r. 105. Abonnements- Bedingungen: abonnements. Preis pränumerando Bierteljährl. 8,80., monatl. 1,10 wöchentlich 28 Big. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Big. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Belt 10 Bfg. Bofte Ebonnement: 1,10 Mart pro Monat, Eingetragen in die Bost- Beitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Bumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 24. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel Beile oder deren Raum 50 ẞfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Bort 20 Big., jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Bort 5 Pfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müffen bis 5 11hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition if bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernivrecher: Amt IV. Mr. 1983. Das Handelsabkommen mit Amerika. mit i " 1 Dienstag, den 7. Mai 1907. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Ferniprecher: Amt IV. Nr. 1984. das ihnen die Junter unter drohendem Schwingen ihrer Fuchte I errichtet haben! " " " D neuen Objekte den Amerikanern anzubieten hatte. Und so ist auch sehr wenig erreicht worden. Zunächst ist wieder tein Tarifvertrag zustande gekommen, sondern nur ein Provi- Während das Berliner Tageblatt" für den präsidialen forium, das allerdings einem Definitivum ziemlich ähnlich sieht. Uebereifer des freisinnigen" Herrn Kaempf wenigstens Worte eines Das Uebereinkommen erstreckt sich auf ein Jahr, vom 1. Juli leisen Tadels gefunden und die Vermutung geäußert hatte, Herr 1907 bis 30. Juni 1908. Wird es aber nicht sechs Monate Raempf habe sich wohl durch allzu große Nervosität Wenn man die Denkschrift liest, die die Regierung dem vor Ablauf gekündigt, so bleibt es bei Fortdauer der sechs- zu dem Schnellfeuer seiner Ordnungsrufe verleiten lassen, die Heute neuen Handelsabkommen mit den Vereinigten Staaten bei- monatlichen Kündigungsfrist in Kraft. Ein weiterer Uebelstand erklärt „ Bossische Beitung", daß Herr Gerade weil ihm, gegeben hat, glaubt man wirklich eine Satire vor sich zu ist, daß die Begünstigungen des neuen Uebereinkommens Kaempf durchaus korrekt gehandelt habe. liberalen Politiker, die Wahrung der Würde des haben. Welche Unsumme von Scharfsinn ist doch in beiden in den Vereinigten Staaten nicht auf Gesetz beruhen, dem Ländern darauf verwandt worden, jede vernünftige Regelung sondern auf Verordnung des Präsidenten. Dies hat Reichstags anvertraut" gewesen sei, habe er nicht anders handeln des Handelsverkehrs unmöglich zu machen. Deutschland und zur Folge, daß der amerikanische Kongreß jederzeit tönnen, als er im Gefühle seiner Verantwortlichkeit gehandelt habe. die Vereinigten Staaten, diese Länder, in denen die rasche die Säße des Zolltarifes erhöhen tann, während Daß sich zu der Klerikal sozialdemokratischen Mehrheit, die die Entwickelung des Kapitalismus mit der des Hochschutzzolles die unseren festgelegt sind. Es ist nicht gelungen, die Ver- Geschäftsführung Kaempfs mißbilligt habe, auch einige frei Die Hand in Hand gegangen ist, sind auch das Musterbeispiel da- einigten Staaten zu irgend welchen Ermäßigungen ihrer Zölle finnige Abgeordnete gefellt haben, sei bedauerlich. für, wie die Schutzzollpolitik der Ausdehnung des Handels im zu bewegen. Wir erhalten nur die Stelle einer meist- Neu to a hl des Vizepräsidenten werde aber sicherlich zur WiederWege steht. Seit Jahren schleppen sich beideStaaten von Provisorium begünstigten Nation, indem wir zu den Konzessionen auf wahl des Herrn Kaempf führen und damit" sei dann der zu Provisorium, ohne zu einem langjährigen Tarifvertrag kommen Weinstein, Spirituosen, Kunstwerke und Wermut auch noch Zwischenfall erledigt". zu können, und die Folge davon ist, daß der Handel zwischen eine 25prozentige Ermäßigung des Bolles auf Schaumweine er- Diese freifinnige Würdelofigkeit entspricht ja nur den präsidialen den beiden Staaten, so bedeutend er absolut ist, doch relativ halten, die bisher noch Portugal genoß. Die Zoll- Freisinnstraditionen. Mit Recht erinnert ein Berliner Mittagsblatt zurückbleibt, nicht nur hinter dem mit dem freihändlerischen ersparnis durch die älteren Ronzessionen" betrug durch daran, daß gerade die entschiedenen" Liberalen die parlamentarische England, sondern auch hinter kapitalistisch weniger ent- schnittlich zirka 600 000 Mart. Schaumwein exportierten wir Redefreiheit von jeher zu unterbinden bemüht gewesen sind. Schon widelten europäischen Vertragsstaaten. Dabei genügen bisher für zirka 200 000 Mart. Man sieht, diese Konzessionen vor 30 Jahren habe Herr Eugen Richter Fortenbed in aber beiden Staaten die Zollsäge allein noch nicht. sind ein Wermutstropfen auf einen noch nicht. find ein Wermutstropfen auf einen heißen Weinstein! einem liberalen Blatte seiner parteilichen, fleinlichen GeschäftsSie werden ergänzt durch ein mit allem Raffinement Das einzig ernst zu nehmende Zugeständnis liegt auch auf führung wegen heftig angreifen müssen, und schon vor Herrn Kaempf ausgeflügeltes System von Schikanen und Hindernissen, durch anderem Gebiet, nämlich dem der Zollabfertigung. Die habe Herr Reinhard Schmidt die Präsidenten der Rechten und die man die Einfuhr zu erschweren sucht, und die wirklich Amerikaner verpflichten sich, die ärgsten Schikanen zu beseitigen. des Zentrums durch die Nigorosität seiner Geschäftsführung überallem anderen eher entsprechen als dem Zeitalter des Ver- Bisher wurde der Zoll vom Marktwert der Waren erhoben, trumpfen zu müssen geglaubt. Nach alledem wäre eine Wiederwahl tehrs". Der Unterschied ist hier nur der, daß die Vereinigten der durch Schäßung der Zolltontrolleure festgesetzt wurde des Herrn Kaempf nichts Außerordentliches, wenn nicht die kon Berücksichtigung Staaten diese Blackereien dem Importeur industrieller Pro- unter der vom Importeur die liberale" Meuchelung zu er- fervative und agrarische Bresse dukte bereiten, während Deutschland, die Interessen seiner bringenden Selbsttostennachweise und der Driginalfattura. der ohnehin fo färglichen parlamentarischen Redefreiheit geJunker wahrend, die ganze Veterinärpolizei in den Dienst Dies führte fortgesett สิน Streitigkeiten, Verzöge- radezu zu einer Bedingung und zu einem Prüfftein der ferneren der Zollpolitik gestellt und sie zum Feldzug gegen das rungen, Verkehrshemmungen, Strafzöllen und ähnlichem. tonservativ- liberalen Paarung machte! So nimmt die„ Kreuzausländische Vieh mobilisiert hat. Zudem fürchteten die Fabrikanten die Freigabe ihrer Fabrifs- 8eitung" feinen Anstand, Herrn Kaempf wegen seines Vorgehens Da die Trustmagnaten dort, die Junker hier das Heft in geheimnisse und Bezugsquellen. In diesen Richtungen soll mit den diskreditierendsten Elogen zu überschütten. Es sei wahrlich Händen haben, so ist eben ein vernünftiger Ausgleich un- mun Abhülfe geschaffen und der Verkehr erleichtert werden. teine sehr angenehme Erscheinung, wenn durch die Schuld der linksmöglich gemacht. Die Amerikaner wollen uns teine erheblichen Am wichtigsten ist, daß in der Regel statt des Marktstehenden bürgerlichen Fraftionen die Blodbrüche tein Zugeständnisse für unsere Industrieerzeugnisse machen, weil sie preises der Ausfuhrpreis für alle Waren, die ausschließlich für Ende nähmen. Von einer Zuverlässigkeit" der von uns teine entsprechenden Zugeständnisse für landwirtschaft- den Export bestimmt sind, zugrunde gelegt werden soll, die Aera, von einer Festigkeit, die ein Block doch unbedingt liche Produkte erhalten können. Die Amerikaner sind dabei Abschäzungsverhandlungen unter Zuziehung des Vertreters des befizen müsse, könne„ keine Rede sein". Selbst wenn Herr wenigstens so glücklich, daß ihrem Getreide exportierenden Importeurs stattfinden und die Gründe des Entscheides an- Kaempf wiedergewählt werde, könne die Tatsache, daß der Lande der Zoll nicht die notwendigsten Lebensmittel verteuert. gegeben werden müssen und ähnliches. freifinnige Vizepräsident von seinen eigenen Parteifreunden desavouiert Die deutsche Zollpolitik schädigt aber die Arbeiter nicht nur durch Für diese im ganzen und großen doch nicht allzu be- worden sei, nicht weggewischt werden." Viel rücksichtsdie Verteuerung ihrer Lebensmittel, sondern auch durch Hemmung deutenden Konzessionen erhält Amerika verhältnismäßig be- loser noch springt die Deutsche Tageszeitung" mit dem armen der industriellen Entwickelung. Diese könnte noch rascher vor deutende Gegenleistungen. Früher galt Amerika als meist- Freifinn um. Sie paart mit dem blamabelsten Lob der Geschäftssich gehen, wenn nicht die agrarische Politik günstige Handels- begünstigte Nation. Seit etwa 1898 stellten sich aber die führung des Herrn Kaempf die gröblichsten Insulten gegen die paar berträge mit denjenigen Staaten hindern würde, die nur durch Vereinigten Staaten auf den Reziprozitätsstandpunkt, den wir Freifinnigen, die fich trotz des Herrn Kaempf und seiner reaktionären Zugeständnisse auf agrarischem Gebiet ihre Industriezölle er- notgedrungen 1900 akzeptierten. Der Unterschied ist, daß die Liebedienerei nicht dazu verstehen konnten, der Meuchelung der mäßigen würden. Wie die auf Grund des Posadowsky- Tarifes Bollermäßigungen, die einem dritten Lande gemacht werden, dem parlamentarischen Redefreiheit ihre Sanktion zu erteilen: abgeschlossenen Verträge überhaupt, so bedeutet auch das meistbegünstigten Lande von selbst zufallen, nicht aber dem Lande, Handelsabkommen mit den Vereinigten Staaten für die das im bloßen Gegenseitigkeitsverhältnis steht. Wir brauchten Industrie nur einen geringen Erfolg, und wenn sich unsere daher den Vereinigten Staaten nicht alle Ermäßigungen, Industriellen damit bescheiden müssen, so ist das nur eine Folge die wir den Vertragsstaaten eingeräumt haben, zuzugestehen, ihrer Bundesgenossenschaft mit den Agrariern. und die Regierung tut sich auch einiges darauf zugute, nicht Allerdings haben ein paar Leute seit einiger Zeit sich das alle Ermäßigungen des Konventionaltarifs den Bereinigten Vergnügen gemacht, allerhand Drohungen gegen die Vereinigten Staaten bewilligt zu haben. Aber man muß sagen, die VerStaaten auszustoßen und auch im Parlament wird es an einigten Staaten haben so ziemlich in allen ihnen wirklich solchen Rufern im Streit nicht fehlen. Wie in der auswärtigen wichtigen Punkten den Vertragstarif zugestanden erhalten, so Politit die Kriegsheze, so ist auch in der Handelspolitik die für Mais, Weizen, Hafer, getrocknetes Obst, Petroleum, mineBollfriegsheße ein einfaches Mittel, sich interessant zu machen ralische Schmieröle, Schmalz und die meisten schmalzartigen und„ nationale" Gesinnung zu prästieren. Nur daß ein Blick Fette, Bau- und Nuzholz, für Leder und Lederwaren, für auf die Handelsstatistik das ganz Unsinnige dieser Heße beweist, Kautschukwaren, für Papier und Papierwaren, für Glas die auf alle andere eher, als auf die Amerikaner Eindruck und Glaswaren und auch zum Teil für Maschinen. Rein Zweifel, die Amerikaner haben das weitaus bessere bes konservativ- liberalen Paarungstriebes! Wir haben aus Amerika im Jahre 1905 ohne Edelmetalle Geschäft gemacht. Sie konnten es machen, weil ihre handelsinsgesamt für 991 942000 m. Waren eingeführt. Davon entfielen politische Position stärker war. Ein günstiger Vertrag wäre 301 418 000 m. auf Baumwolle und Baumwollwaren, nur möglich gewesen, wenn die deutsche Regierung imftande 138 698 000 m. auf Stupfer und 60 421 000 m. auf Petroleum. wäre, Zugeständnisse für unsere Industrie durch Erleichterung Dazu kommen noch für 86 309 000 m. Getreide( zirka der Einfuhr landwirtschaftlicher Produkte zu erkaufen. Mit Wahrheit und Wahrheit ist nicht immer gleich. Es gibt Klaffen10 000 000 M. Weizen, 6 000 000 M. Hafer und 53 000 000 M. dem Posadowsky- Tarif in der Hand aber kann man teine unterschiede. Die Wahrheit der Reichen ist ein aufgeputztes Weib in Mais) und für 160 701 000 m. Dele und Fette, darunter für guten Handelsverträge machen. Wir fürchten, daß ein Tarif- rauschendem Seidenkleide, fie geht die breite, teppichbelegte Paradefast 85 000 000 m. Schweineschmalz. Diese wenigen großen vertrag, der die ewigen Provisorien ersehen soll, noch lange treppe hinauf, mit stolz aufgerichtetem Haupt, bellatscht und beM. Posten geben zusammen 747 547 000 m. oder zirka 75 Proz. auf sich warten laffen und dann auch nicht viel mehr bieten wundert und von Bücklingen der umstehenden Menge begleitet; die unserer Gesamteinfuhr. Wie diese Waren sind aber wird als das jezige Uebereinkommen. Wahrheit der Armen dagegen ist eine Bettlerfrau, die gesenkten auch die meisten anderen einfach einfach notwendige und Allerdings einen Puntt vermissen wir. Ein Zugeständnis" Hauptes auf den Hintertreppen und den Hinterhöfen sich schüchtern zum Teil unersegbare Lebensmittel oder Rohstoffe, Deutschlands hätten wir noch gerne gesehen. Es ist schade, herumbrücken muß, von den Lakaien der Reichen mißtrauisch anderen Einfuhrbehinderung nur uns selbst den größten daß Deutschland für die Erleichterung, die Amerika für die gesehen und von Kläffenden Hunden begleitet. Schaden tun würde. Umgekehrt führen wir nach den Bollabfertigung der Industrieprodukte gewährt, nicht auch Vereinigten Staaten hauptsächlich Industrieprodukte aus, feinerseits eine Erleichterung, für die Anwendung der Veterinärderen Einfuhr die Amerikaner viel leichter im Falle eines vorschriften hat gewähren müssen. Zusammen mit billigem Bollkrieges hindern könnten. Eine Erschwerung der Baum- amerikanischen Fleisch wäre uns das neue Uebereinkommen wolleinfuhr unsererseits wäre nicht nur an sich absurd, sondern etwas schmackhafter erschienen. würde auch unseren wichtigsten Exportartikel nach Amerika, Baumwollwaren( wir exportierten davon im Jahre 1905 für zirka 80 Millionen Mark), am schwersten treffen. Die Provofation eines Zollfrieges wäre also heller Wahnsinn, ganz abgesehen davon, daß Amerika außer den handelspolitischen noch andere Repressalien, zum Beispiel gegen unsere Schiffahrt, ergreifen könnte. machen kann. " Präsidiale Paarungsschmerzen. Gerade weil wir auf einem ganz anderen politischen Standpunkte stehen als Vizepräsident Kaempf, halten wir uns für berechtigt und verpflichtet, ihm das Zeugnis auszustellen, daß er bei der Ausübung seines Präsidentenantes immer schlagfertig, fest, unparteiisch und korrett gewesen ist. Umso unverständlicher und unerhörter ist es, daß er in einer derartigen Frage bon einigen Freisinnigen im Stiche gelassen worden ist. Dieses Verhalten eines Teiles des Freisinns kann geradezu als ein Skandal bezeichnet werden, für den es unter dem politischen Gesichtswinkel teine Entschuldigung gibt. Entweder sind die Herren, die mit Naumann gegen den Vizepräsidenten stimmten, politische Kinder, oder sie wollten sich wieder einmal als junge Lente" der Sozialdemokratie in angenehme Erinnerung bringen." Wir werden ja ſehen, ob am Dienstag der Freifinn zu Kreuze friechen wird, trotz oder gerade wegen der sadistischen Regunger Wenn sie nur keine kleinen Kinder fressen Wer eine Wahrheit kennt, welche die Interessen der Mächtigen dieser Welt verlegt, muß sich sehr in acht nehmen, durch ihre Betundung nicht das Strafgesetz zu verletzen. Denn die Kenntnis der Wahrheit und der Nachweis der Wahrheit sind zwei verschiedene Dinge. Der große bureaukratische Apparat des Staates registriert das kleinste Fehl, wenn es sich um die Wahrnehmung der Interessen der herrschenden Klaffen und Cliquen handelt, er ist zugleich im stande, einen Chimborasso von Verfehlungen zu verdeden, wenn es sich um die Bureaufratie selbst handelt. Wir haben es in Frankreich an der Affäre Dreyfus gesehen. Wir haben es schon auch anderswo kennen Der durch den konservativ- liberalen Baarungstrieb noch erhitte Präsidialtoller des Herrn Kaempf, der am Sonnabend sogar von mehreren freifinnigen Abgeordneten als gar zu anstößig empfunden wurde, hat nicht nur zu einer Präsidiallrise geführt, sondern auch neue gelernt. Mit diesen simplen Feststellungen verrät man natürlich Baarungsschmerzen erzeugt. Morgen wird es sich ja zeigen, ob der Wer einer Regierung die Wahrheit sagt, läuft stets die Gefahr, kein Geheimnis und ist kein Agent des Auslandes", das all Freifinn trotz alledem wieder ordnungsgetreu und der junkerlichen zum Lügner gestempelt zu werden. das ebenso gut weiß, sondern man schüttelt nur die un- Fuchtel parierend, die Wiederwahl des Herrn Kaempf durchfezen wied Und erst die Wahrheit über die Eingeborenen in den deutschen berantwortlichen Hezer ab. Die tonservativen Paarungsgenossen haben das den Herren Nau- Kolonien! Sie sind durch Welten vom Mutterlande getrennt. Die Der deutschen Regierung ist also kein Vorwurf zu machen, mann, Neumann- Hofer und Sommer usw. wahrhaftig Eingeborenen unterstehen einem Regime, das schlimmer ist, als die daß sie in der gegebenen Situation so wenig erreicht hat, nicht leicht gemacht. Die Frage der Wiederwahl des Herrn Kaempf be- Militärdiktatur, sie sind in slavischer Abhängigkeit von den Beamten, sondern nur, daß sie sich durch die Bindung der Agrarzölle deutet für diese des Liberalismus noch nicht ganz baren Freifinnigen sie kennen die Sprache ihrer Beherrscher nicht und noch weniger den in diese Situation gebracht hat, in der sie keine wertvollen nichts Geringeres, als sich dem taudinischen Joch zu beugen, komplizierten Mechanismus der Staatsordnuna. durch die sie be. herrscht werden l Wer ad er von den Weißen in den Kolonien soll sich ihrer annehmen? Da gibt eS nur solche, die da« Regiment führen, und andere, die von ihnen abhängig find. Wir wissen, daß selbst Missionare die Gefahr laufen, ins Loch gesteckt zu werden, wenn fie den Eingeborenen zu ihrem Rechte zu verHelsen suchen. Wer aber sonst geht noch nach den Kolonien? Wenteurer und der» zweifelte Existenzen. Meistens nur wenn diese Leutchen fich unter« einander verzanlen, kommt die Wahrheit anö Licht I Daß diese Wahrheit oft von frechen Lügen begleitet wird, daß gelegentlich auch ein anständiger Mensch verleumdet wird, kennzeichnet seinerseits das Menschenmaterial, das nach den Kolonien geschickt wird, um die Eingeborenen zu einer höheren Kultur zu erziehen. Wir bringen diese Fälle an die Oeffentlichleit, weil dies die einzige Möglichkeit ist, die Regierung zu veranlassen, die Wahrheit zu ermitteln. Sonst hört fie nichts und weiß von nichts. Sie bleibt stumm, wenn man sie nicht zum Reden zwingt. Ihr erstes Wort ist aber immer:.nur keine allge- meinen Verdächtigungen. Namen nennen I' Tun wir das jedoch, so ist man gleich mit dem Strafgesetz hinter un«: ge- fchieht das im Reichstage, so schimpft man über unsere Kampfes« weise, die nicht.nobel" genug sei. Lleh, geht doch', ihr mit eurer noblen Kampfesweisel Ihr habt die Gesetze für euch und noch mehr die Rechtsprechung, die wohl höchst peinlich zu Werke zu gehen und sogar einen dolus eventualis zu konstruieren versteht, aber nur wenn es sich um sozialdemokratische Redakteure oder streikende Arbeiter handelt, ihr haltet zusammen, treibt Verschwiegenheitspolitik und führt ein VertuschungSshstem durch, daS vom Reichskanzler bis zum letzten Polizeisoldaten in den Kolonien reicht! Wir führen einen schweren Kampf gegen dieses System, und da glaubt ihr, wir werden uns dadurch abschrecken lassen, daß euere Leute, die uns bedienen, keine»reine Weste" anhaben?! Im Fall Dominik konnte nicht festgestellt werden, daß er kleine Kinder hat ersäufen lassen. Wir nehmen an, er hat es nicht getan. Darob nun großer Jubel der Kolonialpatrioten. Seht nur diesen großen Menschenfreund, den Dommik, der die Kinder nicht hat ersäufen lassen I Gebt ihm den Tugendpreis l Dieser Jubel ist am meisten kennzeichnend. Ist doch, auch abgesehen vom Fall Dominik, bereits, und zwar nicht zum geringsten durch die sozialdemokratische Kritik, soviel festgestellt worden, daß man sagen darf: die ganze deutsche Kolonialpolitik ist nichts als Gewalttat und Rechtsbruch I Aber was tuts I Man hat sich für die Vorgänge in den Kolonien ein besonderes seelisches Empfinden, eine besondere Moral anzugewöhnen I Wenn sie nur keine kleinen Kinder fressen! Alles andere find höchstens kleine Verfehlungen, eventuell gerechtfertigt durch den Tropenkoller und noch mehr durch die Interessen des ausbeutenden Kapitals I Der angeblich gereinigte Reichslügenverbands-General. Leipzig, S. Mai. Vor dem hiesigen Schöffengericht gelangte heute der Be- leidigungsprozeß des Reichstagsabgeordneten und Borsitzenden des Reichsverbandes zur Verleumdung der Sozialdemokratie, General- leutnant v. L i e b e r t, gegen den Genossen S ch ö p f l i n zur Ver- Handlung. V. Liebert hat bekanntlich in einer ReichStagSsitzung den Ge- nassen Schöpflin beschuldigt, daß er die Reichsfahne einen Schmutzlappen genannt, sie schwer beschimpft habe. Die falsche Bezichtigung wollte er unglaublicherweise auch aus einer Notiz der„Muldentaler Volkszeilung" herleiten, deren Redakteur Genosse Schöpflin war. Die„Volkszeitung" hatte nach der Stich- Wahl im 14. sächsischen Wahlkreis(Borna), in der v. Liebert über Schöpflin, den bisherigen Vertreter, mit 14 371 gegen 10 922 Stimmen siegte, geschrieben, daß jetzt leider nicht mehr die rote Fahne der Sozialdemokratie, sondern der Schmutzlappen des Hottentottenblocks über dem Wahlkreis wehe. Ganz un- berechtigterweise wurde also der Schmutzlappen deS Hottentottenolocks der Reichsfahne gleichgesetzt. Schöpflin iegte das in der„Volks- zeitung f. d. Mnldenthal" dar und nannte den General v. Liebert dabei einen Lügner. Daraufhin swengte v. Liebert gegen Schöpflin die Beleidigungs« klage an. In Iber Verhandlung waren sowohl der Privatkläger wie der Privatbeklagte erschienen. Zunächst gelangte die Notiz der „Muldenthaler Vollszeitung" zur Verlesung.— Vors.: Wie kamen Sie dazu. dies zu schreiben?— A n g e k l.: Ich wurde durch ein Telegramm des Abg. Dr. David benachrichtigt, daß der Abg. Liebert im Reichstage gesagt hatte, ich hätte die Reichsfahne beleidigt. Aus dem amtlichen Stenogramm rsah ich denn auch, daß der Abg. Liebert es tatsächlich getan hatte. kiir ist es unbegreiflich, wie der Privatkläger dazu kommt, den Schmutzlappen des Hottentottenblocks" mit der Reichsfahne zu identifizieren. DaS Reich spielt doch im Wahlkampf gar keine Rolle, sondern es kämpfen Parteien gegen Parteien und ?S kann nur eine böse Absicht deS Privatklägers sein, -enn er sagt, ich hätte die Reichsfahne beleidigt. Oie Rotiz in der.Muldentaler Volkszeitung" entstammt der „Leipziger VolkSzeitung" und kein einziges bürgerliches Blatt hat auf die Notiz reagiert. Einzig und allein das„Leipziger Tageblatt" und daS.Bornacr Tageblatt" haben es getan. DaS„Bornaer Tageblatt" hat aber den Wahkkampf deS Klägers geleitet und die Mitteilung des„Leipziger Tageblatts" beruht auf einer Korrespondenz aus Borna. Wenn ein Privatkläger in der hohen Stellung des Ab- geordneten Liebert öffentlich behauptet, ich hätte die Reichsfahne in Schmutz gezogen, nachdem er selbst sechs Wochen lang mich im Wahlkampf mit Schmutz beworfen hat, so muß mich das auf das schwerste kompronnttteren. Hätte ich nicht sofort sehr scharf erwidert, so hätte ich nicht nur polittsch, sondern auch moralisch tot fem müssen. Dem Privatkläger war eS mit semer Aeußerung im Reichstag lediglich darum zu tun, mich persönlich hrradzusetze». Er hat einfach die Kauipfesweise fort- gesetzt, die er schon im Wahlkampf selbst beobachtet hatte. Ja der gehässigsten Weise hat er meine Person zu diskreditieren gesucht. „Was hat der Schöpflin im Reichstag geleistet," so hat er in einer Versammlung erklärt. Ich habe drei Jahre in der Budgetkommisfion gesessen und wer die Verhältnisse kennr, weiß, was daS für eine Arbeit ist.' Es ist überhaupt eine Spezialität deS Privatklägers. die sozialdemokratischen Führer persönlich anzugreifen. DaS hat er mit Bebel, Singer und v. Wollmar getan, v. Bollmar ist gleich ihm Kriegsveteran von 1870 und wenn er auch diesen angreist, so beweist das eben, daß er die Abficht verfolgt, die Führer der Sozialdemokratte persönlich zu bekämpfen.—- Vors.: Was ist denn mit dem Schmutz- läppen gemeint?— Angekl.: Damit ist überhaupt keine Fahne gemeint, sondern der Ausdruck ist nur bildlich abgefaßt.— Verleidiger Rechtsanwalt Dr. Liebknecht: Ich möchte darauf auf« merksam machen, daß die»Leipziger BolkSzeittmg" schon am 7. Februar 1907 erklärt hat. daß der Schmutz läppen des Hotten« tottenblocks m die Reichsfahne umgelogen sei.— Angeklagter Schöpflin erklärt noch, daß er die Nottz nicht verfaßt habe.— Abg. v. Liebert: Ich habe der Klage nichts hinzu- zufügen und kann nur sagen, daß die ganze Sache sich in der Erregung deS Wahlkampfes abgespielt hat. Ich habe allerdings die Person deS Herrn Schöpflin mit der »Muldentaler Volkszeitung" identtfiziert. Räch allem, was fich im Wahlkampfe abgespielt hat. konnte als Gegensatz zur roten Fahne der Sozialdemokratte nur die Reichsfahne gemeint sein, die die «Muldentaler Volkszeitimg" eben als Schmutzlappen des Hottentotten- blocks bezeichnete. Im übrigen habe nicht ich ihn. sondern Herr Schöpflin mich persönlich gehässig bekämpft.— blnge IL: Mir ist üt Buk» dtzS Herrn Siebert herzp-h glochgüllig. Ich bekämpfe in ihm pur den Konservatiben ,' den Reaktionär. Ich habe nie über ihn Unwahrheiten verbreitet. Aber er hatte nicht den Mut, mich, seinen polittschen Gegner, in seinen Versammlungen auch nur eine halbe Stunde reden zu lassen. Reben der politischen Lüge ist mir nichts so verhaßt, wie die politische Feigheit. Wir Sozialdemolraten sind keine Reichsfeinde. Wir werden deshalb auch das Reich und die Reichsfahne nicht an- greifen. Wir kämpfen nach unserer besten Ueberzeugung vielmehr für das Wohl des Reiches.— Vors.: Herr Schöpflin, ist eS nicht Tatsache, daß die nattonalen Parteien im Wahlkanipf im Gegensatz zur Sozialdemokratte, die unter der roten Fahne kämpfte, unter der Reichsfahne kämpften?— Vert.: Diese Ansicht machen wir uns durchaus nicht zu eigen. Damit sind die Vernehmungen beendet, Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Liebknecht stellt den Anttag, darüber Beweis zu erheben, daß der Privatkläger in Bezug auf de« Abgeordneten Singer gesagt hat, er hätte fich sittliche Verfehlungen an Kmdern unter 14 Jahren zuschulden kommen lassen. Der Verteidiger will daraus den Schluß ziehen, daß der Privatlläger die sozialdemokrattfchen Führer persönlich bekämpft hat.— Dieser Beweisantrag wird vom Gerichtshofe ab- gelehnt, ebenso ein Beweisantrag, eine Schrift des Herrn v. Liebert: „Die Sozialdemokratte und das stehende Heer" zu verlesen, aus der die gehässige Kampfesweise des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie gegenüber den Sozialdemokraten hervorgehen soll. Hierauf beginnen die PlaidoyerS. Der Vertreter des Privatklägers, Rechtsanwalt Martin-Leipzig, führt auS, daß der Beklagte wissentlich den Privatkläger verleumderisch beleidigt habe. Sofort nach Erscheinen deS inkriminierten Artikels m der„Mulden- thaler VolkSzeitung" seien Gegenstimmen in der konservattven Presie laut geworden, die auch den Eindruck hatten, daß mit dem Ausdruck.Schmutzkappen des Hottentottenblocks" die Reichsfahne gemeint fei. Das hätte der Angeklagte wissen und sich danach bei feinen Aeußerungen richten müssen. Der Verteidiger beanttagt eine Frecheitsstrafc auf Grund des§ 187 wegen ver- leumderischer Beleidigung.— Der Verteidiger des Privatbeklaaten, Rechtsanwalt Liebknecht- Berlin plädiert auf Freisprechung. Sein Klient sei durchaus berechtigt gewesen, die Angriffe, die Herr v. Liebert von derReichstagSttibüne herab gegen ihn richtete, zurückzuweisen, umso- mehr, da er sich nicht von der ReichStagstribüne dagegen wehren konnte. Schöpflin sei der Unterlegene im Wahlkampfe gewesen, und eS war nicht edelmütig vom Privatkläger, ihm noch von der RcichötagStribüne ans einen Fußtritt zu versetzen. Diesen Angriffen mußte der Privatbellagte energisch entgegentrete». Nach kurzer Beratung verkündete der Borsitzende_ Amtsrichter Köst folgendes Urteil: Der Privatbcklagte Schöpflin wird zu vierhundert Mark Geldstrafe, event. 40 Tagen Gefängnis verurteilt. Die Kosten des Verfahrens werden dem Privatbeflagten auferlegt. In der Urteilsbegründung wird ausgeführt: Es ist nicht erwiesen, daß der Privatkläger, wie behauptet wird, wiffentlich die Unwahrheit gesprochen hat. Die Behauptung, daß der Privatlläger ein frivoler Lügner sei, sei daher nicht mehr unter den Schutz des ß 193 zu stellen. Der Privatbeklagte hätte sich mit einer ein- fachen Berichttgung begnügen müssen. Strasinildcrud komme die große Erregung des Privatbeflagten in Betracht, strafverschärfend dagegen die schwere der Beleidigung und die Vorstrafen, die der Privatbellagte schon wegen Beleidigung erlitten hat. *** Herr v. Liebert hat also die Genugtuung, den Genossen Schöpflin, den er in mindesten? außerordentlich leichtfertiger Weise fälschlich beschuldigt hat. wegen seiner durchaus berechttgten Abwehr der v. Liebcrtschen Verdächtigung zu einer Geldstrafe verurteilt zu sehen. Und der Leiter des ReichSlügenvcrbandes hat dazu die gerichtliche Bescheinigung, es sei n i ch t erwiesen, daß er wiffent- lich gelogen habe. Dergleichen ist allerdings schwer zu erweisen. Erwiesen aber ist. daß Herr v. Liebert in leichtfertiger Weise eine Unwahrheit verbreitet hat. Denn das Ge- richt hat stillschweigend im Urteil anerkannt— indem eS die Verurteilung allein auf den Vorwurf de« wissentlichen Lügens stützte— daß die Beschuldigung deS Generals v. Liebert gegen den Genossen Schöpflin eine Unwahrheit ist. Daß eS ihm bei dem ganz llar liegenden Tatbestand den guten Glauben zubilligte. daß es nicht gleich uns annahm, nur böswillige Fälschungsabsicht könne aus der Nottz der „Muldenthaler VolkSzeitung" das herauslesen, was v. Liebert herausgelesen hat. nur böswillige Fälschungsabsicht könne die Schmutzlappen des Hottentottenblocks mtt der Reichsfahne identi- fizieren, das gehört zu den Differenzen, wie sie zwischen der Auf- fassung von Richtern des KlasseiistaateS und von Sozialdemokraten stets eristicren werden. Nach unserer Ansicht ist Genosse Schöpflin zu Unrecht verurteilt worden. Aber unsere Ansicht entscheidet nicht. sondern die der Richter. Immerhin können wir mit der indirekten Feststellung de? Gerichts. daß der Schmutzlappen des Hottcntottenblocks nicht die Reichsfahne ist. zufrieden fein. Ob aber der ReichSlügen- verband. ob die von ihm auSgehaltene Presse nun der Wahrheit die Ehre geben werden? Es sollte unS nicht wundern. wenn sie im Gegenteil das Urteil dahin fälschten, daß eS die Be- rechtigung der Liebertschen Auslegung der Notiz der„Muldentaler Bollszeitung" ergebe. Wir werden zusehen, wie weit die Ehrlichkeit unserer Gegner geht l_ politifcbc Qcbcrlicbt. Berlin, den 6, Mai 1907. Dnrchpeitschung des Etats. Die brutale Mißhandlung der parlamentarischen Rede- freiheit im Reichstage seitens des freisinnigen Vizepräsidenten K a e m P f hat durch seine Amtsniederlegung ihre Sühne ge- funden. Bei Beginn der heutigen Sitzung des Reichstags verkündete der Präsident Graf Stolberg-Wernigerode, daß infolge der Demission Kaempfs morgen die„Neuwahl eines 2. Vizepräsidenten stattfinden wird". t Daß diese Komödie mit der Wiederwahl Kaempfs endigen dürfte, läßt sich unschwer voraussagen. Einen s o„schneidigen" Vize bekäme der Block ja nicht so leicht wieder. Zwei neu eingebrachte Nachtragsetats beschäftigten heute zuerst das Haus. Der eine fordert zu einer Teuerungszulage für die mittleren und unteren Beamten 23 Millionen Mmrk. Der andere enthält eine Neuaufrechnung der Kostenzuschüsse für Südwestafrika, wonach infolge der Verminderung der Truppenzahl die einmaligen Ausgaben sich für dieses Jahr verringern, aber die o r d e n t l i che n, laufenden Aus- gaben für die Verwaltung sich erhöhen, und zwar er- fordert Südwestafrika einen Reichszuschuß von rund 13 Millionen Mark.— Die beiden Etats wurden ohne wewntliche jEinwände an die Budgetkommission verwiesen. Dann ward die Beratung des Kamerunetats fortgesetzt. Die Abgeordneten K o p s ch und Bebel nahmen Bezug auf die in.der Presse erfolgten Enthüllungen der Frau von G e r m a r, der Pseudocousine des Gouverneurs von Kamerun. Jesko v. Puttkamer. Die Redner verlangten eine neue Untersuchung des Falles, und Bebel rügte, daß diese Hauptzeugin gegen Puttkamer nicht vernommen worden sei. — Der Kolonialdirektor Dernburg sagte sehr kleinlaut eine neue Untersuchung seitens der Kolonialverwaltung zu. Abgeordneter Erzberger wünschte, um der De- generation der Eingeborenen vorzubeugen, ein Verbot des Branntweinverkaufs an Eingeborene. Bekanntlich hat der Schnaps bei der Beraubung der Eingeborenen, denen man für einen Pfifferling ungeheure Landstrecken abschwindelte, die gespielt, ganz abgesehen havoq. daß die weißen &cin5Ief Sekt Fusel im SlS EWaHSN p MWchSllMt Schwindelpreisen verkauft haben. Der KolonialdirÄtov wünscht, wie er sagt, wohl eine Einschränkung des Branni- Weingenusses, aber ein V e r b o t im Sinne j�rzbergers lehnt er ab! Bei der Beratung des Etats für die Verwaltung dev Reichseisenbahnen wiesen unsere Genossen Bohle-Straß- bürg und E m m e l- Mülhausen nach, daß die Verhältnisse der Eisenbahner an den Reichseisenbahnen viel zu wünschen übrig lassen. Die Löhne sind gering, die Arbeitszeit ist zu> lang, die Behandlung der Arbeiter keine würdige, und die Arbeiterausschüsse sind wertlos: denn jedes freie Wort, daS ein Arbeiter in diesen Ausschüssen äußert, kostet ihm die Existenz. Auch das Koalitionsrecht der Arbeiter wird durch drakonische Maßnahmen und Verfügungen illusorisch gemocht. Der preußische Eisenbahnminister Breitenbach suchte die Eisenbahnverwaltung gegen die Vorwürfe zu decken: seine Argumentation war von der bekannten preußischen Schneidig- keit getragen, die alle Drangsalierungen mit der sozialdemo- kratischen Gesinnung der Arbeiter rechtfertigt. Die Vor- lesungen des Ministers aus Aufrufen zur Wahl und die un- kontrollierbaren Zitate von Rednern, welche die Arbeiter aufgefordert haben sollen, r o t zu wählen, entlasten die Ver- waltung nicht, sind vielmehr der drastische Beweis für die parteiische Behandlung der Arbeiter. Und der Eisenbahn- minister selbst erhöhte mit dieser Behandlung der für die Arbeiter wichtigen Angelegenheit weder das eigene Ansehen noch das der Verwaltung. Nach debatteloser Erledigung einer Reihe von Kapiteln zum Marine-Etat stellte Bebel den Antrag auf Ver- tagung, der hauptsächlich von den Freifinnigen perhorresziert wurde, die als Blockrekruten die Durchpeitschung der Geschäfte so unwürdig betreiben, wie ihr Präsident Kaempf die Rede- freiheit schikaniert. Nach Ablehnung der Vertaguna ergriff Genosse 9 u ö e i l das Wort und bemängelte die Zustände auf der kmserlicheu Werft in Tonzig. Das Berechnungssystem für die Arbeiter ist auf ungenügende Löhne zugeschnitten. Verfügungen der kaiserlichen Werftdirektion wenden sich gegen die Organi- fationen der Arbeiter. Selbst die Organisation der Christlich- sozialen wird bekämpft. Eine Reihe weiterer Uebelstände kritisierte Zubeil scharf, und dem Negierungskommissar wurde es sehr schwer, gegen die vorgeführten Tatsachen zu kämpfen. Die AbleugnUng der Gesinnungsschnüffelei schafft diese nicht aus der Welt. Zugestehen mußte der Kommissar die Ueber- schreitung der Arbeitszeit, wenn er sie auch zu entschuldigen suchte mit der geringen Zahl der Ueberstunden. Weiter pries der Kommissar, Admiralitätsrat Harm, die Er- höhung der Löhne, mußte aber auch vom Abgeordneten M o in m f e n. der einige Monita Zubeils unterstützte. hören, daß die Erhöhungen den erhöhren Ansprüchen des Lebens nicht genügen. Auch der Abgeordnete Spahn be- mangelte die Löhne und empfahl eine Teuerungszulage, die jedoch der Staatssekretär der Marine, v. Tirpitz, als „undurchführbar" ablehnte! Durch Feststellung der Beschlußunfähigkeit des HauseS seitens unserer Genossen wurde die Beratung dann zur Ber- tagung gebracht.—____ Die Etatsberatung im Herrenhause. Am Montag begann im Herrenhause die Beratung des EtatS, wenn anders man da» Durchpeitschen einer so umfangreichen Bor- läge als Beratung bezeichnen kann. Allerdings liegt die Schuld daran, daß die Etatsdebatten der»ersten Kammer" nur eine Faree sind, nicht an den Mitgliedern des HauseS, sondern an der preu- ßischen Verfassung, die dem Herrenhause jede Aendcrung am Etat verbietet. Es hat nur zwei Möglichkeiten: Entweder eS lehnt den Etat ab. oder es nimmt ihn unverändert an. Von einer Ab- l e h n u n g. die einem Mißtrauen gegen die Regierung gleichkäme. ist natürlich bei so regierungsfreundlichen und so sorgsam aus- gesiebten Männern nicht die Rede. Um nun aber nicht den Etat ohne jede Erörterung einfach en bloc anzunehmen, sondern wenigstens den Schein zu wahren, unterhalten sich die Herren alljährlich einige Tage lang über allerhand Fragen, die mit dem Etat gar nichts zu tun haben. Schon seit Jahren leitet Graf Mirbach die Etatsdebattc durch ein und dieselbe Rede ein. Seit Jahren wütet er gegen die Sozialdemokratie und gegen das Reichstagswahlrecht, seit Jahren fühlt er sich berufen, den Fürsten Bismarck als leuchtendes Beispiel und als Muster aller Staatsweisheit hinzustellen. Diesmal war seine Rede auf einen etwas anderen Ton gestimmt. In das freudenlose Leben des edlen Grafen, den die hohe steuerpolitische Belastung der Landgemeinden und Gutsbezirke Ostelbiens nicht schlafen läßt, den die Sorge um die Leutenot Tag und Nacht quält, ist endlich ein Sonnenstrahl gefahren: Er. der nach der Eni- lassung Bismarcks den Staat in seinen Grundpfeilern wanken sah, kann sich wieder seines Lebens freuen; denn Deutschland hat einen Reichskanzler, Preußen hat einen Ministerpräsidenten, der ebenso staatsmännisch und weise ist wie Bismarck.— Fürst Bülow hat nach Ansicht des Grafen Mirbach seine ftaatsmännische Begabung und seinen weiten Blick bei der Reichstagsauflösung aufs glänzendste bewiesen. Trotzdem scheint der Graf, der sich selbst bekanntlich für den größten Staatsmann aller Zeiten hält, mit dem Fürsten Bülow noch nicht ganz zufrieden zu sein. Die Bewilligung von Diäten an die Reichstagsabgeordneten hält er für einen Fehler, weil sich dadurch Leute in den Vordergrund drängen, die durchaus ungeeignet sind, einen Wahlkreis im Reichs- tage zu vertreten.— Daß auch im preußischen Landtag Diäten gezahlt werden, scheint der große Staatsmann zu übersehen Natürlich ließ eS Graf Mirbach nicht an Angriffen gegen da» ReichStagSwahlrecht fehlen. Das gehört nun einmal zu seine» Programm; nur daß er heuer infolge des Ausfalls der Rsichs» tagSwahlen etwas gnädiger gesonnen ist und sich gütigst mit der Beseitigung der geheime» Stimmabgabe begnügen will. Er ließ. aber leinen Zweifel darüber, daß ihm als Ideal das Wahlrecht zum preußischen Landtage vorschwebt, als dessen besonderen Vorzug er die Jndirektheit rühmt. DaS weitere Programm des konservativen Führers ist: Schuh der Arbeitswilligen, keine einseitige Sozialpolitik im Interesse der Arbeiter. Bekämpfung der Sozialdemokratie— also nicht Arbeiter« schütz, sondern Arbeitertrutz! Leider knüpfte sich an die Scharfmacherrede de? Junker» Mirbach keine Debatte; das HauS folgte vielmehr dem Rate de» Finanzministers Freiherrn v. Rheinbaben: Angelegenheiten des Reiches nicht zu erörtern, sondern sich auf Fragen der inner- preußischen Politik zu beschränken. Die Folge davon war nicht nur. daß manch einer der edlen und erlauchten Herren sich eine wohl vorbereitete Rede verkniff, sondern auch, daß die weitere Debatte höchst langweilig verlief. Man klagte darüber, daß der Etat wieder nicht rechtzeitig verabschiedet ist. einer der Herren verlangte sogar, daß das Abgeordnetenhaus bis zur Erledigung deS Etats in Zukunft keine politischen Fragen mehr behandeln, keine Jnitigtipgntxöge beraten und'eine LnierpellatidüM be» stechen fbHe. OffenSsi find»Mi HettenHSuSIern die Debatten des Abgeordnetenhauses noch nicht stumpfsinnig genug. Nach Beendigung der Generaldiskussion erledigte das Haus tm Handumdrehen noch eine Reihe von Einzeletats, von denen jedoch nur der der GeMtSverwaltung das Interesse der„geborenen Gesetzgeber" wachrief.—_ Die Beratung der Berggesetznovelle. DaS Abgeordnetenhaus beriet am Montag in zweiter Lesung die Berggesetznovelle, die im wesentlichen bezweckt, daß nur noch der S t a a t in Zukunft das Mutungsrecht für Kohle und Kali erwerben darf und daß Private allein durch den Staat zum Betriebe des Bergbaues gelangen können. Die Diskussion erstreckte sich nur auf Artikel I, an dem die Kommission nicht unwesentliche Aende- rungen vorgenommen hat: sie hat bestimmt, daß dem Staate zur Aufsuchung und Gewinnung der Steinkohle außer den von ihm zurzeit betriebenen und den sonstigen in seinem Besitz befindlichen Feldern weitere 250 Maximalfelder vorbehalten bleiben. Auf diesen Feldern soll der Staat selbst den Bergbaubetrieb ausüben können, während alle übrigen Felder im Wege der Verleihung an staatliche Unternehmer vergeben werden sollen. Ausgenommen von dieser Bestimmung bleiben die Provinzen Ostpreußen, Pommern, Branden- bürg und Schleswig-Holstein. ES ist der Gedanke des Staatssozialismus, der in dieser Vorlage zum Ausdruck kommt. Der Staat sieht ein, daß der Privatbesitz an den Schätzen der Erde nicht im Interesse der Allgemeinheit, sondern im Sonderinteresse bestimmter Personen liegt. Wenn nun auch diese Einsicht an sich durchaus zu billigen ist, so fragt es sich doch, ob die Allgemeinheit von dieser Erweiterung der Machtbefugnisse des kapitalistischen Staates irgendwelche Vorteile hat. Wie die Verhältnisse in Preußen nun einmal liegen ist es leider ziemlich gleichgültig, ob staatliches oder privates Kapital die Ausbeutung vollzieht. Die Erfahrung mit der Eisenbahnvcrwaliung z. B. lehrt ja, daß die Verstaatlichung es nicht bewirkt hat, aus den Eisen- bahnen ein wirkliches Verkehrsinstitut zu machen, im Gegenteil, sie werden ihrem eigentlichen Zwecke immer mehr entfremdet und dienen in erster Linie dazu, der Regierung neue Mittel zuzuführen. So wird eS auch im Bergbau kommen. Schon jetzt, wo der Staat einen großen Teil der bergbaulichen Betriebe besitzt, hat es sich ja gezeigt, daß er genau nach denselben kapitalistischen Grund- sätzen verfährt wie die kapitalistischen Grubenbarone. Auch die Arbeiter stehen sich beim staatlichen preußischen Bergbau genau so schlecht wie in den privaten Betrieben. Bedenkt man ferner, daß dank dem elenden Dreiklassenwahlsystem dem Volke kein Einfluß auf die Verwaltung, ja nicht einmal das Recht der Kontrolle eingeräumt ist, so wird man zugeben, daß wir als Sozialdemokraten dieser Art von Verstaatlichung ziemlich kühl gegenüberstehen können; sie ist himmelweit verschieden von der Vergesellschaftung, die wir anstreben. Nach Annahme des grundlegenden Artikels, gegen den die Ver- treter der liberalen Bourgeoisie lebhaften Widerspruch erhoben, wurde die weitere Beratung der Novelle auf Dienstag vertagt.— Der begriffsstutzige Herr Dernburg. In der ReichStagSsitzung vom Sonnabend kam Genosse Lede- bour auf die falsche Zeugenaussage des Kameruner Oberrichters Dr. Meyer zu sprechen. Ledebour erhob gegen Dr. Meyer den Vorwurf, durch eine raffiniert„vorsichtige", in Wirklichkeit falsche Zeugenaussage in der bekannten Akwa-Angelegenheit zur ungerechtfertigten Vennteilung eines der Akwa-Häuptlinge beigetragen zu haben. Herr Dernburg gab nun zwar die falsche Zeugenaussage des obersten richterlichen Beamten der Kolonie Kamerun zu, behauptete aber gleichwohl mit der ihm eigenen Ignorierung feststehender Tatsachen, daß diese falsche Aus- sage für den Akwa-Prozeß gar keine Rolle gespielt habe. Wir stellen dieser kühnen Behauptung die Tatsachen gegenüber: Die Akwahäuptlinge hatten sich über den Oberrichter Meyer beim Reichstage beschwert, weil er im Juni 1906 die Tochter eines Eingeborenen, die Braut eines jungen Manne? in Dibombari, für 650 M. gekauft und„geheiratet" hatte. Sie sagten in ihrer Beschwerde, dies wäre„geradezu eine Schande für das hochlöbliche Deutsche Reich". Hierauf vom Gouvernement zum amtlichen Bericht aufgefordert, äußerte Meyer sich unterm 21. November 1906, er habe das Mädchen als Dienstmädchen angenommen, weil er sich persönlich um seine Wirtschaft nicht habe kümmern können. Während seines nächsten Heimatsurlaubes wolle er sich verheiraten und seine Frau nach Kamerun mithinausnehmen und für diese eine bereits ein- gearbeitete Dienstbotin haben. Ueber den Hauptvorwurf, den die Akwaleute gegen Dr. Meyer erhoben hatten, daß er das Mädchen„geheiratet� habe, ging er in seinem amtlichen verantwortlichen Bericht hinweg und suchte den Glauben zu erwecken, daß er tatsächlich das Mädchen seinerzeit ausschließlich als Dienstmädchen beschäftigt habe. Schon in der BUdgetkomnussion des Reichstages— Bericht Nr. 294, II, 2. Session 1905/06, 11. Legislaturperiode— wurde die Erklärung des Dr. Meyer bemängelt. Wie die Zeitungen. z. B. das„Berliner Tageblatt" in Nr. 426 vom 23. August 1906. meldeten, und zwar unwidersprochen, ist auf Ver- anlassung des Großhäuptlings Esidene sowohl das Mädchen als auch der Bruder desselben vom Richter Hetze! eidlich vernommen worden, und deren Bekundungen gingen dahin, daß Dr. Meyer das Mädchen gekaust habe, um eS als„Frau" zu gebrauchen; das Mädchen sagte ausdrücklich aus, daß es seiner„Franenpflicht" dem Herrn Oberrichter gegenüber habe genügen müssen. Hiernach hat Dr. Meyerin dem von ihmer- forderten amtlichen Bericht vorsätzlich die wesentlich st e Angabe verschwiegen, obwohl er als Beamter und besonders in seiner Eigenschaft als oberster Richter des Schutz« gebicteS besonders verpflichtet ist, mit der Wahrheit nicht zurück- zuhalten. Infolge dieses unwahren Berichtes des Oberrichters Meyer ist der Eingeborene Akwa Elame wegen übler Nachrede mit einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren Gefängnis belegt worden. Dr. Meyer aber ist wegen seines dem Aiwa Elame so besondcs nach- teiligen unwahren amtlichen Berichtes nur mit 600 Mark bestraft worden I Ob Herr Dernburg seine Behauptung noch inuner auftecht zu erhalten wagt? I—_ Vergebliche Mohrenwäsche. Die„Freisinnige Zeitung" ist nun durch unsere letzte Notiz zum Fall Eickhoff gezwungen worden, auch die zweite Erklärung liberaler Vertrauensmänner wiederzugeben, die sich gegen die erste VerwschungSerklärung wendet und die ganze Affäre wieder genau auf den Punkt zurückwirft, wo fie stand, nämlich, daß Herrn Eick- hoff gegenüber öffentlich der Borwurf aufrechterhalten wird, er habe fein gegebenes Wort absichtlich gebrochen. Die biedere„Freisinnige Zeitung" sucht das Gewicht dieser zweiten Erklärung dadurch zu schwäche», daß sie sagt, die libc- ralen Vertrauensmänner, die sie publizierten, feien— National- liberale. Vor Tische las man es anders. daS heißt vor dem Wortbruch des Eickhoff waren diese Männer genau solche Freisinnige wie— Herr Eickhoff selbst. Aber zugegeben, die„Freis. Ztg." habe in dieser Hinsicht so recht, wie sie tatsächlich unrecht hat. so kommt eS natürlich gar nicht darauf an. welche politische Richtung diebetreffenden Herren in Wirklichkeit vertreten, sondern es kommt hier lediglich darauf a», ob sie mit ihrer Behauptung des Eickhoffschen bewußten Wortbruchs recht«der unrecht habe»! Weder die„Freis. Ztg." noch erst recht'nicht der Eickhoff werden den Mut haben, die Herren für ihre Behauptung vor Gericht zu fordern, und deshalb bleibt eS dabei, daß die an dem Eickhoff ver- suchte Mohrenwäsche absolut vergeblich war!— England und Deutschland. L o n d o n. 4. Mai.(Eig. Ber.) Die radikale Wochen- schrift„Nation" veröffentlicht heute einen leitenden Artikel über die letzte Rede des Fürsten B ü l o w. in dem sie die Ur- fachen der deutschen Asolierung und der deutschen Abneigung gegen Beschränkung der Rüstungen bespricht. Der Artikel konstatiert vor allem die beifällige Einmütigkeit, mit der die Worte des Reichskanzlers von den bürgerlichen Parteien auf- genommen wurden. In dieser Haltung zeige sich der tiefe Unterschied zwischen den beiden Ländern, und mit diesem Unterschiede müsse gerechnet werden. Die deutsche Regierung wolle die Frage der Abrüstung nicht einmal diskutieren lassen, da schon die e i n f a che D i sk u s s i o n den Glauben der Deutschen an Kanonen und Kriegsschiffe abschwächen tonnte I— Die deutsche Regierung rechne so: In anderen Ländern mache der Pazifismus Fortschritte und bringe jene Völker in einen Nachteil gegenüber Deutschland, das der Friedenspropaganda unzugänglich sei und deshalb den kriegerischen Geist aufrechterhalte. Wenn dies so weiter gehe — so dächten die deutschen Politiker—, dann werde Deutsch- land immer mehr an Stärke geioinnen. Die deutsche Re- gierung sehe nicht, daß ihre sreiheitsfeindliche Haltung sie isoliere? früher glaubte sie, D e l c a s s 6 sei ihr Feind, jetzt übertrage sie diese Rolle auf Eduard VII., aber der Feind Deutschlands sei in dessen innerer Reaktion zu suchen! Die Frage der Abrüstung werde indes nichtsdestoweniger auf der Haager Konferenz zur„Sprache gebracht werden. Im übrigen sagt das Blatt, daß die englische Regierung ihren Vorschlag ohne jeden Hintergedanken gemacht habe. Auch die Reisen des Königs könnten an der Weltlage nichts ändern, da ein englischer König eine andere konstitu- tionelle Stellung einnehme, als man ihm vom Standpsiiikte der deutschen Politik auZ zuschreibe.— ftenkmeb. Krisenlust. Pari». 4. Mai. lEig. Ber.) DaS Ministerium Clemencean hat keine Lebenshoffnung mehr. In der wiederversammelten Kammer wird es keine Freunde, keine entsagungsbereiten Retter mehr finden. Alle Parteien haben seine neurasthenische Politik satt, die die Freunde der Freiheit er- bittert und die der.Autorität" enttäuscht hat. Man will wieder eine Politik der Meinungen, nicht der Wutanfälle. Die Aera Clemenceau ist eine Aera ber politischen Verwirrung, der politischen Verwüstung, des politischen Verrats gewesen. Ganz zuletzt noch haben wir die widerliche Szene einer Moralkomödie zu sehen bekommen. Die Herren BriandundViviani lassen sich von einer willfährigen oder tratschfrohen Presse dem Publikum als wackere Prinzipienmänner vorführen, die dem Mnisterpräsidenten mit ihrer Demission gedroht hätten, wenn er auf einer Gesetzesnovelle gegen die Arbeitskonföderation bestünde. Ein solcher Plan war wirklich in Vorbereitung, aber Clemenceau und sein Leibfuchs S a r r a u t haben den Gedanken ohne Wider- stand fallen lassen, weil fie erstens mit seiner Verwirklichung prakttsch nichts erreicht und zweitens die Unzufriedenheit der Radikalsozialisten. damit aber die Aussichten der lauernden Ministerkandidaten verstärkt hätten. Wenn Briand und Viviani in Wahrheit Anhänger der Koalitionsfreiheit wären, hätten sie dies bei der Verhaftung der Führer der Arbeitskonföderation zeigen müssen. Der Ministersozialis- mus, der damit argumentierte, daß es doch nicht der Mühe wert sei. die Kompetenzüberschreitungen der Konföderation gleich denen der einzelnen Gewerkschaften mit Strafen von 16—200 Frank zu rächen, da man ja ohnehin die Gewerkschaftler wegen„Aufreizung" ins Loch stecken könne, dieser Ministersozialismus ist gerade nicht besonders sittlich erhaben. Jaurös hat dieser Tage in seinem un- verwüstlichen Glauben an die Moralität der bürgerlichen Politik die zwei Exsozialisten in der Regierung zum letztenmal beschworen, zu demissionieren. Sie antworten darauf mit der Farce eines Beinahe- DemifstonierthabenS.— UebrigenS hat Briand gestern dem Vollzugsausschuß der radi- kalen Partei, der die Aufhebung der vom Präfekten verfügten Ab- setzung NögreS von ihm forderte, eine Antwort gegeben, die just ihrer Zweideutigkeit wegen besonders deutlich ist. Geradezu ein Hohn aber ist e», wenn der Unterrichtsminister die„notwendige Repression" mit dem„Reformprogramm deS Ministeriums" in Ver- bindung bringt. Bekanntlich ist gerade ein Teil der„Repression" — die Matznahmen gegen die Arbeitskonföderation und die Polizei- Ausschreitungen gegen Streikende— im Gefolge der Aktion zur Durchsetzung deS Gesetzes über den Ruhetag ein« getreten, als eine Dienstfertigkeit der Regierung gegen die gefetzes- feindlichen Unternehmer. Das Einschreiten gegen die Beamten- und Lehrergewerkfchasten allerdings ist fast ganz aus der durch das Manifest der Beamten geärgerten Literatcneitelkeit Clcmenceaus zu erklären, was ja am besten daraus hervorgeht, daß das Ministerium Postbeamte gemaßregelt hat, die gar nicht der Arbeitskonföderation angehören, und daß sie andererseits gar nicht Rücksicht darauf genommen hat, daß eine Reihe von Lehrer- gewerkschasten durch ihren Anschluß an die Arbeitsbörsen längst dieser schrecklichen Bereinigung angehört, ohne früher be- helligt worden zu sein. Der Verfasser der Anklageschrift gegen Nsgre hat allerdings in der Unterzeichnung des Manifestes noch ein ganz neues Delikt herausgefunden:„Die in heftigen und beleidigenden Ausdrücken gehaltene Protestation gegen einen Gesetzentwurf der Regierung."— Bisher hat man in republikanischen wie in monarchischen Staaten von den Bürgern nur Respekt vor dem Gesetz verlangt. Die radikale Republik der Clemenceau und Briand fordert auch Respekt vor den Gesetz- Entwürfe». die ihre Autorschaft heiligt l Die reaktionäre Gewaltpolitik des Ministeriums war zunächst eine Gefälligkeit gegen die radikalen Kleinbürger, die sich mit der Sonntagsruhe nicht abfinden können. Die jetzige Opposition der bürger- lichen Linken gegen die Beamtemnaßregelungen entstammt der zweiten, demokratischen Seele des Radikalismus, wobei allerdings noch in besonderem Maße die Furcht der Deputierten vor dem politischen Einfluß der Beamten und besonders der Lehrer im Spiele gewesen ist. In den Wahlkomitees, die in vielen Wahl- kreisen die Deputierten„machen", spielt das Beamtenelement eine äußerst wichtige Rolle, und namentlich in den ländlichen Ge- meindensind die republikanischen Parteien aufden Lehrer angewiesen, der dem Pfarrer das Gegenwicht bietet. Ohne diese Agitatoren wären unzählige Deputierte nicht imstande, ihre Mandate zu behaupten. Die Lösung der Krise ist also auch von entscheidender Bedeutung für die radikale Partei selbst. Kommt eine antisozialistische Konzentrationsregierung zustande, für die bei den„gemäßigten" Elementen der heutige» Mehrheit und bei den Radikalen vom Schlage des Herw Maujan zweifellos eine starke Neigung vorhanden ist. so Wird die radikale Partei kaum eine Sprengung vermeiden können. Die Sozialisten müssen und dürfen bei den bevorstehenden Gr» eignissen nicht bloße Zuschauer bleiben. Sie sahen ihre Aufgabe darin, das Geschwür des Clemeneeau» schen Regimes zum Platzen zu bringen. Aber die Erfahrungen der letzten Jahre sind eine eindringliche Warnung davor, in die neuen Kombinationen einzugreifen. Die sozialistische Taktik muß nach der bürgerlichen Politik geregelt, sie kann es nicht s ü r fie werden, Sng'ancl. Die Reichskonferenz. London, 4. Mai.(Eig. Ber.) Die wichtigste Frage der Reichs» konferenz, die Aufstellung eines Borzugstarifs, kam diese Woche zur Verhandlung. Die kolonialen Vertreter waren alle für Borzugs- behandlung des ReichshandelS. Besonders eindrucksvoll waren die Reden des australischen Premierministers Deakin, da Australien sowohl des Schutzes der britischen Flotte wie den englischen LebenS« mittelmarkt dringend bedarf. Aber die Vertreter der englischen Regierung wollten vom Freihandel nicht abgehen, und so lange das englische Freihandelssystem bestehen bleibt, wird ein Reichsvorzugs» tarif nicht zustande kommen. In allen anderen Fragen herrscht unter den Vertretern Eng« lands und der Kolonien große Einmütigkeit. DaS Gefühl der Rcichseinheit scheint stärker zu sein als je zuvor. Beim Abschluß der Konferenz werden wir die Verhandlungen in einem Artikel besprechen. Spanien. Die Deiintswahlm am Sonntag sind ohne große Beteiligung verlaufen. Von 181 zu wählenden Senatoren sind bisher folgende Wahlergebnisse bekannt: 104 Konservative, 28 Liberale, 4 Demo- kraten, 6 Bischöfe, 4. Klerikale. 7 Karlisten. 4 Unabhängige, 6 Sepa- ratisten, 4 Regionaltsten, 1 Jntegrist und 6 Republikaner. Es ist das erste Mal, daß Republikaner und Karlisten in solcher Stärke in den Senat einziehe». Hervorzuheben ist weiter der Steg der Separatisten, welche überhaupt zum erstenmal im Senat er- scheinen.—_ Die russische Revolution. Auf dem W?ge zum Kongreß. Kopenhagen, 6. Mai. Gestern früh sind hier etwa 200 russische Sozialdemokraten eingetroffen; morgen werden weitere 100 oder 160 erwartet, die aus Schweden kommen. Heute mittag erhielten die russischen Sozialdemokraten vom Polizeidirektor den Befehle daS Land vor Mitternacht zu verlassen, widrigenfalls sie aus- gewiesen würden. Daraufhin sind am Abend alle nach Malmö ab- gereist. Welcher Zweck die Russen hierher geführt hat. ist noch nicht bekannt. Malmö, 6. Mai. In der vergangenen Nacht sind gegen 120 russische Sozialdemokraten aus Kopenhagen und etwa 60 auS Stockholm hier eingetroffen. Sie beabsichtigen, bei der dänischen Re- gierung um die Erlaubnis nachzusuchen, über Esbjevg nach England reisen zu dürfen, wo sie einen Kongreß abhalten wollen. Die Polizei hat die Abhaltung irgendwelcher Konferenzen in Malmö verboten. Kopenhagen, 6. Mai. Die dänischen Behörden haben den in Malmö sich aufhaltenden russischen Sozialdemokraten die Erlaubnis erteilt, ihre Reife ohne Unterbrechung durch dänisches Gebiet nach dem Auslände fortzusetzen, doch ist noch unbekannt, wann die Russe? abreisen werden, da verschiedene Schwierigkeiten entstanden sind. Kougreßler, denen's leichter gemacht wird. Moskau, 5. Mai. Die Meldung, daß der für die Oster- feiertags geplante Monarchistenkongreß verboten worden sei, entbehrt jeder Begründung. Der Kongreß wird stattfinden� Es. ist ein großer Festzug nach dem Kreml geplant.—', Gewerhrchaftlichcs» Berlin und Umgegend* Die Verhandlungen zur Beilegung deS Konfliktes in der Holzindustrie» welche seit zehn Tagen vor dem Einigungsamte»eS Gewerbegerichtt geflihrt werden, sollten gestern ihren Abschluß finden. DaS EinigungS- amt war zusammengetreten, um diejenigen Punkte, über die eine Einigung nicht erzielt worden war, durch Schiedsspruch zu erledigen. Bei dem Punkte über die Dauer des Vertrages versuchte das EinigungSamt eine Verständigung der Parteien herbeizuführen. Der Versuch mißlang und mutzte die Sitzung, da auch ein Beifitzer un» wohl geworden, aufgehoben werden. Die von der. Fachzeitung" gebrachte Mitteilung, daß der 16. Januar als Abschlußtermin des Vertrages festgelegt sei, ist irrig. die Parteien haben sich, wie uns mitgeteilt ist, auf einen anderen Termin geeinigt. Heute Dienstag treten die Zentralvorstände nochmals zu einer Besprechung zusammen, ob dieselbe ein befriedigendes Ergebnis zeitigen wird, ist fraglich._ „Terrorismus" schreit die bürgerliche Presse, schaut einmal ein organisierter Arbeiter einen Nichtorganisierten nicht besonders freundlich an. Wo irgend möglich, wird der Staatsanwalt gegen die organisierten Arbeiter mobil gemacht. Jeder Raufbold aber, der als Streikbrecher oder gelber Gewerkschaftler einen organi- sierten Arbeiter an Leib und Gesundheit schädigt, wird in Schutz genoinmen. Obendrein erfolgt ständig die Versichc- rnng, man habe gegen die Koalitionsfreiheit nichts einzu- wenden. So ähnlich versichert auch bei jeder Gelegenheit Öer Oberbürgermeister von Berlin. Ein großer Teil der unteren Beamten aber wirkt trotzdem in völlig unzulässiger Weise gegen die Organisationsbestrebungen der städtischen Arbeiter. Besonders be— rühmt in der Beziehung ist die Verwaltung der Berliner Straßenreinigung. Ihrem Be- streben, die Organisation zu unterdrücken und dafür einen Direktionsverein hochzuhalten, ist durch ein in den letzten Monaten sich abspielendes Vorkommnis die Krone aufgesetzt worden. Ein Mitglied dieses Direktionsvereins schlug cmZ Ifen nichtigsten Ursachen einen organisierten Kollegen zu Boden, Der Niedergeschlagene mußte blutüberströmt nach der CharitS übergeführt werden. Drei Wochen Krankheit war die Folge, Die Mitglieder der zuständigen Betriebskrankenkasse mußten natürlich die Kurkosten zahlen.' Der Direktor Nobiling als Vorsitzender jener Kasse fand es nicht für notig, die ent- standenen Kosten von dem Schläger einzutreiben. Alle Vor- stellungen durch den Arbeiterausschuß waren ergebnislos. Vielmehr belohnte der Direktor den Auchkollegen noch, indem er ihn zum Vorarbeiter beförderte. Daß man einen solchen Menschen noch zum Vorgesetzten von ehrlichen, anständigen Arbeitern ernennt, dürfte auch nur im Betriebe der Berline» Straßenreinigung vorkommen. Aus derselben moralischen Anschauung heraus hat der- selbe Direktor in einem anderen Falle einen Arbeiter, der von eimMMiarbMer mit Aedlnsarten wie �Hwindy ker".„Me stehen noH llnker Sm Die?". Eelegi Kur8e, bestraft. Der Arbeiter mußte am Sonntagnachmittag von i Uhr mittags bis 8 Uhr abends, natürlich ohne Ertra bezahlung, zur„Strafe" dafür, daß er sich gegen diese empören den Beleidigungen verwahrte, arbeiten. Wenn irgendwo mit Recht von Terrorismus gegen Andersdenkende geredet werden kann, dann in diesem �allc. Auf die moralische Entrüstung des Bürgertums und seiner Presse wird man freilich vergeblich warten. Die Lage im Berliner Baugewerbe. Am Sonntag nahmen die der Freien Vereinigung an- schlossenen Arbeitergruppen des Berliner Bauberufs Stellung zu der Frage des Lohnkampfes. Wenngleich in den Versammlungen starke Worte über die Zurückhaltung der Zentralverbände fielen, waren die Beschlüsse der drei Versammlungen doch außer- ordentlich vorsichtig gehakten, insofern als diese eine eigene Initiative der der Freien Vereinigung angeschlossenen Bauarbeiter ablehnten und die Eröffnung des Kampfes den Zentral- verbänden zuschoben. » Die Freie Vereinigung der Maurer hielt ihre Mit- gliedcrversammlung in der Brauerei Königstadt ab. Der Kassierer gab zunächst den Bericht über den Umfang der Maiaussperrung. Als Ausgesperrte kommen in diesem Jahre 489 Kollegen in Be- tracht und ISO Arbeitslose, zusammen 639 gegen 510 im Vorjahre. Ein Antrag, die Maiausgesperrten pro Tag mit 4 M. zu unter- stützen, wurde nach teilweise sehr heftiger Debatte abgelehnt und folgende vom Vorstand vorgelegte Resolution angenommen: „Betreffs der Maiaussperrung beschließt die heutige Ver- sammlung, den ausgesperrten sowie arbeitslosen Kollegen, welche durch die Taktik der Unternehmer schon längere Zeit in ihrem Einkommen stark geschädigt sind, die Unterstützung im Sinne des Regulativs, d. h. 2,50 M. pro Tag vom 2. bis 4. Mai zu be- willigen. Kollegen, welche aus Anlaß der Maifeier gemaßregelt oder länger als drei Tage ausgesperrt sind, haben sich Montag, den 6. Mai, im Bureau zu melden. Die Auszahlung der Unterstützung erfolgt am Montag, den 6. Mai, abends von 8 Uhr an in den Zalhlstellen und an den folgenden Tagen im Bureau. Das Mitgliedsbuch ist bei der Auszahlung vorzulegen und etwaige restierende Beiträge sind von der Unterstützung in Abzug zu bringen. Nach Ablauf des 11. Ma? erlischt jeder Anspruch auf bis dahin nicht erhobene Unterstützung. Ausgesperrte sind ebenso wie arbeitslose Kollegen von der Beitragsleistung für die zehnte Beitragswoche befreit." Hierauf gab Z e g l i n den Bericht über die Situation im Baugewerbe. Redner empfahl folgende Resolution: „Von der Notwendigkeit der Verkürzung der Arbeitszeit und damentsprechende Lohnerhöhung nach wie vor überzeugt, verlangt die Versammlung, daß nun wirklich alle in Frage kom- Menden Faktoren der Arbeiterorganisationen die Initiative zur endlichen Durchführung der aufgestellten Forderungen ergreifen. Sie kann es nicht verstehen noch billigen, daß der Zentral- verband trotz der Ablehnung des Schiedsspruches die Zeit untätig verstreichen läßt. Da jedoch zur siegreichen Durchführung der Bewegung die Einheitlichkeit des Vorgehens aller Beteiligten ein Gebot der Notwendigkeit ist, und die Freie Vereinigung der Maurer aus diesem Grunde allein in den Kampf nicht eintreten kann, so erwarten die Versammelten von den Verbandskollegen, daß diese endlich ihrerseits eine Entscheidung treffen, damit der gegenwärtige mißliche Zustand beseitigt und dadurch ein einheitliches Vorgehen ermöglicht wird." In der Diskussion sprachen die meisten Redner im Sinne der Resolution. Nur einige waren der Meinung, daß man den Kampf allein beginnen möge. Die Resolution wurde mit allen gegen nur 4 Stimmen an- genommen. Zum Schluß wurde noch beschlossen, die Extrabeiträge einzu- stellen. Der Verein der Zimmerer Berlins und Um- gegend hielt eine außerordentliche Mitgliederversammlung in den Germaniasälen ab. Die Versammlung war sehr zahlreich be- sucht, der große Saal war dicht besetzt. Der Referent Theodor Fischer führte aus, daß wegen der Maifeier ungefähr 250 Mit- glieder des Vereins ausgesperrt wurden, während nach den Be- richten in der Presse die Zahl der ausgesperrten Verbandsmitglieder 550 beträgt, so daß im ganzen von den 6500 Zimmerleuten Berlins, die doch fast alle den 1. Mai feierten, kaum ein Achtel von der durch die Unternehmer mit so viel Mühe propagierten Aussperrung be- troffen wurden. Von den 850 bis 900 Firmen, die Zimmerer be- schäftigen, sperrten ungefähr 100 aus, also auch kaum ein Achtel. Der Redner bemerkte weiter, daß bei diesem für die Unternehmer so kläglichen Resultat die Maiaussperrung für die Bewegung nicht in Betracht komme, und auch nicht, wie man wohl in Mitglieder- kreisen gedacht habe, zum Angriffspunkt gemacht werden könne. Der Redner schlug eine Resolution vor, die im wesentlichen mit der übereinstimmte, die schließlich angenommen wurde. Dem Bortrage folgte eine lebhafte, aber sachliche Aussprache über die Taktik. Verschiedene Vorschläge wurden gemacht. Der am weitest gehende war der, den Vertrag vom 6. Mai an für aufgelöst zu erklären und auf den Bauten, wo alle Kollegen sich einig sind, den Forderungen, 85 Pf. Stundenlohn und achtstündige Arbeitszeit, durch Streik Nachdruck zu verschaffen. Statt dessen nahm die Ver- sammlung jedoch folgende Resolution an: «Da die in diesem Jahre von den Unternehmern aus Anlaß der Maifeier ins Werk gesetzte Aussperrung kein anderes Rc- fultat gezeitigt hat als in den Vorjahren und somit in An- betracht der gespannten Situation im Baugewerbe viel weniger inS Gewicht fällt als in normalen Zeiten, erklärt die Ver- sammlung ausdrücklich, daß durch die bisherigen Maßnahmen der Unternehmer die Forderung der Verkürzung der Arbeitszeit in keiner Weise berührt wird, sondern nach wie vor aufrecht er- halten bleibt. Sie beauftragt die Mitglieder der Achtzehner- kommisfion, mit den Vertretern der in Frage kommenden Orga- nisatianen unsere gestellten Forderungen weiter zu verfolgen. und behält sich die weiteren Beschlußfassun- gen vor. Die Versammelten verpflichten sich, unter den an der Be- wegung beteiligten Arbeitern für die Durchführung der For- derungen unbedingt Propaganda zu machen und die Erreichung unseres Zieles nach Möglichkeit zu fördern." Die Versammlung beschloß ferner, daß die MaiauSgesperrten die durch die Konferenzbeschlüsse festgesetzte Unterstützung erhalten lsllen., Die Freie Vereinigung der Bauarbeiter hielt ihre außerordentliche Generalversammlung in Boekers Saal. Weberftraße, ab. Baum referierte. Seit dem Jahre 1902 seien nicht so viele Aussperrungen bei der Gewerkschaft gemeldet worden wie bei der diesjährigen Maifeier. 132 Kollegen seien auf 3 Tage ausgesperrt. Der Redner kritisierte die Art, wie die Lohnbewegung von seiten der Zentralverbände geführt werde als zu ängstlich und zaghaft. Dadurch sei die Anmaßung der Unternehmer noch größer geworden. Ebenso sei die Haltung der Parte, zu vorsichtig, z. B. in der Frage der Maifeier, was viel Schaden brmge. Er legte die folgende Resolution den Anwesenden vor: „Nach Anhörung des Referenten ist die Versammlung der Meinung, daß die Situation, insbesondere die negierende Hal. tung des Zentralverbandes, nicht geeignet ist und es nicht zu- läßt, daß die Freie Vereinigung der Bau- arbeite? gegenwärtig a l l e in in den K a m p f für die Verkürzuna der Arbeitszeit und die! 'fimsta. ftibatUut; Si*a9 Bebet, öulm. Lsseratevteil bmsttus I Erhöhung des Lohnes eintreten kann. Sie hat zu ihrer Leitung das Vertrauen, daß sie die Situation richtig überschaut und die nötigen Matznahmen zur Durchführung der aufgestellten Forderung zur günstigen Zeit treffen wird. Sollten jedoch die Maurer und Zimmerer zur Erringung ihrer Forderungen die Arbeit niederlegen, so verpflichten sich die Anwesenden, sich mit denselben solidarisch zu erklären." Die Resolution wurde einstimmig angenommen. In der Diskussion wurde die Lohnbewegung lebhaft besprochen und manche Angriffe wurden gegen die Zentralverbände gerichtet, denen viele Redner mißtrauisch gegenüberstehen; auch wendeten sich verschiedene dagegen, daß, wie sie meinten, von hervorragenden Parteigenossen abgewiegelt werde. Dem„Vorwärts" wurden eben- falls Vorwürfe gemacht. Man sieht im allgemeinen der nächsten Zukunft nicht sehr hoffnungsvoll entgegen und erwartet, daß die Unternehmer durch eine Aussperrung einen großen Kampf er- öffnen werden.— Nach Erledigung einiger Vereinsangelegenheiten wurde die gut besuchte Versammlung geschlossen. Die streiklüsternen Bäckermeister. Die Bäckermeister Berlins und der Vororte haben in einer geradezu zynischen Weise die Vermittelun g_ d e S Oberbürgermeisters, wie überhaupt jede V e r m i t t e- lung abgelehnt. Vom Oberbürgermeister erhielt die Leitung deS Bäcker- Verbandes folgendes Schreiben: Der Ober-Bürgermeister. J.-Nr. 114. O. B. 07. Berlin C 2, den 6. Mai 1907. Im Anschluß an mein Schreiben vom 26. April 1907 teile ich ergebenst mit, daß mir von den Vorständen der Bäcker. innungen Berlins und der Vororte als Antwort auf meine An- frage, ob sich die Innungen bei den gegenwärtigen Lohn- streitigkeiten der Vermittelung des Einigungsamtes des Gewerbegerichts oder meiner Vermittelung bedienen wollen, die abschriftlich anliegende Resolution bekannt gegeben worden ist. Ich betrachte meine Tätigkeit in dieser Angelegenheit damit für erledigt. K i r s ch n e r. An Herrn Bäckergefellen Franz Schneider, hier. Das dem Stadtoberhaupt von der Jnnungskommisswn, die aus Obermeister Fritz Schmidt, Altmeister W. Müller und — L i eb> n g, Reinickendorf bestand, überreichte Schreiben hat folgenden Inhalt: Berlin, den 4. Mai 1907. Seiner Hochwohlgeboren dem Oberbürgermeister der Haupt- und Residenzstadt Berlin Herrn K i r s ch n e r. Auf das gefällige Schreiben vom 29. 4. 07 beehren wir uns, indem wir gleichzeitig unseren tiefgefühlten Dank für das bereit- willige Entgegenkommen, in der Lohnbewegung vermitteln zu wollen, aussprechen, nachstehende Resolution, die in der Sitzung vom 3. Mai von 15 Innungen einstimmig angenommen worden ist, bekannt zu geben: „Die heute im„Germania-Jnnungshause" versammelten Jnnungsvorstände sämtlicher Bäcker-Jnnungen Berlins und Vororte weisen erneut das Gewerbegericht als Einigungsamt ab und erkennen nur das Einigungsamt des Jnnungsschieds- gerichts als maßgebende Instanz an. Sie wollen aber, um ihre Friedensliebe zu bezeugen, mit der Gesellenschaft in freier Verhandlung ohne Vermittelung verhandeln, wenn ein solches Ansinnen von einer Versammlung der gesamten Gesellcnschast ausgeht und nicht nur von einer Mitgliedschaft des Hamburger Verbandes. Der Resolution vom 25. April können wir schon ihres beleidigenden Inhaltes wegen nicht näher treten." Hochachtend Die Vorstände der Bäckerinnungcn Berlins und Vororte gez. Fritz Schmidt, Vorsitzender. Fruchtstr. 21. Nach„stundenlangen Beratungen" haben die Scharfmacher also den Streik durchgedrückt. Hat doch sogar die Sonntag erscheinende Jnnungspressc noch die Meinung vertreten, daß unter einem Magistratsrat verhandelt werden solle, wenn es die Gesellen wollen. Heute pfeift es anders. Sie wollen nur noch ihr famoses Jnnungsschiedsgericht mit seinem von ihnen abhängigen Vorsitzenden als„Einigungs- amt" anerkennen, oder aber sich nur in„freie n" Verhandlungen ohne Vermittelung einlassen, wenn ein solches„Ansinnen" von einer Versammlung der gesamten Gesellenschaft und nicht von einer Mitgliedschaft des Hamburger Verbandes an sie gerichtet würde. Wie gütig. Soll das etwa heißen, daß erst alle Berliner Gesellen bis auf den letzten Mann zusammenkommen müssen, ehe sie den hohen Herren Forderungen zustellen dürfen? Das wäre bequem für die Innungen, weil sie wissen, daß das un- möglich ist. Die Altgesellen und die Gesamtgesellen. s ch a f t haben wiederholt erklärt, daß nur der Bäckervcrband als Vertretung der Gesamtgesellenschaft gelten kann. Die Innungen verstecken sich mit einem Male hinter die Ocftentlichkeit und hinter an den Haaren herbei gezerrte angebliche Beleidigungen. Welche Spiegelfechterei: Mehrere allgemeine, öffentliche Versamm- lungen haben Tarifbrüche der Bäckerinnungen einstimmig scharf verurteilt. Eine allgemeine öffentliche Versammlung hat den Eintritt in die Lohnbewegung und die Ausstellung der drei Hauptforderungen: 1. Beseitigung des Kost- und Logiswesens; 2. unabhängiger Arbeitsnachweis und 3. den freien Tag in der Woche e i n st i m m i g beschlossen. Ebenso einstimmig beschloß eine allgemeine, öffentliche Versammlung, daß mit den Innungen wegen ihrer W o r t b r ü ch i g k e i t nur unter un- parteiischer Kontra lle verhandelt werden solle. Ebenso haben eine große Zahl weiterer öffentlicher Versammlungen unser Vorgehen stets einmütig gutgeheißen und das hinterhältige Ge- baren der Innungen oft viel schärfer und erregter verurteilt als die Verbandsversammlungen. Uebrigcns ist es ein Weltwunder, daß die Innungen jetzt mit einem Male so warm für die Oeffentlichkeit eintreten, die sie sonst doch ängstlich scheuen. Sie sowohl als auch ihre mit Jnnungsgeld gegründeten und ausgehaltenen gelben Vereinchen haben bisher die Oeffentlichkeit sorgsam ausgeschlossen und stellen sich auch nicht in den allgemeinen Versammlungen. Nun, die am heutigen Tage vom Verbände und den Gesellenausschüssen nach Keller in der Koppen st raße einberufene öffentliche Ver- sammlung wird den Herren die gebührende Antwort nicht schuldig bleiben. �ziröirwn oer-w o r g a zr er Zementfabrik. Hier in Wolgast stehen unsere Kollegen der Zementfabrik in einer Lähnbewegung: e s w i r d ein Stundenlohn von 30 Pf. gefordert, wie für Akkordarbeit 10 Proz. Aufschlag, und für Heizer ___ jc„ on m{■ OVr» o�y--V r..---- 1r:i- �• willigen einen Tagesverdienst von 3,60 M. nebst freier Be. "östigung und Logis; und den Akkordarbeitcrn einen Tagesverdienst von 4--5 M. nebftfreiemLogisund morgens und abends Kaffee. Wir erwarten von allen organisierten Arbeitern, daß sie die Unorganisierten warnen, darauf hineinzufallen, damit sie vor arger. Enttäuschung bewahrt bleiben. Sobald die Lohnbewegungen vorbei sind und die dabei interessierten Arbeiterklassen unterliegen, würden dieselben„hohen" Verdienste wiederlehren, d. h. Wochenlöhne von 7, 8 und 9 M- Ebenfalls möcbten wir unsere Arbeitsbrüder vor folgende Orb. sckwften warnen: Woldegk, Schwaan und Friedland in Mecklenburg. In den ersten beiden Ortschaften stehen zirka 200 Ziegler und Ziegeleiarbeiter im Streik um bessere Lohn- Micke. Kerl in. Druck u. Verla,: Vorwärts Luchdr. u. gstrlagsgnjtsg und Arbeitsbedingungen. In der Orffchast Friedland in Mecklenburg sind ein Teil unserer Verbandskollegen ausgesperrt. Wir ersuchen die organisierte Arbeiterschaft, den Zuzug nach den genannten Ortschaften mit allen gesetzlichen Mitteln zu ver- hindern und ein wachsames Auge auf die Menschcnhändler zu haben. Die Direktion der Rübenzuckerfabriken von Barth an der Ostsee, Woldegk und Friedland in Mecklenburg arbeiten nach der Methode des Reichslügenverbandes, d. h. mit den gemeinsten Mitteln gegen unsere Organisation. Da jene Herren sich schon jetzt alle erdenkliche Mühe machen, Arbeiter für die kommende Kampagne zu gewinnen, so ersuchen wir die Arbeiter, kein Angebot nach jenen Städten anzu- nehmen. Wir bitten besonders unsere süd- und mittel- deutschen Parteiblätter davon Notiz zu nehmen, weil gerade aus Süd- und Mitteldeutschland die meisten Arbeiter nach hier kommen. Verband der Fabrik-, Land- und Hülfsarbeiter Deutschlands. Gau lV. I. A.: WiesenhütterStettin, Langestr. 6. Der Ausstand im mitteldeutschen Braunkohlenrevier hat sich auf 13 Gruben, darunter die größten, ausgebreitet. Sämtliche Maurer, Zimmerer und Bauarbeiter zu Erfurt, nahezu an 2000 Mann, haben wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt._ Der Streik der Arbeitswilligen. Ein Privattelegramm meldet uns: Königsberg, 6. Mai. Heute legten im Königsberger Hafen 200 Arbeitswillige die Arbeit nieder. Sie versuchen, auch ihre noch arbeitenden Kollegen zur Arbeitsniederlegung zu bewegen. Die Sache hat dadurch eine den Hafenarbeitern günstige Wendung gc- nommen._ Wegen Maßregelung des Bertrauensmannes sind die Arbeiter der Brauerei von Heinrich Schnur in Dorndorf an der Saale in den Ausstand getreten. Die Organisation hat sogleich über das Bier dieser Brauerei den Boykott verhängt. Die Brauerei liefert ihre Produkte besonders nach Jena und Umgebung. Der 14tägige Streik der Flößer, welche von Weißenhöhe ab- wärts schwimmen, ist beendet und die Arbeit am Sonnabend, den 4. Mai, wieder aufgenommen worden. Die Lohnftreitigkeiten, welche die Bewegung verurfachten, wurden durch Verhandlungen der Organisationsvertreter mit der Schleppfchiffahrt-Aktiengefellschaft zu Bromberg geschlichtet. Tarifvertrag im Bäckergewerbe von Hamburg, Altona. WandSbcck und Umgegend. Wie vorige Woche mitgeteilt, hat die am vorletzten Sonntag stattgehabte Versammlung der Bäckergesellen den von den Vertretern der Innungen und der Arbeiter verein- karten Tarifvertrag abgelehnt. Es hat darauf eine Urabstimmung unter den Gehülfen stattgefunden, die das entgegengesetzte Resultat zeitigte. Für den Tarifvertrag stimmten 625, dagegen 284. Der Tarif, der ab 1. Mai bis zum 1. Mai 1910 gilt, sieht in seinen Hauptpositionen einen Minimallohn von 25 Mk. für Weitzbäcker und 26 Mk. für Grobbäcker vor; in Betrieben mit Wechselschicht erhöhen diese Sätze sich um je eine Mark. Durch Mehrarbeit verursachte Ueberstundcn werden mit 60 Pf. pro Stunde bezahlt. Vom 1. Mai 1909 ab wird der Minimallohn für alle Kategorien um eine Mark erhöht. In Betrieben mit 6 und mehr Gesellen muß ein wöchentlicher Ruhetag gewährt werden. In Betrieben mit weniger als 6 Gesellen soll die Einführung eines Ruhetages, sei es wöchentlich oder innerhalb eines weiteren Zeitraumes, der allmählichen EntWickelung überlassen werden, jedoch muß ab- wechselnd wöchentlich ein freier Abend— in der Regel bis 12 Uhr— gewährt werden. Husland* Der Streik der Speditionsarbeiter und Möbelpacker in W i e n ist beendet._ Eingegangene Drudtfcbriften. Xcc Arbcitermaugel auf dem Lande von PastorlS.Fmilts" Klllim DÄsM Dienstag, 7. Mai 1907. R.eicl)stag. 47. Sitzung vom Montag, den ö. Mai 1907, nachmittags 2 Uhr. Am Bundesratstische: Frhr. v. Stengel. Dernburg. Präs. Graf Stolbcrg bittet um die Ermächtigung, dem Krön- Prinzen zum Geburtstag die Glückwünsche des Hauses zu über- reichen. Die Ermächtigung wird erteilt. Präs. Graf Stolberg: Mir ist folgendes Schreiben zugegangen: „Ew. Exzellenz beehre ich mich ganz ergebenst anzuzeigen, dah ich mein Amt als zweiter Vizepräsident des Reichstages hiermit niederlege. In vorzüglicher Hochachtung Kaempf." Ich werde dem Hause vorschlagen, die Wahl des zweiten Vize- Präfidenten morgen als ersten Gegenstand aus die Tagesordnung zu setzen. Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung des vierten Ergänzungsetats<23,15 Millionen zur Gewährung außer- ordentlicher einmaliger Beihülfen an die unteren und niittleren Beamten, deren Gehalt 4200 M. nicht übersteigt) in Verbindung mit zwei Ergänzungsetats für das Kolonialamt und die Schutzgebiete. Schatzsekretär Frhr. v. Stengel: Ueber die beiden Kolonialetats wird wohl der stellvertretende Herr Kolonialdirektor noch sprechen; sie sind eine Folge des Aufhörens des Kriegszustandes in Südwest- afrika. Den vierten Ergänzungsetat hinsichtlich der Teuerungszulagen an die unteren und mittleren Beamten vorzulegen, ist den ver- bündeten Regierungen nicht leicht geworden; denn es wird den Einzelswaten nicht leicht werden, der Reichsregierung zu folgen. Aber die verbündeten Ltegierungcn haben dem Drängen des Reichs tage- nachgegeben. Abg. Speck(Z.): Was den ersten Etat betrifft, so scheint es mir außerordentlich bedenklich, notwendige Ausgaben des Reiches für das Jahr 1907 erst auf spätere Jahre in den Etat zu übernehmen. Ich beantrage, diesen Etat an die Budgetkommission zu verweisen. Staatssekretär Frhr. v. Stengel: Auf die geäußerten Bedenken werde ich in der Budgetkommission näher eingehen. Jetzt bemerke ich nur, daß die Einnahmen für die zu bewilligenden Ausgaben dem Etat für 1907 zugeführt werden sollen. Abg. Frhr. v. Richlhofen(t.) schließt sich dem Antrage aus Ver Weisung an die Budgetkommission an. Abg. Singer(Soz.): Der Vorlage, welche die Aulagen für die Beamten bringt, werden Wir zustimmen. Ich unterlasie es dabei, auf die Frage einzugehen. wer diese Zulagen zuerst angeregt hat. Ich will mich hier nicht auf das Gebiet des unlauteren Wettbewerbes begeben(Heiterkeit) und in den Wettstreit mich nicht einmengen. Das von dem Abg. Speck angeregte Bedenken teilen auch wir, und es ist durch das, was der Herr Staatssekretär ausgefiihrt hat, nicht widerlegt. Ich kann nicht sagen, daß der von der Regierung vorgeschlagene Weg unS richtig erscheint. Es tritt klar hervor, daß wir immer und mimer wieder die Forderung einer verständigen Reform unserer Finanzlage erheben müssen. Die Bedenken, die von dem Abg. Speck gegen den§ 7 vorgebracht sind, teilen wir, aber sie sind nicht derartig, daß wir von diesem Paragraphen das Geschick der Vorlage werden abhängig machen. Ich will aber hierbei noch einen Wunsch zum Ausdruck bringen: Wir haben lediglich die Frage der Notwendigkeit der Gehaltszulagen zu prüfen. Diese bejahen wir, und wir stimmen auch der hier vor- geschlagenen Erleichterung der wirtschaftlichen Lage der Beamten zu. Aber niemand wird doch leugnen, daß, wenn die wirtschaftlichen Zustände der Beamten einer Aufbesserung dringend bedürfen, dies auch bei den A r b e i t e r n der Fall ist, und daß es notwendig ist, auch die Stellung der von den verschiedenen Reichsverwaltungen beschäfttgten Arbeiter zu bessern.(Sehr richtig I bei den Sozial- demokraten.) Wir haben Ihnen beim Postetat nachgewiesen, welche zum Teil jammervollen Löhne den Arbeitern dort gezahlt werde», und wenn wir zum Etat der Eisenbahnen und der Werften kommen, so werden Sie, denke ich, mit mir übereinstimmen, daß gegenüber den fortwährend steigenden Preisen der Lebensmittel und der Mieten auch bei ihnen Aufbesserungen nötig sind.(Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Ich habe dem Wunsche meiner Freunde Ausdruck zu geben, daß wir im nächstjährigen Aat nicht bloß die Beamtengehälter aufbeffern wollen, sondern daß auf allen Ge- bieten, der Arbeitstätigkeit entsprechend, Lohnzulagen vorgeschlagen werden, deren Bewilligung im Reichstage uns als selbstverständlich erscheint.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Was die beiden anderen Ergänzungsetats anlangt, so werden wir in der Budgetkommission die Bemerkungen machen, die wir dazu zu machen haben.(Bravo l bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Wicmer(fts. Vp.): Soweit die Finanzlage des Reiches e» gestattet, erfüllt die Vorlage die Wünsche der Beamten, und bei der zu erwartenden Befferung der Reichsfinanzen wird noch mehr getan werden können, z. B. auch für die vom Reiche beschäftigten Arbeiter. Die Einzelstaaten werden gut tun, dem guten Beispiel des Reiches zu folgen. Abg. Dr. Semler(natl.) ist mit der Borlage für die Beamten und mit Kommissionsberatung einverstanden. Abg. Dr. Arendt(Rp.): Es ist bezeichnend und erfteulich, daß sich Hrrr Dr. Wiemer mit der Deckung solcher Ausgaben durch die Zölle, also mit den Zöllen überhaupt einverstanden erklärt hat. Die Diskussion wird geschlossen und die drei Etats werden der Budgetkommission überwiesen. In der Fortsetzung der Debatte über den Kolonialetat erhält beim Kapitel„Kamerun" zunächst das Wort Abg. Kopsch(fts. Vp.): Die von Herrn V.Oldenburg vorgebrachte Behauptung, Herr v. Puttkamer sei nur deshalb so an- «;egriffen worden, weil er der Sohn eines vortrefflichen Ministers ei, entbehrt jeder Logik und Unterlage. Die Angriffe, die im Reichstage erhoben worden sind, entsprangen aus den pflichtmäßigen Erwägungen der Abgeordneten: der Miß- Wirtschaft und Vergeudung der Gelder entgegenzuwirken. Die Person ist dabei Nebensache; denn wir sind auch ein- geschritten gegen v. Brauchitsch, Oberrichter Meier, Kannen- berg usw. Es ist der Herrenstandpunkt PuttkamerS, der im Gegensatz steht zur Volksmoral. Ich enthalte mich jeder Bemerkung über das Urteil gegen Puttkamer, nur so viel muß ich sagen: DaS Rechtsempfinden des Volkes ist durch den Verlauf des ganzen Prozesses nicht beruhigt, sondern stärker erregt worden als vorher. Den schärfften Protest fordert heraus die ganze Art der Verhandlung, das Vorgehen des Anklägers, die Vernehmung der Zeugen und das Vorgehen der Verteidigung. Jetzt handelt es sich darum, ob im Volke der Glaube erschütten werden soll, daß wir in einem Rechts- staate leben, daß noch Richter im Lande sind.(Lebhafter Beifall lmIä') Abg. Bebe,(Soz.): Ich habe ein dringendes Bedürfnis, zu hören, welche Stellung der Kolonialdirektor zu der Erklärung der Frau v. Germar ein- nimmt. Wenn wahr ist, was die Frau behauptet, dann kann das Prozeßverfahren nicht auftechterhalten werden. Die Frau gibt an. daß sie unter ihren, Eide in siebenstundigem Verhör ausgesagt habe und daß ihre Aussagen mit denen vor Gericht im strengsten Widerspruch stehen. Sie beschuldigt Hern, v. Puttkamer direkt der Pnßfälschung; er habe gewußt, daß sie mcht v. Eckardstein, sondern Ecke heiße. Sie behauptet, daß bei der Haussuchung bei ihr mindestens zwölf Briefe beicklag- nahmt seien, aus denen hervorgehe, daß eine Paßfälschung v. Putt- lomers vorliege. Es wurde als eine Art Erlösung von allen Seiten I begrüßt, daß der gegenwärtige Kolonialsekretär bei Antritt seiner Stellung erklärte, daß bei den Kolonialaffären nichts verhüllt werden, daß nichts ununtersucht bleiben solle. Nun komnit der Prozeß Puttkamer, auf den die ganze Welt aufmerksam a-macht worden war. Und da war es überraschend, zu hören, daß gerade der Ankläger es war. der alles aufbot, um die Vergehen Puttkamers in einem milden Lichte er- scheinen zu lassen. Ich habe schon am Sonnabend in einer kurzen Bemerkung erklärt, daß er dies mehr getan hat als der Verteidiger. Als Angeklagte erschien dagegen weit mehr Frau v. Germar, deren Charakter in abfälliger Weise geschildert wurde, die aber vor dem Gerichtshofe als Zeugin zu hören nicht für angebracht gehalten wurde! Gegen eine solche Behandlung muß Widerspruch erhoben werden, und wir hoffen, daß der Kolonialdirettor aus der Ver- öffentlichung der Frau v. Germar Veranlassung nehmen wird, die Sache gründlich zu untersuchen.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Kolonialdirettor Dernburg: Die Frage, ob Berufung eingelegt werden soll, konnte noch nicht entschieden werden, da uns das Urteil mit den Gründen noch nicht initgeteilt ist. Ich weiß daher noch nicht, inwieweit die von Frau v. Germar behaupteten Tatsachen Würdigung gefunden haben oder nicht. Mir sind sie erst heute morgen zur Kenntnis gekommen. Ich möchte aber daran festhalten, daß ich auf den Gang des Verfahrens keinen unmittelbaren Einfluß nehme, das liegt in der Unabhängigkeit des Disziplinargerichts. Hätte ich selbst Lust, ein Urteil abzu- geben, so würde ich es mir v»n dieser Stelle aus versagen. Ich gebe zu, daß die Angelegenheit jetzt in ein mcues Stadium gctteten ist, und soweit von Verwaltungswegen eine neue Untersuchung nötig ist, werde ich sie eintteten lassen. Abg. Erzbcrger(Z.): Das wichtigste in unserer Kolonialpolitik ist, die Eingeborenen richtig zu behandeln und zu erziehen. Am meisten wird das verhindert durch den A l k o h o l, der in großen Mengen in die Kolonien eingeführt wird. Die Zölle auf Alkohol in den Kolonien müßten ungemein erhöht werden.(Bravo I im Zenttum.) Kolonialdirektor Dernburg: Mit der von Herrn Erzberger ver- ttetenen Tendenz, den Alkoholgenuß der Eingeborenen einzuschränken, sind wohl alle in diesem Hause einverstanden. Aber zwischen Wollen und Vollbringen liegt gerade auf diesem Gebiete sehr viel.(Sehr richtig! rechts.) Man behauptet sogar, der afrikanische Handel sei ohne Schnapshandel überhaupt nicht möglich. Aber hinter den Schwierigkeiten lvollen wir uns nicht verstecken, wenn Deutschland auch ohne nachbarliche Hülfe auf diesem Gebiete nur wenig er- reichen kann. Damit schließt die Diskussion. Das Gehalt des Gouverneurs wird bewilligt, ebenso ohne besondere Debatte der Rest des Etats für Kamerun. Es folgt der Etat für Togo, dem das Haus ohne Debatte zu» stimmt. Ebenso bewilligt das Haus den Etat für Neuguinea. Beini Etat für die Karoliue» komnit Stellvertr. Kolonialdirektor Dernburg auf den Fall Brandeis zurück. Brandeis habe vielleicht bei Verhängung der Prügelstrafe nicht immer justizmäßig richtig gehandelt, aber er sei doch stets nach bestem Wissen vorgegangen. Ich habe geglaubt, fiir diesen Beamten und Offizier, der nach dreißigjähriger vorwurfsfreier Tätigkeit au§- geschieden ist, dies hier feststellen zu sollen.— Mit der vom Abg. Müller-Meiningen gewünschten Trennung der Justiz und der Verwaltung bin ich einverstanden. Daraus wird der Etat debattelos bewilligt, ebenso debattelos die Etats für Samoa und Kiautfchou. Das Haus geht über zur Beratung des Etats für die Berwaltuug der Reichseisenbahnen. Abg. Dr. Will-Sttaßburg(Z.) fordert Herabsetzung der Dienst- zeit der Beamten und Erhöhung der Löhne für die Arbeiter. Ferner klagt der Redner über die Zurücksetzung der Elsaß-Lothringer bei der Anstellung. Preußischer Eisenbahnminister v. Breitenbach: Die Verwaltung der Reichseisenbahnen ist ständig bemüht, ihre Beamten und Arbeiter aufzubessern. Tatsächlich sind die Bezüge, besonders der Arbeiter. ganz gewaltig gestiegen. Redner gibt einen zahlenmäßigen Ueberblick über die Lohnerhöhung der einzelnen Kategorien. Abg. Böhle(Soz,): Der Berichterstatter hat ausgeführt, daß wenn in Elsaß-Lothringen die vierte Klasse eingeführt würde, dadurch kein Ausfall entstehen würde. Ich stehe auf dem gegenteiligen Standpunkt: Die Rentabilität der Reichseisenbahnen wird nicht größer werden.(Sehr richttg I bei den Sozialdemokraten.) Mit besonderem Interesse habe ich die Ausführungen des Vertreters der verbündeten Regierungen Hinsicht lich der Löhne der Arbeiter entgegengenommen. Zunächst hat der Minister betont, die Durchschnittslöhne der Beamten und Arbeiter seien in einer Weise erhöht worden, daß sie damit zufrieden sein könnten. Aber wenn Sie in Betracht ziehen, daß den Erhöhungen der Löhne infolge der steigenden Lebensmittelpreise steigende Mehr- ausgaben gegenüberstehen, so wäre eS doch besser gewesen, wenn uns für das nächste Jahr Aussicht auf Besserstellung der Beamten und Arbeiter gemacht worden wäre. Ich will auch eine Petttion berühren, die dem Reichstag unter breitet worden ist und die eine Verbesserung der Pensienrn bezweckt. (Sehr richttg! b. d. Soz.) Namentlich ist den Unterbeamten eine solche Erhöhung zu gönnen. Diese beziehen 80, 70, 80 M. Pension, und das reicht nicht aus, wenn man berücksichtigt, daß sie vollständig arbeitS- unfähig und daher auf diese Pension angewiesen sind. Es ist zwar ein Erlaß gekommen, wonach alle zwei Jahre Lohnerhöhungen stattfinden sollen, aber in dieser Verfügung steht, daß die Lohnerhöhungen„bei schlechter Führung" vorenthalten,„bei guter Führung" dagegen vorzeitig bewilligt werden können l Dadurch ist erreicht, daß die Arbeiter keinen Rechtsanspruch auf Lohnerhöhung haben, sondern daß die Erhöhung im Ermessen eines Borarbeiters steht.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Wenn der Arbeiter es nicht versteht, sich beim Vorarbeiter beliebt zu machen, dann wird er einfach nicht berücksichtigt. Nun nmß ich noch einen krassen Mßstand in den Werkstätten zur Sprache bringen. Die Bestimmungen lauten, daß jeder Arbeiter jeden Tag zwei Stunden Ueberarbeit ohne Extravergüwng leisten muß und daß bci drei Stunden Neberarbeit eine Stunde ver- gütct werden soll. Schon das ist schlimm genug, aber noch schlimmer ist, daß, wenn eine Stunde Ueberarbeit am Morgen und zwei Stunden am Abend geleistet werden, dann kein Anspruch auf Ber- gütung bestehen soll, weil dann nicht drei Stunden Ueberarbeit geleistet seien.(Rufe: Unerhört I bei den Soz.) Ich erkenne an. daß in den letzten Jahren einigermaßen Remedur geschaffen worden ist, aber der Uebelstand bleibt immer noch bestehen. Darüber muß man sich doch vollständig klar sein, daß auch ein Staatsbetrieb, wenn er dem Arbeiter Ueberstundenarbeit zumutet, sie ihm bezahlen muß. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Hier im Reichstage wird bei jeder Gelegenheit ein Loblied ge- sungen. wie sehr dem Arbeiter geholfen wird. Auch Abg. Will hat in dieses Loblied eingestimmt; er erzählt, die WohlfahrtSeinrichtungen seien so, daß die Arbeiter damit zufrieden sein könnten. Aber man muß berücksichtigen, daß Herr Will, der die Werkstätten besichttgt hat, vom Direktor empfangen wurde, und da er angemeldet war, wnren die Verhältnisse so gestaltet worden, daß er damit zufrieden sein konnte. Die Arbeiter schildern sie aber anders. Ich habe oft beobachtet, daß nicht genügendRäume vorhanden sind fürLokomottvcn, die dann in dieWerk- st ä t t e n hineingebracht werden, in denen der Rauch nun die Luft verdirbt. Was die Unterkunftsräume der Arbeiter anlangt, namentlich auf dem Straßburger Bahnhof, so hat man von den zirka 200 Millionen, die für solche Zwecke bewilligt worden sind, nicht einen einzigen Pfennig für die Unterkunftsräume der Arbeiter verwandt!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Arbeiter müssen sich mit einem engen Räume von kaum 100 Kubik- meter Lustinhalt begnügen, ja sogar mit einem alten Viehwagen vorlieb nehmen, wo Ratten und Ungeziefer ihr Domizil aufgeschlagen haben. Mit den B a d e e i n r i ch t u n g e n ist es auch schlimm be- stellt. DaS sind durchaus keine idealen Zustände. Nun könnten ja die Arbeiterausschüsse in dieser Richtung Gutes wirken. Da ist im Anfang dieses Jahres eine Verfügung erschienen, wonach Arbeiter« auSschüsse gebildet werden müssen, aber man hat den Arbeiter« ausschüffen das Recht genommen, sich ohne Aufficht eines Bor- gesetzten zu beraten.— Jedes Mitglied eines ArbeiterauSschusseS. das ein fteies Wort wagt, risttert seine Existenz. Unter solchen Umständen habe Arbeiterausschüsse gar keinen Wert. Ich wende mich nun zu dem Petitionsrecht der Arbeiter. Der Süddeuffche Eisenbahnerverband hat eine Petition an den Reichstag gerichtet, das KoalittonSverbot der Eisenbahner aufzuheben. Der Minister war ja auf seiner Rundreise auch in Straßburg. Nach seinem Weggang wurde eine Verfügung erlassen, die jedes KoalitionS- recht der Arbeiter verbietet. Es wird gesagt, daß die Ziele und Be« strebungen dieses Verbandes die gleichen seien wie die des deutschen Eisen« bahnerverbandes mit dem Sitz in Hamburg und daß, wer ihm beiträte, entlassen werden würde. Auch der Besuch einer Versammlung, die dieser Verband für die Eisenbahnarbeiter einberufen hatte, lvurde von der kaiserlichen Direktton bei Strafe der Kündigung verboten. Man sollte doch annehmen, daß eine Verwaltung, der hier ein solches Loblied gesungen wird, in erster Linie dafür sorgen müßte, daß die Arbeiter ihr gesetzliches Koalitionsrecht aus- üben können.(Sehr wahr! bei den Sozialdemottaten.) Gerade das KoalittonSverbot zeigt uns, daß die Verwaltung speziell in Berlin kein Zutrauen zu den Arbeitern hat. Sie sollte sich an verschiedenen Gemeinden em Muster nehmen, die den Arbeitern das vollständige Koalitionsrecht gegeben haben. Hat die Verwaltung kein Zutrauen zu den Arbeitern, will sie sie auf dem Wege der Disziplin niederhalten, so können die Arbeiter auch zu ihr kein Vertrauen haben, sondern müssen im höchsten Maße unzufrieden werden.(Zu« stimmung bei den Sozialdemokraten.) Die Dinge gehen aber noch viel weiter. Man hat in der letzten Zeit den Beamten und Arbeitern sogar verboten, sich an irgendwelchen Veröffentlichungen über Miß- stände zu beteiligen.(Hört! hört! bei den Soz.) Man schiebt das Interesse des Dienstes, die Sicherheit des Publikums vor, und wie die schönen Dinge alle heißen. Man beweist damit nur, daß die Ver- Hältnisse durchaus nicht so liegen, wie sie liegen sollen.(Zustimmung bei den Sozialdemottaten.) Von unserem Standpunkte aus kann der Minister auf diesem Wege ruhig weiter fortfahren; ob es aber im Interesse der Reichseisenbahnverwaltung liegt, daß die Arbeiter so behandelt werden, das steht auf einem anderen Blatt.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Ich will nicht auf alle Mißstände im einzelnen eingehen, ich nehme Rücksicht auf die Geschäftslage des Hauses. Im nächsten Winter aber werden wir im einzelnen noch darüber sprechen, und es wird unsere Aufgabe sein, rücksichtslos alle Schäden bei den Reichseisenbahnen aufzudecken.(Lebhafter Beifall! bei den Sozialdemokraten.) Staatsminister Breitenbach: Beamte sind durch ihren Treueid und Arbeiter durch die Ar- beitsordnung verhindert, sich an ordnungsfeindlichen Bestrebungen zu beteiligen. Der süddeutsche Eisenbahnerverband hat sogar den Generalstreik als ein erlaubtes Mittel wirtschaftlicher Forderungen erklärt.(Huhu! bei den Sozialdemokraten.) Er hat auch dem Ham« burger Eisenbahnerverband die Anlehnung gestattet, an welchem die Teilnahme den Arbeitern verboten ist, weil er es sich zur Auf» gäbe macht, die Arbeiter gegen die Verwaltung aufzuhetzen. Auch der süddeutsche Eisenbahnerverband mutzte daher im gleichen Sinne verboten werden.(Bravo! rechts.) Auf dem Mannheimer Partei» tag hat der Abg. Legten erklärt, daß man der Transportarbeiter, in erster Linie der Eisenbahnarbeiter, bedürft, um das Staats- getriebe lahmzulegen.(Hört! hört! rechts.) Würde eine Eisen. bahnverwaltung angesichts solcher Erklärung warten, so würde sie unverantwortlich handeln.(Beifall rechts.) Der Verband mußte auch verboten �werden, weil zwischen ihm und der sozialdemokra« tischen Partei eine enge Verbindung besteht. Die Klagen des Vorredners über Günstlingswirtschaft sind un« berechtigt; der Arbeiter steht nicht schlechter als der Beamte; auch dieser wird nicht befördert, wenn er seine Pflicht nicht tut. Auch die Wohlfahrtseinrichtungen sind nicht so schlecht, wie der Vorredner behauptet. Freilich gebe ich zu, daß hier noch manches gebessert werden kann, und ich hoffe, daß der Reichstag die Mittel dazu be» willigt.(Beifall rechts.) Abg. Emmrl(Soz.): xuchdem der Abg. Will die Ausführungen meines Partei« freundes Böhle gehört hat, wird er sein Loblied auf die Eisen- bahnverwaltung wohl nicht für ganz angebracht halten. Er hat sich offenbar durch den leitenden Beamten, von dem er seine Mit- teilung hat, hypnotisieren lassen. Will er die Verhältnisse wirklich kennen lernen, so muß er sich an die Arbeiter wenden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ucbrigens kann er auch im Bericht der Eisenbahnverwaltung für 1905 finden, daß die Löhne gegenüber 1904 nicht gestiegen, sondern zurückgegangen sind: die Wochenlöhne von 24,80 Ä. auf 23,19 M., Tagelöhne von 4,03 M. auf 3,88 M. Ebenso findet er auf S. 124 erheblichen Rückgang der Löhne einer ganzen Reihe von Arbeiterkategorien. Bei den Schrankenwärterinnen, welche den horrenden Lohn von 52 Pf. täglich hatten, ist er auf 51 Pf. täglich herabgegangen!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Man sieht, wie kleinlich die Verwaltung verfährt, wenn sie bei so schlecht bezahltem Dienst die Gehälter noch herabschraubt. Die Rangierer sind in ihren Gehältern von 2.8» M. auf 2.66 M. heruntergesetzt worden. Es handelt sich freilich nur um ein paar Pfennige, aber man erkennt doch deutlich die Tendenz der Verwaltung.(Sehr wahr! bei den Soxialdemokraten.) Wenn auch zuzugeben ist, daß 1906 bei einigen Kategorien Verbesserungen eingetreten sind, so wird doch erst die Uebersicht im nächsten Jahre zeigen, wie sich d,e Dinge im ganzen gestalten. Es wird sich dann ergeben, daß die Lohne zedenfalls lange nicht in dem Maße ge- stiegen sind wie d,e Preise der Lebensmittel. Man hat also gar keine Veranlassung, die Lohnverhältnisse bei den Reichseisenbahnen befriedigend zu finden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- traten.) Herr Will hat auch die WohlfahrtSeinrichtungen außerordentlich gelobt. Nun, auf S. 89 des Berichts finden Sie. daß em Arbeiter nach zwanzigjähriger treuer Dienstzeit die„außer- ordentlich hohe" Belohnung von 20 M. erhalten hat, also eine Mark für daS Jahr! Bei den Ausgaben für die WohlfahrtSeinrichtungen ist man also gar nicht splendid, sondern sehr sparsam.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Nun hat sich der Chef der Eisenbahn- Verwaltung bereit erklärt, eine Reihe der vorgebrachten Dinge zu untersuchen und hat Abänderung versprochen, falls sie sich so ver- halten, wie sie vorgebracht sind. Ich möchte ihn deshalb noch auf die Lokomotivführer und Heizer hinweisen. Diese verantwortlichen Beamten, von denen man sagt, daß sie immer mit einem Fuß im Zuchthaus stehen, haben eine durchschnittliche Dienstzeit von zehn Stunden. Es heißt zwar in einer Verfügung, daß ihre Dienstzeit nicht über zehn Stunden hinausgehen soll; der Monat wird ihnen aber zu 30 Arbeitstagen gerechnet; sie haben eine 300 stSndige Dienstzeit im Mna» stu leisten, die Rvheiage müssen sie nachholen.(Hört? hört? bei den Sozialdemolraien.) Dazu kommt noch, daß jede Zugverspätung für sie eine Verlängerung der Arbeitszeit bedeutet, die ihnen in keiner Weise gutgeschrieben wird. Die Art der Behandlung von Lohn fragen und Fragen der Arbeitszeit bei der Bahnverwaltung erklärt sich dadurch, daß die Herren Industriellen nicht haben wollen, daß die Arbeiter bei dieser Verwaltung Vergünstigungen haben, welche sie in der Privatindustrie nicht haben. Der Vorgänger des jetzigen ChefS der Verwaltung hat hier auch derartige Bemerkungen gemacht. Ich meine aber, die Reichs- und Staatsbetriebe sollten Musterbetriebe sein und erheblich weiter gehen, als die Privatbetriebe. Ich möchte den Chef der Verwaltung ersuchen, die allzugrohe Rücksicht aus die Privatbetriebe fallen zu lassen. Der Herr Minister hat sich dann über das Koalitionsrecht aus- gelassen und gesagt, er könne nicht dulden, daß Arbeiter und Be- amte sich in Organisationen vereinigen, welche ordnungsfeindlichen Bestrebungen huldigen. Deshalb hat man wohl auch selbst Organisationen geschaffen, in die man die Arbeiter gegen ihreu Willen hineinzwingt. Dieses Verhalten der Reichscisenbahn» Verwaltung widerspricht den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen und kann auch auf moralische Berechtigung keinen Anspruch machen. Wenn die ordnungsfeindliche Tendenz darin gesehen wird, daß der Generalstreik für ein erlaubtes Mittel gehalten wird, so kann man sich den Arbeitern gegenüber doch nicht auf den Treueid berufen, wie es der Minister getan hat. Auch den Beamten gegenüber ist die Stellung des Ministers unberechtigt, aber die Arbeiter leisten überhaupt keinen Treueid, sondern verkaufen ein- fach ihre Arbeitskraft; ihre Behandlung widerspricht den be stehenden Gesetzen, die ihnen das Recht der Vereinigung zur Er rinaung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen gewähren.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Im gewöhnlichen Leben nennt man ein solches Vorgehen gegen die Arbeiter ein brutales. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Alle Arbeitgeber— und da die staatlichen Anstalten Musteranstalten sein sollen, müßten sie vorangehen— mühten sich überlegen, daß gerade durch die organisierten Arbeiter alle Ueberraschungen viel eher aus- geschlossen sind, als wenn eS sich um eine unorganisierte Arbeiter schast handelt. Genau so würde es auch bei den Eisenbahnarbeitern sein. Man muh ihnen das Koalitionsrecht frei überlassen, daß sie eS benutzen können ohne Rücksicht auf den Willen der Verwaltung. Daher sollte die Reichseisenbahnverwaltung ihren bisherigen Standpunkt nicht weiter einnehmen, weil er moralisch nicht halt bar ist. Wenn der Chef der Reichseisenbahnverwaltung sich darüber aufregt, daß von einem Eisenbahnarbeiter erklärt worden ist, er werde lieber rot als schwarz wählen, so begreife ich das nicht recht. hat doch selbst Fürst Bismarck bei einer Wahl nach Frankfurt tele- graphiert, man solle lieber rot als schwarz wählen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Es ist das gute Recht der Arbeiter, dafür zu sorgen, daß, wenn ihnen keine Löhne gezahlt werden, wie es billig ist, und wenn die Lebensmittelpreise noch mehr in die Höhe getrieben werden, solche Leute in die gesetzgebenden Körper- schaften hineinkommen, die die Lebensmittelpreise nicht noch in größerem Maße verteuern, als es bisher schon geschehen ist. Auch die Reichseisenbahnverwaltung sollte sich damit einverstanden er- klären, daß die Arbeiter das Koalitionsrecht benutzen, wie sie eS wollen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Eisenbahnminister Breitenbach: Die Staatsarbeiter müssen sich freihalten von staatsfeindlichen Bestrebungen, sonst können wir sie nicht behalten. Die Arbeiter werden erst dann unzufrieden, wenn sie von außen her unzufrieden gemacht werden. Abg. Dr. Burckhnrdt(Antis.): Fürst Birsmarck hat nicht gesagt: Lieber rot als schwarz; denn es handelte sich bei der Wahl in Zabern um Sozialdemokratie und bürgerliche Demokratie, über- Haupt nicht um das Zentrum.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Will-Straßburg(Z.): Die Rede des Abg. Emmel schien schon gemacht zu sein, ehe der Herr Emme! meine Rede gehört hatte. Allgemein muß ich sagen, es stehen hinter mir mehr Arbeiter als hinter Herrn Emmel. Abg. Werner(Antis.) tritt für Aufbesserung der Bezüge des Lokomotivpersonals ein. Damit schließt die Besprechung. Es folgt der . 1 Etat der Marineverwaltnng. Abg. Bebel(Soz.): Ich beantrage die Vertagung. Vizepräsident Paafche: Ich gebe anheim, den Antrag bei einem Titel zu stellen, bei welchem Wortmeldungen vorliegen, und eine Reihe von Titeln, wo das nicht der Fall ist, zu erledigen, Abg. Bebel ist hiermit einverstanden. Eine Reihe von Titeln wird debattelos bewilligt. Als der Titel.Allgemeiner Werftbetrieb" zur Debatte gestellt wird, wiederholt Abg. Bebel(Soz.) seinen Vertagungsantrag. Der Anttag wird— nach Angabe des BureauS— n i ch t von der von der Geschäftsordnung vorgeschriebenen Mitgliedcrzahl unterstützt, da außer den Sozialdemokraten nur einzelne Mit- glieder des Zentrums und des Freisinns sich erheben. Vizepräsident Dr. Paasch« erklärt die Unterstützung für nicht ausreichend. Nun bezweifelt Abg. Bebel die Beschlußfähigkeit des Sauses, hat aber auch hiermit keinen Erfolg, da ein solcher Zweifel nur vor einer Abstimmung zulässig ist.(Unruhe links, Zustimmung rechts.) Abg. Zubeil(Soz.): (Unter der großen Unruhe des HauseS ist der Redner zuerst unverständlich.) Vizepräsident Paafche bittet wiederholt um Ruhe. AlS der Redner ebenfalls um Ruhe bittet, erklärt Vizepräsident Paasche: Ich kann die Herren nicht zur Auf- merksamkeit zwingen. Abg. Zubeil(Soz.): Dann werde ich eine Pause machen. (Große Heiterkeit, worauf Ruhe eintritt.) Das in Danzig auf der Werft herrschende Akkordsystem ist ganz verwerflich. Der Kolonnenführer muß stundenlang auf der Werft umherlaufen, um die Arbeiter zu suchen, die schon an dem Akkord gearbeitet haben und nachzurechnen, wie viel von dem ?lkkord bereits in Stundenlohn bezahlt ist. Dieses ganze elende Akkordshstem muß beseitigt werden. Die Arbeitsverhaltnisse in Danzig sind besonders schlecht: 24 stündige und selbst � 20 stündige Arbeitszeit ist nichts Seltenes. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Man sollte in die wohl- wollenden Erwägungen für die Arbeiter ein schnelleres Tempo bringen. Wenig zeugt von Wohlwollen die Aeußerung eines höheren Beamten:„Der Arbeiter solle mit Kartoffel und Höring zufrieden sein!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) DaS Wohlwollen für die Arbeiter zeigt auch deutlich ein Geheimbefehl vcm 7. Februar 1907, wonach Arbeiter bei geringerer Arbeits- leistung wegen anerkannter Trägheit im Lohn herabgesetzt, und wenn das nichts hilft, entlassen werden sollen. Das ist eine würdige Krönung der»gefüllten Kompottschüssel". Dieser Erlaß muß das Entzücken aller Scharfmacher hervorrufen. Dieser Erlaß trifft gerade die alten Arbeiter, die Veteranen der Arbeit. Nach jahrelanger anerkannter fleißiger Arbeit werden gerade diese Ar- beiter weniger leistungsfähig sein; wer entscheidet dann, ob seine Kräfte zum Teil geschwunden sind, oder ob er»trag e" ist? Dieser Erlaß ist prächtig geeignet, die Illusion der Arbeiter zu zerstören, daß sie nach langer Arbeitszeit einen eungermaßen gesicherten Lebensabend haben können. Ein Arbeiter, der nach fast 25 jähriger Tätigkeit einmal etwas angetrunken war, wurde mit Entziehung des Sparkassenbuches bestraft. Nach sechsjähriger Tätigkeit legt die Verwaltung ein Sparkassenbuch mit 6 M. für jeden Arbeiter an, in das jährlich 1 M. hineinkommt!(Lachen bei den Sozialdemo- traten.) Aber erst nach 25 jähriger Tätigkeit wird es dem Arbeiter ausgehändigt; wer nur 24� Jahre tätig war, bekommt nichts! Aber an den Opfermut der Arbeiter stellt man Anforderungen. «neo TögesbxfW die Dgsiziger Pekjpaktuog scheint Der Etat wird bewilligt. Tckgdsbefehle sehr zu lieben— wurde mitgeteilt, daß der Arbeiten ausschuß eine Sammlung zu einer Kranzspende am 110. Geburts tag Kaiser Wilhelms I. beantragt und daß die Verwaltung diese Sammlung genehmigt habe. Dabei muß man sich gegenwärtig halten, daß eine Sammlung zugunsten der Familie eineS Arbeiters niemals gestattet worden ist! Auch sind die Arbeiter überzeugt, daß der Arbeiterausschuß die Sammlung gar nicht angeregt hat. Natürlich waren sie unter solchen Umständen nicht geneigt, die Sammelhüchsen zu füllen; da sind die Vorarbeiter mit den Sammel- büchsen auf den Arbeitsplätzen herumgegangen!— Sogar die bürgerlichen Zeitungen haben dies Vorgehen getadelt, wenn auch keine den Mut fand, den vorhin erwähnten Geheimerlaß mitzuteilen. In Rücksicht auf die vorgerückte Zeit und Geschäftslage des Hauses will ich auf weitere Einzelheiten nicht eingehen, ich bitte aber das Reichsmarineamt, endlich doch derartige Zustände in Danzig zu beseitigen und dafür zu sorgen, daß die Arbeiter mindestens den Arbeitern in Kiel und Wilhelmshaven in bezug auf Löhne und Arbeitszeit gleichgestellt werden.(Bravo! bei den Sozialdemo- kraten.) Geheimer Admiralitätsrat Hagen: Ohne das einschlägige Material kann ich auf die einzelnen vorgebrachten Fälle nicht ein- gehen. Der erwähnte Geheimbefehl war kein geheimer, sondern ein öffentlicher Befehl, der übrigens nur in einem Erinnern an einen längst bestehenden Befehl bestand. Für gute Löhne müssen wir auch gute Leistungen verlangen. — Die Kranzspende ist vom Arbeiterausschuß freiwillig angeregt worden. Im allgemeinen haben wir neunstündige Arbeitszeit, Uebersiunden kommen nur wenig vor. Abg. Mommfen(frs. Vg.): Die Aeußerung vcm den Kartoffeln und Häringen war anders: Ein Kieler Beamter hat zu den dortigen Arbeitern gesagt, die Danziger seien mit Kartoffel und Häring zu- frieden.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Der Geheimerlatz ist ungeschickt: solche selbstverständlichen Dingt soll man nicht schrifb lich machen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Im ganzen ist die Marineverwaltung in bezug aus die Besserung der Arbeits- Verhältnisse vorwärts gegangen. Abg. Spahn(Z.): Die Monatslöhne sind für die Arbeiter nicht angenehm. Auch Teuerungszulagen sollten die Arbeiter erhalten. Staatssekretär v. Tirpitz: Ich will mich bemühen, die Monats- löhne der Arbeiter in Stundenlöhne umzuwandeln. Teuerungö- zulagen sind für eine Staatsverwaltung, die ein Dreimarkstück dreimal umdrehen muß, nicht zweckmäßig. Für die Annahme von Arbeitern müssen wir das Prinzip von Angebot und Nachfrage gelten lassen, freilich modifiziert durch das System der Minimallöhne und dadurch, daß w,r bei ungünstiger Konjunktur mit den Löhnen nicht heruntergehen. Die Lohnsteigerungen find in den letzten Jahren beträchtlicher gewesen als die Steigerungen der Lebensmittelpreise. Auch ist das Angebot der Arbeiter immer sehr stark, das ist wohl der beste Beweis dafür, daß unsere Lohn- Verhältnisse gesund sind. Abg. Zubeil(Soz.): Der Geheimbefehl ist nicht alt, sondern neu; die ältesten Arbeiter wissen nichts davon, daß er schon ftüher existiert hat. Sämtlichen Beamten ist Teuerungszulage be- willigt. Warum wird denn bei den Arbeitern das Dreimark- stück zehnmal umgedreht, ehe etwas für sie herauskommen kann? (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Was für die Beamten notwendig ist, ist für die Arbeiter erst recht notwendig. Um- gekehrt hatte man vorgehen müssen: Erst müssen die Arbeiter Zu- lagen bekommen und später die Beamten.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Herr Mommsen meint, auf Grund deS Ge- heimerlaffeS sei wohl auch nur ein Arbeiter, der 25 Jahre be- schäftigt war, entlassen; er übersieht die Lohneinschränkungen, die auf Grund des Erlasses möglich find. Einem Arbeiter, der 28 Jahre tätig war, ist der Lohn um 20 Pf. täglich gekürzt worden!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Staatssekretär sagt, die Löhne seien in Danzig um 31 Proz. aufgebessert worden. Ja. die Lage der Arbeiter war so elend, daß dies unumgänglich nötig war. Auch nach der Aufbesserung stehen die Löhne in Danzig schlechter als in Kiel und Wilhelmshaven.(Zustimmung bei den Sozial« demokraten.) Damit schließt die Diskussion. Der Titel wird bewilligt. Vor der Abstimmung über die Resolution der Budaetkommis- ion, die für die Zukunft eine Spezialisierung de» 21 Millionen- Rats der Werften fordert, bezweifelt Abg. Bebel(Soz.) die Beschlußfähigkeit deS HauseS. Vizepräsident Dr. Paasche schließt sich diesem Zweifel au und beraumt die nächste Sitzung an auf Dienstag 1 Uhr: Wahl eines zweiten Bizepräf, deuten, Handelsabkommen mit Amerika. Rest des Marine-EtatS, Rechnungssachen. Schluß 8 Uhr._ parlamentarifcbed* ÄuS der Budgetkommission. (Sitzung vom 6. Mai.) Die am Freitag abgebrochene Beratung über die vransteuer wird fottgesetzt. Abg. Pachnicke begründet die Resolutton, wonach die»den Brauereien der norddeutschen Brausteuergemeinschaft bereits vom 1. April bis zum 20. Juni d. I. bezüglich der Bemessung der Staffelsteuersätze berechneten Bettäge nachträglich wieder außer Rechnung zu stellen und die hiemach von den Brauereim zuviel gezahlte Brausteuer denselben zurückzuerstatten oder von der dem- nächst fälligen Steuer zu kürzen" ist. Abg. Reese, ein nattonaNiberaler Brauereibesitzer hält eine lange Rede für die armen Brauereien. Schatzsekretär v. Stengel bleibt auf seinem Standpunkte bestehen, oaß die Steuer zu Recht vom 1. April ab erhobm worden sei, da das Rechnungsjahr eben vom 1. April ab laufe. Würde man nach dem Wunsche der Antragsteller verfahrm, dann hätte das Rechnungs- jähr nur neun Monate. Die Regierung würde nur anders verfahren können, wenn der Reichstag beschließe, das Rechnungsjahr 1S0S für die Brausteuer auf neun Monate zu beschränken. Die Resolutton Blankenhom- Pachnicke wird abgelehnt. Die Brausteuer selbst wird im Betrage von 67 720000 M. bewilligt. Debattelos wird die Spielkartenstmer mit 1 784 000 M. eingesetzt. Die Wechselstempelstkurr soll 14 41S 000 M. bringen. Die Rtichsstnnpelsteuer zerfällt in Ueberweisungs steuern und reichseiaen« Steuern. Zu dm ersterm zählen die Stempel abgaben von«lttm, Kuxm. Rmtm usw. mit 28 877000 M.. die Stempelabgaben von Kauf- und sonstigen An- schaffungSgeschästen mit 20097000 M. und die Lotterielosstempelabgaben mit 29 Millionm Mark— zusammen also Ueberweisungs- steuem rund 82 Millionm Mark.— Die reichSeiamen Steuern zer- fallen in die Stempelsteuer auf Frachturkunden, 14 Mllionm Anschlag: auf Personenfahrkarten. 4« Millionen;« u t o- movilsteuer, 2 Mllionm- Tantiemesteuer, 1V Mllionm Mark.— Ohne erhebliche Debatte werden die Steuem nach dem Boranschlage eingestellt, nur bei der Fahrkarten steue r be- antragt der Referent. Abg. Armdt. im Hinblick auf die biSherigm schlechten Erträgniffe statt 40 nur 26 Millionm Mark einzusetzen I— Abg. SP e ck ist mit der Fahrkattensteuerherabsetzung in dem von Arendt beantragten Metze nicht einverstanden, er glaubt aber, daß der Rückgang noch nicht so sicher zu übcrsehm sei und beantragt da« her, nur 15 Millionen abzusetzen.— v. Stengel bemerkt, daß unter Einrechmmg des OfterverkehrS der Abschluß sich um 1'/, Mill. Mark günstiger gestalte, aber jedenfalls würden die 40 Millionen nicht zu erreichen sein, da eben auch die Wirkung der Tarifteform noch gar nicht zu übersehen sei. Wie viel man abstreichen soll. da» will der SchatzsekretSr dem R e t ch» t a g überlasten. ES wird beschlossen, dm Fahrkattensteueranschlag statt mit 46 mit 81 M i l l. Mark einzustellen. Bei 5er Besprechung der Automobil st euer macht Speck Mitteilung von einer sonderbaren Schonung der Automobilbesitzer: Man rechnet die Steuer nicht nach den essekttvm, fondem nach den benutzten Pferdekräften der Motorwagen; er glaubt, daß diese Rücksichtnahme dm Automobil-S p o r t l e u t e v zuliebe erfolgt sei. Die Ausreden der Regierung sind recht matt. An Beispielen wird gezeigt, daß sie bei anderen Steuem keineswegs so rücksichtsvoll vorgeht. Eine Resolution Speck wird gegen die freisinnigen Stimmen angenommen, wonach künftig die Steuer nach den indizierten Pferdestärken der Automobile erhoben wird. Der Antragsteller verweist noch darauf, daß die treibende Kraft bei dieser auffälligen Schonung der kaiserliche Automobilklub gewesen soin dürfte, der seinerzeit sich sehr energisch gegen die Steuer verwahrte — angeblich im Namen der Automobilindustrie I— Obwohl die Tantieme st euer wahrscheinlich die ver- anschlagtm zehn Millionen nicht bringt, wird im Anschlag nichts geändert. Ebenso wird debattelos die Erbschaftssteuer mit 36 Millionen und die Statt st. Gebühr mit 1 396 00V Mark eingestellt. Damit ist der Etat der Steuern erledigt. Die noch ausstehenden Posten aus dem Etat des Reichsschatzamtes werden genehmigt. u. a. auch 48 Millionen für den Trimbornfonds(zur Er- leichterung der Durchführung einer Witwen- und Waisenversorgung). Dieser Posten ist nur ein schätzungsweiser, da die wirkliche Höhe von dm Erträgnissen des Zolles abhängt. Biel Hoffnung, daß eine erhebliche Summe eingeht, hat die Regierung nicht. Als Einnahme des Reiches kommt noch der Anteil des Reiches an dem Reingewinn der Reichsbank in Frage; er ist mit 14 744 000 Mark in den Etat eingestellt.— Arendt erörtert die Lage auf dem Geldmarkt, beklagt den hohen Reichsbankdiskont und beantragt schließlich, den Anteil des Reiches um zirka 6 Millionen zu erhöhen. Der Reichsschatzsekretär ist mit der Erhöhung einverstanden, sonst aber findet Arendt mit seinen Geldschmerzen wenig Anklang.— Posad owsky ist bereit, Sachverständige vor der Borlage des neuen Bankgesetzes zu hören, und verspricht in femerer Zeit ein Scheckgesetz. ReichSbankpräsidmt Koch polemifiett gegen Arendt: in Deutschland bestünde keine Geldkrise, höchstens Geldknappheit; eS fei auch keineswegs zu viel Gold nach England oder Amerika ausgeführt, die Geldknappheit rühre vom industriellen Aufschwung her; abhängig vom englischen Geldmarkt seien wir nicht. Genosse Singer tritt lebhaft im Interesse der kleinen und mittleren Geschäftsleute sowie im Interesse einer Entlastung des Geldmarktes für ein S ch e ck g e s e tz ein, das PosadowSky in etwas bedingter Form schließlich für die n ä ch st e Session zusagt. Die Einnahme aus der Neichsbank wird dann mit der von Arendt beantragten Erhöhung genehmigt. Eue der Partei. Ein Bertranensvotum. Kürzlich wurde aus dem Herzogtum Sachfen-Altenburg berichtet, daß der Landrat in Roda zwei Gemeindeälteste wegen ihrer Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei ihres Amtes enthoben hat. In einem Falle ist dem Landrat kein Zweifel darüber gelasien worden, daß mindestens einer davon wiedergewählt würde. Das ist denn auch geschehen. Der Gemeinderat von Löbschütz hat sich durch den behördlichen Ein- griff nicht kopffcheu machen lassen und den abgesetzten Gemeinde- ältesten dieser Tage wiedergewählt. Nun kann daS Spiel von neuem beginnen. Bom Fortschritt der Presse. 1200 neue Wonnenten gewann die Kieler.Volkszeitung" um die Wende deS Monats Mai. Eine Warnung. In der Chemnitzer.VolkSsttmme" wird unter Aue veröffentlicht: In der letzten Zeit machte unsere Gegend ein Mensch, der sich ustav Meisel nennt, unsicher. Hauptsächlich hat er eS auf die Zahlstellen der Verbände abgesehen. Er erzählt, daß er auS Dresden komme, wo er bei Seidel u. Naumann ausgesperrt und dadurch in eine schlimme Lage geraten sei. Bettäge von 5—10 M. versucht er auf diese Weise zu erlangen. Die Angaben deS Betreffenden sind unwahr, deshalb sei hiermit vor dem Schwindler gewarnt. Bei Wahrnehmung der Person wolle man sofott Mtteilung an den Unterzeichneten machen. Der Betreffende ist zirka 1,00 Meter groß, hat schwarzen Schnurrbart, schmales Geficht. Srveiterfreundliche Blätter»erben um Abdruck gebeten. Clemens geuner, Bahnhofstr. 11. Der Aukaus der.Aziene" durch die Syndikalisten. Rom, 8. Mai.(Gig. Ber.) summe zur Auszahlung gelangt, sondern daß Herrn S c a r a n o sein Guthaben m der Hohe von 25 175 Lire(die seit Erscheinen der Zeitung bezahlte Subvention) durch Anweisung von 60 Prozent des Ettrages des Inseratenteiles und durch Ueberweisung eines Drittels deS Bruttoertrages aus Abonnements und Beiträgen, falls diese 50000 Lire int Jahre übersteigen, bezahlt werden soll. Für den Fall, daß die Zeuuug ihr Erscheinen einstellen müßte, übernehmen die Unterzeichner der Urkunde keinerlei Verpflichtungen für die Rückzahlung der Restschuld. Wir glauben nicht, baß eine syndikalisttsche Zeitung, die ihr Leben mit so großen Schulden beginnt, in Italien Existenz- möglichkett hat. Ist e» doch bekannt, daß der»Avantt", für den die Masse der Parteigenossen ungeheure finanzielle Opfer gebracht hat. denen die wenig zahlreichen Syndikalisten nicht» ähnliches an die Seite stellen können, noch immer mit einem namhaften Defizit zu rechnen hat. Wie sollte da eine syndikalisttsche Zeitung existieren können? Di«»Azione" hat vom 1. Mai an auch ihr Titelblatt geändert und nennt sich jetzt»Azione findocralista". potizcUUbeSi OerlcDtKchea ufw. Redakteurfreuden. Genosse Staufer von der Bremer»Bürger- Zeitung" hat auf eine Woche das Gefängnis bezogen, weil er als Verantwortlicher der„Bürger-Zeitung" in emer Notiz einen Kontrolleur der Sttaßenbahn beleidigt haben sollte. Eue Induftm und Handel Ter Zug nach dem Westen. Die Prosperitätsperiode in der Montanindustrie hat immer neue Scharen billigen Menschenmaterials nach den Zechen und Hütten Rbeinland-Westfalens gelockt. Die Agenten der Werks- leitungen haben w kulturell und wirtschaftlich rückständigen Ländern skrupellos alles angeworben, was irgendwie Neigung zeigte, für die Kohlenmagnaten in Deutschland« Westen ihre Haut zu Markte itt tragen. In welchem Maße RcichSauÄänder allein im Bergbau jed Ruhrrevier» Verwendung finden, zeigen folgende Zahlen. 1906 waren ReichSauSländer beschästigt: Ocstcrreichcc 14 218, Holländer 3081, Italiener 2762, Russen 752, Belgier 162, sonstige Ausländer 188, zusammen 21 163 Mann. Dazu kommen Eingewanderte auS den östlichen Provinzen de» Reiche»: Oberschlefier 6890, Posencr 36 569. Westpreußen 11 465, Oftpreußen 41 893. zusammen 96 837 Personen. Mit den Reichsausländern ergibt daS eine Summe von 118 000 Mann. Mit den Familien sind das beinahe 1 Million Menschen, von denen kaum die Hälft« der deutschen Sprache mächtig ist. Der hohe Prozentsatz der der deutschen Sprache nicht genügend mächttgen bergfremden Ausländer wirkt u. a. auch ungünstig auf die Unfallquote. Weitere soziale Befahren ergeben sich dadurch, daß die ein. wandernden Beraleute vom Unternehmertum in übervölkerte Ar- beiterkolonien znsameng«drängt werden. Dort bilden die vorsint. flutlichen kommunalen Zustände die Möglichkeit hereinbrechender Seuchen und Epidemien. TyphuS und Genickstarre fordern ihre Opfer. Sodann sind dies« fremden Massen in ständiger Bewegung. Alle Vierteljahr haben im Ruhogcbier 30 000— 60 000 Bergleute Arbeit und Wohnung gewechselt. Unsummen von Arbeit erwächst daraus dyt Bchörden- die gbe. Mit dieses Sltmentta bie einheimische Bebotterung im Schach halten| Ursache gehabt hätte, ihrem Staffierer etwas auf die Finger zu achten. möchte! Die Fremden haben keinerlei Rechte, organisieren fie Denn er hat sehr lange Finger gemacht. In voriger Woche war er sich und treten sie auch nur ganz leise öffentlich hervor, droht ihnen plößlich verschwunden. Zuerst ließ die geschädigte Firma bekannt die Ausweisung; sind sie ganz zahm, dann werden sie von den geben, die Unterschlagungen beliefen sich auf zirka 60 000 M. Das Unternehmern den Einheimischen gegenüber als Raußreißer aus wäre schon etwas gewesen, aber es ist viel mehr. Jezt hat die gespielt. Für die gewerkschaftlichen Organisationen sind diese Firma folgendes Birkular versandt: Glemente von geringem Werbe. Raum gewonnen, gehen sie den Verbänden wieder verloren. Unauffindbar verzogen oder ber hezt von dem Kaplan ihrer alleinseligmachenden Kirche. Diese ewig brodelnde, gärende, fluktuierende Masse bildet aber erst recht eine foziale Gefahr in Zeiten wirtschaftlicher Depression. 400 000 Mark unterschlagen. -NO Der Raffierer Wegner, Handlungsbevollmächtigter der Bank firma Friedländer u. Bollad, war in Kreisen der sogenannten Lebe welt rühmlich bekannt. Besonders die Damenwelt schäßte ihn sehr, denn er hatte eine ziemlich offene Hand, besaß ein Auto und produzierte fich als Sonntagsreiter auf eigenem Pferd. Andere Leute waren wohl schon auf den Gedanken gekommen, daß der 22jährige ,, Gentleman" den Aufwand nicht von seinem Gehalt treiben tönne; nur bei der Firma Friedländer u. Pollack scheint man Kaltulationen über die Kosten der noblen Passionen ihres Angestellten und sein schon auf den Gedanken gekommen, daß der junge Mann besondere Gehalt nie angestellt zu haben. Anderenfalls wäre man doch wohl Einnahmequellen haben müsse. Nun weiß man, daß es so war und daß die Firma im eigenen und im Interesse ihrer eigenen Kunden Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Rebattion dem Bublitum gegenüber feinerlei Berantwortung. Theater. Dienstag, den 7. Mai. Anfang 7, Uhr. Kgl. Opernhaus. Bar und Zimmer mann. Kgl. Schauspielhaus. Die Raben fteinerin. Neues tgl. Operntheater. Wiener Blut. Deutsches. Robert und Bertram. Kammerspiele. Erwachen. Frühlings Neues Schauspielhaus. Alt- Heidelberg. Anfang 8 Uhr. Schiller 0.( Wallner Theater.) Heimat. Schiller Theater Charlottenburg. Narrenglanz. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater.) Am grünen Weg. Berliner. Der Hund von Baster ville. Leffing. Und Pippa tanzt. Zentral. Die Nachtigall. Vaters Ebenbild. Kleines. Ein idealer Gatte. Neues. Der Dieb. Lorking. Die Fledermaus. Weften. Die lustige Witwe. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. OOLOGISCHER Z CARTEN Täglich nachm. 4 Uhr: Gr. Militär- Konzert. Eintritt 1 Mk., von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unt. 10 Jahren die Hälfte. Lortzing- Theater Bellealliancestr. 7/8. Dienstag, den 7. Mai, 8 Uhr: Die Fledermaus. Abonnements gültig! Mittwoch: Sternsches Konservatorium: Fra Diavolo, 2. Aft, Hänfel und Gretel, ganze Dper. Zentral- Theater. Anfang 8 Uhr. 8um 4. Male: Die Nachtigall aus dem Bäckergang. Residenz. Haben Sie nichts zu Boltsstüd in 3 Atten v. Jul. Stinde. berzollen? Luftspielhaus. Husarenfieber. Thalia. Wo die Liebe hinfällt. Lutfen. Das Mädchen ohne Ehre. Trianon. Fil. Josette meine Frau. Bernhard Rofe. Busch- Lies'l. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Gebr. Herrnfeld. Es lebe bas Nachtleben. Borher: Die Welt geht unter. Borher: Vaters Ebenbild. Banerntomödie in 1 Att v. 2. Fride. Täglich: Dieselbe Borstellung. Schiller- Theater N. „ Unser Handlungsbevollmächtigter Ernst Wegner hat sich ber schiedener Beruntreuungen schuldig gemacht, deren Umfang fich augenblicklich nicht feststellen läßt. Wir haben sofort die Deutsche Treuhandgesellschaft mit der näheren Feststellung nach Maßgabe unserer Bücher veranlaßt, in etwa einer Woche dürfte die Feststellung sich ermöglichen lassen. Wir glauben im Interesse der Gesamtheit unserer Gläubiger zu handeln, wenn wir bis dahin Bahlungen nicht leisten. Nach Abschluß der Arbeit werden Ihnen fofort weitere Mitteilungen zukommen lassen Hochachtungsvoll Friedländer u. Bollad, Bankgeschäft. Wie das B. T. erfährt, soll sich die defraudierte Summe auf 300-400 000 m. belaufen. An der Börse war man heute der Meinung, die geschädigte Firma werde in Liquidation treten müssen. Der junge Mann scheint übrigens so gesund zu sein, daß er glaubt, das Blatt weiter mitteilt, soll er sich in ein Sanatorium begeben seine Verfehlungen feien die Folgen trankhafter Zustände, benn, wie haben. Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater). Dienstag, abends 8 Uhr: Heimat. Schauspiel in 4 Aften von Hermann Sudermann. Mittwoch, abends 8 Uhr: Narrenglanz. Donnerstag, nach m. 3 Uhr: Maria Stuart. Donnerstag abends 8Uhr: Kabale und Liebe. WINYST BARTEN 8 La Tortajada Neues Programm. Trianon- Theater. Heute und folgende Tage: Fräulein Josette meine Frau. Anfang 8 Uhr. Schiller- Theater Charlottenburg. Dienstag, abends 8 Uhr: Narrenglanz. Ein Spielmannsdrama in 4 Atten bon Rudolf Rittner. Mittwoch, abends 8 Uhr: Heimat. Donnerstag, nachm. 3 Uhr: Die Brant von Messina. Donnerstag, abends8 Uhr: Wilhelm Tell. Passage- Theater. Jeden Abend 8 Uhr: Das Mai- Programm. Der größte Erfolg der Saison! Grete Gallus Mascha Dignam 3 Clarus Brothers 14 Attraktionen 14. ValhallaW Variete- Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Heute abend 8 Uhr: Der grüne Teufel. Sensations Pantomime. Drahtfeil Kasino- Theater 5 Jungmanns, inter Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Nur bis 18. Mail Neu einstudiert: Abends 8 Uhr: Am grünen Weg. Wintergarten. La Tortajada. Residenz- Theater. Spezialitäten. Apollo. Der luftige Bitter. Spe gialitäten. Direktion Richard Alexander. Anfang 8 Uhr. Rafino. Heirat auf Probe. Spegla Haben Sie nichts zu verzollen? litäten. Walhalla. Spezialitäten. Folies Caprice. Eine Nacht in der Apotheke. Palaft. Spezialitäten. Baffage. Spezialitäten. Schwant in 3 Aften v. M. Hennequin und B. Beber. Robert de Trivelin: Rich. Alexander. Reichshallen. Stettiner Sänger. DERNHARD ROSE THEATED Hrania. Zaubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Die Feuergewalten der Erde. Sternwarte, Invalidenftr. 57/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Anfang 8 Uhr. Der Hund von Baskerville. Mittwoch, Donnerstag: D Gr. Frankfurterstr. 132. Gastspiel Käthe Wille- Bach. Busch- Liesl. Driginal Boltsstüd mit Gesang in 4 Atten von J. Willhardt. Morg. u. folg. Lage: Busch- Lezl. Billettvorverkauf schon für 8 Tage vorher ohne Vorverkaufsgebühr von 10-15 und von 6-9 Uhr an der Theatertaffe. Heirat auf Probe. 12 neue Spezialitäten 12 Im Tunnel: Frei- Konzert. Aachener und Münchener Feuerversicherungs Gesellschaft. Das Ergebnis des letzten Jahres ist durch die Katastrophen in San Fran cisco start beeinträchtigt worden, troßdem kann sie unter Buhülfenahme des gesamten Dividendenergänzungsfonds von 600 000 m. wieder eine Dividende von 50 Broz, gleich 900000 m. auf das eingezahlte Aktienkapital verteilen. Toer Verfammlungen. Der Zentralverband der Dachbeder hielt am Sonntagmorgen eine Versammlung im„ Englischen Garten" ab. Karl Görnib berichtete über den Stand der Lohnbewegung. Die Situation liegt unverändert günstig für die Arbeiter. Wieder haben einige Unternehmer die Forderungen bewilligt; der Wunsch nach Frieden ist ziemlich allgemein geworden. 17 Firmen, die 70 Dachdecker be schäftigen, haben bewilligt. 48 Kollegen find abgereist. Von der Aussperrung ist nur noch wenig zu merten. Die Streitenden find fest entschlossen, auszuharren. Der Kassenbericht vom 1. Quartal 1907 wurde entgegen. genommen. Unter Einnahmen sind gebucht 7071,84 M. Die Aus Vorsitzender wurde Althaus, als Revisor Teigner gewählt. gaben betrugen 4333,43 M. Demnach bleibt ein Bestand von 2737,91 M. Zwei Grjahwahlen waren vorzunehmen. Als zweiter Bären ein kräftiger aromatischer, stets gleichmäßiger Kaffee. Original/ Pfd. Packung zu 60, 70, 80, 90 und 100 Pf. in circa 2000 Geschäften. Kaffee Fröbels Allerlei- Theater Reichshallen- Theater. Schönhauser Allee 148. D Gastspiel Bernhard Rose- Theater. Lekte Borstellung der Saison. Mitwirkung des Dir. B. Rofe. Die Blinde von Paris. Drama in 5 Aften. Raffeneröffnung 7 Uhr. Anf. 8 Uhr. Billettvorverkauf: Stond. Handwerker, Schönh. Allee 158. Gesangspoffe in 3 tten bon Bud- Gustav Behrens- Theater, Krüger& Oberbeck, Raftantenallee 1. binder und Stren. Sonntag nachmittag 4 Uhr: Hotel Klingebusch. Gebr. HerrnfeldAnfang Theater Borbert 8 Uhr. 11-2 Uhr 57 Kommandantenstraße 57. Täglich: Es lebe das Nachtleben! Folgen einer Separée Affäre in 2 Atten von Anton und Donat Herrnfeld mit den Autoren in den Hauptrollen. Borher: Neu bearbeitet: Staatsanwalt Alexander. Metropol- Theater E Neues Schauspielhaus Dienstag, den 7. Mai: Alt- Heidelberg. Anfang 18 Uhr. Morgen: Alt- Heidelberg. Anfang 8 Uhr. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Der Dieb. Morgen und folgende Tage: Der Dieb. Kleines Theater. Abends 8 Uhr zum 196. Male: Anfang 8 Uhr. Der Teufel lacht dazu. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Massary. Ernani. Bender. Giampietro. Josephi. Rauchen überall gestattet. Sonntag, 12. Mai, nachm. 3 Uhr: Auf in's Metropol. pollo Theater 8 Uhr: Die neuen Spezialitäten 9 Uhr: Merians Hunde Bauern 9 Uhr: Ein idealer Gatte. Theater: Ein treuloses Weib. Mittwoch, Donnerstag: Ein idealer Gatte. Freitag: Eine triviale Komödie für feriöse Leute( Bunbury). Lustspielhaus. Die Welt geht unter! Schwant in einem Aufzug von Anton u. Donat Herrnfeld. Berlin W., Goltzstraße 9. Das herrliche Folies Caprice Mai- Programm inienftr. 182, an der Friedrichſtr. Neu! Thomas Bedsy Compagnie. Gr. amerikan. Täglich abends 8 Uhr: Eine Nacht in der Apotheke und Egentric- Bant. Im Inspektionszimmer. Neu! Handwerkerstreit Maurer( Buffe), Zimmermann( Dir. Guft. Behrens), Maler( W. Sandel), Glafer( Hugo Brids), sowie die andern erstklassigen Spezialitäten. 8. Schluß die tolle Ausstatt.- Operette: Meschuckmann im Sündenpfuhl Berlin. Anfang 8 Uhr, Sonntags 6%, Uhr. Otto Pritzkow, Münzstr. 16, Welt- AusstellungsBiograph-( St. Louis) Theater lebender Photographien. Der Untergang des Dampfers„ Berlin". 168 Tote, 12 Gerettete. Borberlauf an der Theaterkaffe und bei Wertheim. Kottbuser Stettiner Sänger. Anf. wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. ReichshallenRestaurant. MilitärKonzert. Steidl Theater. Brückenstr. 2( a. d. Jannow. Br.) 92 Uhr: Bureau Piepenbrink. Anfang 8 Uhr. Borher Stonzert. Tagestaffe 11-2 Uhr. Sonntags 11 bis 2 Uhr: Frühschoppen- Konzert Steidl Restaurant( Garten): Entree frei! Dyberski- Konzert. Borzügliche Küche! Achtung! Allen Freunden und Bekannten Sanssouci, Straße 6. biermit zur geft. Kenninisnahme, daß Direktion Wilhelm Reimer. Sonnt., Mont., Donnerst: Hoffmanns bon heute ab mein Lotal ,, Zum Leuchtturm" eröffnet ist. Um freundlichen Zuspruch bittet Nevi, ontane. Norddeutsch. Sänger Herm. Nevi, promenade 15. Stets neues aktuelles Programm. Sonnt. Bg. 5, todjent. 8 U. Für die nächste Saison find fämtliche Sonn abende bereits befett. Einige Mittwochabende sind noch fret. Den ganzen Tag Vorstellung. Prater Theater Rauchfangswerder E. Rutkowsky, Etablissement ,, Waldhaus." Am Himmelfahrtstage: A Dampfer- Extrafahrt. Abfahrt: Jannowinbrücke, vormittags 9%, Uhr. Einfache Tour 70 Pf., Kinder die Hälfte. Empfehle den geehrten Gewerkschaften und Vereinen mein herrlich am Wald und Baffer gelegenes, bedeutend erweitertes Etablissement zu Fuß- und Bahnpartien. Soeben erschienen: due 48242 Hartstein Ueber Verfassungswesen. mit seinem glänzenden Schlager: Sommerpreise. Abends 8 Uhr: Der lustige Witwer. Husarenfieber. Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. 1. Bild: Das letzte Mal. 2. Bild: Die Folgen davon. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. DIII. Brunnenstr. 16. Heute: Geschlossen. Donnerstag zum ersten Male: Des Goldschmieds Töchterlein. Mädchen ohne Ehre. antdeutsches Sittengemälde v. C. Blum. Abends 8 Uhr: Das Mittwoch: Das Mädchen ohne Ehre. Anf. 8 ühr. Entree 30 Pf. Ball. Drei Abhandlungen von Ferdinand Lassalle. Ueber Verfaffungswefen. Bortrag. Was nun? 8weiter Vortrag. Macht und Recht. Offenes Sendschreiben. Neue Ausgabe, mit Einleitungen versehen von Eduard Bernstein. Breis 50 Bf. Staftanien Allee 7-9. Stempel Fabrit bon 35052* Robert Hecht, Berlin S., Oranienstr. 142, liefert schnell und billig alle Arten Stempel in bester Ausführung. Kautschuk- Typen" Perfekt" NECHT BEALI Großartiges Spezialitäten- Programm. um Busammensetzen einzelner Wörter Schönstes Sommer- Variété Berlins. fowie ganzer Säße von 1.50 M. an. Konzert und Ball. Anfang 4%, Uhr. Eintritt 30 Pf., num. Platz 50 Pf. Wer Stoff hat, fert. HerrenAnzug 20 M., ohne Stonturr. 2 Anpr., beste Zutat. Für guten Siz gold. Mebaile.. Ludw. Engel, Prenzlauer Str. 23, II. Alexanderpl Gegr. 1892. للـ Sofastoffe Riesenauswahl aller Qualitäten. WollePlüsch- Reste! Mocquetts. Satteltaschen. Muster b. näh. Angabe franko. Emil Lefèvre, Berlin, 158. Oranienstr. Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands.( zahlstelle Berlin.) Bezirks Versammlungen: D Bezirk 1. Donnerstag, ben 16. Mai, nachmittags 5 Uhr, bei Gleshoit, Plößensee, Seestraße. 2. Freitag, ben 17. Mai, nachmittags 5 Uhr, bei Wilke, Brunnenstr. 188. 3. Freitag, ben 10. Mai, nachmittags 5 Uhr, bei Beckmann, Samariterſtr. 11. 99 99 99 4. Donnerstag, den 16. Mai, nachmittags 5 Uhr, bei Feist, Markusstr. 18. 99 234/ 4* 99 69/18 Expedition des Vorwärts, Berlin SW. Lindenstr. 69, Laben. 5. Donnerstag, den 16. Mal, nachmittags 5 1hr, Berght, Ritterstr. 75. 6. Freitag, den 10. Mat, nachmittags 5 Uhr, bel Patt, Dragonerftr. 15. Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Wahlverein für den Sozialdemokrat. Wahlverein 4. Berliner Reichstagswahlkreis Arbeiter- Bildungsschule Berlin. für den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Being a charis Grenadierstraße 37. Lehrplan für das 2. Quartal 1907. Montag: Geschichte( Religionsgeschichte. Judentum). II. Das spätere 1. Die israelitische Religion im Zusammenhang der orientalischen Geschichte. 2. Umbildung der Religion in der babylonischen Gefangenschaft. 3. Aehnliche Entwickelung in 3. Aehnliche Entwickelung in jüdischen Gemeinde von 538 v. Chr. bis zur Zerstörung Jerusalems 70 nach Chr. 5. Probleme der jüdischen Frömmigkeit in den letzten Jahrhunderten vor dem Christentum. Vortragender: Max Maurenbrecher. Dienstag: Literaturgeschichte( Die revolutionäre Lyrik im Jahrzehnt 1840-1850). 1. Freiligrath, Herwegh, Ludwig Pfau. 2. Die satirische Dichtung der Mürzstürme. 3. Der österreichische Parnaß im Revolutionsjahr: Anastasius Grün, Alfred Meißner, Moritz Hartmann, Karl Beck usw. Vortragender: Ernst Kreowski. Mittwoch: Soziale Gesetzgebung( Die ArbeiterversicherungsGesetzgebung). Nachruf. Am 26. April berstarb unser Dienstag, den 7. Mai, abends 8%, Uhr, in der Kronenbrauerei, Mlt- Moabit 47/49: Genosse, der Handschuhmacher Versammlung Lages Ordnung: 1. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Goldstein- Zwickau über: Deutschlands Weltpolitik und die Arbeiterklasse". 2. Diskussion. Gäste auch Damen willkommen. 249/ 4* Bu zahlreichem Besuch ladet ein Achtung! Der Vorstand. Achtung! Zentral- Verband der Maurer Deutschlands Zweigverein Berlin. 1. Wesen und Zweck. Sozialpolitischer Charakter. Der Ver- Dienstag, den 7. Mai 1907, abends 8% Uhr, im Lokal ,, Neue Welt", sicherungszwang. 2. Ursprung und Entwickelung. Die Haltung der politischen Parteien. 3. Geltungsbereich, Organisation und Leistungen: a) Krankenversicherungsgesetz. b) Die Unfallversicherungsgesetze. c) Invalidenversicherungsgesetz. 4. Die Beziehungen der verschiedenen Versicherungen zu einander und zu sonstigen Fürsorge gesetzen. 5. Das Verfahren in Rechtsstreitigkeiten. 6. Die Aufwendungen der einzelnen Versicherungen und ihre Verteilung auf die Versicherungs244/7 Fritz Schulz Blankenfelderftr. 3. Ehre seinem Andenken! Der Vorstand. Beerdigungsverein Berliner Zimmerleute. Nachruf. Am 3. d. M. verstarb nach langem Leiden im Alter von 49 Jahren unser Mitglied, der Zimmerer Wilhelm Schulz. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung fand am 6. Mai, nachmittags, auf dem Friedhof Der Vorstand. 8% Uhr, im Lokal ,, Neue Welt", der Emmaus- Gemeinde ſtatt. Hafenheide 108-114: Außerordentliche General- Versammlung das Heilverfahren. 8. Ergänzende Privatversicherungskassen, aller zum Zweigverein Berlin gehörigen Zahlstellen und Bezirke der Maurer. das Unterstützungswesen der Gewerkschaften. 9. Die Notwendigkeit organischer Zusammenfassung und Fortbildung. Verkümmerungsbestrebungen. 10. Die Aufgaben einer Fortsetzung der Arbeiterversicherung. Mutterschutz-, Hinterbliebenen- und Arbeitslosen- Versicherung. Die Erweiterung des Kreises der Versicherten. 11. Soziale Wirkungen und geschichtliche Bedeutung der Arbeiterversicherung. Versicherung 138/ 15* und Sozialismus. Vortragender: Simon Katzenstein: Donnerstag: Rednerschule( Uebungen im Disponieren und freien Halten von Vorträgen). Vortragender: Julian Borchardt. Freitag: Nationalökonomie( Grundzüge der Finanzwissenschaft). 1. Finanzwissenschaft. 2. Finanzwirtschaft. 3. Staatsfinanzwesen. Budget. 4. Staatsausgaben. 5. Staatseinnahmen. Urerbseinkünfte. Abgaben. Gebühren. Steuerwesen. 6. Staatsschuldenwesen. 7. Die Finanzen des Deutschen Reichs und der Bundesstaaten. Vortragender: Max Grunwald. Tages Ordnung: - Unsere Lohnbewegung. Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne dasselbe kein Zutritt. Die Verbandsleitung. Zentralverein der Bildhauer. Verwaltung Berlin. Heute Dienstag, den 7. Mai, abends 8 Uhr, Engel- Ufer 15, Saal 1: Branchen- Abend der Holzbildhauer. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist das Erscheinen aller Kollegen notDie Agitationskommission. Freitag: Geschichte( Zeiten tiefer Erniedrigung und Schmach" wendig. in Deutschland. 1806-1840). 1. Der Zusammenbruch. 2. Die Zeit„ tiefster Erniedrigung und Schmach", 3. Der Befreiungs" krieg. 4. Die Heilige Allianz. 5. Achtung! [ 20/10] Achtung! 6. Die Romantik. 6. Der Ausgang der klassischen Philosophic Portefeuiller und Ledergalanterie7. Die Anfänge des Kapitalismus. 8. revolution auf Deutschland. 9. Kommunistische Anfänge. Vortragender: Heinrich Schulz.( Der Unterricht in diesem Geschichtsfach beginnt am Freitag, den 10. Mai, in Steglitz, Ahornstraße 15a, bei Schellhase.) Sonnabend: Naturerkenntnis( Die Grundprobleme der Lebenskunde oder Biologie). Arbeiter und-Arbeiterinnen! Invaliden- Unterstützungskasse d. Steindrucker u. Lithographen. Die Beerdigung des am 4. Mai verstorbenen Lithographen Georg Thomas findet am Mittwoch, den 8. Mai, nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Französischen Kirchhofes, Liesenstraße, aus statt. 5176 Das Komitee. Turnverein„ Fichte" Mitglied des Arbeiter- Turner- Bundes. Am Freitag, den 3. Mai, ver starb unsere Turnschwester Frida Kummer im Alter von 19 Jahren. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute nachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des Moabiter Krankenhauses, Auf Teilzahlung! Eingang Birkenstraße, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 5136 Der Vorstand. Wöchentlich nur 1 Mart. Uhren jeder Art fowie Goldwar., Bithern, Phonograph., Plattenmonitas, Mandolinen, Geigen usw. Große Auswahl in Blatten, echte Edison- Apparate Mittwoch, 8. Mai, abends 8, Uhr, bei Graumann, Naunynftr. 27: Sprechmaschinen, HarOeffentliche Verfammlung. Tages- Ordnung: Für die rege Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, 5165 unferes Baters Conrad Lutz 1. Die Stellungnahme der Unternehmer- Organisation und der und Walzen zu Original Preisen. fagen wir allen herzlichen Dank. barkeit, nachgewiesen an den einfachsten Lebewesen( Protisten). Streit bei der Firma A. Schwalbe. Referent: Verbandsvorsitzender 1. Woran erkennen wir Leben? Die vier Haupterscheinungen des Lebens: Bewegung, Ernährung, Fortpflanzung und ReizLeben und Tod. Gibt es Unsterblichkeit? 2. Die Zelle als niederste Lebenseinheit. Das Protoplasma als Träger des Lebens. Bau und Tätigkeit der Zelle und des Zellkerns. Selbständigkeit und Abhängigkeit der Zellen. Entstehung der Gewebe. Der Organismus ein Zellenstaat. Die Individualitätsstufen im Organismenreich. 3. Wie erhält sich Leben oder das Problem der Fortpflanzung. a) Die ungeschlechtliche Fortpflanzung. b) Die geschlechtliche Fortpflanzung. c) Befruchtung und Vererbung. 4. Die Erscheinungen der Veränderlichkeit( Variabilität) und Anpassung. 5. Wie entstand Leben? a) Der Ursprung des Lebens. b) Die Entwickelung und Abstammung der Lebewesen. Vortragender: M. H. Baege. Montag: Fortschrittskursus in National- Oekonomie. Selbständige Ausarbeitungen über die Marxsche Akkumulationstheorie unter Anleitung des Lehrers Vortragender: Julian Borchardt. Der Unterricht beginnt in Geschichte am Montag, den 27. Mai; in Literaturgeschichte Dienstag, den 7. Mai; in Sozialer Gesetzgebung Mittwoch, den 8. Mai; in Rednerschule Donnerstag, den 16. Mai; in Nationalökonomie Freitag, den 10. Mai; in Naturerkenntnis Sonnabend, den 4.Mai; Fortschrittskursus in Nationalökonomie Montag, den 13. Mai. Zum Fortschrittskursus werden nur zirka 20 Teilnehmer zugelassen, welche schon einen Kursus in Nationalökonomie besucht haben müssen. Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende und beginnt pünktlich um 9 Uhr und endet pünktlich um 11 Uhr. Die reichhaltige Bibliothek ist an diesen Abenden von 8 sis 9 Uhr geöffnet. Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.; das Unterrichtsgeld für jedes Fach beträgt pro Kursus 1 Mark und ist spätestens am zweiten Abend zu zahlen. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt am besten sei Beginn jedes Kursus im Schullokal Grenadierstraße 37, Hof geradezu 1 Treppe, und in nachstehenden Zahlstellen: Gottfr. Schulz, Admiralstr. 40a; Reul, Barnimstr. 42; Vogel, Lortzingstr. 37; Fahrow, Ravenéstr. 6; Horsch, Engel- Ufer 15. Alle Zuschriften sind án den Vorsitzenden Hermann Lammé, Berlin S. 59, Freiligrathstr. 3, Quergebäude IV, Geldsendungen an den Kassierer H. Königs, Berlin S. 59, Hasenheide 56, zu senden. [ 4/14] Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Treppengeländer- Branche. Dienstag, 7. Mai, abends 82 Uhr, bei Boeker, Weberstr. 17: Versammlung = aller in Treppengeländerfabriken beschäftigten Tischler, Stellmacher, Drechsler, Maschinenarbeiter, Polierer usw. Zages Drdnung: 85/18 Rollege Weinschild- Offenbach. 2. Diskussion. In Anbetracht dieser hochwichtigen Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden, bestimmt und pünktlich zu erscheinen. Bahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Juhre& König, Witwe Marie Lutz nebst Kindern. Reinidendorferstr. 101, 1. Giage Dr. Simmel Buchhandlung Vorwärts Berlin S. 68, Linden- Straße 69. In unserem Verlage erscheint: Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung. Ein Kapitel zur Geschichte der deutschen Sozialdemokratie. Herausgegeben von alingo Eduard Bernſtein. Reich illustriert mit Bildern und Dokumenten aus der Zeit I. Teil: Bom Jahre 1848 bis zum Erlaß des Sozialistengesetes 1878. II. Teil: Unter dem Sozialistengefes 1878-1890. III. Teil: Von 1890 bis zur Gründung des Zentralverbandes von Groß- Berlin 1905. Der erste Teil des Werkes liegt komplett vor und fostet in Leinenband Mr. 6,50, in Halbfranzband Mr. 7,50. Auch kann derselbe in 17 Heften a 30 Pf. bezogen werden. Kapitel- Uebersicht des ersten Teiles: 1193 Berlins Arbeiter am Borabend der Märzrevolution. Berlins Arbeiter in den März tagen. Die Sammlung der Arbeiter im Revolutionschaos. Der erste Berliner Arbeiterkongreß und seine Werte. Die Arbeiter und die lezten Revolutionstämpfe. Unter der Reaktion. Die neue Aera und das Erwachen der Arbeiterbewegung. Die Berliner Arbeiter zwischen Fortschrittspartei und Lassalle. Bon Laffalles Tod bis zur Gründung des Norddeutschen Bundes. Unter dem Norddeutschen Bund bis zum Allgemeinen deutschen Arbeiterkongreß. Bom ersten Allgemeinen deutschen Arbeiterfongreß bis zum Vorabend des deutsch- französischen Krieges. Striegslager. Die ersten Jahre im Deutschen Reich. Die Reichstagswahl von 1874. Aera Zeffendorff. Bon den ersten großen Wahlfiegen bis zu den ersten großen Leichenbegängniffen. Die zwei Attentate auf Wilhelm I. und die tausend Attentate auf das Recht. Borabend der Herrschaft des Ausnahmegesetes. Im Die Am Bu beziehen durch sämtliche Parteispeditionen und Buchhandlungen sowie direkt vom Verlag, Buchhandlung Vorwärts, Berlin. Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. dicht am Prinzenstr. 41, Moritzplatz, 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4 Dr. Schünemann 44112* Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ede Schüßenstr. 10-2, 5-7, Sonnt. 10-12 Uhr. Blumen- und Kranzbinderei vou Robert Meyer, nur Mariannen- Straße 2. Nentwig's Restaurant ,, zum wilden Eber" XXX Kaulsdorf. X X X ( Inh. Fritz Kube, Mitgl. d. Rauchflubs 48232 „ Grüne Rose"). Donnerstag, 9. Mai, Himmelfahrt: Großes Wurfteffen wozu alle Freunde und Bekannten ergebenst einladet Fritz Kube. Bruch- Pollmann empfiehltsein Lager in Bruchbandagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensorien fowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Liefer. f. Drts- u.Hülfs- Krankenkassen. Berlin C., 44082* 30. Finien- Straße 30. Alle Bruchbänder mit elastischen Pe lotten, angenehm u. weich am Körper. Eine Mark wöchentliche Tellzahlung liefere elegante fertige 15528 Herren- Garderoben Ersatz für Maaß. Anfertigung nach Maass. Zadellose Ausführung. Julius Fabian, Schneidermeister, n Eingang Straußberger Plah. Gr. Frankfurterstr. 37, 1. Bericht von den Einigungsverhandlungen mit den Treppengeländer Fabrikanten. 2. Distusfion. 3. Verbands- und Branchenmgelegenheiten. Pflicht jedes Kollegen ist es, in dieser wichtigen Versammlung Die Kommiffion. Berantwortlicher Redakteur: Hans Beber, Berlin. Für den Buferatenteil berantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW u erscheinen. Ii. 105. 24. Jahrgang. 2. frilnp drs Jonuirts" Kerlim MMM vmmmmmmmKmmmmmmmmmmmmmammmmmmBmmmmmmKaBBmBmMas&tammBmBMamBmmBBKmmBaBamaaaamammmmK Pitnstng, 7. Mai 1907. Rcrnnbaua. 8. Sitzung. Montag, den 6. Mai 1SV7, 1 Uhr. Am Mmstertische: Frhr. v. Rheinbaben, v. Beth- mann-Holl weg, v. Arnim-Criewen, Dr. v. Studt. Auf der Tagesordnung steht die Beratung des Etats. Die Kommission beantragt die Annahme. Berichterstatter Graf vou Keyserlingk-Neustadt spricht sein Be- dauern darüber aus, daß innerhalb eines Zeittaumes von zehn Jahren nicht weniger als fünfmal der Etat nicht zum 1. April fertiggestellt und dadurch ein verfassungswidriger Zustand herbeigeführt sei. Er wolle nicht in die geschäftlichen Dispostttonen des Abgeordnetenhauses eingreifen. Aber er hatte es doch für seine Pflicht, darauf aufmerksam zu machen, daß dort die Etatsberatungen sich durch polittsche Reden aller Art, die aus Wahlrechtsgründen gehalten werden, durch Jnter- pcllationen und Initiativanträge, die ohne Zusammenhang mit dem Etat stehen und die auf dasselbe polittsche Konto zu setzen sind, zu sehr in die Länge ziehen. Vielleicht wäre es möglich, die Etats- beratung des Abgeordnetenhauses von diesem politischen Ballast zu entlasten, indem man die Erörterung der politischen Momente m nne gelegenere Zeit nach dem 1. Apnl verschiebt. Graf Mirbach: Die Experimente zur Sanierung der Reichsfinanzen haben nur geringe Erfolge gezeitigt und zu Besorgnissen aller Art Anlaß ge- geben; ich erinnere nur an die Reichserbschastssteuer. Die preußischen Finanzen an sich stehen nicht schlecht, aber leider find unsere Finanzen mit denen des Reiches eng verknüpft. Ich wende mich zu einer Aeußerung meines polittschen Freundes v. Kröcher, der im Reichstage, allerdings ohne mich zu nennen, gesagt hat, ein konservativer Führer im Herrenhause sei Gegner des ReichsragSwahlrechts. Eine solche Mißbilligung von dieser Stelle schmerzt mich auf das allertieffte. Ich kann Herrn v. Kröcher nur dann verstehen, wenn ich annehme, daß er meine Ausführungen nicht gelesen hat. Ich habe wiederholt zum Ausdruck gebracht, daß nicht die konservattve Partei irgend welche Stellung gegen das Reichstagswahlrecht genommen hat, sondern ich habe nur meine persönliche Meinung zum Ausdruck gebracht. Ich stehe gerade auf Grund meiner persön» lichen Erfahrungen im Wahlkampfe auf.dem Boden, daß ich jedrS indirekte Wahlrecht für besser halte als das direkte. Bei dem Reichstagswahlrecht ist sich der Wähler vollkommen darüber unklar. welche Tragweite die Wahl hat I— Ganz anders ist es bei der indirekten Wahl. Da wählt man Vertrauensmänner, ge- bildete Leute, die ungefähr in der Lage find, zu wissen, worum ca sich handelt. Unser indirektes preußisches Wahlrecht hat sich nach allen Richtungen hin vollkommen bewährt. Es hat die Strömung in unserer Natton nach rechts und nach links vollkommen zum Ausdruck gebracht. Es ist noch ein sehr wichtiges Moderandum(Bestimmung) des Reichstagswahlrechtes durch die Bewilligung der Diäten be- seittgt worden. Bei der letzten Wahl ist das noch nicht klar zum Ausdruck gekommen, weil die Wahl ganz überraschend kam. Wäre die Wahl aber weiter vorbereitet worden» so hätten sich Leute in den Bordergrund gedrängt, die durchaus ungeeignet sind, einen ReichstagSwahltrris im Reichstage zu vertreten. Ich empfehle den Herren auf das angelegentlichste das Studium eines Aufsatzes des Herrn v. T r e i t s ch k e, der sich ausdrücklich als Altliberaler be- zeichnet hat. In diesem Aufsatze:„Der Sozialismus und seine Gönner" sagt Herr v. Treitschke, daß das allgemeine Stimmrecht steht und fällt mit der Idee der Volkssouveränitat. In der demokratischen Republik muß diese Form deS Wahlrechts als die allein verfassungsgemäße ertragen werden. Doch in der Monorchie widerspricht sie dem sittlichen Grundgedanken. Ich bekenne mich voll und ganz zu dem Programm dieses Liberalen. Wenn man die Entscheidung in meine Hand legte, würde ich an dem allgemeinen Wahlrecht nicht rütteln. Ich würde nur eliminieren das Geheime, und zwar auf Grund der eigenen Erfahrung, die ich in den Wahlkämpfen ge- macht habe. Nun zur sozialpolitischen Gesetzgebung. Die sozialpolitische Gesetzgebung wäre ohne die deutschkonservattve Partei im Reichstage nie zustande gekommen. Zu ihren Gegnern gehörten selbst die Nationalliberalen und energisch wurde fie bekämpft durch das Zenttum und die Links- liberalen. Die Gesetze sind schließlich nur mit einer Mehrheit von 20 Sttmmen zustande gekommen, nachdem ein kleiner Teil des Zentrums sich abgesplittert hatte. Auf dem Delegiertentag der deutschkonservativen Partei ist klar hervorgetreten, daß die Partei noch ganz unverändert auf ihren Prinzipien besteht. Aber nach den Erfahrungen bestehen wir darauf, daß in Zukunft etwas vorsichttger vorgegangen wird. Der deutsche konservative Delegiertentaa verlangt eine Lereinfachung und Ber billigung unserer sozialen Gesetzgebung» er will es vermeiden, daß die Organisatton der Sozialdemokratie zugute kommt, und fordert einen wirksamen Schutz der Arbeitswillige», keine einseittge Sozialpolitik im Interesse unserer Lohnarbeiter, sondern schleunige Maßnahmen, welche geeignet find, den Mittelstand wirksam zu tonservieren. Die Bekämpfung der Sozialdemokratie ist bis jetzt noch nicht erreicht worden: denn dir berechtigte Fürsorge für die unteren Bolksklassen hat dahin geführt» daß ihnen auch Rechte anvertraut find, auf die sie nicht die geringste Spur von Anspruch haben. Auch hier befinde ich mich mit Treitschke in voller Uebereinsttmmung, und ich bin auch mit ihm der Meinung, daß die Sozialdemokratte schon durch ihren Namen zeigt, daß sie Uufinn will! Der Reichskanzler hat seine staatsmännische Begabung. seinen weiten Blick bei der ReichstagLauflösung auf das glänzendste bewährt unter überaus schwierigen Verhältnissen. Wie viel Unangenehmes und Schwieriges würde unS im Deutschen Reiche er« spart ivorden sein, wenn unmittelbar auf den Fürsten Bismarck ein Reichskanzler von einem solchen staatsmännischen Blick gefolgt wäre. wie es der preußische Ministerpräsident heute ist. Seine Haltung ist uns Beweis dafür, daß er sich darüber klar ist, daß ohne das feste Fundament eines monarchischen Preußens der Aufbau des Deutschen Reiches unmöglich war und daß die Zukunft deS Deutschen Reiches sofort erschüttert werden würde. wenn dieses Fundament irgendwie abgebröckelt oder geschwächt ivürde. Ich halte es für eine Hauptaufgabe meiner politischen Freunde, � und das ist für mich ein politisches Glaubensbekenntnis» daß wir überall im öffentlichen Leben alles daran setzen müssen, den preußischen Staat stark und fest zu erhalten. Das liegt nicht bloß im Interesse unseres preußischen Staates, sondern unseres gesamten Vaterlandes.(Beifall.) Minister Frhr. v. Rheinbaben: Es ist das erfteuliche Kriterium unser wirtschaftlichen Lage, daß die Industrie nicht mehr so wie früher vom Auslände abhängig ist. sondern daß das Volk infolge der steigenden Kaufkraft selbst der beste Abnehmer für die Industrie ist.(Sehr richttg!) Darin erweist sich die Richtigkeit der gegenwartigen Wirtschaftspolitik.— Alle Befürchtungen, die sich an die Handelsverträge knüpften, haben sich als irrig erwiesen, die Industrie ist nicht geschädigt, wohl aber ist die Kaufkraft der Landwirtschast gesteigert worden und davon hatte auch die Industrie Vorteil. Eine Regierung, die die Interessen des Landes kennt, wird von dem jetzt beschrittenen Wege niemals wieder abweichen.(Lebhafter Beifall.) 1 Den Vorwurf des Grafen Mirbach deshalb, weil der Reichs- 1 kanzler die Reichstagsdiäten bewilligt hat, halte ich für unbegründet. (Sehr richtig! links.) Die Diäten haben zweifellos zur Beschleunigung der Verhandlungen geführt, und auch die Konservativen haben dafür gestimmt.(Graf Mirbach: NeinI) Wenn Graf Mirbach auf das ReichStagSloahlrecht eingegangen ist, so haben wir es im Reichstage stets abgelehnt, preußische Dinge zu erörtern, und was dem einen recht ist, ist dem anderen billig. Die AuSsühruugen deS Grafen Mirbach können nur neue Schwierigkeiten zwischen dem Reichstage und dem Herrenhause hervorrufen. Wenn Graf Mirbach den Reichs- kanzler wegen der Reichstagsauflösung lobte, so muß doch auch darauf hingewiesen werden, daß auch das deutsche Poll damals seine volle politische Begabung betätigt hat. Graf Mirbach sagte, die sozialpolittsche Gesetzgebung hätte nicht dem Frieden gedient. Ich bin der entgegengesetzten Ansicht. Es muß aber scharf unterschieden werden zwischen den Verführern und Verführten, und eS muß der Fehler beseitigt werden, der eS ermöglicht hat, die Krankenkassen als Hülfsaktionen von der Sozial- demokratte benutzen zu lassen. Hier helfend einzugreifen, halte ich für eine wichtige staatliche Aufgabe der nächsten Zukunft.(Beifall.) Graf Mirbach(zur tatsächlichen Bemerkung): Der Minister hat mir Aeußerungen in den Mund gelegt, die ich nicht getan habe. Was das Reichstagswahlrecht anlangt, so habe ich mich lediglich auf die Aeußerungen des liberalen Herrn v. Treitschke bezogen, und wenn ich hier über Reichsdinge spreche, so folge ich damit nur einem Wunsche des Fürsten Bismarck, der immer die Notwendigkeit betont hat, die Reichsangelegenheiten in den Landtagen zu besprechen. Ich nehme von dem, was ich gesagt habe, nichts zurück. Graf Königsmarck: Auf einen Teil unserer Eisenbahneinnahmen hat das Reich Beschlag gelegt. Andererseits zeigt sich die Begehr- lichkeit des Publikums darin, daß es immer billiger fahren will, obgleich es nirgends so billig fährt, wie bei uns. Für notwendig halte ich die Gehaltsaufbesserung der akademisch gebildeten Beamten. Die Leute, die nach höheren Beamtengehältern rufen, sind nicht diejenigen, die die höchsten Steuern zahlen. Eine Erhöhung der Einkommen- steuer würde die Folge haben, daß viele, die nicht in Preußen zu wohnen gezwungen sind, nach anderen Staaten übersiedeln würden. Wir können aber unsere Ausgaben auch ohne Erhöhung der Ein- kommensteuer erfüllen. Bor allem müßte die Fahrkartcnsteuer be- seitigt werden. Bei den Bauten müßte der Luxus vermieden werden, insbesondere für die Bahnhofsbautcn werden außerordentlich hohe Summen verausgabt: da könnte gespart werden. Fürst Hatzfeldt: Ich möchte bitten, bei der kommenden Gehalts- aufbesserung der Beaniten die Oberlehrer nicht zu vergessen. Weiter möchte ich eine Aufbesserung der Universitätsprofessoren empfehlen. Die Erhöhung der Einkommensteuer würde in erster Linie die mittleren Klassen treffen. Hoffentlich wird es dem Geschick des Finanzministers gelingen, auch ohne solche Steuererhöhung aus zukommen: Kultusminister Dr. v. Studt erwidert dem Vorredner, daß er den angeregten Fragen das regste Interesse entgegenbringe. Professor Bierling-Greifswald spricht sich dahin aus, daß durch das schönste Besoldungssystem keine dauernde Beruhigung unter den Beamten herbeigeführt werden wird. Eine Aufbesserung könnte ein- treten: es dürsten aber nicht andere Mißstände damit verknüpft sein, wie z. B. die Erhöhung der Einkommensteuer. Oberbürgermeister Wilms-Posen: Die Belastung der Städte habe in der letzten Zeit so zugenommen, daß Zuschläge von 160 Proz. fast die Regel wären. Es müßte deshalb die Frage erwogen werden, ob nicht der Staat einen Teil der Kosten auf sich nehmen müsse. Prof. Hillebrandt-Breslau tritt besonders für eine Besserstellung der Gymnasiallehrer ein. Dr. v. Burgsdorff warnt davor, sich bei der Frage der Gehaltsl regelung der Beamten von Popularitätshascherei leiten zu lassen. v. Buch: Die Art, wie jetzt die Frage der Beamtengehälter in den Parlamenten behandelt wird, ist nach Ansicht meiner Frattion ein staatsgefährlichcr Mißstand.(Sehr richtig!) Die Parteien wett- eifern um die Gunst der Beamten. Die Gehaltsregulierung der Beamten ist aber Sache der Regierung.(Sehr richtig l) Der jetzige Zustand ist im Interesse der Disziplin zu bedauern.(Sehr wahr! Wir stellen im Interesse der Sraatsautorität keine Anträge, wir würden uns aber fteuen, wenn die Regierung mit Anträgen an das Haus herantritt. Die weitere Beratung wird auf Dienstag 12 Uhr vertagt. Schluß 6>/� Uhr._ lMäe dem- erbarmungslosen. Die kaiserliche Disziplinarkammer für die Schutzgebiete trat am Sonnabend unter dem Vorsitz des Prä- sidenten Lindenberg in Berlin zusammen. um in öffentlicher Sitzung in der Disziplinarsache des Gouverneurs Waldemar Horn zu verhandeln und zu entscheiden. Es handelt sich um die Angelegen- heit des 18jährigen(nach anderen Angaben 16- bis 17jährigen) Negerjünglings Zedu» welcher verstarb, nachdem er ungefähr 24 Stunden lang an einem Flaggenmast gefesselt gewesen war. Horn, der Jurist und in seinem militärischen Verhältnis Oberleutnant der Landwehr ist, wurde definittv im Dezember 1S02 Gouverneur des Schutzgebietes Togo. 1004 wurde er suspendiert und 1906 mit einem Wartcgcld von 6150 Mark in den einstweiligen Ruhestand (z. D.) versetzt. Als Vertteter der kaiserlichen Staatsanwaltschaft fungiert der Wirkliche LegationSrat Dr. Golinelli. Er erhält das Wort zur Anschuldigung. Er geht davon auS, daß der Disziplinar� Verhandlung die Feststellungen� deS gegen den Angeschuldigten im Juni 1906 ergangenen rechtskräftigen Urteils im Strafprozeß zugrunde zu legen seien. Es ist das Urteil des Obergcrichts(zweite Instanz) für die Gouvernements Kamerun und Togo, durch das Herr Horn wegen vorfötzlicher Körperverletzung im Amte zu einer Geldsttafe von 900 M. verurteilt wurde. Der Staats- anwalt gibt deshalb das Urteil im wesentlichen wieder: Im Ftülj. jähre 1903, nach der Ernennung zum Gouverneur, machte Horn eine Dienstreise durch daS Schutzgebiet. AIS die Expeditton die Statton Sobode besuchte, fand dort am 19. März 1903 nachmittags zu Ehren des Gouverneurs ein Tanz fest der zahlreich auS der Gegend erschienenen Reger statt. Während deS Festes wurde die ExpeditionSkafse erbrochen und eS wurden daraus 760 Mark gestohlen. Der Verdacht fiel auf Zedu, den schwarzen Diener des ExpeditionSmeisterS Poetsch, unter dessen Bett der Geld kästen stand. Zedu wurde verhaftet und vom stellvertretenden Stationsleiter Hauptmann v. Döring vernommen. Der Gouverneur, der am anderen Morgen weiter wollte, nahm dann die Sache selbst in die Hand. Gegen 11 Uhr gestand Zedu. daß er das Geld entwendet habe. Er nannte auch einen Orr in etwa zwei Stunden Entfernung, wo es sein sollte. In der Nacht noch brach der ExpeditionSmeister Poetsch mit Zedu und einer Anzahl schwarzer Soldaten dorthin auf. Das Geld fand sich aber nicht, auch nicht an einem anderen Ort näher bei Sobode, den nun Zedu angab. Am andern Morgen begann Horn das Verhör von neuem. Nack einigem Irreführen schritt Zedu dirett auf ein zusammengelegtes Zelt zu und rollt« es auseinander, wobei 260 M. zum Vorschein kamen. Runmehr wurde Zedu dem Hauptmann von Döring als Stationsleiter zur Aburteilung übergeben. Das Urteil lautete auf zweimal 25 Hiebe und 5 Jahre Kettenhaft. Der Gouverneur bestätigte sofort dos Urteil. Zedu erhielt dann gleich in seiner Gegenwart die ersten 85 Hiebe» nachdem er körperlich untersucht und gesund befunden war. Der Gouverneur ordnete dann an, daß er an den zwanzig Schritt vom Stationsgebäude entfernten Flaggenmast gebunden werden sollte. Zedu mußte zu dem Zwecke aus eine etwa eine« Meter hohe Steinpyramide treten, die dem Flaggenmast auf dem felsigen Grunde als Stütze dient. Zedus Arme wurden nach rück- wärts um den Mast gezogen und fest zusammengeschnürt, während die Füße durch einen Fußring aus doppeltem Eisen zusammen- gehalten wurden. Der Gouverneur hieß es gut. Der Verurteilte litt(alle? nach den Feststellungen des Ober- gerichtS) heftige Schmerzen, so daß er laut schrie. Vom Angeklagten wurden die SchmerzenSrufe gehört. Nach etwa 1li bis'/< Stunden wurde Zedu in Abwesenheit des Angeklagten Horn auf Anordnung des Zeugen v. Döring losgebunden. Er wollte zeigen, wo das übrige Geld sei. Es fand sich aber nichts. Zedu mußte wieder an den Flaggenmast. Man band ihn jetzt aber etwas lockerer. Den Tag über blieb er auf der dem Mast um- gebenden Steinpyramide, wobei er(er war nur mit einem Hemd bekleidet) gegen die heißscheinende Sonne nicht geschützt war. Der Angeklagte beobachtete ihn von der Veranda, sprach auch einige Male mit ihm. Einige Male wurde Zedu losgebunden, wenn er angab, er wolle daS Versteck zeigen. Es wurde aber nichts gefunden. Zedu schrie am Flaggenmast noch mehrere Male im Laufe deS Tages, wobei der Angeklagte sagte:.Bist Du ein abgebrühtes Schwein I" und zu Döring:„Haben Sie schon mal eine Träne bei ihm gesehen?"— Der Ausbruch der Expedition wurde bis zum nächsten Morgen verschoben. Zedu verblieb die Nacht gefesselt am Mast» wobei er auf der Steinpyramide kauerte. Feste Nahrung hat er nicht erhalten. Es konnte nicht festgestellt werden, ob er während der Fesselung oder in der Nacht vorher etwas zu trinken erhielt. Am folgenden Morgen fand Horn ihn am Mast im erschöpften, zu- sammengesunkene» Zustande. Er ließ ihn am Mast. Er behauptet, er habe jetzt Z. dem Stationsleiter v. Döring übergeben. Der Zeuge Döring be st reitet das. Das Obergericht hat dem Zeugen v. Döring vollen Glauben beigemessen. Der Angeklagte ritt jedenfalls mit dem Zeugen v. Döring zum Stationshof hinaus, ohne daß Zedu abgebunden worden war. v. Döring begleitete den weiterziehenden Chef ein Stück des Weges 1>/z Stunden weit, wie es seine Pflicht war. Dann ritt v. Döring sehr schnell zurück, um Zedu losbinden zp lassen. Z. war völlig erschöpft. Er wurde mit Wasser be- gössen und erhiett zu trinken. Auf die Frage, wo es ihm fehle, konnte Z. nur auf den Bauch zeigen und sich auf die andere Seite wälzen. Der Tod erlöste ihn bald. Das sind die tatsächlichen Feststellungen des Obergerichts. Legationsrat Dr. Golinelli fuhr nun fort: Der jetzigen Anschuldigung gegen Horn lege er zugrunde diesen Tat- b e st a n d und berücksichtige auch die Erwägungen deS rechtskräftigen Urteils. Dieses gehe davon aus, daß als sehr wahrscheinlich, ja beinahe als erwiesen anzunehmen sei, daß der Tod Zedus durch die Gesamtheit von schädlichen Einwirkungen von der Verhaftung an hervorgerufen sei, wenn das Gericht auch ein n o n 1 i qu e t ausspreche und meine, daß noch andere Ereignisse, die dem Gouverneur nicht zur Last fielen, schuld am Tode wären. Ferner habe das Obergericht angenommen, daß Horn bei seinem Verfahren nicht die Absicht hatte, auf Z. dahin einzuwirken, daß er sich hinsichtlich des Verstecks des übrigen gestohlenen Geldes zu Geständnissen bewegen ließe. Das Obergericht bemerke aber doch, daß der An- geklagte von Nebengedanken geleitet wurde, daß Z., wenn er angebunden werde, eher geneigt sei. auszusagen, wo das übrige Geld sei. Eine rechtswidrige Ueberschreitung der den: Reichsbeamten zukommenden Strafvollstreckungs- und Sicherungs- maßnahmen habe das Obergericht darin gefunden, daß nach seiner Annahnte der Gouverneur den Zedu zu stark fesseln ließ, so daß er heftige Schmerzen litt, und dass er ihn eine halbe Stunde in der Lage beließ, obwohl Z. den hesttgen Schmerzen heftigen Aus- druck verlieh. Das Gericht meine, die Maßnahme hätte humanitärer durchgeführt»Verden können. Ferner sehe das Gericht eine Rechtswidrigkeit darin, daß der Gouverneur während der Llstündigcn Fesselung nicht dafür sorgte» daß Zedu Speise und Trank erhielt, zumal er nicht wußte, wann Zedu das letzte Mal etwas genossen habe. Und drittens lege das Gericht ihm zur Last, daß er am Morgen des 21. März, als er Z. erschlafft am Mast hängen sah, ihn nicht sofort befreite» fondern ihn in der Lage ließ.— Auf Grund dieser Feststellungen habe der Reichskanzler die Einleitung des förmlichen Disziplinarverfahrens verfügt. Und die Anschuldigung stehe auf dem Standpunkt, daß ein grobes Bergchen gegen die AmtSpfiichte» vorliege. Präsident Lindenberg ließ darauf den Angeschuldigten sich selber zu den Tatsachen äußern. Zum Teil wurde die Vernehmung eine Art Kreuzverhör. Unter anderem erklärte Herr Horn: Auf die Frage des Hauptntann v. Döring, ob er nach der Züchtigung Zedus diesen wieder in das Gefängnis der Station zurück- bringen solle, habe er gesagt, nein, er wolle ihn nicht mit den anderen Gefangenen zusammen lassen, sondern ihn isolieren. Er habe dabei an Herrn v. Massow gedacht, der die Geld liste, allerdings unter Bewachung, immer auf dem Hofe der Statton habe ausstellen lassen, weil sie ihm so am sichersten erschien. Diese Manier wollte er auch auf Zedu anwenden, damit der ihm nickt weglaufe. Das Gefängnis habe nicht hinreichende Sicherheit geboten, wenn auch die schwarzen Soldaten zur Bewachung da waren. Die schwarzen Soldaten hatte er für recht unsicher. Leider sei es an der Tagesordnung gewesen, daß sie beim Transport von Geld an der Grenze die Waffen und die Uniform ablegten, um mit der Geldkiste auf dem Kopf zu verschwinden. Es sei ihm darauf angekommen, daß Zedu nicht entfliehe und die übrigen 600 M. beseitige. Daß er ein Geständnis erpressen wollte» bestreitet er.(ES ist auch in den Kolonien gesetzlich nicht zulässig.) Präsident Lindenberg verweist auf Erlasse des Reichs- kanzlerS. die den Kolonialbeamten im Verkehr mit den Schwarzen Vorsicht. Geduld. Mäßigkeit und Mlde empfehlen, und durch die verlangt wird, nichts zu tun, wessen man sich in Europa schämen müßte. Der Angeschuldigte behauptet darauf, er habe die Ueber- zeugung gehabt, daß Zedu am Mast keine körperlichen Schmerzen leide, sondern simuliere. Am letzten Morgen habe auch Zedu los- gemacht werden sollen. Nur habe er(Horn) er st schnell weg wollen. DaS habe er auch zu Hauptmann v. Döring gesagt. Er habe eS auch als selbstverständlich betrachtet, daß Zedu etwas zu genießen erhalte. Präsident: Sie, der Sie die Maßnahme des AnbindenS verordneten, hätten sich darum bekümmern müssen. Ihr ganzes Verhalten war n i ch t die Regel: Sie aber bettachten alles als selbst- verständlich. Aus der Darstellung selbst des Angeschuldigten entnimmt der Präsident, daß mindestens alle auf der Statton anwesenden Neger, nainentlich aber Zedu annehmen mußten, es handelte sich bei dem Verfahren gegen Z. um die zwangsweise Erzielung eines Geständnisses über die noch fehlenden 500 M., also um etwa Un- erlaubtes. Mit Handlungen, die auch nur die Meinung erweckten, daß sie unerlaubt seien, setze er doch schon seine Pflichten und die Achtung als Gouverneur aufs Spiel. Ein Mitglied der Disziplinarkammer verliest zur Beweisfrage nochmal das ganze Urteil des Obcrgerichts für Kanierun und Togo "wie verschiedene Zeugenaussagen. Das Urteil spricht am Schluß von»der Harte, wenn nicht zu tasten flbfe», ble der Angeklagte an den Tag gelegt habe< „ Dann stellte Leaationsrat Dr. Golmelli alS Beamter der kaiser- licheii Staatsanwaltschaft den Antrag aus AmtSentlaffung des Gouverneurs Horn. Seine längeren Ausführungen gipfeln bann, daß em Mann, in dessen Vertrauen die ganze Verwaltung?- Maschine und die ganzen Gesetze gelegt seien, sich nicht so vergessen Kurse, daß Feststellungen getroffen werden könnten wie hier, und es ausgeschlossen erscheine, ihn in die Gouverneur« Uellung� zurii-kkehren zu lassen. Er könne sich auch nicht entschuldigend auf Irrtümer berufen, zumal auch von ihm der Enipfang der ernsten Ermahnungen des Reichskanzlers an die Beamten und Offiziere in den Kolonien bestätigt worden sei. Justizrat v. Gordon, der Verteidiger, plädierte dann 'u gangeren Darlegungen dafür, es bei einer Ordnungsstrafe-der Geldstrafe oder bei Ordnungs- und Geldstrafe bewenden zu lassen. Das Urteil der Disziplinarkammer erging auf Amtsentlassung mit der Milderung, daß Horn Zeit seines Lebens zwei Drittel des gesetzlichen PenfioaSdetrageS«er. bleiben sollen. AuS der Urteilsbegründung ist hervorzuheben: Das Disziplinargericht fei allerdings der Meinung, daß in der Art. wie .�edu aufgestellt wurde, eine Verletzung der Dienstpflichten an sich nicht zu erkennen sei. Dagegen ließen die Gründe, aus denen es geschehen, selbst wenn man der Betrachtung des Angeschuldigten folge, eine Verletzung der Dienstpflichten ersehen. ES sei zugestanden ioorden, daß die Art, wie Zedu behandelt wurde, in Fernstehenden, hauptsächlich in den Negern und besonders in Zedu selber, die Meinung hervorrufen mußte, daß dies Ausstellen event. ein Mittel sein solle, ihn zu veranlassen, das Versteck der noch fehlenden SOV M. anzugeben. Maßregeln des Gouverneurs, die diesen Verdacht erweckten, den nämlich, daß sie etwas Strafbares seien, die also das Deutsche Reich und seine Regierung in Mißkredit bringen konnten, stellten auf jeden Fall eine Verletzung seiner Amtspflichten dar. Dann sei festgestellt eine zu strenge Fesselung, die auch bewiesen sei durch das Schreien des Negers, der doch sonst von harter Natur sei. Der Angeschuldigte mußte sich davon überzeugen, ob eS zu fest war. wenn er sich überhaupt als Gouverneur dazu hergab, solche Strafvollstreckung vorzunehmen. Für erwiesen sei auch der zlveite Punkt anzusehen, daß Zedu nichts zu essen habe, vielleicht auch nicht« zu trinken. Wenn An« geschuldigter diese höchst abnorme Art der Strafvollstreckung vornahm. dann wäre e« seine Pflicht gewesen, dafür zu sorgen, daß. waS in allen Gefängnissen an Essen und Trinken den Gefangenen ge- währt werde, auch dem Zedu geliefert wurde. Pflichtwidrig sei eS, wenn Angeschuldigter sage, er habe sich darauf verlassen. daß Z. etwas bekomme. Er mußte sich sagen:„Ich lasse ihn so aufstellen, daS ist Strafhaft, ich muß ihm zu effen und zu trinken geben." Das Schwerste aber fei, daß Horn am andern Morgen, als er sah. daß Zedu schwer körperlich litt, daß er sozusagen am Mäste hing oder kauerte, ihn nicht sofort losmachen ließ und ihm nicht zu essen und zu trinken gab. Angeschuldigter habe selbst gesagt:„Da kam mir der Gedanke, g. habe vielleicht nicht zu essen bekommen". Und er behaupte auch selber, er habe zum Hauptmanu v. Döring gesagt, der Z. gefalle ihm gar nicht. Horn habe aber nichts getan, ihn loszubinden. Die von ihm behauptete Uebergabe des Gefangenen an den Swtionöleiter v. Döring genüg« aber nicht nach Meinung der Disziplinarkammer. vr hätte selber etwas tun müssen. Und wenn er zum Hauptmann o. Döring sagte:„Erst wenn wir weg find, dann.. so habe v. Döring annehmen müssen, daß die Fesselung Zedu« möglichst lange fort« gesetzt werden solle. Er hätte beim Hinausreiten mindesten« den Hauptmann fragen müsse»:„Haben Sie ihn losgebunden?' usw. Nicht aber hätte er sich von v. Döring stundenlang begleiten lassen und Z.. der doch einen so kläglichen Emdruck auf ihn gemacht habe, vergessen dürfen.— Eine Ordnungsstrafe sei nicht möglich, es müsse eine schwerere sein. Eine Strafversetzung sei auch nicht möglich. Wer hoch stehe, müsse auch > gewärtig sein, tief zu fallen; der müsse es fich vergegenwärtigen, daß feine Stellung e« ihm unmöglich mache, sich in der festgestellten Weise disziplinarisch zu vergehen. Eine Versetzung in em gleiches Amt mit gleichem Range fei auch nicht denkbar. Man könne nicht im Auslande«inen strafversetzten Gouverneur haben. E» bleibe die Dienstentlassung al» die notwendige Strafe übrig. Da aber H.«in verhältnismäßig vorwurfsfreies Beamtenleben hinter sich habe und die gerügte Tätigkeit immerhin bezweckte, dem Staate da« entwendete Geld wieder zu verschaffen und seine Autorität den Eingeborenen gegen« Über zu wahren, so könne Milde walten soweit, daß ihm ein erheb- licher Teil setner Penston gelassen werde. ... Das Urteil ist wieder einmal ein ganz wunderbares. Der Gouverneur von Togo, Horn, ein I u r i st(I), begeht eine gefetz widrige Körperverletzung, indem er einen Eingeborenen, der soeben eine schwere AuSpeitschung erlitten, an einen Pfahl binden und ver- schmachten läßt. Der Gefesselte schreit den ganzen Tag über und zeigt sich am anderen Morgen infolge der barbarischen Prozedur völlig erschöpft. Er bleibt aber auch jetzt noch hülfloS am Pfahl hängen, bis ihn ein u n t e r b e a m t e r losbindet I Bald darauf gibt er seinen Geist auf! DaS Diziplinargericht nimmt an, bah Zedu von Horn Haupt- sächlich deshalb dieser Tortur unterworfen worden sei, um ihm durch die Marter ein Geständnis zu erpressen. DaS war v»r schriftswidrig, ein Akt brutaler Willkür I Aber gleichwohl rechnet das Disziplinargericht, daS einerseits diese Gesetzwidrigkeit konstatiert, dem Aiigeklagten diese Absicht, durch die Tortur den Zedu zur Herausgabe des Geldes zu veranlassen, als mildernden Umstand anl DaS verstehe, wer kann I Solche Kolonialjuristenlogtk tst gemeinen, Menschenverstand« unfaßlich! Aber mehr noch. Der Disziplinargerichtshof erblickt ein erfreu- licheS Moment der Tat darin, daß die Verhängung dieser Tortur alle Eingeborenen zu der Ueberzeugung habe bringen müssen, dem Zedu solle durch die barbarische Tortur ein Geständnis über den Verbleib der noch fehlenden 600 Mark abgerungen werden, d. h. der oberste Kolonialbramte nahm eine gesetzwibrigr Handlung vor! Auf der anderen Seit« aber wird dem Gouverneur Horn da« Gesetzwidrige der Barbarei deshalb als MlderungSgrund angerechnet, weil er die Autorität den Eingeborenen gegenüber wahren zu müssen geglaubt habe! Durch eine ungesetzliche Barbarei! Und dann das Strafmaß! Horn ist seines Amtes enthoben worden— aber er erhält zwei Drittel der Pension I Welch eine Strafe l Sine Amtsenthebung hat doch, z. B. bei Soldaten« schindern. nur dann einen Sinn, wenn die Degradierung gleich» zeltig eine wirtschaftliche Schädigung bedeutet. Horn aber kann nun in Frieden ein arbeitslose» Einkommen als Pension verzehren, das sicher an Höhe hinter dem Gehalt eines in Deutschland amtierrnbe» Richters nicht zurückstehen dürfte. Wir wiederholen: welch«ine Strafe l Erhebungen über die Arbeitszeit im Fleischergewerbe. Im Jahre IvvL wurden von der damaligen Reichstags- ikor.�mission für Arbeiterstatistik über die D«ter der im Fleischer- �cwerde Wichen täglichem.AxheWzes� MMithlich imb SöMkagsarbeit Erhebungen veranstaltet. Sie versandte Frage bogen hierüber an 6092 einzelne Arbeitgeber und»Rehmer. Der Beirat für Arbeiterstatistik kam dann in seiner Sitzung vom 10. November 1903 zu der Ueberzeugung, daß das so erhaltene Material keineswegs für eine erschöpfende Beurteilung der Ver Hältnisse und der zu treffenden Maßregeln ausreicht, da die ge gebenen Auskünste große Abweichungen enthielten, und beschloß daher, noch Auskünfte von Organisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer einzuholen, die nicht die Ansichten einzelner Per- sonen, sondern die auf Grund gemeinsamer Beratungen gebildeten Meinungen von Personenmehrheiten wiedergeben, seien es Vereins- Versammlungen oder zu diesem Zweck niedergesetzt« Ausschüsse. Diese von Vertretungen der Fleischermeister wie der Fleischer- gesellen eingeholten Erhebungen erstreckten sich wie die vorher- gegangenen persönlichen Erhebungen auf die derzeitige Arbeits- zeit und die Mißstände derselben, mit besonderer Berücksichtigung der Personen unter 16 Jahren, sowie der Erkrankungen und der Sterb» lichkeit im Fleischergewerbe. Ueber letztere wurden außer von 41 Jnnungs- und Arbeitnehmerkrankenkaffen auch von 24 OrtSlranken- lassen Auskunft nachgesucht. ES wurden von je etwa 100 Arbeit» geber- und Arbeiwehmerorganisationen Gutachten eingeholt. Die an die Ortskrankenkassen gerichteten Anfragen wurden sämtlich beantwortet. Von den Meffterverdänden antworteten SIL Proz., von den Ortsverwaltungen des Zentralverbandes der Fleischer S0 Proz., von den Innungen 82,9 Proz., von den Brüderschaften der Fleischergesellen 22,2 Proz. und von oen GesellenauSschüssen der Innungen nur 9,4 Proz. Wie vorauszusehen, zeigte daS Resultat dieser Befragung der Organisationen ebenso große Abweichungen, wie dt« Befragung einzelner Personen. ES stehen eben zwei Auffassungen auch über die zweifellosesten Dinge einander gegenüber: die der Arbeitgeber und die der Arbeitnehmer. Gleich bei der Beantwortung der Frage 2 deS Fragebogens, betreffend Mißstände unter der der- zeitigen Arbeitszeit, tritt diese Abweichung der Aeutzerungen scharf hervor. Während die Arbeitnehmerorganisationen hierbe» auf die häufigen Folgen von Erkältungen, wie Rheumatismus, Gicht und Reißen, dann auf die Folgen des andauernden Stehens bei der IS Stunden und länger währenden Arbeit, wie Krampfadern, Fuß- leiden und Rückenleiden, ferner auf die infolge des schnellen Ein- nehmen« der Mahlzeiten entstehenden Magenleiden, sowie auf die infolge der langen Arbeitszeit eintretende Uebermüdung hinwiesen, bestritten die Innungen jegliche GesundheitSschädigung infolge der Arbeitsdauer. Di« abwechselungsreiche und interessante Arbeit „schrumpft", behauptet der Bezirksverein zu Darmstadt, infolge der melen Pausen außerordentlich zusammen, dabei werde sie durch Maschinen sehr erleichtert, und der hygienisch einwandfreie Zustand der Arbeitsräume sowie die gute Ernährung und Verpflegung durch den Arbeitgeber bewirken einen besonders guten Zustand der Ar- beiter. Die Fleischerzwangsinnung zu Forst berichtet:„Nachteilige Folgen haben wir bis jetzt noch nicht, weder im allgemeinen noch im besonderen, wahrgenommen. Die Leute sind wohl und strotzend gesund." Die Vereinigte Fleischerinnung in Breslau schreibt:„Die Fleischerlchrlinge erfreuen sich einer vortrefflichen Gesundheit und fallen infolge ihrer kräftigen und gesunden Konstitution allgemein auf." Die Heidelberger Fleischerinnung berichtet:„Gefördertes Wachstum, strotzend rote Backen, kräftige Entwickelung der gesamten Muskulatur zeigen, daß in den meisten Fällen gute Kost bei viel Bewegung in frischer Luft ihre gute Wirkung auf den Gesamt» organiSmuS nicht verfehlen." Der Danziger Bczirlsverein erklärt tolz:„Noch nie hat we Arbeitszeit auf die Gesundheit unserer Gesellen und Lehrlings nachteilige Folgen gehabt." Aber wie kommt eS dann, daß von den 166 Danziger Fleifchergescllen 85, also reich- lich die Hälfte, im Jahre 1904 erkrankten und 648 Krankentage arbeitsunfähig waren? Auch die Sorge uni das sittliche Wohl der Gesellen und Lehrlinge muß?""• Erhaltung der 15 bis Ivstündigcn Arbeitszeit aufmarschieren. 5ie Darmstädter Metzgerinnung chreibt nämlich:„Die im Fleischergewerbe gegenwärtig übliche täg. liche Arbeitszeit hat unseres ErachtenS weder für Gesellen noch für Lehrlinge nachteilige Folgen für Gesundheit, Fortbildung und Familienleben. Im Gegenteil dürfte weitere freie Zeit, als sie den Gesellen und Lehrlingen jetzt schon im ganzen genommen zur Ver- fügung steht, insbesondere auf deren sittliche Entwickelung und in erzieherischer Hinsicht nur schädlich wirken." Von den befragten GesellenauSschüssen verneinen auch 24 daS Vorhandensein von Mißständen der derzeitigen Arbeitszeit, 2, die zu Stettin und Magdeburg, haben nur bisweilen nachteilige Folgen ?ei Lehrlingen bemerkt. Aber die GeseltenauSschüsse zu Hamburg, Gera, Hanau, Kiel, Lübeck und Zwickau erklären, arge GesundheitS- fchädiguugen infolge der langen Arbeitszeit beobachtet zu haben. Der Hamburger Ausschuß macht auf die große Abspannung der Arbeiter infolge der langen Arbeitszeit aufmerksam, auf die vielen dabei entstandenen Verletzungen und auf die rheumatischen Er« krankungen in den feuchten und kalten Arbeitsräumen. Auch der Lübecker Ausschuß schreibt, daß daS 16 Stunden und noch Sonntags 6 Stunden dauernde Arbeiten in nassen Kcllerränmen viel Rheuma- tismus bringe, sowie daß das lange Stehen Krampfaderbildung verursache. Ganz ähnliche Klagen führen die Ausschüsse in Gera und Zwickau. Da die Innungen das Vorhandensein von Mißständen bei der derzeitigen Arbeitszeit bestreiten, so wollen sie auch von einer gesetz- lichen Regelung der Arbeitszeit, und namentlich von einer Ein- chränkung derselben nichts wissen.„Wenn eine schädliche Wirkung wr jetzt üblichen Arbeitszeit nicht vorliegt, so fehlt unseve» Er- achtens auch der Grund, über ihre Dauer Vorschriften zu erlassen," schreibt die Metzgerinnuna in Darmstadt. In ganz demselben Tone berichten alle Arbeitgeberdereinigungen aus Süd-, Nord- und Mitteldeutschland. Die Arbeitnehmervereinigungen urteilen nicht ö einstimmig. Von den» befragten Gesrllenbrüderschaften bejahen -ur zwei, die Berliner und die Dessauer, die Frage nach schädlichen x-lgen der heutigen Arbeitszeit. Die Berliner Brüderschaft de- hauptet, daß jeder dritte Fleischer an Leistenbruch, Krampfadern, Plattfuß oder Reißen leide, und daß Fleischergrsellen selten älter als 45 Jahre würden. Die Dessauer Brüderschaft hat besonder» Nachteile bei der Entwickelung der jüngeren Fleischer festgestellt. Die Gutachten der zum Zentralverbande der Fleischer und ver- wandten Berufsgenossen Deutschlands gehörigen Vereine sprechen ich alle ausführlich über die derzeitige Arbeitszeit au» und sind ämtlich der Ansicht, daß sie GefundhettSschädigunge« der Fleischer wwirkt. Der Zentralverband in Frankfurt a. M. schreibt:„In den üngeren Jahren tritt eine solche Schädigung allerdings nicht so in die Erscheinung, später aber, wenn die Leute in die vierziger Jahre kommen, macht sich diese sehr häufig in verschiedenen Krankheiten wie Rheumatismus usw. bemerkbar. Durch die lange Arbeitszeit ind insbesondere Personen unter 16 Jahren in ihrer natürlichen körperliche« Entwickelung gehindert, was gerade in diesen Jahren. die den Uebergang zum Mannesalter bilden, vermieden werden muß, um gesunde, kräftige Männer zu erziehen. Spätere körper» liche Gebrechen sind insbesondere auf übermäßige Kraft. anstrengungen in diesen EntwickelungSjahren zurückzuführen. darunter auch Bruchleiden, Rückgratverkrümmungen usw.. vie durch da» Tragen schwerer Gegenstände, z. B. halbe Schweine, während der Lehrzeit verursacht sind. Di« lange Arbeitszeit bis 16 Stunden hat ferner bei diesen jungen Personen sehr oft Unfälle im Gefolge. weil sie bei der Arbeit schläfrig werden und dann nicht mehr mit der nötigen Vorficht mit dem meist gefährlichen Handwerkszeug und den Maschinen umgehen." Die Frage der Schädigung der Fortbildung und des Familien. lebens wird von sämtlichen«rbeitgeberorganisationen einstimmig kurz verneint. Von den Vereinigungen de» Zentralverbande« wird ie aber eingehend erörtert. Der Verband zu Frankfurt a. M. chreibt:»Die Lehrling« find vor Uebermüdung außerstande, d«« Unterricht in der yortbildungsschul« mit solcher Aufmerksamkeit z« folgen, baß sie auch einen Nutzen°u» dem Unterricht haben. Ganz ausgeschlossen ist eS unter diesen Umständen, daß sie sich aus eigenem Antriebe weiterbilden. Das kann man am besten in Ver. sammlungen beobachten, wo selbst bei den lehrreichsten und nütz. lichstxu Weiimes sehr feiel Zuhörer wegen lehr bald einschlafen." Ueber die Schädigung deS Familienlebens schreibt der Dresdener Verein:„Daß die lange Arbeitszeit auch nachteilige Folgen für das Familienleben hat, mutz jedem einleuchten. Obwohl nur wenige verheiratete Fleischergesellen in großen Schlächtereien und aus Schlachthöfen beschäsligt werden, so steht doch fest, daß bei solchen Leuten, die vom frühen Morgen bis zum späten Abend bei der Arbeit stehen, von einem wirklichen Familienleben schlechter- dings nicht die Rede sein kann. Wenn der Schlächtergeselle zur Arbeit geht, liegen die Kinder noch in tiefem Schlafe, und sie liegen schon wieder im Schlafe, wenn er von der Arbeit heimkommt. Sa bleibt schließlich der Sonntag der einzige Tag, wo er sich einige Stunden seiner Familie widmen Ijmn." Die Arbeitgebervereinigungen führen gegen die gesetzliche Regelung der Arbeitszeit alle die Gründe in» Feld, die seinerzeit die Bäckermeister gegen die gesetzliche Regelung der Arbeitszeit in den Bäckereien, und die Kaufleute gegen den Neunuhr-Ladenschluft vorbrachten: Die Ausbildung der� Lehrlinge würde leiden, ihre sittliche Reinheit liefe Gefahr, der Wirtshausbesuch der Gesellen würde zunehmen, die HauSgenossenfchcrft wurde gelost, die Wünsche d«S Publikums könnten oft nicht erfüllt werden, Waren würden miß- raten oder verderben, schnelle Bestellungen für Militär könnten nicht ausgeführt werden, es könnte nicht auf Vorrat gearbeitet werben, die Kundschaft ginge verloren, die Existenz würde gc« fährdet usw. Die Heidelberger Fleischerinnung erklärt rundweg: „Die Frage bezüglich der Arbeitszeit ist gar nicht diskutierbar'; und die Darmstädter Metzgerinnung tut die Frage mit einem Witze ab. Sie schreibt:„Das bekannte Wort„Man muß die Feste feiern wie sie fallen" gilt besonders für die Arbeit im Fleischer- gewerbe; wer das bestreitet, sei alles— nur kein Fleischer; mit solchen Elementen ist wedeo dem Handwerk, noch dem Vaterkande gedient." Seitens des Zentralverbandes wird allen diesen Bedenken und Befürchtungen gegenüber aus die Schlächtereien der Konsum- verein« in Hamburg, Plagwitz sowie die Genossenschaftsschlächterei in Rummelsburg hingewiesen, in denen die Arbeitszeit fest ge-, regelt ist, sowie daß in verschiedeneu Dresdener Betrieben eine Arbeitszeit von 12 Stunden eingeführt ist, über welche Betriebe keine Klage laut geworden ist, und wo Gesellen gern und jahrelang arbeiten. Als zweckmäßigste Regelung der Pausen schlägt der Zentral- verband den Zwölfstundentaa eurschließlich dreier Pausen, eine zu einer Stunde und zwei zu je einer Häven Stunde vor. Sehr ve« scheiden! Die zur Ergänzung der Erhebungen über die Arbeitszeit der Gehülfen und Lehrlinge vom Beirat für Arbeiterstatistik noch vor- gelegte Frage über die Erkrankungen und die Sterblichkeit im Fleischergcwerbe wird von den Innungen allgemein dahin beant- wortet, daß besondere Berufskrankheiten nicht bestehen. In diesem Sinne sprachen sich u. a. die Innungen zu Lübeck, Mamg, Metz, München, Münster, Stuttgart, Zwickau, Ulm, der Vorstand dcS Deutschen Fleischcrverbandes und die Bezirksvereine zu Königsberg, Hannover und Mannheim aus. Dagegen erklären die zum Zentral. verbände der Fleischer gehörigen Veretniaungen eine Anzahl Krank. heilen direkt alS Berufskrankheiten, so Rheumatismus. Brückl. Plattfüße, X-Beine, Krampfadern und Fingervertrümmungcn, ferner Lungenentzündung, Mayenkatarrh, �rostsck)äden. Blutver- giftungen, Infektionen, Brandwunden, Herzleiden und Bandwurni. AIS Berufskrankheiten bezeichnen sie auch die verschiedenen Ver- letzungen, denen die Fleischer besonder« leicht ausgesetzt sind, wie Schnitt«, Hieb- und Stichwunden, Ouetsc�mgen, Verstauchungen, Knochcnbruche, ZellgewebSentzündungen, ferner Halsentzündungen, Beingeschwüre, Furunkel und Gelenkrheumatismus. Bezüglich der Erkältungskrankheiten führt der Zcntraloerband zu Dresden sehr richtig auS. daß der Jleischergeselle bei seiner Arbeit immer gezwungen ist, mit Wasser zu arbeiten. Bn der nun leicht erklärlichen Hast, mit der gearbeitet wird, um nicht zu spät fertig zu werden, werden die Kleider durchnäßt. In diesen nassen Hosen und Strümpfen steht«r nun im Winter den ganzen Tag im kalten Schlachthause, im Sommer dagegen muß er so naß und durchschwitzt im eisigen Kühlraum manchmal ein vi» zwei Stunden aubeiten. Da nun aber dem Fleischergesellen bei der jetzigen laugen Arbeitszeit ohne nennenswerte Pausen kein« Gelegenheit gegeben ist, sich umzuziehen, wird cS einleuchten, daß solche Zustände»n° bedingt Krankheiten hervorrufen müssen. Auch die» ist wieder ein Beweis, wie dringend notwendig eine Regelung der Arbeitszeit für die Fletscher ist. Aber nötig sind auch schärfere Bestimmungen Über den Zustand der Arbeitsräume und ihre Reinlichkeit, sowie über die Schlafräume der Fleisckergesellen und Lehrlnige. Sagt doch der neueste Jahresbericht der Gewerbeaufsichtsbeamte, i für 1006. Seite 117, über die Arbeitsräume in Berliner Schlächtereien: „Von 465 Schlächtereibetricben mutzten in 2L3 Verbesserungen angeordnet werden; LI Betriebe waren so unzulänglich, daß ibre Verlegung in geeigneter« Räume durchgesetzt wurde. Es hcmdeltc sich dabei stets um tiefliegende, mangelhaft erleuchtete und cnt. lüftete Kellerräum-, die hygienischen Anforderungci» m kemer Wei,« genügten." Aehnliche Klagen erhebt der Ausstchstsbeamte für den Bezirk Potsdam in seinem Berichte. In den Großstädten liegen aber die Arbeitsstätten der Fleischer durchgängig m dunklen, schlecht gelüfteten und unsauberen Äellerräumen, in denen viel Ungeziefer. aber wenig Waschgelegenheit vorhanden ist. Dasselbe gilt von den engen Schlafkammern der Gesellen, die gewöhnlich über Pferde- ställen, Aborten, Küchen oder Räucherkammern liegen, und in denen sich meist weder Schränke, noch Tische und Stühle, aber viel SchSoah und Ungeziefer findet. Doch darauf haben sich die Erhebungen "�DeVvom' statistischen ReichSamt ausgeführten Bearbeitung der vom statistischen Beirat beschlossenen Erhebungen über die Arbeits. zeit im Flcischergewerbe ist ein Gutachten des Reichsgesundhe,ts- amte« über dieselben beigefügt. Dieses Gutachten führt aus, daß zwar die Fleischergescllcn und Lehrling« bei ihren Arbeltgebern nn allgemeinen eine gute Kost bekommen,„.... »daß aber ihre Arbeit zum Teil sehr schwer ui� anstrengend ist, daß ihre Arbeitszeit eine„zweifellos ungewöhnlich lange ist. denn sie beginnt in der Großstadt im Sommer für 4�4 Proz. MS»nJS'rÄ Arbeitszeit" wahrend der Arbeit bei den Arbeitern eine große Ermüdung � bic Ermübung im Einzelfalle auck' bei Fleischern die Entstehung von Unfällen begünstigt". daß b� einein erheblichen Teil der Fleischergesellen bereits bis ,um 30 und 40. Lebensjahre eine derartige Verminderung der Arbeitsfähigkeit eingetreten ist daß sie dadurch gezwungen werden, verhältnismäßig frühzeitig au» ihrem Beruße auszu- oft noch verschiedene ungünstiae Umstände, kommen lwie luft- und lichtloie Arbeits, und Schlafräume), die eben- falls für die Gesundheit nachteilig sind", und „daß sich nach alledem mit der Möglichkeit einer gesundheitlichen " Gefährdung, namentlich der älteren Gesellen, rechnen läßt. Trotz alledem kommt da» ReichögesundheitSamt, ganz em. brechend der Bülowi'chen Sozialpolitik, zu dem Ergebnis,„daß feine Anhaltspunkte vorliegen, welche die Annahme rechtsertigen. als ob dieim Flcischergewerbe dermalen«bliche Arbeitszeit unter normalen Verhältnissen s?) geeignet sei. die Wundheit der� in diesem Berufe beschäftigten Arbeiter im allgemeinen zu schÄigen. Freilich kann daß Reichsgesundheitsamt in fernem Gutachten au» daraus hinweisen, daß von 48 Arbeitnehmervere.mgunaw 31 da» Bestehen von Mißständen der gegen�rtigen Arb«tt�e,t seU>st verneinen. In dt« Schädel dieser G«s«llenau»schuIe und Brüder. schaften der Fleischergesellen gilt eS d�r. setzt gründlich htncinzu. leuchten, damit sie endlich einsehen, wie sie riSher ihre eigensten Interessen verlannt haben. Stneralvttsamtulllng des Aergardeiter-Ierballdes. Dortmund, den d. Mai. Der Verband der Bergarbeiter Deutschlands hält seine Generalversammlung vom S. bis S. Mai im Tierpark zu Dortmund ab. Ursprunglich sollte die Generalversammlung in Bochum statt- finden, wo der Verbandsvorstand seinen Sitz hat. Doch wurde ihm dort die Konzession zur Erbauung eines Gcwerkschastshauses mit Schankbetrieb verweigert, und da ihm alle übrigen größeren Säle verschlossen sind, mußte er die Generalversammlung nach Dortmund verlegen. Der Bergarbeiterverband darf wegen der wichtigen Stellung der Bergarbeiter im Produktionsprozeß, die besonders in dem großen Ausstand vom Januar IVOS zutage trat, als auch wegen seiner engen Beziehungen zu den christlichen und nationalen Organi. sationen eine desondere Bedeutung sich beilegen. Der Jahresbericht, den der Borstand dieser 17. Generaloersammlung unterbreitet, ist ein volkswirtschaftlich und sozialpolitisch gleich interessantes Werk. Er gibt zunächst einen Ikberblick über die Entwickelung der deutschen In- dustrie und des deutschen Bergbaues, insbesondere der Arbeiter- Verhältnisse im Bergbau in den abgelaufenen zwei Geschäftsjahren, die eine außerordentlich gute Konjunktur umfaßten. Nach seinen Angaben ist die Roheisenproduktion in den letzten beiden Jahren um über 20 Proz. gestiegen. Die Kohlenförderung, die im Jahre 1000 noch nicht ISO Millionen Tonnen erreicht hatte, war 190S auf über 193 Millionen Tonnen gewachsen. Die Durchschnittsdividende stieg von 1004 biS 1906 von 8,01 auf 10,53 Proz. Als einzigen Faktor, der einer noch rascheren EntWickelung der ProduktionSkräftc entgegenstand, hebt der Bericht einen Mangel an Eisenbahnwagen hervor. Er schließt sich im Arbeiterinteresse an die von den Werks- besitzern erhoben« Forderung nach Vergrößerung des Wagenparkes für die Güterbeförderung auf den preußischen StaatSbahnpn voll- kommen an. Die Lohnsteigerung der Arbeiter in der abgelaufenen Geschäftsperiode wird nach der Arbeitsmarktkorrespondenz und amtlichen Quellen auf 184 Mark berechnet. Zum Beweise für seine Behmiptung, daß diese Lohnverbesserung nicht einmal die enorme Steigerung der Lebensmittelpreise ausgleicht, bezieht sich der Be» richt auf die»Norddeutsche Allgemeine Zeitung", die am 20. Ok- tober 1006 über die Lohnforderungen der Bergarbeiter schrieb: »Zwar ist es richtig, daß der Geldlohn der Bergarbeiter ge- stiegen ist. Diese Lohnerhöhung hat aber nicht gleichen Schritt gehalten mit der Verteuerung der Lebenshaltung und der Er- böhung des Wertes der Produktion." Als Grund für die geringe Steigerung der Arbeiterlöhne sieht der Verband die Organ:- sationsverhältnisse i n der Bergbauindustr:« an. Die Unternehmerorganisationen seien vollkommen einheitlich und schließlich alle im Zentralverband deutscher Industrieller zusammen. geschlossen. DaS Rheinisch-Westfälische Kohlensyndikat, daS Kali» syndikat und der Stahlwerisverband übten einen ungeheuren Ein- fluß nicht nur auf die Regelung der Produktion, sondern auch auf die Regierung und die Arbeitsverhältnisse aus. Gingen doch viele hohe Beamte m den Dienst dieser Verbände über, während anderer- seitS der Bergmeister Engel, Geschäftsführer der Ruhrzechen, in da« Handelsministerium berufen worden sei. Daß die mächtigen Unter. nehmerorganisationen trotz ihre» steten LeugnenS auch in die Ar- beitsverhältnisse eingriffen und die Arbeiterforderungen bekämpften, gehe aus dem vom Abg. Korfanty im Reichstage vorgelesenen ge- Heimen Briefwechsel de» Oberschlesischen Berg- und Hütten- männischen Vereins hervor. Das Unternehmertum in der Montan- induftri« sei so gemeinschädlich geworden, daß selbst die preußische Regierung sicb jetzt veranlaßt gesehen habe, im Abgeordnetenhause emen Entwurf zur Einschränkung der Bergbaufreihcit einzubringen, der die noch freien Kohlen- und Kalifelder dem Staat« als Monopol zuweise. Diese Gesetzesvorlage, über die gerade am Tage de» Zu- sammentritts der Generalversammlung im preußischen Ab- geordnetenhause die Entscheidung fällt, habe der Handelsminister selbst als auf„sozialistisch-kommunistifchen Grundgedanken" be- ruhend bezeichnet. Ten Unternehmern gegenüber sei die Arbeiterschaft, deren Zahl auf 661 810 gestiegen sei, kaum zu 80 Proz. organisiert. Von den rund 220 000 organisierten Bergarbeitern seien nur etwa» über die Hälfte im Bergarbeiterverband, die übrigen in vier anderen Organi- sationen vereinigt. Daher die unbefriedigende Lage der Berg- arbeiterschaft, die geringen Löhne, die große Zahl verfahrener Schichten und der mangelnde Bergarbciterschutz, von dem die jüngsten Katastrophen auf den Zechen.Borussia",.Louisengrube",»Frisch- glück".»Reeden.»Kleinrosseln" und.Mathildenschacht" Zeugnis ablegten. Sei doch die Zahl der Unfälle in den letzten 20 Jahren von 6v auf 126 pro 1000 Arbeiter gestiegen, darunter die Zahl der schweren Unfälle von 6,6 auf 15,6. 00 Proz. dieser Verunglückunaen seien Einzelfälle durch Stein- und Kohlenfall zumeist, die öffentlich kaum beachtet würden, nicht Massenunglücke. Auch die Zahl der Krankheiten der Bergarbeiter sei ungeheuer gestiegen. Die Fragen der Bergarbeiterschutzgesetzgebung behandeln denn auch auf der Generalversammlung zwei Referate de» Reichstagsabgeordneten Hue und des Arbeitersekretärs Aufderstraße. Der Verband selbst ist in den Jahren 1004 bi» 1006 von 8072 auf 110247 Mitglieder angewachsen, hauptsächlich durch die Zu- nähme im Ruhrrevier. Sein Vermögen ist in diesen beiden Ge- schäftsjahren von 734 001 M. auf 1252 645 M. gestiegen, also fast um eine halbe Million. Deck Vorstand zieht daraus den Schluß, daß daß Zusammengehen mit dem christlichen, dem Hirsch-Duncker» schen und dem polnischen Gewerkverein in der Sicbenerkommifsion dem Verbände nicht» geschadet hat. Die Zusammenarbeit sei in allen praktisch wirtschaftlichen Fragen sehr gut möglich gewesen, nur bei politischen Angelegenheiten, wei bei der Nachwahl in Essen oder bei der letzten ReichStogSwahl sei es zu Differenzen gekommen. Gleichwohl verwirft der Verband mit Entschiedenheit die Anregung de» früheren Redakteurs der»Bergarbeiterzeitung" Lcimpeter» in der„Neuen Zeit", in Zukunft alle nicht im Bergarbeiterverband Organisierten al» Arbeiterfeinde zu behandeln. Er hält vielmehr für die richtige Taktik einen möglichst engen Zusammenschluß aller Bergarbeiter; ja sogar eine Verschmelzung der verschiedenen Ver- bände im Interesse der Mitglieder und der Organisationen. Die religiöse Frage könne bei genügender Duldsamkeit gerade der Un- gläubigen kein Hindernis bilden, und wa» die nationale Gesinnung angehe, so hätten ja auf dem vorjährigen internationalen Berg- arbeiterkongreß in London die christlichen Delegierten einer Sympathieresolution für die russischen Revolutionäre al» gute Internationale zugestimmt. Die Arbeiterschaft müsse sich durch Einigkeit in den eigenen Reihen für die kommenden Zeiten der Krise rüsten.»Zwar seien die Bergwerke und Hütten noch vollauf beschäftigt, die Produktionsziffern stiegen noch, aber schon flögen die Sturmvögel." Die Frage des Verhältnisses zu den anders organisierten Ar. heitern dürfte beim Bericht des Vorstandes, den der Reichstags. abgeordnete Sachse erstattet, ebenso Wie bei dem der Presse lebhaft diskutiert werden. Die Redaktion der»Bergarbeiterzeitung" ist in der abgelaufenen Geschäftsperiode aus den Händen Hue» und Leim- peter» in die Wißmann» und PokornhS übergegangen. Zum Vreß- bericht liegen mehrere Anträge vor, Polemiken mit den anderen Bergarbeitcrverbändcn möglichst zu vermeiden, lieber die inter- nationale Arbeiterbewegung wird der ehemalige Kaiserdeputiert« Ludwig Schröder berichtem Sehr eingehende Behandlung werden auf der Generalversammlung auch die Ursachen der jüngsten Grubenkatastrophen und die streitdrohenden Bergarbeiterbcwcgungen de» Ruhrrevier» im letzten Winter und jetzt des Saarrcvier» er- fahren. � Tortmund, de» 6. Mai. Im großen Saale de» Tierpark wurde am gestrigen Sonntag die 17. Generalversammlung de» Deutschen Bergarbeitervcrbandcs von Sachse mit Worten der Begrünung eröffnet. Er wie» auf einige Aeußerungen oer Berliner Presse hin.�aß dieser Verband». tag den Streik der Bergleute«n Permanenz erklären werde. Gewiß hätten in den letzten Wochen zahlreiche kleine Arbeitseinstellungen der Pserdetreiber usw. stattgefunden, aber von einem allgemeinen Streik- könne keine Rede sein. Redner verweist auf die Beilegung de» Streik» auf Zeche»Maximilian bei Hamm. Zum ersten Mal UÜs» fich dort Die Bergunteraehmer dazu berstenden, vor dem Derggewerbegericht als EinigungSamt zu erscheinen und in der Tat sei auch die Einigung mit einem schönen Erfolg zustande gekommen. Wären vor zwei Jahren die Unternehmer ebenso einsichtig gewesen, so hätte der große Streik gewiß nicht eine so gewaltige Ausdehnung gewonnen. Für alle Fälle aber müsse sich jetzt der Verband ein neues Streikreglement schaffen. Im Auftrage der Bergarbeiter Oesterreichs begrüßte H a ck l- Wien die Eeneralverfanimlung. Bergarbeiterstreik und Bergarbeiterschutz seien internationale Fragen geworden. Der Fortschritt des großen deutschen BruderS habe auch die österreichische Organisation gekräftigt und werde ihr hoffentlich auch in Zukunft helfen.(Bravo!) Dann trat die Generalversammlung in die Tagesordnung. Die heutigen Verhandlungen begannen mit der Erstattung deS Vorstandsberichts. Der Vorsitzende Sachse bespricht zu- nächst die Entwickelung- deS Verbandes. Der Zuwachs von 25 000 Mitgliedern in den letzten beiden Jahren sei nicht befriedigend angesichts der riesigen Entwickelung des MetallarbeiterverbandeS und des MaurerverbandeS. Andererseits aber habe der Verband noch immer mehr zugenommen, als die gegnerischen Organisationen. Es sei eine maßlose Lüge, wenn die Führer des christlichen Berg. arbeiterverbandes gesagt hätten, die Bergarbeiter treten in so großer Zahl aus dem alten Verband in den christlichen Verband über, daß die Bureaus des Verbandshauses gar keinen Platz mehr hätten, um die Mitgliedsbücher aufzubewahren.(Große Heiterkeit.) Ein rascherer Fortschritt ließe sich nur durch die Verschmelzung der verschiedenen Bergarbeiterorganisationen herbeiführen. Einstweilen sei ein enges Zusammenhalten insbesondere mit dem christlichen Bergarbeiterverband geboten, wolle man nicht auf den Kampf gegen die Uebermacht der Werkbesitzer überhaupt verzichten. Die Mit- glieder der Verbände seien fchon einig, nur die Hintermänner der christlichen Organisationen, die hohen Geistlichen und die einfluß- reichen Zentrumspolitiker, verhinderten noch den Zusammenschluß. Redner besprach dann die durchgefochtenen Streiks der Berg- arbeiter in den letzten zwei Jahren. Die Streiks seien so zahl» reich gewesen, wie nie zuvor. Besonders erfolgreich seien die Lohn- bcwegungen im Neuroder Bezirk und im Zeitz-Weißenfelser Revier f ewesen. Redner teilt mit, daß in Zeitz-Weißenfels wegen der Mai- eier und der damit zusammenhängenden Maßregelungen ein neuer Ausstand ausgebrochen sei, nachdem der frühere Ausstand 0 Wochen gedauert habe. Sachse verteidigt den Vorstand gegen den Vorwurf, daß er eS bei der Lohnbewegung im Ruhrrevier im Herbst v. I. nicht zum Streik habe kommen lassen. Der Streik wäre sicherlich ins Wasser gefallen und noch schlechter ausgegangen, wie der Streik im Januar 1005. So habe man wenigstens eine kleine Aufbesserung erzielt. Zum Schluß bespricht Redner die vielen polizeilichen und gerichtlichen Verfolgungen des Verbandes und äußert d,« Hoffnung, daß ihre Geschichte eine gute Waffe bei den ReichStagSverhandlungen über da» neue Reichsvereinsgesetz abgeben werde.— Das Referat fand in allen Teilen die fast einstimmige Zustimmung der Generalversammlung.— ES gelangte sodann zu» nächst der Antrag zur Verhandlung, die Ausständigen im Zeitz- Weißenfelser Bezirk zu unterstützen, obwohl nach dem Verbands- statut jedes einzelne Mitglied für die Folgen der Maifeier selbst verantwortlich sei.— Die Delegierten be» Bezirks befürworteten lebhaft den Antrag.— Die Generalversammlung setzt eine Kom- Mission zur Prüfung der Frage ein, die nach längerer Beratung beschließt, daS Mitglied der Siebenerkommission HanSmann nach Zeitz zu schicken, um an Ort und Stelle die Sachlage zu prüfen. Auf Grund seines Bericht» toll dann die Generalversammlung über die Unterstützung de» Streiks entscheiden.— Von den zum Vor- standibericht vorliegenden Anträgen werden diejenigen, die sich auf die Unterstützung der infolge der Maifeier Gemaßregelten durch den Verband beziehen, nicht genügend unterstützt, ebenso diejenigen, welche sich auf die Beteiligung des alten Verbandes an den Arbeiter. auSfchußwahlen beziehen. Auch die Anträge, daß der verband sich von der Siebenerkommission zurückziehen und die christlichen Gewerkschaften nicht mehr als gleichberechtigt anerkennen solle, finden nicht die nötige Unterstützung.— ES wird dann in die Debatte über den Geschäftsbericht eingetreten. Die Debatte zum Borstandsbericht beschäftigte sich hauptsächlich mit der Maifeierfrage und der Stellung zu den anderen Verbänden. Die Haltung de» Vorstande» wurde nahezu einstimmig gutgeheißen. Die Maifeier soll weiterhin, wenn möglich, durch ArbeitSruhe be- gangen werden, aber der Verband sich nicht für die Unterstützung Gcmaßregelter engagieren, da dadurch seine ganze Existenz ge- fährdet werden könnte.— In der T a k t t k w a h l wird der Artikel deS Redakteurs LeimpeterS scharf angegriffen. LeimpeterS, jetzt Redakteur des„Bochumer VolksblattcS", ist als Gast anwesend. Er erhält zu setner Verteidigung da» Wort und erhebt schwere Be schuldigungen gegen die christlichen Gewerkvereine, die vurch Plan mäßige Denunziation aller frei organisierten Arbeiter an die Polizei und Unternehmer eS ihm unmöglich gemacht hätten, für den Verband zu wirken. Entscheidend für seinen Artikel gegen die christliche Organisation sei deren Verfahren bei der ReichStagSwahl gewesen. Vor der Stichwahl in Saarbrücken-Ottweiler seien die Sozialdemokraten bereit gewesen, für da» Zentrum zu stimmen. Da sei der christliche Gewerkschaftsführer HüSkef und andere christ- liche GewerkvereinSführer zu ihm gekommen und hätten ihn gebeten, das nicht zu tun, da sie nicht wünschten, daß daS Zentrum siegte. Ein Sieg der nationalliberolen Scharfmacher Wolff und o. Schubert fei ihnen lieber,«eil sonst ihr Verband in de» Augen der Behörden und der Werkbessoer geschädigt werden könnte. Al» er sah, daß die christlichen Gewerkveretne sich nicht einmal scheuten, ihre eigenen Mitglieder zu betrügen, habe er sich entschlossen, die Arbeiter öffent- lich aufzufordern, sie künftig nur noch zu verachten. Der Verband solle in Zukunft an seinem sozialreltgiosen und politischen Stand- Punkt noch energischer festholten und dadurch möglichst viel Arbeiter an sich ziehen, im übrigen aber ohne Rücksichtnahme auf die anderen Organisationen vorgehen.— Darauf wurde die Debatte geschlossen und mehrere Anträge auf Einrichtung von BtldungSkursen, wissen- fchaftlichen Vorträgen, Vergrößerung der VorstandSbibllothek dem Vorstande zur Berücksichtigung überwiesen.— Den Rest der Sitzung füllte die Erstattung de» Kassenberichts aus, der sehr inter- essant ist, weil er auch die Abrechnung über die Sammlungen im großen Bergarbeiterstreik 1005 enthält. Auch hier werden scharfe Angriffe gegen den christlichen Verband erhoben, weil er angeblich den alten Bergarbeiterverband um 7000 M. übervorteilt habe.— E« wird beschlossen, bei künftigen gemeinschaftlichen Kämpfen jeden» falls keine gemeinsame Kasse zu führen.— Weiter werden lebhafte Vorwürfe gegen die bürgerlichen Blätter erhoben, die bei Bekanntwerden der Verbandsabrechnung die Ausgaben für Agitation al» übermäßig hoch bezeichnet und behauptet hatten, die Atzitatoren hätten die ganzen Arbeitergrofchen verpulvert.— ES wird eine Resolution angenommen. ,n der die Generalveo samnilung gegen die gemeine Anpöbelung deS Bergarbeiterver> bände» durch arbeiterfeindliche Blätter entschieden protestiert. Die Delegierten wüßten ganz genau, daß die eingekommenen Gelder nur zum Nutzen der Mitglieder und zur Stärkung der Organisation verwendet worden seien. Die Resolution ruft diesen arbeiterfetnd- lichen Blättern ein Pfui I entgegen. Es müsse dafür gesorgt werden. daß in Zukunft solche Blatter nicht mehr in die Arbeiterwohnungcn hineinkommen. Hierauf wird unter lebhaftem Beifall dem Kassen- führ« und dem Vorstand einstimmig die Entlastung erteilt. Morgen werden die Verhandlungen fortgesetzt. 4 Militarismus und Sozialdemokratie. 1. Die Erörterung über die Stellung der Sozialdemokratie 5 um Militarismus im Anschluß an die Milttardebatte im ieichstaa und die Erklärung Bebels hat weitere Kreise ge- logen. Eine Anzahl Parteiblätter hat sich zur Sache geäußert. Die„Leipziger Volkszeitung" beginnt die an- gekündigte Artikelserie„Patriotismus und Sozial- demokratte". aus die wir noch zurückkommen werden. Die„Fränkische Tagespost" schrieb am Freitag: „In weiten Parteikreisen ist da» Gefühl entstanden, al» ob man neuerdings im Parlament von unserer Seite, in dem Be- mühen die selbstverständliche Wahrheit zu betonen, daß die Arbeiter, die Sozialdemokraten, sich an echter Vaterlandsliebe von niemand übertreffen lassen, unseren unversöhnlichen Gegensatz gegen den Militarismus. unseren Willen, mit dem Proletariat aller Länder brüderlich vereint für die Befreiung des Proletariats zu kämpfen, nicht mit der wünschenswerten Schärfe betont habe. Besonders peinlich berührt eS, daß im Reichstag aus den Reihen unserer Fraktion gegen den Genossen Karl Liebknecht eine Miß- billigung gerade in dem Augenblick ausgesprochen wurde, indem gegen ihn ein Hochverratsprozeß eingeleitet worden ist. Das war sonst nicht üblich. Man braucht mit den Anschauungen Liebknechts durchaus nicht einverstanden zu sein, aber gerade jetzt war keinerlei Anlaß, ihn in so brüsker Weise abzuschütteln. Wir unterschreiben in dieser Hinsicht alles, was beispielsweise von der „Dortmunder Arbeiterzeitung" gesagt worden ist." In ihrer Lonnabendnummer bringt unser Nürnberger Partei- blatt einen Lettartikel„H e r v ö und Bebel", in dem gesagt wird, daß die deutsche Partei, genau wie die Mehrzahl der fran- zösischen Parteigenossen die anttmilitaristische Propaganda HervöL namentlich insoweit nicht unterstützen kann, als er für einen Militärstreik im Falle des Ausbruchs eines Krieges wirkt. Dagegen könne keine Rede davon sein, daß man bei uns An- Hänger Hervöschcr Ideen für unwürdig erklärt, in der deutschen Sozialdemokratie zu ivirken. In Deutschland sei weit stärkerer Anlaß zur antimilitaristischen Aufklärung als in Frank- reich. Sachlich hätten die bewußten Parlamentsreden und Erklärungen deutscher Sozialisten nichts besagt, was nicht schon immer unsere Gesamtauffassung gewesen sei. ES sei aber eine Frage polittschen Taktes, gerade im gegenwärtigen Augenblicke den Eindruck zu vermeiden, als ob auch die deutschen Parteigenossen von jener falschen und gefähr- lichen Nationalheuchelei angesteckt worden seien, die bei den letzten Wahlen nach der Ansicht ihrer Macher den Schein eines „nattonal" besessenen Volkes hervorrufen sollten...." Die„Tagespost" bringt sodann die Antwort, die Hervo auf Bebels Erklärung im„Matin" dort veröffentlichte. Herds wünscht, daß Bebel vor seiner Erklärung sein. HervsS, Buch„Ihr Vaterland" gelesen hätte, besonders das Kapitel. in dem er sich für die Miliz ausgesprochen habe. Hervs führt weiter aus, daß er den Nachweis erbracht habe, es sei bei Ausbruch eines Krieges den Beteiligten unmöglich. zu geeigneter Zeit zu erfahren, wer der wirkliche Angreifer ist. Bebels unklare Friedensschwärmerei würde nicht nur bei den antipatriottschen Sozialisten Frankreichs, sondern bei allen französischen Sozialisten ein Lachen erzeugen und ihnen be- weisen, daß dem nächsten sozialistischen Kongreß in Stuttgart die Frage der Haltung der Sozialisten im Kriegefalle vorzulegen sei. Der Schluß ist ein scharfer Aus- fall auf Bebel, dem„Gründe des Alters, deS nationalen Temperaments oder der Wahlmache" unterschoben werden für seine Haltung, und die etwas kühne Ankündigung,„die Anti- Patrioten Europas" würden ihre schon begonnene Agitatton „bis in die deutschen Kasernen treiben".-- Die„Tagespost" zitiert auch eine Erwiderung deS großbürgerlich- kapitalistischen Pariser„Tempö" auf diese Hervssche Erklärung. worin die Erklärung Bebels dahin verdreht wird, daß erden Sozialisten im Kriegsfall überhaupt kein Recht auf Prüfung, ob Angriffs», oder Verteidigungskrieg, zugestehe. Denn Bebel betone die Aufgabe,„das eigene Land gegen einen Einfall des Feindes zu verteidigen". Die Gefahr sei aber in Kriegszciten, sei man Angreifer oder Opfer des An- griffs, dieselbe und das eigene Land- werde unbedingt besetzt werden, wenn man eS nicht mit genügender Kraft verteidige. Die„Fränk. Tagespost" meint zum Schluß, die von ihr wiedergegebenen Dokumente, die durch sich selbst wirkten. würden uns in dem Eifer bestärken, die Bekundung unserer internattonalen Gesinnung so klar und unzweideutig wie möglich zu äußern", als Bürger eineS Staatswesens, in dem nicht das Parlament, ja nicht einmal die verantwortliche Re> gierung Entscheidungen zu treffen hat. Heute stehen die Dinge so. daß die Vorkämpfer der deutschen Reaktton und des bürgerlichen Kapitalismus ganz recht erkannt haben. daß in der internattonalen Gesinnung der Sozial- demokratte die Wurzel ihrer revoluttonären Kraft liegt.... Der Internationalismus des Proletariats ist die schärfste und sinnfälligste Erscheinungsform deS Klassenkampfes. Jede Ab- schwächung der Idee, daß die Proletariate aller Länder un- mittelbar und unverbrüchlich zusammengehören, schwächt das Bewußtsein für den unüberbrückbaren Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit." DaS„Bochumer Volksblatt" schrieb unter der Spitzmarke„Ein bedenkliches Lob", nachdem es voraus- geschickt, daß das Lob der Gegner nicht allemal Beweis dafür sei, die Partei befinde sich auf falschem Wege, daß eS aber von vornherein bedenklich sei, wenn die Partei sich daS Lob des„Berliner Tageblatts" zugezogen habe: „Und jetzt muß die Partei schmatzendes Lob vom„verlincr Tageblatt' gleich scheffelweise einstecken. Die etwas kriegcr- dereinlich angehauchte Rede de» Genossen NoSke im Reichstage hatte schon das„Berliner Tageblatt" zu einem großen Lobes- artikel begeistert, in dem Noske sicher nicht mit ungemischtem Vergnügen gelesen haben wird, eine wie bedeutsame Persönlichkeit er in den Augen der Leute vom Schlage de«„Berliner Tagebl." plötzlich geworden ist. In seinen Betrachtungen über den 1. Mai überschüttet das Blatt die Pattet abermals mit seinem Lobe. Es heißt da; Herr Bebel hat auf dem Parteitage in Dresden den Ver- such gemacht, zu setzen, wie weit er ohne die bürgerliche Gesell- schaft kommt. Die Folge war. baß die Sozialdemorratie drei Dutzend Mandate verlor. Jetzt zeigt die Sozialdemokratie schon eine starke Neigung, sich mit den bürgerlichen Parteion in Reih und Glied zu stellen, wo eS einen Angriffskrieg abzuwehren gilt. Sie wird wenigstens in internationalen Fragen realpolitisch, weil sie sich ganz richtig sagt, daß wir nur vorwärts kommen können, so lange wir stark find und einen feindlichen Eingriff siegreich abwehren können. Wir sind zwar sehr für.Realpolitik" und hassen nicht» so sehr wie die inhaltlose Phrase und die Politik der großen Worte: aber eine Realpolitik, die den Beifall de»„Berliner Tageblatts" findet, weisen wir weit von unS." WttteeuuasiiverNm« vom 6. Mai 1007,«»»gen« 0 Uftt. eUHenui | a ü 2 c 1 Iii = a ü i SritR Sivtnemde 762 D {«rnfiittfl 17690910 verlin(760 SO tankl.u.l'l 758®D tünchen 17590 Eten(762 SSO Wetter. Prognose für Warm und zeitweise heiter, lichen Winden, etwas Reg« und 2 heiter 4 wolkig g heiter t bedeckt 0 heiler 1 wolle»! «sc »s. » U I* M k SlttlMn h öZ Haparanda 75892 Petersburg. 76t W Sctlly ilberdeen Pari« 749 OSO 7600 755$ ö 2 wolkig Lbedem iReaen 2 wolkig 2 bedeckt «ck °j» II 6 4 9 s 14 TteuStag. de« 7. 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Bo in den Drogerien u. Apotheken nicht erhältl., Bufdg. hier frei Haus. Wan berlange aus. Medico" und nehme keinesfalls andere Füllungen. drücklich Marke 99. Warnung! Es ist in letter Beit häufig zu meiner Kenntnis gelangt, daß statt des echten Kapitän Kautabaks meist ganz minderwertige Fabrikate verabfolgt worden find, obwohl ausdrücklich Kapitän. Labak gefordert wurde. Ich mache infolgedessen darauf aufmerksam, daß der Name Kapitän“ für meine Tabake vom Patentamt unter Nr. 75 658 gesetzlich ge: schütt ist und es daher strafbar ist, andere Marken unter obigen Namen abzusehen; die Verbraucher meiner Kapitän- Tabake bitte ich, mir Fälle solcher Art zur Kenntnis zu bringen, damit ich gerichtlich dagegen einschreiten kann. Merkmale der Echtheit! Dänischer Kapitän- Tabak Die 10 Pf. Rollen find stets in Etiquetten verpackt m. d. Aufschrift: gesetzlich geschütt dieselbe Aufschrift tragen die in allen 5 Pf.- Rollen und 5 und 10 Pf.- Schleifen inliegenden Bettel des Kapitän- Rautabats. 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( Nachdruck verboten.) 68 146 245 47 308 76 435 617 782 1477 544 65 743 8 2113 824 88 498 708 28 32 635 09 3051 217 856 567 896 802 4020 182 287 828 77 89 880 5048 49[ 3000] 77 69 257 70 504 913 67 6128[ 500] 87 447 711 887 900 7221 387 488 678[ 3000] 712[ 600] 69 997 8222 878 97 622 9047 141 403 648 788 881 904 10094 193 219 544 650 828 48[ 1000] 65[ 500] 988 11069 282 466 73 712 26 12067 74 104 515 725 13057 201 37 363 99 858 83 14291 602[ 1000] 796 919[ 500] 42 [ 1000] 69 15009 136 296 491[ 1000] 684[ 500] 738 825 959 65 16003 226[ 1000] 85 310 400 545 47[ 600] 78 833 85 952 17155 551 689 80 931 42 96 18078 88 327 662 808 81 19271 464 94 975[ 1000] 20019 597 662 68 85 21049 207 505 8 605[ 1000] 741 04 22006 148 74 478 569 163 77 989 23015 108 876 527 607 842 99 958 24031 783 84[ 600] 65 918 25087 128 38 244 330 495 783 55 910[ 1000] 31 26085 841 87 424 555 70 698 747[ 1000] 886 018 48 27186[ 8000] 852 526 683 [ 300] 700 13 28112 457 676 124[ 500] 876 29100 66 276 650 83 158 65 912 80230 498 570 611 818 31050 118 337 800 64[ 800] 419 43 735 829[ 500] 50 32002 818 57 427 514 50 90 33149( 1000] 48 965 399 441 759 34000[ 1000] 207 729 884 35090 145 327 460 96 698 648 803 665 941 36818 885 37063 82 147 214 861 86 501 768 917 37 47 38003 78 81 200 92[ 1000] 450 580 80 714 39067 115 59 899 790 947[ 8000] 40172 248 66 885[ 1000] 37[ 500] 679 758 65[ 500] 870 41107 41 405 540[ 1000] 913 42107[ 8000] 244[ 600] 573 653 63 43074 191 804 58 61 406 595 638 788 946 44027 66[ 30001 98 189 57 288 420 598 45044[ 500] 1ts 242 534 858 964 46191 252 801 40 44 476 815[ 500) 948 47002[ 800] 64 85 145 339 756 48016 327 452 517 68 680 15001 701 49138 47 360 489 023 36 50049 170[ 600] 276 84 467 551 618 806 915[ 3000] 51253 852 415 43 52451 585 604 24 34 53137 506 634 [ 506] 73 821 93 929 41 94 54018 851 429 500 89 786 618 42 964 55198 857 16 401 56012 165 508[ 500] 646 69 787 998 57307 44 231 75 459 822[ 8000] 98 083 720 21 37 904 64 53187 68 256 433[ 1000] 88 65 94 649 767 82 98[ 500] 819 59017 175 280 580 8 698[ 1000] 136 71 67 60153[ 1000] 61018 445 68[ 1000] 625 803[ 500] 48 850 76[ 1000] 62106 308 70 788 859 63887 516 58 61 78 710[ 3000] 930 64098 244 367 418 23 590 662 870 89 65040[ 3000] się 20 681 816 66145 847[ 1000] 672 67059 100 229 416 064 103 985 68237 486 503 87 840 69315 20 75 668 615 869 70064 89 215 66 496 588 71119 284 325 31 50 37 745 72us( 500] 209[ 500] 65 T1 846 510 50 882 78340 45 413 576 693 780[ 600] 869 97 980 48 76 74018 50 145 84 59 813 85 418 71 551 6019 889 75176[ 500] 204 7 69 313 [ 1000] 61 525 623 83 713 844 73 76214 40 800 11[ 500] 28 447 700 68 76 826 77819 1500] 78 672 808 78586 409 511 29 805 66 970[ 500] 80 79101 357 557 84 850 946[ 500] 84 80184 211 328 60[ 8000] 679 822 81285 361[ 8000] 423 541 628 990 82044 174 201 517 52 694 718 40 67 965 97 83124 428 655 735 889 902 94 84278 871[ 1000] 428 598 601 985 85056 180 440 668 805 86089 817 28 44 951 [ 3000] 96 8714 331 444 684[ 500] 780 882 88345 465 550 698[ 1000] 893 89192 856 76 529 78 640 782 42[ 500] 800 90099 488 730 826 64 919 77 91104 96 217 02 862 515 778 92000 159 81 634 798 971 93080 119 814 883 94029 70 15001 280 95 348 468 560[ 1000] 661 760[ 3000] 73 824[ 600] 959 95016 115 79 876 498 581 800 122 96004 148 94 99 227 61 81 854[ 8000] 472 579 756 885 96 97006 28 61 67 85 243 96 441 878 96 98141 61 426 504[ 1080] 64 719[ 1000] 99297 369 95 482 518 639 981 100374 722 101823 88[ 600] 628 737 50[ 1000] 102070 284 886 621 817 905 27 103012 80 74 371 524 545[ 1000] 719 972 104269 561 693 806 105376[ 500] 420 29 67 68[ 500] 593 622 85 97 832 34 986 106074 810[ 500] 412 511 89 625[ 3000] 51 107003 142 69 234 525 89 736 986 108064 130 59[ 3000] 316 479 758 109084 249 866 79 435 780 809 29 44 110795 886 111169 282 516[ 500] 739 91 845 938 112028 229 80 703 810 113094 849[ 1000] 486 501 88 B07 22 24 934 114192 314 451 601 14 995[ 8000] 115003 12 45 255 480 708 809 58 116041 105 18 75 258 88[ 8000] 868 485 785 42 117202 820 84 766 118083 168 84 888 90 604 720 865 988 119029[ 1000] 109 73 200 45 369 470 720.849 120210 470 562 65 2779 991 08 121398[ 3000] 177 92 806 15 87 122059 73 183 98 94 407 22 90 892 903 123021[ 500] 63 173 204 443 74 75[ 500] 124080 113 91[ 500] 296 320 56[ 500] 579 73 76 125083 218 19 393 404 611 93 126143 850 127007 120 238[ 500] 689 128190 588 90 625[ 500] 854 129081 205 18 460 77 681 58 821 916 90 130070 119 42 826 79 606 47 762 913 131008 21 237 76 447 512 59 68 616 732 809 88 980 132251 58 770 873 943[ 500] 65[ 1000] 91 133035 86 304 12 531 55[ 500] 98 640[ 500] 818 912[ 500] 134095[ 500] 402 39[ 3000] 677 [ 3000] 723 862 79 135231[ 1400] 77[ 500] 23 323[ 000J 54 478 729 855 64 95 904 84 136025 255 813 488 706 881 944 3464L* Brauerei Ernst Engelhardt Nachf. Berlin- Pankow. Größte Malzbier- Brauerei in Deutschland. Caramel- Malzbier Alkoholarmes, diätetisches Spezialbräu. Aerztlich empfohlen für Nervöse, Bleichsüchtige, nährende Mütter etc. Als Tafelgetränk sehr bevorzugt. Preis pro zirka 4/10 Flasche 10 Pfennig. Ueberall käuflich. 3466L* 26865* Geschäftsübernahme Frau H. Menzi, approb. Aerztin. Die bisher Rich. Augustin haben Oranienftr. 103 Spezial. für Haut- und Geschlechtsbon Lokalitäten habe ich übernommen. Ich bitte die geehrten Gewerkschaften, Vereine und werten Gäste, das dem Genossen Augustin gewährte Vertrauen auch auf mich übertragen zu wollen. Vereinsräume, 40, 80 und 150 Personen fassend, mit vorzüglicher Akustik, für Gesangvereine besonders geeignet! Mittagstisch 60 Pf. mit Bier. Bu recht regem Besuch ladet freundlichst ein Tel. Amt IV. 5652. früher 48222 Julius Meyer, Urbant. 181. Klostergarten- Plötzensee. Meinen Freunden und Bekannten zur geft. Nachricht, daß ich das Etablissement loftergarten" übernommen habe und bitte um ferneres Wohlwollen. Für Sommerfefte empfehle den Bereinen meinen großen 3000 Personen faffenden Garten sowie großen Saal. 8wei berbedte Regelbahnen. früher Moabiter Sochachtungsvoll C. H. Peters, Gesellschaftshaus. 137050 236 39 86 354 457 138245[ 8000] 347 475 597[ 500 788 880 81 55 139148 459 98 681 66 631 785 968 140076 120 265[ 500] 73 765 810 928 141096 678 79 846 78 91 142234 61 801[ 800] 58 590 658 789 920 8 148016[ 1000] 4B 445 501 62 857 946 70 144160 64 72 84 857 145058[ 500] 888 747 96 874 88 146012 308 448 789 147045 79 616 750 801 148123 39 93 487 679 749[ 500] 813 140049 225 848 499 678 774 800 95[ 1000] 150217[ 1000] 428 595 725 151479 91 578 602 38 [ 3000] 152068 199 883[ 1000] 417[ 3000] 777[ 500] 906 19 82 45 158080 188 278 303 475 595 654 723 24 154033 129 821 402 22 55 65 682 155129 688 40 952 156002 182 260[ 1000] 537 630 885 930 1000 157182 208 325 401 81 545 77 158045 84 810 25 442 847[ 500] 159175 202 TTO 160022 58 117 70 487[ 500] 605 785 54 896 929 [ 1000] 43 63 161171 353 447 805 19 61 952 56 69 162128 401 65 87 88 544 54[ 8000] 708 810 19 163883 88 691 825 932 164286 670 796 165201 395 98 506 633 51 988 166152 534 655 797 910 21 167122 206 61 818 91 465 788 878 958 168168 228 800 169018 189 90 241 67 446 714 901 170025 70 189 25 313 473 98 540 800 171216 2 97 440 541[ 3000] 46 740 837 994 172093 155 809[ 500] 68 458[ 600] 571 607 27 46 173064 237 301 61 688 881 [ 1000] 969[ 500] 174113 339 48 444 548 827 74 960[ 500] 175032 85 76 185 86 472 631[ 8000] 83 809 176048 158 333 72 482 507 625 737 974 86 177482 515 63 742 963 178105 894 561 73 91 698 883 926 179029 878 563 et 734 809[ 1000] 72[ 800] 910 180028 110 20 86 881 708 14[ 1000] 83 908[ 1000] 181006 130 587 845 978 182147 21 984 183057 118 804 85[ 1000] 500 938 184306 63 424 510 55 79 87 698 825 86 981 185308 518 82 608 801[ 1000] 21 846[ 1000] 186041 54 867 76[ 500] 609 48000] 728 46 918 187005[ 1000] 150[ 1000] 288 419 582 608 854 188811 53 833 58 450 08 669 905 189168 811 406 317 627 879 190 m 281[ 5001 601[ 30001 51 744 988 88 201010 87 55 77$ 18 88 031 880 984 192202 828 518 Dool 664 985 193288 353 754 813[ 2000] 00 008 194004 108 52 253 324 65 97 706 62 62 830 8 195129 266 544 74 764 847 64 977 196055 120 401 591 954 67 197385 969 198102 20 221 S13 780 888 987 189184 246 600 574 883 94 200028 192 298 571 60 87 858 201157 478 93 836 914 83 202179 526 667 208309 18 586 204401 687[ 500] 708 890 933 2051 69 822 88 61 89 79 88 483 644[ 1000] 854 64 66 83 93 206154 367 83 581 98 691 716 891 207045 114 391 490 714 927 95 208126 454 530 980 209161 88 400 528[ 8000] 49 675 960 210304 9 433 98 99 709 18 871[ 8000] 21129 794 212007 406 82 751 99 213778 910 21400047 965 817 64 [ 3000] 911 27 2155 45 208 818 630 879 841 74[ 500] 216060 88 208 75 881 420 57 561 1500] 814 217159 570 871 847 74 818081 891 648[ 1000] 831 219119 58 304 53 54 786 220218 84 401 538 888[ 3000] 221420 28 ase[ 800] 222201 68 18000] 89 843 861 223088[ 10001 471 673 699 744 46 09 224047 284 325 814 65 944 225077( 8000[ 8 97 99[ 3000] 102 10 261 428 87 578 688 L3000] 46 805 988 [ 1000] 226148 79 93[ 3000] 282 89 896 509 789[ 1000] 663 63 920 227005 99 718 981 228060 809 85 859 229001 442[ 8000] 542 741 230023( 5000] 59 510 637 939[ 600] 231038 199 200 405 73 576[ 500] 728 232814 85 596 16 944 48 64 88 233160 97 344[ 3000] 68 520 72 659 870 73 888 234098 145 820[ 800] 423 796 807 81 934 235195 401 634 829 964 236040 33 248 65 408 518 638 70 856 287024 218 806 [ 2000] 502 808 307 27[ 600] 238076[ 600] 11 458 568 716 289485 597 618 28 91 240088 513 694 99 749 900 88 241050[ 2000] 118 57 427 41 604 35 762[ 3000] 839 918 242125 62 546 768 73 858 80 243208 386 488 728 74 938 244097 564 87 630 705 828 86 905 245100 70[ 300] 465 684 701 861 905 246061 280 390 481 631 709 84 65 847 247023 112 260[ 1000] 74 807 892 248118 965 1000] 249164 438 519[ 500] 718 847 971 94 250029 64 98[ 500] 283[ 1800] 410 643 83 51 968 76 251204 644 99 804 933 252269 80 467 658[ 500] 788 830 49 99 258034 259 00] 370 254053 108 68 913 389 454 65 667 888[ 1000] 255087 184 878 815 855 975[ 300] 256010 37 53[ 500] 101 22 811 758 858[ 2000] 87 257007 158 442 588 642 59 82 762 861 258340 58 627 755 930 44 [ 500] 68 259067 571 607 81 818 27 138 96 26008 218 785 261185 294 338 262895 691 734 [ 1000] 878 843 263005 187 458[ 1000] 518 669[ 1800] 862 [ 1006] 961[ 1800] 264356[ 1000] 768 888 91 26517 272 841 631 37 862 260286 475 96 514 649[ 500] 267067 198 287 454 509 789[ 3000] 69 912 87 268028[ 500] 44 95 813 18 51 54 79 541 269044 87 254[ 1000] 76 317 42 490 [ 3000] 514 647_970 270065[ 3000] 103 68 547[ 600] 647 825 946 54 271052 198[ 500] 610 272023 62 201 233 35[ 3000] 382 444 50[ 1000] 514 857 904 278105 97 235 548 770 830 BT 274125 284( 500] 408[ 1000] 931 275118[ 300] 83[ 500] 793 890 276953 315 54 483 583 610 758 910[ 8000] 43 277020 417 29 670 758 801 946 58 278305 279028 89 88 93 142 299 388 572[ 500] 602[ 1000] 707 83 901 54 280035 444[ 300] 751 885 50 73 281680 526 844 954 282252 347 858 28830s 41 826 921 284028 220 37 370 [ 1000] 530 681 908 46 28.5385 546 868 286126 73 80 386 462 72 81 508 12[ S000] 691 864 287777 krankheiten, Kosmetik. Leipzigerstraße 115/116. Sprechft. 11-3, außer Sonntag. MUSIK- WERKE aller Art gegen Monatsratenv.2MR.an Jilustr. Katalog No. 666 gratis u.frei. Bial& Freund, Breslaul 1. Ziehung 5. Kl. 216. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 6. Mai 1907, nachmittags. Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr.) ( Nachdruck verboten.) 201 659 809[ 500] 1008 90 163[ 1000] 454 780 861 2001 11 80 545 781 932 3261 442 020 88 755 95 4089[ 500] 116 03 448 820 5033 403 49 725 66[ 500] 819 53[ 500] 961 6049 172 296 341 86 452 7282[ 3000] 848 58 457 587 8241 92 9007 79 187 208 95 596 613 927 88 10027 95 212[ 3000] 568[ 500] 775 855 945 11043 852 601 630 952[ 500] 12103 54 857[ 600] 631 727 68 896 13003 [ 30 000] 402[ 3000] 574 664 744 912 14592 871 15016 846 78[ 3000] 454 663 743 48 868 16292 536 626 715[ 1000] 804 89 8000] 17081 888 96[ 600] 424 688 889 18093 503 683 [ 500] 806 55 903 19003 165 644 52 895 958[ 3000] 20217 87 821 501 61 677 712 57 814 79 21069[ 500] 118 239 02 386 480 88 522 644 88 973 22037[ 1000] 203 65 402 786 991[ 600] 23474 561 811 24494 605 74 99[ 1000] 25010 253 81 816 98 67 26043 284 484 744 66 899 27007[ 1000] 219 476 785 805 948 85 28882 29271 355 547 956[ 1000] 30016 200 815[ 1000] 49 724 980 31008 39 230 86 507 6610 27 732 822 34 32082 229 820 77 677 754[ 1000] 33269[ 1000] 88[ 500] 860 429 515 94 763 809 59 34017 [ 8000] 324 46 982 35087 103 415 899 931 36011[ 3000] 99 226[ 500] 475 547 637[ 3000] 718 881 37025 128 280 878 449 86 516 835 95 956 72 38129 244 559 64 89 910[ 500] 16 39198 815 448 85 804 16 904 40158 296 481 624 764 69 6807 988[ 1000] 41002 12 [ 3000] 94[ 1000] 95 109 438 04 584 90 98 681 788 893 945 42267 545 626 38 80[ 5000] 43487 669[ 3000] 867 901 44379 408 85 745 801 905 45429 725 31 46015 40 56 212 48[ 8000] 355 62[ 500] 533 681 726 29 825 47441[ 1000] 528 58[ 8000] 608 419 48051 66 93 122 881 44 419[ 3000] 20 90 1000] 565 60[ 800] 611 18 789 800 96 947 49003 146 15 000 777 028 34 65 50268 70 472 603 25 30 65 941 51178[ 500] 205 318 450 858 52045 68[ 500] 216 452 774 897 924 53020 81 98 154[ 1000] 95 649 722[ 1000] 915 92 54070 115[ 500] 52 11000] 207 302 9 498[ 500] 681 86[ 8000] 794 815[ 1000] 51 55379 407 40 590 800 9 965[ 500] 56022 880 524 82 601 769[ 3000] 609 88 931 38[ 1000] 57205 306 676 740 54 [ 500] 58401 59117 76 207 300 913 99 60015 504 26 684 611 911 61199 469 567 95[ 3000] 009 740 841 918 72 62453 686 833 39 949 63066 97 199 [ 1000] 379 440 509 782 820 930 64086 67 271 88[ 500] 471 651 695 964 75 65180 234 657 68 889 940 66040 57 99 448 510 649 700 67308 38 460[ 500] 537 980 68111 224 73 468 687 64 69184 80 200[ 3000] 72 546 783 86 820[ 10000] 31 66 985 70170 473 578[ 500] 671 810 54 924 86[ 1000] 87 71181 55 75 82 83 484 1000] 818[ 8000] 966 72176 599 778 898 73096[ 600] 186 206 821 564 74046 280 605 957 [ 8000] 75201 829 58 484 97 668 736 830 76138 841 73 77118 42 659[ 300] 94 677 710 41 49 954[ 500] 56 78026 57 120 79 319 445 686 86 747 638 915 86 79004 292 414 851 98 932 80275 441 658 856[ 1000] 984[ 8000] 81 82 81120 96 827 420 656 75 842[ 1000] 947[ 1000] 82081 254 59 301 [ 5000] 485 610[ 500] 675 948 83118 70 248 64 427 517 38 86 608 31 701[ 3000 948 84351 404 38 57 94 580 652 842 945 52[ 1000] 82 85011 244 336 42 59 454 554 664 711 40 74 917 86064 334 82 788 900 87122 622 908 88171 246 405 612 45 58 797 832 85 972 94 89214 82 322 82 583 [ 1000] 97 618 831 56 85 937 97 90224 79 95 498 622 91818 539 811[ 500] 92151 965 474 759 805 954[ 800] 85 93041 201 426$ 8 519 687 89 710 809 919 94007 54 544 627 802 95125 365 455 75 500 77 805 69 866 95 96215 37 47[ 1000] 586 877 97255[ 1000] 584[ 3000] 50 751 948 98008 125 575 94 697 738[ 500] 09083 60 86 221 96 453[ 1000] 504 696 779 100148 80 222 84 491 529 874 915[ 500] 101077 632 990 99 102085 198 415 96[ 1000] 551 664 73 727 999 103026 144 6Y 78 99 839 478[ 1000] 569 694 755 849 68 917 104330 93 464 557 698 871 105053 240 385 498 636 106077 218 46 423[ 500] 635 757 58 818[ 500] 909 94 107074[ 1000] 158 224 45 58 820 108118 570 638 812 109098 138 254[ 1000] 562 636 974 110049[ 3000] 220 77 884 551 61 703 908 111249 389 719[ 600] 112143 304 484 643 767 864 [ 3000] 486 552 113105 242 301 14 76 517 618 114440 89 647 61 115247 548 836 918 116120 362 492 627 787 961 86 117227 72 383 648 726 118029 524 656 780 888[ 500] 925 75 119295 898 442 68 528 67 120057 79 90 670 874[ 500] 978 121082 458[ 500] 80 023 122066 187 96 812 64 661 708[ 1000] 10 29 856 997 124111 298 384 561 701 83 993[ 500] 125170 413 91 126031 94 431 599[ 500] 641 884 127056 79 134 [ 3000] 260[ 1000] 309 413 578 708 78 98 929 128121 64 300 42 583 774[ 500] 848 74 919 29 64 129052 75[ 3000] 111 99 810 658 996 130075 408 568 655 75 715 909 93 131088[ 506] 108 16[ 1000] 508 76 668[ 500] 878 988[ 800] 132078 238 310 31 481 682 77 96 785 133511 64 85 834 78 134006 27 62 232[ 500] 49 52 372 135190 287[ 500] 99 842 425 513 668 739 86 943[ 500] 58 136005[ 8000] 40 137 48 542 60 81 686 95 777 856 961 137146 828 44 494 519 138162 221 [ 8000] 308 458 542 848[ 1000] 81 989 139036 104 45 578 682 Ersatz! 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727 859 965 231016 22 53 61 84 105 407 670 791 946 232512 48 651 79 892 925[ 1000] 31 233031 39 70 94 108 34[ 500] 395 726 822 925 234095 370 491 525 235845 485 575 697 730 33 54[ 500] 803[ 3000] 236161 266 560 847 237036[ 500] 95[ 3000] 118 246 442 716 88[ 500] 841 238099 117 290 351 406 94 583 665 846 91 239277 [ 3000] 569 97 910 240084 98[ 1000] 172 421 60 524 712 953 241206 9 443 729 78 79[ 3000] 941 242174 215 749 75 88 814[ 1000] 24 35 900 8[ 5000] 243055 169 90 312 77 95 405 36[ 3000] 65 543 648 758[ 3000] 892[ 1000] 244009 117 358 400[ 2000] 5 12 656 711 24[ 500] 42 49 843 990 245470 93 675 98 926 246021[ 3000] 41 80 125 251 425 502 786 946 247081 144 239[ 1000] 300 65 77 809 958 248081 123 28 86 273 379 487 522 782 86 973 249064 76 128 265 85 86[ 500] 310 667 902 17 250018 124[ 500] 278 732 251040 73 151 208 90 [ 1000] 367 520 053 929 252010 217 507 602 777 9: 6 253139 40 258 75 582 694 756 947 254448[ 3000] 877 951 255007 133 71 226 367 470 532 764[ 1000] 69 78 830 910 256109 231 73 591 818 923 54 257017 277 644 787 966 92 258001 15 439 69 98 638 709 46[ 500] 64 861 963 259089 596 782 96 260112 74[ 3000] 457 568 646[ 1000] 708 841 974 261332 89 433 70 81 647 760 74 820 E1000] 262268 383 480[ 500] 546 675[ 500] 263245 60 72 747 938 264593 99 606[ 3000] 770 808 30 265029 280 512 44 628 880 921 266604 24 902 12 267177 238 95[ 3000] 98 910 268049 524 31[ 500] 609 707 93 863 995 269117 38 387 472 583 95 703 860 75 923 270017 76 170[ 500] 446 525 96 799 271124 93 478 87 679 700 272196 255 393 806 68 273008 137 209[ 1000] 73 351 84 421 50 687 274274 333 574 804 907 275079 202 83 974 276044 118 343 45[ 500] 430 536[ 3000] 39 75 761 277075 326 51 93[ 500] 420 50 558 72 909 90 278598 620 847 58 279148 317 889[ 1000] 280274 690 727 938 90 281365 70 651 722 33 957 282063 211 857 283009 145 249[ 3000] 67 357 422 547 [ 500] 761[ 500] 835 923 41 284067 70 118 330 45 619 41 66 861 84 285071 188 301 90[ 3000] 478 508 66 73 94 97 670 700 878 286188 398 509 40 788 874 89 287186 226 396 455 648 731 95 826[ 500] 48 Berantwortlicher Debatteur: Hans Weber, Berlin. Für den Bnferatenteil verantw.: Th. Glade, Berlin. Drud u. Berlag: Vorwärt Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 105. 24. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Dienstag, 7. Mai 1907. Am Mittwoch findet für Berlin und Vororte der Zahlabend statt. Die Vertrauensämter der Berliner fozialdemokratischen Partei. Zentralvorftand. Bezirk Waidmannslust. Den Genossen des Bezirks zur Nachricht, nicht erwartet und die meisten Gartenlokale waren bereits um daß zu dem am Mittwoch stattfindenden Zahlabend die Billetts von 3 Uhr nachmittags überfüllt; nicht einmal Kaffee tar mehr zu der Maifeier abgerechnet werden müssen; gleichzeitig wird darauf haben. Zur Baumblüte nach Werder wurden von Berlin aus etwa aufmertam gemacht, daß die Billetts zum Frühkonzert zum zweiten 65 000 Personen befördert. Außerordentlich stark war auch der Pfingstfeiertag zur Ausgabe gelangen und bei den Abteilungsführern Verkehr auf den Linien der Großen Berliner Straßenbahn, beren und Komiteemitgliedern zu haben sind. Der Vorstand. vier Gesellschaften zirka 1 350 000 Baffagiere am Sonntag auf Wilhelmsruh. Achtung! Die regelmäßige Mitgliederversammlung Betrieb gezogen hatten. Auf der Rückfahrt nach der Reichshauptstadt zuweisen und am Spätnachmittage sämtliche Reservewagen in den Engen Ernst, SW. 68, Lindenstr. 69, erster Vorsitzender. findet diesmal nicht heute Dienstag, sondern morgen Mittwoch, den spielten sich auf den Vorortbahnhöfen wieder turbulente Szenen ab, Baul Hoffmann, Oppelnerstr. 47, zweiter Borsigender. 8. d. M., abends 8 Uhr, bei Barth statt. Tagesordnung: Bericht und erst gegen 11 Uhr abends fonnte man darauf rechnen, ein Leopold Liepmann, Lindenstr. 69, erster Schriftführer. von der Generalversammlung Groß- Berlins, Bericht der KonsumKarl Wollermann, Schöneberg, Martin Lutherstraße 50, zweiter vereinskommission, Vereinsangelegenheiten, Verschiedenes. Bahlreicher Plätzchen in den Koupees zu finden. Schriftführer. A. Aktionsausschuß: Emil Boeste, Rigdorf, Kopfstr. 28, erster Staffierer. Georg Freiwaldt, Pankow, Mühlenstr. 78, atveiter Raffterer. Hugo Woldersky, Brücken- Allee 3. Frit Schwemte, Grimmstr. 26. Auguft Bohl, Naunynstr. 30. Wilhelm Mann, Petersburgerplatz 4. Karl Mars, Lhchenerftr. 123. Otto Wels, Greifswalderstr. 45. Leo Zucht, Keibelstr. 42. Richard Henschel, Wollinerstr. 51. Alle Briefe und Mitteilungen find an Leopold Liepmann( Berliner Verbandsbureau), SW. 68, Lindenstr. 69, alle Wert und Geldsendungen an Emil Boeste ( Berliner Verbandsbureau), SW. 68, Lindenstr. 69, zu richten. Telephon Amt IV 5023. B. Prekommission: Robert Dieseler, Brunnenstr. 145. Julius Meyer, Dranienstr. 103. Heinrich Königs, Hasenheide 56. Otto Kräter, Oranienstr. 143. Otto Büchner, Richthofenstr. 30. Baul Lusche, Forsterstr. 45. Baul Laaser, Lausitzerstr. 25. Otto Wels, Greifswalderstr. 45. Adam Bittorf, Fehrbellinerstr. 25. Paul Rosenow, Lychenerstr. 104. Franz Janke, Seeftr. 68e. Frih Zietsch, Charlottenburg, Röntgenstr.& Otto Hoffmann, Nowawes, Turnftr. 28. Gustav Heinrichs, Rigdorf, Erkstr. 7. Wilhelm Kubig, Bantow, Floraftr. 9. Wilhelm Schmus, Weißensee, König- Chauffee 88. Alle Mitteilungen und eventuelle Beschwerden ben betreffend find an den Dbmann der Preßkommiffion Otto Wels, NO. 55, Greifswalderstr. 45 IV au richten. Vorwärts" C. Agitationskommission für die Provinz Brandenburg: Albin Schufter, Straßmannstr. 2. Frik Zinke, Reichenbergerstr. 128. Richard Hackelbusch, Laufizerplaz 14/15. Karl Gehrmann, Naunynstr. 22. Paul Dobrohlaw, Eberswalderstr. 1. Leo Zucht, Keibelstr. 42. Karl Schulz, Dunderstr. 10. Hermann Fischer, Schöneberg, Gothenstr. 36. Reinh. Küter, Schöneberg, Martin Lutherstr. 51. Max Jakobson, Ober- Schöneweide, Nathenaustr. 28. Buschriften find an den Dbmann der Agitations- Kommission Leo Zucht, NO. 43, Reibelftr. 42 zu richten. D. Lokalkommiffion für Berlin und Umgegend: Jakob Ege, Neue Roßstr. 12. Heinrich Schröder, Hagelbergerfir. 27. Karl König, Jahnstr. 24. Karl Rott, Straßmannstr. 29. Albert Hahnisch, Auguststr. 51. Richard Henschel, Wollinerstr. 51. Karl Rohr, Rirdorf, Selchowerstr. 22. Robert Riet, Rummelsburg, Kantstr. 22. Alle Mitteilungen, Buschriften und Beschwerden in Lokal- Angelegenheiten für Berlin und Umgegend find nur an den Obmann der Lokal- Kommission zu richten. Richard Henschel, N. 28, Wollinerstraße 51 II Revisoren: Gustav Schmidt, Bülowstr. 52. Otto Klamm, Reichenbergerstr. 115. Wilhelm Freythaler, Gartenplatz 1. Mag Grunwald, Friedenau, Niebstr. 20. Gustav Peuckert, Weißensee, König- Chauffee 61b. Dbmann der Revisoren ist Wilhelm Freythaler, N. 31, Gartenplak 1. Vorsitzende und Raffierer der einzelnen Kreis Wahlvereine: 1. Kreis: Hugo Woldersky, Brücken- Allee 3, Vorsitzender. Karl Bittner, Feilnerstr. 11, Kassierer. 2. . 8. 4. 5. 6. • Frik Schwemte, Grimmstr. 26, Vorsitzender. Gustav Schmidt, Bülowstr. 52, Kassierer. Auguft Pohl, Naunynstr. 30, Borsitzender. w Albert Harndt, Friedrichsgracht 22, Raffierer. Baul Hoffmann, Oppelnerstr. 47, Borsitzender. Hermann Barenthin, Tilsiterstr. 81 I, Staffierer. Willy Friedländer, Elsasserstr. 25, Vorsitzender. • Karl Kirste, Keibelstr. 9, Hof IV, Raffierer. Wilhelm Freythaler, Gartenplatz 1, Vorsitzender. Karl Fahrow, Ravenéstr. 6, Kaffierer. Teltow Beeskowo: Baul Hirsch, Charlottenburg, Spielhagenstr. 12, Teltow- Beeskow: Paul Hirsch, Charlottenburg, Spielhagenftr. 12, Vorsitzender. Wilhelm Eberhardt, Charlottenburg, Rofinenftr. 8, Nieder- Barnim: Georg Freiwaldt, Pankow, Mühlenstr. 73, Vors. D. Seifel, O. 112, Kronprinzenstr. 50, Staffierer. Staffierer. Partei- Angelegenheiten. Achtung, vierter Wahlkreis! Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß am Himmelsfahrtstage eine Fußpartie nach Rüdersdorfer Kaltberge über Strausberg stattfindet. Abfahrt morgens 7 Uhr 15 Minuten vom Schlesischen Bahnhof. Treffpunkt für Nachzügler im Restaurant Drefe, Müberstorfer Saltberge, mittags 1 Uhr. Der Vorstand. Besuch der Mitglieder ist Pflicht. Wahlverein Eichwalde. Heute Dienstag, den 7. Mai, abends 8 Uhr pünktlich, bei Witte in Eichwalde: Mitgliederbersammlung. Wichtiger Tagesordnung wegen ist vollzähliges Erscheinen dringend notwendig. Der Vorstand. Nordend. Auf den Mittwoch, den 8. b. M., abends 8 Uhr, bei Krieg stattfindenden Zahlabend wird besonders aufmerksam gemacht. Wildau- Hoher- Lehme. Den Parteigenossen zur Kenntnis, daß er ahlabend für die obengenannten Örte morgen Mittwoch, den 8. Mai, stattfindet. Der Vorstand. Die Bevölkerung von Berlin hat im Monat März d. J. um 2088 123. Die Zahl der Lebendgeborenen ist gegenüber dem Monat 11 040 Personen abgenommen und belief sich anfangs April auf März v. J.( 4297) auf 4464 gestiegen, darunter 809 uneheliche. Die Geburtenziffer stellte sich auf 25,10( 24,63) pro Tausend. She schließungen fanden 2102( 2084) statt, darunter 331 Mischehen. Die Bahl der Sterbefälle belief sich auf 2759( 2787). An Infektionsfrankheiten starben 628( 679). Als zugezogen waren 20461 und als fortgezogen 33 206 Personen zu verzeichnen. verordnung über das Haltetinderwesen wird, wie der Oberpräsident Haltekinder auf ortspolizeiliche Erlaubnis. Die neue Boliaet der Provinz Brandenburg soeben bekannt gibt, für den Umfang der Um zahlreiches Erscheinen ersucht Provinz( mit Ausnahme der Stadtkreise Charlottenburg, Schöne I Nowawes. Am Mittwoch, den 8. Mai, abends 81, Uhr, findet berg, Rigdorf und Deutsch- Wilmersdorf) mit dem 1. Juli 3. im Lotale des Herrn Ernst Schmidt( Deutsche Festsäle"), Wilhelm- in Straft treten. Danach bedarf jeder, der fremde, noch nicht sechs Wilhelm- Jahre alte Kinder in Kost und Pflege halten will, der ortspolizeistraße 3, die Versammlung des Wahlvereins statt. Auf der Tages lichen Erlaubnis, die nur auf Widerruf für eine bestimmte Anzahl ordnung steht unter anderem ein Vortrag des Genossen Karl Gruhl von Kindern und nur berheirateten, verwitweten oder ledigen über: Kommunale Fragen und die neue Gemeinde". Abrechnung Frauen erteilt wird, die nach ihren persönlichen Verhältnissen und vom 1. Quartal und Bericht von der Generalversammlung Groß- Eigenschaften, auch in gesundheitlicher Beziehung zur Kinderpflege Berlins. Verschiedenes. Gäste, auch Frauen, haben Zutritt. Um geeignet erscheinen. zahlreichen Besuch ersucht Der Vorstand. Berliner Nachrichten. Zweierlei Maß. Beim Wohnungswechsel muß die Erlaubnis aufs neue nachgesucht werden. Im Falle ungeeigneter Behandlung der Kinder oder bei einer ihnen nachteiligen Veränderung der persönlichen oder häuslichen Verhältnisse der Haltefrau ist die Erlaubnis zurüdaunehmen. Bei den polizeilichen An- und Abmeldungen der Halte. finder ist u. a. genau anzugeben: das Nationale der Eltern, des In unserem Staatswesen sollen nach der Verfassung alle Vormundes, von wem das Kind in Pflege gegeben, an men es Preußen vor dem Gesez gleich sein. So steht es auf dem zurückzugeben ist usw. Dem Arzt, den Beauftragten der Aufsichtsbehörde usw. steht die Befugnis zu, von den Wohnungs- und PflegePapier, aber auch nur auf dem Papier, in der Praxis macht verhältnissen jedes Haltefindes Kenntnis zu nehmen; diesen Be sich das ganz anders. Da wird zuerst gefragt: Welche amten ist Zutritt zu der Wohnung einschließlich der Küche zu politische Meinung haft du? und danach sezt die Behandlung gewähren, das Kind vorzuzeigen, erforderlichenfalls auszukleiden der Staatsbürger ein. Bist du bis auf die Knochen tönigs- und über dasselbe jedwede Auskunft zu geben. Auch kann die treu, gehörst du konservativen Vereinen an, kannst du dir regelmäßige Vorführung der Haltekinder vor den behördlichen Arzt biel mehr erlauben, als ein unabhängiger Mann. Bist du verlangt werden. Uebertretungen werden mit Geldstrafen bis gar Sozialdemokrat und betätigst dich in diesem Sinne, wird 60 m. oder verhältnismäßiger Haftstrafe geahndet. dir auch von Zeit zu Zeit zu Gemüte geführt, daß der Die Ferienspiele werden im fommenden Sommer erfreulicherGrundsay, alle Preußen feien vor dem Geseze gleich, außer weise eine weitere Ausdehnung erfahren. Außer nach Buch sollen Kraft tritt und Sozialdemokraten als Leute behandelt auch nach Blankenfelde und Bürtnersfelde während der großen werden, die minderen Rechts sind als andere Staatsbürger. Sommerferien- Ausflüge mit den Gemeindeschülern unternommen Die Probe aufs Exempel kann man tagtäglich machen; werden. man braucht nur eine Versammlung zu besuchen. Sind es Der Berliner Lehrerverein befaßte fich am letzten Freitag damit, Freisinnige oder Konservative, die eine Zusammenkunft ab- seine Forderungen für den 4. Preußischen Lehrertag, der wegen des halten, so wird sie äußerlich einen anderen Charakter tragen, burg tagen wird, festzustellen. Nach einem Referat des bekannten in Aussicht stehenden Lehrerbesoldungsgesetzes Pfingsten in Magdeals eine Versammlung von Arbeitern, die im Geruche der Schulpolitikers, Herrn Tews, und nach lebhafter Debatte wurde Sozialdemokratie stehen. Während dort ohne Aufsicht verfolgendes zum Beschluß erhoben: handelt wird, wird die Arbeiterversammlung von mindestens Der Berliner Lehrerverein erklärt sich mit den Forderungen zur zwei Polizeibeamten überwacht und es wird genau auf jedes Revision des Besoldungsgefezes, die von dem geschäftsführenden Wort geachtet, das gesprochen wird. Ausschusse des Preußischen Lehrervereins als Vorlage für den 4. Preußischen Lehrertag veröffentlicht worden sind, grundsätzlich einverstanden. Besonders augenfällig trat die verschiedenartige Behandlung der Staatsbürger am Mittwoch, den 1. Mai, und am Sonntag, den 5. Mai, wieder in Erscheinung. Am 1. Mai Der Wortlaut dieser Vorlage ist folgender: morgens tam ein Trupp von etwa 30 Holzarbeitern die Ro- der Volksbildung und Boltserziehung vollauf gerecht werden soll, 1. Wenn die preußische Volksschule ihrer Aufgabe im Dienste mintenerstraße entlang, um sich nach der in der„ Neuen Welt" so ist in erster Linie eine Lehrerbesoldung erforderlich, die der stattfindenden Maiversammlung der Holzarbeiter zu begeben. Bildung der Lehrer und der Bedeutung ihrer Wirksamkeit, Die Polizei schien der Meinung zu sein, einen geschlossenen sowie den allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnissen unserer Zeit Bug vor sich zu haben, und das darf doch die Polizei nicht entspricht. zulassen. Als der Trupp in die Gubenerstraße bog, stürmten 2. Demnach faßt der Preußische Lehrerverein angesichts der aus dem dort befindlichen Polizeibureau zwei Schußleute in bevorstehenden Revision des Gesetzes vom 3. März 1897 feine den Trupp der Arbeiter und trieben dieselben-nicht gerade Wünsche bezüglich der Neuregelung der Lehrerbesoldung dahin zu sammen, daß in der gelindesten Weise auseinander. " a) eine einheitliche Besoldung aller Lehrer ohne die bisherige unbillige Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse nach der Art der Besoldung der Lehrer an höheren Schulen geschaffen werde, daß b) den Lehrern ein Einkommen gewährt werde, welches nach Höhe und Art des Anwachsens dem der nichttechnischen Sekretäre in den staatlichen Betrieben und Verwaltungsbehörden gleich ist, eventuell mit den Abänderungen, welche durch eine etwaige frühere endgültige Anstellung der Lehrer und die Gewährung der vollen Mietsentschädigung an sie bedingt find, und daß c) bei den dauernd mit einem firchlichen Amt verbundenen Stellen das aus diesem fließende Einkommen nicht auf das Lehrergehalt angerechnet werde. Diese Säße bedeuten einen Bruch mit de rbisher geübten„ Kunst des Erreichbaren" und sollen der Deffentlichkeit, sowie den ernannten und geborenen Gesetzgebern zeigen, wie die preußische Lehrerschaft ihre Arbeit selbst einschätzt. Anders am Sonntag, den 5. Mai. Der Berliner Schüßenbund begann seine Festwoche, mit der er die Feier seines 25jährigen Bestehens zu begehen gedenkt. Mitten in der Stadt vorm Rathause begann die Aufstellung und der Ausmarsch nach Schönholz. Aus allen Gegenden der Stadt und aus den Vororten", so weiß das Allerweltsblatt, der„ Lokalanzeiger" zu berichten, kamen die Grünröcke herbei, die Brust mit den Drden und Auszeichnungen geschmückt, die sie in früheren Wettkämpfen auf dem Scheibenstand errungen. Das wundervolle Frühlingswetter hatte die Kameraden in hellen Scharen herbeigeführt, und so war es ein gar stattlicher Zug, der sich vom Stadthause aus in Bewegung fette. Auf einem Schimmelpaar ritten zwei Herolde vorauf. Dann folgte in einem blumengeschmückten Landauer der Vorstand mit dem Bundesbanner, und nun tamen, von drei Musikkorps beDie Unterführungen der Untergrundbahn am Leipziger Platz begleitet, die verschiedenen Schützenvereine. Die wehenden fichtigte gestern der Kriegsminister v. Einem in Begleitung zahl Fahnen, die verschiedenen Uniformen vereinten sich in der reicher Räte. Der Besichtigung wohnten Oberbürgermeister Kirschner, blizenden Sonne zu einem farbenreiche Bilde, wie es das Stadtbaurat Krause, Herr v. Siemens u. a. bei. Es wurden die nüchterne, arbeitsame Berlin nur selten zu schauen Gelegenheit unterführungen bei Wertheim, des Hotels Fürstenhof( Aschinger), hat. Zwei Stunden dauerte der Weg, bis um 2 Uhr Schön- sowie die Arbeiten zur Unterführung des Gebäudes für das Marineamt in Augenschein genommen. Die Besichtigungen hatten den Zwed, holz erreicht war." Und die Polizei? Sie betätigte sich höchstens insofern, als dem Striegsminister und feinen Räten zu zeigen, wie die Arbeiten zur Unterführung unter großen Gebäuden ausgeführt werden. Das fie den Schüßenbrüdern überall Platz machte; es handelte sich ja eriegsministerium ist daran ganz besonders interessiert. Bei der am 5. Mai um eine Veranstaltung von Patrioten, bon tönigs- geplanten Nord- Süblinie werben nämlich mehrere Rajernen und treuen Männern, während am 1. Mai die Arbeiter, die rote andere dem Reichs- Militärfistus gehörige Gebäude( Kaiser WilhelmRotte" ihren Weltfeiertag feierten. Und da gibt es noch Akademie) unterfahren. naibe Leute, die behaupten, daß bei uns nicht mit zweierlei Die städtische Gasdeputation beschloß in ihrer gestrigen Sitzung Maß gemessen wird! nach zweistündiger heftiger Debatte mit 5 gegen 4 Stimmen für die Arbeiter- Bildungsschule, Berlin. In dieser Woche be- Betriebsarbeiter in den städtischen Gasanstalten die achtstündige und ginnen die folgenden Kurse: Biteraturgeschichte Streowsti) am Dienstag; Soziale Gesezgebung ( Kazenstein) am Mittwoch; Nationalökonomie ( Grunwald) am Freitag und Geschichte( Schulz) für Steglitz und Umgegend gleichfalls Freitag. für die Sofarbeiter die neunstündige Arbeitsschicht einzuführen. Für die zu den Betriebsarbeitern zu rechnenden Maschinisten, Kohlentarrer und Betriebsmaurer wird ebenfalls die achtstündige Schicht farrer und Betriebsmaurer wird ebenfalls die achtstündige Schicht eingeführt, während die Achtstundenschicht für Refselheizer und Regulateure mit 5 gegen 4 Stimmen abgelehnt wurde. Die Stadtverordnetensitung am Donnerstag fällt aus. schönen warmen Witterung einen außerordentlich starken AusflüglerDer erste Maiensonntag hat infolge der plöglich eingetretenen Bum Reform- Gepäcktarif hat die Stadtbahnverwaltung aus Anberlehr gezeitigt. Schon am frühen Morgen pilgerten die Massen laß aufgetauchter 8weifel die folgenden Ausführungsbestimmungen Parteigenofen von Karlshorst! Heute Dienstag abend 88%, Uhr: nach den Stadtbahnhöfen, und in ununterbrochener Reihenfolge erlaffen: Bei Aufgabe von Gepäck im Gewicht von 201 bis 212 StiloBersammlung des Wahlvereins für Karlshorst im Lokale des Genossen fuhren die Züge nach den Vororten hinaus. In dem am 1. Mai gramm auf eine Fahrkarte ist für den 200 Kilogramm überStari Gruhn, Prinz Adalbertstraße, Ede Hönower Wiesenweg. in Kraft getretenen Sommerfahrplan hatte die Eisenbahndirektion steigenden und zu verdoppelnden Gewichtsteil der Satz der VorTagesordnung: 1. Bortrag des Genossen H. Stühmer. 2. Diskussion Berlin zahlreiche Extrazüge eingelegt, die von Mittag an ständig stufe dem Frachtfaze für 200 Kilogramm zuzuschlagen. Soweit die und Vereinsangelegenheiten. Das Erscheinen aller Mitglieder ist überfüllt waren. Die Restaurateure in den Vororten hatten infolge zeitweilig noch bestehen bleibenden Fahrkarten des internatio. nottventin Der Vorstand. bes borbergegangenen schlechten Wetters einen solchen Massenandrang nalen Berlehrs nach außerdeutschen Stationen Anspruch auf Freigepäck gewähren, ist die? nur bei direkter Ab- fertigung nach den hierfür bestehenden Gepäcksätzen anzurechnen. Verlangt der Inhaber einer derartigen Fahrkarte g e- b r o ch e n e Abfertigung, so ist der Reform-Gepäcktarif anzuwenden. Dies gilt auch dann, wenn neben einer Fahrkarte der bezeichneten Art eine deutsche(neue) Fahrkarte vorgelegt und indirekte Ab- fertigung verlangt wird. Wird bei Aufgabe von Gepäck eine vor dem 1. Mai geloste, darüber hinaus gültige Fahrkarte bisheriger Art des inner-deutschen Verkehrs und eine neue Fahrkarte vorgelegt, so ist die jeweils sich ergebende n i e d r i g st e Fracht zu berechnen, entweder ganz nach dem bisherigen Tarif unter An- rechnung von 2S Kilogramm F r e i g e w i ch t für die ältere Fahr- karte oder ganz nach dem neuen Tarif unter Ausschluß von Frei- gewicht. Bei Aufgabe von Gepäck auf Fahrkarten vierter Klasse findet der Reformtarif ebenso Anwendung, wie bei Vorlage von Fahrkarten der höheren Klassen. Wird Gepäck auf Freifahrt- Ausweise aufgegeben, so ist von dem wirklichen Gewicht das Freigewicht (LS Kilogramni auf Ausweise der Bahnbeamten, SO Kilogramm auf Ausweise der Reichstagsabgeordneten und Herrenhansmitglieder) ab- zuziehen und die Fracht für das Restgewicht so zu berechnen, als wäre nur dieses aufgeliefert. Für Militär- Gepäck ist die Fracht für das Uebergewicht nach dem Militärtarif(0.3 Pf. für 10 Kilo- gramm und jeden Kilometer) zu berechnen. Sollten über die An- Wendung des neuen Tarifes m der Uebergangszeit noch andere Meinungsverschiedenheiten mit den Reisenden entstehen, so ist, wenn dadurch Beschwerden vorgebeugt werden kann, zunächst die den Reisenden günstigere Berechnungsart zu wählen: von derartigen Fällen soll aber unverzüglich auf dem Dienstwege Anzeige erstattet werden. Die Ortskrankrnkasse der Gastwirte usw. in Berlin beschäftigte sich in ihrer letzten Generalversammlung u. a. auch mit dem Gegen- stand der Tagesordnung:„Beschlußfassung über die An. stellungsverträge mit den Kassenbeamten." Während die Arbeitnehmervertreter mit Warme für die Annahme eines Vertrages eintraten, der die Düsseldorfer Beschlüsse des Zentralverbandes der Ortsbrankenkassen zur Grundlage hat, wurde seitens der Arbeitgeber die schärfste Opposition gemacht. Der Antrag wurde schließlich gegen die Stimmen der Arbeitgeber an- genommen. Eine gleiche, zuweilen recht interessante Debatte wurde durch einen anderen Antrag des Vorstandes hervorgerufen, wonach die Beteiligung an einer Petition an den Reichstag nach- gesucht wird, die U n fa lk v e r s i ch eru ng au f das Gast- wirtSgewerbe auszudehnen. Der Antrag hat schon die letzte Generalversammlung beschäftigt und wurde damals beschlossen. daß die Arbeitgebevvertreter in ihren Organisationen für die ge- wünschte Zustimmung eintreten sollten. Dieses Versprechen ist nicht innegehalten worden, da in den Kreisen und Organen der Gastwirte ein« Stimmungsmache gegen das Vorhaben entfesselt wurde, die einer besseren Sache würdig gewesen wäre. Die Arbeit- nehmer begründeten mit großem Geschick die Vorlage und nur einer der anwesenden Anbeitgebervertreter fühlte sich veranlaßt, seinen Kollegen ins Gewissen zu reden und die Unfallversicherung für das Gastwirtsgewerbe als ein Erfordernis der modernen EntWickelung hinzustellen. Mit großer Majorität wurde der Antrag dann an- genommen. Aus der Unglückschronik. Ein bedauerlicher Unglücksfall mit tödlichem Ausgang hat sich in der Urbanstraße zugetragen. Die siebenjährige Schülerin Albertine Kollos, Kottbuser Damm U, hatte mit anderen Kindern vor dem Hause Urbansw. SS gespielt. Die Kleine lief nun in dem Augenblick, als ein KrankentranSportlvagen, der einen Patienten nach dem Urbankrankenhaus überführen sollte, in eiligem Tempo vorüberfuhr, auf den Straßendamm und wurde Von der Deichselspitze umgestoßen. Ehe der Kutscher das Gefährt zum Stehen bringen konnte, waren dem Kinde die Räder über den Kopf hinweg gegangen und hatten diesen fast vollständig zermalmt. Man trug die Kleine nach dem nächsten Hausflur und holte so- fort ärztliche Hülse herbei. Es war aber zu spät; das bedauernswerte Geschöpf war auf der Stelle getötet lvorden.— Ein schwerer Unglücksfall imAutomobil-OmnibuSbetrieb hat sich in der Großen Frankfurterstraße ereignet. Em unbekannter etwa 30jähriger Mann wollte an der Ecke der Markusstraße einem Straßenbahnwaßen ausweichen und lief dabei gegen einen aus entgegengesetzter Richtung kommenden Autoomnibus der Linie Strauß- bergerplatz— Bülowstraße. Das Hinterrad ßinp ihm über beide Beine hinweg und zermalmte diese fast vollständig. Der Verunglückte wurde in bewußtlosem Zustande in das Krankenhaus am Friedrichs- Hain eingeliefert. Uhren und Schmuckgegcnstände im Werte von IS Ovo Mark erbeuteten Einbrecher in der Sonntagnacht bei einem schweren Einbruchsdiebstahl in der Rosenthalerstraße 48. Die Bande räumte dem Uhrmacher und Goldworenhändler Süß fast den ganzen Laden aus. In einem Atteil zweiter Klasse eines NirdringzugcS erschossen hat sich gestern ein clegantgekleideter Herr. Auf dem Bahnhof Chcrrlottenbuvg war dar Lebensmüde, dessen Personalien blSher noch nicht ermittelt werden konnten, mit einer Dame zusammen gewesen und hatte mit dieser einen erregten Wortwechsel gehabt. Er entfernte sich plötzlich aufgeregt von seiner Degleiterin und sprang in ein Abteil zweiter Klasse eineS soeben abfahrenden Nord- ringzugeS. Kurz vor der Station Gefundbrunnen jagte sich der Urtbelannte. che es die Mitfahrenden verhindern konnten, eine Revolvertugel in die Schläfe und sank lebloS von den Polstern herunter. Auf dam Bahnhof Gesundbrunnen wurde der Lebens- müde inS Stationsgebäude gebracht und ein Arzt hinzugerufen. Er konnte aber nur noch den Tod feststellen. Die Leiche des Selbst- mörderS wurde zur Rekognoszierung nach dem Schauhause ge- bracht. Die Verhaftung eiaeS Bildhauers erregt im Osten der Stadt großes Luffehen. Wegen schworer SittliHeitsverbrechcn ist der Bildhauer Hugo Gräf, ProSkauerstr. LS, durch die Kriminalpolizei festgenommen worden. In dem in der Kreutzigerstr. 6 belegenen Atelier hatten Hausbewohner wiedorholt beobachtet, wie G. an feiner 14jährigen Tochter sich schwerer Sittlichkcitsverbrechen schuldig machte. Der Polizei wurde hiervon Mitteilung gemacht und gestern erfolgte die Verhaftung des UnhowS. G. soll seine Verbrochen eingestanden Haiben. f engen gesucht. Die Personen, die gesehen haben, wie gestern in der achten Stunde ein Arbeiter am Andreasplatz sistiert und von dort nach der Wache in der AndrcaSstraße transportiert wurde, werden gebeten, ihre Adresse bei Fritz Beidolat, Große Frank- furterstraße SS, abzugeben. Ein Fuhrwerk mit 28 halben Schweinen ist am Sonnabendabend vor dem Hause Friedenistr. 81 gestohlen worden. In dem Augenblick, als dar Kutscher Fleisch mich dem dortigen Schlächter- lad«, trug, schwang sich ein Dieb auf den Bock des Wagens und fuhr in wilder Karriere davon. Das Gefährt war noch mit 28 halben Schweinen beladen gewesen. TodeSsturz von der Eisenbahnbrücke. Auf entsetzliche Weise hat sich der SSjährige Kaufmann Paul Jensch um» Leben gebracht. I. stürzte sich von der Hohenlohebrücke auf die Gleise der schlesischen Bahn hinab und war auf der Stelle tot. Er war mit dem Kopf auf die Schienen aufgefchlc�en, wodurch der Schädel vollständig zerschmettert wurde. Die Leiche deS I. wurde nach dem Schauhause ubergeführt. Zeugen gesucht. Am Freitag, den 26 April, W Uhr abends, ist ein an der Bordschwelle des KurfüestendammS, Ecke Uhlandstraße, stehender junger Mann van der Straßenbahn überfahren worden, weil er bor einem von einem Offizier gerittenen Pferd zurücktreten mußte. Der Verunglückte ist inzwischen im Birchow-KranlenhauS verstorben. ES wäre wünschenswert, daß Zeugen dieses Vorganges, insbesondere die beiden Frauen, ihre Adressen an die Frau des Verstorbenen, Charlotte Linke, Samoastr. 2. Hof 4 Treppen, einsenden würden. Im Streit getötet. Mit dem Tode eines Menschen endete ein geringfügiger Streit, der zwischen dem Klempnermetster Wilhelm TeSmer aus der Linienstr. 233 und dem Handelsreisenden Reinhold Kassuve entstanden war. Tesmar kam nicht ganz nüchtern nach Hause und hielt Kassube. der auf dem Flur stand, für einen Einbrecher. Er attackierte den Handelsreisenden, der ihn sich mit einem leichten Stoß vom Halse halten wollte. Tesmer fiel aber die Treppe hinunter und starb bald unter den Händen eines Arztes. Er war verheiratet und hinterläßt einen IS Jahre alten Sohn. Q. ist vernommen und auf freiem Fuß belassen worden. Kein Anlaß! Die Staatsanwaltschaft hat, wie das.Berliner Tageblatt" erfährt, der Kriminalpolizei mitgeteilt, daß sie das Ermittelungsverfahren gegen den Schutzmann Kater eingestellt hat, da nach den festgestellten Tatsachen für sie kein Anlaß vorliege, gegen K. Strafantrag zu stellen. Wie gemeldet, hatte K. am Abend des 27. April in einem Krawall den Löjährigen Omnibuskutscher Janus mit seiner Browningpistole erschossen. DaS Gebrüder Hermfeld-Theater beabsichtigt am 31. Mai seine Spielsaison zu schließen, um eine weitere dekorative Ausschmückung des Hauses vornehmen zu lassen, hat aber noch vor Schluß der Saison einen neuen Schlager herausgebracht, einen Schlager, über den sich Herr v. Schuckmann bängiglich entsetzen würde. Schon der Name:„Es lebe das Nachtleben" würde es ihm antun, noch mehr aber der Inhalt des Stückes, wenn man überhaupt von einem Stück reden darf. Eine Separöaffäre und ihre Folgen werden in zwei Akten auf die Bühne gebracht. Stefan Brady, der verlobt ist. macht mit der Frau feines Kompagnons eine Nachtreise, die nach einem Tete-a-tete im Separö in seinem Junggesellenheim endet. Sein Geschäftsfreund Sondersheim hat Verdacht auf ihn und ver- sucht, näheres festzustellen. Dabei gerät Brady in die größten Schwulitäten. Dazu kommt, daß sein zukünftiger Schwieger- vater aus der Provinz nach Berlin gekommen ist, um sich über den Ruf seines Schwiegersohnes zu informieren. Bei dieser Gelegenheit entgleist auch der„tugendhafte" Schwiegervater. Und so geht es fort. Sondersheim wieder hat insgeheim Stelldichein mit der Braut seines GeschäftSfteundeS. Die Situation wird am unangenehmsten, als«hei einer Familienfestlichkeit sich der zur Be- dienung engagierte Kellner als derselbe entpuppt, der die ver- schiedenen Pärchen im Separs bediente. Wie die Sache eigentlich endet, erfährt man nicht, man muß sich nach Wahl die Lösung selbst konstruieren. Verfasser deS Stückes sind die beiden Direktoren Donat und Anton Herrnfeld, die auch gleichzeitig die Hauptdarsteller sind. Dieser ersten Novität im neuen Heim ging ein neubearbeiter Schwank:„Die Welt geht unter" vorher. Wer sich einmal auslachen will, kommt auf seine Kosten. Aus dem Bureau des Theaters Folics Caprice wird uns mit- geteilt, daß die Direktion ihr Etablissement während der Sommermonate an das Figarotheater verpachtet hat und schließt das Folies Caprice ihre Spielzeit mit dem 16. Mai. Sportpark Steglitz. Die beiden Dauerrennen, das„Große" und „Kleine Goldene Rad", litten sehr unter Zwischenfällen mancherlei Art. Die schlimmsten waren der Sturz von Robl und Ryser. Wenngleich beide noch glimpfllich davonkamen, büßten die Rennen stark an Interesse ein und gaben einem radaulustigen Pnblikuin Ge- legenheit, ihren„Patriotismus" auf unschöne Weise zu zeigen. Wäh- rcnd bei dem Sturz RyserS einfach weitergefahren luurde, wie eS stets der Brauch ist, tobte und johlte die.Menge", al« Robl aus« schied und begleitete den nachherigen Sieg des Franzosen Guignard mit Pfeifen und Zischen. Auch soust litten die Rennen unter Rad- und Motorschäden. Das„Große Goldene Rad" sah als Teil- nehmer Dcmke, Dickentinann. Guignard und Robl am Start. Bald nach Beginn reißt der Franzose die Führung an sich mid legt ein so 'charfeS Tempo vor, daß der bisherige Rekord für 16 Kilometer von 7 Min. 63�/, Sek. auf 7 Min. 01�/z Sek. gebracht wird. Aber da versagt der Motor und ehe der Ersatzmotor tn Schwung kommt, geht Robl unter„Jubel" an die Spitze. Kilometerlang bleibt der Ab« tand zwischen Robl und Guignard der gleiche, eine halbe Runde trennt die beiden; das Tempo wird immer schneller und die Rekorde von 30 und 40 Kilometer werden gedrückt und auf 20 Min. 26�/» Sek. bezw. 27 Min. 04 Sek. gebracht. Der Franzose hat sich bedenklich genähert und zirka 100 Meter trennen beide. In der 98. Runde kommt Robl durch Reifenschaden zu Fall. Eine all- emeine Verwirrung entsteht. Deiuke entgeht mit Not einem Sturz ber RoblS Rad, das Roblsche Tandem ist im Jnnenraume um- gestürzt und die Schrittmacher zu Falle gekommen. Robl erhebt sich, er hat große Fleischwundxn und läßt sich forttragen. Eine Zeitlang sind die übrigen Fahrer von ihrer Führung abgegangen, doch dann nimmt das Rennen seinen Fortgang. Demke widersteht lange Zeit dem Andrängen des Franzosen, doch gegen das Ende ist seine Zähigkeit dahin und Guignard wird in 1 Std. 12 Min. 16*/« Sek. Sieger; Demke 38g0Meter, Dickentmann 18 120 Meter zurück.— Im„Kleinen Goldenen Rade' startete» Metljng-Amerika, Przyrembel, Ryser und Schiple. Der erstere aeht mit großer Bravour ins Reimen, wird aber bald letzter und scheidet später ganz aus, Zwischen den drei anderen kommt es zu schönen Kämpfen, in denen Ryser unterliegt. Schipkr unternimmt mehrere Angriffe auf den führenden Przyrembel, die endlich in der SS. Runde Erfolg haben und Schipke an die Spitze bringen. Doch schon drei Runden danach geht Przyrembel unter Jubel vor und erobert sich die Führung zurück, um bis Schluß keinem Gegner zwei Runden abzunehmen. In der 116. Runde stürzt Ryser, ebenfalls durch Reifenschaden. Bewußtlos wird er von der Bahn getragen. Das Ergebnis ist: 1. Przyrembel, 86,540 Kilo- meter, 2. Schipke, 84,060 Kilometer.— Die gliegerrennen waren stark besetzt und gab es schöne Endkämpfe. „Silberne Rad." Mannschaftsfahren über 10 Kilometer. 1. Stol-Theile vor Kudela-Peter und Schcuermann-Wegener. Vorgabefahren. 1. Theile vor Kudela und Niederau bezw. We gener vor Ruß und Barreis. Bei der Maifeier in ber„Neuen Welt" ist dem Genossen Morbus, Kottbuser Ufer S8. 1. Ouergeb. III, ein steffer schwarzer Hut ver- tauscht worden, während M. von 11--12 Uhr Tanzbandkontrolle hatte. Die Adresse des', Genossen, der versehentlich den Hut aufsetzte, ist M. entfallen, der Betreffende wolle die falsche„Behauptung" bei MoebuS umtauschen. Orgelkonzert. Mittwoch, den 8. Mai. abends 7'/, Uhr. ver« anstaltet der kgl. Musikdirektor Beruh. Jrrgang in der St. Marien» Kirche das nächste Orgelkonzert unter Mitwirkung von Frl. Fanny Opfer(Sopr.), Frl. Agnes Fridrichowicz(Alt). Herrn Robert Maitland(Tenor) und Herrn Karl Rachö(Baß). Unter anderem: Bach-Kantate:„Wer da glaubet und getaust wird", Phantast« und Fuge über Bach von LiSzt. Der Eintritt ist frei I Fenerwehrbericht. Melanchtonstr. IS brannte eine Küche, in der NovaliSstr. 4 eine Badestube, in der Winterfeldtstt. 34 Fenster, Gar- dinen, Tapeten und anderes, in der Münchcbcrgerftr. 28 ein Keller. tn der Zorndorferstr. 44 ein Wohnzimmer, Preßkohlen usw., in der Linienstr. 216 Lumpen, in der Schreinerstr. 49«in Balkon und in der Alten Jakobstraße 79 in einer Schirmfabrik Regale mit Inhalt. Ferner liefen noch Alarm» aus der Wienerftratze SS», Birkenstrahe 13, Bülowstraße 101 und anderen Stellen ein. Vorort- PPuforicbte«. Rixdorf. Wem gehört die grüne Zigarrentasche, die am 1. Mai bei der von der Partei im Restaurant Heick- hau», Karlsgarten, arrangierten Festlichkeit gefunden wurde. Dieselbe enthielt noch drei Zigarren und«tn» Legitimation. lautend auf den Namen Paul Nowark, Polizrtwacht« meister— Obornick. Da sich der Gast unseres Partei- vergnügeitS noch nicht gemeldet hat und unsere Genossen annehmen. daß derselbe nichts weiß, wo er die Zigarrentasche verloren hat, teilen wir mit, daß dieselbe gegen Vorzeigung einer Legitimation in de, Parteispedition, Reckarstr. 2. von dem Eigentümer abgeholt werden kann._ Boxhagen- RummelSbtti'g. Bei der am I. Mai im Schonertfchen Lokale stattgehabten Mat« feier find bei der Verlosung folgende Gewinne nicht abgeholt worden: Nr. 882, 702. 377, 610, 609, 136. 209, 773, 920, 582, 464. 679. 898, 944, 348, 447, 91. 706, 230, 87. 492. 240, 976, 266. 142, 859, 412. Dieselben können beim Gastwirt Tempel, Alt-Boxhagen SS, in Empfang genommen werden. Weiftensee. Die Arbeitgeder-Delegiertcnwahlen zur OrtSkrankenkasse sind von der Aufsichtsbehörde für ungültig erklärt worden. Wie seinerzeit berichtet wurde, enthielt die Liste der vereinigten Unternehmer zwei Namen zu viel, für diese Liste wurden SO Stimmen abgegeben, während auf die Liste des Gewerkschastskartells 40 Stimmen ent- fielen. Nach dem einfachen Wahlreglement hätte nun die Liste der vereinigten Unternehmer für ungültig erklärt werden müssen; der damalige Kommissar der Kasse, Herr Dr. Alberl. ließ die Aufsichts- behörde in der Person des Dr. Pape entscheiden. Das Urteil war denn auch bald fertig, man hatte entdeckt, daß ein Arbeitgeber keine ver- sicherungspflichtige Person beschäftigte und bei einer Brüderfirma war nicht ersichllich, welcher von den Brüdern als Delegierter gelten solle, da der Vorname fehlte. Nach Abzug dieser beiden Namen war die statutengemäße Zahl erreicht und die so geänderte Liste als gewählt bewachtet. Auf eine Beschwerde hatte nun der RegierungS- Präsident die Entscheidung übernommen und mit einer Rechts- belehrung an die untere Aufsichtsbehörde zur nochmaligen Unter« suchung zurückgegeben. Inzwischen wurde Dr. Pape seines Amtes enthoben und man erwartete nunmehr eine objeftive Entscheidung, welche vor einigen Tagen eingetroffen ist. Danach find beide Listen für ungültig erklärt worden und zwar deshalb, weil auf der einen Liste zu viel Delegierte und auf der anderen zu wenig Delegierte standen. Es hatte sich herausgestellt, daßlauch auf der Liste deS Gewertschafts- kartells zurzeit der Wahl ein Arbeitgeber keine versicherungs- Pflichtigen Personen beschäftigte. DaS Statut gäbe keinen Aufschluß, ob Listen mit weniger'.Namen abgegeben werden können und so sei es richtig, daß beide Listen als nicht gewählt zu erachten seien. Gleich- zeitig solle der Paragraph des Statuts so geändert werden, daß für die Zukunft Unklarheiten vermieden werden. Ober-Schöneweide. Die Grundsteinlegung für die neu zu erbauende Kirche ist am Sonntag mit dem üblichen Zeremoniell vor sich gegangen. Außer 54 000 M. hat die Gemeinde Ober-Schöneweide bekanntlich den Bauplatz für Kirche und Pfarrhaus im Werte von 200 000 M. kosten- los zur Verfügung gestellt, ein Beginnen, das der größte Teil der Einwohnerschaft verurteilt. Das Dreiklassenwahlrecht in den Kommunen ermöglicht es den bürgerlichen Vertretern noch, aus allgemeinen Mitteln Summen für kirchliche Zwecke zu verpulvern. Erst kommt bei den Herren das seelische, dann das leibliche Wohl der Nichtsbesitzenden. Neinickendorf. Ein schauriger Fnnd ist gestern durch Straßenreiniger gemacht worden. Beim Fegen eines GullyS vor dem Grundstuck Residenz- straße 66 entdeckten sie den Leichnam eines neugeborenen Kindes. Aus welche Weise der tote Körper in das Gully geraten ist, bedarf noch der Aufklärung. Auch von der Mutter konnte noch nichts er- mittelt werden. Tödlich verunglückt ist bei dem Versuche, seinen Bruder zu retten, vorgestern der 24 jährige Kaufmann Schneider aus der Rathenowerstraße in Moabit. Die Brüder traten gegen Mitternacht, von Reinickendorf kommend, den Heimweg an. In der Scharnweber« straße kam ihnen ein Straßenbahnwagen der Linie Tegel— Char- lottenstraße entgegen. Schn. sprang aus den Wagen, als aber fein jüngerer Bruder ihm folgen wollte, glitt er aus und schlug mit dem Kopfe dermaßen auf das Straßenpflaster, daß er besinnungslos liegen blieb. Nun wollte der ältere Bruder dem jüngeren zu Hülse kommen, kam jedoch beim Abspringen von dem Wagen ebenfalls zu Fall und verlor gleichfalls das Bewußtsein. Die vcruiialiickien Brüder wurden »ach dem Gerhardtstist gebracht. Während sich die Berletzungen des jüngeren Bruders als unbedeutend herausstellten, hatte der ältere einen mehrfachen Schädelbruch erlitten, dem er nach einiger Stunden erlag. Tegel. Ein Straßenbahuunfall ereignete sich am Sonntagvormittag in Tegel. An der Haltestelle Ecke der Berliner- und Hauptstraße standen eine Anzahl Personen, die gegen 10 Uhr vormittags auf einen vorüberkommenden Straßenbahnzug der Linie 26 warteten. Bei Ankunft der Wagen wollten mehrere Personen aus den Vorder- Perron aufspringen und dabei wurde der vjährige Willi Behnke, Schlieperstr. 16 wohnhaft, der dicht neben dem Gleise ging und den jenseitigen Bürgersteig erreichen wollte, umgestoßen. Er geriet mit dem linken Ann unter den Schutzrahmen des langsam anfahrenden Wagens und erlitt einen Bruch deS linken Unterarmes. Solche Unfälle können vermieden werden, wenn einmal das Publikum beim Besteigen der elektrischen Bahnen größere Ruhe bewahre», und anderer- seits die Stratzenbahngesellschaft dem starken Verkehr durch Einlegen genügender Wagen mehr Rechnung tragen würde. Die Wertzuwachssteuerordnung für Tegel ist von der Behörde am Sonnabend genehmigt worden. Damit ist die Gemeinde be- rechtigt, nun von allen GnnidstückSverkälifeii Umsatz- und Wert- zuwachssteuer zu erheben. Für Tegels EntWickelung bedeutet das einen erheblichen Schritt weiter vorlvärts. Lügen und Verleumden ist straffrei. In dem Prozeß des Genossen Benno Maah gegen das Mitglied des Vereins der deutschen Kausleute, B a u» mann, hatte, wie unseren Lesern aus dem Prozeßbcricht vom 7. vorigen Monats erinnerlich ist, der Beklagte zu seinem Schutz eingewendet, ihm sei von dem Redakteur der„Kvus- männischen Rundschau", Gotthard Francke, die in ihrer All- gemeinheit und nut spezieller Anwendung auf den Kläger von diesem als Verleuniduna gekennzeichnete Behauptung mitgeteilt,„der Zentralverband der Handlungsgehiilfen habe zur Zeit der Umsatzsteuer für die Warenhäuser von den Warenhausbesitzern Geld erbalten. um damit Agitation gegen diese Steuer betreiben zu können". Das Gericht hatte Bau- mann freigesprochen, weil er sich danach im BertraMN auf Franckes Äeußerung in gutem Glauben befunden habe. Herv Gotthard Francke ersucht uns jetzt um eine„Berichtigung" der Aeusserungen Banmanns dahin, das? die von Banmann über Francke aufgestellte, von unS im Prozeßbericht wieder- gegcbene Behauptung unwahr ist. Weder habe er(Francke) die inkriminierte Aenßerung dem Angeklagten mitgeteilt» noch habe er in öffentlichen Versammlungen die oben wieder» gegebene von Baumann gebrauchte allgemeine Behauptung aufgestellt. Der BerufungStermin verspricht danach recht interessant zu werden.__ Öcrlcbtö- Zeitung» „Ein Opfer ber Revolntion." We» Geistes Kind die als Opfer der russischen Revolution nach Deutschland vom Hilfskomitee Gebrachten manchnal sind, zeigte eine Anklage, die gestern den Portier Albert Klossot, vor die dritte Strafkammer de? Landgerichts I führte. Der Angcklagte will ein Opfer der Revolution in Rußlano geworden sein rnd kehrte von dort mit Hülfe des Hilfskomitees mit seiner Frau mch Deutschland zurück. Er kam in recht bedrängter Lage in Berln an. Hier wandt««t sich brieflich an einen entfernten Vernandttn, den Motor Z., schilderte ihm seine traurige Lage und b»t um Unter« stützung. Major Z., der den Angeklagten bis dahin nicht gekannt hatte, sagte auch bereitwilligst seine Hülse zu für den Fall, dag solche angebracht erscheine und veranstaltete dann eine Sammlung unter den Verwandten, die eine Summe von Slw M. ergab. Die Verwandten hielten eS für ratsam, diese Summe dem Angeklagten nicht auf einmal einzuhändigen, sondern ihm ein Zimmer zu mieten und je nach Bedarf kleinere Summen auszuzahlen. Man setzte voraus, daß der Angeklagte Anstrengungen machen werde, um selbst etwas verdienen zu können. Dies geschah aber nicht. Der Ange- klagte lebte von den Zuwendungen der Verwandten, die diese durch einen Beauftragten genau buchen liehen, und von den Unter- stützungen, die das Hilfskomitee gewährt. Als die 500 M. aufgebraucht waren, wurde dem Angeklagten mitgeteilt, daß nunmehr Mittel nicht mehr zu Gebote ständen. Er wandte sich darauf an den Major Z. und suchte von diesem durch allerlei Drohungen neue Mittel zu erlangen. Er trat mit der ungeheuren Beschuldigung auf, dah Z. sich an den Unterstützungsgeldern bereichert habe und drohte, ihn bei dem Regimentskommando anzuzeigen, was ihm nicht ungeläufig sei, da er schon anderwärts mehrere solche Anzeigen erstattet habe. Dieses Vorgehen hat gegen ihn die Anklage wegen Beleidigung und versuchter Erpressung zur Folge gehabt. Der Staatsanwalt beantragte 3 Wochen Gefängnis. Das Gericht hielt diese Strafe nicht für ausreichend. Das Urteil lautete auf sechs Wichen Gefängnis. Oleum-Attentat. Inkolge verlorenen Liebesglücks ist das Dienstmädchen Luguste L., die gestern unter Anklage der Sachbeschädigung vor der 5. Strafkammer stand, zu einer Oleum-Attentäterin geworden. Sie hatte ein Verhältnis mit einem Sergeanten und wurde von diesem verlassen. Am Tage vor der Hochzeit des Sergeanten mit einer anderen tauchte plötzlich die Angeklagte neben dem Sergeanten auf und goß aus einem kleineren Topf eine ätzende Flüssigkeit noch ihm, die Mütze und Nockkragen des Sergeanten verbrannte. Dann entfloh sie. Am nächsten Tage wiederholte sie den Anschlag, als der Sergeant mit seiner Braut im Begriff war, sich zum Standesamt zu begeben. Durch das Oleum-Spitzen ruinierte sie die Taille der Braut und den Kragen des Sergeanten. Sie hatte beabsichtigt, das Gesicht des Sergeanten zu treffen. Das Gericht erkannte trotz der geringfügigen Nachteile, die das Oleumgiehen zur Folge hatte, und trotz der begreiflichen Erregung des Mädchens auf einen Monat Gefängnis. Durch eine richterliche Amtshandlung auf die Anklagebank gebracht. Vor dem Schwurgericht in Leipzig spielte sich dieser Tage ein Prozeh ab, der für die deutsche Juristerei auherordentlich bc- zeichnend ist. Auf der Anklagebank sah der Arbeiter Alois �ohann H. wegen wissentlichen Falscheidcs. Er hatte am 9. Oktober v. Js. in einer Strafsache gegen den Arbeiter M., der ihn mih- handelt haben sollte, vor dem Amtsgericht in Grimma als Zeuge zu fungieren. Mit nüchternem Magen machte er sich am Tage des Termins von seinem Wohnorte unweit Grimmas auf den Weg. Unterwegs traf er einige Freunde und trank mit ihnen ein paar Glas Bier und auch Schnaps, so dah H., der absolut kein Gewohn- heitstrinker ist, stark angetrunken im GerichtSgebäude anlangte, wo er wegen seines lauten Auftretens mehrfach zur Ruhe verwiesen wurde. In der Verhandlung betrug er sich so auffällig, dah der Vorsitzende, Amtsrichter Schlomke-Eabisius, seine Vereidigung bis nach der Vernehmung aussetzte. Als dann der Vorsitzende H. auf die Heiligkeit des Eides aufmerksam machte, nahm tz. militärische Haltung an— obwohl er nie Soldat gewesen— und betonte, dah er nicht betrunken sei. Unter ällerhänd konfusen Redensarten ver- sicherte er, er könne alles beschwöu i. Als ihn dann der Amts- richter unter Hinweis auf den Eid fragte, was er denn heute ge- trunken habe, sagte H. mit Pathos, er sei nicht betrunken, er habe nur zwej Glas Bier zu sich genommen. Einem Schöffen kamen aber doch Bedenken an, diesen Man»-zu vereidigen. Er teilte die? dem Vorsitzenden mit, der aber schilehlich kein Bedenken zeigte, H., der offenbar seiner Sinne nicht ganz mächtig war, zu vereidigen. In der Begründung des Urteils, das den damaligen Angeklagten M. freisprach, führte der Amtsrichter aus, dah er H. für betrunken gehalten habe. H. kam wegen seines Rausches in BerwahrungShast. Am anderen Morgen gestand er dem Amtsrichter, dah er mehr Bier getrunken habe, als wie er angegeben, und obendrein auch SchnapS. Dieses Geständnis sollte H. zum Strick werden.. Im Januar hatte sich H. vor dem Landgericht in Leipzig zu verantworten; ein Verteidiger war ihm abgelehnt worden, weil das in dem Falle nicht angezeigt sei! Das Landgericht kam während der Verhandlung zu der Auffassung, dah wissentlicher Falscheid vorliege und verwies die Sache vor das Schwurgericht. In der nunmehrigen Schwurgerichtsverhandlung sagte H., der sehr niedergeschlagen war, er habe geglaubt, bei seiner Vereidigung handele öS sich nur um die Ereignisse an jenem Tage, da er von M., dem damaligen Angeklagten, geschlagen worden sei, nicht aber um die Vorkommnisse am Tage der Verhandlung vor dem Schöffengericht in Grimma. Darüber, warum er den Schnapsgenuh verschwiegen hatte, konnte er keine Angaben machen. Einer der damaligen Schöffen, der Gcrbcreibesitzer Fleck, bekundete als Zeuge, dah er damals den Eindruck gehabt habe, dah H. seiner Sinne nicht mächtig gewesen sei. Er habe seine Bedenken dem Amtsrichter geäuhert und bei der Beratung des Urteils gesagt: Wenn jetzt kein Meineid geleistet worden ist, möchte ich nicht Fleck heißen. Der Amtsrichter Schlomke-Eabissns als Zeuge vernommen, sagte aus, er habe Hs. Vereidigung ausgesetzt, weil dieser ihm nicht ganz nllchtcr» er- schienen sei. Bei der Eidesleistung Hs. hätte im Saale peinliche Ruhe geherrscht und er habe den Eindruck gehabt: Hier fühlt jeder, daß der Eid verletzt worden ist. Der Angeklagte sei wohl betrunken gewesen, aber nicht so schlimm, und wenn er in der Urteils- Begründung diesen Ausdruck gebraucht habe, so habe er nicht gemeint, daß der Angeklagte absolut nicht gewußt, was er tu». Er habe die Verhandlung deshalb nicht vertagt— weil er dem Angeklagten M. das nochmalige Kommen habe ersparen wolle». Der als Zeuge vernommene, damals als AmtSanwnlt fungierende Assessor gab an, dah es höchst zweifelhaft sei, ob der Angeklagte H. damals verstanden habe, nm was sich handele. Trotzalledem wollte der Staatsanwalt wenigstens die Frage dcS fahrlässigen Falscheides bejaht wissen. Der Verteidiger beantragte die Freisprechung. Er hob hervor, es sei verwunderlich, dah solch eine Ncbenfrage(nach dem Bier- und Schnapsgenuh) unter den Zwang des Zeugeneides gestellt ivcrde. Dah der Angeklagte damals geleugnet habe, betrunken zu sein, sei bei einem Betrunkenen durch- aus logisch. Es wäre besser gewesen, H. überhaupt nicht zu ver- eidigen. Hätte man ihn eine Haftstrafe wegen Ungebühr vor Gericht auferlegt, so hätte er seinen Rausch ausschlafen können, und dann nicht Ivegen Meineides unter Anklage gestanden. Die Geschworenen verneinten die Schuldfragen und das Gericht sprach H. kostenlos frei. Wegen Erschwindlung von ein Paar Würstchen— drei Monate Gefängnis. Eine 86 jährige Frau(Witwe), die wegen längerer Stellen- lostakeit in grohe Not geraten war. hatte sich, vom Hunger ge- trieben, in einem Delikatessengeschäft ein Paar Würstchen»nd einen geräucherten Fisch erschwindelt. Als sie in einem Hausflur sich anschickte. daS Erhaltene zu verzehren, nahm es ihr ein Beauftragter des Geschäfts wieder ab und übergab sie der Polizei. Weinend erklärte die Angeklagte in der Gerichisvcrhandtung vor dem Land- gericht Chemnitz, dah sie sich vor Hunger nicht mehr zu helfen gewuht habe. Obwohl eine Schädigung durch die Angeklagte nicht herbeigeführt worden war, muhte das Gericht, da es sich um Rück- fallsbr.:ug handelte, auf drei Monate Gefängnis erkennen» daß ist in solchem Falle die Mindcststrafe. Mißhandlungen in einer Korrigendenanstalt. Wegen Körperberletzung im Amte ist am 22. Dezember V. I. vom Landgerichl Koblenz der Aufseher in der Probinzial- arbeiisanstalt, Gerhard Corte, zu S Monaten Gefängnis verurteilt too-.UN, Autzerdem ist jbm die Fähigkeit zür Bekleidung öffent- llchcr Sömter für drei Jahre abgesprochen worden. Er hqt in zwei Fällen einen Korrigenden mit dem Säbel erheblich Verletzt.=• Die Revision des Angeklagten, welcher bestritt, als Aufseher ein Beamter zu sein, wurde am Freitag vom Reichsgericht ver» warfen._ Hua der frauenbewegung« Frauenbewegung i» China. Selbst das himmlische Reich hat. wie eine englische Zeitschrift mitzuteilen weih, eine Frauenbelvegung. der sogar eine täglich er- scheinende Zeitung zur Verfügung steht. Es handelt sich weniger um eilte Bewegung mit sozialer Tendenz, als vielmehr um eine patriotische, aber allem Anscheine nach nicht in dem schlechtesten Sinne des Wortes. Die Zeitung wird von einer Frau Chang, der Frau eines Beamten herausgegeben. Diese Frau geht von dem Standpunkte aus, dah, wenn China mit Erfolg der drohenden Fremdherrschaft begegnen will, es stark fein muh. Um stark zu sein, braucht es vor allem gesunde, kräftige Mütter, welche ein gesundes, starkes Geschlecht zur Welt bringen. DaS Einschnüren der Fühe und andere alt hergebrachten, der körperlichen Entwickelung unzuträglichen Gewohnheiten, mühten in der Zukunft verschwinden und einer nach den Grundsätzen der Hygiene geleiteten Erziehung Platz machen. Frau Chang tritt überhaupt für moderne Erziehung in Schule und Haus, insbesondere auch für Aufklärung der Frauen und Mädchen ein.— Dies im wesentlichen das Programm einer Frauenbewegung, die allem Anscheine nach von einem durchaus modernen Zug ge- tragen scheint. Ist erst die Zeit gekommen, so wird zu dieser sicherlich auch eine moderne Arbeiterinnenbewegung treten. Die Dicnstdotenbewcgnng in Australien. Weiter als in Deutsch- land mit der noch schüchternen Dienstbotenbewegung, haben es die Dienstboten in Australien gebracht. Sie verlangen. dah die Woche für sie 68 Arbeitsstunden haben soll; die Arbeit soll um Va7 Uhr morgens beginnen und viermal in der Woche um 7 Uhr zu Ende sein. Die tägliche Arbeitszeit soll von 3 einstündigen Pausen unter- brachen werden. Donnerstag soll die Arbeitszeit um 2 Uhr nach- mittags zu Ende sein, ebenso Sonntags, im Notfall aber wollen die Dienstboten jeden zweiten Sonntag zwischen Va6 und 1U1 Uhr den Tee bereiten für die Herrschaft. Mittwoch soll bis 10 Uhr abends mit drei halbstündigen und einer ganzstündigen Unterbrechung gearbeitet werden. Sonntag vormittag müssen zwei Stunden zum Besuch der Kirche freigegeben werden. Eine Woche Ferien und freie Feiertage werden ebenso verlangt, Arbeit, die in dieser Zeit gemacht wird, muh mit 1 Schilling pro Stunde bezahlt werden. Die Dienstboten haben mit Ausnahme des freien Donners- tagS jeden Abend um 10 Uhr zu Hause zu sein, an den Feiertagen um 12 Uhr. Livreen müssen von der Herrschast bezahlt werden, die auch verantwortlich ist, dah die Dienstboten gut gelüstete Zimmer haben. Der Lohn schwankt zwischen 12Vz Schilling fl2ya M.) per Woche bis 25 Schilling; Mädchen für Alles erhalten 5 Schilling die Woche. Die Dienstboren haben eine gut organisierte Dienst- boten-Union, so dah sie ihre Forderungen auch zu verfechten im- stände sind. Bersammlnngen— Veranstaltungen. Schöneberg. Montag, den 13. Mai, in Obst Festsälen, Meininger- strahe 8: Vortrag. Herr Stern:„Die Bedeutung der natur- wissenschaftlichen Forschungen für daS menschliche Geistes- leben." Friedenau. Dienstag, 7. Mai, abends 8l/a Uhr bei Grube. Bortrag. Dr. Röder:„Krämpfe'. X�ernnlebtes. Im Bodcnsce ertrunken. Sonntagabend gegen 7 Uhr ist aus dem Bodensee bei einem heftigen Föhn ein Segelboot mit fünf Insassen gekentert, von denen vier ertranken und nur einer gerettet worden ist. Nach den bis- herigen Ermittelungen find die Namen der Ertrunkenen Peter Reha» aus Bayern, Marie Avlog aus Lörrach, Marie Simon aus Lörrach und Emil Eoutellier, dessen Herkunftsort noch nicht bekannt ist. Beim Radrennen gestürzt. Bei dem Radrennen am Sonntag um den Preis der Stadt Erfurt stürzte der Weltmeisterschaftsfahrer Walthour, als er eben gesiegt hatte, aus unbekannter Ursache vom Rade, rollte von der Kurve der Zementbahn herab und blieb mit Suheren Verletzungen auf dem Rasen liegen; er wurde bewuhtloS vom Platze getragen._ Der Rhei» steigt. Wie ans Köln gemeldet wird, ist der Rhein eit vorgestern um 2,02 gestiegen; der Wasserstand beträgt etzt 5,66 Meter. Feuer im Rennpall. Sonntag brach nach dem Rennen in den etwa 100 Meter von der Rennbahn in Münster entfernten Stallungen des Trainers I. Blume Feuer aus. Neun Rennpferd» ver» bjr a n n t e n. Erschossen wurde, wie aus Dortmund gemeldet wird, in der Nacht zum Sonntag der Bergmann Karl Dickmann während eine» Wortwechsels von dem Betriebsleiter David Schröll aus Eving. Aus dem Fenster gestürzt. Der unverheiratete Bergmann Stessen von Dortmund war bor einigen Wochen in ein dortiges Krankenhaus eingeliefert worden. In der letzten Nacht öffnete er in einem Fieber- anfall ein Fenster und stürzte sich auf den Hof hinab. Er wurde mit gebrochenem Genick tot aufgefunden. Zwanzig Personen vom Antoinodtl verletzt. Aus der Chaussee vor HehrotSberge sauste vorgestern nacht, nach Magdeburger Meldung, ein Automobil in»ine Menschenmenge, wobei über zwanzig Personen verletzt wurden. Von den Verletzten ist der Sohn eines Direktors aus Buckau bereits tot. Der Chauffeur und die Insassen dcS Automobils wären beinahe gelyncht worden. Gekentert. Infolge KenternS des Bootes find gestern auf dem Tynefluh in Schottland vier Personen, welche mit einem Segelboot einen NuSflng unternommen hatten, ertrunken. Hundert Stunden ßegrade». Wie aus New Kork gemeldet wird, wurden am vergangenen Dienstag abend aus einem unter Wasser gesetzten Kohlenbergwerk in der Nähe von Johnstown. Pennsylvanten, sieden Bergleute gerettet, die seit dem Freitag über 100 Stunden dort nntcn begraben gewesen waren. Sie waren vor Hunger völlig erschöpft, aber sonst yksund und werden sich voraussichtlich bald er» holen. Während sie am Freitag arbeiteten, wurde durch eine Sprengladung«ine«bteilnng nebe» dem Schacht, die aufgegeben war, da sie mit Wasser gefüllt, zetstört. und da» Wasser war i» den Schacht gedrungen. Die Leute flüchteten sich aus dem höchsten Platz, den sie erreichen konnten, und bliebe» hier in der Finsternis vier Tage und Nächte ohne jede Nahrung, Erst am Sonnabend wurde der Ungttickssall bemerkt, und man nahm zunächst an, dah die Leute er« trunken wären, bl» sie sich durch Klopfen bemerkbar machten und die RettiingSarveiten sösort aufgenommen wurden. Da daß Aus- pumpen sehr lange dauerte, versuchten MettungSabielliingön durch einen langen Tunnel zu den Eingeschlosscnen zu gelangen. Mit Nahrungsmitteln und einem Telephouapparat ausgerüstet, watete» sie im Dunkeln durch das auf dem Boden des Tunnels stehende Wasser, daS ober immer Söher stieg und ihrem Vordringen schli-hlich ein Ende machte. Nach siinf Stunden muhten sie vollkommen er- schöpft zurückkehren. DaS gleiche Schicksal hatte eine zweite Erpedition, und erst die dritte hatte, nachdem die PliNipett ttuaushörlich gearbeitet kiatteN, Erfolg und konnte die Eingeschlossenen au» ihrem finsteren Gefängnis an das Licht des Tages znrinkbriiigrn. Sie hatten bereits jede Hoffnung verloren. Ein» felgensch««»» Explesten» bei der drei Weihe«nd 1b Schwär,« umaekonlmen und drei Gebäude zerstört sind, sat nach einer Meldung aus Johannesburg gestern i» Möddel» ontein am Rand stattgefunden. Berein der Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterin«««. (Abteilung Sldlershos). Mittwoch, den 8. d. M., im Lokale von Wilhelm Schenk, Hackcnbergstr. 9, Mitgliederversammlung. Smgegangene Dmckfdmfteu. Von der„Neuen•Zelt"(Stuttgart, Paul Singer) ist ioeben deS 3t. Heft de» 25. Jahrgangs erschienen. AuS dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Bürgerliche Dialektik.— Die Konjimktur. Von Rudols Hilsciding.— Der Geschlchtzinatcrialismus als Kulturphllosophie. Ein philosophisches Programm. Von Stanislaus Brzozowski.— Neue Beiträge zur Biographie von Karl Marx und Friedrich Engels. Von Franz Mehring.(Fortsetzung.)— Der österreichtsche Kinderschutzkongresj. Von Ernst Lenz.— Postsparkassen. Bon Robert Zieme.— Notizen: Zur Agitation. Von E. Unger. Die„Neue Zeit' erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstaltcn und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quarta! abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Ps. Probmummern stehen jederzeit zur Verfügung. Berliner Marktpreise. AuS dem amtlichen Bericht der städlischen Marlthallen-Dtreltion.(Grotzbandei.) Nindfletsch I» SS— 70 pr. 100 Psd., Na 60-65, lila 56-59, Bullcnfleisch In 6-1-68, IIa 54-62, Kühe, seit 62—58, do. mager 42—30, Fresser 60—62, Bullen, dän. 53—60, do. Holl. 0,00. Kalbfleisch. Doppeileiider 105-130, Mastkäiber la 88-94, IIa 76—84, INa 0,00, Kälber ger, gen. 54—68, do. Holl. 55—62, dän. 57—64. Hammelfleisch Mastlämmer 67—73, In 65—68, II» 58—65, Schafe 55—60. Schweinefleisch 45—52. Rehwild, mit Slbschutz per Psd. 0,00. Rothirsch, Abschusi 00,58. Damhirsch 0,00. Wildschwelne 00,48. Frischlinge 0,40—0,60. Kaninchen per Stück 0,70—0,90. Hühner, alte, per Stück 1,50—2,25, do. Na 1,20—1,40, do. junge 1,00—1,60. Wolgahühner 1,10—1,75. Tauben 0,50—0,65, Italienische 0,00. Enten per Stück 00.00. dito EiS< per Stück 0,00, dito Hamburger per Stück 3,00 bis 4,75. Gänse, Hamburger per Psund 1,05—1,25, dito Eis- St. 5,50—7,00. Hechte per 100 Pfund 102—116, gross, mittel 00,00. Zander mittel 0,00 do. klein u. matt 0,00. Schleie Holl. Na 0,00, do. klein 0,00, do. 128. Aale.s gross 124—126, do. Nein 0,00, do. mittel 127—128, do. unsort. 0,00. Plötzen 0,00, do. stumpf 0,00, do. matt 0,00. Karpfen unsortiert 0,00, do. 40er 0,00, do. 20cr 0,00. Bleie 0,00. Aland 0,00, Bunte Fische 0,00. Boise 0,00, dd. matt 0,00. Karauschen 92. Blei- stsche 0,00. Weis 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer per 100 Pjd. 110—130, do. Na neuer ÖO— 100, do. lila neuer 75. Seelachs 20—25. Sprotten, Kieler, Wall 1,00—1,50, Danziger, Kiste 0,50—0,70. Flundern, Kieler, Stiege la 3—4, do. mittel per Kiste 2—3. Hamb. stiege 4—5, halbe Kiste 2,00, Bücklinge, per Wall Kieler 2,00—3,00, Strals. 2,00—2,50 Aale, gross per Psd. 1,10—1,50, mittelgross 0,80—1,10, klein 0,60—0,80. Heringe p Schock 5—9. Schellfilche Kiste 3,50-5,00,'s, Kiste 8-2,75. Kabliau, geräuch. p. 100 Psd. 20—25. Dorsch, Kiste 2,50—3,00. Sardellen, 1902er per Anker 95, 1901ev 93, l 905er 80—85, 1906« 75. schottische Vollhertng« 1905 0,00, large 40-44, füll. 38-40, med. 36-42, deutsche 37-44. Heringe, neue MatjeS, per Y, To. 60—120. Sardinen, rnss., Fass 1.50—1,60. Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1,50—1,75. Neunaugen, Schocksass 11, kleine 5—6, Riesen- 14, Eier, Land-, per Schock 3,00—3,80, Butter per 100 Psd. la 108-112, IIa 105-108, lila 100-104, abfallende 90-95. Saure Gurken Schock 4,50, Psessergurken 4,50. Kartoffel« per 100 Piund magnum bonum 3,85—3,60, Dabersche 8,00—8,25, Rosen 0,00, weisse 2,75—3,00, Salatkartosfeln 0,00. Spinat per 100 Psund 15—20. Karotten per 100 Pfund 0,00. Sellerie, hiesige, per Schock 4,00—20,00, do. pommersche 0,00. Zwiebeln grosse, per 100 Psund 0,00, do. kleine 8,50—4,00, do. hiesige(Perl») 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün, Schockbund 1,00—1,50. Kohlrabi per Schock 0,09, Retiig, baur. per Schock 2,40— 4,80. Mohrrüben per 100 Psund 4,00— 5,00. Tettower Rüben per 100 Psd. 0,09. Weisse Rüben, grosse 0,00, kleine 0,00. Rote Rüben 0,00. Blumenkohl, italienischer per Korb 3,75—4,25. Kohlrüben per Schock 2,00—3,00. Wirsingkohl bolländ., per Schock 15—26. Rotkohl hvlländ., per Schock 20—26. W-isskohl, dän. per 100 Pjd. 4,00-5,00. Rosenkohl per 100 Psd.jOO.OO. Sprutkohl per 100 Psund 8—10. Rhabarber 100 Bund 3,75—4,50, do. Bergedorfer per 100 Bund 4,00—5,00. Morcheln pep Psd. 0,40—0,50. Sandmarcheln per 100 Psd. 10,00. Waldmeister per Mandel 0,70. Radieschen per Schock 1,25-1,59. Salat per Schock 2,50—4,00. Birnen, per 100 Psd. hiesige 12-18, böhm. 0,00, tlal. 0,00. Aepsel, pe, 100 Psd., hiesige 8-20, Tiroler. Kiste 0,00, Caiville, Kiste 80-100, Amerikanische in Fäss. 15,00-35,00, Jini., Kiste la 5.00-20,00, extra 15,00 Bis 26,00. Zitronen, Messina. 300 Stück 7,00-11,00, 360 Stück 7,00-10,00, 200 atflck 0,00-12,00. Apfelsinen, Jaffa, per Kiste 0,00, Murcia LOOer Kiste 6-9, do. 300er 7—10, Valencia 420 er Kiste 13-24,00, do, 714er 18-22,00, Messina. lOOet 4,00-6, 150er 4,75-6, I6i et 8-13,00, 200er 7,50—19, 300er 8-13,©litt- 100er 7—8,00, do. 150 er 7-8,00, 80 er 7,00-8,00, 200er 13-14._ ßnefbaften der Expedition. Patienten in Beelitz. Buch usw. Dtesentgen unserer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der llebcrlveisilNg von Freiexemplaren sosort ihre Adresse einsende», da vel verspäteter Bestellung die ersten Nummern deS neuen Monats von der Post nicht gellcscrt werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. I. M. v». Nein.- WS. Ohne Einsicht in den©ertrag ist Ihre Frage leider nicht zu beantworten. Wlr können iin eigene» Interesse der Anfragenden da» so häusig gestellte Ersuchennur wiederholen, Anfragen, die sich aus Verträge, Urkunden, Briese, Statuten. Policen Nsio. beziehen, die Schrist stücke in Urschrift oder Abschrift beizufügen.— Schii« Dlii. 2,50 M.—»(. II. Beginnende Rückenmarkschwindsucht nennt man die von Ihnen beschriebene Krankheit. — B. K. Iv7. Sic könnest den Antrag aus die Wtederausnahme für Ihren Vater nicht IM eigene» Namen stelle». Schilder» Sie den Sach» verhalt der Slaatsanwaüschast und beantragest Sie ans Gruiid dieses Sach- Verhalts wieder Ausnahme de» Bersahreus. Sie könnest natürlich auch Ihren Vater veranlalsen, den Antrag zu stellen. Der Antrag Ihres Vaters müsste zum Protokoll des Gerichtsschreibers oder durch einen Anwalt ge» stellt werden. Das von Ihne» Vorgetragene kann zur Wiederaufnahm» de« VotfahrenS sllhr'e» Schwierig dllifte aber der Beweis sür Ihr« Ve» hanplungen sein.— G. W. est. 1. DaS ist leider nicht möglich, St« können aus Bescltigimg des MtssstalidcS und aus Schadenersatz klagen. 8. Reist.— O- M. 0354, 1. Nach zutreffender Ansicht nicht, lassen EI, eS auf eine Klage ankommen. 2. Wie zu eins.— Ziilödorf. Wiederholen Sie Ihren Aniraa. eventuell legen Sie Beschwerde ein.— P. Unruh. lieber Elsenbahusragen erhallen Sie in den amilichen Aiislunststcllen, Aleranderplatz, Schlessscher Bahnhof, PolSdamcr Bahnhof. Anhalter Bahn» hos die zuoerlässigste AuStNstlt.— R. K. Ist«. Enthält Ihr Vertrag nicht etwa eine Soiiderbestinuming. so hat der Wirt und nicht Sie dte Kosten sür de» Wasserleitnngsaiischlus, zu tragen.— O. T. 10 781. Wir müssest es grifft bsatzltch ablehnen, bestimmte Aerzte, Anwälte, Lehrer oder Flrmest zu empschlest.— Ivvv Untre»en Linden. 1, Ja. 8, Nein. ........................... Ii min................................ INSERATE »■ " sllc dte nächste Nummer müssest spätesten» bis»Uhr g nachmittag» de» vorherigen Tages in«»serer ...... Expedition abgegeben werden...... Orttßer« Anzeigen sür dt» Sonntags° Nummer erbitten dagegen schon bis Freitag nachmittag 5 Uhr, da nur tu diesem Fälle die Ausnahme garanttrrt Baumblüte in Werder und Ausstellung für Obstbau- und Obstverwertung mit ihren Hülfsmitteln, Garten- und Ackerbau, Gewerbe, Handwerk usw. Täglich Extrazüge und Dampfer. Sportshaus z. großen Krampe in Müggelheim. 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