Nr. 101. lt«niMments«liste. Unter Kreuzband fttr beutschland und Oesterreich> Ungarn I Marl, sttr da« übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Poslaboiinement» Ben an: Belgien. Dänemarl, nb, Italien. Luxemburg. Portugal, , Schweden und die Schwei» (Mciat Oan* uscr ntutifli. i�UM Nevltnev Volksblkttk. 24. Jahrg. VI« InKrtlons'GtbQbr BehSgt für die sechigespaltene Kolonel- »eile oder deren Raum w Pfg., fttr politische und gewerlschastliche Per einSund LersammiungS-kliseigen Z0 Pfg. „Plelne Bniclscn". das erste(seit- gedrulltc) Bort SV Psg, jede« weitere Wort lv Psg. Stellengesuche und Schlaf« ftcllen-Anzeigen da« erste Wort 10 Psg., jede« weitere»ort 5 Ptg. Worte über IG Buchstaben zählen für zwei»orte. Inserate sllr die nächste Nummer müsfen bis SN he nachmittags in der«xpeortton ghgegeben werden. Die Sxveditiatt ff bi« 7 Uhr abend« geäffnet, Telegramm,«dresfe: ..Z«»lzl«t»»>n»t»vu>-. Zcntralorgnn der rozialdcmohratifchcn Partei Dcutfcblanda. Redaktion: SCQ. 68, Lindcnstrassc 69. fpernlvrecher:«ml IV. tWr. I»«3. Mittwoch, den 1. M-i 1907. I Expedition: EM. 68, Lindenetrasee 69. Zpernivrechcr:«m« IV. Skr. 19114. Der erste Mai! Nichts Sinnloseres als der Jubel unserer Scharfmacher über den Aufruf des Partei- Vorstandes, der die Ohnmacht der Sozialdemokratie gegenüber den kapitalistischen Mächten offen bekannt habe. Wie habe man damit renommiert, daß alle Räder stillständen, wenn der starke Arm des Proletariers es wolle— und jetzt zeige sich, daß der Arm des Unter- nehmertums, der Besitzenden und Herrschenden, doch stärker sei. als der des Proletariates I Die Sozialdemokratie habe eine schmähliche Niederlage erlitten, und der Aufruf des Partei- Vorstandes bestätige diesen Triumph der Herrschenden. Welch eine Entdeckung, daß das klassenbewußte Proletariat zurzeit im Kampfe mit den Mächten der Reaktion noch der schwächere Teil ist. Als ob es nicht eine allbekannte, nie geleugnete Tatsache wäre, daß der Sozialismus zurzeit noch eine Minderheit bildet, daß er noch bei weitem nicht die G e s a m t h e i t der proletarischen Bevölkerung umfaßt, daß infolge- dessen sowohl« in den politischen wie den wirtschaftlichen Kämpfen das klassenbewußte Proletariat unmöglich einen vollen Sieg über die herrschende Klasse erringen kann. Jeder Erfolg des Proletariats kann einstweilen nur ein Teilerfolg sein, und jeder Erfolg kann, je nach den wechselnden Umständen, wieder bestritten werden, da sich der Emanzipationskampf des Proletariates in einer unübersehbaren Kette von Einzelkämpfen abspielt. Das Vordringen des Proletariates gleicht der weitgedehnten Schlachtlinie eines Heeres, das gegen die Positionen eines Gegners anstürmt. Nicht auf der ganzen Linie ist das Vordringen ein gleichmäßiges. Hier und da treten Rückschläge ein, je nach der Ungunst des Terrains, der Stärke der feindlichen Verschanzungen, nach der Verschiebung und Konzentration der feindlichen Macht auf gewisse, besonders gefährdete Punkte. Aber nicht die momentane Preisgabe einer vorgeschobenen Stellung ist ausschlaggebend für die Chancen des Angriffs, sondern die Gesamthaltung der Angriffslinie. Und in dieser Beziehung hat das deutsche Proletariat, sowohl was die Stärke der verfügbaren Truppenzahl wie deren Haltung anlangt, nicht die mindeste Ursache zu irgendwelcher Entmutigung I Die Maifeier sollte eine Demonstration sein, eine Demonstration für den Acht- stundentag, für den sozialen Fortschritt, für die internattonale Völkerverbrüderung. Um diese Demonstratton möglichst eindrucksvoll zu gestalten, sollte sie nach Möglichkeit durch umfassende Arbeitsruhe begangen werden. Aber keinen Augenblick täuschte man sich— das beweist der Wortlaut der auf den internattonalen Kongressen und nationalen Parteitagen beschlossenen Resoluttonen und der Inhalt der Diskussionen— darüber, daß eine allgemeine Arbeits- ruhe völlig ausgeschlossen sei. Setzte doch eine solche Arbeitsruhe die völlige Einhelligkeit und organisatorische Geschlossenheit des Proletariats voraus und zudem die völlige Nieder- ringung des Unternehmertums. Aber trotzdem oder vielmehr gerade deshalb schätzte die Mehrheit der Partei die agitatorische und demonstrative Bedeutung der Arbeits- ruhe so hoch ein. Sie sollte eine Probe des Kampfesmutes, der Opferfreudigkeit, des Idealismus, des prinzipiellen Verständnisses der Arbeiterklasse sein. Wohl zeugen auch die gewerkschaftlichen Kämpfe in hohem Maße für diese Eigenschaften: aber die opferbereite Bc- geisterung für eine Idee, ein Prinzip, eine Weltanschauung gelangt gleichwohl in der Arbeitsruhe am 1. Mai, von der direkte und augenblickliche ökonomische Vorteile für die Feiernden nicht zu erwarten sind, zu ganz besonderem Ausdruck! Und daß der Gedanke der allgemeinen Arbeitsruhe erst nach langen schweren Kämpfen triumphieren kann, daß er nicht den Ausgangspunkt, sondern einen Endpunkt der Kämpfe des Proletariats darstellt, liegt ja für jeden einsichtigen proletarischen Klassenkämpfer auf der Hand. Ihm ist es klar, daß die Maifeier zwar nicht den Inhalt und das Kampf- objekt, wohl aber einen Gradmesser der jeweiligen Spannung und Intensität der allgemeinen politischen und wirtschaftlichen Kämpfe bildet. Je verzweifelter sich die Bourgeoisie in der Verteidigung ihrer Klassenprivilegien zum Widerstände aufrafft, desto erbitterter muß auch der Kampf um die Maifeier werden. Daß nach der enormen Kraftanstrengung des Blocks der Besitzenden bei der letzten Reichstagswahl, daß bei den wütenden Kraftproben des Unternehmertums bei den Lohnkämpfen und Aussperrungen auch der Widerstand gegen die Maiseier ein ganz ungeivöhnlicher sein würde, lag auf der Hand. Nun gebietet es aber die taktische Klugheit, deu Kampf zu einer Zeit und an einem Orte zum Austrag zu bringen, den sich das Proletariat selbst gewählt hat. Aber es kommt noch das andere Moment hinzu: Die in manchen Erwerbszweigen bereits merklich einsetzende Krise, die dem Unternehmertum selbst bei sonst gleichen Kampfbedingungen schon allein das entschiedenste Uebergewicht verleiht. Wenn deshalb das deutsche Proletariat für den Augenblick einer Kraftprobe ausweicht, so zeugt das nicht von Erschlaffung und Kleinmut, sondern von der selbsicheren Kraft kampferprobter Veteranen, die die dreisten Provokattonen eines arg- listigen Gegners verlachen und scharf nach einer Blöße dieses Gegners spähen, um bei der ersten Gelegenheit wieder mit unerschüttertem Ungestüm vorzudringen. Denn wenn sich die Gegner einbilden sollten, der Maifeier für alle Zeiten das Rück- grat gebrochen zu haben, so befinden sie sich in törichter Selbsttäuschung. Die ganze polittsche und wirtschaftliche Situation mit ihrer Verschärfung der Klassengegensätze, ihrer Aufpeitschung des Ehrgefühls und der Kampfesenergie des Proletariats muß immer schärfere Formen des Klassenkampfes gebären. Der Wahn der Kolonialbegeisterung, mit dem die Hottentotten« Wahl breite Massen der Bevölkerung umnebelt hat, wird gar bald zerrinnen. Einzelne Unternehmerkreise, die Schiffsreeder, die Panzerplattenfabrikanten, die Börsenspekulanten, werden zwar bei der Kolonial- und Weltmachtpolftik fette Gewinnste einheimsen, aber die Massen werden dabei um so schwerer bluten. Und wenn auch das Gros des Mittelstandes in alter politischer Ratlosigkeit umhertaümeln sollte: Das Proletariat, von dem man in erster Linie die Steuern an Gut und Blut heischt, wird sich immer zahlreicher, immer klassenbewußter der Sozialdemokratte anschließen, sich immer fester zu polittschen und gewerkschaftlichen Kampfesorganisattonen zusammenschweißen. Die übermütige Haltung des koalierten Unter- nehmertums mit seinen Ausspcrrungsgelüsten wird nicht minder zur Verbreitung des Klassen- bewußtseins beitragen. Sollte gar eine allgemeine Krise über die Nation hereinbrechen, so würde dadurch der letzte Optimismus und das letzte blinde Vertrauen in die Herrlichkeit unserer„göttlichen" Weltordnung zerstört werden, das sich noch in Proletarierkreisen gefunden hatte. Sache der Partei und der Gewerkschaften ober ist es, diesen Zusammenbruch aller Illusionen, diese instinkttve Empörung gegen die Sinnlosigkeit der kapitalisttschen Gesellschafts- ordnung durch rastloseste, gründlichste Belehrung zum zielklaren Klassenbewußtsein zu ent- wickeln I Aus diesem Klassenbewußtsein, aus dem von Idealismus durchlodertcn prinzipiellen Bekenntnis zum Sozialismus heraus ist aber die ideale Demonstratton der Maifeier geboren l Die Pflege des sozialistischen Ideals wird deshalb auch die Idee der Maifeier, in der sich der Lichtgedanke der kulturellen Neugeburt, der Menschheitbefreiung und der Völkerverbrüderung, also die Idee des Sozialismus selbst kristallisiert hat. immer tiefer, feuriger, fruchtbarer in die Herzen des Proletariats hineinsenken! Die weltumgestaltende Arbeit des sozialistischen Proletariats vollzieht sich zwiefach. Einmal in zäher, unaufhaltsamer praktischer Reformarbeit. So arbeiten wir im Parlament, in den Gewerkschaften, in.den Wirtschaftsgcnossenschaften an der politischen Be« frei un g und sozialen Besserstellung der Arbeiterklasse. Jeder g e r i n g st e F 0 r t s ch r i t t auf diesen Gebieten ist ein S ch r i t t z u r B e f r e i u» g der Arbeiterklasse, ein Triumph des p r 0 l eta ri sch e n Em a nz ip a ti 0 ns kam p f eS. Dabei und darüber hinaus aber arbeiten wir auch an der Revolutionierung der Hirne und Herzen, an der Aufklärung. Bildung. Klassenkampf« schulung der Massen. Der welterneuernde revoluttonäre Gedanke des Sozialismus liegt all unserem Wirken zugrunde, beflügelt unsere Taten, erfüllt uns mit Schaffensfreude und unversieglichcm Kampfesmut. Und ein Ausdruck dieses innersten Drängens und Strebens. eine Massenkundgebung und Massenwerbung des Sozialismus, ein Ausbruch der Frühlingstatkraft der breiten Proletariermassen ist die Maifeier! Und so lange dieser Prometheusfunken des sozialistischen Werdedranges, der sozialistischen Tatkraft im Proletariate nicht erlischt, ist auch die Maifeier unsterblich l I« dies-m Geiste» im Gelöbnis der Pstege dieses Geistes begehen wir auch diesmal den 1. Mai! Kampf dem Klaffenstaat! Vorwärts für die Kulturbefreiung des Proletariats! Nieder mit der kapitalistischen Volksverhetzungl Hoch der internationale Menschheitsverbrüderuugsgedanke! Tt««iichste Nummer des„Vorwärts" erscheint wegen W Mgifeier am Freitag, den Z. Mai. früh. Redaktion und Verlag des„Vorwärts". *_ ,r ' Die VeLeukung Set Maifeier würdigen wir in einer de- so«Ler«r Beilage unserer heutigen Nummer. -....... �..... 1-U----------- 1" i- Die bürgerliche Anti-Maidemonstrativn. Der neue Regierungsblock hat heute der Regierung»- Politik in auswärtigen Angelegenheiten carts blan od e erteilt. Er hat sich nicht nur gegen die Forderung des Zentrums an träges, ausgesprochen, dem. Reichstag periodisch Matertal zur Beurteilung der inter- nationalen Beziehungen zugehen zu lassen, sondern er hat auch dem Fürsten Bülow, den Verantwortlichen der unverantwortlichen Zick-Zack- und Beunruhigungspolttik der Regierung sein voll st es Vertrauen ausgesprochen! Es ist unerhörf, daß die deutsche Bourgeoisie im Gegen- sah zu den Volksvertretungen anderer Länder just unserer Piolitt? des persönlichen Regiments, an der doch selbst ein Vassermanu seinerzeit kein gutes Haar gelassen, gerade in kritischster, verhängnisvollster Situation das un- begrenzteste Vertrauen entgegenbringt. Welch schamlose Heuchelei, das persönliche Regiment zu bekritteln und zu verhöhnen, um ihm gerade dann, wenn es gilt, s e l b st die Zügel der auswärtigen Politik in die Hand zu nehmen, unbegrenzte st e Vollmachten auszustellen! Freilich, diese Bekrittelung ist für unsere bürgerlichen Oppo- sitionslöwen nur die Draperie, hinter der sich die schamlosesten entwürdigendsten Machenschaften mit dem feudal mili- taristischen Absolutismus vollziehet. Die Bourgeoisie hat sich ja zum SchutzjudenderMilitär- autokratie entwürdigt. Sie tut nur gelegentlich spröde, um ihre politische Prostitution nach außen hin zli beschönigen. Seit Wochen tobt der chauvinistische Kampf der halb- offiziösen Presse gegen das„perfide Albion", die Ein- kreisungspolitik Eduards VII., die Quadrupelalliance der Mittelmeerstaaten und England. Was die Boulanger- Presse seinerzeit geleistet, wird durch das deutsche halboffiziöse Preßgelichter in den Schatten gestellt. Gerade nach bürgerlicher Logik müßte ein ernstlichster Völkerkonflikt in drohendste Nähe gerückt sein— und trotz alledem hat sich Bülow, dieser Kon- fliktsschnüffler. sofern es harmlose Auslassungen der sozial- demokratischen Presse angeht, mit seiner berühmten Rhino- ceroshaut umpanzert I Wie notwendig wäre es da für die bürgerlichen Parteien gewesen, sich einen Einblick in das politische Getriebe zu der- schaffen, der Zentrumsinterpellation mit Zu- spitzung auf die momentane Lage zuzustimmen. Aber in, Gegenteil, die ganze Blockkohorte von Winkler bis W i e m e r beteuerte der Regierung ihr blindes Vertrauen, leistete Verzicht auf jede Erörterung der außerpolitischen Lage vor dem Forum der parlamentarischen Oeffentlichkelt! Und mehr noch!.Gerade der L ib e r a,l is mu s hat stets mit der bürgerlichen Friedensidee kokettiert. Sollte man' da nicht annehmen, daß wenigstens die liberalen Friedens- phraseure die Erörterung der internationalen Abrüstung gerade zur See durch das Haager Schiedsgericht freudigst begrüßt hätten? Daß sie der obstruierenden deutschen Regierung den Standpunftjlar gemacht und sie zu zwingen versucht hätten, doch wenigstens an einer Dr s k u s s io n dieses so aktuellen Problems teilzunehmen? Aber der Liberalismus ließ das Phrasenmäntelchen mit zynischer Nonchalance fallen— gleich Herrn Basser- mann erklärte der freisinnige Herr W i e m e r. daß er von einer solchen Diskussion nichts erwarte, und daß das der- logene„Wenn Du den Frieden willst, bereits den Krieg vor", das einzige Mittel der Erhaltung des Friedens sei! Unter solchen Umständen benutzte natürlich der Reichs- kanzler die Erklärungen der bürgerlichen Parteien zum Vorspann für seine abenteuersame Politik. Er konnte das umsomehr, da selbst die augenblicklich in die Opposition ge- drängte Zentrumspartei ihren geschmeidigsten Diplomaten, Herrn v. Hertling. vorgeschickt hatte, der ebenso wie die nachfolgenden Redner des Regierungoblocks am Strange der Regierung zog und mach einer Ableierung altbekannter diplomatischer Redensarten der Regierung eine Blankovollmacht ausstellte für ihre Absicht, sich nicht an der Diskussion der Frage einer Rüswngseinschränkung aus der Haager Konferenz zu beteiligen I An diesem Bankerott der bürgerlichen Parteien änderte eS auch nichts, daß die Rede B ü l o w S, der den politischen Eunuchen des Bürgertums seinen verbindlichsten Dank aus-. sprach, äußerlich den Charakter einer Chamade trug. Cr hatte alles erreicht, was er erreichen wollte, und konnte des- halb den Wunsch des Zentrums mit um so souveränerer Nicht- achtung abtun. Fürst Bülow will so gnädig sein. Rede und Antwort im Reichstag zustehen, wenn er über auswärtige Angelegenheiten befragt wird, aber als„ein Feind vielen Redens", wie der Redselige unter schallendem Gelächter des Hauses sich selbst apostrophierte, will er nur solche Fragen er- örtern. von deren Behandlung er sich Nützliches ver- spricht) Und wenn trotz alledem der Reichstag die Resolution des Zentrums annähme, würde er sich so lange mit dieser reichskanzlerischen Sentenz bescheiden müssen, als er nicht nachdrücklichere Mittel zur Erfüllung seiner Forderungen anwenden wird. Solche Mittel sind aber bei der Flauheit aller unserer bürgerlichen Parteien völlig ausgeschlossen! Bezeichnend für die parlamentarische Nichtachtung des Reichskanzlers war es, daß Fürst Bülow sich sehr bald aus dem Staube machte, als Genosse B o l l m a r die charakteristischen Züge der Regierungspolitik in einer sehr ein- drucksvollen Rede besprach. Wollmar forderte energisch die Anteilnahme des Reichstags an auswärtigen Angelegenheiten, weil nur da- durch eine ruhigere, stetigere und sachlichere Politik garan- tiert werde. Und nun besprach Vollmar die auswärtige Lage, deren offiziöse Schwarzmalerei in den letzten Wochen ge- eignet sei. dem deutschen Uebermilitaristnus jedweden Vor- schub zu leisten. Das internationale Unbehagen, die Spam nung sei aber nur eine Folge der-.a llgvchj»! �en Rüstung, und außerdem werde das Mißtrauen im Aus- lande durch tönende Worte, nervöse Te le»- g r a m m e usw. noch g e st e i g e r t. Es erzeuge im Aus- lande keinerlei Respekt, daß man dort wisse, daß das deutsche BM hmilä EinÄ? a»t feie-zvivextige hMr. Pollnkar geißelte den ChäuvinisMlls unfahigSr Politiker aller Länder, er brandmarkte die Verdrehung und Verhetzung der deutschen bürgerlichen Presse in der Wiedergabe einzelner Reden Clemenceaus und'des Königs von Italien sowie der chauvinistisch gehässigen Deutung der Reisen des englischen Königs. Die Aktionen Eduards VII, besäßen keinerlei absolutistische' Bedeutung, während die Kette der Kundgebungen der deutschen Regierung den Schlüssel zu der unerquicklichen internationalen Lage der Gegenwart böten. Als einen schweren politischen und taktischen Fehler bezeichnete es Vollmar. wenn sich die deutsche Regierung nicht an einer Diskussion der Abrüstungsfrage im Haag be- teilige..Deutschlands Nichtbeteiligung sei nur eine täppische politische Obstruktion, die etwaigen.Gegnern Deutschlands nur Wasser auf die Mühle liefere. Vollmar forderte schießlich eine ehrliche Friedens- Politik, wie sie die Masse des deutschen und dek' französischen Volkas wünscht. Diese Demonstration gegen die Abrüstung, gegen die Völkerverbrüderung, gegen die gemeinsamen Kulturinter- essen entspricht durchaus den kulturfeindlichen Interessen und Tendenzen unserer herrschenden Klaffen! Umso deutlicher wird am 1. Mai das deutsche Proletariat seine Botschaft der internationalen Volksherrschaft und der intemationalen Völkerverbrüderung verkünden!— Kriegshetze. Die schwarzen Wolken, die sich in den letzten Wochen am politischen Horizont zusammengezogen hatten, haben sich ziemlich zerstreut. Die englische Presse schlägt einen anderen Ton an und betont die Notwendigkeit einer Verständigung zwischen England und Deutschland. Einigen deutschen Blättern paßt das nicht in ihre Politik. Fast scheint es. als hätten sie es im Dienste gewisser kriegslüsterner Jnteressencliquen gar nicht ungern gesehen, wenn die Spannung der letzten Wochen zu einem„befreienden" Kriege geführt hätte. Obenan steht unter diesen Blättern die„Deutsche Tageszeitung". Während sie die Unfähigkeit der offiziellen deutschen Auslandspolitik völlig ignoriert und sogar dem Fürsten Bülow, da sie sein Verweilen im Amte vorläufig noch als nützlich für ihre agrarische Politik befindet, Ruhmeskränze um die Denkersttrne flicht, verhöhnt sie die friedlichen Versicherungen der englischen Blätter, wie z. B. der„Tribüne" und des„Daily Graphic", als Heuchelet und kluge Verdeckung der englischen Absichten. Sich in die patriotische Toga hüllend. schreibt spöttisch daS Blatt der Landjunker und ihres militärischen Anhanges: .Und wer diesen englischen Blättern noch nicht glauben wollte, daß König Eduard der gute FriedenSonkel ist, dessen Sinnen und Trachten einzig auf das Wohl der ganzen Menschheit gerichtet ist, dem sagte eine amtliche Erklärung der englischen Regierung, der dann auch eine solche der spanischen gefolgt ist, daß der angeblich gegen Deutschland und Oesterreich gerichtete vterbund England, Frankreich, Spanien, Italien gar nicht existiere. Was will man also noch mehr? Lieb Baterland, kannst ruhig sein l Die Berliner Börse, die ja die Blüte des deutschen Baterlandes und des deutschen Volkes verfolgt, hat sich denn auch von ihrer anfänglichen Bestürzung schnell wieder erholt. Nun ist doch alles in Ordnung?... Daß ste(die englisch-spanischen Dementis) den Tatbestand richtig wiedergeben, wenn ste behaupten, daß kein Mittelmeer- Bierbund abgeschlossen sei, daran zweifeln wir gar nicht. Datz «S zu einem formellen Bündnis gekommen sei, gläuven auch wir< nicht! Wer daß England im gegebenen Falle wenigsten» Spanien und Italien in seiner Hand haben wird, das erscheint uns vollkommen sicher. Brauchen wir erst auseinanderzusetzen, welchen Nutzen England davon haben würde? Der liegt doch auf der Hand. Zunächst ist England die Sorge um die Gefährdung Gibraltars los, das vom spanischen Lllgecira» aus schwer be- droht werden könnte. Im Bunde mit Spanien aber fällt nicht nur diese Befürchtung weg, sondern England beherrscht auch, da Eeuta ihm nunmehr gleichfalls im Kriegsfalle zur Berfügung steht, die Straße von Gibraltar, eS kann die Einfahrt in das mittelländische Meer in jedem beliebigen Augenblick sperren. Da» bedeutet im Verein mit dem englisch-italienischen Bündnis dt» englische Herrschaft über daS Mittelmeer. Davon wird Deutschland direkt zwar weniger berühtt. um so mehr aber indirekt. Denn bei dem wachsenden Gegensatz der orientalischen Politik Italiens und Oesterreich-UngarnS kann«S um so leichter zu einem Zusammenstoß zwischen diesen beiden Mächten kommen. je sicherer Italien sich der maritimen BundeSgenossenschast England» fühlt. Und dieser Zusammenstoß könnte evenwell gerade in dem Moment stattfinden, wo zwischen Deutschland und Oesterreich der oaouo foederis einträte. Oesterreich wäre dann nach anderer Seite beschäftigt und fiel« als Faftor in unserer Rechnung aus. Je größer der Kreis der englischen Bundes- genossen wird, desto sicherer glaubt England in der Lagezu sein, den Zeitpunkt zu bestimmen, wo daS große Kesseltreiben gegen Deutschland losgehen so«.... Doch damit begnügt sich die britische Politik noch nicht. Sie ist mit allen Kräften bemüht, auch Rußland vor ihren Wagen zu spannen. Emstweilen kann ja daS Zarenreich nicht aktiv gegen Deutschland auftreten, selbst wenn es dazu Lust hätte, die aber in den Petersburger Regierungskreisen keineswegs vorhanden ist. Aber für Zentral- und Westasien, da» heißt, zur Wahr- nehmung der rusfischen Interessen gegen England, reichen die Kräfte Rußland» im Notfalle immer noch. Eine englische Polttik, die gegen Deutschland arbeiten will, muß flch daher in Asten den Rücken gegen Rußland sichern. Daher die Bemühungen, mit dem Zaren zu einer Verständigung über die asiatischen Interessen beider Reiche zu gelangen. Bemühungen, die bereits so gut wie zum Ziel« gefühtt haben. Was fehtt England nun noch zur Einkreisung Deutsch« lands?...' Das Blatt spricht eS nicht offen aus: aber aus seinem Geschreibsel ergibt sich deutlich genug, daß ihm ein frisch. fröhlicher Krieg ganz gelegen käme— nur durste Deutschland nicht als der direkt angreifende Teil erscheinen. Wenn es aber auf den Krieg verzichten muß. dann_ möchte es wenigstens die jetzige Lage benutzen,. Deutschland als schwer bedroht durch die englisch- französisch- spanische Entente hinzustellen, wird doch dadurch den kommenden großen Flotten- und Heeresvergrößerungsplänen prächtig vorgearbeitet Der gleichzeitige Appell an die Furcht und die„nattonale Ehre" bezw. die„Liebe zum Vaterlande" übt aus empfindsame Seelen noch immer seine Wirkung. Die Magdeburger Terrorismus-- Legende. Magdeburg, 29. Spril 1907. Bor dem hiesigen Schwurgericht begann heute der große Land- stiedtttbkuchprozeß gegx» Bremer und U Genojjeu, über teffeu Eni« stehung wir gestern berichteten. Die Verhandlungen werden geleitet durch den Landgerichtsrat Dr. S ch l o t t e r; die Verteidigung führen die Rechtsanwälte Landsberg. Strousberg, Merzbach- Magdburg und Ruhm-Berlin. Es'find 67 Zeugen und ein Sach- verständiger geladen. Nach Auslosung der Geschworenen und Erledigung der üblichen Formalitäten beginnt die Vernehmung der Angeklagten, die den ersten Berhandlungstag nahezu aus- füllt. Acht der Angeklagten find wegen zweier Vorfälle, am 4. und am 6. Februar angeklagt. ■ Am 4. Februar mittags soll eine größere Anzahl Arbeiter sich in die Walzendreherei des Krupp-Grusonwerkes, in der der„reichstreue' Arbeiter Haäse beschäftigt war, begebennnddortdenHaasebeschimpstund verhöhnt haben, bis sie hinausgewiesen wurden. Am Abend desselben Tages sollen bann zahlreiche Arbeiter vor dem Fabriktor auf Haase gewartet und ihn dann unter Pfeifen, Lärmen und Singen begleitet haben. Dabei soll Haase auch mit Schnee beworfen worden sein. Der Vorfall am 6. Februar soll sich ähnlich zugetragen haben, jedoch sollen dabei noch mehr„Gewalttätigkeiten" vorgekommen sein. Der erste Angeklagte. Eisendreher Bremer hat mittags von seiner Werkstatt, der Mühlenbauabteilung, aus gesehen, daß zahlreiche Arbeiter au» der Walzendreherei herausgekommen seien. Abends hat er, wie immer, vor dem Tor auf einen Freund gewartet. Vor dem Tor seien allabendlich nach Feierabend viele Arbeiter versammelt, denn diese verließen nicht einzeln, sondern scharen- weise die Fabrik. Er sei sowohl ans 4., als am 6. Februar allein nach Hause gegangen. Der Weg, den die Menge gegangen sei, sei sein Heimweg. Daß jemand mit Schnee, Eis- stücken oder gefrorenem Kot auf Haase geworfen habe, hat Angeklagter nicht gesehen; er hat auch selber nicht geworfen. DaS Interesse der Arbeiter für Haase sei wohl hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß er m einer Versammlung behauptet habe, die Mädchen aus der Fabrik von Pölte würden auf dem Hermersleberweg— einem Verbindungsweg zwischen Buckau und Sudenburg, den viele Arbeiter des Grusou- Werkes benutzen and auf dem sich auch die zur Anklage stehenden Borfälle ereignet haben— auf dem Weg von und zur Arbeit von den Arbeitern in roher Weise belästigt. Der Angeklagte Brandt bekundet, daß dem Haase in der Walzendreherei nichts passiert ist; doch habe wegen seiner Aeußerung Erbitterung über ihn geherrscht. In dem Menschenhaufen habe er, Brandt, sich nicht befunden. Auch die übrigen Angeklagten, die den Hermersleberweg al» Heimweg benutzten, find entweder eine Strecke abseits von der Menge gewesen oder haben sie umgangen. An« geklagter Lehmann hat gehört, daß unter Anspielung auf Haase �Leierlastenmann' gerufen und„Edelweiß" und„Fischerin. du kleine' gesungen worden ist. Er. Lehmann, habe fich durch die Menge hindurchgedrängt, um vorbeizukommen, wobei ihm selber Schnee in« Geficht geworfen worden sei. Ein Angeklagter bekunde, daß sich die Menge größtenteils aus Kindern zu- sammengesetzt habe. Der Angeklagte Schulz gibt zu. gesagt zu haben, daß er Haase mit Schnee geworfen habe. DaS sei aber nicht wahr. Er habe da» nur gesagt, um einen Zuhörer dieses Gesprächs auf die Probe zu stellen. Der Angeklagte Beneke will gehört haben, daß gesagt worden sei im Betriebe, abends sei»Hasen« besichtigung". I« der Menge sei gerufen worden:„Haut ihn!'—„Schlagt den Hasen tot l" wobei gesungen und gepfiffen worden sei. Die Dreherlehrlinge Witt, Kolze und Bölcke, die auch mit angeklagt sind, behaupten am 0. Februar von Arbeitern auf Haase gestoßen worden zu sein i Der eine Lehrling hat vor dem Untersuchungsrichter ausgesagt, daß Haase hin- hingeworfen wordm sei. Der Vorsitzende hält ihm vor, daß Haase selbst erklärt habe, er sei nicht hingeworfen worden; worauf ded jung« Mensch seine Aussage dahin einschränkt, daß er geglaubt habe» Haase wäre hingeworfen worden, weil er auf dem Rücken Schnee gehabt habe. Es sei nur mit Schnee, nicht mit Eiöstücken und ge« ftorenem Kot geworfen worden. Ein Lehrling gibt zu, selbst geworfen zu haben; er weiß aber nicht, ob er jemanden und wen er getroffen hat. Der Lehrling Kolzö will gehört haben, daß der Mitangellagt« Oswald Beck gesagt habe:„Jetzt wird er frech; jetzt müßt ihr ihn schlagen. Dann haben wir auch einen Grund, ihn zu schlagen!" Wer sie aus Haase„geschubst" hat, wiffen die Lehrlinge nicht anzugeben. Bei ihnen wie einigen anderen Angeklagten wird festgestellt, daß sie vor der Polizei und dem Untersuchungsrichter nach den Protokollen andere Angaben gemacht haben als heute. Die Angeklagten führen das auf Mißverständnisse zurück. Der der Rädelsführerei bezichtigte Paul Beck erklärt, daß er nicht bei dem Vorfall gewesen sei. Seinen Bater. mit dem er gemeinsam die Fabrik verlassen habe, habe er gleich im Gedränge verloren. Oswald Beck bestreitet, die oben erwähnte Aeußerung getan zu haben. Von ferne her. als er ettva 150 Schritt von Haase entfernt gewesen sei. habe jemand gerufen:„Kommt her, jetzt wird er stech und will schlagen!" Der Angeklagte beschwert fich dann über den Kömmissar Bergen. Dieser habe vor ihm, Beck, bei setner Polizei» lichen Vernehmung seine Sachen. Trauring, Portemonnaie usw. hingelegt und gesagt:„N«« los. dann find Sie frei!" Als er aber doch nichts ausgesagt habe, habe der Kommissar gesagt, wenn er des Landfriedensbruches beschuldigt werde, dann müsse er in Untersuchungshast sitzen, bis die Kartoffeln blühen. Er sei sich keiner Schuld bewußt gewesen, und diese Bemerkung habe ihn so niedergedrückt, daß er sich das Leben nehmen wollte und nur durch besondere Umstände daran gehindert worden sei. Einer der Lehrlinge hat vom Polizeikommissar Bergen die Aeußerung gehört, wenn er nicht mehr Namen nenne, dann könne er»» in Haft— bleiben, bi» die Kirschen blühen. Dem Lehrling Kolze hat der Kommissar gesagt:„Den be» halten wirhier, derkann sich noch etwas besinnen.' Die Angeklagten Oswald und Paul Beck sind Mitglieder de» Metallarbeiterverbanbe» und des Sozialdemokratischen Vereins und Leser der„Volksstimme", wie sie auf Bestagen des Staats- anwalts angeben. Daraus wird in die Zeugenvernehmung eingetreten. politische Gebcrltcbt. verlin. den 30. April 1907. Sechs Stunden Klcinbahnwünsche. DaS preußische Abgeordnetenhaus führte heute mit vieler Mühe die Beratung der Sekundärbahnvorlage zu Ende und über- wies sie dann der Budgetkommission. Wieder ergoß sich eine un- endliche Flut lokaler Wünsche über den geduldigen Papierkorb des Eisenbahnminister». Diese Debatte ist typisch für das preußische Abgeordnetenhaus. Außer den wenigen kritischen Bemerkungen des Abgeordneten Macco nahm auch nicht ein einziger der„Volksver- treter" einen Anlauf dazu, etwas Allgemeingültiges über die vielen Schäden der gegenwärtigen preußischen Eisenbahnpolitik zu sagen. Nichts davon, wie wenig die Eisenbahnpolitik eines Breitenbach den W>üMÜeo teä LiÄeW UÄ HglltM g&W Sick Sgbs lkj« man sich einmal in dem jüngst erschienenen Jahresbericht des Verg- arbeiterverbandes durch, wie schwer nicht nur die Unternehmer im Ruhrrevier, sondern auch die Grubenarbeiter durch den Wagen- mangel geschädigt werden, wie sie Ueberschichten und Feierschichten einlegen müssen, nur um des Unverstandes der preußischen Ver- kehrsverwaltung willen. Aber wie sollte sich auch Berücksichtigung von Arbeiterinteressen und preußisches Abgeordnetenhaus zu- sammenreimen?— Bremer Schulkäuchfe. Der bremische Schulinspektor geht. Er läßt sich ab 1. Juli pensionieren, das ist das Fazit des energischen Kampfes der Bremer Lehrerschaft gegen diesen Repräsentanten der kirchlichen Orthodoxie und des preußischen SchulbureaukratenfaunS. Da der Mann, Köppe heißt er bekanntlich, jetzt 69 Jahre alt ist, könnte erst im Jahre 1913 seine Pensionierung erfolgen. Das hat dieser»Ritter vom gesunden Menschenverstand" ausgenutzt, indem er bis 1913 sein volles Gehalt, 8000 M. jährlich, verlangte. In einer ver- traulichen Sitzung der Bürgerschaft wurde ihm die Forderung Wohl oder übel gewährt, konnte man ihn doch nicht anders los werden. Die Pension ab 1913 bettägt 80 Proz. des Gehalts; so schneidet ein»Mann ab, der der Schule zwar sehr viel geschadet, der aber lediglich das ausführte, was die Dienstinstruktton ihm vorschrieb. Ein Lehrer, der vom edelsten Reformeiser erfüllt wäre und der das Zeug dazu hätte, der Schule eminent zu nützen, könnte ohne weiteres dem Hunger überliefert werden, wenn er wider den Stachel lockte, so daß man auf Dienstentlassung erkennen könnte. Daß»ver- traulich" über des Schulinspektors ruhmlosen aber desto einträglicheren Abgang beraten wurde, läßt erkennen, wie unangenehm dem Senat die öffentliche Krittk in Sachen des Schulwesens ist, zugleich wird dadurch aber auch bewiesen, daß der Schulinspektor Koppe Fleisch von SenatuS Fleisch ist. Die Mucker find über den Ausgang des Kampfes gegen ihren Liebling sehr in Zorn geraten. Da aber ihre Donnerwetter keine Verheerung anrichten können, forderte der»Reichs- böte' neulich allen Ernstes, der Kaiser solle einmal ein kräftiges Donner- Wetter über die Köpfe des bremischen Senates herniederprasieln lassen. Weil ihre Kolophoniumblitze wirkungslos berzischen, verlangen sie nach Jupiters Blitz. Die Preßorgane des bremischen Muckertums suchen indes eine andere Nummer vom selben Faden für das Schulinfpektorat Izu erlangen. Der bremischen Schulbehörde dürste aber gleich dem gebrannten Kinde zu Mute sein. Und außerdem wird gute Wacht gehalten. Ist es schon erfteulich, daß der Schul- inspektor weichen muß. so wird diese Freude noch dadurch erhöht, daß der Lehrer Gansberg im Amte bleibt. Weil er sich durch die Begründung des wider ihn im Disziplinarverfahren ergangenen Urteils tief verletzt gefühlt hatte, war er um seine Entlassung eingekommen. Da die verletzenden Wendungen in der schriftlichen Begründung des Urteils aber fehlen, hat Gansberg dem Drängen seiner Freunde und Kollegen nachgegeben und sein EntlaffungSgesuch zurückgezogen. womit der Senat um so eher einverstanden war. als ihm damit ein Stein vom Herzen fiel. Nach allem, was sich in der letzten Zeit ereignete, ist es dem Senat und der Schulbehörde um den Frieden zu tun. Ob er ihn so schnell haben wird, hängt unter anderem von den Lehrern ab, die nicht vergessen dürfen, daß ihre Forderung nach Entfernung des Religionsunterricht» au» der Schule noch immer der Erledigung harrt. Stillstand wäre auch hier Rückgang.— Der Reichsverband wird anrüchig. Die»Kölnische Zeitung" stellt eine recht betrübliche Betrachtung über die Wahl in Glauchau-Meerane an. Der Verlust von 800 Stimmen, den der.nationale' Kandidat gegen den 26. Januar erlitten hat, lasse sich nicht aus der Lauhett der Stimmberechttgten bei Nachwahlen erklären. Selten sei in einem Wahlkreise mehr ge- arbeitet worden, um die Wähler aufzurütteln, al» diesmal in Glauchau-Meerane. Aber, so schreibt das Blatt weiter? »Man hat auf nattonaler Seite die Kraft falsch eingesetzt. Energie haben einige mit viel Lärm verwechselt. Es mutz ausgesprochen werden als Lehre für die Zukunft, daß in diesem Wahlkamps von nationaler Seite unverzeihliche Fehler gemacht sind. Von auswärts hatte man Persönlichkeiten zur Unterstützung des Kandidaten Dr. Clauß in den Wahlkreis gesendet, die für eine eindruckvolle Wahlagitation un- geeignet waren. Wer heute sächsische Industriearbeiter polittsch umstimmen will, der muß nicht nur den guten Willen, sondern auch hervorragende Fähigkeiten und einen be- sonnenen Charakter besitzen. Gegen diesen Grundsatz haben der.Reichsverband" und verschiedene»nationale Ausschüsse" ernstlich verstoßen." Die Sache sei. so bemerkt das Blatt, sogar so weit gewesen, daß Dr. Clauß sich mehrfach wegen des Luftretens seiner Wahlhxlfer habe entschuldigen müssen. Das sei bei so schwerer Arbeit eine traurige Erfahrung. die hoffentlich nicht umsonst gemacht worden sei. Diese Hoffnung ist leichter ausgesprochen als erfüllt, denn woher soll der Reichslügenverband Leute mit Charakter und hervorragenden Fähigkeiten nehmen?—_ r Eine Hamburger Universität. Seit mehreren Jahren geht das Streben einflußreicher Ham- burger Kreise, besonders der hohen Beamten und Gelehrten, dahin, Hamburg mit einer Universität zu versorgen; und verschiedene Anhänger dieses Projekts haben nach und nach zu diesem Zweck die ansehnliche Summe von 3816 000 M. zusammengebracht. Da jedoch ein großer Teil der älteren Kaufmannschaft von der Gründung einer Universität nichts wijjLn will, hat das Komitee vorläufig das Geld für eine» wissenschaftliche Stiftung bestimmt. Das Kapital soll sicher angelegt und die Zinseneinnahme für wissen- schaftliche Zwecke verwendet werden, vornehmlich für die Hono- rierung von Gelehrten, die berufen werden, um wissenschaftliche Vorlesungen und praktische Uebungen für bestimmte Berufskreise abzuhalten: ferner für Bearbeitung wissenschaftlicher Fragen, Stellung von Preisaufgaben und Herausgabe wissenschaftlicher Schriften, sowie für Veranstaltung oder Unterstützung von Forschungsreisen und Ausgrabungen. Für später rechnet man auf die Gründung einer Universität, wie der§ 7 des Stiftungsstatuts beweist. Es heißt dort: v Sollte das Vermögen der Stiftung so angewachsen sein, daß e» für sich allein oder unter Hinzuziehung von Mttteln, die der Staat für diesen Zweck zur Verfügung stellt, ausreichend ist. um eine Universität oder eine andere Hochschule allgemeinen Charakters, die also nicht nur für die Bedürfnisse eines einzelnen Berufes (z. B. Aerzte oder Kaufleute) bestimmt ist, in Hamburg zu errichten und zu erhalten, so soll das Kuratorium berechtigt sein, das Stiftungsverulögen für die Errichtung einer solchen allgemeinen Hochschule zu verwenden.—_ Die Beendigung des Zollkrieges zwischen Deutschland und Kanada beabsichtigt, wie die»Voss. Ztg." meldet, die kanadische Re- gierung herbeizuführen. Auf Veranlassung des Premierministers Laurier finden zurzeit deswegen Unterhandlungen statt, die in Montreal geführt werden. Kanada beabsichtigt gegen entsprechende Ermäßigungen des deutschen Zolltarifs für kanadische Waren einen Tarif anzubieten, der kerne erheblich höheren Sätze als der England gegenüber eingeräumte Minimaltarif aufweist.- Für die Landtagswahle« in Nürnberg hat der liberale Block KS außer Bit den Sssip.nglsoMl« lwd DssÄtt*« ag ffitt fcfi reaktionären Mitielständlern verbündet. Die Mittelständler gingen auf das Bündnis nur unter der Bedingung ein, daß ihr Häupt- ling, Drechslermeister Probst, in einem sicheren Wahlkreise auf- gestellt werde. Man räumte ihm die Kandidatur im ersten Wahl- kreise ein, den die Blockleute für absolut sicher halten. Probst, der schon bei der Wahl 1905 als Kompromißkandidat mitgewählt wurde, machte während seiner* kurzen Landtagstätigkeit bedenkliche agrarische Seitensprünge und trat im Landtage nicht der liberalen Fraktion, sondern der agrarischen wirtschaftlichen Vereinigung bei. Er mußte deshalb diesmal versprechen, das liberale Programm ein- zuhalten und der liberalen Fraktion beizutreten. Das tat er auch, doch wird er seinen Blockfreunden schon wieder unbequem, da er das Wahlprogramm des Blocks mit seinen rückständigen For- dcrungen ausstatten möchte. So hat er verlangt, daß in das Blockprogramm der Kamps gegen die Warenhäuser aufgenommen werde. Darüber hat es sowohl im Block selbst als auch bei den Mittelständlern großen Krach gegeben. Jetzt heißt es, daß Probst wieder abgesägt werden soll, wenn er seine Bocksprünge nicht unter- läßt, aber der Freisinn wird wohl nachgeben müssen, denn er braucht den gesamten bürgerlichen Mischmasch, also auch die Mittel- ständler.—_ Militarismus und Antimilitarismus. Die Kriminalpolizei entfaltet in allen deutschen Landen eine emsige Tätigkeit, um Exemplare der bekannten Liebknechtschen Bro- schüre aufzutreiben. Vor einigen Tagen nahm die Polizei in Tegel Haussuchungen vor, und zugleich suchte sie im Auftrag der Staats- anwaltschaft in der Büchersammlung der vereinigten Gewerkschaften Weimars nach der Broschüre. Gefunden wurde nichts. Ein starkes Stück ist es jedenfalls, daß man sogar die Bibliothek geschlossener Vereine durchstöbert.— Ein hartnäckiger Glaubensstreiter. Der zur Sekte der»Adventtsten vom siebenten Tage" zählende Musketier M. vom 31. Jnfanterie-Regiment sAltona) hat schon zwei längere Strafen verbüßt, weil er sich weigert, in der Zeit vom Freitagabend bis Sonnabendabend Dienst zu verrichten. Als der seit vorigem Herbst dienende M. seine letzte zweimonatige. Ge- fängnisstrafe in Spandau verbüßte, ist er wiederholt disziplinarisch wegen Gehorsamsverweigerung mit ftremgem Arrest bestraft worden. Auch am Freitag. 1. Februar, verweigerte er in Spandau jede Arbeits- oder Dienstleistung. während er sonst sehr willig und fleißig gearbeitet hatte. Kurz danach wurde er seinem Truppenteil überwiesen. Am ersten Freitag ließ der Haupt- mann den M. zu sich kommen und redete auf ihn ein, er solle Vernunft annehmen, weil sonst seine Dienstzeit gar nicht abzusehen sei. Die Aufforderung des Offiziers, an der Putzstunde teilzunehmen, beantwortete M.:„Ich kann's nicht tun." Wege,, dieser neuen Gehorsamsverweigerung befindet M. sich seit über zwei Monaten in Untersuchungshast. Das Kriegsgericht der 18. Diviston hatte sich mit dieser Sache erneut zu beschäftigen. Dem Angeklagte» wurde vorgehalten, ein Prediger seiner Glaubensrichtung hob« er- klärt, daß jeder beim Militär dienende Adventist es mit dem siebenten Tage halten könne, wie er wolle.»Gegen mein«-wissen kann ich nicht handeln, denn man soll Gott mehr gehorchen, als den Menschen." Der Ankläger erkannte an. daß der Ang-Kagte nicht aus unlauteren Motiven handle, aber es müsse ihm klar gemacht werden, daß er nicht gegen Gesetz und Disziplin handeln dürfe. Antrag: 6 Monate Gefängnis. Urteil: S Monate 1 Tag Gefä.ngniS.—_ Maifeier in Harpen. Ein probates Mittel, die Maifeier zu verhindern, hat der Amtmann von Harpen entdeckt. Er hat für seinen Bezirk alle Maifestlichkeiten verboten aus Rücksicht— auf die Genickstarre._ Chronik der Majestätsbeleidigungsprozefse. Wegen Majestätsbeleidigung hatte sich die Geschäfts- reisende Karoline Mohr aus Dresden vor der Strafkammer des Weimarer Landgerichts zu verantworten. Die Angellagte soll im August vorigen Jahres in Apolda im Anschluß an eine ZeitungS- nottz über die Affäre TippelSlirch gröbliche Beschin, pfungen gegen den deutschen Kaiser ausgestoßen haben. In der Verhandlung be» sttitt die Angellagte die inkriminierte Aeußerung auf daS ent- schiedenste und behauptete, daß ein Racheakt vorliege. Der Hauptbelastungszeuge, der Schneider Lange in Apolda, hatte die Anzeige erst im November erstattet, nachdem er mit der Angeklagten zerfallen war. Festgestellt wurde, daß der Zeuge in der Zwischenzeit von der Angeklagten wegen einer Korperverletzung an- gezeigt worden ist und drei Tage vor seiner Anzeige die betreffende Vorladung bekommen hatte. Die Körperverletzung mußte er mit 60 M. Gelbstrafe büßen. Selbst der Staatsanwalt beantragte unter Berücksichtigung der geringen Glaubwürdigkeit des Hauptbelastungszeugen die Frei- sprechung der Augellagten. Trotzdem kam das Gericht zu einer Ver- urteilung, die aus zwei Monate Gefängnis lautete. Amtliches Ergebnis der Reichstagswahl in Glauchau-Meerane. Bei der am 26. April im 17. sächsischen Wahlkreise Glauchau statt- gehabten ReichstagSersatzwahl erhielt der Schriftsteller Dr. Clauß (nationalliberal-jungliberal) auS Loschwitz 12710, der Genosse Molkenbuhr 17 074 Stimmen. franfcrdcb. Wie der„unabhängige" Sozialismus„die Welt erobert". Paris, 29. April.(Eig. Ber.) Wie«den Bösen die Strafe, so envartet den Tugend- haften der Lohn. Der heutige Ministerrat hat einsünTnia die Entlassung der fünf Postbeamten gutgeheißen, die den respektlosen offenen Brief an Clemenceau unterzeichnet hattest. Er hat abr auch die Ernennung des ehemaligen Deputierten Ggbriel Deoille zum bevollmächtigten Gesandten in Abessynien beschlossen! Gabriel Deville, der bekanntlich einer der ersten theoretischen Vorkämpfer des wissenschaftlichen Sozialismus gewesen ist, hat sich im Laufe der Jahre zu .einem auf die„Demokratie der Menschenrechte" eingeschwore- nen„Unabhängigen" entwickelt. Jetzt wird er sie im Reiche Meneliks repräsentieren. Ist aber diese Europamüdigkeit ein Zufall?— Herr Augagneur thront in Madagaskar, Herr Deville zieht nach Abessynien. Trotz des neuerlichen Regenerationskongresses sieht man also klar- Der«unab- hängige Sozialismus" ist kein europäisches Ereignis— sondern nur noch ein afrikanisches..,. Snglancl. Arbeiterpartei und Heeresreform. London, 26. April.(Eig. Bericht.)«ei der Beratung über die zweite Lesung der MUttärvorlage hielt Genosse J.R. Macdonald eme längere Rede, in der er». a. sagte:»... Unsere Partei ist nicht der Anficht, daß die Soldatenzahl erhöht werden müsse. Jeder vernünftige Mensch muß nunmehr zur Ueberzeugung gelangt sein, daß das allgemeine Wettrüsten den gewünschten Zweck mcht erreichen kann, und daß es daher besser wäre, eine Herabsetzung der Rüstungen auf internationalem Wege anzustreben. Di« Lroeiler« Vertreter«boren«r wimuittonai»«rbtiter» bewegmig, die zur Pflicht hat. in allen Parlainentett Europas für diesen Gedanken einzutreten. Es wäre deshalb cur Betrat, wen» die Arbeiterpartei nicht gegen die Erhöhung der Soldatenzahl Einspruch einlegte. Wir sind gegen den Plan cincr„Nation in Waffen".(Beifall.) Dieser Plan kann kein einziges wirklich wichtiges Problem lösen; er wird auch unsere Flagge weder hoch noch rein halten." Mit Vergnügen geben wir diese Worte des Genossen Macdonald wieder, umso mehr als wir im vorigen Jahre einige seiner früheren Aeußerungen tadeln mutztet,. Je mehr sich die Arbeiterpartei entwickelt, desto mutiger und schärfer tritt die sozialistische Agitation ihres Generalsekretärs hervor.— Hrncnha. Aus New Kork wird uns geschrieben: Der Prozeß gegen die drei seit Uber vierzehn Monaten ein» gekerkertcn Gewerkschaftsführer Charles Moyer, William D. Hay« Wood und John Pettibone soll nach den endlosen Verschleppungen nunmehr am 9. Mai im Staate Idaho beginnen. Zuerst wird Haywood prozessiert, der von der Staatsanwaltschaft als das Haupt der Drei angesehen wird. Die Drei sind bekanntlich beschuldigt, eine Verschwörung zur Beseitigung des Exgouverneurs Steunen- berg von Idaho angezettelt zu haben.(Steunenberg wurde am 80. Dezember 1906 getötet.) Was dem Fall aber ein besonderes Gepräge verleiht, sind die vielfachen und ganz offen geübten Ver- suche auf eine Wiederholung des berüchtigten Chicagoer Justiz- mordes. Bedeutete schon die auf Grund erpreßter und erkaufter Gc» ständnisse erfolgte Verhaftung im Staate Colorado eine Ungebeuer- lichkeit, so war die Auslieferung von Colorado nach Idaho ohne vorheriges Auslieferungsbcgehren und ohne ordentliches Gerichts« verfahren geradezu ein Hohn auf die Bundesverfassung. Um aber der Sache die Krone aufzusetzen, sanktionierte da» Oberbundes- gericht in Washington, der höchste Gerichtshof der Vereinigten Staaten, als Berufungsinstanz das gegen M->yer, Hahwood und Pettibone eingeschlagene Verfahren. Nur einer der neun Richter, Mc Kcnna mit Namen, hatte den Mut, die Auslieferung der Drei Gewerkschaftsführer und ihren Transport bei Nacht und Nebel als das zu bezeichnen, was er war: als einen ordinären Menschen- raub. Das Rechtsgutachten des»guten Richters" Mc Kcnna, welches dem Urteil der Majorität des Richtcrkollegiums beigefugt ist, ist geradezu vernichtend. Nur einige Sätze seien hier wieder- gegeben:„Im vorliegenden Falle," so heißt es unter anderem, „sind die Staaten Idaho und Colorado durch das Vorgehen ihrer Beamten zu Gesetzcsv erächtern geworden. Durch einen ungesetzlichen Mißbrauch ihrer Macht haben sie die Angeklagten um ein durch die Verfassung gewährleistetes Recht betrogen. Diese Tatsache ist wichtig genug, um festgehalten zu werden. Sie bedarf keiner besonderen Betonung. Menschenraub ist ein Ver- brechen. Wie aber, wenn Beamte den Menschenraub verüben? ... Unzweifelhaft standen den Angeklagten verfassungsmäßige Rechte zu, und zwar äußerst wertvolle----' Mit solchen Skrupeln quälte sich die Majorität des Richter- kollegiums nicht. Ihr war es nur darum zu tun, dem Schmclzwerk- Trust, der die Anklage gegen Moyer, Haywood und Pettibone an- gezettelt hatte, um in ihnen die Arbeiterorganisation zu treffen, behülflich zu sein und für die Drei den Weg zum Galgen ebnen zu Helsen. Schon gleich nach der Verhaftung der Drei wurde von allen Seiten geschrien:„An den Galgen mit ihnen!" Und in diesen Ruf stimmte auch das Oberbundesgericht mit seiner famosen Entscheidung ein. Dazu kommt, daß Ehren-Roosevelt, von dem selbst seine Freunde sagen, daß man mit ihm nur in Gegenwart von Zeugen reden könne, und der im Bundesrat der Treu- losigkeit überführt worden ist, daß Roosevelt die Beeinflussung der Gerichte ganz offen betrieben hat. Nach einer unwider» sprochenen Meldung aus Washington erklärte er den� Richtern de» Oberbundesgerichts im Frühjahr vorigen Jahres, also zu einer Zeit, als die Berufung der drei Verhafteten noch nicht erledigt war:„Mit Menschen wie Moyer, Haywood und Pettibone muß aufgeräumt werden!" Nidht minder toll ist, was sich dcr Präsident der Vereinigten Staaten in einem kürzlich veröffentlichten Briefe an das Kongreßmitglied Shekman leistete. In diesem Briefe heißt es, daß Moyer oder Haywood oder Debs ebenso unerwünschte Bürger sind wie Harriman(Harriman ist der Eisenbahnmagnat, dcr erklärt hat, er könne die gesamte Gesetzgebung und auch die Gerichte kaufen). Diese neueste Einmischung Rooscvelts in einen noch schwebenden Prozeß hat selbst die bürgerliche Presse zu sanften Protesten veranlaßt und die gesamte Arbeiterschaft zur Entrüstung aufgestachelt. Von überallher hagelt es Proteste; selbst die konscr- vativcn Gewerkschaftsführer, welche den an der Spitze einer Gegenorganisation stehenden drei Verhafteten durchaus nicht hold sind, überhäufen ihren früheren Liebling Roosevelt mit den heftigsten Vorwürfen. Und Genosse Debs nennt den„König im Frack" in einem offenen Briefe einen Feigling und D e n u n- z i a n t e n! Roosevelt, der sonst nach berühmtem Vorbild in alles drein» redet, hat merkwürdigerweise auf die ihm zuteil gewordene Kenn- zeichnung die Sprache noch nicht wieder gefunden. Seine Nieder- tracht fällt um so schwerer ins Gewicht, alö gerade neuerdings Tatsachen bekannt geworden sind, welche der Anklage auch den letzten Schein von Berechtigung entziehen. So hat Steve Adams, der angeblich beim Attentat auf den Exgouverneur Steunenberg beteiligt war, und auf dessen angebliches„Geständnis" hin Moher,� Hahwood und Pettibone seinerzeit verhaftet worden sind, feierlich vor Gericht erklärt, daß er überhaupt kein Geständnis abgelegt hat, daß man ihm vielmehr'ein von einem Lockspitzel Namens Mc Par- land angefertigtes Schriftstück vorlas und dieses Schriftstück als von ihm(Steve Adam«) herrührend beglaubigen ließ! Auf Grund dieser„Beweise" erfolgte die Verhaftung der Gewerkschaftö- beamten. Ferner wurde bekannt, daß der beseitigte Steunenberg an Landschivindcleien beteiligt war und daß vermutlich ein von ihm um Hab und Gut gebrachter Heimstättenbesitzer an ihm Rache nahm.' Ein weiterer schwerer Schlag hat die kapitalistischen Ver» schwörer getroffen: Senator W. E. Borah, der von den Behörden als Spezial-Distriktsanwalt(gleichbedeutend mit Staatsanwalt) bestellt worden war, um den Fall gegen Moyer, Haywood und Pettibone zu führen, und der an Einschüchterungen schon vor Be» ginn des Prozesses das menschenmöglichste geleistet hat, dieser Borah wurde wegen Forstland-Betrügereien seitens der Groß» geschworenen von Idaho unter Anklage gestellt! Möglicherweise wird dadurch eine neue Verzögerung des Prozesses gegen Moyer, Hahwood und Pettibone herbeigeführt; wenn nicht, so werden die Verhandlungen Dinge zutage fördern, die vielen amerikanischen Arbeitern die Augen vollends öffnen dürften. GewerklcbaftUcbee. Die Allmacht des Schutzmanns. Deutschland ist ja bekannt. Jetzt ereignete sich in Potschappel bei Dresden anläßlich der Lohnbewegung der Bäcker im Planenschen Grund ein Vorfall, der zeigt, was sich heute ein Schutzmann herausnehmen zu können glaubt. Die BäckergehAfen verteilten Flugblätter mit dem Verzeichnis derjenigen Bäckermeister, die die Forderungen der Gehülfen bewilligt haben. Ueberall im Planenschen Grunde ging diese Verteilung glatt und ohne Zwischenfall von statten. Nur in Potschappel beschlagnahmten zwei Schutzleute etwa 1200 Flugblätter. Als der Vertrauensmann der Bäckerorganisation den �emeindevorstand wegen dieses Uebergriffs interpellierte, meinte dieser, der eine Schutzmann habe ihm gesagt. daß vor zwei Jahren das, was auf dem Flugblatt stünde, verboten worden sei. Vor zwei Jahren hatten die BiiSepmeiS««mlWch fett Bäcke-�KMUW cjxen fe~"& Anhaltsbefehl erwirkt, der aber vom Reichsgericht aufgehoben wurde. Davon wußte der Schutzmann, d. h. von dem e r st e r e n. Von der letzteren Tatsache schien er aber nichts zu wissen. Und dann ist es doch außerordentlich interessant, daß ein Schutzmann ohne irgend eine Anweisung zu einer derartigen Maßnahme greift. Der Gemeindevorstand erklärte, ihm sei nach der Be- fchlagnahme Mitteilung von dem Schutzmann gemacht worden. Es ist sofort Beschwerde bei der Amtshauptmannschaft ein- gelegt worden. Wohin sollen wir kommen, wenn schon jeder Schutzmann sich zu einem derartigen Eingriff in die Rechte des Staats- bürgers berechtigt glaubt. Da soll noch einer behaupten wollen, in Deutschland regiere nicht der Schutzmann! Berlin und Umgegend» .Aue um zu schreiben, bringt die„Berliner Volkszeitung" einige Phantasien über die Lage im Berliner Baugewerbe. Die sind harmlos, die letzte ist bösartig. Dort wird von einer «Verstimmung" in Arbeiterkreisen gesprochen und behauptet: „Auch die anderen beteiligten Verbände wie Zimmerer und Bauhülfsarbeiter schieben die Schuld über den resultatlos ver- laufenden Fortgang der Lohnbewegung den Maurern in die Schuhe." Wir können demgegenüber feststellen, daß die Vorstände aller drei Verbände sich über die einzuschlagende und bisher ein- geschlagene Taktik völlig einig sind. Zur Lohnbewegung der Bäcker. Den unmittelbaren Anlaß zu der gegenwärtigen Bewegung im Bäckergewerbe gab bekanntlich die Frage des paritätischen Arbeits- Nachweises. Daß»m solcher errichtet werden soll, ist im Tarif- vertrage vorgesehen. Da die Jnnungsvertreter über den Begriff der Parität eine Anschauung verwaten, welche von der allgemein herrschenden, auch von den Gesellenvertretern bekundeten Auf- fassung abweicht, so kam eS zum Konflikt. Die Forderung: Errichtung eines paritätischen Arbeitsnachweises, bildet jetzt neben den beiden anderen Forderungen: Abschaffung des Kost- und Logiswesens, Gewährung eines freien Tages in jeder Woche, das Ziel der gegenwärtigen Bewegung. Die JnnungS- berweter scheinen der Meinung zu sein, daß sie die Frage des Arbeitsnachweises, falls es demnächst zu Verhandlungen kommen sollte, umgehen können, indem sie einen Zentralarbeitsnachweis der Innungen einrichten, der ja nach Angabe der Meister mit einem paritätischen Arbeitsnachweis gleichbedeutend fein soll. Die JnnungS- vorstände haben es mit der Einrichtung ihres ZentralarbeitS- Nachweises so eilig, daß sie dabei vergessen, sich genau an die gesetz- lichen Bestiinmungen zu halten. Die JnnungSvorstände haben bereits die Statuten des Zentralarbeitsnachweises beraten und fertiggestellt ohne, wie es das Handwerkergesetz verlangt, einen Gesell«»- Vertreter hinzuzuziehen! Nun muß das Statut den Jnnungsversammlungen vorgelegt werden. Gültigkeit kann eS nur dann erlangen, wenn die Gesellenausschüsse ihre Zustimmung geben. Das wird aber sicher nicht geschehen, denn der geplante Zentralarbeitsnachweis, der angeblich schon am 1. Mai seine Tätig- keit aufnehmen sollte, gibt den berufenen Vertretern der Gesellen kein Mitbestimmungsrecht in der Verwaltung, er gibt keine Gewähr dafür, daß die Uebelstände, wrlche die Gesellen bei der bisherigen Arbeitsvermittelung der Innungen empfanden, beseitigt werden: ja, eS sind sogar einige Verschlechterungen insofern geplant, als die Gebührensätze der Germania- Innung, nämlich 60 Pf., 75 Pf. und 1 M., wrlche die Arbeitnehmer zu zahlen haben. allgemein eingeführt werden sollen, während bis jetzt in mancher der hier in Frage kommenden Innungen entweder gar keine Gebühr oder nur eine solche von 2S Pf. erhoben wurde. Aus diesem Grunde können die Gesellenausschüffe dem neuen ArbeitSnachweiSstatut natürlich nicht zustimmen._ Zum Streik der Leitergerüstbauer ist zu berichten, daß weitere zwei Firmen und zwar G u t s ch e(Friedenau) und Dreiling u. Sohn- Berlin, sich mit ihren im Ausstand befindlichen Leuten geeinigt haben. Bei G u t s ch e ist die Arbeit bereits am Montag- inittag und bei Dreiling u. Sohn am Dienstag früh einmütig aufgenommen worden. An Lohn sind für Poliere 85 Pf. und für Rüster 70 Pf. pro Stunde zugestanden worden. Für Ueberstunden wird ein Zuschlag von 10 Pf. pro Stunde gezahlt. Somit arbeiten zurzeit etwa 115—120 Gerüstbauer und Poliere zu den neue» Bedingungen. Bei den Firmen Machule, A. Weißenhagen, Georg Weißenhagen, Hieke, Scheider, Hartleib, Weber u. Lehmann sowie Kadermann u. Apelt ruhen die Betriebe nach wie vor noch vollständig. Die Firma A r n d t u. C o arbeitet mit einer Anzahl Arbeitsivilliger, die zum größten Teil auf Rüstungen noch nicht gearbeitet haben. Zur Lohnbewegung der Dachdecker. Zu einer unverbindlichen Aussprache traten am Montagabend die Kommissionen der Arbeit- geber und Arbeitnehmer zusammen, um eine friedliche Beilegung des gegenwärtigen Lohnkampfes zu versuchen. Wenigstens bestand diese Absicht auf feiten der Arbeitnehmer, die erwarten konnten, daß die Unternehmer den gerechten Ansprüchen der Arbeiter etwas mehr Entgegenkommen schenken würden. Die Unternehmer aber wollen nicht mehr bewilligen, als die Arbeiter im Baugewerbe nach dem Schiedsspruch des Einigungsamtes erhalten sollen, nämlich eine Lohnzulage von 3 Pf. pro Stunde in diesem Jahre, dann weitere 2 Pf. resp. 3 Pf. in den beiden folgenden Jahren. Die wichtige Frage der Verkürzung der Arbeitszeit bleibt unberührt. Die Ver- treter der Arbeiter nahmen diesen Vorschlägen gegenüber eine ab- lehnende Haltung ein; sie erklärten, daß unter solchen Umständen, besonders ohne Verkürzung der Arbeitszeit, an eine Einigung, nicht zu denken sei. Die Verhandlungen waren damit vorläufig beendet. Eine Vertrauensinännersitzung der Dachdecker beschäftigte sich am letzten Sonntag mit dem Beschluß der Versammlung vom 21. April bezüglich der Erhebung von Extrabeiträgen von den in Arbeit stehenden Kollegen. Man kmn überein, daß die Beiträge für die verflossenen zwei Wochen, vom 15. April an. zu entrichten sind. Die Hausdiener und Kutscher aus den Wäscheverleihgeschäften hielten am Donnerstag im„Englischen Garten" eine gut besuchte Versammlung ab. Nach längerer Debatte wurde einstimmig be- schlössen, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern. Wir bitten die organisierte Arbeiterschaft Berlins, am 1. Mai keine Handtücher abzunehmen. I. A.: Die SektionSleiwng. Hermann Mehring, Wrangelstr. 102. Die Berliner Emailleschildemaler sind, nachdem die von ihnen eingereichten Forderungen, welche in 8 stündiger Arbeitszeit, Ivprozentiger Lohnerhöhung und Anerkennung deS ArbeitSnach- weises bestehen, abgelehnt wurden, am Montag in den Streik ge- treten. Die in Frage kommenden Arbeitgeber sind im Schutz- verbände der deutschen Emaillicrwerke organisiert, deren Geschäfts- führer der„allbekannte" Herr N a s s e ist. Da von dieser Seite alles versucht wird, andere Arbeitskräfte heranzuziehen, so wird ersucht, jedes Arbeitsangebot, welches auf Emailleschilder Bezug hat, strikte abzulehnen.— Die Arbeiterpresse wird um Abdruck gebeten. Die streikenden LanbschaftSgehülfcn und Gartenarbeiter haben am Montag, den 20. April, die Arbeit wieder aufgenommen. Der Verband der Arbeitgeber hat auf das nochmalige Schreiben der Lohnkommission bezüglich Einigungsverhandlungen nicht gcant- Berantw. Siedakteur: HanS Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.» TN. wartet. Die Lohnkommission hatte solche nur nachgesucht auf Anraten und die bestimmte Zusicherung hin, daß, wenn die Lohn- kommission nochmals an den Verband um Einigungsverhandlungcn herantritt, solche auch zustande kommen werden. Bis Sonntag früh, obwohl das Schreiben schon am Donnerstagabend zur Kenntnis des Verbandes gelangt war, hatte die Lohnkommission keinen Bescheid erhalten. Die Situation mutzte sich infolge des vorgerückten Früh- jahres mit jedem Tage ungünstiger gestalten und so entschied sich die Lohnkommission für Abbruch des Streikes. In der Versamm- lung am Sonntagvormittag in Miethcs Festsälen unterbreitete die Lohnkommission den Vorschlag, den Streik abzubrechen, den Ver- sammelten, die sich diesem dann auch, wenn auch ungerne, ange- schloffen haben. Im ganzen haben 82 Firmen mit 441 Arbeitern anerkannt. Bei Beendigung des Streikes, also am Sonntag, waren noch 82 Gehülfen und 45 Gartenarbeiter ausständig. Die letzteren waren erst in der dritten Woche in den Streik eingetreten und sind es solche, die als wirkliche Gartenarbeiter nicht angesehen worden können. In der abschließenden Versammlung wurde ein Antrag angenommen, der für bedürftige Kollegen, welche mindestens ein Jahr Mitglied und infolge des Streikes in Not geraten sind, eine Mietscntschädigung vorsieht. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) Achtung, Barockvergolder! Da sich die Kopenhagen er Barockvergolder in einer Lohnbewegung befinden, ist der Zuzug von Dänemark fernzuhalten. Die Zentralkommission der Vergoldcr Deutschlands. Achtung, Friseurgehülfen! Die Generalversammlung vom 18. April beschloß, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern. Die Parteigenossen ersuchen wir, am genannten Tage keinen Barbier in Anspruch zu nehmen. Die Gehülfen sind im Besitz von weißen mit rotem Rand versehenen Kontrollkarten als Ausweis, daß die Forderungen der Gewerkschaft erfüllt sind. Verband der Friseurgehülfen Deutschlands Zweigverein Berlin und Vororte. Achtung, Friseurgehülfen! Differenzen bestehen bei Schmoi, Ratiborstr. 16. Bewilligt haben Dahlenburg, Schönhauser Allee 137, und Kunze, Bernauerstr. 49. Achtet auf die Kontroll- karte. Dieselbe hat nur Gültigkeit, wenn sie die Namensunter- schrift Baumgart trägt und die laufende Woche gestempelt ist. Gleichzeitig ersuchen wir die Parteigenossen, die Barbiergeschäfte am 1. Mai möglichst zu meiden, um den Kollegen den Besuch der Versammlungen nicht zu erschweren. Verband deutscher Barbier-, Friseur- und Pcrückenmachergehülfen. Dircksenstr. 46. OeutfeKes Reich. Den Achtstundentag errungen haben die Steinmetzen Leipzigs. In dem eben abgeschlossenen neuen Tarifverträge wurden die Arbeitszeit um eine halbe Stunde, von 8'/, auf 8 Stunden, verkürzt und der Minimallohn von 65 auf 70 Pf. erhöht. Zudem wurden sämtliche Löhne um 5 Prozent auf- gebessert. Dank der guten Organisation wurden diese Forderungen ohne Kampf durchgesetzt._ Der Busstand in den Maschinenfabriken Offenbachs ist nunmehr im vollen Umfang perfekt, nachdem es die Unternehmer nicht nur kurzerhand abgelehnt hatten, zu den Verhandlungen je einen Berater der beiderseitigen Organisationen zuzuziehen, sondern auch den weiteren Vorschlag von Arbeiterseite, die Verhandlungen unter dem Borsitz eines den beteiligten Betrieben nicht Angehörigen stattfinden zu lassen, zurückwiesen und an ihrem Vorschlag festhielten, als Ver- Handlungsleiter den beteiligten Fabrikanten Heinrich Schmaltz fun- gieren zu lassen. Wenn die Arbeiter einen solchen Borsitzenden ab- lehnten, so ist eS wohl nur zu begreiflich, noch dazu, da ja die Unternehmer vorher schon kategorisch erklärt hatten, die Haupt- forderung der Arbeiter, die neunstündige Arbeitszeit sowie die Gewährung gewisser Minimallöhne nicht bewilligen zu wollen. Die von feiten der Arbeiter angeregte Vernuttelung des Vorsitzenden des Gewerbegerichts, Beigeordneten Zopfs, wurde durch die oben erwähnte Haltung der Arbeitgeber gegenstandslos. Geradezu unverständlich ist das Sträuben der Offcnbacher Metall- industriellen. Vertreter der Organisationen zu Einigungsverhand- lungen zuzulassen, da doch laut„Arbeitgeberzeitung" die eigenen Kollegen dieser Herren im Arbeitgeberverband sich endlich dazu bequemten, ihren früheren Scharfmacherstandpunkt etwas zu korri- gieren. In Offenbach sitzt man noch auf hohem Rosse und glaubt ein Verhandeln mit Vertretern der Arbeitgeberorganisation nicht nötig zu haben. Statt dessen glaubt man eher zum Ziele zu kommen, wenn man Absplitterungsversuche unter den Arbeitern in die Wege zu leiten sucht, wie dies am Sonnabend durch Gründung einer Arbeitswilligenorganisation versucht wurde. Wenn bei dieser Gründung, die laut EinladungSzirkular das Bestreben hat u. a. der sozialdemokratischen Hochflut einen Damm entgegenzusetzen, und im übrigen die Interessen der Arbeiter nicht durch Streik, sondern durch ein gütliches Einvernehmen mit den Fabri- kanten wahren will, ein Fabrikant seinen Segen zu diesem löblichen Tun gab, so sagt dies wohl genug. Aber die Fabrikanten werden wohl selbst im Ernst nicht glaube», daß sich durch diese gelbe Garde die 1700 Ausständigen ins Bockshorn jagen lassen. Die Fabrikanten würden gut tun, von ihrem eigensinnigen Standpuntt abzukommen, sie würden dabei sehr schnell erfahren, daß die Arbeiter ganz gern in Frieden mit ihnen verhandeln können. Ein weiterer Ausstand droht in Kürze in der Metallbranche in Offenbach, weil die Klempner und Installateure ebenfalls durch die Verwaltung des Metallarbeiterverbandes Forderungen an ihre Meister stellen ließen, die wenig Gehör fanden. Auch hierbei wollen die Meister mit der Organisation nichts zu tun haben. Kommt es in Kürze nicht zu einer Einigung, so dürften noch weitere 70 bis 80 Arbeiter in den Streik treten. Deutsche Streikbrecheragenten in Holland. Der Sekretär Ketting deS Niederländischen Schiffs- und Boots- arbeiterverbandeS berichtet in„Het Volk" über die Erlebnisse nieder- ländischer Arbeiter, die unter falschen Vorspiegelungen für Streik- brecherarbeit nach Hamburg angeworben wurden. Am Mittwoch voriger Woche kamen zwei Arbeiter auf das Bureau deS Verbandes, die den Weg von Duisburg nach Amsterdam zu Fuß zurückgelegt hatten. Hier erzählten sie ihre Leidensgeschichte. Bor einigen Wochen waren sie von ihren Wohnorten Utrecht und Apel- doorn nach Amsterdam gekommen, weil sie in den Zeitungen gelesen hatten, daß hier auf der genttalen Arbeitsbörse Arbeiter verlangt wurden. Sie mußten acht Tage warten; dann aber wurden fie mit 46 anderen von einem Deutschen engagiert. Sie sollten freie F«hrt. Kost und Logis und dazu 3,50 bis 4 M. Lohn erhalten. Auf die Frage, ob Streik vorliege, antwortete der Deutsche mit Hülfe seines Dolmetschers verneinend. Sie wurden angeblich für eine Eisen- gießerei von Balken u. To. in Hilden, Regierungsbezirk Düsseldorf, angenommen. AIS sie aber in Hilden ankamen, war bei der Firma überhaupt keine Arbeit zu haben. Man sagte, eS sei ein Mißgriff und fie müßten nach Ruhrort. Hier angekommen, wurden fie in einem. Kontor der Hamburg-Amerika-Linie empfangen und nun sagte man ihnen endlich, daß sie nach Ham- bürg sollten, wo viel Arbeit sei und wo drei- bis vierhundert Mann gebraucht würden. Auf ihre wiederholte Frage, ob Streik vorliege, wurde wieder verneinend geantwortet. Zehn Herren, die allerlei mit einander flüsterten, brachten dann die ganze Kolonne nach Duisburg. In dieser Stadt wurden fie von den Hafenarbeitern darüber aufgeklärt, daß fie zu Stteikbrecherdiensten angelvorben worden waren, bei welcher Gelegenheit die Polizei denn auch von ihren Säbeln Gebrauch machte. Die Holländer v locke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. LerwgSanstalt Baut< fuhren nicht nach Hainburg; aber am selben Tage ging ein Extra- zug mit ein paar hundert Italienern ab. Die beiden GewährS- männer, die infolge der Schwindeleien der deutschen Streikbrecher- agenten ihr bißchen Geld eingebüßt hatten, traten dann ihre Wände- rung nach Amsterdam an. Ausland. Die nnzuverlössige„gelbe" Gewerkschaft. In der Schuhfabrik von B a l l y in Schönenwerd(Kanton Solothurn in der Schweiz), die mit ihren 6 Filialen in ebensovielen Gemeinden und 4000 Arbeitern wohl die größte Schuhfabrik der Welt ist, streiken feit voriger Woche 260 Arbeiter, Zwicker, von deren Arbeit der größte Teil des Riesenbetriebes abhängt. Der Streit ist darum für die schweizerische Arbeiterbewegung ein Er- eignis, weil der vielleicht 30fache Millionär B a l l y während eines halben Jahrhunderts es raffiniert verstanden hat, durch aus« schließliche Ausbeutung bäuerlicher Arbeitskräfte und Fernhaltung fremder Elemente das Aufkommen einer Arbeiterbewegung zu ver- hindern und sich eine gefügige Arbeiterschaft, die zugleich sein politisches Stimmvieh war, zu sichern. Im vorigen Jahre schuf er eine Arbeiterkommission und eine gelbe Gewerkschaft, um das trotz alledem in den Arbeitern erwachte Organisations- bedürfnis durch eine Karrikatur zu befriedigen und unschädlich zu machen. Die Maßregelung eines Kommissicmsmitgliedes wogen seines Eintretens für andere Arbeiter führte zum Streik bec 260 Zwicker, und nun hat B a l l h sämtlichen Kommissions- und Vorstandsmitgliedern der gelben Gewerkschaft gekündigt. Jetzt dürfte die Umwandlung der gelben Gewerkschaft in eine Sektion des Schweizerischen Schuhmacher. Verbandes erfolgen. Am Sonntag fand eine riesige Demon« strationsversammsung mit einem sozialdemokratischen Referenten statt, an die sich eine Demonstration von Tausenden Ballhscher Arbeiter vor dem fürstlichen Palais des Schusterkönigs schloß. Die Vorgänge bedeuten den völligen Zusammenbruch einer Halbhundert. jährigen raffinierten kapitalistischen Demagogie und den Sieg deS proletarischen Klasseninsttnkts, der plötzlich erwachten proletamschev Klassensolidarität._ Letzte JVacbncbtcn und Depefeben» Achtung! Maifeier! Die Einberufer resp. Referenten der Vormittagsversauun. lungen von Groß-Berlin werden gebeten, einen kurzen Bericht über Besuch und Verlauf der Versammlungen an die Redaktion gelangen zu lassen._ Die Wahlrechtsreform in Heften. Darmstadt, 30. April.(W. T. B.) Die.Darmstädter Zeitung' veröffentlicht den Wortlaut des Gesetzentwurses betreffend Revision des landständischen Wahlgesetzes� In der Zusammensetzung der ersten Kammer soll insofern eine Aenderung eintreten, als außer den vom Grohherzog zu ernennenden Mitgliedern in der Höchstzahl von zwölf noch zwei Vertreter des Handels und der Industrie, zwei Vertreter der Landwirtschaft und ein Vertreter des Handwerks auf Borschlag der gesetzlich eingerichteten Brrufskörperschaften berufen werden solle«. Die Zweite Kammer soll gebildet werden aus fünfzehn Abge. ordneten derjenigen Städte, denen ein besonderes Wahlrecht zusteht. und auS dreiundvicrzig Abgeordneten, die von den übrigen Ge- mcinden gewählt werden. Die Zweite Kammer geht aus uu- mittelbaren Wahlen mit geheimer Abstimmung hervor. Der Stimmzettel ist in einem amtlich abgestempelten mit keinem Kenn- zeichen versehenen Umschlag, der nicht verschlossen werden darf, abzugeben. Stimmberechtigt bei den Wahlen der Ab- geordneten find alle Personen männlichen Geschlechts, die zur Zeit der Wahlen das fünfundzwanzigste Lebens- jähr zurückgelegt haben, zur Zeit der Wahl wenigstens drei Jahre im Großherzogtum wohnen und wenigstens feit drei Jahren die hessische Staatsangehörigkeit besitzen und seit dem Anfang des Rech- nungsjahres, in dem die Wahl vorgenommen wird, zu einer direkten Staats- und Gemeindesteuer herangezogen find. Diejenigen Städte, die mehr als einen Abgeordneten zu wahen haben, werden für die Wahl in so viel räumlich abgetrennte Wahlkreise eingeteilt, als Abgeordnete zu wählen sind. In jedem Wahlkreise wird ein Abgeordneter gewählt. Die Wahl- kreise sollen je ein zusammenhängendes Ganz« bilden und einer annähernd gleich großen Anzahl Einwohner entsprechen. Die Ab- grenzung der Wahlkreise erfolgt im Wege der Verordnung, nach- dem die städtische Vertretung gehört ist. Als Abgeordneter gewählt ist derjenige, welcher in einem Wahlkreise mehr als die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen erhalten hat. Hat sich eine solche Mehrheit nicht ergeben, so ist ein zweiter Wahlgang anzuordnen, bei dem derjenige als gewählt gilt, auf welchen die höchste Zahl der abgegebenen gültigen Stimmen entfallen ist. Die Stichwahlen find damit abgeschafft. Die Abgeordneten zur Zweiten Kammer werden auf die Dauer von sechs Jahren gewählt; es wird jedoch die Zweite Kammer alle drei Jahre in der Weise teilweise erneuert, daß von den 58 Abgeordneten alle drei Jahre die Hälfte austritt und durch Neuwahlen ersetzt wird. Bergarbeiterstreik. Essen(Ruhr), 30. April.(B. H.) Auf Zeche„Hugo" bei Buer sind die Schlepper und Pferdetreiber in den Ausstand getreten. Sie fordern Lohnerhöhung._ Bei einer Militärübung verunglückt. Oldenburg, 30. April. Beim Geschützmanöver der hiesigen Ab- teilung deS ostfricsischen Feldartillerie-Regiments Nr. 62 auf der Alcxander-Heide schlug heute morgen ein Geschütz der zweiten Batterie um und verletzte vier Artilleristen schwer. Ueberschwcmmung in Ungarn. Budapest, 30. April.(W. T. B.) Ueberschwemmungen der Theiß bei Sziget im Komitat Maramaros haben große Ber- heerungen verursacht. Die Ortschaft Raho ist von den Fluten um» geben. Von Sziget bis Tisza-Lucz steht die ganze Landstraße unter Wasser. Die Theiß ist seit gestern um zwei Meter gestiegen. Zahlreiche Holzhäuser sind fortgeschwemmt. Interpellation über die Treibereien Elemenceaus. Paris, 30. April.(W. T. B.) Die Partei der gecinigten Sozialisten beabsichtigt, beim Zusammentritt der Kammer über die Maßregelung der Staatsangeftellten und die Berhaftung der Führer deS Arbeitsverbandes den Ministervräfidenten zu inter- pellieren_ Bevormundung der Organisationen. Paris, 30. April.(W, T. B.) Der von der Regierung vor- bereitete Gesetzentwurf betreffend den allgemeinen Arbeitsverband, welcher der Kammer bei ihrem Wiederzusammentritt vorgelegt werde« dürfte, soll diesen die Syndikate umfassenden Verband zwingen, sich ausschließlich mit den sachlichen Interessen zu be- fassen und seine politischen Treibereien einzustellen. Die Unruhe» in Montenegro. Eattaro, 30. April.(Meldung deS Wiener k. 1 Telegr. Korresp. Bur.) Nach Mitteilungen aus Podgoritza(Montenegro) fanden dort Ruhestörungen statt. Der Militärgouverneur und der Polizei- chef von Podgoritza sind durch Revolverfchüsse schwer verwundet? der Täter ist getötet und die Ruhe wieder hergestellt.__ Sing« sc Co.. Berlin SW. Hierzu Maiblatt, 4 Beilagen u. UnterhaltungSblatt VMsuwhIsahtt und Volks- mhchaMgkeit. Unter öen Anschuldigungen gegen die Sozialdemokratie spielte auch während der letzten Militärdebatten wieder die alte Verleumdung ihre Rolle: die Sozialdemokratie wolle die Nation wehrlos machen. Das sei ja auch natürlich, sei doch die Sozialdemokratie international. Allerdings, die Sozialdemokratie ist inter- National. International nicht nur im Sinne der he rrfch enden Klassen. Denn auch die herrschenden Klassen waren und sind ja in ihrer Art international. So a. B. die regierenden Für st en Häuser. Man braucht ja nur an die schöne„heilige Alliance" zwischen den regierenden Häuptern von Rußland, Oesterreich und Preußen gu denken. Als das Volk in den sogenannten„Befreiungs- kriegen", die sich später leider nur als F ü r st e n befreiungs- kriege herausstellten, gegen die napoleonische Herrschaft sein Blut verspritzt hatte, vergaßen die Fürsten gar bald die dem Volke gemachten Versprechungen. Speziell Friedrich Wil- heim III. hatte noch vom Wiener Kongreß aus im M a i il 8 1 5 freiheitliche Einrichtungen versprochen. Aber bereits im September desselben Jahres schlössen die gekrönten Häupter Rußlands, Oesterreichs und Preußens die famose „Heilige A l l i a n c e", nach der die drei Stifter des Bundes sich„durch die Bande einer wahren und unzertrenn- lichen Brüderschaft vereinigt und verpflichtet erklärten, gleich- samals(patriarchalisch-absolutistischc!)Familienväter ihre Unter- tanen und Heere in demselben brüderlichen Geiste zu leiten!" Diese schöne internationale Fürstenverbrüde- r u n g entsprang vornehmlich den absolutistischen Gelüsten des Zaren Alexander, der die nur �zu willfährigen deutschen Fürsten gegen die freiheitlichen Bestrebungen scharf machte. Mit liebenswürdiger Offenheit äußerte der Zar, wie der General Wolzogen in seinen Memoiren erzählt, gegenüber dem Freiherrn v. Stein, er tue das,„um die russischen Großfürsten und Großfürstinnen in's Künftige mit passen- den Mariagen versorgen zu können." Worauf der Frei- Herr v. Stein antwortete:„Das habe ich freilich nicht gewußt, daß Ew. Majestät aus Deutschland eine russische - Stuterei zu machen beabsichtigen!" Seitdem ist fast ein Jahrhundert verstrichen. Daß aber die Heilige Alliance noch immer besteht, beweisen ja die Handlangerdienste, die Preußen z. B. durch den Königs- l erger Prozeß unrühmlichen Angedenkens dem zarissi- scheu Blut- und Schreckensregiment zu leisten beflissen war! Sollen wir noch an andere internationale Abmachungen unserer Herrschenden erinnern? Etwa an die Bemühungen unserer Brot- und Fleischwucherer, eine „grüne Internationale" zu schaffen. An die internationalen Abmachungen gegen den„Anarchismus"? An die internationale Kolonialreklame, die das System Dernburg aus Frankreich bezog? Man sieht, die herrschenden Klassen waren und sind international, sobald es ihre In t e r e s s e n zu wahren gilt, sobald es sich um die Knebelung des„gemeinsamen Feindes", des zum Menschenbewußtsein erwachen- den Volkes handelt! Gilt eS freilich, etwas Vernünftiges, dem Kulturfortschritt Dienliches zu schaffen, so versagt nur zu rasch der Internationalismus der Herrschenden. Gerade bei Abrüstungsdebatten entbrenn! ja die wütendste Feindschaft. Also just dann, wenn inter- nationale Vereinbarungen auch der Masse des f r o n d e n- den, steuerzahlenden Volkes zugute kommen sollen, zerreißen alle Bande frommer Scheu, selbst die Blut- . verwandtschaftsbande zwischen Onkel und Neffen! Das sozialistische Proletariat bekennt sich unerschrocken zur Jnternationalität: zur Jnternationalität des Kultur,- f o r t s ch r i t t 3 und der wahrhaften Völkerver- brüderung. Warum sollte es gerade da in stupidem Nationalitätenhaß verrannt sein, wo seine Interessen in Frage kommen. Warum sollte es den Besitzenden und Privi- legierten zuliebe weniger Jnteressensolidarität bekunden, als die herrschenden Klassen der verschiedenen Nationen unter- einander? Im Gegenteil: gerade im A u g e n b l i ck, wo die deutsche Bourgeoispresse— mit wenigen Ausnahmen— aus lächerlichsten Gründen von einem wahren Tobsuchtsanfall des läbelrasselnden Nationalismus befallen ist, heischt es die Pflicht des Proletariats, den Gedanken der kulturellen Solidarität der Völker stärker denn je zu betonen! Das internationale Proletariat steht überall dem Kampf um die koloniale Futterkrippe kühl bis ans Herz hinan gegenüber. In England sowohl wie in Frankreich steht die klassenbewußte Arbeitersckiaft genau auf dem- se l'b e n Standpunkt, den Deutschlands Proletariat einnimmt. Das Proletariat aller Länder steht der Welt- politischen Raub- und Raufpolitik durchaus ablehnend gegenüber. Das fehlte noch, daß sich die Völker zugunsten der Panzerplattenindustrie und der kolonialpolitisch interessiertem Äankokratie die Hälse brächen! Ist es aber unseren Scharf- machern mit ihrer Hetze selbst nicht ernst, so verdient ihre frivole Säbelrasselei erst recht die schärfste Verurteilung dem In- und Auslande gegenüber! Gerade weil das Proletariat patriotisch im W a h r e n Sinne ist, weil ihm das Wohl des Vaterlandes und das Wohl seiner Söhne mehr am Herzen liegt, als unseren frivolen Säbelrasslern. erhebt es den s ch ä r f st e n P r o t e st gegen solche Völkerverhetzung! Und ferner: gerade weil das deutsche Proletariat die Nation wehrhaft seh'en möchte, bekämpft es den heutigen Militarismus, fordert es an Stelle unseres heutigen Mili- tarismus die Wehrhaftmachung aller Wehrfähigen durch eine Volkswehr nach Art der schweizerischen Miliz, die nur durch ein umfassendes System der militärischen Jugend- erziehung noch verbessert werden soll. Die Sachwalter unserer herrschenden Klassen, die begreiflicherweise von einer solch demokratischen Wehrhaftmachung nichts wissen wollen, schelten und höhnen freilich über ein solches Wehrsystem. Aber nicht, weil sie dessen militärische Leistungsfähigkeit einem äußeren Feinde gegenüber bezweifeln, sondern weil sie— und allerdings nicht ohne Grund � befürchten, daß ein solches Wehrsystem sich nicht ohne weiteres gegen den„ i n n e r e n F e i n d" benutzen lassen würde! Das ist natürlich für das Proletariat nur e i n Grund mehr, gerade für ein solches Wehrsystem einzu- treten. Ein französischer Hauptmann, G a st o n Mach, der ein umfangreiches treffliches Werk über die Volkswehr veröffent- iicht Hat. schließt sein Buch mit folgenden Ausführungen: „Die Großmacht, die als die erste den Mut und den ge- sunden Verstand haben wird, sich in eine„große Schweiz" um- zuwandeln, das heißt, mit Ausnahme einiger kleiner Verbesse- rungen die Grundprinzipien, nach welchen die Bundesarmee or- ganisiert ist, annimmt, würde über ungleich größere Ver- teidigungSmittel verfügen, als jene sind, die ihr die gegen- wärtige Armee liefert. Sie wird, da sie unangreifbar auf ihrem eigenen Ge- biet ist und für niemand eine Gefahr bilden wird, eine bessere Garantie gegen die Kriegsgefahr besitzen, als dies heute der Fall ist. Sie wixd durch die Errichtung einer volkstümlichen Ver- teidigungSorganisation ihre Freiheit auf einer u n- erschütterlichen Grundlage errichten. Sie wird sich ungeheure Finanzquellen schaffen, die ihr gestatten werden, ihre Schuld zu amortisieren; sie wird große öffentliche Arbeiten, die gegenwärtig dar- niederliegen müssen, zur Ausführung bringen, den Unterricht vervollkommnen, Werke der öffentlichen Wohl- fahrt, Versicherungen und Altersrenten, die das moderne Zeitgcwissen erfordert, einrichten.... Aus den vorhergehenden Gründen und infolge der endgül- tigen Errichtung einer Sicherheit für den kommenden Tag, die für alle auf eine größere Zeitdauer berechneten Unternehmen unentbehrlich ist, wird sie in bisher ungeahnten Verhältnissen den Unternehmungsgeist, den Handel und die Industrie, kurz den Wohlstand der Pevölkerung sich entwickeln sehen. Sie wird für die Zukunft moralisch und physisch g e i st i g gesu-nde Generationen vo-r bereiten, indem sie die jungen Leute dem ungesunden Kontagium der Kaserne entzieht und allen Kindern, den starken und den schwachen, den Knaben und Mädchen, eine vollständige Erziehung zu teil werden läßt." So begegnen sich die Freunde der Freiheit und des Kulturfortschritts diesseits und jenseits der Landesgrcnzen! Und zur Festigung dieser internationalen Begründung der wabrhaften Wehrhaftigkeit und damit zugleich des Kultur- fortschritts und der Volksfreiheit beizutragen, ist die große Mission des internationalen Prole- tariats! ver 8o2foUsmiis als Prophet. „Sitzen wir aber erst einmal an den Fieberküsten Ost- afrikas fest, dann werden auch noch ganzandereForde- rungen an uns herantreten: dann wird es vor allen Dingen heißen: nachdem wir einmal soviel Gut und Blut für jene Lande geopfert und aufgewendet haben, ist es ein G e b o t der nationalen Ehre, dieselben zu halten: was immer es kosten. mag, wir müssen dafür eintreten. Dann wird in erster Linie notwendig, eine� bedeutende Verstärkung der Flotte vorzunehmen, es wird ferner notlvendig, eine bedeutende Anzahl von Kolonialtruppen aus deutschen Reichsmitteln zu unterhalten. Es wird dann heißen: wir müssen uns der- artig in unserer Marine rüsten, daß wir im Falle einer europäischen Krisis nicht nur unsere heimatlichen Msten, sondern auch unsereKolonien in fremden Ländern ausreichend schützen und verteidigen können. � So werden Sie mit Ihrer Kolonialpolitik Schritt für Schritt weiter getrieben, ohne daß sie heute nur ent- fernt imstande sind, zu wissen, welche Opfer Ihnen zugemutet werden." Aus einer Rede Bebels vom 26. Januar 1889. 2eN und Kildung. Wer sich heute unter Benutzung der Unterrichtsanstalten der bürgerlichen Gesellschaft eine möglichst umfassende Bildung an- eignen will, muß zu diesem Zwecke zunächst bis zu seinem acht- zehnten Lebensjahre die eigentliche Schulbank drücken. Nur das Reifezeugnis eines humanistischen Gymnasiums läßt dem jungen Studenten die volle uneingeschränkte Wahl deS Studiums, wenn auch neuerdings die Real- und Reformgymnasien und Oberreal. schulen mehr und mehr dem alten Gymnasium von seinen Bor- rechten abnehmen. In jedem Falle beträgt die Kursusdauer des vollständigen Gymnasiums mindestens neun Jahre. Die Auf- nähme in die unterste Klasse erfolgt nicht vor dem vollendeten neunten Lebensjahre. Es müssen also schon viele glückliche Um- stände zusammentreffen, wenn ein Gymnasiast vor oder mit seinem 18. Lebensjahre die Schule verlassen kann.' In den meisten Fällen wird er erst mit neunzehn Jahren die Universität beziehen. Wie lange er hier zubringt, hängt teils von dem erwählten Studium, teils von dem Lerneifer des einzelnen Studenten ab. Weniger als 8— 10 Semester(4— 5 Jahre) kommen fast für keine Disziplin in Betracht. In einzelnen Fakultäten geht es nicht unter 12 Semestern. Dann darf aber nicht die einjährige Dienstzeit oder ein flottes Burschenleben das Studium unterbrechen oder in die Länge ziehen. Außerdem gibt eS bei den meisten Studienfächern Uebergangsjahre aus dem eigentlichen Studium in die Praxis. während welcher Zeit der Akademiker auch noch kein Geld oder doch nur sehr wenig verdient. So kommt es, daß ein akademisch ge- bildeter Mann im Durchschnitt LS Jahre alt geworden ist, ehe er wirtschaftlich auf eigenen Füßen steht. Bis dahin hat er auf Kosten anderer, meistens der eigenen wohlhabenden Eltern, gelebt. Man kann also sagen, daß dem akademisch gebildeten Manne un- gefähr zwei volle Jahrzehnte zur Verfügung stehen, in denen er frei von Sorge und von sonstiger niederdrückender Arbeit sich aus- schließlich seiner geistigen Ausbildung widmen kann. Wie steht es demgegenüber mit dem Volksschüler? Seine Schulzeit währt vom ö. bis zum 14. Lebensjahre, also nur 8 Jahre. Während dieser Zeit wird er mit dürftigem unzulänglichem Wissen abgespeist, und das muß er sich noch häufig genug unter er- schwerenden Verhältnissen aneignen. Er hat nicht ein eigenes Zimmer oder doch behagliche Häuslichkeit, wie die meisten Gym- nasiasten, sondern in dumpfen engen Stuben, bevölkert von den Eltern und den größeren und kleineren Geschwistern und wohl auch von Einlogierern, müssen die meisten Volksschüler ihre häuslichen Arbeiten erledigen. Nicht können sie sich täglich durch kräftige Nahrung für ihre geistige Arbeit stärken, sondern bei ärmlichster Nahrung, in Hunderttausenden von Fällen ohne jede» Frühstück und ohne warmes Mittagessen, müssen sie dem Schulunterricht zu jolgen suchen. Nicht können sie sich bei Spiel und Sport und in erfrischenden Ferienreisen von der Schulanstrengung erholen. sondern häufig genug müssen sie außer der Schulzeit schwere oder ermüdende körperliche Arbeit verrichten. Nicht haben sie in Vater oder Mutter hülfsbereite Miterzieher, sondern beide sind von der Sorge umS tägliche Brot völlig in Anspruch genommen und müssen oft so weite Wege von und zur Arbeit zurücklegen, daß ihnen zur Unterstützung der Schultätiokeit ihrer Kinder weder Zeit noch Stimmung übrig bleiben. So ungleich verteilt der heutige kapitalistische Klassenfiaat Licht und Schatten in bezug auf die öffentliche Erziehung: den Reichen wird mit Scheffeln vom Besten zugemessen, den Armen wird der kärglich und mit unzulänglicher Nahrung gefüllte Löffel noch oft genug aus der Hand geschlagen, oder er fällt ihnen vor Müdigkeit aus der Hand. Um so höhere Anerkennung verdient der in der Arbeiterschaft im allgemeinen und in jedem aufgeklärten Arbeiter vorhandene Drang nach Vermehrung und Vertiefung ihrer mangelhaften Schulbildung. Seitdem die Arbeiterklasse zur Selbständigkeit er- wacht ist, seitdem sie sich bewußt als Klasse fühlt, seitdem weiß sie auch den hohen, befreienden Wert einer wahren Weiterbildung zu schätzen. Worin eine solche Bildung besteht, und durch welches besonder« Studium sie zu erwerben ist, soll in diesem Zusammenhange nicht erörtert werden, sondern nur das Verhältnis, in dem die Zeit, die dem Arbeiter für die eigene Weiterbildung zur Verfügung bleibt, zu ihrer Notwendigkeit steht. Denn in erster Linie braucht ein bildungseifriger Arbeiter freie Zeit für das Studium. Wohl gehört auch noch manches andere dazu, so ein gesättigter Magen, einige Groschen Geld zum Erwerb nützlicher Bücher und ein ruhiges Plätzchen zum Lesen und Schreiben. Aber Zeit braucht man doch zunächst. Wer keine Zeit zum Lesen hat, dem nützen die schönsten Bücher seiner eigenen oder einer öffentlichen Bibliothek nichts. An Zeit aber fehlt es' dem Arbeiter heute gerade am aller- meisten. Der achtstündige Arbeitstag ist fast noch in keinem einzigen Beruf eingeführt, statt dessen müssen sich Hunderttausende von Arbeitern noch bei zehn-, elf- und noch mehrstündiger Arbeits- zeit von früh bis spät abplacken. Der Schluß der Arbeitszeit be- deutet für den heutigen Arbeiter aber noch nicht Ruhe. Meistens muß er dann noch einen weiten Weg von seiner Arbeitsstätte bis in seine Wohnung zurücklegen, und zwar nicht nur in den au»- gedehnten Hauptstädten; auch in vielen kleinen Orten liegen die Fa- briken weit draußen, oder die Arbeiter wohnen in einem Nachbar- ort, so daß zur zehn- und clfstündigen Arbeitszeit noch leicht zwei weitere Stunden für Hin- und Rückweg hinzukommen. Ist der Arbeiter zu Hause angelangt, so mus� er sich vom Fabrikschmutze reinigen und essen, so daß ihm schließlich für Nachtruhe und häus- lichc Pflichten mannigfacher Art insgesamt kaum zehn Stunden bleiben. Wenn der Arbeiter von dieser kurzen Ruhezeit wirklich noch ein Stündchen für das Lesen einer guten Schrift oder da? An- hören eines belehrenden Vortrags zu opfern sich entschließt, so ist er häufig zu müde und abgespannt für eine solche geistige Beschäf- tigung. Er schläft beim Lesen oder Zuhören ein. Am e r st en Mai erhebt die klassenbewußte Arbeiterschaft den lauten Ruf auf Einführung des Achtstundentages? Neben allen übrigen Vorteilen dieser Arbeitszeitverkürzung würde sie auch den Arbeitern die Mög- ttchkeit schaffen, mehr als bisher an ihrer geistigen Weiterbildung zu arbeiten. Wer nach zwölfstündiger Arbeit in einstündigem Marsche abgespannt nach Hause keucht, läßt sich leicht verführen, in einem der zahlreichen lockenden Lokale am Wege einen gefähr- lichen und heimtückischen Stimulus für die erschlafften Lebens- geister zu suchen. Mit der kurzen Zeit, die ihm allenfalls zu Hause noch bleibt, weiß er nichts Rechtes mehr anzufangen. Wer aber nach achtstündiger Arbeitszeit noch einen mehrstündigen Abend vor sich sieht, hütet sich viel eher, diese schöne Zeit bei gleichgültigem Wirtshaustratsch zu vertrödeln, sondern er benutzt sie zur Arbeit an sich selbst und im Interesse seiner Familie. Wenn aber der proletarische Vater durch kürzere Arbeitszeit wieder mehr seiner Familie zurückgegeben wird, so wird er auch wieder mehr zum Erzieher seiner Kinder.werden und auch dadurch zur Hebung der Arbeiterbildung beitragen. In der jüngsten Zeit hat die Bildungsbewegung in der organi« sierten Arbeiterschaft einen gewaltigen Anlauf genommen. Bil- dungskurse werden gegründet, Bibliotheken werden eingerichtet oder vervollkommnet, das Lesebedürfnis wird angeregt, allgemein em- pfindet man die Notwendigkeit, daß auf diesem wichtigen Gebiete mehr als bisher getan werden mutz. Mögen die Arbeiter, wenn sie in diesem Jahre am Tage der Maifeier wiederum die Forderung der Verkürzung der Arbeitszeit erheben, auch dabei der Weiter- bildung gedenken. Nicht auS Faulheit, nicht um mützig in den Kneipen zu sitzen, verlangt die Arbeiterschaft den Achtstundentag, sondern um in der gewonnenen Zeit neben anderen wichtigen Dingen in ernster Arbeit an sich selbst die schmachvolle Versündigung der bürgerlichen Gesellichaft an der geistigen Ausbildung der Ar- beiterjugend nach Möglichkeit wieder auszugleichen, um durch«ine gesunde Arbeiterbildung der Kultur einen weiteren Weg deS Fort- schritts frei zu machen. Die moderne Sklaverei. Aber tnoB ist diese körperliche Freiheit(im Gegen- faß zu der körperlichen Unfreiheit des Sklaven) wert ohne die soziale? Der Bettler hat ein Einkommen, das kaum zum Löben genügt, trotzdem genießt er größere Freiheit als der Arbeiter, der, um leben zu können, an die A r b e i t g e- f e s s e l t ist. Doch seine Triebe bleiben unbefriedigt. Er will ins Theater gehen, aber er hat kaum genug, um sich zu nähren.... Mit dem stolzen Titel, ein freier Mensch zu sein, hat er nur den Dunst statt der Wirklich- keit der sozialen Freiheit: er ist nur ein passives Mitglied der Gesellschaft. Streng genommen hat der Arbeiter nur einen Tag in der Woche, den S o n n- t a g, wo er körperlich frei ist, alle anderen Tage ist er g e- Kunden.... Die große Menge ist nur auf die k ö r p e r- l i ch e Arbeit beschränkt, ihre Beschäftigung ist i n d i- rekte Sklaverei, eine Qual, von der sie sich zu befreien wünscht. Charles Fourier. SemririchaMarnpf und Di- Mal. Selten haben sich um die Maifeier und die Maifeier- idee soviel Kämpfe gruppiert wie in' diesem Jahre. Um die Maifeier direkt und um die durch die Maifeier propagierte Idee einer Verkürzung der Arbeitszeit, des Achtstundentages. Seit 1889 der internationale Kongreß in Paris die Mai- feier beschloß, hat der Gedanke an eine Verkürzung der Arbeitszeit tn der Arbeiterschaft unverkennbar an Boden ge- Wonnen. Der immer wiederkehrende Hinweis auf die Not- wendigkeit einer solchen Verkürzung hat seine Wirkung getan. In den sicbenziger Jahren und im Anfang der achtziger Jahre war es schwer, die Arbeiterschaft für eine so ideelle Forde- rung zu begeistern» während die Massen schnell ins Feuer fingen, wenn es galt, um eine Lohnerhöhung zu kämpfen. Ganz anders heut. Bei allen Bewegungen sieht man in Arbeiterkreisen die Forderung nach einer verkürzten Arbeits- zeit als die Hauptforderung an und versteht sich nur ungern dazu, gerade diese fallen zu lassen, wenn der Verlauf des Kampfes dazu zwingt, Konzessionen zu machen. Das Unternehmertum seinerseits hat die Wichtigkeit dieser Forderung womöglich noch besser erkannt, als die Arbeiter- schast, daher seine heftige prinzipielle Stellungnahme gegen eine verkürzte Arbeitszeit, eine Stellungnahme, die sich selbst vom Unternehmerstandpunkt aus wirtschaftlich durchaus nicht immer rechtfertigen läßt. So haben sich denn um die Verkürzung der Arbeitszeit äußerst heftige Kämpfe entwickelt und die gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft kann nnt Stolz konstatieren, daß— wie die Maifeier an Ausbreitung gewann— auch die Verkürzung der Arbeitszeit trotz des heftigsten Widerstandes von Unternehmerseite Fortschritte gemacht hat. Wo die Arbeiter- schast sich heute eines unter 10 Stunden verkürzten Arbeits- tages erfteut, hat sie diese Errungenschaft nach dem Pariser Kongreß von 1889 durchgesetzt. In Zeiten der Krise und Arbeitslosigkeit vom„humanen" und von Christenliebe triefendem Unternehmerttun abgewiesen, gelang es den Arbeitern zumeist, ihre Forderung in der wiederkehrenden Zeit des Aufschwungs und der Hochkonjunktur durchzusetzen— und das einmal Erreichte verteidigt ein so stark organi- fiertes Proletariat wie das deutsche mit Händen und Zähnen. Am Ende des Jahres 1996 machten sich die ersten An- zeichen der Krise bemerkbar, die dann immer drohender und deutlicher wurden. Eine Krise pflegt meist immer den Erfolg zu haben, daß sich die politische Opposition verstärkt, daß da- gegen die wirtschaftliche Stoßkraft des Proletariats schwächer wird. Die neu sanierte deutsche Regierung unter der Be- ratung ihres Börscnbcraters Dernburg begriff diese Situatton. Unter einem Vorwand löste sie den Reichstag auf, wobei sie kläglich verschwieg, daß der Aufstand in Südwest- afrika bereits niedergeworfen sei. Sie brauchte die Hotten- tottenwahlen, sie brauchte eine Wahl auf jeden Fall, eine Wahl, die nicht schon in die Zeit der Krise fiel, sondern noch unter dem Eindruck der zu Ende gehenden Hochkonjunktur stand. Zwar wurde die Sozialdemokratie bei dieser Wahl nicht, wie behauptet,„niedergeritten", aber die Regierung er- zielte den gewünschten großen Mandatscrfolg. Noch unter den Zeiten der Hochkonjunktur hatten auch eine Anzahl Gewerkschaften Bewegungen vorbereitet, die einer Verkürzung der Arbeitszeit dienen sollten. Wie der ent- zückte Spießer zur Wahlurne noch unter dem wohligen Ein- druck der verflossenen Hochkonjunktur schritt, gingen die kühl- rechnenden Industriellen an die Abwehr der Arbeiterforde- rungen, indem sie die kommende Krise als Faktor in ihren Schlachtplan setzten. Gewiß, den„Küchenmeistern" in der Berliner Holzindustrie liegen derartige weitergehende Ueber- legungen so fern wie den„Balkenmeistcrn" im Baugeiverbe. Aber die Organisationen der Unternehmer haben an ihre Spitze Leute gestellt, die in der Beobachtung der Marktlage geschult sind. Die Arbeitgebcrverbände stehen in Fühlung unter einander und mit der für wirtschaftliche Wendungen barometerarttg empfindlichen Großindustrie und den diese ver- sorgenden Bankinstituten. Nur durch die Ermutigung von dieser Seite konnte sich die frivol vom Zaune gebrochene Aussperrung der Berliner Tischler über ein Vierteljahr hin« ziehen, nur deswegen der Widerstand der Bauunternehmer in Berlin so stark sein. Und am kecksten und frechsten waren die Vertreter des Großunternehmertums selber, die Be- Herrscher des Hamburger Hafens, die mitten im Frieden Vorwand auf Vorwand heranzerrten, die Schauerleute nieder- zuzwingen. Aber in Angriff und in Abwehr, immer spielt in diesen Kämpfen der Maigedanke seine Rolle. In Hamburg dirett. Als den Schauerlcuten Forderung auf Forderung vorgelegt worden war, als die Arbeiter in allen Punkten Entgegen- kommen gezeigt hatten, verlangte das Unternehmertum noch, daß sie sich bereit erklären sollten, am 1. Mai die Arbeitsruhe zu unterlassen. Aber auch, wo sich's nicht um die Maifeier direkt handelt, wo auch nur die am 1. Mai propagierte Idee der Arbeitszeitverkürzung in Frage kommt, kommt es allemal zu schweren Machtkämpfen. Und immer ist es das Unter- nehmertum. das es aus Anlaß dieser Forderung zur Machtprobe treibt. Noch im Zeichen der Hochkonjunktur forderten im ver- gangencn Jahre die Buchdrucker eine Verkürzung der Arbeits- zeit. Die sich gern als sozial verständnisvoll spreizenden Druckbarone verweigerten sie ihnen. Denn daß sie eine halbe Stunde früher Feierabend am Sonnabend zugestanden, kann man wohl als Arbeitszeitverkürzung nicht ansprechen. Die Berliner Tischler wünschten die Herabsetzung ihrer Arbeitszeit von 52 auf 50 Stunden pro Woche. Die Unter- nehmer schlugen die Bewilligung dieser bescheidenen Forderung prinzipiell aus. Und als die Tischler erklärten, ohne diese und andere Forderungen keinen Vertrag eingehen zu können, stellten die Holzindustriellen die Alternative: Verstag ohne Verbesserungen oder Aussperrung. Und es kam zur Aus- sperrung, bei der Tausende monatelang aufs Pflaster gelvorsen wurden. Noch ist das Schicksal der großen Bauarbeiterbewcgung nicht entschieden. Aber kein Zweifel, wenn die Arbeiter an ihrer Forderung festhalten, werden beinahe 89999 Menschen in den Kampf gedrängt werden, in einen Kampf, dem man die Dauer der Holza'rbeiter-Aussperrung voraussagen darf. weil sie den Achtstundentag fordesten. Man steht, welche Wichtigkeit das Unternehmertum dieser Forderung beilegt, und man kann daran ermessen, welche Bedeuttmg dieselbe für die Arbeiterschaft hat. Diese hat alle Ursache, an der Maiforderung festzuhalten I Anders steht die Frage, ob der gegenwärttge Moment der rechte ist, eine Verkürzung der Arbeitszeit durchzusetzen. Die Arbeiter sind gar zu leicht geneigt, gerade in Seiten der Krise, wo die Wirkungen der überlangen Arbeitszeit am verheerendsten und am fühlbarsten für sie sind, die Forderung einer Arbeitszeitverkürzung aufzustellen. Aber für den Kampf um die Verkürzung der Arbeitszeit gelten dieselben Vorbedingungen, wie für den Kampf um jedwede andere gewerkschaftliche Forderung. Nur in Zeiten der Hochkonjunkttir ist der Boden gegeben, auf dein man gewerkschaftliche Forderungen durchzusetzen vermag. Das Unternehmertum ist aller sentimentalen Regungen bar. Der Hinweis auf die Schäden der langen Arbeitszeit, der unanfechtbarste stattstische Nachweis über die grauenhafte Ausdehnung der Arbeitslosig- kctt vermag sie so wenig einer Verkürzung der Arbeitszeit geneigt zu machen, wie die Tatsache, daß diese Verkürzung eine unverkennbare Hebung der Kultur, eine Besserung des Familienlebens und eine Kräfttgung der Volksgesundheit zur Folge haben muß. Wo der Profit in Frage kommt, steigert sich die Empfindungslosigkeit bis zur Roheit. Höhnt doch dst „Arbeitgeber-Zeitung" die durch solche Argumente zu über- zeugenden Ideologen: .Es ist noch gar nicht so lange her, da beschluchzten unsere akademisch patentierten und nichwatentierten Salonsozialisten das harte Los der Maurer, die während der Winterzeit zu unfrei- williger Mutze gezwungen und darum auf den Verdienst des Sommers angewiesen seien." Ein echter Kapitalist„beschluchzt" das Schicksal der Arbeiterschaft nicht. Nie wird er freiwillig den Finger dazu rühren, dies Schicksal zu mildern. Nur durch Kampf kann die Arbeiterschaft eine Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeits- bedingungen, kann sie auch den Achtstundentag erreichen. Diesen Kampf aber darf sie nur aufnehmen, wenn alle Um- stände günstig sind: frei muß sie ihre Position im Kampfe, muß sie Zeit und Stunde selbst wählen; nicht darf sie zur ungünstigen Stunde sich in einen Kampf hineinhetzen lassen. Der alte Liebknecht sagte einmal: Wenn es er- forderlich sei, ändere er seine Taktik in 24 Stunden 24 mal. Nirgends wohl inacht sich eine Aenderung der Taktik so oft und so schnell notwendig, wie im gewerkschaftlichen Kampfe, nirgends kann das Beharren bei einer Taktik unter ver- änderten wirtschaftlichen Verhältnissen so schweren Schaden anrichte», wie hier. Die Aufgabe der Taktik bedeutet ja nicht die Aufgabe des Ziels. Und das ist klar: an der Mai- forderung, am Achtstundentag wird die moderne Gewerkschafts- bcwegung unverbrüchlich festhalten! 6ewerltrcbaften und Klaffenhanipf. Die Großindustrie bringt eine Menge einander unbekannter Leute an einem Ort zusammen. Die Konkurrenz spaltet sie in ihre Interessen, aber die Aufrechtcrhaltung des Lohnes, dies gemein- s a m e Interesse gegenüber ihrem Meister vereinigt sie in einem gemeinsamen Gedanken des Widerstandes— Koalition. So hat die Koalition stets einen doppelten Zweck, den, die Kon- kurrenz der Arbeiter unter sich aufzuheben. um dem Kapitalisten eine allgemeine Kon- kurrenz machen zu können. Wenn der erste Zweck des Widerstandes nur die Aufrechterhaltung der Löhne war, so for- mieren sich die anfangs isolierten Koalitionen in dem Matze, als die Kapitalisten ihrerseits sich behufs der Repression vereinigen, zu Gruppen, und gegenüber dem stets vereinigten Kapital wird die Aufrechterhaltung der Assoziationen notwendiger für sie als die des Lohnes..... Die ökonomischen Verhältnisse haben zuerst die Masse der Be- völkerung in Arbeiter verwandelt, die Herrschaft des Kapitals hat für diese Masse eine gemeinsame Situation, gemeinsame Interessen geschaffen. So ist diese Masse bereits eine Klasse gegenüber dem Kapital, aber noch nicht für sich selbst. In dem Kampf, den wir nur in einigen Phasen gekennzeichnet haben, findet sich diese Masse zusammen, konstituiert sie sich als Klasse für sich selbst. Die Interessen, welche sie verteidigt, werden Klasseninteress.en. Aber der Kampf von Klasse gegen Klasse ist ein politischer Kampf. Karl Marx im Jahre 1847. Iflaitag im Aahljchr. Das wird wohl die herrlichste Maifeier sein, die das Proletariat in Oesterreich jemals erlebt hat! Denn die Mai- feier ist diesmal eine wahre Siegesfeier: die Siesiesfeier des Gedankens, der dem Maisest in Oesterreich als Triebkraft von Anbeginn innegcwohnt, der es begleitet hat in trüben und in guten Zeiten und der nun so glänzend erfüllt ist! Aus- gerungen ist der lange, der schwere, der opferreiche Kampf, und was an jedem Maitag als die politische Grundforderung des österreichischen Proletariats verkündet ward, ist � nun Wahrheit, ist unverlierbare Wirklichkeit. Das wird an diesem Maitag das Empfinden jedes Arbeiters sein, und der volle Akkord ihrer Genugtuung, ihrer stolzen Freude wird die reichste Siegesfeier sein, die einer kämpfenden Arbeiterklasse je beschieden war. Die Maifeier ist in Oesterreich mit dem Wahlrechtskampf untrennbar verknüpft, und so stark wurde sie von dieser politischen Forderung beherrscht, daß bisweilen ihr eisient- liches Gebot, die Verkündigung der� kommenden �eit, hinter den augenblicklichen Kampf weit zurücktrat. Daß die Maifeier in Oesterreich eine so gewaltige Bedeutung erlangte, daß sie sofort in den Mittelpunkt des proletarischen Lebens trat, das ist nickst zum wenigsten der politischen Rechtlosigkeit des Proletariats entsprungen. Als das internationale Pro» letariat den ersten Mai zu feiern begann, da war das öfter- reichische Proletariat von der politischen Macht noch ausge- schlössen, es hatte kein Wahlrecht, kaum das bescheidenste Vereins, und Versammlungsrecht, und die staatsbürgerlich garantierte Preßfreiheit genoß es nur in Form von Kon- fiskationen. Die Arbeiterbewegung war noch eine„Ressort- angclcgenheit" der Polizei, welche darüber zu wachen hatte, daß die Arbeiterschaft in die sorgfältig eingehegte bürgerliche Welt nicht eindringe, und dafür sorgen mußte, daß die heilige Ruhe und Ordnung des Spießbürgers nicht gestört werde. Aber diese offizielle Mißachtung, die Ausschließung von der parlamentarischen Macht hob die Tatsache nicht auf, daß die Arbeiter, nachdem sie die Verfolgungen und Wunden des Ausnahmezustandes überstanden, eine organisierte, ziel- bewußte Klasse geworden waren, an Zahl nicht gering, an politischer Schulung den Privilegierten überlegen. Deshalb enrpfanden sie die politische Rechtlosigkeit als eine peinigende Schmach, und in diese Sturm- und Drangzeit fiel der Mai- feierbeschluß wie ein Funke, der das, was noch unbestinmtt nach Entschluß rang, zur Entschlossenheit entbrennen ließ. Ter Kampf«m das allgemeine Wahlrecht begann in Oester- reich mit der ersten Maifeier. Die Notwendigkeit des Wahl- rechtskampfes hat die Maifeier in Oesterreich so groß gc- macht und ihr zu allen Zeiten das Gepräge aufgedrückt, und aus ihr wieder enipfing das Proletariat immer neue Kräfte. Mit einem Schlage, mit der ersten Maifeier, wurde das Proletariat in Oesterreich ein Faktor von unmittelbar wirken- dem politischem Gewicht, einem Gewicht, dem sich die öfter- reichische Politik nie mehr entzogen hat. Die Maifeier hat für die Gegner aus den Arbeitern, mit denen sich bis dahin nur die Polizei zu„beschäftigen" hatte, die sozialdemokratische Partei gemacht, mit denen Regierung und Parlament rechnen mußten. So wurde die Maifeier zur Triebkraft der staat- lichen Entwickelung selbst, und ihre Spuren sind den letzten l8 Jahren österreichischer Politik unverwischbar eingegraben. Wir haben in Oesterreich ruhige, und wir haben stürmische Maitage erlebt, niemals aber gleichsiültige. Immer ging von dem Tage des Festes der Arbeit eme be- fruchtende Kraft aus, von deren Gewalt das Schwanken und Zögem perscheucht wurde und welche in die von dem unab- sehbac langen Kampfe ermatteten Herzen neuen Mut, neue Energie senkte. Die Arbeiter in Oesterreich verdanken der Maifeier unendlich viel: sie hat sie g e w e ck t, beflügelt« zur Ausdauer erzogen, sie hat sie zum Siege geführt. Und nun ist Wahljahr, und zwei Wochen nach bem 1. Mai wird die erste große Wahlschlacht geschlagen. Das ist nicht die Zeit, um zu rasten und zum Augenblick zu sagen: „Verweile doch, du bist so schön!"— das ist die Zeit der fiebernden Unruhe, der Anspannung aller Nerven. Was der Wahltag bringen wird, das wissen wir nicht: an dem un- durchdringlichen Geheimnis einer Wahl unter so völlig ver- änderten Verhältnissen scheitern alle Rechenkünste. Aber wie immer das Ringen um die Mandate ausfallen möge, in dem Ringen der Geister, in dem Ringen um die Kräfte wird die klassenbewußte internationale Sozialdemokratie nicht ver- sagen. Die ersten Wahlen des allgemeinen Wahlrechts werden erweisen, daß in Oesterreich ein geschlossenes und entschlossenes Arbeiterheer lebt, welches trotz der Schwierigkeiten dieses nationalitätenreichen Staates einig ist im Wirken und ver- bunden durch die Tat. Die fruchtbare, die schafsende Wirkung der Maifeier wird auch in den Maiwahlen sichtbar werden. _ F. A. Die Maifeier in Ungarn. Auch als Ausdruck der Solidarität und der Verbrüderung de? Proletariats aller Länder war die Maifeier vom Pariser Jnter» nationalen Kongreß 188g geplant, und diesen Charakter trägt sie wohl nirgends so deutlich an der Stirn wie in Ungarn. Das ist ia auch ganz natürlich. Ein Freundschaftsbund hat für den Schwächeren immer mehr Wert und größere Bedeutung als für den Stärkeren. Dem Proletariate Ungarns, einem der jüngsten und schwächsten unter seinen europäischen Brüdern, mußte das beruhigende Bewutztsein, nicht ganz allein dazustehen und jenseits der geographischen Grenzen seiner Leiden stärkere Genossen zu haben, die seinen heroischen Kampf mit Sympathie und Teil- nahine begleiten, ein Gefühl der besonderen Genugtuung und der Sicherheit gewähren. «Aber noch ein anderer Umstand erklärt eS, warum die Idee der internationalen Zusammengehörigkeit für das ungarische Proletariat besonders bedeutungsvoll geworden ist. Auch die herrschenden Klassen Ungarns— das, was man„die ungarische Nation" zu nennen liebt— sind verhältnismäßig schwach und haben lange unter den Unterdrückungen von feiten Oesterreichs und der habsburgischen Dynastie zu leiden gehabt. Auch die herrschende ungarische Nation war und ist zum Teil auch heute noch in ihrem Freiheitskampfe auf das Wohlwollen ihrer europäischen Kollegen angewiesen. Deshalb ist die herrschende Klasse Ungarns für nichts so empfindlich wie für den Ruf, den Ungarn im AuS- lande genießt! Die ausländische Meinung, das ist ihre Achilles- ferse, da ist sie am leichtesten verwundbar. Und deshalb ist es für den Kampf des ungarischen Proletariats gegen seine Ausbeuter von so grotzer Wichtigkeit, wenn es sich dabei— was eben am eklatantesten und wirkungsvollsten in der Maidemonstration zum Ausdruck gelangt— auf die Interessengemeinschaft und die brüderliche Solidarität mit den großen Völlern Europas berufen darf. Der erste Mai bedeutet für die Arbeiterklasse Ungarns mehr als für das Proletariat anderer Länder. Ein wunderbares Gefühl mußte die Delegierten der ungarischen Arbeiter erfassen, als sie auf dem ersten Pariser Internationalen Kongreß mit eigenen Augen sahen, welche Früchte das Streben und die Kämpfe der enterbten Brüder fremder Länder gezeitigt, und sie kamen heim mit dem festen Entschluß in ihrem Herzen, alles Menschenmögliche daran zu setzen, um recht bald auch das ungarische Proletariat als ein würdiges Glied in die große Familie der europäischen revolutionären Arbeiterklasse einreihen zu können. Der erste Schritt dazu mußte das Gelingen der Feier des ersten Mai 1890 sein: hier am ersten Weltfeiertage der Arbeit mußte auch da3 ungarische Proletariat seinen Mann stellen! Alsbald begann eine fieberhafte Tätigkeit und eine unermüd- liche Agitation, geleitet von der winzigen„Arbeiterpartei". Und der Erfolg blieb nicht aus, er war über alle Matzen gewaltig. Trotzdem die gesamte bürgerliche Presse das Schreckgespenst der Revolution heraufbeschwor, um die frommen Bürger gruselig zu machen und die Arbeiter einzuschüchtern, und trotzdem die Unter- nehmer ihre Arbeiter einzeln zu terrorisieren suchten und die Behörden einen förmlichen Belagerungszustand in- szcnierten, strömten zu der Demonstration Int 1. Mai 1890 in dem damals verhältnismäßig kleinen Pest nach Schätzung der b ü r g e r- lichen Blätter 80 000 Arbeiter mit ihren Bannern und Abzeichen zusammen!— Die herrschenden Klassen waren perplex. Plötzlich war da eine Macht vorhanden, von deren Existenz man vorher keine Ahnung gehabt und welche auch dem Gegner Achtung abzwang. Wie aus dem Erdboden hervorgestampft erstand eine große, ge» waltige Armee, gleich in ihren Interessen, wenn auch noch nicht in ihren Wegen und Zielen, eine Armee, welche täglich zahlreicher, täglich einheitlicher, täglich mächtiger werden mutzte. Unter der Gewalt des Augenblicks entrangen sich denn auch der tags zuvor noch spöttelnden bürgerlichen Presse Worte der Anerkennung und der Bewunderung. Mit einem Male hatte ein neuer Faktor die öffentliche politische Bühne betreten, ein Faktor, mit dem von nun. an alle anderen zu rechnen hatten. Das hat die erste Maifeier in Ungarn geleistet. Sie hat aber noch mehr geleistet. Nicht nur die herrschenden Klassen, sondern auch die Arbeiterschaft Ungarns war sich vorher ihrer selbst nicht bewußt. Erst bei jener denkwürdigen ersten Maikundgebung offenbarte sich dem Proletariate Ungarns sein eigenes Dasein; der abgehetzte Sklave des Kapitals, der bis dahin in dumpfer Resignation oder zähneknirschender Verzweiflung sein Joch schleppte, gewahrte plötzlich ein überwältigendes Heer nach Befreiung lechzender Leidensgenossen; er erkannte, daß er ein Glied einer kämpfenden Klasse war; er sah, daß er noch eine Zukunft zu erhoffen hatte! Das war daS Gefühl, welches jene gewaltige Maidemonstration in den Herzen der ungarischen Arbeiter auslöste, und die nächste Zukunft sollte zeigen, daß es stark genug war, sich auch in die T a t umzusetzen. Vor dem Mai 1890 war in Ungarn von Gewerkschaften oder Fachvereinen noch kaum eine Spur vorhanden. Der sozialistische Gedanke fristete bloß in den wenigen BildungSvereincn ein kümmerliches Dasein. Die einzige Organisation der Ar- beiterschaft bestand in der Institution der Vertrauensmänner der Werkstätten und Fabriken. Aber es wäre weit gefehlt, anzunehmen, daß diese Vertrauensmänner in der Regel Sozialisten waren; ihre einzige Bedeutung bestand vielmehr darin, daß sie die Funk- tionäre der Krankenkassen waren. Allerdings hatten diese Vertrauensmänner zum großen Teil jenen gewaltigen Aufmarsch am t» Mai 1890 organisiert, aber nicht wenige Arbeiterbataillone marschierten damals hinter nationalen Fahnen einher!! Unter dem unerwarteten Eindruck des 1. Mai aber nahm all dies ein jäheS Ende. Eine Reihe von größeren und kleineren Streiks, die — eingeleitet vom Budapester Bäckerstreik— unmittelbar nach im 1. Mai ausbrachen, rüttelten fast die gesamte Arbeiterschaft &uf und erweckten sie zum KlassenvewusitselN. Ein Beruf nach dem anderen gründete seine Fachorganisationen, und ehe man sich's versah, umspannte das gewerbliche Leben Budapests, bald auch (janz Ungarns, ein unzerreißbares Netz von modernen Kampfes- gewcrkschaften. Die er sie internationale Maidemon- stration gab den Anstoß zur Organisation des Proletariats Ungarns zur Klasse. Seitdem hat, mit der Industrialisierung des Landes, die Auf- klärung und die Organisation des ungarischen Proletariats un- geahnte Fortschritte gemacht, und gleichzeitig ist auch die Maifeier immer wirkungsvoller, immer gewaltiger, immer großartiger ge- worden. Die Maifeier wurde in Ungarn seit jeher in der Form der Arbeitsruhe begangen, und heute kann man sagen, daß die Arbcitsruhe am 1. Mai eine fast vollständige ist. Selbst in st a a t l i ch e n Betrieben, Eisenbahnwerkstätten und dergleichen wird die Arbeit eingestellt? Ja, es ist nicht allein die industrielle Arbeiterschaft Ungarns, die am 1. Mai feiert— auch das länd- I i ch c Proletariat löst seine Fesseln, und jubelnd und singend ziehen die Feldarbciter und das landwirtschaftliche Gesinde hin- aus, unl den großen Weltfeiertag der Arbeit zu begehen. Wenn auch das organisierte Scharfmachertum Ungarns erst am B e- ginne seiner EntWickelung steht, so ist diese universelle Geltung der Maifeier natürlich doch nicht ohne mancherlei Kämpfe erreicht worden. Aber auch das hatte sein Gutes; denn jetzt wird bei allen größeren Lohnkämpfen das Recht auf die Maifeier unter die Be- dingungcn der Arbeiter eingereiht. Die Maifeier, die— als Demonstration— ja eigentlich bloß als Kundgebung für den Achtstundentag gemeint war, ist in Ungarn, lvie überall, über ihren ursprünglichen Charakter weit hin- ausgewachsen: sie ist zur Verkörperung allen Verlangens und der ganzen Sehnsucht, zum Symbol der vollständigen Befreiung der Arbeiterklasse geworden. Im einzelnen Falle haben ihm die speziellen Bedürfnisse des Augenblicks den Stempel aufgedrückt. So stand z. B. Jahre hindurch und steht auch diesmal die Mai- feier in Ungarn im Zeichen des Kampfes ums allgemeine Wahl- recht. Dabei ist ihr aber ihre höhere, umfassendere Bedeutung doch niemals verloren gegangen. Die Maifeier war und bleibt auch für Ungarn eine erhebende Heerschau der um ihre Freiheit ringenden Arbeiterklasse zur Ermunterung der eigenen Scharen und zur Warnung der herrschenden Klassen, ein großartiges Ver- brüdcrungsfest des kämpfenden Proletariats aller Zonen und aller Zungen. I. S. l)!e Cliimoral der Rcrrfcbenden. Seit lange geht die EntWickelung der Völker, der Atemzug der Geschichle auf eine immer steigende Abschaffung der Privilegien, welche den höheren Ständen diese ihre Stellung als höhere und herrschende garantieren. Der Wunsch nach Forterhaltung der- selben oder das persönliche Interesse bringt daher jedes Mit- glied der höheren Stände, das sich nicht ein für allemal durch einen großen Blick über sein persönliches Dasein erhoben und hinweggesetzt hat, von vornherein in eine prinzipiell feind- l i ch e Stellung zu der EntWickelung des Volkes, zu dem Umsich- greifen der Bildung und Wissenschast, zu den Fortschritten der Kultur, zu allen Atemzügen und Siegen des geschichtlichen Lebens. Dieser Gegensatz des persönlichen Interesses der höheren Stände und der Kulwrentwickelung der Nation ist es, welcher die hohe und notwendige Unsittlichkcit der höheren Stände hervorruft. Es ist ein Leben, dessen tägliche Bedingungen Sie sich nur zu vergegenwärtigen brauchen, um den tiefen inneren Verfall zu fühlen, zu dem es führen mutz, sich täglich widersetzen müssen allem Großen und Guten, sich betrüben müssen über sein Gelingen, über sein Mißlingen sich freuen, seine weiteren Fort- schritte aufhalten, seine bereits geschehenen rückgängig machen oder verwünschen zu müssen. ES ist ein fortgesetztes Leben wie in Feindesland— und dieser Feind ist die sittliche Gemeinschaft des eigenen Volkes, in der man lebt und f ü r welche zu streben alle wahre Sittlichkeit ausmacht. Dieses Leben führt also notwendig zu einer gänzlichen Gering- schätz ung und Verachtung alles idealen StrebenS, zu einem mitleidigen Lächeln, so oft der große Name der Idee nur ausgesprochen wird, zu einer tiefen Ilnempfänglichkeit und Wider- Willigkeit gegen alles Schöne und Große, zu einem vollständigen Untergang aller sittlichen Elemente in uns. in die eine Leidenschaft des selbstsüchtigen Vorteils und der Genußsucht. Ferdinand Lassalle. ver Maitag in Frankreich. ES ist eine ins Auge fallende und zum Nachdenken in mancher Hinficht anregende Tatfache, daß der t. Mai in Frankreich bisher nicht die Bedeutung erlangt hat. die er stir das sozialistische Prole- tariat so vieler Länder besitzt: als ein Tag des nach sichtbarer Dar- stellung strebenden Klassenbewußtseins und einer im Praktischen nachwirkenden Begeisterung. Als ans dem ersten Kongreß der neuen Internationale in Paris die Erhebung des 1. Mai zu einem internationalen festlichen DemonstrationStag für den Achtstundentag be- schloffen tvurde, hätte man annehmen können, dieser Entschluß würde in? französischen Proletariat besonders feste Wurzel fassen, da der Gedanke einer so sinnenfälligen Demonstration dem Charakter und dem Tempera- ment deS von unverwüstlichem Lebensgefühl beherrschten, voll in der bunten Wirklichkeit lebenden und doch wieder zu Taten deS kühnsten Enthusiasmus entzündbaren Volkes gerade zu entsprechen schien. Indes hat die Entwickelung der MaitagSidce in Frankreich wieder einmal gezeigt, daß in der modernen Geschichte die Wirtschaft- l i ch e n Bedingungen neben den urwüchsigen der Rasse und Volks- anlage immer stärker werde». Wenn man auch nicht übersehen darf, daß im republikanischen Frankreich die besonderen Motive fehlen, die in den Staaten mit dem stärksten politischen Druck. vor allem in Rußland, dann auch in Oesterreich, dem Maifest einen allgemeineren Inhalt und der Maibewcgung eine entsprechend größere Triebkraft gegeben haben, so wäre das unbestreitbare Versanden des Stromes ohne den Einblick in die wirtschaftlichen Umstände doch nicht verständlich. Gewiß hat auch in Frankreich der junge Enthusiasmus eine Zeitlang über den Wall von Hindernissen hinweggetragen. 1830 und 1891 war die Beteiligung an der Maifeier sehr stark, die Arbeitsruhe recht ausgedehnt. Die Regierung der Bourgeoisrepublik schwankte von Vorsichtsmaßregeln zitternder Angst zu tückischen Herausforderungen der Arbeiterklasse. 1891 ließ Constans jene berüchtigte Schießerei von Fourmies anrichten, deren blutiges Andenken noch heute in der französischen Arbeiterschaft fortlebt. Aber in den folgenden Jahren verlor der Maitag sowohl in der Politik der Nation wie in der sozialistischen Agitation selbst an Bedeutung. Zwar gewährte hier und da eine sozialistische Gemeindevertretung den kommunalen Arbeitern an diesem Tage Arbeitsruhe und vereinigte auch ihre Mitglieder bei einem Festtrunk, aber im ganzen unterschied ffch der 1. Mai wenig vom Durchschnitt trüber Fron- und Nottage. Lkiantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für dejs Daran waren die brudermörderischen Kämpfe, die den stanzösischen Sozialismus immer wieder zerfleischten, sicher nicht schuldlos, aber am meisten lschuld war die tatsächliche Unmöglichkeit, der Maifeier jenen Charakter zu geben, der sie in dieser, so sehr auf das Praktische gerichteten Nation allein lebendig halten konnte: die fichtbare Er- scheinung in der Arbeitsrnhe. Um diese zu sichern, dazu reicht die mit den Zeitumständen auf- und niederschwankende politische Leidenschaft und auch eine starke, wohlgefügte politische Organisation nicht hin. Die Arbeitsruhe muß in den W e r k st ä t t e n den einzelnen Unter- nehmern abgerungen werden, sie bedarf des Sturmbocks und der Schutzwehr, die nur eine ausgebaute, kampfbereite und«iderstands- fähige gewerkschaftliche Organisation bietet. Daran aber fehlte eS in Frankreich. So weit Gewerkschaften von einiger Bedeutung existierten, standen Kraft und sozialistischer Wille in ihnen in keinem Verhältnis zu einander, entsprach einem gutgepflegten Kassensystem ein allzu vorsichtiger, der revolutionären Energie barer„Positivismus"— so besonders bei den Buch- drnckern—, oder es sah die temperamentvollste Propaganda ihre Anläufe immer wieder infolge des Mangels einer geschulten, disziplinierten Massenaktion ergebnislos enden. Es ist ein unbestreit- bares geschichtliches Verdienst der in den Jahren des Parteistreites gegründeten Arbeitskonföderation, das französische Proletariat wieder mit dem Glauben an eine einheitliche revolutionäre Massenaktion erfüllt zu haben— ein Verdienst, das um so klarer hervortreten wird, je weiter die geistige Klärung fortschreitet, durch welche die an- archistische Wirrköpfigkeit krast der proletarischen Selbstbesinnung ausgeschieden wird. Der stanzösische Syndikalismus selbst hat schon seinen Entschluß, sich von den Anarchisten nicht ausnutzen zu lassen, deutlich kundgegeben, und man darf der Entwickelung vertrauen, welche die Einseitigkeiten des.AntiParlamentarismus" in einem organischen Wachstumsprozeß überwinden wird. Die Arbeitskonföderation also hat, indem sie das Proletariat zu einem konzentrierten Vorstoß zur Erringung des Achtstundentages aufrief, eine Maibewegung geschaffen, deren Methode aller- dingS noch sehr merkliche Abweichungen vom idealen Inhalt der Maifeier zeigt, wie sie die internationalen Sozialistenkongresse auf- gefaßt haben. Die sozialistische Maifeier gilt dem Gedanken des gesetzlichen Achtstundentages. Die Mehrheit der Arbeits- konföderation aber beschloß 1901 auf dem Gewerkschaftskongreß in B o u r g e s, den Achtstundentag durch eine außerparlamentarische „direkte Aktion" zu erringen. In diesem Sinne ward denn auch zwei Jahre lang agitiert. Die Taktik, die hierbei befolgt wurde, war dem bekannten Programm der Anarchisten von Chicago entlehnt: Die Arbeiter sollten in allen Werkstätten nach acht Stunden die Arbeit niederlegen. Als Datum für den Beginn dieser Aktion wurde der 2. Mai 1906 bestimmt; der 1. Mai aber sollte durch Arbcitsruhe gefeiert und der alle Mittel ins Auge fassenden Propa- ganda gewidmet werden.„Vom 1. Mai 1906 mi arbeiten wir nur acht Stunden!" so war über dem Tor der Pariser Arbeits börse auf einem breiten Band mit Riesenlettern zn lesen.— Je näher indes der Termin der Aktion kam. desto mehr waren die Leiter der Arbeitskonförderation bereit, deren Rahmen zu er- weitern und deren Inhalt in einer allgemeinen Vor» wärtsbewegung des Proletariats zu sehen, die auf ver- schiedene, den besonderen Umständen angemessene Art nach dem angegebenen Ziel hin unternommen werden sollte ohne Rücksicht auf die unmittelbare Durchsetzbarkcit der Achtstundcnforderung. Tatsächlich löste sich auch der durch eine sehr rege mündliche und schriftliche Propaganda vorbereitete, aber ohne finanzielle Mittel unternommene Kampf in eine Reihe von Einzelgcsechtcn ver- schiedener Berufe auf, die aber zumeist unglücklich endeten. Nur den Buchdruckern gelang es, wenngleich mit großen Opfern, den Neunstundentag zu erobern, auf dessen Erringung sie sich schon vorher, ungeachtet der von den Syndikalisten gegen sie erhobenen Angriffe, beschränkt hatten. Wenn nun dermaßen die Achtstundenbewegung der Kon- föderation selbst resultatlos blieb und nur in dem entfachten Feuer der gewerkschaftlichen Agitation nachwirkte, so erreichte sie doch, daß zum ersten Male der 1. Mai ein wirklicher allgemeiner Ruhe- tag wurde. Sicher hat die tolle, von der reaktionären Presse aus Wahlpolitik geschürte Angst der Bourgeoisie und die lächerliche Nervosität der Regierung, die jene Angst noch steigerte, zu diesem Erfolg beigetragen. In Paris haben am 1. Mai 1906 nicht nur die Arbeiter der gboßen und kleinen Werkstätten, der Bauplätze und der Erdwerke gefeiert, sondern auch die Mehrzahl der Handels- angestellten. Allerdings hatte die Stadt, auf deren Plätzen Militär biwakierte und durch deren Straßen bis tief in die Nacht Reiter- abtcilungen sprengten, nicht das festliche Gepräge, das in anderen Ländern der Feiertag des Proletariats dem Stadtbild verleiht. ES war nicht so sehr die zielbewußte, des Sieges sichere Begeisterung der revolutionären Arbeiterschaft als das schlechte Gewissen der herrschenden Klassen, das sichtbar wurde. Aber immerhin, der Ruhetag war im weitesten Umfange der Bourgeoisie abgezwungen worden. Wird er nun dauernder Besitz des Proletariats bleiben? Die Beantwortung dieser Frage scheint von der Zukunft der gewerkschaftlichen Organisation abzuhängen. Situationen wie die des vorigen Jahres können sich nicht endlos wiederholen. Das Wort, daß man auf den Bajonetten nicht sitzen kann, findet auch auf die proletarische Taktik Anwendung. DaS im vorigen Jahre im lodernden Elan eroberte Terrain kann nur behauptet werden, wenn jeder Fuß breit durch die gewerk- schaftliche Befestigungsarbeit gesichert wird. Dieser Erfolg setzt aber organisatorische Methoden voraus, die über die Enge der bisherigen syndikalistischen Formel hinausstreben. Daß die tat- sächlichen Notwendigkeiten einem solchen Fortschritt die Wege bahnen, sehen wir an dem jetzigen Kampf der Gewerkschaften für die Durchsetzung des gesetzlichen Ruhetages und für die Koalitions- freiheit der Staatsangestellten. Je näher diese Entwickelung die Gewerkschaften und die Partei zueinander führt, desto wahrschein. licker ist es, daß die Auffassung der Maifeier als eines den nahen und den fernen Zielen des Sozialismus gewidmeten, zugleich symbolischen wie propagandistischen Festes auch im französischen Proletariat den Sieg gewinnt.£>. P. Der t. Mai in Kußland. Der große Tag des Proletariats hat in der russischen Freiheitsbewegung eine Rolle gespielt, deren Bedeutung noch der Würdigung des Historikers bedarf. Wenn wir in die Anfänge der Kämpfe der neunziger Jahre zurückblicken, wo das Proletariat Rußlands in die politische Arena tritt, sehen wir, daß es bestrebt ist. den Maitag des internationalen Proletariats auch zu dem seinigen zu machen. Die russischen Arbeiter wollten mit der großen Armee marschieren. Das kostete ihnen aber unzählige Opfer. Sie wußten, daß der Zarismus für den Tag der Arbeit seine ganze Macht aufbot. Und nicht nur an diesem einen I Schon wochenlang vor dem ersten Mai, schon An- fang April, wurde in den Industriegebieten die Polizei und das Militär verstärkt, die Haussuchungen und Lcr- �Inseratenteil verantw.: Th. Glicke�iverlin. Druck u. Verlag: Vorwärtl hastungen kannten keine Grenzen. Das spornte aber die sozialistischen Organisationen um so mehr an, ihre sämtlichen Kräfte zu mobilisieren. Schon lange vor dem Maitag wurden eifrig die zu druckenden Flugblätter beraten und mit der größten Sorgfalt ausgearbeitet. Man kann in den Maiflugblättern ganz genau die ver- schiedenen Phasen der Bewegung verfolgen. Wir ersehen aus ihnen, wie die Bewegung sich immer weitere Ziele steckt, wie der opportunistische Zug Ende der neunziger Jahre, jene ge- wisse Scheu, die großen politischen und sozialen Ziele der Bewegung offen auszusprechen, einer kräftigen g r u n d s ä tz- l i ch e n revolutionären Politik weicht. Es beginnt das Sturmläuten der Revolution. Die Maiflugblätter wurden in Hunderttausenden von Exemplaren ins Volk geworfen; denn jede Organisation hielt es für Ehrensache, wenigstens auf diese Weise an dem Arbeitertage'zu zeigen, daß die drako- nischen Polizeimaßnahmen nicht imstande sind, das Leben und Wirken des neuen werdenden Rußlands zu unterdrücken. Selbstverständlich war es nicht überall möglich, den Tag durch Versammlungen und Manifestationen zu feiern. Die Straßen waren ja um den I.Mai des Auslandes sowohl wie 13 Tage später, also um die Zeit des russischen 1. Mai, gewöhnlich mit Kosakentrupps überfüllt. Es glückte den Arbeitern aber trotzdem nicht selten, der Polizei ein Schnippchen zu schlagen. Besonders Warschau tat sich in dieser Hinsicht hervor. In Rostow am Don, in Riga, Kiew, Wilua und anderen Städten gelang es den or- ganisiertcn Arbeitern, große Versammlungen abzuhalten, die freilich oft mit schweren Opfern bezahlt werden mußten. Mit blutigen Lettern also ist der Arbeitertag in die Blätter der Geschichte der Freiheitsbewegung Rußlands ein- getragen. Die Hoffnungen aber haben nicht getäuscht. Die Saat ist aufgegangen. Aus all' den unzähligen sozialistischen Zirkeln und kleinen Kreisen, die vor wenigen Jahren in dem großen Lande zerstreut waren, ist jetzt ein sozialistisches Arbeiterheer geworden, das in mutigen Kämpfen dem Absolutismus eine Position nach der anderen abringt. Mag auch der Schrecken noch walten, das Ungetüm ist tödlich ver- wundet, es kämpft um seine letzten Stunden. Dieses nationale Werk aber ist die Tat und die Arbeit des Proletariats, das es verstanden hat, auch die übrigen dcmo- kratischen Schichten des Landes zum Kampfe mitzureißen. Das Ziel des Proletariats liegt aber weiter. Unzählige Hindernisse werden ihm noch in den Weg gelegt werden; es wird neue Opfer bringen müssen. Die aber scheut es nicht. Seine Erfolge geben ihm Mut und Ausdauer. Auch die letzten Ruinen des Zarismus werden einstürzen, und dann wird die Arbeiterklasse Rußlands zu neuen Waffentaten schreiten in dem großen Kampf gegen die Unterdrückung des Menschen durch den Menschen in der bürgerlichen Gesellschaft. W. A. An die Gewerkschaften nnd Arbeiter Berlins! Genossen? Arbeit-Sbrüder! Der I.Mai, das Weltfest der Arbeit, ist wieder gekommen. Die klassenbewußte Arbeiterschaft aller Kultur- länder wird zum 18. Male den Wellsaiertag der Arbeit festlich be- gehen. Wiederum beabsichtigen die gewerkschaftlich organisierten ?lrbciter die Feier des Tages durch Arbcitsruhe zu begehen, trotz der Maßnahmen, mit denen ein von Machtdünkel beseeltes Unter- nehmertuin den die Arbeit ruhenlassenden Arbeitern droht. Arbeiter! Parteigenossen! ES gilt Protest zu erheben gegen alle Maßnahmen, welche das KoalitionSrecht der Arbeiter zu zerstören geeignet sind, gegen die dem Nntcrnchmcrtum willfährigen Maßnahmen, Berordimnge« und Eutscheid, rngen landcs- und ortspolizrilichcr Körperschaften! Es gilt aber auch zugleich Protest zu erheben gegeu die den Weltfriede» in ernster Werse bedrohende aben- tcuerlichc Weltpolitik, deren Verwirklichung dem ar- beitenden Volke von nencm eine erhebliche Steigerung der Gut- nnd Blutsteucr auferlegt; gegen eine Welt- machtpolitik, die dahin führen muh. die Völker in blutigem Kampfe gegen einander zu Hetzen. Angesichts einer solchen Politik empfiehlt der Ausschuß der Ber- liner GcwerkschaftSkommission den Gewerkschaften folgende Resolution zur Annahme: „In Uebereinstimnmng mit den Beschlüssen der internationalen Kongresse der Arbeiter aller Länder und mit den Beschlüssen der Parteitage der sozialdemokratischen Partei Deutschlands, bekunden die Versammelten, daß sie mit aller ihnen zu Gebote stehenden Kraft eintreten für die Verwirklichung der Gedanken, die durch die Maifeier zum Ausdruck gebracht werden. Die Versammelten betrachten die klassenbewußten Proletarier aller Länder als Kampfgenossen, mit denen sie gemeinsam für die Völkerverbrüderung, den Völkerfrieden und Förderung des lMtur- fortschrittcS kämpfen. Die Versammelten erklären, einzutreten für die Befreiung der Arbeiter von jeglicher Ausbeutung und jeglicher Unterdrückung. Die Versammelten fordern eine wirksame Arbeiterschutzgesetz- gedung, in der mindestens bewilligt werden muß: ein höchstens acht Stunden dauernder Normalnrbcitstag; eine mindestens 36 Stunden dauernde Ruhepause für jeden Arbeiter in jeder Woche; verbot der ErwcrbSarbeit sür Kinder im Alter von unter 14 Jahren. Die Versammelten fordern die rechtliche Glcichstcllimg aller Arbeiter ohne Unterschied des Geschlechts, ganz gleich, ob sie in Industrie, Landwirtschaft, Handel und Verkehr oder im öffentlichen oder Gesindedienst ihre Arbeitskraft verkaufen. Die Versammelten fordern die Erweiterung der politischen und wirtschaftlichen Rechte für die Arbeiter. Vor'bllem Einführung des allgemeine», gleichen und direkten Wahlrechts mit geheimer Stimmabgabe für alle über 20 Jahre alten Personen ohne Unterschied des �Geschlechts für alle Wahlen, Sicherstellung deS Koalitionsrechtes, volle Vereins-, Ver- sammlungs- und Preßfrciheit und Erweiterung der Rechte der Arbeiter bei der Arbciterversicherung. Zur Wahrung der politischen Rechte schließen sich die klaffen- bewußten Arbeiter in der sozialdemokratischen Partei zusammen; zur Erkämpfung wirtschaftlicher Vorteile vereinigen sich die Arbeiter in den Gewerkschaften. Diese Organisationen sind ein dauernder Protest gegen die bestehende Unterdrückung und das Machtmittel zur Erringung weiterer Rechte. Der vereinigte Kampf des Proletariat? aller Länder ist das wirksamste Mittel zur Befreiung der Arbeiter- klaffe. In dieser Erkenntnis werden die Versammelten mit aller Krast für den Ausbau der politischen und gewerkschaftlichen Organisationen der Arbeiterllasse wirken."_____ Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Pank Singer& Co.. Berlin SW. It. 101. 34. IlthrglMZ. I DU des Amiirts" KM» MM Mmch, l. W»i M7. keickstag. 42. Sitzung vom Dienstag, den 30. April 1907. nachmittags 1 Uhr. Am'Bundesratstische: Fürst v. B ü l o w, Graf PosadowSlh, Frhr. v. Stengel, Frhr. v. Tschirschky, Dernburg. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Etats des Reichskanzlers und des Auswärtigen Amts. Auf Borschlag des Präsidenten wird zunächst die Frage der auswärtigen Politik behandelt. Zur Beratung stehen folgende Resolutionen. Erstens die des Zentrums: Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage periodisch Uber die internationalen Beziehungen des Deutschen Reiches urkundliches Material zugehen zu lassen. Zweitens die der Freisinnige n und Genossen: Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen. Schritte zu tun, um durch internationale Verhandlungen eine Vereinheitlichung des Wechselrechts der für den Wcchselverkehr vorwiegend in Betracht kommenden Staaten in die Wege zu leiten. Frhr. v. Hcrtlingts.lonuirtä" ßetlincr WsdIM Mittwoch. 1. Mai i907. Wegen Vermeidung eines Konflikts verurteilt. Der Inhaber einer Glasschleifcrei stellte den Gicstcreiarbeiter Dstsing als Moraschleifer ein. Drei andere Schleifer, Mit- glieder des Glasarbcitervcrbandes, welche bereits in der betreffenden Werlstatt arbeiteten, teilten dem Bevollmächtigten des Glosarbeiterverbandes, W e l k i s ch. mit, sie würden lieber auf- hören, als mit Düsing zusammenarbeiten, der früher als Streik- brecher tätig war und auch noch in anderer Weise den Glasarbeiter- verband geschädigt hatte� W e l k i s ch ging darauf zu dem Ge- schäftsinhaber, den er persönlich kannte, weil dieser vor nicht langer Zeit Mitglied des Verbandes war und stellte ihm vor, dah es doch in seinem, des Geschäftsinhabers, Interesse läge, den Düsing zu ent- lasten. Denn dieser sei ein Mensch, mit dem die anderen Schleifer nicht einträchtig zusammenarbeiten könnten. Der Arbeitgeber er- klärte sich bereit, den Düsing zu entlassen. Ehe er aber diesen Vor- satz ausführte, hörte Düsing von selbst auf und ließ die angefangene Akkordarbeit liegen. Damit aber war die Angelegenheit noch nicht erledigt. Düsing oerklagte Welkisch anf Schadenersatz. Er begründete die Klage da- mit, daß Welkisch in einer Weise, die gegen§ 153 der Gewerbeordnung und gegen§ 826 B. G.-B. verstohe, seine Entlassung bewirkt habe. Di« 7. Zivilkammer des Landgerichts I wies jedoch die Klage mit folgender Begründung ab: Der§ 153 der Gewerbeordnung treffe auf diesen Fall nicht zu, auch ein Verstost gegen die guten Sitten s§ 826 B. G.-B.) liege nicht vor. Die Beweisaufnahme habe nicht bewiesen, daß der Beklagte dem Arbeitgeber gedroht habe, die drei Schleifer würden aufhören, wenn Düsing nicht entlassen werde. Der Arbeitgeber habe selbst bekundet, dah seine Unterredung mit dem Beklagten eine ganz freundschaftliche gewesen sei, er habe nicht den Eindruck gehabt, dah der Beklagte ihn einschüchtern wolle, es habe ihm vielmehr geschienen, dah der Beklagte ihm nur klar machen wollte, dost die Entlassung des Düsing in seinem, des Arbeitgebers, eigenem Interesse läge. Es sei hiernach anzunehmen, dah der Be- klagte nicht hie Absicht hatte, den Kläger zu schädigen, sondern nur demüht gewesen sei, die Arbeitseinstellung der anderen Schleifer, die mit dem Kläger nicht zusammenarbeiten wollten, zu verhüten. Dazu komme, datz ja der Kläger gar nicht entlasten worden sei, son- dern aus eigenem Antriebe die Arbeit niedergelegt habe, noch ehe ihn jemand dazu aufgefordert hatte. Es fehlte hiernach an dem ursächlichen Zusammenhang zwischen der Arbeitseinstellung des Klägers und dem Vorgehen des Beklagten. Der mit durchaus zutreffenden Gründen vom Landgericht ab- gewiesene Kläger Düsing legte Berufung beim Kammergericht ein. Hier erreichte er seine Absicht. Auf Grund der in erster Instanz vorgenommenen Beweiserhebung erkannte der IN. Zivilsenat des Kammergrrichts die Klage des Düsing als begründet an. Es ist für unsere Justizvcrhältnisse interessant, wie das Kammergericht, ge- stützt auf dasselbe Beweismaterial, auf das sich das erste Urteil gründet, zu einerAnschauung kommt, die derjenigen des Land- gerichts völlig entgegengesetzt ist. In der Urteilsbegründung des Kammergerichts wird unter anderem gesagt, es sei kein Zweifel, dast der Beklagte durch die Drohung, die drei anderen Schleifer würden die Arbeit einstellen, den Fabrikanten veranlasst habe, die Entlastung des Klägers in sichere Aussicht zu stellen. Der Grund, welcher das Verhalten des Beklagten bestimmte, sei der, dast der Kläger nicht Mitglied des Glasarbeiterverbandes ist. Wenn auch die Unterredung des Beklagten mit dem Fabrikanten in freund- schaftlichem Ton verlief, und der Beklagte dem Fabrikanten klar machen wollte, datz die Entlassung des Klägers in seinem eigenen Interesse liege, so könne dies alles nicht über die Tatsache hinweg- täuschen, datz der Beklagte die Entlassung des Klägers verlangte und für den Fall der Nichtentlassung des Klägers die Arbeitsein. stell-..g der anderen in sichere Aussicht stellte. Es könne kein Zweifel „arüber obwalten, dast das Vorgehen des Beklagten in ursächlichem Zusammenhang mit der Entlastung des Klägers stehe, denn wenn auch der Kläger, ohne seine Entlastung abzuwarten, freiwillig die Arbeit niederlegte, so habe er dies lediglich deshalb getan, weil er aus dem Verhalten seiner Arbeitsgenossen und dem Erscheinen des Beklagten den zutreffenden Schlutz gezogen habe, datz er doch sicher entlassen werden würde. Eine Schadenersatzpflicht des Beklagten liege vor. wenn festgestellt wird, dast die Schadenzufügung vor- sätzlich und in einer gegen die guten Sitten verstotzenden Weise er- folgt ist. Beides müsse aber angenommen werden. Allerdings ver- stoste nicht jede Handlung, die bewuhtermasten zum Schaden'eines anderen nur das eigene Wohl und die eigenen Berufs- und Lohn- interesten verfolgt, darum gegen Moral und gute Sitten. Aber man werde daran festhalten müssen, datz nach der Anschauung aller billig und gerecht Denkenden ein Verstoss gegen die guten Sitten allemal da vorliege, wo unverhältnismätzig höhere fremde Int«- essen den als solchen zu erkennenden minderwertigen eigenen Jnter- essen geopfert werden. Demgemätz werde auch nach der von ein- seitigen Parteirücksichten unbeeinfluhten Auffassung der Arbeiter- kreise eine Matzregel als gegen die guten Sitten verstohcnd zu gelten haben, die darauf hinzielt, einen Arbeiter im wesentlichen bloss wegen seiner, von der Mehrheit seiner Arbeitsgenossen ab- weichenden Stellung im gewerblichen Lohnkampfe um Lohn und Brot zu bringen. Eine solche Matzrcgel liege hier vor. Es könne dem Beklagten nicht zugegeben werden, datz sein Einschreiten nur den Zweck gehabt habe, Differenzen zwischen dem Glasarbeiter- verband und dem Arbeitgeber zu vermeiden. Bei dieser Sachlage sei daher, ohne datz es noch einer Aufnahme der vom Beklagten an- gebotenen Beweise oder eines Eingehens auf§ 153 der Gewerbe- ordming bedurfte, der Klageanspruch dem Grunde nach für gerecht- fertigt zu erklären. Die Höhe des Schadenersatzes hat die erste Instanz seitzuitellew »• * Eine überaus seltene, formell auffallende Erscheinung ist eS, dah das Kammergericht, ohne die Zeugen zu hören, sich für be- rcchtigt erachtet hat, das strikte Gegenteil von dem für erwiesen anzusehen, was auf Grund der Anhörung der Zeugen das Land- gcricht festgestellt hat. Ein solcher Rückfall in die Fehler mittel- alterlicher Prozctzgrundsätze ist ein in Zivilsachen äusserst seltener Borstotz gegen die Grundsätze der Unmittelbarkeit und Mündlich- keit des Prozehverfahrens. Aber dieser formelle Grund, der frei- lich für die Strafprozetzreform vorgemerkt werden mag, ist nicht daS wesentlichste. Es ist eine eigene Sache mit der kammergericht- lichen Auffassung über den Verstoß gegen die guten Sitten im Sinne des§ 826 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Wenn hundert ehrenwerte Arbeiter sich weigern würden, mit einem, den sie als notorischen Lumpen kennen, zusammenzuarbeiten, so kann das nach dem Kammcrgerichtsurteil ohne weiteres als Verstotz gegen die guten Sitten angesehen werden, falls nur festgestellt wird, datz dieser Lump eine von der Mehrheit seiner ArbeitSgenosten abweichende Stellung im gewerblichen Lohnkampfe hat. waS ja in der Regel der Fall sein wird.— Nach dem Urteil deS Kammergerichts liegt ja ein Verstotz gegen die guten Sitten allemal da vor, wo unverhältnismätzig höhere fremde Interessen den als solchen zu erkennenden minderwertigen eigenen Interessen ge- opfert werden. Dieser Grundsatz könnte und mühte auch an- gewandt werden auf solche Fäll«, wo eine kleine Zahl von Unternehmern ihren als solchen zu erkennenden minderwertigen eigenen Interessen zuliebe Tausende von Arbeitern Wochen- und monate- lang aussperren, sie ihrer Existenz berauben und dadurch also un- verhältniSmätzig höhere fremde Interessen verletzen. Ob da das Kämmergericht ebenso urteilen würde? Vielleicht überzeugt sich der Abgeordnete für Leipzig nunmehr, dah die Klassenjustiz auch die Zivilrechspflege beherrscht. Sembts- Leitung. Madeira-Gesellschaft und lein Ende. In den vielen Zivil- und strafrechtlichen Streitigkeiten, zu denen die Madeira-Gesellschast Veranlassung gegeben hat. wurde gestern wieder eine Station erreicht. Vor der achten Strafkammer des Landgerichts I wurde die Privatklage des Direktors Ernst Hofmann wider den Professor Dr. G. Pannwitz in Char- lottenburg und die Widerklage des letzteren in der Berufungsinstanz verhandelt.— Das Schöffengericht hatte am 22. Dezember vorigen Jahres den Angeklagten wegen Beleidigung in drei Fällen zu je dreistig Mark Geld st rafe eventuell zu neun Tagen Gefängnis verurteilt, den Widerangeklagten freigesprochen und die Kosten des Verfahrens dem Angeklagten auferlegt.— Direktor Hofmann ist Direktor der in Berlin domizilierten Madeira- Aktiengesellschaft, die den Erwerb und die Verwaltung von Heilstätten für Lungenkranke auf Madeira bezweckt. Zur Vorbereitung für diese Aktiengesellschaft war gegründet worden eine Vorbereitungs- gesellschaft der Sanatorien auf Madeira G. m. b. H. Professor Pannwitz war bis zum 16. März 1905 Geschäftsführer der letzteren Gesellschaft: er legte seine Stellung nieder, hauptsächlich wegen Miststimmigkeiten mit Dr. Hofma'nn. Von den einzelnen Fällen angeblicher Beleidigung seien die folgeirden hervorgehoben: Im Juni 1966 fand in Berlin eine Sitzung des Zentralkomitees für Lungenheilstätten statt und in dieser hat Professor Pannwitz mit Beziehung auf Direktor Hofmann geäussert: dieser sei ein Schwindler und habe Schwindeleien getrieben. Professor Pannwitz hatte den Beweis der Wahrheit für diese Be hanptung angetreten und seinerseits folgendes behauptet: Direktor Hofnrann habe sich von dem Hotelbesitzer Riz in Paris fingierte Briefe schreiben lassen, inhalts deren Privatkläger, bevor er nach Madeira gekommen sei, die in spanischem Besitz befindlichen Kana- rischen Inseln zum Zweck eines grossen Hotelunternehmens untersucht habe. Diese Briefe sollten bei der portugiesischen Re gierung eingereicht werden, um auf diese bei der Rivalität zwischen den Kanarischen Inseln und Madeira einen Druck zu üben und sie dem Gesuch um Verleihung der Konzession für Errichtung von Sanatorien auf Madeira willfährig zu machen. Privatkläger habe die von Riz zu schreibenden Briese selbst entworfen, trotzdem er niemals aus den Kanarischen Inseln gewesen sei. Ferner: das Gesuch um Verleihung der Konzession von Sanatorien auf Madeira sei am 6. Mai 1903 von dem Prinzen Hohenlohe ein- gereicht worden. In diesem, von dem Privatkläger herrührenden Gesuche sei als Zweck der Konzession angegeben die Errichtung von Sanatorien zum Wohle der leidem den Menschheit. In Wirklichkeit seien die Sanatorien nur Mittel zum Zweck gewesen, der eigentliche Zweck des ganzen Unternehmens habe bestanden in der Beschaffung einer Spielgelegenheit nach Art von Monte Carlo. Das Schöffengericht hatte die Worte.Schwindeleien" und .Schwindler" für Beleidigungen erachtet. Den Beweis der Wahrheit dafür, datz der Privatkläger ein Schwindler sei, habe der Angeklagte nicht erbracht. Das schöffengerichtliche Erkenntnis sagt in dieser Beziehung folgendes;»Zwar ist erwiesen, datz der Privatkläger sich um die Erlangung einer Spiel- konzession auf Madeira bemüht hat, datz er auch zur Erlangung dieser Konzession dem Hauptmann a. D. v. Blottwitz Briefe aufgesetzt hat, in denen der Wahrheit zuwider die Behauptung auf- gestellt war, datz Privatkläger die Kanarischen Inseln untersucht habe und datz diese Briefe von dem Hotelier Riz abgeschrieben an Privat- kläger gesandt werden sollten, damit ein Druck auf die portugiesische Regierung ausgeübt werden könne. Aber diese Machenschaften geben keine Berechtigung, den Privatkläger einen Schwindler zu nennen. Alle diese dem Privatkläger zum Vorwurf gemachten nicht zu billigenden Mittel sollten dem Privatklägcr dazu dienen, seinen Zweck aus Madeira zu erreichen und stellen nichts anderes dar als Mittel, wie sie bei Gründungen und auch bei Börsen- gesch ästen vielfach vorkommen."— Die Widerklage d e s P r o f. P annwitz gründete sich darauf, dah Rechtsanw. Suse als Vertreter des Direktor Hofmann bei einer Privatllage des letzteren gegen Herrn Wörmann in einem Schriftsatze in bezug auf Professor Pannwitz die Ausdrücke.Faselei" und„törichte' Be- merkung" u. a. gebraucht hatte. Das Schöffengericht hatte der Widerklage keinen Erfolg geschenkt, da da Schriftstück nicht von dem Privatkläger, sondern ganz selbständig von dem Rechtsanwalt Suse verfatzt war. Gegen das schöffengerichtliche Urteil war von beiden Seiten Berufung eingelegt worden und über jeden Punkt der in der Privatklage berührten Verhältnisse wurde von beiden Seiten mit grotzem Eifer und scharfem Geschütz gekämpft. Nach stundenlangem Hin und Her über diesen Punkt stellte Rechtsanwalt Suse den Autrag, den Prinzen Friedrich Karl zu Hohenlohe, den Geh. Hofrat Dr. jur. Hecht zu Mannheim u. a. zu vernehmen. Aus der Vernehmung dieser Zeugen werde sich ergeben, datz der Angeklagte ganz systematisch falsche Gerüchte über den Privatkläger verbreitet habe usw. Das Gericht beschlotz. die Sache zu ver tagen, den Prinzen Hohenlohe, Geh. Hofrat Hecht und die sonst noch vom Rechtsanwalt Suse vorgeschlageneu Personen als Zeugen zu laden. Interesse an diesem Madeira-Prozetz hat die erwiesene Absicht, einem Monte Carlo in Madeira die Wege zu ebnen. Einschränkung der Haftung des Tierhalters. § 833 des Bürgerlichen Gesetzbuches macht den, der ein Tier hält, für deck Schaden verantwortlich, den das Tier anrichtet. Die Agrarier laufen seit Jahren gegen diese Vorschrift Sturm. In neuerer Zeit legt das Reichsgericht den Wortlaut dieses Para- graphen in einer ganz den Wünschen der Agrarier entsprechenden Weise aus. Das zeigt auch folgender, jüngst vom Reichsgericht ent- schiedene Fall: Die Witwe S. auS Remberg klagte gegen den Ritterguts- Pächter M. in Seegrehna, da sie von einem Fuhrwerk des Letzteren am 15. Januar 1965 überfahren wurde, auf Zahlung von 169,56 M. und 966 M. jährlicher Rente. Sie stützt den Anspruch auf die Bestimmungen der§Z 831 und 833 B. G. B. Die Klägerin fuhr am 17. Januar 1965 mit einem kleinen Wagen vom Bahnhof Bergwitz in der Richtung nach Klitschena. An der rechten Seite der Deichsel war ein Hund angespannt, an der linken Seite ging die Klägerin. Sie fuhr auf der rechten Seite des sehr schlechten, ausgefahrenen, hartgefrorenen WcgeS. Zwei Wagen des Beklagten kamen ihr entgegen und fuhren nach rechts auS- weichend an ihr vorüber. Etwa 16 Minuten später folgten zwei andere Wagen des Beklagten. Der Führer des vorderen Wagens ging an der linken Seite seines Wagens; die Klägerin kam ohne Schwierigkeit vorbei. Der zweite Wagen, der von dem Fuhrknecht K. geleitet wurde, folgte fünf bis zehn Schritte hinter dem anderen Wagen. K. befand sich auf der rechten Seite seines Wagens, etwa zwischen Vorderrad und Hinterrad; er verrichtete seine Notdurft. Die Zügel waren am Wagen festgebunden. Die Klägerin rief, in der Annahme, der Wagenlenker sitze in der Schotzkclle: Ausweichen! K. hörte den Zuruf nicht; die Pferde behielten die bisherige Richtung bei, die linken Wagenräder blieben in dem tief aus- gefahrenen Gleis. Die Klägerin suchte ihr Gefährt nach rechts zu drücken; dabei wurde sie von dem linken Hinterrad des durch K. geleiteten Wagens überfahren. Wegen fahrlässiger Körperverletzung wurtw K. am 6. Mai 1965 zu einer Geldstrafe von 16 M. verurteilt. DaS Landgericht Torgau hatte die Schadenersatzklage ab- gewiesen, weil§ 833 nicht anwendbar sei. während der in Z 831 zugelassene En t last u ngSbe we is vom Beklagten geführt sei.§ 831 macht den Dielistherr« für den Schaden verantwortlich, den der Kutscher anrichtet, i/, Uhr abends statt. Geiistnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde»m 0 Uhr. Jeder ülnfrage ist ein Buchstabe und ein« Pähl als Viertzeichen b«ii»s»ge». Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Vtlige Frage»»rag« man ,n der Sprechstunde vor. G. G. 23. Vor der Heirat müssen mindestens 209 Marken geklebt sein. Die Rückforderung ist nur innerhalb eines Jahres nach geschlossener Ehe zulässig, und in der Rcgcl empfiehlt es sich, die Rücksorderung nicht geltend zu machen, sondern weiter zu kleben,— O. R. 27. Der Vertrag ist für Sie bindend, nur sind Sie berechtigt, falls der Vertrag aus längere Zeit läuft, bis spätestens am 3, Juli zum 36, September zu kündigen. — F. P. 17, Prinz Handjcrqstraße. Verlangen Sie von der Bcrnss- genosienschast einen berusungssähigen Bescheid und legen Sie dann bei dem Schiedsgericht für Arbeiteroersicherung Berufung ein.— Parchim 100. t, Sie könnten den Betreffenden bei dem Amtsgerichte seines Wohnorte» aus Zahlung verklagen. 2. Der Antrag ist an das Polizctpräfidium zu richten.— W. 115. Eine Reklamation wäre zwecklos,— K. 12. 1. Ja. 2, Ja.— Bruno 10. Die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, aber gering,— 70 P. F. Sic könnten den Betreffenden bei dem Amtsgericht aus Zahlung verklagen,— O. 100. Leider neu», — Testament 82. 1. Nein, vorausgesetzt, daß kein Formfehler vorgelegen. 2. Sie müßten darlegen, in welchem Verhältnis Sic zu dem Erblasser stehen.— A. B. 23. Lassen Sie es aus einen Prozeß ankommen. Der- selbe wird schwerlich zu Ihren Ungunsten ausfallen,— B- R. 710. Nach § 910 des Bürgerlichen Gesetzbuchs dars der Eigentümer eines Grundstücks herüberragcndc Zweige eines Baumes oder«lrauches, die von einem Nach» bargrundstück herrühren, abschneiden und behalten, wenn er dem Besitzer des Nachbnrgrundstücks eine angemessene Frist zur Beseitigung bestimmt bat und die Beseitigung nicht innerhalb der Frist erfolgt. Dieses Recht steht jedoch dem Eigentümer nicht zu, wenn die Zweige die Benutzung des Grund- slücks nicht beeinträchtigen, Klagen Sie eventuell aus Anerkennung nach der letzteren Richtung hin,— E. 2ch. 100. Leider sind Sie schadenersatz- pflichtig und die Herrschast berechtigt, auszurechnen,— O. 101. Die hiesige Sternwarte Enkeplab würde Ihnen zuverlässige Auskunft geben, — I. 2. 10. Nein,— Elisabcthstrafte 26.— Das Betreten Ihrer Wohnung können sie nicht hindern, das Verbot entspricht der dortigen Polizciverordnung, eine Reklamation hätte keinen Zweck,—»». M. 100. Wiederholen Sie die Frage unter der Darlegung, welchem Handwerk Sie angehören und seit waim Sie selbständiger Handwerker sind,— M. B. 75. Nein: die Rechtslage ist ausführlich in dem Artikel Steuersrageu vom 28, März dargelegt,— Note Nelke. 1, Nein, 2. Ja,— O. 77. Rein, verlangen Sie Beseitigung der Ticrplage usw., drohen Sie, daß, wenn innerhalb einer von Ihnen zu setzenden angemessenen Frist der Uebelftand nickt beseitigt ist, Sic denselben aus Kosten des Wirts beseitigen würden und handeln Sie dementsprechend.— O. 2ch. 17. Ja, es genügt aber eine Bezugnahme aus die Reklamation gegen die StaatZsteuer. - S. 17. Das Jahr 1906, also 52 Wachen,- X. Z. 100. Rein, — W. R. 19. 1. An die Versicherungsanstalt Kölnischer Park, 2. Die Halste der Klebemarken wird zurückgezahlt. Zweckmäßiger ist es weiter- zukleben, 3, Für eine Entbindung werden 6 bis 20 M. als angemessen er- achtet. Die Taxe deS Hebammcnvereins hält lO bis 30 M, für angemessen. 4, Wir kennen eine derartige Stelle nicht, 5, Nein.— P. L. Wenn Sie sich im guten Glauben befunden haben, so tann der Hund von Ihnen nicht zurückgefordert werden,— F. P. 900. Sowohl die ausführliche neuere Kriminalstatistik, wie das Statistische Jahrbuch sür das Deutsche Reich, in dem ein Auszug auS der Kriminalstatistik enthalten ist, ist in jeder öffentlichen Bibliothek einzusehen. Beide Bücher geben Ihnen Aus- schlug über die von Ihnen gewünschten Daten,— W. 2S. 1000. Nein. — G. 31. Stellen Sic die Rechnung selbst an,—.Habisch. Die Eltern sind nicht hastbar.— 0). F. 27. Eine Klage aus Rückcrstallung wäre nicht ganz aussichtslos, wenn Sie beweisen, daß die Zusicherung ihnen auSdrllck- sich geworden ist. Zuständig ist das Amtsgericht,— 0. Ihr. Wem, Sie zum 1. Mai zugezogen waren, so würde der Anspruch des Wirts berechtigt, sonst unberechtigt sein.— A. W. 100. Ihre Ansrage ist bereits bejaht.— P. R. 26. Leider find Sie zur Weiterzahlung und zur Zahlung der rcslicrcnden Raten verpflichtet,— Streitfrage 16. 1, Nein, 2, Eine Strafe verjährt nicht in dem Sinne, daß sie als Vorstrafe nicht existiert. — Lachohki. Die Stcuersragen sind auSsührlich in einem längeren Artikel de«„Vorwärts" vom 28. März behandelt,— F. T>. 131. Nein. — W. K. 21. 1, Als Steuerjahr gilt das Kalenderjahr 1906. 2, Die Reklamation ist an den Vorsitzenden der Veranlagungskommissson zu richten, dessen Adresse aus der Veranlagung erhellt, 3, Ohne nähere Darlegung ist die Frage nicht verständlich,— Minister. Für die Reichsbcamten sind die rcichsgesetzlichen Pensionsgesctze, für die preußischen die preußischen Penfionsgcsetzc maßgebend. Die Gesetze erhalten Sie in jeder öffenUichen Bibliothek,— R. 975. Soweit ersichtlich, hasten Sie sür die Kosten nicht. — Ültcdenwald. Un« nicht bekannt.— 9k. B. Wuth. Da» Vor- mundschaftsgericht hat in dem Fall den Vormund zu ernennen. Vorschläge können beide machen,— 9t. H. P. Tank. Ein Mädchen kann von 16 Jahren ab heiraten. Volljährig wird sie erst vom 21. Lebensjahr. Von da ab braucht sie die Erlaubnis des Vater» oder Vor- mundes nicht mehr.— A. S. 9. 1. Die Herrschast. 2. Leider ja, — 9k. 18. Die von Ihnen angeführten Gründe werden schwerlich als ausreichend sür die Aushebung deZ Vertrages erachtet werden,— B. G. 19. Schöuingen. 1. Ja 2. Wenn sie die Schenkung nachweisen können, nein,— Markolini. Sie würden zur Zahlung verurteilt werden.— Ei, Sch. 22. 8000 M.— G. H. ft. 1. Nach der überwiegenden Rechtsprechung ist eine solche Festlegung zulässig. Nach dem Gesetz und der früheren Ansicht der GewerbcMspeltion ungültig, 2. Nein.— P. H. 100. 1. Die Beantwortung der Frage hängt von dem Inhalt des Ver- träges ab, den Sie uns rnchl mitgeteilt haben. 2. Die Nichte gehört zur Familie,— Geschtvister. 1, Ja, 2, Sic müssen beim Gericht Ihre AuS- trittscrllärung abgeben, Formulare zur Austrittserklärung erhalten Sie in der Buch Handlung Vorwärt» und bei Hoffmann, Blumenstr. 14— Köpenick. L, Rur soweit noch etwa» von dem damaligen vorhanden ist. Dem Witwer fällt die.Hälfte des Nachlasses zu,»luscrdcm erhält er als voraus die Wirtschastsgegcikständc. 2. u, 3. Da» Gericht kümmert sich nur bei Minder- jährigen um Erbschastssacheu, Nur wcim Volljährige sich nicht einigen, köiincn Sie das Gericht anrufen,— F. P. 29. 1. Ja, aber Ihre Frau kann mit Erfolg die Jntcrvcntionsklage dann erheben, 2, und 3, Sie lebe» autzer GüU�eamisschajt. 4 Ja. Ö. Etwa 10 W. monatlich, s. Ja. JMittwocb, den i. Mi ,907: der sozialdemokratischen Aahivereine bertchend in Konzert ♦ Gesang ♦ turnerischen Aufführungen ♦ Festreden usw. Tagesordnung der Versammlungen: Die Bedeutung; des 1. Mai. Kerlin. 1. Kreis: Kliems Festsäle, Hasenheide 13NS. S. Kreis: Bockbrauerei, Tempelhofer Berg. 3. Kreis: Neue Welt, Hasenheide. Gcwerkschastshaus, Engel-Ufer 15. 4» Kreis: Bylers Gesellschaftshaus, Treptow. Biktoria-Garten(früher Joel), Treptow.. Ludwigs Parkrestaurant, Treptow. Kellers Festsäle, Koppenstraße 29. Brauerei Lipps, am Frtedrichshain. Mentes Volksgarten, Lichtenberg, Röderstraße. Sanssouci» Kottbuserstraße 4a. 5. Kreis: Schweizergarten, am KönigStor. 0. Kreis: Berliner Prater, Kastanien-Allee 6/7. Fröbels Allerlei-Theater, Schönhauser Allee 143, Groterjan, Schönhauser Allee ILO. Ballschmieder, Badstratze 16. Brunnen-Theater, Badstraße 63. Volksgarten-Theater, Badstr. 8(Behm- und BellermannstraßewEcke). Bockbrauerei ET, Chausseestraße 58. Kroneubrauerei, Alt-Moabit 47/48. Patzenhofer Brauerei, Thurmstraße 25/26. Artushof, Perlebergerstraße 26. Moabiter Schützeuhaus, am Plötzensee. Marienbad, Badstraße 36/36. Referenten: Dr. David, Richard Fischer, Frank(Mannheim). Goldstei»(Zwickau), Heine, John, Ledebour, Manasse, Hermann Müller, Poetzsch, Ritter, Sasstudach, Singer, Rodert Schmidt, Sonnenburg, Ströbel, Dr. Weyl, Weber. Wahlkreis Teltom-KeeskoW-StorkoW-Charwttenknrg. 9.H€M*8dOFf« Vormittag« 9 Uhr bei Sie«. Referent: Bartel. Nieder-SehSneweide-Jobannisthal. vormittags 10«»-* Nowawes. M.1 1 Vorm. 10 Uhr bei Bayer. BiSmarckstr. 10. Ref.: Ltadtv. LU. rioeper. Nachmittags 3'/, Uhr bei Wöllstein, BIsmarckstratze. AKRt-ErRRSIRtvIiS. Vormittags 10 Uhr. Referent:»««»«. ItaaiIA8vI»aIvIKHV«K.«brnds in Speers Feftsölen. Bormittags O',', tlhr bei Schöncderg. Rudowerstrahe SS. M9lM.Wj4a Abends im Buschtrug, Rudowerstrahe 51. Abends im Boltshause, Rosincnstrahe g, U�RtaR A» bei Schulz. Kaller„riedrichstrahe 24. Abends 7 Uhr bei Seidel. GesellschastshauS, GrSnau-rstrahe 31, bei fröhlich. Zchweizcrgarten, Lindenskahe. Referenten: Itendvl und Theodor Fischer. Frieilenaw. Abend» im Rhetnschloft, Rheinstrohe SO. Abends 8 Uhr. Referent! Päch. (t W f ATsdAvftfVklsf a Bormittags 10 Uhr bei Reisen, Ehausseestr 104. RltR lSI.tRS» Abends bei Reisen. Chausseestrahe 104, im Kaiserhof, Kranoldplatz. (irr II II<111 Bormittags 10 Uhr im Restaur. Jägerhaus, Bahnhosstr. 1. Res.: Fendel. Johannisthal. Nachmittags 4 Uhr im Ltndenhof, Friedrichstraht. jtäoigLVULlei'dAULen.«b-'�R.s�?t KiVi» nobl: 3!euc~;i!51c'*tU Wutzk1, T.nsslrwtä-er vormittag» 10 Uhr bei Rethger, Talandrellistr. Referent: Kahlf. H�ct 11 14.*t AIa. Nachmittags 3 Uhr ebenda. Ilarleudorf. Ä,!.»?.' lÄ8,w"' 41 «ormtttags 9-/, Uhr im BottSgartr«. Priefteittrahe 31. ->...... in den S-eutschen Jestsälen.«ilhelmstrah, 9, Reserenten: Albrecht Fülle und Hans Weber. Nachmittags 4 Uhr bei HFlvgl Nachmittags 4 Uhr bei Heickaus, Karlsgarten, � V* bei Doppe. Hermannftrahe 4S, ln Zhtct« Feftsäle«, Bergstraße IbS. �OhnKarKVnnOri» Abends im Wirtshans. Warnemanderstrahe S. t�OhÖnOhOrA» Abend» in Obst» Jestsälen. MekingerstraHe o vormittag» 19 Uhr im Birr-nwäldcheu, Schützenstrahe. ??»«ARKTIK. Abend» ebenda und bei Schellhase. Slhornstrahe 15«. VSltOW» vormittag» 19 Uhr. Referent- Hrünerrold. Tempelhof. Nachmittag» 4 Uhr bei Mokulh. Berlinerstr. 9. Wannsee. Bormittag» 10 Uhr im Mirstenhof. Rescrent, Knrt Belnif. W Ilmersdorf. Abends im Luisenpark, DilhelmSaue 112. �Ohlendorf. K-r-wbc. i Uhr. Referent: Hermann Hl« Uhr. Rcserentin: Anna Zlcsch. Zossen.: Bermann Hleta. Wahlkreis INederharmm. n an*»«in vormittag» 11 Uhr lm Elhstum. Referent: Gtoermer, Ab«R RRUR IR« Nachmittag» 9 Uhr im Schuhenhans. llruclliunhle. vormittags 10 Uhr. Referent- Gtadtv. Helnhold Hüter. vormittag« 19 Uhr in Degebrodts Gefellschaftshan». Reserent! Stadthagen. KleR RAI»«R« Nachmittag» 7% Uhr ebenda. Reserent: Hau Hlesel. vormittag» 10 Uhr bei Bube, -■r rieilR RR. IIBRVRRR«. Referent: Reichstags-Abgeordneter Prinzcn-Allee SV. Albrecht. ** �» Reserent: Rcichslags-Abgeordneier /».i»r«.-ei>r. Frledrlehsh»sen. WilM- W S StSUe. Herzfelde, vormittags 10V, Uhr t» aoral Hcnze. Reserent: JnlinS Müller. Karlshorst. Abend» S Uhr bei Grnhn. Reserent: Hinin. Kanlsdorf. vormittag» 10 Uhr bei Mee», Berliner Chaussee. Reserent: Zaohan. ]f f Ohlsdorf. Abend»« Uhr bei Schliefe, Hannovirftrahi. Reserent: Hürnln». Hühlenheeh. BS! sÄNSi Aileder-SehSnhansen.'ttÄ.'.W.'*'*-' «ber-8eh«nevelde. OranlenhnrK. 10 u6t'} Referent: Bas Schütte. Thanlz-nw Borm. 10 Uhr in Rozhcki»«esellfchaftShau». Krenzftrahe S/4. A�aRRIR Wr. Nachm. 3 Uhr Zum Snrfürften. Berlinerltr. 102. Res- Ida Altmann. vormittags 10 Uhr bei Schonert, Neu-Teeland. KTnnRlRRR7R» 40 arA. Nachmittag« s Uhr ebenda. �ohönwalde. Nachmittag». Reserent: Gchenh. Gtralan. Nachmittag», Uhr bei Rittmach. Mt-Stralau 5. Reserent: Darldsohn. nPAn-Al vorm. lO Uhr bei Trapp,«ahnbofftr. 1. Referent! ReichstagS.Abg.»hrhart. a 4 4 i. Abends 6ll, Uhr ebenda Reserent: Fmll Kloth. MM.»- Ronwoo« Uhr.«chloß Weißensee. Konzert. Theater. Lebende ÜM einensee. Bilder. Turnerische Anftührnngen usw. WilhelmSherK. Abends. Reserent: Hertlns. Wilhelmsruh. Abds. S Uhr in Pätsch'» Waldrestanrant. Reserent: Besse. Achtung, GeWerkjchastenl OeHentlie i-Versanunlnngen am Vormittag äes 1. Mai. Sämtliche Versammlungen fanden mit liülfsarbeitern und Frauen statt. Die Tagesordnung in sämtlichen Bersammlnugru lautet i Mv Betleutiifiig: des I. ülal. Ofliflflifllinnc.TnfllictpiQ Gruppen Versammlung in den Patria-Festsälen. Gr Franlsurterstr 28, vor- or�iriUUII�a-IllUUSU IV. mitlagd l0 Uhr. Reserent: Aug. Steinbrgit. Ewerseid. Treffpunkt der Ztickcreibranche: 8'/, Uhr, Reslaurant Engel, Scydclftr. 30. Der Posamentierer: bei Blnme, Alte Iatllbslr 1!8. Der Wäschebranche: Reslaurant Borde, Neue Zlönigstr. 7. Textilarbeiter, Hutmacher, Färber» Kürschner. Dekateure usw. gehen direkt in die Gruppenversammlung. ff,»Sei!-. Transport- u. Verkelirspewerte. gfflÄÄWÄ» ReichstagSabgeordiictrr Lehmann-Wiesbaden. Handlnngsgehälfe» und Gehülfinne», Bureau> An- gestellte, Kaufieute, Lagerhalter, Hausdiener, Handelshülssarbetter, Geschäfts-, Arbeits- und Droschkenkutscher, sowie Fensterputzer kommen im Versammlungslokal zusammen. teilergerllZlbsuei', Lpeievereisi'beilör u. Fräsekutscber. Im Ewglischen Garten. Alexanderstr. 27 o, vorm. 10 Uhr. Reserent: Karl Hetzschold. Gruppenversammlung:„ Zi« n«« I t Hasenheide Nr. 108—114, vormittags 10 Uhr. Reserent: Reichstagsabgeordncter l'aol Finger.— Die Mitglieder der einzelnen Branchen versammeln sich um 8 Uhr vormittags in solgende» Lokalen: Holzarbeiter. Klavierarbetter bei Möhrtng, Admiralftr. 18o. Sto«karbr»ter bei Bareinz, Brandenburger User t>. Falousiearbeitrr im GewerkschaftShause. -Llodelltischler bei Schmidt. Gartenjtr. 6. Aahmenmacher bei Strauß, Ritterstr. 123. Kammacher bei Walter, Adatbertstr. 62. Pcrlmuttarbettrr bei Perret, ZkSpenIckerstr. 32. Bürstenmacher bei Linbemann, Moritzstr. S. Ktstenmacher bei Baudach, BreSIauerftr. 28. Bodenleger im GewerkschaftShause. Etnsetzer Stellmacher. Rosenthalerstr. 8?. Beraolder bei MerkowSki. Andreasstr. 26. Korbmacher bei Krause, Muskauerstr. 20. Die Tischler, Polierer. Maschincnarbeiter und Drechsler treffen sich in den Lokalen, in denen sie ihre Berkflallsttzungen abhalten und gehen von dort nach der„Neuen Welt".— Di« Holzarbeiter der östlichen Vororte treffen sich srüh 8 Uhr in Lichtenberg bei Wildner. Friedrich Karlsir. Ild: Friedrichsfeld«: Bartale»»; Rummelsbnrg: Gotheftr. M»— Die Holzarbeiter Moabits treffen sich srüh 8 Uhr an der Moabiter Brücke (Rest. Hube). Abmarsch Punkt 8'/, Uhr.— Jeder seiernde Roll, erhält zur Kontrolle i. d..Reuen Welt-«in« Maimarke. l'mmaeh.SlT» Die Mitglieder gehen direkt in die Versammlung der HolzarbeUer. «ÜSbt lreffe» sich ba MerkowSki, AnSrca�trab«»2�vonnMag»» Uhr und geh«» nach der Älmlivaroii-liiaiislrlo....... ilseSST""***• Bauarbeiter.-»»««i»-,--.( �«"f• jÄ xZ III Ballschmieder. Badstraße 16. Referenten:«. Bauer, O.«angnitschkc, Rrhbcin. Buchbinder u. Buchbinderei-Arbeiterinnen, Etui- u. ledergalanterie-ArbeitefH. Arbeiterinnen. Bormittags 10 Uhr im Eith.Hotel. Dresdenerstr. 62)53. Reserent: Dr. Zadet. VIsZArvöller. Vlsser, vlssselilejfei'.*orttms9««Ä Treffpunkte 9 Uhr: Ghiser:(VewerkschaslShaus. Engel-User 15.— Glasarbeiter und GlaSschletser: WeMsch, MarkuSstraß« 47. VK«u»H,oDa»o»Kra»,» Vormittags 10 Uhr im Swtncmüuder GesellschaftShauS, Swinemünderftr. 42. "t.»k>IUUKU?U�K�.R?K« Reserent: RetchStagsabgeordneter Gustav Hoch. Jlsphalleure und Pappdachdeeker.°"feSSJÄg* Oravenre n. Ziseleure. x"ä,nÄrÄÄ<1iÄr• 10 Bolz-, Sleln- u. Gips-Bildhauer u. Modelleure.'"S.S'iS'S.f'Äl'Ä"' Maler und Ucklerer.« u». a"«»«»«»-«■ "IVunMAt* Berliner Bock-Braucrei, Tempelhoser Berg, vormittags S'/, Uhr. Reserent: Reichstags' .'aaffffffK o abgeordneter Wolfgang Heine. Ponellanardeiler u. Zcdlldermaler. ?U.trLSr« Kellers Festsäle, Koppenstr. 29, vormittags 10 Uhr. Reserent: H. Silberschmidt. Grips- u. ZementarbeUer. Hafenarbeiter(Brelleriräger). He t allarbeit er» Zwei Teraammluneen vormittags 10 Uhr: Restaurant. Sanssouci", Kottbuserstr. 4 a vormittags 10 Uhr. Reserent: E. Heitmann. Köntgstadt- Kasino. Holzmarktstr. 72, vor. mittags 10 Uhr. Reserent: Artnr Schmitt. 1. Palast-Theater, Burgslraße. Reserent: Rev strafte 04. Referent: Stadw. E. Böste. Zentral-Theater, Alte Jakobstr. 30)32. Bebel. 2. Bockbrauerei, Ehaussee- nschläger treffen sich vormittags 7'/, Uhr im Bormittags 10 Uhr, BökerS Festsäle. Nahrnngs- u. Oennßmittel-Oewerbe. Weberslr. 17. Reserent: Hugo Poetzsch. Konditoren: Treffpunkt: Vormittags 8 Uhr. Restaurant Arll. Brunnenslr. 30. GastwirtSgehülfen: Treffpunkt: Vormittags 9 Uhr im Verbandslokal, Gr. Hamburaerstr. 18)19. Bäcker, Brauer, Hülssardeiter, Bierabzieher. Müller. Tavakarbelter. Barbiere, Gärtner und Musiker gehen direkt in die Gruppenversammlung/ Fabrik- und Hnlfsarbelter. KÄut'ÄÄÄ �tuvunlaf aaalaaaa Gruppenversammlung: Bockbrauerei,(kl Saal), am RXrapiUSCll"» chirt?Wt5rWt5» Tempelhoser Berg, vorm. 10 Uhr. Res.: Paul Barthel» Alle dazu gehörigen Branchen: Buchdrucker, Buchdruckerei-tzütssarbeiter und Arbeiterinnen, Lchristgießer, Photographen, Stereotypeure. Lithographen und Steindrucker, Xylographen, Formstecher und Tapelendrucker kommen in der Gruppenversammlung zusammen. V'.fwIrkailaAlaa'laAfftim-«>> Schneider u. Sehneiderinnen. Sü m. Tapezierer. Wendt» Festsäle(Cohn), Bmthstraße 20. Referent: Vormittags 10 Uhr: Gewerkschaftöhau«. Engel-User 15(großer Saal). Referent: JL UpJ-VJ-. RetchStagsabgeordneter Ledebour. Städtische Arbeiter.«UNS"feÄÄkSr"1'"11' � Zimmerer. Vorvttttags�lO Uhr: Brauerei Friedrichshatn, groß« Saal. Referent: Adolf Sehlächter.®,,8awt"®ttrte"' M-x-mderstraß- 37a. Referent Charlonenburg. 3 Versammlungen vormittags 10 Uhr: I. BolkShauS, Rosinenstr. 3(großer Saal): Maurer. Putzer, Zimmerer und Banhülfsarbeiter. II. BolkShauS, Rostnenftr. 3(klein« Saal): Holzarbeiter, Mater, Steinsetzer, Töpfer» Porzellanarbeiter III. Schultz Festsäle, Kaiser Frledrichstr. 24(unterer Saal): Handel«, und Transportarbeiter, Fabrik- ardetter. Metallarbeiter, BetleidnngSdranche und die übrigen Gewerkschaften. Reserent«»: Karl Giebel, August Gebert und Emil Lehmann. BormittagS 10 Uhr, bei Obst, Meiningerstr. 8: Versammlung sämtlich« Gewerkschaften. Reserent: Ernst Brückner. S Versammlungen: Vormittags 10 Uhr: 1. bei Thiel. Bergstr. 151/152: Maurer. Für die übrigen Gew«kschasten: T bei Hoppe, Hennannftr. 49/53. 3. bei HrickanS, Karls- gartenftraße.— Reserenien: Davidsohn, Knüpfer und ZnbeU. Vormittag« 10 Uhr im.Kaiferhof". Grünstratze: Bersammtung sämtlich« Gewerkschaften. Res«.: Joseph Harttnann. Sormittag« 10 Uhr im GesellschaftShause: Versammlung sämtlich« Gcwcrkschaste» Reserent: Jakobson. vormittags t0 Uhr im Schlaft Welftenfee: V«sammlung sämtlicher Gewertschasten.— Referent: Adolf SSuschik. BormittagS 10 Uhr bei Wwe. Schonert, Neu-Seeland: Basammlung sämtlich« Gewukslhafte«.— Resermt: F- Gbert. Mönebisz. Rixdorf. Köpenick u. Umgegend. Erkner. WeiBensee. Siralau-Rummelsburg. Greß-Lichlerfelde u. Umg, Vorm. 10 Uhr bei Reisen. Grl Versammlung sämtlich« Gerne; l-filchtttfetde, Chausseestr. 104; chasten. Reserent: Gaida. Borm. 10 Uhr im Schwarzen Udler. Bevsammlung sämtlicher Gewertschasten. ehaussee Bs eferent: Wermuth. Friedrichsberg-Lichtenberg. Wilmersdorf. Pankow. MWD�WW DolninLanrlnrf Vorm. 10 Uhr im Restaurant. Sadau, Reinickendors-Oft, Residenzstraße, Ecke Amende. IlvIlIlUnvtlUvIIl straße: Versammlung sämttichor Gewerkschaften. Reserent: SUlter. hindar-, Ober-Schöneweide, Jobannisthal. Vorm. 10 Uhr im Luisen-Park, WishelmSaue 112: Bersammlung sämtlich« Gewcrk. schalten. Reserent: Dr. Herzfeld. Borm. 10 Uhr in RozyckiS Gesellschaftsbaus, Kreuzstr. 8/4: Versammlung sämtlicher Aew«I. schalten. Reserent: Franz Kotzkr. tilaiianKIde. vorm. 10 Uhr im Rest. Hasselwerder: Allgememe Ansammlung. Reserent: Franz Kämtng. m. B«sammlung sämtlicher Gewerkschaften. adtverordnet« Thurow. Borm. 10 Uhr bei Trapp, Bahnhosstraße t: Versammlung sämtlicher Gewerkschaften. Referent: RelchStagsabgeordneter Ghrhart. Fnadiiebsfelda. Tegel. Friedenau Schmargendorf. Borm. 9 Uhr im Rheinschloft. Rheinstraße«0: Versammlung sämtlicher Gewerkschaften. Referent: Juli«» Kaltski. Bor». 10 Uhr im Rest. Eafd Pein. HubertusbaderfKaße 8: Versammlung sämtlicher Gewerkschaften. Referent: R. Leopold. Die Gewerkschaften resp. die Einberufer der Gruppenversammlungen haben ihre Versammlungen selbst anzumelden. Bei den vorherigen Zusammenkünften bedarf es keiner Anmeldung.— Gleichzeitig werden die Bureaus der Versammlungen beauftragt, über die Zahl der Versammlnngsbesucher dem Getverktchafts- Bureau, Engel-Ufer IS, Gewerkschaftshaus, 1. Etage, Zimmer 1—2, schnftlich Kenntnis zu geben. Der Ausschuß der Kerliner Gewerkfchastskommisstou. AJANDORF&C9 Spitfelmarkt Belle Alliancstrasse Gr. Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Sonnabend soweit Vorrat. Kottbuser Damm Damen-Konfektion IZ** Q'i-'ii_ aus Tuch, Cheviot und modernen Fantasiestofifen, neueste Fassons, IxUobUIIlU ganz besonders preiswert 8.75 11.25 15.50 21.50 2650 37.50 9 11 h- n R Ol C on 9 1 of nf C aus?erausterten Stoffen, Covercoat, OuCuLlU U. IXClo t/fJdifcJ uU uO Gambia, z.T.«wasserdicht imprägn. 4.50 6.50 8.70 11.50 13.50 17.75 P cllsto ts aus Stoffen englischen Charakters, hervorr. billig 7 35, 10-85 ßolero-Jäekehen ÄÄÄSrÄ7.85, 10.75 Kleiderröcke SÄS 2.85, 3.75, 5.50, 6.50, 7.50 Alpaka-Faltenroek schwarz oder marineblau 8-35 Kleiderrock schwarz-weiss kariert,«Letzte Neuheit* 4 35, 6.80 Damen-Gürtel Gürtel weiss gepresstes Leder, in Medici-Form, hübsch ausgestattet 48 PL Stoff-Gürtel Fa?on Thb�\dt\vSmi'Seitentellen' 48 pl Goldband-Gürtel modern bedruckt, sehr elegant 85 Pf. 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H. richten wir an die organisierte Arbeiterschaft das dringende Ersuchen, bei ihren Ausflügen zur diesjährigen Baum- blüte sowie zur dortigen Ausstellung die Lokalliste streng beachten zu wollen. Das einzige freie Lokal am Orte ist der„Schwarze Adler", Inhaber Gen. Max Koch, Fischerstr. 88. Um nun bei dem starken Besuch der Baumblüte und der Ausstellung dies Lokal etwas zu entlasten und auch den Ä rb e i t e r r ad fa hr e rn so weit als möglich entgegenzukommen, ist außerdem noch eine Fahrrad- aufbewahrung mit Fruchiweinverkauf eröffnet worden, die- selbe befindet sich direkt an der Ausstellung, Werder, Unter den Linden 10, beim Gen. Bernhard Rettinger. Alle sonstigen Anfragen sind zu richten an Gen. Gustav Wüstenhagen, Brandenburgerstr. 36. Die Lokakkommission. Bezirk Waidmannslust. Die Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins findet am Sonnabend, den 4. Mai 1967, abends SVi Uhr, im Woitschachschen Lokale, Borsigwalde, Ernststraße, statt. TageS- ordnung: 1.„Die Abschaffung des Kost- und Loyiswesens eine Kulturforderung", Referent Genosse Karl Hetzschold; 2. Diskussion; 3. Wahl einer Agitationskommission; 4. Bereinsongelegenheiten; S. Verschiedenes. Das Erscheinen eines jeden Genossen ist Pflicht. Der Vorstand._ Spandau(Nonnendamm). Die Versammlung im Lokal von Schulz(„Zum Nonnenkrug") findet umständehalber bereits heute abend 6 Uhr statt._ Berliner J�acbricbtem Berlin und seine Bororte. Tas Ergebnis der Beratungen der gemischten Deputation '(Magistrat und Stadtverordnete» zur Vorberatung von Mafr nahmen über die Abwehr der bekannten Forderungen der Vororte in bezug auf Züsch ustleistung a u f G r u n d d e s§ 33 d. K. A. G. liegt jetzt vor. Die gemischte Kommission hat in ihrer letzten Sitzung beschlossen, den Magistrat zu ersuchen: u) Bestimmungen zu treffen über diejenigen Fälle, in denen Beamten und Lehrern ausnahms- weise das Wohnen außerhalb Berlins zu gestatten ist, b) in Erwägung zu ziehen, ob und in welcher Weise fiir die Be- Nutzung unserer Krankenanstalten seitens Auswärtiger ein höherer Satz zu erheben sei und c) in Erwägung zu ziehen, ob und in welcher Weise von Auswärtigen ein höheres Schul- geld zu erheben sei." Ter Magistrat hat beschlossen, diesen Anregungen der gemischten Deputation zu entsprechen und hat dann demgemäß die zuständigen Verwaltungsstellen be- auftragt, über die in Betracht kommenden Verhältnisie Er- Hebungen anzustellen und Vorschläge zu machen. Seine Ent- schließungen hierauf wird der Magistrat der Stadtverord- netenversammlung s. Zt. mitteilen. Den Beratungen lag ein umfangreiches ziffernmäßiges Material zugrunde, aus dem zu entnehmen war, daß oft nicht die Selbstkosten, die der Stadt Berlin entstehen, von den Auswärtigen erhoben werden. und daß die Nachbargemeinden in dieser Beziehung anders verfahren und von den Auswärtigen, obgleich diese in ver- schwindend geringer Zahl in den Vororten Schulen usw. be- suchen, höhere Sätze einziehen. Viele Veranstaltungen, wie z. B. das Obdach, gereichten auch den Vororten zum Segen. ohne daß diese auch nur einen Pfennig dazu beitrügen. Wenn auf diesem Gebiete Licht und Schatten besser als bisher ver- teilt würde, wäre es nur gerecht und dürfte vielen zum Nutzen gereichen. Das ganze Hin und Her zwischen Berlin und den Vor- orten würde sich erübrigen, wenn wir ein wirkliches Groß- Berlin hätten. Der hier angezogene 8 33 des Kommunal- abgabengesctzes beruht auf dem Gedanken, daß die als Fabrik- ort anzusehende Gemeinde denjenigen Ortschaften, die als Wohngemeinde von Arbeitern besonders belastet würden, Zu- schüsse zahlen solle. Je mehr im Laufe der Entwickelung Berlin seinen Vororten gegenüber den Charakter als typischer Fabrikort im Verhältnis zu Arbciterwohngemeinden verlieren würde, um so geringer seien, so wurde von sachverständiger Seite in der gemischten Deputation dargelegt, die Ansprüche, die auf Grund des Z 53 gegen Berlin geltend gemacht werden könnten. Auch die bereits anhängig gemachten Ansprüche würden zwar immerhin die Aufwendung von Mitteln er- fordern, keineswegs würde dies aber in einem so erheblichen Umfange der Fall sein, daß die Finanzen Berlins'erheblich be- einträchtigt werden könnten. Tie Mittel, die als Repressalien gegen die an sich be- rechtigten Forderungen verschiedener Vorortgemeindcn von Berlin von der gemischten Deputation in Vorschlag gebracht werden, sind fast kleinlicher Natur und nahezu wirkungslos. So kommt beispielsweise ein eventueller Beschluß der Stadt- verordnetenversammlung, den städtischen Beamten und Lehrern das Wohnen in den Ansprüche an Berlin stellenden Gemeinden Lichtenberg. Wcißensec und Rummelsburg zu ver- bieten, so gut wie gar nicht in Betracht. Nach angestellten Erhebungen ist die Zahl dieser Personen in diesen drei Ge- meinden gar nicht nennenswert. Die städtischen Beamten und Lehrer wohnen zumeist in den kleinen Villenorten, welche mit Berlin nicht in Streit leben. Ebenso verhält es sich mit der Benutzung der Berliner Krankenhäuser durch die drei Vororte. Weitzensee und Rummelsburg haben ei g e n e Krankenhäuser, brauchen die Berliner Anstalten fast gar nicht und Lichtenberg ist im Begriff, ein Kranken- Haus zu bauen. Nur die Erhöhung des Schul- g e l d e s für auswärtige Schüler könnte die Vororte treffen. Tie drei genannten Gemeinden wollen die Zahl der Kinder, welche Berliner höhere Lehranstalten besuchen, in den nächsten Wochen feststellen._ Tie Schwebebahn tu der Verkehrsdeputation. In der gestrigen Sitzung der städtischen Verkehrsdcputation führte zunächst der Wunsch der Kontinentalen Gesellschaft, zur Er- richtung von Schwebebahnen vor der Deputation Erleichte- rungen für die Herstellung der verlangten Probestrecke in der Brunnenstraße zu erhalten, zu einer lebhaften und langen De- batte. Auch diese Gesellschaft erfreut sich der Förderung und Unter- stützung der staatlichen Behörden und die Gesellschaft hat mitgeteilt, daß der Herr Polizeipräsident, um die Durchführung des Projekts zu erleichtern bezw. zu ermöglichen, geneigt sei, seinerseits auf die Anlegung von JnselperronS und der Träger, die zum Schutz des Publikums dienen sollen, sowie auf andere sonst von ihm verlangte Vorschriften zu verzichten. Die Deputation war in ihrer über- wiegenden Majorität der Auffassung, daß die Probestrecke ein voll- kommen genaues Bild der wirklichen Ausführung geben müsse, wenn sie der Deputation und der Bevölkerung im allgemeinen ein Urteil ermöglichen und überhaupt einen Zweck haben solle. Die Deputation glaubte daher, bei ihren früheren Beschlüssen beharren zu müssen. Die Deputation habe bereits das äußerste Entgegen- kommen dadurch bewiesen, daß sie der Gesellschaft gestattet habe, eine Strecke von nur 46 Meter in Eisen, das übrige in Holz herzu- stellen. Gerade in der Brunnenstrahe, auf welche die Gesellschaft Wert lege und in der ein ungeheurer Verkehr herrsche, müßten alle Vorkehrungen zum Schutz des Publikums und zur Bewältigung und Regelung des Verkehrs getroffen werden; sei die Bahn erst einmal in der Brunnenstraße gebaut, so bleibe sie natürlich dort und es könnten dann behufs Regelung des übrigen Verkehrs zur Ver- breiterung der Straße Anforderungen an die Stadt gestellt werden, die ins Ungemessene gehen. Man müsse daher gerade in der Brunnen- stratze genau erkennen können, wie die Dinge nach Einbau der Bahn liegen würden. Die Deputation stehe dem Projekt an sich prinzipiell nicht ablehnend gegenüber, Vorbedingung für alles weitere sei aber aus den angeführten Gründen die Herstellung d�r vereinbarten Probestrecken. Seit langem seien der Gesellschaft die Bedingungen bekannt und sie habe sie akzeptiert. Wenn die Gesell- schaft nun immer mit Einwendungen und neuen Vorschlägen komme, für die sie schon jetzt Unterstützung bei den staatlichen Be- Hörden suche, so liege die Schuld an der Verzögerung nicht bei der Deputation, sondern bei der Gesellschaft.— In Angelegenheiten des Tunnelprojekts der Großen Straßen- bahngescllschaft wurde der Entwurf eines Schreibens an den Polizei- Präsidenten zu dem von dieser und der Berlin-Charlottenburgcr Straßenbahngesellschaft in Ergänzung der früheren Unter- tunnelungsprojekte eingereichten neuen vierten Projekt von der Deputation gutgeheißen. In diesem Schreiben wird neben anderen Bemängelungen Einspruch dagegen erhoben, daß durch das neue Projekt mehrere Plätze der Stadt u. a. der Dönhoffsplatz durch offen liegende Rampcn-Anlagen zerschnitten und zerstört werden. Die anderen Punkte der Tagesordnung mußten abgesetzt werden. Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordnetcn-Ber- sammlung am Donnerstag, den 2. Mai d. I., nachmittags S Uhr. Berichterstattung über die Vorlagen betreffend den Abschluß eines Vertrages mit der Gemeinde Treptow zwecks Regulierung der Dorfstraße und der Neuen Krug-Allee in Treptow, und die Zu- stimmung zu der von der Gesellschaft für den Bau von Unter- grundbahnen beabsichtigten Herstellung eines Verbindungsgleiscs von dem Endpunkte ihrer Bahn in Treptow nach den in die Dorf- straße daselbst neu einzulegenden Gleisen.— Beschlußfassung über den Beginn und die Dauer der Sommerferien der Versammlung. — Vorlagen betreffend: die aus.SpezialVerwaltung 36 für Er- Werbung von Stratzenland. oder Baübeschränkungen auf Grund von Entschädigungsbcschlüssen oder richterlichen Entscheidungen in der Zeit vom 1. Oktober bis 31..Dezember 1866 gezahlten Be- träge,— die Wahl eines besoldeten Stadtrats,— die Bewilligung einer weiteren Bcihülfe an den Zentralverein für Arbeits- Nachweis,— die Abhaltung des Gottesdienstes in der Häuslings- barocke Buch,— die Bewilligung von Mehrkosten für den Umbau des Hochbehälters auf dem Werk Belforterstraße,— das Ergebnis der Beratungen der gemischten Deputation zur Vorberatung von Maßnahmen über die Abwehr der Forderungen der Vororte in bezug auf Zuschußleistung auf Grund des K 53 des Kommunalabgabengesetzes,— den Erwerb des Nobilingschen Straßenlandes Greifswalderstraße 160 im Enteignungsverfahren,— den Verkauf mehrerer Parzellen an der Rotherstraße, der Naglerstraße und der Straße„Am Warschauer Platz",— die Wahl von 8 Stadt- verordneten für die BcrufszählungSkommission,— die Regulierung und Pflasterung des Markgrafcndammes, der Stratze 38 zwischen Markgrafendamm und Böditerstraße zwischen Straße 38 und Persiusstraße— und die weitere Bewilligung von Mitteln für die Herstellung der speziellen Bauentwürfe für die städtische Unter- grundbahn Süd-Nord. Umlenkung von 15 Straßenbahnlinien. Die Straßenbahn ist genötigt, wegen Auswechselung! der Krcuzungsanlagen der Rosen- thaler- und Weinmcisterstraße die Wagen der vom Rosenthaler Tor durch die beiden Straßen führenden Linien in der Nacht vom 1. zum 2. Mai von 1 Uhr an und in der Nacht vom 6. zum 7. Mai von 12 Uhr an abzulenken. Die Wagen der Linien 3. 11, 22, 31, 35, 36, 37 und 41 fahren von der Münzstraße nicht durch die Wein- mc ister-, Rosenthaler- und Brunnenstvaße, sondern durch die Alte Schönhauser-, Lothringer-, Brunnenstraße und umgekehrt. Linie 30, 33, 38, 38, 40, III und 42 geht nickü über die Rosentholcrstraßc, das Rosenthaler Tor, die Brunnenstraßc und den Weinbcrgsweg. sondern durch die Neue und Alte Schvnhauserstraße, das Rosen-- thaler Tor. die Brunnenstraße, den Weinbergswcg und umgekehrt. Dir Wertzuwachssteuer. Bekanntlich ist in der Sitzung der Stadtverordneten- Ver- sammlung vom 21. März d. I. das Prinzip der Wertzuwachssteuer. welches im§ 7 Absatz 1 der Magistratsvorlage festgelegt ist. an- genommen worden, während alle übrigen Einzelbestimmungen der Vorlage einem ncugcwähltcn Ausschuß zur Durchberatung über- wiesen wurden. Die Majorität der Versammlung war aus sehr ungleichartigen Elementen zusammengesetzt. Unsere Genoffen hatten erklärt, daß die Vorlage des Magistrats das Minimum dessen darstelle, was für sie überhaupt in Frage kommen könne; für andere bildete die Magistratsvorlage die äußerste Grenze, bis zu der sie gehen wollten. Eine dritte Gruppe wünschte schließlich, daß in Berlin zwar eine Wertzuwachssteuer erhoben werde, er- klärte aber, daß die Einzclbestimmungen der Porlage teils zu weitgehend, teils unzweckmäßig seien. Bei dieser Sachlage hätte man füglich erwarten können, daß seitens dieser Gruppe rechtzeitig Anträge vorbereitet und eingereicht worden wären, die erkennen ließen, wie diese Herren sich eine ihnen genehme Wertzuwachs- steuer denken, und die dem Ausschuß als Unterlage für seine Be- ratungen hätten dienen können. Daß die Magistratsvorlage als Basis für eine Verständigung nicht mehr in Frage kommen konnte, hatten die vorangegangenen monatclangen Beratungen klar er- wiesen. Leider lagen solche Anträge, als der Ausschuß am Montag zu seiner ersten Sitzung zusammentrat, nicht vor. Die Beratung mußte daher bei 8 7 Absatz 2 einsetzen, welcher besagt, daß es für die Berechnung des Wertzuwachses belanglos sein solle, ob der frühere Eigentumswechsel vor oder nach dem Inkrafttreten der Steuerordnung stattgefunden hat. Uebcr diese sogenannte rück- wirkende Kraft der Stcuerordnung entspann sich eine ausgedehnte Debatte, die sich allmählich wieder zu einer Gcneraldiskussion über das Wesen der neuen Steuerart auswuchs. Als Niederschlag der gegnerischen Ausführungen wurde schließlich ein Antrag ein- gebracht, der verlangt, daß. aller Wertzuwachs, der vor dem 1. April 1807 entstanden ist, bei der Berechnung der Steuer außer Ansatz zu bleiben habe. Der Antrag wurde angenommen und die Beratung wegen der vorgerückten Abendstunde sodann vertagt. Für die nächste Sitzung sind Anträge in Aussicht gestellt, die eine Verrechnung der Wcrtzuwachssteuer auf die Umsatzsteuer de- zwecken und alö Kompensation eine— geringfügige— Erhöhung des vom Magistrat vorgeschlagenen Steuertarifs bringen sollen. Der Fahrplan der Teltower Kreisbahn tritt vom 1. Mai an in Kraft und dürfte die Berliner Ausflügler sicher interessieren. Der erste Zug der nunmehr elektrisch betriebenen Bahn geht morgens 5,56 Uhr von Bahnhof Groß-Lichterfelde-Ost ab und trifft um 6,25 Uhr auf der Endstation Stahnsdorf ein. Zwei weitere Züge werden um 6,36 und 7,16 Uhr morgens abgelassen. Von 8,06 Uhr morgens ab folgen sich die Züge mit 40 Minuten Ab- stand ununterbrochen bis 11,26 Uhr abends. Der letzte Zug geht 12,56 nachts von Grotz-Lichterfelde ab und trifft 1,26 Uhr in Stahnsdorf ein. Die Züge ab 8,46 Uhr, 10,06, 11,26, 12,46 Uhr mittags und alle Züge von 2,06 Uhr nachmittags bis 10,06 Uhr abends verkehren bis Machnower Schleuse. Die Züge von Berlin haben sämtlich Anschluß an die Kreisbahn mit einem Aufenthalt von 4 Minuten in Grotz-Lichterfelde. In entsprechender Weise ist der Verkehr von Stahnsdorf nach Groß-Lichterfelde-Ost geregelt. Die einfachen Fahrpreise betragen für die Strecke Groß-Lichterfeldc- Gasanstalt bis Seehof(Kolonie), Bahnhof Ost bis Seehof Wald- schlötzchen oder Hundertmark(Giesensdorferstraße) bis Teltow- Dahlemerstraße 10 Pf., Bahnhof Ost bis Bäckerstratzc-Tcltow oder Ruhlsdorfer Platz- Teltow bezw. Hundertmark bis Teltow (Kuhlmay) 15 Pf., von Bahnhof Ost bis Teltow-Porzellanfabrik oder Hundertmark-Stahnsdorf-Wqgenhalle 20 Pf., Bahnhof Ost bis Bahnhof Stahnsdorf oder Lichterfelde bis Machnower Schleuse 25 Pf. und für die ganze Strecke 30 Pf. Die 33. Mastviehausstellung ist gestern auf dem städtischen Vieh- Hose eröffnet worden; sie dauert bis zum 2. Mai. Die Ausstellung ist gut beschickt. Vor allem hat die Stadt Berlin zahlreiche Aus- stellungsobjekte geliefert, neben Vieh von den Rieselgüteru auch ver- schiedene Futtersorten. In der Schweincabteilung ist der bekannte Schweinezüchter, der verflossene Landwirtschaftsmiuister Herr b. Pod- bielski reichlich vertreten. Bon der Wertzuwachssteuer wollen auch die Vororte Nutzen ziehen. Nachdem im Rummelsburger Grundbesitzervercin und in einer Volksversammlung Vorträge über die Wertzuwachssteuer ge- halten worden waren, forderte der Rummelsburgcr Bürgerverein in einer Resolution die Gemeindebehörden auf, diese Steuer mit Rücksicht auf die zahlreichen unbebauten Terrains(die der Stadt Berlin gehören), bald einzuführen. Alle im Jahre 1885 geborenen Kinder müssen in diesem Jahre wiedergeimpft werden. Ferner müssen alle di�, welche seit Vollendung ihres 12. FahreS erst ein- oder zweimal ohne Erfolg wiedergeimpft sind, sich noch einmal in diesem Jahre einer Wieder- impfung unterziehen. Ueber ein sonderbares Verfahren der Universitätsklinik in der Ziegelstraße gegen einen Kranken wird lebhaft Beschwerde geführt. Der Kutscher P. war in der Ohrenklinik in der Ziegelstraße längere Zeit in Behandlung. Für die Kosten kam die Ortskranken- lasse für Tempelhof und Hascnheide auf, und zwar war sie bis zum 18. Mai verpflichtet. Am Montag, den 22. April, lief nun von der Universitätsklinik und Poliklinik für Ohrenlcidendc ein von Dr. Wagener, Assistent der Ohrenklinik, unterzeichnetes, vom Sonnabend, den 20. April, datiertes Schreiben folgenden In- Halts ein: „Der Kutscher Hans Pazdirski ist seit dem 18. Dezember 1806 bei uns wegen beiderseitiger Ohreiterung in Behandlung. P. ist jetzt soweit gebessert, daß er entlassen werden kann. Da P. aber fast erblindet ist, so ist er fremder Hülfe bedürftig. Wir er- suchen Sie daher. P. am Montagmorgcn, den 22. April, von hier abholen zu lassen, da ein längerer Aufenthalt in der Klinik nicht möglich ist." Die Kasse konnte diesem Wunsche auf sofortige Abholung des Patienten nicht nachkommen. Einmal war das Schreiben eben erst eingelaufen und gar keine Möglichkeit vorhanden, für den Mann sofort eine Unterkunft zu schaffen, da der Kutscher un- verheiratet ist und keine eigene Wohnung besitzt. Dann aber sind nur zwei Beamte auf der Kasse tätig und diese waren nicht sofort abkömmlich, eine Schließung der Kasse auch nicht gut angängig. Schließlich ist es auch gar nicht Sache der Kasse, für geeignetes Unterkommen entlassener Patienten zu sorgen. Am anderen Tage, den 23. April, vormittags VtQ Uhr, erscheint im Äassenlokal ein Wärter mit dem fast erblindeten Patienten P. und übergibt zu» gleich folgendes Schreiben: Königl. Universitäts-Klinik und Poliklinik für Ohrenkrankc. Berlin, den 23. April 1807. An die Ortskrankenkasse für Tempelhof und Hasenheide. «Hiermit überweise ich Ihnen den Kutscher Hans Pazdirsti, der heute aus der Ohrenklinik entlassen ist, da er einer weiteren klinischen Behandlung nicht bedarf und da ein längerer AufenthaU in der Klinik wegen Platzmangel unmöglich ist. Dr. Wagen er, Assistent der Univ.- Ohrenklinik. Das Verfahren der Universitätsklinik ist doch ein recht sonder- bares. Es mag ja für die Klinik recht bequem sein, insofern schnell Platz zu schaffen, indem man Patienten einfach nach der Kasse bringt, aber richtig ist das nicht. Die Sache ist um so schlimmer, als es sich hier um einen Mann handelt, der nahezu erblindet ist; einen solchen Mann setzt man doch nicht auf die Stratze. Der Leitung der Klinik mutzte doch bekannt sein, daß P. unverheiratet ist und keine eigene Wohnung besitzt. Die Kasscnbeamten nahmen sich, so gut es ging, seiner an, behielten ihn während der Kassen- stunden auf dem Bureau und machten sich nach Schluß der Kasse auf die Suche nach einem Unterkommen. Endlich erbarmten sich Bekannte in Rixdorf, bei denen P. früher in Schlafstelle gewohnt hatte, und nahmen den Bedauernswerten einstweilen bei sich auf. Auf der Prüfungsfahrt verunglückt. Ein schwerer Automobil- unfall hat sich gestern morgen in der Reinickendorferstraße zu- getragen. Der 43jährige Chauffeur Heinrich Menzel, Luisen- stratze 21, hatte einen jungen Mann als Chauffeur ausbilden wollen. Er unternahm mit ihm eine Probefahrt durch die Stadt und in der Reinickcndorferstraße mußte das Auto' einem ent- gegenkommcnden Lastwagen ausweichen. Der junge Chauffeur ergriff statt der Wcndkurbel die Bremsvorrichtung und infolge- dessen wurde der Kraftwagen mit solcher Gewalt zur Seite gc- schleudert, daß M. in weitem Bogen auf die Straße geworfen würde. Bewußtlos blieb er auf dem Fahrdamm liegen. Er wurde in dem Automobil nach der königlichen Klinik gebracht, wo schwere innere Verletzungen, Armbrüche und-Zersplitterungen festgestellt wurden. Der Zustand des Vcvunglückten ist fast hoffnungslos. Zwei schwere Straßenunfälle trugen sich am Montag- nachmittag zu. Gegen 3 Uhr wurde an der Ecke der Kulm- und Göbenstraße der Radfahrer Joseph Basorlick, Mansteinstr. 3 bei Volte wohnhaft, der in gleicher Richtung mit einem Straßenbahn- wagen der Linie 3 fuhr, von einer Droschke umgestoßen und fiel zu Boden. Der junge Mann geriet mit dem rechten Unterarm unter den Schutzrahmcn und das rechte Hinterrad des Straßen- bahnwagens ging über den Arm hinweg und zermalmte denselben. Der Unglückliche, der außerdem eine stark blutende Wunde am Kopfe davongetragen hatte, erhielt die erste Hülfe auf der Unfall- station und wurde dann nach dem Elisabeth-Krankcnhause über- geführt, wo sofort eine Amputation des zerschmetterten Gliedes vorgenommen werden mutzte.— Ein zweiter schwerer Unfall trug sich gegen 6 Uhr nachmittags vor dem Hause Große Frankfurter- stratze 144 zu. Dort wollte ein 60jähriger Herr, dessen Name und Wohnung bisher noch nicht festgestellt werden konnte, den Fahr- dämm des genannten Stratzenzuges überschreiten, und zwar in dem Augenblick, als ein Motorwagen der Straßenbahnlinie 68 heran. nahte. Der Unbekannte wurde von dem Wagen umgestoßen und kam mit beiden Füßen unter dem Schutzrahmen zu liegen. Mit Hülfe von Straßenpassanten wurde der Wagen angehoben und der Schwerverletzte in bewußtlosem Zustande aus seiner gefähr- lichen.Lage befreit. Der Unfallhabende hatte einen komplizierten Schädelbruch, eine Quetschwunde an der Hand sowie Rißwunden an beiden Füßen erlitten. Er wurde erst zur Rettungswache und von dort nach dem Krankenhause Friedrichshain gchracht. Die Leichen eines Liebespaares wurden gestern vormittag am Stößensee in der Nähe von Pichelsberge auf der Spandauer Seite gefunden. Der Mann ist etwa 10 bis 20 Jahre alt, er trug einen dunkelgrauen lleberrock. einen Jackettanzug mit weißer Weste und Schnürstiefel mit Lackbesatz. Das Mädchen scheint einige Jahre alter zu sein; es ist mit schwarzein Nock, weißer Bluse und grauer Jacke bekleidet. Man fand keinerlei Geld noch Ausweispapiere bei den Toten. Ein aufgefundener Gepäckschein vom Stettiner Bahnhof lästt darauf schließen,' daß die Lebensmüden von auswärts kamen. Das Engclufer, von Michaellirchplatz bis zur Adalbertbrücke. wird behufs Umpflasteruug vom 2. Mai ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Berliner Adreßbuch. Der zweite Nachtrag zum Jahrgang 1907 ist soeben erschienen und gelangt von morgen ab zur Ausgabe. Derselbe enthält alle feit Erscheinen der Hauptausgabe angemeldeten Wohnungsveränderungen, Geschästseröffmmgen und Geschäfts. Verlegungen, Zuzüge, Berichtigungen usw. Außer dem vollständigen Inhalt des ersten Nachtrages find insbesondere die Ergebnisse des Aprilumzuges und die jetzt schon feststehenden, im Lanfe des Jahres stattfindenden WohnnngS- und sonstigen Beränderuugen eingehend berücksichtigt. Auch dieser zweite Nachtrag wird allen Abnehmern des diesjährigen Adreßbuchs in der Hauptexpedition des„Berliner Lokal. Anzeigers", SW., Zimmerstr. 37—41, und in dessen sämtlichen Filialexpeditionen bis Ende Mai d. I. unentgeltlich verabfolgt. Abonnenten der Straßenbahn können ihre Abonncmentsmarken im Werte von 7,70 Mark, 10,20 Mark und 20,40 Mark jetzt auch wieder im„Kaufhaus des Westens", Tauenzicnstraße(Wittenberg- platz) erhalten. Der Verlauf erfolgt im Parterrre am Schalter- räum des Retsebureaus. Ein Leichentransport! Aus der Auferstehungs- gemeinde wird uns über einen Loichentransport berichtet, der sich unter sonderbaren Umständen vollzogen hat. Das dreijährige Kind eines Malers S. aus der K.-straße war gestorben und sollte auf dem Friedhof dieser Gemeinde beerdigt werden. Di« Familie lebt in bescheidenen Verhältnissen, daher mußte sie sich die Benutzung eines Leichenwagens versagen. Es wurde beabsichtigt, den Sarg mit der Leiche von der Wohnung aus nach dein Friedhof hinauszutragen. Man kann das in Berlin öfter beobachten, daß unbemittelte Familien auf diese Weise selber den Transport von Kinderlcichen bewerkstelligen. Indes, auf der Küsterci der Auferstehungsgeineinde wurde der Mutter des verstorbenen Kindes mitgeteilt, daß nur Leichen von Kindern deS ersten Lebensjahres hinausgetragen werden dürfen. Da aber die Familie die Kch'ten der Benutzung eines Leichenwagens nicht erichmingen konnte, so wurde nun der kleine Sarg in einen Kinderwagen gestellt und in ihm nach dem Friedhof hinausg«fahren. Zwei der Familie befreundete Arbeiter waren bereit, den Transport zu unternehmen. Abends um%9 Uhr brachen, sie auf und wanderten im Dunkeln vom Viehhofsviertel über das noch nicht bebaute, unwegsame Terrain des Nordostens hinaus nach Weißensee, wo der Friedhof liegt. Zwar hatte die Fanitlie es unterlassen, sich den Schein zu verschaffen, der zur Einstellung der Leiche in die Leichenhalle er- forderlich ist. Aber da die Gebühren für die Gruft bereits auf der Küsterei bezahlt und alle sonstigen Formalitäten erledigt waren, so wurde angenommen, daß Schwierigkeiten nicht entstehen könnten. Zur Vorsicht gab der Sarglieferant den beiden Arbeitern einen Zettel mit, worin er den Friodhofsinspekwr von dem(Sachherhalt in Kenntnis setzte. Um l�lv Uhr kam die Leiche auf dem Friedhof an. Dort ergab sich nun, daß der Inspektor in schroffer Form die Auf- nähme der Leiche rundweg verweigerte, weil kein Hallenschein vorgewiesen werden konnte. Als die Axbeiker erklärten, dann müßten sie die Leiche dort draußen zurücklassen, drohte der Inspektor, er würde einen Gendarm herbeiholen. Da der Inspektor trotz allen Parlamentierens sich völlig unzugänglich er- wie», so entschlossen sich die beiden Arbeiter, die Leiche wieder mit- zunehmen. In Nacht und Nebel wanderten sie mit ,hrem Kinderwagen und dem Sarg nach Berlin zurück. Durch einen Wächter mußten sie sich die Haustür öffnen lassen, um die Leiche abgeben zu können. Am anderen Vormittag wurde die Leiche wieder nach Weißensee hinausgeschafft und nach Vorweisung des HallenfcheinS ausgenommen, und am Nachmittag fand dann die Beerdigung statt. Als ans dem Friedhof Frau S. dem Inspektor Vorwürfe wegen seines Mangels an Entgegen- kommen machte, behauptete dieser, die Arbeiter seien betrunken gewesen. Diese Behauptung wurde sogleich auf dem Friedhof zurückgewiesen. Auch uns ist versichert worden, daß von Betrunken- heit keine Rede sein könne. Unseres Erachtens spricht gegen diese Behauptung eigentlich schon der Umstand, daß der Inspektor die beiden Leute mit der Leiche wieder nach Hause schickte. Wenn, er die Arbeiter für„betrunken" hielt, so verstehen wir nicht, wie er ihnen dann die Lei che noch überlassen durfte. Ist es vereinbar mit den Pflichten eines Friedhofsinspektors, daß er „betrunkene" Männer in der Nacht eine Leiche in einem Kinder- wagen von Weißenfee nach Berlin zurückbringen läßt? Feuerwehrbericht. In der vorletzten Nacht kam ein gefährlicher Brand in der Prenzlauer Allee 88 in einem Schuppen auS. Als der Brand gegen 2 Uhr nachts bemerkt wurde, hatten die Flammen schon eine große Ausdehnung erlangt und den angrenzenden Stall erfaßt. Die in diesem Stall untergebrachten Pferde konnten bis auf eins, das schon erstickt war, gerettet werden. Der 3. Zug nahm sofort mehrere Schlauchleitungen vor. Es gelang, eine weitere Ausdehnung des Brandes zu verhüten. Der Schuppen mit Kisten und Tonnen und der Stall sind niedergebrannt. Die Entstehung konnte nicht ermittelt werden. Gestern früh um f» Uhr brannte in der Müllerstratze 122 ein Stall, Preßkohlen und anderes. Der 13. Zug wurde nach der Friedrichstraße 109 gerufen. Dort war ein Automobil- Omnibus durch Festbrennen einer Bremse in Brand geraten. Fette, Ocle, Regale und anderes brannten in einem Lagerraum in der Wassertorstraße 66. Die Feuerwehr kirntzte kräftig löschen, um die Gefahr zu beseitigen. Ferner hatte die Wehr in der Weißenburgerstraße 44 zu tun, wo in einer Küche Feuer ausgekommen war. Außerdem rückte die Wehr noch nach der Mtinzstratze 14, Alcxandrinenstrahe 105, Neuen Wilhelm- straßc 7, Kaiser Wilhelmstraße 18a und anderen Stellen zum .Feuer aus._ Vorort- JVacbncbtem Gchöneberg. Der Schiineberger Stadtverordnetenversammlung lag am Montag(das Bauprogramm für das Petersburg 756 etill Scilly Merdeeu Paris 760 NW 753 SSO 758 W Wettcr-Prognose für Mittwoch, den l. Mai 1007. Ziemlich trübe mit leichten Ziegcnfällen bei mäßigen westlichen Winden, später ausklarend und etwas kühler. ffiir sc» Jnliali der Juscratr nderninimt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei BcrantNiorning. Zheater. !ai Mittwoch, den 1. Anfang 7l/2 Uhr. Sgl. Opernhaus. Rienzi.(Ansang 7 Uhr.) Donnerstag: Die Abreise. Cav. rusticana. Die Puppenfee. Sgl. Schauspielliaiis. Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Donnerstag: Die Rabcnsteinerin. Renes kgl. Operntheater. Der Zigcunerbaron. Donnerstag: Die Fledermaus. Deutsches. Robert und Bertram. Kammerspiele: Frühlings Erwachen. Donnerstag: Robert und Bertram Lessiug. Die Stützen der Gesellschaft. Donnerstag: Florian Geyer. Renes Schauspielhaus. Alt-Heidel berg. Donnerstag; Herthas Hochzeit. (Ansang 8 Uhr.) Zlnsang 8 Uhr. Lorhing. Die Regimentstochter. Donnerstag: Opern-Aussührungen. Berliner. Der Hund von Basker ville. Donnerstag: Sherlock Holmes. Zentrnk. Thetje EggerS Brauwacht. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Sitltller O.«Wollner. Theater.) Minna von Barnhclm Donnerstag: Heimat. Schiller-Theater(kharlottenburg. Moloch. Der zerbrochene Krug Donnerstag: Traumulus. Schiller>.(Frlcdrtw Wikdelm städtisches Theater) Am grünen Weg. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung Komische Oper. Mamzelle Nitouche. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung Weste». Die lustige Witwe. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung Kleines. Heimkehr. Donnerstag: Das KuckuckSei. Neues. Der Dieb. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Residenz. Haben Sie nichts zu verzollen f Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Lni« spiel bans. Husarenfieber. Donnerstag: Dieselbe Vorstellun Dentsch-AiiicrikanischeS. Mamzel Nitouche. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Thalia. Wo die Liebe hinsällt. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Luisen. Geschlossen. Trtanon. Frl. Joselle— meine Frau. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Bernhard Rose. Busch.LiesT Donnerstag: Die Geyer-Wallh. Meeropol. Der Tensel lacht dazu. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung Gebr. Herrnfeld. Ein verrücktes Hotel. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Wintergarten. La Tortajada. Spezialitäten. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Ülpoliu. Der lustige Witwer. Spe- zialitäten. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Kasino. Heirat aus Probe. Spczia litäten. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Walhalla. Spezialitäten. Intimes. Eine vom Ballett.— Zapfenstreich. Folios tkaprice. Eine Nacht in der Apotheke. Doiilicrslag: Dieselbe Vorstellung. Palast. Spezialitäten. Pastage. Mal was Anderes. Spe zialitäten. NcichshaUcn. Stettiner Sänger. Urania.?n»l>c»il>asie 48/40. Abends 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Donnerstag abends 8 Uhr: Durch " Dänemark und Südschwcden. Sternwarte, Juvalidenstr. 57/62. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Die Feuergewaiten der Erde. Morgen abend 8 Uhr: Oureb Dänemark und Südsebweden. Sclilller-Tlieater. Ferdinand Kunn» Berliner Theater. Ansang 8 Uhr. Der Hund von Baskerville. Donnerstag bis Sonnabend: 8ker!ock Holmes N« Schauspielhaus Zlnfang'/jS Uhr: Alt- Heidelberg. Donnerstag: Herthas Hochzeit Ansang 8 Uhr. MWMM ®r. Araiilsurlerstr. 132. Gastfp. v. Käthe Wille Bach fi Bnsch-Liesl. Original- Volksstück mit Gesang 4 Akten von Willhardt. Morgen: Die Geicr-Wally. Billettvorvcrkaus ohne Vorverlauss- gebühr täglich von 10—1 Uhr und 4—0 Uhr an der Theaterlall«.» in ZOOIOCISCHER GARTEN Täglich nachm. 4 Uhr: Gr. Mililär-Knnzert. Eintritt 1 Mk., von abends 6 Uhr ab 60 Pf., Kinder unt.' 10 Jahren die Hallte. Schiller-Theater 0.(Wallner-Tbcalcr). Mittwoch, abends 8 Uhr: lllnria. von liuenlioli». Lustspiel in 5 Auszügen V. Golthold Ephraim Lessing. Donnerstag abends 8Uhr: Uelmnt. Freitag, abend? 8 Uhr: Ilelinat. Schiller-Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 U b r: Molsoli. Eine unvollendete Tragödie(2 Alte) von Friedrich Hebbel.— Hieraus: ver»crkroclien« Krug. Ein Luftsp. in 1 Ausz. v. Hcinr. Kleist. D o»» e r s l a g, a b c n d s 8 U h r: Tranninlns. Freitag, abends 8 Uhr: Tonnnuiln«. freieöolksbiihnc Sonntag, den 5. Mai, nachmittags 3 Uhr: Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Der Dieb. Morgen und solgende Tage: Der Dieb. tteuee Schauspielhaus. 4./5. Abteilung: Paracelsus. Die letzten Masken. i Das Fest des Sankt Matern Berliner Theater. 15. n. 16. Abteilung: Der Richter von Zalamea. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Heimkehr. Donnerstag: Das KuckuckSei. Freitag: Heimkehr. Sonnabend: Das Kiiötiittsei. 3. Oper im Lortzing-Theater nachmittags 3 Uhr; UNDINE. Die Opernhefte liegen in allen Zahlstellen für die Besucher der Opernvorstmlungen aus. i 228/20 Der Vorstand. LVertr.; G. Winkler. Lortzing-Theater; Belloallianceetr. 7/8. Miitwoch, den 1. Mal 1907: Die Reglmentstocliter. Ansang 8 Uhr. Abonnements gültig! Donnerstag: Sternsches Konser« vatorium. Ansang 7'/., Uhr: Tann- Häuser(Szenen d. 2. Akt.). Magarete (3. Akt). Der Waffenschmied(Szenen d. 1. Akt). Romeo u. Julia(Duett des 4. Akt.). Rigoletlo(2. Slkt). v>/. Heute: vft. Zum erstenmal in Berlin! Äsrisiein mit seinem glStizenden Schlager: Der luftige Witwer. Vorher 3 Uhr: Debüts der neuen Spezialitäten. LustspieBhaus. Abends 8 Uhr: Hnfarenfieber. Schiller-Theater N. Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater. Abends 8 Uhr: Am grii neu Weg. ' Passage-Theater.' ute: Premiere. Grete Gallus Ä iriS! Mascha DignainMatE.r Carlsen UiBIbs in„Maskensllrt". Tho? niarnc Akrobaten aus Ulli 0 UldlUi) rollender Kugel. Fred marlon, der unvergl. Mustkimitator. Ii erstkl. Spezialitäten 14. Zentral-Theater. Täglich 8 Uhr: Thetje Lggers Brauinscht. Volksposse mit Gesang in 3'Akten und 6 Bildern von Ernst Drucker. Sommerpreise: 2,10, 1,60, 1,10,—60. Sonnabend, den 4. Mai er.: Die Nachtigall aus dem Bäckergang von Dr. Julius Stinde. Vorher: Vaters Ebenbild. üiisen-Hel Reichcnbergerftr. 34. Mittwoch und Donnerstag: RejidruMkuttt. Dircklion Richard'Alexander. Ansang 8 Uhr. Nsbön Sie nichts zu verzolien? Schwank in 3 Akten v. M. Hcnnequin und P. Veber. Robert de Trivelin: Rich. Alexander. IUetropol-Thealer Anfang 8 Uhr. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julias Freund. Musik von Viktor Hollaender, Dirigent Max Roth, In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. MnsNary. �follT. Bender. Ciiampletro. Joncphl. Rauchen überall gestattet. Sonntag, 5. Mai. nachm. 3 Uhr: Auf in's Metropol. Brunnen-Theater Badstraße 58. Direkt.: Beruh. Rose. Freitag, den 3. Mai 190?: Maria Theresia und ihr Hof. Historisches Lustspiel in 5 Akten. Kaffcneröstnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr Boranzeige! AmI.Pimgftieiertag.' 19. Mai: SrSffmin s der Sommer- Spielzeit. Premiere Neues Programm. Morgen: Sa ftrtaiada. Neues Programm. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Bruniieiistr, 1«. Heute: Oesehlosgen. Sonnabend: Große Extra-Borstrllnng. Zum ersten Male: Wo die Liebe hinfällt. Ans. 8 Uhr. Entree 30 Pf. Ball. Stadt-Theater Moabit Alt-Moabit 47/49. Morgen Donnerstag: Gasisptel Bernh. Rose- Theater. Maria Theresia und ihr Hof. Historisches Lustspiel in 5 Äkien. Knssciieröffnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. Billetivorverkaus bei.Krüger u. Obcrbeck, Turin- und Bcussclstraßen» Ecke, und im Theaterrcstaurant. Kahl. Herrnfeld- Ansang ffffRooton Vorverk. 8 Uhr. lUvdlvr 11.2 Uhr 57 Kommandantenstraße 57. Li« oerritektes Kotel Hauptrollen: Anton u. Senat Herrnseld. In Vorbereitung: Es lebe das Nachtleben! Eine Separee-Affäre von'Anton u. Donat Herrnseld. kolies Cilprice Linienstr. 132, an der Friedrichstr. Eine Katastrophe. Hieraus: M bebt in der Apotheke. Ansang 8 Uhr. Vorverkaus an der Theaterkasse und bei Wcrtheim. Berliner lllk-Trio. Felix Soheuer ü Straliiidtritr.l. 7titM �itnHctiaitc" Ziegenhals bei Zeiilbeo .aZalllll OUUI 12kKIUll2k Dampfer- und Bahnstation lymmwmm Tel.: KgS.Wusterhausen 175. Empfehle mein herrlich am Krossinsee und Hochwald gelegenes Lokal den werten Vereinen, Gcwertschaslcn, Fabriken und Gescllschasten zu Dampfer- ausfiügen. Zwei groste Sülo, Kegelbahnen, Kastceküche und Bolks- beluftigungcn aller Art. Um baldige Anmeldung bittet Max nurnctael. Avis! Auch in diesem Jahre findet am Himmelfahrtstago(9. Mai) vorm. S>/, Uhr, ab Station Kahiit A Hertzer, Stralauer Brücke, die beliebte Sxtra-Dampferfahrt mit Musik nach meinem Lokal statt. 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Heute und solgende Tage: Fräulein Josctte— meiue Frau. _ Ansang 8 Uhr._ Jteichshallen-Theater. f Sä*. «N>. wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Roich»- halloa- Restaurant. Militär- Konzert. Sanssouci, Direktion Wilhelm Reimer. Sonnt.. Moni., Donnerst.: Iloflstnannis Norddeutsche Sänger und Danzkränzchen. Stets neues aktuelles Programm. Sonnt. Bg. 5, wochent. 8 U. Für die nächste Saison sind sämtliche Sonn- bereits besetzt. Noch einige Mitttvochabende sind frei. ch>8leidt- Theater- und Konzerthans, BrOcheiistr. 2(o. d. Jamiow.-Br.) Zum Krempeln: vuronn R»Icp«-nt»rii>k,daS originalste, drastischte Opus der 8tekU- Sanier Ansang 8 Uhr. Sonntag 4 Uhr. Vorher Konzert. Im Steidl-Nestaurant" tZr. Dvlhcrskt- 14 o nzert. Vorzügliche Küche! ' Tageskasse 11—2 Uhr. (*n8tav Behrens-Theater, Berlin W.,Goltz- straBe B. Das herrlictie Mai- Programm Neu! Thomas Bedsy Com- pagnie. Gr. amerikan. Exentric-Pant. k N»nd«-erlcer«trsit Maurer(Busse), Zimmermann(Dir. Gust. Behrens), Maler(W. 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Oranienburger 4389L* Verlangt bei Euren Zigarren• Handlern Wiehtelmännelien! Beste 6 PfennigsZigarre, Vertreter: I-eo Ansbach, Berlin O., Schillingstrale 86. ir k Freitag, den 3. Mai, abends 8l/2 Uhr, bei Keller, Koppenstr. 29: Vertrauensmänner' Yer Sammlung für sämtliche Bezirke und Branchen. Tages-Ordnung: Dericht iiber die Uerhandluttge« vor dem Ginigungsamte. nmr- Jede Werkstatt muf? vertreten sein. Mitgliedsbuch nebit Karte legitimiert.-MS Verlisnck der Tapezierer. _ Optsverwaltnng Berlin. mr Die Maivcrsammlung findet vormittags 10 Uhr in Wendts Jnduftrie-Feftsälett, Beuthstr. 20 fut. Sßon feiten des Verbandes findet kein Ausflug statt, vielmehr werden die Kollegen ersucht, sich am Nachmittag vollzählig an den Veranstaltungen der Partei zu beteiligen, _ Die Ortsverwaltnng. 6 Restaurant ewerkschafts- � haus. � Vom 1. Mai ab: Täglich Gr. Frei-Konzert der Berliner Schrammeln. X Reichhaltige Abendkarte. X R. Augustin, Engel?lser 15. r s. Zweigverein Berlin. Sektion der Olps- and Zementbrancbe.— Gruppe: Rabitzpatzer a. Träger. Freitag, den 3. Mai, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Saal 1, Engel-Ufer 13: Mitglieder- Uersammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Regelung der Beitragszahlung laut Beschluß des neunten Verbandstages. 4. Gewerkschastliches. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es notwendig, daß alle Kollegen erscheinen und erwartet zahlreichen Besuch 139/6 Der Gruppenvorstand. Mein Rossini-Musikwerk spielt heute zur Feier des Tages den Sozialisten- marsch und die Marseillaise. Gäste willkommen. 4l5b Wirtshaus„Stadt Eitstrin" Thaerstraße 6. Bon der Reise zurückgekehrt 3Söb Dr. Gustav Bradt, Arzt. Spezialarzt für Hals-, Nasen-, Ohren- leiden. SQ.. Wienerstrafic SO Von der Reise zurück. 202/4» Dr. med. R. Hirsch, Spezialarzt für Haut-, Harn» und Geschlechtsleidcn. Danzigeratraße 08. 47542» GardinenhauS Bernhard Schward Wallstr.DS Flur-Eing. 2S teppdecken billigst direkt in der Fabrik» 7». 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Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Maurer Msuu Olschewski (8. Bezirk) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwochnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des neuen Michael-Kirchhoses(Mariendorser Weg) aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 232/15 Der Vorstand. Zentral-VeM der Maurer Deutsehlanils. Zahlstelle Rlxdorf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Joksnn Gischewski am Sonnlag, den 23. April, verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 1. Mai, nachmittags 4 Uhr von der Leichenhalle des Michael-Kirchhoses am Marie«- dorser Weg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 139/7 Ter Borftaud. Beutseber Buebbiuder-VerbAut. Zahlstelle Ver«». Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Buchbinder Georg Leuchte am 28. April gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am 1. Mai, mittags 2 Uhr, von sder Leichenhalle des Zentral-�riedhoss in Friedrichsseide statt. Um rege Beteiligung ersucht 23/15 Die Ortsverwaltimg. Am 28. April verstarb plötzlich die Frau unseres Genossen Hugo Mann, Petersburgersttaße 34, Amalie Hann Ehre ihrem Andenken! Di« Beerdigung ersolat am 1. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Andreas-Friedhoscs in WiihelmSberg aus. 4758L Zahlreiche Beteiligung erbitten Die Weiiossen der 33. Abteilung. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben SohneS Alfred sagen wir allen Beteiligten unseren besten Dank. 414b Bohert Holtsch nebst Frau. Danksagung. Für die vielen Bclveise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranz. spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes Jofisnties Skrobala sage ich allen Freunden und Kollegen, insbesondere denen von der Firma Kehling u. Thomas, meinen herzlichen Dank. 3935 Wwe. Marie Skrobala nebst Kindern. Allen Freunden und Bekannten herzlichsten Dank sür die rege Teil- nähme und reiche Blumens pendc bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Steinsetzers Emil Groth. Mathilde Groth geborene Schonack, Auguststr. 48. 106b Di». Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41,„tiÄ 10—2, 5—7. Sonntags 10—12, 2— 4 Am 1. SlWöi bleibt die Seltersabrik von W. Glase Kochhannstraüe 2 geschlossen. 109b_ W. hflklas. Qtaninl von Schokolade und OlalllOI Flaschen kaufen Tneh, Schwedterstr. 248. Roth, Willibald Alexisstr. 42. S»üt tag TH.MLt. Zcrlin. Vruck u. Berlag: Borwir» Mchdruckerei u. Berloqsanstalt Paul Singer& Co.. vrrN? Nr. 101. 24. Ichrgang. 4 Mit i>ts Jormirts" Knlim JolWlirtt. Versammlungen. Der Wahlverein des sechsten Kreises hatte am Dienstag eine Agitationsversammlung im Swineumnder Gesellschaftschaus ver° anstaltet. Genosse Kurt Baake hielt einen Vortrag über das Thema„Der neue Reichstag". Er schickte eine Betrachtung über den Wert des Parlamentarismus im allgemein M voraus und erinnerte daran, welchen hohen Wert Lassalle dem allgemeinen Wahlrecht bei- legte, das ihm wie eine Wünschelrute erschien. Später dachte man geringer davon; Liebknecht sprach vom Parlamentarismus einmal als von dem„Feigenblatt des Absolutismus". Die Bewegung der „Jungen"(1889 und 1890) entfachte manchen Streit über die parla- mentarische Taktik, aber die Bewegung gegen den Parlamentarismus erlitt Schiffbruch und mit der wachsenden Bedeutung der Partei ist die Tendenz einer günstigen Beurteilung der Arbeit im Parlament vorherrschend geworden. Wan erkannte in dem Parlamentarismus ein Instrument, dessen Wert sich in fleißiger Handhabung bewähren mutz. Bei uns gilt es erst, aus dem ScheinparlamentaviSmus einen wirklichen zu machen. Redner ging dann auf den letzten Wahlkampf näher ein und besprach das Wahlresultat. Er sieht darin nur einen Zwischenfall, der uns Geduld predigt; viel Geduld mutzten wir haben mit der schwerfälligen Masse. Nachdem der Redmer die verschiedenen Parteien näher charakterisiert hatte, ging er auf die grotzen Debatten im neuen Reichstag ein und hob die Reden unserer Vertreter hervor. Bülow verfügt jetzt über zwei Mehrheiten, die wirtschaftliche, aus Konservativen, Zentrumsleuten gebildet, und die zäsar'"'"'..... Konservativen, ST Es sei aber noch bestehend aus Sozialdemokraten,'Zentrumsleuten und Freisinnigen. Den letzteren müßte freilich das schwache Rückgrat etwas gestärkt werden, wenn eine sozialpolitische Mehrheit daraus werden soll. Redner ging auch auf die auswärtige Politik ein und erklärte, daß die Situation nicht sehr günstig sei. Die Stellung der sozialdemokratischen Partei im neuen Reichstag habe an Bedeutung für die Agitation und Kritik nichts eingebüßt. Wenn auch die Zahl der Sitze geringer geworden sei, so erregen wir doch die gleiche Auf- merksamkeit, denn man weiß: wir bleiben und werden immer mehr eine entscheidende Macht. Mit einer Aufforderung, die Macht unserer Partei bei den preußischen Landtagswahlen zu entfalten und in den Kampf gegen das preußische Junkertum zu ziehen, schloß Genosse Baake seinen Vortrag, der lebhaften Beifall fand.— Eine Diskussion wurde nicht beliebt. Genosse Frey- r Haler richtete an die Genossen und Genossinnen die dringende Ermahnung, für einen besseren Besuch der Agitationsversamni- lungen zu sorgen. Nicht nur bei besonderen Gelegenheiten sollten die Genossen zusammenströmen, sondern sich immer regsam und täftg zeigen, wo es gilt, unsere Agitation zu fördern. Eine Mangel- Haft besuchte Versammlung macht einen sehr schlechten Eindruck. Jeder sollte dahin wirken und streben, daß wir mit unseren Ver> sammlungen Ehre einlegen. Ueberall w.u haben! Die i,-Ms MAiFEiER Ueberall zn haben! Die aifest- Zeitung ist soeben erschienen. pi'ois 10 Pfennig. Das Titelbild, von dessen künstlerischer Ausführung die nebenstehende Abbildung Zeugnis ablegt, zeigt den feiernden Arbeiter, der am Weltfeiertage der Fabrik den Rücken gekehrt hat. Von sehr guter Wirkung ist auch das große Mittelbild, das in trefflicher Weise die Gedanken widerspiegelt, von denen die Arbeiterklasse am 1. Mai beseelt ist. SfcV.T.Pt WWW Verkleinertes Titelbild. Maifest-Zeitung ist soeben erschienen. Pi'eis flO Pfennig. Aus dem sorgfältig ausgewählten Inhalt seien genannt die Beiträge:„Der Protest des Mai" von Karl Emil.—„Wir Frauen und die Zu- kunft" von Käthe Duncker.—„Positive Arbeit" von Karl Korn.—„Die Gewerkschaften und der erste Mai" von Paul Umbreit.—„Maiengang", Gedicht von F. Diederich.? ja" Jeder Ardeiter, fede Arbeiterin, alle Festteilnehmer sollten das Statt bansen! 233/20« Partei- Speditionen: Zontrai» l: Fritz Zinke, Mauerstr. 83. Zentrum II: Albert H ah nts ch, Augustftr. 50, Eingang Joachlmstraße L. Wahlkreis, W e st e n: Gustav Schmidt, Bülowstr. 52. Hof. , Süden und Südwesten, Hermann Werner, Gneisenaustr. 72, Laden. N. Wahlkreis St. Fritz, Prwzensw. 3t, Hos rechts Part. 4. Wahlkreis Efttn: Robert W e n g e l s, Rüdersdorserstr. 3, am Küstrincrplatz.— Wilhelm Mann, Pctersburgrrplatz 4(Laden). 4. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Lausitzcrplatz 14/15 (Laden). S. Wahlkreis: Leo Z u ch t, Keibelstr. 42(Laden). 6. Wahlkreis tHoabit und Hansaviertel): Karl Anders, Salzwedclcrftr. 8, im Laden. WeNlUnx: Karl Meiste, Nazarethkirchstraße 49. ICosenthaler und Oraaienbnrger Vorstadt: Hermann Ji n fch t e, Ackerstr. 36, Eingang Anklamerstraste. Gcsn mlbrunnen: F. Trapp, Stettinerstr. 10. iSchiinhanser Vorstadt: Karl Mars, Lhchenerstr. 123. 41t-<*licnlcke: Wilhelm Dürre, Rudowerstr. 83 kl. C'harlottenbiirs: Gustav Scharnberg, Sesenheimerstratze 1, Ecke «Soetheslrastc, Laden. WilmorMdorf-Halensce: Georg F e e s e, Berlinerstr. 46, Laden. Lilchtenberg, Frledrlchsfelde, Wllhelmsbcrg: Otto S e i! e l. Kronprinzenstraste 50, I. Rninnielshurg, Boxhagen:i!l. Rosenkranz, Alt-Boxhagen 56. tt r Unan: Otto Schröder, Köpenickerstr. 1. Itixdorf: M. Heinrich, Neckar swaste 2, im Laden. (Schnmrgendorf: Gustav KaminSkh, Eimostraste 2. SchOneberg: Wilhelm B ä u>n l e r, Martin Luthersw. 6t, im Laden. Venipelhor: M. Müller, Berlinerstr. 41/42. m>er-Srh«newelde: Julius Grunow, Edisonstr. 10, I. Xieder-iSehttnevelde: BonakowSky, Hasselwerderstr. 8. d-liannisthal: Franz Hünold, BiSmarckstr. 7. Adlershof: Erich Steuer, Hackenbergsw. 5, II. Königs-Wastcrbansen: Friedrich Baumann, Luckenwalder- straxe 4b. Kiiprnleh: Friedrich W o i ck, Grünstr. 4. W'riedemui- Steglitz.»Sitldende: H. Be r n s e e, Schloststr. 115, Kartenhaus I, in Sieglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Moh r, Düvpelstr. 32, und Fr. S ch e I l h a 1 e, Ahornstr. Iba. Hariendorf: Paul Müller, Bergsw. 35, Hos I. Bannisehnlen«' eg: S tr', Erustsw. 2, II. Vrepto�: Rob. Gramenz, �.esholzsiraste 412, Laden. Ken-WeiUensee; K u r t F u h r m a n n, Scdansw. 105, parterre. Ueinickendorr• Ost, Wllhelnisruh und SchUnholz: P. Gursch, Provinzstraste 108, II. Tegel, Borsigwalde, Wittenau. Walilmannslnst, llcrmsdorf und Reinickendorf-West; Paul Kienast, Borsigwalde, Räuschstraste 10. Pankow-IUlederschönhaiiBeii: G. F r ei w a l d t, Mühlenstr. 73. Bernau: Heinrich Brase, Hohcsteinstr. 74, Part. Dlohwalde, Zenthcn. Allersdorf und Hankels AbInge: »Ujons Grä tz, Eichwalde, Kronprinzensw. 82, I. Teltow: Wilhelm Kestler, Haherstcurweg 7. V owawes: Wilhelm I a p p e, Priesterstr. 46. �pandnn: K ö p p e N, Jagowstr. 9. Außerdem ist sämtliche Parteiliteratur sowie alle wissenschasilichen Werke dort zu haben. Auch werden Inserate für de«„Vorwärts" entgegengenommen. MF- Bitte ansscbneiden. IM Singer Nähmaschinen. 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