservativ-liberale Blockbrüderschaft den Links- liberalen dieses Kosewort gewidmet hat. Den Vorwurf der„großen Tölpelhaftigkeit" erhebt die„Rheinlsch-Westfälische Zeitung", weil der Freisinn in der Budgctkommission die 19. Kompagnie für die Käme- runex Schutztxuppe ablehnte. Der Freisinn stellte sich, wie sein Wottfuhrek Dk. W i e m e e ausfützrke, ävf Km GkaM Punkt, daß grundsätzlich die Zivilgewalt in den Koto- nien zu stärken sei, und daß deshalb der Freisinn zwar nichk die Schutztruppe, wohl aber die Polizeitruppe entsprechend zu vermehren bereit sei. Die koloniale Bewilligungsfreudigkeit des Freisinns stand also nach dieser Erklärung des Herrn Wiemer außer Frage. Gleichwohl spricht die nationalliberale „Rheinisch-Westfälische Zeitung" von„Tölpelei", weil der Freisinn durch sein Verhalten dem Zentrum Gelegenheit gegeben habe, für die Regierungsforderungen einzutreten und dadurch den Freisinn aus seiner Blockstellung zu verdrängen. Daß der Freisinn durch ein solches Verhalten dem„ver- haßtesten Gegner, dem Zentrum zu einem billigen Triumvhs verholfen" habe, sei nicht nur eine„Tölpelhaftigkei t", sondern auch eine„Schmach." Auch die„Deutsche Tageszeitung" erteilt dem Freisinn wegen seines rollenwidrigen Seitensprunges einen derben Rüffel. Seine Haltung in der Kommission sei lebhaft zu bedauern. Einstweilen wolle sie aber annehmen, daß der Freisinn seine Stellung im Plenum schleunig st korrigieren werde. Solle der Freisinn wirklich in einem„Rückfall in seine alte„U n e n t w e g t h e i t" ver- sagen", so„würde dadurch die Voraussetzung des Blocks in einer Weise erschüttert, die nicht nur von größter grundsätzlicher Bedeutung wäre, sondern auch die schwerwiegend st en Folgen haben könnte." Wenn also der Freisinn seine„Tölpelei" im Plenum nicht schleunigst wieder gut macht und sich durch seine Abstimmung selbst ohrfeigt, läuft er Gefahr, aus der Blockbrüderschaft mit Schimpf und Schande verstoßen zu werden. Welch schmachvolle Rolle für den„Freisinn", der seinen Anhängern verhieß, durch das Blockbllndnis eine„neue liberaleAera" heraufführen zu können! Nun muß der Freisinn auch in den kleinlichsten Biidgetsragcn kuschen, wenn er nicht sogleich mit Liebenswürdigkeiten bedacht, der Tölpelei beschuldigt und mit dem Ausschluß aus dem Regierungskartell bedroht werden soll! poUtircbc üeberlicbt. Berlin, den 27. April 1907. / Post und Telegraph. In der heutigen Sitzung des Reichstags wurde der Etat des Post- und Telegraphenwesens verhandelt. Es sprachen nur bürgerliche Abgeordnete, für oder gegen Porto- ennäßigungen, Bcamtenivünsche und anderes mehr. Am Montag wird die Materie weiter beraten. Der Schlust der Etatsberatung. Im Abgeordnete nhause wurde am Sonnabend die EtakS» beratung zu Ende geführt. Im Mittelpunkt der Debatte stand der Erlaß des Ministers des Innern, der den Beamten unter Androhung von Diszipkinarstrafen verbietet, sich mit ihren Wünschen und Beschwerden direkt an einzelne Abgeordnete zu wenden. Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß dieser Erlaß einen schweren Eingriff in das den Beamten gesetzlich gewährleistete Petitionsrecht darstellt. Zwar bemühte sich Herr v. Bethmann-Hollweg, darzutun, daß der Erlaß falsch aufgefaßt sei: Er bestreite den Beamten nicht das Recht, mit den einzelnen Abgeordneten über allgemeine Mißstände in Gesetzgebung und Verwaltung zu verhandeln, aber die Beamten sollten sich nicht an einzelne Abgeordnete mit solchen Wünschen und Anliegen wenden, welche die ihrem Dienstverhältnis entspringenden persön- lichen Interessen betreffen und deren Erfüllung und Versagung zur Zuständigkeit der vorgesetzten Dienstbehörde gehört.— Auch in dieser Einschränkung liegt unseres Erachtens ein Uebergriff deS Ministers. Die Beamten haben das Recht, den Abgeordneten, zu denen sie Vertrauen haben, ihre Wünsche vorzutragen, und dies Recht kann ihnen nicht durch den Federstrich eines Ministers ge, nommen werden. Im übrigen gab die Beratung des Etats des Ministeriums de» Innern dem konservativen Abgeordneten v. Wentzel die er, wünschte Gelegenheit, nach mehr Polizei und Gendarmen zn schreien, die die Arbeitswilligen zu„schützen" hätten! Zur Be- gründung seiner Forderung wies er auf angebliche Ausschreitungen von Streikenden beim Hafenarbeiterstreik in Hamburg hin. ES handelt sich hier wieder einmal um den Versuch, Angelegenheiten des Reiches vor das Forum des preußischen Landtages zu ziehen. Vorläufig liegt Hamburg noch nicht in Preußen, wenn sich auch das Hamburger Wahlrecht immer mehr dem zum preußischen Landtag geltenden„Wahlrecht" nähert. Beim Etat der Bauverwaltung nahm daS HauS einen freikonscrvativcn Antrag an, der die Regierung ersucht. Fürsorg« dahin zu treffen, daß bei staatlichen Bauten, insbesondere bei außerordentlichen Bauarbeiten der Eisenbahn und der Wasserbau- Verwaltung, einheimische minderjährige Arbeiter nicht verwendet werden. Tie Antragsteller verfolgen die Absicht, jugendliche Ar- beitcr, die vielleicht bei den bevorstehenden 5wnalbauten in Preußen Beschäftigung finden könnten, auf dem Lande festzuhalten, damit die Landwirtschaft nicht infolge des möglicherweise eintretenden Arbcitermangels zur Zahlung höherer Löhne gezwungen wird! Der Minister Breitcnbach sprach sich im Sinne des Antrages aus, ja, er ging sogar noch darüber hinaus, indem er die Einwan- derung von möglichst viel ausländischen Arbeitern in Aussicht stellte! Die erforderlichen Maßnahmen, hat die Regierung bereits ge- troffen durch einen Erlaß vom März dieses Jahres!! Daß zurzeit des Hereinbrechenü der wirtschaftlichen KrisiZ der» artige Maßnahmen getroffen werden, ist ein Zeichen der geringen sozialpolitischen Einsicht der Regierung und deS Landtages. Sonst bot die Etatsbcratung nichts Bemerkenswertes. Der Etat geht nun an das Herrenhaus, das sich noch vor Pfingsten mit ihm befassen wird.—_ Herr Semler als Kriegsprophet. Der„Petit Parifien' hat den»nicht mehr ungewöhnlichen Weg" beschritten, einen seiner Redakteure nach Berlin zu schicken, um einige Politiker über ihre Ansichten betreffs der gegenwärtigen politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich auszufragen. Zu- nächst veröffentlicht das Pariser Blatt die Aeußerungen des neuen ranzösischen Botschafters Cambon. des Herzogs von Trachenberg. des Kolonialdirektors Dernvnrg und der großen politischen Kapazität des NationallibcralismuS. des Abgeordneten Semler. Die Auskünste der ersten drei Herren halten sich völlig innerhalb der bei solchen Gelegenheiten üblichen konventionellen Phraseologie, nur Herr Semler hat nach dem Bericht deS»Petit Parisien' in Kriegs- Phantasien geschwelgt und sich allerlei komische Ermahnungen geleistet. To soll er z. B. erklärt haben, der Friede sei durch die Jsolierungs« versuche gegen Deutschland gesährdet. England glaube nicht bedroht zu sein und vertraue auf den Schutz des Meeres. Wenn England den Krieg erklärt oder die Kriegserklärung- von der anderen Seite kommen sollte, so wurde Frankreich sich auf oll» Fäll« " Binnen 24 Stunden darüber zu entscheiden haben, aus. Die Brandgase traten sehr stark auf und 20. Bergleutej ihm davon Kenntnis gegeben worden wäre? Man sieht also unter zu weisen Gunsten es sich zu erklären habe. Die wurden betäubt, doch konnten sie noch rechtzeitig geborgen der Demokratie" die schlimmste Stabenettsjuftig in Birlsamkeit französisch- russische Allianz war in den Augen der Deutschen eine werden. Am Donnerstag erfolgte eine Schlagwetter- treten. auf Beche Garantie des Friedens, daß englisch- französche Einvernehmen drohe explosion Sieben „ Scharnhorst". Das Ministerium treibt jeßt böllig im reaktionären Fahr jedoch jeden Augenblick einen deutsch- französischen Konflikt herbei- nappen erlitten zum Teil recht schwere Verwaffer. Sein Tag vergeht, ohne daß Clemenceau eine gegen die zuführen. Er erkläre mit großem Bedauern, taß er die jetzige Situation letzungen." Scharnhorst" hat eine gute Wetterführung, aber Arbeiterschaft gerichtete Verfügung erläßt. Dabei verfällt dieser zwischen Frankreich und Deutschland für bedrohlich erachte. die Beche ist auch eine gefährliche Schlagwettergrube. Der Aesthet" in den lächerlichsten Polizeikorporalstil. So hat er die Schon möglich, daß Herr Semler sich in dieser Weise geäußert größte Teil der Berunglüdten sind Defter Präfetten in einem Rundschreben aufgefordert, sich von Veranhat. Wenigstens berechtigen frühere Leistungen zu dieser Annahme. reicher. staltungen fernzuhalten, bei denen die rote Fahne entrollt und Doch der Redakteur des Petit Parisien" muß ziemlich unbekannt Diese Vorkommnisse wirken natürlich auf die Bergarbeiter die Internationale" gesungen werden könnte! Am Ende fürchtet mit den deutschen politischen Verhältnissen sein, wenn er in Herrn beängstigend ein. Fragt man nach den Ursachen der sich häufenden der Ministerpräsident, seine Präfekten könnten ihm bei solchen Semler einen großen Mann" sieht, dessen Ansichten Anspruch auf großen Unfälle, dann erhält man die Antwort: Das un- Gelegenheiten verdorben werden, oder sie könnten vergessen, daß Beachtung haben. Selbst seinen politischen Gesinnungsgenoffen gilt menschliche Schuften Schuften und Wühlen ist schuld die Zeit vorüber ist, wo die Freunde des Herrn Clemenceau dem Semler nur als unfreiwilliger Humorist. Sehr viel richtiger schäßt daran!" Die Antreiberei auf den Gruben geht bis zum Proletariat hofierten, und es zum Kampfe für die Gerechtigkeit das Wolfffche Telegraphenbureau die großen Qualitäten Semlers Wahnsinn! und Freiheit zu gewinnen. " ein, wie es dadurch bekundet, daß es wohl die Aeußerungen Das sind die Früchte des famosen Bergarbeiter, schutes", den Cambons, Dernburgs und des Herzogs von Trachenberg mitteilt, die Bergarbeiter dem preußischen Dreillaffenparlament, speziell nicht aber die des Hamburger Geistesheroen. der Zentrumsfraktion, zu danken haben. Eine Kritik der Justizpflege in Württemberg. Stuttgart, 26. April.( Eig. Ber.) Der württembergische Landtag ist gestern wieder zu einer voraussichtlich bis in den Hochsommer dauernden und sehr arbeitsreichen Tagung zusammengetreten. Begonnen hat man Welche Opfer werden die Bergleute noch zu bringen haben, ehe der Reichstag einen wirksamen, durchgreifenden Berg arbeiterschutz schaffen wird? Mißglückter Bauernfang. Antimilitarismus in der Kaserne. Nicht lächerlich, sondern tieftraurig ein Dokument des voll. ständigen Verfalls der bürgerlichen Demokratie- ist ein zweiter Erlaß, der sich auf die Ueberwachung der Versammlungen bezieht. Bekanntlich hat das Parlament vor kurzem die Anmeldepflicht für Bersammlungen aufgehoben. Clemenceau sett nun den Präfetten auseinander, daß die Regierung gleichwohl das höchste Intereffe habe, über die Reden, die unter die Artikel 23, 24 und 25 des Gesetzes vom 29. Juli 1881 fallen( des auf die Presse bezüglichen Bei den pommerschen Landwirten finden die Be Anarchiffengesezes"!), genau unterrichtet zu werden. mit der Spezialberatung des Etats und zwar mühungen des Bundes der Landwirte, einen neuen Milahring Es sei daher unumgänglich, daß ein Beamter in der Versteht vorläufig der Justiz etat zur Debatte. Hierbei für Berlin ins Leben zu rufen, teine Gegenliebe. Eine auf sammlung anwesend wäre, um die vorgekommenen Gesez. hielt heute unser Parteigenoffe, Abgeordneter Mattutat, diesen Donnerstag nach Stettin einberufene Bersammlung, in der widrigteifen zu Protokoll zu nehmen! Der Minister fordert die Präfekten auf, alle Polizeikommissäre eine größere Rede, die infolge ihrer strengen Sachlichkeit einen der bisherige Leiter und jezige Liquidator der Milchzentrale, Gravenstein, über das neue Unternehmen sprechen dauernd zu diesem Ueberwachungsdienst zu delegieren und sie zu starken Eindruck machte. Er erkannte an, daß die württem- Richard bergische Rechtspflege fich vorteilhaft von der in einigen anderen follte, war nur von etwa fünfzig. Gutsbefizern besucht. Graben- beauftragen, ohne spezielle Bevollmächtigung alle Versammlungen Bundesstaaten unterscheide. Aber in Fällen, wo soziale Konflikte den stein machte die interessante Mitteilung, daß die Groschensammlung zu besuchen, die nach ihrem Verhandlungsgegenstand aus ganz Deutschland nur einen Betrag von 60 000 m oder nach der Persönlichkeit ihres Ginberufers ihre Anlaß zu Ausschreitungen gebe, zeige auch die württembergische Justiz bei der Beurteilung derselben zum Teil, daß sie dem Bolts- erbracht habe, mit welcher Summe nichts anzufangen Gegenwart erheischen". Damit ist das Ueberwachungssystem und, empfinden fremd gegenüberstehe. Besonders sei es durchaus un- sei. Die Hoffnung des Bundes richte sich auf die unter der Firma da die- Versammlungen offisiell gar nicht zur Kenntnis der angemessen, bei Berurteilungen von Streifenden wegen Beleidigung Milchberwertung" ins Leben gerufene, von dem Justizrat Maximilian Behörde kommen, tatsächlich auch das Spikelsystem, wie es von Arbeitswilligen die letzteren dadurch zu schützen, daß ihnen die Kempner in Berlin geleitete Gesellschaft mit beschränkter Haftung, zur Zeit des Kaiserreichs in Blüte stand, von Amts wegen wieder. Gerichte ein verfeinertes Ehrgefühl unterstellen.( Heiterkeit.) Dazu deren Kapital allerdings bis jest nur 28 000 m. betrage, aber im hergestellt. Und dies unter der Regierung des" Freiheitsmannes" liege kein Anlaß vor, denn diese Elemente werden sogar von den Laufe des Monats Mai durch Zeichnungen auf 500 000. gebracht Clemenceau!! Arbeitgebern nur so lange geschäßt, als der Lohnkonflikt bauert und werden solle. Dann fäme es noch darauf an, eine Milchproduktion bon täglich 500 000 Litern zusammenzuschließen, während es dem nachher meistens wieder abgeschoben. Der Rebner bemängelte verstorbenen Ernst Ring nicht gelungen sei, auch vor dem bedau- feit einiger Zeit selbst in den Kasernen eine eifrige antimilitariſtiſche Paris, 27. April.( W. T. B.) Mehrere Blätter berichten, daß odann die geringfügigen Strafen, die gegen Arbeitgeber wegen Bergehens gegen die Arbeiterschutzbestimmungen erlassen würden. lichen Abfall der Genossen mehr als 320 000 Liter in seiner Milch- und antipatriotische Propaganda entfaltet werde, indem von Soldaten Mit so geringfügigen Geldstrafen werde man den Gesezen feinen zentrale zu vereinigen. Die Lage der Milchzentrale sei in Wirklich in den Gängen und Zimmern vielfach Bettelchen mit militärfeindRespekt erzwingen. Bezüglich der Strafrechtspflege stellte er fest, feit sehr gut und die gegenteiligen Behauptungen beruhten nur auf lichen Bemerkungen angeklebt würden. daß in Württemberg leider von dem Recht der bedingten Be- Ausstreuungen der unreellen Händlerpreffe. Die Liquidatoren werden gnadigung ein viel zu geringer Gebrauch gemacht würde. den Konkurs nicht anmelden, vielmehr ohne Rücksicht auf das Urteil Brüssel, 25. April.( Eig. Ber.) Man müffe erstreben, die bedingte Begnadigung durch die des Kammergerichts die bestrittenen Forderungen gegen die ausAllerhand Aussichten. bedingte Verurteilung zu erfegen. Auch sei es unbedingt geschiedenen Genossen in der Liquidationsbilanz belaffen, da das erforderlich, das Strafmündigkeitsalter hinaufzurüden. Ben hat der König mit der Aufgabe betraut, eine Majorität Es sei Reichsgericht zweifellos das Urteil des Kammergerichts abändern aufzutreiben? Darum handelt es sich im gegenwärtigen Augenungeheuerlich, einem Kinde von zwölf Jahren zuzumuten, daß es die nötige Einsicht habe, um die Strafbarkeit einer Handlung Die Aufforderung, Geschäftsanteile für den neuen Milchring blick. Herrn de Trooz, der als Mitglied des verflossenen zu erkennen und abzuschätzen. Gelte doch heute schon als zu zeichnen, hatte den Erfolg, daß ein Teilnehmer der Ver- Kabinetis den Erlaz unterzeichnet hat, durch welchen das Berggesetz, dieser erste Schritt auf dem Wege zur gefeßlichen Regelung strafbar, wenn ein Knabe sich einen aus dem Garten des Nachbars fammlung sich bereit erklärte, einen Anteil zu zeichnen, während der Arbeitszeit in Belgien, vernichtet wurde? Wie man hört, wollen gefallenen Apfel aneigne! Bei einer derartigen Verfeinerung des ein anderer die Hoffnung aussprach, daß es ihm gelingen werde, gar auch noch andere Mitglieder der Regierung Smet de Naeher Das ist eine Eigentumisbegriffs sei zu fordern, daß den Minderjährigen ein gefeg- die Stettiner Molkerei zur Zeichnung eines Anteils zu bestimmen. in die neue Kombination mit einbezogen werden. licher Rechtsbeistand garantiert werde, sowie daß nicht ihre Auf Erklärung in dem Umstande, daß verschiedene Besucher die Nummer die damit im neuen Kabinett die alten Gegner. des. Achtſtundentages licher Rechtsbeistand garantiert werde, sowie daß nicht ihre Auf- Die Zurückhaltung der pommerschen Landwirte findet vielleicht eine vielversprechende Perspektive, insbesondere für die Arbeiterschaft, nahme in Strafanstalten, sondern in Besserungsanstalten bewirkt werde. Redner fritifierte sodann die Handhabung der Polizeiaufsicht der Deutschen Tageszeitung" mitgebracht hatten, in der Vorstand zu begrüßen hätte... Die Frage ist jetzt nur, ob der Handel geund der Ausweisungspraxis und bemängelte die Art, in welcher oft und Aufsichtsrat die berichtigten" Bilanzen der Milchzentrale be- lingt, und ob die widerspenstigen Jungflerifalen gezähmt werden. mühungen, die Einigkeit in der Rechten herzustellen, einen hohen Leute vor Gericht nach ihren Vorstrafen befragt und dadurch sogar fannt machen. Aus dieser Bekanntmachung ergab sich, daß die Jebenfalls hat Serr de Trooz in den letzten Tagen in feinen Be schon Existenzen vernichtet worden seien. Die Unfallversicherung der Jahresrechnung des letzten Geschäftsjahres zum 30. September 1906 Verbündeten bekommen: In seiner Antwort auf Sie Ansprache des kürzlich zum Kardinal ernannten Erzbischof von Mecheln, Gefangenen sei auch nicht in der Weise durchgeführt, wie es dem mit einer Unterbilanz von 9 345 692,57 M. abschließt. Merciers, hat der Papst in einer durch ansehnliche GeldSinne und Zweck der gesetzlichen Bestimmung entspräche. Redner geschente sichtlich frisch entfachten Teilnahme für das politische wendete sich dann der Frage der Entschädigung von Schöffen Geschick Belgiens eine sehr dringliche Mahnung an die uiteinigen und Geschworenen zu, die heute bereits auf dem Wege leritalen gerichtet und zum religiösen und politischen der Dienstaufwandsentschädigung durchgeführt werden könnte. 3usammenfch Lu ß aufgefordert. Entschieden sprach er sich gegen den Gedanken aus, die Gewerbeund Kaufmannsgerichte zu beseitigen und ihre Aufgaben den Amtsgerichten zu überweisen. Die Spezialgerichte genießen dadurch das größere Vertrauen, daß ihre Beisitzer aus dem Kreise der Interessenten von diesen selbst gewählt werden und deshalb mit den einschlägigen Verhältnissen besonders vertraut find. Zum Schluß begründete er den Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, der eine Kompetenzerweiterung der Gemeindegerichte fordert und ihre Besitzer durch die Gemeindeangehörigen gewählt wissen will. Schließlich bemängelte er noch die ablehnende Haltung, welche die Amtsgerichte zuweilen gegen die Arbeiterfekretäre einnehmen, welche in Vertretung eines Klienten vor ihnen erscheinen. Die sehr wirkungsvolle Nede erfuhr sofort durch den Justizminister eine eingehende Beantwortung, der zusicherte, die gegebenen Anregungen zu verwerten. Handelsabkommen mit Amerika. Ueber die Grundlage des sogenannten„ kleinen" Handelsab. tommens zwischen Deutschland und Amerika, macht die" New Yorker Handelszeitung" Mitteilungen: werde. Schiffahrtsabgaben. Die von preußischer Seite vorgeschlagene Finanzgemeinschaft veranlaßt die württembergischen Handelsfammern sich nacheinander für die Einführung von Schiffahrtsabgaben auf dem Rhein zu erklären. Auch die Heilbronner Handelstammer hat einstimmig beschlossen, der Regierung den Beitritt zu der vorgeschlagenen Wasserstraßen- Gemeinschaft zu empfehlen, unter gleichzeitigem Ausbruck der Hoffnung, daß bald auch eine Eisenbahn Gemeinschaft zum Abschluß kommen werde. Vom Anziehen der Steuerschraube. Belgien. Bemerkenswerter noch als die die Neutralität" der Kirche wirksam illustrierende päpstliche Rede war die Ansprache Merciers, der offen um die Einflußnahme des Vatitans in die belgische Politik warb. So ist denn anzunehmen, daß sich in der nächsten Zeit der römische Einfluß in der inneren belgischen Politik noch deutlicher kundgeben wird als bisher. Daß man aber ganz offiziell die Für den Stadtkreis Düsseldorf hat die Veranlagung zur Ein Schlichtung der Krise von der Rückkunft des neuen Kardinals aus kommensteuer ein Gesamtsoll von 4538 798 Mart ergeben, gegen Rom abhängig macht, das zeigt klar genug das Maß von Einfluß, das Vorjahr ein Mehr von 92 312 Mark. Die Zahl der veranlagten das der belgische Klerus schon jezt in der politischen Sphäre ausBersonen ist von 64 289 auf 75 798 hinaufgegangen. Der Hauptteil der Dinge neugierig sein auf die Saltung der liberalen Zinken. Immerhin darf man bei der gegenwärtigen Entwickelung von der Zunahme, mit insgesamt 11 504 Personen, entfällt auf die der Dinge neugierig sein auf die Saltung der liberalen Linken. Einer der Radikalsten, Lorand, äußerte sich:" Ein Ministerium de Steuerstufen von unter 3000 Mart. Diese stellen nämlich 10 571 Ben- roo3? Das gäbe eine nette Gröffnungsfizung! Das Ministerium fiten mehr wie im Vorjahre. übt. wird feinen Tag dauern!" Und ein liberales Blatt schrieb, daß die Die Kriminaljagd nach der Hochverrats" Broschüre. Liberalen mit feinem Minifterium tagen würden, dem ein Mitglied Auch in Dortmund ist die Beschlagnahme der Schrift des Noch sind wir nicht so weit, und sicher ist, daß, wenn die Jungdes bergangenen Kabinetts angehört!? Das ist abzutvarten Genoffen A. Liebknecht Militarismus und Antimilitarismus" ber- fleritalen auch jezt ihren Frieden mit der Regierung machen, das sucht worden. Am Freitagnachmittag erschienen in der Buch- Ministerium de Trooz noch lange nicht über alle klippen wäre. handlung der Arbeiterzeitung" drei Kriminalbeamte mit Indes rüstet die Arbeiterschaft zu einer grandiosen Protefttund einem Kommissar, um die gefährliche Broschüre mitzunehmen. gebung für den Achtstundentag, und am 1. Mai wird, nachdem König Aber so viel sie auch haussuchten, sie fanden keine. und Bapst gesprochen haben, auch das Volk seine Meinung sagen. Die russische Revolution. " frankreich. " Die Hauptpunkte der vorläufigen Abmachung sind die folgenden: Erstens sollen bei der Abschätzung von deutschländischen Produkten Ein Gefehentwurf betreffend Abänderung der Gewerbeordnung fernerhin seitens der Zollbeamten Beglaubigungen der Fatturpreise ist dem Reichstage am Sonnabend zugegangen. Er betrifft die von seiten deutscher Handelskammern, als staatlicher Institutionen, Lehrlingsausbildung und beschränkt das Recht dazu in zünftlerischem als Tompetentes Beweismaterial" anerkannt und von solcher Seite Sinne ein. eingesandten Preislisten ernste Beachtung geschenkt werden... Ein weiterer Punkt des Entwurfes für das„ kleine Abkommen" ist die von der Bundesadministration zugestandene Forderung Deutschlands, daß die Spezialagenten, welche die Bundesregierung außer den Konsuln nach dem Ausland entfendet, gleich letzteren bei den deutschen Behörden akkreditierte, amerikanische Beamte fein sollen. Sie sollen nicht mehr bei ihren Bemühungen, dem erhaltenen Auftrage gemäß in Zollangelegenheiten Erkundigungen einzuziehen, Mittel und Wege einschlagen, welche man drüben für Vertreter der amerikanischen Regierung für unwürdig hält, sondern frei und offen vorgehen Die Bourgeoisdiktatur in Frankreich. Paris, 25. April.( Eig. Ber.) Disziplinarrat der Postverwaltung hat über die Genossen Heute ist der zweite Karren zur Guillotine gefahren: Der Graupier und Simonnet wegen der Unterzeichnung des offenen Briefes verhängt! an Clemenceau die Amtsentsegung Es wird weiter gefoltert! Der voltssozialistische Abgeordnete Sisselet erhielt foeben von zahlreichen in den Gefängnissen des Tambower Gouvernements internterten Bauern eine Rollettiveingabe, in der von den schrecklichsten Folterungen die Rede ist. Aus den ungefünftelten, haarsträubenden Schilderungen geht hervor, mildernden Einfluß auf das brutale Vorgehen der russischen daß die letzten Reichsdumaverhandlungen durchaus teinen Gefängnisverwaltung auszuüben scheinen. sid Die„ Unversöhnlichen". Der dritte wichtige Punkt des borläufigen Abkommens ist die Graupier bertritt die Gewerkschaft der Unterbeamten, Simonnet Dem Polizeidepartement sind aus Mostau Nachrichten zu vereinbarte Beibehaltung des öffentlichen Zeugenverhörs vor den die jungen Briefträger. Aber es scheint, daß der Verfuch der Re- gegangen, daß sich dort eine Organisation der Bogromhelden, bie General- Appraisers in Fragen der Zollbewertung von Auslandware. gierung, die Gewerkschaften der Staatsangestellten durch die Maß- Bartei der Unversöhnlichen", gebildet hat, die sich die Ver Schon vor einem Jahre ist als Entgegenkommen für Deutschland tilgung der Intelligenten zur Aufgabe stellt. Ein paar Mitglieder eine Schabamisverfügung ergangen, welches es der Diskretion der regelung ihrer repräsentativen Männer niederzuschlagen, nicht ge- der neuen Partei sollen bereits nach Petersburg entfandt sein, um General- Appraisers anheimstellt, die Zeugenverhöre zu öffentlichen lingen wird. Das Vorgehen der Gesellschaft Clemenceau- Briand- Todesurteile über einige hervorragende Mitglieder der Oppofition zu machen und dem der Untervaluation bezichtigten Importeur Viviani hat vielmehr die Beamtenschaft in eine ungeheure aur Ausführung zu bringen. oder seinem Anwalt zu gestatten, die Gegenpartei einem Kreuze Empörung berseßt, die zu leidenschaftlichem Widerstand antreibt. verhör unterwerfen zu dürfen, sofern nicht Bundesinteressen dadurch Auch die Lehrerschaft, über deren Vertrauensmann, Genoffen geschädigt werden Nègre, der Departementsrat der Seine urteilen soll, ist von Was das spätere große Abkommen" betrifft, so hängt die uns einer entschloffenen Kampfftimmung erfüllt. nahme der Wünsche Deutschlands von dem Kongresse ab. Dahin gehört insbesondere der Vorschlag, in dem Tarifgefeße das Wort Marktwert" durch Exportpreis" zu erfeizen, sowie Straflosigkeit für unbeabsichtigte Untervaluierung bis zu 10 Prog. zu gewähren." " Gewerkschaftliches. Die schwarzen Listen. Neben den Genannten ist noch ein Beamter gemaßregelt Mit einer wahren Wollust werden von den Unter worden, deffen eigentliche Schuld" ein Meinungsdelikt war: bie Mitarbeit an der Voir du Peuple", dem Organ der Arbeits- nehmern die schwarzen Listen aufgestellt, davon wieder zwei tonföderation. Der technische Beamte Jaubion, gegen den der Beispiele. In der Baumwollspinnerei der Firma Göters Früchte des Bergarbeitertrutzgesetzes. Disziplinarrat der Seine- Präfettur gestern die Strafe der Ent Söhne in Rheydt herrschen. unleidliche Zustände, besonders Den großen Bergiverkskatastrophen im Saarrevier sind in den lassung ausgesprochen hat, ist allerdings formell wegen Unter- ist das Straffyftem sehr ausgebildet. Die Folge diefer BuTeßten Wochen eine Anzahl fleinerer Unglüdsfälle gefolgt. zeichnung eines Manifestes der Arbeitskonföderation zur Verstände ist, daß ein steter Wechsel der Arbeiter dort stattfindet. Der Seilbruch auf Zeche Preußen", der 7 Menschen antwortung gezogen worden. Aber auch dieses Plakat hatte keinen So fündigten auch jetzt wieder eine Anzahl Arbeiterinnen das Leben kostete, ist bekannt. Und nun schon wieder ein gegen das Strafgefeß verstoßenden Inhalt. Es ist wirklich nur die und Arbeiter, eine Verabredung hatte, daß wollen wir porweg Seilbruch auf der Zeche Graf Schwerin". Glücklicher schlechte Gesinnung", die Jauvion die Strafe zugezogen hat. Das bemerken, nicht stattgefunden. Die Arbeiter wollten nur weise ereignete sich der Unfall nicht während der Personenfahrt, Berfahren gegen ihn hat aber ungeheuerlicherweise auch zutage die Stelle: berlassen, einen Druck auf die Firma auszuüben sonst wäre das Unglück unabsehbar gewefen. Ferner brach am gebracht, daß schon zuvor eine strafweise Ermahnung" über ihn beabsichtigten sie nicht, weil sie wußten, daß fie dazu borläufig legten Mittwoch ein lözbrand auf Becheothringen" verhängt, d. h. in feine Konduite eingetragen worden war, ohne daß gar nicht in der Lage sind, da in dem Betrieb zu viele Un lorgänisierte beschäftigt Verden. Trotzdem wurden die Arbeiter, welche doch nur von dem ihnen zustehenden Recht, nach erfolgter Kündigung die Arbeitsstelle zu verlassen. Ge- brauch machten, auf die schwarze Liste gesetzt und erhalten nun in keiner Spinnerei in Rheydt und Umgegend Beschäftigung. Bei der Firma Hasenkamp, Heerdter Eisenhütte, kündigten 7 Former, weil sie sich einen Abzug von 2 Mk. nicht gefallen lassen wollten. Vor Ablauf der Kündigungs- frist wurde den Formern mitgeteilt, daß sie die 2 Mk. retour erhalten würden, worauf die Arbeiter die Kündigung zurück- zogen. Mittlerweile hatte die Firma aber schon einen Nach- trag zur Gesamtliste des Vereins deutscher Eisen- und Stahl- Industrieller versandt. Am Kopfe der Liste ist zu lesen: „Der neuerdings bei der Eisenhütte Heerdt F. Hasenkamp U. Co. in den Ausstand getretene Arbeiter." Von einem Ausstand kann hier noch weniger als in dem ersten Fall die Rede sein. Es scheint, als ob es den Arbeitern durch die schwarzen Listen unmöglich gemacht werden soll, ihre Arbeitsplätze zu wechseln. Das Brandmarken durch schwarze Listen artet zu einer Manie aus. Jeder Konflikt mit dcni Unternehmer soll dem Arbeiter angekreidet werden. Man hofft auf diese Weise die Arbeiter zur Unterwürfigkeit zu erziehen. Vielleicht kann es auch die entgegengesetzte Wirkung haben._ Berlin und Umgegend« Achtung, Bauklempner! Die Firma Saeger, Gneisenaustraße, hat den Tarif schriftlich anerkannt. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Die Bewegung in der Holzindustrie. In der Fortsetzung der Verhandlungen der beiden Zentralvor» stände des deutschen Holzarbeiterverbandes und des Arbeitgeber- Schutzver�andes der deutschen Holzindustrie wurde gestern über die Bedingungen zur Einigung in Leipzig und Dresden beraten. Beide Städte waren dabei durch je 4 resp. 6 Vertreter der dortigen Arbeit- geber und Arbeiter vertreten. In gleicher Weise sollen der Reihe nach die beiderseitigen Vertreter auch aus allen anderen an der Aussperrung beteiligten Städten nach Berlin berufen werden. Ueber die Differenzen in Berlin selbst, welche nicht Gegenstand dieser Verhandlungen der Vorstände sind, werden die Vertreter der Berliner Arbeitgeber und Arbeiter voraussichtlich am Montag noch- mals zur weiteren Beratung zusammentreten. Die auf Montag nachmittag festgesetzte Verkündigung des Schiedsspruches des EinigungsamteS ist aus diesem Anlaß verschoben worden. Die Lohnbewegung der Bäcker. Bekanntlich beschlossen die organisierten Bäckergesellen am ver- gangenen Dienstag, die Vermittelung des Oberbürger- m e i st e r s von Berlin nachzusuchen. Auf das dahingehende Gesuch der Organisationsleitung und der beteiligten Gesellen-Ausschüsse ist nun am 26. April folgende Antwort vom Oberbürgermeister eingegangen: Der Ober-Bürgermeister. Berlin C. 2, den 26. April 1907. Auf das heute früh in meinen Besitz gelangte gefällige Schreiben erkläre ich mich gern bereit, die gewünschte Vermitte- lung zu übernehmen. Ich habe mit Herrn Obermeister Schmidt telephonisch vereinbart, daß er mich künftigen Montag zu einer Rücksprache aufsuchen wird. Weitere Mitteilungen behalte ich mir vor. K i r s ch n e r. Leider scheint eS nicht, als könne durch diesen Schritt der Gesellen der Kampf vermieden werden. Wie die„Volkszeitung" berichtet, hat sich durch das Verhalten der Meister die Situation erheblich verschärst. Die Bäckerinnungen Berlins und der Vororte lehnen die Vermittelung des Oberbürger- m e i st e r s ab. In einer gemeinsamen Sitzung der Vorstände aller beteiligten Innungen, in der auch die Vorstände der Berliner Bezirksvereine vertreten waren, wurde beschlossen, die Resolution der letzten Versammlung des Verbandes der Bäcker mit folgendem Schreiben zu beantworten: „Bezugnehmend auf die uns zugesandte Resolution teilen wir Ihnen mit, daß wir eine solche, die nur von einer Mitglied- schaft des Verbandes angenommen ist, nicht als im Namen der Berliner Bäckergefellcnschaft gestellt anerkennen. Wir haben wiederholt erklärt, daß wir eine Organisation wie die Ihre, die noch nicht einmal ein Drittel der Bäckergesellenschaft Berlins und der Vororte umfaßt, und deren innere Schwäche so groß ist. daß ihre gesamte Mitgliedschaft im vergangenen Jahre gewechselt hat, nicht als alleinige Vertreterin der Berliner Gesellenschaft ansehen können. Außerdem ist die Resolution in ihrer Begrün- dung so beschimpfend für die Innungen gehalten, daß es schon aus diesem Grunde nicht möglich ist, dieser näherzutreten." Das Schriftstück an den Oberbürgermeister ist bekanntlich nicht nur von der Verbandsleitung, sondern auch von den Alt- gesellen der beiden größten Innungen unter. schrieben. Es steht also die große Mehrheit der Gesellenschaft auch formal hinter den Verbandsforderungen. Im übrigen spotten die Herren ihrer selbst und wissen es nicht. Der starke Wechsel im Verband, der allerdings glücklicherweise denn doch nicht die Gesamtmitgliedschaft umfaßt, ist eine Folge der innungsmeister- lichen Lehrlingszüchterei. Diese nötigt die Gesellen, die im er- lernten Beruf keine Unterkunft finden können, sich andere Erwerbs- gelegenheit zu suchen und stellt so den Verband immer neu vor die Organisationsarbeit. Im übrigen arbeiten die Meister ganz zielbewußt auf einen Krieg hin; dürfen sich dann aber später auch nicht über die Schläge beklagen, die dieser ihnen bringen wird. Täglich werden der Ver- bandsleitung von den Gesellen die schlimmsten Matzregelungen gemeldet. Ueberall suchen die Scharfmacher die Mitglieder des Verbandes auszuschnüffeln, um sie aufs Pflaster zu setzen, und durch Arbeitswillige ersetzen zu können. Sehr häufig passiert es dabei diesem oder jenem maßrcgelungswütigen Bäckermeister, daß er dabei anstatt des Verbandsgesellen, einen waschechten Gelben hinausbugsiert und an seiner Stelle ein Roter in die Bäckerei kommt. Oft genug aber erreichen diese Scharfmacher doch ihren Zweck, wenn auch nur für den Augenblick. Die Meister haben bereits die Boykott-Abwehrkommission etabliert, die von Bäckerei zu Bäckerei geht und die einzelnen Meister zu bearbeiten sucht. Ganz besonders haben sie eS auf die Großbäckereien abgesehen, von denen sie sich zum Glück fast überall die nötige Abfuhr holen. Fast alle Großbetriebe haben den steien Tag in ihrem Betriebe entweder schon längst eingeführt oder sie sind im Begriff, dies jetzt zu tun. So hat in verflossener Woche wieder eine der größten Bäckereien des Westens die Einrichtung getroffen, daß jeder darin beschäftigte Geselle wöchentlich einen steien Tag erhält. Desgleichen ist dies durch Eingreifen der Organisationsleitung in mehreren Großbäckereien in den Vororten geschehen- Diese Inhaber von Großbäckereien haben für die krampfhaften Bemühungen der „Boykottabwehrkommissionen" nur ein mitleidiges Lächeln oder Achselzucken. An die organisierte Arbeiterschaft Berlin und der Vororte aber richtet die Organisationsleitung das dringende Ersuchen, auf die Bäckermeister von denen sie ihre Ware beziehen, ein wachsames Auge zu haben und es etwaigen maßregelungslustigen Meistern klarzumachen, daß die Arbeiterschaft ihr tägliches Brot nicht von Gelben oder Streikbrechern hergestellt wissen will. Die Marmorarbeiter stehen in einer Bewegung, die den Ab- schlutz eines neuen Tarifs zum Zweck hat. Eine am Freitag ab- gehaltene Mitgliederversammlung beschäftigte sich mit der Frage, welche Forderungen an die Unternehmer gestellt werden sollen. vrisattv. Redakteur: Ha«» Weber. Berlin, Inseratenteil verant».: Insbesondere handelte es sich darum, ob wieder ein Akkordtarif aufgestellt oder grundsätzlich Lohnarbeit verlangt werden solle. Es wurde bemerkt, daß hie mehr und mehr um sich greifende Maschinen- arbeit das ausschließliche Arbeiten im Lohn begründe. Nach längerer Debatte beschloß die Versammlung, von der Aufstellung eines Akkordtarifs abzusehen und die Einführung des Achtstundentages sowie die Gewährung eines Stundenlohnes von 85 Pf. für Stein- metzen und 70 Pf. für Schleifer zu fordern. Die streikenden Leitergcrüstbauer versammelten sich am Sonnabend- nachmittag im„Englischen Garten". H a n n e in a n n, der über die Situation referierte, wünschte ausdrücklich festzustellen, daß der Streik noch nicht beendet ist, wie von feiten mancher Unternehmer durch Plakate vor den Betrieben bekannt gemacht worden ist. Der Wunsch der Unternehmer ist sehnlichst darauf gerichtet, daß der Streik beendet werde, aber sie wollen den Vertrag mit der Organisation nicht unter- schreiben. Eine Strafe von 1000 M. droht dem Abtrünnigen in der Vereinigung der Arbeitgeber.(Diese Strafe ist nicht gesetzlich einklagbar, wie schon öfter festgestellt wurde.) Am Freitag hatten auch die Unternehmer Sitzung und machten ihren gepreßten Herzen Luft. Die Beschlüsse werden nicht so respektiert, wie es im Uuternehmerinteresse wünschenswert wäre. Altmann und Arndt u. Co. rüsten munter, wo sich Gelegenheit findet. Der Beschluß, daß vom 25. bis 27. April keine neuen Rüstungen aufgeschlagen werden sollten, wurden nicht gehalten, wie ein Streikender unter Beweis stellte. Die Firma Stade mann u. Appel verpflichtete sich diesem Manne gegenüber schriftlich. ihm 10 M. zu zahlen, wenn er seine Behauptung beweisen könne. Er machte sich auf den Weg und fand bald eine Rüstung in der Kaiserallee, die im Auftrage von Arndt u. Co. hergestellt lvurde; es gelang ihm sogar, eine Unterschrist zur Erhärtung des Beweises zu erhalten. Jetzt wird er sich die 10 M. holen. Einige Unternehmer haben bei ihren Kollegen, wo gearbeitet wird, vertraulich angefragt. wie sie sich mit ihren Leuten am besten einigen könnten. Verschiedene Angebote wurden schon gemacht. 5 Pf. und auch 10 Pf. zuzulegen, aber die Streikenden lassen sich auf keine Sonderabmachnngen ein. Der Unternehmer G u t s ch e suchte die Streikposten zu verblüffen, indem er an sie herantrat und meinte:„Nanu, Ihr steht immer noch Pröppken, und janz Berlin arbeef schon I" _J0 u s ch hat 18 Arbeitswillige gefunden, ist aber gar nicht zu- frieden mit ihnen. Arndt in der Elbingerstraße hat sich mit seinen Leuten geeinigt und die Arbeit ist dort am Sonnabend wieder auf- genommen worden. Werner und Hannemann ermahnten die Streikenden, fest auszuharren und damit riefen sie die lebhafte Zustimmung aller Anwesenden hervor. Der e r st e Mai wird von den Gerüstbauern durch Arbeits- ruhe gefeiert, woran die arbeitenden Kollegen erinnert wurden. Die Anerkennung des 1. Mai ist im Vertrag mit festgelegt. Achtung, Sattler und Portefeuiller! In der Gürtelfabrik von I. Wollenberg, Dresden, haben sämtliche Kollegen inkl. des Werkführers wegen Lohndifferenzen die Arbeit eingestellt. Betreffende Firma sucht im„Lokal-Anzeiger" Ersatz für die streikenden Kollegen, und zwar solle» sich die Betreffenden im Hotel Britannia, Friedrich- straße 50/51, melden. Wir ersuchen die Kollegen, dieses Arbeits- angebot auf jeden Fall abzulehnen. Die Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Sattler. Achtung, Kupferschmiede! In Guben, Züllichau und Crossen sind die Kollegen in eins Lohnbewegung eingetreten. Wir bitten daher, den Zuzug nach genannten Orten streng fernzuhalten. Verband der Kupferschmiede. Der Vertrauensmann für die Provinz Brandenburg. Deutkcheo Reich. Kein zweites Crimmitschau. Vor eine schwere Entscheidung war am Freitagabend die Langenbielaucr Arbeiterschaft gestellt; es galt angesichts der von dem Unternehmertum immer mehr durchgeführten Aussperrung die von der Situation gebotene Entschließung zu fassen. Wohl hatte der Zentralvorstand der Textilarbeiter die Genehmigung zum Streik der Liehrschen und auch der Suckertschcn Färbereiarbeiter gegeben, aber durch die Aussperrung war die Situation eine ganz andere geworden. Die Weber und Spuler waren, obgleich für sie auch nicht der zehnte Teil eines Pfennigs herausgekommen wäre, bereit, den Kampf durchzuführen. Aber die Leitung der Organisation mußte sich sagen, daß jetzt nicht die geeignete Zeit sei. um den Ent- scheidungskampf mit den Unternehmern zu führen und deshalb hatte sie den Liehrschen Färbereiarbeitern geraten, die Kündigung zurück- zunehmen. Es handelte sich nicht mehr um die Liehrschen und eventuell Suckertschcn Arbeiter, sondern um die organisierte Textilarbeiterschaft ganz Schlesiens, denn schon hatten die Unternehmer Matznahmen getroffen, um neben den organisierten Arbeitern und Arbeiterinnen des Reichcnbacher Bezirks auch die Organisierten der übrigen schlesischen Textilbezirke auszusperren. Durch Verhandlungen mit dem Gewerbcrat T ö p e r t war festgestellt worden, daß mit der Zurücknahme der von den Liehrschen Arbeitern eingereichten Kündigung die Aussperrung gegenstandslos werde und ferner hatte der Gewerbcrat auf Ehren- wort versichert, daß Maßregelungen nicht vorgenommen würden. Der Vertreter des Zentralvorstandes, Jäkel- Berlin, sagte der Langenbielaucr Arbeiterschaft, daß der von der Liehrschen Arbeiter- schaft in einer besonderen Besprechung gefaßte Beschluß auf Zurück- nähme der Kündigung nicht nur im Interesse der Liehrschen Arbeiter, sondern auch im Interesse der deutschen Arbeiterschaft liege. Seit dem 25. Januar gehe ein Sehnen durch die Unternehmer- schaft Deutschlands, die organisierten Arbeiter niederzureiten. Eine gute Organisation müsse eine Niederlage ertragen können, aber sie müsse auch verstehen, einer solchen aus dem Wege zu gehen und im gegebenen Moment abzubrechen. Diese Ausführungen verfehlten ihre Wirkung nicht und ein- stimmig nahm die Langenbielaucr Arbeiterschaft in ganz kolossal be- suchten Versammlungen die nachstehende Resolution an: Die Langenbielaucr Arbeiterschaft bedauert lebhaft das Scheitern aller Verhandlungsversuche in der Lohnstreitfrage der schlecht bezahlten 122 Färbereiarbeiter mit dem Bctriebsinhaber, Herrn Liehr; sie erblickt in der aus Anlaß dieser Differenzen zum Zwecke der Zertrümmerung der Arbeiterorganisation vor- genommenen Massenkündigung der Textilarbeiterschaft durch die Mitglieder des ArbeitgeberverbandeS einen brutalen Gewaltakt und einen Versuch, die ausgemergelte Arbeiterschaft Schlesiens dauernd unfähig zu macheu. in gemeinsamem Streben und Kämpfen eine Hebung der jämmerlichen Lebenshaltung, Ver- kürzung der Arbeitszeit und Erhöhung der Löhne, herbeizuführen. Die versammelten Arbeiter betonen demgegenüber erneut vor der Oeffentlichkeit die Notwendigkeit gemeinsamen Ringens des Prole- tariats um bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen und erklären speziell die Bewilligung der Lohnforderung der hungernden Liehr- scheu Färbereiarbeiter als einfachste Menschen- und Christen- Pflicht. Trotz alledem begrüßt die Langenbielaucr Tcxtilarbeiterschaft den auf Anraten der Organisation von den Liehrschen Arbeitern gefaßten Beschluß, die Kündigung bedingungslos zurückzunehmen, als einen AktderKlugheit und eine durch die augenblicklich vorhandene allgemeine Situation in Deutschland, die schamlose, in den letzten Monaten auf die Spitze getriebene, auf dauernde Schädigung der Arbeiterbewegung hinzielende provokatorische Taktik der U n t e rn eh m e r 1 la ss e gebotene Notwendigkeit. Die Versammlung spricht den vorläufigenAbbruchderBewegungauS und fordert die schlesischen Textilarbeiter und-Arbeiterinnen auf, in intensivster Weise künftig die Organisationsarbeit zu betreiben, den letzten Mann und die letzte Frau dem Verband zuzuführen, um so zu gelegener Zeit aufs neue die Forderungen stellen und durchführen zu können._ n-Blfde, Utaiin. Druck u. Verlag: vorwärts Luchdr. u. Verlag Songca Durch die Annahme dieser Resolution hat die Langenbielauev Arbeiterschaft den Beweis geliefert, daß sie verständiger als das Unternehmertum ist, das aus geringfügigster Ursache Tausende von fleißigen Arbeitsbienen aufs Stratzenpslaster werfen und so ein zweites Crimmitschau heraufbeschwören wollte. Zum Streik bei der Firma Seidel u. Naumann. Die Dresdener Firma läßt es sich waS kosten, um die Oeffent- lichkeit irrezuführen und zu düpieren. Sie hat jetzt unter der Firma des Verbandes der Industriellen für die Kreishauptmann- schaft Dresden vier Seiten große Flugblätter sämtlichen hiesigen bürgerlichen Zeitungen beigelegt, in denen in teils lächerlichen, teils gehässigen Ttraden dem Publikum das tollste Zeug aufgetischt wird. Es ist im Grunde weiter nichts als eine Zusammenfassung oller Unwahrheiten, die bisher im einzelnen von der Firma und den Metallindustriellen in die Oeffentlichkeit gebracht worden sind. Es ist in diesem damit genügend gekennzeichneten Machwerk nur von der„roten Gewerkschaft" die Rede, von„sozialdemokratischen Hetzereien", von„Brüskierung der Direktion durch die mißleiteten Arbeiter". Angeblich hat der Metallindustriellen-Verband die Verhältnisse bei der Firma Seidel u. Naumann geprüft und sei zu einem doppelten(I) Resullat gekommen: 1. Ein sachlicher Grund zum Streik lag nicht vor; 2. der Streit ist ein charakteristischer Fall gewissenloser Handlungsweise der roten Organisation. Als neuen Grund für die Arbeitsniederlegung haben die In- dustricllen jetzt entdeckt, daß die„Roten" die„Gelben" vernichten wollen; aus Haß gegen diese„braven Leute" sollen sie den Kampf inszeniert haben. Ihre Forderungen seien nur Scheinforderungen, sie seien„rein sozialistischer Natur". Man verlange„konstitutionelles Fabrikrcgiment".„Diä Löhne sollten sich nach den Geschäfts- ergebnissen richten!".. Wenn die Forderung: höhere Löhne, Abstellung samtarer Miß- stände, keine frivolen Maßregelungen von Arbeitern, die die Jnter- essen im Arbcitcrausschutz und in dem Vorstand der Betriebs- krankenkasse vertreten, sozialistische Forderungen sein sollen, dann sieht man eben, daß das Unternehmertum niemals Forderungen als berechtigt anerkennen wird. Allerdings wollen die Arbeiter „konstitutionelles Fabrikregimcnt", sie wollen keine_ rechtlosen Heloten sein. Das fordern aber auch alle nicht ganz scharfmacherisch- krankhaften Leute aus dem Bürgertum. Interessant ist der Versuch der Metallindustriellen, d,e auf- fallende Tatsache zu bemänteln, daß, trotzdem öffentlich den Arbeitern Unrecht gegeben wird, doch nicht zu dem dann satzungsgemaßen Mittel der Aussperrung gegriffen wird. Es heißt in dem Flugblatt: „Mit Rücksicht auf diese Sachlage hat die Firma Seidel u. Naumann dem Verband der Metallindustriellen anheimgegeben, der weiteren Entwickelung der Dinge vorläufig zuzusehen und die Aussperrung noch zu vertagen....„ Demgegenüber hat der Verband der Metalllndnstrlcllen seinen Aussperrungsbeschluß ausrrchterhalten, aber den Tag der Aus- sperrung noch hinausgeschoben; er will das namenlose Unglück» das eine Aussperrung erzeugen würde, bis auf den äußersten Notfall vermieden wissen; er will der Firma zunächst noch in anderer Weise so ausreichende Hülse gewähren, daß es ihr möglichst leicht gemacht wird, das angestrebte Ziel sobald wie möglich zu erreichen."- Diese Heuchler, die über das„namenlose Unglück imnmern. Als ob die Scharfniacber durch ihre Aussperruiigsmanie nicht in herzloser und brutaler Weise Hunderttausende von Familienvätern auf die Straß- geworfen haben, ohne mit der Wimper zu zucken. Nein die Wahrheit ist. daß die Firma im Unrecht ist, daß die Metallindustriellen satzunqsgemäß keine Aussperrung verfugen können, daß sie aber in der Oeffentlichkeit die Firma nicht bloß. stellen wollen und außerdem noch einen heilsamen Schreck von poc vorjährigen Aussperrung in den Knockien haben. Zum Schluß jammern die Scharfmacher über die mangelnde und ungenügende Streikbrechcrzuführ, über den„Terrorismus der roten Organisattcm", der weit über die Grenzen des„KoalrtionZ- rechtes" hinausgeht und zum„Koalitionsztvang" werde. Die In- dustriellen malen zum Schluß die Folgen in den düstersten Farben: „Wenn solches Treiben der roten Organisation in Deutschland noch lange fortgeht, so werden wir es erleben, daß unsere Jw» dustrie überhaupt zugrunde gerichtet wird!" Worüber soll man sich nach dem„Zitierten" mehr wundern: Ueber die uiwerfrorenc Dreistigkeit, derartiges in die Welt zu setzen oder über die Naivität derjenigen, die auf solche offenbaren Sc�viudeleien hineinfallen. Letzte IVachrichten und Dcpcfchen, Militarismus und Antimilitarismus. Leipzig, 27. April.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Genosse Rechtsanwalt Dr. K a r l L i e b k n e ch t hielt in einer Versammlung des Sozialdemokratischen Vereins für den 12. sächsischen Reichstagswahlkreis Leipzig-Stadt einen Vor- trag über„Militarismus und Antimilitarismus". Vom über- wachenden Polizeibeamten wurde ihm das Wort entzogen. Die Versammlung ging in bester Ruhe auseinander. Ein Lump. Magdeburg. 27. April.(B. H.) Der 58 jährige Bierkutscher Karl Wirth, welcher mit seiner schwerhörigen und leidenden Frau seit Jahren im Unfrieden lebte, bearbeitete dieselbe in der ver- gangenen Nacht mit einem Schemmelbein so unbarmherzig» das? er ihr auch den Schädel zertrümmerte. Die Frau blieb zuletzt tot in ihrem Bette liegen. Wirth ging am Morgen zur Arbeit; als die Polizei mittags den Mord entdeckte und den Mörder ver- haften wollte, schoß sich dieser eine Rcvolverkugel in den Kopf. Sein Zustand ist bedenklich. Frühlings Erwachen. Prag, 27. April.(B. H.) Hier und in Tetschen herrscht seit den ftühesten Morgenstunden heftiges Schneetreiben. In West» böhmen liegt der Schnee% Meter hoch. Bahnräuber. Budapest, 27. April.(B. H.) Dem Kaufmann Szamet wurde auf einer Bahnfahrt nach Budapest von einer Gesellschaft, bestehend aus drei Männer» und einer Frau, feine Barschaft bestehend auS 6600 Kronen geraubt. Die Räuber sind spurlos verschwunden. Die Pariser Köche im Ausstand. Paris, 27. April(W.. T. B.) heute sind zweitausend Köche und Küchenjungen in den Ausstand getreten. Ministerpräsident Clemenceau schämt sich. Paris, 27. April.(W. T. B.) Der Ministerpräsident Clemenceau empfing heute eine Abordnung der ausständigen Bäcker. Er machte ihnen Vorwürfe wegen der von einem Teil ihrer Genossen begangenen Ausschreitungen und erklärte, er schäme sich, gezwungen zu fein, in den Straßen soviel Soldaten zu halten, um die Ordnung zu sichern. Die Bäcker werden dem Ministerpräsidenten eine kurze Aufstellung ihrer Forderunoen übermitteln._ Völkerverhetzung. Athen, 27. April.(Meldung der„Agence HavaS'.) Bei Morl- hovon in Mazedonien hat ein blutiger Zusammenstoß zwischen türkischen Truppen und einer Bande stattgefunden. Der Anführer der letzteren und 7 Mann sind getötet, die anderen entkamen. Die Türken hatten 26 Tote._ Paul Singer& Co., Berlin S W. Hierzu 6 Beilagen. Nr. 99. 24. Jahrgang. 1. KilM des Jotiöärts" Knlim WlkÄÄ Sonntag, 28. April 1907. Me lNai-Kelolutiov. Die Leiter der Maifestversammlungen werden ersucht, in den- selben nachstehende Resolution zur Annahme zu empfehlen: .In Uebereinstimmung mit den Beschlüssen der internationalen Kongresse der Arbeiter aller Länder und mit den Beschlüssen der Parteitage der sozialdemokratischen Partei Deutschlands, bekunden die Versammelten, daß sie mit aller ihnen zu Gebote stehenden Kraft eintreten für die Verwirklichung der Gedanken, die durch die Maifeier zum AuSdruck gebracht werden. Die Versammelten betrachten die klassenbewußten Proletarier aller Länder als Kampfgenossen, mit denen sie gemeinsam für die Völkerverbrüderung, den Völkerfricden und Förderung des Kultur- fortschrittes kämpfen. Die Versammelten erklären, einzutreten für die Befreiung der Arbeiter von jeglicher Ausbeutung und jeglicher Unterdrückung. Die Versammelten fordern eine wirksame Arbeiterschutzgesetz» gebung, in der mindestens bewilligt werden muß: ein höchstens acht Stunden dauernder Normal-Arbeitstag; eine mindestens 36 Stunden dauernde Ruhepause für jeden Arbeiter in jeder Woche; Verbot der Erwerbsarbeit für Kinder im Alter von unter 14 Jahren. Die Versammelten fordern die rechtliche Gleichstellung aller Arbeiter ohne Unterschied des Geschlechts und unbeschadet darum, ob sie in Industrie, Landwirtschaft, Handel und Verkehr oder im öffentlichen oder Gesindedienst ihre Arbeitskraft verkaufen. Die Versammelten fordern die Erweiterung der politischen und Wirt- schaftlichen Rechte für die Arbeiter. Vor allem Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts mit geheimer Stimm- abgäbe für alle über 20 Jahre alten Personen ohne Unterschied des Geschlechts für alle Wahlen, Sicherstellung des Koalitionsrechtes, volle Vereins-, Versammlungs- und Preßfreiheit und Erweiterung der Rechte der Arbeiter bei der Arbeiterversicherung. Zur Wahrung der politischen Rechte schließen sich die klassen- bewußten Arbeiter in der sozialdemokratischen Partei zusammen; zur Erkämpfung wirtschaftlicher Vorteile vereinigen sich die Ar- beiter in den Gewerkschaften. Diese Organisationen sind ein dauernder Protest gegen die bestehende Unterdrückung und das Machtmittel zur Erringung weiterer Rechte. Der vereinigte Kampf des Proletariats aller Länder ist das wirksamste Mittel zur Be- freiung der Arbeiterklasse. In dieser Erkenntnis werden die Versammelten mit aller Kraft für den Ausbau der politischen und gewerkschaftliche� Organi» sationcn der Arbeiterklasse wirken."-'"" Rclchatag. 40. Sitzung vom Sonnabend, den 27. April, vormittags 11 Uhr. Am BundeSratstisch: Kraetke. Auf der Tagesordnung steht die zweite Lesung de? Etats der RcichSpost- und Telegraphenvcrwaltung. Hierzu liegt eine Reihe von Resolutionen vor. Eine Resolution Dr. Ablaß und Gen.(Freis.) fordert, daß den Beamten und Unterbeamten der nach 8 Uhr abends und an Sonn- und Festtagen abzuleistende Dienst auf die Arbeitszeit Is-hfach in Anrechnung gebracht werde. Eine zweite Resolution Ablaß und Gen. fordert die Um- Wandlung der Post- und Telegraphensekretärstellen in Ober- sckretärstellcn, der Oberassistenten-, Assistenten- und Postvcrwaltcr- stellen in Sekretärstellen. Ferner soll durch Uebertragung minder- wichtiger Dienstgeschäfte der mittleren Beamten auf eine neuzu- schaffende niedere Beamtenklasse eine Verringerung der mittleren Beamtenstellen, zugleich aber eine Verbesserung der BcförderungS- aussichten der Unterbeamten eintreten. Eine Resolution Graf v. Hompesch(Z.) will den Reichs- kanzler ersuchen, zu veranlassen, 1. daß die Bearbeitung der Massenauflieferungen von Druck- fachen bei der Post an den Vorabenden von Sonn- und Feiertagen mit dem gewöhnlichen Schalterschluß endige und bis zum nächsten Werktag ruhe; J 2. daß die Annahmeschalter für Paketauflieferungen an den Vorabenden von Sonn- und Feiertagen früher als bisher gc i schlössen werden. Schließlich liegen noch drei Resolutionen Oertel knatl.), v.. Gersdorff(k.) und Fthr. v. G a m p(Rp.) auf Gewährung von Ostmarkenzulagen an die Postbeamten bor. Abg. Dr. Dröscher(k.): Das finanzielle Ergebnis des Post- etats ist geradezu glänzend zu nennen. Der Ueberschuß beträgt mehr als 82 Millionen Mark, d. i. eine Steigerung gegen daS Vorjahr um 26.8 Proz. gegenüber S,5 Proz. und 16,2 Proz. in den vorhergehenden Jahren und 3,1 Proz. gegenüber dem Jahre 1963/64. � Durch besondere Sparsamkeit an Betriebsmitteln ist dieses glänzende Ergebnis nicht erreicht, in dieser Beziehung kann man der Verwaltung keinen Vorwurf machen. Angesichts des guten Ergebnisses könnte man an eine Herabsetzung der Gebühren denken, doch scheint uns das nicht angebracht. Persönlich bin ich zwar entgegen der Mehrzahl� meiner Freunde gegen die Erhöhung des OrtsportoS gewesen, dessen Ergebnis auch den Erwartungen nicht entsprochen hat.(Hört! hört! links.) Aber ein Zurück gibt es nicht mehr. Dagegen wäre eS im Interesse der Landbewohner geboten, die Fernsprechgebühren aus dem Lande herabzusetzen; da- durch würde auch kein finanzieller Ausfall entstehen. Das gute finanzielle Ergebnis ist zum Teil hervorgerufen durch eine starke Ausnutzung der Arbeitskraft der Postbeamten. Der neue Postetat zeigt einige Gehaltsverbesserungen; aber dem wiederholt geäußerten Wunsch des Reichstages auf eine wirksame GchaltSverbesserung der mittleren und unteren Beainten ist nicht Rechnung getragen. Die Arbeitszeit für sehr viele Beamte ist noch immer zu aus- gedehnt, die Sonntagsruhe nicht genügend. Auch eine Verbesserung der Urlaubsvcrhällnisse halten wir für wünschenswert. Wir hoffen, daß die für das Jahr 1968 versprochene organische Regelung der Beamtengehälter den berechtigten Wünschen der Postbeamten Rechnung trägt.(Beifall rechts.) Auch die Gehälter der höheren Postbeamten müssen verbessert werden, ihre Differenz gegenüber den gestiegenen Einkommen der Erwerbstätigen macht das dringend notwendig. Ohne die Verbesserung auch der Gehälter der höheren Beamten würden meine Freunde einer Gehaltsregelung nicht zn- stimmen können.(Bravo! rechts.) Abg. Kämpf(frs. Vp.): Auf dem letzten Weltpostkongreß ist die Herabsetzung deS internationalen Portos angeregt worden. Wir begrüßen das mit Freuden; denn jede Erleichterung des PortoS erhöht den Briefverkehr, jede Erschwerung vermindert ihn. das beweist deutlich das Fiasko, welches die Erhöhung des OrtSportos gemacht hat. Wir stehen in der Frage der Portosätze nicht auf der Höhe, auf der unsere Nachbarländer stehen. Hauptschwierigkeit sind fiskalische Bedenken. Für Deutschland würde der rechnungS- mähige Ausfall 13,6 Millionen betragen. Die Zahl der Briefe steigt bei ermäßigtem Porto ganz ungemein, wie die Erfahrungen anderer Länder ganz unwiderleglich beweisen. Redner tritt des weiteren str die Einführung deS Postscheck- verkehr? ein. Hoffentlich werden, wenn eine solche Vorlage kommt, nicht vom Reichstag Bedingungen gestellt, deren Annahme der Re- gierung unmöglich ist.(Bravo! links.) Staatssekretär Kraetke: Als mein Herr Vorgänger den Antrag stellte, einem Postscheckverkehr zuzustimmen, wurden leider vom Reichstag Bedingungen gestellt, die seine Einführung unmöglich machten. Ich persönlich bin von der Bedeutung eines solchen PostscheckverkehrS durchaus überzeugt; in Oesterreich und der Schweiz hat er sich sehr gut bewährt. Ich hoffe, daß eine neue Vorlage ein besseres Schicksal haben wird.— Davon, daß ermäßigte Gebühren eine Vermehrung der Korrespondenz zur Folge haben, bin auch ich überzeugt, aber eS trifft nicht immer zu, daß diese Vermehrung der Korrespondenz den Einnahmeausfall deckt. DaS ist in England bei der Einführung des Penny-PortoS erst in 17 Jahren der Fall gewesen.— Dem Wunsche nach Ermäßigung der Fernsprechgebühren auf dem platten Lande sind wir bestrebt entgegenzukommen. Das Zusprechen von Wetternachrichten ist gegen eine sehr mäßige Gebühr gestattet. Abg. Freiherr v. Gamp(Rp.) wünscht erneute Vorlegung eines PostsparkassengesctzeS. Wir haben alles Interesse daran, unseren Arbeitern das Sparen zu erleichtern. Nicht einverstanden er» klären kann ich mich mit den Wünschen auf Herabsetzung der inter- nationalen Portosätze; bin dagegen auch durchaus für den Abschluß von besonderen Postverträgen mit den benachbarten Ländern. Hier sprechen erhebliche geschäftliche Rücksichten mit. DaS FiaSko der Ortsportoerhöhung ist nur dadurch zu erklären, daß nicht auch daS Briefporto erhöht lvurde und daß vielfach statt der Postkarte das telephonische Gespräch gewählt worden ist. Auf dem Lande ist eine Verbesserung des Telephonverkehrs dringend notwendig, besonders sollte die oft stundenlange Mittagspause in den ländlichen Post- amtern wenigsten? für den Telephonverkehr erheblich abgekürzt oder beseitigt werden. Redner befürwortet weiter seinen Antrag auf Gewährung von Ostmarkrnzulagen an die Reichspostbeamten in Posen und Westpreußen und tritt für Besserstellung einiger Beamtenkategoricn ein. Reichsschatzsekretär Frhr. v. Stengel: Bezüglich der Ostmarken» zulage, die von dem Vorredner gewünscht wird, erinnere ich daran. daß die Regierung 1964 widerrufliche Zulagen für die Beamten der Post- und Heeresverwaltung in den östlichen Provinzen verlangte, welche der Reichstag jedoch ablehnte. Zu den jetzt aus dem Hause geäußerten Wünschen konnten die Regierungen noch nicht Stellung nehmen; eine Erklärung darüber behalte ich mir daher für die dritte Lesung vor. Abg. Hamccher(Z.): Im Namen meiner politischen Freunde muß ich mich gegen eine Herabsetzung der Portosätze aussprechen; den finanziellen Ausfall, der dadurch herbeigeführt würde, können wir nicht tragen. Den Wünschen auf Beschränkung der Sonntags- arbeit der Postbeamten ist in etwas Rechnung getragen; wir wünschen, daß auf diesem Wege fortgeschritten wird. Der Resolution Ablaß, daß die Sonntagsarbeit und die Arbeit nach 8 Uhr abends 1s4fach in Anrechnung kommt, stimmen meine Freunde zu. Notwendig ist eine Regelung und Vereinfachung der Tarife; gegenwärtig herrscht auf diesem Gebiete geradezu ein Wirrwarr, der auch zu allerlei Kuriosa führt. Im Interesse deS Publikums wäre eine erweiterte Einführung von Briefmarken- automaten sehr erwünscht. In erfreulicher Weise nimmt, wie wir anerkennen, die Sonntagsruhe zu und die wöchentliche Arbeits- leistung ab; wir bitten, daß sie schließlich auf die Normalleistung von 48 Stunden wöchentlich gebracht wird. Die wirtschaftliche Lage der Unterbeamten und weiter Kreise der mittleren Beamten ist überaus traurig. Den Bemühungen des Reichstags ist es gelungen, die Teuerungszulage und das Ver- sprechen der Gehaltsregulierung für das nächste Jahr zu erreichen. Die Beamten leiden ganz besonders unter der Erhöhung der Preise für alle Lebensbedürfnisse, weil sie in festen Bezügen stehen. Eine tiefgehende Unzufriedenheit ist unter sämtlichen Beamten, auch den höheren, vorhanden. Des weiteren wünschen auch die Telegraphen- arbeite! eine Erhöhung ihrer Löhne, vor allem aber auch eine Aenbcrung ihre? TitelsüderNcht vom 27. April 1907. morgen» 8 Uhr. Wetter-Prognose für Tonntag. den 28. April 1SV7. Kühl und vorwiegend trübe mit Regeniällen und ziemlich frischen uörd» lichen Winden. Berliner Wetterbiii eon. lOett unter regulärem Werf! Dieses Angebot gibt dM gMhrton D«m«« ein« g«» umsoN ordvntlich gQnctig« Emkaufcgalvgantie«. — SAmtlicha Kostöm® sind»retklantg verarbertet und au» nur prima Stoffen und Zutaten._ Diese Preise sind zum Teil bis zur Hälfte und darunter ermissigt Tuch in allen Farben, viele engt, und Loden- stoffe, leichte Kammgarne und Alpakas Bolero, Ltft-Boy- u. Jackett- Kostüme mit fussfreien nad langen Röcken Abteilung: DiineB-Sport-Rieidoiit Loden- Kostüme....... m. 20« Gebirgs- Kostüme...... m 28 aa Jagd-Kostüme. �*•••« u 35 ea Loden- Pelerinen m. 9 m Sport- Röcke.......*. m. 6 m Automobil-Mäntel....«■ m. 21 an M. Lange engl. 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Als dem Minister Maybach einst vorgeworfen wurde, eine gleiche Verfügung erlaffen zu haben, habe er erwidert: Wie sollte ich dazu kommen? Das wäre ja eine Verkümmerung der Menschenrechte!"( Hört! hört! links und im Zentrum.) Der Etat wird bewilligt. Hierauf wird der ganze Etat in der Gesamtabstimmung angenommen, ebenso das Etatsgefes. Nächste Sizung: Montag 11 Uhr.( Sekundärbahnvorlage.) Schluß: 5 Uhr. Finanzminister v. Rheinbaben: Es ist jetzt Aussicht, daß die Menschliche Lasttiere für die notleidende Landwirtschaft" einen Berhandlungen mit der Stadt Berlin zum Ziele führen. Die Artikel, der die scheußlichen Zustände auf ostelbischen Gütern Umgrenzung des Gebietes foll als Bauland verkauft werden, da- geißelte, insbesondere auch das freisprechende Urteil des Instergegen das innere Gebiet, 58 000 Quadratmeter, eine Fläche, vier- burger Landgerichts in dem Prozeß des wegen Tötung eines mal so groß wie der Dönhoffplak, soll Park werden. Wir haben Landarbeiters angeklagten Gutsinspektors und die aus Anlaß dies Gebiet, das einen Wert von 4 Millionen hat, der Stadt Berlin dieser Affäre erfolgten Verurteilungen der Genossen Seger. zum Preise von 2 Millionen angeboten. Leipzig zu drei Monaten Gefängnis und J. Borchardt zu 300 M. Geldstrafe kritisierte. In dem Artikel heißt es, daß im Prozeß Borchardt in vollem Umfange der Wahrheitsbeweis dafür erbracht wurde, daß der freigesprochene Inspektor nicht in Notwehr gehandelt habe und wurde das freisprechende Urteil der Insterburger Straftammer einer vernichtenden Kritik unterzogen. Daß Borchardt trotz allen Feststellungen verurteilt wurde, kritisierte die Frankfurter Volksstimme" in einem Sazze, durch den sich die Königsberger Richter, die Borchardt verurteilten, beleidigt fühlten. Das Gericht zu Frankfurt a. M. fand, daß sie Grund dazu hätten, der Artikel beschuldige die Königsberger Richter der Parteilichkeit. Der Schutz des§ 193 wurde dem Angeklagten verweigert, weil das Gericht der Ansicht ist, daß die Insterburger Schießaffäre, die straflose Tötung eines Landarbeiters durch einen Inspektor keine Angelegenheit gewesen sei, über die die Volksstimme" ihre Leser unterrichten müßte! Aus der Partei. Die Maifeier. Der Verband der Lübecker Metallindustriellen machte durch Anschlag in den Fabriken und Werkstätten bekannt, daß alle Arbeiter, die am 1. Mai feiern, bis zum 13. Mai ausgesperrt würden. Trotzdem wird in den meisten größeren industriellen Etablissements am 1. Mai die Arbeit ruhen. In dem Vorjahre dauerte die Aussperrung in der Metallindustrie drei Tage. Dieser Satz der Begründung sagt über das Wesen der deutschen Justiz noch mehr als das Urteil! Minister des Innern v. Bethmann- Hollweg: Die vom Vorzebner erwähnte Verfügung ist erlassen und von ihm richtig wieder gegeben worden.( Sört! hört! links und im Zentrum.) Der Erlag trifft aber nicht Besprechungen und Korrespondenzen der Beamten mit einzelnen Abgeordneten über allgemeine Fragen der Gefeßgebung und Verwaltung, über Mißstände, die die Beamten wahr. zunehmen glauben, über die Mittel, wie ihnen abgeholfen werden tann. Das sind Beziehungen, die vollkommen einwandsfrei sind. Ich habe nicht den Beamten den Mund verbieten und nicht den meinen ordnungspolizeilichen Gründen verboten worden. Seuhul um beleidigt haben sollte, hatte sich Genosse Stephan Der Maiumzug ist in Düsseldorf aus allgeStraffonto der Presse. Weil er den Kaplan von Abgeordneten die Möglichkeit nehmen wollen, sich zu orientieren. Was meine Verfügung allein treffen soll, ist das, daß die Beamten Die„ Maifest- Zeitung" ist im Verlage der Buchhandlung beise von der Niederrheinischen Arbeiter- Zeitung" vor der fich nicht an die einzelnen Abgeordneten mit solchen Wünschen Vorwärts erschienen. Die Titelzeichnung zeigt im Brustbild Straffammer in Duisburg zu verantworten. Die Verhand und Anliegen wenden sollen, welche ihre dem Dienstverhältnisse die Kraftgestalt eines die Arme, kreuzenden Proletariers; im lung endete mit der Verurteilung Heises zu einem Monat entspringenden persönlichen Interessen betreffen und deren Er- Hintergrunde ragen die Schlote der Fabriken. Die Figur atmet Gefängnis. Heise hatte die Erziehungspraktiken im St. Bern füllung und Versagung zur Zuständigkeit der vorgeseßten Dienst- Entschlossenheit und Bewußtsein des Zieles; sie ist eine treffende hardusstift, dessen Vorsteher der genannte Kaplan ist, einer scharfen behörde gehört. Auch in England ist schon seit Ende der 60er Berkörperung der Stimmung der Arbeiterschaft in dieser kampf Kritik unterzogen und dabei den Kaplan, der persönlich in der bes Jahre den Beamten die Weisung erteilt worden, Gehaltsaufbefferungen nur auf dem Dienstwege zu erstreben. Meine Ber- berheißenden Zeit, in der wir diesmal die Maidemonstration berühmten Fürsorge- Erziehung" tätig ist, arg mitgenommen. fügung soll der Loderung der Disziplin vorbeugen, und ich bitte gehen. Das große dreigeteilte Mittelbild schließt sich sowohl als Redakteurfreuden. Auf die Aufforderung des Staatsanwalts Sie: unterstüßen Sie mich in diesem Bestreben; denn an der fünstlerische Leistung wie als Ausdruck proletarischen Fühlens und Aufrechterhaltung der Disziplin haben Regierung und Land das Wollens dem Titelbild würdig an. gleiche Interesse. An die Beamten richte ich die Aufforderung, fich nicht wankend machen zu lassen in dem Vertrauen zu der borgesezten Behörde.( Beifall rechts.) Abg. Lusensky( natl.): Was der Beamte tun darf und was nicht, das ist aus den Ausführungen des Ministers nicht recht herborgegangen.( Sehr richtig! links.) Materiell kommt die Berfügung auf eine Einschränkung des Petitionsrechts hinaus.( Sehr richtig! links.) Redner bittet weiter um Gewährung von Unterftüßungen an die durch die Explosion der Roburitwerke bei St. Annen Geschädigten. Abg. Frhr. v. Sedlis( ft.): Mir scheint der Erlaß nicht glücklich gefaßt; er scheint überall zu Mißverständnissen Anlaß gegeben zu haben. Man muß deshalb dafür sorgen, daß der Wortlaut des Erlaffes mit der Absicht des Ministers in Einklang gebracht wird. Aus dem tertlichen Inhalt nennen wir:" Der Protest des Mai" von Karl Emil." Wir Frauen und die Zukunft" von Käthe Dunder." Positive Arbeit" von Karl Korn. schaften und der erste Mai" von Baul Umbreit. Gedicht von F. Diederich. „ Die Gewerk Maiengang", Der Einzelpreis der Mai- Beitung beträgt 10 Pf. Sie ist durch alle Parteibuchhandlungen und Kolporteure zu beziehen. Wiederverkäufer erhalten Rabatt. = hin hat fich Genosse H. Schotte von der Düsseldorfer Boltszeitung" in die Einsamkeit des preußischen Gefäng niffes zurückgezogen. Zunächst soll Schotte zwei Monate vers büßen, die ihm eine Kritik der Breslauer Polizeitaten und der Polizeimaßnahmen zum Wahlrechts= sonntag eingebracht hat. Daran werden sich zwei Monate anschließen, die ihm zuerkannt wurden, weil er nicht ehrerbietig genug vom Dreitlaffenparlament geschrieben hat. Einige andere Urteile auf insgesamt Wochen unterstehen noch der Entscheidung des Reichsgerichts. Erkennt es, wie bei den anderen Urteilen, auf Verwerfung der Revision, dann hat Genosse Schotte Monate 3 Wochen Zeit, über seine Sünden" nachzudenken. Aus Industrie und Handel. ,, Constantin der Große." Die Gewerkschaft Constantin der Große" erzielte im Jahre Auch die Maifest 3eitung" der deutsch öfter- 5 Minister v. Bethmann- Hollweg erwidert auf den letteren reichischen Genossen ist erschienen. Der Situation entWunsch, daß in den letzten Tagen ein Gesuch um Bewilligung von sprechend ist sie vornehmlich dem Wahlkampf gewidmet. Das Staatsmitteln an ihn gelangt sei, das eine wohlwollende Prüfung Titelbild im farbigen Drud zeigt den Proletarier, den Ritter, erfahren werde.( Beifall.) Kleriker und Kapitalist zu binden suchen. Minder gelungen ist das große Vollbild, das allzu grelle Farben und sehr konventionelle Behandlung aufweist. Um so besser ist dafür der frische tegtliche 1906 einen Bruttogewinn von 4 397 373 m. gegen 3 032 517 W. int Teil: ein Kampfgedicht:„ Vorwärts zum Sieg!" von D. W. Payer, Borjahre. Nach Abzug von 1035 521 M. für Steuern, Versiche Maitag im Wahljahr" von Friz Austerlik," Bu neuen Ufern loďt rungen usw. stellt sich der Reingewinn auf 3 462 080 M.( 2 926 361 Auf eine Anfrage des Abg. v. Wenzel( f.) erklärt ein neuer Tag" von Dr. Karl Renner," Der ewige Friede" von Mark), wovon 1 662 086.( 1 628 861 m.) zu Abschreibungen verMinister v. Bethmann- Hollweg: In Wilhelmsburg bei Ham- Karl Leuthner," Das gleiche Wahlrecht und dann?" von wandt und 1800 000.( 1 300 000 m.) oder 1800 m.( 1300 M.) pro burg sind allerdings am zweiten Ostertag englische Arbeiter von Siegmund Kuff," Wandlungen im Wesen der Nation" von Otto Kur als Ausbeute verteilt wurden. streifenden Schauerleuten in nichtswürdigster Weise mißhandelt Bauer,„ Die internationale Gewerkschaftsarmee" von Adolf Braun. worden. Ich bedaure diesen Vorfall außerordentlich. In Wilhelmsburg sind zurzeit nur 7 Gendarmen angestellt. Von Verlegt ist die Festschrift von der Wiener Wolfsbuchhandlung Ignaz diesen sind nur 2 in der Wirtschaft erschienen, als die Angelegen- Brand zu Wien VI, Gumpendorferstr. 18. heit schon erledigt war. Ich habe Ermittelungen anstellen lassen, weshalb diese beiden Beamten so spät erschienen sind und weshalb nicht mehr Gendarmen erschienen sind. Die Hamburger Bolizei hat dem Vorfall auf ihrem Gebiete untätig zugesehen. Ich habe Beziehungen angeknüpft, um in dieser Richtung ein freundnachbarliches Verhältnis herzustellen, wie es mit den beiden anderen Hansestädten bereits besteht. Abg. Münsterberg( frs. Vg.): Wenn die Mißstände, die der Erlaz des Ministers beseitigen soll, wirklich so ernst sind, weshalb hat dann das Staatsministerium oder wenigstens die übrigen Refforts keinen Anlaß gehabt, eine gleiche Stellung zu nehmen? Ich halte es deshalb für nötig, daß der Grlaß so schnell wie möglich verschwindet.( Beifall links.) Abg. Cassel( frs. p.): Wir müssen uns gegen diesen Grlaß im Prinzip wenden. Auch eine Deklaration desselben wird seine üblen Folgen nicht beseitigen; er muß vollständig aufgehoben werden.( Beifall links.) Abg. v. Heydebrand( t.) schließt sich dem Wunsche des Abg. Frhrn. b. Zedlib an, daß der Wortlaut des Erlaffes mit der Er flärung des Ministers in Einklang gebracht werde.( Bravo! rechts.) Hierauf wird ein Schlußantrag angenommen. Der Etat des Ministeriums des Innern wird bewilligt. Es folgt die Beratung des Etats der Die Belegschaft zählte im Jahresdurchschnitt 5202( 4864) Stöpfe.. Der Durchschnittslohn der gesamten Belegschaft stellte sich pro Schicht auf 4,88.( 4,53 M.), war also um 7,77 Broz. höher. Pro Kopf der Belegschaft ergab sich folgende Gewinnziffer: Bruttogewinn Reingewinn M. M. 1905 1906 623 601 845 665 Für das laufende Jahr haben die Kurenbesitzer Aussicht auf noch höhere Ausbeute. Im ersten Vierteljahr 1907 stellten sich namlich die Einnahmen auf 5 625 720 2.( 4 829 584 M.) und die Ausgaben auf 4 601 112 M.( 3 817 190 M.), so daß sich ein Buttoüberchuß von 1024 608 M.( 1012 393 M.) ergibt. Nach Abzug von 3insen und Entschädigungen in Höhe von 151 147 m. bleibt ein Rettoüberschuß von 873 461 M.( 846 398 Mt.). Da ab 1. April auch mit hochgespannten Hoffnungen ihre Badereisen antreten und sich bon der anstrengenden Entrüstung über die Begehrlichkeit der Arbeiter erholen. 482 Mt. Reingewinn pro Arbeiter. Allgemeines Arbeiterbildungsinstitut für Leipzig. Unter diesem Namen ist am Donnerstagabend in einer Parteiversammlung des 12. und 13. sächsischen Reichstagswahlkreises im Leipziger Volkshaus ein Institut geschaffen worden, das bestimmt ist, die vom aufgelöften Leipziger Arbeiterverein und den einzelnen Parteiorganisationen bisher betriebene theoretische Erziehungsarbeit in konzentrierter und höherer Form fortzuführen. An dem Institut sind auch die Leipziger Gewerkschaften beteiligt und mit drei Delegierten in dem sieben Mann starten Verwaltungsausschuß vertreten; die beiden Kreisvereine stellen je zwei Mann. Das Statut bezeichnet als Aufgabe des Instituts, die Arbeiterschaft auf politiSozialismus auszubilden und ihre künstlerischen und geselligen Bedürfnisse nach Möglichkeit zu befriedigen. Diese Aufgabe soll et reicht werden durch systematische und planmäßige Unterrichtskurse, durch populär- wissenschaftliche Einzelvorträge oder Vortragszyklen, durch die Organisation und den Ausbau des Bibliothekwesens unter einer Zentralleitung, die Aufführung guter Theaterstücke, die VerIn ihrem Geschäftsbericht für 1906 beklagt die A.-G. für Berganstaltung von Rezitationen, fünstlerischen Aufführungen und Kon- bau, Blei- und Zinkfabrikation zu Stolberg, daß sie nicht in der gerten und geselliger Zusammenkünfte mit gediegener Unterhaltung, Lage gewesen sei, aus den hohen Metallpreisen in vollem Maße durch die künstlerische Ausgestaltung der Vereinsfestlichkeiten, die Vorteil zu ziehen, da sie infolge des Umstandes, daß sie genötigt Ausstellung guter Jugendschriften und volkstümlicher Kunstgegen- ist, den Erzbedarf ihrer Hütten zum größten Teil zu kaufen, die stände zu geeigneter Zeit, und die Förderung aller Bestrebungen, Grze im Verhältnis der gestiegenen Metallpreise teuerer bezahlen die die Erziehung und Ausbildung der Arbeiterjugend zum Ziele mußte. Immerhin können die Aktionäre mit dem Ergebnis zu Abg. v. Brandenstein( t.) kommt auf seine letzte Rede haben. Die Unterrichtskurse sind halbjährig; sie beginnen im frieden sein. Der erzielte Bruttogewinn beziffert sich einschließlich über die Benutzung der 1. Klasse zurück und wendet sich in längeren Oktober und April. Die Teilnehmerzahl eines Sturses soll nicht 20 699 M.( im Vorjahr 46 460 M.) Vortrag aus dem Vorjahre auf Ausführungen gegen die Kritiken, die darüber in der Presse er- mehr als 40 betragen. Die befähigten Teilnehmer werden von den schienen find. Er habe sich nicht darüber aufgehalten, daß Reifende beteiligten Korporationen vorgeschlagen. Die Kosten für die Unter- 3016 904 M.( im Vorjahr 2947 136 M.). Zu Abschreibungen auf in der 1. Klasse zerlegbare Hemden trügen, sondern daß fie fich haltung des Instituts werden von den Kreisvereinen und den Ge- die Immobilien und Anlagen dienen 1,1 Millionen Mark( wie im nicht genierten, von dieser Zerlegbarkeit zur unrechten Zeit Gewerkschaften nach Uebereinkunft getragen. Mit der Gründung dieses Vorjahr), und auf Mobilien 78 748 M.( im Vorjahr 61 544 m.). brauch zu machen.( Seiterkeit.) Wie weit das gehen könne, be- Instituts ist das Bildungswesen der Leipziger Arbeiterschaft zen. Hiernach verbleibt ein Reingewinn von 1838 155 M.( im Vorjahr 1785 592 M.), aus dem eine Dividende von 10 Proz.( wie im Vorweise eine Schilderung, die der frühere sozialdemokratische Ab- tralisiert und sieht einer gedeihlichen Entwickelung entgegen. geordnete Most in seinen Memoiren über eine Fahrt mit seinem jahr) verteilt werden soll. Die Zahl der durchschnittlich beschäftigten Arbeiter erhöhte sich von 3810 auf 3812. Mithin entfällt auf den Genossen Bahlteich gebe. Dieser schreibe: Wir zogen Röcke und Stiefel aus und taten überhaupt, als wenn wir zu Hause wären. Stopf der beschäftigten Arbeiter ein Reingewinn von 482 M. gegen Bahlteich nahm seine Wäsche auseinander und der ganze Krempel 468 M. im Jahre 1905. Selbstverständlich wird auch darüber gelag auf den Sißen herum. Im letzten Moment stieg dann der lagt, daß durch hohe Löhne das Erträgnis beeinträchtigt wurde. sächsische Minister v. Nostiz ein, der aber in Riesa in die 2. Klasse Die Arbeiter sollten eigentlich noch Geld mitbringen, für die Ehre, überstieg, um nicht Handwerksburschen Gesellschaft zu leisten, die beschäftigt zu werden. auf Regimentsunkosten 1. Klasse fuhren. Eisenbahnverwaltung. Präsident v. Kröcher bringt jetzt einen von konservativer Seite gestellten Schlußantrag zur Abstimmung. Obwohl das Ergebnis der Abstimmung sehr zweifelhaft ist, fonstatiert der Präfident, daß der Schlußantrag angenommen sei. Darauf wird aus dem Haufe die Wiedereröffnung der Debatte verlangt. Als der tonservative Abg. v. Heydebrand erklärt, daß er dagegen Widerspruch nicht erheben wolle, erklärt Präsident v. Kröcher, daß er dann selbst Widerspruch erheben wolle. erheben wolle. Infolgedessen schließt die Besprechung. Der Etat wird angenommen. Die Beratung geht über zum Etat der Bauverwaltung. Abg. v. b. Wense( ft.) begründet einen Antrag, nach dem bei staatlichen Bauten einheimische minderjährige Arbeiter nicht zu verwenden sind. Minister Breitenbach sagt Berücksichtigung dieses Wunsches zu. Abg. Fritsch( natl.) bittet um Auskunft über die Projekte zur Entlastung des Potsdamer Plates. Eine Landarbeiterzeitung wird seitens der Lübecker Parteigenossen in Zukunft allmonatlich im Landgebiet des Freistaates gratis verteilt werden. Die erste Nummer erscheint Anfang Mai. Eine hessische Landeskonferenz des Verbandes junger Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands tagte am 21. d. Mts. in Darmstad t. Es wurde die Gründung eines hessischen Gauverbandes beschlossen und Darmstadt als Vorort gewählt. Die Wahl des Gauborstandes ist der Ortsgruppe Darmstadt übertragen worden. Ein Referat des Genossen Stadtverordneten G. Schmidt über Die Erziehung der Jugend" soll als Broschüre herausgegeben werden. Eine einstimmig beschlossene Resolution besagt unter anderem: " In Anbetracht, daß die Jugendorganisation eine Vorschule für die Arbeiterbewegung sein muß, ist eine direkte Unterstellung als politische oder gewertschaftliche Jugendfektion zu verwerfen, da die Behandlung der Lehrstoffe anders geschehen muß als in den Organisationen gereifter Männer. Die Konferenz er klärt ferner die Konstituierung eines Bildungsausschusses, welcher den einheitlichen Lehrplan sowie die Auswahl der geeigneten Literatur zu treffen hat, für unbedingt notwendig." Anwesend waren 41 Delegierte der sozialdemokratischen Partei aus 30 Orten und 30 Delegierte von Jugendorganisationen aus 13 Orten. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Neue Fusion. Der Rheinisch- Westfälischen Zeitung" zufolge geht die Limburger Fabrik- und Hütten- Verein Att.- Gef. in Hohenlimburg in den Besitz des Stahlwerks Hoesch über. Der Limburger Sütten- Verein betreibt Walzwerte, ein Buddlings- und Hammerwerk, eine Gießerei, die Fabrikation von Drahtflechtmaschinen und Fallhämmern. Er besitzt ein Aktienkapital von 3 Millionen Mark und nahm im Jahre 1905 eine 4% prozentige Anleihe von 1 Million Mart zum Bau eines neuen Walzwertes auf. Das Stahlwerk Hoesch arbeitet mit einem Aktienkapital von 15 Millionen Mark und 6 Millionen Mark Obligationen. vom Reingewinn für 1906 im Betrage von 20 445 245 Kronen aus Kaiser Ferdinands Nordbahn. Der Verwaltungsrat beantragt schließlich des Gewinnvortrages für 1905 im Betrage von 2 644 621 Stronen eine Gesamtdividende von 272,50 Kronen per ganze Attie zu verteilen und 2785 551 Kronen auf neue Rechnung vorzutragen. Akkumulatoren- und Elektrizitätswerke- Aktiengesellschaft, vormals W. A. Bocse u. Co., Berlin. In der am 26. cr. stattgehabten Minister Breitenbach: Leider verstehen sich die Stadt Berlin Die Erschießung eines Landarbeiters in Ostpreußen Aufsichtsratssitung wurde die Bilanz pro 1906 vorgelegt. Dieselbe und die Straßenbahn nicht so, wie man es im Interesse der Fort- fordert noch immer gerichtliche Sühnungen an so ergibt nach Abschreibungen von 169 684,31 M.( im Vorjahre, bildung der Berliner Berkehrsverhältnisse wünschen möchte. Ich zialdemokratischen Redakteuren! Wie wir schon 153 983,92 M.) inklusive Vortrag aus dem Vorjahre von 8149,94 M. wünschte dringend, daß ich davor bewahrt bliebe, auf Anrufung telegraphisch meldeten, ist Genosse 3 ander von der Volts einen Reingewinn von 217 124,59 M.( im Vorjahre 57 507,09 M.). eines Teiles auf Grund des Gesezes entscheiden zu müssen. stimme" zu Frankfurt a. M. von der dortigen Straffammer Die ordentliche Reserve erhält 10 856,25 M., und es wird der auf den wegen Beleidigung der Königsberger Richter, die am 27. November 29. Mai einzuberufenden Generalversammlung vorgeschlagen, auf 1906 den Genossen Borchardt zu 300 m. verurteilten, zu der harten die Gewinnanteilscheine 24 M. pro Stück und auf die Vorzugsaktien Strafe von zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Die Bolts 2 Proz. Dividende zu verteilen. Weitere 10 864,34 2. werden auf ftimme" brachte am 1. Dezember 1906 unter der Stichmarte neue Rechnung vorgetragen, Hierauf wird der Etat bewilligt, Beim Etat des Finanzministeriums bittet Abg. Schmidt- Warburg( 3.), den alten botanischen Barten möglichst als Park zu erhalten. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Bublitum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Freie Volksbühne. Nachmittags 3 1hr, 13. und 14. Abteilung. Berliner Theater: Der Richter bon Zalamea. 2. u. 3. Abteilung im Neuen Schau Spielhaus: Paracelsus. Die letzten Masten. Das Fest des Sankt Matern. Folies Caprice. Eine Nacht in der Apotheke. Montag: Dieselbe Vorstellung. Palast. Spezialitäten. Urania. Passage. Mal was Anderes. Spe. Wissenschaftliches Theater. zialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Irania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Mittags 12 Uhr: Am Golf von Neapel. Montag: Durch Dänemark und Südschweden. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns 2. Oper im Corbing Theater: Berliner Theater. 1 2% Uhr: Fra Diavolo. Reue freie Boltsbühne. NachSonntag, Montag: mittags 2%, Uhr: 7. Abteilung Die Sittennote. im Deutschen Theater: Romeo und Julia. Dienstag, Mittwoch: Rathm. 3 Uhr: 10. Abteilung im Der Hund von Baskerville. Neuen Theater: Die Condottieri. Nachm. 3 Uhr: 3. Abteilung im Schiller Grifler, Theater O.: Der Bogel Neues Schauspielhaus im Räfig. Rachm. 3 Uhr: 12. Abteilung im Mittags 12 Uhr: Schiller- Theater N.: Helden. Matinee Tanzschule Jjedor Duncan. Nachm. 3 Uhr: 15. Abteilung voll, Abends 28 Uhr: 16. Abteilung 15 001-15 600 im Alt- Heidelberg. Schiller- Theater Charlottenburg: Der Pfarrer von Stirchfeld. Anfang 7 Uhr. Montag 28 Uhr: Alt- Heidelberg. 12 Uhr: Am Golf von Neapel. Abends 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Berliner Aquarium Unter den Linden 68a. Eingang Schadow- Straße No. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis 25 Pf. Reichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, 31/5 Reptilien etc. Metropol- Theater Nachmittags 3 Uhr: Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Ballner- Theater).| Sonntag, nach m. 3 Uhr: Der Vogel im Käfig. Schauspiel in 5 Aften von Stefan Großmann. Sonntag, abends 8 Uhr: Heimat. Schauspiel in 4 Atten von Hermann Sudermann. Montag, abends 8 Uhr: Heimat. Schiller- Theater Charlottenburg. Sonntag, nach m. 3 Ubr: Der Pfarrer v. Kirchfeld. Boltsstück mit Gesang in 5 Aften von Ludwig Anzengruber. Sonntag, abends 8 Uhr: Flachsmann als Erzieher. Eine Komödie in 5 Aufzügen von Dtto Ernst. Montag, abends 8 Uhr: Moloch. Der zerbrochene Krug. Dienstag, abends 8 Uhr: Dienstag, abends 8 Uhr: Traumulus. Deutsch- Amerikanisches Theater. Gastspiel des Theater des Westens: Jeden Abend 8 Uhr bis 30. April infl.: Mamselle Nitouche. Celestin. Edm. Löwe a. G. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Troubadour. Auf in's Metropol! Passage- Theater. Abends 8 Uhr: Anfang 8 Uhr. tag, brit Neues Theater. Der Teufel lacht dazu. Sonntag, den 28. April Kgl. Opernhaus. Meistersänger bon Nürnberg Anjang 7 Uhr. Montag: Fidelio. Kgl. Schauspiethaus. Julius Cäsar. Montag: Die Rabensteinerin. Neues tgl. Operntheater. 1001 Nacht. Rachmittags 3 Uhr: Die Fledermaus. Montag: 1001 Nacht. Deutsches. Der Revisor. Montag: Robert und Bertram. Kammerspiele: Aglavvine, und Selyiette. Montag: Frühlings Erwachen. ( Anfang 8 Uhr.) Leffing. Florian Geher. Nachmittags 3 Uhr: Die Weber. Montag: Die Stüßen der Gesell schaft. Neues Schauspielhaus. Alt- Heidelberg. Mittags 12 Uhr: Matinee. Isadora Duncan. Montag: Alt- Heidelberg. Zentral. Thetje Eggers Brautnacht. Montag: Dieselbe Borstellung.( Anfang 8 Uhr.) Anfang 8 Uhr. Lorking. Der Mikado. Montag: Der Barbier von Sevilla. Berliner. Die Sittennote. Montag: Diefelbe Borstellung.. Schiller 0.( Wallner Theater.) Heimat. Nachmittags 3 Uhr: Der Bogel im Käfig. Montag: Heimat. Schiller Theater Charlottenburg. Flachsmann als Erzieher. Der Pfarrer Nachmittags 3 von Stirchfeld. Montag: Moloch. Der zerbrochene Strug. Schiller N. ( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater.) Am grünen Weg. Nachmittags 3 Uhr: Helden. Montag: Am grünen Weg. Komische Oper. Rigoletto. Nachmittags 3 Uhr: Der Bettel stubent. Montag: Neugierige Frauen. Weften. Die lustige Witwe. Nachmittags 3 Uhr: Undine. Montag: Die lustige Witwe. Kleines. Heimtehr. Bum 25. Male: Der Dieb. Anjang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Der Dieb. Kleines Theater. Nachmittags 3 Uhr: Das Kuckucksei. Abends 8 Uhr: Heimkehr. Montag: Heimkehr. Dienstag: Das Kuckuckset. Mittwoch: Heimkehr. Donnerstag: Das Kuckucksei. Lortzing- Theater Bellealliancestr. 7/8. Nachmittags 3 Uhr: Geschlossene Vereinsvorstellung. Abends 8 Uhr: Der Mikado. Abonnements ungültig! Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Massary. Wolff. Bender. Giampietro. Josephi. Rauchen überall gestattet. WINTER CARTEN Hente legter Sonntag 2 Vorst. nachmittags 3-7, abends 8-10; nachmittags ermäßigte Preise: Das großartige April- Programm! Ki- ta- fuku die beste Japaner- Truppe der Welt. Paul Corradini Berlins beliebtester Romiker und die erstklassigen 14 Attraktionen 14. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Der Schufter als Millionär. Bolksstück mit Gefang v. F. Schubert. Anfang 8 Uhr. Anfang 8 Uhr. Nach der Vorstellung: Familienball. Montag und Dienstag zum legten mal: Der Schuster als Millionär.. Heimat. Trianon- Theater. Anfang 8 Uhr. Fräulein Josette meine Frau. Sonntag 3 Uhr: Der Hausfreund. Steidl Theater- und Konzerthaus, Brückenstr. 2( a. d. Jannow.- Br.) Bum Krempeln: Bureau Piepenbrink, bas originellite, drastischte Opus der Steidl- Sänger Anfang 8 Uhr. Sonntag 4 Uhr. Borher Konzert. Jm Steidl- Restaurant: Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Anf. wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. ReichshallenRestaurant. MilitärKonzert. Gustav Behrens- Theater. SchönebergBerlin W., Goltz straße 9. Der Clou der Saison: Der urkom. Chauffeur mit seinem musik. Auto. Die Goldamfeln sowie die neuen Spezialitäten. 3. Schluß die großart. Ausst.- Operette: Meschuckmann im Sündenpfuhl Berlin. Anfang 8 Uhr, Sonntags 6%, Uhr. LandsbergerElysium, lee 40/41. Jeden Sonntag: Gr. Dyberski- Konzert. Gr. Ball. Borzügliche Küche! Tagestaffe 11-2 Uhr. SchweizerKönigstor. Am Garten. Friedrichshain. Jeden Sonntag: Garten- Konzert und neues Spezialitäten= Im Saale: Programm. Ball. Boltobeluftigur.gen aller Art. Letzte Vorstellungen Fröbels Allerlei- Theater Moerner's Blumengarten Cleo de Mérode und das Montag: Der Barbier von Sevilla. interessante Programm. Lustspielhaus. 3 Uhr: Unsere Käte. Abends 8 Uhr: Husarenfieber. Schiller- Theater N. Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Nachm, 3 Uhr: Helden. Abends 8 Uhr: Am grünen Weg. Zentral- Theater. Druder Theaters. Abends 7%, Uhr: Gesamtgastspiel des Hamburger Ernst Thetje Eggers Brautnacht. Bollspoffe mit Gesang in 3 Atten und 7 Bildern von Ernst Druder. Täglich 8 Uhr: Thetje Eggers Brautnacht. Refidenz- Theater. Direktion Richard Alexander. Anfang 8 Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Das Stududset. Haben Sie nichts zu verzollen? Montag: Heimfehr. Neues. Der Dieb. Montag: Dieselbe Borstellung. Residenz. Haben Sie nichts zu berzollen? Nachmittags 3 Uhr: Der Schlafwagenkontrolleur. Montag: Haben Sie nichts zu berzollen? Lustspielhaus. Husarenfieber. Nachmittags 3 Uhr: Unsere Käte. Montag: Husarenfieber. Deutsch- Amerikanisches. Mamselle Mitouche. Nachmittags 3 Uhr: Der Trou babour. Montag: Mamselle Nitouche. Thalia. Wo die Liebe hinfält. Nachmittags 3 Uhr: Charleys Zante. Montag: Wo die Liebe hinfällt. Schwank in 3 Alten v. M. Hennequin und B. Beber. Robert de Trivelin: Rich. Alexander. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Schlafwagenkontrolleur. Gebr. HerrnfeldAnfang Theater 11-2 uhr Borbert. 8 Uhr. 57 Kommandantenstraße 57. Gin verrücktes Hotel Hauptrollen: Anton u. Donat Herrnfeld. In Borbereitung: Es lebe das Nachtleben! Eine Separée Affäre von Anton u. Donat Herrnfeld. fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Große ExtraSpezialitäten- und Theatervorstellung. Bei schönem Wetter im Garten 4 Uhr, bei trübem Wetter im Saal 6 Uhr. Gebr. Darleys, Kunstfahrer. X The Chimayos, Melangeaft. X Mr. Alfredo. The Rafaelis. Claire Hemlé. X Willy Fröbel. Um 8 Uhr: Ein edles Weib. Auf allseitig. Wunsch: Onkel Morik. Nach der Vorstellung Großer Tanz. Am 10. Mai: Eröffnung der Hauptsaison. ValhallaWa Variete-Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Heute 2 Vorstellungen. Nachm. 31/2 Uhr: Kleine Preise. Jeder Erwachsene 1 Kind frei. Abends 8 Uhr: Das gewaltige April- Programm. 10 Personen 10 Personen Geni- Family. Birzenfische Spiele zu Pferde. Fritz Brand, Komiker. 12 Grete Gallus, Soubrettte. Glänzende Spezialitäten 12 Theaterbesucher haben freien Eintritt in den Konzert- Tunnel ( Tyroler Sänger usw.). Ober- Schöneweide a. d. Oberspree. Jnh.: Alb. Moerner ( Neues Konzerthaus). Hente: 42812*] Extra- Reunion ( Lettung: Zanzlehrer Sachs). Für Vereine und Gewerk. fchaften im Sommer noch Sonnabende au bergeben. Bedingungen in bekannter tulanter Weise. Ballmusik ausget 2 Kapellen. Anfang 4 Uhr. bon Im Garten: Sänger. Entree frei Mittwoch, den 1. Mai: Nordd. Sänger u. Ball. Germania- Pracht- Säle. N., Chausseestr. 103. Karl Richter. Jeden Sonntag: Wilh. Wolffs Hamburger Sänger. Bollständig neues Brogramm. Anf. 62 Uhr. Eintritt: 50 f. mit anschließ. Familienkränzchen. Im weißen Saale von 5 Uhr ab: Großer Ball. Jeden Mittwoch: Hamburger 44372* Sänger und Freitanz. Alhambra Ballner- Theaterstraße 15.: Jeden Sonntag: Großer Ball Großes Drchefter. Anfang Sonntags 5 Uhr. A. Zameitat. Volksmuseum für Anatomie und Ceroplastische Kunst- Ausstellung Friedrichstr. 112 a, Nähe Oranienburgerstraße. Entree: 30 und 50 P, Kinder 10 Pt. Schwarzer Friedrichsberg. Fernsprecher Nr. 8. Adler Frankfurter Chaussee 5. Jeden Sonntag im Königssaale: Großer Ball unter Leitung des Herrn O. Bürger. Luisen- Theater Palast- Theater. Brunnen- Theater Neu! Das schönste fokal der weiteren New! Reichenbergerstr. 34. Nachm. 3 Uhr: Eine offizielle Frau. Abends 8 Uhr: Der Trompeter von Säkkingen. Montag zum 1. Male: Freie Liebe. Rebensbild in 4 Aften v. Slorowik. Burgstr. 24, 2 Min. v. Bahnhof Börse. Heute 28 Uhr: Letter Sonntag der Saison. 12 Attraktionen 12 Bolkstümliche Preise: 2, M., 1,50 M., 1 M., 75 31. Entree 50 Pf. Entengen Der Trompeter von SätDERNHARD ROSE THEATER Schluß der Saison: Rachmittags 3 Uhr: Offizielle Frauen. meine Montag: Freie Liebe. Trianon. Fil. Josette Frau. Nachmittags 3 Uhr: Der Hausfreund. Montag: Frl. Josette meine Fratt. Bernhard Nose. Die Geher- Wally. Nachmittags 3 Uhr: Der Trompeter bon Säckingen. Montag: Die Geier- Wally. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Nachmittags 3 Uhr: Auf ins Me tropol! Montag: Der Teufel lacht dazu. Gebr. Herrufeld. Ein berrücktes Hotel. Montag: Dieselbe Vorstellung. Wintergarten. Cleo de Mérode. Spezialitäten. Montag: Diefelbe Borstellung. Apollo. Der Triumph des Weibes. Spezialitäten. Nachmittags 3%, Uhr: All ben Mocca. Br. Frankfurterstr. 132. Nachm. 3 Uhr b. halben Br.: Der Trompeter von Säckingen. Abends 8 Uhr: Die Geier- Wally. Billettvorverkauf von 10-1 Uhr an der Theaterkasse. Morgen: Die Geier- Wally. a pollo Theater Nachm. 3½ Uhr! Kleine Preise! Lekte Doppelvorstellung. 1. Abt.: Ali ben Mocca, Burleste. 2. Abt.: Ein trenloses Weib, Mimodrama des Hunde- Bauern- Theaters, Abends 8 Uhr: Elite- Vorstellung ber Spezialitäten Attraktionen, T Dienstag, den 30. April 1907. Heute und Montag: Hum. Soireen Willy der Mus Babftraße 58. Dirett.: Bernh. Rose. Daupfer Umgebung Berlins ist unstreitig spannung. Restaurant Waldesruh Sonntag, den 28. April 1907, anlegesteg. abends 7 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Trauerspiel in 6 Aufz. v. Grillparzer. Nach der Vorstellung: Gr. Ball. Kaffeneröffnung 6 Uhr. Borverkauf von 10-1 Uhr. Montag: Kaiserin Maria Theresia und ihr Hof. Prater- Theater. Kaftanien- Allee 7-9. Maria Stuart. Schauspiel in 5 Aften von Fr. v. Schiller. Nächste Borstellung: Walde- onntag, den 5. Mai 1907: Bei günstiger Witterung im Garten: Spezialitäten Vorstellung. Sänger und Kottbuser am Langen See, vis- a- vis dem Sportdenkmal Grünau, in der Billen folonie Wendenschloß. 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Zentrum II: Albert a hnisch, Auguststr. 50, Eingang Joachimstraße 2. Wahlkreis, est en: Gustav Shmidt, Bülowstr. 52, Hof. Süden und Südwesten, Hermann Werner, Gneisenauftr. 72, Laden. 3. Wahlkreis: St. Frib, Prinzenstr. 31, Hof rechts part. 4. Wahlkreis, Often: Robert engels, Rübersdorferstr. 3, am Küftrinerplaz. Wilhelm Mann, Petersburgerplat 4( Laben). 4. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Laufizerplaz 14/15 ( Laden). 5. Wahlkreis: Leo 3ucht, Seibelftr. 42( Laben). 6. Wahlkreis( Moabit und Hansaviertel): Karl Anders, Salzwedelerstr. 8, im Laden. Wedding: Karl Weiße, Nazarethkirchstraße 49. Rosenthaler und Oranienburger Vorstadt: Hermann Raschte, Aderstr. 36, Eingang Anflamerstraße. Gesundbrunnen:. Trapp, Stettinerftr. 10. Schönhauser Vorstadt: Karl Mars, Lychenerftr. 123. 165, Friedrichstr. 165. Alt- Glienicke: Wilhelm Dürre, Rudowerstr. 83 II. Castans Panopticum, 165, Friedrichstr. 165. Keine Illusion: Charlottenburg: Guftab Sharnberg, Sesenheimerstraße 1, Ede Goethestraße, Laden. Wilmersdorf- Halensee: Georg Feese, Berlinerstr. 46, Laden. :: Das lebende Wunder Miß Gabrielle:: Lichtenberg, Friedrichsfelde, Wilhelmsberg: Otto Ohne Unterkörper geboren! Kein Extra= Entree! Landes- Ausstellungs- Park. Neu erbaut: Festsäle, Café und Konditorei, ge. deckte Gartenhallen, Fontaine lumineuse. Dejeuners von 2,50 Mark an bis 2 Uhr nachmittags. Diners und Soupers von 4 Mark an. Doppelkonzert. Illuminationsabende großen Stils. Achtung! Mache hierdurch bekannt, daß ich mein 32/ 13* Seitel, Kronprinzenstraße 50, I. Rummelsburg, Boxhagen: 2. Rosenkranz, Mt- Borhagen 56. Grünau: Otto Schröder, Stopeniderstr. 1. Rixdorf: M. Heinrich, Nedarstraße 2, im Laden. Schmargendorf: Gustav Saminsky, Cunoftraße 2. Schöneberg: Wilhelm Bäumler, Martin Lutherstr. 51, im Laben. Tempelhof: M. Müller, Berlinerstr. 41/42. Ober- Schöneweide: Julius Gruno w, Edisonstr. 10, 1. Nieder- Schöneweide: Bonatowsty, Haffelwerderstr. 8. Johannisthal: Franz Hünold, Bismardstr. 7. Adlershof: Erich Steuer, Hadenbergstr. 5, II. Königs- Wusterhausen: Friedrich Baumann, Ludenwalder ftraße 4b. Köpenick: Friedrich Woid, Grünstr. 4. Friedenau- Steglitz- Südende: . Bernfee, Schloßftr. 115, Gartenhaus I, in Steglig. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Düppelstr. 32, und Fr. Schellhase, Ahornftr. 15a. Mariendorf: Paul Müller, Bergstr. 35, Hof I. Baumschulenweg: Stod, Ernststr. 2, II. Achtung! Treptow: Rob. G tamenz, Kiefholzstraße 412, Laden. 2856 Restaurant..Zum Teufel" Neu- Weißensee: urt Fuhrmann, Sedanstr. 105, parterre. Reinickendorf Ost, Wilhelmsruh und Schönholz: P. Gursch, Provinzstraße 108, II. O Tegel, Borsigwalde, Wittenau Waidmannslust, Hermsdorf und Reinickendorf- West: Paul Rienaft, Borsigwalde, Räuschstraße 10. nad Skalitzerstraße No. 1 berlegt habe. Bahlstelle des Metall. Pankow- Niederschönhausen: G. Freiwaldt, Mühlenstr. 73. Sozialdemokratischer Wahlverein= Schöneberg. Dienstag, 30. April, abends 8 Uhr: Mitglieder- Versammlung in E. Obft's feftfälen, Meiningerstr. 8. Zages Drbnung: 1. Bortrag: Die alte und die neue Internationale. Referent Genoffe Redakteur C. Wermuth. 2. Bericht von der Kreisgeneralversammlung. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet 15/17 Der Vorstand. Restaurant Gewerkschaftshaus Menu 75 Pf. Heute Sonntag: Menu 75 P. Moc- tourtle- Suppe Sprutenkohl mit Pökelrippchen oder Lachs mit Butter Gefüllte Kalbsbrust oder Schmorbraten oder Rippespeer Kompot oder Salat Jeden Abend: Große Speisekarte! Jeden Sonntag: Fricassee von Huhn. * Wochen Gr. bürgerlich. Mittagstisch cov. 60 PL. R. Augustin, Gewerkschaftshaus, täglich Engel- Ufer 15. arbeiterverbandes. Großes Vereinszimmer zu gewerkschaftlichen Sweden. Bernauenthen. Miersdorf und Hankels Ablage: Bilanz der Gesellschaft für elektrische HochMit follegialischem Gruß Achtung! C. Lange. Achtung! Geschäfts- Eröffnung! Den verehrten Parteigenoffen, Freunden, Bekannten und Kollegen die Alfons Grå, Eichwalde, Stronprinzenstr. 82, I. 82, I. as Teltow: Bilhelm Sesler, Hohersteinweg 7. Nowawes: Wilhelm Jappe, Priesterstr. 46. Spandan: öppen, Jagowftr. 9. und Untergrundbahnen in Berlin am 31. Dezember 1906. Außerdem ist sämtliche Parteiliteratur sowie alle wissenschaftlichen 1. Kasse Berte dort zu haben. Auch werden Juferate für ergebene Mitteilung, daß ich Borhagenerfir. 26 die Schankwirtschaft den Vorwärts" entgegengenommen. in Vertretung übernommen habe. Kleiner Saal für 80 und Vereinssimmer für 30 Personen sowie 2 Kegelbahnen stehen den geehrten Gewerkschaften, Vereinen und Kegelflubs zur freundlichen Benuzung. Das Lokal eignet sich auch zu Bahlstellen. Um gütigen Zuspruch bittet 27462* Paul Kobus, Gastwirt. BREUERS Festsäle Zur Königshank" Gr. Frankfurterstr. 117. XJnh. Curt Breuer. 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Kassenbestand für den Anfang des Rechnungsjahres 2. Zinsen von Kapitalien und sonstigen belegten Geldern c. 3. Eintrittsgelder 4. Gesamtbeiträge( Anteile der Arbeitgeber und Arbeitnehmer) ausschließlich Zufagbeiträge 5. Erfazleistungen für gewährte Strantenunterstügung, Str. B. G.§§ 50, 57 6. Erfagleistung von Berufsgenossenschaften, Unternehmern 2c. 7. Aus verkauften Wertpapieren. Spartassen oder Bankeinlagen 8. Aufgenommene Darlehen, Borschüsse; andere durchlaufende Posten. 9. Sonstige Einnahmen. 3 702,99 9. 761,38" 1 577,25 80 566,54 1686,06 0 " 739,63 10 001,00. 29,22 Summe der Einnahmen( 8iffer 1-9) 99 064,07 20. b) Ausgaben. 10. 1. Für ärztliche Behandlung 2. Für Arznei und sonstige Heilmittel 3. Krankengelder: a) an Mitglieder b) an Angehörige der Mitglieder 4. Unterstügungen an Wöchnerinnen 5. Sterbegelder. 6. Kur- und Verpflegungskosten an Krantenanstalten 7. Erfahleistungen für gewährte Strantenunterstügung 8. Burüdgezahlte Beiträge und Eintrittsgelder 9. Für Kapitalanlagen( Ankauf von Wertpapieren 2c., An lagen bei Sparlassen) 9 10. Burüdgezahlte Darlehne( der bei den Einnahmen Biff. 9 gelegenes Lokal in altbekannter Güte, gut gepflegte Biere und bezeichneten Art) 2c. Weine, preiswerte Küche. 254b 11. Berwaltungsausgaben: a) persönliche b) sächliche 12. Sonstige Ausgaben Sonntags von 12-2 Uhr: Mittagstisch a 1,00 M. Den werten Bereinen bei Sommerausflügen Ermäßigung. Große Ausspannung. Kegelbahnen. Familien können Kaffee kochen, pro Liter 80 Pf. ,, Liter 40 Pf. Um geneigten Zuspruch bittet Emil Hübner, Restaurateur. Neu! Zwischen Grünau und Carolinenhof Neu! gr. Saal herrlich inmitten Hochwald am Langen See trockene Unterkunft für 1000 Pers. Veranda Mohr's Strand- Restaurant Tel.: Amt Grünau 70 ( Richtershorn) Inh.: E. Mohr. Bester Ausflugsort für Vereine, Fabriken u. Gewerkschaften. 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Saldo der Konten bei der Deutschen Bank 6. Bahnanlage- Tilgungsfonds 7. Erneuerungsfonds davon 1906 verausgabt hierzu Rücklage aus dem Erträgnis des Jahres 1906 8. Fonds für außergewöhnliche Ausgaben im Betriebe davon 1906 verausgabt. hierzu Rücklage aus dem Erträgnis des Jahres 1906 9. Zinsen der Schuldverschreibungen für die Zeit vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1906( fällig am 1. April 1907) 10. Noch nicht erhobene Dividende und Zinsen auf Schuldverschreibungen 11. Verschiedene Kreditoren Summe der Ausgaben( Biffer 1-12) 93 840,50. 12. Reingewinn des Jahres 1906 zuzüglich Gewinnvortrag c) Abschluß. Jahre 1905. Summe der Einnahmen( Biffer a. 10) Summe der Ausgaben( Biffer b. 13) Ergibt für den Schluß des Rechnungsjahres einen Staffen bestand von ..99 064,07 92. 93 840,50 5 223,57 90. • II. Vermögensnachweis für den Schluß des Rechnungsjahres 1906, A. Das Gesamtvermögen der Staffe segt sich wie folgt zusammen: 1. Attiva: a) der Bestand für den Schluß des Rechnungsjahres 1906 Taut vorstehendem Abschluß b) in Hypotheken, Wertpapieren, Sparkassenbüchern, Bant einlagen c) sonstige Forderungen( Erfahforderungen gegen Arbeit geber) 2c. 5 223,57 9. 24 193,00 456,80 Summe 29 873,37 902. " 554,81 2. 554,80 9 29 318,57 18 187,17 11 181,40. 2. Paffiva: Unberichtigt gebliebene Forderungen von Kaffenmitgliedern, Aerzten, Apotheken und Strankenhäusern 2c.. Summe Biernach beträgt der Ueberschuß der Aktiva. Nach dem borjährigen Abschluß beträgt der Ueberschuß ber Aktiva. . M. pf M. pf 35 315 52 4 308 250 14 31 705 857 31 8 022 023 10 4 722 205 09 1 56 955 6 564 17 6 563 17 pf 8543 092 95 126 028 76 4 251 295 14 1 314 326 25 2077 963 88 55 798 109 M. 30 000 000 466 907 79 15 000 000M. 7 800 000 7.200 000 385 650 pf 2 468 771 53 899 700 1 149 057 28 98 874 16 1050 683 12 400 000 219 446 13 1450 688 12 110 792 30 108 653 83 150 000 258 653 88 1 19 141 000 7 620 3502 836 49 aus dem 1 587 767 95 128 518 29 1 716 286 24 55 798 109 Gewinn- und Verlust- Rechnung. Debet. 1. Zinsen der 4% Schuldverschreibungen 2. Zinsen der 3% Schuldverschreibungen 3. Rücklage für den Bahnanlage- Tilgungs• • fonds 4. Rücklage für den Erneuerungsfonds 5. Rücklage für außergewöhnliche Ausgaben im Betriebe 6. Vertragsmäßige Abgaben an die Stadtgemeinden 7. Abschreibungen: auf Gebäude auf Bureauiventar 8. Saldo, zur Verteilung verbleibender Ueberschuß Kredit. 1. Vortrag aus 1905 2. Betriebseinnahmen. abzüglich Betriebskosten( einschließlich der festen Vergütung an den Aufsichtsrat nach§ 29 des Statuts). aus der Vermietung von Wohnhäusern, Viadukt- und Bahnhofsräumen, der Verpachtung des Anschlagwesens und Bahnhofsbuchhandels, sowie aus. Zinsen usw. Ergibt gegen das Vorjahr an Ueberschuß der Attiva mehr B. Das verfügbare Attivvermögen verteilt fich tpie folgt: Bum Refervefonds gehören nach den stattgefundenen lleber weisungen 24 198,00 m. 3. Verschiedene Einnahmen: 13 977,50 Nach dem borjährigen Abschluß betrug der Reservefonds Ergibt gegen das Vorjahr an Reservefonds mehr 10 215,50 M. Is Betriebsfonds verbleiben der Stasse in bar. 5 223,57 9. Ergibt einen Betriebsfonds von 5 223,57. Borstehende Kaffenrechnung ist von uns gebrüft und mit den Büchern und Belägen übereinstimmend und richtig befunden norden. Die Rechnungsprüfungs- Kommiffion. Hans Lorenz. Johannes Heider. 28ith. Plöt Friedenau, den 1. März 1907. Albert Krause, 1. Borsigender. H. Leddin ,. 2. Borsigender. Der Vorstand. Wilh. Stolle, Schriftführer. Rud. Behn, Rendant G. Fichter, Joh. Heider, Beifizer. A Dampfer jeder Größe 274/1 M. pf M. pf 312 000 122 500 92 000 400 000 150 000 114 582 87 55 955 6 563 17 63 518 17 1 716 286 24 M. pf 4 987 285 39 2970 886 78 M. lpf 128 518 29 2 596 995 18 2 890 290 21 452 078 28 2 970 886 78 Die auf 5 Proz. festgesetzte Dividende gelangt mit M. 30,- für die Aktie gegen Einreichung des Dividendenscheins No. 10 zur Auszahlung bei der Deutschen Bank oder der Berliner Handelsgesellschaft oder der Mitteldeutschen Creditbank, Berlin. Berlin, den 27. April 1907. Der Vorstand. Außergewöhnlich billige, modern und solid gebaute Wohnungen bon 4, 8, 2 und 1 8immer mit allem Zubehör Berlin N., Uferstraße 12/13 und Martin Opitzstraße 21-24 bis- a- vis dem Brunnenplay, 5 Minuten vom Bahnhof Wedding burchschnittlich 220,00 M. pro Simmer per 1. Juli 1907 au bers Telephon: Amt Köpenid 67. E. Friedrichs. bermietet fehr billig Robert Kleck, Siffsbefizer, Berlin, Capriol mieten. itraße 4. 47828 28685 Anfragen Dipper, Uferstraße 18, part niitide Potsdam. Maifeier 1907. Potsdam. Holzarbeiter. am Vormittags 10 Uhr: Zwei Versammlungen bei W. Ladenthin, Kaiser Wilhelmstraße 38( hier versammeln sich alle anderen Gewerkschaften). Die Kontrolle beginnt in beiden Lokalen um 8 Uhr. Nach dem Beschluß der Vertrauensmänner- Versammlung soll der 1. Mai im Bittoriagarten", Alte Luisenstraße 32( hier versammeln sich Maurer, Bauarbeiter, Rimmerer und Töpfer); burch Arbeitsruhe begangen werden. Die Ortsverwaltung erwartet von allen Mitgliedern die ftrikte Einhaltung dieses Beschlusses. Die Maiversammlung findet statt: Vormittags 10 Uhr, in der 99Neuen Welt", Hasenheide 108-114. Referent: Reichstags- Abgeordneter Paul Singer. Die Mitglieder der einzelnen Branchen treffen sich um 8 Uhr vormittags in folgenden Lokalen: Klavierarbeiter bei Möhring, Admiralstr. 18 c. Stockarbeiter bei Bareinz, Brandenburger Ufer 6. Jalousiearbeiter im Gewerkschaftshause. Modelltischler bei Schmidt, Gartenstr. 6. Rahmenmacher bei Stramm, Ritterstr. 123. Kammacher bei Walter, Adalbertstr. 62. Perlmuttarbeiter bei Perret, Köpenickerstr. 32. Bürstenmacher bei Lindemann, Moritstr. 9. Kistenmacher bei Baudach, Breslauerstr. 28. Bodenleger im Gewerkschaftshause. Sinsetzer im Gewerkschaftshause. Stellmacher bei Wohlfahrt, Rosenthalerstr. 57. Vergolder bei Merkowski, Andreasstr. 26. Korbmacher bei Krause, Mustauerstr. 20. Nachmittags im„ Viktoriagarten" Alte Luisenstraße 32, von 3 uhr ab: Konzert. Gesang der Arbeiter- Gesangvereine. Um 8 Uhr: Ansprache über die Bedeutung des Tages. Nachdem: TANZ. Da ber Feftzug nicht erlaubt worden ist, ersuchen wir um zahlreiches Erscheinen zu den Versammlungen. Hoch der 1. Mai!<< Der sozialdemokratische Wahlverein. Arbeiter289/17 Das Gewerkschaftskartell. Werder a. d. H. Samariter- Kolonne. Adhtung! Maifeier. Achtung! Sommerkursus 1907. Der Kursus beginnt in der 1. Abteilung: Dresdenerstr. 45, am 6. Mai; Brunnenstr. 154, am 13. Mai; 2. ci c 3. 4. für Schöneberg und Umgegend bei Obst, Meiningerstr. 8, am 16. Mai. für Lichtenberg und Umgegend bei Bietenhagen, Scharnweber Die diesjährige Maifeier für Werder a. d. H. und Umgegend findet am Mittwoch, den 1. Mai statt. Morgens 9 Uhr: Versammlung im Kochschen Lokale, Fischerstraße 98. Nach der Versammlung: Ausgabe der MaiMarke. Am Tage Konzert. Abends Ball. 289/ 15* Die Genossen, welche an diesem Tage zur Blüte nach Berder fommen, machen wir besonders aufmerksam. Das Gewerkschaftskartell. Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands.( Ortsverwaltung Rixdorf.) Zur Feier des 1. Mai versammeln sich die Kollegen am Mittwoch ftraße 60, ebenfalls am vormittag 9 Uhr beim Kollegen Heickaus, Karlsgartenstr. 6/11. 16. Mai. Das Thema des ersten Abends in jeder Abteilung lautet: leber 69/17 Autonomie( Bau des menschlichen Körpers)" mit Demonstrationen an Wandtafeln und Präparaten. Eintrittsgeld 25 Pf., Monatsbeitrag 25 Pf. Die Bibliothet steht den Teil nehmern unentgeltlich zur Verfügung. Der Besuch des ersten Abends steht jedem als Gaft frei. Die Lehrstunden finden in jeder Abteilung vierzehntägig statt. Beginn derselben 9 Uhr abends. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Die Tischler, Polierer, Maschinenarbeiter und Drechsler treffen sich 261/2 in den Lokalen, in denen sie ihre Werkstattsigungen abhalten und gehen von dort nach der ,, Neuen Welt". Die Holzarbeiter der östlichen Vororte treffen sich früh 8 Uhr in Lichtenberg bei Wildner, Friedrich Karlstr. 11b; in Friedrichsfelde bei Bartalein, Prinzen- Allee 59; in Rummelsburg Goethestr. 11. Seber feiernde Kollege erhält zur Kontrolle in der Neuen Welt eine Maimarte. Achtung! Arbeitslose! Die Arbeitsnachweise sind am 1. Mai geschlossen. Die Arbeitslosenkarten brauchen an diesem Tage nicht abgestempelt zu werden. Streikende und Ausgesperrte! Die Kollegen versammeln sich um 8 Uhr in ihren Kontrollokalen und gehen gemeinsam nach der Neuen Welt" Eine Abstempelung der Streikkarten findet an diesem Tage nicht statt. Das Bureau der Streifleitung im Gewerkschaftshause ist geschlossen. Das Verbandsbureau ift am 1. Mai den ganzen Tag geschlossen. Achtung! Mai- Ausgesperrte! Die wegen der Maifeier ausgesperrten Kollegen melden sich am 2. Mai bormittags von 9 bis 12 Uhr im Gewerkschaftshause, Quergebäude, Saal I. Wird die ganze Werkstatt ausgesperrt, so meldet nur der WerkstattVertrauensmann wie sonst beim Streit die in seinem Betriebe ausgesperrten Kollegen. Die Ortsverwaltung. 85/ 12* Achtung! Achtung! Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Den Verbandskollegen zur Nachricht, daß der Zweigvereinsvorstand und mit ihm die am 26. d. M. stattgefundene Vertretersizung nach wie vor auf dem Standpunkte stehen, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern. Die Versammlungslokale werden durch den Ausschuß der Berliner Gewerkschaftstommiffion im Vorwärts" bekannt gegeben. " welche etwas über das Sittlichkeits. Zeugen, Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Bureau: Engel- Ufer 19. Telephon: Amt IV, Nr. 10 623. Achtung! Stock- und Belluloidarbeiter. Sonntag, 28. April, vorm. 9, Uhr, bei Bareinz, Brückenftr. 7: Vertrauensmänner- Versammlung. Wegen der wichtigen Tagesordnung ersuchen wir die Kollegen, sordnung. Der Obmann. berbrechen am 9. März, abends 7 Uhr, mehrere Bertrauensleute zu senden. im Hause Torellstr. 2 und die im Anſchluß baran erfolgte eftnahme Achtung! Rahmenmacher. Achtung! angeben können, dringend gebeten, fich fofort bei mir zu melden. Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenberg, Montag, den 29. April, abends 8, Uhr, im Gewerkschaftshause, NW., Thurm str. 76a. Gegründet 1894. Beim Vorzeigen dieses Inserats 4% Rabatt. Jede Engel- Ufer 15: F Versammlung. 85/13 Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. Um Die Kommiffion. zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Dame Verband der baugewerblichen Hülfsarbeiter spart Geld! Nach beendeter Engros- Saison Ausverkauf. 8 bis 20 Mark. Hochelegante Taft- Boleros. Kostüme 5 bis 18 Mark. Staubmäntel. 10 bis 30 M. Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. Sektion der Rohrer. Montag, den 29. April, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( Saal 8): Mitglieder- Verfammlung. Zages Drdnung: 1. Vortrag. 2. Verbandsangelegenheiten. Sektion der Brunnenbauer. Montag, den 29. April, abends 8 Uhr, im Lokale von Meyer ( früher Augustin), Oranienste. 103: Jaeketts, Mitglieder- Verfammlung Lift- Boys 4 bis 15 M. Havelocks 6 bis 25 M. Backf. Palet. 5 bis 12 M. Chiff.- Stolas Taft- Capes 6 bis 30 M. Modelle Paris. Genre. Taft- u.TuchPaletots u. Lift- Boys 15 bis 50 M. Spezialität Extraweiten für starke Damen Jeder Kollege, welcher den 1. Mai durch Arbeitsruhe feiert, erhält in der wat Max Mosczytz, Kein Laden bersammlung oder in den von den vereinigten Gewerkschaften der Vororte am Vormittag des 1. Mai abgehaltenen Versammlungen einen Stempel im Verbandsbuch. EngrosLandsbergerst.59, am Alexanderplat, 1 Treppe. Achten Sie im eignen Interesse auf die Hausnummer. zu melden. Es empfiehlt sich, daß sich die. Kollegen am 1. Mai früh in ihren Verkehrslokalen treffen, um gemeinsam zur Maiversammlung zu gehen. Der Zweigvereinsvorstand. Lager. Ausgesperrte haben sich vom 2. Mai ab im Verbandsbureau zur Kontrolle 189/ 4* Verband der baugewerblichen Hülfsarbeiter Deutschl. Zweigverein Berlin und Umgegend. Wir machen hierdurch unseren Mitgliedern bekannt, daß ebenso wie in den früheren Jahren am 1. Mai die Maimarken in sämtlichen Bezirkslokalen in der Zeit von 7-9 Uhr vormittags zur Ausgabe gelangen. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in der angegebenen Zeit in das ihm am nächsten liegende Verkehrslokal zu gehen und sich durch Vorlegen seines Mitgliedsbuches eine Maimarte abzuholen. Ohne Mitgliedsbuch keine Marke. 33/19 Der Zweigvereinsvorstand. Gesellschaftshaus ir Friedrichshagen, nabe ber Babu, Café Meyer in Dresdener. ist das Heim des Turnvereins ,, Vorärts". Str. 128/29. Großer Garten. Turngeräte stehen zur Verfügung. Glas Bier 10 f. Kaffee 10 u. 15, Bier, bellu. bunt. 10 f. Tanzmusit. 2426 ca. 50 Zeitungen; 2 Billards Stb.40 Pi Der Wirt. Zahlstelle der Freien Volksbühne. 21. Mai Zages Drdnung: 1. Unsere Stellungnahme zu unserer Bewegung. 2. Diskussion. Recht starken Besuch in beiden Bersammlungen erwartet 33117* Der Zweigvereinsvorstand. Verband der Sattler Ortsverwaltung Berlin. Die nächsten Branchen- Versammlungen finden an nachfolgenden Tagen statt: P Treibriemenbranche: Montag, den 29. April. Taschen, Koffer- und Galanteriebranche: Donnerstag, den 2. Mai. Linoleumleger und Teppichnäher: Donnerstag, den 2. Mai. Wagenbranche: Donnerstag, den 2. Mai. Eisenmöbel Branche: Donnerstag, den 2. Mai. Sektion Charlottenburg: Montag, den 29. April. Zahlreichen Besuch dieser Branchenversammlungen erwartet Die Ortsverwaltung. 156/20 Verein für die Interessen der Hausangestellten bleibt auch in diesem Jahre mein Sonntag, den 28. April, abends 6, Uhr, in Beckers Festfälen, Geschäft geschloffen. Arbeitsanzüge Wilh. Pahr, Brunnenstr. 116. Eine Mark wöchentliche Teilzahlung liefere elegante fertige 15528 Herren- Garderoben Erias für Maaß. Anfertigung nach Maass. Zabellofe Ausführung. Kommandantenstraße 62: Oeffentliche Versammlung für Dienstboten und Hausangestellte. Zages Drdnung: 1. Vortrag: Arbeiterschutz und Arbeiterversicherung für Hausangestellte." Referent: S. Kazenstein. 2. Diskussion. Nachdem: Gemütliches Beisammensein mit Zanz. Rege Beteiligung erwartet 2555 Ida Baar. Zentral- Krankenkasse der Maurer ,, Grundstein zur Einigkeit". Sonntag, 5. Mai, vorm. 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer Nr. 15: Julius Fabian, Mitglieder- Versammlung Schneidermeister, Gr. Frankfurterstr. 37," Gingang Straußberger Plas, Zages Drdnung: 1. Kaffen- und Revisionsbericht. 2. Wahl des ersten Raffierers und eines Revisors. 3. Berschiedenes. 149/6 Mitgliedsbuch legitimiert Die örtliche Vertseltung. Sonntags und zur Maifeier ladet freundlichst ein Gerantwortlicher Rebaften: Qens Beber, Berlin, Für des Enferatenteil verantwo.: 2b. Glade. Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Budbruderei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin S Nr. 99. 24. Jahrgang. 5. KnlM des Joraiitls" Knlim PcksdlM. Sonntag, 28. April 1997. Der„Vorwärts" vor Gericht. Gestern verhandelte die vierte Strafkammer des Landgerichts I zwei Anklagen gegen unseren verantwortlichen Re- dakteur Genossen Weber. In dem ersten der beiden Prozesse stand ein Artikel unter Anklage, den wir während der Reichstag?. wahlbcwegung brachten. Unter der Ueberschrift:„Die Eisenbahner und die Reichstagswahlen" veröffentlichten wir am 5. Januar d. I. «inen Artikel, welcher die Bcsoldungsvcrhältnisse der Eisenbahn- beamten und die Betricbsüberschüsse der Eisenbahnen statistisch darstellt. An diesen Artikel schloß sich eine Zuschrift aus Tortmund, die falsche Behauptungen über die Verteilung der Weihnachts- gelder enthielt.— Am 11. Januar brachten wir eine Berichtigung der Eisenbahndirektion Esten, welche unsere Angaben als unwahr bezeichnete. Wir bemerkten dazu, wir müssen eS unserem Gewährsmann überlassen, sich dazu zu äußern. Am 23. März, nachdem unsere Recherchen abgeschlossen waren, teilten wir mit, daß unser Gewährsmann das Opfer einer Jrrösuhrung geworden ist und wir die Angaben aus Dortmund nicht aufrecht erhalten könnten. Mehr konnten wir lohalerweise nicht tun. Trotzdem wurde gegen Weber Anklage wegen öffentlicher Beleidigung des Präsi- denten und der höheren Beamten des Direktionsbezirks Essen er- hoben. Vor Gericht konnten natürlich die Angaben unseres Dort- munder Korrespondenten nicht erwiesen werden, denn es ist, wie ja schon aus unserem Widerruf hervorgeht, nicht richtig, daß die Unterbeamten nichts und der Präsident 3000 M. erhalten haben. Immerhin ging aus der Zeugenaussage des Oberregierungsrats Sommer aus Essen manches hervor, woraus sich erklärt, wie an Ort und Stelle die Stimmung entstanden ist, aus der heraus die Ansichten erwuchsen, welche den Angaben unseres Korrespondenten zugrunde liegen. Oberregierungsrat Sommer hat im Eisenbahndirektionsbezirk Essen die Unterstützungssachen zu bearbeiten. Er sagte als Zeuge: In- tolge der im Rheinland herrschenden teuren Lebensverhältnisse können die Unterbeamten mit ihren Gehältern nicht auskommen. Deshalb werden häufig Unterstützungsgesuche gestellt und auch be- rücksichtigt. Ein besonderer etatsmäßiger Fonds steht dafür zur Verfügung des Präsidenten. Im vergangenen Jahre seien so viele Unterstützungen bewilligt worden, daß für die WeihnachtSgratifi- kationen nur 139 000 M. übrig blieben. Das habe nicht ausgereicht, um allen Beamten Weihnachtsgelder zuzuwenden, Er, der Zeuge, habe deshalb die Inspektionen angewiesen, eine Liste der würdigen und bedürftigen Beamten aufzustellen, welche bei Verteilung der Weihnachtsgratifikationen zu berücksichtigen seien. 52 Prozent der Unterbeamte» hätten zu Weihnachten Gratifikationen von 19 bis*9 auch 60 M. erhalten. An einige höhere Beamte seien Gratifikationen von je 300. 400, auch 500 M. berteilt worden. Der Präsident habe nichts erhalten, aber sein Vertreter. Oberbaurat Kleißner, beziehe seit 25 Jahren eine etats mäßige Remuneration von jährlich 1800 M. Diese Remuneration sei im vergangenen Jahre zu derselben Zeit ausgezahlt worden, als die Unterbcamten ihre Gratifikationen er- hielten. Daraus möge wohl die Annahme des.,Borwärts"-Korre- spondenten entstanden sein, daß Räte 1500 bis 1800 M. Gratifikation erhalten hätten. Erster Staatsanwalt Steinbrecht benutzte die Gelegenheit zu einer wuchtigen Anklagerede gegen den „Vorwärts". Der Zweck des Artikels sei, die Eisenbahner aufzu- Hetzen und sie zu veranlassen, sozialdemokratisch zu wählen. Wenn der„Vorwärts" die Wahrheit gesagt haben würde, dann hätte er diesen Zweck nicht erreicht, er habe deshalb, um zu Hetzen, die Un- Wahrheit gesagt, sich zum Mundstück von Verleumdern gemacht und die Unwahrheiten mit einer sozialdeniokratischen Sauce über- gössen, um sie so den Lesern schmackhaft zu machen. Unter diesen Umständen sei eine Geldstrafe, die ja den Redakteur gar nicht treffe, nicht am Platze. Hätte der„Vorwärts" seine Angaben nicht widerrufen, so würde er, der Staatsanwalt, drei Monate Ge- f ä n g n i s beantragt haben. Mit Rücksicht auf den Widerruf aber beantrage er eine Gefängnisstrafe von vier Wochen und Publi- kationsbefugnis für den Eisenbahnpräsidenten in der„Rheinische Westfälischen Zeitung". Der Verteidiger, Zicchtsanwalt Dr. Kurt Rosenseld, führte unter anderem aus: Der Staatsanwalt habe gesagt, der „Vorwärts" könne nicht die Wahrheit sagen. Demgegenüber müsse darauf verwiesen werden, daß der hier in Rede stehende Artikel in seinem größten Teil statistische, also zweifellos wahrheits- gemäße Angaben über die Verhältnisse der Eisenbahner bringe, und daß die Mitteilung aus Dortmund diesem Artikel nur angehängt sei. Der Staatsanwalt habe davon gesprochen, daß der„Vor wärts" falsche Angaben mit einer sozialdemokratischen Sauce über gössen habe, um die Eisenbahner zu verhetzen. Der Staatsanwalt habe hier denselben scharfen Ton angeschlagen, den er dem„Voll wärts" zum Vorwurfe machte. Dabei sei aber noch zu berück sichtigen, daß der Artikel des„Vorwärts" im Wahlkampf, also zu einer Zeit allgemeiner Erregung verfaßt und veröffentlicht wurde. — In formaler Hinsicht vertrat der Verteidiger den Standpunkt, daß der Eiscnbahnpräsidcnt und die höheren Beamten sich nicht beleidigt fühlen könnten, denn wie der Zeuge Oberregierungsrat Sommer bekundete, werden die Gratifikationen auf Grund einer Verfügung des Ministers verteilt. Ein Vorwurf über un- gerechte Verteilung der Gelder würde also den Minister und keinen anderen treffen. Der Minister habe aber keinen Strafantrag ge- stellt. Auf den Inhalt des Artikels eingehend, führte der Vcr- teidiger aus, wenn auch die tatsächlichen Angaben nicht zutreffend seien, so ergebe sich doch aus der Zeugenaussage des Oberregierungs- ratI, daß einige höhere Beamte mit verhältnismäßig hohen Grati- sikationen bedacht worden sind, während die Unterbeamten, soweit sie überhaupt etwas bekamen, mit geringen Beträgen vorlieb nehmen mußten, die nicht ausreichen konnten, um die ständige Notlage zu mildern, in der sich ja diese Beamten nach dem Zeugnis des Ober- regierungsratS befinden. Daß die Unterbeamten, die nichts be- kamen, sehr unzufrieden waren, habe der Zeuge ebenfalls be- kündet. So erkläre sich die Entstehung des Artikels. Die irrigen Angaben desselben könnten kein Grund sein zu einer Gefängnis- strafe. Wenn einem bürgerlichen Blatte ein solcher Irrtum passiert wäre, würde der Staatsanwalt wohl nicht eine so harte Strafe be- antragt haben. Im vorliegenden Falle würde höchstens eine Geld- strafe verhängt werden können, wenn in der Tat eine Beleidigung als vorhanden erachtet würde. Nach IVüstündiger Beratung des Gerichts verkündete der Vor- kitzende Landgerichtsdirektor Quast folgendes Urteil: Der Angeklagte wird wegen öffentlicher Beleidigung durch die Presse zu einer G e ldstrafe von 600 Mark verurteilt und dem Eisenbahnpräsidenten die Befugnis zugesprochen, das Urteil im „Vorwärts" und in der„Rheinisch-Westfälischen Zeitung" auf Kosten des Angeklagten zu veröffentlichen.— Aus der Begründung deö Urteils geht hervor, daß das Gericht nur den Eisenbahnpräsi- eeuten, aber nicht andere höhere Beamte als beleidigt erachtet und ! zwar durch den Vorwurf, er habe die Weihnachtsgratifikationen un- � gerecht verteilt. Der Wahrheitsbeweis sei nicht erbracht worden. >die Verurteilung sei erfolgt, aus§ 186 des Strafgesetzbuchs. Aufforderung zur Begehung einer strafbaren Handlung im Sinne der§§ 110 und III des Strafgesetzbuches legt die zweite Anklage, die unmittelbar nach dem vorstehenden Falle verhandelt wurde, dem Genossen Weber zur Last. Sie stützt sich auf einen Artikel des„Vorwärts", der ein gegen den Genossen Thiel in Tempelhof ergangenes Kammergerichtsurteil bespricht. Thiel hatte für eine Versammlung in Tempelhöf den Saal des Lokals Wilhelmsgarten gemietet. Als der die Versammlung überwachende Gendarm um 10 Uhr wegen Eintritts der Polizeistunde die Ver sammlung auflöste, berief sich Thiel darauf, daß er den Saal gemietet habe, ein Schankbetrieb in demselben nach 10 Uhr nicht mehr ausgeübt werde, die Auflösung deshalb unberechtigt sei und die Versammlung weiter tagen werde. Aus diesen Gründen ver- ließ Thiel auch nach der ausgesprochenen Auflösung den Ver sammlungssaal nicht und das Kammergericht hat unter Aufhebung des landgerichtlichen Freispruchs ihn deshalb in letzter Instanz wegen Vergehens gegen das Vereinsgesetz verurteilt.— An die Mitteilung dieses Urteils knüpften wir eine Besprechung, worin wir die Ansicht vertraten, daß das Kammergerichtsurteil mit dem Vereinsgesetz nicht in Einklang gebracht werden könne, denn das selbe kenne den Eintritt der Polizeistunde als Auflösungsgrund nicht, die Polizei habe auch kein Recht, den Mieter aus seinem Mietsraume hinauszuweisen. Aus diesen Gründen, und weil wir die Entscheidung des Kammergerichts für eine die Arbeiter schwer treffende Beeinträchtigung des Versammlungsrechts halten, schlössen wir unseren Artikel mit den Worten: Wir fordern die Mieter von Räumen auf, dem Begehren der Polizei in Fällen, die dqn hier angeführten gleichliegen, nicht Folge zu leisten und ihren Haus- frieden auch der Polizei gegenüber zu schützen. Dieser Satz ist es, in dem die Anklage eine Aufforderung zur Begehung einer strafbaren Handlung erblickt. Die Beweiserhebung vor Gericht erstreckte sich auf die Ver- lesung der im Falle Thiel ergangenen Urteile aller drei Instanzen und auf den Vortrag anderen einschlägigen Materials. Erster Staatsanwalt Steinbrecht vertrat den Standpunkt, sobald eine Versammlung aufgelöst ist hat sich jeder, auch der Mieter des Saales, zu entfernen. DaS gehe hervor aus dem Z 6 des Vereinsgesedcs. Aus welchen Gründen die Auflösung erfolgt, sei gleichgültig. Das Vereinsgesetz verlange auch nicht, daß der Beamte angibt, aus welchen Gründen er die Versammlung auflöst. Wenn die Auflösung unberechtigt sei, so könnten sich die Interessenten beschweren, aber entfernen müsse sich jeder. Im vorliegenden Falle habe das Kammcrgericht Thiel verurteilt, es sei also durch die höchste richterliche Instanz fest gestellt, daß im Falle Thiel eine strafbare Handlung vorliege. Da der Angeklagte aufforderte, in solchen Fällen dem Verlangen der Polizei nicht zu folgen, so habe er zu einer strafbaren Handlung aufgefordert. Der Staatsanwalt beantragte eine Woche Gefängnis Der Verteidiger Dr. Kurt Rosenfeld trat der Ansicht des Staatsanwalts in längeren juristischen Aus- führungen entgegen. Auf keinen Fall mache sich ein Mieter straf- dar, wenn er sich weigert, den von ihm gemieteten Raum zu ver- lassen. Das Veceinsgesetz kenne nur drei Auflösungsgründe, darunter sei der Eintritt der Polizeistunde nicht angegeben. Wenn der§ 15 des Vereinsgesetzes denzenigen mit Strafe bedroht, der sich nach erfolgter Auflösung nicht entfernt, so habe das selbstver- ständlich nur auf solche Fälle Anwendung, wo die Auflösung aus einem der drei im Gesetz angegebenen Gründe erfolgt. Auch der K 6 könne nur solche Fälle im Auge haben. Wenn man das annimmt, dann fällt die Anklage in sich zusammen. Würde man sich auf den Standpunkt des Staatsanwalts stellen, so wäre es ganz in das Belieben jedes Polizeibeamten gestellt, jede Versammlung auch ohne irgend einen Grund aufzulösen. Damit wäre daS Vereins- und Versammlungsrecht tatsächlich aufgehoben. Das Vereinsgesetz solle doch die Befugnisse der Polizei auf ganz be- stimmte Fälle, die der 8 5 angibt, beschränken. Der Staatsanwalt komme aber dahin, im Wege der Interpretation die Befugnisse der Polizei ins Unbegrenzte auszudehnen. An die Stelle des Gesetzes würde danach der Polizeibeamte treten. Das sei gleichbedeutend mit der Aufhebung des Rechtsstaats und der Einführung des Polizeistaates. Das Oberverwaltungsgericht habe allerdings den Grundsatz aufgestellt, daß der Eintritt der Polizeistunde ein Auf- lösungsgrund ist, jedoch nur unter der Voraussetzung, daß das Versammlungslokal ein öffentlicher SchanffNum ist. Im Falle Thiel sei dafür gesorgt gewesen, daß nach Eintritt der Polizei- stunde im Versammlungslokal kein Ausschank mehr stattfinden konnte. Die Polizeistunde konnte hier also nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts nicht als Auflösungsgrund geltend gemacht werden. Im Falle Thiel sei die Auflosung ein Eingriff in das Mietsrecht, eine Störung des Hausfriedens gewesen. Man könne nicht annehmen, daß sich in einem solchen Falle die Mieter straf- bar macht, der seinen Mietsraum nicht verläßt. Die Aufforderung, in solchen Fällen den Raum trotz polizeilicher Aufforderung nicht zu verlassen, könne keine Aufforderung zu einer strafbaren Hand- lung sein. Daß übrigens die Rechtslage in solchen Fällen durchaus zweifelhast ist, werde ja ausdrücklich gesagt in einem hier zum Zweck des Beweises ebenfalls vorgelesenen Urteil eines Zivil- fenats des Kammergerichts, welches gleichfalls aus Anlaß des Falles Thiel ergangen ist. Aus den angeführten Gründen müsse der Angeklagte freigesprochen werden. Das Gericht müsse feststellen, der Mieter, welcher sich weigert, seinen Mietsraum zu verlassen, macht sich nicht strafbar, und deshalb hat auch der Angeklagte, der übrigens nicht das Bewußtsein hatte, sich durch seine Aufforderung strafbar zu machen, nicht zur Begehung einer strafbaren Handlung aufgefordert. Ein Polizeibeamter, der wegen Eintritts der Polizei- stunde eine Z�rsammlung auflöst und selbst den Mieter aus seinem Mietsraum weist, handle ungesetzlich. Das Gericht könne unmöglich zu der Ansicht kommen, daß jemand sich strafbar mache, der einer ungesetzlichen Aufforderung nicht Folge leiste. Das Gericht beriet fast zwei Stunden. Dann verkündete Landgerichtsdirektor Q u a st folgendes Urteil: Der Angeklagte ist zu einer Geldstrafe von 20 M. verurteilt. Es möge dahingestellt bleiben, ob die Versammlungsauflösung wegen Eintritts der Polizeistunde gerechtfertigt war oder nicht. Nach der Auflösung hätte sich jeder entfernen müssen. Auf diesen Standpunkt habe sich das Gericht in Uebereinstimmung mit der Entscheidung des Kammergerichts gestellt. Es stage sich, ob der Mieter des Lokals ein Recht habe, auch nach der Auflösung im Lokal zu bleiben. DaS Kammerger, cht habe diese Frage verneint. Das Gericht habe sich in dieser Hinsicht auf den Standpunkt gestellt, Thiel durfte sich nicht nur als Mieter des Lokals, er mutzte sich aus als Leiter der Versammlung betrachten. In dieser fei er im Lokal geblieben, denn er habe ja gesagt: Wir tagen weiter. Dazu sei er nicht berechtigt gewesen. Dem Angeklagten sei daö alles bekannt gewesen, er habe aber trotzdem zu demselben Vcr- gehen aufgefordert. Ob ihm die Strafbarkeit subjektiv zum Be- wußtsein kam, sei ohne Belang. Nach dem Standpunkt des Reichs- gcrichts genüge es, daß objektiv zu einer strafbaren Handlung aufgefordert wurde. DaS Delikt sei jedoch milde zu beurteilen. deshalb erscheine trotz der Vorstrafen des Angeklagten die Strafe von 20 M. ausreichend. Dies Urteil hebt ebenso wie das des Kammergerichts das Mietsrccht, den Hausfrieden und das Vereinsrecht auf. Bei der grundsätzlichen Wichtigkeit diese Frage, auf die wir uns vor- behalten zurückzukommen, wird Revision eingelegt werden. Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste! Allen Parteigenossen, Vereinen und GeWerk» schaften zur Kenntnis, daß uns in Buckow(Märk. Schweiz) nur das Lokal„Schweizcrhaus", Jnh. R i ch. R e i n s ch, zur Verfügung steht, alle übrigen Lokale sind daher seitens der organisierten Ar» beiterschaft streng zu meiden. Außerdem ersuchen Nsir, vor Arrangierung einer Partie nach dort, sich vorher rechtzeitig an den Genossen Fritz Simon, Wald-SicverSdorf bei Bahn» Hof Damsdorf-Müncheberg, zu wenden. Am 2. Juni d. I. veranstaltet der Chormeister Herr M a l m e n t mit seinen Vereinen(gem. Chören) im„Parkrestaurant" in Südende ein Konzert mit anschließendem Tanz. Da schon jetzt versucht wird, Billets hierzu hauptsächlich in Arbeiterkreisen um- zusetzen, weisen wir darauf hin, daß in Südende sämtliche Lokale gesperrt sind, und sind daher alle dortigen Veranstaltungen seitens der Parteigenössen zu meiden. Am heutigen Sonntag veranstaltet die„Freie Ver- einigung der Fleischergesellen Berlins" in dem ge- sperrten Lokal„Kricgcrvereins-Haus" in der Chausseestratze ein Vergnügen; desgleichen findet am Sonntag, den 5. Mai d. I. in „Karl Kellers Neue Philharmonie", Köpnickerstr. 96/97 eine so» genannte„Wohltätigkeits-Beranstaltung" statt, arrangiert vom Verband der Privattheater-Vereine Deutschlands E. V. Wir ersuchen die Parteigenossen, beiden Veranstaltungen fern zu bleiben, da die genannten Lokale der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung stehen. _ Die Lokalkommission. Schßneberg. Die Versammlung des Wahlvcreins findet am Dienstag, den 30. d. M., abends 8 Uhr, in E. Obsts Festsäle statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Vortrag:„Diealteunddreneue Internationale". Genosse Redakteur C. Mermuth. 2. Bericht von der Kreisgeneralversammlung. 3. Vereinsangelegen, heiten. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. Genossen! Die Beerdigung des Genossen Robert Schweichek findet am 28. d. M., nachmittags 3% Uhr, auf dem Friedhof in der Maxstraße statt. D. O. Wilmersdorf. Am Dienstag, den 30. April, findet die General- Versammlung des Wahlvereins statt. Es ist Pflicht der Genossen. vollzählig zu erscheinen. Tagesordnung: 1. Bericht von der Kreis- generalversammlung. 2. Diskussion. 3. Kassenbericht vom ersten Quartal. 4. Fortsetzung der Diskussion über den Auswahl der Stadtverordnetenwahlen und der Reichstagswahlen. Der Vorstand. Steglitz. Die Parteigenossen, welche dem Genossen Robert Schlveichel die letzte Ehre erweisen wollen, Greffen sich heute 2ü Uhr nachmittags im Restaurant Wahrendorf, Schlotzstratze. Sozialdemokratischer Wahlverein Groß-Lichterfelde. Montag, den 29. April, abends 8 Uhr Mitgliederversammlung im Reisenschen Saale, Chausseestratze 104. Tagesordnung: Vor- trag des Reichstagsabgeordneten Wolfgang Heine über: D i e Grundlage des Strafrechts. Diskussion. Bericht- erstattung von der Generalversammlung Groß-BcrlinS. Vereins- angelcgenheiten. Der Vorstand. Lankwitz. Dienstag, den 30. April, abends 8 Uhr, Sitzung deS Wahlvereins bei Rettger, Calandrellistr. 27/29. Zweiter Vortrag des Genossen Baege:„Der Ursprung des Lebens auf der Erde. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen nebst Gästen erwartet Der Vorstand. Friedenau. Montag haben Sitzung: der erste Bezirk bel Triebsch, Handjerystraße; der zweite und dritte bei Grube. Kaiser- Allee; der vierte Bezirk tagt am Dienstag bei Hegert, Handjery- und Rönnebergstraßenecke. In allen Bezirken Fortsetzung der Dis- kussion des Erfurter Programms. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Schmargendorf. Die nächste Mitgliederversammlung deS Wahlvereins findet am Dienstag, den 30. April, abends 8% Uhr im Restaurant„Wirtshaus Schmargendorf", Warnemünderstr. S statt. Die Genossen werden ersucht, in der Versammlung pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Britz-Buckow. Den Parteigenosse» zur Kenntnis, daß die Maivcrfammlung vormittags 10 Uhr im Lokal des Herrn Schöne- bcrg, Rudowerstr. 66, stattfindet. Von nachmittags ab findet ein Tanzkränzchen im Lokal deS Herrn Hübener, Rudowerstr. 51(Buschkrug), statt. Eintritt 10 Pf. Zu diesen Veranstaltungen sind alle feiernden Arbeiter des Ortes freundlichst eingeladen. Der Vorstand. Treptow-Bnumschuleuweg. Parteigenossen- Unsere Maifeier indet in diesem Jahre in Baumschulenweg in„Speers Festsäle" tatt. Es ist alles getan, um das Fest wirkungsvoll zu gestalten. Gewerkschaftssekretär Julius Gehl wird die Festrede halten. Genossen, agitiert gerade in diesem Jahre für einen Massen- besuch. Wir ersuchen die Genosson, zwecks Besetzung von Posten bei der Maifeier sich beim Genossen Mieklcy zu melden. » Der Vorstand. Kilnigs-Wusterhausen. Die Maiversammlung findet am Mitt- woch um 10 Uhr vormittags im Lokal von Weber(früher Ballmüller) in Neu-Mühle statt. Zermsdorf. Der Wahlverein von Zermsdorf und Umgegend hält am heutigen Sonntag nachmittags um 2 Uhr seine Mitglieder« Versammlung ab. Heute früh 8 Uhr Flugblattverbreitung. Oranienburg. Die Mitglieder des Wahlvereins werden ersucht. die heute nachmittag 3 Uhr bei Braun, Kurfürstenstratze, statt- indende Generalversammlung vollzählig zu besuchen. Die Tages- ordnung lautet: 1. Vortrag des Genossen Max Kiesel-Berlin über: „Was lehren uns die Rcichstagswahlen?" 2. Diskussion. 3. Kassen- bericht und Bericht der Revisoren. 4. Bericht von der General» Versammlung von Groß-Berlin. 5. Vcreinsangelegenheiten. Der Vorstand.. Lerliner j�admebten. „Bessere" Kinder. Ruhig und still breitet sich der Tiergarten aus. Die Friihlingssonne zittert durch die knospenbedeckten Zweige der Bäume, die Vögel singen und jubeln im neuerwachten Lenz. Eine erquickende Einsamkeit ringsum. Nur vereinzelte Spaziergänger wandeln die Wege entlang. Vornehme, distinguierte Damen führen ihr Hündchen an der Leine, alte Herren mit weißen Bärten und goldenen Brillen rauchen mit Behagen ihre Havana, und das köstliche Aroma mischt sich in die laue Frulilingsluft. Ein aristokratisches Ehepaar be» trachtet, lebhaft, aber gedämpft konversierend, ein prächtiges Tulpenbect. Auf schnaubendem Rosse jagt auf dem Reitweg ein Reiter hin, eine riesige Staubivolke hinter sich lassend. Es ist Werktag nachmittag, und die exklusive Gesellschaft der oberen Zehntausend erfreut sich hier des ungestörtesten Alleinseins. Der„Trubel" vom Sonntag ist jetzt in dem Häusermeer der Stadt begraben. Das geschäftige Publikum muß dort seinem Erwerb nachgehen, und man kann somit hier ganz„unter sich" sein. Nur dann und wann stört ein Arbeitsloser, auf einer Bank sitzend und düster und teilnahmslos vor sich hinstierend, das ästhetische Bild. Abseits, auf einem Kinberspielplaß, sieht eine Gouv'er- honte, ein junge» Mädchen, in schlichtes Schwarz gekleidet, mit einem blassen, ätherischen Gesichtchen und ordnet ihr dünnes, aschblondes Haar, das ihr ein hübscher Junge aus- einandergerissen hat. Um ihre Mundwinkel zuckt es der- räterisch und das Weinen steht ihr offensichtlich näher, als das Lachen, lleberhaupt scheint der Kleine, in dem schmucken, gut- sitzenden Matrosenkleidchen, der ganz selbstverständlichen An- ficht zu sein, daß ihm zur Ausführung seiner tollsten Launen und Einfälle das Mädchen beigegeben ist. Bald zottelt er seine Begleiterin an den Haaren und an den Kleidern, bald streckt er die Zunge möglichst weit heraus, dann wieder wirft er Hände voll Sand über sie. Und jedesmal huscht über sein hübsches Gesicht boshafte Freude. „Kurt, willst Du jetzt artig seinl" ruft die Erzieherin ein über das andere Mal, mit halb zorniger, halb weinerlicher Stimme. Die Antwort ist jedesmal ein neues Bombardement mit Sand und ein indianerhaftes Freudengeschrei. Sie ist wehrlos diesen Angriffen gegenüber und verhüllt mit beiden Händen schützend das Gesicht. Jetzt hat Kurt eine Weidenrute gefunden, und nun geht's— klitsch— klatsch auf den Rücken und auf die Arme des Mädchens. Hülflos steht sie da. Plötz- lich stößt sie einen Schmerzensschrei aus, ein Hieb hat sie auf die Wange getroffen und ein roter Streifen bezeichnet die Stelle. Ein Arbeiter geht vorüber.„Willst Du Lausejunge aufhören?" schreit er wütend und geht einige Schritte auf den Knaben zu, der sich flink hinter seine Begleiterin rettet. „Lassen Sie sich das von dem Lümmel nicht gefallen.. Das Mädchen schaut ihn erschrocken, fast verständnislos ob der Kühnheit seiner Worte an. Sich wehren, gegen den Knaben ihrer Herrschaft sich wehren, ein solch verwegener Ge- danke war ihr wirklich noch nicht gekommen. Der Arbeiter war weiter gegangen. Aber der Junge hatte die Situation sofort erfaßt. Er pflanzte sich breitspurig, die Hände in die Hosentaschen vergraben, vor der Gouvernante auf. Der hübsche Mund war spöttisch verzogen. „Schlag' mich mal, schlag' mich doch mal. probier's doch, dann sag' ich's Mama, dann fliegst Du raus! Hast Du ver- standen. Du dumme Liese?" Mit dem Kescher. Der große Aufschwung, den die volkstümliche Natur- beobachtung in den letzten Jahrzehnten durch Roßmäßlers Bemühungen genommen hat, und der im Laufe der letzten Jahre besonders durch eine enorme Zunahme in der Haltung von Zimmer-Aquarien merklich geworden ist, verrät sich dem aufmerksamen Spaziergänger auch im Freien. In den weiten Bruchwäldern nördlich und nordwestlich von Berlin kann man im Frühjahre häufig Personen beobachten, die mit Glas- und Blechgefäßen beladen und mit dem Kescher oder einem anderen Fangapparat ausgerüstet, dem Tierleben in den wassergefüllten Waldgräben nachgehen. Zum Teil handelt es sich dabei um eine kleine Industrie, z. B. um das Einfangen von Molchen, Moorkarpfen und dergleichen für die Berliner Naturalien- und Aquarienhändler oder um die Besorgung sogenannten„lebenden Fischfutters" für den gleichen Zweck, das aus kleinen Krebstierchen besteht, die mit einem einzigen Zuge des Fangnetzes schon in großer Zahl erlangt werden. Aber den Hauptteil jener Personen führt doch die Liebe zur Natur in den Wald, die Neigung, die Natur an der Quelle zu studieren und sich neues Material fürs häusliche Aquarium zu holen, das ja im Frühling immer einer Auffrischung bedarf. An solchem Material sind unsere Bruchwälder im Frühjahr sehr reich. Die meisten Liebhaber finden, wenn auch sehr gegen ihren Willen, vielleicht die Molche, die sich ins Wasser begeben haben, um ihr Laich- geschäft zu absolvieren und deren Männchen zur Zeit im „Hochzeitsfrack" glänzen: lebhafte Farben statt des sonstigen monotonen Braun und der Länge nach über Rücken und Schwanz eine flossenartige Zier, die sich später ebenso, wie die Farben wieder verliert. Der Laich der Molche und Frösche wird mitgenommen, um die Entwickelung im Aquarium zu verfolgen. In einer mit nassem Moos gefüllten Schachtel transportiert man zweckmäßig die Schnecken, die man zum Reinigen der Glaswände von grünen Algenüber- zügen zu gebrauchen gedenkt. Auf ähnliche Weise wird die braune Wasserspinne mitgenommen, die sich, freigelassen, sofort unter den Wasserspiegel begibt, dabei eine schön quecksilbern glänzende Luftblase um ihren Leib herum mit unter Wasser nimmt und sich aus solchem Materiale und mit Hülfe ihrer Spinnfäden schließlich ein nußgroßes Luft- schloß unter Wasser baut, von dem aus si« ihre Raubzüge unternimmt. Es würde viel zu weit führen, all' das kleine Getier aufzuzählen, was sich sonst noch in den Gräben breit macht und worunter manches ist, das selbst den Zoologen noch dunkle Punkte bietet. Der noch dürre Waldboden ist mit den Sternen weißer und blauer Anemonen wie gesprenkelt, am Wasier blüht die Sumpfdotterblume, die Knospen der Bäume und Sträucher öffnen sich und zwischen den Stämmen bildet sich mehr und mehr der leichte grüne Schleier, den das Laub im ersten Werden ausbreitet. Und unablässig schmettert der Buchsink sein Frühlingsliedchen auf uns herab. Der Magistrat beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung mit der von Bezirks- und Hausbesitzervereinen aufgeworfenen Frage der Verlegung oder Aufhebungder Weih nachts- und Jahrmärkte. Es wurde beschlossen, den Oberpräsidentcn um seine Zustimmung zu der Verlegung dieser Märkte in städtische Markthallen und um eine Erweiterung des Kreises der in den Markthallen feilzubietenden Artikel zu ersuchen. Viele von den auf Jahrmärkten feilgehaltenen Artikeln— Kurzwaren, Glas- geschirre, Topfwaren usw.— dürfen nämlich in den Markthallen nicht verkauft werden. Mit einem gleichlautenden Antrage wird sich demnächst auch der Bezirksausschuß beschäftigen. Eröffnung der regelmäßigen Schisfahrt auf der Obersprer und der Havel. Die Dampfschiffahrt auf der Oberspree und der Havel nebst den anschließenden Gewässern wird heute. Sonntag, mit der Einführung des FrühjahrSfahrplaneS durch die Stern- Gesellschaft eröffnet. Von Berlin nach Grünau gehen Dampfer ab Jannowitzbrücke um 12%, 2, 8, 4 und 5 Uhr, außerdem um 6 Uhr nach„Loreleh". Zurück gehen die Dampfer um 2%. 4, S, 6 und 7 Uhr, von„Loreley" auch 7,11 Uhr. Sämtliche Dampfer haben in Grünau Anschluß nach Schmöckwitz. Außerdem geht von Grünau einer 3,23 und von Schmöckwitz einer 7.1S nachm. nach Grünau. Sonntags wird bei gutem Wetter von 2 Uhr an halbstündlicher Verkehr eingerichtet. Die Ueberfahrt aus dem Müggelsee zwischen Friedrichshagen und„Rübezahl" wird am 2g. April aufgenommen. Es gehen zunächst 10 Dampfer in jeder Richtung. Auf der Havel gehen von Sonntag an Dampfer von Wannsee nach Potsdam 11,40 und von 2,40 bis 6,40 stündlich. Von Potsdam gehen die Dampfer um 12 und von 2, Od bis 6, OS stündlich. An Sonntagen ist bei gutem Wetter halbstündlicher Verkehr zwischen Potsdam und Lstannfee vgd stündlicher Berkehr zwischen Spandau und Wannsee. Dampfer zur Baumblüte nach Werder. Zur Baumblüte nach Werder und zugleich zum Besuch der Ausstellung in Werder richtet heute, Sonntag, den 28, April, die Spree-Hadel-Dampfschiffahrts- Gesellschaft„Stern" folgende Fahrten ein: Von der Langen Brücke in Potsdam gehen Dampfer um 12, 2. 3 und v Uhr. Die Rückfahrt erfolgt von Bismarckhöhe um 1,2b, 3,25, 5,25 und 7,25, von Werder 1,85, 8,86, 5,85 und 7,35. Bei günstigem Wetter werden die Fahrten vermehrt. Die Dampfer legen auch in Caputh und Baumgarten» brück an. „Schmalhans in der Volksküche." Wegen des Artikels, den wir in Nummer Sl über die Volksküchen veröffentlicht haben, ist Frau Lina Morgenstern uns böse. Wir fragten darin, wie eS möglich gewesen sei, daß bei der Fleischteuerung der letzten Jahre die Volksküchen dennoch einen bedeutend günstigeren Kassenabschluß als bisher erzielen und in den Jahren 1904 bis 1906 sich von damals 11483 M. JahreSzuschuß auf jetzt 163 M. JahreS Überschuß hinaufarbeiten tonnten. Zur Beantwortung dieser Frage wiesen wir aus den Geschäftsberichten der drei letzten Jahre nach, daß zum Teil bei den Mieten unnütze Ausgaben vermieden wurden, zum größeren Teil aber beim Lebensmitteleinkauf Ersparnisse gemacht wurden und zwar trotz hoher Fleischpreisc. Im besonderen hoben wir hervor, daß in den drei Jahren 1904, 1905, 1906 für Leben». mittel die nur mäßig steigenden Beträge 93 298 M., 95 134 M„ 93 326 M. ausgegeben, aber für Speisen die recht erheblich steigenden Beträge 142 792 M„ 149 835 M.. 154 443 M. ein- Senommen wurden. Frau Lina Morgenstern schickt uns nun eine wschrift, in der sie kühn behauptet, daß„der Verfasser jenes Artikels sich nicht die Mühe genommen hat, die Zahlen richtig zu lesen und falsche Schlüsse daraus zog". Sie versichert dann:«Der kleine Ueberschuß vom Jahre 1906 gegenüber dem Minus von 1905 ist nicht auf Kosten der Qualität und Quantität der Speisen in den Volksküchen entstanden." Von der Quantität an sich haben wir ja gar nicht gesprochen. Wohl aber haben wir be- hauptet, die Qualität sei herabgedrückt worden und zwar dadurch, daß die gleiche Quantität durch andere Mischung erreicht wurde. Wir führten aus, die Zusammensetzung der Speisen sei b e n ver- änderten Preisverhältnissen angepaßt worden, indem man minder teure Zutaten nahm. Das kann z. B. be- züglich des Fleisches so geschehen, daß man weniger Fleisch gibt und dafür das Gemüse und die Kartoffeln reichlicher zumißt, oder auch so, daß man beim Fleischeinkaus billigere Teile des Tieres wählt. Hierauf geht Frau M. mit keiner Silbe ein. Sie sagt nur, die Ausgaben für Lebensmittel seien 1906 nicht viel größer geworden, weil„Kartoffeln und Gemüse billiger waren". Nun, darauf hatten ja auch wir schon hingewiesen. Auch die übrigen Angaben, die Frau M. zur Sache vorbringt, waren gleichfalls schon in unserem Artikel enthalten. Nehmen Sie'S uns nicht übel, Frau Morgenstern: wir finden, daß Sie selber sich nicht die Mühe gegeben haben, unseren Artikel richtig zu lesen. Neber daß Verhalten eines Offiziers wird uns geschrieben: Am Freitagabend gegen%7 Uhr stand ein anscheinend dem Arbeiter stände angehöriger, junger Mann im Alter von 28— 30 Jahren auf der Bordschwelle des Kurfürstendamms, Ecke Uhlandstraße, um die daherkommende Elektrische mit einem Anhängewagen vorüber fahren zu lassen; etwas entfernt von ihm standen zwei Frauen. In dem Augenblick, als die Bahn heran war, kam ein Offizier mit einer Dame auf dem dicht neben den Gleisen liegenden Reitweg vorbei geritten. Aus irgend einem Grunde scheute nun das Pferd des Offiziers und bäumte sich vorn auf. in der Richtung nach dem hier stehenden Mann zu. Dieser mutzte sich zurückbiegen, weil' der Gaul auf dem besten Wege war, ihn umzureißen. Bei diesem Zurückbiegcn rutschte unglücklicherweise der junge Mann mit einem Fuße von der Bordschwelle und geriet daher mit demselben unter die in diesem Augenblick vorbeifahrende Elektrische. Durch die Schreckensrufe der diesen Vorfall beobachtenden Frauen wurde der Führer des Wagens auf das Unglück aufmerksam gemacht und brachte mit einem Ruck seinen Wagen zum Stehen; dadurch ver- meidend, daß auch noch der Anhängewagen über den Fuß fuhr. Passanten machten sich sofort daran, den Verunglückten hervorzuziehen, er wurde vorläufig auf den Reitweg gelegt, bis eine herbeigeholte Droschke den Unglücklichen nach der Unfallstation am Zoologischen Garten brachte. Und der Ofsizier? Er hatte den ganzen Vorfall, der durch das Scheuen seines Pferdes herbeigeführt wurde, mit eigenen Augen angesehen, hatte gesehen, wie der Mann mit dem überfahrenen Fuß hülfloS dalag; er hielt eS nicht einmal für der Mühe wert, vom Pferde zu steigen. Er sah sich den Daliegenden mit einem Blick an, als wollte er sagen:„Sieh Dich doch vor!" Dann sprengte er, ohne sich weiter um das von ihm angerichtete Unheil zu kümmern, mit seiner Dame davon. Das Publikum, das sich angesammelt hatte, gab in lauten Pfuirufen seiner Empörung über diese Herzlosigkeit Ausdruck. Der Gerechtigkeit halber wollen wir gleich bemerken, daß wir nicht alle Offiziere über einen Kamm scheren wollen, es gibt darunter auch Leute, die anders gehandelt hätten. Fortschritt der Genossenschaftsbewegung in Berlin. Die auf Anregung der Konsumvereine im Herbst vorigen JahreS von der Berliner Gcwerkschaftskommission gewählte Propagandakommission zur Förderung des Genossenschaftswesens hat während des WinterS innerhalb einer Reihe von Gewerkschaften Vorträge in Wort und Bild vermittelt, und damit zunächst den Konsumvereinen eine An- zahl neuer Mitglieder zugeführt, was auch in den im ersten Viertel. zaHre um 27 Proz. gestiegenen Umsätzen zum Ausdruck kommt, Die Umsätze der Vereine in Groß-Berlin betrugen: 1906 1907 im Januar 165 995 M. 205 454 M.. 4- 89 496 M. „ Februar 167 046„ 208 913,-- 4 1 867 . März 201 118. 264114.+ 6 2 9 96 534 159 M. 678481 M..+ 144822 M. Die in den Vereinen eingezahlten Geschäftsanteile betrugen rund 165 000 N. und die angesammelten Reserven rund 40000 Mark. Bei anhaltender Steigerung dürfte in diesem Jahre ein Gesamtumsatz von 3 Millionen Mark erreicht werden, ver aller- dings im Verhältnis zu Leipzig-Plagwitz mit 15 Millionen JahreS- umsatz recht minimal erscheint. Wenn in den Kreisen der Ar- beitcrschaft Berlins das Wesen der KonsumgenosscnschaftSbcwegung erst mehr gewürdigt wird, können andere Städte im Umsatz weit überflügelt werden. Die Auflösung des Kindergartens in Charlottenburg hat, wie dem„Berliner Tageblatt" geschrieben wird, ein Seitenftück, da» sich in den Zeiten allerschwärzester Reaktion zutrug. Im Jahre 1853 wurde der Berliner Handwerkerverein, dessen idale Zwecke allseitig anerkannt wurden, wegen politischer Umtriebe polizeilich aufgelöst, obgleich nicht das geringste nachgewiesen werden konnte. Ein Volksbildungsverein allerersten Ranges wurde also ohne jeden Grund aufgelöst, nicht einmal eine Anklage wurde erhoben, obwohl die Staatsanwaltschaft damals sehr schnell gerade in derartigen Dingen bei der Hand war. Zweitens: Der Gesundheits» pflegeverein, an dessen Spitze zahlreiche Aerzte standen, die größtenteils unentgeltlich ihre Hülfe Bedürftigen zuteil werden l ießen, hatte im Laufe zweier Jahre in über 25 000 Fällen in den Häusern der Kranken helfend eingegriffen. Er wurde polizeilich aufgelöst, ebenfall» wegen angeblich politischer Umtriebe, und auch hier wurde nicht nur nichts bewiesen, sondern es wurde auch hier leine Anklage erhoben.— So sah eS zur Zeit Hinkeldeh» in Preußen au». Der Geist der Behörde hat sich seidem wenig gewandelt. Welche enormen Einnahme» aus Trinkgeldern und Pachten in größeren Restaurants und Cafös der Wirt von den Angestellten be- zieht, beweist eine ziffernmäßige Aufmachung, die ein hiesiges Blatt über ein großes Kaffeehaus in der Friedrichstraße veröffentlicht. In dem Etablissement, auf da» sich die folgende Rechnung bezieht, find 15 Kellner beschäftigt. Jeder hat einen Zuträger zur Hükfe» leistung, jeder Zuträger erhält vom Wirt ein Monatssalär von 30 M. Dafür zahlt jeder Kellner an den Wirt 1 M. 50 Pf. pro Tag, also monatlich 45 M. Bleibt für den Wirt ein Gewinn von 15 M.. bei 15 Kellnern von.............. 225 SU Von den 10 Kellnern, die in der ersten Etage arbeiten, erhebt der Wirt für tägliche Zuweisung des Reviers eine „Placeuraebühr" von 1 M., also von den 10 Kellnern täglich 10 M. Ergibt für den Wirt eine MonatS» einnähme von............... 300 M, Die Wäsche— Jacke und Schürze— bezieht der Kellner für sich und den Zuträger vom Wirt. Er zahlt dafür an den Wirt täglich 1 M. Der Wirt bezieht die Wäsche von einem Verlcihinstiwt und zahlt für die beiden Garnituren des Kellners und Zuträgers, die jeden zweiten Tag gewechselt werden. 1,20 M. Ergibt einen Gewinn von 80 Pf. in zwei Tagen, einen Monatsgewinn von 12 M., bei 15 Kellnern von........... Von der Garderobe bezieht der Wirt eine MonatS» Pacht von................. Bon der Toilette in der 2. Etage als Pacht... Von der Toilette im Parterre........ Von der Toilette in der ersten Etage..... Die Blumen- und Postkarten-Verkäuferinnen zahlen täglich an den Wirt zusammen 7,50 M.. ergibt eine Monatseinnahme von............ Der Silhouettenschneider zahlt an den Wirt 5 M. pro Tag, also im Monat........._ 1 Das macht alles in allem im Monat 180 M. 400 M. 800 M. 100 M. 100 M. 225 M. 150 M. WWWMWWWWWWWWWWW Die Monatseinnahme des Wirtes von seinen Angestellten bc- trägt also monatlich rund 2000 M., macht 24 000 M. im Jahre. Und diese 24 000 M. leisten die Angestellten im wesentlichen aus ihrer Einnahme an Trinkgeldern I Das ganze speziell die Angestellten entwürdige Trinkgelder- unwesen im Gastwirtsgelverbe wird erst verschwinden, wenn es g«- lungen ist, die große Masse der Angestellten in die gewerkschaftliche Organisatton hineinzuziehen. Das ist zwar eine sehr schwere und mühevolle Aufgabe, aber Zähigkeit und Ausdauer werden auch hier zum Ziele führen. Dann wird es auch gelingen, eine Reihe anderer Mißstände zu beseitigen, unter denen gerade diese Arbeiterschaft stark u leiden hat, wie beispielsweise die unerhörte Ausbeutung durch die Stellenvermittler. Aber auch die Gesetzgebung hat die Pflicht, für einen ausreichenden Schutz dieser ausgebeuteten Arbeiterlategorien Sorge zu tragen. Großes Aufsehen verursachte Freitagnachmittag der Selbst- Mordversuch des 17 Jahre alten„Privatdetektivs" Eberhard Bödcr- lein aus der Schönebergerstr. 1. Der junge Mann hatte ein Cafs am Kurfürstendamm besucht und sich ein GlaS Bier bestellt. Er setzte sich hinter einen Pfeiler und zog nun unbemerkt einen Revolver hervor. Im nächsten Moment wurden die Gäste durch einen Schuß aufgeschreckt und als man hinzusprang, lag B. leblos am Fußboden. Der Selbstmörder hatte sich eine Kugel in die Brust gejagt und wurde in sehr bedenklichem Zustande in das Auguste Viktoria-Krankenhaus gebracht. Uebcr das Motiv zu seiner Tat vermochte er seines Zustandes wegen noch nichts anzugeben. Durch schnellfahrende Automobile wurden am Freitag wieder zwei schwere Unglücksfälle herbeigeführt. Der eine Unfall ereignete sich in der Bohenstraße. Dort wurden zwei Knaben, die auf der Straße spielten, von einem Kraftwagen, der in scharfem Gange von der Chausieestraße her kam, überfahren. Einer der beiden Knaben zog sich einen schweren Bruch des rechten Beines zu, der andere, sein Bruder, kam mit Hautabschürfungen und Quetschungen davon. Der Wagenbesitzer brachte beide Knaben nach dem Augusta- Hospital. Das zweite Automobilunglück ereignete sich in der Oranienstraße. Dort fuhr, wie der Polizeibericht meldet, der 29 Jahre alte Kraftwagensührer Wladislaw Trudnowski mit der Kraftdroschke Nr. 3625 vor dem Hause Oranienstr. 14 beim Ueberholen eines Straßenbahnwagens gegen die ihm entgegenkommende unbesetzte Droschke Rr. 5780. Hierbei wurde der Kutscher der Droschke, der 30 Jahre alte Franz Lange, vom Bock geschleudert. Ferner wurde das Geschirr des Pferdes völlig zerrissen und eine Feder des Vorder- Wagens zerbrochen. Beim Sturz vom Bock verstauchte sich der Droschkenkutscher Lange den linken Ann, konnte sich aber nach Hause begeben, wo er sich in ärztliche Behandlung begab. Ein schweres Branbunglück hat sich am Freitagnachmittag gegen 5 Uhr in der Holzmarktstr. 54 zugetragen. Hier wohnt der Straßen- bahnfahrer Bählke mit seiner Frau und einem zweijährigen Söhnchen; der Mann befand sich am Nachmittag im Dienst und Frau B. verließ gegen 5 Uhr die Wohnung, um einige kleine Ein- räufe in der Nachbarschaft zu machen. Sic ließ den kleinen Knaben im Bette sitzend zurück, und konnte um so unbesorgter fortgehen, als in der Nebenstube sich ihr Schwager befand. Als Frau Bählkd wenige Minuten später zurückkehrte und sich vor ihrem Hause be- fand, schlug eine Fcucrflamme aus dem Fenster ihrer Wohnung. Die erschrockene Frau rief sofort um Hülfe, und den Eintretenden bot sich ein entsetzliches Bild. Das Kind lag lichterloh brennend im Zimmer, das Bett, in dem es gelegen, stand in Flammen. AIS man die Tür des Nebenzimmers, in welchem sich der Bruder des Straßenbahnfahrers befand, öffnete, fand man den jungen Mann trotz der großen Berqualmung schlafend im Bette vor. Der Kleine, der entsetzliche Brandwunden erlitten, erhielt die erste Hülfe von den Samaritern der hinzugerufenen Feuerwehr und wurde dann nach dem Krankenhause Am Friedrichshain gebracht. Wie das Feuer entstanden ist, konnte bisher noch nicht völlig aufgeklärt werden; einzelne vor dem Bett aufgefundene abgebrannte Streich. Hölzer lassen vermuten, daß das Kind mit einer Streichholzschachtel gespielt und so den Brand verursacht hat. Auf der Straße von der Tobsucht befallen wurde Freitag der ZZjährige Drahtzieher Paul Segler, Schwedterstr. 36a, in der Ber- naucr- und Ackerstratze. Er raste schreiend umher, riß sich die Kleider vom Leibe und warf sie von sich. Vorübergehende Frauen versuchte der Rasende anzugreifen.— Eine zahlreiche Menschenmenge hatte sich angesammelt. Nur mit Mühe gelang eS mehreren starken Männern, den Kranken zu bändigen und ihn nach der Polizeiwache zu transportieren. Von dort wurde S. nach der Irrenanstalt in Dalldorf überführt. Bon einem schweren Verlust ist am Freitagabend gegen 9 Uhr die Frau eines seit 19 Wochen ausgesperrten Drechslers be- troffen worden. Die Frau hatte Arbeit abgeliefert und eben ihren Lohn empfangen, für den sie sich viele Tage gemüht hatte. Auf dem Wege vom Büschingplatz bis Landsberger Platz verlor sie, wohl beim Ucberschreiten der Straße, ihr schwarzes Leder. Portemonnaie mit dem gesamten Inhalt, der in 35 M. bar Geld und einer auf einen Knabcnanzug lautenden Quittung bestand. Der etwaige Finder wird um Rückgabe gebeten an Drechsler Paul Reinert, Kochhannstr. 10. 4 Tr. In einer Droschke erschossen hat sich gestern nachmittag ein Herr der in der Mauerstratze vor der Deutschen Bank eine Droschke be- stieg mit der Weisung, ihn nach der ThomasiuSstraße 6 zu fahren. der Gegend des Lehrter Bahnhofes hörte der Kutscher ein ieräusch, das er aber nicht weiter beachtete, weil er glgubte, eS käme vom Bahnhof her. Als er an seinem Zielpunkte angelangt war. mußte der Kutscher sehen, daß der Fahrgast sich unterwegs eine Kugel in die Schläfe gejagt hatte. Der noch Röchelnde wurde nach dem Krankenhause Moabit gebracht. Es soll sich um einen in dem Hause ThomasiuSstraße 6 wohnenden Dr. Mäckler handeln. Fälschlich totgesagt. Durch daS verhängnisvolle Versehen eines Telegraphisten der Polizei ist, wie eine Korrespondenz zu berichten weiß, ein peinliches Vorkommnis hervorgerufen worden. Sett einiger Zeit war in dem Virchow-Krankenhause der 31 jährige Kupferschmied August Zimpel untergebracht und an einem der letzten Tage sollte der Patient nach der Irrenanstalt Dalldorf übergeführt werden. Die Verwaltung des Krankenhauses richtete nun an die Pofi-ei eine Postkarte und fragte an, ob Verwandte des Z. vorhanden seien und wo der Wohnsitz derselben sei. Irrtümlicherweise liest der Telegraphist der Polizei nach den Revieren die Nachricht zirkulieren, dast Zimpel verstorben sei. Es wurde dann auch ein Bruder des Totgesagten in der Stettinerstr. 40/41 ermittelt und dieser von dem Dahinscheiden des Verwandten benachrichtigt Daraufhin wurden auch die übrigen Verwandten und Bekannten des Z. von dessen Tode in Kenntnis gesetzt. Als der Bruder nun gestern im Virchow-Krankenhause erschien, um die Beerdigungsangelegen. hciten zu erledigen, erfuhr er zu seinem matzlosen Erstaunen, dast der Totgeglaubte noch lebte und nach Dalldorf gebracht worden war. Natürlich waren auch die übrigen Angehörigen des Z., die bereits Trauerkleider angelegt hatten, bei der Botschaft von dem Schicksal des K. seltsam überrascht. Spitzbuben statteten gestern vormittag dem am ComeniuSplatz 2 wohnenden Tischler Rudow einen Besuch ab. Sie erbeuteten einen Winterüberzieher, einen schwarzen Rockanzug, zwei Zehnmarkstücke. ein Fernglas sowie einen Trauring, gezeichnet E. S. Die gestohlenen Sachen haben die Einbrecher wahrscheinlich in einem Kopfkissenbezug mit den Buchstaben E. S. fortgeschafft. Der Einbruch trifft den Bestohlenen um so empfindlicher, da er zu den ausgesperrten Tischlern gehört. Die Spitzbuben hatten die Zeit abgepatzt, in der R. zur Streikkontrolle gegangen und seine Frau austerhalb der Wohnung beschäftgt war. ~ Feucrsgcfahr im Lnstspielhaus. Während der vorgestrigen Vov stellung im Lustspielhaus entstand gegen&jA Uhr kurz vor Beginn des letzten Aktes auf der Bühne beim Einschalten der Rampen-- Beleuchtung Kurzschlutz. Die Umhüllungen der Leitungsdrähte ge- bieten in Brand. Der Feuerwehr gelang es, den Brand im Keime ,u ersticken. Wahrscheinlich sind am Nachmittag bei der Ausführung oon Klempnerarbeiten die Leitungsdrähte beschädigt worden. Das Publikum blieb vollständig ruhig. Wer ist der Tote? Am 18. d. M., vormittags gegen 6'/z Uhr, ist in Schöneberg in einer an der projektierten verlängerten Ringbahnstraste mweit der Hauptstrahe belegenen Laube ein unbekannter, etwa iO Jahre alter, dem besseren Arbeiterstande angehörender Mann Nittels Strickes erhängt aufgefunden worden. Der Tote ist 1,75 Meter grotz, schlank, hat dunkelblondes Haar md Augenbrauen, blaue Augen, hohe Stirn, längliches Gesicht, kleine Uhren, war bekleidet mit dunklem Ueberzieher, dunkelgrauem, grost- ariertcn Jackettanzug, schwarzen Schnürstiefeln, grauen Strümpfen. vollenem Hemde, schwarzem, steifem, ziemlich neuem Filzhut und rüg eine alte silberne Zylinderuhr mit der Jahreszahl 1385 und kurzer Shatelainkette bei sich. Etwaige Mitteilungen über die Persönlichkeit des Toten werden .n jedem Polizeirevier oder im Polizeipräsidium, Zimmer 332 II entgegengenommen, eventuell wird um Nachricht zur Tagebuch« «mmmer 4110 IV 4307 ersucht. Der Verkauf von Straßenbahn-AbonnementSkarten für den Monat Mai findet auster ber den in Frage kommenden Berkaufs» stellen der Grasten Berliner Strastenbahn auch wiederum in sämt lichen Geschäften der Firma Jandorf u. Co. vom 29. d. M. ab statt und zwar bezüglich der Werte von 7,70 M., 10,20 M. und 20,40 M. Verloren worden ist ein Mitgliedsbuch des Zcntralverbandes der Steinarbeiter. Dasselbe lautet auf den Namen Friedrich Schneider, geb. 12. April 1874 in Dankenfeld. Der Finder wird gebeten, das Buch bei Herrn Max Faber, Stephanstr. 11, ab- zugeben. Arbeiter-Samariterkolonne. Von dem Standpunkt ausgehend, schnelle Hülfe ist die beste Hülfe, hat eS die Kolonne sich zur Auf- gäbe gemacht, die Kenntnis der ersten Hülfeleistupg unter der Arbeiterschaft zu verbreiten. Dast dieses notwendig ist, wird tag- täglich erwiesen. Es ereignen sich viele Unfälle, wobei es erst nach geraumer Zeit möglich ist, ärztliche Hülfe herbeizuschaffen; die Zwischenzeit verstreicht aber, ohne dast für den Verunglückten etwas getan wird, weit niemand etwas von der ersten Hülfeleistung ver- steht. Deshalb ist es wichtig für jeden Arbeiter und jede Ar- beiterin, sich Kenntnisse anzueignen, um im gegebenen Moment einem Verunglückten oder Erkrankten die erste Hülse bis zur An- kunft des Arztes angedeihen zu lassen. In dem am Anfang Mai begonnenden Kursus der Kolonne bietet sich hierzu Gelegenheit. Auskunft erteilt der Vorsitzende E. Stein, Charlottenburg, Kaiser Friedrichstr. 40. Lehrpläne können ebenfalls von demselben be- zogen werden. Gleichfalls werden diejenigen Herren Aerzte, welche die Bestrebungen der Kolonne durch Vorträge unterstützen wollen, gebeten, ihre Adressen dem Vorsitzenden gefälligst zu übermitteln. Im Sportpark Treptow startet heute zum ersten Male in Deutschland der bekannte Amerikaner Mac Farland in einem 50 Kilometcr-Rennen mit Motorführung gegen die beiden Treptower Spezialisten Stellbrink und Schulze. Auf der Treptow-Sternwarte spricht Dozent Jens Lützen am Sonntag, d.en 23. d. MtS., nachmittags 5 Uhr, über:„Die ver- finsterte Sonne", um 7 Uhr:„Aus der Jugendzeit der Erde Am Montagabend um 9 Uhr wird Herr Lützen„Die Oberfläche des Mondes" behandeln. Alle drei Vorträge sind mit zahlreichen Licht- bildern ausgestattet.— Mit dem grasten Fernrohr wird während der ganzen Woche nachmittags die Sonne, abxnds der Jupiter, ein Doppelstern und später der Sternhaufen im Herkules beobachtet. Feuerbericht. Wegen eines Wohnungsbrandes wurde die Feuerwehr nach der Holzmarktstraste 54 gerufen. Betten und Möbel waren dort in Brand geraten. Der 15. Zug hatte in der GotzkowSkhstraste 30 zu tun, wo in einem Drogcngeschäft unter anderem Naphthalin brannte. In beiden Fällen konnten die Flammen auf chren Herd beschränkt werden. Ferner hatte die Wehr in der LandSbergerstraste, Ecke der Lietzmannstraste zu tun, um eine Verkehrshinderung zu beseitigen. Vorort- ZVacbrickten. Rixdorf. Die Generalversammlung des Wahlvereins, die Fortsetzung der vor acht Tagen vertagten, fand am Dienstag im Hoppeschen Lokal statt. Der Besuch liest, wohl zum Teil infolge der am gleichen Abend tagenden Bauarbciterversammlungcn, zu wünschen übrig. Genosse Dr. Silberstein erstattete den Bericht der Stadtverordneten« ftaklion. Demselben ist etwa folgendes zu entnehmen: Die Sozialdemokratie besitze zwar vollständig die dritte Klasse, jedoch sei eS den Bürgerlichen durch ihre Zlveidritlelmajorität immer möglich, dieselbe m den für die Arbeiterschaft wichtigsten Fragen zu über- stimmen. Von den 20 Sitzen, die die Sozialdemokratie inne habe. scheine einer, der Stadtverordnete Gcricke. vergessen zu haben, dast er von Arbeitem gewählt sei, indem selbiger häufig genug. gegen deren Interessen stimme. An eine freiwillige Niedcrlegung seines Mandats denke G. nicht und so werde man sich-gedulden müssen, bis er nächstes Jahr hinaus gewählt werde. Die Hauptaufgabe sei, für sie Verbesserung der Schulverhältmsse zu sorgen, die ja mit die schlechtesten der ganzen Vororte Berlins seien. Die Durch« schnittsziffer der Schüler einer Klasse beträgt 53,5. ferner seien noch 39 fliegende Klassen vorhanden. Für die Volksschule gäbe die Stadt pro Kopf 53 Mark aus, während für einen Schüler derhöherenLehranstalten trotz des Schulgeldes noch 101 Mark aus dem Stadtsäckel zugelegt werden. Mit den fadenscheinigsten Argumenten würden unsere An« träge von der bürgerlichen Mehrheit bekämpft; soll doch die freie Lieferung der Lern« und Lehrmittel an die Schüler demoralisierend wirken. Unser Antrag, im neuen Schulhausbau Boddinstrast« Brausebäder einzurichten, habe den bekannten Stadtverordneten Beltz zu dem Ausspruch veranlastt:„Das iväre eine Prämie für die Faulheit der Mütter; sie brauchten ihre Kinder ja dann nicht mehr zu waschen." Auch Schulärzte habe Rixdorf noch nicht; die bürgerliche Mehrheit scheue wohl vor der Tatsache zurück, daß RixdorfS gesundheitlichen Zustände ziemlich traurige seien und das Bekannt- werden dieser viele vom Zuzug fernhalte. In der Schuldeputatton sitzt kein Fachmann; die Pastoren dürfe man nicht als solche ansprechen. Wie ihm, Redner, zu Ohren gekommen sei, habe sogar die Bau- deputation mit fünf gegen vier Stimmen beschlossen, das Grund- stück Richardstraste, auf dem eine Badeanstalt, die im Projekt fertig ist, sowie eine Schule und Verwaltungsräume angelegt werden sollten, zu verkaufen. Es soll dort eine Strasse durchgelegt werden; die Anlieger machen dadurch ein gutes Geschäft. Anfang Mai soll ja auch die Säuglingsfürsorgestelle ins Leben treten, für die 4000 M. pro Jahr in den Etat eingestellt seien. Am 1. Mai werde auch der erste städttsche Omnisbus in Funktion treten, der den Hermannplatz mit dem Bahnhof Treptow verbindet. Die Veranlassung zur Ein- fllhrung der Omnibuslinie habe das rigorose Verhalten der„Grossen Berliner" gegeben, die absolut keine Linien baut, sobald dieselben nicht genügend rentabel erscheinen. Wie bewilligungseiftig die bürgerliche Mehrheit sein könne, beweist die Einsetzung von 4000 M. in den Etat für Einweihung des neuen Rathauses, 1000 M. für den Er- ziehungSbeirat für die schulentlassene Jugend und eine Beihülfe flir daS Bodelschwinghsche.Hoffnungstal" I Mit Ingrimm betrachten die Zünstler und kleinen Geschäftsleute die hier bestehenden Märkte, die doch für viele kleine Konsumenten von Vorteil seien. Einen klein- städtischen Eindruck mache unsere Feuerwehr. Gewist gehöre ein gewisser Idealismus dazu, sich der freiwilligen Feuerwehr an- zuschliesten, und gebühre den Leuten auch unsere Hochachtung; nichts- destoweniger müstten wir aber doch immer wieder verlangen, dast statt der jetzigen kleinen Wache eine moderne Berufsfeuerwehr ein- gerichtet werde. In der Armen- und Waisenpflege sollten endlich auch Frauen zugezogen werden. Das Krankenhaus in Buckow werde, wenn der Bauarbeiterstreik nicht einen Strich durch die Rechnung macht, im August unter Dach sein. Redner schliestt mit dem Wunsche, dast wir auch in der zweiten Wählerklasse bald Bresche legen werden, damit wir eine der Arbeiterstadt Rixdorf würdige Kommunalpolitik vertreten können. In der lebhasten Diskussion wurden verschiedene Mängel im Krankenhaus und im Schulwesen besprochen sowie das starke An- ziehen der Steuerschraube erwähnt. Die Stadtvv. Genossen Groger, Konrad und Böske ergänzten noch die Ausführungen des Referenten und ersuchten die Anwesenden, sie mit Material zu unterstützen. Den Bericht von der Kreis-Generalversammlung gab Genosse Zickel. Auf die Erstattung des Berichtes von der Generalversammlung Grost- Berlins wurde auf Antrag verzichtet. Vor Eintritt in die Tages- ordnung ehrte die Versammlung das Andenken des verunglückten Genossen Siolzki sowie des an den Folgen des Ueberfalles ver- storbenen Genossen Muras in der üblichen Weise. Einen kleinen Erfolg haben unsere Stadtverordneten in Rix- dorf zu verzeichnen. Schwere Kämpfe hat es gekostet, um die bürgerliche Mehrheit von der Notwendigkeit einer Fürsorgestelle für Säuglinge zu überzeugen. Am 2. Mai wird nun Boddinstr. 57 die städtische Säuglings- fürsorgestelle eröffnet. Die Sprechstunden finden Montags und Donnerstags von 2 bis 3 Uhr statt Die vornehmste Aufgabe der Fürsorgcstelle ist eS. die minder bemittelten VolkSkreise über den-Wert der natürlichen Ernährung der Kinder und eine verständige Säuglingspflege aufzuklären und in erweitertem Mäste die Mütter wieder zum Selbststillen heran- zuziehen. Ein Kinderarzt und eine sachkundige Fürsorgeschwester sind angestellt, um auf die Mütter in diesem Sinne einzuwirken Der Arzt wird in den Sprechstunden über Ernährung und Pflege der Säuglinge Rat erteilen, die Schloester wird durch Hausbesuche die Mütter bei der Durchführung der ärztlichen Anordnungen unterstützen. Bedürftigen Müttern werden, um sie zum Stillen fähig zu erhalten, Prämien in Form von Milchbeihülfen gewährt. Eine ärztliche Behandlung kranker Kinder findet nicht statt. Die Wiedereröffnung ber Erholungsstätte KönigShribe(Station Bauinschulcnwectt an der Görlitzer Bahn) findet am 1. Mai statt. Die Aufnahme lungenleidender Frauen, Mädchen und Kinder ist in der Geschäftsstelle des Vereins zur Bekämpfung der Tuberkulose in Rixdorf, Richardstr. 5, 1 Treppe, nachzusuchen.(Sprechstunden: DienStagZ und Freitags von 3 bis 4 Uhr.) Der tägliche Pflegesatz beträgt 55 Pf. für Erwachsene und 50 Pf. für Kinder. Für diesen Betrag wird Mittagbrot und 1 Liter Milch geliefert. Ein schwerer Unglücksfall hat sich gestern auf dem Neubau Schudomastraste 50 zugetragen. Infolge nicht genügender Bedeckung stürzte der Steinträger Otto Mehnert, Kopfftrasse 34, auS der Höhe der zweiten Etage vom Fahrstuhlgerüst in den Schacht hinab. Dem Bedauernswerten wurden einige Rippen zerschmettert. In be- denklichem Zustande fand der Verunglückte im städtischen Kranken- haus Aufnahme. Eine Neubaustrecke der Straßenbahn wird boraussichtlich am 1. Mai eröffnet, nachdem die Stratzenregulierungsarbeiten in der Gottlieb Dunkelstrasse in Tempelhof so weit gefordert sind. Die neue Strastenbahn geht über den Mariendorfer Weg in Rixdorf. Sie wird dazu benutzt, um die Linie 7 Moabit-Rixdorf von dem Marien- dorfer Weg aus durch die Gottlieb Dunkelstraste nach dem neuen städtischen Gemeiudekirchhofe von Rixdorf zum Teil zu verlängern. An den Wochentagen geht stündlich, an Sonn- und Feiertagen halb- stündlich ein Wagen zum neuen Endpunkt. Friedrich öfelde. Uns wird mitgeteilt: Die elektrische Bahnverbindung zwischen den Ortsteilen Friedrichsfelde und Karlshorst ist jetzt in greifbarere Nähe gerückt. Die Gesellschaft für Untergrundbahnen beabsichtigt eine elektrische Bahnverbindung zwischen Ober-Schöneweide und Bahnhof Karlshorst zu bauen. Würde diese Linie am Bahnhof Karlshorst enden, so hätte Friedrichsfelde keinen und Karlshorst nur einen sehr mästigen Vorteil; die Gesamtgemcinde wäre dann aber der Gesellschaft auf Gnade oder Ungnade gänzlich ausgeliefert. Auch dürfte eine zweite Gesellschaft sich schwerlich finden die Linie Friedrichsfelde— Bahnhof Karlshorst zu bauen ohne die Möglichkeit einer Wetterführung nach Oberschöneweide usw. Unverständlich ist es, diese Strecke angeblich wegen Unrentabilität nicht zu bauen, denn gerade hier macht sich eine Verbindung notwendig. Die Gemeinde Friedrichsfelde würde dem Projekt nur zustimmen, wenn gleichzeitig die Verbindung zwischen Friedrichsfelde und Karlshorst hergestellt würde. Nieder-Schönhausen. Die mn Freitag stattgcfundene Gemeindewahl hat ein end- gültiges Resultat nicht gebracht. Es fällt deshalb durch die not- wendige Stichwahlagitation die am DicnStag fällige Mitglieder- Versammlung aus. Die Genossen wollen nun noch einmal in inten- ive Agitation eintreten, um zu verhindern, dast die Gegner mit ihren Papierstimmen die reaktionärsten Vertreter in das Gemeinde- Parlament wählen. Nieder-Schöneweide. Ein Leicheufund wurde am Freitag vormittag gegen 11 Uhr in dem zwischen AdlerShof und dem Rangierbahnhofe Rieder-Schöne- weide belegenen Walde gemacht. Berliner Ausflügler entdeckten dortselbst unter einem Baume die Leiche eines etwa 4öjährigen gut- gekleideten ManNeS. Bei dem Toten wurden Visitenkarten vor- -efuuden, die ergaben, dast eS sich um den Tapezierer und Dekorateur Arndt von hier handelt. Ob A. Selbstmord mittels Gift verübt bat Serickts-�eitung. Betrügereien gegen eine OrtSkrankenkasse. Zu dem am S. d. M. von uns über den Prozeß gegen den prakttschen Zahnarzt Tiburtius gebrachten Bericht sendet uns der Angeschuldigte nachstehende Auslassungen mit dem Ersuchen um deren Aufnahme: „ad 1) Gegen das gegen mich gefällte Urteil wegen Urkunden» fälschung habe ich selbstredend Berufung eingelegt, da die Vor» aussetzungen für eine solche nicht vorhanden sind. Sie schreiben u. a.:„In gleicher Weise unterschrieb Tiburtius noch zwei andere Atteste und stellte sie der Kasse in Rechnung". Dies ist ein Irr» tum, und zwar aus folgenden Gründen: „Für Narkosebescheinigungen hielt ich eine Anzahl Hand» schriftlich hergestellter Blankoformulare mit der Vorzeichnung „Dr." vorrätig. Die drei in Frage stehenden Atteste habe nicht ich, sondern der jetzige praktische Arzt Herr Dr. med. Lubowski— damals noch nicht„vr. med.", wohl aber Unterarzt in der könig» lichen Frauenklinik— unterschrieben, welcher es in der Eile unterliest, die Bezeichnung„Dr." fortzustreichen. Ich möchte noch bemerken, dast ich Herrn Dr. L. für seine Bemühungen stets honoriert habe, so dast meine Liquidationen für eine Narkose» assistenz zu Recht bestanden. Uebrigens besitze ich die Bescheini« gung eines bekannten Weinhändlers, nach welcher sich Herr Dr. L. bereits feit vier Jahren bei diesem Herrn als„vr. med." ausgegeben hat. ad 2) Eine Mimsterialverfügung, wonach ein Arzt ver» pflichtet, zu einer Narkose noch einen Arzt hinzuzuziehen, existiert nicht. Die berühmtesten Aerzte und Professoren ziehen bei Nor» kosen nur einen sogenannten Narkotiseur hinzu, d. h. einen ge- prüften Krankenwärter oder eine Krankenschwester, die die Technik des Narkotisierens vollständig beherrschen. Mir ist aus eigenem Augenschein bekannt, dast v. Bergmann. Jansen usw. Narkosen durch einen geprüften Heilgehülfen ausführen liehen bczw. lassen. Die Krankenkasse ist also auch verpflichtet, nicht nur einen Dr. med., sondern auch einen geprüften Heilgehülfen oder Krankenwärter zu honorieren. Ich habe es also nicht nötig, den Anschein zu erwecken, als ob ein praktischer Arzt resp. Dr. med. bei den von mir ausgeführten Operationen assistiert hätte. Uebrigens sind die drei Bescheinigungen über Narkosen in der Gerichtsverhandlung gegen mich gar nicht vorgelegt worden. ad 3) Während meiner 17 jährigen Praxis als Zahnarzt bin ich niemals von einer Krankenkasse als Arzt angestellt gewesen, sondern nur während der Jahre 1904/05 von verschiedenen Krankenkassen als Arzt zugelassen, was ein großer Unterschied ist. da ein Vertrag nicht vorliegt. Die Krankenkasse ist daher ver» pflichtet, nicht nur Extraktionen, Plomben und Betäubungen, sondern auch meine Liquidationen über konsultative Bchand» lungen. auch mit Medikamenten, zu vergüten. Es� kann daher auch von falschen Liquidationen meinerseits, wie Sie in Ihrem Blatte schreiben, keine Rede sein, was ja auch gerichtlicherseitö anerkannt worden ist." Obwohl uns eine Verpflichtung zur Aufnahme dieser Zu» sendung nicht obliegt, haben wir derselben aus Billigkeitsgründen Raum gegeben, weil sie Auslassungen des Angeklagten enthält. auf die dieser Gewicht legt. Vermischtes. Bon einem schweren Brandunglück ist das Dorf Schönfeld in der Nähe des Schießplatzes Kunncrsdorf bei Zossen an der Militär- bahn Berlin— Jüterbog heimgesucht worden. 12 Höfe, die Kirche, Schule und eine Menge Vieh, Vorräte an Stroh, Heu usw. sind vernichtet. Das Feuer entstand mittags auf dem Hofe des tüfnerö Nitsche angeblich durch das Spielen von Kindern mit treichhölzern, wobei ein beladener Heuwagen in Brand geriet. Infolge des heftigen Windes wurden die Flammen schnell an- gefacht, erfaßten mit unglaublicher Schnelligkeit sämtliche in der Windrichtung liegenden Gebäude, so daß in kurzer Zeit das freund- liche Dorf von einein Ende bis zum anderen in Flammen stand. Die Hülfe kam zu spät. Viele Bauern waren auf dem Felde be- schäftigt. Durch die herumfliegenden brennenden Garben war die Löschung sehr erschwert. Viele mußten zunächst auf die Rettung ihres Viehes und ihrer Habe Bedacht nehmen. Auch fehlte es an Genügenden Löschgeräten und Wasser. Die Bemühungen, den -lammen Einhalt zu tun, waren vergeblich. Das Gemeindehaus fft total niedergebrannt. Gegen Abens standen schon 12 Gebäude mit der Kirche und Schule, Haufen von Stroh, Wagen, Zäunen und so weiter in Flammen. Aus Linow, Woltersdorf, Janicken- dorf und vom Schießplatz eilten Löschmannschaften herbei, deren Bemühungen aber an der Größe des Brandes scheiterten. Bei den Rettungsarbeiten ereigneten sich leider mehrere Unfälle. U. a. wurde ein Soldat von der Betriebsabteilung der Eisenbahn-Brigade durch Stichflammen im Gesicht schwer verletzt. Er mußte ins Lazarett nach KunncrSdorf gebracht werden. Man befürchtet, daß die Augen durch die Flammen verletzt sind. Von dem Vieh sind besonders Hühner, Tauben und Schweine verbrannt. Pferde und Rindvieh konnten fast alle in Sicherheit gebracht werden. Mehrere hatten sich losgerissen und rannten wie toll davon. Zum Glück sind die meisten Abgebrannten versichert. Das Hochwasser. Das Gebiet zwischen St. Johann und Kössen ist durch die ausgetretene Groß-Achc überschwemmt. Die Talsohle gleicht einem See. In den Häusern steht das Wasser teilweise meterhoch. Bon dem Hochwasser der Düna ist nach einer Meldung aus Wilna ungefähr der dritte Teil der Stadt Dihna überschwemmt worden. Der Gouverneur hat bereits Maßnahmen zur Hülfeleistung ergriffen._ Ein Felssturz. In der Nähe der Stadt Görz stürzte ein Felsstück ab und begrub mehrere Arbeiter. Vier sind tot, drei schwer verwundet. Zwei Erdstöste wurden gestern morgen in Catanzaro verspürt, denen ein dumpfes, rollendes Geräusch folgte. Irgendwelcher Schaden wurde nicht angerichtet. oder ob er einem Herzschlage erlegen ist. wird erst durch die ein« geleitete Untersuchung festgestellt werden, da die Leiche keinerlei äußere Verletzungen aufwies. Rahnsdorf. Eingestürzt ist in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend die Rahnsdorfer Wassermühle und ein Teil des an diese anstoßenden HauseS. Das in der Mühle angestaute Wasser ergost sich über die Chaussee, die vollkommen unpassierbar wurde. Sozialdemokratischer AaitatiouSverei» für de» Wahlkreis Kalaii-Luckau. Morgen, monmgabciid öfl, Uhr Sitzung bei Wcihacht, Griinsir. 2l. Gäste willkommen. Allgemeine Faiittlien-Stertiekasse. Heute: Zahllag Ackerst». 123 bei Wiesc-ithal und Marin mieustr. 48 bei Licbchenschcl von 3— S Uhr. Sozialdemokratischer Agitationsverein für de» Reichstags- Wahlkreis Tchom-Gul in-Briese». DomierStag, den 2. Mai, abends 8'/, Uhr, bot Ohiifsorge, Mnrlgrasenslr. 102: Versammlung. Gäste willkommen. Polnischsprechende Parteigenossen Berlins und Umgegend, Montag, den 29. April, aliend« 8'/, Uhr, Versammlung des Polnischen sozialdemolratilchen Vereins in Feuersteins Festsälen, Alle Jakobstratze. Von der Reise zurück. 202/4* Vr. med. R. Hirsch, Spczialarzt für Haut«, Harn- und ÄcschlechlSIeiden. 98. Meine Wohnung besindet sich jetzt Brunnenstr. 73 1(gegenüber meiner früheren Wohnung). 260b Dr. Lachmann Spozialarzt für Hals-, Nasen- und Ohrenlelden. Preise* beliebige Teilzahlung. Olga Jacobson, Ä,«. I-Klllli) Dr. Schünemann Spezial-Arzt für 44113« Haut- und Bfarnlciden, Crnncnkrankhciten. Friedrichstr. 203, Ecke Schlldenstr. 10-a, 5-7, Sonnt. lO-iaichr. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, 10—2, 6—7. Sonntags 10—18, f' Mit Rücksicht auf die immer weitergehenden ungeheueren Preissteigerungen aller Rohstoffe bieten meine jetzigen Verkaufs- Auslagen welche durch rechtzeitige bedeutende Abschlüsse gedeckt sind, zu außergewöhnlich vorteilhaften Preisen eine besonders günstige Gelegenheit zur Beschaffung oder Ergänzung anerkannt bewährter Haushalts- und Ausstattungs- Wäsche. Bettwäsche fertig genäht. Damenwäsche einfache und elegante Frühstücksgedecke Kaffee- und Gartendecken. Morgenröcke Morgenjacken. Handtücher Wischtücher Staubtücher. 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Die Strafkammer in Duis- bürg bestätigte das Urteil, das Oberlandesgericht in Düffel- dorf als Revisionsinstanz hob es jedoch wieder auf und wies die Sache an die Vorinstanz zurück mit der Begründung, daß von einer Belästigung oder Gefährdung des Publikums dann nicht ge- fprochen werden könne, wenn sich die Einwirkung auf das Publikum auf ein reine innerliche Beunruhigung beschränke und nicht auch nach außen hin zutage trete; wenn somit eine Ver- letzung des äußeren Bestandes der öffentlichen Ordnung nicht in die Erscheinung trete. Das ist nun zwar nicht geschehen— innerlich„beunruhigt" fühlten sich lediglich die drei boykottierten Wirte—, aber trotzdem hat die Duisburger Straf- kammer unter Vorsitz des Landrichters Dr. Kassel zum zweiten Male die Verurteilung zu 14 Tagen Gefängnis ausgesprochen und zwar wiederum, weil eine„exemplarische Strafe durchaus an- gemessen" sein soll. Ein Verbreiter des Flugblattes wurde mit Sv M. Geldstrafe bedacht. Da nun der Boykott im wirtschaftlichen Kampfe als eine durchaus einwandsfreie Waffe gilt, so mutz schon aus diesem Grunde die Höhe der Strafe Kopfschütteln erregen, und das noch um so mehr, wenn man weiter bedenkt, daß der hier in Frage kommende Boykott lediglich eine Vergeltung dafür war, daß die Organisationen der Arbeiter fgcwcrkschaftlichc sowohl wie politische) von den drei Wirten zuerst gebohkottet wurden, d. h. die organisierten Arbeiter erhielten keine Lokalitäten zur Abhaltung auch nur der Harm losesten Versammlung. Das Verhalten der Wirte inner! halb zweier großer Ortschaften mit zirka 90 Proz. Arbeitcrbcvölke- rung mußte demnach geradezu als eine Herausforderung von der Arbeiterschaft empfunden werden und s o war dieser Boykott die ganz natürliche Folge des Verhaltens jener Wirte selber. Was aber sagt die Strafkammer des Herrn Dr. Kassel in Duisburg? Man höre: ..... Durch das Vorgehen wurden die Wirte, deren materielle Existenz bedroht war, in hochgradige Erregung versetzt. Daß sie durch das brutale Borgehcn der sozialdemokratischen Partei stl!) bis zur äußer st en Verzweiflung getrieben worden sind, geht daraus hervor, daß der Zeuge W a l d m a n n, als er einmal jemand einen derartigen Zettel in der Nähe seiner Wirtschaft ankleben sah. diesem(I) nachlief und ihm eine Ohrfeige versetzte, und daß Platz dem N i e ß e n erzählt hat, er wolle den Leuten auflauern, und dem Polizei sergeanten Stork gegenüber noch hinzugefügt hat, er habe sich mit einem Revolver auf die Lauer gelegt und werde jeden, von dem er merke, daß er Zettel anklebe, auf welchen zum Boykott seiner Wirtschaft aufgefordert werde, niederschießen!" Und an einer anderen Stelle des Klasscnurteils heißt es in demselben Tone weiter: „Mit Rücksicht auf die schwere Schädigung, die den Gewerbe treibenden durch das terroristische Vorgehen der sozialdemokrati- scheu Partei(II) solchen Leuten gegenüber er- wächst, welche wirtschaftlich von ihren Mit- gliedern abhängig sind und sich ihren politi- scheu Ansichten und Forderungen nicht fügen, erschien die von dem Schöffengericht gewählte exem- plarische Strafe durchaus nicht zu hoch gegriffen, son- dern in jeder Weise angemesse n." Hier wird also mit dürren Worten die Tat einer einzelnen Person, die als Mitglied und zunächst im Interesse der ge werk- schaftlichen Organisation der Bergarbeiter handelte, ohne viel Federlesens zu einem terroristischen, brutalen Borgehen der sozialdemokratischen Partei gestempelt(II), obwohl die sozial- demokratische Partei an der ganzen Sache unschuldig war. DaS muß man festhalten, um die ganze Schwere des Klassen- urteils reinster Couleur voll würdigen zu können. Der Duisburger Strafkammer macht es nichts aus, daß in einer Ge- meinde mit Tausenden von Beraarbeitern diese nicht einmal ein Lokal bekommen können, um ihre Versammlungen ab- zuhalten I Nachdem dann aber schließlich einer der Beteiligten glaubt, durch die ganz legale Waffe des Boykotts die von den Bergarbeitern lebenden Wirte zur Hergabe eines Versammlungs- lokales bewegen zu können, da wird dies Vorgehen einfach zu einem „brutalen, terroristischen Vorgehen der sozial- demokratischenPartei" umgemünzt, nachdem bei der ersten Verurteilung der berüchtigte„grobe Unfug" hatte herhalten müssen, aber infolge absoluter Ermangelung eines Beweises für die erneute Verhandlung nicht aufrecht zu erhalten ist. Der Duis- burger Strafkammer scheint es ganz entgangen zu sein, daß sie ihren Schützlingen ein sehr schlechtes Zeugnis ausstellt durch daß Eingeständnis, daß gerade diese es waren, die eventuell groben Unfug verübt oder die öffentliche Ordnung in ihrem äußeren Bestände bedroht haben. Denn weil dieboykottierten Wirte teils mit dem Revolver auf der Lauer gelegen und jeden niederschießen wollten, der Zettel anklebt oder teils hinter solchen Anklebern herge- laufen sind und diese gcohrfeigt haben» deshalb soll der Ber- sasser eines formell durchaus einwandSfteicn und sachlich-mätzig gehaltenen Flugblattes 14 Tage Gefängnis haben I l Zu dieser Logik können wir uns trotz der krampfhaftesten Suche nach ahn- lichen scharfsinnigen Beweisen für das„t e r r o r i st i s ch e Vor- gehen der sozialdemokratischen Partei" nicht durchringen. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte dafür, daß so manche kraft ihres Amtes zur Rechtsprechung berufene Juristen sich absolut nicht von den Vorurteilen und Klassenanschau- ungen ihrer Gesellschaftskreise zu befreien vermögen, so hat die Duisburger Strafkammer des Dr. Kassel diesen Beweis erbracht. Hoffentlich wird der R e i ch s l ü g e n v e r b a n d sich dieses Klassenurteil in Reinkultur nit entgehen lassen. Soziales. Auch daS invalide Kassenmitglied hat Anspruch auf Krankengeld. Das Oberverwaltungsgericht hat in einem Erkenntnis vom g. Januar 1902(Entsch. Bd. 41 S. 352) ausführlich und dem klaren Wortlaut des Gesetzes entsprechend— in Uebcreinstimmung mit einem Erkenntnis des Berliner Bezirksausschusses— folgende Rechts- fätze aufgestellt: Ein Kassenmitglied, welches aus der die Mitglied- schaft begründenden Beschäftigung ausscheidet, kann auf Grund deS § 27 des KrankcnversicheriingSgcsetzcS freiwilliges Mitglied der Kasse bleiben, auch wenn es zur Zeit des Ausscheidens bereits dauernd erwerbsunfähig ist. ES hat dann Anspruch auf die samt- lichen Kassenleistungen in gleichem Maße wie die übrigen Mitglieder, namentlich auf Ge- Währung des Krankengeldes. Diese Rechtssätze begründet das Oberverwaltungsgericht ausführlich aus dem Z 27 des Kraukenversicherungsgesctzes, der eine gegenteilige Vorschrift nicht enthält, aus KZ 19 Abs. 3, S4a und 28 des Kranken- versicherungSgesetzeS. Es führt in der Eulscheidung noch ausdrücklich aus:„ES bedarf auch keiner weiteren Ausführung, daß eine gegenteilige Bestimmung den Verl» st bereits Ivohl erworbener Rechte des Mitgliedes znr Folge hätte und den ganzen Charakter und sozialpolitischen Zweck des K ranke«versichern ngSgesetzeS nicht entsprochen haben würde." Diese Rechtsanschauung deS OberverwaltungSgerichtS deckt sich mit dem Standpunkt, der allgemein in der Theorie und Praxis mindestens feit diesem Erkenntnis eingenommen wird. Neuerdings hat eine entgegenstehende Ansicht das Landgericht Güstrow eingenommen. Die Begründung ist ein klassisches Mo- numcnt für die sozialpolitischen Untiefen unseres gelehrten RichterüiniS. Im Urteil heißt eS: ES mag anerkannt werden, daß besonders die vom preußischen Oberverwaltungsgericht für die entgegengesetzte Ansicht hervor- gehobenen Argumente n i ch t o h n e B e d e u t u n g find. Es mag unbillig erscheinen, wenn bei gleichen Beiträgen den freiwillig versicherten Erwerbsunfähigen nicht dieselbe n Leistungen von der Kasse im Falle einer Krankheit zu teil werden wie dem Zlvangsversicherten. Durchschlagende Vedeiituiig konnte diesem Argument aber nicht beigemessen werden. Das Gesetz fordert, wie auch das Oberverwaltungsgericht an- erkennt, überall dort, wo es sich um die Geivährung von Krankengeld handelt, einen Kausalzusammenhang zwischen Krankheit und Erwerbsunfähigkeit. Das Krankengeld trägt danach nach dem Gesetze an sich den Charakter einer Entschädigung für einen mnt- maßlich durch Krankheit des Versicherten herbeigeführten Verdienst- ausfall, mag es auch(vergl. Hahn. a. a. O. Anm. 3o zu§ 0) jedem Versicherten ünabhängig davon gewährt werden, ob tatsächlich ein solcher Ausfall an Verdienst durch die Krankheit herbeigeführt ist oder nicht. Auch der infolge Erwerbslosig- keit auf Grund der Bestimmung des§ 23 des Gesetzes aps der Kasse Ausgeschiedene, welchen unter den dort näher an- gegebenen Voraussetzungen ein Anspruch auf Krankengeld zusteht, ivürde, wenn er nicht durch die die Erlverbsunfähigkeit herbei- führende Erkrankung daran gehindert wäre, vielleicht in der Lage sein, sich in der Zeit, während welcher er Krankengeld bezieht, wieder Arbeit und Enverb zu schaffen. Es läßt sich also auch daraus, daß dem zeitweilig Erwerbs losen Krankengeld zugebilligt wird. noch kein Argument dafür her- leiten, daß solches auch den, Erwerbs unfähigen zusteht. Wenn das Gesetz die freiwillige Fortsetzung der bisherigen Zwangsversicheruug zuläßt, ohne ausdrücklich zu bestimmen, daß für den Fall der freiwilligen Versicherung das Krankengeld im Falle einer Erkrankung unabhängig davon gezahlt werden solle, ob der Versicherte durch die Krankheit in seiner Erlverbs- fähigkeit gehemmt ist, so wird man daraus lediglich den Schluß ziehen können und dürfen, daß der Gesetz- geber dem freiwillig Versicherten Krankengeld nur unter denselben Bedingungen hat gewähren wollen wie dem Zwangs- versicherten. Tatsächlich steht das Recht der freiwilligen Weiter Versicherung ja nicht nur den infolge Erwerbsunfähigkeit aus der Kasse auslcheidcndcn Mitgliedern zu, sondern auch allen voll erwerbsfähigen, welche aus der die Zwangsversicherung be gründenden Beschäftigung ausscheiden, sofern'sie nicht in eine andere, wiederum Zwangsversicherung begründende Beschäf tigung eintreten. Letzteren gewährt auch die freiwillige Versicherung in gleichem Maße wie den Zlvangsversicherten einen Anspruch auf Krankengeld, wenn sie infolge einer Erkrankung erwerbsunfähig werden; e r st c r e erwerben, da bei ihnen die Herbeiführung der Erwerbsunfähigkeit durch Krankheit begrifflich ausgeschlossen ist, durch die freiwillige Versicherung nur den Anspruch auf die übrigen im Gesetze und Statut vorgesehenen Kranke«unter st Ätzungen. Eskannauch nicht anerkannt werden, daß darin eine unbillige, d�er sozialen Tendenz der Versicherungsgesetze widersprechende Härte erblickt werden kann. Denn einmal liegt eS im freien Willen de? Erwerbsunfähige», ob er durch Zahlung der Beiträge sich daS Recht auf die sonstige Krankenunterstützuug sichern, ob er in der Geivährung von ärztlicher Behandlung, Arznei und sonstigen Heilmitteln ein hinreichendes Aequivalent für die Weiter zahlung der Beiträge erblicken will. Sodann aber kann dem schon vorher völlig Erwersunfähigen auch tatsächlich durch die Krankheit ein Erwerbsausfall nicht verursacht werden. Es entfällt damit bezüglich seiner auch der gesetzgeberische Grund für die Zubilligung deS Krankengeldes, die Absicht, Entschädigung für einen muwraßlichen durch die Krankheit Herbeigeführten Er- werbsunfall zu gewähren. Wenn das Oberverwaltungsgericht statt dessen die Gewährung von Krankengeld an schon vor der Krankheit Erwerbsunfähige davon abhängig machen will, ob die Krankheit im einzelnen Falle hypothetisch, falls Erwerbsunfähigkeit noch nicht vorhanden ge- wefen wäre, solche zur Folge gehabt haben würde, so fehlt eS einer solchen Unterscheidung an der gesetzlichen Grundlage. Sie bietet aber auch zu den schwersten Bedenken Veranlassung bezüglich ihrer praktischen Durchführbarkeit, da es an jedem Maßstabe zur Feststellung dieses lediglich hypothetischen Kausalzusammen- Hanges fehlt. Wir haben diese Begründung ausführlicher wiedergegeben, um ihre Hohlheit für sich selbst sprechen zu lassen. Unter souveräner Verachtung des Grundsatzes der Vertragstreue sowie deS Wortlauts des Gesetzes müssen aus der Luft genommene Argumente über den„Charakter des Krankengeldes" herhalten, um aus dem Gesetz zu eskanwticren. was Wortlaut und soziale Tendenz deS Gesetzes, wie das Oberverwaltungsgericht mit Recht betont hat, außer jedem Zweifel stellen. Das dem Gesetz und Recht wider- sprechende Urteil deS Güstrower Gerichts ist sicher in gutem Glauben gefällt. AIS Erreger für die Irrtümer des Urteils»rag das Empfinden ausschlaggebend gewesen sein: Das Krankengeld wie die Invalidenrente find Almosen, ein Recht auf zwei Almosenkassen kann aber einem Arbeiter nicht zustehen, da ja eine„Rente" den Arbeiter bis ins höchste Alter hinein sorgenlos stelle. Dringend notwendig ist eS, die Rechtsprechung in sozialen Dingen mit den Verhältnissen besser Vertrauten als gelehrten Richter anzuvertrauen ßerichtö- Zeitung. Ein schlagfertiger Arbeitgeber. Der Malermeister Bernhard Blietz, über den wir Anfang Februar bcrichiet hatten, daß er den Malergehülfen F. auf offener Straße beschimpft und mißhandelt habe, stand am Sonnabend vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte. F. hatte Straf- antrag gestellt und von der Staatsanwaltschüft war dann Anklage gegen Blietz erhoben worden. Der Angeklagte bestritt alles— wie er ja auch dem„V o r w ä r t s" damals keck eine„Berichtigung" nigesandt hatte, in der er seine Unschuld beteuerte. Auf die An- klage erwiderte er, er wisse nichts davon, daß er F. beleidigt und mit dem Stock geschlagen habe. F. habe bei ihm im Sommer 1906 eine Akkordarbeit nicht fertig gemacht, da habe BI. ihm selbstver- ständlich auch keinen Lohn für den bereits fertigen Teil dieser Arbeit gegeben. Nun habe bei der Reichstagswahl am 25. Januar 1907 derselbe F. just in demjenigen Wahllokal, in dem BI. zu wählen battc, für eine der Parteien die AbstimmungSlistc geführt. Bl. hob hervor, daß es die Sozialdemokratie war, für die F. am Wahltage mitarbeitete. Beim Anblick des Bl. habe F. ganz laut gerufen: „Das ist der Malermeister Blietz!" Das habe er doch nur getan, um ihn, den Bl.,„öffentlich zu melden". Auch habe F. zu seinem Nebenmann gesagt:„VondcmkriegeichnochLohn." Darauf sei Bl. auf F. zugegangen und habe gesagt:„Was wollen Sie denn? Verhalten Sie sich ruhig, sonst lasse ist Sie hinausweisenl" Drei Tage später, am 28. Januar, sei Blietz abends mit seinem Polier Nicolai nach Bahnhof Stralau-Rummclsburg gegangen. Da sei er dem F. begegnet, der gerade vom Bahnsteig herunterkam. „Ei, das ist ja schön, daß der kommt," habe Bl. zu N. gesagt,„den will ich mal ftagcn, was er noch für Ansprüche hat." Das habe er denn auch getan, F. aber habe geschrien:„Meinen Lohn will ich haben!" Natürlich seien nun Passanten stehen geblieben— eS feien ja meist Arbeiter gewesen— und oben aus dem Bahnsteig habe dann „der Haufe" beide, Bl. und N., umringt. Plötzlich sei F. mit Bl. in Berührung gekommen, anscheinend deshalb, weil er von hinten gegen ihn geschoben wurde. Dem BI. sei dabei der Hut vom Kopf ge- fallen, und er habe dann, um ihn aufheben zu können, den F. zurückgestoßen. Das war alles, was der Angeklagte verbrochen hatte— wenn man seiner Darstellung glauben wollte. Eine ganz andere Dar st eilung wurde von F. gegeben, der als Zeuge gehört wurde. Im Wahllokal habe er den Bl. begreiflicherweise erkannt. F. habe, als am Wahltisch der Mann nicht verstanden wurde, laut gesagt:„Malermeister Blietz!" Auch habe er die Listen- nummer genannt, die er bereits selber aufgesucht hatte. Als Bl.» der das wohl falsch aufgefaßt hatte, ihm Grobheiten zurief, habe F. einem Freunde, der erstaunt nach der Ursache fragte, geantwortet: „Ach, der Mann ist mir noch Lohn schuldig." Am Bahnhof sei dann Bl. dem F. entgegengetreten, so daß er nicht an ihm vorbei konnte. und habe ihn barsch zur Rede gestellt. Alsjf. antwortete:„Ja, ich bekomme noch Lohn!" habe Bl. geschimpft:„S i e.... l o ch, S i el habe ihm ins Gesicht geschlagen, ihm den Spazier st ock über den Kopf gehauen und noch wiederholt zugehauen, als F. sich bückte, um seinen Hut aufzunehmen. F. sei ihm auf den Bahnsteig gefolgt, um Zeugen zu beschaffen. Dabei habe es dann natürlich oben einen erregten Auftritt gegeben, aber niemand habe sich an Bl. vergriffen. F. versicherte in Beantwortung einer Frage des Staats- anwalts, seit jenem Ucbcrfall sei er sehr nervös. Auf Krankmeldung habe er verzichtet, weil er seine Arbeitsstelle nicht verlieren wollte. Der Polier Nicolai, durch den Bl. sich entlasten wollte, bestätigte als Zeuge das appetitliche Schimpfwort:„Sie... loch, Siel" Ob Bl. mit dem Stock gehauen habe, wisse er nicht. Ein anderer Zeuge bekundete, Bl. habe sogar mehrfach zugehauen. Der Staatsanwalt sprach von der„Roheit der Tat des Angeklagten", be- antragte aber wegen bisheriger Unbcscholtcnheit nur 120 M. für die. Mißhandlung und 30 M. für die Beleidigung. Bl. gab sich bis zuletzt als Unschuldslamm. Er bekundete:„F. hat mich nur reizen wollen, er ist Sozial...."; er vollendete den Satz nicht, weil der Vorsitzende ihn durch eine Zwischenfrage störte. Das Urteil lautete auf 10 0 M. und 2 0 M., zusammen 120 M., eventuell 12 Tagd. Mit Rücksicht auf„die recht rohe Tat" sei, so sagte die Begründung, die Strafe„so hoch" bemessen worden. Der Herr Malermeister Blietz wird sich wundern, daß er — so billig weggekommen ist. Unmögliches darf auch die Polizei nicht verlangen. Der Deutsche Holzarbeiterverband hat seit 1898 in Neustadt in Holstein eine Zählstelle, deren Vorsitzender im Jahre 1902 Schmahl wurde. Im Juni 1906 verlangte von ihm die Polizei die Einreichung eines Zahlstellenstatuts. Er teilte der Polizei mit, daß ein besonderes Zahlstellenstatut nicht eingereicht werden könne, weil es ein solches gar nicht gebe. Das Verbandsstatut erhielt die Polizei. Gleichwohl wurde Schmahl wegen Uebcrtrctung oes§ 2 des Vereinsgesctzes angeklagt. Danach sind die Vor- steher solcher Vereine, die eine Einwirkung auf öffentliche An- gelegenheiten bezwecken, verpflichtet, Statuten des Vereins und das Verzeichnis der Mitglieder binnen drei Tagen nach Stiftung des Vereins und jede Aenderung der Statuten oder der Vereins- Mitglieder binnen drei Tagen, nachdem sie eingetreten ist, der Ortspolizeibehörde zur Kenntnisnahme einzureichen, derselben auch auf Erfordern jede darauf bezügliche Auskunft zu erteilen.— DaS Landgericht Kiel verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe. Es führte das Landgericht unter anderem weiter aus: Bezüglich SchmahlS, der 1902 erst zum Vorsteher der 1898 gegründeten Zahl- stelle gewählt wurde, komme nur die Bestimmung in Betracht, wonach der Polizei auf Erfordern jede auf das Statut bezügliche Auskunft zu erteilen sei. Eine Auskunft über das Statut könne auch unter Umständen erfordert werden durch Einforderung deS Vereinsstatuts selber. Besonders könnte das hier geschehen, wo die Polizei ein Zahlstellenstatut noch nie in der Hand gehabt habe. Der Angeklagte hätte darum dem Verlangen der Polizei nach- kommen und ein Statut der Zahlstelle einreichen müssen. DaS Verbandsstatut sei kein Ersatz. Es genüge auch nicht seine Ant- wort, daß die Zahlstelle kein besonderes Statut habe. Ein Verein im Sinne des§ 2 müsse ein Statut haben. Wenn keins vorhanden sei, dann habe der Vorsteher für seine Beschaffung zu sorgen. Eventuell müsse er selbst die Abfassung bewirken. Schmahl legte Revision beim Kammergericht ein. Er verwies aus das bekannte in Sachen gegen Genossen Dimmick von der Agitationskommission ergangene Urteil deS Ober-Verwaltungsgerichts, wonach vom Vor- steher eines Vereins, der kein Statut habe, ein solches auch nicht gefordert werden könne, weil Unmögliches nicht verlangt werden dürfe. Das Kammergericht hob am Donnerstag die Vorentscheidung auf und sprach den Angeklagten frei. Begründend wurde aus- geführt: In Betracht komme hier nur die Frage der Auskunfts- erteilung. Die Polizei habe die Einreichung eines Zahlstellen- statuts als Auskunft verlangt. Sie habe das Verbandsstatut erhalten. Ein besonderes Zahlstellenstatut sei aber gar nicht da, seine Einreichung mithin unmöglich gewesen. Im Sinne des erwähnten Urteils des Ober-Verwaltungsgerichts nehme nun auch das Kammer- gericht an, daß die Polizei Unmögliches nicht verlangen könne. Daraus ergebe sich die Freisprechung. Wenn— was nicht der Fall sei— die Polizei eine Auskunft verlangt hätte darüber, was die Zahlstelle noch außerhalb der Vorschriften des Verbandsstatuts tue, dann hätte diese erteilt werden müssen. Vermischtes. Sturm und Schneefall herrscht in den verschiedensten Gegenden des Reiches. In Beuthen trat gestern vormittag Schneefall ein. Wie aus Koburg mitgeteilt wird, herrschte in der vergangenen Nacht und gestern früh starker Schneefall. Die Thüringer Berge zeigen wieder ein winterliches Bild. Auch in Stuttgart ist starker Schneefall ein- getreten. In Karlsruhe hat der Sturm in der gestrigen Nacht großen Schaden an Bäumen angerichtet, seit gestern morgen herrscht dort starker Schneefall. Aus Remiremont wird berichtet, daß vor- gestern abend ein heftiges, von Blitz- und Donnerschlägen und starkem Schneefall begleitetes Unwetter niedergegangen ist. Die Vorderpfalz ist durch starken Schneesturm heimgesucht worden. Der an den Pflanzen angerichtete Schaden ist noch nicht übersehbar. Die Tclephonleitungcn sind schwer beschädigt. In Hirschberg und dem Riesengebirge fällt seit gestern ununterbrochen Schnee. Verbotenes Theaterstück. Der BreSlauer Polizeipräsident hat soeben die Aufführung des Dramas„Wahn" von Jakob Scheret, das Direktor Erich Ziegel für sein Breslauer Sommergastspiel erworben hat, ans„Gründen der öffenllichen Ordnung" verboten. Das Drama behandelt die Frage des RiwalmordeS und zeigt, an- klingend an wirkliche Geschehnisse, wie eine neutrale Bevölkerung durch antisemitische Agitatoren suggestiv in den Wahn des Blut- märchenS hineingetrieben wird. Verein, Berliner Presse". Herr Robert Schweichel ber unserem Verein seit dem Jahre 1869 als ordentliches Mitglied angehörte, ist am 25. b. M. im Alter von 86 Jahren gestorben. Die Beerdigung erfolgt heute Sonntag, den 28. April, nachmittags 3½ Uhr, von der Friedhofshalle des Schöneberger Kirchhofes in Schöneberg, Marstraße. Der Vorstand. Sozialdemokratischer Verein für den 5. Berliner Reichstagswahlkreis. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Steinfeger Emil Groth Auguststr. 48 Ueber infolge eines Unfalls fahren durch ein Automobil berstorben ist. am Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 28. April, nachmittags 5 Uhr, auf dem Kirchhofe der Sophien- Gemeinde, Freienwalderstraße, statt. 245/14 Der Vorstand. Verband der Steinsetzer ( Pilasterer) und Berufsgenossen Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Emil Grothe verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Somm tag, den 28. April, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Sophien- Kirchhofes in der Freienwalderstraße aus statt. 174/6 Zahlreiche Beteiligung ist ermünscht. Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Buzer Johann Skrobala gestorben ist. Ehre seinem Andenken! 117/14 Die Ortsverwaltung. Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser lieber Sohn Alfred 47362 am 24. d. M. durch Ueberfahren jäh aus dem Leben gerissen wurde. Die Beerdigung findet am Montag, den 29. 5. M., nachmittags 4 Uhr vom Leichenschauhause, Hannoverscheftraße aus nach dem St. Elisabethkirchhof, Brinzen- Allee statt. Robert Holtsch nebst Frau. Arbeiter- Raucher- Bund Berlins und Umgegend. Hiermit zur Nachricht, daß unser Mitglied Paul Schmeltz aus dem Klub Patrizia" am 25. d. Mts. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 28. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause Stolbergerstr. 7 aus statt. 2/20 Der Vorstand. Zentralkranken- u. Sterbekasse der Tapezierer. Filiale III, Berlin. Am 25. April verstarb unser Mitglied Leo Gleich. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 28. April, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des alten Jakobi- Kirchhofes am Rollfrug, Rigdorf, aus statt. Bahlreiche Beteiligung erwartet 178/5 Die Ortsverwaltung. Zentral- Verband der Maurer Zahlstelle Hermsdorf i. M. Nachruf. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser langjähriges Mitglied, der Kollege Karl Miesenburg am Montag, den 22. April, am Herzschlag gestorben ist. Wir werden sein Andenken in Ehren halten! 139/3 Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes Julius Hoffmann sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere dem Gesangverein der Puzer, den Kollegen Moabits, den Genossen des 6. WahlVerband d. baugewerblichen reises, foie den Mitgliedern des Hülfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. Bezirk Westen- Schöneberg. Todes- Anzeige. Am Donnerstag, den 25. April, verstarb unser Stollege Wilhelm Rabs an Lungenentzündung. 33/20 33/20 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Sonntag, den 28. April, nachmittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des Kirchhofes der Luthergemeinde in Lankwiz aus statt. Der Zweigvereins- Vorstand. Zentral- Verband der Steinarbeiter. Berlin I. Am Donnerstag berstarb unser Stollege Friedrich Lutze im Alter von 53 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntagnachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des Kaiser Wilhelm Gedächtnis Kirchhofes, Westend, Fürstenbrunner Weg, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 172/15 Die Ortsverwaltung. Zentralverband d. Maschinisten und Heizer sowie Berufsgenossen Deutschl. Berwaltungsstelle Berlin und Umgegend. Todes- Anzeige. Am 26. April cr. verstarb das Mitglied, Kollege Hermann Ramm. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 28. d. M., nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause Buttmannstr. 16 aus, nach dem Neuen Paulskirchhof in Plößensee ftatt. 138/14 Um zahlreiche Beteiligung erfucht Die Ortsverwaltung. Für die Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Caftoirts August Kläke innigsten Dant. 223/9 Marie Kläke. Turnvereins Fichte meinen besten Dant. Ww. J. Hoffmann 284b und Kinder. 29 Gardinenhaus Bernhard Schwarz Wallstr. 29 Flur Eing. Für die vielen Beweise Gerglider Geschäfts- Eröffnung. Teilnahme sowie zahlreichen Kranz spenden bei der Beerdigung meines Genoffen, Freunden und Bekannten lieben Mannes und unseres guten zur Nachricht, daß ich Freienwalder: Vaters Wilhelm Gierach, straße 25 ein 3015 fagen wir hierdurch allen Berwandten, Weiß- u. Bayrischbier- Lokal Freunden und Bekannten, insbesondere dem Wahlberein Lichtenberg, eröffnet habe. Für vorzügliche Speisen den Lagerhaltern und Berläuferinnen und Getränke bestens Sorge tragend des Berliner Consum- Vereins, den Karl Kuß früher Swinemünderstraße. Mitgliedern der Abteilung V in Großes Vereinszimmer steht zur Lichtenberg sowie dem vereinigten Verfügung. Sängerchor zu Rummelsburg unseren herzlichsten Dant. 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