Nr. 103. Abonnements- Bedingungen: Ebonnements. Preis pranumerando: Bierteljährl. 3,30 t., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Big. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Bost- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Cricheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 24. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Solonel. geile oder deren Raum 50 ẞfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebructe) Wort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Big. Stellengesuche und Schlaf. stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition is bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsbrecher: Amt IV. Nr. 1983. Herr v. Einem und Frankreich. Man schreibt uns: Sonnabend, den 4. Mai 1907. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Ferniprecher: Amt IV. Mr. 1984. Spike feiner Eskadron belassen wurde, mit solchen Vorwürfen Aussperrungen aus Anlaß der Maifeier leisteten sich auch in sehr vorsichtig sein sollte. Und wird nicht gerade in Preußen Offenbach a. M. fast sämtliche Baugeschäfte, welche die von ihnen die schüßende Hand über die mißhandelnden beschäftigten Maurer auf mehrere Tage zu einer Rentierstätigkeit Offiziere insofern gehalten, als bei ihrer Aburteilung die verurteilten. In gleicher Weise fühlte ein Dachdeckermeister seinen Deffentlichkeit tonsequent ausgeschlossen wird? Man erfährt Rachedurst an seinen Gesellen. nur, daß der und der preußische Offizier megen Mißhandlung Von einer Aussperrung im größeren Stile hört man noch nichts. Der Herr Kriegsminister v. Einem fand im Reichstag ein so und so viele Tage Stubenarrest oder Monate Festungshaft 3m 3eizer Kohlenrevier allerdings sieht es aus, als sollte besonderes Vergnügen daran, sich an Frankreich zu reiben. erhalten habe. Was er sich zuschulden tommen ließ, bleibt die Maifeier noch zu einem tiefergreifenden Konflikt führen. Wie Dabei machte er seine Sache nichts weniger als geschickt. Am in Dunkel gehüllt. Außerdem ist es gewiß feltsam, die Beizer Neuesten Nachrichten" melden, sind auf der Grube„ Gott23. April meinte er, im Deutschen Reiche dürfe es nicht so daß im Deutschen Reiche Soldatenschindereien, also die Mi B- lob" bei Theißen fämtliche Bergleute in den Ausstand getreten, veit tommen wie in Frankreich, wo man anläßlich der handlung Wehrloser, an Offizieren mit Festungs- weil das Wert die Bestrafung einiger Bergleute, die an der Maifeier Marokkodifferenz viele Millionen aufwenden mußte, um gehaft, d. h. mit ehrenboller Haft bestraft werden. teilgenommen haben, nicht zurücknehmen wollte. Auch auf einigen nügend gerüstet zu sein. Herr v. Einem erblickte darin einen Auch darüber, daß das Pferdematerial der französischen anderen Werken des Beißer und Weißenfelser Reviers ruht aus dem Beweis für Schlamperei. Hier hat er sich aber sehr geirrt. Armee nicht ganz auf der Höhe der deutschen stehe, motierte felben Grunde der Betrieb vollständig. Auf anderen Werken ist die Wie der preußische Kriegsminister vor einigen Wochen in sich Herr v. Einem. Der Herr Kriegsminister hat dabei ganz Belegschaft nur bedingungsweise eingefahren; fie erwartet, daß die der Budgetkommission des Reichstags selbst zugegeben hat, vergessen, daß Frankreich in erster Linie ein Weinland ist und Bestrafung nachträglich zurückgenommen werde. mehren sich die technischen Neuerungen auf militärischem Ge- in einem solchen niemals eine so große Auswahl an guten biete geradezu beängstigend. Was heute noch neu ist, ist in und verhältnismäßig billigen Pferden sein kann wie in einem einem Jahre oft schon überholt. Unter solchen Verhältnissen Lande, das über große Weiden verfügt. Vorläufig fressen werden natürlich Unsummen nötig, wenn ein Staat seine eben die Pferde keine Weintrauben. Das Deutsche Reich ist Armee in jeder Hinsicht so ausstattet, daß sie stets boll- auch nicht imstande, ein solches Pferdematerial zu schaffen tommen auf der Höhe der Zeit steht. Nun fallen aber heut wie Rußland und Ungarn. Wir können uns sehr gut daran zutage Striege nicht mehr plötzlich vom Himmel, sondern es erinnern, wie ein Russe beim Anblick einer deutschen Batterie gehen ihnen wochen, ja monatelange Spannungen zwischen meinte, alles sei sehr hübsch, nur die Pferde gefielen ihm Sen betreffenden Staaten voraus. Auch die Mobilisierung gar nicht. Reaktionäre Wahlrechtszumutungen in Hessen. Zum drittenmal hat die hessische Regierung den Landständen eine Wahlrechtsvorlage unterbreitet. Die neue Borlage ist auf der Grundlage einer Verständigung" mit der Ersten Kammer zustande gekommen. Die frühere Vorlage ist bekanntlich an dem Widerstand der Ersten Rammer gescheitert. Die hohen und erund der strategische Aufmarsch der modernen Heere Herrn v. Einems Aeußerungen bewiesen auch ein sehr beanspruchen Wochen. Angesichts dieser Lage der Dinge geringes diplomatisches Geschick. Er hat Frankreich lauchten Herren" wollten dem Bolte nur dann das direkte Wahlhandelt ein Staat nur vernünftig, wenn er z. B. seine ohne jeden Anlaß gereizt. Wie wäre in Deutsch recht gewähren, wenn eine genügende Sicherung gegen Festungen nicht immer so ändern läßt, daß sie den neuesten land geschimpft worden, wenn z. B. ein französischer Kriegs- die bedenklichen Folgen", die es in sich schließe, dadurch Belagerungsgeschüßen ebenbürtig sind. Bu derartigen minister im Parlament anläßlich des Mörchinger Dramas geschaffen würde, daß die Vorrechte der Privilegierten Henderungen findet er jegt immer noch Zeit, ehe der Strieg gesagt hätte, in Frankreich sei es noch nicht vorgekommen, noch erweitert würden. Als dieses Anfinnen von der Volksbeginnt. Dies trifft selbst für Grenzfeftungen zu. daß ein Hauptmann einen Stabsarzt geohrfeigt und dann der vertretung zurückgewiesen wurde, war damit die Vorlage gefallen. Will aber ein Staat seine Befestigungen stets triegs- Bruder des Beleidigten den Hauptmann furzerhand nieder- Die Regierung ist nun in der neuen Vorlage den" Herren" a art bereit erhalten, so wirft er Millionen umsonst zum Fenster geschossen habe. Wie würde man sich in Deutschland ent- entgegengekommen, indem sie deren Wünsche fast völlig hinaus, weil über kurz oder lang immer wieder der Augenblick rüsten, wenn ein französischer Kriegsminister den Abgeordneten zu den ihrigen machte. Berbunden mit der neuen Wahlrechtserscheint, in dem die Festungswerke in ihrer bisherigen Beerklären würde, daß in der deutschen Armee die Zeit mit vorlage hat sie eine Verfassungsänderung, die die schaffenheit veraltet sind. Und darum können wir es nicht Parademarsch und Drill geradezu verschwendet werde. Kompetenz der Ersten Kammer auf Kosten der Zweiten bedeutend schlimm finden, daß Frankreich seine östlichen Befestigungs- Selbst die großpreußisch- alldeutschen Münchener erweitert. Obgleich von dem vorigen Landtage gleich nach dem werke erst dann friegsgemäß in Stand sehen ließ, als der neuesten Nachrichten" tonnten nicht umhin, dem sonst Fall der Wahlrechtsvorlage mit allen gegen drei Stimmen ein politische Horizont sich umwölfte. Ein solches Verfahren hat von ihnen angebeteten Herrn v. Einem ihr Mißfallen aus- fozialdemokratischer Antrag angenommen wurde, der die auch den Vorteil, daß dem Gegner die Spionage erzudrücken, indem sie folgende Pariser Korrespondenz veröffent- Regierung ersuchte, dem neuen Landtage alsbald eine Vorlage zu schwert wird, weil gerade die wichtigen Grenz lichten: befestigungen dann im Ernstfalle eine ganz andere Form zeigen, als sie bisher hatten, so daß vieles von dem, was der Gegner im Frieden ausspioniert hatte, im Kriege nicht mehr zutrifft. Uebrigens täte der Herr Kriegsminister gut, Frankreich gegenüber nicht gar so sehr den Ueberlegenen zu spielen. Schreiber dieses stand vor 20 Jahren, also in der Zeit, in der der Boulanger- und Schnäbelerummel tobte, in Meg. Damals waren Deutschland und Frankreich auch mit Kriegsgeschrei erfüllt. Was wir dabei in Mezz beobachtet haben, hat uns wirklich nicht imponiert. Von einer selbstvertrauenden Ruhe war gerade im preußischen Offizierskorps nicht viel zu bemerken. Aufgeregte Gemüter gab es genug. An einigen Frühlingsabenden des Jahres 1887 war z. B. die Esplanade, von der man einen herrlichen Ausblick nach Westen genießt, von preußischen Offizieren, die einen großen, glänzenden Bunkt am Himmel erregt beobachteten, überfüllt. Diesen glänzenden Punkt hielten sie nämlich für einen französischen Luftballon, der mittels eines elettrischen Scheinwerfers die Meter Befestigungswerte, bor allem die Forts Prinz Friedrich Karl und Alvensleben, ausspioniere. Ein preußischer Pionierhauptmann erzählte fogar mit hochwichtiger Miene, er habe den Ort genau ausgerechnet, wo der Ballon, der offenbar ein Ballon captif sei, aufsteige. In Wirklichkeit war der Ballon ein Stern, nämlich die Venus! Wir waren damals so frei, der Blamage durch eine Zuschrift an ein bayerisches, auch in Metz vielgelesenes Blatt ein Ende zu bereiten. Bald darauf wurde im Dffizierforps allgemein erzählt, der preußische Gouverneur habe sein Silberzeug aus der Stadt geschafft, weil er mit einer Belagerung rechnete. Welchen Eindruck diese gewiß auch nicht von Selbstvertrauen zeugend chricht auf viele Offiziere machte, kann man sich denken. In jener Zeit eristierte in Metz, also in der äußersten westlichen Grenzfestung des Reiches, sogar ein Fort, das schon in Friedenszeiten derart an Trinkwassermangel litt, daß der Trinkwasserbrunnen gewöhnlich abgesperrt war. Nur morgens, mittags und abends wurde Wasser an die Truppen abgegeben. Hätte man nach Belieben Wasser holen lassen, so wäre schon nach zwei oder drei Tagen nichts mehr vorhanden gewesen. Wie die Sache im Kriegsfalle, wo das Fort viel stärker als im Frieden bemannt gewesen wäre, sich gestaltet hätte, wissen die Götter. Erst im Jahre 1890, d. h. ungefähr 17 Jahre nach Fertigstellung des Forts, wurde der geradezu standalöse Mijstand beseitigt. " unterbreiten, die das birette Wahlrecht enthalte, dabei aber „ Es wäre ebenso verfehlt wie überflüssig, über gewiffe un- unter keinen Umständen eine Aenderung der Artikel 67 und 75 angenehme Erscheinungen und Kundgebungen der Verfassungsurkunde vorfehe", beantragt die Regierung jetzt der letzten Zeit einfach hinwegzusehen, da sie damit doch nicht aus doch eine Abänderung dieser Artikel. der Welt geschafft werden. Das Unbehagen, das noch immer hin- Die Erste Kammer hatte nach dem Artikel 67 bisher nur das fichtlich der Beziehungen zu Deutschland herrscht, ist auch durch Recht, das Budget entweder im ganzen anzunehmen oder die Darstellungen nicht ganz beseitigt worden, die in bester Absicht im ganzen abzulehnen. Einzelne Positionen konnte sie nicht von zahlreichen viel gelesenen Bariser Blättern über die beider- beanstanden. Das war den Herren sehr unangenehm. Das ganze feitigen Bemühungen auf Anbahnung freundlicherer Beziehungen berbreitet werden. Der geringste Anlaß genügt, um Budget mit Zivilliste usw. wegen einiger Unstimmigkeiten abeinen neuen Ausbruch des Mißtrauens hervorzurufen, und zulehnen, konnten sie doch nicht wagen. Zudem erhielt noch der selbstverständlich berfäumen gewisse nationalistische und Artikel 67 die Bestimmung, daß in diesem Falle eine Durch auch einige republikanische Zeitungen mit patriotischer Färbung stimmung beider Kammern stattzufinden habe, wodurch nicht, die einzelnen Vorfälle aufzubauschen, wenn nicht gar zu die Erste Kammer infolge ihrer schwächeren Zahl von der Zweiten entstellen, um ihnen eine drohende Bedeutung zu geben. Diese glatt überstimmt werden konnte. Die Regierung will nun Beunruhigungsversuche, die, wie wir uns hinzufügen beeilen, vor- der Ersten Kammer das Recht einräumen, auch einzelne Budgetläufig noch feinen bemerkenswerten Erfolg unter den großen franzöfifchen Bevölkerungsmassen zu erzielen vermochten, werden posten beanstanden zu können, wodurch deren budgetrechtliche mit besonderem Eifer anläßlich der Ausführungen des Kriegs- Kompetenz wesentlich erweitert wird! Das Recht der Durchmininisters v. Einem in der Reichstagssigung vom 23. April be- ftimmung will die Regierung allerdings bestehen lassen. Dafür trieben. Fast allgemein findet man in dem Hinweise anf die aber ändert sie den Artikel 75 der Verfassung ab, der bestimmt, gefährliche Lage vor zwei Jahren und auf den damaligen Mangel daß, wenn ein Gesetz in einem Landtage scheiterte, weil eine an Bereitschaft für friegerische Eventualitäten in Frankreich Kammer dagegen votierte, dies Gesetz von dem nächsten Landtag mindest einen Verstoß gegen die internationalen Bräuche. Wenn eventuell dadurch zur Annahme gebracht werden kann, daß man es sich aber nur um Vorwürfe handelte, daß eine Taktlosigkeit oder die Stimmen für und gegen in beiden Kammern zueine nicht den Verhältnissen angemessene Bemerkung vorliege, tönnte man über diese Stimmung leicht hinweggehen. Es wird ammenzählt. Nach der Regierungsvorlage soll hierbei nun nun aber, selbst in sachlicheren und ruhigeren nicht mehr die einfache Stimmenmehrheit, sondern die ZweidrittelKreisen, diesen doch nur zur Begründung neuer Militär- mehrheit entscheiden. Wenn man bedenkt, daß die Erste Kammer forderungen vorgebrachten Bemerkungen eine weittragende mit ihren 34 Mitgliedern in solchen Fällen gegen die 50 Mitglieder diplomatische Bedeutung zugeschrieben. Geht man auch der Zweiten Kammer von vornherein in der Minderheit ist, so nicht so weit, in die nationalistischen Alarmrufe einzustimmen und liegen die Vorteile, die die Regierung hier der Ersten Kammer in den Auslaffungen des deutschen Kriegsministers eine Warnung zuzuschieben versucht. Klar zutage. Die bisher bestandene Möglichoder gar eine Aufforderung mit drohendem Charakter zu er feit, ein Gesetz unter Umständen auch gegen den Willen der blicken, so ist doch die Ansicht in bedauerlichem Maße Ersten Kammer durchzusehen, ist somit fast völlig ge in Aufnahme gekommen, daß eine Absicht gegen Frankreich mit diesen öffentlichen Erklärungen eines eines schwunden! verantwortlichen Ministers verbunden sei und Es dürfte als ausgeschlossen gelten, daß die„ Reorm" in dieser daß die ganze Regierung und auch der Kaiser Fassung Gesetz wird. Jeder halbwegs fortschrittlich gesinnte Voltshinter dieser stehen. Die großen Abendblätter be- vertreter wird es sich reiflich überlegen, das direkte Wahlrecht rühren zwar diefe heitlen Punkte fast gar nicht oder doch in gegen solchen Wucherpreis einzuhandeln. Selbstverständliche Volkseiner verhältnismäßigen Form, aber aus dem Austausche von rechte sollen hier durch erweiterte Privilegien der Herren" erMeinungen in Brivattreisen, die in irgend einer Beziehung zu den tauft werden! leitenden und politischen stehen, erhält man die Ueberzeugung, daß Das Wahlgefet selbst ist im Vorwärts" schon kura die Stimmung sich durch diese Erinnerungen des Generals v. Einem in ungünstigem Sinne wieder wiedergegeben worden. Es enthält gegen die frühere Vorlage geändert hat. Und man darf leider nicht sich damit trösten, einige Veränderungen. Die Zahl der Mitglieder der daß es sich vielleicht nur um eine vorübergehende Erscheinung 8 weiten Rammer soll von 50 auf 58 erhöht werden, die handele, da dieser Ausbruch von Peffimismus nur die Folge und Bahl der Mitglieder der Ersten Kammer von 34 auf 40. das Ergebnis einer fortbestehenden, bisher nur mühsam ver- Die Städte Mainz, Darmstadt, Worms, Offenbach haltenen Berstimmung ist." und Gießen, von denen die beiden ersteren bisher je 2, die drei übrigen je 1 Abgeordneten wählten, erhalten jetzt je einen Abgeordneten mehr. Außerdem wird für jede der drei Provinzen ein ländlicher Wahlfreis mehr geschaffen. Die frühere Borlage sah nur eine Vermehrung um 5 städtische Mandate Die Regierung will jetzt den Agrariern Kon. 3essionen machen. Dadurch daß auch die ländlichen Mandate vermehrt werden, wird das Misverhältnis zwischen der Stimmenzahl in der Stadt und dem auf dem Bande aufrecht. erhalten, wenn auch nicht ganz in der bisherigen Weise. Während gegenwärtig beispielsweise in Mainz auf über 90 000 Einwohner Der Herr Kriegsminister v. Einem hat ferner darauf hin- ion Die Mai- Aussperrungen gewiesen, daß in Frankreich ein Offizier, der sich schwere Weiß- to handlungen seiner Rekruten hatte zuschulden tommen lassen, haben einen größeren Umfang auch nach den heute vorliegenden Mit mit einer relativ geringen Strafe durchkam. Ein solcher teilungen nicht erreicht. Offizier wäre, meinte Herr b. Einem, Einem, in Deutschland In Halle find infolge der Maifeier von der Bertramfchen entlassen worden. Auch uns erschien die Strafe, die der Maschinenfabrit 38 Metallarbeiter und 2 Tischler ausgesperrt. Größere französische Offizier erhalten hat, lächerlich gering, aber Betriebe nahmen von der Aussperrung Abstand. bir sind der Anschauung, daß der Kriegsminister eines In Neu- Isenburg find 82 Holzarbeiter und 29 Sadierer Armee, in der ein Rittmeister v. Krosigt an der auf die Dauer von 8 Tagen ausgesperrt bor. Mti Abgeordnete kommen, gibt eS ländliche Kreise, die mit 16 000 Einwohnern einen Abgeordneten wählen, ganz abgesehen davon, daß die ganz kleinen Städte wie Bingen, Friedberg und Lllsfeld mit 10 000, 8000 bezw. 5000 Einwohnern je einen Ab- geordneten wählen dürfen. Der neue Entwurf schafft die Stichwahl ab. Als Abgeordneter gewählt ist derjenige, der in einem Wahlkreis mehr als die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen erhalten hat. Hat sich eine solche Mehrheit nicht ergeben, so ist ein zweiter Wahlgang notwendig, an dem alle Kandidaten teilnehmen können; im zweiten Wahlgange entscheidet dann die relative Mehrheit. Die Abgeordneten der Zweiten Kammer werden wie bisher auf sechs Jahre gewählt; alle drei Jahre scheidet die Hälfte aus. An Stelle des Wahlmänner-Wahlsystems tritt jetzt die direkte Wahl. Für die Wahlhandlung gelten im wesentlichen dieselben Bestimmungen wie bei der Reichstagswahl(Wahl- kuverts usw.). Wahlberechtigt sind alle Personen mann- lichen Geschlechts, die zur Zeit der Wahl das 2 5. Lebensjahr vollendet haben, wenigstens drei Jahre im Grotzherzog- tum wohnen, seit drei Jahren die hessische Staats- angehörigkeit besitzen und seit dem Beginn des Rechnungsjahres, in dem die Wahl vorgenommen wird, zu einer direkten Staats- und Gemeinde st euer heran- gezogen sind. Die Erste Kammer erfährt nach der Vorlage eine Ver- Mehrung um 0 Mitglieder, und zwar soll ein Vertreter der technischen Hochschule in Darmstadt, zwei Vertreter des Handels und der Industrie, zwei Vertreter der Land- Wirtschaft und ein Vertreter des Handwerks in die Kammer neu eintreten. Auf diese Weise will man der Mumie „Erste Kammer" frisches Blut einflößen. Die Berufung dieser neuen Vertreter erfolgt durch den Grotzherzog, jedoch nur immer für die Dauer eine? Landtags. Handels-, Handwerks- und Land- Wirtschaftskammer haben das Vorschlagsrecht. Arbeiter werden also nach wie vor als ungeeignet für die Erste Kammer gehalten. Um ein Aussterben der Standesherren in der Ersten Kammer zu verhindern, soll dem Grotzherzog daZ Recht gegeben werden, beim Aussterben einer Familie eine andere zu berufen! Die neue Vorlage legt aber den„geborenen" Gesetzgebern «ine neue schwere Verpflichtung auf, nämlich die hessische Staatsangehörigkeit zu besitzen. Bisher war dies oftmals nicht der Fall. Die Standesherren sind bekannt- lich manchmal geborene Gesetzgeber in diversen Staaten, und da kann es ihnen leicht passieren, daß sie nicht die Staatsangehörig- leiten in sämtlichen Staaten erworben haben. Alles in allem: eine Vorlage, wie sie reaktionärer nicht ge- dacht werden kann! England und Ruhland. London, 1. Mai.(Eig. Bet.)) Die englischen Liberalen machen kein Hehl daraus, daß sie dem Abschluß eines englisch-rnssischen Ausgleichs mit gemischten Ge- fühlen entgegensehen. Sie möchten gerne den Frieden in Mittel- asien befestigen und mit Nutzland in Freundschaft leben, aber sie wifsen auch, welche reaktionären Folgen eine derartige Freundschaft unter ben obwaltenden Umständen für das rustische Voll haben kann. Die russische Freundschaft bedeutet eine russische Anleihe, und eine mit Geldmitteln versehene russische Regierung wird auf die Duma pfeifen und die Reaktion stärken. Daß die russische Regierung auf eine in London aufzunehmende Anleihe rechnet, kann keinem Zweifel unterliegen. Die„Nation" weist diese Woche darauf hin. daß das englische Publikum in auf- fallender Weise von der russischen Regierung ins Vertrauen ge- zogen wird. Professor Martens rechtfertigte im Voraus in seinem bekannten Briefe an die„TimeS" eine etwaige Auflösung der Dumal Finanzminister Kokoffzew ließ seinen Etat inS Englische übersetzen, um der Londoner Finanz einen„Einblick" in die wirtschaftliche Lage Rußlands zu gestatteni— Kommt ein englisch. russischer Ausgleich zustande, so wird die russische Regierung sofort mit dem Londoner Geldmarkt wegen eines PumpS in Unterhand. lungen treten, und die Anleihe würde ihr auch gewährt werden, da die englische Regierung sich in den Gang des(GeldmarlteS nicht einmischen darf. Was sollen die Liberalen, die in dieser Anleihe eine Gefahr für die Duma erblicken, dieser Sachlage gegenüber tun?— Vor einem Jahre rief Sir Henry Campbell-Banuerman„Vivo la Doumai" („ES lebe die Duma!") Jetzt könnte seine Regierung die Duma gefährden. Wie wiederspruchSvoll ist doch selbst die relativ beste kapitalistische Regierung! Die Liberalen helfen sich wie gewöhn. lich mit halben Matzregeln. Sie sagen: Wäre die Duma gesichert und frei, dann stünde einem allgemeinen Ausgleich und einer herz- lichen Entente mit Rußland nichts im Wege. Aber die Duma ist weder gesichert noch freiheitlich ausgestaltet. Deshalb soll der AuS» gleich sich nur auf asiatische Streitpunkte beziehen und eine engere Annäherung, wie sie sich zwischen England und Frank- reich vollzog, soll vorläufig nicht angestrebt werden. Aber wie steht eS mit der Anleihe? Ja, sagen die Liberalen, die Anleihe können wir nicht verhindern! Die Hauptsache sei, daß England mit dem Ausgleich Matz halte und sich offiziell nicht allzu sehr engagiere.— Man ersieht aus dem hier Dargelegten, wie tief die äußere Politik den Gang einer inneren Revolution beeinflußt. Fände der Zarismus nicht immer noch Rückhalt beim Kapitalismus, dann wäre eS um die Sache des russischen Volkes erheblich besser bestellt; die Duma� aber, der Englands Liberale gelegentlich ein paar Krokodilstränen weihen, brauchte um ihre Existenz nicht Tag für Tag zu zittern,—-_ politische Qcbcr ficht. Berlin, den 3. Mai 1907. Blocksubstdien. Eine neue Sfrt von Remunerationen hat der„nationale Block" herite bewilligt, der in namentlicher Abstimmung zum Postetat die Resolution der Polenbezwinger Gamp und Kon- sorten annahm, nach der den in Posen und Westpreutzen be- schäftigten unteren und mittleren Beamten eine sogenannte Ostmarkenzulage gegeben werden soll. Durch diese politische Remuneration will man nicht nur Beamten-.Agitatoren für die verfehlte Bülowsche Polenpolitik schaffen, sondern die Be- amten auch dem Block dankpflichtig machen. Eine saubere Wirtschaft, diese Blockpolitik! Dre anderen zum Postetat gestellten Resolutionen, Sonn- tagsruhe, höhere Bezahlung des Sonntagsdrenstes, Aenderung der Aufrückling, Erleichterung des Telephonverkehrs in den kleinen Ortschaften betreffend, wurden mit wechselnden Majoritäten angenonimen; gegen die Resolution, d« einen billigeren Tarif für Bücher usw. für Blinde verlangt, stimmten tjux die Kpnservatlvea. Junkerliche Kumamtail Nach debatteloser Bewilligung des Etats zum Reichs- Militärgericht folgte die Beratung des Militäretats. Mit aller Deutlichkeit ergab such, daß die Sozialdemokratie die einzige ernsthafte Oppositionspartei gegen die Deutschland so schwer belastende und schädigende Kolonialpolitik ist; denn die heutige Rede des ZentrumsfüHrers Spahn steht in grellem Gegensatz zu der vorjährigen Stellung des Zentrums in Kolonialsachen. Die Rede erweckte den Eindruck eines b e- abstchtigten Annäherungsversuches an die Regierung. Genosse Bebel konstatierte die Unsicherheit der Spahn- schen Ausführungen hinsichtlich der Kolonialarmee, deren An- sänge in den gestellten Forderungen zu erblichen sind. Wozu eine neue militärische Organisation,— ein kleines Krieg s m inisterium nannte sie Bebel— wenn nicht zur Verwaltung einer ständigen Kolonialarmee? Wozu ein Staatssekretär für die Kolonien, wenn nicht die Kolonial- Politik der Weltpolitik dienstbar gemacht werden soll? Besser. meint- Bebel, wäre es, ein StaatSfekretariat für Sozialpolitik zu schaffen. Bebel ironisierte sodann die Schwenkung der regierungstoll gewordenen Freisinnigen und gab der Freude darüber Ausdruck, daß die Kolonialfexe eine sozialdemokratische Forderung, Unentgeltlichkeit der Lehr- mittel zum Schulunterricht(der bereits unentgeltlich ist) für die Kolonien fordern. Hoffentlich würde man, so fol- gerte der Redner, das Gleiche nun auch für ganz Deutschland schaffen. Der stellvertretende Reichskanzler, Graf Posa- d o w s k y, sowie der Kolonialdirektor Dernburg, und nach diesen beiden auch der Abgeordnete Müller-Meiningen, suchten die Bebelschen Ausführungen als ein Moment zur Schürung des englischen Mißtrauens gegen Deutschland hin- zustellen. Aber Ledebour sowohl wie Bebel wiesen diese Deutung zurück und durchkreuzten das Spiel mit dem auswärtigen Mißtrauenspopanz. Drollig wirkte die national-bomlwstische Pauke des Ab- geordneten Müller- Meiningen, der die Schwankungen der Freisinnigen zu verteidigen suchte, damit aber die jämmer- liche, blocksüchtige Regicrungsneigung des bewilligungslustig gewordenen Freisinns bestätigte. Die Blockgenossen auf der Rechten applaudierten ver- gnüglich die Sucht der Freisinnigen, der Regierung alle Unterstützung zu gewähren. Die Generaldebatte wurde durch den obligaten Schluß. antrag deS Blocks beendet. Die Blockmehrheit bewilligte so- dann die Schaffung eines Staatssekretärs für die Kolonien. resp. dessen Gehalt. Darauf wurde die Beratung vertagt.—- �• A«s dem prenhischen Landtage. DaS Herrenhaus ist am Freitag nach langer Pause wieder zusammengetreten. Falls die„Herren" nicht vorher müde werden, wollen sie bi» zum 15. Mai zusammenbleiben und nach Pfingsten auch noch einige Sitzungen abhalten. Der Erledigung harren neben kleineren Vorlagen vor allem der Etat, der vom 6.-8. Mai „beraten" werden soll. In ihrer ersten Sitzung nach der langen Osterpause hatten die hohen Hetren eine umfangreiche Tagesordnung zu erledigen. Von den neun Punkten derselben ist jedoch höchstens das Quellen- schutzgesetz zu erwähnen, das mit unbedeutenden Aenderungen zur Annahme gelangte,— ••* DaS Abgeordnetenhaus hat sich am Freitag mit Initiativ- antragen beschäftigt. Eine Reihe von Anträgen, die eine Aenderung des Einkommensteuergesetzes in bezug auf die Bestimmungen über die Verpflichtung zur LuSkunftSerteilung durch die HauShalwngS- vorstände und Arbeitgeber über die bei ihnen angestellten Per- sonen bezweckten, rief eine längere Debatte hervor. DaS Resultat der Debatte war die Ablehnung eines Antrage? Kirsch(Z.) auf Aufhebung der Verpflichtung der Auskunfterteilung über die Per- sonen mit weniger als 3000 M. Einkommen. Dagegen wurde ein„freisinniger" Antrag angenommen, wonach die Anzeigepflicht der Hausbesitzer noch erweitert wird: Die Hausbesitzer sollen der Behörde auch die N a m e n der Arbeit- geber und die Arbeitsstätte ihrer Mieter angebenl I Ein nationalliberaler Antrag, der im wesentlichen auf dasselbe hin- ausläuft, gelangte gleichfalls zur Annahm«. Der Erhaltung des Deutschtums in den Ostmarken soll ein gemeinsam von Konservativen, Nationalliberalen und Freifinnigen eingebrachter Antrag dienen, der die Regierung ersucht, zur Ein- richtung und Unterhaltung von ländlichen Fortbildungsschulen mit. BesuchSzwang in Posen und Westpreußcn sowie für den Re- gierungSbezirk Oppeln Unterlagen zu schaffen, wie sie für die gewerblichen Fortbildungsschulen PosenS und Westpreußens schon vorhanden sind. Der Antrag wurde nach kurzer Debatte gegen die Stimmen de? Zentrums und der Polen angenommen. Bund vaterländischer Arbeitervereine. So lautet der Name deS neuesten SumpfgewächseS, das fein Erstehen dem Verband zur Verleumdung der Sozialdemokratie ver- dankt. Auf Sonnabend, den 18-, und Sonntag, den 10. Mai, ist nach H a m b u r g ein Kongreß von Arbeitern einberufen, die einen solchen Bund mit gründen wollen. Mit welchem Ernst dort ge- arbeitet werden soll, das ist aus dem Programm ersichtlich. Für den ersten Tag ist vorgesehen: Hafenrundfahrt. Besichtigung der Stadt.— Mittagessen. Nachmittag 3 Uhr Gründung des Ver- bandes mit Ansprachen der Reichsverbändlcr E r m e r t- Walden- bürg und Brummer» Rostock. Abends 8 Uhr Abendessen, Fest- kommerS mit Vorträgen und Ansprachen. Der zweite Tag bringt Besichtigungen, Frühstück. Um 11 Uhr ist wieder eine Versamm» lung, in der E r m e r t über die Stellung zu den nichtsozialdemo- kratischen Arbeitervereinen, ein gewisser S ch a p e r» Hamburg über Gesetzgebung und roten TerrorismuS sprechen werden. Um 3 Uhr Mittagessen, dann folgen Besichtigungen, um 7 Uhr Abend- essen mit anschließendem AbschicdslommerS. Die Vertreter erhalten von einem Hamburger Ehrenausschutz freie Verpflegung und fleie Unterkunft. AuS welchen Taschen mögen die Kosten dieser Gründung wieder bestritten werden? Vielleicht erscheint Herr Ballin in eigener Person auf diesem Kongreß, dessen Teilnehmer ihm gelegentlich in der Beschaffung von Arbeitswilligen bchülf- lich sein können. Denn nur um die Gründung einer solchen Organisation kann eö sich bei der ganzen Mache handeln!— Die vergebliche Mohrenwäsche. Wir haben in unserer gestrigen Nummer von her Mohrenwäsche Notiz genommen, die unter Fichrung des Herrn 23 i ein er in Mühlhausen an Herrn Eickhoff vorgenommen wurde; wir haben auch die Eunuchen-Erklärung wieder- gegeben, nach der nun in betreff des behaupteten Wortbruchs des Biedermannes Eickhoff alles wieder begraben sein sollte. Der Effekt sollte sein, daß Herr Eickhoff auL sehr guten Gründen auch davor bewahrt bleiben sollte, sein zweites ge- gebene Wort zu halten: die„Mühlh. Ztg." zu verklagen. Dieser wohldurchdachte Plan ist nun leider gescheitert. Die»Mühlhäuser Ltg.". kk m ihrer Ar. SS die gestern von Uns wieLergegebene Erklärung sirachte, muffte schon am Tage darauf in ihrer Nr. 100 vom 30. April 1907 die folgende Er- klärun« bringen: JÄn die Redaktion der„Mühlhäuser Zeitung". Da dcr Artikel in Nr. 99 Ihrer Zeitung betresfcnd die Angelegen- heit Eickhoff den Tatsachen nicht entspricht, so ersuchen wir Sie hierdurch auf Grund des§ 11 des Preß. gesetzeS um Aufnahme folgender Erklärung: Die unterzeichneten Mitglieder deS früheren Vorstandes der vereinigten liberalen Parteien sind mit der in der„Mühlhäuser Zeitung" vom 29. April in der Angelegenheit Eickhoff veröffentlichten Erklärung nicht einverstanden. Tatsache ist, daß Herr Professor Eickhofs in der Komiteesitzung vom 22. Dezember 1906 uns versprochen hat, im Fall einer Doppelwahl seinen thüringer Wähler« treu zu bleiben. Mühlhausen i. Th., den 29. April 1907. C. Binckebank. Ad. Busch, C. Hasenbein jun., W. Kalischer, Albert Koppel, E. Reise, C. Stephan." Danach bleibt also nach wie vor bestehen« daß der Flottenvereins-Stipendiat Eickhoff sein gegebenes Wort nicht gehalten hat, und die Mohrenwäsche, die sa schlau ausgesonnen war, ist eine vergebliche gewesen. Neugierig kann man nun sein,— nicht, wie Herr Eickhoff sich mit dieser zweiten Erklärung abfinden wird, sondern wie seine Fraktion sich mit ihr abfinden wird. Diese hatte bekanntlich den Beschluß gefaßt, sich mit Herrn Eickhoff erst nach der gerichtlichen Entscheidung in Sachen Eickhoff kontra„Mühlh. Ztg." auseinanderzusetzen. Sie wird jetzt ein anderes Verfahren einschlagen müssen, wenn sie nicht vor aller Welt dokumentieren will, daß sie unter sich ein Mitglied duldet, dem seine eigenen Vertrauensmänner öffentlich be- wußten Wortbruch vorwerfen. Vorläufig konstatieren wir schließlich nur noch, daß die „F r e i s i n n i g e Z e i t u n g", die die erste Erklärung ihren Lesern nicht schnell genüg bringen konnte, die z w e i t e heute von uns wiedergegebene bisher einfach unterschlägt.-— Nationalliberalc Geständnisse. Sehr abfällig urteilt die wild-nationalliberale„Rheinisch- Westfälische Zeitung" über die„Komödie im ReichshauS"» womit das Blait die jüngste parlamentarische Debatte über die auswärtige Politik meint. Während zum Beispiel die frei- sinnig-volksparteiliche„BreSlauer Zeitung" BülowS Rede herausstreicht und behauptet» daß auch B o l l m a r S Rede die Wirkung der Bülowschen Offenbarung nicht abzuschwächen vermocht habe, urteilt die„R h e in, ich» W est sali sch e Ztg.": „Sie(die Konservativen) schickten zu der wenig dankbaren Mission indes geschickt genug einen ihrer ckii minores und technisch schlechtesten Redner m dem Abg. Winkler vor. den die als Generaldirektor einer Landfeuersozietät gesammelten Erfahrungen zum Sprecher in der auswärtigen Politik nicht sonderlich geeignet zu machen vermögen. Groß war aber die Enttäuschung, die der Führer der Nationalliberalen, der Abg. Qassermann, bereitete. Wer der herzerfrischende!: Offenheit gedachte, mit der er jüngst erst im Lande, mit der er am 14. November des Vorjahres kritisierte und tadelte, was jeder Patriot an unserer auswärtigen Politik kritisieren und tadeln muh, dem konnte die matt« Limonade seiner heutigen Rede nur wenig munden. Ein Getränk gleicher Qualität verschänktc auch im Namen der ReichSpartti Fürst Hatzfeld, verschänkte auch der Freisinnigen Oberhaupt W i e m e r. Sie alle meinten, die Regierung bei der gegenwärtigen prekären Lage nur so sänftigl ich wie möglich anfassen zu dürfen. So ergab sich das Schauspiel, daß der Genosse v. Volkmar allein aussprach, was vieler Patrioten Herz bekümmert, was den Sozialdemokraten aber nur Agitationsmittel ist: die U n z uff r i e o e n h e i t mit dem persönlichen Regiment, die Unzu- friedenheit mit den Leitern einer Politik, die von Miß- erfolg zu Mißerfolg schreitend, da» Reich in die jetzige Lage gebracht hat.... UnS will scheinen, wenn von den natton.alen Parteien dies geltend gemacht worden wäre, mit der ruhigen Bestimmtheit und mit der Würde, die Ort und Zeit erfordern, so würde das einen weit intensiveren Eindruck auf da» Ausland hervorgerufen haben, als eine langweilige, heruntergespielte Komödie» deren Abgekartet heit doch niemand entgeht." Man sieht, daß selbst von einsichtigeren und unab, hängt g er en Nationalliberalen unumwunden zugegeben wird, daß die Politik des persönlichen Kurses, die Fürst Bülow zu decken den rhinozeroshautgewappneten Mut besitzt,„das Reich in die jetzige Lage gebracht hat"!—_ 640 Millionen für Wüstwest! Einem Wunsch der Budaetkommissidn entsprechend hat der Reichsschatzsekretär dem Vorsitzenden dieser Kommission nunmehr eine Zusammenstellung der gesamten, bisher für unsere Kolonien gemachten Ausgaben zugehen lassen. Hier- nach haben unsere Schutzgebiete bis zum Schlüsse des Rechnungsjahres 1906 in runden Zahlen erkalten: Ost- asrika 91 Millionen, Kamerun 26Vj, Togo nicht ganz 4, Südwcstafrika 94, Neu- Guinea 7, die Jnselgebicte 2'/,.- Samoa 1,4, Kiautschou 102 Millionen. Die Gesamtsumme für alle Kolonien beträgt 227 863 006 M. Hierzu kommen dann aber noch der Betrag, den das Reich seiner- zeit für die Abtretung der Karolinen-, Marianen- und Palau- Inseln an Spanien bezahlt hat. in Höhe von 20 Millionen und sodann die Kosten für die Niederschlagung der Aufstände in Ostafrika mit 3'/, Millionen Mark und in Südwestafrika mit 640 Millionen Mark. Das find im ganzen mehr als 890 Millionen Mark. Für Wüstwest sind also 640 Millionen verpulvert worden! Weit mehr also, als selbst wir bisher angenommen haben. D�e Kolonialrechnung stimmt übrigen« n t ch t I Es fehlen die Kosten für denWaldersee-Kreuz- z u g mit diversen hundert Millionen, die Dampfersubventionen usw. Die Gesamtausgaben für unsere herrliche Kolonial- Politik beziffern sich deshalb auf zirka 1'/, Milliarde» Mark! Der Reichsverband über die Wahl in Glanchan-Meerane. Der Reichsschwindelverband will mit der bürgerlichen Nieder- läge in Glanchau-Meerane nichts zu tun haben. In der Nr. 30 der von ihm herausgegebenen Korrespondenz, die der bürgerlichen Presse das„geistige Rüstzeug" gegen die Sozialdemokratie liefert, befindet sich ein ellenlanger Artikel über den Ausfall der Wahl im 17. sächsischen Wahlkreis, der in der Behauptung gipfelt, daß der Reicheverband mit der Wahl absolut nicht» zu tun ge- habt habe. Die Flugblätter der Gegner, die ganz in Reich». verbandSmanier gehalten waren, strotzten vor Verleumdungen der Sozialdemokratie, alles was der Schwindelvcrband bei den Januar» Wahlen zusammengelogen hat, das kam hier wieder zum Borschein, selbst die numerierten Flugblätter deS ReichSverbandee sind im Wahlkreis verteilt worden, sie tragen das Impressum: Verlag des ReichSverbandeS zur Belämpfung der Sozialdemokratie-- dennoch wird frischweg geleugnet, daß der Verband mit der Wahl irgend etwas zu tun gehabt habe! Richtig ist, die Lügen- apostel deS Verbände» waren ferngeblieben, dafür hatte der„Na. tionalc Ausschutz" in Dresden gleichwertigen Ersatz geliefert. Wie Till t>c.i Lügeilvtrbgod ep erklären, daß seine Flugblätter dort verteilt worden sind/ ja dah die Wahltechnil deS Ver« b an d es bis ins klein sie dort zur Anwendung gelangt war? Sogar soweit, daß am Tage vor der Wahl die bürgerliche Presse die sattsam bekannte Warnung vor ge- fälschten Stimmzetteln brachte, die natürlich in Glauchau» Meerane genau sowenig existierten als wie in den anderen Wahlkreisen, von denen man dies bei den Januarwahlen behauptet hatte. Die„Vcrbands-Correspondenz" redet sich nun darauf hinaus, daß die Entsendung von Rednern allerdings auch gar nicht möglich gewesen wäre, weil die sozialdemokratische Wahl- kreisleitung beschlossen hatte, in den Versammlungen den Reichs» verbändlern da? Wort nicht zu erteilen. Das ist auch der einzig wahre Grund, weshalb die bekannte Schwindelgarde diesmal das Feld den Kollegen vom„Nationalen Ausschuß" überließ. Man behauptet, daß dies aus Angst vor den Reichsverbändlern geschehen sei. Was sich diese Sippe nicht alles einbildet! Nicht aus Angst vor den Virtuosen der Lüge ist dieser Beschluß gefaßt worden, sondern lediglich deshalb, weil man uns doch nicht im Ernste zu- muten kann, daß wir unsere Versammlungen zum Tummelplatz einer Anzahl Krakeeler machen lassen, die aus der Verleumdung der Sozialdemokratie ein Geschäft machen. Unsere Versamm- lungcn standen wie stets, so auch bei dieser Wahl, jedem Po» litischen Gegner offen, hat doch der nationalliberale Kandidat Dr. Clauß in jeder Versammlung, in der Molken- buhr sprach, das Wort ergriffen, und zwar wurde ihm stets un- beschränkte Redefreiheit eingeräumt. Nicht nur Dr. Clauß, auch die anderen nationalliberalen Redner bekamen das Wort, so A. B. der nationalliberale Generalsekretär Dr. We st ermann aus Leipzig. ES ist direkt erlogen, daß, wie die Schwindelkorre- spondenz behauptet, immer erst einige Sozialdemokraten das Wort nahmen, so daß der Gegner erst zu mitternächtiger Stunde zum Wort kommen konnte. Im Gegenteil, dem bei unS üblichen Gebrauch folgend, sind stets nach unserem Referenten die Gegner eingeladen worden, das Wort zu ergreifen und sie haben davon auch den ausgiebigsten Gebrauch gemacht. Dagegen haben die Gegner uns in ihren Versammlungen keineswegs fteie Diskussion gestattet, vielmehr bot man dem ersten Redner eine Redezeit von einer halben Stunde an, jeder folgende Redner sollte nur eine Redezeit von zehn Minuten bekommen. Natürlich galt diese Einschränkung nur für sozialdemokratische Redner. Wie sehr der Reichsschwindelverband die Wahrheit haßt, das geht besonders aus einem Passus in dem Brandartikel hervor. wo in bezug auf den„Redakteur" Müller gesagt wird:„Und als dieser Herr wiederholt den Versuch machte, in dieser und jener sozialdemokratischen Versammlung zu Worte zu kommen, da mutzte er schließlich am letzten Tag in einer Versammlung in Hohenstein- Ernstthal am eigenen Leibe erkennen, wie die geistigen Waffen der großen Partei, die sich anmaßt, die Menschheit auf die höchsten Höhen der Kultur emporführen zu wollen, in Wirklichkeit beschaffen sind--- 7 Steinwürfe in den Rücken. Fußtritte gegen das Bein, so zwar, daß Herr Müller sich sofort in ärztliche Behandlung be» geben muhte." Um einer Legendenbildung vorzubeugen sei festgestellt, daß dieser angeblich so schwer verletzte Müller gleich nach dem an- gezogenen Vorgang im Wartesaal des Bahnhofes„patriotische" Lieder mit brüllte. Um ärztliche Behandlung aufzusuchen, dazu hätte die Zeit, zwischen dem Schluß der Versammlung und dem patriotischen Krakeel auf dem Bahnhof gar nicht hingereicht--- die Geschichte mit dem schwer mißhandelten Müller ist also un- verfälschter Reichsverbandsschwindel. Die Wahl in Malmedy-Montjoie- Schleiden findet am heutigen Freitag statt. Der Wahlkreis gehört zum bombensicheren Besitz deS Zentrums. Von 18 543 Stimmen fielen am LS. Januar 17 418 auf den Prinzen Arenberg, den Zentrums- kandidaten, 763 erhielten die Nationalliberalcn und 834 die Sozial- demokraten. Es wird auch jetzt wieder- ein Zentrumsmann ge- wählt, nur ftagt es sich, da zwei ultramontane Kandidaten vor- banden sind, ob Regiernngsrat FervarS, der Erkorene des Kreiswahlkomitees oder Graf S p c e, der Mann der Zentrums- bauern. Der Vorsitzende des ProvinzialausschusscS der rheinischen Zentrumspartei hat zu vermitteln versucht und den nach Köln be- rufenen Vertrauensmännern des Wahlkreises den Vorschlag ge- macht, beide Kandidaturen fallen zu lassen und sich auf eine neue Kandidatur zu einigen. Aber dieser Einigungsversuch scheiterte an dem Widerstande der Zentrumsbauern, die von dem Agrarier Grafen Spce nicht ablassen wollen. Der Vorsitzende deS Rheinischen BaucrnvereinS, Freiherr von Loe, erließ am Mittwoch in der ..Rheinischen Volksstimme" einen Auftuf zugunsten der Kandidatur Spee, der mit den Worten schließt:„Darum Eifclbaucrn, voran für Euer heilige? Recht und die Ehre der gesamten Landwirtschast, die es ablehnt, weiter zurückzuweichen." Wie es übrigens in diesen bombensicheren Zentrumswahl- kreisen zugeht, beweist der Umstand, daß das Kreiswahlkomitee aus sieben Personen besteht, trotzdem daS Parteistatut deren zwölf vor- schreibt. Und die Vertrauensmänner scheinen auf Lebenszeit ge- wählt zu sein, denn in einer Wahlversammlung erklärte ein Pfarrer, er amtiere jetzt zehn Jahre im Kreise, habe aber noch niemals etwas von einer Wahl der Vertrauens- männer gesehen. In derselben Versammlung erklärte Frei- berr von Loe, daß hier schwere Mißstände herrschten, welche die sonst zcntrumStreucn, braven Eifel bauern gar nicht zu Worte kommen ließen, über deren Kopf hinweg einfach ein nicht genehmer Kandidat aufgestellt würde, dem dann aus Partei- disziplin zum Siege verholken würde. Derartige Mißgriffe würden sonst treue und einflußreiche Freunde der Partei zu Geg- nern derselben machen; die sonst politisch ruhige Landbevölkerung ließe sich eine solche Behandlung auf die Dauer ebensogut nicht ge- fallen, wie eS die Arbcitcrbevölkerung der Jndustriebevölkcrung schon längst nicht getan haben würde. Es ist für die Politik von keinem Belang, ob heute in Mal- medy-Montjoie-Schleiden Regierungsrat Fervars oder Graf Spee gewählt wird und ein etwas mehr städtisch oder ein stark ländlich angehauchter ZentrumSmann in den Reichstag ci»zieht. Nur für di" innerparteilichen Verhältnisse des Zentrums sind diese Vor- gänge interessant; sie beweisen, wie viele und wie tiefe Gegensätze im Zentrum widereinander streiten.— Die Maifeier. Aus verschiedenen Ortest und Gegenden de» Reiche» find uns noch Berichte zugegangen, die alle von erfreulichem Verlauf und fast durchweg von wachsender Beteiligung reden. Wir glauben indes von einer weiteren Berichterstattung Abstand nehmen zu können. Bauernrebellion gegen den demokratischen Schntzzöllner. Bekanntlich hat kürzlich der bemokratifche Volksparteiler Wicland im Reichstag das Lob deS Brot- und Fleischwucher» gesungen. Aber dieser eigenartige Demokrat hat damit bei seinen kleinbäuerlichen Wählern wenig Gegenliebe gefunden.- Jedenfalls wird ihm jetzt aus seinem eigenen Wahlkreise, und zwar von einem Kleinhandwcrker. der selbst Landwirtschaft treibt und schon ein Menschenalter unter den Kleinbauern lebt, in einer Zuschrift an den Stuttgarter„Beobachter" nach- gewiesen, daß seine Behauptungen,;owcit sie die Lage der kleinen Landwirte und Handwerker seines eigenen Wahlkreises betreffen. auf einer durchaus unbegründeten optimistischen An- nähme beruhen. Der Kleinhandwerker weist darauf hin, daß die dortigen Kleinbauern sowohl im Tal wie auf dem Schurwald früher durch die Schweinezucht wenigstens einen Teil dessen erlöst haben, was sie zur Einlösung ihrer Verbindlichkeiten jähr- aus jahrein bedurften. Auch dieser Zweig der Landwirtschaft sei ihnen letzt aber durch die verteuerten Futtermittel erheblich abgeschnitten. Sie sind durch die Zollpolitik, die das Signal zur allgemeinen Preissteigerung wurde, ganz em- pfindlich geschädigt und— so fügt der Kleinhandwerker hinzu— „Wenn Herr Wieland wieder einmal zu uns ins Remstal kommen wird, werden wir ihm dies in ausführlicherer Weise noch vor- rechnen können, und es wird sich dabei zeigen, daß Herr Wieland in unserer Gegend und auf dem Schurwald wenige wirkliche Kleinbauern finden wird, die seinem Lobe der Zollpolitik beipflichten." Es ist charakteristisch für die politische Rückgratlosigkeit der äußersten bürgerlichen Linken, daß dem„demokratischen" Schutz- zöllner W i e I a n d erst jetzt von seinen kleinbürgerlichen Wählern die Leviten gelesen werden. Die Partei selbst hat bis jetzt ihren Fraktionskollegen seiner grotesken agrarischen Seitensprünge wegen nicht rektifiziert.— Die Ursachen der Unruhen, in Kamerun. Kamerun gehört zu den Kolonien, in denen die Strafexpeditionen, trotzdem man von ihnen in der Oeffentlichkeit nur wenig hört, selten abreißen. Auch in den Jahren 1904—1906 sind wieder solche Expeditionen, deren Kunde freilich im südwestafrikanischen Kriegs- lärm verhallte, ausgeführt worden. Der Hauptmann Scheune- mann hat über diese Unruhen und Strafexpeditionen nunmehr Be- richt erstattet. Ueber die Ursachen der Unruhen bekundet der sicher eher zu rosig als zu schwarz färbende militärische Berichterstatter, daß die„Habgier" der Eingeborenen namentlich nach den G e- wehren und nach dem Pulver der Kaufleute ein Hauptmotiv deS Aufstandes der südlichen Stämme gewesen sei. „Ebenso zweifellos erscheint aber auch, daß zahl- reiche Uclicrgriffr der farbigen Händler uud zum mindesten grobe Unvorsichtigkeit der weißen Kaufleutc in der Behandlung dieser sich ihrer Kraft bewußten kriegerischen Kannibalenstämme die Katastrophe gezeitigt haben. Keinesfalls kann sich die Unzufriedenheit dieser Stämme gegen die Maßnahmen der Regierung gerichtet haben. Es handelte sich tatsächlich um ein noch nicht unterworfenes Gebiet, das trotz wieder- Holter Warnungen lediglich vom Kaufmann betreten wurde." Die wackeren Händler, die ja auch zu einem erheblichen Teil den südwe st afrikanischen Aufstand verschuldeten, haben also auch die Kameruner Aufstände wesentlich mitverschuldet I Und das Ergebnis des Blutvergießen»? Hauptmann Scheunemann berichtet: „Die zu bekämpfenden Stämme sind kriegerischer Natur und durch ewige Streitigkeiten untereinander k r i e g s- erfahren und im Waffenhandwerk geübt. Diese gegenseitigen Zwistigkeiten hinderten die Eingeborenen jedoch nicht, gegen ihren gemeinsamen Feind, den Europäer, gemeinsam vor zu- gehen. Dazu brachte der Handel daS nötige Kriegsmaterial ins Land. Die Angriffe der Njem bei hellem Tage auf stark befestigte Lager, da» erbitterte Handgemenge beim Sturm auf Bokamoneue bewiesen, daß die Zeiten vorbei sind, wo auch eine kleine Truppenabteilung unter Europäerführung in offenem Gefecht keine Uebermacht der Feinde zu fürchten hätte. ES wäre eine unverantwortliche Selbsttäuschung, wollte man sich der Erkenntnis verschließen, daß die Eingeborenen Kameruns gelernt haben, den Europäer mehr und mehr nach feine ni wahren Werte einzuschätzen, nicht aber das gottähnliche Wesen mehr in ihm zu sehen wie früher." Es stehen uns also auch in Kamerun hochwahrscheinlich bald genug neue Kämpfe bevor!— JeskoS Rehabilitierung! Entgegen den Meldungen, Jesko svlle zu seiner Rehabilitierung und zur Stärkung deS Ansehens des Reiches(1) wenigstens auf kurze Zeit wieder als Gouvemeur nach Kamerun entsandt werden, hatte die„Nord d. Allgem. Ztg." erklärt, daß ein solcher Entscheid noch nicht gefallen sei. Jetzt erklärt nun die„Tägliche Rundschau", daß nunmehr, sicherem Vernehmen nach, bestimmt sei, daß Jesko wenigstens auf etliche Wochen wieder auf Kamerun als Gouverneur losgelassen werden solle! DieS also ist der„eiserne Besen" DernburgSl— Schweiz. Volksabstimmung über Proporz und LehrlingSschutz. Zürich, 27. April.(Eig. Ber.) Im Kanton Schwyz fand am Sonntag die Volksabstimmung über da» verbesserte Proporz- gesctz, das mit 2422 gegen 1915, und über das neue Lehrlingsschutzgesetz statt, das mit 3040 gegen 1264 Stimmen angenommen wurde. Im Bezirk Einsiedeln wurde mit 1957 gegen 744 Stimmen die Einführung der geheimen anstelle der bisherigen offenen Ab- stimmung für die Bezirkswahlen beschlossen. Im Kanton Schwyz beginnt die Stimmberechtigung für die jungen Bürger schon mit dem 18. A l t e r S j a h r, für die e i d- genöffifchen Wahlen und Abstimmungen nach dem Bunde». gesetz mit dem 20. Lebensjahre. Das neue Lehrlingsgesetz bietet nichts Besonderes. Es verpflichtet u. a. den Lehrherrn, der Inhaber eines gefährlichen Betriebes ist, den Lehrling gegen Unfall zu versichern. In die für jede Gemeinde vom Gemeinderat zu bestellende Lehrlings- koiiiinifsion von 2 bis 5 Mitgliedern sind tüchtige Berufsleute beiderlei Geschlechts wählbar. Eine arge Rückständigkeit ist die Festsetzung der täglichen Arbeitszeit auf 11 Stunden, obwohl auch im Kanton Schwyz in Gewerbe und Industrie der Zehn- und Neunstundentag schon besteht! Wenn man den Lehrling schützen will, darf man kein Unternehmerschutzgesetz machen.— ftonkreld). Der Tag des GrnselnS. Paris. 2. Mal.'(Eig. Ber.ss Die für den 1. Mai vorgemerkte„Revolution" ist wieder ein- mal ausgeblieben. Alle Bemühungen der Kompagnie Clemen- ccau-Lepine erreichten gestern nichts weiter, als daß an 300 Leute verhaftet wurden, die man— bis auf die Ausländer— gleich wieder heimgehen ließ, weil sie nicht da» geringste angestellt hatten. Freilich, der„Temps" bringt heute da» Zeugnis eine» hohen Polizeibeamten bei, der versichert, daß die Arretierten ganz das Zeug dazu gehabt hätten. Barrikaden zu bauen, wenn— nun eben wenn man gestern Barrikaden gebaut hätte. Unter diesen von den kühnen Ordnungswächtcrn gefangenen und mangels einer Barrikadenrevolution wieder losgelassenen Uebeltätern gab ei etliche, die schon im Alter von 12 und sogar von 10 Jahren die verruchte terroristische Taktik deS„NichtauSeinander- gehens" beherrschen.— Wie im vorigen Jahre aber hatte eS die Polizei besonders auf die Ausländer abgesehen. Wpr in der Nähe der Arbeitsbörse russisch sprach oder auch nur russisch oder sonst exotisch aussah, der wurde festgenommen und möglichst un- sanft nach der Kaserne an der Place de la Räpubligue„geführt", wo eine Art Feldgericht etabliert war. Der amtierende Polizeibeamte fuhr die Arretierten in grober Weise an:„WaS haben Sie sich in unsere Angelegenheiten zu mischen? (ES handelte sich ausnahmslos um Züsch au c-r.) Man wird Sie heimschasfen, damit Sie sich nur um die Ihrigen kümmern." Kein Wunder, daß sich die Russen bei diesem Benehmen lv der Republik wie zu Hause sühltSg, < Run hat ja die Polizei allerdings da» Glück, eftttge devaverkkche Vorgänge deS gestrigen TageS ausschlachten zu können: die Revolver- schüsse deS ganz offenbar verrückten russisch-amerikanischen Schneiders Law auf eine Kürrassierabteilung, und weiter ein paar ebenso harmlos verlaufene Schüsse auf Polizisten. Um die geistige Verfassung des Law zu charakterisieren, genügt die Tatsache, daß er hartnäckig darauf besteht, er habe auf Offiziere schießen wollen, während nachweislich überhaupt keine Offiziere in der Nähe waren! Hat der Mann etwa alle reitenden Soldaten für Offiziere angesehen? Auch im Augenblick nach der Tat hat er durchaus den Eindruck eines Geisteskranken gemacht. Die Leute, die ihn festnahmen, allerdings auch! Erschien Law wie ein Halluzinierter, so seine Lhncher wie Tollwütige. DaS„Publikum", das auf das Omnibusverdeck emporkletterte und ihn hinunter» schleuderte, bestand zumeist aus Geheimpolizisten. Der ganz in Apathie versunkene Mensch wurde.üt Faustschlägen und Fuß» tritten schändlich zugerichtet, so daß er, als man ihn forttranS- portierte, nur eineblutigeFleifchmafse war. Man muß eS als ein Glück bezeichnen, daß sich zufällig auf dem Wagen keinö neugierigen Fremden befanden. Sie wären sicher al»„Komplicen� mitgelyncht worden.— So verdammenswert auch die anderen Gewaltakte bleiben, so kann man bei objektiver Beurteilung nur sagen, daß die Pariser Arbeiterschaft ein ganz erstaunlich ruhiges Blut hat. Wer da» un- aufhörliche Schauspiel vorübertrabender oder in die Menge hinein» reitender Kavallerie, die Gewalttätigkeiten der Detektivs, die provozierenden Polizeimanöver gesehen hat, der kann psychologisch begreifen, daß ein neurasthenisch veranlagter Zuschauer plötzlich alle Hemmungen verliert und in einem kaum bewußten Reflex eine Tollheit begeht. Man darf ruhig aussprechen, daß eS keine Weltstadt gibt, wo eine angesammelte Volksmenge allen nerven- erregenden Herausforderungen so widerstünde wie in der Haupt- stadt der doch als temperamentvoll geltenden Franzosen. Der im ganzen so ruhige Verlauf des gestrigen Tage» hat die Scharfmacher in ziemliche Verlegenheit gebracht. Der„Temps" bemüht sich heute krampfhaft, die unumgängliche Anerkennung dieses friedlichen Charakters der Maifeier, die er allerdings auf die.Präventivmaßregeln' der Regierung zurückführt, mit der Forderung einer Fortsetzung der Gewaltpolitik gegen die Arbeits- konföderation zu vereinigen! Dabei drückt sich dieses Bourgeois- blatt gleich den anderen um die verdrießliche Tatsache herum, daß der gestrige Tag einen geradezu überraschenden Beweis von der Klarheit und Energie erbracht hat, mit der das französische Prole- tariat die Idee der sozialistischen Maifeier erfaßt hat. Die ArbeitSruhe bor allem hatte diesmal einen Umfang, den man seit 1890 und 1891 in Frankreich nicht gekannt hat! Die Mai- feier ist gestern fester Besitz der französischen Arbeiterschaft geworden. Bei dieser Gelegenheit sei auch anerkannt, daß die hiesigen ausländische n Arbeiter ihre sozialistische Pflicht musterhaft erfüllt haben. In vielen Werkstätten mit national gemischter Arbeiterschaft waren gerade sie es, die die Schließung durch- gesetzt haben. Wie in den letzten Jahren vereinigte ein Fest im Chateau du Peuple im Boulogner Wäldchen mehrere ausländische Organisationen. ES wurden deutsche, tschechische und magyarische Reden gehalten, und der deutsche Arbeiter-Eängerbund trug Chöre vor. Der Geist internationaler Brüderlichkeit waltete über der stattlichen Versammlung.— Italien. Eine Interpellation über den„Airnnti". Rom, 27. April.(Eig. Ber.) In der Sitzung der Kammer vom 26. April hat der konscr« bative Abgeordnete S a n t i n i den Schadminister interpelliert über die don der.Azioüe" während der jüngsten Polemik ans Licht gezogene Tatsache, daß der„Avant i" zum Diskont an der „B a n c a d' I t a I i a" zugelassen ist. Der Unterstaatssekretär F a s c e antwortete dem Interpellanten, daß Enrico Ferri am 2. Juli 1906 darum nachgesucht habe, zum Diskont der Banca d'Jtalia zugelassen zu werden; dieses Gesuch wurde bi» zur Höhe von, 20 000 Lire bewilligt. In der Folge wurden zwei Wechsel in der Höhe von insgesamt 17 000 Lire vorgelegt, die vom Verlag des „Adanti" auf Ferris Namen ausgestellt und von diesem auf die Banca d'Jtalia giriert worden waren. Diese Effekten wurden je zweimal erneuert und bei jeder Erneuerung um 1000 Lire der- ringert. Der Generaldirektor der Bank hätte von der Zulassung zum Diskont nichts gewußt. Der Schatzminister und der General. direktor hätten jetzt Maßnahmen getroffen, damit in der Folge keine Operationen mehr vorgenommen werden, die durch die Stellung der Beteiligten einen politischen Charakter annehmen könnten. Der Interpellant antwortete lang und natürlich recht aus- fallend. Er wie» darauf hin, daß Enrico Ferri für eine Bank nicht ckls solvibel gelten könnte, da er nicht einmal den Schaden- ersatz an den Admiral Bettolo zu zahlen vermocht hatte.(Es handelt sich um die 90 000 Lire, die das Gericht dem Admiral Bettolo in dem bekannten BeleidigungSprozeß zugesprochen hatte.) Santini sprach unter häufigen Unterbrechungen, von dem Zentrum applaudiert und unter Protestkundgebungen der spärlich vcr- tretenen äußersten Linken. Genosse E. Ferri war durch eine AgitationStour verhindert, an der Sitzung teilzunehmen.— Die Syndikalisten Italiens nnd die„Aziane*. Rom, 27. April.(Eig. Ber.) Bis heute haben die syndikalistischen Gruppen von Mai- land, Turin, Florenz, Ferrara und einer Reihe kleinerer Städte zu der Frage der„Aztonc" und dem Beschluß des ParteivorstandcS Stellung genommen. Alle diese Gruppen haben der„Azione" ihre unbedingte Solidarität ausgesprochen und Geldsammlungen beschlossen,»m die Zeitung in den Besitz der syndikalistischen Fraktion zu bringen. Auch die Partciabteilung von Peglia(Ligurien) hat sich für die„Azione" und gegen den Partcivorstand ausgesprochen. Dagegen hat die zur Mehrheit aus Syndikalisten bestehende Parteiabteilung von Neapel eine Tages- ordnung L a b r i o l a abgelehnt, die M o r g a r i wegen der Art- seines Vorgehens tadelte, dem Parteivorstand den Vorwurf der Parteilichkeit machte und neben der Erklärung, daß ein Rücktritt der Redaktton wünschenswert wäre, eine Billigung der Haltung LeoncS und seiner Kollegen enthielt. Angenommen wurde in Neapel die folgende Tagesordnung: „Die neapolitanische Parteisektion konstatiert, daß die„Azione" sich über die Herkunft ihrer Geldmittel nicht auszuweisen vermocht hat und beklagt die Haltung der Genossen, die sich weigern, aus der Redaktion auszutreten." Inzwischen dauern die Vorbereitungen zum Kongreß und für den Rückkauf der„Azione" in den Syndikalistenkrcisen fort- Ueber Ort und Zeitpunkt des Kongresses wird eine Urabstimmung statt- finden, was jedenfalls nicht geringe Schwierigkeiten bereiten wird, da e» wohl MitgliedLlisten der sozialistischen Sektionen, nicht aber der syndikalistischen Mitglieder dieser Sektionen gibt. Für den Anlauf der„Azione" sind bis jetzt 1985 Lire eingelaufen.-» Die russische Revolution. Außer Kraft. �' Petersburg, 3. Mai. Auf Grund des Artikels 87 der Staatsgrundgesetze treten heute eine Anzahl von Verord- nungen außer Kraft, weil die Borlagen, durch welche dieselben sanktioniert werden(oätend in her Aeichsduioa vicht ein» gebracht werden. Bon diesen sind besonders zu erwähnen: des Verbandsvertreters Handle ging hervor, daß die Situation und ihr Affordtarif wurde ebenfalls verbessert. Die Sägewer? s. die Verordnungen betreffend die Einführung der Feldgerichte, nach wie vor die besten Aussichten bietet. Die geringe Bahl der arbeiter und Maschinentischler haben sowohl für die zollfreie Einfuhr der Naphtarückstände sowie die Errich Arbeitswilligen reicht bei weitem nicht aus, um den Betrieb in ge- Kopenhagen wie in Jütland Lohnerhöhungen erzielt. Für die tung von Posten zeitweiliger Generalgouverneure des füd- wohnter Weise aufrecht zu erhalten. In einer Fabrit fingen dieser Stellmacher wurde außer dem Stundenlohn auch der Akkordlichen Montangebietes und von Kronstadt. An Stelle des Tage 7 Arbeitswillige an, 14 von denen, die schon früher ein- tarif erhöht, und zwar um ungefähr 15 Proz getreten waren, hörten dagegen wieder auf. Als Gegner der Diese Konflitte und Kämpfe haben also troß aller Gegenmaß Letzteren ist für zwei Jahre der Posten eines Oberchefs von Arbeiterinteressen hat sich die Zeitung des christlichen Metallarbeiter regeln der Unternehmer zu günstigen Ergebnissen für die Arbeiter Kronstadt mit den Rechten des Kommandierenden des Militär- Berbandes erwiesen. Drei Mitglieder dieser Organisation hatten geführt. Inzwischen dauert der Schuhmacherstreit in bezirts und des Festungskommandanten geschaffen worden. bis jetzt mitgestreift. Jetzt haben sie die Arbeit bedingungslos Ropenhagen noch fort, wenngleich mit den nicht der ArbeitFür diesen Posten ist der bisherige zeitweilige Generalgouver- wieder aufgenommen und berufen sich darauf, daß die Leitung gebervereinigung dieses Berufs angehörenden Meistern ein neuer neur von Kronstadt, Generalleutnant Iwanow, bestimmt ihrer Drganisation sie aufgefordert habe, die Arbeit wieder Tarif abgeschlossen und eingeführt ist. Vor Zuzug von Schuhmachern worden. aufzunehmen, da der christliche Verband mit dem Streit nichts zu nach Kopenhagen wird noch gewarnt.- Die Schneider und tun habe. Surabow zum Duell gefordert. Die Unternehmer behaupten in ihrer Presse, sie hätten Schneiderinnen von Kopenhagen sind in einem großen ein ausreichendes Lager und Arbeitswillige genug, und könnten den Teil der Herrenkleiderfabriken in den Streik getreten, weil diese Petersburg, 3. Mai.( B. H.) Der Dumaabgeordnete Surabowo Streit ruhig mitansehen. Dieser Angabe widersprechen je- Unternehmer fich weigern, den erst vor kurzem abgeschlossenen neuen tourde vom Obersten Marzimow sowie zwei anderen Offizieren wegen doch die Tatsachen, welche beweisen, daß die Unter- Tarif anzuerkennen, und eine unverschämte Ausbeutung betreiben. feiner beleidigenden Aeußerungen über die russische Armee zum Duell nehmer mit den ihnen jett jegt zur Verfügung stehenden Ferner befinden sich die Damenhutmacher von Kopenhagen gefordert. Nachdem jedoch die revolutionäre Partei ihre Zu- Arbeitskräften nicht auskommen fönnen. Weiter behaupten die im Ausstand. Auf für diesen Beruf wird um Fernhaltung des Zustimmung zum Zweikampfe versagt hatte, lehn Surabow die Heraus- Unternehmer, die Streifenden möchten gern arbeiten, aber sie ständen zugs ersucht. forderung ab. unter dem Einfluß der bezahlten Hezer und Agitatoren und müßten Die Arbeiter mehrerer großen Del- und Seifenfabriken in deshalb gegen ihren Willen im Streit aushalten. Um die Unsinnig Marseille find wegen Verweigerung einer Lohnerhöhung in den Ausfeit dieses Geredes darzutun, empfahl Handke, die Versammlung stand getreten. Man befürchtet, daß der Ausstand auf sämtliche möge eine geheime Abstimmung vornehmen über die Frage, ob die Delfabriken, die zusammen gegen 20 000 Arbeiter beschäftigen, überDrahtarbeiter weiterstreifen wollen oder nicht. greifen wird. Die Herren von der russischen Reaktion scheinen sich in neuerer Beit darauf zu verlegen, Leute mit unbequemer Meinung zu fordern". Da muß es um die geistigen Argumente der Staatserhaltenden ja noch schlechter bestellt sein, als man immer angenommen hat. Der ängstliche General. Petersburg, 3. Mai. Die Nachrichten aus Baku lauten besorgniserregend. Der Gendarmeriekommandeur Baron Taube mußte aus Sicherheitsgründen auf dem Schiff„ Arares" Wohnung nehmen. feder. Die Diskussionsredner sprachen sämtlich für unveränderte Fortführung des Streifs. Jezt, nachdem der Streit 4/2 Wochen dauert, nicht so viel fertigstellen, wie gebraucht wird, also sei die Situation sei das vorrätige Gewebe erst verbraucht, die Arbeitswilligen fönnten für die Streitenden durchaus günstig. Auch könnten sich die UnterEnde des Bäckerstreiks. Paris, 2 Mai.( Eig. Ber.) In einer ziemlich bewegten Versammlung haben die Bäder. gehülfen die Wiederaufnahme der Arbeit beschlossen. Die die die Meister mit Prügel bedroht, weil sie statt des in Aussicht gestellten Behren, die dieser ohne genügende organisatorische Vorarbeit und Wochenverdienstes von 45 M. mur 8, 10, 15 m. verdient haben. Vor ein paar Tagen benahm Herr Taube sich noch erheblich Fabrit feien die Streitbrecher schon sehr aufgeregt und hätten den große Zahl der Streitbrecher ließ teine Aussicht mehr auf die Durch Gewerkschaftliches. Englische Streifbrecher. Wir erhalten folgende Buschrift: In geheimer Abstimmung erklärte sich die Versammlung ein- ohne Streitfonds begonnene Kampf ihnen erteilt hat. stimmig für unveränderte Weiterführung des Streifs. Achtung, Friseurgehülfen! Wegen Differenzen find für unsere Mitglieder gesperrt: Minta, Winsstr. 10; in Charlottenburg: Saeger, Spreeftr. 5; Schmidt, Dsnabrüderstr. 3; in Friedrichshagen: Schöned, Seeftr. 25; Wernide, Friedrichstr. 104. Verband der Friseurgehülfen. Rosenthalerstr. 57. Deutfches Reich. Die Notiz in der heutigen Nummer des Vorwärts", nach welcher in Dresden Streitbrecher aus England eingetroffen sind, wie auch der Umstand, daß es gelang, während Ser Aussperrung der Hafenarbeiter in Hamburg massenhaft Streifbrecher aus England heranzuschaffen, lassen die MeiDie Halleschen Straßenbahner forderten eine fürzere Dienstzeit mung aufkommen, als geschähe seitens der englischen Organi- und traten am 1. Mai in einen Streit, um diese durchzusehen. Da sationen nichts, den Streifbrecherzuzug zu verhindern. Das die Direktion versprach, innerhalb drei Wochen eine fürzere Dienst ist nun feineswegs der Fall, sondern seitens der Gewerkschaften zeit durchzuführen, nahmen sie am 2. Mai den Dienst wieder auf. in England geschieht alles, den Schimpf, der mit der Streit. Wenn die Behörden sich aber nicht bemühen, die Gesellschaft zu brecherlieferung den englischen Arbeitern von gewissenlosen zwingen, den von der Regierung vorgeschriebenen Agenten zugefügt wird, fernzuhalten. Es handelt sich bei Dienst einzuführen, dann wird es bei dem Versprechen bleiben. den aus England kommenden Streifbrechern um Leute, die Bum Streit bei Seidel und Naumann. nicht unter dem Einflußder Organisationen stehen. Solche Leute vom Streitbruch abzuhalten, ist uns Als Antwort auf das von Unwahrheiten stroßende Flugblatt der bisher leider auch in Deutschland noch nicht gelungen, obgleich für die Areishauptmannschaft Dresden, das den Dresdener bürgerFirma Seidel u. Naumann resp. des Metallindustriellenverbandes unsere gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft ernsthaftlichen Zeitungen beigelegen hatte, verbreiteten die Streifenden ein nach dieser Richtung bemüht ist. vom Streiffomitee herausgegebenes Flugblatt, in dem die Unwahre heiten Punkt für Punkt widerlegt wurden. Vor allem wurde darin nachgewiesen, daß die Greifenden ein ungewöhnlich großes Maß von Selbstbeschränkung bewiesen haben, ehe sie zum letzten Mittel, dem Streit gegriffen haben. So hatten sie in den Verhandlungen, die dem Ausbruch des Kampfes vorhergingen, auf zwei der wesentlichsten Forderungen: den Neunstundenarbeitstag und den Mindestlohn verder Verhandlungen wird mit vernichtender Schärfe nachgewiesen. zichtet. Das ganze widerspruchsvolle Verhalten der Firma während So wurde die möchentliche Abschlagszahlung versprochen, später zu gesagt, eine Urabstimmung unter den Arbeitern über diese Frage zugejagt, dann die Zusage wieder zurückgezogen. Die Abschäßung der Arbeit schriftlich zugesagt, mündlich wieder zurückgezogen. Be treffs der fanitären Einrichtungen gang umbestimmte Versicherungen gemacht und so in lieblicher Reihenfolge fort. Im vorliegenden Falle wandte sich der Vorsitzende der in Frage kommenden Organisation, der Scientific Instrument Makers Trade Society" sofort, nachdem in Londoner Blättern Nähmaschinenarbeiter für Dresden durch Annonce gesucht wurden, mit der Anfrage an den Unterzeichneten, ob in Dresden ein Konflikt vorhanden sei. Auf die sofortige Benachrichtigung von dem Stand der Sache hin ist der Frage steller, wie er weiterhin berichtet, eifrigst bemüht gewesen, Streifbrecher fernzuhalten. Leider vergeblich bei dem erstmalig angeworbenen Trupp. Er erklärte aber, seine Bemühungen fortseßen zu wollen und hofft, daß der geringe gebotene Lohn und der Empfang, der den Streifbrechern in Deutschland zuteil werden wird, fie veranlassen dürfte, der Stätte ihres neuen Wirkens bald wieder den Rücken zu kehren. Obgleich, wie nachgewiesen, die englischen Gewerkschaften bemüht sind, den Streifbrecherzuzug aus ihrem Lande zu verhindern, will doch die Generalfommission die Zentralstelle der Gewerkschaften Englands veranlassen, durch geeignete Agitation den Agenten deutscher Unternehmer in England das Handwerk zu legen. K. Legien. Daß es sich um unorganisierte Arbeiter handle, hatten wir auch gestern betont. Die Firma Seibel u. Naumann Dresden hat jetzt, nachdem es ihr zuerst mißglückt war, auf die bon uns bereits er 1 Die Frachtverlader und Kohlenschaufler der Red Star, der White Star- und der American Line in New York streifen. Die erste Gewerkschaftsorganisation in Niederländisch Ostindien ist, wie der Sekretär Dudegeeft des Niederländischen Verbandes der Gewerkschaften mitteilt, fürzlich gegründet worden. Es ist eine Organisation von Zuckerfabrikarbeitern, die bereits ungefähr 1000 Mit glieder zählt. berlag. Eingegangene Druckschriften. Deutsche Verlagsanstalt Batria", G. m. b. H., Berlin, Artillerieſtr. 36b. Wie schützt sich der Kapitalist vor Verlusten an der Börse? Breis 3 W. Jahresbericht des Deutschen Flottenvereins. 1906. 16 Seiten. Selbst Monatsschrift für christliche Sozialreform. Aprilheft. Begtündet von weiland Freih. K. v. Bogelsang. Abonnementspreis 6,40 M., Halbjahr 3,20 M., Einzelheit 80 Pf. Berlag: Baeßler, Dregler u. Co., Lottstetten, Amt Waldshut, Baden. Jahresbericht des Arbeiter- Sekretariats Deffau 1906. 48 Seiten. Aus Natur und Geisteswelt. Sammlung wissenschaftlicher Dars stellungen. Band 120. Arithmetik und Algebra von Prof. P. Cranz. Bd. 144. Die technische Entwickelung der Eisenbahnen der Gegenwart. Von E. Biedermann. Bd. 145. Der Alkoholismus, seine Wirkungen und seine Bekämpfung. Zentralverb. zur Bekämpfung des Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika. Von E. Daenell. Bd. 151. Geisteskrankheiten von G. Jlberg. Bd.. 152. Krankenpflege. Bon B. Leid. Jeder einzelne Band geh 1 M., geb. 1,25 M. Berlag: B. G. Teubner in Leipzig. Selbstverlag. Alkoholismus. Bd. 147. Letzte Nachrichten und Depefchen. Flößzerstreik. " Bromberg, 3. Mai.( Privatdepesche des Vorwärts".) Unter den Holzflößern der Netze ist ein Streit ausgebrochen. Das Flugblatt wurde in 60 000 Exemplaren mit großer Gratt- Bei Weißenhöhe und Nakel haben 1500 Flößer wegen Lohn. heit auf den Straßen verbreitet. Die Polizei erschien erst auf dem streitigkeiten die Arbeit eingestellt, so daß die nach den ProBlan, als die Verbreitung nahezu beendet war. Zwölf Verteiler vinzen Brandenburg und Pommern bestimmten Holztraftev fonnte sie noch erwischen. Sie wurden aufgefordert, pro Mann nicht weiter befördert werden können. 1 M. zu zahlen, weil zu dem Verteilen nicht die hier erforderliche Genehmigung eingeholt worden war. Zum Ausstand der Arbeiter in den Maschinenfabriken Offenbachs ist zu bemerken, daß es sich bei den Arbeiterforderungen nicht, wie in einer früheren Notiz bemerkt wurde, u. a. auch um die Gewährung gewisser Minimallöhne handelt, sondern es kommt dabei nur eine Lohngarantie für Affordarbeiter in Betracht, entsprechend den für die einzelnen Branchen bestimmten Sätzen. Im übrigen ist bisher der Stand der Dinge unverändert. Nur wird jetzt von FabrikantenBom Schlachtfled der Arbeit. Effen( Ruhr), 3. Mai.( B. H.) Auf Zeche Selbed bei Rettig ereignete sich durch vorzeitiges Losgehen eines Sprengschuffes ein schwerer Unglücksfall. Zwei Bergleute wurden getötet, einer schwer verlegt, während es einem vierten gelang, sich zu retten. In den Maschen des Vereinsgesetzes. Frankfurt a. M., 3. Mai.( B. H.) Wie aus Bad Orb ges wähnte Annonce in England Streifbrecher für Dresden anzus feite bekanntgegeben, daß eine am Sonntag abgehaltene Versammlung meldet wird, wurde vom dortigen Schöffengericht heute der Zenverben, ihre Tattik geändert. Die Inserate lauten jeßt: " Für große Werte außerhalb London, Reise bezahlt." Adresse jetzt Soho. Verschiedenen Arbeitern, die sich an diese Adresse gewandt Satten, wurde ein auf der Schreibmaschine hergestellter Vertrag zur Unterschrift vorgelegt. Dieser enthält u. a. folgende Klauseln: Die Arbeiter erhalten 4,25 pro Tag von 94 Stunden. Die Arbeiter müssen irgendwelche Zeit arbeiten, je nach Befehl des Meisters. Die Arbeiter müssen das Reisegeld von 60 m. in 8 vierzehntägigen Raten zurüdbezahlen." des Bezirksverbandes Frankfurt der Metallindustriellen sich mit ihren trumsabgeordnete Müller- Fulda wegen Uebertretung der§§ 1 und Kollegen in Offenbach solidarisch erklärte und zum Zeichen dessen 12 des Vereinsgefezes vom 11. März 1850 zu einer Geldstrafe von beschloß, ab 25. Mai 60 Prozent der Metallarbeiter im Bezirksgebiet 15 m. verurteilt. Müller hatte am Morgen des Stichwahltages auszusperren, sobald bis dahin keine Einigung erzielt sei. Von der( 5. Februar) in Wirtsheim, Kreis Gelnhausen, die Stichwahlparole Aussperrung sollen vornehmlich organisierte Arbeiter betroffen werden. ausgegeben, daß das Zentrum kein Interesse daran habe, daß der Zunächst sollen von der Aussperrung etwa 18 000 Arbeiter betroffen Nationalliberale gewählt werde. Die Versammlung hatte, nach werden. So melden wenigstens die Sprachrohre der Fabrikannten. Ansicht des Gerichts, den Charakter einer solchen, in welcher poli Aus dem Umstande, daß der Aussperrungstermin nicht in nächste tische Angelegenheiten erörtert wurden und die deswegen der AnNähe gerückt ist, fann wohl geschlossen werden, daß auch die Unter- meldung bedurft hätte. nehmer noch nicht alle Hoffnung auf Verhandlungen aufgegeben haben. Das find geradezu jammerbolle Bedingungen, unter denen die deutschen Hhänen des wirtschaftlichen Schlachtfeldes sich kaum dem Malerstreit in München. Mehr als tausend Maler in München Unternehmertum verkaufen. Um so unbegreiflicher ist es, daß es find in den Ausstand getreten. Die Malermeistergruppe des Arbeit gelingt, in England unter folchen Umständen wenn auch nur geberverbandes will dem von den Gehülsen geforderten Mindestlohn wenige Leute aufzugabeln. Man muß in der englischen Ar- eine Mindestleistung entgegensegen und erklärt, in dieser Leute aufzugabeln. Man muß in der englischen Arbeiterschaft über die deutschen Verhältnisse völlig falsche Vorstel- Frage„ bahnbrechend" in Deutschland vorangehen zu wollen. Iungen haben. Einige Kenntnis unserer Lebensmittelpreise und Wohnungsmieten müßte auch die unorganisierten Arbeiter ab- Buzug von Malern, Lackierern und Anstreichern nach München ist fernzuhalten. schrecken, sich für folchen Lohn als Stlabe über den Kanal zu vertaufen und außerdem die Reisekosten selbst zu deden. Berlin und Umgegend. Die Bermittelung des Oberbürgermeisters abgelehnt. Eine gestern nachmittag abgehaltene gemeinschaftliche Sigung der Borstände der 15 Bäderimmungen Berlins und der Vororte hat einstimmig nach stundenlangen Verhandlungen folgende Resolution angenommen: Husland. Lohnkämpfe in Prag. Bergarbeiterausstand. Metz, 3. Mai.( W. T. B.) Auf der Grube„ Havingen" bei Senenttingen des Lothringer Hüttenvereins Aumez- Friede sind heute etwa 450 Bergleute in den Ausstand getreten. Es handelt sich bei dem Streit vornehmlich um die Belegschaft der Frühschicht. Die Mittagsschicht ist bis auf wenige Mann eingefahren. Die Ursache des Ausstandes ist nach Mitteilung der Grubendirektion in Meinungsverschiedenheiten über die kürzlich ins Leben getretene Knappschaftskaffe zu suchen. Hierbei verlangten die Bergleute rückwirkende Kraft bei Berechnung der Benfionen. Die Direktion hofft bestimmt, daß diese Meinungsverschiedenheiten in kürzester Frist behoben sein werden und daß die Arbeit bald wieder aufgenommen werden wird. Eisenbahnunglüd. Mailand, 3. Mai.( B. H.) In Popoli stieß ein Personenzug mit einem Lastange zusammen. 40 Personen wurden mehr oder minder schwer verlegt. Ein Schoßhund der Neaktion. Moskau, 3. Mai.( B. H.) Der Generalgouverneur hat die Ausweisung des Führers der Schwarzen Bande", Redakteur Olowenikow, aufgehoben und die Erlaubnis zur Herausgabe von vier neuen Hehblättern erteilt, deren Redigierung Olowenikow übernahm. Attentat auf einen Brior. Die Arbeiter der Ziegeleien der Umgebung von Prag verlangten in der legten Zeit eine Erhöhung der Arbeitslöhne. Die Biegeleibefizer haben heute mittag die Aussperrung der Arbeiter von morgen ab beschlossen, falls diese auf ihren Forderungen beharren. Die Aussperrung soll vorläufig einen Monat dauern. Das Hülfspersonal der Prager Buchdruckereien ist in den Ausstand getreten; seine Forderungen sind Lohnerhöhung, AbDie im Germania- Inmungshause versammelten Borstände der fürzung der Arbeitszeit und Festsetzung eines Minimallohntarifes. fünfzehn Jnnungen Berlins und der Vororte weisen erneut das Bisher find die zwischen den Drudereibesitzern und Arbeitern geGewerbegericht als Einigungsamt ab und erkennen nur das führten Unterhandlungen ohne Erfolg. Einigungsamt des Inmungsschiedsgerichts als maßgebende Instanz Die Wiener Speditionsarbeiter und Möbelpolierer sind in einer Sie wollen aber, um ihre Friedensliebe au bezeugen, mit Anzahl von 2000 Mann in den Ausstand getreten. Die Polizei stellte der Gesellenschaft in freien Verhandlungen ohne Vermittelung sich sofort auf die Seite des Unternehmertums und es tam zu etwa berhandeln, tenn ein solches Anfinnen von einer Ber- 20 Verhaftungen Streifender. Die Verhandlungen zwischen Arfammlung der gesamten Gesellenschaft ausgeht und nicht beitgebern und Arbeitnehmern blieben ergebnislos. nur von einer Mitgliedschaft des Hamburger Verbandes. Der Die gewerkschaftlichen Kämpfe in Dänemark sind, soweit sie bei Resolution der Gesellen vom 25. April fönnen fie schon wegen der Arbeitgeberbereinigung au Massenaussperrungen und Aus ihres beleidigenden Inhaltes nicht näher treten. sperrungsbeschlüssen Veranlassung gaben, nun nach langen Berhandlungen erledigt. Den Arbeitern der verschiedenen Berufe, die Forderungen gestellt hatten, find Erhöhungen der Stundenlöhne um 1 bis 4 Dere und Verkürzung der Arbeitszeit um täglich eine halbe Stunde zugestanden worden. Selbst die Eisenindustriellen, die Scharfmacher unter den dänischen Unternehmern, mußten sich bereit finden, ihrerseits den Gießereiarbeitern die Löhne um 3 Dere zu erhöhen und auch denen Zulagen zu gewähren, die den Am Freitagvormittag fand wieder eine Versammlung der Minimallohn bereits erreicht haben. Mit den Schiffs- Polizeioffizier von einem Manne in Studentenuniform getötet, Streitenden Drahtarbeiter statt. Der Besuch ließ erkennen, daß sich immerern ist ein Uebereinkommen getroffen, wonach der die Zahl der Streifenden nicht vermindert hat. Aus dem Bericht| Minimallohn auch bei Burmeister u. Wain 44 Dere betragen wird, Beranim. Rebatteur; Hans Weber, Berlin. Inseratenteil bezantw.:.Glade, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdr. u. Berlassange Eine gewählte Kommiffion, bestehend aus dem Obermeister Frizz Schmidt, Altmeister Müller und Obermeister Liebing- Reiniden dorf wurde beauftragt, diese Resolution am Montagvormittag dem Oberbürgermeister mit einer genauen Begründung zu überreichen. Der Streit der Drahtarbeiter. . Moskau, 3. Mai.( B. H.) Zwei junge Männer, welche sich Einlaß in das Preobraschensti- Kloster verschafft hatten, töteten vor dem Hochaltar den Prior des Klosters durch Dolchstiche. Einer der Mörder fonnte verhaftet werden, verweigerte aber für seine Person jedwede Auskunft. Haussuchungen. Dorpat, 3. Mai.( W. T. B.) Heute wurden bei einer Haus. suchung in der Techelferstraße Bomben, vier Gewehre, viele andere Waffen und verbotene Schriften aufgefunden. Mehr als 30 Perfonen wurden verhaftet. Während der Hausfuchung wurde ein ein anderer Polizeibeamter verwundet. Der Mörder entkam. Unter den Verhafteten befinden sich Studenten und Frauen. Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 4 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Nr. 103. 24. dlnjf des.Fnnrts" Knlim KilkslilÄ Somlawtd, 4. Mai IM. Z.eick)stag. Mi. Sitzung vom Freitag, den 3. Mai 1907, nachmittags 1 Uhr. Am Dundesratstische: Graf Posadowsky, Dernburg. Der schleunige Antrag A l b r e ch t und Genossen(Soz.) wegen Einstellung einer gegen den Abg. Bebel(Soz.» beim königl. Amts- gericht Spandau schwebenden Privatklagesache wird debattelos an- genommen. Es folgt die Abstimmung über die zum Postetat ein- gebrachten Resolutionen. Die Resolution Hompesch(Z.), Mastenauflieferungen von Drucksachen an Sonn- und Feiertagen nicht zu bearbeiten und die Schalter für Paketanflieferungcn an den Borabenden von Sonn- und Feiertagen früher zu schliefen, wird angenommen, der zweite Absatz gegen die Stimmen der Freisinnigen. Die Resolution Dr. Ablast sfrs. Vp.) auf anderthalbfache Anrechnung der Dienstzeit nach 8 Uhr abends und an Sonn- und Festtagen wird angenommen. Die Resolution der Kommission: die verbündeten Regierungen mögen bis zur dritten Lesung ihr Einvernehmen mit der Erhöhung einer Reihe von Gehaltsstufen erklären, wird angenommen. Die Resolution Dr. Ablast sfrs. Vp.), den Reichskanzler um eine Aenderung der Personalordnung für die mittlere Beamten- laufbahn zu ersuchen, wird abgelehnt, worauf die Resolution Ablast(frs. Vp.), den Reichskanzler zu ersuchen, diese Aenderung in Erwägung zu ziehen, angenommen wird. In die Resolution Frhr. v. G a m p- M a s s a u n e n flRp.), betreffend die Gewährung von Sstmarkenzulagen, wird entsprechend dem Antrag Pachnicke vor„Gehaltszulagen" eingefügt, unwider- rufliche". In namentlicher Abstimmung wird die so geänderte Resolution mit 188 gegen 149 Stimmen angenommen. DaS Resultat wird auf der Rechten mit Beifall, bei den Polen mit Zischen begrützt. Die übrigen Resoluttonen betreffend Ostmarkenzulagen sind damit erledigt. Bei der Resolution Graf Hompesch sZ.), die eine Er- leichterung der Telephoneinrichtungen und Telephonbenutzung auf dem Lande herbeiführen will, beanttagt Abg. W i e m e r gesonderte Abstimmung über den Satz:„eventuell unter gerechterer Repartierung der Kosten zwischen Stadt und Land". Dieser Antrag wird gegen die Stimmen der Linken abgelehnt und die unveränderte Resolutton gegen die Sttmmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten angenommen. Die Resolution Ablast(freis. Vp.) betr. Beförderung von Blindenschristen wird a n g e n o m'm e n. Es folgt der Etat für das Reichsmilitärgerichts der debattelos nach den Kommisfionsbeschlüssen erledigt wird. Den nächsten Gegenstand der Beratung bildet der Etat des Kolonialamtes. Die Diskussion über die Kapitel.Zivilverwaltung' und„Militär- Verwaltung' wird nach dem Antrage des Referenten, des national« liberalen Abg. Dr. Semler trotz des Widerspruchs des Abg. Bebel (Soz.) vereinigt. Abg. Dr. Spahn lZ.): Ich halte die Errichtung eines selb« ständigen Kolonialamtes mit einem selbständigen Staatssekretär an der Spitze für zu wichtig, als dah wir darüber nicht ausführlicher verhandelten. Die auswärtige Politik des Deutschen Reiches muß einheitlich geführt werden; diese Einheitlichkeit kann durch ein selbständiges Kolonialamt nicht gefördert, sondern nur gefährdet werden. Deshalb werden meine Freunde die Schaffung eines selb- ständigen Kolonialamtes ablehnen. Selbst England hat kein selbständiges Kolonialamt. Wirkliche Kultur auf der Grundlage des ChristentmnSsbringen den Eingeborenen dieMissionen, die vorsliXXIJahren auch hier in Deutschland Christentum und Kultur brachten.(Sehr gut! im Zentrum, Unruhe rechts und bei den Sozialdemokraten. Auf die einzelnen Kolonialskandale will ich nicht eingehen; vielleicht ist manches übertrieben, aber der Mädchenkaus, den auch angesehene Beamte getrieben haben, ist empörend und beweist, wie überlegen und wie wichttg die Tättgkeit der Missionen ist.(Beifall im Zentrum Abg. Wiemer(stf. Vp.): Auch in Zukunft werden wir Forde- rungen für die Kolonien ablehnen, wenn wir meinen, dast sie ihrer wirtschaftlichen EntWickelung nicht dienen. In der Organisation der Verwaltung der Kolonien haben sich Mängel herausgestellt. Die oberste Lettimg muh auch die' volle Disziplinarbefugnis haben; heute liegt diese beim Auswärtigen Amt. Wir werden deshalb für die Schaffung eines selbständigen Kolonialamtes mit einem Leiter mit voller Verantwortlichkeit stimmen. Einem überstürzten Bau von Eisenbahnen köniien wir nicht das Wort reden; wir treten für eine verständige Kolonialpolitik ein, aber unter Wahrung der finanziellen Jnteresten des Reichs.(Bravo I bei den Freisinnigen.) Abg. Linz(Rp.) hebt die segensreiche Wirkung der evangelischen Misstonen rühmend hervor. Abg. Beiel(Soz.): In der Kongoakte ist volle Freiheit der Ausübung aller religiösen Bekenntnisse gewährleistet. Eine Abgrenzung und Abschliestung, wie sie der Vorredner in bezug auf einzelne Missionen wünscht, ist also schon mit Rücksicht auf die Kongoatte undurchführbar. Indem ich mich zum Etat selbst wende, bemerke ich, dah wir die Schafsting eines selbständigen Kolonialamts im Vorjahre abgelehnt haben und dast die Situation jetzt keineswegs eine andere geworden ist. Wir lehnen die Forderung also auch jetzt ab. Wenn bei uns die Schaffung eines neuen Staatssekretariats verhandelt würde, so käme in erster Linie in Frage ein neuer Staatssekretär für die kulturelle und die Versicherungsgesetzgebung.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Die Kolonialpolitik hat freilich bei den letzten Wahlen eine sehr wichtige Rolle gespielt, und es ist keineswegs zu bestreiten, dah ein groster Teil der deutschen Wähler durch die blühenden Schilderungen von der Entwickelungs fähigkeit unserer Kolonien sich hat berauschen lasten und seine Stimme in einem Sinne abgegeben hat, dast sie es, wie ich glaube, später bereuen werden.(Widerspruch rechts.) Tatsache ist. dast die Regierung die Situation gut ausnutzt, wenn sie jetzt einen neuen Kolonialsekretär fordert. Damit würden aber die deutschen Kolonien eine Bedeutung erhalten, die ihnen weder in kultureller noch in wirtschaftlicher noch in polittscher Beziehung zukommt. Wetter meinen wir, dah dieses Amt auch in weiterem Mäste als bisher nach Betätigung drängen würde, dast sich neue Bedürfnisse herausstellen würden, die erneute finanzielle Au forderungen an das Reich stellen. Ferner meinen wir, dast der Leiter eines selbständigen Kolonialamtes eine unabhängige Stellung bekommen würde, eine Stellung von einer Freiheit, die ihn dazu führt, die Kompetenzen seines Amtes zu erweitern und sich in Dinge zu mischen, die zu Konflikten mit auswärtigen Mächten führen können. Kein Gebiet unseres Staatswesens birgt in so hohem Maße die Gefahr internationaler Reibungen als die Kolonialpolitik. Damit ist aber die dringende Aufgabe gegeben, dast die Leitung der Kolonialpolitik nach wie vor in engem Kontakt mit dem Auswärttgen Amte bleibt, und das ist nicht möglich, wenn ein besonderer Staatssekretär für das Kolonialamt ge- schaffen wird. Ich könnte es mir erklären und würde eS durch die Situation gerechtserttgt finden, wenn der Staatssekretär für das Auswärtige Amt einen besonderen Unterstaatssekretär verlangte, der die Kolonien selbständig zu verwalten hat, der aber in allen Fragen, die ihn mit auswärttgen Mächten in Beziehung bringen, not- gedrungen sich an seinen Chef wenden mühte, der dann allein zu entscheiden hat. Diese absolute Notwendigkeit des engen Kontakts zwischen der Kolonialpolitik und dem Auswärttgen Amt würde durch die Schaffung eines Staatssekretärs für die Kolonien zerstört, die daher groste Gefahren für unsere auswärtigen Beziehungen in sich birgt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Dast gerade die Kolonialverwaltung Anlast zu Reibungen mit dem Auslande gibt, haben wir in den letzten Jahren zur Genüge kennen gelernt. Diese Reibungsflächen werden sich nnt der EntWickelung der Kolonien und dem Bedürfnis ihrer Ausdehnung noch erweitern.' Nun haben wir heute von Herrn Spahn zu meiner grosten Ueberraschung ge- hört, dast in der Kolonialpolitik auch ein Moment der Stärkung Deutschlands wie überhaupt der betreffenden Mächte bezüglich ihrer Weltstcllung enthalten ist. Herr Spahn hat ausgeführt, dast nicht Südwestafrika, nicht Togo oder sonst eine Kolonie, sondern dast gerade O st a f r i k a eS fei, das für Deutsch- land weltpolitisch von Bedeutung sei schon mit Beziehung auf seine Lage zu Indien. Ich habe mich an den Kopf gefastt, als ich das hörte, und gefragt, was denn diese Ausführungen bedeuten sollen. Wenn sie einen Sinn haben, so doch nur den, dast mit Kolonien weltpolittsch vorgegangen werden soll! Damit hat Herr Spahn die Forderungen der Kolonialpolitik in einer Weise unter- stützt, wie es auch der eifrigste Verehrer der Kolonial- und Welt- Politik mir tun könnte.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten, Zuruf:„Das ist der neue Zentrumskurs!") Wenn das der neueste ZcntrumSkurs ist, so würde ich das bedauern. DaS mögen die Herren mit sich abmachen. Ich glaube aber doch, ein groster Teil der Zentrums- Wähler dürfte sich die Frage stellen, ob sie dann noch nach wie vor zu Ihnen stehen sollen. Herr Spahn hat allerdings an einer anderen Stelle seiner Rede hervorgehoben, dast die Kolonial- Politik, welche Frankreich in den letzten Jahrzehnten getrieben habe, ganz wesentlich die Weltmachtstellung Frankreichs, die es durch den Krieg verloren, wieder gehoben habe. Diese Auffassung steht im Widerspruch mit den tatsächlichen Ver Hältnissen und mit den Anschauungen, die man in Frank reich selbst darüber hat und die auch der deutsche Staatsmann Fürst Bismarck in bezug auf die ftanzösische Kolonialpolitik gehabt hat. Herr Spahn hat auf die Ausdehnung der französischen Kolonial zu Politik bereits unter Ferry hingewiesen. Er scheint bergesien haben, dast Fürst Bismarck diese Ferrysche Kolonialpolitik unter st ü tz t hat, und zwar einzig von dem Gesichtspunkte aus, dah mehr Frankreich durch sie engagiert werde, um f» mehr feine Macht stcllung gegenüber Deutschland geschwächt werde I(Sehr wahr! b. d.Soz.� Fürst Bismarck sah nicht eine Stärkung, sondern eine Schwächung Frankreichs in der Ausdehnung seines KolonialgebieteS» und das mtt Recht. In ähnlichem Sinne hat er sich auch im Jahre 1881 zum Fürsten Hohenlohe ausgesprochen, der damals deutscher Gesandter in Frankreich war. Hohenlohe hat dem Fürsten Bismarck mitgeteilt, dast Frankreich ernste Absichten auf Marokko habe. Fürst Bismarck erwiderte:„Lasten Sie sie nur nach Marokko gehen!" Er wünschte, dast man Frankreich ruhig gewähren laste. Jetzt aber ist Marokko zu einem Zankapfel zwischen Frankreich and Deutschland ge- worden. In gewissem Sinne hat auch Fürst Bülow ähnliche Ansichten geäuhert. Im November vorigen Jahres sagte er, dast gerade die überseeischen Verbindungen Deutsch land in eine prekäre Situation gebracht hätten. Er meinte „Unsere Situatton wäre gesicherter und leichter als in den achtziger Jahren, wenn wir nicht inzwischen eine überseeische Poliiil inauguriert hätten. Was die Situation für uns kompliziert und erschwert, sind unsere überseeischen Interessen. Wären wrr dort nicht engagiert, so würden wir auf dem Kontinent nicht allzuviel zu fühlen bekommen. Leichter als heute wären Friktionen mit England zu vermeiden."— So ist es in der Tat, unsere Kolonialpolittk, unsere Weltpotttik hat unS in viel kompliziertere, unangenehmere. sensiblere Verhältniste hineingeführt, als sie früher be- standen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) DaS ist ja auch einer der Gründe, weshalb wir uns gegen diese Welt- Politik erklären. Kommt eS einmal zu einer Situation, in der man zum Schutze des eigenen Landes den letzten Mann, den letzten Groschen braucht, dann sind wir nicht im stände, die Kolonien zu halten, dann fallen sie dem Gegner ohne Schwertstreich zu. AlS wir jüngst in der Budgetkommission den Etat für Kiautschou be rieten, erklärten die Vertteter aller Parteien:„Unsere Position in Kiautschou bedeutet keine Stärkung, sondern eine Schwächung für uns und die Aufgabe dieses Besitzes wäre eine Wohltat". Diesen Standpunkt haben wir vom ersten Tage an vertreten. Ich habe vor dem Besitzergreifen KiautschouS gewarnt, das uns zunächst das chinesische Abenteuer mit allen seinen Nachteilen und Schäden auf den Hals geladen hat.(Sehr richtig I bei den Sozial- demokraten.) Aus allen diesen Gesichtspunkten sind wir nicht in der Lage, derartige Forderungen zu unterstützen. Im innigsten Zusammenhang mit der Frage des Staatssekretärs für ein Reichskolomalamt steht die zweite Frage nach einer Kolonial- armer. Herr Dr. Wiemer hat init Nachdruck erklärt, seine Freunde seien entschiedene Gegner dieser Kolonialarmee, und er hat darauf hingewiesen, dast in der Budgetkommission der Vertreter der Konser- vattven, Herr v. Richthofen, erklärt hat, seine Parteifteunde wollten unter keinen Umständen eine Kolonialannee. Herr Dr. Wiemer meinte weiter, der Reichstag fei ja jederzeit in der Lage, wenn es wirklich zur Bildung einer Kolonialarmee kommen sollte, die Nichtbewilligung auszusprechen. Ach, meine Herren, in der Politik liegen die Dinge nicht so einfach. Da heistt eS vor allem: Hüte dich vor dem ersten Schritt(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten), sonst bist du gezivungen, den zweiten und den dritten bis zum letzten zu machen. Das ist auch hier der Fall. Was hier verlangt wird, ist nichts anderes, als ein kleines koloniales Kriegsministerium. Zwar so Nein fft die Institution nicht gedacht. Sie erfordert eine» ganz respektablen Ausgabeposten: 462 699 M. l Damit soll die Organisation und die Leittmg der Militännacht in den Kolonien durch'gesührt werden. Kein Zweifel, dast es sich um ein KrirgSministerium für die Kolonien handelt. Freilich, zunächst hat man diesem KriegSmiuisterium den Kopf abgeschnitten, man hat ihm den Generalmajor genommen. (Ruf bei den Freisinnigen: Also!) O, meine Herren, der Kopf kommt wieder! Ich wette, Sie setzen ihn selbst das nächste Mal wieder auf.(Groste Heiterkeit.) Ohne Kopf ist diese Jnstittltion ja schlietzlich nicht möglich. Jetzt ist ein O b e r st dazu bestimmt. Ich möchte fast vermuten, daß bei dieser Aenderung persönliche Gründe im Vordergrunde gestanden haben. Der Herr, der als kolonialer Kriegsminister in Aussicht genommen war. hat gewissen Parteien im Hause nicht behagt. Wenn die Personenfrage im Sinne der Linken gelöst sein wird, so wird unzweifelhaft auch wieder der General- major bewilligt werden.(Unruhe bei den Freifinnigen.) Dast ich nicht übertreibe, zeigt die Begründung, die die Denkschrift der Forderung gibt. Da wird gesagt, dast als Vorbild für die Neu- organisation die Departements im Kriegsministerium dienen sollen. Das Krtegsnrinisterium wird also als Vorbild für das kleine koloniale Kriegsministerium genommen l Auch die Aufgaben, die man dem kolonialen Kriegsministerium zuweisen will, lasten keinen Zweifel darüber, dah wir eS mit einem solchen zu tun haben. Sie werden mir zugeben müssen: Man bildet kein KriegSmimsterium, wenn eS nicht eine Armee zu verwalten hat. Den ersten Anfang dieser Kolonialarmee haben wir ja schon in Südwestafrika.(Zuruf rechts: Gott sei Dank!) Dieser Zuruf unterstützt ja nur meine Ansicht.(Sehr yut l bei den Sozial- demokraten.) Und dieser Anfang einer Kolomalarmee wirb nicht verschwindsn. sondern stärker werden. Sonst hätte ja der ganze kostspielige Apparat keinen Sinn.(Zuruf bei den Freisinnigen: Wir wollen keine Kolonialarmee!) Sie wollen keine Kolonialarmee? Nun, dann mühten Sie doch die Organisation, die an ihrer Spitze stehen soll, ablehnen, sonst geraten Sie in einen unhaltbaren Wider- spruch.(Sehr richtig s bei den Sozialdemokraten.) Sie(zu den Freisimngen) wollen eben bloß den Schein nicht aufkommen lassen. dast Sie zu Kreuze gekrochen sind.(Oho I bei den Freisinnigen.) (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Denkschrift weist selber auf das unvermutet starke Anioachsen der Schutztruppen hin, das schwierige Fragen persönlicher und sachlicher Natur aufgeworfen habe. Die Denkschrift gibt also zu, dast das starke Anwachsen der Kolonialtruppcn die neue Organisation nöttg mache. Da suchen Sie (zu den Freisinnigen) mir, wie Sie aus der Klemme herauskommen. (Groste Heiterkeit.) Die Denkschrift spricht von der Notwendigkeit militärischer Anlagen. DaS klingt ja fast so, als wenn man schon an Forts, an Festungen denke. Sie spricht von der Vorbereitung der Mobilisierung, von der Ueberwachuug der Schlagfertigkeit der Truppe. Sie sehen, dast eine militärische Organisation — ganz wie bei uns zu Hause— geschaffen werden soll. Angesichts dieser Begründung find mir die Ausflüchte des Herrn Dr. Wiemer ganz unbegreiflich. Die Denkschrift spricht von dem sorgsamen Ausbau der Verkehrs- wege, den die neue Organisation in die Hand nehmen soll. Die Kolonialbahnen sollen also Sache der militärischen Verwaltung werden. Strategische, militärische Gesichtspunkte sollen für sie in Frage kommen, nicht Verkehrs- und Kulturintcresten. Das sind ja wunderschöne Aussichten für Sie(zu den Freisinnigen, Sehr gut! bei den Sozialdemokraten). Wenn Sie(zu den Freisinnigen) in diesem Slile Kolonialpolitik treiben wollen, so tun sie eS wenigstens offen, aber treiben sie keine Vogel Straust-Politik.(Unruhe bei den Freisimngen, Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Dazu kommt noch ein anderes. Wir sind der Ansicht, dast schon die gegenwärtige Truppenzahl für Südwestafrika viel zu groh ist. Der Aufstand der Eingeborenen ist nicht nur niedergeschlagen, nein, die ganze eingeborene Bevölkerung ist sozusagen niedergeritten, so dast die Frage entsteht, ob überhaupt noch genügendes Menschcnmaterial vorhanden ist, um den Zwecken der Kolonialschwärmer zu dienen. Man hat dort so gehaust, dast von den Eingeborenen nur 19 999 an Stelle von Hunderttausend vorhanden sind, dast sie vollständig desorganisiert, aus ihren Stammesverbänden losgelöst sind, dast sie keine Führer haben, kurz, dast sie nichts mehr besitzen, was ihnen auch nur den Gedanken eines neuen ÄufstandeS eingeben könnte. Nach allen diesen Richtungen hin sind also diese Anforderungen an die militärische Kraft dcS Landes absolut Lberflüssia und entbehren jeder Begründung. Es müssen daher andere Gründe vorhanden sein, aus denen man sich veranlastt sieht, trotz alledem eine solche Kolonialarmee zu schaffen. Der Abg. Dr. Wiemer und seine Kolonialfreunde— Parteifreunde(Schallende Heiterkeit) waren ja Zuhörer in der Budgettommission. So ungemein vorsichtig der Kolonialdirektor und die anderen Herren der Kolonialverwaltung sich auch zu halten bemühten, sie konnten doch nicht umhin, hier und da ein kleines Loch zu öffnen, das einen Ausblick in die Zukunft erlaubte, lind da sah man ganz deutlich, dast man eine starke militärische Macht in Südwestafrika ansammeln wollte für den Fall internationaler Verwickelung.(Lebhafter Widerspruch rechts.) Sie (nach rechts) werden das selbstverständlich bcsttetten. Ich verlange ja gar nicht, dast Sie mir Bravo zurufen.(Groste Heiterkeit.) Für so naiv halten Sie mich nur nicht. Aber auch andere Mitglieder des Hauses als die sozialdemokrattschen haben ja aus ihrem Herzen keine Mördergrube gemacht. Der Reichskanzler hat meiner Partei. insbesondere unserem Zentralorgan, jüngst einen lebhaften Vorwurf daraus gemacht, dast sie derartige Gedanken aussprächen, die nur zu internationalen Verwickelungen führen könnten. Aber diese Vorwürfe waren durchaus'unberechtigt; denn wenige Monate vorher hatte der Reichstagsabgeordnete Lattmann demselben Gedanken in präzisester Weis« Ausdruck gegeben. (Unruhe rechts.) Widerlegen Sie doch zunächst, daß Südwestafrika eine Truppenmacht in dieser Stärke ganz und gar nicht nöttg hat! Dann will ich Ihnen glauben, dast die Truppen» macht nicht anderen politischen Zwecken dienen soll. Aber natürlich, das ist ja ganz unmöglich. Wenn ich heute aus dem Munde des Abg. Spahn höre, daß Südwestafrika als wichtigstes Moment in Betracht zu ziehen fei für die Weltmachtstellung Deutschland gegen« über England, was haben denn diese Ausführungen für einen Sinn als den, dast unsere Weltmachtstellung gestützt werden must durch eine starke Kolonialarmee in Südwestafrika?(Lebh. Zustimmung b. d. Soz.) Hüten Sie sich vor solchen Ausführungen, die zu ganz ungeheuer- lichen internationalen Verwickelungen führen müssen. Die Kolonial- schivärmer haben sich ja zum Teil immer darauf Verlaffen, dah die Versöhnung zwischen de» Engländern und Buren nur Schein sei; aber wenn man sieht, wie jetzt England nach dem furchtbaren Buren- kriege, einem der blutigsten Kriege der neueren Zeit, den tüchtigsten Burcngeneral an die Spitze der Transvaattolonie gestellt hat, so zeigt das doch, dast die Amalgamierung der einheimischen Be- völkerung mit der englischen in einem Mahe fortgeschritten ist. dast eS der größte Irrtum wäre, wollte man gegebenen Falles auf die Unterstützung der Buren gegen die Engländer rechneu.(Lärmende Unterbrechungen rechts. DaS will ja kein Mensch. Abgeordneter Heckscher sfrs. Vg.s ruft: Wer hat denn das je gesagt?) Sie(zu Heckscher) haben ja gar keine Ahnung,(Heiterkeit) was für Gedanken die Kolonialschwärmer in ihren Zeitungen und Zeitschristen aus- bringen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Noch vor wenigen Tagen hat der frühere Landeshauptmann von Südwest» aftika General von FrancoiS im„Tag" einen Artikel veröffentlicht, in dem er zunächst zugibt, dast die Kolonie in den letzten Jahren nur vom Krieg gelebt habe und daß es ein Unglück für sie wäre, wenn die Heeresstärke der dortigen Truppen vermindert würde. DaS Land brauche eine starke Schutztruppe nicht nur alS Grundstock einer Kolonialarm«,(Vielfaches Hört I hört! b. d. Soz. Unruhe rechts) andern auchum denvölligen wirtschaftlichen Zusammenbruch der Kolonie zu verhüten. Die 69 bis 79 Millionen, die Deutschland für die Kolonialarmee ausgebe, sollten auch der finanzielle Rückhalt für die wirtschaftliche Eutivickelung des Schutzgebietes fein.(Lachen rechts.) Sie(nach rechts) sind gegenwärtig in einer Sttmmung, bei der alle Vernunstgründe bei Ihnen abprallen.(Sehr gut I und groste Heiter- keit bei den Sozialdemokraten. Lautes Lachen rechts.) Ihr Lachen beweist ja diese Vernunft auch noch nicht.(Groste Heiterkeit.) Südwestafrika ist das eigentliche Land für die Kolonial« armee. In den anderen Kolonien, Ostafrika, Kamerun und Togo. machen die klimatischen Verhältnisse ihre Erhaltung unmöglich. Aber ehe» wir einmal wie die Dinge in dem Ihrer Meinung nach so günstigen Südwestafrika liegen. Vor mir habe rch einen Artikel der„Deutschen Tageszeitung' über den Bahnbau Lüderitzbucht— KeetmanShoop. Als Haupffchwierigkeit des Bahnbaues wird die Ueberwindung der Wanderdünen bezeichnet, die(viel gröstere Schwierigkeit machen als die Durchquerung von Gebirgen. Die Wanderdünen seien un- berechenbar: kaum sei die Trace festgelegt, so verändere ein Sand- türm die ganze Landschaft.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Das Wasser für den Bahnbau müsse von drei Wasserstellen, die 59 bis 69 Kilometer weit von der Bahnlinie entfernt feien, auf Kamelen zur Bahn geholt werden; die ganze Bahnstrecke sei ohne Wasser. Luch hinter Kubub im GebirgSlande gehe sie noch durch eine 79 Kilometer lange Durststrecke 1 Sand und Stein also, das ist Ihr gelobtes Südwestafrika. für das Sie jetzt so groste Aufwendungen machen wollen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Die„Freisinnige Zeitung" fügt dem hinzu:„Diese Schilderung bestätigt nur, was wir über die südwestafrikanischen Sandwüsten längst wissen mußten und wußten. Wer da noch auf ein Eldorado hofft, der hat entweder einen starken Glauben oder— beides pflegt auf dasselbe hinauszulaufen—- wenig Wissen." Stürmische Heiterkeit und vielfaches Hört! hört!) Den Rest der Anpflanzungen haben jetzt noch ungeheure Heuschreckenschwärme vernichtet, die in kolossalen Massen aufgetteten sind und alles kahl gefressen haben.(Zuruf rechts: Was hatten denn die noch zu ftessen? Sand?— Groste Heiterkeit rechts.) Ich weist nicht, ob Sie pon Heuschreckensutter leben könnten,(Anhaltende groste Hetterkekt) aver das Klßchm SeinSfe und Kartoffeln, das in der RShe der Stationen angepflanzt worden war, das ist jetzt auch noch der- nichtet.(Zurufe rechts. Vizepräsident Dr. Paaschs bittet wiederholt um Ruhe.) Meine Herren I Sie find in einer Hurrastimmung. (Sehr gut I und Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Es sind doch wahrhastig keine Sozialdemokraten, die das veröffentlichen. (Zuruf des Abg. Müller-Meiningen. Vizepräsident Dr. Paasch« bittet den Redner, keine Zwiegespräche zu führen.) Ich habe ja noch gar nicht einmal auf diesen Zwischenruf geantwortet.(Heiterkeit. Vize präfident Dr. Paasch« erklärt, datz er nur habe bitten wollen, die Zwischenrufe zu unterlassen.— Erneute Heiterkeit.) Ich kann nur wiederholen, daß alle Sachkenner des Landes die Zu stände in Südwestafrika geradezu als trostlos schildern.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Zum Schluß noch ein Wort an den Abg. Linz. Er hat verlangt, daß zur Förderung des Schulwesens der Eingeborenenkinder in Süd- westafrika ihnen die Lehrmittel unentgeltlich geliefert würden. (Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Es freut mich außerordent- lich, daß Herr Linz diese Forderung des sozialdemokrattschen KommunalprogranimS, für die wir trotz aller Anstrengung bisher in den deutschen Stadtvertretungcn vergeblich kämpfen, für Süd- westafrika aufgenommen hat. Ich finde diese'«orge für die Eingeborenenkinder in Südwestafrika sehr schön, möchte aber den Abg. Linz und seine Parteifreunde doch bitten, erst einmal dieselben Einrichtungen den deutschen Schulkindern zukommen zu lassen. (Lebhafte Zustimmung und großer Beifall bei den Sozialdemo- kraten.) Staatssekretär Graf PosadowLky: Herr Bebel hat sich lebhaft wieder gegen die Schaffung eines selbständigen Kolonialamtes gewendet. Aber im Kolonialamt ist eine so große Summe materieller und Verwaltungsinteressen vereinigt, daß es für den Reichskanzler schon physisch ganz unmög- lich ist, die materielle Veraittwortung zu übernehmen; er muß einen Stellvertreter haben, der die materielle und moralische Verantwortung übernimmt. Die Behauptung des Abg. Spahn, daß auch England nicht ein selbständiges Kolonialamt habe, ist nicht richttg. Die Behauptung, daß durch Schaffung eines selbständigen Kolonialamtes unsere auswärtigen Boz'iehMgen alteriert werden könnten, ist unbegründet; mit auswärtigen Mächten könnte auch das Kolonialamt nur durch Vermittelung des aus- wärttgen Amtes in Verbindung treten, genau wie jedes andere Reichsamt, z. B. das ReichSamt des Inneren. Run hat Herr Bebel auch davon gesprochen, daß die Erhöhung der Schutztruppe mit Rücksicht auf die Nachbarschaft von Kapland verlangt werde; auch in der Presie ist auf gewisse Nebenabsichten bei der Verstärkung der Schutztruppe hingewiesen worden. Solche Aeußerungen sind nur geeignet, Mißtrauen im Auslande zu erregen. An keiner amtlichen Stelle des Reiches ist jemals auch nur ein G e d a n k e an derartiges aufgetaucht. Nach der ganzen Stellung des Kaplandes wäre das auch ein Gedanke nach Art der Jules Verneschen: ein ganz Phantasttscher Gedanke; seiner Ausführung fehlt jede Möglichkeit einer reellen Grundlage. Abg. Arning(natl.): Die neue Organisation der Verwaltung mit dem selbständigen Staatssekretär für die Kolonien hatten wir für eine gute. Wir hosten auf eine günstige Entwiaelung der Kolonien. Selbsrverstäudlich ist der weirere Bahnbau für ihre Hebung sehr wichttg. Auch wird es darauf ankommen, die Ein- geborenen zu heben und aus ihnen brauchbare Arbeiter zu machen. (sehr wahr I bei den Nationalliberalen.) Verfehlungen einzelner Beamten sind in den Kolonien loohl vorgekommen; aber die Besprechung der sog. Kolonialskandale hat mehr Schaden als Nutzen gestiftet.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Abg. Frhr. v. Richthofen-Damsdorf(kons.): Im Interesse einer gedeihlichen EntWickelung unserer Kolonien hallen wir ein selb- ständiges Kolonialamt für notwendig. Daß die Militärverwaltung der Kolonien dem Kriegsministenuin oder dem Reichsnzarmeamt nicht angegliedert wird, halten wir für richtig. Der Gedanke einer Kolonialarmee schlummert bei uns nicht in, Hintergründe, wir hatten eine Kolonialarmee für ü b e r f l ii s s r g. Ob das für alle Zukunft so sein wird, geht uns heute nichts an.(Lachen bei den Sozial- demokraten.) Kolonialdirektor Deruburg: Herr Spahn meinte, die Kolonien seien für unS ein politisches Werkzeug. Das ist nichr die Auffassung der verbündeten Regierungen. Für uns find die Kolonien ein Objekt wirtjchafilicher deutscher Betätigung. Man hat von einem kleinen Äriegsmiittsterium und einer Kolonialarmee gesprochen. Herr Bebel hat teils humorvoll, teils sarkastisch diese Jnftftuttonen zu geißeln gesucht, aber ich habe nicht gehört, was er eigentlich an deren Stelle gesetzt haben will, wie über- Haupt die Schutzttrgzpe nach seiner Ansicht von Berlin aus verwaltet werden soll. Wollen Sie die Zeit wieder haben, wo ein oder zwei Offiziere Plötz- lich die ungeheuerlichsten Aufgaben auf sich nehmen müssen, denen hunderte von Millionen durch die Finger gehen und die dann nicht wissen, wo sie die notwendige Hülfe herbekommen? Wollen Sie wieder 20—30 Millionen an Fremde ausgeben für Transporte und für Beschaffungen in der Kapkolonie? Ich verstehe nicht, wie man so kurzsichtig sein kann, um nicht die Lehre zu ziehen aus einer Vergangenheit, die doch nur wenige Monate zurückliegt.(Sehr gut! rechts.) Uns leiten rein praktische Gesichtspunkte, die Verwaltung denkt nicht an eine Kolonialarmee, sondern sie hat ge- lernt, wie man es nicht machen muß und hofft nun, zu tvisien, wie es gemacht werden muß. Herr Bebel hat ja selbst gesagt, wir haben gar keine Länder, in denen wir eine Kolomalarmee verwenden können außer Südwestafrila. Dort haben wir 17 000 Mann gehabt, sind am t. Oktober auf 10000 zurückgegangen, heute haben wir 6500 Mann dort. Ist daS die Richtung nach einer Kolonialarmee hin? Und wozu brauchen wir eine Kolonialarmee? Wenn uns das Unglück eines Aufstandes widerfahren sollte, so haben wir genau dieselben Mittel wie bisher, wir werden immer noch genug mutige junge Männer finden, die als Freiwillige dort hingehen wollen. Also weshalb immer das Gerede von der Kolonialarmee, die niemand in diesem Hause will und die Regierung auch nicht? Herr Bebel hat vorgelesen— da sprach er allerdings etwas leiser— die militärische Orga- nisatton sei aufgebaut nach der Art eines Departements im Krieasmänistermm. Ein Departement ist kein Kriegsministerium, ebensowenig wie em Teil ein Ganzes ist.(Sehr richtig I rechts.) Die Verwaltung steht ganz aus dem Standpuntte des Herrn Wiemer: Es kommt ihr darauf an, eine kulturelle ftiedliche, de- sonders eine kommerzielle Entwickelung der Kolonie zu schaffen. Ich bedaure, daß der General, von der Kommission gestrichen ist. Der Staatssekretär wird dadurch der direkte Vorgesetzte der ge- samten militärischen Organisation; eS wird ihm damit eine Last aufgeladen, die er nach der Natur seiner Aufgabe und falls i ch in Frage komme, nach der Natur seiner Vorbildung gar nicht leisten kann. Sollte die Forderung abgelehnt werden, so werden wir uns einzurichten haben, aber ich kann schon heute sagen, sie muß Wiederkommen. Mit dem, was Herr Spahn über die kulturellen Aufgaben der Kolonialverwaltung gesagt hat, bin ich einverstanden. Das Interesse für die Missionen beider Konfessionen teile ich. Ich freue mich auch, daß Herr Spahn gesagt hat, daß die Erziehung der Ein- geborenen zur Arbeit die Hauptaufgabe der Missionen ist. Um so überraschender und peinlicher war es mir, in den Berichten der Missionen von Togo die Bemerkung zu finden, daß es sehr viel bester wäre, wenn man die Schwarzen nicht zur Arbeit heranzöge. Ich hoffe, daß diese irrige Auffassung korrigiert wird. Aus den Gründen, die Herr Dr. Arning ausgeführt hat, bin ich sehr dankbar, daß auf die Kolonialskandale hier nicht weiter ein- gegangen ist. Ein vor kurzem in Köln stattgesundener Prozeß hat bewiesen, daß die Anklagen gegen den Hauptmann Dominik, zu deren Mundstück sich Herr Bebel gemacht hatte, von A bis Z. falsch und verleumderisch waren.(Hört! hört! rechts.) Wenn auch Herr Bebel den guten Glauben in Anspruch nehmen kann, so muß ich mich doch wundern, daß er eine solche Behauptung über zwei Jahre ausrecht erhalten hat, ohne sich von der Richtigkeit«der Unrichtigkeit > jH überzeugen.(Abg. Bebel: Ich bitte ums Wort l) Der Verwaltung ist eS in fünf Monaten gelungen, die Unrichtigkeit nachzuweisen Es ist viel die Rede gewesen von dem kaufmännischen Geist in der Kolonialverwaltung. Ich gebe zu. daß hier eine gewisse Wandlung mit mir vorgegangen ist. Es ist nicht möglich, in eine große Verwaltung eine Reihe von Koufleuten zu nehmen. Kaufleute wollen gewerbsmäßig Handelsgeschäste treiben mit der Absicht, selbständlg zu werden und viel Geld zu verdienen. DaS find Dinge, die man ihnen in emer solchen Verwaltung nicht bieten kann. (Sehr richttg! rechts.) Woran es aber bisher gefehlt hat in der Kolonialverwaltung und überhaupt in Deutschland, das ist, daß die Bedürfnisse der verschiedenen Stände und Berufsarten gegenseitig besser verstanden werden auf Grund eigener wirklicher KennMis desjenigen. was der andere zu tun hat. Deswegen werden Kaufleute in die Zenttalverwalwng gesteckt, um die Grundsätze der Bureaukratte ennen zu lernen und die Juristen muffen zunächst einen Kursus an der Handelshochschule durchmachen. Eine gewisse Bureaukratte ist notwendig, wogegen ich mich nur wende, ist der AsiesiorismuS und andererseits die Selbstüberhebung der jungen Leute, die Plötz lich aus der engen Heimat in einen weiten Wirkungskreis gesetzt werden, sowie eine gewiffe subalterne Verordnungssucht anderer Leute, die glauben, ganz Afrika erobert zu haben, wenn sie es nur mit genügend Papier reglementtert haben.(Heiter� keit und Sehr gut! links.) Die Kolonialvcrwaltung ist wie eine Eisenbahn. Sie braucht einen festen Unterbau, gutgelegte Schienen feste Schwellen, das ist die Bureaukratte. Der Asiefforismus, das find die falschen Weichen und die subalterne Verordnungssucht, die übermäßigen Steigungen und Krümmungen. Alles mutz verständig, überlegt, geradlinig in fester bestimmter Richtung gehen, dann wird ich auch der Zug der wirtschaftlichen Entwickelung leicht und ohne Reibungen darauf fortbeivegen, und darauf gehen wir doch alle miteinander aus.(Lebhaftes Bravo!) Abg. Dr. Müller-Meiningen(frs. Vp.): Wir find absolut nicht in einer Hurrastimmung, sondern wir verlangen eine vernünftige Entwickelung in den Kolonien. Den Sozialdemokraten sind die Kolonien Hekuba; sie wollen fie los werden. Wir aber meinen, nachdem Ströme deutschen Blutes dort geflossen und viele Millionen dort ausgegeben find, würden wir es für eine Dummheit halten, fie aufzugeben.(Bravo! beim Block. Zuruf b. d. Soz.: Früher sprachen Sie anders!) Die Reden Wiemers im Herbst atmeten denselben Geist wie heute die meinige.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Herr Bebel sagt, wir seien zu- Kreuze gekrochen; ebenso gut hätte er sagen können, die Regierung Habesich dem Standpunkt genähert, den Eugen Richter so lange veNreten hat. (Sehr gut! bei den Freisinnigen. Lachen bei den Sozialdemokraten.) Wenn Herr Bebel sagt, wir sollen den Kopf nicht in den Sand stecken, erwidere ich ihm, er solle doch nicht gegen Wind- mühlen kämpfen.(Beifall bei dem Block, Lachen bei den Sozialdemokraten.) Die Vermehrung der Schutztruppc, sagt Herr Bebel, soll erfolgen, um das Ausland angreifen zu können. Ein Abgeordneter hat hier einmal davon gesprochen, man könne von den Kolonien aus England angreifen. Das ist gewiß sehr kurzsichtig und töricht,(Sehr richtig! bei den Freisinnigen) aber die Redeweise des Herrn Bebel muß die englische Jingoprcsse gegen uns aufregen. Ich bitte Herrn Bebel, doch endlich unseren Standpunkt zu begreisen, (Große Heiterkeit) wie ihn seine Parteigenossen Callver, Bemstein und Schippe! schon begriffen haben. Abg. Lcdcbour(Soz.): Gegenüber dem, was mein Parteifreund Bebel über das Ver- bältniS des Auswärttgen Amtes zur Kolonialpolitik ausgeführt hat, sagte der Staatssekretär Gras Posadowsky, daß selbst, wenn ein selbständiges Kolonialamt geschaffen würde, dieses bei auswärtigen Angelegenheiten sich an das Auswärtige Amt wenden müßte. Formal ist die Auffassung zweifellos richtig, trifft aber ganz und gar nicht die Argumentatton Bebels; denn diese ging darauf hinaus, daß überhaupt die» ganze Kolonialpolitik, wie fie von einem Kolomalamt geführt werden müßte, sehr leicht zu auswärtigen Verwickelungen führen könnte und daß es deshalb notwendig sei, daß die gesamte Tättgkeit dieses Amtes in auswätigen Angelegenheiten der Entscheidung des Auswärttgen Amtes untergeordnet werde. Welche Gefahren es mit sich bringt, wenn eine Kolonialverwaltung mit einem hohen Grad von Selb- ständigkeit ausgerüstet ist, dafür kann ich auf ein naheliegendes Beispiel verweisen, nämlich darauf, daß der Haupturheber an dem großen Kolonialkriege zwischen England und den Buren, der das englische Reich in eine bedenkliche Situation gebracht hat, der selbständige Leiter des englischen Kolonialamts Mister Chamber- lain gewesen ist! Herr Spahn scheint die englischen Angeleacnheiten nicht zu kennen, wenn er bestreitet, daß in England ein selbständiges Kolonialamt besteht; außer einem selbständigen Kolonial- Ministerium hat England noch ein selbständiges Ministerium für Indien, also zwei selbständige Kolonialministerien. Aber gerade das erwähnte englische Beispiel zeigt die Gefährlichkeit einer lolchen Einrichtung. Mister Chamberlain ist von dem gegenwärttgen englischen Premierminister Vir. Campbell-Bannerman über die Tat- fache, daß er den Burenkrieg angezettelt hat, im Parlament zur Rede gestellt worden, und zwar führte Campbell-Bannerman an, Chamberlain habe erklärt, er habe die Buren nurbluffenwollen. Hierüber ist im englischen Parlament eine Polemik entstanden— das ist insofern interessant, als bei unS der Herr Präsident den Ausdruck.bluffen' als unparlamemarisch nicht hal dulden wollen!(Heiterkeit.) Zunächst war dieses Bluffen der Buren formal eine rein kolonialpolittsche Angelegenheit, aber dadurch wurde der Krieg herbeigeführt, der zweifellos weit über diesen Rahmen hinausging und das englische Reich in eine sehr bedenkliche Lage gebracht hat. Gerade dieses Beispiel zeigt also, wie ungeheuer gefährlich das Bestehen eine« selbständigen KolonialministermmS ist, fiir welches bei unS die Bor- bedingungen nicht bestehen, die allenfalls in England vorhanden sind.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Werter hat Graf Posadowsky Bebel gegenüber eingewendet, daß alle Hinweise auf Pläne auSwärttger Verwickelungen an sich nicht gerechtfertigt seien. und dabei hat-er die Bemerkung ge- macht, es scheine der Zweck solcher Hinweise zu sein, im Auslande Mißtrauen gegen Deutschland zu erwecken. Ich muß sehr entschieden meine Partei und meinen Freund Bebel gegen eine der- artige Auslegung verwahren.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Daß wir nicht die Absicht haben. Mißtrauen gegen Deutschland'zu erwecken, ist selbstverständlich. DaS überhebt uns aber nicht der Verpflichtung der eingehenden Kritik an Handlungen und Aeußerungen von Ministern und Parlamentariern, die Ver- Wickelungen mit dem Auslände herbeiführen könnten. Auch Herr Müller-Meiningen glaubte, den Grafen Posadowsky in seinen An- griffen gegtn uns unterstützen zu müssen, indem er behauptete. daß durch die Ausführungen Bebels Deutschland im Auslände die- kredidiert werde. Dieser Gedankengang, in dem fich Herr Müller. Meiningen mit dem Staatssekretär Grafen Posadowsky begegnet, kommt darauf hinaus, daß«S den RegierungSvertretern und den Mitgliedern der Parteien, welche die Regierung unterstützen, frei- steht, die bedenklichsten Aeußerungen zu machen, die gerade, weil fie von so autoritativer Seite kommen. Deutschland aufs schwerste dis- kreditieren, daß aber die oppofittonellen Parteien solche Aeußerungen nicht zurückweisen dürfen. Solche verhetzenden Aeußerungen sind nicht nur von dem Abg. Lattmann gemacht, sondern auch der Kolonialdirektor hat in der Budgelkommisfion. als es ihm darauf ankam, die Bewilligung der militärischen Organisation zu erzielen, selbst darauf hingewiesen. daß vom Kongostaat an der deutsch-ostafrikanischen Grenze Be- festigungen errichtet würden! Nun muß ich gestehen. eS liegt eine groteske Komik darin, wenn entsprechende Aeußerungen des Königs von Belgien hier ernstlich ins Feld geführt werden.(Heiterkeit und Sehr wahrl bei»en Sozialdemokraten.) Aber Herr Müller-Reiningen hätte seine Mahnungen doch an diese Stelle richten müssen und nicht an uns. tue wir es für unsere Pflicht halten, alle solche Aufhetzungen energisch zurückzuweisen. Freilich ist es chrakteristisch, daß die Freisinnigen, ohne von diesen Dingen überhaupt etwas zu Wiste», für die Regierung eintreten. So ist von alldeutsch« Seite die Röglichkett ventilier: worden, mit Hülfe der Buren die ftiilfak» aus Südafrila Auch in der Budgetkommifston find solche Bemerkungen gemacht worden. Die Freifinnigen aber lvenden sich gegen uns. die wir solche Verhetzungen als ungeheuerlich und töricht hinstellen! Herr Spahn hat mit Recht darauf hingewiesen, daß eine gerechtere Behandlung der Eingeborenen notwendig ist. Ich erinnere an den Fall der Akwaleute. Einem Herrn Meier wurde nachgewiesen, daß er eine falsche Aussage zuungunsten der Akwaleute gemacht habe. Er wurde darauf disziplinarisch mit 500 Mark Geldsttafe belegt, aber die Kolonialverwakrimg hat es nicht für nötig gehatten, diesen Mann, der durch eine falsche AuS- sage im Gerichtsverfahren mit dazu beigetragen hat, daß die Akwa- leute hart bestraft wurden, für unfähig zur Wetterführung von Aemtern in der Kolonialverwalwng zu erklären! Sie hat das Ver- halten dieses Herrn Meier damit zu entschuldigen gesucht, daß er sich in einer.seelischen Mißstimmung' befunden habe. Ich wünschte nur, daß man in allen Verwaltungszweigen ein solches Maß von menschlischer Rücksicht gegenüber Leuten, die sich Verfehlungen haben zuschulden kommen lassen, üben wollte. Die Tatsache, daß der Herr Meier weiter in seinem Amte bleiben konnte, beweist, daß das wahre Verständnis für die Notwendigkeit der Integrität der Beamten in den Kolonien heute noch fehlt; man hat kein Gefühl dafür, daß ein solcher Beamter� die ganze Verwaltung diskreditiert und daß seine Wiederanstellung das Rechtsgefühl der Eingeborenen auf das schwerste verletzen muß.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Wir sind stets für die Rechte der Eingeborenen ein» getteten, daher stimmen wir auch der Resolutton der Frei» sinnigen, die eine Kodifikation der Eingcborenenrechte verlangt, zu. Bei konkreten Fragen, wo es sich um die Verletzung von Rechten der Eingeborenen, so zum Beispiel in Togo, gehandett hat, haben wir die Unterstützung der fteisinnigen Partei leider nicht gefunden. Und noch eine andere Frage ist in der Schwebe und harrt der Erledigung: Die Landkommission für Südwestafrika hat verlangt, daß dw bekannte Autorität für das Eingeborenenrecht, Kammergerichtsrat Meier, zu einem schriftlichen Bericht aufgefordert werden solle. Die Kolomalverwaltung hat diesen Beschluß ganz un- beantwortet gclasten!(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Selbstverständlich werden wir gegen die Forderung eines selbständigen Kolonialamts und die Organisation emer neuen selb- ständigen Militärverwaltung stimmen, weil wir in ihr das Bestreben erkennen, die Kolonialverwaltung möglichst selbständig zu machen, wodurch leicht internationale Verwickelungen herbeigesiibrt werden, und weil wir andererseits in der militärischen Neuorganisation einen gefährlichen Keim zu einer weiteren Entwickelung der Schutztruppen- macht sehen. Zur Leitung der Schutztruppe ist ein so großer Apparat nicht nötig. Die Freisinnigen haben durch ihr Eingehen aus alle diese Forderungen mit ihrem früheren Standpunkt gebrochen. Wenn sie das nicht zugeben, find fie sich entweder selbst nicht klar und sind in solche Konfusion geraten, daß sie ihre eigene Ver- angenheit nicht kennen, oder sie stecken wie der Vogel Strauß den iopf in den Sand und wollen nichts sehen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Kolonialdirektor Dernburg: Herr Ledebour hat im Falle des Oberrichters Meier eine falsche Darstellung gegeben, was er nicht nötig gehabt hätte, wenn er die Drucksache 323 des Reichstags hinreichend gelesen hätte.(Hört! hört! rechts.) Der Oberrichter Meier hat allerdings eine nicht richtige Aussage gemacht, diese hat aber mit der Bestrafung der Akwaleute gar nichts zu tun gehabt. Herr Ledebour hat es für richtig gehalten, diesen Beamten, der seine Strafe erhalten bat, hier wieder durch den Schmutz zu ziehen. Durch dieses Vorgehen bringen Sie mich beständig m die Defensive, da ich für jeden Beamten einstehen muß, den Sie angreisen. Damit erreichen Sie nur die Vertuschung, die Sie vermeiden wollen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Daran wird auch durch Ihr Hört! hört! nichts geändert. Herr Ledebour spricht immer von dem Recht der Eingeborenen. Lasjen Sie doch auch einmal deutschen Beamten Gerechttgkeit widerfahren.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Niemand soll seinem Richter entzogen werden, aber niemand darf auch eine Straf« erhalten, die nicht im Gesetz steht. Die Strafe aber, daß ein Beamter, nachdem er disziplinarisch bestraft ist, hier im Reichstage noch herumgeschleist wird, monatelang, jahrelang, das ist eine u n- gerechte Strafe.(Sehr richttg I rechts.) Herr Ledebour hat vom deutschen Beamtenrecht keine Ahnung,(Sehr richtig! rechts.) Ein etatsmäßiger Beamter kann nur durch richterlichen Spruch entsetzt werden. Die Kolonialverwaltung hat gar keine Veranlassung und muß eS ablehnen, nur um Herrn Ledebour und seinen Freunden Freude zu machen, Beamte zu verfolgen.(Bravo! rechts.) Die Resolutton über die Kodifikatton des Eingeborenenrechtcs kellt ein Verlangen, dessen Erfüllung etwa fünf Jahre in Anspruch nehmen würde. So geht das nicht. Ich stelle anheim, bei der Regierung anzuregen, und da« würde ich unterstützen, in den nächsten Etat eine Summe einzusetzen, damit eine Kommission von Sach- verständigen die auf die Rechtspflege der Eingeborenen bezüglichen Fragen studiert.(Bravo! rechts.) Abg. Dove(frs. Vg.): Wir find nicht verantwortlich, wenn hier und da eine nationalistische Aeußerung fällt. Dadurch, daß die Herren Sozialdemokraten uns solche Aeußerungen vorhalten, wird der Block nicht gesprengt. Die Herren unterschätzen die Festigkeit unseres Zusammenhalts. Bei uns darf jeder seine eigene Meinung haben. ohne daß er gleich fliegt.(Heiterkeit und Beifall bei den Frei- ännigen.) Der Herr Kolonialdirektor war nicht bei allem, was er Herrn Ledebour geantwortet hat, vorsichtig in der Wahl seiner Worte. Wir sind nicht so regierungsfreundlich, daß wir es billigen könnten, wenn Herr Dernburg erklärt: Durch solche Angriffe im Parlament kann eS dazu kommen, daß ich Verfehttmgen der Be- amten vertuschen muß. Ich denke, Herr Dernburg hat damit nur sagen wollen, daß er ungerechtfertigte Angriffe stet» zurück- weisen will, und dabei wird er unS immer auf seiner Seite haben. (Bravo! bei den Freisinnigen.) Abg. Spahn(Z.)— auf der Tribüne unverständlich— scheint durch Verlesung von Zitaten den Nachweis führen zu wollen, daß er in seinen heutigen Ausführungen keinen neuen Kurs eingeschlagen. wie ihm Bebel vorgehalten, sondern nur wiederholt habe, was er schon früher, als noch niemand an ein Kolonialamt und eine Kolonialarmee dachte, gesagt habe. Hierauf läuft der bekannte Schlußantrag ein, unterzeichnet von Bassermann, v. Normann und Dr. Müller- Meiningen. Die Verlesung des letzten Namens wird von den Sozial- demokraten mit lebhafter Heiterkeit begrüßt. Der Schlußantrag wird gegen die Stimmen d« Sozial- demokraten angenommen. Abg. Ledebour(Soz.)(zur persönlichen Bemerkung): Der Herr Kolonialdirektor hat eS unterlassen zu erwähnen, oder er weiß es nicht, daß bei der ersten Verurteilung der Aktoalcute(Lärmende Unterbrechungen rechts.)... Vizepräsident Paasch«: DaS find s a ch l i ch e. nicht p e r s ö n- liche Ausführungen, Abg. Ledebour(fortfahrend): Ich werde also auf diese An- gelegenheit bei anderer Gelegenheit zurückkommen. Außerdem hat der'Kolonialdirektor mir vorgeworfen, ich hätte den Herrn Meier in den Schmutz gezogen.(Sehr richttg! beim Block.) Ich habe bloß attenmäßige Tatsachen angeführt, die sich aus den Akten beweisen lassen; ich habe kein Wort hinzu- gefügt, um diese Tatsachen zu verändern. Wenn der Kolonialdirektor hieraus dne Eindruck erhalten hat. daß eS sich um Schmutz handelt. so verurteilt er Herrn Meier selbst.(Sehr wahr! bei den Sozial- demolraten.) Im übrigen verbitte ich mir, daß ein Regierungsvertreter sich erlaubt, eine solche Ausdrucksweise gegen uns völlig ungerechtfertigt anzuwenden, und ich bedauere. daß der Herr Präsident dagegen nicht eingeschritten ist.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Paasch«: Ob der Herr Kolonialdtteftor Sie un» tferttgt.�ngreifc �entscheidet der Präsident, und Ihr Verbitten Wg. Level(Soj.): Der Herr Kolonlaldirektor hat den Fall Dominik zur Sprache gebracht und mich dabei angegriffen. Ich habe selbstverständlich das Bedürfnis, darüber zu sprechen. Nachdem mir durch den Schluß der Debatte das Wort abgeschnitten ist, werde ich das morgen beim Etat für Kamerun tun. Der Titel Staatssekretär wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und des Zentrums(mit Ausnahme des Abg. v. Strombeck) bewilligt, die im Sinne des BorschlageS des Kolonialdirektors abgeänderte Resolution Ablaß angenommen. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung deS Kolouialetats auf Sonnabend 11 Uhr. Schluß 7 Uhr._ Hbgcordnetcnbaud« 59. Sitzung vom Freitag, den 3. Mai, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Kommissare. Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Beratung der Lehrerpensions» uni> Reliktengesetze. Abg. Dr. v. Campe(natl.) beantragt, die Berechnung der Dienstzeit schon mit dem 18. Lebensjahre beginnen zu lassen und die Pensionen für das Kalcndervicrteljahr im voraus zu zahlen. Der Antrag und die Gesetze werden mit dieser Aenderung an- genommen. Es folgt die erste Beratung des Antrags Kirsch(Z.), auf Annahme eines Gesetzentwurfs betr. Wanderung des§ L3 des Ein- kommensteucrgcsetzes von 1906. Danach sollen die Wsätze gestrichen werden, durch welche den Haushaltungsvorständen resp. Arbeitgebern die Verpflichtung auferlegt wird, der Behörde Auskunft über Namen, Berufs» oder Erwerbsart, Geburtsort-Tag und Religionsbekennt- nis der zu ihrem Hausstand gehörigen Personen resp. über das Ein» kommen(bis 3999 M.) der von ihnen gegen Gehalt oder Lohn Be- schäftigtenzu erteilen. Die Abgg. Tr. Gerschcl und Gen.(frs. Vp.) beantragen, den % 23 dahin abzuändern, daß die Hausbesiper auch verpflichtet sind, der Behörde über den Arbeitgeber und die Arbeitsstätte der auf ihrem Grundstück wohnenden Arbeiter, Dienstboten und Gewerbe- gchülfcn Auskunft z» erteilen und daß demgemäß die Arbeiter, Dienstboten und Gewerbcgehülfen verpflichtet sind, ihre Haus- Haltungsvorstände über ihren Arbeitgeber und ihre Arbeitsstätte z« unterrichten. Abg. Dr. Keil(natl.) beantragt, daß der Hausbesitzer der mit der Aufnahme des Personenstandes betrauten Behörde auch die Arbeitsstätte der auf seinem Grundstück wohnenden Personen an» geben muß und daß die Arbeitgeber die Auskunftspflicht über die von ihnen beschäftigten Personen an den Gemeinde-(Guts-) Bor- stand des Beschäftigungsortcs haben sollen. Weiter gibt der Antrag eine nähere Deklaration dessen, woraus sich dres« AuSkuwfts» Pflicht erstrecken soll. Abg. Wolff-Lissa(frs. Vg.) spricht für Streichung des Absatzes 3: Wenn man eine gerechte Bestimmung hätte schaffen wollen, hätte man die Anregung des Abg. Gyßling auf Steuerfreiheit aller Einkommen unter 1599 M. und Einfuhrung der Deklarationspflicht für alle höheren Einkommen annehmen müssen. Abg. Dr. Keil(natl.) bittet, den Antrag deS Zentrums abzu. lehnen. Das Zentrum wolle sich nur mit seiner Arbeiterfreundlich- keit aufspielen. Generaldirektor der dirkten Steuern Wallach: Was die vor- liegenden Anträge anlangt, so kann man zweifelhaft sein, ob es überhaupt zweckmäßig ist, so detaillierte Vorschriften, wie sie der Antrag Keil und der Antrag Gevschel vorsehen, in das Gesetz auf- funehmen. Zweckmäßiger würde es wohl sein, dies der Aus» ührung zu überlassen. Immerhin hat die Finanzverwaltung kein wesentliches Bedenken gegen die Anträge.— Wenn ich die beiden Anträge Gerschel und Dr. Keil richtig verstehe, können beide Anträge angenommen werden. Abg. Borstcr(fk.) erklärt, daß er den Antrag Gerschel in einigen Punkten für eine Verbesserung halte. Abg. Dr. Gerschel.(frs. Vp.): Mein Antrag ist nur für den Fall gestellt, daß der Autrag Kirsch abgelehnt wird. Wir wünschen eine einheitliche Regelung. Diese ist jptzt aber nicht vorhanden. Mein Antrag geht von demesichtspuirkt der Deklarationspflicht auS. Nach unserem Antrag ist die Steuerverwaltung in der Lage, ein für allemal xa wissen, daß der Zensit Maschinenmeister, Schlosser usw. ist, während jetzt immer geschrieben wird„Arbeiter", womit für den Steuersatz gar nichts gesagt ist. Welche Konse- quenzen der Antrag Keil haben kann, sehen wir daraus, daß in der Kommission auch schon ein Antrag gestellt ist, nach dem ine Aus- kunftSpflicht auf Banken, Depositenkassen usw. ausgedehnt werden soll. Es folgt sofort die zweite Beratung. Bei dar Abstimmung wird der Antrag Kirsch abgelehnt. Der Antrag Gerschel wird ange» nommen. Von dem Antrag Keil wird nur der Wsatz angenommen, welcher den Begriff der AuSkunstSpslicht interpretiert. Es folgt die Beratung des Antrags Hammer(I.) auf Ab- Lnderung deö Kommunalabgabengesetzes, dahingehend, daß die Konsumvereine der Kommunalfteuer unterworfen werde«. Hierzu liegt ein Antrag Dr. Gerschel(frs. Vp.) vor, der verlangt, daß das Einkommen der juristischen Personen auS Ein- kommen ausländischer Filialen steuerfrei bleibt! I Abg. Lusensky(natl.): Wir können heute zu dem Antrag Gerschel noch keine Stellung nehmen. Wir geben anheim, den Antrag der Kommission für Handel und Geiverbe zu überweisen. Geheimrat Strutz bittet, den Antrag Hammer anzunehmen und nicht mit dem Antrag Gerschel zu verkmipsen. Tie Regierung habe Bedenken gegen den Aurag Gerschel, nicht aber gegen den Antrag Hammer. Abg. Eckert(ff.): Die Anregungen des Abg. Dr. Gerschel sind wertvoll, ohne Kommissionsberatung können wir aber über seinen Antrag nicht entscheiden. Abg. Tr. Gerschel(frs. Vp.): Ich ziehe meinen Antrag zurück in der Voraussetzung, daß mir, wenn ich ihn als selbständigen An- trag wieder einbringe, nicht entgegengehalten wird, der Paragraph könne nicht schon wieder geändert werden, da er erst kürzlich durch den Antrag Hammer eine neue Fassung erhalten habe. Der Antrag Hammer wird angenommen. Es folgt die Beratung deS Antrages deS Abg. RzeSnitzek (st.), über die Errichtung landlicher Fortbildungsschulen mit Be» suchszwang in den Provinzen Posen und Westprcußen und im Re. gierungsbezrrk Oppeln. Die Abgg. RzeSnitzek(st.). Lusensky(natl.), Ernst(frs. Vg.). v. Heyking(k.>, treten für den Antrag ein, während die Abjjg. v. Kölichen(k.) und Geisler(Z.) meinen, man müsse die Em- führung der Schulen dem Ortsstatut überlassen. Minister v. Arnim: Das Staatsministerium hat in dieser Frage noch keinen Beschluß gefaßt. Ich erkenne aber an, daß der letzige Zustand nicht befriedigend ist. Abg. Stychel(Pole) bekämpft den Antrag. Der Antrag wird gegen die Stimmen der Polen und des größten Teils deS Zentrums angenommen. DaS Haus vertagt sich Nächste Sitzung: Sonnabend 11 Uhr(Antrag Friedeberg auf Prüfung der Bestimmungen der Geschäftsordnung über tzie Behend- lung von Anträgen, Lehrerpensionsgesetz, Antrag Hammer, kleine Vorlagen. Sekundätzbahnvorlage). Schluß: 4 Uhr.__ parlaimntarilcbcö* Aus der Budgetkommissioa. (Sitzung vom 3. Mai.) Erster Gegenstand ist ein Nachtragsetat, durch den 15 Millionen für die Erweiterung des No.rdostseekanals verlangt werden. Die Gesamtkosten werden 223 Millionen erfordern; es handelt sich bei der Anforderung zunächst um eine kleine erste Rate. Gestern ist die Vorlage erst im Plenum in erster Lesung beraten worden, der Berichterstatter v. RichUjofen erklärt deshalb, daß er nicht in der Lage gewesen sei, sich richtig zu infor» mieren; er müsse sich darauf beschränken, auf den Inhalt der Vorlage zu verweisen. Singer als Korreferent kritisiert, daß man an eine solche Vorlage herantreten müsse, die so Mangel- Haft vorbereitet ist, und Bebel hält den jetzigen Zeit- Punkt, wo die Reichstagsverhandlungen den Charakter einer form- tichen Hätz angenommen haben, für höchst ungeeignet zur Be- ratung einer so schwerwiegenden Frage, die mehrere hundert Millionen kostet. Bebel spricht sich dann eingehend über die Vorlage aus: So weit sich bei dem mangelhaften Material der Erweiteruogsplan würdigen lasse, sei es überhaupt fraglich, ob die Vertiefung und Verbreiterung den großen Wert habe, den man ihr zuweise. Die Ostsee sei nicht so beschaffen, daß Schiffe mit 12 Meter Tiefgang in ihr operieren können. Der„Vulkan" habe seine Werft von der Oder nach der Elbe verlegt, weil ihm die Tiefe nicht genügte. Man denke nur daran, daß„Kaiser Friedrich" beinahe aufgelaufen wäre. Wenn nun alle diese Fragen noch in Schwebe sind, ist es nicht tunlich, solche große Summen zu be- willigen: man möge die Vorlage ein Jahr zurückstellen. v. Richthosen spricht für Bewilligung, da es sich mehr um eine Marine- als um eine Handelsvorlage handele. Korreferent Singer gibt zur Erwägung, ob man die Vorlage nicht doch bis auf den Herbst verschieben wolle; es seien noch zu viel Fragen, die einer Lösung bedürften.—■ Posadowsky begründet die Vor- läge, und ein technischer Rat bespricht eingehend die technische Seite und sucht die aufgetauchten Zweifel zu zerstreuen. Abg. W i e m e r erklärt, daß die Freisinnigen zwar auch Bedenken hätten, aber für die Vorlage stimmen werden. Spahn bedauert, daß jetzt schon wieder eine so große Summe ausgegeben werden müsse; man hätte doch so viel Voraussicht haben müssen, daß man, als der Kanal gebaut wurde, gleich die richtigen Dimensionen wählte. Es helfe nun freilich nichts; mau müsse die Borlage bewilligen! Das Zentrum stimme dafür. Genosse Bebel bemerkt, daß die Einwände gegen seine Aus- führungen sehr dürftig seien und stellt den Antrag: die Vorlage zur nochmaligen Prüfung an die Regierung zurückzuverweisen. Ein nachträglich herbeigeholter Offizier des Marineministeriums bespricht das Projekt vom militärischen Standpunkte aus. Dr. Blankenhorn spricht gegen den Antrag Bebel und für sofortige Bewilligung, v. NichtHofen spricht nochmals für die Vorlage, Genosse Singer empfiehlt als Korreferent den Antrag Bebel. Er führt aus, daß ganz ruhige, nüchterne Erwägungen ihn zu dem Votum bringen. Die Hoffnung, daß der Kanal während des Baues benutzt werden kann, ist doch sehr schwach, die Kanal- benutzung wird auf derselben Höhe stehen wie die Benutzung einer Straße während des Baues einer Untergrundbahn. Die Re- gierung habe sich auch gar nicht über die Konsequenzen der Vorlage ausgesprochen, und es sei schon zu erwarten, daß der Voranschlag überschritten werde; gar nicht berücksichtigt sind die hohen Kosten für Hafenvertiefung, die mit der Kanalvertiefung notwendig wird. Ferner ist trotz der Diskussion noch nicht sicher- gestellt, daß Schiffe mit so großem Tiefgang auch in der Ostsee verkehren können, und die Frage der Heranziehung Preußens zu den Kosten des Eisenbahnbrückenbaues über den Kanal ist noch offen. AuS allen diesen Erwägungen kommt der Korreferent dazu. die Annahme deS Antrages Bebel zu empfehlen. Der Antrag Bebel wird aber abgelehnt; für ihn stimmen nur die Sozialdemokraten, der Pole und ein Freisinniger. Die Vorlage wird angenommen. Die Sozialdemokraten enthalten sich der Abstimmung und behalten sich ihre Stellungnahme für das Plenum vor. Singer berichtet über einige Petitionen zur Kanal- vorläge. Dieselben werden teils zur Erwägung, teils als Material überwiesen. Die Kommission setzt dann die Berawng der indirekten Steuern fort. Die Salzsteuer soll 55 Millionen Mark bringen. Arendt schlägt vor, 1 Million mehr einzustellen; das wird mit Mehrheit beschlossen. Bei der Maischbottichsteuer, die 39 V4 Mill. Mark bringen soll, macht Singer daraus aufmerksam, daß die Maisch st euer-Novelle scheinbar verschleppt werden soll. Er wendet sich auS finanziellen Gründen gegen eine Ver- schleppung und möchte, daß die Vorlage noch zur Verabschiedung kommt, da man die Mehreinnahme sehr notwendig gebraucht für die Kosten der Hinterbliebenengesetze. Will man diese nicht gefährden, so muß die Maischraumsteuer unbedingt m i t verabschiedet werden.— Wi emer tritt Singers Kritik vollkommen bei; er hält es für einen Fehler, daß man diese Steuernovelle überhaupt der Budgetkommission nicht überwiesen habe. Speck verteidigt dir Steuerkommission und erklärt, die Regierung habe gar kein Interesse an der Maischsteuervorlage I Der Abg. Pach nicke habe übrigens einen Antrag gestellt, wonach in diesem Jahre dem Budget kein Pfennig zufließen würde. Dietrich verlangt Respekt vor den Arbeiten der Steuer- kommission und bemerkt, daß die Kommission schon viel Nutzen ge- bracht habe durch die Beseitigung des Umbuchungsvcrfahrcns, wo- durch die gewerblichen Brennereien den Staat sehr geschädigt hätten. Singer bemerkt, daß die Herren Dietrich und Speck ihm doch nur dankbar sein könnten, daß er ihnen Gelegenheit gegeben habe, die Verdienste der Kommission hervorzuheben. Im übrigen bleibt er dabei bestehen, daß da» Gesetz so rasch als möglich fertiggestellt werden möge. Branntwein-Berbrauchsabgaben mit 121 Millionen und die Brennsteuer mit 11l4 Millionen Mark werden genehmigt. Die Schaumwrinsteuer ist im Steigen begriffen; sie wird mit 5 436 999 Mark eingestellt. Die Brausteuer ist auf 57 729 999 Mark ver- anschlagt. Abg. Speck beschwert sich besonders darüber, daß man die Brauereien schon vom I. April 1996 ab nach den Sätzen der neuen Steuerreform herangezogen habe, und ein nationalliberal- freisinniger Antrag verlangt Rückerstattung der Steuer auf das Vierteljahr April-Juni 1996. Der Reichsschatz- sekretär erklärt sein Verfahren für durchaus gerechtfertigt; die Brauereien hatten vor dem Inkrafttreten so stark auf Vorrat gearbeitet, daß die Produktionssteigbrung 8 Proz. der gesamten Produktion ausmache. Deshalb müßten sie auch zur Steuer herangezogen werden. Die Großbraucreien hätten übrigens auch unter der Steuererhöhung noch mehr Dividende verteilen können als vorher! Die' Sitzung wird hier abgebrochen. Montag vormittag Fort- setzung._ Hus der parteu Sozialdemokratie und Militarismus. Die„Arbeiterzeitung" zu Dortmund legt in einer Besprechung der Militäretatsdebatten im Reichstage die gruridsätz- liche Stellung der Partei zum Militarismus dar und sagt dabei u. a.: ........ es ist deshalb höchst bedauerlich, daß Genosse Bebel hinterher erklärte, daß die Fraktion für Aeußerungen dritter die Äerantwortung ablehne! Was Genosse Liebknecht an der betreffen- den Stelle seines Buches sagt, entspricht durchaus der Stellung, die die Sozialdemokratie stets eingenommen hat. Sie legt die Schäden und die Sünden des stehenden HeeveS dar sowohl, um zu bessern, soweit es möglich ist, aber daneben verzichtet sie nicht darauf, dieses Heer grunltyatzlich zu bekämpfen, und hat selbstver- ständlich die Pflicht, die Soldatenmißhandlungen usw. als Beweise für die Notwendigkeit der Beseitigung der jetzigen Armeever- sassung anzuführen...... Deshalb hat auch die durch nichts motwierte Abschüttelung deS Genossen Liebknecht durch die Fraktion unter den Genossen im Lande(und ganz besonders unter den Genossen im Ruhrgebiet) den denkbar schlechtesten. Eindruck gemacht. Es tut uns sehr leid, dies gerade dem Genossen Bebel gegenüber betonen zu müssen, den wir lieben und verehren wie keinen anderen unserer Führer, aber die Pflicht der Wahrhaftigkeit darf auch Bebel gegenüber nicht schweigen. Und so sei eS denn offen ausgesprochen: der überaus fölahte Euldruck, dm schon die unglückselige Fassung des Mai, aufrufs deS Parteivorstandes allgemein hervo-rgerufen hatte, Bat nichts gegen den Eindruck, den die Wschüttelung Liebknechts ge- macht hat...... Die Partei hat gerade in diesem Moment nutzt den allermindesten Anlaß, sich schwach zu zeigen und ängstlich zu lavieren! Und zwar gilt das nicht nur für die Militärfrage l Weichen wir jetzt zurück, so ist der moralische Schaden, den wir dadurch erleiden, tausendfach schlimmer, als der Verlust der paar Dutzend Mandate bei den Hottentottenwahlen I Durch Rechnung s» tragen schafft man nicht revolutionäre Begeisterung, gewinnt man nicht neue Proletariermassen! Mag deshalb die Fraktion Liebknecht abgeschüttelt haben— die Partei denkt nicht daran. das Gleiche zu tun! Das mußte offen ausgesprochen werden—» die Pflicht wollte es!" Ueber die Noskcsche Rede äußert sich unser Dortmunder Partei» blatt in ähnlicher Weise wie die«Leipziger Volk-zeitung". *** Ueber die Schrift des Genossen Liebknecht haben wir tn bat Sonntagsnummer eine anerkennende Besprechung unseres Mit» arbeitcrs I. B. gebracht. Schon daraus geht hervor, daß diese Schrift nichts enthält, was gegen die Anschauungen der Partei ver- stößt. Eine nochmalige Durchsicht der Schrift hat uns überzeugt. daß in der Tat nichts darin enthalten ist, was die Partei zu einer Verleugnung dieser fleißigen und begrüßenswerten Arbeit Anlaß geben könnte._ Die ReichstagSrede des Genossen Noske. Auf die gestern von uns wiedergegebcne Erklärung NoskeS«lU wortet die„Leipziger Volkszeitung": .......... Eine Abrechnung mit der deutschen Diplomatie hat niemand dem Genossen Noske zugemutet. Wir noch weniger als die Fraktion. Was wir von ihm in Wahrheit verlangt haben, ist Wahrung des Erfurter Programms. Und das hat Noske preis» gegeben, indem er ohne jeden Vorbehalt erklärte, im Falle eines An- griffskriogs auf„uns" würde jeder deutsche Sozialdemokrat die Flinte aus den Buckel nehmen. Wörtlich sagte er— die Stelle hat er leider nicht zitiert—: wenn ich feststelle, daß wir Sozialdemo- traten Angriffe mit ebenso großer Entschiedenheit zurückzuweisen bemüht sein werden, wie irgendeiner der Herren auf der rechten Seite des Hauses, so usw.____ Der Kriegsminister konnte daher dem sozialdemokratischen Redner sofort für die„Treue" und �.Hin- gäbe" danken, mit der die Sozialdemokratie das„Vaterland" ver» teidigen wolle. Die Berufungen Noskes auf Bebel sind völlig dcplaziert; denn Bebel hatte stets, so auch in der von Noske an- gezogenen Stelle, betont, daß die Sozialdemokraten nur dann bereit- willig die Flinte auf den Buckel nehmen könnten, wenn sie den Krieg als notwendig anerkannt hätten. So sagte beispielsweise Auer aus dem Hamburger Parteitag: „Es laßt sich, allerdings eine Möglichkeit denken, in der wir auch für den Krieg eintreten und ihn für absolut notwendig halten. Ich erinnere nur an die Aeußerungen von Bebel und Liebknecht im Reichstage über die Möglichkeit, gegen den Feind aus dem Osten, gegen die Barbarei, gegen den russischen Zarismus und seine Eroberungsgelüste in den Krieg einzutreten." Hätte Noske ebenfalls so gesprochen, kein.Hahn hätte nach seiner Rede gekräht. Schreibt doch die„Deutsche Tageszeitung" in ihrer gestrigen Nummer höchst enttäuscht, die Ausführungen der „Leipziger Volkszeitung" gipfeln annähernd in denselben Bedin- gungen, die Bebel seinerzeit für die Teilnahme der Genossen an einem Verteidigungskriege aufstellte. „Es liegt auf der Hand, daß die Zusicherung, die Sozial- demokratie werde bei einem Verteidigungskriege die Flinte auf den Buckel nehmen, fast ganz wertlos und bedeutungslos wird. wenn man sie an eine derartige Bedingung knüpft." Man sieht, wenn Genosse Noske Prügel bekommen hat. so hat er sie nicht für fremde, sondern für eigene Schuld bekommen. Im übrigen gedenken wir das Thema:„Patriotismus und Sozialdemo- kratie" zum Gegenstande einer eingehenden Auseinandersetzung zu machen, mit der wir am Sommbend beginnen lverden." Zum Maifeier-Aufruf des Parteivorstandcs. Das„Hamburger Echo" schreibt in seiner Betrachtung über den guten Perlauf der Maifeier in Hamburg: ....... Es darf wohl konstatiert werden, daß die Mahnung des Parteivorstandes, in Rücksicht auf die Kampfgelüste der Scharf» macher äußerst vorsichtig zu sein bei Anwendung des Demon- strationsmittels der ArbeitSruhe in Hamburg wenig Anklang ge- fanden hat. Sicher gibt es unter der klassenbewußten Arbeiter- schast des Elbstädtekomplexos niemand, der es den Hafenarbeitern verdacht hätte, wenn sie, unter dem Druck einer besonderen Kon- stellation stchend, für dieses Jahr auf die Arbeitsruhe verzichteten. Aber keineswegs ergab sich aus den Verhältnissen bestimmter Ar- beiterkategorien die Notwendigkeit, nun generell den Eifer für Durchsetzung der Arbeitsruhe zu dämpfen. Gewiß sind taktische Erwägungen auch in einer solchen Fratze am Platze, und ein recht- zeitiger Hinweis auf besondere Schwierigkeiten ist immer ange- bracht und soll und muß diskutiert werden. Wer nie wich es der Sache nützlich sein, wenn kurz vor der Aktion, nachdem die Pläne festgelegt worden, der Rnf erschallt, man möge die Gefahr bedenken. Das wird auf der einen Seite für die Schwächlinge und Zaghaften das Signal sein, sich zu drücken, und bei den Feinden wird eS das Gefühl der eigenen Macht stärken, wird sie zu einer Kraftanstrengung veranlassen, zu der sie sich solch nicht entschlossen hätten."_ Polnische Agitationsschriften. Im Verlage der„Gazeta Robot- nicza" sind nachstehende populäre Agitationsschriften erschienen: „IPoxoclanlca o soojalizmie"(Unterhaltungen über den Sozialismus). Preis 19 Pf., und„Muebv i x aj aalri"(Fliegen und Spinnen). Preis 19 Pf. Bei Partiebczügen ist der Preis: 199 Exemplare 7.59 M.. 1999 Exemplare 69 M. Die Parteiorganisationen in den Gegenden, in denen polnische Arbeiter beschäftigt sind, werden ersucht. Bestellungen an den Verlag der„Gazeto Robotnicza", Kattowitz O./Schl., zu richten. Aus dem bayrischen Kleinrußland. In dem bierfreundlichen Städtchen Kulmbach sorgen Polizei und Behörden tagtäglich dafür, daß sich der„Ruhm" ihrer Stadt vermehrt. Fast jeder Tag bringt ein neues Stückchen, das an russische Zustände erinnert. Dieser Tage hatten unsere nordbayrischen Parteiblätter einen Artikel„Ent- ehrende Richter" gebracht, der die seltsame Begründung kritisierte, mit der der Amtsrichter Frohnauer den Antrag auf Aufhebung der Zeugniszwangshaft gegen den Genossen Schlegel abgewiesen hat. Unser Kulmbacher Vertrauensmann, Genosse G oller, legte die Zeitung in seinem Schaufenster aus, aber bald darauf erschien in seinem Laden ein Polizeioffiziant mit der kategorischen Aufforderung, das Blatt aus dem Schaufenster zu entfernen, sonst werde es g?- waltsam entfernt und Goller wegen„groben Unfugs" bestra>l. Herr Frohnauer muß eine heillose Angst davor haben, daß seine Tat den Kulmbachern bekannt wird. Die schwedische Sozialdemokratie und der politische Massenstreik. Die sozialdemokratische Partei Schwedens hat vom 24. bis zum 27. April in Stockholm ihren außerordentlichen Parteitag abgehalten. der über die Frage zu entscheiden hatte, ob in diesem Frühjahr zur Erriugung des allgemeinen gleichen Wahlrechts und einer demo- kratischen Verfassungsrevision der politische Massenstreik angewendet werden sollte. Das Ergebnis der Verhandlungen ist eine Resolution, in der hauptsächlich gesagt wird: Die Wahlrcchtsfrage wird für das schwedische Volk nicht eher von der Tagesordnung verschwinden, als bis die in jenem Vorschlage aufgestellten Forderungen ohne Einschränkung erfüllt sind. Der Re- gierungsvorschlag ist und bleibt vom Standpuntt der Arbeiterklasse durch- aus unannehmbar. Anerkannt wird jedoch, daß er die WahlrechtSftage, auch für die konservative Partei, auf den Weg emer Ver- sassungsrevision geführt hat. wodurch neue Vorschläge hervor- gerufen wurden, die klar zeigen, daß die Lösung der Frage nicht mehr allein durch eine Reform der Z w e i t e n Kammer erfolgen kann. Durch diese Umstände hat sich die politische Lage so ver- ändert, daß diejenige Stimmung, die eine unumgänglich notwendige Polizeiliches, Gerichtliches ufw. " Voraussetzung für einen erfolgreichen Maffenstreit ist, nach Im neuen Gewande erscheint seit dem 1. Mai das Ham- die beleidigt werden können und er feinen noch so fleinen UeberMeinung des Kongresses nicht in hinreichendem Maße vorhanden burger Echo". Es hat seine Spalten verbreitert und auch sonst rest von guten Namen mehr zu verteidigen hat, mußte das Gericht ist, weder in der Partei als Ganzes genommen noch in den einige technische Aenderunge vorgenommen, die ihm ein gefälligeres den Verfasser des inkriminierten Artikels, Genossen Podrecca, und ihr nahestehenden Gesellschaftsschichten. Darum tann der Kongreß, und lebendigeres Aussehen geben. den verantwortlichen Redakteur des Avanti", Genossen Saluftri, obwohl die Urabstimmung innerhalb der Partei eine bedeutende berurteilen. Nach dem Zanardellischen Strafgesetzbuch kann jeder, Mehrheit für die eventuelle Anwendung von Kraftmaßregeln der einem anderen eine ehrenrührige Handlung vorwirft, verergeben hat, nicht die Verantwortung auf sich nehmen, in der gegen urteilt werden auch wenn die Wahrheit des Vorwurfs offenwärtigen Situation der Wahlrechtsfrage wegen einen politischen Ein hartes Urteil hat das Schöffengericht zu EI sterwerda fundig ist sobald der Beleidigte die Antretung des WahrheitsMassenstreit zu beschließen. Der Kongreß ist jedoch der Meinung, gefällt. Am Stichwahltage hat der Genosse Iubescheid aus beweises ablehnt. Die Richter genierten sich offenbar selbst, nach daß damit der Massenstreifgedanke nicht etwa begraben ist, Müdenberg in benachbarten Dorfe Döllingen vor dem diesem absurden Grundsatz urteilen zu müssen und erkannten für sondern erklärt, daß Schwedens Arbeiter fich bereit machen Wahllokale mit Stimmzetteln gestanden. Der die Wahlhandlung beide Angeklagten auf das Mindestmaß von 11 Monaten Gemüssen, mit der mächtigen Waffe des Massenstreiks dem Schacher leitende Gemeindevorstand legte die Stimmzettel des bürgerlichen fängnis. Ob dieses Urteil wohl Herrn Chauvet rehabilitiert und mit der vitalsten Rechtsfrage des Voltes bald ein Ende zu machen Kandidaten Wilde auf einen Stuhl vor dem Wahllokal und wies feine lange Karriere voll Unterschlagungen, Erpressungen, Gaune und eine mit dem Verfassungsrevisionsvorschlag der sozialdemokrati- die ohne Stimmzetter erscheinenden Wähler an, die Stimmzettel reien und Prostitution jeder Art im Lichte lauterfter Rechtschaffenschen Fraktion übereinstimmende Lösung der Frage zu erzwingen" draußen vom Stuhl wegzunehmen". Unser Genosse nahm alle heit erscheinen läßt? oder durch diese äußerste Kraftmaßregel Attentate gegen die Rechte Bettel weg und verscharrte sie in den Schnee. Gegen ihn wurde und Freiheiten der Arbeiter zurückzuschlagen, zum Beispiel den an- zunächst ein Verfahren wegen- Diebstahls eingeleitet, schließgekündigten Vorschlag zur Senebelung der Bewegungsfreiheit der lich flagte man ihn wegen Sachbeschädigung an und berGewerkschaften. urteilte ihn wegen der gezeigten niederen Gesinnung zu drei Tagen Gefängnis. Der Amtsanwalt beantragte 10 M. Geldstrafe. Das Gericht nahm an, daß die Zettel nicht herrenlos waren, sondern dem partiotischen Verein Torgau- Liebenwerda ge= hörten. Bewiesen wurde aber das Eigentumsverhältnis nicht. Darum beschließt der Kongreß: den Parteivorstand zu beauftragen, die nötigen vorbereitenden Maßnahmen für eine derartige kraftvolle Aktion der Arbeiterklasse zu treffen; die Arbeiterkommunen und Drganisationen aufzufordern, un mittelbar die auf Grund des Rundschreibens des Parteivorstandes vom 1. November 1906 eingesammelten Gelder zum Massenstreitfonds einzuzahlen; vor allem die Parteigenossen zu ermahnen, mit aller Kraft auch durch fortgesezte Sammlung zum Massenstreiffonds für eine solche Stärkung der Partei zu wirken, daß sie fortdauernd imstande ist, in ihrer Politik klaren Linien zu folgen, selbst wenn Kraftmaßregeln hierzu notwendig werden sollten. EANE " Der Avanti" verurteilt. Rom, 27. April.( Eig. Ber.) " Wie ein Pfarrer Sozialdemokrat wurde. Von Paul Göhre. Preis 10 Pf. Porto 3 Pf. Eine der unsaubersten und anrüchigsten Persönlichkeiten bes Buchhandlung Vorwärts italienischen Journalismus, ein gewisser Chauvet, Herausgeber Berlin SW., Lindenstr. 69. und Chefredakteur des" Popolo Romano", hat den„ Avanti" wegen Beleidigung und Verleumdung verklagt, ohne dem Beflagten das Antreten des Wahrheitsbeweises zuzugestehen. Obwohl der gute Chauvet längst nicht mehr unter die Menschen rangiert, Kassenbäder jed. Art, Augusta- Bad, MÊMÊMEMENÊMEMENTÉMEMEMEME Stopeniderstr 60.[ 18625* Gesangverein„ Allegro". Den Mitgliedern sowie Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß unfer Gangesbruder Karl Rogasch verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag nachmittag 25 Uhr auf dem Michael- Kirchhof, Rigdorf, Mariendorfer Weg statt. Der Vorstand. EMEMEMEMEMEMEMEMEMENETLEMEMEMEMEMSMMEMEMEMEMEMEM WARENHAUS Wilhelin Stein, BERLIN N.39 Chausseestr. 70-71 Doppelte Anzahl Sparmarken verabfolgen wir von Sonnabend, den 4. bis Mittwoch, den 8. Mai cr. incl. um unsere werte Kundschaft zu veranlassen, die Pfingst- Einkäufe schon frühzeitig zu erledigen, da die gewohnte sachgemässe Bedienung kurz vor dem Feste nicht durchführbar ist. Wir geben sonst bei einem Einkauf von 1 Mark 4 Sparmarken, an diesen Tagen jedoch 8 Spar- Marken. 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Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Dr. 103. 24. Jahrgang. (ih|( 1(9 JoimW Kerlim PMIitt Sonnabend, 4. Mai IM. Eine moderne Völkerwanderung. Aus dem Zwickauer Steinkohlenrevier wiÄ» uns Geschrieben: Seit bem letzten unglücklichen Streik ber Bergarbeiter des Fwickauer Steinkohlenreviers haben sich die Verhältnisse derselben von Jahr zu Jahr ve r s ch l e ch t e r t. Das gilt besonders von der Verlängerung der Schichtzeit und der Behandlung, Welcher der Bergarbeiter im allgemeinen von feiten der Vorgesetzten und Wertsverwaltungen ausgesetzt ist. Auch die relative Erhöhung des Schichtlohnes, wie sie sich nach den statistischen Unterlagen er- gibt, kann nicht als Beweis für eine Besserstellung gelten; ja in Wirklichkeit ist sie eine Herabsetzung, wenn man die g e- stiegene Arbeitsdauer daneben hält. Seit Jahren nun ist über die hiesige Bergarbeiterbewegung die Kuhe des Friedhofes ausgebreitet. Kein befreiender Atemzug, kein erlösender Aufschrei, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, rang sich aus der Brust dieser unter erdrückender Schwere leidenden Arbeiter- «lassen hervor. Es schien, als hätte der letzte unglückliche Kampf unseren Bergarbeitern auf ewig das Stigma der im Kampfe Unter- legenen, der geistig Gebrochenen aufgedrückt. Energiebegabte Kameraden, welche es wagten, für die verletzte Menschenwürde ihrer Kameraden einzutreten und gegen das starre Regiment der Grubenherren anzukämpfen, flogen erbarmungslos aufs Pflaster, ein Grund mehr für die anderen, sich zu ducken und schweigend, mit dumpfem Groll im Herzen ihre schwere Last weiter zu tragen. Eine geistige Indolenz hatte sich der Bergarbeiterschaft be- mächtigt, die um so tiefer lag, weil sie nicht auf den ersten Blick zu erkennen war.. So ist es viele Fahre gegangen. Durch dieses„Gehenlassen wie es will" und der eisernen Konsequenz, mit welcher die Grubenverwaltungen ihre Herrenknute über die Bergsklaven schwangen, wurden die Verhältnisse immer schlechter; jeder Widerstand der Bergarbeiter als Masse hatte aufgehört und grenzenloser Fatalismus stieg an Stelle eines zielbewußten, gemeinsamen, kräftigen Wollens. Immer länger wurde die S ch i ch t z e i t ausgedehnt. Gegen- wärtig ist eine z w ö l f st ü n d i g e Arbeitszeit fast durchgängig eingeführt. Allerdings, auf dem Papier fahren die Zwickauer Bergarbeiter zehnstündig, aber die famose Dezimalbruch- rechnung gestattet den Bevgherren, bei z. B. zwölfstündiger Ar- beitsdauer von einer zehnstündigen Schicht, zuschläglich einer Zweizehntelschicht zu reden. Auf diese Weise ist es auch möglich, auf dem Papier zu beweisen, daß die Bergarbeiter einen hohen Durchschnittslohn per Schicht, d. h. zehnstündiger, verdienen. Die Zwickauer Bergarbeiter fahren zehnstündig, wer es nicht glaubt, der schlage die Tabellen unserer Bergverwaltungen nach.— Jetzt nun ist der Tiefstand in der Lage der Zwickau« Berg- arbeiter erreicht, tieferhinabgehteönichtmehr. Jetzt wird vor Orten, die 33 bis 34, ja bis 36 Grad Wämn« aufweisen, zehnstündig gearbeitet. Nicht auf allen Schächten; aber daß ein derartig schreiender Mißstand schon auf einzelnen Schächten vorkommen kann, ist ein Beweis, wie schlecht die Zu- stände geworden sind und was sich die Bergarbeiter alles bieten lassen müssen. Wo blieb aber angesichts solcher Zustände die Organisation der Bergarbeiter? wird man fragen. Es ist klar, und es gehört schon eine genaue Kenntnis der Verhältnisse am Orte dazu, um zu begreifen, daß sich unter den gewordenen Verhältnissen die Organisation schwer durchsetzen knonte. Mit welcher Ver- achtung z. B. einzelne Bergbeamte, und bezeichnenderweise waren es die unteren Beamtenkategorien, von den„Organisierten" sprachen, läßt sich schlechterdings nicht in Worte kleiden, das muß erlebt werden. Es konnte auch nicht ausbleiben, daß unter solchen Verhältnissen der Glaube an die Macht der Organi- sation bei der Masse der Bergarbeiter nicht aufkommen konnte; zudem standen die verlorenen Streiks und mit ihnen die große Masse der dauernd Abgelegten wie ein schwarzer Schatten vor den Augen auch der noch Kampfesmutigen. Der Glaube an ein ge- einte? Vorgehen, an ein Besserwerden war geschwunden. Damit ist nun keineswegs gesagt, daß die Organisation der Bergarbeiter hier niemals festen Fuß gefaßt hätte; das Gegenteil ist der Fall; aber sie ist auch nicht vorwärts gegangen und eS -mangelte ihr, da ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet sein mußte, Verschlechterungen der Lage der Arbeiter zu verhüten, anstatt, gezwungen durch die Macht der Verhältnisse, angreifend vorzugehen, die äußere Spannkraft. Zudem waren im hiesigen Bezirk niemals mehr als 36 Prozent der Bergarbeiter organisiert. Die Organisation vegetierte, aber sie konnte nicht leben und kämpfen, weil man die einzelnen Kämpfer erbarmungslos auf das Pflaster hieb. Da ist urplötzlich ein neuer HoffnungSstcrn in das düstere, freudlose Dasein unserer Bergarbeiter gestrahlt. NeueS Leben er- wachte in der fossil scheinenden Masse und„Abwanderung I", „Abwanderung!" heißt die neugefundene Zauberformel, die überall da, wo sie hinfällt, alte schlummernde Energien erweckte. „Wir gehen nach dem Ruhrgebiet l" DaS Ruhrrebier. das unseren Arbeitern im Grunde doch auch i-Ichts anderes bieten kann als harte Arbeit und schlechte Entlohnung, ist für sie zu einer Zionsstadt mit goldenen Gassen geworden und hat neues Hoffen und Sehnen erweckt, auch unter den Bergarbeiterfrauen, was das bezeichnendste ist. Daß unsere Bergleute tatsächlich glauben, durch Abwanderung nach dem Nuhrrcvier eine Besserung ihrer Verhältnisse herbei. zuführen, ist ein B e p> e i s, wie t i e f t r a u r i g die Verhältnisie im Zwickauer Revier geworden sind. Denn so rückständig ist lein hiesiger Bergmann mehr, und der letzte große Streik im Ruhr- revier hat es ihm auch gelehrt, daß auch der Ruhrbergmann nicht auf Rosen gebettet ist und im Grunde genommen nicht besser dasteht, wie sein Kamerad im Zwickauer Revier, wenn auch im Ruhrgebiete in bezug auf die Dauer der Schichtzeit geregeltere Verhältnisse herrschen wie hier, dank dem tatkräftigen Walten der Organisation. Diese Abwanderung ist nun tatsächlich eingetreten; erst waren es nur einzelne, aber in den letzten Wochen hat sie sich zu einer Massenbewegung verdichtet. So reiste am Freitag der vergangenen Woche ein Trupp von 2 04 Mann ab, dem diese Woche eine gleiche Anzahl folgen wird und auch weiterhin sind Abmachungen getroffen. Von Verbandswegen ist den Kameraden keinerlei Auf- munterung zur Abwanderung zuteil geworden; im Gegenteil, unsere leistungsfähigsten, besten organisatorischen Kräfte gingen fort, was selbstverständlich keinen Vorwurf für die bisher noch zurückgebliebenen organisierten Kameraden bedeutet. Aber immer- hin war es bedenklich. Nun hat in einer großen, von über 2000 Personen besuchten Versammlung der Bergarbeiter, die agl letzten Sonntag stattfand. Genosse H u e Veranlassung genommen, in großzügiger Weise die Ursachen der Abwanderung nach dem Ruhrgebiet zu be- sprechen. Seine Ausführungen waren durchweg auf den Ton gestimmt. nicht blindlings den Versprechungen der Werber Glauben zu schenken, sondern sich erst nach der Lage der tat- sächlichen Verhältnisse dort zu erkundigen. Ehe die hiesigen Berg- leute infolge ihrer traurigen Lage ihre liebgewordene Heimat ver- lassen, sollen sie lieber zuvor noch einmal einen letzten Kräftigen Versuck wagen. Sie sollen sich der Organisation anschließen, und wenn dieses Wschehev, KLibk/iheMa sißfi VerbpLeows ifycts Lage fordern. Wenn auch dieser letzte Versuch versagt, dann mag geschehen, was da will. Aber, so führte H u e aus, die Zwickauer Bergherren mögen bedenken, daß erst vor wenigen Wochen Herr Stinnes, der größte Zechenbesitzer des Ruhrgebietes gesagt habe, im Ruhrgebiet könnten noch gut 36066 Mann- angelegt werden. Sie haben es jetzt noch in der Hand, zu verhindern, daß ihre besten Arbeitskräfte ab- wandern. Soweit Genosse H u e. Es scheint nun, und verschiedene Anzeichen liegen vor, daß jetzt unsere Bergherren zum Nachgeben, zu einer Verständigung bereit sind. Denn es ist klar, daß, wenn die Arbeiter derartige -Maßregeln ergreifen, sie, die Bergherren, selbst es sind, die in letzter Linie die Zeche zu bezahlen haben. Der ablväkidernde Berg- arbeiter läßt hier nichts weiter wie eine Erinnerung an eine lieb- gewordene Heimat zurück— und die Sklavenkette, die ihm vom Grubenkapital umgelegt war, und die lang und unzerreißbar schien, weiter nichts. Aber der Grubenherr kann seine Maschinen, seine Werkzeuge nur verwerten, wenn sie durch die geschickte lebendige Hand des Arbeiters in Bewegung gesetzt werden. Sie liegen still, wenn der Arbeiter geht. Zwar spricht man bereits von Galiziern, die an Stelle der Abgewanderten treten sollen, aber es steht zu hoffen, daß sich gegen eine derartige Maß- regel auch andere Faktoren als der Bergarbeiter auflehnen werden, so daß es sich die Berghcrren zweimal überlegen. Die allernächste Zeit wird also gegen die hiesigen Berg- arbeiter von entscheidender Bedeutung sein. Beharren die Grubenherren auf ihrem Schein, stoßen sie die dargebotene Hand der Arbeiter zu einer Verständigung über Verbesserung verschiedener Verhältnisse wiederum zurück, dann tritt eine Massenabwanderung ein, die von den schwersten Folgen auch für das gesamte Wirtschaftsleben im Zwickauer Bergrevier ist. Das ist gewiß. Darum haftet auch den jetzigen Vorgängen hier ein so allgemeines Interesse an, das weit über den Rahmen des lokalen Interesses hinaus von Be- deutung ist. Es scheint, als sei für die Bergacheiterschaft im Zwickauer Revier der Satz Thomas Carlyles in seinem Werk „Der Chartismus" zur vollen furchtbaren Wahrheit geworden: „Die große stumme, tiefbegrabene Klasse liegt wie ein Ence- lckdus, der in seinen Schmerzen, wenn er üb« sie klagen will, Erdbeben verursachen muß."— Eine mißglückte Justizaktion. Hamburg, 36. April.(Eig. Ber.) yeute begann vor der Strafkammer IV des Landgerichts Hamburg ein Prozeß, in dem sich sämtliche Tischlergesellen einer Werkstatt, achtzehn an der Zahl, wegen versuchter Erpressung und Vergehens gegen die Gewerbeordnung zu verantworten hatten. Es lpnrdelt sich hier um eine jener gekünstelten Anklagen, wie sie bisher hauptsächlich in Breslau und Sachsen gegen Arbeiter er- hoben worden sind und zum Tett auch zur Verurteilung geführt haben. Außer den Angeklagten, die sämtlich dem Holzarbeiter. verbände angehören, arbeitete in d« Werkstatt von Grimme der Vorsitzende der Zahlstelle Hamburg des„Christlichen Holzarbeiter- Verbandes", Wullen, den feine Kollegen indirekt aufge- fordert haben sollen, ihr«« Verbände beizutreten, weil sonst an ein harmonisches Zusammenarbeiten nicht zu denken sei. Als W. erklärte, er werde weder zu ihnen übertreten noch seine Arbeit aufgeben, fand eine Werkstättenversammlung statt, ,n der der Be- schluß gefaßt wurde, daß dir Arbeit« es ablehnten, mit einem Mt- glied« des christlichen Verbandes zusammen zu arbeiten. Ein aus- drücklicher Beschluß, die Arbeit niederzulegen, falls W. nicht ent- lassen würde, wurde nicht gefaßt. Der erwähnte Beschluß wurde dem Meister mitgeteilt, der sodann W. entließ. Der Fall ist ein gefundenes Fressen gewesen für die Scharfmacherblätter, die ihn weidlich gegen die sozialdemokratischen„Terroristen" ausschlachteten. Nach Annahme der Anklagebehörde sollen die Angeschuldigten in d« Absicht gehandelt haben, dem Holzarbeiterverbande einen rechtswidrigen BermägenSvorteil zu verschaffen, indem sie W. auf- forderten, diesem Verbände beizutreten, mithin einen Erpressungs- veesirch begangen haben. Fern« sollen die Angeklagten durch den genannten Beschluß auch gegen die Gewerbeordnung—§ 153 — verstoßen haben, weil sie durch Drohungen und Verrufs- erkläruna auf W. einzuwirken suchten, an Verabredungen zum Bchufe der Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen teilzunehmen. Nachdem Wullen entlassen war, veröffentlichte der„Wirt- schaftliche Schutzverband" den Fall mit der vielsagenden Heber- schrift:„Die rote Diktatur". Mit großem Behagen wurde die„Leidensgeschichte" des W. als eine Variation des bekannten Themas von der Vergewaltigung aller Arbeiter behandelt, die nicht zur Sozialdemolratie und„ihren" Gewerkschaften gehören. Dann erteilte der edle Schutzverband der bürgerlichen Gesetzgebung und d« Rechtsprechung ein«: Hieb, worauf er den Ausgang feiner Denunziation bei der Staatsanwaltschaft mitteilte: „Auf Ihre Anzeige teile ich Ihnen mit, daß ich nicht in der Lage bin, gegen die von Ihnen bezeichneten Personen vorzu- gehen. In dem Verhalten der Beschuldigten liegt weder eine Erpressung noch eine Nötigung, da dieselben keinen rechtswidrigen Vermögensvorteil erstreben, und da fernerhin in der von ihnen angedrohten Handlungsweise kein Verbrechen oder Vergehen zu sehen ist. Auch auf Grund von§ 153 der Gewerbeordnung kann gegen die Beschuldigten nicht eingeschritten werden, da man nicht versucht hat, Sie durch die Arbeitsverweigerung zur Teil- nähme an Verabredungen und Vereinigungen zur Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen zu zwingen. Ich gebe Ihnen anheim, im Wege des ZivitprozesseS die Beschuldigten auf Schadenersatz in Anspruch zu nehmen. Der Staatsanwalt." Der gut informierte„Schutzverband" berichtete ferner, daß Wullen sich an die Oberstaatsanwaltschaft wenden werde. Damit ist also der Schlüssel gegeben, wie die Anklage zustande kam. Die von Dr. Herz- Altona verteidigten Angeklagten erklären. Wullen sei früher selbst Mitglied ihres Verbandes gewesen, sei dann übergetreten und habe ihre Interessen geschädigt, indem er süddeutsche Streikbrecher für eine gesperrte Fabrik in Oldesloe be- schaffte und eine« Kollegen um ein Akkordgeld in Höhe von 15 Mk. brachte. Mit einem so unmoralisch handelnden Kollegen hätten sie nicht zusammenarbeiten wollen. Es habe sich um eine kol- legialische Besprechung gehandelt, wobei extra gesagt wurde, eS solle auf Wullen kein Druck ausgeübt werden, lieber wollten sie gehen, wie eS ihnen ja auch freistehe, dort zu arbeiten, wo es ihnen beliebe. Einige Angeklagten erklären positiv, sie hätten so wie so die Werk- statt verlassen, auch wenn keine Werkstattbesprechung stattgefunden hätte. Alle Angeklagten erklären, eS sei ihnen gar nicht in den Sinn gekommen, einen Mann wie Wullen, dem Holzarbeiter- verband zuzuführen. D« eine Angeklagte, der in der Zusammen- kunft gesprochen haben soll, sagt aus, er habe extra betont, jeder Kollege solle nach freiem Ermessen handeln. Wenn der den Be- schluß übermittelnde Delegierte anders ausgesagt hätte, so könnten die anderen nicht dafür verantwortlich gemacht werden. ES komme ja vor. daß auch minder intelligente Kollegen zu dem Amte deS Delegierten gewählt würden. Die Delegierten seien dazu da, den Arbeitgebern die Aeschwerden zu übermitteln, damit sie nicht von Hans und Kunz mit untergeordneten Dingen überlaufen würden. M habe auch im vorigen Jahre eine Werkstatt, wo die Kollegen wegen ihrer Beteiligung an der Maifeier ausgesperrt waren, mit Krjstjstbtt» StrHabiti» JjritW, L-je AogAsMl tsgeo WÄ<0&i sie hätten nach Mitteilung an den Arbeitgeber ihre eigene Ent« laffung erwartet. Der Zeuge Wullen verneint zunächst, dem Holzarbeiter» verband angehört zu haben, gibt dies aber auf Vorhalt des Vorsitzenden zu; er habe aber nur vorübergehend, etwa sieben Wochen, diesem Verbände angehört, um seine Arbeit nicht zu verlieren; seinem christlichen Verbände habe er auch während dieser Zeit ange» hört. Vorsitzender: Das eine schließt doch das andere aus; entweder gehören Sie dem christlichen oder dem sogenannten sozial- demokratischen Verbände an.— Z e u g e: Ich konnte nicht anders. Er will seine Handlungsweise in Oldesloe damit rechtfertigen, daß dort die roten Verbändler die christlichen hinauszudrängen versucht hätten. Seit dieser Zeit hätte er unter dem„Terrorismus" der sozialistischen Verbändler zu leiden gehabt. In der Werkstatt von Grimme sei ihm die Frage vorgelegt, wie er sich das Zusammen» arbeiten mit den anderen Kollegen dächte. Er habe erklärt, er bliebe bei seiner Organisation. Darauf sei der Beschluß gefaßt worden, bei seinem Arbeitgeber vorstellig zu werden. Sonst habe man ihn aber in Ruhe gelassen. Die Verhandlung wurde sodann vertagt. Hamburg, 1. Mai.(Eig. Bet.)j Die Fortsetzung der Verhandlung nahm noch den ganze« heutigen Tag in Anspruch. Zwischen dem Gericht, den Ange» klagten und dem Verteidiger kam es zu interessanten sozialpoliti- scheu Auseinandersetzungen über die Bedeutung des 1. Mai. Der Zeuge Wullen gibt auf Befragen des Verteidigers zu, Prodi- zierende Artikel in seinem Organ gegen die„roten Holzgenossen" geschrieben und dann, als zurückgeschossen wurde, gegen die„Holz- arbeiterzeitung" eine Privatklage angestrengt zu haben. Der Meister Grimme erklärt, er habe die Sache so aufgefaßt» als wenn erst die für das Gesamtgewerbe bestehende Schlichtungs» kommission angerufen werden sollte; auch habe er zunächst ge- schwankt, ob er die achtzechi Mann oder den Wullen entlassen sollte. Der eine Angeklagte erklärt noch, er würde überhaupt nicht mit eineui so unmoralisch handelnden Menschen zusammenarbeite«. wie Wullen. Der Staatsanwalt meint, die Angeklagten hätten sich nach beiden Richtungen hin vergangen, indem sie ihrem Verbände durch die Zuführung des Zeugen Wullen einen. widerreckitlichen Ber- mögensvorteil verschaffen und ihn wirtschaftlich stärken wollten. Wenn auch kein positiver Beschlutz auf Entlassung des W. gefaßt wurde, so sei dies aus taktischen Gründen nicht geschehen. Außer- dem involviere die Handlung ein Vergehen gegen 8 153 der Ge- w«beovdnung. Da es sich um sonst ordentliche Leute handelte, so beantrage er nur gegen jeden vierzehn Tage Gefängnis. In einstündiger Rede zerzauste der Verteidiger Dr. Herz- Altona diese Ausführungen. Die Anklage sei für Hamburg neu und weise neue Bahnen. In Konsequenz dieser Anklage müßten alle Arbeiter unter Anklage gestellt werden, die ihren Arbeitgebern aus irgend einer Differenz die Arbeitsniederlegung in Aussicht stellten. Der Staatsanwalt sei sich wohl nicht ganz klar gewesen über die wirtschaftliche Tragweite seiner Anklage. Wenn das Ge- richt sich dieser Anficht anschließen sollte, dann würden die Wirt- schaftlichen Kämpfe ganz aridere Formen annehmen, indem ja ein Verhandeln mrt den Unternehmern unmöglich sein würde. Der Verteidiger geht sodann auf die Erpressungs- und Reichsgerichts- judikatur ein. die selbst der Staatssekretär Nieberding als bedenk. lich bezeichnet habe. Er gäbe zu bedenken, daß dann auch alle Arbeitgeber unter Anklage� gestellt werden müßten, wenn sie unter Androhung der Entlassung Lohnrektionen usw. in Aussicht stellten. Man könne es nun und nimmer den Angeklagten auferlegen, mit einem nach ihrer Ansicht unmorlisch handelnden Kollegen zu- sammenarbeiten zu sollen. Er behandelt sodann die Qualität des Zeugen Wullen, der seinen Kollegen in den Rücken falle und sie noch obendrein in seinem Organ verhöhne. Aus den genannten Gründen müsse die Freisprechung der Angeklagten erfolgen. Nach dreistündiger Beratung verkündet das Gericht das auf Freisprechung sämtlicher Angeklagten lautende Urteil. Es sei wohl nicht zweifelhast, daß die Konsequenz des Handelns der Ange- klagten auf die Entlassung des ihnen unliebsamen politischen(?) Gegners hinauslaufe. Ob in dieser Hinsicht ien Beschluß vorliege oder nicht, komme nicht in Betracht. Die Angeklagten hätten da- mit rechnen müssen, daß Wullen eher entlassen würde als sie. Tat- sächlich sei in dem einen Falle Wullen seinen Kollegen in de» Rücken gefallen, indem er für eine gesperrte Werkstatt süddeutsche Tischler herbeischaffte, was in den Kreisen der Angeklagten als un- moralisch gelte. Sie wollten daher mit einem solchen Mann nicht zusammenarbeiten. Dem einen Angeklagten könne seine Behaup- tung, er würde mit W. überhaupt nicht zusammenarbeiten, nicht widerlegt werden. Damit falle die Anklage wegen Vergehens gegen die Gewerbeordnung und damit auch d« Erpressungsversuch. Auch wenn ein Vergehen gegen die Gewerbeordnung vorläge, würde das Gericht sich hinsichtlich des Erpressungsversuchs nicht der Ansicht des Staatsanwalts anzuschließen vermögen, denn durch Idas Hin- überziehen eines Arbeiters in einen Verband und die dadurch er- zielten Beiträge seien die Tatbestandsmerkmale der versuchten Er- Pressung, woran die Angeklagten sicher nicht gedacht hatten, nicht erfüllt._ Parteikonferenz in Oberschlesien. Eine oberschlesische Parteikonferenz tagte am letzten Sonntag in Kattowitz. Sämtliche sechs zum oberschlesischen Agitations- bezirk gehörende Wahlkreise(Beuthen-Tarnowitz, 5t'attowitz-Zabrze Gleiwitz-Lnblinitz, Pletz-Rybnik, Groß-Strehlitz-Kosel und Ratibor) hatten Delegierte entsandt, im ganzen 21; außerdem nahmen als Gäste an der Konferenz teil der Vorsitzende der Agitations- kommission für Schlesien. Schütz- Breslau, Redakteur R a d l o f von der Breslauer„Volkswacht" und als Vertreter der Polnisch. Sozialistischen Partei(P. P. S.) Parteisekretär Trabalski und Geschäftsführer BiniSzkiewicz. Den Bericht über den„Stand der Bewegung im Bezirk" er- stattete Parteisekretär Bruhns. Die Partei hat sich trotz aller entgegenstehenden Schwierigkeiten im Bezirk erfreulich entwickelt. Als der damals neu antretende Bezirksparteisekretär Bruhns im November 1663 dre erste Parteikonferenz des Bezirks einberief, die mangels eines Lokales im Bezirk in der galizischen Grenzstadt Oswiecim tagen mußte, war von einer Organisation der Partei im Bezirk Oberschlesien überhaupt nicht zu reden, während die Zahl der Abonnenten etwa 136 betrug. Gegenwärtig bestehen für die Wahlkreise Kattowitz-Zabrze, Beuthen-Tarnowitz und Gleiwitz- Lublinitz KreiSorganisationen mit zusammen etwa 566 Mitgliedern. während in den anderen drei Kreisen des Bezirks etwas über 166 Genoffen auf Parteikarte ihren Beitrag zahlen. Die Zahl der Abonnenten auf die„Volkswacht" beträgt im Bezirk gegenwärtig 1466. Gewerkschaftlich organisiert sind rund 6606 Arbeiter im Bezirk Oberschlesien. In fünf der größten Orte des eigentlichen Jndustriebezirks sind auf Kosten der Generalkommission der Ge- werkschaften bezw. des Parteivorstandes Versammlungsräume ge. mietet, die, wenn auch nicht groß, doch den Organisationen in den betreffenden Orten ermöglichen, sich zu versammeln und ihre An- gelegenheiten zu erledigen. Auf Anregung des Parteisekretärs Bruhns ist durch die Opferwilligkeit einer Anzahl Genoffen im übrigen Deutschland die Bildung einer Bibliothek eruröglicht worden, die in Kattowitz verwaltet wird, deren Inhalt aber besser als bisher den anderen Orten und Kreisen zugänglich gemacht werden soll. Der Entivickelung der Parteiverhältnisse entsprechen leider nicht die Ergebnisse der Reichstagswahlen. Die Zahl der sozial- demokratischen Stimmen im Bezirk hat sich von 23397 im Jahre LW«Utj tölLö u» Zahv MZ bsfms&rt Kjö suMige Er- schMMY, Bei KSrhälwiZmäßig gukSi EnMickeluNg deS eigWk. lichen jternS der Parteibewegung, der Zahl der Organisierten wie der Leser der Parteiprcsse. die Zahl der Wählerstimmen sich um ein Drittel vermindert, ist lediglich dem Aufkommen und der über« raschend starken EntWickelung der in radikalen Phrasen arbeitenden nationalen Bewegung zuzuschreiben, die uns nicht nur den Zuzug neuer Unzufriedener abgeschnitten, sondern uns eine große An- zachl noch nicht genügend aufgeklärter, bisher sozialdemokratisch stimmender Arbeiterwähler genommen hat. DaS gilt natürlich ausschließlich von den polnischen Arbeitern, auf deren Gewinnung für die Sozialdemokratie die deutschen Parteigenossen Ober« schlcsiens wenig direkten Einfluß haben. Auch die Organisation der polnischen Parteigenossen hat sich in den letzten Jahren ent- wickelt: die Zahl der politisch Organisierten beträgt hier, wie der polnische Parteisekretär, Genosse Trabalski, auf der Konferenz mit« teilte, gegenwärtig im Bezirk rund 450 und auch das Parte iblatt �Gazcta Robotnicza" hat nach seiner Erweiterung in den letzten tWonaten um 500 Abonnenten zugenommen. Die Agitation zu den ReichLtagswahlen ist eine ganz außer- gewöhnlich schwierige und ebenso kostspielige, besonders die Flug- blattverbreitung, die hier meist nicht wie anderSwo durch Per- teilung von HauS zu Haus an arbeitfreien Tagen, sondern während der Arbeitszeit beim Schichtwechsel nachmittags oder früh morgens an den Gruben und Hütten selbst vorgenommen werden muß. Zur Reichstagswahl wurden in den sechs Kreisen deS Bezirkes 783,20 M. zusammengebracht, davon im Wahlkreise Kattowitz-Zabrze 434,50 Mark, während aus der Parteikasse noch ein Zuschuß von 8000 M. zu den Wahlkosten erforderlich war. Die Ausgaben waren wie folgt zu rubrizieren: Für schriftliche Agitation(Drucksachen) 8597,10 M., mündliche Agitation 242,20 M., sonstige Ausgaben (Jlugblattverbreitung, Wahltag. Porti usw.) 4938,54 M. Der Bericht des Parteisekretärs erörterte dann die vollzogene Einigung mit den polnischen Genossen, die eine Reihe bedeutsamer Maß- nahmen zur Wciterentwickelung der Bewegung herbeiführte, die Vergrößerung des polnischen Parteiblattes„Gazeta Robotnicza" und ihrer Druckerei, die Einrichtung einer Anzahl Kolportage- bezirke usw. Alle diese Maßnahmen bestehen erst seit Beginn des neuen JahreL, können also in ihrer Wirkung auf die Entwickelung der oberschlcsischen Parteibcwegung heute noch nicht beurteilt werden. Genosse AruhnS schloß mit dem Ausdruck der Ueber- zeugung, daß es trotz allen schier unüberwindlich erscheinenden Schwierigkeiten auch im schwarzen Oberschlesien vorwärts gehe, daß ein Anlaß zur Mutlosigkeit in dem diesmal unerfreulichen Wahlresultat nicht zu sehen sei, wir vielmehr mit guter Zuversicht an der Gewinnung auch dieses hochwichtigen Gebietes arbeiten dürfen und sollen. In fünfstündiger Verhandlung wurden dann die Fragen der Agitation. Organisation und Parteivresse erledigt. Im Mittel- Punkt der Debatte stand der Antrag der Kattowitzer Genossen, den Pgrteivorstand um die Mittel zur Gründung eines eigenen deutschen Parteiblattes zu ersuchen. Daß die„Volkswacht" mit ihrem großen Verbreitungsbezirk und dementsprechend sehr umfangreichen provinziellen Teil den Anforderungen nicht nachkommen könne, welcke in bezug auf die ausführliche Behandlung spezifisch ober- schlesischer Angelegenheiten von den Genossen gestellt werden müßten, wurde von allen Rednern betont. ES bleibe daher ein sehr großer Teil des hier besonders reichlichen Agitationsstoffes un- ausgenutzt, andererseits erschwere daS Fehlen des lokalen ober- schlcsischcn Stoffes die Anwerbung neuer Abonnenten bedeutend. Allseitig wurde die Herausgabe eines besonderen deutschen Partei. blatteS. das auch von vielen polnischen Arbeitern, die nicht polnisch lesen gelernt hätten, abonniert werden würde, als die beste Lösung der Frage anerkannt. Dagegen wurden aber auch die gegenwärtig noch ganz unzureichenden Aussichten, daS Blatt selbst erijalten zu können, wie die Unmöglichkeit, jetzt noch mehr wie schon geschehen, an Leistungen auS der Parteikaffe zu verlangen, betont. Mit großer Mehrheit wurde dann ein Antrag BruhnS angenommen, lautend: „Die Konferenz geht über den Antrag Kattowitz, den Parteivorstand um Gründung eine» deutschen ParteiblattcS zu ersuchen, zur Tagesordnung über in der Erwägung, daß ein solches Blatt wohl sehr nötig, eine Existenzmöglichkeit vorläufig aber nicht anzunehmen ,st. Die Konferenz fordert deshalb alle Parteigenossen deS Bc- zirkeS dringend auf, die Existenzmöglichkeit eines eigenen deutschen ParteiblattcS dadurch zu schaffen, daß sie zunächst die Zahl der oberschlesischen Abonnenten des jetzigen Parteiblattes„Volkswacht" bedeutend erhöhen." Zum Punkt„Agitation" wurde die alljährliche Herausgabe eines Agitationskalenders in deutscher und polnischer Sprache, zur Massenverbreitung geeignet, beschlossen, und zwar im Ein- Verständnis mit dem Vorstände der P. P. S. Angeregt wurde auch die Herausgabe von populären Agitationsschriften, die alljährlich mehrere Male im Bezirk verbreitet werden sollen, doch wurde die Festlegung auf einen bestimmten Beschluß abgelehnt. Zur münd- lichen Agitation fand folgender Antrag Annahme:„Die Konferenz hält eine Belebung und Erweiterung der mündlichen Agitation in Volksversammlungen für nötig und regt zu diesem Zweck bei den Parteiinstanzen an, bei politischen Vorträgen auch Lichtbilder zu verwenden. Die Kosten dieser Vervollkommnung der mündlichen Agitation werden bei Beschaffung einer größeren Anzahl Pro- jcktionSapparate und ganzer Serien von Bildern— welch letztere von den verschiedenen AgitationSbczirken, gegenseitig ausgetauscht werden könnten � sich bedeutend verbilligen lassen." Unter den Beschlüssen zur Organisation ist zu erwähnen der, welcher die Bildung einer besonderen AgitationSkommkssion für den Bezirk vorsieht und aus dem Bezirkssekretär als Vorsitzenden und je zwei von den organisierten Genossen der drei Wahlkreise deS Jndustriebezirkes gewählten Mitgliedern bestehen soll. Diese Agitationskommission soll sich bei ihren Arbeiten möglichst in Ver bindung halten mit der Organisation der P. P. S. Das Ver trauensmännersystem wird vorläufig für die Kreise Pleß-Rhbnik, Groß-Strchlitz-Kosel und Ratibor beibehalten. Ob Genossen in den Kreisen, welche eine feste Organisation haben, nicht in der Laye sind, diesen beizutreten, soll von den Vorständen der Oraani- satwncn entschieden werden. Die BezirlSkonferenz soll alljährlich stattfinden. Beschlossen wurde unter anderem noch, Sammellisten im Bezirk für die Errichtung eine» Denksteins auf dem Grabe des Genossen Dr. Winter herauszugeben. Nach siebenstündiger Tagung schloß die vortrefflich verlaufene Konferenz mit einem kräftigen Hoch auf die Sozialdemokratie. Recht hllbev«vd Recht bekommen ist in PrevsttN' Deutschland Deierlei. Die Wahrheit dieser in der Ueberschrist angeführten un- geschriebenen Rechtsnorm haben täglich Arbeiter und Sozialdemo- rraten in Dingen zu erfahren, die mit dem Sweben auf Ver- besserung der Lebenslage deS Arbeiters zusammenhängen. Das ist eine naturgemäße Folge der Tatsache, daß die herrschende Klasse die Justiz, insbesondere die Strafjustiz, zum politischen Kampfmittel gegen die vorwärts ringende und trotz aller Wunden, die der ein« zelnc erhält, vorwärts schreitende Arbeiterklasse herabgewürdigt hat. Der Richter, dessen Wirkungskreis durch Gesetz und Verwaltung zur Wahrnehmung der Interessen der herrschenden Klasse gedrängt wird, wird— mit seltenen Ausnahmen— die Tinge, über deren Zusammenhang er zu entscheiden hat. ander« be- urteilen, als dem Rechtsempfinden des Volke» entspricht. Wem die Richtigkeit dieser Folge unserer Einrichtungen auf gewerk- schaftlichem und politischem Gebiet noch entgangen war. dem haben die Reden von Abgeordneten, die in ihrem Nebenberuf Richter sind, wie Hagemann. Lattmann, Varenhorst, Wagner zur richtigen Erkenntnis längst berholfen. Die Richtigkeit de» in der Ueberschrist wiedergegebenen Satzes beschränkt sich aber keineswegs auf Prozesse mit gc.eerkschaftlichem oder politischem Hintergrund. Sie tritt auch da insbesondere in Erscheinung, wo es sich um die Wahr- nehmung von Rechten(jegen Beamte handelt. Da» mußte gestern der Tischler Breiter auS Sagau vor dem Kammer« gericht erfahren. j Der Mann hat das Unglück, daß seine Ehestau zu 3 Jahren Zuchthaus wegen vermeintlichen Meineides verurteilt ist. Er, der seine Frau genau kennt, ist felsenfest davon überzeugt, daß die Strafe eine Unschuldige und geistig nicht Normale gewoffen hat. Er betrieb desbalb mir aller Energie die Wiederaufnahme des Ver- fahrenS. Bislang vergeblich. Gestern hat nun das Kammergericht eine vom Landgericht gefällte Swafe bestätigt, die gegen den Tischler Breiter wegen Betätigungen im Kamps um das Recht setner Ehefrau ausgesprochen ist. Breiter hatte schriftlich den Arzt der Saganer Swafcmstalt, Herrn SanitätSrat Hasienstein, gebeten, ihn in seinem Kampfe umS Recht zu unterstützen. Er erbat ein Gutachten über den Geistes zustand der Frau. Dabei machte er auch einige bittere Bemerkungen über die Behandlung der Frau im Zuchthause, von denen sich mehrere Sätze auf den Anstaltsdirektor v. Sydow direkt bezogen. Die Folge war ein Strafverfahren wegen Be- leidigung. Die Swafkammer unter Vorsitz des Direktors Oppermann verurteilte ihn wegen Beleidigung des Herrn v. Sydow zu 75 M. Geldstrafe. Sie erblickte in den staglichen Sätzen eine ehrverletzende Kritik der Verstandes- kräfte und des Charakters des ZuchthauSleiters. Das Landgericht führte in der Urteilsbegründung auS: Der Schutz des§193 des SwafgesetzbuchS(Wahrung berechtigter Interessen) fei dem Angeklagten zu versagen. Der Zweck des Schreibens an den Anstaltsarzt sei allerdings die Er- langung eines Attestes über den GefundhettSzustand seiner Frau zur Verwertung für das Wiederaufnahmeverfahren. Aeußernngen, die diesem Zwecke dienten, würden ja unter ß 193 fallen. Das wäre aber von den inkriminierten Worten nicht anzunehmen. Allerdings sage Angeklagter im Zusammenhang damit, daß er sich ja an den Direktor v. Sydow hätte wenden können, es aber nicht tue. Es hätte nahe gelegen, daß Angeklagter, wenn er dabei an vermeintliche Mißhandlungen seiner Frau durch den Direktor dachte, zur Erklärung Tatsachen genannt hätte. Statt dessen habe er sich in allgemeinen ehrverletzenden Wendungen über den Geisteszustand des Direktors und über seinen Charatter ausgelassen. Es ergebe sich daraus, daß er an dieser Stelle nur an dem Direktor sein Mütchen habe kühlen wollen, daß er ihm eins versetzen wollte.— Nun habe Angeklagter den Wahrheitsbeweis dafür an- tteten wollen, daß der Direktor seine Frau miß- handelt habe. Das habe ihm als unzulässig verweigert werden müfien, weil die Voraussetzung für den Wahrheitsbeiveis die Angabe konkreter Tatsachen sei, die inkriminierten Sätze solche Tatsachen aber nicht enthielten, denn der gebrauchte Ausdruck: „meiner Frau zugefügte Gemeinheit", fei völlig unbestimmt, könne mancherlei bedeuten. Angeklagter legte Revision ein. In der Verhandlung vor dem zweiten Strafsenat des Kammergerichts am Freitag vertrat er feine Sache selbst. Er verwies zunächst auf die an den Senat gerichtete Beschwerde darüber, daß nian beim Landgericht feinen, gegen Direktor Oppermann und einen anderen Richter gerichteten Ablehnungsantrage zu Unrecht nicht statt- gegeben habe. Ferner fühlt« er sich in seinen Rechten verletzt da- durch, daß ihm der Wahrheitsbeweis abgeschnitten sei. Er wäre imstande, zu beweisen, daß seine. Frau vom Strafanstaltsdirektor von Sydow geschlagen worden sei. Dieser hätte sie mit der Faust auf den Kopi ge- schlagen, am Halse gewürgt usw. Und da« habe er getan, obwohl er gewußt hätte, daß vom Medizinalrat Dr. Hassenstein die Unterbringung der Frau in eine Landesirrenaustalt beantragt worden wäre. Als Ehemann hätte sich An- geklagter seiner Frau umsoinehr annehmen müssen, als eS sich um eine Person mit geistigem Defekt handele. Seine Aeußernngen in dem Briese seien deshalb durchaus nicht zu scharf. Der$ 193 deS Strafgesetzbuchs hätte ihm zugebilligt werden müssen. Er habe dem AiistaltSarzt mit jenen AuSjithrungen nur klarmachen wollen, weshalb er sich nicht an den Direktor wende. Da» Kammergericht unter dem SenatSpräsi- deuten Kaffla verwarf die Revision mit folgender Begründung: Wenn sich Angeklagter darüber beschwere, daß seiner Ablehnung deS Vorsitzenden der Strafkammer und eines ihrer Mitglieder nicht stattgegeben sei, so könne das »ach dem Gesetz nicht berücksichtigt werden, weil es nicht in der vom Anwalt unterzeichneten Revision angeführt sei, sondern nur vom Angeklagten in einem privaten Schrislsatz.—- Verletzung des§ 193 rüge allerdings auch der Anwalt. Dieser An- griff sei mdessen verfehlt. Denn das Revisionsgericht fei an die tat- lächlichen Feststellungen des Vorderrichierö gebunden, und die gingen ausdrücklich dahin, daß der Angellagte die Absicht gehabt habe. mit den fraglichen Sätzen nicht berechtigte Interessen wahrzimchmen, sondern v. Sydvlv eins auszuwischen. I» der Anwendung de» Ge- setze« auf die tatsächlichen Feststelluitgen seien Rechtsirrtümer nicht erkennbar. Mögen die Gerichte formell im Recht sein. Mag die Formel zutreffen, die inkriminierten Ausdrücke feien nicht in der Absicht der Wahrnehmung berechtigter Interessen gefallen. Dem durch Paragraphenauslegung unbeirrten Rechtsempfinden will es nicht in den Sinn, daß ein Ehemann bestraft werden kann, weil er die Interessen seiner Ehefrau wahrnehmen wollte und hierbei Schimpf ausdrücke anwendete. Roch weniger entspricht cS dem RechtS> empfinden, daß der Beweis der Wahrheit dafür abgelehnt wurde, daß der angeblich beleidigte Direktor eine seiner Obhut anvertraut« anaeblicss ZurechnungSunfähige geichlagen habe. Der schmale Weg der Revision verwehrte dem Kammer- gericht diese prozeisuale Rüge zu prüfen. Das Landgericht durfte aber nicht den WahrheitSdeiveis für diese Tatsache für unzu« lässig erachten, wenn es eine Bestrafung wegen Aeußernngen, die sich gegen des Direktors Charakter richteten, feiner Beurteilung unter- zog. Hat Breiter mit seiner Behauptung recht, so wäre dieser Umstand zum mindesten für das Strafmaß von Erheblichkeit ge- wesen._________ Ein Handelskammer-Urteil. Daß in manchen Handelskammern mehr scharfmacherischer Geist vorhanden ist, als soziales und lvirtschaftliches Ver- ständnis, ist genugsam bekannt; den Gipfel der Ignoranz und, gelinde gesagt, mangelnder Objektivität schemt nun aber doch die Handelskammer in Düsseldorf erstiegen zu haben. Wie uns von dort geschrieben wird, hat die Kammer auf eine Um- frage der Berliner Kammer betreffend Einführung der wöchentlichen Lohnzahlung entschieden ablehnend geantwortet. Unter, anderem läßt die Düsseldorferin sich also aus: »An Lohntagen wird von den Arbeitern bekanntlich sehr viel Geld für Getränke ausgegeben, da die Leute nach erhaltener Löhnung in der übertviegenden Mehrzahl die Wirtshäuser auffuchen oder mit ihren Frauen Einkäufe besorgen und bei dieser Gelegenheit auch trinken. Vielfach bleiben dann die Arbeiter auch am anderen Tag von der Arbeit fem resp. die Leistungen der Arbeitenden sinken wesentlich. Besonders im Sommer und in Zeiten der Hochkonjunktur beträgt die Zahl der fehlenden Leute am Tage nach der Löhnung bis zu 10 Proz., die Minderleistung oft noch wesentlich mehr. Statt zwei- mal im Monat wie bisher— würden wir diese Störungen dann viermal im Monat haben, zum Schaden der Arbeiter wie der Werke.... Allgemein wird noch zur Begründung des AnttageS de» Gewerbegerichts bemerkt, daß das Haushalten mit wechselnden kleincreu und größere» Beträgen zum guten Teile auch eine Frage der Erziehung der Arbeiterfrauen sei, und wenn zugegeben werden müsse, baß hier leider vieles im argen liege, so sei mit der Lerälldermlg der Lohnzahlungssrist«, eben das Uebel wicht an der Wurzel gefaßt. sondern man greife statt Bei der Ursache bei einer Folge ein. Man solle bebe...:». daß ein großer Teil der HandlungSangestrllten keine höheren Gehaltsbezüge haben wie der Arbeiter, dennoch werde von dieser Klasse der Privatbeamten erwartet, daß sie sich mit Monatzahlungen einrichten und der Erfolg zeige, daß eS ganz gut gehe. Abermals aus dem Grunde, weil die Hausfrauen einsichtig wirtschaften. Aus allen angeführten Gründen wünscht die Eisenindustrie an ihrem seit lange eingeführten Lohnshstem festzuhalzen, zumal die Arbeiter- schast damit auch bisher stets zuftieden gewesen ist." Wer die Verhältnisse kennt, weiß, daß der Verfasser dieser Epistel seiner Phantasie sehr weiten Spielraum gestattet hat. Daß die Mehrzahl der Männer mit ihren Frauen an Lohn- tagen die Wirtshäuser besucht und gar sich besäuft, ist eine ganz leichtferttge Verallgemeinerung einzelner be- dauerlicher Erscheinungen. Zudem sind auch die Schluß- folgerungen falsch. Dort, wo die wöchentliche Lohnzahlung eingeführt worden ist, hat sie sich durchaus bewährt und wird gegenüber den längeren Lohnzahlungsfristen als Wohltat empfunden. In Wirklichkeit wollen die rheinischen Industrie- gewalttgen nichts von kurzen Lohnperioden wissen, weil durch die langen Fristen, vielleicht noch verbunden mit vorgeschriebener Kündigungsterminen, die mit den Lohntagen nicht zusammen fallen, die Bewegungsfreiheit der Arbeiter sehr stark ein geschräntt wird.______ Hiis Induftrie und ftandel Das Risiko der Kapitalisten. Zur Verteidigung der hohen Verzinsung des in der In dustrie invertterten Kapitals verweist man gern auf daS er hebliche Risiko, das angeblich die Geldgeber eingehen. Tat sächlich ist daS Risiko aber nur sehr minimal. Mit den Kurs spekulattonen an der Börse hat die eigentliche KapitalSanlage nichts zu tun. DaS darf man nicht vergessen. Wie gering die Verlustquote ist. ergibt sich aus dem Gesamtergebnis der Attiengesellschaften. So weit Preußen in Bettacht kommt, liegen darüber für 1902 folgende amtliche Zahlen vor: Von 2584 Gesellschaften mit 7582 Mill. Mark Aktienkapital der- zeichnen nur 385 Gesellschaften mit 476 Mill. Mark Wien- kapttal einen Verlust von insgesamt 93 Mill. Mark. Die Durchschnittsverzinsung der mit Reingewinn abschließenden Gesellschaften stellt sich auf 11.6 Prozent. In nachfolgendem geben wir nun einige Zusammenstellungen, auS denen sich ergibt, daß die Kopitalisien wegen des Ristkos jedenfalls wohl ruhig schlafen werden können. Farbwerke von Meister, Das Aktienkapital betrug bis seit 1904: 25'/, Willionen Mark. erbrachten folgende Resultate: Netto Neingewinn 1901 IVOS 1903 1904 1905 1906 M. 4 406 922 4870 004 5 095 791 6 763 172 8 698 548 10 786 440 49 270«17 LueiuS u. Brüning. 1904: 17 Millionen Mark. Die lchten sechs Jahre Abschreibungen Dividende M 1 983 254 2 297 546 2 521 339 2108 000 2 202 990 L 363 185 IS 47b 314 in Proz. 20 20 20 SO 24 3» Legt man als werbendes Aktienkapital den Durchschnitt >n 21.25 Mill. M. zugrunde, dann ist im Laufe von 6 Jahren das Aktienkapital beinahe zweimal als Reingewinn heraus- gebracht worden; außerdem entfallen auf Abschreibungen zwei Drittel deS Aktienkapitals. Chemische Fabriken vorm. Weiler to Meer. Die Gesellschaft arbeitet mit 4 Millionen Mark Aktien- kapital und 2,83 Millionen Obligattonen. Da die Zinsen vor- weg abgesetzt sind und für den Reingewinn nicht in Bettacht kommen, berücksichtigen wir nur daS Aktienkapital. Das eigentlich noch in der Periode des Ausbaues befindliche Werk. das einen Teil der Betriebseinnahmen zu Reuanlagcn ver- wendet, erzielte trotzdem ganz ansehnliche vertcilbare Ueber- schösse. Es beträgt: der Netto. die Summe die Reingewinn Dividende M. schr-'bungen w Prozenten 1901.... 423 091 315 171 S 1902.... 017328 400240 10 1903.... 482 203 448 578 10 1904.... 384 411 401 540» 1905.... 420157 422051 8 1900.... ü»>8 3!)7 45 t 304 10 2 895 097 2 441 890 Hier sind also dreiviertel des AttienkapitalS an Rein- gewinn erzielt und tynter noch über 60 Proz. des Aktien- kapitals zu Abschreibungen verwendet worden. Dabei ist de: innere Wert des Unternehmens bedeutend gesttegen. Badische Anilin- und Sodafabrtk. Bei diesem Unternehmen macht sich das Risiko ebenfalls sehr gut bezahlt. Das Aktienkapital, das sich auf 21 Millionen Mark beläuft, ist in wenigen Jahren in Gestalt von Dividenden zweimal wieder an die Akttonäre zurückgeflossen und immer höher gehen die Dividcndenwogen. Unter Nichtberücksichtigung der Obligattonen und Zinsenzahlung ergeben sich folgende Profitziffern: Netto-Remgewmn Abschreibungen Dividende M. M. Proz. 1901...• 6 646 086 4 029 878 24 1902.... 7661887 4 497387 26 1903.... 7 907 428 4 062 794 28 1904.... 7415728 4 607339 2t 1905.... 8517 164 4 423 825 27 1006.■■■ 9151 988 4 463 435 30 47 300 281 26 674 658 Der Reingewinn der letzten sechs Jahre macht da» S'/«fache des Aktienkapitals aus und die Abschreibungen ergeben 127 Prozent deS AktteukapitalS. Bereinigte Kun st seidenfabrikenA.-G.. Frankfurt a. M. Wie bei dem Risiko der Kapitalanlage Seide gesponnen wttd. das illustrieren ganz hübsch die Geschäftsberichte der ge- nannten Gesellschaft, deren Aktienkapital von 1901 bis 1901 2.5 Mill. M.. für 1901 3 Mill. M. und für die beiden letzten Jahre 3.50 resp. 3.65 Mill. M. betrug. ES werden aus- gewiesen:* 09606 Retto- Reingewinn Abschreibungen Dividende 1901 M. 847 975 1902 417 440 M. 180 465 129 920 in Prozenten 8 9 1903 1 011 864 151 420 15 1904 2377 911 187 635 35 1905 2 403 069 178 498 871 462 156 719 35 20 934 657 1906 7 429 221 Für den Durchschnitt 1901-1906 beträgt das Atttenfapital 2,94 Millionen Mark. Diese Summe ist an Reingewinnen 22 mal herausgeholt worden. Solche Resultate Tassen den Rückgang für 1906 wohl verschmerzen, um so mehr, als die Direktion versichern kann, daß für das nächste Jahr die Dividende weniger bescheiden ausfallen wird. Eine Aufmachung über Risiko der Arbeit aus den Unfallstatistiken ergibt für die Lohnforderungen ein wesentlich anderes, trüberes Bild, als das was uns die Gewinnziffern über das Risiko des Kapitals schildern. Krise in der Elektrizitätsindustrie. Der Beschäftigungsgrad in der Elektrizitätsindustrie hat nach gelaffen, was um so stärker auffällt, als das Jahr 1906 eine befonders lebhafte Tätigkeit gebracht hatte. Die Zahl der Arbeitskräfte wurde in den Betrieben um zirka 15-20 Proz. vermehrt. Auch die Betriebskapitalien erfuhren 1906 eine nicht unerhebliche Verstärkung. Die für die Industrie maßgebenden 32 Aktiengesell schaften vermehrten ihre Betriebsmittel um rund 70-75 Millionen Mart. Im laufenden Jahre sind die Aufträge offenbar nicht mehr ausreichend, um alle Arbeitskräfte voll beschäftigen zu können. Namentlich lassen in Berlin die Aufträge aus dem Baugewerbe zu wünschen übrig. Es haben daher in legter Zeit schon Entlassungen stattgefunden. = = ob Herr Bian wegen dieser Gesetzesverletzung bestraft Industrie überhaupt Erwerbstätigen die größte 8ahl. Es folgt die ist Holzindustrie mit 11 166-22,8 Proz., die Industrie der Nahrungs wurde, erklärte der Gewerbeinspektor: Herr Bian ist Holzindustrie mit 11 166 weil er nach mehr und Genußmittel mit 913618,4 Broz, die Textilindustrie mil nicht bestraft worden, be- 5915 maliger Aufforderung diesen Misstand be 591511,9 Proz, die Metallindustrie mit 9,2 Broz., bie Bücher obwohl 1905 für nicht weniger feitigte." Also drei volle Jahre konnte Herr Bian die Arbeite- industrie( 1) mit 3898= 7,8 Proz. rinnen über die gesetzliche Arbeitszeit hinaus beschäftigen, ohne dafür als über 367 000 m. gedrudte Bücher( übrigens zollfrei) eingeführt die Lederindustrie mit 1948 3,9 Proz, der Wagen Gearbeitet wurde nicht nur während der wurden bestraft zu werden. 8,8 Proz., die Industrie der Steine und Erden Pausen, sondern schon morgens um halb fechs Uhr. Der Unter- bau mit 1917 nehmer straffrei, der Redakteur, der die strafbaren Handlungen etwas mit 1965 34 Broz. usto.- Bemerkenswert ist dabei übrigens, scharf fritisiert eine Woche Gefängnis. Der Herr Bian ist daß in einigen größeren und sich start entwickelnden Industrien fich terifaler Landesausschußabgeordneter und Inhaber von zwei schon eine Konzentration des Kapitals bemerkbar macht. Stronenorden. Die Zahl der Betriebe wird geringer, die Zahl der Arbeitskräfte, die Produktion und der Umsatz steigert sich dagegen bedeutend. Das ist Ergebnisse der Gewerbezählung in Neu- Seeland. 3. B. in der Konserven, der Maschinenindustrie und der Brauerei 11 Die of nummer vom 28. Februar d. J. die vorläufigen Ergebniffe Die offizielle New Zealand Gazette" veröffentlicht in der ber Fall. Die industriell entwidelisten Provinzen find Aukland, der nörd der Gewerbezählung in Neu- Seeland bom April 1906. lichste Distrikt der Nordinsel, Wellington und Hawkes Bay, die süd aus den mitgeteilten Tabellen ergibt sich, daß das Land in starkem lichsten Teile der Nordinsel, und Otago, der südlichste Teil der Südaufschwunge begriffen ist. Das geht schon hervor aus den wichtigsten insel. Am wenigsten Industrie herricht in Taranaki, dem südwestBahlen für die vier legten Bählungen, die alle fünf Jahre- nicht lichen Teile der Nordinsel. Im ganzen ist aber Neu- Seeland noch wie bei uns in Deutschland bloß allenfalls alle 12 Jahre vor sehr wenig industriell kultiviert; es ist noch ein reines Agrarland, genommen werden. Es betrug: in den Fabriken und gewerblichen das aber auch reiche Bodenschäße an Kohle, Gold und Quarz befigt, Betrieben die schon start ausgebeutet werden. 1906 1901 12469 2 254 8163 27 389 25 633 22 986 22 664 43 553 41 726 85 438 6258 6 288 4 403 82,07 60 278 61,97 39 052 38,15 28 096 Zahl der Betriebe überhaupt.3495 Zahl der beschäftigten Personen. 49 806 darunter Männer arunter Frauen. Lohnfumme in Millionen Mart. Betriebskräfte in Pferdestärken. Wert der im letzten Geschäftsjahre benutten und berarbeiteten Ma terialien in Millionen Mart Wert der im letzten Geschäftsjahre hergestellten Produkte in Mill. Mart Ungefährer Wert in Mill. Mark ber Grundstücke. Gebäude Maschinen und Pflanzen Insgesamt • • 253,63 147,99 65,70 1891 2 969 36,17 21 696 ? Dabei verbreitete Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be. nutzung für jedermann, SW., Merandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von 5-10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9-1 und 3-6 Uhr. In den Lesesälen liegen zurzeit 515 Beitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 5. Mal, vormittags 8 Uhr, im Rathause, Eingang Jüdenstraße, Saal 109: Bersammlung, Fret religiöse Vorlesung. Bormittags 10%, Uhr in der Schule Kleine Frankfurterstraße 6: Vortrag von Herrn Dr. Bruno Wille: Aus der Geschichte des Gottesbegriffes II." Herren und Damen als Gäste sehr willkommen. Verein der Buchdrucker und Schriftgießer für Rigdorf- Brit. Sonntag, den 5. Mai, nachmittags 2 Uhr, im Rotale des Herrn Hoppe, Hermannstr. 49: Vereinsversammlung. Vortrag. Eingegangene Druckfchriften. a. Langen, St. Aram. Erstes Maiheft 1907. Breis 1,20 M., im Abonnement " März", Halbmonatsschrift. Herausgeber: 2. Thoma, H. Heffe, Gewerbe- und Kaufmannsgericht Nr. 8, Monatsschrift_des das Quartal 6 M. Verlag von Albert Langen in München. Herausgeber: Berbandes Deutscher Gewerbe- und Staufmannsgerichte. Dr. S. Jaftrom und Dr. K. Flesch. Der Arbeitsmartt", Nr. 15. albmonatsschrift der Zentralstelle für Arbeitsmarktberichte( Herausgeber brof. Dr. J. Jastrow. Berlag von Georg Reimer). Berlin W. Lützow Gen12. Jahresbericht 1000 des Erbeiterfekretariats Närnberg, 120 Selter. . 448,45 842,82 190,99 175,48 Der Rückgang der Fleischpreise vollzieht sich in den baherischen Städten ungeheuer schwerfällig. Die Megger lassen beim Steigen 57,55 84,26 21,28 25,74 der Viehpreise zwar fofort auch die Fleischpreise in die Höhe gehen 71,48 48,40 34,86 29,68 Plutus. Heft 18. Herausgeber: G. Bernhard. Bierteljährlich Post und verstehen es dabei trefflich, nach oben abzurunden, wenn aber 107,30 76,53 59,78 49,82 und Buchhandel 3,50 M., vom Verlag 4 M. Berlag: Charlottenburg, die Viehpreise wieder finten, so merkt man faum ein gleichzeitiges 286,28 159,19 115,92 105,24 Goethestraße 69. Sinten der Fleischpreise. Das fällt nicht allein der großen Masse Die Zahl der beschäftigten Bersonen ist seit 15 Jahren auf fast der Konsumenten, sondern auch den Behörden und staatlichen Anstalten, die großen Fleischbedarf haben, auf. Sie schiden sich das Doppelte gestiegen, von 25 600 auf 49 800. bereits da und dort an, zur Selbsthülfe zu greifen. So beab fich namentlich in dem ersten Jahrzehnt 1891/1901 die Frauen fichtigen in Bayreuth sowohl die Militärintendantur als auch die arbeit start; sie stieg auf über das Doppelte. Die verwendete Streisierenanstalt eigene Schlächtereien zu errichten. Drganisierte motorische Kraft hat sich in dem betrachteten Zeitraum verdreifacht. Dabei entfiel die stärkste Steigerung auf das Jahrfünft 1896/1901, Körperschaften können sich leicht gegen die Ausbeutung sichern, in welchem sich auch die Weristeigerung der hergestellten Produkte während ihr der Einzelfonsument wehrlos preisgegeben ist. am Bemerkenswert auch ftraße 107/108. ber Inventuraufnahmen. Der( ungefähre) Wert der in den Betrieben Selbstverlag. stedenden Grundstücke wie auch der Gebäude, Maschinen und Pflanzen Bericht der Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumbereine m. b.., stieg etwa im Verhältnis der Ausweitung der Industrien; der Wert Hamburg, über das 13. Geschäftsjahr 1906. 88 Seiten. Selbstverlag. Der Warenhausdiebstahl. Von Dr. L Laquer, Nervenarzt in In einem Beleidigungsprozeß, der in den legten, der jeweiligen Zählung vorangegangenen Straffreiheit der Unternehmer. verarbeiteten Materialien ist Frankfurt a. M. Preis 1 M. Verlag von Star! Marhold in Halle a. 5. den Herr Bian, einer der größten Textilfabrikanten im Ober- Elsaß. Geschäftsjahren benutzten und Man kann daraus schließen, daß Der Kunstwart. Rundschau über Dichtung, Theater, Musit. Heraus gegen unseren Genossen Wich als verantwortlich zeichnenden viel stärker gewachsen. die neuseeländische Industrie schon auf die Her geber F. Avenarius, Berlag von Georg D. 2. Callwey in München. Redakteur unferes Müthauser Parteiblattes angestrengt hat, wurde fich durch die Zeugenaussage des Gewerbeinfpettors ftellung befferer Produkte geworfen hat. Die gezahlten Lohnfummen Bierteljährlich 3,50 M., Einzelheft 70 J. Blätter. 2. Aprilheft( herausgegeben im AufDie bie in einer dem Herrn Vian ge haben sich allerdings nur entsprechend der Ausdehnung der Betriebe trage whichaftliche spielthaftlichen prepon bos una con trüger: Soziales. hörenden Weberei beschäftigten Arbeiterinnen von 1901 bis 1904 gesteigert. über die gesetzliche Arbeitszeit hinaus beschäftigt wurden. Auf die Bon den einzelnen Zweigen der Industrie beschäftigt die BeFrage des Gerichtsvorsitzenden Gewerbeinspektor, Tleidungsindustrie mit 11 177 Personen Für den Juhalt der Jujerate übernimmt die Nedaktion dem Bublikum gegenüber feinerlei Berantwortung. Theater. Sonnabend, den 4. Mat Anfang 7, Uhr. Rgl. Opernhaus. Salome. Anfang 8 Uhr. Rgl. Schanspielhaus. Die Rabenfteinerin. Neues fgl. Operntheater. Der lustige Strieg. Deutsches, Robert und Bertram. Kammerspiele. fein Ring. Lessing. Florian Geher. Gyges und Neues Schauspielhaus. Alt- Heidel berg. Anfang 8 Uhr. Porting. Stradella. Berliner. Sherlock Holmes. Zentral. Die Nachtigall. Baters Ebenbild. Schiller 0.( Ballner Theater.) Traumulus. Schiller Theater Charlottenburg. den an Neues Schauspielhaus Sonnabend, 4. Mai: Alt- Heidelberg. Sonntag: Alt- Heidelberg. Anfang 28 Uhr. 22,4 Proz. der in der Schiller- Theater. Schilier- Theater Q.( Wallner- Theater). Sonnabend, abends 8ubr: Traumulus. Schauspiel in 5 Aften von Arno Holz und Dstar Jerschke. Neues Theater. Sonntag, abends subr: Anfang 8 Uhr. Der Dieb. Morgen und folgende Tage: Der Dieb. Kleines Theater Abends 8 Uhr: Tas Kuckucksei. Sonntag nachm. 3 Uhr: Bunbury. Abends 8 Uhr zum 194. Male: Ein idealer Gatte. Montag u. Dienstag: Ein idealer Gatte. Sonntag, nadm. 3 Uhr: Der Vogel im Käfig. 8 Uhr: Weh' dem, der lügt. Montag, abends 8 Uhr: Heimat. Schiller- Theater Charlottenburg. Sonnabend, nach m. 3 Uhr: Wilhelm Tell. Sonnabend, abends 8 Uhr: Moloch. Eine unvollendete Tragödie( 2 Afte) Berlin. Carl Heymanns Verlag, Berlin W. 8. Intimes aus dem Neiche Nicolaus II.( Band V). Bon Bresnik von Sydacoff, Berlag von B. Elischer Nachf., Leipzig. Breis 2 M. Urania. Wissenschaftliches Theater. 4 Uhr: Sizilien. Abends 8 Uhr: von Friedrich Hebbel. Sterauf: Durch Dänemark and Slidschweden. Der zerbrochene Krug. Ein Luftsp. in 1 Aufz. v. Heinr. Kleist. Sonntag, nach m. 3. U br: Der Pfarrer v. Kirchfeld. Sonntag, abends 8 Uhr: Cyprionne. Montag, abends 8 Uhr: Traumulus. Z BOLO CISCHER CARTEN Täglich nachm. 4 Uhr: Residenz- Theater. bollo Gr. Militär- Konzert. Anfang 8 Uhr. Theater Haben Sie nichts zu verzollen? 8 ug: Die neuen Spezialitäten Eintritt 1 Mk., von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unt. 10 Jahren die Hälfte. Schwant in 3 Atten v. M. Hennequin 9 Uhr: Ein treulofes Weib, auf- 000000 und B. Veber. Robert de Trivelin: Nich. Merander. Zentral- Theater. Anfang 8 Uhr. Bum 1. Male: geführt vom Hunde- Bauern- Theater. 9 Uhr: Hartstein Die Nachtigall aus dem Bäckergang mit feinem glänzenden Schlager: ER Moloch. Der zerbrochene Kug Lortzing Theater Boltstid in 3 Atten v. Jul. Shinde. Der lustige Witwer. Nachmittags 3 Uhr: Wilhelm Zell. Schiller N.( Friedrich Wilhelme städtisches Theater.) Am grünen Weg. Komische Oper. Geschlossen. Westen. Die lustige Witwe. Kleines. Das Kududsci. Neues. Der Dieb. Nachmittags 3 Uhr: Der Dieb. Residenz. Haben Sie nichts zu verzollen? Lustspielhaus. Husarenfieber. Deutsch- Amerikanisches. und sein Ring. Gnges Thalia. Wo die Liebe hinfällt. Luisen. Das Mädchen ohne Ehre. meine Fil. Josette Trianon. Frau. Bernhard Rose. Busch- Lies'. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Gebr. Herrnfeld. Es lebe das Nachtleben. 23intergarten. Spezialitäten. La Tortajada. Bellealliancestr. 7/8. Sonnabend, den 4. Mai 1907, 8 Uhr: Zum 1. Male: Stradella. Abonnements gültig! Sonntag nachm. geschlossene Bereins. vorstellung. Abends 8 Uhr: Der Waffenschmied. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Husarenfieber. Schiller- Theater N. Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Abends 8 Uhr: Am grünen Weg. Trianon- Theater. Heute und folgende Tage: Borher: Vaters Ebenbild. Bauerntomödie in 1 Ati v. W. Fride, Täglich: Dieselbe Borstellung. Metropol- Theater Anfang 8 Uhr. 1. Bild: Das letzte Mal. 2. Bild: Die Folgen davon. 米粉 65 PARTEN Brunnen- Theater La Tortajada. Badstraße 58. Dirett.: Bernh. Rose. Sonntag, den 5. Mai 1907: Der Teufel lacht dazu aria Theresia Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Massary. Wolff. Bender. Giampietro. Josephi. Rauchen überall gestattet. Morgen Sonntag, nachm. 3 Uhr: Autometropol in's Dipolls. Der luftige Bitwer. Spe- Fräulein Josette- meine Gran. Kasino- Theater zialitäten. Rafino. Heirat auf Probe. Spezia litäten. Walhalla. Spezialitäten. Intimes. Eine vom Ballett. Bapfenstreich. Folies Caprice. Eine Nacht in der Apotheke. Palast. Spezialitäten. Vaffage. Mal was Anderes. Spe. zialitäten. Reichshallen. Stettiner Sånger. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Durch Dänemark und Südschweden. Nachmittags 4 Uhr: Sizilien. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Sonnabend und Sonntag: Sherlock Holmes Anfang 8 Uhr. Anfang 8 Uhr. Lothringerstr. 87. Täglich 8 Uhr. bis 18. Luisen- Theater Seirat auf Probe. Neichenbergerstr. 34. Das Mädchen ohne Ehre. Anfang 8 Uhr. Sonntag nachm.: Stabale und Liebe. Montag: Das Mädchen ohne Ehre. Abends: Das Mädchen ohne Ehre. DERNHARD ROSE THEATED Br. Frankfurterftr. 132. Baftspiel Käthe Wille- Bach: Busch- Liesl. Original Boltsstud mit Gesang in 4 Aften von F. Willhardt. orgen nadm. 8 Uhr bet halben Preisen: Die Geier.Wally. Abends: Busch- BiesL binder und Stren. Gesangspoffe in 3 Atten von BuchBom 19. bis 27. Mai( Schluß b. Saison) ,, Nick Carter". Sonntag 4 Uhr: Ledige Leute. Kottbuser Sanssouci, Strea Direttion Wilhelm Reimer. Sonnt., Mont., Donnerst.: Hoffmanns und ihr Hof. Historisches Lustspiel in 5 Aften. Stasseneröffnung 6 Uhr. Anf. 7 Uhr. Montag, 6 Mai: Lehte Montags. Abonnem.- Borstellung: Die Blinde von Paris. Graf St. Germain: Bernh. Rose, Nenes Programm. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brummenftr. 16. Große Extra- Borstellung. Gebr. HerrnfeldAnfang Theater Norbert 8 Uhr. 11-2 Uhr 57 Kommandantenstraße 57. Premiere der Novität Es lebe das Nachtleben! B Folgen einer Separée Affäre in 2 Atten von Anton und Donat Herrnfeld mit den Autoren in den Hauptrollen. Vorher: Neu bearbeitet: Die Welt geht unter! Schwank in einem Aufzug von Anton u. Donat Herrnfeld. Gustav Behrens- Theater. Berlin W., Goltzstraße 9. Das herrliche Mai- Programm Men! Thomas Bedsy Compagnie. Gr. amerikan. Exentric Bant. Nen! Handwerkerstreit Maurer( Buffe), 8immermann( Dir. Gust. Behrens), Maler( W. Sandel), Glaser( Hugo Brids), sowie die andern erftlasfigen Spezialitäten. 8. Schluß die tolle Ausstatt.- Operette: Meschuckmann im Sündenpfuhl Berlin. Anfang 8 Uhr, Sonntags 6%, Uhr. Walhalla in ungefchichter fiebhaber. Folies Caprice Variete Theater Beinbergsweg 19/20, Rojenth. Cor. Heute abend 8 Uhr: Der grüne Teufel. Sensations- Pantomime. Hermann Stomiler. Münchener 12 neue Spezialitäten 12 Im Tunnel: Frei.Konzert. SteidlTheater. Norddeutsche Sänger Brückenstr. 2( a. b. Jannow. Br.) und Tanzkränzchen. Stets nenes aktuelles Programm. Sonnt. Bg. 5, wochent. 8 U. Für die nächste Saifon find sämtliche Sonnabende bereits besetzt. Noch einige Mittwochabende find fret. 9 Uhr: Bureau Piepenbrint. Anjang 8 Uhr. Borher Konzert. Zagestaffe 11-2 Uhr. Sonntags 11 bis 2 Uhr: Frühschoppen- Konzert Steibl- Restaurant( Garten): Entree frei! Dyberski- Konzert. Borzügliche Küche! h Heiteres Lebensbild von Elt. Anf. 8 ant. Uhr. Entree 30 Bf. Ball. Sonntag u. Montag: Dief. Borstellg. Dienstag u. 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Lages Drdnung: 0000000000 Verband der baugewerblichen Hülfsarbeiter Zweigverein Berlin und Umgegend. 1. Bericht der Kommission betr. der Lokaltaffe. 2. Regelung des Sektion der Brunnenbauer und Hülfsarbeiter. Herbergswesens. 3. Abrechnung der Berbands- und Lofallaffe. 4. Bericht 290/1 General- Versammlung des Borstandes. 5. Vereinsangelegenheiten und Berſchiedenes. Tages- Ordnung: 1. Genehmigung der Statuten zum Krankenkassenverband nach§§ 46 und 46a des Krankenversicherungsgefeges. 2. Bewilligung der Mittel zur Anschaffung eines Repositoriums zur Erweiterung des Lagers im Kassen Total. Der wichtigen Tagesordnung halber ist es sehr notwendig, pünktlich und Der Vorstand. J. A.: F. Runge zahlreich zu erscheinen. A Dampfer- Extrafahrten mit Musik jeden Sonntag nach 3. Buftimmung zur Abstempelung Voigts Krampenburg( Berliner Alpen). der Rezepte für freie Handverkaufs- Abfahrt in Berlin an der Waisenbrücke vormittags 9, nachm. 2% Uhr, artikel im Staffenlokal. von Café Aljen je 1 Stunde später. Fahrpreis hin und zurück 75, einfach 50 Pf. Diese Fahrten finden nach Pfingsten täglich statt. Reederei L. Kahnt. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. K. Gottwalt, Vorsitzender. Diese Woche verkaufen wir soweit Vorrat, daher seltenste Gelegenheit für Herren jeden Standes, zu Preisen wie solche enorm billig aus feinsten Massstoffen gefertigte letzter Batson, surückgesetzte. modame hoohvornehme HerrenAnzüge Paletots deren sonstiger Masspreis 40-70 M. 1, Jetzt 18-98 M Gebrookatenge, Hosen, Regenmantel spottbillig. Täglich, Sonntag gebet. Deutsches Versandhaus, Arbeiter274/2 Berufs- Kleidung Aeltestes Spezial- Geschäft 8 Mühlendamm 3 und Kottbuserdamm 95. Adolf Wecker. 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Ber bandsangelegenheiten. 178/ 7* Die Ortsverwaltung. Zentral- Kranken- und Sterbekasse der Tischler uSW. E. H. 3 in Hamburg. Bert. Berlin G. Montag, den 6. Mai, abends 8 Uhr, in Mayers Bereinshaus, Broße Frankfurterstraße 133: Mitglieder- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Raffenbericht vom 1. Duartal 1907. 2. Erfat wahl des 1. Bevollmächtigten. 3. Berschiedene Kassenangelegenheiten. 184/3 Die Ortsverwaltung. Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter. Sektionen I und II. Achtung! Brauereiarbeiter! Vom Dienstag, den 7. Mai 1907, befinden sich die Bureaus der beiden Sektionen C. 54, Muladstraße 10, born 1 Treppe. Des Umzuges wegen bleiben die Bureaus am Mon tag, den 6. Mai 1907, gefchloffen. Fernsprecher Amt 3 a 4518. 41/ 19* Die Vorstände der Sektionen I unb II. A Reederei Nobiling A Morgen sowie alle Sonntage 9 Uhr früh, 2, Uhr mittags, mit Musik Gosener Berge. nad der Berliner Schweiz Zwiebusch Nur 9%, Uhr früh nach Nathan and Berlin SW. 68. Buchhandlung Vorwärts Lindenstraße 69. Ziegenhals 129. Hochbahnstation Rottbuser Zor. Bitte auf Hausnummer zu achten. Wer will Geld paren, tauft 46382+ Monatsanzüge. b. 9,00 m. Abonnementsanzüge 12.00 Pfandleihanzüge. B 10,50 Partieanzüge. 12,00 Gehrockanzüge 14.00 Anzüge, Criat f. Mak, 19.06 Baletots 9,00 Hosen. 2,00 Zentral- Keller, Berlin SO., Neanderstraße 35. 3 Min. von Stadtb. Jannowizbrüde, an der Köpeniderstraße. Straßenbahn Bergütung. Bine Mark wohenlohe Tollzahlung Hefere at gante, fertige HerrenModen Ersatz für Mace, Base- Anfertig teluste Verarbeitung. Garantie tadellos.Sitz J. Kurzberg An der dam Diros Banhot. In unserem Verlage erscheint: Die schreckliche Verschwörung bes cothen Republikaner. Berfbevorner in instead Vries Supe Cand at Gefang,& fafti. Od so emate Großlafius Schefffles. Berlin, 1848 Oreis: 11 6 ( Illuftrationsprobe.) Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung. Ein Kapitel zur Geschichte der deutschen Sozialdemokratie. Herausgegeben von 8duard Bernstein. Reich illustriert mit Bildern und Dokumenten aus der Zeit. I. Teil: Bom Jahre 1848 bis zum Erlaß des Sozialistengesetes 1878. II. Teil: Unter dem Sozialistengeset 1878-1890. III. Teil: Bon 1890 bis zur Gründung des Zentralverbandes v. Groß- Berlin 1905 Der erste Teil des Werkes liegt komplett vor und toftet in Leinenband Mr. 6,50, in Halbfranzband Mt. 7,50. Auch kann derselbe in 17 Heften a 80 Pf. bezogen werden. Rapitel Uebersicht des ersten Teiles: Die Die Berlins Arbeiter am Vorabend der Märzrevolution. Berlins Arbeiter in den Märztagen. Sammlung der Arbeiter im Revolutionschaos. Der erste Berliner Arbeiterfongreß und seine Werke. Arbeiter und die letzten Revolutionstämpfe. Unter der Reaktion. Die neue Hera und das Erwachen der Arbeiterbewegung. Die Berliner Arbeiter zwischen Fortschrittspartei und Lassalle. Bon Lassalles Tod bis zur Gründung des Norddeutschen Bundes. Unter dem Norddeutschen Bund bis zum allgemeinen deutschen Arbeiterfongreß. Bom ersten Algemeinen deutschen Arbeiterfongreß bis zum Vorabend des deutsch- franzöfifchen Strieges. Im Kriegslager. Die ersten Jahre im Deutschen Reich. Die Reichstagswahl von 1874. Die Aera Teffendorff. Bon den ersten großen Wahlfiegen bis zu den ersten großen Leichenbegängniffen. Die zwei Attentate auf Wilhelm I. und die tausend Attentate auf das Recht. Am Vorabend der Herrschaft des Ausnahmegesezes. Bu beziehen durch sämtliche Parteispeditionen und Buchhandlungen sowie direkt vom Berlag, Buchhandlung Vorwärts, Berlin. 234/2 Abfahrtstelle: am Crossince Jannowitbrüde. Breis hin und zurüd 75 Pf., Kind 50 Pf. Rückfahrt 7, Uhr abends. machen wir unseren Frühlingsausflug timmer wieder? Wohin? Knaben- Anzüge in großer Auswahl. Bum alten Freund nach Pichelswerder! Es ladet uns ein Der Alte. Die Preise sind streng fest und auf jedem Gegenstand aufgedruckt. 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Interessante Zahlen über Verkaufserlöse und Löhne pro Tonne Förderung enthäll eine Eingabe die der Verein für die bergbau« lichen Jmeressen im Oberbergamtsbezirk Dortmund zur Begründung seines Prorestes gegen die Novelle zum Berggesetz, durch welche der Staat sich das Mutungsrecht reservieren wollte an den Landtag ge- richtet hat. In der Eingabe, wird nachgewiesen, daß der Fiskus in der Preisgestaltung und auch in der Plusmacherei dem Privatkapital noch überlegen ist. Den Angaben über Erlös und Lohnkosten fügen wir die Angabe über die Spannung zwischen diesen beiden Posten bei. Es betrug: Die Saarkohle ist demnach wesentlich teuerer, und ist bei ihp die Spannung zwischen Erlös und Lohntosten größer wie beim Kohlensyndikat. Bei der westfälischen Kohle ist die Spannung im Jahre 1905 aber wieder ziemlich nahe an die des JahreS 1991 heran» gekommen; die Differenz beträgt nur noch 22 Pf., während sich bei den Staatswerken eine Differenz von 191 Pf. ergibt. Demnach hat sich eine EntWickelung zuungunsten des Kohlensyndikats vollzogen. Die enorme Verteuerung der Kohlen zeigt diese Aufstellung, auS der auch zu ersehen ist, daß der FiskuS bei der Preisfestsetzung den Fiskus nicht bevorzugt. Für die von den preußischen Eisenbahn» Verwaltungen benötigten Kohlen wurden veranschlagt Seit 1896 ist die westfälische Kohle um 2,67 M.— 39 Pro}., die Saarkohle um 3,49 M.— 33 Proz. teurer geworden. Der Staat ist von dem höchsten Preisstande im Jahre 1993 etwas herabgegangen, da- gegen ist die preußische Kohle weiter im Preise gestiegen. Beide Ver- käufcr haben aber vom Staat höhere Preise genommen, als wie sie im Durchschnitt erzielten und für den Staat sind die Preise stärker hinaufgesetzt worden, wie für den Privatkonsumenten. Der vom Staat gezahlte Preis erhebt sich über den DurchschnittSerlöS 1396 1995 bei der westfälischen Kohle um... 9,27 M. 1,57 M. ,, Saarkohle um...... 0,58. 2,41, Selbst wenn man den vom Staat geforderten höheren Preis mit der von diesem beanspruchten Qualitäten rechtfertigen könnte, dann immer noch nicht die Steigerung deS Ausschlages. Weiter werden Angaben gemacht über erzielte Ausdeute nach Abzug der Zubuße. Pro Tonne Förderung wurden gezahlt: Ausbeute bczw. Dividende im OberbergamtS- bei den bezirk Staats werken Dortmund M. M. 1896..... 9.83 1,29 1897..... 9,99 1,46 1898..... 1,04 1,40 1899..... 1,10 1,74 1900..... 1,34 2,71 1901..... 1,35 2,69 1902..... 1,23 1,96 1903..... 1,18 1,44 1904..... 1,17 1,61 Hierzu wird bemerkt: «In Wirklichkeit wird die fiskalische Ueberschußwirtschaft durch die vorstehenden Zahlen noch nicht in ihrem vollen Umfange illustriert. Die sämtlichen Kosten für Neuanlagen und Erweiterungsbauten entnimmt der Saarfiskus dem Betriebe, während der Ruhrbergbau die zu solchen Zwecken erforderlichen Mittel in der Hauptsache auf dem Wege der Kapitalbeschaffung aufbringen dürfte. Der tatsächliche Ueberschuß des staatlichen Saarbergbaues stellt sich daher wesentlich höher als der vor- stehend nachgewiesene rechnungsmäßige Gewinn." Ohne die Plusmacherei aus Kosten der Arbeiter verteidigen zu wollen, muß aber doch betont werden, daß die Ueberschußwirt- schaft des Staates viel mehr Berechtigung hat, als die des Privat- tapitals. Die Ueberschüsie der Staatswerke gehören immerhin der Gesamtheit, die Gewinne der Privatgrubcn dagegen fließen in die Taschen einzelner Leute. Daß aber auch im Privatbetriebe erhebliche Mittel auS den Betriebseinnahmen entnommen werden, möchten wir aus den Geschäftsberichten der Gelsenkirchener Bergwerksgesellschaft dartun. Diese Gesellschaft hat in der Zeit von 1898 bis 1994 rund 60 Mil- lionen Mark für Neuanlagcn aufgewendet. In derselben Zeit wurde das Aktienkapital aber nur um nominell 25 Millionen Mark erhöht. Wenn auch die Angaben nur einen Teil des wirklichen Ge- Winnes umfassen, lediglich die von den gesamten Unternehmern ge- zahlten reinen Ausbeuten, nach Abzug der Zubuße, die in der Hauptsache dem weiteren Ausbau der Anlage dienten, nach Abstoßung der Tantiemen, der Gewinnanteile, der Reserven, der Zinsen für Hypotheken und Anleihen, der Verwendungen zu Neuanlagen usw., so kommen auf den Kopf der Belegschaften doch schon ganz respektable Summen heraus. Im Oberbergamtsbezirk Dortmund entfallen auf den Kopf der Belegschaft(einschließlich Beamte) für das Jahr 1904 rund 250 Tonnen Förderung. Die erzielte reine Ausbeute wird in der Eingabe mit 1,17 M. angegeben, mithin pro Kopf eine Ausbeutesumme von 282,5 M. Für 1903 stellt sich die Gewinnsumme auf 298,1 M. Und das sind die beiden ungünstigsten Jahre seit 1809. Die Förderung der StaatSgruben im Saarrevier stellt sich für 1904 bei 45 963 Mann Belegschaft auf 363 720 Tonnen. Pro Köpf ergibt sich eine Fördermenge von 225,48 Tonnen. Da der erzielte Ueberschuß pro Tonne mit 1,61 M. ausgewiesen wird, ent- fällt auf den Kopf ein Gewinn von 363,02 M. Das ist jedenfalls eine ganz respektable Plusmacherei. Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste! Auf Wunsch der organisierten Parteigenossen von Werder a. H. richten wir an die organisierte Arbeiterschaft das oringende Ersuchen, bei ihren Ausflügen zur diesjährige» Baum- blüte sowie zur dortigt» Ausflellung die Lokalliste streng beachten I zu wollen. Das einzige freie Lokal am Orte ist der„Schwarze Adler", Inhaber Gen, Max Koch, Fischerstr. 98. Um nun bei dem starken Besuch der Baumblüte und der Ausstellung dies Lokal etwas zu entlasten und auch den Arbeiterradfahrern so weit als möglich entgegenzukommen, ist außerdem noch eine Fahrrad- auf Bewahrung mit Fruchtweinverkauf eröffnet worden, dieselbe befindet sich direkt an der Ausstellung, Werder, Unter den Linden 10, beim Gen. Bernhard Rettinger. Alle sonstigen Anfragen sind zu richten an Gen. Gustav Wüstenhagen, Brandenburgerstr. 36, Die Lokalkommission. Rixdors. Die Genossen, welche die Absicht haben, die Herren- Partie nach Beeskow mitzumachen, werden gebeten, sich am Montagabend 8Vz Uhr zu einer Vorbesprechung bei Hoppe, Hermannstraße, einzufinden. Der Vorstand. Steglitz. Am Sonntagmorgen um 7 Uhr Flugblatt« Verbreitung zur Gemeindewahl m sämtlichen Bezirken.— Zahl- reiche Beteiligung ist dringend nötig. Remickendorf-Weft. Am Dienstag, den 7. Mai, abends 8 Uhr, !mdet im Lokale von Franke, Eichbornstr. 18, eine öffentliche Ver- ammlung statt. Tagesordnung:«Wofür zahlen wir Steuern". Referent Genosse Fellwock. Die Handzettelverteilung hierzu erfolgt am Sonntag früh. Die Genossen werden ersucht, für diese Versamm lung lebhaft zu agitieren. Zu der am Himmelfahrtstag veranstalteten Agitationstour werden die Genossen, die daran teilnehmen wollen, ersucht, sich beim Genossen Dolata, Llugusta Viktoria-Allee 33, 1. Hof. 2 Treppen zu melden._ Berliner JNaebnebten. Der Unterricht im Deutsche« in de» Berlmer Gemeindeschulen. Wir haben schon öfter Gelegenheit gehabt, auf die mehr als mangelhasten Leistungen der preußischen Volksschule hüv zuweisen. Die Rückständigkeit derselben zeigt sich vor allem auf dem Gebiete des Unterrichts im Deutschen. Selbst die Berliner Gemeindeschulen, die doch wohl nicht zu den schlechtesten des preußischen Staates gehören, weisen in diesem Unterrichtszweige nur recht kümmerliche Leistungen auf. Wie wenige der abgehenden Schüler unserer Gemeindeschule sind imstande, einen von groben orthographischen, Rektions- und Zeichenfehlern fteien Brief zu schreiben! Und da hat man die Kinder acht Jahre lang in der deutschen Sprache unterrichtet. Rur in den wenigsten Fällen sind für diese jammervollen Zustände die Lehrer selbst verantwortlich zu machen. Auch hier trifft wie für alle Mißstände des preußischen Kulturlebens dem herrschenden System die Hauptschuld. Was kann man von einer Schule erwarten, in der man auf der Oberstufe zw«r sieben Stunden wöchentlich zur Erzeugung christlich preußischer Gesinnung aber nur sechs Stunden zur Pflege der deutschen Sprache verwendet! Von diesen sechs Stunden werden noch dazu zwei zur Behandlung„gehaltvoller, sittlich religiösbildender" Lesestücke und mindestens zwei weitere zur Anfertigung von Paradcheften für die Herren Aufsichtsbeamten verwendet, so daß glücklich zwei Stunden für den eigentlichen Sprachunterricht übrig bleiben. Neben der geringen Stundenzahl tragen auch noch andere Umstände dazu bei, daß das Ziel des Unterrichts im Deutschen, die volle Sicherheit im mündlichen und schriftlichen Gebrauche der Muttersprache, nicht erreicht wird, so vor allem der, daß die städttsche Schuldeputation den Lehrern bisher die erforderlichen methodischen Hülfsmittel versagt hat. Von allen Methodikern wird zum erfolgreichen Betriebe des Unterrichts im Deuffchen ein Sprachbuch ge- ordert. Der Grundlehrplan der Berliner Gemeindeschule ver- langt denn auch, daß von der siebenten Klasse an die sprachlichen Uebungcn und Belehrungen nach fester Ordnung unter An- lehnung an ein Sprachbuch auftreten, das den Stoff auf die einzelnen Jahrgänge verteilt. Nach dem neuen Grund- lehrplan wird seit dem Jahre 1902 in unseren Gemeinde- 'chulen unterrichtet, aber bis heute, also nach Verlauf von ünf Jahren, hat es die Schuldeputation noch nicht für nötig gehalten, ein Sprachbnch einzuführen. Die Gründe für dieses eigenartige Gebaren sind uns nicht bekannt. Ein Mangel an brauchbaren Sprachbüchern ist keineswegs vorhanden. Die ganze Angelegenheit erscheint in sehr eigenartigen! Lichte, wenn man erwägt, daß die städtische Schuldeputation in anderen ähnlichen Fällen sehr schnell gearbeitet hat. Für den Religionsunterricht der evangelischen Gemeindeschulen hat sie schon im Jahre 1904 das nach dem neuen Lehr- Plane bearbettete Lehrbuch von Fischer und Scholz ein- arführt. Es entspricht zwar dem neuen Preußischen Kurs, den Religionsunterricht, den„wichtigen" Unterrichts- zweig, in allererster Linie zu versorgen, daß ihn aber gerade die steisinnige Schulverwaltung Berlins einschlägt, ist jeden- falls etwas Neues. Vielleicht erinnern sich die hochmögenden Herren im Rathause eines Tages auch einmal des Unterrichts im Deutschen: so lange kann die Schule getreulich warten. Daß sie nicht von ungestümen Mahnern an ihre Pflicht er- innert werden, dafür hat ja ihr Schutz- und Schirmvogt, Herr v. Studt, gesorgt, indem er die Schuldeputationen vor der sozialdemokratischen„Verseuchung" väterlich behütet hat. Gegen die Kinematographen macht schon seit längerer Zeit sich eine Mißstimmung bemerkbar, die aus der Sorge um das Wohl der Jugend entstanden ist. Es wird als bedenklich angesehen, daß durch die Kinematographen und ähnliche Schau- stellungen besonders Kinder angelockt werden, daß rber die dort ge» zeigten Szenen manchmal ganz und garnichtsürKinder geeignet sind. Ein Versuch, gegen die den Kindern von dort aus drohenden Gefahren die Oeffentlichkeit zur Gegenwehr auf- zurufen, wird durch den„Verein der Interessenten der 46. Ge- meindeschule" unternommen, der im Südosten der Stadt besteht und Lehrer wie Eltern zu Mitglieder» hat. In voriger Woche hat dieser Verein, der die Beziehungen zwischen Schule und Haus zu fördern sich bemüht,»ine öffentliche Versammlung ver- anstaltet, um über die„Kinematographen",„Bioskope".„Theater lebender Photographien" und wie diese Institute sonst noch sich nennen, eine Aussprache herbeizuführen. In dem einleitenden Referat eineS Herrn Julius Hildebrandt wie in den Ausführungen der meisten Diskussionsredner wurde anerkannt, daß Kinemato- graphen usw. ein wertvolles Bildungsmittcl sein können. Es wurde aber einmütig beklagt, daß durch manche Darbietungen dieser Institute die KindeSseele geradezu vergiftet werde. Als Beispiele hierfür wurden Liebesabenteuer, Verbrechen und ähnliche für ein Kindesauge ungeeignete Szenen angeführt, die man in Kinematographen usw. leider ebenfalls sehen könne. Ein allgemeines Verbot solcher„Sehenswürdigkeiten" wurde nicht ge- fordert. Wohl aber wurde es als dringend notwendig bezeichnet, daß sie wenig st ens den Augen der Kinder vorent- halten werden. Durch die Unternehmer und eventuell durch die Polizei solle dafür gesorgt werden, daß Kinder nur dann Zutritt erhalten, wenn die dargebotenen Szene» für sie geeignet sind. Von anderer Seite wurde betont, daß man die Polizei überhaupt nicht zu Hülfe rufen solle, und daß im übrigen von den Unternehmern ein Verzicht auf ihren Profit nicht erwartet werden dürfe. In Schule und Haus müsse die Jugend über den Unwert gewisser Dar- bietungen der Kinematographen usw. belehrt werden. Der Rektor der 46. Schule teilte mit, daß anscheinend die Schulbehörde eingreifen wolle; der Schulinspektor seines Schulkreises habe sich von ihm Bericht über diese Versammlung ausgebeten. Ein Redner warf der Lehrerschaft vor, daß sie sich viel zu gleich- gültig verhalte. Einer der anwesenden Lehrer suchte das daraus zu erklären, daß ihrem Einfluß auf die Schuljugend zu enge Grenzen gezogen seien. Welche Schwierigkeiten Arbeitern gemacht werben, wenn sie einmal die Landesversicherungsanstalt in Anspruch nehmen wollen, geht aus einem Fall hervor, der uns dieser Tage vorgetragen und durch vorgelegte Zeugnisse und Atteste bestätigt wurde. Der Maurer W. in Schöneberg ist 61 Jahre alt und leidet an starken Magen- Beschwerden. Er kann die Nahrung nicht mehr zerkleinern, weil ihm die Zähne nach und nach ausgefallen sind. Zur Verhütung dieser Beschwerden benötigt er eines Gebisses. Die Krankenkasse schickt den Mann zum Arzt, der den Uebelstand auch erkennt und die Beschaffung eines Gebisses für dringend notwendig erklärt. Mit diesem Attest geht der Maurer zur Kasse, die ihn nunmehr zum Zahnkünstler schickt. Dieser erachtet ein Gebiß mit 26 Zähnen a 3 M. für notwendig, die einen Kostenaufwand von 78 M. ver- ursachten. Damit ging's wieder hin zur Kasse. Diese erklärte sich bereit, 20 M. zuzuzahlen, während den übrigen Teil die Landesversicherung der Provinz Brandenburg tragen sollte. Jetzt wanderte W. nach dem Bureau der Landesvcrsicherung der Provinz Brandenburg in der Mathäikirchstraße. Hier erklärte man sich bereit, drei Fünftel zu zahlen, aber die Papiere genügten noch nicht, obwohl W. ein Schreiben der Kasse vorlegte, in welchem diese den Anspruch anerkannte und ihre Bereitwilligkeit zur Zahlung des Teilbetrages aussprach, außerdem legte W. das ärztliche Attest und das des Zahnkünstlers vor. Also wieder hin zur Kasse, die dem W. eine ganz spezialisierte Kostenaufstellung mitgibt. Dann gehts noch mal zum Arzt. Der wundert sich über das Verlangen der Anstalt. Weil es aber ein armer Teufel ist, um den es sich handelt, läßt er es sich nicht verdrießen und stellte ein etwas umfänglicheres Attest als das erste aus. das aber natürlich auch nichts anderes enthalten konnte als das erste, nämlich, daß der Maurer W. als Heilmittel notwendig ein Gebiß brauche«zur Ver- dauung und zur Verhütung seiner starken Magenbeschwerden". Damit bewaffnet geht es wieder nach der Mathäikirchstraße. Mit Ach und Krach erkannte man jetzt die Kassenbescheinigung und auch das ärztliche Attest an, aber die Sache hatte noch einen Haken. Das Gutachten des Zahnheilkünstlers genügte nicht. W. soll erst noch ein Gutachten eines praktischen Zahnarztes bringen. Jetzt ging ihm die Galle über, er hatte es satt, das ewige Laufen. Schon der Arzt hätte von ihm für Ausstellung des Gutachtens einen erheblichen Betrag verlangen können, jetzt befürchtet er sicher, daß ihm für das von der Landesversicherung verlangte, von einem praktischen Zahnarzt ausgestellte Gutachten große Kosten entstehen und ist auch dann nach seinen Erfahrungen nicht sicher, ob er das Gebiß erhält. Er erklärte rundweg, daß er nach allem befürchten müsse, daß nächstens noch eine Zeichnung oder Photographie über sein Mundwerk verlangt werde, er gehe nun keinen Schritt mehr. Die Landesversicherung wird nunmehr von ihm nicht weiter be- hclligt werden. Dieser Vorfall zeigt, wie schwer es den Arbeitern heutzutage gemacht wird, von den Institutionen, die doch für sie geschaffen worden sind, die von ihrem Gelde erhalten werden und deren segensreiche Tätigkeit nicht laut genug gerühmt werden kann, irgend etwas nennenswertes zu erhalten. Der Bureau- kratismus macht auch die Erlangung der geringen Borteile viel- fach zur Tortur. Heber elektrischen Vollbahnbetrieb hielt Reac-Bauineister Pforr, Oberingenieur der Allgemeinen Elettrizitätsgesellschaft, in deren Sitzungssaale einen recht anregenden Vortrag, dem zahl- reiche Personen des Verkehrswesens anwohnten. Im Eingange seines Vortrags, den er au Lichtbildern erläuterte, gab Baumeister Pforr einen interessanten Ueberblick über die bisherigen Ergeb- nisse des Wettstreits zwischen� Dampf und Elektrizität und zeigte, wie die letztere sich endlich durchgerungen, nachdem man im Bahn- betrieb zum Wechselstrom übergegangen sei. Der von der A.-E.-G. zwei Jahre lang durchgeführte Probebetricb auf der Spindlers- felder Staatsbahnstrecke habe so gute Ergebnisse geliefert, daß auch andere Firmen sich jetzt zum Bau von Wcchselstromlnotoren ent- schlössen hätten. Und da in Spindlersselde auch andere wichtige Fragen, so die Aufhängung der Arbeitsleltung, die Vielfachschaltung. die Sicherung der Starkftromlettung in den Wagen usw., gelöst worden seien, so eroberte sich dies Betriebssystem bald ein weiteres Eclb: zur Zeit feien 30 Bahnen mit einer Gesamtlänge von 1200 ilonietern teils im Betriebe, teils im Bau begriffen; sie arbeiten mit Spannungen zwischen 500 und 15 000 Volt und fahren mit Geschwindigkeiten bis zu 112 Kilometer pro Stunde. Um zu zeigen, daß der Wechselstrombetrieb in wirtschaftlicher Beziehung dem Dampfbetrieb mindestens ebenbürtig sei, ihm gegenüber aber ganz gewaltige Vorteile in Bezug auf Geschmindigkeit und Zugkraft biete, entrollte Redner ein kühnes Zukunftsbild, das nichts Geringeres zum Vorwurf hatte, als die Elektri» sierung des gesamten preußischen Staatsbahn» netzes, für die, nach Berechnung des Vortragenden, 30 Kraftwerke ausreichen würden. Die Energie könnte— zum Preise von 3� Pf. pro Kilowattstunde— am besten von dritten bezogen werben, die gleichzeitig nicht allein die Nobenanlagen der Staatsbahn(Krahne, Aufzüge, Werkstattmafchinen usw.) betreiben, sondern auch die Industrie und Laiwövirtschast mit Betriebskraft versorgen würden, da ja überall im Lande ein bequemer Anschluß ermöglicht würde. — Was die Ersparnisse anbetrifft, die der elektrische Vollbahnbetrieb mit sich bringen soll, sei nur ein Beispiel angeführt: Auf 100 Dampf» lokomotwen wären nur 64 elektrische Motorwagen zu beschaffen, die stets dienstbereit seien, keiner Kohle, keiner Anfeuerung, keines Wassers usw. bedürfen. Die Beschaffungskosten beider Zug- Maschinen stellten sich allerdings wie 1: 1,7, dafür aber habe die Dampflokomotive 76, leer 57 Tons, die elektrische Lokomotive nur 42 Tons Gewicht; schon daraus ergebe sich eine Ersparnis von 133 Millionen Mark. Dazu falle die Ausgabe für Kohle, 75 Milli- onen Mark fort, ebenso die Wasserversorgung, die Entschädigungen für Waldbrände usw. Und wenn auch einzelne Ansgabeposten, z. B. Bahnunterhaltung und-be wachung, höhere wären, als beim Dampf- betriebe, so belause sich doch die Gesamtersparnis au frund 163 Millionen Mark. Das Anlagekapttal, 880 Millionen Mark, werde sich mit 5 Proz. verzinsen lassen. Würden nun noch diejenigen Bahnlinien ausscheiden, für welche der elektrische Betrieb zur Zeit sich nicht empfehle, so werde sich das Endergebnis noch günstiger stellen. Jedenfalls sei schon heute eine ganze Anzahl von Staatsbahnlinien reis für den eleftrischen Betrieb, der allein eine ErhöhnngderFahrgeschwindigkeit und eine S t e ig e» rung der Zugkraft ohne Beeinträchtigung der Wirtschaftlich- keit gewährleiste In anerkennenswerter Weise habe die Staats» bahnverwaltung die Schnellfahrversuche auf der Militärbahnstrecke gefördert und im Anschluß daran sich jetzt entschlossen, einen neuen, praktischen Probe betrieb auf der Strecke Altona-Kiel(105 Kilometer) einzuführen, aus welcher die elektrischen Züge mit 120 bis 130 und später mit 150 Kilometer Fahrgeschwindig» keit verkehren sollen. Wenn man rücksichtlich der Landes- Verteidigung darauf hinweise, daß man durch Abschneiden des Stromes den eleftrischen Betrieb leicht lahm legen könne, so habe dieser Nachteil im Frieden doch auch sein gutes: man habe da die Möglichkeit, bei Betriebsgesahr die elektrische Lokomotive von der Station aus zum Stehen zu bringe», was bei der Dampfloko- motive nicht zu erreichen sei. Im Krieg e würde die letztere vor der Fron} freilich nicht zu entbehre» sein, dahingegen werde der fctefWftfc©«frt«5 Jen Aufmarsch uM» Nachschub der T�uMvKiPer wesentlich erleichtern und die gesamte Mobtlmachui�g beschleunigen. Zum Schluß führte der Vortragende noch einige interessante Auf-- nahmen von Triebwagen, Turbinen usw. vor und sprach den Wunsch aus, daß die'bisher erzielten Erfolge, an denen die preußische Staatsbahnverwalwng einen- hervorragenden Anteil habe, recht bald auch ausgenutzt werden möchten. "' Berliner Ashluercin für Obdachlose. Im Monat April nächtigten im Männer-Asyl 18 32ö Personen, wovon 7399 badeten, im Frauen» Asyl 2273 Personen, wovon 626 badeten. Auch Patienten verschiedener Heilstätten haben den 1. Mai nicht bornbergehen lassen, um auch ihrerseits in ihrer Art den Weltfeiertag zu feiern. Und sie haben recht, an diesem Tage besonders der Kämpfe zu gedenken, die ihre Arbeitskollegen und Klassengenossen draußen um Verkürzung der Arbeitszeit und gegen die kapitalistische Ausbeutung überhaupt führen. Gerade die in den Heilstätten Untergebrachten sind ja in erster Linie Opfer einer unmenschlich langen Arbeitszeit wie des kapitalistischen Systems. Die Maifeier der Patienten war einfach und schlicht. Es wurden Ausflüge in die Umgebung der Anstalt gemacht, dabei einige Freiheitslieder gesungen und in einem Falle eine entsprechende Ansprache gehalten. Dann ging's wieder heim in dem Bewußtsein, mit den Arbeitern der gesantten Kulturwelt einen Ehrentag des Proletariats gefeiert zu haben. Patienten aus dem PfleZcheim Burg Daber bei Wittstock an der Dosse und solche aus Beelitz sandten uns ihre Maiengrüße. Zu der Eisrnvahnkatafirophe auf der Spandauer Chaussee wird noch berichtet, daß am Donnerstagmittag der Chef des Militär» kabinetts, Graf v. Hülsen-Häscler, an der Unfallstelle geweilt hat, um sich über das Unglück und seine Ursachen im Aufttage des Kaisers zu orientieren. Es wird jetzt bekannt, daß der Eisenbahn- fiskus bereits seit dem Jahre 1884 eine Bahnüberführung an jener Stelle projektiert hatte und daß dann 2V Jahre später, also 1964, in der Tat die ausgearbeiteten Pläne dem damaligen Eisenbahn- minister vorgelegen haben. Es wurde damals beschlossen, der Angelegenheit näher zu treten, bis der Umbau des Bahn- Hofes Spandau zur Ausführung gelangt sei. Am Donnerstag- nachmittag erschienen Vertreter der Staatsanwaltschaft uyd der Polizeiverwaltung in Spandau, welche die Umgebung des Ortes, wo die Katastrophe stattfand, eingehend besichtigte». Ob es über- Haupt zu einer Anklage gegen den jugendlichen Schranken- Wärter kommen wird, ist mit Sicherheit noch nicht festzustellen- Der Angeschuldigte hat das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht und eS müßte ihm erst nachgewiesen werden, daß er zur Erkenntnis seiner Straftat die erforderliche Einsicht besessen hat. Die Direktion der Spandauer Straßenbahngesellschaft freilich behauptet, keinen Grund gehabt zu haben. an seiner Intelligenz zu zweifeln, weil er ordnungsgemäß instruiert gewesen und an dem Verhängnis- vollen Nachmittag auch in der Ausübung seiner Tätigkeit kontrolliert worden sei. Die Spandauer Straßenbahndirektion sollte eS lieber unterlassen, sich auch noch rechtfertigen zu wollen, denn in diesem Falle gibt es keine Rechtfertigung. Durch die Anstellung eines 17jährigen Menschen als Schrankenwärter hat sie in der leichtfertigsten Weise mit Menschen- leben gespielt. Nur um einem älteren erfahreneren Manne keinen höheren Lohn zahlen zu müssen, hat sie einen kaum der Schule entwachsenen Menschen an eine verantwortungsvolle Stelle gestellt und so unsägliches Unglück heraufbeschworen; alles nur, um ein paar Mark wöchentlich zu sparen. Daß auch dem EisenbahnfiSkus ein redlich Teil der Schuld an dem Unglück beizumessen ist, haben wir gestern schon betont. Bielleicht erfolgt jetzt, nachdem das Un- glück geschehen ist, von seiner Seite etwas schneller Abhülfe. Der Brunnen wird ja immer erst zugedeckt, nachdem baS Kind hineingefallen ist._ Die Stadt Berlin wird nun baldigst Besuch bekommen und zwar aus England. Aus London wird vom 2. Mai berichtet: In der heute in der Guildhall abgehaltenen Gemeinderatssitzung verlas der Lord Mayor ein Schreiben des Oberbürgermeisters Kirschner- Berlin, durch das die städtische Körperschaft herzlichst eingeladen wird, Berlin zu besuchen. Man beschloß, die Einladung anzu- nehmen und setzte vorläufig den 13. Juni für den Besuch fest. An der Fahrt werden 7 Aldermen, 40 Räte, die Sheriffs und zwei höhere Beamte der Körperschaft teilnehmen. Unregelmäsiigkeiten und Beruntreuungen in einem hiesigen Bankgeschäft. An der gestrigen Börse wurde bekannt, daß der Börsenvertreter einer hiesiger Bankfirma, Wegner, während der Chef verreist war, auf den Namen der Firma größere Engagements an der Börse einging, die�sich als verlustbringend erwiesen und die heute nach der Rückkehr des Firmeninhabers zur Regelung gelangten. Außerdem soll sich Wegner der Firma gehörige Wertpapiere ange- eignet haben, mit denen er flüchtig geworden ist. Der Schaden, den die Firma erleidet, soll etwa 69 000 M. betragen, doch gehen die Schätzungen noch wesentlich darüber hinaus. Ucber einen Eifenbahnunfall wird amtlich berichtet: Bei der Ueberführung des leeren Zuges 4 O. vom Betriebsbahnhof nach der Bahnhofshalle des Schlesischen Personenbahnhofs entgleisten gestern vormittag 11 Uhr 25 Minuten die beiden ersten Wagen auf bisher unaufgeklärte Weise. Personen sind nicht verletzt. Materialschaden gering. Einfahrt der Fernzüge von Osten und Ausfahrt der Stadt- bahnzüge nach Richtung Warschauerstraße auf voraussichtlich 3 Stunden nicht möglich. Zugverkehr wird durch Umleitung der Fernzüge und Kehren der Stadtbahnzüge mit geringen Verspätungen aufrechterhalten. AuS den Krallen des PleitegeierS scheint das Theater des W e st e n s nicht mehr herauszukommen. Der verstorbene Direktor Prasch hat sich an dem Unternehmen verblutet. Sein Nachfolger. der frühere Tenorbuffo B e l o r, wirtschaftete dann weiter mit reduzierten Gagen und verschlechtertem Repertoire. Die Bühne sank zusehends. Ein letzter Versuch mit Gastspielen in der komischen Oper mußte naturgemäß versagen. Nun ist die Pleite wieder fertig. Die Theaterleute trauern um uneinbringliche Gagenrückstände. Jetzt will es Direktor Monti, der bereits seit einiger Zeit mit der „Lustigen Witwe' im Theater des Westens gastiert, versuchen, das Schiff wieder flott zu machen. «nS der Selbstmordchronik. Großes Aufsehen verursachte gestern der Selbstmordversuch eines unbekannten jungen Mädchens an der Hobrechtbrücke. Den vorübergehenden Passanten war das Gebaren der Lebensmüden schon seit etwa einer Stunde auf- gefallen. Fortwährend blickte sie in das Wasser hinab, wagte es jedoch nicht, ihr Vorhaben auszuführen. Nach langem verzweifelten Hin- und Herwandern endlich sprang sie über das Brückengeländer hinweg in den Kanal und versank. Als sie wieder an die Ober- fläche kam, warf man ihr den Rettungsring zu, den sie jedoch von sich stieß. Durch hinzuruderndc Schiffer konnte die widerspenstige Selbstmordkandidatin dann aus dem Wasser gezogen werden. In besinnungslosem Zustande wurde sie in das Krankenhaus Am Urban gebracht.— In verzweifelter Notlage hatte sich gestern die erst 20jährige Schriftstellerin Alma Jürgens, die bei einer Frau D. in der Pariserstraße 59 wohnte, erschossen. Fräulein I. lebte ge- trennt von ihren Angehörigen, und da ihre literarischen Erzeug» nlsse anfangs recht gute Erfolge hatten, kam sie ohne Unterstützung aus. In den letzten Monaten änderte sich jedoch die Sachlage; vergeblich suchte die junge Schriftstellerin nach Abnehmern für ihre Schöpfungen. Sie geriet schließlich in bittere Not. Dazu kam ein erhebliches hysterisches Leiden. Gestern vernahm die Wirtin plötzlich einen lauten Knall aus dem Zimmer der I. Da die Tür verschlossen war, ließ man sie polizeilich öffnen. Auf der Chaiselongue lag Fräulein I. als Leiche. Sie hatte sich eine Kepoivukugel durch den Rund gejagt. Die Kugel war in den Kopf gcdrungeki und hakte sich dort festgesetzt. Die Leiche ist von der Polizei beschlagnahmt worden. Neber den entsetzlichen Vorfall in der Frankfurter Allee in der Nacht vom Sonnabend zun: Sonntag, bei welchem ein an dem Auf- lauf gänzlich unbetefligter Mann, der von der Arbeit heimkehrende Omnibuskutscher Janus, von dem Kriminalbeamten Kater nieder- geschossen wurde, ist es sehr schnell recht still geworden. Eine am Montag verbreitete Darstellung, die ans polizeilicher Quelle schöpfte, war eilfertig dabei, zu versichern, daß alle in Bettacht kommenden Zeugen die Angaben der Beamten, die in der Notwehr gehandelt haben wollen, bestättgt hätten. Uns ist aber bekannt,'daß am Mon- tag noch keineswegs dieZeugenvernchmung erschöpft war und auch heute noch nicht erschöpft sein soll. Daß die erst gegebene Darstellung aber erheb- liche Unrichtigkeiten enthält, geht auch aus einer Mitteilung hervor, die uns gestern noch gemacht wurde. In der anfänglich verbreiteten Korrespondenz war die Rede davon, daß der Ausgangspunkt deS blutigen Vorkommnisses das in der Niedcrbaniimstraße gelegene Nietsche Lokal gewesen sei und die Exzedenten sich aus dem Lokale von Radomski Hülfe geholt hätten. Wie uns nun der Besitzer deS.Cafö des Ostens', Herr Radomski, mitteilt, entbehrt diese Behauptung jeglicher Unter- läge. Herr R. halte stteng darauf, daß in seinem Lokale anständiges Publikum verkehre. DaS werde am besten auch dadurch bewiesen, daß er in seiner langjährigen Geschäftspraxis noch nicht nötig gehabt habe, Polizei in Anspruch zu nehmen. Unwahr sei auch die ver- schiedentlich verbreitete Nachricht, daß die Kriminalbeamten sein Lokal betteten hätten. Wenn sich auch die übrigen über den Vorfall verbreiteten Nach- richten genau so unrichtig erweisen sollten wie die über das„Cafo des Ostens' verbreitete, so dürste schließlich der Vorfall in einem ganz anderen Lichte erscheinen, als in dem von den beiden Beamten dargestellten. Eine umfangreiche Unglücksliste liegt vom Donnerstag vor. Nachmittag wurde im Lustgarten nahe der Schlotzfreiheit der 56 Jahre alte wohnungslose Händler Wilhelm Vandamme beim Ueberschreiten des Fahrdammcs von dem Omnibus Nr. 1010 der Linie 9 umgestoßen und überfahren. Er trug einen Bruch des linken Unterschenkels davon und wurde nach Anlegung eines Not- Verbandes nach dem Krankenhause Am Friedrichshain geschafft.— Der 33 Jahre alte Tischler Franz Jänicke geriet am Donnerstag- nachmittag mit seinem Zweirade in der Roonstratze vor dem Hause Nr. 8 unter den Vorderperron eines Straßenbahnwagens. Er mutzte in einer Droschke nach der Charite gebracht werden, wo eine erhebliche Verletzung am Hinterkopfe konstatiert wurde. In der Straße In den Zelten erfolgte Donnerstagnachmittag ein Zu- sammenstoß mit dem Gesckäftsautomobil IB 1191 der Firma A. Wertheim und einem Geschäftsdreirade des Bäckermeisters Thier in Charlottenburg. Das Dreirad wurde stark beschädigt und der 22 Jahre alte Hausdiener Fritz Finger stürzte auf den Straßen- dämm. Er erlitt eine erhebliche Verletzung an der rechten Hand und wurde nach der Charite gebracht, wo ihm die Wunde zugenäht und verbunden wurde.— Infolge Fehltretens kam der 47 Jahre alte Arbeiter Gustav Zillmann vor dem Hause Oranienstraße Nr. 74 zu Fall und zog sich einen Bruch des linken Fußknöchels zu. Ein Schutzmann und mehrere Passanten trugen den Verunglückten nach der Unfallstation in der Alexandrinenstraße, von wo dann seine Ueberführung nach einer Poliklinik in der Neuenburger Straße er- folgte.— Der 14 Jahre alte Sohn Erich des Oberpoftassistenten Otto Stiller hatte sich am Donnerstag ohne Erlaubnis des Vaters auf dem Dach des elterlichen Wohnhauses Mirbachstr. 27 aus Draht- geflecht und Latten einen Taubenschlag gebaut. Dieser wurde am Abend, da er nicht genügend befestigt war, von dem heftigen Winde abgerissen, stürzte auf die Straße und ttaf die an dem genannten Hause vorübergehende 25 Jahre alte Ehefrau Ida des Werkführers Robert Rudorf. Frau R. trug eine Muskel- und Sehnenzerrung am Halse davon.— Der 3jährige Knabe Robert Hildebrandt, dessen Eltern in der Skalitzerstr. 12 loohnen, geriet gegen 4 Uhr nach- mittags vor dem Hause Admiralstt. 12 unter einen herannahenden Motorwagen der Straßenbahnlinie 99. Mit Hülfe von Straßen- Passanten wurde der Wagen angehoben und der Knabe hervor- gezogen. Er hatte eine erhebliche Verletzung des Unterleibs sowie Wunden am rechten Unterarm und am Kopf erlitten und mußte nach dem Krankenhause Am Urban gebracht werden. Arbeiter-Bildunsssschule, Berlin, Grenadierstr. 37. Der Unterricht in Natur-Erkenntuis beginnt heute abend. Zahl- reicher Besuch wird erwartet. Die studentischen Unterrichtskurse für Arbeiter und Arbeite- rinnen wollen den Hörern, besonders älteren Arbeitern, die nicht mehr die Fortbildungsschulen besuchen küimen, zu einer gründlichen Ausbildung in den elementaren Unterrichlsfächern, in Deutsch, Rechnen, Geometrie und Geographie. Ge- Icgenhcit bieten. In erster Linie sollen die Teilnehmer richtig schreiben, sprechen und rechnen lernen. Der Unterricht wird von Studenten der Berliner Universität erteilt. Das Unternehmen wird gelettet durch eine aus ihrer Mitte gebildete Kommission unter Mitwirkung von Verttauensleuten der Hörer.— Im allgemeinen werden in eine höhere Stufe desselben Unterrichtsssches nur die- jenigen Hörer aufgenommen, welche die vorhergehende besucht haben. Neu eintretende Hörer werden dringend gebeten, sich mit den bei der Anmeldung anwesenden Studenten genau zu besprechen, welche Stufe für sie geeignet ist. ES ist den Hörern in ihrem eigenen Interesse zu raten, in jeden, Halbjahr nicht mehr als zwei Kurse zu belegen. Im voraus wird' die Leistungsfähigkeit leicht über- schätzt. Der Stundenplan wird bei der Anmeldung bekannt gemacht. Nähere Mitteilungen über die Art deS Unterrichts und die Organi- satton des Unternehmens erhalten die Teilnehmer auf einer all» gem einen Hörerversammlung, die am Dienstag, den 30. April, abends 8 Uhr, im großen Saal des Zentralarbeitsnachweises, Eingang Gormann. straße 13, stattfindet und bei der Anmeldungen ebenso wie am Mittwoch, 1. Biai 8— 9% Uhr abends, Rückerstraße S, linker Seiten- aufgang, entgegengenommen werden. Aus den Maiprogrammen der Varietes. Mal was anderes, sagte sich die Direktion des Apollo-Theaters. indem sie sich den rheinischen Burlesk- Komiker H a r t st e i n mit seinem Ensemble verschrieb. Hartstein steht im Mittelpunkte des von ihm selbst verfaßten Schwankes:„Der lustige Witwer', worin sich der Verfasser als ein Komiker von starkem Talent er- weift. Der an tollen Verwechselungen reiche Schwank aus dem Kölner Karneval läßt das Publikum aus dem Lachen gar nicht herauskommen. Auch sonst hat das Programm verschiedene gute Nummern aufzuweisen, so das Athletenpaar LeS Landros und die Exzentriker Delbosh Bros. DaS Budapester Possentheater Folies Kaprice hat sein bisheriges Prograinm um einen neuen ungarischen Schwank: „Eine Katastrophe" erweitert. � Im Walhalla-Variete- Theater am WcinbergSweg wechseln sich mehr oder minder tüchtige. Tänzerinnen und Soubretten mit sehr geschickten Kunsttadfahrern. Drahtseilkünstlern und akrobatischen Exzentrikern ab. Gute Wirkung erzielte der Münchener Gesangskomiker Max Hermann. Als ein äußerst geschickter.Handkünstler entpuppte sich MassiaS O'Connor, und seine Vorführungen können auch eine gewisse Originalität beanspruchen. Nicht nur benützt der junge Mann seine Hände — ohne jede Hülfsmittel— zu musikalischen Vorträgen und Zauberkunststückchen, sondern vor allem dazu, die verschiedensten Schattenbilder auf die Leinwand zu werfen. Auf der Treptower Sternwarte spricht Dozent JenS Lützen am Sonntag, den 5. Masi nachmittags um 6 Uhr� über:„Vulkanische Erscheinungen auf der Erdoberfläche', um 7 Uhr über: „Das Leben im Weltall". Das Thema für den Montag-Vorttag, abends 9 Uhr, lautet:„Die Sonne und ihre Oberfläche".— Am Himmelfahrtstage, Donnerstag, den 9. Mai, lautet das Thema um b Uhri.Dip veueflm Ausbrüche deS Vesuv", und um 7 Uhr wird die höchst inkeressante Fraget„Können wir uns mit dem Mars verständigen?" in einem Vortrage, der ebenfalls wie alle übrigen mit zahlreichen Lichtbildern ausgestattet ist, behandelt werden.— Mit dem großen Fernrohr werden während der ganzen Woche nachmittags die„Sonne", abends der„Jupiter", später ein interessanter„Doppelstcrn",»Nebelflecke" oder„Sternhaufen" gezeigt. In der Maiversammlung im„Deutschen Hof" in der Luckauer Sttaße ist ein farbiger Schirm verloren gegangen. Der Finder wolle ihn an M. Werthmüller, Culmstr. 27, abgeben.— Bei der Maifeier im„Volksgarten-Theater" auf dem Gesundbrunnen sind drei Regen» schirme stehen geblieben. Dieselben können jederzeit in der Vor- wärtsspcditton. Stettiner Straße 10, abgeholt werden. Feuerwehrbericht. Gestern wurde die Feuerwehr dreimal nach der Havelbergerstr. 17 gerufen, wo durch Unvorsichtigkeit ein kleiner Wohnungsbrand ausgekommen war. Gleichzeitig wurde die Feuer» wehr nach der Linienstr. 104 alarmiert, wo Gardinen brannten. Zwei Kellerbrände beschäftigten die Wehr in der Rykestr. 31 und Straußbergerstr. 46, Holz, Ballen, Stroh, Lumpen u. a. brannten dort. Der 5. Zug mußte in der Eisenbahnstr. 11 einen Brand löschen, der in einer Küche ausgekommen war. Wegen eines Ladenbrandes erfolgte ein Alarm nach der Prinzenstr. 105. Der 19. Zug hatte in der Mauerstr. 13 ein Verkehrshindernis zu be- fettigen. In der Höchstcstt. 25 brannte Müll u. a. Ferner hatte die Wehr in der Lützowstr. 38, Mcmelerttr. 50, Dennewitzstr, 4 und anderen Stellen zu tun. Vorort- JVacbricbteiis Nixdorf. Ein Familiendrama ist in der gestrigen Nacht durch einen Zufall nicht zur Vollendung gekommen. Der in dem Hause Fnedelstt. 56 wohnhafte Schneidermeister Karl Nielges versuchte seine aus Frau und drei Kindern bestehende Familie und sich selbst durch Gas zu töten. Ueber die Beweggründe zu dem Drama wird uns folgendes berichtet: Nielge lebte mit seiner Frau in glücklicher Ehe, und erst in letzter Zeit wurde das häusliche Glück durch erhebliche Geschäftsverluste getrübt. Infolge der großen Verluste geriet Nielges in eine äußerst nervöse Stimmung, die sich von Tag zu Tag steigerte. Am Donnerstagmorgen erklärte er seiner Frau, er müsse ein wenig an die ftische Lust gehen, da er heftige Kopfschmerzen verspüre. In kurzer Zeit werde er wieder zurückkehren. Als nun Stunde um Stunde verrann, ohne daß sich N. wieder bei seinen Angehörigen einfand, geriet die Frau in Besorgnis. Abends gegen 10 Uhr end» lich kehrte N. heim; er legte sich sofort zu Bett. Frau R. arbeitete noch bis 11 Uhr und ging dann gleichfalls schlafen. Gegen 4 Uhr morgens wachte sie mit einem Geftihl starker Benommenheit im Kopfe auf und merkte sofort, daß das Zimmer mit Gas angefüllt war. Sie sprang aus dem Bett und gewahrte nun, daß der Gashahn der Hänge» lampe, den sie vor dem Schlafengehen geschlossen hatte, offen stand. Sie drehte ihn zu und wollte schleunigst das Fenster öffnen. Jtt diesem Augenblick sprang auch ihr Mann aus dem Bett heraus und hielt seine Frau fest. Erst nach einiger Zeit gelang es der Frau die Fenster zu öffnen und den Mann zu beruhigen. N. hat morgens 6 Uhr die Wohnung verlassen und ist seitdem nicht wieder zurück- gekehrt. ES wird angenommen, daß er sich ein Leid angetan hat. Ucber die Eröffnung der Fürsorgestelle für Säuglinge, auf die wir bereits hingewiesen haben, wird uns folgendes mitgeteilt. Schon in der ersten Sprechstunde wurden dem leitenden Kinderarzt drei- zehn Säuglinge vorgestellt, so daß die auf eine Stunde berechnete Sprechzeit erheblich verlängert werden mußte. Man darf hiernach annehmen, daß diese neue Einrichtung einem wirklichen Bedürfnisse entspricht, und hoffen, daß sie sich einer wachsenden Inanspruchnahme erfreuen wird. Charlotteubnrg. Ein verhängnisvoller Stubenbrand brach gestern morgen 10 Uhr in der Wohnung des Hausdieners Liskow, Krummestr. 5, aus. Während Liskow seinem Beruf nachgegangen war, hatte sich seine Frau nach Westend in die Laubenkolonie begeben, um dort ihre Hühner zu füttern und ließ sie bei dieser Gelegenheit ihre beiden Kinder, einen dreijährigen Knaben und ein anderthalbjähriges Mädchen allein. Als sie nach 2 Stunden zurückkehrte, traf sie mit der gerade anrückenden Feuerwehr zusammen, die zum Löschen des in ihrer Wohnung ausgebrochenen Brandes alarmiert worden war und sich sofort an die Rettung der schwer gefährdeten Kinder machte. Der Knabe konnte unverletzt der Mutter übeigtchcn werden, während baS Mädchen schwerverletzt unter seinem Bettchen hervorgezogen und nach Anlegung eines Notverbandes in das städtische Kranken- haus gebracht wurde. An dem Aufkommen des Kindes wird ge- zweifelt. Ter Polizeipräsident von Charlottcnburg, Geheimer Regie- rungsrat Strifensand, ist gestern morgen um 3 Uhr an den Folgen einer Operation verstorben. Schöneberg. Schwer verletzt wurde vorgestern nachmittag der Maurerpolier Gustav Breitor, der jaus dem Neubau Grunewaldstr. 25— 26 beschäftigt war. Eine große schwere Glastür, die nach der zweite» Erage hinausgeschafft werden sollte, kaut zu Fall und stürzte dem Bi direkt ans den Kopf. Blutüberströmt wurde der Verunglückte nach der Unfallstatton in der Hcrbcrtstraße gebracht. Der Kops wies zahlreiche klaffende Wunden auf. Nach Anlegung von Notverbänden wurde B. in daS Schöneberger Krankenhaus eingeliefert. Wilmersdorf. Dir neue Polizeiorganisation in Wilmersdorf hat bereit? zur Maifeier Zeugnis von einer gewissen Tüchtigkeit abgelegt. Die Behörde hat in ihrer steten Sorge, die Spießbürger vor dem Geiste der Revolutton zu bewahren, das Maifestprogrämm in bekannter genialer Weise korrigiert. Die„Marseillaise", ein einaktiges Schau- spiel, das fast überall unbeanstandet aufgeführt wurde, verfiel der Zensur, ebenso das Freiligrathsche Gedicht„Die Revolutton'. Auch der Magisttat erfüllte seine Mission und lehnte das Gesuch des Wahlvereins, ihm die Benutzung eines Teiles des direkt ans Vereinölokal anstoßenden öffentlichen, das heißt also auS dem allgemeinen Steuersäckcl bezahlten Spielplatzes für die NachmittagSstunden des 1. Mai zu gestatten, um unter sachgemäßer Leitung der Turner für die Proletariersinder Spiele arrangieren zu lassen, rundweg ab. Trotzdem nahm das Proletatterfest einen großartigen Verlauf. Die letzte Stadtverördnetenversammlimz nahm die Wahl von 10 unbesoldeten Stadiräten vor. Gewählt wurden die Stadt- verordneten Dr. Beyschlag, E. Müller, Rüger, Steinborn. Weber; außerdem Rentter Fuhrmann. Baumeister Schnak, Kamps. Rentter Kühne und Ramrath. Für die Berttewng an der Gemeindeschule II. die aus Anlaß der Teilung von den untersten Klassen notwendig wird, wurden 1390 M. bewilligt. Die Stadtverordnetcnferien wurden für die Monate Juli und August festgesetzt. RummelSburg. Bei Ausübung seines Beruf» hat varyestern der 2gjShrige Rangierer Hermann Biller auS der Pfarrstr. 47 den Tod gefunden. B. war auf dem Runnnelsburger Rangicrbahnhof tätig gewesen. Vorgestern nachmittag versuchte er beim Rangieren aus einen m der Fahrt befindlichen GütcrwaMon zu springen. Er glitt dabei vonl Trittbrett ab und stürzte unglücklicherweise vor die Räder des nachfolgenden Wagens. Diese gingen ihm über beide Oberschenkel hinweg und trennten sie vollständig vom Leihe. Der Tod trat anj der Ste.Se ein. Stralan. Neber ,, Soziale Kommunalpolitik" referierte in einer öffentlichen Versammlung Genosse Fendel Weißenfee. Dem beifällig aufgenommenen Referat folgte der Bericht des Gemeindevertreters Buck. Derfelbe teilte unter anderem mit, daß die Schule jetzt aus fieben Klassen besteht. Jedoch müsse bei dem steten Anwachsen der Gemeinde eine Erweiterung der Schule vorgenommen werden. Für bier Monate, Dezember bis Ende März, wird alljährlich für die Kinder der überwinternden Schiffer eine Extraklasse eingerichtet. Der Antrag unseres Vertreters betreffs Einrichtung einer Fortbildungsfchule für Stralau wurde von den Bürgerlichen abgelehnt. In der Diskussion hierüber wurde der ablehnende Standpunkt allgemein scharf getadelt. Zum Schluß forderte der Vorsitzende die Anwesenden auf, eine regere Agitation für den Wahlverein und den Borwärts" zu entfalten. Treptow. Diebische Sportfreunde haben vorgestern Nacht in dem im Restaurationsgarten von Kühn an der Oberspree bei Treptow be Tegenen Bootshaus einen Einbruch verübt. Sie erbrachen das Portal und fuchten sich unter den vorhandenen Booten mit Kennerblid den beften Einstuller heraus. Auch sämtliche Zubehörteile stahlen die dreisten Diebe. Ober- Schöneweide. Eine neue evangelische Kirche bekommt Ober- Schöneweide und bereits am Sonntag foll die Grundsteinlegung zu derselben erfolgen. Es wäre an sich dieses Ereignis für uns kein Anlaß, davon Notiz zu nehmen, wenn den Schulkindern nicht zugemutet würde, bei dieser Festlichkeit in den Straßen Spalier zu bilden. Es sei deshalb darauf hingewiesen, daß ein Zwang auf die Kinder zur Spalierbildung nicht ausgeübt werden kann, und bei Nichtbeteiligung an dieser Feier denselben auch keine Nachteile entstehen. Bei un günstigem Wetter können sie höchstens vor Erkältung verschont bleiben. Pankow. Die letzte Gemeindevertretersbung beschäftigte sich mit dem Ab schluß eines Vertrages mit der Boden- Attiengesellschaft betreffs Uebernahme der Straßenregulierungsarbeiten in Gemeinderegie. Für Umgemeindung von zwei Grundstücken wurde eine Entschädigung an die Gemeinde Mühlenbeck in der Höhe von 4000 M. gezahlt. In dem von der Gemeinde türzlich erworbenen Bürgerpart sollen nunmehr entgegen einem früher gefaßten Beschluß die alten Baulichkeiten neu ausgebaut und zu Restaurationszweden hergerichtet werden. Die gesamten Umbauten und Kanalisationsanlage werden der Gemeinde 40 000 m. tosten, einbegriffen sind auch die Reparaturfosten für das prächtige Eingangstor, einer Nachbildung des Pariser Triumphbogens. Ein Regulativ betreffend die Bewilligung schulgeldfreien Unterrichts auf den hiesigen höheren Lehranstalten, wird nach längerer Beratung angenommen. Hervorzuheben ist, daß Gemeindeschüler bezw. Gemeindeschülerinnen Aufnahme finden, wenn dieselben mindestens die vier untersten Klassen bei gutem Betragen und regelmäßigem Fleiße mit ausgezeichnetem Erfolge durchgemacht und von ihren Rettoren für besonders befähigt zum Besuche einer höheren Lehranstalt empfohlen werden. Des weiteren wurde beschlossen, zum 1. Oftober eine neue Vorschulklasse zu errichten. Bei der Wahl eines Mitgliedes zum Waisenrat wurde von unseren Genoffen wiederum angeregt, auch Frauen zur Armen- und Waisenpflege mit heranzuziehen. Der Bürgermeister Ruhr erklärte, dieser Anregung sympathisch gegenüber zu stehen und derselben nähertreten zu wollen. Des weiteren wurden die Mittel für einen dritten Lehrer zur Leitung von Jugendspielen bewilligt. Der verstorbene Bantier Bleichröder hat der Dorfgemeinde Bantom ein Legat von 6000 M. bermacht, mit der Bestimmung, daß die Zinsen an be dürftige Armen verteilt werden. Das Legat wurde angenommen und soll die landesherrliche Genehmigung dazu nachgesucht werden. Die Aktiengesellschaft für Grundbesib und Hypotheken hat vor einem Jahre mit der Gemeinde vereinbart, Teile der Eichengrabens für den Preis von 250 M. die Rute zu verwenden. Da der Kaufvertrag noch nicht abgeschlossen ist, so beschloß die Gemeindevertretung, einen höheren Preis zu fordern, dies um so mehr, als die Gesellschaft felbft mehr als das Doppelte der obigen Summe fordert. Hohen- Schönhausen. Wenn ich durch Intrigen die Entlassung des Hirsch Ein Millionärssohn als Betrüger. Der 29jährige Johann erstrebt hätte, wäre das die größte Torheit von mir ge- Gerassy, ein Sohn des verstorbenen zwanzigfachen Millionärs, wesen, da ich ihm ja dadurch die Möglichkeit der Rückzahlung wurde auf Requisition der Wiener Polizei in Nizza wegen Be des Darlehns genommen hätte. Hirsch erklärte mir nach seiner truges verhaftet, weil er beschuldigt wird, verschiedenen Wiener Entlassung, er werde sich keine Mühe geben, sich eine andere Stelle Firmen und Geldgebern Barbeträge von 56 000 Stronen herauszu verschaffen. Um mehrere Stellen, die ich ihm nachwies, hat er gelodt zu haben. Das Auslieferungsverfahren ist eingeleitet. fich nicht bemüht. Trozdem gab ich ihm, da er frank geworden Bei einer Feuersbrunst sind nach Pariser Meldung in der war, eine Zeitlang monatlich 180 M. unter steter Berwahrung, Ortschaft Guerins von 81 Wohnhäusern 71 niedergebrannt. Der daß ich nicht dazu verpflichtet sei. Hirsch behauptete in der er- Schaden ist bedeutend und die Mehrzahl der Bewohner leidet wähnten Gerichtsverhandlung, ich hätte ihm versprochen, monatlich große Not. 200 M. zu zahlen, bis er eine andere Stelle habe; ich sei aber Immer noch der Winter. Der gestern von Reval ausgelaufene wortbrüchig geworden. Tatsache ist aber, daß ich ihm am Eisbrecher Jermat" ist östlich von der Insel Hogland auf dichte, 11. März 1905 schrieb: Wie lange ich Ihnen das Gehalt zahle, unbewegliche Eismassen gestoßen und deswegen nach Reval zurüc hängt von mir ab". An diesem Standpunkte habe ich stets fest- gefehrt. gehalten." Die Beweisaufnahme in dem neuen Verhandlungstermin wird wohl Aufklärung darüber geben, wie die nach der Darstellung beider Teile sowohl des Herrn Hirsch wie des Herrn Kaplan- etwas mysteriöse Angelegenheit sich tatsächlich verhält. Die betrunkene Aufsicht. In Algier hat starter Frost großen Schaden an den Wein bergen angerichtet. Leute, bie beschuldigt werden, in der Nacht zum 10. April das Haus Nachklänge zum Lissaboner Brand. Gegen drei spanische Kaufin der Magdalenenstraße in Brand gesteckt zu haben, um die Ber sicherungssumme einzuziehen, ist jetzt Anklage erhoben worden. Eine merkwürdige Trinkeraffäre", die nicht des Sumors ent. Das Großfeuer hatte bekanntlich 15 Personen das Leben gekostet. behrt, bildete die Ursache eines Rechtsstreits, mit dem sich am Hochwasser. Da der Dniepr über die Ufer getreten ist, haben Donnerstag die vierte Kammer des Kaufmannsgerichts zu beschäf- biele Hundert Wohnungen der Kiewer Unterstadt von den Betigen hatte. Klägerin ist die Verkäuferin Martha B., die vom wohnern geräumt werden müssen. Etwa 250 Familien haben in Warenhaus Wilhelm Stein wegen Erregung öffentlichen Merger- der Markthalle Unterkunft gefunden. Der Schaden, der hauptnisses" sofort entlassen wurde. Der Entstehung dieses Merger- sächlich den ärmeren Teil der Bevölkerung getroffen hat, ist be niffes liegt folgender Sachverhalt zugrunde. Im Hause der be- trächtlich. Bei der Station Alexandrowsk hat der Dniepr die klagten Firma war ein Fräulein als Aufsichtsdame angestellt, von Gleise der Südbahn überschwemmt und diese gezwungen, bon der der das Personal ihrem ganzen Benehmen nach annehmen mußte, Station Alexandrowsk ab die Annahme und Verfrachtung von daß sie den Göttern Gambrinus und Bacchus zu untertan war. Gütern einzustellen. Käufern gab sie häufig ganz falsche Auskunft; wollte jemand Likör- Explosion im Pulvermagazin. In Kanton explodierte nach gläser haben, so schickte sie ihn in die Porzellanabteilung; einen Re- einer Meldung aus Hongkong vorgestern abend ein Bulvermagazin. fleftanten für Bukartikel wies sie zum Lebensmittellager. Einmal 21 Leichen sind bis jetzt gefunden worden. Die Zahl der war sie rüdlings in eine Gierkiste, ein anderes Mal Berlebten beträgt etwa 100. 15 Gebäude find mit dem Kopf in einen Sad boll Erbsen ge- bollständig zerstört, über 100 Gebäude ernstlich fallen. Troß dieser schwerwiegenden Indizien fehlte doch das beschädigt. Die historische fünfstödige Bagode ist ebenfalls wichtigste Beweisstüd. Als sich die Klägerin nun eines Tages bei leicht beschädigt; ein etwa 200 Fuß langes Stüd der Stadtmauer der Oberaufsichtsdame über das Benehmen des Fräuleins be- ist zerstört. Schwerte und andeutete, daß sie trinken müsse, sagte ihr diese: Die Explosion ist anscheinend durch eine Unvorsichtigkeit des " Ohne Beweise tann ich nichts machen. Schaffen Sie mir diensthabenden Offiziers hervorgerufen worden, denn man hat Beweise!" Und die Klägerin tam dieser Aufforderung mit seine Leiche mit einer Tabatpfeife in der Hand gefunden. Nach seltenem Pflichteifer nach. Ihre Mutter machte sich in Gemein neueren Meldungen beträgt die Zahl der bei der Explosion Ber. fchaft eines Herrn während der Tischzeit an das Fräulein Aufsicht letten mehrere hundert. heran, stellte sich unter dem falschen Namen„ Klein" vor und lud sie zu einem Gläschen Bier ein. Aus dem einen Glas wurden dann vier, wozu noch acht diverse Litöre traten. Die Klägerin hatte von ihrem Trid" bereits das Personal verständigt, das in corpore am Eingang Posto faßte. Das hatte zur Folge, daß sich auch auf der Straße eine Menschenmenge angesammelt hatte, welche die von der Kneiperei dem Geschäft Zuwankende unter lautem Rufen:" Die betrunkene Aufsicht kommt!" begrüßte. Die Auffichtsdame wurde sofort entlassen, aber mit ihr auch die se lägerin. Das Kaufmannsgericht wäre zu einer Verurteilung der Firma gekommen, zumal die Klägerin der Aufforderung der Oberaufsichtsdame zur Schaffung von Beweisen folgen zu müssen glaubte. Die Beklagte zahlte aber vor Urteilsfällung freiwillig das Restgehalt. Aus der Frauenbewegung. Billige Arbeitskraft. Dampfer Silberlip mit einer Ladung Benzin von Singapore nach In Brand geraten. Einer Lloydsmeldung zufolge ist der London bestimmt, im biskajifchen Meerbusen am 1. dieses Monats in Brand geraten und von der Mannschaft verlassen worden. Fünf Mann der Besabung sind umgekommen, der Rest, darunter vier mit schweren Brandivunden, ist aufgefischt und in Blumouth gelandet worden. Briefkaften der Redaktion. eine Treppe( Sandelsstätte Bellealliance, Durchgang auch Lindenftr. 101), Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Die juristische Sprechstunde findet Friedrichstr. 16, Aufgang 4, wochentäglich von 12 bis 9 1hr abends statt. Geöffnet 7 Uhr. Buchstabe und eine Zahl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. B. S. 25. Strafbar machen Sie sich nicht, wenn Ihr Kind an dem Konfirmandenunterricht nicht teilnimmt. Wenn es tonfirmiert werden soll, muß der Taufschein beigebracht werden. M. A. 40. 1. Die Genehmigung ist von der Mutter zu erteilen. 2. Die Betten find herauszugeben. Trennung 100. Das von Ihnen Borgetragene reicht zur Große Klage wird in dem Organ der Wäscherei- und Plätterei- Scheidung nicht hin. Würden Sie geschieden werden, so bleiben Ihnen die befizer darüber geführt, daß es Geschäfte gibt, die Lehrlinge in Verpflichtungen ben Kindern gegenüber und falls Sie für den schuldigen Teil erklärt werden, auch Pflichten der Frau gegenüber. A. G. G. 14. 8-12 Wochen im Blätten ausbilden. Es soll darauf gedrungen Die Mutter soll sich beschwerdeführend an das Vormundschaftsgericht werden, eine einjährige Lehrzeit einzuführen, weil bei der kurzen wenden. Lorentscheit. Der Chef ist im Recht. Die Kündigungsfrist Lehrzeit die Ausbildung eine durchaus ungenügende sei. Auch für Handlungsgehülsinnen beträgt, wenn keine andere Vereinbarung gedarum sei die Lehrlingszüchterei vom Uebel, weil sie den Aus- bildern troffen ist, sechs Wochen zum Schluß des Quartals, muß also spätestens am billige Arbeitskraft zur Verfügung stelle. So flingt es ganz plausibel 17. Februar, 19. Mai, 19. Auguft oder 19. November dem anderen Tell und selbstlos. Aber der Pferdefuß läßt sich nicht versteden. Der zugegangen sein. Durch Vertrag tann eine fürzere Sündigungsfrist berKonkurrenzstreit beim Unternehmertum ist wahrhaft ergößlich. Man einbart werden, fie darf aber nicht weniger als einen Monat betragen. Es beklagt sich über die Lehrlingszüchterei, um sich der billigen Lehrlings- muß dann spätestens am 30. April für den 31. Mai dem anderen gekündigt sein. arbeit noch länger erfreuen zu fönnen. Es wird nämlich eine einjährige oder wegen Alimenten zulässig. K. P. 100. Lohnbeschlagnahme ist nur wegen rüdständiger Steuern Ein großer Brand in der Löwen- Brauerei alarmierte gestern Behrzeit verlangt. Das ist des Pudels Kern. Daß dem Plätterei- sprechend aus dem Berein ausgeschieden. Zucker. Ihr Sohn ist dem Statut ent 23. K. 45. Um Ihre An mittag die Feuerwehren von Hohen Schönhausen, Lichtenberg, befizer von einem Mädchen, welches ein ganzes Jahr gänzlich oder rechte aufrecht zu erhalten, fleben Sie, nachdem Sie selbständig geworden Wilhelmsberg, Weißensee und schließlich die Berliner Wehr. In dem doch fast vollständig gratis arbeitet, noch mehr Nußen zufällt, als find, weiter. Sie können sich auswählen, welche Lohnklasse Sie nehmen Malzborratsboden tam um 12 Uhr Feuer aus und verbreitete fich wenn es fechs bis acht Wochen mit Zuzahlung lernt, wird jedem wollen und müssen innerhalb zwei Jahren mindestens 20 Marten geflebt in furzer Zeit auf die eine Hälfte der Mälzerei. Die Mannschaften Laien einleuchten. Gerade in der ersten Zeit soll und muß doch die haben. 2. N. 30. Leider entspricht die Pension den gesetzlichen Be der genannten Vorortwehren glaubten anfangs ohne Berliner Hülfe Ungeschicklichkeit der Anfänger überwunden und beseitigt werden. ftimmungen. Th. C. 119. Ein uneheliches Kind beerbt nur seine den Brand bewältigen zu können. So tam es, daß die Berliner Wenn nun nach einigen Wochen Mutter, nicht seinen Bater. um mit dem Wäschereibesiger der Anstalt steht Ihnen nicht zu. Die Versicherungsanstalt ist nur befugt, G. S. 1875. Ein Necht auf Aufnahme in Wehr erst verhältnismäßig spät an der Brandstätte erschien. Mit zu reden die Mädchen nur ungenügend ausgebildet find, so trägt wohl Sie aufzunehmen. Ste müßten sich deshalb an die Versicherungsanstalt Dampf und Handdrudsprisen griff sie unter Aufstellung von nicht die furze Lehrzeit, sondern das System der Ausbildung die Schuld. wenden. Db bie Rente richtig berechnet ist, ist ohne Einsicht in mechanischen Leitern in die Löschaktion ein. In vorgerüdter Nach- Gerade das ausgedehnte Lehrlingswesen trägt dazu bei, dem Unter den Bescheid nicht zu beantworten. Ein Institut für unentgelt. mittagsstunde gelang es erst den vereinigten Mannschaften, des nehmer die Taschen zu füllen und ist Schuld daran, daß aus- liche Rentenuntersuchung ist uns nicht bekannt. 23. W. Nein. Feuers Herr zu werden. Die Entstehung des Brandes wird auf gelernte Arbeiter und Arbeiterinnen öfter brotlos gemacht und Deutscher Anfer. Die Bolice und das Statut der Gesellschaft ist uns Kurzschluß zurüdgeführt. Der Schaden durch Feuer und Wasser ist minderwertig bezahlt werden. Zur Einführung der all- nicht bekannt. Ohne Kenntnis des Inhalts beider ist Ihre Frage nicht zu bedeutend. gemeinen einjährigen Lehrzeit für die Plätterei haben die Räume müssen den polizeilichen Bestimmungen entsprechen. 2. R. 104. 1. Nur mit Zustimmung des Wirts. 2. Die F. R. 17. Schenkendorf. Blättereibefizer die Handelskammer angerufen, doch diese scheint Nein. J. K. 100. Wenden Sie sich direkt an den Parteivorstand. fich mit der Angelegenheit nicht befassen zu wollen. Pauline 86. Nein. 2. S. 33. 1. Eine Pfändung ohne vorherige Ueber Swed und Ziele der Sozialdemokratie" referierte in unsere Blättereibefizer sind aber Leute, die der Erwerbsarbeit der Klage ist unmöglich. Sie hätten in dem Termine fich vertreten sollen oder der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins Gen. Heinig. Frauen wohlwollend gegenüber stehen. Die Herren werden senti- gegen den etwa erlassenen Zahlungsbefehl Widerspruch erheben. 2. StrankheitsAls vor Eintritt in die Tagesordnung die Versammelten, darunter cine Anzahl Frauen, das Ableben des Genossen Auer ehrte, rügte mental, sie wollen durch die Frauenarbeit das Familienleben wieder verdächtiges, dessen Gesundheitsgefährlichkeit beseitigt ist. P. S. 62. Die Ent herstellen oder verbessern. Durch die gemeinsame Arbeit im Blätterei- mannsluft. Auch in Deutschland, aber selten. der überwachende Beamte, daß sich die Frauen baran beteiligten. betriebe ist Mann und Frau in der Häuslichkeit zusammen und wird scheidung, ob Sie für die von Ihrem Kinde zerbrochene Scheibe erfaz Der Referent ging in seinem Referat auf die Einwände des Beamten pflichtig seien, hängt davon ab, ob der Richter annimmt, der Schaden wäre ein und zeigte den Frauen, wie schlecht es mit ber Gleichberechtigung nicht so von einander entfremdet, als wenn einer oder gar beide nicht entstanden, wenn die Ihnen obliegende Aufsichtspflicht erfüllt märe. noch bestellt sei. Das Referat wurde mit lebhaftem Beifall auf- außer dem Hause der Arbeit nachgehen. D, dieser schöne Traum Stammt aus eines fleinen Handwerksmeisters! genommen. Diskussion wurde nicht beliebt. monnaie. beantworten. 100, Waid: S. K. 7. Nein. 8. 15. 1. Ja. 2. Nein. 3. Ja. Elisabeth 100. dem Porte- Sa. R. St. 12. Shre Fragen find längst im Brieflaften beantwortet. Sie können in der Expedition nachschlagen. 305. Reineswegs. Spandau. F. R. B. 32. Benden Sie sich an das städtische Bureau, Neue Vors Das Tageblatt" ist redlich bemüht, für das boykottierte Der Bund für Mutterschutz hat an alle größeren Städte Deutsch- Friedrichstr. 10 oder an die Versicherungsanstalt, Köllnischer Bart. mundschaft. Legen Sie den Sachverhalt dem Vormundschaftsgericht gegen. Seitsche" Lotal die Werbetrommel zu rühren. Es weiß auch be- lands eine Betition gerichtet, in welcher er die hülflose Lage über bar und beantragen Sie, Threm Mündel das Armenrecht zweds reits mitzuteilen, daß der neue Wahlverein beschlossen hat, seine für der unehelichen Schwangeren, die oft in den letzten Führung des Prozesses auf Anfechtung gegen die Ehefrau zu erteilen. ben Staisersaal beſtimmte Generalversammlung am 7. Mai im Seiz- Wochen vor der Geburt böllig obbachslos find, eingehend Ratlam dürfte es sein, das Vormundschaftsgericht zu ersuchen, Ihnen mitschen Lokale abzuhalten. Des weiteren empfiehlt das Blatt, bei Ab- beleuchtet. Die Krankenhäuser nehmen sie nicht auf, Schußhäuser zuteilen, wann der Eigentumsübergang bezüglich des Grundstücks statt. haltung von Brivatfeftlichkeiten, Hochzeiten, indtaufen ufto. das fehlen, die Schwangeren selbst aber find infolge von Arbeitslosigkeit gefunden hat. Billettftener. Nach unserem Dafürhalten ist in dem Ihnen dargelegten Falle eine Billettsteuer nicht zu zahlen. boykottierte Lokal zu berücksichtigen. Das„ Sp. Egbl." wird es selbst und infolge des Versagens der meisten Krankenkassen nicht im stande, von Ihnen dargelegten Falle eine R.. 1. Leider besteht eine Möglichkeit, den Lehrherrn durch Prozeß bei noch größeren Anstrengungen nicht fertig bringen, Herrn Seis ein anständiges Obdach zu bezahlen. Ebenso hart aber wird die zur Nachgiebigkeit zu zwingen, nicht. 5. B. 200. Eine bestimmte für den früheren Arbeiterverkehr Ersatz zu schaffen. Schließlich find uneheliche Mutter durch die Entlaffung aus etwa vorhandenen uniform ist für den Fall einer Berhaftung nicht vorgeschrieben. Auch nachts ja auch die übrigen Restaurantbesiger bestrebt, Kundschaft zu be- Entbindungsanstalten nach 911 Tagen getroffen. Schwach, arbeits ist eine Berhaftung auf gerichtliche Anordnung und unter besonderen Umhalten, denn nur auf ihre Kosten könnte der Verkehr in dem und mittellos geht sie mit dem Kinde davon. 2. B. 77. Die Rente für vorübergehende Invalidität boykottierten Lokal leidlich aufrecht erhalten werden, und das auch tann erst nach Ablauf der 26 Wochen dauernden Erwerbsunfähigkeit bezahlt nur borübergehend. Ueberdies zweifeln wir, daß das Blatt bei der werden. Ob in Ihrem Fall etwa dauernde Erwerbsunfähigkeit und ein Verbreitung, die es hat, eine Veränderung der gegenwärtigen Lage Anspruch auf Invalidenrente schon für frühere Zeit bestanden hat, läßt sich herbeizuführen imftande ist. ohne Einsicht in das Urteil nicht sagen. Wenn Sie dasselbe erhalten haben, fo fragen Sie mit demselben in der juristischen Sprechstunde an. 2. Be antragen Sie bei der Berufsgenossenschaft die Zahlung einer Unfallrente. Sie müßten den Antrag aber baldigst stellen, weil sonst Ihr Anspruch im Dezember dieses Jahres verjährt. M. N. 62. Einer neuen Klage bedarf es nicht. Auf Grund des alten Urteils fann von neuem Pfändung voegenommen werden, Sie können auch den Schuldner zur Leistung des Offenbarangseides laben. M. M. 100. Nein. B. 2. 11. Ja. Witterungsübersicht vom 3. Mai 1907, morgens 8 Uhr. Gerichts- Zeitung. Angebliche Berfehlungen des Raplans. Der Bund bittet ständen zulässig. daher um Organisation der Schwangeren Fürsorge durch die Kommunen. Sugleich versendet er immer wieder den Aufruf zur Errichtung eines Schwangerenheims in Berlin. Jede, auch die kleinste Gabe ist willkommen. Alles Nähere durch das Bureau: Rosberizerstr. 8. Vermischtes. Die Poden in Hannover. In dem Hannover benachbarten Am 10. b. M. berichteten wir über den Prozeß des Handlungs. Stöden und Medlenheide sind die schwarzen Boden ausgebrochen gehülfen Eduard Hirsch gegen die Kohlenfirma v. Fried und zwar sind zwei Mädchen im Alter von 9 und 4 Jahren daran länder fuld vor dem hiesigen Kaufmannsgericht. Der Prozeß ertrantt. Sämtliche Bewohner der Kolonie, zumeist Bahnarbeiter verfiel der Vertagung zweds Beweisaufnahme. In der Ver- von der Bahnwerkstätte Leinhausen, find gestern geimpft worden, handlung hatte Hirsch unter anderem behauptet, er fei infolge von die Kinder vom Schulbesuch ausgeschlossen und für die gesamte Stallonen Intrigen bes Kaplans und Abgeordneten Das bach entlassen. Umgebung Impftermine für die nächsten Tage angefeßt. Unter Bezugnahme auf diese Verhandlung sandte uns Herr Dasbach Gerettet. Wie die Rettungsstation Curhaben ber eine Erklärung zu, der wir folgendes entnehmen: Barometer ( tand mm Bind difung Bindflärte elter 5 wollig 750 23 28 7bebedt 753 N " In Wirklichkeit liegt die Sache fo: Weder mit dem Kauf mann Fr., noch mit einem seiner Beamten oder Bekannten habe ich über Hirsch vor seiner Entlassung irgend ein Wort gerebet. Hirsch hatte von mir ein Darlehn von 60 M. empfangen, leistete in drei Jahren weder Abschlagszahlung noch Binszahlung, antwortete nie auf Mahnungen, ward verklagt und ein Teil seines In der Grube erstickt. Auf der Kaligrube Heldrungen II. bei Gehaltes wurde gepfändet. Nach der Pfändung entließ ihn sein Frankenhausen am Kyffhäuser erfolgte gestern im Schacht eine Brinzipal. Ich besuchte dreimal Beamte des Prinzipals Pulverexplosion, wobei 5 Personen durch die entstandenen und bat bringend, Hirsch zu behalten, aber bergeblich.ulbergase den Grßidungstod fanden. Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger meldet, find swinemde. 750 gestern von dem in der Elbmündung gesunkenen deutschen Ewer Bamburg Marie", Schiffer Wolken, der, mit Dachpappe belaben, von Bar. Berlin burg nach Wilhelmshaven bestimmt war, zwei Personen durch das Franfj.a. M. 756 23 Rettungsboot des 4. Elbleuchtschiffes gerettet worden. München Bien 760 23 Lentp. a. E. Staffonen Barometer fland mm 7 Haparanda 756 qui ti tung Windstärke Welter 2 bedeckt 7 Betersburg 758 SD 2 Regen 8 Scilly 752 SW 4 Regen 9 Aberdeen 784 23 10 Baris 8 4 bededt Temp. n.. 8577* 4 halb bd. 5 bedeckt 5 bedeckt 756 S 5 Regen 10 760 23 1 Nebel Wetter- Prognose für Sonnabend, den 4. Mai 1907. Etwas fühler, bielfach heiter, jedoch sehr unbeständig mit Regen schauern und ziemlich starten westlichen Winden. Berliner Betterbureau. Deutscher Metallarheiter- Verband Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Sof I. Amt 3, 1239. Achtung! Charitéstraße 3. Hof III. Amt 3, 1987. Schlosser! Achtung! Montag, den 6. Mai, abends 8 Uhr: Allgemeine Versammlung der Bau-, Maschinen-, Geldschrankschlosser und Fahrstuhlmonteure Berlins u. Umgegend im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engel- Ufer 15. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Gewerkschaftssekretärs und Stadtb. Adolf Ritter über: Die kulturelle Bedeutung der Arbeiterbewegung". 2. Diskussion. 3. Neuwahl der Agitationsfommission 4. Verschiedenes. Pflicht eines jeden Kollegen ist es, zu erscheinen. Montag, den 6. Mai, abends 7 Uhr: Versammlung aller in Metallgießereien besch. Former u. Berufsgen. in der Urania", Wrangelstr. 10. Tages Drdnung: 1. Die alte und die neue Weltanschauung. Referent: Genoffe Stern. 2. Distusfion. 3. Verbands- und Branchenangelegenheit. Kollegen! In Anbetracht des äußerst wichtigen und lehrreichen Themas ersuchen wir Euch, Eure Frauen mit in die Versamm lung zu bringen; auch ersuchen wir Euch, recht lebhaft für diese Bersammlung au agitieren. der Montag, den 6. Mai, abends 8 Uhr: Allgemeine Versammlung Drahtarbeiter Berlins u. Umgegend im Gewerkschaftshaus, Saal 8, Engel- Ufer 15. Zages Drdnung: 1. Bericht über den Stand unserer Bewegung. Referent: Rollege Handke. 2. Distuffion. 3. Verbandsangelegenheiten. Bahlreicher Besuch wird erwartet. Montag, den 6. Mai, abends 8½ Uhr: Bezirks- Versammlung Rixdorf und Umgegend fitr in Thiels Festsälen, Bergstraße 151/152. Tages Drdnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Genossen Max Groger über: Religion und Sozialismus“. 2. Distusfion. 3. Verbandsangelegen heiten. 117/119 Bahlreicher Besuch wird erwartet. Fax Knaben- Anzüge Jünglings- Anzuge Tausende Exemplare. Nur eigene Erzeugnisse. Reizende kleldsame Fassons praktischof und luxuriöser Genres. 18.10 1412-10. 9.2 MK, 50 Tausende Exemplare. Nur eigene Erzeugnisse. Moderne, gemusterte Stoffe allerneuester Geschmacksrichtungen. 2433.- 30,- 26.- 1221. 18. 9 Mark Baer Sohn Chausseestraße Spezialfäus grössten Massstabes 29-30 alte Nr. 24a/ 25 11 Brückenstraße 11 Gr. Frankfurterstr. 20. Der Haupt Katalog Nr.31( neste Moden 1907) wird auf Wunsch kostenlos zugesandt. Verband der Fabrik-, Land-, Hülfsarbeiter. Arbeiterinnen Deutschlands( Zahlstelle Berlin). Bureau: Linienstraße 215. Geöffnet von 8-1 und 4-8 Uhr. Telephon: Amt III 938. Deutscher Holzarbeiter- Verband Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Gustav Mertens am Dienstag, den 30. April, plötzlich verstorben ist und am Donners tag, den 2. Mai, zur letzten Ruhe gebettet wurde. Ehre seinem Andenken! 85/19 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Conrad Lutz am 30. April berstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonnabend, den 4. Mai, nachmittags 2, Uhr, von der Leichenhalle des Markuskirchhofes in Wilhelmsberg aus statt. Rege Beteiligung erwartet 85/20 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher Heinrich Milleskowski am an Herzschlag gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 5. Mat, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Dom- Kirchhofes in der Müller. straße aus ftatt. Rege Beteiligung wird erwartet. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schloffer Wilhelm Schröder am 25. April gestorben ist. Ehre seinem Andenken! 117/20 Die Ortsverwaltung. Verband der Sattler Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Paul Reichelt ( Werkstatt L. Prager) Unseren Mitgliedern zur Kenntnis, daß die Bis bliothek für Süd- Ost Muskauerstraße und Zenghofftraße Sonntag, den 5. Mai 1907, vormittags 9 Uhr, im Lokale„ Musikerfäle", mittags 4 Uhr, auf dem Gantt Ecke bei Fröhlich heute, den 4. Mai, eröffnet wird. Die Ausgabe von Bibliotheksbüchern findet an folgenden Tagen statt: Montags nachmittags 5-8 Uhr, Mittwochs nachmittags 5-8 Uhr, Sonnabends nach mittags 5-8 Uhr. In den bestehenden Vorort: Bibliotheken findet die Ausgabe von Bibliothekbüchern an folgenden Tagen ftatt: 9% Kaiser Wilhelmstraße 18m: Generalversammlung. Tages Drdnung: am 2. d. M. berstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 5. Mai, nach Sebastian- Kirchhof in Reinidendorf, Humboldistraße, ftatt. Um rege Beteiligung ersucht 157/1 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes 47992 Johann Olszewski 1. Bericht des Vorstandes: a) des Vorsitzenden, b) des Raffierers. 2. Anträge. Buch legitimiert. Bahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. NB. Da unter den Anträgen fich solche von der Erhebung von Lokal resp. Extrabeiträgen befinden, 1. Wedding. Fahrow, Ravenéftr. 6. Dienstags dürfte es unbedingt erforderlich sein, möglichst zahlreich in der Versammlung zu erscheinen. Dieselbe wird sage ich allen Teilnehmern, ins. abends von 8-9 Uhr. pünktlich eröffnet. 64/10 D. 0. 2. Spandau. G. Rührmund, Neumeisterstraße 6. Montags und Donnerstags abends von 5 bis 6 Uhr. 8. Ober- Schöneweide. Voß, Wilhelminenhof, straße 64. Dienstags und Donnerstags abends von 5-6 Uhr. 4. Moabit. Gundlach, Waldenserstr. 24. Mitts wochs von 8-9 Uhr und Sonnabends von 8-10 Uhr abends. 5. Charlottenburg. Metzdorf, Potsdamerstr. 44. Montags abends von 8-10 Uhr. 6. Wusterhausen- Wildau. W. Geyer, Schwark topffstraße 58 1 Tr. Dienstags und Freitags abends von 7-9 Uhr. Freie Vereinigung Or Maurer Deutschlands Bureau: 0. 54, Steinstr. 38. der Ortsverein Berlin. Fernsprech. Amt III Nr. 3100. Sonntag, den 5. Mai, vormittags 10 Uhr: D Mitglieder Versammlung Brauerei Königstadt", Schönhauser Allee 10. Zages Drdnung: 1. Wie stellen wir uns zur Maiaussperrung der Unternehmer. 7. Tegel. Gehlhaar, Berlinerftr. 92. Dienstags 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. abends 7-9 Uhr. Die Haupt Bibliothet, Charité str. 3, # fann vorläufig wegen vollständiger Renovierung und 129/8 Ausarbeitung eines neuen Katalogs noch nicht eröffnet werden. Näheres wird bekannt gegeben. Die Ortsverwaltung. Kollegen, sorgt für guten Besuch dieser Versammlung. Der Vorstand. J. A.: Gustav Beglin. Vereinigung der Musikinstrumenten- Arheiter Freie Vereinigung der Bauarbeiter Berlins und Umgegend. Naunynftr. 27: Berlins und Umgegend. Montag, den 6. Mai, abends 6 Uhr, bei Graumann, Sonntag, den 5. Mai, vormittags 10 Uhr, bei Boecker, Weberstr. 17: Außerordentliche General- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Stellungnahme zum Rundschreiben der Geschäftskommiffion betreffs Durchführung des Mannheimer Barteitagsbeschlusses. Referent: Stollege Haffner. 2. Diskussion. 3. Der Verlauf der Maifeier. 4. Drganisations. 2. angelegenheiten. 141/11 Bei dieser äußerst wichtigen, den Lebensnerv der Digani erscheinen und ein Votum abzugeben. Kollegen! fation berührenden Frage ist es jedermanns Pflicht zu Der Vorstand. Außerordentliche General- Versammlung. Zages Drdnung: besondere den Mitgliedern des Wahlbereins und des Zentralverbandes der Maurer meinen herzlichsten Dant. Witwe Marie Olszewski. Für die zahlreichen Beweise inniger Anteilnahme beim Tode und Begräbnis meines teuren Gatten, des Schriftstellers Robert Schweichel fage ich hiermit allen Freunden von nah und fern meinen tiefgefühlten Dank. Elise Schweichel. Schöneberg im Mai. 48002 Orts- Krankenkasse der wittwoch, den 8. Mai 1902 Dachdecker Berlins. abends 82 Uhr: Ordentl. General- Versammlung im Lokale des Herrn Dalg, Stalikerftr. 51/52. Tagesordnung: 1. Bericht des Brüfungsausschusses für das Jahr 1906. 2. Abänderung des§ 52 des Statuts. 3. Gehaltserhöhung der Kranten besucher. 4. Berschiedenes. 274/3 Delegiertenkarte legitimiert. Der Vorstand: A. Salzmann, Vorsitzender. Elgene Schlachtung Schweinefleisch offertere. = Schulterblätter... a Bfd. Bauch Cottelets. 1. Die Aussperrung des Unternehmertums und unsere Stellungnahme dazu. Kamm Diskussion. 8. Bereinsangelegenheiten und Berschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Bahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. J. A.: Hermann Norgel. Rückenfett. 31/4 Liesen. a Pfd. 50-55 Pf. 55 f. .. a Pfd. 80 f. .. a Pfd. 70 Bf. a Pfd. 50 f. a Pfd. 55 Pf. 25 Pf. Köpfe und Beine.. a Pfd. G. Reimann& Co., Zentral- Markthalle, HE Reihe 11. Stand 124-125. Ausnahme- Tage 4415 Freitags und Sonnabends, Mitgliedsbuch ist vorzuzeigen. Prentmeter Rebelteur: Satte Weber, Berlin. Für den Pinseratenteil verantw.: Th. Wlode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Baul Singer& Bin SW. 9 Dr. 103. 24. Jahrgang. 4. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sunabrud, 4. Mai 1907. Sozialistische Presse Deutschlands. II. Quartal 1907. Zentral- Organ. Leipzig Leipziger Boltszeitung" Tauchaerstr. 19-21. Boltszeitung für das Muldenthal" Lauchaer straße 19-21. Lüdenscheid„ Boltsstimme", Luisenstr. 19. Ludwigshafen Pfälzische Post" Marftr. 65. Lübeck Lübecker Boltsbote" Johannisstr. 50. Berwärts Berliner Boltsblatt, SW. 68, Linden- Lüneburg Lüneburger Volksblatt Schröderftr. 11. Straße 69. Täglich erscheinend. Magdeburg Boltsstimme" Jakobsstr. 49. Redaktion: Münzstr. 3. Wisenschaftliche Wochenschrift. e Mainz Boltszeitung" Banggaffe 13. Die Neue Zeit", Revue des geistigen und öffentlichen mannheim„ Boltsstimme" R 3, 14. Lebens. Stuttgart, Furthbachstr. 12. Redaktion: Berlin- Friedenau, Saarstr. 19. Mülhausen i. E. fönigsstr. 37. Mühlhausen i. Th. Bolts- Blatt" Jüdenstraße 3. " Gewerkschaftspresse Deutschlands. II. Duartal 1907. Zentral- Organ: Maurer. Der Grundstein". Hamburg 1, Besenbinder hof 56. Metallarbeiter. Metallarbeiter- Beitung". Stuttgart, Rötestr. 16b. Oeiter. Müller- Beitung. Altenburg S.-., Bwidauerstr. 12. ,, Correspondenzblatt der Generalfommission der Gewerkschaften Deutschlands". Berlin SO. 16, Motenstecher. Der Notenstecher". Leipzig, Talstr. 27 I. Engel- Ufer 15. Photographengehülfen. Photographischer Mitarbeiter". Berlin SO. 16, Josephstr. 7 I. " " A. Preffe der Zentralorganisationen: Asphalteure. Der Asphaltarbeiter". Berlin SO. 16 Portefeuiller." Portefeuiller- Beitung". Offenbach a. M., Engel- Ufer 15 I. Waldstr. 8 I. „ Die Ameise". Charlottenburg, Bäcker. Deutsche Bäderzeitung". Hamburg I, Besen- Porzellanarbeiter. binderhof 57/66. Für Bädereiarbeiter Berlins Der Rosinenstr. 3. Mülhauser Volkszeitung" Drei- Bäder". Berlin NO. 43, Gollnowstr. 5. Sattler. Sattler- Zeitung". Berlin SO. 16, Adalbert Barbiere und Friseure.„ Friseurgehilfen- Zeitung", straße 56. Hamburg 19, Osterstraße 166. Schiffszimmerer. Der Schiffszimmerer". Hamburg 7, Banhülfsarbeiter." Der Bauhälfsarbeiter". Hamburg I, Banksstr. 144. München Münchener Post" Wittelsbacherplatz 2. Stlostertor 8 I. Schirmmacher. Mitteilung". Düsseldorf, Baffionftr. 35 II. Bergarbeiter. Bergarbeiter Zeitung". Bochum, Schmiede. Schmiede- Beitung". Hamburg 1, Besen Wiemelhauserstr. 38/40. binderhof 57-66. Bildhauer." Bildhauer- Zeitung". Berlin SW. 53, Berg- Schneider. Fachzeitung für Schneider". Berlin SO. 16, mannstr. 63. Stöpenickerstr. 126. Blumenarbeiter.„ Berbands Mitteilungen". Nieder- Schuhmacher." Schuhmacher- Fachblatt. Gotha. D. Bod. Schönhausen- Berlin, Marthastr. 10. Seeleute. Der Seemann". Hamburg 1, Besenbinder Steinarbeiter. Der Steinarbeiter. Leipzig, Beiker straße 32. Kommunalpolitische Wochenschrift. Communile Pragis". Wochenschrift für Kommunal- Nordhausen„ Nordhäuser Volkszeitung" Wolfstr. 14. politik und Gemeindesozialismus. Berlin SW. 68, Lindentraße 69. Redaktion: Berlin W. 10, Kaiserin Nürnberg Fränkische Tagespost" Luitpoldstr. 9. Auguftistraße 58. Offenbach Offenbacher Abendblatt" Große Marktstr. 25. Remscheid„ Remscheider Arbeiterzeitung" Neustraße 2. Täglich erscheinende Zeitungen. Rostock Medlenburgische Volkszeitung" Doberanerstr. 6. Saalfeld Boltsblatt" Rosmaringasse 15. Altenburg Altenburger Boftszeitung" Kunstgasse 12. Augsburg Schwäbische Volkszeitung" Marimilian- St. Johann Saarwacht" Hafenstr. 7-9. ftrage B 31. Bant Norddeutsches Boltsblatt". Peterstraße 20/22. Bayreuth Fränkische Bollstribüne" Kulmbacherstr. 20. Bielefeld„ Bollswacht" Schulstr. 20. Bochum Bollsblatt" Südhellweg 1. " " Solingen Bergische Arbeiterstimme" Hohegasse 7. Stettin Bolts- Bote" Schillerstr. 10. Straßburg i. E." Freie Presse für Elsaß- Lothringen" Finkmattstaden 2. Stuttgart„ Schwäbische Tagwacht" Furthbachstr. 12. Brandenburg Brandenburger Beitung, Märkisches Zwickau i. S. Sächsisches Boltsblatt" Richardstr. 15. Boltsblatt" Kurstr. 73. Braunschweig Braunschweiger Boltsfreund Schloßftraße 2, Ede Dehlschlägern. Bremen Bremer Bürger- Zeitung" Hantenstr. 21-22. Bremerhaven„ Norddeutsche Volksstimme" Am Hafen 49. Breslau„ Volkswacht" Neue Graupenstr. 6. Caffel„ Boltsblatt für Hessen und Waldeck" Töpfermarkt Chemnik Bollsftimme" Uferstr. 14. 6. Wöchentlich dreimal erscheinend. Rattowit Gazetta Robotnicza( Polnisch), Rathausstr. 12. Wöchentlich zweimal erscheinende Blätter. Langenbielan Der Proletarier aus dem Eulengebirge" und Grünberger Bollsstimme", Ober- Langenbielau, 2. Bezirk. " Crefeld Niederrheinische Bollstribüne Breitestr. 62. Deffan Boltsblatt für Anhalt" Astanischestr. 107. Dortmund Arbeiter- Beitung" Kielstr. 5. Dresden Sächsische Arbeiter- Beitung" Bwingerstr. 22. " Sächsischer Boitsfreund" Zwingerstr. 22. Düsseldorf„ Bolts- Zeitung" Benratherstr. 6. Duisburg Niederrheinische Arbeiter- Zeitung", Friedrich. Offenburg Boltsblatt Gerberstr. 3. Wöchentlich einmal erscheinende Blätter. Caffel„ Der Wegweiser" Hohenthorstr. 2. Dresden„ Der arme Teufel" Faltenstr. 10. Köln Rheinische Beitung"( Wochenausgabe) Ursulaplaz Lörrach, Baden„ Arbeiterzeitung" Rainstraße. Wilhelmftr. 76. Elberfeld- Barmen Freie Breffe Robertftr. 8a. Erfurt Tribüne Kleine Arche 1. Forst i. 2. Märkische Balsstimme Frankfurterstr. 11. Frankfurt a. M." Boltstimme" Großer Hirschgraben 17. Fürth Fürther Bürger- jeitung" Moftstr. 7. Gera„ Reußische Tribün" Mte Schloßgaffe 11. Gieken Oberbeffische Voltszeitung Neustadt 14. Görlik Görlitzer Boltzeitung Teichftr. 6. Greiz„ Reußische Bollzeitung" Untere Silberftr. 2. Böttcher. Deutsche Böttcher- Beitung". Bremen, Hanten- hof 57-66. straße 21/22. Brauereiarbeiter. Brauereiarbeiter Zeitung". Han nover, Münzstr. 5. Buchbinder. Buchbinder- Beitung". Berlin S. 59, Rottbuserdamm 23 I. Buchdrucker.„ Korrespondent". Leipzig, Salomonftr. 8. n n Steinfeger. Allgemeine Steinfeger- Zeitung. Berlin NW. 21, Wiclefstr. 16 I. Stuffateure. Der Stuffateur". Hamburg 22, Feßler straße 9 II. „ Solidarität“. Berlin Tabatarbeiter. Der Tabatarbeiter". Leipzig, Tauchaer ftraße 19/21. Buchdruckerei- Hülfsarbeiter. NO. 18, Elbingerstr. 19 I. Bureauangestellte. Der Bureau- Angestellte". Berlin Tapezierer. Correspondenzblatt für Tapezierer". Berlin SO. 16, Schmidstr. 33 pt. SO. 16, Michaelfirchplaz 1. Berlin O. 27, Dachdecker.„ Dachdecker- Beitung". Hanau, Mühlberge 14. Zegtilarbeiter. Der Kertilarbeiter". Eisenbahner." Weckruf der Eisenbahner". Redaktion: Andreasstr. 61. Dresden- A., Alt- Löbtau 3. Expedition: Hamburg 15, Töpfer. Der Töpfer". Berlin SO. 16, Engel- Ufer 15 III. Spaldingstr. 150 a. Wäschearbeiter. Der Wäsche- Bote". Berlin NO. 43, apniste. 201 Fabrikarbeiter..„ Der Proletarier". Hannover, Münz- Neue Königstr. 7, of. straße 5 III. Xylographen. Beitschrift für Khlographen. Schöne Fleischer. Der Fleischer". Berlin C. 22, Dragoner- berg- Berlin, Hauptstr. 110 I. straße 15. Bigarrenjortierer. Der Drganisator". Hamburg 1, Zimmerer. Der Zimmerer. Hamburg 1, Besenbinder. hof 57-66. Bivilmusiker." Fachzeitung für 8ivilmufiler. Damburg 19, Helllampstr. 33 III. Für die in 8entralverbänden Drganisierten erscheinen ferner in italienischer Sprache L'Operaio Italiano" Berlin SO. 16, Engel- Ufer 15, und in polnischer Sprache „ Oswiata", Posen, Schießftr. 3. Gärtner. Allgemeine deutsche Gärtner- Zeitung". Berlin, Besenbinderhof 57-66. N. 37, Megerstr. 3. Gastwirtsgehülfen. Der Gastwirtsgehilfe". Berlin NO. 18, Ebingerstr. 21. Gemeindearbeiter." Die Gewerkschaft" und Die Sanitätswarte". Berlin W. 30, Winterfeldtstr. 24. 6. Glasarbeiter. Der Fachgenosse". Lindenau- köpfchenbroda, Ningstr. 27. Glafer. Glafer- Beitung". Karlsruhe i. B., Wilhelm straße 47. Berlin SO. 26, Mariannenplab 5. Organisationen. Stuttgart Schwäbischer Volksfreund Furthbachstr. 12. Graveure. Beitschrift für Graveure und Giseleure". B. Blätter anderer Gewerkschaften und sonstiger Hafenarbeiter. Der Hafenarbeiter", Hamburg 1, Besen- Berlin Die Einigkeit", Drgan der freien Bereinigung binderhof 57-66. Aller 14 Tage erscheinend. Stuttgart Die Gleichgeit Beltschrift für die Intereffen der Arbeiterinnen, Furthbachstr. 12. Monatlich zweimal erscheinend. Königsberg Der Dstpreußische Landbote" Border- Roßgarten 50. Monatlich einmal erscheinend. Gotha Boltsblatt für die Herzogtümer Coburg und Berlin Die Fadel" SO. 36 Steichenbergerstr. 128. Gotha Mohrenberg 7. Halle a. S. Boltsblett für Halle Hars 42/43. Hamburg Hamburger Echo", Hamburg I, Fehlandstr. 11. Harburg Boltsblatt Broßer Schippfee 4, part. Hannover Boltswille Münaftr. 5. Hof Oberfränkische Bessettung" Rarolinenfis. 89, Jena Betmartfche Betszettung", Schloßgaffe 19. Iserlohn„ Boltszeitung", Mahlengang 15. Karlsruhe Bollsfrend" Luisenstr. 24. Kiel Schleswig- Holftinische Bolts- Beitung Bergftr. 11. Köln Rheinische Beung" Urfulaplap 6. Königsberg i. Pr. tönigsberger Bolts- Bellung Berber Noßgarien 50. Elberfeld Das Morgenrot Robertstr. 8a. Stettin, Der Pommer Schillerstr. 10. Witblätter( Erscheinen after 14 Tage). 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Solzarbetter- Seitung. Stuttgart, Adler- türschnerwacht". NO. 43, Gollnowftr. 5. " Der Hoteldiener". NW., Am Weidendamm 1a Straße 43. Deutscher Zeichner. NO. 55, Braunsbergerstr. 12 HIL Sutmacher. Korrespondent. Wtenburg, S.-A., Nord- Elberfeld. Beitschrift für Graveure der Stoffbrud. straße 57. Industrie", Neue Gerstenstr. 20. Konditoren. Die Biene. Hamburg 4, Sellerstr. 32 IV. Leipzig. Der Lithograph". 2. Neuftadt, Marktstr. 1 b. Kürschner. Der Kürschner". Hamburg 22, Holft. Mannheim Die junge Garde", Drgan des Verbandes Ramp 39a L junger Arbeiter. Q 5, 1. Rebattion O& 28, Süddeutsche Ellenbahner- Bettung", th ftrabs 3 II. riebenebe. Des Rupferschmied. Gamburg Nürnberg. 4 Lagerhalter. Monats- Blatter. Setpata, Better. 32 IL Lederarbeiter. Lederarbeiter- Bettung. Berlin 80.16, Adalbertstr. 56 II. Dolge Bufammenstellung veröffentlichen wir zu BeLithographen und Steinbrudes. Graphische Breffe". ginn jedes Duartals. In der Zwischenzeit sich ergebende Leipzig- Lößniz, Robstädterstr. 1 I. 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