Mr. 107. Abonnements- Bedingungen: " bonnements Preis pranumerando: Bierteljahrl. 3,30 I., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags summer mit illustrierter Sonntags. Bellage Die Neue Welt" 10 Bfg. Boft. Ebonnement: 1,10 Mat! pro Monat. Eingetragen in die Bost- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. ricciat täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 24. Jahrs. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Roloneb geile oder deren Raum 60 Bfg., füe bolitische und gewerkschaftliche Bereins und Bersammlungs- Anzeigen 80 Big. Kleine Anzeigen", bas erste( fett gebrudte) Bort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf ftellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg. jedes weitere Bort 5 Bfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Summer müffen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1983. Donnerstag, den 9. Mai 1907. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernivrecher: Amt IV. Mr. 1984. Infolge einer Störung an der elektrischen Strom- außerhalb des Schuhgebietes entstehen, d) sämtliche Kosten zahlt also an Vorschüssen mehr, als die Bautosten, bezahlt auch noch einen großen Teil der Ver anleitung der Berliner Elektrizitätswerke konnten wir der Geldbeschaffung, e) sämtliche Steuern und Abgaben." Eine hübsche Spezifikation, nicht wahr? Die macht der waltungskosten. Er geht weit über das Maß seines Vormit dem Druck des Vorwärts" erst in später Stunde bureaukratischen Kasuistit alle Ehre. Schade nur, daß sie gängers hinaus. Er ist so freigebig, daß er die Wünsche der beginnen; wir bitten event. verspätete Zustellung zu durch eine kurze und klare Bestimmung des noch folgenden Gesellschaft selbst übertrifft. Er zahlt so viel, daß die Gesellentschuldigen. Buchdruckerei des ,, Vorwärts". Baragraphen vollkommen zwecklos gemacht wird. schaft mit den Vorschüssen neben dem Bahnbau auch noch Dieser lautet: Bantoperationen und Börsenspiel wird betreiben tönnen. Sie ,, Ueber die in§ 16, la genannten Verwaltungskosten-wird die Vorschüsse in Staatspapieren anlegen und sich so für ( das ist, was wir soeben kennen gelernt haben) schuldet das Geld, das ihr der Staat pumpt, von diesem noch die Firma teine Rechnungslegung." Zinsen zahlen lassen. Welchen Sinn hatte es, sich über die geringsten Details So schließt Herr Dernburg Verträge! Herr Dernburg ist in den Börsenkreisen durch seine Reinigung, Schreibzeug!- der Verwaltungskosten aus„ Sanierungen“ bekannt geworden. Wenn ein Unternehmen einanderzusetzen, da darüber doch keine Rechnung abgelegt Ostelbische Schulzustände Wie Dernburg Verträge schließt! berkracht, dann kommt eine Großbant, räumt mit den wird? Nur einen einzigen: Sand in die Augen des PubliGläubigern auf und räumt auf mit dem Schuldner und steckt tums, vor allem des Reichstages zu streuen! vor den Toren Berlins. den Rest ein. Das nennt man eine Sanierung. Der Herr Dernburg übernimmt beide Bestimmungen in Bekanntlich ist die Stadtgemeinde Berlin als EigenBantverkehr besorgt hier nur in einer allgemeinen und un- seinen Vertrag: jene, welche die Verwaltungskosten spezifiziert, tümerin der Rieselgüter der größte Grundbesitzer der Mark gewöhnlichen Form, was auch früher schon von den Geschäfts- und die andere, durch die sie wertlos gemacht wird. Sand in Brandenburg geworden. Es fann aber nicht behauptet werden, leuten geübt wurde; es ist im Grunde genommen das gleiche die Augen! Der neue Kolonialdirektor braucht es nicht minder, daß es der städtischen, unter" liberalem" Regime stehenden VerVerfahren, welches der Bankrotteur einschlägt, der einen Ver- wie sein Vorgänger. waltung bis heute gelungen ist, in diefem gewaltigen Kompler von gleich mit seinen Gläubigern schließt, nur daß jegt an seine Dabei passiert noch Herrn Dernburg das hübsche zirka 15 000 Settar mustergültige Schulverhältnisse Stelle die Bant tritt, die nicht selten ihren Profit aus den Versehen, daß er die Verpflichtung übernimmt, Ausgaben, die zu schaffen. Man hat sich vielfach mit dem Einwand zu helfen Verlusten beider Parteien münzt. Herr Dernburg soll bereits bezahlt worden sind, nochmals zu bezahlen! gesucht, die Stadt sei ja in den meisten Fällen nur Schulnun durch den Schneid be- rühmt geworden sein, den er, im Es muß von vornherein als höchst zweifelhaft bezeichnet Patron und habe in dieser Frage keinen entscheidenden Einfluß; allein dieser Einwand ist nur eine leere Ausrede, denn auch Auftrage der Bantinstitute, denen er diente, bei solchen werden, inwiefern es Aufgabe des Staates fein kann, die in den reinen Gutsschulen liegen die Verhältnisse keinesSanierungen anwandte. Es wurde deshalb angenommen, Bureaueinrichtung der Deutschen Kolonial- Eisenbahn- wegs besser, im Gegenteil find sie zum Teil noch schlechter! daß er mit dem gleichen Schneid auch die Geschäftsverbindungen Bau- und Betriebsgesellschaft zu bezahlen. Man denke sich Da ist zunächst die Patronatsschule in Ruhlsdorf( Kreis des Kolonialamtes forrigieren werde. Allein bis jetzt ist nicht z. B., daß die Gesellschaft sich ihr Bureau mit Marmorplatten Teltow). Seit mehr denn 8 Jahren ist die älteste Schule überfüllt, viel davon zu merken gewesen. auslegt oder sich von einem Künstler eine toftspielige moderne so daß ein Teil der Kinder im Gutsgebäude von Er hat die Tippelsfirch Verträge gelöst. Doch das war Einrichtung entwerfen läßt usw. Der Staat bezahlt hier den nicht sein Verdienst, sondern der Glücksstern, der ihn ins vollen Wert von Gegenständen, die nicht während des Baues Kolonialamt brachte. Denn nachdem jene Verträge zum der Eisenbahn berbraucht werden und nicht, wie diese, in sein öffentlichen Standal geworden waren, fonnten sie ja nicht Eigentum übergehen, sondern Eigentum der Aktiengesellschaft mehr aufrecht erhalten werden. Wenn Herr Dernburg bleiben. Aber nun ist das ja schon einmal geschehen, nämlich hierbei etwas getan hat, so war es nur, daß er den Erfolg beim Bau der S.recke Lüderitzbucht- Aus, die Deutsche Dorfe. Nach langen Verhandlungen stimmt die Stadt zu. Jekt der Kritik für sich einheimste und den Kritifern das Ddium Stolonial- Eisenbahnbau- und Betriebsgesellschaft hat bereits auf wird das Projekt ausgearbeitet. überließ er schöpfte den Rahm ab, ließ den anderen Roften des Staates ihre Bureaus eingerichtet, nichtsdesto Wohnung für einen berheirateten Lehrer. Die Stadt verlangt die Hefe. Nunmehr aber haben wir ein flares Beispiel vor uns, tvie Herr Dernburg als Geschäftsvertreter des Reiches den Korrekturstift führt. # = einem Während dieser langen Zeit zweiten Lehrer unterrichtet wird. schweben nun die Verhandlungen wegen Erbauung eines neuen Schulhauses zwischen der städtischen Verwaltung und der Gemeinde einerseits und der Regierung andererseits. Welche unendliche Langmut die letztere dabei offenbart, ist kaum zu glauben. Die Schulgemeinde verlangt von der Stadt einen Bauplab mitten im aber Gs enthält nur eine weniger verlangt sie diese Kosten, wenigstens was das Hauptbureau anbetrifft, zum zweitenmal und Herr Dernburg zahlt es ihr laut dem von uns angeführten Punkt 3b des Artikels 16:„ Einrichtung und Ausstattung der Bureaus"! Der Vertrag über den Bau der Eisenbahn Aus- Feld- Eine andere Bestimmung des älteren Vertrages wie auch schuhhorn in Deutsch Südwestafrika, der jetzt dem Reichstage feiner Dernburgschen Stopie lautet: borliegt, schließt sich nämlich einem gleichartigen Vertrage an," Falls die Militärverwaltung sich mit dem der mit derselben Gesellschaft über den Bau der Eisenbahn entbehrlichen Personal( Offizieren und Mannschaften der die Stadt lehnt ab, ihr wertvolles Grundstüd zur freien Ver Lüderikbucht- Aus abgeschlossen wurde. Hier hatte also Herr Eisenbahnbautompagnie) an den Bauarbeiten der Dernburg Gelegenheit zu zeigen, inwiefern er sich besser Firma beteiligen wird, werden der letzteren und damit dem auf das Geschäft versteht als die alte Kolonialverwaltung, die Baufonds nur die Mehrkosten in Rechnung gestellt, die ein so unrühmliches Ende nahm. der Militärverwaltung durch diese Beteiligung erwachsen, nicht aber die laufenden Bezüge und sonstigen Kosten, die der Militärverwaltung auch ohne diese Beteiligung für jenes Personal erwachsen sein würden." Der Hauptpunkt daß der Staat sämtliche Kosten trägt und das Kapital vorstreckt, das er auch selbst verzinst und obendrein der Gesellschaft eine Million schentt- ist einfach dem älteren Vertrage nachgemacht. Da hat Herr Dernburg nichts geändert. lautet: Die An den beren zwei und zwar mit Recht, fie bewilligt auch noch einen baren bes zweiten verheirateten Lehrers, beziehungsweise dessen Wohnung Zuschuß von 12 000 M. Die Verhandlungen werden nun wegen geführt. Nachdem anscheinend alle hindernisse beseitigt sind, fommt plöglich die Gemeinde mit dem Antrag, die Schule nicht auf dem geschenkten Grundstück zu erbauen, sondern auf einem anderen, verlangt aber, daß ihr das geschenkte Grundstüc trotzdent belaffen wird. Darüber wieder lange Verhandlungen, denn fügung der Gemeinde zu überlassen und verlangt, daß die Schule auf dem geschenften, mitten im Dorfe liegenden Grundstüde erbaut wird. Bis heute ist noch keine Entscheidung gefallen. Inzwischen ist die Bevölkerung erheblich gewachsen, so daß in der Sülfsschulstube im Gutsgebäude, die nur zirka 25 Quadratmeter Fläche hat, in der dritten Klasse 54 Kinder unterrichtet werden. Dieses Schulzimmer muß man gesehen haben, um Schulelend, das hier herrscht, zu begreifen. Die Bänke sind ganz Die Militärverwaltung würde demnach der Firma ge- aneinander gerüdt, die erste Bank stößt direkt an den Ofen, für schultes Personal, das ja in den Kolonien besonders hoch zu die Kinder, die daran fizen müssen, sicher eine Qual. In dem schmalen Gang zwischen Fenster und Bänken sind noch Bänke Eine Bedingung ist gegenüber dem älteren Vertrag zu berechnen ist, so gut wie umsonst zur Verfügung stellen, längs gestellt. Am Ofen, zwischen der ersten Bank und der Wand, gunsten des Staats geändert worden jedoch, wie wir gleich während die Baukosten, die der Staat voll zu bestreiten bleibt ein Raum von zirka einem halben Meter, hier steht die zeigen werden, nur formell. Nach jenem früheren Vertrage hat, so berechnet sind, als wenn lauter freie Arbeiter zu be- Wandtafel, so daß sich der Lehrer immer durchquetschen muß. Das hatte die Gesellschaft im Falle einer Ueberschreitung der festzahlen wären. Selbst unter der Voraussetzung, daß der Miniaturpult für den Lehrer steht rechts in der Ede, gleich an der gesezten Neutosten ein Drittel des Verlustes zu tragen, nun- Staat schließlich auch seinerseits an den durch Verwendung Tür, durch die man das Zimmer direkt von außen betritt. mehr trägt sie den gesamten Verlust; desgleichen erhielt sie des Militärs entstandenen Ersparnissen teilnehmen würde, Fenster sind nicht mehr zu öffnen, die Beschläge sind berrostet und von den Ersparnissen ein Drittel und erhält jezt nur den zehnten müßte das Militär von der Gesellschaft ebenso voll bezahlt berausgefault, Ventilation ist also ganz unmöglich. Teil. Jedoch ist der Vorteil, der daraus für den Staat ent- werden, wie die anderen Arbeiter: denn es wird ihr doch schon Wänden, die nach außen abschließen, fißt eine bide Krufte grauspringt, nur scheinbar, der Nutzen, den diese Bestimmung ihm damit außerordentlich gedient, daß man ihr geschultes Personal grüner Schimmelpilze, mächtige Spinngewebe in den Eden ververspricht, wird nie eintreten. An Abschreibungen ist nicht zu zur Verfügung stellt, und es liegt kein Grund vor, für diese vollständigen das liebliche Bild. Gin Lehrer und 54 Kinder im Winter in einem solchen Raume, denken, daß aber feine übermäßigen Ersparnisse eintreten, Gefälligkeit, die nicht die Gesellschaft der Regierung, sondern ein solcher Zustand muß die Gesundheit von Lehrer und Kindern dafür sorgt Punkt 4 des Artikels 17 des Vertrages, der also die Regierung der Gesellschaft erweist, ihr auch noch eine aufs schwerste schädigen! Größere Räume, die daneben Extravergütung zukommen zu lassen. Wir wissen aber, daß die liegen und zur ,, Die Kolonialabteilung hat die eingereichten Rechnungen Firma es vollkommen in ihrer Hand hat, Ersparnisse über- agerung von Getreide benutzt werden, will die Rieselmur auf ihre rechnerische und buchungsmäßige Richtigkeit zu haupt nicht aufkommen zu lassen, sie wird deshalb den feldverwaltung nicht hergeben, weil die Schule sonst noch nicht gebaut würde! Lassen denn die Teltower Kanalprüfen, nicht auf die Angemessenheit und Not- gesamten Profit, der ihr auf Grund dieser Bestimmung aus schmerzen dem Landrat teine Zeit mehr, diese Zustände zu konwendigkeit der Ausgaben und Einnahmen." der Verwendung der Offiziere und Mannschaften der Eisen- schmerzen trollieren? Da die Firma auf diese Weise die unbeschränkte Mög- bahnbautompagnie erwächst, selbst einstecken. lichkeit erhält, durch Eintragung rbeliebiger Ausgaben Er- Zum Schluß noch eine Aenderung, in der Herr Dern- rufen, alles getan zu haben, um den Schulbau zu fördern, so gibt sparnisse gar nicht erst aufkommen zu lassen bezw. sämtliche burg seinen Geschäftsgeist bestätigte. zehn Zehntel der Ersparnisse für sich im voraus einzukassieren, Der ältere Vertrag bezog sich auf 7,5 Millionen, worunter so tann es ihr offenbar gleichgültig sein, ob sie vertragsmäßig an eigentlichen Untosten 6,2 Millionen berechnet waren. ein Drittel, ein Zehntel oder gar nichts erhält. Die ganze Vorschüssen hatte die Firma zu bekommen: in den ersten drei Bestimmung ist nichts, als- Sand in die Augen! Monaten zusammen 2 Millionen Mark„ sowie den Ersatz der Wir haben schon in unserer ersten Stritit des Vertrages nachzuweisenden Materialkosten", sodann 12 Monate lang darauf verwiesen, daß die hohen Verwaltungstosten je 200 000 2., also zusammen noch 2,4 Millionen, alles 597 000 m. der Gesellschaft die Möglichkeit geben, Sine- in allem 4,4 Millionen. Die nachzuweisenden Materialtosten" furen zu schaffen bezw. ihren Gewinn auf Rechnung der Ver- der ersten drei Monate konnten schon deshalb nicht sehr groß waltungskosten zu vermehren. Offensichtlich, um diesem Weiß- sein, weil das hauptsächlichste Eisenbahnmaterial, die Schienen, dem miserablen Gehalt die erbärmlichen Wohnungserst von Europa bezogen und überhaupt nur in längeren brauch zu begegnen, bestimmt schon der ältere Vertrag: " Verwaltungskosten im Sinne der Bestimmung unter Ia Friften geliefert werden konnte. Folglich bekam die Firma dieses Paragraphen-( das ist eben die Aussetzung einer Ent- an Vorschüssen zwei Drittel bis drei Viertel der Baukosten im Rechnet man noch die Verschädigung für die Verwaltungskosten) sind: a) die Laufe der Bauzeit ausbezahlt. Personalfosten der Firma für obere Beamten in Berlin, für waltungskosten dazu, so hatte sie 1-2,3 Millionen selbst zu In Heinersdorf läuft um das Schulgrundstück eine den bauleitenden Ingenieur und dessen Stellvertreter sowie liefern. Bei dem Kredit, den ihr der Vertrag mit dem Staat Jauchengoffe, auf dem Turnplak befindet sich die MüIIfür die Feldmesser und Bureaubeamten in Südwestafrika, verschaffte, waren auch diese Bedingungen vollkommen genügend, grube für das Arbeiterhaus und den Lehrer, Ratten hausen in den Ställen, die nicht gepflastert sind. Der Brunnen befindet sich b) sämtliche Bureaufosten, wie zum Beispiel für Einrichtung um ohne Kapital zu arbeiten. Er zahlt 70 Meter entfernt auf der Dorfaue. Die Bitte, einen solchen auf und Ausstattung des Bureaus, Bureau-, Meß- und Zeichen- Herr Dernburg macht es aber anders. geräte, Bücher, Starten, Modelle usw., Miete, Heizung, an Vorschüssen: im ersten Monat 2 Millionen, dann sechs dem Grundstück anzulegen, wird berjagt. Die Wohnung ist äußerst Reinigung, Beleuchtung, Versicherung der Bureaus, Drucksachen, Monate lang je 1 Million, macht wieder 6 Millionen, beschränkt. Aus Räumlichkeitsgründen und des geringen Gehalts toegen ist das Halten von Dienstboten unmöglich. Die Schulstube Schreib- und Zeichenmaterialien, Zeitungen, Bekanntmachungen, daraufhin 9 Monate lang je 360 000 M., zuſammen ist seit vier Jahren nicht geweißt. Die Bitte, sie neu herzurichten, Stempel, Porti, Boten und Bureaudiener, c) fämtliche Stoften, 3240 000 M, also alles zusammen 11 200 000., während wird abgelehnt, sie sei ja noch ganz gut. Die Reinigung der Schuldie der Firma bei der Prüfung von Lieferungsgegenständen die Bautoften nur mit 11 Millionen berechnet find. Er be- zimmer muß von den Schulkindern beforot merden. 3914 Kann sich die Stadt als Patron in diesem Falle darauf bees kaum eine Entschuldigung für die Zustände in den reinen Gutsschulen. In Strubeshof ist die Schule verwaist, der Lehrer an bier hat Anstellung in Berlin gefunden, die Kinder werden Tagen abwechselnd durch die Lehrer aus den Nachbarorten, die herüberkommen, unterrichtet. Ein gedeihlicher" Unterricht, würdig der Stadt Berlin! Würde sich die Verwaltung einmal ernsthaft die Frage stellen, weshalb es so schwer ist, einen verheirateten Lehrer dort seßhaft zu machen, so müßte sie bald zu dem Ergebnis kommen, daß neben erhältnisse baran schuld find. Einem Lehrer kann man doch nicht gut zumuten, weltabgeschieden wie ein Tagelöhner zu wohnen ohne die Nebenbezüge derselben, denn wenn er sich mit dem Administrator nicht gut zu stellen weiß, gibt es nicht einma Milch für Geld zu kaufen! DaD f#5rt«atirNch zu Aonflikten. Eine wirkliche Reinigung ist doi nicht, dafür aber sehr billig. Den Herren Beamte» geht es besser, diese wohnen zum Teil sehr hübsch und haben viele und sehr wertvolle Naturalbezüge. Wir haben auch gar nichts dagegen, aber was man für einen Gutsinspektor für mötig hält, soll man «mch den Lehrern zubilligen! Die Wirkung dieser Schulpolitik ist. daß der Lehrer bei günstiger Gelegenheit fortzieht, der häufige Wechsel de? Lehrers schadet dem Unterricht natürlich sehr. Bleibt e, aber da, so muß seine Arbeitsfteudigkeit schwinden und er wird »issmutig. »Christus lieb haben ist mehr denn alles Wissen", dieser Spruch stand bis vor kurzem an dem alten Schulgebäude m Buch. Aeutzerlich ist er entfernt, er scheint aber� trotzdem noch Geltung zu haben, denn sonst könnten solche Zustände nicht fortbestehen. Der bürgerlichen Presse möchten wir empfehlen, einmal ihre Reporter nach Ruhlsdorf usw. zu senden, um sich die Schulzustände anzusehen. Die Schulidylle Ostelbiens find dicht per den Torrn Berlins zu studieren! Tttdweftafrika als weltpolitischer Stütz- Punkt. Die Kolonialrede des Genossen Bebe! vom 3. Mai hat besonders in den Stellen, die sich auf Siidwestafrika bezogen, den Widerspruch, die Entrüstung und die Ironie der bürger- lichen Vertreter herausgefordert. Sie machten es dem Fürsten Bülow nach« der sich in seiner Rede vom L6. Februar der» selben Waffen gegen unsere Auffassung bediente. Sie haben also aus der Rede des Genoffen Ledebour vom 6. März, der mit Beweisen gedient hatte, nichts gelernt. Sie halten offenbar das Zitat aus einer Rede beS Herrn Lattmann und aus dem Buche SamaffaS für nicht maßgebend. Wir wollen ihnen deshalb vorläufig mit einem wichtigeren Beweise dienen. Die„Deutsche Kolontalgesellschaft", der so hohe Persön- lichkeiten wieHerzogJohannAlbrechtzuMecklen- bürg, Fürst Hohenlohe-Langenburg, Graf v. Arnim-Muskau, Prinz v. Arenberg(unlängst verstorben) angehören, setzte vor wenigen Iahren eine Kom- Mission ein, um die Verhältnisse in Südwestafrika zu unter- suchen. Der Bericht erschien tmSommer 1906 und bildet ein wichtiges Dokument zur Geschichte der deutschen Kolonialpolittk. Der Bericht wendet sich besonders gegen die englischen Interessen in jener Kolonie, die al« ein Hemmnis des Ausbaues SüdweftafrikaL dargestellt werden. Der Bericht fügt dann hinzu, es bestehe auch ein äußerpolitischer Grund, die englischen Jnter- essen zu beseitigen oder unschädlich zu machen. »Deutsch'Südwestafrika hat nämlich insofern eine Sonderstellung unter den deutschen Kolonien und einen höheren Wert als die übrigen, als sie nicht bloss eine nationalwirtschaftltche, sondern auch eine bevölkerungspolitische und damtt eine weltpolitische Bedeutung für da» Mutterland besitzt. Sie wird uns, wenn fie auch nur einige hunderttausend Deutsche sollte ernähren können, ein überseeisches deutsches Neuland. Sie wird eine für unsere Weltftellung nützliche Station» ein weltpolitischer Stützpunkt des Deutschtum«. Daraus ergibt sich als Haupt» aufgäbe Deutschlands in Südwestafrika, dies Land möglichst schnell mit einer möglichst starken deutschen Bevölkerung zu besiedeln.... In Hinsicht auf jene Gefährdung der Sicherheit der deutschen Kolonie von außen bedeutet übrigens der j e tz t g e A u f st a u d bei all dem Schlimmen, da« er gebracht hah doch eine sehr bedeutsame Berbesse» rung der deutschen Machtstellung: Die starke Artillerie und der starke Munitionsvirrat, die hinüber geschafft wurden und selbst- verständlich in dieser Stärke werden erhalten«erden» habe» die bis- hertge Wehrlofigkrit der Kolonie beseitigt. Der geplante Bahnbau nach dem Ramaland würde die militärische Stärke der Kolonie aufs Doppelte erhöhen!" ES ist unmöglich, das seitdem Geschehene zu betrachten» ohne aus den Gedanken zu kommen, daß die südwestafrikanische Politik der Regierung diesem Plane folge. Die starke Garniso», die militärische Bahn, die Ermutigung deutscher Ansiedler, das Wort deS Herrn Dernburg von Neudeutschland» das un- geheure Gewicht, das auf diese Kolontejjelegt wird und die bei der ReichStagsauflSsuug und bei den Wahlen eine so wichtige Rolle gespielt hat, sind für ruhige Beobachter Welt» politischer Wandlungen triftigere Beweise als der Widerspruch, die Entrüstung und die Ironie der bürger» lichen Mehrheit deS Reichstages. politische deberlicbt. verlin. den 8. Mai 1907. .Mutomobiltempo." gm Reichstage machte sich schon Ferienstimmung bemerk» bar. Die heutige Tagesordnung wurde in zwei Stunden erledigt. So kam das vielzitierte„Automobiltempo" einmal wirklich zur Anwendung— leider an falscher Stelle. Zum Etat des Retchsschatzamtes und zu den Zöllen und Steuern bemerkte Genosse Südekum. daß die Borlage über die Maischraumsteuer in der Kommission verschleppt werde, so daß ihre Fertigstellung in Frage stehe; denn im Herbst käme die Vorlage möglicherweise gar nicht mehr in Betracht.« Die Etats„Südwestafrika",„Karolinen-, Marianen- und Marschallinseln" wurden— ebenfalls im Töff-Töff-Temvo— erledigt. Nur zwischen dem Kolonialdirettor Dernberg und unserem Genossen Ledebour entspann sich ein kleines Rededuell: Ledebour vermißt immer noch die Auskunft über die Ursachen, die zu der ungeheuerlichen Sterblichkeit unter den auf der Haifischinsel gefangen gehaltenen Ein- geborenen führten. Starben doch von 1800 Eingeborenen innerhalb von neun Monaten nicht weniger als 1200!— Der Kolonialdirettor Dernburg schrieb daS„Eingehen"(ein Wunder, daß er nicht gar von„Krepieren" sprach) das„Eingehen" so vieler Menschen dem Klima zu. daS Krankheit und Tod über fie gebracht habe. Die Etats wurden bewilligt. Wanderarbeitsstätte«. Da» Abgeordnetenhaus hat am Mittwoch den Entwurf eine» Wanderarbeitsstättengesetzes im wesentlichen nach den Beschlüssen der Kommission angenommen. Schon seit Jahren bemüht sich der Landtag, die wichtige Frage der Fürsorge für mittellose Wanderer zu lösen. Frühere Entwürfe, die sich auf den Boden der Errichtung von BerpflegungSstationen stellten, find hauptsächlich an der Frage der Verteilung der Kosten gescheitert. Der neue Entwurf stellt sich auf einen anderen Boden: ES sollen nach Bodelschwinghschem Muster WanderarbettS- stätten errichtet werden, in denen mittellosen arbeitsfähigen Männern, die ausserhalb ihres Wohnortes Arbeit suchen, Arbeit figmfcK&i»vj vüv'cksroehmch xiegee fifrtitff'ifliWnC und Obdach gewährt wird.— Ein freisinniger Ankrag, der auch Frau c n die Aufnahme in Waudcrarbcitsstättcn ermöglichen wollte, fand nicht die Zustimmung des Hauses. Der Minister des Innern v. Bethmann-Hollweg bestritt, daß für die Auf- nähme von Frauen ein Bedürfnis vorliege. Eine von der Kommisston vorgeschlagene Resolution wünscht, daß die Fürsorge für mittellose arbeitswillige Wanderer im Wege der Reichsgesetzgebung geregelt werde. Hoffentlich kommt dabei etwas Besseres heraus als aus den Verhandlungen des Land- tages. Eine Anzahl von Abgeordneten glaubt allerdings, daß mit der Verabschiedung dieses Entwurfes die soziale Frage gelöst ist, in Wirklichkeit handelt es sich natürlich um eine Maßnahme, die zu Unrecht als sozial bezeichnet wird, denn die bisherigen Er- fahrungen mit den Bodelschwinghschen Gründungen lehren, daß diese Einrichtungen im Grunde genommen auf die Ausnutzung der Aermsten unter den Armen hinauslaufen. Unter dem Deck- mantel der Wohltätigkeit verbirgt sich einfach die schlimmste AuS- beutungsfucht,— Herrenmoral mit Doppelboden. DaS Herrenhaus hat am Mittwoch die Etats der Justiz- Verwaltung und des Ministeriums de» Innern er- ledigt. Der Etat der Justizverwaltung gab Anlaß zu einer ausgiebigen Duelldebatte. Die Herren Graf Z i e t e n- Schwerin und Genossen hatten einen Antrag eingebracht, der die Regierung ersucht, abgesehen von der in Angriff genommenen allgemeinen Revision der Reichsgesetzgebung, auf eine baldige Verschärfung des Verfahren? für ehrenrührige Beleidigungen und Angriffe hinzuwirken. Wie aus der Begründung hervorgeht, de- zwecken die Antragsteller zweierlei: Einmal wollen sie eine strengere Bestrafung von Beleidigungen, namentlich durch die Presse, und zwar nicht nur Gefängnisstrafe, sondern auch Entziehung der bürgerlichen Ehrenrechte II Zweitens wollen sie auf eine Ver» Minderung der Duelle hinwirken.— In der Diskussion standen sich zwei Anschauungen gegenüber: Eine Minderheit unter Führung des Zentrumsgrafen Praschma erblickt im Duell einen Verstoß gegen göttliche und staatliche Gebote und fordert seine AuS- rottung durch möglichst hohe Strafen; die Mehrheit dagegen steht mit dem Justizminister Dr. B e s e l e r auf dem Standpunkt, daß sich eine so eingewurzelte Sitte durch Strafgesetze nicht aus der Welt schaffen läßt! Andere Mittel zur Beseitigung des Duell» schlugen die Herren aber nicht vor, und wenn sie ei auch nicht offen aussprachen, so liehen sie doch deutlich durchblicken, daß sie für die Gesellschaftsklasse, der fie angehören, da« Recht der Uebertretung der Gesetze in Anspruch nehmen. Unter lebhaftem Beifall konnte einer der„Edelsten und Besten der Nation" da» Faustrecht proklamieren, indem er erklärte, daß e» Fälle gibt, in denen der Mann seine angegriffene Ehre nur mit der Waffe reparieren kann! Auch der Vertreter der bewaffneten Macht, der Generalfeldmarschall Graf Hahnke, warf sich als Verteidiger des Duells auf.— Wenn von so hochstehender militärischer Seite die Gesetzesübertretung verherrlicht wird, dann ist natürlich nicht daran zu denken, daß die jungen Offizier« fich in Zukunft weniger als bisher herumschlagen werden, zumal da ja auch der preußisch« Kricgsmintster v. Einem im Reichstage einen ähnlichen Stand» Punkt vertreten hat wie Graf Hahnke. Die Debatte endete mit der A n n a h m e de» Antrag«. Prak- tische Folgen dürfte sie kaum zeitigen. Beim Etat de» Ministerium» des Innern verlor man ftch in Einzelheiten. E» wurden u. a. die Fragen der Unterbringung geisteskranker Verbrecher, der Regelung de» AutomobilverkehrS. der Polenpolitik und der Verschuldung der Städte angeschnttten, im wesentlichen aber ward nur da» wiederholt, was bereit» im Abgeordnetenhause zur Genüge erörtert war. Neue Momente wußte lein Redner irgend einer Frage abzugewinnen.-* Die neueste Freifinnsschmach. Wir haben bereits gestern den schmachvollen Helotendienst gewürdigt, den der Freisinn den Junkern durch seinen nichts- würdigen Umfall in Sachen der Wahlbeanstandung deS Konservativen b. Richthofen erwiesen hat. In der Wahl- Prüfungskommission wagte der Vertreter des Freisinns eS nicht, die amtliche Wahlbeeinflussung gutzuheißen. Für den Freisinn im Plenum dagegen galt die Losung: geteilte 'Schande. halbe Schande. Die fteisinnia- demottatische „BoIIS- Zeitung" widmet den Umgefallenen folgende Epistel: „Den Befähigungsnachweis für den.natio. n a l e n" Block haben die Freisinnigen in der gestrigen Sitzung de» Reichstages zur Freude der Konservativen in der glänzendsten Weise erbracht, und zwar durch einen Umfall, wie ihn fich in ähnlich blamabler Weise bisher wohl keine andere Partei g«. leistet hat. Es handelte fich gestern um die Frage der von der Wahlprüfungskommission beantragten Ungültigkeit». e r k l ä r u n g der Wahl des konservativen Abgeordneten ». Richthofen lSchweidnitz-Striegau)..... Wie wir vor einigen Wochen berichteten, hatte die Kom- Mission die llnaültigkdt der Wahl erklärt wegen der unzu. lässigen Wahlbeeinflussung, die ihrer Meinung nach der Reichskanzler in einem an den Redakteur eine» konservativen Schweidnitzer Blatte» g er ich. teten Schreiben verübt hatte. In der Kommisfion hatten die freifinnigrn Mitglieder mit den Sozialdemokraten und dem Zentrum gegen die Gültigkeit der Wohl gestimmt und dadurch den Ausschlag gegeben. Diese freisinnigen KommiffionSmit» alieder hatten in völliger Uebereinstimmung mit der bisherigen Haltung der Partei und mit den bisher yp« dieser Partei der. tretenen Grundsätzen gehandelt. Um so schwerer fällt daher jetzt der Umfall der Frei. sinnigen im Plenum in» Gewicht. Jede? Wort der Kritik wäre hier überflüssig; die Tatsachen selbst sprechen eine allzu deutliche und beredte Sprache. Nur auf einen Umstand möchten wir hinweisen, der den Umfall der Freisinnigen noch in ein« besonder« unangenehme Beleuchtung rückt. Dem Zentrum mag eS sicherlich nicht leicht gefallen fem. sowohl in der Kommisston wie im Plenum gegen die Gültigkeit der Wahl de» konservativen Abgeordneten v. Richthofen au stimmen. Denn dieser war tm Wahlkreise Schweidnitz-Gtrtegau gemäss einem klerikal.konservativen Kom. promiss, da» dem Zentrum eine» der beiden Schweidnitzer Land» tagSmandate sicherte, gemeinsamer Kandidat der Konservativen und de» Zentrum». Wenn trotz. de« die Zentrumsfraktion des Reichstages in diesem Falle an den überkommenen Prinzipien festgehalten hat. so ist die» um so beachtenswerter. Wie kläglich nimmt sich demgegenüber der Umfall der greistaaigen aus!"— Herr Naumann auf der Retirade. Unter den wenigen Freifinmgen. dt« am letzten Sonnabend den junkerlichen JmttationSgelüst-n de» Herrn Kaempf gegenüber so etwa» wie Rückgrat zeigten und gegen die Wortentziehung Lebe» bours stimmten, befand fich bekanntlich auch Herr Naumann. Jetzt bringt da» offizielle Stenogramm folgende Abbitte de» Herrn Naumann: .D« Unterzeichnete bittet auf«rund ton 1 60 h«i«cföftS* oxtosm folZmde Manne w das«nSotol«uhtträns: Ich erkläre, daß meine Abstimmung in der Angelegenheit de? Abgeordneten Ledebour keine prinzipielle Be- deutung gegenüber der Geschäftsführung des Präsidenten haben kann, sondern nur erfolgt ist, weil ich erst im Augenblicke der Abstimmung den Sitzungssaal betrat und infolgedessen die Sachlage nicht hin» reichend überschauen konnte. Berlin, den 6. Mai 1907. v. Fr. Naumann." DaS heisst also, Herr Naumann würde für die Wortentziehung gestimmt haben, tvenn er der Vergewaltigungsszene ganz beigewohnt hätte. DaS ist ein kleiner, aber nicht ganz unwesentlicher Beitrag zu dem schwankenden Charakterbilde dieses Mannes, das in den stenographischen Berichten des Reichstages nicht begraben bleiben sollte. Uebrigens ist es einigermaßen schleierhaft, wie diese Revokation Naumanns in den offiziellen Bericht aufgenommen werden konnte. Der angezogene§ 69 der Geschäftsordnung des Reichstages schreibt ausdrücklich vor, daß solche Berichtigungen über eine nicht nament- liche Abstimmung nur dann in die stenographischen Berichte Auf- nähme finden dürfen, wenn diese Abstimmung des Betteffenden.eine von dem Beschlüsse der Mehrheit abweichende" war. In diesem Falle stimmte aber Herr Naumann bekanntlich mit der anwesendev Mehrheit!-_ Freisinnige Selbstverhöhnungen. Das Mosieblatt murrt wieder einmal über die schlechte Be« lohnung der freifinnigen Blockhelfersdienste. Für alles, was der Freisinn dem konfervattven JnkubuS zuliebe getan— leider fehlt die Aufzählung aller Prostitutionsatte—, sei dem lil�alea SukkubuS bis jetzt noch nicht der geringste Minnesold gewor�. i. Der Majestätsbeleidigungsreformentwurf sei zwar ein- gebracht worden, aber zu einem Zeitpuntt, wo seine Durchberaimig in der gegenwärtigen Tagung ausgeschlossen gewesen. 5 ie Börsenreform vollends, der eigentliche Kaufpreis, sei auf c-n Jahr zurückgestellt worden. Das»Berl. Tagebl." meint schliesslich: „Für die liberalen Parteien ist dieser Zustand recht frag- würdig. Wenn die Regierungsmaschine überhaupt Weiler arbeitet, dann arbeitet fie unter dem agrarischen Kauzler im konservativen Gleise weiter. Die Konservativen körnien warten, ohne sich zu strapazieren. Für die Libei len ist die Situation weniger angenehm. Für fie ist j der Tag verloren, an dem nichts geleistet worden. Und eS find nicht bloss Tage, es find Monate in Indolenz verlo.en worden. Wo bleibt die Neueinteilung der Reichs. tagSwahlkreis«? Wo bleibt die Reform dcSVereinS« rechtes? Wo bleibt die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine? Wo bleibt die liberale A« r a? Das alles soll ja kommen, so versichert man im er wieder; aber der Appell an die liberale Geduld tv:!t nachgerade komisch. Soviel Geduld gibt'S ja gar nicht, wie Fürst Bülow von seinen politischen Freunden fordert. Immerhin, jetzt ist nichts mehr zu machen. Wir stnd skeptisch, aber wir wollen die Llockharmonie nicht stiren. Deshalb warton wir weiter bis zum Herbst, wenn eS sein muß» und«och länger, wenn eS nicht anders kein kann." DaS soll Ironie sein. ES ist aber nur aller Scham bar« Selbstverhöhnung. Die politische Pleite ist nicht mehr zu be« mänteln. Aber was kümmern den Börsenfteisrnn alle Prinzipien. wenn nur das Geschäft blüht. Und für die Bereicherung der Börseaner und Kolonialindustrieritter sorgt ja Herr Dernburg l—_ Juckt die Haut. Da« preußische Abgeordnetenhaus ist bekanntlich gegen Beleidi. gungen sehr empfindlich. Zwei sozialdemokratische Redakteure läßt eS im Gefängnis brummen, und zur Warnung aller künftigen Sünder hat es sogar auf Veröffentlichung de» Urteils bestanden. Und doch hat da» alles nichts genützt. Aufs neue muß das hohe HauS eine schwer� öffentliche Beleidigung erleben, die noch dadurch wesentlich verschärst wird, daß sie von einem seiner eigenen Mik. glieder ausgeht! Im.Tag" veröffentlicht der Freiherr».Zedlitz und Neukirch einen Artikel über.Höhe und Art der zur Deckung der Gehaltserhöhungen notwendigen Steuerzuschläge". worin mitgeteilt wird, daß der preußische Finanzministcr die Summen, welche die Teuerungszulage für die Unterbeamten sowie die Aufbesserung der Beamten- und Lehrergehälter erforderlich mache, durch Steigerung der Einkommen- und Ver- mögenvsteuer aufbringen wolle. Dazu bemerkt der freikonseu, vative Verfasser des Artikls wörtlich: »Behcrrrt er dabei, so ist ihm in der nächsten LandtagSsesfion «in schwerer Mißerfolg sicher. DaS Ansinnen einer solchen dauernden Mehrbelastung der Steuerzahler stellt an sich die Tragfähigkeit ejner Vertretung der Steuerpflichtigen, wie der preußische Landtag ist, mtf eine zu schwere Probe. dazu kommt, daß lyyS Neuwahlen zum Abgeordneten» Hause stattfinden, welche naturgemäß da» Hau» in bezug auf Steucrorhöliungen besonder» empfindlich machen." Etwas diplomatisch find die Sätze ja abgefaßt. Wer da» „höhere" Hochdeutsch nicht gewohnt ist, wird ihre Bedeutung vielleicht auf den ersten Blick nicht erfassen. Aber dennoch, wenn Worte überhaupt einen Sinn haben, so ist hier gesagt: erstens, das preußische Abgeordnetenhaus ist nicht eine Ver- tretung de» Volkes, sondern eine Vertretung der Steuerpflicht d. h. der Besitzenden; � zweitens, als solche nimmt e» nicht die Interessen der Gesamtheit, sondern die Sonderinteressen der Besitzenden wahr; Steuern bewilligt ei nicht nach Rücksicht ihrer sachlichen Rotwendig. keit, sondern nach Rücksicht de, Vorteils der Besitzenden; endlich d r i t t e n S. um für die bevorstehende Neuwahl sich die Stimmen der Wähler zu sichern, würde es in diesem Falle die Steuer selbst dann verweigern, wenn die allgemeinen, unter 1 und 2 angeführten Gesichtspunkte der Bewilligung nicht im Wege ständen. Wir wiederholen: da» alle» sagen nicht wir. sondern der Freiherr v. Zedlitz und Neukirch sagt eS in den oben angeführten Sätzen! Wir können un» schlechterding»«eine schwerere Beleidigung de» Abgeordnetenhaus«» denken, als diese Bezichtigung, daß eS seine Entschlüsse nicht auS sachlichen Gesichtspunkten, sondern auS Man- datShunger treffe. Herrn v. Zedlitz und Neukirch muh die.sVi'tt mächtig jucken, daß er sich durch die Spuren seiner sozialdemokra- tischen Vorgänger nicht hat schrecken lassen. Die.National-Zeittmg", die zurzeit zweifellos da« abelberufenste Berliner Polizeispttzelorgan ist. will ihren Lesern wieder einmal fn einen kleinen Beweis von ihrer Spitzelfindigkeit geben und berichtet Dienstagabend tm Sperrdruck, daß Genosse Ulrich an Stell« Auers w den Parteivorstand gewählt sei. Diese Ente serviert sie in folgender pikanten Sau«: .Ulrich war zwar ftüher revifionistisch« Neigungen der» dächtig. hat fich aber durch die bekannte Lärmszene bei der Be- ratung des Zolltarifs bei den radikalen Elementen inzwischen .r-habilittert".' Solche» Beschwätz soll Vertrautheit mit den inneren Partei- Vorgängen bckunom, ist aber natürlich notorischer Blödfinn; im übrigen sollte man bei den journalisttschen Spitzeln der.Nattonal» Setwng' doch wenigstens so viel voraussetzen, daß fie wisse«, daß ie Mitglieder de? Parteivorstande« nur vom Parteitage ge- wählt werden können, und daß Genosse Ulrich an Stelle Auers in den FraktioaSvorstand gewählt wurde, bauen sie sch» Vor Aach««?» fm#8«(lD&stl' rttieabmeal- Herr Strombeck der„Einspänner»'. Di»»Köt nifdife Volkszeitung- und„Augsburger S e i t u n g- sehen sich genötigt, einem Mitglied der Zentrums ?»attio». dem Abgeordneten v. Strombeck, seiner fraktions. «»idrige» Seitensprünge wegen einen derben Rüffel zu erteilen Ml schreiben: '. ES haben e i n st i m m i g den Staatssekretär für die Kolonien genehmigt die sämtlichen Blockparteien, ihn abgelehnt die Si�ialdemokraten. die Polen und das Zentrum bis auf den Einspänner v. Strom beck, von dem man nun seit ge- raumer Zeit gewöhnt ist, dah er beinahe in allen wichtigen fragen, besonders wenn es sich um Oppositionsfragen handelt. ledeSmal gegen seine Partei stimmt. Es mutz da» doch auch einmal öffentlich ausgesprochen werden, da viele daran AergerniS nehmen. Sehr hübsch macht sich, daß sich das„Berliner Tageblatt- über solche.Knebelung der Ueberzeugungsfreiheit- entrüstet. Das Frei- finnSblatt findet es also unerhört, datz eine Fraktion eines ihrer Ritglieder ernstlich an die Beachtung der Fraktionsbeschlüsse »sahnt; dagegen, daß der gesamte Freisinn aller liberalen »Ueberzeugungsfreiheit- zum Trotz nach der Knute der Konser- dativen tanzt, findet das freisinnige Blatt nichts einzu- ViSNdsvl—_ Die rheinischen Nationalliberalen haben am Sonntag in Elberfeld einen Parteitag abgehalten. In der Diskussion über den Geschäftsbericht kam auch die Stich. Wahlparole der Kölner Nationalliberalen zur Sprache. Die Nationalliberalen in Köln haben es bekanntlich ab- gelehnt, in der Stichwahl für Trimborn einzutreten, daran ist dann das liberal-klerikale Bündnis für den rheinisch-westfälischcn Judustriebezirk gescheitert. Aus den Kreisen, wo die National- liberalen in Stichwahl standen, ist den Kölnern das zum Vorwurf gemacht worden, weil dadurch Duisburg, Bochum und Dortmunv verloren gegangen seien. Rechtsanwalt Falk, der Kölner Reichs tagSkandidat der Nationalliberalen, erklarte, datz seine Partei freunde in Köln nicht anders hätten handeln können; nach der Hetze des Zentrums gegen den Liberalismus sei es unmöglich gewesen, eine Parole für da? Zentrum auszugeben, im übrigen seien sich die ultramontanen Führer bewutzt gewesen, datz ihre For. derungen nach Zeit und Umständen nicht zu erfüllen gewesen wären Der natwnalliberale Parteisekretär von Bochum erklärte: Die nationalliberale Partei in Bochum habe geglaubt, bei der Kan- didatur deS Oberbürgermeisters Haarmann das Zentrum in der Stichwahl auf ihrer Seite zu haben. Das habe die national- liberale Partei dieses Wahlkreises bei den vorigen Reichstags wählen schriftlich und vor der letzten Wahl mündlich er klärt erhalten, datz. wenn Haarmann kandidiere, das Z e n t r um für diesen stimmen werde. Man habe aber die Erfahrung gemacht, datz dem Zentrum nicht zu trauen sei, datz auf seine Worte nichts zu geben sei. Die nationalliberale Partei im Wahlkreis Bochum sei nach den gemachten Erfahrungen der festen Ueberzeugung. datz alles nichts genützt hätte; durch das Verhalten des Zentrums wäre der Wahlkreis unter allen Um- ständen wieder an die Sozialdemokratie gefallen. Die national- liberale Partei im Wahlkreis Bochum sei der festen Ueberzeugung, datz sie vom Zentrum verraten worden sei. Da tut der Herr dem Zentrum Unrecht. Ohne Zweifel haben diejenigen Zentrumsleute, die den Nationalliberalen das Eintreten ihrer Partei für den notionalliberalen Kandidaten zugesagt haben, sich auch nach Kräften bemüht, ihr Wort wahr zu machen. Aber daS Zentrum hat in den rheintsch-westfälischen Jndustriebezirkcn ein ziemlich starkes proletarisches Gefolge, von dem ein Teil genug Klassenbewutztsein besitzt, um in der engeren Wahl zwischen einem nationalliberalen Unternehmerkandidaten und einem sozialdemo- kratischen Arbeiterkandidaten dein Klassengenossen seine Stimme zu geben. Die klerikalen Führer und die„besseren- Zentrum? lcute haben, wie in Bochum, so auch sonst, wo eS einen.nationalen' gegen einen sozialdemokratischen Kandidaten herauszuhauen galt, ganz gewitz ihre.Pflicht- erfüllt. Der Erzbischof von Bamberg im Laudtagswahlkampf Der liberal-bündlerifche Landtagswahlblock in Bayern befindet sich zurzeit in der fürchterlichsten Aufregung. die dadurch veranlasst ist. datz der Bamberger Erzbischof Dr. v. A b e r t wieder einmal ,n die politischen Kämpfe eingegriffen hat. DaS hat er bekanntlich auch bei den letzten Reichs- tagswahlen getan. Für die Stichwahl im Fürther Wahlkreise hatte damals die Leitung der Zentrumspartei die Parole au»ge- geben, für den Sozialdemokraten gegen den Kandidaten de» Hotten- tottenblocks Manz zu stimmen. Am Wahltage erlietz der Erzbischof an die Geistlichen de» Kreise» eine Kundgebung, worin er es für unmöglich erklärte, datz ein gläubiger Ka t ho l i k einem Sozialdemokraten seine Stimme gebe. Diese Kund- aebung wurde vom Block triumphierend al» Flug- blatt verbreitet und hatte auch tatsächlich den Erfolg, datz ein bedeutender Teil der Zentrumswähler zu Hause blieb oder dierekt für den Blockkandidaten stimmte. Die liberal« Presse fand diese oberhirtliche Wahlbeeinflussung ganz in der Ordnung und bemühte sich in der komischsten Weise, die Religionslosigkeit der Sozialdemokratie darzutun und nachzuweisen, datz der Libe- raliSmu» der beste Freund der Religion sei, der Bischof somit nicht allein das Recht, sondern sogar die Pflicht habe, die gläubigen Katholiken gegen die Sozialdemokratie für den Hottentottenblock mobil zu machen. Derselbe Erzbischof hat nun auch zu den bayerischen Land- tagswahlen eine Kundgebung erlassen, die sich aber nicht gegen die religionslosen Sozialdemokraten, sondern gegen— den Liberalismus richtet. Schon feit Wochen ist der ooerfränkische Wahlkreis Naila der Gegenstand de» allgemeinen Interesse« wegen einer ungemein lustigen Komödie, die sich dort abgespielt hat. Ein katholischer Geistlicher, der Pfarrer Gran- ding er in Nordhalben, hat sich nämlich al» ein grotzer Liberaler entpuppt und wurde vom Block als Kandidat aufge» stellt, weil man dadurch die katholischen Wähler zu gewinnen hoffte. Die Zentrumspresse hat einen wütenden Kampf gegen diese Kandidatur geführt und fortgesetzt betont, datz der Erzbischof in Konsequenz seines Verhalten» bei der Reichstagswahl gegen den Pfarrer einzuschreiten habe, datz der ganze Episkopat überhaupt eine Kundgebung gegen den Liberalismus erlassen sollte. Die liberalen Organe höhnten und spotteten und suchten das Zentrum mit Andeutungen zu ärgern, als ob die Bischöfe selbst liberale Neigungen hätten. Mit Grandinger wurde eine grotze KomodlS aufgeführt. Infolge der Angriffe legte er die Kandidatur nieder, wurde aber am Sonntag von einer liberalen Vertrauens- männerversammlung auf» neue aufgestellt und nahm an. Zu gleicher Zeit wendete er sich an die Z« n t r u n»» l e u t e seines Wahlkreises, ihn zu wählen, und eine Zentrumsversammlung in ordhalben beschloß auch tatsächlich für ihn einzutreten. Jedoch schon am Dienstag veröffentlichten Bamberger Blätter einen Brief, den der Erzbischof v. Abert an den Pfarrer Grandinger ''......" fich in ihren gerichtet hat und worin er bemerkt. eS liege ihm fern, s Fragen politischer Natur einzumengen und die Geistlichen in siaalSbürgerlichcn Rechten zu beschränken, aber bei der Stellung, die die liberale Partei in der Schul frage einnehme, und bei der Art und Weise, wie einzelne Pretzorgane derselben die relt- giösen Gefühle des katholischen Volke» verletzen und kränken, halte er es für unmöglich, datz ein katholischer P r i e st e r sich als Abgeordneter der Partei anschlietze und einfüge, ohne in weitesten Kreisen de» katholischen Volke» Anstotz und Aerger- ni» zu erregen. Im liberalen Lager hat diese Kundgebung wie eine Bombe eingeschlagen. Die Blockpreise hat die Sprache noch nicht gefunden» aber e» wird belustigend sein, zu hören, wa» sie, die es ganz in der Ordnung fand, datz bei der Reichstag»- Wahl der Bischof gegen die Sozialdemokraten auftrat, jetzt zu dieser Wakslbeeinflussung. die sich gegen ihre eigene r richtet, zu fe»! taben wftd- 1 Ter Fürst und das„Zeitalter des Egoismus". Auf Schlotz Dyck im rheinischen Kreise Grevenbroich ist dieser Tage der Verwalter Theodor Kerkmann im Alter von 78 Jahren gestorben. Er hatte seit fast fünfzig Jahren im Dienste der fürstlich Salm-Reifferscheidtschen Familie gestanden und in der in den Blättern erlassenen Todesanzeige rühmt der Fürst ihm eine-„r a st- lose, aufopfernde Tätigkeit" nach; für das Schloß Dyck habe er„bis zuletzt Schlaf und Gesundheit ge- opfert". Dann sagt Fürst Salm-Reifferscheidt:„Wenn heute ini Zeitalter des Egoismus und der Rücksichts- l o s i g k c i t, wo jeder Herr sein will und Aufopferung ein leeres Wort geworden ist, manches Auge bange in die Zukunft blickt, in die Zukunft der eigenen Familie und des Vaterlandes, so schlägt das Herz wieder hoffnungsfreudiger bei dem Gedanken an da» mächtig wirkende Beispiel solcher Männer, die nur Arbeit, Treue und Selbstvergessen gekannt." Man fragt sich, wie der Fürst dazu kommt, seinem bedrückten feudalen Herzen in einer Todesanzeige Luft zu machen, was doch eigentlich eine grobe Geschmacklosigkeit darstellt. Die Sache wird aber verständlicher, wenn man erfährt, datz die fürstlichen Arbeiter von Schlotz Dyck kürzlich die Arbeit eingestellt haben, weil sie nicht länger al» verheiratete Leute im Winter für 1,80 M.. im Sommer für 1,S0 M. pro Tag ohne Kost arbeiten wollten. In der Tat eine unverschämte Bande, die nicht mehr für solche fürstlichen Löhne in„rastlos aufopfernder Tätigkeit"„Schlaf und Gesundheit opfern" will, und die auch noch etwas anderes kennt als»nur Arbeit, Treue und Aufopferung". franhmeh. Das Ministerium auf der Anklagebank. Paris, 7. Mai.(Eig. Ber.) Wenn man nach dem Bilde urteilen darf, das die Kammer heute, am Tage der Wiedereröffnung, geboten hat, so muß man annehmen, daß die Regierung dem Ansturm der äußersten Linken diesmal noch standhalten wird. Das beweist natürlich nicht etwa die Güte ihrer Sache, sondern den politischen Ver- fall deS bürgerlichen Radikalismus. Der Radikalsozialist B u i s s o n, der heute als letzter der Interpellanten über die Regierungspolittk zu Worte kam— von feinen Vorrednern sind namentlich die Genossen Blanc und Rozter wegen ihrer ausgezeichneten Darlegungen zu nennen— fand fast nur bei den Sozialisten Beifall. Die übergroße Mehrheit der bürgerlichen Linken hörte seine schlagenden Ausführungen über den Geist deS Gewerkschaftsgesetzes und über die Prinzipien- preisgäbe der Regierung mit feindseliger Kälte an. Einen traurigen Eindruck machte Brtand, der den Rednern einigemal gereizt ins Wort fiel und mit einem selbst- bewußten Tone, der aber gar nicht echt klang, verkündete, daß er die Absetzung Nögres b e st ä t i g t habe I Die Radi- kalen besaßen die Schamlosigkeit, dieser Erklärung Befall zu spenden! Gleichwohl wird Brtand aus dieser Anerkennung keinen dauernden Nutzen ziehen. Denn mag der sozial- reakttonäre Radikalismus das Ministerium nicht über die Gewerkschaftsfrage fallen lassen wollen, so wird das Kabinett doch in kürzester Zeit bei irgend einem Anlaß dem feit langem angewachsenen Unmut der Majoritätsparteten erliegen. An Clemenceau wird sich so der Eigensinn rächen, mit dem er daS Zusammenarbeiten mit der Delegation der Linken herrsch süchtig und hochmütig zurückgewiesen hat. Beim Sturz der Re gierung wird aber Brtand entschieden am härtesten fallen denn wenn Clemenceau heute auch physisch schon zu ab gebraucht ist, um überhaupt noch eine führende politische Stellung anstreben zu können, so versinkt Briand in der Fülle jugendlicher Kraft in die Troßtruppe der polittschen Reservearmee, deren Hoffnung sich auf gelegentliche Beutemacherei beschränken muß. So ist cS auch Millerand gegangen, der immer noch darauf lauert, sich bei einer Krise wieder in die Macht einzuschleichen. Ohne den Rückhalt einer polittschen Partei, belastet mit der Mißachtung der einstigen Freunde, von den späteren Bundesgenossen mißtrauisch und schadenfroh angesehen, hat Briand die drohende Aussicht, seine große Begabung tn einem traurigen polittschen Abenteurertum zu verzehren. � � Paris, 8. Mai.(0. H) Die„Humauit«" veröffentlicht«inen «uftuf, der von allen geeinigten Sozialisten unterschrieben ist, worin gegen die Regierung heftige Angriffe gerichtet»erden. Unter anderem heißt es, der Gesetzentwurf, betreffend die Abschaffung der Kriegs- gcrichte, sei verstümmelt worden. DaS Gesetz über den wöchent- lichen Ruhetag sei»hu» Kraft, Part» befinde fich an dem Tage, da «in Arbriterausftaud ausbrechen würde, ohne Gnade der Polizei- Willkür preisgegeben. Die llnterzeichurr erklären sich solidarisch mit dem Aufruf an die Soldaten, in denen diese aufgefordert«erden, im Falle elueS Kampfes nicht auf die Brüder zu schießen. Pariser Gemeindewahlen. Pari», 0. Mai.(Eig. Ber.) Gestern fanden hier sechs Ergänzungöwahlen für den Gemeinde rat statt, bei denen auch zwei Mandat«, die unsere Partei bisher innegehabt hatte, in Frage kamen. Diesmal hatten die geeinigten Sozialisten in allen Bezirken Kandidaten aufgestellt, und das Resultat ist überaus befriedigend. Im 17. Arrondiffement, wo vordem der zum Deputtcrten gewählte Genosse B r o u s s e da» Mandat besessen hatte, erreichte diesmal Genosse Brunei eine Stimmen' zahl von SSSI; an zweiter Stelle folgt ein Nattonalist mit 2831. Ein Radikaler erhielt 1b2t>, ein Radikalsozialist 613 Stimmen. Wenn die Radikalen nicht verrat üben, ist der Sieg unseres Genossen in der Stichwahl am Sonntag, den IL. d. M., sicher. Ebenso im 13.«rrondissement, da» ehedem der jetzige Deputterte Genosse R o z i« r vertreten hat. Hier erhielt Genosse Tamölinat, der Direktor der Münze während der Kommune, 1427 Stimmen; ein Reaktionär 140«; ein Radikalsozialist 1076; ein.Unabhängiger" 478; ein Radikaler 181 Stimmen. Auch in den anderen vier Bezirken findet Stichwahl statt. Im 4. Arrondissement erhielt Genofie Besombes die grötzte Stimmen' zahl unter allen Kandidaten. Besonders erfreulich aber ist der Fort- chtttt im 16. Arrondissement, wo e« fich um die Nachfolge des Radikalsozialisten Ehautard. de» ehemaligen Präfidenten deS BemeinderatS, handelt«. Der offiziell« radikalsozialistische Kandidat erhielt 2808 Stimmen, der Kandidat der geeinigten Partei, Ge« nosse D u b i e f, der schon 1304 kandidiert und 786 Sttmmen auf ich vereinigt hatte, 22881 Dieser Fortschritt der Partei ist um so bemerkenswerter, als die radikalen Mittelftündler. deren reaktionSrer Charakter fich in ber Hetze gegen die Sonntags« ruhe gezeigt Hätz«• an demagogischer Sgitatton nicht haben fehlen lassen. Da in den Stadtvierteln, die gestern gewählt haben, wenig industrielle Arbeiterschaft vorhanden ist, zeigt sich in dem Ergebnis namentlich die Verbreitung, welche dt- sozialistischen Ideen in der Beamtenschast gewonnen haben. In diesem Sinne ist die gestrige Wahl eine Lehr«— nicht für die Regierung, für die kommt ie schon zu spät— aber für die radikale Partei.— "Japan. Zum französisch-japanische« Abkommen erklärte der japanische LMHältep KuMp svS die ZkSge, sk> Zqs» taui# lato, öm fccrn s ranzösisch-japanischen ähnlichen Bcrträg mit d'efl Lekeinizsett Staaten abzuschließen, folgendes: „Die japanische Regierung ist immer bereit, ihre friedlichen Absichten zu beweisen und zu zeigen, datz sie den Wunsch hegt, die freundschaftlichen Beziehungen zu den westlichen Mächten zu unterhalten. Trotz der letzten Zwischenfälle tn San Francisco hat man in Japan immer eine wahrhafte Sympathie für das ameri- konische Volk empfunden, welches das erste war, das die Japaner auf dem Fuße der Gleichheit behandelte.— Durch den Vertrag mit Frankreich verschaffte sich Japan Beziehungen, aus welchen sein Handel und seine Industrie Nutzen ziehen wird, da sich der Pariser Markt dafür interessieren wird. Wenn Japan durch den Abschluß eines Vertrages mit Amerika irgendwelche Vorteile er- langen würde, so wäre es durchaus wahrscheinlich, datz die Re- gierung von Tokio nicht zögern würde, in Verhandlungen mit Washington einzutreten." Auf die Frage, ob der Botschafter glaube, daß ein dem französtsch-japanischen Vertrag ähnlicher deutsch- japanischer Vertrag möglich wäre, antwortete Kurino:„Deutschland besitzt in Ostasien kein Gebiet wie Frankreich, England, Amerika und Rutz- land. Kiautschou ist keine eigentliche Kolonie. ES ist ein von China pachtweise überlassenes Gebiet. Deshalb hätte ein Vertrag mit Deutschland, welcher die Erhaltung des beiderseitigen Besitz« stände» verbürgen würde, keine Existenzberechtigung!"---- Htmriha. Der Prozeß gegen die Arbeiterführer. Eine Stratzendcmonstration in New Dort zugunsten von Moher, Hahwood und Pettibone, an welcher 20 000 Personen teilnahmen. erregte mn letzten Sonnabend die öffentliche Aufmerksamkeit, um so mehr als am selben Tage noch in einer Reihe von anderen Städten demonstriert wurde. Die Organisationen der sozialistischen Partei und viele Gewerkschaften beteiligten sich an dem Umzüge durch die Hauptstraßen'der Stadt, ber mit einer Massenversammlung endete. Der Prozeß soll am Donnerstag m Boise(Idaho) be- ginnen.(Himmelfahrt feiern die Amerikaner nicht.)— Kürzlich fand eine Konferenz in Washington zwischen Vertretern der An»- klagcbehörde von Jbabo und Bundesbeamten des Justizdepartc- mentS zur Besprechung des bevorstehenden Prozesses statt—. ein Zeichen dafür, datz der Prozeß der Regierung Verlegenheiten zu bereiten beginnt. Die Erregung der amerikanischen Arbeiterklasse hat allerdings eine Umfang angenommen, den die republikanische Verwaltung nicht mehr ignorieren kann. Daß man kein Beweis- Material gegen die Angeklagten hat, ist offenbar; sonst hätten sie längst am Galgen geendet, und die Beweise wären aufs genaueste der ganzen Welt vorgelegt worden. Die„VolkSzeitung" sagt: „Man weih auch jetzt schon in Washington, datz die Arbeiterklasse selbst dann nicht mehr an die Schuld der Angeklagten glauben wird. wenn auch durch hundert Zeugen ihre angeblichen Verbrechen beschworen werden sollten. Sie hat zuviel des Meineids und aller möglichen Schändlichkeitcn in diesem Prozeß kennen gelernt, als datz sie den Vertretern der Anklage auch nur ein Jota alauben sollte.''_ ©ewcrkfcbaftUchc�o Allgemeine Aussperrung der Maler Sachsen» in Sicht! Seit langem sind die sächsischen Scharfmacher im Maler» gelverbe bemuht, die Zwangsinnungen aufzulösen und einen Zusammenschluß im Arbeitgeberverbande herbeizu- führen, um die Scharfmacherpläne gegen die sächsische Gehülfen« schaft, diu mit außerordentlichem Erfolge in den letzten Jahren ihre Lohn- und Arbeitsbedingungen verbessert hat, durchführen zu können. Als Grund für die Aussperrung soll der Kampf im Malergewerbe tn Leipzig herhalten. Dort befinden sich zurzeit zirka 300 Maler im Ausstände. Die Arbeitgeber wollen ewfach den Termin des Ablaufs deS Tarifs(bisher 1. April d. I.) abändern mit der zynischen Mottvierung, daß der von ihnen gewählte Ablaufstcrmtn(13. Mai) ihnen günstiger liege. Die Berhandlungen über einen neuen Tarif zer- schlugen sich an ber Hartnäckigkeit der Unternehmer, die offen« bar eine allgemeine Aussperrung herbeiführen wollten. Eine am Freitag voriger Woche tn Leipzig stattgefundene Konferenz ber Malermeister Sachsens hat sich nun mit dem AuSsperrungsplan beschäftigt und ein Ulttmatum dahingehend gestellt: Wenn bis zum 8. Mai der von den Unternehmern angebotene Tarif nicht von der Gehülfenschast akzepttert worden sei,' die Aussperrung vorgenommen werde. Die Unternehmer haben offenbar daS Bestreben, Tarife herbeizuführt, die an allen Orten zugleich ab- laufen, während jetzt in den verschiedenen Orten ver» schtedene Fristen festgesetzt sind. Am Freitag findet wiederum eine Konferenz der Unter« nehmer statt, in der die Frage der Aussperrung entschieden werden soll._ Berlin und vmgegenck. „Lohnregulierungen" in ber TreppengelSnder-Lranche. Eine gut besuchte Versammlung aller in den Treppengeländer- Fabriken beschäftigten Arbeiter aller Branchen tagte am Dienstag bei Boeker in der Weberstratze. Pattloch berichtete von den Einigungsverhandlungen mit den Vertretern der Treppengeländer- Fabrikanten. Diese sogenannten Einigungsverhandlungen be- standen in Besprechungen, die auf Veranlassung des Obermeisters R aHardt stattfanden. Sie ergaben, datz eS darauf abgesehen war, die Arbeiter der Treppengelander-Branche und ihre Vertreter zu bewegen, für den Fall eines allgemeinen Vertragsabschlusses mit den Holzindustriellen ihrerseits auf einige Vorteile des letzten SpezialVertrages zu verzichten. Besonders soll der in der Branche eingeführte Mindestlohn nach Meinung deS Herrn Rahardt und der von ihm beeinflutzten Treppengeländcr-Fabrikanten fallen. Genaue Auskunft gibt ein Schreiben, unterzeichnet vom„Vorstand der Holztreppen« und Treppcngeländer-Fabcikanten Berlin» und der Vororte". Es lautet: „Diverse Punkte, welche bei Festsetzung deö Vertrage» von selten der Freien Vereinigung der Holzindustriellen für die Vereinigung der Holztreppen- und Trcppengeländer-Fabrikanien Berlin» und der Vororte zu beachten sind: 1. Unbedingtes Fortfallen de» Mindestlohnes. Dafür gewähren wir. trotzdem wir vor zwei Jahren eine Lohnerhöhung von L Proz. und eine entsprechende Erhöhung des Akkordtarifeö und vor einem Jahre eine weitere Lohnerhöhung von 4 Proz. sowie Erhöhung deS AkkordtarifeS haben eintreten lassen, eine Er- höhung de» Lohnes von 2 Proz. Die zu gewährende Lohn» erhöhung von 2 Proz. soll jedoch nicht voll zur Anwendung kommen auf den Akkordtarif, sondern die Parteien sollen dahin übereinkommen, einzelne Positionen, wo angängig, bis zur Höhe von 2 Proz. aufzubessern. In denjenigen Betrieben jedoch, wo bereits höhere Lohne wie im Tarif(im letzten Tarif) gezahlt werden, soll der Mehrbetrag auf etwaige Aufbesserungen an- gerechnet werden. Wir sind in unserer Branche schon derart mit Löhnen voraus, datz wir weitere Zugeständnisse nicht machen können." Die Vertteter der Arbeiter haben den Unternehmern erklärt, eS wäre nicht daran zu denken, datz man sich in der Treppen- lieländer-Branche unter einen Vertrag beuge, welcher gegenüber ?em bisherigen Zustande Verschlechterungen enthalte. Die Unternehmer erklärten nun immer, nur P a t t l o ch und andere Vertreter der Arbeiter seien so sehr für die Aufrecht- NbaltWK tos WindektlMr" fcu krln-A ga v�cht solchen Wetk. Deshalb müsse die Versammlung kund tun, wie sie darüber denke.— Nach einer lebhaften Diskussion. in der die Aufrechterhaltung des Mindestlohncs und anderer Positionen allgemein oerlangt wurde, nahm die Versammlung ein- stimmig folgende Resolution an: »Die Versammelten erklären sich mit der Stellungnahme der Vertreter der Branche vor dem Einigungsamt des Gewerbe- gerichtS einverstanden. Die Versammlung protestiert ganz ent- schieden dagegen, daß bei Abschluß eines neuen Vertrages Ver- schlechterungen eingeführt werden, weil die Lohn- und Arbeits- bedingungen gegenwärtig ungünstigere sind, wie in den anderen Baubranchen. Deshalb sind die Versammelten auch der Ansicht, daß unbedingt eine Lohnerhöhung eintreten muß.— Die Ausgesperrten sowohl wie die Arbeitenden verpflichten sich, nach wie vor ihre Schuldigkeit zu tun, damit der uns aufgedrungene Aampf zu unseren Gunsten zu Ende geführt werde." Schtttng, Alavierarbeiter, Bbputzer und Polierer! Unter den 14 Orten, die an der Aussperrung in der Holzindustrie beteiligt sind, befinden sich mehrere, wo die Pianoforteindustrie von Bedeutung ist. Die Unternehmer dieser Branche haben es in den hier in Frage kommenden Städten, Leipzig, Dresden, Barmen, und Oldenburg abgelehnt, sich an der Aussperrung zu beteiligen. Eine Ausnahme hiervon macht die Firma Gebrüder Ritter in Halle a. d. Saale. Dieselbe hat als einzige Firma der Musikinstrumentenindustrie ihre Arbeiter ebenfalls aufs Pflaster geworfen, obgleich sie mit der Vertragsbewegung der Tischler so gut wie gar nichts zu tun haben. Es war den Unternehmern Ritter augenscheinlich darum zu tun, die Or- ganisation in ihrem Betriebe zu unterdrücken. Denn sie suchen nun an Stelle ihrer ausgesperrten, sämtlich organisierten Arbeiter durch �jroße Inserate in den Fachblättern der Branche Arbeits. willig e anzulocken. In Berlin wird sich hoffentlich kein Klavier- arbeiter finden, der den ausgesperrten Kollegen in Halle in den Rücken fällt. Neuerdings macht die Firma Ritter noch den Versuch, ihre eiligen Aufträge zum Teil in anderen Orten er- ledigen zu lassen. So sind nach Ermittelung der Ausgesperrten Planofronten nach Berlin geschickt worden, damit sie dort abgeputzt und poliert werden. Wir ersuchen deshalb alle AbPutzer und Frontenpolierer, besonders in den Zwischenmeisterbetrieben, darauf zu achten, und bei verdächtig erscheinenden Arbeiten dem Bureau des Holzarbeiter- Verbände? oder der Branchenleitung sofort Mitteilung davon zu machen. Die Branchenleitung der Klavierarbeiter I. A.: F. Leopold, Caprivistr. 17. Die Lage im BSckergewerbe.Z Bestern Vormittag erschienen fünf Vertreter der Freien Ver- -inigung der Bäckermeister sowie als Vertreter der Gesellen der Vor- sitzende des Verbandes A l l m a n n- Hamburg und der Vorsitzende der Berliner Filiale H e tz s ch o l d vor dem Magiftratsrat v. Schulz, diesen zu bitten, die Verhandlungen zu einer Vereinbarung zwischen den Gesellen und der Freien Bereinigung der Meister in die Hand zu nehmen. Das Gewerbegericht wird infolgedessen als EinigungS- amt in Funktion treten und eine Vereinbarung zwischen beiden Teilen zustande bringen. DaS so Erreichte soll dann auch den übrigen Bäckermeistern zur Anerkennung vorgelegt werden. Achtung, Portefeuillrr Z Einen schönen Erfolg haben die Kollegen bei der Firma A. Schwalbe, Kommandantenstr. 18, zu ver- zeichnen. Einmütig legten am 2 Mai Heim- sowie Werkstatt- arbeiter die Arbeit nieder Die Verhandlungen zwischen der Firma und den Organisationsvertretern endigten mit der Bewilligung sämtlicher Forderungen, sodaß im Lause des gestrigen Tages die Arbeit im vollen Umfange wieder aufgenommen wurde. Keiner der 83 Streikenden wurde rückfällig. Der Streik sowie die Sperre gelten hiermit als aufgehoben. Die Ortsverwaltung. Achtung» Schuhmacher! Krampfhast bemüht sich das„Schuh- Warenhaus" Carl Stiller, Ersatz für die ausständigen Gehülfen zu schassen. Zunächst blätterte es in dem langen Ver- zeichnis der früher schon bei ihm in Stellung gewesenen Arbeiter nach und beehrte jeden mit einer Postkarte. Sogar Arbeiter, die vor Jahren um Arbeit angesprochen hatten, wurden mit dieser Aufmerksamkeit bedacht. Doch war die Mühe umsonst. Nun annoncierte es unter Chiffer in der hiesigen„Volkszeitung", um hauptsächlich kleine Schuhmachermeister einzitfangen. Es verspricht denselben, unauffällig durch ihre eigenen Boten die Arbeit zuzu- schicken und wieder abzuholen, der Arbeitslohn soll ihnen per Post- anweisung zugestellt werden. Da im allgemeinen der Geschäfts- gang ein flotter ist, wird auch dieses Mittel nicht verfangen. Nur wenige Schuhmachermeister, besonders Inhaber von Besohl- anstalten, haben sich gefunden, doch schickte der größte Teil die Arbeit nach der ihnen gewordenen Aufklärung wieder zurück. Bei einem anderen Teil wurden die Gehülfen veranlaßt, die Arbeit niederzulegen, so daß dieselben nun nicht einmal ihre eigene Kundschaft befriedigen können. Nur folgende Besohlanstalten und Schuhmachermeister lassen sich nicht abhalten, der Firma Liebes- dienste zu erweisen: F. Sofira, Zjonskirchstr. 25(im Keller), Krämer,„Gastwirt", Gotzkowskystr. 27, Hahn. Eisenacherstr. 64. Müller, Mirbachstr. 73, Carl, Spenerstr. 8(im Keller), Haase, Schöneweiderstr. 23, Besohlanstalt Trotz, Kl. Kurstr. 4, Krause, Gcorgcntirchplatz 26, WojcichowSki, Didenhosenerstr. 11 a, Danneberg, Mirbachstr. 12,„Nimmergut", Schulstr. 37, Lips, König- arätzerstraße 33. Zentralverband der Schuhmacher. Ortsverwaltung Berlin, Derrtfthes Reich. Achtung! Rohrleger und Helfer! Für alle im HeizungSsach beschäftigten Kollegen ist Hamburg gesperrt. Deutscher Metallarbeiter-Verband, OrtSverwaltung Berlin. Zur Warnung! Bei Annahme von Arbeitsangeboten nach auswärts möge folgender Vorfall zur Warnung dienen: Am Dienstag, den 31. März sind die Arbeiter der Chamottewarenfabrik Gebr. Kämpfe in Eisenberg i. Thür, infolge Nichtbewilligung eingereichter Lohn- forderungen in den Ausstand getreten. Glücklicherweise dauerte der Streik nicht lange, denn die am 3. Mai zwischen beiden Parteien stattgefundenen Verhandlungen waren von Erfolg, sodaß am anderen Tage die Arbeit wieder aufgenommen wurde. An demselben Tage trafen aber auch schon zirka 40 Arbeitswillige von auswärts ein. die durch einen Beamten der Firma und dem Arbeits« vermittler Josef Scholz, Breslau VHI, Ohlauerstr. 19, unter falschen Versprechungen nach Eisenberg ge« lockt worden sind. So behaupten die Arbeiter, daß ihnen vom Streik nicht? gesagt worden sei, der Beamte aber will das Gegenteil getan haben. Ueber die wahre Sachlage aufgeklärt. verzichteten die Arbeiter auf Annahme der versprochenen Stellung und reisten schließlich vollständig mittellos wieder ab. Möge dieser Vorfall dazu beitragen, sich vor jeder Arbeitsannahme nach auswärts stets erst nach den jeweiligen Verhältnissen zu erkundigen, um sich vor schweren Schädigungen zu bewahren. � � (Wiederholt, weil nur in emem Teil der Auflage.) sind 164 arbeitslose Vau- und Möbeltischler vorhanden.— Die Verhandlungen mit den Unternehmern sind im Gange, doch ist bis jetzt»och keine Einigung erzielt worden. Bis jetzt haben die Unternehmer die beabsichtigte Verschlechterung des Bautischler- tarifs noch nicht zurückgezogen. Vor Pfingsten dürfte schwerlich eine Einigung erzielt werden. Um so dringender muß vor Zuzug nach Dresden gewarnt werden. Auf die Nachricht der bürger- lichcn Blätter, daß eine Einigung nahe bevorstehe, ist ein größerer Zuzug nach dort bemerkt worden. Zum Streik bei Seidel«. Raumann. Die bürgerliche Presse hatte viel gefaselt von den„voll- wertigen Ersatzkräften" für die Streikenden, die der Firma aus Galizicn und England zugeführt worden seien. Wie es damit aussieht, zeigt ein Bild, das in der letzten Versammlung der Streikenden, die im Kristallpalast stattfand, entworfen wurde. Bekanntlich haben 16 Galizier den Betrieb am Sonnabend wieder verlassen, in dem man sie fast wie Gefangene behandelte. Der eine Direktor entschuldigte dies an Freiheitsberaubung grenzende Verfahren mit der bezeichnenden Aeußerung:„Wir müssen uns ja schämen, wenn sich die Leute auf den Straßen sehen lassen I" Um nun den Einwohnern Dresdens zu zeigen, was für Material die Firma herschleppt, um die streitenden Präzisionsarbciter zu ersetzen, machte sich die Leitung des Metallarbeiterverbandcs das Vergnügen, die Galizier in ihren Röhrenstiefeln aus Schaffellen durch die belebtesten Teile der Stadt zu führen. Der Zug er- regte allgemeines Aufsehen, um so mehr, als man erfuhr, daß es Arbeitswillige der Firma Seidel u. Naumann gewesen seien. Die Leute beklagten sich sehr über ihre Behandlung und Ver- pflegung in dem Unterkunftsraum des Betriebes. Als der Führer der Leute von der Firma Geld zur Anschaffung von Wäsche— die Leute hatten teilweise nur ein von Schmutz starrendes Hemd auf dem Leibe— verlangte, erhielt er— Insektenpulver. Die „Verpflegung" bestand nach den Angaben der Leute aus Kaffee und ein Brötchen um 6 Uhr morgens, dann gab es bis mittags nichts wieder. Mittags gab es zuerst warmes Essen, später trockenes Brot und kalte Wurst. Als sie den Betrieb endgültig verlassen hatten, hielt man drei Frauen, die später gekommen waren, zurück. Erst auf eine Anzeige bei der Polizei wurden diese von Polizeibeamten ihrem Trupp wieder zugeführt. Eine nette Sorte scheinen auch die englischen Arbeitswilligen zu sein. Am Montagmorgen torkelte eine große Zahl betrunken auf der Straße herum, sorgsam behütet von der Polizei. Sie benahmen sich äußerst frech. Musterhaft ist trotzdem das Benehmen der Streikenden. Sie bewahren eine ausgezeichnete Ruhe und Disziplin. Sie wissen ja ganz genau, daß diese„Arbeitswilligen" nicht ihnen, sondern nur der Firma selber gefährlich werden können. Nach einem bei der hiesigen Leitung der Metallarbeiter aus London eingegangenen Brief ist bisher kein einziger organi- sierter englischer Arbeiter nach Dresden gegangen. Es heißt dann wörtlich: „Sollte die Firma Seidel u. Naumann das„Glück" haben, eine Handvoll englischer Mechaniker zu bekommen, so braucht sie nicht zu sagen:„Gott straf' mich!", denn sie wird ihr blaues Wunder erleben, was sie für Arbeiter bekommt!" Im übrigen macht sich jetzt die Konkurrenz den Konflikt zu- nutze. Fortwährend werden von der Organisationsleitung tüchtige Arbeiter für Nähmaschinenfabriken usw. verlangt und mehrere Hundert sind schon untergebracht. Die Stimmung der Einwohner des Stadtviertels, in dem der Betrieb liegt, ist eine sehr erbitterte gegen die Firma, denn die Sicherheit ist durch das Gesindel, das sie aus allen Kaschemmen und Herbergen zur Heimat zusammenrafft, stark gefährdet, und wenn auch der Stadtteil mit Gendarmerie zu Fuß und zu Pferde stark frequentiert ist, so sind doch diese„natürlich" in der Haupt- sache besorgt, daß den„Arbeitswilligen" kein Haar gekrümmt oder sie scheel angesehen werden. Die Streikenden sind festen Mutes. Mit solchen Arbeits- willigen, wie den geschilderten, kann die Firma nicht lange fort- wursteln. Wenn sie ihr Renommee, das sie gerade ihren intelligenten und tüchtigen Arbeitern verdankt, die freilich auch ihre Arbeiter- würde zu wahren wissen, nicht vollständig einbüßen will, wird sie bald andere Saiten aufspannen müssen, nachdem sie ihr Eigensinn Hunderttausende gekostet hat._ Ausländische Arbeiter und Lohnerhöhung. Wegen Verweigerung einer geforderten Lohnerhöhung traten 43 italienische Arbeiter der Firma de Wendel in Stieringen- Wendel in den Ausstand. Der italienische Konsul in Saar- brücken, der um Intervention angegangen wurde, lehnte dies ab. Hierauf suchten die Streikenden auch andere zur Nieder- legung der Arbeit zu veranlassen, woraus sie abgelohnt und ent- lassen wurden. Man nötigte sie dann, den Ort unter Gendarmerie- begleitung zu verlassen. Das Kapital lechzt wohl nach auslän- dischen Arbeitern, aber billig müssen sie sein. Der Bergarbeiterkampf in Lothringen. Wie die.Lochringer Volksstimme" aus Diedenhofen meldet, hat dort gestern eine zahlreich besuchte Beisitzerkonferenz der Berg- arbeitervertreter des Lothringer Erzgebiete? beschlossen, sich mit dem Vorgehen der Bergarbeiter des Ornetales. die sich gegen das neu« Knavpschaftsstatut aufgelehnt haben, solidarisch zu erklären, und eine Kommission beauftragt, dem provisorischen Vorstande des KnappschaftSvereins folgende Forderungen zu unterbreiten: 1. der Knappjckaftsverein muß mit rückwirkender Kraft eingesetzt werden; 2. die Wahl der Knappschaftsältesten muß in geheimer Wahl vor- genommen und der Wahltermin 4 Wochen vorher bekannt gegeben werden. Die Kommission soll in einer für den 12. Mai einzuberufenden Konferenz der Bergleute das Ergebnis ihrer Unterhandlungen mit dem Vorstände des Knappschaftsvereins mitteilen, worauf dann über daS weitere Vorgehen beraten werden wird. � � �„ (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) Tlustaicl. Der StreU in Sdew Uorker Hafen. 10666 Frachtverlader streiken. Die Küstenlimen sind schwer bettoffen, indessen wurden die gestrigen Ozeandampfer noch abgefertigt. Die Abfahrt de« Dampfers„Kaiser Wilhelm der Große" wurde etwa um eine Stunde verzögert. Die„Caronia" konnte noch pünktlich abgehen. Eine teilweise Lahmlegung des transatlantischen Schiffsverkehrs scheint bevorzustehen. Alle Gesellschaften für den Personen» und Postdampferdienst nach Europa find in Milleidenschast gezogen._ Versammlungen. Zum Stande der H-lzarbciteraussperrung in Dresden. Bis zum Schluß der fünften Aussperrungswockic waren in 64 Betrieben 562 Arbeiter ausgesperrt. Von diesen sind 189 Ge- hülfen nach anderen Orten gegangen. Es wurden am Montag � M ,—., vormittag 313 Ausgesperrte aus 48 Betrieben gezahlt. Außerdem i Aabre 1962 zeigte, als man die 938 der 946 Positionen des Zoll Wnäniw. Stedatteur: Haas Weber. Berlin. JnjeratenteU Kwättw- Utz. Glocke. Verlin. vruck u. vertag: vorwärts BuSdr. o. KktlMloinil DevtfchlandS Weltpolitik und die Arbeiterklasse war das Thema eines Vortrages, den der RcichStagsabgcordnetc Gold. st e i n aus Zwickau in einer Versammlung des Wahlvereins für den 6. Berliner Wahlkreis hielt, die am Dienstag den großen Saal der Kronenbrauerei in Alt-Moabit füllte. In seinem fesselnden Vortrage wies der Redner darauf hin, wie die Arbeiterklasse alle Ursache hat. sich gründlich auch mit der äußeren Politik des Reiches zu befassen, deckte den engen Zusammenhang zwischen dieser Politik und den wirtschaftlichen Konkurrenzkämpfen der Kapitalisten auf und zeigte, wie die mit so vielen großen Worten eingeleiteten weltpolitischen Matznahmen im Ausdehnungs- bedürfnis des Kapitalismus, in der Profitgier des Kapitals ihre Ursache haben. Der Redner schilderte auch, wie die schlechte Leitung der äußeren Politik des Reiches zu einer Isolierung, ja zu einer Einkreisung Deutschlands geführt hat, und wie sehr an dieser Blamage die politische Unfäbigkeit und EinsichtSlosigkeit der deutsche» Bourgeoisie schuld ist, die sich ja so recht deutlich� im iarifcs im Reichstag ohne Beratung annahm. Die Folgen dieser Leichtfertigkeit treten ja nun wieder im Handelsabkommen mii Amerika zutage. In dieser Hinsicht verwies der Redner auf den Leitartikel des„Vorwärts", und er führte dann weiter aus. warum die Arbeiterklasse der abenteuerlichen Welt- und Kolonial- Politik und dem damit verbundenen Militarismus und Marinismus durchaus ablehnend gegenübersteht, ihr jeder Groschen dafür zu viel ist, wie sie dagegen für ivahre Kulturzwccke und Kulturaulagen stets zu haben ist. Diese Politik der Arbeiterklasse schildert der Redner, indem er die Worte des sterbenden Faust aus dem zweites Teil der Dichtung anführt, worin es heißt: Solch ein Gewimmel möcht ich sehn, Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn. Lebhafter Beifall bewies, daß die Zuhörer mit dem Redner durchaus einverstanden waren. Zur Diskussion verlangte niemand zu sprechen. Anknüpfend an den Vortrag forderte Genosse Frey» thalcr zu eifriger Mitarbeit an der Besserung unserer politischen und wirtschaftlichen Zustände auf, um ein wirklich freies Volk auf freiem Grund zu schaffen. Letzte IVachnchten und Dcpcfchcti- Ein Dementi. Berlin, 8. Mai.(W. T. B.) Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlicht in ihrer morgigen Parlamentsausgabe folgende Mitteilung: Einige Provinzblätter beschäftigen sich mit angeblich in parlamentarischen Kreisen umlaufenden Gerüchten, die von Differenzen zwischen Sr. Majestät dem Kaiser und dem Reichs- kanzler und von einer Kanzlerkrisiis als deren Folge wisse» wollen. Wir stellen fest, daß diese Gerüchte jeder tatsächlichen Unterlage entbehren. Ebenso unbegründet ist die Behauptung, daß Fürst Bülow unwohl sei und demnächst einen Erholungsurlaub antrete. Der Reichskanzler wird voraussichtlich erst im Juli den gewohnten Sommeraufenthalt in Norderney nehmen. Wenn der Kaiser reist. Frankfurt a. M., 3. Mai.(B. H.) Heute früh begaben stch ein Polizeikommissar, 3 Wachtmeister und 166 Schutzleute nach Wiesbaden, um dort aus Anlaß der Ankunft des Kaisers Dienst zu tun. Verschüttete Erdarbeiter. S-nderburg, 8. April.(W. T. B.) Bei Erdarbeiten für die neuen Marineanlagen wurden heute 3 Arbeiter verschüttet. Zwei waren sofort tot» der dritte wurde schwer verletzt; die Leichen find geborgen._ Das Ministerium auf der Anklagebank. Paris, 8. Mai.(W. T. B.) Deputiertenkammer. Die Besprechung der Interpellationen über die allgemeine Polttik wird fortgesetzt. Baillant(Soz.) wirft der Regierung vor. sie verletzte das Koalitionsrecht der Arbeiter und Beamten. Steeg(Soz.) verlangt, daß die Beamten gegen willkürliche Maßregeln der Re- gierung geschützt werden und fordert die Regierung auf, die er- folgte Entlassung von Beamten rückgängig zu machen. Massabuan (liberal) erklärt, die Absetzung des LehrcrS Negre fei nach feiner Meinung ungerecht. Redner tritt für Aufhebung des allgemeinen Arbeitsverbandcs ein, was den Beamten gestatten würde, sich ohne nachteilige Folgen in Syndikaten zu organisieren. DeSchanel verweist auf den zwischen den gesetzlichen und den revolutionären Svndikatsbestrebungen entbrannten Kampf. Letztere wollen den allgemeinen Ausstand organisieren und sich dabei des Antimilitarismus bedienen. Zur Zeit des Marolko-ZwischenfalleS habe der allgemeine Arbeitsverband Griffulhes nach Berlin geschickt. um eine Verbindung mit den deutschen Syndikaten herzustellen und eine Protestbewegung gegen die Kriege zu veranlassen; Griffulhes habe dabei eine formelle Abweisung erfahren. Teschancl erinnert auch an die Worte Bebels daß ein Antipatnot von den deutschen Sozialisten nicht geduldet werden würde. Deschanel führt weiter aus, er glaube, daß der Arbeitsverband gesetzlich sei in seiner Zusammensetzung, ungesetzlich aber in seinen Zielen und den von ihm angewandten Mitteln. Die Interessen der Beamten seien den allgemeinen Interessen untergeordnet; der Eintritt der Beamten in den allgemeinen Arbeitsverband sei mög. lich. JaureS unterbricht den Redner und weist darauf hin, daß Ribot früher eine den Beamttn freundliche Haltung eingenommen habe. Ribot erwidert darauf, JaureS habe die Beamten damals Ungeziefer genannt, das man zertreten müsse.(Beifall im ganzen Hause, ausgenommen die äußerste Linke.) Deschanel fährt darauf fort und schließt mit der Aufforderung an die ausgesprochene demokratische Mehrheit des Hauses, das Gesetz, die Republik und daS Vaterland zu verteidigen.(Lebhafter Beifall.) Allemane (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ferner hat der Herr Kolonialdirektor auf die englischen Konzentrationslager für die Buren in Afrika hingewiesen. Aber auch dieser Hinweis spricht gegen Sie. Ich habe selber hier vor Jahren an diesen Konzentrationslagern, in denen die Buren. Männer, Frauen und Kinder, geradezu ausstarben, Kritik geübt und habe hier angeregt, daß die deutsche Regierung auf diploma- tischem Wege die Anregung geben solle, diese unglücklichen Buren vor dem Aussterben zu bewahren, eine Anregung, die später auch im englischen Parlament gegeben wurde. Die Sozialdemokraten aller Länder haben gegen jene Barbarei einmütig Stellung ge» nommen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Auch in Eng- land hat eine große Anzahl von Leuten, und zwar nicht bloß Sozialdemokraten, fondern auch Liberale, an diesen Matzregeln scharfe Kritik geübt. Das Verfahren der englischen Generale, Frauen, Männer und Kinder in Konzentrationslager zu bringen und zufolge der schlechten Ernährungsverhältnisse geradezu zu töten, ist dort auch von Liberalen in einer viel schärferen Weise der Kritik unterworfen worden, als sie hier jemals bei Maß- nahmen der Militärverwaltung geübt wird. Männer und Frauen haben sich an dieser Kritik beteiligt, Frauen sind nach Südafrika gereist, um zu versuchen, dort Wandel zu schaffen; die Kritik hat mindestens zu einer Milderung der Maßnahmen bei- getragen, und es ist anerkannt worden, daß diese Konzentrations- lager bei der Kriegführung nicht notwendig waren.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Gerade dieser Hinweis des Kolonial- direktors zeigt die Notwendigkeit der Kritik,� die nicht Halt zu machen hat vor den Maßnahinen der Militärverwaltung.(Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Wie notwendig die Erörterung solcher Fragen in der Oeffent» lichkeit ist, zeigt gerade das Schicksal meiner Anfrage. Aber heute noch wissen wir nicht— was der Regierung doch auch möglich gewesen wäre uns mitzuteilen und wozu sie aus eigener Initiative hätte gelangen müssen— wie groß die Sterblichkeit in den anderen Gefangenenlagern von Südwestafrika war. Es wäre doch inter- essant und geradezu wichtig, einen Vergleich über die Sterblichkeit in diesen Lagern mit der auf der Haifischinsel zu veröffentlichen. Da es aber immer erst einer Anregung aus diesem Hause bedarf, so stelle ich hiermit auch diese Frage: Wie hoch die Sterblichkeit in sämtlichen Gefangenenlagern in Südwestafrika war. Im übrigen will ich nur auf einen Widerspruch in den Ausführungen des Kolonialdirektors hinweisen. Er sagte: Die Leute waren zu ent- kräftet, um ihnen einen längeren Marsch bis Adamaua— er sprach von ein paar hundert Kilometer— zuzumuten. Dieses Argument zeigt also, daß die Leute sehr entkräftet waren. Und diese entkräfteten Leute, die keinen längeren Marsch machen konnten, die sollten imstande gewesen sein, auszubrechen und die Waffen zu ergreifen, noch dazu, wo sie 199 Kilometer von ihrer Heimat entfernt waren— denn Windhuk liegt nicht im Hotten» tottenlande. Daß diese ausgemergelten Leute eine Gefahr für die Truppen bilden sollten, ist ein vollkommener Widerspruch. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Also alle diese Deduk- tionen, mit denen der Herr Kolonialdirektor diese Sache zu be- schönigen suchte, haben nur dazu geführt, ihn tiefer hineinzureiten. (Beifall bei den Sozialdemokraten.)_ Kolonialdirektor Dernburg: Die gewünschte Auskunft übet die Sterblichkeit in den Gefangenenlagern wird �errn Ledebour erteilt werden. Was den Rest seiner Ausführungen anlangt, so fordere ich ihn auf. in der tropischen Sonne zu Fuß sich von Windhuk nach Adamaua zu begeben.(Heiterkeit rechts.) Damit schließt die Debatte. Der Etat für Südwestafrika wird bewilligt. Desgleichen der Etat für die Verwaltung der Karolinen-, Marianen-, Palau- und Marschallinseln. Die Tagesordnung ist erschöpft. Nächste Sitzung Freitag, 1 Uhr. Etat des Reichstages, Er» gänzungsetat(Teuerungszulagen), Petitionen. Schluß 4 Uhr-_ parlamentarisches. Aus der Budgetkommission. (Sitzung vom 3. Mai.) Die heutige letzte Sitzung der Budgetkommission beginnt schon um 9 Uhr früh; allerdings kommt zu so ftüher Stunde keine Beschlußfähigkeit zustande; um V.19 Uhr ist immer noch nicht die Hälfte der Kommissiousmitglieder anwesend. Man verhandelt einst- weilen ohne Beschlußfassung. Es wird der 4. Nachtragsetat, der die Teuerungszulagen an die Beamten betrifft, in kurzer Besprechung erledigt. Die Teuerungszulagen er- fordern 23 1S1 999 M. statt 3 Millionen, welche die Regierung ur« sprünglich ausgeworfen hatte. ES erhalten alle Beamte und diätarisch Angestellte Zulagen, sofern das Gehalt 4299 M. nicht übersteigt, und zwar erhalten 127 846 Angestellte 199 und 89 419 An- gestellte 1S9 M. ES wird noch gewünscht, daß auch die Reichstags- diener die Zulage erhalten. Diese wie andere Wünsche, besonders der Telephonistinnen, sollen erfüllt werden. Ohne Debatte wird ein fünfter Nachtragsetat für die Kolonien bewilligt; er betrifft die rein formale Ueberbürdung der 17 Millionen neuer Ausgaben für Südwestafrika auf die Matrikular« beitrüge. Abg. S e m l e r referiert nun über die Entschädigung an die Farmer in Südwestafrika. Er plädiert für volle Bewilligung von Entschädigungen; die Hauptsache sei, viel Geld in die Kolonien zu bringe»! Jetzt bestehe noch keine Krise, aber sie werde kommen, wenn die Entschädigung abgelehnt werde. Das Geld solle die Farmer an die Kolonie fesseln. Redner empfiehlt, die Entschädigung als D a r l e h e n zu geben, da» jedoch erst»ach etwa sechs Jahren verzinst und amortisiert werden soll. Die von der Regierung in Vorschlag gebrachte Entschädiguugs- summe beträgt 71/., Millionen Mark.— Korreferent Wiemer ist nicht für BewiLiaun" der vollen 7'/, Millionen; ihm scheinen 5 Millionen zu genügen. Und er möchte weiter vor- schlagen, daß ein Teil, etwa 2 Millionen, direkt geschenkt würde, besonders an die kleinen Farmer, während die anderen drei Millionen als Darlehen gegeben werden sollen. Tie bisher ge- währte Umerstützung reiche nicht aus, wenn der Zweck, Wieder- Herstellung der Wirtschaft, erreicht werden solle. Dernburg kann sich für G e s ch e n k e nicht erwärmen! er würde für die d a r l e h n s- weise Gewährung sein, aber die Sache sei sehr schwierig; darum empfehle sich schliejälich doch die Unterstützung— ohne Rück- zahlungsverpflichtung. Komme aber die Kommission doch zu oer Darlehnsform, so solle man wenigstens jede Verzinsung ausschließen und erst vom fünften Jahre ab die Rückzahlung in Raten von zwanzig Prozent fordern. Es wird noch mitgeteilt, dah eine Anzahl Farmer den Fiskus auf Entschädigung verklagt hat. Dernburg wünscht, daß die Kommission sich dahin ausspricht: So lange nicht alle Prozesse zurück- gezogen sind, bekommt keiner der Prozebfllhrenden einen Pfennig! »S müsse auch festgestellt Iverden, dag keinerlei Rechtsanspruch auf die Unterstützung bestehe. Ein Regierungsvertreter schildert die Schwierigkeiten bei einer preußische» NoistaudS-Tarlehns- gewährung. Der Effekt fei gewesen, daß. nachdem Berge von Akten und starke gegenseitige Verärgerung entstanden sei, die Rück- zahlung der Darlehen durchgängig auf wiederholte Gesuche erlassen wurde.— Erzberger wendet sich gegen die Entschädigung I dadurch würden die Farmer verwohnt. Die Regierung habe schon ISvt die Sache verdorben; jetzt sei es so weit, daß Dernburg die Budg»tkouiuiission gegen die prozessierenden Farmer zu Hülfe nehmen muffe! Alles verlasse sich auf das Reich; es hätten sogar Aktiengesellschaften infolge des Aufstandcs Unterstützungen erhalten und die hier in Berlin wohnenden Aktionäre haben den Vorteil davon gehabt. Redner ver- weist auch auf die hohe» Gewinne, die viele während des Aufstandes und gerade durch den Aufstand gemacht haben. Zu erwägen sei, ob man nicht die Hinterbliebenen der gefallenen Farmer unterstützen soll. Dernburg und Gouverneur Ltndequist bemühen sich, die Entschädigung zu rechtfertigen. Letzterer behauptet, daß. selbst wenn die volle Entschädigung gezahlt iverde, vielen der Schaden nur halb ersetzt sei. Der große Verdienst einzelner Kaufhäuser und Fuhrfarmer hänge mit dem großen Risiko zusammen, das sie übernommen haben. Er erzählte dann, daß große Handelshäuser hier im Lande an die Farmer lange Kredit gelvährt haben und sehr nachsichtig gewesen seien, offenbar mir in der Hoffnung, daß eine Entschädigung gewährt werde! Lehne nun der Vieichstag die Ent- schädigung ab, so würden die Kaufhäuser rücksichtslos eintreiben, was»och zu holen ist I Zum Schluß wendet er sich gegen die Dar- lehnsform. Oberstleutnant O u a d e sucht den General T r o t h a zu rechtfertigen, dem der Vorwurf gemacht worden war, daß er eine Menge Beutevieh habe zugrunde gehen lassen. Lattmann ist für Bewilligung der vollen Summe und für schenkunasweise Hergabe.— v. R l ch t h o f e n ist ebenfalls gegen die Darlehnsform: es sei früher immer direkt geschenkt worden. Es werden folgende Anträge eingebracht: S e m l e r beantragt: l.i 7'/z Millionen Mark zu bewilligen, die Gelder jedoch als Dar- lehn zu geben, das auf daS Grundstück als Hypothek eingetragen und vom 1. Januar 1913 ab mit ö Proz. amortisiert wird. Kleine Entschädigungen bis zum Betrage von 3990 M. sollen nicht zurück- gezahlt werden. Die Gewährung einer solchen DarlehnS- oder schenkungsweisen Entschädigung hat zur Voraussetzung, daß daneben keinerlei Rechtsansprüche wegen des AufstanoeS an das Reich erhoben werden. Kopsch und Genossen beantragen: die Gesamtentschädigung»- summe buf f ü nf M i l l i o n en festzusetzen, aber die Entschädigung als Geschenk zu geben! Genosse Bebel erklärt sich für den Antrag Semler und bringt Beschwerden zur Sprache, darüber, daß für den Nachlaß gefallener Soldaten an die Angehörigen leine Entschädigung geleistet werde. Dernburg spricht sich gegen den Antrag Semler au«; lieber Würde er die Kürzung der Summe in Kauf zu nehmen. Der Antrag Semler sei auch bedenklich im Hinblick auf die internationalen Beziehungen. Abg. Speck erklärt namens des Zentrums. daß seine Partei für den Antrag Semler eintreten werde, da das Zentrum prinzipiell eine Unterstützungspflicht nicht anerkennen könne. Nach dem Schluß- Wort der öieserenten wird abgestimmt. Der Antrag Semler wird mit 14 gegen 12 Stimmen abgelehnt, ebenso die Re- gierungsvorlage. Angenommen wird der freisinnige Antrag: fünf Millionen als Geschenk zu bewilligen. Dernburg erklärt auf Bebels Bemerkungen, daß aus den vorhandenen Mitteln die Wünsche, die er bezüglich der Hinterbliebenen der gefallenen Soldaten geäußert habe, erfüllt werden. E« folgt nunmehr fast ohne Debatte die Bewilligung aller aus- stehenden kleinen Reste aus dem Hauptctat sowie die Zustimmung zu de» Bestimmungen des Etatgesetzes. Beim Kapitel Zinse» der Reichsschuld meint der Berichterstatter, daß es zweckmäßig erscheine, eine Atissprache über die A n l e i h e w i r t s ch a f t herbeizuführen, aber niemand will kurz vor Schluß noch diese wichtige Frage an- schneiden. Der Anleihebedarf in diesem Jahre ist 254 Millionen Mark. Die ungedeckten Matrikularbeiträge belaufen sich auf 83 Milltonen, wovon bestimmungsgemäß 24 Millionen in diesem Jahre zu decken sind. Die restlichen 34 Millionen werden bis 1913 gestundet. Zu einer kleinen Auseinandersetzung führt schließlich noch die Forderung, dem Reichsbankpräsidenten 10(X>) M. Repräsentationsgelder zu bewilligen. Abg. Speck fürchtet die Konsequenzen und fragt den Schatzsekretär, ob etwa für alle solche Präsidialstellen Repräsentationsgelder in Aussicht genommen seien, v. Stengel meint, im Jahre 1907 sei das nicht zu befürchten, aber für alle Zu- lunft könne er keine Garantie übernehmen! Speck will deshalb die 10 000 M. streichen und stützt sich auf Genossen Singer, der sich grundsätzlich gegen Repräsentationsgelder wendet: Wenn einer mit seinem Gehalt nicht auskomme, solle man ihm zulegen. Arendt, der Gegner des Reichsbankpräfidenten, sammelt feurige Kohlen auf dessen Haupt und spricht f ü r Bewilligung, und ebenso verteidigt der Freisinnige Wiemer die Regierungssorderung. Da das Zentrum schließlich— wie gewöhnlich— umfällt, werden die 10000 Mark genehmigt. Damit endet die Tätigkeit der Budgetkommissto». Die auf den Schluß verschobene Erörterung einer Reihe wichtiger prinzipieller Fragen läßt man Zeitmangels wegen bis nächsten Herbst auf sich beruhen.—_ Anlockmig mlsliniWjtt Arbeiter durch den Staat. Bei der Beratung der Ausgaben für die Erweiterung des Nord« Ostsee-Kanals ist von sozialdemokratischer Seite davor gewarnt, aus- ländische Arbeiter heranzuziehen und sind sozialpolitische Maßnahmen gefordert. Graf v. Posadowsky erklärte, daß er die Berück- sichtigung der deutschen Industrie und der heimischen Arbeiter für selbstverständlich halte. Die Grundsätze, die der preußische Minister für Landwirtschast unter dem 13. März 1907 für das Verfahren bei der Annahme von Arbeitern bei dem Ausbau von W-fferstraßcn auf Grund de« preußischen Kanalgesetzes vom 1. April 1906 erlassen hat, stehen mit dieser Zusage in schroffstem Widerspruch. Die Grundsätze machen den Behörden geradezu die Verwendung ausländischer Arbeiter zur Pflicht. So heißt es in den ministeriellen Bestimmungen üher die Annahme der Arbeiter unter der lieber- «Erleichterung des Zuzuges geeigneter Arbeitskräfte. Die Baubehörden haben streng darauf zu achten, daß Arbfiter auS anderen Betrieben diesen tunlichst nicht entzogen werden. Es ist deshalb auch dafür Sorge zu tragen, daß die Unternehmer nickt in Fällen von Arbeiterinangel durch Aufrufe landwirtschaftliche und sonstige Ar- beiter zu ihren Bauten heranlocken. Dagegen ist der Zuzug sgreigneter ausländischer Arbeiter«ach Möglich- keit z« erleichtern. Ein geeignetes VermittelungSorgan hierfür, auf dos die Unternehmer aufmerksam zu machen sind, bildet die deutsche Feldarbeiter-Zentralftelle in Berlin, die namentlich gute Verbindungen nach Italien hat. Der genannten Zentralstelle sind von den Baubehörden die Namen der in ihrem Bezirk an den Arbeiten beteiligten Unternehmer bekannt zu geben, damit sie in der Lage ist, sich von vornherein an diese mit dem Angebot von Arbeitern zu wenden. a) Mitwirkung des Arbeitsnachweises. Diese Mitwirkung kann nur subsidiärer Natur sein. Die Zahl der Arbeiter, welche die Unternehmer sich in der im allgemeinen bei ihnen üblichen Weise nicht verschaffen können, sowie die Arbeitsbedingungen werden seitens der Unternehmer den in Betracht kommenden Arbeitsnachweisen, in der Rhein- Provinz und Westfalen zweckmäßig den Zentralarbeitsnachweisen in Düffeldorf»nd Dortmund und von letzteren den Ortsnach- weisen mitgeteilt. Diese vermitteln die Annahme der Arbeiter bei dem Unternehmer, nachdem sie die sich Meldenden sorgfältig darauf geprüft haben, ob sie für die Kanalarbeiten tauglich sind. Die Arbeiter erhalten von den Ortsnachweisen eine Legiti- mation, die von den Polizeibeamte ii bei der Prüfung besonders zu respektieren ist- Falls die Zentralarbeitsnachweise in Düsseldorf und Dortmund sich dazu verstehen, den Arbeitern«ine Beihülse stveiul. Borschuß) zu den Reisekosten zu geben, kann ihnen ein jährlicher Zuschuß aus Bamnitteln für diesen Zweck jetwa bis zu je 300 M.) gewährt werden. Die Bauleiter haben sich in geeigneter Art und Weise fort- laufend darüber zu unterrichten, ob und inwieweit sowie mit welchem Erfolge die Unternehmer den Arbeitsnachweis in Anspruch nehmen, und haben sich in ihren Jahresberichten darüber aus- zusprechen. b) Mitwirkung der Arbeiterkolonien usw. Es sind, soweit erforderlich, Vereinbartingen mit ihnen wegen Uebernahme der bei ihnen gemäß Ziffer 1 Aufnahme suchenden Arbeiter zu treffen. Eventuell fino Zuschüsse auS Baumitteln zu gewähren. Ob und inwieweit und in welcher Weise Strafgefangene und Insassen von Arbeiterkolonien bei den Bauten beschäftigt werden können, ist von Fall zu Fall zu entscheiden. Die Beichäftigung von Korrigenden ist nicht in Aussicht ge- nommen. c) Aufnahme und Ausstattung Mittelloser. Mittellose, aber sonst geeignete Arbeiter, denen die nötige Kleidung unv da« nötige Arbeitsgerät fehlt, können zurlArbeit an- genommen werden. Zur vorschußweisen Zuweisung des nötigen Arbeitsgeräts werden sich in der Siegel die Unternehmer bereit finden lassen. Wegen ihrer Ausstattung mit der erforderlichen Kleidung sind gemeinnützige Vereine anzugeben.* Das heißt geradezu ausländische Arbeiter anlocken, um die aus dem Gelde deutscher Arbeiter herzustellenden Arbeiten zu verrichten. ES dürft» angebracht sein, falls möglich, nach bei der dritten Lesung des Ergänzungsrtats bindende Zuficheruugea zu verlangen, daß beim Nordostsee-Kanalbau nicht in gleicher die Arbeiter schwer schädigenden Weise vorgegangen werde. Die in dem ministeriellen Erlaß ausgesprochen» Bevorzugung ausländischer Arbeitskräfte entspricht den Wünschen der Konservativen. Sie ist eine Unbilligkeit und Ungerechtigkeit schlimmster Art gegen die heimischen Arbeiter. Sie kennzeichnet den.Patriotismus" der herrschenden Klasse, der in Worten von.Wohlwollen" gegen die Arbeiter überströmt, aber in der Tat die Arbeitsgelegenheit ihnen mindert und ihre Leben»- Haltung durch derartige Mittel hcrabsenkt. Gegen eine solche Be« nachteiligung der deutschen Arbeiter muß aufs entschiedenste protestiert und Sorge getragen werden, daß dies» preußische Praiis nicht Reichspraxi« werde._ Militarismus und Sozialdemokratie. Ii. Die Magdeburg er. Volks stimme* hat Uber die Kritik der„Leipziger Volkszeitung" der Rede des Genossen NoSke und die Erwiderung VoskeS eine kurz referierende Darstellung gegeben, ohne eigene Bemerkungen zu machen. Zum Interview Bebels bemerkte sie: .ES ist zweifellos, daß sich der Standpunkt Liebknechts, den er in seiner Broschüre einnimmt, den Hervös bedeutsam nähert. Indem Bebel Hervös Agitation verurteilt, spricht er zugleich da» Urteil über die Liebknechische Auffassung...* Die Vehauptuiig, dah sich Liebknechts Standpunkt dem Hervös bedeutsam annähert, halten wir für durchaus falsch. Liebknecht wendet sich vielmehr gegen Hervös Auffassung. Die Breslauer„Volkswacht* hat sich die Aus- lassung der Magdeburger.Volksstimme* durch Abdruck zu eigen gemacht. Der.Volksbote* zu Stettin schrieb am 3. Mai, daß man es„angesichts der großen Gefahr, zu der sich die anarchistisch- antinnlitaristische Agitation in Frankreich gerade für die sozialistische Arbeiterbewegung auszuwachsen* beginne, verstehen werde,„daß Genosse August Bebel, dessen Wort viel in der internationalen Sozialdemokratie gilt, dieser Tage Ge- legenhett genommen hat, seine Meinung über die antimili- taristische Agitation klar und unzweideutig auszusprechen.* Zum Schluß hieß es: .Die Erklärmig Bebel« hat in der bürgerlichen Presse großes Aufsehen erregt. Ma» bringt sie in Verbmdung mit der viel- beachteten Rede des Genossen Roske zum Militäretat, der ebenfalls die Notwendigkeit einer militärischen Organisation unter den gegenwärtigen Verhältnissen scharf hervorhob, und folgert daraus, daß der Revisionismus in der Sozialdemokratie nach der Wahlniederlage des 26. Januar reißende Fortschritte mache. In Wirklichkeit ist aber in dem Schreiben des Genossen Bebel nicht ein einziger Gedanke zu finden, der nicht schon lange zu dem Gemeingut der deutschen Sozialdemokratie gehört... Daß diese in unserem Programm festgelegten Ziele nicht durch eine Kosernen-Agitation erreicht werden können, liegt auf der flachen Hand. Dazu ist ein organisches Aus- und Aufbauen not- wendig und auf die Disziplin, die man durch eine Kasernen- agitation allenfalls untergraben könnte, ist die Bolkswehr ebenso sehr angewiesen, wie das stehende Heer. Es ist daher nichts als eine elende Flunkerei der Gegner, wenn man behauptet, die Sozialdemokratie sei erst durch die Niederlage vom 26. Januar zu der von Bebel ausgesprochenen Einsicht gelangt. Freilich hat es in der Sozialdemokratie hier und da Eingänger gegeben, deren Ansichten sich mehr oder weniger mit denen des Prof. Hervö deckten, die Partei als solche bat eS aber immer entschieden ab- gelehnt, sich auf eine derartige Taktik festlegen zu lassen." Am 4. Mai brachte indes der„Volksbote� zu Stettin einen Artikel, wo es w bezug auf die Rede des Cenoffen Noske heißt: .... Genosse Noske hatte offenbar das Bestreben, die Anschuldigung unserer Gegner, wir wollten unser Vaterland wehr- und ehrlos machen, in einer Weise zu widerlegen, daß auch der politisch ungebildete, uns völlig fernstehende ZeitungSleser aus dem ReichStagSbericht sich ein richtiges Bild von der Stellung der Sozialdemokratie zu den Miliiärfragen machen könne. Bei diesem Bestreben ist nun eine Rede zustande gekommen, die in der Tat wesentlich milder klingt als das, was man früher von sozialdemokratischen Rednern zu hören gewohnt war.... Die Begriffsbestimmung des Wortes.Militarismus", wie sie Nosk« gibt, blendet zwar durch ihr« Gemeinverständlichkeit, ist aber doch vom sozialdemokratisches Standpunv azi? ganz unzureichend. Und ebenso muß man auch gegen die vedkusuugslof« Art mit der Noske die Verpflichtung der Sozialdemokratie hervorhebt. im Falle eines„Augriffs" unbedingt auf selten der deutschen Re- gierung zu stehen, gewichtige Bedeuten erheben... Der„Volksbote" zitiert sodann, obgleich« sonst kein Bewunderer der„Leipziger Volkszeitung" sei, ihre AuS- führungen zur Sache und bemerkt darauf zu der Entgegnung Noskes: „Wir wollen hier nicht untersuchen, ob Noske mit seiner Be« rustmg auf Bebel recht oder unrecht hat, jedenfalls werden unsere Redner im Reichstage aber gut tun, in dem an sich sehr lobenS- werten Bestreben, die Angriffe der Gegner möglichst bündig und gemeinverständlich zu widerlegen, nicht zu weit zu gehen und unserer prinzipiellen Stellungnahme zu den Militarfragen nicht die notwendige und unerläßliche Schärfe zu nehmen." Das„Offenbacher Abendblatt" bezeichnete die Kritik der„Leipziger Volksztg." an der Rede Noskes für be- rechtigt und sagte: „... Er(Noske) wird inzwischen eingesehen haben, daß er sich salopp ausgedrückt hat. In der Tat wird die Sozialdemo- kratie nicht blindlings auf die Angabe einer Regierung herein- fallen, ob»in Krieg Angriffs- oder Verteidigungskrieg sei. Die Buren, die Japaner unternahmen formell Angriffs-, in Wirklichkeit Verteidigungskriege. Nicht einwandsfrei war auch, wie in den Beratungen zum Militäretat der Vorwurf der Gegner zurückgewiesen wurde, als übe die Sozialdemokratie am Heerwesen nur aus agitatorischeu Rücksichten Kritik. Gewiß ist's uns um Besserung zu tun, aber wir wollen offen zugeben, daß der agitatorische Gesicktspunkt uns ebenso wichtig ist. Wir sind überzeugt davon, daß der Militarismus nur überwunden werden kann, wenn das Volk gegen ihn mobil gemacht werden kann; und das Volk wird Feind des Militarismus, indein wir immer wieder von den Sünden des MsiitarismuS zun» Volke sprechen." Das Interview Bebels erwähnt das„Abendblatt* im wesentlichen zustinimend und fährt dann fort: „Aber es versteht sich am Rande, daß französische Bourgeois- blätter sofort den französischen Sozialisten unseren Bebel als Musterknaben vorhielten und forderten, zu Bebels Gesinnung über den Schutz des Vaterlandes sollten die französischen Genossen sich bekehren. Umgekehrt wird natürlich oft genug dasselbe Spiel von deutschen Bourgeoisblättern(auch vom Reichskanzler) ge- trieben, die uns JauröS als Vorbild nationalen Eifers empfehlen. Die Gegner können wir an sochem Tun nicht hindern, aber selber sollen wir Acht haben, daß es nicht mit einem Scheine des Rechtes ausgeübt werden könne." Das„Volksblatt für Bochum* äußerte sich zu, Bebels Interview in ungefähr derselben Weise wie die „Fränkische Tagespost", unterstrich im Eingang des Artikels nochmals, daß es den Standpunkt Noskes zum Militarismus nicht teile und schloß: .Noch ein Wort zu der Stellungnahme der Fraktionsredner zu Karl Liebknechts Broschüre über:.Militarismus und Ann- Militarismus". Wir hatten vorher keine Gelegenheit, die Broschüre zu lesen; nachdem wir sie aber jetzt gelesen haben, müssen wir erklären, daß wir in ihrem Inhalt, so sehr wir an ihm in vieler Beziehung Logik und Klarheit vermissen, doch leinen Anlaß zu dicier wiederholten energischen Abschüttelung finden können." Die„Sächsische Arbeiterzeitung* zu Dresden hielt die Kritik der„Leipz. Volkszeiwng" an der Rede NoSkes für einen unberechtigten Angriff. Sie sagte: »... Wir glauben, man darf es getrost dahingestellt sew lassen, ob sich Noske ein wenig anders ausgedrückt hat als andere Genossen zu derselben Frage früher. Wir haben die betreffende Stelle in Noskes Ausführungen nicht so ungünstig ausgelegt, al« hätte er sagen wollen, die deutschen Arbeiter lasten sich ohne jede Kritik, ohne jede eigene Meinungsäußerung blindlings von ven Diplomaten in einen beliebigen Krieg jagen... Wir haben in der guten ReichStaaSrede des Genoffen Noske nichts finden können, was Anlaß geben kann, ihn der Preisgabe oder nur der nicht genügenden Wahrung einer Forderung des Partei- Programm« zu bezickligen. Wäre ein solcher Verstoß geschehen, so wäre es auch seltsam, daß die Fraktion selbst nichts davon bemerkt haben sollt».. Außerdem bedauerte die„Sächsische Arbeiterzeitung*, daß die„Leipziger Volkszeitung" der Fraktion den Rat erteilt habe,„bei der Auswahl ihrer Etatsredner noch größere Borsicht walten zu laffen. als bisher", weil das die Gefahr einer Zurückdrängung der ausstrebenden Kräfte herbeiftihren würde. Bedauerlich sei serner der Ton der„Leipziger Volks- zettung" in ihrer Erwiderung.(Sie hatte sie mit Rücksicht aus die Ablehnung Noskes. Prügeljunge für Bebel zu sew. überschrieben:„Noske, der Prügeljunge".) Mit den Erklärungen Bebels war die„Sächs. Arbeiter- zeiwng" einverstanden, doch machte sie die Einschränkung: .Der Hinweis Bebels auf eine Agitation, die innerhalb der sozialdemokratischen Partei nicht geduldet werden könne, konnte vielleicht unterbleiben, da eine Agitation nach Att Hervös bei uns offenbar nicht den mindesten Boden hat.. Die„Volkssttmme" zu Frankfurt a. M«tn schrieb: .Zum Protest gegen den Militarismus und zum lauten Rufe für den Völkerfrieden haben wir in diesen Tagen unsere Massen bei den Maiseiern wieder angefeuert und ihnen erläutett, weshalb allein das Proletariat der ehrliche Förderer der Friedensbewegung sein kann. In einem gewisien Gegensatze dazu, der nicht ganz wegzuleugnen ist. stehen eine Reihe von Parteiäußerungen unserer Führer innerhalb und außerhalb des Reichstages.... Abgesehen von den Fragen kameradschaft- Taktes, die dabei in Betracht kommen und welche die.Fränlische Tagespost" unseres Erachtens richtig hervorhebt, spielen aber auch taktische Unklarheiten eine gewisie Rolle. Die deutsche Sozial- demokrasie hätte in einem Lande, das von militaristischen Junkern regiert und verwaltet wird, sicher eine entschiedenere Stellung in allen Rüstungsfragen einzunehmen, als unsere französischen Genossen in einem demokratisch regierten Staate. In Wirklichkeit ist eS beinahe umgekehrt. Woher kommt daS? Zum Teil davon, daß unsere Beranlwottlichkeit bei den realttonären Zuständen Deutsch- lands denjenigen gegenüber größer ist, die wir durch anti- militaristische Propagande eventuell direkt in die Arme des Staatsanwalts treiben. Jede deutsche Kaserne ist eine Falle für die jungen Leute, die in sie eintteten. Wenn aber der Gegner Fallen aufftellt, treibt man seine Leute nicht direkt in das Fangeisen. Dafür hat man die Verpflichtung, sie so zu führen, daß sie die Fallen überspringen und dann desto kräftiger die gegnerische Stellung erstürmrn lernen. Darm fehlt'S bei uns in Deutschland und darin müßte auch seitens der Partei längst viel mehr geschehen sein: Daß wir die jungen Leute vom Aus- tritt aus der Volksschule bis zum Eintritt in den Heeresdienst endlich zu proletarischen JugendbildungSvereinen umfassend organi« sieren...." Die K ö n i a« b e r g e r„VolkSzethmg" lehnte ein Eingehen auf die Kontroversen ab, unternahm dagegen, die grundsätzliche Stellung der Sozialdemokratte zum Militaris- mus darzulegen und sagte dabei zum Schluß: „Wir treiben nun keine Agitation zur Verweigerung militärischer Dienslleistung im Kriegsfalle. Etwas anderes ist aber, ob die Sozialdemokraten ihrer gesetzlichen Pflicht nachkämen, weil sie müssen, oder ob sie ihre Schuldigkeit tun. weil sie auch sich selbst, ihre Klaffe, ihre Freiheit damit freudigen Herzens verteidigen. Das letztere wird nicht der Fall sein. wenn ein Krieg ausgebrochen ist, w den das Volk durch hirnlose Diplomaten hmeingehetzt ist. Wem es den Gcgnem aber gar gelänge, das allgemeiae, glkiche, 4. Die Vorbereitungen zur materiellen Gestaltung des Kongresses und Verschiedenes. geheime und direkte Bahlrecht oder die verfassungsmäßigen Rechte des p 2. Verteilung der Stimmen an die verschiedenen nationalen| borsteher suspendiert worden und reichte bei der Behörde eine Eins Reichstags zu beseitigen, so hätte das deutsche Volk ein Intereffe baran, Sektionen. gabe ein, in welcher er angab, er habe infolge der Berleumdungen daß Deutschland in einem Kriege gegen die europäischen Westmächte Niederlagen erleidet. Jena mußte kommen, um Preußen die tag, den 16. August, die der Interparlamentarischen Amtsvorsteher beleidigt. Das Landgericht hat dem Angeklagten 3. Vorschlag, die Versammlung des Bureaus am Frei- des Amtsvorstehers selbst sein Amt niedergelegt und das Dis und den Zusammenbruch in der Tsushima- Straße gäbe es feine Sommission am Sonnabend, den 17. August ab- den Schuß des§ 193 zugebilligt, da er sich in ein besseres Licht dringendsten Reformen zu bringen. Ohne Port Arthur, Mulden tag, den 16. August, die der Interparlamentarischen ziplinarberfahren gegen fich beantragt. Dadurch fühlte sich der russische Duma, die zwar noch machtlos ist, aber den Keim zum zuhalten, die Gröffnungssigung des Kongreffes feßen wollte. Aber in der Wahl des Wortes Berleumdung", so Untergange des russischen Absolutismus enthält, wenn das russische auf den 18. August festzusetzen und eine Versammlung der heißt es im Urteil, hat er die zulässige Grenze überschritten. Broletariat nachhilft." Herausgeber oder Redakteure der größeren Die Revision des Angeklagten wurde vom Reichsanwalt für be Die Düsseldorfer Boltszeitung" schrieb unter sozialistischen Tageblätter während des Stuttgarter gründet erklärt. Die Versagung des bollen Schubes des§ 193 der Ueberschrift, unerfreuliche Erscheinungen": Songresses( am 20. oder 21. August) einzuberufen, um über eine fei höchft bedenklich. Es sei nicht festgestellt, daß der Angeklagte „ Schon an der Art, wie die Fraktion sich unmittelbar mögliche Einsetzung einer internationalen Agentur für Auskünfte Auch habe das Gericht nicht gefagt, wie der Angeklagte fich anders wider besseres Wissen den Vorwurf der Verleumdung erhoben habe. nach den Wahlen zum Zentrum stellte, war nach unserer über die fozialistische und Arbeiterbewegung zu beraten. Auffassung mancherlei auszusetzen. Wir hätten gewünscht, hätte ausdrücken sollen, wenn er wirklich der fraglichen Ueberzeugung war. Das Reichsgericht hob das Urteil auf und verwies daß sie die Oppositionsmanöver des Zentrums und die Sauld, die es an der jetzigen verworrenen inneren und die Sache an das Landgericht zurück. äußeren Lage größtenteils mit trägt, fritischer gewürdigt Von der Parteipresse. Handelsgerichtlich eingetragen wurde zu hätte. Dem Zentrum lag nach den Wahlen aus guten Gründen Offenbach die Firma„ Verlag Offenbacher bendblatt", daran, gerade der Sozialdemokratie keine Angriffsflächen zu bieten, G. m. 6. H." Die Umwandlung ber jetzt bestehenden offenen den Eindruck einer parlamentarischen Waffenbrüderschaft mit der Handelsgesellschaft erfolgt mit Rücksicht auf den bevorstehenden lleberSozialdemokratie zu erwecken, und nichts konnte dem Zentrum gang der Druckerei nebst Grundstück in Parteibejiz; die neuen Teilnach außen hin willkommener sein, als das nach unserer Meinung haber werden sein: Karl Ulrich, Kaspar Spieß und Karl Schäfer, recht geringe Maß von Kritik, das die verräterische Vergangenheit sämtlich in Offenbach. Geschäftsführer bleibt Julius Wolff. des Zentrums nach den Wahlen seitens der Fraktion gefunden hat. Die Uebernahme der Druderei und des Grundstücs wird am Noch weniger erbaut aber sind wir von der Art, wie die 1. Juli erfolgen. Es sollen dann schleunigst Umbauten und beträchtFraktion sich bei den letzten Etatsdebatten in den Dienst der liche Erweiterungen erfolgen. Die Aufstellung einer größeren und Säbelraffeler stellen ließ. Die politisch großangelegte Rede Leistungsfähigeren Rotationsmaschine wird bis 1. Oktober beendet sein. b. Vollmars ist durch die Ausführungen Nostes und selbst durch die Erlärungen Bebels nicht unwesentlich abgeschwächt worden. Hartnäckige Verhindernng an positiver Arbeit. Der BezirksAlle diese Erscheinungen geben in ihrem Zusammenwirten ausschuß zu Os chatz( Sachfen) bersagte dem im Dorf Selein fein gerade erfreuliches Bild. Doch nehmen wir die Dinge persen zum Gemeinde ältesten gewählten Maurer und nicht tragisch. Die breite Masse der Partei ist aus den letzten Hausbefizer Grun die Bestätigung, weil er einer sozial Wahlen innerlich so gekräftigt und gestählt hervorgegangen, daß bemofratischen Organisation angehört. Vor ihm Bremserlasse feine Wirkung auf sie üben. Und wem etwa doch wurde bereits dem Maurer und Hausbesizer Gustav Schneider die letzten Wahlen auf die Nerven gefallen sein sollten, dem wird die Bestätigung versagt, ebenfalls weil er einer sozial der nächste Parteitag bedeuten, daß es für die Partei kein Zurüd, bemokratischen Organisation angehöre. sondern nur ein Vorwärts gibt." Das Fazit der Dumasession. Während ihrer zweimonatigen Existenz hat die Duma- abgesehen von den Kommissionsarbeiten bloß drei Geseze an genommen: die Vorlage über das Rekrutenkontingent für 1908, bie Assignierung von 6 Millionen zur Unterstützung Notleidender und das Gesetz über Abschaffung der Feldgerichte. Ein großer Teil der Dumafizungen war der Agrardebatte sowie verschiedenen Interpellationen über Ungefeßlichkeiten der Administrationen und endlich der ersten Lesung des Etats gewidmet. Die Tätigkeit der Duma wäre zweifellos viel produktiver gewesen, wenn die Regierung der Duma nicht systematisch Obstruktion gemacht hätte. Während in der ersten Duma die Volts= bertreter der Regierung systematisch ihr Mißtrauen auss drückten, beobachtete in der zweiten Duma die Regierung eine ,, Mißtrauenspolitik" gegen die Volksvertreter. Der Versuch der Regierung, verschiedene Abgeordnete durch Anhängung politischer Anklagen unschädlich zu machen", das Verbot des Zutritts von Erperten in den Kommissionen, die Weigerung, die wichtigsten Rechenschaftsberichte des Finanzministeriums der Budget- und Finanztommission zuzustellen, die polizeiliche Bespigelung der Abgeord neten, die öde, schamlose Hezze der offiziösen Reptilienpresse dies alles waren Bestandteile der Einschüchterungspolitik, welche Stolypin gegen die Duma anwandte. Es gab zum Ueberfluß keine einzige ernste Frage in der Duma, vor deren Entscheidung nicht Gerüchte über die bevorstehende Vertagung oder Sprengung des Parla ments aufgetaucht wären. Chronik der Reichsverbandslügen. Durch die vom Reichslügen verband ausgehaltene Presse ging diefer Tage eine Notiz, wonach den Hamb. Nachrichten" aus München von der Maifeier berichtet wurde: " 1 Ein ähnlicher Fall betraf das freisprechende Urteil gegen einen Arzt. Bom Landgericht Gleiwis ist der Arzt Dr. med. Ferdinand Mindner in Peiskretscham von der Anklage der Beleidigung des dortigen Bürgermeisters Henszonski freigesprochen worden. Der Zeitungsverleger P. die Veröffentlichung der amtlichen Nachrichten Angeklagte ist Stadtverordneter. Der Bürgermeister hatte dem entzogen, weil P. erklärt hatte, bei dem geringen Entgelt von 60 M. jährlich könne er die besonderen Wünsche des Bürgermeisters nicht erfüllen. Gin anderes Blatt erhielt nun die Anzeigen- und Druckaufträge. Als das betreffende Blatt einging, wurden die Stadt. Dr. Mindner beantragte nun mit anderen Stadtverordneten, dem berordneten durch Rundschreiben zu den Sizungen eingeladen. B. die Anzeigen wieder zuzuwenden. Er hielt in der Sizung eine scharfe Rede gegen den Bürgermeister und sprach dabei von niedriger Gefinnung". Sachlich lag, so heißt es im Urteil, für das Vorgehen des Bürgermeisters gegen B. tein Grund vor. Es ist erwiesen, daß der Bürgermeister den P. zu schädigen suchte. P. ist auch an Geld und Ansehen geschädigt worden. Das Gericht hat deshalb dem Angeklagten den Schutz des§ 193 zugebilligt, da die Absicht der Beleidigung nicht festgestellt ist. Die von dem fennung des Begriffes„ berechtigter Interessen" rügte, wurde vom Bürgermeister als Nebenkläger eingelegte Revision, welche BerReichsgericht verworfen. Die Aufsichtsbehörde hat gegen den Bürgermeister, der durch die von ihm angestrengte lage die niedrige Gesinnung" gerichtlich attestieren ließ, soviel uns bekannt, nichts veranlaßt. Es wäre eine nette Arbeit für das preußische Polizeiministerium, festa zustellen, ob und in wie viel Fällen auch an anderen Orten bei Bergebung der amtlichen Nachrichten eine niedrige Gesinnung" eine Rolle spielt.. Bestrafung wegen Pietätsbezeugung. Am 1. Mai mittags wurde bei einer Ausschachtungsarbeit in der Geherstraße in 2 Meter Tiefe ein 65jähriger Arbeiter namens Michael Wittmann verschüttet. Ein Arm des Verunglückten ragte aus dem Erdhaufen noch etwas heraus, Bretter und Erdreich drückten schwer auf den im Boden hülflos steckenden Mann. Ein Ingenieur der Firma Holzmann u. Co., der zufällig am Unfallsort war, betrieb sofort die Rettungsarbeiten und wandte sich an Männer aus dem Arbeiterstande, die neugierig den Plaz umstanden, mit Das Halten von Laienreden auf Friedhöfen, die im Eigentum der Bitte, zuzugreifen und sich an der Ausgrabungsarbeit zu be- von Kirchengemeinden stehen, ist durch die Regierungs- Polizeis teiligen. Mit den Worten: Heute ist der Maifeiertag. verordnung für den Regierungsbezirk Potsdam vom 15. Juni 1865 Am 1. Mai arbeiten wir nicht", wandten die Leute dem grundsäßlich verboten. Der Genosse Schlosser Richter aus NeuIngenieur den Rücken und gingen, die Hände in den Hosentaschen, Staaten war vom Landgericht III wegen Uebertretung dieser Verdavon. Man holte Arbeiter des Stadtbauamtes herbei. Als diese ordnung zu einer Geldstrafe von 10 Mart verurteilt worden, weil eingetroffen waren, hatte der Verunglückte sein Leben ausgehaucht. er bei der Beerdigung des Genossen Bock in Falkenhagen auf dem Eine Familie ist ihres Grnährers beraubt. Freilich, es war ja Friedhofe der dortigen Kirchengemeinde folgende Worte sprach: nur einer, der nicht so charaktervoll war, am 1. Mai blau zum Namen des sozialdemokratischen Wahlvereins Staaten lege machen!" Die" Unentwegten" werden, so bemerkte dazu die ich diesen Kranz nieder. Lebe wohl, teuerer Freund; es tut mir Deutsche Tagesztg.", an dem Verhalten ihrer maifeiernden, Genossen" leid, daß Du so früh von meiner Seite hast scheiden müssen." Das schwerlich etwas auszusehen haben. Denn davon, daß man dem Landgericht meinte, es handele sich hier um eine„ Nede" im Sinne Nächsten in der Not die Hülfe schuldig ist, die man nach christlicher der Berordnung. Denn der Angeklagte hätte bei Niederlegung des Voraussetzung felbst dem in die Grube gestürzten Tier schuldet, Kranzes sich nicht darauf beschränkt, fundzugeben, in wessen Aufenthält die Lehre der Partei der Brüderlichkeit kein Wort." trage er den Kranz niederlege, sondern er habe weiter Betrach Den ganzen Schwindel hat sich ein Reichsverbändler aus den tungen angestellt, die mit der Kranzspende nicht im Zusammenmuzigen Fingern gesogen. Der Münchener Post" wird hange standen, und er habe diese Betrachtungen den anderen LeidFirma Mühlhofer u. Pfahler, die in der Nähe arbeiteten, rasch nämlich von autoritativer Seite mitgeteilt, daß Tiefbauarbeiter der tragenden gegenüber zum Ausdruck gebracht. hinzueilten und sich zur Hülfeleistung anboten; ein Schutzmann, der außen postiert war, wies jedoch die Leute foroff zurüd mit dem Bemerken, die Feuerwehr sci ba, man brauche niemand. " Auf dem Wahlschlachtfelde gefallen. Aus Jägerndorf( Desterreich Schlesien) wird uns vom Ehre dem Veteran, dem nimmer müden! " " 20 Das Kammergericht verwarf am 2. Mai die hiergegen eins gelegte Revision. In der Begründung führte es aus: Die Verordmung jei gültig. Sie finde ihre Stüße im§ 6d des Polizeiverwal tungsgefeßes als Aft zur Regelung der Ordnung und Gesetzlichkeit bei dem öffentlichen Zusammensein einer größeren Zahl von Pers sonen. Gerade infolge derartiger Laienreden auf Kirchhöfen könne Unruhe entstehen; fie fönnten aufreizend wirken und auch in religiöser Beziehung Anstoß erregen. Die fammergerichtliche Rechtsprechung ist geeignet, recht eindringlich zu beweisen, daß Preußen noch weit mehr als Rußland ein Polizeistaat ist, soweit es sich um die Ausübung von Rechten und Pflichten von Arbeitern handelt. Ein Vertrag gegen die guten Sitten. Diese terroristische Regierungstaktik blieb nicht ohne Einfluß auf die Taktik einzelner Dumaparteien. Die an Zahl bedeutendste, die Kadettenpartei die in der ersten Duma ausschlaggebend war, verfügte jetzt nicht mehr über die Stärke, um selbständige Politik treiben zu können. Bei Beginn der Session stand ihr die Möglichteit offen, sich entweder auf die Linke zu stüßen, welche 7. Mai telegraphiert: insgesamt( Sozialdemokraten, Sozialrevolutionäre, Voltssozialisten Desterreichs ältester Agitator, Hugo Schmidt, ist und Arbeitsgruppe) etwa 200 Mitglieder zählte, oder foli gestern nacht nach Schluß einer Wählerversammlung am Herzschlag darisch mit den Rechtsparteien und Gemäßigten" geftorben. Wie sein Leben so war fein Tod! ( Muselmänner, Bolen, Parteiloſe, Oftobristen und Monarchisten Wir hatten seinerzeit über das bemitleidenswerte Schicksal des mit Burischtewitsch an der Spige) vorzugehen. Während der ersten Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Hausterers Abraham A. berichtet. Dieser hielt sich an einen Sigungen fuchten die Kadetten sich noch auf die Linke zu stügen und rigorosen Vertrag der Firma Hansen u. Mezger gebunden und sozusagen ein„ linkes Zentrum" zu bilden. Jedoch trat schon bei nosse Größsch vom Voltsblatt"( Kopfblatt der Sächsi- Tilsit kraftlos zusammenbrach. Straffonto der Presse. 8u 150 Mart Geldstrafe wurde Ge- wanderte zu Fuß von Dorf zu Dorf, bis er in der Umgegend von Im ersten Termin tam es zu der Debatte über die Verpflegungsaktion, während welcher Stolypinchen Arbeiterzeitung") berurteilt, weil er das Meißener einer Bertagung. Infolge der Veröffentlichungen in der Presse sich„ voll und ganz" an Roditschet anschloß, die Tatsache zutage, Tageblatt", das die Sozialdemokratie gewohnheitsmäßig verleumdet, find dem armen Hausierer viele Wohltäter mit Rat und Tat bei daß die Kadetten ihre Resolution: keine Abgeordneten zur Kontrolle gebührend gekennzeichnet hat. Die Gerichtsverhandlung erwies gesprungen, Gestern hat A, nun auch seine rechtlichen Ansprüche der Administration in die Notstandsgebiete zu entfenden, nur nicht weniger als neun herausgegriffene Verdächtigungen der vor dem Kaufmannsgericht durchgesetzt. In dem Vertrage, der A. mit Unterstützung der gesamten Rechten durchzubringen vermochten. Sozialdemokratie, die das" Meißner Tageblatt" veröffentlicht hatte, verpflichtete, für seine Kosten und ohne Gehalt, nur gegen Provision, Von diesem Moment an vertieften sich die Differenzen zwischen der als Lügen, trotzdem wurde das oben mitgeteilte Urteil gefällt. Eine zu reisen, wurden dem Hausierer für jeden Tag der Unterbrechung Kadettenpartei und der Linken mit jedem Tage; die sozialbemofra. Bieberklage des Genossen Gröbich aber, weil die Sächsische feiner Reise eine hohe Sonventionalstrafe auferlegt; ferner follte tische Fraktion bestimmte immer häufiger die Tattit der anderen Arbeiterzeitung" des Terrorismus beim Abonnentenwerben bezichtigt er für Aufträge, deren Bezahlung erst gerichtlich erzwungen werden tische Fraktion bestimmte immer häufiger die Taktik ber anderen und ein Herzblatt genannt worden war, turbe abgewiefen mit der mußte, feine Provision erhalten. Das Kaufmannsgericht erachtete Linksparteien, während die Kadetten immer weiter nach rechts famosen Begründung, diese Angriffe richteten sich nicht gegen den beibe Vereinbarungen für unstatthaft und erklärte den ganzen rückten und bei den Rechtsparteien Anlehnung suchten. Anstatt eines verantwortlichen Redakteur Größsch! Aber die Charakterisierung des Vertrag, weil wider die guten Sitten verstoßend, für nichtig. Die linten Zentrums" bildet sich ein rechtes Zentrum" mit den Meißner Tageblatts" ist gegen die Redakteure des Tageblattes" beflagte Firma wurde zur Zahlung einer Reitprovision von 174 M. Kadetten an der Spize. Durch Preisgabe und Kastrierung gerichtet! Das ist das einerlei Recht. verurteilt. der ohnehin schon beschränkten Rechte der Duma suchen die Kadetten Redakteurfreuden. Abermals ist ein Rebakteur der Breslauer Widerstand gegen Photographieren pratbar. das Eristenzrecht des Parlaments bei der Regierung zu erkaufen. Boltswacht" ins Gefängnis gegangen, Genosse Radlof, der als der Maurer Ernst Witte, bei dem anarchistische Schriften Jede neue Drohung Stolypins beantworten fie mit neuen Rondrei Monate büßen soll, daß er ein Urteil Glogauer Richter beschlagnahmt waren, au einer Vernehmung vor Gericht erschienen zessionen an die Regierungswillkür. Diese„ reale Bolitit" findet ein salomonisches genannt hat. war, wurde er von zwei Schußleuten abgeführt, um photographiert ihren natürlichen Abschluß im Falle Surabow", als Golowin es Bom sächsischen Bersammlungs ,, recht". Bu 70, 40 und 20 m. 84 werben. Er leistete ihnen Widerstand. Deshalb wurde er, mit der Würde des Dumapräsidenten vereinbar erachtete, wegen der Geldstrafe wurden drei Genossen aus Bodau und Neustädtel wie unseren Lesern erinnerlich, am 20. November v. J. vom Landauf der Dumatribüne ausgesprochenen Meinungen der Volksvertreter( Sachsen) verurteilt, weil sie sich einer Uebertretung des Vereins bom Reichsgericht verworfen, da die Schuhleute sich in rechtmäßiger Bereinsgericht 1 in Berlin verurteilt. Seine Revision wurde am Dienstag bei den Ministern um Entschuldigung zu betteln. gesetzes und der Beamtenbeleidigung schuldig gemacht haben. Sie Wenn die Kadettenpolitik tatsächlich zur Einschränkung hatten eine Versammlung noch eröffnet und abzuhalten versucht, ausübung ihres Amtes befanden und das Photographieren im der Dumakompetenz, nicht aber zur Festigung ihrer Stellung geführt nachdem der Ueberwachende die noch nicht eröffnete Ber Interesse der allgemeinen Sicherheit erfolgen follte. Das Reichsgericht hat mithin auch in diesem Fall den Grundsat hat, so beweist andererseits die Tatsache, daß eine Duma mit sammlung wegen Verstreichens des angemeldeten Gröffnungs- gebilligt, daß selbst der Widerstand gegen unberechtigte Handlungen Das Gericht hat sich auf den Standpunkt strafbar sei, falls die Beamten, die die unberechtigte Handlung bor mehr als 100 fozialistischen Abgeordneten über zwei Monate termins aufgelöst hatte. gestellt, daß schon vor der Eröffnung eine Versammlung stattgefunden nehmen, den Auftrag Vorgesetzter ausführen. Es hat darüber existieren konnte, 3 diese zu einem Faktor geworden ist, ohne den hat, da nach verschiedenen Entscheidungen des Reichsgerichts Menschen hinaus der Polizei das Recht zuerkannt, auch ohne geſehliche aus die Regierung ihren ausländischen Kredit nicht unterhalten fam. ansammlungen als Versammlungen zu betrachten seien. Der drückliche Ermächtigung Photographieren vorzunehmen. Unberechtigt Die Auflösungsdrohungen dienten Stolypin bloß als Mittel, sich die Gemeindevorstand habe daher auch zu Recht gehandelt, wenn er die war die Anordnung des Photographierens im Fall Witte trop des gemäßigt- liberalen Elemente der Duma dienstbar zu machen, und noch nicht eröffnete Versammlung auflöſte. Reichsgerichtsspruchs schon aus dem Grunde, weil lediglich der auch in Zukunft wird es ohne diese schlauen Machinationen der Ein fächsisches Polizeistückchen. In Gröbern trat neulich in Bolizeipräsident persönlich nach der Organisation der Berliner Regierung nicht abgehen. Der Konflikt, der aus Anlaß der Militär- einer Bersammlung der Ortsgruppe des Sozialdemokratischen Ber- Bolizei die Polizeibehörde bertritt, er persönlich aber das Photo= debatte zwischen den Kadetten und den Linksparteien ausgebrochen eins für den 7. sächsischen Wahlkreis( Meißen) ein junger Mann dem graphieren nicht angeordnet hatte. ist, sichert für die nächste Zukunft das Zustandekommen einer Verein bei. Als dieser Genosse nach einiger Zeit das Lokal verließ noch engeren Koalition der Kadetten mit den Rechtsparteien. und eine von seiner vor kurzem abgeschlossenen Militärdienstzeit her Möglich, daß diefer Umstand die Stellung der Duma festigen wird, rührende Soldatenmüße auffeßte, folgte ihm der Gendarm, nahm ficher aber ist, daß den sozialistischen Parteien jetzt die noch schwierigere ihm die Wüße vom Stopfe, riß die stolarde ab und polterte dabei: und wichtigere Aufgabe erwächst, durch ihre Tätigkeit nicht nur die Schämen Sie sich nicht, eine solche Wüße zu tragen!" Anscheinend Kräfte des Landes zu organisieren, sondern auch die Rechte der glaubte der Gendarm, er müsse ben Sozialdemokraten zur zweiten Klasse des Soldatenstandes degradieren. Es wird ihm durch eine Wolfsvertretung zu verteidigen und zu erweitern. Beschwerde klar gemacht werden, daß er dazu keine Stompetenz hat. Aus der Partei. Das Internationale Sozialistische Bureau wird am Sonntag, den 9. Juni, 9 Uhr morgens, an feinem Sig Brüssel im Boltshause, Saal 6, eine Vollversammlung abhalten. Die Tagesordnung ist die folgende: 1. Prüfung der in die provisorische Tagesordnung des Stuttgarter Rongreffes aufzunehmenden Fragen und ber dem Bureau bereits übermittelten Mesolutionen. # " Gerichts- Zeitung. Wahrnehmung berechtigter Interessen. Sierüber fällte am Dienstag das Reichsgericht zwei beachtenstwerte Entscheidungen. Der erste Fall betraf die Berurteilung eines Kreisausfchuß sekretärs. Wegen Beleidigung eines Amtsvorstehers ist am 7. Dezember Achtung! Achtung! 10 M. Röntgenhöhe. 10 M. Den geehrten Freunden und Betannten zur Nachricht, daß ich mein Nestaurationsgefchäft in Marien- Station Röntgenhöhe, herrliche Lage, dorf, Chauffeeftr. 10, Ece, er große Zukunft, find Landparzellen, öffnet habe und bitte ich um güttgen 10 M. Rute, befondere Gelegen Zuspruch. Gesellschaftszimmer, Staffee- heit. füche vorhanden. A. v. Kiedrowski. 5705 Hohenberg, Kolonjestr. 2. Jedes Jenensia- Rad ein Meisterwerk deutscher Technik. Teilzahlung! Zwei Jahre Garantie! Sozial- Räder. 60.-, Sozial- Luxus- mit M. 95.-. 1 Freilauf Gebrauchte Räder billig!- Fahrradzubehör billig! Bitte genau auf Hausnummer 23" zu achten! vorigen Jahres vom Landgericht Danzig der Kreisausschußsekretär 23, R. Groskurth, Berlin C., Münzstr. 23. Mag Otto zu 30 M. Geldstrafe verurteilt. Er war von dem Amts A.WERTHEIM weiss PORZELLAN Speiseteller Dessertteller def 17 Pf., flach 15 Pf. Kompotteller 12 Pf. 8 Pf. Terrinen 1.30 Mk. Kartoffelschüsseln mit Deckel 70 Pl. Saucieren 45 Pf. Kompottschalen 17, 25, 38, 45 Pt. Bratenschüsseln oval 25, 38, 55, 80 Pt. 1 Mk., rund 35 Pf. Tafelservice 30 teil. 60 tell. 78 teil. Veilchen- 23 Mk. muster 23 MK. 50 MK. 62 MK. Kaffeeservice dekor. 3.60 4.25 4.90 5.25. 9 teil. dekor. 16' tel. 6.30 7 MK. 7.75 9.25 weiss Zuckerschälchen 5 Stck. 10 PL Tassen 10, Leuchter 10 Pf. Fruchtschalen mit Fuss 25, 40 Pr. ⚫ dekoriert Tafelgeschirr mit Apfelblüte Terrinen Teller tief und flach 32 Pf. Dessertteller 27 Pf. Kompotteller 15 Pf. 3 Mk., 3,50 Mk. 85 Pf., 1 Mk. Saucieren ohne Henkel 90 Pf., 1,05 Mk. Kompottschalen Bratenplatten oval 48 Pf. bis 1,30 Mk. 40 Pl. bis 2,80 Mk. Senftöpfe 15 Pt. Salzgefässe 10 Pf. Kompottschälchen 7 PL Butterdosen 35 Pr. Kaffeekannen 45 Pt. Teekannen Milchtöpfe 22, 45 Pr 8, 12, 15 pr. Dejeuners Originelle Likörservice Kuchenteller dekoriert Dessertteller dekoriert 16, 18, 20, 30 Pf. Butterdosen dekoriert 38, 45, 60 Pf. Tassen dekoriert 20, 22, 27, 35 Pf. 2,50 Mk. 55 Pf. Kartoffelschüsseln m. Deckel 1.75, 1.95 Mk. Kaffeekannen 45, 75 Pf. 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Majolika- Bowlenkrüge 48, 60, 90 Pf. 8 Reihen Bierbecher mit Goldrand 6, 10 Pf. Wassergläser geschliffen 20, Kristall 27 Pf. Kompottschalen geschliffen 40 Pf. bis 1,25 Sturzflaschen 23, geschliffen 40, 45 Pf. Wasserflaschen geschliffen 45, 68, 80 Pf. Bowlenkannen oliven 55 Pf. bis 2,05 geschliffen, Bowlenkannen hohe Form 63, 85 Pf. 65 Pf. Käseglocken geschliffen 3 Reihen- Oliven 63 Pf. Rumflaschen 45, 2 Mk., 2,25, 2.90 Kuchenteller geschliffen 27 Pf. Bierbecher mit Perlrand, geschliffen Weingläser geschliffen Madeiragläser geschliffen Römer Kompotieren gepresst Teller gepresst Butterdosen gepresst Blumenschalen Eichenlaub Bowlenkannen gepresst Eierplateaux für 6 Eier Weissbierpokale gepresst Weissbierpokale Bartschutz Krone, mit 24 PL. 18 Pr. 23, 55 Pr. 8 PL bis 48 Pf. 4, 6, 10 Pf. 18, 25, 27 Pf. 30 Pf. 38, 45, 55 Pr. 40 Pf. 22, 35 PL 15, 20 Pr. Kasserollen Kasserollen EMAILLE- GESCHIRRE ohne Ring 6 Grössen 15 bis 85 Pf. mit Ring 5 Grössen 65 Pf. b. 1.10 ohne Ring Schmortöpfe& Grössen 45 Pf.b.90 Pf. mit Ring Schmortöpfe 6 Grössen 65 Pf.b. 1.50 1.Pf. b. 1.80 Wasserkessel 5 m. Absatz Wasserkessel 4 Grössen ( Doppel1 Mk.b.2.10 Milchkocher tople) 2, Gr. 1 Mk. b. 2 Mk. Bratpfannen 4 Grössen 22 bis 70 Pf. mit Stiel 3 teilig, 4 teilig Essenträger Grössen 1.40 bis 2.80 Essenträger Grössen 1.75 bis 3.25 Bratenschüsseln rund 4 Gr. rund bis 40 80 Pf. Gemüseschüsseln 4 Gr.35 bis 60 Pf. vierGemüseschüsseln eckig 20 bis 40 Pf. tief Küchenschüsseln 8 Gr. 45 Pf.b. 1.35 Schüsseln flach 10 Grössen 15 Pf, b. 1.20 Essnäpfe Teller Kinderteller flach und tief 6 Grössen 15 bis 5 Grössen 12 u. 2 Grössen 30 und 50 Pf. 30 Pf. 35 Pf. Trinkbecher 2 Grössen 12 und 20 Pf. Tassenwannen 5 Gr. 1.10 bis 2.20 Eierbecher weiss 5 P Pf., dekoriert 15 Pf. m. Salz- u. Senftöpfe dekor. 20Pf., Pfeffergef. 40 Pf. Salz- u. Pfeffermenage dekor. 15 Pf. Teesiebe 10 und 15 Pf. Lotmasse 10Pf. Durchschläge 40 Pf. dekor. Milchtöpfe 6 Gr. 15 bis 55 Pf. Bouillonsiebe 3 Grössen 25 bis 45 Pf. Kaffeeflaschen für ca. 1 Liter 35 Pf. Milchkannen 4 Grössen 38 bis 60 Pf. Wassermasse mit Konsol35 bis 60 Pf. Leuchter dekoriert 30 Pf. Waschgarnituren 5 teil.9 Mk. u. 10 MK. Wasserkrüge weiss 1.25u. 1.50 Wasserkrüge dekoriert 2 Mk. u. 2.50 Waschschüsseln dekor. 2 Mk. b. 2.75 Seifnäpfe dekoriert Seifenhalter mit Haken 20 Pf. 12 Pl. EISSCHRÄNKE Seifenhalter mit Haken Waschschüsseln m. Seifnapf 45 Pf. 55 Pf. 60 Pf bis 1.40 Wasserkannen Toiletteneimer dekor. 3.75 bis 5 Mk. Toiletteneimer 3 Mk. b. 4 Mk. Wassereimer dekoriert m. Deckel 2.50 Wassereimer grau 68, hellblau 85, marmoriert 90 Pf. Wannen rund, 3 Grössen 1.75 bis 2.50 Wannen oval, 6 Grössen 1.45 bis 3.75 Teigschüsseln m. Fallhenkeln 5 Grössen 1.60 bis 2.75 mit Glasplatten, für kleinen Haushalt, aus Blech, Eisschränke innen Zinkblech 58 cm hoch, 85 cm breit Eisschränke 2 türig, innen Zinkblech Eisschränke Roste weiss emailliert 82 cm hoch, 93 cm breit 14 Mk. 87 cm hoch, 107 cm breit aus Holz, innen Zinkblech 72 cm hoch, 55 cm breit 82 cm hoch, 61 cm breit 24 Mk. 31 Mk. 93 cm hoch, 109 cm breit Eisschränke mit Butterkasten, 1 türig 48 Mk. 62 Mk. 70 Mk. 82 cm hoch, 61 cm breit 42 Mk. 87 cm hoch, 75 cm breit 55 Mk. 93 cm hoch, 79 cm breit 61 Mk. 89 cm hoch, 61 cm breit 94 cm hoch, 75 cm breit Eisschränke für grösseren Haushalt 100 cm hoch, 79 cm breit 42.50 52 Mk. 61 Mk. 2 türig, mit Glasplatten, Eisschränke Roste weiss emailliert 82 cm hoch, 93 cm breit 65 Mk. 87 cm hoch, 75 cm breit 93 cm hoch, 79 cm breit 102 cm hoch, 79 cm breit 42 Mk. 50 Mk. 55 Mk. 1 türig, mit Glasplatten Eisschränke u. weiss emaillierten Butterkasten Eisschränke mit Butterkasten, 2 türig 89 cm hoch, 93 cm breit 100 cm hoch, 109 cm breit 89 cm hoch, 61 cm breit 62 Mk. 85 Mk. 66 Mk. 94 cm hoch, 75 cm breit 81 Mk. Am nächsten Sonntage( vor Pfingsten) bleiben unsere Geschäftshäuser wie an allen Sonntagen geschlossen. Rand gesetzl. geschützt. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Enseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärt Buchdruderei u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Br. 107. 24. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Die Bewegung im Baugewerbe. Generalversammlung des Bergarbeiter- Verbandes. Dortmund, 8. Mai. wichtige Frage des Die am Mittwoch fortgesetzten Verhandlungen betrafen die Bergarbeiterschutzes. Hierzu legte der Referent Aufderstraße folgende Refolution vor: Die Generalversammlung erachtet die Abstellung der begründeten Beschwerden der Bergarbeiter zur Sicherung von Leben und Gesundheit und zur Vermeidung schwerer wirtschaftlicher Kämpfe im Bergbauberufe den Erlaß eines Reichsberggesebes für dringend notwendig. Sie erwartet von den gesetzgebenden Körperschaften der Einzelstaaten feine wirksame Reform der Berggesezgebung, weil in den Landtagen die Interessen der Bergarbeiter nicht genügend zur Geltung kommen. Insbesondere trifft dieses in den beiden größten Bergbaustaaten Deutschlands, in Preußen und Sachsen, zu. Bei den jüngst erlassenen Gesehen sind die berechtigten Forde rungen der Bergarbeiter nur insoweit berücksichtigt worden, als eine Aenderung der bestehenden Bestimmungen auch im Interesse der Arbeitgeber lag. Donnerstag, 9. Mai 1907. Aus wie sie es bisher öffentlich bekundeten, so der Grubenverwaltung erworben hätten.( Stürmische Heiterkeit. würden die Organisationen im Baugewerbe zu Erst sollten die staatlichen Grubeninspektoren und dieser Minister Ueber die Generalversammlung des Maurerberbandes, reit sein.( Sehr richtig). Aus Ihrer Zustimmung sehe ich, daß werben, dann tönnten diese vielleicht auf Arbeiterkontrolleure berweiteren Verhandlungen auf dieser Grundlage jederzeit gern be- des Unternehmertums sich das Vertrauen der Arbeiter erdie am Dienstag in der Neuen Welt stattfand, brachten wir gestern bies auch die Meinung der Mitglieder ist, ohne daß wir es durch zichten.( Lebhafter Beifall.) Die Unfälle in Preußen seien jett schon einen kurzen Bericht, der jedoch nur in einem Teil der eine Abstimmung feststellen brauchen.( Sehr richtig). Wir em- genau doppelt so zahlreich, wie 1886. Allein im Jahre des Inkraft. Auflage aufgenommen werden konnte. Deshalb und weil die pfehlen aus diesen Gründen die nochmalige Ablehnung des Schieds- tretens des famofen Bergarbeiterschutzgesetzes( 1905) fei die Zahl Sache an sich von erheblichem Interesse ist, lassen wir heute spruches. Wir ersuchen die Mitglieder, heute feine weiteren Be- der Unfälle in Preußen auf 3000 gestiegen. Deutschland gehe in einen ausführlichen Bericht folgen. schlüsse zu fassen, sondern abzuwarten, was die Unternehmer am der ganzen Welt voran in der Höhe der Unfallziffer. Der Referent Silberschmidt führte aus: Nachdem unsere Freitag beschließen werden. Damit habe ich mich des Auf- Parteiegoismus und törichter Angst vor der Sozialdemokratie oder Mitgliederversammlungen am 23. April den Schiedsspruch des trages entledigt, den mir die Vertrauensmännerfißung erteilt ultramontaner Agitation lehnen Regierung und Abgeordnetenhaus Einigungsamtes abgelehnt hatten, teilt uns Herr v. Schulz, der erteilt hat den Vorsitz im Einigungsamte geführt hatte, mit, auf seinen die Einführung der Arbeiterkontrolleure ab. Wenn der Blutstrom Wunsch habe sich der Verband der Baugeschäfte bereit erklärt, bis 8abel, beantragte, nochmals mit den Unternehmern in Ver- geheueren Opfern tommt auf das Haupt der Regierung und der Nun folgte eine rege Diskussion. Der erste Redner, des Bergbaues jetzt immer höher steige, die Blutschuld an den un zu seiner nächsten Generalversammlung an seinem die Annahme handlung zu treten und anzufragen, wie weit sie den Arbeitern herrschenden Parteien.( Stürmischer Beifall.) Redner erörterte des Schiedsspruches betreffenden Beschluß festzuhalten. Herr entgegenkommen wollen. v. Schulz legte uns nahe, zu erwägen, ob wir nicht nochmals heftigen Widerspruch. Die folgenden Redner erklärten sich alle fammenhänge, als die schlechten Gedinge die Arbeiter zu haſtigem Der Redner und sein Antrag fand dann noch die Lohnfrage, die mit der Unfallgefahr insofern auzu dem Schiedsspruch Stellung nehmen wollten. bereit sein, falls die Arbeiterorganisationen irgendwelche Schritte nicht damit einverstanden, daß man eine abwartende Haltung syndikat gegen die Angriffe des Grafen Kanik im Abgeordneten Er würde gern für den Antrag der Vertrauensmänner, jedoch waren die meisten und unvorsichtigem Arbeiten veranlasse. Er verteidigte das Kohlenzur Aufrechterhaltung des Friedens unternehmen wollen, die Ver- einnehme. Andere Redner rieten zum Streit, der möglichst bald hause. Das Kohlensyndikat habe die starken Schwankungen der mittelung zu übernehmen. Die Vorstände der koalierten Arbeiter- beginnen müsse. Silberschmidt trat im Schlußwort nochmals für Kohlenpreise zum Nußen der Industrie abgeschwächt und eine organisationen antworteten Herrn v. Schulz, daß sie aber in den Antrag der Vertrauensmänner ein und sprach gegen die langsame Preiserhöhung bewirkt, die allerdings weit über die der ersten Maiwoche keine Versammlung abhalten fönnten. Unter weitergehenden Ansichten der Diskussionsredner. Der Antrag der Steigerung der Löhne hinausgegangen sei. Wünschenswert sei eine Diesen Umständen hat der Verband der Baugeschäfte seine Gene- Vertrauensmänner, an der Ablehnung des Schiedsspruches fest- Verständigung zwischen Kohlensyndikat und Arbeiterschaft, wonach valversammlung auf den 10. Mai festgesetzt und bemerkt, daß zuhalten, wurde fast einstimmig angenommen. eine weitere Burüdstellung der Entscheidung nicht mehr möglich einzelne Hände erhoben sich gegen denselben Nur den Mindestpreisen des Syndikats ein entsprechender Minimallohn gegenüberstehe. Der Tag der Verständigung sei vielleicht näher, ſet. Am 4. Mai sind die Vertrauensmänner der Arbeiter zusammengetreten und haben nochmals beraten, ob es nicht möglich als mancher glaube. Freilich könnten die Arbeiter alle gefeßlichen und tatsächlichen Vorteile nur im Gefolge einer großen eigenen sei, auf der Grundlage des Schiedsspruches einen Vertrag abzuschließen. Das Für und Wider ist eingehend erwogen worden. Bewegung und nur als Frucht eigener Kraftanstrengungen erzielen. Deshalb sei es zunächst die Pflicht der Bergarbeiterschaft, geschloffen Die Verbandsleitung hat den Standpunkt vertreten, daß es besser und organisiert auf dem Plane zu erscheinen, um dem Syndikat als sei, den Schiedsspruch anzunehmen. Die Vertrauensmänner dagegen haben fast einstimmig erklärt, sie seien nicht in der Lage, gleichwertige Macht gegenüberzutreten.( Stürmischer Beifall.) den Mitgliedern die Annahme des Schiedsspruches zu empfehlen, fie müßten der heutigen Versammlung vielmehr raten, es bei der Ablehnung des Schiedsspruches zu lassen.( Bravo). Die Ver trauensmänner gingen davon aus, daß die Verkürzung der Arbeitszeit im Baugewerbe sowohl notwendig wie möglich ist. Notwendig ist die Verkürzung aus folgenden Gründen: Das Arbeitsgebiet dehnt sich immer weiter aus. Immer größer wird die Entfernung zwischen der Wohnung des Arbeiters und der Arbeitsstätte. Die Arbeitszeit wird also durch den Weg nach und von der Arbeitsstätte immer mehr verlängert. Die fortgesette Steigerung der Arbeitsleistung nimmt die Kräfte des Arbeiters in immer höherem Maße in Anspruch. Im Interesse der Gesundheit des einzelnen Arbeiters, sowie im Interesse der Erhaltung der Boltskraft ist eine Berkürzung der Arbeitszeit eine dringende Notwendigkeit. Es wäre Aufgabe der Gesetzgebung, mit Rücksicht auf das Allgemeininteresse einen Normalarbeitstag von 8 Stunden festzusehen. Da aber von dieser Seite nichts zu erwarten ist, so müssen die Arbeiter selbst eine angemessene Verfürzung der Arbeitszeit herbeizuführen suchen. Die Unternehmer behaupten, das Baugewerbe gehöre zu den gesundesten Berufen. Das ist ein großer Irrtum, der zahlenmäßig widerlegt werden kann. Krankheitsstatistik ergibt, daß die Bauarbeiter in hohem Grade bon Berufskrankheiten und Rheumatismus, Magen- und Darmleiden, Erkrankungen der Atmungsorgane, heimgesucht sind. Von allen Krankheiten gehören bei den Bauhülfsarbeitern 32 Broz., bei den Maurern 39 Proz., bei den Zimmerern 41 Proz. zu diesen Berufskrankheiten. Diese Angaben beziehen sich auf ganz Deutschland. In Berlin liegen die Berhältnisse noch ungünstiger. Von den Mitgliedern der Ortskrantentasse der Maurer Berlins, die 17 000 Mitglieder hat, litten im Jahre 1906 50 Broz. an den ge nannten Berufskrankheiten. Die Aufstellung des statistischen Amtes der Stadt Berlin umfaßt 55 Ortstassen mit rund 299 000 Mitgliedern. Davon kommen 17 747 auf die Maurerkasse. Diese Statistit zeigt folgendes: Bon 100 männlichen Mitgliedern aller 55 Rassen waren 39,1 frank, von der Maurertasse aber 47,8. Gestorben find bon 100 Mitgliedern der 55 Kassen 0,97, von den Maurern 1,18. Die Zahl der Krankheitstage, die auf ein Mitglied entfällt, betrug in allen Kaffen 10,03, bei den Maurern 11,63 im Jahre 1905 und 10,87 bezw. 12,62 im Jahre 1904. Diese Bahlen beweisen also, daß die Gesundheitsverhältnisse im Bau berufe unter dem Durchschnitt in anderen Berufen stehen. Die Notwendigkeit einer Verkürzung der Arbeitszeit aus gefundheit. lichen Gründen ist demnach nicht aus der Hand zu weisen. Die Möglichkeit, die Arbeitszeit zu berkürzen, ist ebenfalls gegeben. Die Unternehmer erklären die Verkürzung der Arbeitszeit für unmöglich, weil dadurch der Mittelstand geschädigt, die großen Geschäfte aber begünstigt würden, auch sei es nicht möglich, bei verkürzter Arbeitszeit die Bauten in den gegebenen Fristen fertig zu stellen. Was die angebliche Schädigung des Mittelstandes arbeiterschußnovelle vom Jahre 1905 und den neuen sächsischen EntAufderstraße tritisierte eingehend die preußische Bergbetrifft, so muß darauf hingewiesen werden, daß derselbe nicht wurf, der nur eine verschlimmerte Auflage des preußischen Gefeßes durch die Forderungen der Arbeiter, sondern durch die Ausbreitung fei, wie das preußische Gesez eine Berhungung des bayerischen des Großlapitalismus im Baugewerbe zurüdgedrängt wird. Der Gefeßes wäre. Immer wieder müsse durch lebhafte Kritik in der Großbetrieb mit seinen besseren Einrichtungen führt auch die Bergarbeiterschaft das Gefühl wachgehalten werden, wie sehr die größeren und besseren Arbeiten aus. In diesem Jahre werden Rgierung sie durch die Nichterfüllung der bei dem großen Bergetwa 40 Proz. aller Arbeiten von Großfirmen ausgeführt. arbeiterstreit gegebenen Versprechungen betrogen hätte. Die AusDie Baufristen fönnen auch nach Einführung des Achtstundentages legung des Gefeßes habe der Bergarbeiterschaft noch die geringen innegehalten werden, wenn nur möglichst viele Arbeiter eingestellt Vorteile, die der Wortlaut des Gesezes gebracht habe, weggenommen. und nötigenfalls Tag- und Nachtschichten eingeführt werden, wie Die Bergarbeiterausschüsse seien in ihrer jebigen Form wertlos und schon heute vielfach geschieht. Bauten auf neubebauten Grund- wirkungslos. Redner forderte den nationalen Block im Reichstage tüden tönnen ohne weiteres früher angefangen werden um zur auf, feine Arbeiterfreundlichkeit durch Schaffung eines guten Reichs rechten Zeit fertig zu sein. Dem Einwand, daß mit Rücksicht berggefebes zu beweisen. Er galube allerdings schon jetzt aus der auf das Material, die Festigkeit des Mauerwerks, nicht schneller Rede Naumanns, die dem reaktionären Bundesrat den Stillstand in gebaut werden kann, wird dadurch begegnet, daß ja schon heute der sozialen Gesetzgebung zur Laft lege, den Schluß ziehen zu Mauerwerk von großer Tragfähigteit in Lag- und Nachtschichten dürfen, daß die bürgerlichen Barteien nicht die Energie aufwenden hergestellt wird, ohne daß die Festigkeit darunter leidet. In wollen, die nötig sei, um den Arbeiterschutz vorwärtszutreiben. England, Amerika und Auftralien besteht seit Jahrzehnten der Achtstundentag im Baugewerbe und die Bauten find dort mindestens Ueber die Frage der Grubeninspektiot. Die gröbsten Mißstände existieren nach wie vor. Die Zahl der Betriebsunfälle ist in allen Bergbaurevieren Deutschlands fortwährend im Steigen. Auch in Preußen hat nach dem In- Grube stiegen, oder Die frafttreten der Berggefehnovelle die Zahl der Betriebsunfälle ganz enorm zugenommen. Verlangt wird von der Reichsgesetzgebung die Anerkennung folgender Hauptforderungen: 1. In allen Bergwerfen soll die Höchstdauer der Schicht für alle Arbeiter 8 Stunden betragen. 2. Vor nassen Arbeitsorten und solchen, die mehr als 28 Grad Celsius Wärme aufweisen, ist die Arbeitszeit auf höchstens 6 Stunden zu beschränken. 3. Die Dauer der Seilfahrt ist in der Schichtzeit mit einbegriffen. 4. Ueber- und Nebenschichten sowie Verlängerung der Arbeitszeit sind nur zur Rettung von Menschenleben bei außer ordentlichen Betriebsstörungen oder Schachtreparaturen zulässig. 5. Die Frauenarbeit im Bergbau ist gänzlich verboten. 6. Erhöhung des Krankengeldes auf drei Viertel des Durchschnittslohnes. 7. Ginheitlichkeit und Reformierung des Knappschaftswesens. Einführung des geheimen Wahlrechts bei allen Knappschaftswahlen. 8. Freie Arztwahl für die Mitglieder in einem Umkreise bon 10 Kilometer. 9. Einführung von Grubenkontrolleuren, welche von den Arbeitern gewählt und vom Staate bezahlt werden. Diese Forderungen sind das Mindeste, was die Bergarbeiter von der Gesetzgebung zu fordern berechtigt sind und was ohne Schädigung der Industrie bewilligt werden tann." Hue. Die Diskussion sette mit einer äußerst heftigen Anklagerede des Delegierten Osterrath- Saarbrüden gegen die staatliche Grubenverwaltung im Saarrebier ein. Saarabien sei für den Bergmann das, was Sibirien für die Russen sei. Die ungeheuren Katastrophen im Saarbergbau hätten Courrières in den Schatten gestellt. Beim Unglüd auf der Zeche Rheden" am 28. Januar dieses Jahres sei kein Beamter zugegen gewesen, weil diese am vorhergehenden Tage Kaisers Geburtstag bis früh um 5 Uhr gefeiert hätten. Es sei ja auch wichtiger, das soziale Königtum hochleben zu lassen, als sich um die Gesundheit der Bergarbeiter zu kümmern. Monatelang vorher hätten die toten Wettermänner, denen Minister Delbrück im Abgeordnetenhause jezt die Schuld in die Schuhe schiebe, dem Obersteiger mitgeteilt, daß schlagende Wetter in großer Zahl sich gesammelt hätten, die Wetterführung höheren Beamten erklärten aber, es würde so schlimm nicht sein. nicht in Ordnung sei usw. Tag für Tag hätten sie gewarnt, die Ein Kamerad, der allein bei diesem Unglück 42 Bergmannsleichen mit eigener Hand geborgen habe, sei jebt, obwohl er Vater von neun Kindern sei, gemaßregelt worden, weil er das große Verbrechen beging, sich dem Verband anzuschließen. Die Arbeiter aber, die den Beamten die Kognafflasche nachtrugen, als sie in die ten, hätten Orden bekommen.( Vielfache Pfuirufe.) Wenn Grube stiegen, oder die Kutschpferde des Prinzen hieldiese Wettermänner Beschwerden hätten einschreiben wollen, habe die Verwaltung das als Frechheit bezeichnet und berboten. Sechs Wochen vor dem folgenschweren Seilbruch m Mathildenschacht", bei dem 22 Bergleute zerschmettert wurden, oder im Schachtsumpf elend erstickten, habe man den Maschinenmeister darauf aufmerksam gemacht, daß das Seil oberhalb des Förderkorbes vollkommen defekt sei. Statt es durch ein anderes Seil zu ersetzen, habe man die schadhafte Stelle verschmiert. Jetzt mache man den armen Steiger zum Sündenbod. Aber alle Beamten hätten bei der Kontrolle versagt. Ein Teil hätte während der ganzen Beit nur nationalliberale Wahlagitation getrieben und durch seine Kontrolle an der Wahlurne schamlosen Terrorismus ausgeübt. Das sei saarabische Erziehung und saarabisches System. Das Unglück auf der Wendelgrube" bei Klein- Roffeln, das 80 Mann das Leben gekostet habe, sei durch die unglaubliche Lüderlichkeit in der Bersadung entstanden. Die Besizer der Gruben haben den päpstlichen Segen empfangen und sie seien die Finanziers des ganzen Lothringischen Klerus, der von der Kanzel herab als das Wort Gottes verkünde, daß der Bergarbeiterverband nur eine rote Schweinebande sei.( Lebhafte Pfuirufe.) Das Zentrum fei im holden Bunde mit nationalliberalen Grubenbeamten verantwortlich für das saarabische System des Massenmordes auf dem Felde der Arbeit. Die Sozialdemokratie sei die Vortämpferin des Bergarbeiterschutzes, der unter dem sozialen Königtum zum Aschenbrödel geworden sei. Jetzt aber sei der Stein tommen und kein christlicher Verband, teine Macht der Erde werden der Bergarbeiterbewegung im Saarrevier wieder ins Rollen geihn hindern, zerschmetternd niederzusausen.( Stürmischer Beifall und große Bewegung.) " Nachdem dann noch die niederschlesischen und fächsischen Dele. gierten eine Reihe von Klagen über Grubenmißstände vorgebracht hatten, wurde die Beratung auf morgen, Donnerstag, vertagt. Nachmittag findet ein Ausflug zum Schiffshebewerk Hinrichenburg statt. Aus Induftrie und Handel. Das Glanzjahr 1906. Die Durchschnittsdividende von 460 Gesellschaften, deren Papiere an der Berliner Börse gehandelt werden und deren Abschlüsse bis Anfang April vorlagen, ist von 9,49 Prozent für das Jahr 1905 auf 10,53 Prozent für 1906 hinaufGegen 1904 stellt sich die Steigerung auf gegangen. 2,52 Prozent. Mit der legtjährigen Dividende ist der höchste so fest und sicher wie in Deutschland, wo der Arbeitstag 9 bis referierte sodann aunächst das unglüd auf der Zeche Sag seit 1901 erreicht. Für das Jahr 1900 ist allerdings 11 Stunden lang ist. fördern werden. Redner 1895 1897 1898 1899 Unsere Vertrauensmänner haben natürlich auch die Frage Borussia" und die darüber angestellten Untersuchungen, die eine noch etwas höhere Dividende herausgekommen, sie betrug Der Konjunktur geprüft. Sie sind der Meinung, die Stonjunktur schließlich zu der Verhandlung gegen den Betriebsführer Rüters 10,96 Prozent, aber die Dividendensumme für 1906 übersteigt in Berlin ist immer noch derart, daß an die erfolgreiche Durch und zu deffen Freisprechung führten. In der Tat sei dieser Unter die des Glanzjahres 1900 doch noch um 16,45 Mill. Mark, führung einer Berkürzung der Arbeitszeit gedacht werden kann. beamte auch nicht der Schuldige. Die Unterbeamten würden genau Für die letzten 12 Jahre ergeben sich folgende Ziffern: So sehr es auch zu bedauern ist, daß ein etwaiger Stampf im Bau- so unterdrückt und terrorisiert, wie die Arbeiter. Schuldig seien gewerbe viele Arbeiter anderer Berufe in Mitleidenschaft ziehen vielmehr die vielen höheren Stellen, an die fich Regierung und Attien- Dividende Aktien- Dividende wird, so hoffen wir doch sicher, daß diese Arbeiterkreise einsehen Gericht nicht herantvagten. Die Zeche Borussia" sei bon jeher ein tapital Summe Summe werden, die Bestrebungen der Bauarbeiter dienen dem allgemeinen Sauloch gewesen. Er tönne nachweisen, daß zur Zeit des Unfalls die in Millionen Mark in% Jahr kapital in% in Millionen Mark Kulturfortschritt, und daß deshalb die Arbeiter anderer Berufe wichtigsten Unfallverhütungsvorschriften nicht beachtet worden seien. 1576,02 115,57 7,34 1901 2374,22 189,48 7,98 der Bewegung der Bauarbeiter nicht nur sympatisch und solidarisch Er habe gegen die Verwaltung der Grube und gegen die Berg1695,19 152,47 8,89 1902 2433,88 161,57 6,64 gegenüberstehen, sondern sie auch nach Möglichkeit moralisch inspektion in öffentlichen Versammlungen eine Reihe der schwersten 1766,72 164,68 9,32 1903 2511,72 180,88 7,20 1748,34 Vorwürfe erhoben; gleichwohl wurde gegen ihn, trok seiner Auf171,81 9,82 1904 2554,15 204,56 8,01 Angesichts der Einmütigteit in der Sigung der Vertrauens forderung, nicht Klage erhoben. Hingegen habe man im Prozeß 2649,14 263,55 9,94 1905 2680,35 254,37 9,49 männer gaben unsere Organisationsleitungen ihren Widerstand gegen Nüters die sachkundigen Richter in der schamlosesten Weise 1900 2513,31 275,53 10,96 1906 2772,43 291,98 10,53 auf( Bravo) natürlich unter voller Wahrung ihres bisherigen betrogen. Man habe eine andere Lampe, andere Hydranten vorDas 1905 Aktienkapital ist von auf 1906 um Standpunktes und schließen sich dem Wunsche der Vertrauens gelegt, als tatsächlich in der Grube Boruffia" im Gebrauch seien. 92,08 Millionen und seit 1900 um 259,12 Millionen Mark männer an, der dahin geht, Herrn v. Schulz mitzuteilen, daß Die Berginspettoren hätten das gewußt und in der ganzen Bers gewachsen. Während mit der höchsten prozentualen Dividende wir ihm für seine Bemühungen bestens danken, daß der Zentral handlung geschwiegen. Gr, Redner, habe im Zuschauerraum oft im Jahre 1900 eine Verminderung des Kapitals verbunden verband der Maurer aber trob nochmaliger Erwägung auch heute faum die nötige Ruhe bewahren können. Sue forderte wiederholt war, ist die enorme Durchschnittsverzinsung im letzten Jahre nicht in der Lage ist, den Schiedsspruch anzunehmen. Ebenso auf, gegen ihn wegen dieser Behauptung Unllage zu erheben. Dem einmütig, wie in der Ablehnung des Schiedsspruches war die Staatsanwalt, der gesagt habe, daß zwei Arbeiter Schuld an dem troß einer sehr kräftigen Kapitalserhöhung erzielt worden. Vertrauensmännerfibung der Meinung, daß die Organi. Tobe ihrer Kameraden feien, werde er im Reichstage die ent- Das ändert das Bild wesentlich zugunsten des Jahres 206. sation und die Mitglieder des Zentralverbandes sprechende Antwort geben. Die Bergkontrolle sei nach Umfang und Würde man die Dividendensumme von 1906 auf das Kapital der Maurer geneigt gewesen wären, einen Ber. Art böllig unzureichend. Der Kardinalfehler sei die persönliche von 1900 berrechnen, dann bekäme man eine Durchschnittstrag abzuschließen, wenn innerhalb der breijährigen Intimität der staatlichen Grubeninspektoren mit der Bergwerks dividende von 11,62 Broz. heraus. Die Dividenden geben Bertragsbauer eine Berkürzung der Arbeitszeit um eine halbe beamten.( Lebhafte Zustimmung.) Nur so erkläre sich, daß bie übrigens durchaus kein abschließendes Urteil Stunde eingeführt worden wäre,( Sehr richtig) natürlich Bechenverwaltungen von der Besichtigung vorher informiert feien Rentabilität. In fast allen Geschäftsberichten wird betont, mit einer nochmaligen 2ohnerhöhung, die den und durch Verschlagen der gefährlichsten Stellen die Grubeninspek selben Tagelohn ergeben würde wie bei neun- toren leicht betrügen könnten. Handelsminister Delbrüd habe daß man in Vorsorge für die Zukunft die Rückstellungen tündiger Arbeitszeit. Wenn die Arbeitgeber im preußischen Abgeordnetenhause erklärt, Arbeiterinspektoren und Abschreibungen besonders hoch bemessen habe. Man hat wirklich so für die Erhaltung des Friedens find, würden erit angestellt werden, wenn die Arbeiter sich das Vertrauen die Dividende inftlich niedria gehalten, um trog der vorausüber die sichtlichen Krise auch in den nächsten Jahren die Aktionäre reichlich bedenken zu können. Welche Industrien an dem Konjunktursegen den kräftigsten Anteil genommen haben, zeigt diese Zusammenstellung: Die Durchschnittsdtvidende beträgt für die chemische Industrie... n.ftt Prozent , ,, Montanindustrie.... II, 8g, «» Zement-«. Ziegelindustrie 11,05. „„ Papierindustrie.... 10,80, In etwa sind die Dividendenziffern durch den teuern Geldstand deeinflufft. Bei den Banken ist bei enorm ge- steigertem Kapital die Durchschnittsdividendc erheblich gewachsen. Die neun Berliner Großbanken, die im Jahre 1900 eine Durchschnittsdipidende von 7,7 Proz. herausbrachten, ver- teilten für das letzte Jahr 8,36 Proz. Dazu konnte man die Reserven bis ans 46 Millionen Mark hinaufbringen, bei insgesamt 1168 Millionen Kapital. Stellt man die Ergebnisse in der Weise zusammen, daß die Mehrsumme für Tantiemen und Reserven bei den Banken im Jahre 1906 gegen 1900 den Dividenden zugerechnet werden, ergibt sich folgendes Resulat: Kapital in Mill. N. 1905;;. 3451,8 1906... 3940.4 Würde man die bei den industriellen Aktiengesellschaften mehr gezahlten Tantiemen und die erhöhten Reservebeträge ebenfalls der Gewinnsumme zuweisen, dann gestaltete sich das Verzinsung Summe Prozent 347,6 10,07 403,6 10,24 Ergebnis für 1906 noch günstiger. Aber auch so i daß das Jahr 1906 dem Kapital eine die Rentab t erwiesen, lttätsquote des Glanzjahres 1900 überragende Verzinsung gebracht hat. Allgemeine Berliner Omnibusgesellschaft. In der am Dienstag stattgefundenen Generalversammlung ging i» zeitweilig etwas stürmisch her. Der Rückgang der Dividende von 15 auf 5 Proz. hat die kleinen Geister in Harnisch gebracht. Die Großen wissen besser Bescheid und hüteten sich wohl, klaren Wein einzuschenken. Der alte und der neue Borstand sagten sich zwar einige„Liebenswürdigkeiten", aber Austtärung gab es nicht. Die Erben der Omnibusgesellschaft werden zufrieden sein, die Frucht reift. Die neue Verwaltung versuchte, den kostspieligen Autoverkehr für das schlechte Ergebnis verantwortlich zu niachen. Daß in der ersten Zeit der Betrieb weniger wirtschaftlich war, ist erklärlich, besonders wenn man liest, daß die Kosten des Gummiverbrauchs sich auf 30 M. pro Tag und Auto stellen. Da liegen noch technische Mängel vor. die beseitigt werden müssen und sicher auch bald besenigt sind. Wenn alles ausprobiert ist, wird die Große �Berliner ihre Autos laufen lassen— auch ohne Genehmigung von Sondertarifen. Hoffentlich läßt die Stadt sich durch die auf der Generalversammlung der Omnibus» gesellschaft aufgemachte Berechnung über die Kosten deS Autobetriebes nicht an der Nase führen. Ort und Umstände waren ja gut gewählt. ES wurden folgende Angaben gemacht. An Gummi verbrauche ein Autobus, dessen gesamte Betriebskosten pro Tag 100 M. weit übersteigen solle»(gegen ursprünglich geschätzte 70�90 M.) nicht weniger als 30 M., d. h. es müssen erst 600 Per» sonen zu 10 Ps. befördert werden, um nur die tägliche Gummi- abmitzung eines Wagens hereinzubringen. Etwas weniger als 30 M. verbrauche jeder Wagen täglich an Benzin, und daS nur, weil seinerzeit eine günstige Eindeckung auf eine längere Periode hinaus zu billigeren Preisen als heute stattgefunden habe.— Mit dieser An- nähme ist noch nichts bewiesen; zudem wird sich in Zukunft der Betrieb billiger gestalten. Die entlassenen beiden Direktoren haben die Gesellschaft auf Zahlung von L0 OOO resp. 8000 M. Jahresgehalt für die Dauer von vier Jahren und außerdem Zuweisung von 5 Proz. Dividende verklagt._ Händlervereinigung. Der ,K. B.-Ztg." zufolge planen die 18 der rheinisch-westfälischeit Träger-Händler-Vereinigung angehörenden Firmen die Bildung eines VerkausskoutorS. Nederzeichnet. Die von der Preußischen Zentral-Bodenkredit- Aktiengesellschaft heute zur Subskription aufgelegten 10 Millionen Mark 4prozentige Zentral-Pfandbriefe vom Jahre 1906, unkündbar bis 1016, sind vielfach überzeichnet worden, so daß auf die einzelnen Zeichnungen«ur geringe Beträge entfallen können. Soziales. Osivreuhischer Gutsbesitzer und Arbeitersekretariat. Der Königsberger Arbeiterselretiu, Genosse Stolt. hatte für eine Landarbeiterin an den Gutsbesitzer Kroll in Kosaken bei G o I d a p einen Brief gerichtet. Darauf erhielt er eine Post- karte mit folgender Antwort: An das Arbeitersekretariat Königsberg i. Pr.. Vorder-Roßgarten 50. Bezügl. Ihres Schreibens v. 26. v. M. frage ich zunächst an, was Sie eigentlich für ein Institut find, da ich mit einem Ar- beitersekretariat noch nichts zu tun hatte, nicht weiß, ob sie eine staatliche oder private Institution sind. Das Aeußere Ihres Schreibens macht ja soweit einen ganz imponierenden Eindruck, besonders Schreibmaschine, schwungvolle Unterschrift und auch wohlgesetzter Inhalt.-- Aber man weiß nicht, ob usw.?!-- Hatte seinerzeit einen dortigen Freund gebeten, mit Ihnen persönlich Rücksprache zu nehmen, doch leider hat derselbe sie nicht angetroffen, da Sie wohl gerade an der Raifeier mit H. Haase und Genossen teilnahmen. Was Ihre Mandantin anbetrifft, so habe ich dieses Pflänzchen bereits der Staatsanwaltschaft wegen Diebstahls angezeigt. Der Abholung der Sachen steht meiner- soits nichts entgegen und ftage nur noch an. ob für die damit beauftragte Person nicht auch noch etwa eine geschlossene Kalesche zur Abholung von der Bahn beansprucht wird. Mas die angeb- liche Beleidigung von seiten meiner Ehefrau anbetrifft, so be- daure ich es tief, daß ich dieselbe nicht mit der Reitpeitsche unter- - stützt habe. Hochachtungsvoll gez. Kroll. Kpfaken b. Goldap, den 5. Mai 1007. Der Herr Kroll bedauert, seine Ehefrau nicht mit der Reit peitsche unterstützt zu haben. Hst es nicht bedauerlicher, daß die Eheftau ihn nicht„mit der Reitpeitsche unterstützt" hat? Heimarbeiterschutz im Sinn« her Unternehmer. In ähnlicher Weise wie die Berliner Handelskammer läuft jetzt auch der Zentralausschuß Berliner kaufmännischer, gewerblicher und mdustrieller Vereine und der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller gegen Heimarbeiterschutz Sturm. Während die all- gemeine Regelung der Heimarbeit im Sinne de» sozialdemo- kratischen Antrags von allen Sachkennern für notwendig, möglich und spruchreif erachtet wird, ist ein Teil her Unternehmer und mit ihm die Reichsregierung bestrebt, völlig unzulängliche Vorschriften vorzubereiten, auf Spezialgesetze und Spezialverordnungen und Enqueten die Heimarbeiter zu vertrösten. Im Geist dieser Hig- zögerungSpolitik sind folgende von den genannten Bereinen am S. Rai gefaßten Beschlüsse gehalten: 1. Die Verpflichtung der Arbeitgeber, für Zwecke der Aufsicht, Versicherung und Statistik über die von ihnen unmittelbar be- schäftigten Zwischenmeister, Hausgewerbetreibende pdex Heim- arbeiter einen sortlaustnden Nachweis zu führen, wird ausdrücklich glß Lorbedingung und Grundlage aller Reformen anerkannt, S'ner ösrschtift, gach Kelcher dje Lohnpedingusgen tzpr Aushändigung der Arbeit schriftlich festzusetzen sind, stehen erhebliche Bedenken nicht im Wege. 3. Die Ausdehnung der Zwangsversicherung auf die Heimarbeiter, sowie die Errichtung von Auslunftsstellen und Ar- Veitsnachweisen ist wünschenswert. 4. Auf das nachdrücklichste wird vor einer Verallgemeine- r u n g allex Maßregeln gewarnt, welche die Verschiedenheiten in den einzelnen Orten oder Betriebszweigen unberücksichtigt lassen würden. 5. Soweit Mahregeln über die vorstehend aufgeführten Punkte hinaus ergriffen werden sollen, kann dies nur durch Spezial gesetze oder Verordnungen geschehen. 6. Reformversuche, die die Existenzmöglichkeit für Arbeitgeber und Arbeitnehmer st, Frage stellen würden, und die vitalsten Lebcnsinterxssen der unteren Volksschichten gefährden und schließ- lich untergraben müßten, sind entschieden zu verwerfen: so gibt allein die Berliner Heimindustrie bei einem Jahresumsatz von 600 Millionen Mark 120 000 Menschen Beschäftigung und Unterhalt. 7, Vor Einführung gesetzgeberischer Maßnahmen ist es not- tvendig, die von der Regierung in die Wege geleitete Beschaffung authentischen Materials über die Lage der He»m- arbeiter abzuwarten und die Resultate der Enquejs den be- teiligten Kreise» zux Beratung vorzulegen. Euq der Frauenbewegung. Der Streit. In dein kahlen, unfreundlichen Zimmer eines einfachen, düsteren Lokals haben sich zirka 60"-70 Frauen und junge Mädchen ein- gefunden. Halb zagend traten sie herein und setzten sich an den ungedeckten Tischen. Alle sehen sie schlecht genährt aus und ärmlich I... lieber dem Ganzen lagerte eine gewisse, undefinierbare Atmo sphäre, so ein Armerleutegeruch durchströmte das Lokal. Elend und Not sprach anS jedem kummervollen Gesicht, aus der ganzen Person. Und alle hatten so etwas Ungelenkes, HülfloseS an sich... Es sind Arbeiterinnen, die die taggewohnte Beschäftigung an den Webstühlen selbst zur Maschine gemacht hat. Und mit der Dürftigkeit des Aeußeren parte sich eine gewisse Scheu. Trotzdem, eine Erregung ging durch die Versammlung, etwas Trotziges zeigte sich in der Gesamthaltung, man merkte, die Menge stand im Banne eines für den Einzelnen großen Ereignisses. Aller Augen richteten sich auf eine schlicht, aber akurat gekleidete, nicht mehr ganz junge Frau mit ernsten, fcharfgeschnittenen Gesichts- zügen. Jetzt erhebt sie sich, es wird still im Räume wie in der Kirche. „Genossinnen, Leidensgefährtinnen I" so beginnt die Frau»me Rede an die Versammelten.„Not, bittere Nor hat uns hier zu- sammengebracht. Das Darben find wir gewohnt, wir kennen das Leben ja nicht anders. Aber alles hat doch eine Grenze. Sind wir wirklich noch Menschen? Ich sage nein, wir find nur Sklaven. Aber dabei haben wir nicht zum Sattessen. Und nun soll«S noch schlimmer werden. Abzüge will der Herr machen. Der Meister hat es angekündigt...,(Ein dumpfes Murmeln läßt sich vernehmen.) Leidensgenossinnen, sollen wir das annehmen? Sollen wir uns noch tiefer in Not und Elend hinabdrücken lassen?*... „Nein, nein I" tönt es vereinzelt aus der Versammlung..Dann müssen wir die Arbeit einstellen." sagt die Rednertn. Dumpfes Schweigen. Auf einzelnen Gestchtem prägt fich deutlich Bestürzung, ängstliche Ratlosigkeit aus. Nach einigen Sekunde» unheimlicher Stille springt ein junges, intelligentes Mädchen auf.„Ja. streiken wir!" so sprudelt fie hastig hervor.„Hungern verbunden mit Arbeitsruhe ist doch noch bester als Hunger leiden und fich abquälen. Was ist uns das Lehen? Nichts! Seit sechs Monaten haben wir. meine alten Eltern und ich. nichts anderes genossen al» Kaffee und Kartoffeln!"... „Wir auch nicht, wir auch nicht," ruft man von verschiedenen Seiten.... „Schlimmer kann eö dann doch nicht mehr werden. Darum wollen wir lieber streiken, als uns noch mehr Abzüge machen zu lasten. Lieber sterben, als so weiter leben."... „Ja streiken,"»wir streiken", lasten sich mehrer« Stimmen vernehmen. Eine Bewegung geht durch die Menge. Nun erhebt sich eine alte Frau und winkt Ruhe... AuS ihrem gramdurchfurchten Gesicht blicken ein paar perweinte Augen. In abgeriffenen Sätzen stößt fie hervor:„Macht ein Ende mit dem Elend l Gestem ist mein Kind gestorben. Allein, zu Hause. Ich mußte in der Fabrik sein, der Herr wollte eS und wir hatten Hunger. Mein Kind allein gestorben l Ist das menschlich?"... Die Frau kann nicht weiter sprechen. Schmerz und Erregung überwältigen sie. Der Bann ist gebrochen.... „Streik l Streit l" ertönt e« wie aus einem Mund«. Alles springt auf und gestikuliert. Verwünschungen gegen den Fabrikanten werden kaut.... Allmählich tritt wieder Ruhe ein. Di« erste Rednerin gibt noch verschiedene Aufklärungen und läßt dann über den Streik abstimmen. Einstimmig wird«r beschlosien. ES folgen dann noch einige Ver- baltungSmahregeln: die noch nicht Organifierten lasten fich ein schreiben, dann verlassen die Arbeiterinnen da» Lokal.... In einem sashionablen Badeort weilt der Fabrikherr. Während er mit Familie einem Blumenkorso beiwohnt, wird ihm«in Tele- gramm überreicht.... Er reißt eS auf und liest. Die Zorn«»- ädern auf seiner Stirn verkünden, daß der Inhalt ihn nicht erfreut Unter heftigen Ausfällen auf die Unbotmäßigkeit des Pöbel« be- richtet er> einer Frau, daß die Arbeiterinnen wegen Lohnabzuge» streiken.» „Verdammte Geschichte!".,.„Die neu« V!lla muß noch au», möbliert werden und Erwin» Ehrenschulden verschlingen immer mehr.... Das muh der Abzug aufbringen. Berd..... Bande mit ihrem Streik. Aber mögen fie streuen, der Hunger wird fie schon bald zurücktreiben."... Er telegraphiert zurück:»Lohnabzug bleibt bestehen I" m. y, Versammlungen— Veranstaltungen. Wilmersdorf. Freitag, den 10. Mai.»>/, Uhr. Generalversammlung im Lutsenpark, WilhelmSaue 112. Vr.-Lichterselde und Umgegend. Sonntag, den 12. Mai. Besuch der ArbeiierwohlsahrtS-Ausstelluna. Treffpunkt: Charlottenburg am Knie. Berliner- und BiSmarastraßen-Ecke, pünktlich>/,2 Uhr. Montag, den 18. Mai, 8V3 Uhr. in Gr.-Lichterfelde. Tbauffee- straße 104 hei Reisen, Monatsversammlung. Referent: Genoi'e PintS. Versammlungen. Die Arbeiter und«tbeiterinnen der Firma Bergeman« Elektrizitätswerke. Oudenarder- und Henniugsdorferstraße, versammelten sich am Dienstag im„Kösliner Hof", um allerlei Mißstände bei der genannten Firma zu besprechen. A. Wu schick referierte. Er erklärte, daß trotz der glänzenden Geschäftslage, hohen Dividenden und dem äußeren guten Schein die Arbeiter- Verhältnisse bei Bergemann viel schlechter liegen als bei anderen Firmen. Der Lohn sei niedrig. Es gäbe Arbeiter, die nicht mehr als 37 Pf. pro Stunde verdienen und manche erhalten nur 20 Pf.»eher die Anmaßung einiger Meister und Vorarbeiter gegen die Arbeiter einerseits und ihr« tiefe Unterwürfigkeit gegen die Tir-klion andererseits wird unter den Angestellten mit der größten Verachtung und Entrüstung gesprochen. Ueberstunden. arbeit wird viel verlangt, und das größte Nebel ist. daß die Arbeiter selbst fich dazu drängen, anstatt Widerstand zu leisten und einen besseren Lohn zu verlangen. An Schutzvorrichtungen fehlt eß vielfach: dje japitäreg EinriHtMigep M äußerst Bwgel- hast; füx hie Bequemlichkeit der Arbeiter in der Garderobe, i« Speisesaal und im Waschraum wird nichts getan; es fehlt an Ventilation, und manche andere Mängel wurden noch ausgezählt. Die Aktionäre aber bekommen 18 Proz. Dividende und die Aktie« stehen hoch im Kurs. 3000 Personen werde« bxj der Firma vc- schäftigt, aber■— und das ist der Hauptgrund aller Hebel— nur ein sehr kleiner Teil davon ist organisiert, die meisten halten sich der Gewerkschaft fern und haben den Schaden davon. Einige Meister verlangen sogar die Bezahlung unbrauchbar gewordener Werkzeuge, und toer sich die Zumutung gefallen läßt, muß be- zahlen, wenn auch nicht alle dumm genug sind, das unberechtigte Verlangen zu erfüllen. In dem Betriebe in der Henningsdorfer» straße liegen hie Verhältnisse noch schlechter als in der Oude- narderstraße. Die Unzufriedenheit unter den Arbeitern wird immer größer und es ist zu hoffen, daß sich genügend Angestellte der Gewerkschaft anschließen werden, damit diese sich der Sache erfolgreich annehme« kann. Die Zahlstelle Berlin des Buchbinberperbandes hielt am Mon« tag hei Buggenhogen eine Genexalbersammlung ab, die stch zu- nächst mit dem Gesdiäfls- und Kassenbericht vom ersten Quartal 1Ö07 beschäftigte. Ter Bevollmächtigte Klar gab«ine Uebcr- ficht über die Tätigkeit der Ortsverwaltung, sowie über die wichtigsten Vorgänge in der Zahlstelle und den verschiedenen Branchen. Ii, den meisten Branchen war per Geschäftsgang kein guter. In dex Etuibranche kam es bei einer Firma zu Diffe» renzen, wobei es sich wieder zeigte, wie unpraktisch eS ist, daß im Tarifvertrag dieser Branche statt eines Minimallohnes ein Durchschnittslohn festgesetzt ist. Wird in einer Firma ein besser bc» zahlte r Arbeiter entlassen, so müssen in der Regel die Löhne der übrigen erhöht werden, um damit den Durchschnittslohn wieder zu erreichen. Da die Etuiarbeiter fast sämtlich organisiert sind, aSten sie streng darauf, daß dies auch geschieht. Wie leicht erklärlich, kommt eö darüber öfter zu Streitlgkeiten mit den Arbeitgebern, als wenn ein Mjnimallohnsatz bestände.— In der Kartonbranche ist eine sehr rege und auch fruchtbare Agitation entfaltet worden; ebenso in der Luxuspapierbranche. Diese beiden Branchen hatten noch eine starke Zunahme von Mitgliedern zu verzeichnen. Uebcr die Firma Priester u. Co.. Luxuspapier- und Zellulotdioaren- fabrik, wurde nach sechswöchigem Streik die Sperre verhängt. Im übrigen zeigte es sich bei anderen Firmen dieser Branche, daß es durch die Organisation wohl möglich ist, auf friedliche« Wege einzelne Verbesserungen der Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu er- zielen. In der Buchbinderbranche war die agitatorisch« Tätigkeit nach der Meinung des Redners nicht so lebhaft, wie eS zu wünschen war. Sehr wichtige Fragen, die hier zu erledige» sind, werden wohl in Zukunft ein stärkeres Interesse hervorrufen. Die Mitgliederzahl der Zahlstelle betrug am Quartalsschluß 6077. Der Umstand, daß einzelne Beitragslisten nicht rechtzeitig eingereicht wurden, hat dazu geführt, daß einzelne Mitglieder zu Unrecht aus die Streichliste gekommen sind. Die Maifeier wurde, wie durch Ausgabe von Marken festgestellt ist, von 1400 Kollegen und Kolleginnen durch ArbeitSruhe be- gangen. Der Saal im Tith-Hotel mußte schon um SM> Uhr polizeilich abgesperrt werden. Die vorjährige Aussperrung hat also nicht vermocht, die Maifeier der Berliner Buchbinder zu verhindern. Die vom BerbandSvorstand angeordnete Urabstimmung über die Einführung einer Jnvalidenunterstützung ergab innerhalb der Zahlstelle Berlin eine starte Majorität gegen diesen Unterstützung»- zweig. Bon männlichen Mitgliedern stimmten über die erste Frage: „Soll eine Jnvalidenunterstützung eingeführt werden?" 618 mit ja und 980 mit nein; über die zweite Frage:„Sind Sie*"it. einen erhöhten Beitrag bei Einführung der Jnvalidenunterstapang zu zahlen?" stimmten 640 mit ja und 1015 mit nein. Von den weiblichen Mitgliedern antworteten aus die erste Frage 377 mit ja und 1943 mit nein, auf die zweite 327 mit ja und 1394 mit nein.— Der Kassenbericht sowie der Bericht vom Arbeitsnachweis lagen den Mitgliedern in Vervielfältigung vor. Die Abrechnung der Zentralkafle schließt mit der Bilanzsumm« von 27 356,28 M. Für Arbeitslosenunterstützung wurden an männliche Mitglieder 7139 Mark ausgezahlt, an weibliche 2083,75 M., für Streikunterstützung wurden 1542,45 M. ausgegeben, an dt« Verbandskasse gesandt 9500 M. Die Abrechnung der Lokalkasse zeigt, daß der Bestand dieser Kasse im Laufe des Quartals von 9852,86 M. auf 21 308,53 Mark angewachsen ist.— Der Kassierer B Y to m S k i gab zu dem Bericht einige mündliche Ergänzungen und Erläuterungen. Auf dem Arbeitsnachweis meldeten sich im Laufe deS Quartals 584 männliche und 609 weibliche Arbeitslose. Stellen wurden ge- meldet für männliche Kollegen 408, von denen 816 besetzt wurden. für weibliche 622, von denen 386 besetzt wurden. Daß ein so großer Teil der für Arbeiterinnen vorhandenen Stellen nicht befetzt wurde. ist, wie der Arbeitsvermittler R i e g e r ausführte, hauptsächlich daraus zu erklären, daß tüchtige Arbeiterinnen nicht gern für den Minimallohn arbeiten, was nian ihnen ja auch nicht verdenken kann. Der von der Buchbinderinnung in der Herberge zur Heimat errichtete Nachweis hat keine Bedeutung gewonnen unv wird namentlich von den Arbeiterinnen streng gemieden. Die Innung?- meister selbst benutzen größtenteils den Nachweis in der Gormann- Die Bibliothek der Zahlstelle wurde, wie der Bibliothekar Schmidt berichtete, von 564 männlichen und 328 weiblichen Mit- gliedern benutzt. Der Bücherbestand ist von 1335 aus 1354 Bände Sestiegen.— An Stelle eines erkrankten Revisors wurde Paul (ahn für dieses Amt gewählt.. Der nächste Punkt der Tagesordnung betraf den Gautag. der am Sonntag nach Pfingsten in Brandenliurg stattfindet. Nach einigen einleitenden Worten des Gauvorsitzenden L emser be» gründete Klar einen Antrag der Ortsverwaltung, wonach der Beurag der Zahlpelle Berlin zur Gaukasse von 5 Pf. pro Mitglied und Jahr auf jährlich 100 M. herabgesetzt werden sollte. Der An- trag wurde aber nach längerer Debatte abgelehnt. Weitere An- träge zum Gautag lagen nicht vor. Als Gautagsdelegierte wurde« Gerber, Lippold. stlar und Brucks gewählt. Zum Schluß machte der Vorsitzende auf die Wahlen der Delc. Eierten zum Berbandstaa aufmerksam, die am 1. Juni in vier okalen, im Südosten. Südwesten. Osten und Norden Berlins, statt. finden. Die Aufstellung der Kandidaten erfolgt in einer auß-- ordentlichen Generalverfommlung am 15. Mai im Gewert- schaftshaus. INSERATE jür die«ächste Nummer müssen spätesten» bis»Uhr nachmittag« de« vorherige» Tage» tn»n serer Gxpedttto» abgegeben«erde»...... ■ I ».•••• Oröfiere Anzeigen für die Sonntags* Nummer erbitten dagegen schon dt» ffreltUg nachmittag 5 Uhr, da nur in diese» Falke die Ausnahme garantiert X X X X X X werde» kann. X X X X X X gar den Inhalt der Inserate übernimmt die Nedaktion dem Bublitum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Donnerstag, den 9. Mai. Freie Voltsbühne. Nachmittags 3 Uhr, 17. und 18. Abteilung. Berliner Theater: Der Richter von Zalamea. 6. 11. 7. Abteilung im Neuen SchauSpielhaus: Paracelsus. Die legten Masten. Das Fest des Sanit Matern. Anfang 7 Uhr. Kgl. Opernhaus. Lohengrin.( Anfang 7 Uhr.) Freitag: Der Evangelimann. Rgl. Schauspielhaus. Zell. Wilhelm Freitag: Die Rabensteinerin. Neues tgl. Operntheater. 1001 Nacht. Freitag: Biener Blut. Deutsches, Robert und Bertram. ( Anfang 8 Uhr.) Rammerspiele. Erwachen. Frühlings Freitag: Robert und Bertram. Kammerspiele. Aglavaine und Selysette.( Anfang 8 Uhr.) Anfang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Alt- Heidel berg.( Anfang 7 Uhr.) Freitag: Herthas Hochzeit. Schiller 0.( Wallner Theater.) Kabale und Liebe. Nachmittags 3 Uhr: Maria Stuart. Freitag: Heimat. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Wallner- beater). Donnerstag, nach m. 3 Uhr: Maria Stuart. Donnerstag abends 8Uhr: Kabale und Liebe. Heimat. Durch Dänemark und Südschweden. Freitag, abends 8 Uhr: Morgen Freitag, abends 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. OOLOGISCHER Schiller- Theater Charlottenburg. Donnerstag, nachm. 3 Uhr: Die Brant von Messina. Donnerstag, abends 8 Uhr: Wilhelm Tell. Freitag, abends 8 Uhr: Narrenglanz. Metropol- Theater Reichshallen- Theater. Anfang 8 Uhr. ZCARTEN Der Teufel lacht dazu. Heute am Himmelfahrtstage Eintritt: 50 Pf. Kinder unter 10 J. die Hälfte. Nachmittags ab 4 Uhr: Militär- Doppel- Konzert. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Massary. Ernani. Bender. Giampietro. Josephi. Rauchen überall gestattet. Stettiner Sänger. Heute Anfang 7½ Uhr. ReichshallenRestaurant. MilitärKonzert. Sonntag, 12. Mai, nachm. 8 Uhr: Prater- Theater Lortzing Theater Auf in's Metropol. Bellealliancestr. 7/8. Donnerstag, den 9. Mai, 8 Uhr: Fidelio. Abonnements gültig! Freitag: Das Glödchen des Gremiten. Lustspielhaus. Nachm. 3 Uhr: Unsere Käte. Sommerpreise. Abends 8 Uhr: Husarenfieber. Schiller Theater Charlottenburg. Zentral- Theater. 28ilhelm Tell. Nachmittags 3 Uhr: Die Braut von Meffina. Freitag: Narrenglanz. Schiller N.( Friedrich Wilhelm städtisches Theater.) Am grünen 28eg. Nachmittags 3 Uhr: Delben. Anfang 8 Uhr. 8um 6. Male: Die Machtigall aus dem Bäckergang. Boltsstüd in 3 Aften v. Jul. Stinde. Vorher: Waters Ebenbild. Bauerntomödie in 1 ft v. W. Fride. Täglich: Dieselbe Borstellung. Passage- Theater. Jeden Abend 8 Uhr: Staftanien Allee 7-9. Großartiges Spezialitäten- Programm. Schönftes Sommer- Bariété Berlins. Konzert und Ball. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Bf., num. Platz 50 Pf. Freie Volksbühne Hente Donnerstag, den 9. Mai, nachmittags 3 Uhr: Neues Schauspielhaus. 6./7. Abteilung: Berliner Theater. 17. u. 18. Abteilung: und Sonntag, den 12. Mai, nachmittags 3 Uhr: 8./9. Abteilung: Paracelsus. Die letzten Masken. Das Fest des Sankt Matern 1. und 2. Abteilung: Der Richter von Zalamea. 4. Oper im Lortzing- Theater nachmittags 3 Uhr: Die lustigen Weiber von Windsor. Die Opernhefte liegen in allen Zahlstellen für die Besucher der Opernvorstellungen aus. 229/1 Der Vorstand. I. Vertr.: G. Winkler. Klostergarten Plötzensee. Heute sowie jeden Sonntag: Das Mai- Programm. Sanssouci, other Großes Konzert im Garten. Der größte Erfolg der Saison! Grete Gallus Mascha Dignam 3 Clarus Brothers 14 Attraktionen 14. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brummenftr. 16. Berliner. Staatsanwalt Biegander. Residenz- Theater. Sherlock Holmes Freitag: Die Gittennote. Leffing. Der Bettelgraf. Freitag: Diefelbe Borstellung. Die Nachtigall. Baters Zentral. Ebenbild. Freitag: Dieselbe Vorstellung. Kleines. Ein idealer Gatte. Freitag: Dieselbe Borstellung. Neues. Der Dieb. Freitag: Diefelbe Borstellung. Lorning, Fidelio. Freitag: Das Glödchen des Gre miten. Westen. Die lustige Bitme. Freitag: Diefelbe Borstellung. Direktion Richard Alexander. Anfang 8 Uhr. Haben Sie nichts zu verzollen? Schwant in 3 Alten v. M. Hennequin und B. Detektivkomödie von Scott. Borher: Des Goldschmieds Töchterlein. n. 8 Uhr. Entree 30 B. Ball. Freitag: Keine Vorstellung. Robert de Ertvelin: Mich. Merander. Folies Caprice Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. Abends 8 Uhr: Linienſtr. 132, an der Friedrichstr. Täglich abends 8 Uhr: Kottbuser Straße 6. Direktion Wilhelm Reimer. Heute, Himmelfahrtstag: Große Extra- Elite Soiree bon Hoffmanns Nord. deutschen Sängern. Ausgewähltes Programm: Ensembleszenen, Quartetts, Couplets usw. Heute Beg. des Konz. 5, der Borstellung 7 Uhr. Sonntag, Montag, Donnerstag: Hoffmanns Nordd. Sänger. Tanz. Steidl Theater. Brückenstr. 2( a. d. Jannow. Br.) 9 Uhr: Bureau Piepenbrint. Anfang 8 Uhr. Borher Konzert. Tagestaffe 11-2 Uhr. Sonntags 11 bis 2 Uhr: Frühschoppen- Konzert Steidl Restaurant( Garten): Entree frei! Dyberskl- Konzert. Borzügliche Küche! Eine Nacht in der Apotheke Gustav Behrens- Theater. und Resibens. Haben Sie midis en Das Mädchen ohne Ehre. Im Inspektionszimmer. berzollen? Freitag: Dieselbe Borstellung. Luitivielhand. Husarenfieber. Morgen: Das Mädchen ohne Ehre. Freitag: Oularenfieber, Rate, DERNHARD ROSE THEATER Thalia, Bo die Liebe hinfällt. Freitag: Diefelbe Borstellung. Luifen. Das Mädchen ohne Ehre. Freitag: Dieselbe Borstellung. Trianon. Fil. Josette Frau. meine Freitag: Dieselbe Borstellung. Bernhard Mose. Geier- Wally. Freitag: Busch- Lies'L Metropol. Der Teufel lacht dazu. Freitag: Dieselbe Borstellung. Gebr. Herrnfeld. Es lebe bas Nachtleben. Borher: Die Welt geht unter. Freitag: Dieselbe Borstellung. Wintergarten. Spezialitäten. La Tortajada. Freitag: Diefelbe Borstellung. Apollo. Der luftige Bitwer. Spezialitäten Freitag: Diefelbe Borstellung. Sr. Frankfurterstr. 132. Heute( Himmelfahrtstag) bet billig. Sommerpreifen: Die Geier- Wally. Morgen: Busch- Liest. Coollo Theater 8 Uhr: Die neuen Spezialitäten 9 Uhr: Merians Hunde- BauernTheater: Ein treuloses Weib. 92 Uhr: Hartstein Der Inftige ever. Rafino. Heirat auf Brobe. Spezia mit seinem glänzenden Schlager: Ittäten. Freitag: Dieselbe Borstellung. Walhalla. Spezialitäten. Foltes Caprice. Eine Nacht in ber Apotheke. Freitag: Dieselbe Borstellung. Baffage, Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. 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Mai 1907, bormittags 10 Uhr: Mitglieder- Versammlung Sektion der Fahrstuhlarbeiter. Sonntag, den 12. Mai 1907, vormittags 10 Uhr: Mitglieder- Versammlung bei Jannascht, Inselstraße Nr. 10. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 10. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zentralfriedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Bahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Deutscher Buchbinder- Verband. Am 4. Mai verstarb nach langem Leiden unser langjähriges Mitglied, der Buchbinder Franz Balko. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute ( Himmelfahrt) nachmittags 4 Uhr von der Leichenhalle des HedwigFriedhofes in Neu Hohen Schönhausen bei Wilhelmsberg aus statt. 1 Um zahlreiche Beteiligung ersucht 23/20 Die Ortsverwaltung. Zentralverbands.Böttcher Gruppe der Brunnenbauer u. Hülfsarbeiter.. Hülfsarbeiter Deutschl. Sonntag, den 12. Mai 1907, vormittags 10 Uhr: Mitglieder- Versammlung bei Julius Meyer, Dranienstraße Nr. 103. Sektion der Dachdecker- Hülfsarbeiter. Sonntag, den 12. Mai 1907, vormittags 10 Uhr: Mitglieder- Versammlung bei Lippke, Melchiorstraße Nr. 15. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. 34/ 2* im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer Nr. 15, Saal 5. Um recht rege Beteiligung an allen Versammlungen ersucht Der Zweigvereinsvorstand. Wir machen unseren Mitgliedern bekannt, daß in allen denjenigen Bezirken, welche am Sonntag nach dem 15. ihre Versammlungen abhalten, diefelben diesmal wegen des Pfingstfeftes erft am Sonntag, den 26. Mai, stattfinden. Laut Beschluß der Vertretersizung vom 7. Mai d. J. sollen auch diejenigen Mitglieder, die in der Zeit vom 2. bis 4. Mai arbeitslos waren, gleich den Ansgesperrten Unterstützung erhalten. Wir ersuchen alle Mitglieder, bei denen obiges zutrifft, ihre Unterstützung bis zum 11. d. Mts. im Bureau abzuheben. Spätere Meldungen können keine Berücksichtigung finden. Achtung! Brunnenbauer und Hülfsarbeiter! Wegen Lohndifferenzen find die Firmen L. Lohde und F. Tischler gesperrt. Wir ersuchen die Bauarbeiter, hiervon Kenntnis zu nehmen. Der Zweigvereinsvorstand. J. A.: W. Kribow. Möbelfabrik Deutscher Metallarbeiter- Verband Julius Apelt 6 Adalbert- Straße 6 Hochbahnhof Rottbuser Tor ( früher: Stalizer- Straße 6). Großes Lager kompletter A Wohnungs- Einrichtungen Musterzimmer Salons, Herrenzimmer, Schlafzimmer, farbige Küchen b. d. einfachsten bis eleganteften in meinen neuen ca. 1000 m. umfassend. Geschäftsräumen. Besichtigung ohne Kaufzwang erbeten. usverkauf zurüdgefeßter Möbel zu billigen Breisen bis zur völligen Räumung in den alten Geschäftsräumen Skalitzer- Str.6. Helteftes Teilzahlungs- Geschäft Kein Laden. für Brennabor:: Räder.:: Günstigste Bedingungen. Arbeitsnachweis: Berwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hof L. Amt 3, 1239. Hof III. Amt 3, 1987. Charitéstraße 3. Sonntag, den 12. Mai 1907, vormittags 10 Uhr, in Frankes Festsälen, Sebastianstr. 39: Versammlung aller im ( Filiale Berlin.) Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Mitglied Richard Lincke am 3. Mai gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag( Himmelfahrtstag) nachmittags 42 Uhr, bom Virchow- Krankenhause nach dem Nazareth- Kirchhofe statt. Um rege Teilnahme bittet 39/7 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Bahlstelle Rixdorf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Paul Jentsch am 5. Mai verstorben ist. Die Beerdigung findet am mittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Sonnabend, den 11. Mai, nachDie Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz penben bei der Beerdigung meines lieben Mannes Wilhelm Schulz sagen wir allen Verwandten und Freunden, sowie dem Beerdigungsberein Berliner Zimmerer und den Kollegen der Firma Burgall u. Martin unseren herzlichsten Dank. Frau Emma Schulz nebst Stindern, Ratiborstraße 15. Orts- Krankenkasse Weißensee. Nachdem die am 19. Oftober 1906 stattgefundene Wahl der ArbeitgeberBertreter seitens der Aufsichtsbehörde für ungültig erklärt worden ist, ist eine Neuwahl der Arbeitgeber- Ber treter erforderlich. Es find zu wählen: 61 Arbeitgeber.Bertreter. Deutschen Metallarbeiter- Verband organisierten Rohr- leidseitig ist gemäß§ 50 Abs. 5 leger und Helfer Berlins und Umgegend. Tages Ordnung: 1. Die jetzige wirtschaftliche Lage der Arbeiterklaffe. Referent: Adolf Ritter. 2. Disfuffion. 3. Berbandsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. 118/6 Es liegt im Interesse der Kollegen, diese Versammlung so zahlreich wie möglich zu besuchen. Die Ortsverwaltung. Verband der Tapezierer. Sektion der Kleber. Achtung, Kleber! Jeder zu tarifmäßigen Preisen arbeitende Kleber muß im Befihe einer Kontrollkarte sein, und muß fich im dritten Felde eine rote Marke befinden. der Kaffenfatung eine Ergänzungs wahl für inzwischen ausgeschiedene Arbeitnehmer- Bertreter erforderlich. Es find zu wählen: 51 Arbeitnehmer- Bertreter. Die Wahlen findet am Freitag, den 17. Mai cr., im Restaurant " Zum Prälaten" hier, Lehderstraße Nr. 122, statt und zwar wählen die Arbeitnehmer- Vertreter bon 6-7%, Uhr abends, die Arbeitgeber- Bertreter von 8-9 Uhr abends. Wahlberechtigt und wählbar find mur diejenigen Rassenmitglieder und Arbeitgeber, welche großjährig und im Bejizz der bürgerlichen Ehren. rechte find. Die Arbeitnehmer haben ihr Quittungsbuch bei der Wahl vorDeutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Gustav Rölling am 4. Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 9. Mai, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause in Schulzendorf, Villa Agnes aus nach dem Heiligenseer Friedhof statt. Um rege Beteiligung ersucht 86/3 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Maschinenarbeiter Karl Stockhaus am am 6. Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, den 9. Mai, nachmittags 5 Uhr, von der Leichen halle des Lichtenberger Friedhofes, Krugstege, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 86/2 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Elektromonteur Willi Sommerfeld am 4. Mai geftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 9. Mai, nach mittags 3, Uhr, von der Leichen. halle des alten St. GolgathaStirchhofes in der Barfusstraße aus statt. Rege Beteiligung erwartet 118/6 Die Ortsverwaltung. Am 6. Mai verstarb plötzlich mein lieber Mann, unser guter Vater 5545 Richard Thate. am Um stilles Beileid bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 9. Mai, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen balle des Luisen- Kirchhofes in der Hermannstraße aus statt. Gesangverein ,, Rote Nelke I" Schöneberg. Den Mitgliedern hierdurch zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied Richard Thate am 6. Mai verstorben ist. Die Beerdigung findet am 9. Mai( Himmelfahrt), nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Luisenstädtischen Kirchhofes in Rig dorf, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung bittet 65/15 Der Vorstand. Zentral- Verband der Steinarbeiter. Berlin I. Am Dienstag, den 7. b. M. berstarb unser Kollege Julius Gollhofer. Die Beerdigung findet am Freitagnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des Sebaftian- Kirchhofes, Reinidendorf, aus statt. 172/16 Die Ortsverwaltung. Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter Bahlstelle Berlin. Sektion I( Brauer). Am 5. Mai starb ganz uner wartet unser Mitglied und Kollege zulegen. Die Arbeitgeber wollen Georg Ludwig fich zum Zwede ihrer Legitimation Louis Barth, Brückenstr. 10a pt. Die Marke gilt vom 12. Mai bis 28. Mai. ebenfalls mit einem Ausweis ver Schwaben und Motten nebft Brut Die Karten werden verabfolgt Sonntag, den 12. Mai, vorvertilgen sicher meine Spezialmittel. Erfolg garantiert. Dofis 50 Pf., 1 u. 3 M. mittags von 9-12 Uhr bei: 178/8 SO., Stephan, Bienerstr. 31. W., Ridert, Steinmetstr. 86a. Charlottenburg, Hacker, Rosinenſtr. 9. Die Verbandsleitung. Nur echt bei M. Schweikart, Manteuffel- N., Krüger, Lhchenerstr. 8. straße 92, Waldemarstr. 64 und Reichenbergerstr. 55. 48352* N., Döhling, Kolbergerftr. 28/29. NO., Kempin, Tilfiterstr. 85. Neu eröffnet! NW., Pankow, Perlebergerstr. 82. Neu eröffnet! Spezialhaus für Fach- u. Amateurphotographie. Berlin SO., Paul Loewe, Dresdenerstr. 2. An der Hochbahnstation Kottbuser Tor. 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Mai, nachmittags 1%, Uhr, von der Leichen halle des Andreas- Friedhofes in Hohen- Schönhausen aus statt. Bahlreiche Beteiligung erwartet 41/20 Der Vorstand. Am Montag starb nach furzem schwerem Leiden mein lieber Mann Ludwig Kielblock. Die Beerdigung findet am Donnerstag( Himmelfahrtstag) nachmitags 4 Uhr auf dem 5746 Bions- Kirchhofe ftatt. E. Kielblock, Fehrbellinerstr. 33. Formbrud.css a clage Baul Finger& FeSM Nr. 107. 24. Jahrgang. 3. Seilagt des Jon W Kerlim SilMIitt. Donnerstag, 9. Mai 1907. TIA Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste. Auf Wunsch der Parteigenossen des Kreises Kottbus-Spremberg richten wir an die Parteigenossen Groß-Berlins und hauptsächlich an die Vereine, soweit die- selben in diesem Jahre Partien nach dem Spreewald planen, das Ersuchen, sich möglichst frühzeitig mit dem Ge- nassen Wilhelm Zachow. Kottbus, Schulstr. 4, in Verbindung zu setzen. Ganz besonders machen wir darauf aufmerksam, daß alle Anfragen betreffs etwaiger Partien an den P f i n g st f e i e r tagen sofort zu erfolgen haben. � DaS gleiche gilt auch für Partien nach Buckow(Märkische Schweiz), und sind hier alle Anfragen zu richten an den Genossen Fritz Simon, Wald-Sieversdorf, Bahnhof DamÄdorf-Münchcberg. Diejenigen Parteigenossen, welche bei ihren Ausflügen Erkner besuchen, machen wir darauf aufmerksam, datz daZ dortige Lokal„K l 0 st e r h 0 f" nach der Erklärung des Inhabers der Arbeiterschaft zu Versammlungen nie zur Verfügung stehen wird, folglich ist dasselbe seitens der Parteigenossen streng zu meiden. In Niederschönhausen steht uns das Lokal„Linden- garte n". Jnh. A. Stephan, Lindenstr. 43. zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung. Wannsee. Sonvbend, den lt. d. M., abends 8 Uhr, im „Fürstenhof" Mitgliederversammlung. Die wichtige Tagesordnung bedingt vollzähliges Erscheinen. Der Vorstand. Friedrichshagen. Sonnabend, den 11. Mai, abends Punkt S Uhr, im Restaurant Wilhelmsbad, Seestr. 45, Monatsversamm- lung des Wahl Vereins. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Eugen Brückner über„Sozialgesetzgebung(Kranken- Versicherung). 2. Diskussion. 3. Bericht der Delegierten von der Generalversammlung Grost-Berlin. 4. Vereinsangelegenheiten. 5. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste willkommen. Der Vorstand. Riederlehme-Reumühle. Den Parteigenossen genannter Orte zur Kenntnis, daß der Zahlabend am Sonnabend, den 11. d. M.. in dem bekannten Lokale stattfindet. Die Parteigenossen werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen, da die Broschüre:„Eine Ab rechnung mit dem Reichslügenverband" verteilt wird. Der Vorstand. Spandau. Freitag abend 8 Uhr findet bei Kumke, Schön- walderstraste 80, eine öffentliche Versammlung statt, in der Genosse SimonKatzenstein über:„DerKampf um diewirt» fchaftliche Befreiung" referieren wird. Um zahlreiches Erscheinen der Frauen und Männer ersucht Der Einberufer. berliner jVadmcbten. Fort mit der Prügelpädagogik! Die Schuldeputation hat der Lehrerschaft unserer Gemeinde schulen ein Merkblatt für prügelnde Lehrer und Lehrerinnen zugehen lassen. Schon Anfang März war im „Vorwärts" gemeldet worden, daß im Auftrage der Schuldeputation ein solches Merkblatt ausgearbeitet werde, und dag der neue Stadt- schulrat Fischer die Anregung dazu gegeben habe. Die Mahnung, die die Schuldeputation da an die Lehrerschaft richtet, ist leider sehr nötig. Die gesetzliche Schranke der in unseren Schulen zulässigen Züchtigung ist— so schreibt die Schuldeputation— durch§ 50 des 12. Titels im 2. Teil des Allgemeinen Landrechts gegeben, der lautet:„Die Schulzucht darf niemals bis zu Misihand- lungen, welche der Gesundheit der Kinder auch nur auf ent- fernte Art schädlich werden können, ausgedehnt werden." Durch Ministerialerlasse sind„alle allgemeinen Verfügungen, welche dem den Lehrern zustehenden Züchtigungsrechte engere Grenzen ziehen als es die bestehenden Gesetze tun," ausdrücklich auf- gehoben,„um die Lehrpersonen davor zu schützen, dah sie. auch wenn eine strafbare körperliche Mißhandlung nicht stattgefunden hat, oder wenn nur ein disziplinarisch zu ahnender pädagogischer Mißgriff vorliegt, der gerichtlichen Verfolgung ausgesetzt werden." Es follte aber durch diese Verfügungen in den bis dahin für die Handhabung dos Züchtigungsrcchtes matzgebend gewesenen pädagogischen Grundsätzen nichts geändert werden. Wenn wir unter diesen Umständen auch von Anordnungen bezüglich der körperlichen Züchtigungen absehen müssen, so halten wir uns doch im Interesse der in unferen Schuldienst eintretender jungen Lehrer und Lehrerinnen für verpflichtet, auf die Ge- fahren der körperlichen Züchtigung hinzu. weisen. Die Zahl der schwächlichen, blutarmen und nervösen Kinder ist in Gemeindeschulen verhältnismäßig hoch. Eine an sich sehr mäßige Züchtigung, die einem kräftigen Knaben keinen Schaden zufügt, wird bei einem geschwächten oder nervösen Knaben schwere körperliche oder seelifche Störungen verursachen können. Nach dem Urteil namhafter Pädagogen unterbleiben in Mädchenschulen körperliche Strafen am besten vollständig. Wenn körperliche Züchtigungen von Knaben durchaus nicht zu vermeiden sind, so empfehlen sich wenige Schläge auf das Gesäß. Aber selbst diese dem geeignetsten Körperteil verabfolgte Körper- strafe kann für den Schüler aber auch für den Lehrer un- liebfame Folgen haben, wenn der Lehrer nicht die größte Ruhe und Besonnenheit beim Strafen bewahrt. Werden die be- nachbarten Stellen, die Oberschenkel oder der Rücken getroffen, so treten besonders bei mageren Kindern mit empfindlicher Haut blaurote Verfärbung der Haut mit Schwellung und tagelang be- stehende Schmerzhaftigkeit ein. Treffen die Schläge die Schulter- knochen, so kann die Schwellung und Schmerzhaftigkeit besonders groß, die Bewegung des Armes tagelang bebindert und ein An- trag auf Verfolgung des Lehrers wegen Körperverletzung die Folge sein. Bei Schlägen auf die Handfläche sind die Haut- Verfärbungen weniger deutlich, die Hemmung im Gebrauche der Hand kann aber recht erheblich sein. Auf die Hände als die Or- gane ihrer Arbeit find viele Kinder in ihrem weiteren Leben angewiesen. Auf das ernsteste muß vor Schlägen auf den Kopf und gar vor dem Stoßen des KopfeS gegen einen festen Gegen» stand gewarnt werden. Die Gehirnerschütterungen, welche danach beobachtet wurden, brauchen keineswegs sogleich nach der Züch- tigung hervorzutreten. Vielmehr kann daS Kind nach Schul» schluß noch ohne besondere Beschwerden in das elterliche Haus zurüÄehren, wo dann aber in den nächsten Stunden die An- zeichen der Gehirnerschütterung offenkundig werden. Im gün- stigsten Falle muß das Kind einige Tage daS Bett hüten und vom Arzte behandelt werden, im ungünstigsten Falle hat eine solche Mißhandlung schon den Tod zur Folge gehabt. Auch bei Streitig- leiten der Kinder untereinander können Schläge gegen den Kopf, welche die Kinder sich gegenseitig versetzen, zu GesundhcitS- störungen führen; insbesondere kann Stoßen und Schlagen gegen den Bauch gefährlich werden. Es erscheint wünschenswert, beim Unterricht auf diese Gefahren hinzuweisen. Schläge in da» Geficht geben oft zu Rasenbluten Veranlassung. Ohrfeigen können eine Zerreißung des Trommelfells. Ohrensausen. Kopf. schmerz und Schwerhörigkeit veranlassen. VieNeicht noch wichtiger find die Störungen seelischer Natur, welche man an Kindern be- obachtet hat, die von ihren Lehrern sehr streng behandelt, auch bei geringen Verfehlungen oder gar bei Minderleistungen, die durch mangelnde Begabung veranlaßt find, streng getadelt und körperlich gestraft d ürfen. Bei Kindern, d.e ei« fchwacheS Nervensystem haben, die aufgeregt, reizbar oder sehr empfindsam sind, veranlaßt eine solche Behandlung Erscheinungen schwerer Neurasthenie oder psychischer Depression, mehr oder weniger aus- gesprochener Melancholie. Es kommen alle Grade und Formen der Nervenschwäche zur Beobachtung: Kopfschmerz, Schlaflosig- keit. Zittern, übertriebene Aengftlichkett, bisweilen sogar Selbst- mord. Man sieht, daß von dem Wunsch eines völligen Verzichtes auf die Prügelpädagogik zunächst noch keine Rede ist. Freilich sind der Schuldeputation durch die Ministerial- erlasse die Hände gebunden. Sie kann unter diesen Umständen nicht anordnen, sondern nur mahnen. Immerhin muß aber diese an die Lehrerschaft gerichtete amtliche Mahnung zur Besonnen- heit schon als ein Fortschritt angesehen werden. Wir hoffen, daß es von hier aus gelingen wird, allmählich die Prügelpäda- gogik gänzlich aus unseren Volksschulen hinaus- zugewöhnen._ Die SänglingSfürsorgestellen der Stadt Berlin sollen in nächster Zeit wieder um zwei vermehrt werden. Im Jahre 1S05 wurde mit den ersten Fürsorgestellen begonnen, die im Norden, im Nordwesten, im Osten und im Südosten eingerichtet worden waren. Schon im Jahre 1908 mußte dann eine fünfte er- öffnet werden, die besonders für den Gesundbrunnen bestimmt war. Jetzt ist für das Jahr 1907 die Eröffnung einer sechsten und einer siebenten Fürsorgestelle geplant, durch die der Nordosten und Süd- Westen versorgt werden sollen. Die Notwendigkeit, die Fürsorge- stellen zu vermehren, hat sich rascher herausgestellt, als mancher der Herren von der freisinnigen Stadtverordnetenmehrheit eS erwartet hat. In der sozialdemokratischen Fraktion des Stadtparlaments war man längst darüber im klaren gewesen, wie sehr die Stadt- gemeinde mit der endlichen Einrichtung solcher Fürsorgestellen einem Bedürfnis entgegenkam. Die bisher betriebenen fünf Säuglingsfürsorge- stellen sind die folgenden: 1. im Hause Blumenstr. 78, für die Stadtbezirke 1—10 und 145—201; 2. im Hause Elsasserstr. 27 für die Stadtbezirke 202—253, 255—259, 264—274; 3. in der Markthalle am Arminiusplatz, für die Stadtbezirke 11—14, 81—48, 279—304; 4. im Hause Naunynstt. 63(früher am Luisenufer), für die. Stadt- bezirke 15—30 und 49—144; 5. im Hause Pankstr. 7, für die Stadtbezirke 254, 260—263, 275—278, 305-326. In allen fünf Fürsorgestellen wird Sprechstunde an allen Wochentagen 2—3 Uhr abgehalten. Ueber die sechste und die siebente Fürsorgestelle werden wir Mitteilung machen, sobald sie ein- gerichtet und eröffnet sind. Dann wird auch die Abgrenzung der Bezirke, die den einzelnen Fürsorgestellen zugewiesen werden, teil- weise eine andere als bisher sein. Der Zweck der Säuglingsfürsorgestellen ist im„Vorwärts" oft dargelegt worden. Wir wiederholen hier das wichtigste darüber. Die Fürsorge st eilen gewähren Müttern oder Pflegemüttern unentgeltlich Rat über Wartung und Ernährung schwächlicher und kränklicher Kinder des ersten Lebensjahres. Die Leiter der Fürsorge- stellen haben schon in ihren Berichten über das Jahr 1905 sogleich übereinstimmend erklärt, daß die Frauen, die diesen Rat suchten, sich der ihnen gebotenen hygienischen Belehrung durchaus zugängig er- wiesen. In den Fürsorgestellen soll auch darauf hingewirkt werden, daß die Mütter ihre Säuglinge möglich st mit der Brust nähren. Bedürftigen Müttern, die ihre Kinder stillen möchten, aber durch Erwerbstätigkeit daran gehindert werden, wird nötigen- fall? auf Antrag des Arztes eine Unterstützung in bar(die „Stillprämie") gegeben. Müttern, die nicht stillen können, und Pflegemüttern kann zubereitete Milch oder ein Nähr- Präparat eine Zeitlang unentgeltlich oder zum Selbstkostenpreise geliefert werden. Die Vergünstigungen, die in den SäuglingSfnrsorgestellen ge- währt werden, stehen allen Müttern zu, deren Bedürftigkeit anerkannt wird. Sie sind aber keine Armeuunterstützung, den Männern und Vätern bringen sie mithin keine Schmälerung des Wahlrechtes. Wir können nur immer den Wunsch aus- sprechen, daß recht viele Mütter die Säuglingssürsorgestellen auf- suchen mögen, um sich dort Rat über Wartung und Ernährung ihrer Kinder zu holen und nötigenfalls eine Unterstützung zu beantragen Der Stadtverordnetenauöschuß zur Vorbereitung der Neu- wähl eines besoldeten Stadtrats an Stelle des in den Ruhestand getretenen Stadtsyndikus Geheimen Regierungsrat Weise hat am Dienstag abend beschlossen, dem Plenum der Versammlung die Wahl des Magistratsrats Dr. Ledermann vorzuschlagen. Es soll bereits in der nächsten Sitzung Bericht erstattet werden, damit in 14 Tagen die Wahl erfolgen kann. Dr. Ledermann trat am 1. April 1894 beim Magistrat ein und wurde am 1. April 1901 lebenslänglich angestellt. In dieser Zeit war er in der Schul- dcputation, Grundeigentumsdeputation, bei der Armendirektion und im Stadtausschuß, ferner vornehmlich in Syndikats- und Prozeßsachen und seit mehreren Jahren auch als Personalienrat tätig. Ein Pfingst-Sondrrzug zu ermäßigten Fahrpreisen wird am Sonnabend, den 18. d. Ms. von Berlin nach dem Riesen- g e b i r g e abgelassen werden. Die Abfahrt vom hiesigen Görlitzer Bahnhofe erfolgt vonn. 7Uhr, die Ankunft in Görlitz 10.59 vorm., in Greiffenberg 12.0S;mittags, in Hirschberg 1 Uhr nachm. In Greiffenberg Anschluß nach Friedeberg(Qu.) an 1.09 nachm., von Hirschberg nach Petersdorf(Ank. 2.06 nachm.). Ober« Schreiberhau(3.10 nachm.), Schmiedeberg(2.20 nachm.); ab Zillerthal 2.11, an Krummhübel 2.32 nachm. Zur Ausgabe kommen Rückfahrkarten mit zweimonatiger Gültigkeit(die erst mit dem 17. Juli d. I. erlischt) Berlin: Friedeberg, «PeterSdorf und-Schmiedeberg zum Preise von 14,10 M. (3. Kl.) bezw. 21,80 M.<2. Kl.). Der Fahrgartenvcrlauf beginnt am nächsten Montag, 13. d. MtS., auf dem Görlitzer Bahnhofe, er wird 24 Stunden vor Zugabgang geschlossen. Zur Sicherung von Plätzen in Nichtraucher- und Frauenabteilen empfiehlt sich früh- zeitigeS Erscheinen am Zuge. Zur Bewältigung deS Pfingstvcrkehrs läßt die königl. Eisenbahn- direktton Posen von den stark benutzten Zügen eine Reihe von Vorzügen ab, die kurz vor den Haichtzugen fahren und so die Anschlüsse auf den Zwischen- und Endstationen sicher erreichen. Wir heben die folgenden Vorzüge mit ihren Abfahrtszeiten und Ziel- stattonen hervor: ab Charlottenburg: Nr. 3(7.58 vorm.). 16. bis 24. Mai, nach Breslau, Kandrzin, Kattowitz, Nr. 5(4.13 nach- mittags), 16. bis 23. Mai, nach Breslau, Kattowitz. Nr. 229 (8.28 abends), am 21. Mai nach Breslau, MySlowitz, Nr. 53 (2.13 nachm.), am 17.. 18., 21. und 22. Mai nach Posen, Nr. 55 19.20 vorm.). an den gleichen Tagen, nach Polen, Nr. 205, am 18. Mai. nach Posen; at vchlesifchen Bahnh»f: Ztr. 221 (7.08 vorm.). am 18. und 18. Mai, nach Breslau, Nr. 223(ab 10.35 vorm.), am 17. und 18. Mai, nach Liegnitz und Breslau, Nr. 225(3.01 nachm.), am 18. Mai, nach Sagau, Breslau. Nr. 227 <8.06 abends), am 18. Mai. nach Breslau. Nr. 229(9.06 abends). am 16. bis 18. Mai, nach Breslau. MySlowitz, Nr. 201(7.56 vorm.), am 17. bis 19.. 21. und 22. Mai. naä) Pose«, Nr. 203(5.45 vorm.). am 17. und 18.«at. nach Posen. Der Todessprung eines unbekannten Lebensmüden erregte vorgestern am späten Abend an der Kronprinzenbrücke großes Auf- sehen. In der Dunkelheit sprang eine fremde Person von dem Brückengeländer in die Spree hinab. Trotzdem das Gewässer so- fort abgesucht wurde, konnte der Lebensmüde nicht entdeckt werden. Ob es sich um einen Mann oder um eine Frauensperson handelt, konnte infolge der bereits eingetretenen starken Finsternis nicht festgestellt werden. Bessere Unfallschutzvorrichtungcn für Bauarbeiter, diese Forderung muß immer aufs neue erhoben werden. Wieder wird uns ein Un- fall gemeldet, der nur dadurch möglich geworden sein soll, daß man nicht rechtzeitig für die nötige Schutzvorrichtung gesorgt hatte. Auf dem Neubau Königgrätzerstraße 114, den die Firma Boswau u. Knauer ausführt, wurde die Decke zwischen dem zweiten und dem dritten Stockwerk verschalt. Die Einschaler standen auf einer Rüstung, die im zweiten Stockwerk aufgestellt war. Gleich- zeitig arbeiteten im vierten Stockwerk Maurer, aber die Decke vom dritten zum vierten Stockwerk war noch nicht hinreichend eingedeckt. Der Polier war darauf aufmerksam gemacht worden, daß dieser Zustand den unten arbeitenden Einschalern gefährlich werden könne. Noch ehe er für Abhülfe sorgte, kam es zu dem befürchteten Unfall. Als oben im vierten Stockwerk ein Brett umgekippt wurde, fielen mehrere Steine bis zum zweiten Stockwerk. Ein Stein fiel dem Einschalcr Ernst Reiche auf den Kopf und ver- letzte ihn so erheblich, daß ihm sofort das Blut über das Gesicht strömte. Auf der nächsten Unfallstation erhielt Reiche die erste Hülfe. Nachdem der Unfall geschehen war, beeilte sich der Polier, Abhülfe zu schaffen. Mit Dynamit gesprengt wurde gestern morgen im Seddinsee ein dem Schiffscigener Minack gehörender großer Oderkahn. Das Fahrzeug, welches vor einigen Wochen daselbst gesunken war, bildete für die Schiffahrt ein großes Hindernis, weshalb eine Abteilung Gardepioniere zur Sprengung kommandiert wurde. Die Unfall- stelle war natürlich abgesperrt, und Hunderte von Zuschauern wohnten dem interessanten Schauspiel bei, das etwa eine halbe Stunde währte und mit der völligen Zertrümmerung des Fahr- zeuges endete. Durch einen Bauunfall sind gestern mittag zwei Menschen in große Gefahr geraten. In dem Eckhause Mohrenstr. 42, Ecke Mark- grafenstraße, wird ein altes Gebäude abgebrochen. Dieser Abbruch war bis zum ersten Stockwerk vollzogen worden, als aber gestern mittag die Maurer den Balkon abbrechen wollten, stürzte dieser hinab und auch die ganze Wand fiel um, wobei die Schntttnassen in die Markgrafenstraße fielen und die vor- übergehende 42 Jahre alte Arbeiterwitwe Luise Braun. wohnhaft Mnskauerstratze 46 und ihre 11jährige Tochter Erna begruben. Die schnell herbeigerufene Feuerwehr befteite beide Per- sonen und brachte sie mittels Fenerwehrwagen in die Unfallstatton Kronenstratze, wo sie verbunden wurden. Zum Glück hatten sie nur leichtere Verletzungen davongetragen, so daß sie nach Hause entlassen werden konnten. Wie uns noch mitgeteilt wurde, soll der Balkon gar nicht ab- gesteift worden sein, was bei dieser Arbeit unerläßlich gewesen wäre. Wegen eine? hartnäckigen Lungenleidens hat vorgestern abend der 23jährige Ingenieur S., der in der Schwedterstraße 4 als Aftermieter wohnte, Selbstmord verübt. Vor noch nicht langer Zeit war S. aus Ungarn nach Berlin gekommen und hier wunde er bald stark lungenleidend. In der Verzweiflung schoß sich der Unglückliche eine Kugel in die Schläfe, wodurch der Tod auf der Stelle eintrat. Zwei lohnende Einbruchsdiebstähle sind in der gesttiaen Nacht ver- übt worden. In der Gaslampenfabrik Anker am Rosenthaler Tor erbeuteten Einbrecher Kupfer- und Messingleitungsdrähte sowie Werkzeuge im Werte von 1200 M. Die Diebe entkamen ungehindert mit ihrer schweren Beute.— Bei einem nächtlichen Einbruchsdieb- stahl in dem Damenkonfektionsgeschäft von Moses, Rosenthalerstr. 23, stahl eine Bande für 1000 M. Blusen, Röcke und andere Damen- bekleidungsgegenstände. Arbeiterbilbungsschule. Infolge freundlicher Einladung der Potsdamer Arbeiterbildungsschule findet am heutigen Himmel- fahrtstage ein Ausflug nach Potsdam statt. Abfahrt früh 8% Uhr vom Wannseebahnhof nach Wannsee, von dort zu Fuß über Moor- lake nach Potsdam. Für Nachzügler Treffpunkt mittags 1 Uhr bei Ladcnthin, Kaiser Wilhelmstratze 33. Nachmittags Besichti- gung von Sanssouci und Umgegend. Abends Zusammenkunft bei Ladcnthin. Um recht zahlreiche Beteiligung an diesem Ausflug wird gebeten. Straßensperrung. Die Rochstraße ist behufs Ausführung von Brückenarbeiten bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter ge- sperrt. Das Mitgliedsbuch Nr. 6502 des Verbandes aller in der Hut- fabrikation beschäftigten Arbeiter ist verloren gegangen. Der Finder wird gebeten, nähere Mitteilungen an Max Ziegler, Lindenstr. 38. gelangen zu lassen. Im Sportpark Treptow finden heute von nachmittags 4 Uhr ab Dreistundenrennen statt. Feucrwchrbcricht. In der vorletzten Nacht entstand in der Leip- zigcrstraße durch den Brand eines AutomobiS-Omnibusses eine große Aufregung. Gegen 2 Uhr geriet das Automobil vor dem Hause Nr. 46 in Brand. Die Flammen erfaßten die Benzin- und Oel- behälter. Um die Gefahr zu beseitigen, mußte der 19. Zug kräftig Wasser geben. Der Omnibus ist stark beschädigt und muß aus dem Verkehr gezogen werden. Die Fahrgäste konnten sich sämtlich in Sicherheit bringen. Zweimal wurde Dienstagabend die Feuerwehr nach dem Exerzierplatz an der Schwedterstraße alarmiert. Erst brannte dort der Zaun und später eine alte Pappel. Die Brandstifter find entkommen. Der 9. Zug hatte in der Königgrätzerstr. 90 zu tun. Dort hatte sich Phosphor in einem Laboratorium entzündet. Ein größerer Brand wurde auS der Köpenickerstr. 37 gemeldet. Dort war abends im vierten Stock auf dem dritten Hofe in einer Goldleistenfabrik Feuer ausgekommen und hatte schnell an Ausdehnung gewonnen. ES gelang, die Flammen mit einer Dampfspritze zu löschen. Die Entstehung wird auf Fahr- lässigkeit zurückgeführt. Im ersten Stock Regentenstr. 12 brannten Möbel, Tapeten, Gardinen, Portieren, Immobilien und andere«. Ferner rückte die Wehr nach der Friedrichstr. 167, Oudenarderstr. 84, Unter den Linden 24 und mehreren anderen Stellen aus. Der Zoologische Garten ist von Herrn Rittershofer mit einer Seltenheit ersten Ranges bedacht worden. Es gelang diesem Herrn, bei seiner Rückkehr aus Samoa von dort eine leb-nde Zahn- taube mitzubringen, die er dem Garten zum Geschenk machte. Die Zahntaube, ein kurzflügliger, starkbeiniger Vogel von der Größe unserer Ringeltaube, ist in seinem Vorkommen auf Samoa be- schränkt und dort nur noch in wenigen Stücken vorhanden. Sic ist durch die Einfuhr der Katzen als Bodenvogel und weil schlechte Flieger dem Aussterben nahe gebracht worden. Abweichend von allen anderen Tauben, befitzt dieses Tier einen starken Haken. schnabel, mit dem es Früchte enthülst, und der ihnen einen von den Verwandten ganz verschiedenen GesichtsauSdruck verleiht. Der seltene Fremdling ist im neuen Vogelhause untergebracht. Unter den soeben im Berliner Aquarium eingetroffenen Tier- sendungen brachte ein Transport aus den nordeuropäischen Meeren eine Anzahl Gäste, deren Ankunft für das Institut immer ge- vikermaße« ei« Ereignis bedeutet. Denn trotzdem der Hering. Vermischtes. am biefen handelt es sich, alljährlich zu Millionen gefangen wird richtung von Bezirksvorsteherämtern nach dem Muster der Städteund als der im Haushalt geivöhnlichste aller Fische gilt, lernen ordnung, getrennt von den Armenbezirksvorstehern, wurde anihn im lebenden Zustande doch nur die Fischer und Küstenbewohner, genommen. Hiernach ist der Ort in 20 Bezirken eingeteilt und Der Vormund auf der Suche nach dem Vater. Der Frankf. hingegen die Binnenländer nur als eingesalzenen, geräucherten, für jeden Bezirk ein Bezirksvorsteher und Stellvertreter marinierten oder„ grünen" Schuppenträger fennen. Dies schreibt vorgesehen. Zur Besetzung dieser Aemter hatte man fich föftliche Geschichte zu: Eine ledige Mutter stellte bei der zuständigen Beitung" wird aus Jena berichtet: Hier trug sich fürzlich folgende fich vor allem daher, daß der Hering einer der empfindlichsten aller insbesondere an die Lehrerschaft gewandt. Genosse Frenz Behörde den Antrag, ihrem Kinde einen anderen Vormund zu bes Fische ist, bei Berluft von Schuppen oder bei Beschädigungen während wandte sich ganz energisch gegen diefen einseitigen Standpunkt. Bei stellen. Dies geschah. Der neue Vormund wurde in Pflicht ge des Fanges und Transportes sicher eingeht und auch in der Ge- der Lehrerschaft hatten diese Ausführungen stark verschnupft, denn nommen und ihm besonders ans Herz gelegt, nach dem Vater fangenschaft nur sehr schwer zu erhalten ist. Aber nicht nur aus fie benutten das Lokalblatt zu heftigen Angriffen gegen Frenz, feines Mündela Nachforschungen anzustellen, der sich der Mutter Diesem Grunde wird die Ankunft lebender Heringe hier ftets mit trotzdemt biefer auch von bürgerlicher Seite unterstügt wurde. Die feinerzeit unter falscher Flagge genähert haben sollte. Der neu Freuden begrüßt; die Fische erregen auch deshalb Aufsehen, weil Debatte hatte zur Folge, daß man die Wahlzeit von sechs Jahren gebadene Vormund versprach, was man von ihm begehrte. Da fie im Wasser durch ihr überraschend schönes, in bunten Farben auf zwei Jahre herabseßte. Von 40 zu wählenden Personen sind hielt er es denn für nötig, zuerst mit der Mutter über den dunklen fchillerndes Kleid, ihren eleganten Bau und ihre anmutigen Be 34 Lehrer und nur weil man in einzelnen Bezirken keine Lehrer Buntt Rücksprache zu nehmen. Dazu ist es aber merkwürdigerweise wegungen jeden Naturfreund ergößen und weil sie nur zu einer fand, wurden andere Personen gewählt. Für die Schneeabfuhr in gewiffen Reit im Frühjahr lebend zu bekommen sind. nicht gekommen. Als der Vormund nämlich die Frau erblidie, diesem Winter mußte eine Summe von 1558 M. nachbewilligt werden. und sich in seiner Eigenschaft als gefehlicher Vertreter ihres Die Wahl zum 1. Vorsitzenden des Gewerbegerichts fiel auf den besoldeten Kindes vorstellen wollte, da wurde er blaß wie eine Seiche und auch Schöffen Dr. Klammroth. Jedenfalls um eine Berſplitterung der die Frau traf ein Strahl der Erleuchtung. Der brave Vormund Stimmen herbeizuführen, wollte der freisinnige Herr Rafpe geheime verschwand und teilte der Behörde mit, daß seine Bemühungen zur Wahl vornehmen, während er sonst ein strikter Gegner des geheimen Ermittelung des Vaters seines Mündels erfolglos geblieben seien. Stimmen für den zur Disposition gestellten Freund abzugeben. Wahlrechts ist. Die Mehrheit gönnte ihm das Vergnügen nicht, ihre Bald darauf erschien aber auch die Mutter des Kindes und gab freudestrahlend die Entdeckung fund, daß der Langgesuchte der neue Vormund sei. Da fann man wirklich einmal sagen: Vorort- Nachrichten. ㄓ Steglitz- Friedenau und Umgegend.( Arbeiter- Bildungs schule Berlin.) Der Unterricht in Gefchichte( Zeiten ,, tiefer Erniedrigung und Schmach" in Deutschland 1806-1840) beginnt am Freitag, den 10. Mai, im Lokal von Schellhase, Steglitz, Ahornstraße 45 a. Vortragender: Heinrich Schulz. Die Genossen werden gebeten, sich recht zahlreich an diesem Die Genossen werden gebeten, sich recht zahlreich an diesem Rurfus zu beteiligen. Schöneberg. Die Stadtverordnetenversammlung stimmte in ihrer letzten Sizung einem Antrage des Magistrats zu, in den Räumen der städtischen Sparkasse feuer- und biebessichere Schrankfächer einzurichten und dieselben zur Aufbewahrung von Wertpapieren zu vermieten. Zu diesem Zwecke soll in den Kellerräumen eine Stahltammer eingerichtet werden. D Bei der Vorlage betreffend ben Neubau bes Helmholz Realgymnasium 3 wurde von liberaler Seite die Einrichtung einer Dienstwohnung für den Direktor gefordert, während der geplante Aufbau für astronomische Zwecke für überflüssig gehalten wurde. Die Angelegenheit wurde zunächst einem Ausschusse überwiesen. Der beschloffenen Betttton der Stadtberordnetenversammlung betreffend Teilung des Reichstagswahlkreises Teltow Beeskow- Storfow- Charlottenburg hat sich der Magistrat angeschlossen, wovon die Versammlung Kennmis nahm. Ungenommen wurde sodann der Antrag des Etatsausschusses, die Stenogramme über die Verhandlungen der Stadtverordneten bersammlung zu vervielfältigen und je ein Exemplar der sozialdemokratischen Fraktion, freien Fraktion, unabhängigen Vereinigung und der liberalen Fraftion zur Verfügung zu stellen. Die Steno gramme sollen drei Tage nach der Ablieferung durch den Steno graphen im Stadtverordnetenbureau zivecs Vornahme von Korrekturen ausliegen. Einer ganzen Reihe von Nachbetvilligungen für Etatsüberschreitungen wurde debattelos zugestimmt. Die diesjährigen Ferien der Stadtverordnetenversammlung werden wiederum in die Monate Juli und August gelegt. Bon einem Wagen überfahren und tödlich verlegt wurde der 32jährige Kutscher August Marbach aus Schöneberg. M. war mit einem mit Steinen beladenen Lastwagen durch die Hauptstraße ge= fahren und wollte während der Fahrt vom Bock herunterspringen, um an den Pferdegeschirren etwas in Ordnung zu bringen. Er tam dabei zu Fall, flürzte unter die Räder und wurde überfahren. Das schwere Gefährt ging dem Bebauernswerten über die Bruft hinweg. Kurz nach der Einlieferung im städtischen Krankenhause starb M. an den Folgen der erlittenen Werlegungen. Nixdorf. Bei einem verhängnisvollen Unglücksfall hat gestern das bier jährige Töchterchen Erna des Kaufmanns Hundertmark, Streustr. 74, fein Leben eingebüßt. Die Kleine hatte in der elterlichen Wohnung auf der Straße zugesehen. In einem unbewachten Augenblick beugte im zweiten Stockiert im Fenster gelegen und dem Spiel der Kinder sie sich zu weit vor, verlor das Gleichgewicht und stürzte topfüber in die Liefe. Infolge der schweren Verlegungen trat nach wenigen Minuten der Tod ein. Eichwalde. Tableau! Ein Wüstling. In Bottrop bei Essen hat der 20jährige Fuhr Töchterchen des Bergmanns Ohmann durch das offenstehende mann Joseph Fiedler in der vorlegten Nacht das dreijährige Fenster aus der Wiege geraubt. Er schleppte es auf den benachbarten Ader, wo er das Kind in bestialischer Weise bergewaltigte. Das Kind wurde nach längerem Suchen in furchtbarent Bustande aufgefunden. An seinem Wiederaufkommen wird geaweifelt. Der Täter ist verhaftet. A18 Gradmesser preußischer Kultur, wie sie unsere Junker für ihr eigenes Fortkommen als zwedmäßig erachten, kann ein Brief gelten, den ein aus einem Dorfe der Oft- Brignis gebürtiger Bauernsohn, der augenblicklich das Bergnügen hat, seiner Militärpflicht zu genügen, an seine Eltern richtete. Der Wortlaut des Herzensergusses ist folgender: In der am Dienstag bei Witte abgehaltenen Mitgliederversamm lung des Wahlvereins erstattete Genosse Moltenthin Bericht über die Generalversammlung des Verbandes. Die Versammlung erflärte fich mit den dort gefaßten Beschlüssen einverstanden. Sodann beschäftigte sie sich mit dem disziplinwidrigen Verhalten des Genossen Janice, der bereits zum dritten Male, auch in diesem Jahre der Gemeindevertreterwahl fernblieb unter dem Vorgeben:„ Der Kandidat Liebe Heiltern ich mus doch mal an auch schreiben wie eis paffe ihm nicht!" Nach längerer Debatte wurde beschlossen, gegen mir geht den ich bin gesund und Munter und Hofe bei auch dais J. das Ausschlußverfahren einzuleiten. Ein Antrag, der eine Sälbe Sofchielt mir Sanmart den ich wiel mier noch ätwaf taufen anderweite Regelung der Verſanimlungen in den drei zunt Wahl- den So ich urlopbetom fobe Suche ich auch zu weinachten grüft bereinsbezirk gehörenden Orten( Eichwalde, Miersdorf und Zeuthen) auch die Emilche und Härmann den das Soldaiten Leben gefäldmir bezweckt, außerbem den Tag des Bahlabends in den einzelnen ganz gut. Den weiter weit ich nicht zu schreiben Muffetler..... Orten mit dem Berliner aleich fezen will, wurde den Zahlabenden intfantriregiemänt 40. 5 kompanie." zur Beratung überwiesen. Nieder- Schönhausen. In der lebten Gemeindevertretersizung machte der Gemeindeborsteher die Mitteilung, daß die Einwohnerzahl des Ortes am 1. April b. 3. 11 597 betrug; feriter fei das Ortsstatut betreffend Anlegung von Bürgersteigen vom Kreisausschuß genehmigt worden. Ein Gesuch des Vereins für alkoholfreie Erholungsstätten, in der Podbielskistraße einen Limonadenpavillon aufzustellen, wurde genehmigt. Gleichfalls angenommen wurde der Antrag der Terrain Aktiengesellschaft, bei der Auflassung des Rathausgrundstückes grundbuchlich eintragen zu lassen, daß das Grundstück nur zu RathausWafferreinigungsapparat angeschafft werden, welcher die Bildung von zwecken Verwendung finden darf. Für das Wasserwerk soll ein tesselstein berhindert. Hierauf fand eine geheime Sigung statt. Bernau. Die Schrift bes ohne jebe Interbunttion zusammengestoppelten Briefes beweist, daß der Muffetier", dem das" Soldaten Leben" " gefäld", mehr hätte lernen können, wenn unsere Landschulen dazu angetan wären, ben Kindern Bildung beizubringen. Wenn der nach dem Herzen des Herrn b. Einem tüchtige" Soldat feine Sänmark"( fieben Mart) und den gewünschten urlopbefomt"( Urlaub bekommt), bann wird er von seiner " Emilche" und dem ganzen Dorf als ein Wundertier angestaunt werden und später als tapferer Kriegervereinler die verdammten Sozi in Grund und Boden schimpfen, ohne auch nur die geringste Ahnung von dem Kulturwert des Sozialismus zu haben. " Die dümmsten sind die besten!" fabrik von Ernst Schliemann auf dem Steinwärder ist gestern Ein neuer Brand im Freihafen zu Hamburg. In der Ceresins mittag Großfeuer ausgebrochen. Ein gewaltiges Flammenmeer wälzte sich über den Mittelkanal und gefährdete ein am anderen an der Stettinerbahn einen einmaligen Zuschuß von 50 W. Gegen beträgt etwa 200 000 m., da große Warenvorräte berbrannt sind. Die Stadtverordnetenversammlung bewilligte bem Verkehrsverband lefer befindliches Holzlager. Gegen 2 Uhr gelang es der Feuerwehr, den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Der Schaden die drei Stimmen unserer Genossen sowie eines Bürgerlichen wurden Der Brand ist durch eine Benzinerplosion verursacht worden. 300 M. zur Feier des 475jährigen Hussitenfestes bewilligt. Eine lebhafte Diskussion rief der Antrag des Genossen Wünsche hervor, Automobilunfall. In der Nähe von Liefing bei Wien stieß welcher berlangte, daß bei der Vergebung des Restaurations- ein Automobil, in welchem sich der Erbgraf Ferdinand TrauttmannsIm Franzosenpfuhl auf dem Tempelhoferfelde ertrunken ist gebäudesbaues am Liepnissee von den sich an der Submission be- dorf, dessen Gemahlin sowie der Graf von der Stratten befanden, gestern nachmittag 2 1hr ber 16jährige Georg Müller, Wanglid teiligenden Firmen verlangt werden milffe, die ortsüblichen Löhne mit einem Fuhrwert gusammen. Der Kraftwagen überschlug sich Wanalid- teiligenben Straße 18 wohnhaft. Müller wollte baben und verschwand wahr zahlen. Die Gegner waren über den Antrag nicht wenig ver- und die Infassen wurden auf die Straße geschleudert. Die Infassen Straße 18 wohnhaft. Müller wollte baben und verschwand wahr fcheinlich infolge eines Schlaganfalles plöglich unter dem Waffer. buzt und meinten, von derartigen Abmachungen hätten sie bis jest trugen nur leichte Verletzungen davon. noch von keiner Gemeinde gehört. Der Antrag wurde gegen neun Die Leiche konnte bis zur Stunde noch nicht geborgen werden. Stimmen abgelehnt und nur eine Submission unter den fünf hiesigen Boxhagen Rummelsburg. Maurer und Zimmermeistern zugelassen. Die Berausgabung ber Lieferung von Reihenpflastersteinen für die Brüder- und Hohestein straße wurde der Firma Kullmit aus Oberstreit bei Striegau für Schlesische Steine, welche pro Quadratmeter 5,85 M. gefordert hatte, erteilt. Ein Schuppeneinsturz, wobei ein Menschenleben auf dem Spiele stand, ereignete sich gestern morgen auf dem Grundstück des Darmhändlers Born, Boghagener Chauffee 14. Hier wollte eine Frau Schröber auf Leinen, die an den Hafen am Schuppen Befestigt waren, Wäsche aufhängen, als plöglich der Schuppen zusammenbrach und die Frau unter sich begrub. Personen sprangen sofort zur Hülfe und befteiten die Frau aus ihrer Lage, die zum Glück lebensgefährliche Verlegungen nicht davongetragen hat. Der Schuppen soll sich schon längere Zeit in einem äußerst bedentlichen Zustand befunden habe. Friedrichsfelde. zu Potsdam. Betriebsunfall. In der tgl. Eisenbahnwerkstatt auf dem hiesigen Bahnhofe stürzte gestern eine Stunde vor Feierabend beim Umlaben bon Kesselblechen eine mehrere Zentner schwere Stahlplatte auf den Werkstättenarbeiter Wegener, der erhebliche Quetschungen am Kopf, auf dem linken Arm, der Hand und dem Oberschenkel erlitt. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde der Verlegte in ärztliche Pflege gebracht. Gerichts- Zeitung. Haftung für Unfälle im Laden. Ein Zweimillionen- Schadenfeuer. Aus Doullens( Dep. Somme) wird gemeldet: Die Lagerhäufer der Firma Saint Frères, die ungefähr 3000 Quadratmeter bedecken, wurden durch ein Großfeuer heimgesucht, das etwa 25 000 Doppelzentner Jute im Werte von rund zwet millionen Frank vernichtete. Briefkaften der Redaktion. Die juristische Sbrechstunde findet Friedrichstr. 16, Kufgang 4, eine Tresve( Handelsstätte Bellealliance, Durchgang auch Lindenjte. 101), Geöffnet 7 Uhr. wochentäglich von 7 bie 9 the abenbe ftatt. Sonnabends beginnt die Sprechstunde nm 6 ühr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Bahl als Wierfzeichen beignfügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Gilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Die neuerbaute Kanalisation soll bekanntlich zum Oftober d. J. 2. E. 16. Uns ist solche Anstalt nicht bekannt. 3. 44. Das Gesuch um Aufnahme in den Staatsverband ist an den Polizeipräsidenten in Betrieb genommen werden. Es erscheint dies fast fraglich, da die von Berlin zu richten. Der Nachweis der bayerischen Staatszugehörigkeit fertiggestellten Leitungen infolge Unbrauchbarkeit noch nicht abfann verlangt werden.$. 50. Wenden Sie sich an Genoffen genommen sind. Die Kanalisationskommission wird ein wachsames Dr. Behl, Stadtverordneter( Lothringerstraße); derselbe wird Ihnen Auge darauf lenken müssen, um die Gemeinde vor größerem Schaden Auskunft erteilen können. R. M. 907. Ihre Ansicht ist nicht richtig. zu bewahren. Es ist dies umsomehr am Blaze, als die frühere 3. K. 100. In allen Eisenbahnfragen erhalten Sie auf der amilichen Berwaltung bei der erbauten Entwässerung des Oberfelbes einen Für die Verkehrssicherheit in Gebäuden, Läden und anderen Auskunftsstelle der verschiedenen Berliner Bahnhöfe zuverlässige Auskunft. G. B. 60. Sei gegrüßt. Th. V. Undine 50. Mufitsteuer ist nicht Zuschuß von 38 000 M. erfordert. Die Anlage mündet in den Kraaz öffentlich zugänglichen Lokalen muß der Eigentümer und LadenB. E. 72. Die Klage auf zu zahlen, aber Erlaubnis ist erforderlich. graben, welcher die natürliche Vorflut bildet. Der öffentliche Graben inhaber einstehen. Ihm liegt nach den allgemeinen Grundfäßen des Ehescheidung würde Aussicht auf Erfolg haben. 136. Ersuchen Sie läuft auch über das Grundstück eines Herrn Jahn des Schwiegersohns Bürgerlichen Gesetzbuchs die Verpflichtung ob, die im Verkehr er- Shren Verteidiger um afteneinsicht. B. B. 104. 1. Nein. Sie können des reichsten Bauern und früheren Gemeindevorsteherstellvertreters, forderliche Sorgfalt zu beobachten. Wird diese Sorgfalt nicht be- tun, was Sie wollen. 2. Beantragen Sie beim Standesbeamten eventuell Herrn Westphal. Herr Jahn hat seinerzeit die Erlaubnis erhalten, obachtet, so macht sich der Inhaber der Räume für die aus dem beim Gericht Berichtigung des Namens. O. P. 64. Nein, wenden Sie F. N. J. 1907. den öffentlichen Graben auf seinem Grundstück einzurohren. Für Mangel dieser Sorgfalt entstehenden Schäden haftbar. Zu einer sich an Genoffen Döhring, Am Ostbahnhof 10. die Benutzung des gewonnenen Terrains ist aber weder eine Bacht, solchen Schadenersatzklage führte ein Unfall in der Filiale der 1. Mangels einer Vereinbarung steht dem Bertmeister eine sechswöchentliche Pak 3. 1. Jm noch Anerkennungsgebühr seitens der Gemeinde festgesetzt. Die Dresdner Bank zu Mannheim. In dem Schalterraum derselben Kündigungsfrist zum 1. des Duartals zu. 2. Sa. 2. 31. 1. Ja: intellektuelle Entwässerungsanlage hat nun an der Mündung in den Graben eine befindet sich oberhalb ein Lichthof, der mit Glasbach abgeschloffen Jahre 1893. 2. 6 Monate. 3. 300 M. Urkundenfälschung kann angenommen werden. 2. Staatsanwaltschaft und Rohrweite von über 1 Meter, während der Graben, soweit er ein- ist. Das Glasdach ist in zwei Abteilungen ausgeführt und ist über Gericht haben zu entscheiden. 3. Würde die Heiratsurkunde beigebracht gerohrt ist, nur den bierten Teil an Durchmesser hat. Bei stärkeren der unteren ein Eisenstabneh angebracht, auf welches bei Reini werden können, jo läge keine strafbare Handlung vor. 4. In 4 Jahren. Nieberschlägen staut sich der Schlamm und das Wasser an dem Eng- gungszwecken Dielen gelegt werden, um so das Hantieren dortselbst möglichste Beschleunigung der Heirat wäre am Plaze. G. R. 100. paß. Der Gemeindebaumeister mußte vor einiger Zeit zugeben, daß zu ermöglichen. Eine solche Reinigung ließ die betreffende Anstalt Der Wirt ist zur Rückgabe nicht verpflichtet. O. W. 000. Rein. dieser Zustand unhaltbar ist, ja, daß Rohrbrüche unvermeidlich find während der Schalterstunden vornehmen. Hierbei trat der die 2. A. 07. 1. Wenden Sie sich an Genossen Döhring, Berlin, Am 2. Solche existiert nicht. 3. Sie tönnen ohne weiteres und durch den dann frei werdenden Unrat eine Verpeftung eintreten Reinigung vornehmende Arbeiter infolge Ausgleitens mit dem Fußftbahnhof 10. tönne. Hoffentlich werden diesmal solche Fehler vermieden. in das Glasdach, so daß einige Stücke in den Schalterraum hinunter- impfen lassen, find aber nur dann strafbar, wenn Sie troß Aufforderung Parteigenoffe 500. 3hre Köpenick. fielen und dort einen gerade am Schalter stehenden Kaufmann durch die Behörde die Impfung unterlassen. Frau erbt nicht mit. Ueberfluß 001. Mitteilung brauchen Sie nicht Rauchen verboten. zulässig. H. 2. Der at erheblich am Kopfe verlegten. Der Verunglückte flagte infolgeAn diese Vorschrift wurden vor einigen beffen gegen die Dresdener Bank auf Schadloshaltung für die ihm zu machen. Eine Nachforderung für Steuern ist für drei Jahre rüdiväris Tagen Arbeiter erinnert, als fie fich auf dem Nachhausewege vom aus diesem Unfall entstandenen Nachteile. Stabelwert Ober- Schöneweide eine Bigarre angesteckt hatten. Unweit Das Landgericht Mannheim erkannte auf Verurteilung der bon Sadowa am Eichenstall trat ihnen ein Hüter des Waldes, der Beklagten. Es nahm an, die Dresdner Bank treffe das VerFörster in Begleitung zweier Damen in den Weg und machte sie schulden, daß fie gegen die verkehrsübliche Sorgfalt berstoßen habe, Parauf aufmerksam, daß Rauchen im Walde verboten sei. Die Ar- als sie das Reinigen des Glasdaches innerhalb der Geschäftsstunden beiter hatten ben Wald mit der Zigarre nicht betreten und machten, vornehmen ließ. Auch das Oberlandesgericht Karlsruhe tant aus weil der Förster ebenfalls eine Bigarre rauchte, auch ihn auf das demselben Grunde zur Berurteilung der Beklagten. „ Rauchen verboten" aufmerksam. Der Waldeshüter hatte bereits Die gegen dieses Urteil von der Beklagten eingelegte Revision, liente gemacht, die des Weges Dahingehenden zu notieren, die schlag- welche Bedenken gegen die Verantwortlichkeit des dortigen Vers fertige Antwort veranlaßte ihn jedoch, das Notizbuch unverrichteter treters der Bankfiliale geltend machte, hatte keinen Erfolg und Sache wieder in die Tasche zu stecken. Schließlich geht es auch so. wurde vom VI. Sivilfenat des Reichsgerichts zurückgewiesen. Der Das Zusammentreffen der Rauchluftigen hat das Gute, daß in erkennende Senat legt dar, daß der Vorstand, der Direktor, der Zukunft nicht nur die Arbeiter, sondern auch der Förster das Filiale zu Mannheim den dortigen Geschäftskreis zu vertreten habe Stationen Rauchen verboten" beherzigen werden. und als Vertreter im Sinne der§§ 30/31 des Bürgerlichen Gesez bucha gelte, für dessen Verschulden die Bank haftbar sei. Im übrigen Mariendorf- Südende. Die Gemeindevertretung hat nun doch noch zum 24, und 25. Mai die Gemeindewähler zu einer Nachwahl aufgerufen. Das Mandat des Genossen Reichardt ist auch bom Bezirksausschuß für ungültig erklärt worden. Die Befizer" Eigenschaft soll nicht über jeden Zweifel erhaben sein. Weißenfee. Die legte Gemeindevertretersigung beschloß unter andern bie Gründung einer Spartaffe vnd eines Leihamtes. Auch die Ein$. Th. M. 2. Der Jagdpächter ist nicht schadenersaßpflichtig. Das Abschießen tönnen Sie nur mit Zustimmung des Jagdpächters vors nehmen. B. 28. Die Eingabe können Sie vor der Aufnahme an Pro M. S. 16. tokoll oder schriftlich an die Bersicherungsanstalt richten. Seßen Sie der Schneiderin einen angemessenen furzen Termin, verlangen Fertigstellung oder Herausgabe und Schadenersatz und flagen, falls bie Frist fruchtlos verstreicht, auf Herausgabe und Schadenerlab beim Amts. 5. N. G. 202. Zwischen 2 und 5 Mart.-M. 2. 10. Ja. gericht. Witterungsübersicht vom 8. Mai 1907, morgens 8 1hr. Baronieter stand mm ind Bunga Windflatle Beller Temp. n. 16. D9 Stallonen Barometer fland mm Bind Bunz@ p Windstärke Belter Temp. n. 6. 4 I wollen! billigt das Reichsgericht die Ausführungen des Oberlandesgerichts S 2 halb bb. 8 Starlsruhe, daß sich jeder vernünftige Mensch und beshalb auch Swinembe. 767 328 3 woltent 18 Gabaranba 768 3 768 DGD 3 wolten! 14 Betersburg 7783 Hamburg der Direttor der Filiale der Dresdner Bank zu Mannheim. Berlin fagen mußte, daß burch die Reinigung des Glasbaches während der Frank.a. M. 767 DSD wollent 11 berbeen Schalterstunden für das darunterstehende Publikum eine Gefahr München bestand. Der geltendgemachte Umstand, daß bis dahin noch nichts Bien passiert sei, befreie die Beklagte nicht von ihrer Verantwortlichkeit. 767D 751 GGD 6 bebedt 10 755 GD 2 wolfig 9 764 SSD 2wollen! 12 768 2 3wolfen! 15 Scilly 4 heifer 12 Paris 767 23 3 wolfen! 17 Wetter- Prognose für Donnerstag, den 9. Mai 1907. Trocken und meist heiter, am Tage etwas wärmer bei mäßigen süd Berliner Betterbureau J. onlichen Winden. 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Nr. 107. 24. Jahrgang 4. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donnerstag, 9. Mai 1907. Städtische Heimstätten für Genesende. Von den vorhandenen sechs städtischen Heimstätten sind drei Angabe der Adresse erforderlich. Nach einigen Wochen erfolgt der für Männer, drei für Frauen bestimmt, davon je zwei für Bescheid und gewöhnlich nach zwei bis drei Monaten, falls dies 2ungentrante, je eine für Genesende. Gesuch genehmigt worden ist, die Aufnahme in die Anstalt, in bew fich dann der Patient innerhalb 1-8 Tagen melden muß. Die Frauenheimstätte für Genesende liegt in Blantenburg an der Stettiner Bahn. Es finden dort BerDie Entwickelung der Heimstätten der Stadt Berlin befindet sich heiratete und Unverheiratete Aufnahme, auch Wöchnerinnen noch im Anfangsstadium. 1887 wurden die ersten Anstalten für mit Kind, aber nicht vor dem 10. und nicht nach dem 21. Tage genesende Männer und Frauen in Blankenburg und Heiners- der Entbindung. Im Winter stehen 54, im Sommer 70 Betten zur dorf eröffnet; feitdem hat sich die Zahl der Betten von 80 auf Verfügung. Die Kosten der Verpflegung betragen 2,20 m. pro Tag nur 142 vermehrt. Etwas rascher wuchs die Zahl der Betten in mit oder ohne Kind, doch muß die Mutter die Pflege und Wartung den Heimstätten für Lungentrante, in Blantenfelbe, ihres Kindes selbst übernehmen. Ausgeschlossen von der AufMalchow, Gütergoß und Buch, die von 160 im Jahre 1901 nahme find Epileptiker, Syphilistrante, Alkoholiker und Tuberkulöse. bis zum letzten Berichtsjahr 1905 auf 430 stiegen. Zurzeit befindet 2ungentrante Frauen finden Aufnahme: sich eine neue Heimstätte für weibliche Genesende in Blankenburg im Bau, die mit 95 Betten ausgestattet sein wird. Auch nach Fertigstellung dieser Anstalt bleibt die Zahl der Betten noch immer eine viel zu geringe. Gegenwärtig sind im ganzen 572 Betten borhanden, 182 für Frauen, 248 für Männer, die für sämtliche Erholungsbedürftige der 8weimillionenstadt Berlin genügen sollen! In Malcho to bei Weißensee( bon der Endstation der Straßenbahn Nr. 62 30 Minuten zu Fuß). Im Winter 88, im Sommer 104 Betten. In Buch an der Stettiner Bahn, im Sommer 1905 eröffnet, Lungenkranke. Auch sie haben sich in dem Bureau Neue Friedrichstr. 9/10 ein Formular zu holen, aber für eine Lungenheilstätte. Bei ihnen genügt nicht das von dem behandelnden Arzt ausgestellte Attest; fie haben sich außerdem noch zur Untersuchung bei einem der beiden Heimstättenärzte zu melden, und zwar im Hause des Heimstättenbureaus; Tag und Stunde ist dort zu erfragen bei Abholung des Formulars. in Anspruch nehmen will, muß dies in seinem Wer den Freistellenfonds oder die Stiftungen Aufnahmegesuch besonders bemerken. Außerdem ist ihm In Blankenfelde( Eisenbahnstation hinter Nieder- Schön- von dem zuständigen Bezirksborsteher die Würdigkeit hausen). Im Winter 62, im Sommer 78 Betten. und Bedürftigkeit" zu bescheinigen, die durch eine Recherche festgestellt Die Männerheimstätte für Genesende Hegt in werden. Als Ar menunterstütung wird die Inanspruchnahme Heinersdorf bei Groß- Lichterfelde( von der Eisenbahnstation des Freistellenfonds und der Stiftungen aber nicht angesehen; es Teltow 15 Minuten zu Fuß) mit 72 Betten. tommen jedoch nur folgende Stiftungen in Betracht: 2ungentrante Männer finden Aufnahme: Kommerzienrat Albert Arons Fonds, August Emilie In Gütergos, Kreis Teltow,( 45 Minuten von Groß- Lichter- Schlösser- Stiftung, die Schenkung der Kaiserin aus felde- Dft über Stahnsdorf) mit 82 Betten im Winter, 98 im den überschießenden Mitteln der Schloßfreiheit- Lotterie von 51 000 m. Sommer. Letztere Stiftung kommt den Heimstätten nur teilweise und indirekt zugute, da die Zinsen in ganzer Höhe dem hiesigen Verein aur Unterstügung und Pflegung armer Wöchnerinnen zu überweisen sind. Dieser verwendet fte nach eigenem Ermessen oder den städtischen Heimstätten zuführt und im lepteren Falle die zurückbleibende Familie unterstützt. Auf Kosten des Vereins Jm Bureau der städtischen Heimstätten Neue Friedrichstr. 9/10, II, wurden im Jahre 1905 insgesamt 20 Wöchnerinnen in Blankenburg erhalten sie auf Verlangen ein Formular tostenfrei ausgehändigt, verpflegt. ein Arzt( bei Kaffenmitgliedern der Kaffenarzt, wenn die Staffe die für die arbeitende Bevölkerung in Betracht kommenden Freibetten Frauen für Blankenburg, Männer für Heinersdorf. Nachdem Wie aus obiger Zusammenstellung ersichtlich, ist die Zahl der Kosten der Verpflegung trägt) das Formular ausgefüllt hat, ist es sehr flein. Es ist daher dringend zu erstreben, daß größere Mittel wieder dem Bureau der Heimstätten mit einem mündlichen oder zur Verfügung gestellt werden, damit Unbemittelte nicht gezwungen Aus diesen Mitteln wurden 285 Personen verpflegt, das sind besser schriftlichen Aufnahmeantrag einzureichen. Annahme oder Ab- find, die politisch entrechtende Armenunterstützung in Anspruch zu 6% Proz. der gesamten Pfleglinge. lehmung des Gesuchs wird schriftlich mitgeteilt, deshalb ist genaue nehmen. Im Berichtsjahre 1905 wurden im ganzen 4286 Personen berpflegt; die Höchstzahl der Vormerkungen betrug 517 mit einer Höchftwartezeit von 84 Tagen. Die geringe Zahl der Vormerkungen läßt sich nur daraus erklären, daß die Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins, sofern nicht die Krankenkassen die Unfosten tragen, nicht in der Lage find, die 2,20 Mark tägliche Vers pflegungskosten aufzubringen, obwohl für diesen Betrag den Lungen mit 150 Betten. tranten Wäsche und Kleidungsstücke( mit Ausnahme des Schuhwerks) geliefert werden. So bleibt es für die meisten Erholungsbedürftigen Wer Aufnahme in eine städtische Heimstätte finden will, hat folgendes zum Besten von Wöchnerinnen, indem er sie zu Hause verpflegt ein schöner Traum, Erholung oder Genesung in den städtischen Heimftätten zu finden. Tritt die Armendirektion als Trägerin der Untoften ein, so verliert der Mann sein Wahlrecht! Nun hat aber die Stadt Berlin einen Freistellen fonds geschaffen bon jährlich 12000 Mark und aus verschiedenen zum Besten ber städtischen Heimstätten gemachten Stiftungen kommen jährlich noch etwa 6000 Mart für Freistellen hinzu. zu beachten: Erholungsbedürftige: In Knaben- Anzüge Jünglings- Anzüge Tausende Exemplare. Nur eigene Erzeugnisse. Reizende kleidsame Fassons, praktischer und luxuriöser Genres. 18.16.- 14-12-10.- 9.87 6 8 A8 2 Mk. 80 Tausende Exemplare. Nur eigene Erzeugnisse, Moderne, gemusterte Stoffe allerneuester Geschmacksrichtungen 83.- 30,- 27.- 24.21 18-15-129 Mark Baer Sohn Spezialhaus grössten Massstabea 29-30 Chausseestrasse alte Nr. 248/25 11 Brückenstrasse 11 Gr. Frankfurterstr. 20 Der Haupt- Katalog Nr. 31( neueste Moden 1907) wird aut Wunsch hostenlos zugesandt. Nächsten Sonntag bis 6 Uhr geöffnet. Die Norm guter Qualität in Cigaretten unter kritischen Rauchern. 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Gehrock- Anzüge 9, 11 bis 14 Mk. getragene Hosen. 1,50 bis 3,50 Mk. Ferner von feinsten Herrschaften, Kavalieren etc. verliehene Monats- Garderobe. Für jede Größe, Figur jederzeit passend zu finden. J. Wand, Haupt- Geschäft: Nummer 86, Chausseestr. 86. Nene Nummer alte Nummer 80 a alte Nummer 80 a Bitte genau auf Hausnummer 86 zu achten. Filiale 2: Prinzenstr. 17. Filiale 3: Große Frankfurterstr. 116. 3. Ziehung 5. Kl. 216. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 8. Mai 1907, nachmittags. Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr.) ( Nachdruck verboten.) 100 87 305 525 749 62 898 905 1010 22 55 147 99 202 72$ 69 72 506 36 665 811 912[ 8000] 2845 484[ 800] 689 712 15 873 3009 170 227 358 457 522 896 582 4482 581 756 896 B03 5108 82 203[ 1000] 81 319 20 577 763 6116 276 338 703 037[ 500] 53 55 7059-738 75 8009 96[ 500] 154[ 1000] 69 240 418 560 605 814 9081 115 76[ 1000] 222 408 34[ 1000] 686 792[ 500] 97 814 87 10118 281[ 3000] 858 478 518 615[ 500] 88 718 811 88 61 11014 500 677 754 972 12153 444 686 57 786 76[ 500] 884[ 600] 991 13002 158 243 69 344 527 95 601 743 998 14043 135[ 500] 824 506 10 608 843 65 15124 631 718[ 300] 839 915 16098[ 3000) 94 130[ 8000] 69[ 10001 88 379 706 829 83 949 68 17158 227 422 586 T61 18000 318 58[ 500] 64[ 8000] 396 685 788 857 16[ 500] 19186[ 1000] 789 897 831 87 89 20092 120 242 797 851 949 21858[ 500] 424 64 680 969 22020 1500 100 455 716 000] 49 810 2910s 206[ 500] 48 828[ 8000] 499 559 769 068 24184 85 222 321 418 49 101 878 88 25154 234 354 450 TO 781 954 26161 276 588 754 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Berantwortlicher Rebatteur: Hens Weber, Berlin. Für den aferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Vorwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW.