Nr. 389. fcMlrtnt ligNch auSec snontag', »tänumetanbo: vier.l- i, 3'80 monaic.ä) Mo SM, wöchentlich ss«pfg. frei « 6aus.«Inseln« Nummer in Ä" So,tntQfl8- Kummer mit Sonntags. erttage.Neue ,'„ 10 ffg- Vost-Zldonnernent: •-»sa.Dto Quartal. Unter«leuz- ".b: Deutlchland u. Oesterreich- »garn, MI., für da! übrtge «Mtanb i Ml.pr.Monat.«ingelr. °" Post-Aeitungz-Pretilifte Tut 18)2 unter Nr. 8652. 9. Jahrg. 3nfertfcm8<«cM5t beträgt für die fünfgespaltene Petitseile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und «erfammlung«- Anzeigen all Pfg Znlerate für die nächste Nummer muffen bis 4 Uhr Nachmittag« i» der«kpeditton abgegeben iverde». Die«rpedition ist an Woche»- lagen bis? Uhr Abends, an Sonn- und gesttagen bis» Uhr Bor- millagS geöffnet. J»»«r*e«itj- JaCchlu# »Mt i, vr. 4186. NMsMalk. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. AedaKtion: 8V. 19. ZZeuty-Straße S. Freitag, den 9. Dezember 189A. Expedition: SW.19, Weuty-Straße 3. Cherchez le Juif. ..„Suchet die Frau"— Cherchez la ferrnne— der in fiCn Franzosen ist jetzt für eine große Zahl von ?>.? ichni» auf einige Zeit wenigstens, durch das Suchet den x— Cherchez le Juif— verdrängt. Sie suchen den üb u' schnüffeln nach dem Inden, sie stecken die Nase erall hin, um den Inden zu finden— und es geht ihnen, und"Schein Ehemann, der den Liebhaber seiner Frau sucht .°'n-h r ere findet— sie finden mehr Juden als sie gc- und— als ihnen lieb sein kann. x. �e. Juden Pechvögel sind, das wissen wir nicht aw.. schein spricht dagegen—, gewiß ist, daß alle Die � �oogel find, die mit den Juden sich zu schassen gemacht föw'ch ÜK chnen vergangen haben. Es scheint fast, die . Min der geschichtlichen Vergeltung, Frau Nemesis, habe . �°userwählte Volk Gottes ganz besonders dazu aus- um ihr Walten den mit Blindheit geschlagenen �ss''lchen greisbar und fühlbar zum Verständniß zu bringen di?"o kurcH Anschauungsunterricht den sündhaft Dummen s�,..�khre einzuprägen, daß jede Abweichung von dem Achten Wege des:„Wie Du mir, so ich Dir!" in Sümpfe �.Abgründe führt und sich, wenn auch Anfangs Erfolg r zu guterletzt stets bitter rächt. Auch im v»x» I�r e* schon: Cherchez le Juif— Hepp! Hepp! Hunderte von Malen wurden die gesuchten Juden auch Wunden und entweder todtgeschlagen, wie tolle Hunde, oder ÖU' kie Haut ausgeplündert und ins Elend gejagt. >icver ehrliche Erwerb wurde den Ueberlebenden verboten— durften kein Handwerk ausüben, kein Land besitzen— Te t'k. ehrliche Arbeit treiben. Jedoch leben wollten sie, chaten, was sie mußten— sie trieben, was man damals . nannte, unehrliche Arbeit: sie schacherten, sie wucherten, AnLwmelten Schätze und«urden die Bahnbrecher und sinf x der modernen Bourgeoisie. Und siehe da, die Losdrückten sind Weltherrschcr geworden, ein gewichtiger (fe 1 weltbeherrscyendcn Bourgeoisie, die von dem gleichen � M erfüllt ist wie sie. Der Witz oder die Ironie der Äei x hat die Dinge umgedreht, aus der Strafe eine f.,°dnung, ans den Verfolgern die Knechte, aus den Ver- c? die Herren gemacht. vfit wiederhol! sich die tragikomische Prozedur, freilich k»_ oerändertcr Form, und wohl mit schlimmeren Wir- Uniw? sür die Verfolger. Wieder hallt es in allen Ecken ist ig Hopp! Hepp! Sucht den Inden! Der Jude ri1.:. an allem! M ckurst Bismarck, als Oberdemagog der agrarisch- schütz- v,"orischeu Sippe, als Organisator und Gencralfeld- Äoi Raubzugs gegen das Eigenthum des kleinen �,?"os xr gab das Signal. Dem ausgebeuteten, ans- ideth en �oinen Aianne mußte ein Opfer hingeworfen frei � �em or seinen Zorn ausließ, so daß der Schuldige Ailfit'�oHen konnte. Der Jude ward hingeworfen! Der w.s'.0"ulismus sollte eine Stütze sein der kapitalistischen I�ufchast und des Junker-, Pfaffen-, Polizei- und Soldaten- "«»dt» Janttncfcm. a««boten.) [33 B e 1- A m i. � Roman von Guy de Mau passant. Und n'L Zügen athmete Duroy die reine Luft ein, Und sein«' fühlte er sich von froher Hoffnuitg erfüllt dez weitete sich vor dem brausenden Nahen weni dlstu ia V-??pht« sich um.„Schöpfen Sie doch auch«in �ßen- s"öte er.„Es ist so wunderschön Fenstx� jl'h'Ö htran und stützte sich neben ihm auf �teu �"�orte er mit leiser Stimme:„Hören Sie und t"'1' nirii/0 löoh'•auf �us, was ich sagen will. Zürnen Sic scheu qv �oil ich überhaupt in diesem Augenblick von :»°.m.ll'Öe't rede, aber übermorgen vcrlaffe ich Sic, und spat. u»s in Paris wiedersehen, ist es vielleicht zu .°?»e- Ich bin zwar nur ein armer Teufel, der an Lonnig Geld und soll mir eine Stellung »Ut,.-�elt noch erringen. Das wissen Sie so Isud ,5:.'ch- Aber ich habe den festen Willen aus x �-Llaube auch einigen Verstand dazu. Ich em � Wege zum Ziel, auf dem richtigen Wege. Bei itiot, ne' beT eine Stellung erreicht hat, weiß man, r.hin p»»mt; bei einem Anfänger aber weiß man nie, � um fö er Mlei! 1 £5 bringen wird. Um so�schlimmer oder um so Wittes Tages habe ich Ihnen ja auch in Ihrer staats. Cherchez le Juif! Sucht den Juden! Spürt ihm nach bis in die geheimsten Winkel! Und Jude'raus! Der Antisemitismus grünte und blühte. Bismarck ist gefallen, aber sein Lieblingswerk, der Antisemitismus, ist geblieben— und der Antisemitismus, gehegt und gepflegt, ist auch unter Bismarck's Nachfolger gewachsen, ae- wachsen, so rasch gewachsen, daß er schließlich dem Staat über den Kopf zu wachsen droht. Erst spät merkte die Regierung die Gefahr. Und nun war es zu spät. Sie wollte eindämmen, der Fluth Einhalt gebieten, allein die modernen Staatsmänner sind keine texenmeister und der Zauberlehrling kennt die rettende ormel nicht. Unsicher und ohne festen Plan ivard vor- gegangen. Mechanisch, aus alter eingewurzelter Gewohnheit griff man nach den alten Hausmitteln— der Staatsantoalt sollte Helsen und die Polizei. Und nun haben wir die unvermeidliche Bescherung. Die Polizei hat nur Oel ins Feuer gegossen, und der Staatsanwalt hat die Flamme nur angefacht, so daß sie jetzt lichterloh brennt, und die Hüter des Staates den so oft mit Unrecht erhobenen Ruf mit Recht ausstoßen könnten: Der Staat ist in Gefahr. Ja, der Staat ist in Gefahr, und der blöde Hödur, der ihm einen Stoß ins Herz versetzt hat, er heißt A h l w a r d t. Tie Erbärmlichkeit der Person läßt die Bedeutsamkeit der Rolle, zu der ihn die Göttin der Ge- schichte in einer bizarren Laune sich ausersehen, um so schärfer hervortreten. Das kleinste Stein- chen kann die gewaltigste M'chine zum Stillstand bringen. Der Antisemitismus ist durch die Logik der Thatsachen beim Wort genommen und weit über sein eigenes Ziel hin ausgetrieben worden in staatsseind- lichstes Katilinarienhum. Er war reaktionär und ist revolutionär geworden. Gegründet von Reaktionären, zu Zwecken der Reaktion ver- richtet er die Geschäfte der Revoltttiou. Cherchez le Juif! Sucht den Juden, sucht die Kor- rnption! Der Antisemitismus Hat den Inden gesucht, und er Hat mehr gefunden— neben und hinter dem Juden— Andere, und immer wieder A n d e r e. Er hat die Korruption gesucht, und er hat sie gefunden, mehr als ihm lieb war— er hat die jüdische Korruption gesucht, und er hat die allgemeine k a p i t a l i st i s ch e Korruption gefunden bis in den innersten Kern der Gesellschaft. Verschließen ivir nicht pharisäisch die Augen! Was da jetzt in Frankreich sich abrollt— dieser„unerhörte" Panama- Skandal, der unserer mordspatriotischen Tugend so er- wünschtes Futter gab, er ist um kein Haar breit skandalöser als dieser Ahlwardt-Prozeß, der viel, viel Korruption enthüllt, und die Aussicht ans endlose Korruption eröffnet hat. Man täusche sich nicht! Das Urtheil der Volksseele, die Anfangs an die„Judenflinten" nicht glaubte, ist durch den Prozeß erschüttert ivorden. Wohnung schon gesagt, daß mein theuerster Traum es wäre, eine Frau wie Sie zu finden. Heute wiederhole ich Ihnen diesen Wunsch. Antworten Sie mir nicht. Lassen Sie mich fortfahren. Ich richte keine bestimmte Frage an Sie. Ort und Augenblick würden sehr wenig dazu passen. Nur das liegt mir am Herzen: Sie sollen. wissen, daß Sie mich mit einem einzigen Worte beglücken können, daß Sie in mir einen brüder- licheu Freund oder einen Gatten finden, wie Sie wünschen, wie Sie wollen, daß ich Ihnen mit Leib und Seele gehöre. Ich möchte von Ihnen jetzt nicht eine Antwort hören, ja nicht einmal hier weiter darüber sprechen. Wenn wir beide wieder m Paris sind, werden Sie mir Ihren Entschluß mittheilen. Bis dahin kein Wort weiter, wenn ich bitten darf." Er hatte das alles hingesprochen, ohne sie anzublicken, als säte er seine Worte in die Nacht vor ihm. Und es schien, als hätte sie seine Reden nicht verstanden, so un- beweglich starrte sie in die bleiche, mondbeleuchtete Land- schafl. Lange blieben sie so Seite an Seite, Ellenbogen an Ellenbogen sinnend und schweigend stehen. „Es wird ein wenig kalt," sagte sie schließlich, wandte sich um und kehrte ans Bett zurück. Er folgte ihr. Sie schauten jetzt weniger den Tobten an, sie hatten sich schon an den Gedanken gewöhnt. Sie sprachen nicht mehr und suchten den Schlaf von sich fernzuhalten, um, wie es sich gehörte, bei der Leiche zu wachen. Gegen Mitter- nacht aber schlief zuerst Duroy ein. Als er erwachte, sah er, daß Frau Forestier � gleichfalls eingeschlafen war. Er machte es sich im Lehnstuhl bequemer, schloß von Neuem die Augen und brummte:„Alle Wetter auch! Im Bett ist man doch besser aufgehoben." Militärische Geheimnisse sind durch„horrenden Ver- trauensmißbrauch" verrathen, das Ansehen des Staats, des Reichs hat gelitten, das Interesse des Staats, des Reichs ist geschädigt, die Autorität der höchsten Behörden zu unter- graben versucht worden, in einem Umfange, wie das nientals zuvor geschehen— und das nicht durch eine Partei des Umsturzes, sondern durch eine konservative, eine reaktionäre Partei psr excellevce, durch die lautesten und glühendsten Anbeter des Throns und des Altars. Wie die Franzosen trinmphiren! Wie sie der deutschen Heuchelei, die über den Panama- Skandal höhnt, den Ahlwardt- Prozeß ins Gesicht stoßen. Und wie sie wohl- gefällig, mit grinsender Schadenfreude in dem Koth wühlen, den die antis emitischen Kloakenräumer da aufgethürmt haben. Wer kann's den Franzosen verargen? Der preußische Staat und das deutsche Reich, sie haben den Schaden. Und tver den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Wird Ahlwardt vor dem Berge der Korruption Halt machen, tvie weiland Fnsangel vor der Schienenflickerei? Hat er Verstand genug, die Konseqnenzen zu erfassen und vor ihnen zu erschrecken? Wie dem immer sei— ein Blick ist in den Abgrund gethan worden, und wir Alle haben gesehen, daß die Korruption, welche die Signatur der kapitalistischen Gesell- schaft ist, auch den Staat nicht verschont,— daß der Kapitalismus die Stützen des Staates ebenso zu zerfressen sucht, wie die der Gesellschaft. Und der erzreaktionäre Antisemitismus ist es, der Suche nach Juden in den Abgrund geleuchtet Fäulniß erhellt hat. Das Dichtermort hat sich wieder bewahrheitet— das Wort von„der Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft." Ob der Herostrat von Friedrichsruhe sich des Unheils freuen wird, das„seine Leute" hier angestiftet? Ob er vielleicht die Hände in der Pastete gehabt?-- Und was nun? Was iverde»„die Konsuln" thun, um das Vaterland zu retten? Wir warten es ruhig ab. der aus und die VolMNlhe 1tel>rrNls»k. Berlin, den 8. Dezember. Zur Ahltvardt-Wahl. Der„Reichs-Anzeiger" meldet in seinem nichtamtlichen Theil: „Ter M i n i st e r d e s I n n e r n hat dem Landrath des Friedeberger Kreises wegen der Unterzeichnung eines Wahl- ausrufs für den Rektor Ahlmardt seine ernste Mißbilli- gung zu erkennen gegeben." Wir würden dieses Verhalten des Ministers besser Ein plötzliches Geräusch ließ ihn auffahren. Die Wärterin trat ins Zimmer. Es war Heller Tag. Die junge Frau im Lehnstuhl ihm gegenüber schien aber so überrascht ivie er. Sie sah ein wenig blaß, aber doch so hübsch, so frisch, so graziös wie immer ans, trotz der im Lehnstuhl verbrachten Nacht. Als Duroy aber ans den Leichnam blickte, rief er zitternd:„Oh, sein Bart! In wenigen Stunden war dieser Bart aus dem sich schon zersetzenden Fleisch so mächtig hervorgeschossen, wie sonst, als er noch lebte, in Tagen nicht. Sprachlos blickten sie auf dies Leben, das sich über den Tod hinaus fortsetzte. Wie ein unheilvolles Wunder, wie die übernatürliche Drohung einer Auferstehung erschien es ihnen; vor einem jener fremden, ungewöhnlichen Dinge standen sie, die die Verminst erschüttern. Sie verließen alle beide das Zimmer, um sich bis elf Uhr auszuruhen. Daun legten sie Charles in den Sarg, und fanden nun Ruhe und Erleichterung wieder. Beim Essen saßen sie einander gegenüber und fühlte» das Be- dürfniß, von tröstlichen, heiteren Dingen zu reden, mit dem Tode abzuschließen und sich dem Leben wieder zu widmen. Warme, süße Frühlingslust drang in das weit ge- öffnete Fenster hinein und trug den Dust des Nelken- beetes vor der Thür in's Zimmer. Frau Forestier schlug Duroy einen Spaziergang im Garte» vor und sie wandelten behaglich um den kleinen Rasenfleck und athmeten die wonnige vom Duft der Tannen und Eucalyptusbänme erfüllte Luft ein. Und plötzlich begann sie zu reden, so wie er in der Nacht da oben, ohne ihr Gesicht ihm zuzuwenden. Mit leiser, ernster Stimme sprach sie langsam: „Hören Sie, lieber Freund, ich habe bereits... über Ihren Vorschlag nachgedacht.., und ich will Sie nicht würdigen, wenn es auch bei Unterzeichnung anderer Wahl aufrufe durch den Landrath geübt würde.— Gege» Ahlwardt's Wahl soll ein Protest wegen zahlreicher, im Kreise vorgekommener Unregelmäßigkeiten eingereicht werden. Bei der großen Majorität Ahlwardt's dürfte der Protest wenig Erfolg haben.— Beim Reichstage ist eine Nachweisung der Rech- uungs- Ergebnisse der Berufsgenossen- s ch a f t e n für 1891 eingegangen.— Der Ba« des neuen Reichstags- Gebäudes am Königsplatz ist bis auf Einzelheiten vollendet, und die beiden letzten Baujahre werden nunmehr von dem inneren Ausbau und der Einrichtung des Hauses in Anspruch genommen werden. Die Reichstagsbau-Kommission, welche aus Mitgliedern des Bundesraths und des Reichstags besteht, hat in ihrer letzten Sitzung sich damit beschäftigt, die voraussichtlichen Kosten für den inneren Ausbau und die Einrichtung fest zustellen. Die Kosten für Mobiliar, Beleuchtungskörper, Gardinen und Vorhänge, Teppiche u. s. w. find auf 1 275 000 Di. vcr- anschlagt, während der gesammte innere Ausbau, Decken, Fußböden, Treppen, Wandgetäfel, Malereien, Bildwerke, Statuen u. s. w. voraussichtlich einen Kostenaufwand von 0 450 000 M. erfordern wird. Die Kosten des ReichstagsbaueS werden ohne Berück sichtigung der Kosten des Grunderwerbes 21 000 000 M. betragen. In der Kommission wurde allseitig betont, daß die Reichstagsbau-Verwaltung bei dem inneren Ausbau sich in den Grenzen der Kostenanschläge hallen, und wenn irgend möglich eine Ueberschreitung der veranschlagten Summen vermeiden müsse. Bei der vorläufigen Besprechung über die Vertheilung der Arbeiten für den inneren Ausbau des Reichs- taas-Gebäudes wurde von dem Abg. Singer der Wunsch aus- gesprochen, nicht immer nur sogenannte erste Firmen und die großen Möbel- und sonstigen Fabriken zu beschästigen, fondern auch das Handwerk und Arbeitergenossenschaften durch Ertheilung von Austrägen zu berücksichtigen. Das von der Regierung so oft ausgesprochene Wohl- wollen für Handwerk und Arbeiter könnte hierbei einmal zur Bethätigung gelangen, und es gäbe auch, abgesehen von den großen rein künstlerischen Aufgaben, bei dem inneren Ausbau des Reichstags-Gebäudes Gelegenheit genug, das Handwerk und Arbeitervereinigungen mit Aufträgen zu ver- sehen. Dieser Anregung wurde von keiner Seite der Kom Mission widersprochen, im Gegentheil, der Vorsitzende der Kommission, Staatsminister v. Bötticher, schloß sich dem Wunsche des Abgeordneten Singer an und stellte in seinem Schlußresumee namens der Kommission an die Reichstags- Bauverwaltung das eindringliche Verlangen, bei der Ver- gebung der Arbeiten für den inneren Ausbau des Reichs- lags- Gebäudes so weit als irgend möglich die von dem Abgeordneten Singer bezeichneten Kreise zu berück sichtigen.— Freisinn für die Militärvorlage. Die„Freisinnigen' in Sruhm- Diarienwerder haben beschlossen, bei der Stich- wähl für den freikonser..tiven Kandidaten, Polizeidireklor Wessel, einzutreten, der erklärt hat, für die Militär- vorläge einzutreten. Gleich den eingefleischsten Chauvinisten ist ihnen gegen den„Polen' Donimirski jeder, auch der reaktionärste Kandidat willkommen. Kur Geschichte der Fortschrittspartei theilt die „Frnsiunige Zeitung' gelegentlich des Todes von Werner Siemens niit, daß dieser mit zu den Begründern der Fort- schrittspartei gehörte, die ihm auch diesen Namen verdankte. Siemens halte der Parteibildnng und der Berathung des Programms und Namens im Sommer 61 beigewohnt. Sieniens selbst erzählt darüber: „Die Mehrheit war geneigt, für den Namen„demokratische Partei' zu stimmen, während Schulze-Delitzsch sie„deutsche Partei' laufen wollte. Ich schlug vor, den Namen„Fort- schrittspartei" zu wählen, da es mir angemessener schien, die Thätigkeitsrichtung als die Gesinnung durch den Parteinamen zu bezeichnen. Es wurde beschlossen, meinen Vorschlag mit dem von Schulze-Delitzsch zu vereinigen und die neue Partei„deutsche Fortschrittspartei" zu nennen." abreisen lassen, ohne ein Wort darauf erividert zu haben. Ich sage weder ja noch nein zu Ihrem Vorschlage. Warten wir ab und sehen wir zu, uns noch besser kennen zu lernen. Denken Sie auch Ihrerseits noch einmal nach. Gehorchen Sie nicht ohne weiteres einem Einfall vielleicht. Wenn ich mit Ihnen schon jetzt darüber rede, wo der arme Charles noch nicht einmal be- graben ist, so geschieht es, weil Sie nach dem, was Sie mir gesagt haben, wissen müssen, wie ich bin, damit Sie bald die Gedanken, die Sie gestern ausdrückten, fallen lassen, falls Sie nicht ein,.. et».,. Charakter sind, der mich versteht und erträgt. Verstehen Sie mich wohl. Für mich ist die Ehe keine Kette, sondern ein Bünvniß. Ich will frei sein, frei auf alle Fälle, in allen meinen Entschlüssen, in meinem Gehen und Treiben, frei auf immer. Ich kann weder Ueber- wachung noch Eifersucht, noch Auseinandersetzungen über mein Betragen dulden. Andererseits verpflichte ich mich, wohlverstanden, dazu, den Namen meines Mannes nie zu kompromittiren, ihn nie lächerlich oder verhaßt zu machen. Aber mein Mann muß sich auch für gebunden erachten, in mir eine Gleiche, eine Verbündete zu sehen und nicht eine unter- geordnete, gehorsame und ergebene Gattin. Diese Gedanken sind nicht herkömmlich, das weiß ich wohl, aber ich werde sie niemals ändern. So, das wollte ich Ihnen sagen. Auch ich füge hinzu: Antworten Sie mir jetzt nicht, es wäre überflüssig und unschicklich. Wir werden uns wiedersehen und vielleicht später einmal weiter davon sprechen. Machen Sie jetzt einen Spaziergang. Ich kehre zu ihm zurück. Auf Wiedersehn, heut Abend!* Er drückte einen laugen Kuß auf ihre Hand und ent- fcrnte sich, ohne ein Wort zu sagen. Am Abend sahen sie sich nur während des Diners. Dann begaben sie sich auf ihre Zimmer, sie waren beide vor Mattigkeit halb gebrochen. Charles Foreftier wurde am nächsten Morgen auf dem Friedhos von Cannes begraben. Es war ein schlichtes Be- Lräbuiß. Die Fortschrittspartei, welcher Johann Jacoby 1870 bereits den Beinamen„verschämte Nationalliberale" beilegte, hat gut gethan, im Jahre 1333 ihren Namen abzulegen, da ihre„Thätigkeitsrichtung' längst aufgehört hatte, eine fort- schritlliche zu sein.— Der Geschäftsliberalismns, der vor einigen Wochen triumphirend ankündigte, daß sämmtliche liberale Parteien in Bayern— auch die sogenannte Volkspartei— sich dahin geeinigt hätten, bei der kommenden Landtagswahl lieber einem Zentrumsmann die Stimme zu geben, als einem Sozialdemokraten, sind jetzt außer sich, weil die Rechnung ein Loch bekommen und nennen die Katholiken, welche da sagen, es könne unter Umständen vortheilbaster sein, für einen Sozialdemokraten zu stimmen, statt für einen Liberalen:„Geschästskatholiken'. Da schimpft ein Grau- thier das andere Langohr. Ob Geschäftsliberaler oder Ge- schästskatholik— das ist gehupft wie gesprungen sie alle sind G e s ch ä f t s p o l i t i k e r.— Die brave Bourgeoisie. Als„Wirkung des neuen Einkoinmensteuer-Gesetzes", welches den Steuerhinterziehungen a la Bochum einen kleinen Riegel vorschiebt, stallt Herr Eugen Richter die Thatsache hin. daß zahlreiche Mitglieder von Wohlthätigkeitsvereinen in Rixdorf ihren Austritt er- klärt hätten mit der übereinstimmenden Begründung, daß sie nach ihrer neuesten Heranziehung zur Einkommensteuer Iür Wohlthätigkeitszwecke nichts m e l b r i g hätten. Denselben Grund hätten jetzt auch 75 so- genannte.passive'(nur zahlende) Mitglieder der freiwilligen Rixdorfer Feuerwehr für ihr Ausscheiden aus diesem gemein nützigen Verein angegeben, was für diesen einen erheblichen Ausfall bedeutet.— In schmutzigerer Weise konnte sich die protzige Bourgeoisgesinnnng nicht äußern.— Wer selber ein gläsernes Dach hat, thut gut, andere mit Steinen zu werfen. So hält es wenigstens die „Kölnische Zeitung". Vor wenigen Wochen erst veröffent lichte sie die ihr durch„Indiskretion' zur vorzeitigen Kennt- niß gelangte Militärvorlage, und gegenwärtig zeigt sie die größte Entrüstung darüber, daß Militäraktenstücke in die Hände Ahlwardt's gelangt sind, und giebt sich zum De- nunzianten her. Sie schreibt: „Der in Wesel geübte Berrath ist wohl ganz ungezwungen in eine gewisse Verbindung zu bringen mit dem in Cleve ver- handelten ätantener Mordprozeß, der die Gemüther so aufgeregt hat, daß sich zuletzt ein wahrscheinlich untergeordneter Beamter zu dem Verralh hat verleiten lassen. Ganz wesentlich schlimmer erscheint aber, daß man auch an höheren Stellen die Hände in der Ahlwardt-Affäre gehabt hat. Herr v. Langen sagte in seiner Vernehmung, daß er die Broschüre vor ihrer Veröffent- lichung einem hochstehenden Offizier vorgelegt habe. Wie dieser sich»u diel er Veröffentlichung eigentlich gestellt hat, geht aus der Verneymung nicht recht hervor; unier allen Umständen berührt es aber nicht angenehm, daß sich«in hochstehender Offizier überhaupt in solche wenig reinlichen Jntrigucn mischte und daß er überhaupt in Verbindung mit einem Buch genannt werde» kann, das die schmählichsten Anklagen gegen die Armee enthält. Es ist zu bedauern, daß bei der vorgestrigen Ver- Handlung nicht festgestellt wurde, wer denn eigentlich der hohe Offizier ist, bei dem sich Herr v. Langen in dieser bedenklichen Angtlejjeoheit Ralh geHoll hat. Die Angaben der Antisemiten sind mtt Borsicht auszunehmen, aber in diesem Falle wird an ernsten Stellen vielfach geglaubt, daß Herr von Langen seine Angabe über den„hochstehenden" Offizier auch dahin halte er weuern können, daß es sich um«inen aktiven und sehr hoch stehenden Offizier handelte, der den Linicntruppen angehört. Das Versäumte kann aber noch nachgeholt werden, und es wäre zu wünschen, daß es geschähe, damit man in gewisse Vorgänge einen klarern Einblick erhielte. Auch deshalb wäre es wünschenswerth, damit kein hoher Offizier der Armee in einen unberechtigten Verdacht kommt."-> Ei» weister Rabe ist ein Fabrikinspektor, der mit den Arbeitern direkt über die Arbeiterfrage verhandelt. Wie der„Frankfurter Zeitung" aus Mannheim, 7. De zeniber, berichtet wird, ist der Fabrikinspektor W Ü r r i L � h o ff e r im Auftrag der Regierung in Mannheim eilt- getroffen, um mit den Vertretern der A r b e i t s l o s e n zu ronferiren. Einem Fabrikinspektor der preußischen Rhein- Provinz zog der direkte Amtsvertehr mit den Arbeitern, auf die.Beschwerde der Fabrikanten, eine scharfe Rüge zu.— Eine verblümte Denunziation leistet sich die, mehr lind mehr in ihre alten Jugendlaster zurücksinkende„Kreuz- Georges Duroy wollte um eineinhalb mit dem Kourier- zug nach Paris zurückkehren. Frau Forestier begleitete ihn zum Bahnhof. Sie gingen ruhig auf dem Bahnsteig auf und ab, wartete» aus die Abfahrtszeit und sprachen über glcichgiltige Dinge. Der Zug lief ein. er war nur kurz, ein richtiger Kourier- zug, fünf Waggons nur. Ter Journalist suchte sich seinen Platz und stieg dann wieder aus, um noch einige Augenblicke mit ihr zu sprechen. Ihm war plötzlich ärgerlich und traurig zu Muth geworden, und es that ihm sehr leid, sie zu verlasse», als wenn er sie für immer verlieren sollte. Ein Beamter rief: Einsteigen in der Richtung Marseille, Lyon, Paris. Duroy kletterte in den Wagen und lehnte sich zum Fenster hinaus, um ihr noch ein paar Abschiedsworte ju sagen. Die Lokomotive pfiff, und der Zug setzte sich lang- am m Bewegung. Der junge Mann beugte sich ans dem Waggon und sah der jungen Frau nach, die uubeiveglich aus dem Steige stand und ihm mit ihren Blicken folgte. Und als er sie fast schon aus dem Gesicht verlor, führte er rasch beide Hände zum Munde und warf ihr eineil Kuß nach. � � Sie erwiderte den Gruß, nur verdeckter und zögernd, als entschlüpfe er ihr. Zweiter Thelk. 1... � Georges Duroy hatte all seine alten Gewohnhelten wieder aufgenommen.. Er wohnte jetzt in dem kleinen Parterre der Rue de Konstiuople und lebte so vernünftig wie ein Mann, der sich zu einem neuen Leben rüstet. Selbst seine Beziehungen zu Frau von Marelle hatten die Form einer Ehe angenoinnien, als wenn er sich aus das nahende Ereigniß hätte vorbereiten wollen; und oft wunderte sich seine Geliebte über die ge- regelte Ruhe ihrer Verbindung und wiederhole lachend: „Du bist ja noch pomadiger, als mein Mann. Da loynlc ' sich wirklich kaum der Mühe zu wechseln." Frau Forestier war nöch nicht zurückgekehrt. Sie. es Zeitung", indem sie heute folgende Notiz zum Abdvi- bringt: L e i p z g, 6. Dezember. Dem„Vogtländischen Anzeiger schreibt man: Mit welchem Zynismus sich oft die Anhänger der Nmsturzparteien zu ihren elenden Ansichten bekennen, zeige« die beute ftuh in einer Versammlung der„unabhängigen 2-" zialisten" gefallenen Aeußerungen eines lSjährigen Burscher' welcher erklärte, daß er mit der Gotlesidee gebrochen Hab«" ihm sei es gleich, ob er«inen Meineid schwöre oder nicht;„rcf es sich um das Wohl der Gesammtheit handelt, schwöre lieber einen Meineid, ehe ich die Gesammtheit schädige Zwar widersprach die Versammlung, in welcher die fraktl» nellen Sozialdemokraten den Vorsitz und die Majorität Hattert lebhaft; allein die Gemeinheit deS Redner« fand auch einige Bertheidiger. Der„Vogtländische Anzeiger' ist ein? der verrufenste Amtsblätter in Sachsen— Leiborgan des sattsam bckanntce antisemitisch-agrarischen Reichsboten und Oberstaatsanwalt Hartmann. Ob die Aeußerung so gefallen ist, wie ges<$ wird, wissen wir nicht, aber aus den Berichten der gegve' rischen Blätter wie unseres eigenen Leipziger Partei-Orgar- geht übereinstimmend hervor, daß es sich um das Gcschwe' eines unreifen, der Tragweite seiner Worte nicht bewußtem Jungen handelte, der verdientermaßen nicht beachtet wurdii nicht einmal von der Polizei. Wozu nun aus diese werty lose Aeußerung die Aufmerksamkeit lenken? Und warui« die Schlußbemerkung, daß der Sprecher„auch einige theidiger" gefunden habe? Muß und soll dadurch nicht del Schein erweckt werden, die Versammlung habe die betreffe!! den Aeußerungen doch nicht so ganz mißbilligt, wahrer' thatsächlich die paar Krakehler, welche die Versammlung einberufen hatten, von den Leipziger Arbeitern so gründli» heimgeschickt und abgethan wurden, wie es überall gescheht sollte und wie es überall geschehen kann.— Der konservative Parteitag Hai heute begann� Gleich zu Beginn begann der Kampf um die Stellunguahn' zum AntisemiliSrnus. Der Rechtsanwalt Clasing beantrag� „In Erwägung, daß die deutsch-konservative Partei schreilungen jeder Art bekämpft.— in Punkt 1 des Progra«� Einwurfs de» Satz:„Wir verwerfen dt« Ausschreitungen& Antisemitismus" zu streichen." Ter Vorsitzende verlas eine„Erklärung' von 21 gliedern der konservativen Partei, darunter v. H e l l d o ls/ v. Flügge, Dr. Hartmann, v. Holleusser u. s. w., wo»a« diese Herren aus dem Boden des alten Programms steh� Unter großem Tumult sprach sich der Kammerherr v. Blufl»»' thal gegen den Antisemitismus aus.„Man kann nicht k»"' servativ sein und einen Ahlwardt wählen." Rechtsanw� Krause- Arnswalde erklärt, er halte sich für ebenso k»� servativ wie der Vorredner und habe in der Siichw� Ahlwardt gewählt. Ter Antrag Clasing wurde angenomw�j und ebenso, auf Antrag Stöcker's, die Streichung des Passus!� in dem Programm, daß die Anhänger der Sozialdemokrat mit den Machtmitteln des Staates zu bekämpfen ftitf' Ueber den weiteren Vorgang werden wir morgen � richten.— Ehrgefühl haben die Lente ja doch nicht. In .Pommerscheu Oekonomischen Gesellschaft' sprach der GftC v. Königs mark über vie Arbeiterfrage. Er hob dem„Naugarder Kreisblatt" die Zuchtlosigkcit, die Sftt losigkeit beim Umziehen und deuKoirtraktbrnch-der Arbeits hervor. Aus Gefäugniß mache sich der Arbeiter nichts, er im Gefäugniß ja besser lebe als zu Haufe'— ein schö� Kompliment, das da den Rittergutsbesitzern für ihre 3' Handlung der Arbeiter gemacht wird. Selbst aus eiw einsührung der Prügelstrafe könne da Helsen. Nun, wenn denn schon die Prügelstrafe eingeführt wertt soll» dann führe man sie ein für gräfliche Bankrotteure»l', Schuldcnmacher, für betrügerische Majoratsherren, die C unantastbaren Besitz ihres Majorats Schufter und Schneid/' betrügen, für die Herren von dem Schlage des Graff? Gersdorff— Ehrgefühl haben diese Leute doch nicht.— Ueber die Zahl der Arbeitstage im Jahre. das„Zentralblatt für Textil- Industrie' folgende theilimg: ») Preußen 805 Arbeitstage. Es gehen von der Zahl 5' hielt sich noch immer in Cannes auf. Sie schrieb ihm, � sie erst Mitte April in Paris eintreffen werde; von ih?' Abschiedsgesprächen stand kein Wort, keine Anspielung* Briefe. Er wartete. Er war jetzt fest entschlossen, sie um j�' Preis zu heirathm und alle Mittel anzuwenden, wenn> zögern sollte. Aber er vertraute seinem Glück und � Verführungskraft, die er in sich spürte, einer nicht nif. zu bezeichnenden, doch unwiderstehlichen Gewalt, die# alle Frauen unterwarf. Ein kurzes Lille: theilte ihm mit, daß die Stunde � Entscheidung geschlagen hatte: „Ich bin in Poris. Besuchen Sie mich. .. Madeleiue Forestier." �, Nichts weiter. Um neun Uhr hatte er es erhalt� Um drei Uhr an deniselben Tage noch war er bei ihr.-% ihrem hübschen, freundlichen Lächeln reichte sie ihm b->'' Hände. Einige Sekunden laug sahen sie sich tief in Tann flüsterte sie:„Wie gut Sie waren, mich in � schrecklichen Tagen da unten nicht allein zu lassen.'- „Was Sic mir auch befohlen hätten, hätte ich gcth-"- erwiderte er. Sie setzten sich. Sie ließ sich erzählen, was es M1*/ gebe, was Walter, die Zeitung und die Kollegen mach�" Um die Zettung kümmerte sie sich sehr. � „Sie fehlt mir jetzt sehr," sagte sie.„wirklich sehr. � war mit Leib und Seele Journalist gewordeu. Ich llC' eben das Handwerk." m ■i glaubte sie zu verstehen, glaubte � ch«m Lächeln, in dein Ton ihrer Stimme, ja in ih�, Worten sogar eine Art Einladuilg zu finden, und vb>-� er sich vorgeiioiiilnen hatte, die Dinge nicht zu überstü� stotterte er doch:» � o ..."S0 dann... warum... warum... nehmen& das Handwerk... nicht wieder... unter dem Namen dem Namen Duroy ivieder auf?' «*»,~ plötzlich ernst, legte die Hand auf sei� .luu und mutnielte:„Sprechen wir noch nicht davon. (Fortsetzung folgt.) ad: 88 Sonntage. 1 NeujahrZtag, 1 Eharsreitag, 1 Oster mvntag, 1 Büß- und Settag, 1 Himmelfahrtstag. 1 Pfingstl wontag, 2 Weihnachtsfeiertage; b) Königreich Sachsen 302 Arbeitstage. Die drei Feiertage, welche Gochsen mehr hat als Preußen, find Dreikönigstag. 2 statt 1 Bußtag. ResormationS- fest, c) Sächsisch, Herzogthümer 301 Arbeitstage. Die vier Feiertage mehr im Vergleich zu Preußen find Gründonnerstag nnd drei zwischen 1. Ottober und 18. November fallende Kirchweih-Festtage; die Katholiken seiern extra an 10 Tagen: Epiphanias. Volentinstag, Fastnacht, Frohnleichnam, Mari« Himmelfahrt, Aschermittwoch, Mariä Heimsuchung, Maria seburt, Michaelistag, Martini-Bischvfstag. 6) Bayern 300 Arbeitstage(ohne spezielle Angabe), v) Württemberg 303 Ar- beitslage(desgleichen).— Bon sämmtlichen in Frage kommen- den Landern hat Ungarn mit 312 die meisten, das Innere Rußlands mit 267 die wenigsten Arbeitstage. Eine Verglei- chung aller Länder ergiebt folgende Reihenfolge: Inneres Rußland 267, Canada 270. Schottland 276, England 273, Portugal 233, Russisch Polen 238, Spanien 290, Oesterreich Und Russische Ostsee> Provinzen 296, Italien 293, Bayern, Belgien, Brasilien und Luxemburg 300. Sächsische Herzog thümer 301, Frankreich. Königreich Sachsen und Russisch Finnland 302, Württemberg, Schweiz, Danemark und Nor- wegen 303, Schweden 304, Preußen und Irland 306, Ver- «inigte Staaten von Amerika 306, Holland 308, Ungarn 312 Arbeitstage. Wie viele Feiertage sonst noch den Arbeitern aufgezwungen werden, ist aus dieser Zusammenstellung nicht «sichtlich. Sie würde ein Bild der anarchistischen Produktions- weise geben, die heute Millionen Arbeitskräfte Übermensch- iich ausbeutet und morgen Millionen arbeits- und brotlos ?ufs Pflaster wirft. Die Furcht vor Arbeitslosigkeit zwingt überdies die Arbeiter, sich eine ganze Menge„Feiertage* gefallen zu lassen. In sehr vielen Fabriken giebt es nicht zwei, sondern 10—14 Weihnachts-Feiertage, die der Fabri- kant zur Ausnahme der Inventur benutzt, während die Arbeiter feiern müssen. �Patriotische* Festtage, SedanS- tage u. s. w. werden den Arbeitern aufgezwungen. Aber tw Weheruf geht durch die ganze Bourgeoisie, wenn die Arbeiter die„Frechheit* haben, aus freien Stücken sich «inen eigenen Arbeiter» Feiertag, wie den 1. Mai, zu schaffen.— In Oesterreich hat der rasende See doch sein Opfer gefordert. Graf Taaffe, der Dauerhaste, bleibt, aber sein Kollege Kuenberg. auch Gras, geht oder wird gegangen.— Zur italienischen Krists. In der K a m m e r haben bei Berathung des Budgets die parlamentarischen Stürme chon begonnen. Natürlich um den Dreibund. Ein Ab- Zeordneter, mit dem ominösen Namen Lucifero, behauptete, >er Dreibund verbürge den Frieden und— Sparsamkeit, intemalen Italien ohne den Dreibund mehr Geld für kine Armee brauche, worauf seitens verschiedener Abgeord- Wen sehr heftige Entgegnungen erfolgten. Ein Ergebniß harte die Debatte nicht— sie verrieth aber die zunehmende Rathlosigkeit.- Frankreich. Das neue Ministerium giebt der Panama Kommission die weitesten Vollmachten und läßt die Leichl Reinach'z ausgraben, um zu sehen, ob und m wie weit d,e an den Tod dieses Zentralagenten des Panama-Schwindels geknüpsten Gerüchte begründet sind. Wenn das Programm ausgeführt wird, ist es ein sehr guieS. Aber wo ist der Herkules, der den Augiasstall des Kapitalismus zu reinigen vermöchte? Sogar der alte Halbgott konnte den Stall ülcht mit eigener Kraft ausfegen— er mußte einen Fluß M Hilfe nehmen, der den Mist wegräumte. Und für den Panania-Schniutz reicht das Wasser der Seine nicht aus. Ueber die Programmerklärung wird telegraphirt: Paris, 8. Tezember. Tepunrtenkammer. Tie von dem Minisierpräsideuten Ribot verlesene ministerielle Erklärung be- g'Nnt mit erner Ueberficht über die gegenwärtige Lage von all- gemeinen Gesichl-punkten aus und belvnt, daß das neue Kabinet uach innen wie nach außen die Politik befolgen werde, welche die Zustimmung der Kammer gesunden habe. Die Erklärung hebl weiter hervor, daß die Regierung den ausrichtigen Willen hege. baz Parlament und die Gerichte zu unterstützen, um Licht in ber Panama-Angelegenheit zu verbreiten. Ebenso sei es ihr nicht Winter eifriger Wunsch, den Grundsätzen der Trennung der vssemlichen Gewallen, denen Alle zugethan seien, treu zu bleiben. ?ü« Fehler und Vergehen einzelner Persönlichkeiten dürsten wdessen nicht das öffentliche Leben zum Stillstand bringen Tie Erklärung weist sodann auf die Leistuugen der Republik wn, und namentlich auf das von der gegenwärtigen Kammer auegeführte Werk; die Kammer müsse stolz auf dieses Werl sein uud möge dasselbe weiter verfolgen. Die Erklärung fuhrt alsdann aus, wie gefährlich es sei, allzuleicht sein Ohr An- gebereien zu leihen, welche bezweckten, der össentlichen Meinung «chlingen zu legen, die man vermeiden müsse. Es se» noth- wendig, daß die Kammer die provisorischen Zivölstel bewillige und sich mit der Prüfung der Reform der Gelrankesteuer be- Ich ästige, sowie mit dem sranzösisch-fchweizerischen Abkommen. Zum Schlüsse betont die Ertlärung die Absicht der Regierung. das Parlament zu unterstützen, uin in vollem Einvernehmen wlt diesem ihre Aufgabe zu einem guten Ende zu fuhren zum Heile der Republik und Frankreichs.— r. In London sind jetzt zwei Ausstellungen— eine con {'item Riesenvieh, die berühmte Weihnachts- Aus- ueilung— und mit dieser verbunden, eine AuS- '«Unna von fetten Rie s en m rnsch e>», den . noch "unng von fetten Rre s en m ruf ch e n, ven �"bzöllnerisch gesinnten Landivirthen, die noch fetter noch riesiger werden möchten, und� deshalb � all' � Hl �« u» vu.____________ fordern, rcolür'fie dann in Anbetracht ihres riesigen >Uves>„,.snn�-.2 werden, binden, das Iv�Aich einmal, bei Gelegenheit ihrer Riesen-Fettvieh- �usstellnug, Schutz für die„nothleidende..Landwuth- eibesutufanges alljährlich ausgelacht werden. Int_ nnen die Herren vertragen. Ein Spaßvogel hat einmal �geschlagen, man solle die nothleidenden Landivirthe doch Len. Und das wäre ganz vernünftig— auch sur Deutschland. Wir schlagen das Wiegen überhaupt als K lssinittel der Statistik vor- und zwar ganz ,m Ernst. � ülc>s die Stimmen, sondern auch die Menschen so.. nicht blos zählen, sondern auch' iviegen. Man nehme L®; an, die deutschen Großgrundbesitzer und Groß- 5Bp�mnten würden gewogßn, und desgl.'hre Arbe tter. g. überraschender Unterschied würde sich heraussttiieil. -1 �.Lcttize soziale Frage käme in den Geivichiszstsern zum mlsichstcn Ausdruck.— � Hiobsposten aus Afrika. Die Gerüchte von dem Mtergang verschiedener Kouuo-Erpeditionen bestätigen sich A vollsten Unisang. Die Expeditionen Bio, Jacquc- und dim Mmlm- um Ii.-'W Tot?�°p°"n sind bis auf den letzten Mann aufgentben «Kbe Schicksal ist allem Anscheine nach den Expedlttoiien .°rkh°ven'S und Delcommune's geworden, von denen die Gr�i den eigenen Berichten des Führers, furch. veuel verübt hatte. In ganz Innerafnka sind l-tzt die Araber unbestrittene Herren. Sie verstehen sich auf das Kolonisiren des„dunklen Erdtheils" bei weitem besser al» die durch den Militärdrill für die Kulturarbeit verdorbenen europäischen Zivilisatoren.— Die Botschaft de? Präsidenten Harrison. Der Präsident der Bereinigten Staaten hat eine Botschaft er- lassen, in welcher er über die zu erwartende Stellung der neuen Regierung sich ausspricht. Was er zum Mac-Kmley- Tarif sagt, dürste das meiste Interesse erregen. Er sagte: „Wir müssen annehmen, daß der jetzige Tarif, der nach den Regeln des Schutzzolles aufgebaut ist, aufgehoben werden soll, und daß derselbe durch einen Tarif ersetzt werden wird, der ausschließlich im Hinblick aus Staatseinkünfte konstruirt ist. und daß kein Zoll höher sein soll, weil die Steigerung eine amerikanische Fabrik offen halten wird, oder die Löhne der amerikanischen Werkleute dadurch hochgehalten werden, sondern daß in jedem Falle ein solcher Zollsatz aufgelegt werden wird, der dem Staatsschatze die größten Einnahmen zuführt. Der Wettstreit hat sich nicht um Zolllisten, sondern um Grundsätze gedreht. Es würde beleidigend sein, die Idee auszuwerfen, daß die vorherrschende Partei die Prinzipien, die sie befürwortet und die Zusagen, die sie dem Volke gemacht hat, nicht in Gesetze verwandeln wird.* Doch empfiehtt der Präsident, die Frage der Tarif- revision dem nächsten Kongreß zu überweisen. Die Frage des Einflusses auf die Arbeitslöhne sei zu erörtern; eine Lohnermäßigung könne von patriotischen Bürgern nicht ohne die ernstesten Besorgnisse betrachtet werden, doch glaube er, daß es auch ohne Stütze von Schutzzöllen in vielen Zweigen der Produktion möglich sei, mit dem Auslande zu koniurriren. Es sollte Unbeschästigten nicht gestattet sein, amerikanisches Domizil zu eriverben. Die ganze Stellungnahme zu den Arbeitern ist eine so gewundene, daß selbst ein deutscher „Staatsmann" noch davon profitiren könnte.— pofftiuetrfittrfifcn. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" sieht in dem Ausfall der Hamburger und Mannheimer Arbeitslosen- st a t i st i k den Beweis dafür erbracht, daß die Arbeitslosigkeit ketneswegs so groß ist, wie die Arbeiterschaft behauptet. Es war vorauszusehen, daß dieser billige Einwand von den Gegnern gemacht werben würde. Wenn das ossiziöse Blatt aber weiter sagt, daß die ablehnende Haltung, welche der„Vorwärts* zu dem Projekt der Ausnahme einer privaten Arbeitslosenstatistik einnahm, darin ihre Ursache habe, daß unsere Parte»«in so „brauchbares Agitationsmittel nicht fahren lassen wolle, wie man es dann besitzt, aus Grund unbestimmter Angaben über die Größe der Arbeitslosigkeit lamentiren zu können", so ist unbegreiflich, warum das Blatt nicht selbst die Aufnahme einer A r- beitslosenstatistlk d- rch das Reich verlangt. Ware die Arbeitslosigkeit, zu welcher die Staatsbetriede durch zahlre.che Arbeiterentlassungen sehr viel mit beitragen, wirtlich nicht in dem befürchteten Maße vorhanden, so würde das Ergebniß der Reichsstatistik unserer Parte» jenes„brauchbare Agitationsmittel" ja am allersichersten entziehen. Gegen die Militärvorlage wurden ferner Protest- Versammlungen abgehalten in S a a l f e l d(Referent Reißhaus), Rohr und Vaihingen(Referenten Tauscher und Raut), Friedberg(Referent Reichstagsabg. Ulrich), Edentoben(Referent Weiß-Mannheim), Brake und Abbehausen(Referent H u g- Bant. In Greiz fand am 26. November eine von über tausend Personen besuchte Versammlung statt, in welcher der Reichstags- Abgeordnete Franz Hofman» über die Militärvorlage und den Parteitag reserirle. Die einstimmig angenommene Resolution aipselt in der Forderung: Dem Moloch Militarismus keinen Mann und keine» Groschen mehr. In einer anderen Resolution sprach die Aersammlung der sozialdemokratischen Reichstags- Fraktion ihr vollstes Vertrauen aus und erklärte sich mit'den Beschlüssen des Parteitages vollständig einverstaude». Die Resolution, welche in den am 27. November in Dill Weißen stein und Huchenfeld, Amt Pforzheim, statt- gehabten Protestversammlungen nach dem Referate Ad. G e ck' s> Offenburg einstimmig angenommen wurde, hat folgenden Wort laut:„Die Voltsversammlung erklärt sich mit dem Referenten darin einverstanden, daß der Militarismus den geistigen und materiellen Ruin der Völker, auf denen er lastet, herbeiführt. Tie Mililärlasten, unter denen das deutsche Volk seufzt und die aus dem Wege der indirekten Steuern getragen werden, sind un» erträglich. Wir erklären uns' einverstanden mit den sozial- demokratischen Parteivertretern im Reichstage, welche nicht nur die neue Militärvorlage ganz ablehnen, sondern auch dem jetzigen System des Militarismus keinen Mann und keinen Groschen bewilligen und die Einführung einer allgemeinen Volks» wehr verlangen." In G ü si r o w(Mecklenburg) fand am 6. Dezember ein« geschlossene Parteiversammlung stakt, welche nach dem Bortrag« des Genossen M a r t i k k e- Hamburg einstimmig eine Protest- Resolution gegen die Militürvorlage annahm. Der Zutritt zu der Versammlung war nur gegen Karten gestattet, weshalb die Polizeibeamlen, die nicht im Besitz einer Eintrittskarte waren, zurllckgeiviesen wurden, worein sie sich nach einigen Auseinander- setzungen auch fügten. Anwesend waren etwa 600 Personen. Tie Güstrower Genossen bitten uns, den Text der erwähnten Resolution unter dem Stichwort:„Herrn v. Frege von grünen Jungens aus dem Agrarierlande Mecklenburg zur Antwort." Die Resolution lautet: „In Erwägung, daß der Militarismus kulturfeindlich ist, die Freiheit und den Wohlstand vernichtet, dem arbeitenden Volke immer neue Lasten aujerlegt und ihm die nothwendigsten Lebensmittel immer mehr vertheuert," in fernerer Erwägung, daß durch die ewigen Rüstungen Deutschlands auch dessen vermeintliche Gegner in ihren Rüstungen sortsalire» und dadurch der Staat dein Bankerott entgegen- getrieben wird, erklärt sich die Versammlung mit den Aus- lührungen des Referenten einverstanden, prolesurt energisch gegen jede Mehrbelastung des Volkes durch den Militarismus und fordert die Einführung der Volkswehr." Es ist schade— bemerken unsere Güstrower Genoffen noch— daß du politischen Verhältnisse Mecklenburgs und die lokalen Verhältnisse Güstrows es unmöglich machen, die Meinung der g c s a.m m t e n Bevölkerung zum Ausdruck zu bringen. Das ist nur möglich während der ReichStags-Wahlen, wenn auch dann immer noch sehr von dem Willen des„gnädigen Herrn* abhängig. Ein« Auflösung desReichstags»st deshalb hier doppelt erwünscht .» Mit den Beschlüssen des'«erli»ec Parteitags erklärten Uch du Quedlinburger Paiteige» offen im allgemeinen einverstanden. Sie mißbilligten jedoch die Ablehnung des Antrags. welcher du Schaffung eines neven dem„Vorwärts* wöcheutttch erscheinenden Zentralorgans bezweckte Ihre Zustimmung sprachen aus Lage. Br_ «-D 1' tz- r Parteigenosse'sind" mit pen'B-'schlüsfen deZ Parteitags ebenfalls einverstanden, behalten sich aber vor«„alle Anträge, welche besonder? den revolutionären Charatter der Be- wegung hervorkehren sollen, bei kommenden Parteilagen immer wieder bis zur endgilligen Annahm« seitens des Parteitages ein- zubringen*. � � Gemeindewahlen. Gegen' die Wahl de? Genossen Bremer zum Stadtverordneten des Magdeburger Stadtheils Buckau hatte der Stadtverordnete Schmidt Einspruch erhoben, weil Bremer nicht in Buckau wohnhast sei. Nach dem Z 7 des bei der Bereinigung Buckau's mit Magdeburg abgeschlossenen Ver- träges soll Buckau behufs Vornahme der Stadtverordnetenwahlen in Gemäßheit der§§ 14 und 15 der Städteordnuua einen be» sonderen Wahlbezirk bilden, der in sich vorläufig sechs Stadt- verordnete zu wählen hat. Und es bestimmt jener§ 15: bei Stadt- gemeinden, die mehrere Ortschaften enthalten, kann— jetzt durch Beschluß des Bezirksausschusses— nach Verhältniß der Einwohnerzahl bestimmt werden, wie viel Mitglieder der Siadt- verordnetenversammlung aus jeder einzelnen Ortschaft zu wählen sind. Das Oberverwaltungsgericht wies jedoch die Beschwerde ab. da für diese Bestimmung des ß 7 nicht die Genehmigung des Bezirksausschusses erfolgt sei und die allerhöchste Bestätigung des Vereinigungsvertrages sich nur auf die Thatsache der Bereinigung von Magdeburg und Buckau beziehe.— Der alte Genosse Bremer bleibt also Stadtverordneter und wird es hoffentlich noch lange bleiben. »« Parteiorganisation. Die Quedlinburger Partei- genossen wählte» ein 7.gliedriges Agitationskomitee. das für energische Agitation in Quedlinburg und Umgebung zu sorgen hat. AuS dem Wahlkreise Offenbach-Diebnrg wird uns ge- schrieben: Daß unsere ländliche Bevölkerung für die Bestrebungen der Sozialdemokratie regeS Verständntß hat, kann mau aus der Zu- stimmung ersehen, welche unseren Rednern in allen bisher ab- gehaltenen Versammlungen zu theil ivurde. So fand am 27. No- vember in Seligenstadt(einem Hauptorte der Ultramon- tonen) eine Versammlung statt, in welcher Genosse Golm vor den sehr zahlreich erschienenen, sowohl dem Bauern- wie dem Kleinhandwerkerstande angehörenden Zuhörern über den Berliner Parteitag und die neue Militärvorlage, sowie den schädlichen Einfluß des Militarismus sprach. Die Ausstthrungen fanden begeisterten Beifall und die vom Redner vorgeschlagene Resolution, m welcher gesagt ist, daß hie sozialdemokratische Partei die ein- zige wirkliche Gegnerin des herrschenden Militärsystems sei, wurde einstimmig angenommen. Ebenso fanden am 23. Novbr. in Klein-Eteinheim. am 4. Dezember in Klein-Krotzenburg und Baden- hausen(der früheren Hochburg der National liberalen), am 5. in Neu-Isenburg zum Theil überfüllte Versammlungen statt, in welchen gleichfalls das Thema:.Militärvorlage" be- behandelt ivurde. Ueberall wurde» die Protestresoluttonen mit Elustimmigkeit angenommen. Im Laufe der nächsten Tage wer- den noch in verschiedenen Orten unseres Kreises Protestversamm- lungen abgehalten werden. Gleichzeitig halten, wie der„Bor- wärls" schon berichtete, die Genossen aus acht größeren Orten Sonntag, den 11. d. M., in Dreieichenhain eine Besprechung über die nächstes Jahr in diesem Bezirke stattfindende Landtags- wähl ab. Bei einiger Thätigkeit dürfen wir hoffen, den der- zeitigen nationaliberalen Abgeordneten aus dem Sattel zu bringen. Die Aussichten hieraus sind bei dem Vorhandensei» einer zahl- reichen Arbeiterbevölkerung, die in größeren Orten,— wie Neu- Isenburg, Sprendlingen, Langen— wohnen, die denkbar günstigsten. Im Anschluß an die Kanserenz. welche Mittags lagt, findet eine große Volksversammlung statt, in der Genosse G a l>n aus Setigenstadt über den Berliner Parteitag und dle Militärvorlage reseriren wird. Alles in Allem ist die Bewegung in unserem Wahlkreise eine gute und sollte, was allseitig ge- wünscht wird, der Reichstag ausgelöst werden, dann werden mir aller Voraussicht nach schon bei der Hauptwahl siegen. Die schlechte wirthschaftliche Lage, unter welcher unsere gesammte Arbeiterbevölkerung von je zu leiden hat, ivird in Verbindung mit der noch nie dagewesenen Arbeitslosigkeit dazu besonders bei tragen. Dodtenliste der Partei/ Am I. Dezember er. starb in Lieg nitz der Genosse Bernhard Schwerdtner..600 bis 1300 Personen erwiesen dem braven Mitstreiter die letzte Ehre.— In Langerfcld(Westfalen) ist der Genv'ie H. H a h u. aus dem Leven�geschieden. Polizeiliches, Gerichtliches tc. — Ueber das Thema„Wie Anklagen zu stände kommen?" schreibt das„Volksblatt für Anhalt': Die Magde- burger Straflammer hat de» Antrag des Staatsanw ilts Maizier abgelehnt, auf Grund von Aeußerungen, welche Gen>sse Peus in einem Vortrage zu Löderburg gethan, das Hauptver ahren gegen diesen zu eröffnen. Der Vortrag fand am 29. Ni vember 1391 statt; Anklage erhob die Staatsanwaltschaft am 2i. September 1892, also nahezu zehn Monate später. Am 26. C kl ober erhielt Peus die Anklage ins Gefängniß zu Plötzensee z.geschickt. Er erwiderte absolut nichts darauf. Aber we m er nun nach elf Monaten Zeugen hätte suchen wollen, um den eigentlichen Sinn seiner Aeußerungen festzustellen. wo hätte er sie hergenommen und we n hätte er die Zeugenschaft überhaupt zutrauen können? Notizen des überwachenden Beamten sind immer die Haup.grundlage der Anklage. Das Gesetz schreibt vor, daß die Sll.alsanwaltschaft nicht nur die delastenden, sondern auch die entladenden Momente beachte. Bei solchem Versahren müssen aber nochwendig die be- tastenden Momente zu Ungunsten des ZlngeNag.en ins Gewicht fallen. Was nun verstümmelte Notizen für den Angeklagten für Gefahren bringen, zeigt folgendes: Genosse Pens hatte unter anderem gesagt: Der§ 131 des Reichs- Strafgesetzbuches werde fälschlicherweise zitirt„wegen Berächtlichmacbuug von Staats- einrichtungen". Er müsse zitirt werden„'oegen Verbreitung wissentlich erdichteter oder entstellter Thatsache» u. f. w." Staatseinrichtungen verächtlich zu machen, sei an und für sich nicht verboten. Verboten sei nur die Behauptung und Verbreitung wissentlich erdichteter oder entstellter Thatsache» zu diesem Zweck. Staatseinrichtungen verächtlich zu machen, wenn sie wirklich verächtlich wären, durch die Mittel der Wahrheit, sei die Pf t i ch t jedes ehrlich für Wahrheit uud Recht strebenden Mannes, also auch besonders der Sozialdemokratie. Das Gefühl sei uns vqn d-. r Natur gegeben um es anzuwenden, um dann den Antrieb zum Denken' und Handeln zu finden. Der überiyachende Beamte schrieb von dieser ganzen Auseinandersetzung pur das durch Sperrdruck Hervorgehobene auf, woraus man donn entnehmen konnte, als habe Pen» die Verächtlichmachung vo? StaalSeinrichtungen u m jeden Preis nicht nur mir den Mitteln der Wahrheit, sondern auch durch die Lüge für Pflicht der Sozialdemotralie erklärt. Jeden- falls muß man annehmen, daß die Slcatsanwaltschaft diese verstümmelte Notiz des Beamten sa auffaßte, dem, sie schrieb in ihrer Anklageschrift, charakteristisch sei dieAeuße- rung deSAngeschuldigten, Staats einrichtungen verächtlich zu machen, sei die Pflicht der Sozialdeniokratle. Die Strafkammer war einstchtig genug, in Pens' Aeußerungen nichts Strafbares zu finden, dagegen konnte st« es doch nicht unterlassen, in ihrem Beschluß als Zweck des Angeschuldigten die„Aufregung der mireifen Köpfe in der Versammlung gegen die bestehende Ordnung" zuzugeben. Richter sellten sich grundsätzlich aller solcher Urtheile enthalten. Denn es ist ein politisches Urtheil. Wir nenne» diese„Auf- regung der unreifen Köpse" eine sehr ernstgemeinte Belehrung. die dem Volte so sehr noth thut, wie nur irgend etwas in unserer Zeit noth thun kann. ea Inhalt der Inserate über» t die Redaktion dem Publikum über keinerlei Betantwortung Theater. Freitag, 9. Dezember. D'ernhanv. Bajazzi. Vorher: Die Jahreszeiten. Kchaulpielhan». Lydia. Die ge- lehrten Frauen. Lesstng-Thrater. Nora. £rrHner Theater. Nora. Wallner-Theater. Die Großstadt- tust. Jeutsches Theater. Solos Vater. rotl'» Theater. Abu Hassan. Hierauf: Das Nachtlager in Granada. lenes Theater. Lozirbesuch. estdenz-Theater. Im Pavillon.(Le ■ Parfüm). Kriedrich-Milhelmltäbt. Theater. . Das verwunschene Schloß. KeUeallianre-Thrater. Keine Vor- stelluna. Adolph Ernst-Theater. Die wilde Madonna. Thomas-Theater. Der ledige Hof. Oational-Th-ater. Im Abgrund. Apoll»- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Theater der Zleichshallen. Spezia. litäten-Vorstellnng. Minter-Garten. Spezialitäten-Vor- stellung. Kaufmann'« Nariöt«. Spezialitäten- Vorstellung. Gebrüder Richter'« Maribtö. Spe- zialitäten-Vorstellung. Adolph Ernst- Theater. ■EM Torletzte Woche. MM Zum 94. Male: Die wilde Madonna. Gesangsposse in 3 Akten von L.Treptow Coin-lets von 0. Görss. Musik von 6. Stetfecs. Mit neuen Kostümen aus dem Atelier d. Fr. llöpire, und neuen Dckorauonen v. LMtemexer in Coburg. An(Ernte gesetzt von Adolph Ernst. WW- Anfang 7'A U Hr."MB Morgen r Dieselbe Vorstellung. DW' In Vorbereitung:"MI Modernes Babylon. Gesangsposse in 3 Akten v.Eck. llacodson W.»ennststlt. Couplets theilweise Görss. Mustk von 6. Steifens. IN von G Circus Renz. (Karlstraße.) Freitag, den 9. Dezember 1892: Abends 71/* Uhr: Grosse humoristische Vorstellung mit komischen Einlagen sämmtlicher Clowns. Außerdem: Prinz Garneval und sein Gefolge, vorgeführt von Hrn. Gscar Renz. Coriolan, Schulpferd, geritten v. Frl. Oceana Renz. Ar. James Fillis mit dem Schulpferde Germinal."MI Der Zwergelephant Nelli, vorgeführt durch den Clown Larater Lee. Auftr. der musikalischen Clowns veltorelli etc. Zum Schluß: MF- Auf Aelgo- land."MZ Mit neuen Einlagen, u. A.: Auszug der Lefb-Garde-ArUUe- rie. Ballet von 82 Damen. Morgen, Sonnabend, 10. Dezember, Abends?>/« Uhr: Große Vorstellung mit neuem Programm. Sonntag: 2 gr. Vorstellungen. Nach- mittags 4 Uhr(1 Kind frei): Die Instigen Heidelberger. Abends Uhr Aul Helgoland. Villet-Vorverkauf beim „Jnvalidendank", Markgrafenstr. Sla. Fp. Renz, Direktor. Castan's Panoptikum. Sensation etil Prinzeß%m\t Vorstellungen 11— 1 und 4— 9V4 Uhr stündlich. Ohne Extra-Entree. Eutrer 59 Pf., Kinder Si5 Pf. Passage- Panopticum. JerAjler- menfi Circus Corty-Althoff. Kerlin, Friedrich Karl- Ufer, Ecke Katlstraße. Freitag, den 9. Dezember, Abends 7Vz Uhr: Gr. Komiker-Vorstellung mit höchst amüsantem Programm. Austreten sämmtlicher Clowns in ihren neuen komischen Entree's u. Intermezzos. Außerdem Auf« treten der renom. Künstlerinnen und Künstler, sowie Aufführung des Parforeestückes: Ein iiilgllrislhes Czikosstst oder: Eine Ranernhochzeit a. d. Pnasta, ausgeführt vom ges. Personal mit Benutzung von 30 Pferden. 55 Hengste, vorgeführt vom Direktor Althoff:c. Sonnabend. 10. Dez., Abends 7Vs Uhr: N ovitätenvorstellnng. Sonntag, 11. Dez.: Zwei Extra- Vorstellungen, 4 Uhr(1 Kind frei) u. 7l/s Uhr._ Feen-Nalast Burgstraße, neben der Börse. Welt-Lokal Berlins, 5000 Pers. fassend. T ä g M c f» Br. Spezialitäten- Varßellnng Auf. Mochent. 7l/2 Uhr, Sonnt. 9 Zlhr. Entree 59 Pf. Meyer 1_ Lexikon, Brockhaus u. V Bücher jeder Art kauft --Hannemann, Kochst. 50. Kaufmann's Variete Am Siadtbahnhof Alexanderplatz. Tollständig neues Programm. TsiurS Lklitj, Btnihorit-Tm, ÄSS. mit ihren dressirten Cneadus. Schnellzeichner , und seinem , Gänse-Zirkus. Klara Mai,®Su? sowie Auftreten sämmtlicher anderer Spezialitäten. Anfang Wochentag» 3 Ehr. MiMellir Tereinszimmer, 30—40 Pers. sass., auch als Zahlstelle zu verg. 46Sb V. Baatz, Fruchtstr. 81. ! Metallarbeiter! Große öffentliche Versammlung aller in!>er Metallindustrie besUstigten Arbeitet Berlins und Umgegend k am Montag, den 12. Dezember, Abends 8V2 Uhr, bei Gratw e,l(ob. Saal), Kommaudanteustr. 77—79. Tages- Ordnung: 1. Rechenschaftsbericht der Vertrauensmänner und Bericht der Revisoren. 2. Neuwahlen. 3. Bericht der Delegirten der Streik-Kontrollkommissicn. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht aller Kollegen in dies« Versammlung zu erscheinen. 332/4 I. A.: v. Leuzuer, Reinickendorserstr. 48. Freie Yereinig. d. Bauarbeiter Berlins. Mitglieder-Uersamntwng am Sonntag, den 11. d. M., Vorm. 11 Uhr, bei Sokvtkvp, Jnselstr. 10 U. TageS-Ordnung: 1. Vortag des Genossen FranzBerndt. 2. Diskusston. 3. Verein?' angelegenheiten. Verschiedenes und Fragen. Gäste sehr willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Um zahlreiches Erscheinen bittet� 129/3_ Der Uorstand.� Arbeiter-Bildnngsschnle(Ost-Bezirk). Pf" Versammlung"WA am Sonntag, den 1!. Tezeinber, Abends 6 Uhr, Köhmifches Krauhans, Landsberger Allee 11—13. Tagesordnung: 1. Vortrag: Religion und Sittlichkeit. Referent Herr Dr. Joel. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 46W Nach dem Vortrag: Geselliges Keisammensein und Tanz, Gäste, Damen und Herren, sehr ivillkommen. American-Theater. Jeden Abend jubelnder Beifall! Tie Irotooljncr, oder„$)a§ Kind in der Kommode", parodistisch-realistischer Vor» gang im Keller, beobachtet vom Hofe aus, von Oskar Wagner. BöülllX Saison-Umnmer: Inn merkt's tun kilttg, Da ist ms«mg! Austreten sämmtl. Spezialitäten. Anfang 7>/z Uhr. Entree 75 Pf. Sonntags 6 Uhr. Gratweil's Bierhailea Kommandantenstraße 77—79. 1 Täglich: Germania-Konzert- n. Kouplet-Sänger. Wochentags frei. Sonntags 30 Pfennig. Kinder 10 Pf. Gr. Frühstücks- u. Mittagstisch' Zwei Säle zu Versammlungen und Vergnügungen. sowie 6 Billards und 3 Kegelbahnen, F. Sodtke. Parteigenossen empfehle mein scho" eingerichtetes Lokal zum gefälligen such. Vereinszimmer oder Zahlstelle sue 40—50 Personen, Miihlenstr..4�' Restaurateur Vcuuarnd. £4 Verkäufer. Elektrische Beleuchtiing« u „311111 Prophet UW" Größtes Confeetionshans Kerlius."WS. 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Einnahme d R0O•öetjtaiiensmcmnei im abgelaufenen Verwaltungsjahre aW2,42 M.. Ausgabe 2 405,30 M., Bestand 1217,12 M. »* Hamburger Nothleidendeu haben die Partei- küt l® a 11' g- einschließlich 200 M., die von den Vertrauens- o«s. � 2- hannoverschen» nd 2. oldenburgischen Wahlkreises ü'pendet wurden, im ganzen 1 020,54 M. gesammelt. O« in Saalverweigeruna verhingen die Parteigenossen f �- r h den Boykott über das Restaurant Wald- ßchen in Aue. Aylsdorf. � vom?0® kreisinnige Nürnberger Gemeindekollegium Haidas aus» �mldemokratischen Wahlverein gestellte Gesuch, die Bürger- �/Gebühren abzuschaffen, wiederholt abgewiesen. Das ist �»reisinn, wie er leibt und lebt. Solange er die politische a»f?. nicht hat, singt er in den schmelzendsten Tönen Hymnen ober p�theit, und wenn er die Macht hat, regiert er ebenso noch unangenehmer als die Junker- und Pfaffenparteien. »* Iteif �ni'frmüifdje Blätter brachten die Nachricht, im Wahl- bei f•''Nswalde-Friedeberg habe ein Sozialdemokrat, Ba»- k"1 sreisinnigen Kandidaten Drawe agilirte, auf die ist geschossen. Der Betreffende, ein Arbeiter namens Dalsch, I�,.ieboch kein Sozialdemokrat, sondern Mitglied des Char- die g)Ui?er deutschireistnnigen Vereins. Dalsch begab sich, wie Abend zeitung" meldet, in jenem Wahlkreise„am Sonntag von m � Begleitung eines Botenmeisters und eines Kutschers sank» ��l nach Stcchsdorf. Als sie sich im Gasthos be- aebnd �"�den sie dort, da einer von ihnen für einen Juden oroi>i* n. nnit�e' gehänselt. Auf Veranlassung eines Guts- wu u/ wurden sie später auf dem Wege von einer Ziolte der$aHn,atten überfalle» und durchgeprügelt. Dalch machte in Luft � seinem Revolver Gebrauch. Er schoß in die Nack mm k'6 Gegner zu erschrecken. Er wurde verhaftet und zu SL.uwedel gebracht. Bisher ist es noch nicht gelungen, ihn sonn» Dalsch ist als ein sehr ruhiger, ordentlicher, be- die f t®aun bekannt. Angeblich soll den Bauern, welche Brn„ �"'!"'gkn Agitatoren übersielen, eine größere Quantität �onntwem gespendet worden sein." steii�59.�liche Schmerzen.' Die freisinnige„Sonneberger bei indem dem Äläü' y"*1 uno Frack angeihan gewesen sei.— Für ein g 4 ,,.® den bereits nach Kniehosen und Schnallen- Alibi;.. 6 n lüsternen Deutschsreisinn vertritt, mich ein solcher � allerdings etwas �Schreckliches haben. Polizeiliches, Gerichtliches tc -jO' Mülhausen i. E. ist die Parteiversammlung, in wollt- Genosse F. B u e b über den Berliner Parteitag referiren T"n Auftrage des Bezirkspräsidiiims ohne Angabe von runden verboten ivorden. Aolkzlv S t r a ß b II rg i. E. meldet die„Elsaß-Lothringische in �.Zeitung- unterm 5. Dezember:„Die gestrige Versammlung Aich-,,,""Odette", wo Reichstags-Abgeordneter Dr. Petri seinen Wü-i». bricht erstattete, wurde von dem überwachenden Pg.,.;"biissar wegen Tumultes aufgelöst, nachdem unserm 0ebg� 9enossen Böhle, der die parlamentarische Thätigkeit Petri's '-llerinm."itisirte, das Wort entzogen worden war, was in der wurde Sa® 9roße Unruhe Hervorries. Heute Nachmittag 5 Uhr lllerfoin Ir e» wie nian vermuthrt wegen der in der gestrigen -sni'.p,>'9 gegen die Annexion und den bestehenden Zustand Niet, s i.ugens get hauen Aeußerungen, in seiner Wohnung ver haftu,,a das Uutersuchungsgefängniß abgeführt. Die Ver tiistun? felbst in gegnerischen Kreisen Erstaunen und Cut- > yervov." djt.Benoss« Adolf Thiele in Würzen hat dieser Tage Icjd,n..„ tätliche Gefängnißslrafe angetreten, welche wegen Be- Sej,,-»9 sächsischen'Landtages über ihn verhängt wurde. lchast>,!• um Strafaufschub ist sowohl von der Staatsanwalt- � vom Ministerin in abgelehnt worden, was den Wurzener di° g,..,°frn um so lieber sein wird, als noch vor Weihnachten hindert°u�?�nelen- Wahlen stattfinden und nun Thiele ver- �'tlige,, � der Agitation für unsere Kandidaten zu be- stbrarfit�»Thüringer Tribüne" hatte in Nr. 149 einen Artikel eie» ck,!. j" welchem der Behauptung, die Kinder des Kaisers zss»„..�l geinipft, ein Verweis aus ß 4 der preußischen Ber- war" lle Preußen sind vor dem Gesetz gleich" beigefügt d erg berantwortlichen Redakleur, Matthias Gülden- Hessen'». 9 darauf ein amtsgerichtlicher Strasbefehl zu, inhalts sollte ir wegen„groben Unfugs" 30 Mark Strafe bezahlen der arril, Einspruch beim Schöffengericht und brachte in Zur �-Verhandlung einen Brief des Jmpfgegners Dr. Rügcr o» da- U>""9. aus welchem hervorging, daß sich dieser zweimal erhalt�,, � er Hosmarschallamt gewandt und zuletzt die Antwort dkl ka;c„h,?�' daß über derartige interne Familienangelegenheiten trag s.z Men Faniilie keine Auskunst erthcilt werde. Auf An- lest,,*«lntsauwalts wurde nun ein amtliches Schreiben ver- d�stdii, tes die Erfurter Behörde von dem Berliner Polizei- bat' 1 J1' ailf ergangene Anfrage schon im Juli d. I. erhalten Binder � worin mitgetheill ist. daß die kaiserlichen «tmii*. 9eimpft sind. Güldenberg beantragte darauf �"wair Befragung des Oberhofmarschallamts, der Amts- jedoch um Ablehnung dieses Antrages, da der U>I>I.�_ des Poliieinräsidiiims aeniiai- Der Artikel entbalte UN- Polizeipräsidiums genüge. habe Der Artikel enthalte un- der Thatsachen, habe das Publikum beunruhigt und un UniCtrla.9, fei dahin auszulegen, daß bei den höchsten Personen fei orn?, bezüglich der Impfung gemacht würden. Dadurch fttQff sv Unfug verübt und deshalb beantrage er 30 M. Geld- »ach Gerichtshof beschloß demgemäß. Der Artikel habe »Uzuläsf Dichtungen beunruhigend gewirkt. Erstens sei eine iu-eit-nz 9e Agitation gegen das Jmpfgesetz darin enthalten und Tjt zf... beunruhige der Schlußsatz hauptsächlich das Publikum. festm vm Lon 9C9en bas Jmpfgesetz sei erlaubt, aber nicht in dez Ä.�iaße. Außerdem lege der Gerichtshof dem Schreiben Lab jr'�i Präsidiums Bedeutung bei. Das Schreiben Dr. Nüger's " Angeklagte auf Wunsch des Vorsitzenden zu den Akten. Vonummales. 0{tc Stadtverordneten-Versammlung. u°Nlliche Sitzung vom Donnerstag, den ö. Dezember' v N a ch m i t t a g s 5 U h r. s>orb!j,� Tbeilnahme an der Beerdigung des vorgestern ver- »tid b-» wBZerner v. Siemens werden vier Stadtverordnete Borsteher-Stellvertreter deputirt. Die in der vorigen Sitzung gewählten Stadträthe Mugdan, Mielenz und Zabel haben die Wahl angenommen. Auf der Tagesordnung steht zunächst der Antrag der neuen Fraktion(Wohlgemuth u. Gen.): Die Stadtverordneten- Versammlung ersucht den Ma gistrat um gefällige Auskunft, wie weit die Ausführung ihres Beschlusses vom 12. Dezember 1389, betr. Frei- legung der Schloßsreiheit, gediehen ist. Stadtv. Wohlgemuth erinnert daran, daß die Angelegen- heit s. Z. durch ein Komitee der Stadt näher gebrachr wurde, welches die Niederlegung auf dem Wege der Lotterie erstrebte. Der damals gefaßte Beschluß der Stadtverordneten-Bersammlung habe dem Komitee erst die Handhabe zu seinem weiteren Bor- gehen geboten. In dem Beschlüsse sei dem Komitee städtischer- seits auferlegt, den Abbruch der Häuser spätestens im dritten Quartal 1392 zu bewirken. Nun ständen aber heute noch zum Skandal der ganzen Stadt die Häuser theilweise als Ruinen da. Redner wünscht, daß die Versammlung Auskunst über die Lage der Sache verlange. Stadtrath Voigt: Die Ermächtigung, welche dem Magistrat durch jene Beschlüsse gegeben ist, einen Vertrag mit dem Komitee behufs Anlegung eines städtischen öffentlichen Platzes aus der Stelle der Schloßsreiheit zu schließen, ist an bestimmte Voraus- setzungen geknüpft, welche bis jetzt nicht erfüllt sind.(Hört, hört!) Dazu gehört die Bedingung, daß das Helms'sche Grund- stück der Stadtgemeinde kostenfrei zu Verfügung gestellt wird. Das ist bis jetzt nicht geschehen.(Hört, hört!) Tie Schritte, welche jetzt geschehen, spielen sich ganz ohne Mitwirkung der städtischen Behörden ab. Stadtv. Vortmann: Tie Auskunft des Magistrats ist insofern ungenügend, als doch seiner Zeit der Oberbürgermeister, der Stadtsyndikus Zelle und der Dr. Stryck in dem Komitee für die Schloßfreiheitslotterie mit gesessen haben. Der Magistrat muß doch endlich einmal die Initiative ergreisen. Es ist inzwischen schon einmal der verschämte Versuch gemacht worden in der Parkdeputation, eine kleine gärtnerische Anlage an der Stelle des ersten abgebrochenen Gebäudes durch- zudrücken, die Deputation hat aber abgelehnt, auf dieses Ansinnen einzugehen, bevor das Helms'sche Grundstück abgetreten und der Rest der festgesetzten Bedingungen erfüllt ist. Stadtrath Voigt: Ich erkläre, daß der Magistrat in dieser Sache von seiner Wissenschaft nichts hinlenanhält. Die Behand- lung des erwähnten Antrags in der Parkdeputation ist auf völliges Mißverständniß zurückzuführen. Wir haben das betreffende Projekt ausarbeiten lassen und dem Minister eingereicht, eine Antwort aber bis heute nicht erhalten. Stadtv. Singer: Nicht darüber, daß der Magistrat etwas hintenangehalten, sondern, daß er die Sache nicht genug vor- wärts gebracht hat, ist Ursache zur Beschwerde vorhanden.(Sehr richtig!) Tab das Lottcriekoinitee sich nicht rührt, scheint sehr begreiflich. denn fein Interesse ist in der Hauptsache erschöpft gewesen, als die Lotterie be- endet war.(Zustimmung.) Wäre nicht der höchst betrübliche Umstand eingetreten, daß einige Mitglieder der städtischen Be- Hörden in diesem Hintertreppen- Komitee saßen, so würde der heutige Zustand gar nicht beklagt zu iverden brauchen, denn jener Beschluß wäre gar nicht zu stände gerommen. Der Zustand, wie ihn jetzt die Schloßsreiheit darbietet, ist ein geradezu unwürdiger, und wir müssen den Wunsch haben, daß wenigstens der Platz an der Schloßfreiheit hergerichtet wird, damit die Fremden nicht in den Glanben versetzt werden, sich in Krähwinkel zu befinden. Die Versammlmig hat nicht von Anfang an in der Sache mitgearbeitet, wohl aber ist sie die Trägerin und Empfängerin aller Vorwürfe geworden, die sich an dieses unselige Projekt knüpfen; der Magistrat kann sich also nicht wundern, daß von hier ans seine Initiative ge- drängt wird. Ter Magistrat sollte in seiner Eigenschaft als Exekutive und Vertretung der Berliner Bürgerschaft an zu- ständiger Stelle kurzen runden und netten Bescheid verlangen, ivas mit der Sache iverden soll. Ferner sollte die Baupolizei requiriren und erklären, daß die vorhandenen Verhältnisse aus die Dauer unerträglich sind. Schreitet der Magistrat mit dem- selben Eifer wie s. Z. für die Lotterie in dieser Weise ein, so wäre doch wohl möglich, daß der unwürdige Zustand bis zum 1. Avnl 1393 beseitigt wird. Würde der Magistrat dem Komitee die Zähne zeigen, event. seinen offiziellen Rücktritt von dem Ver- trage in Älussicht stellen, so würde die Sache sicher in ein schnelleres Tempo kommen. Stadtv. Wohlgemuth: Es ist doch sehr erstaunlich, daß dasselbe Ministerium, welches dem Lotterieplan so günstig gegen- überstand, jetzt so große Schwierigkeiten wegen des Helms'sche» Grundstücks macht. Die Hoffnung, daß hierfür noch Geld aus dem Stadtsäckel gezahlt werden möchte, hat aber gewiß in diesem Saale keine Slussicht auf Verwirklichung. Ich kann dem Magistrat nicht dringend genug empfehleii, den vom Kollegen Singer vorgeschlagenen Weg der Initiative zu gehen. Der Antrag ist damit erledigt. Am I. April 1393 tritt das Gesetz vom 11. Juli 1391 in Kraft, wodurch die bisherige V e f u g» i ß der Land-Armenverbände, die Fürsorgejür hilfsbedürftige Geisteskranke an Stelle der Orts-Armenverbände zu übernehmen, in eine V e r p f l i ch t u n g umgewandelt und zugleich die Aufstellung von Reglements über die Aufnahme, Behandlung und Eni- laffung der Anstals-Pflegededürstigen und über die Hohe der zu erstattenden Kosten vorgeschrieben wird. Diese Reglements unterliegen der Genehmigung der zuständigen Minister. Der Magistrat hat entsprechend diesen Anforderungen des Gesetzes und auch in Rücksicht auf den Umstand, daß am 1. April 1593 die Eröffnung der neuen Jrrenaustall Herzberge erfolgt und mit diesem Moment die unmittelbare Ausnahme der Geisteskranken in die städtischen Anstalten als Regel fest- gehalten werden soll, ein neues einheitliches Reglement für die Irrenanstalten der Stadt Berlin zur Kenntnißnahme vorgelegt, welches sich auf alle in dieselben aufgenommenen(nicht blos die der Armenpflege verfallenen) Geisteskranken bezieht. Er ersucht zugleich die Versaminlung um ihre Zustimmimg dazu, daß für die nächsten 3 Jahre der Kosleusatz für volle Anflaltsverpflegung auf 2 Mark, der Zuschlag für Außenpflege bei Privatanstalten auf 25, bei Familienpflege auf 45 Psg., die allgemeinen Verwallungskoste» aus 1 M. fest- gestellt iverden. Stadtv. Stadthagen: Ich beantrage, die ganze Vor- läge einem Ausschuß von 15 Personen zu überweisen. Es handelt sich hier um höchst einschneidende, für die persönliche Freiheit des Einzelnen sehr bedeutsame Bestimmungen. Das llicglement er- wettert ganz erheblich� die Befugnisse des Oberpräsidenten und schränkt diejenigen der Stadt ganz erheblich ein. Die Bestimmungen über die Aufnahme, Behandlung und Enllassung Geisteskranker sind uns garnicht zur Beschlußsassung vorgelegt, während gerade die Frage, ob und wan» ein GeisleSkraukor aufgenommen werden lann, zu den brennendsten gehört. Nach dem Reglement soll ohne weiteres die Polizei berechtigt sein, jemanden, der nicht entmündigt ist, in die Irrenanstalt aufnehmen zu laffen. Der Entwurf läßt die frühere, jetzt von den Gerichten fast völlig verlassene rechtliche Anschauung bestehen. Es steht über jeden Zweifel fest, daß das � Polizeipräsidium nicht das Recht hat, irgend jemand, den es für geisteskrank hält, einsperren zu lassen; es ist ihm durch das Ober-Verwaltungsgericht nur das Recht zugesprochen worden, aus seine eigene Verantwortung jemand, den sie für einen gemeingefährlichen Irren hält, in vorläufige Verwahrung zu nehmen, in allem übrigen hat das Gericht zu entscheiden, Diese letztere Vorsicht ist im Reglement ganz außer Acht gelassen. Wir dürfen uns doch hier nicht vorspannen lassen im Interesse derjenigen Richtung, welche entgegen dem bestehenden Gesetz diese Polizeibefugniß befürworlet. Erst in jüngster Zelt ist ein der- artiger Fall Gegenstand der Beschwerde gegen den Staatsanwalt geworden, der das betr. Verfahren veranlaßt hat; ich hoffe, daß die städtischen Organe nicht direkt damit in Verbindung kommen werden, halte es aber für denkbar, daß auch die städtischen Beamten von Dalldorf bestraft werden könnten, wenn es sich nach der Auffassung des Gericht um unberechtigte Entziehung der Freiheit handelt.(Zwischenruf des Stadtv. Spinola.) Es handelt sich allerdings um den Fall Wabnitz. Alle Instanzen haben anerkannt, daß die Betreffende völlig geistesgesund ist; am 3. Oktober wurde die Untersuchungshaft ausgehoben, aber sie ist nicht entlassen, sondern im Widerspruch zur Straf-Prozeßordnung aus Veranlassung des Staatsanivalts durch die Polizei der Charitee zur Beobachtung ihres Geisteszustandes zugeführt worden. Das ist zweifellos ungesetzlich, wie inzwischen das Kammergericht aner- kannt hat. Nur im sicherheitspolizeilichen Interesse ist solche Be- fugniß zulässig, sie beliebig sonst anzuwenden ist unerhört, lieber den Begriff gemeingefährlich kann lediglich das Gericht entscheiden, nicht ein Chariteearzt.(Unruhe, die bis zum Schluß der Rede andauert.) Denken Sie an die Hamburger Fälle, die Gefahr, die Sie hier so leicht nehmen, schwebt über jedem von Ihnen! Stadtv. Spinola empfiehlt Ablehnung der Ausschuß- berathung. Das Reglement sei durchaus nicht neu, sondern be- stehe seit zehn Jahren und beruhe auf gesetzlichen Vor- schristen. Gegen diese möge Herr Stadthagen im Reichstage angehen. Außerdem stehe ja die Anstalt in Dalldorf unter der Aussicht eines Kuratoriums. Ter Fall Wabnitz gehöre hier nicht her. Die Charitee habe das Fräulein aufgenommen auf Requisition des Gerichts. Sie sei für unheilbar geisteskrank erkannt und dann nach Dalldorf gebracht worden. Für ihre Geistesschwachheit spreche nicht nur das thörichte Verweigern der Nahrung, sondern auch das Verschlucken von Stecknadeln und dergl., außerdem aber der Umstand, daß sie Herrn Stadthage» ihr Vertrauen entzogen habe(Große Heiterkeit) und daß sie erklärt habe, Herr Singer sei gar keine sozialdemokratische Autorität(Erneute große Heiterkeit). Wen» jemand zur Nachtzeit mit dem Revolver die Passanteii bedrohe, könne nicht erst der Richter wegen der Gemeingefährlichkeit eines solchen Geisteskranken befragt werden. Die erste Berathung wird geschloffen. Persönlich bemerkt Stadtv. Stadthagen: Der Fall Wabnitz ist von Herrn Spinola entstellt dargestellt worden. Fräulein Wabnitz hat mir nicht das Vertrauen entzogen(Lachen). Wenn das ein Beweis von Verrücktheit ist— nun Sie lehnen ja doch auch jeden Augenblick Anträge von uns ab.(Unruhe). Es hat sich ergeben, daß Briese von mir unterschlagen worden sind, es ist auch deswegen der Strafantrag gestellt. Daher die angebliche Bertrailensentziehung. Ter Autrag Stadthagen wird abgelehnt. In der zweiten Berathung stellt Staotv. Singer den An- trag wiederum und führt zur Begründung aus: Ich bitte die Versammlung, den Fall Wabuitz von den etwas scherzhaste» Be- Handlung loszulösen, die ihr Herr Spinola angedeihen ließ. Bisher habe ich geglaubt, daß auch den höchsten Verwaktungs- organen die Pflichten obliegen, wie dem Arzt, Beichtvater, Rechts- a nw alt, daß sie über Dinge, die sie in solcher amtlichen Eigen- schast erfahren, nicht öffentlich sprechen. Herr Spinola hätte sich doch überlegen könne», ob es seiner Stellung als Vorsteher der Charitee-Krankenanstalt angemessen ist, solche Mittheilungen in einer Weise, wie man gewöhnlich gegen einen kranken Mitmenschen nicht handelt, dem Gespött und der Lächerlichkeit auszusehen. Ich gehe daher auch auf das nicht ein, was in Verbindung mit meinem Namen gesagt ist; ich halte die Frage für so tief ernst, daß ich es nicht über mich gewinnen könnte, nur den Versuch eines Spottes daran zu knüpfen(Un- ruhe)— ich verzichte auf die Kennzeichnung dieses Verfahrens der anderen Seile. Die sachlichen Ausführungen des Herrn Spinola waren unzutreffend. Deshalb, weil die Vorschriften den Gesetzen entsprechen, sind sie doch nicht sakrosankt; wir haben das auch vom Magistrat gar nicht bestrittene Recht, Aenderungen vor- zuschlagen, auch wenn uns die Vorlagen blos zur Kenntnißnahme vorgelegt werden. Herr Spinola soll hier doch die Selbstverwaltung wahren und achten, das wird ihm aus diese Art nicht gelingen. Sladthagen hat überzeugend nachgewiesen, daß die Bestimmung, wie sie jetzt liegt, dem Nechtszusland wirklich widerspricht,«sie wisse» ja doch auch, wie in den letzten Jahren, namentlich aber in den letzten Monaten sich diese Fälle auffallend gehäuft und die öffent- liche Meinung erregt habe», daß eine Reihe von Leuten in den Irrenanstalten detinirt wurden, von denen sich herausstellte, daß sie gar nicht geisteskrank ivaren; und im ersten Moment, wo Sie im Jnterresse der Bedrückten ein Veto einlegen können, finden Sie keine andere Antwort darauf als zu lachen? Wollen Sie sich dem berechtigten Vorwurf aussetzen, daß die konservative Presse i» dieser Frage viel einsichtiger ist, als die liberale Berliner Stadwer- vrdnotenversammlnng? Ich hoffe, Sie werde» nicht versuchen, diese. Frage zu begraben; sie läßt sich gar nicht begrabe», sie wird immer wieder anserflehen, bis dem beleidigten Rechts- gesühl Genugthunng geworden ist. Diese Zustände dürfen sich doch nicht z» einem Znstand der Barbarei answachse». Früher verachtete und verspottete man die Geisteskranken als von Gott gezeichnet; sorgen Sie jetzt dafür, daß nicht jeder beliebige Polizeibeainte seinen Gegner einfach ins Irrenhaus sperren kann (Lachen). Es müssen Instanzen geschasten werden, um diese Sachen wenigstens zu untersuchen, und Sie sollten dem Stadtv. Stadthagen dankbar sein, daß er die Anregung dazu gegeben hat. Stadtsyudikus W eise: Die Gesetzgebung ist gewiß reform- bedürftig, aber auf dies Reglement können wir die Reform nichl aufbauen. Die Garantien, die man in de» Fällen Morris de Jonge». s. w. gefordert hat, beziehen sich auf das Ent- inündigungsverfahren. Tie vorläufige Unterbringung wird und muß in der bisherigen Weise auch ferner stattfinden; das hat bezüglich der Rücksicht aus die öfsenlliche Sicherheit Herr Stadthagen selbst anerkannt. Die Angelegenheit ist doch eigent- lich Aerwaltungssache und nur für die Kostenfrage ist die Mit- Wirkung der Versammlung erforderlich. Diese Vorschriften be- ruhen aus dem allgemeinen Landrecht und aus der itabinetsordre von 1304. Stadtv. Stadthagen: Ich habe gegen die Verwaltungen von Dalldorf nichts geäußert,»vie Herr Spinola vielleicht voraus» setzt, ich habe amtlich und außerauttlich anerkannt, daß in Dall- darf eine musterhafte Verwaltung ist gerade gegenüber der er- bärmlichen Wirthschaft in der Charitee.(Zustimmung und fjroße Unruhe.) Herr Spinola meint, ,vir müssen uns au das Gesetz halten, aber er ist nichl im stände, es mir zu»emie». Durch das Re. lernen l wird das Gesetz von 1391 nach zwei Richtungen verletzt. Wir haben nicht nur beim Kostenpunkt mitzusprechen, dem steht der Wortlaut des Gesetzes direkt entgegen; stellt sich der Magistrat auf den Stand- puukr, daß über Aufnahme, Behandlung und Entlassung der Kranken mir er Bestimmungen z» treffen hat, nicht wir, so ist Sn3 ein Bruch der Selbstverwaltung Zweitens werden hier die Befligniise von Polizei und Gericht verwechselt. Dalldorf ist ein Ort der Bewahrung für die Ewigkeit, nicht blos der vor- laufigen Verwahrung. Die Entmündigung ist im Falle Wabnitz vom Vormundschaftsgcricht abgelehnt worden. Wollen Sie etwa nicht zugeben, das es auch besser ist. wenn das Kuratorium durch das Plenum gedeckt wird? Das Prinzip der Selbstverwaltung und die aufterordemliche Wichtigkeit der Sache erfordere die Ausschußberalhung der Vor- läge. Der Syndikus irrt, wenn er sich auf die KabiuelSordre von 1804 beruft, die ist aufgehoben und abgeändert worden: er irrt, wem, er glaubt, daß die Bewegung sich blos auf eine Reform des Entmündigungsverfahrens richtet; sie richtet sich gerade auch gegen versuchte Uebergriffe der Verwaltungsbehörden. Wenn die Vorlage Selbstverwaltung ist, dann packen Sie mit Ihrer Selbstverwaltung ein. Etadtsyndikus Weise: Herr Stadthagen irrt, wenn er meint, daß ich irre. Die Kadinetsordre von 1804 besteht in Krast; auch die jüngst über diese Frage erschienene Broschüre nimmt auSdriicklich auf sie Bezug. Stadtv. Stadthagen: Daß diese Kadinetsordre afr geändert ist, kann der Herr Syndikus in jedem Lehrbuch über das Eiltmündignngsverfahren nachlesen. Er theilt den Jrrthum mit and««»,, wenn-r annimmt, daß die Zivilprozeh-Ordnung blos das Eutmündigvngsverfahren geordnet habe. Die Frage ist zum mindesten zweisckhast und daher Ausschußberathung um so mehr nothwendig. Der Antrag Singer wird abgelehnt, der Magistrats- antrag angenomiuen, das Reglement durch Keunlnißuahme für erledigt erklärt. Ter Betrag von 230 000 M. für die Herstellung der H e i m- stätte für Brustkranke in Malchow ist um 9560 M. überschritten, vorbei,. Der Magistrat sucht um die nachirägliche Genehinigung nach und beantragt zugleich, die Versammlung wolle sich damit einverstanden«rtlären, daß in die Heimstätte auch solche Personen zur Verpflegung aufgenoiilmen werden könnei,, welche aus andeven als städlischen Krankenhäusern oder aus der häuslichen Pflege konimeii, wenn und soweit diese Heim- stätte nicht von Pfleglingen der städtischen Kranken- häufer in Anspruch geilommei» ist. Der Antrag wird damit motivirt, daß die ursprüngliche Voraussetzung, die Anstalt werde von den aus den städtische» Krankenhäusern abzugebenden Rekonvaleszenten von Tuberkulose vollständig gefüllt werden, sich nicht erfüllt hat. Nachdem viel- mehr das Koch-Liebreich'sche Tuberkulin sich nicht bewährt habe und seine Anwendung sehr eingeschränkt worden sei, stehe de, Heimstätte nur»och eine geringe Auswahl zu Gebote, namentlich da der hiesige Gewerks-Krankenverein es abgelehnt habe, seine Mitglieder in der Heimstätte verpflegen zu lassen. Stadtv. Dr. Zadel: Daß die Auswahl nur gering fein soll, muß Wunder nehmen. Ich könnte allein hundert Patienten hinausschicke!,; wir haben 30—40 000 Lungenkrank« in Berlin. Waru», hat der Gewerks-Krankenverein die Benutzung abgelehnt? Es wäre sehr wünschenSwerth gewesen, wenn der Magislrals. Vertreter seine Krast angewendet hätte, einen andern Beschluß durchzusetze», statt durch Wiederholung seines Ukases einen große» Theil der alten Gewerksärzte zu boykotte». Entweder liegt die Weigerung des Vereins an der Geldfrage, oder er hält die An- stall für nicht geeignet. An der Geldsrage scheinen diese Unter- nehmungen alle zu scheitern, daher müssen wir von unserm Standpunkte immer wieder die Uncntgeltlichkeit der gesammte» Krankenpflege verlangen. Andererseits entspricht die Anstalt nicht bei, Anforderungen, die man an ein Sanatorium für Lunginlranle stellen muß. Seit einem Menschenalter giedt tä solche Anstalten, i» denen die Lungenkranken gebessert und geheilt werden, die 30—40 pCt. als geheilt entlassen. Aber nur die besitzenden Klassen können sie für sich nutzbar machen. Berlin hat bisher nichts gelha», um den Unbemittelten diese Wohllhal zuzuwenden. In Falkenstem i», Taunus ist jetzt die erste deutsche Volkeheilstälte für Lungenkranke unter Tr. Dittweiler eröffnet worven. Tie Stadt müßte entweder zur Errichtung ähnlicher Anstalten schreiten oder Kontrakte mit bestehenden abschließen, und der Magistrat sollte daher schon in den nächsten Etat die Mittel dafür einstellen. Stadtralh Straß mann: Lediglich um der Geldfrage willen hat der Gewerke-Krankenverein abgelehnt; er konnte nichl anders, da 46 000 Mitglieder ausgeschieden sind. Wenn der Berein als solcher beschließt, Gewerksärzte, die bei ihm angestellt sind, nicht den Kasse» mit freier Arztwahl beitreten zu lassen, so ist das feine Sache, wir haben darauf keinen Einfluß, außer daß die Beschlüsse ordnungsmäßig gefaßt sein müssen. Stadtv. Dr. Zadel: Ich hoffe, daß der in dieser Beziehung reaktionäre Gewerks-Krankenverein doch noch von seiner Auffassung bekehrt wird. Malchow entspricht durchaus nicht den Forde- rungen, welche mau an ein Sanatorium stellen muß. Stadtv. B i r ch o w: Von einem Sanatorium, wie es Herr Zadel haben will, ist bei der Beschlußfassung über die Zlustali niemals die Rede gewesen. Sie sollte die Krankenhäuser«nt- lasten. Man muß die Wirkung der Einrichtung noch ferner ab- warten. Es giedt zur Zeit in den städtischen 5kranke»häusern leinen Fall, der durch die Behandlung mit Tuberkulin geheilt wäre, oder der Heilung nahe stände.'Selbst für ein künftiges Sanatorium ist eine Anstalt wie die bestehende eine gute Vor- bereitung. Will man ein solches, so soll man einen dahin- gehenden Antrag stellen. Stadtv. Zadel: Wir haben doch seit 30 Jahren Sana- torien, wir wiffen, daß die Schwindsucht heilbar ist.(Borsteher Langer Hans ersucht den Redner, die Frage des Sanatoriums nicht weiter zu erörtern.) Den Mangel an Besuch in Malchow ist also eine Wirkung der Geldsrage. Die Kassen und die einzelnen Kranken haben eben kein Geld für die langwierige Be- Handlung, die erforderlich ist. Woher soll der besitzlose Ar- beiter, der dabei noch eine Familie ernähren soll, das Geld her- nehmen?(Unruhe.) Geben Sie die Behandlung unentgeltlich und die Anstalt wird voll werden. Können Sie das nichl, dann be- weisen Sie wieder, daß die heutige Gesellschaft ohnmächtig ist. (Lachen.! Stadtv. Virchow verliest nochmals den Kommunalbeschluß, aus dem die Anstalt beruht; danach sei von einem Sanatorium keine Rede. Daß Lungenschwindsüchtige geheilt seien, sei leichter zu behaupten als zu beweisen. Die Vorlage wird angenommen. Ein Antrag E s m a n n auf Einsetzung einer gemischten Deputation zur Vorberathung einer Vorlage wegen An- bringung von Straßenschildern wird abgelehnt. Ein Antrag Kleefeld und Gen. betr. die Anßerbetrieb- setzung der in der Zenlral-Markthalle vorhandenen Anlage zur elektrischen Beleuchtung ist durch einen Artikel der„Staats- bürger-Zeitung" veranlaßt worden, die die Maßnahmen als eine Begünstigung privater Interessen bezeichnet halte. Nach de» Er- läuternngen des Sladt-Bc.uralhs B l a n k e n st e i n erklärt die Versammlung, wie Stadtv. Hermes konstacirt, die erhobene Beschuldigung für durchaus haltlos und unbegründet. Schluß 8V« Uhr. Loltsles. Zu de« Gewerbrgerichts- Wahlen. Der bekannte Vor- sitzende des Verbandes Berliner Melallindustrieller hat folgendes Zirkular erlassen: „Vertraulich. Berlin, den 7. Dez. 1892. Von einem Mitgliede unseres Verbandes geht uns soeben folgendes Schreiben zu: „„Wie. bekannt, werden die Wählerlisten für die Gewerbe- gerichle am 11. ds. definilir» geschlossen und ist naturgemäß jeder Wahlberechtigte, der seine rechtzeitige Eintragung in die Listen unter- läßt, von der Wahl ausgeschlossen.— Während die Arbeitnehmer ihre Rechte in umiangreichster Weise wahrnehmen, sieben die Arbeitgeber der Sache unbegreiflicher Weise sehr gleichgiltig entgegen, und sind Anmeldungen von diesen bisher nur sehr spärlich eingegangen. Welche Gefahr hierin liegt, bedarf einer weiteren Auseinander- setzung hier kaum; will man aber verhindern, daß die Gewerbe- gerichle nur aus sozialdemokratischen Elementen zusammengesetzt werden, dann ist schleunigste Sorge zu treffen, daß die Arbeit- geber ihre Anmeldungen zur Eintragung in die Wählerlisten un- gesäumt veranlassen. Ich möchte deshalb ergebcnst anheim- stellen, die Arbeitgeber durch ein Zirkular an ihr« Pflichten zu rinnern und aus die drohende Gefahr aufmerksam zu machen."" Bei der außerordentlichen Wichtigkeit dieses Gegen siandes können wir Obiges unseren Verbandsmitgliedern nur zur ein- gehendsten Erwägung empfehle», da leider die Zeit fehlt, weitere Schritte zu veranlassen. Verband Jerlnier Motallinvusirieller. Der Vorsitzende. Fritz K ü h n e in a n n." Es macht uns viel Vergnügen, durch Abdruck dieses Zir- kulars den Absichten des Herrn Kühnemann auch in u n s e r e u Kreise» die Beachtung verschaffen zu können, welche sie per- dienen. Die Neue Mnschinenbnnrr-Kraiikeukasse(Fabrik- Kasse) zu Berlin besitzt noch immer nicht die freie Aerztewahl. Die Mehrzahl der Mitglieocr erstrebt zwar schon seit Jaor und Tag die freie Aerztewahl, sie kann aber nicht zu ihrem Ziele gelange», und zwar aus solgenden Gründen: In der ordenllich«» General- Versammlung vom IS. März d. I. war von den Telegirten der Arbeitnehmer beantragt und beschlossen worden, die freie Aerzte- mahl einzuführen. Di« Arbeitgeber aber protestirten hiergegen und vertraten die Allsicht, es bedinge das eine Aenderung der Statuten. Eins solche mußte nun so wie so stattsinden, weil die Kasse sich der Krankenkassengesetz- Novelle anpassen wollte Bei dieser Gelegenheit beanlragte» die Delegirteu der Arbeit- nehmer zugleich eine Aenderung des Paragraphen 41. Dieser lautet in dem alten Statut:„Die Generalversammlung faßt ihre Beschlüsse mit absoluter Stimmenmehrheit. Bei Stimmen- glcichljcit gilt der betreffende Antrag als abgelehnt. Zur Beschlußfassung über Abänderungen des Slatutes und über Auf- lösung der Kasse ist jedoch eine Majorität von Vi der in der Versammlung vertretenen Stimmen erforderlich." Dieser letziere Passus sollte nach dem Antrags der Arbeit- uehmer-Telegirien gestrichen werden, in Zukunft also die einjache Majorität genügen, um über eine Statutenänderung beschließen zu können. Die Waffe der �/z-Majoritäl ivolllen sich aber die gabritanlen nicht aus den Händen winden lassen und deshalb lehnte» sie die Aenderung dieses Paragraphen ab. Nach der Abstimmung legte die Mehrzahl der Delegirlen ihre Mandale nieder und verließ den Saal, weil sie den Auftrag und dt« Wünsche der von ihr vertretenen Mitglieder nicht zur Geltung zu bringen vermochte. Es soll nun in den nächste» Tagen eine öffentliche Mitgliederversammlung einberufen werden, um gegen- über dem Vorgehen der Arbeitnehmer Stellung zu nehmen. Da sich das Prinzip der freien Aerztewahl bei den Kassen immer mehr Bahn bricht und die Kassen darunter nicht mehr leiden, als bisher, ist es nicht recht ersichtlich, weshalb die Arbeil- geber in der Neue» Maschinenbauer-Kraukenkaffe sich so sehr gegen die Einführung sträube». Vielleicht geschieht dies lediglich aus dem Grunde, um den Arbeitern nicht noch inehr„Freiheit" zu gewähren. Dadurch könnte das Unabhängigkeilsgesühl der- selben noch gestärkt werden und das darf beileibe nicht geschehen. Der„Respekt" vor dem Arbeitgeber und dessen»hm angedorener Weisheit inuß erhalten werden, er gehört mit zu dem„patriarchalischen" Aerhällniß, das nach der Ansicht der braven Bürger zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber herrschen soll. Für die Ersterei! bedeutet dasselbe allerdings gemeiniglich die schrankenlose Ausnutzung ihrer Arbeitskraft. Etwas von der„Humauitiit" des Staates. Das Vetteln ist bekaunilich im heiligen deutschen Reich au- das Strengste ver- vole», die„Vagabunden" werden ohne Erbarmen eingelocht. Aus »achstehenden zwei Beispielen erhellt, was der Staat seinerseits dazu beiträgt, um die Zahl der Bettler zu vermindern. In Moabit wurde dieser Tage ein junger Man» veruriheilt, weil er gegen fremdes Eigenlhum„gefrevelt" hatte. Der„Dieb" hatte seinem Drenstherrn ein QuaiiiunMartoffeln entwendet, das er alsbald ausgezehrt hatte. Jetzt sollte er deshalb acht Tage brummen. Das war aber sein geringster Stummer. Er ivar von Grünberg in Schlesien durch einen Transporteur zum Termine vorgeführt worden, weil er aus Mangel an Geld einen früheren Termin versäumt hatte. Nach Beendigung des Termins ging der Transporteur seiner Wege, der Verurlheilte blieb ohne einen Pfennig Geld zurück! Ter Gerichtsdiener erbarmte sich seiner und veranstaltete eine Kollekle für ihn. damit er wenigstens nach Grünberg wieder zurückfahren konnte. Er hätte sich sonst bis dorthin durchbetlelu müssen! Aus Wriezen kamen zwei Frauen. Mutter und Tochter, zum Termin. Sie wurden ebenfalls wegen Diebstahls verurtheilt. Ihnen stand schließlich aber auch dasselbe Schicksal bevor, wie dem Grüneberger Leivensgeiährlen. nämlich per Schub befördert zu werden. In dem Wetter eine Fußreise bis nach Wriezen zu inachen, das wäre den beiden Frauen nicht möglich gewesen. Auch hier erbarmten sich die Richter, indein sie eine Sammlung veranstalteten. Was aber wäre aus den Leuten geworden, wem» sie nicht beschenkt»vorden wären? Wen» sie»icht schon in Berlin ver- hungern wollten, dann passirte es ihnen sicher auf der Landstraße, — ausgenommen natürlich, sie bettelten! Das aber ist streng verboten. Aus eigenem Antriebe wäre es de« Leuten auch gar »»»cht eingefallen, um Almosen anzusprechen, aber der Staat hat sie ja geradezu hierzu gezivungen. Der junge Mann wird ohne viel Federlesens aus Schlesien nach Berlin geschleppt, und hier sitzen gelassen. Kein Mensch kümmert sich darum, ob er über- Haupt und wie er wieder nach Hause kommt. AuS dem„Stromerleben". Ein Handwerksbursche im Alter von einigen zwanzig Jahren hatte, wie die„Rat.- Ztg." schreibt, bei einer Gemeinde»n der Nähe Potsdams an einem der letzten Frosttage um ein Unterkommen während der Nacht gebeten. Obwohl dieS durch eine Streu im Gemeindehause sehr leicht hätte beschafft wert en können, wurde dem Handwerks- burschen dennoch die Thür gewiesen. Am solgenden Morgen fand man ihn unweit des Dorfes mit vollständig erfrorenen Füßen an der Landstraße liegen. Der Aernisle»vurde nach dem städtischen Krankenhause zu Potsdam befördert, wo»hm am nächsten Tage beide Beine bis zum Knie abgenommen werde» mußten. So geschehen im 19. Jahrhundert christlicher Zeit- rechnung, im ch r i st l» ch e n Staate Preußen und in der Aera des„praktischen Christenlhums". Die„Post", das Organ der Freikonservativen, hat sich aus einer Handelsgesellschaft m eine„Gesellschaft mit beschränkter Haftung" uingewandell. Das Stammkapital der Gesellschaft be- trägt 240 000 M. Als Stamm-Einlagen haben üdernommen: 1. Karl Freiherr von Stnmm-Halberg, Geheimer Kommerzien- rath zu Reuntirchen, 23 000 M.. 2. Vittor Herzog von Raiibor aus Randen, 26 000 M., 3. Wilhelm von Neumann, Legattonsrath a. D.. zu Gerbjiaedt, 5000 M.. 4. Otto Fürst zu Siolberg- Wernigerode auf Wernigerode 50 000 M., 5. Rudolf Stengel, Konsul a. D.. zu Staßsurt. 22 000 M.. 6. Hans Heinrich Fürst von Pleß auf Pleß 26 000 M.. 7. Dr. Rovert Freiherr Lucius von Ballhausen, Slaatsminifter. auf Klein-Ballhausen. 15 000 M., 8. Hugo Fürst zu Hohenlohe-Oehringeu. Herzog von Ujest. auf Skaventzitz, 16 000 M.. 9. Fred Grat von Frankenberg-Tillowitz auf Tillowitz, 15000 M. 10. Ernst Freiherr von Eckardtstein- Prötzel zu Berlin. 6000 M., 11. Andreas Graf von Maltzah« ■im Mil�sch 5000 SN.. 12. Octavio Freiherr von Zedlitz!";■ Neukirch, Geheimer Ober-Regierungsrath. zu Berlin, 4000 V- lg Ernst Freiherr v. Falkeuhausen auf Bielau 19 000 � 14, Hermann Fürst von Hatzfeldt-Trachenberg auf Trachenb«� 6000' M. Geschäslssührer ist: der Redalteur Dr. Leopold Kays»' zu Berlin. Die Jnfliieuza ist wieder in Sicht. Vor kurzem t-- richteten wir. daß nach üdersinstlmmenden ärztlichen Beobachlu»g>- seit mehreren Wochen in Berlin die Influenza wieder a",- getreten ist und mehrfach bereits zu schweren Erkrankungen g-' führt hat. Auch des verstorbenen Werner von Siemens Leiv- begann mit Influenza. Nunmehr theilcn die„Veröffentlich»»� des kaiserlichen Gesundheitsamtes" mit: Während der d>� jährigen Epidemie war es in Teutschland der Regierungsbei'» Düsseldorf, wo sich die Krankheit zuletzt, und zwar bis Ans» Juni, gezeigt hat. In Deutschland hörte man seitdem nichts� einem epidemischen Austreten der Influenza, in England, Ao- amertka und auch in Italien hielt sich die Epidemie etwas lang«;- doch auch von hier hat feit geraumer Zeit nichts darüber v« lautet. Jetzt melden die„Veröffentlichungen", daß»n den be>vs° letzten Wochen in Kopenhagen je 106 Erkrankungen, in Lon«- 6 bczw. 2, in Rem-9) ort 3 Todesfälle a» Jnflnenza» obachiet sind. Jedem»ach Verdienst. Wie die„Berk. Ztg." schreibt, der Bankier Maaß jetzt im Plötzenseer G-fängniß Bibliothekar. hat die Bücher, die au zivei Wochentagen an die Gefangei»- ausgegeben werden, aus der Bibliothek zu entnehmen, über t- Ausgabe Buch zu führen und darf sich beständig in der Büch«" aushalten.—. � � � Das ist für Maaß gewiß sehr angenehm, und der Mann diese fürsorgliche Behandlung wohl auch verdient. Daß � Depots unterschlagen und mit fremden Geldern Jahre lang> cknloi jubilo gelebt hat, was ist am Ende Schlimmes davo Ja. wenn der Mann ein politischer Verbrecher wäre, wen"' etwa bei einem Hoch auf den Siaiser den Hut aufbehalten gar während eines solchen sitzen geblieben wäre— für so „Verbrecher" giebt es in deutschen Gefängnissen keine günstigung. So ein Preßsünder oder Majestätsbeleidiger,°' muß sein„Pensum" liefern und»vird mit„blauem Heinrich» füttert. Hat einer aber blos Hundertlansende unlerichlagen u» Bücher gefälscht, so wird er Bibliothelar. Das kommt da»»1' daß wir im„Kullurslaat" sind. Dreizehn Jahre unterwegS ist«ine Postkarte welche dieser Tage(am 6. Dez.) einer Firma in Saga» seitens � dortigen Postamtes als„unbestellbar" zurückgeliefcrt worden>. Im Jahre 1879 wurde die Karle mit der Adresse einer F>� in Frankfurt a./M. aufgegeben. Wo sich der papierne Vagavo>s in diesen dreizehn Jahre» umher getrieben hat, kann der» send« nicht erfahren, weil es die Post selbst nicht weiß." SOOO M. i» preußische» KonsolS sind jetzt aus«i»� am 10. Juli d. I. bei Frau Direktor Haas, Wilhelinstr.>0, � übten Diebstahl zu», Vorschein gekoinmen und von der Skrmn»°. polizei mit Beschlag belegt worden. Der Diebstahl geschah einem Sonntag; schon am Tage darauf waren an der hl«M Börse sämmtliche Nummern der gestohlenen Papiere durch hang bekannt gemacht. Erst einige Tage später sind die & entdeckten Konsols von einer Frau, die angab, aus Landsberg a.» zu sein, in London an einen Bankier verkauft und von dtt!'. einer hiesigen Bankfirma übersandt worden, ivelche die Papa weiter verkaufte, bis dies« von einem Privalmanne bei der dank als Depot hinterlegt ivurden. Hier wurden, nach j „Vossischen Zeitung", die Stücke durch'die Kriminalpolizei Beschlag belegt. Tie mitgestohlenen Urkunden privater Na' wie Geburtszeugniß, Trauschein, eine Rentennrkunde",c, 50 000 M. nebst Kupons:c., sind trotz der ausgesetzten h?� Belohnung, obwohl diese Papiere für einen Dritten werthlos sind, bis jetzt nichl zum Vorschein gekommen. Die Weihnachtsbäume treffen, im Vergleich zu de» jähren, bis jetzt sehr spärlich in Berlin ein. Es scheint, als in den Kreisen der Großhändler kerne rechte Stimmung. größere Ankäufe herrscht; sie stehen nämlich noch unter den, druck der im verflossenen Jahre erlittenen schlappe. Beka»n' war während der letztverflossenen Weihnachtssaison das Angs'� außergeivöhiilich groß, die Nachfrage, bedingt durch die sch»� Geschäfts- und Erwerbsoerhälinlsje aber so schwach, daß- Händler mit den meisten Ehristväumen sitzen blieben und' schließlich zu Schleuderpreisen an Lokalbesitzer abgaben, die w Wirthsräume damit deiornten. Zahlreiche Waldbräude haben im April und Mai in den Eauuct(Köpuicker) und Grünauer Forste» stattgesm'-) wodurch etwa 12 Hektar Baumveslände und Schonungen»V nichtet worden sind. Da der bringende Verdacht vorliegt, die Brände in elf Fällen, und zwar am 9., 10., 18., 23. 30. April, sowie am 11. Mai, fern« fünf Brände am 27.-v durch Brandstiftung hervorgerufen worden sind. so hat � Erste Staatsauwalt bei dem königlichen Landgericht Ii, Per. für Nachweisung der Brandstifter 300 Mark Belohnung fll gesetzt. Die Feuerwehr hatte in der Nacht zum Donnerstag'j dem Grundstück Skalitzerstraße 74, aus ivelchem sich die der 4. Polizei-Hauptmannschaft befinden, eine» umsangrei� Brand zu bekämpfen, durch welchen die Bodenräume des � gedehnten fünfstöckigen Quergebäude- mit ihren zahlreichen~ schlägen und deren aus Hausaeräthschasten und Heizinalerim� bestehenden Inhalt sowie die Bedachung zum wesentlichsten T*. vernichtet worden sind. Tie Flammen hatten bei Ankunft. um V22 Uhr alarmirten Feuerwehr sich bereits über das 0�- Dachgeschoß ausgedehnt, und koimts es unter diesen Umsta"-.. nur daraus ankommen, eine weiure Ausdehnung des®ra!lj aus die angrenzenden Seitenflügel, insbesondere aber ei> Durchbruch der Flammet» nach den unterliegenden Wohn»"� zu verhindern. Beides ist in vollem Umfange gelungen, Brand ist über das Dachgeschoß des Quergebäudes nicht einen Fuß breit hinausgekommen. Der Angriff mit zwei Schlauchleitungen ausgenommen und in verhältnißw�,, kurzer Zeit durchgesühr»; schon gegen 5 Uhr früh rückte" letzten Löschzüge aus den Wachen wieder ein. Im Lauft. Löscharbeit wurde der Feuerwehr die Mittheilimg gemacht, /u in einer Wohnung der vierten Etage im Seitenflügel,»vk'�.z vonl Feuer gar nicht berührt worden war. eine Frau mehrere Kinder bewußtlos liegen sollten. Die schleunigst"l- oben eiilsanbten Relruugsmanuschasien fanden in der That � Frau des Schloffers Witzenhausen mit fünf Kindern, im-ssi von l'/j bis 12 Jahren, von Rauch vollständig betäubt, noch in den Betten liegend vor. Wie sich«gab, mar) Qualm DOU bem AohrtitlNe* � �-v» vtu. brennenden Quergedäuve nach..... Seitenflügel hingezogen und in die Wohnung des Echlfy Witzenhausen, deren Fenster von dem Manne wahrschs"'.) geöffnet worden sind, gedrungen, nachdem letzterer sich � unten begeben hatte. Ten von den Feu«wehr-Samar'''u in energischer Weise eingeleiteten Wied«belebungsv«suche", welchen sich demnächst auch der herbeigecille Dr. Hoffman" theiligte, ist es glücklicherweise gelungen, die Frau und sä"g» liche Kinder wieder zun, Bewußtsein zu bringen, und dem; scheine nach dürsten für dieselben weitere böse Folgen nüfift' befürchten sein. Zwei Kanarienvögel haben dagegen den ,» stickungstod erlitten. Die Entstehungsursache des Brandl! unaufgeklärt geblieben.— Kurz vorher gegen 1 Uhr Nachts' auf dem Grundstück des Gärtnercibesitzers Schulz in der Straß') — an d« Frankfurter Allee— in dem Kesselhause für die Hausheizungen Feuer ausgekommen, welches hauptsächlich ~aöj desselben in sein ZerstSrungsbereich gezogen bat. Zur Be- wälcigung des Brandes war nur ein kurzes Eingreifen mit einer Schlauchleitung erforderlich. Gegen de« Landgerichts- Präsidenten Brausewetter, welcher ,m Ahlwardt-Pr'ozeb von„Droschkenkutschern und anderen bestrasten Subjekten" sprach, soll— so läßt sich die„Kölnische Aolks-Zeitung" von hier telegraphiren— Beschwerde beim Justiz- minister erhoben werden. Dritter Wahlkreis. Genossen, welche noch im Besitz von Sammellisten zum Parteitag sind, werden ersucht, dieselben an G. Ladewig. Ritterstr. 7Q, abzuliefern. Polizeibericht. Slm 7. d. M. Vormittags wurde vor dem Hause Rosenthalerstr. 16/17 ein 14jähriger Knabe durch einen Geschäftswagen überfahren und an den Oberschenkeln so be- deutend verletzt, daß er nach dem Jüdischen Kranlenhause ge- bracht werden mußte.— Als AbendS eine junge Tarne auf der Haltestelle vor dem Haufe wkalitzerstr. 62 einen Pferdebahnwagen besteige» wollte, wurde sie von einem vorüberkommenden Müll- wagen überfahren und erlitt eine Verletzung am Oberschenkel.— In der Nacht zum V. d. Mts. brach im Dachstuhle des Hauses Skalitzerstr. 74 Feuer aus. Durch den entstandenen Rauch wur. den im vierten Stock die Schlosserfrau Witzenhausen und ihre fünf Kinder betäubt, sie wurden jedoch durch die Feuerwehr ge- fettet und durch einen hinzugerufencn Arzt unter Beihilfe von Mannschaften der Feuerwehr bald wieder zum Bewußlsein und außer Gefahr gebracht.— Außerdem fanden im Laufe des Tages sechs kleine Brande statt. Geri rfcf iknng. Ahlwardt und die„Judeuflinten". lx- Ter Andrang zum Gerich lsgebände ist heute ein so ge- wamger, daß nicht nur in Gängen, sondern auch vor dem Gebäude Schutzmänner postirt sind, welche die Ordnung aufrecht Zu erhalten haben. Tie Ungeduld des im Zuhörerraum an- meseaden Publikums wird auf eine harte Probe gestellt, denn die Anklagebank bleibt leer und der Gerichtshof bleibt langer als gewöhnlich im Berathungszimmer. Das zuerst leise austretende werücht„A h l w a r d t ist krank geworden!", welches an- wnglich mit ungläubigem Lächeln entgegengenommen wird, nndel bald eine Bestätigung, denn der Arzt des Unter- luchungs.Gesängnisses. Geh. Rath L e w i n. erscheint aus der sildfläche und begiebt sich in da? BerathmigSzimmer. Bald erscheint auch der Gerichtsphysikus Sanitätsrath Dr. Mittenzweig und beide Aerzte begeben sich zu dem Angeklagten. Der Ober- �aat-anwalt Dr. W a ch l e r hält längere Gespräche mit dem Arsten Staatsanwalt D r e s ch e r. Erst um 11 Uhr kehren die Gerichtsärzte zurück und schreiben am Tische des Gerichts- Gericht� f Gutachten nieder. Bald darauf erfchsint der Präsident Landgericht-dircltor Brause weiter: Mir ist Rachrichtjjeworden, daß der Angeklagte krank fei. Erster Slaalsanwalt Drescher: Auch mir ist diese -nachricht geworden. Ich habe mich infolge dessen WS Gefängniß begeben und dort sestgestellt, daß gester» Abend nach Beendigung 5� Dienststunden des Gesänanistes der ehemalige Bertheidiger Angellaglen Rechtsaiiwalt H e r t w i g im Gefängniß er- Ichtenen, Zutritt nachgesucht und auch erhallen hat, ohne irgend welche Genehmigung dazu zu besitzen. Der Oberausseher hat ihm Zutritt leider auch gestattet in der Meinung, daß der Herr noch her Verlheidiger des Angeklagten sei, was bekannllich nicht aer Wahrheit entspricht. Ich habe es für nothwendig erachtet, vwse Thaisache öffentlich bekannt zu geben. Präs.: Ich habe Veranlassung genommen, den Gefängniß- arzt Geh.-R. Dr. L e w i n und Sanitätsrath Dr. Mitten- »weig beauftragt, eine Untersuchung des Gesundheitszustandes � Angeklagten vorzunehmen. Das mir zugegangene schriftliche Gutachten werde ich verlesen. In dem Gutachten wird be- wzetnigt, daß der Angeklagte über Trockenheit im Schlünde, �wgenbeschiverden und katarrhalische Asfektionen klagt. Der Pulsschlag beträgt 140 in der Minute. Nach Ansicht der Sach verständigen leidet der Angeklagte an Rachen- und Blase» suwrrh. er werde jedoch voraussichtlich morgen verhandlungs- wh'g sein. 10 lch?1 �räfltient vntagt infolge dessen die Sitzung ans Freitag ww ��'aespr-'che» von der schwere« Anklage der Nnter Ichinguug im Amte i« mehrfache« Fällen wurde der frühere lv!ük*nei Karl Härtung zu Reinickendorf, welcher sich dieser- ua>d am ö. d. M. vor der II. Straslammer des Landgerichts II »u verantworten hatte. Derselbe war beschuldigt, im Jahre 1683 "Mogene amtliche Gelder im Betrage von 63,70 M. nicht au »uNandiger Stelle uvaeliefert zu haben. H. stellte dies nicht in wrede, suhrte inressen zu seiner Entschuldigung seine Ueber- astung mit Arbeiten an. hervorhebend, daß er an manchen Tagen f�en hundert Sachen zu erledigen gehabt hätte. Als das Daftzit Blich aus dem Amte zu Tage trat und der Anitsvorsteher aufforderte, den Fehlbetrag zu begleichen, habe er sofort M. abgeliefert. Der Restbetrag sei bis aus etwa 2 M. weiterhin avgeiragzn worden, was der Amtsvorsteher bestätigte, der dem H. m übrigen das beste Zeuguiß ausstellte. Der Amtsvorsteher be- u"bete jedoch, daß H. die Requisitiouslisteu nicht abgeliefert habe, in deren Besitz zu sein H. jedoch in Abrede stellte. Der als Sach- verständiger geladene Kanzleirath Kühne gab sein Gutachten da- hin ab, daß H. als Vollstreckungsbeamter unbedingt hätte Listen führen müssen, was aber nicht geschehen sei, und daß eine ordnungsmäßige Kontrolle seitens des Amtes nicht stattgefunden habe. Seitens des Staatsanwalts war eine sechsmonatliche Gefängnißstrafe beantragt worden. Demgegenüber wurde seitens der Vertheidigung hervorgehoben, daß dem Angeklagten eine strafbare Absicht fern gelegen habe und daß verschiedene Fälle nicht aufgeklärt seien, berief sich auf die gute Führung des An- geklagten, sowie auf den Umstand, daß derselbe als Soldat mehrere Feldzüge mitgemacht habe und plädirte für Freisprechung resp. eine gelindere Bestrafung. Der Gerichtshof folgte den Dar- legungen der Vertheidigung und sprach H. von der Anklage der Unterschlagung im Amte frei. Soztale Lkeverstthk. Wegen Lohnherabsetzung ist über die Firma Dar- m an» u. Co. in S o l i n g e» von den dortigen organisirten Formern die Sperre verhängt. Nene Arbeiterkündigungen sind, wie die„Frankfurter Zeitung" berichtet, auf dem Bochnmer Verein, bei Krupp und einer Anzahl kleinerer Eisenwerke vorgenommen worden. Die Gesammtzahl der gekündigten Arbeiter beträgt zuverlässiger Schätzung zufolge gegen 600.„Daneben gehen allgemein Lohn- lürzungen und Betriebseinschränkungen; die Arbeitslosigkeit wächst in erschreckendem Maße." Wie groß die Arbeitslosigkeit, davon weitere Beispiele. Im Hause deS Droguisten F. O. PaliS, Bremen, Langestraße, wurde laut Inserat der„Bremer Nachrichten" ein Arbeiter gesucht. Gegen 200 fanden sich ein. In der Kesselschmiede-Werkstätte des Norddeutschen Lloyd zu Bremerhaven sind am Sonnabend LS Kesselschmiede, darunter viele Familienväter, wegen Arbeilsmangels entlassen worden. Auf der Schiffsbau- und Maschinenwerkstätte„Vulkan" in Stettin sollen nach und nach zirka 1000 Arbeiter entlassen worden sein. Di» Arbeitslosen Bielefelds, deren Zahl von der dortigen„VoltSwacht" auf 600 geschätzt wird, wollen eine Peti- tion an den Magistrat richten, um diesen zu veranlassen, ihnen durch Inangriffnahme öffentlicher Arbeiten Verdienst zn schaffen Geuehmigt wurde am 20. November b. I. das im Oktober 1891 bei der Behörde eingereichte Statut des Gewerkschafts- vereins säinmtlicher im Hutmacher- und verwandten Gewerbe» beschäsligten Arbeiter und Arbeiterinnen Oester- reich-Schlesiens.(Sitz T r o p p a u.) Tie Generalverfammlung de» Verbandes deutscher Schuhmacher wurde am 7. Dezember, Vormittags 10 Uhr, in B r a n k f u r t a. M. durch den Vorsitzenden deS Verbandes, Herrn iebert ans Nürnberg eröffnet. Zu Vorsitzenden wurden S i e b e r t- Nürnberg und M a r k u s- Erfurt, zu Schristführcrn Kutsche- Hannover und S ä ck l e r- Augsburg gewählt. Tele- araminr und Begrüßungsschreiben sind eingelaufen aus Nürnberg, München, Altenburg und' Berlin. Die Präsenzliste ergab die Anwesenheit von 80 Dclegirten. Aus dem Geschäftsbericht des Vorstandes ist zu entnehmen, daß die Mitgliederzahl seit der letzten Ge»eralveisai»mlu»g um 4000 abgeuoinmen hat, was der Vorsitzende dem schlechten Geschäftsgange zuschreibt. Nach dem Kassenbericht betrugen die Einnahmen des Verbandes vom I. Oktober 1891 bis 1. Oktober 1892 77 360 Mark. Die Ausgaben 71 172 Mark. Die Mit- gliederzahl beträgt gegenwärtig 10 121. Es wird sodann ein Flugblatt verlesen, welches Nürnberger Schuhmacher an die Delegirten gesendet haben. In dem Flug- blatt werden dem Verbandsoorsitzenden Siebert und dem Haupd kassirer Reuß Veruntreuungeu und Unregelmäßigkeiten� vor- gcworien. B o ck- Gotha berichtet als Vorsitzender des Ausschusses, daß er die Bücher und die Kasse öfters revidirt und alles in mustere haster Ordnung befunden habe. Um l2t/z Uhr wird hieraus die Sitzung vertagt. Die Nachmittagssitzung wird erst um L'.'s Uhr eröffnet, da die Delegirten sich nach Oberrad begeben hatten, um die Ein rtchtunge» der Schuhfabrik Strauß zu besichtigen. Ter Verbands- Vorsitzende S i e d e r t geht sodann auf die Behauptungen des Flugblattes ein. Aus seinen Ausführungen ist zu entnehmen, daß die Behauptungen theits auf kleinliche Reibereien, ineist aber aus Jntriauen zurückzusühren sind. Ter Kassirer R e u ß'erktärt, daß er sofort nach seiner Rück kehr nach Nürnberg gegen den Heransgeber des Flugblattes Klage anstrengen werde. Bock giebt, bevor er auf die Sache«ingeht, die Erklärung ab, daß, wenn er im Zweifel wäre, daß an den Anschuldigungeil auch nur etwas Wahres sein könnte, er schon wegen seiner hohen Stellung als Reichstags-, Landtags-Abgeordneler und Vertrauens- niann der Schuhmacher Deulschtands sich nicht erlauben würde, hier zur Rechtfertigung des Vorstandes aufzutreten. Redner, der die Sache in Nürnberg untersucht hat, führt nun Thatsachen an, welche die Art und Weise, wie die Jatrignen von einzelnen Per- sonen gegen den Vorstand geführt wurden, in einem solchen Lichte zeigen, daß die Versaminlniig öfters durch Pfuirufe ihre Eni- rusiung ausspricht. Bezeichnend ist, daß der Unterzeichner des Flugblattes Vorstandsmitglied eines KriegervereinS in N#.rn- berg ist. Sämmtliche Redner sprechen ihre Entrüstung über die maßlosen Verleumdungen aus. Die meisten sind der Ar-sicht, daß man mit dem Flugblatt beabsichtige, einen Keil in die. Be- wegung zu treiben. Um 8 Uhr Abends wird die Verhandlung vertagt. Juteruationaler Textilarbeiter-Kongreß. Werth? Ge- »offen! Laut Beschluß des ersten internationalen Textilarüeiter- Kongresses, welcher vom 13. bis 20. August zu Brüssel tagte;, soll. >venn sich vorher die Nothivendigkeit eines solchen nicht ev giebt, der zweite am gleichen Ort und zu gleicher Zeit mit dem allge- meinen sozialistischen Arbeiterkongreß im Jahre 1393 abgehalten und soll von den Genossen des betreffenden Landes eiub-zrusen werden. Der internationale Sozialistenkongreß findet nun in der Schweiz und zwar laut Beschluß der Vertreter der schweizexcischen Arbeiterschaft in Zürich statt. Die unterzeichneten Beaus Kragte» kommen daher der angenehmen Pflicht nach. Euch, wexthe Berufsgenoffen aller Länder, auf Anfang August IM! nach " wich einzuladen. Wir fordern Euch auf. Euch, jetzt , ,on zu rüsten, damit Ihr Euch recht zahlreich könnt ver- treten lassen; denn je größer die Zahl der Delegirten, um so mehr wird uns die übernommene Ausgabe ersleuen. Fmier ersuchen«vir, die Wünsche nnd Antrüge, für den Kongveß uns längstens bis 1. Juni 1393 unter genauer Augabi Eurer Adresse miriutheilen, damit wir eine vorläufige Tagesordnung zusammen- stellen und dieselbe bekannt geben können. Werlhe Berufs- genossinnen und Genossen! Wenn Ihr Eure Lage, die Mittel und Wege zur Besserling derselben überdenkt, so werdet auch Ihr wie wir zu dem Schlüsse kommen, daß nur durch inter- nationale Vereinigung dieselbe besser gestaltet werde« kann; darum rüstet Euch und erscheint nächstes Jahr zahlreich w Zürich. Mit Brudergruß und Handschlag! Die Gewerkschaft der Eeidenarbeiter Zürichs. Sämmtliche Korrespondenzen sind zu richten an: Franz Lacher, Seeseldstr. 23, Zürich. Au die Metallarbeiter aller Länder. Werthe Berussgenossen! Infolge eines Beschlusses des Brüsseler Kongresses wird uns die angenehme Psticht zu theil, Sie zu einein tnternationalen Metallarbeiter-Kongreß einzuladen. Wir hoffen, Sie werden uns mit Ihrer Zusage beehren und mit- Helsen, unsere internationalen Bestrebungen zu pflegen. WaS ist's, das die Proletarier der ganzen Welt zusammenführt? Was anders, als sich die Nienschenrechte zu erringen, die im Laufe von Jahrtausenden für sie verloren gegangen sind. Arbeiter aller Länder! Große, erhabene Ziele haben wir vor uns. Diese zu er- reichen uud unsere Kampfer zu einheitlichem Vorgehen zu organistren, soll der Zweck sein unserer internationalen Verbindungen. unserer internationalen Kongresse. Wir schätzen uns glücklich, zur Berathung der Lösung unserer gemeinsamen Tagesfragen Sie in unserer Alpenrepublik zu begrüßen und heißen Alle herzlich willkommen. Die Tage des Kongresses sind anfangs August 1393 und gedenken wir, zwei biS drei Tage vor Anlang des Sozialisten- Kongresses den unsrigen abzuhalten, worüber»vir später durch Zirkular das Nähere mit- theilen werden. Wollen Sie uns gesälligst Ihre Anträge ein- senden, welche Sie am internationalen Metallarbeiter- Kongresse behandelt wissen wollen. Es ist un Interesse der vorzunehnieitden Vorbesprechungen geboten, daß dieselben bis spätestens Ende Februar 1893 an uns gelangen. Mit genoffenschafUrchem Gruß und Handschlags Zürich, Ende November 1892. Für den Zentralvorstand des Schweizerischen Metallarbeiter-Verbandes. Der Präsident: G. Berger. Der Sekretär: K. Frick. VsrmiTAzkes; Heute früh 6 Uhr tzer...... �... Wilhelm Spieckelmann hier 3000 gegen 1 brannten im _______..... Liter Uhr Mittags gedämpft, Hamburg, 8. Dezember. fet'roleumlager von___ etroleum; das Feuer wurde das Gebäude ist gerettet. Todesfall. Der Professor der Philosophie an der Leipziger Universität, Rudolf Seydel, ist in vergangener Nacht ge- st o r b e n. Gruben-Unglück. Auf Zeche Escousfiaux in Horn» brach infolge Entzündung von Grubengasen ein Schacht zusammen. Zwei Arbeiter wurden getödtet. Zusammenstoß. Zwischen Valenciennes tmd QuiSvrain fuhr ein Güterzug einem Personenzuge in die Flanke. Die Maschine stürzte um, einige Wagen wurden zertrümmert; mehrere Personen sind verwundet. Driefkolken der NetmKkUm. Müller, Cöölincrstr. Ja. W. F. 18, Berlu. Wir empfehlen Ihnen Hasenclever's Jugendschatz. geb. 2 M.; Theobald Weira, Leseiuch für Kinder ausgeklärter Eltern. 3 Bündchen, geb. i 1,20 M.; zu beziehen durch die Buchhandlung des„Vorwärts", Berlin SW, Beuth- straße 2. Das iveiter Gewünschte kann Ihnen jede Buchhandlung in verschiedenen Ausgaben vorlegen. Tillack, Monoster. Ihr Abonnement ist bis 24. Januar beglichen. r. Achtung! � Veieinigung der Getreideträger(Schipper) und Speicherarbeiter. Mitglieder- Per sammlnng Sonntag, den II. Dezember, Vormittags lOV» Uhr, bei KSlUg, Neue Frlcdrichstr. 14. 3 m Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Sottmann. 2. Diskussion. ig���wsangelegenheiten. Gäste ivillkommen. Ausnahme neuer Mitglieder. ____ Der Vorstand. allkr ia der MelullindHrie deMigten Meiler Kerlins nnd zimgrgend. Jorgen, Souttabcnd, 10. Dezember, Abends 8"2 Uhr, «ofrtl des Herrn R ö l l i g, Nene Friedrichstra�e 44: Branchen-Versammlung � in Gas-, Wasser- und Dampf-Armaturen beschäft. Arbeiter, sowie Bohrer, Hobler und Stosser. 2.»-5�'�iiung: 1. Vortrag des Genossen Türk, über:„Sibirien". UnX ir u10"- 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verban.sangelegenhslten � Verschiedenes. 228/5 Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Kollege» ersucht ________ Der Uorlland. Spiegel- und Polsterwaaren, "i ganze Wohnungseinrichtungen m«ab-- und klaasdanm, empfehleil 32701, Gedr. Rlink, SW., Friesensirasse 21. SW. Mehlhandlnng Lm Brachvogel; Mantenffelstr. 75, empfiehlt in nur besten Quantitäten: a Pfd. Vis(Str. V«(Str. Vi Etr. Pf. M. M. M. 22 16 1,30 0.95 2,60 1,88 5.20 3.75 Wiener- mehl.. Kaiser- ansziig. Bestes Weizen- mehl.. Feines "Roggen- ..>■ IWW Prima-Snltaninen a Pfd. 35 u. 60 Pf., große Rosinen„ 30„ 45 Coriuthen 40 Pf., Citronat 1,20 M., Mandeln, fußt u. bittere, 1 971. Feinste Süßsahnenbutier 1,20 u. 1.80 M. 2593b IS 0,88 1.75 3,50 16 0,88 1.75 3.50 »jlkisil SÄf« üllltC 0t{cfcl Damen Linien straße 6. verk/Gen. I,edmauo, 2992b Komiker empfiehlt sich. 8.«. 90 Postamt 26.___ 458b Vereinszimmer u. Kegelbahn noch zu vergeben. Restaurant Friedenstr. 100 Bitte, lesen Sie! Jedem Genossen, der sciuen Bedarf an Winter-ßaletots, so wie Anzügen, einzelnen Röcken, Jackets, Hosen, Westen:c., ferner Stiefeln, Hüten, Ääsche, Betten, gold. u. silberne Herren- und Damen-Uhren, Reise- und Holz Koffern, Waschkesseln, Damen-Mäntel» und Kleider»:c. billig und gut kaufen will, empfehle mein bekanntes, sehr reichhaltiges Lager in Alt und Neu. Kaufe alles auf Anktionc»» und Leihämtern. bin daher im Stande, meine Kunden wirklich billig und reell zu bedienen. LWQVQiBn, Weidemjir., Parthiewaaren Händler, Skaliberstraße 1S7, gegr. 1874. Bitte, recht genau auf Namen und Hausnummer zu achten. 31231, Für Raucher. Offerire direkt ab Fabrik zu Eugros- Preisen 713b 10? Stück MesBalinaM. 4,40 100„ Caslillo„ 4,90 aus besten überseeischen Tabaken. Versand franko gegen Nachnahme. Stttt Qaernlieim bei Bünde 1,/W. Aug. Budde. Bruchbänder, chirurg. Gummiwaaren, Gummi- Strümpfe, Geradehalter, Leibbinden, Spriizen, Snspensor's etc.. Umstandsbindeu, medicin. Verbandstoffe, Brillen etc., Pineenez, sowie Artikel adler Art zur Krankenpflege empfiehlt r2930L J. Ch. Pollmann.gepr.Bandagist, Berlin, 30 Unienetrasse 30. Lieferant für die vereinigton Hil fs-Krankenkassen. Alte Stiefel gr. Ausw., Reparatur u. Best, reell u. billig. Genossen, seit Monaten liegt mein Mann ohne Unterstützung aus dein Krankenlager. Bitte mich tm Bedarfsfalle durch obige Arbeit und Kauf zu unterstützen. 462b Runge, Naunynstr. 2. Pelzwaaren, einithttlmf CÄÖSt Stallschreibrrstr. 50/51, v. 1 Tr.. Gcke Alexandrinenstr. 34Lb Von»iiglivkv Ungarweine zu billigen Engrospreisen sind zu haben bei Knott& Schemann, Berlin, Sandftr. 11. S3S4L Deutsch. Tischlerverband (Zahlstelle Berlin). Versammlungen Branche der Musik-Jnstrumentenmach er am Sonnadeiii», den 10. Dezember. Abends 8 Uhr. im Lokal von Keller, Berzstr. 68, und am Montag, den 12. Dezember, Ab. 8 Uhr, im Lokal von veigmBller, Alte Jakobstr. 48a. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Beisitzers -und Beitragssammler. 316/9 Bezirks-Versammlungen am Montag, den 12. Dezember, Abends 8 Uhr; Osten: Lokal von Schirrmacher, Andreasstr. 26. Ref. ftoH. Wiedematm. Südosten: Hoffmann's Festsäle, Oranienstr. 180. Ref. ftod. CoUenzer. Norden: Keller s Lokal, Bergstr. 68. Referent Kollege Glocke. Dienstag, den 13. Dezember, Abends 8 Uhr: Küdwest und Mesten: Habel's Brauerei, Bergmannstr. 3—7. Referent Stadtv. Fritz Zabeil. Tagesordnung in den 4 Kesirk» Nersammlunge»: 1. Die Organisationsfrage. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Beisitzers und Beitragi-sammler. Zahreiches Erscheinen ist nothwendig. Den organisirten Kollegen Berlins hiermit zur Kenntniß, daß dieselben Aufnahme in den Verband vom 1. Dezember 1892 bis zum 1. Februar 1393, ohne Eintrittsgeld und mit vollen Rechten, Ausnahme finden, sofern ihr Buch bis zum 1. Dezember in Ordnung ist. Ausnahmen finden statt in den oben angezeigten Versammlungen und «uf folgenden Beitrags-Sammelstellen, LonnsdenSs von 8—10 Uhr: Rohr, Naunynstr. 78; Schöning, Stallschreiberftr. 23; Henke, Blumenstraße 38: Lorenz, Koppenstr. 43c; Ziemer, Cnvrystr. 25; Golz, Grünauerstraße 3; Znheil, Naunynstr. 86; Stramm, Ritterstr. 123; Haase, Köuiggrätzer- straße 46; Scheuer, Schleiermacher- und Gneisenauftraßen-Ecke; Furchtbar, Katzlerstr. 15; Holzdücher, Moabit. Dreysestr. 3; Gleinert, Fenn- und Müller- straßen-EÄe; Rade, Ruppiner- und SchönHolzerstraßen-Ecke; Klein, Schönlein- straße 6; Schmidt, Friedrrchsbergerstraße 25; Kunstmann, Skalitzerstraße 107; Hllscher, Belleallianeeplatz 6; Petersen, Veteranenstr. 22; Scheuer, Ecke Schleiermacher- und Gneisenausttaße; Steinmetzstraße 57; Dresdenerstraße 116; Hatthias, Lübcckerstraße 41; üngering, Breslauerstraße 27; Duschek, Rirdorf, Bergstr. 7; Krüger, Fennstr. 5; Ecke Sorauer- und Görlitzerstraße; Kleba, Weißensee, Ecke Völker- und Charlottenstraße; E. Schmidt, Ecke Tresckow-�und Diedenhosener-Straße; Valter, Badstraße 23; Zabel, Frankfurter Allee 90. Daselbst kann sich jederKollege als Mitglied des Verbandes ausnehmen lassen. Ii« Lohalorrwaltnng. ! Musikinstrumenten-irbeiter! Laut Beschluß der außerordentlichen Generalversammlung vom 23. November löst sich der Fachverein der Musikinstrumenten« Arbeiter am 1. Dezember auf, um als Sektion dem Deutschen Tischlerverband anzugehören. Diejenigen Mitglieder, die noch vor dem 1. Januar 1893 ihren Uebertritt angemeldet haben und ihre Beiträge bis 1. Dezember an den Fachverein bezahlt haben, treten mit vollen Rechten in den Verband über. 253/3 Pflicht eines jeden Mitgliedes ist es, sobald wie möglich den Uebertritt zur Ausführung zu bringen.— Kollegen, die an den Verein;noch Pflichten haben, werden hierdurch aufgefordert, bis zum 20. Dezember an die unter- zeichnete Liquidationskommission ihre Restbestände zu begleichen, widrigenfalls ihre Namen im„Vorwärts" veröffentlicht werden. Die Liqnidations-Kommisst»«. B. Wustrow, Wienerstr. 51, v. 4 Tr. Vf. Heinrich, Wienerstr. 45, v. 3 Tr. W. Oroth, Liegnitzerstr. 39, H. 2. 3iihi Wen her gentadregelten WckWll-Bckenßetett. Montag, den 12. Dezember 1893, In den Concordia-Festsalen, Andreasstr. 64: Mal- und Instrumenta!- Konzert. 12 Jahre der Verbannung oder: Des Ausgewiesenen Heimkehr« Lebende Bilder, gestellt nach den von S e ä v o l a und P o r s e n n a geschaffenen Lichtdruck-Bildern. 273/11 Nach Beendigung der lebenden Bilder: Tan». Einlaß 7r/2 Uhr. Billet 30 Ps. Anfang 8'/, Uhr. Biliefs sind in allen bekannten Lokalen und bei den bekannteren Genossen zu haben. Der Veranstalter: Hermann Faber. Theodor Fräcke, CtriilM- miD Sttn|fi(Ut(ii»> Restaurant Kluge verlegt. 303/» Daselbst werden Beiträge entgegen/ genommen, sowie die Kranken-Untck' stützung ausgezahlt. Die Ortsverwaltiiiig- I. A.: Ernst Liebenow. MkmtkeMe iicr Maler. Dienstag, den 13. Dezember 189"' (466bj Abends 7 Uhr, Gr. Versammlung sämnttlicher Ikasfeninitglieder(Arbeit aeber».Arbeitnehmer) in Ebert'ö Club' haus, Kommaudantciistr. 72. Tagesordnung: Wahl von 115 Deh girtcn(Arbeitgeber); Wahl von Delegirten(Arbeitnehmer). Der Verstand. 2 talentvolle KlownS werden zu einer Arbeiterfestlichkeit n»' 2. Sonntage im Februar n. I. Ks wünscht. Gefällige Adressen an: s46o°l W. Schäfer, Reichenbergerstr. 7� Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Berlin Druck und Verlag von Max Vading in Berlin S>V.. Beuthstraße 2. Beilage zum„Vomärts" Berliner Volksblatt. Ur. 289. Freitag, den 9. Dezember 1892. 9. Jahrg. Schlestsche Anstände. Uet« die Snfe der meist polnischen Arbeiter der fcdlesischen «tuwubejirlc wird uns aue 5t ö n t g s h ü l l e grschrieden: Tie polnische Arbeiterdevölkerung in Oberschlesien ist trotz ?,'M'»lrnlisirte» Aroeitermassen, troy der auss hvä/ste gesteigerirn «»deutung durch den Kapilalie-mus. der sich viesieichl nirgends � ip brutaler Forin äußert wie gerade hier, noch immer den ge- bliebt" Arbeiierdeweguiigen in» übrigen Deutschland fern ge- .. Nachstehend geben wir einige tabesiarische Zusammenstellungen ,°U.S besserer Orientiruag und zwar II r für drei Jiiduslr e- »''ige, in denen es den Arbeitern verhältnißmäßig noch am besten Anzahl der Gruben "GM ,-eldirerth der ge- lammten Vroduklion in ark. �ruttogeivinn nach A-ug der Löhne in �ivinrk pro Kon? Netto-Gen'inn pro Arbeuerkops Hochofen- betrieb Walzwerks- betrieb für Eisen u. Stahl! Stein- koylen R) 27 297 389 5925,77 20 61 696 939 vö 96 005 139 8200,51 732,42 'h! 1/3 Brutto-, gennnns. b. f).lseiuimig( b h>«v'.ns d. H. 1066»vt.' su.gefayr ungefähr WWW 1975 M. I lv™ a"-| 1235 9)1. ». �oniit sehen wir, daß der Nettogcivinn, den ein Arberter im durchschnitt erarbeitet, ein ganz a»ßerorde»tlichtr ist. «ehen wir uns nun die Arbeitsverhältnisse an. 'lahl der beschäftigten Arbeiter über 16 Jahre für die drei ooen erwähnten Betriede: Jahre 1837 Imäiml.l weibl. Imännl.I weibl mnniil.i»veibl. Zahre 1891 2452 3081 712 943 9208 I 332 603 369991 3k52 il 11995 i 603 ii 491171 4950 Anzahl der Arbeiter unter 16 Jahren: Imännl.� weibl. I 66 14 106 i 18 inäniil. 343 492 weibl. 8 22 imäiiiil.! weibl. ! 96! 21 621 i 69 Jahre 1887 �Jahre 1891.........________..____.. 2ahres-Durchschnittslohn pro Kopf in Mark: erwachs Arbeiters männl. weibl. jmännl.l weibl. lchiännl. weibl. — �Pro 1891| 702 773 819} 264 � Arbeit. unt. 16 I. 878|, 354|, j 294 -. Ans dieser Zusammenstellung ist manches hervorzuheben und "ioiern interessant, als die kapitalistische Produktion hier ein znadezu ktaisisch-s Beispiel dorrender Bu-beutung»nv der e», sti sich in ihrer Profttnuth bedient, darbietet. chtan siehi»or allen Tiuge» die stet.g» Zuhilfenahme der der Kinder zur Arbeit. welchen die Zahl tneUöV""''vy' lut"N"1»inge» va I»ei>g« Alan? cn Arbeiter und die Heranziehung t« b»»'0»vbachte nur den kolossale» Zuwachs, weiaien oie �ay, die"«» und Kinder seit 1387 er ahren hat; beträgt ja doch »ggv�ue-.qnrbeit für Hocdosenbetrieb 30.60 iCt.. sür Walzwerke iildin»? sür Kobleuprodiiklion 10,07 pEt. und für Koaks- l°'»'r 08,58 pCt. 'fiter j y''ch stellt sich das Verhlltniß der jngr-ndlichen Ar- s«ls>»..�~,n erwachsenen für dieselben Betriebe und xivar in so ig»r 66,58 pCt ch stellt s geudm Ä'" »-»5 pZ�»'"�: Wir , 4,08 pCt., 1L6 pCt. und für Ko�ks 20,07 pCt. «Mbtt d' stfen''oß in den Koakebetricben die Frauen und dessen stelle a V""" ,-- fast voUstäntig verdrängt haben. Infolge Ten." l'llt l\ch der Jahresdurchschniltslobn nur auf St» Mark. �rmgegenüb xr beträgt der Br. ltogewinn in der gesammteii br n'.Ii™?" ktion(bei 17 Werken) im Jahre 1891 SttÄ-t Mark 1X1 e��cr Weise die Prosetarier ausgebeutet uuv lyre «srife oie Proletarier gebeutet, nuv ,0'r bei, w.j,, Kräfte zerstört werden, sieht man am besten an folgen- st« üufiger di° täflU*".iJunge von 16 Jahren aus KSnigshütte. arbeitet ,2 Standen ''.r 1.30 Ai. Die'Arbeit ist nicht nur ist es Nachtarbeit zu demselben Preis! nur am Tage, weit n. ,. niedrigen ööhne. Ter Jnhreedurchschnittslohn �9 manulicheu Arbeiter schwankt zwischen 623 und Hörstens �orjah zugegeben werden, daß sich der Lohn gegen das f»hroe, si�sto gerl hat, dagegen iv.irden durch die rusfiichen Aus- �>n 9.�""d Mißernten die Lebensmittel so verlheuert, daß Um.j.�sipiel der Preis für Weizen um 15— Lci pCl., für sitoggen vorsah 8b pEt. und snr Gerste um lOpEt. höher war als im chügen' Um den Arbeiter nicht geradezu verhungern und treten"Ohe» arbeilslähig zu lassen, mußte die Lohnerhöhung ein- M. diacht ian'�nkc aber, daß von dem Lohn folgende Abzüge ge- der Oirde». Liach§ 8 der Arbeit- ordilung|ür die'Arbeiter j rengcselischaft der Baildonh tte dtrs, gesetzlichen B-itiäge zur Invalidität»- und Alters- 2' g' A« Beiträge zu der VetriebS-Krankenkasse des Werkes z g'~}t Beiträge zur Pensious- und Uuterstutzungskasse; z' �- hadeuersatzaeträge; g' x Gelvslra>ci,; »»,'e elwaiaen ivb Wir etwaigen Mehrkosten der Vertretung. Elches.haben in diesen Tagen eiueii Lohuzcttel gesehen, der bkuot,'Juteresjanle dar. ietet, und den wir oeiso'gend zum Ab- t5. Ütn. Ter Arbeiter, dem dieser Z.ltet gehört, ist am hellte- r> irkrankt und ins Lazarelh gewaudert. Am 1. Oktober für ,j. ch�ie Arbeit wieder au, nehme», aber es gab leine Arbeit �öche. iiil" sollte die Fran n ährenb der Krankheit ihres Mannes tost'4.59 M. bekommen. Tavon jet och keine Spur; es ist Mften>vas die oberschlesischea Arveiter im Hunger» Als aber die Geschicke doch zu schlimm wurde, o«r � lo'M. Vorschuß. Endlich wurde dem An eiler jetzt a.-c»Jr der Kraiikenlohn bezahlt. Und nun höre man. �ranlenloh„zettel laute,: Ohl'�erks-tig, triebe der Königshütte pro September 1892; Kr-ml- lohn........ 26,76 M. »nnon sind abgezogen: Bna-r Vorschuß.. 10,— M. Güll.sengeld... a,- H Ntaul b.ii.ag... 0,04„ Strafe..... 0,90„ 13,04 M. Bleiben zu zahlen. 12,8l M. ��uit�hnite der Arbeiter in der Zeit vom 16. August bis Aimu ,�ohresbericht d-'r-Handelslammer in Oppeln für 1890. ■be Quellen.) 1l um 15. Oktober noch Abzug der 13,94 M. 12,81 M. Dazu der orsä uö gerechnet macbt 22,81 M. Die Strafe von 90 Pf. kam daher, weil der Kranke im Lazaralh einc» Glaespucki avs, der wohl kaum 50 Pü Werth ge- habt dabei» wird, gmz zufällig und ohne Absicht zerbrochen hat. Tavon halte der Arbeiter mit Frau und Kindern zwei Monate lang zu leben. Zu bemerken ist, daß dieser Fall durchaus nicht vereinzelt ist,«r ist im Gegentbeil typisch. Jeden Tag kommen solche und noch schlimmere Fälle vor. Die Ar cilszeit beiragt durchsci niltiich 15 Standen und bei doppelter Schicht ununterbrochen 24 Stunden. Frauen müflen zur Arbeit, ihre unmündigen Kinder zu Hause tassend; daher kommen sehr oft Fälle vor, wie der, den wir unlängst in dem Pfaffrnorgan„Katholik" vom 18. Oktober verzeichnet gesunden haben: Das 9 Monate alte Kind eines Arbeiters wurde von einem Cchwrine so gebissen und im Gesicht zeriressen, daß es starb. In König-hiitte grebt es kein» einzig« Bade-'Anstalt sür Ar- beiter. Die Arbeiter, die von schwarzem Kohlenstaub über und über bedeckt von der Arbeit kommen, müssen sich zu Hause ganz nackt ausziehen, worauf sie von ihren Frauen abgewaschen werben. Zu bemerkeii ist, daß die Kinder, da der Arbeiter mit seiner nicht selten aus 5—7 Klipsen zusammengesetzten Familie nur eine Stube bewohnt, bei dem Remigungsakl zugegen sind. Nun denke man sich diesen demoratisirenden Einfluß! Waschräume werde» den Art eiler» in den seltensten Fällen geboten, weil, wie sich ein preußischer Geheimralh in seiner Denkschrift von 1389 über das Berggesetz ausgesprvchen hat, die Arbeiter nach erfolgter Waschung und Unikleidlnig verlockt werden, in die Wirthshäuser zu gehen! Dabei sind die sanitären Zustände geradezu haarsträubend. In den Königlichen Bergwerken bei Zabrze(Heinitz«Gesenk)*) » üisen die Arbeiter im Durst arbeiten, Wasser können sie erst auf 1000 Schritt Eiitsernnng finden. Fortwährende Kopischmerzen uno Appetitlosigkeit ist die Folge. Wenn die Arbeiter um bessere Luft und Wasser bitten, dann ziehen sie sich nur die Ungnade der Beamten zu. Es wagt kein Oberbeamter dort zu erscheinen, weil sie es in der stickigen Lust nicht aushalten können. In Chropatschew*") müssen die Arbeiter ein Wasser trinke», das wegen der Choleragefahr so zubereitet ist. daß sie regelmäßig Bauchschmerzen bekoiume» Das Wasser stammt nämlich aus einem Brunnen, der einen sehr starken Gehalt von Schweselsäure in sich birgt. Ter Direktor meinte jedoch auf die dksbezfigiichen Klagen, daß das Wasser gut sei, obwohl er niemals dieses Wasser getrunken hat. vielfach ist die Enlseniiing der Arbeiterwohnungen von dem Betrieb so weil, daß die Arbeiter um 3 Uhr?)lorgeiis ausstehen und um 10 Uhr Abei ds nach Hause komnien. Währeno der ganzen Zeil lebt der Arbeiier von trockenem Brot. Die Nahrung besteht überhaupt nur aus Kartoffeln, Mehl und Brot, Fleisch wird einmal im Monat und zwar in sehr geringen Portionei, genossen. Soiintaasruhe wird in den seltensten Fällen innegehalten. In den Zinlhütlen in Katlouitz wird kein Sonntag gejeiert, in der ganzen Umgegend auch nicht.'") In Zawatze wird jeder 8. Sonntag gefeiert. An den anderen Sonntagen wird wie werktäglich gearbeitet, aber man höre: Bis zu Bütlernacht sollten die Arbeiter art eilen, aber sie nrnfsen bis 3 Uhr Morgens arbeiten.(So war es wenigstens im Sep- remdir.)-s) Am 17. Oktober-H-) wurden durch einen Grubenbesitzer in Bismarckshütte 32 Ardeitern U5 M. abgezogen, und zwar, weil sie einen Tag im Monat nicht zur Arbeil gehen koiniten. Nu» bedeute man aber: Der Arbeiter verdient kaum 2 M. täglich, abgezogen wurden ihm sür einen Tag 5 M. Nach den Statuten darf jedoch nur(!) die Hälfte des TaaelohneS abgezogen werden. Unter diescii 32 Arbeitern waren zwei Mädchen, die täglich 80 Pfg. verdienen, dafür wurden ihnen 2 M. sür einen Tag als Strafe abgezogen' Zur Vervollftändignng des Bildes diene noch eine Beschreibung der geistigen Kost, die dem Volke dargereicht wird: Am Sonntag, de» 16. Oktober, hat der Pfarrer in König?- Hütte eine Predigt über das Lebe»» der heiligen Hedwig gehalten. Dabei sagte er ungefähr folgendes: Tie heilige Hedwig(Schutz- patronin von Scl les.en) war eine Prinzessin uno hat doch nie- mals Fleisch gegessen und ging ohne Abendbrot schlafen! Sie soll als Beispiel für die Arbeiter diene»! Er sprach welter dar- über, wie die heilige Hedwig in härenem Gewand eiuherging und die Arbeiter treibe» Luxus und kausen sür ihre Frauen Kleider i»id Hüte. Ferner sagte er solgendes: Seht m.«.l diese Bildung, wozu wird sie verwandt, doch»ur zum Sturz der Kirchen und Klöster. Man zerstört Kirchen und baut Geängnisse! Eine schöne Warnung vor der Bildung, die ins G.'fänzniß lührt! Vo�fcunmUiniieu. Ucbcr die Protcst-Persammlnngcu gegen die Militär- vorläge, welche am Mütnoch Abend unter regster Betheilignug der Genossen überall einen imposanten Verlauf genommen haben, liegen uns bis jetzt die folgenden Berichte vor: Die Stenossc» des ersten Wahlkreises hatten sich in den Arnlilihallen so zahlreich versammelt, daß die Tische und Stühle aus dem großen Saale entfernt werden mußten. Kops an Kopf dickt gedrängt lauschten die Genossen aufmerksam dem Vortrage des Lteich-tags-Abgeordnelen Schumacher. An der Hand schon öfter in der Presse wiederholter Zahlen und Daten bewies der Redner, daß auf die Dauer in bisheriger Weise nicht mehr weiter gcivirthschaftet werden könne. D»e 67 Millionen Mehraile gaben für das Militär solle» vvrab wohl durch Anleihen gedeckt, nachher jedoch durch eine Erhöhung der Brau- stener, und wie neuerdings zu Ohren des Referenten gelangt, auch durch eine neue Branntweinsteuer weit gemacht werden. 'Also wirderiun hätte das Botk die Lasten zu tragen. Redner verliest die�Soll-Stärke, die»räch der neuen Vorlage im ganzen 100 000 Manu mebr beträgt. atS bisher, und erNärl die zwcijäbnge Tlenuzelt dahin, daß nach zwei Jahren die Ma nschasten nur beurlaubt werden. Ferner zählt Redner die Reichsschulveu u»S außerdem die Schulde» der Eiiize'.staaten auf, welche einen Eesammtbctrag von 11 Milliarden«usinache». Diese Sumine�au� die Tauer zu verzinse», sei unmöglich, schon Redner an, welche Summen jedem Lande der bewasfuete Friede *) Praca Nr. 38 vom 20. September ") Praca Nr. 42 vom 18. Oktob.- ") Prien Sir. 41 vom 11. Oktober f) Praca Nr. 38 vom 20. SentenibcV tt) Nr. 43 der„Gazeta Nobotnieza" kostet. Die enropäifche Schuldenlast hat sich innerhalb des letzten Jahrzehnts um 80 pCt., die Zinsenlast um mehr als 100 vEt. vermehrt. Es wird nicht verlangt, Deutschland solle sich den anderen Völkern gegenüber bloßstellen, jedoch, wenn es wirklich an der Spitze der Zivilisation marschiren wolle, so müsse es auch die Jnitialioe ergreifen, daß die unerträglichen Lasten des stebenden Heeres von den Schultern des Volkes genommen und dafür das Milizsystem, wie in der Schweiz, eingeführt werde. die anderen Länder würden gewiß dem Beispiele folgen. Der Redner zog die aus einem etiva ausbrechenden Kriege sich er- gebenden Konsequenzen bezüglich der Zahl der Verwundeten, Ber« gnng derselben. Unmöglichkeit der nothwendigen ärztlichen Hilfe je, Nachdem der Redner den Beweis erbracht hatte, daß die Ent- scheidung über Krieg und Frieden dem Volke obliegen müsse, wenn wahrhat gesicherte Zustände unter den sogenannten Kultur- Völkern Platz greisen sollten, schloß der Redner mit den Worten: Wir internationalen Sozialdemokraten können stolz sein, daß wir zuerst die Fahne des Friedens ergriffen haben. Wir werden sie hoch halten. Wir wollen die Eintracht aller Nationen. Aus diesem Grunde prolestiren wir gegen die Militärvorla�e. Langanhaltende Beifallsbezeugungen gaben das vollständige Elnverständniß derBersammlung mit demRedner zu er-- kennen. Es sprachen noch die Genossen Metzner.Täterow und K i e f e r t im Sinne des Referenten. G i m b a r t machte in betreff der PenstonSverhältnisse erniqe interessante Mittheilnngen. Nach- dem der Reierent irr seinem Schlußwort noch einige Mißverstand- nisse klargelegt hatte, rvurde die in folgendem rviedergegebene Resolution des Parteitages einstimmig angenommen: „Durch die tem Reichstage zugegangene Militärvorlaze werden dem schon jetzt durch de» Militarismus aufs äußerste bc brückten deutscden Volke noch neue persönliche und finanzielle Lasten zugemuthel, die es nicht tragen kann, ohne auf die wichtigsten Kuliurarbeiten zu verzichten, und ohne daß die Quellen der produktiven Arbeit geschädigt werden. Das herrschende Mrlitärsystnn, nicht im stände, die Sicher- heil Deutschlands gegen feindliche Uebcrkälle zu gewährleisten, bildet eine sortdauernde Bedrohung desVöckerfriedcns, und dient der kapitalistische» Klassenherrschaft, deren Zweck die w rthsckast- llche Ausbentung und die politische Niederh.rllung der Arbeiter- Nasse ist, als vornehmlichstes Werkze g. Die Versammlung fordert daher, entsprechend dem Programm der sozialdemokratischen Partei, die Ernsrihrung eines auf Er- ziehung zur allgemeinen Wehrhaftigkeit beruhenden und die all- gemeine Voltebewaffnung verwirklichenden Wehrsystems und er- klärt, daß die sozialdemokratip.ie» Abgeorbneten in vollem Ein- klang mit der m der Soziald.mokralie politisch organisirten Arbeiterklasse Teutschlands handeln, indem sie die Regierungs- vorläge sowie jede auderweite Forderung für das gegenwärtige Miiitärsysiem verwerfen." Nachdem fand noch folgende Resolution Annahme: Tie heutige Versammlung protestirt gegen die Aeußerungen der Abgeordnelen v. Frege uiid v. Schalscha, welche besagen, daß die sozialdemokratische Partei in de» größeren Städte» nur ans grünen Jüngers besteht. Tiefe Aeußerungen beweisen eben, in welch alberner Weise die Gegner un3 in ihrer Verlegenheit bekämpfen.� Da man keine an-eren Mittel und Wege findet, eine zwei Millionen Köpfe starke Partei offen zu bekämpfen, so muß zu den üblichen Verleumdungen gegriffen werden. Dieses ist mit aller Entschiedenheit zurückzuweisen. Gleichzeitig erklärt die Versammlung sich mit Bebel's Erwideri-ng, daß die kon- servaliven Wähler dann als dumme Kerle bezeichnet werden könnten, einverstanden." Nachdem noch auf die Gewerbegerichts-Wahlen hingewiesen worden war, schloß der Vorsitzende diese imposante Versanmilung mit einem Hoch aus die internationale, revolulionäre Sozial- demokratie, worin alle Anwesenden begeistert einstimmten. Unter dem Gesänge der Marseillaise gingen die Versammelten aus- einander. In der NuiouSbrnuerei(Hasenhaide) sprach vor einer tauseirdköpfigen Zuhörerschaft der Genosse S ch rv a r tz. Der von Männern wie von Frauen überfüllte Saal wurde auf Anordnung des überivachenden Beamten noch vor VrD Uhr gesperrt und viele mußten, ohne Einlaß gefunden zu haben, wieder umkehren. Kopf an Kopf gedrängt,' lauschten die Vcisainmelten den Ausführungen des Redners, welcher zurrächst einen geschichtlichen Ueberblick über die Entwickeluirg des Militarismus in Deutsch- land gab, anführend, daß er weniger zur Vertheidigung des Vaterlandes, als dazu geeignet sei, dasselbe in Kxjege zu ver- wickeln. Seit Gründung des Deutschen Reiches habe der Militarismus von Jahr zu Jahr»rehr Opfer ge- fordert, so daß die Schuldenlast Deutschlands auf eine ungeheure Höhe hinaufgebracht rvorden sei. Im Jahre 1887 habe die Regierung den Reichstag ausgelöst, weil derselbe das Septenuat nicht bewillige» wollre, der neugemählle Kariell-Reichslag bewilligte jedoch im Handumdrehen der Regie� rung jeden Mann und jeden Groschen; zur Deckung der nenn Lasten wurden mich von diesem Reichetage die Steuern auf d-e nothwendigsteu Lebensmittel des Volkes bewilligt. Nachdem dos Septennal iinter Dach und Fach gebracht war, wurde wiederholt von der Regierung betont, daß das Deutsche Reich auf lange Zeit gerüstet sei, so daß eS leiner Neuforderung bedürfe. Aiese lgnge Zeit dauerte jedoch nur drei Jahre, das Septeunal' war noch nicht zur Hälfte abgelaufen, da kam die Regieruilg schon wieder mit einer Mehr- sorderuiig, die ivicderui» die letzte sein sollte. Das Zertrum gab inzwischen seine oppositionelle Stellung gegen die Regier, ng auf und ivurde Regieruilgspartei. Doch� dachten die Wähler dcS Zentrums heute schon gniz anders, als bei der letzten Wahl. Die Ersatzwahl in Ketheim zeige zur Genüge, daß das Zentrum seine Machtstellung nicht mehr innehalten werde. Heute stütze sich die Regierung bei jdieser ungeheuer- üchltcn Forderung speziell auf das Zentrum und hoffe mit dessen Hilse die Nlitiiärvorlage durchzubringen. Die Grünve für die Mehrforderuug seien ganz dieselben, wie die bei der Ein- briugulig des Seplennats vorgebrachten. Referent weist deS ferneren durch Ziffern nach, welche Rieseirsuurmeir dem Moloch Mi'.ltarisinus geopiert worden sind; es halte mit diese» Millionen wirkliche Kulturarbeit vollzöge» iverdeu sollen. Zum Schluß führte der Redner aus, daß die Sozialdemotratie einer Auflösung des Reichstags furchtlos gegenüber stehe,'.»ehr als je habe sie die Volksnirssen hinter sich. Bei fleißiger Agitation hoffe er, daß die Sozialvemokraten in ver- doppelter Anzahl in den neuen Reichstag einziehen werden. Möge die Militärvorlage daher überall als Stoff zur Agitation benutzt werden.(Rauschender Beifall). An der Diskussion belheiligien sich die Genogen Schumann, Jafsrei, Pölsch und Gottfr. Schulz im Sinne des Relerenten, welcher im Schlußworte.' die Anwesenden ermahnte, eifrigst unter den Olrbcitertk n agitiren, damit die Erkenntnis, der heutigen unhaltbaren Zustände überall Platz greife. Die Resolulion des Parteitages wurde hierauf mit folgendem Zusätze an- genommen: Die Versammlung verrvahrt sich gegen Aenßernngen, »vi« sie vor wenigen Tagen im Reichstage von dem Abg. v. Frege gethan rvorden sind; indem wir schon wissen»verde» wen wir wählen, und uns auch noch bei keiner Wahl wie.grüne Jungen" benommen haben. l Die Versammlung im Wahlkreis tagte im Lokal« �Uvsoucl und war von mindestens 2000 Personen beiderlei Ge- »chlechts besucht. Schon um 8 Uhr sperrte die Polizei den 3»gang zum überfüllten Lokal ab. ES refcrirten die Reichstags- Abgeordneten F r o h m e und I ö st. Ersterer führte aus: Nach vem siegreichen Kriege von lK7u/7I war allgemein in den Kreisen der Palrioten und anderer Leute der Glaube verbreitet, es werde oas goldene Zeitalter für Deutschland anbrechen, das Zeitalter «ner ungeahnten Höhe der wirthichastlichc» Enlwickc- �«r-,,.!"11" dein Zeichen des Friedens. Wenn 5�?». sch nd noch eine Zeitlang kriegsbereit würde dastehen müssen, werde das Volk doch für die Zukunft mit weitere» militärischen Anforderungen der Regierung verschont bleiben. Tiefer fromme Wahn wäre wie folgt durch vle Thatsachen korrigirt worden: Vor 22 Jahren staunte man über dre 1 LSv 000 Mann, welche Deutschland an kriegsfähigen •f www»'u � keien dagegen schon(mit Offizieren) o 000 vvv solche wehrtähigi Männer vorhanden. Da sollte man meinen, das sei das Möglichste, was zu leisten wäre. Die Re- gierung denkt aber anders, für sie gilt der Grundsatz. dav Teutsch- land nicht kriegsbereit genug sein könne— um des Friedens ""..-t- kheurer, theurer Friede! Die Regierung fußt auf den Militärischen Verbesserungen, welche in Frankreich statt» gesunden, und aus der Kriegstüchtigkeit Ruplands mit ihm neuen, so exorbitanten Forderung. Dazu schrieb kürzlich ein angesehenes rushsches Blatt, daß Deutschland»iit der Turch- suhrung seiner Militärvorlage an der Grenze des Möglichen an- kommen werde, während Rußland seine Heeresmachl noch ver- doppeln könne: es würden dazu sich die Mittel und Wege finden. GS se» darum falsch, wenn Teutschland annehnie oder vielmehr seme Regierung, jemals wehrfähiger werden zu können wie Ruß- land. Und Bismarck, der gesallene Förderer des Militarismus, ankert sich in seinen Hamburger Nachrichten dahin, daß eine zwingende Nothwendigleit für die Vermehrung des Heeres in dem geplanten Umfange nicht vorliege. Hat er oft die Univahr- heit gesagt, diesmal sprach er die Wahrheit. Ter Redner wies zahlenmäßig die Opfer an Geld nach, welche seit dem letzten Kriege das Militärwesen in Teutschland verschlungen hat. Seit dem Jahre 1872 seien für Militärzwecfe(Extra- und laufende Ausgaben) 11 S97 000 000 M. ausgegeben worden. Um die ungeheuere» Summen aufzubringen, ist d'.e Regierung gezwungen gewesen, neue, früher ungeahnte Steuern und Laste» dem Volke zu bescheeren: sie schuf und ver- mehrte die indirekte» Steuern, die Zölle und Abgaben aus Verbranchsartikel. Nur die Zinsen für das Geborgte criordern schon «ine große Summe. Während 1877 das Reich erst 10 300 000 M. Schulden hatte, besaß es deren 1891 schon 1 377 779 000 M. Und da meint man, das Volk könne noch einen neuen Aderlaß ver- tragen? Selbst die Herren an grünen Tischen müßten, da ihnen ja die Statistik zur Verfügung steh», vom Gegenlheil überzeugt sein. Das Volk hat kein Interesse am Militari mus. Uns Sozialdemokraten wird vorgeworfen, wir wollten das Vater- kand wehrlos machen. Das ist falsch. Wir wollen nur an Stelle des Heuligen stehenden Heeres ein Milizsysteni, das dasirt ist auf einer zur Erziehung zur allgemeinen Wehrhastigkeit erweiterten Jugenderziehung. Für den Militarismus und seine so oft kriti- sirren schlechten Auswüchse machen wir nicht einzelne Personen verantwortlich. Er ist mit Natiiriiothwendigkeit aus den gesellschaftlichen Zuständen historisch entstanden, was selbstverständlich nicht seine Ewigkeil bedeutet. Die Sozialdemokraten werden natürlich gegen jeden Mann und jeden Groschen im Reichstag stimmen, getreu ihren Grundsätzen, getreu ihrem Programm Vor allem ist unser Verlangen, daß man dem Proletar erst seine Heimath lieb macht, erst dann kann man von dem Schutz destclben reden.(Stürmischer, anhaltender Beisall.) Genosse I ö st vervollständigte daraus die Ausführungen Frobnie's und legte aussührlich die Vorzüge de» Milizsystems gegenüber dem bestehenden Militärsystem dar. Redner schloß ebenfalls unter stürmischem Beimll, nachdem er ivlgende Resolution zur Annahme vorgeschlagen hatte, welche« i» st i ni m i g erfolgte: „Die heute im Lokale Sanssouci vou 2000 Personen be- suchte Volksversammlung proteslirt gegen die von der Reichs- regiening geforderten Mehrausgaven für da» stehende Heer und erwartet von allen Abgeordneten, welche wirklich die Vertretung der Vollsinteressen sich zur Aufgabe gemacht haben, daß sie gegen dieses Projekt der Reichsregierung, insbesondere gegen die beabsichtigte Erhöhung indirekter Steuern stimmen. Die Versammlung spricht die lieber- zeugung aus. daß es im Interesse aller Kulturvölker gelegen iu, das heute herrschende Militärsystem baldmöglichst zu ersetzen durch einMilizfystem, wie dies im sozialdemokratischen Programm gefordert wird." Nachdem noch der Beitritt zum Wahlverein den Versammelten ans Herz gelegt worden war, gingen dieselben mit einem stürmischen Hoch auf die internationale Sozialdemokratie aus- einander. Im vierten Wahlkreise war der große Saal der Königs- dank von etwa 2000 Personen besucht. Neichsiags-Abgeordnetei Förster wies auf die Unsummen hin, welche der Mililariemus bei uns schon bisher verschlungen hat, und bemerkte, daß, nach einem Ausspruche Moltke'S, wir das iin letzten Kriege eroberte Land S0 Jahre zu schützen hätten. Wenn nun schon die ersten 20 Jahre uns so theuer zu stehen gekommen seien, was müsse dann erst von den noch übrigen 3u Jahren dieses„Schutzes" befürchtet werden! Redner besprach dann die Art und Weise, wie diese ungeheueren Lasten auf die Schultern des arnien Mannes ad- gewälzt sind, der, sofern er eine Familie von nur fünf Köpfen hat, allein 70 M. in, Jahr an indirekten Steuern zur Erhaltung des Militarismus anfbriiigen muß. Redner bewies schließlich, daß die Cozialdemokiaien, die dieses System verurlheilen, Teutschland gleichwohl nicht wehrlos machen wollen, vielmehr Errichtung einer Vollsivehr fordern, die viel mehr zu leisten im stände und doch weit billiger ist als das stehende Heer. Die Bourgeoisie werde jedoch aui diese Forderung nie eingehen, weil sie das stehende t:er zur Erhaltung ihrer Herrschaft, zur Ausbeulung und nterdrückung der arbeitenden Bevölkerung gebraucht. Aus dem- selben Grunde hätten aber die Arbeiter mit aller Macht gegen den Militari! mns anzutämpsen und deshalb auch jede neue Forderung desselben energisch jurückzuweifen. Brausender Beifall folgte diesen Aussnhri.ngen. Der Vorsitzende verlas soian» außer der aus dem Parteitag beschlossenen noch folgende Re- solution: „Tie in der heute stattfindinden öffentlichen sozialdemokratische» Versammlung anwesenden Genossinnen, Frauen und Mädchen, er- klären, daß die neue Militärvorlage einen verderblichen Einfluß aus das Bolksivohl ausübt. Sie erklären, daß bei der geringen Arbeits- gelegeuheit und dem geringen Verdienst, sonne den direkten und indirekten Steuern es unmöglich ist, dem Volte noch neue Lasten aufzuerlegen, und erwarten, daß die Reichstagsnütglieder, speziell die sozialdemokratische Fraktion, gegen die neue Ältilltärvorlage stimmt. Würde demzufolge der Reichstag aufgelöst, so erklären wir, voll und ganz mit den Männern wirken zu wollen." Beide Resolutionen wurden ohne Debatte einstimmig an- aenommea. Unter Berschiedenem beleuchtet«in Redner die Halb- heit des Antisemitismus. Eine Genossin fordert die Manuer auf, die Frauen aufzuklären. Ein Genosse ermahnt jeden, der von Soldatenmißhandlungen erfahre, dieselben auszudecke». Zubcil betonte, daß es in der Frauenbewegung sich besonders um Heran- ziehung der Mädchen zu den Bestrebungen der Sozialdemokratie handle. Nach einigen Mitiheilungen schließt der Borfitzende mit einem Hoch aus die Sozialdemokratie die Versammlung. Die Volksveiesammsung, welche im Böhmischen Brauhause stattfaud, war von ungefähr 20v0 Personen be- sucht. Referent war Reichslags-Abgeordiieler B r u h n s- Breineiu Derselbe führte aus: Seit Gründung des Teuischen Reiches ihätte». fortwährend Forderungen für den MililarismiiS stall- gesunden, aber niemals wäre eine größere Entrüstung hervor- gerufen worden, als durch die jetzige Militärvorlage. Infolge- dessen hätte sich die Opposition gegen dieselbe aller Bevölkerung?» schichten bemächtigt. Dazukäme noch die scklimm« wirthschaflliche Lage, in der wir uns heute befänden und die es unmöglich mache, weitere Steigerungen zu ertragen. Mit Einführung der allgemeinen Wehrpflicht erwuchsen dem Volk ungeheure Lasten. tri, her habe das stehende Heer nur den Zweck gehabt, als chutz gegen de» äußeren Feind zu sungiren, heute werde es als Millel angewandt, dem„iiiliereu Feind" Trotz zu bieten. Ferner benutze man den Militarismus, um die junge Generation. allerdings vergeblich, zur Unterwürfigkeit und zur Knechtschaft zu erziehen. Ueberall athme der militärische Geist, auf der einen Seite Rücküchtslosigkeit gegen die Untergebenen, auf der andern Seite protziges Auftreten gegen Zivilpersonen. Die einzelnen Nationen führten«inen geradezu wabnsinmgen Wettkampf; marschiren wir an der Spitze, müssen wir bald die Erfahrung machen, daß uns die Nachbarstaaien schon überflügeln; gegen- wärtig erle en wir. daß der französische Kriegsmininer erne ähn- liche Vorlage wie die deutsche in der Deputirtenkammer vorlegt. Die Ausgaben für Militär hätten im Eiatsjahr 1383,84 0IS Millionen betragen, im Jahre 1891/92 seien dieselben aus zirka 1400 Millionen angeschwollen. Wer das Geld ausbringe, dar- über herrsche gar lein Zweifel, das seien zu 70pCt. die Arbeiter, zu 30 pCt. die Besitzenden. Durch das System der indirekten Steuer falle das nicht so scharf ins Auge, aber wenn das so fortgehe, würben sich die bisherigen Vertreter der bürgerlichen Parteien den Reichstag nur noch von außen ansehen können! Alle Staaten ständen in finanzieller Hinsicht binnen kuriem vor dem Bankrott und es fei nur noch zu verwundern, daß Leute, die so gegen fede kulturelle Bewegung seien, der Sozialdemokratie noch den Vorwurf der Kulturfeindlichkeit machten. Unsere Pro- grainmforderuvg müsse maßgebend sein, indem eine all- gemeine Volksbewaffnung u»d die Entscheidung nationaler Streiligkeilen durch ein Schieosgericht angebahnt würde. Aber die Bourgeoisie wolle aus eigenem Klusseninteresse nichts davon wissen, weil ihr eine allgemeine Miliz gefährlich erscheine. Auch mit der Vaterlandsliebe der Bourgeoisie sei es nicht weil her, er verweise nur aus das Verhalten der deutschen Kapitulisten bei Ausbruch des deutsch-französischen Krieges. Unser Patriotismus bestehe in ter Kritik der benehendeu Verhältnisse, für uns gebe es leinen Unterschied der Naiion und der Sprache.(Lebh.ssler Beifall.) Ohne Diskussion wurde die Resolulion des Parteilags einstimmig angenommen. Mit einem dreifachen Hoch ans die internationale Sozialdemokratie sowie unter Absingen der Marseil- laise ging die Versammlung auseinander. Tie ivolkSversammlung für den fünften Wahlkreis, welche im Saale der Brauerei„Friedrichshain" tagte, war von etwa 2000 Personen, Männern und Frauen, besucht. Das Referat hatte Reichstags-Adgeordneter Molkenbuhr. Derselbe erläuterte in seinem Vortrage, daß von jeher gegen eine Ver- mehruug des slcheuven Heeres in den breiten Schichten der Be- völkerung sich ein Widerftand geltend gemacht haoe, indem gerade diese vorzugsweise die mit einer Vermehrung des stehenden HecreS verbiindenen persönliche» und materiellen'Lasten zu tragen hätten. Frage man, wozu das stehende Heer, die Armee, Ver- wendung fiiwen solle, so erhatte man zur Antwort: Gegen den inneren und den äußeren Feind! Als inneren Feind betrachte man die Sozialbemolratie. Diese sei aber kein Feind des Bater- lanbes, sondern nur ein Feind des heutigen Klassenstaates. Die herrschenden Klassen halten ein Klassen- Interesse daran, die Armee immer mehr zu vermehren, thcils, um ihre heutigen Privilegien zu schützen, theils um für ihre Söhne ein stanbesgemäßes Ilnterkommeii zu ermög- lichcn. Seit Bismarck an die Spitze der preußischen Regierung trat, habe eine ständige Vermehrung des stehenden Heeres stall- gesunden, was zur Folge hatte, daß unter den europäischen Staaten ein Wettrüsten und mit diesem ein Wetlpumpen statt- findet. Um die neu aeiorderle Vermehrung des Heeres plausivel zu machen, werde derjKrieg gegen zwei Fronten au die Wand ge- malt, ein Schreckgespenst, berufen, angstvolle Spießbürger ins Bockshorn zu jagen. Rußland werde von Oesterreich und Eng- land im Schach oehallen, und Tciitschlaud sei Frankreich gewachsen. Eme Berniebrung des stehenden Heeres habe iveiler eine Bermehru»« der Kasernenfreuden und eine enorme Steigerung oer Staatsschiilden zur Folge. Zur Deckung der durch die neue Vorlage entstehenden Kosten > ollen Bier und Brannlivein und möglicheriveise auch der Tabak verlheuert werden. Die Lasten hätte» also wiederum die breiten Massei der Bevölkerung zu tragen. Die zweijährige Dienstzeit und die Verjüngung der Armee sei nur c ekoratives Beiwerk, um die Vorlage schmackhasr zu machen. Tie Sozialdeuiokralie sei kein Feind der allgemeinen Wehrpflicht, woyl aber der stehenden Heere. Die Sozialdemokratie verlange eine Volkswebr im wahre» Sinne des Wortes, die bedeulend werihvoller sei, als die stehenden Heere, welche die einzelnen Staaten dem Ruine entgegenführen. Ein Jrrlhum sei es, daß die stehenden Heere eine Bürgschaft für den Frieden seien, dieselben trügen vielmehr wesentlich dazu bei, die Kriegsgefadr zu erhöhen. Mit der Beseirignng der stehenden Heere würde auch die Kriegsgefahr be- seitigt und die Völker könnlcn sich Kulturardeiten bingebe», welche der heutigen Zeil würdiger seien, als die Barbarei des Krieges. Ten Ausführungen des Referenten wurde rauschender Beifall gezollt. Auf die Aufforderung des Borsitzenden Drescher meldete» sich Gcgner nicht zum Worte. Nachdem noch ein Redner zur Tis- kussion gesprochen hatte, gelangte die Resolution des ParieitageS einstimmig zur Annahme, welches Ergeoniß mit lautem Beifall begrüßt wurde. Btit einem oreifacheu Hoch auf die internationale revolutionäre Sozialden.okralie wurde hierauf die Versammlung geschlossen. Unter den Klängen der Arbeilermarseillaise enl- einten sich die Anwesenden aus dem Saale. Eine Versammlung vou Nrbcitssose« im Baugewerbe, die hauptsächlich von Vialein, Anstreichern, Lackirern und ver- wandten Berufsgenossen zusammengesetzt war, tagte gestern, Donnerstag, Vormillag im JoSl'fchen Saale, Andreasstraße. An Stelle des etwas verspätet eingetroffenen Stadtverorbneleii Otto Klein reserirle Genosse H o h l w e g l e r. In allen Ländern, so führte derselbe ans, wo die kapitalistische Produktionsweise vor- herrschend sei, nehme die Arbeitslosigkeit immer größere Dimensionen an, aber da dieselbe nicht die Folge eiuer momentane» Krisis sei, sondern periodisch in allen Jndnstrieländern auftrete, müsse man die Ursachen zu ergründen suchen. Auf der einen Seite finde man als Grund die wirthschafilichen Maßnahmen der Regierungen, auf der anderen Seite die fortschreitende Ent- wickelnng der Technik. Dampf und Elektrizität brächten immer neue Älrbeilskrafte auf die Straße. Trotz alledem habe die Verkürzung der Arbeitszeit nicht mit den„Sozial- reformen" Schritt gehalten. Auf der einen Seite würden eine kleine Anzahl Zirbeiter 12, 14 und 16 Stunden ausgebeutet, wogegen auf der anderen Seite viele Tausend« gar keine Arbeit hätten. Aber noch mehr, die durch das Maschinemvesen entstandene Theilarveit mache auch die Menschen zu Maschinen. Dazu komme die uneingeschränkte Lehrlingszüchterei von feilen der Uuieruehmer. Zugeben muffe man mich, daß die Naturereignisse vielfach Schuld seien on der Arbeilslofigkeil; aber dann müsse man erst recht die Forderung stelle». daß veispiels- iveis« im Sommer so hohe Löhne gezahil würben, daß man auch im Winter zu leben habe. Die indiiekten Steuern aus Lebens- inittel trä-en die Arbeiter in demselben Maße, als die Krupp, Stumm. Bleick röder u. s. w.(Zustimmung. Rufe: noch mehr.) Dazu kämen noch die direkten Steuern, die immer mehr in die Höhe geschraubt wurbeii. Die bürgerliche Presse sage zwar, daß die„bohen" Arbeilslöhue an den hohen Miethspreisen Schuld seien(Beivegung). aber für uns herrsche kein Zweifel darüber, daß dieselben in der zügellosen Bauspekulalion ihre Ursache Häven.(Zustimmung.) Für uns Arbeiter liege mir in eruev Reihe die Pflicht vor, als nächstes Ziel zur$ stellung von Mißständen in allen Reihen für Aul' klärung zu sorgen. Um die Masse_ über WaW zu hallen und um sie nicht allzu sehr der Versumpfung auhew fallen zu lassen, müsse man sie zuerst der Gewerlschaflsbewegurz zuführen. Aber in Anbetracht, daß die bestehenden MißstüU' nur eine Folge der privatkapitalistischen Produktionsweise M müsse man an Stelle der Heuligen die sozialistische setzen. Da«» würde alles soziale Elend verschwinden.(Lebhafter Beifall.). Stadtverordneter K l e i n spricht wesentlich im Sinne dfl Referenten, dessen Ausführungen er durch Millheilungen üb« Vorkommnisse in den gesetzgebenden Körperschaften erweuck" Auch er weist auf den Werth der Organisation in wirthsch«w licher sowie in politischer Beziehung hin. S i e d e ck e trägt ba Versammlung seine Erfahrungen vor, die er auf der Suche»M Arbeit gesammelt hat und schildert speziell Zustände im städlisch� Arbeitshaus. R e tz e r a u ist für den Anschluß an die geivev' schaftliche und politische Bewegung. K ö h n meint, weder politische noch die gewerkschaftliche Bewegung hätte den Arbe»* losen Rettung gebracht. An Stelle der neun Prote« Versammlungen gegen die Militärvorlage hätten nff«. Arbeitslosen- Versammlungen stattfinden müssen. Gün th� legte dar, daß, wie die herrschenden Klassen an alle« Schuld seien, dürsten sie sich auch nicht wundern, wenn da« Verbrechen vorkämen. Ten Schluß der Diskussion, in der Hw wegler und Klein alle gegentheiligen Aeußeruugen unter p'j; Beifall der Versammlung widerlegten, bildete die Annahme eu» Resolulion, in der die Staats- und Kommunalverivaltungen a«u gesorc crt werden, die öffentlichen Arbeiten m Regie zu nehni««' 'Außerdem verpflichtete sich die Versammlung in der Resoluti«« für das Gedeihen der Gewerkschaftsbeivegung einzutreten, für die politische gerüstet zu sein. Mit einem dreifachen H»? ans die völkerbesreiende Sozialdemokratie gingen die Versamwv ten auseinander, auf der Straße von zahlreichen Polizeivem»«« in„Ordnung" gehalten. ei-g.Iiil»!-..HiutmiK" jeden Freitag RbendS» Uhr, FaltensUlnstr- � Klubhaus Tüv-Ost.______________ jj/jl !U»ftI>u«r«i»„Soffnung". Jeden Fretlag Hebung Prosiauersir. bei»chuewer. . g— ta-». t«r.(®. H"k'J Harnaurg. D-e Mitglieder der Onsv.rwalrungen"' M""" fchr-tderstr. 2» bei Schöning. Rechne», s u o-»o» i a> n i e, Rsiaienoevgeriir. i»»: iueuiiw iunwiw,-nj lhemaiit und malhcmaiilche Geographie. Ost-Schule, Ma.kusstrape Unlemchl in Ä-schtchle(neue). Nord-Schule, Mülierstrahe ttsa wbn, richl in Teulsch(unleres); Physiologie. In alle Fächer, können Sa)'" und Schülerinnen, auch jryl im Laufe de» Sernesle-s, eintreten.„x, inft- und Kiehutirtalub*. Lreitag. Karl Marx. Abends G. beitsrabe, Mariendorfersir. w.— Wenen, bei Hämerle, Büloio>>n, � —„Holzarbeiter". Abends Sjj Uhr im Lolale des Herrn PelM Bete anennr. 22....„.f, Arbeiter Käiiserbiin» Keriin« nn» Zlmgegend. Freitag. Uevuo� sluiids Ad.nds s Uhr. Aufnahme von Mitgliedern. Kaiser Ij?!. Männerchor, Schönhauser Allee 22, bei kruhlmey.— Nord, siraße ss, bei Keller.— Vorwärts l, S.O. Adalberts»?. 21, bei Kummer'scher«esangveretn, LangeUrax-»5, bei Tempel.— dinder- Männcrchor Berlins. AUe JalobsiraKe«s, bei A. — Maiglöilchsn, Hochstr. 32a. bei Wille.—>,«'ff.. «hornstrape, im ibamdrinus.— O s s e n b a ch r r S ä n g e r l r a u z. A-- � icuil«roh. Annensir.».— Gesangverein To llegra I. Manteufselsil.»Jp Now.acks.— Gefangverein Freiheit Moabit, Kronen- Brauerei,.j Moabit t7/ts.—„B c r e t n t e Sangesdrüder Moabit" Etroi»!"' rinn»»er geseiligen Arb»Itir»«beia» Ktvliit*«n» Ollis PufC� fte-Ve /*«• ItA(S rf**• rt � J» T OJrtftijitt* Oft„-,1'- Freitag und«est-------■ «önigsvergerstr, 24.— Tambvur-VerriN---,.-----_ Wirbel«arlenstr. 62. Seso"'. «esaug-, Tue»- und gesellig» Nereiil». srrita,.. ir�attello-Ä verein Union. Abend«» Uhr, Berliner Bockdraueeei.— W e d d i n a, Abend«»ä»Hr. bei Schäfer, Neue Hochiir. ts.«ri»� rVIl e a<<»4, t> n Q Uhr hpl fll/fll'fiirrtfenftl*• Ö*• OÜ ichv.sten sind zu senden a» Ä Schröder. Nostlziir. 2», � : VergnugungSverein«rünt Tanne, Martusftr. 8._„ ünd Gesangverein Acacie,«öpmckerstr. 3.- Tambonr-Vereii.'«° —„ Ruf, Juselstr. I.— ftamvo» <.V V V 4� W ii S), wrvuvw-Vk—-------IT---'---.--: Qm W J Waides rauschen. Abend 9 Uhr, bei Wetgt, Ntarrgrafenstr- Pj Thealerverein«res-endo. Abend» s Uhr, vei Schill,, Piw"mK.ur � B u ch d i n d e r- W ä»» e r ch o r, Abend» s Uhr.»ieimura Nia» T o n t t a", AI't»«» � Die erste'«iännerabthe »Uhr In der Turnhall." akodliraße«8.— Musit-T>lena»tenv«re>n chcnk, Krautstr. 3!>, Utvungsiiunde. Berliner Turngenofsenschaft turnt Freitag und Tiensiag«lbend von 8x— lox Uhr iurni gfrrirag uiin■*. itu»vs.iv vwu—'"A... i, r n»Ust Lelsing-Symnastums«onl|it. 9— io.— Turnverein« e s Li» die i. Männer-Adtheilung lurnt heute Abend von 8�— lofj U.«r»n vr Halle des Lesstnx»yinnasiums, Pantstr.»— 10. ,,�>7 Bergnügungsvei.in«speranee, Abends 8 Uhr, Rosenth? V?.«raÄ! im Resiaurant.— Bergnügungsvereiu B e i> ch en. Abend ex m-r, be> � Ilp 183 rt*- ftIVhattamAvatef kft f ft v\ hin ftl'OicTXvW iuw1 Alle Jakooslr. iis Fieitag Abend 8 Uhr «rand Jeden Freitag, IWM V---------- I-Nt Kegelklub Hinlereck,».den Freitag 8Zj Uhr im Klubhaus Süd»--'«- � English Conversational Club Shake�P6.� Meeting every Friday at 9 p. m. at Behrens ßt-st9 Königstr. 62, Guests äre welcome. SUrsifB ein.s„(jtllirti.u ilnglilckss.lls, verursa-i>i durchgegangene Psecäe, hatte sich der Bauenigutsvesttzei uud sein Knecht Bredereck vor der ersten Strafkammer di-«. gerichts 1 zu verantworten. Im April v. I. wurden i"11*.js Hofe des Pferdehändlers Küpper Pierde gemustert und c9 f. hierbei infolge des häufigen Knallens sehr lebhaft � Wagen des Angeklagten Hübner, auf welchem dieser|eIuJ' Lfs sein Knecht Bredereck saß, fuhr in diesen Hos ein U"ff jl daselbst Hall. Hübner und Kupper be aben sich alsbcuv an» anderu Ende des Hofes belegene Restauration m'd v. � sich dort längere Zeit auf, ohne vorher die Stränge t'u<« losgemacht zu habe». Kaum waren die Pferde allein 8 als sie sich auch sofort in schärfster Gaugart in Beiveo-ffW> � und»n einen schmalen Gang hineinrasten, in welchem I'ch iL/ der Koppellnecht Jendc befand. Tie Pferde samml g,bli� jagten über deuselden hinweg, und Jende zog sich)0.„fch luntre Verletzungen zu, daß er ca. 9 Wochen lang"""Mj gch Haufe verweilen mußte. Auch heute noch klagt d«ri«ive � Schmerzen; er kann den Fun nicht gebörig bewegen uns st, manchmal gezwungen, für einige Zeil seine gewohnte Besckiafm� auszu geben. Ter Angeklagle Hüvuer führte zu seiner<ß>itschulo an, daß er sich auf seinen sonst durchaus zuverlistssige» K> ü Verlanen babe. Im llcbrigeu behaupteten beide �Augeklagle, sie vorschriftsmäßig die Stränge von den Pfei-den hätten. Tiefe Angabe wurde von verschieden en AugeuZ,./ widerlegt. Ter Staatsanwalt beantragte da h-.'r. gegen eine Geldstrafe von Ivo M., gegen Bredereck. i0� � 300 M. Der Verletzte war als Nebenkläger z»gelassen w � und in seinem Namen beaiilragie Rechtsauwo'tt Dr. Haal Buße in Höhe von 1000 M. Ter Autrag wurde damit mon � daß immerhin eine verminderte Erwerdssähi-gk�it des Bf' vorliege. Ter Gerichtshof verkündete das Urlheil dahm, H.b»er freizusprechen sei, da er sich in»er That aus l'�i Kutscher verlassen durste. Dagegen wurde Bredereck zu Geldiirase vou 1S0 At. verurtheilt und dil'U Verletzten«l»e � vou 600 M. zuerkannt. Verantwortlicher Revalleur: Wilhelm Schröder in Berlin Druck und Verlag von Max Vaving in Berlin SW.. Beulhftr.iße 2.