Pr. 108. RbonntmentS'Bcdlnsunaeii: NvonnementZ> Preis prSnumerand» i «ierlcljährl. S,30 SRI., oionatl. 1,10 Mk„ «vöchentlich 28 Pjg, frei WS HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. SonnlagS- numiner mit illnstricrler SonnlagS- Beilage.Die Neue Welt' 10 Psxr Post- »bonnemenl: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitung«. Preisliste. Unter Kreuzband für Denlichland und Oesterreich» Ungarn Z Mark, für daS bbrige LuSIand 8 Mark pro Monat. Poslabonncmeius nehmen an: Belgien. Dänemark tolland. Italien, Luzeuibtirg. Portugal, uuläuicti. Schweden und die Schwei«. 24* Jahrg. (iftttlnt täglich aoStr OlsnUit, yir p": Verlinev Volksblcrkt. Die InfertionS'GebQDr betrügt ffit die sechsgespaltene Kolon el- zeile oder deren Raum 50 Psg„ sll« politische und gewertschastliche Verein«- und BersaninilungS-Anzeigen M Pfg. „Kleine Bnzcigcn", da« erste(seit- gedrucktes Wort 20 Pfg. jede« weiter« Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlas- slellen-ilnzeigen da« erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zühlen sür zwei Worte. Inserate sür die Nlichste Nummer müssen bis 5 UhrnachmillagS in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends gcöfsnet. Telegramm- ildresse: ,S»iüIlItmol!»t Bcrlii". Zentralorgan der rozialdemokratifcben parte» Deutfcblands. Rcdalitlon: SCd. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Slmt IV. Nr. IU8». Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69. Kernlprechcr: Amt IV. Nr. 1081. Quittung. Im Monat April gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Altona. 6. schleswig-holst. Wahlkr. 3. Quartal 1906/07 1270,—. Aachen-Land-Eupen, sozialdemokr. Verein 41,—, Aachen, jozialdemolr. Verein Aachen- Stadt 1. Quart. 07 84,80. Grob-Berlin a Konto femer 8 Wahlkreise 13 000,—(darunter Bau Behrenstr. 30,95, 3c. D. 50,—, für Dekoration auf dem Bock von dem Maschinisten 2,—, B. II Quartal 3.—, Ueberschuß der Kranzspende vom 13. März von den Arbeitern der deutschen Telephonwerke, Kvpenicker- straße 12,35, desgleichen von den Arbeitern der Firma Sudikatis u. Co. 10,85, Schügner 1,50, Alt 10.-. H. Bussack 1,—, H. Müscharzk 1,—, Langner 0,50, F. I. 1. und 2. Quartal 4,—, Sparverein»Fester Wille", Oppelnerstr. 47 20,—, Beitrag Schneider, Sebastianstrave 1,—, vom Skatklub»Grand Schwarz", durch Bande 10,—, Lehmann sagts durch Wasser 1,—, Papierüberschuß der 1. Ab» tcilung von der NeichstagSwahl 1,60, Amerikanische Auktion auf der Futzpartie des 6. Kreises am Karfreitag 31,30, Hebern See gefahren bei Böhle in Spandau 2,75, BleistegS Bicrkassen 6,40, Friedrich Leese, Landtagswahl 1903 1.—. A. B. Mister 1,—, Monatsbeitrag H. Raschle 10,—. Ueberschutz von Postkarten im Gewerkschaftshaus durch Raschke 1,60, Bierprozente Bau Aschinger 30,—, Bierprozente Rabitzcr der Firma Fried. Aug. Krau», Bau Fürstenhof 30,—, Ueberschusz der Kranzspende für Genossen Auer von den Arbeitern der Firma Schwartzkopsf 129,85, Ueberschuß der Kranz- spende für Weber 3,—, Vom ausgelösten Bund 23,—, Wette bei Gödde 0,50, Bierprozente der Maurer Bau Pariser Platz 18,—, W. A. Hirschmanns Arbeiter, Pankow 12.10, Ueberschusz der Kranz- spende von den Arbeitern der Daimlerwerke für Jgnaz Auer 31,85, Lotterie-Verein.Vorwärts" zum Niederreiten 5,75, Ueberschusz v. d. Kranzsamml. f. die Märzgefallenen v. d. Arbeitern und Arbeiterinnen d. deutschen Munitionswerke 676,60, Ueberschusz v. Märzkranz der Anhaltschen Maschinenfabrik 37,55, vom Gesang- Verein Liedcslust II 30,—, bei Melzer über See 3,25. Richard Babin 0,50, Kranzüberschust der Firma Bergmann 323,10, Kranzüberichust Kapler 9,15, Kranzüberschutz d. Firma Deutsche Akkumulatoren-Comp. 8,—, Kranzüberschust Ludwig Löwe 7,05, Kranzüberschuh I. Auer BolzaniS Fabrik 8,10, Bast-Carl, Breiting 2,70, Gicster und Schleiserzv. Hartmann. Köpenickerstraste, statt eines Märzkranzes 12.—, von einem Reservcmann durch Hugo W. am 14, 4. 07 10,—, gef. zum Zylinderhnt für den Vorsitzenden 5,25, Bayer, Jüden- strahe 24 5,—, Streitigkeit Bayer u. Schäfer— ,50, von Mitgl. der U.-Dr. 5,60, Laubenkolonie»Paulinens Höhe" durch A. Orlschläger, 23,—. zwei Ausgenutzten. Rabitzer durch Ruckenbrod 4,—, Lehrer in Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg 5,—. Munition zumKanipf für Wahrheit u. Recht 4,—, zurückgezahlt, Musiker d. Jrrgang 6,—, Sechserkasse, Arbeiter d. Fa. Speck 2.—, ges. v. d. Arb. d. Fa. Bartling 5,—, aus Anlast der Maifeier von R. Sch., Nixdorf 3,—). Berlin, diverse Beiträge: Falzerei-Abt. v. Ullstein u. Co. 40,95. Uebersch. v. Kranzsp. z. 18. März v. d. Arbeitern der Fa. Zwietusch u. Co., Salzufer 7, Charlottenburg 56,10. Uebersch. der Kranzsp. von Abt. Blechwalzwerk, Kabelwerk Oberspree 5,10. Bierprozente vom Bau Boswau u. Knauer. Königgrätzerslr.. 4 Raten 20.—. Für den Wahlsonds vom Berliner Arbeiter- Nadfahrerverein(Bund Solidarität) 40,—. Uebersch. v. Märzkr. v. d. Arbeitern der Firma S. I. Aruheim, Gcldschrankfabrik durch L. 10,13. Gescllcnfeicr Firma Rosenstock 2,50.»Lustige Sieben 8. 4. 07" 2,—. Bierprozente vom Bau Wilhelmstr. 70a, 2 Raten 10,—. Uebersch. der Kranzsp. für die Märzgefallenen v. d. Arbeitern u. Arbeiterinnen der Fa. C. P. Goerz, Friedenau 121,05. Machetes (inkl. 1 M. Sitzungsgeld) 6,—. Uebersch. einer Kranzspende vom Personal der Fa. O. Nachtigall 2,80. Uebersch. vom Märzkranz von den Arbeitern u. Arbeiterinnen d. Schraubcnfabr. G. A. Stelz- ner 14,30. Ueberschust des Auerkranzes von den Kollegen der a. I. C. G. A.. Mariendors 3,40. Uebersch. der Kranzspende für en. Auer v. d. Arbeitern der Werkzeugmaschinenfabr. v. Sentker 8,10. Märzkranzübersch. von den Schlossern der Fa. Scherbel 8,—. Kranznbcrsch. von den Formern u. Giestereiarb. der Fa. Aichele u. Bachmann 12,—. Von den Arbeitern d. Maschinenfabr. kärger 4,15. Rückzahlung von H., 3. Kr. 10,—. Gesammelt durch die Vertrauens« leute d. Mctallarb.-Verb., Bezirk Siemens-Werke, Uebersch. vom Märzkranz 140,—. Die Konlobucharbeiter vom Wedding 5,—. A. Qu. 3,—. Ueberschust der Bierkasse Schriftgiesterei von Wöllmer 50.—. Ges. bei Eröffnung des Lokales von C. Blückrei, Stralauer- straste 30 1 85. Dr. L. A. 100,—. C. D. Guhrau 3.—. Von den Arbeitern der Firma Schignitz 2.50. Uebersch. v. Märzkranz der Arbeiter v. C. Hasse u. Wrede 6,—. Mitglieder des Verb, deutscher Buchdrucker im„Vorwärts" 100,—. Uebersch. der Kranzsp. für Gen. Auer v. d. Arbeitern d. Fa. Werner, Abt. C— D 8,15. DeSgl. v. d. organ. Arb. d. Schuliheihbrauerei Abt. II 43,50. M. H. 5,—.� Uebersch. V. Märzkranz der Arbeiter d.�Fa. Rich. Weber u. Co. 6,03. Knabe 6,—. Verband der Brauereiarbeiter, Sekt. I, Schlustrate zum Wahl« sondS 383,—. Gutenberg 49.40. Uebersch. d. Kranzsp. s- Genossen Auer von den organisierten Arbeitern der Verl. Maschinenbau« Altienges., L. Schwartzkopsf, Werl Wildau 44,45. Uebersch. d. März« kranzsp. der Arb. der Berliner Wagenachsenfabr. Pankow 26.20. P. S. 50.—. A. B. 50,—. Butzbach i. H.. C. K. 5.—. Breslau. sozialdemokr. Verein 1. Quart. 07 1079,10. Bremerhaven. Zentral- wahlverein für den 19. hannov. Wahlkr. 1. Quart. 07 206,—. Bem 50,—. Buxtehude, von den Alten durch Weber 2.—. Burg b. Magdeb., Wahlkr. Jerichow I u. II 4. Quartal 06 154,15. Bielefeld-Wiedenbrück. sozialdemokr. Verein 1. Quart. 07 403,76. Bant. 2. Oldenburg, u. 2. hannov. Wahlkreis 441,—. Coburg. sozialdemokr. Landesverein 1. Rate 1906/07 50.—. Crefeld. Volks- verein 1. Quart. 07 137,65. Dortmuiid-Hörde. Wahlkreis 4. Quart. 06 695,—. Dresden, vom Vezirkskomitee des 4.. 5. u. 6. sächsischen Reichstagswahlkr. 2300,—, vom 6. KreiS ansterdem 1500,— Sa. 4000,—. Durlach, 9. badischer Reichstagswahlkr. 4. Quart. 06 268 40. Dresden. Daniel a. d. Löwengrube 1,—. Düsseldorf, WahlkreiSorganisation 1- Quartal 07 303,20. Duisburg- Mülheim, Wahlkr. I. Quartal 07 30z.94. Essen a. Ruhr. sozialdemokr. Berein für den Wahlkreis 1. Quart. 07 494,76. Aalkenberg 3,—. Frankfurt a. M., sozialdemokr. Ber. für d. Wahl- kreis, 1. Quart. 07 300,—. Furth, sozialdemokr. Verein für den Wahlkreis Fürth-Erlangen 381,10. Freibnrg(Breisgau) 33,—. Friedenau, E. A. 5.—. Flensburg, sozialdemokr. Verein für den 1. u. 2. schleSw.-holst. Wahlkreis 199,26. Greiz, sozialdemokr. Verein Reust 2. L. v. 1. 7. bis 31. 12. 06 192,— und Restbetrag nicht gebrauchten Wahlzuschusses 77,66, Sa. 269,66. Giesten, E. K. 10,—. Kalle a. S., Parteiorganisation Halle u. Saalkreis 400,—. Harburg-WilhelmSburg. 17. hannov. Wahlkr., 3. Quartal 1906/07 609,84. Hemelingen, Parteibeitrag des 6. hannoverschen Wahlkreises 45,—. Hildesheim, Kreisverein f. d. 10. hannov. Wahlkr. 250,20. Hägen-Schwelm i. W., sozialdemokr. Verein, 1. Quart. 07 236,40. Judenbach b. Sonneberg, gesammelt bei der Kindtaufe Roos 2,09. Köln a. Rh., Reg. W. 20,—. Kattowitz(Oberschl.), sozialdemokr. Verein, für Dezember 06 6,—, für Januar-März 24,—, Sa. 30,—. Köln a. Rh., sozialdemokr. Verein d. ReichStagswahlkreise Köln-Stadt u. Köln-Land 1000,—. Lechhausen, sozialdemokr. Verein, 3. Quartal 1906/07 21,72. Limmer, Wahlverein für den 9. hannov. Wahlkreis Limmer-Hameln, 2. Halbjahr 1906 533,28. Liegnitz-Goldberg-Haynan. sozialdemokr. Verein, 2. Halbjahr 06 66,42. Leipzig-Stadt, 12. sächs. Reichstagswahlkreis 1000,—. Leipzig- Land, 13. sächs. Reichstags- Wahlkreis 4200,—. Luckenwalde, Rufus 5,—. London, C. E. 1,—. München, Gau Sndbaycrn, 4. Quartal 1906 190,35. Mann- heim, sozialdemokr. Verein, 1. Quartal 1907 600,—. Magdeburg, Ueberschust von der NeichStagswahl 2359,52. Mülheim am Rhein, Volksverein f. d. Wahlkreis M.-Wipperf.-GnmmerSb. 1. Ouarial 07 241,—. München, Waldläufer 5,—. Mühlhausen i. Th., sozialdemo- kratischer Kreisver. Mühlh.-Langensalza 1. Okt. 06 bis 1. April 07 71,04. MoerS-ReeS, aus dem Wahlkreise 33.—. Nürnbcrg-Altdorf, sozialdemokr. Verein 1. Quart. 07 903,—. Neuwied, sozialdemokr. Verein 1. Quart. 07 9,74. Oberschöneweide, Ueberschust vom März- kränz ges. v. d. Arb. d. Akkninulaiorcnwerke 22,85. Oberlangenbielau, Extrabeitrag anS dem Eulcngebirge durch Aug. Kuhn 150.—. Oldenburg (Grosth.) sozmldemokrat. Wahlverein für den 1. oldenb. Wahlkreis 70,60. RummelSburg bei Berlin, Gesangverein»Vorwärts IV" 25,—. Rochester, I. Reuter 3,40. Stuttgart, sozialdemokr. Kreisverein für d. 1. württemb. Wahlkreis 1. Quart. 07 313,16. Siultgart, G. U. 10,—. Sagau, H. Jahresbeitrag 10,—. Schönlanke, sozialdemokr. Verein 1. Quart. 07 4,83. Tempelhof, von d. Kollegen der Firma Bana-Sprechmaschie 4,45. Viersen,„Lassallia" 1,—.„Vorwärts" 1. Quart. 07 42 911,50. Waldenbnrgfi.ISchl., Wahlkreis Rückzahlung 200,—.»Wahrer Jakob",»Neue Zeil" und„Gleichheit" 15 000,—. X. D. Z. 5000,—. Zingst, Insulaner 4,50. Zürich, deutsche und öjterr.-nngarländ. Sozialdemokraten in der Schweiz 640,—. Berlin, den 3. Mai 1907. Für den Parteivorstand: A. G e r i s ch. Lindenitr. 69. Sie irilche vewaltuiigsvorlage. London, 8. Mai.(Eig. Ber.) Mr. Augustin Birrell, der Hauptsekretär für Jr- land, hat gestern seine seit langem er'.vartete Vorlage be- treffend Verbesserung der Verwaltung Irlands (Irisii Council Bill) dem Parlamente vorgelegt. Birrell war im vorigen Jahre Unterrichtsminister und zeichnete sich in seinem parlamentarischen Auftreten durch eine edle, Humor- volle Beredsamkeit und viel Takt aus, so daß ihm jetzt, trotz der Ablehnung seiner Schulvorlagc durch das Oberhaus, einer der schwierigsten Posten der britischen Regierung anvertraut wurde. Seine Vorlage, die er gestern in einer anderthalb- stündigen, wenn auch nicht besonders klaren Rede begründete, ist keine Homerulevorlage. Sic bezieht sich nur auf einen Teil, allerdings wichtigen Teil, der inneren Verwaltung Irlands. Stellen wir vorerst den Unterschied zwischen einer Home- rulevorlage und der jetzigen Verwaltungövorlage fest. Die große Mehrheit des irischen Volkes verlangt H o m e r u l e; das Ministerium Gladstone hat ihr in den Jahren 1886 und 1903 eine solche Vorlage geben wollen. Homerule heißt Selbstregierung. Irland soll sich selbst regieren. Es soll ein eigenes Parlament, einen Landtag in Dublin,. in der Hauptstadt Irlands, haben, anstatt vom englischen Parlament in London und von englischen Bureaukratcn regiert zu werden. Hier werden die deutschen Leser ausrufen: die Iren wollen also, daß Großbritannien und Irland in Staaten eingeteilt werden, wie Deutschland, wo die Staaten ihre eigenen Land- tage haben. Darauf ist zu antworten: Bis zu einem gewissen Punkte ist das richtig. Aber nur bis zu einem gewissen Punkte. Denn die wirkliche Selbstrcgierung liegt nicht nur in der Existenz von Reichsparlamentcn und staatlichen Landtagen, sondern in der Unterordnung des Ministeriums, der Exekutive, unter das Parlament. Ein Land hat erst dann die Selbstregierung, wenn die Regierung aus dem Parlamente hervorgeht, oder i n- direkt aus Volkswahlcn, wodurch das Ministerium dem Parlamente und dem Volke ebenso verantwortlich ist, wie ein Vereins- und Parteivorstand dem Vereine oder der Partei verantwortlich ist. Die Iren wollen also ein Parlament in Dublin und die parälamentarische, verantwort- liche Regierung- Sie wollen die gesetzgeberische und ausführende Unabhängigkeit von England, aber dem britischen Reiche als ein f r e i e s G e m c i n w e s e n angehören, wie Kanada, Australien, die südafrikanischen Kolonien. Heute ist dies nicht der Fall. Das irische Volk sendet über 100 Abgeordnete nach dem englischen Parlamente, um an der Gesetzgebung teilzunehmen, aber die Verwaltung Irlands liegt in den Händen des eng- tischen Vizekönigs(Statthalters) in Dublin und in den Händen der B u r e a u k r a t i e. Während glso Großhritgvnien demokratisch regiert ist. wird Irland mehr oder, weniger nach preußisch- deutschem Muster regiert. Die Iren wollen also Homerule..,*j| sin- Nun können wir zum Prinzip der neuen Vorlage über- aehen. Grostbritannien will den Iren Homerule vorläufig nicht geben, da es sich erst überzeugen will, ob die Iren, die so lange unselbständig und rebellisch waren und heißblütig sind, das Talent zur Selbstregierung besitzen und loyal und tolerant genug sind, England treu zu bleiben und den in Irland wohnenden Protestanten gerecht zu werden,— die große Mehrheit der Iren ist bekanntlich katholisch. Um die Iren an die Selbstregierung zu gewöhnen, gab ihnen die konservative Regierung im Jahre 1898 eine freie Provinz- Verwaltung(County Councils) nach englischem Muster. damit sie sich in Gemeinde und Provinz. frei betätigen. Die Gemeindeverwaltung wurde einigermaßen demokratisiert, das heißt unabhängig gemacht vom Vizekönig und von der Burcaukratie. Aber staatlich blieb das Verhältnis das alte. Parlament, Finanzen, Verteidigung, Bodengesetzgebung, Polizei blieben nach wie vor von England abhängig. Die Vorlage, die Mr. Birrell gestern eingebracht hat, geht auf dem im Jahre 1898 vorgeschlagenen Wege ein gutes Stück weiter. Ein bedeutender Teil der inneren Verwaltung Irlands wird den Iren übergeben und der englischen Burcaukratie entzogen. Jetzt können wir den Unterschied zwischen der Forderung der Iren und den Konzessionen Großbritanniens feststellen. Die Iren wollen ein st a a t l i ch selbstregiertes Irland; Großbritannien gibt ihnen vorläufig ein Stück freier innerer Verwaltung. Die neue Vcrwaltungsvorlage hat folgende Bestimmungen: Das irische Volk wählt eine Ratskammer(Council) aus drei Jahre. Die Kammer hat ihren Sitz in Dublin. Sie besteht aus 107 Mitgliedern: 82 gewählten, 24 ernannten und dem Untcrstaatssekretär. Das Wahlrecht ist das bestehende Gcmeindewahlrecht und schließt auch die Frauen e i n. Der Präsident des Rates wird von den Mitgliedern gewählt und bedarf keiner Bestätigung von der Krone. Der Hanptsekretär für Irland darf das Wort in der Kammer er- greisen, aber nicht stimmen,— seine Stellung gleicht also der eines deutschen Ministers, aber nicht eines englffchen, da ein englischer Minister gleichzeitig Mitglied des Sauses ist. Dieser Ratskammcr wurden unterstellt: die Lokalregierungsbehörde(Armenwescn; Arbeitslosigkeit; Gesundheitsamt); Volks-, Mittel- und technisches Schulwesen; öffentliche Arbeiten; Behörde für übervölkerte Landdistrikte (mit bedeutenden agrarpolitischen Befugnissen); Standesamt. Zu diesen Zwecken wird der Ratskammer ein Fonds von 80 Millionen jährlich zur Verfügung gestellt. Dagegen hat die Kammer nicht die geringste legislative Befugnis und kann keine Steuern auferlegen. Sie ist also rein administrativ, aber ihr Gebiet ist ganz Irland. Aus der Rede Birrells geht jedoch nicht mit genügender Klarheit hervor, welche Stellung dem V i z e k ö n i g(Statthalter) dieser Kammer gegenüber eingeräumt ist. Darf er in ihre Beschlüsse eingreifen oder nicht? Von der Beantwortung dieser Frage wird offenbar das Maß von Freiheit abhängen, das die Iren jetzt erhalten.— Die Ausführungen Birrells wurden von den Liberalen, Iren und den Vertretern der Arbeiterpartei mit Beifall auf- genommen. Dagegen wurde die Vorlage von Mr. B a l f o u r. dein Redner der Opposition, scharf kritisiert. Noch bitterer war die Kritik einiger Vertreter der irischen Protestanten. Mr. R e d m o n d, der Führer der irischen Nationalisten (Homeruler), sprach sich für die Vorlage aus. behielt sich jedoch ein definitives Urteil vor. Er versicherte das Haus. daß die Iren sich bemühen würden, ihre Begabung für Selbstrcgierung zu zeigen und Toleranz gegenüber ihren protestantischen Mitbürgern zu üben. Wäre die Vorlage ge- währt worden, um Homerule unmöglich zu machen, dann würden die Iren gegen sie stimmen. Aber da sie nur eine Vorstufe zu Homerule sei, so werden die Iren sie annehmen. wenn sie tatsächlich einen Fortschritt bedeute. Eine Konferenz der Vertreter des irischen Volkes werde die Vorlage eingehend beraten und sie auf ihren Wert prüfen. Es wäre besser gewesen, wenn die Ratskammer aus lauter gewählten Mit- gliedern bestände, aber er nehme sie so an, wie sie dargeboten würde, um der protestanfischen Minderheit der Iren zu zeigen. daß die Homeruler entschlossen seien, die Rechte der Minder- heit zu schützen. Im Namen der Arbeiterpartei sprach Shackleton. da Keir Hardie infolge seines Blinddarmlcidens an der Teilnahme an den Parlamentsberatungen verhindert ist. Shackleton sagte:„Meine Partei würde eS mehr gefreut haben, wenn der Hauptsekretär für Irland eine reine Homerule- Vorlage eingebracht hätte. Aber wir werden der Regierung kein Hindernis in den Weg legen, wenn sie Gelegenheit gibt, die Vorlage in den späteren Bcratungsstufen in demokratischem Sinne zu verbessern. Wir sind Homeruler und da die Vor- läge einen bedeutenden Schritt zu jenem Ziele bedeutet, so wird sie von uns günstig angesehen. Meine Partei wird indes die Iren in jeder Beziehung unterstützen und dem irischen Volke beistehen, das vollste Maß von- Selbstrcgierung zu verlangen."— Die Urteile der Prcffe entsprechen im großen ganzen den im Unterhause von den Führern der Parteien eingenommenen Standpunkten. Die liberalen Zeitungen loben die Vorlage. die konservativen verurteilen sie als einen gefährlichen Sprung ins Dunkle oder als das dünne Ende des Keils, mit dem das vereinigte Königreich in Stücke gespalten werden solle. Das Pfittgstgeschenk der Berliner Bauherren. Der Riesenkampf im Berliner Baugewerbe ist nun un- dtrmcidlich geworden. Obgleich die Bauarbeiter von ihrer zuerst hartnäckig festgehaltenen Forderung des Achtstundcn- tages abgegangen sind und den Unternehmern insoweit entgegenkamen, als sie sich mit einer halbstündigen Arbeitszeit- Verkürzung begnügen wollten, die sie nicht einmal sofort, sondern erst im letzten Jahre des abzuschließenden Tarifes verlangten, halten die Unternehmer an dem Standpunkte strikte fest, daß sie unter keinen Umständen eine Verkürzung der Arbeitszeit bewilligen wollen. Den drei in Betracht komnienden Organisationen ging gestern das folgende überall gleichmäßig gehaltene Schrift- stück zu: Berlin mV. 52, dm 8. Mai 1007. Helgoländer Ufer 1 Verband der Baugeschäfte von Berlin und den Vororten (Eingetragener Verein). An den �entralvcrband der Maurer Deutschlands Zweigverein Berlin SO., Engel-Ufer 15. In Verfolg eines uns durch das EimgungSamt des Berliner � Eewerbegexichts übermittelten Schreibens, betr. das Ergebnis der gestrigen Versammlung des Zentralverbandcs der Maurer, Zwcigvercin Berlin, teilen wir Ihnen unter Bezugnahme auf unser Abkommen vom 26. März 1907 mit, daß wir weitere Bcr- Handlungen für aussichtslos halten, dieselben hierdurch abbrechen und somit die vereinbarte Verlängerung des bisherigen Tarif- Vertrages unsererseits zum Sonnabend, den 11. d. M.» nach- Wittags 5 Uhr, für aufgehoben erklären. Hochachtungsvoll Verband der Baugeschäfte von Berlin und den Vororten E. V. qx-. Der Vorsitzende: R. Vahl. Im Anschluß hieran beschloß der Verband der Baugeschäfte Berlins und der Vororte gestern die Aussperrung der gesamten Bauarbeiter. Derselbe hatte zu gestern abeno eine außer- ordentliche Generalversammlung einberufen. um definitive Maßnahmen zu der Lohnbewegung zu treffen. Baumeister Heuer, der Vorsitzende des Verbandes, referierte. Er gab einen kurzen Uebcrbltck über den bisherigen Verlauf der Lohnbewegung. Die Arbeitgeber halten uubediugt daran fest, während der dreijährigen Daner des TarifeS keine Verkürzung der Arbeitszeit z« gewähren. Deshalb erübrige es sich auch, auf die Ausführungen Silber- s ch m t d t s in der letzten Versammlung der Maurer einzugehen. Eine Verkürznng der Arbeitszeit sei nach allen früheren Be- schlüsselt der Arbeitgeber gänzlich ausgeschlossen, und es sei sogar fraglich, ob bei Ablauf des neuen Tarifes, also nach drei Jahren(I), eine Verkürzung der Arbeitszeit möglich sein werde l Habe sich Berlin inzwischen so weiter entwickelt und die Entfernungen sich noch vergrößert, so könne man dann allerdings der Frage vielleicht näher treten. Nachdem nun die Arbeitnehmer wiederum beschlossen, an einer Verkürzung der Arbeitszeit festzuhalten, und die Leitungen ihrer Ver- bände ihre Ansicht geändert haben, bleibe den Arbeitgebern nm der Angriff übrig. Der Kampf werde schwer werden und kann sich lange hinausziehen. Geben die Arbeitnehmer inner- halb eines Monats nicht nach, so kann der Kampf, wie in der Holzindustrie, monatelang anhalten. Zu Verhandlungen seien die Arbeitgeber nach wie vor stets bereit. Aber um den Arbeitnehmern nicht die Gelegenheit zu geben, bei Neuaufnahme der Verhandlungen zu verlangen, als ersten Hauptpunkt die Arbeitszeitverkürzung in den Vorder- grund zu stellen, weil die Arbeitgeber sich mit dem Schieds- spruch und damit mit der Lohnerhöhung einverstanden erklärt haben und dies« Frage ausscheiden würde, so handle man taktisch recht, wenn man die Annahme des Schiedsspruchs zurückzöge. Nach kurzer Debatte wurde dann einstimmig folgende vom Vorstand voraeschlaaene Resolution angenommen: Die außerordentliche Generalversammlung nimmt von dem Bericht über den derzeitigen Stand der Lohnbewegung Kenntnis und stimmt den Ausführungen des Referenten Heuer vollständig zu. Nachdem die Organisationen der Arbeitnehmer zunächst in ihren Versammlungen den vom EinigungSamt des Berliner Ge- werbcgerichtS gefällten Schiedsspruch abgelehnt hatten, erwirkten die Führer der Verbände nochmals einen Aufschub deS nun drohenden Abbruches der Verhandlungen, um zu versuchen, in erneuten Versammlungen die Arbeitnehmer zu bewegen, doch noch den Schiedsspruch anzunehmen. Der Verband der Bau- geschäftc hatte in entgegenkommender Weise seine General. Versammlung auf den 10. d. M. verschoben. Nachdem am Dienstag dieser Woche in der Versammlung des Zentralverbandcs der Maurer, die ausschlaggebende Korporation der Arbeitnehmerverbände, die Führer der Organisationen entgegen ' ihrem bisherigen Standpunkt und wider alles Erwarten plötzlich aus die Seite der Arbeitnehmer abschwenkten und die Ablehnung des Schiedsspruches empfahlen, sieht sich der Verband der Baugeschäfte Berlins und der Vororte veranlaßt, nicht länger mehr Verhandlungen zu führen. Sie beschlieht dagegen, am Sonnabend, den 18. d. M., sämtliche Arbeitnehmer, also alle Maurer, Zimmerer und Bauhiilfsarbeiter zu enilassen, die Arbeit einzustellen und vorläufig keine Leute anzunehmen. Die Zu- lpimmung zu dem Schiedsspruch des GewerbegerichtS wird auch unsererseits zurückgenommen und dies heute dem Einigungsamte noch mitgeteilt. Damit hat ein Kampf begonnen, der den acht- bis zehn- fachen Umfang der Aussperrung in der Holzindustrie an- nehmen wird und dessen Dauer noch nicht abzusehen ist. Gerade zum P f i n g st f e st werden 40—50 000 fleißige Arbeiter auf die Straße geworfen, wird mit ihren Angehörigen die Einwohnerzahl einer modernen Großstadt vom Tisch der modernen Gesellschaft verwiesen, weil sie eine moderne Kultur- forderung vertraten? Kann die Gemeingefährlichkeit der privatkapitalistischen Produktionsweise besser erwiesen werden? Die Pfingstaussperrung der Berliner Bauarbeiter wird den Geist des Sozialismus über Tausende von Proletariern ausgießend Die Kolomalarmee. Der ultramontane»Bahr. Courier� widmet der Kolonialarmee in Südwestastila, die ja auch nach dem 1. Oktober 1907 noch 5000 Mann stark sein soll— 4000 Mann Schutztruppe und 1000 Mann Polizeitruppe—. einen interessanten Artikel.„Die Kolenial- armee ist da!" betitelt das Zentrumsorgan seine Betrachtungen. Der Freisinn stecke seinen Kopf in den Sand, um die Tatsache der Kolonialarmee ja nicht sehen zu müssen. Man nenne sie jetzt nur „Schutztruppe", um dem Freisinn das Herunterschlagen des Gerichts zu erleichtern. In dem Artikel des Zentrumsblattes heißt es dann: „Ueber die Höhe der geforderten Gelder-» jährlich 30 Millionen Mark— dürste man auch in„nationalen" Kreisen erschrecken. Vor dem Ausstande lebten im Lande wohl 20 000 Ein- geborene, wir hatten eine Eisenbahn und 609 Mann Soldaten dort; nach dem Aufstände leben höchstens noch 1b 000 Eingeborene. die Zahl der Eisenbahnen ist auf drei gestiegen und trotzdem soll die Schutztruppe auf 3988 Mann erhöht werden. An waffenfähigen Männern sind im Lande höchstens 2000 Schwarze; wir stellen ihnen 900 Polizeisoldaten und 4000 Mann Militär gegen» über. Was soll denn überhauptdiearoßeMenae von Soldaten in dem Sande tun? Da eS sich um nur ausgebildete Leute handelt, fällt die Rekrutenansbilduna lveg; in uns verstärkt sich der Eindruck, daß man Soldaten deShalo dort läßt, damit recht viel Geld in die Kolonie kommt, so daß sie sich über Wasser halten kann. Da nämlich nahezu tausend Soldaten sich als Ansiedler niederlaflen wollen, ist es doppelt unersichtlich, wie die Regierung dem Mutterlande eine solche La st zumuten kann. Aber diese steigt immer mehr und immer höher: bereits jetzt sind die Pensionen auf über 1 700000 Mark berechnet; in zehn Jahren find miudeftcns zehn Millionen Mark Pension zu bezahlen. Wer soll dann alle diese Gelder auf- bringen? Nach der Neuorganisation kostet ein Mann im Durchschnitt jährlich 7500 M. Diese horrende Summe erklärt sich teilweise aus den hohen Gehältern, die wir zahlen sollen. Der Kommandeur der Schutztruppe erhält 19 000 M.. ein Hauptmann 10 800 M., ein Leutnant, der in Deutschland 1300 M. erhält, 6300 M. usw. Die Beamtengehälter sind ebenso hoch und die Aufrückung findet jedes Jahr statt, so daß viele Beamte schon in drei Jahren das Höchstgehalt haben, gar alle in 7 Jahren; dazu soll dann noch alle drei Jahre ein Heimatsurlaub treten, der das Reich ebenfalls hohe Summen kostet; wir wollen nur folgende Beamtengehälter herausgreifen: ein Oberleuwant 10 614—13 614 M., ein Bau- inspektor 3400—10500 Mark, ein Jntendantursekretär 6150 bis 7950 M.. ein Zahlmeister 6050—7450 M.. ein Proviantsassistent 4500—4900 M.(im Heimatland 1800—2200 M.), ein Major- bursche 8300— 3900 M.(im Heimatland 900—1500 M.). Nun muß man sich vor Augen Hutten, daß Südwestafrika ein gesundes Land sein soll; viele Leute denken daran, dort ein Lungensanatorium zu er- richten. Was müssen aber unsereHeimatSbeamten denken, wenn sie die hohen Gehälter ihrer Kollegen in der Kolonie sehen? Für die ersteren hat man kaum das erforderliche Geld, um sie ordent- lich bezahlen zu können, aber in Südweftafrika soll man mit vollen Händen ausstreuen. Diese Politik mutz Deutschland an den Bettel st ab bringen und muß es ruinieren. Woher sollen denn die Gelder genommen werden? Kein Mensch will mehr Steuern zahlen. In Preußen steht so wie so schon für 1908 eine Steuererhöhung in Aussicht. Wir hoffen und erwarten, daß die Zentrums fraktion gegen solche Pläne mit aller Entschiedenheit Front macht; daß sie auch dieses tut, unbekümmert um das Geschrei der nationalen Presse. Diese Lasten kann das deutsche Volk nicht ertragen." Soweit der„Bahr. Courier". Abgesehen von einigen ver- mutlich durch Druckfehler entstandenen Zahlenunrichtigkeiten ist gegen diese Ausführungen platterdings nichts einzuwenden. Die Be- völkenmgSzahl betrug— abgesehen von den Ovambos— vor dem Aufstand zirka 30 000, HcreroS und Hottentotten zufammengenoinmen. Viel mehr als 13 000 können tatsächlich nach der Trothaschen AuS- rottungsstratcgie und dem System, der Konzentrationslager(Haifischinsel!> nicht übrig geblieben sein. Gegen die Reste der Hereros und Hottentotten genügten einige hundert Polizeisoldatcn; gegen die OvamboS. die Frieden halten werden, so lange man sie in Frieden läßt» würden 1000 Mann Schutztruppen mehr als ausreichen! Trotz- dem bleiben statt 1500 nicht weniger als 5000 Mann in Südwest. Und jeder dieser 50 Mann kostet uns im Jahr 7SV0 M.! Das Konzentrationslager auf der Haifisch-Jnfel. Herr Dcrnburg tat am Mittwoch die Anklagen Ledebours in Sachen der enorme» Sterblichkeit der auf der Haifisch-Jns. untergebrachten Hottentotten in sehr wenig angemessenem Ton und mit ebenso unangemessenen Gründen ab. Er bedauerte das„Eingehen" eines so kolossalen Prozentsatzes der auf der Insel Internierten und meinte, Ledebour habe zwar bereits im D e z e m b e r auf die furcht- bare Sterblichkeit hingewiesen, allein eine halbe Stunde später sei der Reichstag aufgelöst worden und da habe es für die Regierung andere Dinge gegeben, als die Hottentotten! Am 13. Dezember hatte Ledebour einen Brief der „Königsborger Volksztg." zitiert, in dem es vom 20. September hieß: „Rund 2000(Hottentotten) befinden sich in deutscher Gefangen- schast, fie hatten sich gegen Zusicherling des Lebens gestellt, wurden aber bis jetzt alle auf die Harfischinscl bei Lüderitzbucht befördert, wo sie, ww ein Arzt mir versichert, in zwei Jahren alle am Klima sterben." Im Anschluß daran hatte Genosse Ledebour Mit- teilungen über die Sterblichkeitsziffer auf der Haifischinscl und in anderen Gefangenenlagern erbeten. Dernburg mußte nun am Mittwoch zugeben, daß die Sterb- UchkeitSrate auf der Haifischinsel noch ungeheuer viel größer war. als der Briefschreiber vemiutet: waren doch in wenigen Monaten bereits zwei Drittel aller Hottentotten„eingegangen" I Und Herr Dcrnburg hatte die Sttrn, diese ungeheuerlichen Zustände damit.zu entschuldigen, daß die K o.l o n i a l v e r>v a l t u n g nach der Reichstagsauflösung anderes zu tun gehabt habe. als sich um— Tod und Leben Tausender von Hottentotten zu kümmern! Aber ganz abgesehen von diesem beispiellosen Zynismus der Kolonialexzellenz: die Reichstagöwahllampagne nahm bereits am 5. Februar ein Ende. Jetzt wcuigstenS hätte Herr Dernburg. hätten sich feine Beamten um die trockene Guillotine auf der Haifischbai kümmern können! Die entsetzliche Sterblichkeit mußte doch den Aufsichtsbeamten der Walfischbai auffalle», zu Vorstellungen an der verantwortlichen Stelle ver- anlassen. Aber die wie die Mücken dahinsterbenden Hotten- totten blieben auf der verseuchten Insel I Wie aus der zweiten Ergänzung des Kolonialetats hervor- geht, die in den letzten Tagen dem Reichstag zugegangen ist, befanden sich noch nach den„Anfang April getroffenen Fest- stcllungcn" noch etwa 700 Hottentotten auf der Haifischinscl— der Rest von 1800! DaS ist eine ganz unglaubliche Tatsache! Ganz lächerlich ist die Ausrede DernburgS, diese Hottentotten hätten gerade aus der Haifischinsel interniert bleiben müssen, weil sie sonst hätten entfliehen können I Zum mindesten hätten von allem Anfang an die in der Ueberzahl befindlichen Frauen und Kinder auch auf dem Festland, bei Lüderitzort oder sonstwo untergebracht werden können. An ein Eni- kommen wäre selbst bei ungenügender Bewachung nicht zu denken gewesen, ist doch die Küste von dem Inneren durch einen mehr als 100 Kilometer breiten wasscrlosen Sandgürtel getrennt. Aber man ließ selbst Frauen und Kinder 14 Freilich. Herr Dcrnburg hat trotzdem eine„weiße Weste". Er konnte sich nicht um die Hottentotten kümmern, mußte er doch wfthrsnb der Wahl als Wanderredner feine Dattelkisten- märchen' an ben Mann bringen. Mochten darüber die Hottentotten.eingehen". Man hatte ihnen das Leben zu- gesichert und man hat fie auch weder durch Pulde» und Blei, noch durch den Strang abgetan. Das besorgte der Skorbut! Noch eins. Der erste Haushaltsetat für 1907 bezifferte die Zahl der Gefangenen auf 7000. Der bereits erwähnte zweite Ergänzungsetat beziffert— trotzdem sich die Zahl der Gefangenen inzwischen vermehrt hat— die Zahl der Ge- fangenen auf 4700. Sollten außer der Haifischinsel noch ähn- liche„Konzentrationslager" existiert haben? I— Die Hätz gegen die badische Fabrikinspektion. Aus Baden wird uns geschrieben: Gegen den Nachfolger Wörrishofers, den vordem in preußischen Diensten gestandenen Vorstand der badischen Fabrik» inspektion Oberregierungsrat Dr. Bittmann, wird seit einigen Monaten eine systematische Hetze betrieben, die, wie immer klarer wird, von dem soeben verabschiedeten badischen Minister des Innern Schenkel geleitet zu sein scheint. Herr Bittmann hat sich, obwohl anfangs von unserer Seite mit einem gewissen Vorurteil empfangen, auf dem Posten Wörrishofers bemüht, den von diesen gepflegten Geist in seinem Amte wachzuhalten, und seine neueste große Arbeit über die badische Hausindustrie, die ja auch vom„Vorwärts" sehr anerkennend besprochen wurde, bewies aufs neue, daß es dem Manne mit seiner Tätigkeit als Vertrauter, Berater und Helfer der Arbeiterschaft ernst ist. Kein Wunder, wenn er sich damit mehr und mehr den Haß der scharfmacherischen Großindu- st r i e l l e n des Landes zuzog, die vor einem entscheidenden Vorstoß gegen die prominente Person Wörrishofers noch zurückschreckten, jetzt aber, Bittmann gegenüber, die Zeit für ihre arbeiterfeindlicheu Pläne gekommen glauben. Es gelang ihnen, den Minister des Innern, Herrn Schenkel, auf ihre Seite zu bekommen, und cS war bezeichnend für den neuen Kurs, daß Schenkel, als Dr. Bittmann nach Wörrishofers Tod sein Amt in Karlsruhe antrat, ihm die Richtlinie für seine Tätigkeit in den Worten wies:„Wir wollen keinen WörriShofer mehr!" Zu Ehren Dr. Bittmanns sei es gesagt, daß er diesen Wunsch sich nicht Befehl sein ließ, im Gegenteil mit der fortschreitenden Vertiefung in das von Wörrishofer und seinen Schülern zutage geförderte sozialstatistische Material wie auch auf Grund eigener ForschungS- ergebniffe mehr und mehr vom Geiste seines großen Vorgängers erfüllt wurde und dessen Bahnen zu wandeln begann. Alsbald begann für ihn jedoch eine Zeit schwerer Konflikte mit dem vorgesetzten Minister, die sich noch verschärften, als die sozialistische Presse deS Landes, nachdem sie daS gegen die Fabrik» inspektion inszenierte Treiben durchschaut und sich von dem guten Willen und richtigen Streben Dr. Bittmanns überzeugt hatte, offen für diesen und gegen Schenkel und seine Hintermänner Stellung nahm. Die Scharfmachcrklique begann einen regelrechten Preß» feldzug gegen Dr. Bittmann, in dessen Verlauf sie diesem in schärf» stem Widerspruch mit den Tatsachen eine ganze Reihe von unlieb« samen Vorkommnissen, insbesondere Personalveränderungen, inner- halb der Jabrikinspektion zur Last legte, an denen in Wahrheit ganz andere Leute die Schuld tragen. Und als Herr Schenkel gar. veranlaßt durch politische Zwischenfälle anderer Art, den Boden unter seinem Ministersessel wanken fühlte, da begann plötzlich eine forcierte Preßkanonade gegen Dr. Bittmann, deren Zweck offenbar war, diesen noch vor seinem Chef zu Fall zu bringen und ihm den Triumph des diesen Ucbcrlebenden nicht zuteil werden zu lassen. Der Erfolg blieb aus, Schenkel mußte gehen. Dr. Bittmann blieb. Nun hat sich vor einigen Tagen der Groll des Verabschiedeten in einem Artikel„Aus der badischen Fabrikinspektion" dcS berüchtigten ScharfmacherblatteS„B e r l. Neueste Nachr." entladen, der seine Herkunft nur schwer zu verschleiern vermag. ES werden darin über die Aufgaben der Gewerbcaufsichtsbehörden derart skandalös reaktionäre Grundsätze aufgestellt, daß daS Machwerk, ein charakteristisches sozialpolitisches Dokument unserer Zeit, einige Beachtung verdient. Ein politischer Minister sei es— schreibt der Preßkuli Schenkel«— dem in Baden die Jabrikinspekti.'n untersteht, und politische Erwägungen seien es, die den Minister veranlaßten, die Tätigkeit der Fabrikinspcktion so oder so zu regeln, wobei er als eigentlicher Leiter der Fabrikinspektion die Selbständig- kcit, die den Gewerbeaufsichtsbcamten eigen sein müsse, auf sich selbst übertrage. Minister Schenkel habe immer dafür gesorgt, daß derPersonalbestand der badischen Fabrikinspek» tion nicht zu einer Höhe anwuchs, die für die Industrie eine Quelle ständiger Belästigungen durch häusige Revisionen. Beanstandungen. Forderungen bilden konnte. Anderseits habe Herr Schenkel die Beamten zu eiftiger literarischer Tätigkeit Angeregt, die Dr. Bittmann aber gründlich m i tz b c r st a n d e n zu haben scheine, indem er sich in dem(bereits erwähnten) Buch über die badischc Hausindustrie„unverhältnismäßig breit machte und in Darstellung und Kritik der Berhältnissc eine Schärfe anwandte, die sonst in offiziellen Publikationen nicht üblich ist und der sozialdemokratischen Agitation allzu reichen Zündstoff bietet." Zum Schluß wird der Nachfolger Schenkels, Minister v. Bodman, gegen Dr. Bittmann scharf gemacht, indem der Artikel dcS ScharfmacherblatteS die Hoffnung ausspricht, Herr v. Bodman werde„gleich seinem prominenten Vorgänger den Mut und die Zähigkeit besitzen, den Wünschen und Bedürfnissen der Industrie(soll natürlich heißen: der Industriellen.') durch lvohl- erwogene und konsequente Zurückhaltung der Gewerbe» inspektion Rechnung tragen". Die Schenkelgarde wünscht also nicht mehr und nicht weniger, als daß die seither auf so achtunggebietender Höhe nicht weniger, als daß die seither auf so achtunggebietender Höhe gestandene badische Fabrikinspcktion, weit entfernt, sich in ihrer Tätigkeit lxdiglich von sozialen Gesichtspunkten leiten zu lassen und die Vorschriften deS gesetzlichen ArbeiterschutzcS ohne Rücksicht nach irgend einer Seite hin durchzuführen, als Werkzeug zur Er- reichung ihrer jeweiligen spezifischen Parteizwccke in den Dienst der jeweiligen politischen Machthaber treten soll. Mit der bei den sozialpolitischen wie bei den agrarischen Scharfmachern gleich aner- kenncnSwertcn Offenheit gestehen die Herren zu, daß die Fabrik- inspektion nach ihrer Auffassung ein bloßes Dekorationsstück der Staatsverwaltung sein, niemals aber den Zweck haben soll, den des staatlichen Schutzes doch in erster Linie bedürfenden Ar» beitern eine Vertraute, Beraterin und Helferin zu fein. Die Rück» ficht auf die Wünsche des Unternehmertums ist nach dieser Aus- lassung die einzige Richtschnur für die Tätigkeit der Gewerbeaufsicht, und in deren Publikationen haben deren Beamte, und geschehe es auch gegen die Wahrheit und gegen die eigene Uebcrzeugung, alles zu verschweigen, was der Sozialdemokratie irgendwie Stoff zu An- griffen aus die kapitalistische Gesellschaftsordnung bieten könnte. Wie dieser Scharfmacherappell an den neuen badischcn Minister des Innern wirken wird, steht dahin. Vorerst betrachtet es die sozialistische Presse dcS Landes als ihre Pflicht, im Interesse der industriellen Arbeiterschaft die schützende Hand über das stolze Erbe Wörrishofers zu halten, und die Mannheimer„Volksstimmc" richtet an den badijchen Liberalismus die Aufforderung, in diesem fernften Augenblick zu beweisen, daß es ihm mit dem sozial- politischen Verständnis, das er bei den letzten Wahlen so laut be- tonte, auch wirklich ernst istl Eine Zentralableugnungsstelle. Der.Vorwärts" hat den Zorn der»Märkischen Volkszeitung". der»katholischen Volkszeitung für Berlin und die Mark" erregt. Er hat nämlich aus den Papieren des Monsignore Montagnini, die jetzt in Paris von einer parlamentarischen Kommission geprüft werden, einen Brief wiedergegeben, der diesen päpstlichen Diplomaten in einen ziemlich komplizierten.Flirt" verwickelt zeigt. Es ist uns natürlich nicht eingefallen, über dem galanten Abbate die Schale ethischer Entrüstung auszugießen, und ebenso wenig haben wir die Prozedur gebilligt, die das unzweifelhafte Recht ledermanns, seine persönlichen intimen Angelegenheiten nicht in die Oeffentlichkeii gezerrt zu sehen, mißachtet hat. Aber gerade die Klerikalen, die sich in widerlicher Sittlichkeitsheuchelei nicht genug tun können und den Ab- fall von ihrem Dogma als Quelle der schlimmsten Unmoral auS- geben, dürfen sich nicht darüber beklagen, wenn man die offenbar gewordenen Streiche eines geistlichen Herrn, der sich für die Leiden des Eheverbots entschädigt, nicht mit einem Schleier bedeckt. Doch mögen auch die Abenteuer des Nuntiatursekretärs schon um ihres, die klassischen Linien des Bocaccio tragenden Stils die Widergabe lohnen, so hat doch die erotische Episode in der Affäre Montagnini einen so geringen Platz eingenommen, daß der Ein- fall der Klerikalen, ihre ganze Entrüstung nach diesem einen Punkt zu dirigieren, erst ihre ganzeRatlosigkeit zeigt. Die»Mär- tische Volkszeitung" hat allerdings noch ein übriges getan. Sie bezeichnet nämlich den vom.Vorwärts" zitierten Brief eines italienischen Geistlichen an Montagnini als„eine böswilligeErfindung oder gemeine Fälschung, die in die Papiere Montagninis eingeschmuggelt worden sei". Sie fordert von uns, daß wir unseren Lesern mitteilen, daß es sich»um unerhörte Fälschungen" bandele. Diese-Zumutung können wir allerdings nicht erfüllen, und zwar darum, weil die Behauptung, daß der Brief gefälscht sei, durchaus der Wahrheit widerspricht. Wir machen der.Märkischen Volks- zeitung" nicht den Vorwurf, daß sie diese Unwahrheit bewußt produziert habe. Sie beruft sich darauf, daß.der angebliche Ab- scnder des Briefes Monsignore Montagnini und den kurialenKreifen ganz unbekannt" sei. Dies werde der Zentralauskunftsstelle für die PresseinKoblenzauS zuverlässig st erOuelle mit- geteilt. Die dreiste Ablcugnung wird also wohl in Koblenz bei der„Zentralauskunftsstelle" erfunden worden sein, wofern sich diese selbst nicht bei ihrer Nachforschung an der«zuverlässigsten Quelle" hat mit mehr oder minder gutem Glauben anlügen lassen. Für die Unechtheit der Briefe spricht nichts als die Behaup- tung der berüchtigten Koblenzer Berichtigungsfabrik, die den Eni- rüstungSrummel für die Einfalt der vertrauensseligen deutschen Ultra- montanen, die die Presse des Auslandes und der„ungläubigen" Parteien des Inlandes nicht lesen, in Szene gesetzt hat. Einein frommen ZentrumSmann, der sich vor den für Leser anti- klerikaler Blätter augedrohten Höllenstrafen fürchtet, kann dieZenwumS- presse ja ungestraft erzählen, waS sie mag. Sie kann es sich darum auch ersparen, von dem weitaus interessantesten Teil der Montagninipapiere Notiz zu nehmen, von den Dokumenten, die den„Nachfolger Christi" in geschäftlicher und gesell- schastlicher Intimität mit dem Hause Rothschild zeigen, von der sich in Bestcchungsplänen ergehenden Staatskunst dcS Kardinal- Staatssekretärs Merry del Val und seine? Untergebenen, von den Beweisen dafür, daß der ehemalige Nuntius Lorenzelli schamlose Simonie(Verkauf von geistlichen Aemtern) betrieben hat, von der Ausspionierung des Privat- lebenö der Geistlichen— besonders in bezug auf das nach der„MärkifchenVolkSzeitung" bei Herrn Montagnini selbst als Privat- fache geltende erotische Leben, von der Verleihung deS päpstlichen Gräfe ntitels an den skrupellosen Herrn, der die von einem anderen geschwängerte deutsche Prinzessin geheiratet hat usw. usw. Von allen diesen Dingen" erfahren die Leser der„Märkischen Volkszeitung" nicht«. Oder vielleicht werden sie einmal eine Erklärung der.Zentral- auSkunftsstelle lesen, daß in den.kurialen Kreisen" die Namen Montagnini und Lorenzelli überhaupt unbekannt und alle über sie verbreiteten Nachrichten daher»böswillige Erfindungen oder gemeine Fälschungen" seien! poUtifebe Gcberficbt Verlin. �dcn 10. Mai 1907. Beendigung der zweiten Lesung des Etats. Bekanntlich besteht die Dernburgsche Kolonisierungs- Methode in der künstlichen Kultivierung total unfruchtbarer Gebiete, die er freilich mit seiner Phantasie allein nicht fruchtbarer machen kann. Tie Anregung zur Gründung neuer Kolonialgescllschaftcn reicht auch nicht aus, um aus Wüstwcst ein Paradies mit Dattclpalmenhainen zu machen. Darum sollen reiche Beihülscn an die Farmer dazu beitragen, einige Landstriche der Bebauung zu erschließen. Zu diesem Zwecke sind im Etat Millionen Mark ausgeworfen, die Budgetkommission aber hat die Summe auf S Millionen herabgesetzt. Der Abgeordnete Arendt suchte eine, halbe Million mehr kür die Farmer zu erschachern, und es entspann sich eine stundenlange Debatte, die mit der Annahme des Antrages der B u d g c t k o m m i s s i o n endete. Außerdem stand auf der Tagesordnung ane große Reihe von Etatsposten, die ohne wesentliche Debatte erledigt wurden. Genosse Singer brachte beim Etat des Ncichstagcs die dürftige Salarierung der-Hülfsbcamtcn im Reichstag zur Sprache. Ter Vizepräsident Paaschs gab eine Erklärung ab, nach der das Präsidium rcfp. der Vorstand des Reichstages bereits Verbesserungen der Stellung dieser Angestellt?!, habe eintreten lassen, in, übrigen hielt er die Wünsche Singers sür zu weitgehend.— In schneller Folge wurde die zweite Beratung des Etats beendet und eine Reihe von Petitionen erledigt. Genosse N o s k e befürwortete die Petition der Zivilmusiker, die sich gegen die Konkurrenz der Militärmusikcr richtet und Abhülfe verlangt. Die Petition wurde dem Reichskanzler als Material überwiesen._ Kultusdebattcn im Herreuhause. DaS preußische Herrenhaus hat am Freitag den Kultusetat beraten und dabei von neuem den Beweis erbracht, daß es der ängstliche Hüter des mittelalterlichen Geistes ist. Diesmal war es ein leibhaftiger preußischer Professor, Hcrr R e i n k e, Dozent der Botanik an der Universität Kiel und Vertreter dieser Anstalt im Herrenhauje, der den Minister gegen die Freiheit der Wissenschaft mobil zu machen suchte! Allerdings ist nach der Verfassung die Wissenschaft und ihre Lehre frei, aber dieser Satz hat ja in Preußen vou jeher nur auf dem Papier gestanden. Auch Herr Reinke will „die freie wissenschaftliche Forschung aufrecht erhalten", jedoch nur so, wie er sie versteht, d. h. nur solche Lehren sollen sich deS staatlichen Schutzes erfreuen, die nicht«die wahre(!) Wissenschaft in ein kaudinischeI Joch spannen wollen".— Zu den Forschern. die samt ihren Schriften den Flammentod sterben müßten, gehört nach Ansicht des botanischen Professors kein geringerer als Haeckel, dessen„Welträtsel" die Jugend verderben und der sich an die Spitze des Monistenbundes gestellt hat, eines Bundes, welcher— ähnlich wie auf wirtschaftlichem Gebiete die Sozialdemo- kratie— auf g e i st i g e m Gebiete alles umstürzen will!— Strafverschärfend fällt für Haeckel ins Gewicht, daß er das preußische Herrenhaus ironisch als eine„höchst intelligente Körperschaft" be- zeichnet hat. Daß er damit den Nagel auf den Kopf getroffen, das hat die Rede des Herrn Reinke recht deutlich gezeigt. Auf die Anzapfung des Professors Reinke einzugehen lohnt nicht der Mühe. Haeckel steht so turmhoch, sein Name hat in der wirklichen Welt der Wissenschaft einen so guten Klang, daß von der Tribüne des preußischen Herrenhauses herab sein Ruhm nicht geschmälert werden kann. Wie Professor Reinke die freie Forschung in der Naturwissen- schaft, so griff Frhr. v. D u r a n t die freie theologische For- schung an. Seit Jahren schwingt der edle Baron die Fahne der Dunkelmänner, alljährlich vernichtet er mindestens einmal die sog. liberalen Theologieprofessoren. Und obwohl unter dem Regime Studt schon längst die Orthodoxie Orgien feiert, legt Frhr. v. Durant doch noch nicht die Hände in den Schoß, er scheint nicht eher Ruhe geben zu wollen, bis der letzte liberale Theologe aus Amt und Würden gejagt ist. Tie weitere Debatte zum Kultusetat drehte sich um die Polcnpolitik der Regierung. Interessant war neben der Rede des Herrn v. K o s c i e l s k i, der dem Minister den Rat er- teilte, endlich von der Bildfläche zu verschwinden, das Eingreifen des früheren Reichstagspräsidenten Grafen Ballestrem, der seinem Aerger darüber, daß er vor den Polen die Flinte ins Korn werfen mußte, in scharfen Angriffen gegen die polnischen Agitatoren Ausdruck gab, welche die guten preußischen Staats- bürgcr in Oberschlesien verhetzen. Im übrigen wurden die gleichen Reden gehalten, mit denen schon Wochen hindurch die Mitglieder des Abgeordnetenhauses die Zeitungsleser gclangweilt haben.— Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus nahm am Freitag einstimmig in dritter Lesung das Wanderarbeitsstättengesetz an und beriet sodann in zweiter Lesung das Gesetz betr. die Verunstaltung von Ortschaften. Der Rest der Sitzung wurde durch die Beratung von Petitionen ohne allgemeines Interesse ausgefüllt. Wie der Präsident v. Kröcher mitteilte, will das Haus sich am IS. Mai über Pfingsten hinaus so lange vertagen, bis das Herrenhaus alles Material aufgearbeitet hat. Die Session dürfte also Mitte Juni ihr Ende erreichen.— Das deutsch-amerikanische Handelsabkomme» wurde Freitag nachmittag 5 Uhr in der zur Lorberatung ein- gesetzten Koiiimission durchberatcn. Es waren dazu drei Reso- lutionen eingebracht worden und zlvar von Graf Carmer, Fuhr» mann und Böhme. Die Resolutionen gingen alle von einem dem Abkommen wenig freundlichen Standpunkt auS. Posadowsky sprach sich sehr eingehend zu dem Abkommen aus. und die Debatte war sehr lebhaft. Da die Kommission beschloß, über die AuSfilh- rungen der Redner keine speziellen Berichte zu geben, kann nur noch mitgeteilt werden, daß das Abkommen, unter Zurückziehung aller Reiolutioncn, in der Kommissionsfassung mit 16 gegen 3 Stimmen angenommen wurde. Dagegen stimmten die Antisemiten und Gras Kunitz. Tie zwei nationallibcralen Vertreter enthielten sich der Stimme. Es wurde vereinbart, daß im Plenum nur kurze Erklärungen zu dem Abkommen abgegeben werden sollen. Die Geistlichkeit im Wahlkampfe. Die„Rheinische Volksstimme" macht für die Niederlage des Grafen Spee bei der Reichstagöersatzwahl in Malmedh- Montjoie-Schleiden die Geistlichkeit verantwortlich. In Preußen, so meint das Blatt, sei es nicht wie in Bayern, wo nach dem Worte:„Geistlichkeit und Landvolk gehören zusammen". Politik getrieben werde. Zumal bei der jetzigen Wahl im Eifcllrcise habe sich das gezeigt: „Die Geistlichkeit legte sich gegen den Kandidaten der Bauern ins Zeug und versuchte sogar unter direktem Mißbrauch ihrer Stellung und des dadurch bedingten Einflusses die Bauern gleich einer Herde Stimmvieh nach ihrem Belieben zu kommandieren. Ließen sich die Bauern nicht als willenlose Werkzeuge gebrauchen, dann waren eS„unklare, verwirrte und unreife Köpfe"; folgten sie aber ohne jede Ueberlegung und gegen ihr eigenes Wohl dem Kommando, dann waren es„intelligenie, politisch geschulte und disziplinierte Männer"... Gerade sür den Klerus lag hier gar kein Fall vor, in dein eS geboten erschien, mit solchem Fanatismus gegen die berechtigten Wünsche der Bauern zu kämpfen..., Die Herren bätten besser getan, durch kluge Zurückhaltung oder doch mindestens durch Unterlassung von Beleidigungen und Ent- stellungcn im Kampfe der Meinungen zn verhüten, daß nicht der Spruch in Erfüllung gehe: Wer Wind sät, wird Sturm ernten." Die Klage des zentrumsagrarischen Blattes über das Verhalten der Geistlichen ist nicht aufrichtig insofern, als die Zentrums- dauern die politische Tätigkeit dcS Klerus sehr zu schätzen wissen und gegen den Mißbrauch der geistlichen Stellung nichts einzuwenden haben, wenn es einen genehmen Kandidaten durchzuhclsen gilt. Immerhin ist die Kennzeichnung der geistlichen Wahlmache deshalb von besonderem Wert, als sie von.'gutkalholischer und zcntrumstreuer Seite kommt.—_ Herr Dhissen und sein Arbeitcrnusschust. Als Genosie Hengsbach im Reichstage ftine Rede über die »stände im Königreiche Thissen gehalten hatte, da beeilte sich der rbetterausschutz der Gewerkschaft„Deutscher Kaiser" durch eine lange Erklärung die Welt wissen zu lassen, daß die Schilderung des Abgeordneten Hengsbach unwahr und in den Kolonien des genannten Unternehmens alles in bester Ordnung sei. Diese Erklärung ging auch dein„Bergknappen", dem Organ des christlichen BergarbeiterverbandcS. zu. Die Redaktion des„Bergknappen" hat dun übereifrigen ArbeiterauSschuß jedoch nicht den Gefallen getan, die Erklärung zu veröffentlichen, sie gibt statt dessen einer Zuschrift Raum, die ihr als Antwort aus die Erklärung zugeht. Diese Zuschrift verwahrt sich in der Ein- leitung dagegen, ocn Abgeordneten Hengsbach in Schutz zu nehmen, sie will es ihm überlassen, sich gegen den Vorwurf der Ueber- treibung und Entstellung zu verteidigen. Dann heißt eS weiter: .Wogegen wir m>s wenden, ist, daß der Arbeiter- ausschuß sich hat mißbrauchen lassen, nicht bei den Tatsachen geblieben und in einzelnen Fällen weit über die Tatiachen hinausgegangen ist. So schreiben— oder besser: so lassen die elf ArbeiterauSschuß- Mitglieder schreiben, der Ausschuß erfreue sich des Vertrauens aller ordnungsliebenden Bergleute. Das ist nicht nur Eigenlob, sondern auch eine Ueber Hebung der Elfe.�wofür sie den Beweis schuldig bleiben dürsten." Weiter hieß eS in der Erklärung, daß der Ausschuß stets Ge« lcgcnheit habe, Klagen über Mißstände anzubringen, hierbei finde er stets Gehör und Entgegenkommen, und bei Beschwerden habe er bis jetzt eingehende Prüfung und bei deren Berechtigung baldige Abhülfe gefunden. Demgegenüber führt die Zuschrift an den»Bergknappen" zwei bestimmte Fälle an, wo der ArbeiterauSschuß im Auftrage der Belegschaften bei der Betriebsleitung wegen bescheidener und be- rechtiater Forderungen vorstellig geworden ist, beide Male aber abschlägig beschieden wurde.„Es entspricht also", sagt die Zuschrift,„nicht den Tatsachen, daß den berechtigten Wünschen stets entsprochen worden wäre. Oder sehen die Elf diese ihre beiden Anträge nicht als berechtigt an?" Die Zuschrift weist dem Ausschuß sogar tatsächliche U n- richti gleiten in seiner Erklärung nach. So soll nicht, wie es darin heißt, auf jede Wohnung ein Abort, sondern erst für zwei Familien ein Abort da sein. Dafür muß sich der Ausschuß folgende Zurechtweisung gefallen lassen:„Haben die Elf dieses gewußt? Wenn ja, dann ist ihre Erklärung eine Nichtsnutzigkeit. Haben sie es nicht gewußt, so ist ihre öffentliche Erklärung eine straf- bare Leichtfertigkeit, aber auch eine Tölpelhaftig« k e i t. Alles in allem haben sich die Elf einen ordentlichen Rein fall b ereitet." Die Zuschrift schließt: „Bei der Lohufrage im vorigen Herbst mußten sie sich mit allgemeinen Versprechungen begnügen, ihre vorhingenanntsn Wünsche, die sie im Namen der Belegschaft bor- brachten, wurden nicht erfüllt. Nachdem ein politischer Gegner über vorhandene oder nicht vorhandene Mißstände im Reichstage spricht, ist der Arbeiterausschuß gut genug, die Ver- waltung herauszuhauen und als Woynungsinspektor zu fungieren. Will die Verwaltung von„Deutscher Kaiser" dem Arbeiter- auSschusie weitere Befugnisse überweisen, als in dem Bodensteinschen Kommentar stehen, so überlasse man ihnen die Mitkontrolle in den Grube», sowie die Mitberatung bei Lohnfragen. Ob wir aber die E I s ierzu noch für tauglich halten, dahinter ge- ören eine Reihe Fragezeichen. Wir betonen nochmals, es fällt unS nicht ein, auch nur im geringsten den Abgeordneten Hengsbach in Schutz zu nehmen, aber wir verwerfen es ebenso, wenn organisierte Arbeiter, die durch das Vertrauen ihrer Kameraden als Arbeitervertreter be- rufen worden sind, Erklärungen mit ihrer Unterschrist versehen in die Welt senden, oder besser gesagt senden lassen, die dazu dienen sollen, Zechen ver ivaltungen in Schutz zu nehmen in Angelegenheiten, die nicht zu den Befugnissen der Arbeiterausschüsse, sondern der Gesundheitspolizei ge- hören. Wir verwerfen es ferner, wenn sich die Leute selbst in dieser Erklärung beweihräuchern und nebenbei noch u n» wahre Angaben au sst eilen." Man kann in diesem Falle die Preisfrage stellen, wer hier der Blamiertere ist: Herr Thissen oder sein ArbeiterauSschuß? Im übrigen ist der Vorgang ein interessanter Veitrag zur Kennzeichnung der ArbeiterauSschüsse, die sich, wenn der Unternehmer es will, selbe» dem Borwurf der Unwahrhaftigkeit preisgeben müssen.— Etatsberatung im württembcrgischen Landtage. Stuttgart, 8. Mai 1907.(Eig. Ber.) Im Laufe der weiteren Beratung über den Etat des Innern wurden am Dienstag folgende sozialdemokratischen An- träge zur genaueren Durchberatung einer Kommission über- wiesen: l. Die Regierung zu ersuchen, I. bei der reichsgesetzlichen Regelung des Apothekenwcsens im Bundesrat dafür einzutreten, daß Konzesstonen zur Errichtung von Apotheken in Zukunft nur noch an Gemeinden und Kommunalverbände ver- geben, die übertragbaren Apothekenberechtigungen dagegen abgelöst werden; 2. die königliche Verordnung betreffend Apotheken- bercchtigungcn vom 4. Januar 1843 dahin abzuändern, daß bis zu dem Zustandekommen des geplanten Reichs-Apothekengesetzes die Vergebung von Konzessionen zur Errichtung von Apotheken an Gemeinden und Kommunalverbände möglich wird. II. Die Regierung zu ersuchen, den Ständen einen Gesetzent- Wurf vorzulegen, auf Grund dessen die landesgesetzliche Krankenpflegeversicherung aufgehoben wird und die ihr seither unterstehenden Personenkreise(Dienstboten, landwirt- schaftliche Arheiter, Lehrlinge, Heimarbeiter usw.) der reichsgesctz- lichen Krankenversicherung unterstellt werden. Beide Anträge sind in den voraufgegangenen Debatten von den sozialdemokratischen Abgg. Dr. Lindemann, Mattutat und H e y m a n n eingehend begründet worden. Einen Erfolg der Sozialdemokratie stellt es auch dar, daß Minister v. Pischek auf die Anregung Lindemanns,"einen LandeswohnungS- Inspektor anzustellen, und dieses Amt dann allmählich zu einer Zentralstelle für das Wohnungswesen auszubauen, eine zusagende Antwort gab und die Einsetzung dieses Postens bereits in den nächsten Etat in Aussicht stellte. Am Mittwoch kam es zu einer eingehenden Debatte über die Wanderarbeitsstätten, deren Einführung»lach West» fälischem Muster die Regierung erstrebt. Durch diese Einricktung soll unter den Wanderburschen eine„reinliche Scheidung" zwischen Arbeitswilligen und Arbeitsscheuen(„Stromern") herbeigeführt werden. Die erstercn sollen Arbeit zugewiesen erhalten, die letzteren sollen den Arbeitshäusern zugeführt werden. Für die SoMzldemokratie sprach Abg. Dietrich, der die vom Min.sterium für die geplante Einrichtung erlassenen Vorschriften einer scharfen Kritik unterzog. Dieselben seien von kleinlichem Polizeigeist er- füllt, ohne auf die persönlichen oder beruflichen Eigenarten der Wanderburschen Rücksicht zu nehmen. Die Kontrollvorschriften seien geradezu rigoros. Er sprach sich gegen die sofortige Bewilligung drr verlangten Summe auS und verlangte Zurück- Verweisung der Position am die Kommission, welchem Antrage nach eingehender Debatte stattgegeben wurde.— Doch noch eine Main-Linie! Nach den neuesten Taten der Mannheimer Polizei und Justiz gegen die Genossen Dr. Friedeberg und Oskar Geck mußte man annehmen, die Zeit, da sich Baden vorteilhaft vom Polizeistaat Preußen unterschied, sei vorüber. So weit die Annäherung indes auch schon gediehen ist. die völlige Auslöschung der Main-Linie ist noch nicht erfolgt. Das ergibt sich auS der folgenden Antwort des badischen Ministeriums des Innern auf die Beschwerde deS Genossen Dr. Friedeberg über die ihm von der Mann- heimer Polizei widerfahrene schmähliche Behandlung. Dem Vertreter Fricdebergs, dem Genossen Rechtsanwalt Dr. Frank- Mannheim ist folgender Bescheid zugegangen: Großherzogl. Badisches Bezirksamt Mannheim. Polizeidircktion. Nr. 47 281 II. Den Anarchistenkongreß 1007 betr. Ihre, namens des prakt. Arztes Dr. Rafacl Friedeberg auS Berlin, gegen die photographische Aufnahme des letzteren ge- richtete Beschwerde ist mit Erlaß des Grobherzoglichen Mmisterlum» deS Innern vom 30. v. M., Nr. 21027, für begründet erklärt und das Bezirksamt beauftragt worden, die Abdrücke der Photographie sowie die Platte selbst zu vernichten. Dieser Auftrag ist bereits vollzogen. Korn. Alle preußischen Perücken werden sich sträuben bei dem Ge- danken, daß eine ähnliche Entscheidung von Herrn Bethmcmn- Hollweg ergchen könnte. Dergleichen ist bei uns nördlich deS Mains denn doch ausgeschlossen!-_ Die„gut Unterrichteten". Die Ordnilngspresse liebt es. wenn sie sich mit der Sozial« demolratie beschäsiigt, die Dürftigkeit ihrer sachlichen Ausführungen durch allerlei persönlichen Klatsch für ihre Leser interessanter zu machen. Auf der Suche nach solcher Würze ist sie nicht sehr wählerisch— eS kommt ihr weniger auf die Richtigkeit. als auf die interessante Aufmachung an. So hat sie denn auch ohne Bedenken irgend einem obskuren Zeilcnreißer die Behauptung nachgesprochen, unser Genosse Reichstagsabgeordneter Sedebour sei ehemaliger Schauspieler. Tatsächlich hat Genosse Ledcbour die weltbedeutenden Bretter noch nie betreten. sondern sich vom Anbeginn seiner beruflichen Tätigkeit als Journalist durchgeschlagen. Wir erwähnen die an und für sich gleichgültige Tatsache nur. um zu zeigen, wie„gut unterrichtet" diese Presse über die Personalien unserer Abgeordneten ist. Ihre sachlichen Kenntnisse über die Sozialdemokratie stehen noch tiefer. Ium Prozest Liebert-Schöpflin. Von dem Schriftsteller, Redakteur und Angestellten des Reichs- Verbandes gegen die Sozialdemokratie Wilhelm Leufen zu Dresden erhalten wir zu unserer Notiz in Ztr. 106 vom 8. Mai eine Berichtigung, worin der Unterzeichner erklärt, die Behauptung. er habe in einer Versammlung den NeichZtagsabgeordneten Singer beschuldigt, sich an Mädchen unter 14 Jahren vergangen zu haben, entspreche nicht der Wahrheit. Es ist angesichts dieser Berichtigung bedauerlich, daß das Leip- ziger Gericht den betreffenden vom(Genossen Schöpflin gestellten Beweisantrag abgelehnt hat.—_ Skandinavien im Dienste des Zaren. Wie schon durch Depeschen bekannt geworden ist, haben unsere russischen Parteigenossen in keinem der drei skandinavischen Länder eine Stätte gefunden, wo sie ihren Kongreß abhalten konnten. 180 von ihnen sind nun am Mittwochabend von Esbjerg mit dem Dampfer„I. C. la Cour" nach England abgereist. Mehrere Tausend Menschen hatten sich am Hafen versammelt, um ihnen Lebewohl zu sagen. Die Sozialdemokratie der Stadt hatte ein Musikchor bestellt, das die Marseillaise und andere revolutionäre Lieder spielte, und die Russen antworteten mit ihren Gesängen. Rote Fahnen waren an der Abfahrtsbrücke aufgepflanzt, so viel man nur herbeischaffen konnte. Die dänischen Genossen brachten Hochrufe auf die russische und die internationale Sozialdemokratie aus, und die Russen dankten den dänischen Genoffen für die freundliche Aufnahme, die sie bei ihnen gefunden hatten. Schmählich, und schmählicher noch als die anderen, hat sich die dänische Regierung den Russen gegenüber benommen. Dem „liberalen" Justizminister Alberti war es nicht genug, sie ohne Frist ausweisen zu lassen, er drohte auch noch damit, sie der- haften und nach Rußland zurückschicken zu lassenl Erst nach Vorsprache des dänischen Parteivorsitzenden, Genossen P. Knudsen, beim Justizminister wurde ihnen eine kurze Frist zu- gebilligt, und sie konnten schließlich ihre Reise über dänisches Gebiet fortsetzen. In M! a l m ö war die schwedische Polizei sehr eifrig tätig. um die Abhaltung des Kongresses unmöglich zu machen. Auf Schritt urid Tritt wurden die Russen bewacht, und das Volkshaus der Arbeiterschaft war für sie polizeilich abgesperrt, um auch eine geheime Tagung, wie sie im vorigen Jahre in Stockholm möglich geworden war, zu verhindern. Im übrigen haben Er- kundigungen bei dem schwedischen Zivilministcr ergeben, daß hier wenigstens nicht die Absicht vorlag, sie nach Rußland auszuweisen. Auch das„neue freie" Norwegen hat sich in dieser An- gelegcnheit gründlich blamiert. Der Parteivorsitzende Genosse Dr. Oskar Nissen und der Storthingsmann Egede Nissen fragten auf Veranlassung der Russen beim Minister des Acußcrn Löv- land an, ob dem Kongreß irgendwelche Hindernisse bereitet würden. Lövland erwiderte, daß seiner Meinung nach der Abhal- tung des Kongresses nichts im Wege stehe. Er fragte jedoch erst beim Justizminister an, und dieser sagte, daß er keine Gesetzes- bestimmung kenne, die dem entgegenstehe; doch müsse er zunächst mit seinen Beamten im Departement über die Sache sprechen.— Nach einigen Stunden war der Justizministcr ganz anderer Meinung und erklärte, die norwegische Regierung habe Völker- rechtlich die Befugnis und auch Grund, den Kongreß zu ver- bieten I„Unsere beiden Nachbarländer haben das ja auch getan." — Das war die„Begründung" des Verbots; eine weitere„wünscht die Regierung nicht zu geben". Die Regierung weiß selbstverständlich, daß ihr Verbot eine Schändung des Asylrechts und des in der Verfassung garantierten Rechts der freien Meinungsäußerung ist. Der norwegische Staats- minister Michelsen hat später erklärt:„Wenn die Russen sogleich und z u e r st hierher gekommen wären, sie wären sicher nicht aus- gewiesen worden. Aber nun!"— Die feige Zarenfurcht ist also offenbar eine so ansteckende Krankheit, daß ihr auch das offizielle Norwegen nicht zu widerstehen vermag. „Mit Gefühlen tiefster Scham und Entrüstung", schreibt „Social-Demokraten",„muß jeder Freund der Freiheit und Selb- ständigkeit des Nordens in dieser Chronik lesen, wie die Kriecherei vor dem russischen Zarismus bei denen grassiert, die jetzt in den drei nordischen Ländern die Macht in Händen haben."— Schweiz. Eine Kundgebung für den polnischen Sozialisten Kilaczycky, der in Zürich im Gefängnis sitzt unter der Beschuldigung, einen Warschauer Eisenbahndircktor ermordet zu haben und der deshalb an Rußland ausgeliefert werden soll, haben die in Zürich lebenden polnischen und russischen Sozialisten tcr- anstaltet und dabei folgende Resolution zu. seinen Gunsten angenommen: „Das Mordattentat auf den Direktor der Weichselbahn in Warschau, Iwanow, im Februar vorigen Jahres, an dem Genosse G. Kilaczycky teilgenommen hat, Isar von der polnischen sozialistischen Partei„Proletariat" aus rein politischen Gründen beschlossen. Deswegen muß auch jeder Teilnehmer an diesem Attentat im Auslande als politischer Flücht- ling betrachtet werden. Angesichts dessen hat die freie Schweiz keine Pflicht, der Forderung der russischen Regierung, die Auslieferung des Genossen G. Kilaczycky betreffend, Folge zu leisten. Die Versammlung gibt ihren Gefühlen und Ansichten in der Sache des Genossen G. Kilaczycky damit Ausdruck, daß sie dem Genossen Kilaczycky, der seit 20. Februar d. I. im Züricher Ge- fängnis sitzt, ihre Sympathie ausspricht. Gleichzeitig wendet sie sich an das schweizerische Bundesgericht mit dem Wunsche, die steie Schweiz möge den politischen Ver- brecher aus ihrem Asyl nicht ausliefern und damit der russischen Tyrannei und der mörderischen Regierung Henkersdienste zu leisten." Wie der Entscheid des Bundesgerichts ausfallen wird, darüber läßt sich im voraus nichts Bestimmtes sagen.— Frankreich. Der zweite Schlachttag. Paris, 8. Mai. lEig. Ber.) Die Regierung wird vermutlich noch einmal eine Mehrheit finden. Der Haß der bürgerlichen Parteien gegen den Sozialismus ist zu stark, als daß er sie nicht vor dem Gedanken zurückschrecken lassen sollte, ein Ministerium um seiner an Sozialisten verübten Rechtsbeugungen willen stürzen zu lassen. Und neben den all- gemeinen Klasseninteressen wrrken noch die besonderen persönlichen zur vorläufigen Rettung mit. Herr S a r r i e n, der von Clemenceau Entthronte, wirbt mit unabschreckbarer Hartnäckigkeit um Stimmen für das Ministerium. Dieser Eifer ist zu erklären aus der geschäft- lichen Gewissenhaftigkeit, die eine soeben vollzogene amtliche Be- st.derutig des Herrn Sarrien junior quittieren will.— Ueber das Korruptionskapitel„Väter und Söhne" und Ver- wandtes hat heute übrigens der radikalsozialistische Deputterte Steeg, einer der wenigen redlichen Demokraten der bürger- lichen Linken, eine ausgezeichnete Rede gehalten. Herr Steeg sieht in den Beamtensyndikaten die unvermeidliche Reaktion gegen die Vetternwirtschaft und das von den Parlamentscliqucn beherrschte Proteltionswesen in der Verwaltung. Zii einer Anerkennung des Gewerkschaftsrechts der Staatsangestellten kann er sich indes nicht Peranto. Redakteur,' Hau» Weber. Berlin. Inseratenteil verant«ll aufschwingen. Er verlangt nur Wohlwollen für die Gemäß- regelten, ohne im übrigen mit seinem Tadel für die reakttonären und rechtswidrigen Maßregeln der Regierung zurückzuhalten. Den sozialistischen Standpunkt haben heute die Genossen V a i l l a n t und Allemane in wirkungsvollen Reden vertreten. Vaillant verkündete mit Entschiedenheit die Solidarität der sozialistischen Partei mit der Arbeitskonföderation, die als die Ver- treterin der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterklasse anzusehen ist und nach ihrem Gesamt wirken, nicht nach einzelnen Reden ihrer Anhänger zu beurteilen sei. Dagegen versuchte der ewige politische Dandy D e s ch a n e l mit einer akademischen Betrachtung über den Geist des Syndikalismus zu glänzen, wobei er sich an einige von einem aufgeblasenen Nietzscheanismns erfüllte Erklärungen anarchistelnder Generalstreikler hielt, gegen deren antidemokratische Phrasen er nicht ungeschickt vorging. Im übrigen leierte der prätentiöse Herr mit der parfümierten Grazie seiner abgestandenen Jugendlich- keit die patriotische Walze ab, mit besonderem Gefühlsaufwand an der Glanzstelle„Bebel kontra Hervo".— Aber auch dieser zuckerige Redner verabreichte den Clemenceau und Briand und nicht minder dem bankbrüchigen Radikalismus einige bittere Wahrheiten:„Seit- sameS Land, wo die festen Grundsätze zu schwer scheinen und eine Folge wechselnder Meinungen schrittweise den Gipfel e r st e i g e n hilft.... Ich glaube, daß die Arbeiter, die Sie haben verhaften lassen, heute die Leute, welche niemals versprochen haben, was sie nicht halten zu können glaubten, jenen vorziehen werden, die Sie er st aufgereizt haben, um sie heute ins Loch zu bringen." Beifall im ganzen Hause erscholl nach diesen Sätzen. Aber nicht wenige Radikale mögen sich von ihnen gettoffen gefühlt haben. Es war nicht politisch klug von dem strebsamen DeSchanel. so ganz die wohl- berechtigte Argumentation der Gemäßigten gegen den demagogischen und perfiden Radikalismus aufzunehmen. Der Augenblick für eine offen gemäßigte Politik scheint noch nicht gekomnien. Vorläufig wird der Schwindel-RadikalismuS noch weiter Wirt- schaften. Aber nicht lange mehr unter dem Direktorium Clemenceau- Briand. Diese Gesellschaft hat politisch und moralisch ausgespielt. Sie dankt die Gnadenfreiheit nur dem Interesse, das die Ver- schleicrnng des RuinS fordert. Bei der nächsten Gelegenheit werden die GeschaftSschädiger mit mehr oder minder deutlichem Ausdruck der Geringschätzung vor die Türe gesetzt werden. Selgieu. Ein Vertrauensvotum mit Schimpf und Schande. Brüssel, 8. Mai.(Eig. Ber.) Nach dem Sturm der ersten Sitzung, die dem Minister- Präsidenten die Demütigung brachte, daß er seine Erklärung nicht verlesen durfte, nach dem Hagel von Beschimpfungen und Angriffen, die von der Linken niederprasselten, hat sich die Regierung, ihrem kläglichen Plaidoyer entsprechend, bestätigen lassen, daß„alles in Ordnung" ist! Aber dieses Vertrauensvotum ist Wahrhaftig ein dürftiges Vergnügen gegenüber jener mächtigen Manifestation der Oppositionsparteien, deren beste Redner unter stürmischen Zurufen das Urteil über die dem Parlament zugefügte Schmach sprachen. Der Ministerpräsident hat allerdings treuherzig erklärt: Die vorige Regierung, deren Mitschuldiger De T r o o z bekanntlich ist, habe beileibe nichts Böses getan. Wie könne man nur von Staats- streich, Verletzung der Konstitution und dergleichen reden? Habe sie doch mit der Zurückziehung des Berggesetzes nur den Weg für die kommende Regierung— Herr De Trooz also für Herrn De Trooz— freimachen und sich selbst von der Verantwortung für dieses Gesetz befreien wollen! Noch unfähiger zeigte sich der Ministerpräsident in seinem Bemühen, den Vorgang, daß die Rc- gierung, unbekümmert um die bereits eingereichte Zurückziehung des Gesetzes, die Beratung in der Kammer fortsetzen ließ, als durchaus konstitutionell und parlamentarisch zu erklären! Eine Flut von schmähenden Zurufen von der Linken begleiteten seine jämmerlichen Ausflüchte, und mit der Regierungserklärung mußte er gar in den Senat flüchten. Einen schlimmeren Empfang hat eine neue Regierung wohl kaum noch von einer Opposition erhalten.„Demission! Demission!" schallte es von der sozialistischen Linken.„Nieder mit de» Pfaffen!" von den Bänken der Liberalen. Die Farce wird übrigens noch dadurch kompletter, daß die Regierung nun das Berggesetz an den Senat geleitet hat, wo es vom Nrbeitsminister vorgelegt wurde. Der Demokrat I a n s s o n hat in seiner leidenschaftlichen An- klagerede die Zurückziehung des Erlasses gefordert. Von den Ministcrn, die den Erlaß unterzeichnet haben, so sagte er, dürfe keiner an der Regierung bleiben. Er bezeichnete die Auf- l ö s u n g als einzige Lösung.— Indes, die neue Regierung kann jetzt— trotz der schweren moralischen Niederlage dieser Tage— stolz auf das„parlamentarische Regime" pochen, denn das Haus hat mit 77 gegen 66 Stimmen das von dem klerikalen Drahtzieher W o e st e beantragte Vertrauensvotum angenommen und das Tadelsvotum Jansson mit d»nselben Stimmenverhältnis ab- gelehnt. Aber Herr De Trooz weiß trotzdem, woran er ist.— Rumänien. Bukarest, 10. Mai. Die Neuwahlen finden zwischen dem 20. und 28. Mai statt. Die neue Kammer wird zu einer außerordentlichen Session am 7. Juni einberufen. GewcrklcbaftUcbcs. (Siehe auch 1. Beilage.) Berlin und llmgegend. Zur Lohnbewegung der Bäcker. Am Donnerstag verhandelten die Vertreter der Freien Ver- einigung der Bäckermeister mit der Vertretung deS Verbandes der Bäcker vor dem EinigungSamt. Die Verhandlungen sind jedoch noch nicht abgeschlossen. Die Parteien wurden sich soweit einig, daß nur noch die Gewährung eines freien TageS in. jeder Woche und die Frage der Gültigkeitsdauer des Tarifs zu erledigen ist. Am Montag werden die Verhandlungen fortgesetzt. Unternehmerübermut im Glasergrwerbe. Zur diesjährigen Maifeier hatte der Verband der Glasereien und verwandter Gewerbe von Berlin und den Vororten be- schlössen, seinen Mitgliedern zum Aushängen in den Werkstätten Plakate zuzusenden» worauf bekannt gegeben! wurde, daß der 1. Mai kein Festtag, sondern ein A r b e i ts t a g ist, daß Ge- hülfen, welche am 1. Mai feiern, erst am 6. Mai die Arbeit wieder aufnehmen konnten und daß jeder Gehülfe, der sich damit nicht einverstanden erklärte, am Dienstag, den 30. April, also schon vor der Maifeier, entlassen werden sollte. Ebensowenig wie in anderen Werkstätten ließen sich auch die Gehülfen der Firma S a I a m o n i s durch jenen Beschluß von der Feier des 1. Mai abhalten. Als sie aber am 6. Mai wieder arbeiten wollten, zeigte eS sich, daß Herr SalamoniS in seiner Aussperrungslust noch über den Beschluß seiner eigenen Organi- sation hinausging und von den 27 Gehülfen nur 10 wieder einstellen wollte. Das führte natürlich dazu, daß keiner die Arbeit wieder aufnahm. Als dann der Vertreter deS Glaser- Verbandes zwecks Beilegung der Differenzen mit SalamoniS Rück- UJ.«Ilde, Berlin. Druck u. Verlag: Lorwärt» BuKdr. u. LerlagsanWsj spttche nahm, erklärte dieser: er werde zu einer Verhandlung auf dem Gewerbegericht nicht erscheinen; lieber trete er aus der Innung und dem Verbände der Glasereien aus, als daß er sich durch die Tarifkommission zwingen lasse, sein Personal wieder einzu- stellen.— Diese seine Haltung erscheint um so unverständlicher, als Herr SalamoniS selbst Obmann der Tariskommission des Glasergewerbes ist. Am Freitag war nun eine Sitzung der Tarifkommission an- beraumt, um die Angelegenheit zu regeln. Aber die llutcrnchmcr- beisitzcr waren nicht erschienen. Aus Vorschlag des Vorsitzenden Dr. Prerauer wurde gleichwohl mit Herrn Salamonis ver- handelt. Da dieser aber kein Entgegenkommen zeigte und sich nicht bereit fand, alle Ausgesperrten wieder einzustellen, ber- zichteten sie in zweimaliger geheimer Abstimmung sämtlich auf die Wiedcreinstellung und gaben Herrn Salamonis anheim, sich vom Arbeitsnachweis neue Arbeitskräfte zu besorgen. Die Handlungsweise dieses Obmannes der Arbeitgeber zeigt so recht deutlich, wie ein Unternehmer vorgeht wenn er bei all, gemein ungünstiger Konjunktur glaubt, seinen Arbeitern alles. bieten zu können. Da wundern sich die Unternehmer und beklagen sich bitter, wenn die Arbeiter bei gutem Geschäftsgang sich solcher Vorgänge erinnern und sich nicht jedem so ohne weiteres zur Ver- fügung stellen._ Die Leitergerüstbauer haben im Laufe der Woche die Arbeit wieder aufgenommen, nachdem sie zu einer Verständigung mit den Unternehmern gekommen sind. Die Poliere erhalten 10 Pf. und die Rüster 5 Pf. Lohnzuschlag pro Stunde. Nach Pfingsten soll eine weitere Zulage bewilligt werden. Nur bei Arndt u. Co. ist kein Vergleich zustande gekommen; diese Firma hat alle Plätze mit Arbeitswilligen besetzt. Alle Streikenden fanden sofort wieder Anstellung: nur vier oder fünf Mann sind gegenwärtig noch ohne Arbeit. Die kleineren Unternehmer haben dadurch, da sie einigen großen willig Folge leisteten, ihr Geschäft stark geschädigt, und sehen dem Ende des Streiks mit Verlangen entgegen. Es ist zu erwarten. daß sie die Zusage einer weiteren Lohnerhöhung nach Pfingsten auch einlösen werden._ Achtung! Töpfer! Die gesperrte Firma, Kaufmann Wilh. Mcinke läßt jetzt durch den Stiefsohn K. KruschinSki des Töpfermeisters Runge in der Pettenkoferstratze einen Bau ausführen, derselbe ist somit als ge- sperrt zu betrachten. Ter Bauhcr heißt Löschke. Die Verbandsleitung. Deutsches Reich. Die Zimmerer in Düsseldorf sind, weil sie den von den Unter- nehmern ausgearbeiteten Tarif nicht anerkennen wollen, ausgesperrt worden. Arbeitswillige Zimmerer wollen die Unter» nehmer nicht auf die Straße setzen. Große Wirkung wird der AuS» sperrungsbcschluß nicht haben, weil der größte Teil der Gehülscn zu den von der Zimmercrorganisation vorgelegten Bedingungen arbeitet und die übrigen Gesellen in den Streik getreten sind. Letzte Nacbncbtcn und Dcpcfcben. Stadtberordnetenwahlsieg. Wühlhauseu i. Th., 10. Mai.(Privatdepesche des„Vor- wärts".) Bei der heutigen Stadtverordnetenwahl wurden die Genossen Dönnecke und Schäfer mit 454 resp. 453 Stim- men gewählt. Tie vereinigten bürgerlichen Gegner brachten es auf 401 und 412 Stimmen. BergarbeiterauSstand. Köln, 10. Mai.(W. T. B.) Die„Kölnische Volkszeitung" meldet, daß in den an der luxemburgischen Grenze gelegenen Oettingrr Erzgruben heute etwa tausend Bergleute die Arbeit niedergelegt haben. Entgleister Schnellzug. Dortmund, 10. Mai.(Amtliche Meldung.) Der Schnellzug 13 ist heute Nachmittag 3 Uhr kurz vor Dortmund Rangierbahnhof bei Zeche„Hansa" entgleist. Vier Wagen liegen auf der Damm- böschung. Der unbeschädigte Teil des Zuges fuhr nach Aufnahme der Reisenden aus dem verunglückten Teil deS Zuges nach Tort- mund nach kurzem Aufenthalt weiter. Tort haben sich zehn Reisende mit kleinen Abschürfungen alS leicht verletzt gemeldet. Das Hauptglcis Mengedc-Dortmund ist voraussichtlich bis Mitter- nacht gesperrt. Verkehr wird durch Umleitung aufrecht erhalten. Ursache der Entgleisung ist bisher nicht aufgellärt. Untersuchung ist eingeleitet._ Ausschreitungen in Ludwigshafen. LudwigShafen, 10. Mai.(B. H.) Anläßlich des schon Wochen- lang dauernden Streiks in der Düngcrsabrik von Zimmermann kam es gestern abend zu schwere» Ausschreitungen. Nach und nach hatte sich eine tausendköpfige Menge angesammelt, die sämtliche Fenster des Fabrikgebäudes»ertriiinincrtc, Zäune, Mauerwerk und Holzschuppen niederrissen. Die Schutzleute, etwa 60, konnten der Menge nicht Herr werden; 6 Schutzleute erlitten Bcrletzungen, da- von zwei Stiche in den Oberschenkel. Der Bezirksamtmann, der in Uniform erschienen war, wurde von einem Stein so schwer ge- troffen, daß er bewuhtlos vom Platze getragen werden muhte. Di: Arbeitswilligen, die unter starker Eskorte aus der Fabrik heraus- geführt wurden, wurden von der wütenden Menge angegriffen, zu Boden geworfen, getreten und mißhandelt; viele trugen schwere Verletzungen davon. Tie Tumulte dauerten die ganze Nacht hin» durch und noch heute Morgen belagerte eine große Menschen- menge die Fabrik. Ludwigshafen, 10. Mai.(B. H.) Die Ansammlungen vor der Zimmcrmannschen Fabrik dauerten auch heute vormittag noch an. Ter sogen, kleine Belagerungszustand ist amtlich verkündet worden. Der Regierungspräsident der Pfalz, v. Neusscr, ist bereits hier eingetroffen; auch der Erste Staatsanwalt am Landgericht Frankenthal. Unter Heranziehung auswärtiger Gendarmerie hofft man, die Ordnung aufrecht erhalten zu können. Der Stadt- verordnete Winter mischte sich unter die Menge und ermahnte sie zur Ruhe, aber auch er wurde verhöhnt. (Authentische Nachrichten über die Borgänge sind uns noch nicht zugegangen. D. Red.)_ Bei der Kahnfahrt ertrunken. Augsburg, 10. Mai.(B. H.) Bei einer Kahnfahrt ertranken gestern im Ausflugsort Burgwalden infolge llmkippcns des KahneS 4 Mitglieder eines dort weilenden Gesangvereins aus dem Vorort Oberhausen. Ein fiinfter Insasse konnte gerettet werden. Erdbeben. Leobcn, 10. Mai.(B. H.) Heute früh zwischen 6?L und 7 Uhr wurden hier mehrere starke Erdstöße wahrgenommen. Der angerichtete Schaden ist jedoch nur geringfügig. Reaktionäre Gelüste. Petersburg, 10. Mai.(B. H.) Die Regierung beschloß, nun- mehr gegen Finnland energisch vorzugehen. An Stelle des jetzigen liberalen Gcneralgouverneurs soll General DratschewSky ernannt werden. Die Truppen in HelsingforS werden verdoppelt. Vergiftete Milch. Madrid, 10. Mai.(B. H.) Infolge Genusses von Milch sind 18 Personen unter Bergiftungserscheinungen erkrankt. Ter Zu- stand dreier ist hoffuungslos._ ßaulSingeröcCo., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt IIr.108. 24. Jahrgang. 1. ßfiliijt des Jamörts" Kerlim üoMlott KiNtvabevd, 11. Mai 1907. Reichstag. KV. Sitzung vom Freitag, den 10. Mai 1S07, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: Frhr. v. Stengel. Dernburg. Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Beratung des Ergäuzungsetats für die Schutzgebiete sFarmerentschädung, Beihülfe für Beamte usw.) Die Vorlage verlangt 7>/z Millionen Mark für diesen Zweck. die Kommission beantragt nur fünf Millionen zu bewilligen und hinzuzufügen: ..Die Hülfeleistung erfolgt unter der Voraussetzung, dag ander- we,t,ge Ansprüche � auf Entschädigung gegen das Reich oder die Kolonie aus Verlusten infolge des Eingeborenenaufstandes seitens deS Empfängers nicht gestellt werden." Ein Antrag, die gesamte Forderung von 7>/-z Millionen, aber nur als Darlehn, zu dewilligen, ist in der Kommisfion abgelehnt worden. Kolonialdirektor Dernburg: Würde den Farmern die Hülfe- leistung als Darlehn gewährt werden, so wäre klargestellt, dag sie keinen Rechtsanspruch darauf haben; auch ein erzieherisches Moment läge darin, und einiges würde wohl auch zurückgezahlt werden. Aber gegen die Form des Darlehns spricht der Umstand, dag dann eiue ungletche Behandlung für viele eintreten würde. Freilich wollen wir den Leuten kein Recht auf diese Hülfeleistung zugestehen; aber wir wollen gerecht sein, und wenn man einen Akt der Gerechtigkeit ausübt und die Hülfeleistung vn gratis gibt, so soll man sie auch mit Grazie geben(Heiterkeit) und die Leute nicht von vornherein verstiinmen. Hinzu kommt, daß der Unterschied mehr oder weniger nur in der Theorie, in der Idee vorhanden ist. l'/z Millionen sind, das sagte man auch in der Budgetkommission, a fonds perdu gegeben, und auch von den dann noch verbleibenden geforderten sechs Millionen wird vieles nicht einbringender sein, die Hauptfrage ist. ob das Geld den Schutzgebieten für ihre wirtschaftliche Eniwickelung zugute kommen wird, und diese Frage ist zu bejahen.— Mit dem von der Kommission beantragten Zusatz sind wir einverstanden. Abg. Gröber(Z.): Die Fassung dieses Zusatzes würde auch die Verfolgung wirklicher Rechtsansprüche unmöglich machen, und das ist doch wohl nicht die Absicht. Unterschiedslos eine Entschädigung für erlittenen Verlust zu gewähren�, auch wenn der betreffende im übrigen gar nicht hülfsbedürstig ist. würde bedeuten. daß tatsächlich ein Rechtsanspruch auf Schadenersatz besteht, was doch eben ausgeschlossen sein soll. Weiter kommt hinzu, daß die Feststellung des Schadens auf außerordentlich unsicherer Grundlage ruht, und ferner darf doch nicht vergessen werden, daß die Farmer einen großen Teil her Schuld an dem Aufstande selbst tragen. Aufgebracht werden sollen die geforderten 71/2 Millionen durch zukünftige Steuern. Roch kennen wir die neuen Steuerproblcme nicht, man hat uns noch eine Gnadenftist gewährt, um uns die Freude der Sommerferien nicht zu stören. Nun sagen die Befürworter der Hülfe- leistung, das Geld soll dem wirtschaftlichen Wiederaufbau des Schutz- gebieteS dienen. Wer wenn die Viehzucht dort so sehr vorankommt, wie gesagt wird, so braucht man doch keine Neichsmittel dazu zu bewilligen. Der Kolonialdtrektor sagte ja auch, daß in neuerer Zeit wieder ein größeres Zuströmen von Ansiedlern nach Südwestafrika stattfinde. Wir können uns daher nicht von der Notwendigkeit überzeugen, die geforderte Entschädigung zu bewilligen.(Bravo I im Zentrum.) Abg. Dr. Paasche(natl.): Aus Billigkeitsgründen und aus Gründen der EntWickelung der Kolonie befürworten wir die Bewilligung der Entschädigung. Freilich einen Rechtsanspruch wollen wir den Farmern nicht zuerkennen. Wir werden zunächst für die Regierungsvorlage, in zweiter Linie für den Kommissionsa»bcag stimmen. Abg. Freiherr v. Richthofen(k.) polemisiert gegen den Abg. Gröber und spricht sich im übrigen im Sinne des Vorredners aus. Der Aufftand hätte gar nicht ausbrechen können,(wenn der Reichstag genügend Schutztruppen bewilligt hätte. Abg. Dr. Arendt(Rp.) begründet einen von ihm eingebrachten An- trag, im Falle der Ablehnung der Regierungsvorlage die Schäden bis zu 10 000 M. mit 1 658 678 M. voll, die größeren Schäden mit 3 801 215 M. jetzt noch zu zwei Dritteln, also im ganzen zu fünf Sechsteln zu decken, beides unter der Voraussetzung, daß die Farmer keine weiteren Ansprüche gegen das Reich erheben.— Vielleicht trägt die Regierung mit an dem Ausbruche des Aufftandes schuld, weil sie zu spät die nötigen Eisenbahnen verlangt hat. Allerdings mehr noch haben die steten Abstriche durch das Zentrum und die Sozialdemokratie den Aufstand heraufbeschworen. Doch nun habe die Sozialdemokratie ja schon die Antwort des deutschen Volkes darauf bei den letzten Wahlen erhalten und auch hinsichtlich des Zentrums sei noch nicht aller Tage Abend.(Sehr richtig! rechts. Lachen bei den Sozialdemokraten und im Zentrum.) Gouverneur v. Lindcquist: Mit den jetzt verlangten 7'/z Millionen läßt sich durchaus nicht eine volle Entschädigung herbeiführen. Der indirekte Schaden, den Kaufleute usw. durch Ausfälle bei ihren Außenständen erlitten haben, ist überhaupt nicht mir angerechnet worden, und weiter sind die Biehpreise heute fast durchweg doppelt so hoch, als die Kommission damals angenommen hat. Die vom Reichstage zunächst bewilligten Summen haben nur dazu gedient, den Leuten das Weiterleben zu ermöglichen. Große Firmen konnten wir dabei nicht ganz ausschließen, weil von deren Existenz viele kleine Leute abhängig sind. Tatsächlich sind nur zwei Gesellschaften unterstützt worden, von denen die eine aus nur zwei Personen be- steht, während die andere, die Schäfereigesellschaft m. b. H.. für unseren Export außerordentlich wichtig ist.— Redner tritt schließlich für Wiederherstellung der Regierungsvorlage ein. (Beifall rechts.) Abg. Dr. Wirmer(frs. Vp.): Die Lage ist in der Kommission reiflich erwogen worden, und daher treten wir für den KommissionS- antrag ein. Gegen die Gewährung eines DarlehnS an die Farmer hat sich schon der Kolonialdirektor ausgesprochen, daher empfehlen wir die Bewilligung von fünf Millionen. Die kleineren Ansiedler in voller Höhe zu entschädigen, ist ein an sich richtiger Gedanke, aber auch hierbei ist Willkür nicht zu ver- meiden. Daher lehnen wir den Antrag Arendt ab. Allzu viel Optimismus haben wir hinsichtlich unserer Kolonien nicht, aber schließlich werden die jetzt geforderten Summen doch dem gesamten Deutschen Reiche zugute kommen. Abg. Lattmanu(Antis.) erklärt sich für die Regierungsvorlage, will sich aber eventuell mit dem Antrag Arendt begnügen. Damit schließt die Diskussion. Der Kommissionsantrag wird gegen die Stimmen des Zentrums, der Polen und der Sozialdemo- kraten angenommen. Eine Reihe Ergänzungsetats werden debattelos erledigt, darunter die Teuerungszulagen für untere und mittlere Beamte. Auf eine Anfrage des Berichterstatters Abg. W i e m e r erklärt hierbei Geheimrat Neu mann, daß nur die Angestellten des Reichstags, welche Beamtencharakter hätten, die Teuerungszulagen be- kommen könnten. Es folgt der Etat des Reichstags. Hierzu liegt ein von allen Parteien unterstützter Antrag Dr. Paasche vor, der die Bildung eines besonderen, der Ver- waltung des Reichstagspräsidenten unterstehenden zinsbar anzu- legenden Fonds vorsieht, dessen Zinsen zu außerordentlichen Beihülfen für etatSmäßige Unterbeamten und das gesamte Hülssbeamten- Personal sowie zu Unterstützungen für ausgeschiedene Unterbcamte. i Hülfsbeamte und deren Hinterbliebene zu verwenden sind. Der ! Fonds soll vor allem bewilligt werden aus den Eintrittsgeldern für f die Besichtigung des Reichstagsgebäudes. * Ferner sieht der Antrag vor die Einsetzung eines besonderen Titels von 6250 M. in die fortdauernden Ausgaben zu außer- ordentlichen Beihülfen für die Unterbeamten und das Bettiebs- personal. Reichsschatzsekretär Frhr. v. Stengel erklärt, daß die Regierung gegen die Einsetzung dieser Titel in den Etat nichts einzuwenden habe. Abg. Singer(Soz.) begrüßt diese Erklärung des Staatssekretärs. Aus der Erklärung des Geheimrats Neumann schien hervorzugehen, daß die Angestellten dieses Hauses an den einmaligen Teuerungszulagen nicht beteiligt sein sollen. Das war jedenfalls nicht die Absicht des Reichstages. Ich glaube, alle Parteien werden eS begrüßen, wenn der Präsident aus den ihm zur Verfügung stehenden Fonds daS für die Reichstags beamten nachholt, was den übrigen Beamten an Teuerungszulagen gewährt wird.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Weiter habe ich auch eine Reihe von Wünschen dem Herrn Präsidenten zur Erwägung anheim zu geben: Das Hülfspersonal, welches in diesem Hause beschäftigt ist, steht in täglicher Kündigung. Das ist ein unhaltbarer Zustand.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Was den Arbeitern nach der Gewerbeordnung zusteht, eine vierzehntägige Kündigung, sollte auch den Hülföbeamten dieses Hauses gewährt werden. Weiter wäre es wohl notwendig, in der Arbeitszeit dieser Hülfsbeamten eine Aenderung eintteten zu lasten. Diese Beamten haben alles in allem gerechnet eine tägliche Arbeitszeit von vierzehn Stunden.(Hört! hört l bei den Soz.) Das ist viel zu viel. Der Reichstag tritt seit Jahren mit Energie für die Verkürzung der Arbeitszeit derPostbeamten ein. es wird dahin gestrebt, dieArbeitszeitder industriellen Arbeiter in der Gewerbeordnung herabzusetzen; da sollte der Reichstag in seinem eigenen Hause mit gutem Beispiel voran- gehen und die Arbeitszeit der Hülfsbeamten dadurch verkürzen, daß er mehr Hülsskräfte anstellt.(Sehr richtig!) Diese Hülfsbeamten treten ein mit einem Tagelohn von 4 M., welcher in dreijährigen Pausen um je 25 Pf. pro Tag steigt bis zur Höhe von 5,50 M. Ich glaube, daß es wohl die große Mehrheit des Hauses nicht für richtig halten wird, daß man diese Hülfsbeamten auf die 25 Pf. Zulage drei Jahre warten läßt. Das geht wohl über das Maß der notwendigen Spar- samkeit hinaus. Dazu kommt folgendes: Bei tadelloser Führung haben diese Hülfsbeamten die Hoffnung dauernd angestellt zu werden, aber erst nach 3650 Sitznngstagcn, d. h. nach etwa 20—21 Kalenderjahren. Da scheint mir doch die Bitte an den Herrn Präsidenten gerecht- fertigt, eine Verfügung zu treffen, wonach die dauernde Anstellung dieser Herren in kürzerer Zeit eintritt. Die Frist von 10 Jahren genügt da wohl vollständig, um zu ermeffen, ob ein solcher Beamter befähigt ist, den Ansprüchen, die an seinen Posten gestellt werden, vollauf zu genügen.(Sehr richtig I) Ein weiterer Mangel liegt in der Fürsorge bei Krankheits- fällen. Da ist für diejenigen Beamten, die nicht dem Krankenver- sicherungsgesetz genügen, eine Hauskasse eingerichtet, aus der dies Hülsspersonal pro Tag 1,45 M. Krankengeld und 80 Pf. Entschädigung für Arznei erhält. Dies Krankengeld bedarf auch der Erhöhung. Weiler würde der Herr Präsident diesen Hülfsbeamten eine große Wohltat erweisen, wenn er sich mit dem Gedanken vertraut machen ivürde, diesen Leuten, die ja immer wiederkommen, wie das auch durchaus im Interesse des Reichstages liegt, eine Art Wartegeld zu gewähren, das ihnen die Möglichkeit gibt, einigermaßen die Zeit zwischen den Sessionen zu überwinden. Bei der Ueberfüllung des Arbeitsmarktes wird es vielen der Herren schwer werden, nach der Entlassung sofort ein anderes Unterkommen zu finden. Jedenfalls sollte ihnen für eine bestimmte Zeit der Lohn weiter bezahlt werden, in der Weise etwa, daß wenn die Vertagung im ersten Drittel des Monats erfolgt, der ganze Monat bezahlt wird.(Sehr richttg l bei den Sozial- demokraten.) Dasselbe trifft für die Herren zu, die als Stenographen sekretäre tätig sind. Auch sie sind auf tägliche Kündigung angestellt. Zum Schluffe möchte ich auch noch ein gute? Wort für die Scheuer frauen einlegen, deren Lohn bis zur Höhe von 3,50 M. steigt. Der Reichstag wird sich jedenfalls, wenn er diesen Wünschen nachgibt, nicht dem Vorwurf aussetzen, daß er seinem Personal gegenüber verschwenderisch ist. Ich würde mich freuen, wenn der Herr Prä- sident meinen Anregungen entgegenkommen würde.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Reichsschatzsekretär Frhr. v. Stengel: Die Ausführungen des Herrn RegierungskommistarS Neumann hat der Herr Vorredner wohl nicht richttg verstanden. Dieser hat nur betont, daß auS dem Er- gänzungsetat nur etatsmäßige oder diätarische Unter- und mittlere Beanite die Beihülfen bekommen könnten. Bezüglich der Angestellten des Reichstages kann die Folge nicht eintreten, die der Herr Vorredner befürchtete. Im übrigen möchte ich zur Beruhigung er- klären, daß wir darauf Bedacht nehmen werden, daß auch die in Betracht kommenden Beamten des Reichstages nicht etwa um des willen unberücksichgtigt bleiben, weil zufällig der Reichstag am I.Juli dieses Jahres nicht versammelt ist. Was die gegen Tagelohn be- schäftigten Arbeiter anlangt, so verweise ich auf den Fonds im Etat des Reichstages, der eine Summe für außerordentliche Unterstützungen sür das gesamte Hülfspersonal vorsieht. Abg. Dr. Paasche(natl.): Es werden nicht bloß die SitzungStage bei der dauernden Anstellung gezählt, sondern auch die Ferien- und Sonntage während der Session, so daß nicht 21. sondern höchsten? 15 Jahre bis zur Anstellung vergehen. Man ist wohl weit genug gegangen, wenn man das Hülfspersonal, wie es jetzt geschieht, noch zirka 14 Tage nach Schluß der Session beschäfttgt und be- zahlt. Die dauernd beschäfttgten HülfSarbeiter erhalten während voller drei Monate ihre Diäten weitergezahlt, während den übrigen außer dem Krankengeld noch Beihülfen aus dem Fond von 7700 M. gewährt werden. Die vierzehn Stunden Arbeitszeit sind zwar vielleicht vorhanden, aber der Dienst ist doch auch verhältnismäßig leicht und es ist beim Beginn der Session immer noch ein Ueber- angebot an Arbeitskrästen vorhanden. Abg. Werner(Antis.) tritt für die Stenographen und Diener ein. Abg. Dr. Arendt(Reichsp.): Die Einführung der Kündigungs- srist ist durchaus erwägenswert, auch muß die Frist bis zur definittven Anstellung verkürzt werden. Die tägliche Arbeitszeit kann nur be- schränkt werden, wenn wir unsere Sitzungen abkürzen. Bei Ueber- schreitung einer gewissen Arbeitsdauer, die immerhin als höhere Gewalt anzusehen ist. muß freilich für das Hülfspersonal gesorgt werden. Anregen möchte ich, in den nächsten Etat 100 000 M. ein- zustellen für parlamentarische Studienreisen, insbesondere nach den Kolonien. Abg. Gröber(Z.): Wg. Singer hat eine große Zahl von Tat- fachen angeführt, die teils von Herrn Dr. Paasche berichtigt, teils aber auch unwidersprochen geblieben sind. Im Seniorenkonvent könnten alle diese Dinge, die doch für den Reichstag ganz interner Natur sind, am gründltchsten besprochen werden. Abg. Liebermann». S-nnenberg(Antis.): Die Einnahmen aus den ReichStagsbefichttgungen sollte man ungeschmälert den HauS- beamten zu gute kommen lasten. Als Inschrift für daS Reichstags- gebäude empfehle ich mit Rücksicht auf die Herkunst der Gelder für den Bau:„Das Volk in Waffen den deutschen Volksvertretern 1" (Zustimmung rechts und Heiterkeit.) Damit schließt die Debatte. Der Antrag Paasche wird angenommen. ebenso der Etat deS Reichstages, der Etat der Reichsschuld und der Etat für die Expeditton ins südwestafrikanische Schutzgebiet. Es folgen EtatSreste aus dem Hauptetat. Zum Kapitel „Bankwesen" liegt eine Resolutton des Zentrums, der Kon- servativcn und der Nationalliberalen vor, die eme baldige Regelung des Scheckverkehrs verlangte. Abg. Dr. Ncumann�Hofer(fr. Lg.) bringt einzelne Wünsche der Unterbeamten der Neichsbank vor. Reichsschatzsekretär Frhr. v. Stengel: Der Etat, der hier vor- liegt, beschäftigt sich lediglich mit dem Etat des ReichsbankdtrektormmS, trotzdem will ich dem Reichsbankpräsidenten die vorgebrachten Wunsche zur Ivohlwollenden Erwägung übermitteln. Abg. Frhr. v. Gamp(Rp.) wünscht eine Enquete, um Klarheit über die Gründe des abnorm hohen Bankdiskonts zu gewinnen. Damit schließt die Diskussion._ Die Resolution wird angenommen, ebenso die noch ausstehenden Kapitel. Es folgt der Entwurf des Etatsgesetzes, das debatteloS ge- nehmigt wird. Damit ist diezweile Etatsberatung erledigt. DaS Haus geht über zur Beratung der Petitionen. Eine Petition betr. das gewerbliche Musizreren der Militärmusiker beantragt die Kommisfion der Regierung als Material zu überweisen. Abg. Noske(Soz.): Die Petition des Präsidiums des allgemeinen deutschen Musikerverbandes sollte man zweckmäßigerweise der Regierung zur Berück- sichttgung überweisen. In dem Kommissionsbericht wird behauptet, daß eine Reihe von Beschwerden, die von organisierten Militärmusikern erhoben worden sind, durch die inzwischen ergangenen Anordnungen des Kriegsministeriums hinfällig geworden sind. Tatsächlich rst dadllrch nicht einmal den allerärgsten Mißständen ein Ende gemacht worden. Der Kriegsminister hat nichts dagegen getan, daß die Militärmusiker ihre Konzertreisen noch immer zum halben Fahr- preise machen. Die Zivilmusiker werden durch die Militärkapellen einfach niederkonkurriert: sie haben keine Möglichkeit, sich durch Lohnbewegungen usw. bessere Arbeitsbedingungen zu erkämpfen. Seit Jahrzehnten schon find die Preise für die Musik durch die Konkurrenz der Militärkapellen so gedrückt, daß die Musiker zu den schlechtest bezahlten Arbeitern gezählt werden können. Und nun ist noch durch die stete Vergrößerung des Heeres die Konkurrenz der Militärkapellen gegen die Zivilmusiker von Jahr zu Jahr stärker geworden. 700—1000 M. haben die Militärmusiker Nebenverdienst, während tüchtige Zivilmusiker nicht genug zum Leben verdienen können. Ganz besonders arge Mißstände haben sich bei Einstellung der Militärmusiker herausgestellt. Fast stets wird verlangt, daß sie für die Ausführung ihres Berufes im Nebenamte brauchbar fein sollen. So wird in Königsberg ein erster Geiger und ein Klavierspieler gesucht, in einem anderen Falle wird ein tüchtiger Geiger verlangt, dem in Aussicht gestellt wird, daß er bei großer Tüchtigkeit die Direktion der Kapelle im Variotötheater übernehmen könne I DaS Breslauer Kürassierregiment sucht einen guten Biolinspieler und will sich sogar mit einem Infanteristen begnügen. Das Konzertieren der Militärmusiker hat einen geradezu erschreckenden Umfang angenommen; bis zu 45 Proz. sämtlicher Konzerte iverden von Militärkapellen ge- geben. In Danzig werden während de? ganzen SommerS sämtliche Lokale von Militärmufikern besetzt. Bei solcher Konkurrenz ist eS kein Wunder, daß es den Zivilmusikern fast unmöglich ist, für ihre Familie regelmäßig Brot zu schaffen. Der Reichstag muß endlich kategorisch fordern, daß das Konzertteren der Militärkapellen ganz wesentlich eingeschränkt wird.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Die Sbgg. v. Oertzen(Rp.). Wagner(k.). Dove(frs. Bg.) und Jungk(natl.) schließen sich diesen Ausführungen an. Die Petttton wird darauf dem Reichskanzler als Material überwiesen. Eine Petttion betreffend Beseittgung der konfessionellen EideS« formet beantragt die Kommission als Material zu über- weisen. Abg. Werner(Antis.) beantragt Uebergang zur Tagesordnung. DaS HauS beschließt gegen die Stimnun der Rechten gemäß dem Antrage der Kommission. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung: Sonnabend 11 Uhr.(Rechnungssachen, Neinere Vorlagen. Jnterpellatton Will(Z.) und A l b r e ch t(Soz.) betr. die Grubenkatastrophen.) Schluß 6-/4 Uhr._ r) Hub der Partei. Parteiliteratur. Soeben ist im Berlage von I. H. W. Dietz Nachf. in Stuttgart erschienen: Zur Kritik der politischen Orkonomir von Karl Marx, herausgegeben von Karl K a u t s k y. Zweite vermehrte NeuauSgabe. Preis gebunden 2,50 M. Der Text der berühmten Schrift von Karl Marx ist unverändert abgedruckt worden, vermehrt ist sie durch die im Nachlaß von Marx vorgefundene.Einlettung zu einer Krittk der politischen Oekonomie". Sie stellt, wie der Herausgeber bemerkt, eine erhebliche Bereiche« rung der marxistischen Literatur und damit auch des vorliegenden Buches dar._ Genosse Bebel sendet uns folgende Zeilen zur Veröffent- lichung: Ich ersehe aus der Donnerstagnummer des„Vorwärts"� daß die Magdeburger„Volkssttmme" äußerte: „Es ist zweifellos, daß sich der Standpunkt Liebknechts, den er in seiner Broschüre einnimmt, dem Herdes bedeutsam nähert. Indem Bebel Hervös Agitatton verurteilt, spricht er zugleich das Urteil über die Liebknechtsche Auffassung." Dazu habe ich zu bemerken: es ist mir nicht in den Sinn gekommen, in meinem Urteil über Herdes Standpunkt auch denjenigen des Genossen Karl Liebknecht treffen zu wollen. Ich würde damit sogar ein schweres Unrecht an Liebknecht be- gehen, der sich in seiner Broschüre mit einer erfreulichen Offenheit, die jede Zweideutigkeit ausschließt, gegen den Hervüschen Standpunkt erklärt hat. Da auch in anderen Parteiorganen ähnliche Acußerungen über meine Stellung zur Liebknechtsche» Broschüre laut geworden sind, wie sie die Magdeburger„Volkssttmme" der- öffentlichte, so richtet sich mein Dementt auch gegen jene. %n die sonstige Polemik, die anläßlich meiner Rede zum Militäretct und meiner Erklärung gegen HervS, in der Partei- presse entstanden ist, mich einzumischen, empfinde ich kein Be- dürfnis. Ich erkenne gern an, daß diese Polemik streng sachlich geführt worden ist, ich habe aber auch daraus wieder einmal ersehen, wie leicht es der bürgerlichen Presse wird, durch entsprechende Kritiken an Reden sozialdemokrattscher Abgeordneter, einen Teil unserer Parteipresse aufs Eis zu führen und ihn zu verkehrten Krittken zu provozieren. Es ist auch eine willkürliche Annahme seitens einzelner unserer Parteiorgane, z. B. der„Dortmunder Arbeiterzeitung" und der„Düsseldorfer Volkszeitung", die Fraktton für die gefallenen Reden und abgegebenen Erklärungen verantwortlich zu machen. Die Fraktton hat keine Gelegenheit gehabt vorher darüber ihr Urteil abzugeben und sie hat keine Veranlassung genommen ein solches nachher zu fällen. Zu der in der Parteiprcsse veröffentlichten Erklärung Hcrvss, wonach dieser wünscht, daß dem Stuttgarter internattonalcn Kongreß die Frage vorgelegt werde: wie im Falle eines Kneges sich die Sozialisten zu Verhalten hätten, bemerke ich, daß dieser Wunsch schon durch die Beschlüsse des Internattonalcn Sozialistischen Bureaus erfüllt ist. Die Frage kommt aus die kagesordnung oeS Stuttgarter Kongresses; ich hoffe dort Gelegenheit zu haben, mit Hervö die Klinge zu kreuzen. Wieder eine verendete Terrorismuslüge. Die Magdeburger „Volksstimme' berichtet: Am 14. März brachte der„Allgemeine An- zeiger für Wolmirstedt' eine Geschichte, wonach der Arbeiter Moritz Schulz von seinen Mitarbeitem überfallen und schwer mißhandelt worden sei, weil er aus dem„sozialdemokratischen Arbeiterverband' ausgetreten fei.„Hoffentlich', so fügte das edle Blatt hinzu, „erhalten die rohen Patrone eine exemplarische, gerichtliche Strafe'. Wir konnten damals sofort nachweisen, daß die ganze Geschichte erstunken und erlogen war. Moritz Schulz war nicht überfallen worden, war nicht aus dem sozialdemokratischen Verband ouSge- treten, weil er ihm nie angehört hatte; wohl aber war der Schütz- lina des„Allgemeinen Anzeiger" dabei ertappt worden, daß er der Absender anonymer Postkarten war, durch die der Hausfrieden eines Mitarbeiters erheblich gestört wurde. Dafür hatte der wackere Moritz denn von dem Arbeiter einige Ohrfeigen bekommen, die nicht von „schlechten Eltern' waren, Selbstverständlich hatten sich die Behörden, die für Ordnung und Ruhe_ verantwortlich sind, sofort auch der Angelegenheit be- mächtigt, im Amtsgericht fanden Vernehmungen statt, viel Papier wurde verschrieben, eS wurde inquiriert und recherchiert, und das Resultat aller Bemühungen ist nun glücklich heraus. Bor einigen Tagen hat der Frevler wider die Gesetze von der Staatsanwaltschaft ein Schreiben erhalten, worin ihm kund und zu wissen getan wird, daß die Anklagebehörde— das Verfahren eingestellt hat! I l Bon den Organisationen. Der sozialdemokratische Verein für dm Wahlkreis Vielefeld-Wiehenbrück stieg im ersten Quartal 1907 von 3290 auf 3655 Mitglieder. Sozialdemokratische Wahlerfolge in der Schweiz. In Alt- stetten bei Zürich, wo die Arbeiterschaft infolge innerer Zerwürf« nisse zur Ohnmacht verurteilt war, haben unsere Genossen bei den jüngsten Gemeindewahlen schöne Erfolge errungen, indem ihre Liste mit drei Sozialdemokraten für den Gemeinderat, mit ebenfalls drei für die Gesundheitskommission, sechs für das Wahlbureau und einem für die Gemeinde-Rechnungsprüfungskommission siegte. Der schöne Erfolg wird hoffentlich die volle Einigkeit unter unseren Genossen herstellen und dauernd aufrechterhalten.— Im Kanton Neuenbürg wurden bei den nach dem Proportionalsystem vorgenommenen Groß- ratS-(Landtags-) Wahlen 19 Sozialdemokraten gewählt, um 4 mehr, als dieser Behörde vorher angehörten.— In Herifau(Appenzell) eroberten unsere'Genossen einen'Sitz, den ersten im Gemeinde« rat, zwei Sitze in der Rechnungsprüfungskommission; Genosse Nöcher wurde als Gcmeinderichter gewählt und Genosse Dr. med. Hertz als Mitglied des Kantons- und Verfassungsrates bestätigt.— In Basel verlor leider unsere Partei bei vier Ersatzwahlen in den Großen Rat, wobei es sich um sozialdemokratische Mandate handelte, deren zwei.-_ Ein neues genossenschaftliches Unternehmen der belgischen Partei. B r ü s s e I. 30. April.(Eig. Ber.) Voll Wut und Neid blickt unser Bürgertum, besonders das daran kntcrcssierte, auf die zu immer blühenderer Entwicklung gelangenden sozialistischen Genossenschaften Belgiens. Die Veröffentlichung der Rechenschaftsberichte mit den großen Umsatzziffcrn wird von der bürgerlichen Presse stets mit Hohn glossiert, wobei listig auf die Anhäufung der„Kapitalien' der antikapitalistischen Sozialisten ver- wiesen wird! In der Tat haben unsere Gegner alle Ursache, auf die vorwärtsschreitende sozialistische Genossenschaftsbcwegung ärgerlich zu sein: Denn nicht nur, daß ihnen die Arbciterkundschaft entzogen wird, wirken die Kooperativen auch sichtlich als wohltätiger Preis. regulato! für die wichtigsten Bedarfsartikel. Interessant ist da z. B. der Einfluß der Bäckereien des Brüsseler„Maison du Poeple', deren billiges und gutes Brot zur Folge hatte, daß sich auch die übrigen Bäckereien zu wohlfeilerer Ware in Verbindung mit allerlei, allerdings meist fchwindclhaftcn Benefizien verstehen mußten. Daß dort der Achtstundentag eingeführt ist, bei einem Minimallohn von b Franken täglich, dem Lohnerhöhungen nach 2 und 5 Jahren folgen, daß die Arbeiter einen sechstägigen bezahlten Urlaub erhalten, Gratis-Arbeitskleidung und schließlich alle Bene- fizien der Genossenschafter, alle? das sind ebcnsoviele Gründe die Gegner zu ärgern, die durch die anständigen Arbeitsverhältnisse des Arbeiterinstituts in ihrer Ausbeutungslust immerhin geängstigt werden. Einen kleinen Begriff von dem Aufschwung des Brüsseler „Maison du Peuple' mag die Ziffer geben, daß sich von Anfang Januar bis Ende März 1688 neue Genossenschaftsmitglieder ein- schreiben ließen. Nun tritt die organisierte Arbeiterschaft wieder mit einem neuen bedeutungsvollen genossenschaftlichen Unternehmen auf den Plan, das sich auf Grund einer Entscheidung des Parteitages von 1906 demnächst konstituieren soll. Der Ausbeutung des arbeitenden Volkes als Konsumenten, der schon auf so vielen Gebieten die sozia- listischen Genossen siegreich begegneten, soll nun auch auf dem Ge« biet der Lebensversicherung entgegengetreten und eine Volksversicherung auf genossenschaftlicher Basis gegründet werden. Die genossenschaftliche Arbciter-Lcbcnsversicherung wird den Namen„La Prevoyance sociale"(Die soziale Fürsorge) führen und das Kapital wird von allen Parteiorganisationen, Koopera- tivcn, Arbeitervereinen und Gewerkschaften gezeichnet. Die provi« sorischen Statuten sind schon an alle Parteigruppen abgegangen und es laufen bereits zahlreiche Anmeldungen an das Komitee ein, an dessen Spitze der sozialistische Deputierte Bertrand steht. So wird denn wohl binnen kurzem auch gegen den Schwindel und die Gewissenlosigkeit der privaten Versicherungsgesellschaften, deren Opfer Tausende Proletarier sind, von feiten der organisierten Ar- beiterschafi ein Feldzug eröffnet werden, der ihr, wie auf den vielen anderen Gebieten genossenschaftlichen WirkenS zweifellos hohe materielle und moralische Erfolge eintragen wird. Im kommenden August feiert übrigens die belgische Sozial- demokratie das 25 jährige Jubiläum des Brüsseler „M a i s o n du Peuple' und die Parteigenossen werden dieses Ereignis wieder mit einem jener Feste würdigen, denen sie so meisterhaft die reizvollste Mischung von Fröhlichkeit und ernst- erhebender Kampfesstimmung zu geben verstehen. Die russische Nevolution. Kongreß der„Vaterlandslosen". Esbjerg,(Dänemary, 9. Mai. Gestern abend sind weitere 180 russische Sozialisten von hier nach England abgereist. London, 7. Mai. Die erste Abteilung russischer Sozialdemokraten. bestehend aus 22 Mann, ist gestern jn Harwick) eingetroffen und wurde von zwei Russen empfangen, die sie zur Eisenbahn geleiteten. Die Leute bestiegen sofort einen Wagen des Zuges, verschlossen die Türen und ließen die Vor- hänge herab, andetihalb Stunden bevor der Zug nach London abfuhr. Die Delegierten verweigerten jede Auskunst. Der übrige Teil der Delegierten dürste voraussichtlich heute in Harwich eintreffen. London, 9. Mai. Zweihundert russische Sozialdemokraten, darunter sechs Mitglieder der Reichsduma, sind heute abend hier eingetroffen. London, 10. Mai. Alle Teilnehmer des russischen Sozialistenkongresses sind jetzt hier eingetroffen, unter ihnen befinden sich auch drei Frauen. Kongreß der Hooligans— im Baterlande. Moskau, 10. Mai. Der vierte Kongreß der monarchistischen Organisation hat gestern seine erste Sitzung abgehalten. Nach Be- endigung derselben veranstalteten die Teilnehmer unter Boranfühmng von zahlreichen Heiligenbildern einen Zug nach dem Kreml und be- gaben sich sodann vor das Palais des GeneralgouvemeurS. Diesem überreichten sie eine Denkschrift an den Zaren, worin sie diesem ihre patriotischen Gefühle ausdrückten. Das„verseuchte" Heer. Petersburg, 10. Mai.(B. H.) Zwei junge der Kriegsschule zu- geteilte Offiziere sowie drei Matrosen wurden verhaftet, weil sie überführt sind. Protlamationen des Militärbundes verbreitet zu haben._ Soziales* Ein Vertrag gegen die guten Sitten. Das Kanfmannsgericht in Dresden beschäftigte sich dieser Tage mit einem Fall, der so recht bezeichnend dafür ist, was die Arbeit- geber in den Anstellungsverträgen ihrer Angestellten diesen zu- muten. Die Wermutwein-Gcsellichaft Schiebe u. Co. klagt gegen einen ihrer Reisenden auf Rückzahlung eines angeblichen Vor- schusses in Höhe von 506 M. Der Reisende hatte ausschließlich Gastwirte zu besuchen und mußte da anständige Zechen machen, um irgend etwas zu verkaufen. Dazu hat nun der Reisende diesen Vorschuß der Provisionen, wie ihn die Firma nennt, ver- ivendct, da dieser die Gelder als Spesen aufgefaßt hat. Jn dem Anstellungsvertrage befand sich nun ein Passus, demzufolge„Vor- schußspesen" a conto der Provisionen verrechnet werden, und diesen Inhalt des Passus macht die Firma vor dem Kanfmannsgericht geltend. Der Reisende erklärte jedoch, daß dieser Passus als Nach- trag ohne sein Wisse» und Willen in den Vertrag ausgenommen worden sei, von welchem nur ein Exemplar vorhanden ist und sich in den Händen der Firma befindet. Von einem Beisitzer des Gerichts wurde der Inhaber der Firma darauf hingewiesen, und dies mit Recht, daß ein Reisender, der Gastwirte besuchen müsse und dabei nur auf Provisionen angewiesen sei, entweder verhungern oder unehrlich werden müsse. Tie Firma wurde mit der Klage abgewiesen. Das Gericht begründete dies damit, daß ein Reisender wie im vorliegenden Falle viel verzehren müsse und diese Kosten selbstverständlich die Firma zu tragen habe. Das Gericht war auch der Ansicht, das, der Vertrag gegen die guten Sitten verstösit, und die Firma damit nur die Unerfahrcnheit des Beklagten aus- nützen wollte._ Unter agrarischer Fuchtel. Haust da im Calenbergischen, und zwar in Eckerde, Kreis Linden, ein„Edelster und Bester der Nation', der in bezug auf sein Verhalten Arbeitern gegenüber in nichts seinen östlichen Vettern nachsteht. Am Eingänge des geräumigen, mit Bogen- lampen gezierten Gutshoses erblickt man einen bekannten Raub- Vogel, umrahmt von den Worten: Ortsvorsteher. Hinter den rechts und links gelegenen stattlichen Wirtschaftsgebäuden, jn denen, obgleich es Sonntag Morgen, ein reges Treiben herrscht, erhebt sich inmitten eines gut gepflegten, mit Teichen durchsetzten Parkes ein hochragendes Gebäude: das Schloß. Der Eigentümer dieses in fruchtbarster Gegend gelegenen Gutes ist ein Herr v. Hcimburg, jener Edle, der bei der letzten Wahl sozialdemokratische Stimmzettel zerrissen und in den Ofen gesteckt, ohne daß ihm ob dieser patriotischen Heldentat ein Haar gekrümmt worden trotz erfolgter Anzeige. Im Machtbereiche dieses Herrn haben sich seitdem Begebenheiten zugetragen, die auf die Lage der landwirtschaftlichen Arbeiter ein helles Licht werfen und deshalb der breiten Oeffentlichkcit nicht vorenthalten werden dürfen. Herr v. Heimburg ist selbstverständlich Patriot vom Scheitel bis zur Sohle und monarchisch bis aus die Knochen. Kann man es ihm unter diesen Umständen verargen, wenn in Verträgen, die mit den auf seinem Gute tätigen Arbeitern abgeschlossen werden. eine Bestimmung enthalten ist, daß eine etwaige Betätigung sozialdemokratischer Gesinnung die sofortige Räumung der Gutö- Wohnung nach sich zieht? Man kann sich den Kummer des Herrn v. H. ausmalen, als er wahrnehmen mutzte, daß trotz der geübten Vorsicht bei der letzten Wahl in seinem Bezirk die sozialdcmokra- tischen Stimmzettel abgegeben worden. Besonders aber schmerzte es sein patriotisches Gemüt, daß auch der wohlbestallte Hüter seiner Schafherde, der noch dazu auf des„Herrn" Wunsch an der Wahl teilgenommen, zu den.Umstürzlern' zählte. Jedenfalls um die agrarische Schafherde vor sozialdemokratischen Einflüssen zu sichern, erhielt der Schäfer die Kündigung zugestellt. Gleich- zeittg wurde ihm bedeutet, daß es bei der Stichwahl auch ohne ihn gehen werde. Der Schäfer erschien dennoch an der Urne und — Entsetzen über Entsetzen!—: die sozialdemokratischen Stimmen verdoppelten sich sogar. Wie das schmerzte! Der Verdruß war indes nicht von langer Dauer. Wenige Tage darauf spendierte Herr v. H. zwei Fäßchen Bier, für die Feuerwehr natürlich. Nebst dem Schäfer hatte auch noch ein anderer auf dem Guts- Hofe beschäftigter Arbeiter einen sozialdemokratischen Stimmzettel abgegeben. Am Sonntag, den 28. April, wurde nun aus un- bekanntem Anlaß ein Sohn dieses Arbeiters von einem anderen Gutsarbeiter mißhandelt. Die Mutter des Jungen wies den Uebel- täter zurecht. Dieser flüchtete in seine Wohnung und machte einen Selbstmordversuch, der aber noch rechtzeitig vereitelt wurde. Dieser Vorgang hatte unglaublicherweise zur Folge, daß dem Vater des Knaben da? Arbeitsverhältnis und die Gutswohnung gekündigt wurde. Der Betroffene hatte schon seit längerer Zett das Gefühl, daß man mit ihm nicht mehr recht zufrieden sei. Am Sonntag, den 5. Mai, verließ er die Hcimburgschen Gefilde. Zuvor aber wurden ihm von dem Viehhändler, von dem er zwei Schweinchen bezogen, diese aus dem Stalle geholt nach Zahlung von 4 M. Futtergeld. Die Schweine bleiben nämlich, weil die Arbeiter sie in den seltensten Fällen bar bezahlen können. Eigen- tum de? Viehhändlers, bis sie bezahlt find. Der Viehhändler war über den Stand der Dinge vom Gutshofe aus benachrichtigt worden. Der schwer betroffene Arbeiter hat bis jetzt weder ein« Entschädigung für das von ihm bereits bestellte Gartenland, auf das er verzichten mußte, noch die für die Wohnung einbehaltene Kaution im Betrage von 20 M. zurückbezahlt erhalten. Noch einiges über die Arbeitsverhältnisse auf dem Gute des Herrn v. H. Dortselbst sind zurzeit 17 fremde(Russen), 6 ein- heimische Arbeiter, 8 Ochsenjungcn und etwa 40, zumeist fremde Mädchen beschäftigt. Die tägliche Arbeitszeit ist im Winter aus- schließlich der Pausen eine 10Ä-, im Sommer eine 12ftündige. Erwachsene männliche Arbeiter erhalten im Winter 1,50 M., im Sommer 1,75 M., die Frauen 0,80 M. Tagrlohn. In der Ernte- zeit bringt es der Arbeiter, wenn er in Akkord arbeitet, auf 3 M. den Tag. Außerdem erhält er freie Wohnung, einen halben Morgen Kartoffel, und 20 Ouadratruten Gartenland, beides gedüngt und zubereitet, und die Vergünstigung, sich aus den Gräben Gras zu holen für die Ziege, alles in allem etwa 150 M. an Wert. Und davon muß nicht selten eine Familie von vier, fünf und noch mehr Köpfen leben! Die Ochsenjungen erhalten pro Tag 1,50 M.. die Mädchen 1 M.. freie Wohnung und je 35 Pfund Kartoffeln die Woche. Bemerkt sei noch, daß die Ar- beiier für die bescheidene Gutswohnung 20 M. Kaution stellen müssen, von welcher Summe bei erfolgter Räumung die absichtlich herbeigeführten Beschädigungen in Abzug gebracht werden. Die gezahlten Arbeitslöhne sind geradezu empörende, zumal wenn man bedenkt, daß Eckerde nur wenige Kilometer von den Industriestädten Hannover-Lindcn entfernt liegt. Uitd da be- schweren sich die Agrarier noch über die hohen Löhne, die sie den Arbeitern zahlen müssen!________ Hus Induftric und F)andeU Die Rentabilität im Großgewerbe. Die bis jetzt vorliegenden Abschlüsse der Aktiengesellschaften für das Jahr 1906 lassen schon eine weitgehende Einsicht über die Be- wegung der Rentabilität in den beiden Jahren 1905 und 1906 zu. Im Nachstehenden ist versucht, auf Grund der im März veröffent- lichten Geschäftsabschlüsse von 715 Aktiengesellschaften die Rentabilität für die verschiedenen Gewerbe und Gewerbegruppen während der beiden letzten Jahre auf Grund der verteilten Dividende zu be- rechnen. Für die sieben folgenden Gruppen ergibt sich dieses Bild: Gesell- Aktien- Dividenden- �uppe schatten kapital summe Dividende in 1000 Riark 1905 1906 1905 1906 ProduktionSapparate, 92 490414 57 039 66 506 11,8 13,5 Nahrnngs- und Genutzmittel..... 50 53144 4 297 4 339 8,1 8,2 Bekleidung..... 102 183 904 16 139 17 606 8,8 9,6 Wohnung..... 112 167 669 14 455 16 563 8,6 9,8 Uebrige Produktion.. 33 46 833 4 773 5 315 10,2 l l.3 Handel und Verkehr. 297 2 686 053 209 970 219 103 7.3 8,2 Sonstige Gesellschaften 29 9 940 293 363 3.0 2,7 Für sämtliche berücksichtigten Gesellschaften betrug die Dividende auf 3,54 Milliarden Mark im Jahre 1906 10,4, im Jahre zuvor 9.3 Proz. Auf je 100 M. Nominalkapital wurde demnach im Jahre 1906 1,10 M. Dividende durchschnittlich mehr verteilt. Bei den einzelnen Gewerben dieser Gruppe steigt die Durch- schnittsdividende im Bergbau bis zu 16,9 Proz. im Jahre 1906 (gegen 13,4 im Jahre 1905) und sinkt bis 8(respektive 7.4) in der Industrie für elektrotechnische Erzeugnisse. Der zweithöchste Stand wird in der fünften Gruppe erreicht, in der die chemische Industrie durch ihre hohe Rentabilität stark ins Gewicht fällt. Jn dieser Gruppe wurden im letzten Jahre 11,3 Proz. erzielt gegen 10,2 im Jahre 1905. Schon unter 10 Proz. bleibt die Verzinsung des iverbenden Kapitals in den Gruppen zwei und vier. Die Groß- betriebe in der Textil- und Bekleidungsindustrie erzielten 9,6 Proz. im Jahre 1906 gegen 8,8 im Jahre vorher. Im Baugewerbe und in den dazu gehörigen Hiilfsgewcrben stellte sich die Rentabilität aus 9.8 Proz. im letzten, auf 8.6 Proz. im vorletzten Jahre. Etwas niedriger stellt sich die Verzinsung in der Nahruags- und Genuß- mitteliudustrie, nämlich auf 8,2 gegen 8,1 Proz. Die Divideudensumme stieg um rund 22 Millionen Mark auf rund 330 Millionen Mark. Die Zunahme beträgt 7,12 Proz. Wert- und Leistungssteigerung im Bergbau. Wie das Kapital die produktive Arbeit in wachsendem Maße belastet, illustriert ungewollt der Jahresbericht der Handelskammer in Dortmund. Nach seinen Angaben betrug in Preußen 1365 1906 Steigerung m Prozent die Stcinkohlenproduktion Mill. To. 18,6 128,3 590 die Zahl der beschäftigten Arbeiter 89 152 467 625 423 der Wert der Produktion Mill. Mark 99,1 1115,6 lv25 Zunächst ist die Produktion viel kräftiger gewachsen wie die Zahl der Arbeiter: der Wert der Förderung ist wiederum fast doppelt so stark gestiegen wie die geförderte Menge. Noch erheblicher wie im Reichsdurchschnitt stellt sich die Zunahme im Oberbergamtsbezirke Dortmund. Dort stieg die Förderung von 9,3 auf 76,8 Millionen Tonnen, der Wert der Förderung von 46,6 auf 672,6 Millionen Mark und die Anzahl der Arbeiter von 46 328 auf 278719. Die Förderung hat sich hier ums Achtfache, der Wert der Förderung ums Vierzehn- fache vergrößert und die Zahl der Belegschaft ist nur ums Sechsfache gestiegen. Im Jahre 1906 ist gegen das Vorjahr in Preußen die Steinkohlenförderung um 15,3 Millionen Tonnen, der Wert der Förderung um 154 Millionen Mark und die Belegschaft um 16 762 Personen gewachsen, während im Oberbergamtsbezirke Dortmund die Förderung um 11,4 Millionen Tonnen, der Wert der Förderung um 123,7 Millionen Mark und die Belegschaft um 16 921 Arbeiter zugenommen hat._ Die Minister wissen'» besser. Obwohl aus verschiedenen Industrien schon über schädigende Wirkungen der neuen Handelsverträge Klage geführt worden ist, fühlen sich preußische Minister dazu gedrängt, immer wieder das Gegenteil zu behaupten. Manchen anderen Stimmen, die den un- günstigen Einfluß der erhöhten Zölle betonen, schließt sich die Dort- munder Handelskammer an. Aus der Maschinenindustrie berichtet sie unter anderem: „Die Preise blieben trotz gesteigerter Nachstage wenig lohnend. Die schon im Vorjahre in gleicher Richtung geführten Klagen werden mit umso mehr Nachdruck wiederholt, als das Brenn- maierial, die Rohmaterialien, Metall, Stabeisen, Bleche usw. in- zwischen noch mehr gestiegen, die Exportprämien reduziert oder ganz aufgehoben, die Zahlungsbedingungen(Abschaffung des Skontos) erschwert sind und die Konkurrenz noch eine verschärfter« geworden ist. Die erhöhten Zölle haben eine völlige Absattstocknng nach Oesterreich wie auch schon teilweise nach Rußland bewirkt. Da Loblieder auf die höhere» Zölle von den Agrariern gern gehört— und verlangt werden, fehlt an gewissen Stellen die Fähigkeit, sich durch Tatsachen beeinflussen zu lassen. Das neue, nicht in den Kram passende Urteil wird einfach zu den anderen ge- legt werden und kein Hahn wird danach krähen und keiner aus des Hahns Gefolgschaft sich darum kümmern. Aschingrr Aktiengesellschaft. Nach dem Geschäftsbericht beträgt der Gewinn pro 1906 aus sämtlichen Betrieben 1 593 833 M. gegen 1 563 656 M. im Vorjahre. Als Reingewinn verbleiben 708 749 M. (i. V. 284546 M.j. die wie folgt zur Verteilung vorgeschlagen werden: 85 437 M.(i.V. 14 227 M.) Reservefonds. 400 000 M. (i. V. v) für eine zu bildende Spezialreserve, 16 634 M.(i. V. 9700 M.) Tantieme an Vorstand und Aussichtsrat. 240 000 M. als 3 Prozent Dividende an die Aktionäre(wie im Vor.) und 16 677 M. Vortrag. Die so geschaffene Spezialreserve von 400000 M. soll zu Abschreibungen auf das Jventar der teilweise noch un Um- und Neubau befindlichen Unternehmungen im neuen Geschäftsjahr Verwendung finden. Die Hypotheken werden ausgewiesen mir 24 521 200 M.: gegen das Vorjahr 3 969 625 M. mehr, dazu ist das Konto Kreditoren um 211 563 M., auf 867 185 M. angewacksen. Dem stehen gegenüber pro Neubautenkonto: das Hans „Rheingold' mit 2 781873 M.. im Vorjahre 113 334 M..„Der Fürstenhos' 2 420 885 M., im Vorjahre 97 583 M., und das Umbau- konto Potsdamerstr. 101/2 mit 143 648 M., im Vorjahre 0 M. Die Warenbestände sind mit 255 624 M., gegen 224 550 M. im Vorjahre ausgewiesen. Um den gewachsenen Bedürfnissen zu be- friedigen. ist eine neue Konditorei eingerichtet worden. Aschingers sind auch dem Zuge nach dem Westen gefolgt. Im Hause Potsdamerstraße 101/102 hat die Gesellschaft nn Januar 1907 eiir großes, zirka 1400 Personen fassendes Restaurant und eine zirka 300 Personen Raum gewährende Konditorei, alles in modernster Sussührung, dem Verkehr übergeben. Anfang Februar 1907 war man in der Lage, das„Weinhaus Rhcingold' der Oeffent« lichkeit zu übergeben. Die Umsätze, die ist der kurzen Zeit de? Be» stehens erzielt wurden, sind außerordentlich befriedigend ausgefallen. Die Verwaltung glaubt daher auch diesem Unternehmen für die Zu» kunft ein günstiges Prognostikon stellen zu dürfen. Die auf dem Terrain Königgrätzerstr. 124/129. am Potsdamer Platz befindlichen Neubauten des Hotels„Der Fürstenhof' sollen in den nächsten Monaten in vollem Umfange in Betrieb genomnien werden. Bergwerksverstaatlichung. Der schwedische Reichstag hat Ende voriger Woche den Erwerb der großen nordländischen Erzlager durch den Staat beschlossen. Es waren bisher drei Aktiengesellschaften, die die Erzgruben ausbeuteten: die von Luossavaara— Rirnnavaara, die von Gellivare und die Mertainen-Gesellschaft, der Ekströmsberg und mehrere andere Berg- werke gehörten. Sämtliche Aktien der beiden zuletzt genannten®e- sellschaften und fast sämtliche der ersten gehörten der Trafik-Aktien« gesellschaft Grängcrsberg-Oxelvsund. Nach dem Uebereinkommen, daß mit dieser Gesellschaft abgeschlossen wurde, sollen nun alle Gruben dem Staat überlassen werden, mit Ausnahme des Kiruna- und des Gellivare-Bergwerks, die der Luossavaara-Gcsellschast zu- fallen, von der der Staat jedoch die Hülste des Aktienkapitals in Preferenceakticn erhält. Diese beiden größten Bergwerke können nach Verlauf von 25 oder 35 Jahren vom Staate durch Einlösung der übrigen Aktien erworben werden. Eine bestimmte Einlösungs- summe ist jedoch nicht festgesetzt. Der Wert, den die Aktien dann tatsächlich repräsentieren, soll nach dem Durchschnittsgewinn der Jahre 1920— 1929 abgeschätzt werden. Hier liegt offenbar der schwächste Punkt des Uebereinkommens, nnd darum hatte auch unser Parteigenosse Bra n ti n g den ausführlich begründeten Antrag ge- stellt, die Einlösungssumme auf 149 Millionen Kronen zu bc- schränken, ungefähr dieselbe Summe, die der Staatsminister Lindman als angemessen berechnet hatte. Dieser Antrag spielte in der neun- slündigen Debatte der Zweiten Kammer eine große Rolle. Er wurde bekämpft u. a. von dem früheren Staatsministcr Staaff, der sich berufen fühlte, das„Recht" der Kapitalisten gegen die„Macht" des Staates in Schutz zu nehmen. Aber andere bürgerliche Abgeordnete, unter ihnen_ der Stockholmer Bürgermeister Lindhagen, waren für Brantings Antrag. Das Uebereinkommen wurde schließlich in der von der Regierung und dem Staatsausschuß vorgeschlagenen Form mit 134 gegen 39 Stimmen, die für die Begrenzung der Einlösungs- summe waren, angenommen. In der Ersten Kammer stinunten 112 Abgeordnete für, und 19 gegen das Uebereinkommen. Selbstverständlich haben die Aktionäre bei diesem Uebereinkommen in jfcher Hinsicht ihren Vorteil zu wahren gewußt. Ein wichtige» Zugeständnis, das auch der deutschen Eisenindustrie zugute kommt, ist die Erhöhung des bisher 1 299 999 Tonnen betragenden Maximal- quantumS an Eisenerzen, die jährlich aus der Slaatsbahn Kiruna- Reichsgrenze verfrachtet werden, auf bis zu 3 399 999 Tonnen, so daß in den Jahren 1993 bis 1932 im ganzen auf dieser Strecke 75 000 009 Tonnen Erz zu einem festen Frachtsatz von 2.64 Kronen versandt werden können, während von Gellivare nach Swartön im selben Zeitraum, für 2,75 Kronen die Tonne, 18 750 999 Tonnen expediert werden. Den Gesellschaften ist außerdem Sicherheit gegen die Einführung_ von Ausfuhrzöllen auf Erz gegeben. Die Kapitalisten werden, wie Branting berechnete, 25 Jahre lang jährlich 19 bis 15 Millionen bei einem eingezahlten Aktienkapital von 41 Millionen gewinnen und dann durch die Cinlösungssumme noch das Drei- einhalbfache des eingesetzten Kapitals, vorausgesetzt, daß sich die Einlösungssumme nicht noch weit höher stellt. Der Gewinn des schloedischen Staates soll sich nach Berechnung des Staatsministers Lindman beim ersten EinlösungStcrmin. 1932, auf 21 828 999 Kronen, beim zweiten, 1942, auf 165 734 999 Kronen belaufen, wobei freilich die Einlösungssumme so abgeschätzt ist, wie Branting sie als Maximum vorgeschlagen hatte._ Hus der frauenbewegung* Demonstration für das Fraucnwahlrecht in Schweden. Am Sonntagnachmittag hatte die schwedische Landesvereinigung für politisches Frauenwahlrecht zu Stockholm im Zirkusgebäude eine Massenversammlung veranstaltet, die mehr denn je pon der Energie zeugte, mit der die schwedischen Frauen nun von den Machthabern die politische Gleichberechtigung fordern. Lange vor der festgesetzten Zeit war das große Gebäude überfüllt, meist von Frauen, und immer strömten neue Scharen herbei, die keinen Einlaß niehr finden konnten. Außer den bürgerlichen Rednerinnen und Rednern, Fraulein Anna Whitlock, der Vorsitzenden der Vereinigung, dem Bürgermeister Lindhagen u. a.. sprachen als Vertreterin der Arbeiterfrauen Frau Gustafsson und von der sozialdemokratischen Partei Hjalmar Branting. In Schweden behaupten jetzt alle politischen Parteien, für da» Frauenwahlrecht zu sein. Aber mit Recht konnte unser Genosse darauf hinweisen, daß nur die sozialdemokratische Partei diese Forderung auf ihrem Programm hat und von jeher für die Gleich- berechtigung der Frau wirkte und strebte. Versammlungen— Veranstaltungen. Adlershof. Montag, den 13. Mai, 8'/., Uhr: Vortrag, Regina Krauß: „Die Frau im öffentlichen Leben". Friedrichshagen. Montag, den 13. Mai. 8'/, Uhr. im Wilhelmsbad: Vortrag, Genosse Jakobsen:„Die Stellung der Frau im Klassen- kämpf", Neuwahl des Vorstandes. SewerKscbaftlicbes. Die Portcsculllcr und Lebcrgalanteriearbeitcr und Arbeile- rinnen hatten sich am Mittwoch sehr zahlreich bei Graumann in der Naunynstvaße versammelt, um zu dein Streik bei der Firma A. Schwalbe Stellung zu nehmen. Der Referent, VerbandSvor- sitzender Wcinschild aus Osfenbach, konnte der Versammlung jedoch mitteilen, daß der Streik bereits beendet war und zu vollem Erfolg geführt hatte. Die Forderungen, die gestellt wurden und nun von der Firma anerkannt sind, betreffen: 1. Anshängung des Lohntarifs. so daß ihn die Arbeiter jederzeit einsehen können, ohne beaufsichtigt zu werden und ohne erst darum bitten zu müsse»! 2. Mitbestim- inungsrccht der Arbeiter bei Festsetzung von Lohnsätzen", 3. Beseitigung der Vergütungen, die einzelnen Arbeitern zu den für die anderen geltenden Lohnsätzen gewährt wurden, und 4. Prozentzu- schlage bei Einzelartikeln. Wie man sieht, sind das, worum sieben Tage gestreikt werden mußte, Dinge, die eigentlich selbstverständlich überall durchgeführt sein sollten und die auch im Tarifvertrag der Poriefcuiller festgelegt sind. Aber das ArbcitSpcrsonal dar Firma A. Schwalbe war früher nie für die Organisation zu haben. Darum ließ man sich Mißstände gefallen, die kaum glaublich erscheinen, war zufrieden damit, wenn man bei 19 M. Äochciioerdieiist die Ehre hatte, in der feinsten Lederwarcnfabrik Berlins arbeiten zu können, und unternahm auch dagegen nichts, daß es für Artikel, die mit 13 M. bezahlt werden sollten, nur 11 M. gab, einzelne Arbeiter aber für ganz dieselbe Arbeit 16 M. erhielten. Seit ungefähr einem Jahre sind nun die Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma organi. siert, und daß sie trotz der allgemein ungünstigen Konjunktur ein- mutig in den Streik traten und keiner abtrünnig wurde, bis das Ziel ercicht ivar, belvcist Wohl hinreichend, daß sie auch wssen. warum sie organisiert sind. Ter Redner sagte in seinem Bericht, daß dieser Streik ein gutes Vorbild für die ganze Kollegcnschaft, wie auch für die nächst- jährige Tarifbewegung sein möge und nebenbei den anderen Arbeit- gebern zur Warnung dienen könne, den Tarifvertrag genau inne- zuhalten. Die Arbeitgeber der Portefeuille- und Lcderwaren- industrie wollen im Juni einen Kongreß abhalten, auf dem über die Gründung eines Arbeitgebcrvcrbanocs der Ledenvarcnfabri- kanten Deutschlands und über die„Streikversicherung" beraten werden soll. Die Arbeitgeber rüsten sich also offenbar auf einen Kampf, obwohl der geltende Tarifvertrag besagt, daß Streiks und Aussperrungen zu vermeiden sind. Der Redner erklärte hierzu, daß die Arbeiterschaft bei der Lohnbewegung den Kamps wohl nach Möglichkeit vermeiden werde, ihn aber keineswegs fürchte, noch zu fürchten habe. Er machte ferner auf die wichtigsten Beschlüsse ixS letzten Verbandstages aufmcrlsam, sowie darauf, daß die beschlossenen Ilnterstützungsverbesserungen den Mitgliedern weit mehr Borteil bringen als sie an erhöhtem Beitrag zu zahlen haben. An den Bortrag schloß sich eine rege Diskussion, die Mit k.M» ftummger Ajuieihme Maento BMutiLN ciitat; „Die öffentlihe Versammlung der Portefeuiller usw. ist mit dem Vorgehen de Kollegenschast bei der Firma A. Schwalbe ein- verstanden. Sie begrüßt eS. daß der Streik einen vollen Erfolg für die Arbeiter zettgte und erwartet von der Firma> daß sie diesmal die Abmachungen auch innehält. Die Versammlung gibt schon im voraus ihre Zustirmung zu einer nochnmligen Arbeitsniederlegung. sollte den berechtigen Forderungen der Arbeiter nicht Rechnung ge- tragen werden. Drsfelbe trifft für alle Fälle zu, wo die tariflichen Abmachungen nich inngehalten werden. In Anbetrach der Maßnahmen der Arbeitgeber der deutschen Portefeuill ei n düstre verpflichten sich die Versammelten, stets für den Ausbau ihrer Organisation zu sorgen und sie durch Zuführung neuer Mitglieder mmer mehr zu stärken, um so vermöge der Or- ganisation die wutchastliche Lage der Berufsgenossen zu heben und die nächstjährign Tarifbewegung�n erfolgreich durchzuführen." Zur Aufperrung im Königsberger Hafen. Die„Guahyba",das Streikbrecherschiff, das im Hafen Königs- berg am Silospeichei liegt, hat nach dort ein Mcnschenmaterial ge- bracht, wie man es fch verkommener gar nicht denken kann. Junge Leute, zumeist unte 29 Jahren, Männer im besten Lebensalter, halbe Greise, aber i einem Zustande, der jeder bescheidenen An- ficht über Menschlicheit Hohn spricht. Die Kleider, die diese vom Kapital eingefangenn Lohnsklavcn auf dem Leibe tragen, sind fast durchweg zerfetzt un beschmutzt, und die Gestalten sehen aus, als ob sie in den Lumpn Tag und Nacht, bei der Arbeit sowohl, wie bei der Ruhe, ihre seit hinbringen. Man sieht Knochengerüste, die nur noch mit Menstenhaut überzogen und größtenteils sind diese menschlichen Ruinen von ostpreußischem Fusel schon in aller Frühe berauscht. Unausgeetzt kommen deshalb Unfälle vor; am Montag mußte die städtische Krankenstation viermal in Aktion treten, um Hülfe zu bringen ui) am Abend desselben Tages wurde ein Sreik- brecher als Leiche ms dem Wasser gezogen. Vom Schnaps bc- rauscht, war er bein Verlassen des Kohlenschiffcs vom Laufbrett geglitten und hatte in der kühlen Flut schnell den Tod gefunden. Wie bereits gemeldit, hat fast die Hälfte dieser Streikbrecher nun- mehr ebenfalls die Irbeit verweigert; teilweise, weil sich doch noch eine Anzahl Persorm unter ihnen vorfanden, die sich einen Funken Ehrgefühl noch bcvchrt; teilweise, weil es von Natur arbeitsscheue Elemente sind, die richt einmal auf die Dauer einer Aussperrung ihre Arme göbraulen wollen. Am Montagabend war der Platz vor dem HolländerKumtor von Streikbrechern angefüllt; sie wollten die Arbeit nicht Nieder aufnehmen und suchten das Bureau der Hafenarbeiter in Ir benachbarten Pillauerstraßc auf. Hier vor- langten sie Geld zu Heimreise, das sie auch erhielten. Aus allen Fenstern schauten Ze Bewohner der Umgegend auf das belebte widerliche Schcruspil. Einige hatten keine Leibwäiche auf dem Körper; sie erzählte:, sie wären zu verlaust und hatten für Hemde. Socken usw. leinen Ersatz. Hier hat also der Kapitalismus, oft unter dem Schutz, dr Behörden, sein Ausbeutungswerk so gut wie vollendet. Diese Müschen sind für alle Zeit körperlich und geistig vernichtet und werdn sich niemals mehr erheben, und mit diesen Leuten hat das Käigsberger Unternehmertum folgenden Streikbrecher-Kontrakt a beschlossen, um ehrliche Arbeiter zu unterdrücken und um ihre Brufvrganisation zu vernichten: „Die nachstehaden Arbeiter verpflichten sich durch ihre eigen. händige Unterschrift zu folgenden Bedingungen, während des Streiks ria Swinemünde nach Königsberg zu reisen undsämtliche Arbeiten, weldhe zum Laden, Löschen, Bekohlen und Reuigen der Schiffe erforderlich sind, sei es an Land, an Bord ei>es Schiffes oder in Leichter und dergleichen, zu verrichten, sowohl im Königsberger Hafen als auch im Pillauer Hafen. Jeder Mann erhält eine Karte mit einer Nummer, welche er stets bei sich z: tragen und durch welche er sich bei den Aus- zahlungen, sowie vi sonstigen Anlässen zu legitimieren hat. Der Verlust der Karteist sofort zu melden. Vor der Abf.hrt muß der Mann sich einer für ihn kosten- freien ärztlichen Intersuchung unterziehen. Die Ucberfärt, die Verpflegung und den ausbedungenen Tagelohn erhält dr Mann auf der Hinreise frei und ferner auf der' Rückreise, fa�ls er bis Beendigung des Streiks in Arbeit bl:ibt. Den Anorinrngcn der Vorleute haben die Arbeiter stets Folge zu lcistot. Die Vorleuw und Arbeiter unterstehen in jeder Hinsicht dm Beamten der Gesellschaft und haben sich deren Anordnungen z, fügen. Die Arbeitzeit ist von 7 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags und von 2 bis i Uhr nachmittags. Mahlzeiten Frühstück 6 bis%7 Uhr morgens, Mittag 12lb biS 1% Uhr na»mittags, Abendbrot 6% bis 7 Uhr nachmittags. Nach 19 Ufr abends darf in den Schlafstätten außer der Notbeleuchtung'ein Licht mehr brennen. Die Leute ahaltcn während des Streiks'Wohnung an Bord oder an Land ird Verpflegung frei. Dieselben �Pflichten sich, auf Verlangen an Sonn- und Festtagen, sowie zur Nachtzeit zu arbeiten. Dar Tagelchn beträgt für neunstündige Arbeitszeit 5 M. per Tag, für je«e Ueberstunde wird 1 M. per Arbeitsstunde, und an Sonn- und Frttagen 1 M. per Arbeitsstunde bezahlt, falls ge» arbeitet wird. Für Kohler>er Schiffe erhalten die Arbeiter 9,59 M. per Tonne extra. Litztere Summe wird an die einzelnen bei der Arbeit beschäftigt gewesenen Leute zu gleichen Teilen verteilt, soweit ihre Arletsgeit die gleiche war. Bei verschiedener Ar- beitszcit findet de Verteilung pro rat» statt. Die unterzirbneten Arbeiter verpflichten sich, solange der Sreik rn h ä l t, die vorkommenden Arbeiten zu ver- richten. Für mirdestens 19 Tage Arbeitslohn wird den Arbeitern gutgesagt. Die gcgcnsettge Kündigung wird auf 8 Tage festgesetzt. Entläßt der Ardntgeber den Mann früher, so hat er als Ent- schädigung für;nd Streik polnischer Arveiter in Dänemark. Es kommt in letzter Zeit immer häufiger vor, daß die von dänischen Landwiren und Ziegeleiunternehrnern importierten pol- Nischen und galizichen Arbeiter sich die nur zu oft ganz unver» schämte Ausbeuturg ihrer Arbeitskraft nicht mehr ruhig gefallen lassen, gemeinsam die Arbeit niederlegen und ihren Ausbeutern entfliehen. Die Bgriffe Streik und Organisation sind ihnen in der Regel unbekami; die gemeinsame Not zwingt sie unwillkürlich zu solidarischem Virgehen. Am Orte, wo sie in Arbeit standen, Imnat Sie natüiHA vicht untätig«Lvslell- So begeben sie sich, mit Sack und Pack auf die Landstraße und wandern, bis sie d» anders Arbeit oder wenigstens Unterkunft finden. Wie anderen Gemeinden Dänemarks, so haben solche wandernden und streikenden Polen auch der Stadt Kopenhagen schon ein gut Stück Geld gekostet. Mitte vorigen Monats beherbergte die Stadt wochenlang 28 polnische Männer und Frauen, die einem Ziegelei- besitzer an der seeländischen Küste entflohen waren. Sie wurden dann von Landwirten engagiert und nach anderen Teilen des Landes verschickt. Die unter sozialdemokratischer und demokratischer Vcr. waltung stehende Stadt gab jedem noch einen Packen Butterbrot mit aus die Reise. Seit acht Tagen beherbergt die dänische Hauptstadt wieder oirn Kolonne Polen. Es sind 36 teils erwachsene Frauen und Männer, teils junge Burschen, hie kaum über das Kindesalter hinaus find. Nach 12stündig«r Wanderung in regnerisch kaltem Wetter, ihre armselige Habe in Packen und Kisten schleppend, waren sie durch» näßt, ausgehungert und todmüde in Kopenhagen angekommen. hatten Zuflucht gesucht auf einer Polizeistation und sich dort auf dem Hos« gelagert, bis sie ins städtische Arbeitshaus gebracht wurden, wo sie sich nun dankbar der ungewohnt guten Pflege, Ordnung und Reinlichkeit erfreuen. Sie sollen und wollen nun zurück nach ihrer Heimat Pose n. Aber der Arbeitgeber, dem sie entflohen sind, ein seeländischcr Ziegeleibesitzer und Advokat Jansen, will ihre Papiere nicht herausgeben. Er hat sie wegen Betrügerei angezeigt, jedoch offenbar gänzlich ohne Grund, wie auch der Amts» richter, der sich mit der Sache befaßt hat, erklärte. Sie sollen nun einen Polizeiausweis erhalten, mit dem sie heimreisen können. Uebrigens befaßt sich auch die dänische Regierung bereits mit der Polenfrage. Der Minister des Innern hat einem Beamten Auftrag gegeben, in diesem Sommer im Lande herumzureisen, um die Verhältnisse zu. untersuchen und den ausländischen Arbeitern eventuell Rat und Beistand zu gewähren. Der Justizminister Alberti aber hat sämtliche Polizeimeister aufgefordert, dafür zu sorgen daß die ausländischen Arbeiter Dänemark nicht verlassen, ohne daß ihre Verhältnisse hinreichend untersucht wurden. Die Polizeimcister sollen danach trachten, daß eine„Einigung" zwischen dem Tienstherrn und den Arbeitern zustande kommt, damit sie in ihren Dienst zurückkehren und ihre„kontraktlichen Verpflichtungen" erfüllen,— Der dänische Justizminister, der übrigens auch Ziegelei« besitzer ist, will offenbar nicht den Polen, sondern den Unternehmern und Dienstherren zu Hülfe kommen. Inzwischen hat der Verband der dänischen GeWerk« schaften eine Untersuchung über die Arbeitsverhältnisse der pol- nischen Arbeiter ausgeführt. Sie erstreckt sich aus 64 Güter und Ziegeleien- die 834 Polen beschäftigen, nämlich 317 Männer, 519 Frauen und 7 Kinder. Die Arbeitsverträge waren größtenteils vom„Verein zur Herbeischaffung von Arbeitskräften für die Land- Wirtschaft" aufgesetzt. Der Löhn für erwachsene kräftige Männer ist danach 1,59 Kronen, für Frauen und Burschen 1 Krone; die Arbeitszeit ohne Pausen 19— 12 Stunden täglich. Die Wohnstätten sind elend, oft schlechter als die Schweineställe. Mißhandlungen kommen auch vor. Auf einem Gut wurden zwei Frauen verprügelt, weil sie unreife Früchte aufgesammelt hatten, und dann in einen stinkigen Stall gesperrt.— „Sociäl-Temokraten" schreibt, daß es vielleicht Notwendig werde, die Bruderorganisationen im Ausland auf- zu fordern, daß sie die Arbeiter dringend warnen, nach Däne- mark zu reisen und sich hier unter justizministerieller Polizeiaufsicht von den schlechtesten Arbeitgebern als Sklaven gebrauchen lassen, In den„Rand-Mincn" TransvalS ist ein Streik der weißen Minenarbciter ausgebrochen. Alle weißen Arbeiter auf der Villoge Deep-Mine haben mit einer Ausnahme beschlossen, sich dem Ausstände auf den Minen Knigtsdeep, Robinson- decp, Sinrmerest, Simmcr and Jack, May Consolidated und Geen- deep anzuschließen. Die Mißstimmung ist verursacht durch die Per- ändcrung in den Arbeitsbedingungen, der zufolge die Arbeiter drei Maschinen statt wie bisher deren zwei bedienen sollen. Der DockarveiterauSstand in New Dork nimmt immer größere Dimensionen an. Die großen Gesellschaften expedieren zwar ihre regelmäßigen Dampfer pünktlich, bringen dies aber nur fertig, in- dem sie dieselben mit unvollständiger Ladung abgehen lassen. Die gewöhnlichen Frachtdampfer erleiden empfindliche Verspätungen. Versammlungen. Die Generalversammlung beS Fabrik-, Land- und HülfS- arbeiter-Bcrbandcs, welche am Sonntag in den„Musikcrsälen" stattfand, nahm in erster Linie den Verwaltungsbericht entgegen, den der 1. Vevollnrächtigte Bruns erstattete. Aus demselben ist hervorzuheben, daß sich die Mitgliedschaft Charlottenburg nunmehr an die Berliner Verwaltungsstelle angeschlossen hat. Es ist auch im letzten Vierteljahre durch den Einfluß der Organisation gelungen, in verschiedenen Betrieben eine Verbesserung der Lohn- und Ar- beitSbedrngungen zu erzielen. In größeren Werken, wo die so- genannton„Gelben" zu Nutz und Frommen der Unternehmer hausen, haben die dem Verbände ongehörigen Arbeiter unter dem TerrorismuS und den frechen Drohungen der Unternehmer- schützlinge, die schalten und Ivalten können, wie sie wollen, schwer zu leiden. Die Maifeier, die alles befürchten ließ, hat angenehm enttäuscht. Wenn von der diesmaligen Nichtbeteiligung der großen Werke der Elektrizitätsindustrie abgesehen werde, so sei die Bc- teiligung der übrigen Betriebe bedeutend größer als im Vorjahre. Ausgesperrt haben wegen der Feier nur zwei Fabriken, und diese auch nur drei Tage lang. Es ist also der Beweis erbracht,.daß auch unter den Fabrik- und HülfSarbcitern der Gedanke der Maifeier immer mehr an Boden gewinnt. Der Kassenbericht liegt gedruckt vor. Er schließt in Einnahme und Ausgabe für die Hauptkasse mit 32 894,89 M. und für die Lokalkasse mit der Sümme von 19 012,92 Mark ab. In der Lokalkasse verbleiben 9945,42 M. Die Mit- gliederzahl betrug am Schlüsse des ersten Quartals 6939, aus- schließlich Charlottenburg.— Es lagen diverse Anträge auf Bei- tragserhöhung vor, von denen' einer den bisher 5 Pf. betragenden Lokalbeitrag auf 19 Pf. erhöht wissen will. Ein weiterer An- trag will der Verwaltung im Einvernehmen mit den Vertrauens, leutcn das Recht geben, je nach Lage der Situation die Aus» schreibung eines ExtrabeitrageS in Höhe von 29 Pf. pro Woche vorzunehmen. Beide Anträge wurden nach heftiger Debatte ab- gelehnt.— Ebenfalls abgelehnt wurde ein Antrag, der die Ein- stcllung von Hülfskräften durch die Verwaltung beschränken wollte. — An Stelle des ausgeschiedenen Revisors Schulz wird Franz Nowak gewählt.— In den Gauvorstand wählte die General- Versammlung als Revisoren WeinSheimer und R ü ck e r. Der Zentralvcrband der Töpfer beschäftigte sich in seiner letzten Versammlung im Gewerkschaftshaus mit der Angelegenheit Hermann Borrmann und Max Huhn. In der Sache Borrmann erstattete der Vorstand Bericht und empfahl der Versammlung, Borrmann eine scharfe Rüge zu erteilen, da er auf der Arbeits- stätte nicht ganz solidarisch gegen seine Kollegen gehandelt hat. Die Versammlung stimmte dem zu, und Borrmann legte sein Mandat als Delegierter zur Generalversammlung nieder. Zur Angelegenheit Huhn gab letzterer die Erklärung ab, daß er samt- liche ihm von der Organisation übertragenen Acmter niederlege und in Zukunft keine Aemter annehme. Diese Erklärung hat er auch schriftlich abgegeben. Somit war die Berichterstattung der dazu gewählten Kommission überflüssig. Hierauf wurden Wckj einige interne Sachen erledigt. Der Zentralvrrband der Schmiede hielt am Freitag seine Mit» gliederversammlung bei Boeker ab. Die Abrechnung des ersten Vierteljahres weist eine Einnahme der Hauptkasse von 29 622,67 M. und eine Ausgabe von 7979.44 M., die Lokalkasse einen"Bestand von 24 638.56 M. auf. Der Vortrag P e u ck e r t s über Arbeitgeber- und Arbeiterorganisationen fand lebhaften Beifall. Der Antrag der Verwaltung, einen Berliner Kollegen zum Kursus bei der GcneralkommiMn zuzulassen, wurde abgelehnt. B Billigste Strohhüte Kleidsame Formen 4.25 2.50 1.50 85 Pf. Oickstroh-Hüte mit doppeltem fj P Rand 1.75 jJ Pf. Binsen-Hüte mit doppeifeni Rand 1 M. FeinesSchräggeflecht mit bunten Bindern rr� 2.75 2.50 1 M. 25 fß*-- Weiss Strohgeflecht i.3o 75 pf. Feine Geflechte 5.25 3.75 3.— 2 M. 25 FlffMffmN EfflA naturfarben u. gebleicht 30— 25.50 c rUnuiilU',ßUlc allerneueste Formen 16.50 9.75 O M. 75 Zurückgesetzte Herren-Strohhüte von 25 Pf. an. Sohn Spozlalhaus.grössten..Massstabes Chausseestrasse• 11 Brückenstrasse 11 Der Katalog Nr. 31'(Hüte und Wäsche) wird auf Wunsch kostenlos zuBesajuH. Morgen Sonntag Ms Kachmittag 6 Uhr geöffnet. Unerreicht erv, Wohlgeschmack� taa, Cigarette C i g aret fenfebnlf-TOCO th• Dresdan. gegr1876. Bilanz am 31. Dezember 1906. Aktiva. 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Kapitel-Uebcrsicht des erste» Teiles: ZerlinS Arbeiter am Vorabend der Märzrevolution.— Berlins Arbeiter in den März» lagen.- Die Sammlung der Arbeiter im RcvolutionschaoS.— Der erste Berliner Arbeiterkongretz und sein Werke.— Die Arbeiter und die letzten Rcvolulionskämpsc.— Unter der Reaktion.— Die neie Acra und daS Erwachen der Arbeiterbewegung.— Die Berliner Arbeiter zwischen FortschritSpartci und Lassalle.— Von LasiallcS Tod bis zur Gründung des Norddeutschen Bundes.— Unter dm Norddeutschen Bund bis zum Allgemeinen deutschen Arbeiterkongretz.— Vom ersten Allgcmenen deutschen Arbeiterkongretz bis zum Vorabend des deutsch-sranzösischen Krieges.— Im KriegsllZer.— Die ersten Jahre im Deutschen Reich.— Die Reichstagswahl von 1874.— Die Aera Tssendorff.— Von den ersten grotzen Wahlsiegen bis zu den ersten grotzen Leichenbegäng- nisien.- Die zwei Attentate aus Wilhelm I. und die tausend Attentate aus das Recht.— Am Vorabeid der Herrschaft des Ausnahmegesetzes. 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Die Leser werden sich eines Beuthener Strafkammerurteils erinnern, welches kürzlich im Reichstage zur Sprache kam und nicht nur von unserer, sondern auch von bürgerlicher Seite scharf kritisiert wurde. In dem betreffenden Falle hatte die Straf- kammer in Beuthen in O.-Schl. zwei Ksndcr verurteilt, welche den dummen Streich begangen hatten, Steine auf die Schienen der elektrischen Straßenbahn zu legen. Dadurch ist ein Motorwagen entgleist, und die jugendlichen Uebeltäter, ein Knabe von 12 und ein Mädchen von 13 Jahren, sind wegen Gefährdung eines Eisen- bahntransportes jeder zu einem Jahre Gefängnis verurteilt worden. Das Urteil ist seinerzeit auch in, der Presse, nicht nur in der sozialdemokratischen, abfällig kritisiert worden. Es erregte all- gemeines Aufsehen, daß zwei Schulkinder, die höchst wahrscheinlich nicht wußten, welche Folgen ihr dummer Streich haben konnte, auf ein ganzes Jahr ins Gefängnis gesteckt werden sollten. Unter den Blättern, welche dies Urteil kritisierten, befand sich auch die vom Genossen Heinrich Braun redigierte„Neue Gesellschaft". In einem kurzen Artikel, überschrieben„Juristischer Kindermord", wird dort das Beuthener Urteil als ein wohl dem Buchstaben des Gesetzes, nicht aber der Menschlichkeit entsprechendes kritisiert. Der Artikel hat in Beuthen gewirkt, aber in anderer Richtung. als es der Verfasser beabsichtigte. Der Landgerichtspräsident und der Erste Staatsanwalt in Beuthen stellten Strafantrag gegen Braun, weil er die Richter und Staatsanwälte, welche an dem Urteil mitwirkten, beleidigt haben soll. Braun stand des- wegen schon einmal vor Gericht. Nachdem er damals versichert hatte, daß es ihm fern gelegen habe, die Beuthener Richter und Staatsanwälte zu beleidigen, ist auf Anregung des hiesigen Straf- kammervorsitzenden angefragt worden, ob die Antragsteller nicht ihren Strafantrag zurückziehen wollen. Inzwischen hat auch dos Gericht in Frankfurt a. M. gegen den Verantwortlichen Redakteur der dortigen„Volksstimme" verhandelt, welche den Artikel der „Neuen Gesellschaft" ohne jede Aenderung abgedruckt hatte. Der Redakteur der„Bolksstimme" wurde freigesprochen. Das Frank- furter Gericht erkannte an, daß das Beuthener Urteil zur Kritik herausfordere und der Artikel die Grenzen einer berechtigten Kritik nicht überschritten habe. Dies Urteil ist dem Landgerichts- Präsidenten und dem Ersten Staatsanwalt in Beuthen zugestellt worden, sie haben aber trotzdem ihren Strafantrag gegen Braun aufrechterhalten. Gestern wurde nun die Anklage gegen Braun vor der ersten Strafkammer des Landgerichts Berlin III verhandelt. Das gesamte Aktenmaterial aus dem Beuthener Prozeß wurde verlesen. Daraus geht hervor, daß während der Hauptverhandlung gegen die beiden Kinder die Frage nicht erörtert worden ist, ob sie überhaupt die Einsicht hatten, daß sie mit ihrem dummen Streich eine strafbare Handlung begingen. Im Vorverfahren hat der Amtsrichter in Myslowitz eine Auskunft— anscheinend bei der Polizei— über die Verhältnisse der Kinder eingeholt. Der Amts- richter hat die Auskunft erhalten, der Knabe dürfte wohl die zur Erkenntnis der Strafbarkeit seiner Handlung erforderliche Ein- sicht gehabt haben. Bezüglich des Mädchens sind derartige Er- Mittelungen nicht angestellt worden, und was der Amtsrichter über den Knaben erfuhr, das ist in der Hauptverhandlung, soweit die Akten darüber Auskunft geben, gar nicht zur Sprache ge- kommen.— Erst nachdem das harte Urteil gefällt war und die Strafkammer das Verfahren bezüglich der bedingten Begnadigung — dcS Strafaufschubs— in die Wege leiten mußte, wurden Ermittelungen darüber angestellt, unter welchen Verhältnissen die verurteilten Kinder leben. Die Polizei, der Pfarrer und der Schulrcktor wurden befragt. Deren Auskunft ging dahin, daß die Kinder, deren Mutter längst tot ist, v o l l st ä n d i g verwahrlost sind, da der Vater, ein moralisch minderwertiger Mensch, sich nicht um ihre Erziehung kümmert. Der Knabe wird als verlogen und diebisch, das Mädchen als beschränkt bezeichnet, sie habe in acht Schuljahren nur notdürftig die Reife für die dritte Klasse erlangt. Diese Feststellungen haben dazu geführt, daß die erkannte Strafe gegen die Verurteilten aufgeschoben und sie der sogenannten Fürsorgeerziehung überwiesen wurden. Der Angeklagte Heinrich Braun, vom Vorsitzenden zur Aeußcrung über die Anklage aufgefordert, führte aus, vom Standpunkt der soziologischen Auffassung dei> Verbrechens, wonach das Milieu einen wesentlichen Einfluß auf den Verbrecher ausübt, habe er das Urteil kritisiert, welches der Auffassung ent- sprungen sei, daß die Strafe als Vergeltung der Tat ausgesprochen werde. Dem Einfluß ihres Milieus könnten sich auch die Richter nicht entziehen, und so kämen ungerechte und grausame Urteile zustande. Damit sei den Richtern keineswegs der Vorwurf bewußter Un- ivahrheit gemacht, eine Beleidigung der Beuthener Richter könne deshalb in dem Artikel nicht gefunden werden. Er, der Angeklagte, habe die Richter nicht beleidigen wollen,.wenn er aber alle die Einzelheiten gekannt hätte, die heut« aus den Akten bekannt ge- worden sind, dann hätte der Artikel eine viel schärfere Fassung er- halten. Eine Kritik des Urteils müsse jedem Richter erwünscht sein as Korrektiv gegen die Machtsülle, welche in ihre Hände ge- legt ist. Staatsanwalt Dr. Baumgarten ging in längerer Rede auf das Beuthener Urteil ein, welches er als über jeder Zweifel erhaben hinstellte. Er beantragte gegen den Angeklagten eine G e l.d st r a f � von 60V M. Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Heinemann vertrat rn längeren, juristisch interessanten Ausführungen den Standpunkt, daß der Artikel eine durchaus berechtigte Kritik des Stiafrechts und der Judikatur in bezug auf jugendliche Personen darstelle, er diene den Bestrebungen, die Strafrechtspflege in dieser Hinsicht zu verbessern. Das Beuthener Urteil habe ja auch allen Anlaß zur Kritik gegeben. Die Frage, ob die Kinder die nötige Einsicht hatten, sei nicht geprüft worden. Erst nacb dem Urteil seien Ermittelungen nach dieser Richtung angestellt. Das Beuthener Gericht sei nicht mit der Sorgfalt verfahren, die bei den Berliner Gerichten üblich ist. Wenn auch dem Angeklagten nach der herrschenden Judikatur als Redakteur der Schutz des ß 193 nicht zugebilligt werde, so stehe ihm dieser Schutz doch zur Seite, denn tadelnde Urteile über wissenschaftliche Leistungen— eine solche sei das Gerichtsurteil— seien straflos, falls nicht die Absicht der Beleidigung vorliege, und das sei hier, wenn man überhaupt beleidigende Aeußerungen in dem Artikel f-nden könne, nicht der Fall. So wie das Frankfurter Gericht aus Anlaß desselben Artikels ein freisprechendes Urteil fällte, werde auch hier auf Freisprechung erkannt werden müssen. Nach langer Beratung des Gerichts verkündete der Vorsitzende, LandgerichtSdrrektor Warnatsch das Urteil. AuS der sehr eingehenden Begründung geht hervor, daß das Gericht die Kritik gegenüber gerichtlichen Urteilen nicht nur für berechtigt. sondern auch für wünschenswert hält. Auch der Schutz deS§ 193 ist dem Angeklagten zugebilligt. Aber das Gericht meint, die Kritik richte sich nicht gegen allgemeine Zustände in der Strafrechts- pflege, sondern gegen Richter und Staatsanwalt in Beuihen. Gegen diese habe der Artikel einen verletzenden, kränkenden und beleidigen- den Ton angeschlagen. Damit sei der Angeklagte über die Grenzen, welche der ij 193 zulasse, hinausgegangen, die Form des Artikels lasse die Absicht der Beleidigung erkennen. Der Angeklagte� ist deshalb zu einer Geldstrafe von Ivv M. eventuell 10 Tikgen Haft verurteilt. A,» Das Beuthener Urteil soll, wie jedes Urteil, eine„Wissenschaft- liche Leistung" sein. Tadelnde Urteile über wissenschaftliche Lei- stunycn werden in der Regel keine Schmeichelei für den Vater der Leistung enthalten, die abfällig kritisiert wird. Fehlt dem Ge. tadelten bcr objektive Maßstab für eine Würdigung des über seine Leistung ausgesprochenen Tadels, so empfindet er den über seine! Leistung ausgesprochenen Tadel als persönliche Herabsetzung, wenn die Kritik nicht so scharf war, daß sie dem Kritisierten ein- leuchtete. Läuft dann der abfällig Beurteilte zum Richter, weil er durch die Kritik beleidigt sei, so weist der Richter mit Fug und Recht die Klage ab, wenn er wie der Frankfurter den Inhalt üher die Form stellt oder es für die schwerste Beleidigung eines Menschen hält, daß er durch die„Form", den Ton einer Kritik„beleidigt" werden kann. Die juristische Jnterpretationsmaschine kann freilich auch anders arbeiten. Das Berliner Gericht hat angenommen, die Beuthener Richter könnten und seien durch die Form beleidigt. Vielleicht hebt das Reichsgericht das Urteil auf, weil unterlassen ist anzugeben, welche Form gegenüber der Beuthener„wissenschaftlichen Leistung" angebracht oder weil, wie uns dünkt, Inhalt und Form vom Berliner Gericht verwechselt ist. Die Kritik muß in einem Kulturstaat frei, rücksichtslos frei sein können. Die Notwendigkeit einer Kritik anerkennen und die Form der Kritik mit Strafe be- drohen, entspricht dem§ 193 des Strafgesetzbuchs, ist aber ebenso widerspruchsvoll wie ein Recht zu gewähren, die Ausübung des Rechts aber unter Strafe zu stellen. Wie schlecht muß eine Justiz sein, wenn sie eine rückhaltlose Kritik nicht mehr verträgt! GtllkralvtrsMmlllvg des Kergarbeiter-Nerbandes. Dortmund. 10. Mai. In der Schlußsitzung des Bergarbeiterkongresses am gestrigen Himmelfahrtstage wurde zunächst die Debatte über die Bergarbeiter- schutzgesehgebung und die Gvubenkontrolle fortgesetzt. Eine große Roll« spielen darin die Wohnungszustände in der Kolonie der Zeche „Deutscher Kaiser", die der sozialdemokratische Reichstagsabgeord- nete HengÄbach jüngst im Reichstage als gesundheitsschädlich und gesundheitsgefährdend geschildert hatte. Dagegen hatte sich dann der Arbeiterausschuß der Thyssenschen Zeche„Deutscher Kaiser" in einer längeren Erklärung gewendet, in der er als Resultat einer ge- nauen Untersuchung mitteilt, daß die Zechcmvohnungcn durchaus gesund und gut eingerichtet seien. Di« Delegierten des Ober- hausener Bezirkes bezeichnen diese Erklärung des Arbeiterausschusses, der von christlichen Gewerkvereinlern besetzt sei, als durch und durch unwahr. Die Mitglieder des Ardeiterausschusscs seien so feige, daß einer von ihnen jüngst sich von seinem Meister habe durch- prügeln lassen, ohne daß er es wagte, etwas dagegen zu unter- nehmen. Sie seien gleichfalls an Ort und Stelle in Obermarxloh gewesen, und hätten die Wohnungen untersucht. Sie teilen eine lange Reihe von Wohnungen mit Straßen und Hausnummern mit, in denen sich der Schwamm befindet, das Wasser an den Wänden herunterläuft oder eine unglaubliche Anhäufung von Menschen in engstem Räume vorliegt. In den Straßen liege der Schlanim noch einen Meter tief. Reichstagsabgeordneter Hue teilt mit, daß der christliche„Bergknappe" die Darstellung des Abgeordneten Hengs bach im wesentlichen bestätigt und hinzufüge, daß der Arbeiteraus schuß sich habe mißbrauchen lassen. W,a l dh e ck e r- Bochum ist von mehreren Insassen der Kolonie beauftragt, mitzuteilen, daß die Wohnungen vor Eintreffen der amtlichen Untersuchungskommission rasch in möglichst guten Stand gesetzt worden seien. Trotzdem habe die Regierung angeordnet, alle Straßen auszureißen, um die Häuser auszutrocknen und neue Abzugskauäle einzubauen, was eine Ausgabe von nahezu 4VV0 M. verursachen werde. Auch dieser Redner hält das für den einzigen Weg, um die in Obermarxloh besonders stark auftretende Genickstarre zu bekämpfen. Leider wage die Regierung nicht, dem„König" Thyssen energisch entgegenzu- treten.— Weiter dreht sich die Debatte um das neue Knapp- schaftSgesetz. Von allen Delegierten wird lebhafter Protest dagegen erhoben, daß den Invaliden das aktive und passive Wahlrecht genommen und die Arbeiter- dadurch ihrer einzigen ökonomisch unabhängigen Vertreter beraubt worden seien. Man habe die Veteranen der Arbeit genau so behandelt wie Zuchthäusler.— Redakteur Witzmann, der gestern aus Lothringen zurückgekehrt ist, macht Mitteilungen über die Strcikbelvegung im dortigen Mette- Gebiet, die auch durch das neue Knappschaftsstatut hervorgerufen sei. Die durch das Berggesetz von 1873 vorgeschriebene Knapp- schaftskasse, die jetzt neu eingerichtet werde, übe keine rückwirkende Kraft aus und habe wegen der niedrigen Pensionssätzc unter den Arbeitern große Erregung hervorgerufen. Der christliche Verband habe die Belegschaft mehrerer Gruben in einen törichten Streik hineingehcht, um dagegen zu protestieren. Natürlich seien diese Einzelausstände aussichtslos gewesen. Er habe alles getan, um die Bergarbeiter zum Wiedcranfahren hu veranlassen. Der Streik auf Zeche„Hadingen" sei von ihm mit Erfolg durchgeführt worden. Die Arbeit im Mette-Gebict sei viel schwerer als im Kohlenbergbau, so daß dort fast nur Italiener beschäftigt-werden können. Das er- schwere die Organisationsarbeit, er hoffe aber, daß Her Verband jetzt mich in Lothringen rasch fortschreiten wird.— Von mehreren Rednern wird angeregt, der Verband möge sich künftig allgemein an den Arbeiterausschußwahlen beteiligen. Die Ausschüsse leisteten bisher zwar nichts, könnten aber etwas leisten, wenn energische Vertreter des Verbandes hineinkämen. Dagegen wendet sich im Schlußwort Referent Aufderstraße. Die Ausschüsse könnten nach dem Berggesetz von 1905 nur Drahtpuppen sein und würden es bleiben. Im übrigen macht Redner ganz interessante Angaben über die Beziehungen zwischen Organisation und Höhe der Unfall- ziffer. Ueberall, wo der Verband in den letzten Jahren um 100 Prozent gewachsen sei, sei die Unfallziffer konstant geblieben; wo der Verband in den letzten 10 Jahren nicht vorwärtsgekontmen sei, sei die Unfallziffer um 100 Proz. gewachsen. Die bereits mitgeteilte Resolution wurde hierauf einstimmig angenommen. Es folgt der Bericht der Statutenberatungskommission. Es wurden einige Abänderungen am Statut vorgenommen, hauptsäch- lich ein geringerer Betrag, 20 Pf. pro Woche, für jugendliche Arbeiter eingeführt, um sie in möglichst großer Zahl der Organisation zuzuführen: weiter wurde die Einführung einer Umzugsunter- jtützung zur Ergänzung der Gemaßregeltenunterstützung be- schlössen. Hierauf referierte Ludwig Schröder über die int er- nationale Arbeiterbewegung. Zu diesem Referat wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Generalversammlung erkennt an, daß unter den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen die Interessen der Bergarbeiter nur dann wirksam vertreten werden können, wenn sie sich international verständigen. Sie erkennt aber weiter die Notwendigkeit an, daß die internationalen Beziehungen zu den Berufsgenossen der anderen Bergbau treibenden Länder auch fernerhin gepflegt werden, und empfiehlt, den in diesem Jahre in Salzburg stattfindenden inter- nationalen Bergarbeiterkongreß zu beschicken. Der Vorstand unseres Verbandes wird ermächtigt, zur Pflege dieser inter- nationalen Beziehungen die Mittel des Verbandes in Anspruch zu nehmen." Der alte Vorstand— Sachse-Bochum, 1. Vorsitzender; Schröder. Bochum, 2. Vorsitzender; Horn-Bochum. 1. Kassierer; Schreiter- Bochum, 2. Kassierer; Husemann-Bochum, 1. Schriftführer und Waldhecker-Bochum. 2. Schriftführer— wurde mit an(Einstimmig- keit grenzender Stimmenzahl wiedergewählt, ebenso die bisherigen Beisitzer und Mitglieder des Kontrollausschusses. Zum Ort der nächsten Generalversammlung wird Eiscnach bestimmt. Veran- lassung hierzu gibt der Wunsch des alten Verbandskassierers Meyer, der bekanntlich in dem großen Essener Meineidsprozetz zu 3 Mi Jahren Zuchthaus verurteilt, nach Verbützung der Strafe schwer nervenleidend wurde und jetzt zur Erholung in Eisenach lebt. Meyer hat dem Kongreß den Wunsch übermittelt, daß er noch einmal die alten Kameraden sehen möchte. Mit einem aufmunternden- Schlußwort erklärt hierauf Reichs- tagsabgcordneter Sachse die Beratungen der Generalversammlung für beendet. j Berichts-Zeitung Polizeistunde. Von großer Bedeutung für Gast- und Schankwirte ist ein Erkenntnis des Oberverwaltungsgerichts, das die Rechte der Polizei auf Perkürzung der Polizeistunde abgrenzt. Bisher konnten die Gastwirte gegen die polizeiliche Festsetzung einer Polizeistunde so gut wie nichts machen. Eine Ausnahme machte der s. Z. von Rechtsanwalt Dr. Herzseld durchgeführte Prozeß, in dem das Vor» liegen einer Willkür anerkannt wurde. Aber auch da nahm daL Oberverwaltungsgericht an, daß die Polizei nach pflichtmäßigem Ermessen die Polizeistunde festsetzen darf und daß hiergegen die Klage im Vcrwaltungsstreitverfahren nur dann zulässig ist, wenn der Polizei„Willkür" oder„Schikane" nachzuweisen ist. In dem jetzt vorliegenden Falle hat das Oberverwaltungsgericht ernen etwas anderen Standpunkt eingenommen. Dem Schankwirt P. in der Lothringerstratze war für sein Lokal die Polizeistunde bis 4 Uhr morgens gewährt worden, der Polizeipräsident hat sie dann auf 2 Uhr morgens mit Rücksicht auf den Verkehr in dem Lokal und auf die unzuverlässige Geschäftsführung herabgesetzt. Die hier- gegen erhobene Beschwerde wurde vom Oberpräsidenten abgewiesen und in dem Verwaltungsstreitverfahren erkannte der Polizei- Präsident die gute Geschäftsführung an, betonte aber, daß in einigen Fällen Ausschreitungen in und vor dem Lokal vor- gekommen seien. Das Oberverwaltungsger, cht hat den Ausführungen der Klage des P. unter folgenden Darlegungen stattgegeben: Die Kürzung der dem Kläger polizeilicherse,ts ge- währten Polizeistunde darf nur erfolgen, wenn es der Kläger ent- weder an der gehörigen Aufsicht fehlen läßt und hierauf die ein» getretene Störung der öffentlichen Ordnung. Ruhe und Sicherheit zurückzuführen ist, oder wenn mit einer solchen Störung trotz ge- höriger Aufsicht des Klägers als einer sich gewöhnlich wieder- bolenden Tatsache im Hinblick auf die Art des die Wirtschast des Klägers besuchenden Publikums zu rechnen ist. Ausschreitungen. die unabhängig von dem Verkebr in der Wirtschaft des Klägers sich auf der Straße vollziehen, bleiben außer Betracht, auch wenn sie auf eine Ansammlung von Menschen vor dem Wirtschaftslokal des Klägers zurückzuführen sind und den Ilmständen nach anzunehmen ist. daß den Anlaß zur Ansammlung die Osfenhaltung der Wirt- schaft des Klägers gegeben hat.— Damit ist anerkannt, daß die einmal gewährte Verlängerung der Polizeistunde ein ver- brieftes Recht auf Bclassung dieser Stunde verleiht und diese nur aus den oben erwähnten ganz besonderen Gründen verkürzt werden darf._ Graf Pückler vor dem Reichsgericht. Das Reichsgericht verwarf gestern die Revision deS Ritterguts« besitzerö Grafen Pückler— Klein-Tschirne. der am 15. März d. I. vom Landgericht I Berlin wegen Aufreizung verschiedener Be- völkcrmigsklassen zu Gewalttätigleiten gegeneinander zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden ivar. Aushöhlung des Eigentumsrecht durch Straßenbahnen. Der Schreincrm eist er und Mö b e I f a b r i k a n t H. zu Hörde klagte gegen die Allgemeine Lokal- und Straßenbahngesellschaft zu Berlin und gegen die Stadtgemeinde Hörde. Kläger betreibt auf einem ihm gehörigen Grundstück an der Viktoriastraße in Hörde eine Möbel- fabrik. Die Beklagte hat bereits seit längerer Zeit in der Viktoria- straße in Hörde einen eingleisigen Straßenbahnbetrieb eröffnet. Im März und April 1904 hat die Stratzenbahngescllschaft jedoch auf Erfordern der Stadt Hörde in der Nähe des dem Kläger ge- hörigen HauseS eine Weiche und ein zweites Gleis legen lassen, um die Verkehrsstörungen zu beseitigen, die durch den Betrieb der Bahn herbeigeführt wurden. Infolgedessen hält der von der einen Seite anfahrende Wagen vor dem Hause des Klägers, bis der auS der entgegengesetzten Richtung fahrende Wagen auf dem anderen Gleise vorbeigefahren ist. Der Kläger behauptet, durch das Halten der Magen und die Anlegung eines zweiten Gleises vor seinem Hause in dem Betrieb und der Ausübung seines Gewerbes gestört zu sein, da seine Möbelwagen nicht mehr vor dem Hause halten können, um auf- und abzuladen usw. Er verlangte deshalb im Klagewege die Einleitung dcS Enteignungsvcrfahrens wegen der Benutzung seiner Parzelle oder die Entfernung des westlichen Gleises. Das Landgericht Dortmund hat die beklagte Straßenbahn- gcsellschaft zur Entfernung des westlichen Gleises verurteilt. Der seitens der Beklagten und der Nebenintervcnientin eingelegten Be- rufung hatte sich der Kläger angeschlossen mit dem Antrage, ihm als Entschädigung für die Beeinträchtigung seines Geschäfts durch das westliche Gleis mindestens 5000 Mark, eventuell eine Jahres- rcnte von 500 Mark zu zahlen. Diesen Anspruch wollte er nicht als Eigentümer des Grundstücks, sondern als Stratzenanliegcr er- hoben wissen. Das O b e r l a n d e s g e r i ch t Hamm hat den Entschädigungsanspruch des Klägers dem Grunde nach als gerechtfertigt anerkannt. Seine weitergehenden Anträge auf Beseitigung des Gleises usw. aber abgewiesen. Gegen das oberlandesgerichtliche Urteil hatte die Beklagte mit Erfolg Revision eingelegt. Der 7. Zivilsenat deS Reichsgerichts erkannte unter Aufhebung des oberlandeS- gerichtlichen Urteils aufvölligeAbweisungdcsKlägerS. Aus den Entscheidungsgründen des Reichsgerichts ist hierzu folgen. des mitzuteilen-:„Das Reichsgericht hat als leitenden Grundsatz für das Anliegerrecht an einer städtischen öffentlichen Straße im Geltungsgebiete des Preußischen Allgemeinen Landrcchts aufgestellt, daß das servitutarische Recht des Hausbesitzers an der an seinem Grundstücke vorüberführenden Straße begrenzt und bedingt ist durch die Zweck» bestimmung der Straße selbst, dergestalt, daß der Hausbesitzer sich alle Veränderungen gefallen lassen muß, welche dazu dienen, die Straße in dem Zustande zu erhalten oder auch in den Zustand zu setzen, in dem sie ihrer Bestimmung am voll- kommendsten genügen kann, sofern nur die Straße auch ferner für ihn als Kommunikationsmittel erhalten bleibt.(Entscheid in Zivilsachen. Band 37. Seite 252. Urteil vom 6. Mai 1896. V 352/95). Die Straße hat in erster Linie dem öffentlichen Ver- kehr als notwendiges Kommunikationsmittel zu dienen, die Befug» nisse der Anlieger der Straße bleiben stets dieser Hauptbestimmung der Straße untergeordnet. Der Anlieger muß sich daher Be- lästigungen gefallen lassen, die sich aus dem Zweck der Straße, dem öffentlichen Verkehr zu dienen, ergeben, mögen auch diese Er- schwerungen sich mit der EntWickelung des öffentlichen Verkehrs und die infolgedessen notwendig werdende Umgestaltung oder Er- Weiterung der bereits vorhandenen Verkehrsmittel sich vergrößern oder vermehren.(R. G. in Gruch. Bd. 45. S. 614.) Insbesondere kann der Anlieger eine Entschädigung nicht verlangen-, wenn in einer Straße, in der bisher nur ein Straßenbahngleis bestand, an dessen beiden Seiten anderen Fuhrwerken genügend Raum blieb. zu fahren oder vor den Häusern zu halten, ein zweites Gleis zwischen dem ersten und der Straßenseite, an der das betreffende Haus des Anliegers liegt, derartig gelegt und in Betrieb genommen wird, daß Wagen vor dem Hause des Anliegers nur auf dem Gleis halten, dort aber stets den in Zwischenräumen von wenigen Minuten sich folgenden Straßenbahnwagen Platz machen müssan. (R. G. in Gruch. Bd. 36. S. 682.) Vergleiche auch Dernburg Sachenrecht Z 70. Von dieser wohlbegründeten Rechtsprechung ab. zugchen, liegt genügende Veranlassung nicht vor, mögen auch in der Literatur abweichende Meinungen hervorgetreten sein.., ßnefhaften da* Redaktion. ffJe suristlsche Sdrechstiinde findet ein« Treppe tHandrlSstätte Bellcallinucc, wochcntligllch von?>/, bis O'l, Uhr aveiii'? nati. ottennti v iigr. «oiiuabeudS bcaiunt die Sprechstunde»in ti Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine'Zahl als wierkltcichen beitusiigen. Briefliche Antwort wird nicht erteil». Vtlig« Fragen trage mau in der Sprechstunde vor. R. L. Ob noch Teilnehmer zu den Kursen angenommen werden, können wir Ihnen nicht sagen. Fragen Sie doch Rückerstr. S, linier Seiten- oufgang parterre(Kantine) selbst nach. — I.®. 31. 1. Sie find zur Zahlung verpflichtet. 2. Ja.— G. 33.121. Die Genehmigung de» Vormundes und de» VormundschastS- gericht» ist ersorderlich.— W. R. 35. Un» nicht bekannt. Wenden Sie sich an de» Magistrat in Potsdam.— K. T. 12. Wenn in Ihrem Vertrage steht, das) Einbehaltung der Miete»mzuläsfig ist, so würde ein« Klage des Wirts nicht ohne Aussicht aus Erfolg sein. Klagen Sie beim Amts- gericht aus Beseitigung der Mibftände.— B. 3. Grotz-Lichterselde, Kommandantensttaß«.— Wichtig E. C. 1S07. 1. Sie haben kein Recht zum Abheben. Die Genehmigung Ihrer Frau ist ersorderlich. 2. Nein. — W. L. 1880. Wenn Ihre Frau weiter beschästigt ist, so gehört sie trotz der zu Unrecht erfolgten Abmeldung der Kafle weiter an. Nachdem sie au» der Beköstigung entwfse» en ist, kann sie durch Weiterzahlung sreiwilligeS Mitglied b leiten.'— M. 88. Bis zum pollendeten 21. Lebensjahre wäre die Zurückbringung möglich.— E. B. 100. Nach dem Gesetz hatte der Vater das Recht, die Zinsen bis zur erreichten Volljährigkeit des Kinde? sür sich zu verwenden.— 100 G. F. Ja.— P. 78. Der'Briejbote bat seiner Instruktion entsprechend gehandelt.— L. 60. Sie können noch Be- schwcrde beim Justizminister einlegen, indessen besteht wenig Aussicht aus Erfolg.— 0 Mark. Eine Vcrsolgung wegen Betruges hätte keine Aussicht aus Ersolg. Soweit ersichllich, könnten Sie Ihre Forderung gegen den Mann(beim Gewerbegericht) geltend machen.— X. Nein Fsür den Inhalt der Jnscrate itberntinint die Redaktion dem Vnblikni» gegenüber keinerlei Aeraniivortnng. Zhcatcr. Eonnabend, den 11. Mai. Ansang?-/. Uhr. Kgl. vpernhans. Mignon. Kgl. TchauspielhanS. Klein Dorit. Neues kgl. Operntheater. Prinz Methusalem. Deutsches. Robert und verkam. K a m m e r s p i e I e. Aglavaine und Selysettte.(Ansang S Uhr.) Ansang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Hopsen- raihs Erben. Schiller O.(Wallner-Thealer.) Ein Fallissement. Schiller-Theater Charlottenburg. Moloch. Der zerbrochene Krug. Schiller X.(Friedrich Wtldelm» städtisches Thealer.) Am grünen zu Berliner. Staatsanwalt Alexander. Lessing. Der Bettelgras. Zentral. Hamburger Leiden. Kleines. Ein idealer Gatte. Neues. Der Dieb. Lorhing. Slradella. Westen. Die lustige Witwe. Residenz. Haben Sie nichts verzollen V LnslsPielhauS. Husarensteber. Thalia. Wo die Liebe hinfällt. Luise». Das Mädchen ohne Ehre. Triano». Frl. Josett«— meine Frau. Bernhard Rose. Geicr-Wally. S.'tetropol. Der Teufel lacht dazu. Gebr. Hcrrnfeld. Es lebe das Nachtlebeit. Vorher: Die Welt gehl unter. Wintergarten. La Tortajada. Spezialitäten. Apollo. Der lustige Witwer. Spe- zialitäten. Kasino. Heirat aus Probe. litäten. Walhalla. Spezialitäten. Folies Eaprice. Eine Nacht in der Apotheke. Passage. Spezialitäten. Netchshallc». Stcttiner Sänger. Ilrauln. Tanbenstrasie»tl/sv. Nachmittags 4 Uhr: Am Golf von Neapel. Abends v Uhr: Feuergewalleu der Erde. Sternwarte. Juvalidenstr. 57/62. Spezia- Fertllnan«! Koun» Berliner Theater. Ansmig 8 Uhr. Sonnabend, Sonntag und Montag: Beiiös Sciiaussiieliiaus Sonnabend, den 11. Mai 1907:) Zum 1. Male: Hopfenrnths Erben. Morgen: Hopfeuraths Grbcn. Ansang 8 Uhr._ Heues Theater. Ansang 8 Uhr. Der Dieb. Morgen und folgende Tage: Der Dieb. tüemes Theater. Zum 200. Male: Ein idealer Gatte. Ansang 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nacht- ast»l. Abends 8 Uhr zum L01. Male: Gin idealer Gatte. Lortzing-Theater: geilaalliancsstr, 7/8. Sonnabend, den 11. Mai, 8 Uhr: Htradella. Abonnements güllig I Sonntag nachm. geschl. Vereinsvorst. 8 Uhr: Zar und Zimmermann. Leflc-Alliance- Gartc»-«röffnung: Sonntag, den 19. Mai er. GLiasispielhaus. Sommerpreis«. Abends 8 Uhr: Hus arenfieber. Urania. Wiasenschaftliohes Theater. Naohinittags 4 Uhr: Am Golf von KTeapel. Abends 8 Uhr: Die Fenerpalteii der Enle. OOtOCISCHER Täglich nachm. 4 Uhr:!» Gr. Militär-Konzert, ü 1 Eintritt 1 Mk., von abends j 1 | 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unt.[ 10 Jahren die Hälfte.,[ •Cft® Sehiller-Theater Frladrich-Wilhelmstädlisches Theater, Abend» 8 Uhr: Am grtinen Weg. Zentral-Theater. Täglich 8 Uhr: Gesamtgastspiel des Hamburger Emst Drucker-Theaters: Hamburger Leiden. Rcsidtiis-TIskiiler. Direkiioii�Richard Alexander. Ansang 8 Uhr. ttsdsn 8iö nietitG veMöii? Schwa,:k in 3 Akten v. M. Hennequin und P. Veber. Robert de Trivelin: Rich. Alexander. Luisen-Theater Reichenbergerstr. 34. MendS 8 Uhr: Pub Mädchen ohne Ehre. Morgen: Das Mädchen ohne Ehre. nranw Gr. Franksurterstr. 132. pic Geier-Wally._ orgcn nachm. bei kleinen Preisen: Bnsch-Liesl. Abend» 8 Uhr bei niedrigen«oommerpreisen: Sherlock Holmes. O1/,': Denkbar gröstter Lacherfolg k stsr Harts tein-•« mit feinem glänzenden Schlager: Der lustige Witwer. 1. Bild: Das lestte Mal. 2. Bild; Die Folgen davon. Vorher 8 Uhr: Die Spezialtläten- Attraktionen mit Merlans Hunde- _ Bauern-Theater. Metropoi-Theater Anfang 8 Uhr. Große Jahresrevuo in 7 Bildern von Jolius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Kiohard Schultz. Masnary. Ernani. llondcr. Giainpletro. Joncphi. Rauchen überall gestattet. Morgen Sonntag, nachm. 3 Uhr: Auf in's Metropol. Brunnen-Theater Badstrasie 58. Direkt.: Bcrnh. Rose. Sonntag, den 12. Mai 1907: OroUes Garten-Konxert, Tiieater»nb Spezialitäten. OST Erstklolsige Spkelsolae."WQ Im Saale:«rovor«nll. Erösinung 2 Uhr. Ansang 4 Uhr. Billetworverlaus von 10—2 Uhr an der Theaterkasse. Bei ungünstiger Witterung im Theatersaal. Boranzetge. Am 1. Psinastseter- tag(19. Mai): Vollständige Eröffnung der Sommer« Spielzeit. fcoeWIKvi'' Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater). Sonnabend, abend» 8Uhr: Zum ersten Male: Lln Falliasemcnt. Schausp. in 4 Ausz. von Björnstjern« Bjönison. Deutsch von WEH. Lange. Sonntag, nachm. 3 U b r: vor Vogel Im kitiSg. Senntag, abend« 8 Uhrt Hin Fallisnemont. Montag, abends 3 Uhr: Meleeh.— Der zerbrochene Krug. Theater. Schiller-Theater Charlottenburg. Sonnabend, abend» 8 Uhr: Holoch. Eine unvollendete Tragödie(2 Akte) von Friedrich Hebbel.— Hieraus: ver»vrhroclieno Krag. Ein Lnstsp. In 1 Ausz. v. Hewr. v. Kleist. Sonntag, nachm. 3 Ubr: vor Pfarrer v. Ktrchfeld. Sonntag, abend» 8 Uhr: Zapfenatreich. Montag, abends 3 ll h r: Dranmulns. Lsstsus ksuoptieum, , frieitriMr. 1KS. 9• •• •» •« Keine lllnsion: Das lebende Wunder Miß Gabrielle Ohne Unterkörper geboren! ===== Kein Extra g Entree! ' Passape-fheater. Jeden Abend 8 Ubr: Das Mai-Propramm. Der größte Erfolg der Saison! Grete Gallus Mascha Dignam 1 3 Clarus Brothers 14 Attraktionen 14. Kasino-Theates* Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Nur bis 18. Mall Neu einstudiert: Heirat anf Probe. Gesangsposs« in 3 Akten von Buch- buidcr und Kren. Sonntag nachmittag 4 Uhr: Hotel Kltngebusch. tVene« Programm. W. Hoacks Thealer. Dlrektion: Rod. Oill. vrmmenRr. 1«. Letzte Dochcntagsvorst. vor Psingstenl Skerlock kiolmes Detektivkomödie von Scott. Borher: De« Goldschmied« Töchterlein. Ans. 8 Uhr. Elltree 30 Pf. Ball. Gebf.Herrnfeld-l Anfang Thoofop Bowerk. 8 Uhr. Illcmcr 11-2 Uhr j 57 Kommaudantenstratze 57. Täglich: Es lebe das Nachtleben! Folgen einer Scparöe-Assäre i» 2 Akten von Anton und Donat Hermseld Pf» mit de» Autoren"WJ SÄT" in den Hauptrollen.-VL Vorher: Neu bearbeitet: Die Well geh! unler! Schwank In einem Auszug von Anton u. Donat Hermseld. Theater W-inbergSweg 19/20, Nvjinth.Tor. Heute abend 8 Uhr r Dkl jtiiiif Teufel. SensationS-Pantomime. 5 Jungmanns, 12 neue Spezialitäten 12 Im Tunnel: Ffrei-Konzert. _BBm——— Sanssouci,*�7 Direktion Wilhelm Reimer. Sonnt., Mont., Donnerst.: iu«>trii»,v»i.» Stets neue« aktuelles Programm. Sonnt. Bg. 5, wochent. 8 U. Fstir die nächste Satsvn � find sämtliche Sonn- abeude bereit« besetzt. Ginige Mittwochabende sind noch frei. Folies Caprice Linienstr. 132, an der Friedrichstr. Täglich abends 8 Uhr: Eine«acht in der Apotheke und Im luspkktlStisMmr. Vorverkaul an der Theaterkasse und bei Wertheim. Kelehshallen-Thealei'. w S«r. Uni. wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Roich». hallen- Restaurant. Groste« WUtiir- Konzert. Trianon-Theater. Heute und folgende Tage: Fräulein Josctte— meine Frau. Ansang 8 Uhr. Crnslav Behrens-Theater. Berlin W.,QoiU. straSe 9. Das herrliche Nai-Progranini Sic«! Thomas Bedsy Com- pagnic. Gr. amerikan. Exeniric.Panl. Vewlff an d werkers trelt Maurer(Busse). Zimmermann(Die. Gust. Behrens), Maler(W. Sandel), "■ andern 0.—-------------Operette: Meschuckmann imSOndenpfuhl Berlin. Ansang 8 Uhr. Sonntag»«>/, Uhr. Wo amüßeren mir uns? Im 53ib« riie«Ier- » Schöiisi.ausen, I-iadoonti-allo 43. Theater- u. Dpezial.-Borstellung. llllo?n{ikQ\ii. Minzstr. Iß, felt-lusstellüngs- ÜOPph-CS«. Louis) Theater lebender Photographien. Der Untergang des Dampfers„Berlin". 168 Toto, 12 Gerottete. ♦ Den ganzen Tag VcrsteUung. ♦ Ausnahmepreise Slal, Juni, Juli. * 1. B. Koch Xj Kolilen-Groß-Handlung Berlin 0. 84, Brombergerstr. 13. Preise für nur la Marken ab Platz von IV Ztr. an:• Prima la Halbsteine(bekannte Marken).. pr. Ztr. 83 Pf. , la Diamant pr. 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Mai, vormittags lies 190748 statt 190746. Im Gewinnrade verblieben: 1 Prämie» 800 000, 1 Gewinn k 600 000, 1 a 200 000, 1 1 150 000, 1 a 100 000, 1 4 75 000, 2 a 60 000, 8 a 60 090, 3 4 40 000, 12 a so 000, 28 4 15 000, 69 4 10 000, 132 4 5000. 1356 4 8000.«71 A 1000. 4123 4 500. 4. Ziehung 5. Kl. 216. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 10. Mai 1907, nachmittags. Hur die Gewinne Uber 240 Mark sind den betreSenden Nummern In Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.] 135 40 410 528 926 87 1 087 364 673 653 720 91 899 2074 331 812 933 52 3033 360 78 716 807 33 4036 42 379 80 408 92 515 929 68 5074 297 531[1000] 604 702 820[500] »24 6066[500] 152 83[500] 455 606[500] Iii 859 7009 48 219[1000] 461 898[1000] 8783 9124 447 65 502 38 894 954 19062 333[500] 506 67 633 64 939 80 95[lOOO] 11089 187 205 306 10 25 833 936 77 1 2004[3000] 63 352 630 713 901 13031 236 74 309[ 500] 27 92 471[1000] 757 810[500] 14005 127[3090] 256 381 42« 37 83 BIS 644»31 15414 805 16329 30 509 961[500] 17168 324 400 33 56 536 740 65 77 819»10 79 1 3250 508 722 1 9124[500] 658[1000] 783 840 99« 29030 70 43« 511 4»«7 84« 96, 85[30 000] 21,12 1500] 53 440 563 87 855 86»92 2 2072 338 58 457 564 638 962 2 3 033 39 130 252[1000] 329 31 401 521 24193 525 [500] 673 79 710 95 814 2 5008 309 499 615 60 857 933 2 6340 27129 80 827 83 495[500] 514 609 748 28074 278 375 85 88 497 669 78 2 9392 523 52 621 748 39021 416 57 70 98 507 733 39 3 1 369 883»38 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Sl Iii 6t est 939£87168«4«Ii M M 714' NtMnlBMitliifitt Webtilttiit: Hau» Web», Berlin. fftuThflg Bnjtraierucü verantw.: Tk. Glocke. Berlin. Druck u. Berlaa: Btttiafc» HwhbnKfeiti it. Berlaa?cwkalt Paul'Smaer& So.. Berlin SM. |t. 108. N. Mgang. Z. KnlM des.Mmsrls" Kerlim WsdlM ZMMbeud» 11. WM?. msssz. parte!- Angelegenheiten. Marienfelde. Am Sonntag, den-�. Mai, nachmittags 4 Uhr. findet eine Volksversammlung für Frauen und Männer im Lokale von Berger statt. Reichstagsabgeordneter Genosse Fritz Zubeil hält einen Vortrag über: Die Frau im politischen Kampfe. 2. Diskussion 8. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Die Kreisvertrauensperson. Weißensee. Morgen Sonntag, den 12. Mai er. findet eine Sgitationstour in den ländlichen Bezirken statt. Sammelpunkt früh 7Vz Uhr beim Genossen Rotzkopf(früher Schmutz), König-Chaufiee 38. Zahlreiche Beteiligung der Genossen ist erforderlich. Der Vorstand. Schildow-Blankenfelde(Bezirk Niederschönhausen). Am Sonntag, den 12. Mai, nachmittags 3 Uhr, findet in Mönchsmühle bei Knappe, die fällige Wahlvereinsversammlung statt. 1. Vortrag des Genossen F. Braun über: Ist Religion Privatsache? 2. Dis- kussion. 3. Verschiedenes. Um regen und pünktlichen Besuch dieser Versammlung ersucht__ Der Vorstand. Berliner l�acbricbten. Wen» Betrunkene zur Polizeiwache gebracht werden, wird ihnen in zahlreichen Fällen eine Behandlung zu teil. die in keiner Weise gerechtferttgt werden kann und aufs schärfste getadelt werden muß. In letzter Zeit sind uns wiederholte Fälle mitgeteilt worden, in denen Betrunkene, die von Schutzleuten arretiert worden waren, in der schlimmsten Weise zugerichtet worden sind. Der Polizeisäbel scheint als das geeignetste Mittel erachtet zu werden, einem Menschen, der infolge übermäßigen Alkoholgenusses seiner Sinne nicht mächtig ist, auf die Beine zu Helsen. So wurde uns mitgeteilt, daß vor einigen Wochen Polizeibeamte am Grünen Weg einen Betrunkenen mit dem Säbel schwere Verletzungen bei- gebracht hätten. Die Beamten mögen angenommen haben, daß der Arrestant sich seiner Verhaftung widersetze und ihnen nur noch die Zuflucht zum Säbel übrig blieb. Am Himmelfahrtstage scheint sich ein ähnlicher Vorfall zu- getragen zu haben, über den eine Korrespondenz wie folgt berichtet:„Von der blanken Waffe mußte(I) ein Polizeibeamter am Nettelbeckplatz Gebrauch machen. Der Maurer Walter Furtenge, Pappel-Mee 76, befand sich in angeheiterter Stimmung und hatte Lärm verursacht. Als ihn ein Schutzmann arretieren wollte, machte er diesem große Schwierigkeiten, sodaß sich der Beamte schließlich veranlaßt sah, blank zu ziehen. Er versetzte dem Arrestanten mit dem Säbel einen tiefen Stich in den Unterarm. Auf der Unfall- station in der Lindowerstraße erhielt F. die ersten Not- verbände." Mitteilungen ähnlicher Art gehen fast jede Woche durch die Presse und uns will scheinen, als ob die Handhabung des Polizeisäbels— wenn überhaupt— Betrunkenen gegenüber am allerwenigsten angebracht ist. Es erscheint dringend wünschenswert, daß der Polizeipräsident über die Behandlung von Betrunkenen durch Schutzleute eine Anweisung ergehen ließe, die Betrunkene vor dem Polizeisäbel und seinen Leben und Gesundheit gefährdenden Folgen bewahrt. Aus dem Polizeigewahrsam war am 2. Februar ein Arbeiter W e i n h e u b e l als krank an das Virchow-Krankenhaus überwiesen worden. Der Polizeiarzt hatte bei W. ein inneres Leiden festgestellt, als aber W. am 3. Februar im Krankenhause ge starben war, wurde in der Obduktion ein Schädelbruch an ihm entdeckt. Im„Vorwärts" wurde damals(in Nr. 3S) über dieses Vorkommnis berichtet. Um die wünschenswerte Aufklärung herbei- zuführen, übergaben wir die Angelegenheit so der Oeffentlichkeit, lvie sie uns dargestellt worden war. Wir teilten mit: Weinheubel sei am 1. Februar abends beim Schneeschippen in der AndreaSstratze überfahren worden, man habe ihn nach der Unfallstation am Grünen Weg gebracht, von dort sei er aber als unverletzt fort- geschickt worden; nachher sei er von zwei Schutzleuten des 95. Polizeireviers(Bureau: Frucht- und Müncheberger- stratze) auf der Stratze aufgefunden und für krank ge- halten worden, man habe ihn nach derselben Unfallstation gebracht, der Arzt habe aber gesagt, Weinheubel sei nur b e t r u n k e n. man solle ihn sich ausnüchtern lassen; von den Schutzleuten sei geantwortet worden, da müsse W. nach dem Polizeigewahrsam geschafft werden, und sie hätten darauf sich mit ihm entfernt; am anderen Tage sei dann W. vom Polizeipräsidium an das Kranken- Haus abgeliefert worden, wo er am nächstfolgenden Tage gestorben und nun ein Schädelbruch festgestellt worden sei. Wir fügten hinzu: es entziehe sich unserer Kenntnis, ob W. von den Schutz- lenten, denen er auf der Unfallstation als nur betrunken bezeichnet wurde, sogleich in polizeilicher Obhut behalten oder einstweilen wieder noch sich selber überlassen worden sei. Wegen der Veröffentlichung dieser Angaben_ wurden wir von bürgerlichen Blättern in üblicher Weise mit einem Schmutzkübel voll Schmähungen überschüttet. Zwar mußten diese Blätter den von uns vorgetragenen Sachverhalt bestätigen! Aber dessenungeachtet zeterte die„National- Zeitung". � da sei wieder einmal„in frivolster Weise gegen die Behörden gehetzt" worden, tobte die„Post", hier handle es sich um ein neues Beispiel der„systematischen Hetze der Sozialdemokratie gegen die Polizei", schwindelte das Stöckersche.Reich", der„Vorwärts" habe „g e l o g e n". Das Stöcker« Blättchen fügte hinzu,„durch Be- kundungen dreier Aerzte stehe fest", daß W.„beim Anfahren durch den Wagen einen Schädelbruch erlitten" habe. Die Behauptung, daß das„feststehe" und von.dreiAerzten"bekundetwordensei, war das einzig neue in dem keifenden Geschimpfe, mit dem die bürgerliche Presse uns geantlvortet hatte. Wir mutzten uns einstweilen damit bescheiden, daß der Schädelbruch nicht nur dem Polizeiarzt und dann zunächst auch den Krankenhausärzten unbemertt ge- blieben, sondern sogar dem Unfall st ationSarzt entgangen sei. der doch die Pflicht hatte, an dem Verunglückten ganz besonders griindlich nach etwaigen Verletzungen zu forschen. Uns war zwar nicht klar, waS all' diese Aerzte nach- träglich über einen Schädelbruch„bekundet" haben konnten, der vorher von allen miteinander nicht erkannt worden wäre. Aber wir enthielten uns jedes Urteils hierüber und warteten das Er- gebnis der Untersuchung ab. Natürlich mußte ja gegen den Kutscher vorgegangen werden, der den Unglückswagen geführt hatte. In seinem Bersein wurde die Leiche ausgegraben und noch einmal obduziert, und eS wurde dann eine Untersuchung wegen fahrlässiger Tötung gegen ihn eingeleitet. Nunmehr liegt das Ergebnis vor: das Verfahren ist singest eilt worden, und zwar wegen mangelnden Be- weises. Datz der Kutscher den Arbeiter überfahren hat, steht fest und ist durch Augenzeugen bewiesen; der Kutscher selber, der sofort durch die Polizei festgehalten wurde, hat das auch dem Untersuchungsrichter selbstverständlich ohne weiteres zugegeben. Der Beschlutz, dennoch nicht einmal Anklage zu erheben und das Verfahren ohne weiteres einzu- stellen, stützt sich wohl auf die Annahme, daß W. sich seinen Schädelbruch anderswo geholt haben kann. Auch aaä> dieser neuesten Wendung der Dinge wollen wir uns noch jedes Urteils über die rätselhafte Angelegenheit enthalten und zunächst mal den zweiten Schnuitzkübel abwarten, den die bürgerliche Presse über uns ausleeren wird._ Vom prächtigsten Wetter begleitet war der Himmelsfahrtstag. Die düsteren Wolken, die sich mittags drohend am Himmel zeigten, zogen vorüber, ohne die herrliche Witterung zu beeinträchtigen. In der engeren und weiteren Umgebung Berlins herrschte natur- gemäß ein außerordentlich starker Ausflüglerverkehr. Der weitaus größte Teil der Bevölkerung Grotz-Berlins war hinaus ins Freie gewandert. Schon in den frühesten Morgenstunden waren die Vor- ortszüge überfüllt. Wie an jedem Himmelfahrtstage, so fanden auch am Donnerstag wieder die üblichen Herrenpartien in großer Zahl statt. Unzählige Vereine hatten gemeinsame Ausflüge unter nommen und in den Forsten der Umgebung herrschte ein lebhaftes Treiben. Auch der Besuch der Friedhöfe war ein außerordentlich starker. Sowohl die Verwaltung der Eisenbahn wie auch diejenigen der Straßenbahnen hatten alle nur möglichen Vorbereitungen zur Bewältigung des gewaltigen Verkehrs getroffen. Am Tage ging es einigermaßen, aber abends bei der Heim Beförderung der Aus- slügler konnten die gebotenen Verkehrsmittel dem Andrang des Publikums nicht standhalten. Das Blütenstädtchen Werder hatte einen so starken Besuch aufzuweisen, wie dies bisher selten der Fall war. Den dortigen Restaurateuren war es teilweise nicht möglich, den ungeheuren Anforderungen gerecht zu werden. Aber auch an vielen anderen Ausflugsorten wurden die Wirte, trotzdem sie sich vorbereitet hatten, durch den unerwartet starken Ansturm der Gäste in Verlegenheit gebracht. Auf den Gewässern hatte sich ein ungemein starker Ruderer- und Seglerverkehr entwickelt, und die üblichen Bootsunfälle blieben auch gestern nicht aus. Der Maxim-Schwindel hat jetzt seinen Mittelpunkt in Berlin, nachdem die Polizeibehörde dem berüchttgten„Professor Maxim" in London das Handwerk gelegt hat und ihm dort der Boden zu heitz geworden ist. Die Maximsche Wahrsagemaschine, eine Drehscheibe, die auf Bleistiften ruht, wird von Berlin aus zum Preise von 3 M. (bei einem wirklichen Werte von etwa 10 Pf.) vertrieben. Dieser Drehscheibe wird von den Verkäufern nachgerühmt,„daß sie Bot- schaffen der Geister bringt, Fragen beantwortet, Ratschläge erteilt. Mut einflößt(!), doch auch Vorwürfe macht(I I), da sie weder Person noch Rang achtet". Die Berliner Nachfolger des englischen Gauners bieten auch noch ein zweites Wahrsage-Jnstrunient an, eine Kristallkugel, „deren Anblick im Hirn die Gabe des Hellsehens erweckt und Dinge schauen läßt, die sich zur selben Zeit an anderen Orten, selbst in weiter Entfernung begeben". Spärere Anfragen sollen gewöhnlich die Richtigkeit des Geschehenen ergeben. Für diese Kugel lassen sich die Spekulanten auf diejenigen, die nicht alle werden, nicht weniger als 5 M. bezahlen, dafür kann die Wunderkugel allerdings, wie sie ankündigen, auch als Briefbeschwerer benutzt iverden. Wie Kommerzienrat Bolle für seine jugendlichen Angestellten sorgt. Man schreibt uns: In dem hochherrschaftlichen Vorderhause Habsburgerstraße 11, in nächster Nähe des Winterfeldtplatzes, be- findet sich ein aus vier Räumen bestehender Keller, der auf Polizei- liche Anordnung nicht für andere Zwecke als für Lagerzwecke benutzt werden darf, da er wegen seiner Feuchtigkeit zum dauern- den Aufenthalt für Menschen ungeeignet ist. Für die Haus- besitzerin war diese Polizeiverfügung eine fatale Geschichte. Trotz- dem hat sie es fertiggebracht, aus dem feuchten Keller, ohne daß er zu Lagerzwecken verwendet wird, Kapital zu schlagen und ihn zur ständigen Benutzung durch Menschen zu vermieten. Ihr Helfershelfer bei diesem menschenfreundlichen Bestreben ist kein anderer als der Kommerzienrat Bolle. Bereits seit dem 1. Ok- tober 1996 bildet der Keller eine Sammelstelle für alle diejenigen jugendlichen Angestellten d�r Bolleschen Meierei, welche in jener Gegend wohnen und ebcndort die Milch ausfahren. Von morgens 4Mt Uhr an versammeln sich hier etwa 59— 69 Bollemädchen und Bollejungen, unter Aufsicht eines älteren Kontrollbeamtcn, auf der einen Seite die männlichen, auf der anderen die weiblichen Per- sonen. Nur ein Abort ist für beide Geschlechter vorhanden. Als vor mehreren Jahren darauf aufmerksam gemacht wurde, datz die jugendlichen Angestellten Balles im Winter so sehr dürftig ge- kleidet gingen, tat Herr Bolle sehr entrüstet und zählte in einer seiner beliebten„Berichtigungen" alle die Wohltaten auf, die er gerade für diese jungen Leute übrig habe. Nennt Kommerzienrat Bolle es auch eine Wohltat, wenn er Menschen, und noch dazu junge Menschen, für die mit besonderer Liebe gesorgt werden soll, zum längeren Aufenthalt in einem Keller zwingt, den die Sanitäts- Polizei für den menschlichen Aufenthalt gesperrt hat? Es ist nicht unmittelbar nötig, daß man in solchem feuchten, gesundheitsschäd- lichen Räume schläft, um sich eine schwere Krankheit zu holen. Dazu kann schon der stundenlange bloße Aufenthalt genügen, und die Bolleschen Angestellten halten sich hier'vis in den Nachmittag hinein auf. Dem Herrn Kommerzienrat ist also offenbar gestattet worden, was man einem gewöhnlichen Geschäftsmann höchstwahr- scheinlich verboten hätte. Ist der Keller noch feucht und somit gesundheitsschädlich, was er nach der Auskunft von Hausbewohnern nach wie vor sein soll, so mutz Herr Bolle schleunigst genötigt werden, an anderer Stelle etwas teurer zu mieten und etwas besser air seine jugendlichen Angestellten zu sorgen. Auf dem Müggelsee gekentert sind am Himmelfahrtstage zwei Ruderboote. Durch zwei Rettungsdampfer wurden von den 16 Insassen, die ins Wasser fielen, 15 gerettet, während einer sein Leben einbüßte.— Auf den Grund geraten ist am gleichen Tage der Dampfer„Woltersdorf" in der Nähe der Ruderstation Erkner, und alle Anstrengungen, das Fahrzeug wieder flott zu machen, waren vergeblich. Unter den 69 bis 79 Passagieren, die an Bord waren, herrschte Erregung und große Entrüstung. Ruderer mutzten die Leute an Land setzen, der Dampfer blieb liegen. Ermäßigte Eintrittskarten zur Sezession(25 Pf. statt 1 Mk.) an allen Tagen ohne Beschränkung gültig, stehen den Gewerk- 'chaften im Bureau des„G e w e r k sch a f tS h au s es" zur Ver- 'ügung. Diese Karten werden nur an legitimierte Beauftragte >er Organisationen abgegeben. Die Betriebsstörung bei den Berliner Elektrizitätswerken am Mittwoch abend hat besonders auf die Geschäftswelt erheblich ein- gewirkt. In dem Teil der Leipzigerstraße zwischen Charlotten- tratze und Spittelmarkt, in dem ganzen Teil der östlichen Friedrich- tadt und in Moabit erloschen die Bogenlampen der Straßen- beleuchtung und das goldene Flimmern der Kronen und Glüh- lampen in den Häusern machte undurchdringlichem Dunkel Platz. Nur die großen Hotels und Warenhäuser, die ihr Licht aus eigenen elektrischen Zentralen beziehen, prangten in unverminderter Hellig- keit. Dazu kam, daß in vielen Lokalen Gaslicht als Reserve- beleuchtung vorhanden war, so daß in diesen Fällen die Kalamität nicht von langer Dauer war. Am schwersten äußerte sich die Störung in der königlichen Oper: Die Vorstellung der„Salome" von Richard Strauß mußte, da die Bühne und der dichtgefüllte Zu- chauerraum plötzlich im Dunkeln lagen, abgebrochen werden. So gut man konnte, strebte man den Ausgängen zu, den Weg not- oürstig durch Streichhölzer und Wachszündhölzer erhellend. Der Mangel einer Reservebeleuchtung im Opernhause machte sich am Mittwoch abend doppelt unliebsam bemerkbar. Nicht minder kritisch war die Situation in den Waren- und Geschäftshäusern, wo die versagende elektrische Beleuchtung durch kein anderes Licht ersetzt werden konnte. Die ganze Stratzengegend am Dönhoffplatz lag in tiefem Dunkel— ein Berlin„bei Nacht", wie eS sich die reaktionärsten Gemüter nicht dunkler vorstellen können. Wo nicht das Gaslicht sofort als Retter in der Not bei der Hand war, beeilte» sich tausend flinke Hände, eine notdürftige Erhellung durch Kerzen herzustellen. Das kauflusttge Publikum, das die mattbeleuchteten Räume füllte, wurde höflichst ersucht, das Lokal zu verlassen. Kleinere Geschäfte schlössen kurzerhand. Vor den Portalen und Türen standen Hunderte von Menschen, die keinen Einlaß erhielten. Der Schaden, den viele Geschäftsleute durch das plötzliche Versagen des elektrischen Lichts erleiden, ist ganz beträchtlich, da gerade am Vorabend von Himmelfahrt ein besonders kauflustiges Publikum die Straßen füllte. Ucber die Ursache der Störung teilt die Direktion der B. E.-W. folgendes mit: In der Zentrale Moabit entstand am Mittwoch abend 8 Uhr an den Hauptsammelschienen, wo hochgespannter Strom an die Unterstation Markgrafenstratze geleitet wird, ein Defekt, indem ein Kabelschuh durchbrannte. Infolgedessen konnte die Unterstation Markgrafenstraße keinen Strom erhalten. Die beiden Nachbarstationen in der Alten Jakobstraße und Mauerstraße sprangen zu Hülfe, um die Konsumenten der Station Markgrafen- stratze, zu der auch das königliche Schauspielhaus und die Oper ge- hören, mit Strom zu versehen. Dadurch wurden diese beiden Stationen natürlich sehr überlastet, infolgedessen schmolzen die Sicherungen in den Verbindungsleitungen der Stationen durch, und zwar an all den Punkten in den Straßen, wo Kabelkasten liegen. Nun kam es darauf an, diese Sicherungen so schnell wie möglich durch neue zu ersetzen. DaS nahm geraume Zeit in An- spruch, und währenddessen konnten die Konsumenten kein Licht erhalten. Nachdem die Sicherungen wieder hergestellt worden waren, konnte die volle Stromabgabe zwischen 11 und 12 Uhr wieder aufgenommen werden. Die ganze Störung konnte sich nur deswegen auf ein verhält- nismätzig so ausgedehntes Gebiet erstrecken, weil gerade jetzt die Station Markgrafenstraße, die früher Dampfzentrale und Unter- station war, im Umbau begriffen ist. Sie soll jetzt nur noch als Unterstation dienen und ist als solche von der Zentrale Moabit abhängig. Dazu kommt, daß jetzt die B. E.-W. infolge des Vertrages mit der Stadt erhebliche Vergrößerungen und Umbauten ihrer Werke bornehmen._ Ein Großfeuer von großer Ausdehnung beschäftigte am Himmelfahrtstage die Berliner Feuerwehr von früh bis spät in der Mühlenstratze gegen- über dem Schlesischen Güterbahnhof. Dort stand der große Speicher von R. Riedel, Mühlenstt. 73/77, unmittelbar an der Spree in Flammen. Dieser Speicher, der schon einmal von einem großen Feuer betroffen wurde, enthält mehrere Betriebe in verschiedenen Gebäuden. Das Hauptgebäude ist ein mächttger Bau von etwa 199 Meter Länge. In diesem, und zwar im zweiten Stock, soll der Brand kurz nach 7 Uhr durch Unvorsichtigkeit ausgekommen sein. Nach den Angaben der Arbeiter, die dort ftüh mit Reparaturarbetten beschäftigt waren, ist das Feuer durch Ueberkochen von Lack in einem Raum der Pappenindustrie Gesellschaft m. b. H. ausgekommen. Die Flammen erfaßten Lacke und Pappen. Mit rasender Geschwindigkeit nahm das Feuer, genährt durch die Pappen, Kartonschsw., eine solche Ausdehnung an, daß die Arbeiter und Arbeiterinnen sich nm durch eilige Flucht in Sicherheit bringen konnten. Als die telephomsch benachrichtigte Feuerwehr an der Brandstelle erschien, stand Iber Dachstuhl des Hauptgebäudes schon in Flammen. Es wurde deS- halb an alle Wachen„Mittelfeuer" gemeldet. Der Brand- direktor Reichel erschien sofort mit mehreren Zügen und ließ nun„Großfeuer" melden. In kurzer Zeit war mit Ausnahme der Züge 12, 13, 14, 15 und 16 von der 4. Kompagnie die gesamte Feuerwehr zur Stelle. Mit 24 Rohren, davon 7 B- Rohren, wurde Wasser gegeben. Drei mechanische Leitern wurdm auf dem Hofe benutzt, um von außen an den Brandherd zu kommen. Die Hitze war enorm, besonders im Zentrum. Die Zwischendecken und Wände stürzten infolge der Hitze ein und das isoliert an der Straße stehende Wohnhaus fing ebenfalls Feuer. Der Anblick des brennenden Speichers war um 9 Uhr ein großartiger. Die brennenden Pappen flogen weithin durch die Lust und bildeten keine geringe Gefahr für die umliegenden Gebäude und die Mann- schasten der Feuerwehr. An mehreren Stellen, u. a. auf dem Schlesischen Bahnhof sowie in der Mühlenstraße 11 und 12 zündete das Flugfeuer. Dort; brannten eine Lowrh Heu, ferner Säcke. Kohlen, ein Baum u. a. Mehrere große Kähne mußten schleunigst ihre Ankerplätze verlaffen. Sie waren kaum abgeschwommen, als ein großer Teil des Speichers nach der Spree zu einstürzte und zwar gerade an der Stelle, wo noch kurz vorher die Kähne vor Anker gelegen hatten. Auch der für den Transport von Lasten auf dem Hofe am Gebäude angebaute Fahrstuhl stürzte gegen 9 Uhr in sich zusammen. Um diese Zeit stand der Dachstuhl, sowie das zweite Stockwerk des Speichers schon voll- ständig in Flammen. Vom Mittelbau brannte der zweit« Stock. Die Treppen im rechten und linken Flügel waren nicht mehr zu begehen und eS lag die Gefahr nahe, daß der Dachstuhl deS vorderen WohngebäudeS in Flammen aufging; er brannte schon an mehreren Stellen. Noch größer war die Gefahr für einen angrenzenden Neu- bau. Dieser überragte mit seinem mächttgen Gebälk den brennenden Speicher, das aber zum Glück nicht vom Feuer erfaßt wurde. Ein Dutzend Rohre von Dampfspritzen hielten an dieser ge» fährdeten Stelle das entfesselte Element auf. Auch von der entgegengesetzten Seite war die Feuerwehr wirksam bor- gegangen, so daß man von drei Seiten unausgesetzt riefige Wassermengen in die Gluten gespritzt wurden. Nur von der Wasser- eite aus konnte die Feuerwehr nicht an den Brandherd heran. Der Speicher steht unmittelbar hart am rechte» Ufer der Spree ganz in der Nähe der Oberbaumbrücke. Ein Spritzendampfer hätte w diesem Falle recht gute Dienste leisten können, besonders wegen der großen Leistungsfähigkeit eines solchen FährzeugeS. Die Löschung war uuter diesen Umständen keine leichte Arbeit. Der günstige Umstand, daß das Feuer ftüh am Tage auskam, wurde durch andere ungünstige wieder aufgewogen. Trotzdem gelang eS der Wehr i« verhältnismäßig kurzer Zeit daS Feuer in ihre Gewalt zu bekommen. Als in Vertretung deS beurlaubten Polizeipräsidenten v. BorrieS Geheimer Ober-RegierungSrat F r i e d h e i m an der Brandstelle er» chien, war die Macht des Feuers schon gebrochen, wenn auch die Flammen im Mittelbau noch hell emporloderten. Die Brandstelle war von der Schutzmannschast vollständig abgesperrt. In der Mühlen- tratze ruhte der Verkehr. Die Oberbaumbrücke und das Gröben- Ufer war von Zehntausenden von Menschen besetzt, die bis zum Abend ausharrten. Das Schauspiel war für viele neu, schön und billig. Der Schaden ist natürlich bedeutend. Was in dem Speicher von den Flammen verschont geblieben ist, hat durch Hitze, Rauch und Wasser gelitten. Am meisten hat die Pappen» industriegesellschaft, dann die Wäscherei von Hoechst(Jnh. A. u. R. Vetter), die erste Berliner Wäschemanufaktor von Franz Wagner, die Wäscherei von Siegfried und eine Maschmenfabrik zu leiden ge- habt. Der Schaden soll aber durch Versicherung gedeckt sein. Personen haben bei dem Brande keine Verletzungen davongetragen. Eine Dampfspritze blieb auf der Fahrt nach der Brandstelle unter- wegs liegen infolge eines Radbruchs. Die Besatzung konnte sich noch durch Abspringen retten._ Ein schwerer Automobilunfall hat sich Donnerstag nachmittag in der Müllerstraße zugetragen. Ein Privatautomobil, in dem sich Professor Stratzmann befand, fuhr den Arbeiter Friedrich Tetzlaff, Gerichtstr. 72 wohnhaft, um und schleifte ihn ein Stück mit. Pros. St. brachte den Schwerverletzten in dem Kraftwagen sofort nach der Unfallstation 5 und von dort nach seiner Wohnung. Erschossen hat sich am Donnerstag in dem Restaurant von Lüder in der Wilhesmstr. 146 ein Unbekannter. In seinen Taschen fand die Polizei einen Brief mit der Aufschrift:»Ferdinand Herold, Aschaffenburg", sechs Kugeln und sechs Pfennige. Die Leiche wurde zur Rekognoszierung nach dem Schauhause gebracht. Der TodeSsturz eines Geisteskranken rief Donnerstag nach- mittag in der Weinstraße großes Aufsehen hervor. In der vierten Etage des Hauses Weinstr. 17/18 wohnte der 27jährige Buchbinder Fritz Terrin, der seit einiger Zeit bettlägerig war. Donnerstag nachmittag sprang er plötzlich in einem Anfall von geistiger Um- nachtung aus dem Bett heraus, eilte ans Fenster und stürzte sich, nur mit dem Hemd bekleidet, auf den Hof hinab. Dort blieb er mit zerschmetterten Gliedern liegen. Ein herbeigerufener Arzt konnte nur den Tod feststellen. In den Nrbanhafen gesprungen ist am Donnerstag vormittag ein etwa 16jähriges Dienstmädchen. Passanten machten sich sofort nn die Rettung der Lebensmüden und zogen sie aus dem Wasser. Angestellte Wiederbelebungsversuche hatten Erfolg. Ueber die Ursachen des Schrittes ist bestimmtes nicht festzustellen. Sehr ab- fällig wurde es bemerkt, daß auf die an das Urbankrankenhaus ge- richtete Bitte um Hülfe solche in Gestalt eines Angestellten anstatt eines Arztes erschien, der das Mädchen auf einem Wagen nach dem Krankenhause brachte. Radrennm in Zehlendors, 9. Mai. Diese vom Glück wenig be- flünstigte Bahn hatte auch mit ihrem heutigen Programm, das mit einer Hauptnuinmer«Die goldene Armbinde", einem Stundenrennen mit Motorschrittmachern<2000, 1500, 1000 M.), und in dem Engagement von R o b l, D e m k e und dem Amerikaner Mettling zu den besten Hoffnungen berechtigte, keinen Erfolg. Robl, der am Sonntag im Goldenen Rade zu Steglitz einen bösen Sturz getan, litt noch unter den Folgen des- selben, so daß er. mehrmals überrundet, schon nach dem 17. Kilometer aus dem Rennen schied, das dann nur noch von Metilin und Demke bestritten wurde: durch das vorzügliche Fahren des Amerikaners gestaltete sich der fernere Verlauf des Rennens noch sehr interessant, zweifellos hätte er dasselbe gewonnen; aber durch zweimaligen Reifenschaden war er zum Wechseln des RadeS ge- zwungen, so daß er dem gleichfalls gut fahrenden Demke den Sieg überlassen mutzte, trotzdem bedrohte er denselben wiederholt und vermochte von seinem Verlust<700 Meter) noch 30 Meter aufzuholen. Demle legte in der Stunde 66 Kilometer 333 Meter zurück. Sportpark Treptow. Da««Drei Stunden-Rennen" am Himmelfahrtötage hatte eine zahlreiche Zuschauerschar herbei- gelockt, die dem langen Rennen mit seinen wechselnden Bildern mit Interesse folgten. Aufregende Szenen gab es bei der Teilnahme von vier Fahrern auf der kleine» Bahn des öfteren und dank der Geistesgegenwart und Einsicht der Fahrer und Schrittmacher verlief das Rennen ohne ernstlichen Unfall. Gegen den Schluß des Rennens kam der Franzose Contenet durch eigene Unachtsamkeit zu Fall und zog ffch eine Kopfverletzung zu, die zum Glück nicht ernst- lich zu fem scheint, denn der Verletzte konnte wieder am Rennen teilnehmen. Sieger blieb Kurt Rosenlöcher- Dresden, der in den drei Stunden 194,700 Kilometer(Weltrekord 107.600 Kilometer) zurücklegte— eine ganz achtbare Leistung. Das einzige Fliegerrennen wurde nach vier Vorläufen von N Ü d e l vor Genz, Merck und Pawke gewonnen. Wer ist der Tote? Am 7. d. M. ist in Spandau am linken Spreeufer die Leiche eines unbekannten Mannes angeschwemmt. Der Tote kann zirka 3 Monate im Wasser gelegen haben, ist fast unkenntlich, 1,62 Meter groß, von schwächlicher Gestalt und war bekleidet mit dunklem, einreihigem Jackett, Unterjacke, schwarzem Halstuch, schwarzen Gummizugstiefelii, weißem Leinenhemd, gez. rot£. W. und führte ein weißes Taschentuch, gez. E. B. und ein Schlüsselbund mit 3 Schlüsseln bei sich. Etwaige Mitteilungen über die Persönlichkeit des Toten werden in jedem Polizeirevier oder im Polizeipräsidium, Zimmer 332 II entgegengenommen, eventuell wird um Nachricht zur Tagebuchnummer 3634 IV 41. 07 ersucht. Bon einer Droschke überfahren wurde gestern abend am Kott- buser Tor eine 30— OOjährigc Frau. Der Wagen schleifte die Verunglückte eine Strecke mit fort. Auf der Sanitätswache in der Adalbertstraße wurde ein Oberschenkelbruch und eine klaffende Kopfwunde festgestellt. Die Schwerverletzte wurde nach Anlegung eines Notverbandes dem Urbantrankenhause zugeführt. Feuerwehrbericht. Außer dem Speicherbrande in der Mühlen- straße 78/77 hatte die Feuerwehr noch mehrere größere Brände zu löschen. Unter anderen einen Brand in der Neuen Grünstraß« 18. Dort muhte die 3. Kompagnie längere Zeit kräftig Wasser geben, um die Flammen zu löschen. Ein großer Lagerraum der Finna Lohöfer u. Giesecke ist ausgebrannt. Am Lausttzer Platz 14/13 mußte nachts ein großer Tischlereibrand gelöscht werden. Der 8. Zug hatte längere Zeit mit mehreren Schlauchleitungen Wasser zu geben. um eine weitere Ausdehnung des Brandes zu verhüten. Der 16. Zug hatte einen Fabritbrand in der Uferstraße 3 zu löschen, der abends um 10 Uhr ausgekommen war und bei Ankunft der Feuerwehr schon eine große Ausdehnung erlangt hatte. Um an den Brandherd zu gelangen, müßten die Rohrführer mit Rauchschutzhelmen ausgerüstet werden. An der sogenannten schwarzen Brücke an der Thaerstraße(Zentral-Viehhof) stand abends eine Laube in Flammen. Drei Züge rückten dahin aus. Der siebente Zug gab Wasser, konnte aber nicht verhindern, daß die Laube mit Inhalt niederbrannte. Nachmittags um 6 Uhr kam im Restaurant Fürsten- säle in der Rosenthalerstraße 33 Feuer aus. Es brannten dort Schränke und Ventilationsschacht, der Fußboden, Schaldecken u. a. Durch sofortige« Vorgehen gelang es, den Brand au lokalisieren.— Grober Unfug lag einer Feuermeldung aus der Löwestraße zugrunde. Der Täter ist unerkannt entkommen. Zweimal wurde die Feuerwehr nach der Ruppinerstraße 46 gerufen. Um 8 Uhr brannten dort Betten und um 9 Uhr bei Timm im dritten Stock abermals Kleider, Möbel, Tapeten und Immobilien. Der Einsturz eines gemauerten Eck- balkonS rief die Feuerwehr nach» dein Gendarmenmarkt. Dort war an der Ecke der Mohren- und Markgrafenstratze ein Balkon von einem Abbruch eingestürzt, wobei eine Frau mit Ihrem Kinde leichte Verletzungen' erlitten hatten. Ferner hatte die Wehr in der Boyenstrahe 37 zu tun, wo in einer Bäckerei Feuer ausgekommen war. Am LandSbergerplatz 1 brannte abends Petto» leum und am HauSvogteiplatz IL war nachts in einem Keller Leucht- gas ausgeströmt. In der Prenzlauer Allee 32 wurden Fette und in der ThomasiuSstt. 19 Preßkohlen ein Raub der Flammen. Schwefel brannte in der Beniauerstr. 47, Kohlen auf den» Schlesischen Bahn- Hose, ein Schornstein u, a. in der Beuffelstr. 33. Außer diesen Bränden kamen noch mehrere andere zur Meldung, so daß es an Arbeit nicht gefehlt hat. Torort- JVadmcbtett. Charlottenburg. Zum Verbot de» Freien Kindergartens in Charlottenburg nimmt da» sogenannte liberale Organ, die Charlottenburger«Reue Zeit" noch- mals das Wort, aber nicht etwa, um in«echt liberaler Btanier" seiner Empörung über das Verbot des Kindergartens durch die Behörde Ausdruck zu geben, sondern um über den„VorlvärtS" nach Herzens- Inst zu räsonniercn. Das Blatt weiß eL jetzt, wer die Behörde in Srem Glauben, der Freie Kindergarten diene sozialdemokratischen estrebungen, gestärkt hat: es war der.Vorwärts", um im stereotypen Jargon der«N. Z." zu sprechen, das Organ deS sozial« demokratischen ParteivorstandeS. Nachdem sich das Blatt abermals von dem Verdacht, als habe es die Maßnahmen der Regierung gegen den Freien Kindergarten gebilligt, zu reinigen versucht, schreibt es u. a.: «Wenn in dem Freien Kindergarten Sozialdemokraten die ausschlaggebende Rolle gespielt baden, so weiß man jedenfalls recht gut, weshalb dies geschehen ty. Wir haben auch darauf aus- merksam gemacht, daß gerade das Organ des sozialdemokratischen Parteivorstandes den Freien Kindergarten in seinen Notizen ganz wie ein sozialdemokratisches Unternehmen behandelt hat, wodurch, wie wir inzwischen erfahren haben, der Verdacht der Auffichts- behörde, der Kindergarten solle wenigstens mittelbar sozial- demokratischen Bestrebungen dienen, verstärkt wurde. Der Zorn der Freunde des Freien Kindergartens sollte sich mithin gegen das sozialdemokratische Blatt richten, das in seiner täppischen Manier jener Einrichtung den schwersten Schaden zugefügt hat." Deutlicher wie dies in den wenigen Zeilen geschehen, konnte sich das Blatt nicht desavouieren. Schon in den Anfangszeilen bestätigt es den Verdacht, den es wiederholt ausgesprochen. Aus dieser Stellung erklärt sich auch, weshalb sich der„Vorwärts" mehr wie das„liberale" Organ für den Kindergarten und gegen dessen Unterdrückung verwandte. Eine solche Stellung ist em Gebot der Pflicht jeden Organs, das noch nicht auf den: reaktionären Niveau der Charlottenburger„Neuen Zeit" steht. Der„Vorwärts" hat auch in seinen Notizen diese Einrichtung nicht als sozialdemokratisches Unternehmen behandelt, sondern dem Freien Kindergarten dieselbe Behandlung zuteil werden lassen, wie jedem anderen freien Bildungs-" und Erziehungsinstitut auch. Alle Reinigungsversuche und Verdächtigungen des Blattes sind nur geeignet, es zum Unter- stützer der reaktionären behördlichen Bestrebungen zu stempeln. Bon Artilleristen überfallen und schwer verletzt wurde in der gestrigen Nacht der Referendar Böhmi aus der Snsbacherftt. 27. Au dem Heimwege hatte B. beobachtet, wie zwei bayerische Artilleristen ein Brautpaar anrempelten und auf eS einschlugen. Als er sich dem Tatort näherte, fielen die Soldaten ohne irgend welchen Anlaß auch über ihn her und hieben mit den Säbeln auf ihn ein. Es gelang dem Ueberfallencn nur schwer, die nach ihm geführten Hiebe und Stiche abzuwehren. Erst nachdem er eine ganze Reihe von Ver- letzungen am rechten Arm, am Kopf und an der Brust davon- aettagen, ließen die beiden Artilleristen von ihm ab und ergriffen die Flucht. B. schleppte sich»ach der Unfallstation am Zoologischen Garten, wo er die ersten Notverbände erhielt. Bou einem schweren Automobilunfall wurde gestern nachmittag der Universitätsprofessor Dr. Döring, Bismarckstraße 1, in Groß- Lichterfelde wohnhaft, betroffen. Der alte Herr war im Begriff ge- Wesen, an der Ecke der Tauenzien- und Passauerstraße den Fahr- dämm zu überschreiten, als er von einem Droschkenautomobil, dessen Warnungssignale er überhört hatte, umgerissen wurde. Die Räder des Kraftwagens gingen ihm über den rechten Fuß hinweg und richteten diesen böse zu. Die erste ärztliche Hülfe erhielt Prof. D. auf der Unfallstatioir 20. Rixdorf. Der VadcanstaltSbesitzer Prause schickt uns bezüglich unserer in der Nummer vom 23. April unter der Ueberschrist:„Wenn ein Staatsbürger in die Hände der Polizei gerät" eine längere Zu- schrift, in der er darlegt, daß er zu der Enilassung deS bei ihm be- fchäfttgten M. genötigt war. Wir müssen demgegenüber nur be- merken, daß wir in unserer Notiz mit keinem Worte darauf ein- gegangen sind, ob die Entlastung berechtigt war oder nicht, wir rechneten nur mit der Tatsache als Ausgangspunkt für die weitere Kreise interessierende Behandlung des M. Steglitz. AuS Furcht vor dem Gericht versuchte sich vorgestem die 66 Jahre alte Ehefrau des Maurers Berthöld aus der Neumannstraße 4 das Leben zu nehmen. Frau B., die bisher noch niemals mit dem Ge- richt etwas zu tun gehabt hatte, erhielt vor einigen Tagen eine Zeugenvorladung in einem Beleidigungsprozeß. Die Frau geriet hierdurch in eine derarttge Aufregung und Angst, daß sie von ihren Angehörigen ständig bewacht werden mußte. Vorgestern stieß sich die Frau in Gegenwart ihres Mannes«ine Schere tief in den Hals, so daß sie blutüberströmt zusammeubrach. Besinnungslos und in sehr bedenklichem Zustande wurde Frau Berthold in das Kranken- haus eingeliefert. Grünau. „Ein Gcmeindeschöffe braucht nicht an dem Orte zu wohnen, dessen Gemeindeverwaltung �er angehört," hat der Teltower Kreis- ausschuß entschieden. Der Schöffe Beuther in Grünau wohnte seil Jahresfrist im benachbarten Friedrichshageu, zahlte aber auch in Grünau seine Steuern weiter. Die Grünauer Gemeindevertretung beschloß, Beuther seines Amtes zu entheben, da er nicht meist am Orte wohnt. Der KreiSausschuß, bei dem der Schöffe Klage erhob, entschied, daß er ttotzdem berechtigt sei, sein Amt weiter zu ver- walten. Der Anttag, gegen diese Entscheidung Berufung beiin Be- zirksauSsckilß einzulegen, wurde von der Gemeindevertretung ab- gelehnt, doch will diese versuchen, durch eine erneute Klage die Amtsentsetzung deS bisherigen Schöffen Beuther herbeizuführen. �riedrichshagen. Anscheinend au« Gram über den Verlust seiner Tochter hat sich am Donnerstag der 43 Jahre alte Bauarbelter F. Höth in seiner in der Kirchstr. S belegenen Wohnung erhängt. Am letzten Dienstag war seine 18jährige Tochter gestorben: dies scheint sich der Vater so zu Herzen genommen zu haben, daß er Selbstmord verübte. Die Leiche wurde in das hiesige Schauhaus gebracht. Reinickendorf. Polizeiliche Auflösung deS Berlins für Franca und Mädchen der Arbeiterklasse. Der Reinickendorfer Frauenverein hat 42 Mitglieder. Sein Zweck ist„seine Mitglieder durch Borträge in alle Gebiete des Wissens einzuweihen und ihr Wissen zu bereichern, ihnen Gelegen- heit zu geben, sich durch Lektüre fortzubilden und anregende Ge- selligkeit unter sich zu pflegen". Trotz dieses absolut un- politischenCharakters desVereins hatderAmtsvorstcher von Reinickendorf durch folgenden der Genossin Grothe am 8. Mai zugegangenen Ukas den Verein geschlossen: Sie werden hierdurch benachrichtigt, daß mir die Statuten und das Mitgliederverzeichnis des Vereins für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse Reinickendorf-West zugegangen sind. Gleichzeitig eröffne ich Ihnen, daß ich den Berein hiermit bis zur ergehenden richterlichen Entscheidung schließe, da derselbe als politischer Berein erachtet werden muß undsolcher nach dem Gesetz vom 11./3. 1330 keineFrauen alSMitglieder aufnehmen darf, geschweige dennüberhaupt aus Frauen bestehen darf. Selbstverständlich wird gegen diesen durchaus unberechtigten Eingriff in das schmale Vereinsrecht der Frauen angekämpft werden. Vermilcktes. Wieder»in EifenbahnunfeS. Donnerstag abend entgleiste nach Königsberger Meldung auf dem Bahnhos Netgethen, anscheinend in- folge vorzeitiger Umstellung der Weiche, der un, 7 Uhr 38 Minuten nach Königsberg ausfahrende Vorortzug mit zwei Wagen, von denen einer umstürzte. Bon den in diesem Wagen sitzenden 8 Personen wurde die Tochter des Feuersozietätsdirektors Roß getötet. Frau Roß und ihr Sohn, ferner Frau Steuererheber Böttcher, Frau Zolland und Tochter find verletzt worden. Die Untersuchung ist ein- geleitet. Der gestrandete Dampfer«Pott»". Nach amtlicher Meldung sind bei der Sttandung des Dampfers„Pöitu" 22 Personen um- gekommen: man fürchtet aber, daß die Zahl größer ist. Der Mann- schaft des Schiffes wird für ihr Benehmen bei den Rettungsarbeiten das höchste Lob gespendet. Eine andere Meldung besagt:.Dia Behörden teilen mit, daß die Bergung der Passagiere de» Dampfers.Boitn' beendet ist Im ganzen handelt eS fich, entgegen den ftüheren Meldungen, nur um 7 Tote und 6 Vermißte. Die erste deutsche Städtebaukuustausstellung wurde am Donners- tag in Frankfurt a. M. eröffnet. Sie will über alle Zweige der Städtebaukunst eine Uebcrschau geben. Ein großes Schadenfeuer brach Donnerstag nachmittag gegen 2 Uhr auf dem Fabrikgrundstück der„Continental Kautschuk- und Guttapercha-Compagnie. Filiale Seelze" aus. Es brannte in einem Holzschuppen lagerndes Gummi, also Automobilradreifen usw. Das Feuer hat großen Schaden angerichtet. Menschenleben find nicht zu beklagen. Zahlreiche Uederschwemmungen werden aus Nordosttirol gemeldet. Die Ortschaften Hütte, Niederachen, Kötzen, Staufen und Waidach sind überschwemmt und in großer Gefahr. Von Innsbruck ist Militär nach Kößen abgegangen.— In Cavareno zerstörte gestern ein großer Brand fünf Hauser und beschädigte vier stark. In Rußland bricht das Eis. Die Schiffahrt ist nach einer Meldung aus Kronstadt eröffnet, ein schwedischer und ein norwegi- scher Dampfer sind hier eingetroffen. Bei Hogland liegen drei aus- ländische Handelsdampfer, die des Eises wegen nicht nach Kronstadt gelangen können; sie erwarten den Eisbrecher„Jennal". Ein Erdbeben. In Jrkutsk wurde gestern früh C'/a Uhr ein starkes, wellenförmiges Erdbeben verspürt. Neuer Bulkanausbruch. Seit Mittwoch früh wird nach einer Meldung aus Calania ein neuer, außerordentlich heftiger Ausbruch des Vulkans Stromboli bemerkt. Der Aetna fährt fort, starke Rauch- säulen auszustoßen. Das Aetnaobservatorium teilt vom gesttigen Tage mit: Auf dem Sttomboli fand heute morgen zwischen drei und vier Uhr eine starke Eruptton statt, der ein laugandauerndes unterirdisches Getöse vorausging, das die Fenster in den Häusern erzittern ließ, aber sonst keine» Schaden anrichtete. Die Bevölkerung ist rnhig. Der Aetna stößt andauernd viel Rauch aus. Um vier Uhr wurde von Nicolcosi ein wellenförmiger Erdstoß gemeldet. Die Polizei in London, etwa 17 000 Mann stark, ist in ihrem Dienst weit mehr Gefahren ausgesetzt, als die Berliner Schutzmann- schaft. Nach der Londoner„Tribüne" wurden in den letzten drei Jahren je 2800 bis 3000 Fälle gemeldet, in welchen Beamte im Kampfe mit Arrestanten oder verfolgten Verbrechern so schwer ver- letzt wurden, daß sie auf die Krankenliste gesetzt werden mußten. Diese 3000 Fälle pro Jahr gelten aber nicht etwa als Veranlassung, die Polizeigewatt dem Bürger gegenüber zu stärken, sondern werden ohne weiteres als das Risiko im Polizeidienst angesehen, umsomehr als der weitaus größte Teil der«Widerstände gegen die Staats- gewalt", ivie es bei uns heißen würde, auf Trunkenheit zurück- zuführen ist. Ein Zyklon. Tin Telegramm auS Texas berichtet, daß bei dem jüngsten Zyklon die Ortschaft Birtright, welche 300 Einwohner zählt, zerstört worden ist. Auch in anderen Teilen des Staates sind zahlreiche Personen dem Zyklon zum Opfer gefallen. Der angerichtete Schaden ist sehr bedeutend. 140 Häuser niedergebrannt. Der Ort Nagy Oßtro ist, wie aus Budapest berichtet wird, größtenteils niedergebrannt. 140 Wohn- Häuser sowie Nebengebäude sipd ein Raub der Flammen geworden. Sämtliche Futter- und Getteidevorräte verbrannten. Biel Bieh und ein Bauer sind in den Flammen umgekommen. Di» Herstellung von Kupfer auf chemischem Wege? Der Baltimore-Korrespondent des„Evening Journal" meldet, daß der bekannte englische Chemiker Sir William Ramsay die Entdeckung gemacht hat, auf chemischem Wege Kupfer herzustellen. Die In- formation sei im Geheimen der John Hopkins Universität zu Balti- niore mitgeteilt. Es verlautet, daß der neue Prozeß zu einer gewal- tigen Revolution in der Kupserindustrie führen wird. Oeffentliche Bibltothet und Lesehalle zu u»e»taeltlick>er Be- nutzling sür jedermann, SiV.. Alcxandrinenstt 26. Geöffnet täglich von 51/,— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9— l und 3—6 Uhr. In den Lesesälen liegen zurzeit Slö Zeitungen und Zeitschristen jeder Art und Richtung aus. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 12. Mai, vormittags 6'/, Uhr, im Rathaus«, Eingang Jüdcnsttabe. Saal 109: Versammlung, Frei- religiöse Vorlesung.— Volmittags Itst/« Uhr in der Schule Kleine Frank- furlerstrafie 6: Vortrag von Fräulein Ida Altmann über:„Kultursortschrttt und Böllcrttiege-. Herren und Damen al» Gäste sehr willtommen. Montag, den 18. Mai, abends 8 Uhr, Scbastianstt. 89: Beschließende Versammlung(sür Mitglieder mit weißer Quittung). Berel» der Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinne« Berlins und Ilmgegend.(Abteilung Charlottenburg.) Heute abend ß'/j Uhr im Volkshause, Rosinenstt. 3: Versammlung. Vortrag. Berliner Marktpreise,«u» dem amtliche»»ertcht der städtischen Marklhallen-Dtrettion.(Großhandel.) Rindfl-isch I» 66-70 pr.>00 Psd., n» 60-65, rria 56-59, Bullenfletsch la 64-68, IIa 54-62, Kühe, seit 52—58, do. mager 42—50, Fresser 50—62, Bullen, dän. 63—60, bo. Holl. 0,00. Kalbfleisch, Doppellender 105—130, Mastkälber Ja 88—94, IIa 76—84, lila 0,00, Kälber ger. gen. 54—68, do. Holl. 55—62, dän. 0,00. Hammelfleisch Mastlämmer 67—73, la 65—68, IIa 38- 65,«Schafe 55—60. Schweinefleisch 46—57. Rehwild, mit Abschuß per Psd. 0,70—1,25. Rothirsch, Abschuß 0,53. Damhirsch 0,00. Wildschwein- 0,46-0,50. Frischlinge 0,49—0,53. Kaninchen per Stück 0,30—0,85. Hühner, alte, per Stück 1,50-2,00, do. IIa 1,00-1.30, do. junge 1,00-1,40. Wolgahübncr 1,00—1,80. Tauben 0,50— 0,71, italienische 0,00. Enten per Stuck 2.00, dtto EIS- per Stück 0,00, dito Hamburger per Stück 3,25 bi» 4,80. Gänse. Hamburger per Psund 1,22—1,25, dito Eis- St. 0,00. Hechte per 100 Psund 105—128, do. groß 89—91. Zander mittel 0,00 do. groß 117. Schleie Holl. 96—116, do. klein 0,00, do. 132—146. «nie, groß 122—127. do. Nein 0,00, do. mittel 122—127, do. unsort. 99 bis 112. Plötze» 25—51, do. stumpf 0,00, do. matt 0,00. Karpfen unsortiert 0,00, do. 40er 0,00, do. 25er 0,00. Bleie 52-54. Aland 0,00. Bunte Fische 10—40. Börse 89, bo. matt 0,00. Karauschen 07. Blei« fische 0,00, Wels 0,00. Quappen 0,00. Llmertkanischer LachS la neuer per 100 Psd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. lila neuer 76. Seelachs 20. Sprotten, Kieler, Wall IM— 1,50, Danziger, Kiste 0,00. Flundern, Kieler, Stiege la 3— 5, do. mittel ver Kiste 2—3, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2,00. Bücklinge, Kieler per Wall 2,00—2.50, Skats. 2,00—2,50. Aale, groß per Psd. 1,10—1,50, mittelgroß 0,80—1,10, klein 0,60—0,80. Heringe P.Schock 5—9. Schellfische Stifte 3,00—4,00,'/, Kiste 2—2,50. Kabliau, gerauch p. 100 Psd. 20—25. Dorsch, Kiste 2,00—2,50. Sardellen. 1902er per Anter 95. 1904er 93, lg05er 80-85, 1906 er 75. Schottische Bollheringe 1903 0,00, Iar«o 40—44. lull. 38-40, med. 38—42, deutsche 87-44. Heringe, neue Matje», per'/, To. 60—120. Sardinen, russ., Faß 1,50-1,60. Bratheringe. Büchse(4 Liter) 1,50-1,75. Neunaugen, Schocksaß 11, kleine 5—6, Riesen- 14. Eier, Land-, per Schock 2,75—2,90. Butter per 100 Psd. la 108—112, IIa 105-106, IDa 100—104, abfallende 90-95. Saure Gurken Schock 4,60, Pfeffergurken 4,50. Kartoffeln ver 100 Pfund rnagnarn bonarn 3,25—4,00, Dabersch« 3,25—3,75, Rosen 0,00, weiße 2,75— SM, Salatkartoffeln 0,00. Spinat per 100 Psund 8—10. Karotten per 100 Psund 0,00. Sellerie, hiesige, per Schock 10,00—25,00, do. pommersche 0,00. Zwiebeln große, per 100 Psund 0,00, do. Keine 3,50—4,00. do. hiefige(Perl-) >,00. � Charlotten 0,00. Pelersilie, grün, Schockbund 0,80— IM. Kohlrabi per Schock 0,00. Retlig, bayr. per Schock 2,40— 4,80. Mohrrüben'per 100 Pfund 4,00—5,00. Teltower Rüben per 100 Pfd. 0M. Weiß- Rüben, große 0,00, kleine OM. Rote Rüben 0,00. Blumenkohl, italienischer ,er Korb 2,50— 3M. Kohlrüben per Schock 2,00—3.00. Wlrfingkobl lolländ., per Schock 20—25. Rotkohl holländ., per Schock 20—30. Weißkohl, dän. per 100 Psd. 3M— 4M. Rosenkohl per 100 Psd. 0,00. Sprutkohl Per 100 Psund 8— 10. Rhabarber 100 Bund 0,00, do. Bergedorfer per 100 Bund 4M— 4M. Morcheln per Psd. 0,30—0,45. Sandmorcheln per 100 Psd. 10,00. Waldmeister per Mandel 0,20—0,50. Radieschen per Schock 1,00-1.25. Salat per Schock 3M— 8M. Birnen, per 100 Psd. hiefige 19—18, böhm. 0,00, ttal OM Aepsel, per 100 Psd., hiefige 8—20, Tiroler, Kiste 0,00, Calville, Kiste 60-70, Amerikanisch« in Fäss. ISM— 3bM, Jtal, Kiste Is 5,00—20,00, extra 15,00 bis 26,00. Zitronen, Messina, 300 Stück 8,00—11,00, 360 Stück 8,00-10,00, 200 Stück 6,00-12,00. tzlplclfmen. Jaffa, per Kiste OM. Kurcia 200er Kiste 6-9, do. 300 er 7—10, Valencia 420 er Kiste 14-24,00. do. 714 er 18-24.00. Messina, 100er 4-6M. 150er 4.75—6. 16r er 8-13,00, 200er 7,50— 12, 300« 8-18, Blut- 100a 7-8M, d». 150 a 7-9,00, 80 a 7M-8M, 200« 18—14» IM 1 Arbeitsnachweis: Hos I. Amt 3, 1239. Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Charite&lraSe 3. Hos III. Amt 3, 1987. Sombend, den 11. Mai, abends 8 Uhr: Bezirks-Versammlung flr Köpenick hn Lokale von 7rit2 Schüler, Hohenzollernplatz 6. Tages-Ordnung: 1. Vortrag:„Die Bedeutung der G ein erb eg sichte A»d die Rechte der Arbeiter im Arbeitsverträge". Referent: A. HOvsten. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Senntag, de» 12. Mai, untmilfap 10 W: Branchen-Versammlung in Wickler mi HtMcii—i im Bernhard RosesTheater, Badstr. 58. TageS-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Branchcnangelcgenheiten. 1 Zahlreicher Besuch wird erwartet. Sanntag, den 12. Mai, narinittags 10 Uhr: Branchen-Versammlung aller in der Mstl-»nä Azkmnüuztne besebäftiBten Hobler, Bohrer, Stößer und Träser im««KönlgstadtsKasino�S Holzmarktstr. 72, IV Ecke Alexanderstraste.-MW TageS-Ordnung: t. Bortrag des Kollegen Wnschlck über: «Die Konsumgenossenschaften und die Gewerkschaftsbewegung". L. DiSkuffion. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch wird ersucht.----- Sanntag, den 12. Mai, narinittags 10 Uhr: VersAmmluna aller im Deulsohen Metallarbeiterverband organisierten Rohrleger u. Helfer Berlins u. Umgegend in Frankes Pestsälen, Sebastianstr. 39. TageS-Ordnung: L Die jehi�lvirtschaftliche Lag« der Arbeiterklasse. t, DiSwsfion. 3. Verbandsangelegenheiten. 118/# ——— Mitgliedsbuch legitimiert...... ?S liegt im Interesse der Kollegen, diese Versammlung so zahlreich wie Möglich zu besuchen._ Montag, den 18. Mai, abends 8'/- Ahr: Branchen-Versammlung aller in de» >1« im flr. Saal d. Germania-fraoMsäle, Chausseeftr. uo. TageS-Ordnung: 1. Lichtbilder-Vortrag de» Genossen Ingenieurs P. II. CTrempe: „Die Freiheitskämpfe in Rusiland". S. Mittellung der Branchenkommission. Die Kollegen werden ersucht, ihre Dame« mitzubringe« > 1 Der Vortrag ist s r e i, Programm 10 Ps.———— Montag, den 18. Mai, abends 8'/. Ahr: General-Versammlnng im Saale der„Brauerei Friedrichshain", Am FriedrichShai« Rr. IS-SS. TageS-Ordnung: 1. Kassenbericht vom 1. Quartal 1907 und Bericht der Revisoren. 2. Diskussion über die zur Generalversammlung in München gestellten Anträge. 2W Ohne Mitgliedsbuch hat niemand zur Versammlung Zutritt. MW 118/8 Die Ortaverwaltang. Billigste Dampfer-Sonderfahrten. Schimn'pbrncke. Morgen, Sonntag, de« IS. Mai d. J.i Nach Woltersdorfer Schleuse| . Miiggelheim(Grofle Krampe) 4l�0 Z"f Hinfahrt 50 Pf. Rückfahrt 30 Pf. Achtung! 4. Wahlkreis. Achtung! Sonntag, den 12. Mai, abends 6 Uhr, in B o eke rs Lokal, Weberftrasie 1?: Oeffentltche Vetsmmtthmg. TageS-Ordnung: Vortrag der Genossin A. Fahrenwald über:„Die Frau als Hausfrau und Staatsbürgerin." Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein mit Tanz. Guten Besuch erwartet 241/8» De* Elatoorater. .v/'v-'• vi'mv'"f-"''-i'-i-*■' t'' i>,.-1■' .v---•.■- t;4.-f: �'■'•-v•-'s-- LI«vjxvvi'vlii Dorlli» II I« il TIniK0Aer»ck. Sehlien der Bekertriiger. Sonntag, den 12. Mai 1907, vormittags 11!/, Uhr: ZKitUUsSsr- Versammlung in Wernaus Festsälen, Schwedterstratze Nr. 23. Tagesordnung: Stellunguahme zur Lohnfrage, Sektion der Töpferträger, Montag, den 13. Mai 1007, abends 8 Uhr: StiitgUeder- Versammlung im Rosenthaler VereinshauS, Rosenthaierstrasje 57. Sektion der liebrer. Sonntag, den 12. Mai 1207, vormittags 10 Uhr: Mitglieder- Versammlung im Gewerkschostshause, Engei-User Nr. 15, Saal 5. Sellien der FahrsMarbeiter. Sonntag, den 12. Mai 1907, vorinittags 10 Uhr: Mitglieder- Versammlung bei Jannaschk, Jnseistrabe Nr. 10. WkNWMlIMI.VilMM. Sonntag, den 12. Mni 1907, vormittags 10 Uhr: Mglieder- Versammlung bei JultuS Meyer, Oranienstraße Nr. 103. SM A SäciecW« Weiler. Sonntag, den 12. Mai 1907, vormittags 10 Uhr: Mtglieder- Versammlung bei Lippte, M-lchiorstratze Nr. 15. Die Tagesordimvg wird w der Versammlung bekannt gemacht. SS/2» Um recht rege Beteiligung an allen Bersammlnugen ersucht Der Dive>svvreln«varst»i»i>. Wir machen«useren Mitglieder« bekannt, das, in allen denjenigen Bezirken, welche am Sonntag nach dem IS. ihre Versammlungen abhalten, dieselbe« diesmal wege« des PsingstfesteS erst am iSonntar, den LS. Mal, stattfinden. Laut Beschlutz der Vertreterfitzung vom V. Mai d. I. sollen auch diejenigen Mitglieder, die iu der Zeit vom Ä. bis 4. Mai arbeitslos waren, gleich den Ausgesperrten Unter- stützung erhalten. Wir ersuchen alle Mitglieder, bei denen obiges zutrifft, ihre Unterstützuug bis zum 11. d. Mts. im Bureau abzuheben. Spätere Meldunnen können kein« Berücksichtigung finde«. Achtung! Brunnenbauer nnd Külfsarbeiter! Wegen Lohndifferenzen sind die Firme« Id. ILolide und F. Tischler gesperrt. Wir ersuchen die Ban- arbeiter, hiervon Kenntnis zn nehmen. Der Zweigvereinsvorstnnd. I. A.: W. Kribow Tischler-Verein zu Serlin. («. H. Nr. 89.) Tennabend, de» II, Mal, abends S'/a Uhr, Melchtorftraste 16: Versammlung. BereinSangelegenhestt». 198/12 Der Vorstands Reiseglas Weltb weittragend, Ifohtctark noo mit Etui u. Riemen SM. eltbekannt wind Rattaenower Anaenclttser. Eeht Ratbcnower Brillen I.OO Pincene«(eoht Nickel) l.SO „ Donbld S.OO „ Gold 12.00 „ Schildpatt 4.00 Opern* n. Rclaegiaiier von 6.00 an. Barometer, garantiert gute Werke, von 6 00 an. A. Grün, Optiker, Bruimenstraße 4, am Rosenthaler Tor. 4797L Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden, PrinzenstMUXi�, 10—2, 6—7. Sonntags 10—12, 2—4 Offeriere 6885 eigene Scbiacbtiuig. •. Schinken im ganzen Fr. m und geteilt Kamm.... Bauch.... Schulterblätter. Rückensett... Liesen.... Köpfe u. Eisbein Rindfl. Fehiripp« Rtndfl. Querrippe kntte-'Tiige q Pfd. 65 Pf *•. 70 a Psd. 50-65 .. a Psd. 55 ... 50 ... 55 ... 25. a Psd. 50-55 Ps. 50-55 Freitag und Sonnabend. Bor einiger Zeit schied unser lieber Mitarbeiter, der Maschinen- J, metster Max Goünsky durch Unglücksfall oder sreiwillige Entichtiegung aus dem Leben. Em ehrmdes Andenke« be- wehrt ihm Das Personal der kgl. Hufbuchdruckerei E. S. Mittler& Sohn. Die Beerdigung findet am sonntag, den 12. Mai, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle deS Treptower skriedhoses. Neue Krug- Allee, ans statt, 5998b Hierdurch allen Verwandten und Bekannten die traurige Nach- richt, daß mein Sohn, unser lieber Bruder und Cousin, der Kürschner Alkcms Drosdeh am 9. Mai verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den'12. Mai, nachmittags i Uhr, vom Hcdwias-Krankenhause aus naib dem Hedwigs-Kirchhos i» Weiße'nsee statt. 5222b Im Namen der Hinterbliebenen: Hernv Droedek, Pankow. Felix Droedek, Kürschner. Für die vielen Beweise herzlicher •Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei.der Beerdigung meines lieben SohneS Georg I.ndwljj sagen wir allen Verwandten und Freunden, sowie speziell dem Zentral- verband deutscher Braucreiarbeiter, Sekt. I, den Kollegen der geldschloß- brauerei Groß-Lichterselde, sowie den herzlichsten------ Frau Barle liudwlgr nebst Sohn Conrad Lmdirlg. Danksagung. die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben herzensguten Vaters Gustav Merten» sage ich allen Verwandten und Bekannten, insbesondere den Kollegen der Werkstatt H, Rohde sowie dem Wahlvercin Reinickendorf- Ost meinen hetzlichsten Dank. Wwe. Bertha Bertenz und Sohn. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Manne», unseres guten Vater» Blehard Tbate sagen wir allen Bekannten sowie Verwandten dem nnd> lverein Rote unseren herzlichsten Dank. Tb Fr- Nelke l 580h ereae Tbate und Söhne. Gustav Bolmana& Co. ■W/fcsenn m . moderne Stiefel, hilt sie des teuren Preises halber för unendiwingiidi and weiss nicht, dsss SaUntander Stlefel für Damen umUHerrea aar 1230 M. kosten, Luxus» usfühnmg 1£ Orta. Lüh«. 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Molkerei, Etargarder- ftratze 78. t61 Bownfraue« finden s.hr lohnende Beschäftigung Altm-abU 188. 36/10» Bolcnfraue« finden sehr lohnende Beschäftigung(Tour- Paffauerslraße) Potsdamerstraße 83, Eingang Lützow- straße._ 86/17» Zagerhalttt- Gesch. Zum Antritt per 1. Juni eventl. emen tüchtigen ver- Ansangsgehalt früher suchet in Lagerhalter. Kaution mutz gestellt werden. en heirateten 1620 M. Bewerbungen wolle man umgehend an den Vorstand unterzeichneten Ver- einS richten. 127/8» Konsum-Berein Charlottenburg und Umgegend. finden sofort und dauernde Beschästi- gung nach 1. Tarif, Reisegeld nach Uebereinkunst. 46S1L» George Bartltne ckfc Stthne, _ Kiel, Holstenstr. 23. Ktetallbettstellenfabrik in Berlin sucht mit der Branche durchaus vertrauten, erfahrenen nnd tüchtigen Werkführer. Gefl. Offerten unter J. 91. 6958 befördert 36/11» Rudolf Hosise, Berlin SW. 50 Mark Voeheniohn od. allerhöchster Proviston suche aller- ortS tüchtige Hausierer u. Vertreter z. Verkauf von Aluminium-Schildern u. 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