Nr. 106. Abonnements- Bedingungen: B Abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 8,30 R., monatl. 1,10 2, wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Bofte Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Bost- Beitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweig Crideint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 24. Jahrs Die Infertions- Gebühr Beträgt für die fechsgespaltene Rolond geile oder deren Raum 50 Bfg., füs politische und gewerkschaftliche Bereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. Kleine Anzeigen", das erste( fettgebrudte) Bort 20 Blg., jebes weitere Bort 10 Big. Stellengesuche und Schlaf ftellen- Anzeigen das erste Bort 10 Big., jedes weitere Bort 5 Bfg. Borte fiber 15 Buchstaben zählen für zwei Borte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis 511hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ift bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ..Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernivrecher: Amt IV. Mr. 1983. Mittwoch, den 8. Mai 1907. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. fernfbrecher: Amt IV. Mr. 1984. ins Zeug legen, um durch neue Kriegerische Ruhmestaten das Das flassenbewußte Proletariat führt in allen Ländern ramponierte Prestige der französischen Bourgeoisie wieder die schärffte Opposition gegen den Militarismus und gegen zu spüren bekommen würden? Es unterliegt feinem Zweifel, zivilisierten Staaten kommen, so wird es in allen Fällen Wie oft schon haben die bürgerlichen Interpreten der daß ein Krieg zwischen Frankreich und Deutschland, von gegen seinen Willen geschehen. Träte der Krieg ein, fozialistischen Arbeiterbewegung die Sozialdemokratie als eine welcher Seite auch die Provokation kommen würde, auf den so wird das Proletariat, seinem Klasseninteresse folgend, auch barbarische Horde dargestellt, die unbesehen alles nieder- lebhaftesten Protest seitens des Proletariats beider Länder in diesem Fall der Taktik treu bleiben, die es der kapitalistireißen will, was sich im Laufe der wirtschaftlichen, politischen stoßen würde. schen Staatspolitik gegenüber befolgt: es wird auch den Krieg und kulturellen Entwickelung der Menschheit geschichtlich auf- Der Patriotismus der unterdrückten Klasse geht andere ausnuten, um seine politische Stellung zu stärken und seinem gebaut hat, und diese Schilderung der Sozialdemokratie mit Wege, als der Patriotismus der Herrschenden. Die Geschichte Ziel, der Eroberung der politischen Macht, näher zu kommen. ,, authentischen", aber freilich aus dem Zusammenhang ge- zeigt Beispiele genug, daß Kriegsniederlagen die Kultur- Da jeder Krieg eine Schwächung der Staatsmacht im Innern rissenen und zum Teil gefälschten Aeußerungen sozialistischer entwickelung der Völker in dem besiegten Lande keineswegs mit sich bringt; da jeder Krieg die wirtschaftlichen Verhältnisse Führer belegt! Gelegentlich stellen sie umgekehrt die Sozial- hemmten. Man wäre beinahe versucht, eine Regel aufzustellen, zerrüttet und dadurch die sozialen Gegensätze verschärft; da demokratie als eine harmlose Reformbewegung dar, und auch die etwa so lauten würde: Je stärker die militärische Macht jeder Krieg die Massen vor den Tod stellt und deshalb auch dafür legen sie sich Zitate zusammen. Bald ist ihnen der des Staates, desto größer der politische Druck auf die aus ihren politischen Wagemut steigert, da überdies fein Staat, Sozialismus die größte Gefahr des Staats, bald wiederum gebeuteten lassen; je mehr dieser Druck steigt, desto eher wenn er in den Krieg zieht, itt sicheren Siegen rechnen kann, ein lächerlicher Sput, der nur in der Einbildung eristiert, fommt der Augenblick, da eine Schwächung des Staates so wissen die Regierungen wie die herrschenden Klassen sehr den man los wird, wenn man ihn nicht fürchtet. Sie urteilen durch einen Krieg zur Vorbedingung wird seiner freiheitlichen gut, daß sie im Falle eines Krieges gegenüber dem grundüber die Sozialdemokratie nach dem Maße ihrer Angst vor Entwickelung. fäßlichen Kampf des Proletariats einen sehr schweren Stand dem proletarischen Klassenkampf. Das große geschichtliche Drama, das sich vor unseren haben würden. Nach den diesmaligen Reichstagswahlen hat sich die Augen in Rußland abspielt, ist ja ein lebendes Beispiel dafür. Das ist der eigentliche Grund der Angst der Regierungen deutsche Bourgeoisie eingebildet, die Arbeiter besiegt zu haben, Die japanischen Siege haben der russischen Revolution erst die und der herrschenden Klassen vor dem weichenden Patriotisweil sie sie niedergestimmt hat. Da aber der politische Kampf Bahn geöffnet, durch die sich das russische Volt die Freiheit zu mus der Arbeitermassen. Diese Angst ist ihrerseits das der deutschen Arbeiterklasse mit jedem Tage aufs neue beweist, erkämpfen hat. Sehen wir uns die Geschichte Westeuropas an! Die wichtigste Moment, δας sie vom Kriege zurückhält. daß er deswegen auch nicht das geringste an seiner Energie Niederlagen der koalierten Monarchien in den französischen In dem Moment, wo es der Bourgeoisie gelingen berloren hat, und sich als einziges Ergebnis des Wahl- Revolutionsfriegen wurden speziell für Deutschland zu einem sollte, den Arbeitern eine ,, patriotische" Gesinnung fieges über die Sozialdemokratie die Schwächung der parla- gewaltigen Moment der ökonomischen Befreiung des Bauern- beizubringen, in dem Moment, wo die deutsche Sozialmentarischen Stellung des Liberalismus erweist, so sucht tums und gaben erst die Grundlage ab für eine freiheitlichere demokratie für das Militärbudget stimmt, wird der Krieg zu diefer sich jetzt damit zu trösten, daß er wieder einmal die Entwickelung der deutschen Nation. Obwohl während der einer beschlossenen Sache. Denn der Massenmord ist es sicher Sozialdemokratie nationalliberal umdichtet. 48er Revolution die Regierungen in Deutschland schließlich die nicht, der die Bourgeoisie vom Kriege zurückhält, und die Das Proletariat und die Armee. herzustellen, beren gestiegenen Hochmut sie selbst am ehesten den Strieg. Sollte es dennoch zu einem Krieg zwischen So haben jüngst bürgerliche Zeitungen und bürgerliche Oberhand behalten hatten, so blieben doch die Zustände voll Geldausgaben sind es auch nicht. Aber sie fürchtet um ihre Barlamentarier den Militärpatriotismus der Unsicherheit und neue innere Stämpfe standen bevor; erst die eigene Herrschaft. Darum liegt im Antimilitarismus der Sozialdemokratie entdeckt. Weil der Sozialdemokrat Bebel preußischen Siege haben die Stellungen der Regierungen be- Sozialdemokratie die größte Gewähr für für die erklärt hatte, wir seien keine Feinde der Armee, sondern festigt, preußische Niederlagen würden, umgekehrt, zu einem Aufrechterhaltung des Friedens. Das hat wollen sie zu einer Waffe des Volkes machen, weil der neuen Ausbruch der Revolution geführt haben, die eine demo Fürst Bülow auch selbst am 5. Dezember 1904 Sozialdemokrat Noste praktische Reformvorschläge gemacht fratische Gestaltung und sicher auch eine größere Einheit anerkannt. Er sagte damals:„ Der Herr Abg. Bebel hatte Bebel hat ja übrigens auch schon wiederholt Deutschlands geschaffen haben würde. Die preußischen Siege hat weiter gemeint, die Früchte eines großen europraktische Vorschläge gemacht, wie z. B. die Abschaffung der haben die militärische Macht des Staats gesteigert und seine päischen Krieges würde in erster Linie die Sozial. blanten Militärknöpfe- deshalb erffären sie, die Sozial- Autorität sehr zum Schaden der politischen Entwickelung bemokratie davontragen. Diese Auffassung halte ich für demokratie habe ihren grundsäglichen Kampf gegen den Mili- der Nation so erhöht, daß die deutsche Revolution bis auf richtig, und das ist ein Grund mehr, warum die Regierungen tarismus aufgegeben! den heutigen Tag ein Bruchstück geblieben ist. Schließlich, die aller großen Länder, wie ich hoffe, festhalten werden an ihrer Niederlagen im Striege 1870/71 brachten dem französischen jetzigen ruhigen und besonnenen Friedenspolitik." Volte die Republik. Niedergestimmt und niedergebrüllt! Die Schlußfolgerung ist offensichtlich falsch; aber selbst wenn es gelingen würde, irgend welche Worte sozialdemokratischer Führer aufzugabeln, um mit mehr Recht patriotische" Ge- Die Regierungen und die herrschenden Klassen wissen sehr finnung daraus abzuleiten, was wäre damit bewiesen? gut, daß sie durch fiegreiche Kriege eine Machtentfaltung nicht Bebel hat wiederholt im Reichstage mit Recht darauf hin- nur nach außen, sondern auch nach innen erlangen; was in gewiesen, daß Aeußerungen einzelner außerhalb des Hauses unseren Augen als politischer Verlust erscheint, ist von ihrem für die Fraktion nicht maßgebend seien. Ein kurzer Einblick Gesichtspunkte aus eine politische Errungenschaft; sie wissen, Sie haben ihn wiedergewählt, den Kaempf, den schlags in die Geschichte der deutschen Sozialdemokratie lehrt aber, daß sie, indem sie das fremde Volk besiegen, auch das eigene Befähigungsnachweis erbracht hat für den Posten eines oftelbischen fertigen" Vizepräsidenten, der durch sein robustes Auftreten den daß auch andererseits nicht nur Aeußerungen einzelner Sozial- Volt sich unterwerfen. Sie nehmen ganz folgerichtig ihre Gutsinspektors oder eines ruffischen Gendarmen. Die Konservativen demokraten im Reichstage, sondern sogar Abstimmungen der politischen Klassenvorteile wahr. Es will ihnen aber noch demokratie bei den Wahlen niedergestimmt, man will sie jest im Es liegt System in diesem Vorgehen. Man hat die Sozial bemokratie bei den Wahlen niedergeftimmt, man will sie jetzt im Reichstage möglichst wenig zum Worte fommen lassen. Man will fie niederbrüllen und knebeln. Man will sie nicht mehr hören. Man 33 Fraktion für die Partei noch keineswegs maßgebend find. immer nicht in den Sinn, daß auch das Proletariat allmählich haben es in ihrer Preffe befohlen, und der Freifimm gehorchte. Nun Wir sind eine Partei der Kritik. Unsere Taktik ist das Er- gelernt hat, politisch zu denken. Sonst würden sie den ist das Bündnis bekräftigt und eine fruchtbare politische Arbeitsgebnis der Kollektiv arbeit der Partei. Der pro- Arbeitern ebensowenig Striegsbegeisterung zumuten, wie diese teilung feht ein: das Regieren besorgen die Konservativen, der Liberalismus aber spielt den parlamentarischen Hausknecht. Tetarische Klassenkampf läßt sich nicht kommandieren. Maß- ihnen Revolutionsbegeisterung zutrauen. gebend für die Stellung des Proletariats zur Armee und zum Wenn die Arbeiter nicht aus den Striegen den Klassen Militarismus sind seine Klasseninteressen. charakter des herrschenden Patriotismus erkennen sollten, so Die Arbeiter sind gegen den Strieg, weil sie fein Interesse belehrt sie zu Friedenszeiten der Militarismus eindaran haben, die Herrschaft ihrer Ausbeuter zu befestigen dringlich genug darüber. und die Herrlichkeit der herrschenden Dynastien zu erhöhen. Die Armee beruht heutzutage auf den Arbeitern und kehrt 1870 und 71 hat das deutsche Volk auf den Feldern Frank- sich gegen die Arbeiter. Diese bekommen es bei jedem großen reichs sein Blut mit dem Blut des französischen Volkes ver- Streit, bei jeder politischen Demonstration zu spüren. Man mischt- was ist das Ergebnis davon? Die Großzüchtung läßt es sie jeden Augenblick fühlen. Und da wundert man Die Kolonialpolitik vor allem kann das Recht der Kritik nicht des Militärstaats auf feiten des Siegers, die Großzüchtung sich noch, daß die Arbeiter Gegner des Militarismus find. des Kolonialstaats auf feiten des Besiegten. Hüben wie Die politische Freiheit der französischen Republik läßt die vertragen. Man darf sie sich bloß durch eine rofiggoldige Brille drüben eine Minorität Besitzender, die sich das Volk wirt- antimilitaristische Propaganda bis zu ihren äußersten Extremen ansehen. Schwarzseher werden nicht geduldet! schaftlich unterjocht hat, hüben wie drüben enorme Militär- sich entwickeln. In Deutschland ist das unmöglich, aber nicht Die kapitalistischen Kolonialpatrioten und die sozialdemokratischen lasten, die das Volk zu tragen hat! Deshalb sich gegenseitig weil das Klasseninteresse und die politische Gesinnung des Bertreter der Kolonialpolitik verstehen sich auch gegenseitig gar nicht, zerfleischen? Nein, lieber zusammenhalten, um die gemeinsame deutschen Proletariats anders wären wie in Frankreich, sondern benn sie sehen sich die Dinge von verschiedenen Gesichtspunkten an. Ausbeutung von sich abzuschütteln! weil man hier nicht die Versammlungs- und Preßfreiheit wo wir Milliarden nachweisen, die der Staat aus den Taschen weist ihr grob und brutal die Tür:" Dieses Haus gehört dem Spießihr sozialistischen Arbeitervertreter bürgertum und dem Adel bleibt nur still auf eueren Bänken, seid froh, daß man euch überhaupt noch duldet!" Weil es aber den Arbeitern bitterer Ernst ist mit ihrem Frankreichs besitzt. Db wir in Deutschland, wenn wir unsere der Steuerzahler zieht, um sie zu verschleudern, sehen die Kampf gegen den Krieg, deshalb machen sie den Schwindel antimilitaristische Propaganda frei entwickeln tönnten, zu den- Kapitaliſten Milliarden, die zur Verteilung gelangen und ihre der Friedensschwärmerei der bürgerlichen Jdeologen felben Ergebnissen getommen wären, wie etwa in Frankreich Taschen füllen. Wo wir Ströme von Blut erblicken, sehen jene nicht mit. Sie wissen, daß, solange die herrschenden Klassen Hervé, der auch in seinem Vaterland keineswegs die Partei Landkonzeffionen, Eisenbahnen und Staatsgarantien, Bergwerke. und Cliquen die Möglichkeit haben, mit Hülfe der Militär- hinter sich hat, ist eine Frage für sich und hängt von den wo wir den bis aufs Blut gemißhandelten Regersflaven erblicken, gewalt ihre Macht zu steigern, sie durch keine Moralpredigten besonderen politischen und zeitlichen Verhältnissen ab. Da- sehen jene den„ trägen" Wilden, den sie zur Arbeit erziehen" I Davon abzubringen sein werden. Die Arbeiter, denen das durch aber, daß in Deutschland die antimilitaristische Gesinnung Was sie fich zum Ruhm anrechnen, das ist in unseren Augen ein Unternehmertum talt und gefühllos die Lebensquellen ab- nicht einmal in allen ihren Konsequenzen zum Ausdruck Schandfleck für die Nation! Wie sollen wir uns da verständigen?! schneidet, tönnen fein Vertrauen gewinnen zum Jdealgismus fommen kann, wird nur erreicht, daß die deutsche Bourgeoisie Aber wir wollen uns auch gar nicht mit ihnen verständigen. der Ausbeuterklasse. Das Proletariat ist sich flar, daß man sich selbst über die Stimmungen in den deutschen Arbeiter- Denn, wie eine Verständigung zwischen den Liberalen und den den Strieg nur beseitigen kann zusammen mit der Herrschaft treifen täuscht. Gestützt auf eine misverstandene Parlaments. Ronservativen nur möglich ist um den Preis des Verrates der der Kapitalistentlasse! rede, ein aufgebauschtes Zeitungsinterview und auf den Polizei- liberalen Grundsäge, so wäre auch eine Verständigung zwischen uns Wie fich die Arbeiterflasse in einem Staate im Falle eines schutz gegen die antimilitaristische Propaganda, glaubt die und dem kapitalistischen Parlament nur möglich, wenn wir die Strieges verhalten wird, hängt am allerwenigsten von formalen deutsche Bourgeoifte, die deutschen Arbeitermassen patriotisch Intereffen des Proletariats und des gesamten arbeitenden Volkes haben, Gründen ab. Wenn man seinen Gegner in eine Verzweiflungs- umgeftimmt zu Wenn in unseren Reihen noch irgend welche die harten poli- verraten wollten. lage bringt, so daß ihm nichts übrig bleibt, als loszuschlagen, tischen Tatsachen nicht sehen, durch die das deutsche Justonen über ein„ pofitives" Zusammenwirken mit den bürger. wie es z. B. beim Hereroaufstand der Fall war, so beweist Proletariat zum schärfsten Stampf gegen die Klassenherrschaftlichen Barteien im Reichstage bestehen sollten, so wird sie das Vorman damit nicht sein besseres Recht, sondern nur seine größere der Patrioten angetrieben wird. Man höhnt die Arbeiter, gehen des reaktionär- liberalen Blocks gründlich zerstören. Macht, soviel ist flar. Die Stellung des Proletariats im weil es gelungen war, unter Benuzung einer Wahlkreis- Daß die Kapitalisten und ihre Zuträger uns im Reichstage nicht Kriegsfall hängt von dem Kriege selbst ab, von den Inter- einteilung, die längst ein höchst ungleiches Wahlrecht gehören wollen, stört uns nicht. Wir sprechen nicht zu ihnen, sondern effen, welche er in Bewegung fetzt. Die französischen schaffen hat, sie niederzustimmen, und glaubt, dadurch ihr zum Volte. Und wenn fie noch so laut brüllen, wir werden mit ihnen Arbeiter zum Beispiel haben sicher fein Interesse daran, patriotisches Empfinden gesteigert zu haben! Man läßt die schon fertig. Und wenn fie fich Blei in die Ohren gießen, die unter die preußische Fuchtel zu kommen; ebensowenig Gewerkschaften in der brutalften Weise die ökonomische Ueber- Stimme des Proletariats werben fie nicht los. Und wenn fte auch haben aber auch die deutschen Arbeiter ein Intereffe macht des Stapitals fühlen und glaubt, dadurch die Interessen- in eine Berferterwut geraten, je mehr fie schimpfen und Gewalt daran, etwa durch neue Siege den preußischen Militarismus harmonie gefördert zu haben! Man maßregelt Tausende von anwenden, desto mehr wird der Reichstag zu einer revolutionären zu stärken, der sie jest schon start genug bedrückt. Arbeitern aus Anlaß der Maifeier und glaubt, sie dadurch gitationstribüne! und and rerfeits, weshalb foren sich die französischen Arbeiter mit dem militaristischen Staat ausgeföhnt zu haben! und will Em Opfer des Militarisittus. Vor ewigen Tagen bereits berichteten wir über die auf- sehenerregende Verurteilung des ehemaligen Gardedragoners Otto Peters durch das Oberkriegsgerichts des Gardekorps zu Berlin. Peters hatte nach wiederholter Widersetzlichkeit gegen Vorgesetzte auf dem Tempelhofer Feld der ihn trans- portierenden Patrouille zu entfliehen versucht. Die Patrouille gab. wie ihr vorher besonders eingeschärft worden war, Feuer. Dem Flüchtigen wurden durch die Kugeln die Beckenfnochen vollständig zertrümmert. Der Verletzte schwebte lange zwischen Leben und Tod. er wird voraussichtlich für immer ein völlig hülfloser Krüppel bleiben. Nur selten kann er stch mühsam auf Krücken fortbewegen, meist mutz er getragen werden. Die erste kriegsgerichtliche Instanz hatte Peters wegen seiner Exzesse und seines Fluchtversuchs zu 1 Jahr und 14 Tagen Gefängnis verurteilt, trotzdem ein O b e r st a b s- a r z t alS Sachverständiger den angeklagten Krüppel für erblich stark belastet und ein Opfer des ungewohnten Alkoholgenusses bezeichnet hatte. Vor dem Oberkriegsgericht be- stätigten vier weitere höhere Militärärzte dies Gutachten. Trotzdem erkannte auch diese Instanz auf ein Jahr einen Tag Gefängnis I Ueber das Vorleben des kkrüppels teilt eine Kor- respondenz noch nachträglich mit: In der Verhandlung erschienen die alten, tiefgebeugten Eltern deS bejammernswerten Angeklagten und erklärten weinend: Ihr einziges Kind sei ihr S t o l z, ihre Hoffnung und ihre einzige Freude gewesen, denn er war ein selten gut geratener, liebevoller Sohn, der mit innigster Zärtlichkeit an seinen Eltern hing. Alsdann wurde auf Antrag des Verteidigers Leutnant freiherr v. Zedlitz und Leipa als Zeuge vernommen. Zieser bekundete auf Befragen des Verhandlungsführer»: Der Angeklagte sei zunächst als Rekrut in seiner Abteilung und später Bursche bei ihm gewesen. Er sei ein pfliwtaetreuer, tüchtiger Soldat,«in in jeder Beziehung an« ftelliger, zuvorkommender, netter und durchaus nüchterner Mensch gewesen, so daß er(Zeuge) erstaunt war, als er hörte, datz der Angeklagte stch betrunken habe. Er könne dem Angeklagten das b e st e Z e u g n i s, wie«S ein Bor» gesetzter einem Untergebenen nicht besser geben könne, ausstellen. Auf Antrag des Verteidigers.unrde außerdem fe st gestellt, daß der Angellagt« weder als Zivilist, noch als Soldat jemals auch nur die geringste Strafe erlitten habe. Trotzdem erkannte das Oberkriegsgericht auf ein Jahr einen Tag Gefängnis. Im Gegensatz zu den fünf militärisch- medizinischen Sachverständigen nahm es an. datz dem An- geklagten das Bewußtsein seiner Handlungsweise nicht gefehlt Habel Wozu man da überhaupt erst den großen Sachverständigenapparat aufgeboten hat? l Wie bereits mitgeteilt, will der Gerichtshof ein Gnadengesuch stir den Verurteilten einreichen. Logischer wäre es gewesen, den Krüppel freizusprechen und seine Schadenersatzansprüche sicherzustellen! Ein Brudergrutz aus England. Dem Parteivorstand ist in Schreiben deS Vorstandes der Sozialdemokratischen Föderation Englands vom 1. Mai zugegangen, worin mitgeteilt wird, datz dex Vor- stand der Föderation in seiner letzten Sitzung folgenden Be« schlutz gefaßt hat: „Der Vorstand der Sozialdemokratischen Föderation beglück« wünscht die Sozialdemokratische Partei Deutschlands herzlichst zu der mit verstäruer sozialistischer Stimmenzahl erfolgten Wahl des Genosien Molkenbuhr in den Reichstag an Stelle des verstorbenen Jgnaz Auer, dessen Verlust für die internationale sozialistische Be« wegung er tief betrauert. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Föderation begrüßt dieses Wachstum der sozialistischen Stimmen gegen die Ver« einigung aller anderen politischen Parteien, deren Stimmen ab- genommen haben, mit Genugtuung als ein Zeichen, daß die politische Strömung sich bereuS gegen den Regierungsblock zu wenden beginnt. In Hinsicht auf die jetzt sowohl in Deutschland alS in Groß« britannien unternommenen Versuche, Zwiespalt zwischen de» Völker» beider Länder z» säen, ergreift der Vorstand der Sozialdemokratischen Föderation diese Gelegeilheit, um ihre deutschen Genossen zu v«r> sichern» daß die Sozialiprn in Großbritannien sich mit ollen ihren Kräften de« Beginnen, Rassenvorurteile und chauvinistische Gefühle zu errege», widersetzen werden in de« Bewußtsein, daß die Sozial« Die deutsche Sozialdemokratie erwidert die Gefühle der englischen Genossen und wird wie sie ihre Pflicht tun in der Bekämpfung der frevlen Versuche, die Völker Deutschlands und ÄtglandS gegen einander zu Hetzen. politische(leberficht. Berlin, den 7. Mai 1907. Blockfreudeu und Blockschmach. Der Block ist wieder einmal zusammengeleimt; die Frei sinnigen aller Couleuren haben sich geduckt und sind froh, datz ihr Dompteur der Redefreiheit, der Abgeordnete Kämpf, in der heutigen Sitzung des Reichstags zum zweiten Vize wiedergewählt worden ist. Allerdings nur vom Block, der 162 Stimmen für ihn in die Waaschale legte, während Sozial« demokraten und Zentrum 134 weiße Stiinmzettel abgaben. Beglückt dankte der Gerettete für die Wiederwahl. Noch größer war die Freude der Blockbrüder über die Entscheidung bezüglich der Wahl des Abgeordneten V. R i ch t- Hofen, die von der Wahlprüfungskommission für ungültig erklärt worden war, heute aber von der geschlossenen Block« Mehrheit für gültig erklärt wurde. Die Freude war so grotz, datz sich die Blockbrüder selber ein schallendes Bravo ausbrachten! So groß wie ihre Freude rst aber auch ihre Schamlosigkeit: denn diese Entscheidung, die nur mit Hülfe der alles Rechtsbewußtsein mit Füßen tretenden Freisinnigen zustande kommen konnte, bedeutet die Schutzlosmachung der oppositionellen Parteien gegen die amtliche Wahlbeeinflussung. Es ist kein Zweifel, daß nur ein schmählicher Pakt dieses Resultat erzeugen konnte: Den Freisinnigen veroürgten die Konservativen die Wiederwahl Kampfs zum Vizeprästdenten nur für den Fall, daß die Freisinnigen daS Mandat v. Richt- Hofens retten halfen. Und sie halfen eS retten!— Und das. obwohl in der Kommission ern Freisinniger für die Ungültig« keitserklärung eingetreten war. Das Schmachkonto der frei« sinnigen Helden wächst nach allem in diesem Reichstag täglich mehr. Die Strafe aber wird nicht ausbleiben.-- Bei der Beratung des Handelsabkommens mit Amerika gaben die agrarischen Abgeordneten Herold C£.) und Graf Schwerin(k.) Erklärungen ab: daß sie zwar lucht befriedigt sind, aber das Abkommen atmehmen werben: sie wünschen nur löa«rr De?&maf6attn ia II' Handlungen mehr zu erfahren. Dem nationalliberalen Abge- ordneten S t r e e s e m a n n blieb es vorbehalten, das Komödiespiel unbewußt aufzudecken: er erklärte sich für Kommissionsberatung, damit es nach außen nicht den Anschein gewinne, als müsse der Reichstag dem Abkommen zustimmen. Genosse Molkenbuhr rollte die handelspolitische Situation auf und entgegnete den habsüchtigen Junkern und Zollwucherern, sie hätten mit ihrer Schutzzollpolitik den Anstoß zu den amerikanischen Repressalien gegeben. Natürlich gröhlten ihm dafür die Agrarier entgegen, aber Molkenbuhr ist ein zu gewandter Parlamentarier, um sich dadurch irritieren zu lassen, und so mußten die Herren die Charakterisierung ihrer Volksausplünderungspolitik zu Ende hören. Das Abkommen wurde schließlich an eine Kommission von 28 Mitgliedern verwiesen. Dann gelangte der Marineetat zur Erledigung. Hervor- zuheben ist aus den Debatten hierzu, daß die Abgeordneten A h l e b o r n und Stadthagen die prekäre Lage be» sprachen, in die die Orte Bant, Neuende, Herpen a. u. m. geraten sind, da die kaiserliche Werftverwaltung nichts zu den Steuerlasten jener Orte beiträgt, so daß die Kommunal- steuer an einzelnen Orten bis zu 609 Proz. der Staatssteuer beträgt! Stadthagen kritisierte noch besonders das Verfahren, ausländische Arbeiter heranzuziehen, die als Lohndrücker benutzt werden. Der 3. Nachtragsetat, den Nordostseekanal betreffend, wurde vom Genossen D i e tz besprochen, der hervorhob, daß die Sozialdemokratie alle Kulturwerke unterstütze. Aber er warnte, zum Kanalbau ausländische Arbeiter in Massen heran« zuziehen, wie das früher geschehen sei. Einige kleinere Vorlagen sowie Petitionen wurden schnell erledigt. Morgen: Zölle und Verbrauchssteuern, Südwest« afrika usw._ Herrenhaus. Da» Herrenhaus hat am Dienstag die StatSberatung sortgesetzt und in etwa vier Stunden nicht weniger als 27 Etat».erledigt", darunter so umfangreiche wie den der allgemeinen Finanzverwaltung. den der Handels- und Gewerbeverwaltung, der Bergverwaltung und den der Eisenbahnverwaltung! Das ist«in Zeichen dafür, was ein Parlament leisten kann, vorausgesetzt daß nur Vertreter von an« gestammtem Grundbesitz oder solche Leute drin sitzen, die dle Würde al» Gesetzgeber schon mit auf die Welt gebracht haben. Allgemein interessierende Fragen wurden beim Etat de» Bureau» des Staatsministeriums angeschnitten. Von den verschiedensten Rednern ward über den hohen Stand des Kurses der Staats« papiere geklagt, aber irgend ein Mittel zur H e b u n g de» Kurses wußte niemand anzugeben. Zwischendurch ließ stch der un» vermeidlicht Graf Mirbach immer und immer wieder vernehmen. um über die Belastung des Ostens zu jammern. Fast nach jedem Redner ergriff er da» Wort, bis e» selbst seinen eigenen Standesgtnoffen zu viel wurde und Eulenburg« Prosten ganz unzweideutig erklärte, daß Mirbächletn» Klagen über die Verl nachläsfigung de» Ostens unbegründet find. Beim Sisenbahnetat gelangte der bereit» mitgeteilte An« trag de» Herrn Dr. v. B u r g» d o r f f auf veseitignug der Fahrkarten« steuer zur Annahme! Herr v. BurgSdorff. der sich schon wiederholt der Regierung als Sozialistentöter in wohlwollende Empfehlung! gebracht hat, unterließ«S auch diesmal nicht, sein altes Steckenpferd zu reiten. Er faselte davon, daß die Arbeiter zu billig fahren, daß die Fahrkartensteuer nicht auch von Billett» vierter Klaff« erhoben wird und daß die Arbeiter, die in der Großstadt arbeiten und Sonntags in ihre Heimat fahren, da» sozial» demokratische Gift dorthin tragen und die Bevölkerung infizieren. Al« Ersatz für den Ausfall an Einnahmen. den da» Reich au» der Aufhebung der Kahrlartensteuer erleidet, empfahl er«ine Besteuerung von Genußmitteln, wie Tabak und vier! In seinem Sifer ging der junge Herr sogar soweft, der Regierung ein geheime? Bündnis mit der Sozialdemokratie vor« zuwerfen: Allen femste» behauptete er, daß die SleichSregierung nur au« Furcht davor, daß die Sozialdemokraten fie schief ansehen könnten, vor dem Ausbau der indirekten Steuer» zurückschreckt, st) Abgeordnetenhaus. Datz Abgeordnetenhaus hat am Dienstag zunächst die verg« gesetznovelle den KommisfionSvorschlägen entsprechend in zweiter Lesung genehmigt. Hterauf wurde der Entwurf eine» Ouellenschutz« gesetze« nach kurzer Debatte an eine Kommission verwiesen und der Antrag Arendt(k.) u. Gen. betreffend Verstärkung der staatlichen Maßregeln zum Schutze de» Deutschtum» in den Ostmarken, der bei der Etatsberatung aus versehen abgelehnt war. nach den üblichen Polendebatten gegen die Stimmen de» Zentrum», dir Frei« finnige« und der Polen angenommen. Junkerliche Steueräugst«. Der preußische Finanzminister hat kürzlich in der Finanz« kommisston de» Herrenhauses eine Erhöhung der Gin« kommensteuer als notwendig bezeichnet. Die.Deutsche Tage«» zettung' wamt heuchlerisch vor der Einführung prozentualer Zuschläge zu den Steuern auf sämtliche. also auch kleiner« und mittlere Einkommen. Statt nun aber einfach erheblichere Zu« fchlägefürdi« höheren SinkommenSklassen vorzuschlagen, empfiehlt da» agrarische Organ ein«—> Dt videndenfteuerl DaS in« dfu st r t« l l e Einkommen soll besonders herangezogen werden, damit ja die notleidenden Lotifundienbefitzer von einem Steuerauffchlage befreit bleiben. Der Ertrag der Einkommensteuer für die physischen Zenftten in Preußen mit mehr als 0000 M. Einkommen bezifferte sich 1806 auf IIb Millionen Mark. Bei der Erhöhung dieser Steuer um 10-»- 30 Proz.— also«wer mäßigen Erhöhung— wären leicht SO— Sö Millionen mehr herauszuholen. Aber dazu müßten auch die Junker beitragen. Deshalb verlangen fie--zum Schutz der.kleinen' Einkommen eine Dividendensteuer I Bo»„ewige»" Zentrum. Der ultramontane„volksfreund' in Aachen bringt einen Artikel über die AbrüstungSftage, worin festgestellt wird, daß die besten Geister aller Rationen fett Jahren, ja feit Jahrzednien sich i« Sinne de« ewigen Frieden» ausgesprochen haben und daß die großen SolkSmassrn ganz sicherlich hinier diese» Männern stehen. Dann heißt eS: .Wie lang« noch wird e» dauern, ehe der gesunde Menschenverstand bei allen Mächten zum siegreichen Durchbruch kommt? Hoffen wir zunächst auf die Haag er Konserenz; möge ste un». wenn auch nur«inen Schritt, dem so bedeutungsvollen Ziel« näher führen.' Dagegen bringt die.Trierische LandeSzeitung', das Dasbachblatt, einen höhnenden Artikel über die englische.Ab- rüftungSkomödie" und singt Bülow«in Loblied, daß er 'die»nllitärisch- Grandlage" stelle. Denn, so schreibt da» „Alle diplomatischen Finessen können kein feste», dauerhafte» Fundament bilden; die Kriegsbereitschaft und Stärke aber ist etwa» Reelle». Sichere», Haltbare» und Wirksame«, nicht bloß für be voneßttznn« dB SM« fisCft fnta»«Ach ffc** ' Zähmung der ausländischen Gegner. Von diesem Standpunkte au» tonnen wir dem Spiel der Abrüstung�- kom'ödianten mit voller Gemütsruhe zusehen." Wer vertritt nun hier den richtigen Zentrumsstandpunkt, das geistliche Blatt in Aachen oder das in Trier?— Merkwürdige Fraktionsverhältnisse scheinen im Aachener Rathauszentrum zu herrschen. Jüngst hatte die Stadtverordnetenversammlung über die An« stellung eines neuen Beigeordneten zu beschließen. Vom Zentrum. das die Mehrheit im Kollegium ha:, war ein Rechtsanwalt, der Führer der Aachener Ultramontanen, vorgeschlagen worden, aber eS wurde der Kandidat der Liberalen gewählt, für den auch ein Teil der Zentrumsstadtverordneten stimmte. Dazu schreibt nun der„Volksfreund", das Aachener Zentrumsblatt: „Tonangebend ist auf dem Aachener Rathause die liberale Minderheit im Bunde mit dem Herrn Oberbürgermeister Veit- mann, dessen Parteistandpunkt uns nicht klar, sicher aber nicht Zentrum ist. Zu dieser Koalition gesellt sich dann im ent- scheidenden Augenblicke der sogenannte rechte Flügel der so- genannten Zentrumsfraktion des Stadtrats. Wir sagen mit Absicht: sogenannten Zentrumsfraktion des Stadt- ratS. Denn es bekennt sich zwar die Mehrheit der von der Zcntrumspartei gewählten Mitglieder dieser Fraktion zum ZentruinSprogramm; von einigen Herren ist eS aber nicht zweifelsfrei, ob fie voll und ganz auf dem Boden der Zentrumspartei stehen; und von dem Hospitanten(bis 1ö03 Mitglied I) der Fraktion, Herrn Kommerzicnrat Vossen, ist es sogar bekannt, daß er das politische Zentrum vernichten möchte." Danach gibt es in der Aachener Zentrumsfraktion zunächst voll und ganze Zentrumsleute, dann gibt es„nicht zweifelsfreie" Zentrumsleute, die gewöhnlich mit den Liberalen stimmen, sind endlich hat die Fraktion noch einen„Hospitanten", dessen darauf hingeht, die Partei zu vernichten. Und so erklärt sich denn. daß das Rathaus-Zentrum tn Aachen, trotzdem es die Mehrheit der Stadtverordneten hat, dennoch in der Minderheit ist, wäbrend um» gekehrt die Liberalen, die in der Minderheit sind. Über die Mci- heit verfügen. So was kann aber auch nur beim Zentrum passieren!_ Anarchistendebatte im württembergischen Landtage. Stuttaart, 4. Mai 1S07(Eig. Der.). Die Justizdebatte, über deren wesentlichsten Teile im „Vorwärts" vom 28. und 30. April berichtet wurde, ging am 2. Mai zu Ende. Der sozialdemokratische Antrag auf Erweiterung der Kompetenz der Gemeindegerichte in den Gemein cn 1. und 2. Klasse wurde mit 35 gegen 31 Stimmen abgelehnt. Hervorzuheben ist noch, daß der Justizminister v. Schmidlin inbezug auf die Berufung von Arbeitern zu Schöffe» und Geschworenen eine in ihrem allgemeinen Teil sehr ent- gegenkommende Erklärung abgab. Der gute Eindruck dieser c uesi von sozialdemokratischer Seite beifällig aufgenommenen Erklär j wurde leider vom Minister selbst dadurch abgeschwächt, daß m die in der letzten Zeit erfolgte Ablehnung zweier bekanmer Sozialdemokraten, die vom Stuttgarter Gemeindcrat zu Geschworenen ausgelost waren, nur mit sehr faden« scheinigen Gründen verteidigte. Zu der Beratung des Etats des Innern sprach al» ctstcv Redner der Sozialdemokratie Abg. Dr. Lindemann. Ev wendete sich entschieden gegen die Absicht der Re- gierung. die Stuttgarter Polizei, die seither trid in allen Orten, dem Gemeinderat untersteht zu ver, staatlichen. Er führte Windthorst und Miguel als Bcq gegen die Absicht der Regierung die Stuttgarter Polizei. die seither wie in allen Orten, dem Gemeinderat untersteht, zu verstaatlichen. Er führte Windthorst und Miguel als Be- gründer und Befürworter der Anschauung an, daß die Ausübung der Polizeigewalt ein eigenes Recht der Gemeinden sei. m Freitag erwiderte Minister v. Pischeck auf diese Rede. In der Großstadt seien die Ansprüche an die Polizei größer und dem sei die Gemeindepolizei nicht gewachsen. DaS wichtigste aber sei ihm die politische Polizei, denn die Ueberwachung der Anarchisten sei notwendig.(!) Man könne aber der Polizei nicht zumuten. oem Gemeinderat Bericht zu erstatten, wie fia überhaupt nicht in ihrer Existenz von dem in seiner Zusammen- setzung abwechselnden Gememderat abhängig sein könne. In dio gleich« Kerbe hieb auch der nationalliberale Abg. Kübel, den» ein städtischer Schutzmann nicht genügend Autorität genießt., Auf diese von scharfmacherischem Geist getragenen Reden ant« wartete für die Sozialdemokratie zunächst Abg. M a t t n t a t, der den tn» Feld geführten Anarchistenschrecken al» gänzlich hinfällig be« zeichnete. Die in Deutschland vereinzelt vorkommenden Anarchisten seien durchweg harmlose und ungefährliche Leute. Bisher sei Württemberg erfreulicherweise von einer so weitgehenden Ueber- wachunasmelhod« verschont geblieben, wie fie anderwärts bestehe und die nur auf eine Schikanierung der Vereine hinauslaufe. Als am Sonnabeud der Minister nochmals die Ueberwachung der Anarchisten als staatliche Aufgabe bezeichnet«, antwortete ihm namen» der Sozialdemokratie Abg. Heymann. Er wie» nach, daß man im Stuttgarter Gemeinderat die Abficht de» Mnisteriums sehr richtig aufgefaßt habe, als man in einer Eingabe die Ver« staatlichung der Polizei al» einen Singriff in die altefreihettlich« Gemeindeverfassung, al« einen Ein« griff in dt« Selbstverwaltung und die Ent» ziehuna eine« wichtigen politischen Recht« der Stadt Stuttgart bezeickmete. Er stellte fest, daß diese Ein- gäbe vom Bemeinderat einstimmig beschloffen worden sei. daß ,hr also auch die nationalliberalen und konservativen Mitglieder zugestimmt hätten. Die Absicht, derDtuttgarterGemeinde- Verwaltung die Polizeigewalt zu nehmen, sei gerade zu der Zeit aufgetaucht, wo die Mehrheit des Gemeinderat« eine d e in o- krati sch-sozialdemokratische geworden sei, scheine e» also, daß Stuttgart für die zunehmend« demokrattsche Gesinnung semer Bevölkerung bestraft werden solle. Wa» Minister v. Pischek auf diese beifällig aufgenommene Rede erwiderte, war nicht sehr belangreich. Die Ausgabe, die unsicheren Elemente. mithin auch die Anarchisten zu über- wachen, fall« dem Staate zu. Die Anarchisten seien keineswegs harmlos, da» beweise— die Revolntton in Rußland I Im übrigen weise er die Abficht, der Arbeiterbewegung Schwierigkeiten machen zu«ollen, entschieden zurück. Räch Zuendeführung der Debatte wurde die Abstimmung über die vorliegenden Anträge auf Montag vertagt. Ein««derer vom ReichSlügeuverband. ?u unserem gestrigen Bericht über den Prozeß ebert-Echöpflin ist zu berichtigen, daß der Ver- teidiaer Dr. Karl Liebknecht in einem seiner Beweis- antrage nicht behauptet hat, der General V. Liebert habe m einer Versammlung gesagt, daß Genosse Singer sich an Kindern unter 14 Jahren vergangen habe. Diese gemeine Verleumdung ist vielmehr von einem Agenten deS ReichslügenverbandeL, einem gewissen L e u f f e n ausgesprochen worden, für dessen Handlungen Herr v. Liebert als Leiter deS ReichSverbandeL allerdings in gewissem Maße die moralische Verantwortung mit trägt. Genosse Liebknecht scheint Beweiserhebung über die Leuffensche Verleumdung beantragt zu haben, um die Kampsesweise des Reichsverbandes zu charakterisieren._ ftamfcrdd». Da» franzöfisch- japanische Abkommen, dessen Wortlaut allerdings noch nicht endguüig festgestellt ist, wird van der dav-iVH» öfretfsichea MtzUM"" schs Giftig vnd Minister Pichon wird ob seiner diplomatischen Klugheit, die diese Entente herbeiführen half, allgemein gelobt. Der „TempS* will wissen, daß Rußland uns England bereits den Hauptzügen des Abkommens zugestimmt haben. Die Ber Handlungen gehen, wie das Blatt weiter meldet, mit den jenigen Hand in Hand, welche im Januar und Februar ge legentlich der kürzlich in London und Paris aufgelegten japanischen Anleihe geführt wurden. Der„Figaro" schreibt:„Die französisch-japanischen Ver Handlungen werden von dem außerordentlich friedlichen Grund satz der Integrität und Unabhängigkeit Chinas geleitet.— Die Sicherheit JndochinaS ist nunmehr gewährleistet. Die drückenden«nd gegebenenfalls sehr kostspieligen Sorgen kolonialer LerteidignugSfrageu fallen durch die Beseitigung der Gefahr von selbst weg. So wird die französisch-japanische Entente nicht nur für die äußere Politik Frankreichs eine glückliche Wirkung haben, sie wird auch für die koloniale und selbst für die innere Politik nützlich sein, da sie Frankreich ziemlich schwerer finanzieller Anstrengungen enthebt." In Neu-Aork ist man gar der Ansicht, das Abkommen bedeute den ersten Schritt zu einer Quadrupelalliauz zwischen Frankreich, England, Rußland und Japan. Wie dem auch sei, so viel steht fest, daß die deutsche Diplomatie durch die friedliche Vcrtragspolitik der anderen Großstaaten über den Haufen politisiert wird.— DaS MaßregelnugSfieber. Paris, 7. Mai. In dem heute im Elyseepalaste abgehaltenen Ministerrat teilte Kultusminister Briand mit. daß er die Entlastung des Lehrers Negre bestätigt habe. Ter Minister der öffentlichen Arbeiten Barthou teilte mit, daß er acht junge Telegraphisten wegen Verstümmelung von Depeschen entlassen habe; gegen zwei derselben würde daS gerichtliche Verfahren eingeleitet werden. Italien. Am ersten Mai i» Rom. Man schreibt uns aus Rom: ... Des Mißerfolges vom 22. Januar des vorigen JahreS eingedenk, wo die um 0 Uhr begonnene Umzingelung des Kolosseums schon mehrere Tausend Demonstranten versammelt fand, hat man d i e S mal schon um 6 Uhr früh alle Zugänge zum Kolosseum militärisch absperren lassen. Ueberall standen Truppenkordons: Lmiensoldaten mir ausgestanztem Bajonett, im Kolosseum selbst leichte Kavallerie. auf der Anhöhe, die zum Versammlungsort führt. Grenadiere. Daneben viel Carabinieri und Polizisten sowie hohe Polizeibeamte in Zivil. Jeder Versuch der gruppenweiS ankommenden Demonstranten, auf den Platz des Kolosseums zu gelangen, wurde vereitelt. Um» gehen ließen sich die Kordons nicht, da fie den ganzen ungeheuren Umkreis des Platzes umschlossen. So schien es gelungen, die Demonstranten in Gruppen zurückzuweisen, ohne daß es zu einem Zusammenstoß zwischen der Masse und dem Militär gekommen wäre. Auf ein Dutzend Seitenstraßen verteilt, erschien die Menge der Demonstranten nicht groß genug, um sich mit den zahllosen Soldaten AU messen. Um 10 Uhr änderte sich das Bild. Genoste Andrea Costa erscheint, in Begleitung der Abgeordneten Ferri, PeScetti und L o l l t n i sowie der Vertretung der LrbeitSkammer. Costa übersieht sofort die Situation. Er gibt der Menge durch Zeichen zu verstehen, daß fie in geschlossener Kolonne durch die Via degli Annibaldi vor- rücken falle. Die in der Via Cavour und der Bia Lanza aufgestauten Demonstranten schließen sich an, und eine dichte, tausendköpfige Masse marschiert, mit den Abgeordneten an der Spitze, nach dem Platze deS Kolosseums. An der Mündung der Via degli Annibaldi kommt es zum ersten Zusammenstoß. Die Truppenkordons, mit ausgepflanztem Bajonett, verwehren den Durchgang. Während man noch parla- menttert, tritt Costa ganz dicht an die Soldaten heran, faßt plötzlich ein Bajonett, biegt eS zur Seite, schiebt sich mit der nachdrängenden Menge in die entstandene Lücke, mit schnellen energischen Bewegungen seiner mSchttgen Gestalt die Soldaten abschüttelnd. Der Kordon ist gesprengt, und jubelnd drängen Hunderte und Aberhunderte in die Lücke. Das Gedränge ist so groß, die Meng« so dicht, daß daS Militär sich kaum bewegen kann. Die mit dem Kommando be» trauten Offiziere begnügen sich, die Soldaten um die An- höhe des BersammlungsortS zusammenzuziehen, während die Menge nach links abbiegt, um das VolkShauS zu erreichen. Ferri will dort sprechen, aber die Demonstranten wollen sich nicht mit einer Wer- sammlung im geschlossenen Saale begnügen, nachdem fie schon ein- mal fiegreich vorgedrungen sind. Sie wenden sich nach dem Kolofieum zurück, während die Abgeordneten, außer Costa, noch im Vollshause derweilen. Eine Schwadron Kavallerie rückt gegen die dichte Menschenkolonne vor, den Ausgang auf den Platz versperrend. Die Soldaten erhalten Order, in die Menge hineinzureiten. Die aber steht wie eine Mauer, und beim Rahen der Kavallerie werfen sich die vorder st en Reihen derDemon- stranten zu Boden! Die Pferde scheuen, bäumen, wenden sich zurück. Verwirrung verbreitend, die Kordons zerbrechend. Die Menge dringt siegreich vor, erstürmt die Anhöhe nach kurzem un- blutigen Handgemenge mit den Grenadieren und besetzt den alt« römischen Mauerrest, der als Tribüne dient. Inmitten der Truppen, unterbrochen von den Trompeten« fignale», die da» Zeichen zum Feuern sein sollen, hat so vor dem Kolofieum die Versammlung stattgefunden, die Giolitti.nun und nimmermehr" zulafien wollte. Die Genossen Costa. Romuald!, Ferri, PeScetti, Orano und Paglierini. ferner der republikanische Abgeordnete de Andreis und der Anarchist Forbicini hielten kurze Ansprachen, worauf man friedlich auseinanderging, ohne daß eS zu einem ernsteren Zwischenfall gekommen wäre. Jede unnütze Provokation ist von feiten der Demonstranten vermieden worden, wie auch von feiten de» MlitärS mit großer Rücksicht und Mäßigung vorgegangen wurde. Die häufige Verwendung deS Militärs bei solchen Ge« legenheiten hat offenbar günstig auf die Selbstbeherrschung der Gol- daten und Offiziere eingewirkt. Roch vor zehn Jahren wäre ein Zusammenstoß wie dieser ohne Blutvergießen undenkbar gewesen.... Lelgien. Da« Ministerium M vollkommenen WiderfMlchö. Brüssel. S. Mai.(«ig. Ver) Morgen wird sich da» Ministerium de Trooz nach einer Krisendauer von vier Wochen der Kammer präsentieren. DaS neue Kabinett hat sich den klerikalen Kreisen, da ihm sonst wenig zu seiner Empfehlung diente, als ein.Ministerium der Konzentration" empfohlen. Und eS beherbergt in der Tat Vertreter der beiden Flügel der Rechten, sogar Herrn Helleputte, der kollegial mit denselben Herren De Trooz und S i b a e r t einzieht, die er als die Mitglieder des vorigen Kabinetts gestürzt hat l DieS ist jedoch nicht die einzig« originelle Seite der neuen Regierung, deren konzentrierter Klerilalisnms sich au« den selt- samften Rüancen oder vielmehr Gegensätzen zusammensetzt. Wie sich die.Einigkeit" des Kabinett« de Trooz offenbaren wird, darauf darf jeder Staatsbürger neugierig sein. Es vereinigt in seinem Schöße Freihäudler und Schutzzöllner. Kongoseinde und Kongo- fennte, fimtylvicie. v?» wirft*» und ttthtas* des gesetzlichen Achtstundentages, Militaristeu und AntiMilitaristen.... Und dieses Ministerium, dessen einziges Bindeglied der KlerilaliSmus ist, der. wie die Bildung des Kabinett« deutlich gezeigt hat, in seiner gemäßigten wie in seiner radikalen Rote für politische Streber ein so dankbares Gebiet ist, dieses Ministerium der Gegensätze soll Fragen von so ausgesprochenem Charakter wie die Kongofrage, die Frage der Antwerpener Festung, brennende Fragen des Arbeiterschutzes. um nur von den drei aktuellen zu sprechen, lösen! Was Wunder, daß selbst die klerikalen Blätter für diese Art von.Konzentration' wenig Begeisterung zeigen. Während die antiklerikale Presse für diese Spottgeburt nur Hohn und schroffste Ablehnung zeigt. Das .Programm" dieser politischen Farbenpalette, Kabinett de Trooz ge- nannt, wird ja erst verkündet werden, aber eS ist für alle Fälle sicher, daß die neue Regierung alle Gegensätze der Rechten in neuen Wirren zum Ausbruch bringen muß und daß es trachten wird, durch die Taktik der Hinausschiebungen und Vertagungen sich, so lange eS geht, durchzufressen. Aufgereizt durch den Skandal, mit dem sich die vorige Re- gierung durch die Zurückziehung des Berggesetzes belastet hat. will, von den Sozialisten abgesehen, die liberale Linke solchen Manövern mit allen Mitteln entgegentreten. Wenigstens verkündet e» derzeit ihre Presse in überschwänglicher Weise.-- Vorläufig hat da» Kabinett de Trooz seinein Rufe schon insoweit vorgearbeitet, daß eS sich als ein Ministerium ohne eigenes UnterrichtSressort vorstellt I Der neue Minister DeScampS-David wird nur das Ressort für Kunst und Wissenschaft überwachen, in dem. soweit der KlerikaliSmuS es für gut befinden wird, auch dem öffentlichen Unterricht ein Plätzchen eingeräumt werden wird. Die Pflege des öffentlichen Unterrichts Wird demnach in einer Erhöhung der Subventionen für llerikale Schulzwecke seinen Ausdruck finden! Im übrigen ist von den Persönlichkeiten des neuen Kabinetts herzlich wenig zu sagen. Dem neuen Kabinett- chef wird eine gewiffe mit Arroganz gemischte Geschicklichkeit nach- gerühmt, die er wohl gleich morgen bei seinem Debüt zu beweisen haben wird, wenn er der Kammer als der Unterzeichner jenes be- rüchtigten Erlasse« zur Aufhebung des Minengesetzes entgegentreten wird!— Herr R e n k i n, der neue Justtzminister, ist das Urbild de« Streber« und er hat als solcher auch seine ehemalige Anhängerschaft für da» allgemeine Wahlrecht über Bord geworfen I Außer den Strebern, zu denen auch der neue Minister für öffent- liche Arbeiten. D e l b e ck e, gehört, gibt eS auch reine Nullen, wie Herr Davignon, dem die auswärtigen Angelegenheiten, die mit der heiklen Kongofrage belastet sind, anvertraut wurden. Herr Libaert hieß als Eisenbahnminister nur„Le PareBsoux"(der Faule). Sein Finanzministerportefeuille hat er als ein den kapitalistischen Interessen Zugeneigter erhalten. Jedenfalls verliert das belgische Eisenbahnwesen seinen schlechtesten Behüter. Wie Herr Helle- putte, die immerhin intereffanteste politisch« Persönlichkeit dieses Kabinetts und eines der Häupter der Jungklerikalen, feine demokrattsche Modernität in der Ministerschast zeigen wird, ist ab- zuwarten.— Der Kriegsminister H e l l e b a u t soll ein Anhänger de» persönlichen Militärdienste» sein, der bekanntlich eine Forderung der belgischen Sozialisten und Liberalen ist. Aber wie gesagt, außer der Unterstützung de» KlerikaliSmuS ist von diesem uneinheitlichen Kabinett keine einheitliche Tat zu erwarten. Und damit ist sein Todesurteil gesprochen. Brüssel, 7. Mai.(W. T. B.) Deputiertenkammer. Der eutigen ersten Sitzung der Session wohnen die neuen Minister ei. Die Sitzung ist sehr erregt und nimmt einen stürmischen Charakter an b« Besprechung der Interpellation Furnemont, in der Aufklärung verlangt wird, warum Präsident und Bureau der Kammer den Berggesetzentwurf während einer ganzen Sitzung haben diskutieren lassen, trotzdem derselbe doch schon tags zuvor zurückgezogen gewesen sei. Der Präsident erklärt hierauf, daß alleL ordnungsmäßig zugegangen fei. Da eine wettere Diskussion durch wüsten Lärm unmöglich wird, sieht sich der Präsident genöttgt. die Sitzung auf zuheben.—_ Brüssel,«. Mai.((Hg. Ber.) Die nachträgliche Maifeier, die wegen de« starken Regenwetters auf den gestrige» Sonntag ver- schoben werden mußte, wurde bei FrühIingSwetter unter ungeheuer starker Beteiligung der Brüsseler Arbeiterschaft begangen. Musik, Fahnen und Standarten mit kräftigen Inschriften, die sich diesmal gegen den König und da« vergangene Ministerium richteten, geleiteten den mächtigen, farbenbunten Zug durch die Hauptadem der inneren Stadt. Vor der Redattion des.Peuple", dessen neue» Heim festlich ««schmückt war. gab e» eine Demonstration mit Ansprachen. Auch iandervelde, der noch immer leidend ist, etivriff, stürmisch begrüßt, daS Wort. Camille HuhSmanS sprach über den Acht- stundentag. Die mächtige Demonstratton vollzog sich mit dem üblichen Temperament der hiesigen Arbeiterschaft, aber unter musterhafter Disziplin.__ Die russische Revolution. Bo» Land z» Land. Kopenhagen, 6. Mai. Die russischen Sozialdemokraten sind heute abend wieder von Malmö hier angekommen. Sie beabsichtigten, von hier über Esbjerg nach England weiterzureisen; da aber die Dampf- schtffahrtSgesellschaft die Beförderung von ESbjerg nach England verweigerte, wurde die Abreise aufgegeben. Die Russe» haben Ber- Handlungen eingeleitet, um einen Dampfer zu chartern, der fie direkt nach England bringen soll. Christiania, 6. Mai Die in Malmö fich aufhaltenden russischen Sozialisten suchten heute die Erlaubnis nach hier einen Kongreß ab- zuhalten. Die norwegische Regierung hat abschlöglich geantwortet. Kopenhagen, 7. Mai Die russischen Sozialdemokraten sind heute mittag über Korsör, ESbjerg nach England abgereisi „Nirgends Unruhen"— Petersburg, 7. Mai. Nach den bisher aus dem Reiche ein» getroffenen Meldungen ist e» anläßlich der Feiertage nirgend» zu Unruhen gekommen. Petersburg» 7. Mai Anläßlich einer gestern in der Stadt ChwalenSk im Gouvernement Garatow abgehaltenen Volksversammlung. die von sovv Personen besucht war. kam eS zwischen«in- greifendem Militär und Besuchern der Versammlung zu blutigen jusainmenstößen. Die Soldaten machten von der Feuerwaffe Ge- rauch. E« wurden zwei Personen erschossen und zahlreiche andere schwer verletzt, darunter der revolutionäre Abgeordnete Kirnosow. Ueberwachung der Dumamitglieder. Seit Sonnabend, den 4. d. M.. weilen die meisten Reichsduma- Mitglieder in ihren Heimatsorten, im Kreise ihrer Angehörigen und der sie mit begreiflicher Spannung erwartenden Wähler. Die russische Administrativbehörde hat nun eine rührende Fürsorge um die von Petersburg abwesenden Reichsdumamitglieder an den Tag gelegt, was insbesondere auf dem flachen Lande kraß zum Ausdruck kommt. Den Ortsbehörden ist nämlich dnrch streng vertrauliche Zirlulare aufgetragen worden, den Herren Bollsvertretem ernen. zweckentsprechenden Empfang" zubereiten, fie mit einer.Ehrenwache" zu umgeben, fie vor dem sich herandrängenden Volk zu„bewahren", fie bi» zu ihrer Abfahrt nach Petersburg nicht au« dem Auge zu lassen und über jede Kleinigkeit nach Petersburg ausjührlich zu berichten! Die Fürsorge EwlvvmS ist sogar soweit tzßft a ia Itbut Kgraschaft tei jtzscra cw Anzahl besonders geschulter Ministerialbeamten speziell damtt be« traut hat, die von den Provinzbehörden einlaufenden Berichte über die Petersburger Gäste entsprechend zu systematisieren, um zu sehen. ob die russischen Administrativorgane die Weisungen ihres Chefs richtig befolgt haben.— Die Zusammensetzung der sozialdemokratischen Dumafraktion. Zur sozialdemokratischen Fraktion gehören jetzt 6S Abgeordnete, von denen 54 stimmberechtigt sind, während 11 nur über be» ratende Stimme verfügen.— 58 Abgeordnete sind als Kandidaten der Partei gewählt worden, 7 Abgeordnete als Parteilose, die der Sozialdemokratie nahe stehen. Ihrer sozialen Stellung nach sind: Arbeiter....... 25 Abg. oder 38,5 Prozent Bauern....... 5,» 7,7 m Gutsbesitzer...... 1»» 1.5» Literaten und Journalisten 10.» 15,4» Lehrer........ 6„.9,2» Rechtsanwalt..... 1,» 1,5. Techniker....... 1.„ 1,5, Kontoristen und Buchhalter(3„„ 9,2. Semstwo-Angestellte... 4„« 6,2. Vizegouverneur a. D... 1„ 1,6» Das Fazit der Feldjustiz. Am 3. Mai ist das Feldgerichtsgesetz außer Kraft getreten. Bkc können jetzt das Fazit des blutigen Taumels ziehen.(Wir«tt- nehmen die untenstehenden Zahlen der Zeitung„Towattschtssch".) Wähxegd der achtmonatigen Existenz der Feldkriegsgerichte find folgende in die Presse gedrungene Urteile gefällt worden: 1. Zum Tode verurteilt und hingerichtet worden sind 1144 Personen darunter von Feldkriegsgertchten verurteilt.. 1102 m „ Marinefeldkriegsgerichten verurteilt 42. Zu sonstigen Strafen sind von Feldkriegsgertchten verurteilt worden: 2. zu Zivangsarbeit(Katorga)... 26V Personen auf 927 Jahre , lebenslänglicher Zwangsarbeit 78.— 8.„ lebenslänglicher Verbannung. 7„— 4.„ Gefängnisstrafen..... 454„. 88„ Außerdem sind 72 Personen dem Feldgericht übergeben worden, doch sind die Urteile nicht in die Presse gedrungen. Freigesprochen sind iin ganzen 71 Personen. Es wäre natürlich ein Irrtum, wollte man annehmen, daß der Zarismus nach Aufhebung der Feldgerichte etwa nicht mehr- die Möglichleit hat, seine Feinde scharenweise abzuschlachten. Der außerordentliche Kriegszustand, der Belagerungszustand� und sonstige außerordentliche„Zustände" geben den örtlichen Satrapen das Recht, beliebige Personen dem Kreismilitärgerichte zu überNeben und laut Art. 279 des Strafgesetzbuches anzuklagen, der auf kürzestem Wege zur Todesstrafe führt. Der blutige Alp, der auf Rußland lastet, ist noch lange nicht zertrümmert._ Huö der parte!» Parteiliteratur. Sozialistische Literatur, zwei Vorträge von PaulLensch, ist der Titel der neuesten Broschüre, die soeben im Verlage der „Leipziger Bollszeitung" erschienen ist. Die Broschüre enthält keineswegs etwa eine trockene Aufzählung von Namen und Bücher- ttteln, sondern sie stellt in ihrem kurzen Rahmen ein Stück Partei- geschichte dar: das Herauswachsen des theoretischen Sozialismus au« der bürgerlichen Philosophie auf der einen Seite und da« deS praktischen Sozialismus au« der bürgerlichen Politik auf der anderen Seite. An der Hand dieser historischen EntWickelung gibt dann Dr. Lensch die einschlägige Parteiliteratur an, deren Studium für da» Verständnis der sozialistischen Weltanschauung und des sozial- demokrattschen Klassenkampfes notwendig ist. Die Broschüre kostet 15 Pf. Sie kann allen Parteigenossen aufrichtig empfohlen werden. „Der Kamps der Arbeiter" betitelt sich eine soeben im Verlage der Leipziger Buchdruckerei A.-G. in Leipzig erschienene Broschüre, die Genossen Anton Panneloel zum Verfasser hat. Genosse Pannekoek, Lehrer an der sozialdemokratischen Parteischule in Berlin, befitzt zweifellos da» Talent eine» ausgezeichneten Schriftstellers unserer Partei; da» beweisen seine zahlreichen lesenswerten Artikel in der»Leipziger Volkszeitung". Wir beschränken un« darauf, nach- stehend die Kapitelüberschristen dieser allgemein verständlich ge- schriebenen Broschüre zu registrieren: Die besitzende und die besitz- lose Klasse.— Die Ausgebeuteten.— Jnteressenkampf und revo- luttonärer Kampf..— Die Umwälzung des Eigentums.— Das Endziel des Klassenkampfes, l. II.— Reform oder Umsturz. Der Preis des Büchleins ist«in ungewöhnlich niedriger. Er beträgt 20 Pf._ Genosse Bebel schreibt uns: Herr Georg Bernhard hat in der Nr. 9 der Zeitschrift„März" einen Artikel veröffentlicht, betttelt: Jgnaz Auer, der zeigt, daß es die höchste Zeit war, daß Herr Georg Bernhard auS der sozial- demokratischen Partei ausgeschieden ist. In besagtem Artikel trägt er allerlei Klatsch zusammen, um mich zu diskreditieren und zwar in einer ganz unqualifizierbaren Weise. Herr Georg Bernhard wundert fich, daß ich als Grabredner Auers bestimmt wurde, wozu ich nach seiner Meinung der Un- berufenste war. Ich will Herrn Georg Bernhard verraten, daß ich mich zu dieser Rolle nicht drängte, nachdem aber der Parteivorstand, der über meine Beziehungen zu Auer Ivohl besser unterrichtet ist als Herr Georg Bernhard, mich darum ersuchte, habe ich diesen Wunsch bereitwillig erfüllt. Weiter erinnert Herr Georg Bernhard an bekannte Vorgänge auf dem Dresdener Parteitage, die im Protokoll desselben nach' gelesen werden können, auf Grund deren Auer«in solche« Gefühl der Abneigung gegen mich gehabt habe, daß als er ewige Zeit nach Dresden bettlägerig wurde und ich ihn besuchte, er mir vom Kranken- bett auS abgewinkt habe. Herr Georg Bemhard setzt allerdina« vor- sichtig hinzu:„ob diese Geschichte wahr ist. weiß ich nicht, aber ich weiß, daß bei vielen fett jener Dresdener Szene ein bitteres Gefühl gegen Bebel nicht mehr verschwmden konnte." Ich erllär«, daß an dem geschilderten Borgana an Auers Krankenbett kew wahre» Wort ist. Diejenigen, die diese Geschichte kolportieren, haben sie sich aus den Fingern gesogen. Ob seit Dresden viele gegen mich em bitteres Gefühl hegen, weiß ich nicht. Herr Georg Bernhard mag aus seinem Berkehr mit ihm näher stehenden Kreisen darüber besser unterrichtet sein. Ich würde, wewl er reckt hätte, da« nur als eine unvermeidliche Konsequenz des Parteilebens ansehen, fintemalen ich au« meinem Herzen keine Mordergrube mache, sobald eS fich nach meiner Ansicht um wichtige Parteiinteressen handelt. Sicher ist aber, daß sich zwischen Auer und mir seit Dresden nichts geändert hatte, wofür am besten spricht, daß er nebst seiner Frau nach Dresden wie vor Dresden jedes Jahr mindestens einmal einen Abend in meiner Familie verlebte. Leider den letzten am 24. Februar 1907. Gewiß, Auer und ich, wir find seit Jahren in unseren Ansichten immer mehr auseinander gegangen. Herr Georg Bernhard nennt selbst ihn einen Revisionisten, eme Bezeichnung, gegen die Auer, lebte er noch, protestieren würde. Indes ist allbekannt, daß Auer. augenscheinlich mit unter dem Einfluß seiner Krankheit, die ihm sckon lange im Körper steckte, fich mehr nach rechts entwickelte und selbst früher gehegte Anschaniingen ausgab. Aber dieser Wechsel i» seinen Anschauungen war ansichtig' St» Hat kch» ffiann, der vovffsch» A-lffchtoi'lAd so qäv ein solch« Wandel in feinen Ansichten wohl Grund zu Meinung?« kämpfen, aber nicht zu persönlicher Gegnerschaft, Auf alle Fälle ist es ein eigenartiger Geschmack des Herrn Georg Bernhard, daß er, um das Grab eines Toten mit Rosen zu schmücken, glaubt einen Lebenden mit Schmutz bewerfen zu inüsscn. Der Borgang zeigt mir nur. daß ich mich über die Qualifikation d«S Herrn Georg Bernhard keinen Augenblick täuschte. Die Partei kcmn fich beglückwünschen, daß sie ihn losgeworden ist. Schöneoerg-Berlin. den 7. Mai 1907. _ A. Bebel. 6ewerftrcbaftUcbe� Sozialdemokratie«ud Gewerkschaften. Der„Korrespondent für Deutscht Buchdrucker" polemisiert ta einer langen Artikelserie gegen den Zentrumsabgeordneten Dasbach, der sich in einer Broschüre über die Tarif- aemeinschast der Buchdrucker in seiner Weise äußert. Unter den vielen albernen Vorwürfen, die Dasbach gegen den Buchdruckerverband erhebt, kehrt auch der zwar nicht neue, aber aufS Spießergemüt doch immer noch genügend gruselig wirkende wieder, der Buchdruckerverband sei eine„sozialdemokratische" Organisation. Der„Korrespondent" bemüht sich nun nach- Mweisen, daß das nicht der Fall ist. Das ist sein gutes Recht. Er läßt sich aber auch, ohne daß ein ersichtlicher Zwtmg dazu vorliegt, über die Stellung der Partei den Gewerkschaften gegenüber aus, indem er folgenden Fundamental- sah aufstellt: „Und wir sind sogar so frei, zu behaupten, daß alle Der- bandSmitglieder Sozialdemokraten wären, wenn die Sozialdemo- kratie den Lebensinteressen der Gewerkschaften Rechnung zu tragen verstünde, was bei ihrem gegenwärtigen Progranim nicht der Fall sein kann." Dieser Satz, der manchen Konflikt erklärt, zwingt uns zu einer Zurückweisung. Das sozialdemokratische Programm fordert in seinem zweiten Teile Abschaffung aller Gesetze, welche die freie Meinungsäußerung und das Recht der Vereinigung und Versammlung einschränken oder unterdrücken, und außecbem verlangt es: Sicherstellung de? Koalitionsrechts. Die sozialdemokratische Partei trägt also nicht nur den Lebensinteressen der Gewerkschaften Rechnung, sondern ihr gegenwärtiges Programm zwingt sie direkt dazu. Verlin und Umgegend. Die Lohnbewegung der Bäcker. Gestern nachmittag tagte in Kellers Saal eine öffentliche Bäckerversammlung. Die Lohnbewegung, welche sich jetzt mehr und mehr zum Kampfe zuzuspitzen scheint, hatte die Bäckergesellen in großen Scharen nach der Versammlung geführt. Saal und Galerien waren bis auf den letzten Platz besetzt. Hetzschold besprach die bekannten letzten Vorgänge, besonders die Ablehnung des Oberbürgermeisters als Vermittler durch die Innungen. Unter anderem führte der Redner aus, es sei bei einem Teil der Jnnungsmeister von vornherein abgemacht gewesen, daß sie auch den Oberbürgermeister als Vermittler nicht anerkennen wollen. Schon einige Tage vor der betreffenden Entscheidung habe Obermeister Liebing gesagt:„Ach. was versteht der Oberbürgermeister von der Bäckerei." Nachdem nun die Innungen sowohl das Gewerbe- gericht als auch den Oberbürgermeister oder einen sonstigen un- parteiischen Vermittler abgelehnt haben, ist den Gesellen jeder Weg einer friedlichen Verständigung verlegt. Diese Ablehnung durch die Innungen bedeutet nichts anderes als den Streik. sLebhafter Beifall.) Jetzt gilt es, zu handeln und alle Vorbereitungen für den Kampf zu treffen. Die Freie Bereinigung der Bäckermeister hat sich bereit erklart, eine Verein. barung mit dem Verband der Bäcker vor dem Gewerbegericht ab- zuschließen. Die Verhandlungen werden in den nächsten Tagen stattfinden. Was da vereinbart werden wird, soll dann als For- derung an alle anderen Meister eingereicht werden. Am nächsten Dienstag wird eine Vertrauensmänner- und eine Mitgliedcrver» sammlung des Verbandes abgehalten, um endgültige Beschlüsse über die Lohnbewegung zu fassen. Der Referent empfahl folgende Resolution: Die heutige Versammlung nimmt mit Entrüstung Kenntnis von der durch die Innungen erfolgten Ablehnung der Ver- Mittelung des Herrn Oberbürgermeisters von Berlin in unserem Lohnkampfe. Die Innungen haben damit den Beweis vor der Oeffent» lichkeit erbracht, daß es ihnen nicht um Schaffung eines ehrlichen Friedens zu tun ist. sondern daß sie nur den Kampf wollen. Mit den„freien" Verhandlungen oder solchen vor dem Innung?» schiedsgericht soll nur die vorjährige JnnungStaktik der Ver- sprechungen, an deren Halten man aber nicht im entferntesten denkt, wieder angewandt werden. Diese hinterhältige Jnnungspolitik macht es der Gesellen- schaft unmöglich, irgend welchen Einigungskomödien der Jnnungs- Vertreter auch nur das geringste Vertrauen entgegenbringen zu können. Daß alle Einigungsverhandlungen gescheitert sind, ist lediglich der rückständigen Ablehnung der unparteiischen Ver- Handlungsleitung durch den Oberbürgermeister seitens der In- nungen zuzuschreiben und fällt die Verantwortung dafür auch nur den Innungen zu. Die Versammlung sieht sich gezwungen, nunmehr der Organisationsleitung den Auftrag zu erteilen, zu gegebener Zeit die Forderungen an die einzelnen Meister abzusenden. Jedoch ist es der Organisationsleitung freigestellt, wenn sie es für zweckdienlich hält, das Angebot der„Freien Vereinigung der Bäckermeister Berlins", welche sich durch Beschluß zu Verhand- lungen vor dem Gewerbegericht bereit erklärt haben, zu akzep- tieren und mit diesen und den übrigen Meistern, welche zu Ver- Handlungen auf reeller Grundlage geneigt sind, vor dem Einigungsamt des Gewerbegerichts zu verhandeln. Hulitschke referierte über die Frage, welches ist die Ver- tretung der Berliner Bäckergesellen.— Dieser Punkt ist auf die Tagesordnung gesetzt worden, weil die Jnnungsvorstände behaupten, der Verband sei nicht die Vertretung aller Berliner Bäcker- gesellen. Demgegenüber führte der Redner aus, daß außer dem Verbände eine wirkliche Arbeiterorganisation für das Bäckergewerbe nicht besteht, und daß sich mit den Forderungen deS Verbandes auch die Gesellenausschüsse aller Innungen, also die gesetzliche Vertretung aller Arbeitnehmer im Bäckergcwerbc, einverstanden erklärt haben. Im Einverständnis mit den Gesellenausschüssen empfahl der Redner die folgende Resolution: In Erwägung dessen, daß die Innungen und ihre offiziellen Vertreter erklären, der Deutsche Bäckerverband sei nicht die wahre Vertretung der Berliner Backergesellen, erklären sich die in der Versammlungseinladung unterzeichneten Gesellenausschüsse der Bäckerinnungen Germania, Concordia, Rixdorf, Steglitz, Britz und Reinickendorf mit den Forderungen des Verbandes, die auch von den gesetzmäßigen Vertretern(den Gesellenausschüffen) mit an die Innungen gestellt sind, vollständig einverstanden. Die von den Innungen ausgestreuten Verdächtigungen, daß die Altgesellen als Unterzeichner der Flugblätter und Ver- sammlungseinladungen nicht die gesamten Gesellenausschüsse vertreten, müssen wir als Unwahrheit zurückweisen und erklären, daß die Gesellenausschüsse mit der Verbandsleitung alle Schritte in der Lohnbewegung gemeinsam beraten und unternommen haben. Die heutige öffentliche Versammlung beauftragt auch ferner- hin nur die Vcrbandsleitung und die Gesellenausschüsse mit der verantw. Redakteur: Hau« Weber. Perlin. Inseratenteil veraawU Vertretung ihrer Interessen den Arbeitgebern gegenüber und erteilt ihnen Vollmacht zur Durchführung unserer Forderungen. Den Referaten folgte eine rege Diskussion. Alle Redner stimmten den Referenten zu. Auch der Verbandsvorsitzende A l l m a n n- Hamburg nahm das Wort. Unter stürmischem Bei- fall der Versammlung führte er aus, daß jetzt jeder Berliner Bäcker- geselle zum Kampfe bereit sein muß. Der Verband ist für den Kampf gerüstet und tritt mit seinen Mitteln für die Berliner Bewegung ein. Schon in den nächsten Tagen könnten wieder Ver- sammlungen notwendig werden. Es gilt jetzt, bereit zu sein und den bevorstehenden Kampf zum siegreichen Ende zu führen. Nach Schluß der Debatte wurden beide Resolutionen ein- stimmig angenommen._ Ueber den Streik der Drahtarbeiter erstattete Handie Bericht in einer Branchenversammlung der Trahtarbeiter, die am Montag im Gewerkschaftshause tagte. Zu den geforderten Bedingungen sind 165 Arbeiter bei 14 Firmen beschäftigt. Diesen Arbeitern von der Lage des Streiks Kenntnis zu geben, war der Zweck der Ver- sammlung. Daß der Streik nun schon fünf Wochen dauert, ist er- klärlich. Es ist das erstemal, daß die Fabrikanten der Drahtindustrie einen Kampf zu bestehen haben; sie setzen deshalb alles daran, um die Arbeiter mit ihren Forderungen zurückzuweisen. Kein Mittel lassen sie unversucht, um Arbeitswillige heranzuziehen, in der Hoffnung, daß sie auf diese Weise die Streikenden überwinden könnten. Unter diesen Umständen muß mit einer längeren Dauer des Kampfes gerechnet werden. Die Streikenden sind darauf ge- faßt, daß sich der Kampf noch bis nach Pfingsten ausdehnt; ihre Einmütigkeit und ihr festes Zusammenhalten werden ihnen Erfolg bringen.— Die Versammlung nahm folgende Resolution an:„Die Branchenversammlung der Drahtarbeiter spricht den streikenden Kollegen ihre Anerkennung für ihr tapferes Verhalten im Kampfe aus und verspricht ihnen moralische und materielle Unterstützung." Die Fleischergesellen und der JnnungSarbeitsnachweis. Eine öffentliche Versammlung der Berliner Schlächtergescllen befaßte sich mit den Mißständen im Arbeitsnachweis der Innung. Es wurde u. a. ausgeführt, trotz Uwes ungeheuren Vermögens, trotz schon so oft geübter öffentlich geführter Kritik und trotz schärfster Brandmarkung der Gewerbedeputation, den Arbeitsnachweis von der Herberge zu trennen, sowie der Drohung mit polizeilicher Schließung der Herberge, falle es der Berliner Fleischerinnung garnicht ein, den„Saustall in der Mulackstraße" einmal gründlich auszumisten. Weiter wurde ausgeführt: Seit Jahren verlangten die Gesellen einen kostenlosen Arbeitsnachweis. Doch das störe die Innung wenig, nach wie vor müßten die Ge- sellen 59 Pf. und 1 Mk. Vermittlungsgebühren zahlen. Wer kein Geld habe, erhalte keine Stelle. Dabei bezeichne die Innung dieses Institut als eine Wohlfahrtseinrichtung. Auch die neue Arbeitsnachweisordnung der Innung habe die Gewerbedeputation zurückgewiesen, weil die Bestimmungen darin keine bessere Formen aufweisen. In dieser Arbeitsordnung heiße es:„Sind passende Gesellen nicht eingetragen, so hat der Sprechmeister das Recht, aus den sonst vorhandenen Arbeitsuchenden geeignete Arbeitskräfte auszusuchen." Wer jedoch den Sprcchmeister kenne, der wisse, welche paffenden Arbeitskräfte trotz Vorschrift ausgesucht würden. Daß die Gunst mehr Einfluß ausübe als die Arbeitsleistung, sei oft genug erwiesen. Schließlich wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Versammlung erklärt, daß der Arbeitsnachweis der Innung keineswegs als Wohltätigkeitsinstitut betrachtet werden kann, weil daselbst die Arbeitsuchenden 50 Pf. und 1 Mk. Ver- mittelungsgebuhr zahlen müssen; auch sind schon verschiedene Fälle vorgekommen, wo Fleischergesellen keine Arbeit nachge- wiesen ist. da sie die Vermittelungsgebühr nicht zahlen konnten. Die Behörde wird ersucht, dafür zu sorgen, daß die Arbeitsver- Mittelung von der Gesellenherberge getrennt wird, weil dort Schankwirtschast und Arbeitsvermittelung in unmittelbarer Nähe sich befinden. Die Versammelten fordern: 1. Einen kostenlosen Arbeitsnachweis auf paritätischer Grundlage, wie solcher schon seit Jahren verlangt wird. 2. Bis zur Einführung des Nachweises hat die Innung eine zweckentsprechende Arbeitsnachweisordnung einzuführen mit den Grundsätzen:„Die Eintragung aller Arbeitsuchenden ist obligatorisch. Den Arbeitsuchenden muß der Reihenfolge nach Arbeit zugewiesen werden, vorausgesetzt, daß dieselben die be- treffende Stelle bekleiden können. Begünstigungen durch den Sprechmeister oder Fürsprache anderer Personen sowie des Ein- getragenen selbst sind strengstens zu untersagen. Bei Nicht- annähme eines Gesellen durch den Arbeitgeber darf elfterer in der Liste nicht zurückgesetzt bezw. gestrichen werden. An Sonn- und Feiertagen darf keine Arbeit vermittelt werden. Die Kosten zur Unterhaltung deS Arbeitsnachweises hat die Innung zu tragen." DaS Bureau wurde beauftragt, diese Resolution sogleich den in Betracht kommenden Behörden sowie dem JnnungSvorstand zu unterbreiten. Veutkctzes Reick,. Lohnbewegung der Seeleute in den Ostseehäfen. In sämtlichen Ostseehäfen hat der Verband der Seeleute den Reedereien einen Tarif unterbreitet, der die Lohnverhältnisse der verschiedenen Kategorien der Seeleute sowie der Arbeitsleute, die an Bord der Schiffe beschäftigt werden, regelt, ferner über die Arbeitsdauer der letzteren und das Ueberstundenwesen an Bord Bestimmungen trifft. Die Mvnatshcuer für Matrosen und Heizer soll danach bei Nord- und Ostseefahrt 65 M., bei großer und transatlantischer Fahrt 70 M., für Trimmer 55 M., für Leicht- matrosen 50 M. betragen. Die Heuer für den Jungen bezw. Halb- mann wird»ach Alter und Fahrzeit berechnet, darf jedoch nicht unter 30 M. pro Monat betragen. Für Bootsleute wird eine Minimalheuer von 80 Mk., für SchissSzimmerleute von 85 M. ge- fordert. Die Arbeitszeit für Tagelöhner an Bord wird auf 10 Stunden festgesetzt, Ueberstunden werden mit 50 Pf. bezahlt. Die Mannschaften des Deck- und Maschinenpersonals erhalten an den Tagen, an denen das Schiff in einem Lösch-, Lade- oder Bunkerhafen ein- bezw. ausläuft, Ueberstunden vergütet für die Zeit, in der sie innerhalb 24 Stunden länger als 10 Stunden beschäftigt werden. Ferner enthält der Tarif noch Bestimmungen über die Musterung sowie die Einsetzung von Beschwerdekommissionen» die jeweilig aus einem unpartenschen Vorsitzenden und einem Ver- treter der Mannschaft und der Reeder bestehen sollen. In Kiel haben die Seeleute den Tarifentwurf den Reedern am 27. April unterbreitet, mit der Bitte, sei es einzeln durch ihre Vertreter, sei eS korporativ, mit der Organisation der Seeleute in Verhandlung zu treten. Vorgeschlagen wurde, daß die Be- sprechung unter dem Vorsitz eines Vertreters des Seeamtes oder der Handelskammer oder des Gewcrbegerichts geführt werden solle. Darauf haben die drei größten Reedereien, H. Diederichsen, Paulsen u. Twers und S a r t o r i, offensichtlich nach vor- hcriger Veoabredung, eine ausweichende Antwort gegeben und-keine Neigung bekundet, auch nur in Unterhandlung zu treten, ge- schweige denn den Tarif zu bewilligen. Die Kieler Seeleute haben deshalb auf sämtlichen Kieler Schiffen, mit Ausnahme der Post- dampfer, an diesem Montag die Kündigung eingereicht. Der Streik der Holzarbeiter in Andernach a. Rhein ist be- endet. Die Arbeitszeit wird sofort von 11 auf lv'/s Stunden und vom 1. April kommenden Jahres an auf 10 Stunden verkürzt. Der Lohn wird um 10 Proz. erhöht. Für Ueberstunden werden 10 Pf.. für Nachtarbeit 20 Pf. Ausschlag vergütet. Diese„Zugeständnisse", die die katholischen Unternehmer von Andernach dem„christlichen" tolzarbeiterverbande gemacht haben, haben also erst noch durch einen treik erkmnpft werden müssen._ •fcWMte-JDußn. Snid u-Bctioi: vorwärts vichdr.».«erlagtaftil Schwarze Liste» versendet auch der„Arbeitgeber-Ortsverband für das Maler- und Anstreicher- usw. Gewerbe in Essen". Die Liste der streikenden Gehülfen umfaßt mehr als 400 Namen und es wird darin dringend unter Hinweis auf die Statuten ersucht,„keinen von diesen Gehülfen einzustellen und bereits einge st eilte wieder sofort zu entlassen".— Die kaiserliche Drohung gegen diejenigen, die einen anderen an freiwilliger Arbeit hindern, galt nur für die Arbeiter. Kusland. Der Streik im Hafen von New Dork. Die Hafenarbeiter erklären, wenn die Gesellschaften ihre Forde« rungcn nicht bewilligen, werde innerhalb 48 Stunden kein einziger Hafenarbeiter inehr tätig sein. Die Gesellschaften erklären, daß sie die Forderungen nicht bewilligen; inzwischen werden die Schiffe durch Heranziehung von Stewards, Heizern und sonstigen Leuten der Besatzung beladen und gelöscht. Die Betriebsleiter der Docks sagen, sie seien bereits mit der Anwerbung neuer Arbeiter beschäftigt und würden deren bald ausreichend zur Verfügung haben. Gestern ist eine starke Polizeiabteilung nach den Docks von Hoboken gesandt worden. Wie der„Standard" unter dem gestrigen Datum aus New York meldet, werden die Hafenarbeiter der Hamburg-Amerika-Linie sich heute dem Ausstände anschließen. Der Dampfer„Kroonland" der Red Star Linie ist gestern mittag in See gegangen, nachdem mit Hülfe des Schiffspersonals Ladung und Kohlen an Bord genommen waren. Die Pasjagierliste des Dampfers ist so umfangreich wie kaum je zuvor und weist 950 Passagiere im Zwischendeck, 241 in der zweiten und 73 in der ersten Kajüte auf. Die Frachtverlader und Kohlenschaufler des Norddeusschen Lloyds haben ebenfalls den Streik erklärt. Die Bewegung im Baugewerbe. Gestern abend tagte in der Neuen Welt eine ungewöhnlich stark besuchte Generalversammlung des Maurerverbandes. Es galt Stellung zur Lohnbewegung zu nehmen. Silber» schmidt führte aus: Nach der Ablehnung des Schiedsspruches durch die Versammlung am 23. April machte Herr v. Schulz, der sich für die Erhaltung des Friedens im Baugewerbe bemüht, den Vorschlag, die Organisationen der Arbeiter möchten doch eine noch- malige Abstimmung über den Schiedsspruch vornehmen. Die Unternehmer würden bis zu ihrer nächsten Generalversammlung, die am 10. d. M. stattfindet, an der Annahme des Schiedsspruches festhalten. Dieser Anregung des Herrn v. Schulz folgend, hat die Verbandsleitung in der vorigen Woche eine Vertrauensmänner- sitzung einberufen. Dieselbe hat alle Gründe, die für und gegen die Ablehnung des Schiedsspruches sprechen, nochmals reiflich er- wogen, ist aber zu der Ansicht gekommen, daß es bei der Ab- lehnung des Schiedsspruches bleiben mutz. Dieser Beschluß ist fast einstimmig gefaßt worden. Dabei haben aber die Vertrauens- männer nicht außer Acht gelassen, daß, wenn es zum Kampf kommt, derselbe ein sehr schwerer werden wird. Nach dem Beschluß des Vertrauenskörpers hat die Verbandsleitung, unbeschadet ihrer ent- gegenstehenden Meinung, ihren bisherigen Standpunkt aufgegeben und schlägt der Versammlung in Ucbereinstimmung mit den Ver- traucnsmännern vor, Herrn v. Schulz mitzuteilen. der Zentralverband der Maurer danke ihm bestens für feine Bemühungen, sehe sich ab er außer stände, seinen Beschlutz vom 23. April zu ändern, die Ablehnung des Schiedsspruches bleibe also bestehe». — Die Verbandslcitung und die Vertrauensmänner sind einmütig der Ansicht, daß der Frieden erhalten bliebe und ein Vertrag zum Abschluß gekommen wäre, wenn den Arbeitern innerhalb der drei- jährigen Vertragsdauer eine Verkürzung der Arbeitszeit von einer halben Stunde täglich zugestanden worden wäre.(Sehr richtig.) Der Friede kann heute noch erhalten bleiben, wenn die Unter- nehmer nach dieser Richtung dem Wunsch« der Arbeiter Rechnung tragen. Die Verkürzung der Arbeitszeit ist eine Kulturforderung, an der die Arbeiter festhalten. Was nun nach diesem Beschluß des Maurerverbandes weiter kommt, das mutz der Zeit überlassen bleiben. Die Ausführungen Silberschmidts fanden lebhaften Beifall und allgemeine Zustimmung in der Diskussion. Nur mit der ab- wartenden Haltung, welche der Referent befürwortete, konnten sich die meisten Redner nicht befreunden.— Ii ach einem Schlußwort Silberschmidts stimmte die Versammlung dem Antrage der Ver- trauenSmänner und der Organisationslertung fast einstimmig zu. Letzte JVacbricbten und Dcpcfcbcn. Der polnische Schulstreik. Posen, 7. Mai.(W. T. B.) Die Strafkammer in Schrimm hat den Prob st Jesziersky in Kunows wegen Vergehens gegen 8 110 deS Strafgesetzbuches zu vier Wochen Gefängnis verurteilt. Vom Auto überrannt. Frankfurt a. M., 7. Mai.(B. H.) Auf der Landstraße zwischen Höchst und Schwalbach ereignete sich ein schwerer Automobilunfall. Der Arzt Dr. Heyder aus Frankftirt a. M. fuhr mit zwei anderen Aerzten in seinem Automobil die Landstraße entlang, als ihnen mehrere Radfahrer entgegenkamen, von denen der eine dem Auto- mobil links statt rechts auswich. Es kam zu einer Kollision, wobei einer der Radler stürzte und mehrere Meter weit fortgeschleudert wurde. Dem Gestürzten drang die Lenkstange in die Brust; er starb an den erlittenen schwere» Verletzungen. Vorbereitungen zur FriedenSkomSdie. Haag, 7. Mai.(W. T. B.) Die Zweite Kammer beriet heute die Forderung von 100 000 Gulden für den Empfang der Friedens- konferenz. Der Minister des Auswärtigen, Tets van Goudriaan, sprach die Hoffnung aus, daß der bevorstehenden Konferenz eine Reihe von Konferenzen folgen mögen, deren Zweck Vervollkommnung des Völkerrechts und Ausbreitung des Schiedsgerichtsverfahrens sei. S ch a p e r(Soz.) bekämpft die Borlage, indem er diese Kon- ferenzen als Komödien bezeichnet, die auf Initiative deS Kaisers Nikolaus, des Hauptes der russischen Bureaukratie, welche die Untertanen in einer barbarischen Weise mißhandle, veranstaltet würden. Für diese Aeußerung erteilte der Präsident dem Ab- geordneten Schaper einen Ordnungsruf. Roodhuyzen(liberal) be- zeichnet den Namen Friedenskonferenz als schlecht passend, und befürwortet die Bezeichnung Völkerrechtskonferenz als zutreffender. Thomson(liberal) findet den Augenblick für den Zusammentritt der Konferenz sehr übel gewählt. Tydcman(altliberal) protestiert gegen die Ausführungen deS Abgeordneten Schaper. Der Minister sagt zu. daß er die Aufmerksamkeit der holländischen Delegierten zur Friedenskonferenz aus eine Anregung Thomsons hinlenken werde, wonach der Konferenz die Frage der Einschränkung der Heeresdienstzeit vorgelegt werden soll. Schließlich wurde die Vor- läge mit 64 gegen 7 Stimmen angenommen Ein Cyklon. New Kork, 7. Mai.(W. T. B.) Auf deutsch- atlantischem Kabel aus Moni Pleasant in TexaS wird gemeldet, daß gestern durch einen Cyklon im nördlichen Texas schwerer Schaden an- gerichtet wurde und viele Menschen umS Leben gekommen sind. Einzelheiten fehlen noch._ ßaulSingerLiCo., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. vntertaltungödlatt Nr. 106. 24. Jahrgang. 1. jMlip i>ts.Armrls" Ktrlim NxlksdlM Wlimch. S. Ulli 1907. A« die Untteiorpnifntioncii! Mit Ende Juni dieses Jahres erreicht der erste Kursus der Parteischule seinen Schluß. Die Resultate, die bis jetzt erlangt wurden, sind sehr befriedigende. Für den neuen Kursus, der am 1. Oktober dieses Jahres beginnen und Ende März 1908 endigen soll, bitten wir die Anmeldungen spätestens bis zum 10. Juni zu bewerkstelligen und wollen danach die Landes- und Bezirksorganisationen ihre Vorkehrungen treffen. Jeder der Aufnahmesuchenden hat einen eigenhändig ge- schriebenen Lebenslauf einzureichen, den die zuständigen Or- ganisationen mit ihrem eigenen Gutachten an uns einsenden wollen. Wünschbar ist, daß diesesmal auch Parteigenossen mit in Vorschlag kommen, die bereits in Parteistcllungen sich befinden. Die Parteikaffe übernimmt wie bisher die Unter Haltung von 30 Schülern. Wir machen ferner den Parteiorganisationen und Preß kommissionen die Mitteilung, daß unter den Schülern, die Ende Juni die Parteischule verlassen, sich noch eine Anzahl befindet, die bereit und befähigt ist, die Stelle eines zweiten oder dritten Redakteurs, eines Partei- oder Arbeitersekretärs usw zu übernehmen. Meldungen bitten wir unter der Adresse Wilhelm Pfannkuch Berlin SW, 68, Lindenstraße 69 an uns zu richten. Berlin. 7. Mai 1907. Der Parteivorstand. Reichstag. 48. Sitzung. Dienstag, den 7. Mai, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratStische: Graf v. Posado wSky, Freiherr b. Stengel. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die Wahl des zweiten Vizepräsidenten. ES werden 333 Stimmzettel, darunter 134 unbeschriebene, abge- geben. Von den verbleibenden 199 Stimmen fallen auf den Abg. Kaempf sfrs. Vp.) 192, auf den Abg. Ledebour sSoz.) 4 Stimmen l Große Heiterkeit), auf die Abga. Leonhart(frs. Vp.), Fehrenbach (Z.). Stadthagen(Soz.) je 1 Stimme. Abg. Kaempf: Ich nehme die Wahl an.(Lebhaftes Bravo! bei den Freisinnigen; Lachen bei den Sozialdemokraten und im Zentrum. und vereinzeltes Lachen rechts.) Es folgt die erste Beratung über das Handelsabkommen mit Amerika. Staatssekretär Graf v. Posadowsky: Mein« Herren! Das Handelsabkommen mit Amerika, das Ihrer Beschlußfassung unter- liegt, mag die Hoffnungen, die sich an die Handclsvertragsverhand- lungen Deutschlands mit den Vereinigten Staaten geknüpft haben, in vielen Teilen nicht erfüllen.(Hört! hört!) Bei Hmrdelsver- tragsverhandlungen zwischen zwei Staaten, von denen der eine Wertzölle hat, während der andere— wie Deutschland— spezifische Zölle besitzt, ist die Basis für den Staat, dessen Zolltarif auf spezifischen Zöllen aufgebaut ist. immer eine ziemlich schwierige; denn bei spezifischen Zöllen ist jede individuelle Auffassung über die Normierung des Zolles ausgeschlossen. Bei Wertzöllen dagegen. die prozentual von dem Werte des Objektes erhoben werden, hängt die Erhebung immer mehr oder weniger von der Auffassung des Schätzenden ab, von seinen technischen Kenntnissen und von den Machtverhältnissen des Staates, in welchen das Objekt eingeführt wird. Deshalb liegt der Schwerpunkt dieses Ihrer Beschluß- fassung unterbreiteten Handelsabkommens wesentlich, oder mau kann sagen, fast allein in den Vorschriften, die auf eine andere Handhabung der Zollvorschriften in den Vereinigten Staaten lsoffen lassen. Und wenn diese Zollvorschriften in dem Geiste ausgeführt werden, in welchem diese Vereinbarungen geschlossen sind, dann kann man sich der Hoffnung hingeben, daß mancherlei Beschwerden unserer Exporteure gemildert oder beseitigt werden.(Bravo! bei den Freisinnigen.) Meine Herren! Dieses Abkommen ist selbstverständlich nur ein Provisorium, abgeschlossen zwischen zwei Staaten, die auf wirtschaftlichem Gebiete durch ihren Waren-Aus- tausch auf das engste miteinander verbunden sind, ein Provisorium, abgeschlossen, um eine für beide Staaten gefährliche Unterbrechung ihrer Handelsbeziehungen zu verhindern. Es gab«ine Zeit, wo wir den Vereinigten Staaten gegenüber eine stark aktive Handels- bilanz hatten. Dann kam eine Zeit, wo unsere Handelsbilanz mit den Vereinigten Staaten balanziertc, und von 1898 bis 1993 stand Amerika an der Spitze der Staaten, welche Waren nach Deutschland einführten. Demnächst, im Jahre 1994, wurde es von Groß britannien, 1998 von Rußland abgelöst. 1996 sind die Vereinigten Staaten wieder der Staat, welcher den größten Wert an Waren nach Deutschland einführte, während unsere Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten nur an dritter Stelle der Staaten steht, nach denen Deutschland Waren ausführt. Auch die verbündeten Re- gicrungen können dieses Abkommen nur als einen ersten Schritt betrachten, um auf dieser Grundlage zu einem Abkommen zu ge- langen, das auf einer wesentlich breiteren Grundlage ruht.(Bei- fall bei den Freisinnigen.) Die Zölle der Vereinigten Staaten sind gegenüber den Durchschnittssätzen der Zölle Deutschlands ganz außerordentlich hoch, und für eine ganze Reihe von Warengattungen schließen sie die Wareneinfuhr völlig aus.(Sehr richtig! rechts.) Wir müssen deshalb erwarten, daß unsere weiteren Verhandlungen mit den Bereinigten Staaten zu einem Abkommen führen, das unseren gegenseitigen Ansprüchen im Handelsverkehr in weiterem Umfange gerecht wird. Und wir dürfen hoffen, daß die Vereinigten Staaten sich dabei der Tatsache erinnern, daß Deutschland einer ihrer besten Kunden auf dem Weltmärkte ist.(Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Es wird ja in der Kommission Gelegenheit fein, nähere Aufklärungen zu geben. Für heute möchte ich Sic nur bitten, von diesem Standpunkt aus meine Ausführungen zu tvürdigen. Abg. Herold(Z.) beantragt Verweisung der Vorlage an eine Kommission von 21 Mitgliedern. Abg. Graf Schwerin-Löwitz(k.): Dem Grundsatze der Rezi. prozität entspricht dieses Abkommen nicht im mindesten, denn Amerika gewährt der Landwirtschaft nichts an Vergünstigungen, der Industrie aber noch viel weniger, was dem deutscherseits Amerika Gewährten gleichwertig ist. In der Kommission soll uns die Re- gierung bestimmte Aufklärungen geben, ohne die wir dem Ab- kommen nicht zustimmen können. Abg. Kaempf(frs. Vp.): Es ist erfreulich, was durch das Pro- visorium erreicht worden ist, weil dadurch der erste Schritt zu einem Tarifvertrage mit Amerika getan ist, und weil es erreicht ist auf freundschaftlichem Wege, ohne jeden Gedanken an einei. Zollkrieg, den wir stets bekämpft haben. Abg. Dr. Stresemann: Unsere endgültige Haltung machen wir abhängig von den Ergebnissen der Kommifsionsberatuug. Man hat anseheinend die Zustimmung des Reichstages als selbst- verständlich angenomm-",, und den Eindruck müssen wir durch eine genaue Prüfung der Vorlage vermeiden. Ich beantrage Verweisung der Vorlage an eine Kommission von 28 Mitgliedern. Abg. Molkcnbuhr(Soz.): Wir begrüßen es mit Freuden, daß es zu einem Abkommen gekommen ist, wenn wir auch nicht verkeimen, daß der Vertrag für Deutschland recht wenig bietet. Die Erleichterungen bei der Zoll- abfertigung, die uns in Aussicht gestellt sind, sollen sich ja erst in der Praxis bewähren. Wir haben den dringenden Wunsch, daß Handelsverträge für möglichst lange abgeschlossen werden. Es ist vollkommen falsch, lvenn es so dargestellt wird, als könne mit Leich- tigkeit mehr erreicht werden, als in diesem Vertrage erreicht ist. Würde es nach dem Willen derjenigen Herren gehen, die ungefähr einen solchen Einfluß auf die Gesetzgebung der Bereinigten Staaten haben wie bei uns die Rechte und das Zentrum, so würden sie über kurz oder lang mit der ganzen zivilisierten Welt in einen Zollkrieg geraten; denn diese Herren wollen für ihre Waren mög- lichst hohe Preise im Jnlande erzielen. Das ist die Politik der Trusts und derjenigen Kreise, die im Senat matzgebend sind. Es ist genau so, als wenn wir unseren Agrariern ganz allein unsere Gesetzgebung überließen. Die würden bald so hohe Agrarzölle ein- führen, nicht um den auswärtigen Landmann zu schädigen, sondern um den inländischen Konsumenten auszuplündern.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten. Lachen reckits.) Ich war gerade drüben, als dort die Hochschutzzollbewcgung eingeleitet wurde. Da hat man die Leute, die sich ablehnend verhielten, mit aller Gewalt in die Strömung hineingetrieben. Man suchte sogar die Arbeiter für die Hochschutzzöllner einzufangen, indem man ihnen sagte: Wenn wir die europäische Einfuhr von unserem Markte absperren, können wir höhere Preise erzielen. Ich habe aber damals— und ich dachte nicht daran, jemals noch Deutschland zurückzukehren, ich fühlte mich damals als amerikanischer Arbeiter— den amerikanischen Ar. bcitern gesagt: Laßt euch nicht mit derartigen Flausen einfangem (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Das ganze Manöver geht darauf hinaus, höhere Inlandspreise zu erzielen, dann wird die Arbeitslosigkeit steigen, und statt der höheren Löhne werden niedrigere kommen. Das ist auch eingetreten. So sind die Spinn löhne um 29, 39, 49 Proz. heruntergesetzt worden, die Zigarren macherlöhnc um 2— 3 Dollar gesunken.(Zuruf rechts: Aber jetzt in Deutschland!) Auch die amerikanischen Konsumenten sind die Opfer der Mac Kinley- und Dingley-Bill geworden. Also haben gerade d i e Leute einen guten Stützpunkt an unserer agrarischen Bewegung; denn unsere Agrarier liefern ihnen das Material für ihre Agitation gegen Deutschland. Soll ich daran erinnern, wie das Schweinecinfuhrverbot, das Rindvieheinfuhrverbot, wie die San Jose-Schildlaus und das Borsäureverbot gewirkt haben? Darin hat man lediglich Schikanen gesehen, und man glaubte, mit Schikanen antworten zu sollen.(Sehr gut! bei den Sozial. demokraten.) Was soll die ganze Hätz gegen diejenigen Leute welche die SchMzollbewegung in Amerika am wenigsten unter. stützen? Bei den letzten Wahlen wurde eine förmliche Hätz gegen die südlichen Baumwollfarmer getrieben. Der Herr Kolonial- direktor hat gegen die Southern Cotton Growth Association mit großer Verve agitiert und behauptet, daß das die Feinde Deutsch. lands sind. Das sind doch eigentlich diejenigen, die den Hochschutz. Zöllnern am meisten Opposition machen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es wurden so abenteuerliche Märchen erzählt, daß ich mich gewundert habe, wie die Vertreter des Handelstages alles geglaubt haben, was Herr Dernburg ihnen er- zählte: wie die South Cotton Growth Association den Preis der Baumwolle von 5 auf 19 Cents treiben und dadurch unsere Industrie um hunderte von Millionen höher belasten wolle.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Er erzählte auch, daß unser Baumwoll- verbrauch ungeheuer gestiegen sei: in 19 Jahren von 399 999 au' 1699 999 Ballen! Da mutz ich doch sagen: So etwas kann eigentlich nur in einer orientalischen Phantasie,(Hört! hört! und Heiterkeit rechts.), aber nicht in der Wirklichkeit des Wirtschaftslebens eines ? rossen Staates borkommen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- raten.) Tatsächlich ist auch unser Baumwollverbrauch nur von 287 999.auf 394 999 Ballen, also um 49 Proz. gestiegen.(Hört hört! bei den Sozialdemokraten.) Was hatte denn der Kolonial direktor mit seiner Agitation gegen die Amerikaner für einen Zweck? Unsere Industrie ist durch die Preissteigerung für Baumwolle im Jahre 1994 gar nicht so sehr geschädigt worden; denn viel stärker als die Baumwollpreise sind die Garn- und Zeugpreise in die Höhe gegangen. Unsere Industrie hat sich also schadlos zu halten gewußt. Aber eine derartige Hätz trägt dazu bei, die Stimmung gegen Deutschland zu verschärfen und gerade den Leuten in Amerika. die gute Handelsbeziehungen mit Deutschland herbeiführen möchten die Stellung zu erschweren. Wenn man alles tut, um zu ver- hindern, daß man mehr erlangt, dann hat man sich das selbst zuzuschreiben.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Nun liegt unser Handel mit Amerika allerdings eigenartig. Der Staatssekretär hat schon darauf hin gewiesen, daß unsere Handelsbilanz mit Amerika aus einer aktiven zu einer stark passiven geworden ist, indem unsere Einfuhr aus den Vereinigten Staaten auf 992 Millionen stieg, während unsere Aussuhr nur auf 328 Millionen gestiegen ist. Nun befinden sich aber unter den Einfuhrartikeln aus Amerika eine ganze Reihe, die wir wegen unserer industriellen EntWickelung notwendig brauchen. So bezieht die elektrische Industrie zurzeit für 134 Mil- lionen Mark Kupfer und unsere Textilindustrie für 293 Millionen Mark Rohbaumwolle. Selbst die Landwirtschaft ist hierbei he. teiligt; denn sie bezieht z. B. für 15 Millionen Mark Phosphor. sauren Kalk als Düngemittel. Müßten wir aus irgend einer Animosität gehen Amerika bei einem Zollkriege darauf verzichten, so würden wir unsere Landwirtschaft am meisten schädigen. Ganz ähnlich steht es mit dem Mais, der als Futtermittel gebraucht wird. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Da besonders Amerika auch für unsere Industrie in Be- tracht kommt, habe ich mich gewundert, wie gerade ein Herr aus Sachsen sich so ablehnend gegenüber diesem Abkommen verhalten konnte, da doch Sachsen mit seiner Textilindustrie an dem Export nach Amerika recht erheblich beteiligt ist.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wir führen nach Amerika für 79 Millionen Mark Baumwollwaren, für 31 Millionen Mark Keidenwaren und für 16 Millionen Mark Wollwaren aus.— Man mutz doch immer in Betracht ziehen, dass dieses Abkommen auch für Deutschland mancherlei Vorteile hat. Wir wünschen, daß es einmal gelingen möge, dieser Raubzugpolitik, die in der Trust- und Zollbcwegung in Amerika und bei uns in der Agrarzollbewegung zum Ausdruck kommt, den Garaus zu machen, so dass eine Basis für den fricd- lichcn Wettbewerb unter den Völkern geschaffen ist.(Sehr richtig? bei den Sozialdemokraten.) Die Kreise, die dieses Handelsabkommen nicht für ausreichend halten, erkennen ja damit bis zu einem gewissen Grade an, dass die Hochschutzzöllnerci eigentlich ein Unglück für die Völker ist. nur mit dem Unterschiede, dass man hier sagt: ES ist ein Unglück, dass Amerika so hohe Schutzzölle hat, während die amerikanischen Farmer vielleicht umgekehrt die hohen Zölle Deutschlands aus der Welt schaffen wollen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Erst wenn die Völker allgemein erkennen, dass gerade die breiten Massen durch die Schutzzölle zugunsten weniger ausgeplündert werden, wird damit aufgeräumt werden.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ueber kurz oder lang wird auch in Amerika ein Umschwung eintreten, wo sich bereits die Antitrust- bewegung in verschiedenen Formen bemerkbar macht; nur muh es vorerst gelingen, einen entschieden sreihändlcrischen Kongreß oder zunächst wenigstens ein freihändlerischcS Repräfen- tantenhaus zusammenzubringen, dann ist die Basis gegeben zu weiterem Ausgleich.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Wertziifle, die noch drüben bestehen, müssen beseitigt werden; denn sie bieten Anlatzzu allen möglichen Schikanen, weil sich der Zoll immer mit den Marktpreisen ändert. Auch zu allen möglichen Zoll» betrügereien haben die Wertzölle früher Anlaß gegeben. Daraus folgten dann rigorose Bestimmungen über das Verfahren bei der Abschätzung der Waren. Schikanen sind aber grosser Staaten unwürdig. Wenn auf allen Seiten der gute Wille vor« Händen ist, so wird auch vielleicht ein besseres Abkommen herbei- geführt werden. Jedem Vertrag, der die friedlichen Beziehungen zwischen den verschiedenen Völkern fördert, werden wir gern unsere Zustimmung geben.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. Dirksen(Rp.): Der Abg. Molkcnbuhr hat uns durch seine lange Rede nur zeigen wollen, daß er bei seinem Wieder- erscheinen im Reichstage noch der alte ist.(Lachen links.) Mit Komniissionsberatung sind wir einverstanden und werden den Ver» trag vielleicht annehmen können, wenn wir in der Kommission aus« reichende Aufklärungen über das Provisorium bekommen. Abg. Dr. Böhme(Antis.): Herr Molkcnbuhr hat es so dar« gestellt, als ob die Agrarier in Deutschland die Vereinigten Staaten provoziert hätten. Das ist nicht richtig, denn in Amerika fing die Hochschutzzollbewegung an, als wir die Caprivische Aera hatten. In Deutschland kann von Hochschutzzoll nicht die Rede sein. (Lachen links.) Die Diskussion wird geschlossen und das Abkommen gegen die Stimmen der Freisinnigen und der Sozialdemokraten einer Kom» Mission von 28 Mitgliedern überwiesen. Es folgt die Fortsetzung der zweiten Beratung des Manne« etatS. Die vom Abg. Liebcrmann v. Sonncnberg(wirtsch. Vg.) be- antragte Resolution betreffend bessere Zahnpflege und Einstellung von Zahnärzten, wird angenommen. Der Rest der fortdauernden Ausgaben wird debattclos bewilligt. Bei den„einmaligen Ausgaben" verlangt beim Titel„Beihülfe an die Gemeinde Bant 19 999 M." Abg. Ahlhorn(frs. Vp.) eine gesetzliche Regelung der den Ge- ineinden Oldenburgs zu gewährenden Beihülfen und Beseitigung der kommunalen Steuerfteiveit des FiskuS. Unterstaatssekretär im Reichsschatzamt Twele: Ein entsprechender Gesetzentwurf ist in Vorbereitung. Abg. Stadthagen(Soz.): Die Hoffnung, dass die nicht steuerkräftigen Gemeinden, in denen grosse Aufwendungen für Schulen-, Kanalisations- und Armenlasten gemacht werden'müssen, weil Arbeiter der Marineverwaltung dort lvohnen, der Fiskus aber nichts beiträgt, endlich dadurch etwas entlastet werden, dass die kommunale Beitragspflicht des FiskuS durch gesetzliche Regelung festgelegt wird, ist auch nach der eben gehörten Erklärung leider nicht gross. Seit 25 Jahren wird vom Reichstag. insbesondere von meinen Freunden, eine der Gerechtigkeit entsprechende Regelung gefordert. Wir haben wiederholt gehört, daß sie in Vorbereitung sei, aber g e s ch e h e n ist nichts. Mit Worten ist den Gemeinden nicht geholfen. Weiter weise ich den Staatssekretär auf die Petitionen der betroffenen Orte hin, z. B. auf Bant, dass die Marineverwaltuiig ausländische Ar- b e i t e r beschäftigt, während die einheimischen arbeitslos bleiben. Das ist unbillig und ungerecht und zeigt zu- gleich den„Patriotismus" der Berwaltung. Die Regierung hat eine gesetzliche Regelung der Heranziehung der Reichsbetriebe zu den Lasten der Gemeinden soeben wieder versprochen. Was nützen uns Versprechungen? Eine Zusammenstellung der nicht er- füllten Bcrsprcchnngcn der Regierungen würde einen stattlichen Druck- bogen ergeben.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Deshalb habe ich auch hier geringe Hoffnung. Sollte aber ein solcher Gesetzentwurf kommen, so mutz auch die Frage der Verwendung ausländischer Arbeiter geregelt werden, die werden verwendet, weil sie billiger arbeiten, daf ist das Gegenteil einer verständigen, ver- nünstigen Heimatspolitit.(Bravo l bei den Sozialdemokraten.) Der Titel wird bewilligt. Der Rest des Etats wird debattelos bewilligt, desgleichen der Etat für die Expedition nach Ostasien. Es folgt die zweite Beratung des dritten Ergänzungsetats(zur Erweiterung des Kaiser Wilhelm-Kanals 15 Millionen Mark). Die Kommission beantragt unveränderte Annahme. Abg. Dietz(Soz.): Wir stimmen der Vorlage zu. Es handelt sich hier um eine grosse wirtschaftliche Anlage, die regelmässig steigende Ueberschiisse aufweist. Diese Ueberschüsse werden sich zweifellos noch steigern, wenn die Hindernisse beseitigt werden, die heute den Kanal für Kauffahrtei- schiffe schwer befahrbar machen. Zugeben muß man, wenn man ehrlich sein will, daß wohl die Interessen der Landesverteidigung den ersten Anstotz zu dieser Vorlage gegeben haben. Es mag manchen eigentümlich anmuten, dass trotzdem die Sozialdemokratie dafür eintritt, aber die Sozialdemokratie würde auch die Ver- breiterung einer Brücke an einem verkehrsreichen Orte nicht ab- lehnen, weil unter anderen auch Militär darüber geht.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Einen Vorwurf muß man den Erbauern des Kanals allerdings daraus machen, daß sie nicht von vornherein dem Kanal größere Dimensionen gegeben haben, denn als er gebaut wurde, gab es auch schon Handelsschiffe, die das Matz, welches seine Schleusen fassten, bei weitem überstiegen! Zwei große Hamburger Handelsdampfer von der Amcrikalinie,„Prätoria" und„Palatia", kamen schon damals nicht durch die Schleusen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Hamburg hat ja zweifellos den Hauptvorteil von dem Kanal; es ist durch ihn gewisser- motzen zum Ostseehafen geworden. Die Ostseeschifferci geht durch die übermässige Konkurrenz der Nordseereedereie» immer mehr zurück Man könnte daher, wenn man Mittelstandspolitik betreiben wollte, auch gegen die Vorlage sein, aber das wäre der Standpunkt der preußischen Kanalgegner, der jedoch angesichts der modernen Eni- Wickelung von Handel und Verkehr nicht zulässig ist.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Aus diesen Gründen stimmen wir für die Erweiterung des Nordostseekanals und schreiben das auf unser Konto der positiven Leistungen. Genau dasselbe haben wir ja schon 1886 getan, obgleich damals in der Zeit des Sozialistengesetzes es uns keiner hätte verargen können, wenn wir der Regierung das Gesetz abgelehnt hätten. Nun noch einige spezielle Wünsche für die Arbeiter, die bei dem Bau deS Kanals augestellt werden. Graf Posadowsky hat dem Wunsch gegenüber, dass bei diesem nationalen Werk vor allen Dingen die heimische Industrie und die deutschen Arbeiter berücksichtigt werden möchten, erklärt, das halte er flr ganz selbstverständlich. Das war sehr verständig. Aber ganz anders und Ivcniger verständig hat sich am 27. April ein Kollege deS Grafen Posadowsky, der preußische Eisenbahnminister Breitenbach, im preußischen AbgeordnetenHause ausgesprochen.(Sehr wahr! bei den Soziald.) Bei Gelegenheit eines Antrages des Abg. v. d. Wense erklärte er, er habe bereits beim Etat der Wasserbauverwaltung darauf hingewiesen, dass auf die Unternehmer eingewirkt werden olle, daß sie sich„in tunlichst weitem Umfange" mit ausländischen Arbeitern behelfen, und eS solle weiter erneut eingeschärft werden, daß kontraktbrüchige Arbeiter nicht anzunehmen seien; auch ollten die Unternehmer kontrolliert werden, dass sie nicht durch Au fr ufe inländische Arbeiter heranziehen mit Rücksicht auf den Arbeitermangel i» der Landwirtschaft.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Ein schärferer Widerspruch läßt sich nicht denken. Wir wissen auch, daß sich die Anstellung ausländischer Arbeiter kaum ganz umgehen läßt. Aber wenn man sie so gut wie ausschliesslich anstellen will, so liegt doch offenbar die Absicht vor, Lohndrücker in das Land zu ziehen(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten), um der Landwirtschaft billige Arbeitskräfte zu verschaffen.(Wider- 'pruch rechts.) Wenn die Arbeiter von Ihnen(nach rechts) fort- gehen, so doch nur deswegen, weil sie nicht genug verdienen. (Widerspruch rechts.) Ich verweise auf den Import englischer Streik brecher nach Hamburg anläßlich der Aussperrung der Schauerleute. zu 88 gibt gewisse unbeschriebene Gesetze, die man einhalten muß, aber von„noblesse obßge" scheint man bei den Hamburger Unter nehmern nicht viel zu wissen, sonst hätte man den Abschaum der englischen Arbeiter nicht hereingelassen.(Sehr wahr! bei den Soz.) In den Bereinigten Staaten würden solche Schiffe mit Streikbrechern an der Küste qat nicht erst zugelassen werden, aber bei uns, im Lande der Sozialreform, ist ein solch ungeheurer Unfug möglich. Wir haben also recht, den Versprechungen der Regierungen mit Mißtrauen entgegenzusehen. Wir wollen hoffen, daß Gras Posadowsky recht behält. Das ganze Haus sollte sein Vorhaben, diesen Bau unter mustergültigen Bedingungen fertigzustellen, unterstützen. Tun Sie das, dann ist es vielleicht möglich, daß wir Ihnen einige von den Sünden, die Sie den Arbeitern gegenüber auf dem Gewissen haben, vergeben.(Große Heiterkeit. Bravo I bei den Sozial� demokraten.) Abg. Epethmann(frs. Vp., auf der Tribüne schwer verständlich): Die Begründung, welche die Vorlage in der Budgetkommission er- fahren hat. hat mich nur in meiner Ansicht bestärkt, daß das PeterSsche Projekt besser und billiger ist, als das von der Regierung vorgeschlagene. Damit schließt die Diskussion. Die Vorlage wird einstimmig angenommen. Nächster Gegenstand der Tagesordnung ist der Stricht der Wahlprüfungskommission über die Wahl des Abgeordnete» Frhr. v. Richthofen-Damsdorf. Die Kommission beantragt die Wahl für ungültig erklären. Wortmeldungen liegen nicht vor. Bei der Abstimmung erhebt sich für die Gültigkeit der Wahl der gesamte Block. Die Wahl ist somit für gültig erklärt.(Lebhaftes Bravo I rechts, Lachen im Zenlrum und bei den Sozialdemokraten.) In dritter Beratung wird der Vertrag mit der Schweiz über die Beglaubigung öffentlicher Urkunden debattelos angenommen. In erster und zweiter Beratung wird die Uebereinkunft zwischen Deutschland und Frankreich betreffend den Schutz von Werken der Literatur und Kunst und an Photographien debattelos angenommen. DaS Gesuch des Justizrats Heger in Elmshorn, Prozeßbevoll- »nächtigten des Reichstagsabgeordneten Carstens(frs. Vp.), die Ge- nehmigung zur Erteilung der Strafverfolgung des Abg. Z u b e i l(Soz.) zu erteilen, wird dem Antrage der Kommission entsprechend ohne Debatte abgelehnt. Die Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben der Schutzgebiete ausschließlich Kiautschou für 1904 wird der Rechnungskommission überwiesen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr. Tagesordnung: Fort- setzung der Etatsberatung(Etat des Reichsschatzamts, die Einnahmen aus Zöllen. Etat für Südwestafrika). Schluß 5 Uhr. � Berichtigung. Ich habe in meiner Rede am Montag nicht gesagt: „Die Arbeitsverhältnisse in Danzig sind besonders schlecht, vier- undzwanzigstündige und selbst drcißigstündige Arbeitszett ist nichts Seltenes", sondern ich habe ausgeführt: In Danzig besteht eine besondere Berufsgruppe:„die Lieger". Diese stehen im monatlichen Gehalt; ihre Tätigkeit besteht in der Beaufsichtigung der außer Dienst befindlichen Schiffe und Fahrzeuge der Marine. Ihre ununterbrochene Arbeitszeit beträgt 30 Stunden; dieselben bitten, ihre Arbeitszeit auf 24 Stunden herabzusetzen._ Fr. ZuBeil. parlamentarisches. Aus der Budgetkommission. (Sitzung vom 7. Mai.) Ter letzte der Kolonialetats und der wichtigste, der bei der Auflösung des Reichstages eine große Rolle mitspielte, steht heute zur Beratung, der Etat für Südwestafrika. Die eigenen Einnahmen belaufen sich auf 3 ölk 000 M.> darunter 804 000 M. Zölle, 84 000 M. Steuern. B04 000 M. sonstige Abgaben und Gebühren und 1 190 000 M. Einnahmen aus dem Eisen- Bahnbetriebe.— Erzberger bemängelt eine Erhöhung des Zolles und insbesondere die N a ch e r h e b u n g des Zolles von schon ein» geführten Waren. Dernburg erklärt, daß die Nacherhebung des Zolles nur die großen Geschäfte treffe, die aus spekulativen Gründen große Mengen Ware vor der Zollerhöhung eingeführt haben. Erzberger verlangt einen Kupfer-Ausfuhrzoll— eine Frage, deren Studium Dernburg zusagt. Genosse Bebel wendet sich sehr entschieden gegen den Kupfcrzoll, der das für die deutsche Industrie so noilvendige Rohprodukt verteuern mutz. Dernburg glaubt, daß bei der geringen Kupferproduktion in der Kolonie der Weltpreis durch den Zoll nicht tangiert wird. Erz- Verger lvill nur deshalb den Zoll, weil die Gesellschaft, die 20 Jahre Steuerfreiheit hat, nicht anders zu fassen ist. Dernburg macht noch interessante Ausführungen über weit- ausschauende Pläne: industrielle und sonstige wichtige Unter- nchinungen in Südwestafrika zu schaffen. Zum Schluß legt er der Kommission eine Anzahl Photographien vor. die seine Tattelkistengeschichte stützen sollen. Es sind allerdings photo- graphierte Dattelpalmen aus dem Gouvernementsgarten von Wind- huk. und daß man sich hierzu nicht die schlechtesten herausgesucht haben wird, ist doch sicher. Genosse Singer regt eine Wertzuwachssteucr an, und Dein» bürg sagt zu. im H e r b st eine Vorlage hierzu zu machen. Die Einnahmen werden genehmigt, debattelos auch die ersten Positionen der Fortdauernden Ausgaben. Titel 4 betrifft die Aus- gaben für weiße Hülfskräfte, dabei waren im ursprünglichen Etat 411000 M. für die Lanbcspolizci gefordert. Mit Beendigung des Kriegszustandes sollen nun die Truppen mit inöglichster Beschleunigung zurückgeführt werden. Dernburg führt aus, daß er sich nicht damit begnügen werde, die Schutztruppe bis 1. Oktober aus 4000 Mann herabzusetzen; im selben Maße, wie die Pazifizierung des Landes und die Organisation fortschreite, würde die Trupppnzahl noch weiter vermindert. Aber selbstverständlich müsse die Polizeitruppe ausgebaut werden. Es ist daher durch den Ergänzungsctat die Suinme für die Landespolizei von 411 000 M. auf 1 360 000 M. erhöht. Ohne erhebliche Debatte wird diesem Vorschlag zugestimmt. Vor Eintritt in die Verhandlungen über die Militär- Verwaltung gibt Dernburg Auskunft über eine Anfrage Ledebours über die große Sterblichkeit der Eingeborenen in den Gefangenenlagern. Er schildert die Bemühungen, die Ge- fangencn unterzubringen und gibt zu, daß% der Gefangenen, von 1800 Mann 120 0„eingegangen" sind! Das sei außer- ordentlich beklagenswert, aber er sei nicht in der Lage, die Matz- nahmen des Gouverneurs zu kritisieren. Das Ereignis sei eine traurige-Erscheinung dieses beklagenswerten Krieges.— Lebe- b o u r hält es für eine fehlerhafte Maßnahme, die Eingeborenen auf die Haifischinsel zu bringen; es sei doch unerhört, daß in zwei Monaten von 1800 Leuten 1200 Mann wegsterben. Dernburg erklärt noch einmal, daß eine andere Maßnahme nicht möglich ge- Wesen sei; die schon kranken und ausgehungerten Massen hätte man nicht 1000 Kilometer weit transporttcren können. Außerdem hätte man etwa SOOO bis 6000 Mann deutscher Truppen mehr gebraucht. was viele Millionen gekostet hätte.— Scmler»st der Meinung. es sei nicht anders gegangen; er hat die sehr abgemagerten Ge- stalten der Gefangenen gesehen.— Ledebour wendet ein, daß iißlf Leute ju deshalb auch ungefährlich waren! ' Das wichtigste Moment im Etat der Militärverwaltung ist die Etatisierung von 17 Kompagnien vom 1. Oktober 1907 ab. Vor dem Aufstand waren dauernd 720 Mann in der Kolonie. Jetzt, da der Aufstand beendet ist, soll die dauernde Zahl der Schutz- truppenmannschaften nicht wieder auf jene' kleine Zahl, sondern aus 4000 Mann oder 17 Koinpagnien festgelegt werden! Natürlich gehören dazu eine Menge Ver- waltungsöeamte, so daß die dauernden Kosten zirka 20 bis 2S Millionen betragen würden.— Abg. Erzberger wendet sich gegen die Festlegung der 17 Kompagnien und ihre Etatisierung im ordentlichen Etat; er sieht darin die Kolonialarinee, die man iminer ableugnete. Dernburg, Oberstleutnant O u a d e und Gouverneur Lind egu ist verteidigen die Forderung. Infolge des bald vierjährigen Kampfes seien die Unruhen so groß, daß man »lle wichtigeren Punkte vorerst dauernd beseven müsse. Es würden die 4000 Mann noch nicht reichen, wenn nicht eine starke Ver- mehrung der Polizeitruppe einträte, die nun ja bewilligt sei!! Im Schutzgebiete seien 10 000 bis 12 000 kampffähige Eingeborene, die Zahl der Ovambos lasse sich nicht abschätzen.— Ledebour legt der Frage, ob die 17 Kompagnien etatisiert werden sollen, wenig Gewicht bei; es stehe jedenfalls fest, daß leider die 4000 Mann dauernd in Südwestafrika bleiben sollen. Zur Begründung habe der Gouverneur sogar auf Eingeborene verwiesen, die ganz ohne Bedeutung seien und nie kriegerisch hervorgetreten sind. Die Be- gründung der Forderung sei völlig ungenügend, es handele sich eben um die befürchtete Kolonialarmee. Ledebour kritisiert noch die Dislozierung der Truppen: Mit der Verschiebung der Kompagnien nach Norden wachse die Gefahr, statt daß sie ab- nehme. Abg. R i ch t h o f e n bringt eine Resolution ein, in welcher die Hoffnung ausgesprochen wird, daß mit dem Fortschreiten des Bahn- baues die Schutztruppenzahl noch unter 4000 vermindert werde.— S e m l e r warnt dringend, daß die Kompagnien im Norden des Schutzgebietes etwa provozierend auftreten, sonst führe das zu schweren Gefahren. Er unterstützt die Resolution Richthofen: jede Kompagnie koste jährlich 600 000 M.; wenn man dafür Bahnen baue, sei es jedenfalls besser.— Abg. Wiemer sieht in der dauernden Festlegung der 17 Kompagnien keinen Anfang der Kolonialarmeel Er hält die Forderungen der Re- gierung für durchaus berechtigt und wird auch der Resolution Richthofen beistimmen.— Richthosen erklärt die Zustimmung der Konservativen zu der Vorlage unter der in seiner Resolution ausgesprochenen Einschränkung. Er verlangt, daß man daS Ovambo- land(im Norden des Schutzgebietes) möglichst schone.— Dernburg sagt das zu. Kasernenbauten in den Kolonien hält er im Interesse der Soldaten für geboten: die Temperatur schwanke dort zwischen 4-40 Grad am Tage und— 8 Grad in der Nacht, was zu Ruhr, Herzkrankheiten usw. führe! Abg. Spahn macht seinen Frieden mit der Regierung. Er führt aus, daß Erzberger schon zufricHn sein würde, wenn die Forderung der 4000 Mann als„künftig weg- fallend" bezeichnet würde, aber es sei daS schließlich auch nicht von großem Belang! Er für s e t n e Person werde für die Forde- rung stimmen; die Bedenken, die er im Dezember geäußert, habe er nicht mehr.—— Bei der A b st i m m u n g geht dann das Zentrum mit dem Block, und die Resolution Richthosen wird gleich- falls vom Block und vom Zentrum angenommen. Der finanzielle Effekt ist nun folgender: 30(4 Millionen, welche im außerordentlichen Etat für Niederwerfung der Unruhen ge- fordert wurden, fallen fort; dafür kommen 17 Millionen in den ordentlichen Etat. Die„Ersparnis" beträgt also 13(4 Mil- lionen vorübergehende Ausgaben, wofür eine dauernde B e l a st u n g in Höhe der Kosten für die Vermehrung der Schutz- truppe um über 3000 Mann und für die sehr erhebliche Verstärkung der Polizeitruppe eintritt. Unterstaatssekretär Twele meint, eS sei der Regierung sauer angekommen, die 17 Millionen in den ordentlichen Etat zu nehmen; eS sei zu erwägen, ob man die Summe nicht auf die Anleihe verweise.— Die einzelnen Forderungen geben zu Debatten keinen Anlaß. Ledebour verlangt von Lattmann Beweise für die im Plenum aufgestellte Behauptung, daß in den Regierungsdenkschriften die eingewanderten russischen Juden„verbrecherische» Ele- m e n t e" genannt werden. Lattmann hat„keine Beweise zur Hand". Der Reichszuschuß und die Farmerentschädigung soll morgen behandelt werden._ Tagegelder und Freifahrt. In den Kreisen der Mitglieder des preußischen Abgeordneten- Hauses wird gegenwärtig wieder einmal die Frage nach erhöhten Tagegeldern und namentlich die Frage nach freier Eisenbahn- fahrt während der Dauer der Session lebhaft erörtert. Die Mit- glieder des preußischen Abgeordnetenhauses erhalten im Gegensatz zu den Reichstagsabgeordneten»tur am Beginn und Schluß einer Session eine Entschädigung für die Fahrt vom Wohnort nach Berlin und zurück, die nach den für Beamtenkreise geltenden Kilometer« sätzen berechnet wird. Schon vor einigen Monaten beschäftigte sich der Seniorenkonvent des Abgeordnetenhauses mit der Frage dauernder Freifahrt während der Session. Die Regierung ließ aber damals nntteilen, daß sie die fteie Fahrt nur bewilligen würde, falls das Abgeordnetenhaus mit einem Diätengesetz, wie eS für den Reichstag gilt, einverstanden sein würde. Für die Konservativen sprach sich damals der Abg. v. Heydebrand sehr energisch gegen das Kontrollsystem aus, wie eS im Reichstage eingeführt ist, und der Abgeordnete Kindler sekundierte ihm dabei namens der fteifinnigen Parteien kräftig. Man ging damals auseinander in der Meinung, daß es besser sei. auf die fteie Fahrt zu verzichten, wenn sie nur durch ein Anwesenheitsgeldergesetz erkauft werden könne. Inzwischen scheinen stch aber die Ansichten innerhalb der Fraktionen erheblich geändert zu haben. Gegenwärtig wird ein Vorschlag deS ftei- konservativen Abg. Baensch-Schmidtlein erörtert, der ein Anwesen- heitSgelderpauschale von 3000 Mark, daS in vier Monatsraten von je 500 M. und einer Rate von 1000 M. gezahlt werden soll. vorsieht, dabei aber die Kontrolle über die Anwesenheit der Ab- geordneten nicht der Regierung, sondem dem Präsidenten über- lassen will. Wie wir hören, haben sich mit diesem Vorschlag die konservattve Partei und das Zeittrum bereits im allgemeinen einverstanden erklärt. Die ganze Angelegenheit ist aber noch in der Schwebe und wird auch in dieser Session keine feste Gestalt mehr gewinnen. Wahrscheinlich aber ist es, daß man in der nächsten Session an die Regierung herantreten und daß dann auf Grund des oben erwähnten Vorschlages eine Verständigung zwischen Parlament und Staatsregierung erzielt werden wird.— Schwere Strafe dem, der der Uerbreitaag von Fügen entgegentritt. Diesen Satz erhob gestern das S ch ö f f e n g e r i ch t i n G r o ß- L i ch t e r f e l d e zur Rechtsnorm in der Privatklagesache, die der Redakteur des„Groß-Lichterfelder Lokalanzeiger" F r a n z H auser gegen den Genossen Wenzel. Vorsitzenden deS Groß-Lichterfelder Wahlvereins, wegen angeblicher Beleidigung erhoben hatte. In der„Kreuz-Zeitung", der„Post", der KreiS- und Käseblatt- Presse war ein Geschichtchen über die angebliche Terronstening der Wähler durch die Sozialdemokratie aufgetischt. ES hieß dort: „Wie die Sozialdemokratie die Wähler terrorisiert, davon erzählt die„Kreuz-Zeitung" aus Groß-Lichterfelde ein beinahe unglaubliches Gcschichtchen. Dort wurde einem Tischlermeister von seinen Gesellen bedeutet, sie würden, wenn er überhaupt am Wahltage aus dem Hause ginge, um zu wählen, am anderen Tage die Arbeit einstellen. Da der Tischlermeister eilige Arbeit od» zuliefern hatte und durch das Wegbleiben seiner Gesellen einen empfindlichen Schaden befürchten mußte, gab er dem Drucke nach und blieb am Tage der Abstimmung zu Hause." Der weitere Teil der Sudelei forderte zur Gewalt anwendung gegen Sozialdemokraten auf. Iii unserer Nummer vom 13. Februar haben wir festgestellt, daß diese von den bürgerlichen Blättern ihren Lesern aufgettschte Erzählung vonAnfang bis zuEnde eine blanke, freche erfundene Lüge war. In einem Flugblatt, das in Groß-Lichter- felde verbreitet und vom Genosfen Wenzel verantwortlich gezeichnet war, wurde dies Liigenmanöver niedriger gehängt und in einer scharfen Kritik auch erwähnt, daß der„Groß-Lichterfelder Lokal- anzeiger" die unverschämte Lüge unter der Sttchmarke„Wahrheit oder Dichtung?" gebracht und die Aufdeckung des Schwindels durch den„Vorwärts" verschwiegen hatte. Darauf lief der Redakteur Hauser zum Kadi, weil er stch durch einige Ausdrücke in dem Flugblatt verletzt fühlte. In der Verhandlung verlas der Vorsitzende des Schöffengerichts zunächst das Flugblat nur unter Fortlassung der- jenigen Stellen, die von der Entlarvung der Lüge ii legen de sprechen. Erst als der Angeklagte die vollständige Verlesung des Flugblattes verlangte, erfolgte diese. Rechtsanwalt Dr. B a l k e, der als Vertteter des Klägers auf- trat, besttitt nicht, daß die vom„Groß-Lichterfelder Lokalan zeige r" nachgedruckte Notiz von Anfang bis z» Ende erlogen ist. Er klammerte sich an die lieber- schrift„Wahrheit oder Dichtung meinte, es läge eine sehr schwere Beleidigung vor und verlangte 200 Mark evenwell 3 Wochen Ge- fängnis als Sühne. Genosse Wenzel, der ohne Verteidiger erschienen war, ging darauf ein, daß vom Reichsverband förmlich Lügen, wie die vom„Gr.-Lichterfelder Lokalanzeiger" übernonimene, gezüchtet werden. Die Empörung der Lichterfelder Arbeiterschaft über solche Sudeleien und darüber, daß die vom Reichsverband ge- speisten Blätter auch nachträglich der Wahrheit nicht die Ehre geben, sei enorm gewesen. Unter dem Ein- druck des Ekels, den jeder normal Empfindende über solche Reichsverbandslügen empfinde, sei das Flugblatt entstanden. Daß der„Lichterfelder Lokalanzeiger" aus dem Bureau des Reichs- Verbandes gespeist werde, könne durch den Schriftsteller Nonnemann, den Ortsvorsitzenden des Reichsverbandes, bewiesen werden. Der Privatkläger sei ja auch Korrespondent des Reichsverbandes, wie sich aus einer von ihm vor- gelegten Darlegung des„Vorwärts" vom 31. Juli 1906 ergebe. Wenn er seiner Notiz die Worte„Wahrheit oder Dichtung?" vorangestellt habe, und das hier zum Beweis seiner Unschuld vorbringe, so sei das eine leere Ausflucht. Das würde man wohl zweifellos annehnien, wenn es sich um einen sozialdemokratischen Redatteur handele. Nach dem vom Kläger beliebten Schema dürfte der„Groß- Lichterfelder Lokalanzeiger" ja auch behaupten, z. B. er, der Angeklagte, habe Sittlichkeitsverbrechen begangen oder 100 000 Mark gestohlen, und wenn ihm dann auf die Finger geklopft wird, noch seine Be- strafung unter der Behauptung verlangen, er habe ja selbst durch das Fragezeichen hinter„Wahrheit und Dichtung?" die Wahrheit an- gezweifelt. DeS Klägers Entrüstung über die scharfen Ausdrücke im Flugblatt sei durchaus nicht am Platze. Derartige Machinattonen cdürfen scharfer Zurückweisung. UeberdieS, wie schreibt denn die Groß-Lichterfelder Zeitung"? Die Nummer dieser Zeitung vom 3. Mai 1907 enthält ein Eingesandt eines Hauptmanns a.D. Herter. Dasselbe ist unter anderem mit folgenden LiebenS- Würdigkeiten gegen die Lichterfelder jozialdemokrattfchen Führer gespickt:„Neue Schamlosigkeiten der sozial- demokratischen Machthaber",„Ehrlose Führe«", g esinnungslose ausbeuterische Führer",„ V a m- pyre in Menschenge st alt",„Gemeine, ehrlose Er- Pressungen". Wer solche Ausdrücke ohne den Schein des Rechts gebraucht, soll über den Ton, in dem von ihm mit oder ohne Fragezeichen weiterverbreitete Lügen zurückgewiesen werden, nicht Entrüstung zur Schau tragen. DaS Flugblatt ist durchaus in Wahrnehmung berechtigter Interessen gefchneben. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu— 300 M. Geld« strafe eventl. 30 Tage GefängmS. AuS der Begründung ist hervor- zuheben: Als beleidigend sind die Worte,.Lügengefindel",„Lügen- Brut",„örtliches Zentralorgan für geistige Verwahrlosung, daS aus dem Trog des Reichsverbandes gefüttert wird" und dte Stelle erachtet, in der behauptet ist, dem Lichterfelder Blättchen fei es n u r darum zu wn gewesen, die Arbeiterschaft zu verleumden. Der Schutz des§ 193 war dem Angeklagten nicht zugebilligt. Bei der Strafabmessung sei einerseits in Betracht gekommen, daß der Angeklagte nicht vorbestraft ist, andererseits sei die Schwere der Be- leidigung ins Gewicht gefallen; es sei dem Angeklagten nur darum zu tun gewesen, sich gefällig zu zeigen und bei seinem Arbeitgeber sich beliebt zu machen I *•* Demnach hat das Gericht den Genossen Wenzel bestraft, weil er die gegen die Sozialdemoftaten in Groß-Lichterfelde gerichteten Lügen scharf Kittstert hat und hat außerdem dem Genossen Wenzel in der Begründung noch eine haltlose, unwahre Behauptung an de» Kopf geworfen— und das von Rechts wegen. Gegen das Urteil wird selbstverständlich Berufung eingelegt werden. Schade, daß der Angeklagte nicht Widerklage m erster Instanz erhoben hat._ Generalversammlung des Kergarbeiter-Verbandes. Zweiter Brrhandlungstag. Dortmund, 7. Mai. In der heutigen Sitzung setzte die Generalversammlung deS Deutschen Bergarbciterverbandes zunächst die Präsenzliste fest, Anwesend sind 102 Delegierte, außerdem die Vorstandsmitglieocr, die Mitglieder der Kontrollkommission, die Vertreter der Redaktion und die Referenten, insgesamt 126 stimmberechtigte Mitglieder, Hierauf wurde in die Beratung des neue» Streikreglements eingetreten. Bisher war die Festsetzung der Streikunterstützung in jedem einzelnen Falle dem Vorstand überlassen, jetzt wurde als Unterstützungssatz normiert 19 M. pro Woche für Unverheiratete, 11 M. ftir Verheiratete mit einem Zuschlag von 1 M. für jedes Kind unter 14 Jahren. Referent Waldhecker betont« die Not- wendigkeit, wilde Streiks nach Möglichkeit zu verhindern. Redner gibt interessante Zahlen über die Erfolge der Streikbewegungen der Bergarbeiter in den letzten zwei Jahren.— In der Diskussion wurden wiederum Klagen über die Führung einer gemeinsamen Kasse mit den anderen Verbänden bei dem großen Streik im Ruhrkohlenreivier 1906 laut. Die Polen hätten gar kein Geld aufgebracht, die HirschDunckerschen hätten den Ertrag der Sammlungen nicht abgeliefert und die christlichen Ge- werkschaften sind in betrügerischer Weise bereichert. ES wurde daher ausdrücklich im Streikreglement die Bestimmung aufgenommen, daß in Zukunft bei allgemeinen Streiks der Berg- arbeitervcrband eine besondere Kaste führen und Unorganisierte nicht unterstützen solle.— Inzwischen war ein Telegramm eingegangen. daß der Streik in Mitteldeutschland beendet sei und daß die Bergleute schon morgen wieder die Arbeit aufnehmen würden. Auf die Beendigung des Streikes hinzuwirken, war auch der gestern von der Generalversammlung ernannte Delegierte beauftragt worden, dieser Auftrag sollte jedoch vorläufig geheimgehalten werden. Die mitteldeutschen Delegierten bemerkten hierzu, daß, wenn die Bergwerksbesitzer in ihrer Heimat nicht in der nächsten Zeit die Löhne bedeutend aufbesserten, sie eine Massenauswanderung der sächsischen Bergleute nach dem Ruhrkohlenrevier organisieren würden. Dies würde das beste Mittel des gewerkschaftlichen Kampfes im mitteldeutschen Braunkohlenredier fein, zumal jetzt schon dort Leutenot herrsche. �, Abg. Sachse führte Klage darüber, daß die Werkbesitzer rm Ruhrkohlenrcvier die Arbeiter mit allen Mitteln zwängen, lieber- schickten zu verfahren. Wenn die Arbeiter sich weigerten, hätten die Unternehmer gedroht, Ausländer ins Land zu holen, diese im Falle einer Krise beizubehalten, bis deutschen Arbeiter«her abzu» lelfreit.(Vielfache Pfuirufe.)— Nach Genehmigung des neuen Statuts wandte man sich der Beratung der Satzungsänderungen zu. Tie Anträge, die das Verbot der parteipolitischen und religiösen Diskussionen im Verbände aufheben sollten, fanden, keine Unterstützung, ebensowenig die Anträge auf Herabsetzung der Beiträge. In der Nachmittagssitzung wurden die übrigen Anträge zum Statut nach kurzer Debatte einer Kommission zur Vorberatung überwiesen.— Hierauf gab P okorny den Preßbericht, weil der eigentliche Berichterstatter, Redakteur W i tz m a n n, wegen der Streikbewegung im Saarrevier und Lothringen dorthin hatte abreisen müssen. Pokorny führte aus, daß der Redaktions- Wechsel, durch den an Stelle von Hue und Leimpeters er und Witz- mann getreten sei, nicht die geringste sachliche Differenz als Ursache gehabt habe. Es sei keine Rede davon, daß etwa mit der Eni- fernung Hues oder Leimpeters die Radikalinskis gesiegt hätten. Er sei als Gewerkschaftler und auch als Redakteur an die Beschlüsse des Verbandes gebunden und könne deshalb gar nicht der Richtung Franz Mehrings folgen, selbst wenn ihm sein Herz dahindrängte. Er wisse auch als guter Parteigenosse, wo die Grenze der Partei aufhöre und das Gebiet der Gewerkschaft anfange. Hue sei ge- gangen, weil er auf parlamentarischem und schriftstellerischem Gc- biete mehr für die Bergarbeiter leisten zu können geglaubt habe. Für die Redaktion sei er unersetzlich, aber auch auf dem neuen Felde seiner Tätigkeit noch werwoller. Leimpeters habe als ver- antwortlicher Redakteur soviel gerichtliche Strafen erlitten, daß seine Kraft zu Ende war und er den Posten aufgeben mußte. Die beiden Redakteure hätten allein im letzten Jahre schon neun Monate Gefängnis verbüßt; allerdings sähen sie auch die hohen Geldstrafen ab, um nicht den Klassenstaat unnütz zu bereichern. (Heiterkeit.) Der Ton und die Richtung der„Bergarbeiter- Zeitung" seien unverändert wie früher. Während der Gefängnis- zeit habe Hue die Redaktion geführt, ohne daß es jemand gemerkt habe. Während der Reichstagswahl sei die„Bergarbeiter-Zeiwng" für die Sozialdemokratie eingetreten. Aber das sei einfach die Pflicht der„Bergarbeiter-Zeitung" gewesen. Jedenfalls hätte die offene Stellungnahm« der beiden Redakteure nicht soviel Partei- Politik entwickelt, wie der christliche„Bergknappe" mit seiner ver» steckten Propaganda für das Zentrum.— In der Diskussion wurden nur untergeordnete Beschwerden vorgebracht, die sich in der Hauptsache auf das Annoncenwesen beziehen. Die Schreibweise der Redaktion wurde durchweg gebilligt. Morgen werden die Verhandlungen fortgesetzt. £liis Induftrlc und ftandel* Die Konjunktur. In unserem letzten„Wirtschaftlichen Wochenbericht" zitierten wir eine Auslassung im Jahresbericht des Vereins Berliner Kauf- leute und Industrieller. Zur Begründung der dort ausgesprochenen Ansicht, daß der Hochpunkt der Konjunktur Ende IVOS überschritten war, werden eine Reihe Tatsachen und Erscheinungen angeführt, von denen hier einige Raum finden mögen: Zunächst die Abnahme der Bautätigkeit, dann die außerordent- liche Anspannung'des Geld- und Kreditmarktes(die Kreditgewährung der neun Berliner Großbanken betrug Ende 1901 1217fMillionen, Ende 1906 2417 Millionen oder 1,2 Milliarden Marl mehr). Die Spannung am Geldmarkt rührt nicht her von Ausschreitungen der Spekulation und derBörse, sondern von der gesteigerten produktiven Tätig- keit von Handel und Industrie. Ferner wird verwiesen auf das langsamere Tempo der Zu- nähme des Berliner Güterverkehrs, der 1905 um 9'/« Proz., 1906 dagegen nur noch um 5>/z Proz. gestiegen ist, wobei noch zu be- merken und für Berlin interessant ist, daß die Bahnförderung der Güter den Verkehr zu Wasser um 18 Proz. übertraf, ein Verhältnis, das bei der Billigkeit des Wassertransportes und dem vortrefflichen Zustande der Berliner Wasserstraßen nur durch die mangelhafte und teilweise völlig ungenügende Beschaffenheit der Berliner Lade-, Entlade- und Speichereieinrichtungen erklärt werden kann. Der Be- richt erklärt den schleunigen Ausbau dieser Einrichtungen für dringend notwendig. Weiter weist der Bericht hin auf die amerikanischen Verhältnisse und die Abbestellung von OrdreS seitens der amerikanischen Eisen- bahnen, sowie auf den andauernden Kapital-Neubedarf der Ver- einigten Staaten. Ferner wird die Schwächung der Börse hervor- gehoben, indem das Verbot des Terminhandels die Spekulation auf den Kassa-Jndustrie-Aktienmarkt konzentrierte, an dem das Publikum widerstandslos jede ungünstige Nachricht mit umfangreichen Verkäufen beantwortet. Minister v. Rheinbaben, dem anscheinend danachlgeizt, auch eine agrarische Grabschrist zu verdienen, hat am Montag im Herren- hause einen Hymnus auf die neudeutsche Zollschraubenpolitik steigen lassen. Alle Befürchtungen, die sich an die Handelsverträge knüpften, hätten sich als irrig erwiesen. Ein solches Urteil stellt ungefähr denselben Befähigungsnachweis dar wie des Finanzministers letzter Staatspump. Es könnte nicht schaden, wenn er aus dem Bericht einige Belehrung schöpfte. ES heißt da ganz richtig: „Es war ein für die Schöpfer der neuen Handelsverträge günstiges Zusammentreffen, daß die Wirksamkeit dieser Verträge mit der kraftvollen Entfaltung des Wirtschaftslebens zusammen- fiel.... Die Vertreter von Handel und Industrie können nicht genug davor warnen, aus der Entwickelung der letzten Jahre schon jetzt auf die Bewährung der Hochschutzpolitik zu schließen---- Einen Maßstab besitzen wir allerdings heute schon, um die in Frage stehenden Wirkungen wenigstens nach der negativen Seite ermitteln zu können: den Vergleich mit dem Auslände. Während der Wert der deutschen Ausfuhr 1906 um 7 Proz. gestiegen ist, ist die Ausfuhr der Vereinigten Staaten um 11 Proz. und diejenige Großbritanniens um 14 Proz. gestiegen, und auch hinsichtlich der Einfuhr steht Deutschland mit einer Steigerung von 10 Proz. hinter den Vereinigten Staaten und sogar hinter Frankreich mit je 12 Proz. zurück. während 1905 Deutschland in gleichem Maße wie Groß- britannien und Amerika an dem Aufschwünge des Welthandels teilgenommen hatte." Solche Tatsachen sind für die von den Agrariern wegen ihres Wohlverhaltens belobigten Minister anscheinend viel zu eklige Dinger, um sich damit zu befassen. Die Meinungsrezeptur der„Deutschen Tageszeitung" genügt. Nach Hervorhebung der Momente, die zur Vorsicht mahnen, schließt der wirtschaftliche Teil des Berichtes mit einem Hinweis auf die günstigen Faktoren, die ihnen gegenüber stehen. Eine eigentliche Krise fei nicht zu befürchten, nur eine Ab- flauung, wenn die warnenden Worte beachtet, allerseits weises Maß- halten die Richtschnur des Handelns werde. Wörtlich wird da ausgeführt: „Die Industrie hat in den Zeiten der Hochkonjunktur die Möglichkeit gehabt und wahrgenommen, ihre inneren Verhältnisse zu konsolidieren. Die Bettiebe find nicht übermäßig erweitert und durch Rücklage» gestärkt. Desgleichen haben die Banken die Prosperität der letzten Jahre benutzt, um ihre Reserven zu stärken, und eS standen am Schlüsse des Berichtsjahres bei den neun Berliner Großbanken einem Aktienkapital von 1200 Millionen Mark 340 Millionen Mark Reserven gegenüber. Endlich haben die Verbände an innerer und äußerer Macht gewonnen und ihre Organisation wesentlich gefestigt. Weiter- hin fällt ins Gewicht, daß die der Industrie erteilten Aufträge im wesentlichen Bedarfsaufträge sind und keinen spekulativen Charakter tragen. Das Vertrauen in die Stetigkeit unserer wirffchaftlichen Ver- hältnisse ist somit begründeter und gewiß auch allgemeiner als am Schluß der letzten Konjunkturperiode, und so gewiß als eine allmähliche Abschwächung der Konjunktur sein wird, so gewiß darf auch andererseits infolge der vorsichtigen Geschäftsführung von Handel und Industrie, infolge der vorsichtigen Kreditgewährungen der Bankwelt und infolge der Diskontopolitik der Reichsbank an- genommen werden, daß wohl ruhige, vielleicht auch flaue, aber keine stürmischen Zeiten uns erwarten. Ist diese Prognose richtig, so enthält sie zugleich die Ver- pflichtung, für unfere führenden Unternehmungen fowohl wie für jeden einzelnen und nicht zuletzt für Staat und Kommune, bei dem Anhalten der Spannung ihre Bedürfnisse einzuschränken bezw. auf das Matz des Notwendigen zurückzuführen. Der Umstand, daß die iudustriellen Werke immer noch mit Hochdruck arbeiten und kein Nachlassen in den Bestellungen zu ver- zeichnen haben, vermag an der vorstehend) in knappen Umrissen dargelegten Situation nichts zu ändern, denn diese Bestellungen stammen noch teils aus der Hochkonjunktur, teils erfolgten sie unter bereu Einwirkungen, und sie vermögen in keinem Falle die nachgewiesenen Bedenken aufzuwiegen, die augenblicklich noch bei der Abfassung des Berichts in der in dieser Zeit vorher nie erlebten Anspannung der Reichsbank ihren sichtbarsten Ausdruck finden. Liegt also kein Grund zur Beunruhigung bor, so heißt es jetzt doch: kein stürmisches Vorwärtsdrängen mehr, sondern besonnenes Matzhalten und fortgesetzte Konsolidierung." Das was hier angeführt ist, hat zweifellos sein Teil Berech- tigung, aber es ist ein schlechter Trost für die Arbeiterschaft. Daß den industriellen Werken und den Banken ein beträchtliches Abflauen der Produktion nicht sehr wehe tun wird, weil man durch starke Rück- stellungen einen Notgroschcn zurückgelegt hat, hebt für die Arbeiter- schaft die bösen Folgen einer Konjunkturabschwächung nicht auf. Einmal haben die Arbeiter keine Reserven ansammeln können, weiter ist mit der Einschränkung der Produktion unabwendbar Einkommens- schmälerung durch Arbeitslosigkeit und teilweise auch noch direkte Lohnkürzung verbunden. Da zudem die Lebensmittelpreise, Wohnungs- mieten usw. von ihrem Hochstand wenig oder gar nicht abgehen werden, bedeutet die Abflauung für den Arbeiter die Krise, wenn die Dividenden der Aktionäre auch weniger gefährdet erscheinen. Kapital und Mutungssperrc. Der elsaß-lothringische Landes- ausschuß beschäftigt sich gegenwärtig mit einem neuen Berggesetz, welches auch eine Mutungssperre vorsieht und die Bergfreiheit aufheben will, allergings vorläufig nur für zwei Jahre. Jetzt foll nach der Lothringer„Volksstimme" der Großindustrielle Thyssen zwischen Maizisres und Hapendingen für 2 690 000 M. Grundstücke aufgekauft haben. Man bringt diese Ankäufe mit der in Aussicht stehenden Mutungssperre in Verbindung. Provisionen. Daß im Handel noch manche Schmarotzerpflanze existiert und noch manche Reform notwendig ist, beweist wieder mal eine Zuschrift an die„Köln. Volkszeitung". Es wird da mitgeteilt, daß vor einiger Zeit eine Reihe Lehrer Westfalens, besonders in den ländlichen Bezirken, von dem Fahrräder- und Nähmaschineii-Engros- Versandhaus lG. S., Altona-Ottensen einen Katalog über Näh- mafchinen und dazu ei� Begleitschreiben mit der Bezeichnung„Ver- trauliche Mitteilung" zugesandt erhielten. Den Lehrern wird an« Geboten, gegen Provision Maschinen zu verkaufen. In dem Angebot ieß es: In Ihrem eigenen Interesse empfehle ich Ihnen, über die Ihnen hiermit eingeräumten Vorzugspreise Diskretion zu be- wahren.... Ich überlasse es ganz Ihrem Ermessen, wie Sie die Verkaufspreise festsetzen wollen, da ich nicht weiß, wieviel Sie an jeder Maschine verdienen wollen, und ich glaube sicher, daß Sie unter diesen Umständen einen guten Absatz erzielen werden.... Das Geschäft würde wohl am besten in der Weise zu handhaben kein, daß ich dasselbe direkt mit den Käufern mache, und als Pro- Vision erhalten Sie denjenigen Betrag, den Sie aus die Notierungen der weißen Preisliste aufschlagen. Das einfachste ist, daß der Betrag der Sendung»achgenommen wird und nach Eingang der Nachnahme übermittele ich Ihnen unter strengster Diskretion ihre Provision per Post. Die billigste Nähmaschine kostet nach der Preisliste 79 M, nach der Vorzugspreisliste nur 37,50 M. Bei der teuersten Maschine stellen sich die Preife auf 159 hezw. 38 M. Der Preisunterschied beträgt mithin 32,59—62 M. Das fällt dem Vermittler zu. der, linfolge seiner amtlichen Stellung, viel Ver- trauen genießt." Natürlich will das Versandhaus auch noch verdienen, fodaß die Maschinen im Handel um mindestens 190 Proz. verteuert werden. Soziales* DaS Reichsgericht wendet sich gegen Boykott. Am 12. Juli v. I. hat das Reichsgericht in einem Kieler Prozeß die Schadenersatzverpflichtung aus einem Boykott grundsätzlich abgelehnt. Das Urteil haben wir seinerzeit wörtlich mitgeteilt. Die Unternehmerpresse machte gegen dies Urteil mobil. Jetzt wird ein Urteil desselben Reichsgerichts vom 3. April d. I. veröffentlicht. In diesem werden die Grundsätze des Kieler Urteils erheblich eingeschränkt und die Schadenersatzpflicht für die Verhängung eines Boykotts für gewisse Fälle bejaht. Der Sachverhalt ist folgender. Der Verband der Bäckcrberufsgenossen Deutschlands und zwei Bäckergesellen hatte in einem Flugblatt behauptet, daß der Bäcker- meister L. zu Berlin ihnen gegenüber ehrenwortbrüchig geworden sei, daß er Freundschaft in den Kreisen der Buchmacher gesucht haben mag, die zwölsstündige Arbeitszeit nicht einhalte usw. usw., und daß er wegen mancherlei angegebenen Sachen der Kund- schaft des Publikums unwürdig fei und vor ihm gewarnt werden müsse. L. behauptet, infolgedessen großen Geschäftsausfall gehabt zu haben und klagte gegen den angegebenen Ver- band und die beiden Gesellen auf Schadlos- Haltung von vorläufig 3909 Mark. Die Beklagten machten zu ihrem Recht geltend, daß es sich bei dem Kampfe um sittliche Forderungen, um Abschaffung des Kost- und Logiswesens der Bäckergesellen usw. gehandelt habe, und daß die von ihnen auf- gestillten Behauptungen der Wahrheit entsprächen. Sie hätten L.. der zuerst den Beittitt versprochen habe, dem Publikum empfohlen und hätten dann auch in dem weiteren Flugblatte, nachdem er von seinen Versprechungen zurückgetteten sei. dies dem Publikum bekannt geben müssen. Der Rückgang des Geschäfts des L. sei nicht in den Behauptungen des Flugblattes zu suchen, sondern beruhe auf Ver- Wendung schlechter Ware und Vernachlässigung des Geschäfts. Das Landgericht Berlin unv das Kammer- gericht erkannten die Ansprüche des Klägers als dem Grunde nach gerechtfertigt an. Sie nahmen einen Verstoß gegen Z 326 des Bürgerlichen Gesetzbuches(vorsätzliche Schädigung in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weise) an. Die Anwendbarkeit des Absatz 2§ 824 des Bürgerlichen Gesetzbuches verneint das Kammergericht, weil gegen den§ 326 des Bürgerlichen Gesetzbuches verstoßen worden sei und es dann ganz gleichgülttig wäre, ob ein berechtigtes Interesse bestanden habe oder nicht. Die Revision ist vom Reichsgericht mit folgender Be- gründung zurückgewiesen:„Die Revision macht geltend, das Urteil lasse eine genügende Begründung hinfichtlich der Anwendung des§ 326 vermissen: alle die vom Berufungsgericht für rechtlich unerheb- lich erklärten Tatsachen seien erheblich für die Frage, ob die Beklagten in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weise dem Kläger vor- sätzlich hatten Schaden zufügen wollen oder nicht. Es sei überhaupt rechtsirrig, auf den gegebenen oder doch von den Beklagten behaupteten Sachverhatt jene Vorschrift anzuwenden, da, wenn die Voraus- setzungen des§ 824. insbesondere die des Absatz 2 vorlägen, von einer Anwendbarkeit des§ 826 nicht die Rede sein könne. Endlich entbehre oucb die Annahme des BerufunaSaerichts. daß durch die Handlungsweise der Beklagten dem Kläger ein Schaden entstanden sei, namentlich gegenüber der Behauptung der Beklagten, daß ein etwaiger Rückgang des Geschäfts des Klägers auf Nachlässigkeit im Geschäft und auf Verwendung schlechten Materials zurückzuführen sei, der erforderlichen Begründung. Es ist nicht zu verkennen, daß eine erschöpfe»« dere Beurteilung des Streit st offes seitens dtzs Berusungsgerichtes am Platze gewesen wäre stnd daß namentlich die Bemerkung, es sei unerheblich, ob die Beklagten oder sonst jemand an den in den Flugblättern enthaltenen Mit- teilungen ein berechtigtes Interesse gehabt hätten oder nicht, nicht zutreffend ist. Allein dem angefochtenen Urteil ist die tat- sächliche F e st st eil l u n g zu entnehmen, daß ein solches Interesse bei dem Vorgehen der Beklagten gegen den Kläger überhaupt nicht vorge» legen' hat. Das Berufungsgericht stellt zu» nächst auf Grund der eigenen Erklärung der Be« klagten fest, daß ihr Vorgehen nicht dazu be- stimmt war, den Kläger zur ander weiten Unter» werfung unter die den Bäckermeistern im all« gemeinen ge st eilten Bedingungen zu ver» anlassen, daß sie vielmehr eine solche Unter» werfung gar nicht mehr angenommen haben würden. Damit scheidet ohne weiteres die Frage aus, ob die mit dem Ausstand der Bäckergesellen verfolgten Ziele berechtigt waren oder nicht. ES wird weiter fest- gestellt, daß die Beklagten in den Flugblättern vor dem Kläger gewarnt und ihn als der Kundschaft des Publikums persönlich unwürdig hingestellt haben, offenbar zu dem Zweck, seine Wirt- fchastliche Existenz zu untergraben und ihn dauernd erwerbs-und brotlos zu machen. Hierin ist die Feststellung zu erblicken, daß es den Beklagten nicht darum zu tun gewesen ist, das Verhalten des Klägers ihnen gegenüber und sein Geschäftsgebahren zur Kenntnis des Publikums zu bringen, um diesem eine objektive Beurteilung zu ermöglichen, sei es in dessen Interesse, sei es in ihrem eigenen Interesse dem Publikum gegenüber, sondern daß sie mit der Ver- breitung der Flugblätter in einer gehässigen, den Kläger persönlich herab- würdigenden Weise lediglich den Zweck verfolgt haben, den Kläger Wirt- schaftlich zu ruinieren. Bei einer solchen Sachlage kann von einem berechtigten Interesse im Sinne des K 824 Absatz 2 nicht die Rede sein; es greift vielmehr der§ 826 Platz, dessen Voraussetzungen das Berufungsgericht einwandfrei festgestellt hat. In dieser Beziehung ist eS auch ohne Belang, daß die in den Flugblättern über den Kläger behaupteten Tatsachen wahr sein sollten; denn auch in der Mitteilung wahrer Tatsachen kann nament- lich im Hinblick auf ihre Form und ihren Zweck ein Verstoß gegen die guten Sitten liegen. Zu beanstanden ist es endlich nicht, wenn das Verufungs- gericht nach der Lebenserfahrung für erwiesen ansieht, daß das Vorgehen der Beklagten den beabsichtigten Erfolg einer Schädigung des Klägers wenigstens zum Teil gehabt hat."(8. April 1907. Akt.-Z. VI. 356/96.) Auch in diesem Urteil anerkennt ja das Reichsgericht grundsätzlich die Berechtigung des Boykotts, macht die Nicht- Schadenersatzpflicht aber von so vielen„wenn" und„aber" und„tatsächlichen Fest- stellungen" abhängig, daß die grundsätzliche Anerkennung wertlos und ein Gesetz, das die Schadenersatzpflicht in ähnlicher Weise wie das neuere englische Boykottgesetz ausdrücklich verneint, auch für Deuffchland dringend erforderlich wird, um das Koalitionsrecht auch vor zivilrechtlichen Schikanen zu schützen. Wocrmanns Schadenersatzklage. In der Schadenersatzklage der Firma Woermann gegen 106 Schanerleute, Iveil diese zu Anfang Februar von der Arbeit fern- geblieben waren, erkannte das Gewerbegericht gestern, wie uns telegraphisch genreldet wird, durch Zwischenurteil die Ansprüche der Klägerin als dem Grunde nach berechttgt an. Agitattonsvereiu für Landsbera-Soldi». Am Hwunelsahrtstag früh 7 Uhr, Treffpunkt Koppen- und Madaistraßen-Ecke. Berein der Lehrlinge, jugendliche» Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins und Umgegend.(Abteilung 16.) Heute abend 3 Uhr bei Ostrowski, Schillingstr. 35»: Versammlung. VermifeKtes. S Eisenbahnunfall. Der von Devant-les-Ponts kommende Güter» zug I). 8038 fuhr gestern abend 9 Uhr 5 Minuten auf Bahnhof Sablon auf ein nnt Wagen besetztes Gleis. Hülfsbremser Franz Magg wurde schwer verletzt und verstarb auf dem Transport nach dem Hospital. Der Materialschaden ist nicht erheblich, der Betrieb nichtlgestört. Bom Glockenklöppel erschlagen k In Oberhausen an der Nahe löste sich Sonntagvormittag beim Läuten der Klöppel der Glocke und erschlug einen Mann namens Haßner. Neue Eruptionen sind durch die Instrumente der seismographischen Anstalten zu Göttingen, Laibach und Shide verzeichnet worden. In Laibach wie auch in Göttingen zeigte der Seismograph zwei Erd- stöße an. Wie aus Laibach gemeldet wird, begann der erste um 7 Uhr 12 Min. am Sonnabendmorgen und erreichte das Maximum von 2 Millimeter um 8 Uhr, der zweite begann um 9 Uhr 54 Min. und dauerte 1% Stunden. Der größte Ausschlag betrug 6 Millimeter, was ein sehr starkes Beben bedeutet. Das Zentrum des Erdbebens befand sich nach der Laibacher Schätzung in einer Entfernung von etwa 13 999 Kilometer, während Professor Milne, der Leiter des Shide-Observatoriums auf der Insel Wight, die Entfernung auf 8600 Kilometer schätzt und glaubt, daß es ein Seebeben an der Westküste von Zentralamerika oder östlich von Japan war.— lieber die erneute Tätigkeit des Aetna erhalten wir im Anschluß an unfere bisherigen Meldungen noch folgendes Telegramm: Das Aetna- Observatorium meldet aus Catania: Die Tätigkeit des Aetna nimmt zu. Eine Oeffnung im Mittelkrater stößt Rauch und kleine weißglühende Steine aus. Am 4. d. M. hat sich noch eine kleinere Oeffnung aufgetan, aus der heiße Lava ausströmt. Pom Observa- torium aus hörte man bis gestern fast ununterbrochenes unter- irdisches Getöse. Von Nicolosi aus wurden rötliche Rauchwolken beobachtet. 1b Personen verbrannt. Der„Matin" berichtet aus Peters- bürg: Eine Feuersbrunst, welche in dem protestantischen Asyl von Wassiliosttow gestern ausbrach, verursachte den Tod von 15 Per» sonen, 9 wurden schwer verletzt. Meuterei im Gefängnis. Im Gefängnis von M a r' e n g o kam es nach einer Meldung aus Turin zu einer Meuterei der Gefangenen. veranlaßt durch die schlechte Behandlung derselben seitens der Auf- seher. 300 Gefangene zerstörten die Türen des Gefängnisses und demolierten alles, wobei es zwischen ihnen und den Aufsehern zu einem schweren Kampf kam. Schließlich trat polizeiliche Verstärkung ein, worauf es gelang, die Meuterer zu überwälttgen. Wittern, igsüderstcht vom 7. Mai 1997, morgens 8 Ith«. Statt««» II - 5 ScUn Swtnemde. 759 Still . 758 ONO erlln 758 SO >.a.M.759SW ünchen 769 SW Wien j762S lwolkenl Lwolkig Zwolkenl 3 bedeckt 2 wolkig 1 halb bd. C � W Ss Stationen ä C £ 2 gj« x: taparanda eterSburg Scilly Werde«, Pari» 772 N 768 NW 753 OSO 759 ONO 758 S Seu« 2wolkenl 2wolkenl Iheiter 2 bedeckt 5bedeckt »ck u Hjl s 6 10 7 U Wetter-Prognose für Mittwoch, den 8. Mai 1007. Vorwiegend heiter und sehr warm bei mätzigen südöstlichen Winden' Gewitter nicht ausgeschlossen, sonst trocken. «erltaer vattorbaroaa. Stoff- Hosen Viele Tausende Exemplare Hochmoderne Musterungen Erstklassige Fabrikate Tadellose Schnittformen 20.-, 18,-, 16.-, 14.-, 12., 8., 6.-, 5.-, 4 Mark Fantasie- Westen Tausendfältige Auswahl Geschmackvollste Formen Auserlesenste Neuheiten 15.-, 12-, 10.-, 8. Mark 25 6,-, 5-, 4-, 3.-, 2 Vornehme Mass- Anfertigung. WAV Baer Sohn Spezialhaus grössten Masestabes Chausseestrasse 29-30 alte Nr. 248/25 11 Brückenstrasse 11 Gr. 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Ferner: Himmelfahrt und am Sonntag, 12. Mai 1907: Ab Spandau, Charlottenbrücke, um 220, 320, 515, 615 bis Wannsee- Potsdam, um 915 und 11 Uhr bis Werder. Ab Wannsee von 940-740 stündlich, nachmittags stündlich bis Potsdam. Ab Potsdam von 10 Uhr ab stündlich bis Wannsee. Ab Berlin, Jannowitzbrücke, vormittags stündlich, nachm. 1/ 4stündlich. Verkehr Richtung Loreley- Grünau- Schmöckwitz. Zwischen Friedrichshagen, Müggelsee Strandrestaurant, Müggelhort und zurück stündlich Verbindung. Ab Erkner, Bahnhofshotel, von 9 Uhr ab stündlicher Verkehr auf der Löcknitz bis Alt- Buchhorst. Am Himmelfahrtstage wird der regelmäßige Verkehr auf dem Scharmützelsee im Anschluß an die Züge von Berlin eröffnet. Täglicher regelmäßiger Verkehr auf der Oberspree und Havel. Dampfer und Motorboote für Vereine und Gesellschaften billigst. Unserem ehemaligen Hauptmann Karl Petermann zu seinem heutigen Wiegenfeste ein feucht- fröhliches, dreimal donnerndes 5325 Hoch!!! Die Genossen 17.- 20. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempner Wilhelm Fornfeist am 3. Mai an Lungenleiden ge storben ist. Ehre seinem Andenken! Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Rohrleger Hermann Schulz am 30. April an Blutsturz ge storben ist. Ehre seinem Andenken! Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Bohrer Michael Borowski am 4. Mai an Blutvergiftung gestorben ist. Ehre seinem Andenken! 0 Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 9. Mai, nach mittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des Luisen Kirchhofes in Rigdorf, Hermannstraße aus statt. Rege Beteiligung erwartet 118/4 Die Ortsverwaltung. Zahnärztliche Klinik 106 Belle- Alliancestraße 106, gegenüber Warenhaus Jandorf. Zahnziehen unentgeltlich. Bei tünstl. Zähnen u. Plomben w. d. Auslagen berechnet. Geöffnet von 9-6 Uhr. 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In der Charlottenburger Zeitung„Neue Zeit", die alleweil die Fahne des Liberalismus hoch hält, wurde dieser Vorwurf„sozial- demokratischer Bestrebungen" dahin erläutert, man habe schon auS den Namen der Förderer des Unternehmens ersehen können, daß es sich um eine„sozialdemokratische Filiale" handelte. Das heiht mit anderen Worten: Der Freie Kindergarten soll„sozialdemokratisch"gewesen sein, weil Sozialdemokraten seine Gründung angeregt hatten, Sozial- demokraten ihn leiteten und wohl auch vorwiegend Sozialdemokraten ihm ihre Kinder anvertrauten. Wir stellen nun fest, dast auch in der Protestversammlung unter den Rednern und anscheinend ebenso unter den Zuhörern die Sozialdemokraten in der Mehrheit waren. Den konservativ-liberal gepaarten Feinden des Freien Kinder- gartenS wird das ein neuer Beweis dafür sein, datz dieser Kinder- garten nur„sozialdemokratischen Bestrebungen" dienen sollte. Den Reigen der Redner eröffnete ein Sozialdemokrat, der Schriftsteller K a tz e n st e i n, der über Zweck und Ziele des Freien Kindergartens sowie über die von der Regierung verfügte Konzessionsentziehung referierte. Genosse Katzenstein hob hervor, daß nicht nur Frömmelei und Byzantinismus aus dem Freien Kindergarten verbannt, sondern mit Absicht auch„sozialdemokratische" Beeinflustungen von den ja noch urteilsunfähigen Kindern fem- gehalten worden seien. Aber schon diese Neutralität sei einigen ürgerlichen Preßorganen so bedenklich erschienen, daß sie den Kindergarten als„sozialdemokratisch" denunzierten. Und die Regierung habe dann stch beeilt, der Denunziation Folge zu geben und den Kindergarten zu unterdrücken. Der nächste Redner war gleichfalls ein Sozialdemokrat, Reichstagsabgeordneter Frank. Cr sprach über die„rechtliche Seite der Affäre", obwohl— wie er vorausschickte— eS sich hier um eine Frage nicht des Rechtes, sondernderMacht handelt. Der Freie Kindergarten, für den beträchtliche pekuniäre Opfer gebracht worden seien, habe(so führte Genosse Frank aus) den Beifall vieler Eltern gefunden und zahlreiche Arbeiterkinder in erziehlicher Hinficht gefördert. Indem die Regierung ihn plötzlich unterdrückte, habe fie weder vor der „Heiligkeit des Eigentums" noch vor der„Heiligkeit der Familie" jenen Respekt bewiesen, den die bürgerliche Gesellschaft der Arbeiterklasse sonst zumutet. Als dritter Redner kam dann ein Liberaler, der Char« lottenburger Stadtverordnete P e n z i g, zum Wort. Vom Standpunkte des Pädagogen beleuchtete er das Unsinnige dieses Kampfes der Regierung gegen den Freien Kindergarten. Penzig legte über- zeugend dar. daß Schulen. Erziehungsanstalten usw. weder Frömmigkeit noch Vaterlandsliebe fördern, wenn fie den Kindern die vor- geschriebenen Meinungen über Gott. König usw. eintrichtern. Da- durch werde eher das Gegenteil erreicht, Religiosität und Patriotismus werde auf diese Weise aus den Kindern hrnauSunterrichtet. Daß die preußische Regierung schon vor einem halben Jahrhundert unter Kultusminister Raumer einen Kampf gegen die Kindergärten geführt hat, bei dem sie sich unsterblich blamierte, daran erinnerte als vierter Redner der Schriftsteller Heinrich Schulz. wieder ein Sozialdemokrat. Damals drehte sich der Wind bald wieder zugunsten der Kindergärten, und später wurde vom Kultusminister Falk sogar den Kommunen empfohlen, Kindergärten zu schaffen. Genoffe Schulz wünscht von der gegenwärtigen Protestbewegung, daß durch fie den Kommunen jene Kalliche Verfügung mS Gedächtnis zurückgerufen werde. In den Kindergärten, die ja den sittlichen Wert der Arbeit betonen, fei bereits das Prinzip der sozialistischen Er- ziehung der Zukunft angedeutet. In der Diskussion erhob sich kein Verteidiger der Regierung. Auch der„Morgenpost'-Redakteur ErdmannSdörfer, der sich als liberalen Politiker bezeichnete, bedauerte lebhast, daß man den Freien Kindergarten geschloffen habe. Er meinte, man könne sich nur freuen, wenn Sozialdemokraten positive Arbeit dieser Art leisten: die lenke wenigstens von utopistischen Bestrebungen a b. Tin echt liberaler Gedanke I Frau S u ß m a n n. die Leiterin des gewesenen Kindergartens, die sich zur Sozialdemokratie bekennt, schilderte, wie der Gewaltstteich der Regierung auf Eltern und Kinder gewirkt hat. Ein Junge habe ihr gesagt:„Wenn wir Kinder reicher Leute wären, hatte man uns nicht auf die Straße gesetzt". Genosse Katzen st ein zeigte noch einmal die Notwendig- keit, auch dann weiter im Sinne der Bestrebungen dieses Kinder- gartenS zu wirken, wenn die gegen die Konzessionsentziehung ein- gelegte Beschwerde erfolglos bleibt. In einem Schlußwort mahnte Professor Wilhelm Förster zu gemeinsamer Arbeit. Seine Bemühungen, Männer anderer Parteien dafür zu gewinnen, daß sie sich an dieser Kundgebung beteiligten, sei nur teckweise gelungen. Er habe aber überall, so fügte er hinzu, große Erregung gesiinden. Das ist doch ein Trostl Die Versammlung nahm einstimniig eine Resolution an, die gegen die von der Regierung verfügte Schließung des Kinder- gartenS protesttert. DaS Recht, Kindergärten von polittschen Gesichts- puntten aus zu überwachen und zu schließen, wird der Regierung bestritten: verurteilt wird die besondere Behandlung von Ein- richwngen eines Vereins mit Rücksicht auf angebliche oder wirkliche Parteizugehörigkeit seiner Mitglieder. Die Resolution billigt die Grundsätze, die für den Freien Kindergarten maßgebend waren: planmäßig« Entwickelung des kindlichen Geistes zum Selbstbeobachten und Selbsturt eilen, Förderung kindlicher Lebensfreude und Erziehung zum Gemeinsinn. Fernhaltung jeder unpädagogischen Tendenz poli- tischer oder religiöser Art. Empfohlen wird, eventuell andere Kinder- gärten dieser Art zu gründen, jedenfalls ober die Bestrebungen des BereinS freier Kindergärten weiterhin kräftig zu fördern. Partei- Angelegenheiten. Die Lokalliste für Berlin und die Provinz Brandenburg liegt der heutigen Nummer des„Vorwärts" bei. In Rücksicht auf die kommenden Feiertage und die bei günstigem Wetter stattfindenden Ausflüge wird mit dem Neuerscheinen der Lokalliste einem drin- genden Bedürfnis Rechnung getragen. Mit dem Eintreten der Sommerzeit und der damit verbundenen Arangierung von Partien durch die Arbeitervereine in die nähere und weitere Umgebung Berlins erhalten die Genoffen in den Provinzorten in ihrem außer- ordentlich schwierigen Kampfe um Versammlungssäle eine wesent- liche Unterstützung. Diese Genossen in ihrem bitteren Kampf zu unterstützen muß sich jeder Arbeiter und jeder Verein zur höchsten Pflicht machen. Es kann das nur geschehen, wenn die Arbeiter- schaft bei allen Veranstaltungen und Ausflügen nur die Lokale be- nützt, die uns auch zu Versammlungen zur Verfügung stehen. Die Lokalfrage ist für unsere Agitation und Organisation von großer Bedeutung. Dort, wo unseren Genossen kein oder nur ein kleines Lokal zur Verfügung steht, ist die Parteiarbeit dappelt schwierig und der Erfolg in den meisten Fällen nur ein geringer. Beachtet die Arbeiterschaft jedoch unseren wiederholt an sie gerichteten Appell und handelt sie streng danach, so muß es uns mit der Zeit gelingen, alle Lokale, die von ihr frequentiert werden, zu Ver- sammlungszwecken zu erobern. Wo uns aber Säle zu Versammlungen zur Verfügung stehen, dort können wir das Versammlungsrecht erst wirklich ausnützen, darum ist der Kamps um Versammlungsräume auch ein Kampf um das Versammlungsrecht.— Deshalb: „Beachtet die Lokalliste!" Des weiteren werden die Vorstände und Komitees aufgefordert, dafür zu sorgen, daß das zu ihren Vergnügungen und sonstigen Veranstaltungen notwendige Bedienungspersonal stets vom kosten- losen Arbeitsnachweis des Verbandes deutscher Gast- wirtsgehülfen(Ortsverwaltung Berlin), Große Hamburger st ratze 18/19, Tel. Amt III 1313, bezogen wird. Außerdem ist es im eigenen Interesse der Ver- eine selbst dringend notwendig, daß allen Verträgen mit Lokalinhabern eine Klausel angefügt wird, wonach für den Fall, daß das betreffende Lokal später für Arbeiterversammlungen ver- weigert werden sollte, der Vertrag seine Gültigkert verliert. Alle Vereine und sonstigen Korporationen, welche Ausflüge nach Buckow(Märkische Schweiz) unternehmen wollen, ersuchen wir, sich rechtzeitig vorher mit dem Gen. Fritz Simon, Wald-Sievers- d o r f bei Bahnhof Damsdorf-Müncheberg in Verbindung zu setzen. Alle sonstigen Anfragen, Mitteilungen usw. sind stets durch die in der Lokalliste angegebenen Kommissionsmitglieder an den Ob- mann der Lokalkommission zu richten, so weit Lokale Berlins und der Kreise Nicder-Barnim, Teltow-Bceskow und Potsdam-Ost- Havelland in Frage kommen. Für die übrigen Provinzorte sind alle Anfragen direkt an den Obmann zu richten, in keinem Falle jedoch direkt an die Redaktion des„Vorwärts"; dies bitten wir zu beachten. Zum Schluß ersuchen wir die Parteigenossen, die jeweilige Lokalliste stets bis zum Erscheinen der nächsten aufzubewahren, sowie von allen in der Zwischenzeit eintretenden etwaigen Aenderungen Notiz zu nehmen. Für verloren gegangene Listen kann jederzeit Ersatz von allen KommissionSmitgliedern bezogen werden. Die Lolalkommission. Achtung, vierter Wahlkreis! Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß am HimmelfahrtStage eine Fußpartie nach Rüdersdorfer Kalk- berge über Strausberg stattfindet. Abfahrt morgens 7 Uhr 1ö Min. vom Schlesischen Bahnhof. Treffpunkt für Nachzügler im Restaurant Grefe, Rüdersdorfer Kalkberge, mittags 1 Uhr. Der Vorstand. Achtung! Fünfter Wahlkreis! Morgen am HimmelfahrtStage findet eine Herrenpartie nach Vogts Krampenburg statt. Die Genossen treffen sich in den von den Abteilungen vorher bestimmten Lokalen. Abfahrt ab Bahnhof Alexanderplatz 8,51 nach Grünau. Treffpunkt bis 11 Uhr vormittags im Wendenschloß. Schöneberg. Die Parteigenossen, die an der Fußpartie am HimmelfahrtStage teilnehmen, werden ersucht, am Donnerstag stmh 7zh Uhr am Bahnhof Großgörschenstraße(Wannseebahnhof/ anwesend zu sein. Fahrt bis Schlachtensee, die Havel entlang bis zum„Alten Freund. Alles Nähere auf dem heutigen Zahlabend. Der Vorstand. Achtung! Charlottenburg. Den Mitgliedern der 4. Gruppe zur Nachricht, daß am HimmelfahrtStage eine Herrenpartie durch den Grunewald zum„alten Freund" stattfindet. Abmarsch Punkt 8 Uhr von Päpke, Kaiser Friedrichstratze 91. Um recht rege Be- teiligung, auch auS anderen Gruppen, ersucht Der Gruppenführer. Stralau. Der Zahlabend des zweiten Bezirks findet jeden zweiten Mittwoch im Monat im Lokal von Rittwach, Alt-Stralau 5. der des ersten Bezirks jeden dritten Mittwoch im Lokal von Schöps, Alt-Stralau 17 statt. Erscheinen aller Genossen ist Pflicht. Gleich- zeitig wird ersucht, die MaifeierbillettS abzurechnen. Der Vorstand. Achtung! Rummelsburg. Am HimmelfahrtStage veranstaltet der Wahlverein mit Beteiligung des Gesangvereins Rummels- burger Männerchor eine Herrenpartie nach dem Grunewald. Ab- fahrt ab Bahnhof Stralau-Rummelburg Bahnsteig E 7,30 Uhr nach Station Grunewald. Treffpunkt für Nachzügler zur Frühstückszeit in Schildhorn und zur Mittagszeit beim„Alten Freund" auf Pichelswerder. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Erkner. Die Genossen seien hierdurch darauf aufmerksam gemacht, daß unser Zahlabend regelmäßig mit den Berliner Zahl- abenden, also jeden zweiten Mittwoch im Monat, stattfindet. Gleich- zeitig werden die Genoffen, die am HimmelfahrtStage an der Herrenpartie teilnehmen wollen, ersucht, früh%8 Uhr bei Genossen Degebrodt zu erscheinen. Reinickendorf- West. Die Teilnehmer der Agitationstour nach ....-— früh tto. ___________„_____.,r_,. mit der Oranienburger Vorortbahn. Rückfahrt von Nasseheide abends 7,38 und 9,43 Uhr. Flugblätter werden in vorgenannten Lokalen ausgegeben. Der Vorstand. Liebenwalbe— Hammer. Die Parteigenossen werden auf. gefordert, sich am HimmelfahrtStage vormittags lix� Uhr im Lokale des Herrn BrauereibesiberS K l e i n e r t � Berlinerstraße, cinzu- finden, um an der Flugblattvcrbrcitung für die Umgegend teilzu- nehmen. Die Agitationsrommission. Niederschöuhause». Die Genossen werden ganz besonders darum ersucht, am heutigen Zahlabend vollzählig zu er- scheinen. Die bevorstehende Stichwahl bedingt eine ein- gehendere Aussprache. Außerdem müssen sämtliche Listen mit den Bezirkskassierern abgerechnet werden. Der Vorstand. Fravz.-Buchholz. Die ordentliche Mitgliederversammlung fällt heute auS. Morgen, Himmelfahrtstag. findet der Ausflug nach Carow statt. Treffpunkt der Genossen mit ihren Frauen nach- mittags 1 Uhr bei Rackwitz, Bahnhofstraße 15. Abmarsch pünktlich �2 Uhr. Für Nachzügler Restaurant Breitkopf, Carow. Rege BAeiligung erwartet__ Der Vorstand. Berliner Nachrichten* Die WertzmvachSsteuer. Die gestrige zweite Sitzung des neugewählten Ausschusses zur Durchberatung der Wertzuwachssteuerordnung begann mit der TiS- kusfion über den Steuertarif. Hierzu lag ein Antrag vor. der u. a. eine Erhöhung d«S Tarifs bezweckt. Zwar soll auch nach diesem Antrag« die Höchstgrenze der Steuer nicht mehr als 20 Proz. be- tragen, doch svll dieser Satz bareits bei einer Wertsteigerung von über 90 Proz. erhoben werden, während nach der Magistratsvorlage eine Steuer von 20 Proz. erst bei einer Wcrtsteigerung von 170 Proz. zur Erhebung gelangen würde. Ferner sollen die Vergünstigungen m Fortfall kommen, welche die RagistratSvorlage dem sogenannten älteren Besitz dadurch zuteil werden lassen will, daß bei Verkäufen von Grundstücken, die sich längere Zeit in einer Hand befunden haben, nur zwei bezw. ein Drittel der Steuertarifsätze zu zahlen sind. Diesen Verschärfungen der Borlage stehen aber nach demselben Anttage sehr erhebliche Abschwächungen gegenüber, die darin bestehen, daß aller Wertzuwachs, der vor dem 1. April 1907 entstanden ist, fiir die Berechnung der Steuer außer Ansatz zu bleiben hat und daß bei Veräußerung bebauter Grund- stücke auf die Wertzuwachssteuer die Umsatzsteuer anzurechnen ist. Ein von anderer Seite gestellter Antrag verlangt dann noch, daß in alle»Fällen 10 Proz. des Wertzuwachses außer Ansatz zubleiben haben, so daß nur der 10 Proz. übersteigende Wertzuwachs der Steuer unterliegt. Die Debatte zeigte bald, daß die zu dem Tarif beanttagten Aenderungen die Freunde der Vorlage nicht befriedigten, während sie den Gegnern schon viel zu weit gingen. In der Abstimmung fielen diese Anträge gegen nur zwei Stimmen, wohingegen die Sätze der Magistratsvorlage mit der Maßgabe zur Annahme gelangten, daß als Stichtag für die Berechnung des Wertzuwachses der 1. April 1907 zu gelten habe. Da auch der zweite Antrag bezüglich der jedesmaligen Abrechnung von 10 Proz. des Wertzuwachses an- genommen wurde, so ist den Gegnern gestern bereits gelungen, die Magistratsvorlage in wesentlichen Punkten zu verstümmeln. Ueber 42 Millionen Fahrkarten sind infolge der Personentarif- reform in der Billettdruckerei der königl. Eisenbahndirektion Berlin in wenigen Monaten hergestellt worden. Für den Fern verkehr allein waren rund 15 Millionen ireuer Fahrkarten erforderlich: die- selben unterschieden sich nach mehr als 200000 Kartensorten, so daß auf die einzelne Sorte durchschnittlich 75 Stück entfallen. Die regulären Auflagen für eine Verkehrsbeziehung umfassen 50 oder 100 Stück: damit ist jetzt natürlich nur der erste Bedarf gedeckt und wo sie ausverkauft werden, muß alsbald nachbestellt werden. Für den Rundreise verkehr waren über zwei Millionen Scheine zu drucken, die zu den bekannten Fahrscheinheften zusainmengestellt werden; diese Rundreisescheine sind von hier aus an 150 Ausgabe- stellen zu versenden. Die Buchfahrkarten, deren Herstellung immer umfangreiche Arbeiten erfordert, wurden vorläufig nur in- soweit fertiggestellt, als für die gangbarsten Verkehre ausreicht; für den mitteldeutschen und Ostseebäder- Verkehr waren immerhin 300 000 Stück erforderlich. Da nicht überall die sämt- lichen Fahrkarten aufgelegt werden können, so werden kleinere Stationen, zum aushülfsweisen Gebrauch, mit Blanko karten ausgerüstet, welche nur den Namen der Abgangsstation und den nötigen Vordruck tragen; die Bestimmungsstation,'.der Fahrpreis usw. werden handschristlich eingetragen. Solche Blankokarten wurden in 10000 Blocks(a 25 Doppelkarten) gedruckt und auf mehr als hundert Ausgabestellen abgegeben. Neben all diesen Austrägen hatte die Billettdruckerei dann noch die laufenden Austräge für den Stadl«. Ring- und Borortverkehr zu bewälttgen: für diese Berkehrsbezrehungen waren weitere 25 Millionen Fahrkarten herzustellen und zu verteilen. Alles in allem eine Riesenarbeit, welche das auf durchschnittlich 80 Köpfe verstärkte Druckerpersonal in täglich zwei Schichten, von 6 Uhr früh bis 10 Uhr abends, zu bewältigen hatte. Beendet ist die Arbeit freilich noch nicht ganz: in dieser Woche erst können die letzten Druckaufträge in Angriff genommen werden. Aus dem Paradies der Eisenbahner wurde, wie wir in Nr. 102 berichteten, ein Güterbodenarbeiter ausgewiesen, weil er das von einem Vorgesetzten ihm gestellte Ansinnen, seine Zugehörig- keit zu einem sozialdemokratischen Wahlverein auf- zugeben, abgelehnt hatte.„Ich bleibe meiner Gesinnung treu I" hatte er ruhig erklärt, und er bekam dann die Kündigung. Der ge- wesene Güterbodenarbeiter legt uns jetzt das Führungszeugnis vor, daS ihm nach seiner Entlassung als Andenken mitgegeben worden ist. ES lautet:„Der Herr 21.... S... geboren am.... in..... ist vom 20. März 1907 bis 30. April 1907 bei der Güterabfertigung des Potsdamer, Bahnhofes in Berlin als Güterbodenarbeiter beschäftigt gewesen. Seine dienst- liche Führung und die Leistungen waren befriedigend. Die Entlassung des p. S.... erfolgte, weil er nach eigener An- gäbe dem sozialdemokratischen Wahlverein angehört und, um seiner politischen Gesinnung treu zu bleiben, das Ausscheiden aus diesem Verein ablehnte. Borstand der kgl. Eisenbahn-Verkehrsinspektton IV." Wir veröffentlichen dieses Schriftstück, weil es ein Dokument von kulturgeschichtlichem Wert ist. Unser Genosse S. konnte sich kein ehrenvolleres Zeugnis wünschen. Führung im Dien st und Leistungen waren befriedigend, aber— er wollte seiner politischen Gesinnung treu bleiben! Werden spätere Geschlechter begreifen, warum in unseren Tagen solche Treue einen Staatsbürger ungeeignet erscheinen ließ, den königl. preußischen Güterbodenarbeiter zu spielen? PfingstsonntagsmHe für Berlin. Am ersten Pfingstfeiertage dürfen im Handelsgewerbe, soweit der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen stattfindet. Gehülfen, Lehrlinge und Arbeiter wie folgt beschäftigt werden: Im M i l ch h a n d e l von 5 bis 10 Uhr vormittags und von 12 bts 8 Uhr nachmittags, im Handel mit Back- oder Fleischwaren von 5 bis 10 Uhr vormittags, mir Kolonialwaren, Blumen, Bier, Zigarren usw. von 8 bis 10 Uhr vornnttags, mit R o h e i s von 6 bis 10 Uhr vormittags, in den Zeitungsspeditionen von 4 bis 9 Uhr. Zu den- selben Stunden darf auch die Kundschaft mit Milch und Bier ver- sorgt werden. Am zweiten Pfingstfeiertage gelten die all- gemeinen Vorschriften über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. Schirme im Werte von 1000 M. erbeuteten Einbrecher bei einem Schaufensterdiebstahl in der Kommandantenstr. 79. Die Täter bestrichen eines der Schaufenster der Schirmhandlung von Blumenre,ch mit Schinierfeise und drückten es dann geräuschlos ein. Trotz des starken Fußgänaerverkchrs. der an der erwähnten Stelle herrscht, glückte es den Burschen, viele Dutzend silberner Herren- und Damenschirme, im Gesamtwert von 1000 M.. zu erbeuten. Ein schwerer Automobilunfall, der leicht die verhängnisvollsten Folgen hätte haben können, hat sich Montag abend im Grunewald zugetragen. Als das Gefährt am Kaiser Wilhelm-Turm die steil herablaufende Chaussee hinunterfuhr. nahm es eine derartige Schnelligkeit an, daß es schließlich zur Seite geschleudert wurde und sich vollständig überschlug. Die vier Per- sonen wurden unter dem Wagen begraben und mußten durch die Insassen eines entgegenkommeirden Automobils befreit werden. Der Bedagwagen war vollständig zertrümmert. Von den Ver- unglückten war eine Frau v. K. am schwersten verletzt worden. Die drei anderen Personen hatten Rücken- und Brustquetschungeu erlitten. Die erste ärztliche Hülfe erhielten die Verunglückten auf der Unfallstation am Zoologischen Garten. Das Opfer einer Fleischvergiftung ist die 19jährige Näherin Helene Maaß aus der Zorndorferstr. 19 geworden. DaS junge Mädchen erkrankte plötzlich«ach dem Genuß von gebratenem Fleisch und starb nach kurzer Zeit unter Bergistungserscheinungen. Ein hinzugezogener Arzt stellte als Todesursache Vergiftung, hervor- gerufen durch den Genuß verdorbenen Fleisches fest. Die Leiche der M. ist polizeilich beschlagnahmt und zur Obduktion nach dem Schau. hau» gebracht worden. 9n Ausschuß für Me Regelung der AnstellungZ- und GehaltS- vrrhültuissc der städtischen Assistenzärzte nahm in seiner gestrigen Sitzung alle von sozialdemokratischer Seite gestellten Anträge an. Es wurde beschlossen, das Gehalt der älteren Assistenzärzte von 1200 auf 1500 M. zu erhöhen. Ferner wurde beschlossen, die Assistenzärzte im Kinderkrankenhause in der Besoldung den übrigen Assistenzärzten gleichzustellen. Den Volontärärzten, die bisher nur freie Station hatten, wurde eine monatliche Remuneratton von 50 M. zugesprochen. Eine schaurige Entdeckung machten gestern nachmittag Spazier» gänger im Tiergarten. In der Nähe der Lichtenstein-Allee fanden sie auf einer Ruhcbant ein Paket, aus dem beim Oeffncn der Leichnam eines neugeborenen Kindes männlichen Geschlechts zum Vorschein kam. Ob der Knabe eines gewaltsamen Todes gestorben ist, wird durch die gerichtliche Obduktion festgestellt werden. Ein Ttraßenbahuunfall mit tödlichem Ausgange ereignete sich am Montagabend gegen 10 Uhr in der Frankfurter Allee, Ecke der Blumenthalstratze. Die Frau des Bahnarbeiters Sonnenburg, Blumenthalstr. 4 in Friedrichsberg wohnhaft, wollte einen Wagen der Straßenbahnlinie 60 während der Fahrt Verlasien und sprang ab. Sie kam zu Fall und schlug mit dem Kopf auf das Straßen- Pflaster auf, wo sie besinnungslos liegen blieb. Frau S. wurde mittels Droschke nach dem Krankenhaus Friedrichshain gebracht, verstarb jedoch kurz vor der Einlieferung. Im Polizeigewahrsam gest-rbe». Hierüber meldet der Polizei- bericht folgendes: Wegen sinnloser Trunkenheit wurde vorgestern nachmittag der 36 Jahre alte wohnungslofe Uhrmacher Wilhelm Reichenbach von einem Beamten des 38. Polizeireviers dem Polizei- gewahrsam eingeliefert. Da Reichenbach sich am nächsten Tage immer noch nicht erholt hatte und besinnungslos dalag, wurde der Ge- fäugnisarzt herbeigerufen, welcher Schlafsucht und Epilepsie fest- stellte. Er wurde deshalb als Kranker nach der Krankenstation des Polizeigefängnisses gebracht, wo er in der vergangenen Nacht gestorben ist. Em eigenartiges Schauspiel bot sich gestern mittag den Passanten des unteren Teiles der Bernauerstraße. Ein mit schweren Ballen beladener Lastwagen der Firma Reinhold Wehnert wollte auf diesem abschüssige» Teil der Straße umwenden. Die Last kam dadurch ins Rutschen und kippte den Wagen um, so daß die Wagendeichsel fast senkrecht m die Luft zeigte und die Pferde in eine gefährliche Lage gerieten. Der Kutscher mutzte, um die Tiere zu retten, die Sielen durchschneiden. Es dauerte erhebliche Zeit bis der Wagen wieder aufgerichtet und beladen werden konnte. Auf de« Selbstmord eines Liebespaares deutet ein Fund hin, der gestern im Tegeler See gemacht wurde. Ausflügler fanden am Ufer bei Tegelort eine verkorkte Bierflasche, in welcher sich eine Saisonkarte der Unions-Festsäle in der Greifswalderstraße befand. Aus der Rückseite der Karte fanden sich folgende mit Bleistift ge- schriebcnen Worte:„Ihr werdet uns finden als Leichen im Tegeler See bei Scharfenberg, gleich hinter der Villa. A. Z. und B. W.* Die von der Tegeler Polizeibehörde angestellten Ermittelungen haben bisher keine Aufklärung geschaffen. Im wiffenschaftlicheu Theater der„ttrania" wird am Donnerstag der mit zahlreichen farbigen Bildern illustrierte Bortrag„Durch Dänemark und Südschweden" widerholt, am Freitag gelangt noch einmal der Vortrag„Im Lande der Mitternachtssonne" zur Dar- stellung, während am Sonnabend der dekorativ und szenisch aus- gestattete Vortrag„Die Feuergewalten der Erde' gehalten werden wird. An, Sonnabend findet außerdem eine Wiederholung des Bor- träges„Am Golf von Neapel' zu kleinen Preisen statt und zwar am Nachmittag 4 Uhr. Feuerwehrbericht. Die plötzlich eingettetene große Hitze hat sofort fit einer Vermehrung der Alarme gefuhrt. In den meisten Fällen andelt es fich dabei um niedergedrückien Rauch, der nicht abzieht nnd viele Personen in den Glauben versetzt, daß eine Feuersgefahr vorhanden ist. Am Montag wurde die Wehr aus diesem Anlaß mehr als sechsmal alarmiert.— Ferner wurde die Feuerwehr am Abend infolge einer Spiritusexplosion nach der Straußbergerstr. 30 ge- rufen. Eine Frau Brantz wollte dort aus einer Kanne Spiritus zum Anzünden benutzen. Hierbei explodierte die Kanne. wobei die Kleider der Frau in Brand gerieten. Sie erlitt dabei Brandwunden zweiten Grades an beiden Händen ,md im Geficht. Samariter der Feuerwehr ließen ihr die erste Hülfe zuteil werden. Gestern früh kam in einer Wäscherei in der Teltoloerstr. 23 Feuer aus, u. a. brannten dort Balken und Fußböden. Vor dem Hause in der Alten Leipzigerstt. 16 stand nachts e»ne Baubude in Flammen. Gleichzeitig mußte in der Reuen König- straße 60 ei» Brand gelöscht werden, der im Keller des rechten Seitenflügels ausgekommen war. In der Schwedterstr. 50 brannten Fette, in der Kochhannstt. 27 eine Wohnung, in der EberSwalder- straße 14 Heu, in der Zwinglistr. 16 Papier und anderes. Außer- dem hatte die Wehr noch in der Oranienstr. 07a, Dircksenstr. 1, Oppelnerstr. 15, MuSkauerstr. 36, Franzstr. 9, Fruchtstr. 66, Dall- dorferstr. 6, Potsdamerstr. 88, Große Frankfurterstr. 144 und an anderen Stellen zu tun. Vorort-]Vadmcbteti; AuS dem Irrgarten des Reichsverbandes. Die„Groß-Lichterfelder Zeitung", ein Blättchen, das unter dem finanziellen Schutz des Reichsverbandes weiter vegetiert, bringt in ihrer Nummer vom 3. Mai d. I. folgendes Eingesandt:„Neue Schamlosigkeiten der sozialdemokra- tischen Machthaber." Um einen Streit der Bauhandwerker mit Erfolg vorzubereiten, sind die jugendlichen Maurer usw. in Groß-Lichterfelde gezwungen worden, den Ort zu verlassen, und wurden 20 Mann angewiesen, nach Frankfurt a. O. zu reisen, um dort zu arbeiten. Als fte das ihnen hierzu versprochene Reisegeld verlangten, wurde ihnen erwidert, man würde es ihnen in Frankfurt a. O. auszahlen! Die betörten Leute fuhren daher auf ihre Kosten dahin und forderten Ersatz des Fahrgeldes; dieses wurde ihnen mit dem Be- merken abgelehnt,„die Parteikasie sei erschöpft". Als sie Arbeit verlangten, erwiderte man ihnen,„ja, Ihr könnt zwei Tage arbeiten, dawn wird auch hier gestreikt". Die 20 Mann entschlossen sich nun, zu Fuß nach Lichtcrfelde zurückzukehren; da sie sich aber bald wund gelaufen hatten, legten sie ihre Ersparnisse zusammen und fuhren mit der Bahn nach Hause. Diese Behandlung ist noch schlimmer wie die russische Knute! Und wie groß muß die Dummheit und Beschränktheit der Arbeiter sein, die sich von so ehrlosen Führern schikanieren lassen, ohne dagegen auch nur zu mucksen! Ob die 20 wohl durch diese bittere Enttäuschung belehrt. eine richtige Ansicht über die sogenannten Singer-Zubeilscher, Frei- heiten des ZukunftsstaateS gewonnen haben worden? Ich fürchte leider, nein!— Unter diesen Genasführten befand sich auch der Sohn einer armen Witwe, die natürlich das Jlleise- und Zehrgeld hergeben mußte und nun ihren Jungen ernähren und erhalten muß, da er auf„höheren" Befehl heute wieder nicht arbeiten darf! Ja. die sozialdemokratischen Machhaber sind aber doch so gnädig!,— ihm zu gestatten, heute zu arbeiten, wenn er dafür „fünf Mark" an die Streikkasse zahlt!— Ein Pfui! solchen gesinnungslosen a u Sb e u t e r 1 s ch e n tf uh r er nt— Doch nicht in Lichterfelde allein herrschen solche Himmel. schreiende Zustände, überall, wo die rote Internationale ihre Nil- pferbpeitsche schwingt und Sklavenfesseln legt, wird der gleiche Betrag dem betörten arbeitenden Volke erpreßt, wenn eS wagt, am 1. Mai nicht nach der sozialdemokratischen Pfeife zu tanzen. Luch ig aadereo KekriMn, z. B, fä Aopstg ig Tkg-s uFp,, herrscht dasselbe Erpressungssystem, und Schreiber dieser Zeilen erfuhr von einem dort angestellten national gesinnten Arbeiter, daß man allgemein entrüstet über diesen TerroriSmus und diese Vampyre in Menschengestalt sei; auch daß er be- absichtigte, sich diesem entwürdigenden Zwange zu entziehen. Wann endlich kommt ein Rächer diestm Volke, nicht geknechtet von dem so verleumdeten Bürgertum, sondern von der roten internationalen völkerbefreienden!! Sozialdemokratie! Hat denn das so mächtige preußisch-deutsche Reich und die Staatsanwaltschaft gegen diese gemeinen, ehrlosen Erpressungen wirklich kein Mittel, einzuschreiten, um.die wirtschaftlich Sichwachen zu schützen? Caveent consulesl «Groß-Lichterfelde. 1. Mai 1907. Franz Hcrter, Hauptmann a. D. Die völlige Verlogenheit dieser Sudelei erst noch nachzu- weisen ist sicher nicht nötig. ES soll aber dem gebildeten Herrn Hauptmann Gelegenheit gegeben werden, vor Gerickst seine gemeinen Beschimpfungen zu rechtfertigen und die Beweise für seine Be- hauptungcn zu erbringen. Die Bürger aus dem„vornehmen Villenort", die den- Vorzug haben, als Richter zu fungieren, werden sich mit der Frage zu befassen haben, wie hoch die Ehre sozial- demokratischer Staatsbürger zu bewerten ist. Das Urteil gegen Genossen Wenzel als Maßstab genommen, wird dem Herrn Hauptmann sicher Gefängnis erblühen. Wilmersdorf. In der Generalversammlung des Wahlvereins gedachte vor Eintritt in' die Tagesordnung der Vorfitzende Genosse Kiefer der durch den Tod entrissenen Genossen Auer und S ch w e i ch e l. Die Anwesenden ehrten das Andenken der Vorkämpfer in üblicher Weise.— Hierauf gab der Genosse Henkel den Bericht von der Kreisgeneralversammlung in Zehlendorf, welcher debatteloS entgegengenommen wurde. Anschließend hieran erstattete der Kassierer Goddäns den Kassenbericht vom 1. Quartal. Durch das Zusammentreffen zweier Wahlen, der Stadtverordneten- und Reichstagswahl, wurden an die Kasse hohe Anforderungen gestellt, wobei sich der Opferfinn der Genossen in bekannter Weise bewährt hat.— Nunmehr wurde die in der letzten Mitgliederversammlung vertagte Diskussion über den Ausfall b# ersten Stadtverordneten- wählen, in Verbindung mit den Reichstagswahlen, wieder auf- genommen. Eingangs derselben wies der Vorsitzende darauf hin, daß in der vorigen Versammlung unter anderem auch der be- kannte Artikel des Genossen Heinrich Braun in der„Reuen Ge- sellschast" in die Debatte einbezogen und der Ausschluß des Ge- nossen Braun aus der Partei verlangt wurde. Da nun Genosse Braun Mitglied des örtlichen Vereins sei, so habe sich inzwischen der Vorstand unter Hinzuziehung des Angeschuldigten mit dieser Angelegenheit eingehend beschäftigt, und sei zu dem Resultat ge- kommen, daß das in dem gegen den„Vorwärts" gerichteten Artikel Gesagte nicht ausreiche, um das Ausschlutzverfahren mit Erfolg zu beantragen. Der Vorstand habe sich deshalb nach einer scharfen Aussprache auf folgende Resolution geeinigt und empfiehlt sie der Versammlung zur Annahme: „Die Versammlung bedauert, daß kurz nach den Reichstags- Wahlen, nachdem ein Zusammenschluß aller Kräfte notwendig war, durch einen, nicht in allen Teilen, besonders aber in der Form nicht zu rechtfertigenden Angriff des Genossen Braun gegen den „Vorwärts" Streit und Zwiespalt unter die Genossen getragen wurde. Die Versammlung erwartet von dem Genossen Braun, daß er sich in Zukunft etwas mehr Takt auferlegt und die in der Partei übliche Diziplin beobachtet." Der erste Diskussionsredner Genosse Redakteur Wilhelm Schröder verbreitete sich in ausführlicher Weise über den Aussall der Reichstagswahlen, und streifte nur ganz kurz die Stadtver- ordnetenwahlen und die Angelegenheit Braun kontra„Vorwärts". Er ist der Ansicht, daß Braun vom„Vorwärts" zu seinem Angriff — den Redner auch nicht gutheißt— wohl etwas provoziert worden sei. Im übrigen sei die Haltung des Zcntralorgans während des Wahllampfes tadelsfrei gewesen und habe eine reiche Quelle von AgitationSstofs geboten. Genosse Gladigow wandte sich zunächst scharf gegen das Verhalten des Genossen Braun und meinte, seine angeblichen Verbesserungsratschläge, sein Hinweisen auf vermeint- liehe Uebelstände innerhalb der Partei würde der Partei mehr schaden Wie nützen. Vor allem möge sich Braun etwas mehr an positiver Parteiarbeit beteiligen. Genosse Braun wendete sich des längeren gegen die vom Vorstand empfohlene Resolution. Wenn man ihn darin tadele, so soll man nicht vergessen, auch dem„Vor- wärts" einen Tadel auszusprechen. Rur durch dessen fortgesetzte Angriffe gegen ihn. in denen er ein Geschästssozialist, ein un- bezahlter Helfershelfer des ReichslügenverbandeS genannt �wurde usw., sei er geradezu provoziert worden, habe sich aber bei allen Angriffen eine große Reserve auferlegt, nur wenn es zu toll wurde, habe er gcantwortet, aber nicht um seine Person zu retten. sondern um der Partei willen. Schon jahrelang habe er die Wahr- nehmung gemacht, daß daS Zentralorgan nicht auf der geistigen und moralischen Höhe stehe, auf der es seinen Aufgaben gemäß stehen sollte. Und da er durch seine berechtigte Kritik verbessern wolle, heißt eS: der Jude muß verbrannt werden.— Die folgenden Redner Genossen R a d t k e und H i l b i g verurteilten in lebhafter und äußerst scharfer Weise daS Verhalten des Genossen Braun in der Versammlung, nachdem zuvor in der VorstandSsitzung eingehend nach allen Seiten hin eine Aussprache stattgefunden habe. Ge- nosse Henkel ging ebenfalls mit der von Braun beliebten Kampfesweife scharf ins Gericht und fordert ihn mit eindringlichen Worten auf. doch endlich damit aufzuhören, unseren Feinden fort- gesetzt Waffen zu liesern. Der letzte Redner Genosse Kiefer nahm u. a. Bezug auf einige von Braun in der Debatte ge- fallene Aeußerungen, die Widersprüche enthalten sollen. So habe Braun in der VorstandSsitzung betont, daß die frühere„Vorwärts"» Redaktion mustergültig gearbeitet habe. Und jetzt erklärt Braun vor der Versammlung, daß er schon jahrelang mit betrübtem Herzen die tieftraurige Beobachtung gemacht hätte, daß der„Bor- wärtS"-Redaktion all die moralischen und wtellettuellen Eigen- schasten fehlen, um die Führung in der Partei zu übernehmen. Bekanntlich sei aber bis zum November 1906 die von ihm so ge- lobte alte Redaktton am„Vorwärts" tättg gewesen. Redner be- tonte, daß mit der Haltung der jetzigen„VorwärtS"-Redaktion die Instanzen von Groß- Berlin einverstanden sind, und daß sie auch die Antwort des„Vorwärts" auf den Braunfchen Artikel gut- geheißen haben.— Die vom LorstcuH empfohlene Resolution ge- langte hierauf zur Annahme. Zum Schluß machte Genosse Kiefer noch auf die Reu» gliederung des Kreises Teltow aufmerksam und gab den neuen Organisationsplan für den weit ausgedehnten Kreis bekannt. Ferner wies er auf den am Freitag, den 10. Mai. abends 9 Uhr. in Steglitz, bei Schellhase, beginnenden neuen Kursus der Arbeiterbildungsschule hin. Friedenau. Ein»lweinstnrz, dem leider auch ein Menschenleben zum Opfer fiel, ereignete sich gestern auf dem Grundstück Kaiserallee 7» in Friedenau nahe am Kirchplatz. Dort wird auf dem dem Architekten Ad. Ewald in Friedenau und C. Mais, Zimmermeister in Schöneberg. Hauptstr. 83 gehörigen Terrain ein Neubau aufgeführt, der bis zur 4. Etage ferttggestellt ist und in den nächsten Tagen gerichtet werden sollte. Dagegen wird da? Rachbargrundstück. Kaiserallee 78— Eigentum des Maurermeisters H. Mattner— zurzeit behufs Reu- baue« abgebrochen, zu welchem Zwecke in den letzten Tagen die Fundamente freigelegt wurden. Gestern ftüh kurz vor 7 Uhr stürzte plötzlich die linls von dem Abbruchgrundstück etwa 10 Meter entfernte Ecke deS Neubaues, alle Balken und Slsenbefestigungen mit fich in die Tiefe reißend, zusammen. Leider wurde unter den Trümmern auch der Bauarbeiter Otto Grunewald aus Eharlottenburg. Pefialozzistr. 27, begraben, der fich behufs Zutragen von Baumaterialien früher als die Maurer auf dem Bau emfinden mußte. Grunewald konnte erst nach längeren Bemühungen bewußtlos unter den Trümmern hervor- gezogen werden. Er hatte mehrere Schädelbrüche und sonstige Per- letzungen erlitten und kam erst bei Anlegung eines Notverbandes auf der SanitätSivache am Marktplatz, wohin man ihn getrogen hatte, noch so weit zur Besinnung, daß er seine Wohnung angeben konnte, worauf er aus dem Transport nach dem Krankenhaus Groß- Lichterfelde starb. Als ein Glück darf es bezeichnet werden, daß die zahlreichen anderen Arbetter den Bau noch nicht betteten hatten, als sich der Unfall ereignete, da sonst jedenfalls mehrere unter ihnen ihr Leben eingebüßt hätten. Die Friedenauer Baumspettion erschien bald darauf an Ort und Stelle, ulk die polizeilich abgesperrte Un- glücksstätte zu besichtigen. Steglitz. Stichwahl im ersten Bezirk— das ist leider abermals dos Ergebnis der vorgestrigen Gemeindewahl, trotzdem wir gegen die Hauptwahl des Vorjahres einen, allerdings nur mäßigen, Stimmen- Zuwachs zu verzeichnen haben'. Mit unserer Stimmenzahl stehen wir an erster Stelle mit 605, Mieterverein 462, Hausbesitzer 223; an der absoluten Mehrheit fehlen uns demnach 43 Stimmen. In der Stichwahl des Vorjahres brachten wir 684 Stimmen auf, es hätte demnach ein leichtes sein müssen, im ersten Wahlgang unseren Kandidaten durchzubringen, wenn nicht ein großer Teil Arbeiter abermals der Wahl ferngeblieben wäre. Der Verlauf des Wahlaktes war im Gegensatz zum vorigen Jahre ein sehr ruhiger, was darauf zurückzuführen ist, daß cur Stelle des Gemeindevorstehers Buhrow der Schöffe Dr. Beyendorf als Wahlvorsteher amtierte. Die Genossen Krause und Dräger waren Beisitzer. Im zweiten Bezirk hätten wir es bei regerer Agitation ebenfalls zur Stich- wähl mit dem Mieterverein bringen können, während jetzt letzerer mit dem Hausbesttzerverein zu kämpfen hat. Der Mieterverein hat also den Kamps nach zwei Fronten zu führen: im ersten Bezirk gegen die Sozialdemokratie, im zweiten gegen die Hausbesitzer. Da er uns ohne Hülfe der Hausbesitzer nicht besiegen kann, kann man einigermaßen gespannt sein auf seine Wahltaktik.— Unseren Genossen stehen nun nochmals arbeitsreiche Tage bevor. Es gilt die Reserven, die noch vorhanden sind, heranzuholen, um in der Stichwahl ein günstigeres Resultat zu erzielen. Rixdorf. Der ftädttsche Omnibus fährt von dem heutigen Tage ab dmch die Erksttaße. Wir bitten die Leser davon Notiz zu nehmen. Lon einem Tobsuchtsanfall ergriffen wurde der in der Fuldasttaßö wohnende Schriftsetzer H. Auf Anordnung des Arztes, der bei dem Kranken u. a. auch Blmvergistung konstatierte, wurde er nach dem jkrankenhause am Urban gebracht. Seme Ueberführnng hatte leider einen tödlich verlaufenden Unfall zur Folge, indem beim Passieren des Hermannplatzes ein etwa sechsjähriges Mädchen von dem Krankenwagen erfaßt und so unglücklich unter die Räder geschleudert wurde, daß der Tod alsbald einttat. Weistensee. Ja geheimer Sitzung der Gemeindevertretung wurde der un- längst beendete Krankenkassenkonflikt nochmals besprochen; eZ ist geradezu verwunderlich, daß der in der breitesten Oeffentlichkeit ausgetragene Streit nunmehr das Geheimlabinett beschafttgt. Zur Tagesordnung stand: Beschlußfassung über die Bewilligung von Entschädigungen an die früheren kommissarischen Verwalter der Ortskranlenkasse. Dieselben hatten für sich die im Statut auS- geworfene Entschädigung für den Vorsitzenden in Anspruch ge- nommen mit ausdrücklicher Genehmigung der Aufsichtsbehörde und das war der frühere besoldete Schösse Dr. Pape. Eine im No- vember vorigen Jahrcs stattgehabte Generalversammlung faßte den Beschluß, das erhobene Geld der Kasse wieder zurückzuführen, da nach dem Statut nur für entgangenen Arbeitsverdienst an den Vorsitzenden eine Entschädigung gezahlt wird. Dies sei bei den kommissarischen Verwaltern nicht der Fall, da diese als Kommunal- beamte ständiges Gehalt bezögen, ohne Rücksicht auf eine eventuelle Mehrarbeit. Ferner wurde auch festgestellt, daß die Kassengeschäfte während ihrer Dienstzeit mit erledigt wurden. Von dem Beschluß der Generalversammlung erhielt die vorgesetzte Behörde Kenntnis. Der Regierungspräsident hatte denn auch verfügt, daß die Kom- miffare den zu Unrecht erhobenen Betrag von 371,99 M. an die Ortskrankenkasse wieder abzuführen haben. In der Verfügung heißt es ausdrücklich„Herr Dr. Pape wie auch Herr Dr. Albert hätten Kenntnis davon haben müssen, daß die Annahme von Be- zügen nach§ 45 des KrankenversicherungsgesetzcS unzulässig ist". Beide Juristen müssen sich also von Laien belehren lassen. Die Kommissare. Herr Sekretär Kähne wie der juristische Hülssarbeiter Dr. Albert lehnten eine Rückvergütung ab, da ihnen der Dezernent der Kasse, Herr Dr. Pape, das Honorar angewiesen habe und auch das Geld längst verausgabt sei. Nun wäre eS doch richtig gewesen, daß Dr. Pape regreßpflichtig gemacht wurde, was von sozialdemokratischer Seite auch beantragt war. Besonder» Herr Fabrikant Raspe, ein früherer Gegner deS besoldeten Schöffen, trat warm dafür ein, die Kosten der Gemeinde aufzuhalsen, denn Herr Dr. Pape habe bestimmt in gutem Glauben gehandelt, an dem ganzen Konflikt habe nur der frühere Vorsitzende der Kasse schuld, der jetzt sogar von seinen eigenen Genossen abgesägt sei. Die übrigen Redner standen mehr oder weniger auf dem vertrag- lichen Standpunkt, man wolle den Außenstehenden nicht noch mehr Gesprächsstoff geben; also aus dem Steuersäckel erhalten die beiden Kvmmttsare ein Geschenk von 371,99 M., was sie an die Ortskrankenkasse wieder abzuführen haben.— Kurz vorher leistete man auch Verzicht auf die Hälfte des Gehalts für Monat März an Dr. Pape im Betrage von 187,60 M. Nach dem Disziplinar- gcfetz steht den im Verfahren befindlichen Beamten nur dis Hälfte des GehaltS zu, für Monat März war das Gehalt berettS erhoben, aber des lieben Friedens willen leistet man Verzicht. Die Steuerzahler haben somit„nix to seggen". daS Geheimkabinett befindet, die Oeffentlichkeit ist ausgeschlossen. Zeuthen. Im Betriede der«erliner Mafchinentzau-Aktieugesellschaft vormal« L. Schwartzkopff. Werk Wildau, ereignete sich gestern abend l/z6 Uhr ein entsetzlicher Unglücksfall, dem der Arbeiter Kroll aus KönigS-Wusterhaiisen zum Opfer fiel. Kroll war mit anderen zusammen damit beschäftigt, den Deckel eines Schleusenkastens, eine Eisenplatte von enormem Gewicht, vermittels einesKranes zu heben und umzudrehen, als die am Krahn hochgewundene Platte von oben herabstürzte, dem Kroll zunächst dieBeine zerschmetterte und alSdann denselben vollständig unter sich begrub. Der Bedauernswerte wurde entsetzlich zugerichtet und starb berettS auf dem Transport- von der Unsallstätte in der Kesselschmiede nach der Portierloge. Der Verunglückte himerläßt vier unerwachsene Kinder. Dem Vernehmen nach soll das Unglück darauf zurückzuführen sein, daß zur Befestigung der Platte an dem Kran eine defekte Schraubzwinge verwendet wurde. Der Bruch der Spindel verursachte das Herabstürzen der Platte. Große Erregung unter den Zeugen de? Vorfalls erregte der TranS- port des Schwerverletzten aus der fahrbaren Tragbahre.«» wurden bittere Bettachttmgen darüber angestellt, daß für Feuerwehr, für Musik und andere Sachen so große Aufwendungen gemacht werden. daß aber für bessere Krankentransportmittel kein Geld vorhanden sei; trotzdem fast in jeder Betriebsversammlung daS Verlangen da- nach gestellt worden sei. Berichts-Deining. Der Säbel deS Schutzmanns. Schwere Ausschreitungen eines Schutzmanns, bei welchen mehrere Personen durch Säbelhiebe verletzt wurden, lagen einer Anklagesache zugrunde, die gestern zum zweiten Male vor der 4. Strafkammer des Landgerichts II zur Verhandlung kam. Wegen Körperverletzung mittels ge- jährlichen Werkzeuges«übte sich de« frühere Unteroffizier würdigkeiten zuriefen. Da seinerzeit gerade die Hennigiagd| Vorgehen des Angeklagten eine Gefängnisstrafe von im 1. Garde- Dragoner- Regiment Hermann Schwirk berant- fehr aktuell war, riefen ihm mehrere Wigbolde zu: fünf Monaten für angebracht. Die Straffammer worten. Der Angeklagte hat zwei Jahre als Rekrut gedient erkannte wiederum wie in der ersten Instanz auf 3 Monate und hatte sich dann als Gefängnis. ,, Sie wollen wohl heute noch Hennig'n kriegen?" und„ Sie, Hennig hat wohl was zum besten gegeben?" Durch diese Hänseleien wurde der Angeklagte derartig erregt, daß Eingegangene Druckfchriften. er plöglich seinen Säbel herausrik Hieb Freiwilliger für den China- Feldzug gemeldet. In diesem zeichnete er sich mehrfach aus und wurde mit der Dienstauszeichnung zweiter Klasse dekoriert. Seine Borgesezten schilderten ihn stets nur als einen nüchternen und einem der Nächststehenden einen und ruhigen Menschen, der stets seine Pflicht tat. Wie der Angeklagte behauptete, habe er unter dem Einflusse der Hize verfekte. Als er sich mit erhobenem Säbel auf mehrere andere und der Strapazen des Feldzuges sehr gelitten, so daß sich personen stürzen wollte, liefen diefe in schleuniger Flucht allerlei Beschwerden bei ihm bemerkbar machten. Am 16. De- davon. Der Angeklagte lief hinter einem Manne her, bis er zember 1905 trat der Angeschuldigte als Probist bei der ihn aus den Augen verlor. Als S. in die Wiesenstraße einBerliner Schußmannschaft ein und wurde dem 6. Polizeirevier in Rigdorf zugeteilt. Am 26. Februar b. 3. bog, bemerkte er hier vor einem Hause den war er von 10 Uhr abends ab dienstfrei, nachdem er zubor Nachtdienst gehabt hatte. In Gemeinschaft mit zwei ebenfalls dienstfreien Kollegen suchte er ein Lokal auf, in welchem eine nicht unerhebliche Menge Alkohol in Form von Schnaps und Bier konsumiert wurde.. Während feine Begleiter gegen 12 Uhr den Heimweg antraten, suchte S. noch ein zweites Lokal auf, in dem er mit mehreren Zivilisten weiterfneipte. Als er schließlich wieder auf die Straße kam, bersagten seine Beine den Dienst, er schwankte hin und her und klammerte sich schließlich an einem Laternenpfahl feft. Der Anblick des total berauschten Schußmannes Todte eine größere Anzahl Nachtschwärmer herbei, die dem im Zidzadkurs vorwärtsstrebenden S. allerlei kleine Liebens. Für den Inhalt der Juserate übernimmt die Redaktion dem Bublikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Mittwoch, den 8. Mai. Anfang 7 Uhr. Kgl. Opernhaus. Salome.( Anfang 8 Uhr.) Kgl. Schauspielhaus. Was ihr wollt. Neues tgl. Operntheater. Wiener Blut. Deutsches. Robert und Bertram. Kammerspiele. Anfang 8 Uhr. Erwachen. Hochzeit. Frühlings Neues Schauspielhaus. Herthas Schiller 0. Narrenglanz. ( Wallner Theater.) Schiller- Theater Charlottenburg. Heimat. Schiller N.( Friedrich Wilhelm städtisches Theater.) Am grünen Beg. Berliner. Staatsanwalt Merander. Leffing. Die versunkene Glode. Zentral. Ebenbild. Die Nachtigall. Baters Kleines. Ein idealer Gatte. Neues. Der Dieb. Lorking. Dpernaufführung des Sternschen Konservatoriums. ( Anfang 72 Uhr.) Westen. Die lustige Bitwe. Residenz. Haben Sie nichts zu berzollen Luftspielhaus. Husarenfieber. Thalia. Wo die Liebe hinfällt. Luifen. Das Mädchen ohne Ehre. Trianon. Fil. Josette Frau. meine Bernhard Rose. Busch- Lies'L Metropol. Der Teufel lacht dazu. Gebr. Herrnfeld. Es lebe das Nachtleben. Vorher: Die Welt geht unter. La Tortajada. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Der luftige Witmer. Spe zialitäten. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Schachtmeister Böhme, der gerade die Haustür aufschließen wollte. Obwohl B mit der ganzen Sache nichts zu tun hatte, stürzte fich der Angeklagte auf ihn und verfekte ihm einen wuchtigen Säbelhieb über den Kopf, so daß B. blutüberströmt zusammenbrach. Schließlich wurde S. von zwei anderen Schuhleuten festgenommen und zur Wache gebracht. Diese Angelegenheit hatte schon einmal das Strafgericht beschäftigt und zwar wurde Schwirt seinerzeit von der 9. Straffammer des Landgerichts I zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Hiergegen legte die Staatsanwaltschaft Revision ein, woraufhin das Reichsgericht das Urteil aufhob. In der gestrigen Verhandlung hielt Staatsanw. Así essor Dr. Horn mit Rücksicht auf das gewalttätige Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( allner- beater). Mittwoch, abends 8 Uhr: Narrenglanz. Ein Spielmannsdrama in 4 Aften von Rudolf Rittner. Durch Dänemark und Südschweden. Donnerstag, nam. 3 Uhr: Z JOOLOCISCHER CARTEN Täglich nachm. 4 Uhr: Gr. Militär- Konzert. Eintritt 1 Mk., von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unt. 10 Jahren die Hälfte. Maria Stuart. Donnerstag abends 8Uhr: Kabale und Liebe. Freitag, abends 8 Uhr: Heimat. Schiller- Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 1 6 r: Heimat. Schauspiel in 4 Aften von Hermann Sudermann. Donnerstag, nachm. 3 Uhr: Die Braut von Messina. Donnerstag, abends8 Uhr: Wilhelm Tell. Freitag, abends 8 Uhr: Narrenglanz. Zum Sportshaus Ziegenhals hel Zeuthen Süddeutscher Postillon Nr. 10 enthält als farbiges Titelbild den ergöglichen Polizeibericht Nr. 1. Auf dem einen der gemalten Mittelbilder sehen wir die Großmächte der Welt mit mächtigen Revolvern den steilen Weg zum ewigen Frieden erklimmen, im anderen Bild zeichnet H. B. zwet treuherzige Milchpantscherinnen aus Bayerns Hochland, das Schlußbild ist Banzerschiffe in der Wüste. An der Spike des tertlichen Inhalts steht eine traffige Barobie auf unseren trefflichen Reichstag: Barademarsch ber E. St. Gedicht: Robert Schweichel+. Beljazar in Hamburg( Geb.)-- Der Journalistenstreit im Reichstag. Berteidigungsrede für Jesto v. Butt famer( Geb.)- Briefe aus Sachſen. Das Glüd der Fürstin.- Carmen Silva( Ged.) -W Die Nummer ist voll Wiz und aufbedender Satire. Preis vierteljährlich 65 Bf., die Nummer 10 Pf. Briefkaften der Redaktion. Die furiftische Sprechstunde findet Friedrichstr. 16, Aufgang 4, eine Treppe( Sandelsstätte Bellealliance, Durchgang auch Lindenstr. 101), wochentäglich von 7 bis 9% Uhr abends statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ift ein Buchstabe und eine Zahl als Wierkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Marktbreit. Wenn Sie weder im Jahre 1905 noch 1906 die betreffende Forderung anerkannt haben, so liegt Berjährung vor. D. Lebus 23. Benden Sie sich an den Verband der Schneider, Köpeniderstraße 126. G.. 48. Ja. C. R. 22. Der Heirat zwischen Cousin und Toufine, Onkel und Nichte, Zante und Neffe ſteht ein gefehliches Hindernis nicht entgegen. Plantagenstraße 100. Toltsdorf, Görlizerstraße 58, und Dr. Bernstein, Blücherstraße 61, find Mitglieder der Waisendirektion. müßten Sie haben. 2. Wenn Sie in diesem Jahre aus der Landeskirche Wenden Sie sich an einen derselben. St. 99. 1. Einen Erbschein austreten, so haben Sie vom 1. Januar 1909 ab Stirchensteuer nicht mehr zu zahlen. m. D. 1000. 1. Ja. 2. Nein. D. Nein. Folies Caprice Linienstr. 132, an der Friedrichstr. Täglich abends 8 Uhr: Eine Nacht in der Apotheke und Im Inspektionszimmer. Borverkauf an der Theaterkasse und bei Wertheim. „ Berliner ArbeiterRadfahrer- Verein" Mitglied des Arbeiter Radfahrer- Bundes Solidarität". Touren Donnerstag, ben 9. Mai: 2. Abt. früh 62 Uhr nach Bernan ( Liepnissee), verbunden mit ber Herrentour des Handels- und Transportarbeiter Verbandes. Start: Prenzlauertor. Dampfer- und Bahnstation. Prater- Theater Tel.: Kgs- Wusterhausen 175. Empfehle mein herrlich am Kroffinfee und Hochwald gelegenes Lokal ben merten Bereinen, Gewerkschaften, Fabriken und Geſellſchaften au Dampier ausflügen. Zwei große Zäle, Kegelbahnen, Kaffeeküche und Bolte: belustigungen aller Art. Um baldige Anmeldung bittet Max Mörschel. Avis! Auch in diesem Jahre findet am Himmelfahrtstage( 9. Mai) borm. 8, Uhr, ab Station Kahnt& Hertzer, Stralauer Brüde, die beliebte Extra- Dampferfahrt mit Musik nach meinem Lokal statt. Herrenpartien und fleine Gesellschaften mit Damen, welche sich daran beteiligen wollen, Pf. Lortzing- Theater erhalten Billetts a Berjen 59 Bf., Stinder 30 31. bei den Gastwirten Not. kamp, Stralauer Bride 4, Werder, Stralauer Brüde 4, Watante, Bellealliancestr. 7/8. Mittwoch, den 8. Mai, Anf. 7 Uhr: Opernaufführung des Sternschen Konservatoriums: Fra Diavolo, zweiter Aft, Stralauer Brüde 6, und bei mir. Der großen Nachfrage wegen bitte Billetts schon vorher zu besorgen. 47182* Wohin geht unsere Herrenpartie?- Nach Hänsel und Gretel, ganze per. Restaurant ,, Café Ruhwald", Woltersdorfer Schleuse, Abonnements gültig! Donnerstag: Fidelio. Zentral- Theater. Anfang 8 Uhr. Zum 5. Male: Die Nachtigall aus dem Bäckergang. Bolfsstüd in 3 Atten v. Jul. Stinde. Vorher: Vaters Ebenbild. Att Bauernfomöble in 1 gift b. B. Fride. Täglich: Dieselbe Borstellung. Schiller- Theater N. Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Abends 8 Uhr: Am grünen Weg. Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. Abends 8 Uhr: Rafino. Heirat auf Probe. Spezia- Das Mädchen ohne Ehre. Morgen: Das Mädchen ohne Ehre. litäten. Walhalla. Spezialitäten. Folies Caprice. Eine Nacht in der Apotheke. Palaft. Geschlossen. Vaffage. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Durch Dänemark und Südschweden. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Zum ersten Male: Staatsanwalt Alexander. Anfang 8 Uhr. Donnerstag, Sonnabend: Staatsanwalt Megander. Freitag: Die Sittennote. DERNHARD ROSE THEATED ( Sr. Frankfurterstr. 132. Gastspiel Käthe Wille- Bach. Busch- Liesl. Morgen( Himmelfahrstag) bei Sommerpreisen: Die Geier- Wally. Residenz- Theater. Direktion Richard Merander. Anfang 8 Uhr. Haben Sie nichts zu verzollen? Schwant in 3 Aften v. M. Hennequin und P. Beber. Robert de Trivelin: Rich. Merander. Neues Schauspielhaus Ollo APOLLO Herthas Hochzeit. Anfang 8 Uhr. Morgen: Alt- Heidelberg. Anfang 7%, Uhr. Theater 8 Uhr: Die neuen Spezialitäten TO 9 Uhr: Merians Hunde Bauern Theater: Ein treuloses Weib. 9, Uhr: Donnerstag, den 9. Mai cr.( Himmelfahrt): Gr. Schlachtefest. Spezialität: Frische Wurst. Zwei nene verdeckte Verbandskegelbahnen. Avis! Empfehle mein Lokal zu den bevorstehenden Dampferpartien? c. unter tulanten Bedingungen! um ablreichen Besuch bittet Hermann Palm. Um Fernsprecher: Ertner Nr. 12, 46932+ Metropol- Theater Metropol- Theater Passage- Theater. Anfang 8 Uhr. Der Teufel lacht dazu. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Massary. Ernani. Bender. Giampietro. Josephi. Rauchen überall gestattet. Sonntag, 12. Mai, nachm. 3 Uhr: Auf in's Metropol. WIND BARTEN 65 Jeden Abend 8 Uhr: Das Mai- Programm. Der größte Erfolg der Saison! 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Start: Genossenschaft, Oberbergerstr. 30. 7. Abt. früh 7 Uhr nach Nauen ( Schüßenhaus). Nachmittags 11, Uhr nach Halenfelde. Start: Grenzftr. 21. 9. Abt. nachmittags 1, Uhr nach Mönchsmühle. Start: Schillingstr. 22. Nummelsburg früh 5 Uhr nach Werder. Start: Gorgas. Sonntag, den 12. Mai: 2. Abt. früh 10 Uhr nach Frieders dorf. Nachmittags 1, Uhr nach Müggelheim. Starts: Fontane- Bro menade 15, Ede Blücherstraße. 4., 6., 8. Abt. früh 5%, Uhr nach Werder( Baumblüte). Rachmittags Sonnt. Bg. 5, wochent. 8 U. 1, Uhr nach Zehlendorf( Müd). Morgen, Himmelfahrtstag: Starts: 4. Kustriner Plaz. 6. Ge nossenschaft, Dderbergerstraße 30. Große Extra- Elite- Soiree 8. Waldftr. 8( Bielide). von Hoffmanns Nordd. Sängern. * Frühlings- Kränzchen.* 3. Abt. früh 6%, Uhr nach Speren berg- Boffen( Schiemte). Nachmittags 1 Uhr nach Großbeeren( Fichten Gustav Behrens- Theater. välben). Start: Mariannenplay. B Berlin W., Goltzstraße 9. 5. Abt. früh 5 Uhr nach Beeliz. Nachmittags 1 Uhr nach Cladow. Start: Elysium. 9. Abt. nachmittags 1, Uhr nach Karlshorst( Waldschänke). Start: Das herrliche Mal- Programm Shiningftr. 22. Neu! Thomas Die Abteilungs- Sizungen ber Bedsy Com- 2. Abteilung finden jeben 1. und 3. Mittwoch im Monat im Lokale pagnie. Br. amerikan. bon erm. Novi, Fontane- Pro Exentric Bant. menade 15, Ede Blücherstraße statt. äfte Sigung: 15. Mai. Nen! Handwerkerstreit Maurer( Buffe), Zimmermann( Dir. Guft. Behrens), Maler( W. Sandel), Montag, den 13. d. Mts., abends 9 Uhr: Glafer( Sugo Brids), fowie die andern Vorstands- Sigung ersttlaffigen Spezialitäten. 8. Schluß die tolle Ausstatt.- Operette: Meschuckmann im Sündenpfuhl Berlin. Anfang 8 Uhr, Sonntags 6%, Uhr. SteidlTheater. Brückenstr. 2( a. d. Jannow. Br.) bei Bosse, Klosterstr. 101. Den werten Bundesgenossen zur gefälligen Beachtung, daß die Ges schäftsstelle der Produktiv- und Ein Laufs Genossenschaft an den beiden Pfingsttagen geschlossen ist. 9 Uhr: Bureau Biepenbrint. Dr. Simmel Anjang 8 Uhr. Vorher Konzert. Zagestaffe 11-2 Uhr. Sonntags 11 bis 2 Uhr: Frühschoppen- Konzert Steidl Restaurant( Garten): Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. dicht am Entree frei! Dyberski- Konzert. Prinzenstr. 41, Moritzplatz, Borzügliche Küche! Goldschmieds Töchterlein. Die Well geht unter! Ceilzahlung Altdeutsches Sittengemälde v. C. Blum. Anf. 8 Uhr. Entree 30 Bf. Ball. Stadt- Theater Moabit Alt- Moabit 47/49. Gastspiel Bernh. Nose Theater. Lekte Bosstellung der Saison. Der grüne Teufel.wirtung des Dir. B. Roſe. Senfattons- Pantomime. Drahtseil Lustspielhaus. 5 Jungmanns, fünftler. Sommerpreise. Abends 8 Uhr: Husarenfieber. 12 neue Spezialitäten 12 Im Tunnel: Fret- Konzert. Die Blinde von Paris. Drama in 5 Wtten. Raffeneröffnung 7 Uhr. Anf. 8 Uhr. Billettvorverkauf bei Strüger u. Oberbed, Turnt und Beuffelstreßen Ede, und im Theaterreftaurant Schwant in einem Aufzug von Anton u. Donat Herrnfeld. Otto Pritzkow. Münzstr. 16, Welt- AusstellungsBiograph-( St. Louis) Theater lebender Photographlen. 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Diskussion über die zur Generalversammlung in München gestellten Anträge. Ohne Mitgliedsbuch hat niemand zur Versammlung Zutritt. Die Zahlstelle von Lautant, Zigarrengeschäft, Voltastraße 45/46, ist verlegt worden au dem Restaurateur Julius Wendt, Voltastraße Nr. 41. Nathan Wand 129 Staligerstr. 129. Die schönsten 48272* Herren- Sommer- Paletots in neu und Anzüge jomie speziell Monats- Garderobe von Kavalieren getragene Sachen, fast neu, für jede Figur passend, speziell Bauchanzüge sind in großer Auswahl stets zu staunend billigen Preisen zu haben. Nathan Wand 129 Sfalikerstr. 129. Hochbahnstation Kottbuser Tor. Bitte aufHausnummer zu achten. Wo amüsieren wir uns? Im 5345* NiederLindengarten, Schönhausen, Lindenstraße 43. Theater u. Spezial.- Vorstellung. Die Ortsverwaltung. 4361L* PhänomenNach Egyptischer Art hergestellt. Zigaretten mit Kopf 8,4 u. 5 Pf das Stück. ZIGARETTEN- FABRIK„ NAMKORI". 2. Ziehung 5. Kl. 216. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 7. Mai 1907, vormittags. Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr.) ( Nachdruck verboten.) 69 649 790 95[ 500] 863[ 1000] 1016 125 39 239[ 3000] 459 704 2239[ 3000] 539 97 815 3082 84 211 309 42 446 502 60 624 74 817 4081 85 161 73 201 22[ 3000] 96 530 44 984 5094 155 62 68 79 288 88 311 57 66 637 58 91[ 500] 792 991 6067 103[ 500] 29 213 78 480 554 811 81 935 87 97 7286 458 976 8109 442 95[ 1000] 789 818 988 9100 14 250 825 726 10248[ 3000] 64 415 826 66 11177 339[ 500] 789 923 12046 142[ 1000] 218 47 732 49 96 935 60[ 500] 66 82 13169 815 98[ 500] 582 768 818 14002 188 231 628 82 [ 8000] 721 57 921 33 58 15058 120 34 206 319 45 757[ 500] 987[ 1000] 16018 142[ 8000] 848 489 528 696 768 915 [ 1000] 17084 260 846 50 492 528 675[ 3000] 796 955 18352 74[ 8000] 448 770 907 19059 827 44 484 615 27 757 98 868 20039 76[ 8000] 868 653[ 300] 80 890 21054 414 58 512 78 961 22148 54[ 3000] 399 598 865 83 23203 98 431 88 581 620 23 777 24298[ 1000] 409 585 600 93 703 25255 56[ 500] 374 420[ 1000] 736 851 59 965 26038 125 206 536 687 701 74 27004 269 93 440 65 516 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1000, 5151 à 500. 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Macht und Recht. Offenes Sendschreiben. Neue Ausgabe, mit Einleitungen versehen von Eduard Bernstein. Breis 50 Bf. Expedition des Vorwärts, Berlin SW. Lindenstr. 69, Laden. 2. Ziehung 5. Kl. 216. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziebung vom 7. Mai 1907, nachmittags. Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr.) 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Willige des JonuSrts" Kerliner Polfelilött. Aus dem Beirat für flrbciterftatUtik. FuhrwerkSgewerbe, Plätt- und Waschanstalten, Binnen- schiffahrtsgewerbe, Fleischereigewerbe. Der Beirat für Arbeiterstatistik beschäftigte sich am 6. Mai in einer längeren Sitzung mit der Fortführung einer Anzahl Er- Hebungen. Die Enquete über das Fuhrwerksgewerbe ist zum Ab schlug gekommen. Es soll nunmehr das gesamte Material dem Reichsgesundheitsamt zur Begutachlung übergeben werden, um zu ermitleln, ob gesundheitsschädliche Folgen für die in diesem Gewerbe beschäftigten Arbeiter durch überlange Arbeitszeit bemerkbar gel worden find. Die Erhebungen über die Arbeitszeit in Plätt- und Waschanstalten find vor kurzem veröffentlicht. Es soll jetzt wie in ähnlichen Fällen zur Vernehmung von Auskunstspersonen gel schritten werden. Das Material über die Erhebungen im Binnenschiff- fahrtSgewerbe hat sich nach mancher Richtung lückenhaft er- wiesen. Im Fährbetrieb ergaben sich große Differenzen in den An gaben über die Arbeitszeit; es soll hier auf Beschluß des Beirats für Arbeiterstatistik eine Rückfrage durch Vermittelung der Landeszentralbehörden eingeleitet werden, um nähere Aufklärung zu erlangen. Die Angaben, daß auf Damvischissen Arbeitszeiten bis 24 Stunden und darüber vorkommen, sollen durch die Nachfrage, wie oft solche Arbeitszeiten eintreten, ergänzt werden. Desgleichen soll ermittelt werden, wie oft die Löscharbeiten an Sonntagen vor- genommen werden, und ferner sollen die Heizer und Maschinisten zur Befragung mit herangezogen werden. Die Notwendigkeit einer genaueren Ennittelung der Verhältniffe im Hamburger Fährbetriebe wurde gleichfalls anerkannt. Zur Ergänzung der Erhebungen wird eine Vernehmung der Bemannung auf Schuten, Schleppkähnen und Leichtern stattfinden. Die Vernehmung von Auskunfts- Personen im Segel- und D amp fersch i ffa h rts- verkehr soll im Herbst erfolgen, da man glaubt, daß im Sommer die Auskunftspersonen schwerlich die nötige freie Zeit zur Verfügung haben werden. Eine sehr ausgedehnte Debatte zeitigten die Ergebniffe über die Erhrbungeu im Fleischereigewerbe. Wie wir schon in einem Auszuge über diese Enquete in der gestrigen Nummer dargetan haben, ist von Unternehmern und leider auch von einem erheblichen Teile der Arbeiter eine Regelung der Arbeitszeit mit der Begründung abgelehnt, allgemeine Mißstände durch eine überlange Arbeitszeit hätten sich nicht ergeben. Da das Rcichsgesundheitsamt sich dieser Auffassung angeschlossen hat, wäre damit das Ergebnis für die Arbeiter ohne jeden Erfolg gewesen. Der Referent der Sache, Ministerialrat Dr. U s i n g e r, schloß fich dem Gutachten des Reichsgesundheitsamtes an. Für Erlaß einer Bundesratsverordnung auf Grund§ 12