N-. m. INmenentS'Bcdlngiinsefl: taammmtt• Preis JitfinumctanSu• «eNeljShrl. 3L0 SRI, monoll. 1.10 SRI, WSchenMch 28 Pfg. frei in« Haut. Einzelne Kummer S Pfg. eonntag«. «immer mit illustrierter Sonntag«. »«vage»Die Neue Veit' 10 Pso, Post. «lonnemeitt: I,l0 SRarl pro Monat. «naetragen w die Post, Zeitung«. «rertliste. Unier Kreuzband für Deutschlaad und Oesterreich. Ungarn » Marl, sttr da« übrige Nutlond 8 Marl pro Monat. Poslabonnemem« nehmen an: Belgien. Dänemark Holland. Italien. Lnlcniburg. Portugal, Kumümen. Schweden und die Schwei«, 24. Jahrg. WlktlBl tSgllA»Set wollt««. Berliner Bolksblnkl. Die Inlertlons'GebQlir betrllgt(fit die lech«gespalt-nc«olonet» «eile oder deren Raum w Pfg, sfir politische und gewertschastlichc Berein«. und LerIammIung«g«n 30 Pfg. „Kleine Hnseigen", da« erste(fett« gedruckte) Wort 20 Pfg, jede« weiter« Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlas- stellen, Anzeigen da« erste Wort 10 Psg, jede« weitere Wort 6 Psg. Wort« über IS Buchslaben zählen sfir zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen di« 5 Uhrnachmittag« in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition t> bi« 7 Uhr abend« geäffnet, Zelegiamm- Adresse: „Zozlsiaemollki« litUi»-. Zentralorgan der rozialdcmokrati fehen Partei Deutfchtands. Redaktion: SRI. 68, Lindcnstrasse 69. Kertispreckier: 31ml IV, Nr. I!)8i{. Des Hurra-Reichstags erste Session. Die Reichstagspforten haben sich geschlossen— die erste Session des Block-Reichstags ist zu Ende. Es ist eine kurze Session gewesen. Am 19. Februar be gann sie. Und von den 12Vz Wochen, die sie dauerte, ent fielen nur 9i/z auf Verhandlungstage. Daß in solcher Frist neben der Etatsberawng nicht allzuviel sonst erledigt werden konnte, muß der Blockpresse zugegeben werden. Wenn wir das Ergebnis der Tagung mager nennen, so nicht um der Quantität, sondern um der Qualität willen. So namentlich deshalb, weil der Reichstag von den Hoffnungen des linken Flügels der Blockmehrheit nichts erfüllt hat. Es ist gekommen, wie es kommen mußte. Die Regierung hat die Dienste der Liberalen erhalten und die Gegenleistung ist ausgeblieben. Als treuer Knecht Fridolin hat der Freisinn auf Geheitz von oben verbrannt, was er einst anbetete. hat er direkte. nackte Verleugnungen seiner früheren Haltung vollführt. So vornehmlich in der Kolonialfrage, so bei der Bewilligung der Gelder für die Restaurierung der Hohkönigsburg, so bei der Erörterung der auswärtigen Politik und der Abrüstungsfrage, so bei der Entscheidung über die Redefreiheit der Abgeordneten. Das sind nur die markantesten, am nicisten in die Augen fallenden Verrätereien, die der Freisinn an seiner Vcr gangenheit, an seinen angeblichen Grundsätzen verübt hat. Und der Lohn für all das? Versprechungen. Verheißungen! Nicht eine reale Gegenleistung für all diese Selbst, cntwürdigung ist ihm geworden! Wenn man nicht die Vov läge auf Einschränkung des Majestätsbeleidigungsparagraphen dafür nehmen will— den Entwurf eines Ausnahmegesetzes gegen die Sozialdemokratie! Es kommt mehr! Wartet auf die nächste Session, d« mehr Zeit da sein wird! trösten die Organe des Blocks, tröstet sich der Freisinn selber. Gewiß, es werden noch einige Brocken von der zweifelhaften Art der Majestätsbeleidigungspara graphen-Reform kommen. Aber sie werden nimmer den An bruch einer gemäßigten, liberalen Aera bedeuten, nimmer die Durchsetzung des konservativen Systems mit liberalem Sauer teig. Geopfert werden dem Freisinn ein paar längst über lebte, wertlos gewordene Aeußerlichkeiten vom Bau der Reaktion— in seinen wesentlichen Teilen bleibt er unerschüt- tert erhalten. Das wird schon jetzt in der„Post" dem Frei- sinn zu verstehen gegeben. Er hat weiter zu arbeiten treu und unverdroffen zur höheren Ehre der Junkerkaste— er soll sich aber nicht einfallen lassen, aus der großen Staatsschüssel den gleichen Anteil zu verlangen, wie die Herren Preußens und des Reiches. Die„Post" sagt, daß der Block bei der Frage des Abschlusses der Reichsfinanzreform auf die schwerste Probe gestellt werde. Gnädigst wird zugegeben, datz dem Freisinn etwas Entgegenkommen gezeigt werden möge, sowohl bei der Finanzreform selber, als auch beim Börsengesetz und beim Reichsvereinsgesetz. Aber natürlich dürfe auch dem äußersten rechten Flügel des Blocks das Entgegenkommen nicht zu schwer gemacht werden. Deshalb sollen bei der Branntwein- steuergesetzgebung— die den Freisinnigen bisher stets als das krasseste Beispiel der Liebesgabenpolitik in der Agitation ge- dient hat— die landwirtschaftlichen Interessen voll gewahrt werden, deshalb soll bei der Bankpolitik den Wünschen der Rechten entgegengekommen werden. Der Freisinn soll also um den Preis einiger halbmoderner Gesetze formalpolitischcn Charakters sich zur agrarischen Politik bekehren. Vielleicht bringt er auch das mit der Zeit noch fertig. So mager das Ergebnis der Session ist, wenn man prüft, was für das Volk, was vor allen Dingen für die Arbeiter- klaffe dabei herausgekommen ist, so wohlgerundet ist es an Beschliissen. die neue Volksbelastungen bedeuten. Munter marschiert Deutschland in die fünfte Milliarde seiner Schulden hinein— nicht weniger als 254 Millionen Anleihen wurden bewilligt. Ein Staatssekretariat für die Kolonien, ein Ober- kommando für die Kolonialtruppen, der Grundstock einer Kolonialarmee sind von diesem Hurra- Reichstag gc- schaffen worden— in einer Zeit der wachsenden Finanznot, an der Schwelle der Krisis sind neue Schröpf- köpfe dem Reichssäckel, dem Volke angelegt worden. Als der„glorreiche Sieg" der Blockparteien unter dem Schmutz- läppen des Reichslügenverbandes gewonnen war, da hat die Sozialdemokratie vorausgesagt, daß der deutsche Michel seine Abstimmung teuer werde bezahlen müssen. Die erste Session des neuen Reichstags hat das ihrige getan, damit diese Prophezeiung in Erfüllung geht. Sie hat uns beschert neue dauernde, ständig wachsende Ausgaben, neue Anleihen, vcr- mehrtes Bedürfnis nach neuen Steuern und die Abwirt- schaftung des Linksliberalismus. Für eine so kurze Session vollauf genug.—__ Es gibt noch milde Richter! Vor der Strafkammer in Bonn am Rhein standen dieser Tage neun Mitglieder der Zrntrumspartei, weil sie am 13. Ja- nuar 1907, zur Zeit der Reichstags Wahlbewegung, in dem benachbarten Orte FrieSheim mehrere sozialdemokratische Flugblattverteiler in rohester Weise mißhandelt und gegen einen der Mißhandelten eine Freiheitsberaubung begangen hatten. Unsere Parteigenossen hatten die Flugblätter zur nämlichen Stunde 'verteilt, da in Friesheim eine Zentrumsversammlung �stattfand. Das Gerücht von der Anwesenheit der Sozialdemokraten Und der Verteilung der Flugblätter verbreitete sich in der Ver- sammlung; eine große Zahl von Zentrumsleuten eilte hinaus, nahm den Sozialdemokraten die Flugblätter ab und mißhandelte die Leute aufs schwerste. Einer der frommen Banditen packte einen der Flugblattverteiler, einen kleinen, wenig kräftigen Stell machergescllen, zerrte ihn in das Bersammlungslokal und stellte ihn dort mit den Worten vor: „Hier ist der rote Hund!" Ein anderer Parteigenosse war ebenfalls mißhandelt worden; jedoch hatte er sich in Sicherheit gebracht, nachdem ein Dorf- bewohner ihm geraten hatte, er möge umkehren, wenn ihm sein Leben lieb sei. Vier der Angeklagten, darunter derjenige, der den Stellmacher malträtiert hatte, gaben die Beschuldigten zu; die fünf anderen bestritten die Angaben der Anklage, obwohl sie früher zu gegeben hatten, sich an den Gewaltakten beteiligt zu haben. Die Mißhandelten erkannten keinen der Wegelagerer wieder. Der Stellmacher bekundete: ein Ortseinwohner sei an ihn heran getreten und habe von ihm ein Flugblatt gefordert; als er den Wunsch erfüllt habe, hätten ihm mehrere sofort zu Boden geworfen und derart mißhandelt, daß er am ganzen Leibe blaue Striemen und am Kopfe Beulen gehabt habe. Dann habe ihn einer gepackt und in die Versammlung gestoßen, wo man ihn etwa fünf Minuten festgehalten habe. In der Versammlung habe er vergeblich einen dort anwesenden Polizeibeamten um Hülfe gebeten. Auf dem Wege zum Bahnhofe sei er mit seinem Kollegen wieder verfolgt worden und die Menge habe mit Steinen geworfen. Zum Glück sei sofort ein Zug gekommen, in den sie sich hätten in Sicherheit bringen können. Ein anderer Flugblattverteiler bekundet, er habe noch kein Haus betreten, sondern nur nach einem im Orte wohnenden Partei- genossen gefragt gehabt, da habe jemand ein Blatt von ihm gc. fordert, und als er es hergegeben habe, sei ihm sofort der Hut vom Kopfe gehauen worden; dann habe man ihn mit Fäusten geschlagen und dabei immer wieder gerufen:„Läufst du noch nicht!" Der Staatsanwalt beantragte in seiner VertcidigungS-— Pardon: Anklagerede gegen die vier Geständigen je— 30 M. Geldstrafe, gegen den einen weitere 30 M. wegen Nötigung, nicht wegen Freiheitsberaubung. DaS Gericht sprach die fünf nicht geständigen Angeklagten frei, verurteilte dreizujelOOM. und den vierten zu ISO M. Geldstrafe. UnS dürstet nicht nach Rache gegen den brutalen Zentrums anhang, zumal da wir wissen, datz solche feigen Uebcrfälle die unausbleiblichen Früchte der Zentrumsagi» t a t i o n sind, wie sie auf dem Lande von Hetzpfaffen und ähnlichen Elementen geübt wird. Wie würde aber angesichts der maßlos brutalen Ausschreitungen gegenüber völlig wehrlosen und fried- lichen Leuten die bürgerliche Presse über auffallend milde Beur- teilung durch den Staatsanwalt und die Richter gejammert haben, wenn etwa umgekehrt Sozialdemokraten sich in der ge- fchehenen Weise an politischen Gegnern vergriffen hätten, oder wenn es sich um Strcikexzesse gehandelt hätte» bei denen die Miß- handelten Arbeitswillige gewesen wären. Hunderte von Gerichts- urteilen liegen vor, in denen eS in den hier angezogenen Beispielen unter ähnlichen Verhältnissen Monate, in einzelnen Fällen sogar Jahre an Gefängnisstrafen geregnet hat. Die Revolte in Ludwigshafen. Zu den von uns bereits gemeldeten Vorfällen in Ludwigshafen wird uns noch geschrieben: In der Nacht des Himmelfahrtstages kam eS vor der Leimfabrik in Ludwigshafen zu groben Exzessen, die, soweit sich die Sache heute überblicken läßt, ihr Ende erreicht haben, da der eigentliche Streit endlich beigelegt und am Montag die Arbeit in dem Betriebe wieder aufgenomnien wurde. Die bürgerliche Presse beginnt nun- mehr aus den hinlänglich bekannten unsauberen Gründen den Fall als eine terroristische Handlung gegen die Partei und GewerkschastS- bewegung auszuschlachten. Gerade letzteres veranlaßt unS, den Vorgang mit seinen begleitenden Umständen etwas näher zu be- sprechen. Die Genieinde LudwigShafen hat sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer großen Fabrikarbeiterstadt entwickelt. In der Hauptsache hat sich die chemische Industrie da niedergelassen, sie beschäftigt viele Tausende zum größten Teil un- gelernter Fabrikarbeiter. In der Auswahl ihrer Arbeitskräfte sind diese Betriebe rücksichtslos international gesinnt. Sie verlangen nur gesunde, kräftige Knochen; am liebsten werden die vom Militär entlassenen Bauernsöhne bevorzugt. Sie sind gefügig, anspruchslos, patriotisch und nicht von dem modernen Gift der Unzufrieden- heit angekränkelt. Das war seit Jahrzehnten der Brauch. An der Spitze dieser Industrie steht die badische Anilin- und Sodafabrik mit etwa 8000 Arbeitern. Eine besondere Sorgfalt legten die Leiter dieser Fabriken darauf, ihre Arbeiter fem von jeder Arbeiterbewegung zu halten. Sie hielten eine Anzahl Spitzel, welche die politischen und gewerkschaftlichen Versammlungen be- suchten und getreulich Bericht erstatteten. Nach Hunderten zählten die armen Opfer, die, nachdem sie 20 Jahre in dein Betrieb beschäftigt gewesen, ihre Knochen und Gesundheit geopfert haben, aufs Pflaster gesetzt wurden. DaS Koalitionsrecht existiert für sie nicht. In einem Teil der Industrie, wie z. B. der Zuckerfabrik in Expedition: SRI. 68» Lindenstrasae 69. gfernsprecher: 91ml IV. Nr. 10KI. Frankenthal, die jährlich Millionen ihren paar Altionären ob« wirst, liegen die Zustände heute noch so. Diese Industrien erzielen einen fabelhaften Gewinn. So ver» teilt die erwähnte Anilin- und Sodafabrik seit Jahrzehnten Dividenden bis zu 30 Prozent. Die hohen Aufsichtsräte hamstern viele Tausende für ihre»großen Bemühungen" ein. Sie prunken mit einer Reihe sogenannter WohltätigkeitScinrichtungen. die aber in keinem Verhältnis zu der physischen Verheerung stehen, die diese Art Industrie in der Arbeiterschaft anrichtet. Schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit sind die kräftigsten Menschen Ruinen. Die Armenkassen von Ludwigshafen und einer ganzen Anzahl von Landgemeinden der weiteren Umgebung bestätigen diese traurige Tatsache. Die Aera der Zollpolitik neben der industriellen Hochkonjunktur machten sich schon im Frühjahr des vorigen JahreZ bemerkbar. Die Lebensmittel- wie die Wohnungspreise gingen rapid in die Höhe. Der Unternehmergewinn wuchs ins Ungeheuerliche, aber nichts regte sich, auch die Arbeiter nur zu einem geringen Teil an demselben partizipieren zu lassen. Da brach plötzlich unerwartet in der badischen Anilin- und Sodafabrik eine Lohnbewegung aus. Nur ein ganz geringer Teil der Arbeiter war organisiert. Es war vorauszusehen, daß dieser Kampf für die Arbeiter ein schlechtes Ende nehmen würde. Mit dem Aufgebot aller Kraft gelang eS damals den politischen und gewerkschaftlichen Leitungen, es in diesem un- gleichen Lohnkampfe nicht zum äußersten kommen zu lassen. Die Direktion ließ sich zu einer Reihe von Zugeständnissen herbei und ver- sprach eine allgemeine Besserung eintreten zu lassen. Es traten daraufhin tausende der Arbeiter in die gewerkschaftlichen Verbände ein. Es gelangten damit aber auch Elemente hinein, die daS Wesen der Gewerkschafts- Organisation noch nicht verstehen und glaubten, nunmehr plötzlich ihre gewiß berechtigten Wünsche befriedigen zu können. Die erzieherische Tätigkeit der politischen und Gewerkschaftsbewegung, so lebhaft und intensiv sie auch wirkte, wurde besonders durch eine anarchistische Maulwurfsarbeit sehr erschwert. Daß bei einer zum weitaus größten Teile unorganisierten, in patriotischem Dusel befangenen, zum Teil sozialistenfeindlichen, unterdrückten, ausgebeuteten Arbeiter« fchaft der Anarchismus einen guten Nährboden hat, das mußte unsere Bewegung in der Vorderpfalz schon mehrfach recht un- angenehm empfinden. Mehr denn irgendwo ist hier der Zündstoff zu gewalffamen Aeußerungen gegeben. Man muß nur in den Feierabendstunden die in allen Farben schillernden, den Fabrik- toren entfliehenden, ausgemergelten Arbeiter sehen, dabei einen Blick auf die finanziellen Ergebnisse für die Aktionäre werfen und auch für den geistig Beschränktesten ist die Frage, wer die Anreizer zur Unzufriedenheit sind, gelöst. Bor etwa sechs Wochen stellten in einer Anzahl chemischer und Textilbetrieben die Arbeiter und Arbeiterinnen die Arbeit ein— nur zum geringen Teil waren sie organisiert, eS waren die am schlechtesten entlohnten, sie hatten trotz der Teuerung noch keinen Nickel Zulage erhalten. Wohl war unter den Ausständigen eine große Erbitterung, aber sie nahmen mit dem Zugeständnisse eines Teiles ihrer Forderungen unter Führung der Organisationsleitung die Arbeit auf und es war Frieden. Ein Unternehmer nur lehnte jede Ver- ständigung ab, es war Dr. Z i m m e r m a n n, der Besitzer der Leimfabrik. Dieser Betrieb ist einer der gesundheitsschädlichsten. Er war auch bei der ganzen Einwohnerschaft aufS gründlichste ver- haßt, weil er über die ganze Stadt einen ekelhaften, penetranten Gestank verbreitete. Der Unternehmer mußte von der Behörde, deren Matznahmen, weil sie Geld kosteten, er verweigerte, durch jahrelangen Kampf erst gezwungen werden, die notwendigsten hygienischen Borkehrungen gegen die Schweinerei zu treffen. Seine etwa 40 Arbeiter, zum Teil Frauen, hatten in dem stinkenden, gesundheitsschädlichen Knochenbräu eine harte Arbeitszeit zu einem Lohne, wie er geringer in keinem der Nachbarbetriebe bezahlt wurde. Die Mehrforderungen der Arbeiter betrugen nur wenige Pfennige. Als die Verhandlungen keinen Erfolg hatten, beschlossen die Arbeiter zu kündigen und für die Zeit der Kündigungsfrist keine Ueberstunden mehr zu leisten. Darauf erfolgte die Aussperrung der Arbeiter. Der Unternehmer bezog nun unter falschen Vorspiegelungen Arbeiter aus Mülhausen, die aber sofort als sie den Tatbestand vernommen, die Arbeit verweigerten. Schließlich gelang es ihm doch, eine Anzahl Streikbrecher aus dem Elsaß zusammenzutrommeln. Wochenlang wurde diese Gesellschaft in den gesundheitsschädlichen Fabrikräumen ohne nur einen Schritt aus denselben zu tu«, eingepfercht. Die ausgesperrten Arbeiter, eS befanden sich solche darunter, die schon 24 Jahre in dem Betrieb beschäftigt waren, wurden von dem Untenrehmer beim Streikpostenstehen in der unwürdigsten Weise verhöhnt; nichts konnte sie die ganzen Wochen lang aus ihrer Ruhe bringen. Selbst das mehrfach vorgekommene Schießen aus der Fabrik auf die Außen- stehenden änderte nichts an dieser Tatsache. Dagegen wuchs mit jedem Tage die Empörung der Tausende von Arbeitern, die täglich deS öfteren die Pforten der Leimfabrik passieren mußten, sie konnten in ihren: Solidaritätsgefühl nicht verstehen, daß gerade dieser Unter- nehmer in seinem brutalen Herrensiandpunkt jedes Entgegenkommen brüsk abwies. Am letzten Donnerstagabend passierten einige an der Aussperrung Unbeteiligte die Straße an der Zimmermannschen Fabrik, als wiederum ein Schuß aus der Fabrik fiel. Innerhalb weniger Minuten sammelten sich Hunderte von Passanten, rasch wuchs die Menge zu taufenden an. Ein Arbeitswilliger streckte die Zungej gegen die Außenstehenden heraus, da gab's kein Halten mehr, ein Trunkener drückte den Latten- zäun ein, die turbulente Jugend, die bei solchen Gelegenheiten nie fehlt, begann zu pfeifen und mit Steinen nach den Fenstern zu werfen. ES klirrte und krachte. Die Polizei kam in Eile herbei die Arbeitswilligen unter ihre schützenden Fittige zu nehmen. Da half ihre Ausrüstung mit Mistgabeln usw. nichts mehr, pe Wurde» aus der Fabrik in die Stadt geführt, wobei sie von den Viel tausendköpfig«ngesaimnelten manchen Knuff erhielte». Doch gelang es, sie schließlich im Polizeiamt unterzubringen. Eine Anzahl Schutzleute wurden durch Steinwürfe, die von Buben geschleudert wurden, verletzt. Bedauerlicherweise hatte der Bezirksamtiuan», der bemüht war die Ruhe wieder herzustellen, dasselbe Schicksal, er ver- fiel dabei in eine Ohnmacht und wurde vom Platze getragen, bald hatte er sich erholt und war weiter auf dem Platz tätig. Einem außenstehenden Arbeiter wurden durch einen Schuß aus der Fabrik die Geschlechtsteile abgeschossen. Ein Schmock sandte die Schauermär in die Welt, daß drei Wohngebäude, die Bureauräume usw. dem Erdboden gleichgemacht, daß die Niedertverfung des Fabrikschorn- peins nicht ganz gelungen, daß eine furchtbare Verheerung an- gerichtet worden sei. Die bürgerliche Presse nahm»lese Nachricht, so unglaublich fie auch klang, mit Wohlbehagen auf. Tatsächlich ist neben dem Eindrücken des Zaunes, des Tores und einiger Breiterwände sowie der Niedertretung der Gartenpflanzen nichts zerstört worden. Um weiteres Unglück zu verhüten und die fieöerhaftAufgeregten zum Nachhausegehen zu veranlassen, schlug der erste Adjunkt' der Stadt. Genosse Binder, vor, daß die Kesselfeuer gelöscht werden sollten. Die Polizeibehörde ging gern auf diesen Vorschlag ein. worauf sich dann allmählich die Menge in später Nachtstunde zerstreute. Am folgenden Tage wurde der Fall auf Antrag des Justiziars der badischen Anilinfabrik im Stadtrat besprochen. Letzterer ver- langte energische Maßregeln, um solchen Vorfällen ein für allemal vorzubeugen. Namentlich forderte er eine energische Rüge gegen den Polizeikommissar, der ihm nicht schneidig genug eingegriffen und widerrechtlich die Kesselfeuer habe löschen lassen. Unsere Ge- »offen Ehrhart und Körner beleuchteten die Zustände wahr- heitSgcmäß. es war niemand in den, Kollegium, der ihre Ans- führuvgen zu widerlegen vermochte, weshalb der Stadtrat auch davon absah, weitere Beschlüffe zu fassen. Es wurde dabei fest- gestellt, daß weder die Streikenden noch die Gewerkschaften oder die sozialdemokraiische Partei etwas mit dem � Vorfall zu tun haben. Einen tiefen Eindruck machte die Auf- forderung des Genossen Ehrhart, die Herren sollten sich einmal die im Verwahrungslolal untergebrachten Streikbrecher besehen, ob sie nicht selbst Beschämung empfinden, daß mit solchem Menschen- Material fleißige Arbeiter um die Früchte ihres Kampfes gebracht werden sollen. Am Freitagabend fand in der Nähe des BcrollgebieteS eine von den Gewerkschaften berufene'ungemein zahlreich besuchte Versammlung statt, in derselben sprachen die Leiter der Gewerkschaft der Fabrik- und Handarbeiter Regner und Prüll und Genosie Ehrhart über den Vorfall, sie lehnten unter dem stürmischen Beifall der Vcrsamm- lung jede Verantwortung ah und verpflichteten die Versammelten alles aufzubieten, um die Masse zu beruhigen. Inzwischen wurde die Polizei um 50 Mann Gendarmen vermehrt, auch die GeWerk- schaftcn stellten eine Anzahl OrdnungSlcute. Auch am Freitag waren wieder Tausende in den Straßen versammelt, aber es gelang den vereinigten Bemühungen, weitere Ansschreitimgen zu verhindern. DaS Militär in Germershcim und Landau war marschbereit, allein die Lolalbehörde lehnte das Anerbieten, sie kommen zu lassen, ab. Inzwischen haben unter dem Borsitze des Bürgermeisters Einigungsverhandlungen stattgefunden, die von Erfolg waren. Der größere Teil der Arbeiter tritt wieber in seine Plätze, einige davon werden in städtische Dienste übernommen. Dies der nackte Tat- bestand l Aber die bürgerliche Presse, vorab die pfälzischliverale, hat bereits ohne jede Information ihr Nrteil gefällt, sie macht die Gewerk- schaften und namentlich die sozialdemokratische Partei verantwortlich. Sie braucht solche Mittel gerade jetzt vor der LandtagSwahl recht nötig, aber die Genoffen werden ihr die Suppe versalzen. Wie wenig unsere Partei und Gcwcrlschafien mit dem gewiß bedauerlichen Vorfall zu tun haben, zeigen auch die Verhafteten, sechzehn an der Zahl. Unter ihnen gehört lein einziger unseren steihen an._______ Zum Parteitag der Sozialdemokratie Rußlands. Der fünfte Parteitag der Sozialdemokratie Rußlands ist, wie unseren Lesern bekannt ist, in England zusamniengetreten. Der Schwerpunkt der ganzen Debatten wird zweifellos nicht in Programmsragen, noch in Organisationsfragen, sondern in Kragen taktischer Natur liegen, und, lvie leider schon seit Jahren, stehen sich auch diesmal zwei verschiedene Ausfassnngen über den gegenwärtigen politischen Moment und folglich auch über die taktischen Aufgaben der Partei gegenüber. Wir wollen im folgenden versuchen, gestützt auf die bereits veröffentlichten Resolutionsvorschläge, die Gedankengänge der beiden Richtungen kurz zu skizzieren, um dadurch zum besseren Per- ständnis der Beschlüsse des Parteitages beizutragen- Nach der Auffassung der Fraktion der„Bolschewiki" (Leninsche Richtung) ist die russische Revolution eine d e m o» k r a t i s ch e. Gegenwärtig befindet sie sich wiederum im Stadium der Aufwärtöbewegung, zum großen Teil infolge der ökonomischen Krisis, dem Hunger und der Arbeitslosigkeit, die den Klassenkampf zwischen Bourgeoisie und Proletariat, Bauernschaft und Gutsbesitzern, ländliche Bourgeoisie und landarme Bauern verschärft. Jmnier neue Schichten der kleinen Bourgeoisie und de» Bauerntums schließen sich der revolutionären Bewegung an, und das Proletariat, das das größte Interesse an der konsequenten Durchführung der demokratischen Revolution hat. muß diese Bauernrnaffe mit sich führen und ihrem Kampf politisches Bewußtsein verleihen. Die liberal-monarchistische Bourgeoisie aber— hauptsächlich die Kadetten— haben der Revolution längst den Rücken gekehrt. Sie stützen sich auf einen Teil der mittleren Gutsbesitzer und der Bourgeoisie, hauptsächlich aber auf die bourgeoise Intelligenz. Aufgabe der Sozialdenlokratie ist es, diejenigen Schichten der ländlichen und städtischen Klein- bonrgeoisie, die„teils aus Tradition, teils von den Liberalen direkt betrogen", den Kadetten nachläuft, diesem Einfluß zu entreißen. Sie muß zusanimen mit den kleinbürgerlichen demokratischen Schichten einen Kampf nach zwei Fronten führen: gegen das alte Regime und gegen die„verräterische liberale Bourgeoisie". Die Teilnahme an der diesjährigen Duma ist eine erzwungene, da die rcvolutionSseindliche Haltung der Liberalen eine Wiederholung der Boykottaktik unmöglich gemacht hat. Doch betrachtet die Sozialdemokratie die Duma nach wie vor als eine„konstitutionelle Illusion" und mißt ihr nur agitatorischen Wert zu. als Tribüne zur politischen Aufklärung der Massen und besonders zur Auf. dedung der Klassengegensätze zwischen Proletariat und der liberalen Bourgeoisie. Daher müssen die sozialdemokratischen Vorschläge in der Duma keinen gesetzgeberischen Charakter tragen, sondern nur Agitationszivecke verfolgen, auch muß sich die Sozialdemokratie hauptsächlich kritisch betätigen und den Vorschlägen der liberalen Parteien, die notioendigerlveise nur Halbheiteil sind, nicht beistimmen. Dagegen muß sie bestrebt sein, durch ihr revolutionäres Auftreten alle wahrhaft demo- kratischcn Elemente der Duma um sich zu scharen. Der Standpunkt der„Menschewiki"(Richtung Plechanow- Axelrod) ist ein wesentlich anderer. Sie fassen die russische Revolution nicht von ihrer politischen, sondern von ihrer so- zialen Seite auf: die russische Revolution ist eine bürg er» liche, bourgeoise Revolution, da sie die alte, feudal- absolutistische Ordnung stürzen und an ihre Stelle die Herrschaft einer neuen Klasse. der Bourgeoisie, setzen wird. Die Hauptaufgabe der Revolution, der unmittelbare Kampf um die politische Macht, konzentriert sich gegenwärtig ans dem Kampf fiir die Volksvertretung: die Wahlen haben gezeigt, daß dieser Gedanke immer festere Wurzeln in den weitesten Volksinaffen faßt. In diesem Kampfe gibt es aber eine ganze Reihe intermediärer, nächstliegender Ziele, die das Proletariat mit verschiedenen sowohl bürgerlich-liberalen, wie auch bürgerlich-demokratischen Schichten gemein hat. Während aber das charakteristische Merkmal der erstcren (städtische bürgerliche Demokratie, Kadetten) der Oppor- tunismus, die Neigung zum Unterhandeln und Feilschen mit der Ncgienmg sind, sind die letzteren(Bauernschaft, volkssoziallstische Parteien) in kleinbürgerlichem Revolutiona- rismuS und �agrarischen Utopien befangen. Die durchaus selbständige Taktik der Sozialdemokratie muß bestrebt sein. diese oppositionellen und revolutionären Parteien zu beein- flussen. Indem aber die Sozialdemokratie alle ihre reaktio- nären, opportunistischen usw. Bestrebungen bekämpft, muß sie es nie aufgeben, ihre Taktik mit derjenigen dieser Parteien zu kombinieren und koordinieren, insofern sie wirklich gegen das alte Regime gerichtet ist. Von diesen Voraussetzungen aus- gehend, gelangen die„Menschewiki" auch zu einer anderen Auffassung der Duma: die Teilnahme an ihr ist notwendig, weil die Dunia den Gedanken der Volksvcrtrettmg.verkörpert und eine Waffe im Kampf gegen die alte Ordnung ist. Die Duma hat nicht nur agitatorischen, sondern auch— weil sie die ganze Aufmerksamkeit deS Volkes konzentriert— organi- satonschen Wert, sie kann unter Umständen selbst ein Werk- zeug der Revolution werden. Die Sozialdemokratie darf es auch nicht verschmähen, im Falle ihre eigenen Gesctzprojctte nicht zur Annahme gelangen, diejenigen anderer Parteien zu'.nttcrstützcn, die bei ihrer Verwirklichung dem Proletariat oder dem Volk als eine Waffe im Kampf dienen können. Es läßt sich natürlich nicht voraussagen, welche der beiden Richtungen auf dem Parteitag die Oberhand behalten wird. Es ist aber mit Bestimmtheit zu hoffen, daß die Beschlüsse des Parteitages innerhalb der Partei allgemeine Beachtung und Befolgung finden werden, was leider infolge der Framons- zwistigkeiten bisher nicht immer der Fall gewesen ist. Als ein gutes Omen in dieser Richtung muß die Tätigkeit der sozialdemokratischen Dumafraktion betrachtet werden, die, trotzdem in ihr beide Richtungen vertreten sind, stets mit größter Einmütigkeit und Disziplin vorgegangen ist. poUtifebe üebcrficbt. Berlin, den 14. Mai 1907. Ausräumung und Vertagung. Im Geschwindschritt ging heute im Reichstag die Auf- räumungsarbeit mit einer langen Reihe von Gesetzen— allerdings kleineren Kalibers— vor sich. Nur dann und wann fesselte ein halbes Stündchen lang irgend eine besondere An- gelegenheit das Haus. So, als Genosse Hue die Roborit- explysion und ihre Folgen in Annen besprach und die Re- gierung aufforderte, wirksame Verhütungsvorschriften und Maßnahmen gegen dergleichen Explosionsgefahren zu treffen. Scharf tadelte Hue die Knauserigkeit der Regierung hinsichtlich der Entschädigung der von dem Unglück so unendlich schwer betroffenen bettelarmen Anwohner von Annen. Der Staatssekretär Graf Posa- dowsky erwiderte, der preußische Handelsministcr habe eine— Durchsicht der einschlägigen Gesetze angeordnet! Die Entschädigungsfrage aber gehöre vor den preußischen Landtag. Als darauf dtr freisinnige Abgeordnete Carstens. Besitzer von Steingutfabriken in Magdeburg, in Ncuhaldens- leben und Elmshorn, frühere Ausführungen unseres Genossen Horn über die Lage der Glas- und der keramischen Arbeiter in unqualifizixrbarer Weise angriff und die Arbeitcrpolittk der Sozialdemokratie als eine„demagogische" bezeichnete. stellte Genosse Horn die„Arbeiterfrcundlichkeit" Carstens ins rechte Licht. Unsere Genossen Hoch und Stadthagen brachten eine Versügung des preußischen HandelLministers zur Sprache. nach der bei Tiesbauteil verhütet werden soll, daß l ä n d- liche Arbeiter herangezogen werden._ dagegen sollen Erleichterungen in der Heranziehung ausländischer Arbeiter eintreten! Diese zugunsten der Agrarier erlassene arbciterseind- liche Verfügung ist ein Zeichen für die rückläufige amtliche Sozialpolitik.—Hoch verlangte außerdem wirksaniere Vorschriften znr Verhütung von Unfällen im Tiefbau, da die Tief- baugenpffenschaft völlig unzureichende Maßnahmen gcttoffen habe. Gegen Stadthagen randalierte die Rechte, als vr in einer zweiten kurzen trefflichen Rede die eigen- mächtige, verfassungswidrige Korrektur von Gesetzen durch den Bundesrat ohne Zuziehung des Reichs- tages feststellte und verlangte, daß da Rcincdur ge- chaffcn werde. Der über dieje Wonita sehr erregte Schatz. ekretcsr v. Stengel qualifizierte diese Korrekturen al» „Druckfehler", aber auch der Abgeordnete W i e m e r erklärte die—„Druckfehler" für bedenklich und forderte gleichfalls Mitwirkung des Reichstages. Eine äußerst animierte Debatte entspann sich noch über die Eiscnbahngcmcinschast zwischen Preußen und Hessen, eine Debatte, in der Genosse Ulrich die preußische Eisenbahn- Politik als eine usurpatorifchc darstellte, da Hoffen in seinen Entscheidungen über den Bau neuer Bahuen be- hindert sei. Schnell vollzog sich die dritte Lesung deS Etats. In einer auf 20 Minuten später anberaumten Sitzung wurde dann eiligst die dritte Lesung des Auslieferungsvertrages mit Griechenland sowie die.Prüfung" von zirka 30 Wahlen vollzogen. Dann ward der Reichstag bis zum 19. November vertagt. Die Herren von: Block ziehen heim„zu Muttern", um ein halbes Jahr auf ihren„Lorbeeren" auszuruhen.— Gründliche Arbeit beim— Jagdgesetz. Das preußische Abgeordnetenhaus verwandte auch heule fast die ganze Sitzung auf die Beratung des Jagdgesetzes. Eine Wahlrechts- Vorlage könnte im Dreiklaffenparlament nicht gründlicher und nicht mit mehr Versuchen zur Verbesserung deS Entwurfes beraten werden. Insbesondere dem hessischen Junker Rabe v. Pappen- heim wollte es durchaus nicht in den Kopf, daß da» preußische Abgeordnetenhaus ein Gesetz annehmen sollte, das nicht a u S s ch l i cß« lich zugunsten des AgrariertumS geschaffen ist. Er versuchre alles mögliche gegen die Bestimmungen, die auch für die kleineren Grundbesitzer von Vorteil sein könnten, und trieb noch beim letzten Paragraphen Obstruktion, indem er plötzlich beantragte, das ganze Gesetz an die Kommission zurückzuverweisen. Er fiel indessen ab. und das Gesetz wurde nach schwerer Mühe endlich in zweiter Lesung angenommen. Die morgige Sitzung bleibt für die dritte Lesung dieser hoch- wichtigen Vorlage reserviert. Außerdem stehen— wie heute—«Uli noch allerhand Kleinigkeiten auf der Tagesordnung. Achtung! Russische Genoffen! Deutsche und russische Spitzel pürschen eifriger als je aus russisches Freiwild. Die konservativ-liberale Aera hat wie auf anderen Gebieten so auch auf dein Gebiete des Fremdenrechts, der Gastfreundschaft gegenüber den Ans- ländern, besonders aber ans dem Gebiet der Behandlung der hier aushältlichen Russen eine schmähliche Reaktion gebracht. Ganze Rudel von Spürhunden sind besonders in Berlin gerade auch gegen unsere russischen sozialdemokratischen Freunde losgelassen. Der Fall des affsnt provocateur Dietrich war nur eine kleine Episode aus diesem Kesseltreiben. Wir mahnen daher unsere russischen Freunde allenthalben im Deutschen Reiche zur größten Vorsicht. Sie mögen bedenken, daß Spitzel seit jeher aus Mücken Elefanten und ans Zlvirns- fäden Galgenstricke zu machen verstanden haben. Ein Kriegsgcrichtsrat als Sozialistenfresscr. Zu zwei Jahre» Gesä»L»is verurteilte nack dem Antrage des Vertreters der Anklage, KriegSgerichlsrat Tschirschkc, daS Breslauer Kriegsgericht der elften Division unier Vorsitz des MajorS v. K u t s ch k o w S k i den Füsilier Schneider vom Regiment 38 in G l a tz wegen Beleidigung und Achtungsverletzung seines KompagniechefS. Um vom Militärdienst loszuioinmcn, weil er ihm zu schwer ist, hat der Füsilier nach seinen Angaben dem Haupt- mann S ü ß f e I d einen anonymen Brief geschrieben, der von groben Ausdrücken strotzte, wie abgelebtes Schwein, indem er dem Offizier mit eventuellem Jns-Jenseits-Bcfördern drohte, daß er ein Schicksal erleben würde wie der Rittmeister v. Krosigk, er würde ihn dem Oberst melden und dergleichen. Der Brief war unterzeichnet„Die rote Internationale". Der Angeklagte gibt an. er habe gehofft. durch den Brief werde sich der Hauptmann einschüchtern laffen. daß er besser behandelt würde. Der Anklage- vc rtreter, KriegsgerichtSrat T s ch i r s ch k e, meinte, der Brief deS Füsiliers enthalte wüste Schimpfereien, wie man sie in sozialdemokratischen Blättern, welche wühlerische Hetzerei geschäftsmäßig betreiben, finden könne. Der VerhandlungSführer, KricgSgerichtsrat Esche, betonte, der An- geklagte habe in grober Weise die Disziplin verletzt und müsse eine schwere Strafe erhalten. Der Vater des Angeklagte» war Gendarm. Das Vergehen deS verurteilten Füsiliers war eine so krasse Tor- hell, daß eS vielleicht angebracht gewesen wäre, den Verfasser deS anonymen Drohbriefes noch einmal auf seinen geistigen Zustand untersuchen zu lassen, statt ihn ohne weiteres aus zwei Jahr« ins Gefängnis zu schicken. Das Verhalten deZ KriegSgerichtSratS T s ch i r s ch k e erscheint durch die unsinnigeil Ausfälle gegen die Sozialdemokratie in eigenartiger Beleuchtung. Daß der Füsilier seinen törichten Brief mit der Unterschrist.Die rote Internationale" versah, war ein so überaus iiudlichcs Schreckmittel, daß es eher von geistiger Minderwertigkeit als von sozialistischer Gesinnung des Verfassers zeugte. Wenn der KriegSgerichtsrat aber die S ch i m p f e r g ü s ffe de« Briefe» auf das angebliche Vorbild der sozialdemokratischen Presse zurückführte, so war das«in wahrhaft grotesker Einfall. Denn um Schimpfworte mld KrastanSdrllcke zu erlernen, dazu bietet doch gerade der K a s e r n e n h o f die denkbar beste Ge- legenheiti—_ Soldatenschinder. Im Reichstage hat der Kriegsminister kürzlich behauptet, die systematischen Schindereien Untergebener seien infolge des listigen Wirkens der Heeresleitung und der verschiedenen Kommandostellen in der Armee ausgerottet. DaS war eine Täuschung. Noch ist die Aussicht der oberen Vorgesetzten über die unteren nicht überall so gut, daß systematisch« Schindereien in Kürze bemerkt werden müßten. Das zeigt wieder einmal ein Fall. der am 11. Mai vor dem Kriegsgericht der 18. Division zu Schleswig verhandelt worden. Dem jugendlichen Unteroffizier Peterson von der 4. Kompagnie des Infanterieregiments Nr. 84 in Schleswig wurden nicht weniger als 158 Mißhandlungen nachgewiesen! Zur Aullage standen ursprünglich 360! Wieviele mag der Mann begaugen haben, die nicht aufgedeckt worden? I Dieser Unteroffizier warf mit einem Schemel nach den Leuten und ver- letzte dadurch einen Rekruten erheblich am Kopfe. Den geiste-Z» schwachen Rekrute» Schömer, der in die Stube gespuckt hatte, zwang er durch wiederholten Befehl, sich hinzulegen und den Speichel wieder aufzulecken. Eines Tages warf der Angeklagte, als seine Korporalschaft nicht schnell genug antrat, die Tischplatte mit dem daraufstehenden Kaffee und Brot um. Katt mußte eines nachts ausstehen und auf der Stube im Hemd FrelNbungen machen, ei» anderes Mal mußte er längere Zelt.Gewehrstrecken" üben, sich hin- legen und ausstehe». Außerdem hat dieser Unteroffizier von Untergebenen Geld ge- borgt und acht Mark, die er für die Rekruten einem Photographe» zahlen sollte, unterschlagen. Das Kriegsgericht verurteilte Peterson zu sechSMonate» Gefängnis und Degradation. Neun Tage Mittelarrest erhielt vor dem Kriegsgericht zu Dresden der Unteroffizier G e r st e r von der 4. Kompagnie des 2. sächsischen Grenadier-RegiinentS. Er hat einen Grenadier ins Gesichl geschlagen, ihm den Helm auf den Kops getrieben und ihm mit einer Gerte über die Hand'gehauen. Alles aus .übertriebenem Pflichteifer", wie fein Hauptmann ihm be- zeugte. Ein al» Zeuge geladener Leutnant, war derselben An- ficht, meinte auch, der Angeklagte habe mit der Gerte»nicht ab- sichtlich" geschlagen. Er begründete diese Ansicht mit dem Aus- spruch:.Voriätzlich kann es nicht geschehen sein, weil dazu meines Ernchtens eine größere Gewalt(? I) gehört." Bon der Anklage der Mißhandlung durch»Zurechtsetzen des Helmes" wurde der Angeklagte freigesprochen._ Wir ArbcitStvillige» dürfen einen totschlage»! AuS Nienburg a. d. Saale wird benchtet: In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag befanden sich in einer Wirtschaft eine Anzahl Arbeiter zusammen mit vier Streikbrechern von der Nien- burger Eisengießerei und Maschinenfabrik. Die Arbeiter, die übrigens nicht zu den Streikenden gehörten, redeten den Htreikbrechern in oller Ruhe zu. sich solidarisch mit den Streckenden zu erklären. Es kam dabei noch nicht einmal z» harten Worten und man trennte sich bald darauf ganz friedlich unter gegenseitigen» Gruße. Die Streikbrecher verließen zuerst das Lokal. Draußen stellten sie sich auf und erwarteten die Arbeiter, die sie mit R e V o l V e r s ch ü f s e n begrüßten, wobei einer der Streikbrecher kommandierte. Beim vierten Schuß brach einer der Arbeiter tot zusammen. Die Streikbrecher retteten sich nun schleunigst hinter die schützenden Tore der Fabrik, der sie ihre schätzenswerten Dienste leisten, der Mörder ist aber in- zwischen verhaftet worden. Die rohe Tat erweckt hier großes Auf« sehen und wird allenthalben verurteilt. Unstimmigkeiten im Nürnberger Landtagswahlblock. Erst kürzlich erklärten die Nürnberger Demokraten, daß sie alle Blockkandidaturen unterstützen würden, nur die des im ersten Wahlkreise aufgestellten Mittelständlers Probts nicht. Als Grund führten sie seine reaktionäre Gesinnung ins Feld, aber die wirk- liche Ursache wird wohl der Umstand gewesen sein, daß sie bei der Aufstellung der Kandidaturen vollständig übergangen wurden, während der kleineren nationalsozialen Gruppe eine solche zu- gebilligt wurde. Nun kracht es aber auch mit diesen. Ihnen wurde der sechste Kreis zugeteilt, der die Vorstadt Steinbühl umfaßt und der geschlossenste und räumlich kleinste von allen sechs Kreisen ist. Die Nationalsozialen vermaßen sich allen Ernstes, den Kreis gegen unseren Genossen Haller zu gewinnen, und richteten zum Zwecke einer systematischen Bearbeitung schon vor Wochen ein ständiges Wahlbureau im Kreise ein. Sie spekulierten dabei hauptsächlich auf die zahlreichen Verkehrsbeamtcn, die in der an den Bahnhof- rayon angrenzenden Vorstadt Steinbühl wohnen. Die Sieges- sicherheit der Nationalsozialen reizte aber den Appetit ihrer frei- sinnigen Bundesbrüder, die nun eine umfassende Wühlarbeit in Szene setzten, um zu bewirken, daß der nationalsoziale Kandidat den Wahlkreis mit dem im fünften Wahlkreis aufgestellten frei- sinnigen Postcxpeditor Bengcrt austausche. In zwei Tagen waren ILM Unterschriften von Verkehrsbeamten gesammelt, die die Auf- stellung Bengcrts verlangten, widrigenfalls sie eine Protest- Versammlung einberufen und am Wahltage Zettel für Bengcrt ab- geben würden. Im freisinnigen Lager suchte man es zwar so hin- zustellen, als ob es sich um eine spontan entstandene Bewegung unter den Berufsgenossen Bennerts handele, aber die Führer des Freisinns standen den Treibereien nicht fern, einer von ihnen trat offen für die Kandidatur Bengert ein, weil er katholisch sei und die Zentruinsstimmcn gewinnen könne! So empfahlen sie auch den Nationalsozialen, dem Verlangen der Verkehrsbcamten zu ent- sprechen, und jene befolgten auch diesen Wink mit dem Zaunpfahl, wobei sie jedoch, um sich als„Männer" zu zeigen, dem Helden- beispiel der Demokraten folgten und erklärten, sie würden alle Blockkandidaturen unterstützen, mit alleiniger Ausnahme der des Herrn Bengert. Die Sozialdemokraten werden dafür Sorge tragen, daß die Blockbrüder sich umsonst zcrkriegt haben. Der Petcrs-Prozeß der.Münchener Post" ist vertagt worden. Er sollte am 23.�». M. vor dem Schöffengericht München zur Verhandlung kommen. Von dem Beklagten ist die Vernehmung zahlreicher Reichsbeamten aus dem Kolouialdieust und der Kolonialabteilung beantragt worden. Da für die Beainten erst die Genehmigung des Reichskanzlers zur Aussage eingeholt werden muß, hat der Vorsitzende Oberlandes- gerichlsrat Meyer den Ternsin abgesetzt und einen neuen Termin auf den 20. Juni anberaumt._ Schweiz. Die AuSlicferimg des Polnische» Sozialisten Kilaezycki an Rasiland ist nun doch von den 11 Bundesrichtern in Lausanne einstimmig beschlossen worden I Dieser ungeheuerliche Ent- scheid bedeutet nicht mehr und nicht weniger als die Ver- hängung der Todesstrafe über Kilaczticki, denn wie der russische Zarismus mit den politischen„Verbrechern" umspringt, das dürfte sogar den gewissenlosen Lausanner Vundesrichtern nicht unbekannt sein. Es versteht sich von selbst, daß unsere Schweizer Partei- presse diesen indirekten Justizmord und seine„republikanischen" Urheber nach Gebühr geißelt. Der Genfer„Peuple" z. B. nennt die Auslieferung eine vollendete Infamie und sagt weiter: „Es braucht nur der kleinste, gemeinste und verkommenste remde Gelvalthaber von der Schweiz einen Schergendienst für ein bestialisches Treiben zu wünschen, und in kriecherischer Er- gebenheit rutscht die stolze, freie, republikanische Helvetia auf dem Bauche und küßt ihm die Füße. Das Asylrecht der fremden Freiheitskämpfer ist durch diesen Fall ein für allemal illusorisch gemacht. Die Auslieferung Kilaczyckls an die bestialischen Schergen des schurkischen Zarismus ragt als ewiges Dcukmal der Schmach und Schande aus den Gipfeln der Schweizer Alpen hervor. Jetzt ist es an der Zeit, daß die schweizerische Arbetterschaft und das ganze zivilisierte Europa spricht, um der schweizerischen Regierung, die sich jetzt ellatant als Henker des russischen nach Freiheit lechzenden Volkes entpuppt hat, Achtung einflößen vor dem Kampfe um Kultur und Freiheit." Der„Peuple" fordert schließlich die Freilassung Mlaczyckis. um die politische Geschichte der Republik vor dem Schandfleck dieser Auslieferung zu bewahren.— Volksabstimmung im Kanton Zürich. Zürich, 13. Mai. lEigener Bericht.) Die sozialdemokratische Parole:„Ohne Kantonsratsproporz keine Wahlreform!" hat gesiegt, indem mit 37 593 gegen 25 916 Stimmen die bezügliche Verfassungsänderung und mit 38 733 gegen 26 094 Stimmen das Wahlgesetz abgelehnt wurden. Die Arbeiterschaft hat sich wieder sehr gut gehalten, jedoch hat auch das Land stark verworfen, natürlich aus anderen Gründen als die Sozialdemokraten. Von den 11 Bezirken des Kantons haben nur 2 Mehrheiten f ü r die beiden Vorlagen aufgebracht, wovon der eine der Bezirk Zürich! ' Die ob ihres Mißerfolges ärgerliche„N. Zur. Atg." erwartet nun von den Proportionaljsten neue Arbeit, die diese auch zu ge- eigncter Zeit tun werden. Der große Stadtrat Zürichs wirb jetzt wiederum nach dem Mehrheitssystem gewählt. Noch erfreulicher als der Erfolg der Verwerfung der unzu- länglichen Wahlrcform ist der positive Erfolg, der in der grandiosen Annahme des Sonntagsrnhegesetzes mit 51 683 gegen 17 692 Stimmen liegt. D'e Ausdehnung und Verallgemeinerung der Sonntagsruhe ist damit von allen BevölkcrungSkreisen als ein dringendes Bedürfnis für alle anerkannt. Das Gesetz tritt bereits mit dem 1. Jult in Kraft. Italien. Giolittiö KlerikgliSmuS. Rom, 9, Mai.(©ig. Ber) Die heutige ministerielle Mehrheit ist bekanntlich von den Klerikalen aus der Taufe gehoben worden. Es ist also begreiflich. daß Giolitti sich den Klerikalen dankbar erweist. So sehen wir denn ohne Erstaunen— wenn auch nicht ohne Ekel--- die wachsende Verpfaffung des offiziellen Italiens mir an. Jene tiefe Bcrachtimg seiner eigenen Partei, die für Giolitti charakteristisch ist, hat ihn längst über die ideellen Hindernisse hinwegsehen lassen. die einer klerikalen Regieruiigspolitik in Italien entgegenstehen sollten. Daß die italienische Bonrgeoisie den Kampf für die Einheit ihres Vaterlandes in erster Linie als den Kampf gegen den Vatikan gekämpft hat. daß die ruhmvollen Tradsiionen des Risorxiwöuw (AZiederaustrstehenS) ganz und gar autillerikal sind, das ficht Giolitti nicht an. Er kennt seine Leute und weiß, daß er die ideellen Motive der heutigen Bourgeoisie gar nicht tief genug anschlagen kann. Und so zahlt er— in«gelinSßigen. pünktlichen Raten— dem Pfaffentum den wohlverdienten Lohn, und seine„liberale" Mehrheit schweigt dazu in dankbarer Erinnerung an die klerikalen Stimmen, denen so viele ihrer Abgeordneten ihren Sitz im Parlament verdanken. Das heutige Aergeruis ist nur ein Glied in der Kette. Man hat den Kardinal Lorenzelli, Erzbischof von Lucca, mit militärischen Ehren empfangen, ist ihm beim Klange der Nationalhymne und mit wehender Trikolore entgegengezogen! Was ist weiter dabei?— Hat nicht neulich der„liberale" Abgeordnete Cimati in der Kammer den Borschlag vertreten, man solle in den armen Landgemeinden, wo das Geld für den Lehrer fehlt, den Elementarschulunterricht dem P r i e st e r anvertrauen? I Hat man nicht in jüngster Zeit Soldaten beordert zu Prozessionen, Transporten von Heiligenknochen und der- gleichen zeitgenössischen Unternehmungen mehr? Und hat nicht ein Schiff der italienischen Kriegsmarine die Feier des Festes von San Francesco da Paola erhöhen helfen? Ist aber nicht ein lebendiger Kardinal so viel wert wie ein toter Heiliger? Freilich, allerlei ungemütliche Einzelheiten laufen mit unter. So weiß man z. B., daß der Klerus der italienischen Trikolore die Pforten der Kirchen versperrt, wenn sie bei einem Leichenbegängnis mitgetragen wird.— Auch hat der Vatikan sich gleich aufs hohe Pferd gesetzt und in einer offiziellen Note bekannt gegeben, daß der Kardinal Lorenzelli keineswegs um die militärischen Ehrenbeze»guiigen nachgesucht hat! Er ist eben kein koulanter Bundesgenosse, der liehe Vatikan, aber jedenfalls sehr nützlich und verwertbar gegen den„Umsturz". Zweimal hat man— gestern und heute-- Giolitti wegen der Ehrung von Lucca interpelliert und zur Antwort erhalten, daß es sich um einen puren Höflichkeitsakt handle, dem keinerlei politische Bedeutung zukomme.— Sehr angenehm schien dem Minister- Präsidenten die Sache aber nicht geworden zu sein: denn eine klerikale Regierungspolitik— so offen und brutal klerikal wie die der letzten Tage— ist beim Gros der Wählermasse denn doch nicht populär. Giolitti würde daher gut tun, statt die Verfolgung von Osfizieren zu begünstigen, die dem Freimaurerorden angehören, die Aufklärung zu ihrem Rechte kommen zu lassen. Sonst kann das dritte Italien bald mit der Trikolore und unter dem Klange der Nationalhymne nach dem Vatikan ziehen und den Pantoffel küssen. Sckmcleii. Wahlrecht. Stockholm, 14. Mai. Der vom Wahlrechtsausschuß vor- geschlagene Kompromißantrag betreffend die Herabsetzung des Zensus für die Wählbarkeit zur ersten Kammer auf ein Ein- kommen von 3000 Kronen wurde von der ersten Kammer mit 110 gegen 29 Stimmen und von der zweiten Kammer mit 128 gegen 98 Stimmen angenommen. Die jetzt angenommenen Reformen des politischen und des kommunalen Wahlrechts sind tief ein- greifender Natur; sie beruhen auf der Grundlage der Proportional- Wahlmethode und des allgemeinen Wahlrechts zur zweiten Kammer, einer starken Demokratisierung der ersten Kammer sowie einer be- deutenden Herabsetzung der kommunalen Wahlskala. Die An- nähme der Reformen ist indessen nicht definitiv. Die Reform- Vorschläge bleiben vorläufig bis zum Jahre 1909 unerledigt, um dann vom Reichstage beraten zu werden, wenn die neuen Wahlen zur zweitem Kammer stattgesunden haben.— Inäien. Tic Agitation in Indien. London, 12. Mai. Diesen Antragen tvird debatkeloS znziflkmmk. Die Wahlen von Dr. Ruegenberg(«. Koblenz, Z.)', Dr. Neumann�ofer(Lippe, frs. Vg.), Dr. P i ch l e r(3. Nieder- bayern, Z.), Fürst zu Dohna- Schlobitten(4. Königs- berg, k.), Frhr. Heyl zu Herrnsheim(7. Hessen, nall.), Linck(6. Mecklenburg- Schwerin, natl.), Dr. Müller- Meiningen(1. Sachsen-Meiningen, frs. Vp.), Dr. D r ö s ch e r (2. Mecklenburg-Schwerin,!.). Graf v. Schwerin.Löwitz (l. Stettin, k.), v. CzarlinSki(2. Bromberg. Pole), Fürst v. Hatzfeldt(6. Breslau, Rp.), Sommer(8. Merseburg, frs. Vp.), Hausmann(9. Hannover, natl.), Dr. Stengel (1. Stralsund, frs. Vg.), Frhr. v. Steinäcker(S. Stettin, f.), Dr. Heckscher(10. Schleswig-Holstein), Dr.'J ä g e r 3. Schwaben und Neuburg, Z.), Trimborn(1. Köln, Z.), Dr. Delbrück (8. Stettin, frs. Vg.), Findel(11. Hannover, natl.), Gans Edler zu Putlitz(6. Stettin, k.), Fürst Radziwill (10. Posen, Pole), Wiedeberg(7. Arnsberg, Z.), Roeren (4. Trier, Z.) beantragt die Wahlprüfungskommission für gültig zu erklären. Diese Anträge werden debattelos angenommen. Die Wahl von Dr. Hermes(7. Liegnitz, frs. Vp.) beantragt die Kommission ebenfalls für gültig zu erklären. Abg. Singer(Soz.): Wir halten die Deduktion der Mehrheit der Kommission nicht für richtig. Bei dieser Gelegenheit möchte ich dem Wunsche Ausdruck geben, daß bei mündlichen Berichten über Wahlen, bei denen Proteste vorliegen, diese Proteste dem Hause doch mindestens zur Kenntnis gebracht werden. Abg. Wellstein(Z., Borsitzender der Wahlprüfungskommission) Der Erfüllung dieses Wunsches steht nichts im Wege, aber münd liche Berichte werden nur erstattet, wenn die Proteste wirklich ganz unberechtigt sind. Die Wahl wird für gültig erklärt. Die Wahlen von M a n z(2. Mittelftanken, frs. Vp.) und Schlüter(6. Frankfurt, Rp.) werden, da sie längere Debatten hervorrufen werden, von der Tagesordnung abgesetzt. Die Tagesordnung ist erschöpft. Abg. Bassermann(natl.) dankt dem Präsidium für die „liebenswürdige Führung der Geschäfte".(Bravol) Graf Posadowsky verliest die kaiserliche Botschaft, welche die Vertagung des Hauses bis zum 19. November ausspricht. Hierauf bringt der Präsident Graf Stolberg daS Kaiserhoch aus. Die Sozialdemokraten haben vorher den Saal verlassen. Schluß 7 Uhr._ Die russische Revolution. Der erste Mai. Petersburg, 14. Mai.(W. T. B.) Bis 12 Uhr mittags hatten wegen der Maifeier 93 097 Arbeiter auf 236 Fabriken die Arbeit eingestellt. Auf den großen Werken waren sich die Arbeiter noch nicht schlüssig, ob sie sich an der Maifeier be teiligen sollen.— Reichsduma. Am Montag nahm die Duma ihre Arbeiten wieder auf. ES wurde die Interpellation M a k l a k o ff verhandelt, die sich mit einer ungesetzlichen Verfügung des Generalgouverneurs von Moskau, Hörschelmann, beschäftigt. Hörschelmann hat widerrechtlich ein Feld kriegsgerichtsurteil kassiert, durch welches ein wegen Ermordung eines Polizeispitzels Angeklagter mit Zwangsarbeit bestraft worden war. Der Herr Generalgouverneur ernannte ein anderes Gericht und dieses tat, was er verlangte: Es verurteilte vier Personen zum Tode! Der Kriegsminister Rüdiger und fem Kollege von der Justiz, Gchtscheglowitow, sowie Makaroff, der Gehülst des Ministers deS Innern, suchten Hörschelmann zu verteidigen, aber nicht ihnen, son> dern dem Interpellanten stimmte die Duma zu, ebenso den Aus führungen anderer Redner aus dem Hause, die— wie Kusmin Karawajeff und Hessen— Maklakoff-Z Ausführungen unterstützten. Schließlich wurde folgende Resolutton Hessen mit allen gegen 3 Sttmmen angenommen: In Anbetracht, daß die Ungesetzlichkeit der Handlungen deS Generalgouverneurs Hörschelmann aus den Erklärungen des Kriegsministers und des Justizministers hervorgeht, weil Hörschelmann ein Urteil eines Feldkriegsgerichts kassiert hat, während da« Gesetz jede Revision und jede Kassation der Urteile dieser Gerichte verbietet: in Ansehung, daß die Ungesetzlichkeit der Handlungsweise des Generalgouverneurs Hörschelmann positiv ststgestellt ist und die Hinrichtung von vier Personen zur Folge hatte und dem zuständigen Urteil unterworfen werden muß, was nicht durch die von den Ministern vorgebrachten Rechtfertigungen ersetzt werden kann, geht die Duma zur Tages ordnung über. Verworfen wurde ein Zusatzantrag der Sozialdemokraten, der bezweckte, die Erklärungen der Regierung als unbefriedigend zu bezeichnen. Erregte Etatberatung. Petersburg, 14. Mai. Die Reichsduma wird nach 2 Uhr eröffnet. Die revoluttonären Sozialdemokraten tragen aus Anlaß der Mai« feier rote Blumen. Die Duma berät Artikel für Arttstl das Budget der Dumakanzlei. Der Gehülfe de» Ministers deS Innern, KryschanowSky, erklärt, die Regierung wolle die Etatsberatung beschleunigen: sie bestehe nicht darauf, daß auf technische Erwägungen eingegangen werde, aber sie ver- lange Beobachtung des Gesetzes, welches für die höchsten Beamten der Dumakanzlei höhere Bildung fordert. Der Präsident unterbricht KryschanowSky und schlägt ihm vor, diese Er- klärungen bei der Beratung der entsprechenden Artikel abzugeben! KryschanowSky verläßt die Tribüne. äußert aber über das Verhalten des Präsidenten sein Beftemden, weil die Re- gierung nach dem Gesetz das Recht habe, ihre Erklärungen abzugeben, wann e» ihr paßt. Inmitten des LärmS steigt P u r i s ch l e w i t f ch auf die Tribüne und ruft: Wenn der Gehülst des Minister« seine Erklärungen bei der Beratung der einzelnen Artikel abgeben werde. werde man nicht den allgemeinen Eindruck haben. Der Präsident entzieht Purischkewitsch da» Wort und untersagt den Lärm. Darauf gestaltet die Debatst sich wieder ruhiger. Di« Duma nimmt die einzelnen Posittonen des Etats, der im ganzen 400 916 Rubel umfaßt, nacheinander an. Um S Uhr abends w,rd dst Sitzung geschlossen. Nächsst Sitzung Donnerstag. Ans de« Augiasställe« der russische« Fiuanzverwaltung. Der sehr gemäßigte Moskauer Professor I. Oserow, der auf besondere Erlaubnis hin Zutritt zum Archiv der Reichskontrolle erhalten hat. veröffentlicht nun auf Grund der authentischen Do» kumente ein Werk, das einen äußerst wertvollen Beitrag zum Ka. pitel«Die Verschleuderung de» russischen Staatsbesitzes" bildet. Wir geben im folgenden ein paar charakteristische Beispiele wieder: Ueber die.nichtordnuagSgemäße"(mit anderen Worten— gesetzwidrige) Darlehenserteilung der Reichsbank fällt Pro. fessor Oserow folgendes Urteil, da? er durch zahlreiche Beispiel« lelegt:„Die Reichsbank ist bei unS fast zu einer Spielhölle geworden, wo jeder sein Glück versuchen und um Darlehen bitten kann in der Hoffnung, daß das Glück ihm günstig sein und ihm ein Darlehen zufallen werde." Noch schlimmer steht es mit der Eisenbahnverwaltung: Die Lieferungen sind nachgerade das Monopol einiger Personen ge. worden, unter denen technische Angestellte des Verkehrsministeriums nicht selten sind! Die Lieferungen werden«ach Abzug von 40 bi» 60 Proz. in zweite»der dritte HSndr abgegeben. Die Bestellungen für den EisenbahnhauShalt werden von einem besonderen Komitee vergeben, das ungewöhnlich hohe Preise zahlt. So wird den Jusow'schen Stahlwerken pro Pud Eisenbahnschienen 1,12 R. ge- zahlt, während es den Werken selbst 0,89 A. kostet.— Die Ost» chinesische Bah« ist durch fljtt Soff crtcTrf s chask fast sprüchwörklich geworden. So schreibt Herr T. nach einer Revision dieser Bahn an den Reichskontrolleur:„Die Untersuchung des Rechenschaft»» Wesens hat folgendes zutage gefördert: Viele Quittungen, die an« geblich chinesisch sein sollten, bestanden in Wirklichkeit aus phan» tastischen Zeichen! Eine und dieselbe Person wird bald als des Schreibens kundig, bald als deS Schreiben? unkundig angegeben. Die Empfangsbescheinigungen verschiedener Chinesen auf den Listen find oft von einer und derselben Person gestellt....! Und nun ein Beispiel auS dem Rechenschaftswesen de» Fi« nanzministeriumS: In seinem Bericht an die Reichskontrolle vom Jahre 1902 heißt es unter anderem:«Dem Oberingenieur sind 42 Millionen überwiesen worden." Kein Wort mehr— ol» sei hier die Rede von 42 Kopeken.— Die Hütten und Bergwerke werden über die Maßen schlecht verwaltet. Die staatlichen Bestellungen werden an Privatunter» nehmungen abgegeben, während die st a a t l i ch e n Werke still- stehen müssen, wenn sie sich nicht an private Vermittler wende« wollen, die ihnen für entsprechenden klingenden Lohn staatliche Be» stellungen zuführen!! Für das Beamtentum find staatliche Bestellungen überhaupt ein goldener Born. Besonders beliebt sind Auslands- bestellungen; denn hier„gilt die Regel, daß bei diesen Be» stellungen 19 Proz. für diejenigen abfallen, die momentan die Macht besitzen..."„Nicht selten kommt eS vor, daß sogar bei inländischen Lieferungen eine Vermittelungsgebühr von 10 bis 20 Proz. gezahlt wird." Es gibt natürlich auch andere Wege, den Staat zu„erleichtern". Es sei bloß ein Beispiel angeführt: Dem Prinzen von Oldenburg wurden 1000 Detzjatin Land in Gagry für 40 000 Rubel„verlauft", während der tatsächliche Verkaufswert dieses Landstückes 7 Mill. Rubel betrug....! I „Für alle, die im Besitz von Macht oder Einfluß waren"— schreibt Professor Oserow—„war es ein leichtes, ihren Willen durchzusetzen. Der Staatssäckel war diesen Einflüssen gegenüber äußerst nachgiebig... Einflußreiche Personen konnten bei un» das Reichsschatzamt in die verschiedenartigsten Operationen hinein- ziehen: in unvorteilhafte Abschlüsse, verlustbringende Lieferungen und so weiter," so daß in Wirklichleit„das Reichsschatzamt an einen Spielklub gemahnt, dem Abenteurer aus aller Herren Ländern mit den verschiedenartigsten Kunstgriffen zustrebten, selbstver- ständlich unter dem Deckmantel verschiedener Projekte, die Rußland „beglücken" sollten." So schreibt ein loyaler,„wohlgesinnter" Professor, der daS vollkommene Vertrauen der Obrigkeit genießt. Was muh es also von„interessantem" Material noch in denjenigen Geheimfächern des Finanzministeriums und der Reichskontrolle geben, zu denen sogar„Vertrauensmänner" der Regierung keinen Zutritt haben?— Zum Tode verurteilt— trotz deS Ponr le mörlte. Nach langen Beratungen, die auf Betreiben von gewisser Seit» immer wieder hinausgeschoben, beziehungsweise„von neuem auf- genommen" werden mußten, ist die Kommission, die mit der An, gelegenheit des Generals Stössel betraut war, nun doch zur Ver- urteilung zum Tode und Hinrichtung durch den Strang gekommen! Die Gründe dieses Urteilssprucbs. der gefällt ist von aktiven Militärpersonen, die sich unter einem gewissen Druck be- fanden, sind folgende: Am 1. Januar 1906 hat General Fock auf Befehl deS General» Stössel den Japanern ohne Schlacht die Positionen eingeräumt. in denen man sich noch halten konnte und muhte. Hierdurch wurde den Japanern die jjanze alte Stadt, das heißt diejenige Hälfte der Festung ausgeliefert, wo der gesamte Proviant konzentriert war, den Stössel trotz der ihm Mitte November gewordenen dringenden Vorstellungen nicht nach der Neustadt. beziehungS» weise Ljaotschan übergeführt hat. Am 1. Januar befahl Stössel, das Feuer einzustellen, da Unterhandlungen wegen einer ehren- haften Uebergabe der Festung im Gange seien. Indessen wurden die Uebergabebedingungen nicht den Chefs der Truppenteile, sondern den Mannschaften und zwar nach erfolgter Ueber�gb« mit- geteilt. Trotzdem beim KriegSrat am 29. Dezemb"*" nehmern 19 gegen die Uebergabe der Festung sich 2 der Stimme enthalten haben(General Bielyj? noch viel Munition vorhanden ist. General Smir daß der Proviant noch länger als einen Monat t anderen Generäle versicherten, daß im Bedarfsfalle BerteidigungSmacht am Platze ist), gab General Sb sichten nicht kund, ließ das Protokoll dieses KriegSra schreiben und lieferte bald daraus die Festung aus. An noch vor dem Eintreffen der kaiserlichen Depesche, sp Stössel den Offizieren seine Verwunderung darüber mit den Mannschaften in die Gefangenschaft gehen der Uebergabe der Festung aber überließ Stössel da» und Gut derselben seinem Schicksal. Die Kriegsgefangenen je nach Rang einige Pud Gepäck mitnehmen, Stössel» Gepäck aber wurde am 10. Januar auf 40 Wagen aus Port Arthur gebracht.— Verbandstag der Töpfer. In der gestrigen Vormittagssitzung wurde die Debatte über die Rechenschaftsberichte fortgesetzt. Es find hauptsächlich innere. Angelegenheiten der Organisation, die hierbei zur Sprache kommen, sowie einige Differenzen zwischen Zentralvorstand und Filialen. namentlich der Filiale Berlin, die zu ihrer Zeit mancherlei Auf» regung hervorgerufen haben. ES zeigte sich in der Debatte all- gemein die Ueberzeugung. daß der Zentralvorstand sein Amt bestem Wissen und Gewissen verwaltet hat und daß einige Angriffe, die im Laufe der Geschäftsperiode gegen die lei.. Personen gerichtet wurden, durchaus unberechtigt waren, j Antrag, jährlich einigen Mitgliedern Gelegenheit zu geben/ den von der Generalkommission veranstalteten UnterrichtskuT teilzunehmen, wurde in der Debatte allgemein gebilligt. Auch vom Redakteur Schmit vorgeschlagenen Regeln über Mit« und Redaktion des„Töpfer" fanden, abgesehen von einzelnen Wendungen, die Billigung der Diskussionsredner. Dazu liegt ein Antrag vor, den Redakteur zu verpflichten, die Parteipr�M über die wichtigster' Kämpfe im Töpferberuf zu informieren. 4» Die Debatte erreichte in der VormtUagssitzung nicht ihr Suvi und wurde nachmittags fortgesetzt. Nachmittagssitzung. In der Debatte über die Rechenschaftsberichte wird ferner eine im vorigen Jahr von der Leipziger Filiale geplante Ofen- setzerkonferenz erwähnt, die nicht die Billigung des Zentral. Vorstandes fand und auch nicht zustande gekommen ist. Aus der Konferenz sollte über die Misere im Ofensetzergewerbe in Ver- bindung mit dem Vordringen der Dampfheizung gesprochen werden. Der Zentralvorstand hielt eine solche Konferenz kurz vor dem Verbandstag. sowie die Art ihrer Einberufung nicht für zweckmäßig. Zur Sache selbst wurde von mehreren Tiskussions. rednern hervorgehoben, daß die Einführung der Dampfheizung durch Pfuscharbeit im Ofensctzergewerbe begünstigt wird. d,e auch mit der Lieferung schlechter Kacheln zusammenhängt. Es wurde- der Wunsch laut, man sollte in den Tarifverträgen Vorsorg«, treffen, daß nur gute» Material zur Verarbeitung geliefert werden darf, und eventuell auch durch Verständigung mit den Werk» stattarbeitern für die Herstellung guten Material» gesorgt wird. Im Zusammenhang damit wurde auch die schmähliche Lehrliny». auSbeutung erwähnt, die der Ausbildung tüchtiger Gehülfen hl«» derlich ist. Ferner wurde in der Debatte die Verschmelzungsfrage be» rührt. K» haben bereits Verhandlungen zwischen dem Zevtral» KaJi fmi f i>Tr«i�i■ f, M, jpr»■« n, r,.ri-ii.- vwfÄöiy vtv �OPyCTüf 5 tutö Dem DTS �wtgcuuITucOCller» verbände» stattgefunden, woran auch der Zentralvorstand des Glas. arbeiterverbandes teilnehmen sollte, was jedoch wegen Verhinderung des Verbandsvorsitzenden Girbig unterblieb. Wie die Leitungen der beiden anderen Verbände für die Verschmelzung find, so ist dies auch von der de» Glasarbeiterverbandes anzunehmen. Die Eni- scheidung des Berbandstages über diese Frage wird bei einem anderen Punkt der Tagesordnung getroffen. Ebenso wird später über einige andere Anträge beschlossen werden, die in der Debatte über die Berichte berührt wurden. Die Debatte selbst wurde in der gestrigen Sitzung bis auf die Schlußworte des Referenten beendet. Nach der Sitzung besuchten die Delegierten das wissenschaftliche Theater„Urania"._ Huö Induftric und F)andeL Billige Staatsbahnlieferungen. Unter vorstehender Stichmarke schreibt das Organ der Kohlen« «agnaten, die„Rh.-Westf. Ztg.": Das Kohlensyndikat muß bei seinen Abschlüssen mit der Staatsbahn durchschnittlich 1 M. pro Tonne zulegen, da der den Zechen zu vergütende Preis um diesen Betrag höher ist als die Bahn befahlt. Das wirkt natürlich auch auf die Syndikats« Umlage, über deren Höhe ja vielfach bei den Zechen geklagt wird. Der Fiskus steht sich mit seinen langfristigen Abschlüssen bei den heutigen Verhältnissen finanziell recht gut. denn alle übrigen Abnehmer müssen kurzfristig kaufen, da die Syndikate im allgemeinen keine langfristigen Verträge machen. Der FiSkuS allein ist infolgedessen in der Lage, die Konjunktur gründlich auszunutzen. Man erinnere sich nur der Jahre ISDS/ISOO, in denen er für seine alten Eisenschienen ungefähr denselben Preis erhielt, den er für seine neuen Stahlschienen bezahlte. ES ist denn auch eine bekannte Tatsache, daß Staatsbahnaufträge in Hochkonjunkturen wenig beliebt sind und nur in Zeiten schwacher Beschäftigung als willkommene Ergänzung des Auftragsbestandes angesehen werden." Die Unterstellung, der FiSkuS erhalte die Kohlen zu billig, ist durchaus unberechtigt. Die Erlöse aus den Lieferungen an die Staatsbahn müssen sogar noch mit dazu dienen, das Syndikat für die billigen Auslandsverkäufe und die Minderpreise in den bestrittenen Gebieten schadlos zu halten. Mit anderen Worten: Auf Kosten der Steuerzahler stärkt das Syndikat seine Preispolitik, durch welche es die Konsumenten in stettg stärkerem Maße schröpft. Wie sich die Preise, die der FiSkuS zahlen muß, zu den Erlösen verhalten, die im Durchschnitt pro Tonne erzielt werden, zeigt diese Tabelle: 3°«-" (Ruh hie) per Tonne Förderung 1900 11,10 M. 10,56 M. 1901 11,10, 11,01, 1902 11,00. 10,28. 1903 10,50, 9,84, 1904 10,50, 9.82. 1905 10,50. 9,89. Der DurchschnittSerlöS bleibt hinter den Preisen, die die Staats- vahn zahlen muß. um 9 bis 61 Pf. zurück. Da kann man doch gewiß nicht davon reden, der Fiskus bekomme das Brennmaterial zu billig. Sollte die Richtigkeit der vorstehenden Ziffern über Er« löse angezweifelt werden, dann muß man sich an diejenigen halten, die zu der amtlichen Denkschrift 3. Teil(Kohlensyndikate) das Material geliefert haben. Der Hinweis auf die Tabellenpreise ist anders nichts wie Spiegelfechterei. Der Tabellenprei» ist be« rechnet als DurchschnittSerlöS für sämtliche Kohlensorten und für Koks. Da ist es selbstverständlich, daß bei den Verkäufen nicht für alle Sorten die Tabellenpreise herausgeholt werden, und dazu noch für eine Reihe anderer Sorten weit höhere Erlöse. llebrigenS stehen die Preise, die der Staat zahlen muß, durch aus nicht hinter nämlich für den Tabellenpreisen zurück. Diese betrugen 1900 1901 1902 1903 1904 1905 M. M. M. M. M. M. Fettkohlen.. 10.50 11,50 11,50 11,00 11,10 11,10 Flammkohlen. 10.00 10,00 10,25 10,75 10,75 10,75 Dazu vergleiche man die obigen Preise für Lokomotivkohlen. Die Riesengewinne, die die SyndikalSleute eingeheimst haben, haben wohl die Lust nach noch höheren Preisen geboren und da soll Vater Staat noch tiefer in den Säckel greifen. Preisbewegung an de» Zuckermärkten. Die Preiserhöhungen an den Zuckermärtten illustriert die folgende Tabelle über die Notterungen im Hamburger Tonnenmarkt. Es wurden notiert Am 1. März> , 2. April . 1. Mai, » 10.» . 11... Das PluS stellt 8,3b Proz. sich Mai 18,20 18,60 19,05 20,50 20,45 für die August 18,50 18,75 19,85 20,65 20,65 kurze Zeit Dezember 18,05 18,30 18,85 19,65 19,65 auf 12,3, 11.« resp. Soziales. Tragische Folgen eines Betriebsunfalles. Im Jahre 1899 arbeitete der Schlosser L. im könig- lichen FeuerwerkSlaboratorium in Spandau. In seiner Nähe explodierte ein Geschoß. Durch einen Splitter wurde L. nur leicht am Finger verletzt. DaS hinderte ihn nicht, seine Arbeit fortzusetzen. Aber außer der unerheblichen sichtbaren Verletzung trug L. infolge de» Unfalls ein äußerst schwere» Leiden davon, daS freilich zunächst von niemand bemerkt wurde. Der durch die Explosion verursachte furchtbare Schreck hatte bei L. eine schwere Erschütterung des Nervensystems hervorgerufen. Er lebte seitdem fortwährend in Angst, e» könne wieder eine? der gefährlichen Geschosse, mit denen er zu hantieren hatte, explodieren. Infolge seine» nervös- gereizten Zustandes kam L.. wie leicht erklärlich ist, in Reibereien mit seinen Mitarbeitern. Zwei derselben verklagten L. im Jahre 1901 wegen Beleidigung, und er wurde auch zu Geldstrafe und Kosten verurteitt. Eine«eitere Folge der Krankheit war die, daß L. sich zu Unrecht verurteilt fühlte, daß er die Prozetzzeugen des Meineides bezichtigte, und daß er Eingaben aus diesem Anlaß an alle möglichen Behörden machte. Ton und Inhalt dieser Eingaben erregten den Verdacht, daß man eS mit einem Geistesgestörten zu tun habe. L. wurde dann im Spandauer Krankenhause auf seinen Geistes- zustand untersucht und später in die Irrenanstalt zu Reu-Ruppin übergeführt. Ein Gutachten des ärztlichen Leiter» der An- ftalt erklärte den Zustand deS L. als einen derartigen, daß eine Heilung nicht zu erwarten sei. Auf Grund dieses Gut- achtens erzielte die Frau des L. die Scheidung der Ehe. Aus der Anstalt ist L. einmal entflohen, später aber wieder in dieselbe aufgenommen. Nach Jahr und Tag hat sich sein Zustand so weit gebessert, daß er aus der Anstalt entlassen werden konnte. Gegen- wärtig ist L. als Schlosser in einem hiesigen Groß- betriebe beschäftigt. Ein wenn auch nicht sehr heller Licht- blick auf dem Leidenswege des bedauernswerten L. war es, daß er auf Grund seiner später festgestellten geistigen Erkrankung das Wiederaufnahmeverfahren in den beiden Beleidigungsprozessen aus dem Jahre 1901 erzielte. Die beiden Privatklagen wurden am Dienstag im Wiederaufnahmeverfahren am Landgericht II erneut verhandelt. Auf Grund ärztlicher Gutachten wurde festgestellt, daß es mindestens zweifelhaft sei, ob L. bei Begehung der Beleidigungen zurechnungsfähig gewesen ist. Nach dieser Fest- stellung nahmen die Privatkläger die Klagen zurück und das Gericht erkannte auf Einstellung des Verfahrens. Dieser kleine Erfolg kann das tragische Geschick des bedauernswerten Mannes natürlich nicht erleichtern. ES bleibt die fürchterliche Tatsache bestehen, daß ein vordem gesunder Arbeiter infolge eines Betriebsunfalles den Ruin seiner Gesundheit, seines Familien- und Lebensglückes davongetragen hat. Trotz alledem konnte er nicht einmal eine Unfnllrente erlangen, und das. obgleich er seinen Anspruch seinerzeit bis zum Reichs- versicherungSamt durchgefochten hat. Hoffentlich gelingt ihm auch im Unfallverfahren die Wiederaufnahme des Verfahrens. FortbildungSschulbesuch und Arbeitgeber. Nach K 127 der Gewerbeordnung ist der Lehrherr verpflichtet, den Lehrling zum Besuche der FortbildungS- oder Fachschule direkt anzuhalten und den Schulbesuch zu überwachen. Ferner schreibt§ 120im Absatz 1 unter anderem vor:„Die Gewerbeunternehmer sind verpflichtet, ihren Arbeitern unter 18 Jahren, welche eine von der Gemeindebehörde oder vom Staate als Fortbildungsschule anerkannte Unterrichtsanstalt besuchen, hierzu die erforderlichenfalls von der zuständigen Behörde festzusetzende Zeit zu gewähre n." Auf die Auslegung dieses„gewähren" kam es in einem Straf- Prozeß gegen den Maurermeister Wagner an, der an- geklagt war, weil einen jugendlichen Arbeiter(nicht Lehrling) diese Zeit„nicht gewährt" habe. DaS LandgerichtKoblenz sprachihnfrei. Es ging davon aus, daß hier von einem Nichtgewähren nicht die Rede sein könne, da der junge Mann jene Lernstunden gar nicht habe besuchen wollen und gar nicht nach ihrer Freigabe verlangt habe.— DaS Kammergericht hob auf die Revision der Staatsanwaltschaft das Urteil auf und verwies die Sache zu nochmaliger Ver« Handlung und Entscheidung in die Instanz zurück. ES nahm dem Gesetz entsprechend an, daß zur Anwendung der angezogenen Vor- schrift nicht erforderlich sei, daß der Arbeiter die Freigabe verlange. Vielmehr sei die Bestimmung so auszulegen, daß der Arbeitgeber ohne weiteres verpflichtet sei, dem Arbeiter an den Tagen des Schulunterrichts so rechtzeitig freizugeben, daß dieser die Mög- l i ch k e i t habe, den Unterricht zu besuchen. Agrarische Rücksichtslosigkeit gegen Unfallverhütungsvorschriftrn. Aus dem Gute Grünlinde in Ostpreußen ließen die beiden Guts- besitzer Krause und Löwe am 27. Januar d. I. Getreide mit der Maschine dreschen. Wie da» leider auf vielen ostpreußischen Gütern geschieht, kümmerten sich auch hier die Besitzer nicht um die Unfall- Verhütungsvorschriften und ließen das Göpelwerk der Dreschmaschine an den gefährlichsten Stellen unbekleidet. Eine beim Dreschen be- schäftigte alte Frau wurde von der unbeNeideten Klauer bei den Kleidern erfaßt und in die Maschine hineingezogen. Sie erlitt schwere Verletzungen am Bein, die operative Eingriffe nötiK machten. Zwei Tage darauf stellte sich jedoch Blut- Vergiftung ein. weshalb die Aerzte eine Amputatton de» Beines als notwendig erachteten, um die Frau wenigsten» am Leben zu erhalten. Die alte Frau widersetzte sich aber der Lmputanon und starb dann am 13. Februar infolge der Verletzung und der darauf folgenden Blutvergiftung. Nun hatten sich anfangs dieses Monats die beiden Gutsbesitzer wegen fahrlässiger Tötung vor der Strafkammer zu Königsberg zu verantworten. Sie gaben auch ihre Schuld ohne weitere» zu. Jedoch betonten sie und baten die Sache milde zu beurteilen, da sie doch alles getan hätten, das Schicksal der verunglückten Frau zu erleichtern. Hätte diese sich nicht der Amputation widersetzt, dann wäre sie am Leben geblieben. Das Gericht hatte denn auch volles Verständnis für die von den armen Gutsbesitzern angeführten Milderungsgründe. Es billigte denselben im weitgehendsten Maße mildernde Umstände zu und verurteilte den Gutsbesitzer Kraus« zu einer Woche und Löwe zu drei Tagen Gefängnis. 6ericbts- Leitung» Majestätsbeleidigung. Wegen Majestätsbeleidigung mußte sich gestern der 36jährige Arbeiter Franz Brüning vor der 2. Strafkammer deS Landgerichts I. verantworten. Die Verhandlung, welche wegen Ge- fährdung der öffentlichen Ordnung unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit stattfano, ergab folgenden Sachverhalt. Im November vorigen Jahres war der Angeklagte auf einem Neubau in der Karl- straße beschäftigt. Am 10. November borigen Jahres hatte er, da eS sehr kalt war, schon vom frühen Morgen an Schnaps getrunken und hatte, als sich der jetzt zur Anklage stehende Vorfall ereignete, nach seiner eigenen Angabe für etwa 80 Pf. Schnaps gewöhnlicher Sorte verkonsumiert. An jenem Tage hatte der Kaiser dem 2. Garde-Grenadierregiment einen Besuch abgestattet und fuhr dann mit seinem Automobil die Karlstraße in der Richtung nach der Friedrichstraße zu entlang. Als sich das kaiserliche Automobil dem Neubau näherte, auf welchem der Angeklagte arbeitete, wurden die Bauarbeiter durch die Ovation, die das angesammelte Publikum dem Kaiser entgegenbrachte, aufmerksam. Wie zwei in der Nähe postierte Schutzleute beobachtet haben wollen, soll der Angeklagte nach Art kleiner Kinder die Zunge herausgesteckt haben. DieS wird seitens der Anklagebehörde als Majestätsbeleidigung aufgefaßt. Vor der Strafkammer bestritt der Angeklagte, sich der ihm zur Last gelegten Handlungsweise schuldig gemacht zu haben und behauptete, er habe wie die übrigen„Hurra" gerufen. Staatsanwalt Artelt glaubte in dem Benehmen des Angeklagten nur einen groben Unfug erblicken zu können und beantragte 2 Wochen Haft. DaS Gericht beschloß die Sache auf Sonnabend zu vertagen und noch verschiedene Zeugen zu laden, auf die sich der Angeklagte zu seiner Verteidigung be- rufen hat._ Fabrikbesitzer, Graf und Professor. Eine w ü st e Szene, die sich in der Silvesternacht in dem Englischen Büfett Unter den Linden zugetragen hatte, be- schäftigte gestern in einer längeren Sitzung das Schöffengericht Berlin-Mitte. Wegen Körperverletzung mittels gefährlichen Werk- zeuges mutzte sich der Fabrikbesitzer Rudolf Herschel vor dem Strafrichter verantworten.— Es war am Neujahrs- morgen dieses Jahres in der fünften Stunde, als sich in dem im ersten Stockwerk gelegenen Grill-Room des Englischen Büfetts eine kleine Gesellschaft zusammengefunden hatte, die vollständig unter dem Banne der Scktgeister stand. Unzählige Seltflaschen standen auf und unter den Tischen und ständig wurde neuer„Stoff" heran- geschafft. Die überaus lustige Sektstimmung wurde jedoch plötzlich durch einen unangenehmen Zwischenfall äußerst jäh unterbrochen. An einem der Tische saß eine Gesellschaft, unter der sich auch der Professor N e u m a n n aus Charlottenburg befand. Am Nebentisch saß der Graf Dohna-Motwitz mit einer jungen Dame. Als Professor Neumann gerade ein gefülltes SektglaS in der Hand hielt, rief er im Scherz der Dame ein„Prosit Neujahr" zu. Dies wurde von dem Herrn Grafen gewaltig übelgenommen, denn er rief Herrn N. zu, der„Judenjunge solle das Maul halten". Professor N. trat auf diese Beleidigung sofort an den Tisch des Grafen Dohna heran und ersuchte ihn in höflichem Tone zu revozieren, da die Beleidigung anscheinend infolge der verschiedenen Quan- titäten Sekt und Liqueure ihm nur entschlüpft sei. Graf D. weigerte sich mit einer neuen Beleidigung, worauf ihm Pro- fessor Neumann e in e sch all en d e Oh r f ei g e ap pli- zierte. Zu weiteren Tätlichkeiten kam es nicht, da verschiedene Bekannte des Professors ihn zurückhielten. Inzwischen erschien der Angeklagte Herschel auf der Bildfläche, der mit dem Grafen Dohna bisher an einem Tisch gesessen hatte. Nachdem ihm dieser den Sachverhalt mitgeteilt hatte, ergriff Herschel eine halbvolle Sektflasche und ließ den Inhalt auf den Fußboden auslaufen. Mit der geleerten Flasche in der Hand stellte er sich dann in drohender Haltung auf und rief den Freunden des Professor» Neu- mann zu:„Kommt nur heran, wenn �ihr was wollt." Diese pro- vozierende Aufforderung wurde gar nicht beachtet. Während sich die mit Herrn Professor N. bekannten Herren bemühten, dichen zu beruhigen, trat der Angeklagte plötzlich von hinten auf die Gruppe zu und ließ, ehe es jemand verhindern konnte, die schwere Sektflasche zweimal auf den Kopf des Professors Neumann niedersausen, so daß dieser blutüberströmt in die Knie sank. Die Schläge waren so wuchtig geführt, daß der Geschlagene sich sofort in die Klinik des Geheimrats Bergmann begeben mußte. Hier stellten sich glücklicherweise die Verletzungen nur als Quetschwunden heraus, immerhin mußte Professor Reumann längere Zeit da» Zimmer hüten. Vor Gericht erhob der A n g e k l. den Einwand der Notwehr, der jedoch durch die mehrstündige BeweiSauf» nähme völlig widerlegt wurde. Der Staatsanwalt hielt mit Rücksicht auf die zutage gelegte außerordentliche Roheit und Brutalität des Angeklagten eine Milde nicht für angebracht und beantragte eine Gefängnisstrafe von 3 Monaten. DaS Schöffengericht hielt den Milderungsgrund der An- gctrunkenheit dem Angeklagten zugute und erkannte auf die höchste zulässige Geldstrafe von 1000 M. Wäre auch ein Ar- veiter mit Geldstrafe davongekommen? ßHefhaftcn der Expedition. «abitzputzer. In Ihrem Inserat vom 12. Mai ist durch«in Versehen in der Druckeret anstatt Gruppe Rabitzputzer und Triger»öS Wort Rabttzspanner gesetzt worden. Di". Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, ÄÄ 10-2, 5—7. Sonntags 10-12, 2-4 Dr. Schünemann Spezial-Arzt(ilt 44112* Bant- und Harnleiden, Franenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ecke Schützenstr. 10—8, 5—7, Sonnt. 10— IL Uhr. 4361L* Phänomen- mit Kopf 8, 4 u. 6 pf. das Stück. ZIOABETTEW-FABBIK„BTAHKOBl"- Vereinigte Sehuhmaeher 0. in. b. 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Lima» angenagelt! Ueber die Verhandlung des Prozesses L i m a v» Mehring, worüber wir bereits kurz berichtet haben, bringt die„Leipziger Volkszeitung" einen stenographischen Bericht. Er ist eine Folge interessanter Momentbilder. Wenn der Bourgeoifie nicht unterschiedslos jeder, sofern er nur auf die Sozialdemokratie schimpfen kann, als Verteidiger ihrer heiligsten Güter willkommen wäre, Liman wäre ein toter Mann. Der Bericht zeigt mit grausamer Deutlichkeit, daß die Verhandlungen ein wahres Spießrutenlaufen für ihn waren, eine moralische Stäupung schlimnister Art. Die Erklärungen des Genossen Mehring und Kressin, wegen derer Liman geklagt hat, erfolgten auf Grund der Tatsache, daß in einem vorhergegangenen Prozeß vom 18. April 1906 gegen den Genossen Kressin, in dem dieser zu einem Monat Gefängnis verurteilt wurde, Liman unter Eid erklärt hatte, er habe noch nie in seinen: Leben jemand beleidigt, sowie daß in einem diesen Prozeß behandelnden Artikel des Liman-Blattcs, der„Lcipz. Neuesten Nachr.", betitelt„Genossenton vor Gericht", abermals wüste Beschimpfungen gegen Kressin und Mehring geschleudert wurden. Liman hatte in erster Instanz zugegeben, daß er der Verfasser dieses Schimpfartikels sei. Jetzt bestritt er es in folgender, charakteristischen Weise: Der Artikel ist nicht von mir! Ich habe damals nur unter Eid gesagt, daß ich ihn geschrieben haben könne! Ich kann mich nicht mehr darauf besinnen! Bekannt ist, daß Liman auch seine Aeußerung im Kressin-Prozeß, er habe noch nie jemand in seinem Leben beleidigt, in erster Instanz be st ritten hat. Das wurde in der jetzigen Berufungsverhandlung fortgesetzt. Mehrere Zeugen haben indes in erster Instanz unter Eid er- klärt, daß Liman sich so geäußert hat. Dieses Moment wurde unter anderen auch bei der Vernehmung des Genossen Mehring berührt. Der stenographische Bericht darüber lautet: Mehring: Der Kläger hat mich, seitdem ich bei der„Leipziger Volkszeitung" angestellt bin, fortgesetzt und systematisch in schmäh- licher, verleumderischer und gemeiner Weise beschimpft. Ich kann Ihnen all die Artikel zum Beweise vorlegen! Aber nie ist mir da in den Sinn gekommen, dem Kläger auch nur einen Ton zu erwidern. Aber als er in der Verhandlung gegen meinen Kollegen Kressin sagte, er habe noch nie einen Menschen beleidigt, so ist mir denn doch die Galle übergelaufen! Das sagte ein Mann, der meine Parteigenossen ständig jahrelang in schmählichster Manier beschimpfte, der eS gewagt hat, die Frauenehre meiner Freundin Rosa Luxemburg anzutasten, einer Frau, die— man mag in politischer Hinsicht über sie denken wie man will— in ihrem Privatleben völlig makellos ist! Und nun kam noch jener Artikel des Klägers: Der Genossenton vor Gericht hinzu, und ich hatte die moralische Verpflichtung gegen Kressin, ihm hier Beistand zu leisten. Ich habe schon stüher gesagt, daß ich mich voll zu dem be- kenne, was ich schrieb. Es war zweifellos grob— aber hier hatte ich Pas moralische Recht dazu! Vorsitzender: Grob war eS aberdings l Mehring: Gewiß, aber bitte lassen Sie nur verlesen, was Liman jahrelang gegen mich geschrieben hat, ohne daß es mir gut genug war, darauf zu antworten. Vorsitzender: Sie sagen also, das hätte dem Faß den Boden ausgeschlagen, als Herr Dr. Liman äußerte, er habe noch niemals jemanden beleidigt? Mehring: Ja, denn das war eine empörende Aeußerung I Vorsitzender: Hätten Sie nicht vielleicht mit einem Irrtum rechnen können, ob Dr. Liman das wirklich so gemeint hat? Mehring: Die beschworenen Zeugenaussagen und das Urteil in der ersten Instanz haben ja meine Auffassung völlig be- stätigt I Vorsitzender: Das kann aber doch Dr. Liman nicht so dreist behaupten! Mehring: Warum nicht? Ich traue ihm diese Dreistigkeit zu. Ich möchte noch hinzufügen, daß auch in den Artikel Limans: Genojsenton vor Gericht vom 21. April 1906 ebenfalls mein Name ohne jeden Grund hineingezerrt wurde. Wenn der Kläger auch heute die Autorschaft bestreitet— früher hat er sie unter Eid zugegeben! Borsitzender: Mir will eS doch so scheinen, daß Dr. Liman in der Tat diesen Artikel nicht verfaßt haben mag. Man vermißt hier eigentlich das sonstige lebhafte Temperament Dr. Limans. Mehring: Es ist meine feste Ueberzeugung, daß ihn nur der Privatkläger geschrieben haben kann. Aus Limans Antivort seien folgende Stellen herauf gehoben: Nach den Ausdrücken, die Dr. Mehring soeben gegen mich ge- braucht hat. fällt es mir schwer, zu antworten. Ich gebe alles zu. was ich geschrieben habe, aber der Artikel: Genossenton usw. ist nicht von mir...- Wenn mein Gegner nun sagt, ich verlemnde ihn seit Jahren, so erweckt er den Anschein, als ob ich ihn als meinen Konkurrenten betrachtete. Ich habe über ihn erst geschrieben, als er seit dem Dresdener Parteitage eine gewisse Nolorietät er- langte. Ich habe ihn nicht— hm— kaum— selten persönlich angegriffen. Niemals habe ich verleumderische Worte gebraucht, die dock eine unwahre Tatsache voraussetzen. Wenn ich geschrieben habe:„Mehring erfreue sich am Skandal wie die Made im Speck", so kann ich dabei fast auf die ganze sozial- demokratische Führerschaft verweisen. Ich habe das Protokoll vom Dresdener Parteitag mitgebracht, wo Bebel von der„problematischen Natur" Mehrings sprach. Den Artikel vom 23. Januar 1906: Der stille Sonntag(wegen dessen Dr. Mehring Widerklage erhob) habe ich geschrieben. Vorsitzender: Sprechen Sie sich bitte einmal über die Ausdrücke vom„Maul aufreißen" und vom„Mauseloch" aus. Liman: In jener Zeit hatte die Sozialdemokratie das Be- streben, durch Straßendemonstralionen auf die öffentliche Meinung im Sinne derGewährung des allgemeinen freien Wa hlrcchtS auch für dieLaud- tage ciuzuwirleu. Man zog Vergleiche zur rulsischen Revolution, sprach vom Blutfließen, daß man auf die Straße gehen werde usw. Das konnte man überall hören, wo nur einer von den Herren in einer Kneipe eine Rede hielt! Auch die hiesige Polizei hatte ja Vorbereitungs- aktionen getroffen. Auch bei Mehring und seinem Blatte war davon zu spüren, und bekanntlich ist ja auch ein Redakteur wegen sechs Artikeln wegen Aufreizung verurteilt worden. Unter diesen Um- ständen war es die selbstverständliche Pflicht eines Publizisten der bürgerlichen Anschauungen, dagegen in schärfster Weise Front zu machen und— wie bei den inkriminierten Aeuße- rungcn mit der Waffe der Ironie dagegen zu kämpfen. Wenn von sozialdemokratischer Seite damals von den„Preisfechtern des internationalen Proletariats" gesprochen wurde, so war damit gemeint, daß man eben mit den Armen aktiv werden wollte! Nur zwei Möglichkeiten gab es: Entweder renommierte man, und dann hat man eben—- wie das Volk sagt— das Maul zu weit auf- gerissen,— oder es ernst gemeint, dann ist man eben im letzten Augenblick ins Mauseloch gekrochen! Vorsitzender: Haben Sie mit den„Herren" auch Dr. Mehring gemeint? Lima«(stottemd): Nein--hm»-nichtdirekt--, aber ich gebe das an sich zu. Genosse K r e s s i n erklärte in seiner Vernehmung, daß cz die inkriminierte Erklärung in der Empörung über die von Liman gegen ihn geschleuderte Beschimpfung„Sitzredakteur" geschrieben habe. In Genosse S e g e r s Vernehmung wurde besonders festgenagelt, welche bodenlose Unanständigkeit des Journalisten Liman in dem Umstände liegt, daß er neben den Verfassern und Unterzeichnern der beiden Erklärungen auch noch den verantwortlichen Redakteur der betreffenden Nummer der„Leipziger Volkszeitung", eben den Genossen Seger, verfolgte. Liman und sein Rechtsanwalt, denen diese Annagelung sichtlich unangenehm war, suchten sich durch die traurige Ausrede weiß zu waschen, Seger sei nicht als verantwortlicher Redakteur, sondern als Mittäter verklagt worden. Besonders interessant ist die Blütenlese aus den Schimpfartikeln des Liman, die Rechtsanwalt Dr. Hübler in der Begründung seiner Beweis- antrüge gab. Er sagte: „... Am 28. Oktober 1903 geht es mit den persönlichen Schmähungen gegen Dr. Mehring los, die jahrelang fortdauerten. Möge eine kleine Blütenlese folgen: Am 28. Oktober 1903 � wird Mehring mit Mnrat verglichen, wie er über Leichenhaufen auf seinen Redaktionsschemel klettert: in einem Artikel vom 13. Januar 1903 heißt es, Dr. Mehring habe einmal in einem Anfall von Wahrheitsliebe geschrieben; ferner schrieb Liman, Mehring sei ein moralisch verkommener Poseur, ein blutrünstiger Phrasen- macher, der seine Feder verlauft, der jeden Gegner beschimpfe und im entscheidenden Augenblick zu feige sei... Im Leit- artikel Limans vom 23. Oktober 1903 wird er als Schmock be zeichnet, der um ein Linsengericht seine sozialdeinokratische Gesinnung verkauft habe, der den glatten Weg der Eitelkeit und der Gesinnungslosigkeit gehe. Am 3. Juni 1904 schrieb Liman, Mehring lebe vom Skandal wie die Biene vom Honigseim und die Made im Speck. Der Artikel vom 23. September 1904 trägt die Ueberschrist: Wie Siidekum meckert und Mehring grollt. Darin schrieb Liman, Mehring sei ein Marat in Duodezformat, dessen geflissentlich zur Schau Täßcheu Bliemchenkaffee gelöscht von abgeschnittenen Köpfen sei. und den reinen Hcmdkragen Einpfindungen eines Hungernden, getragener Blutdurst durch ein werden kann, der ein Liebhaber Er betrachte die geputzten Stiefel des Herrn Südekum mit den der vor dem Schaufenster eines Wurstladens steht; Mehring habe einen gehässigen Ansturm gegen Südekums reine Hemdkragen aufgenommen, er wälze das Lexikon der unfeinen Tonart. Am 11. Dezember 1904 schrieb Liman, daß Mehring an Schimpsworten reich wie ein Kröslls sei, in dessen Schatzkammer wohlgehäufl und wohlgeordnet Injurie neben Injurie ruhe, er werde nur hineingreifen, und wo er's packe, ist es eine Roheit. Er sei der„Prophet der Injurie", das abscheulichste Mittel heilige seinen Zweck, seine politische Moral sei gleich Null; Mehring speie die Früchte seiner Erziehung von sich.— Noch unzählige weitere Zitate kann ich anführen. Ueber Singer schreibt Dr. Liman: Singer hat aus seinem früheren Beruf die Vorliebe für das Schachergeschäst in das politische Kontor hinüber genommen.„Aus dem schlichten Kleiderhändler, der die Mäntel der Liebe nähte, mit denen sein Kompagnon Rosenthal seine Sünden bedeckte, ist er(Singer) ein gemachter Mann geworden der als M. d. R. aus der 1. Klasse mitleidig herabblickt auf das wimmelnde Volk der 4. Garnitur... bis Singer den Beruf in sich spürte, die Sorgen für die Konfektioneusen seinem Kompagnon zu überlassen und dahinzuschwimmen auf den Wellen des Proletarier� tumS.".Singerleben" usw. Ueber Stadthagen heißt eS:... fein unwahres Pathos täuscht nicht darüber hinweg, daß. ihm die Sache der Arbeiter innerlich gleichgültig ist, daß sie ihm nur dazu dienen soll, seinen Ehrgeiz zu befriedigen... Stadthagen gelte als unausstehlicher Stänker... StadthagenS Angriffe zeichneten sich stets durch Wüstheit und hinterhaltige Feigheit aus. Stadthagen ist der Habitus der Berliner Nachtcafss,„der Löwe von Inda". Stadthagen sei der schwarzbärtige Herr, der die weibische Hysterie in das Ewigmännliche übersetzte... Ueber Bebel schrieb Liman:„Bebel- Maherero, Bebel habe eine woral iusanitv, eine Art von sittlichem Wahn sinn... Bebel ist frivol unwahrhaftig; er spricht von Bebels Verzweiflungskampf mit der Wahrheit. Bebel wird Schamlosigkeit vorgeworfen... Ueber Ledebour äußerte sich Liman in einem Leitartikel unter der Ueberschrist: Ledebourero: ein Bursche wie Ledebour, Ledebourero, auch Ledebourski genannt Thersites— er sei von einer Art DippoldiSmus der Phantasie behastet. Ueber die Genossin Luxemburg, die zunächst Liman nicht anders als die„blutige" oder„bittere" Rose bezeichnet: „Päpftin Johanna. Ledebour ist nicht nur den Ethisch Aesthetischen ein Greuel, sondern sogar die blutige Rosa, die doch keineswegs lecker ist, hat ihm gegenüber Empfindungen, wie Gretchen gegenüber dem Mephisto.....Weiber werden zu Hyänen und beschämen selbst die blutige Rosa.... Das ist die feine Taktik, die man von der Heldin des„Vorwärts", der Polin Rosa Luxemburg lernte, die ja in blutrünstigen„Vorwärts" Artikeln den russischen Aufrührcrn Beifall kreischt, sich aber wohl hütet, die sicheren Mauern Berlins mit dem heinnschen-russischen Boden zu vertauschen, an die Stelle des RateS die Tat zu setzen. Dr. Hübler bemerkte hier, daß dieser Artikel zu einer Zeit geschrieben wurde, als Frau Luxemburg sich bereits nach Rußland begeben hatte und im Gefängnis saß. Am 22. November 1903 schrieb Limkm über Frau Zetkin, die zierliche Mignon— zu einer Zeit, als diese nahe a m E r- blinden war. Am perfidesten aber sind die fortgesetzten Verleumdungen Limans, daß zwischen Rosa Luxemburg und Stadt- Hägen ein ehebrecherisches Verhältnis bestehe. Am 22. November 1903 heißt es in einem Leitartikel Limans Stadthagen und Rosa bei Pilzen und Fleischabfällen von Stadt Hagen: Horch, der Wilde tobt schon an den Mauern, der Löwe von Inda, der mit grimmiger Miene umherzieht, zu suchen, was er verschlinge. Minniglich hat sich Rosalie Lübeck zu ihm gesellt. Und am 13. Januar 1903 heißt es in dem Leit- artikel Limans: Das Spielen mit dem Feuer:... Dieweil sie nach dem Zeugnis der eigenen Freunde hinter der Linie in sicherem Vcr- steck verschwinden, dieweil auch Stadthagen mit seiner Rosa lieber ein Schäferslündchen verleben, als in der kritischen Stunde auf dem Schloßplatz erscheinen werden. Fortwährend wird in dieser Weise Stadthagen mit der Frau Dr. Luxemburg in Zusammenhang gebracht, um bei dem Leser den Glauben an ein anstößiges Verhältnis hervorzurufen! Der Verteidiger stellte noch einen weiteren Antrag auf Verlesung des Urteils in einer Privatklagesache Dr. Limans mit Dr. Lohan, in dem der Kläger 1894 wegen Beleidigung bestraft wurde. Darin wird der Beweis erbracht, daß Limans Vater Jude war. Es sollte damit der Beweis erbracht tverden, wie charakterlos der Kläger, der, selbst Jude, fortwährend jüdische Sozialdemokraten als Juden in höhnischer Weise beschimpft. Liman und sein Rechtsbeistand baten um Ablehnung der Anträge, oder um vollständige Ber- lesung der Artikel und der vorhergehenden Artikel der „Leipziger Volkszeitung", damit man den Zusammenhang erkenne. Liman sagte u. a.: „ Die von mir gebrauchten Ausdrücke haben auch einen Anlaß, den man dann auch prüfen müßte. Ein großer Teil jener Worte sind auch— Zitate aus der„Leipziger Volkszeitung" oder Aeußernngen von Sozialdemokraten über sie. Ich muß eventuell darum bitten, das Protokoll des Dresdener Parteitages zu verlesen. Der Artikel über Rosa Luxemburg und Stadthagen— hm— ist nicht von mir. Aber auf einem sozialdemolratischen Parteitag hat doch ganz offen Stadthagen Frau Luxemburg umarmt und geküßt I Ich glaube ja nicht, daß jene Neigung tatsächlich besteht und hatte auch dainals keine Ahnung, daß Rosa Luxemburg bereits in Rußland gefangen war. Ich habe ja auch nicht gewußt, daß Frau Zetkin nahe am Erblinden war— aber ich habe den Artikel ja nicht ge- schriebe». Ich habe nicht die Absicht gehabt, eine abwesende Dame zu beleidigen... Sonst aber gebe ich den größten Teil der Artikel zu... Besonders fatal war für Liman die Verlesung der beiden einander widersprechenden Artikel über den Journalistenbesuch in England, die er in der Londoner „Finanzchronik" und in der Beilage der„Deutschen Tageszeitung" als„Armer Jorick" geschrieben hat. Nach der Verlesung entspann sich folgende Szene: Vorsitzender: In der„Finanzchronik" schreiben Sie also einen angeblich mehr englandfreundlichen Brief, in der„Deutschen Tageszeitung" einen mehr englandfeindlichen? Liman(in höchster Verzweiflung): Aber das ist ja gerade, was mir vorgeworfen wird!(Durch Verlesen von Zitaten sucht er dann darzulegen, daß die„Grundtendenz" beider Artikel die nämliche sei. Ich muß noch bemerken, daß der Artikel englandfeindlichen Charakter hat. Man fällt über mich her, weil ich englandfeindlich sei I Aber, meine Herren, es gebietet doch die Höflichkeit, wenn man vom Tische aufsteht— da ist man doch nicht unhöflich. Der Artikel in der„Finanzchronik" ist nur in einer ganz anderen Form geschrieben. Dr. Hübler: Ich bin wirklich gespannt darauf, wie folgender Widerspruch zu erklären ist: In der„Finanzchronik" heißt es, daß die Feste glänzend verlaufen seien und ihren Gipfelpunkt in jener Rede gefunden hätten, die von der Stammesgemeinschaft germani- scher Völker gesprochen habe. Der Arme Dorick in der„Deutschen Tageszeitung" sagt aber, daß die Phrasen geschmackloser Art seien, die einem zum Halse heraushängen, wenn in den Artikeln anderer Blätter fortwährend von der germanischen Stammesverwandtschaft gesprochen werde! Also, was Dr. Liman in der Londoner„Finanz- chronik" schreibt, hängt dem Annen Dorick zum Halse heraus!(Heiter- keit im Saale,) Liman(in steigender Verlegenheit): Wenn ber Direktor der Universität Cambridge jene Worte von der Stammesgemeinschaft äußerte, so war das für mich nicht trivial, und ich bekenne mich dazu. Hier aber sind nur banale Redensarten der— englischen Presse gemeint. Nur im Ton ist ein Unterschied zwischen den Artikeln; dort wurde für Engländer, dort für Deutsche ge- schrieben und hier noch für die geistig ctwaS schwerfällige» Leser der„Deutschen Tageszeitung", Bauern und Agrarier. Der arme Dorick will doch bekanntlich den Narren markieren; er wählte die Form der Satire und Ironie. Darum die andere Tonart.(Nach einer Pause): Es wird immer bei der Politik vorausgesetzt, daß jeder Politiker einen ganz bestimmten Standpunkt haben muß. Ich bin je nachdem: cnglandfreundlich und englimdfcindlich— wie es gerade für mein Valerland gut oder schlecht ist— absolut aber keins von beiden.(Liman liest in hellster Austegung noch einige Zitate mit stotternder Stimme vor): Ich weiß wirklich nicht, meine Herren, ob das england feindlich ist— ich weiß nicht— das kann auch englandfreundlich sein! Dr. Mittel st ädt: Ich beziehe mich noch auf Sachverständige, daß kein vorurteilsloser Journalist hier einen Wechsel der Gesinnung finden wird. Ich habe hier einen Brief von Horden an Dr. Liman, der mir das bestätigt. Borsitzender: Aber um diese Frage zu entscheiden, dazu brauchen wir doch keinen Sachverständigen! Dr. H ü b l e r: Ich kann es gar nicht verstehen, weshalb denn Dr. Liman nicht gegen die Artikel im„Leipziger Tageblatt" und in der„Frankfurter Zeitung" vorgegangen ist. Dort wurde er Schmock genannt, der rechts und links schreiben könne; das ließ Herr Liman auf sich sitzen, aber wegen der Formalien der„Leipziger Volks- zeitung" klagt er. Liman(am Ende seiner Kraft): Gewiß— der Artikel im „Tageblatt" hat mich sehr verletzt. Aber ich konnte ihn juristisch nicht fassen. Und dann wollte ich nicht gegen ein nationales Blatt klagen I! Ich wollte ein literarisches Schiedsgericht anrufen... Vorsitzender: Es steht jedenfalls fest, daß der Artikel im „Leipziger Tageblatt" zuerst erschien, der das feststellte! Darauf wurde die Beweisaufnahme geschlossen. Versammlungen. Der Verband der Wäsche- und Krawattcnarbciter und -Arbeiterinnen Deutschlands, Filiale Berlin, hatte zum Montag eine öffentliche Versammlung nach dem„Schwcizergarten" einbc- rufen. P. Keller referierte über den Streik in Rathenow bei der Firma Buchholz, Wäschefabrik, und über das Verhalten der Berliner Unternehmer zu diesem Streik. In Rathenow wurde gestreikt, weil die Bezahlung dort um die Hälfte niedriger war als in Berlin; ebenso galt es, eine Verkürzung der ungeheuer ausgedehnten Arbeitszeit herbeizuführen. Es gelang, viele streikende Mädchen in Berlin unterzubringen, als plötzlich die hiesigen Unternehmer dagegen mobil machten und dem Anschein nach schwarze Listen zirkulieren ließne. Am 26. April hatten die Unternehmer eine geheime Sitzung und am Tage darauf wurde den Rathenower Mädchen in allen Berliner Geschäften unter allerlei Vorwänden gekündigt. Im Jahre 1903 schloß der Verband mit den Unternehmern einen festen Tarifvertrag, nach welchem solche Praktiken unzulässig sein sollten. Der Tarif dauert drei Jahre und es scheint, als bereiten sich die Unternehmer mit dem Ablauf des Tarifes auf einen Kampf vor, zu dem der Verband beizeiten rüsten muß.— Welche Profite die Arbeitgeber aus ihren Angestellten ziehen, beweist der Geschäftsbericht ber Firma R i tt e r, Chausseestraße, Aktiengesellschaft. Fünf Mio- »äre teilten sich 1905 in einen Reingewinn von 140,-482 Mk. und im Jahre 1906 in 149 636 Mt. Die Zahl der Angestellten bei jener Firma beträgt etwa 320, so daß jeder Angestellte pro Jahr und Kopf 427 Mt. Reingewinn herausarbeiten muß.— Der Streik in Rathenow dauert fort. Die Versammlung nahm eine Resolution einstimmig an, in der erklärt wird, daß das Vorgehen der Berliner Unternehmer nicht den Tarifabmachungen entspreche und als Eingriff in das Koalitionsrccht der Rathcnower Kolleginnen zu betrachten sei. Die Versammelten machen sich in- heischig, für die Organisation mit allen Kräften zu arbeiten und alle fernstehenden Kollegen und Kolleginnen heranzuziehen, um im Jahre 1903 den Unternehmern stark und einig gegenübertreten zu können._ Berein der Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins und Umgegend.(Abteilung Wcißensce.) Mittwoch, den 13. Mal, abends 8 Uhr, bei G. Wall, Langhansstr. 143: MiigUederoersammlung. Lese- und Diskutierklub„Südost". Heute abend 8'/, Uhr bei Tolksdors. Görlitzerstr. 38: Vortrag. Deutscher Arbeiter-Absttnentenbnnd. Ortsgruppe Berlin. Mitt- wach, den 13. Mai, abends ili9 Uhr, im Englischen Garten, Alexander- straße 27o: Versammlung. Zentralverband der Konditoren. Donnerstag, den 16. Mal, abend» 8>/, Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27o: Allgemeine Mitglieder- Versammlung. Für den Juhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Bublikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Mittwoch, den 15. Mai. Anfang 7%, Uhr. Kgl. Opernhaus. Carmen. Kgl. Schauspielhaus. Sappho. Neues tgl. Operntheater. 1001 Nacht. Deutsches. Robert und Bertram. Kammerspiele. Frühlings Erwachen.( Anfang 8 Uhr.) Anjang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Sopfen. raths Erben. Schiller 0.( Wallner- Theater.) Heimat. Schiller- Theater Charlotteuburg. Der Staiserjäger. Schiller N.( Friedrich WilhelmUrania. Schiller- Theater. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Durch Dänemark und Südschweden. 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Schiller- Theater N. Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Abends 8 Uhr: Am grünen Weg. Zentral- Theater. Gesamtgaftspiel des Hamburger Ernst Druder Theaters: Die Nachtigall aus dem Bäckergang. Vorher: Vaters Ebenbild, Metropol- Theater Anfang 8 Uhr. Der Teufel lacht dazu. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Massary. Ernani. Bender. Glampietro. Josephi. Rauchen überall gestattet. Walhalla Valhalla Variete- Theater Weinbergsweg 19/20, Rofenth. Zor. Hente abend 8 Uhr: Der grüne Teufel. Sensations- Pantomime. Drahtseil 5 Jungmanns, ner. 12 neue Spezialitäten 12 Im Zunnel: Frei- Konzert. SteidlTheater. Brückenstr. 2( a. d. Jannot.- Br.) Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater). Mittwoch, abends 8 Ubr: Heimat. Schauspiel in 4 Aften von Hermann Sudermann. Donnerstag abends 8Uhr: Ein Fallissement. Freitag, abends 8 Uhr: Moloch. Der zerbrochene Krug Gebr. HerrnfeldAnfang Theater Borbert. 11-2 Uhr 8 Uhr. 57 Kommandantenstraße 57. Täglich: Es lebe das Nachtleben! Folgen einer Separée-Affäre in 2 Aften von Anton und Donat Herrnfeld mit den Autoren in den Hauptrollen. Vorher: Neu bearbeitet: Die Welt geht unter! Schwant in einem Aufzug bon Anton u. Donat Herrnfeld. Brunnen- Theater Babstraße 58. Direkt.: Bernh. Rose. Ab Sonntag, den 19. Mai 1907: Täglich: Garten- Konzert, Theater unb Spezialitäten. P. Coradini. Moschkaly- Truppe. The Rämblec Comp. usw. Das Sensations- Boltsstüd: Im Fluge durch die Welt mit großer Ausstattung und Ballett. Badofenspekulant: Bernhard Rose. Schiller- Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Kaiserjäger. Komödie in 3 Aufz. v. Hans Brennert und Hans Dstwald. Donnerstag, abends 8 Uhr: Heimat. Freitag, abends 8 Uhr: Heimat. Kottbuser Sanssouci, Straße 6. Turnverein„ Fichte“ Berlin. Mitglied des Arbeiter- Turnerbundes. Am Donnerstag, den 16. Mai, abends 8 Uhr, findet die Eröffnung einer neuen( 13.) Lehrlings Abteilung in der Schulturnhalle Görlitzerstraße 51 statt. Turnzeiten Montag und Donnerstag 8-10 Uhr abends. Direktion Wilhelm Reimer. Einschreibegeld 10 Pf., monatlicher Beitrag 25 Pf. Einschreibegeld wird Wegen Vorbereitungen bet Anmeldungen die am ersten Abend erfolgen, nicht erhoben. Jugendliche Personen im Alter von 14-18 Jahren werden als Mitglieder auf zu den Pfugifeiertagen genommen. Gäſte willkommen. geschloffen. Für Pfingstausflüge 290/8 An allen brei Feiertagen: aller Naturfreunde gibt es tein schöneres Ziel als Große Extra- Soiréen von Hoffmanns Norddeutschen Sängern. Tanz. Otto Pritzkow, Münzstr. 16, Welt- AusstellungsBiograph-( St. Louis) Theater lebender Photographien. Dampfers Berlin". 168 Tote, 12 Gerettete. Den ganzen Tag Vorstellung. Mohr's Strand- Restaurant Richtershorn. ifchen Grünau und Carolineuhof im alten Hochwald und am Langen Aufenthalt. Tanzsaal uſw. Telephon: Amt Grünau Nr. 70. Restaurant„ Hungriger Wolf" Strausbery See gelegen. 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Verhandlungen bieten fo reiches Material, daß die Broschüre überall verbreitet zu werden verdient, wo der Reichslügenverband feine Bergestreut hat. Amt 3, 6325. Nie wiederkehrend. 500 Stück la Fahrräder Nur solange der Vorrat 60 bis 80 Mk. reicht das Stück Teilzahlung gestattet. Transporträder 100 Mk. billiger wie bei der Konkurrenz. Deutsche 4565L Transport- Fahrrad- Gesellschaft Poststraße 26. BERLIN C. Poststraße 26. Mit Ihren geringen Ersparnisson tönnen Sie Ihr Gebr. Darton, MiB Talvani, Time& leumbungen gegen unsere Bartet aus Glück machen. The Berkelys, Gragg& Sheffield, Beitvertreib im Caféhaus. Bon Pfingsten ab täglich Theater- Borstellung, Spezialitäten und Ball. Raffeeküche tit nur an Wochent. geöffn Anjang der Frühlonzerte 5 ühr, nachmittags 4 Uhr. Max Kliems Sommer- Theater Safenheibe 13/15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: Gr. Konzert, Theater Spezialitäten- Vorstellung u. Jeden Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste. 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( Kein Laden) am Oranienplatz Engrosgeschäft! Achtung! bina 39290 Achtung! allo noit noxnens s Zentral- Verband der Maurer Deutschlands Zweigverein Berlin. Mittwoch, den 15. Mai, abends 8 Uhr, im Lokale gy Neue Welt", Hasenheide Nr. 108-114: Außerordentliche General- Versammlung aller zum Zweigverein Berlin gehörigen Zahlstellen und Bezirke der Maurer. Tages- Ordnung: Die bevorstehende Aussperrung im 139/ 14* Berliner Baugewerbe. Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne dasselbe kein Zutritt. Die Verbandsleitung. NB. Die Mai- ausgesperrten Kollegen auswärtiger Zweigvereine, welche in Berlin arbeiten, fich aber nicht in Berlin, sondern in ihrem Heimatsort zur Kontrolle gemeldet haben, können, falls fie Anspruch auf Unterstützung erheben, dieselbe während der Bureaustunden auf dem Verbands. bureau, Gugel- Ufer 15, Zimmer 29, in Empfang nehmen. 9. P. Freie Vereinigung der Maurer Deutschlands Bureau: Steinstraße 38. Ortsverein Berlin. Telephon: Amt III 3100. Mittwoch, 15. Mat, abends 8%, Uhr, in den Sophien- Sälen, Sophienstr. 17/18: Mitglieder Versammlung. Zages Ordnung: Unfere Lohnbewegung. Mitgliedsbuch legitimiert.[ 129/ 9*] Der Vorstand. J. A.: Gustav Beglin. 918 Selbst wenn sie mehr kosten sollten, würde ihre Beliebtheit nicht darunter leiden, weil JOSETTI miside VERA CIGARETTEN stets von jedem wirklichen Kenner allen anderen Fabrikaten gegenüber bevorzugt werden. 10 St. 30 Pfennig. Zentralverband der Dachdecker- Strantentaffe Verwaltungsstelle Berlin. Donnerstag, den 16. Mai, abends 8%, Uhr: = Versammlung Stadt Schöneberg. Rechnungs- Abschluß 1906. Einnahme. 1. Barbestand am 1. Jan. im Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünderstr. 42. 12. Binjen Zages Drdnung: 54/13 Bericht über den Stand unserer Lohnbewegung. Der Vorstand. Verband der baugewerbl. Hülfsarbeiter Deutscher Holzarbeiter Verband Deutschlands. Zweigverein Berlin und Umgegend. Donnerstag, den 16. Mai, abends 8 Uhr, im Lokal Neue Welt, Hasenheide 108-114: Außerordentliche General- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Unsere bevorstehende Lohnbewegung. 2. Diskussion. Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Eintritt. Recht regen Besuch erwartet Der Zweigvereinsvorstand. Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Rixdorf. Donnerstag, 16. Mai, abbs. 8, 1hr, bei Thiel, Bergstr. 151/52: Außerordentliche General- Versammlung Zages Drdnung: Bericht über die Einigungsverhandlungen und Abstimmung über den Schiedsspruch. 34/ 3* 86/11 Freie Vereinigung der Bauarbeiter Berlins und Umgegend. Bureau: Stein- Straße 38, I. Telephon: Amt III Nr. 8574. Donnerstag, den 16. Mai 1907, abends 7% Uhr, bei Boeker, Weberstraße 17: Außerordentliche General- Versammlung. Tages Drdnung: 1. Die Aussperrung im Baugewerbe. 2. Diskussion. Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Zutritt. Die Übrigen Bauhandwerker werden ersucht, unsere Kollegen auf diese Versammlung aufmerksam zu machen. 31/ 5* Der Vorstand. J. A.: Serm. Norgel. NB. In dieser Versammlung können die Kollegen ihre Beltung in Empfang nehmen, Versand d. d. Bost erfolgt nicht. D.O. Deutscher Buchbinderverband Zahlstelle Berlin. Donnerstag, 16. Mai, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( Saal IV): Außerordentliche General- Versammlung. Tages Drdnung: 1. Aufstellung der Delegierten zum 10. Verbandstag in Nürnberg 1907. 2. Stellungnahme zu den An24/1 trägen zum Berbandstag. 3. Berbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Dhne Mitgliedsbuch kein Eintritt! Bahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Sauptbureau: Hof I. Amt 3, 1239. Charitéstraße 3. Hof III. Amt 3, 1987. Donnerstag, den 16. Mai, abends 8%, Uhr: Branchen- Versammlung der Elektromontenre und Hülfsmonteure Berlins und Umgegend in Frankes Festsälen", Sebastianstraße 39. Tages Ordnung: 1. Vortrag des Genoffen Schriftstellers H. Grunwald über: Arbeit und Bildung 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Die Ortsverwaltung. 118/13 Zentralverband der Steinarbeiter! Berlin I. Donnerstag, den 16. d. M., abends 8 im Englischen Garten, Alexanderstr, 27c: Uhr, Mitglieder- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Vortrag bes Genossen Max Kiesel über: Die gegenwärtige Lage des Arbeiterstandes". 2. Gewerkschaftliches. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Die Ortsverwaltung. Zahnärztliche Klinik 172/17 106 Belle- Alliancestraße 106, gegenüber Warenhaus Jandorf. Zahnziehen unentgeltlich. Bei fünftl. Zähnen u. Blomben to. b. Aus lagen berechnet.- Geöffnet von 9-6 Uhr. Sonntags 9-12 Uhr. 46842* 3. Eintrittsgelder 4. Beiträge 5. Ersatzleistung f. gewährte Krantenunterstübungen 6. Ersatzleistung v. Berufs genoffenschaften 7. Aus verkauften Bert papieren ust. 8. Durchlaufende Bosten 9. Sonstige Einnahmen Summa Ausgabe. 1. Für ärztl. Behandlung 2. Für Arznei und sonstige Heilmittel 3. Krankengelber: a) an Mitglieder b) an Angehörige 0 4. Unterstützung an Wöch nerinnen. 5. Sterbegelder • Mr. 36 268,39 7403,27 18 308,32 725 623,59 10 192,05 6 583,79 30 917,11 4 280,54 889 527,06 wr. 67 611,24 91 009,03 281 081,19 7879,74 12 156,75 14 375,02 6. Kur- und Verpflegungsfoften in Heilanstalten. 111 805,10 7. Erjazleistung f. gewährte Strantenunterstügung 13 551,56 8. Burüdgezahlte Beiträge und Eintrittsgelder 9. Für Stapitalanlagen. 10. Burüdgezahlte Darlehne 11. Berwaltungskosten: a) persönliche b) fächliche 12. Sonstige Ausgaben O 716,69 75 925,07 39 754,78 70 306,43 21 836,93 4 913,37 Summa 812 372,90 • Summa der Einnahmen. 839 527,06 Summa der Ausgaben 812 372,90 Bestand am 1. Jan. 1907. 27 154,16 Erkrankungsfälle der männe Itchen Mitglieder Grhantungsfälle der weib lichen Mitglieder Krankheitstage der männlichen Mitglieder Krankheitstage der weiblichen Mitglieder Sterbefälle der männlichen Mitglieder Sterbefälle Mitglieder der weiblichen 6 726 3 304 134 658 95 521 97 37 Die durchschnittliche Mitglicberzahl betrug am Schluß des Jahres 1906 18 880, die des Borjahres 17 304, mithin mehr: 1576. Der Vorstand. 274/7 Blusen seid. tauft man lediglich am billigsten und beften in untenstehenden Spezialgeschäften an enorm billigen Preisen ein. 47622* Nur ganz furze Zeit 1 1. Gefaj.: Seydelstr. 32, II.( 9-1,3-8). Schäferstr. 2, part. links. Rixdorf, Berlinerstr. 90, I. Büsten 3. " zur Schneiderei, berftellbar und nach Maß, bon 1,50 M. an, bat abzugeben Garich, Leipsigerstr. 5, il. Vereinigung der Maler, Lackierer, Auftreicher usw. Deutschlands. Filiale Berlin. Nachruf. Dan Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Robert Marquart am 10. Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 124/6 Die Ortsverwaltung. Am 13. Mai verschied nach schwerem Leiden unser Kollege August Landmann im 51. Lebensjahre. Sein Andenken werden wir stets in Ehren halten. 49332 Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 16. Mai, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobi- Kirchhofes, Hermannstraße, aus statt. Die Kollegen der Tischlerei Karl Müller, Köpenickerstr. 109a. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Maschinenmeisters Max Golinsky, sage ich der Firma Besondere Vorteile für Damen Hochelegante, sehr schicke, gediegene Damenkonfektion Zweifellos billigste, reelle Bezugsquelle für Kenner! Preise weit unter der Hälfte des Wertes. Kolossal große, reichhaltige, reizende Auswahl mit erstklassigen Stoffen, Zutaten u. Verarbeitung bietet Westmanns Hauptgesch: W. Mohrenstr. 37a Fil: an den Kolonnaden. Engroshaus PL: O. Gr. Frankfurterstr. 115 an der Andreasstr. 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Wur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr.) ( Nachdruck verboten.) 44 853 95 707 71 842 80 1008[ 500] 49 351 413 634 71 818 2020 43[ 3000] 152 722 951 3226[ 3000] 32 46 359 538 746 59 895 4151 58 272 327 514 74 90 712 28 34 841 5020 505 678 862 64 937 58 88[ 8000] 6086 266 494 580[ 500] 877 909 7242 368 85 441 626 28 717 801[ 1000] 909 8004[ 500] 23 100 25 70 602[ 8000] 4[ 8000] 85[ 500] 807 9050 79 240 70 643 762 73 230 851 910 10104 73 230 851 910 11044[ 1000] 189 94 270 81 $ 12 54 412 523 55 87 633[ 500] 837 12263 485 661 746 810 919 13070 177 446[ 1000] 98 504 697 770 936[ 500] 39[ 3000] 14123[ 1000] 69 97[ 500] 244 521 81 718 901 15169[ 500] 82 92 424 660 841 901 16152 360 74 417 927 92 95 17619 718 887 18069 104[ 3000] 74 200[ 500] 420 95 782[ 3000] 819 72 922 19052 70 78 177[ 8000] 310 532 68[ 500] 94 684 99 820 20116 63 394 870 21227 420 690 773[ 3000] 80 895 993 [ 1000] 22012 275 812 40[ 500] 71 493 516 24 39[ 1000] 851 23371 442 685[ 800] 829 32[ 500] 917 24083 238 368 86 801 83[ 500] 947 58 25351 487 504 45 46 610 711 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895 233180 221 34 394 575 721 3$ 965 234195 317 452 549 80 605[ 300] 6[ 500] 752 58 888 945 53 80 235131 214 28 394 415 807 11 994 236052 390 420 49 635 47 867 983[ 500] 237104 71 322 56 643 794 852 89 238170 217 368 550[ 500] 663 853 239122 52 98 850 831[ 1000] 240073 105 211 29 710 23 972 241181 361 62 569 94 678 85 707 58[ 500] 242153 66 213 816[ 2000] 70[ 500] 939 243213 336[ 500] 50 414 44 90 724 87 834 91 2440'6 82[ 500] 188 98 596 700[ 1000] 866 245130[ 500] 236 314 47 467 75 525 49[ 3000] 737 83 852 246079[ 1000] 81[ 500] 193 298[ 1000] 663 966 247025 122 42 304 819 969[ 1000] 248150 428 541 47 249183 261 411 44 588 250715-63 804[ 500] 74 905 50 251008 154 243 600 252004[ 1000] 100 18 98[ 500], 306 442[ 800] 505[ 500] 626 253357[ 3000] 64[ 500] 510[ 1000] 671 739 873 254022 46 364[ 1000] 864 93 907 255078 178 212 45[ 3000] 471 506 707 887 931 256044. 124 279 301 22 449[ 3000] 708 81 85 839 62 257133 245 98 695 882 258263 842 50 556 71 90 606 60 908 259185 233 336 438 546 738 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88 423 [ 1000] 41 92[ 3000] 554 58 725 902 Im Gewinnrade verblieben: 1 Prämie à 300 000, 1 Gewinn à 500 000, 1 à 200 000, 1 à 75 000, 2& 60 000, 1 à 50 000, 1 à 40 000, 10& 80 000, 19 à 15 000, 62& 10 000, 114& 5000, 1598& 8000, 2541& 1000, 4020& 500, Patentangelegenheiten erledigt erfahr. Ingenieur. Refer. aus Partei u. Gewerksch. Mäß. Honorar, Teilz. gestattet. H. Duve, 280/5 N. 58, Gethsemanestr. 4c IV r. Getreide-, Mehl-, Kaffee- und Zuckerpreise steigen rapid. Wer sich für die die von Kaufmann Michael Proestler in Würzburg verfasste Broschüre: mechanischen Preisbewegungen an den Produktenbörsen interessiert, verlange Das Wirtschaftsbild der Gegenwart und der Zukunft. Volksausgabe, 60 Prg. Gegen Einsendung von M 2.10, bezw. 65 Ptg. für das trei vom Verfasser versandt, wenn in Buchhandlungen nicht erhältlich. Dieselbe zu beziehen durch( Kommissionär: Otto Weber, Leipzig). Broschüre A, vollständige Ausgabe, M. 2. B, Teil- und Inland, M. 2.20, bezw. 70 Pfg. für das Ausland, werden die Broschüren portoMan verlange ebendaselbst Flugschriften und Prospekte. Bauarbeiter- Aussperrung! Die nach auswärts ziehenden Bauarbeiter wollen bei Postbestellungen genau auf Adresse und Hausnummer achten: Gelber Laden, Berufskleidung, Brunnenstr.158. 7. Ziehung 5. Kl. 216. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 14. Mai 1907, nachmittags. Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr.) ( Nachdruck verboten.) 102 96 378 79 448 672 737[ 500] 82 828 1130 48 277 827 429 585 735 848[ 500] 95 2166[ 3000] 225 339 82 420 80 500[ 3000] 82[ 1000] 809 943 3037 88 209 39[ 500] 95 415 [ 1000] 650 824 97 4064 92 94 264 5280 98 463 82 85 527 649 62 96 6040 63 233 89 485 632 817 7049 162 94 828 40 681 720 807 8135 216 453 723 59 946 9010 171[ 500] 77 80 248 381 730 10123 95 235 56 70 399 527 61[ 1000] 693 880 81 11011 230[ 500] 536 51 689 12008 800[ 1000] 13 696 740 913 36 43 13292 398 537 959 14069 74 802 406 10[ 1000] 511[ 3000] 12 709 40 811[ 500] 15024[ 1000] 64 855 447 607 781 85 16383 409 782[ 500] 930 90 17303 89 407 674 18079[ 1000] 227 81 305 15[ 500] 61 480 525 98 627 77 80[ 8000] 748 835 65[ 1000] 19153 76 888 472 98 504 75 602 17 799 985 20211 63 560 713 59 820 21389[ 500] 423 44 67[ 3000] 97 579 97 740 823 66 22008 387 460[ 500] 541 741 806 909 81 23056 129[ 1000] 51 266 817 44 50 24081 611 27 722 838 25134 43 819 945 26026 191 623 43 758[ 1000] 905 27321 496 644 88[ 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709[ 1000] 959[ 500] 262071 265 305 418 27 87[ 1000] 761 835 48[ 500] 948[ 500] 263210 558 93 264022[ 1000] 97 217 55 508 95 617 61 93 739 66 265196 777 824 34 907 266076 115 37 75 373 990 267113 99 209 48 424 619 938 268087 344 508[ 1000] 27 88 861 928 61 269011 47 84 133 73 461 66 561 619 82 841 270054[ 500] 213 523 838 67 271349[ 500] 59 445 53[ 500] 633 272206 80 548 75 602 37 273115 242 410 19 571 750 887[ 3000] 274220 49 66 523 46 62 654 81 789 96 879[ 1000] 969 83 275072 464 722 951 276211 409 19 79 92 511 782[ 3000] 985 277145 56 78[ 10c0] 242[ 3000] 78 806 402[ 500] 595 679 714 278071 395 [ 8000] 660 885 279033 285 370 408 65 597 658 830 207 26 66 280059 111 297 834 457 636 41 83 847 281003 133 202 35 543 602 39 757 282107 57[ 500] 72 221 53 1500] 690 95 899 985 283529 710 284418 60 72 89 651 742 49 [ 1000] 79 89[ 1000]$ 76 285067[ 1000] 471 635 86 96 717 70 85 882 950 286120 515 627[ 600] 818 40 827 287018 316 369 469 Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Enseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Nr. öl. 24. IichrMg. 3. KeilU des.Initiitto" Knlim Bollislilütt. Mittwoch. IS. Mai IM. parte!- Hncfelegenbeiten« Steglitz. Am Donnerstag, den 16. Mai. von 10—2 Uhr vormittags und 8— 8 Uhr abends finden die Stichwahlen zur Gemeindevertretung statt. Es ist nicht nur Pflicht aller Parteigenossen, selbst zur Wahl zu gehen, sondern jeder muß sich auch bemühen, seine Arbeitsgenossen usw. energisch aufzufordern, ihr Wahlrecht auszuüben. Keine Stimme darf uns verloren gehen, wenn wir den Sieg erringen wollen. Der Vorstand. Bezir! Waidmannslnst. Der Wahlverein veranstaltet am zweiten Pfingstfeiertag im SchweizerhäuSchen zu Waidmannslust ein Früh- konzert. Die Genossen werden ersucht, für den Besuch desselben rege zu agitieren. Billetts sind bei den Abtcilungsfiihrern und dem Obmann des Vergnügungskomirees, Genossen Scheck in Borsigwalde zu haben._ Berliner JVacbnchtem Gegen die Verkehrspolitik der Stadt Berlin wird von den interessierten Gesellschaften ständig Sturm gelaufen, direkt und indirekt; der indirekte Weg wird bevorzugt. Willige, für alles zu habende Korrespondenzbureaus sind nach Gräften bemüht, den Wünschen ihrer Auftraggeber nach- zukommen, indem sie irreführende, zum Teil gänzlich falsche Nachrichten über den Stand der städtischen Verkehrsprojektc in die Presse zu lancieren versuchen. Nach dieser Richtung hin hat in letzter Zeit eine Korrespondenz hervorragendes geleistet, die tagtäglich durch umfangreiche Reklamcnotizen die Interessen der Hoch- und Untergrundbahn zu fördern sucht. Leider ist die größte Zahl der bürgerlichen Preßorgane leicht geneigt, sich durch Abdruck jener Schwindelnotizen in den Dienst dieser Vcrkehrsgesell- fchaften zu stellen. Dazu kommt, daß die„Große Berliner" unausgesetzt bemüht ist, den städtischen Verkehrsprojekten immer neue Hindernisse in den Weg zu legen durch fort- gesetzte Einreichung neuer Projekte, die eine Abänderung ihres ersten großen Untertunnelungsprojcktes enthalten und die immer wieder von neuen: geprüft werden müssen. Durch diese Taktik hat die„Große Berliner" nur den einen Zlvcck im Auge, die Ausführung uer städtischen Projekte immer weiter hinauszuschieben, sie bedenkt aber nicht, daß durch diese Tatsache von neuem der Nachweis von der Unzulänglichkeit ihres ersten großen Untertunnelungsprojcktes erbracht wird, von einem Projekt, das nie ernst genieint gewesen war und auch heute nicht ernst genieint ist. Dieser Tage wurde wieder eine jener oben schon gekenn- zeichneten Notizen in die Presse lanciert, die sich auf die Fort- führung der Untergrundbahn nach der Schönhauser Allee bezog. Dagegen wird magistratsoffiziös geschrieben: „Die Direktion der Großen Berliner Straßenbahn verwahrt sich gegen den Vorwurf, daß die von ihr gegen die Stadtgemeinde gellend gemachten Ansprüche die Eröffnung des Betriebes auf der von de» Hoch- und Untergrundbahn geplanten Verlängerungs- strecke nach der Schönhauser Allee hindern oder verzögern könnten. Es handle sich lediglich um privatrcchtliche Schadenersatzansprüche, und die Schadenersatzpflicht würde für die Stadt nicht einmal eine wesentliche Belastung bedeuten können, da sie einen Ersatz in der mit der Hoch- und Untergrundbahngesellschaft ausbedungenen„erheblichen" Abgabe finde. Gegenüber dieser Erklärung der Direktion der Großen Berliner Straßenbahn sei folgendes festgestellt: 1. In ihrer Klageschrift beziffert die Große Berliner Straßenbahn den ihr durch die streitige Ver- längerung der Hoch- und Untergrundbahn nach der Schönhauser Allee erwachsenden Einnahmeansfall auf jährlich 2 215 000 Mark. 2. Die Stadtgemeinde erhält nach dem mit der Hochbahn- gesellschast bezüglich der Erweiterung ihrer Linie bis zur Schön- hauser Allee abgeschlossenen Vertrage eine geringe Bruttoabgabe nach den gleichen Bestimmungen, wie fie für die schon bestehende Hochbahn maßgebend find. Die bestehende Hoch- bahn ist in Berlin 8,193 Kilometer lang und erbrachte für 1906 eine Bruttoabgabe von rund 70 000 M. Die neue Strecke vom Spittelmarkt bis zur Schönhauser Allee ist nur 5,406 Kilometer lang und wird voraussichtlich dementsprechend und auch erst nach Jahren eine Abgabe von etwa 50 000 M. abwerfen.— Auf einen Ertrag aus der gleichfalls im Vertrage vor- gesehenen Reingewinnabgabe von einer Einnahme über sechs Prozent ist, wie nicht bezweifelt werden kann, bei den außer- ordentlich hohen Anlagekosten für eine lange Reihe von Jahren überhaupt nicht zu rechnen. 3. Nach diesen ziffernmäßigen Unter- lagen, die der Direktion der Großen Berliner Straßenbahngesell- schast wohl bekannt find, müßte also ein Schaden von mehr als 2 Millionen Mark jährlich aus einer Einnahme von noch nicht 50 000 M. Deckung finden. Die Lösung dieses Rätsels wird die Direktion der Großen Berliner Straßenbahn geben müssen, andern- falls wird fie sich von dem sie schwer belastenden Vorwurf, der Entwickelung des bedeutsamsten Berliner Verkehrsmittels hindernd in den Weg zu treten, nicht befreien können." Das„Berliner Tageblatt" findet, daß der Ton, den der Magistrat anzuschlagen für gut befindet, nicht geeignet sei, den höheren Interessen des Verkehrs zu dienen. Daraus scheint der sehnlichste Wunsch hervorzugehen, sich mit der „Großen Berliner" doch zu vertragen, ein Wunsch, den auch einige Stadtverordnete schon zum Ausdruck gebracht haben; es bedenkt aber nicht, daß dieses Ziel nur erreicht werden kann, indem die Stadt sich ohne weiteres unter die Botmäßig- keit dieser begünstigten Monopolgesellschaft stellt. Wir dagegen huldigen der Meinung, daß die Stadt durch ihre frühere Verkehrspolitik es verschuldet hat. daß dieser Privatgesellschaft die Straßen der Stadt zur Ausnutzung ausgeliefert worden sind zum Schaden der Steuerzahler Berlins. Daß die Stadt zu der Einsicht gekommen ist, selbst Linien zu bauen, ist zu begrüßen, leider ist dieser Entschluß sehr spät gekommen. Man kann nur wünschen, daß es der städtischen Verwaltung gelingen möge, wie den bisherigen, auch den konunenden Schwierigkeiten erfolgreich zu begegnen._ Die Wertzuwachsfteuervorlage. In der letzten Sitzung des StadtverordnetenausschuffeS zur Bor- beratung der obigen Borlage wurde zunächst in die Beratung des § 9 der Vorlage eingetreten, welcher von der AuSmittelmig der Wertsteigermig—-----..„,... demselben smd aber hinzuzurechnen alle nachgewiesenen Ausgaben für dauernde Verbefferungen des Grundstücks einschließlich der Slraßenbaukosten und der Kosten für den Anschluß an die Kanalisation. Die Grundbesitzer im Ausschuß legten aber den größte» Wert darauf. möglichst alle Ausgaben, die an- rechnungsfähig fem sollen, einzeln auszuführen. In spaltenlaugen Anträgen, die im Laufe der Verhandlung noch vielfach trgänzt und tewdert wurden»ad zu deren Begründung die Antro teller große Reden hielten, wurde das Recht verlangt, so ziemlich eine jede Handlung, die ein Grundbesitzer behufs Verwaltung und Verwertung seines Grundbesitzes vornimmt, in Geld umzurechnen und bei Aus- Mittelung der Wcrtsteigerung in Abrechnung zu bringen. Bei der Abstimmung gelangten alle diese Anträge, wie bei der Zusammen- setzung des Ausschusses vorauszusehen war, zur Annahme. Eine lange Debatte entfesselte dann noch der folgende aus der Mitte des Ausschusses gestellte Antrag:„Die Veräußerung von ideellen Anteilen an Grundeigentum ist steuerlich ebenso wie die realen Grundstücksanteile zu behandeln. Als Veräußerung ideeller Grundstücksanteile i't die von Geschäftsanteilen einer solchen Gesell- schast m. b. H. au u;hen. deren Unternehmen die Verwertung Ver- liner Grundbesitzes zum Gegenstand hat, oder deren Vermögen im wesentlichen in Berliner Grundbesitz angelegt ist." In den früheren Ausschußberatungen war von den Gegnern immer betont worden, die neue Steuervorlage würde praktisch zu wenig führen, da gerade die Großgrundbesitzer und die Terrain- gcsellschasten Wege hätten, die Zahlung der Steuer zu umgehen und als gegebenes Mittel hierzu wurde stets die Umwandlung des Grund- besiycs in Gesellschaften m. b. H. bezeichnet, weil die Veräußerung von Geschäftsanteilen solcher Gesellschaften steuerfrei sei. Solchen Machen- fchaften soll durch den Autrag endgültig ein Riegel vorgeschoben werdeiu Bei den im Ausschuß zahlreich vertretenen Juristen war die Auffassung über die rechtliche Grundlage einer solchen Bestimmung total verschieden. Während ein Teil mit dem Oberbürgermeister an der Spitze unbedingt dafür eintrat, daß die Kommunen zum Erlaß einer solchen Bestimmung berechtigt seien, vertrat Herr Cassel mit Nachdruck die Ansicht, daß der Antrag jeder gesetzlichen Unterlage entbehre. Jntereffant und bezeichnend war die Tatsache, daß der Antrags auch sachlich gerade von den Mitgliedern meist schroffer bekämpft wurde, die in den früheren Stadien der Beratung das Fehlen einer solchen Bestimmung als einen großen Mangel der Vorlage gerügt hatten! In der nächsten Sitzung des Ausschusses soll die Beratung des Antrages fortgesetzt werden._ Die Zahl der Mitglieder der Fraktionen der Berliner Stadt- verordneten-Bcrsammlung hat in der letzten Zeit infolge der Nach- Wahlen eine kleine Veränderung erfahren. Die Fraktion der Linken, vielfach„alte" Linke genannt, zählt unter Hinzurechnung des kürzlich gewählten Abgeordneten Dr. Hermes, der früher schon der Linken angehörte, nunmehr 55 Mitglieder. Die Zahl der sozial- demokratischen Fraktionsmitglieder öe trogt 35 mit dem neugc- wählten Stadtverordneten Sekretär Ritter. Die Freie Fraktion, auch„Keller-Fraktion" genannt, hat ihre Mitglicderzahl auf 25 erhöht. Die„Neue Linke" hat 20 Mitglieder und die„fozialfort- schrittliche Gruppe" 8 Mitglieder. Vorsitzende der genannten Fraktionen sind Justizrat Cassel, Paul Singer, Direktor Mommsen, Fabrikant Dinse und Rentner Deutsch. Ein Mandat, das der 1. Ab- teilung im 6. Genicindewahlbezirk, um das sich der Jivstizrat G a l l a n d, ein früheres Mitglied der alten Linken bewirbt, ist zurzeit vakmit. Der Senior der Versammlung ist zurzeit nach dem Stadtverordneteuvorsteher Dr. Langcrhans, der 88 Jahre alt wird, der 75jährige Stadwerordnetc Rentner Bracke von der „Neuen Linken". Zwei Jahre jünger sind die Stadtverordneten Hammerstein und Mantel. Der Stadtverordnetenvorsteher-Stell- Vertreter Michelet ist ein Jahr jünger als diese beiden Herren. Das jüngste Mitglied ist seit 5 Jahren der Stadtverordnete Dr. Liebknecht, der 1871 geboren ist. Dr. Lang er Hans ist von allen Stadtverordneten am längsten im Amt, seit 1871. Es folgen dann die Stadtverordneten Sceger, der 1877 eintrat, der Stadtverordnete Gericke, der 1878 und der Stadtverordnete P. Singer, der seit 1884 im Rathause sitzt. Dir Hitze und ihre Folgen. Die Erwartungen, daß gestern morgen durch ein starkes Ge- Witter eine erlösende Abkühlung der Temperatur eintreten würde, haben sich nicht bestätigt. Die drohenden Gewitterwolken, die sich schon am Montagabend am Firmament zeigten, zogen vorüber, ohne sich zu entladen. Gestern morgen stand das Thermometer bereits auf 34 Grad. Die schädlichen Wirkungen, welche die enorme Hitze im Gefolge hat, werden von Tag zu Tag empfindlicher. Unter dem Pfcvdebeswnd ist durch Hitzschlag schon bedeutender Schaden angerichtet worden. Die Schutzmaßregeln, die bei den Tieren ange- wandt werden, vermögen bei der Höhe der Tenrperatur nicht viel auszurichten. Auch mehrere Personen sind vorgestern und am gestrigen Morgen wieder von Hitzschlägen betrvsien worden. Die Erkrankten erhielten aus Unfallstationen und Rettungsivachen die erste ärztliche Hülfe. In der Swinemünderstraße brach ein unbe- kannter etwa 40 Jähre alter Mann vom Hitzschlag getroffen zu- scmmien und wurde von Passanten in leblosem Zustande nach dem Hausflur. des Grundstücks Nr. 7 gebracht. Ein hinzugerufener Arzt konnte bei ihm nur noch den Tod feststellen.— Ebenfalls wurde in der Badstraße eine Frau vom Hitzschlag getroffen und in fast hoffnungslosem Zustande nach dem Lazarus-Krankenhause gebracht. Es handelt sich um die 50 Jahre alte Frau des Arbeiters Krug aus der Badstratze 22.— In der Umgebung Berlins sind durch die starke Hitze auch viele Wiesen- und Waldbrände verursacht worden. Be- sonders sind die Bahnböschungen durch das Auswerfen von Funken aus den Lokomotiven gefährdet. Das ausgetrocknete Gras zündet bei der herrschenden Wärme ungeheuer leicht. Auch in den Markt- hallen macht sich die Hitze bereits recht unangenehm bemerkbar. Die Standinhaber müssen aus alle mögliche Weise fortgesetzt für Kühlung sorgen, damit ihre Waren nicht verderben. In gleicher Weise wirkt die hohe Temperatur in hiesigen Kolonialgcschäften, in Schlächter. lüden. Milchhandlungen usw. nachteilig. Die stadtffchen Bade. anstalten sind gegenwärtig naturgemäß ständig überfüllt. Bisher wurden noch in keinem Jahre im Monat Mai so viele Bäder ge- nommen als diesmal. Die Besitzer der öffentlichen Bodeanstalten treffen jetzt schleunigst die Vorbereitungen zur Eröffnung. Seit- same Naturerscheinungen, die zweifellos auf die herrschende Hitze zurückzuführen sind, konnte man gestern in den nördlichen Vororten beobachten. Es wurden sogenannte Windhosen, Wirbelstürme auf beschränktem Kreise wahrgenommen. Mächtige Staubwolken, die oft eine Höhe bis zu 60 Metern erreichten, wurden aufgewirbelt und.in novdiocstlichcr Richtung fortgetragen. Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten-Ber- sammlung am Donnerstag, den 16. Mai d. I., nachmittag? 5 Uhr. Berichterstattung über die Vorlagen betreffend: eine Fluchtlinien- Veränderung in der Königstraße,— den Verkauf deS an der Re- vaker Straße, Ecke der Memeler Straße und Warschauer Straße belegenen städtischen Grundstücks— und die Neuregelung der An- stellungs- und Besoldungsverhältnisse der Assistenzärzte an den städtischen Krankenhäusern.— die Einsetzung einer gemischten De- putation zur Auffindung von Mitteln und Wegen zur planmäßigen und rechtzeitigen Beschaffung von Schulgrundstücken und Schul- bauten,— die Genehmigung spezieller Prospekte und Kosten- anschlage für Bauten auf den städtischen Rieselgütern.— die Er- teilung der Zustimmung cm die Große Berliner Straßcnbabn- Aktiengesellschaft zur Herstellung von Stratzenbahnanlagen in der Straße am Friedrichshain und in der Kniprodcstraße,— den An- kauf der Grundstücke Tegeler Straße 18, 19 und 20 für Gemeinde- schulzwecke,— die Bewilligung eines Betrages zu Ehrenpreisen für hervorragende Leistungen auf der deutschen Armee-, Marine- und KolonialauSftellung,— den Verkauf einer Parzelle von dem zum Vermögen der Kube-Stiftung gehörigen Grundstück Gericht- straße 48/52,— die Verwendung der Erträge der Friedrich W»l- Helm-Stiftung zur Förderung des deutschen Kunstgewerbes aus dem Jahre 1906,— die nachträgliche Genehmigung zur Zahlung eines Zuschusses für den Abbruch der auf dem Grundstück Gartenstr. 93 vorhandenen Baulichkeiten,— den Empfang englischer Journalisten durch die städtischen Behörde«,— den verlauf der vor den Grund« stücken Luisenufer 17 und 18 liegenden Vorgärten an die Eigen- tümer dieser Grundstücke,— die Nachbewilligung von Mitteln aus der Stadtanleihe von 1904 für die Fortführung der Kaiser Wil- helmstratze von der Hirtenstraße bis zur Schönhauser und Prenz- lauer Allee. Außerdem findet am Beginn der Sitzung die Ein- führung und Verpflichtung der zu Stadtverordneten gewählten Herren Ritter und Dr. Hermes statt. DaS Prügelrccht auch gegen Fortbildungsschüler wird von manchen Leuten als unentbehrliche VorauSsetzinig der„erziehlichen irkung" angesehen, die die Fortbildungsschule auf die heran- wachsende Jugend ausüben soll. Welchen Gebrauch eine gewisse Gruppe von FortbildungSschullehrcrn von diesem„Recht" machen zu dürfen glaubt, dafür wollen wir hier ein Beispiel nütteilen. Ein vierzehnjähriger Knabe O., der zu Ostern dieses Jahres auS der Schule entlassen worden war, aber vorläufig noch nicht in eine Lehre gebracht worden ist, bekam von der Pflichtfortbildungs- schule seines Bezirks die amtliche Aufforderung, sich im Schul- Hause in der Langenstraße einzufinden, damit seine Aufnahme bewirkt werden könne. Er begab sich nach diesem Schulhause, wurde aber von hier an den Fortbildungsschulbezirk Süd gewiesen. O. ging nun nach dem Schulhause in der Wassertorstraße, aber von dort schickte man ihn weiter nach der Brandenburgstraße. Auf dem Hofe deS Schulhauses in der Brandenburg straße erkundigte O. sich bei einem Schüler, wohin er sich nun zu wenden habe.„Geh' nur da hinein", antwortete ihm dieser, und er wicS dem Suchenden den Weg durch eine Glastür. O. gelangte so auf einen Korridor und stand dann vor dem Lehrerzimmer, dessen Tür geöffnet war. Er trat ein, sagte seinen Gruß und wollte fragen, ob er hier an rechter Stelle sei. In demselben Augenblick stand hastig einer der Herren auf, ging auf ihn zu und fragte in scharfem Tone:„Bist Du durch die Glastür gekommen?"„Ja," antwortete harmlos der nichtsahnende Knabe. Da hieb der Herr— es war der Direktor Kandeler, wie nachher festgestellt wurde— ihm eine kräftige Ohrfeige herunter. O. wagte die Einwendung:„Warum hauen Sie mich denn? Ich bin doch hier fremd!" Aber Herr Kandeler packte ihn an der Jacke, schüttelte ihn hin und her und herrschte ihn an:„Hier gibt's keine Widerrede I" Der plötzlich auflodernde Grimm des Herrn K. fand hinterher darin seilte Erklärung, daß es den Schülern seiner Anstalt untersagt war, durch die erwähnte Glastür zu gehen. Das konnte aber O. nicht wissen, und ein darauf hinweisendes Plakat war von ihm nicht vorgefunden worden. Als später ein älterer Bruder des Knaben den rasch zuhauenden Direktor auffuchte und ihm darüber Vorhaltungen machte, daß er in dieser Weise sich an einem Unschuldigen vergriffen habe, erwiderte zunächst der Herr Direktor:»Das ist nicht wahr!" Erst nachdem ihm von dem Beschwerdeführer das Gedächwis ein wenig geschärft worden war, räumte er ein, ge- schlagen zu haben, aber er fügte jetzt hinzu:„Das wird wohl nicht so schlimm gewesen sein." Dem Herrn Direktor ist es nicht ein- gefallen, sich nachträglich bei dem geprügelten Knaben zu ent- schuldigen. Ist er der Meinung, daß es einen Lehrer nicht ehrt, auch einem Schüler gegenüber einen Mißgriff zu be- dauern? Anscheinend hat Herr Kandeler überhaupt eine etwas grobschlächtige Art, mit seinen Schülern umzugehen; schon vor einigen Jahren, als er noch die Fortbildungsschule in der Reichenbergerstraße leitete, mutzten wir ihm sein Konterfei vorhalten. Der Fall aber, über den wir heute zu berichten haben, ist ganz be- sonders kraß. Wenn übrigens gegen Herrn K. eine Beschwerde an die Fort- bildungsschuldeputation gerichtet würde, so würde diese sich wohl genötigt sehen, ihm unrecht zu geben. O- hatte nichts getan, was dem Direktor das Recht gegeben hätte, sofort zuzuhauen. Im übrigen war O. offenbar noch nicht mal Schüler dieser Anstalt, von einem„Prügelrecht" gegen ihn konnte also ohnedies keine Rede sein. Im Interesse der jungen Leute, die die Fortbildungsschule besuchen, kann man nur wünschen, daß diesem Herrn Kandeler einmal e i n Dämpfer aufgesetzt wird. Aus der Lungenheilstätte in Beelitz werden uns verschiedene Klagen von Patienten übermittelt mit der Bitte um Veröffent- lichung. Im allgemeinen halten wir es für wünschenswert, daß sich die Patienten mit ihren Klagen zunächst an die Leitung der Anstalt und wenn sie hier kein Recht erhalten, an den Vorstand der Landesversicherungsanstalt wenden. Einer Klage, die unS wert erscheint, veröffentlicht zu werden, liegt folgende-r Vorgang zu Grunde: Im März wurden vier Patienten beauftragt, bei dein Anstaltsarzt. Herrn Dr. Schellenbevg. vorstellig zu werden wegen des Essens. Anstatt aber nun den Beschwerdeführern eine Prüfung der Beschwerde zuzusichern, erklärte der Herr Doktor, daß. wenn noch einmal mehrere Personen zu ihm mit Beschwerden wimnen würden, dieselben die Konsequenzen zu ziehen hätten. DaS heißt auf deutsch, aus der Anstalt entfernt würden. Das ist allerdings eme radikale Beseitigung der Beschwerden, indem man die Be- schwevdeführer maßregelt. Dann soll es öfter vorkommen, daß den Kranken, die die Kaltwasserkur nicht vertragen können, einfach er« lassen worden..... Von den Aerzten w,rd immer darauf hingewiesen, daß der Staub der gefährlichste Feind der Lunge sei. Die Gartenwege werden aber, trotzdem namentlich im Sommer der Sand viel Staub entwickelt, selten oder gar nicht gesprengt. Werden die Liegehallen gefegt, so soll ebenfalls nicht ein Tropfen Wasser zum Sprengen verwendet werden. Gerade in einer Lungenheilstätte sollten aber alle HülfSmittel zur Verhütung von Staubentwickelung angewendet werden. Der Fischfang in der Kaiser Wilhelm-Ltraß«. Eine eigen» artige Szene, die viele Hunderte von Zuschauern herbeilockte, trug sich am Montagabend gegen IVi Uhr in der Kaiser Wilhelm-Straße. in der Nähe der Münzstratze, zu. Zur genannten Zeit passierte den ersterwähnten Stratzenzug ein Wagen einer hiesigen Groß-Fisch» Handlung, um nach der Zentral-Markthalle zu fahren. DaS Fuhr- werk war mit fünf großen Bottichen beladen. Plötzlich brach daS eine Hinterrad und drei der riesigen Gefäße fielen herab und zer- trümmerten. Im Nu war die Straße mit lebenden Fischen bedeckt, die Luft schnappend emporschnellten. Während der Kutscher nach der Markthalle eilte, um neue Behälter zur Bergung der Tiere zu holen, hatten die Passanten die Situation weidlich ausgenutzt, und Aale, Hechte, Schleie wanderten in die Taschen und Körbe der Vorübergehenden, ehe die hinzugerufenen Schutzleute den Raub verhindern konnten. ES gelang schließlich nur einen Teil der Fische zu bergen, die weitaus größte Masse war und blieb verschwunden. Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend erzielte im Monat April d. I. in ihren 15 Verkaufsstellen ernen Umsatz von 61 773.66 M. gegen 65 267.46 M. im April 1906. Die Zahl der dieser Genossenschaft seit Beginn deS laufenden Geschäftsjahres sl. Juli 1906) neu beigetretenen Mitglieder botrug bis Ende April dieses Jahres 1076. Dir ersten Opfer der Babesaison werden vom Sonntag ge- meldet. Der 15jährige Sohn Ernst des in der Schiemannstr. 21 wohnenden Arbeiters Hutzel hatte mit mehreren Freunden am Sonntagnachmittag einen Spaziergang nach Tegel unternomulen. Die jungen Leute beschlossen, im Tegeler See zu baden und schwammen dabei weit in den See hinaus. Hier scheint der junge H. plötzlich von einem Schlaganfall befallen worden zu sein, er der- sank lautlos in den Fluten. Erst nach etwa einer Viertelstunde wurde er von seinen Begleitern vermifet, die nunmehr sofort der Tegeler Behörde von dem Unglücksfall Meldung machten. Bisher ist eS nicht gelungen, die Leiche Hützels zu landen.— An gleicher Weise büßte der Ivjährige Heizer Wilhelm Woite beim Baden in der Spree sein Leben ein. Der junge Mann wollte mit einem Kollegen am Sonntagnachmittag gegen 2 Uhr in der Spre«� unweit der Kerstorfer Schleuse ein Bad nehmen, hatte sich jedoch kaum in das Wasser hineinbegeben, als er Hülferufe ausstieß und sofort bor den Augen seines Kameraden versank. Anscheinend ist auch Woite einem Schlaganfall zum Opfer gefallen. Es kann nicht dringend genug davor gewarnt werden, daß die Badenden sich mit erhitztem Körper in das bisher noch ziemlich kühle Flußwasscr hincinbegeben, namentlich dort, wo siih keine Badeanstalten befinden» menschliche Hülfe also nicht vorhanden ist. 50 000 Mark unterschlagen hat ein bei der Kuponbank von Lanrpcrnnlhlcn u. Co. in der Neustädtischen Kirchstraße beschäftigter Adressenschreiber Neumann. Er ist noch nicht ergriffen.— Eine interessante Mitteilung macht die Gefängnisverwaltung in Tegel. Diese berichtete nach Berlin, daß sich ein Mann unter den Perso- nalien Neumanns dort seit dem HtmmelSfahrtStag« hinter Schloß und Riegel befindet. Neumann ist vor zwei Monaten wegen emcS Angriffs auf ein minderjähriges Mädchen zu einem Monat Ge- sängnis verurteilt worden. Ein„Vertreter' Neumanns hat diese Strafe am Himmele fahrtstage angetreten. Die Persönlichkeit des „Vertreters" konnte noch nicht festgestellt werden. In dem öe- schlaanahmten Schriftwechsel des Verfolgten finden sich Andeutungen auf diese„Vertretung". Es geht daraus hervor, daß Neumann mit der Verbrecherwelt stets Fühlung gehalten hat und dem„Stell» Vertreter" für seine Mühewaltung 000 M. zusicherte. Eine überaus reiche Selbstmorbchronik liegt uns vor. In seiner Wohnung in der Zimmerstraße 22 erschoß sich der Mjährige Handlungsgehülfe Oskar Wilhelm. W. tötet« sich durch einen Schuh in d:' Schläfe.— In der vergangenen Nacht verübte noch ein zweiter Handlungsgehülfe, der 36 Jahre alte Gustav MoSler, Lottluustraße 10, Selbstmord. Der Lebensmüde jagte sich in einem Abteil dritter Klasse eines Stadtbahnzuges«ine Kugel in den Kopf und war auf der Stelle tot. Seine Leiche wurde polizeilich beschlag- nahmt.— Auf dem Boden erhängt hat sich die g4jahrige Anna PavgiS aus der Neuen Hochstraße 17. Als ein Mieter die Tat«nt» deckte, war die P. bereits tot.— In einem Gartenrestaurant in der Hauptstraße in Tegel bereitete ein unbekannter Selbstmörder seinem Leben gewaltsam ein Ende. Ein etwa Lbjähriger Mann, der längere Zeit bei eiu-m Glase Bier am Tisch gesessen hatte, zog plöklich einen Revolver hervor und jagte sich eine Kugel in die rechte Schläfe. Der Lebensmüde sank tot vom Stuhl.— AlS der 18jährige Lehrling Artur SteckhiuS aus Dresden wurde ein junger Mann rekognosziert, der sich in einer Laube zwischen der Haupt, und Koburgerstraße in Schöneberg erhängt hat. St. war bei der Firma Jordan u. TimäuS angestellt. Die Eltern wissen sich nicht zu erklären, was den Sohn in den Tod getrieben hat.•— Am Alexander-Ufer sprang der 85jährige Klempner Hermann Ledcrer, Brunnenstraße 18, in selbst- mördenscher Absicht in den Humboldthafen und ertrank. Seine Leiche wurde gestern morgen gelandet. In den Taschen fand die Polizei mehrere Strafanstalts- und Gerichtspapiere. Vermutlich hat sich L. aus Furcht vor Bestrafung das Leben genommen.— Am Holsteiner Ufer wurde die Leiche deS Schneidermeisters Adolf Runow aus der Prinz Handjerystraße 19 aus dem Wasser gezogen. R. war wegen Krankheit und Schivermut in den Tod gegangen.— An■der Fruchtstraße wurde der Leichnam eines unbekannten Mannes aus der Spree gelandet. Der Tote hatte etwa im 40. Lebensjahre gestanden. Seine Leiche wurde zur Rekognoszierung nach dem Schauhaus gebracht.— An einer Buche im Forst an der Schlesischen Bahn erhängt« sich der Forstarbeiter Adolf Michaelis. Ausflügler fanden den Leichnam des Lebensmüden. Ueber einen schweren Unglücksfall am Montag meldet der Polizeibericht. Als gegen Mittag eine mit Mauersteinen beladen- Lowry mittel« Lastenaufzuges auf den Hof de? Hotel-Neubaues Königgrätzevstr. 112/13 hochgezogen wurde, stieß sie in der Höhe des vierten Stockwerkes infolge schiefer Ladung gegen die Brücke deS Lastenaufzuges, wodurch ein Teil der Ladung nach dem Hofe fiel und den dort tätigen 26 Jahre alten Arbeiter Friedrich Klein aus Charlottenburg am Kopf verletzte. In einer Droschke brachte man ihn nach der Unfallstation am Tempelhöfer Ufer, wo neben einer erheblichen Kopfwunde eine Verletzung der Schädeldecke fest- geslcllt wurde, die seine Ueberführung nach dem Krankenhause Am Urban notwendig machte. Vermißt und zu rekognoSzimn. Der taubstumme Maurer Karl Mündt. 41 Jahre alt. in Neu-Labbuhn geboren, zuletzt in DöllenSradung an der Ostbahn wohnhaft, ist seit dem 20. Januar 1907 von dort verschwunden. Er soll sich angeblich nach Berlin gewandt haben. Mündt ist 1,65 Meter groß, dunkelblond, hat blaue Augen und einen schwarzen Schnurrbart, längliches Gesicht, ge- sunoe Farbe und gut erhaltene Zähne. Bekleidet war Mündt mit schwarzer Pelzmütze, dunklem Jackettanzug, dunkelbraunem Ueber- zieher, Schaftstiefeln mit Nägeln beschlagen und zwei wollenen Unterjacken. Diejenigen Personen, die in der Lage sind, über den B-rbleib des Mündt Auskunft zu geben, werden ersucht, ihre Wahrnehmungen mündlich oder schriftlich jedem beliebigen Polizei- rcvier over dem königlichen Polizeipräsidium, Zimmer 329, 8 Tr.. mündlich in den Vormittagsstunden zur J.-N. 614 IV. 28. 07 mit- zuteilen. Vermißt wird seit dem 11. April d. I. der Maler Helmut Matthias, 20. September 1878 in Stargard geboren, Hornstr.ll wohn- Haft gewesen. Er ist 1,76 Meter groß, von schlanker Gestalt, hat dunkleS Haar, blaue Augen, dunkelblonden Schnurrbart, blasse Gesichtsfarbe und etwas X-Beine. Besondere Kennzeichen: Auf linkem Arm Krone eintätowiert. Bei seinem Fortgang war er bekleidet mit steifem, schwarzem Hut, hellgrauem Jackett, dunkler Weste, dunklen Hosen, schwarzen Schnürstiefeln und grauen Strümpfen. Der Vermißte ist Gewohnheitstrinker und hat bei seinem Fortgang Selbstmordabstchten gehabt. Nachrichten über den Verbleib des Vermißten werden in jedem Polizeirevier und bei der Kriminalpolizei, Alexanderstr. 3— 0, 2 Tr., Zimmer 334, schrift- lich und mündlich zu Tagebuchnummer 2685 IV. 27. 07 entgegen- genommen. In der Nacht zum 8. Mai d. I. wurde in der Lothringerstraße auf der Mittelpromenade, vor dem Hause Nr. 63 auf einer Bank fitzend, ein zirka 55 bis 60 Jahre alter unbekannter Mann krank aufgefunden und verstarb auf dem Wege nach dem Krankcnhause, ohne daß seine Persönlichkeit festgestellt werden konnte. Der Un- bekannte war zirka 1,58 Meter groß, hatte lange», volles, dunkel- blonde», etwas melierte» Kopfhaar, graumelierten Schnurr, und Backenbart, graue Augen, lückenhafte Zähne und war bekleidet mit braunem, steifem Hut, braunem Winterüberzieher mit braunem Samtkrayen, schwarzem Cheviotrock, dunkler Weste, braunen Hosen, schwarzen Strümpfen, grauen Unterhosen, weißlcinenem Hemd, am Kragen mit roten Sternchen, graurotgestreifien Hosenträgern, trug am rechten Fuß einen schlechten Gummizugsticfel und am linken Fuß einen schlechten Schnürstiefel. An den Füßen stehen die Ballen sehr hervor, besonder» rechts. Die zweite Zehe ist an jedem Fuß über die große Zehe übergewachsen. Bei der Leiche wurde ein gelbes Lederportemonnaie mit 21,40 M., eine gelbe Uhrkapsel und ein Taschenmesser gefunden. Personen, welche zur Sache Angaben machen können, werden gebeten, die» der Kriminalpolizei oder einem Polizeirevier zu den Akten 8605 IV. 41, 07 mitzuteilen. «rb»iter.Bild«ngssch«le Berlin. Montag, den 20. Mai. (2. Pfingstfeiertag) FamilienauSflug nach Hirschgarten- Rahnsdorfer Mühle. Abfahrt des Zuges nach Hirschgarten vom Bahnhof Alexanderplatz vormittags 8.LS, Jannowitzbrücke 8,31, Schlesischen �Bahnhof 8,34. Treffpunkt für Nachzügler bis 10 Uhr vormittags Restaurant„Waldburg"(Inhaber W. Keller) am Bahn. Hof Hirschgarten. Von 3612 Uhr mittag» ab Gasthau» zur RahnS» »««mwvrtlicher Redakteur: Hans Weber. Berlin. Für den dorfer Mühle(Jnh. A. Klemm) in Rahnsdorfer Mühl«. Zahlreiche Beteiligung der Mitglioder nebst Angehörigen sowie Freunden der Schule wird erwartet. Feuerwehrbericht. Montag und Dienstag wurde die Feuer- wehr mehrere Male alarmiert, um Pferde aus Notlagen zu be- freien, Verkehrshindernisse zu beseitigen, Grasbrände zu löschen und Gasexplosionen zu verhüten, die durch Gasausströmungen drohten. U. a. wurde die Wehr dann noch nach der Paulstr. 27 ge- rufen, wo ein Küchenbrand ausgekommen war. Ferner hatte die Wehr in der Voltastr. 29 zu tun, wo Spiritus in einer Destillation brannte, und in der Oranienburgerstr.5, wo eine Verpackung in Brand geraten war. Zweimal wurde die Wehr nach der Hohen- lohestraße gerufen, wo auf einem Müllabladeplatz Feuer entstanden war. Kohlen brannten in der Kl. MarkuSstr. 39 und an anderen Stellen./ Arbeiter- Samariter- Kolonne. Morgen, Donnerstagabend 9 Uhr, beginnt der Kursus in der 3. Abteilung in Schöneberg bei Obst, Meiningerstr. 8, und in der 4. Abteilung in Lichtenberg bei Piekcnhagen, Scharnweberstr. 60. Der Einleitungs- Vortrag in jeder Abteilung lautet„Anatomie"(Bau des mensch- lichen Körpers). Der Besuch deS ersten Abends steht jedem als Gast frei. Einschreibegeld 25 Pf. Wir ersuchen um rege Beteiligung. Vorort- J�admebten. Schöneberg. Die Stadtverordnetenversammlung übergab in ihrer letzten Sitzung eine Vorlage des Magistrats betr. Einrichtung eines Spielplatzes an der Rubensstraße zur Abhaltung des Turm Unterrichts nochmals einem Ausschuß zur Prüfung. Vom Mm S istrat sowohl wie von den Rednern der Linken war die sofortige ustimmung verlangt worden, da durch die Ueberweisung an einen Ausschuß an der Sache nichts geändert, die Errichtung des Spiel Platzes aber ganz unnötigerweise hinausgeschoben wirb. Der Be sitzer des Grundstückes, das augenblicklich unbenutzt daliegt und sich vor seiner Bebauung zu anderen Zwecken schwer verwenden läßt, fordert von der Stadt eine Pacht von 25 Pf. pro Quadratmeter und die Festsetzung einer jederzeitigen dreimonatigen Kündigung. Sodann machte der Vorsteher die Mitteilung, daß 9 Ein- ladungskarten zur Eröffnungsfeier der Armee- und Marine-Ausstellung der Stadtverordnetenversammlung vom Magistrat zugesandt worden sind. Diese Mitteilung wirkte wie ein Funke im Pulverfaß. Fast alle Redner von der bürger- lichen Seite machten ihrem Unwillen darüber Luft, daß der Stadt- verordnetenversammlung eine ftz geringe Anzahl von Karten zur Verfügung stehen. Sie wandten sich auch gegen den VerteilungS- modus des Magistrats, der 11 Karten für sich behalten habe und nur 9 Karten der Stadtverordnetenversammlung zuteilte. Die Verteilung sei willkürlich und sonderbar. Man solle es ablehnen, von den Karten Gebrauch zu machen, und zählte bei dieser Gelegen- heit auf, was man alles für die Ausstellung getan habe, und betonte besonders, daß sogar der Bau einer Schule auf ein halbes Jahr wegen der Ausstellung hinausgeschoben werden mußte. Nur zwei Redner suchten die Mehrheit für die Annahme der Einladungs- karten zu gewinnen. Stadtv. K ü t e r(Soz.) benutzte die Gelegen- ?eit, den bürgerlichen Herreit zu zeigen, daß ihnen diese Behand- ung ganz zu Recht geschieht. Die Herren gehen ja sonst immer bei diesem Rummel durch dick und dünn. Redner empfiehlt, auch fetzt hübsch den Gehorsam zu bewahren und die Einladungen anzu- nehmen. Die Sozialdemokratie werde, wie stets bei solchen Ge- legenheiten, auf die Einladungskarten verzichten.— Die Versammlung beschließt darauf, von den Einladungskarten zur Eröffnungs- feier keinen Gebrauch zu machen, sondern dieselben zurück- zugeben. Bei einer Nachforderung des Magistrats zum Armenctat wird beschlossen, den Magistrat aufzufordern, der Versammlung halb- jährlich eine Uebersicht über die Zahl der in Fürsorge- a n st a l t e n untergebrachten Zöglinge zugehen zu lassen. Zugestimmt wird sodann einem Antrage, für die weitere Be- arbeitung von Entwürfen zur Verlängerung der Ber- liner Nord-Süd-Unterpflastcrbahn einen weiteren Betrag von 6000 M. zur Verfügung zu stellen, ebenso dem Antrage, die neue Unterführung an der Hauptstraße und Straße L archi- tektonisch auszugestalten. Eine längere Debatte brachte der Antrag der liberalen Frak- tion, auf den Dächern der neuen Schulbauten Spielplätze einzurichten. Während von liberaler und sozialdemokratischer Seite der Antrag wegen der fortwährend stei- genden Verteuerung de» Grund und Bodens in Schöneberg befür- wartet wurde, brachte man von anderer Seite eine Reihe von- Ein- Wendungen und Bedenken zum Vorschein. Der Antrag wurde schließlich einem Ausschutz zur näheren Prüfung übergeben. In letzter Minute war der Versammlung vom Magistrat noch die neue Besoldungsordnung der städtischen Feuerwehr zugegangen. Stadtv. Küter(Soz.) wandte sich gegen einzelne Bestimmungen derselben, so hauptsächlich dagegen, daß dem Magistrat das Recht gegeben werde, die Gewährung der Alterszulagen auf bestimmte Zeit zu versagen, wenn das dienst. liche oder außerdienstliche Verhalten der Angestellten dazu Veran- lassung gibt. Redner beantragte, die Besoldungsordnung zunächst einem Ausschuß zu überweisen. Die Mehrheit stimmte darauf diesem Antrage zu. Wannsee. Bon seinem eigenen Wagen überfahren und getötet wurde vorgestern abend gegen 10 Uhr der Kutscher Robert Dreilich aus Mannfec. Er fuhr mit einem mit Mauersteinen beladcnen Wagen die Alemannenstraße in Nikolassee entlang, als plötzlich die Ladung in» Rutschen geriet. Der Kutscher wurde durch die Wucht der Steinmassen vom Bock gerissen und stürzte so unglücklich zu Boden, daß er unter den Wage» geriet, dessen Räder ihm über den Kopf hinweggingen. Der herbeigerufene Arzt konnte nur den ein- getretenen Tod feststellen. Mahlsdorf a. d. Ostbahn. In einer heute abend 8 Uhr im Lokale von Anders an der Bahn stattfindenden HauSväter-Versammlung sollen wichtige Be- schlüsse, die Schule betreffend, gefaßt werden. Es werden deshalb die Genossen ersucht, pünktlich anwesend zu sein. Badekarten der Schulkinder zu verabfolgen, wurde dahin be- Pankow. Die Erbauung»ineS großen Güterbahnhofes ist in der Nähe der Station Pankow-Nieder-Schönhausen geplant. Der Eisenbahn- fisku» hat sich dieserhalb mit der Gemeinde Pankow in Vcr- bindung gesetzt, um von ihr 490 Quadratmeter Land zu erwerben. Die landespolizeilich« Genehmigung durch den RegierungS- Präsidenten ist bereits erfolgt. Borgsdorf. Ein gewaltiges Schadenfeuer brach gestern nacht in Borgsdorf- Pinnow an der Nordbahn aus. Auf noch nicht aufgeklärte Weise geriet eine Scheune in dem Dorfe in Brand. DaS Feuer gewann so schnell an Ausdehnung, daß eS sich nach einer halben Stunde auf alle Gebäude, die bis 120 Meter Entfernung standen, erstreckte. Die Feuerwehren der Orte an ber Nordbahn hatten die ganze Nacht über zu tun, um deS Brandes Herr zu werden. Menschenleben hat da» Feuer glücklicherweise nicht gefordert, doch ist viel Geflügel und sind fünf Kühe sowie zwei Schweine verbrannt. Oranienburg. In Flammen aufgegangen und total verbrannt ist auf der Havel in der Nähe der malerischen Kolonie Fichtcngrund bei Oranienburg der Kahn de» Dchisfers Runge au» Usch. Berliner Ausflügler, die durch den Feuerschein aufmerksam gemacht waren, näherten sich dem Fahrzeuge, dessen Vorderteil bereit» in Flammen s stand und weckten die in festem Schlafe liegende Familie des I Schiffers, die sonst unfehlbar verbrannt wäre. Sofort wurden die Feuerwehren der Nachbarschaft requiriert, doch kam jede Hülfe zu spät, die Zille wurde vollständig ein Raub der Flammen. Das Fahrzeug sowie die aus Jute bestehende Ladung war versichert. Potsda»n. Ein Drama zwischen Förster und Wildschützen hat sich am Sonntag früh in dem Walde bei Schloß Lindstedt abgespielt. Wie berichtet wird, soll der Förster Huttanuö schon längere Zeit Ab- gänge im Wildbestand wahrgenommen haben. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag legte sich Huttanus in Gemeinschaft mit dem Vizefeldwebel Gcrlach auf die Lauer. Bei Anbruch des Tages stießen sie auf einen bewaffneten Mann. Huttanus blieb zurück in der Meinung, noch Komplicen des betreffenden Mannes aufzuspüren. Währenddessen entspann sich zwischen Gerlach und dem Fremden ein Kampf, wobei der letztere von einem tödlichen Schuh getroffen zu Boden sank. Bei der Leiche wurde eine auf den Namen Hermann Ebel, Jägerstraße 37 zu Potsdam wohnhaft. lautende Legitimation vorgefunden. Vorher hatte Huttanus noch einen gewissen Karl Schulz festgenommen. Da Sch. festen Wohn- sitz hat, wurde er nach Aufnahme seiner Personalien wieder ent- lassen._ Versammlungen. Der Zcntralverband der HandlungSgehülfen hatte die Angestellten des Kaufhauses des Westens zu einer Betriebsversammlung nach den Prachtsälen deS Westens zusammen gerufen und Hunderte waren diesem Rufe gefolgt. Herrscht doch unter den Angestellten dieser Firma die größte Empörung über das Verhalten der Chefs gegen das Personal. Lebhafte Pfuirufe ertönten, als_ die Referentin K r a u ß von den Massenkündigungen sprach, die am vorigen Ultimo erfolgt sind und nach Pfingsten sich natürlich in größerem Maße wiederholen werden. Es handelt sich hier um Personal, das durch daS Lockmittel hoher Gehälter aus festen Stellungen ivegeiigagiert worden ist, um nun, nach wenigen Monaten schon, entlassen zu iverdcn, weil an den Gehältern gespart werden soll. Vielen von denen aber die ihre Kündigung nicht direkt erhalten haben, ist der Vorschlag gemacht worden, um 20 bis 30 M. billiger zu arbeiten. Die Referentin verurteilte den Trick, den die Firma angewendet hat, um gutes Personal zu erhalten, wieS dann aber nach, daß das Kapital immer die Tendenz hat. möglichst niedrige Löhne zu zahlen. Diese Tendenz finden wir wirksam sowohl im Warenhaus wie im kleinen Geschäft. Deshalb bekämpft der Zentralverband auch daS System des Kapitalismus, ganz gleich, ob eS sich im Groß- oder Kleinbetriebe äußert, während die Anti- semiten die Warenhäuser nur deshalb bekämpfen, weil sie Großbetriebe sind und die kleinen Kaufleute ruinieren. Ein wirkliches Interesse können ja die Antisemiten auch nicht für die HandlungSgehülfen in den Warenhäusern haben, da diese meist Frauen sind und der antisemitische Verband ein Gegner der Frauen- arbeit ist. Nachdem noch Mißstände in der Behandlung zur Sprache gebracht waren, wies die Ncferentin nach, daß nur eine Gcwerk- i'chaft, die auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung steht, die Interessen der Handlungsgehülfen wirksam vertreten könne und forderte die Anwesenden auf, sich zu organisieren. Die Diskusstonsredner erklärten alle, daß die vorgebrachten Miß- stände tatsächlich vorhanden seien, nur davon wollten einige der Redner nichts hören, daß sie sich als Arbeiter fühlen sollen. Ucko und die Neferentin geißelten diesen Standesdünkel und ein großer Teil der Anwesenden stimmte den Ausführungen durch den Beitritt zum Zentralverband zu._ Vernnfchtes. Dir Polizeibomde. In Offenbach a. M. platzte in der der« ganaenen Nacht auf dem Gesimse der Polizeiwache I im Hofe des Stadthauses(I) eine aus einem starken Eisenrohre, wahrscheinlich dem Ende eines größeren Gasrohres gefertigte„Bombe". Das dicke Sandsteingesimse ist der„Offenbach. Ztg." zufolge an der Explosions- stelle angeblich völlig zerschmettert, die Fenster sind, wie behauptet wird, total zersplittert, der Verputz der Mauer ist stark beschädigt. Zahlreiche Sprengstücke flogen in die Wachstube selbst, die Mehrzahl jedoch auf den Hof, wettere Fensterscheiben zerschmetternd und die dahinter befindlichen Drahtgeflechte durchlöchernd=■ Ii Bett er 753 SSO 750 WSW 769® 7023® 763 Still 761© 2halb bd. 5 wolkig 3 halb bd. 3 wölken! holb bd. 5 heiter c- ä H i* H 5j Ctatwnen I! «« B§ SaparandalöLO Petersburg 761 NW cllly «btrbten Pari» 759 NO 760WNW 762 SSW Bätn »In. 4 wolkig 1 wölken! 3 Nebel 2 heiter Swolkeül Ii t» 5> 8 8 8 12 11 Wetter- Prognose für Mittwoch, den IS. Mai lS07. vielfach heiter, aber veränderlich mll etwa» Regen, mäßigen südlichen Winden, kühlerer Nacht und langsam steigender Tagestemperatur. Berliner Weiterduroan. Inseratenteil v-rernttv.- Tb. Gl'ck?, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» syuchdwckeret u. Vedagsanstalt Panl Singer& Co., Berlin SfliT