Nr. 102. Abonnements- Bedingungen: bonnements Breis peänumerando: Bierteljährl. 8,80., monatl. 1,10 R., wöchentlich 28 fg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit Wustrierter Sonntags. Beilage Die Reue Belt 10 Bfg. Boft bonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Bost- Zeitungs. Breisliste. Unter Areusband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Poftabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Humänien, Sweden und die Schweiz. Crideint taglie außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 24. Jahrs. Die Infertions- Gebbr Geträgt für bie fechsgepattene Rolonel. Belle ober beren Raum 50 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 80 fg. Kleine Anzeigen", bas erste( fettgebruckte) Bort 20 Bfg., jebes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf ftellen- Anzeigen das erste Bort 10 Bfg., jedes weitere Bort 5 Bfg. Berte Aber 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Rummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition if bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm breffe: Sozialdemokrat Beriln". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernivrecher: Amt IV. r. 1983. Der Entwurf eines Reichs- Apothekengeſetzes. Freitag, den 3. Mai 1907. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. ernivrecher: Amt IV. Mr. 1984. währten kostenlosen Arzneilieferung nur in sehr geringem durch Sachverständige festgesetzt, die Kaufsumme durch eine Maße Arzneien verbraucht haben. Infolgedessen stieg der Betriebsabgabe der Realpribilegierten aufUmsatz der Apotheken, noch mehr aber der Preis. Der gebracht werden soll. Apothekensch a cher stand und steht dort, wo nicht allein Ganz abgesehen davon, daß diese Form der Ablösung die Realprivilegien, sondern auch die Personalfonzession einen sehr großen Zeitraum erfordern würde, ist diese ganze übertragbar ist, in vollster Blüte. Nach wenigen geplante Regelung nichts als ein Versuch, den ApothekenAus dem Zunftwesen des Mittelalters ragt in unsere Zeit Jahren Besitz wurden und werden die Apotheken mit besigern wieder auf Kosten der Kranten weiter zu hinein das Privileg der Apotheker. Wenn ihnen Riefengewinnen weiterverkauft. Nur ganz reiche Leute helfen. Denn jede Betriebsabgabe würden die auch nicht mehr der Verkauf von Arzneimitteln ausschließ sind überhaupt noch in der Lage, eine Apotheke, d. h. eine Arzneitäufer zu tragen haben, die Rabatte würden I ich übertragen ist, sondern ein Teil dem freien Verkehr der Konzession zu kaufen. Neukonzessionen sind seltener als das gekürzt und wenn das noch nicht hilft, sicher wieder die Drogenhandlungen überlassen wurde, so blieb ihnen doch un- große Los. Infolgedessen ist die überwiegende Anzahl der Arzneitare in die Höhe geschraubt werden. eingeschränkt das Vorrecht des Verkaufs gewisser Arzneimittel Apothekergehülfen vom Erwerb einer Apotheke aus- Die Bevölkerung hat aber ein Recht, zu verlangen, daß und das alleinige Recht, Arzneimittel zu mischen. Dabei geschlossen. fie nicht auch noch, wenn sie krant und elend ist, zugunsten ist inzwischen an Stelle des Laboratoriums der Apotheker die Den glücklichen Besitzenden aber sichert nicht nur die einer kleinen Schar Privilegierter ausgeplündert wird. chemische Fabrik getreten, die die Herstellung, das Ab- Einschränkung der Konkurrenz einen unberechtigten Gewinn, Wie die ärztliche Hülfe Hülfe müßten auch die Heil. wiegen und die Verpackung der meisten Arzneimittel über- fondern auch die vom Staate festgesetzte Arzneitare. Der mittel unentgeltlich geliefert und die Kosten nimmt, so daß der Apotheker vielfach nicht mehr der Hersteller Staat schreibt nämlich den Höchstpreis der Arzneien vor; durch Zuschläge zur Einkommen- und Vermögensteuer aufder Arznei, sondern nur noch der Wiederverkäufer der aus der Ermäßigungen sind zulässig, aber die Rabatte, die die gebracht werden. Dies ist die Forderung unseres chemischen Fabrit bezogenen fertigen Waren ist. Apotheken den Krankenkassen gewähren, sind verhältnismäßig fozialdemokratischen Programm3. Mindestens Aber der gute Bater Staat tut nach wie vor, als müsse gering gegenüber der Auswucherung, die ihnen die aber müßte der Verkauf der Arzneien nicht dem und tönne er das Publikum gegen unreelle Arzneiwaren Arzneitage ermöglicht. Berechnungen, die an Rezepten einer Privatbetriebe, noch dazu einem solch privilegiert schüßen, indem er diesen Handel nur einer fleinen Schicht Kasse vorgenommen wurden, ergaben, daß Arzneien, welche wucherischen, überlassen sein, sondern vom Staate oder Begünstigter borbehält und die Kranken zwingt, einen Auf- Taut Tare 269 M. tofsteten, einen Einkaufspreis von 50 M. hatten, so der Gemeinde im Interesse der Bevölkerung schlag auf die gekauften Waren zu zahlen, wie es in keinem daß der Apotheker an diesen Arzneien 400 Prozent verdiente. betrieben werden. Deshalb hat unsere Reichstagsanderen Geschäft, höchstens bei der wucherischen Gewährung An Arbeitslohn berechnete der Apotheker für Herstellung fraktion bereits 1891 den Antrag gestellt ,,, die Uebervon Darlehen an liederliche Offiziere üblich ist. Der Grund der Mischungen, Verpacken usw. 159 W., während er gemäßnahme der Verwaltung und des Eigentums des Apothekendieser Begünstigung war schon längst bekannt, jetzt hat ihn der erforderlichen Zeit und notorisch schlechten Be wesens durch das Reich herbeizuführen" als notwendige aber die Regierung mit geradezu verblüffender Unverfrorenheit foldung der Gehülfen diesen höchstens 50 M. bezahlt Konsequenz der Kranken-, Unfall- und Invalidenversicherung. eingestanden: fie will den Apotheterstand schützen, weil hatte, so daß der Apotheker am Arbeitslohn 218 Prozent Der Antrag wurde mit allen gegen die Stimmen unserer deffen Erhaltung vom Standpunkte einer gefunden Mittel- verdiente! Die Verpackung( Gläser, Schachteln usw.) Genossen abgelehnt, namentlich der freisinnige Apotheker standspolitik nur zu wünschen ist." So zu lesen in dem wurde laut Tage mit 81 M. berechnet, tostete den Apotheker und Abgeordnete Witte bekämpfte ihn sehr eifrig. neuesten Entwurf eines Reichsgefezes zur aber nur 21 M., so daß er an diefer 289 Prozent ver- Nicht einmal den Krantentassen wollte die Regierung Regelung des deutschen Apothefen wesens, diente! Jede Krankenkasse, die durch Sachverständige ihre und will sie auch jetzt noch nicht die Möglichkeit geben, der bor kurzem dem Bundesrat zuging. Rezepte umrechnen läßt, wird finden, daß durchschnittlich ihre Mitglieder ohne Wucherpreise mit Arzneien zu versorgen, V Es genügt, diesen Satz zu kennen, um sogleich zu wissen, im ganzen an 300 Prozent den Gewinn des Apothekers bilden. obwohl die Kassen von den 32 Millionen Mark jährlich daß die geplante Regelung nicht im Interesse des Publikums Hat doch das fächsische Ministerium des Innern in einer Ver- mindestens ein Drittel fparen könnten, wenn sie alle vollzogen werden soll. Zwar erheben die Apotheken- ordnung vom Jahre 1902 zugegeben, daß eine Apothefe bei Arzneimittel felbst einkaufen und durch geprüfte Apothekerbesizer ein großes Geschrei über das Unrecht, das ihnen einem Umsatz von 30 000 m. nach Abzug aller Spefen gehülfen verteilen lassen dürften. durch den Entwurf angedroht werde, und erklären ihn für un- einen Reingewinn von 10 000 m. abwirft! Bei größeren annehmbar. In Wirklichkeit berücksichtigt er aber deren Umfäßen ist der Gewinn noch höher. Interessen noch viel zu viel und benachteiligt Und die Arzneitare, die solch hohe Gewinne ermöglicht, zu ihren Gunsten die Bevölkerung nach wie vor, insbesondere ist durch die 1905 erfolgte Einführung einer Reichs die ärmere. Werden doch z. B. durch die Krantentassen arzneitage zwar einheitlich, aber auch um 10 Proz. mit ihren 11 Millionen Mitgliedern jährlich an 32 Millionen höher geworden! Diese Erhöhung hielten die Re Mart für Arznei ausgegeben. Der bisherige Zustand ist folgender: In allen deutschen Bundesstaaten kann die Errichtung einer neuen Apotheke nur auf Grund einer Konzession geschehen. Frankreich und Italien kennen dieses Privileg nicht; Sort tann jeder staatlich geprüfte Apotheker eine Apotheke eröffnen, in England sogar jedermann, nur darf sich allein derjenige als Apotheker bezeichnen, der eine staatliche Prüfung bestanden hat. Nun sollen die Apothekenprivilegien, die die Bevölkerung bisher schon im Preise der Arzneien so teuer bezahlen mußte, nochmals durch eine Ablösung der Realprivilegien auf Rosten der Arzneiverbraucher bezahlt werden! Das ist die große Reform, die nach jahrzehntelangem Sträuben die Regierung endlich bringt. Die Verkäuflichkeit der Personalfonzessionen gierungen für notwendig, weil- die Apotheker not- soll zwar beseitigt, das enge System der unzureichenden Konleidend seien und bei der bisherigen Tare nicht weiter zessionierung, welches die Monopolpreise der Arzneien verbestehen könnten! schuldet, aber beibehalten werden. " Tatsächlich hat auch der Apothekenschacher, der Selbstverständlich erscheinen den Privilegierten Verkauf der Konzeffionen, dahin geführt, daß trok des durch auch schon diese ungenügenden Anfänge einer Aenderung als die Arzneitare privilegierten Arzneiwuchers die überbezahlten ein Raub! Sie verlangen die freie VeräußerApothefen sich nicht genügend rentieren. Wie bei jedem lichkeit und Vererblichkeit sämtlicher ApoGründungsschwindel traf auch hier das Wort zu: Den letzten the ten- wohlgemerkt: daneben aber die Monopolstellung beißen die Hunde! Die Apothekenpreise sind zum Teil so durch Einschränkung der Konzession und die hohe Arzneitare! Von den deutschen Konzessionen haften die in Bayern, wahnwißig hoch geworden, daß selbst die weitere Ausdehnung Den Apothekergehülfen wird durch diese Reform Württemberg, Baden, Hessen und Braunschweig an der der Krankenversicherung und die Erhöhung der Arzneitare so gut wie gar nicht geholfen. Infolge der Einschränkung der Person des Apothekers, sind also underkäuflich und erlöschen nicht mehr genügte, um eine entsprechende Verzinsung zu Stonzessionserteilung werden nur sehr wenige, wenn auch mehr mit dem Tode des Konzessionierten. In Preußen, bringen. Und auch alle Schifanierung der Drogen als jekt, eine Personalkonzession erhalten. Dabei kann aber Sachsen und den anderen Bundesstaaten aber sind die Personal- geschäfte, die den Apotheken bei den freigegebenen Gevatterschaft und Gunst die größte Rolle spielen, tonzessionen übertragbar, berkäuflich; seit 1886 in Arzneien, die nicht dem Apothekenzwang unterliegen, eine un- denn bei mehreren Bewerbern entscheidet zwar nach§ 6, Abs. 1 Preußen zwar erst zehn Jahre nach der Konzessionierung, liebsame Konkurrenz machen, half nicht. das Alter des Bewerbers, aber nach Abs. 2 tann die Nonaber doch dann frei verkäuflich. Außerdem gibt es noch Am ärgsten benachteiligt sind dadurch die Kranten, ins- zession auch dem jüngeren erteilt werden, wenn er an Realprivilegien, die jederzeit verkäuflich sind, da sie besondere die är meren, die solch hohe Bucherprozente für Führung innerhalb und außerhalb des Berufs den nicht an der Person, sondern an der Apotheke haften, ihre Heilmittel zahlen müssen. Wirklich notleidend sind ferner älteren Bewerber übertrifft". Der Gesinnungsriecherei zum Teil mit dem Rechte, daß die Errichtung jeder anderen die Apothekergehülfen, die nicht von Haus aus reich wird da wieder einmal Tür und Tor geöffnet! Apotheke in demselben Orte oder Kreise ausgeschlossen sind oder sich an eine reiche Frau verkaufen. Die Zahl derer, Eine den Interessen der Apothekergehülfen wie der ist. Noch etwa 2000 der vorhandenen 6000 deutschen die zeitlebens in Stellung bleiben müssen, wuchs und Bevölkerung entsprechende Regelung der Apothekenfrage tann Apotheken befizen solche mehr oder minder ausgedehnten zugleich fant infolge des Ueberangebots an Arbeitskräften auch nur dadurch geschaffen werden, daß der Betrieb der Apotheken Realprivilegien. Aber nicht diese privilegierten Apotheken bei diesen Proletariern der Lohn unbekümmert darum, daß vom Staate oder von der Gemeinde übernommen wird. Durch allein besigen Monopole, nein, das ganze on- fie sich meist etwas besseres dünken als die gewöhnlichen Zentralisierung der Arzneiherstellung, durch Großbetrieb und zessionswesen war von vornherein darauf zugeschnitten, Arbeiter". Dabei wuchs die Lehrlingszüchterei, denn zweckmäßige Verteilung auf Filialen, läßt sich eine außerdaß es einer fleinen begrenzten Zahl von Personen das die Apotheker, die ihre Konzession zu teuer getauft hatten, ordentliche Verbilligung der Arzneien herbeialleinige Arzneiverkaufsrecht einräumte. Die freie Stonfurrenz, die suchten wie dies bei allen Unternehmern üblich am führen, und trotzdem könnte den Arbeitern dieses Berufes, sonst auf allen Gebieten des Wirtschaftslebens das Kennzeichen der Arbeitslohn zu sparen, wobei sie gleichzeitig durch die Kon den Apothetergehülfen, ein weit besserer, ge bürgerlichen Herrschaft wurde, blieb auf diesem Gebiete aus- turrenz der Lehrlinge die Gehälter der Gehülfen auf einer nügender Lohn gezahlt werden. geschlossen. Eine neue Ronzession wird nur erteilt, unglaublich niedrigen Stufe halten fonnten. Was der Entwurf bringt, ist gänzlich unzulänglich. ,, wenn eine bedeutende Vermehrung der Volts. Diese schweren Mißstände beseitigt der Entwurf der menge oder bedeutende Erhöhung ihres Wohl- Regierung nur zum fleinsten Teil. Nach wie vor soll standes stattgefunden hat. Ferner sind die schon vor der Apothekenbetrieb das Monopol einer fleinen Anhandenen Apothekenbesizer zu hören und ist zahl Auserwählter bleiben. Ausdrücklich heißt es im zu prüfen, ob der von ihnen erhobene Widerspruch§ 3 des Entwurfs, daß die Erlaubnis zum Betrieb einer Das„ Berl. Tageblatt" veröffentlichte in seiner Abendnummer begründet ist." neuen Apotheke nicht die Bestandsfähigkeit der in ihrer vom Dienstag den Inhalt eines Interviews, oder vielmehr den Der Kreisphysitus im Einverständnis mit der Polizei- Nachbarschaft vorhandenen Apotheken gefährden Wortlaut einer schriftlichen Erklärung, die Bebel einem„ foziabehörde hat die Medizinaldeputation der Regierung um darf". Den Besitzern von Personalfonzessionen foll listischen" Mitarbeiter des„ Matin" über die Stellung der SozialErteilung einer neuen Konzession zu ersuchen! Und dann sind allerdings die Möglichkeit des Apothekenschachers demokratie zum Militarismus gegeben habe. Nach der von uns einnoch die Konkurrenten des Bewerbers zu hören! Man genommen werden, indem die Personal- gezogenen Erkundigung hat Bebel diese Erklärung dem betreffenden sieht, die Behörde hat es ausschließlich in der Hand, das fonzession nicht mehr übertragbar, also un- Journalisten tatsächlich am letzten Montag zur Verfügung # Das alte Spiel. Gnadengeschent zu gewähren und alle Bundesstaaten haben verkäuflich werden soll. Beim Tode des Konzessionierten darf gestellt. Nur hatte Genosse Bebel teine Ahnung davon, es mit es bisher für ihre Aufgabe betrachtet, so wenig Apotheken die Apotheke von der Witwe bis zu ihrer Wiederverheiratung, dem Interviewer eines franzöfifchen Bourgeoisblattes wie möglich zu tonzessionieren, um die Stonkurrenz von den Kindern bis zur Großjährigkeit durch einen approbierten zu tun zu haben. Der Journalist führte sich vielmehr als der Apotheken einzuschränken. Die Vermehrung der Apotheter weiter betrieben werden. Bertreter der franzöfifchen Bruderpartei ein und Apotheken hielt nicht einmalmit der Zunahme Das ist gegenüber der bestehenden Mißwirtschaft ein beftritt entschieden, daß es sich überhaupt um ein Interview der Bevölkerung Schritt, benn 1885 tam auf Fortschritt, aber ein biel zu fleiner, zumal die Real- bandele. Genoffe Bebel war daher nicht wenig überrascht, ſeine 7148 Einwohner eine Apotheke, 1905 erst auf 7624 Einwohner. onzessionen, die nicht auf der Person, sondern auf der Erklärung am anderen Tage im Berl. Tageblatt" abgedruckt zu Dabei ist in diesen zwanzig Jahren der Verbrauch an Arznei- Apothete ruhen, noch sehr lange Beit bestehen bleiben sollen. finden. Bebel teilt uns ferner mit, daß er bisher stets Journalisten, mitteln schon dadurch außerordentlich gestiegen, daß den Diese Realfonzessionen sollen durch die Einzelstaaten auf die ihn zum Zwecke des Aushorchens aufgesucht hatten, die Tür ge Apotheken durch die Krankenversicherung weite Bevölkerungs- getauft, abgelöst werden, indem dem Staate ein gesetzliches wiesen habe. treise tribut" ichtig wurden, die vor der vor den Kaffen ge- Borkaufsrecht eingeräumt wird, wobei der Wert der Apotheke Die Erklärung Bebels hatte folgenden Wortlaut: «Mi aM«Nltaristisch«n Ideen und Agitationen HerdSS find � her deutschen Sozialdemokratie unmöglich. Ml deutsch» Sozialdemokratie ist ein entschiedener Gl»»Ii des bestehenden Heeressystems, aber sie OUOchtlt eine militärische Organisation in den tzi»ti bestehenden Staaten noch so lange für «Iii», wie nicht in den verschiedenen Kultur» r Rite« Vereinbarungen und Einrichtungen ge» riffea sind, die Kriege ein für allemal un» »«»»ich machen. Gl lange also noch, die Gefahr besteht, daß Kriege möglich Emuh jeder Staat wenigstens so weit militärisch organisiert daß er einem Angriffskrieg begegnen kann und das eigene vir Eriberungen durch den Feind zu schützen vermag. Wenn also die deutsche Sozialdemokratie alle ehrlichen Be- swebungen unterstützt, die darauf gerichtet sind. Kriege zu der» miiden und dm Frieden zu fichern, wie zum Beispiel die Errich- hing van internationalen Schiedsgerichten zur Entscheidung von Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Staaten, so Kalt sie doch »in» militärische Organisation so lange für nötig, wie dti Gefahr eines Krieges vorhanden ist. Aus diesem Grunde fordert die deutsche Sozialdemokratie in ihrem Programm: Erziehung zur allgemeinen Wehrhaftigkeit. Bolkswehr an Stelle der stehenden Heere. Würde also ein deutscher Parteigenofie Ansichten und Forderungen propagieren, wie sie von Hcrvö vertreten werden, so könnte auf Grund unseres Parteiprogramms die Frage aus» geworfen werden: ob dieser Parteigenosse noch zur Partei gehört. Vte Partei könnte eine Agitation nicht gewähren lasien, die »igen ihr Programm verstößt,' die Partei auf das schwerste schädigt und deren Forderungen vom Standpunkt der bestehenden Zustände aus als unausführbar, weil dem eigenen Lande nachteilig, angesehen werden müßten.' Die hier durch Sperrsatz hervorgehobenen Stellen hat Bebel im Manuskript unterstrichen. Unter das Wort.Angriffskrieg' hat er zwei dicke Striche gesetzt. An sich wäre gegen Bebels Erklärung, da fie nicht als Interview, sondern nur als eine Meinungsäußerung Bebels für die französischen Parteigenossen gedacht war. nicht» einzuwenden. Bebel erklärt ausdrücklich, daß die deutsche Sozial» demokratie ein entschiedener Gegner des bestehenden H e e r e s f h st e m S ist und die E r s e tz u n g diese? militaristischen Systems durch eine Volkswehr erstrebt. Auch dagegen, daß Bebel erklärt, die deutsche Sozialdemokratie könnte ein» Agitation wie die HervSs nicht dulden, ist an sich nichts einzuwenden. Denn so wohlmeinend auch die Abfichten Hervö» und feiner Gesinnungsgenossen sein mögen, und so viel Berechtigtes ihnen auch zugrunde liegt: die Grundauf« f a s s u n g HervtS, die.patriotische' Phrase unserer Militaristen und der Organe unseres Klafienstaate« seien durch eine spezifisch autimilttariftisch» Propaganda und durch die Proklamation. in jedem Falle einfach der Mobilmachungsorder nicht Folge zu» e i st e n, zu überwinden, ist einseitig, utopistisch und unrealifierbar. Nur durch allseitige Klasienkampsschulung und Führung des KlafienkampseS auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens läßt sich unser heutiger Militarismus als Instrument der kapitalistischen Klassenherrschaft überwinden. WaS berechtigt und möglich an Herdts Progaganda ist, die Zerstörung der.patriotischen Phrase und die Bekämpfung der chauvinistischen Verhetzung, wird sewstverständlich auch von der deutschen Sozialdenmkratie wie von der Sozialdemokratie jede» Lande» geleistet. Mißdeutungen konnte die Erklärung nur durch den von Bebel nicht gewillten und nicht vorhergesehenen Umstand ausgesetzt sein. daß Bebels Auslastung von der bürgerlichen Presse Frankreich« und Deutschlands publiziert und als gerade für die momentane politische Situation berechnete Kundgebung dargestellt wmde. So betitelt da» Mosse-Blatt seine Notiz.Bebel gegen den Antimilitarismus', obwohl Bebel nur den spezifisch Hirvöschen Antimilitarismus meint«, nicht aber den«nti» Militarismus s ch l e ch t h i n, der ja gerade, wie Bebel selbst dartut. eine der wichtigsten Kardinalforderungen der Sozial» demokratie bilde. Die.Kölnische volkSzettung' kommentiert die Erklärung folgendermaßen: .Diese» Interview mit seinem ganz unzweifelhaften Ergebnis, da ja die Antwort in einer Art feierlicher schriftlicher Fixierung erfolgte, ist wohl die bemerkenSwirteste unter all den gleichzeitigen AuSholungen deutscher Politiker. Der Vorbehalt wegen der.Miliz' ist ja selbstverständlich, die übrigen Wendungen indessen zeigen einen Bebel, der die Notwendigkeit de« Parieren» bei Strafe des Hinausfliegen» auf«inen ganz merkwürdigen Punkt anwendet.' Alles da« beweist, wie überaus vorsichtig unser« Ge noffen im Erteilen von Auskünften an ihnen nicht genau bekannte Personen sein müssen. Hat doch die ftanzösische Thauvinistenpresse bereits einige Wendungen aus Bebel» letzter NeichStagSrede zu fruktifizieren versucht. So bemerkten die.DöbatS' .Man kann es nicht oft genug wiederholen: ein Abgrund trennt in dieser Hinsicht die deutschen Sozialdemokraten von den französischen S ozia li sten— Herrn.» e be l von Herrn I a u r t».... General v. Einem hat gesprochen, wie e» sein Amt erfordert. Herr Bebel dagegen hat ftet und ohne Zweifel die Gefühle ausgedrückt, die wahrscheinlich die der m eisten Sozialisten Deutschland», aber keines» Wegs die der Sozialisten aller Länder find. Man muß darauf besonders darum hinweisen, weil diese Grundsätze nicht die der meisten ftanzösischen Sozialistensührer sind. Solche Worte im Munde eine» Bebel geben sicherlich mehr zu denken als alle militaristische Beredsamkeit eine» RegierungSmitgliede«, w e i l s i e für«ine bestimmte Geistesverfassung de» Volke» Zeugnis ablegen.' Ferner schrieb der.TemPS': ,stu derselben Stunde, wo die französischen Sozialiften die Soldaten zum Ungehorsam aufreizen, erklärt Bebel bestimmt, daß da» Heer sich nicht mit Politik zu beschäftigen hat. Am Tage, nachdem ein ftanzösi- scher General bestraft wurde, weil er das Wort Krieg aus- gesprochen hat, fordert der Führer deS teutonischen Sozia- lismuS den zuständigen Mmistcr General v. Einem auf, die «eldübungen so auSfüh ren zu lassen, wie sie in rieaSzeit stattfinden würden. DaS ist ein alter Ge- dank« dieses ausgezeichneten Deutschen Bebel. Er bat ibn schon früher einmal im Reichstag entwickelt. So ist der f r a n z o f i f ch« Sozialist, der sich ähnlich auszusprechen wagen würde? Um den Abstand zu ermessen, der die Sozialisten die«» und jenseits de» Rhein» trennt, braucht man wirlltch nur dieses eine festzustellen: fie haben an der Spitze ihrer Partei einen Bebel, an der Spitze der unsrigen steht ein Hervö.' Da» find natürllch nur täppische Versuch«, die öffentliche Meinung in Frankreich irrezuführen— genauso wie unsere BourgeoiSpresse den.haterlaudslosen' deutschen Sozialdemokraten immer die braven»patriotischen' Sozialdemokraten Fxaitkmch« gegenitberstellt. Aber gerade weil dii chauvinistische Hetzpresse diesseits und jenseits de« Rhein» solch dreiste Täuschungsmanöver systematisch betriibt. ist es doppelt geboten, ihr diesen frivolen Schwindel, der leider zu oft noch Gläudig, findet, nicht zu er- leichtern. , Die Mai- Attssperrnnge«. Aussperrungen als Antwort auf die Maifeier find eine regel» mäßig wiederkehrende Erscheinung. Aber je mehr die Maifeier an Ausdehnung gewinnt, desto drohender werden zwar vor der Feier die Worte der Unternehmer, desto mehr schrumpft jedoch nach der Maifeier ihr Tatendrang zusammen. Und gerade in den Berufen, wo die Feier durch Arbeitsruhe ihre größte Ausdehnung gewonnen hat, ist die Zahl der Ausgesperrten im Verhältnis zur Ziffer der Demonstrierenden eine lächerlich geringe; während in den anderen Fällen, wo die gegenwärtigen Machtverhältnisse so liegen, daß nur wenige Arbeiter die Feier wagen dürfen, das Unternehmertum desto brutaler gegen diese wenigen vorgeht. Die Unternehmer im Berliner Baugewerbe haben be- kanntlich beschlossen, die Maifeiernden bis zum Schluß der Woche, also drei Tage lang, auszusperren. Wie weit dieser Beschluß auS- geführt wird, läßt sich bis jetzt noch nicht übersehen, da der Zentral- verband der Maurer, der anscheinend am stärksten an der AuS- sperrung beteiligt ist, die Feststellung der Ausgesperrten noch nicht abgeschlossen hat. Von. den anderen Organisationen liegen auch noch keine genauen Zahlen vor. jedoch werden sie nach den bis jetzt vor- liegenden Angaben und Schätzung der noch nicht Gemeldeten wie folgt angegeben: Zentralverband der Bauhülfsarbeiker 11—1200, Verband der Zimmerer öSt>, Vereinigung der Zimmerer 2öS, Bereinigung der Maurer 500. v Bei den Glasern sind in fünf Betrieben S7 Mann aus- gesperrt worden. Laut Anschlag deS UnteruehmerverbandeS sollen dieselben erst am 6. Mai wieder eingestellt werden. 4S Mann davon erhielten am Vorabend des 1.. Mai sofort ihre Papiere. Der Holzarbeiter-Verbaad hat im ganze» 820 Mai- ausgesperrte festgestellt. Beim Metallarbeiter-Verband find auS 23 Betrieben 437 Ausgesperrte gemeldet. Am brutalsten geht gegen die Maifeiernden natürlich wieder der Berliner Kühnemänner-Verband vor, der folgende» Rund- schreiben erläßt: Verband Berliner Metall-Jndustrieller, Eingetragener Verein. Geschäftsstelle Berlin N. 4, Gartenstraße. J..Nr. eöö/07. Berlin, den 1. Mai 1907. Rundschreiben Nr. 8/1907. Im Anschluß an unser Rundschreiben Nr. S/1907 vom 13./IV. betreffend den 1. Mai. bitten wir, un« umgehend die Namen sämtlicher Arbeiter anzugeben, die ohne stichhaltige Gründe am 1./V. die Arbeit versäumt oder vorzeinq verlassen haben. Ebenso ist die Einstellung von Arbeitem mit EmlaffungSschem vom 30./IV. bi» S./V., die sich nicht im Besitz von Nachweisscheinen befinden, nur nach vorheriger Anfrage bei der Geschäftsführung unsere» Verbandes, ob der Betreffend« nicht etwa zu den Malfeiernden gehört, vorzunehmen. verband Berliner Metall-JndustrielleQ Der Vorsitzende: Ernst Birfig, lgl. Kommerzienrat. Diese» Schriftstück ist nach mehrfacher Richwng hin interestant. ES beschränkt die Aussperrung der Maifeiernden nicht auf einige Zeit, sondern eröffnet ihnen die Aussicht, aus ungemeffene Zeit der Arbeitslosigkeit zu verfallen. Äber auch auf die gerade von den Metallindustriellen den Arbeitern gegenüber sooft geforderte.Freiheit der Entschließung' bei der Einstellung oder Entlastung von Arbeitern, wirst dieses Zirkular ein sonderbare» Licht. Dt« Einstellung von Arbeitern mit einem Eni» laffungSschein vom»0. April bi» S. Mai ist nur nach vorheriger Anftage bei der Geschäftsführung de» ScharfmacherverbandeS ge« stattet. Damit basta I Die.Herren im Hause' haben nicht zu murren, wenn ihre Leitung ihnen befiehlt, den Arbeitern die echte Kühnemännerbrutalität zu bewetsen. Im Gegenteil: Schwerst, Straf» dem, der andere nicht an steiwilligir Arbeit htnderti • Au» dem Reiche Negen folgende Tillgramm« vor: Hamburg, L. Mai. Staatsanwalt: Wählen Sie denn sozialdemo» kratisch?>— Zeuge(nach kurzem Zögern): Jal(Bewegung,)s •— Verteidiger Rechtsanwalt Landöberg: Soll denn die Fra-i allen Zeugen vorgelegt werden und am Ende auch noch den Vc.« teidigern? Darauf ein kurze» Flüstern der Richter untere n- ander und mit dem Staatsanwalt, dann erhebt sich dieser u-d sagt:.Ich gebe die Erklärung ab. daß ich bedauere, die Frage gestellt zu haben.' Der Name des EtaalS, anwalts ist Feisenberger.— Am zweiten Verhandlungstage wurde die Zeugenvernehmung zu Ende geführt. Magdeburg, 1. Mai. Den dritten Tag füllten die PlaidoyerS au». Staatsanwalt ! feisenberger suchte in dreistündiger Rede die beiden zur n- läge stehenden Vorfälle als einen sozialdemokraii« schen TerroriSmuS akt hinzustellen. Zwar ersiuste er die Geschworenen, sich nicht von der politischen lleberzeugung der Angeklagten beeinflussen zu lassen. Die Fragen nach dem politischen Bekenntnis der Angeklagten haben nur dazu dienen sollen» den Hintergrund zu zeigen, um die Erklärung dafür zu ir» Winnen, wie sich solch« Vorfalle ereignen könnten. Der Sta> anwalt befaßt sich dann mit der Person de» Haase, der wohl«nie bewegte Vergangenheit habe, aber nun von derselben bürgerlichen Gesellschaft gerettet worden sei, die- sonst immer von gewisser Seite als der Inbegriff alles Schlechten hingestellt werde. Gegen Haas- sei von Personen mit wenig verantwortlic-- keitSgesühl in Versammlungen und in der Presse gehetzt worden. Die Folge davon seien die zur Anklage stehenden Borfälle. Die Bemerkung HaaseS über die B- lästigung der Mädchen, auf die man die gegen ihn herrschende Er« bitterung zurückführen wolle, sei in der Hitze deS Wahlkampfes(l)s gefallen. DaS Vorgehen gegen Haase sei verabredet gewesen. Der Staatsanwalt geht dann auf die einzelnen Angeklagten naher ein und beantragt, bei sämtlichen die Schuldfragen zu bejahen. Die eigentlich Schuldigen seien die Unverant- wortlichen, die im Wahlkampf in Versamm» lungen und in der Presse gehetzt hätten. Dil Geschwirenen möchten durch ihren Wahrspruch der Bevölkerung di« Beruhigung geben, daß niemand uu« &«straft jemanden wegen seine» politischen «berzeugung verfolgen dürfe. Der Verteidiger. Rechtsanwalt Landsberg, polemisiert: gegen den Versuch de» Staatsanwalt», di« Vorfälle zu politischen Borgängen zu stempeln. Haase» infame Bemerkung über die Belästigung der Mädchen durch Arbeiter hätte diese gegen ihn aufgebracht. Daß nicht politische Gründl vorlägen, beweise am besten die Tatsache, daß dem Haas« gleichgesinnten Arbeitern nicht» ge- schehen sei. Außerdem eigne sich ein Mensch wie Haas« nicht zum politischen Führer. Bei einem Sozialdemokraten ustt gleicher Vergangenheit würden di« Gegner bald sagen, die S o z i a l d e m o- kraten holten stch ihre Redner au» Gosse und Zuchthau». Redner führt eingehend den Nachweis, daß«S sich nicht um LandfriedenSbruch gehanoelt hat. Wäre die Menge wirk- lich zu Gewalttätigkeiten entschlossen gewesen, dann wäre es Haase schlecht ergangen. Der Verteidiger beantragt Freisprechung seiner Klienten oder eventl. nur groben Unfug als vorliegend anzunehmen, Die übrigen Verteidiger schließen sich diese,» Ausführungen an. Daß Urteil. Nach zweieinhalbstündiger Beratung verkünden die Ge« schworenen ihren Wahrspruch. Danach haben ste den Borfall am 4. Februar nicht al» LandfriedenSbruch. sondern a l S groben Unfug angesehen. Bezüglich de» S. Februar wurden elf Angeklagte de» LandfriedenSbrucheS schuldig befunden, von denen bei dreien jedoch mangelnd» Sinstcht angenommen. Bei vier An- geklagten wurde nur die Frage auf groben Unfug bejaht; bei drei Angeklagten wurden sämtliche Schuldfragen verneint. Die Au- geklagten Paul und Oswald Beck wurden der Rädelsführerei für nicht schuldig erkannt. Gemäß diesem Wahrspruch verurteilte das Gericht die Angeklagten Bremer und Lehmann zu fr fünf Monaten Grsängni» und einem Mannt Haft, di« Angeklagten Schulz, Beuel«, W-inert, Kempfe, Paul Beck und Oswald Beck zu je fünf Monaten Gefängnis und die Angeklagten Franz Hey, Gustav Hey und gul- brecht zu je einem Monat Haft. Die Angeklagten Brandt, Jockel. Meyer, Witt. Kolze und völcke wurden fretgesprocheu. Gine Mostsche Fluukerei. Folgend,» Schreiben Aug un» zu: New Jork, 21.«pril. Werte Genossenl Im Anschluß an ein« Aeuherung des Junker» Brandenstein über die Benutzung der ersten Wagenklasse der deutschen Eisen- bahnen seitens der sozialistischen Reichitagsabgeordneten finde ich in der dortigen Parteipresse«in» Stelle au» den Mostschcn Memoiren zittert, dt« stch auch mit mir beschäftigt. Wenn ich die Bemerkung in der Magdeburger.BolkSstimme' vom ö. April:„Was würde der.konvenable' Brandenstein vom Sisenbahnminister for- dein, wenn er ähnliche» heute erleben sollt«?' recht verstehe, soll damit angedeutet werden, daß so handwerkSburschenartigeS Auf. treten sozialistischer Abgeordneter, wie e» 187b möglich war, heute doch nicht mehr vorkommen könnte. Ich habe demgegenüber zu erklären, daß dt« ganze Mostsche Erzählung mit der ihm etgenen Geschmacklosigkeit frei erfunden ist. DaS hätten sich die deutschen Parteiredakteurg nach dem, wa» nach dem Tod« Most» in ihren eigenen Blättern ver- igortichj b«d» ife Wcjrü ÜWMb fli vi«* «iichß«viesen, vaH et w seinen Memoiren seine eigenen Parla- mentSreden wiedergab, nicht wie er sie gehalten hat, sondern wie er 96 Jahre später wünschte, sie gehalten zu haben. Man druckte zu dem Zweck den Wortlaut des stenographischen Berichts neben dem- jenige» der Memoiren ab. ES hätte, meine ich, auch auffallen muffen, daß, wenn wir wirklich dem Kupee erster Klaffe das Aus- sehen einer.Zigeunerherberge' gegeben hätten, wir doch wenigstens vor der Station Dresden aufgeräumt haben würden, da wir Lokal- kenntni» genug hatten, um zu wissen, daß wir nach Dresden kamen und dort Zufluß an Passagieren zu erwarten war. Das Heft der Mostschen Memoiren, in welchem die fragliche Stelle enthalten ist, erschien übrigens schon vor S bis 6 Jahren und ich habe mir nicht die Mühe genommen, diese oder irgend eine andere der vielen Mostschen Lügen zu berichtigen, weil wir uns schon seit langem abgewöhnt hatten, uns mit ihm oder seinen Anarchistenbrüdern irgendwie zu beschäftigen. Es ist natürlich etwas anderes, wenn die deutsche Parteipreffe den Most irgendwie ernst nimmt. Ich wiederhole demnach, was eigentlich selbstverständ- lich ist, daß wir— Most eingeschloffen— uns bei dem gelegent- lichen Verkehr auf der Eisenbahn mit unseren Reichstagskollegen und anderen Fahrgästen stets so betragen haben, wie es sich für ge- bildete Leute schickt. ES ließe sich darüber manches Interessante er- zählen, jedenfalls haben uns unsere ReichstagSkollegen immer artig behandelt und sie schienen sich sehr gern mit uns zu unterhalten. Mit den uns unbekannten Mitreisenden gab es oft recht lebhafte Debatten, da sie uns für ihresgleichen hielten und die Ueber- raschung war groß, wenn es schließlich zur gegenseitigen Vor- stellung kam. Wenn Most die Gelegenheit benutzt hat, mir persönlich etwas anzuhängen, so kann ich sehr zufrieden sein, daß er so harmlos in seinen Lügen geblieben ist. Mit Liebknecht, als derselbe Ende der achtziger Jahre Amerika besuchte, verfuhr er schlimmer und zwar derart, daß er seine Verleumdungen— gedruckt— in der Aufforderung auSklingen lassen konnte, ihn(Liebknecht) mit Knüppeln totzuschlagen. DaS war so Mostsche Art und es würde mich sehr drücken, wenn ich irgendwie seine Anerkennung gefunden hätte. Mit soz. Grußi Julius Vahlteich. Der.Vorwärts' hat. wie wir konstatieren wollen, jenen Artikel, der die bewußte Stelle aus den Mostschen Memoiren ent- hielt, nicht gebracht. Junker Brandenstein hat ihn bekanntlich, wie unser Bericht über die Verhandlungen des Abgeordnetenhauses vom Sonnabend, den 24. April, zeigt, zu seiner Rechtfertigung zu be- nützen versucht. Politifcde debcrficht. Berlin, den 2. Mai 1907. Allerlei aus dem Reichstage. Am 1. Mai wurde die Beratung des Etats des AuS- wältigen Amtes fortgesetzt. Zunächst wehrte der Reichskanzler die vom welfischen Abgeordneten Götz v. O lenhusen gegen ihn gerichteten heftigen Angriffe ab und behauptete, nur im Interesse des Reiches zu handeln, wenn er die Annexion Hannover» durch Preußen als eine unumstößliche Tatsache behandle.— Genosse David, der in längerer Rede darlegte, daß die Politik des Fürsten Bülow nicht die Interessen des Reiche? fördere, kam zum Beweise dessen auf die Wahlbeeinflussungen deS Reichskanzlers zu sprechen; er spottete über die block- sprengerische Politik, die mit den S ch i f f a h r t s a b g a b e n die Interessen des Reiches direkt schädige, und stellte weiter den Retchslügenverband an den Pranger, den jetzt selbst bürger- liche Parteien bei der Wahl in Glauchau-Merane verleugnet haben, weil seine Agitation eine unanständige, provokatorische und wahrheitswidrige ist. Der Reichskanzler revozierte in seiner Erwiderung bezüg- lich der von ihm gedankenlos nachgesprochenen Unwahrheit über unseren Genossen Dittmann resp. über Vorgänge bei der Wahl in Frankfurt a. M. Im übrigen aber brüstete er sich, durch„seine Methode" der Wahlbeeinflussung der Sozialdemo- kratie drei Dutzend Mandate abgenommen zu haben! Die amtliche Wahlhetze soll demnach künftig noch mehr inS Kraut schießen. Gleichwohl bat Bülow die bürgerlichen Parteien flehentlich, künftig sich noch fester gegen die Sozialdemokratie zusammenzuschließen! Unschwer war daraus der Wunsch zu hören: Das Zentrum möge bei künftigen Wahlen dem Hotten- tottenblock Sukkurs gegen die Sozialdemokratie leisten. Um des Tages Fröhlichkeit zu steigern, hielt der sprach- verwirrte Scharfmacher v. Oldenburg-Janu schau noch eine Antiniaifestrede, in der er durch allerhand Allotria, be- sonders über„Fleischnotrummel" und Getreideversorgung Deutschlands andauerndes Gelächter hervorrief. Daß er als „starker Mann" scharfe Repressivmaßregeln gegen die Sozial- demokratie verlangte, versteht sich von selbst. Diese Walze leiert er ja bei jeder Rede von seinem Kasten ab. Per Etat deS Auswärtigen wurde in zweiter Lesung zu Ende de- raten. Am 2. Mai ward zunächst die Gesetzesvorlage für die Verbreiterung des Nordostseekanals beraten. Vor Beginn der Beratung gab der Abgeordnete V. H e y l zu Herrnsheim eine sogenannte Erklärung ab, durch die er den vom Genossen Heine bekanntgegebenen Arbeits- vertrag zwischen der Firma Heyl und ihren Arbeitern zu rechtfertigen suchte.(Bekanntlich enthielt der Vertrag eine Konkurrenzklausel mit ungeheuerlichen Strafbestimmnngen.) Es gelang jedoch dem Lederkönig nicht, in den Behauptungen des Genossen Heine Unrichtigkeiten nachzuweisen resp. sie auch nur im geringsten zu entkräften. Genosse F r o h m e gab sodann für die sozialdemokratische Fraktion die Erklärung ab, daß sie dem Ausbau deS Nord- ostssakanals im Interesse der Handelsschiffahrt zustimme. Bei dieser Gelegenheit konstatierte Frohme, daß die Sozial- demokratie alle Kulturwerke unterstützt und daß Marx und Engels bereits vor Jahrzehnten einen derartigen Kanal ver- langten. Die Vorlage wurde angenommen und dann die unter- brochene Beratung des Postetats fortgesetzt, die nichts Be- merkenswertes bot. Die Abstimmung über die zum Etat des Staatssekretärs vorliegenden Resolutionen wird morgen erfolgen. Beim Etat deS RetchseisenbahnamteS entspann sich eine Debatte über die Eisenbahngemeinschaft zwischen Preußen, Hessen und Württemberg, die vom Abg. W e tz e l(natl.) als ein nationaler Akt zur Verwirklichung des EinheitsgedankenS gefeiert wurde. Gegen die Betriebsmittelgemeinschaft wandte sich der Abg. v. R i ch t h o f e n im Namen der Konservativen. Die preußische Eisenbahnpolitik wurde tn der Debatte als eine preußisch-fiskalische charakterisiert, die gegenüber den kleineren Staaten nicht nach dem Worte:„Nobtoe» obliga"(Adel ver- Pachtet) Genosse Eichhorn erklärte die Vetriebsmittelgemeinschaft für durchführbar, wenn die preußische Regierung die Selb- ständigkeit der Einzelstaaten in der Eisenbahnfrage wahre. Die Sozialdemokratie trete, so führte er aus, überhaupt für Retchseisenbahnen ein, die allein dem Partikularistischen Eisen- bahnkrieg ein Ende bereiten könnten. Ueber die Wirkung der preußisch-hessischen Gemeinschaft gerieten die beiden Antisemiten Bindewald und Köhler in Widerspruch mit einander, und letzterer desavouierte jenen unter der Heiterkeit des Hauses. Dann wurde der Etat be- willigt und die Beratung vertagt. Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus nahm am Mittwoch zunächst die Novellen zum Pensions- und Relikt engesetz in zweiter Lesung mit unerheblichen Acnderungen an. Unter anderen wurde eine Be- stimnumg aufgenommen, wonach den in den Ruhestand tretenden Schulaussichtsbeamten im Hauptamte als Dienstzeit auch die ganze Zeit angerechnet werden soll, während welcher sie vorher als Lehrer oder Pfarrer tätig gewesen sind. Gleichfalls in zweiter Lesung erledigte das Haus das Richter- besoldungsgesetz. DaS Gesetz bezweckt nicht nur eine all-� gemeine Aufbesserung der Richter, sondern auch eine Gleichstellung der Richter mit den Beamten der allgemeinen Staatsverwaltung. Endlich beriet das HanS noch in erster Lesung den Antrag Hammer(k.) betreffend Aenderung des Kommunal- afbgabengesetzeS. Der Antrag bezweckt eine Erweiterung des Kreises der Kommunalsteuerpflichtigen: ES sollen Ahieugesellschasteiv Berggewerkschasten, Genossenschaften, juristische Personen und Konsum-, vereine kommunalsteuerpflichtig sein hinsichtlich des ihnen aus Grundvermögen, Handel und gewerblichen Anlagen in der Gemeinde zufließenden Einkommens. Die Abstimmung über den Antrag er- folgt erst in zweiter Lesung, die demnächst ohne Kommissions- beratung im Plenum stattfinden wird. Kohlenwucher. Die Wucherpolitik deS Kohlenshndikats beschäftigte am Donners« tag da« preußische Abgeordnetenhaus. Anlaß dazu gab eine Jnter- pellation deS Abg. Grafen K a n i tz(k.): Was die Regierung zu tun gedenke, um den Unzuträglichkeiten zu begegnen, welche sich aus fhen andauernden Steigerungen der Kohlenpreise ergeben, und ob die Regierung geneigt sei, in eine erneute Prüfung der Frage ein- zutreten, ob die ermäßigten Eisenbahntarife für den Export von Steinkohlen und Koks nach dem Auslande beizubehalten seien. ES ist bekannt, daß Graf Kunitz seit Jahren einen erbitterten Kampf gegen das Kohlensyndikat führt. Zweifellos ist an dem, was er gegen daS Syndikat vorbringt, vieles, wenn nicht alles, berechtigt. Die Politik des Syndikats, die darauf gerichtet ist, möglichst viel Kohl« in» Ausland zu befördern, um dadurch die Preise im Inland in die Höhe zu schrauben, ist ein anti- nationale», da» deutsche Volk schädigendes Vorgehen, das um so mehr zu verurteilen ist, al» e» von denen ausgeht, die stets und ständig vorgeben, daß sie die nationale Ge- sinnung in Erbpacht genommen haben. Wenn wir auch mit dem Grafen Könitz die.Wucherpolitik' des Synbilats scharf verurteilen, so find doch die G r ü n d«. von denen wir uns leiten lassen, himmelweit verschieden von den seinigen. Dem Grafen Kanitz konimt eS nicht in letzter Linie darauf an, die Produktion für das Aus- land deshalb einzuschränken, damit die 60 000 bis 60 000 Arbeiter, die heute nach seiner Ansicht im Kohlenbergbau einzig und allein für daS Ausland schuften, von den Agrariern ausgebeutet werden können. In beweg- lichen Worten klagte er über den«rbeitermangel auf dem Lande.— Auch mit den Mitteln, die Graf Kanitz zur Beseitigung des MßstandeS empfiehlt, können wir uns nicht«inverstanden er- klären. Insbesondere würde durch den von ihm vorgeschlagenen Kohlenausfuhrzoll die Kalamität nicht verringert, fondem eher noch vergrößert werden. Gegen den Ausfuhrzoll auf Kohlen sprach sich auch der Handels- minister Delbück aus, dessen Rede im übrigen den Beweis dafür erbrachte, daß der Staat dem Kohlenshndikat völlig macht- loS gegenübersieht. Die Antwort de» Ministers auf die Interpellation war da» Geständnis der völligen Ohn- macht der preußischen Regierung gegenüber dem Groß- kapitaliSmu». Herr Delbrück ist offenbar nicht blind gegen die Schäden, die da» Kohlenshndikat anrichtet, aber andererseits darf er seinen lieben Freunde« von der Großindustrie nicht wehe wn. Dieser Zwiespalt kam in seiner Rede deutlich zum Ausdruck. Auf der einen Seite mußte er zugeben, daß die Kohlenpreise unheimlich hoch find, auf der andere,? Seite wieder stellte er die kühne Behauptung auf, daß die Ueberschüsse der Berg- Werksgesellschaften eine sinkende Tendenz zeigen, während die Srbeiterlöhne in die Höhe gegangen seien— eine Behauptung, die allerdings mit der Statistik nicht ganz übereinstimmt. Ebenso wie der HandelSmin ister ist auch der Eisenbahnminister von der Rutzloflgkeit de« Kampfe» gegen die Syndikate überzeugt. Er will zwar in Erwägungen darüber eintreten, ob die Ausnahme- tartfe zu beseitigen find, aber er ließ deutlich durchblicken, daß diese Erwägungen ein Resultat nicht zeitigen werden. Die Debatte, die noch nicht zy Ende gebracht wurde, führte zu heftigen Zusammenstößen zwischen den Agrariern und den Groß« industriellen, als deren Wortführer in erster Reihe der national- liberale Abg. Hirsch(Essen), einer der eifrigsten Sachwalter des Grubenkapitals und Interessent des Kohlensyndikats, auftrat. Von agrarischer Seite griffen u. a. die Abgg. Herold(Z.) und Dr. Hahn(B. d. L.) tn die Diskussion ein. Es wurde also viel geredet, aber irgend ein greifbares Resultat kam dabei nicht heraus. Die Erörterung drehte sich schließlich kaum noch um den Gegenstand der Interpellation. Die Wortführer aus beiden Lagern hielten es vielmehr für angebracht, ihre handelspolitischen Anschauungen zum tausendsten Male der Mit- und Nachwelt zu überliefern. Wenn auch beide Seiten sich bemühten, angesichts der konservativ-liberalen Paarung die Gegensätze zu verhüllen, so ist doch das eine klar, daß die Interessengegensätze, die nun einmal vorhanden sind, sich auf die Dauer nicht künstlich Überkleistern lassen, sondern daß daS BündniS hei erster Gelegenheit in die Brüche gehen muß. Insofern war die Debatte symptomatisch für die verfahrenen innerpolitischen Zustände in Deutschland und Preäßen.~_ Der aufopfernde Kolonialdicnst Puttkamers soll außer w dem Urteil deS Disziplinargericht« noch anderweitige, und zwar werwlloer«, weil klingende Anerkennung finden. Der frei- sinnigen.Weser-Zeitung' wird au« Berlin mitgeteilt: .Herr v. Puttkamer hat sich seit Jahren den Rücken durch Berelniarungen sowohl mit deutschen, wie mit ausländische» Kolonialgesellschaste» gedeckt. Und e» ist n i ch t un w a h r s ch e i n« lich, daß er demnächst gegen fürstliches Gehalt in den Dienst einer niederländischen Äeseüschast tritt.' Ob sich JeSlo den Rücken dergestalt gedeckt Hot. wissen wir nicht. Daß er aber in den Dienst einer ausländischen Ko« lonialgesellschast gegen ein fürstliches Gehalt eintreten wird, b e- zweifeln wir einstweilen. Was soll ewe niederländisch. Gesell- sch<4' n?'l Www?«MNM, dessen iel&f. f t.liitze Gepflogenheiten nach den Bekundungen deS Geheimrats Rose die Finanzwirtschaft Kamerun? in die s ch l i m m st e Ver- wirrung� gebracht haben! Zudem teilt die„Freif. Ztg.' über JeskoS Aufführung anS der Auskunft des seinerzeit im Auswärtigen Amte tätigen Herrn von Soden an den Grafen Caprivi folgendes mit: „Herr v. Puttkamer hat meines Wissen« während unseres Zu- sammcnseins in Kamerun bloß einen bedenklichen Rückfall in seine Spielpassion durchzumachen gehabt, als er an Bord eines. Kriegsschiffes in einem leichtsinnigen Leutnant eine gleichgestimmte Seele fand,... Ich weiß, daß Herr v. Puttkamer auch sonst einem Spielchen nicht abgeneigt war, sofern er einmal unter einem oder dem anderen Europäer einen Partner fand!' Dann heißt es weitet bezüglich der Betätigung der Spielleidenschaft, und daß die- selbe gefährliche Dimensionen in Kamerun nicht angenommen habe: „Was freilich vielleicht mehr in dem Mangel an Gelegenheit sowie in der steten Aussicht als in der an- geborenen Tugend des Herrn v, Puttkamer seinen Grund hat.' An einer anderen Stelle heißt eS:„Das Charakteristische deS Puttkamerschen Charakters war eben von jeher«in großer Leichtsinn und eine bodenlose Bummelei in Geld- fachen.... Wo ich Gelegenheit hatte, auf die Spuren deö Herrn b. Puttkamer' zu stoßen, überall hatte er einen Pump etabliert, selbst an den entlegensten Orten, wo dies ohne ein gewisses Raffinement gar nicht möglich schien.' SeinUrteil faßte Herr V.Soden dahin zusammen:„SeineEr- nennung� erscheint mir also zum mindesten als ein f e h r g e- w.agter Schritt, und ich würde ihn bloß dann enrpfehlen können, wenn eben kein besserer da wäre, und auch dann nur mit allen möglichen K a nt eleu, also insbesondere mit einem möglichst langen Provisorium.' Eine niederländische Kolonialgesellschast kann doch unmöglich mit einem solchen Manne reüssieren zu können glauben. Biel eher glauben wir an die Aisstellung JeskoS durch eine deutsche Kolonialgesellschaft von wegen JeskoS Konnexionen k Neue Marineausgaben. In der»Kölnische Zeitung' veröffentlichte dieser Tage der Vizeadmiral a. D. Golste r einen Artikel, in dem er für die Verstärkung der Küstenbefestigung Stimmung machte. Eine starke Flotte allein genüge keineswegs zimt Schutze unserer Küsten. Der Küstenschutz dürfe sich deshalb nicht vorwiegend auf die Flotte, sondern er müsse sich auf örtliche Abwehrmittel gründen. Im Etat werde bei der Aufwendung von Mitteln für den Küstenschutz viel zu sehr gespart. Deutschland gebrauche neben einer seinen See- interessen entsprechenden starken Flotte auch starke' Küsten- Verteidigungsmittel. Diese Mahnung kommt gerade zur rechten Zeit. Zu den riefigen Ausgaben für unsere Flotte, zu den Hundertmillionenaufwendungen für den Nordostseekanal fehlt un» nur noch eine Hundertmillionen- auflag« für den»Küstenschutz�!_ Ein Bild aus dem GecmannSlebett. Man schreibt uns au« Hamburg: , Anläßlich der bor dem Landgericht zu Hamburg stattgehabten Verhandlung haben wir unter der Ueberfchrift„Die„Romantik" des SeomannSlebenS' eingehend die schlechte Behandlung der Mannschaften durch« den Schiffslapitän Paul Gottlieb Schober geschildert. Diese» Gericht hatte sich für un- zuständig erklärt und die Angelegenheit an da» Schwur- gericht verwiesen, das am 1. Mai gegen Sch. verhandelte. Die An- klage lautete auf Vergehen gegen die SeemannSord- nung, Ueberschreitung der Disziplinargewalt und Freiheitsberaubung, die über eine Woche gedauert hat, worin das Verbrechen erblickt wird. Der 1864 zu Berlin geborene Angeklagte hat bekanntlich fortgesetzt seine Leute mißhandelt und geschunden und im Hafen von Junin(Chile) acht Matrosen in» Gefängnis st ecken lassen, wo drei Mann s e ch z e h n, die übrigen vierzehn Tage sahen. Auch hat er den einen Matrosen im Gefängnis mißhandelt. Täglich fragte er die inhaftierten Leute, ob sie daS von ihm geforderte Quantum Arbeit(Kohlenlöschen) leisten wollten. Sie erwiderten:„Wir wollen so viel arbeiten, wie wir können.' Der GewaltSmensch ant- wartete:„So, Ihr wollt nicht arbeiten.' Das alle» vollzog sich unter den Augen der chilenischen Behörden» die, wie der kommissa- risch vernommene Hafenkommandant von Junin ausgesagt hat. dem Angeklagten gefällig sein wollten, weshalb sie ihm das Gie- fängnis überließen, ihm aber mitteilten, er müsse die Verant- Wartung tragen. Echt südamerikanisch! Am 30. März 1004 be- ging der Angeklagte in angetrunkenem Zustande am Deck Exzesse, wobei er Revolverschüsse ab- feuerte, weshalb der 1. Offizier ihn unschädlich machte, indem er ihn bis zum 2. April in die Koje einschloß. Wie tn dm Verhandlung zur Sprache kam, sind die Leute erst durch die Intervention dcL Sohnes des deutschen Konsuls in Pisagua, der zufällig von einem entlassenen französischen Ge- fangenen Kenntnis von der Einsperrung erhielt, befreit worden. Die Seeleute haben mit schweren Verbrechern, die zum Teil ge» fesselt waren, in einer Zelle zusammen sitzen müssen. Der Angeklagte bezeichnet alle» als übertrieben, hält sich für völlig berechtigt, seine„ungehorsamen' Leute ins Gefängnis zu bringen und bezeichnet den Journalemtrag des ersten Offiziers über die Revolverschießerei als einen Racheakt. Er habe Wölfl Drohschüsse abgegeben, aber nur zu dem Zweck, sich von dem ersten Offizier Gehorsam zu erzwingen. Als der Kapitän die Leute beim Kohlenlöschen„Sozialdemokraten'- und„Spitzbuben' nannte, weil sie nicht genügend gearbeitet haben sollen, bemerkte der erste Offi» zier:„Die Leute arbeiten ja wie die Pferde.' Nach dem chilenischen Strafgesetzbuch wird Freiheitsberaubung mit Zuchthaus verschiedenen Grades, Körperverletzung dagegen nur mit Geldstrafe geahndet. Die Zeugen behaupten, der Vertreter des Konsulats sei erst kurz vor ihrer Entlassung au» dem Gefängnis in Junin gewesen, während der Angeklagte sagt, der Konsul sei schon am dritten Tage in Junin erschienen und habe erklärt, er könne die Leute sitzen lassen, wenn sie nicht so viel arbeiten wollen wie die Leute anderer Schiffe. Der Verteidiger stellt den Antrag, den Konsul darüber vernehmen zu lassen, da dann dieser sür die weitere Inhaftierung der Leute die Schuld tragen würde. Da» Gericht' gab dem Antrage statt und setzte die Verhandlung bi» auf weitere» au».— Flottenpatriottsmus und proletarische Begehrlichkeit. Der.unpolitische' Flottenverein, dessen Wahlschristen bei der Hottentottenwahl eine so große Rolle gespielt haben, hält vom 10. bis 13. Mai in Köln sein« Hauptversammlung ab. Für Sonntag, den 12. Mai. ist folgender Proarammpunkt vorgesehen: «'/« Uhr abends: Festessen im„Gürzenich", Köln. Preis des Gedecks inkl. Getränke M. 20,-.. Für die Teil- nähme an diesem Festessen sind, soweit nicht Einladungen er- j gangen, Karten bei der Geschäftsstelle, Margaretenllostcr 11, Köln, gegen Entrichtung obigen Betrage« erhältlich. Bei Einsendung von M. 20,— erfolgt Zusendung der Karte durch die Post. Wir wollen uns keineswegs gegen solch opulente Tafelei moralisch entrüsten, glauben wir doch gern, daß manche der Herren Panzerplattenpatrioten gewöhnlich weniger Bescheide» zu(peifen pfleg«,•: " Zum Fall Eickhoff! Es wurde unter Husland. Immerhin macht es sich doch ganz hübsch, daß diese Flotten-| schon eine lange Zeit unbenutzt dastand. Die Arbeits-| Lohndifferenzen die Arbeit nieder. In Betracht kommen 100 Mann; patrioten fich über die Broletarier entrüften, die sich dagegen sträuben, willigen sind unorganisiert und kommen aus Woolwich, wo dieselben find alle organisiert. Gefordert wird ein Stundenlohn die Flottenmilliarden just aus ihrer Tasche zu bezahlen 1fie vor einiger Zeit in den Arsenalen entlassen sein wollen. bon 32 Pf.; unter der heutigen Teuerung gewiß ein horrender VerWie sie behaupten, seien sie nicht in der Organisation, weil dienst. Zuzug ist strengstens fernzuhalten. sie unter 21 Jahren noch nicht aufgenommen Die freifinnige Mühlhäuser Beitung" hatte be- werden.() Doch dürfte es wohl gelingen, sie wieder zur fanntlich gegen Herrn Eickhoff den Vorwurf erhoben, daß er fein Abreise zu bewegen, da sie mit dem ihnen gebotenen Lohn von Neue Verhaftungen. verpfändetes Wort, eine etwa auf ihn fallende Wahl in Mühl 4,25 M. pro Tag nicht zufrieden sind. Paris, 29. April.( Eig. Ber.) haufen unter allen Umständen anzunehmen, gebrochen habe. Clemenceau setzt seine Unterdrückungspolitik gegen die Nunmehr hat eine Versammlung liberaler Bertrauensmänner für ihnen ein englisch geschriebenes Flugblatt verbreitet, das wohl Arbeitskonföderation mit besinnungsloser Gehässigkeit fort. Heute den Wahlkreis stattgefunden, der außer dem Herrn Eickhoff und seine Wirkung nicht verfehlen dürfte. Wie es heißt, sollen früh wurden wiederum drei Mitglieder der Arbeitskonföderation dem Chefredakteur der Mühlhäuser Beitung" auch als Vertreter noch mehrere englische Arbeitswillige avisiert sein. berhaftet. Der eine, Bousquet, ist der Leiter der Nahrungsder freisinnigen Fraktion der Abgeordnete Dr. Wiemer bei wohnte. Die Vertrauensmännerversammlung beschloß schließlich nicht erleben. Haftung wird darum bei der Kapitalistenpresse besonderes Wohleine Erklärung, in der es lautete: gefallen hervorrufen. Der zweite, der Föderationstassierer Lévy, hat schon im April vorigen Jahres die Schägung, die Clemenceau für die individuelle Freiheit hat, am eigenen Leib erfahren. Der dritte Verhaftete, Delalé von der Schuhmachergewerkschaft, ist in der Deffentlichkeit wenig hervorgetreten. Viel Freude dürfte die Firma auch an diesen Leuten mittelgewerkschaft, die gerade jetzt im Ausstand steht, und seine Ver Berlin und Umgegend. Achtung Holzarbeiter! Die für heute, Freitagabend 62 Uhr, einberufene kombinierte Sigung findet nicht statt, da die Verhandlungen vor dem Gewerbegericht bisher nicht zum Abschluß gelangt sind. Die Ortsverwaltung. Gründung einer gelben Getverkschaft in der Holzindustrie. " In der Besprechung wurde anerkannt, daß einzelne Aeußerungen des Herrn Prof. Eidhoff bei uns den Glauben erweden mußten, daß eine 3usage gegeben sei und die Annahme der Wahl in unserem Kreise auch erfolgen würde. Auf der anderen Seite sind wir jest authentisch davon unterrichtet worden, daß Herr Prof. Eickhoff noch am 4. Februar, am Tage vor der Stichwahl, es ausdrüdlich abgelehnt hat, eine Erklärung dahin abzugeben, daß er für den Fall einer Doppelwahl das hiesige Mandat bestimmt annehmen werde. Infolgedessen tönnen wir den in Nr. 34 unserer Zeitung erhobenen Vorwurf, daß Herr Eickhoff sein berpfändetes Wort gebrochen" Gestern abend fand im Deutschen Hof" in der Ludauerstraße habe, nicht mehr aufrecht erhalten. Bugleich er auf Einladung der Herren Meineke( bekannt als Sekretär des flären wir, daß die Angelegenheit, an der schließlich nur unsere Jnnungsnachweises in der Alexanderstraße), Oberländer und Gegner ihre Freude hatten, für uns hiermit ein für allemal er- leinsteuber eine Versammlung statt. Der Verlauf der Versammlebigt ist." lung führte zur Gründung einer Arbeitswilligenorganisation. Von anwesenden Meistern wurde der gelben Gewerkschaft Unterstützung zugesichert. Daraus ergibt sich, daß Herr Sidhoff, um sicher zu gehen, tatsächlich während des Wahlkampfes sich so geäußert hat, daß die Mühlhauser Liberalen annehmen mußten, Herr Eidhoff werde eine auf ihn fallende Wahl unter allen Umständen annehmen. Genau 24 Stunden vor der Wahl, als seine früheren Aeußerungen ihre Schuldigkeit getan hatten, lehnte er allerdings eine Erklärung, daß er im Fall einer Doppelwahl das Mühlhauser Mandat annehmen werde, ab. Herr Eidhoff ist mit seinen Aeußerungen also sehr unvorsichtig gewesen, oder auch sehr vorsichtig! Die Agrarier über den Mai- ,, Rummel". Bir lesen in der Deutschen Tages- 8eitung": " Achtung, Portefeuiller und Lebergalanterie- Arbeiter. Wegen fortwährender Preisdifferenzen und Nichtinnehaltung des Tarifes haben sämtliche Arbeiter der Firma A. Schwalbe, Kommandantenstr. 18, die Arbeit niedergelegt. Diese Werkstatt ist folange als gesperrt zu betrachten, bis die Ortsverwaltung die Sperre aufhebt, und dies in geeigneter Weise zur Kenntnis der Kollegen bringt. - Als Grund der Verhaftung wird Aufreizung durch Reden in öffentlicher Versammlung" angegeben. Aber die Maßregel ist nicht einmal formell zu rechtfertigen, da die Verhafteten ihre Reden in geschlossenen Gewerkschaftsversammlungen gehalten haben. Doch Clemenceau ist eben tein Paragraphenreiter. Wie er vor einigen Jahren einigen um ihr Koalitionsrecht besorgten Lehrern gefagt hat, fann man mit einem unbequemen Gesetz auf indem man es bricht. simple Art fertig werden Der Polizeifäbel hat gestern abend in der Mühlenstraße wieder einmal blutige Arbeit verrichtet. Ein Schuhmann schlug einen am Boden liegenden betrunkenen Mann mit der scharfen Klinge bier Hiebe über den Kopf, so daß der schwer Verwundete in einer Droschte nach einem Strankenhause übergeführt werden mußte. Ueber die entsetzliche Tat wird uns von einem Augenzeugen berichtet: In der Mühlenstraße sang und lamentierte in der achten AbendDie Ortsverwaltung des Verbandes der Portefeuiller. stunde ein schwer betrunkener Mann, dem ein hinzukommender Schutz Der mann gebot, fich ruhig zu verhalten und weiterzugehen. Es gewinnt den Anschein, als ob die Genoffen jetzt felbft finden sich im Streit. Ihre Forderung besteht in 24 m. Wochenlohn. fetzte sein Singen fort. Die Fensterpußer der Firma Juhre, Palisadenstraße, be- Betrunkene, der offenbar die Forderung des Beamten nicht begriff, eingesehen hätten, daß die Maifeier nichts ist als eine Farce, Streitbrecher haben sich bis jetzt nicht gefunden. Der Beamte wollte nunmehr den Buzug ist fern- Mann und als ob die gequälten Artikel, die schauderhaftesten Gedichte fiftieren; er fonnte denselben aber nicht fortzuhalten. und die häßlichsten Bilder der sozialdemokratischen Blätter nicht schaffen, da sich der Sistierte nunmehr auf die Erde setzte. mehr im Stande sei, die Maifeier den Genoffen schmackhaft zu Achtung, Schuhmacher! Bei der Schuhwarenfirma Stiller Der Schuhmann legte dem Mann einen Handknebel an, den er der. machen und dem Abflaum des Rummels Einhalt zu gebieten. Im haben die Kollegen die Arbeit niedergelegt. Folgende Geschäfte artig anzog, daß er sprang. Der am Boden Liegende, dem in seiner übrigen erscheint uns die Berichterstattung einiger bürgerlicher fommen in Betracht: Jeruſalemerstr. 38-39, Potsdamerstr. 2. Trunkenheit doch wohl ein bumpfes Gefühl der durch den Knebel Blätter über den Mairummel unangebracht. Durch lange Friedrichstr. 75 und Tauenzienstr. 19a. Die Ortsverwaltung. berursachten Schmerzen zum Bewußtsein tam, rief mehrere male, daß Berichte und Abhandlungen wird ihm eine Bedeutung bei der Beamte den Knebel abnehmen solle. Der Beamte stellte gemessen, die er in wirklichfeit gar nicht hat. Die Zur Aussperrung der Charlottenburger Mülkutscher. ganze Maifestmache ist zum Teil Sput, zum Teil Kinderei, zum Am Dienstag fand im Voltshause eine öffentliche Versamm- wiederum das Verlangen, daß der Mann ihm folgen solle. Teil Geldschneiderei." lung der ausgesperrten Mülltutscher statt. Gebert gab den Als dies der auf der Erde Sigende nicht tat, zog der Situationsbericht und erklärte, daß, wenn auch alle Wagen mit Schumann seinen Säbel und schlug den WehrStreitbrechern doppelt besetzt seien, die Kollegen trotzdem ruhig losen viermal mit der scharfen Schneide über den eine abwartende Stellung einnehmen sollen. Redner macht be- Kopf. Aus den Wunden strömte das Blut, und der schwer Verletzte fannt, daß zu dieser Versammlung die Mitglieder der Deputation, fant hintenüber. Dem Schutzmann schien nunmehr die Sache etwas welcher die Müllabfuhr unterstellt sei, alle persönlich schriftlich Wie tönnte man auch den Nugnießern der nationalen Schweine politik zumuten, den Ideengehalt der Maifeier, dieser Kundgebung für die Arbeitszeitverkürzung und den Völkerfrieden, zu verstehen Ihr Begriffsvermögen erschöpft sich in dem einen, ihnen allerdings sehr vertrauten Begriff: Geldschneiderei"." Erklärung. Wie ich bernehme, hat die Kölnische Zeitung vor einigen Tagen folgende Notiz veröffentlicht: Bochum, 28. April. Die Straftammer hat den Arbeiter Georg Welsch aus Annen wegen Beleidigung der Teilnehmer am deutsch französischen Kriege zu einer Woche Gefängnis verurteilt. As in einer Wählerversammlung ein Redner den Einzug der Sieger schilderte und dabei auf eine Aeußerung Bebels Bezug nahm, der der Aufforderung: Fahnen heraus!" das Wort entgegengestellt habe:" Trauerfahnen heraus! Die Mordbrenner tommen!", hatte der Angeklagte gerufen: " Ja, das sind sie auch!" Ich habe hierauf zu erklären, daß ich niemals eine Aeußerung wie die in dem Bericht der Kölnischen Zeitung" enthaltene oder eine ähnliche gemacht habe. Diese angebliche Aeußerung ist eine der Unterstellungen, die mir feit geraumer Zeit in einem Teil der bürgerlichen Bresse systematisch gemacht werden, sie ist eine nichtswürdige Lüge. Schöneberg- Berlin, den 1. Mai 1907. Belgien. A. Bebel. eingeladen feien, aber, mit einer Ausnahme, niemand erschienen fritisch zu sein, denn er suchte plötzlich das Weite. Das ift. Diese Ausnahme macht der Vertreter der sozialdemokratischen fich in großer Anzahl ansammelnde Bublifum gab seiner Empörung Partei. Was die Bestrebungen der Einigung anbetrifft, so macht in fräftigen Worten Ausdrud. Es wurde auch eine Verhaftung vorRedner den Versammelten den Vorschlag, sich selbst an das Ge- genommen, aber der Verhaftete war nicht etwa der Schußmann, der werbegericht zu wenden, obgleich die Firma berpflichtet ist, einen betrunkenen Mann in so entseglicher Weise verwundet hatte, das Gewerbegericht anzurufen, denn sie hat mit dem Magistrat der sondern verhaftet wurde ein Mann aus dem Publikum, der möglicherStadt folgenden Vertrag abgeschlossen: weise über die blutige Tat entrüstet war. § 14, Abs. 2. Zur Schlichtung etwa entstandener Streitigkeiten, die zum Streit zu führen drohen, hat der Unternehmer in jedem Fall und so schnell wie möglich das Gewerbegericht in Charlottenburg als Einigungsamt anzurufen. Die durch nichts entschuldbare Handlungsweise des Schutzmannes wird hoffentlich ihre Sühne finden. Wie es ſcheint, hält es aber bie Gesellschaft nicht für nötig. Letzte Nachrichten und Depeschen. fich an diesen Baragraphen zu halten. Der Antrag wurde einstimmig angenommen und wurden die nötigen Schritte sofort unternommen. In ihrer Mittwochausgabe hat die schon rühmlichst bekannte Charlottenburger„ Neue Zeit" wieder einmal versucht, die Firma reinzuwaschen, was ihr aber schlecht gelungen ist. In der Ausgabe vom 28. April 1907 schreibt diese Zeitung vom Streit der Mülltutscher und sagt, die Kutscher usw. seien in den Ausstand getreten und die Direktion habe sich mit den Angestellten in Verbindung gefeßt. In der Ausgabe aber vom 2. Mai sagt die Brüssel, 2. Mat. Das neue Ministerium ist ge Firma selbst, wir saben uns gezwungen, unsere ges bildet worden wie folgt: Präsidium und Inneres: de Trooz famten Arbeiter mit dem heutigen Tage zu entlassen." Finanzen Liebaert, Justiz Rentin, Eisenbahnen Helle- Diefer Widerspruch charakterisiert beide Teile. putte, Industrie Hubert, Kunst und Wissenschaft Des. camps, Krieg Hellebaut, auswärtige Angelegenheiten I'Avignon, öffentliche Arbeiten Delbete. Spanien. Die spanische Kammer. Madrid, 28. April.( Eig. Ber.) Die Zusammensetzung des Parlaments soll nach den Resultaten der neuesten Ermittelungen von heute die folgende sein: Konservative. Liberale Republikaner 258 • 62 33 . Katalonisten 14 Karliften 15 9 2 2 4 5 404 Schweden. Demokraten Integristen Katholiken. Unabhängige. Unbestimmt Summa Wahlrecht. Angekündigte Metallarbeiteraussperrung. Offenbach a. M., 2. Mai.( W. T. B.) Wie die Offenbacher Beitung" meldet, hat gestern der Verband der Metallindustriellen von Frankfurt a. M. und Umgegend aus Anlaß des Ausstandes der Offenbacher Metallarbeiter beschlossen, sich mit den Offenbacher Metallindustriellen solidarisch zu erklären. Infolgedessen werden am 25. Mai 60 Proz. der Metallarbeiter in den Fabriken von Frankfurt a. M. und Umgegend ausgesperrt werden. Zur Bewegung im Königsberger Hafen. Königsberg i. Br., 2. Mai.( W. T.-B.) Eine heute abend abWas die Behauptungen anbelangt, daß Millionen aus dem Müll gewonnen werden und daß die Abfuhrgesellschaft darüber gehaltene Versammlung der Hafenarbeiter hat nach Kenntnisnahme einen Artikel in der Zeit im Bild" gebracht hat, so berweisen wir der heutigen Erklärung der Arbeitgeber eine Resolution gefaßt, der es heißt: der bloße Umstand, daß Hafenarbeiter auf den 2. Jahrgang, Nr. 43, Seite 1527-1529 der genannten in Zeitschrift. Dort findet man die Photographien und den Artikel. nicht organisiert sind, ist für die Mitglieder des Verbandes kein Wir können ferner verraten, daß für die Illustrierte Beitung" Grund, das Zusammenarbeiten mit ihnen abzulehnen. Die wiederum photographische Aufnahmen gemacht worden sind. Was Verbandsmitglieder müssen sich aber das durch die Gewerbenun den angeblichen Att der Brutalität anlangt, da möchten wir ordnung gewährleistete Recht vorbehalten, das Zusammenarbeiten doch die Redaktion ersuchen, mit derartigen Berichten recht vor- mit solchen Personen zu verweigern, von denen sie in ihrer Ehre unternehmer Müller erlitten, müßte doch der Redaktion noch in den schwer getränkt und zum Zwecke der Bestrafung denunziert sind. zu fichtig sein. Der Reinfall, den sie mit dem Mülltransport Gleichzeitig erklärt die Versammlung, das Einigungsamt des Königsberger Gewerbegericht als Vermittler anzurufen. Diese Resolution soll morgen den Reedern unterbreitet werden. Knochen steden. Die Moralpredigt, welche die Redaktion dem Transport arbeiterverband alaubt geben zu müssen, kann sie besser für sich behalten. Deutfches Reich. Im Königsberger Hafen ist es zu dem vorausgesagten Kampfe gekommen. Nachdem die Safenarbeiter in einer am Sonnabend abgehaltenen Versammlung das bon den bereinigten Arbeitgebergruppen, Getreideabladern, Reedern und Schiffsmaklern ihnen unterbreitete Verlangen auf Abgabe eines formell bindenden Versprechens, ihre VerbandsangeTegenheiten fünftig nicht mehr mit dem Arbeitsverhältnis zu vers mischen, insbesondere mit nichtorganisierten Arbeitern zusammen zuarbeiten, unter Hinweis auf den§ 153 der Gewerbeordnung ab Stockholm, 1. Mai. Der Wahlrechtsausschuß des Reichstages gelehnt hatten, erklärten nunmehr die Arbeitgeber, sie würden von beschloß heute, beim Reichstage die Annahme des Regierungs- nun an nur noch diejenigen Arbeiter annehmen können, die sich entwurfes, betreffend das politische und kommunale Wahlrecht auf vorher schriftlich bereit erklären, mit Nichtorganisierten zu der Basis des Proportionalwahlsystems, mit einigen Abänderungen zu beantragen. In dem abgeänderten Entwurfe wird unter anderem fammenzuarbeiten. Die Königsberger Intereffenten haben die die Wählbarkeit für alle kommunalen Stellungen, aber nicht zu den Hülfe des Zentralvereins deutscher Reeder angerufen, der durch die Brovinzialräten, allen tommunal stimmberechtigten Mithülfe der Hamburg- Amerika- Linie in der Lage zu ſein glaubt, Frauen zugestanden. Der Ausschuß hat diesen Entwurf mit den Arbeitgebern genügend Arbeitswillige zur Verfügung zu 14 gegen 9 Stimmen angenommen. Die Minderheit sprach sich für stellen. Für polizeilichen Schutz der Streitbrecher sind seitens der das Majoritätswahlsystem aus. Gewerkschaftliches. Englische Streitbrecher in Dresden. Rettung Schiffbrüchiger. Bremen, 2. Mai.( W. T. B.) Die Rettungsstation Borkum der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphiert: Am 2. Mai von dem hier gestrandeten holländischen Fischerfutter Drei Gebroeders", Kapitän a. D. Lei, vier Personen durch das Rettungsboot Otto Hak" der Südstation gerettet. Interpellation über Eduards Rundreise. London, 2. Mai.( W. T. B.)( Unterhaus). Der Liberale Lea stellt an die Regierung die Frage, ob sie an dem verfaffungs mäßigen Gebrauch festhalte, daß bei allen Zufammenkünften des Königs mit fremden Souveränen oder Ministern, bei denen es sich um Staatsangelegenheiten handle, ein dem Parlament verantwort licher Minister zugegen sein solle, und ob über die Zusammenkünfte des Königs mit fremden Souveränen oder Ministern in bezug auf Staatsangelegenheiten während der Mittelmeerreife irgend welche wärtigen, Sir Edward Grey, verlieft hierauf eine schriftliche ErAufzeichnungen gemacht worden seien. Staatssekretär des Aus flärung, in der es heißt, die Gepflogenheit, daß der König bei Abwesenheit von der Hauptstadt stets von einem Minister begleitet Behörden natürlich die üblichen Vorkehrungen getroffen. Gestern werde, sei niemals streng durchgeführt. Der Besuch des Königs bormittag haben nun die Stauerarbeiter auf allen Schiffen des in Cartagena sei ein zeremonieller Gegenbesuch auf den Besuch des Hafens die Arbeit niedergelegt. Mit dem Dampfer Guahyba" Königs von Spanien in England, der Besuch beim Könige von Jtafind bereits 408 auswärtige Stauerarbeiter eingetroffen; der Bes lien in Gaeta dagegen ein rein privater gewesen. Bei allen Bertrieb im Hafen wird nach Ansicht der Unternehmer Freitag früh in handlungen über Staatsangelegenheiten werde an dem verfaffungsvollem Umfang aufgenommen werden können. mäßigen Gebrauch und an der Berantwortlichkeit der Minister festgehalten. " Am Dienstag früh tamen in Dresden die engEs waren 85 meist lischen Streitbrecher an. Sämtliche Bauarbeiter Sagans sind in den Ausstand getreten, ganz junge Leute in ziemlich heruntergekommenem 8u- nachdem ihre Forderung auf Lohnerhöhung von dem Arbeitgeber. stande. Die Firma Seidel u. Naumann erlangte zu verband abgelehnt worden war. ihrer Unterbringung ein in der Nähe des Betriebes stehendes der Eisenbahn gehöriges Gebäude, das Berantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inferatenteil berant. Ueberfall im Eisenbahnzuge. Nowotscherkast, 2. Mai.( W. T. B.) Auf der Bahnlinie Bari. zin- Lichaja wurde ein Eisenbahnkassierer in der Nähe der Station Walfowo im Waggon von mehreren Bewaffneten ermordet und einer Summe von 60 000 Rubel beraubt. Sämtliche Arbeiter der Schamottefabrik von Gebrüder Kämpfe zu Eisenberg in Sachsen- Altenburg legten am Dienstag früh wegen 4. Glede, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdr. u. Berlagsanftall Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 5 Beilagen u. Unterhaltun Nr. 102. 24. Jahrgang. Reichstag. 1. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt. 48. Sigung, Mittwoch, den 1. Mai, nachmittags 1 Uhr, Am Bundesratstische: dowsky, Dr. Nieberding, Dernburg. Fürst b. Bülow, Graf PosaAuf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Beratung des Etats für den Reichskanzlers und die Reichskanzlei. Zur Diskussion stehen die Fragen der inneren Politit. Hierzu liegen zwei Resolutionen vor, eine vom Zentrum auf Borlegung einer Denkschrift über die Erfolge des Erbbau rechts und die Förderung der allgemeinen Wohnungsfürforge, und eine der Freisinnigen auf Beseitigung der Vetimmung, wonach die Gewährung freier Lehrmittel, freier Medizin, Krankenhaus- oder Heilstättenbehandlung als Armenunterftübung angesehen werden kann und den Verlust des Wahlrechts nach sich zieht. ( Sehr wahr! Iints.) Präsident Graf Stolberg( wütend aufspringend): Ich muß Sie bitten, nicht auf die private Tätigkeit des Herrn Reichskanzlers einzugehen.( Bravo! rechts.) Abg. Göz v. Olenhusen( fortfahrend): Einem solchen Reichskanzler aus den Steuern des deutschen Volkes auch noch das Gehalt zu bewilligen, dazu bin ich nicht imstande.( Stürmisches Gelächter.) Tausende monarchisch gesinnte treue Untertanen weinen darüber, daß einem deutschen Bundesfürsten sein Recht verweigert wird.( Gelächter.) Möge den deutschen Fürsten bald Erleuchtung zuteil werden.( Lautes Lachen.) Wir wollen deutsche Fürsten von Gottes Gnaden, nicht von Bülows und Ottos Gnaden! Sägen Sie nicht den Aft der Begitimität ab, auf dem Sie sitzen.( Stür misches langanhaltendes Gelächter im Hause und auf den Tri. bünen.) Freitag, 3. Mai 1907. Abg. Dr. David( fortfahrend): Ich wollte mit diesen Worten auch nur kurz die veränderte Konstellation im Inneren beleuchten. Was wird nun wohl dem Zentrum dafür gewährt werden? Eins fann man wohl mit Bestimmtheit sagen: Dadurch ist die Garantie gegeben, daß es mit der liberalen Aera nichts ist.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es wird in Deutschland keine liberale Politik geben, so lange Fürst Bülow Reichskanzler ist. Was ist denn bis jetzt von liberalen Erscheinungen in unserer inneren Politik zu verzeichnen gewesen? Absolut nichts! Bor wenigen Tagen haben wir im preußischen Abgeordnetenhause die Debatte über die Schulaufsicht gehabt- das System Studt bleibt, dieses System, dessen Sturz die erste Forderung der liberalen Strömung war. Dies System Studt hat sich neuerdings noch neue Lorbeeren geholt, dadurch, daß es zu Charlottenburg einen Kindergarten verbot, nur weil dort nicht den Kindern die patriotischen und firchlichen Ammenmärchen gelehrt wurden, und dadurch, daß es in Kiel den Lehrern verboten hat, Arbeitern die deutsche Sprache zu lehren. Leider ist ja die preußische Volksschule so schlecht, daß fie die erste nationale Pflicht, dem deutschen Volfe die Beherrschung seiner Muttersprache beizubringen, in fo ungenügendem Maße er füllt, daß die Arbeiter genötigt sind, das nachträglich nachzuholen Stiel hatte es den Volksschullehrern erlaubt, in solchen Unterrichts. und deutsche Sprachkurse einzurichten. Die Lokalschulbehörde in fursen mitzuwirken, aber der Herr Kultusminister hat die Er laubnis zurüdgezogen.( hört! hört! bei den Sozialdemo traten.) Präsident Graf Stolberg: Diese Frage gehört in das preußische Abgeordnetenhaus, nicht hierher.( Sehr richtig! rechts.) Abg. Dr. David( fortfahrend): Ich habe diese Frage ganz speziell bom nationalen Standpuntte und von dem der liberalen Aera aus behandelt. Was hat auf politischem Gebiete die liberale Aera" Dann habe ich noch eine Sache zu erörtern, die den Reichs- interessant: das Zentrum stimmte der Absicht der Regierung zu, tanzler persönlich betrifft. Er hat in der Sitzung vom 26. Februar sich auf eine Diskussion der Abrüstungsidee auf der Haager Nonin diesem Hause gelegentlich der Vorlesung, die er meiner Partei ferenz nicht einzulassen! Ein schneidender Hohn auf das offizielle über ihre Kampfesweise und ihren Ton zu halten für gut fand, Christentum, das doch gerade von der Zentrumspartei ganz speziell einen Fall erwähnt, der die unanständige Kampfesweise der Sozial- vertreten wird.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die demokraten zeigen sollte. Er verlas eine Notiz aus der Frank- Sozialdemokratie ist die einzige Partei, die dieses christliche Ideal furter Zeitung", wonach der Parteisekretär Dittmann in Frankfurt des Weltfriedens noch vertritt. die Freisinnigen der schwere Vorwurf des Stimmenkaufs erhoben der inneren Politit; ich bitte, nicht weiter als unbedingt not. ein Flugblatt geschrieben habe, in der vollkommen zu Unrecht gegen Präsident Graf Stolberg: Wir behandeln heute die Fragen fei, und in der weiter erklärt wurde, daß dieses Flugblatt am wendig, auf die gestrige Debatte zurückzugreifen. Tage vor der Wahl, bei welcher der angebliche Stimmentauf statt. gefunden habe, gedruckt worden sei! Wir haben sofort darauf aufmerksam gemacht, daß die Frankfurter Zeitung" bereits am Abend desselben Tages, an welchem sie diese Notiz veröffentlichte, eine Richtigstellung unseres Parteigenossen Dittmann gebracht habe. Dem Gewährsmann des Reichskanzlers war diese Richtigstellung entgangen sowie auch, daß die gesamte sozialdemokratische Presse Abg. Kämpf( frs. Bp.) begründet diese Resolution. Der von ihr Notiz genommen hatte. Weiter war ihm entgangen, daß jebige Rechtszustand, wonach Heilstättenpfleglinge und Kranke, die Dittmann, um die Sache flarzustellen, gegen den Redakteur der ohne Entgelt Krankenhausbehandlung genossen hätten, ihr Wahl-" Frankfurter Zeitung" Klage erhoben hatte. Seit jenem Tage recht auf ein Jahr verlören, selbst wenn sie schon die Kosten zurüd- st der Reichskanzler hier noch nicht erschienen und hat auch keine gezahlt hätten, widerspreche dem allgemeinen Rechtsbewußtsein. Erklärung ergehen lassen, welche die schwere Ehrenkränkung gegen unseren Genossen Dittmann zurüdnimmt. Dittmann hat an den Staatssekretär Graf Bosadowsky: Der Reichskanzler hat unter Reichskanzler selbst ein Telegramm geschickt, in welchem er ihm dem 5. April 1904 ein Reftript an den Kriegsminister und den den Tatbestand mitteilte und ihn ersuchte, eine Ehrenerklärung abMinister des Innern gerichtet, daß sie darauf hinwirken sollten, zugeben. Auch das hat bis heute noch keinen Erfolg gehabt. daß sie für diese Zwede sich besondere Stiftungen verschaffen oder( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die den Tatsachen widerbesondere Fonds anlegen. Ich habe jetzt eine Umfrage beran iprechende ehrverlebende Mitteilung des Reichstanzlers hier im ftaltet, in welchem Umfange dieser Aufforderung Folge gegeben Haufe ist zur Bekämpfung der Sozialdemokratie benutzt worden. worden ist. Nach Eingang des Materials werde ich die Angelegen- Die Rede des Reichskanzlers mit dieser unwahren Erklärung ist heit im sozialpolitischen Geifte der Gegenwart prüfen; es scheinen bom Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie in da Härten vorzukommen. Eine definitive Antwort kann ich heute den Fall sofort richtig gestellt haben! Ich glaube, das ist ein VorHunderttausenden von Exemplaren verbreitet worden, obwohl wir noch nicht geben.( Beifall.) Abg. Göz v. Olenhusen( Welfe): Der Reichstanzler tritt für gehen, das zu charakterisieren es einen parlamentarischen die legitimen Rechte des Sultans von Marokko ein; über die Rechte Ausdrud nicht gibt.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) eines deutschen Bundesfürsten geht er einfach zur Tagesordnung verband" beschwert fühlen, so ist das hier doch einmal ein Fall, Wenn Sie( nach rechts) sich durch den Ausdrud Reichslügen über. Fürst Bülow will noch auf seinem Grabe der agrarische Reichstanzler heißen, aber feine Millionen legt er in römischem der unwiderleglich die Richtigkeit unserer Behauptung zeigt, daß es dem Verband bei der Bekämpfung der Sozialdemokratie an Villenbesiz an.( Lachen.) jeder Gewissenhaftigkeit mangelt, daß unwahrheiten verbreitet werben, obwohl fie öffentlich wiederholt richtig gestellt sind. Der Reichskanzler wird daraus die Ueberzeugung getoonnen haben, daß er auch seinerseits die Sache richtig stellen muß, damit der für Erscheinungen gezeitigt? Auf der einen Seite eine sehr große Lüge der Stopf zertreten wird.( Sehr wahr! bei den Sozialdemo: Weitherzigkeit, wie im Falle Buttkamer, wo festgestellt ist, daß traten.) Damit er eine Grundlage hierfür hat, will ich ihn auf die Gerichtsverhandlung hinweisen, die in dieser Sache in Frant man in Deutschland falsche Bässe ausstellen und trotzdem Gouver furt am 23. April stattgefunden hat. Dort ist nachgewiesen worden, neur einer deutschen Kolonic sein kann, und auf der anderen Seite daß der Verfasser des Flugblatts berechtigt war, von dem den engherzigsten Bolizeigeist, der es einem Sozialdemokraten sogar Versuch des Stimmentaufs zu sprechen. Der Redakteur ber verbietet, Mitglied einer freiwilligen Sanitätstolonne zu sein! Frankfurter Beitung" wurde zu 300 M. Geldstrafe oder zu zehn( ört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wir haben weiter gehört, Tagen Haft verurteilt. In dem Urteil ist ausbrüdlich festgestellt, daß das tommende Vereins- und Bersammlungsrecht sich aufbauen daß die Verhandlung ergeben hat, daß das Flugblatt erst am Tage müsse auf dem Grundgedanken, daß die nötigen Garantien der Stichwahl entstand. Weiter heißt es in dem Urteil:„ Es ist für die Aufrechterhaltung der Ordnung gegeben würden. Ich bedauerlich, daß die Sache im Reichstage zur Sprache gebracht würde dem Herrn Reichskanzler empfehlen, einfach den Zustand, Seitdem ich an dieser Stelle stehe, habe ich mich gegenüber feite anerkennt, daß er bisher ruhig und fachlich gekämpft habe, sehen, es geht auch ohne dies. Oder haben Sie je gehört, daß in worden ist; denn dadurch ist der Kläger, von dem auch die Gegen- mie er in essen besteht, auf das Reich zu übertragen. Dort gibt es überhaupt kein Vereins- und Versammlungsrecht, und Sie allen Mitgliedern des Hauses stets eines rein sachlichen Tones be in der breitesten Oeffentlichkeit bloßgestellt worden." Ich glaube fleißigt.( Bautes Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ich werde wohl, daß der Reichskanzler daraufhin Veranlassung nehmen sollte, die öffentliche Ordnung aufrecht erhalten wird, ist durch das StrafHessen deshalb besondere Unruhen entstanden seien? Dafür, daß baher auf die persönlichen Angriffe des Vorrebners nicht in dem auch seinerseits ein Wort der Ehrenerklärung zu sprechen.( Sehr gleichen Lone antworten.( Bravo! rechts.) Sachlich habe ich über richtig! bei den Sozialdemokraten.) Um Ihnen zu zeigen, in gesetzbuch genügend gesorgt.( Sehr wahr! bei den Sozialdemo Die Braunschweiger Frage folgendes zu sagen: Bestimmend für welcher Weise derartige Fälle, wenn fie einmal in die Deffentlich- fraten.) meine Haltung ist nur der Bundesratsbeschluß vom 2. Juli 1885, feit geworfen sind, festhaften, will ich mitteilen, daß ein Teil der Der Herr Reichskanzler hat neulich das feierliche Gelöbnis abs deſſen tatsächliche Grundlagen auch nach der Ueberzeugung des gegnerischen Presse über die Gerichtsverhandlung in Frankfurt gelegt, daß er Bundesrats heute noch fortbestehen. Eine Vermittlung zur Auf- einen Bericht bringt, worin es heißt, daß ein sozialdemo- wolle. Als neuer Stern am Himmel der agrarischen Politik find agrarisch leben und sterben hebung dieses Beschlusses mußte ich ablehnen, weil die Regierungs- tratischer Redakteur einem freisinnigen zu Unrecht den übernahme Gr. Kgl. Hoheit des Herzogs v. Cumberland für mich Borwurf des Stimmentaufs gemacht habe, deswegen angeflagt aufgetaucht die Mühlenumfassteuer und die Schiffahrtsabgaben. nach diesem Beschluß überhaupt nicht bistutabel war. Der tühle und zu 600 M. Gelbſtrafe verurteilt fei!!!( Sört! hört! bei den Auf diese Fragen muß ich hier eingehen, soweit ber Herr Reichs Ton meines Ablehnungsschreibens sollte die Gefühle der braun Sozialdemokraten.) In dieser Weise werden die Dinge auf den tanzler dafür berantwortlich ist. Seit zwei Monaten bereitz läuft schweigischen Bevölkerung nicht verlegen. In der Sache ist daran Kopf gestellt. Ich möchte den Wunsch aussprechen, daß der Reichs- über die Grubenunfälle. Inzwischen ist im preußischen Abgeord eine Interpellation in dieser Frage übrigens auch eine andere festzuhalten, daß das Reich eine Agitation nicht dulden kann, die tanzler seine Kampfesweise gegen uns überhaupt nicht nach der gegen seine zu Recht bestehende politische Struktur gerichtet ist. des Reichsverbandes einrichtet. Wenn er von dieser Kampfesweise netenhauſe unsere Interpellation durch den Minister Breitenbach ( Bebhafte Bustimmung.) Daß die Sinfeßung des Herzogs den Sieg erhofft, so ist diese Hoffnung durch den Ausfall der Nach bereits beantwortet in einer Weise, die zeigte, daß die preußische b. Cumberland in Braunschweig ein Wiederaufnehmen der wel- wahl in Glauchau- Meerane wohl etwas erschüttert worden. Bei Regierung in diesem Falle im Widerspruch zu den klaren Befischen Agitation bedeuten würde, ist ohne weiteres klar. Es ge- dieser Nachwahl hat sich selbst der Stanbibat ber bürgerlichen ſtimmungen der Verfassung vorgegangen ist und daß hier nügt nicht, wenn der Herzog v. Cumberland erklärt, daß er sich Parteien durch die Methode des Reichsverbandes geniert gefühlt auf den Boden der Reichsverfassung stelle. Er muß für sich und und ihn verleugnet! Die Nachwahl hat gezeigt, daß auf die Dauer fein ganzes Haus rückhaltslos ein für allemal auf Hannover ver- diese niedrige Kampfesweise nicht zieht, sondern am gefunden Sinn zichten, und die Führer der welfischen Agitation müssen veranlaßt unseres Volkes zugrunde geht.( Sehr wahr! bei den Sozialdemowerden, sich einer solchen Erklärung ebenso rüdhaltslos anzu- fraten.) Wir verlangen vom Reichskanzler nicht, daß er Sozialschließen.( Beifall.) In der jetzigen schwierigen Weltlage müssen demokrat werde.( Seiterkeit.) Mag er uns nur bekämpfen, aber wir alles vermeiden, was den inneren Zusammenhang des Reiches doch mit einem gewissen Verständnis, mit einer gewissen WürdiIodern könnte.( Zustimmung.) Deutschland hat in der VergangenDas kann heit durch innere gwiftigkeiten zu viel gelitten, als daß wir nicht gung der Forderungen und Ziele unserer Bewegung. man auch von einem Gegner verlangen.( Sehr wahr! bei den harauf Bedacht nehmen müßten, alles fernzuhalten, was zu einer Sozialdemokraten.) Ich verweise ihn nur auf den Professor Wiederholung solcher Zwiftigkeiten führen könnte. Ein regierender Schmoller. Fürst darf im neuen Deutschen Reiche nur sein, der gewillt ist, mit freudigem Herzen und ohne jeden Hintergedanken sich in den es Der Herr Reichskanzler sagte, die Sozialdemokratie sei aus Bau des Reiches einzufügen.( Beifall.) Der Bundesratsbeschluß dem Haffe geboren, und er sprach von phantastischen, perfiden Anbom 29. Februar 1904 greift in feiner Weise in das Selbst- trägen", die wir gestellt hätten. Diese Wendungen standen im felt bestimmungsrecht des Landes Braunschweig ein. Braunschweig samsten Kontrast zu seiner heutigen Erklärung, daß er alle Bartann jeden zum Regenten wählen, der ihm genehm ist das teien dieses Hauses nur in fachlich unantastbarer Form bekämpfe. Reich und Preußen werden sich darauf beschränken, zu wünschen, Was sagt Schmoller über die Sozialdemokratie? Er schreibt in daß dem neuen Regenten eine gefegnete Regierung im Intereffe feinem Buche Grundzüge der Volkswirtschaftslehre":" Wir dürfen Braunschweigs und zum Wohle des Reiches beschieden sein möge. nicht vergessen, daß die Organisation der Arbeiter die Regierungen ( Lebhafter Beifall rechts, im Zentrum und bei den Liberalen.) und die Besißenden so nachdrücklich an ihre sozialen Pflichten er innerte, daß eine ernsthafte Sozialreform in Angriff genommen Abg. Dr. David( Soz.): wurde. Die fich geltend machenden Stimmen der Wissenschaft, der Kirche, der Humanität waren in den Tagen des Kampfes um das goldene Kalb viel zu schwach dazu! Die selbstbewußte Organifation des Arbeiterstandes ist der Ausdruck der weltgeschichtlichen Tatsache, daß die Menschheit eine Stulturhöhe erreicht hat wie nie früher, eine Kulturhöhe, die auch die unteren Klassen nicht mehr zum passiven Fußgestell der oberen, sondern zu einem selbstbewußten attiven Glied des Gesamtorganismus machen will und tann." Wenn der Herr Reichskanzler sich zu dem Standpunkt dieses Gegners der Sozialdemokratie hinaufschwingen wollte, dann könnten die Auseinanderseßungen mit ihm fruchtbarer sein als seither. Reichskanzler Fürst Bülow: Der Vertreter der Welfen wird nach den Darlegungen des Reichskanzlers wohl zu der Einsicht gekommen sein, daß seine Klagen teine praktischen Folgen haben werden, denn wenn in irgend einer Frage, so gilt hier der Sab:" Macht geht vor Recht!" Die Fürsten von Gottes Gnaden" haben von jeher, auf die Schwerter gestüßt, niemals Bedenken getragen, einen anderen Fürsten von Gottes Gnaden" vom Thron zu stoßen, sobald ihnen die militärische Gewalt die Möglichkeit in die Hände gab.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es ist uns ziemlich gleich gültig, ob ein Welfe oder ein Sproß aus einem anderen Fürsten Hause auf dem Braunschweiger Thron sitt. Für die Bevölkerung Braunschweigs wird dadurch nichts geändert und für das Deutsche Reich ebenfalls nicht.( Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) 8 ein Einbruch in das verfassungsmäßige Recht des Volkes vorliegt.( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Frage der Schiffahrtsabgaben war eine der wichtigsten bei der inneren Gini. gung Deutschlands. Man hat besondere Verträge zur Regelung der Frage abgeschlossen, man hat sie hereingenommen in die Reichsberfassung, damit sie ein für allemal ausscheide aus der inneren deutschen Politif. Als zuerst diese Frage von der konservativen Presse wieder angeschnitten wurde, hat der Herr Reichskanzler, um die daraus entstehende Beunruhigung in Süddeutschland aus der Welt zu schaffen, im Reichstage eine Erklärung abgegeben, die flar und deutlich besagte, daß jede Abgabenerhebung lediglich für die Befahrung natürlicher Wasserstraßen Reichsjache sein müsse. Er fügte hinzu, daß, wenn ein Gesetz dieser Art täme, es die Bedingungen erfüllen müsse, die zu einer Verfassungsänderung gehören, d. h., daß weniger als 14 Stimmen im Bundesrat dagegen fein müßten.( Sört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Aber schon aur selben Zeit bestand im Schoße des preußischen Ministeriums die Absicht, den Paragraphen hinwegzuinterpretieren. Das Produft der Interpretierungsfünfte haben wir im§ 19 der preußischen Ranalvorlage vor uns. Dieser Paragraph ist nach der Erklärung des Reichskanzlers vom Dezember 1904 eine flagrante Berlegung der Reichsverfassung. Freilich ist Fürst Bülow preußischer Ministerpräsident im Hauptamt, deutscher Reichskanzler nur im Nebenamt.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) So ist es denn nicht zu verwundern, daß er vor der Majorität des Klassenparlamentes, bor Preußens herrschender Junkerschaft, zusammens geklappt ist wie ein Taschenmesser.( Lachen rechts, Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die Verteuerung der Agrarprodukte ist eigentlicher Zweck und eigentliches Ziel der Schiffahrtsabgaben. Alles andere, was angeführt wird, ist Bemäntelung, die keinen Gin fichtigen täuschen wird.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Liberale Optimisten erwarten vielleicht von der" Paarung" einen Bruch mit der Politik der Schiffahrtsabgaben. In Wirklichkeit Die erste Rede, in der der Herr Reichskanzler die Sozialbemo ist aber zu befürchten, daß das Wahlresultat dieser Politik nur fratie nicht angegriffen hat, war die gestrige. Da scheint ihm noch Vorsch ub leistet. Ganz Sachsen, an seiner Spiße der eine Ahnung aufgegangen zu sein, daß die Sozialdemokratie doch sozialistenfeindliche Oberbürgermeister von Dresden, Beutler, hat Zunächst einige Worte über unsere Stellung zu den Refolus fein so ganz zu vernachlässigender Fattor ist, wenn es sich um die ich gegen die Schiffahrtsabgaben ausgesprochen. Ich bin ge tionen. Der Resolution der Freisinnigen stimmen wir zu, ebenso auswärtige Politit Deutschlands handelt.( Lachen rechts.) Die spannt, wie sich die konservativen und die nationalliberalen Ab. der Begründung, die hier Herr Kaempf gegeben hat. Wir 3% Millionen Wähler der Sozialdemokratie fönnen da nicht außer geordneten aus Sachfen zu der Frage stellen werden. Die National gehen aber noch weiter. Wir meinen, daß die Armutsklausel, die Betracht gelassen werden.( Buruf rechts.) Herr Pauli meint, wir liberalen, darunter Herr Jund, der neulich sehr liberal sprach, Bestimmung, daß unverschuldete Armut dem Betroffenen die möchten 2 Millionen von unseren Wählern abziehen, die nicht über haben hier ausgezeichnete Gelegenheit, sich zugleich national und öffentlichen staatsbürgerlichen Rechte entzieht, ein Sohn auf den zeugte Sozialdemokraten sind. Nun, wenn die konservative Partei liberal zu betätigen. Unter den Freisinnigen sind wohl nur noch christlichen Staat ist. Man sagt: Armut schändet nicht." Das ist prüfen wollte, wie viele ihrer Anhänger mit Bewußtsein und wenige, die an die Verwirklichung liberaler Hoffnungen unter eine unwahrheit, wie vieles andere. Unsere Wahlrechtsbestimmun- Ueberzeugung zu ihr gehören, dann müßte sie mindestens 90 Bros. der Aegide Bülow hoffen. Hier handelt es sich aber nicht um einen gen zeigen ganz offiziell, daß Armut allerdings schändet.( Sehr ihrer Wahler abziehen.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten. liberalen Fortschritt, sondern um die Verhinderung eines flagranten wahr! bei den Sozialdemokraten.) Was die Resolution des 8en Buruf rechts.) Daß nicht die Sozialdemokratie es ist, die auf die Rückschritts, um die Behauptung einer liberalen Errungentrums betrifft: die Reichsregierung zu ersuchen, auf den ver- Dummheit der Massen spekuliert, beweist die Tatsache, daß wir schaft.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich hoffe, daß schiedensten Wegen die Wohnungsfrage einer befriedigenden Lösung stets und überall für höhere Wolfsschulbildung eingetreten find, hier das liberal- konservative Kartell mit Knall auffliegt.( Lachen entgegenzuführen, so stimmen wir auch ihr zu. Die Begründung während den Herren auf der Rechten die Kinder in der Volksschule bei den Konservativen und Nationalliberalen.) Die Zentrums. dafür ist von uns oft genug gegeben worden, so daß ich sie nicht noch immer viel zu viel lernen.( Sehr wahr! bei den Sozialdemo- partei wird wohl ihre zweifelhafte Stellung beibehalten. Im zu wiederholen brauche. In der Resolution wird die Reichsregie- traten.) Abgeordnetenhause tritt ihre überwältigende Mehrheit für die rung weiter ersucht, darauf hinzuwirken, daß überall Wertzuwachs Jah fagte also, gestern hat der Herr Reichskanzler zum ersten Schiffahrtsabgaben ein. Ein paar Abgeordnete aus dem Westen steuern eingeführt und sonstige Maßregeln zur Erschwerung Male die Sozialdemokratie etwas schonend behandelt. Auf der find ja dagegen, aber diese wenigen rheinischen Herren machen die mucherischer Grundstücsspekulation ergriffen werden. In dieser anderen Seite war es interessant, daß die Konstellation, die wir Bentrumssuppe nicht fett.( Seiterkeit.) Beziehung tann ich auf das verweisen, was mein Parteifreund zu Beginn der Session in diesem Hause hatten, sich gestern plötz- Wir haben in Deutschland nach innen und außen feine deutsche, Ginger vor wenigen Tagen hier ausgeführt hat. Die Vorbedingung lich verschoben hat. Unsere Voraussage, daß die Feindschaft sondern eine dafür, daß auf diesem Gebiete etwas geschieht, ist, daß das Privileg zwischen Zentrum und Regierung nicht lange dauern würde, hat föniglich preußische Politik, der Hausbesitzer in den Städten befeitic wird.( Sehr richtig! bei sich gestern als richtig erwiesen. Nechte und Zentrum haben sich deren Leiter es meisterlich verstehen, den nichtpreußischen Deutschen den Sozialdemokraten.) wiedergefunden, und was war die Morgengabe Auch das ist sehr die Freude am Reiche au bergällen. Diese Seiter der preußisch deutschen PoliM sind die erfolgreichsten Nährbäter des Partikula- riSmus. Wir betrachten die politische Einheit als die Vorbedingung btx wirtschaftlichen Blüte Deutschlands. Neulich entwickelte hier der Abgeordnete Naumann die Gründe des sozialpolitischen Still- standes. Er sucht die Ursache beim Bundesrat. In der Tat liegt sie bei Preusten. Der preußische Landtag ist der Hort der Re- aktion. lLebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Das Deutsch« Reich ist ein eilfertig zustandegekommenes poli- ttsches Gebilde, das Länder der verschiedensten politischen und wirt- schastUchen Kultur umfaßt. Das zurückgebliebene Preußen sucht den fortgeschrittenen Süden in seinem Sinne zu beeinflussen. Wir haben ja gehört, wie der Abgeordnete v. Oldenburg, der Freund des Herrn Reichskanzlers, lSehr gut! bei den Sozialdemokraten) hier die WahlrechtSverbesferungen der süddeutschen Staaten schmähte und mit Annektionspolitik drohte.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Noch mit keinem Wort hat der Reichskanzler gegen diese Auffassung seines Freundes protestiert.(Heiterkeit link».) Der Vorgänger des Reichskanzlers, Fürst Hohenlohe, hat allerdings das preußische Junkertum als Gefahr für das Deutsche Reich erkannt. Das schreibt er ausdrücklich in seinen Denkwürdig- feiten. Wenn der Reichskanzler Fürst Bülow als Grabinschrift wünscht: .Hier ruht ein agrarischer Reichskanzler", so ist dem hinzuzufügen: »Do»«in Hemmschuh war für die gesunde politische und kulturelle Entwickelung des deutschen Volkes." (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten. Pfui! rechts.) Reichskanzler Fürst Bülow: Ich werde mich sehr viel kürzer fassen als der Herr Vor- redner.(Bravol Und Heiterkeit rechts) Der Vorredner hat mich aufgefordert, meinen Kampf gegen die sozialdemokratische Partei einzustellen oder wenigstens die Methode zu ändern, mit der ich den Kampf führe. Den Kampf gegen die Sozialdemokratie können die verbündeten Regierungen nur aufgeben, wenn die So- zialdemokratie sich auf den Boden der Vernunft und der Ob- jektivität stellt.(Sehr richtig! rechts.) Das sagte ich Ihnen vor drei Jahren und wiederhole es auch heute. Die Ausführungen, die ich soeben von einem Mitgliede der sozialdemokratischen Parte, gehört habe, das bisher für einen Revisionisten galt,(Heiter- keit bei den Sozialdemokraten) beweisen, daß wir davon noch sehr weit entfernt sind.(Sehr wahr! rechts und Heiterkeit bei den So zialdemokraten.) Was aber meine Methode angeht, so habe ich um so weniger Veranlassung, dieselbe zu modo sizieren, als sie sich bei den letzten Wahlen sehr wohl bewährt hat. Wenn der Abg. David schon Jubelhymnen über den Ausfall der Wahl in Glauchau-Meerane anstimmt, so wird er es mir doch nachempfinden können, daß ich mich darüber gefreut habe, daß mit meiner Methode der Sozialdemokratie bei der letzten Wahl drei Dutzend Wahlkreise abgenommen worden sind. kSehr gut! rechts. Zuruf bei den Sozialdemokraten:„Mit Lügen!" �..cm rechts.) Ich bin weit entfernt davon, zu bestreiten, daß der Ausfall der Nachwahl in Glauchau-Meerane für die bürgerlichen Parteien eine Lehre enthält. Der Ausfall dieser Wahl enthält für sie die Lehre, daß sie nicht auf ihren Lor- beeren einschlafen dürfen, sondern fortfahren müssen, ihre Organi- sation auszubauen und eine kräftige Agitation gegen die sozial- demokratische Partei zu führen.(Lebhafter Beifall rechts und bei den Liberalen.) Im übrigen sprach aus allen Ausführungen des Herrn Vor- redners der Wunsch, daß die bürgerlichen Parteien untereinander und die Regierung mit den bürgerlichen Parteien sich recht bald und recht allgemein in die Haare geraten möchten. Es ist nicht meine Absicht, diesem Wunsche des Vorredners Rechnung zu tragen, und ich bin schon deshalb nicht in der Lage, auf eine Reihe von Fragen einzugehen, die er berührt hat. Nur einen Punkt muß ich richtig stellen, weil er mich persönlich berührt. Der Vor- rcdner hat einen Artikel zur Sprache gebracht, den ich in einer früheren ReichStagssitzung verlesen habe. Ich will konstatieren, daß ich meine Angaben über das mit Wilhelm Dittmann unter- zeichnete Flugblatt aus der„Frankfurter Zeitung" unter auS- drücklicher Angabe der Quelle verlesen habe. Daß der„Frank- furter Zeitung" bereits eine Berichtigung zugegangen war, war mir als ich die Stelle verlas, nicht bekannt. Ich habe aber von der Berichtigung sofort die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" Notiz nehmen lassen. Auch hier will ich Akt davon nehmen, daß nach den gerichtlichen Feststellungen der von der„Frankfurter Zei- tung" von» lide(in gutem Glauben) erhobene Vorwurf tatsächlich nicht begründet war. Sie(Zu den Sozialdemokraten.) werden mich immer bereit finden, mich zu berichtigen und auch dem Gegner Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Ich kann nur wünschen, daß auf Ihrer Seite ebenso objektiv verfahren würde.(Bravol recht».) Bayrischer Bundesratsbevollmächtigter Gras v. Lerchenfeld: Der Abgeordnete David hat gesagt, die bayrische Regierung babe sich von Preußen für die Schisfahrtsabgaben einfangen lassen. Ich bemerke demgegenüber, daß die bayrische Regierung ihre Stellung sich ausdrücklich vorbehalten hat. Abg. v. Oldenburg-Januschau(k.): Der gewissenlosen sozial demokratischen Verhetzung darf unser Volt nicht dauernd über lassen werden. In der Botschaft Kaiser Wilhelms hieß es, daß sa ziale Gesetze neben den Repressions-Maßregeln geschaffen werden sollen. Von der Repression ist jetzt aber gar nicht mehr die Rede! Wir verlangen wirksamen Schutz der Arbeitswilligen durch rigorose gesetzliche Bestimmungen.(Sehr richtig! rechts.) Ich wende mich nun zu dem Fleischnotrummel. Die Ereignisse haben gezeigt, wie sehr der Reichskanzler und Herr d. Posadowsky im Recht waren. Wir haben jetzt eine Ueberflutung mit Schweinen. (Schallende Heiterkeit.) Ein Manko an Brotgetreide ist vorhanden; dem hilft aber nicht das törichte Geschrei ab:„Grenzen auf!" Denn im Ausland ist' auch kein Getreide vorhanden!(Schallende Heiterkeit links.) Die Kalawität stammt von der von den Sozial- dcmokratcn so sehr gepriesenen russischen Revolution.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Wir Landwirte sehen ruhig in die Zukunft im Vertrauen auf den Reichskanzler.(Lautes ironisches Bravo! Unks.) Bayrischer Bundesratsbevollmächtigter Graf v. Lerchenfcld: Der Vorredner ist auf seine vorjährige Diskussion mit mir zurück- gekommen,- aber nicht auf ihren sachlichen Inhalt, sondern er hat mir nur mein Urteil über seine Ausführungen im Wege der Retourkutsche zurückgegeben.(Sehr gut!) Abg. Bonderscheer(Elf.) beschwert sich darüber, daß ein vom Landesausschuß für Elsaß-Lothringen angenommener Initiativ- antrag vom Kaiser ohne Mitwirkung des Bundesrats abgelehnt sei. Staatssekretär Graf Posadowsky sucht in längeren staatsrecht- lichen Ausführungen nachzuweisen, daß durchaus versa ssungS- gemäß verfahren ist. Die kaiserliche Zustimmung zu einen, Initiativantrags des LandcSausschusses für Elsaß-Lothringen ist als landesherrliche Zustimmung notwendig, damit der Antrag überhaupt dem Bundesrat vorgelegt werden kann. Abg. Kulerski(Polo): Wir werden mit unseren Klagen an den preußischen Landtag verwiesen. Wir bringen sie hier bor, weil sie hier einen ganz anderen Resonanzboden finden und dem ganzen Volke bekannt werden, und wir haben um so mehr ein Recht dazu, als der Einfluß Preußens im Reich ganz überwiegend ist und daS Reich und der Reichstag daher alle Veranlassung haben, sich um Preußen zu kümmern. Die preußische Polenpolitik verstößt gegen die Reichsverfassung; bei dem Ansiedelungsgesetz liegt das ganz klar zutage. Die Tiere des Waldes werden m Preußen geschützt, arme polnische Menschenkinder nicht. Ihr Blut komme über ihre Mörder; denn dem eigentlich an den Ber�weiflun�Sakten der Polen Schuldigen wird das Wort„Mörder" bis an sein Lebensende in die Ohren gellen. �_. Vizepräsident Dr. P nasche: Diese Krftsk haben Sie zweifellos auf den Reichskanzler bezogen.(Große Heiterkeit bei den Sozial- demokraten und Polen.) Ich rufe Sie daher zur Ordnung.(Bravol .«cht«.) Abg. Kulerski(Pole): Durch die preußische Ansiedelungspolitik werden die Polen bis aufs Blut gewartet. Denken Sie an das Elend der polnischen Eltern, die sehen, wie ihre Kinder der sittz lichen Verwilderung unter der preußischen Schulzucht entgegen. gehen und nichts dagegen unternehmen können. Tausende von Beschwerden find dem preußischen Kultusminister zugegangen... Vizepräsident Dr. Paaschs: Das geht doch aber den Kultus- m i n i st e r an, nicht den Reichstag. Ich rufe Sie zur Sache. (Bravo! rechts.) Abg. Kulerski(Pole): Nicht nur hier bindet man uns den Mund zu, auch draußen im Lande treibt uns die Regierung die Säle ab. Alle diese Maßregeln haben ja nur das Polentum ge» stärk t.(Lachen und Lärm rechts und bei den Nationalliberalen. Die Unruhe des Hauses wird immer größer. Zurufe:„Na, was wollen Sie denn noch! Seien Sie doch still!") Wir haben gestern geschwiegen, lassen Sie uns heute reden.(Sehr gut! bei den Polen und Sozialdemokraten.) Wir wollen Frieden und Ruhe; aber Sie zwingen uns zum Kampfe. In diesem aber stehen Millionen aus- ländischer Polen hinter uns.(Große Unruhe rechts.) Wie lange wird diese Politik Preußens noch dauern? Wir glauben ja nicht, daß sich Preußen je zu einer Politik aufschwingen könnte, wie sie England gegenüber den Buren geübt hat. Dazu gehört Größe, Seelcngröße, Geistesgröße.(Große Heiterkeit rechts, Sehr gut! bei den Polen.) Der Hochmut Preußens ist heute so groß wie vor der Katastrophe von Jena.(Unruhe rechts, Schlußrufe bei den Rationalliberalen.) Sie werden mich durch Ihr Geschrei nicht verhindern, das zu sagen, was ich für nötig halte.(Bravo! bei den Polen, bei den Sozialdemokraten und im Zentrum, andauernde Unruhe.) Vizepräsident Knempf: Ich bitte um Ruhe, der Herr Redner hat das Recht, seine Rede zu beenden.(Große Heiterkeit.) Abg. Kulerski(sortfahrend): Es lebt ein Gott zu strafen und zu rächen!(Lachen bei den Nationalliberalen.) Ja, lachen Sie! Sie verhöhnen natürlich selbst Gott.(Große Unruhe.) Vizepräsident Kaempf ruft den Redner ivegen dieses Ausdruckes zur Ordnung und macht ihn aus die Folgen eines dritten Ordnungsrufes aufmerksam. Abg. Kulerski(fortfahrend): Diese Rache wird Sie treffen, wenn Sic in Ihrer Politik weiter so unmoralische Mittel an- wenden wie bisher.(Lebhaftes Bravo! bei den Polen.) Abg. Bassermann(natl.): Die Resolution des Zentrums gibt eine Reihe wertvoller Anregungen. Wir werden ihr zustimmen ebenso auch der Resolution der Freisinnigen. Abg. Aischbeck(frs. Vp.): Der Resolution deS Zentrums werden wir zustimmen, wenn es unS auch zweifelhaft erscheint, ob eine Wertzuwachssteuer fich überall durchführen läßt. Herrn David bemerke ich, daß auch meine Freunde die Abschaffung deS HauS» besitzerprivilegS wünschen. Ausführlich hat sich Herr David über die Schiffahrtsabgaben verbreitet. Soweit ich verstanden habe, will die preußische Regierung versuchen, die Angelegenheit durch Reichsgesetz zu regeln. Diesen klaren Standpunkt hätte sie nur früher schon einnehmen sollen. Herr v. Oldenburg verlangt Repressivmatzregeln gegen die So zialdemokratie. Er soll doch daran denken, daß die Sozialdemo- kratie gerade während der Unterdrückung— wir glauben zufolge der Unterdrückung— groß geworden ist.(Sehr richtig! bei den Freifinnigen.) Herr v. Oldenburg rühmte auch die agrarische Zoll- Politik; ich erinnere daran, daß gerade diese Politik im Jahre 1SV3 zu den 3 Millionen sozialdemokratischer Stimmen geführt hat, Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird angenommen. Abg. Dr. Jäger(Z.)(zur Geschäftsordnung): Ich bedaure, daß durch den Schluß der Debatte dem Zentrum die Gelegenheit zur Begründung unserer Resolution genommen ist. Abg. Bebel(Soz.)(zur Geschäftsordnung): Ich hatte die Ab» ficht, auf die eigenartige.Maifestrede" des Herrn v. Oldenburg zu antworten. Diese Abficht ist durch den Schluß der Debatte der- eitelt. Aber ich versichere Herrn v. Oldenburg: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Abg. Götz v. Ohlenhusen(Welse)(zur Geschäftsordnung): Der Reichskanzler hat vom Haus Cumberland gesprochen. Ich will vor dem Reichstage und dem ganzen Volke konstatieren, daß es kein HauS Cumberland gibt, sondern nur ein welfisches Haus Braunschweig-Lüneburg.(Heiterkeit.) Der Titel Reichskanzler wird bewilligt. Die Resolution Ablaß(frs. Vp.) wird angenommen, deS» gleichen die Resolutjon des Zentrums. Die übrigen Titel des Etats deS Reichskanzlers und der Reichs- kanzlet werden debattelos bewilligt. ES folgt die Beratung deS EtatSfür daSAuSwärtige Amt. Abg. Erzberger(Z.) bedauert den häufigen Wechsel deS Per- sonals im diplomatischen Dienst. 70 Proz. der Beamten wechseln in einem Jahre die Stelle. Staatssekretär v. Tschirschky: Auch uns ist es erwünscht, wenn die Beamten längere Zeit auf ihrem Posten bleiben. Versetzungen erfolgen nur aus zwingenden Gründen. ?kbg. Kaempf(frs. Vp.) begründet eine von den Freisinnigen eingebrachte Resolution, durch internationale Verhandlungen eine Vereinheitlichung des Wcchselrcchts in die Wege zu leiten. Staatssekretär v. Tschirschki: Wir stehen dem Plan freund lich gegenüber. Abg. Dr. Spahn(Z.) begründet die vom Zentrum eingebrachte Resolution, die den Reichskanzler ersucht, periodisch dem Reichstag urkundliches Material über die internationalen Beziehungen des Deutschen Reiches zugehen zu lassen. Abg. Dr. Dahlem(Z.) fragt an, ob der Staatssekretär wegen der Klagen der Fischer am Rhein, die er bereits lS1 e r h ö h u n g beziehungsweise Festsetzung eines Tarife?, Urlaub mit Fortzahlung des Lohnes und E r w e i t e- rung der Rechte des Arbeiterausschusses. Zu ahn- lichen Forderungen kommt eine Petition der Arbeiter des Bekleidiiiigs- amtes. Die Petitionen werden zur Erwägung überwiesen. Die Kommission geht über zum Etat der Reichseiscnbahnen. Die Einnahmen aus Personen- und Gepäckvcrkehr sind mit 24 214 000 M. veranschlagt. Der Referent fragt an, wie groß der zu erwartende Einnahmcriickgqng mis der Pcrsoncntarificform sei. Der Regierungsvertreter schätzt den Rückgang auf rund 2 700 000 M. Die Steigerung der Einnahmen aus dem Güterverkehr usw. beträgt lOVz Millionen Mark; die gesamten Einnahmen 107 332 700 M. Die Koinmissson bewilligte diese Einnahmeanschläge. Bei den Ausgaben für Zentralverwaltugg wird vom Referenten die Frage angeregt, inwieweit eine Vereinfachung der Ver- waltnng möglich ist. Der Regierungsvertreter erklärt, es feien starke Betriebsmitlelerneiiermigen auf den ordentlichen Etat genommen und auch der Pensionsfonds' belaste den Etat, während in Preußen die Eisenbahiibeamten mit auf den allgemeinen Penstonsfvnds genommen werden. Auf die Frage, warum nur einzelnen Kategorien von Beamten Gehaltsaufbesserung gewährt wurde, wird die Antwort erteilt, daß man sich hierin an Preußen anlehne I Die fortdauernden Ausgaben von 83 676 000 M. werden bewilligt. Ebenso ohne erhebliche Debatte die einmaligen Ausgaben im Betrage ttdn 6 384 000 M. Die gesamten Ausgaben betragen 95 Millionen Mark, bleibt ein Uebcrschuß von 22 800 000 M. Der außerordentliche, auf Anleihen zu nehmende Etat erfordert 37i/, Millionen Mark; es handelt sich um Neuanlagen von Bahnen und Bahnhöfen. Die Anforderungen werden genehmigt. Die Debatte bewegt sich im Nahmen verschiedener Petilionen, die Weiterbau bezw. andere Legung von Bahnlinien wünschen. Zu längerer Diskussion führt der Ausgabcpostekt von 201/2 Millionen für Vermehrung der Betriebsmittel, wovon die Regierung 180, Millionen auf Anleihe(außer- ordentlicher Etat) nehmen will. Das ist eine Maßregel, die sonst nicht üblich ist, wegen der Finanzlage aber und weil die Beschaffung der Betriebsmittel notwendig erscheint, ist der Referent für Be» willigung in dieser Form. Verzinsung und Amortisation soll zu Lasten des ordentlichen Etats gehen, und zwar sollen die ILO, Millionen Mark in dreißig Jahren getilgt sein. Von Zeiitrumsseite wird für Tilgung in 18 bis 20 Jahren gesprochen; außerdem wird die Bildung eines Reservefonds ge- wünscht. Reichsschatzsekretär v, Stengel verteidigt die Maß- nähme, die weder für das Reich noch für die Bundesstaaten etwas Neue« sei. Neu sei nur die gebundene Tilgungsfrist.- Er möchte so- gar in Erwägung geben, ob nicht auch bei der Post größere Auf« Wendungen auf Anleihe zu nehmen seien.— Die Anforderung wird nach der Vorlage genehmigt, aber so» wohl Zentrum wie Konservative verwahren sich dagegen, daß diese Ausnahme als Präzedenzfall angesehen werde. (Sitzung vom 2. Mai.) Die Beratung beginnt mit dem Etat der Expedition nach Ost» aste». Der Etat weist eine Einnahme von 10 794 000 M. Entschädi» gung von China(6. Zinsrate) auf. Außerdem Einnahmen im außer- ordentlichen Etat von 756 000 M. Die Ausgaben belaufen sich auf zirka 61/, Millionen. Bei den Ausgabe-Positionen fragt Müller» Fulda an, welche Aufgaben eigentlich das deutsche Militär noch in Ostasicn zu erfüllen hat und wann das Detachement zurück» gezogen werde. Der Regierungsvertreter erklärt: Die deutsche Truppenmacht sei in China notwendig zum Schutze der Deutschen in Peking und zum Schutze der Verbindung mit der Küste.— Es habe die Absicht bestanden, die Truppen zurückzuziehen, aber cS seien mittlerweile wieder Unruhen ausgebrochen. 1800 Mann seien schon zurückgeführt, wann aber der Rest zurückgezogen werde, das lasse sich nicht ersehen.— Müller-Fulda ist der Meinung, daß jötzt schon das Militär dort überflüssig sei, man könne nicht warten, bis in China einmal alles ruhig sei; dort gebe es immer Unruhen. Der Regickungsvertreter teilt noch mit. daß Frankreich. England. Italien, Rußland, alle mehr als 1000 Mann dort haben während der deutsche Bestand nur 725 Mann betrage.— Die Anforderungen werden ohne weitere Debatte nach der Vor- läge genehmigt. Die Kommission geht über zu den Einnahmen des Reich« aus Zöllen, Steuern und Gebühren. Der Boranschlag weist eine Gcsamteinnahmr aus den indirekte» Steuern von 11791/, Millionra Mark auf! Vor der Besprechung der einzelnen Positionen gibt Reichsschatzsekretär v. Stengel einen Ueberblick über den Stand der Einnahmen im Jahre 1906. Danach ist die wirkliche Einnahme wesentlich hoher als der Voranschlag, aber nicht durchgängig. Die sogenannten Trrm bornzolle, jene Zolleinnahmen, aus denen ein Teil für die kommende Witwen- und Waisenversicherung Kurü.ckgelegt werden soll, bleiben um 4 Millionen hinter den vor- lahrigen Einnahmen zurück, dagegen übersteigen die anderen Ein- nahmen den Voranschlag um 20— 22 Millionen, v. Stengel glaubt, den Rückgang der Trimvorn-Zölle auf starke Voreinfuhr im Jahre 1905 und auf gute Ernte 1906 zurückführen zu können. Trotz des im allgemeinen guten Abschlusses soll der Voranschlag für 1907 nicht erhöht werden. Der Schatzsckretär spricht sich dann über die Ergebnisse der neuen Steueru aus und muß zugestehen, baß man sich in den Erwartungen ans habe Timwhmen sehr aetäuscht hat! Er gibt falzende lMellunau StftHpJUtt... Zigarettenstnier. Frachtstempelstelier Fahrkartellsteucr. Automobilste««. Tantiemcsteuer. Erbschaftssteuer. Anschlag 6 Millionen 4. 11. 24. 2„ 7. 8. Wirkliche Einnahme 1906 13Vz Millionen &U, n 12 174. 27-2.. 3-/,„ 87z Millionen 27«. — 12 - 74 - 4'/z - 4-/. 61 Millionen SÜ'/z Millionen— IO'/z Millionen Dieser Rückgang, der bei der Fahrkartensteuer zu einem völligen i a S k 0 geworden ist, hat offenbar dem Reichsschatzsekretär grosze opffchmerzen gemacht; er bemüht sich krampfhaft, Gründe für den Rückgang zu finden. Bei der Fahrkartensteuer muff er indessen zu- geben, daß man sich in der Schätzung schwer getäuscht habe. Es sei offenbar eine starke Abwanderung aus den obere» in die unteren Wagenklassen eingetreten, die man in diesem Umfange nicht erwartet habe. Leider sei zu befürchten, dast die Tarifreform diese Abwanderung noch steigern werde I Er gibt der Hoffnung Ausdruck, dast 1998 der Rückmarsch wieder vollzogen sein werde; denn wer einmal gewohnt sei, 1. oder 2. Klasse zu fahren, der bleibe nicht dauernd in der 8. oder gar 4. Klasse.— In der Spezialberatung gibt A r e n d als Referent einen lieber blick über die Einfuhrverschiebungen unter dem neuen Zolltarif; er schätzt die gesamte Mehreinnahme auf 45 Millionen Mark, beantragt aber keine Erhöhung des Einnahmeanschlags.— Korreferent S p eck beantragt dagegen, 29 Millionen mehr einzustellen. Die Regierung wendet fich dagegen, da sonst auch der Fahrkartensteuer-Voranschlag reduziert werden müsse. Die Kommission beschliestt, 29 Millionen mehr, also an Zoll- edtnahuien 633 statt 613 Millionen einzustellen. 1— Abg. Speck bringt eine Resolution ein, nach der alle für Brauerei- und Brennereizwecke verwendete Gerste mit 4 M. pro Doppelzentner verzollt wird. Der Zollsatz von 1,39 M. soll nur für Gerste gelten, die amtlich durch Ritzen, Quetschen, Färben usw. gekennzeichnet oder nachgewiesenermaßen zu Futterzwecken verweildet worden ist. Arend ist dafür, und Speck schildert im einzelnen, wie leicht die Futtergerste rot zu färben sei. v. Stengel möchte es bei dem jetzigen Zustand belassen: die Bestimmungen reichten aus. Für ZiveifelSfälle würde er für Denaturierung der Futtergerste sein, aber allgemein könne eine Denaturierungsvorschrist gar nicht erlassen werden, da dies den Handelsverträgen widersprechen würde. Die Resolution wird mit einer kleinen Aendernng angenommen. Die Tabaksteuer weist eine Mindereinnahme auf; sie wird ohne Debatte mit 11 911 999 M. eingesetzt. Die Zigarettrnsteu« ist für das Jahr 1997 mit 12 Millionen eingestellt. Hierzu hat Abg. Jäger den Antrag gestellt, der Bundesrat möge Bestimmungen er- lassen, wonach sogenannte Zigarillos nicht der Zigaretten« steucr unterworfen werden. Die Regierung erklärt, daß fie Zigarillos, also Fabrikate mit Umblatt und Deckblatt, nicht als Zigarette besteuern wolle, von verschiedenen Rednern werden aber Beispiele von Besteuerung dieser Fabrikate angeführt. Genosse Singer erklärt, daß die Sozialdemokraten der Resolution zu- st i m m e n. Dieselbe wird einstimmig angenommen. Die Znckersteuer soll 143 Millionen Mark bringen. ES liegen hier mehrere Anträge vor: Staudy u. Gen. beantragen die Herab- setzung der Zuckersteuer von 14 auf 19 M. pro Doppel- zentner, und in einer Resolutton wird der Reichskanzler ersucht, die Einnahmen aus derZuckersteuer,soweitsie149Mill. übersteigen, zu einem Zucker st euer-Ermäßigungssonds anzusammeln, welcher den Zweck hat. bei der Ermäßigung der Steuer von 14 auf 19 M. doch einen Ertrag von 149 Mill. Mark zu sichern. Arend spricht für Herabsetzung der Steuer und gegen die Resolution, die die Herabsetzung nur verschleppen könne. Abg. Speck ist gegen Herabsetzung der Zuckersteuer im gegenwärtigen Augenblick. Natürlich ist auch der Schatzsekretär gegen Herabsetzung der Zuckersteuer: die Schatzverwaltung müsse darauf bedacht sein, bei den folgenden Ausgaben jede Einnahme zu konservieren. Die Herab- setzung bedeute einen Ausfall von 39 Mill. Mark; er warne daher, solche Pläne weiter zu verfolgen. Wenn die Finanzlage besser sei, könne man der Resolution eher näher treten. Staudy und Graf Schwerin-Löwitz verteidigen sehr lebhaft die Herabsetzung der Zuckersteuer— selbstverständlich im Interesse der Zucker- fabrikanten, aber sie hüten sich, das zu sagen. Im Gegen- teil, die Herren Agrarier finden aus einmal recht viele und schöne Worte über„Verbesserung der VolkSernährung�. „ausgleichende Gerechtigkeit� usw. usw. Genosse Ledebour spricht für die Herabsetzung der Steuer von 14 auf 19 M. Die Sozialdemokraten sind für Aufhebung der Zuckersteuer überhaupt; so lange das nicht zu erreichen ist. werden sie für jede E r- Mäßigung eintreten. Eine jede Preisermäßigung bringt eine Konsumsteigernng, der Ausfall wird also bald gedeckt sein. Ledebour spricht dann eingehend über die Bedeutung des Zuckers als NahrungS- mittel. Es sollte alles aufgeboten werden, den Zuckerkonsun, zu heben. Liebermann beantragt, die Resolution dahin abzuändern, daß die Bildung des Zuckersteuer-Emäßigungs- fonds nicht schon im Jahre 1997 beginnen soll. Stengel ist mit dieser Abschlvächung einverstanden; in dieser Form ließe sich die Resolution annehmen. Die Abstimmung ergibt Annahme des Antrages auf Herabsetzung der Zucker st euer von 14 aus 19 Mark, jedoch mit der Einschränkung, daß die Herabsetzung in diesem Jahre nicht mehr erfolgen soll l— Die Resolution über Bildung eines Ermäßigungssonds wird abgelehnt. Der Steneranschlag für 1997 wird um 2 Millionen erhöht, also mit 145 Millionen in den Etat eingesetzt._ Die russische Revolution. Aufhebung der Feldgerichte. Petersburg, 1. Mai. Uebormorgen erfolgt auf Grund des Art. 87 des Staatsgrundgesetzes die Aufhebung der Feldgerichte. Der Kriegsminister erließ ein Verbot, die Namen der an Feld» gerichten beteiligten Offiziere bekannt zu geben und untersagte diesen Offizieren selbst, Schriften darüber zu veröffentlichen. Ein Herz und eine Seele. Pet«sb«rg, 2. Mai. Der.Börsenzeitung' zufolge wollte Ministerpräsident Stolypin am 39. April dem Dumapräsidenten Golowin einen Besuch abstatten, fand ihn aber nicht zu Hause und hinterließ seine Karte. Bald darauf teilte Stolypin Golowin tele- phonisch mit, daß er sowohl wie der Kriegsminister vollständig beftiedigt seien und den Zwischenfall in der Dumafitzung für erledigt hielten. Außerdem danke er. Stolypin. ihm für seine dabei eingenommene Haltung, welche die Freunde der Reichsduma in den Stand fetze, für deren Fortbestehen erfolgreich einzutreten. Er halte die Duma für den einzigen Faktor, der Rußland auf den Weg der friedlichen Entwicklung bringen könne. Der Kriegsminister werde in der Woche nach Ostern in der Duma Erklärungen über die Handlungsweise des Generalgouverneurs von Moskau abgeben.(Die Duma hat sich am Dienstag bis zum 13. Mai vertagt.) Der.Rjetsch' zufolge hat auch der Kriegsminister Golowin einen Besuch gemacht. Unruhen. Petersburg, 2. Mai.(W, T. B.) Gestern kam eS in emem im Wiborger Stadtteile von Petersburg gelegenen Gefängnisse zu lln- ruhen, die zw« bald aufhörten, sich aber heute morgen in heftigerer Form wiederholten. Politische Gefangene stellten Forderungen. Einige zerbrachen Fensterscheiben, sprengten die Türen und»rntten. Eine Kompagnie Soldaten sah sich veranlaßt zu schießen. Ein Ge- ff>, gener wurde getötet, mehrere wurden verwundet. Die Ordnung Huö Induftrie und Handel. Ueber die finge der Walzwerkarbeiter. Man schreibt uns: In keinem anderen Industriezweig ist die Skrupellosigkeit und Sorglosigkeit gegenüber dem Arbeiterleben so arg, wie in der Schwereisenindustrie. Kurz nachdem der Reichstag unter dem Ein- druck der wuchtigen Anklagerede Hues im Februar vorigen Jahres eine Resolution beschloß, daß die Verhältnisse der Hütten- und Walzwerkarbeiter amtlich untersucht werden sollen, da erklärten die Walzwerkkönige, sie-„sähen einer solchen Untersuchung mit Ruhe entgegen". Jawohl! Weil die Unternehmer wissen, wie dem Gesetz und den Beainten ein Schnippchen zu schlagen ist. Im Reiche des Königs Thyssen mußten sich des Sonntags un- gesetzlicherwcise beschäftigte jugendliche Arbeiter in den Aschenkanal unter der Erde verstecken, als einmal— unangemeldet— der Fabrikinspcktor auf dem Werke erschien. Aber der Inspektor wußte, wie eS gemacht wird, und er fand die Jungen. Später, als wir uns einmal nach dem Stande der Angelegenheit erkundigten, hörten wir, daß den Kindern gesagt worden sei, sie möchten vor Gericht aussagen, ohne Auftrag, lediglich aus eigenem Interesse, des Sonn- tags gearbeitet zu haben. O, die menjchcnfrcundlichen Walzwerk- Unternehmer sind unschuldige, harmlose Leute und sahen einer Untersuchung mit Ruhe entgegen! Auf einem anderen Werke unter Krupps Verwaltung sahen wir, wie die Maschinisten in wahrhaft lebensgefährlicher Art die großen Gebläsemaschinen während des Betriebes schmierten, trotzdem ein Plakat an der Wand das Schmieren, ohne die Maschine stillezusetzen, streng verbot. Als wir den Mascbinisten Vorwürfe machten, lächelten sie(über unsere „Naivität') und meinten, der Direktor könne dabei stehen, wenn während des Betriebes geschmiert würde, der sage nichts, drehe sich vielmehr um und sehe zum Fenster hinaus. Setzten die Maschinisten aber die Maschinen still, so müßten sie die Zeit des Stillstandes in ein� Kontrollbuch anschreiben, und dauerte die Schmierung einige Minuten, so bekamen sie vom Direktor einen „Rüffel". Büßt aber ein Arbeiter mit seinen Knochen die Profit- wut der Kapitalisten, so ist er durch„eigene Schuld" verunglückt; ein Protokoll wird fein säuberlich aufgenommen und dem Unter- nehmer kann keiner was. Wahre Fundgruben für den Sozialpolitiker bilden die Arbeits- ordnungcn der Hüttenbetriebe, die meist von Gefängnisordnungen nur schwer und oft nur unvorteilhaft unterschieden werden können. Eine raffinierte Art der Kündigungs- und Lohnzahlungstermine herrscht auf vielen Werken in Westfalen. Dort sind die Kündi- gungstermine am I. und 15. des Monats, die Löhnungen erfolgen am 39. mit einer Abschlagszahlung und am 16. mit der eigent- lichen Abrechnung. In der ArbeitSpraxis verhält sich die Sache nun folgendermaßen: In der Regel fangen in der Hüttenindustrie die Arbeiter ihre Arbeit an, ohne vorher den Lohn zu vereinbaren. Teils, weil das letztere schon als Anmaßung, als Unbotmätzigkeit von den Unternehmern empfunden würde, teils auch, weil die Ar- beiter der Ansicht sind, der Unternehmer müsse sich doch erst über die Leistungsfähigkeit des Arbeiters unterrichten können. Fängt nun ein Arbeiter zum Ersten des Monats an, so bekommt er am Dreißigsten eine Abschlagszahlung und erst nach weiteren 14 Tagen am 16. des folgenden MonatS, sieht der Arbeiter bei der Abrechnung, was er verdient hat. Kündigungstermin war aber der Tag vorher, der 15. des Monats. Hat nun der Arbeiter einen zu geringen 9 erhalten, so kann er erst am 1. des wieder folgenden Monats kündigen und dann am 15. aufhören, so daß er also volle 19 Wochen für einen viel zu niedrigen Lohn hat schuften müssen. Nach der Gewerbeordnung müssen die Kündigungstermine für beide Teile gleich sein, aber die Unternehmer erreichen auf die angegebene Art, daß sie gegen den Willen der Arbeiter diese durch 19 volle Wochen mit Löhnen abspeisen können, die tief unter der Durchschnittsguote stehen.und daß der Arbeiter ohnmächtig ist, sich dagegen zu wehren. Auch die sonstigen Bestimmungen der Arbeitsordnung sind meist skandalöser Art. So ist dem Arbeiter verboten, neben seiner Werk- arbeit zu Hause ein Geschäft zu betreiben, auch, es von anderen betreiben zu lassen. So ist der Arbeiter der ganzen Reihe der Be- amten gegenüber zu„unbedingtem Gehorsam" verpflichtet, wie beim Militär. Wie naiv-brutal die Hüttenindustriellen und ihre Handlanger das Arbeitsverhältnis auffassen, geht daraus hervor, daß. als un- längst ein Arbeiter die Zustände auf einem Hüttenwerk in der Presse zur Sprache brachte und daraufhin gemaßregelt wurde, ein Ingenieur sogar einen in der Nähe beschäftigten Arbeiter scharf abkanzelte, weil er die Existenz eines so gefährlichen Menschen nicht bemerkt und dem Unternehmer behufs Strangulation Pflicht- schuldigst denunziert habe. Die Hüttenkönige kennen keine Ueberzeugung, die doch nach Gutzkow„des Mannes Ehre' sein soll, keine Religion, als die des Gottes Baal.„Die einzige Religion', sagt Paul Lafargue mit beißendem Spott in seinem Schriftchen„Die Religion des Kapi- tals".„die den Bedürfnissen der Jetztzeit entspricht, ist die Religion des Kapitals. Das Kapital ist der wirkliche, allmächtige Gott, der sich in jeder Gestalt offenbart: es ist glänzendes Gold und stinken- der Guano, Hammelheerden und Kaffeeladungen, Lager heiliger Schriften und Ballen pornographischer Bilder, gigantische Maschinen aus härtestem Stahl und elegante Päckchen„Gummiartikel". Absatzgelcgcnheit für GlaS- und Porzellanwaren. Das Sekretariat des Handclsvertragsvereins ist im Besitz von zuverlässigen Berichten über den Absatz von GlaS- und Porzellanwaren in sämtlichen Ländern Mittel- und Südamerikas. Die Berichte umfassen nicht weniger als 189 Seiten und enthalten ausführliche Angaben nicht nur über Abfatzgelcgenheiten für be- stimmte Artikel der keramischen Branche, sondern auch über Zoll- Verhältnisse. Transportverhältnisse, Verpackung, Konsularfakturen, Agenten. Verkaufshäuser usw. Die Berichte liegen im Bureau des Handelsvertragsvereins(Berlin Vit. 9. Köthener- sttaße 28/29) während der Bureaustunden von 9—3 Uhr zur Emsicht anS. Ferner kann daselbst eingesehen werden eine vor kurzem er- schienene amtliche Denkschrift über die Besteuerung von Handels- reisenden in den wichtigsten Exportländer«. Der uene Stahlverband. Programmäßig, in der letzten Stunde. ist der Stahlverband auf 5 Jahre verlängert worden. Am 1. Mai hielt der neue Verband seine erste Hauptversammlung ab und wurde beschlossen, den Berlauf von Formcisrn zu den bisherigen Preisen und Bedingungen für das Inland für das dritte Vierteljahr mit der Maßgabe ftcizugeven. daß bis zur Regelung der Händlerftage höchstens 69 Proz. der Beteiligung der einzelnen Mitglieder der Trüger-Vereinigungen an diese verkauft werden dürfen. b. e. Gnmdkap. v. 29 Mill. 1 9 M.R. 0 Auf dem Wege zum StnatSbankrott. Wie die Zeitung.Rußj' mitteilt, macht fich in Monaten eine allgemeine, wie auf ein Signal erfolgte des Grundkapitals aller großen Petersburger Banken Diese Steigerung beträgt bei d. Russischen Bank für äußeren Handel....... , Intern. Kommerzbank..„ , Russ. Handels- u. Industrie» bank......... „ Petersburger Diskontobank (geplant)....... , Azow-Don-Bank.„ , Sibirischen Handelsbank.. Außerdem find drei der 199 Filialen in die Hände den letzten Steigerung bemerkbar. . 24 .10 .10 .19 . 4 12 10 6 15 8 50% 50% .100% . 50% . 150% 757» größten Provinzialbanken mit fast von Ausländern übergegangen; das i.vv/ tu v*v~ wwt» � nitii'' 1—— gleiche soll gerüchtweise bei der Petersburger Privat-Kommerzban! der Fall sein. Woher stammt nun dieser plötzliche Kapitalzufluß in die Kassen der Petersburger Banken? Hat sich etwa in Handel und Industrie ein plötzlicher Aufschwung bemerkbar gemacht? Ist vielleicht eine Periode wirtschaftlicher Prosperität im Anzüge, welche den Banken rege Tätigkeit und hohen Profit verspricht? Die nüchternen Zahlen sprechen daS Gegenteil. Die Ausfuhr ist auf 24 Proz., die Naphtaproduktion auf 26 Proz. gefallen; viele Fabriken stellen ihre Tätigkeit ein, andere besttirmen die Regierung um Be- stellimgen, da ihnen sonst Liquidation bevorsteht. Noch vor wenigen Tagen hat die Regierung sich gezwungen gesehen, den Ausfuhrtarif für Bergbauerzeugnisie unter den eigenen Kostenpreis herabzusetzen. Bei diesen Verhältnissen schränken die Banken ihre Operationen naturgemäß auf ein Minimum ein. Neue Kapitalsanlagen der- sprechen ihnen jetzt um so geringeren Gewinn, weil sie die neuen Aktien bei der allgemeinen finanziellen Depression zu äußerst niedrigen Kursen werden abgeben müssen.— Es sei noch bemerkt, daß die neuen Bankaktten nicht auf russische Börsen kommen, sondern im Auslande abgesetzt werden sollen und somit das russische Bankwesen dem Auslande aus- liefern. Die ganze„Operation" hat, wie leicht zu sehen ist, nur den einen Ziveck, ausländisches Kapital in die russischen Banken zuziehen, um der Regierung auf diesem Wege die Möglichkeitzu geben, mit Hülfe ausländischer Bankdirektoren und Akttonäre versteckte Anleihen auf- zunehmen. Als Acquivalent erhält das jederzeit.hülfsbereite' aus- ländische Kapital außer den gewöhnlichen Wucherzinsen die tatsächliche Oberherrschaft über die Banken, ja über den ganzen russischen Geldmarkt und gewinnt somit die Möglichkeit, dieselben Funktionen in Rußland auszuüben, welche es schon seit Jahren in der... Türkei ausübt. Eine Koalition der rückständigsten feudalen Despotte mit dem europäischen Börsenkapital zur gemeinsamen Düpierung des russischen Volkes und des europäischen Rentenbesitzers, wie sie hinterlistiger nicht gedacht werden kann— das ist der neueste Finanzplan der „konstitutionellen" Regierung Stolypin u. Co. I GerieKts-Geltung. Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz. Ein eigenartiger Grund für die Verlängerung einer Unter- suchungshaft wurde am Mittwoch vom Gericht vor der dritten Strafkammer des Landgerichts l geltend gemacht. AuS der Unter- suchungshaft wurde der 22 Jahre alte Zigarettenarbeiter Karl Otto Fritz Rothemann vorgeftihrt. Er steht unter der Anklage des versuchten Verbrechens gegen das Gesetz betreffend die Her- stelluna, Aufbewahrung und den gemeingefähr.- liehen Gebrauch von Sprengstoffen. Die Vorgeschichte dieser Anklage hat sich in der Schweiz abgespielt. Wie die Anklage behauptet, sollen in Genf und Zürich seit geraumer Zeit Sammel- statten für die Anarchisten aller Länder bestehen, inSbeiondere sollen die russischen und polnischen Terroristen daselbst ihre Haupt- quartiere haben. Im Frühjahr 1996 will man in Zürich eine Art Schule zur Herstellung von Sprengmitteln entdeckt haben. Es wurde bei dem als Anarchisten bekannten Schneider Franz Blazek eines Tages eine Haussuchung abgehalten und dabei in einem Koffer eine Sammlung von Chemikalien, die zur Herstellung von Explosivbomben benutzt werden, als da ist Pikrinsäure, Schwefelsäure usw. borgefunden. In einem gleichfalls aufgefundenen Manuskript war eine genaue An- leitung zur Herstellung von Sprengmitteln, Höllenmaschinen, Bomben, Nitroglyzerin usw. enthalten. Zur Jllusttatton war die Zeichnung einer Bombe neuester Konstruktion beigegeben. Vorgefunden wurde außerdem eine ziemlich umfangreiche Korrespondenz mit Deckadressen, aus der sich ergeben soll, daß zwischen den An- archisten aller Länder ein reger Verkehr bestand. Man will daraus ersehen haben, daß in der Plazckschen Behausung öfter anarchistische Zusammenkünfte stattfanden und daß die Sprengstoffe, Höllenmaschinen und Bomben hauptsächlich für den russischen Anarchisten Schatz an- geferttgt wurden. Weiterhin soll die aufgefundene Korrespondenz auch den Beweis erbracht haben, daß auch Berliner Anarchisten einen sehr regen Verkehr mit ihren Schweizer Gesinnungsgenossen unterhielten. Der genannte Schneider Blazek und der Zigarettenarbeiter Rothemann werden als die Hauptgehülfen des Schotz an- gesehen und zwar soll das vorgefundene Manuskript mit der An- leitung zur zweckmäßigsten Herstellung von Bomben und Höllen- Maschinen von der Hand des Rothemann herrühren. DaS Schriftstück schließt mitten Worten: Handbuch für Terroristen. Auf Grund des Sprengstoffgesetzes wurde nach dieser Entdeckung von der Züricher Staatsanwaltschaft gegen Schotz, Blarr und Rothe- mann Anklage erhoben. Die Angeklagten fanden aber Gelegenheit, rechtzeitig zu entfliehen und das Bundesgericht in Zürich verurteilte fie in contumaciam und zwar Schotz zu 2 7z Jahren Zucht- "aus, Blazeck und Rothemann zu je einem Jahr Ge- ä n g n i s und zu dauernder Landesverweisung. Rothemann wurde im Juni 1996 in Berlin gesehen und am 12. September 1996 wurde er hier verhastet. Nun soll er fich hier wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz verantworten. Der Tennin litt unter dem Mißgeschick, daß der Vorsitzende der Strafkammer. Land- gerichtsdirektor L a n g n e r, der die umiangreicken Akten und Bei- alten durchstudiert hat, plötzlich erkrankt ist. Landgerichtsrat Busch, der statt seiner den Vorsitz übernehmen mußte, erklärte, daß ihm das gesamte Aktenmaterial er st am Dienstag- nachmittag zugegangen und er unter diesen Umständen nicht in der Lage sei. in eine Verhandlung der komplizierten Sache ein- zutreten.— Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht beantragt für den Fall einer Vertagung die Haftentlassung des An- geklagten, der weder Terrorist noch Propagandist sei, sondern durch sein Auftreten in Versammlungen bewiesen habe, daß er nur humanitäre Ziele verfolge. Der Angeklagte sitze nun schon acht Monatein Untersuchungshaft, die seine Gesundheit sehr geschädigt habe, und er denke gar nicht daran, zu fliehen. stir Flucht hätte er reichlich Gelegenheit gehabt, denn er abe schon zwei Monate vor seiner Verhaftung gewußt, daß die Staatsanwaltschaft gegen ihn vorgehen werde.— Staats- anwaltschaftsrat Lindow widersprach der Haft- e n t l a s s u n g, da es sich hier doch um ein schweres Delikt handele. dessentwegen der Angeklagte in der Schweiz in contumaciam zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden sei.— Der Verteidiger erwiderte, daß doch wohl ein großer Teil der achtmonattgen Unter- suchungshaft auf diese Strafe angerechnet werden würde.— Der Angeklagte bestritt, Terrorist zu sein oder mit Sprengstoff- verbrechen m Verbindung zu stehen. Er bat um Haftentlagsung, da die lange Untersuchungshaft, in welcher ihm seit vielen Wochen jeder Berkehr mit seiner Mutter und seinen Schwestern abgelehnt worden sei, ihn geistig und körperlich sehr herabgednickt habe. Er denke gar nicht an eine Flucht.— DaS Gericht beschloß. die Verhandlung zu vertagen und den Antrag aufHast- entlassung abzulehnen.— Wir nannten im Eingang den für die Verlängerung der Hast geltend gemachten Grund einen eigen» artigen. Was kann der Angeklagte dafür, daß der Landgerichtsrat Busch erklärt, das ihm obliegende Amt der Verhandlungsleitung nicht führen zu können, und wie ist eS möglich, anzunehmen, daß der nach der St rafprozeßordnung zurBegründung eines HaftbeschlusseS notwendige dringende Ver- dacht der Tat besteht, wenn der Vorsitzende selbst erklären muß, er könne die Akten nicht übersehen? Rucks abermals vor Gericht. Gegen den K-im inalkomm i ff a ri u S Rucks aus Schöneberg wurde gestern vor der ersten Strafkammer des Land- aerichts III eine Anklage wegen Unterschlagung in einem und wegen Betruges in zwei Fällen verhandelt. Es handelte sich noch um einige Episode» aus der Zeit der finanziellen Bedrängnisse, die der Angeklagte durchzumachen gehabt hat. Auf Grund der Beweisauf- nähme ließ der Staatsanwalt in dem Falle der Unterschlagung die Anklage fallen, hielt aber den Betrug in den beiden anderen Fällen für erwiesen. Er beantragte 399 M. Geldstrafe. Das Gericht er- kannte auf kostenlose Freisprechung des Angellagten, da die Absicht des Betruges nicht erwiesen sei. (• J.livuv»-•vvtt.wv vjv-.-.v.,-----,--------- t. iü wiederhergestellt und eine Untersuchung emgeleltet._._..-_-.______________ •- Htrantw rtlichsr Redakteur: Hau» Wibir. Berlio. Sür tz» Lvsttatenteil verc«w.; Xi, Glscke. Kkrlill. u. Verlag: N-rwärt« IMdruSeru u. vslsgtangalt gjaci Swger& So.. Lslill SW, «"»»»-» 2. KkilM des Jumirtf Knlim WsM>°»�« Die Kundgebung des Proleturiats. Trotz ungünstiger Verhältnisse hat auch in diesem Jahre tzaL deutsche Proletariat den 1. Mai durch eine imponierende Massenkundgebung begangen. Die Vormittagsversammlungen waren an den meisten Orten überaus stark besucht. Namentlich in den Hauptstädten, den Konzentrationspunkten des industriellen Proletariats und der modernen Arbeiterbewegung. Wie tn Berlin die Vormittagsfeier unter dem gewaltigsten Andrang des feiernden Proletariates stattfand, so auch in Hamburg. Leipzig, Dresden und anderen Städten. Die Massen haben, trotzdem diesmal kein Scharfmacher und kein bürgerlicher Zeitungsschmock die Behauptung wagendars, dieArbeiterseienzur Maifeier„künstlich aufgestachelt" worden, durch ihre prächtige Kundgebung bewiesen, daß ihnen die Maifeier ans Herz ge- wachsen ist, daß ein unerschöpflicher Fonds von Idealismus und Kampfbegeisterung in ihnen lebt l Viele Hunderttausende deutscher Proletarier haben sich am Mittwoch zur einmütigsten, vom Geiste stolzen Klassen- oewußtseins getragenen Bekundung ihrer Bürger- und Mensch- heitSrechte zusammengefunden. Während die Bourgeoisie gierigen Kolonialspekulationen nachjagt, während sie die un- erträglichen Lasten eines kulturwidrigen Militarismus und Imperialismus noch schonungsloser dem Nacken des Volkes aufzlibürden trachtet, während das Scharfmachertum nach Knebelgesetzen schreit und grimmig über die Bedrohung der Klasienvorrechte der Besitzenden durch die emporsteigende Arbeiterklasse zetert, hat sich das Proletariat abermals mit wuchtigstem Nachdruck zum sozialistischen Evangelium der Meuschengleichheit und Völkerverbrüderung bekannt l Das Proletariat weiß, daß es sich seine Menschenrechte durch langen, schweren Kampf erringen muß. Es weiß, daß es zäher, unermüdlicher Arbeit auf gewerkschaftlichem Gebiete und allen Kampfplätzen des öffentlichen Lebens bedarf, um allmählich seinen Aufstteg zu wahrer Kulturhöhe und voller Bürgerfreiheit durchzusetzen. Es weiß, daß jahrzehntelanges Werkelwirken, der schlichte Heroismus ganzer Generationen dazu gehört, um die Ideale des Sozialtsmus zu verwirklichen. Nicht an Kraftphrasen berauscht sich das moderne Proletariat, wie die Verleumder der Arbeiterklasse behaupten, sondern auL der Tat, aus der Unsumme opsermutig geleisteter Arbeit für die Verbesserung feiner Lage, für die Hebung seines geistigen Niveaus zieht es die unbeugsame Energie feweS Vorwärtsdrängens, die frohlockende Zuversicht seines unausbleiblichen Sieges l Aber auch daS Gefühl, der Idealismus heischt sein Recht. Und wenn die herrschende Klasse sich eine so lange Reihe von Gedenktagen geschaffen hat. an denen sie ihre Triumphe feiert, wenn sie mit rauschendem Gepränge dynastische Festtage begeht und als„nationale" Feste gerade Tage feiert. an denen der blutrauchende Dämon der Zwietracht, des Haffes, des Völkermordes besonders reiche Opfer gefordert: sollte da nicht die ntchtbesitzende Klaffe alles Anrecht darauf haben, wenigstens an einem Tage im Jahre seinen lichten Idealen der Menschheitserneuerung und Völker Verbrüderung zu huldigen? I Und wenn die herrschende Klasse im Uebermut trotzigen Herrentums der nicht besitzenden Klaffe dies Recht verweigert, sollte sich daS Proletariat nicht dies Recht erstreiten?! Oder sollte«L kleinlich verzagen, weil der Uebermut der herrschenden Klasse nicht gleich bei den ersten Anläufen nieder gerungen ist? Kein Sieg ohne Kampf und kein Kampf ohne Opfer! Aber nicht eitle Siegesstimmung ist eS ja, die sich in der proletarischen Feier des 1. Mai bekundet. Fern noch liegt für die Arbeiterklasse das ruhige SiegeSgefühl, die gemächliche Festesfreude. Schwertumgürtet nur darf das Proletariat seine Feste feiern. Die Demonstration des 1. Mai ist nur eine Heerschau, eine Feier zwischen den Schlachten. Mit neuer Begeisterung, neuer Tatkraft kehren die Massen in ihre Glieder zurück, entschlossen zu neuem unermüdlichen Kampfe. Kein Ruhen, kein Rasten, bis der Siegespreis errungen, Gleichheit und Freiheit geschaffen für alles, was Menschenantlitz trügt! Und welche Bürgschaft des internationalen Kulturstrebens, diese Kundgebung aller Nationen! Mag die Bourgeoisie Waffen schmieden, mag sie ihre alten Vcr- hetzungskünste immer von neuem üben: die internationale Arbeiterschaft weiß, daß ihre Klaffenbrüder trotz aller Unter- schiede der Zunge von gleichem Geiste der Friedensliebe durch- drangen sind. So drohend die Gefahren des weltpolitischen Abenteurertums sind, immer stärker, kraftvoller wächst die Macht heran, die der herrschenden Klasse die Brandfackel deS Krieges aus der Hand winden wird! Schon sind es in allen großen Kulturstaaten Millionen, die das Wettrüsten bekämpfen, die dem Kriege Krieg geschworen haben. Noch ist es die Minderheit, die gefeit ist gegen alle Betönmgs- und Verhetzungsversuche der herrschenden Klassen. Aber die Armee deS klassenbewußten Proletariats wächst unaufhaltsam. Schon heute ist die unbedingte Friedens- liebe der sozialistischen Massen die zuverlässigste, ja die einzige Friedensgarantie! Heil dem Bölkermai! Hoch die Völkerverbrüderung! Vorwärts in den Kampf zur Gewinnung«ener Klassen- Sreiter! Sie Maifeier in Berlin. Sie hat weitere Fortschritte gemacht, die Mai- feier in Berlin. Selbst die reaktionärsten Blätter müssen das zugestehen. Und der schwache Trost, den sie darin finden, daß beispielsweise die imposante Feier der Holzarbeiter eine Folge der Aussperrung sei, ist nur ein Schetntrost. Nur der sechste Teil der Berliner Holzarbeiter ist von dieser Aus- sperrung betroffen. Es waren in der übergroßen Zahl frei- willig Feiernde, die sich an der Riesendemonstration in der „Neuen Welt" beteiligten. In der Holzindustrie und im Baugewerbe war die Arbeitsruhe eine vollständige. Auch in mancher kleineren Jndustricgruppe war das der Fall. Uebcrall übertraf jeden- falls die Arbeitsruhe die Erwartungen, bewies die Unzuläng- lichkeit der gewählten Lokale, das zeigten die vielen Polizei- lichen Absperrungen. Daß die Tischler nicht nur den Saal, sondern auch den Garten der„Neuen Welt" füllten, ist selbst- verständlich. Ebenso war es bei den zentralorganisierten Maurern in der Bockbrauerei. Ueberfüllt in besonderem Maße waren auch die Versammlungen der Zimmerer, der Bau- arbeiter, Maler, Putzer, der Steinsetzer, der Nahrungs- und Genußmittelindustrie, der Schuhindustrie und der Metall- arbeiter. In vielen Versammlungen vermochte man sich not- dürftig zu helfen, indem man die Tische und Stühle aus den Sälen entfernte: aber oft reichte dies nicht aus, und in acht Fällen konnten wir eine polizeiliche Absperrung der überfüllten Lokale feststellen. Auch das Straßenbild trug deutlich das Gepräge des Arbeiterfeiertages. Auf den Bauten ruhte die Arbeit. Die Fabriken und Werkstätten der Holzindustrie, die besonders im Osten stark vertreten ist, wurden geschlossen, weil niemand zur Arbeit kam. Männer in Feiertagskleidung zogen überall den Lokalen zu, wo sich die maifeiernden Proletarier versammelten. Auch nach Schluß der Versammlungen und während des ganzen Tages machte die Menge der Straßenpassanten einen durchaus ungewohnten Eindruck. Nicht das übliche Hasten und Jagen des Werkeltages. Wer es eilig hatte, kam am 1. Mai schlecht von der Stelle. Ruhig promenierende Menschen überall. Aber nicht im Gigerlkostüm des Berufsfaulenzers oder dem hypermodernen Kostüm der Halb- und Ganzwelt, sondern im„Sonntags"staat des Arbeiters und im„guten Kleid" der Proletarierfrau. So füllten sie die Straße, so machten sie sich überall bemerkbar— eine nicht arangierte, eine nicht beabsichtigte, aber deswegen um so eindrucksvollere Demonstration. Die Feier am Nachmittag und Abend in den großen Gartenlokalen litt etwas unter der diesjährigen„Maikühle". Nicht unter der politischen! Die„Niedergerittenen" fühlten sich nach der Truppenschau am Vormittage in der Rolle der Unüberwindlichen. Aber trotz der Ungunst der Witterung waren auch die von der Partei arrangierten Feste von Tausenden und Abertausenden besucht. Die Polizei verhielt sich den Maifeiernden gegenüber im allge- meinen zurückhaltend. Jedoch hat dies vernüirftige Verhalten auch Ausnahmen. Ein Trupp von etwa 20 Holzarbeitern kam morgens die Romintenerstratze entlang, um nach der Reuen Welt zu gehen. Mögen sie nun einen nach polizeilicher Ansicht geschlossenen Zug ge- bildet»der mag sonst ein vermeintlicher Verstoß gegen die preußische Ordnung bemerkt worden sein, gemlg, als der Trupp in die Gubener- straß« einbog, stürmten au« dem dort befindlichen Polizeibureau zwei Schutzleute in den Trupp der Arbeiter und trieben dieselben mit mehr Energie als nötig war auseinander. Dank der Ruhe und Besonnenheit der Arbeiter hatte dieser Zwischenfall keine weiteren Folgen. Als nach Beendigung der Metallarbeiterversammlung im Feen« palast-Theater der Saal sich leerte, tauchten dort die Pickelhauben in verstärkter Zahl auf. Ungefähr 20 Mann sperrten die Burgstraße in der Richwng nach dem Schloß ab, und fast ebenso diele die Heiligegeiststraße. ES war, als ob man die doch ganz unbegründete Furcht hegte, die Maifeiernden wollten jemandem einen un« erwünschten Besuch abstatten. Scheinbar hatte man zuerst nicht daran gedacht, daß auch über die FriedrichSbrücke ein Weg nach dem Schloßplatz führt, denn erst als sich die größte Maffe schon entfernt hatte, wurde der Zugang zur Brücke abgesperrt, und das geschah, obwohl nur einzelne der VersammlungSbefucher darüber gegangen waren. Selbstverständlich gaben die Maifernden der Polizei keinerlei Veranlassung, einzuschrerten. Alles verlief in Ruhe und Ordnung. Dennoch konnte mau sich wohl an die Worte des Dichters erinnem und die Zeit herbeisehnen: „wo keine fremden Treiber dich treiben, wie man das Vieh mit dem Stecken treibt". Fremd ist und bleibt ja der Arbeiterklasse auch eine Polizei, die die Massen wie unartige Schulbuben behandelt, denen mau allerlei Tor- heiten zuttauen kann! Die Demonstration der Gewerkschaften. Ganz wesentlich konzentrierte sich diesmal das Interesse der Gesamtheit auf die Frage, wie werden die im Kampf stehenden, wie werden die vor einem Kampf stehenden Ber» liner Gewerlschafteu die Maifeier begehen? Nun, diese haben gezeigt, daß sie über eine» Heerbann von Kämpfern verfügen, deren Mut und Disziplin unerschütterlich sind. Bielleicht wäre eS den Herren Unternehmern, die jetzt aus ganz Deutschland ver» sammelt find, um den Kampf in der Holzindustrie beizulegen. gut gewesen, wenn sie die Riesenversammlung in der„Reuen Welt" besucht hätten. Vielleicht wäre eS auch für die Führer des Unternehmertums im Baugewerbe angebracht gewesen, sich in den diversen überfüllten Bauarbeiter-Vcrsammlungen von der dort herrschenden Stimmung zu überzeugen. Kampfesmut und KampfeSfreude war überall das hervorstechendste Moment. Der Holzarbeiterverband hatte eine Anzahl von Lokalen, meist im Osten und Südosten belegen, als Treffpunkte für seine Mitglieder der verschiedenen Branchen bestimmt. Von da aus begaben sich die feiernden Holz- arbeiter nach dem gemeinsamen Versammlungslokal, der„Reuen Wolt" in der Hafenhcide. In langen, losen Zügen zogen sie durch die Straßen. In der Gegend des Kottbufer Tores trafen die meisten Einzeltrupps zusammen und nun wälzte sich eine nach vielen Taufenden zählende Menge in un» unterbrochenem Strome die Kottbuserstraße und den Kottbufer Damm entlang nach der Hasen« Heide zu. Bald hatte sich der große Saal gefüllt. Niemand konnte mehr hinein. Die Polizei sperrte die Eingänge. Aber nur der kleinste Teil der Demonstrierenden hat im Saal Platz gefunden. Fort und fort strömen neue Massen herzu. Nicht lange, und auch der weit ausgedehnte Garten ist vollständig besetzt. In den Wegen und Gängen drängen sich die Feiernden Kossf an Kopf. Em Blick von den Terrassen am Ende des Garte« auf die wogende Menge gibt die Gewißheit, daß die Zahl der durch Arbeitsruhe demonstrierenden Holzarbeiter mindestens ebenso groß« wahrscheinlich aber noch größer ist wie im Vorjahre. In dem festlich geschmückten Saale wurde die Versammlung um 10 Uhr eröffnet. Ein Sängcrchor läßt die bekannten Weisen ertönen:„Gruß an den Mai" und„Empor zum Licht". Daun nahm Genosse Singer, mit stürmischem Beifall begrüßt, das Wort. Er verwies auf Ursprung und Zweck unserer Maifeier, zeigte wie sie von Jahr zu Jahr xine immer größere Ausdehnung erfahren hat, und erinnerte daran, daß das Unternehmertum glaubt, jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, wo der Gedanke der Maifeier aus den Herzen der Arbeiter gerissen werden könne. Aber der heutig« Tag zeige, daß sich das Proletariat die Maifeier nicht nehmen lasse. Immer fester schlägt die Idee der Maifeier Wurzel in den Herzen der Arbeiter, immer größer werden die Massen, die an diesem Tage für die Klasscnforderungen der Arbeiter demonstriere«, immer einmütiger legen die Proletarier an diesem Tage das Ge- lübde ab, nicht zu ruhen, che das große Ziel der Arbeiterklasse erreicht ist. Genosse Singer verwies auf den schweren Wirt» schaftlichen Kampf, in dem gegenwärtig die Holzarbeiter stehen. In diesem Kampfe haben sie bewiesen, daß sie gewohnt sind, Opfer zu bringen, für die gemeinsame Sache, sie haben b«viesen, was die Solidarität der Arbeiter vermag, wenn es gilt, für ihre Jnter» essen und für ihre Rechte zu kämpfen und dem großen erhabenen Ziel des klassenbewußten Proletariats näher zu kommen.— Eingehend besprach der Redner die Forderungen, für die da? Prole- tariat der ganzen Kulturwelt am 1. Mai demonstriert. Er zeigte. daß unermüdliche Agitations- und Organisationsarbeit nötig ist, um diesen Forderungen Anerkennung zu schaffen und schloß mit einem Hoch auf die klassenbewußte Arbeiterbewegung, in daS die Versammlung begeistert einstimmte. Der Vortrag des Liedes:„Dem Lenz entgegen" schloß die Feier ab. Inzwischen hatten die Vertrauensmänner festgestellt, daß von den Maimarken, von denen jeder Besucher des FestlokalS eine er» halten sollte, 25 879 Stück ausgegeben sind, daß aber viele zur Zeit des größten Gedränges die Kontrolle passierten, ohne eine Marke erhalten zu haben. Man kann hiernach annehmen, daß die Mai- feier der Holzarbeiter von etwa 30 000 Teilnehmern besucht war. Damit ist festgestellt, daß weder der Beginn einer Krise noch die drohende Haltung des Unternehmertums irgendeinen Einfluß aus die Maifeier der Berliner Holzarbeiter gehabt haben._ Die Arbeits» ruhe in der Berliner Holzindustrie war am 1. Mai eine voll- ständige. » Im Südwesten ist es alljährlich daS große Etablissement der Bockbrauerei am Tempelhofer Berg, wohin am 1. Mai eine wahre Massenwallfahrt stattzufinden pflegt. So war eS auch diesmal wieder. Während der kleine Saal dem graphischen Gewerbe reserviert war, hatten den großen Saal und, getrost kann man es sagen, den ganzen übrigen Teil des weitläuftigen Lokals die Maurer zentraler Richtung mit Beschlag belegt. Die im Unternehmerblatt energischer als in den letzten Jahren erhobene Drohung, die feiernden Maurer bis zum 6. Mai auszusperren, wobei die Herren an die voraus- sichtliche Lohnbewegung dachten, ist total vorbeigelungen. Schon lange vor Beginn der Versammlungsstunde zogen die Proletarier von Kelle und Mörtel im Sonntagsstaat die Belle-Alliancestraße hinauf ihrem Rendezvousplatz zu, verstärkt durch die aus den Nebenstraßen kommenden Gruppen. Von der.Hohe"� oberhalb der Bergmann- und Kreuzbcrgstraßc gewährte ein Rückblick ein Bild, daS tiefen Eindruck machte. Alle, die au« den verschiedenen Straßenzügen zusammengeströmt waren und dieses letzte Stück des Weges zum gemeinsamen Ziele zurücklegten, erschienen von hier oben auch rein äußerlich betrachtet als Einheit. Ein Symbol einheitlichen Strebens. Und immer mehr kamen herauf, den Weg zur Höhe. ES wollte schier kein Ende nehmen. Säle, Hallen und Garten waren bald überfüllt. Vor den Maurern im großen Saal, wo die Massen in drang» voll fürchterlicher Enge harrten, sprach Reichstagsabgeordneter Wolfgang Heine. Einleitend gedachte ev der besonderen Umstände, unter denen die deutschen Arbeiter in diesem Jahre, namentlich aber die Berliner Arbeiter, die Maifeier begehen. Boller Hoffnungen infolge des Ausfalles der Reichstagswahlen treten die Herrschenden auch auf wirtschaftlichem Gebiete derzeit feindlicher und protziger als je auf. Das Unternehmertum glaubt, ausholen zu können zu einem entscheidenden Schlage gegen die Gewerkschaftsbewegung. Es hofft, in einem Kampfe, der für die Arbeiter nach seinem Willen ergebnislos sein soll, die Millionen aufreiben zu können, die Fleiß, Sparsamkeit und Opserwilligkeit deutscher Arbeiter aufgespeichert hat als Kriegsschatz der Gewerk- schaffen. Besonders in Berkin stehen wir im Zeichen riesenhafter Arbeiterkämpse, die kühlen, aber auch kühnen Mut und Opfer er- fordern. Da zufällig gerade jetzt im Baugewerbe besonders brennend die Frage des Achtstundentages ist, die ja auch dem 1. Mai seine besondere Bedeutung gibt, so hielt Redner für an- gebracht, sie eingehend zu würdigen, sowohl vom sozialen, hygieni» schen und ethischen Gesichtspunkt aus, als auch nach ihrer all- gemeinen kulturellen Bedeutung. Den giftigen Haß des Unternehmertums gegen die Forderung des Achtstundentages und gegen die Maifeier erklärt er daraus, daß die herrschenden Klassen fühlten, es wehe in der Maifeier der glühende Sturmwind deS Klassenkampfgedankens, etwas, was der heutigen Gesellschafts- ordnung feindlich sei. Dieser große Gedanke der EntWickelung der Geschichte in Klassenkämpfen sei der größte, den Marx und Engels uns geschenkt hätten. Nachdem Redner die anderen sozialen, kulturellen und politischen Fragen, die die Maifeier be- rühren, gewürdigt hatte, schloß er mit einem Hoch auf die inter- nationale, völkerbefreiendc Sozialdemokratie, in das die Ver- sammelten begeistert einstimmten. Der Vorsitzende T h ö n s stellte mit Genugtuung fest, baß sich die Maurer nicht hätten zurückschrecken lassen �durch die Drohungen der Scharsmacher, sondern scheinbar noch stärker an der Feier des 1. Mai durch Arbeitsruhe beteiligt seien als früher.— Mit begeisternden Hochrufen auf die internationale Sozialdemokratie und auf daS Gedeihen und die Weiterentwickelung des Deuffchen Maurerverbandes trennten sich die Versammelten, nachdem sie der Resolution einheitlich zugestimmt hatten. Die im Maurerverband organisierten Fliesen» leger hatten wegen der Kleinheit der Gruppe keine besondere Versammlung abgehalten» sondern sich den Maurern angeschlossen. 02 Fliesenleger konnten kontrolliert werden. Eine ähnliche Massentvandernng wie am Krcuzberg und in der Hasenheide entwickelte sich im Norden der Stadt, am Friedrichs- Hain, der die Gräber der Märzgefallenen birgt. Dort waren der „Schweizer-Garten" und die„Brauerei Friedrichshain" der Ziel- Punkt ungezählter Tausender. Beide Lokale verfielen denn auch bald dem Schicksal der polizeilichen Absperrung. Auch in der „Brauerei Friedrichshain" tagte eine der im Kampf stehenden Ge- werkschasten. Die zentralorganisterten Zimmerer waren dort versammelt. Der große Saal war schon um Ö& Uhr früh polizeilich abgesperrt, so daß Hunderte gezwungen toar&t im (9*ll*(k flflf p Tttfet 3000 SeeufSgenoffen«Äst Frauen spendeten dem begcisterungsvollen Vortrag des Genoffen Adolf Hoffmann stürmischen Beifall. Die Resolution der Berliner Gewerlschastskommission gelangte zur einstimmigen An» nähme. Zum Schlutz stimmte die imposante Versammlung in ein dreifaches Hoch auf die interationale Arbeiterbewegung be- geistert ein. Und nun dasselbe imposante Zurückströmen der Menge, wie erst das Hinstreben. Viele lenkten noch ihre Schritte guer durch den Hain zur Grabstätte der Märzkämpfer, um noch an dieser Stelle sich zu geloben, daß sie, wenn auch nicht mit denselben Waffen, so mit demselben Mute und derselben Begeisterung den Kampf gegen Herrschsucht und Unfreiheit führen würden, wie ihn einst die be» qrabenen Helden. Die Bauarbeiter beteiligten sich in voller Stärke an der Maifeier. Es war eine Ehrensache für jeden, hier demonstrativ zu zeigen, daß es ihm ernst ist mit der Forderung, die in zahlreichen Versammlungen in der lehten Zeit erhoben Wörde: Acht Stunden Arbeit und einen aus- kömmlichen Lohn! Eigentümlich befremdend wirkte es, wenn man gelegentlich auf einen Neubau oder Abbruch stieß, wie in der Alexanderstraße oder in Wilmersdorf, wo Bauarbeiter tätig waren; man sah sich unwillkürlich nach der Polizei um, die zum Schutze der Arbeitswilligen immer bereit steht und auch hierbei auf dem Posten war. Die organisierten Arbeiter strömten in Masjen zu ihren Versammlungen, sonntäglich geputzt Und froh gestimmt. Rote Nelken und andere rote Maiabzeichen sah man hier uberall leuchten. In starken Trupps ging es schon von 3 Uhr morgens an die Blücher- straße und Hasenheide hinauf nach„KliemsFestsälen", gegenüber der.Neuen Welt", wo sich die Holzarbeiter versammelten. Die anströmenden Scharen boten vor diesen Lokalen ein bewegtes Bild, in dem natürlich die Schutzmannshelme nicht fehlten. Bei „Kliem" fanden zwei Bauarbeiterversammlungen(im großen und im kleinen Saal) statt. Lange vor 10 Uhr waren alle Plätze be- setzt und immer neue Scharen drängten herem. Die Redner waren hier G. Bauer und O. Langnitschke, deren Ansprachen mit Beifall aufgenommen wurden. Nicht minder lebhast wie in der Hasenheide ging es auf dem Gesundbrunnen zu. Hier hatten die Bauarbeiter sich in dem großen Saal von B al l s ch m i e d e r in der Badstraße versammelt. Hunderte kehrten wieder um, nachdem sie ihr Verbandsbuch hatten abstempeln laffen, denn sie konnten keinen Platz mehr finden. Rehbein hielt einen Vortrag, in welchem er den demonstrativen Charakter der Maifeier hervorhob und betonte, daß den Arbeitern nicht die reife Frucht in den Schooß fällt, sondern daß sie bitter darum kämpfen muffen. Der Redner erntete vielen Beifall.— Die Stimmung war überall ausgezeichnet. Wenn von einer.verkrachten Maifeier" keine Rede fein konnte, so haben die Bauarbeiter durch ihre großartig durchgeführte Arbeitsruhe dazu ihr Teil beigetragen. Die Maifeier der Metallarbeiter. Der.Feenpalast" war am Morgen des 1. Mai wieder ein- mal das Ziel vieler Tausender. Vor acht Uhr schon war der untere Saal des riesigen Lokals gefüllt, und lange dauerte es nicht, da waren auch die Nebenräume und Galerien dicht besetzt, und wer keinen Sitzplatz mehr finden konnte, harrte geduldig im Stehen aus, um seine Begeisterung für die große Sache kundzugeben. Eifrig war die Polizei mit der Absperrung deS Lokals bei der Hand, ob- wohl hier und da noch ein Unterschlupf zu finden gewesen wäre. Nicht einmal die St. Wolfgangstraße, wo der Eingang zum Feen- palast liegt, durfte man betreten. Schutzleute und höhere Polizei- beamte waren in Ueberzahl vorhanden, um die Absperrung streng durchzuführen. Eine Menge früh genug und doch zu spät Ge- kommener wogte in der Burgstraße aus und ab oder zog es vor, sich nach der Bockbrauevei in der Chausseestraße zu begeben, wo die zweite große Versammlung der Metallarbeiter stattfand, denn, obwohl der Andrang so außerordentlich stark war, galten beide Versammlungen ja nur dieser Jndustriegruppe. Der N Bebels, die Liebe und Verehrung, die die Arbeiterklasse gerade diesem ihrem Führer und Erwecker entgegenbringt, mag wohl viel dazu beigetragen haben, daß die größte Masse der feiernden Metall- arbeiter sich zunächst dem Feenpalast zuwandte. Erweckend, anfeuernd und begeisternd wirkte die jnnjefähr anderthalbstündige Rede Bebels� die sich auf all die Kulturideale erstreckte, die in der Maifeier leben und wirken. Ausgehend von Erfahrungen aus seiner eigenen Gesellenzeit beleuchtete der Redner die großen Fortschritte, die durch die gewerkschaftlichen Kämpfe schon erreicht worden find, zeigte, was auf diesem Wege noch zu er- streben ist, erkämpft werden muß und wird, und schilderte dann die gewaltige geschichtliche Aufgabe, die die Arbeiterklasse wesentlich auf politischem Gebiet zu erfüllen hat: die Schaffung einer freien Gesellschaft, einer freien Menschheit, den Völkerfrieden, gemeinsame Förderung aller gemeinsamen Kulturaufgaben aller Völkerl Brausender Beifall zeugte davon, wie treffend der Redner Denken und Fühlen der Masse begeisterten Ausdruck verliehen Selbstverständlich wurde die Mairesolution einstimmig ange- nommcn. Wie der Vorsitzende Hanke bekannt gab. feierten nicht weniger als 6015 Metallarbeiter»«» 207 Betrieben. Auch in dem geräumigen Saal in der Chausseestraße hatten sich die Metallarbeiter zahlreich versammelt und lauschten hier dem anfeuernden Vortrage des Genossen B ö s k e. Auch hier herrschte eine rechte Maistimmung und auch hier wurde die Mairesolution einstimmig angenommen. In der Gruppenversammlung für die Bekleidungsindustrie, die in den„Patriafestsälen", Große Franksurterstraße 28, statt- fand, hielt Genosse Steinbrink- Elberfeld vor zirka 900 Versammelten den Maifestvortrag. Die Ausführungen des Redners fanden begeisterten Beifall. Nach einstimmiger Annahme der be- kannten Mairesolutton und Bekanntgabe der verschiedenen Treff- punkte für den Nachmittag, schloß der Versammlungsleiter dre imposante Tagung mit einem dreifachen Hoch auf die inter» nationale völkerbefreiende Sozialdemokratte, in welches die An- wefenden jubelnd mit einstimmten. Die Maiversammlung der Dachdecker fand im.Swinemünder Gesellschaftshaus" statt. Der geräumige Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Obgleich über 400 Kollegen augenblicklich noch im Lohnkampfe stehen, darf behauptet werden, daß die Arbeitsruhe im Gewerbe eine ziemlich allgemeine gewesen ist. Nach einem vorzüglichen Referats Ho ch s gelangte die Resolution der Berliner Gewerkschaftskommission zur einstimmigen Angahme. Die Maiversammlung deS Verbandes der Fabrik-, Land- und HillfSarbeiter und Arbeiterinnen, welche im„Rosenthaler Hof" vormittags 10 Uhr tagte, war stark besucht. Zirka 350 Kollegen hatten sich trotz angedrohter Aussperrung eingefunden. Die Glaser und Glasarbeiter hielten ihre Maiversammlung bei Litfin, Memelerstraße, ab. Dieselbe war dermaßen überfüllt, daß die Tische entfernt werden muhten. Der Referent Girbig setzte in fünfviertelstündiger Rede den Versammelten die Be- deutung des 1. Mai auseinander und schloß mit der Aufforderung, sich politisch und gewerkschaftlich fest zusammen zu schließen gegen jegliche Unterdrückung. Reicher Beifall lohnte den Redner am Schlüsse deS Vortrages. Die infolge der Maifeier ausgesperrten Mitglieder des Glaserverbandes haben sich im Verbandsbureau, die Glasarbeiter im Lokal Welkisch zu melden. Zu piner imposanten Versammlung gestaltete sich die der Graveure und Ziseleure. Anwesend waren zirka 250 Personen. Dem Referat des Genossen John folgte begeisterter Beifall. Durch Handaufheben wurde festgestellt, daß unter den Anwesenden nur 17 waren, die durch Arbeitslosigkeit zur Feier gezwungen worden waren... Die Versammlung der Hafenarbeiter rm.Korngstädttfchen Kasino war von zirka 250 Personen besucht. Der Referent Artur Schmit beleuchtete in seinem Referate vor allem die kulturelle Bedeutung de? Achtstundentages, um weiter die heutige Welt- Machtspolitik der besitzenden Klassen Deutschlands einer ätzenden Kritik zu unterziehen. Der Redner plädierte für den generellen Ausbau der Aroeiterschutzge setze und forderte vor allem ein freies KoaNttonS- und Versammlungsrecht. Zum Schlüsse forderte er die Anwesenden zu unermüdlicher Agitation für die gewerkschaft- liche und politische Organisation und zum Lesen der Arbeiterpresse auf.— Dem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrage folgte eine kurze kernige Ansprache des Vorfitzenden. Die Versammlung endete mit einem begeisternden Hoch auf die allgemeine Arbeiter- beweguug. Die Versammlung für das Handels- und Transportgewerbe fand im„Deutschen Hof". Luckauerstr. 15, statt. Der Saal war überfüllt, zirka 1500 Personen waren anwesend. Referent war Reichstagsabgeordneter Lehmann. Der Männerchor der Handels-, Transport- und BerkehrSarbeiter leitete die Ber- fammlung durch das Lied„Empor zum Licht" ein. Di« Maler hatten sich sehr zahlreich(zirka 800—900 Personen stark) mit ihren Frauen in„DraselS Festfalen" eingefunden. Nach Entfernung der Tische und Stühle glich der Raum nur noch einem Menschenmeer und doch mußten Hunderte wegen Absperrung wieder umkehren. In einem 2(4 stündigen Bortrage würdigte Genosse P. D u p o n t den heuttgen Klaffenstaat und die Bedeutung des ersten Mai für das Proletariat. Brausender Beifall zeugte von der Begeisterung der Menge. Mit einem dreifachen Hoch auf die internationale Sozialdemokratie ging die Versammlung anS- einander. Eine imposante Versammlung hielten die Gipser«nd Zementier« (Sektion deS Zentralverbandes der Maurer) in Sanssouci, Kottbuser- straße, ab. Schon lange vor der festgesetzten Zeit wurde der Saal polizeilich abgesperrt, in ihm hatten reichlicd 2000 Männer und Frauen Platz gesunden. Der Referent Genosse E. Heilmann entwickelte in fünfviertelstündiger Rede unter lebhaftem Beifall der Versammelten die Gedanken, die gerade die dieSjähttge Maifeier nach der Wahlniederlage und im Angesichte eines drohenden wirtschaftlichen Niederganges erwecken muß: daß die proletarische Bewegung zwar vor Rückschlägen nicht sicher ist, daß sie aber gleichwohl den idealen Zielen ihres Sttebens immer näher kommt. Jede Maifeier erneuere in der Arbeiterklasse das Bewußtsein ihrer Kampfesziele; ihre Be- gehung durch Arbeitsruhe stelle zugleich das Gelöbnis dar. sich allen Schwierigkeiten zum Trog ihnen mit voller Hingab« zu weihen. Der Vorsitzende sprach im Anschluß daran seine Genugtuung über die Tatsache aus, daß trotz der Aussperrungsdrohungen des Unter- nehmerwms die organisierten Kollegen vollzählig zur Maifeier er- schienen seien, und schloß die Versammlung mit einem Hoch auf die Internationale des Proletariats. Die Versammlung der Weißgerbcr, Lohgerd««nd Handschuh- mach« im Mattenbad war von über 600 Personen besucht. Referent war Genosie Wagner. Porzella«- und Schildermal«. Anwesend waren 400 Mitglieder. Der Gesangverein der Porzellanarbeiter eröffnete die Versammlung mit dem Lied„Gruß an den Mail" Das Referat, welches mit großem Beifall aufgenommen wurde, hielt Dr. Borchardt. Mit dem Vortrag des Uttmcurnschen Chors.Sturm" wurde die Versammlung geschlossen. Zu der Versammlung der Arbeiter der RahrungS-«nd Genuß- mittel-Jndustrie bei Boeker in der Weberstraße herrschte ein solcher Zustrom, daß schon um 10 Uhr die polizeiliche Absperrung erfolgte und 800 bis 1000 Personen keinen Einlaß mehr fanden. In der unheimlich überfüllten Versammlung konstatierte man mit Befriedigung die Anwesenheit zahlreicher Arbeiterinnen, vorwiegend der Tabakindustrie angehörend. Genosse Poetzsch«As Referent erntete reichen Beifall. Von einer Diskussion wurde Ab» stand genommen. Ein Händemeer erhob sich bei der Abstimmung über die bekannte Resolution. Die weihevolle Stimmung wurde durch stürmisch applaudierte Vorträge des Bäckergesangvereins „Morgengrauen" noch erhöht. Mit brausenden Hochs auf die inter» nationale Arbeiterbewegung ging die Versammlung auseinander. Die Portefeuiller hielten in den«Rittersälen eine ganz aus- nahms-weise gut besuchte Versammlung ab. Ungefähr 400 Kollegen und Kolleginnen füllten das Lokal bis m den letzten Winkel. Der Vortrag des Genossen Sassenbach wurde mit großem Beifall aufgenommen. In der Versammlung der Putzer in FreherS Festsälen in der Koppcnstraße waren über 3000 Personen anwesend, Saal und Galerien waren überfüllt, das Lokal abgesperrt. Der Gesangverein der Putzer leitete die Veranstaltung durch dem 1. Mai würdige Gesangs vortrüge ein, dann sprach Kollege H. Silberschmidt über die Bedeutung des 1. Mai und die Notwendigkeit des Achrftundentages. Der Referent schloß mit der Aufforderung� treu zur Organisation zu halten, und das auf diesem Gebiet Errungene festzuhalten und weitere Vorteile zu erkämpfen. Die Maworsammlung der Ramm« bei Hensel war bis auf den letzten Platz gefüllt. In feierlicher Sttmmnng folgten die Anwesenden den Ausführungen des Genossen Domnick, der in fast einstündigen Ausführungen die Bedeutung der Maifrier ausein« andersetzte. Lebhafter Beifall lohnte den Referenten seine klaren markigen Worte. Mit einem brausenden Hoch auf die internationale Arbiterbeweguny fand die erhebende Versammlung ihren Abschluß. Di« Versammlung der Sattler war von fast 1100 Personen de- sucht. Genosse S t r ö b e l behandelte in seinem Vortrage in glänzender Weise die Bedeutung deS 1. Mai. Lebhafter Beifall lohnte den Redner für seine Ausführungen. Bei den Schlächtern sprach am Abend im„Englischen GartuV vor 150 Erschienenen, darunter einige Frauen, Genosse Redakteur Block. Die Resolutton fand einisttmmige Annahme. Die Versammlung der Schmiede bei Wikke in der Brunnen- straße war von 800 Personen besucht. Die Polizei sperrte zweimal ab. Die Ausführungen des Referenten Schneider fanden jubelnden Beifall. In der Diskussion meldete sich ein Gegner, der zwar bestritt, ein ReichSverbändler zu fem, aber nach seinen ganzen Ausführungen nur ein solcher sein konnte. Der Referent fertigte ihn mit den Worten ab, daß heute das klassenbewußte Proletariat versammelt sei, das für Verleumdungen kein Verständnis und auch keine Lust habe, auf solche einzugehen. Schneid« und Schneiderinnen. Die Versammlung in den . Germania-Pvachtsälen" fand im überfüllten Saale statt. Genosse Kloth hielt die Festrede. Anwesend waren gegen 2500 Personen. Die Schuhindustrie war im großen Saal des„Schweizergartens" nebst Nebenräumen versammelt. Vor ungefähr 3500 Personen sprach Waldeck M a n a s s« in inhaltreichen und begeisternden Worten.— Die Fei« wurde durch ein Lied deS Gesangvereins der Schuhmacher eingeleitet und geschlossen. Die Arbeitsruhe in der mechanischen Industrie war ein« vollständige.auch die Schoß. brauche war stark vertreten.— Die polizeiliche Absperrung des Saales erfolgte bereits 9(h Uhr. Die Speicherarbeiter. Lritergerüstbau« und FrSsekntfcher hatten sich vormittags 10 Uhr im Englischen Garten so zahlreich versammelt, daß die Tische aus dem Saal entfernt werden mußten; eS waren über 400 Festteilnehmer erschienen, welche die Arbeit an diesem Tage ruhen ließen. Karl H e t s ch o l d referierte, oftmals durch Beifall unterbrochen, über die Bedeutung des WeltfeiertagS. In flammenden Worten forderte er die Anwesenden auf, unermüd- lich für den Gedanken deS VölkerftiedenS, des Achtstundentags, der polittschen, sowie der gewerkschaftlichen und der wirtschaftlichen Organisation tätig zu sein. Die Versammlung d« Steinarbeit« in der Kronenbrauerei zu Altmoabit ist großartig verlaufen. Der Besuch war äußerst gut. Man zählte zirka 900 Personen. Das Referat der Genossin Wehl wurde mit großem Beifall aufgenommen. Hatte man auch im Steinarbeiterberufe trotz der ungünstigen äußeren Umstände nicht mit einer Abschwächung der Feier gerechnet, so waren alle An- wesenden doch angenehm überrascht über den günstigen Ausfall. Diese Maifeier Hai alle ihre Vorgänger übertroffen.— Maßregelungen»erden nur m einzelnen Fällen stattfinden. Die Mai-Versammlung der Steinsetzer in Kellers Gesellschasts- haus war überfüllt. Hunderte mußten wegen der polizeilichen Ab. perrung umkehren. Mehr als 1000 Genossen hielten in drangvoll nrchterlicher Enge den Saal besetzt und lauschten in begeisterungs- voller Hingabe dem Festvortrag des Stadtv. Dr. Wehl, der mit beifallsfrohsm Jubel aufgenommen wurde. Im Steinsetzerberufe Herrschi« völlige ArpeiiSrvh«. S Die Stukkatenre Sersammekten sich t« d« Demonstranten hatten sich eingefunden. KrebS referiert«. starke Beteiligung hat allgemein beftiedigt. Die Versammlung der Tapezierer war von üb« 1000 Per« sonen besucht, die den Wendischen Saal in der Benthstraße«tt seinen Nebenräumen gedrängt füllten. DaS Referat hielt Otto Wels. Die Resolution des Parteivorstandes wurde einstimmig angenommen. Der Zentralverband der Töpfer hatte zum Vormittag ein« Versammlung nach dem Gewerkschaftshause(großer Saal) einbe- rufen. Vor einer dicht gedrängten, annähernd 2000 Köpfe betra- genden Versammlung hielt der Reichstagsabgeordnete Ledebaur einen mit Begeisterung aufgenommenen Vortrag. Die städtischen Arbeiter tagten vormittags 10 Uhr bei Kell«, Koppenstraße. Die gegen das Vorjahr besser besuchte Versammlung wurde mit einigen Liedern, vom Gesangverein der Putzer gesungen, eingeleitet. Die Festrede hielt Stadtv. Dr. Silberstein. Die Gewerkschafte« der Freien Vereinigung. Die Maurer der freien Bereinigung versammelten sich zu einer über 2000 Personen zählenden imposanten Versammlung im großen Saale der Brauerei Königstadt. Nach Eröffnung der Versamm- lung verschönerte der Gesangverein der Maurer die weihevolle Stimmung der Versammlung durch Singen eines Liedes. Dann hielt Kater das Referat zur Maifeier, welches mit Aufmerksam» keit verfolgt und öfter mit reichem Beifall aufgenommen wurde. Zum Schluß machte der Vorsitzende Z e g l i n auf die am Sonntag in diesem Saale stattsindende Versammlung der Maurer auftnerk- sam, die nochmals Stellung zu der Lohnbewegung nehmen wird und ersuchte, rege für den Besuch dieser Versammlung zu agitieren. Nachdem der Gesangverein noch ein Lied vorgetragen, schloß der Vorsitzende mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die internationale völkerbefreiende Sozialdemokratie die Versamm- lung. Unter Absingen des ersten Verses der Arbeitermarseillaise fand die Versammlung ihr würdiges Ende. Die Versammlung der Bauarbeiter fand im Englischen Garten im oberen Saale statt, einberufen vom Gewerkschaftskartell. Um 10 Uhr war der Saal überfüllt und es war nicht möglich, noch Ein- gang zu gewinnen. Hier sprach Karl Wiesenthal und er» klärte seinen Zuhörern, wie die Politik der Regierung im Interesse de» Unternehmertums geführt wird und welche Bedeutung eine großartige Maidemonstration im Interesse der Arbeiter sei. Die Versammlung der Fliesenleger. Fliesenlegerhülfsarbeiter und Glaser im Neuen Klubhaus war überfüllt. Das Referat hielt Genosse P u t t! i tz. In populärer, markanter Weise schilderte er die Notwendigkeit der Arbeitszeitverkürzung. Die Behauptung der Gegner der Arbeitszeitverkürzung, nicht konkurrenzfähig auf dem Weltmarkte zu sein, ist treffend dadurch widerlegt, daß die Länder England und Amerika, die den achtstündigen Arbeitstag eingeführt haben, gerade die Beherrscher des Weltmarktes sind, und die Länder, die eine 10-, 12», 13. und mehrstündige Arbeitszeit haben, nur ge» ringen Einfluß auf den Weltmartt haben. Die Resolution deS Kartells wurde einstimmig angenommen. Die Vereinigung der Musikinstrumentenarbeit« feierte durch Arbeitsruhe den Maientag des Proletariats in Graumanns Lokal, Naunynstr. 27. Genosse O b st-Schöneberg legte in kurzen, mar- kigen Worten die Bedeutung des Tages dar. Der Sängerkreis trug durch Vortrag stimmungsvoller Lieder wirkungsvoll zur höheren Weihe fein Bestes bei.— Nach Schluß der Versammlung unternahmen die Teilnehmer einen gemeinsamen Ausmarsch nach Treptow. Die Maiversammlung der Gewerkschaft der Mal« Berlins fand bei Feuerstein statt und war von über 250 Kollegen und Frauen besucht. In zündenden Worten referierte Kl ein lein über die Bedeutung dcS 1. Mai und erntete stürmischen Beifall. Die Resolution deS Kartells fand einstimmig Annahme. Die Versammlung der Kürschner war von 400 Personen. darunter gut% weiblichen Geschlechts, besucht. DaS l�hstündige Referat der Frau I e e tz e wurde mit großer Aufmerksamkeit und lebhaftem Beifall aufgenommen. Der Gesangverein der Kürschnee gab zu Beginn und Schluß stimmungsvolle Lieder zum besten. Die Schiffs- und Bootsbau« hielten bei Halwaß, Stralau«» Allee 17«. ihre Maivcrsammlung ab. Genosse K n ö p ch e n, welche» das Referat übernommen hatte, führte den Anwesenden in kernigen und sachlichen Worten die Bedeutung des 1. Mai vor Augen. De» Vortrag wurde mit Beifall aufgenommen. In der Diskussion en. mahnte Kollege I a n k e die Anwesenden, sich politisch zu organi. sieren. Mit einem dreimaligen Hoch auf die internattonal« So. zialdemokratie wurde die Versammlung geschlossen. Die Feier der Partei. Erster Wahlkreis. Maikühle. Zehn Grad Reaumur um Xagesmittr. Noch weniger abends. DaS gab der Maifeier in den großen Sommer« lokalen ein anderes Gepräge als in den letzten Jahren. Die „Seßhaftigkeit" in den Gärten war geringer. Die Fluktuation eine erhebliche. So auch bei dem Maifest des ersten Wahl» k r e i s e S. das in den Gesamträumen von K l i e m in der Hasen- Heide stattfand. Wenn auch die Darbietungen im Theatergarten und das Gartenkonzert ihr Publikum fanden, konzentrierte sich doch der Verkehr mehr aus die verschiedenen Säle. Vor tausend- köpfiger Menge hielt im großen Saal Genosse Dr. Frank, der Reichstagsabgeordnete für Mannheim, die Festrede, der eine stimmungsvolle Umrahmung die Gesänge der„Typographia" gaben. Mit markigen, eindrucksvollen Worten gedachte Redner der Be- deutung des Tages und schilderte er das Elend der heutigen Ge» sellschaft. DaS Proletariat verglich er mit einem jungen Riesen, dem eine patriotische Narkose einmal schaden könne, den der Sozialismus jedoch aufrüttele, daß er an die Esse trete und gerade zu schmieden beginne, was in dieser Welt verbogen sei. Stürmischer, anhaltender Beifall. Gesang schloß diesen Festakt ab. Zweiter Wahlkreis. Die Genossen des zweiten Wahlkreises begingen das Fest im Garten und in den Sälen der Bockbrauerei am Tempel- hofer Berg. War auch der Garten nicht so besetzt, wie sonst bei dieser Gelegenheit, so herrschte doch auch außerhalb der Säle ein reges, buntbewegtes Leben. Immerhin zählten die Gartenbesucher noch nach Tausenden. Vom Flaggenschmuck der Bäume, der früher hier üblich war, hatte man diesmal Abstand genommen. Desto wirkungsvoller war eine Dekoratton, die von künstlerischem Geschmack zeugte. Eine offene Kuppelhalle des Gartens. Aus dichtem Blättergrün leuchtet die weiße Büste von Karl Marx hervor. Oben und hinten kräftiges Rot, eine Art Baldachin, verziert durch Girlanden, deren Grün leicht geschwungene Linien darauf zeichnet. Dazu einige Sinnsprüche. Hervorsticht der deS großen MeisterS: „Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!" Es wird die Illusion erweckt, alS blicke der Kopf mit der Löwenmähne sinnend auf die Masse der Anwesenden, die dem Rufe gefolgt sind und hier das Fest der Völkerverbrüderung begehen. Di« Wirkung verschärfte sich noch bei hereinbrechender Dunkelhett. alS dezent mit der Girlande verbundene farbige Glühbirnen ihr Licht spenden und von oben eine unsichtbare Bogenlampe die Büste magisch beleuchtet.— DaS Berliner Sinfonie-Orchester brachte ein gute? Konzsrtprogramm zu Gehör und ein gut geschulter Chor von Srbeitersängern bot Frühlings- und KampfeSlieder. die vielen Beifall fanden. Im überfüllten großen Saal sprach der Abgeordnete dcS KreiseS,(Sic- nosse Richard Fischer, nachdem der„Gruß an den Mai". eine sinnige Einleitung, verklungen war. Voller Temperament entwickelte er die Gedanken, welche die aufwärtsstrebende Arbeiter- klaffe an diesem Tage des Protestes und der Willenskundgebung beseelen. Stürmischer Beifall lohnte ihn. Dritter Wahlkreis. Die„Neue Welt" in der Hasenheide führte die Genossen des dritten Wahlkreises zusammen. Der Besuch war «in reaer. Eftie Schätzung effchewt indessen unmöglich. jv«n h» dem ÄuSßebcIjttfen Mchkvollen©cttfen, Tn dem fo!e Flaggen den Charakter des Festes dartaten, war ein ewiges Kommen und Gehen, hielt doch das zu frische Mailüfterl die meisten von längerem Sitzen im Freien ab. Der Zustrom, ausfüllend die Lücke, die die Heimwärtswandernden ließen, dauerte bis in die späten Abend» stunden. Gegen 9 Uhr abends mutzte die zweite Kasse neu er- öffnet werden, ein so starker Andrang setzte ein. Nutzer Konzert, Commertheater und turnerischen Aufführungen bot das Programm Gesangsvorträge zur Verherrlichung des Maien sowie der Tat- kraft und des Willens der Arbeiterschaft zum Kampfe für eine bessere Zukunft. Auch ein Brillantfeuerwerk fehlte nicht, wie es sich an diesem klassischen Orte der grotzen Feuerwerke ja von selbst versteht.— Im Riesensaal, in dem sich die Festteilnehmer Kopf an Kopf drängten, hielt Genosse Wolf gang Heine, als Ab- geordneter des Kreises stürmisch begrützt. die Festrede. In ihrer Kürze und mit ihrer prägnanten Heraushebung des Wesentlichen machte sie starken Eindruck. Redner liefe sie ausklingen in einem Hoch aus die internationale, völkerverbrüdernde und»befreiende Sozialdemokratie, das ein begeistertes Echo bei der Versammlung fand. Die Musik stimmte ein und leitete über in die Marseillaise. die mehrtausendstimmig dann den Saal durchbrauste. Als zweites Fe st lokal hatte der dritte Wahl kreis das Gewerkschaftshaus. Das Neue Berliner Tonkünstler- Orchester des Herrn Hollfelder und ein Männerchor gaben hier ihr bestes und die deutsch-schwedische Konzertsängerin Thhra Nordström erfreute durch guten Sologesang. Wie in den anderen Festlokalen fehlten auch hier nicht die Nadfahrer. Der Festvortrag des Neichstagsabgeordneten Goldstein erntete grotzen Beifall. Vierter Wahlkreis. Sieben grotze Lokale hatten die Genossen des vierten Kreises für die Maifeier bestimmt. In der Brauerei Friedrichshain war ein reich» haltiges Konzertprogramm aufgestellt. Natürlich fehlten auch die beliebten Aufführungen der AÄeitersönger nicht, die der Würde des Tages durch entsprechende Vorträge gerecht wurden. Auch Arbeiterturner und-Radfahrer trugen ihr Teil zur Unterhaltung der Festtcilnehmer bei.— Das unfreundliche Wetter wirkte un- günstig auf den Besuch ein. Deshalb war hier der Andrang nicht so stark, wie man es von früheren Jahren her gewohnt ist. Die herrschende„Maikühle" liefe den Aufenthalt im Garten manchem nicht ratsam erscheinen. Um so stärker waren die Jnnenräume besetzt.— Die Festrede hielt Paul Singer. In markigen Worten besprach er die Bedeutung der Maifeier, die sich die inter- nationale Sozialdemokratie im Widerstande gegen die herrschenden Gewalten geschaffen hat, um zu demonstrieren für die Forderungen der Arbeiterklasse. In grotzen Umrissen entwarf der Redner ein Bild von der politischen Rechtlosigkeit und der wirtschaftlichen Be- drückung des Proletariats. Der Befreiung aus Rechtlosigkeit und Unterdrückung dient die Demonstration, zu der sich heut die klassenbewutzten Arbeiter aller Länder vereinigt haben. Es gilt, den herrschenden Klassen zu zeigen, datz das Proletariat entschlossen ist, seine Kraft einzusetzen, um zu besseren Verhältnissen zu kommen. Die Kraft der Arbeiterklasse aber liegt im Zusammen- schlutz aller, die unter den gleichen Verhältnissen leiden, die Kraft des Proletariats liegt in der Bekundung der Solidarität. Die Organisation ist die Macht, welche die Arbeiter der Gewalt der herrschenden Klassen entgegensetzen können. Darum gilt eS. die Organisation zu stärken, dem Gedanken und den Idealen der Sozialdemokratie immer weitere Verbreitung schaffen, dann wird der Tag nicht fern sein, wo die Forderungen, für die wir heute demonstrieren, verwirklicht sein tverden.— Stürmischer Beifall folgte den Ausführungen Singers. Nun trat die Unterhaltung durch heitere und ernste Vorträge Wieder in ihre Rechte, Tanzlustige hatten Gelegenheit, sich im kleinen Saale nach dem Takt der Musik zu drehen, so datz jeder der Festteilnehmer den Rest! des Abends nach Geschmack und Neigung zubringen konnte. MenteS Volksgarten in der Röderstrafee gehört seit einigen Jahren zu den Maifestlokalen des vierten KreiseS. Auch in diesem Jahre war es das Ziel für Tausende von Männern, Frauen und Kindern, die sich an den Darbietungen des Fest- Programms unterhielten. Musik- und Gesangsvorträge wechselten miteinander, auch turnerische Aufführungen wurden geboten. Man satz gemütlich beieinander, gab seiner Freude über den aufeer- ordentlich starken Besuch der Vormittagsversammlungen Ausdruck und liefe sich in der guten Stimmung auch dadurch nicht stören. datz ab und zu zwei Gendarmen— das Lokal liegt auf Lichten- berger Gebiet— nebeneinander in gleichem Schritt und Tritt den Hauptweg des Gartens entlangstapften und dann wieder ver- schwanden.— Auf eine Festrede mutzten die Besucher dieses Lokals verzichten, weil dasselbe keinen dazu geeigneten Saal hat. In Treptow liegen an der Köpenicker Landstratze drei Garten- lokale, die ebenfalls den Genossen des vierten KreiseS als Fest- lokale dienten. Es sind BeylerS Gesellschaftshaus, Biktoriagarten und Ludwigs Parkre st auran t. In allen drei Lokalen war ein im wesentlichen gleiches, nur in den Einzeldarbietungen verschiedenes Programm aufgestellt. ES bestand aus Musik, Gesang, Tanz und Kinderbelustigungen. Auch Feuerwerk wurde abgebrannt.— Der Besuch war ein recht guter, wenn auch nicht gerade Ueberfülluna herrschte. In den Abend- stunden, als die Familien meist schon den Heimweg antraten, kamen immer� noch neue Besucher, so datz die freigewordenen Plätze gleich wieder besetzt wurden. Die Zahl der Festteilnehmer ist demnach erheblich gröfeer als die der jeweils Anwesenden. Fest- reden wurden in diesen Lokalen nicht gehalten. Im Etablissement Sanssouci tn der Kottbuserstrafee wurde den zahlreich Erschienenen ebenfalls ein abwechslungsreiches Programm geboten. Lebhafte Zustimmung fanden besonders die Darbietungen der Turner und die Rezitationen des Genossen Stripp. Eine Festrede wurde nicht gehalten. Ke l lers F c st s ä l e in der Koppen st ratze hatten sich namentlich gegen Abend eines recht tzuten Besuche? zu erfreuen. So- wohl der gro-tze Saatz einer der gwtzten des Ostens, als auch der kleine Saal waren gut besetzt. Schön machte sich der langgestreckte, in hell gehaltene Raum mit seiner roten Zier, die namentlich die Galerie umsäumte. Gesang und Jnstrumentalkonzert wechselten ab. Die Gesellschaft Strzelewicz brachte das beitere Element in die Stimmung hinein, wobei auch die soziale und politische Satire zu ihrem Reckt kam. Der Höhepunkt der Feier wurde erreicht, als Genosse P a u l S i n g e r erschien, der mit Jubel empfangen wurde. In seiner Festrede behandelte er die in der Resolution vom Vormittag aufgestellten Thesen in Wirkung �voller, volkstümlicher Weise. Er sprach aus dem Herzen der Versammelten, wie ihre Zustimmung deutlich zeigte und schlotz mit einem Hock) auf die Bölkerverbrüde- rung und aus die Sozialdemokratie. Begeistert stimmten die Ge- nossinnen und Genossen mit ein. Darauf gelangte die Resolution zur Annahme. Fünfter Wahlkreis. Der„Schweizer-Garten" vor dem KönigStor war daS Festlokal des fünften Wahlkreises. Wie im allgemeinen, so war auch während der ersten Nachmittagstunden dar Besuch nur mäßig. Man traute dem Wettergott nicht, denn er zeigte ein gar zu trübseliges Gesiebt. Als«s sich dann gegen Abend«in wenig günstiger anliefe, da strömten die Festtcilnehmer, Männer, Frauen und Kinder, in Scharen herbei. Der Besuch stand dem de» Vorjahre? nicht nach. Für die Unterhaltung der Feiernden war besten? gesorgt. Musik- und Gesang« nfftihrungen erhöhten die Feststimmung.— Kurz nach 9 Uhr brachte ein Sängerchor im Sale ein der Bedeutung deS TageS entsprechendes Lied zu Gehör. Dann ergriff RobertSchmidt, den man mit lebhaftem Beifall begrüßte, das Wort, um vor emcr dichtgedrängten Zuhörerschaft die Festrede zu halten. Gr begann mit einem Hinweis auf die auswärtige Politik. Isoliert steht Deutschland unter den Mäckt-n Europas da. Unsere Staatsmänner glauben, gestützt auf das Schwert und die eisern« Faust, die An- Näherung an andere Mächte entbehren zu können. Die Situation ist gespannt. Der geringste Anlaß kann einen Völkerkrieg entfesseln, welcher der Arbeiterklasse schwere Opfer an Gut und Blut auferlegen würde, Während die Diplomaten nicht imstande sind, den Frieden zu sichern, kft S daS Pwletarwl aller Sander, ist eS die internationale Sozialdemokratie, welche für den Völkerfrieden wirkt. Unser internationaler Kongreß, der dieses Jahr in Deutsch- land stattfindet, wirb zur Erhaltung und Sicherung des Völker- friedens weit mehr beitragen und deshalb weit größere Beachtung verdienen, als die Diplomatenkonfereng, welche im Haag stattfinden soll.— Nach einer kurzen Betrachtung innerpolitischer Verhältnisse kam der Redner zu dem Schluß: Unsere Gegner glauben, sie könnten uns durch Lügen und Verleumdungen, die sie im Wahlkampf so reichlich angewandt haben, vernichten. Welch törichte Anschauung. Nichts kann die sichere Grundlage, auf der unser« Bewegung ruht, erschüttern, nichts kann den Fortschritt unserer Partei aufhalten. Unsere gute Sache muß siegen, wir kämpfen für Freiheit, Gleich- heit und Brüderlichkeit.— Durch stürmischen Beifall gaben die Ge- nassen ihre Zustimmung zu den Worten ihres Abgeordneten kund. Die weitere Ausführung deS Unterhaltungsprogramms hielt die Festteilnehmer noch lange in der besten Stimmung beisammen. Sechster Wahlkreis. Im BerlinerPrater in der Kaftanien-Allee begann schon frühzeitig ein buntes Gewühl. Die Sonne blickte wieder freundlich hinter dunklen Wolken hervor, und Petrus gab sich offenbar alle Mühe, die schweren Wollen ein Stückchen Weges weiter zu schieben, wie ein eifriger Beobachter des Himmels meinte, denn Petrus ist im Volksmunde nun einmal als Wolkenschieber und Regenmacher bestellt. Rote Fahnen und zahlreiche Barmer mit entsprechenden Inschriften schmückten Garten und Tanzsaal. Die Festrede hielt Genosse John. Neben anderen interessanten Programmnummern erregten die Turner vom Verein„Fichte" und die Sänger vom Ar- bettersängerbund viel Aufmerksamkeit. Bis spät in die Nacht hinein dauerte das frohe Fest, daA freilich einer grotzen Anzahl von Ge- nassen auch viel Mühen brachte, um alles wohl zu ordnen und har» monisch zu gestalten, aber die Mühe wurde zu einem Vergnügen beim Anblick der freudigen Maifeststimmung ringsum. Fröbels Allerlei-Theater war, obgleich so nahe am P rater. ebenfalls stark besucht. Das Konzert begann um 4 Uhr; Turner und Sänger taten ihr bestes zur Verschönerung des Festes. Die Bühne war hübsch dekoriert: die Marrsche Büste von Grün und Kränzen unigeben, darüber em großes- Banner mit der Inschrift: „Hoch die internationale Sozialdemokratie!" Rote Fahnen und Banner sah man überall. Die Festrede von Waldeck M anasse wurde mit Beifall aufgenommen. Es war eine frohe Maifeier, die die Genossen hier zahlreich zusammenführte. Bei Groterjan in der Schönhauser Allee sah man das- selbe Bild. Auch hier herrschte eine Feststimmung, würdig dem großen Arbeiterfeiertag. Hans Weber hielt eine Ansprache an die Genossinnen und Genossen; die vorgetragenen Lieder der Arbeitersänger wirkten begeisternd auf die Menge. Die unermud- lichen Turner zeigten ihre Künste; man lauschte den Vollssangern; die jungen Leute tanzten nnd Ernst und Scherz wechselten mit ein- ander ab. Entsprechend dekoriert hatte man die Halle und den Garten; die roten Banner und Fahnen sah man in reicher Zahl. Auf dem Gesundbrunnen sah eS ganz sonntäglich aus Fröhlich und geputzt zogen die Arbeiterfamilien nach den verschiede- nen Lokalen zur Maifeier. Die Sorge um die Regenwolken war bald verscheucht, als die Sonne wieder ein wenig lachte. Ein großes Gedränge froher Menschen herrschte im„B r u nne n- T h ea t e r in der Vadstraße. Einige kleine Vollsstücke, die zur Auffuhrung gelangten, erweckten viel Heiterkeit. Die athletischen Kraftübungen vom Arbciter-Athletenklub und andere Nummern des Programms Kur Unterhaltung fanden reichen Beifall. D'e Festrede hielt Genope Sonnenburg. Sehr stimmungsvoll wirkten die Gesänge, vom Arbeiter-Sängerbund vorgetragen. In dem„Bolksgarten" ging eS ebenso fröhlich zu. FurUnter- Haltung war reiche Sorge getragen durch hübsche Theater- aufführungen. athletische Uebungen und dergleichen.� Man lauschte der Musik, es wurde getanzt, gesungen, man feierte mn Volksfest, dessen größere Bedeutung Genosse Ströbel m seiner Festrede würdigte..... ,, Bei Ballschmieder war der Andrang e,n starker schon vom frühen Nachmittag an. Zeitig fanden sich die Familien ein und waren lustig und guter Dinge beim Kaffeekochen. Mustk, Tanz und Gesang und einige besondere Programmnummern brachten eine frohe Feststimmung hervor und befriedigten allgemein. Die Lieder des Arbeitersängerbundes und die Ansprache des Genossen L e d e b o u r wiesen zugleich auf die ernste Seite der Feier hin, auf den Maientag einer großen Zukunft, den das Proletariat erhofft. In zwei Lokalen, dem„Moabiter Schützen- hau s". weit draußen herrlich am Plötzensee auf Tegeler Gebiet gelegen, und im„Marienbad" in der Badstraße hatten die� Ge- nossen vom Wedding ihr Maifest veranstaltet. Im„Schützen- Haus" und dem riesigen Naturgarten, der dazu gehört, hatte sich eine zahlreiche Menge versammelt, die in Feststimmung all das Hörens- und Sehenswerte genoß, das das reichhaltig« Programm bot. Daß die Aufführungen der Athleten wie der Turner, daß die Vorträge der„Viktoriasänger", daß die Vorstellungen und Vor- träge anderer Art mancherlei willkommene Genüsse boten, ist leicht begreiflich. Die Festrede hielt Genosse Dr. Wehl, und hier zeigte die Menge, daß sie neben all den Freuden und Genüssen auch den Ernst der Feier zu würdigen wußte, die Worte zu schätzen ver- mochte, die von Kampf und Sieg großer, welterlösender Gedanken zeugten. Marienbad" wuchs die Menge der Maigäste gegen Abend immer mehr an. ES mochten wohl an 8009 Menschen sein, die hier am Feste teilnahmen, sich den verschiedenartigen Genüssen hingaben, die hier geboten wurden. Neben vielen lustigen Sachen fesselte und erbaute der Vortrag manches ernsten Gedichts. Kopf an Kopf drängte sich die Menge, als der Genosse P o e tz s ch in treff- licher Rede die hohe Bedeutung der Maifeier schilderte. Dann be- geisterten und erfreuten auch die Vorträge der Arbeitersänger. weckten immer von neuem das Bewußtsein, daß ein Sturm durch die Welt braust wie in den Liedesworten: „Die ihr auf harter Erde haust, Den Hohen fern und fern dem Licht. Hört hin. wie laut der Herbststurm braust« Der alles morsche knickt und bricht!" Auch in dem großen Garten und den geräumigen Sälen der Bockbrauerei in der Causseestraße hatte sich eine ge- waltige Menge von gestteilnehmtrn versammelt. Luch hier bot das reichhaltige Programm Genuß und ernste Anregung genug. Die turnenden Damen vollführten ihre Aufgabe mit Alkuratesse und Eleganz, und ihre Kraft und Gewandtheit wurden rühmend anerkannt. Zur Festrede des Genossen Dr. David waren Saal und Nebenräume gedrängt voll von Menschen, die Kraft und Be» geisterung zu weiterenm Kampf für den Achtstundentag, für eine freie Menschheit, für Völkerverbrüderung und Weltfrieden aus den tief eindringenden Worten de» Redners empfingen. Nach An- nähme der Mairesolution wurde stehend der erste VerS der Ar- beitermarfeillaife gesungen, und es klang gewaltig aus dem Munde Tausender. Die Parteigenossen von Moabit hatten außerdem noch m drei großen Lokalen ihr Maifest veranstaltet. Ueberall wurde der Andrang der Festgäste gegen Abend stärker und stärker. Man merkte schon von außen, daß etwas außerordentliches, der Welt- feiertag der Arbeiter eS war. der die herbeiströmende Menge anzog. Der geräumige Saal der Brauerei Patzenhofer in der Turmstraße war bald überfüllt, und iirf Garten drängte sich die Menge zu den vielen Vorträgen und Aufführungen. Die Gesell- schaft Balzö-Schmeltzer mit ihren humoristisch-satirischen Vorträgen hatte viel Erfolg; die Turner sowie die„Vereinigten Sangesbrüder von Moabit" trugen selbstverständlich auch ein gut Teil zum Ge- lingen des Festes bei. Stürmischen Beifall fand die Festrede deS Genossen Hermann Müller. In der Kronenbrauerei, dem„Stadtthsater Moabit". fehlte es ebenfalls nicht an einer Menge von Festtcilnehmern. fehlte es auch nicht an der rechten Feststimmung, und auch hier bot daS Programm eine Fülle von ernstem und heiterem Stoff zur Unter- Haltung und Anregung. Schon um WS Uhr hatten sich die ersten Gäste eingefunden, vnd mt Stunde zu Stunde wuchs ihre Zahl. Das Bernhard Rose-Theater und der Gesangverein„Liederlust" brachten neben all den anderen Kunst- und Unterhaltungs- beflissenen viel Erfreuliches und Erbauliches. Die Festrede hielt Genosse Sassenbach. Seine trefflichen Worte fanden lebhaften Widerhall bei der verständnisinnig lauschenden Menge. Der„A r t u s h o f" in der Perlebergerstraße war auch daS Ziel vieler Genossen und Genossinnen des Moabiter Stadtteils. Musikalische Genüsse leiteten das Fest ein. Es folgte allerlei Lustiges und Anregendes und Erbauliches. Feierstimmung und freudiger� Zukunftsglaube lebte und wirrte in den Liedern der Arbeitersänger. Bewunderung erregten die Leistungen derAthleten der Arbeiterklasse. Als die Festrede begann, da drängte sich die Menge Kopf an Kopf in den Saal. Kurz und kraftvoll. Denken und Fühlen gleicherweise anregend und aufrüttelnd war die Rede de? Genossen Ritter. Brausender Beifall zeugte von ihrer gewiß auch dauernden Wirkung._ Teltow-Beeskow. Eine vieltausendköpfige, festlich gekleidete Arbeiterschar durch» zog am frühen Morgen die Straßen der großen Orte des Kreises. In Rixdorf, Schöneberg, Charlottenburg, Wil. mersdorf, Steglitz, Nowawes und Adlers Hof war die Teilnahme an den Vormittagsversammlungen wider Erwarten groß. Der noch kurz vorher gehegte Glaube, die Arbcitsruhe würde gegen frühere Jahre eine schwächere sein, verstummte, als die Tausende der Feiernden den Bersammlungssälen zuströmten. Die von den zentralisierten Gewerkschaften Nixdorfs einberufenen drei Versammlungen, in denen die.Genossen Davidsohn, Knühfer und Zubeil referierten und deren Ausführungen überall jubelnde Zustimmung fanden, waren von etwa 4000 Per- sonen besucht. Die Gewerkschaften Schönebergs tagten im Obst- schen Lokale, woselbst gegen 1000 Personen den trefflichen Aus- führunaen des Genossen Ernst Brückner lauschten. Der Inständige Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Die drei von der Gcwerkschaftskommission Charlotten- bürg einberufenen Vormittagsversanimlungen waren sämtlich überfüllt; Hunderte konnten keinen Einlaß mehr finden. Im grotzen Saale des„Volkshauses" sprach Genosse Karl Giebel- Berlin in temperamentvoller Weise vor den Maurern, Zimmerern und Bauhülfsarbeitern, die in Stärke von über 1000 Personen sich eingefunden hatten. Im unteren Saale des„Volkshauses", in dem die Holzarbeiter, Steinsetzer, Maler, Töpfer und Porzellanarbeiter versammelt waren, hielt in wirkungsvoller Rede der Genosse Gebert das Referat. Die dritte Versammlung bei Schulz in der Kaiser Friedrichstraße war von den Fabrikarbeitern, Handels- und Transportarbeitern, Metallarbeitern, den Arbeitern in der Vekleidungsbranche und den übrigen kleineren Gewerkschaften in Stärke von über 500 Personen besucht. Hier referierte Genosse Emil Lehmann in beifälliger Rede über das Maifest der Arbeiter. Von den Wilmersdorfer Gewerkschaften, die zum ersten Male in einem größeren, neu erbauten Versammlungslokale tagen konnten, waren 000 Teilnehmer im Saale des„Luisen- park" erschienen. Hier legte Genosse Dr. Herzfeld in "4stündiger, mit Beifall aufgenommener Rede die Bedeutung des Tages dar. Eine wider Erwarten imposante Feier ver- zeichnen die Arbeiter in S t e g l i tz. Kopf an Kopf gedrängt füllten an 1000 Versammelte den großen Saal des„Birken- w ä l d ch e n". Unter starkem Beifall referierte Genosse A ß m a n n über die Bedeutung des 1. Mai für das Proletariat. Der Gesang» verein„Zukunft" trug wesentlich zur Verschönerung der Feier bei. In Friedenau war die Beteiligung an der Maifeier in diesem Jahre stärker als früher. Die Vormittagsversammlung im ..Rhcinschloß" war sehr gut besucht und Genosse Kaliski als Referent erfüllte seine Aufgabe in vortrefflicher Weise. Annähernd 1S00 Personen versammelten sich in NowaweS. Im„Bolksgarten" referierte Genosse Albrecht Fülle vor zirka 1000 Personen und in den„Deutschen Festsälen", woselbst Genosse Hans Weber die Bedeutung des 1. Mm darlegte, hatten sich 500 Personen eingefunden. In beiden Versammlungen fanden die Ausführungen der Redner die jubelnde Zustimmung der Ver- sammelten. Die Versammlung in Zehlendorf tagte im„GesellschaftS- hause", Karlstraße, und war von 3S0 Personen besucht. Die Ausführungen des Referenten Wollermann wurden mit Bei- fall aufgenommen. Eingeleitet und geschlossen wurde die Ver- sammlung mit Vorträgen deS Gesangvereins„Echo".Zehlendorf. In Britz referierte vor 2b0 Personen Genosse Handel in wirkungsvoller Weise. Die vom Gewerkschaftskartell in Zehdenick zu nachmittags 3 Uhr einberufene Versammlung war von etwa 300 Arbeitern be- sucht. In 1l4 stündiger, mit Beifall aufgenommener Rede be» handelte Genosse Pagets die gegenwärtige politische und Wirt» schaftliche Lage. Unter großer Beteiligung verlief die Maifeier w T r e p t_ow» Baumschulenweg. In Mariendorf hatten sich im Bergfeldtfchen Lokal 350 Versammlungsteilnehmer eingefunden. DaS Referat hielt Genosse K ü ß l e r. Vor zirka 500 Personen referierte in KönigS-Kuster» Hausen Genosse W u tz k h» Rixdorf unter lebhaftem Beifall der Versammelten. Die Abendfeier schloß sich der VormittagSfeier würdig an. Wohl 800 Personen füllten den Weberschen Saal in Neue Mühle. Die Festrede des Genoffen Albin MohS fand begeisterte Zuhörer. Wir können hier mit unserer.verkrachten' Maifeier wohl zu, frieden sein. Die Versammlung in Teltow war von 400 Teilnehmern be» sucht, die mit großem Interesse den Ausführungen des Genossen Grünwald folgten. Auch in KrauSnick war die Versammlung gut besticht bat Referat hielt Genosse Schmegg. In Schmargendorf lauschte ein« gut besuchte Version»» lung den Ausführungen des Genossen Leopold, dessen packend« Rede die Versammelten zu lebhaftem Beifall hinriß. In Groß. Lichterfelde war der Besuch der Vormittags» Versammlung mindestens ebenso stark wie im Vorjahre. Sewft die gegnerischen Ortszeitungen geben die Zahl der VersammlungS» teilnehme! mit 500 an. Das Referat hielt Genosse Gaida, Rixdorf. Lankwitz. An der Vormittagsversammluna beteiligten sich zrrka 200 Feiernde. Das mit großem Beifall aufgenommen« Referat hielt Genosse K u b i g- Pankow. Weitere Maiversammlungen fanden statt w Grünau, Zossen, Marienfelde, wo die Teilnehmerzahl 100 bi» 120 Personen betrug und die Genossen Fendel, Mietz und T h u r o w referierten. Selbst in Eichwalde und MierSdorf. woselbst in diesem Jahre zum ersten Male Versammlungen einberufen waren, war die Teilnahme Wider Erwarten gut. In MierSdorf referierte Genosse BarthelS» Berlin unter lebhaftem Beifall der 120 Versammelten. In einer Nachmittagsversammlung in HankelS Ablage würdigte Genosse Hoffmann vor 250 Personen die Bedeutung deS Tages. In der Versammlung in Wannsee hatten sich 200 Feiernd« eingefunden, um das Referat des Genossen H e i n i g anzuhören. Niederbarnim. _ Sowohl in den größeren Orten de? Kreises wie in ewigen kleineren war eine schwächere Teilnahme an der Morgenfeier mcht wahrzunehmen. In Lichtenberg hatten sich schon lange vor Beginn der Versammlung an 1200 Personen in dem Versammlungslokal „Schwarzer Adler" eingefunden. Nebenräume. Galerie und Bühne waren dicht gefüllt. Die Feier wurde eingeleitet durch ein vom Wesangdttein vorgrkageneS A«d. In begeisterten Worten it gründete alsdann Genosse Mermuth die Klassenforderungen des Proletariats und schloß mit einem wuchtigen Appell zu un- crmüdlicher Weiterarbeit für deren Verwirklichung. Vor über 1000 Personen referierte in Box Hagen- R u mmelsburg Genosse E b e r t. Eingehend auf die gegen- wärtigen und bevorstehenden wirtschaftlichen Kämpfe legte Redner die kulturelle Bedeutung des Achtstundentages und eines durch greifenden Arbeiterschutzes für das Proletariat dar. Den Schluß seines Vortrages bildete eine herbe Kritik gegen das Bestreben der besitzenden Klassen, die Völker gegenseitig in Bruderkriege zu Hetzen. Der starke Beifall am Schluß der Ausführungen bewies, daß die Versammelten sich eins wußten mit dem Referenten. In W e i ß e n s e e, woselbst Genosse W u s ch i ck das Referat hielt, war die Versammlung von 2000 Personen besucht. Ein geleitet wurde sie durch den Gesangverein„Freiheit". Die treff lichen Ausführungen des Redners fanden bei den Anwesenden stürmischen Beifall Von 500 Teilnehmern war die vom Gewerkschaftskartell Adlers Hof einberufene Versammlung besucht. Referent war Genosse Th. Fischer, dessen eindringliche Ausführungen den un- geteilten Beifall der Versammelten fanden. In Bernau folgten 500 Versammelte dem trefflichen Referat des Genossen S t ö r m e r. Auch aus Friedrichshagen wird von einer guten Beteiligung berichtet. Das Referat war hier dem Genossen Sonnenburg übertragen, der sich seiner Aufgabe unter ie& haftem Beifall der Versammelten entledigte. Erkner. Hier hatte außer dem Genossen Jakobsen, dem eigentlichen Referenten, sich Genosse Stadthagen eingesunden, der unter stürmischem Beifall der Anwesenden in kurzen Worten das brüske Benehmen des Reichskanzlers und des Hottentotten blockS der Sozialdemokratie gegenüber kennzeichnete. Die Versammlung in Tegel war von 600 Personen besucht. An Stelle des verhinderten Genossen Ehrhardt referierte Genosse Rechtsanwalt Dr. Cohn, dessen einstündige Ausführungen die Versammelten mit großem Interesse und Beifall entgegennahmen. In Friedrichsfelde, woselbst Genosse A l b r e ch t einen eindringlichen Vortrag über die Bedeutung des Tages hielt, war die Versammlung von 300 Personen besucht. Die Arbeiterschaft Mahlsdorfs und Kaulsdorfs hatte sich zu 150 Personen im Hamannschen Lokal in Kaulsdorf ver- sammelt. Den Vortrag hielt Genosse Zach au unter dem Beifall der Anwesenden. In Nieder-Schönhausen lauschte den begeisterten Aus- führungen des Genossen Block eine Besucherzahl von 200. Den Beginn der Versammlung leitete der Gesangverein„Zukunft" durch ein stimmungsvolles Lied ein. Zum ersten Male tagte in Reinickendorf eine Mai- Versammlung, zu welcher sich 200 Personen im Sadauschen Lokal eingefunden hatten. Genosse Sillier übte in seinem Referat eine scharfe Kritik an dem brüsken Auftreten des Unternehmer- tums und der herrschenden Gewalten, welch letztere stets, wenn es sich darum handelt, die Arbeiterklasse zu unterdrücken, das Unternehmertum hülfreich unterstützen. In Mühlenbeck war die Zahl der Feiernden in diesem Jahre etwas geringer als im Vorjahre. Das wird zum Teil auf den Umstand zurückgeführt, daß rm Vorjahre eine Ofenfabrik ab- brannte, in welcher eine größere Anzahl organisierter Arbeiter beschäftigt waren, die sich früher an der Feier beteiligten. Die Ver- sammlung, in der Genosse Leid referierte, fand in Buchhorst statt und war von 100 Personen besucht. In Bruch mühle sprach Genosse K ü t e r- Schöneberg. Die Neuenhagener Genossen waren auf einem Spaziergang über Landsberg nach dem Versammlungslokal gekommen, um den Aus- iührungen des Referenten, der in allgemein verständlicher Weise die Bedeutung des proletarischen Feiertages würdigte, zuzuhören. In Oranienburg nahm die Maiversammlung, in der Genosse Schütte das Referat hielt, einen imposanten Verlauf. *** Die von der Gewerkschaftskommission vorgeschlagene Resolution gelangte überall zur einstimmigen Annahme. *» Die Nachmittagsfestlichkeiten und Abendversammlungen in allen Orten der beiden Kreise verliefen, soweit Berichte vorliegen, unter starker Beteiligung, in würdiger Weise. Provinz Brandenborg. Potsdam. Hier hat die diesjährige Maifeier sich imposanter ge staltet wie im Vorjahre. Morgens fanden zwei gut besuchte Ver sammlungen statt. An den Abendveranstaltungen beteiligten sich über 1000 Personen. Ueberall begeisterte Stimmung. Die Niedergerittenen warten sehnsuchtsvoll auf neue Kämpfe. Brandenburg. Auf allen Bauten ruhte die Arbeit. Die Vor- mittagsversammlung im„Volksgarten", der ein Frühkonzert voran- ging, war über Erwarten stark besucht, trotzdem die Holzarbeiter in diesem Jahre sich zum Verzicht auf Arbeitsruhe entschlossen hatten Das Referat des Genossen Rauch-Berlin fand lebhaften Anklang. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Nachmittags fand Familienfeier in drei Gartenlokalen statt, woran sich des Abends Konzert mit Festreden anschloß. Besonders zu der Abendfeier im „Voltsgarten", wo Genosse Peus sprach, war der Andrang der Massen, die erst nach Feierabend ihr Maisest begehen konnten, ge wältig. Aus der Umgegend Brandenburgs hatten sich die ländlichen Genossen zahlreich zur Beteiligung an der Maifeier eingestellt. Frankfurt a. d. Oder. Bor ilberfüllter Versammlung sprach am Vormittag A. Maß. Im Baugewerbe ruhte die Arbeit fast voll' ständig. In der Abendversammlung referierte G r o g e r vor einer begeisterten Zuhörerschaft. Nauen. An dem zwanglosen Umzüge beteiligten sich 150 Per- fönen. A. Wickh- Berlin referierte vor 300 Versammelten. Fttrpenwaldr. Die Bormittagversammlung war von 300 Per- sonen besucht. Kovlenzer-Berlin referierte. An der Abendfeier be- Heiligt sich 800 Demonstranten. Freirnwalde«. O. Die Maiversammlung war von zirka 100 Per- fatun besucht. SZh u r o w- Rixdorf referierte. Rathen»». Durch Arbettsruhe begingen hier morgens 300 Ar- Veiter die Maiseier. Am Nachmittag verdoppelte sich die Zabl der Feiernden. In der Vormittagsversammlung referierte Münsinger- Rathenow. Die Abendveranstaltung war von über 1000 Personen besucht. Die Festrede hielt Redakteur D ü w« I l Berlin, welcher die Kulturforderungen der Sozialdemokratte vom fittlich-moralischcn Standpunkt begründete. Der Umfang der Feier hat gegen die Vor- jähre zugenommen, fie ist selten mit einer derartigen Begeisterung begangen wie diesmal. KottduS. Die VormittagSversammlung war von 300 Personen besucht. S ch n l z k i- Berlin hielt ein ausgezeichnetes. mit großem Beifall aufgenommen«» Referat. Am Nachmittagsausflug nahmen 300 Personen teil, an der Abendversammlung 1000 Genossinnen und Genossen. Schulzki- Berlin referierte. Selten war die Be- geisterung so groß wie diesmal. Schviebus. An der Morgen-, Nachmittag- und Abendveranstaltung beteiligten sich mehrere Hundert Personen. Oswald Grauer- Lichtenberg referierte unter großer Begeisterung. Den Textilarbeitern war durch Fabrikukas Bestrafung und soforttge Entlassung für Be- aehung der Maifeterfünde angekündigt. Die Tabakarbeiter haben sich nicht weich mache« lassen und vollständige Arbeitsruhe durch- ��ebersvalde. Die Versammlung am Bormittag war von über 500 Personen, doppelt so viel als im Vorfahre, besucht. Das Referat hielt K u o l l- Berlin. ES geht vorwärts, trotzdem und alledem. Werder. Unser Sartenstädtchen hatte zwar zum 1. Mai seinen vollen Blütenschmuck noch nicht angelegt, nur etliches rotsich blühen- des Spalierobst leuchtete zur Demonstratton für den Arbeiter-Maien- tag. Dafür fanden sich aber im schöngelcgcnen Parteilokal am Vor. mittag 224 feiernde Proletarier sowie eine Anzahl Frauen ein, die nach dem Vortrag des Redakteurs Perner-Brandenburg durch ein >ch auf die völlerbefreiende Sozialdemokrat« aufs neue gelobten, r die Maiforderungen einzutreten. Glindow. Hier war eine besondere Feier veranstaltet. Arbeiter- sekretär Seiler-Luckenwalde referierte. Lehnin. Genosse Ewald sprach hier in gut besuchter stimmungsvoller Versammlung. Zehdenick. Auch hier hatten sich eine Reihe Genoffen zur Mai- feier von der Werktagsplage ftei gemacht. Caputh und Bornim-Bornstcdt. Durch gvt besuchte versamm- lungen und festliche Abend-Veranstaltungen wurde hier die Mai- demonsttation begangen. Arbetterfekretär M ü l l e r-Berlin sprach vor 260 Versammelten. Trebbin. Die Maiversammlung war von über S00 Personen besucht. Emil D it tm er-Berlin sprach unter starker Zustimmung. Mittenwalde. In einer von über 100 Maiseiemden besuchten Versammlung sprach M. Anton- Berlin. Gassen. Die im Deutschen Hause stattgefundene Maifeier nahm einen unerwartet großartigen Verlauf. Genosse G i I l m a n n hielt die Festrede. Maimarken und Fesizeiwngen wurden in Massen umgesetzt. Kirchhain. An dem vormittagSausflug beteiligten sich 150 Ge« nossen. Abend« hielt Genosse G r e m p e- Berlin vor zirka 300 Per« sonen einen Festvortrag. Sprrmber,. An dem Nachmittagausflug beteiligten fich ungefähr 250 Personen. In der Abendversammlung, zu welcher Giebel- Berlin das Referat übernommen hatte, waren zirka 300 Personen erschienen. Nru-Ruppin. Zur Feier de» 1. Mai fand hier eine gut besuchte Volksversammlung statt. Velten. Durch Arbeitsruhe feierten 300 Proletarier. Abends referierte Dr. KarlLiebknecht in einer von 700 Personen besuchten Versammlung. Marwitz. Vor 130 Personen sprach hier R i ch. Schmidt- Velten. Schwedt a. O. Die sonst imposante Maifeier am hiesigen Ort wurde leider durch das Ausbleiben des Referenten etwas beein- ttächtigt. Zirka 400 Personen, die durch Arbeitsruhe demonstrierten, waren in der Morgenversammlung erschienen. Genosse Schmidt sprang als Ersatz ein und wies die Anwesenden in schlicht-herzlicher Melodie von oben auch noch das Ausbleiben des Referenten, das hielten die Genossen für etwas viel Belastung: doch allmählich legte ich der Unmut und eine warme, edle Begeisterung brach sich durch, die auch noch in der Abendveranstaltung, die bedeutend stärker be- ücht war, zur Geltung kam. Pritzwalk(Ostprignitz). Hier fand zum ersten Male eine Abend Versammlung statt. Es hatten sich zirka 200 Männer und Frauen eingefunden, die den Ausführungen des Genossen Benno M a a ß- Berlin lebhaften Beifall zollten. Driesen sKrciS Arnswalde-Friedeberg). An dem vormittags ver- anstalteten Ausflug nach Licpendorf beteiligten sich zirka 150 Ge- nassen. Die Arbeitsruhe war bedeutend stärker durchgeführt als im vorigen Jahre. Abends sprach der Kandidat des Kreises, Genosse E u g en B r ü ckn e r- Berlin, vor stark besuchter Versammlung im Rittergutsgarten unter starkem Beifall über die Bedeutung des Tages._ Die Feier im Reiche. Hamburg. Die Feier in Hamburg. Altona und Umgegend ver- lief, wie das nicht anders zu erwarten stand, in ebenso imposamer wie erhebender Weise. Die Scharfmacherverbände. 19 an der Zahl, allen voran der im Aussperren sehr geübte Verein Hamburger Reeder, hatten wiederholt in der bürgerlichen Presse Ausspcrrungs- ukase veröffentlicht, die lauten:„Arbeiter, welche wegen Beteiligung an der sozialdemokratischen Mnifeier am 1. Mai d. I. von der Arbeit erubleiben, werden als kontraktbrüchig entlassen und nicht vor dem 11. Mai wieder eingestellt." Den Aussperrungswüterichen zum Trotz und obwohl Jupiter PluviuS seine Schleusen geöffnet hatte, be- teiligten sich am Festzuge über 30 000 Genossinnen und Genossen. Um'9 Uhr morgens setzte sich der Riescnzug, in dem wir über 100 Fahnen, Banner, Gewerkzeichen, Embleme und Transparente mit die Bedeutung des Tages charakterisierenden Inschriften erblickten und dreizehn Musikkorps ihre Weisen ertönen ließen, in Bewegung. Der größte Teil des Zuges mar- schierte zum Mühlenkamp, der andere zum„Schützenhof" in Barmbeck. Auf dem Mühlenkamp hielt Bürgerschastsmitglied Fischer eine kernige Ansprache, im letzteren Lokal sprach Bürger- schastsmitglied Schaumburg. Am Abend fanden im Hamburger Stadt- und Landgebiet neunzehn überfüllte Versammlungen statt. Die großen Räume des Gewerkschaftshauses, wo der erste Wahlkreis seme Versammlung abhielt, waren schon um 6 Uhr uaich mittags sämtlich überfüllt. Bremen. Trotz Androhung von Aussperrungen fanden am Morgen sechs Versammlungen statt, die Fut besucht waren. Die Beteiligung an dem darauf folgenden Morgenspaziergang gab der vorjährigen nichts nach, war also sehr groß. Abends war in mehreren Lokalen Ball- musik. Im größten Lokale fand eine sog. stille Feier statt, die durch Rezitationen, Gesangsvoetriige, Festrede und Aufführung eines Aktes aus Fuldas„Das' verlorene Paradies" durch acht Schaujpielkräste des Stadttheaters aufs beste ausgefüllt wurde.. Die Abendver- anstaltungen— denen nachmittags Kinderbelustigungen Vorausgingen — waren überaus stark besucht. Provinz Hannover. In Hannover-Linden wurde die Feier zum erstenmal als gemeinsame Angelegenheit von Partei und Gewerkschaften begangen. Dieses Zusammenwirken hat einen bedeutenden Auf- schwung bewirtt. Die beiden Frühversammlungen waren überfüllt und wiesen mehr Teilnehmer auf, als manche Protestversammlung, die abends in beiden Sälen tagte. Diese Tatsache gewinnt noch mehr Bedeutung, wenn in Bettacht genommen wird, daß morgens das Wetter nichts weniger als einladend war. Erst gegen Mittag brachen die ersten S onnensttahlen durch. Nachmittags waren die vi er Fest- lokale bald bis auf den letzten Platz besetzt. Leider störte zeitweiliger Regen die Festesfteude. Nach Schluß der Fabriken entstand eme wahre Völkerwanderung nach den vier Festlokalen. Dicht gedrängt standen die Massen; die zündenden Festreden der Genossen Brey, Fischer. Schwader und Leinert fanden brausenden Beifall. Die Arbeiterliedertafeln und die freien Zivilberufsmnsiker konzertierten. Mit Brivantfcuerwerk schloß der offizielle Teil der Feier. Bis in die zwölfte Stunde dauerte der sich anschließen»- Kommers. Die Teilnehmerzahl ist auf zirka dreitzigtausend zu schätzen. In H a r b n r g war trotz ungünstiger Witterung die Teilnahme am stummen Demonsttattonszug außerordentlich groß. Die Morgen- Versammlung war von zirka 1200 feiernden Arbeitern besucht. Die Arbeitsruhe war indes infolge Aufrufs des Parteivorstandes nicht so zahlreich wie im Vorjahre. Nachmittags fand ein stark besuchtes Konzert statt. Die Abenddersammlungen in vier Lokalen waren überfüllt. In Lüneburg beteiligten fich am VormittagsauSflug 200 Personen, während die Festversammlung und das Konzert am Nach- mittag von etwa 400 Personen besucht waren. Abends reichten d,e zur Verfügung stehenden Lokalitäten nicht aus. viele fanden keinen Einlaß. Die Arbeitsruhe war größer als in den Vorjahren. Oldenburg. In Wilhelmshaven-Rüstingen wurde von einem Umzug abgesehen mit Rückficht auf die jetzt überaus schlechte Kon- junktur im Baugewerbe, welche die Abreise einer ganzen Menge braver Gcnoffen erforderlich machte. Gleichwohl versammelten sich vormittags um 9 Uhr stark 1500 Männer und Frauen. Nachmittags am 8 Ahr— die Staat« arseA er haben erst gegen 6 Uhr Feierabend— fanden im Geweick- schastshaus Kinderbelustigungen und Konzert statt, woran etwa 2500 Personen teilnahmen. Abends 3 Uhr fanden im„Friedrichs- Hof" und im„Tivoli" die eigentlichen Feiern statt, mit einer Teil- nehmerzahl von gut 1500 im erstgenannten Lokal, von etwa 2900 im letztgenannten. Braunschweig. In der Stadt Braunschweig nahmen an dem von zwei Musikchören begleiteten Morgenausflug etioa 2000 Personen� teil. Ein zahlreiches Polizeiaufgebot sorgte dafür, daß die Genossen un- gefährdet über die Stadtgrenze gelangten, erst dann setzte die Mufik ein und brachte die rechte Marschstimmuna in den langen Zug. Vormittags 11 Uhr fanden im ,G e w e r k s ch a f ts h a u s e" und in der„Hohetorschänke" Volksversammlungen statt, in denen die Genossen Dr. Jasper und Parteisekretär Aittrick die � Mairede hielten. Namentlich das erste« Lokal war derartig überfüllt, daß Tische und Stühle entfernt werden mußten, um den auf dem Hofe harrenden Genoffen Eingang zu verschaffen. Von Mittag ab war die Arbeitsruhe eine umfangreichere, so daß die Teilnehmerzahl an den nachmittags 3l/3 Uhr beginnenden Festlichkeiten etwa das Drei- fache wie morgens betragen haben dürfte. Die vier Festlokale waren schon nachmittags sämtlich üoerfüllt; abends steigerte sich die Besucher- zahl derartig, daß viele Familien, ohne Platz zu finden, von einem Lokal zum andern wanderten. Am Abend fanden in mehreren be- nachbarten Ortschaften Festlichkeiten verbunden mit Festteden statt, Schleswig-Holstei«. In Kiel konnte auch dieses Jahr wieder zahlenmäßig kon- flattert werden, daß der Maigedanke in der.Reichsmarinehauptstadt' im unaufhaltsamen Aufstteg begriffen ist trotz der wirtschaftlichen und polittschen Hindernisse, die auch hier sich ihm entgegenstellen. Die Arbeilsruhe war im Baugewerbe und in der Bekleidungsindustrie vollständig durchgeführt. Zumal die sonntägliche Stille auf den zahlreichen Bauten der Stadt führte auch dem Spieß» und Pfahl- bürgertum die Bedeutung des Tags drastisch vor Äugen. Am Vor- mittag fanden in Kiel und den Vororten sechs Versammlungen statt, die sämtlich überfüllt waren. In der Stadt konnten die drei größten Etablissements kaum den Andrang der Feiernden issen. Der Riescnsaal des„Englischen Gartens" mußte vor Beginn der Ver- Weise' auf die /Bedeutung des ersten. Mai hin. Zu der sanften s/mml�ngpo-izeittch ab�e s perVtwe7denUward� Mal. daß sich eine solche Maßregel hierorts am I.Mai als notwendig erwies und in der Tat überstteg die Zahl der Versammlungsbesucher die respektablen Ziffern des Borjahres noch um ein Beträchtliches; sie wird allein für Kiel-Gaarden mit 6000—9000 nicht zu hoch eingeschätzt. Dabei konnten noch nicht einmal die Werstarbeiter sich beteiligen. Solange die Reichsmusteranstalt es vermittels der Hungerpeilsche noch ver- hindern kann, daß ihre ArbeitSfllaven sich an einem Tage im Jahre als freie Menschen fühlen, ist natürlich auch von den Privat- werften, zumal der Kruppschen Dividendenpresse und der Scharf- macherfirma Gebr. Howaldt eine freiwillige Anerkennung des ersten Mai nicht zu erwarten. Dasür hatte wenigstens die Sonne ein Ein- sehen, indem sie, nach anfänglichem Zaudern, in den Nachmittags» stunden vor dem proletarischen Kulturgedanken kapitulierte und über die Völkerwanderung, die ins junge Grün zog, verschwenderisch ihr Frühlingsgold streute. Ueberall konnten so m den Gartenlokalen der Umgegend, die zu Treffpunkten 6er Ausflügler bestimmt waren, die Konzerte im Freien ihren programmäßigen Verlauf nehmen, und eS herrschte bis in die späten Nachmittagsstunden allerwege das fröhliche Treiben eines echten Volksfestes. Den festlichen Veranstaltungen des Abends, die in den acht großen Etablissements der Stadt und näheren Umgebung arrangiert waren, gaben dann die Werftarbeiter das unverkennbare Ge- präge. Mit ihren erwachsenen Familienangehörigen hatten sie fich zu vielen Tausenden eingefunden, um sich wenigstens in den paar letzten Stunden des Weltseiertags inmitten ihrer„fteien" Arbeits- brüder als Menschen, die auch zu höherem, als der Fronde ums tägliche Brot bestimmt sind, zu fühlen. In Itzehoe nahmen am Morgenausflug 400 Personen, nach- mittags 500 teil. Die Abendversammlung wies an tausend Per- sonen auf. Mecklenburg. In R o st o ck fand die Feier unter starker Beteiligung statt. Der Ausflug am Vormittag zählte gut 2000 Teilnehmer. Dabei ließ von den Werstarbeitern so gut wie keiner die Arbeit ruhen, weil die neuerdings von scharfmacherischem Despotismus erfaßte Direktion für die eventuell Feiernden die sofortige Entlassung in Aussicht gestellt hatte. Weil die organisierten Tischlergesellen sich— ge- schlössen— an der Arbeitsruhe beteiligten, haben die Arbeitgeber in einer Versammlung am 1. Mai beschlossen, sämtliche organi» sierten Tischlergesellen bis auf weiteres sofort auszusperren. Abends fanden in zwei Lokalen Festveranstaltungen statt. In Schwerin, wo zurzeit eine schwere Baukrise herrscht, wo man Industrie aber überhaupt nicht ans- kommen läßt, weil fie in die Hauptstadt eines Junker lande« nicht gehöre, war vormittags Ausflug, abends bei zahlreichem Zuspruch Festveranstaltung. In Wismar drückte. der Streik m der großen Waggon- f a b r i k, die gänzlich geschloffen ist, der Maifeier ihren Stempel auf. Wismar wird immer mehr zur Perle der mecklenburgischen Sozialdemokratie. Der Verlauf der Maifeier war dort ein prächttger. Stände in M e cklenburg die klassenbewußte Ar- beiterschaft rücksichtlich des Versammlungsrechtes nickt unter einem Ausnahmegesetz, dann würde auch dort der Wille der sozialdemokratischen Parteigänger mehr in äußere Erscheinung trete». „Nach den Akten" gibt es aber jetzt außer in der Reichstagswahlzeit überhaupt keine Sozialdemokratie in Mecklenburg. Lübeck. Die Feier verlief außergewöhnlich imposant. An den Morgen- festlichleiten im Vereinshause nahmen mindestens 2500 Personen tetf. Hunderte mußten umkehren, weil sie keinen Platz mehr finden komtten. Am Festzuge beteiligten fich mehr als 6000 Genossen mit, über 30 Fahnen und Bannern. Auf dem Festplatze waren weit über 10 000 Personen. Die Genossen Schwartz und Wissell hielten Ansprachen. Die Schwartauer, Renschelder, Stockelsdorfer und Paaretzer Genossen ließen durchweg die Arbeit ruhen. Pommern. Die Feier in Stettin zeigte in diesem Jahre ein wesentlich anderes Gesicht gegen die Vorjahre. Während sonst im Hafen jede Arbeit ruhte, zeigte er diesmal sein Alltagsaussehen. Die Vor- mittagsveriammlungen waren infolgedessen nur mäßig besucht. Am zahlreichste!' waren die Konfektionsarbeiter vertreten. Für die Stadt fand die Vorsammlung morgens 7lL Uhr statt. Nach dem Vortrage fand ein vom schönsten Wetter begünstigter Ausflug nach dem Glambecksee statt. Die Nachmittckgs- und Abendveranstaltungen waren gut besucht. In Randow-Greifenhagen sStettin-Land) Ifand eine Vornttttagsversammlung im Bredower Schützenhause und je eine NachmittagSversaminlung in Hökendorf und P o d e j u ch statt. Zu der letzteren hatten fich besonders die streikenden Arbeiter der Zementfabrik Finkenwalde eingefunden. Die Veranstaltungen des Abends wiesen recht guten Besuch auf. In Stralsund nahmen an der VormittagSversammlung«her 200 Personen teil. In K ö s l i n war die Arbeitsruhe von einzelnen Gewerkschaften fast vollständig durchgeführt. Etwa 500 Personen, vor allem Maurer, Zimmerer, Holz- und Ziegeleiarbeiter, hatten sich zur Versammlung eingefunden. Abendversammlungen fanden statt WGreifSwald.Wol. gast. S t o l p. Sie waren durchweg gut besucht, an letzterem Orte von zirka 400 Personen. (Fortsetzung in der 3. Beilage.) Ssiaikut� ftin» Weber. Berlin. Fur pg, znseraienteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: VorwgrtK Kuchdru�rci u. Berlagsauscalt'Pcml Singer& Co.. jöerlw SW, Nr. 102. 24. Iahrgllnz. Z. Scilm des LsmW" Kerlim Wsdlstl Freitag, 3. Mai 1907. (Fortsetzung aus der 2. Beilage.) Ostpreuhen. In KinigSderg hatten die Holzarbeiter beschlossen, von geschlossener «rbeitsruhe abzusehen. Dagegen feierten geschlossen die vor einer Aussperrung stehenden zu 90 Proz. organisierten Hafenarbeiter. Die Tapezierer und Sattler liehen sich durch die von den Meistern an- gedrohte Mahregelung nicht einschüchtern und feierten gleichfalls mit einer großen Anzahl Heimarbeiter. Die freie Vereinigungen der Maurer und Töpfer hatten gleichfalls beschlossen, durch Arbcitsruhe zu feiern, während die zentralorganisierten Maurer timmerer, Bauhülfsarbeiter und Metallarbeiter es ebenso wie die ischler ihren Mitgliedern überlassen hatten, überall da zu feiern, wo es ohne ernstlichen Konflikt hervorzurufen möglich sei. Die Arbeitsruhe freilich war daher nicht so stark wie im Vorjahre. Doch hatten sich zu der einen Vormittagsversammluug weit über 1000 Personen eingefunden. Eine zweite Versammlung hielten am Vormittag die lokalorganisierten Töpfer ab. Einzelne Gewerbe hatten vollständige Arbeitsruhe beschlossen. Nachmittags und abends nahmen wie immer Tausende von Personen an der Feier teil. Es fand Garlenkonzert statt! die Festrede hielt Genosse Haase. In Tilsit war die Feier durch vollständige Arbcitsruhe noch in keinem Jahr so groß wie in diesem. Die Mehrzahl der Tischler, Metallarbeiter und Maler, sowie eine größere Anzahl Arbeiter anderer Berufe feierten den ganzen Tag. Am Nachmittag ver» sammelten sich die Feiernden mit ihren Familien zu einem un- gezwungenen Beisammensein im Parteilokal und im daran stoßenden Garten. Leider mußte die Versammlung am Vormittag ausfallen, weil sie durch ein Versehen zu spät angemeldet war. Dafür fand die Volksversammlung am Abend eine desto größere Schar begeisterter Zuhörer. Jn Memel, Gumbinnen und Rastenburg war auch in diesem Jahre eine Maifeier durch allgemeine Arbeitsruhe noch nicht durchführbar. Es fanden aber am Abend stark besuchte Volks- Versammlungen statt. In Rastenburg mußten, des kleinen Raumes wegen, zwei Versammlungen aufeinander folgen. In Jnsterburg konnte, trotz der guten Stimmung, die dort für den Arbeiterweltfe,ertag herrscht, nicht mal eine Versammlung abgehalten werden, weil der Wirt des bisherigen Parteilokals konttakt- bruchig geworden ist und das Lokal nicht mehr hergibt. Westpreutzen. Allgemein und geschloffen konnte in keiner Gewerkschaft die voll- ständige ArbeitSruhe durchgeführt werden. ES fanden aber Vor- mittagsversammlungen für die feiernden Arbeiter und Arbeiterinnen statt tn Danzig, Elbing und I a st r o w. In diesen Orten und in Graudenz und in T h o r n wurden abends stark besuchte Bollsversammlungen abgehalten. Tchlefien. In Breslau trug die Feier gegen daS Vorjahr ew etwas anderes Gesicht. Damals wurde die Zahl derer, die nicht arbeiteten, durch die 4000 ausgesperrten Metallarbeiter und durch die Streikenden verschiedener Berufe vermehrt. Allein an der Beteiligung früherer Jahre gemessen muß die diesmalige als eine über Erwarten großartige bezeichnet werden. Die Vormittagsversammlung war von mindestens lSlX) Personen besucht. Da der Polizeipräsident den geforderten Umzug verboten hatte, ging man vom Gewcrk« schastshause in losem Zuge durch die Stadt zum Striegauer- platz, dem Orte des ewig unvergeßlichen Blutbades vom!S. April. Von dort— es waren mindestens 1200 Personen im Zuge— ging man nach dem'/4 Stunden entfernten Dörfchen Mariahöfchen, wo ein Konzert die Teilnehmer bis in den späten Nachmittag zu- sammenhielt. Ohne Polizeieinmischung ging der Spaziergang nicht ab. Am Wachtplatz trat plötzlich der aus dem.Krawall Prozeß" be kannte Polizeikommissar Schmidt mit einigen Polizisten mitten unter die Spaziergänger, sie zum.Auseinandergehen" barsch auf fordernd. Als die Führer des Zuges den Mann darauf aufmerksam machten, daß die Polizeivorschrift.Rechtsgehen" vor- schreibe, fuhr der Hüter dieser Vorschriften die Betreffenden mit den Worten an:.Lassen Sie die Vorschriften seinl' Und trieb mit viel Schneid und Eifer die Massen zur Hälfte nach links, wo sie in Gefahr gerieten, den Wagen und der Elektrischen in die Quere zu laufen und überfahren zu werdenl Etwas Ungeheuerliches ereignete sich kurz vor dem Striegauerplatze: Auf ein gegebenes Zeichen eines Vorgesetzten drang eine Anzahl Schutzleute in die Massen auf dem Trottoir und suchte sich mit abseits gehaltenen Ellenbogen und mit viel un- zarter Eile gewaltsam einenWeg mitten durch den Zug, der ganzen Länge entlangll Einen Augenblick lohte helle Entrüstung in den Masten auf. Dann aber erfüllte ein befteiendes schallendes Gelächter die Luft. Und keiner Silbe, keines Wortes mehr wurde diese Leistung gewürdigt. Bemerkt sei. daß in den vordersten Reihen der Polizisten der in der Dienstagnuinmer des.Vorwärts" so drastisch illustrierte Schutze mann Hoppe die Ordnung und Sicherheit aufrecht erhiell 1 1 Zornsprühend mußte er es geschehen lassen, daß man ihn den Mafien in ganzer Größe vorstellte... Abends fanden in der Stadt fünf große Versammlungen statt, die von insgesamt 6000 Personen besucht waren. Die in der Nähe deS Striegauerplatzes tagende Versammlung(im.Kronprinzen") war, nachdem man 2000 Personen in den Saal gelassen, schon lange vor Beginn Polizeisich abgesperrt. Tagsüber waren in der Stadt die Schutzmannsposten überall verdoppelt und verdreifacht, vielfach sogar durch herbeizitierte Gendarmen aus der weiteren Umgebung verstärtt worden. Ueber Erwarten günstig lauten auch die Berichte, die aus der Provinz einliefen. In Neumarkt und in Schmiedeberg konnten zum ersten Male Maiversammlungen stattfinden, die von 300 und 40V Personen besucht waren. Ebenso waren die Ver- sammlungen in S t r i e g a u, Hirschberg, Strehlen, Ohlau, Katt owttz, Neustadt. Neisse, Brieg, Freiburg. Gottesberg. Sagau. Bunzlau, Görlitz. Liegnitz, Haynau, Goldbera, Jauer, Reichenbach, Schweidnitz, Langenbtelau, sowie im L a n d kreise Breslau(P ö p e I w i tz, Gräbschen, Tschausch, Opperau und Mariahöfchen) nach den bis 1t Uhr ftüh eingelaufenen Berichten durchweg gut be- sucht. In Reichenbach und Langenbielau war die Beteisigung an- gesichtS der dort herrschenden Kriegsstimmung ganz besonders groß und lebhaft.... Als Kuriosum verdient noch folgendes Vorkommnis aus Striegau Erwähnung: Die Teilnehmer am Bormittagsspaziergang waren auf dem Spitzverge eingekehrt. Das Lokal dort oben ist städtisches Eigentum. Gegen Mttag erschien plötzlich m höchsteigener Person der gestrenge Bürgermeister, der ohne weiteres dem Wirt da« weitere Verabreichen von Speisen und Getränken an die Sozi untersagte! Da aber der größte Hunger und der erste Durst beim Eintreffen des Bürgermeisters be- reit« gelöscht waren, löste der Eifer deS staatSretterischen Bürgermeisters lediglich ew lautes Gelächter und unbändtge Heiterkeit aus.......... In Görlitz war die Zahl derzemgen. die durch Arbeitsruhe feierten, nicht so groß als wie im vorigen Jahre. DaS ist auf d,« Lohniämpfe am Orte zurückzuführen. Die«dendversammlung war stark besucht. Auch die Frauen waren zahlreich vertreten. In Leschwitz, Lauban und Langen ols fanden ebenfalls gut besuchte Versammlungen statt. In Marklissa und Umgegend war es das erste Mal möglich, eine Maiversaminlung abzuhalten, denn bisher stand kein Lokal zur Verfügung.-- In P rieb uS fand eine Vor- Arbeiter feierten fast vollzählig durch Arbeitsruhe. Stark besucht war auch die Versammlung in Penzig.— In Langenbielau fanden zwei starkbesuchte Versammlungen statt.— Ebenso war die Versammlung im nahen PeterSwaldau gut besucht. Sachsen. Leipzig sah eine gewaltige Kundgebung. Hatten die dies Jahr besonders rabiaten Aussperrungsaudrohungen der Unternehmer und auch der.Bremserlatz" des ParteivorstandeS die Befürchtung aufkommen lafien, die diesjährige Feier werde der vorjährigen nach- stehen, so kann nunmehr gesagt werden: die Feier von 1907 schloß ich der vorjährigen würdig an, ja unter den gegebenen Umständen war sie umfangreicher und glänzender als ihre Vorgängerin, es war eine wirklich imposante Demonstration. In sechs großen, zum Teil überfüllten Vormittagsversammlungen fand sich der größere Teil der Feiernden zusannnen, um von da aus nach dem Fleffcherplatze, dem Treffpunkte, abzurücken. Schlag 12 Uhr setzte sich die Masse in Bewegung, um im losen Zuge— den geschlossenen hatte die Polizei verboten— am Blücherplatz und den Bahnhöfen vorbei durch die Schützen-, die Tauchaer- und die Eisen- bohnstraße durch Reudnitz hindurch nach Stötteritz, dem langjährigen Maifeierorte der Leipziger Arbeiterschaft, zu wandern. Wohl 20 000 Menschen waren in Bewegung, etwa dreiviertel Stunde lang dehnte sich der Zug, denn ein solcher war es kotz alledem geworden, durch die Skaßen. Von der Posizei war nicht mehr zu sehen als sonst, sie hielt sich sehr reserviert und so verlies denn alles ohne Störung. An den verkehrsreichen SKatzenkreuzungen gelang es den Ordnern mit leichter Mühe die Massen entsprechend zu dirigieren. In ruhiger, ernster Weise demonstrierten die Leipziger Arbeiter für die Kulturf orderungen des Proletariats. Auf dem Festplatze empfingen den Zug die Weisen zweier Kapellen, die abwechselnd in der großen Festhalle und auf der Wiese spielten; die Festrede hielt Genosse L i p i n s k i. Auf dem grünen Rasen, der von der seit kurz vor Mittag warm scheinenden Sonne vom Frühregen getrocknet worden war, tummelten sich Alt und Jung beim Spiel und froher Unterhaltung. Die Gendarmerie war hier auch zurückhaltend. In Dresden begrüßten ein rauher Frühlingswind und ein feiner Sprühregen die feiernden Arbeiter, als sie morgens zu den angesetzten Festversammlungen gingen. Es waren sieben in ver- schiedenen Stadtteilen veranstaltet worden» sie waren alle gut be sucht. Es mögen insgesamt 8000 Arbeiter an den Vormittags� Versammlungen teilgenommen haben. Die Veranstaltungen ver- liefen ohne Störung bis auf die Versanimlung im„Trianon wo dem Genossen Menke das Wort entzogen wurde. als er das Königswort über.die Lust zu leben" in entsprechender Weise zitierte. Nach dem Versammlungsbesuche läßt sich auch der Umfang der Arbeitsruhe beurteilen. Auf den Bauten ruhte die Tätigkeit teilweise. Leider hat eine erhebliche Anzahl Maurer und Zinimerer nicht durch Arbeitsruhe gefeiert, ob ivohl ihnen nichts im Wege gestanden hätte. Am Nachnrittage war die Arbeitsruhe größer. Nach 1 Uhr mittags versammelten sich die feiernden Genossen auf dem großen Schiipenplatze, um sich zum F e st z u g e anzustellen, der wieder von der Polizei erlaubt worden war. Unter der Leitung von ö00 Ordnern bewegte sich der imposante Zug durch die Könueritz� straße, Stiftsstraße. Freibergerstraße, Ammonnstraße nach dem großen Gartenrestaurant Bergkeller bei Rücknitz, das bei weitem nicht alle Festteilnehmer fassen konnte. In Gruppen von etwa 100 Mann marschierten die Massen dahin, jede von einigen Ordnern geführt. Zwischen den einzelnen Gruppen mußte, der polizeilichen Anordnung gemäß, ein Zwischencaunr von einigen Metern bleiben. Der Vorbei marsch des Zuges währte l'/e Stunden. Etwa 18 000 Menschen, darunter viele Frauen, mögen daran teilgenommen haben. Bei Konzert und anderen Veranstaltungen verweilten die Massen am Festorte bis gegen Abend, wo sie sich in die Abend-Kommerie be gaben, 33 große Lokale nahmen sie auf; ausnahmslos waren die Säle überfüllt. In Chemnitz war die Vormittagsveranstaltung im Volks- Hause so stark besucht, daß der 1500 Personen fafiende Saal mit Galerien besetzt war und viele noch mit einem Stehplatze sich be- scheiden mußten: auch die anderen Wirtschaftsräume waren gefüllt. Schon am frühen Vormittage veränderte sich das gewöhnliche Straßenbild; die Polizei hatte großmütig die Erlaubnis gegeben, daß sich die Festteilnehmer aus de» verschiedenen Stadt- vierteln im losen Zuge nach dem Festlokal begeben konnten. DaS geschah. In musterhafter Ordnung bewegten sich die Züge auch nach ihrer Vereinigung die Zwickauerstraße entlang. Am Nachmittag wurde im Volkshause ein gutes Jnstrumentalkonzert Geboten. Der Saal war wiederum gefüllt. In verschiedenen Fabnken errschte am Nachmittage Arbcitsruhe. Am Abend füllten die De- monstransen die 15 Sale, in denen Kommers stattfand und Fest- reden gehalten wurden. Mindestens 15 000 Personen nahmen teil. I» Zwickau fanden sich die Genossen trotz mehrfacher Aus- sperrungsandrohungen(die Bauunternehmer z. B. proklamierten noch am Dienstag den Ausfperrungsukas) in bedeutend größerer Zahl als in den Borjahren zu der vormittags 11 Uhr im„Belvedere" anberaumten Fe st Versammlung ein. Abends waren in vier Lokalen F e st k o m m e r s e, die äußerst zahlreich besucht waren. In Crimmitschau fanden nachmittags Festkonzert der Stadtkapelle und abends in drei Sälen Festkommerse statt, die überfüllt waren. In Werdau versammelten sich die feiernden Arbeiter vor- mittags in der.Feuerkugel", Vereinigten sich nachmittags zum Festkonzert und abends zum Kommers im„B e r g l e l l e r". Auch hier waren die Veranstaltungen ausgezeichnet besucht. Die ArbeitSruhe war im Kreise nur bei einzelnen Berufen, wie z.B. Bauarbeitern, Steinmetzen, Schneidern, Töpfern usw. generell durchgeführt, im allgemeinen hielt sie sich in den Grenzen der Vorjahre. Der ganze Verlauf der Maifeier im 18. Kreise so- wohl wie im Agitationsbezirke hat aber deutlich bewiesen, daß die Arbeiterschaft nach wie vor den M a i f e i e rg e d a n k e n hochhält und ihm in jedem Jahre wirksameren Nachdruck zu verleihen ver- steht. Im ganzen Agitationsbezirke fanden mehr ols 30 überfüllte Abendtommerse resp. Festvcrsammlungen und drei Vormittags- Versammlungen statt, deren Teilnehmerzahl eine erfreulich starke Zunahme aufwies. Provinz Sachse». In Halle a. S. war, obgleich in leitenden Partei- und Gewerk- schaftskreisen heftig gebremst worden ist, die Beteiligung stärker als im Vorjahre. Abgesehen davon, daß sich die Bauhandwerker im Streik und eine Anzahl Tischler in der Aussperrung befinden, so haben auch andere Brauchen die Arbeitsruhe in wirksamerer Weise begangen als früher. In mehreren Maschinen- und Kefielfabriken ließen unter anderen rund 300 Metallarbeiter die Arbeit ruhen. An der Frühversamnllung im Bellevue beteiligten sich rund 3000 Per- sonen. Der Saaleingana war posizeilich abgesperrt und der Vorgarten war stark besetzt. Eine besondere Ueberraschung be- reitet«, die Angestellten der Stadtbahn den.friedliebenden Halleschen Bürgern". Als diese Arbeitswilligen früh ihre Strecke fahren wollten, ruhte auch h,«r die Arbeit. Die.©ideripenstigen' hatten in der ersten Mainacht eme Besprechung wegen Verkürzung der Dienstzeit— sie verlangen nichts weiter als die von der Re- gierung vorgeschriebene achtstündige Schicht, die an anderen Bahnen rnnegehatt«, wird— abhatten wollen; die kluge Polizei sah jene Lusammenkunft»ls«ine.unerlaubte«ersannnlung' an und löste die Geschichte auf. Am Moraen des 1. Mai in aller Frühe rückten die Twafcenbahner— der Letter d«S Betriebes tut sich darauf etwas zu gute, daß er immer„treugediente Soldaten" engagiert— dem Direktor auf die Bude und trugen ihm ihre Wünsche vor. Er lehnte ab. infolgedessen weit über jjtoei Drittel der Angestellten, etwa mitt�arsair-nlaM sWt. Di« hier:a d-r f-l-r-idw#.'-. beschäftigt m � ßun»«t Wann. M« Arbeit«edeilegte» De»»»«trieb stockt gewaltig: ab und zu rollt ein Wagen durch die Straßen. Die Polizei war wieder einmal ganz aus dem Häuschen. Nach Schluß der Frühversammlung sistierte sie rund 40 Personen wegen angeblicher Teilnahme an einem verbotenen Zuge zur Wache. An der Nachmittagsfeier im Volkspark, dem neuen eigenen Parteiheim, be- teiligten sich Taufende. Die Metallindnstriellen drohen mit Aussperrungen und die bürgerliche Presse kündigt die üblichen Maiprozesse an, ohne die es ja nun einmal in Halle nicht abgeht. Die Abendversamnilungen in den umliegenden Ortschaften von Halle waren zum teil überfüllt. Außergewöhnliche Störungen durch die Polizei sind, soweit bis jetzt bekannt, nicht vorgekonimen. Auch in den zum Verbreitungsbezirke des.Volksblatts", Halle, gehörigen Wahlkreisen war die Teilnahme an der Maifeier eine glänzende. In Zeitz war am Abend eine von 2000 Personen be- suchte Versammlung; Arbeitsruhe begingen dort 700 Personen. In Teuchern ließen 800 Personen die Arbeit ruhen, in Eilenburg 800. Im Wittenberg- Schweinitzer und im Torgau-Liebenwerdaer Kreise fanden stark besuchte Versammlungen statt. Im schwarzen Mansfelder Kreise, wo mehrere Versammlungen stattfanden, hatte man Vergnügungen inszeniert, die die Polizei nicht dulden wollte. Es wurden Straf- Mandate angekündigt. In Alsleben wollte die Polizei die Frauew in der Versammlung nicht dulden, gab aber schließ- sich nach. In Magdeburg blieb die Beteiligung an der Feier erheblich hinter den Vorjahren zurück. Die Zahl der Feiernden belief sich auf etwa 2500. Die sechs Vormittagsversammluuaen waren leidlich besucht; eine Versammlung wurde sogar posizeilAß abgesperrt. Da, wie alljährlich, die Veranstaltung eines Maizuges von der Posizei nicht gestattet worden war, so begaben sich die Genossen nach Schluß der Vormittagsversammlungen, die im Innern der Stadt stattfanden, in zwanglosen Gruppen nach dem in einem Vorort gelegenen großen Parteilokal.Luisenparl", wo Konzert und ähnliche Ver- anstaltungen arrangiert worden waren. Die sechs Abendversamm- lungen waren alle gut besucht. Die Absicht, in diesen Versamm- lungen das Urteil in dem Magdeburger Landfriedensbruchprozcß mitzuteilen, konnte nicht ausgeführt werden, da das Urteil erst um 11 Uhr gefällt wurde. Zahlreiche Genossen, unter denen sich auch viele auswärtige Radfahrer befanden, hatten sich nach dem Justiz- Palast begeben, um dort die Urteilsverkündigung abzuwarten. So kam vor dem Gebäude der„Gerechtigkeit" durch die vielen Menschen, die dort harrten, auch noch eine in ihrer Eigenart wirkungsvolle Maidemonstration zu stände. Hoffentlich wird darin der Staats- anwalt nicht auch noch groben Unfug, Aufruhr oder gar Landfriedens- bruch erblicken! Die Erfurter Parteigenosten waren in diesem Jahre von einer ausgesuchten Bosheit beseelt: sie haben durch die Art des Arrangements der Maifeier den Polizeietat über den Haufen ge- warfen. In den letzten Jahren nämlich konnte die.Hochwohllöb- liche" mit voller Bestimmtheit auf den Absatz etlicher Dutzende Sttaf- Mandate rechnen wegen angeblicher Ueberschreitung irgend welcher Paragraphen, durch die die heilige Ordnung auf der Straße durch barinlose Spaziergänger aus den Fugen gehoben worden sein sollte. In diesem Jahre nichts von alledem— noch nicht einmal ein armseliger Köter kam wieder auf den verwegenen Ge- danken, durch Aufstülpenlassen eines roten Zylinderhutes die „ordentlichen" Gefühle der berufsmäßigen Ordnungshüter zu ver- letzen. Es verzichtete in diesem Jahre die demonstrierende Arbeiter- schaft Erfurts aus den gewohnten Morgenspaziergang. Dafür fand sie sich in Scharen, verstärkt durch die Teilnehmer aus den um- liegenden Ortschaften, zu der ftüh um'/»IV Uhr angesetzten Festversammlung ein, die von etwa 1000 Personen besucht war. Die Arbeitsruhe kam durch die weit stärkere Beteiligung an den Nachmittagsveranstaltungen noch in viel höherem Maße als früh zun, Ausdruck. Am Abend fand eine gewalsige Maffenversamm- lung statt. In gleicher Weise, unter Betonung der Arbeitsruhe dort. wo die Verhältnisse eS irgend gestatten, wurde die Feier in Arn- st a d t, Suhl und anderen Orten begangen. In Mülhausen i. T h. herrschte Arbeitsruhe in einigen Be» trieben der Leder- und Holzbearbeitungsbranche. Die Textila industriellen hatten mit einer Aussperrung bis zum 13. Mai gedroht. Von den Feiemden untemahmen etwa 200 des Morgens einen ge» meinsamcn Ausflug in die Umgegend. Die MttagS-DemonsttationS- Versammlung war von etwa 650 Teilnehmem besucht. Am Abend fand eine stark besuchte Feier statt. Im benachbarten Lange»» s a l z a war eine gut besuchte Mittagversammlung. Dessau. In Dessau beteiligten sich am Bormittagsausflug nach Jonitz 250 Personen. Nachmittags fanden Konzert und Spiele in Burg- keller statt, abends stark besuchte Kommerse in zwei großen Lokalen. Thüringen. In Weimar waren zur Tagesfeier die Demonsttanten stärker �als in den Vorjahren versammelt, gegen 400 Teilnehmer wurden gezählt. Abends war die Versammlung überfüllt. In Apolda war die Beteiligung ebenfalls stärker als im Bor- jähre. Dort fand nachmittags eine starkbesuchte Versammlung statt. Die bereits erteilte Genehmigung zum Festzug war wieder zurückgezogen worden. In E i s e n a ch>- waren ursprünglich sämtliche Ver» anstaltungen durch den Gemeindevorstand verbeten worden. Durch den Bezirksdirektor wurde dies Verbot insoweit ausgehoben. daß das Konzert am Nachmittag sowie der KommerS und der Ball am Abend stattfinden durften unter der Bedingung, daß der Charakter einer öffentlichen Veranstaltung vermieden wurde. Der Arbeiterschaft von Jena wird besonders am 1. Mai Käß vor Augen geführt, daß sie minderen Rechts ist. Während beim Beginn des 1. Mai die Studenten, die Stützen von Thron und Mar, von Staat und Gesellschaft, nacht» um 12 Uhr einen Radauumzug veranstalten, verbietet man der Arbeiterschaft ohne Grund einen solchen Umzug am Tage aus- zuftihren. In den früheren Jahren veranstalteten bloß die Burschen- schaster emen solchen Umzug in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai. In diesem Jahre kam noch ein Umzug von Korpsstudenten am mittag deS 1. Mai zustande, just zu derselben Zeit, da der Umzug der Arbetterschaft stattfinden sollte. Aber uuge» achtet solcher aufreizenden Geschehnisse feierte daS Proletariat vonJena seinen Maientag. Bereits zu der Vormittagsversammlung waren 600 Genossen erschienen. Die Zahl der Teilnehmer an der Rachmittagsfeier auf dem Forst betrug 1500; die Zahl derer, die den Nachmittag durch ArbeitSruhe feierten. ist eine bedeutend größere gewesen— die Abendfeier, die im Volks- Haufe stattfand, war ebenfalls sehr stark besucht. Ein gut Teil Mit- glieder für die Partei und neue Leser auf die Weimarische»Bolls- zeitung" wurden gewonnen. Sonneberg(Sachscn-Meiningen) sah eine glänzende Feier. 1200 Personen nahmen am Festzug teil, 1500 an der Fest- Versammlung. In Altenburg war die ArbeitSruhe ebenso stark wie in den letzten Jahren. Rund 1000 Mann in Altenbuig und seiner nächsten Umgebung demonstrierten auf diese Weise. Die Arbeiter der Hut- fabriken und einiger anderer BeKiebe haben sich, wie seit Jahren. geschloffen an der Maifrier beteiligt. Bo.. den Bauarbeitern haben die Zimmerer ebenfalls geschloffen die Arbeit ruhen lafien. Bon den übrigen Bauberufen in der Stadt Menburg arbeitete ein größerer Teil als in den Vorjahren. Die Maurer des Bezirks der Zahlstelle Zechau feierten dagegen geschlossen. Vormittags fand ein Spazier- gang statt, um 10 Uhr die Versammlung, an der 800 Personen teil» Ilm 2 Uhr uachmtNags MzanstaUetro die Tteittiftndot rtntn Massenspaziergang w einige mnliegende Orte, die Abend feier fand in zwei Lokalen statt. Beide Veranstaltungen waren über füllt. Durch Androhung von Aussperrung haben die Unternehmer des Ländchens die Bergarbeiter, die Porzellanarbeiter und die EtuiS» arbeitcr von der etwaigen Begehung der Maifeier durch Arbeitsruhe abgehalten. Aus Gotha wird berichtet: Der Wunsch und die Hoffnung unserer Widersacher, die Idee dcS 1. Mai flaue ab. die Arbeiter hätten es aufgegeben, an diesein Tage zu demonstrieren, ist abermals gänzlich zuschande.il geworden. Trotzdem dir grostte Fabrik, die zirka 700 A rb ei t e r beschäftigt, die W a g g o n f a b r i k, die Feier am Tage verboten hatte, war früh schon die Beteiligung«ine rege. Im„Mohren", dem neueröffneten Gewerkschaftshaus, wo Konzert stattfand, ivaren um 10 Uhr schon alle Räume besetzt. Beim NachmittggSkonzert war die Beteiligung bedeutend stärker. Ilm ö Uhr abends brach die Kapelle ab und marschiert« vor die Waggonfabrik, wo die nicht feiern bürfeiiden Arbeiter abgeholt wurden. Einen großartigeren Zug von Arbeitermassen hat Gotha wohl nie gesehen. Tausend e,uud Abertausende von Menschen standen Spalier und in allen Häusern waren die Fenster geöffnet, die Arbeiter zu sehen, die jetzt mit Musik nach dem GewerlschaftShauS marschierten. Alle Geschirre und auch Autos mußten Halt machen vor der nicht zu zählenden Menge. Das war der Erfolg des Feierverbots, das jedenfalls auch weitere Früchte tragen wird. Vor einer gewaltigen Menschenmasse, wurde im Festlokal die Mairede gehalten. In Nordhausen hatten sich morgens an 600 Teilnehmer eingefunden. Noch nie war eine solch zahlreiche Beteiligung zu ver- zeichnen. Gegen 0'/3 Uhr zogen die Genossen in dichten Scharen durch die Straßen der Stadt nach dem Versammlungslokal. Der Nachniittag vereinigte die Parteigenossen auf dem nahen Schuzsell. Abends fand eine imposante Feier statt. In Frankenhausen am Kyffhäuser demonswierten die Bau« arbeiter durch ArbeitMlhe. Am Nachmittag veranstalteten die Gewerk- schaften einen Ausflug, an dem 600 Genossen teilnahmen. Bei der Abendfeier vor das Festlokal überfüllt. Die Vormittagsversammlung in Gera war trotz Drohung mit Aussperrung zahlreicher noch besucht als in den Vorjahren. Nach- mittags fand ein äußerst stark besuchtes Konzert statt, abends 16 Volksversammlungen in Gera und Umgegend, die zum Teil überfüllt, aber viel stärker besucht waren als in früheren Jahren. In Greiz wurde die Feier mit der Verbreitung eines Flug> blattes eingeleitet. Früh vor 0 Uhr. als die Proletarier und Prole- tarierinnen zur Arbeit gingen, standen unsere Genossen vor den Fabrikeingängen und verteilten das Flugblatt, das die geschichtliche Entwickelung der Maifeier und die Forderungen, die sich an die Maifeier knüpften, enthielt, in 10 000 Exemplaren. Ein Morgen« spaziergang wurde durch die Witterung ungünstig beeinflußt. In der Mittagsstunde fand eine Versammlung statt, an der 400 Per« sonen teilnahmen. Nachmittags hatte ein Spaziergang zahlreiche Beteiligung aufzuweisen. Am Abend fand eine stark besuchte Feier statt. Die Textil- arbeiter konnten die Arbelt nicht ruhen lassen. Am Nachmittags« ausflug aber beteiligten sich Brauer, BauhülfSarbeiter, Maurer, Töpfer, Tischler, Steinmetzen, Schneider, Tabakarbeiter, Transport- arbeiter, Maler und verschiedene andere Gewerbe. Es war die zweite Maifeier in Greiz, bei der von einer Arbeitsruhe im weiteren Sinne die Rede sein kann. Die umliegenden Ortschaften hatten starkbesuchte Abendfeiern. Westfalen. Die Feier im Wahlkreise Dortmund-Hörde litt sehr unter der Ungunst der Witterung, doch war abermals eine stärkere Beteiligung gegen daS Vorjahr zu verzeich n e n. Ursprünglich sollte sie in Huckarde stattfinden, doch das dortige Hauptfestlokal wurde vor etwa 14 Tagen abgetrieben. So fand die Feier dann in Brüninghausen, einem Vorort der Stadt Dortmund statt, wo vier große Lokale mit schönen Garten« anlagen zur Verfügung standen. Während in früheren Jahren die Genossen des Wahlkreises am frühen Morgen sich zu einem ein« heitlichen DemonstrationSzug zusammenfanden, war diesmal eine Einteilung der Orte erfolgt, so daß sich vier große DemonstrationSzüge nach dem Festort bewegten. Der größte Zug zählte wohl 8000 Demonstranten, die Gesamt« zahl der Teilnehmer wird auf 18— 20 000 geschätzt. Die Polizei verhielt sich im großen und ganzen zurückhaltend, nur in der Stadt Dortmund machte sie viele Schwierigkeiten. Ein größeres Gewerkschaftslokal war von siebzehn Polizisten belagert, die verhinderten, daß sich die Genoffen in größeren Trupps durch die Stadt bewegten. Und schließlich war die Mühe doch wieder vergebens gewesen: plötzlich wogte die Haupt- straße zu den Lokalen doch von Tausenden von Demonstranten Aber die Bourgeoisie der Stadt sah wenig von der Demonstration und damit ist die Behörde befriedigt. Bürgertum und Polizei der Stadt Dortmund sind Anhänger der Vogelstraußpolitik. In den Festlokalen wurden bis zum Eintritt der Dunkelheit Konzerte abgehalten, mittags 1 Uhr tagten drei groß« Fest- Versammlungen. Bemerkenswertist, daß MeBergarbeiter des Kreises in immer größerer Zahl durch Arbeits« ruhe feiern. Eine Zeche in der Nähe des Fcstortes hatte ihren Betrieb fast völlig einstellen müssen, auf anderen Zechen erlitt der Betrieb recht erhebliche Sin- schränkung. Im Wahlkreise Bochum hatte dt« Feier unter zwei Uebel ständen leiden: an Lokalmangel und an schlechter Witterung. Da e» nicht möglich war, die Feier, wie es zuerst beabsichtigt war, gen, einsam für den ganzen Kreis in der Stadt Bochum abzuhalten, weil es an den Lokalitäten fehlte, so feierten die einzelnen Distrikte für sich. DeS Morgens sind die Volksversammlungen sämtlich sehr gut besucht gewesen. Rachmittags hatten die die Bochumer Genoffen eine Feier in einem nahe der Stadt ge- legenen Gartenlokale beabsichtigt. Sie litt aber unter der Unbill der Witterung. Den ganzen Nachmittag regnete«S Bindfaden. DeS Abends haben sich die Bochumer Genossen in ihren BezirkSlokalen beim Glase Bier versammelt. Im Distrikt Harpen war die Feier von der Behörde wegen der dort herrschenden Genickstarre verboten. In Harpen herrscht die Genickstarr« nicht schlimmer In Duisburg selbst, wo zum ersten Male eine vormittags- Versammlung arrangiert war. war daS annähernd 500 Personen fassende Versammlungslokal bis auf den letzten Platz besetzt. An den, NachmittagSaiiSfluge beteiligten sich zirka 1000 Personen. Mülheim verzeichnete rund 300 Ausflügler. Die Versammlung war von etwa 400 Personen besucht. In Ruhrort-Saar, unter den Augen der Jndustriekönige, waren etwa 400 Per- sonen an dem AuSfluge beteiligt, die Abendversammlung ivies rund 600 Personen auf, mehr konnten nämlich nicht in den Saal. In Oberhausen war die Vormittagsversammlung von annähernd 300 Personen besucht. In Heißen, einem Bergarbeiter- dorfe, waren in der NachmittaoSversanmilung 150 Personen an- wesend, in Styrum, gleichfalls einem Jndustriedorfe, 300 Per- sonen. Die Festlichkeiten, die für den Abend arrangiert waren, waren sämtlich zum brechen voll. Im Wuppertal ist die Maifeier stets ungünstig beeinflußt gewesen durch den allgemeinen Wohnungswechsel, der an diesem Tage stattfindet. Dennoch ist auch hier die Teilnehmerzahl von Jahr zu Jahr gestiegen. In Elberfeld«Barmen ivar das Arrangement wie in früheren Jahren: Vormittags in beiden Städten je eine Versammlung, nachmittag? gemeinsamer Ausflug und abends Festlichkeiten in beiden Städten. Ein Unterschied und Fortschritt ist in diesem Jahre insofern zu verzeichnen, daß die Fest- lichkeiten des Abend? statt wie bisher in zwei diesmal in vier Lokalen stattfanden, und die VormittagSversammlungen um 10 statt wie bisher um 11 Uhr angesetzt waren. So wollte man eine sicherere Uebersicht über die Zahl der wirklich Feiernden erhalten. Trotz der früheren Stunde waren die Versammlungen besser besucht als im vorigen Jahr. In Elberfeld waren 700 Personen, in Barmen 000 anwesend. Die Stimmung war in beiden Versammlungen eine vorzügliche. Obwohl der Ausflug unter der ungünstigen Witterung zu leiden hatte, haben sich 1500 Personen daran beteiligt, die vier Festlokale des Abends waren überfüllt. Die„Niedergerittenen" haben ihr Mai- fest in diesem Jahre unter bedeutend zahlreicherer Beteiligung ge- feiert, denn je zuvor. In Remscheid waren gleichfalls die Genossen von dem Ver« lauf der Maifeier hochbefriedigt. Zu der Nachmittagsversammlung hatten sich 000 Personen eingefunden und die Versammlung am Abend, die in dem großen Saale der Konzerthalle.Germania" statt- fand, war von 1200 Personen besucht. In Köln wurde die Feier vormittags mit einer glänzenden Ver« ammlung im Volkshause eingeleitet. Saal und Galerien waren bis auf den letzten Stehplatz gefüllt. 2000 Teilnehmer waren erschienen. Da in Preußen der Maiumzug grundsätzlich nicht genehmigt wird, hatten die Kölner Parteigenossen seit 15 Jahren am Nachmittag des 1. Mai einen zwanglosen Spaziergang veranstaltet. Im vorigen Jahre er« klärte die Kölner Polizei mit einem Male den bi« dahin stets un- beanstandet gebliebenen Spaziergang für einen„öffentlichen Auf« zug" und die stehende Phrase von der gefährdeten Ordnung und Sicherheit mußte zur Begründung des Verbots dienen. Nachher wurden sogar die Mitglieder der Maikommission auf Grund der Plakate und Jnserate wegen Aufforde- rung zu einem polizeilich nicht genehmigten Aufzuge zerichtlich bestraft. Infolge dessen mußte in diesem Jahre jede Sin- adung zu eine», Spaziergange unterlassen werden. Dennoch fanden ich am Nachmittag ün, 2 Uhr im Volkshause wohl eineinhalb Tausend Genossen und Genossinnen ein. die sich nach kurzer� Zeit langsam in losem Zuge in Bewegung setzten, sich durch die Stadt, am Dom vorüber über die feste Brücke auf die andere Rheinseite nach Deutz begaben, um dort in dem großen Gartenlokale der Mlll- heimer Torburg bis gegen Abend zu verweilen. Am Abend fanden in Köln und nächster Umgebung vierzehn große Festversammlungen statt, die sämtlich überfüllt waren. als in den übrigen Jndustrieorten. Den Bürgerlichen war dort die Abhaltung einer Matabendfeier gestattet. In Herne, Wanne. Gelsen kirchen, Wattenscheid, Laer wurden am Morgen gut besuchte Volks versau, mlungen abgehalten, am Nachmittag versammelten sich die Genossen mit ihren Frauen in den BezirkSlokalen bei Konzert und Vorträgen. Der Distrikt Weitmar. Sttegel. Dahlhausen veranstaltete am Morgen zwei gut besuchte Versammlungen, am Nachmittage wurde in einem Lokale in Horst gefeiert, desgleichen feierten die Distrikte Linden, Hattingen, Witten und Langendreer. Die Be- teiligung war in diesem Jahre überall größer als in den vorher« . itungen und Marken oben sich an der Feier gehenden! es wurden u. a. auch viel mehr verkauft als früher. Etwa 4000 Personen beteiligt. Im Wahlkreise Hamm-Soest nahm die Feier einen prächtigen Verlauf. Die Zahl derjenigen, die durch Arbeitsruhe feierten, hat sich gegen das Vorjahr verdreifacht. An der Zentral- feier nahmen zirka 1200 Personen teil. Rheinland In Krefeld stärkere Beteiligung--------------„ Zahl der Feiernden war größer, hauptiächlich waren e« Angehörige der Baubranche, die dmch SrbeitSruhe feierten. Etwa 400 Personen machte sich gegen das Vorjahr eine bedeutend an der Vormittagsversammlung bemerkbar. Die besuchten die Vormittagsversammlung. Nachmittag», und Abendfestlichkeit Die Nachmittag»- und Abendfestlichkett mußte in zwei großen Lokalen stattfinden. Das städtische Lokal, das die Benoffen früher benutzten, hatte man ihnen dieses Jahr verweigert. Die Lokale waren überfüllt. Im Wahlkreis« Duisburg war trotz des strömenden der fast winterlichen ßäU$ Ms gstac(tas{& Uttaftc. Hessen-Nassau. Im Bezirk Kassel hat die Feier Fortschritte gemacht. Aller- dingS war der äußer« Eindruck nicht dem des vorigen Jahres gleich. da die organisierten Holzarbeiter— die seither wohl an die taufend Mann zu dem Kontingent der durch ArbeitSruhe Feiernden stellten— beschloffen hatten, von der Proklamierung der ArbeitSruhe abzusehen. Lediglich, um den im Kampfe stehenden Brüdern Munition zuführen zu können; nicht etwa, weil die Kasseler Unternehmer der Holzbranche ziemlich post ksstum den Feiernden eine 3 tägig« AuSsperrnng angedroht hatten. Die Stimmung der Feiernden war vorzüglich. Es fanden im Bezirke insgesamt 14 Versammlungen statt, davon sechs in der Stadt Kastel und den Vororten und acht im Osten der benachbarten Kreise. In Frankfurt a. M. fanden wie im Vorjahre sieben Morgen- Versammlungen statt, die von zirka 5000 Feiernden besucht waren, In der Holzindustrie feierten trotz erfolgter AuSsperrungSandrohung über zwei Drittel der am Orte Beschäftsgten; besonders stark wurde diesmal auch in der Metallindustrie durch ArbeitSruhe demonstriert. In den Versammlungen herrschte kampfeSsrohe Stimmung. Am Abend fanden in den Vororten Niederrad und Hausen zwei weitere Versammlungen statt. Auch diese Versammlungen nahmen einen guten Verlauf. Am Nachmittag fanden sich die Parteigenossen trotz der kühlen Witterung mit ihren Familienangehörigen zu Tausenden auf einige Stunden zu frohem Beisammensein im Tivoligarten ein. Hessen-Darmstadt. In Mainz war die Feier stärker als je. Am Vormittag ver- einigten sich im Pflug S00 Feiernde. Am Nachmittagsausflug nach Kostheim nahmen über 700 teil. Die vbendddemonstratton ig der Stadthalle wie» 4000 Besucher auf. In den Orten Weisenau, Bietzen« heim, Gonsenheim, war die Beteiligung sebr gut, in Worms war ein starker Aufschwung zu konstatteren. öOO Feiernd« versammelten sich. Abends war das GewerkschastShauS überfüllt. Aus Offenbach wird geschrieben: Die Feier stand im Mittelpunkt eines wirtschaftlichen Kampfes von noch nicht abzu- sehender Tragweite. Die Forderung der Arbeiter der hiefigen Maschinenfabriken auf Einführung des Neunstundentage« führte zur ArbeitSruhe- von fast 2000 fleißigen strebsamen Menschen, die das sonst auch recht ansehnliche Heer der durch ArbeitSruhe Demonstrierenden nicht unwesentlich verstärkten. Die Offenbachcr Dachdeckermeister über- räschten ihre Gehülfen am Vorabend des 1; Mai mit der Mitteilung, wer am 1. Mai die Arbeit ruhen lasse, müsse dann noch zwei weitere Tage feiern. Und dabei haben diese Arbeiter ein tariflich ver- b riefte» Recht auf den Arbeiterfeiertag. Auch die terren Bauunternehmer hielten eS für geraten, noch besonder« durch »schlag vor dem Feiern am 1. Mai zu warnen, allerding« mit den, Erfolg, daß sich aus fast allen Bauten keine Hand rührte. Die vormittags 10' Uhr einberufene Versammlung war denn auch die bisher am besten besuchteste, die Räume de» größten hiesigen SaaleS im Gewerkschaftshause waren überfüllt. Sin Festzug. wie er fich nachmittag« Uhr durch die Straßen der Stadt bewegte, hatte einen Umfang, wie noch in keinem der Borjahre. Allein die Gruppe der Metallarbeiter bildete schon einen ganz respektablen Zug stlr sick. dann kamen die Maurer, von denen kaum einer der hier beschäftigten am Zuge nicht teilnahm. In großer Zahl waren noch beteiligt dir Holzarbeiter, Portefeutller. Sattler, HülsSarborer. Schuhmacher usw. Ferner sah man im Zuge die Stadlverordnetenftaktion, die Jugendorganisatton, den Berem der Gemeindearbeiter, zum erstenmal auch die Organisation der Metzger, sowie eine Anzahl Radfahrervereine, die die Spitze bildeten. Wohl gingen Regen« und Hagelschauer während de» ZuaeS nieder. ohne aber die Ordnung und Feststimmung zu de« einträchtigen. Im Gewerkschaftshause, wo»er Zug sein Ende fand. vergnügten fich dann noch die Festteilnehmer. die in dem großen Raum des ArbciterheimS kaum Platz fanden. bei Konzert und alleriet Bolksbelusttgnngen.— In» Kreise Ostenbach« Dieburg fanden am 1. Mai selbst über 3» Versammlungen statt. Bormittag«. Versammlungen waren außer in Offenbach noch in Isenburg untz Bieler arrangiert, in Obertshausen fand nachmittag« Versammlung statt. Umzüge waren noch außer in Offenbach in Bürgel. Mühl« heim, Obertshausen und Dietzenbach vorgesehen. Vielfach wurde auch der Morgen zu Susflügen benutzt, freilich war die Witterung solchem Beginnen wenig forderlich. Ja besonderer weis««rüg die»« .... �...--' H d«xN mehrfarbigen Drutt sowie in besserer Ausstattung die DlenStagS» ausgäbe als besondere Festnummer charakterisierte. Baden. Die Feier in Mannheim leidet unter der gleichzeitig er« öffneten JubiläumS-AnSstellung. Eine große Zahl von Arbeitern war noch mit der Fertigstellung der Arbeiten aus dem AusstellmigS« terrain beschäftigt und daher nicht in der Lage, zu feiern. Weiler war der für die Mannheimer Arbeiterschaft so wichtig gewordene Nibelungensaal des Rosengartens nicht zu haben, weil das Gebäude in daS- AuSstellungSgebtet eingeschlossen wurde und für eine Abend- Versammlung daher nicht zu beschaffen war. ES mußte daher bei einer Bormittagsversammlung im Saalban-Theater sein Bewenden haben. Diese Versammlung aber war so stark besucht, daß der Saal bis auf das letzte Plätzchen besetzt war. Die Zahl der Teilnehmer ist daher auf mindestens 1200 zu schätzen. Eine noch größere Zahl vo» Genossen und ihren Familien vereinigte der NachmittagsauSflug nach Seckenheim, wo im Schloßrestaurant auch viele Genossen aus nahe gelegenen kleineren Ortschaften begrüßt werden konnten. Auch in vielen anderen Orten des 11. badischen Reichstags« Wahlkreises wurde der Tag in würdiger Weise begangen. Die Ge« nassen von Ladenburg und W a l l st a d t versammelten sich des Vormittags, während in Feudenheim. Friedrichsfeld. Hcddcs« heim, Hemsbach. Hockenheim, Ilvesheim, Neckarau. Oftersheim. Rheinau. Sandhofen, Schwetzingen, Seckenheim, Waldhof und Weii� heim große Abendversaniinlungen den Tag auszeichneten. Die Be- teiligung war überall recht rege. Württemberg. In Stuttgart nahm die Feier befriedigenden Verlauf. Vor« mittag» waren vier Berufsversammlungen von etwa 3000 Personen gefüllt. Der Nachmittagsfestzug wies 4500 Teilnehmer auf. Abends fanden fünf Feiern statt. In Eßlingen wie» der MiitagSfestzug 1500 Teilnehmer auf, in Heilbroni, 1000. Die Abendseier war glänzend besucht. Weitere schöne Festzüge lind zu melden aus Feuerbach, Zuffenhausen, Göppingen und Gmünd, Abendfeiern außerdem aus Ludwigsburg, Kirchheim, Heidenheim, Schramberg und anderen Orten. Bayern. Aus München wird uns geschrieben: Alljährlich wird von der staatserhaltenden Presse über den Welt« feiertag der roten Internationalen gewitzelt und jedes Jahr wird mit aller Bestimmtheit versichert, daß eS mit der Maifeier bergab gehe. Nun, nach dem großen Niederreiten, muß sich die Blockpresse selbst Lügen strafen und schüchtern konstatieren, daß die Beteiligung der Münchener Arbeiterschaft an der Maifeier einen größeren Umfang angenommen hat als je zuvor. Mit der stetig fortschreitenden Erstarkung der gewerkschaftlichen und politischen Organisation hielt auch die Arbeitsruhe am heutigen 1. Mai gleichen Schritt. Daher war die Zahl der Maifeiernden größer als ze zuvor. Für heuer hatte der Gewerkschaftsverein — zum ersten Male— vormittags 10 Uhr Branchen-Versammlungen veranstaltet, die Probe ist glänzend gelungen. Der Besuch der Versammlungen war geradezu enorm. Die H o l z a r b ei ter füllten den großen Festsaal der Mathäser- brauerei bis auf den letzten Platz, die Metallarbeiter ver- sammelten sich in der S ch w a b i n g e r Brauerei und im Lehrer- saal des Kolosseums, die Schuhmacher, Hutmacher, Lederarbeiter und Handschuhmacher im GescllschaftS- hause zur Lacke, die Bauarbeiter füllten den Riesensaal des Münchener KindlkellerS bis in den äußersten Winkel, die S ch n e i d e r und Schneiderinnen versammelten sich im zweiten Stock, die Sattler, Tapezierer und Maler im ersten Stock der e n t r a l s ä l e und die F a b r i k a r b e i t e r in den Kolosseums« ierhallen. Außerdem hielten noch vormittags stark besuchte Ver- sammlungen ab die H a f e n- und die Handels« und Tran«- port-Arbeiter. Mittags 1 Uhr versammelten sich die Arbeiter der Nahrungsmittelbranche im„Orientalischen Eafö" und die Brauereiarbeiter im„Klostergarten". Nach approximativer Schätzung mögen 20— 25000 Arbeiter und Arbeiterinnen gefeiert haben. Abends fanden weiter drei Versammlungen statt, die eben- 'alls überfüllt waren. Der für Nachmittag« angesetzte Ausflug mußte wegen des schon vormittags einsetzenden Regenwetters unterbleiben. Die Bau« arbeiter ttoyten der Witterung und machten dennoch einen Aus- flug nach Pullach. Die öffentliche Gewalt hat in den 17 Jahren, in denen das international« Proletariat den Weltfeiertag begeht, weder etwas ge- lernt noch vergessen. Nach einem Kommandanturbefehl hatte das Militär Bereitschaft; das gleiche war bei der Schutzmannschast der Fall. Zu tun gab's aber nichts. Die Arbeiterschaft Pasings feierte den 1. Mai ebenfalls durch ArbeitSruhe. Nachmittag« 4 Uhr fand im Gasthofe„Zur Post" eine Familienunterhaltung statt, die sich eine« sehr starken Besuches erfteute. In Ingolstadt fand eine imposant besuchte Bersamm« lung statt. Die Feier in Nürnberg nahm imposanten Verlauf. Die Zahl der Feiernden war bedeutend größer, al« man im voraus an- genommen hatte. Ein starkes Kontingent zu den Demonstranten stellten die Holzarbeiter. Die größten Möbelfabriken lagen voll- ständig still, außerdem dt« meisten Kleinbetriebe. Der Holz« mdustriellenverband hatte Maßnahmen gegen die etwaige Arbeits- ruhe erwogen, die Herren waren aber anscheinend nicht einig geworden, denn der Verband überließ'«S jedem einzelnen seiner Mitglieder, vorzugehen, wie e« ihm beliebt«. Hier wird die Feier wohl keine weiteren Folgen haben. Auch einige hundert Bleistiftarbeiter begingen die Feier durch ArbeitSruhe. gerner ließ der größte Teil der Lauerbeiter sMaurer, Steinhauer, HülfSarbeiter usw.) die Arbeit ruhen, so daß die meisten Bauten stilllagen. Der Verband der Arbeitgeber im Baugewerbe ließ Plakate anschlagen mit der Ankündigung, daß alle Feiernden bi« zum 3. Mai ausgesperrt würden, allein baS scheint nur ein Schreckschuß gewesen zu sein, die Bauunternehmer find bei der regen Bautätigkeit froh. wenn sie arbeiten lassen können. Ursprünglich wollte» sie gar drei Tage lang aussperren. In unzähligen klemen Werkstätten aller Branchen wurde ebenfall« vollständig gefeiert. Die großen Betriebe der Metallindustrie blieben dagegen von der Feier ziemlich un« berührt, da eine groß« Mnorttat sich unter Berücksichtigung der desonderen Verhältnisse gegen die ArbeitSruhe ausgesprochen hatte. Für die Feiernden wurden am Vormittag drei große Ver« sammlungen abgehalten, die total überfüllt waren und von einer begeisterten Sttmmung getragen wurden. In die Resolution wurde auch ein Protest gegen den ZeugniSzwang eingeflochten. Genosse Schlegel hatte au« seiner.Folterkammer' in Kulnibach einen poetischen Gruß geschickt, in dem er die Toren verspottet, die hoffen, daß er durch lang« Hast die Geduld verlieren und zum Ver- räter werde. Mittags versammelten sich die Feiernden auf dem Ziegelsteiner grlsenkeller. wacker der kühlen unfreundlichen Witterung trotzend. Abend» wurde die Feier durch ein Konzert im Beckengarten beschloffen. In Fürth war die Arbeitsruhe wiederum stärker als in Bor« jähren. Vormittags fand eine riesig besuchte Versammlung, nach- mittags trotz Umzugsverbot ein großer gemeinschaftlicher Spazier« gang statt. Die Teilnehmerzahl belief fich auf etwa 3000. Im Wahlkreis« Hof war die Beteiligung in keinem Iah» eine solch starke wie dieSmalf: selbst in dem wirtschaftlich wie politisch zurückgebliebenen Frankenwald, wo seither nicht im entferntesten daran gedacht werden konnte, das Maifest zu feiern, ließ eine Anzahl Genossen die Arbeit ruhen und nah», an Demonstrationen teil. In der Stadt H o f fand am B o r m i t t a g eine überfüllte ver« sammlung statt. Im Vorjahre war et nur infolge de« Maurerstreiks. der gerade tobte, möglich gewesen, eine Vormittagsversammlung ab- zuhalten; heuer feierten nahezu sämtliche Maurer und BauhülfS« arbeiter. sodaß der Bestich wesentlich stärker war als im Borjahre. Nachmittags fand ein gemeinsamer Spaziergang nach dem Theresien« stein statt, w» fich Hundert« von Pri-kM"-»«st statt. Dort haben die Steinindustriellen unter indirekter Führung des„freisinnigen" Reichstags� abgeordneten Dr. G oller durch frivol herbeigeführte Tarist Herabsetzung die Arbeiter in einen Streik gehetzt, der S— 700 Arbeiter des Fichtelgebirge« in Mitleidenschaft gezogen. Die Hauptfeier am Abend war gleichfalls überfüllt. Weiter fandcit noch Veranstaltungen statt in Selb, Rehau, Münchberg. Oberkotzau, Helmbrechts, Naila, Konradsreuth, Schwarzenbach am Wald, Möschen- dorf, Unterkotzau, so dah die Maifeier an insgesamt zwölf Orten des Kreises begangen wurde. Elsaß. Zu Etrastburg war die Teilnahme an der Vormittags- Versammlung und am Ausflug ein klein wenig schwälber als im Vor» jähre— an der Versammlung nahnien 400 Personen, am Ausflug SOV Genossen und Genossinnen teil. An Polizei fehlte eS natürlich nicht.«ie langweilte sich furchtbar und war froh, wenigstens ein Staatsverbrechen konstatieren zu können. Auf der Rückfahrt sangen Genossen im Straßenbahnwagen, woram die Polizei den Wagen halten lie» und sämtliche Insassen protokollierte. Die Avendversammlung war gut besucht. DaS hiesige demokratische französische Organ, das im vorigen Jahre seinem Personal den Tag freigab, das Blatt ausfallen ließ und dies in einem Artikel begründete, gab diesmal den Maitag nicht frei. Schiltigheim-Mschheim hatte eine imposante Feier. In Metz nahmen 2000 Personen am Spaziergang teil, ein Umzug war ver- boten worden. In der stark besuchten Versammlung sprachen Schön in deutscher Schleicher in französischer Sprache. Tie Maifeier in Oesterreich. Aus Wien wird uns vom 1. Mai telegraphiert: Zwei Momente gaben der diesjährigen Maifeier das Aepräge. Sie war der Siegestag des Gedankens, der die Maifeier in Oesterreich von Anbeginn unauflöslich begleitet hat. der Siegestag des allgemeinen und gleichen Wahlrechts, das, durch siebzehn Jahre an diesem Tage als die politische Grundfordcrung des österreichischen Proletariats verkündet, nun Wahrheit geworden ist. Und sie war der Maientag im Wahljahre: die Maihoffnung, deren Erfüllung der Wahltag in zwei Wochen bringen soll. Das gab der heurigen Maifeier eine merkwürdige Stiminung, eine Stimmung, die jeden Teilnehmer in ihren Bann zog und die zwischen stolzer Genugtuung über das Erreichte und der Um ruhe, welche Neuwahlen immer erzeugen, schwankend sich bo wegte. In Wien wurde das übliche Fest im Prater am späten Nachmittag durch einen Regenguß beeinträchtigt, der zum vor zeitigen Aufbruch zwang. Dagegen war der Demonstrationszug in den Prater, das große Schaustück der Wiener Feier, so wuchtig und gewaltig wie nur jemals: im hellen Sonnenschein zogen an hunderttausend Arbeiter und Arbeiterinnen, mit roten Nelken und Maifestzeichen geschmückt,— das schöne Maizeichen zeigt diesmal einen vor die Wahlurne tretenden Arbeiter— über die prunkvolle Ringstraße in den Prater, wo sie die vorher bestimmten Lokale in Massen füllten. Vormittags wurden in Wien 37 BolkSversammlungeu und 38 Brauchenversammlungeu abgehalten, darunter— eine Internationale im kleinen— etwa fünfzehn tschechische, zwei polnische, eine ruthenische und zwei ungarische Versammlungen. Selbstverständlich sind heute in Wien(und auch in den größeren Städten wie Prag, Graz usw.) am Nü chmittag keine Zeitungen erschienen. Soweit die Nachrichten vorliegen, war die Beteiligung auch in der Provinz sehr stark. In Niederösterreich fanden allein vormittags in Ä Orten Versammlungen statt. Außer ordentlich wuchtig war die Beteiligung in dem industriellen Böhmen(Teplitz, Karlsbad, Gablonz usw.) i schwächer dürfte sie tm Texttlgebiete gewesen sein, wo die Arbeiter von scharst macherischen Unternehmervereiniguugen sehr bedrängt sind. Die Bergarbeiter haben fast ausnahmslos gefeiert. Besonders eindrucksvoll war die Feier der tschechischen Genossen in Prag, die am Vorabend in allen Prager Theatern Festvorstellungen hatten und heute von zwei Massenversamm lungen aus einen wuchtigen Umzug veranstalteten, an dem 100000 Arbeiter teilnahmen. Auch in Galizien und in den Sudetenländern wurde der Festtag überall gefeiert, wo die Industrie proletarische Kräfte entfesselt. Nach den Berichten ist die Feier überall würdevoll und friedlich verlaufen. In London. Aus London erhalten wir folgendes Telegramm vom 1. Mai: An der heutigen Demonstration nahmen 10 000 Sozialisten und Gewerkschaftler teil. Besonders anziehend war der Zug von 1000 Schulkindern. Im Hydepark waren sechs Tribünen errichtet. Von der ersten sprachen die Vertreter der sozialistischen Sonntagsschulen: Cossip, Frau Spink», Frl. Macmillan, der Arbeiterabgeordnete Macyherson (früherer Schüler de» RuSkin-Kollege in Oxford). Bon der zweiten sprachen Genossin Bondfield(Ladengehülfin). der Arbeiterabgeordnete W. Thorne,. Curran(GaSarbeiter), Brill(Kohlenträger), Morrison (Möbeltischler), Daly(Schneider). Von der dritten sprachen Ouelch (Sozialdemokratische Föderation), der Arbeiterabgeordnete ClyneS, Humphray«(Militärschneider). Jsraelstam(Vertreter der Sozialisten Johannesburgs). Von der vierten sprachen u. a. der«rbeiterabge ordnete O'Grady, Stephenson(Mechaniker). I. Macdonald(Londoner Gewerkschaft, kartell), Bon der fünften sprachen Dr. Haden Guest (Fabian Saciety und Unabhängige Arbeiterpartei). Genossin Bridges» Adam», J-nkin« Jonas(Geistlicher und Marxist). Von der sechsten sprachen Green(Sozialdemokratische Föderation). Headtngly(für die Franzosen). Weingartz(für die Deutschen), Meier(jüdischer Bund), Wojewöky(Pole), Rondani(Italiener). Um b Uhr wurde folgende Resolutton verlesen und an« genommen: .Diese Maflenversammlung sendet brüderliche Grüß« an die Arbeiter Europa« und Amerikas und hält mit ihnen an dem Eni» fckilusse fest, durch vereintes Streben den internationalen Frieden und sozialistische Gemeinwesen herzustellen, in denen die Pro- duklionsmittel dem Gemeinwesen gehören und vört ihnen verwaltet werden sollen und in denen jeden die Gelegenheit gegeben werden soll, ein gesundes und menschenwürdige« Leben zu führen. Al« � Mittel zu diesem Ziele verlangen wir die gesetzliche Einführung de« Achtstundentages, verweltlichung und Demokratisierung der Schule, Erhaltung der Schuljugend auf Staatskosten. AlterSpenstonen. Allgemeines Wahlrecht. Ferner lenken wir die Aufmerksamkett aller aus die ernste Bedeutung der ArbeitSlasenftage; wir verurteilen da» gegen- wärttg««rbettSlosengesetz als ganz ungenügend, und wir fordern die Arbeiter auf, eine staatliche Organisatton der Arbeitslosen zum Zwecke nützlicher produktiver Arbeit zu verlangen. Schließlich er» klären wir: Da die Interessen der Arbeiter denen der Unter- nehmer entgegengesetzt find, wodurch ein Klassenkampf erzeugt wird, s» ist«S für ine Arbeiter m«tzyntsteas.* notwendtg, sich in ihr«« eigen» Italien. Rom, 1. Mai.(Privatdepesche des„Vorwärts".) DaS Matfest in Rom ist imposant verlaufen. Die Arbeits- ruhe ist vollkontmen. Auch die TramS verkehren nicht und die Zeitungsbetriebe ruhen. Die geplante Volksversammlung wurde— wie ich bereits gestern durch Telegramm an den „Vorwärts" ankündigte— trotz des Regienmgsverbotes auf dem verbotenen Platze abgehalten. Die Volksmenge durchbrach einfach unter Führung Andrea CostaS den Truppenkordon trotz des ungeheuren Militäraufgebots I ES fanden 30 Verhaftungen statt; verwundet wurde niemand. Soweit bisher Nachrichten auS der Provinz vorliegen, ist die Feier allenthalben ruhig und würdig, ohne Zwischenfälle verlaufen. Frankreich. AuS Pari» erhalten wir folgendes Privat-Telegramm: Wennaleich die ArbeitSruhe weniger ausgedehnt war als im Vorjahre, so bot Paris doch ein feiertägigeS Bild. Die ArbeitSruhe war besonder? stark bei den Holzarbeitern und in der Metallindustrie. DaS Polizei- und Militäraufgebot in Paris war enorm. Es wurden 760 Verhaftungen vorgenommen, obwohl wenig Stratzenkundgebungen stattfanden. Von den Verhaftungen wurden nur 1o aufrechterhalten.— Der Grund zur Verhaftung war in den meisten Fällen: Nichtbefolgung der polizeilich-militärischen.Befehle" oder— Selbstanzeige durch Gebrauch einer fremden Sprache l l Viele Ruffen wurden sd»er- haftet. Tin amerikanisierter Russe, namens Jakob Law, schoß vom Omuibusverdeck auf Kürassiere, ohne zu treffen. Die Passagiere warfen ihn hinunter und mißhandelten ihn aufS grausamste.— An zwei Punkten der Stadt wurden Revolverschiisse auf Polizisten ab- gegeben. Sechs Polizisten wurden im Laufe des Tages ver- wundet. In der Provinz war die Arbeitsruhe sehr bedeutend. Im Loirebecken z. B. stand der Betrieb der großen Waffenfabrik Stetiennes still: sämtliche 15 000 Bergarbeiter feierten 1 Ebenso in Montceau-leS-Mines.— In den Arsenalen von Eherbourg und Brest feierten mehr Arbeiter alS im Vorjahre. Groß war auch die Arbeits- ruhe in der Industrie von Lyon. Im Pas de EalaiS feierten neun Zehntel der Kohlengräber. Holland. Amsterdam, 1. Mai.(Mg. ver.) Die heuttge Maifeier in der Hauptstadt Hollands steht im Zeichen des erstarkenden Einheitsbewußtseins und der zunehmenden AttionS- fähigkcit der organisierten Arbeiterschaft. Zum ersten Male hat der AnMrdamer Vorständeverband heute vormittag 1t Uhr eine Straßen demonstration veranstaltet, an welcher trotz de» niederströmenden Mast regenS ungefähr 3000 Arbeiter teilnahmen, geschart hinter den Fahnen, Bannern und mit Blumen verzierten Sinnsprüchen ihrer GeWerk ichasten und der neun Abteilungen der Sozialdemokratischen Arbeiter- Partei Amsterdams. Außer den dem Vorstandeverband angeschlossenen Abteilungen beteiligten sich, ebenfalls zum ersten Male, die Abteilung des Verbandes der Ziinmerleute und der Verband der Amsterdamer Gemeindearbeiter. Leider fehlt diese? Jahr die Abteilung Amsterdam des Verbandes der Bolksschullehrer, die sich unter dem Treiben seiner bürgerlich gesinnten Mehrheit der Maifeier ent- hielt. Der sich in zwei Teile teilende Umzug bewegte sich durch die Straßen Amsterdams nach den Lokalen Bellevue und Planciu», wo die Genossen Lehrer Thomassen und van Zütpfen, bezw. van der Goes Ansprachen hielten. Letzterer gedachte der russischen Kameraden und sprach die Hoffnung aus, daß das russische Proletariat am nächsten ersten Maitage sich, wenn auch noch nicht von dem Drucke des Kapitalismus, so doch von dem dcS Despotismus befreit haben möge. Zur Ehrung deS der Partei entrissenen Genossen Jgnaz Auer erhoben sich die Per- sammelten von ihren Plätzen, und der Vorstand erhielt den Auftrag, der Witwe de» Dahingeschiedenen ein Beileidsschreiben der Amsteroamer, daS Maifest feiernden Arbeiter zu übermitteln. Beide Versammlungen waren übervoll. Während diese von der sozialdemokratisch gesinnten Arbeiterschaft und unter dem Sinnspruch:.Für den gesetzlich festgelegten Achtstundentag und daS allgemeine Wahlrecht I" veranstalteten Feier einen beftiedigenden Verlauf nimmt, verspricht auch der alljährlich, so auch für heute abend in Aussicht genommene Umzug mit Fackeln, Fahnen und Musik ein recht imposanter Abschluß der Maifeier zu werden, falls der Regen, der zur Mittagsstund« aufhött, nicht wieder einsetzt. Im PalaiS von VollSdlyt haben die„fteisozialistisch" und an» archistisch gesinnten Arbeiter ihre Maifeier veranstaltet. Der große Saal lvar gegen 1 Uhr recht gut besetzt. Hier findet die Feier unter dem Sinnspruche:„Für den Generalstreck und Verkürzung der Arbeitszeit" statt. Schweiz.» Zürich, 1. Mai.(Privat-Telegr. deS„Vorwärts".) Die Maifeier in der Schweiz wurde sehr becinttächttgt durch daS schlechte Wetter: eS regnete und schneite. Trotzdem kam eS unter großer Beteiligung 3er Arbeiter zu imposanten Kundgebungen in Zürich, Basel. Genf. Bern, Winterthur, St. Gallen und an anderen Orten. Rußland. Petersburg, 1. Mai.(W. T. V.) In den großen Industrie« zentren de» westlichen Gebiete» hat«in Teil der Fabrikarbeiter die Arbeit eingestellt, während die übrigen fortarbeiten. Kundgebungen und Ruhestörungen haben nicht stattgefunden. Der Tag ist ruhig verlaufen._ Spanien. Madrid, 1. Mast In den meisten au« Anlaß der Maifeier in der Provinz abgehaltenen Versammlungen kamen Resolutionen zur Annahm«, in denen die Freilassung der Anarchisten Ferrer und Nacken» gefordert wird, die seinerzeit wegen Beteiligung an dem Mordanschlag auf den König und die Königin verhaftet worden waren. Abgesehen von einigen leichten Zwischenfällen in Barcelona ist in Spanien ote Ruhe nirgend« gestört worden. Belgien. Brüssel, 1. Mai.(B. H.) Infolge der schlechten Witterung(e» regnet seit heute früh unaufhörlich) ist der sozialistische Umzug. welcher für heute anberaumt war, auf nächsten Sonntag vertagt worden. Im BoUShause fand ein Meettng statt, welches nur schwach besucht war. Der Redner, Sozialist David, entschuldigte Vandervelde, wegen Unwohlsein» nicht erscheinen zu können. Die Versammlung beschloß, ein Sympathietelegramm an Vandervelde zu senden. Brüssel, 1. Mat.(B. H) Nach den Nachrichten au» den Provinzstädten ist die Maifeier überall ruhig verlaufen. In Lütttch fand ein Straßenumzug statt, an welchem zahlreiche Frauen und Kinder sich beteiligten. Zirka 50 rote Fahnen, welche wegen der Katastrophe in AngleurS Trauerflor trugen, waren im Zuge ver» treten. Auch in Gent fand ttotz de» schlechten Wetter« ein Straßen» umzug statt, an welchem mehrere Hundert Arbeiter sich beteiligten. Bulgarien. Gossa, 1. Mai.(w. T. v.) Hier kam e» heute nur zu un» bedeutenden Zwischenfällen. Die Sozialdemokraten versuchten, Stratzenkundgebungen zu veranstalten, wurden jedoch vom Militär zerstreut; e» wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. Sozialdemokratischer Lese- und DiökutterNub Johann Jacoby". Heute abend S'/, Uhr bei Bugae, Kastanten-Alle« SS- Sitzung. Hus der parte!« Genosse Gustav NoSke, Mitglied des Reichstages, schreibt uns: „Der„Vorwärts" gibt eine Kritik wieder, die von der„Leipziger VolkSzeitung" an meiner ReichStagSrede vom 25. April geübt ivird Diese Kritik ist ungerechtfertigt. DaS Leipziger Parteiblatt rügt, daß ich mich nicht gegen die unfähige deut>che Diplomatie gewendet habe, die das Volk in einen Krieg hetzen wolle. Dazu hatte ich keinen Anlaß und keinen Auftrag. Ich war der zweite sozialdemokratische Redner zum Militäretat. Die grundsätzliche Stellung der sozialdemokratischen Partei zum Militarismus hatte als erster Redl, er Genosse Bebel dargelegt. Nur gegen Angriffe meiner bürgerlichen Vorredner und des Kriegsministers auf unsere Partei hatte ich nach Lage der Sache zu polemisieren. Bon der Fraktion war schon vorher Genosse v. B o l l m a r beauftragt worden, die Bülowsche auswärtige Politik und die Taten unserer Diplomatie bei der bevorstehenden Beratung deS Etats der Reichskanzlei und des Auswärtigen Amtes zu kritisieren. Es konnte also nicht meine Aufgabe sein, die Vollmarsche Rede vorweg zu halten. Die„Leipziger VolkSzeitung" schreibt: „Mit besonderem Vergnügen ist die gesamte bürgerliche Presse über eine Aeußerung Noskes hergefallen, wonach im Falle eines Angriffskrieges jeder deutsche Soziaidemolrat die Flinte auf den Buckel nehmen werde." Nach dem amtlichen Stenogramm habe ich im Reichstag wörtlich folgendes gesagt: „Bebel hat hier— da» ist doch auch dem Kriegsminister und den anderen Herren bekannt, die gegen uns Vorwürfe erheben— betont, daß selbstverständlich die Sozialdemokraten die Flinte auf den Buckel nehmen würden, wenn es sich darum handelte, Deutsch- land vor wirllichon Gefahren zu bewahren." Der Bebelsche Ausspruch, auf den ich hinwies, ist seit Jahr und Tag allgemein bekannt. Es ist dagegen niemals aus den Reihen der Partei Widerspruch erhoben woroen: auch von der„Leipz.Volksztg." nicht. So wenig ich auch gewillt bin, die Verantwortung für meine Aus» lassungen abzulehnen, so gering ist doch meine Neigung, mich von der»Leipziger VolkSzeitung" zum Prügeljungen machen zu lassen. dem sie die Schläge verabfolgt, die sie glaubte bei Bebel bisher nicht anbringen zu können. Erschien der„Leipziger VolkSzeitung' die Ver- stcherung, die Sozialdemokraten seien geivillt, jeoen Angriff auf Deutschland zurückweisen zu helfen, anfechtbar, mußte sie sich mit ihrer Kritik schon vor Jahr und Tag an die Bebelsche Ädress« wenden." Wir wollen der Entgegnung der„Leipziger VolkSzeitung", der Genosse Noske ja die Erklärung ebenfalls zugesandt haben wird. nicht vorgreisen. poUreilicftes, Hericfftlicbes ufw, DaS BereinSrecht in Preußen. Während Blllow und Posadowsky im Reichstag ein einheitliches BereinSrecht ohne polizeiliche Chikanen versprechen, sind die Behörden eifrig bemüht, daS preußische„VcreinSjuwel" durch sonderbare Auslegungen noch recht reaktionärer zu gestalten. Für den ReichStagSwahlkreis Halle a. S. besteht seit vielen Jahren unser sozialdemokratischer Parteiverein, der in verschiedene Distrikte geteilt ist. Mehrere Dörfer bilden einen Distrikt und die Mitglieder werden bei der Polizei in Halle angemeldet. Neuerdings verlangte aber auch der Amtsvorsteher von Ammendorf, der den dortigen Distrikt als einen selbständigen Verein ansah, auf Grund deS§ 2 die Einreichung der Statuten und des Mitgliederverzeichnisses. Der Distriltsführer, Genosse O e r t e l, kam diesem Verlangen selbst- verständlich nicht nach. Die Folge davon war eine Menge Schererei, ein Anklage vor dem Schöffengericht und schlteßliche Frei» s p r e ch u n g._ Hus der frauenbewegung. Die politische Emanzipation der Mohammedanerin. Die mohammedanische Partei der russischen ReichSdnma hat sich für die Proklamierung der Frauenrechte entschieden. Wie in Finnland die Frau mit dem 24. Lebensjahre in den Besitz der StaatSbürgerrechte gelangt, so soll auch die Frau de» JSlamS mit dem Manne die völlige politische Gleichberechtigung erhalten. Religiöse Bedenken hat eine Enquete unter Hervorraaenden islamitischen Geistlichen beseitigt, die erklärte, daß der Koran ver polittschen Betätigung der Frauen nicht im Wege fest Die 36 mohammedanischen Dumamitglieder haben daraufhin die Konstituierung einer besonoeren Kommission beschlossen, die sich mit dem EmanzipattonSprojckt zu befassen hat und zu deren Sitzungen Bertreterinnen der russischen Frauenliga hinzugezogen werden, die bereits nominiert find. Die mohammevanifche Frauen- weit wird auf diese Weise zwar etwa» gewaltsam in die Eman- zipation gezogen, aber sie wird sich in die neue Lage schon zu finden wissen. Die mohammedanische Bedölkerung Rußlands beträgt 20 Millionen._ Versammlungen— Veranstaltungen. Berlin. Montag, den 6. Mai. 6'/, Uhr. im Neuen Klubhau», Kommandamenstt. 72: Vortrag des Schrtststellers Ernst Schur über den Maler Rembrandt. Gaste willkommen. Rixdorf. Montag, den 6. Mai. bei Thiel, Bsrgstr. 151/162: Bottrag Genosse Raschle:.„Die Fabttkation der Seife und ihr Wett in der Hauswirtschaft". Weißensec. Die nächste Generalversammlung de» Berein» der Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse zu Weißensee findet am Montag, den 6. Mai er., abends«'/, Uhr. bei Ulrich. Rölkestr. 20. statt. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossen Stürmer über: „Der Kampf umS Recht". 2. Diskussion. 8. Bericht de« Vor- stände« und der Kassterettn. 4. Neuwahl des Vorstandes. 5. verschiedenes. Zahlreichen Besuch«wartet Der Borstand. Eingegangene DmcKseKrifUn. Geschäftsbericht der Allgemeinen Ortskränkenkass« zu Berlin 1906. 66 Seiten. Selbstverlag, Berlin, Neue Frledrichslr. 9—10. Zeitschrift für Religionspsycholvgie. Grenzsragen der Theologie Und Medizin. Band 1 Hejt 1. Preis pro Jahrgang 10 M. Verlag Karl Marhvld, Hallt a. S. INSERATE für die nächste Rümmer müssen spätestens vi» 6 Uhr nachmittag» des vorherigen Tage« in»nsere« ...... Expedition abgegeben werden...... Größere Anzeigen für die Sonntags- Nummer erbitten dagegen schon bt» Freitag nachmittag 6 Uhr, da nur in diese»- Fall« die Ausnahme garantier» X X X X X X werden kann. X X X X X X Dentscher Metallarheiter- Verband Deutscher Holzarbeiter- Verband Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Qef L Amt 3, 1239. Charitéstraße 3. Hauptburean: Hof III. Amt 3, 1987. Achtung! Rohrleger und Helfer! le im Deutschen Metallarbeiter- Verband organisierten Rohrleger und Selfer, welche wegen der Maifeier entlaffen resp. ausgesperrt find, treffen fich am Freitag, den 3. Mai, nachmittags 3 Uhr, bei Franke, Sebastianstraße 39. Sonntag, den 5. Mai, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( Saal 1): Freitag, den 3. Mai, abends 8%, Uhr, bei Keller, Koppenstr. 29: Vertrauensmänner- Versammlung für sämtliche Bezirke und Branchen. 9 Zages Ordnung: 85/15 Zentral- Verband der Töpfer Deutschlands. Filiale Berlin. Todes Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Kollege Robert Fenzke am 24. April infolge eines Un glüdsfalles verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Freitag den 3. Mai, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle berger Allee, aus statt. 1. Bericht über die Verhandlungen vor dem Einigungsamte.es Georgen- Kirchhofes, LandsBranchen- Versammlung der Bauanschläger 2. Bericht über den Verlauf der Maifeier. Tages Drdnung: 1. Branchenangelegenheiten. Antrag Kassubet, Bender. 2. Berschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert! DE Jede Werkstatt muß vertreten sein. Mitgliedsbuch nebit Karte legitimiert. Sonnabend, den 4. Mai, vormittags 10 Uhr, in der Neuen Welt: Unseren Mitgliedern zur Kenntnis, daß die Bibliothek für Süd- Ost Mustauerstraße und Beughofstraße Ede bei Fröhlich am Sonnabend, den 4. Mai, eröffnet wird. Die Ausgabe von Bibliotheksbüchern findet an folgenden Tagen statt: Montags nachmittags 5-8 Uhr, Mittwochs Ein Bortemonnaie ist in der Neuen Welt gefunden, abzuholen bei Liebisch, Frankfurter Allee 137, Hof part. links. nachmittags 5-8 Uhr, Sonnabends nachmittags 5-8 Uhr. Versammlung der Ausgesperrten. In den bestehenden Vorort- Bibliotheken findet die Ausgabe von Bibliotheksbüchern an folgenden Tagen statt: Zentralverband der Töpfer Deutschlands. Filiale Berlin. 1 Wedding. Fahrow, Ravenéſtraße 6. Dienstags abends von 8 bis Heute Freitag, 3. Mai, abends 6½ Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15, großer Saal: 9 Uhr. & Spandau. G. Rührmund, Neumeisterstraße 6. Montags und Donnerstags abends von 5-6 Uhr. &. Ober- Schöneweide. Vos, Wilhelminenhofstraße 64. Dienstags und Donnerstags abends von 5-6 Uhr. 4 Moabit. Gundlach, Waldenserstraße 24. Mittwochs von 8-9 Uhr und Sonnabends von 8-10 Uhr abends. 5. Charlottenburg. Mekdorf, Botsdamerstraße 44. Montags abends von 8-10 Uhr. Versammlung Zages Ordnung: 1. Bericht über die Angelegenheiten Huhn und Borrmann. 2. Verschiedenes. Bahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. 196/6 Vereinigung der Zimmerer Deutschlands. & Wusterhausen Wildan. W. Geyer, Schwarzkopffftraße 58 I. Bureau: Berlin C. 54, Dragonerstr. 15, Hof I. Dienstags und Freitags abends von 7-9 Uhr. 7. Tegel. Gehlhaar, Berlinerstraße 92. Dienstags abends 7], bis 9 Uhr. Die Haupt- Bibliothek, Charitéftraße 3, fann vorläufig wegen vollständiger Renovierung und Ausarbeitung eines neuen Katalogs noch nicht eröffnet werden. Näheres wird bekannt gegeben. 117/17 Die Ortsverwaltung. Fernsprecher Amt 3, No. 5028. Sonntag, den 5. Mai 1907, vormittags 10 Uhr: Außerordentliche Versammlung des Vereins der Zimmerer Berlins und Umgegend in den Germania- Sälen, Chauffeestraße 103. Sages Ordnung: 1. Berichterstattung über die Mai- Aussperrung und unsere weiteren MaßZentral- Krankenkasse der Maurer en fohubewegung.on ,, Grundstein zur Einigkeit". Sonntag, den 5. Mai, vormittags 10 Uhr, $ 15: nahmen zur 257/9 Achtung! 2. Mitgliedsbuch ist vorzuzeigen. Der Vorstand. J. L.: Albert Juppenlatz. Achtung! Mitglieder- Versammlung Zentral- Verband der Maurer Deutschlands 1. Kaffen und Revisionsbericht. 2. Wahl des ersten eines Revisors. 8. Berschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. 149/7 Die örtliche Verwaltung. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Gruppe: Zementierer. Sonntag, den 5. Mat, vormittags 10 Uhr, bei Jannaschk, Inselstraße 10: Mitglieder- Versammlung. Zages Ordnung: 1. Vortrag des Genoffen Störmer. 2. Diskussion. 3. Regelung der Beitragszahlung laut Beschluß des neunten Verbandstages. 4. Ge werkschaftliches. 139/8 Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es notwendig, daß alle Kollegen erscheinen und erwartet zahlreichen Besuch Der Gruppenvorstand. Deutscher Buchbinder- Verband. Zahlstelle Berlin. Montag, den 6. Mai, abends 8 Uhr, im gr. Saal Buggenhagen, am Morigplatz: Zweigverein Berlin. Den Berbandskollegen zur Nachricht, daß die weitere Stontrolle und Ausstellung der Kontrollfarten für Matausgesperrte und Arbeitslose bis zum Sonnabend, den 4. d. M., in den Bezirken und Bahlstellen erfolgt; länger ausgesperrte haben sich vom Montag, den 6. b. M., ab im Gewerkschaftshause zur Kontrolle g melden. Nur derjenige bekommt eine Kontrollarte ausgestellt, welcher durch einen Stempel tm Berbandsbuch nach. zuweisen vermag, daß er den 1. Mai gefeiert hat. Die Auszahlung der Unterstügung für die Berliner Bezirke erfolgt am Sonnabend, ben 4. b. M., ben mittags 12 Uhr ab im Gewerkschaftshause. Für die Außenbezirke wird alles Nähere in den Berkehrslokalen belannt gegeben. 139/9 Die Verbandsleitung. Zentral- Krankenkaffe Accumulatoren- and Electricitäts- Werke- Actiengesellschaft der Maurer ( Grundstein zur Einigkeit.) Sonntag, den 5. Mat, bormittags 10 Uhr, im Volkshaus, Rosinenftraße 3( fleiner Saal): Mitglieder- Versammlung. Zages- Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. Duartal und Revisionsbericht. 2. Berfchiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. 149/8 tm Die örtliche Verwaltung. General- Versammlung. Greift zu! Zages Drdnung: 1. Geschäfts- und Kaffenbericht. 23/00 2. Wahl von Delegierten zum Gautag und Anträge zu demselben. 8. Berbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Eintritt! Bahlreichen Besuch erwartet ben beften Monatsanzüge b. 9,50 m. Abonnementsanzüge. 13.00 Pfandlethanzüge.. 11,00 Partieauzüge. Gehrocanange " 12,00 " 14,50 " " 9,50 2,00 Anzüge, Grlak f. Mak. 20,50 Paletots Die Ortsverwaltung. Hofen. fifch- Dreife der Deutfchen Nord- Oftfee- fifchhallen Johs. Skorczyk A. Schönhauser Allee 144. B. Badstraße 67. Fernsprecher: III 3790 u. 8576 III 5376 Lieferung in Berlin frei ins Haus. Fischgattungen Stabliau zum Kochen und Braten Schellfisch nach Größen Preise pro Pfund im ganzen Fischl im Anschnitt 20-25 1 20-22 15-30 25 f. 33 Seelachs zum Rochen und Braten 18-20 23 Seehecht, fein, grätenlos 37-40 Austernfish, sehr fein 35 Bratfcholle ( 3 Pfund 70 Pio.) 25 Knurrhahn( Seeforelle) Fichtarbonade, Fiftotelettes Hellbutt 50 Rotzunge, Erfat für Seezunge Silberlachs. 55-60 95-100 Rheinlachs 250 65115-120 290 Feinste Seezunge, nach Größen 90-130 Feinste Steinbutt 90-110 Feinster Tafelzander 75-90 Stodfilch( Slippfisch) 45-50 Lebende Bachforellen 425 Hechte nach Größen 100-120 Starpfen. 80-90 125-130 60 120-180 Soleie rößen Bale. Moldauer Prinzenstraße 64, Ede Annenstraße, im Laden. -Straßenbahn- Bergütung. Grosse Betten 12 Mk. Oberbett, Unterbett, 2 Riffen) mit boppeltgereinigten neuen Bett febern beffere Betten 15, 19, 24 L.; 1 fch Betten 15, 20, 23, 29, 38. ufo. Berfand geg. Nachnahme. Preis lifte, Proben, Berpackung foftenfrei, Berlin S. Gustav Lustig, Prinzenstr, se Größt. Spezial- Geschäft Deutscht. vormals W. A. Boese& Co. Rege Beteiligung erwartet 196/7 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempner Max Rost am 1. d. Mts. an der Lungenentzündung geftorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonnabend, den 4. Mai, nach mittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes in Rigdorf, Hermannstraße, aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. 85/16 Die Ortsverwaltung. Am Dienstag entschlief fanft mein lieber Mann, unfer guter Bater, Schwieger und Großvater, der Drechsler Konrad Lutz im 56. Lebensjahre. Dieß seigen tiefbetrista 28. Marie Luta nebft Rinbern, Große Frankfurterftr. 77. Die Beerdigung findet Sonnabend, den 4. Mat, nad mittags 21, Uhr, son ber Reichen halle des Martus- Kirchhofes, helmsberg, aus ftatt. 4225 Sozialdemokrat. Wahlverdin Reinickendorf- Ost. Nachruf. An Bauchfelenigünbung b am Montag im Krantenhaufe unser Genosse, ber Tischler Gustav Mertens. Ehre feinem Studenten. Die Beerdigung fand bereits geftern nachmittag fatt Die Nachricht ging uns veripatet qu 222/4 Des Borstand. Danksagung. Für die vielen Beweise hergher Teilnahme und Strangipenben bel ber Beerdigung meines Leben Sohnes, unferes 47722 10. ordentliche General- Versammlung. ere guten Brubers Bir beehren uns hiermit, unsere Aktionäre zu der Mittwoch, den 29. Mai cr., vormittags 11 Uhr thungsfaale der Gesellschaft, hier, Köpenickerstraße 154, tatt. findenden 10. ordentlichen General Bersammlung ergebenft einzuladen. Gegenstände der Tagesordnung: 1. Borlage des Geschäftsberichtes des Borstandes nebst Gewinn und Berlustrechnung und Bilanz pro 1906, sowie des Prüfungsberichtes des Aufsichtsrates. 2. Beflußfaffung über die Bilanz und Gewinnverteilung. 3. Ertellung der Entlastung an Aufsichtsrat und Borstand. Die Aftionäre, welche in der Generalversammlung das Stimmrecht ausüben wollen, haben ihre Atten ohne Dividendenbogen spätestens am fechsten Tage vor dem Bersammlungstage in Berlin bei der Kaffe der Gefellschaft oder bei einer der nach. benannten Stellen in Berlin bei der Dresdner Bank, in Berlin bei der Commerz und Disconto- Bank, in Berlin bei den Herren F. W. Krause u. Co., Bankgeschäft, in Frankfurt a. M. bei der Dresdner Bank, in Frankfurt a. M. bei der Pfälzischen Bank, in Frankfurt a. M. bei der Bank für industrielle Unternehmungen, in Frankfurt a. M. bei dem Banthaufe Bah n. Herz, in Stettin bei dem Bankhause Wm. Schlutow, in Hamburg bei der Commerz, und Disconto Bant zu hinterlegen. Es genügt auch die Hinterlegung bei einem deutschen Notar und der Nachweis dieser Hinterlegung bei einer der Hinterlegungsstellen innerhalb der angegebenen Frift. Die Bulaffung zur Generalversammlung erfolgt nur gegen Eintritts. tarten, welche von obigen Stellen auf Grund der bei diesen oder beim Rotar erfolgten Hinterlegung verabfolgt werden. Berlin, den 1. Mai 1907. Direktion Georg Leuchte fagen wir allen Freunden und Kollegen, insbesondere benen der Firma Schudar, sowie dem Deutschen Buch Binder- Berband unseren herzlichten Dant. Fran Leuchte u. Gefchwifter. „ Berliner ArbeiterRadfahrer- Verein" Mitglied des Arbeiter. Radfahrer- Bundes Bollbarität". Touren Sonntag, den 5. Mai: 1., 8., 5. und 7. bt., früh 5 Uhr nach Berder. Starts: 1. bt. Bülow. ftraße 58, 8. Abt. Mariannenplak, 5. St. Elyfium, 7. Abt. Grenzstr. 21. 2. Abt. früh 5 Uhr nach Lehnin (. Taege). Nachmittags 1% Uhr nach Bannfee( Fürstenhof). Start: Fontane Promenade 15, Ede Blücherftraße. 1., 3., 7. bt. nachmittags 1, Uhr nach Behlendorf( Müd) von ihren Starts. 4. Abt. früh 7 Uhr nach Dranien. burg( Waldhaus), nachmittags 1 Uhr nach Stolpe( Bergemann). Start: Ru ftrinerplay. 5. Abt. nachmittags 1%, Uhr nach Hennigsdorf. 6. Abt. früh 8 Uhr Kremmen, der Accumulatoren- und Electricitäts- Werke- Actiengesellschaft mittags i list had benningsdorf. vormals W. A. Boese& Co. E. Hartzfeld. K. Kunze. Bilz Arbeiter- Bildungsschule Berlin Sanatorium Schloss Lössnitz" RadebeulDresden. Prosp. fr. FrühjahrsGünst Hellert Dir. Alfred Bils Obefarst Dr. Asenke Internationaler Verkehr. Roch Rezept: Seelachs und Schellfish.Koteletten. Der Sch tuleb gut gewaschen und gereinigt und das Fleffch in großen, fotelette ähnlichen Stüden von Gräten und Rüden losgeschnitten, die mit Salz, Pfeffer, Del, Zitronenfait mariniert 1-2 Stunden liegen bleiben. Dann KUREN! Schizza werben fie abgetrodnet, mit Mehl, Ei und Semmel paniert und in brauner Butter 2-3 muten auf jeder Seite gebraten. FEC: datients and Web, Berlin. But D Milde Lage Bilz Naturbellbuch ca. 1, Mill, verk. penis.. Oh, Sonntag, den 5. Mai, abends 7 Uhr, im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engel- Ufer 15: Start: Genoffenfchaft, Oberberger ftraße 30. 8. Abt. früh 8 Uhr nach Dranien. burg, nachmittags 1, Uhr nach Herms. dorf. Start: Baloffr. 8, Pilife. 9. Abt. nachmittags 12 Uhr nach Werber. Start: Brandenburgertor. NB. Die nächste Tourenanzeige er fcheint Mittwoch, den 8. Mai. 12/5 Vortrag des Genossen Heinr. Schulz Eisenbahnunglück über: Versicherung 10 000 Mark Ent,, Bildungsideale u. wirtschaftliche Entwickelung" sobidigung kostet 1 M. WochenNach dem Gemütliches Beisammensein und Tanz. Vortrage: Eintrito 20 PL & 4/13 Garderobe frei. Busana prämie, ein Jahr lang zu entrichten. Prospekte und Auskunft Spezialbureau Lindenstr. 20/21, IV. 2062 20278 al& Borde »«-t-.,». 4. ßtilogr des IsmSrts" Serlim NslkslilR kommunales. Stadtverordneten-Bersammlung. 17. Sitzung vom Donnerstag, den 2. Mai, nachmittags 5 Uhr. Vorsteher Dr. Langerhans eröffnet die Sitzung nach 5% Uhr. In den Ausschuß für die Vorlage betr. die künftige Ein- cichtung des Berliner Rettungswesens sind von der sozial- demokratischen Fraktion die Stadv. Koblenzer, Schneider, Singer und Dr. Wehl deputiert; letzterer ist vom Ausschuß zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt worden. Die Vorlage wegen Abschlusses eines Vertrages mit der G»- meinde Treptow zwecks Regulierung der Dorfstraßc und der Neuen Krug-AIlee und die Vorlage, wonach die Stadt Berlin zu der von der Untergrundbahngesell- s ch a f t beabsichtigten Herstellung eines Verbindungs- g l e i f e S von dem Endpunkt der Spreetunnelbahn in Treptow nach den in die Dorfstraße neu einzulegenden Gleisen ihre Zustimmung geben soll, sind von der Ausschuß- Mehrheit trotz der von einer Minderheit vorgebrachten, auf die Erfahrungen mit der„Großen" gestützten erheblichen Bedenken gutgeheißen worden. Referent ist der Stadtv. Fähndrich fA. L.). Eine Debatte wird nicht beliebt; die Versammlung gibt beiden Vorlagen ihre Zustimmung. Die Ferien der Versammlung werden auch in diesem Jahre die Monate Juli und A u g u st umfassen. Den Beschlüssen der Versammlung über die Wahl eines be- soldeten Stadtrats ist der Magistrat beigetreten. Dem Zentralverein für Arbeitsnachweis soll eine weitere Beihülfe von 10 000 M.(5000 M. zur Erweiterung seines Facharbeitsnachweises und 5000 M. zur Verlegung des Dienstbotennachwelses in eine geeignetere Stadtgegend) gewährt werden. Nach einigen beifälligen Bemerkungen de? Stadtv. R o s e n o w (N. L.), der darauf hinweist, daß der Magistrat damit einer Etats- resolution der Versammlung in dankenswerter Weise entspreche. gelangt die Vorlage zur Annahme. Die gemischte Deputation zur Vorbereitung von Maß- nahmen zur Abwehr von Forderungen der Vor- orte in bezug auf Zuschußlei st ung auf Grund des ß 53 des Kommunalabgabengesetzes hat ihre Arbeiten beendet. Als Er- gebnis ist folgendes herausgekommen: Der Magistrat soll ersucht werden, a) Bestimmungen zu treffen über diejenigen Fälle, in denen Beamten und Lehrern ausnahmsweise das Wohnen außerhalb Berlins zu gestatten ist, b) in Erwägung zu ziehen, ob und in welcher Weise für die Benutzung unserer Krankenhäuser seitens Auswar- tiger em höherer Satz zu erheben sei, c) in Erwägung zu ziehen, ob und in welcher Weise von Auswärtigen ein höheres Schulgeld zu erheben sei. Der Magistrat hat bereits die zuständigen Verwaltungsstellen mit der Anstellung von Erhebungen im Sinne dieser Vorschläge be- auftragt und übersendet der Versammlung die Deputations- Protokolle zur Kenntnisnahme. Stadtv. Dr. Preuh(soz.-fortschr.): ES ist ja wohl keine Gefahr vorhanden, daß den Beschlüssen der Deputation sofort Taten folgen, wenn der Magistrat in dem bisherigen Tempo weiter arbeitet. Gleichwohl nehme ich schon jetzt Gelegenheit zu erklären, daß ich mich mit dieser Resolution nicht identifiziere. Die Aus- fichrMg ihrer Vorschläge wird höchstens geeignet sein, die heutige itommunalanarchie besonders grell zu illustrieren. Gegen das Wohnen der Lehrer und Beamten in den Vororten kann nicht so radikal vorgegangen werden(Widerspruch); hier muß wie bisher eine sorgfältige Abwägung aller Interessen stattfinden. Stadtv. Singer(Soz.): Mir und meinen Freunden scheinen die Vorschläge'er Deputation ebenfalls nicht akzeptabel. Wir haben uns diesen Vorschlägen gegenüber schon so oft ablehnend geäußert, daß wir heute längere Ausführungen für unnötig halten. Wir behalten uns unsere Stellungnahme zu den einzelnen Fragen vor, wenn der Magistrat etwa, was ich nicht wünsche, was aber immerhin möglich ist, später Vorlagen an uns bringt. Stadtv. Cassel(A. L.): Auch wir sind keine Freunde der fort- währenden Fortführung solcher Debatten, namentlich wenn später Gelegenheit ist, über die Fragen ausführlich zu verhandeln. Nach- dem aber heute schon ein Avantgardengesecht eröffnet ist, erkläre ich kür unsere Freunde, daß wir uns einstimmig auf den Boden der Beschlüsse gestellt haben, vorbehaltlich der Würdigung im einzelnen. Wir wollen keineswegs, daß jeder Beamte und Lehrer ohne Ausnahme in Berlin- wohnen muß; prinzipiell stehen wir aber auf dem Standpunkt, daß es der Fall fein soll. Wir verhindern durch die bisherige Praxis auf dem Ge- biete der Krankenpflege die Vororte, energisch den Bau eigener Krankenanstalten zu betreiben. Bei unseren Beamten und Lehrern fällt doch auch ins Gewicht, daß wir gerade die Mitarbeit dieser Bürger bei unseren kommunalen Geschäften entbehren müssen. während die Voroxte davon Vorteil ziehen. ES dürfen doch auch Kuriosa nicht vorkommen, wie z. B.. daß ein Berliner Steuer- zahler aufgefordert wird, dem Steuererheber, der in Rudow hinter Britz wohnt, die Steuern abzuliefern.(Heiterkeit.) Das Prinzip der Deputationsvorschläge halten wir, wie gesagt, für durchaus gerechtfertigt.(Lebhafter Beifall.) Stadtv. M-mmsen(Fr. Fr.):-Persönlich gehöre ich keineswegs zur Mehrheit der Deputation, welche die Vorschläge formuliert hat; ich weiche im einzelnen ganz entschieden davon ab. Ich finde z. B., daß man einem Beamten, der hinausziehen will, damit, daß man ihm das versagt, kein großes Interesse an der Stadt Berlin einflößt.(Oho!) Was wir mit der Deputation erreichen wollten: einen Weg zu finden, um uns mit den Vororten in Zukunft besser auseinander setzen zu können, das ist nicht erreicht; die hier vor- geschlagenen Mittel nützen dazu gar nichts, sondern sie werden für den angestrebten Zweck mehr schaden als nützen.(Zustimmung.) Stadtv. Ladewig(N. L.): Auch wir behalten uns vor. unsere Stellung zu nehmen, wenn konkrete Vorlagen des Magistrats an unS kommen. Ich persönlich stehe mit dem Kollegen Mommsen den Deputationsvorschlägen ziemlich skeptisch gegenüber. Zu meiner Freude kann ich konstatieren, daß die Sache nach allem, was wir hören, nicht so schlimm werden kann, als man dachte, selbst wenn noch einige Vororte auf Grund des§ 53 uns verklagen. Es können daraus an Belastung für Berlin höchstens 100 000 M. pro Jahr herauskommen, und das ist doch kein Grund, einen Krieg gegen die Vororte zu eröffnen und sie mit allen Mitteln zu schikanieren. Stadtv. Cassel: Ich glaube, in diesem Punkte besser unterrichtet zu sein; Herr Ladewig wird sich noch wundern, was für Ansprüche aus diesem§ 63 des revidierten Kommunalabgabengesetzes noch alles an Berlin erhoben werden. Ich nehme das den Vororten auch gar nicht übel, denn die verfolgen ihre Rechte; ich fasse daS auch gar nicht als eine Kriegserklärung unsererseits auf. Ich ver- stehe aber nicht, daß wir durchaus zu nobel sein sollen, um uns darum zu kümmern. Wir haben nichts von den Rechten unserer Steuerzahler zu vergeben, das Interesse unserer Schulen und unserer Kinder kommt auch dabei in Betracht. Und seit wann legen wir denn auf einige*00 000 M. keinen Wert mehr? Damit schließt die Beratung. Die Vorlage wird zur Kenntnis genommen......_.. Zur Ergänzung der B e r u f S A a h l ung s-Kommission werden die Stadtverordneten Sonnenfeld, Ulrich und Sassen- dach(Soz.) durch Zuruf gewählt. Die Vorlage wegen Regulierung und Pflasterung des Markgrafendammes, der Straße 30 zwischen Markgrafen- dämm und Bödikerstraße und der Bödikerstratze zwischen Straße BS mit) PerfiuSstraße wird ohne Debatte genehmigt. Zur Herstellung der speziellen Bauentwürfe für die städtische Untergrundbahn Nord-Süd sind weitere 30 000 M. er- forderlich, welche die Versammlung ohne Diskussion bewilligt. Schluß der öffentlichen Sitzung 7 Uhr. Ein entsetzlicher Eisenbahnunfall, bei welchem zwei Personen getötet und 11 Personen sehr schwer verletzt wurden, hat sich am Abend des 1. Mai gegen W Uhr an dem Bahnübergang der Spandauer Chaussee unweit der Do- mäne Ruhleben ereignet. Der Bahnübergang an jener Stelle ist mit zwei Gleisen durch Barrieren von der Chaussee getrennt. Die Verwaltung der Spandauer Straßenbahn unterhält ständig einen Schrankenwärter, welcher die Aufgabe hat, nachdem die fäl- ligen Eisenbahnzüge jene Stelle passiert haben, auf ein Signal der nahe gelegenen Bahnbude die Schranken zu öffnen und so dem Straßenbahnwagen freie Durchfahrt zu geben. Am Abend des 1. Mai war zum ersten Mal ein junger Bursche von 17 Jahren als Schrankenwärter stationiert, der allem Anscheine nach von seinen Obliegenheiten gar keine Ahnung hat. Als gegen W Uhr abends ein von Ruhleben kommender Güterzug, der nach Berlin fuhr, den Bahnübergang passiert hatte, öffnete der junge Mensch, ohne auf das Signal des Eisenbahnwärters gewartet zu haben, die Barriere und gab einem Straßenbahnwagen, der vom Spandauer Bock kam, Durchfahrt. In demselben Augenblick kam von der entgegen. gesetzten Seite, die Wagen schiebend, ein Arbeiterzug, dessen erster Waggon mit voller Wucht auf den Tramway stieß. Der Zusammen- stoß war ein furchtbarer. Der Straßenbahnwagen wurde von den Puffern hochgehoben und drehte sich um sich selbst; dabei wurde das Verdeck völlig abgerissen und das Untergestell etwa 50 Meter weit auf das nahe Feld geschleudert. Der Eisenbahnwaggon selbst entgleiste, ohne Schaden zu nehmen. Ms die Katastrophe überfehen werden konnte, bot sich ein entsetzliches Bild. Die Passagiere, etwa 15 an der Zahl, lagen, über und über blutend, mit zerbrochenen Gliedern unter und neben dem Straßenbahnwaggon. Hülfe war durch Passanten der belebten Chaussee sofort zur Stelle. Ein vor- überfahrendes Privatautomobil brachte die ersten Schwerverletzten nach dem Krankenhaus Westend, wohin auch die anderen Verletzten gebracht wurden. Tot sind Lehrer Pohle, Spandau, und die neun- jährige Anna Karo, Tochter eines Oberpostassistenten in Spandau. Ferner sind schwerverletzt der zwölfjährige Schüler Leopold Acker- mann und feine zwanzigjährige Schwester Elfriede, fowie ihre Mutter Frau Ackermann, die Frau des getöteten Lehrers Pohle, der Maurer Pietzker aus Spandau, Arbeiter Johann Pannelt auS Charlottenburg, Maurer Wilhelm' Lämme, sowie der Straßenbahn- fahrer Richert. Die meisten Verletzten weisen klaffende Wunden an Kopf und Beinen auf. Mit welcher Wucht der Zusammenstoß erfolgte, ist daraus ersichtlich, daß eine in der Nähe der Gleise stehende Übermannsstarke Eiche, gegen welche der Straßenbahn- wagen geschleudert wurde, mittendurch geplatzt ist. Der jugendliche Schrankenwärter wurde sofort verhaftet. Ein Augenzeuge erzählt in der„Morgenpost":„Es war ein furchtbares Schauspiel. Zuerst hörte man nur einen furchtbaren Krach, als der Zusammen- stoß erfolgte. Das Herz stand einem dabei im Leibe still. Dann, zwei Sekunden später, ertönten gellende Schreie der verstümmelten Frauen und Männer, markerschütternde Rufe, in der entsetzlichsten Todesangst ausgestoßen, Weinen und Jammern. Während der zer- trümmerte Straßenbahnwagen in einem scharfen Winkel zum Erd- boden von dem Güterzuge mitgeschleppt wurde, fielen einzelne der Verletzten heraus. Als der Zug endlich hielt und rasch mit der Rettungsaktion begonnen wurde, waren nur noch wenige Schwer- verletzte und die Leichen unter den Trümmern hervorzuziehen. Da sah man Menschen, die sich nicht zu rühren vermochten, weil sie vor Schmerz und« Todesschrecken das Bewußtsein verloren hatten, an- dere, die in Weinkrämpfe verfallen waren, und wieder andere, in deren Augen förmich der Wahnsinn glühte. Besonders Frau Karo, deren Tochter eines der Todesopfer war. gebürdete sich, trotz der schweren Verletzungen, die sie selbst davongetragen hatt, wie rasend. Sie warf sich über die Leiche ihres Kindes und jammerte herz- zerreißend." Wer trägt die Schuld an dem Unglück? Die Schuld an dem schrecklichen Unglück wird auf den Strecken- Wärter gewälzt, der zu früh die Barriere öffnete; er soll der Sündenbock sein, der büßen muß. In Wirklichkeit ist für das Un- glück zunächst die Leitung der Spandauer Straßenbahn verantwort- lich zu machen, die es über sich brachte, einem 17jShrigen Menschen ein solches Amt zu übertragen. Daß das nur aus niedrigster Profitgier geschah, bedarf keines besonderen Nachweises. Wie leichtfertig von der Leitung der Bahn verfahren wurde, mag daraus erhellen, daß der junge Mann an diesem Tage zum ersten Mal Dienst tat. Einem Mitarbeiter eines hiesigen Blattes hat der Siebzehnjährige an dem Unglückstage erzählt: „Ich bin heute zum ersten Male in Dienst. Bis gestern war ich bei einer Firma in Berlin beschäftigt. Heute vormittag meldete ich mich bei der Direktion im Dienst, und da wurde mir gesagt, ich solle zu den Schranken gehen, man werde mich dort schon instruieren. Ich wußte gar nicht, wo diese Schranke war und wußte auch gar nicht, was ich da eigentlich zu machen habe. Ich habe mich bei dem älteren Wärter gemeldet, und der hat mir gesagt, wie viele Züge am Tage fahren, und daß ich. wenn ein Zug vorüber ist, die Schranken hinaufzulassen habe. Bor%6 Uhr ist er, ohne daß ich es wußte, weggegangen und ich bin allein geblieben. Dann kam der Güterzug auS Spandau. Wie der vorüber war, habe ich nach dem Wärter geschqut, ob der die Schranken nicht hinaufläßt, und wie ich ihn nirgends sah, habe ich selbst die Schranken hochgezogen. Dann ist die Elektrische langsam über das Bahngleise gefahren, und da ist das Unglück geschehen." Die Spandauer Straßenbahn, der die Strecke vom Spandauer Bock untersteht, sucht sich durch nichtige Ausreden von der Verant- Wartung für das Unglück zu befreien. Nach einem hiesigen Blatte soll sie erklärt haben: „Die Straßenbahn betrachtet den Posten, auf dem der 17jährige Wärter stand, nicht als einen selbständigen und verantwortungs- vollen Posten. Die Straßenbahn läuft parallel mit der Spandauer Chaussee, jedoch neben dem eigentlichen Straßendamm. Während die Chaussee durch die staatliche Schranke geschlossen wird, muhte die Straßenbahn ihre Gleise durch eine eigene Barriere, die Fort- setzung der staatlichen, sperren. Die Schranke der Straßenbahn steht mit der Schranke der Staatsbahn in elektrischem Kontakt und wird gleichzeitig mit dieser von dem Staatsbahnwärter bedient. Die elektrische Leitung, die diese veeiindende Maschinerie treibt, ist aber defekt und nach den eigenen Angaben der Straßenbahndirektion schon länger Zeit in Reparatur, so daß ein gleichzeitiges Schließen der Schranken nicht möglich ist. Es ist daher ein beson- derer Posten an die Schranke der Straßenbahn gestellt worden, der auf Zeichen des Staatsbahnwärters die Schranke schließen und öffnen sollte.5 Wie wenig diese Darstellung geeignet ist, die Betriebsleitung der Straßenbahn von der Verantwortung zu entbinden, möge ein Hinweis auf den§ 63 Absatz 1 der Bau- und Betriebsvorschriften für Straßenbahnen mit Maschinenbetrieb vom 26. September 1906 beweisen. Der besagt: „Alle im äußeren Betriebsdienste angestellten Bediensteten (Wagenführer, Maschinenführer, Schaffner, Oberschaffner, Bremser usw.) müssen mindestens 21 Jahr alt sein, die für den Dienst erforderliche Befähigung und Zuverlässigkeit durch eine förmliche Prüfung und Probefahrten unter Aufsicht und Verant» wortlichkeit des Betriebsleiters oder dessen Stellvertreters dargetan haben und dürfen nicht mit auffallenden körperlichen Gebrechen be» haftet fein. In ländlichen Bezirken mit einfachen VerkehrSverhält» nisten kann die Aufsichtsbehörde eine niedrigere Altersgrenze, aber nicht unter 18 Jahren, für diejenigen Beamten des äußeren Be- triebsdienstes festsetzen, die weder mit Führung von Maschinen und Wagen betraut, noch mit den Rechten und Pflichten von Bahn- Polizeibeamten bekleidet find." Es kann nicht behauptet werden, daß jene Stelle an der Span- d-ruer Chaussee zu den ländlichen Bezirken zu rechnen ist. und eS ist der obigen Verfügung geradezu zuwider gehandelt worden» wenn man einen 17jährigen Burschen, der also noch nicht einmal da» für ländliche Bezirke genehmigte Alter von 18 Jahren hatte, an diese Stelle setzte. Aber auch der EisenbahnfiskuS ist von einer gewissen Schuld nicht freizusprechen. Nur in den seltensten Fällen entschließt sich der EisenbahnfiskuS auS übel angebrachten SparfamkeitSrücksichten zur Schaffung von Unterführungen an Stellen, wo Straßenbahnen und bielbefahrene Chausseen sich kreuzen. Dieses Unglück würde, wie das bei Biesdorf, vermieden Horden sein, wenn Eisenbahn und Straßenbahn nicht auf derselben ebenen Straße verkehren müßten. Bei der starken Frequenz derartiger Kreuzungspunkte in der Näh« der Reichshauptstadt muß eben mit der Möglichkeit eine? nicht recht- zeitigen SchlietzenS oder vorzeitigen OeffnenS der Schranke ge- rechnet werden. Es ist ein schwere? Unrecht, in solchen Fällen Leben und Gesundheit zahlreicher Menschen lediglich auS fiSka- tischen Rücksichten, der Wachsamkeit der auch meist überlasteten und schlecht entlohnten Schrankenwärter anzuvertrauen Partei-?Zngelegenkeiten. Steglitz. Am Freitagabend Versammlung bei Schellhas«. Aufstellung des vierten Kandidaten zur Gemeindewahl. Rieder-Schönhausen. Am Sonntag findet eine Flugblatt« Verteilung für die Stichwahl am 10. d. Mts. statt. Die Verbreitung geschieht von den drei bekannten Lokalen auS. Die Wahlvereinsmitglieder werden dringend ersucht, sich zahlreich hierzu einzufinden. Die Wahlsiwation verlangt es, daß jeder seine volle Schuldigkeit tut._ Berliner Nachrichten. Die Stadtverordnetenversammlung unterhielt sich gestern über den Krieg gegen die Vor« orte, den die Stadt Berlin führen müßte, wenn es nach dem Wunsch und Willen gewisser Heißsporne ginge. Der Magistrat teilte den Stadtverordneten mit, was ihm die gemischte Deputation vorschlägt, die im Herbst 1905 eingesetzt worden war, um über Abwehrmaßregeln gegen die Begehrlichkeit der Vororte zu beraten. Die Deputation ist kürzlich mit ihren Beratungen fertig geworden und empfiehlt nun, den Beamten und Lehrern der Stadt Berlin das Aus- wärtswohnen zu beschränken, für Verpflegung von Vorort- bewohnern in Berliner Krankenhäusern einen höheren Kur- kostensatz festzusetzen, für Schüler aus Vororten ein höheres Schulgeld zu fordern. Der Magistrat legte dieses Beratungs- ergebnis nur erst zur Kenntnisnahme vor, die Versamm- lung hatte also nichts zu beschließen. Sie wollte sich aber schon jetzt darüber äußern, wie sie sich zu verhalten gedenkt, wenn etwa der Magistrat auf die Vorschläge eingeht. Herr P r e u ß(S.-F.) eröffnete die Debatte mit der Erklärung, da mache er nicht mit. Unser Genosse Singer empfahl, zunächst mal abzuwarten, was der Magistrat tun werde. Im übrigen aber erklärte selbstverständlich auch er auf das Bestimmteste, daß die sozial- demokratische Fraktion für den beabsichtigten Krieg gegen die Vororte nicht zu haben ist. Zustimmung fanden die Vor- schlüge der gemischten Deputation bei Herrn Cassel(Alte Linke), dessen Absage an die Vororte von seiner Fraktion mit stürmischem Beifall begleitet wurde. Herr Cassel scheint aber mit den Seinen ziemlich allein dazustehen; Herr Mommsen (Freie Fraktion) und Herr L a d e w i g(Neue Linke) zeigten keine Lust, auf seine Seite zu treten. Das verdroß natürlich Herrn Cassel nicht wenig. Er zeterte:„Die Noblesse ver- stehe ich nicht!" Das glauben wir ihm aufs Wort. Aus dem Paradies der Eisenbahner. In einem Scharfmacherblait, das aus der Kloake des Lügen- Verbandes zu schöpfen pflegt, ist kürzlich vorgeschlagen worden, die Gesamtheit der Arbeitgeber möchte es sich zur Pflicht machen, keinen sozialdemokratischen Arbeiter mehr zu beschäftigen. Nur bei strengster Durchführung einer solchen Maßregel werde, so meinte der Vater dieses Gedankens, es zu erreichen sein, daß die Sozial- demokratie molich tot gekriegt werde. Mancher Arbeitgeber wird, als er den Vorschlag las, schmerzlich gelächelt haben. Wo sollte er künftig seine Arbeiter hernehmen, wenn er keinen Sozial- demokraten mehr beschäftigen dürfte! Nicht mal in Staats- betrieben, wo man seit langem bemüht ist. diesen Gedanken möglichst zu verwirklichen, läßt es sich durchführen, daß kein Sozial- demokrat hineingelangt. Und nicht einmal dort hat man immer den Mut, bei der Nachfrage nach Arbeitskräften von vornherein anzukündigen:„Sozialdemokraten wollen wir nicht." Würde jedem Arbeiter noch vor der Annahme die Frage vorgelegt, ob er Sozialdemokrat ist, dann könnten die Staatsbetriebe sehr bald über Arbeitermangel zu klagen haben. Ein sozialdemokratischer Arbeiter S., der durch die eigene Schuld der Eisenbahnvcrwaltung in das Paradies der Eisenbahner hineingelangt war, teilt uns die Erfahrungen mit. die er dort gemacht hat. Er war eigentlich gelernter Etui- arbeiter, aber da er wegen tätiger Anteilnahme an Lohn- bewegungen schwer in seinem Beruf noch Stellung finden konnte, so wollte er nach längerer Arbeitslosigkeit Beschäftigung suchen. wo sie sich ihm bieten würde. An einem schönen Frühlingstage im März spazierte er so an dem Güterbahnhof der Pots- damer Bahn vorüber, da fiel sein Auge auf ein Plakat, durch das die Bahnmeisterei Arbeiter für die Güterabfertigung suchte und ihnen dauernde Beschäftigung versprach. Gesund, kräftig und fteWndt jvßtcv sie jein, öestei M.rde nichts verlangt. S. meldete ffd), wurde von einem Beamten nach Personalien und Vorbildung gefragt, von einem Arzt auf seinen Gesundheitszustand untersucht und— war angenommen. Daß er nicht Sozialdemokrat sein dürfe, davon sagte kein Mensch ein Sterbenswörtchen. Er war nun königlich preußischer Güterarbeiter. Sein ?ohn betrug ganze 3,00 M. pro Tag und sollte später mal auf 3,00 M. Maximum steigen; die Arbeitszeit währte in der Tag- schicht von 7 Uhr morgens bis � Uhr abends, in der Nachtschicht von 7 Uhr abends bis 7 Uhr morgens. Das war elende Be- zahlung für abrackernde Arbeit, aber S. tat redlich seine Pflicht. Ungefähr vierzehn Tage gingen so hin, ohne daß jemand ihn mit der Frage belästigte, wie er es mit der Politik halte. Da bekam er eines Abends in seiner Wohnung den Besuch eines ihm unbekannten Mannes, der sich als einen Herrn Weschke vorstellte. Er komme von der Eisenbahnverwaltung, erzählte der Fremde, da werde viel Geld(l) verdient, ob denn S. nicht an- fangen wolle, er habe sich ja wohl gemeldet. Als S. erstaunt ant- wartete, er sei doch schon seit vierzehn Tagen dort beschäftigt, eiferte der andere:„Was wollen denn dann die! Da müßten wir uns eigentlich schon gesehen haben. Na, dann werden wir uns nächste Woche wohl sehen." Er plauderte weiter:„Wir haben im«L o k a I- A n z e i g e r" und in der«M o r g e n p o st" annonciert, da haben Sie es gewiß gelesen. Lesen Ste diese Zeitungen nicht?" S. erwiderte kühl, er sei sehr lange ohne Arbeit getvescn, da habe er gar keine Zeitung gehalten. Nach dieser Auskunft empfahl sich der geheimnisvolle Besucher. In der nächsten Woche hielt S. auf dem Güterbahnhof Ausschau nach ihm, ober er hat ihn dort merkwürdiger Weise niemals zu sehen ge- kriegt. Etwa vierzehn Tage nach dem Besuch des Herrn Weschke, der so harmlos zu plaudern und dabei so neugierig zu fragen verstand, wurde S. zum Obergütervorsteher gerufen.„Sagen Sie mal," begann der,„Sie sind Mitglied eines sozial« demokratischen Wahlvereins?"—„Jawohl, Herr Borsteher."—„Bei der Staatsbahn können wir solche l o t t e r- hafte.« Leute nicht brauchen�'— S. erwiderte ruhig:„Leute, die diese Gesinnung haben, sind doch nicht lotterhaft?!" Aber der Herr Vorsteher schnitt jede weitere Erörterung ab. indem er schloß: „Ja,-das ist eben Staatsbetrieb, und der beschäftigt solche Leute nicht. Sie können hier Ihr ganzes Leben lang bei uns arbeiten, aber Sie müssen aus dem Wahlverein austreten. Ueberlegen Sie sich das und sagen Sie mir dann Bescheid." Am anderen Tage ließ S. selber sich bei dem Herrn Vorsteher melden und erklärte:„Ich bleibe meiner Gesinnung treu!"—„Na, dann bleiben Sie ihr nur treu," meinte der Vorsteher, und die Unter- redung war beendet. Einige Tage nachher, um Mitte April. wurde S. wieder zum Herrn Vorsteher befohlen. Was gab's? Der Vorsteher las ihm ein Schreiben der Verkehrsinspektion vor, wonach S. nicht weiter beschäftigt werden dürfe, weil er der sozial- demokratischen Partei angehöre und vielleicht einmal für sie agitieren könnte. Hiermit bekam S. seine Kündigung zum 1. Mai. Agitiert hatte er nicht, auch sonst konnte niemand ihm etwas vor- werfen, er hatte seine Arbeit stets zur Zufriedenheit geleistet— aber er war Sozialdemokrat, darum mußte er hinaus aus dem Paradies der Eisenbahner. Am 30. April wandte er ihm den Rücken. Das Recht, Arbeiter wegen ihrer politischen Ueberzeugung aus ihrer Stelle zu entfernen, mutz einer Staatsbahnverwaltung bo- stritten werden. Wenn sie aber so verfahren zu dürfen glaubt, sollte sie es auch für ihre Pflicht halten, bei der Beschaffung von Arbeitern schon in ihren Annoncen, Plakaten usw. zu erklären. daß sie keine..lotterhaften" Sozialdemokraten einstellen will. ES würde ihr dann freilich, wie schon gesagt, verdammt schwer�wcrden. ihren Bedarf an Arbeltern zu decken. Aber auch das würde er- schwert. daß die Staatsbahnverwaltung antisozialdemo- tratischc Propaganda treibt, indem sie Arbeiter vor die Wahl stellt, entweder ihre Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie aufzugeben oder ihre Stellung zu verlieren. Die Markthallendcputation nahm in ihrer Sitzung den Antrag unserer Genossen Htntze und Schubert au. den Fleisch-Eagrosmarkt nach den Terrains an der Landsberger Allee in der Nähe des Schlacht- Hofes zu verlegen. Der Antrag wurde von unseren Genossen damit begründet, daß die jetzigen Zustände in der Zentralhalle und den angrenzenden Straßen ganz unhaltbare geworden seien; der Fuhrwerksverkehr m der Gegend sei in den Vormittagsstunden(jin ganz enormer und geradezu für den Verkehr gefährlich geworden; jede weitere Ans- dehnnng des Marktes, der schon jetzt viel zu klein, sei unterbunden, wenn man nicht zu einer Verlegung komme. Der Fleisch-EngroSmarkt gehöre schon auS praktischen Gründen in die Nähe de» Schlachthofes hin. Die ftei werdenden Räume würden sofort für den Gemüse- und Obst-Engrosmarkt gebraucht werden. Da der Borsitzende noch mitteilte, daß die Verhandlungen m,t dem FiskuS wegen Ankauf des Terrains am Lehrter Güterbahnhof noch keinen Schritt vorwärts gekommen seien, trat die Deputation einstimmig für den Antrag unserer Genossen ein.___ Es sollen zur Durchführung des Projekts 4—5 Pavillons von zusammen 10—12 000 Quadratmeter errichtet werden. Endlich ist man mit der Verlegung des EngrosmarkteS einen Schritt vorwärts gekommen. Die Bereinigung mehrerer Pakete zu tiner Postpaketadresse ist für die Zeit vom 12. bis einschließlich 10. Mai im inneren deutschen Verkehr nicht gestattet. Auch für den Auslandsverkehr empfiehlt es sich im Interesse des Publikums, während dieser Zeit ,u jedem Pakete besondere Begleitpapiere auszufertigen. Bon einem schweren Geschick ist die Portiersfrau Hagen aus der Linkstraße 22 betroffen worden. Gestern kam während ihrer Abwesenheit in ihrer Kellerwohnung Feuer aus, wobei ihr fünf- jähriger Sohn an Rauchvergiftung derart mitge- nommen wurde, daß er da« Bewußtsein noch nicht wiedererlangt hat. Um ihr« fünf noch unmündigen Kinder ernähren zu können, hat die Frau auch außerhalb deS Hauses die Reinigung eines großen Bureaus übernommen. Als sie gestern nach dieser Stelle gegangen war und ihren jüngsten fünfjährigen Sohn allein in der Wohnung zurückgelassen hatte, geriet zedenfalls durch Spielen mit Streichhölzern das Bett in Brand. Bald darauf kehrte die Mutter zurück und eS gelang ihr noch, das Kind au» dem total verqualmten Zimmer herauszuholen. Der Kleine war aber bereits bewußtlos. Die alarmierte Feuerwehr behandelte ihn mit Sauerstoff und schafft- ihn dann nach einem Kranlenhquse, wo er hoffnungslos darniederliegt. Selbstmord im Stabtbahnzug. In einem Abteil dritter Klasse hat sich am Mittwoch der 25jährige Uhrmacher Paul EzronSka aus der Brückenstraße 1 das Leben genommen. Vor den Augen der anderen Fahrgäste trank der Lebensmüde in einem Südringzuge eine Flasche Lysol auS. Die Mitfahrenden vermuteten, daß C. Schnaps trinke und sie ließen ihn infolgedessen ruhig gewähren. Kurz vor der Station Potsdamer Bahnhof brach der Selbstmörder plötzlich leblos zusammen und war bald daraus ens Leiche. Jetzt erst wurde man gewahr, daß sich C. mit Lysol vergiftet hatte. Schwerer Unfall beim„Kriegspielen". Die sogen. Schüler. schlachten, die in jedem Jahre um diese Zeit an den Grenzen Berlins stattfinden, haben diesmal recht gefährliche Formen an- genommen. Die Knaben sind teilweise mit Schußwaffen ausge. rüstet, und erst kürzlich ist bei einem Kriegspiel in einem west. lichen Vorort ein Schüler von einem der Gegner angeschossen und schwer ütsltjü m&W, mm«Weichen ilebersall in der Jansastraße wurde gestern ein Knabe mit einem spitzig zuge schnittenen Holzsäbel so heftig in die rechte Hand gestochen, daß die Waffe stist bis zum Knöchel durchdrang und die Spitze im Fleisch abbrach. Der Schwerverletzte mußte nach der Unfallstation gebracht werden. Arbeitslosigkeit hat gestern den 56jährigen Arbeiter Reinhold Mews, Grünerwcg 13, in den Tod getrieben. M. war schon lange Zeit hindurch arbeitslos und vergeblich hatte er versucht, neue Be- schäftigung zu erhalten. Er grisf in der Verzweiflung zum Strick. Nachbarn fanden den Lebensmüden gestern in seiner Behausung erhängt auf. Weil er nicht Minister werden konnte. Ein trauriges Ende hat der Invalide Karl Binotsch, Hollmannstraße 33. gefunden. Vor einigen Jahren war B. von einem Automobil überfahren worden und seitdem litt er an einer Gehirnkrankheit. Der Zustand des bedauernswerten Mannes, der seine Arbeit aufgeben mutzte und sich seitdem kärglich durchs Leben schlug, wurde immer trauriger. B. bildete sich schließlich ein. er müßte noch einmal Minster werden und er ließ sich trotz allen Abredens nicht von seiner krankhaften Einbildung abbringen. Während nun gestern seine Frau, die in dem erwähnten Hause die Reinigung übernommen hatte, die Treppen Putzte, ging B. nach der Kellerwohnung hinunter, schloß sich ein und erhängte sich. Als die Frau später das Zimmer be- treten wollte, mußte sie eS gewaltsam öffnen lassen. B. war aber bereits tot. Im Gebrüder Herrnfeld-Dheater findet nunmehr am Sonnabend abend die Erstaufführung von Anton und Donat Herrnfelds neuestem Werk, der Separee-Affäre„Es lebe das Nachtleben!" statt Eine» schweren Verlust hat am Vormittag des 1. Mai ein Arbeiter erlitten, der auf dem Wege vom Rosenthaler Tor bis zum Spittelmarkt ein kleines Päckchen verlor, das 80 M. in Gold enthielt. Den Arbeiter, der Vater von 5 Kindern ist. trifft der Verlust um so schwerer, als das Geld nur teilweise sein Eigentum war. Der eventuelle Finder wird von ihm gebeten, das Gesimdene aus dem Bureau des Verbandes der Tapezierer, Gewerlschaftshaus. Engel- Ufer 15. abgeben zu wollen. In der Maiversammlung der Metallarbeiter im Palasttheater ist ein Portemonnaie mit 82 Mark Inhalt verloren worden. Der Finder wird aebeten. dasselbe im Bureau des Deutschen Metall« arbetterverbandes, Charitöstraße 3. abzugeben. Bei der Maifeier deS zweiten Kreise« in der Berliner Bock- brauerei«st ein Armband gefunden worden; abzuholen Steglitzerstr. 13 bei Nessel abends 8—9 Uhr. Ein Schlüsselring mit einem großen Schlüssel.md zwei kleinen Schlüsseln ist bei R. Kockwitz. Plan- Ufer 92B, Ouergebäude 4 Treppen, abzuholen. Vorort- JVadmcbtcm Charlottenbnrg. Ein neue Stadtanleihe in Höhe von 40 Millionen Mark beab, sichtigl die Stadt Charlottenburg aufzunehmen Hiervon sind bestimmt 1329 000 M. zur Ergänzung der Mittel für bereits in früheren Anleihen vorgesehene Zwecke, zirka 24 Millionen zur Cr, ganzung der Mittel für den Ausbau und die Erweiterung und Er, neuernng bereits vorhandener Einrichtungen, lO�h Millionen für neue Zwecke, unter anderem für den Bau eines Schulhauses für die obligatorische Fortbildungsschule, den Erwerb eines Spiel- Platzes im Grunewald, den Bau einer Heilstätte für Tuberkulöse, verbunden mit einem GenesungÄheim, den Bau eines Kranken- Hauses für Geburtshülfe, verbunden mit einem Wöchnerinnenheim, ferner 3,8 Millionen zur Verstärkung der Mittel deS Grundstücks- erwerbsfonds und 254 800 M. zur Deckung des Aussalle» an Kurs. Verlust bei der 1905« Anleihe. Es ist dies die größte Anleihe, die die Stadt Charlottenbuvg jemals aufgenommen Hai. Wenn man be- denkt, daß von den 40 Rillionen allein etwa 13� Millionen Mark für industrielle Werke verlangt werden, rund ö Million«), Mark für Unternehmungen, welche die Verzinsung und Tilgung der Mittel selbst ausbringen, sowie rund 4 Millionen für den Grund- stückserwevbsfonds, so braucht man über die Höhe der Anleihe nicht zu erschrecken. Eine Gefährdung dsr Finanzlage von Charlotten- bürg ist auch durch dies« Anleihe nicht zu befürchten. Die Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung überwies am Mittwoch die Vorlage des Magistrats betr. Aufnahme einer An- leihe von 40 Millionen cm einen Ausschuß. Nach Erledigung einer Reihe kleinerer Vorlagen beschäftigte sich die Versammlung mit der Frage der städtischen Wohnungjsinfpektion. Anlaß dazu gab ein« vom Genossen Vogel begründet« Interpellation der Sozialdemokraten, die die Ausübung' der Wohnungsinspektiog durch eigens hierfür vorgebildete Techniker und Hygienikcr fordert und insbesondere auf die durch den schlechten Zustand vieler Wohnungen der ärmeren Bevölkerung vermehrte Ausbreitung der Tuberkulose und der Säuglingssterblichkeit Bezug nimmt. Wie der Oberbürger- meister Schustehrus erklärte, hat die Gesundheitsdeputation einstimmig die Einfühlung der städtischen Wohnungsaufsicht in Verbindung mit der Errichtung eines städtischen WohnungSnachweiseS empfohlen. ES sind bereits die Grundsätze für die an die Beschaffen- heit der Wohnungen zu stellenden Anforderungen sowie den Entwurf einer Ergänzung der Polizewerord-mmg über das Schlafstellenwesen ausgearbeitet. Falls der Magistrat don Vorschlägen der Deputation beitritt, wird nach den Sommerserien eine enisprechende Vorlage an die Versammlung gelangen. Infolge dieser Erklärung erübrigte sich eine Besprechung der Interpellation. Eine von der Freien Vereinigung eingebrachte Interpellation betraf die geplante Verlegung des Landgerichts III nach de,, G«- schäftsräumen des Landgerichts I in der Grunerstraße in Berlin, Es wurde allseitig anerkannt,' daß die Verlegung zwar im Interesse der Rechtsanwälte liege, daß aber der Nordwesten von Charlotten- bürg dadurch schwer geschädigt würde. Die Stadt Charlottcnburg habe große finanzielle Opfer gebracht, um die Erbauung des Land- gerichts zu ermöglichen. Zwei weitere Interpellationen, die sich auf die Aussperrung der Müllkutscher beziehen, sollen auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung gesetzt werden. Die eine geht von den Sozialdemo- kraten aus und fragt den Magistrat, was er zu tun gedenke um die Müllverwertungsgesellschaft dqzn anzuhalten daß ste ihrer rontrakt- lichen Verpflichtung, bot Streitfällen das Gewerbegericht al» Eini- tuilgsamt anzurufen, nachkomme. Die zweite ist van der Freien iereinigung eingereicht und beschränkt sich auf die An' „_..._____.JP. I W..»frage nach dein Stand der gegen Iva rt igen Verhältnisse auf dem Gebiet der Müll- abfuhr. Auf die nächste Sitzung vertagt wurde ferner ein liberaler Antrag, den Reichstag zu ersuchen, darauf hinzuwirken, daß der Wahlkreis Teltow-Becskow-Storkow-Charlottenburg in verschiedene Wahlkreise zerlegt wird und auf Eharlottenbuvg zwei Abgeordnete entfallen. Schöuebcrg, Mehrere Einbrüche, deren Täter man zum Teil bereits gefaßt hat, find in den letzten Tagen in Schöneberg passiert. In der ver- gangenen Nacht wurden au« dem Herrenaardcrobegeschäft hon Max Moser, Kolonnenstr. 53. Waren im Werte von mehreren tausend Mark mittel« Einbruchs durch«„«schneiden der Türfüllung gestohlen. Die Diebe haben nur die teuersten Ware» genommen, ebenso wie kürzlich au» dem benachbarten Zigarrengeschäft. Kolonnenstr. 65, nur die feinsten Zigarren im Wert von 6000 M. Bon diesen Tätern fehlt jede Spur; dagegen ist es gelungen, eine siebenköpfige Bande von Einbrechern festzunehmen, di» lange Zeit von den Neubauten das dort lagernde Zinkblech und sämtliche Bleirohre stahlen. Sie wurden in dem Moment gefaßt, als sie das Blei und Zink verkauft datten. Beide Käufer der gestohlenen Sachen wurden wegen dringenden Berdachts der Hehlerei ebenfalls verhaftet.— Gleichfall» verhaftet wurden zwei Einbrecher, namens Glenz und Kassier, die aus den während des Tages unbeaufsichtigt gelassenen Wohnungen, nachdem st« diese mit """■"""ein geöffnet, nur Geld- Gold- und Schmuckjach«« jtatzlsn- alles andere aber unberührt ließen. Bei einer Haussuchung fand die Polizei u. a. auch ein Mikroskop sin Werte von 800 M., das das Fabrikzeichen L. Bönöche Nr. 2909 trägt und wahrscheinlich einen, Arzt gestohlen ist. Straßenunfall. Heute nachmittag fuhr in Schöneberg vor dem Gebäude der Reichspost in der Hauptstraße der V-Wagei, Nr. 65 der Straßenbahnlinie Zoologischer Garten-Steglitz auf den bor ihm herfahrenden mit gefüllten Eierkisten beladenen Handwagen der Eier- großhandlung von Felder, Elisabethstr. 5, mit solcher Gewalt auf. daß der Wagen mitten durch brach, die zerbrochenen Eierkisten auf den Straßendamm flogen und der 50jährige Führer Becker, Kleine Franlfurterstr. 17 wohnhaft, von seinem eigenen Wagen überfahren wurde. Mit Hülse des Publikums gelang eS, den Verunglückten aus seiner gefahrlichen Lage zu befreien; der äußerlich nur leicht Verletzte scheint schwere innere Verletzungen erhalten zu haben, da ihn, das Blut aus den, Munde quoll. Wer di?. Schuld an de«, Unfall trägt, wird die Untersuchung ergeben Lichtenberg. Vetternwirtschaft? Die vom Gemelndevorstand beantragte Aufnahme einer Anleihe in Höhe von 150 000 Mark von der Sparkasse in Schkeuditz dürfte die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf sich lenken. Neben den Zinsen und der Amortisation wird bekanntlich eine Vermittlerproviston von 1 Prozent gefordert. Unsere Genossen bcaittragten Ablehnung der Vorlage und erbaten sich eine Erklärung, weshalb die Gemeinde sich nicht mit dem in Frage kommenden Geldinstitut direkt in Verbindmig setze. Herr Bürgermerster Ziethen erklärte, daß der Genieindevorstanv sich an mehr als 100 Behörden gewandt habe, es sei jedoch gar keine oder eine ablehnende Antwort erfolgt. Später sei durch Ver- mittler der Gemeinde Geld angeboten und geliehen worden. Zu dieser Angelegenheit hat sich nun der Bürgermeister Schmidt in der Stadtverordnetensitzung zu Schkeuditz wie folgt geäußert: „Ein Einwohner der Gemeinde Rosenthal, die früher einmal Geld bei der hiesigen Sparkasse geliehen hat. hat mitgeteilt, daß auch die Gemeinde Lichtenberg eine Anleihe aufzunehmen gedenke, und an- gefragt, ob Lichtenberg von der Sparkasse Schkeuditz Geld erhalten könne. Ihm wurde anheimgegeben, die Gemeinde Lichtenberg zu veranlassen. sich direkt an das Sparkassendirektorium zu wenden. Letzteres ist geschehen ohne jeden Vermittler! Lichtenberg wurde außerdem direkt Offerte gemacht zur Annahme eines Darlehens im Beirage von 300 000 M. in 3>/,prozentigen Wertpapieren, wozu die Gemeinde(soll heißen der Gemeinde- vorstand?> insofern Stellung nahm, daß sie sick, zur Aufnahme eines Amortisationsdarlehens in Höbe von 150 000 M. endgültig erklärte und un, Uebersendung der Schuldurkunde bat. Das Sparkqfsen- direktorium hat noch keinen Beschluß gefaßt, obgleich eigentlich keinen Augenblick gezögert werden sollte, von einen, solch günstigen Angebot Gebrauch zu machen. Hier sei von einem Vermittler nichts bekannt. die Sparkasse bediene sich eines solchen eveut. bei Beleihung aus- Wärtiger Hypotheken." Unsere Parleigenossen werden nun selbstverständlich den Versuch machen, die 1ö00 M, dem Steuersäckel zu erhalten eventuell zu ver- anlassen suchen, das ohne zwingenden Grund Gezahlte der Gemeinde wieder zuzuführen._ Schwer zugerichtet worden ist der Gastwirt Schlanwv in der Wilhelmstraße von fünf Männern, durchweg jugendlichen Arbeitern. Letztere behaupten, in der Notivehr gehandelt zu haben weil Schlanow auf der Straße auf die Leute«inen Nevolverschuß abge- feuert habe. Brist. Der Gemeindevorsteher von Britz hat den Bund der Haus- und Grundbesitzervereine„Groß Berlin" auf dessen Anfrage wie folgt beschieden:„Im Interesse des dringend erwünschten Schnellverkehrs nimmt die hiesig« Gemeindeverwaltung lebhaften Anteil an den Verhandlungen»veget» Durchführung der geplanten Schwebebahn Gesundbrunne n»Nixdorf, zumal der Wunsch bestehst, eine Haltestelle der Schwebebahn in Britz zu erhalten. Die hiesige Gemejnd! wird nach Kräften bemüht sei«, das Unter» uehmeninjederBeziehungzufördern". Tempelhof. Ei» schwerer Baunnfall ereignete sich gestern vormittag bei den Kanalisationsarbciten in her Wcrderstraße zu Tempelhof, die von der Tiefbaugesellschaft Mast in Berlin auögesllhrt und schichtweise von je hier Arbeiten, bewerkstelligt werden. Während hie Arbeiter KulinowSki und Schierkowski gegen>/,12 Uhr an der äußersten Süd- ecke der sechs Meter tiefen Baugrube unmittelbar an der Friedrich Karlstraße arbeiteten, stürzten plötzlich infolge ungenügender Ab« steifung die Schutzbohlen zusammen und rissen die hinter ihnen lagernden Sandmassen mit. Beide Arbeiter wurden verschüttet. Glücklicherweise blieb ihnen der Kopf frei. Auf ihre Hülfe» rufe eilten ihr» Arbeitskollegen herbei, denen eS aber nicht gelang. sie au» der furchtbaren Lage zu befreien Es mußte vielmehr di» Feuerwehr alarmiert werden Aber nur langsam konnte da» Nettungswerk bei der überaus gefahrvollen Lage, die jeden Augenblick einen weiteren Nachsturz befürchten ließ, vor sich geh«,,. Endlich, nach über 2'/zstündiger Arbeit konnte der Arbeiter Schier- kowski geborgen werden, auch sein Kollege wurde bald darauf herauf- gezogen. Sie hatten beide unter dem Drucke der Sandmassen schwer gelitten. Aus Mund und Ohren drang ihnen das Blut. Zwei Lerzte bemühten sich, den Verunglückten Linderung zu bringen Von dem Krankenwagen der Feuerwehr wurden dann beide, die nickt unbedenkliche innere Quetschungen erlitten hatten, den, Britzer Kranken» haus zugeführt. Groß-Lichterfelde. In der jüngsten Gemeindrvertretersitzung erfolgte die Wahl der Kommissionsnntglie�-r. Bemängelt wurde von einer Seite, daß der Schöffe Longe nahezu in allen Kommissionen vertreten sei. Für die Krahin«rsch» höher« Madchenschule wurden 400 M. zur Anschaffung von Utensilien bewilligt. Einem Antrag der„Vereinigung für Volks- und Jugendspiel«", auch im Osten einen Spielplatz für die Kinder auf dem zur Geineindeschule III gehörigen Grundstücke in der Jägersiraße herzurichten, wird stattgegeben und zu diesem Zwecke 400 M. bewilligt. Bei dieser Gelogeicheit wurde vom Gemeinde- Vertreter Celjnwtrn darauf hingewiesen, daß dir Gemeindeschule HI> „och immer nicht an die Kanalisation angeschlossen sei. Diese Tat- fache suchte der Gemetndevertrxter P r a u s e in einein Zwischenrufe abzuleugnen Schöffe Dr. Lenzner erwiderte, es sei richtig, daß jene Schule noch nicht an die.Kanalisation angeschlossen se, und dort noch da« Tonnensystem existier«. Dieser unangenehme Zustand habe schon die Presse beschäftigt,(Der„Vorwärts" hatte bor längerer Zeit die geradezu haarsträubenden Zustände in dieser Schule gegeißelt; die Orlspresse hat sie totgeschwiegen.) ES sei schwierig,«ine Klosettanlage anzubauen,. weil der noch vorhandene Raum zur Erweiterung der Schule gebraucht werde. Jedenfalls sei aber der jetzige Zustand unhaltbar und eine Aenderung dringend notwendig. Der Gemeindevertretung werde eine diesbezügliche Vor, lag« zugchen. Mit den Anlagen auf dem neuen Friedhof an her Zehleiworfer Grenze soll deninächst begonnen werden Das Areal umfaßt 33 Morgen und wird unter Berücksichtigung der EntWicke» lung des Ortes 30 Jahre ausreichen. Einem Wunsche des Gemeinbevertreters Dr. Souchon ent- sprechend sollen auf dem Friedhof auch Urnenhaine angelegr und de« Anhaiqzern der Feuerbestattung zur Benutzung überlassen werden Der Rathaussaal wird vom 9. Mai bis 13. Juni dem Künstler» kkub zur Veranstaltung einer Ausstellung zur Verfügung gestellt; eventuelle Sitzungen finden während dieser Zeit in der Aula des SchillergymnasmmS statt.— Tegel. Das Werl der Gehaltserhöhungen für die Lehrerschaft der Schulen Tegels ist«mimehr vollendet- Am Krettagnachmittag hat � efncr als dringend einberufenen vertraulichen Gemeinde- /e r t r e t e r s i tz u n g die Angelegenheit ihre Erledigung gefunden. eS lagen die Vorschläge der Kuratorien der Realschule und der höheren Mädchenschule vor, die Gehaltserhöhungen nach den gleichen Grundsätzen wie bei den Volksschullehrern vorsehen. Die Vorschläge fanden Annahme. Es wurde widerspruchslos der Wunsch auS- gesprochen, daß die Gehaltsfrage nun für zehn Jahre ruhen werde. In der gleichen Sitzung wurde noch beschlossen, die Lieferung für die neuen Pumpmaschinen zur Erweiterung des Gemeindewasserwerks der Firma A. Borsig zu übertrage». Endlich berichtet der Vorsitzende noch über die am Tage vorher abgehaltenen Beratungen über den Krankenhauszweckverband. Dem Wunsche der kleineren Vertrags- gemeinden entsprechend ist die Vertragsdauer statt auf sechs auf acht Jahre festgesetzt worden. Die kleineren Gemeinden fürchteten, daß sie, obwohl die Kündigungsfrist 1 Jahr 8 Monate beträgt, doch eines Tages vor der Schwierigkeit stehen würden, kein Kraukenhaus z»» besitzen. Die Frist von 6 Jahren schien ihnen zur Vorbereitung auf den Fall des Ausscheidens von Reinickendorf aus dem Zweck- verband zu kurz. Die Tegeler Gemeindevertretung stimmte dem Vertrage auch tn dieser Form zu. Damit ist er endgültig beschlossen. DaS Krankenhaus soll zum 1. April IWS betriebsfertig fein. Hohe«-Schönhausen. Eine kleine Nebrrraschimg wurde den Gemeindevertretern in ihrer letzten Sitzung zu teil. Am Anfang derselben erklärte der Gemeindeschreiber, daß er sein Amt als Protokollführer niederlege. Kaum hatte er dies ausgesprochen, als er auch gleich darauf verschwand. Es war schwer sofort Ersatz zu schaffen i eine so hohe Anforderung an den Geist der bürgerlichen Vertreter wagte sich so schnell keiner zu stellen. Gemeindevertreter Kreutz erklärte sich auf Bitten des Gemeindevorstehers bereit, die Stelle des streikenden Schreibers einzunehmen, lieber den widerspenstigen Gemeinde- schreiber ist die Strafe bereits verhängt; er darf sechs Monate lang nur einmal im Monat das Gemeindebureau betreten. Bei der Beratung des Etats verlangte Genosse Thiel, daß das Gehalt der beiden Nachtwächter auf 700 M. erhöht werden soll. Der Schöffe Gensler meinte,„so können wir nicht mit dem Gelde herum- schmeißen". In derselben Weis« äußerten sich die Vertreter F. Schulz und R. Schulz. Herr Kreutz meinte dagegen, daß selbst 700 M. immer noch eure miserable Bezahlung sei. Beschlossen luurd«, das Gehalt des einen Wächters, der bisher nur S40 M. erhalte« hatte, auf 600 M. zu erhöhen. Auf Antrag unseres Genossen Thiel wurde die Wahl in der dritten Klasse mit 6 gegen 6 Stimmen bei Stimm- enthaltung für ungültig erklärt. Infolge der ungünstigen Wahlzeit erhielten bekanntlich unsere Kandidaten bä, die Gegner hingegen 71 Stimmen. Zehlendorf. Lebhafte Klagen werden geführt über den Zustand der Hecke, hie alß Einfriedigung de« Fußweges von der«nnastraße au» nach der Bahn führt. Die Hecke hat an vier bis fünf Stell«» Lücken bt« zu einem halben Meter Breite, und es ist wiederholt vorgekommen, daß Leute in der Dunkelheit durch diese Lücken auf den Bahnkörper ge- raten sind und dort ihren Tod fanden. Man nahm dann in der Regel Selbstmord an. Aus diesen Mißstand deutet ein Vorfall hin, berichtete auf den Gleisen der' Eisenbahn aufgefunden wurde. Ob Selbstmord über den vor einigen Tagen der„Zehlendorfer Anzeiger" berichtete und wonach der 7gjährige Rentier Theodor Göpp« aus Stab oder Unglücksfall vorliegt, sonnte nichr ermittelt werden. Jedenfalls dürste dieser Vorfall die beteiligten Behörden erneut veranlassen, für eine Einfriedigung dieses Weges Sorge zu tragen, wollen sie sich nicht zum Verantwortlichen für weitere Unglücksfälle machen.— Bielleicht nimmt auch her Herr Amtsvorsteher," der ganz in der Nähe wohnt, die gefährlichen Lücken in der Hecke einmal in Augenschein und veranlaßt das Notwendig«. AdlerShof. Zu interessauten Auseinandersetzungen über das Verhältnis der freien Jugendorganisation zu de« christlichen Jünglings. vereinen kam eS in einer am Donnerstag stattgefundenen Ver- fammlung. Der Herr Diakon Bruhns entwickelte das Programm de« JünglingSvereinS, daS in der Hauptsache aus der Pfleg« der Religion sErbauung nannte das Herr Bruhn«) und der Geselligkest '"�ht. Maschke von der freien Jugendorgan, sation skizzierte kurz wirtschaftliche Lage der arbeitenden Jugend, Di« Mißstände � heutigen LehrlingSwesen, speziell die Außerachtlassung der Schutzbestimmungen, seien nur zu beseitigen od«r mindestens her. durch das Dasein einer starken Organisation det Jugend selbst. Die Jünglingsvereine hätten bisher besteht. die im cscuuyoeinmmungen, zeien nur zu vesettigen oder mlnvesiens her. abzumindern durch das Dasein einer starken Organisation det arbeitenden Jugend selbst. Die Jünglingsvereine hätten bisher aber nicht gezeigt, daß sie die wirtschaftlichen Rechte der Jugend wahrnehmen wolle«. Die ziemlich zahlreich erschienenen christlichen Jstnylinge hörten dem Redner sehr aufmerksam zu, sprach er den Arbeiteriindern unter ihnen doch sicher auK dem Herzen. Herr Pastor Starke und Herr Bruhne erklärten nun, daß die Wirtschaft- lichen Verhältnisse der arbeitenden Jugend keine schlechten seien, infolgedessen brauchten die JünglingSveretnx auch nicht nach Ver- besserung derselbe« streben.„Sehen St« die roten Backe« der jungen Leute", rief Herr Pastor Starke mit Emphase aus,„unsere Mitglieder sind mit ihren Verhältnissen sehr zufrieden". Der Lehrlingsverein wolle aber die Jugend nur unzufrieden machen, dafür sorgen, daß man den Leib vollfressen und voll- saufen kann, so daß der Jugend ihre Ideale geraubt würden. Genosse Horlttz gab den beiden Herren eine gründliche Abfuhr, Er zeigte, wie das Chrsstentum in der ersten Pertode hauptsächlich seinem sozialen Grundgehanken das schnelle Wachstum zu verdanken hatte. Man müsse von Leuten, die so in der Oeffentlichkeit auftreten, verlange» können, daß sie sich etwa« in die Literatur der modernen Arbeiterbewegung vertieft haben. Gerade die soziale Literatur übertreffe an geistigem Gehalt die- jcnlge unserer bürgerlichen und christlichen Gesellschaft bei weitem, Gegen die im Sinne der materialistischen Geschichtsauffassung gemachten Ausführungen vermochten die christlichen Serren nichts wesentliches einzuivenden, nur Herr Bruhne wollte nicht vom Affen abstamme». Mafchke stellte fest, daß die Jünglingsvereine, da sie sich um die wirtschaftliche Lage der arbeitenden Jugend nicht kümmern und ihren religiösen Charakter nicht aufgeben wollen. als eine der Jugend feindliche Organisation von der freien Jugend zu bekämpfen sei. Um Mitternacht erreicht« die Versammlung ihr Ende. Auch manchem Jünglingsvereinler dürste« nach dieser Auseinandersetzung die Augen aufgehen. Reinickendorf. Nehe» unser Parteipeogsumm referierte in der letzten Mit. gsiederversammlung Genosse Fellwock. Eine ausgiebige Diskuffion über den Vortrag soll i« der nächsten Mitgliederversammlung er- folgen. Der Vorsitzende ermahnte hierauf die Genosse«, sich rege qn den Vormittqgsversammlungen der Gewerkschgften und«n der Nachmittagsfeisk zu beteiligen, Dieselbe findet beim Genosse« Franke statt. An Stelle des Genosse« Bolz wurde Genosse Dolatha zum Revisor der Zeitungsspedjtion gewählt. Am Himmclfqhrtstage findet«ine Agitationstour nach Hammer-Liebenwalde statt. Lmebts- Deining. „Schämst Dil Dich nicht?" Für diese hier Worte eine Woche GefängfliSs Wie ist -daS möglich, fragt der Unbefangene. Antwort i E« war ein streikender Arbeiter und der, dem er es sggte, ein Arbeitswilliger.— Ach so, dqnn allerding«... V Die Schmiede und Schlosser der Wagenfavrik von Leuschner in Berlin hatte» in, FMjflhr Porige« Jahres die Arbeit niedergelegt, nachdem ihr Verlangen, einige entlassene lgemaßregeste) ältere Kollegen wieder einzustellen, von Herr Leuschner abgelehnt worden war. Forderungen wurden von ihnen n i ch l auf- gestellt. Außer einem Hinweis auf die Entlassungen enthielt jedoch du«uschreibt« tze» verbandtvertretttS dt« Vemerkung. daß glgo glaube, die gute Sache der schon einige Wochen vorher(wegen Ver- besserung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen) in den Streik ge- tretenen Stellmacher, Sattler und Lackierer der Firma könnte gefährdet werden, wenn man weiter arbeite.— Als der arbeitswillige Schmied Martin eines Tags die Fabrik verließ, trat ihm der Schmied Zilian entgegen und sagte:„Hier wird gestreikt". Martin ging weiter und erklärte schroff: �.Streik doch zu!" Zilian, der zehn Jahre mit ihm zusammen gearbeitet hatte, äußerte nun unmutig:„Schämst Du D i ch nicht?" Diese vier Worte soll er dann noch einmal wiederholt haben. Das Landgericht I verurteilte ihn deshalb auf Grund des§ 153 der Gewerbeordnung zu einer Woche Gefängnis, weil er versucht habe, Martin durch Ehrverletzung zu bestimmen, an einer Verabredung zur Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen teilzunehmen.— Das Landgericht folgerte so: Die Schmiede imd Schlosser hätten einen Einfluß auf die Wiedereinstellmrg Eni- lassener durch ihre Arbeitsniederlegung gewinnen wolle». Das wäre eine Arbeitsbedingung, die ihnen bisher nicht zu- gestanden war, also Hütten sie für sich eine giinsti- gere Brbeitsbedingung erzielen wollen. Ihr Verhalten habe aber auch zur Stärkung der Bewegung der Stellmacher, Sattler und Lackierer dienen sollt». Die aber erstrebten günstigere Lohnbedingungen. Also handele es sich auch bei ihnen um eine Verabredung zur Erlangung günstigerer Lohnbedingungen, ob- wohl sie solche nicht forderte».— Dieses Urteil, das an juristischer Kunst nichts zu wünsche» übrig läßt, ist am Montag vom Kammergericht als Revision sin stanz gebilligt worden. Eine kleine Einschränkung machte eS in der Begründung nur soweit, als es erklärte, es könne dahingestellt bleiben, ob es fich bei der Arbeitsniederlegung der Schmiede und Schlosser um die Erlangung günstigerer Arbeitsbedingungen handelte. Auf jeden Fall seien günstigere Lohn bedingungen erstrebt worden. Damit hat also das Kammergericht d i e Deduktion des Landgerichts gutgeheißen: Das Verhalten der Schmiede und Schloffer habe auch zur Stärkimg der Bewegung der Stellmacher. Sattler und Lackierer dienen sollten; da diese aber günstigere Lohnbedingungen erstrebten, so handele es sich auch bei den Schmieden und Schlossern um«ine Verabredung zur Erlangung günstigerer Lohnbedingungen, wengleich sie— keine forderten| Von Rechts wegen I Wie notwendig ein Schutz des Koalitionsrechtes ist, wird von Tag zu Tag durch ein« solche Rechtsprechung klarer gcinacht. Hochstapelei. Der Drogist Karl B o r d a t o halt« sich gestern wegen einer Reihe raffinierter Hochstapeleien vor her Strafkammer des Landgericht» I zu verantworten. Der Angeflagte, der schon mehr« mals harte Strafen erlitten hat, hatte bis zum 8. Mai im Zucht- hause gesessen und war dort mit Politurarbeiten für den Tischler- «reister Gustav Herrmann beschäftigt gewesen. Herr Herrmann ge- wann Juteresse für den offenbar intelligenten jungen Mann. Er stellte ihn in einem chemischen Laboratorium an. Bordato verübte aber «ine Reihe Unterschlagungen und Betrügereien gegen Herrmann und dessen Kunden. Dann verübte er auch Zechprellereien und Betrügereien gegen Vermieterinnen, denen gegen über er sich als„Doktor" aufzuspielen liebte. Der Kneifer, den er sich zugelegt hatte, sollt« nach dieser Richtung hin noch mehr Eindruck machen. In einem Pensionat hatte er mehrere Tage gewohnt und war dann verschwunden, als sich seine Rechnung auf zirka 37 Mark angesammelt hatte Als Eni- schädignng halte er drei alte wertlose Nachthemden und einen Stock zurückgelassen. Bei einer Frau W. hatte er sich als„Chemiker Herrmann" eingeführt und sich von ihr 146 M. geliehen. Als Sicher heit gab er einen vo« ihm gefälschten Check über 506 M. auf die Deutsch« Bank. Die Frau sollte mit dem Check zur Bank gehen, ihn einlösen und sich gleich die 140 M. abziehen. Als die Frau miverrichteter Sache wieder heimkehrte, war Bordato schon spurlos verschwunden. Auch eine andere Vermieterin hat er in höchst raffinierter Weise um einen kleinen Betrag gebracht. Bei einem Jnstrumentcnmacher erschien er eines TageS, stellte sich als„Dr. R e i ch e l t von der königlichen Frauenklinik" vor, er- klärte, daß er ein« Privatklinik einrichten wolle und machte eine größere Bestellung. Einige Jnstruniente nahm er gleich mit, ohne sie zu bezahlen. In derselben Weise hat er einen Bandagisten, dem er sich als„Arzt Dr. W a l d o w aus der Mittelstrahe" vorstellte. hineingelegt. Als er unter dem Namen Dr. Landau das selbe Manöver in Pankow ausführen wollte, wurde er dort von dem Kriminalschutzmann Kaarz am 12. Februar festge nommen.— Er war im gestrigen Tennin in vollem Unr« fange geständig, so daß es der Vernehmung der vor- geladenen Zeugen nicht bedurfte.— Der Staatsanwalt beantragte gegen den Augeklagten vier Jahre Zuchthaus und 1560! Geldstrafe.— Das Gericht erlannte auf zweieinhalb Jahre Zuchthaus, 2016 M. Geldstrafe eventuell noch 134 Tage Zuchthaus und Ehrverlust auf die Dauer von fünf Jahren. Wissentlich falsche Denunziation. Aus der Untersuchungshaft vor die 3. Strafkammer des Land- gerichts 1 vorgeführt wurde am Mittwoch der Korbmacher J'gnaz Paprotnh. um sich wegen wissentlich falscher Anschuldigung zu verantworten. Der Augeklagte, welcher bereits mehrfach vorbestraft ist, zog vor etwa eine« Jahre zu einer jetzt in Spandau wohnhaften Witwe Marie D. in Schlafstelle. Als er sich der Frau intimer zu nähern suchte, wies diese sein Ansinnen mit Entschiedenheit zurück. Um sich an der D, z« rächen, nahm Paprotnh zu einem sehr gemeinen Mittel Zu flucht. Er erzählte in der Nachbarschaft alle möglichen Dinge über sein angebliches Znsammenleben mit der Frau D., die deren Weib licher Ehre sehr nahe gingen. Als sich die Frau schließlich vor den schamlosesten Verleumdungen nicht mehr retten konnte, erstattete sie Strafanzeige wegen Bedrohung und Beleidi- gung. Dg« Schöffengericht t» Spandau hielt mit Rücksicht auf die frivole» und ehrabschiieidenden Aeuße ningen ein« empfindliche Sühne für erforderlich und erkannte ege» Paprotnh auf«ine Gefängnisstrafe von 6Monaten. »erdurch wurde der Haß des Angeklagten gegen die Frau D. noch mehr geschürt. In per ersten Wut richtete Paprotnh an die Staats- anwaltschaft eine Anzeige wegen tvt e i n e i d e S gegen d i e F r a u D.. in der er behauptete, er habe tatsächlich zu.dieser in näheren Beziehnngenlgestanden, obwohl sie dies vor dem Schöffen- gerichr eidlich in Abrede gestellt hatte. In dieser Anzeige n, achte P. his jn da« kleinste gehende Angabe« über die Art seines früheren Verhältnisses zu der Frau D.. sowie über diese selbst. Jn dem Ermittelungsverfahren, welches die Staatsanwaltschaft auf Eftnnd der Anzeige des Angeklagten in die Wege leitete, mußte sich Frau D. der unangenehmen Situation aussetzen, sich aus be- stimmten Gründe» von dem zuständigen Kreisarzt. Medizinalrat Dr, Jänicke i« Spandau körperlich untersuchen zu lassen. Die Untersuchung ergab da? Gegenteil von dem, was der An- geklagte behauptet hatt«. Das Verfahren gegen Frau D. wegen Meineids wurde eingestellt und gegen Paprotnh die jetzige Anklage wegen wissentlich falscher Anschuldigung erhoben. Vor Gericht b e st r i t t der Angeklagte, daß die Anzeige wissentlich falsch sei. Die Beweis- aufnähme stmd unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Der Staat« HewatSinserate. „Anständiger junger Kaufmann sucht sich mit einfachem Mädchen dienenden Standes sobald als möglich zu verehelichen." Diese Annonce, die kurz vor Weihnachten v. I. in verschiedenen biirger- lichen Zeitungen erschien, bildete den Ausgangspunkt einer gemeinen Gaunerei, die gestern vor dem Strafrichtcr ihren Abschluß fand. Unter der Anklage des Betruges mußte sich der Kaufmann Paul Zahn vor der dritten Straflammer des Land- gerichtS Ii verantworten. Er ließ obenstehendes Inserat einrücken. Auf dieses Inserat hin meldeten sich) eine große Anzahl heiratslustiger junger Damen. Unter den zahlreichen Bewerberinnen befand sich'auch die Köchin Viktoria M., die erst vor JahreSftist ihre böhmischen Berge verlassen hatte, um in der Großstadt ihr Glück zu versuchen. Jn ihrem in etwas sehr böhmischen Stile abgefaßten ersten Briefe betonte sie mit besonderem Nachdruck, daß sie sich in dem Besitze von 2566 blanken Markstücken befinde. Als der Angeklagte dies vernahm, schrieb er der böhmischen Küchenfee sofort, daß ihr Vorname Viktoria nicht ohne Bedeutung sei und sie den Sieg davongetragen habe. Zwischen beiden entstand ein Liebesverhältnis, welches schon zu Weihnachten zu einer Verlobung führte. Schon nach kurzem erkundigte sich der An- geklagte sehr eingehend nach den 2566 M. und erreichte schließlich, daß die sehr vertrauensselige Viktoria ihm das Geld übergab, da eS bei ihm entschieden besser aufgehoben sei. Er verduftete dann nach Holland. Nu» erst erkannte die M., daß sie einem Heiratsschwindler in die Hände gefallen ivar. Sie erstattete Anzeige wegen Betruges und als Z. nach einiger Zeit wieder nach Berlin kam, wurde er fest- genommen, später aber wieder aus der Haft entlassen. I n der gestrigen Verhandlung bestritt der Angeklagte jede betrügerische Absicht. Der Staatsapwalt hielt ihn jedoch durch die Beweisaufnahme eines Betruges für überführt und beantragte eine Gefängnisstrafe von 9 Monaten. Die Strafkammer ging mit Recht erheblich hierüber hinaus, da sich g, einer sehr verwerflichen Handlungsweise schuldig gemacht habe und erkannte auf I Jahr und l Woche Gefängnis. Außerdem wurde der Angeklagte, da bei der Höhe der Strafe begründeter Fluchtverdacht vorlag, wieder in Haft ge, nommen. Wie vielen ähnlichen Betrügereien mögen Heiratsinserate ähn- lichen Kalibers Vorschub geleistet haben? VerrnifeKtes. süngniSstrase von drei Jahren. Die Strafkammer erkannte au» den gleichen Gründen gegen den frivolxn Angeklagten dem An- re Gefängnis und drei Jahre trage gemäß auf d r tz i I a Ehrverlust. Sehnzehn Arbeiter in einem Kohlenschacht ertrunken. B r L s s e l. 36. April.(Eig. Ber.) Ein schreckliches Grubenunglück, bei dem sechzehn Menschen ihr Leben eingebüßt haben, hat sich gestern vormittag in A n g l e u r bei L ü t t i ch zugetragen. Diesmal haben nicht wie so oft die tod« bringenden Gase das Unglück verschuldet, sondern wild hervor« brechendes Wasser, das während der Bohrarbeit eines Steigers mit jäher Gewalt aus der Oeffnung schoß, hat die Grube überschwemmt, Ungefähr 266 Mann konnten sich in wilder Flucht durch die Aus- gangsschachte retten. Sechs Leichen sind bis jetzt geborgen, die übrigen zehn Fehlenden noch in der Grube, aber nach aller Aus- sagen schon vom sicheren Tod ereist.— Die Arbeiter beteiligen sich mit größter Tapferkeit an den Rettungsarbeiten.— Ein Arbeiter erzählte, daß er, aus der Galerie fliehend, einen Kameraden mit einem ihm entgegengeworfenen Strick zu retten ver- mochte. Der Unglückliche konnte jedoch den Strick nicht erlangen und wurde von der Gewalt de« Wasserstromes in die Tiefe geschleudert. Einer der Geretteten kam unkenntlich, mit zerschmettertem Schädel an die Oberfläche. Nach Zeugenaussagen sollen auch die meisten Opfer nicht durch Untersinken, sondern durch die Kraft de» Wasser«, das sie an die Galeriewand schleuderte, ums Leben ge- kommen sei». Unter den Umgekommenen befindet sich auch ein Familienvater von sechs Kindern. Die Angehörigen umlagern die Ziigangsschächte in wildem Jammer. Bei der Agnoszierung der Leichen spielen sich jene grausen Szenen ab, die diese fürchterlichen Katastrophen der Tiefe stets begleiten. Jn Lüttich selbst herrscht schmerzliche Erregtheit.— Die Ursache der Katastrophe ist noch nicht amtlich festgestellt. Der„Peuple" berichtet, daß bereits vor Jahren di, Bergarbeiter über die Gefahren der unterirdischen Arbeiten in dem betreffenden Kohlenbergwerk Klage führten. Es wurde auch seinerzeit in einem wöchentlichen Partetblatt darauf aufmerksam ge- machi und die offiziellen Faktoren davon verständigt. Doch wurde behauptet, es bestehe keine spezielle Gefahr. Die Tatsache» haben anders bewiesen.— Die Gruben werden wohl kaum mehr in Be- trieb gesetzt werden, da die Reparationsarbeiten zu kostspielig wären- Die Grube ist völlig unter Wasser. Die wirklich echten Teutonen. Bei einem von sogenannten wilden Turnvereinen veranstalteten Turnfest in Schwerte kam es zu großen Ausschreitungen. Aus- wärtige Turner, die sich bei der Preisverteilung benachteiligt glaubten, feuerten mit Revolvern auf die Preisrichter, von denen mehrere ver- letzt wurden. Nachts verübten die Wütenden in der Stadt allerhand Unfug, zerstörten die Krone eines Neubaues und stahlen einen Auto- maten, den sie in den Wald schleppten, erbrachen und seines In, Haltes beraubten._ Arbciterleben! Auf der Kruppschen Fabrik in Essen stürzte beim Abbruch einer Werkstätte eine Mauer zusammen und begrub drei Arbeiter. Einer ist tot, hie beiden anderen sind schwer verletzt. Brandschade». Bei einem vorgestern abend 6 Uhr im Schuppen 14 des neuen Bremer Freihafens zum Ausbruch gekommenen Großfeuer sind 6666 Ballen Bauimvolle verbrannt. Die Hälfte des Schuppens Ist zerstört worden, während die andere Hälfte durch die Tätigkeit ber Feuerwehr gerettet iverden konnte. I» die Luft geftogcn. Das Pulverdepot des Bergwerk« von Fontaine de Roche, welches 866 Kilogramm schwarzes Pulver und sonstige Sprengstoffe enthielt, flog, nach einer Meldung au» Nancy, ßestern nacht in die Luft. Der Sachschaden ist erheblich; ein sonstiger »fall ist nicht zu beklagen. E» handelt sich allem Anscheine»ach um einen verbrecherischen Anschlag. Unfall einer Pariser Sängerin. Die Theatersängerin Arlette Dorgöre geriet in ihrem Automobil zwischen zwei Straßenbahn- wagen und erlitt lebensgefährliche Verletzungen- 11 Personen tn per Grube getötet. Jn der Whipple-Grube zu Scarbpra(West-Virginia) erfolgte vorgestern nachmittag eine Explosion, wodurch 11 Personen getötet wurden._ Wtttrrnngoüderstcvt vom 2. Mai 1907, morgens 8 Ith». «laNonen Swine, nde. daiilburg v-rltn rants.a AI München Wie» «= Ii es e v QeUn 757 SStz 756 SSW 75g SW 76t SW 764 W 765 W 3 wölken! 4 bedeckt g heiter 3 bedeckt 5 wollenl 4 Heitor WS *11 E» H& Ltatttznu, Ii &= Petersburg Scillh Ilberdeen Part? 754 NO 758 SM 75t W 786 SW 75g SW Oettn L wolkig 1 bedeckt 6 wolkig 2 wollig 4 Regen Xs tSa, • 3 9 6 4 Töetter- Prognose für Freitag, de» 3. Mai 1907. Zeitweise heiter, aber sehr veränderlich intt Regenfällen, ziemlich starken südwestlichen Winden, etwa« wärmerer Nacht und wenig veränderter Tage«» temperginr._.. PfCUnsl BsIMlftCIM» per Werliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Manithallen- Direttion.( Großhandel.) Rindfleisch Ia 66-70 pr. 100 Pfd., Seelachs 20-25. Sprotten, Stieler, Ball 1,00-1,50, Danziger, Stifte 0,50-0,70. 0,00, 100 Pfd. 110-130, bo. IIa neuer 90-100, do. IIIa neuer 75. 13,50-4,00. Teltower Rüben per 100 fb. 8,00. Beiße Rüben, große Ila 60-65, IIIa 56-59, Bullenfleisch Ia 64-68, IIa 54-62, Stühe, fett Flundern, Rieler, Stiege Ia 3-4, fleine 0,00. Rote Rüben 0,00. Blumenkohl, italienischer 52-58, do. mager 42-50, Freffer 50-62, Bullen, dän. 53-60, do. holl. Stiege 4-5, halbe Stifte 2,00. do. mittel per stifte 2-3, Hamb. per Korb 3,00-6,00. Kohlrüben per Schod 2,00-3,00. Wirfingfohl 0,00. Kalbfleisch, Doppellender 105-130, Mafttälber Ia 88-94, IIa Stralf. 2,00-2,50. Aale, groß per Pfd. 1,10-1,50, mittelgroß 0,80-1,10, flein Weißfohl, dan. per 100 pfd. 4,00-5,50. Büdlinge, per Wall Stieler 2,00-2,50, holländ., per Schod 15-26. Rotkohl holländ., per Schod 20-26. 76-84, IIIa 0,00, Stälber ger. gen. 54-68, do. holl. 55-62, bän. 57-64. 0,60-0,80. Seringe p.Schod 5-9. Schellfische Stifte 3,50-5,00, Stifte 2-2,75. Spruttohl per 100 Pfund 8-10. Rosenkohl per 100 Bfd. 0,00. Hammelfleisch Mastlämmer 65-70, Ia 63-65, IIa 58-63, Safe 53-56. Rabliau, geräuch. p. 100 Bfd. 20-25. Dorsch, Stifte 2,50-3,00. Sardellen, 1902er do. Bergedorfer per 100 Bund 3,50-4,00. Morcheln per Pfd. 0,45-0,65. Rhabarber 100 Bund 3,75-4,50, Schweinefleisch 47-53. Rehwild, mit Abschuß per Pfd. 0,00. Rothirsch per Anter 95, 1904er 93, 1905er 80-85, 1906er 75. Schottische Vollheringe Sandmorcheln per 100 fb. 10,00. 0,00. Nothirsch, Abschuß 0,51-0,55. Dambirsch 0,00. Wildschweine 0,40-0,50. 1905 0,00, large 40-44, full. 38-40, med. 36-42, deutsche 37-44. Radieschen per Schod 1,50-2,00. Waldmeister per Mandel 0,80. Frischlinge 0,00. Staninchen per Stüd 0,70-0,95. Salat per Schod 2,50-4,00. Hühner, alte, per geringe, neue Matjes, per/ 20. 60-120. Stud 1,50-2,40, do. II a 1,00-1,30, do. junge 1,00-1,40. Wolgahühner 1,50-1,60. Sardinen, ruff., Faß Birnen, per 100 Bfd. hiesige 12-18, böhm. 0,00, ital. 25-28. Aepfel, per 1,00-1,70. Zauben 0,45-0,65, italienische 0,00. Bratheringe, Büchse( 4 Liter) 1,50-1,75. Neunaugen, 100 Bfd., hiesige 8-20, Tiroler, Stifte 0,00, Enten per Stüd 2,75 Schodfaß 11, fleine 5-6, Riefen. 14. Eier, Lands, per Schod 2,60-3,10. Butter Amerikanische in Fäff. 15,00-35,00, Stal., Stifte Ia 5,00-20,00, ertra 15,00 Calville, Rifte 70-80, bis 3,00, dito Eis per Stud 0,00, dito Hamburger per Stüd 2,75 per 100 fb. Ia 108-112, a 105-108, IIIa 100-104, abfallende 90-95. bis bis 4,75. Gänse, Hamburger per Pfund 1,15-1,25, dito Eis. 0,00. Saure 26,00. Zitronen, Meffina, 300 Stüd 7,00-11,00, 360 Stüd Gurten Hechte per 100 Bfund 97-128, groß, mittel 0,00. Schod 4,50, Pfeffergurten 4,50. Kartoffeln 7,00-10,00, 200 Stüd 6,00-12,00. Apfelfinen, Jaffa, per Stifte 0,00, Murcia Bander mittel 0,00, per 100 Pfund magnum bonum 3,25-3,25, de. Klein u. matt 0,00. Schleie hoй. IIa 0,00, do. groß 0,00, do. 130-150, Rofen 0,00, Dabersche 3,00-3,25, 200 er Stifte 6-9, do. 300 er 7-10, Balencia 420 er Stifte 13-24,00, Male, groß 0,00, do. flein 0,00, do. mittel 0,00, do. unsortiert 103-108. per 100 Pfund 12-16. Starotten per 100 Pfund 20-25. weiße 2,75-3,00, Salatkartoffeln 0,00. Spinat do. 714 er 18-22,00, Mesfina, 100er 4,00-6, 150er 4,75-6, 160 er 8-13,00, Blogen 31-48, do. stumpf 0,00, do. matt 0,00. Sellerie, 200er 7,50-12, 300er 8-13, Blut 100er 7-7,50, do. 150 er 7-8,00, 80 ev Karpfen unsortiert biefige, per Schod 4,00-20,00, do. bommersche 15,00-16,00. 8wiebeln 7,00-8,00. 0,00, do. 40er 0,00, bo. 35er 0,00. Bleie 0,00. Aland 38-43. Bunte große, per 100 Pfund 0,00, Fische 0,00. bo. fleine 3,50-4,00. Barse 92, do. matt 0,00. do. hiesige( Perl-) Rarauschen 92. fifche 0,00. Blei- 0,00. Charlotten 0,00. Peterfilie, grün, Schodbund 1,00-1,50. Roblrabi Bels 0,00. Duappen 0,00. Amerikanischer Lachs Ia neuer per Schod 0,00. Rettig, bayr. per Schod 2,40-4,80. 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Der Berliner Arbeiter- Radfahrerverein nahm in seiner Generlversammlung den Bericht des Vorstandes und des Kassierers entegen. Die Einnahmen betragen 2601,68 M., die Ausgaben 183,93 M., so daß ein Ueberschuß von 767,75 m. verblieb. Die Sttuten wurden mehr dem neuen Bundesstatut angepaßt. Die Gränzungswahlen zum Vorstande ergaben folgendes Resultat: 1. Vorsitzender Petruschte, 2. Vorsitzender Hamme It; 1. tassierer Schönfeld, 2. Kassierer Prescher; Schriftführer bst und Pintert; Beifizer Pielide, Zimmermann un Buttgereit; Revisoren: Seeger, Scholze und 3 dert. zahlen. Freitag, 3. Mai 1907. -Isoll und Klagen Sie dann eventuell bei dem Amtsgericht auf Beseitigung| Brotokoll zu stellen. Die Heiratsurkunde, die Duittungskarte und die AufDes Mißstandes. 2. M. 100. 1. Ja. 2. und 3. Beantragen Sie bei rechnungsbescheinigungen find beizufügen. In der Regel ist es zweddem Bezirksvorsteher die Ausstellung eines Attestes und kommen Sie beim mäßiger, den Antrag nicht zu stellen, sondern weiter zu leben. Wenn die Magistrat um Niederschlagung der Desinfektionsgebühr ein. Beträgt Ihre Frau innerhalb je 2 Jahre mindestens 20 Marken flebt, so erhält sie ihr Miete unter 300 m., so haben Sie auch ohne Antrag nichts zu Recht aufrecht. M. F. 13. Wenden Sie sich an die Staatsanwaltschaft, 50. G. H. Leider würden Sie im Wege der Klage nichts aus- bei der die Sache geschwebt hat. richten. Zur Bermeidung von Unfosten empfiehlt es sich deshalb zu zahlen. Breußen 235 Abgeordnete. N. W. 36. Zum Reichstag wählt Rummelsburg, Türrschmidtstraße 6. 100. 1. Auch ein gerichtliches Testament ist anfechtbar, wenn der Nein. schwierige Beweis gelingt, daß der Testaments errichter nicht zurechnungsfähig 2. Seit Januar dieses Jahres. Wikbegieriger Parteigenoffe 51. 1. Am 30. September 1890. 3. Ja. M. D. 33. Da der war. 2. und 3. Ja. In letterem Falle muß aber die Form des eigen- Betreffende bis zum Jahre 1893 selbständig war, fann er händigen Testaments gewahrt werden, das Testament muß also eigenhändig Altersrente erst erhalten, wenn er 1200 Marten geklebt hat. ge und unterschrieben sowie datiert werden. Friedrichsberg 100. Hedi Pagel 100. Der erste diesjährige große Schnee fall war am hinz. 2. Das Bureau des Zentralverbandes der Handlungsgehülfen und folgenden Genoffen ist von Genossen auf 25 000 berechnet worden. Die In 10 Jahren. N. 7. 1. Offenbacher Krankenkasse, Prinzenstr. 66 bei 31. Januar. Auer 100. Die Zahl der dem Sarge des Genossen Auer Handlungsgehülfinnen, Bezirk Berlin, befindet sich Neue Königstr. 36. Schäßungen geben aber sehr auseinander, in einigen bürgerlichen Blättern Salzburg 904. Auch wenn Ihr Vater aus der Kirche bereits vor war von 50 000 die Rede. L., Danzigerstraße 9. Die Fahrkarte Ihrer Geburt ausgetreten war, nimmt die herrschende Richtung an, daß müssen Sie beim Berlassen des Bahnhofes abgeben. R. R. 22. 1. Nein. Sie noch ausdrücklich Ihren Austritt erklären müssen. Der Austritt ist 2. Ja. Georgenkirchstraße. Wenn Sie beweisen tönnen, daß der beim Amtsgericht Ihres Wohnsiges zu erklären, zunächst schriftlich For Wahrheit widersprechende Auskunft erteilt ist, so können Sie vollen SchadenDie juristische Sprechstunde findet Friedrichstr. 16, Aufgang 4, mulare hierzu erhalten Sie durch die Buchhandlung Vorwärts und bei erfaz verlangen. M. M. 1877. 1. Ja. 2. Teilen Sie auf der Abete Treppe( Handelsstätte Bellealliance, Durchgang auch Lindenstr. 101). Hoffmann, Blumenstr. 14. In der Zeit von 4-6 Wochen nach Eingang meldung mit, daß Sie vorübergehend fortgehen. wchentäglich von 7, bis 9 Uhr abends statt. P. T. H., NeuGeöffnet 7 Uhr. Chres Antrages haben Sie, ohne vorherige Ladung zu erhalten, haldensleben. 1. Das ist zulässig. 2. Das Amtsgericht des Wohnsizes Sunabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ift ein auf dem Gericht zu erscheinen und Ihren Antrag zu gerichtlichem des Mannes ist zuständig. 3. Ihre Tochter hat Vormundschaftsrechte. Auchstabe und eine Zahl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort Protokoll zu erklären. wurd nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Rostenpuntt 3 Mart und ungefähr 50 Pf. 4. Ihre Tochter tann auf Unterhaltungsgelder flagen. 5. Nein. -6. 17. Der Antrag auf Rückerstattung der Hälfte der Versicherungs- 13. Ja. F. F. 6. R. 222. Ein Grund zum Bieben ist das nicht. Sehen Sie eine beiträge ist von der jungen Ehefrau innerhalb eines Jahres nach der Unterbrechung stattgefunden hat, nein, aber es tritt Einziehung zur FerienD. N. 99. 1. In der Regel in zehn Jahren. 2. Wenn feine betimmte Frift, innerhalb deren endlich die Reparatur hergestellt werden Heirat bei der Versicherungsanstalt( Kölnischer Part) schriftlich oder zu kolonie ein. 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