Nr. 11%« 24* Jal/rg. RbonntmentS'Redlngungtn: fe'J Die Inlcrflons-Gcbfllif «BonnrmentS.«»» oiAnumetanAo: W W �Cr�Bgy MI/ V/»/«vi»Ml MI � � vekZgt s-r dl- ,-chSg�aN.n. N°,sna k>-r!-lj>ihrl. Z.ZV Mk� monall. l>>0 Ml., WM SM MD // Hl K| IB H WS oder deren Raum bo Psg. ,1k wöchcnllich 23 Ptg. frei ins HauS. WM UBH W> W» WM MI BBI IM Bl MW �W f/T politisch- und geweilichastliche Berein». Einzelne Ziuninier B Psg. Sonntags. k" flU M» HB MW MI MAI MD WH MD �M iX. K| WM f"— y/ und LcrsammlungL. Anzeigen 30 Big. numnin mit iaiinrlcrtcT eotmtagS. WWLM i??W BH B BBB BB B M) B B Zf„Kleine Hmeigen", das erste(fett. Kbonf.cmrnttUO Kart N�Mono� jW W W U UUK WWW W C�Tsfa�sle�rrndticdfu� siläf' m W fiJB, Mk ÄfläB<ÄÄ Sl■ MW Deutschland und Oesterreich. Ungarn WM BHl aRsftfkr� �WS MW SWSr/ MM // MW jedeS»eitere Wort 5 Psg. Worte tider 2 Morl, für das ädrige Ausland■ira.X MH� S s // MB 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. 8 Marl pro Monat. Vostabonnemcnt« JBEgglliS��-�_»« BL Inserate für die nächste Nummer mässen Mnd. Italien. S.tr�?rtng°1:(Ks � a��den''«?r7e7°Me°r� «umänien. Schweden und die Schwei» V---'*�><.---0)�5� � (MUH Ulli* HBtl IDntitf. BetlilteU jSSS». Zcntvalorgan der fozialdcmokratifcbcn partd Dcutfchlands. Redaktion: SM. 68, Lindcnstrasee 69. Reritfsjrctfirr: Ilint IV, Nr. 1983. Wahlsieg in Oesterreich! Nach glänzendem Kampf haben'Oesterreichs Arbeiter den glänzenden Sieg an die rote Fahne geheftet. Was der Herr- liche Feldzug zur Erringung des gleichen Rechts versprach. hat der vorgestrige Tag den erprobten Kämpfern gehalten: als stärkste Partei ist bis jetzt die Sozial- demokratie aus der Wahlschlacht hervor- gegangen. Die an Zahl so armselige, an Schlagkraft und Energie so kräftige Vertretung durch ein Dutzend Ab- geordnete ist plötzlich zur imposanten Fraktion geworden; 60 Mandate sind im ersten Gang erobert. Nicht viel geringer ist die Zahl der S t i ch w a h l e n, an denen wir beteiligt sind. Fürwahr ein Erfolg, so reich, so groß, daß auch die Optinüsten unter unseren Genossen ihre Er- Wartungen überflügelt sehen, daß unsere Gegner vor Er- staunen sich noch nicht fassen können! Was wir alle kaum glauben konnten, ist Plötzlich lebendige, sinnfällige Tatsache: das alte, vermoderte, in Todeszuckungen sich krümmende Oesterreich ist heute ein verjüngter, moderner Staat mit neuen Entwickelungsmöglichkeiten und neuen Zielen. Und dies Wunder, es ist das Werk der österreichischen Arbeiterl Lang und schwer und heiß haben sie gerungen. Immer wieder zurückgeworfen, immer wieder in den politischen Sumpf zurückgestoßen, aus dem das Bürgertum keinen Ausiveg wußte, haben sie unablässig Schritt für Schritt nicht den Boden nur erobert, nein, selbst erst den Boden trocken gelegt, von dem aus sie weiterkänipfen konnten. Bald mit Zähigkeit und Geduld, bald aber auch mit unbeugsamer Energie und prächttgem Ungestüm sind sie vorwärts gedrungen, bis endlich der letzte entscheidende Kampf geführt werden konnte. Aber dieser Kampf war auch ein Meisterwerk. Kein Mittel parlamentarischen Einflusses blieb ungenutzt, kein Argument blieb in der Presse ungesagt, aber daneben erhob sich drohend und immer stürmischer die außerparlamentarische Macht des Proletariats, sahen die Straßen unvergeß- licheDemonstrationcn, erstand die Organisation des Massenstreiks! So entriß das Proletariat Oesterreichs den Machthabern den Erfolg, das allgemeine, gleiche Wahlrecht. Doch die Gegner wollten wenigstens nicht ganz kapitulieren. Die ein- jährige Seßhaftigkeit sollte die proletarischen Wähler vermindern, die Wahlpflicht wenigstens in einigen Teilen den kühnen Angreifern die Masse der Trägen, Dummen, Gleichgülstgen entgegenstellen. Das gleiche Recht ließ sich nicht mehr verweigern, aber die volle Frucht sollte wenigstens nicht dem Proletariat zufallen. Jedoch das österreichische Proletariat hat die Berechnungen setner Feinde zu Schanden gemacht. Ein Meister in der Be- Nutzung außerparlamentarischer Macht, in der so oft verhöhnten und in Oesterreich doch so segensvollen Politik der Straße, hat es sich auch als Meister gezeigt in der Benutzung des Wahlrechts. Es hat gut gewählt und sein Banner flattert heute siegreich über allen Gauen des vielsprachigen Landes. Die Internationale Oesterreichs ist die ein zig w i r kl i ch e Re i ch spar tei des Landes, während die bürgerlichen Parteien die Proviuzparteien geblieben sind, die sie waren. Seßhaftigkeit und Wahlpflicht sind vergebens gewesen. Gerade die bürgerlichen Parteien werden jetzt der Wahlpflicht fluchen, die die noch indifferenten Arbeiter aufgerüttelt hat. Sie machen die Erfahrung, die ihnen prophezeit worden ist und die sie damals verlacht haben: Der aufgerüttelte, auf- geklärte Arbeiter wird Sozialdemokrat! Prächtig wie der Erfolg sind auch die Mittel, denen er zu verdanken ist. Siegerin des Wahlrechtskampfes wurde die österreichische Partei durch kluge Ausnutzung der Situation, durch geschickte Anpassung an die Bedingungen des Erfolges, ohne doch je einem prinzipienlosen Opportunismus anheimzufallen. Siegerin des Wahlkampfes ist sie geworden, weil sie in den Massen die Begeisterung ent- fachte, die ihnen allein das hohe Ideal des Sozialismus geben kann. Mit Stolz darf die österreichische Sozial- demokratie darauf hinweisen, daß die Schärfe, mit der sie das sozialdemokratische Prinzip vertrat, von keiner Bruder- Partei übertroffen werden kann. Ihre Agitation war frei von jeder Demagogie, war getragen vom Geiste des M a r x i s m u s. Der Wahlkampf war zugleich fruchtbarste Propaganda der sozialistischen Idee, und dies bürgt uns für die Dauer des es. cgenüber dem Siege der Sozialdemokratie traten die übrigen Momente in den Hintergrund. Doch eines muß noch hervorgehoben werden. An Stelle der sonst üblichen nationalen Cliquenzänkereien ist diesmal der Kampf der großen Klassen in der modernen Gesellschaft getreten. Die Chauvinisten sind zurückgedrängt, die A l l d e u t s ch e n. die schlimmsten Feinde der Arbeiterschaft und des gleichen Rechtes, vernichtet. Sie haben kein einziges Mandat ernmgcn, ihre Führer sind unterlegen. Stein unserem Schuh- meier. Schönerer dem jungen Textilarbeiter D ö tz s ch. Die Ch'ch'tlichsozialen, die Erfinder der Wahlpflicht, konnten unseren Vormarsch ebensowenig hemmen, wie die Jungtschechcn und tschechischen Chauvinisten den überaus erfreulichen, über- rajchend gewaltigen Sieg unserer tschechischen Genossen. Donnerstag, den 16. Mai 1907. Die Wahlen haben gezeigt, daß die Arbeiterschaft Oester- retchs im Lager der Sozialdemokratie steht. Ihre glänzende politische Reife ist die Gewähr dafür, daß sie den Erfolg, den sie errungen hat, auch auszunutzen wissen wird zum Segen für das österreichische Proletariat, zur Stärkung der Armee der internationalen Sozialdemokratie. Deutschlands Sozialdemokratie sieht heute mit Freude und Stolz auf ihre öfter- reich ische Bruderpartei! Wir wissen, daß ihr Erfolg auch der unserige ist. Der Sieg in Oesterreich stärkt unsere frohe Zuversicht, die keinen Moment lang erschüttert werden konnte durch einen Wahlausfall, der unsere Hoffnungen nicht erfüllt hat. Indem wir unseren öfter- reichischen Genossen zu ihrein ersten herrlichen Erfolg unter ihrem selbsterkämpften Wahlrecht unsere freudigste Sympathie aussprechen— ihre Freude ist unsere Freude— können wir ihnen sagen, daß wir mit Ungeduld den Tag herbeisehnen, an dem wir wiederum zur Urne gehen werden. Denn das nächste Mal ist die Reihe an uns! *, Aus der Fülle der Telegramme, die den Einzelheiten der Niesenwahl nachzugehen suchen und aus denen sich erst ganz lang- sam ein Gesamtbild gewinnen lassen wird,— fehlen doch die An- gaben über die Zahl der abgegebenen Stimmen noch fast ganz— heben wir für heute nur die folgenden hervor: Prag, 1ö. Mai.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Im ersten Wahlgang sind folgende böhmische Genossen gewählt: B i n o v e c in Raudnitz-Land, F o l b e r in Rakonitz-Land, K l i c k a in Przibram-Land, Spitzer in Colin-Land, R e m e s ch in Prestitz-Land, H u d e c in Nusle, P r o k e s ch in Mährisch-Ostrau, Tomaschek in Mährisch-Ostrau-Land, in Schlesien C i n g r und P o s p i s ch i l. Bis jetzt sind 22 tschechische Sozialdemokraten gewählt und 26 stehen in Stichwahl. Wien, 15. Mai.(W. T. B.) 8V Klerikale und 66 Sozialdemo- kraten sind das Ergebnis des gestrigen Tages, und damit ist der Charakter des künftigen Abgeordnetenhauses gegeben. Die Sozial- demokraten sind noch an 66 Stichwahlen beteiligt und haben noch auf mindestens 16 Mandate zu rechnen. Die Deutsch-Freisinnigcn Parteien mit Einschluß der Frei-Alldeutschcn und der Agrarier zählen bisher nur 25 Mandate. Die schwersten Niederlagen haben die Jungtschechen und die nationalradikalen Deutschen und Tschechen erlitten. Beide radikale Parteien hören auf politisch zu zählen. Die„Prodttktivitä� der Marine- und Militäransgaben. Bei der gestrigen Eröffnung der„D e u tsch en A rm e e-, Marine- und Kolonialausstellung" hielt vor einem„erlauchten" Auditorium, dein das Kroniprinzen- paar, der Kolonialdircktor T e r n b u r g und Oberst Deimling angehörten, der Ehrenvorsitzende des AuS- stellnngskomitees, Generalmajor z. D. von Poser und Groß- Naedlitz, eine Ansprache, die auch folgenden Passus enthielt: „Darüber hinaus wird die Ausstellung beweisen, wie u n- r i ch t i g es ist, Armee, Marine und Kolonien alS« n- produktiv zu bezeichnen— im Gegenteil; viele Millionen Arbeiter werden durch sie ernährt, und die Erwerbs- faktoren werden durch sie in hohem Maße befruchte t." Diesen platten Phrasen stellen wir einige Zitate gegen- über. In seiner Broschüre:„Marineforderungen, Kolonialpolitik und Arbeiterinteressen" schrieb seinerzeit Genosse Parvus: .Die erste Fürsorge besteht darin, daß man Panzerschiffe baut. DaS gibt, erklären diese Arbeiterfremide, Beschäftigung für viele Arbeiter. Allerdings, jedoch Beschäftigung für Arbeiter geben ja auch die Ausgäbest fürs Heer, überhaupt alle Ausgabe», die vom Staat gemacht werden. Denn das Geld selbst vermag doch nichts hervorzuzaubern. DaS Geld ist nur eine Anweisung auf Arbeit. Wenn man dein Staat so und so viel Steuern oder Anleihen bewilligt, so bedeutet das nichts anderes, als daß man ihn in den Stand fetzt, für seine Zwecke so und so viel Waren zu kaufen, oder Ar- beiter zu beschäftigen. In solchem Sinne dienen auch die Kriegsausgaben dazu, um Arbeiter zu beschäftigen, indem für dieses Geld Getreide den Bauern abgekauft, alle anderen Lebensmittel den resp. Lieferanten, ferner Kleidung, Munition usw. Das Pulver, das man verschießt, sei es im Kriege, oder bei Paraden, oder in Feuerwerken— eS gibt Arbeit, gibt Beschäftigung. So ist eS aber nicht nur mit dem Staat, sondern mit jeder Geldausgabe, und wäre eS die tollste Verschwendung. Darin liegt ja die Macht und der Fluch des Geldes, daß, tver es hat, damit nach feiner Laune Arbeiter „beschäftigt", indem er diese oder jene Warenbestellungen macht. Der reiche Protz vermag nicht nur seine eigene Zeit totzuschlagen, sondern auch die Arbeitszeit vieler recht- fchaffener Leute zu vergeuden. Wer Champagner fauft, bezahlt den Gastwitt, den Kellner, den Weinhändler, den Weinbauer, den Flaschenfabrikanten usw. Stets behaupteten deshalb die Reichen, es sei zum Wohle des Volkes, wenn sie sich den Bauch mit Leckereien voll- stopfen— wovon würden sonst die Kuchenbäcker leben? Aehnlich der Staat bei jeder Berschwendnng von Geld und Arbeit des Volkes. Was man dabei nicht sehen will, ist, daß das Geld auch in de» Händen des armen Manne», des Steuerzahlers nicht verrostet. Der Arbeiter, der Bauer wüßten schon, was sie mit ihrem Geld anfangen sollten, wenn der Staat eL Expedition: SM. 68, Lindcnstraese 69. ihernivrecher:«int IV. Nr.>984. ihnen nicht als BerbrauchLsteuern und sonstige Abgaben abgenommen hätte. Den Massen des deutschen Volkes fehlt schon mancherlei, eS ist mancherlei, was die deutsche Arbeiter-, Hand- werker» und Bauernfamilie braucht und uicht hat.... Hätte man nun diese Millionen nicht an den S t a a t ab» zuliefern gehabt, so würde man sich dafür vielleicht ein Kleidungsstück angeschafft haben, für das sich wohl in jeder Faniilie ein Bedarf herausstellen würde, oder der Arbeiter und Handwerker sähen um ein paarMal im Monat öfter Fleisch auf dem Tisch und auch der Bauer wäre eher im- stände, ein Schwein aufzufüttern und brauchte nicht die Ferkel im Sacke nach dem Markte zu tragen, um ein paar Mark herauszuschlagen, die er zu Steuern oder Zinszahlung braucht. Erhält die Regierung die vielen Millionen für Marinezwecke, fo wandern diese Geldsummen in die Kruppsche» Hütten, in die großen Schiffswerften usw., werden für dicke Stahl- platten, Kanonen, Dynamit, Kohle, Marinezwieback, Werg, Talg, Teer, zur Bezahlung der Rechnungen der deutschen Marineofsiziere verwendet— bleiben aber die Millionen in den Händen des deutschen Volkes, so bekommen die Konfektionöarbeiter, die Textil- arbeiter was zu tun, der Schneider, der Schuhmacher, der Bäcker, der Krämer, der Metzger! Ist eS wichtiger, daß jeder im Volke einen Rock auf dem Leibe hat— oder daß die Schiffe dicke Panzerplatten erhalten?" Genosse Bebel führte in einer Reichstagsrede aw 10. Februar 1900 aus: „Arbeit könnte man auch schaffen, wenn man keine Flotten- Vorlage hätte. Beispielsweise brauchte Deutschland innerhalb der nächsten 15 bis 20 Jahre mindestens 15 000 bis 20 000 Schul- hänfer über das hinaus, was die Kommunen zu bauen imstande sind. Das wäre eine Ausgabe von 48 Millionen Mark. Wie viele Hospitäler, entsprechend den neueren Anforderungen, fehlen noch in den mittleren und kleineren Städten und auf dem Lande I Hundert Spitäler würden 30 Millionen Mark Ausgabe verursachen;'wir brauchen Erholungsanstaltcn, Rekon- valeSzentenanstalten, Schwindsuchtsaitstalten für die Hundert- tausende von Kranken. ,Der Bau von 60 solcher Anstalten würde wieder 30 Millionen Mark kosten. Schaffen Sie alljährlich 100 Ackerbaujchulen, schaffen Sie LehrlingSausbildiingSanstalten, Bvdenmelioratioueu, Verkehrsmittel, Unterstützungen für Kunst und Wiffenschaft— alles das würde Arbeit in Hülle und Fülle zur Förderung der Kulttiraufgaben beschaffe»." Endlich schrieb Herr Eugen Richter 1900 in seinem Schriftchcn„Zur Flottenfrage. Ein kritisches ABC- Büch lein": „Für die Verstärkung der Flotte wird auf den großen Umfang von Bestellungen hingewiesen, welche danack für den Schiffsbau und die an demselben beteiligten Industriezweige zu erfolgen haben. Insbesondere wird auch hervorgehoben die Steigerung der Nachfrage nach Arbeitern, Ivelche auf die Mehrung des Verdienstes derselben hinwirken müffe. Alles aber, was auf dies« Weise einzelnen Industriezweigen zugewandt wird, kommt nichi vom Monde oder aus der vierten Dimension, sondern wird anderen Produktionszweige» entzöge»; alle erforderlichen Mittel müssen ans dem bereits vorhandenen VolkSvermögen geschöpft werden. Wenn diese Mittel nicht zum Bau von Kriegsschiffen ver- wandt werden, so werden sie darum nicht in der Erde vergrabe», sondern erhalten anderweitig in der Volkswirtschaft eine zweckmäßige Verwendung. Wenn sie dabei ebenso wie alle anderen Ersparnisse aus der Volkswirtschaft zu neuen Unter- nehmungen und Kapitalanlagen verwandt werden, so ermöglichen solche Anlagen alsdann, daiternd Arbeiter zu beschäftigen und das aufgewandte Kapital selbst zu verzinsen und zu amortisiereil. Bei den Bauten für die Kriegsmarine aber handelt eS sich nur um einmalige, vorübergehende Verwendungen für Zwecke, welche keinen Zinsertrag gewähren und selbst KriegSwerte nur für die Dauer von durchschnittlich 20 Jahren schaffen."— Daß unser Freisinn selb st heute diesem Standpunkt Eugen Richters entgegen für die tollsten Flottenrüstimgen zu haben ist, beweist nur seine reaktionäre Wandlung, nicht aber die Unrichtigkeit der Richterschcn Begründung lj Politische Gerichtstage. JaurdS' Anklagerede. Paris, 12. Mai.(Eig. Ber.) JaurdS hat Freitag und Sonnabend fünf Stunden lang gegen das Clcmenceausche Regime gesprochen. Es war die längste und unbestreitbar auch eine der glanzvollsten und mächtigsten Reden unseres Genossen. Hatte der Redner am ersten Tage stellenweise sichtlich mit einer körperlichen Indisposition zu kämpfen, in die sich auch die Verstimmung über die Unaufmerksamkeit eines Teiles der Kammer für Darlegungen prinzipieller Art einflocht, so wurde am ziveiten Tage die rednerische Leidenschaft und Kunst Jaures', die sich nun der Kritik der Regierungspolitik und der re» gierenden Männer selbst widmete, aller körperlichen und seelischen Hinderniffe Herr. Der ungeheure Eindruck, den namentlich die Abrechnung Jaures' mit Clemenceau und Brian d machte, läßt sich kaum wiedergeben. Wahre Keulen schlage fielen auf die zwei Glücksritter der Demagogie herab, die bei jedem Versuch, sie durch einen Einwurf abzulenken, noch übler fuhren. DaS Ministerium ist moralisch tot. DaS war gestern im Parlament die allgemeine Meinung, die sich deutlich im donnernden Beifall der äußersten Linken, aber noch grausamer im Schweigen der radikalen Mehrheit äußerte. Es ist heute die Meinung der ganzen Oeffentlichkeit. Tie Rede Jaures' war nicht auf eine unmittelbare politische Wirkung angelegt,— denn daß die Abstimmung diesmal dem Mini» sterium noch einen Sieg bringt, darüber ist kein Zweifel möglich— aber eben darum zeigt sie einen unvergleichlich weiteren Horizont Ott der Durchlchnitt parlmncntavischer Allssprachcn. JaiiröS hat die Bcdeiltmig der sozialistischen Beloeiziing für die menschliche Kultur, die Einheit der Messer- und Gabclsrage mit der idealistischen Auf- fassnng deS LcdenS dargestellt und ferner in einer Anallisierung der Wirksamkeit der ArüeitLkonföderation geschichtöphilosophische Ve- trachtnngen über die revolutionären Prozesse angeknüpft, die man nur in ihrer G e s a m t e r s ch e i n u n g verstehen könne, nicht aber mit Hülfe von Zitateiisaminlungcn aus einer heftigen Zcitliteratnr lind auS Chroniken ihrer„Greuel* und Gewalttaten abzuurteilen sich anmasten dürfe. Daran fchlofz sich eine Kritik jener Kanipfmcthoden, die von einzelnen Gewerkschaften und Sozialisten vertreten und von der Bourgeoisie mit tendenziöser Uebertrcibung gegen die Elrbeiterbewegmig ausgespielt werden: wie die Aufforderung zur Desertion, der„RntipntnotiSnmS", der Sabotage, der General- streik.— Aeustcrst glücklich war die Abfertigung des Schönredners D e s ch a n e l, der die libsrtoirss, die Anarchisten, als Herren der Konföderation hingestellt hatte und dem nun JaureS nachwies, daß diese Anarchisten s e l b st die Notwendigkeit, die gesetzliche Sonn- tagsruhe und das gesetzliche Koalitionsrecht zu verteidigen pro- klaniiert haben, sodast in Wahrheit die Regierung, die diese Frei- heilen mißachtet, anarchistisch handelt I— Der dramatische Höhepunkt der Rede jedoch war die persönliche NuZciiiandersetzung mit den Ministern. Eine tiefe Bewegung ging durch das Haus, als Jaurös Clemenceau dessen Haltung in der Drehst, Saffäre vorhielt. Und dann kam die Reihe an Vi Viani und Briand. JaurdS sprach hier mit unverkennbarer Erregung, aber fest entschlossen, den SensationShhänen der Kammer keine Befriedigung zu bieten.„Glauben Sie," so rief er diesen zu.„daß ein politischer Zwiespalt zwischen Männern, die lange Zeit Kampfgefährten und persönliche Freunde zugleich waren, Stoff für eine Schauspielszene werden darf? Ich für meinen Teil erfülle meine Pflicht ihnen gegenüber ebenso wie gegen ihre anderen Ministerkollegen. Aber ich weist, dast, welche« auch die Ereignisse seien, die im Leben die Menschen trennen und die Solidaritäten brechen, ich weist, dast man seine Freunde von gestern nicht verletzen kann,»kjne sich selbst zu verletzen."— Aber mit unnachsichtlicher sachlicher Schärfe ging JauröS gegen die zwei Exfozialisten lo«. Man kann sich keine treffendere Kritik denken als die an Briand geübte:„Ich glaube nicht, dast sich der Herr Unterrichtsminister so verändert hat, wie man behauptet. Gewöhn- lich find eS überhaupt nicht die Menschen, die sich ändern. sondern die Meinungen, die man sich von ihnen machtl Schon damals, als Herr Briand ganz am Beginn seines Weges mit der Lebhaftigkeit seines Geistes den anarchistischen Genossen begegnete, gefielen sie ihm durch ihren abenteuerlichen Individualismus und auch darum, weil er bemerkte, dast diese wilden und kindlichen Seelen durch den Mechanismus der Eigenliebe, der Kameraderie gelenkt werden könnten, und schon da- malS versuchte er sich in seinen staatsmännischen Fähigkeiten, indem er sie disziplinierte, zähmte und dazu brachte, die Bombe mit der kurzen Lunte gegen den Generalstreik auszutauschen, der zwar auch explosibel ist, aber auf längere Distanz I Später hat er aller- ding«, ohne den Generalstreik aufzugeben, die Methode der gcsetz- lichen und parlamentarischen Evolution hinzugefügt. Als ich dann Briand in die Regierung eintreten sah, erinnerte ich mich, mit welcher Geschicklichkeit er aufunserenKongressen den revolutionären Generalstreik und dir parlamentarische und ministcrialiftische Methode kombiniert und bakauz icrt halte, und ich sagte mir, dast er wenigstens die Eitelkeit, den Stolz auf sich selbst, aus seinen eigenen Gedanken, auf seine vergangen- heit, ja fast möchte ich sagen, den Stolz auf seine G e s ch i ck l i ch- keit haben würde, um das Gepäck deS Generalstreiks nicht in dem Augenblick seines Eintritte« wegzuwerfen, und zum mindesten zu dulden, dast andere die Propaganda, die e r aufgegeben hatte, fortsetzen— den Stolz, nicht die Blitze der Regierungsgewalt auf diejenigen niederfahren zu lassen, die sich an seinem Geiste in- spirierten."— JaureS verlas hierzu die entscheidenden Stellen vouBriands berühmter ParteitagSrede, die den Generalstreik als die modernste, fchlaueste Organisation der Revolution hinstellt, aber auch die Ver- sicherung enthält, er, Briand, wolle auch im Kampfe mit Säbel und Flinte seinen Mann stehen I— Brstmd hat damals zudem ausdrücklich vom Soldatenstreik und von der Insurrektion gesprochen.... Der Streit, den er damals den Soldaten riet, scheint ihm jetzt bei den Beamten unerträglich, weil er— die öffentlichen Dienste in Verwirrung bringe!I Briand bat damals erklärt, dast, wenn die Offiziere Feuer kommandieren, die Gewehre ohne Zweifel losgehen würden, aber nicht in der gewünschten Rich- tung!! DaS ontinnlitaristifche Manifest, dessen Unterzeichner jetzt verfolgt werden, geht nicht so weit. Es sagt nur:„Wenn auch Feuer kommandiert wird, so schiestt nicht I" Briand selbst hat diesen Satz formuliert und als er ins Ministerium eintrat, verkündete er am ersten Tag von seiner Bank aus:„Ich komme mit allen meinen Idee» hierher, ich verleugne keine einzige!" Heute wagt er es, die Bekenner dieser Idee zu verfolgen. Das Urteil über diese Politik lästt sich in einen Satz zusammenfassen:»Entweder das nicht, oder Sir selbst nicht!"— Der Tag des Verräters. Paris, 13. Mai.(Eig. B-r.) Genügt es, um Recht zu behalten, feine Mundfertigkeit und feine Ungenierlheit zu behalten? Dann allerdings hätte Briand heute an JauröS feine Revanche genommen. Fast drei Stunden lang hat er gesprochen, und die Majorität— vom rechten Zentrum bis zur Masse der Radikalsozialisten— feuerte ihm zu Ehren eine Beifalls- salve nach der anderen ab. Die Rede war dieses Beifalls wirk- lich wert. Sie hat die würdig eingeleitete und von Janrös auf die Höhe sozialphilosophischer Betrachtung emporgetragene Debatte in die Niederung persönlicher Ranküne herabgedrückt. dem Enthusiasmus des Anklägers ein Feuerwerk zynischer Advokatenknisfe entgegengesetzt. Von einer politischen Idee war in dem Ganzen keine Spur, wenn man nicht Phrasen wie die von der„Ordnung, welche die Borau«- setzung aller Reformen' sei, von der Notwendigkeit der„Autorität" und„Disziplin' und dergleichen als solche ansehen will— Wendungen, die ein Studt, ein Stolypin oder auch ein B ü l o w unverändert von dem„republikanischen" Kollege» über- nehmen könnte. Ein— wenn man will— virtuose« Spiel mit kleinen BoS- Helten, ein Spiel, dessen Elemente zudem meistens aus der Kloake der kapitalistisch- reaktionären Presse geholt waren: das war alles, wo« Briand zu seiner Verteidigung vorzuführen vermochte— ein Rechtfertigungssystem, dessen stellenweis angeschlagene bieder- meierische GemütStöne noch unangenehmer wirkten, als die Effekte. die Briand in einer Zahl höhnischer Apostrophen suchte. Um feinen Parteiverrat zu rechtfertigen, kam er immer wieder darauf zurück, dast JaursZ damals den MinistcrialiSmuS verteidigt habe, wobei er sich nicht scheute, gelegentliche UnmutSäusterungen unsere» Genoffen au« der Zeit der alten FreundschaftSlntimität ans Licht zu zerren. Kennzeichnend für den Charakter de« Redner« ist feine Erklärung, dast er feine Rede über den Generalstreik gehalten habe, um Verwirrung in die Reihen der antimilitaristischcn Sozialisten zu bringen, gegen die JauräS damals gekämpft habe I Jaurös solle ihm daher diese Rede nicht zum Borwurf machen! Herr Briand hat also damals fein« Bereitschaft zur blutigen Revolution verkündet, um durch diesen demagogischen Kniff der Parteifraltion, die für die Politik des Klassenkampfes eintrat, Abbruch zu tun I Als Briand Jcmres entgegenhielt, dast er ihn selbst unter den Parteiverhältnissen habe leiden sehen, antwortete unser Genosse mit schlichter Würde:„Selbst wenn ich leide, bleibe ich mit meiner Partei vereint". Der eine Satz zeigte, wie wcltcuwcit der Erfolgs- Politiker Briand vom Sozialismus entfernt ist. Soll man von den„Argumenten" BriandS im einzelnen sprechen? Bon dem beim reaktionären Prestgelichter erbettelten Einfall z. B., H e r v ü als„Chef der Partei" zu bezeichnen? — Hat doch Briand, um die Verfolgung der Beamten- gewerkschaftlcr zu rechtfertigen, sich sogar nicht gescheut, syndikalistische Autoren zu zitieren. die den Ein- tritt der öffentlichen Beamten in den Gewerkschaftsverband mist- billigen l Herr Briand tut also, als ob er gerade seine G e w e r k- s ch a f t S f r e u n d.l i ch I e i t beweise, indem er diese gar nicht bequemen Elemente fernhalte. Aber er hat verschwiegen, dast es gerade„autipatriotische" Gewerkschaften sind, die jene Meinung änhern, weil sie vom Eintritt der Beamten eine Schwächung ihrer Position in den Gewerkschaften befürchten. Am Ende wird sich der geschickte Herr Briand, wenn sich die Dinge wieder einmal ändern und er seine Rechnung besser bei der Arbeiterschaft zu finden glaubt, darauf berufen, dast er den Antipatriotischen durch seine Beaniteiiverfolgungeu einen Dienst erwiesen hat— genau so wie er jetzt seine revolutionäre Generalstreikrede auf die Absicht zurück- führt, auf schlaue Weise für den reformistischen Sozialismus zu wirken.— � Ein VertranenSvotum ohne Bertranen. Wie stark da« Mistvergnügen der radikalen Mehrheit über die Situation ist, in welche die Regierung sie gebracht hat, das geht aus der Tagesordnung hervor, die von der Delegation der Linken heute stilisiert wurde. Die Tagesordnung enthält keine Billigung der Matzregelungen und Verfolgungen, sie spricht den Entschlnst der Kammer aus, die Beamten gegen jede Willkür zu schützen, spricht aber andererseits der Regierung das Vertrauen aus, in der Erwartung, dast sie die Arbeitskonföderation zur Beobachtung ihrer gesetzlichen Aufgaben zwingen werde! Man erkennt in dieser, von der Delegation mit allen gegen zwei Stimmen angenommenen Tagesordnung eine Zwei« deutigkeit, die zugleich feige und hinterlistig ist. Indem die bisherigen Gewaltmastregeln nicht ausdrücklich gerechtfertigt werden, lehnt die republikanische Bourgeoismehrheit die Verantwortung für sie ab, anderer- seitS verlangt sie ziemlich deutlich besondere gesetzliche M a st r e g e I n gegen die Arbeitskonföderation, also gerade das, was Briand und Viviani unter Androhung ihres Rücktritts abgelehnt haben! Die Annahme dieser Tagesordnung, die allerdings vor Briand« Rede ausgearbeitet worden ist, würde Briand« und Viviani« Demission zur Folge haben müssen. Die Regierung hat sie darum für un< annehmbar erllärt. Vermutlich wird e« indes noch gelingen, bis morgen eine beiden Teilen genehme Formel zu finden, da Clemenceau seine längst brüchige Regierung nach einer partiellen Krise kaum mehr restaurieren könnte. Herr Briand hat sich ja auch wacker um den Pardon der Bourgeoisradikalen bemüht. Ein solcher fintcnkundiger Gladiator ist es schon wert, dast sich die Daumen Gnade gewährend erheben. Ter Sieg der Negiening. Briand gerichtet von— Clemencca». Paris, 14. Mai.(Eig. Ber.) Einen„Triumph" haben die sozialreattionären Re- publikaner BriandS eisenstirnige Verteidigungsrede genannt. Aber heute ist der fahnenflüchtige Landsknecht durch die Spieste gejagt worden. ES war eine grausame Exekution, an der alle Parteien teilnahmen. S e m b a t zumal exekutierte die Demaskicrung des Ex- genossen mit einer Rücksichtslosigkeit, auf die dieser gestern vollauf das Anrecht erworben hat: Herr Briand hat einen ungeheuren Erfolg gehabt. Er hat auf I a u r ö s losgeschlagen, und das ge. nügt heute, um die Kammer zu begeistern! Sie verleumden sich aber selbst, Herr Briand, wenn Sie jetzt behaupten, Sie hätten den Generalstreik verteidigt, um JaureS einen Dienst zu erweisen und Guesde und Baillant einen Streich zu spielen. Nein, es war nicht Taktik allein. Und 1002 hatte JauröS gar nicht nötig,„ge- rettet" zu werden. Ucbrigens, war es denn ein Dienst für Jaures, dast Briand der Mitarbeiter des Anarchisten Sebastien Faure bei der„Voix du Peuple' war? Gewisse Leute haben nicht das Recht, Handlungen zu bestrafen, zu denen sie selbst aufgefordert haben: Der Unterrichtsminister hat erklärt: er sei mit allen seinen Ideen in die Regierung eingetreten. Also gibt eS einen verbotenen Generalstreik, nämlich den der Kon- föderation, und einen erlaubten, den der Regierung?! Die Arbeitskonföderation, die man Ihnen in so furchtbaren Farben malt, ist weiter nicht» al« ein telephonisches Zentralbureau! Sie können sie aber darum auch nicht vernichten, denn nach der Auf- lösung würde sie nur unter einem anderen Namen auserstehen. Nun bestieg I a u r S S die Rednertribüne. Mit Briand rech- nete er ganz kurz ab, indem er feststellte, daß der Unterricht«. minister noch vor 2 Jahren die Postbeamten aufgefordert hat, sich gewerkschaftlich zu organisieren! Auf die vielen über ihn her- niederprasselnden Zwischenrufe und Zwischenredcn antwortete Jaures in schlagender Weise. Die grausamste Züchtigung hat Briand übrigens nicht von einem oppositionellen Sozialisten, sondern von seinem eigenen Ministerpräsidenten erfahren! Clemenceau« Rede, die durch unzählige Zwischenrufe von alleA Seiten arg zerrissen wurde und oft des Zusammenhangs entbehrte, war sicher kein Kabinettstück advokatorischer Kniffigkeit, wie die de« Untcrrichtsministers. und durch ihre Ausfälle nach allen Seiten hin taltisch sogar sehr un- geschickt. Aber sie zeigte den ungeheuren Unterschied, der doch zwischen der Persönlichkeit und dem JdecnkrciS der beiden Männer besteht: Clemenceau erklärte mit Nachdruck, er werde die Arbeit». konföderiltion nicht verfolgen und nur mit einer radikalen Mehr» heit regieren! Seine ganze Rede war ein so unverkennbarer Pro- test gegen Briand« Versuch, sich als Mann der„Ordnung" bei den Gcmästtgtcn in Empfehlung zu bringen, dast schallende Heiterkeit durch da« Haus brauste, als der Präsident zwei neue, anscheinend im Einverständnis der Unterzeichner eingebrachte Tagesordnungen verlas, von denen die eine mit der Billigung von C l e m e n- ceaus. die andere von Briands Erklärungen den Uebergang zur Tagesordnung aussprach!— Die Erklärungen Clemenceaus wurden stellenweise auch von den Sozialisten mit demonstrativem Beifall aufgenommen. Die Regierung ist vorläufig gerettet. Die sozialistischen Tagesordnungen erhielten nur 7S bis 129 Stimmen. Die von der Regierung akzeptierte, die der Radikale M a u j a n und der „unabhängige" Sozialist Gerault Richard einbrachten, hatte folgenden Wortlaut: „Die Kammer billigt die Erklärungen ber Regierung, weist jeden Zusatz zurück und geht zur Tagesordnung über." Der erste Teil wurde mit SSI gegen 214. der zweite(„weist jeden Zusatz zurück") mit 82S gegen 236 Stimmen angenommen. hiexM W gesamte Resolution mit 343 gegen 210 Stimmen, Das Resultat trar zu ertvarten. Aber wie lange wird der Einflutz deS Ministeriums auf die ganz desorientierte Kammer noch vorhalten? lind wird Briand die öffentliche Verurteilung er- tragen, die ihm sein Chef heute hat angcdcihcn lassen? • Paris, 15. Mai.(23. T. 83.) Nach den amtlich richtig gestellten Ziffern hat die Kammer die VertraueiiStageSorduung für die Re- gicrung mit 327 gegen 296 Stimmen angenommen. Die Mehrheit umfastt die radikale und die demokratische Linke, die demokratische und republikanische Vereinigung. die»leisten Mitglieder der sozialistisch-radiralcn Linie», 10 unabhängige Sozialisten. 20 gc<- niähigte Republikaner und 1 Nationalisten. Die Minderheit setzt sich zusammen aus der Rechten und dem grösiten Teil der gemästigten und gecinigten Sozialisten, 21 Radikalen und Sozialistisch- Radikalen und 12 unabhängigen Sozialisten. 29 De- pulierte enthielten sich der Abstimmung. Die regierungsfeindlichen Blätter erklären, dast der Sieg des Ministeriums, der übrigens dem Auftreten Briands zu verdanken sei, keine Tragweite und keine Dauer haben werde. Sie weisen ins- besondere darauf hin. dast der Regierung in der Frage der Verstaatlichung der Westbahn, die demnächst im Senat verhandelt werde, neue und wohl noch größere Schwieriglcileu bevor- stehen. Die radikalen Blätter meinen, dast durch die scchstäaigc Debatte die parlamentarische Lage sich in einer fsir das Ministerium und dessen Anhänger erfreulichen Weise geklärt habe. Die radikalen Parteien seien sicher, dast die überwiegende Mehrheit des Volkes hinter ihnen stehe. Paris, 15. Mai. In Besprechung der gestrigen Kannncrsitzimg schreibt Jaures heute in der„Huinanile", das Kabinett habe einen empfindlichen Stost erlitten und sei erschüttert. Das Ergebnis der britischen Reichs- konferenz. London, 12. Mai.(Eig. Ber.) Ungefähr vier Wochen haben die Veratniigen, Bankette und Festlichkeiten der fünften Londoner Ncichskoiifercnz gedauert, aber ihre direkten, greifbaren Ergebnisse sind gering. Das Gefühl der Reichseinheit wurde ohne Zlveifel gestärkt und manche Vorarbeit zur ReichSorgauisation geleistet, aber die eigentliche Ausgabe der ReichSkonferenz harrt noch der Lösung. Die Wahrheit ist, dast zwischen den Vertretern der libe- ralen Regierung und denen der selbständigen Kolonien ein gewisses Misttrauen herrschte. Die Berichte über die Konferenz- bcratungen waren stark gekürzt, sodast daS Publikum keinen klaren Einblick in die Vorgänge erhalten konnte, allein in London gibt es keine Geheimnisse. Wer zwischen den Zeilen der Artikel der englischen Presse lesen kann, sieht bald, dast es bei der Konferenz an jener Aufrichtigkeit und Offenheit fehlte, die eine der Hauptbedtngnngen bildet für das Gedeihen einer freiwilligen und gemeinschaftlichen Arbeit. Sir Henry Campbell- Bannennan und seine Minister, die im Frei- Handelssystem den Grundstein des Liberalismus erblicken, fürchteten den Einfluß der schuhzöllncrischen kolonialen Ver- tretcr auf die öffentliche Meinung Englands, und die kolonialen Premierminister überzeugten sich bald, dast sie bei Campbell- Bannerman nichts ausrichten»verde«, da ihm— wie den meisten seiner Kollegen— das Wort„Imperialismus" zulvider ist. Der englische LiberaliLinns.»vie er durch die jetzige Regiening repräsentiert wird, hat für eine umfassende militärische und»virtschaftlicho Reichsorganisation nichts übrig. Und so lange er am Rnder bleibt, wirb cru» den Imperialen Geburtswehen nur ein Mäuschen zur Welt koinmen. Ein Gefühl bitterer Eititäilschung geht jetzt durch die Reihen der Konservativen: der Kampf ztvischci» den Parteien wird schärfer; die liberale Regierung»vird als der Stein des Anstoßes betrachtet, der um jeden PtciS hinweggeräumt »vcrden müsse. Mr. Balfour, der Führer der konservativen Opposition, erklärte sich letzte Woche ununüvunden für einen Retchstarif, also für einen kleinen LebcnSmittelzoll. Campbell- Bannerman antivortcte mit einer Rede in Manchester, in der er seine ganze Kraft aufbot, um die Liberalen an sich zu fesseln und sie gegen die nunmehr gceinigte konservative Partei in den Kampf zu führen. Die Einigung der konservativen Partei, die durch die Erklärung BalfonrS für den Chamberlainschen Gedanken zustande gekommen ist, bildet daS wichtigste, wenn auch indirekte Ergebnis der Reichs- konferenz. Alle anderen Resultate sind nur Vorarbeiten, aber keine endgültigen Lösungen. Rehmen»vir die Veschlüffe der Konferenz einen nach dem anderen: Stark war die Hoffnung, bast ein permanenter Reichsrat gegründet werde. Man glaubte, dast die in London rcsi- dierendcn Generalagenten im Verein mit eincin Vertreter der englischen Regierung den Reichsrat bilden sollen, dessen oberste Instanz die periodisch einzuberilfende ReichSkonferenz sein sollte. Statt dessen wurde nur ein Sekretariat im englischen Kolonialministcrinm geschaffen, das die alle vier Jahre abzuhaltende Rcichskonferenz vorzubereiten hat. Der Vertreter Australiens, Mr. Deakin. beantragte, dieses Sckrc» tariat dem englischen Premierminister zi: unterstellen und den Premierminister zum Vorsitzenden der Reichskonferenz zu machen, um auf diese Weise dem Reiche einen organischen Zusammenhang zu geben und den englischen Premierminister zum Oberhaupt oder PrSsidcutcn drL Rcichcö zu machen!— Aber Sir Henry Campbell- Bannerman lehnte diesen Plan elitschicdcn ab.— Die Folge ist, daß»vir nun anstatt eines permanenten ReichSratcs mit dem englischen Premierminister als Präsidenten nur ein untergeordnetes, burcaukratisches Sekretariat haben.— Die Verteidigung deS Reiches machte einen kleinen Fort- schritt durch die angenommene Resolution, welche die Bilonug eine« RcichSgcncralftabcS, die Vercinlicitlichnng der Waffen und der Munition befürwortet. Der Austausch von kolonialen und englischen Offizieren, das Studium des Verteidigung?- Problems vom R e i ch s st a n d p u n k t e. die Förderung der Seemacht in den Kolonien sind weitere Mittel zu diesem Ziele. General Botha erklärte bei der Gelegenheit, dast es»vünschcns- wert fei, der Föderation Südafrikas vorzugreifen und die Bildung einer südafrikanischen Armee aus Buren und Briten in Angriff zu nehmen. Ebenso, meinte er, sei eS nötig, die englische Garnison in Südafrika vorläufig zu behalten, da die Ber» teidigungsmittel Transvaals ungenügend seien! Diese Aeustenmg hat viel Staunen hervorgerufen, aber keine offizielle Erklärung gefunden. In bezug auf die Auswanderung von England wurde nach einem Referate von John Bums beschlossen. den englischen AuSwanderitngsstrom nach den selbständigen britischen Kolonien zu lenken. Der Hauptgegenstand der Konferenz»var. wie sich von elbst versteht, die australische Resolution über die Aufstellung eines ReichSvorzugstarifeS. Deakin begründete ctqe fftcioiuiton. tubcm er daran erinnerte, daß sich schon die erste Kolonialkonfereiiz im Jahre 1887 auf An- trag des Kapvertreters Hohmeyr mit diesem Gegen- stände beschäftigt habe. Der Grundsatz:„Kaufe auf dem billigsten Markte und verkaufe auf dem teuersten Markte" sei nicht der höchste Grundsatz! Zoll- Politik bilde nur ein Mittel zu einem Ziele. Das Ziel sei die Blüte, die Stärke und das Wohlergehen der britischen Staaten. Verlange dieses Ziel eine andere als die bisher befolgte Zollpolitik, so müsse diese geändert werden. Die Ein- fuhr englischer Fabrikwaren nach den Kolonien habe nicht gleichen Schritt gehalten mit der Einfuhr nichtenglischer Waren. In den letzten 20 Jahren war die fremde Ein- fuhr nach Australien größer als die englische: Im Jahrzehnt 1880—1889 um durchschnittlich 27,3 Pro- zent, im Jahrzehnt 1896—1905 um 38,7 Prozent. Dennoch seien die fremden Märkte für australische Ackerbauprodukte so gut wie verschlossen. Der Sinn der korporativen Einheit des Reiches müsse gepflegt werden, wo- bei die Freiheit und die Selbständigkeit der einzelnen Glieder nicht im geringsten eingeengt zu werden brauche. Australien habe bereits Vorzugstarife mit Kanada und Südafrika abge- schlössen: ein Tarif mit Neuseeland werde folgen. Das Reich müsse zusammenhalten und die Glieder fester aneinanderschließen, wenn es gedeihen, wenn es auch fernerhin erfolgreich um seine Existenz ringen wolle. Sir Josef Ward, der Vertreter Neuseelands, hielt eine ähnliche Rede und wies ebenfalls hin auf die Zunahme der fremden Einfuhr gegenüber der englischen. Die Hauptsache sei, daß England seine bisherige Politik des Gehenlassens (polie� ok strikt) aufgebe. Dr. Jamson, der Vertreter der Kapkolonie, schloß sich den Anschauungen Deakins und Wards an. Er betonte, daß eine bessere Zollpolitik Englands die Wein- und Tabaksindustrie Südaftikas, die so verheißungsvoll gewesen, gerettet haben würde. Aber England zog es vor, seine Weine aus Frank- reich und seinen Tabak aus Amerika zu beziehen, und Süd- afrika mußte die Wein- und Tabakkultur eingehen lassen. Sir Wilfrid Laurier trat für die Wiederbestätigung der Resolution vom Jahre 1902 ein, die bekanntlich einen Reichsvorzugstarif verlangte. Kanada werde, so führte Laurier aus, infolge seiner Nachbarschaft mit den Ver- einigten Staaten immer einen großen amerikanischen Handel haben, aber die kanadische Regierung tue alles, um das Band der Neichseinheit zu stärken. Die kanadischen Bahnen laufen nicht nach Süden, sondern nach dem Osten und Westen. Auch die Kanäle werden so gebaut, daß sie den Verkehr mit Eng- land förderten. Die öffentliche Meinung Kanadas sei fast ein- mütig ftir den Vorzugstarif, aber man dürfe das Mutterland nicht zwingen, rascher zu gehen, als es für wünschenswert halte. Gegen die kolonialen Premierminister ließ Sir Henry Eampbell-Bannerman aufmarschieren: Sir James Mackay, Mr. Asquith, Lloyd George, Winston Churchill, die sich im Namen Englands und Indiens gegen eine Aenderung der bisherigen Zollpolitik aussprachen: England sei für alle zivili- satorischen Maßnahmen, die das Reich befestigen könnten, aber am Freihandelssystem dürfe nicht geändert werden. Deakin antwortete auf alle Einwürfe der Vertreter der englischen Regierung, aber die australische Resolution erhielt nur die Stimmen der kolonialen Vertreter; England stimmte dagegen— General Botha enthielt sich der Abstimmung, offenbar auf Ansuchen Sir Henry Campbell Bannermans. Die Folge dürfte sein, daß die Kolonien mit einander Vor- zugstarife abschließen werden und daß England die ihm gewährte Vorzugsbehandlung annehmen wird, ohne eine gleiche Gegen- leistung gewähren zu können! Es ist indes nicht zu vergessen, daß das englische Volk die enormen Kosten der Reichs- Verteidigung trägt und daß es dadurch den Kolonien erspart bleibt, große Militäretats aufzustellen. Die selbständigen Kolonien sind tatsächlich freie Staaten ohne militärische Auf- gaben, wodurch sie in den Stand gesetzt werden, sich dem inneren Ausbau ihrer Länder ungestört zu widmen. Die Politik der derzeitigen englischen Regierung wird trefflich charakterisiert durch die Tatsache, daß sie überhaupt alle kolonialen Resolutionen abgelehnt hat, die aus eine Be- schränkung des Handels und Verkehrs fremder Länder ab- zielten.—_ poHtilcbc CUbcrficbt. Berlin, den 15. Mai 1907. LandtagSfericn. Die Dreiklaffenwahlerkorenen widmeten sich heute nur noch eine Stunde lang der anstrengenden Tätigkeit des Ge» setzeaebens: Zunächst versagten sie dem Petersfreunde Kar- dorfs die Genehmigung, in dem Beleidigungsprozeß deS deutschen Kulturträgers Karl Peters gegen unser Münchener Parteiorgan als Zeuge aufzutreten. Tann nahmen sie das Jagdgesetz in dritter Lesung endgültig an, nachdem ein Teil der Konservativen unter heuchlerischem Augenaufschlag er- klärt hatte, im Interesse der kleinen Grundbesitzer gegen die Vorlage stimmen zu müssen. Eine Wegeordnung für die Provinz Posen und eine Kreisordnung für Schleswig-Holstein füllten den Rest der Sitzung. Dann waren die Abgeordneten im Dreiklassen- Parlament so erschöpft, daß sie beschlossen, mindestens drei Wochen Ferien zu machen. Nach Pfingsten werden sie noch einige Sitzungen mit allerhand Krimskrams vertrödeln— sie bekommen ja, anders als im Reichstage, für jede Sitzung mehr auch 13 Mark Diäten mehr. Sozialpolitische Bremser! Rationalliberale und Konservative beginnen be« reits, vor sozialpolitischen Konzessionen eindringlichst zu warnen. Die.Magdeb. Ztg." richtet an Konservative. Zentrum und Linksliberale die Mahnung, man möge sich doch nicht darüber täuschen, daß auch.daS denkbar größte und wohlwollendste Eni- gegenkommen die Sozialdemokratie niemals besiegen oder ent« waffiien werde." Die.Kreuz-Zeitung" nimmt demgegenüber für die Konservativen die Ehre in Anspruch, auf dies Argument.schon seitJahren in nachhaltig st erWeise hingewiesen" zu haben. DaS Blatt fährt dann fort: .Konservativer Grundsatz war es stets, lediglich vom ch r t st« lichen, nicht aber von politischen Gesichtspunkten aus Soziolreforin zu treiben, und wir haben stets, wie das jetzt rn dem genannten nationalliberalen Blatte geschieht, davor g e- warnt, durch übertriebene Anträge und Bor- gaukeln ungerechter Projekte die Erwartungen der Arbeiter immer mehr anzuspannen, da dadurch nur unerfüllbare Begehrlichkeit wachgerufen und der sozialdemokratischen Slgitatton, die ja im«versprechen immer voraus ist, der Vodcn bereitet wird. Wer aber hat an sozialpolitischen Massen antragen im neuen Reichs- tage daS meiste geleistet? Die Nationallibcralen. Daß nun ein n a t iso n n l l i b e r a l e S Organ in so e n t- schieden er Weise auftritt, um vor der Ueberlastnng deS Schiffes, das in unbekaimte Meere hinausfahre, zu lvarnen, halten wir für sehr verdienstlich, und daß darin auch ans das Erfordernis großer Mittel zur Durchführung aller dieser sozialpolitischen Auf- gaben Hingelviesen wird, dünkt uns ebenfalls richtig. Staats- gelder seien, so schreibt das Blatt, überaus beliebt, wenn man sie empfange, aber sie seien verhaßt, welm sie bei dem einzelnen Bürger eingetrieben würden. Haben wolle jeder, geben keiner: was man gebe, habe den häßlichen Namen Steuer. Es wäre z» wünschen, daß diese Ausführungen allseitig— be- sonders auch in der nationallibcralcn Partei— beherzigt werden möchten." Die„Kreuz-Zeitung" schließt sich also den Warnungen deS nationallibcralen Organs vor einem wirklichen Ausbau unserer Sozialpolitik mit allein Nachdruck an! Sie weist auf die dem Staate erwachsenden Lasten hin. Bei der marinistischcn und kolonialen Milliardenverschlcnderung spielt für diese.christlichen" Arbeiterfreunde das Moment immer unerträglicherer Steuerlasten— sofern nur die Agrarier selbst nichts zu zahlen brauchen!— nicht die mindeste Rolle! Diese sozialpolitischen Bremsversuche der Konservativen und Nationalliberalen beweisen zu allem llebcrfluß, wie wenig Ersprieß- liches auf sozialem Gebiete auch künftig von der konservativ- liberalen Paarung zu erwarten ist!— Jnnker dürfe« schreien— Beamte haben das Maul zu halten! Der preußische Finanzminister v. R h e i n b a b e n hat der Regierung von Danzig folgende Weisung zugehen laffen: .Die Regierungssekretäre und Hauptkassen- buchhalter der dortigen Regierung haben in der durch Elv. Hoch» wohlaeboren Bermittelung uns eingereichten Kollektiv- Vorstellung vom 20. November v. I. beantragt, eine Erhöhung ihrer Gehaltsbezüge herbeizuführen. Bon dieser Borstellmig haben sie Abdrucke den Rcgierungssckretären und Hauptkajsen- buchhaltern sämtlicher übrigen Regierungen mit der dringenden Bitte übersandt, auch ihrerseits eine solche Petition an unS zu richten, und damit den Erfolg erzielt, daß derartige Kollektiveingaben, ebenfalls durch Vermittlung der Herren Regierungspräsidenten, in großer Zahl eingereicht worden sind. Wir müssen diescS Borgehen der dortigen Beamten entschieden mißbilligen. So wenig es dem einzelnen Beamten verwehrt ist, fiir seine Person Wünsche, die seine persönlichen oder dienstlichen Berhältnisse betreffen, bei den vor- gesetzten Behörden zur Sprache zu bringen, so wenig sind dahin abzielende Kollektivvor st ellungen einer Beamtenklasse an sich schon als angemessen zu erachten. Es lönnen aber derartige Kollektiveingaben im Interesse der Ausrechterhaltung der Disziplin und des guten Geistes unter den Beamten unter keinen Um- ständen geduldet werden, ivenn sie, wie ini vorliegenden Falle, einer Agitation ganzer Beamtenkategorien dienen, die durch die Gemeinsamkeit des BorgehenS einen Druck auf die vorgesetzte Behörde auszuüben bezweckt... Da hier Anzeichen dafür vorliegen, daß von irgend einer Seite auch der Versuch gemacht worden ist, in die Kniizlci- und Nntcrbcamtcn eine ähnliche Be- wcgung zu trogen, ersuchen wir Ew. Hochwohlgevoren ferner, auch diesen Beamten, sowie den nicht etatSmäßigen Beamten des Bureau-, Registratur- und KassendicnsteS eine entsprechende Belehrung zuteil werden zu lassen." Preußische Beamte dürfen also nicht einmal kollektiv petitionieren! Sie dürfen lediglich persönlich vor- stellig werden. Namentlich aber wenn sich Unterbcamte eines solchen Verstoßes gegen die„Disziplin" schuldig zu machen anschicken, ist ihnen energisch der Standpunkt klarzumachen I Preußische Minister dürfen sich an T i p p e l s k i r ch- Geschäften der bedenklichsten Art beteiligen— aber preußische Unterbeamte dürfen nicht einmal eine ge- metnsame Petition einreichen l— Dernburgs Afrikareise. Dernburg hat, wie et selbst am Montag auf dem pnrlamen- tarischen Abend beim Reichskanzler mitteilte, seine Ausreise nach Afrika auf den 11. Juli d. I. verschoben. Der Grund dieser Aenderung soll in der bevorstehenden Organisation des ReichS- kolonialamtS zu suchen sein. Wie weiter verlautet, wird Dernburg seine diesjährige Reise auf O st afrika beschränken, währeno die Reise nach Südwestafrika auf eine spätere Zeit derschoben worden ist. Am besten ersparte Herr Dernburg dem Reiche überhaupt die Kosten seiner Reise, denn er wird ja doch nur Potemkinsche Kolonialdörfer zu sehen bekommen. Hymnen auf die Urwaldpracht und das herrliche Klima haben ia die Herren Scmler, Starz und Konsorten schon zur Genüge angestimmt. Zweck hätte die Reise nur dann, wenn er als Harun a l Raschid reisen, also wirklich alles sehen würde, und wenn er in erster Linie auch die Absicht hätte, aller Kolonialkorruption energisch zu Leibe zu gehen. Das erstere ist aber ausgeschlossen und das letztere nicht minder. Gerade Dernburg, dieser Typus des rücksichtslosesteu kapitalistischen Draufgängertums, wäre der letzte, von dem ein Bor- gehen gegen die mit dem kapitalistischen Kolonial-System un- trennbar verbundenen Schäden zu erhoffen wäre l— „Christlichnationales." * Seit einiger Zeit haben wir in Deutschland bekanntlich eine .christlichnationale Arbeiterbe w e g u n g", die sich zusammensetzt aus den christlichen Gewerkschaften, den katholischen und evangelischen Arbeitervereinen und einigen antisemitischen Organisationen, denen zuliebe auch wohl daS Wörtchen.national" aufgenommen worden ist. Nun hat dieses Wörtchen seit dem 13. De- zember vorigen JahrcS seine besondere Bedeutung erhalten. Die Blockparteien nennen sich so zur Unterscheidung von der Sozialdemo- kratie und dem Zentrum. Die Ultramontanen sind seit der Zeit auf dieses Wort nicht mehr gut zu sprechen; sie setzen eS nur noch in Anführungszeichen und machen sich weidlich lustig darüber. Leider konnte man im Sommer vorigen Jahres, wo der Aufruf an die„christlichnationale Arbeiterschaft" erging, noch nicht voraussehen, welche Bedeutung das Wörtchcn„national" dereinst erlangen würde. Und so haben wir denn die merkwürdige Tatsache, daß eine von den Klerikalen begönnerte Arbeiterbewegung sich stolz„national" nennt, während dasselbe Wort im klerikalen Lager gegenwärttg so tief im Ansehen steht, daß es dort nicht anders als im ironischen Sinne gebraucht wird. Besonders interessant ist, was über das merkwürdige Wort der „Arbeiter", das Blatt der süddeutschen katholischen Arbeitervereine sagt, nämlich folgendes: Seit der letzten RcichStagsauslösung spielt wieder in unserer ganzen inneren und teilweise auch äußeren Politik ein kleines Wörtlein die größte Rolle. ES ist wieder zum Losungswort, zum Stigma für Millionen geworden. ES soll damit daS gesamte deutsche Volk in zwei Lager gespalten werden. Es ist dies das Wörtlein mit drei Silben national. Ein Universttätsprofcffor. eine urbaycrische und urdeutsche Natur, sagte mir nach dem letzten Wahlkampf:„Wcim mich einer nalionat nennen würde, so würde ich dies als Schimpfwort ansehe», nachdem gewisse Leute mit diesem Wort eine» solchen Unfug getrieben haben." Das genannte Blatt bezeichnet„national" als Schlagwort, da? so g r ü n b l i ch abgedroschen sei, daß man flch schämen sollte, eine solch„verrostete Waffe" lvieder hervorzuholen; es sei eine„alte Schindmähre", die jetzt von den Liberalen zuschanden geritten würde, weil sie in ihrer Ideen» armnt und Unfruchtbarkeit es zu nichts mehr bringen könnten. Aber dieses„abgedroschene Schlagwort", dieser„Schimpfname", diese„Schindmähre" prangt stolz im Namen der„christlichnationalcn Arbeiterbewegung". Ist etwa der Gebrauch dieses Wortes, der den Liberalen als Ideenarmut angerechnet wird, im Lager der GieSberts, Behrens und Genossen ein Zeichen von Gedankenreichtum?— Legitimität und Autorität. Nach der Behauptung unserer Gegner wird die Welt von Ideen regiert. Die verschiedenen politischen Parteien z. B. sollen auf der Berschiedenheit der Ansichten beruhen: je nachdem eine Partei die eine oder andere Ansicht für richtig hält, kämpft sie um deren Verwirklichung.— Wie wenig diese Auffassung der Dinge den Tat« fachen entspricht, wie sehr vielmehr gerade die politischen Parteien nichts weiter sind als I n t e r e s s e n p o r t r e t u n g e n, daS lehrt bei nüchterner Beobachtung jeder Tag. Jede bürgerliche Partei hat ihre Prinzipien und Grundsätze, ihre angeblichen„Ideale", und jede dieser Parteien schlägt diesen Idealen inS Gesicht, sobald es der Vorteil zu erheischen scheint. Bei den Liberalen ist das eine längst bekannte Sache, aber bei den Konservativen steht es genau so. Die Prinzipien, welche der konservativen Weltanschammg zu- gründe liegen, sind Legitimität und Autorität. DaS lehren ihre Theoretiker jdie allerdings sehr dünn gesäct sind), daS posauuen nicht minder mit vollen Backen ihre Tagesschriftslcllcr, sobald eS sich damin handelt, politische Maßnahmen, die ihnen genehm sind, zu verteidigen. Sobald aber der Vorteil es anders zu wollen scheint, scheuen sich die Konservativen nicht einen Augenblick, den Grundsatz von der Heiligkeit der Autoritätt und Legitimität mit Füßen zu treten. Das lehrte die b r a u n s ch w e i g e r Thron« folge, das lehren nicht minder folgende Zeilen, die wir neuerdings in der„Deutschen Tageszeitung" fiudiii: „In Warschau fand dieser Tage die Enthüllung eines Denk- mals für den polnischen Hetman Stefan C z a r n i e c k i statt. Dabei wurden Glückwunschschreiben mehrerer polnischer Bischöfe verlesen. DaS Schreiben des Posener Weihbischofs Lilowski hatte nach dem„Dzicnn. Berl." folgenden Wortlaut: „Ehrwürdiger Propst I Indem ich Sie zu dem glücklichen Gedanken, den großen Patrioten und Helden»ach Jahr« Hunderten zu ehren, insbesondere aber zu der BnSsühning des unternommenen Werkes beglückwünsche, verbinde ich gleich« zeitig den Wunsch, das Denkmal möge neben der E rinne- ru»g an die bessere Vergangenheit fiir die künftigen Geschlechter ein Ansporn' sein zur Vesolgmig der bürgerlichen und christlichen Tugenden dos Helden." Und aus der Erinnerung au die„bessere Vergangenheit" keimt dann vielleicht der Wunsch, sie wieder herzu« st e l l e u?" Was hier den Polen zum Vorwurf gemacht wird, nämlich der Gedanke, daß die Berechtigung gegentvärliger Zustände einzig und allein auö den Traditionen der Vergangenheit hergeleitet werden darf, und daß jeder gegenwärtige Zustand, der den Traditionen der Vergangenheit zuwiderläuft oder auch nur von ihnen abweicht, unsittlich und deshalb verwerflich ist— das ist die echt» und rechte konservative Gmndanschannng. Aber diese Grundanschauung ist geboren aus dem wirtschaftlichen Interesse derjenigen Klassen, welche die konservative Partei politisch vertritt. In Preußen fühlen sich diese Klassen wohl bei möglichst starrer Anknüpfung an die Traditionen der Vergangenheit. Wollten aber die Polen die Traditionen ihrer Vergangenheit wieder beleben,!# könnte das für die preußischen Konservativen vielleicht ungemütlich werden. Daher gilt bei den Polen als Verbrechen, was bei den Preußen höchst rühmlich ist.—_ Gin kindischer Zentrumsschinindel. Der„Bayerische Courier" schreibt: Ohne Sang und Klang hat der Reichstag am letzten Mitt- woch dem Reiche eine Mehrbelastung von 22 Millionen Mark auf« erlegt; die meisten Parteien hielten es nicht einmal der Mühe wert, ihren Wählern kund zu tun, wie sie diese schwere Mehr« bclastnng rechtfertigen. Die Gründe für ihre Abstimmung waren aber höchst fadcnscheiinge; selbst die S o z i a l d e in o I r a t i e machte leine Opposition; sie stiinmte für diese Kotoiiinllirmec. Nur das Zentrum ließ erklären, daß es die Forderung nicht billigen könne, daß es einen AbäiiderungSanirag für aussichtslos halte und daß es deshalb sich der Abstiinmung enthalte. Wir stellen diesem törichten Schwindel gegenüber nur die selbst- verständliche Tatsache fest, daß die sozialdemokratische Fraktion nicht nur durch den Genossen L e d e b o u r in der betreffenden Reichstags- sitziing voin 3. Mai die A b l e h n u n g der Kolvnialarince er« klärt, sondern daß selbstverständlich die Fraktion auch gegen die Forderung g e st i m in t hat. DaS Zentrum wählte den d i p l o» malischen Mittelweg, sich der Abstimmung zu enthalten I— Die Politik der Kriegcrvereiue. In Großohrenbronn in Mittelfranken erhielt ein Mitglied des Kriegervcreins von seiner Borstandschast den folgenden ulkigen Schreibebrief: Außerordentliche Sitzung Vom 14. April Betreff: Ausschließung von Kamradcn weil sie den Sozialdemo- kratischen Wahlvereiii beigetreten sind. Da schon öfters bei un« in Versammlungen gesprochen wurde. über Kameraden, welche wie bekannt in ihren Bestrebniißeii und besonders in der letzten Reichstagswahl eS beobachtet wurde, liber Kamerad Josef W....... können wir eS nicht ohnehin beruth fein lassen und tut uns sehr leid, dich aus den Veteranen- verein auszuscheiden. Ncmlich wir haben bei den hohen BuiidcSprästdinm die Anfrage gestellt, wie wir unS gegen- über solchen Kameraden zu verhalten haben. Und wir haben von dieser Seite durch das BnndeSpräsidinm den Bescheid erhalten, solche Mitglieder, welche in letzterer Zeit sozial- politischen Wahlvereincn beigetreten sind, sind wir verpflichtet. nach Parapfaf 8 der Bundessatzungen auszuschließen, weswegen wir nach vorheriger Sitzung vom 14. April 1907 obwohl ungern, über dich Josef W...... Mitglied des Vereins bis daher den Ausschluß bis zu deine späteren Einsicht verhängen müssen. Großohrenbronn usw. Die Vorstandsmitglieder dieses VeteranenvercinS sind die Führer der christlichen Gewerkschnftsdrwclinng am Orte. Als wahre Christen wollen sie ihrem räudigen„Kameraden" den Weg zur „späteren Einsicht" offen lassen. Wenn aber die Arbeiter einmal zur Einsicht kommen, werden sie erkennen, daß sie in solchen Vereinen überhaupt nichts zu suchen haben. Vom berechtigten Ehrgefühl. Zum Duellunfug wird unS aus Halle a. S. noch mitgeteilt: die militärdicnstliche» Interessen waren wieder einmal stark gefährdet in zwei vor dem Kriegsgericht der 8. Division stattgehabten Ver« Handlungen. In der ersten Sache erschien als Angeklagter der Leutnant der Reserve Adolf Bernhardt Jakobs vom Infanterie- regiment Nr. 169. der dcsZwetkampfeS mit tödliche» Waffen beschuldigt wurde. Obivohl am Tage der Tat über daS Geschehnis in der Presse sofort berichtet wordin— zwei Polizeibeamte waren einem Arzt nachgegangen und halten den Leutnant schwer verletzt in der Dölauer Heide vorgefunden— und obwohl Ankläger sowie Verteidiger des Angeklagten gegen die öffentliche Verhandlung nichts einzuwenden hatten, schloß das Gericht die Oeffentlichkeit aus. In den Gründen hieß eS: Der Angeklagte sei Reserveoffizier und da könnten durch die 5ffentttd£)e Verhandlung Dinge zur Sprache kommen, die mit Rücksicht auf den Stand des Angeklagten verletzend wirken könnten! es komme eine Verletzung des Standes, des berech- tigten Ehrgefühls und der inilitärdienstlichen Interessen in Frage. Der Leutnant, der von Beruf Steuersekretär ist, wurde zu drei Monaten Festungshaft verurteilt. Auch die Urteils- begrün dung war geheim. Ein Studierender, der ihn mit der Pistole niedergeknallt hatte, wird sich vor der Straf- kainmer zu verantworten haben und daim wird ja der Oeffent- lichkeit mitgeteilt werden können, was durch den Ausschluß vor dem Kriegsgericht verhindert winde. Daß der Niedergeknallte noch drei Monate Festungshaft erhielt, ist charakteristisch für den Duellblödsinn und das bercchligte Standesehrgefühl. Charakteristisch für das.öffentliche Militärgerichtsverfahren" war auch die gleich nach diesem Fall stattgehabte Verhandlung. Da wurde der Füsilier Bernhard Knauf vom Füsilier- rcginicut Nr. 3 schehen kann, das wird ohne dies die Sozialdemokratie tun, umso erfolgreicher, je größer ihre Macht ist. Man darf überzeugt sein, wenn die bürgerlichen Parteien, die doch alles daran setzen, die Sozialdemokratie zurückzudrängen, sich in dieser Hinsicht eine ihren Zwecken günstigere Wirkung von der Einführung des Frauenwahlrcchts versprächen, sie sich beeilen würden, eS einzuführen. Aber ihre ablehnende Haltung beweist uns, daß sie auf die Dauer nichts GuteS von der politischen Mündig. machung der weiblichen Hälfte der Bevölkerung erwarten. DaS Zentrum, das bei seiner Bundesgenossenschast mit der Kirche, der immer noch erfolgreichsten Leiterin der Frauenseele, doch von dem Frauenstimmrecht den größten Nutzen hätte, beeilt sich durchaus nicht, die Frau inS politische KampfeSfeld zu führen. Gewiß hat auch der Klerikalismus Stellung zur Frauenfrage nehmen müssen; der Grundsatz: die Frau gehört ins Haus, gilt auch im katholischen Lager nicht mehr in seiner ausschließlichen Bedeutung. Die Teil- nähme der Frau am gewerblichen Leben ist eine Tatsache und der Klerikalismus mutz dieser Tatsache Rechnung tragen, indem er wenigstens die sozialpolitische und gewerkschaftliche Betätigung der Frau zuläßt. Aber von der politischen Gleichberechtigung der Frau will das Zentrum nichts wissen, darüber haben die Redner zur Frauenfrage auf dem Essener Katholikentage keinen Zweifel ge- lasten. Und wenn das Zenttum, was ja bei der Wandlungsfähig- keit dieser Partei nicht ausgeschlossen ist, dennoch sich dereinst zum Frauenwahlrccht bekennen würde, dann nur erst, wenn alle seine Hülfsmittel zur Fesselung der Massen ihre Wirkung eingebüßt hätten— eine letzte Verzweiflungstat sozusagen, mit mehr Grauen als Behagen unternommen. In der Tat, es ist klar, daß der Eintritt der Frau ins politische Leben dieses auf eine bisher ungekannte Höhe der Lebhaftigkeit heben würde. Jeden Fortschritt in dieser Beziehung müssen wir begrüßen. Die Frau pol. lisch mündig erklären, heißt, die Politik im Hause, in der Familie heimisch machen und sie zu einem Er- ziehungsmittel für das heranwachsende Geschlecht gestalten. Der Wettbewerb um die Stimme, der Frauen nötigt öie Parteien»u Zugestandnisien sozialistischer Art, und ohne sich in dieser Beziehung übertriebenen Hoffnungen hinzugeben, darf man doch erwarten, dag der Acbeiterschutz, die Wohnungsfrage, das Gesundheitswesen usw. durch den Eintritt der Frau ins politische Leben einen wirksamen Antrieb erhalten. Mag die Neuerung zunächst auch in erheblichem Mahe den bürgerlichen Parteien zugute kommen, auf die Dauer ist der Erfolg bei der Sozialdemokratie. Wer den Blick über Augen- blickswirkungen zu erheben vermag, der wird gerade aus Nützlich- keitsgründen als Sozialdemokrat überzeugter Anhänger des Frauen- stimmrechts sein müssen._ Versammlungen— Veranstaltungen. Britz. Die für Donnerstag, 16. Mai, angesetzte Versammlung fälll aus. Nächste Versammlung 20. Juni. Berichts-Leitung. Der Rattenkönig von Anklagen gegen den„Freien Arbeiter". Vom Landgericht Berlin I wurde, wie wir seiner Zeit bc- richteten, der Redakteur des„Freien Arbeiter" Former Rudolf Oest reich am 17. November v. I. wegen Veröffentlichung eines vermeintlich unzüchtigen Feuilletons zu 36 M. Geldstrafe verurteilt, ferner wegen Widerstandes und Gotteslästerung in je zwei Fällen zu 6 Monaten Gefängnis. Das Reichsgericht hob das Urteil am Dienstag auf die Revision des Staatsanwalts auf, soweit der Angeklagte in einem weiteren Falle von der Anklage des Vergehens gegen die Sittlichkeit freigesprochen worden ist, ferner auf die Revision des Angeklagten, soweit er wegen Widerstandes in zwei Fällen verurteilt worden ist. Im übrigen wurde die Revision des Angeklagten verworfen. Soweit das Urteil aufgehoben worden ist, wurde die Sache an das Landgericht II zurückverwiesen.. In dem einen Falle des Widerstandes, in bezug auf welchen das Urteil auf- gehoben wurde, handelt es sich um einen Artikel„Mvloch Mili- t a r i s m u s". Darin werden— der Artikel erschien im Septem- der— diejenigen jungen Leute, die demnächst als Rekruten eintreten würden, aufgefordert, nicht gegen ihre Menschenpflicht zu ver- stoßen, insbesondere dann nicht den Befehlen der Vorgesetzten zu gehorchen, wenn diese verlangen, daß sie auf Menschen schießen. Das Landgericht hatte angenommen, daß der Angeklagte dadurch Per- scnen des Soldatenstandes(als Ausgehobene seien die jungen Leute schon Soldaten) zum Ungehorsam gegen die Befehle der Vorgesetzten aufgefordert hat._ 88 HO, III de« Strafgesetzbuches. Ein Prozeh, der schon einmal das Strafgericht beschäftigt hatte, kam vor der ersten Strafkammer des Landgerichts I zur Verhandlung. Wegen Vergehens gegen die§§ 136 und 116, III des Strafgesetzbuches(Aufforderung zur Begehung von Gewalttätig? leiten) und wegen Aufreizung von Militärpersonen zum Ungehorsam gegen ihre Vorgesetzten mußte sich der 22jährige Lackierer Kurt Neu- mann verantworten. Am 19. März v. I. hielt der„Verein der föderierten Anarchisten Berlins und Umgegend" seine Vereins- Versammlung ab. Ein Mitglied hielt einen Vortrag über die Bc- deutung des 18. März, an welchen sich eine allgemeine Diskussion anschloß. In dieser trat der Angeklagte als Redner auf und machte verschiedene Ausführungen, die die jetzige Anklage zur Folge hatten. Wie die Anklage behauptet, soll der Angeschuldigte unter anderem gesagt haben, daß man die jungen Leute, noch ehe sie zum Militär kommen, dahin unterrichten müsse, daß sie im Falle eines Bürgerkrieges die Gewehre nicht auf die eigenen Brüder, sondern auf die Vorgesetzten richten sollten. Außerdem solle man beizeiten durch eine antimilitaristische Propaganda eine umfang- reiche Meuterei in Heer und Marine herbeiführen. Wegen dieser Redewendungen mußte sich N. schon einmal vor der Strafkammer verantworten, die seinerzeit auf Freisprechung erkannte. Auf die Revision des Staatsanwalts hin verwies das Reichsgericht die Sache zur nochmaligen Verhandlung an die Borinstanz zurück. Auf Grund der Bekundunzen de» Polizeileutnants Äusserow und des Polizeianwärtcrs Roedel, die damals der Versammlung bei» gewohnt hatten, hielt Staatsanwalt Toepffer den Angeklagten im Sinne des Eröffnungsbeschlusscs für überführt und beantragte eine Gefängnisstrafe von drei Monaten. Das Gericht sah die Sache mit Ilücksicht auf die Jugendlichkeit und bisherige Unbescholtenheit des Angeklagten erheblich milder an und erkannte auf eine Geld- strafe von 20 M. Für die Rechtssicherheit ist es außerordentlich bedenklich, Notizen und Erinnerungen überwachender Polizeibeamten zur Grundlage für eine Verurteilung zu nehmen. Die Wahrheit kann zutreffend durch Phonographen ermittelt werden. Hat die Be- Hörde die Anwendung solcher Mittel unterlassen, so ist es unbillig, als Surrogatmittel Bekundungen überwachender Beamter zu- zulassen, deren Auffassungsvermögen und Erinnerungsfähigkeit naturgemäß noch ungetrübter als die objektiver Zuhörer fein muß, deren Aufmerksamkeit nicht durch die Erwägung,«liegt eine straf- bare Handlung vor?", abgelenkt ist. Aber auch die Anklage- behanvtungen als zutreffend unterstellt, widerspricht die Kon- strukiion der angeblichen Tat als Vergehen gegen KZ 136 oder 110, III des Strafgesetzbuchs dem Rechtsempfinden aufs lebhafteste. Verstoß gegen daS Sprengstoffgefetz. Der am 1. Mai aus so eigenartigem Grunde vertagte Prozeß gegen den LLsähriaen Zigarettcnarbeitcr Karl Rothemann— dem wegen Krankheit des Vorsitzenden mit dem Vorsitz kurz vor dem Termin betrauten LandgerichtSrat Busch war der Akteninhalt nicht bekannt � gelangte gestern zur erneuten Verhandlung. lieber den Inhalt der Anklage haben wir am 3. Mai berichtet. Bei Beginn der gestrigen Verhandlung stellte StaatsanwaltschaftS- rat Lindow den Antrag, die Ocffcntlichkeit auszuschließen, da in der Verhandlung eine eingehende ErörtSrnng der Her- stellungsweise von Sprengstoffen erforderlich sei, wodurch eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu befürchten sei. Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht erklärte, aus prinzipiellen Gründen nichts gegen den Ausschluß der Oeffent- lichkeit in der vorliegenden Sache einwenden zu können, stellte aber den Antrag, wenigstens der Presse den Zutritt gestatten zu wollen. Das Gericht hielt es jedoch im Interesse der öffentlichen Sicherheit für geboten, die Oeffentlichke.it auch für die Presse auszuschließen. Die Beweisaufnahme nahm mehrere Stunden in Anspruch. In siebenter Abendstunde beantragte Staatsanwaltschaftsrat Lindow gegen den Angeklagten eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und drei Monaten sowie Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Tauer von zwei Jahren. Rechtsanwalt Dr. Karl Lieb- knecht hielt die Freisprechung des Angeklagten sowohl>aus recht- lichen wie aus tatsächlichen Gründen für geboten. Nach ein- stündiger Beratung kam das Gericht zu einer Freisprechung, da die Beweisaufnahme lediglich ergeben habe, daß es sich bei der Bei- hülfe zum versuchten Verbrechen gegen das Sprengstoffgesetz, die dem Angeklagten zur Last gelegt wird, nur um vorbereitende Handlungen gehandelt habe, die nicht straffällig sind. Der An- geklagte wurde sofort auf freieu Fuß gesetzt. Aufreizung zu Gewalttätigkeiten? Darüber, in welcher Weise die berüchtigten politischen Para- graphen auch gegen die polnisch sprechende Bevölkerung zur An- Wendung gebracht wird, haben wir wiederholt durch Wiedergabe von Verhandlungen festgestellt. Ein Licht auf diese Praxis wirst auch nachstehender am Dienstag vor dem Reichsgericht verhandelter Fall. Wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten(§ 136) ist am 31. De» zember v. I. vom Landgericht Oppeln der Redakteur der„Gazeta Opolska", Adalbert Wroblewski» zu vier Monaten Gefängnis ver- urteilt worden. Inkriminiert war ein am b. Oktober 1966 in dem genannten Blatt erschienener Artikel„Preußische Feinheiten". Darin wird darüber geklagt, daß die polnischen Reservisten mit den preußischen Farben geschmückt nach Hause kämen. Das sei aber eines Polen nicht würdig. Man müsse ihnen diese preußische Sitte vorekeln, da die Polen von Preußen in jeder Weise schlecht be- handelt würden. In den Stuben hingen keine polnischen oder Heiligenbilder, sondern sogenannte Reservebilder. Die Polen sollten sich aber ein Nationalbild schaffen. Der Artikel ist aus dem„Lech" abgedruckt. Deutschtum und Polentum, so heißt eS im Urteile, werden in dem Artikel einander entgegengesetzt; der Artikel hat einen zur Gewalttätigkeit der polnischen gegen die deutsche Bevölke- rungSklass« aufreizenden Charakter. Eine Stelle weist auf Körper- Verletzungen von Deutschen durch Polen hin.— Die Revision de? Angeklagten bestritt, daß von zwei BevölkerungSklassen in dem Artikel die Rede sei. Ter öffentliche Friede sei durch den Artikel, den das Gericht verkehrt ausgelegt habe, nicht gefährdet.— Das Reichsgericht verwarf die Revision. Fabrikbesitzer, Graf und Professor. Zu dem unter dieser Ueberschrift gestern gebrachten Gerichts- bericht ersucht der als Zeuge vernommene Graf Dohna-Mallwitz um die Feststellung, daß er bei dem Konflikt von Professor Neumann eine Ohrfeige oder einen Schlag nicht bekommen habe. Dies ist schonl vor dem Ehrenrat des Bezirkskommandos lV durch Ver- nchmung von Zeugen festgestellt und vom Grafen Dohna vor Gericht auch eidlich erhärtet worden. Um so auffallender ist die große Milde, mit der die Roheit des verurteilten Fabrikbesitzers Harschet beurteilt ist. Versammlung�. Der Zentralverband der HandlungLgehüise- und-Gchülfinnen veranstaltete am Montagabend eine öffentliche Versammlung bei Buggenhagen.„Das Paradie» der Angestellten", so lautete das Thema, das zur Erörterung stand und von Wolfgang Heine und Julius KaliSki behandelt wurde. Heine ging sogleich auf den Prozeß ein. den die Firma Wertheim gegen eine An- gestellte aus Grund der Konkurrenzklausel geführt hatte und der in den Kreisen der Gehülfenschaft berechtigtes Aufsehen erregt hatte, besonders als der Antrag gestellt wurde, daß die beklagte Dame für jeden Tag der Zuwiderhandlung mit einer Freiheitsstrafe bedacht werde. H e t n e erklärte, daß mit der Konkurrenzllausel ein schreiender Mißbrauch getrieben wird und er hofft, daß der Fall bei Wertheim den Anstoß zur gänzlichen Beseitigung der Klauselsein möge. Der Redner zeigte, wie die Regierung dem Drangen der Arbeitgeber nach- gegeben hat und die Konkurrenztlauiel im neuen Handelsgesetzbuch eine Fassung erhielt, die für die Angestellten im Handelsgewerbe weit ungünstiger lautet, als die frühere Bestimmung. Die sozialdemo- kratische Fraktion hat dem Reichstage einen Antrag vorgelegt, solche Klauseln im Arbeitsverträge als ungültig zu erllären, denn in der weitaus überwiegenden Zahl der Fälle handelt es sich nicht um den Schutz von Geschäftsinteressen, sondern darum, den Konkurrenten und noch mehr die An ge st eilten zu schädigen. Ausgabe der Handlungsgehülfenschaft ist es nun, die Bewegung gegen solche Schädigungen im Gange zu erhalten und nach Kräften zu unterstützen, damit eine Aenderung herbei- geführt werde.(Lebhafter Beifall.) Nach Heine sprach Kaliski, der erklärte, daß die Mitteilung an die Presse, die Firma W e r t h e i m habe die Konkurrenzllausel fallen lassen, falsch sei. Früher gehörte diese Firma zu den anständigsten in Berlin; aber das habe sich geändert. Freilich feien die HandlungS- gehülfen und-Eehülfinnen selbst daran schuld, weil sie zu schlecht organisiert seien. Der Redner fordert energisch zur Agitation und zum Beitritt in den Zentralverband auf. Die Versammlung nahm eine Resolution im Sinne der Ausführungen der Referenten an. Britf haften der Redaktion. Di- jnriftische epr-chstnnv- pndct Fried rich str. 1«, «in- Trepp-sfn-t 7 Uhr. Eo»»ab-ildS beginnt die Sprechstunde UM 6 Uhr. Jeder Slilsrage ist ein tvnchstitbc und eine Zahl als Merkzeichen beiznfiigc». Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. 1. Wir haben noch keine Nummer der sranzösischen Ausgabe Sobald wir Antwort haben, wird Ihnen !ldrcsscn nicht besten lesen und Sie erhalten. Wir haben angefragt. Nachricht unter derselben Chiffre. 2. Wir haben solche bezwciscln, daß dort solche Blätter erscheinen. Am die Pariser.Humanitö", die auch Slldsranlreich berücksichtigt.— — I. M. 8. Für Feiertage ist kein Lohn zu zahlen, außer wenn die Lohnzahlung vereinbart ist, oder der Wille, daß Lohn gezahlt werden solle, aus der Lohnsorm folgt. Demnach ist Lohn zu zahlen: wenn eine aus« drückliche Vereinbarung vorliegt, ferner, wenn die Zahlung für Feiertage in einer bestimmten Branche üblich ist, endlich wenn Wochenlohn oder Monatslohn vereinbart ist. Für Feiertage ist aber, auch wenn der Lohn wöchentlich gezahlt wird, Lohn nicht zu zahlen, wenn der Lohn nach Stunden oder Tagen berechnet wird, also nicht ein seststehender Wochenlohn oder Monatslohn vereinbart war. Liegt Akkordarbeit vor, so ist mangels besonderen Brauchs oder besonderer Abrede Lohn für Feiertage nicht zu zahlen. Ist ausdrücklich vereinbart(mündlich oder schriftlich) für Feiertage solle Lohn nicht gezahlt werden, so ist auch in dem Fall, wo ein fester Wochen- oder Monatslohn vorliegt, Lohn sür den Feiertag nicht zu verlangen.— R. S8. Ja.— Trautenauer05-110, Illa 100-104. abfallend, 90-95, Saure Gurten Schock 4.50, Psessergurkeu 4,50 Kartsffssn per lOQ P'und magnuni bonura 3,50—4,00, Dftpersche 3,50—3,75, Rosen 0,00, weiße 3,50—3,75, Salatkarlgffeln 0,00. Spsnaj per 100 Pfund 3—5, Kqrollen per 100 Pfund 0,00. Sellerie, hiesige, per Schock 10,00—25,00, do. pommersche 0,00. Zwiebeln große, per 100 Pfund 0,00, do, kleine 3,50—4,00. do, hiesige(P«vl») 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün, Schvckbnnd 0,80— IM Kohlrabi per Schock 0,00, Nellig, bapr, per schock 2,10—4,80, Mohrrüben per 100 Pfund 4,00—5,00, Teltower Nüben per 100 Pfd. OM Weiße Rüben, große 9.00, kleine 0,00, Rote Rüben 0,00. Blumenkohl, italienischer per Korb 0,30—1,00, Kohsrüben per Schock 3,Y0— 3,00, Wirsingkohl holländ,, per Schock 0,00, Rotkohl holläfld,, per Schock 20—30. Weißsohl, dän. per 100 Psd. 1,00-3,00, Rosenkohl per 100 Psd, 0,00. Sprntkohl per 100 Pfund 8—10. Rhabarber 100 Bund 2,50—3,00, Bergedorfer per 100 Bund 6,00—0,00. Morcheln per Psd, 0,22—0,40, Sandmorcheln per 100 Psd, OM, Waldmeister per Mandel 0,30—0,45, Radieschen per Schock 0,50— IM, Salat per schock ZM— 8,00, Spargel 100 Pfd. 3—30, do, Brflunschweiaer 8—33, do, Beelitzer la 25—38, do, Beelitzer IIa 15—20, do, Beelitzer Illa 5—12, do, unsortiert ÖQ— 00, Birnen, per 100 Psd, hiesige 12—18, böhm. 0,00, ital. DM. Acpsel, Per 100 Psd,. hiesige 8-20, Tiroler. Kiste 0,00, Calville, Kiste 0,00, Ameritanische in Fäss, OM, Ital,, in Kisten 5,00-20,00, exlra 15,00 bis' 26,00, Zitronen, Messina. 300 Stück 9M-12,00, 360 Stück 8,00-10.00. 200 Stück 6,00-12,00. Apfelsinen, Jaffa, per Kiste OM. Murcia 200 er Kiste 9,00, ho. 300 er 7—40. fBatom i20tt Kille 43M-21M, do. 714er 18-24,00, Messina, 100er 4-6,00, lbOcr 5-7,00, KK er 8-13.00, 200er 7,50-12. 300er 10-12, Blur> 100;c 5,50-8, do. 150 er 7-9,00, 80 et 7,00-8,00, 200er 13-14.___ Witter, iiigeüberslebt vom 15. Mai l!t(»7, morgens« ilyr. StaNenen Sivlnemde, Hamburg «erli»' n 758 SSW 757 SSO 758 20 rankfla«, 757 RO ünche» 757 O Wien! 750 OSO S tottone» jO Ü i i ?rtpniaii5ni759N llcterSbnrg 750 D scilltz Aberdecn Paris 757 ONO 758 NRW 755 O »etlci d» Ä c°- H h I 2 heiter I bolb bd, 1 Rcbcl 2 bedeckt 1 bedeckt 2 l0 S 13 Wetter-Prognose in» Tonncrstag. de» 1«, Mai l!)07. SlwaS fühler, jeitweise bester, aber oeränderlich mit iieuilich lebhasten südwestlichen Winden, etwas Ziegen und Äewilterueigung, » Berliner W e l t e r h r» q ir Arbtiter-Ziillgtrhnlld Serlins u. Unlgtgend siu« Meger, Berit» SV. 68. Seifrit, Berlin ßV.. Berg 1. Vorsitzendsr! J u Oranienstr. 103, 1. Kassierer: August manustraße 104. Alle Aenderungen Im Vereinskalender sind zu richten an den 2, Schristsührer H q n s H t r s ch, Berlin 87, Zwinglistr, 2ia, Scisenff vi,' Uebungsstunde haben Sonntag: .Freie Sänger", Oranienburg, getder, Mühlenstraße 81 Uebungsstunde habe» Montag i .Concordia", Berlin, Paul, NiUerstr. 83. .Einigkeit III«, Reinickendors-West,«eihwell, Wltteslraßc „Esmeralda«, Berlin, Kersten, Elblnaerstr, 15, .Frcle Säuger«, Werder«.)£,, Koch, Fiicherstr. 98. .Frisch aus I", Lichtenberg, E, Günzel, Alirtelstr, 28, .Freiheit«, Adlers hos, Kaul,»stlMMstp. 16, .Hutmacher- Einiglest", Berlin, Drajels Festsäle, Rene Friehrichstr. 35, .Harmonie", Tamenchor, Berlin, Büstner, Ssargarderstr, 58, »Solidarität", Berlin, Jnl, Rleher, Oranienstr, l03, Uebungsstunde haben lDlenstag: .Dornrose« »Einig«, Perlin, O, Feist, Markusstr, l8, W, Ouailer, Gr, Franlsnrterstr, 49, »Einißleit«, Köpeiitck. Fn'tz Ritter, Bauhpsstr. 44, .Flamme", Berlin, Boekees Festsäle, Weberstr, 17, „Freiheit«, Schwedt a./v-. O, Hersorth. Heinersdor' .Freiheitsklänge«, Berlin, tö Weihnacht. Ärünsir, 21. .Freie Feldblume", Berlin, Fischer, Grünanerstr. 14- »Freier Männer-Chor 1905«, Berlin, Brauerei Bö Prenzlauersir, 241. »Freie Sanger«, Ehärlostenburg, Grassnnder, Wielandstr, 4, .Freie Sänger«, Luckenwalde, O, Schulze, Belißerstn 34, .Freier Sänger-Ehor«, Ait-Äliemcke, E, Wille, Köpenicker. straße 33, ..Freundschaft", Berlin. Hilmns, Stralauer Allee 177. »Frisch aus», Bertin. W, Waaß, Brmmenstr, 96, »greßa I gem. Chor", Berlin, I, Wohlfahrt, Nosenthqlcr straße .Fre»a II »Fro. „Gafttv! W .Gutenbcrg", Potsdam, .Harmonie Qsr »Lerche", Bersm>>WW>WWWWW>W>>>W>WW .Liedeslnst", Gnsow-Plattom, Restaur, Zütsdors, Kraut- rlin,«xone Ludwig Pius, Burgstr, 24, Harmonie Ost«, Perlin, A. Äehwitz, Heidenseldstr, 4?, .Lerche«, Berlin, Äenosseiisch.-WjrtshanS, Ttargardersir, 3a, "'edeslnst«, hf-!—' stoaß« 6. .LIedeSstelheit", Strausberg, Magnus, Wilhelinftraße, .Maibnnd«, Nowawes, Otto Hiemle, Wnllftr, 55, „Maler", Berlin, Merlonisfi, Andreasstr, 26. .Mtzrtenblätter", Berlin, H, Spaet, Goorgenkirchstr, 65. „Nord-Ost", Männerchor, Berlin, Behrend, Landsberger Allee 156, »Olympia". Berlin, Zimmermann, Grüner Weg 29, „Roialla", Berlin, Ploe», KönigShergerstr. 34, „Rosenrot", Berlin. KiWid, Schioedenftr, 13. „Rote Nello«, Berlin, L, Rosin, Nuppinerstr, 4l. .Sanaestrene«, Brandenburg a, H,, Deutsches Hans, Sleinstr, 32, »Sänger vereiiiigse Panlpw".&■ Suchland, Fsorastr, 35. .Sängerchor vereinigter", Nnmmelebnrg, Tempel, Box- hageirerstraße. Ecke Bahnhosstraß». .Schneeglöckchen", Polsdam.Ladentdj», Kaiser Wilhel>nstr,38 .Schneider", Männerchor, Berlin, Jul, Meyer, Oranien straße 1»3, „Tonblüte«, Berlin, C, Patzold. 0'örlitzerstr, 44, „Zaget nicht«. Steglitz, �Deutsche Eiche, Schloßstr. 20. »Zuinnst I«, Sieglitz, Scheflhase, Slhornftr. 15a, Uebungsstunde haben Mittwoch» „Arbeiter-Gesangperein Britz«, Britz, Witwe Weniger, Werderstraße, . Deutsche Buche«, Berlin, Zl, Borchards, Köpcnickerstr, 158, „Deutsche Eiche", Brandesiburg a /H,, Helgoland, Wilhelms dorserstr, 17. „Deutsche Eiche", Berlin, Beckmann, Samariterstr. 11. „Einiracht«, EberSwalde, MüAe, Eichwerderstraße, .Freibett IV«. B WMMWWWI .Freiheitsllänge« „Freiheit Gruß",WWWM»>>,. „Freie Sänger", Trebbin, Wols, Bahnhosstraße t, „Frisch aus III", Bornstedt. Aug, Schulz, Friedrich-WUHelm ,Frohsbm",�Zehd»nIck, C, Buchholz, Amtssreiheit, „Helmatkiänge«, Köpenick, Kohlt, Rosenstr. 10. „Hilaritas", Berlin, Altmann, Jnvatidenstr. 146, .Hochstein", Bertin, Jul, Hiepel, Britzerstr, 22, „Hpsnumg«, Brandenburg a,/H,, A, Vettcrmann, Wilhelms dorserstr,_1 11- „Hoffnnng „Liedcrj 'Lustige Sänger", Iverlin, Frjtz Karnecke, Schlieniannftr, 23. „Lyeftnift«, Berlin, Behrend, Lnndsbergersir, t56, " ienaruß«. Friehrichshc Rasengrnß", Charlasienburg, Bartsch, Sesenheiinerstr, 11. Ren-Ruppin". Reu-ZInppin, Otto Dimar, Bechliner Ehanssee 5- lNhktlW Mmenj ffralie Maienaruß". FriehrschShagen, Conrads Feftsale, Friedrich >rr ist,,, „Sqnaessnst III", Tempelhos, M,Müller.lBerIin°rs>r, 41/42, � ntß", griebrichshagen, Geiettschastihgus, Friedrich- „Kreuzberger Harmonie", Berlin, Raabe, Fichteftr. 29. .Kürschner'', Berlin, Feind, Wejnstr, 11. Lebenslust«, Berlin, Pavel, Gr, Franksnrlerstx, 99, Lied hoch«, Berlin, Zum Sängeryeim, Bcteranenstr, 18 Freie Liedertosel«, Berlin, Königssgle, Neue Königstr, 26, Liederlull I 1865", Berlin. Bergmann, Waldemarsir. 38. Liedertiisl II", Berlin, Volkmann, Benssetstr, 32, .Liepe-Iust«, Fürstenwasde a, Spr,, I, Wirzel. Kirchplatz 8. „Liederkranz«, Brandenburg a, H,, Kahnes Volksgarlen, Bergstraße, „Loreley", Berlin, Emil Schreiner- Schulstr, 66, „Erster Mai«, Berlin, Gaul», Gchöiibanln Allee BT. .Maiglöckchenv", Köpenick, Dornbrack, Müggelheiinerltr, 36, „Mqriendors u, Umgegenb«, Mariendors, Herrn, Reichards, Ehansscestr, 16, .Maurer", Wilmersdorf, Luisenpark, Dase, Wilhelmsarre 112, .Maurer«, Berlin, Schröder, Gteinstr, 38, „Morgengrauen", Berlin, schmidsS Feslläle, Karlenstr, 6 „Nicht verzagt", Berlin, Schmidt, Rheinsbergerstr 22. „Nordwacht", Periin, Fahrow, Ravenöstr, 6, „Rote Nelke I". Schoneberg, Ludw, Krüger, Borbergstr. 2, „Role Rose", Berlin, Nich, Stripp, Prinzen-Allee 17. „Schuhmacher", Berlin, W, Rübsam. Anpreasstr. 32, „Schneeglöckchen I«, Rirdors. Hoppes Festsale. Hermapn straße 49, „Sänger chpr IV', Berlin, G, Wernicke. Schlvelbelnerstr, 50, „sängerkranz", Bersin, Bockers Feslläle, Weberstr, 17. „Saraciisrei", Berlin, Märkischer Hos, Admiralstr, 18«. „Süd-Ost", Berlin, Stephan, Wienerstr. 81. „sielinielke", Berlin, Schumann, viiiiinannftr. 18. „Ilnsop", Berlni, Herrn, Kürsten, Oranlenstr, 180. „Ilnoerzagt", Berlin, Bachstein. Sglz>v«d-Ierstr. 16, .Vorwärts", Südost, Berlin, Lpms Benoit, Lausitzer Pb Voripärls Vs«. RummeiSburg. S. Btehergehs, Goel! Vorwärts IX"'. Sharlottenburg, Wtswe Wernicke, Bis mnrclstr, 34,... „Zukunft", Velten s /M., Grunows Hotel, Wilhelmstr. 19, „Zukrm st III", Stieher-Tchönhaujen, ßestekorns Wald. schlößchen, Lindenstr, 1, Zündholz", Berls», Schöllwitz, Grünthalerstr. 36. Uebungsstunde haben Donnerstag l Alpenrose", Berlin 80., ö. Kunz-, Forst erstr. 86. Becherllang", Berlin, Karl Krüger, Giloenerslr, 4», „Bruderherz", Bertin, Roh, Buchwald. Schulstr. 84. „Bumnielsdprsex", Luckenwalde, C, Gersnrd, Haag 6, „Echo", Zehlcndors, B, Mickten, PvtSdgiilerstr, 25. „Edelweiß", Berlin, Lippf«. Me lchiorstr lo, „Einigkeit", Groß- Lichterseide. August Reisen, Chaussee- straße 104. fei«, Berlin, Riegerl, Wrangelstr, 86. „Fichte", Berlin. Livpke, Melchiorstr. 15, „Freie Sänger", Keilchendors, Weidemanns Lokal, Chaussee- straße, Geselligkeit«, Charlottenburg, Wernicke. Bismarckstr, 34. „Geselligkeit«, Heimigsdors, Fr, Brose, Chausseestraße. „Gerechtigkeit West", Berlin, Aug, Wiemers, Bülowstr. 58. „Glasarbeiter", Köpenick, W, Zeioler, Müggelheimerslr. 29. „Gleichheit", Berlin, Mar Göbel, Gleimslr, 30. Hoffnung", Dahme i, M,, Kaisergarten, Grünstr, 15. Hoffnung III", Lichtenberg, R, Köhn, Friedrich Karlstr, 34, „Kornblume", Berlin, Mester, Gr, Franisurterstr, 133. Gleich, Brüder". Treptow, Heidelberger Ecke, Etsenstr. 85- .Gemüttichkiit", Berlin, Kubes Feftsäle. Alte Jalobstr, 75. „Georginia 1870", Berlin, Grünauer Garten, Grünauer- straße 1t, Handels- und Transportarbeiter'', Berlin, Grnpes Tanz» salon, Annenstr, 16, Hutnanitqt«, Berlin, Fqhrolv, Natleiiöstr 6. „Immergrün", Tegel, Fall, Treslowslr, 11. „Kaiserscher sMännerchor", Berlin, Wernau. Schwedler. straße 23/24, Kupser schmiede", Berlin, Feind, Weinstr, 11, „Liedessreiheit 1«, Bertin, MerkowSIr, Andreatstr, 26, „LiedeSsreundschast", Baumschulenweg, 0 Heist, Ernststr, 26 „Liedertafel", Ober-schöneweide, Kaushotd, Wiihetmiuen- hosstr, 18, „Lorbeerlranz", Berlin, Hkinr. Krause, Bötzowstr, 8. Lustige Sänger", Nowawes, Grnhl, Priefterstraße. „Maibund", WiUenmi, Fritz Böhm. Oranienliui-gerstr. 6. „Mnienlranin", Berlin, Ernst Kutscher, llrbaimr, 87. .Mäunerchox«, Siixdors, Klemke, Bergstr, 136/137. .Männerchor- Osten«, Osto Plöger, Rigaerstr,>27, ,Wn Ecke iigiiistraße, ch ans". AIt6 ch auf", Bev . lessin, Hilgensel erlin, Dambeck, Da d, Bcraftr, 62. anzigerstr, 71. „Wnldchor", Borsimpaide. Reuier, Eriislstr, 5. MW „W»idesraiiichen«.Kftri»horst, Sabroivski, Tteslow.AlleeSÜ „Wiihclmsbera.Hohen-Schonhausen«, Fzrh. Krause, B«r- ltuerslr, 66, Uebungsstunde haben Freitag» .Berliner Männer-Chor Mb«, Berlin, FürsttNhos,' Köpe, nickcrstraße 137/38. „Berliner Männerchor ll 1905«, Berlin, Lösche, Wasser- torslr. 46/47.' W W ,. Pprax", Berltn. Oehlert, Wienerstr, 25, BrandenbnrgerMäiniergesanguerein", Brandenburg a, H,, Kähns PollSgarsen, Ber-gslraß-, „Buchl'inder-Männerchor«. Berlin, Livpke, We'�'"" „Einigkeit III", RummeiSburg,«. Balle, rlin, «lbersftr. straße Itt/ljs. .Itzreiheit Nord", Berlin, Mahkowsky, Liebenwalderftr. 16, reihest Moabit", Berlin. Achilles, Wiclesstr, 24. freier Männerchor Osten«, Berlin, Otto Plöger, Rigaer- ftriß« m »rrvj.e-->000-«- ioenenhaaen, Aug, Wünsche, Bahnhosstr. „Flölerscher Gesanaperejn, Berlin, Restaur, Feuermelder, Zonidpr-serslr-aye 9, Friedrichsberger SIr-b,-Kes,.Ver.«, FrtednchLherg, Picken Hagen, Scharnweb erstr, 60. .Frohsinn ll«, Adlershos, Kaul, Bismarckstr. 16. WßMMWPPWMMMWWWWMWIMtzlM .Novbdenifch" Berlin, Reichenberger Hos, Reichen ,Nord«?ÄwItn, Paetsch, Brunneiiftr, 41. „Nordwest, freier Männerchor", Berltn, Wilhelm Müller Predowstrnß» ll, Reu Elwachl" Berlin, Olhöter, Usedomsir, 39. straße 0. „_, ngeSsreunde", Berlin, Merker, Bergstr, 10, .Sangeslust«, Grünau i,/M,, Grüne Ecke, ünh, Franz, ttöpenickerstr, 88, .Sängerlreis Weißensee", Karl Schüler. Friedrichstr, 5. „Seneselder", BeiPn, Gieseles Wntshaus, Landsberger- straße 89, Solidarität", Potsdam, Bernh.l.Kühn, Wildpark, Victoria« straße 54, „Sänger Vereinigung Südost", Berlin, Etablissement Südost, Waldemarsir, 75, „Typographia«, Berlin, Kubes Feftsäle, Alte Jalobstr, 75. „Vinela«, Bersin, R, Ertelt, Graunstr, 16, Ecke Glcimstr. „Wach aus". Franz, Buchholz, Kähnes Fcstsäle, Berliner- straße 89, „Weddinaer Harmonie«, Berlin, Jul, Sachse. Lindowerstr. „Weiße Rose«, Reimckendors-Aest, Schiller, Prouinzstr,79l teevlin, Sftflf Wieser. Bergstr. 34a. Uebungsstunde haben Sonnabend: Frei« Sänger«, Zossen i /M,. Schimkes Rest., Baruther. .Krisch"ans«�Schönwqlde UM,, Herrn. Schulz, Dorf straße, .Gemütlichkeil". Mühlenbcck, Gasthof zur Sonne, Barsch. ,U", Berlin, Paul Tschlrswitz, Userstraß», Ecke �rerzserstraße, „Jugend", Berlin, Philipp Hümmel, Sopblenstr, 6. „Lnartett-Berenr 1897«, Berlin, Fritz Fröhlich, MuSlauer» straße i. .vorwärt««. Nauen, Zum Löwe». Vorwärts«, Nquen, Mm Löwe», Windselder, Chausscestr, Waldesrauschen ll«, Wilhelmsruh, Schorsch, Kopen- hagenerslr, 71. Für de» Jiipati der Jnirrat» überulinint die Niedaktio» dem Vnblilnm gegriiütier ketuerlel 2tern>m»iirnmg, €bcatcr. Donnerstag, den 16, Mal. Ansang 7'/, Uhr, Kgk. Opernhans. Di« Meister- singer von Nürnberg,(Ausanz 7 Uhr.) Sgl. Tchanspielhnuö. Die Raben- sleineriu. Neues tgl. Operntheater. Die lÄeisha. Deutsches. Robert und Bertrpm, Sstisang 8 Uhr. Neues Schanspfelbnus. Hopsen- raihs Erben, Ciiiillei o, iWavner-Theaier.) Ei» Fallissement, Schillcr-Dheater Charlotteuburg. Heimat, Schiller- lV. sFriedrich Wilbelm- slädsische« Zhealer s Am grünen Weg, berliner. Der Hund oo» Baster- vjfle, Lessing. Per Bettelgras. Zentral, Die Nachtigall aus dem Bäckergang, Vaters Ebenbild. Kleine«. Sin idealer Gatte. Neues. Der Dieb, Lorning. Opern< Aufführung des Slcrnschen Konserpatprinms, Westen. Ote lustige Witwe, Residenz. Haben Sie nichts zu verzollen? L n st in i e l t>»» S, Husarenfieber. Thalig. Wo die Liehe hlnsällt. Luisen, Das Mädchen ohne Ehre, Drianop. Frl. Josette— meine Frau. Bernhard Rose, Keschlossen, Metropol. Der Teufel lacht dazu, Gebr. Herrnfeld. Es lebe das Nachtleben, Vorher: Die Welt geht unter. Wintregaetf,,. Spezialitäten. Rpolto. De» luftige Mtvzr. AiüiHätctit Kasino. Heirat aus Probe. Spezia- lttäten, Walhalla. Der grüne Teusel. spezialsläten, Passage. Speziolilälen. Reichöhalle». Stelliner Sänger, Urania. Danbeiiiisasie 4t«/It>, Slbends 8 llhri Im Lande der Miiteniachtssonne, Tternwarir, Juvalrdeiiftr, 57/62, isi« U UZ«»'-'rZ»«» ZSr. >-'t->- Itr»»»»« öerlinep Ikesiler, Ansang 8 Uhr, Der Hund von Baskerville. Freitag: Staatsanwalt Alexander, sannabend: Die Kameliendame. Sonntag: Shcrsock Holmes, Neues Schauspielliaiis Donnerstag. Pen 16. Mai 1907: Hopfenraths Erben. Porgen: Hopfenraths Erbe». Ansang 8 Uhr,_ Neues Theater. Ansang 6 Uhr, Der Dieb. Marge» sind folgende Tage: Der Dieb. Nleiues Theater. u Tortajada. SP»' Zum 205. Male: Gin idealer Gatte. Ansang 8 Uhr, Freitag: Ein ideole» Gatte. Sonnabend und solgende Tage abends 8'/, Uhr: Marcell Salzer. Scljiller-Theater H. Fritsrich-WHMImetüijtisch#» Theater. Abends 8 Uhr: Am grünen Weg. Schiller-Theater 0.(WrLauce.35eater). Donnerstag abends SUHii Iii« FaUisacnient. Schausp, in 5 Akten von Björnstjerne Björnson, Deutsch von Ailh, Lange. Freitqg, abeups«Uhr: ksotooh.— Oer esrbroohsns Krug, S o Ii» n H e n d. abends Kit h r: Ein FalllKHemont. Schiller-Theater Charlettenbura. Donnerstag, ab« ndsSUHrt _ Heimat. Schauspiel in 4 Alten von Hermann Sudermann. Freitag, abends 8 Uhr: Heimat. Sonnabend, abend« 8 Uhr: Zum 1, Male: Honna Vanna. lottzmgTheater Bolleallianoestr. 7/8. Donnerstag, den 16. Mai, 8 Uhr i Sternsches Konservatorium: Rigoletto(2, Alt), Hansel u. Grete!. Abonnements gültig I Freiing: Fidrlio, Bcllcitlliaiice-Ggrtrn-ErSsfnmig: sonntag, den 19. Mai er. Sommerpreis«. Abends 8 Uhr: Hnsarenfieber. Rkßticlis-Ttitgler. Ktrellion Richard AlcWnder. Ansang 3 Uhr. Hsbun Sie niclits zu verzollen? Schwant in 8 Alten v. M, Hennequsn und P. Vcber. Zentral-Theater. Gesanitgastspiel des Hamburger Ernst Drucker-Theatert: Die Nachtigall aus dem Bäckeraang. Vorher: Baters Ebenbild. Luisen-Tlieater Reichenbergerstr. 34. Abends 8 Uhrt Ans Mädcht» ohne ehre. Alle Abende: Das Mädchen ohne Ehre. Psingstsonntag nachmittag»: Die Waise ans Lowood. Pfingstmontag nachmittags: Die Räuber. Urania. Wissertschüftliclros Theater. Abenda 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. Brunnen-Theater Badstraße 68. Direks,: Bernh. Roge. Ab sonntag, den 19. Mai 1907: Däglich: Piartea-Hunicei-t, Theater und Hpcy.laUtHten. P. Coradini. Hoschkaly-Truppe. The Rämhlec Comp. usw. Das Sensations-Votksstück: Im lluge buch die Ulelt mft großer Ausstattung und Ballett, Backosenspetnlant: Bernhard Rose, Ans. Sonntags ii/p wochent, 6 Uhr. Uelropol-Thealer Anfang 8 L'hr. Große Jahresrevue in 7 Bijdern von Julius Ii'reund- Musik von Viktor If[pUge»dßr- Dirigent Ma* Both. In Saenp gesetzt von Direktor Hichard Schultz. Hauobgn überall gestattet, Noacks Theater. Dlrellion: Rod. Dill. Brnmienstr. 1». Heute: Geschlossen. Am 1. Psingstseiertage: �öttnung iter Sommerspielzeit im herrlich renovierten Garten. Näheres Anschlag und Annonce«». atUOCISCHER CARTEN Täglich nachm. 4 Ihr: <-ip«Se» Militär-Doppel-Konzert. Eintritt 1 Mk., von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kjncler unter 10 Jahren die Hälfte. «cianonen. Eröffnung der Sommer-|| _J saifon: 1 Psingsiseiertäg, U-J IM Sommersbealer: Der Fluch des Wölpes. Außerdem ein aus- erlesenes erstklassiges Spezialitäten- Programm. 1, und 2, Psingstseieriag: Grones Frithkonzert, verbunden mit Thealer- Vorstellung, Austrelen sämtlicher Ipe- zialttälen,_ Prater»Theater Kaftanren-Allee 7/9, Sonntag, den Ist. Mai<1- Feierlag): tMnung hr Sommersaison. Erstklassige Spezialitäten. Flotte Weiber. Ansstattnngöpoffe mit Gesang n, Tanz, Ntontag, den 2V. Diät; Frühvorstellttng. Ansang früh 6'/, Uhr, Eintritt 30 Ps, tage-Ul. Jeden Abend 8 Uhr: Das Mai-Programm. Der größte Erfolg der Saison! Grete Gallus Mascha Dignam 3 Claras Brothers 14 AUrtiktiopeTi 14. rwww w wm WHF*»«» v w»«rwtyw Kasino-Theater Lothringerflr. 37. Täglich 8 Uhr. Nur bis 18, Mail Neu einstudiert: Heirat auf Probe. tZesangSposse in 3 Alten von Buch» bindcr und Kren, An beiden Feiertagen nachm. 4 Uhr: Traum der»tose. Singl'ögclchcn. fmiwii-Ilieatef. Hent« und solgende Tage: Fräulein Josette— motu« Iran. Ansang 8 Uhr, Otto Pritzkow, MU. 16, M-teiellungs- BiopplHs'- cool») Theater lebender Photographien. Der Untergang des Dampier-„Berlin". 168 Tote, 12(leiettete. + Den ganzen Tag Vqrstollung. ♦ Berliner ifilk-Trio. y u* Fell* Scheuer WA asitliulinli.l. irÄBto Sonntag, 1, Püngattag, nachmittag» 3 Uhr; Neues Schauspielhaus, 10./11. Abteilung 1 und Montag, 2. Phngsttag, nachmittags 3 Uhr! 12.(13. Abteilung: Paracelsus. Die letzten Masken. Das Fest des Sankt Matern Berliner Theater. 3./4. Abteilung; Der Richter von Zalamea. S. Oper im lortzing-Theater Sonntag, den 26. Mal, nachmittag» 3 Uhr: = Fr» Hiavolo. Die Opernhefte liegen in allen Zahlstellen für die Besucher der Opemvqrstellungen au»- - 229/ 1 Der Vorstand. J. Vertr.: G. Winkler. 3'/, Uhr. Allabendlich: S>I, Uhr. Teukbar grähter«acherfolg! Mit sciurin aläiizrudr» Schlager: Der lustige Witwer. 1. Bild: T.,S(chic-Mal. 8. Bild: Die Folge» davon. Lorher 8 Uhr: Spezialitäten und Merlans Hiinde-Lnuerntheater. itsi Xliems Kommer-Theater Hasenheide 13/15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. iTiilieh: Gr. teert, tater 13. Spezialitäten-tetellung. ! Jeden Montag: Iomincr/eft. Jeden Mittwoch: Tie deliebten Äinderfeste. / Jede» Donnerstag: C-lite-Tag. Die ttasferkiiche ist täglich von 2 Uhr pb geösfnet. l LÄeii'.bergjweg jäM, Aosenlh" Heute abend 8 Uhr: Seiisatioiis-Pautoinime. 5 �unxmanns, IS neue Spezialitüte» IS Im Tunnel: Frei-j»anzert. <&> Steidl Tlioater. Brückenstr. 2(a. d.Jaunow.-Br.) Neuss Programm!!I Ans. 8 Uhr. Tageskasse 11-2 Uhr. Ttcsdt-gtestaurant(Garten): Gr. Dybcrski- Konzert. ZAD> ttiitvee sret I-MD �uslsv IZ3lirLN8-FIiea!ös. Berlin W-, GoltzstrsSe 3. Beftventiliertes Theater. yßllständ. Pro- SPaniniweclisel Atislreten der nuuengagierlen Spezialitäten, ii. a. der Oriasniil tÄrrifseiiberger. der Mimikex Äd. Aretlilte, assistiert van llllisi Clarito, der Lunmeninalcr Signor Gaetano. Zum schlug die tolle Ausstattuiigs.Burlctle �Veibtteke Peuerv/ekr» Anfang 8 Uhr, an den Feiert. 6'/. Uhr, Sonimerpreise, ttntree 3<) Pf. Taasso�sii, ttolldussr Stralle 6. § Direktion Wilhslrn Reimer. Wegen Porbercitungon zu den Psingslseicrtagen ZM" geschlossen."VS Slm 1. n. S. Feiertag: Gloilg Extra-Soireen von II(i!lniäi]ri$8or[lil.Säosern Tunz. Am 3. Feiertag, nachm. u. abends: Theatervorstellungen, Tanz. Programm. Gebr. Herrnfeld- Anfang Tliaafoi* Vorverk. 8 Uhr. nlcalvr 11.0 Uhr &7 Kommmidantenstrabe 57. Täglich: Es lebe das Nachtleben! Folgen einer Separee«Wäre in 2 Wien von Anton und Donat Herrnseld jjMT' mit de» Autoren-WW ä/iüir" in den Hauptrollen. Vorher: Neu bearbeitet: vie Ueit seilt unter! Schwank w einem Aufzug von] Anton u. Donat Herrnseld. Schweizeroarten Am K önigstor. Am FriedrlQhshaln. Piijstea: Früh- und Naehraittass- Spezialitäten-lfiirstellBDg. Neue» Programm. Gebr. Darton, MiB talvani, Time& Money, Paula Grigaltl, Dclsons Duett, The Berkelys, Gragg& Sheffield, Zeitvertreib im Casähaus. Von Pfingsten al> täglich Theater-Vorstellung, Gpezi-rllMtvn und U»U. Kasieeküche isi nur an Wochent. geössn. Ansang der Frühkonzerte 5 Uhr, nachmittags 4 Uhr. Beichsliallen-Tliealer. f ruit. wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. jjjrf? 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Die Aussperrung im Baugewerbe. 2. Diskussion. DM- Kitgllodnbncli legitimiert, ohne dasselbe kein Antritt. Die übrigen Bauhandworker werden ersucht, unsere Kallegen auf diese Versammlung aufmerksam zu nacht.:. 31/5» Der Torstand. I. A.! Herm. Norgel. HZ. In dieser Bersgminlung sönn-n die Kollegen ihre Zettimg in Empsang nehnien, Versand d. d. Post erfolgt nicht. D.D. teppdecken Spezialhaue Emil Lefevre, Berlin Süd. Seit 1882 nur Oranienstr. 158 �nirgends Filialen! Celegenheitskanl! iäPP » ili�50 SeÄ'enPPä5« mJPiP Igetigert Pracht- Katalog mit ca. 600 llluptraL gratis und franko. Ich habe mein Bureau von dem der Rechtsamvälte Llebkneobt getrennt und nach der LandsbergersMe 58 verlegt. Fernsprech. seht; Amt? Nr. 3886 Dr. Dakar Oobn, 37118* girchtöanwalt. Kr.Nampfer- Mra- Fahrt m nllt» drtiFtjtrtkge» nach Neßmnnt Neue Mühte it. Uiebtt. Abfahrt SM, Maifenbrücke, Kahnt und Hertzer�_. Bittigster Fleisdjverkanf'dts Wardens Bastianstr. 21, Ba�aste. 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Anmerkung: Die Broschüre.yine Abrechnung mit dem Reichslügen. verband" wird an die Mitglieder gratis verteilt. 202/4 Der Torstand. ttr -reu SlibeltSiiachmeis: Hos I. Amt 3, 1239. UcrivaltuiigSftelle Berlin. Hauptpnroa« t Charltssirafie 3, Hof III. Amt ß. 1987 Achtung! Achtnnfi l Der Pfingstfeiertttge wegen bleibt das Bureau an folgenden Tagen geschlossen: mm S'tiiiiakui), k» 18. Mai, nnitiinittnp, Zliiiütllg, dt» 19. Mai, de» pur» Taz, Montag, de» 20. Mai, de« gniwn Tag, Dieastag, de» 21. Mai, aalhiaitlags. Der Arbeitsnachweis ist an diesen Tagen ganz geschlossen Tie Räume der Erwerbslosen- NtttersttttzNNg find am Tienstag, de,l ST. Mai, auch den ganze» Tag ge- schloffen. Die Ortsverwaltnug. Vermißte SeluiSiiaeher ©. ni. b. H. KU Strausberg. 127/10» Gegründet von organisierten Arbeitern. Einzige Niederlage in Berlin Wrangelstr. 11»/1Stt denn Schlthnilllhemtlster TsÜSI*. Streng reelle Ware zu kulanten Preisen. Ter Porsiand, Gscgi- �i-yoltund. r"W V � -S»! T» w<*** rt< (' leflfpaj-VßfbaiJ der Stsinseizer (Pilaslererl ml EsMsgmsm Deiiisciilaiiiis. fjllale üroß-iierlin]. Den MitgUkdern zur Nachricht, daß unser Kollege «Jeun Heder verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag nachusiltuas 4 Uhr von der Hplle des Barthola»iä»s-K>rch- hasi!ch �Falkenbergor Shaussee, Um rege Beteilignng ersucht 6836 Der Bors, and. Od*. Simmej Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinz eu slr. 4!,�' � 10-3, 5-7. Moritzplatz, Sonntage 10—12, 2— 4 »odlrtsudiul. Noustt. Katalog l Aarsie u.l'rof. grat. uchp 91/88. w buipUhl viol Aerain u.X'rot grai Berlin £'4* $ie fahren BacKpulver Puddingpulver LirotmiMnD. Meytrr* fP* � 4*- ,:KÄu»p«r<»*'vr000] 95 98 671 93« 36 6 7231 333 2« 730 877 6 8092 345 [3000] 531 723 6 0 003 244 841 451 612 729 68 923 70 104 54[ 3000] 67«48 77 870 82[1000] 71102»85 371 495 512[500]«93 757 7 2317 403 39 652 72« 888[500] »04 50 7 3031 33 356 465 60 610 757 70 870 7 4002 84 413 75133 306[3000] 424 696 732 7 6018 142 94 379 482 523 669 959 7 7130 241[500] 97 549 88 95[ 600] 654 766 73 98 806 955 7 8013 485 513 69 773 877 607 3 i 40 7 0319 617 06 792 631 45 994 80071 141 76 528 661 718 824 932 81118 712 873 977 8» 93 82126[1000] 471 540 746 953 8315« 261[500] 592 612 40[10 000] 755 808 960[500] 84103[500] 21 46 74 [500] 227 586 709 35[1000] 63 861 992 8 5510 652 92[lOOO] 022 8 6014 246 60 88 428 53 70 523 607 770 8 7017 133 403 63 71 735 808 18 8 8124 60 335 42 413 45 728 76[300] 890 »4 990 80061 IIS 431 552 7it 890 95 909 00301 453[1000] 976 01334 71 431[1000] 544 883 744 898 0 2227 481 95 660 743 828 933 0 3165 83 529 87 92 [500] 944 9 4195 311 37[500] 188[1000] 90 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S. Ziehung 5. KI. 216. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 15. Mai 1907, uachmittage. Nur die Gewinne Uber 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 15[500] 216[500] 833 456[ 500] 673 768 91[1000] 849 61 975 1 475 630 311[ICOOJ 931 53 2 082 202 89 8 3200 24 45 432«55 793 903 4136 302 610 5 326 59[500[ 509 42 779 98 963 64 75 6259 318 44 77 631 37 729 947 700» 133 342 511 68 601 737 813[1000] 8163 768 979 0011 49 131 257 43« 605 20 790 807[1000] 24 29[500] 99 921 10021 13000] 135 390 407 951 11122 73 202 61 323 451 SO[1000] 629 725 812 83 12016 155[1000] 579 633 707 20 924 13167[ 3000] 220 331 74 429[500] 99 517 44 639 917 51 14283 313 63 512 600 81 93 805 35 53 1 5593 672 91 758 814 81 919[1000] 16 004 13 24 83 99 154»15 29 524 620 34 [500] 73 845[ 500] 17043 121 63 703 920 85 1 8225 319 678 837 19016 250 303 SO 303 915 41 2 0013 206 18 91 307 40 9 7 790 866 930 2 1 396[500] 683 2 2553 649 66[5001 705 98 916 23180 389 467 747 918 [500] 83 2 4002 260 393 785 880 91 2 5070 217 417 615 72 800 914 2 8003 234 441 595 042 99 716 302 82 912 80 2 7019 569 655 733 812 923 2 8023 77 051 97 826 SO 985 2 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Lellrmääeiien nicht unter 17 Jahren verlangt, Be- weibungen schriftlich 127/11 K»nsumnenosseiischaft Berlin und iiingegend, Willdenowstr. 30, L_ «erantworilichcr Redakteutzl Hans Weber, BeuliS. äös dg» Kiicrätenteil veravtw..: Ai» Gtacke, Berlw. Druck u. Bellag: VorwärtH Ouchdruckelei u. Lerlagsmchalt Uanl Swser& öo., Verlin SW, »» 3. fidlagf des JonDärts" Kerlimr Jollisblatt. Berliner JNachrichten. Ausstellungen und kein Ende. Wir leben seit einiger Zeit im Zeichen der Ausstellungen. Zu diesem Zweck ist sogar eine besondere Ausstellungshalle am Zoologischen Garten erbaut worden. Die letzte Aus- stellung ist erst vorige Woche zu Ende gegangen und galt dem Sport. Man konnte sich da überzeugen, daß eine große Industrie den verschiedensten sportlichen Veranstaltungen dient. lim aber sich diesem Sport hingeben zu können, dazu gehört viel Zeit und vor allem viel Geld. Unserer besitzenden Klasse fehlt's nicht an beidem und so waren es vor allem die sogenannten besseren Kreise, die vornehmlich zu den Besuchern dieser Ausstellung gehörten. Kaum ist diese Ausstellung zu Ende, hat sich schon wieder eine neue aufgetan; diesmal nicht in der Ausstellungshalle, sondern draußen in Schöneberg, ungefähr dort, wo im Vorjahre die Landwirtschafts-Aus- stellung stattfand. Die Veranstalter sagten sich, wenn die Reklame wirksam sein soll, mutz sie im großen betrieben werden. Und so bedeckte man ein großes Gelände mit Aus- stellungshallen und nicht zu vergessen mit Vergnügungsparks. Vergnügungsparks sind überhaupt die Hauptsache, die Seele der Ausstellung. Das hat zugleich etwas Volks tümliches an sich und— bringt auch viel Geld Volkstümlich mutz aber eine Ausstellung sein, soll sie Massem besuch anziehen; noch dazu eine Ausstellung, die der Masse „Verständnis und Interesse für Heer, Marine und Kolonien" beibringen soll. Es gibt zwar sonst genug Gelegenheiten� diese„herrlichen" Errungenschaften zu bewundern— haben wir doch seit Jahren eine ständige Kolonialausstellung— allein man will alles einmal groß angelegt beisammen zeigen. Und so ist eine Ausstellung zusammengekommen unter dem Namen Deutsche Armee-, Marine- und Kolonial-Ausstellung. Der Name ist etwas reichlich lang und so ist man schon dahin übereingekommen, einen kürzeren zu wählen: Man stellt ein fach die Anfangsbuchstuben der sechs Worte zusammen und nennt die Ausstellung kurz und bündig: Damuka. Von ihrem „vaterländischen Geist und Zweck" verliert sie durch die Kastrierung des Namens nicht das geringste. Gestern ist die Damuka eröffnet worden. Alles war da Der Kronprinz, viele Generäle, auch welche aus Afrika, selbst Dernburg fehlte nicht. Wollte er etwa das Experiment machen, wie aus umgekippten Dattelkisten Dattelpalmenhaine ent stehen? Dann glückliches Schöneberg l In hundert Jahren wandeln Deine Nachkommen in Palmenhainen I Mit allen anderen Ausstellungen hat diese auch das gemeinsam, daß sie am Eröffnungstage nicht fertig war, und wir glauben, daß sie überhaupt nicht fertig werden wird. Man wird den Besuchern wohl den Beweis liefern, wie weit wir„in der Welt voran" sind, wird ihnen aber fürsorglich verschweigen, um welche enormen Summen das deutsche Volk jährlich erleichtert wird um alles das bezahlen zu können, ohne datz für die Gesamt hett irgend ein Nutzen herauskommt. Auf de« Kolonialausstellungsgelände an der Ruiensstraße ver- ««glückte vorgestern nachmittag um 6 Uhr der Angermünderstraße 8 wohnende Arbetter Otto Nitsche dadurch schwer, daß er von einer noch nicht ganz fettigen Treppe infolge eines Fehltttttes herabstürzte und sich einen Bruch zuzog. Nachdem er auf der nächsten Unfall- statiou die erste Hülfe erhalten, wurde er in seine Wohnung geschafft. Wo die Mietskasernen stehe«! Berlin hatte, wie der neueste Band des Berliner Stattsttschen Jahrbuchs mitteilt, bei der Volkszählung von 1905 die B e h a u s u n g S z i f f e r 77, d. h. auf jedes bewohnte Grundstück kamen durchschnittlich 77 Personen der ottsanwesenden Bevölkerung. 77 Be wohner pro Grundstück, das ist schon eine recht stattliche Zahl. Im einzelnen finden sich aber in Berlin bekanntlich noch sehr viel höhere Behausungsziffem. wie ja andererseits auch Grundstücke mit viel weniger Bewohnern vorhanden sind. Man weiß, daß in dieser Hinsicht die v e r s ch i e d e n e n Stadt teile Berlins jeder ihr besondere? Gepräge haben. Im Südosten z. V., in der Umgebung des Görlitzer Bahnhofes, dominiett die echt Berliner Mietskaserne, die auf einem engbegrenzten Stück Erde Hundetten von Menschen Obdach gewähren mutz. Im Osten, in den Straßenzügen des Frankfurter Viertels, finden wir ganz ähnliche Zustände. Dasselbe gilt ferner von den Stadtteilen des Nordens die dem Prenzlauer Tor, dem Schönhauser Tor, dem Rosenthaler Tor vorgelagert sind. Und ebenso darf auch der Nordwesten der äußere Teil Moabits, den traurigen Ruhm für sich beanspruchen, zu den mit Mietskasernen besonder? reich gesegneten Stadtteilen zu gehören. Da draußen in Moabit prallen die Gegensätze hart auseinander. Du brauchst nur die Spree zu überschreiten, dann gelangst Du in die Straßenzüge des Hansaviertels, die den Nordrand des Tiergartens bilden. Ihre Grundstücke haben im Durchschnitt eine Bewohnerzahl, die nicht halb so groß ist wie die durchschnittliche Bewohnerzahl der Grundstücke jenes benachbarten äußeren Teiles von Moabit. Und wenn Du gar durch den Tiergarten hindurch Dich nach seinem Süd- rand hinllberwagst, nach der Tiergartenstraße und ihren Quer straßen, dann kannst Du dort noch ganz andere Wohnungszustände kennen lernen. Dort wird beim Anblick der gartenumgebenen Villen von Börsenjobbern und ähnlich verdienstvollen Mitmenschen Dir die Erkenntnis aufdämmern, daß man auch in Berlin noch ganz nett wohnen kann, wenn man nur das nötige Kleingeld dazu hat. 77 Bewohner pro Grundstück ist der Durchschnitt für ganz Berlin. Für die eben erwähnten Straßenzüge südlich vom Tier- garten, von der Bellevuestraße bis zum Zoologischen Garten, be- trägt die durchschnittliche Bewohnung pro Grundstück nur 26. Wohlgemerkt: da? ist der Durchschnitt! Im einzelnen gibt es natürlich auch hier noch weite Abweichungen nach unten wie nach oben. Wenn wir unS nun zurückwenden nach dem Nordrand des Tiergartens, dem Hansaviertel, so finden wir dort den Durchschnitt 47. Das ist schon eine ganze Portion mehr als drüben auf der anderen Seite. Aber es ist immer noch sehr wenig, wenn es ver- glichen wird mit der Behausungsziffer des äußeren Teiles von Moabit, die sich auf 103 stellt. 103 Bewohner kommen dort im Durchschnitt auf jedes Grundstück 1 Doch es gibt Stadtteile, in denen der Durchschnitt sogar noch höher ist. III pro Grund st ück beträgt er im östlichen Teil der L u i s e n st a d t lin der Umgebung des Görlitzer Bahn- Hofes) und gleichfalls III in dem nordwestlichen Teil der Rosen- t h a l e r V o r st a d t sin den Straßenzügen zwischen Brunnenstraße und Schwedterstraße). Auch in dem nordöstlichen Teile der Rosen- thaler Vorstadt(in der Umgebung der Schönhauser Allee) finden wir eine ganz ähnlich hohe Behausungsziffer, durchschnittlich 106 Be- ( wohner pro Grundstück. Dabei ist immer zu beachten, daß, wie schon mehrfach gesagt, überall noch die weitesten Abweichungen nach 1 oben und unten vorkommen. Man kann aber aus diesen Be- s Hausungsziffern, diesen Durchschnitten für die einzelnen Stadtteile, sich ein Bild davon machen, in welchen Stadtteilen die Mietskaserne die Regel ist und in welchen sie nur als Ausnahme vorkommt. Wir wollen es uns versagen, hier sämtliche Stadtteile Berlins mit ihren Behausungsziffern aufzuführen. Die Frage, wo die Mietskasernen stehen, läßt sich ohnehin ganz allgemein so beant- warten: da, wo dieArbeiter wohnen. Wo sonst könnte denn auch die Arbeiterbevölkerung Hausen als in den hochragenden Metskasernen der Außenbezirke unserer Stadt, in den Massen- quartieren des„kleinen Mannes", in jenen Häusern mit den an- geblich so„billigen" Wohnungen von einem Zimmer oder höchstens zwei, in den berüchttgten Zinsburgen des Haus- agrariertumS! Die Große Berliner und die Berkehrskalamität in der Schönhauser Allee. Man schreibt uns: Die Anwohner der Schönhauser Allee werden recht erstaunt gewesen sein, daß die Große Berliner aus Anlaß der' Verlängerung der Hoch- und Untergrundbahn nach dem Bahnhof Schönhauser Allee die Sttrn hat, irgendwelche Entschädigungsansprüche zu stellen. In Wirk- lichkeit liegt die Sache hier so, daß die Verkehrsmittel der Großen Berliner dem Verkehr in der Schönhauser Allee nicht im entferntesten zu entsprechen vermögen. In dieser Straße verkehren nicht weniger als 12 Straßenbahnlinien, davon durch ihre ganze Länge nur die Linien 46. 47. 48 und 49. Hauptsächlich in Bettacht kommen die Linien 47 und 48, die über den Spittelmarkt nach Rixdorf fahren. Sie sind es auch namentlich, die bei der Entscheidung der Kon- kurrenzftage in Berechnung zu stellen sind. Nun sind die Linien 47 und 48 nie in der Lage, alle Passagiere auf- zunehmen. Zu jeder Tages- und Nachtzeit tönt den Fahrgelegenheit Suchenden beim Herannahen eines Wagens dieser Linien das ominöse„Besetzt" entgegen. Am Spittelmarkt fängt die Kalamität an. Da stehen in der Beuthsttaße eine Anzahl Straßen- bahnkraxler beiderlei Geschlechts und, während der Wagen langsam die Weichen der Leipzigerstraße passiert, füllt er sich bereits. An der eigentlichen Haltestelle heißt es dann:«Besetzt I" Besetzt ist der Wagen auch am Molkenmartt, besetzt ist er am Rathaus, noch besetzter am Hackeschen Markt und gar kein Mitkommen am Schönhauser Tor. Selbst an der Brauerei Königstadt ist es mehr als fraglich, ob hier ein Platz ftei wird. Und was tut die Gesellschaft zur Ab- hülfe dieser Veriehrskalamität? Nichts!— Die ehemalige Pferdebahnlinie Rathaus— Pankow hat sie eingezogen oder vielmehr nach der Umwandelung in elektrischen Bettieb nicht im Zuge der Königstraße, sondern durch die Alexanderstratze auf abenteuerlichen Umwegen nach der Hasenheide hin verlängert. Nach dem Hausvogtei-Platz, wohin ein starkes Fahrbedürfnis besteht. und den die Untergrundbahn auch berühren wird, hat sie gar keine Verbindung geschaffen. Nicht einmal zu dem Aushülfsmiitel hat sie gegriffen, auf 47 und 48 die großen Vierachser verkehren zu lassen. Wenn's nicht so traurig wäre, würde es einen komischen Ein- druck machen, in der Spandauerstraße beispielsweise die überfüllten Zweiachser dieser Linien zwischen den leeren Vier- achsern anderer dort verkehrender Linien zu sehen. Eine Vermehrung der Linien durch die Schönhauser Allee nach dem Zentrum. wohin die Hochbahn führt, hat überhaupt nicht stattgefunden. Als man verlängerte, verlängerte man die Linien 51 und 57, die von der Jnvalidenstraße kommen. und führte die neue Linie 46 ein, die erst nach dem Alexanderplatz und dann— kaum glaublich— durch die Frankfurter st raße(I) nach— Rixdorf fährt. Man kann überhaupt von der Schönhauser Allee aus die wunderbarsten Fahrten machen. Nach dem Potsdamer Platz fährt man durch die— Jnvalidenstraße. Vom Bahnhof Schön hauser Allee fährt man nach Bahnhof Jungfernheide über den— Kurfürstendanim! Man zahlt aber auch für diese Tour 20 Pf. und fährt 81 Mnuten. während man auf der Stadtbahn 10 Pf. zahlt und nur 19 Minuten fährt. Wer Sonntags besonders vergnügungssüchtig ist, kann von der Schön hauser Allee nach Halensee fahren über— Hasenheide I Mein Liebchen, was willst Du noch mehr? Nur in die Stadt kommt man nicht I Und ist man drin, nicht wieder hinaus I Und da will die Große Berliner sich eine Entschädigung dafür zahlen lassen, daß die Anwohner der Schönhauser Allee sich in Zukunft nicht mehr von ihr in Schlangenlinien um die Stadt herum spazieren fahren zu laffen brauchen. Das ist denn doch der Gipfel I Man laffe durch Kontrolleure die Passagiere zählen, welche die Große Berliner von ihren Linien 47 und 48 am Spittel markt und an der Grün- und Roßstraße zurückweist, ferner die, welche 46, 49 und 50 am Alexanderplatz stehen lassen und die am Schönhauser Tor, die 46, 47, 48, 49, 50 und 64 besetzt vorüberrollen lassen müssen, und man wird der Großen Berliner eine Rechnung über ihre Ver nachlässigung des Verkehrs aufmachen können, daß ihr jede Lust zum Stellen von Entschädigungsansprüchen vergeht I— Die Verkehrskalamität in der Schönhauser Allee fordert nicht eine Verzögerung, sie erheischt gebieterisch eine Beschleunigung in der Wer- besserung der'Verkehrsmittel!_ Die Bctricvslcitung der Berliner elektrischen Straßcndahnen, Siemens u. Halske teilt uns mit, daß bei günstiger Witterung am 1. und 2. Pfingstfeiertage auf ihren Linien folgende Frühzüge ein« gestellt werden: 1. Linie Behren st raße— Treptow ab Hollmannstraße. Ecke Lindenstratze, von früh 4.30 Uhr an, ab Behrensttaße von früh 5.00 Uhr an in Abständen von 10 Minuten 2. Linie Mi tt e lstraß e— P a nko w— Nied er- S ch ön- Hansen ab Pankow-Betriebsbahnhof, Damerowstraßc, von früh 4.00 Uhr an, ab Mittelstraße, Ecke Friedrichstraße, von früh 4.40 Uhr an in Abständen von 10 Minuten. Zu einer Besprechung der von der Direktion der Großen Berliner Straßenbahngesellschaft der Stadt eingereichten Tunnelprojekte waren gestern Vertreter der Stadt Berlin und solche der Sttaßenbahn nach Potsdam zum Oberpräsidenten geladen, um, wie die Direktion der „Großen Berliner" mitteilt, eine allgemeine Verständigung der beiden Beteiligten anzubahnen. Ueber das Ergebnis verlautet nichts Näheres, da die Teilnehmer Sttllschweigen zu bewahren haben. In der letzten Sitzung dt* städtischen Parkdeputation wurde be� schloffen, in Zukunft statt des bisher ausschließlich zu Rasen umfriedigungen benutzten niedrigen Tiergartengitters ein eisernes Band in der Höhe des Rasens als Einfriedigung ,u verwenden. Man verspricht sich davon eine viel >essere Wirkung und will zunächst bei neueren Anlagen mit dieser einfachen und geschmackvollen Einfriedigung beginnen. Der vom Professor Grenander herrührende Entwurf für die von der Parkdeputatton beantragten Baulichkeiten im Humboldthain(zur Gärtnerei) wurde genehmigt. Ferner war die Deputatton damit einverstanden, daß die Rasenstreifen auf dem Mittelsteig in der Bülowstraße unter der Hochbahn eingehen. Alle Pflege ist bis jetzt umsonst gewesen. Es fehlt an Sonne und deshalb wird auch in Zukunft alle Mühe umsonst sein. Der Verein fiir Berliner Stadtmission und die„Heilsarmee" haben sich an die De- putation wegen Ueberlasiung des Treptower ParkeS zu religiösen Versammlungen gewandt. Mit Rücksicht auf den starken Sonntags- verkehr und weil man Beeinträchttgungen der Ruhe von diesen Ver- 'ammlungen befürchtet, wurde die nachgesuchte Erlaubnis von der Deputation nicht erteilt. Als Vertreter der privilegierten I. Abteilung des 6. Kommunal- Wahlbezirkes ist der Justizrat Gelland„gewählt" worden, er wird als Gegner der Wertzuwachssteuer gelobt, wie sich das für einen waschechten Vertreter der Haus- und Grundbesitzer gehört. Ueber die Generalpächter in den Laubenkolonien, war eine Nottz in unserer Sonntagsnummer überschrieben, die eine Klage über den Generalpächter der Laubenkolonie an der Bornholmerstraße Herrn Hamann enthielt. Es war dargelegt, daß Herr Hamann, der auch einen Ausschank auf dem Felde betreibt, einem Pächter die Entnahme von Wasser aus seinen Brunnen auf dem Restaurationsgrundstück des- halb verweigert habe, weil der Pächter keine Getränke von Herrn Hamann bezog. Wir rügten diese Maßnahme des Herrn Hamann deswegen, weil den Pächtern beim Abschluß des Pachtvertrages von einer solchen Verpflichtung nichts mitgeteilt wird und sie sich in dem Glauben befinden, zur Bewirtschaftung ihres Laubenlandes auch Waffer auf dem Fe�de zu erhalten. Auf diese Notiz hin sendet uns Herr Hamann eine Zuschrift, kn der er uns ausdrücklich den geschilderten Sachverhalt be- stätigt, nur meint er, daß seine beiden Brunnen ihm vor 11 Jahren 600 M. gekostet hätten und er die Wasserabgabe an seine Gäste und Bekannte nur als eine Gefälligkeit betrachte und von diesen auch so angesehen würde. Mit seinen Pächtern, welche zum größten Teil organisierte Arbeiter sind, lebe er auf bestem Fuße. Was die Er- höhung der Pacht am 1. Januar 1906 anbetreffe, so sei diese Maß- nähme nötig geworden, weil der Eigentümer des Terrains mehr Pacht gefordert habe und er. Herr Hamann, dieses Mehr nicht aus eigener Tasche zahlen konnte. Durch diese Ausführungen hat Herr Hamann nach keiner Richtung hin unsere Bemerkungen über sein Verhalten einem Pächter gegen- über gerechtfertigt. Die Sache ist um so schlimmer, wenn man weiß, daß es nach dem Pachtvertrag dem Pächter verboten ist, Brunnen zu graben und die Leute auf die Brunnen des Restaurateurs an- gewiesen sind. Herr Hamann sagt, er habe vor 11 Jahren 600 M. für zwei Brunnen ausgegeben. Unserer Meinung nach gehören eben Brunnen auf ein Laubenland, dafür muß der Verpächter sorgen. Das liegt im Interesse des Verpächters selbst. Sorgt er nicht dafür, würde er lange warten können, bis sich Leute finden, die ihm für solches Land'ihr schweres Geld auf den Tisch legen. Was das gute Verhältnis des Herrn Hamann zu seinen Pächtern anbetrifft, so wollen wir darüber nicht viel Worte verlieren; verraten wollen wir aber Herrn Hamann, daß uns sehr gut bekannt ist, daß dieses Verhältnis oft schon recht getrübt war. So mancher Laubenkolonist muß sich in die Launen seines Generalpächters schicken, weil er nicht riskieren will, im nächsten Jahre kein Land zu erhalten. Er würde in einem solchen Falle einen erheblichen Verlust erleiden. Ein tödlicher Automobilunsall hat sich Dienstag abend in der Badstraße zugetragen. Die Ehefrau Babe, Böttgerstr. 2 wohnhaft, war mit ihren Kindern nach dem Hnmboldthain gegangen und hatte dort eine ehemalige Bekannte getroffen, mit der sie in einen Wort- Wechsel geriet. Sie achtete infolgedessen nicht aus ihre Kinder und der fünfjährige Sohn Arnold lief unbemerkt davon nach der Bad- straße. Er rannte gegen ein vorüberfahrendes Droschkenautomobil, wurde unter die Räder gerissen und überfahren. In bewußtlosem Zu- stände wurde das bedauernswerte Kind, das einen schweren Schädel- bruch sowie innere Verletzungen erlitten, nach dem städtischen Kinder- krankenhause gebracht, wo es hoffnungslos daniederliegt. Zu der Ruhlebcner Eisenbahnkatastrophe wird uns noch ge- meldet, daß von den 17 durch den Zusammenstoß verletzten Personen sich noch 12 im Krankenhause Westend befinden. Die Verwundungen, obwohl in der Heilung begriffen, sind derart, daß die Patienten zum Teil noch bis zum Ausgang des Sommers in dem Krankenhause werden verbleiben müssen. Inzwischen ist die Entschädigungsfrage seitens der Behörde in Angriff genommen worden. Die Spandauer Straßenbahn und mit ihr die Haftpflichtgenossenschaft, die ja die Rückversicherung zu ttagen hat. wird allen 17 Verletzten nicht un- erhebliche Summen an Schmerzensgeldern und Entschädigung zahlen müssen. Der Berliner Eonsumvercin erzielte im Monat April in seinen 13 Verkaufsstellen einen Umsatz von 70 238 M. gegen 51 330 M. im April 1906, wobei allerdings zu berücksichttgen'ist, daß im Oktober 1906 zwei neue Verkaufsstellen eröffnet worden sind, die im April 1907 zusammen 8541 M. Umsatz hatten. Der Mehrumsatz in dbn elf alten Verkaufsstellen betrug also 10 367 M., obwohl viele alte Mitglieder jetzt in den neuen Berkaufsstellen kaufen. Den Höchst- Umsatz hatte die Verkaufsstelle Rostockerstraße mit 10903 M. Zwei Selbstmörder sind gestern aus der Spree gelandet worden. An der Schloßbrllcke wurde die Leiche eines etwa 40 Jahre alten Mannes aus dem Wasser gezogen. Der Lebensmüde hatte bereits längere Zeit in der Spree gelegen.— Am Treptower Park ent- deckten Schiffer in der Spree den Leichnam eines zirka 30 Jahre alten unbekannten ManneS. Der Tote war mit einem schwarzen Gehrockanzug bekleidet. In seinem Berufe den Tod gefunden hat der Leilergerüstbauer Willi Kniebel, Nollendorfsttaße. K. war bei der Firma Gutsche, Friedenau, als Rüster beschäftigt und im Begriff, mit mehreren seiner Arbeitskollegen die Rüstung vom Hause Wartburgstr. 4 in Schöneberg abzunehmen, als er plötzlich das Gleichgewicht verlor und aus einer Höhe von 10 Metern in die Tiefe stürzte. Die er- littene Verletzung war derart schwer, daß K. bereits auf dem Wege zur Unfallstation in der Herbertftraße verstarb. Kniebel war 30 Jahre alt und verheiratet. Der Stellvertreter des Defraudauten. Der Stellvertteter des flüchtigen Bankdefraudanten Max Neumann ist jetzt festgestellt worden. Es ist ein 30 Jahre alter, schon mit Zuchthaus bestrafter Tapezierer Hermann Wandelt. Er trieb sich nach Verbüßung seiner letzten Strafe wieder in Berlin umher und machte die Be- kanntschaft eines Kaufmanns Hermann Prüß, eines 35 Jahre alten Gewohnheitsverbrechers, der mit Neumann in Verbindung stand. Als Neumann seine Gefängnisstrafe antreten sollte, wandte er sich um einen Stellvertteter an Prüß. Dieser empfahl ihm Wandelt, der noch keine Beschäftigung hatte und Neumann nach Gestalt. Haarfarbe und Haltung sehr ähnlich sieht. Am Tage vor Himmelfahrt ließ sich Neumann in seinem Geschäft beurlauben und traf sich mit Prüß und Wandelt in einer Kneipe. Sein Stell- Vertreter gefiel ihm. Er tauschte mit ihm die Ausweispapiere, ver- sprach ihm 600 Mark, die er nach Berbüßung der Strafe erhalten sollte, und gab ihm einige Verhaltungsmaßregeln und gute Rat- schlüge mit auf den Weg. Froh, in zwei Monaten durch„Sitzen" 600 Mark verdienen zu können, fuhr Wandelt nach Tegel, um die Strafe anzutreten. Er wurde gestern abend nach Berlin gebracht und heute wegen intellektueller Urkundenfälschung dem' Unter- suchungsrichter vorgeführt. Auch Prüß nahm die Kriminal- Polizei fest, um ihn wegen Beihülfe zu der Fälschung nach Moabit zu bringen. AuL der Chronik der Einbrnchsdiebstählc. Einen„schweren"»nd erfolgreichen Einbruchsdiebstahl verübten in der vorgestrigen Nacht Einbrecher in der Dircksenstr. 45. Sie erbeuteten in den dortigen Lagerräumen des Kaufmanns Philipp acht Zentner Därme im Werte von 4000 M. Auf einem Fuhrwerk schafften sie die schwere Beute fort.— Bei einem Schaufensterdiebstahl in dem Konfektions- und Weißwarengeichäft von Bromberg in der Berlinersttaße 98 fielen den Tätern seidene Blusen. Kragen, Taschentücher usw. im Werte von nahezu 1000 M. in die Hände. Die Diebe hatten die große Schaufensterscheibe mit Hülfe von Schmierseife eingedrückt.— Durch Einbrecher ist dem Fabrikanten Hübsch in der Wilhelm Stolze- straße 24 erheblicher Schaden zugefügt worden.. Es wurden ihm 50 wertvolle seidene Blusen und eine ganze Anzahl Herrenanzüge gestohlen. Bon den Einbrechern fehlt jede Spur.— Große Dreistig. feit legten Einbrecher zutage, die nachts in die Metallwarenfabrik vom Kemper m Damhorst, Skalitzerstraße 51, eindrangen. Sie schleppten 13 Rollen Messingblech im Werte von 1000 Mark davon und luden sie auf dem Hof auf einen der bestohlenen Firma gehörigen Handivagen. Unbehelligt entkamen sie mit ihrer Beute.— Ein Goldwarendiebstahl ist in der gestrigen Nacht in der Richardstraße verübt worden. An dem Hause Richardstraße 11 hat der Pfandleiher Langer, Bergstraße 163 einen Schaukasten angebracht, der Goldwaren und Schmucksachen enthielt. Mittels Brecheisens wurde der Kasten gestern nacht erbrochen und vollständig ausgeraubt.— Ein dreister Einbruchsdiebstahl wurde Dieustagiiachmittag gegen 6 Uhr in der Wohnung einer Frau Groh, Malmöerstraße 23, verübt. Dem oder den Einbrechern fielen Uhren und goldene Schmucksachen im Werte von etwa 1000 Mark in die Hände. Frau Groh ist Inhaberin einer Baukantine und konnten die Spitzbuben, in der Gewißheit, vor Ueberraschung geschützt zu sein, ungestört arbeiten. Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 24. April d. I., vormittags gegen 12 Uhr, wurde in der Flottwellstraße vor dem Hause Nr. 8 der Kaufmann Louis Abt aus Charlottenburg beim Ueberschreiten des Fahrdammes durch einen unbekannt gebliebenen Radfahrer umgestoßen. Abt fiel so unglücklich, daß er von einem Lastwagen überfahren wurde und einen schweren Oberschenkelbnich davontrug, an dessen Folgen er am 11. d. M. verstarb. Nach Angaben eines Augenzeugen fuhr der Radfahrer sehr schnell, und soll nur er allein Schuld an dem Unfall haben. Mitteilungen über die Person desselben werden von der Kriminalabteilung zur Nr. 3807 IV. 1. 07 erbeten, auch von jedem Polizeirevier entgegengenommen.— Am 3. d. M. abends gegen 9'/« Uhr hat ein unbekannter, etwa 22—27 Jahre alter, an- scheinend den besseren Ständen angehörender Mann im Tiergarten durch Erschießen Selbstmord begangen. Er war 1,60 Meter groß, schlank, hatte volles blondes Kopfhaar, kleinen im Entstehen bc- grissenen Schnurrbart, blasses, länglich rundes Gesicht, geneigte Stirn, graue Augen, blonde, bogenförmige Augenbrauen, mittelgroße Nase und Ohren, vollständige, gut erhaltene Zähne, spitzes Kinn, auf der Mitte der Stirn eine einen Pfennig große runde veraltete Narbe. Bekleidet war er mit grauem Normalhcmd, Parchend- Unterhose, blauer Cheviothose mit braun und weißgestreiften Hosenträgern, braunem Kammgarnjackett und Weste, letztere zwei- reihig, braungraukariertcm Sonimerüberzieher, braunen wollenen Strümpfen, ain oberen Teil mit drei weihen Streifen umringelt, schwarzen Schnürschuhen, weißleinencn Stulpen, Kragen und Chemiset und rotbraungrün kariertem Schlips. Mitteilungen werden von der Kriminalpolizei zur Tagebuchnummer 3565 IV. 41. 07 erbeten, auch in jedem Polizeirevier entgegengenommen. Eine Photographie der Leiche befindet fich bei dem Erkennung?- dienst des tgl. Polizeipräsidiums. Arbeiter-Bildungsschule Berlin, Grenadierstr. 32. Heute abend pünttlich um'9 Uhr beginnt die Redner-Schule (Uebungen im Disponieren und freien Halten von Vorträgen). Vortragender: Julian Borchardt. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. Feurrwrhrbericht. Gestern früh um 7 Uhr kam in einer Wohnung in der Brunnenstr. 195 Feuer aus, das auf seinen Herd beschränkt werden konnte. In der letzten Nacht wurde der 16. Zug nach der Chemischen Fabrik von Schering gerufen. Dort brannten auf dem Hofe Ballons mit Säuren. Durch energisches Borgehen und tüchtiges Wassergeben mit einer Schlauchleitung gelang es, den Brand auf den Hof zu beschränken. Derselbe Zug hatte dann in der Wiesen- straße 7 zu tun. wo ein Venzin-Automobil in Flammen stand. Um die Gefahr zu beseitigen, mußte kräftig gelöicht werden. Grober Unfug lag einer Feuermeldung zugrunde, die den 16. Zug nach der Grllnthalerstraße auf dem Gesundbrunnen alarmierte, nachdem dieser Zug kurz vorher einen Teerbrand in der Seestr. 68 gelöscht hatte. Ein Kellerbrand beschäftigte die Wehr in der Weißenburgerstr. 44. Holz und Hausrat brannten dort. In der Linienstr. 130 brannten Kleider, Körbe und anderes und in der Bellealliancestrahe 83 Späne usw. Ferner wurde die Feuerwehr nach der Simon Dach- straße 9, Rüdersdorferstr. 16, sowie der Michaellirchstr. 17 und anderen Stellen gerufen. Vorort- jVaebnehten. Steglitz. Sieg oder Niederlage— das ist die Frage, die unsere Partei- genossen am heutigen Donnerstag in der Stichwahl zu entscheiden haben. Daß der Kampf ein schwerer wird, dessen sind wir uns bewußt; denn wenn uns auch nur 46 Stimmen an der absoluten Majorität gefehlt haben, so wissen wir doch aus Erfahrung, daß die vereinigten Gegner bei der Stichwahl stets noch Hunderte von Wählern an die Urne gebracht haben. Das muß für unsere Genossen ein Ansporn sein, alles aufzubieten, um auch von unseren Anhängern den letzten Mann auf die Beine zu bringen. Das kann aber nur dann gelingen, wenn sich jeder einzelne am heutigen Abend dem Wahlkomitee zur Verfügung stellt. Das Wahl- burean befindet sich im Lokal unseres Genossen Schellhase in der Ahornstraße. Es ist dringend zu wünschen, daß die Wähler so ftüh wie möglich zur Wahl gehen und daim von 6 Uhr ab das Wahl- komitee tatkräftig unterstützen. Speziell rechnen wir auf die noch nicht wahlberechtigten Genossen und die Wähler des zweiten Bezirks. ES handelt sich um zwei Mandate auf die Dauer von sechs Jahren— der Preis ist also des Kampfes wert. Rixdorf. Ein schwerer Automobilunfall mit tödlichem Ausgang ereignete sich vorgestern in der Hertzbergstraße. Dort wurde der neunjährige Sohn des Stratzenbahnführers Sauer aus der Schöneweiderftr. 16 beim Ueberschreiten des Fahrdammes von einer Automobildroschke überfahren� und so schwer verletzt, daß er bald darauf verstarb. Der Chauffeur entzog sich seiner Feststellung durch schleunige Flucht. Schöneberg. Ein Zusammenstoß zweier Straßenbahnwagen mit einer Auto- mobildroschke ereignete sich gestern nachmittag gegen'/öS Uhr Ecke der Haupt- und Akazienstraße. Zur genannten Zeit paisierten ein Straßenbahnzug der Linie 72 und einer der Linie 74, aus entgegen- gesetzter Richtung kommend, die Hauptstraße, als der Führer der Motordroschke Nr. 8762 versuchte, zwischen beiden Bahnwagen hin- durchzufahren. Das gelang aber nichts vielmehr wurde das Auto- mobil von den Waggons erfaßt und total zertrümmert; auch die Bahn- wagen wnrden erheblich beschädigt. Als ein Wunder fast ist es zu betrachten, daß der Insasse der Droschke,«in Herr Wilhelm Arlt aus der Steglitzerstr. 61, mit geringfügigen Kontusionen davonkam. Zwei Unglücksfälle mit tödlichem Ausgange ereigneten sich gestern nachmittag in der Wartburgstraße. Der Hausdiener Wendt. der bei dem Bäckermeister S. an der Ecke der Wartburg- und Eisenacher- straße angestellt war, wollte auf einem Zweirade eine Besorgung erledigen. Kaum war er einige Meter die Wartburgstraße entlang gefahren, als er plötzlich von einem Hitzschlag befalle» wurde. Unglücklicherweise fuhr in diesem Augenblick ein mit Gerüsten beladencr Wagen vorüber. W. stieß mit dem Kopf mit solcher Ge- walt gegen eine der Leitern, daß er besinnungslos niederstürzte. Passanten trugen ihn nach dem Bäckerkaden zurück und holten einen Arzt herbei. Dieser konnte aber nur noch den Tod infolge eines Schädel- bruchs feststellen.— Zu derselben Zeit ereignete sich wenige Meter von der Unfallstätte entfernt ein zweiter tödlicher Unglücksfall. Auch Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den dieser wurde infolge eines eingetretenen Hitzschlages herbeigeführt. Der Putzer Willi Kuiebel war in der Höhe der vierten Etage des Hauses Wartburgftr. 26 mit Putzarbeiten beschäftigt. Infolge eines Sonnenstiches verlor er plötzlich die Besinnung Und rücklings stürzte er in die Tiefe hinab. Er wurde sofort nach der Unfallstation in der Herbertstratze gebracht, starb aber bereits auf dem Transport an den Folgen innerer Verletzungen. K. war feit einem Vierteljahr der- heiratet. Marienfelde. „Die Frau im politischen Kampf" lautete das Thema, über das Genosse Fritz Zubeil in einer am Sonntag stattgefundenen gut besuchten Volksversammlung referierte. In trefflicher Weise kennzeichnete der Referent die politische Rechtlosigkeit der Frauen, dabei betonend, daß die Frau heute auf allen Gebieten des Er- werbslcbens tätig sei und auch Steuern bezahlen müsse. Nachdem er den Anwesenden dargelegt, daß es nur die Sozialdemokratie sei, die ständig für die Gleichberechtigung der Geschlechter eintrete, forderte Referent die Frauen auf, sich den Fraucnvereincn an- zuschließen. Auch müsse die Frau den Mann, anstatt ihn an der politischen und gewerkschaftlichen Betätigung zu hindern, an- spornen, seine Schuldigkeit zu tun. Am Schlüsse seines mit reichem Beifall aufgenommenen Vortrages forderte Redner auf, das Lokal von Bcrgcr hochzuhalten und alle anderen Lokalitäten streng zu meiden. An der Diskussion beteiligten sich die Genossen Komnick, Hampel und Greulich im Sinne des Referats. Lichtenberg. Die Gemeindevertretung wählte am Dienstag an Stelle deS zum Gemeindevorsteher in Friedrichsfelde berufenen Beigeordneten Ungewitter den Stadtrat Dr. Unger in Posen zum besoldeten Schöffen. Unter Anrechnung einer neunjährigen Dienstzeit wurde das Gehalt auf 7500 M. festgesetzt.— Der Wahl des Bäckermeisters Franlenstein zum Waisenratsmitglied des 21. Bezirks hatten unsere Genossen in der vorausgegangenen Sitzung'erfolglos widersprochen. Der Gemeindevorstand schlug nun vor, an Stelle des Herrn Fr., dessen erfolgte Wahl nicht veröffentlicht sei, den Herrn Inspektor Pförtner zu wählen. Der vom Genossen Grauer gegen Herrn Frankenstein erhobene Einspruch habe sich als berechtigt erwiesen. Die Versammlung wählte Herrn Pförtner.— 8000 M. wurden verlangt für„notwendige Ergänzungsarbeiten" im Elektrizitätswerke. Da nun das Gebäude für die Elektrizitätswerke noch kaum zwei Jahre in Benutzung ist, mußte eine solche uinfaug- reiche.Ergänzungsarbeit" Beftemden erregen. Auf Aufrage de§ Genossen Grauer wurde dann berichtet, daß die Giebelwände des Gebäudes während des Betriebes so heftigen Schwankungen aus- gesetzt seien, daß die Gefahr deS Einsturzes nicht von der Hand zu weisen sei. Als Ursache wurde die Verbindung der Decke mit den Maschinen- und Wandfundamenten bezeichnet. Da der zur Bauzeit tätige Vorsteher des Gemeindebauamts. Baumeister Schütte, jetzt Vertreter einer der vielen Terraingesellschaften ist und sich im Nebenainte als„Gemeindevertreter"(Er- wählter der ersten Klasse) nützlich macht, war die Debatte über die Frage nach dem Schuldigen weniger lehrreich, wie inter- essant. Unsere Genossen nahmen eine abwartende Stellung ein. In der Kommission, die die Angelegenheit zu prüfen hat. sind diese durch den Genossen Grauer vertreten. Die Vorlage selbst wurde vertagt. Vertagt wurde auch die Vorlage, nach welcher 15 500 M. für Verlegung der Abortanlagen der Gemeinde-Doppelschule in der Dorfstraße gefordert wurden. Durch den Ankauf des Dottischen Terrains ist die Möglich- keit gegeben, für diese Schule in absehbarer Zeit, etwa in Ver- bindung mit dem RathanSneubau Ersatz zu schaffen. Die Bau- kommission soll fich mit diesem Projekt befassen. Die Kosten, die durch die Landtagsersatzwahl der Gemeinde erwachsen sind, wurden genehmigt. Vermißt wird seit dem 22. April der 43 Jahre alte Tischler Rudolf Nehring. Derselbe entfernte sich am genannten Tage auS seiner in der Eldenaerstr. 24, vorn I belegenen Wohnung, ohne bisher dahin zurückzukehren. N. ist seit längerer Zeit nervenkrank, es ist deshalb anzunehmen, daß ihm ein Unglück zugestoßen ist. Bekleidet war N. mit broungrüncm Sonimerüberzieher. dunkelbraunem Samt- kragen, dunkelgrauem Sommeranzug, schwarzen Zugstiefeln und scküvarzem steifen Hut. In seinem Besitz befanden sich eine goldene Uhr nebst Kette, ein Trauring und ein kleiner Ring mit braunem länglichem Stein, ein weißes Taschentuch gez. A. D. Personen, die etwaige Angaben über den Verbleib deS Vermißten machen können, werden gebeten, sich in oben angegebener Wohnung zu melden. Johannisthal. Aus der Gemeindevertretung. Zunächst gab der Sekretär Bencke in Vertretung des Gemeindevorstehers den Bericht des Schularztes. Derselbe zeigt ein trübes Bild über den Gesundheits- zustand der Kinder. Von 487 Schulkindern wurden nur 39 als vollständig gesund befunden. Einer Anregung deS Gemeindevorstehers von Adlershof, an der Beratung eines Projektes zur Gründung einer Heilanstalt für Tuberkulose teilzunehmen, stimmte die Gemeindevertretung zu. In derselben sollen unbemittelte Kranke, die von der Krankenversicherung ausgeschlossen sind, Auf- nähme finden. Die Besprengung der Straßen wurde dem Fuhr- Herrn Quast wieder zu dem bereits gezahlten Preise von 40 Pf. pro Kubikmeter Wasser übertragen. Gleichzeitig wurde bei dieser Gelegenheit die Bespannung und der Zustand der Omnibusse kritisiert. Es soll dem Juhrherrn Quast aufgegeben werden, für Abhülfe Sorge zu tragen. Eine Anfrage unserer Parteigenossen. Badekarten an Schulkinder zu verabfolgen, wurde dahin bc- antwortet, daß Verhandlungen hierüber im Gange seien. Die Kommissionsvorschläge zum Vertrage mit der Johannistaler Boden- baugesellschaft wurden mit der Bedingung angenommen, eine Straße probeweise mit Kleinsteinpflaster zu pflastern. Die Ge- sellschaft übernimmt dagegen eine sechsjährige Unterhaltungspflicht. Die weiteren Punkte der Tagesordnung wurden der vorgerückten Zeit halber vertagt. Köpenick. Durch einen Sturz aus dem Fenster erlitt die dreijährige Tochter deS Architekten Hopf schwere Verletzungen. Um die Mittagszeit saß die Kleine auf dem Fensterbrett der Küche. Die eine Hälfte des Küchenfensters hatte der großen Hitze wegen einen Gazeeinsatz, der wahrscheinlich nicht fest genug angemacht war. Das Mädcben ent- fernte nun diesen Gazeeinsatz und beugte sich durch die entstandene Oeffnung auf den Hof hinab. Hierbei verlor es das Gleichgewicht und stürzte ans der Höhe der zweiten Etage auf daS Steinpflaster hinab. Das Kind hatte schwere innere und äußere Verletzungen und mußte sofort in ein Krankenhaus übergeführt werden. Bei einem Zusammenstoß zwischen einem Automobil und einem Fuhrwerk wurde die Händlerin Porth au« Müggelheim lebensgefährlich verletzt. Sie hatte den Marli in Köpenick besucht und war gestern nachmittag gemeinsam mit ihrer erwachsenen Tochter auf einem Einspänner nach Müggelheim zu gefähren. Auf der Chaussee stieß an einer Biegung das einem Unter den Linden wohnhaften Fabrilanten gehörige Automobil mit dem Gefährt zusammen und warf dieses um. Frau P. wurde unter den Kraftwagen geschleudert und schwerverletzt wieder hervorgezogen. In einem Krankenwagen mußte sie nach einem Krankenhause übergeführt werden. Die Tochter war mit äußeren Verletzungen davongelommen. Der Wagen wurde vollständig vernichtet. Grostbeeren(Kreis Teltotv-Beeskow). Urber:„WaS haben die Frauen vom neuen Reichstag zu er- warten?" referierte am Sonntag in einer öffentlichen gut besuchten Versammlung die Genossin Frau Thiel- Tcmpclhof. Nach dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Referat wurde eS allgemein scharf verurteilt, daß die zu dieser Versammlung geladenen Gemeinde- Vertreter der dritten Klaffe nicht erschienen waren, um Rechenschaft über ihre Tätigkeit in der Gemeindevertretung abzulegen. Zum Schluß fanden sich eine Anzahl Frauen zusammen zur Gründung eines Frauenvereins.__ �Inseratenteil veranttv.: Th. Glvcke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärh Weißensee. Am Freitag, den 17. Mai, abends 6—7l/2 Uhr, finden im Prälaten, Lehderstr. 122, die ErgänzungSwahlen der Delegierten zur OrtSkrankenkasse statt. Es ergeht hiermit an alle Genossen die Auf- forderung, sich an der Wahl zu beteiligen, soweit sie Mitglied der OrtSkrankenkaffe sind. Diejenigen, wclcbe nicht Mitglied sind, Iverdcn ersucht, bei den Kollegen, soweit sie der Kasse arnjehören, zu agitieren, damit der Liste deS Gewerkschastskartells zum Siege verholfen wird. In demselben Lokale finden am gleichen Tage in der Zeit von 8—9 Uhr die vom Gemeindevorsteher für ungültig erklärten Arbeit- geberdelegiertenwahlen statt. Auch hier werden die Genossen ersucht. die Arbeitgeber, mit denen sie in Verbindung stehen, auf die Wahl aufmerksam zu machen und sie nötigenfalls zu veranlassen, zur Wahl zu erscheinen, um die Liste des Gewerkschaftskartells zu wählen. Es ist notwendig, daß sich jeder Wähler mit einer Legitimation versieht, die Arbeitnehmer mit dem Krankenkassenqnittungsbuch, die Arbeit- geber mit Anmeldebescheinigung oder letzten BeilragSquittung. Das Gewerlschaftskartell. Pankow. Die Gcmeiildcvcrttctung hatte sich in ihrer letzten Sitzung mit einem Antrag der Schulkommission zu beschäftigen, die Errichtung einer Ferienkolonie betreffend. Die Gemeinde wird ersucht, in diesem Jahre 3000 M. für diesen Zweck auszuwerfen. Die bürgerlichen Vertreter wandten sich gegen die Errichrung mit der Motivierung, man solle eine derartige Einrichtung der privaten Wohltätigkeit überlaffen und die Teilnahme der Bürgerschaft, an den Armen Gutes zu tun, nicht unterbinden; selbst Berlin überlasse die Ferienkolonien der privaten Wohltätigkeit. Unsere Genossen wiesen darauf hin, daß Berlin in diesem Falle nicht vorbildlich sein brauche, die Gemeinde hätte die Pflicht, alle derartigen Einrichtungen in die Hand zu nehmen, um so mehr, da ja doch die Herren, ivelche vor einigen Wochen einen privaten Verein für Ferienkolonien gegründet haben, auf die Geldmittel der Gemeinde angewiesen seien. Nach einer sehr langen und heftigen Debatte wurde der Antrag der Schullommission ab- gelehnt. Angenommen wurde eine Resolution, ivonach der private Verein fiir Ferienkolonien durch die Gemeinde subventioniert werden solle, unter der Bedingung, daß der Gemeindevertretung ein maßgebender Einfluß auf die Verwendung der Gelder gewahrt bleibt. Neu geschaffen wurden eine Lehrerstelle an der höheren Mädchen- schule, desgleichen vier neue Volksschullehrerstellen. Für Ausstattung der höheren Mädchenschule mit den erforderlichen Unterrichts- Mitteln wurden 3500 Marl bewilligt. Um einige fliegende Klassen unterzubringen, beschloß die Gemeindevertretung die Auf- Hebung der Rektordienstwohnung in der zweiten Gemeindeschule. Die Mittel zur Anstellung eines Architekten für das Hochbauamt wurden, nachdem die Notwendigkeit für die Schaffung einer der« artigen Stelle nachgewiesen, bewilligt. Die von uns bereits er- wähnte Stiftung von 6000 M. de-Z verstorbenen Bankier Bleichröder an die Gemeinde ist durch die Testamentsvollstrecker auf 16900 M. erhöhl worden, mit der Bestimmung, daß ein Drittel der jährlichen Zinsen an bedürftige jüdische Einwohner verteilt werden soll. Die Löhne der Arbeiter der sogenannten Spülkolonne werden um fünf Pfennig pro Stunde erhöht, desgleichen gelangt die Erhöhung der Remuneration für einen Techniker um 130 M. pro Jahr zur Annahme. Zum stellvertretenden Amts- und Gemeinde- Vorsteher der Dorfgemeinde Pankow ist. nachdem der bisherige Stellvertreter sein Amt niedergelegt hat, der von der Gemeinde kürzlich angestellte Schöffe Stawitz ernannt worden; mit dieser Er- nennung ist die Verwaltung der Gemeinde vollständig in die Hände von angestellten Vcrwaltungsbeamten gelegt worden, damit ist die alte idyllische Dorfverwaltung einer modernen Stadtverwaltung gewichen, wenngleich dieselbe noch der Landgemeindeordnung unter- stellt ist. Nieder-Schönhausen. Die RathauSfrage dürste, nachdem der Rentter C. Brose der Gemeinde zu Rathauszwecken eine Baustelle in der Kaiser Wilhelm- straße geschentt hat, von neuem in der Gemeindevertretung Gegenstand der Beratung werden. DaS Grundstück ist einen Morgen groß, an der westlichen Seite gelegen. Der Gemeinde stehen somit zwei Grundstücke zu diesem Zweck zur Verfügung. Der Bürgermeistcrtitcl ist nach einer Bekanntmachung des Mnisters des Innern dem Gemeindevorsteher Abraham verliehen worden. Tegel. Gebt acht auf Euere Kleinen. In der Tegeler Heide, unmittelbar am Militärschießplatz, wurde gestern nachmittag der Feldwebel Rau durch das Gewimmer eines Kindes aufmerksam gemacht, Er forschte nach und fand hinter einem Strauch einen etwa zwanzig- jährigen Burschen auf einem kleinen Mädchen knien. DaS Kind war, wie sich später herausstellte, die dreijährige Tochter deS Arbeiters Richter, Scharnweberstr. 70 wohnhaft. Der Unhold hatte dem Kinde bereits die Kleider vom Leibe gerissen, als der Feld- webel ihn ergriff. Hinzukommende Passanten erteilten dem Burschen eine gehörige Portion Prügel, bevor er der Polizei überliefert wurde. Hier weigerte er sich seinen Namen zu nennen. Potsdam. LeiichtgaSvergistung. Dienstag morgen wurde der in der Alten Luisenstr. 21 wohnhafte Rentner R. Dorsch als Leiche in seiner Wohnung gefunden. D. ist zweifellos daS Opfer eines Unglücks geworden. Der hinzugerufene Arzt konnte nur noch den durch Ein- atmung von Leuchtgas eingetretenen Tod feststellen. Spanda». In die Gefahr, mit einem Eiscnbahnzng zusammenzustoßen, hat vorgestern ein Berliner Chauffeur das von ihm geleitete Automobil gebracht. Der Kraftwagen kam von der Hamburger Chaussee und mußte in Spandau einen Eisenbahnübergang passieren. Obwohl wegen eines herannahenden Zuges die Schranken geschlossen waren, hielt daS Automobil nicht a», sondern fuhr mit rasender Schnellig- keit gegen die Barrieren, die auf beiden Seiten durchbrochen wurden. In demselben Augenblick brauste bereits der Zug heran. Die In- sassen des Kraftwagens verloren.ihre Kopfbedeckungen. Das Auto- mobil wurde auf telephonische Benachrichtigung in Ruhleben an« gehalten und der Chauffeur festgestellt. Vermischtes. Bom Blitz getötet. Vorgestern abend schlug in Kindelbrück während eines Gewitters der Blitz in eine Gesellschaft von acht Personen. Ein 43jühriger Mann, Vater von sieben Kindern, wurde sofort getötet, seine Ehefrau sowie zwei andere Personen erlitten leichte Verletzungen. Die übrigen Personen wurden nur betäubt. Bei lebendigem Leibe verbrannt.' In Unna wollte sich ein an Rheumatismus schwer erkrankter Bergmann mit Petroleum- einrcibungen Linderung verschaffen. Er kam dem Lichte zu nahe und verbrannte bei lebendigem Leibe. In seiner Zelle erhängt hat sich der wegen Meineids und anderer schwerer Delikte in Untersuchungshaft zu Wiesbaden befind» liche Bauuntemehmer Frohn. Der Stt-mboli abermals in Tätigkeit. Nach einer Meldung aus C a t a n i a hat der Stromboli vorgestern nachmittag wieder eine außerordentliche Tätigkeit entwickelt. Gestern morgen 7 Uhr 5 Min. erfolgte eine heftige Detonation, verbunden mit starkem Auswurf von schwarzem Rauch und Steinen und mit unterirdischem Getöse. Der Zu- stand des Aetna ist unverändert. Verband der Friseurgehülscn Deutschlands(Zwelgverein Verlin und Bororte). DoiiiicrSlcig. den 16. d. M., aliendZ O'J, Uhr, Rostnihalcr- slratzc 11/12: Veysammlung.____ BiÄdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singet.& Co.. Berliu SW-