Nr. 115. Bbonnoments-Bedlngungen; SbonnrnicnIS• Prci- vrünumerand«: Bicttcljü�tl. 3,30 Ml,, monall. 1,10 Ml,, wOchcntlich 28 Pfg. frei inj Hau». Eixzrliie Nummer ö Vsg. Sonntag». Nummer mit illustrierter Sonntag». Beilage.Die Nene Welt' 10 Psg, Post- «dottiicmeni: 1,10 Marl pro Monat. Singetragen in die Post- Zeitung». Vre,»liste. Unter tlrenzband sür Deutschland und Oesterreich< Ungarn 2 Mark, sllr da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat, LoslaboiinementS nchnien an: Belgien, Dänemark Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Numättien, Schweden und die Schwei». 24* Jahrg. (rlittlnt tlgilch aaCir lllontaa». * Vevlitrev NolKsblstt. Die tnlertlm- Gebühr BeltSgl{fit die lechZgespaltene Nalones. »eile oder deren Raum 00 Pfg,, sfir politische und gewerlschastliche Berei»». und Bersamnilung». Anzeigen 30 Psg. „Alelne Anreizen", da» erste sselt. gedruckte) Wort 20 Psg,, jede» weitere Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlas« llcllcn-Nnzcigen da» erste Wort 10 Psg., jede» weitere Wort 5 Pfg. Worte fiber tö Buchstaben zählen sfir zwei Worte, Inserate sfir die nächste Nummer mlissen bis S Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition isl bi» 7 Uhr abend» geöffnet, Delegramm- Adresse: „SczUldemokril lUrlls". Zcntralorgan der foziatdemokrati fehen parter Deut fchlands. Redahtion: SSI. 68, Lindenstrasse 69. Rcrufpreriirr:«ml IV. v?r. 13S.1. Sonntag, den 19. Mai 1907. Expedition: SSI. 68, Luidcnstrasac 69. Kernivrechcr:«int IV. Nr. 1984. iMngstmhen! Dennoch glaub' ich, dah ein Endzweck wachsend durch die Zeiten läuft: Und daß mit der Sonnen Fortschritt auch der Geist des Mensclten reift. Nicht vergebens winlt die Ferne! Vorwärts, vorwärts laßt uns schweifen! Laßt die Völker, rastlos weckiselnd, mutig ihr Geschick sich greifen! Durch die Wclinacht laßt uns stürzen in des jüngern Tages Zonen: Vesser fünfzig Jahr' Europas, als chinesische Leonen I O, ich seh's, noch ging nicht unter, was mein Ahnden mir versprochen; Alte Quellen der Vegeistrung fühl' ich frisch mein Herz durchpochen. Tennhson. Das Wehen des Pfingstgcistes braust frühlingsmächtig durch die Lande. Der Geist des Sozialismus schlägt die Riesenfittige über dem gärenden Chaos einer ringenden Welt. Es ist der alte, nie erloschene, seit Jahrtausenden immer wieder föhngewaltig hervorbrechende Geist der Menschhcits- befreiung und Menschheitsbeglückung. So schwer auch die Menschheit unter den ehernen Banden eines furchtbaren Fatums seufzte— immer wieder brach sich die Sehnsucht nach einer Menschheitserneucrung stürmisch Bahn. All der elementare Sehnsuchtsdrang, der die Menschheit seit Jahrtausenden erfüllte, der in der Sage von dem goldenen Zeitalter der Dichter lebte, der in den kühnen Utopien genialer Denker ahnungsvolle Gestaltung fand, der in den Eruptionen sozialer Revolutionen grollte, hat in der Gegenwart in der internationalen Älasscnbewegung des Proletariats den ge- waltigsten Ausdruck gefunden. Der moderne Sozialismus ist keine bloße Magenfrage, keine Frage kleinlicher Verbesserung der Arbeits- und Lebensverhältnisse des. Proletariats, sondern das Kulturproblem der Menschheit selbst. Die.proletarischen Massen, diese Enterbten der Kultur, fühlen, daß die Mensch- heit an ihrer Schicksalswende steht, daß sie berufen sind, endlich eine neue Aera der Menschheitsentwickclung herauf- zuführen, das Menschengeschlecht aus dem Banne der bis- herigen ökonomischen Gebundenheit in das Reich der Freiheit zu geleiten. Noch einmal wuchtet die scheinbar eherne, unabwendbare „Notwendigkeit" mit unheilvollster Last auf dem Nacken der Menschheit. Noch einmal scheint den Gedankenlosen und Zagen der Kulturfortschritt den sinnlosen zerstörendcu Mächten des zum modernen Kapitalismus ausgewachsenen ökonomischen Mechanismus erliegen zu sollen. Die Bourgeoisie hat das Kulturerbe ihrer erlauchtesten Geister schmählich vcr- leugnet. Die Humanitären Ideale der Dichter und Denker der klassischen Periode sind unserem Bürgertum phantastische Narrheit geworden. Die Erhebung des ganzen Volkes zu höchster Kultur, die Ausweitung des nationalen Begriffs zum weltumspannenden Internationalismus ist ihnen heute eine„fremde, wilde Märe". Die Klassen- Herrschaft der Besitzenden, das Helotentum der körper- lich frondcnden Maffe gilt ihnen als das uncrschütter- liche Fundament dessen, was sie heuchlerisch„Kultur" nennen; der imperialistische Kampf um die Futterkrippe,, die öde, brutale Völkcrverhctzung, das fieberhafte scheelsüchtige Wettrüsten ist ihnen der einzig vernünftige und denkbare Zustand des Völker- lebcns l Statt die beste Kraft des Volkes auf die Ziele der Volkswohlfahrt, auf die EntWickelung aller geistigen Kultur zu lenken, sperrt man die Blüte der Jugend jahrelang in die Kasernen, vergeudet man Milliarden für kanonengcspickte Panzcrkolosse und andere immer raffiniertere Mordinstrumcnte. Statt das höchste Maß der Bildung allen gemein zu machen, sinnt man auf Mittel, die Frequenz der Hoch- schulen herabzudrücken, den Lehrstoff der Volksschulen immer mehr zu verkrüppeln, damit es ja den herrschenden Klassen nicht an stumpfen, lenksamen Heloten fehle. Statt den Austausch der Erzeugnisse der Länder nach Möglichkeit zu fördern und zu erleichtern, sucht man ihn durch Zoll- schranken und Einfuhrschikancn nach Möglichkeit zu erschweren. damit der Preis für die Produkte der einheimischen Ausbeuter- klaffe ja nicht herabgedrückt wird. Und während man der- gcstalt den natürlichen Abfluß der heimischen Industrie- Produkte gewaltsam eindämmt, sucht man durch Verschleuderung von Milliarden und unter unaufhörlichem Blutvergießen in Gcstalt von Kolonien künstliche Abflußkanäle zu schaffen I Und an dieser sinnlosen Wirtschaft der Kapitalistenklasse, die man als eherne, unabänderliche wirtschaftliche Natur- gesetzc ausgibt, soll alles Kulturdrängen der Menschheit zer- schellen?! Nein und tausendmal nein! Das moderne Proletariat ist zum McnschheitSbewußtscin erwacht. es durchschaut den barbarischen Widersinn dieses kapitalistischen Systems. Mag die herrschende, die besitzende Klasse alle Macht aufbieten, um dies System zu verewigen, die übergroße Mehrheit der Menschheit, die besitzlose Klasse wird es zerbrechen! Die großen Forscher und Denker des Sozialis- mus haben mit der Fackel der Wissenschaft zu tief in das kapitalistische Getriebe hineingeleuchtet, zu klar dessen Untauglichkeit erwiesen, als daß sich das Proletariat die heutige Eigentumsordnung noch als das erhabene Endziel und die Grundlage aller wirtschaftlichen und kulturellen Entwickc- lung vorgaukeln ließe l Tie herrschende Klasse hat mit ihrem Idealismus auch alle historische Einsicht eingebüßt. Wie sie sich von den wider- streitenden Mächten des kapitalistischen Systems blindlings umhcrwerfen läßt, wie sie, je nach Krise und Prosperität, zwischen Katzenjammer und kurzlebigem Freudentaumel umherschwankt, so hat sie auch jedes sichere Augenmaß für die Bedeutung und den Wesenskern der modernen proletarischen Bewegung verloren. Weil das erstarkte, geschulte Proletariat sich auch praktischer Kleinarbeit rastlos annahm, wähnt sie, der sozialistische Klassenkampf werde im Sumpfe bürgerlicher Reformistelei enden. Weil es ihr gelang, vorübergehend klein- bürgerliche Elemente von der proletarischen Armee abzusplittern, wiegt sie sich in der Illusion, den Sozialismus durch reichsverbändlerische Attacken und Dernburgsche Kolonial- Phantastereien niederreiten zu können. Die Toren! Der Sozialismus ist der Pfingstgeist der unaufhaltsam vorwärtsdrängenden Menschheit! Er ist das unerstickbare Kultursehnen der Massen, das der moderne So- zialismus zur wissenschaftlichen Erkenntnis geläutert hat! Und dies Wissen, diese Erkenntnis schwächt nicht die Elementar- gewalt des menschlichen Freiheitsdranges, sondern leitet sie nur kraft- und zielbewußt in das Bette des politischen und sozialen Kämpfes! Und wenn das Proletariat im Werkel- kämpfe des Tages tausendfältige Arbeit leistet, so verliert es darüber das gewaltige, umfassende. gesellschaftserneucrnde Endziel, des Sozialismus.nicht einen Augenblick aus dem Auge, so wenig lvie dem Künstler beim Schaffen eines großen Werkes über der technischen Kleinarbeit je die leitende Idee seines Entwurfes aus dem Bewußtsein schwindet. Der Pfingstgeist des Proletariates spricht in allen Zungen. Im Osten, in Rußland kämpft das Proletariat im Zeichen des Sozialismus seinen Gigantenkampf, in Oesterreich hat der Sozialismus soeben seine glorreiche Schlacht geschlagen! So bricht sich der menschhcitbefreiende Kulturgedanke des Sozialismus in allen Ländern unaufhaltsam Bahn I Der imperialistischen Völkerzerfleischung und Kulturzerrüttung wächst im internationalen Sozialismus ihr unversöhnlicher Gegner, ihr sicherer Ucberwinder heran! Das Brausen des sozialistischen Pfingstgeistes geht wie im Sturmchoral durch die Welt: Bis die Fahnen still sich senken, bi§ die Trommel auSgegellt In dem Parlament der Menschheit, in dein Bundesrat der Welt. InckiZkretionea im vreiKIaffen- Parlament! Wenn man die sozialdemokratische Agitation beseitigen würde, so würde schon der Streit der bürgerlichen Parteien untereinander die Arbeiter über den Ausbeutungscharakter der kapitalistischen Staatspolitik belehren. Ein sprechendes Beispiel dafür gaben neulich im preußischen Abgeordneten- Haus die Debatten über die Kohlenteuerung. Aus dem über- reichen Material, das jene Debatten zur Selbstporträtierung des deutschen Ausbcutertums lieferton, greifen wir diesmal nur einiges heraus, das sich speziell auf die Arbeiter- Verhältnisse bezieht. Zwischen den Agrariern und der Industrie besteht'eine Kon- kurrenz in der Ausbeutung der Arbeiter. Die Industrie zahlt �— der Not gehorchend, nicht dem eigenen Trieb— höhere Löhne. Darin sehen die Agrarier einen unlauteren Wett- bewerb, beinahe ein sittliches Vergehen: denn die kapita- listische Ausbeutungsmoral erfordert es, daß man die Arbeits- löhne möglichst auf ihr tiefstes Niveau herunterdrückt. Daß die Knechte und Tagelöhner die Möglichkeit erhalten, durch Abzug nach den Jndustriegegenden den elenden Löhnen und der entwürdigenden Behandlung auf dem Gutshofe zu entgehen, das haben die Agrarier nie verschmerzen können. Mit dem industriellen Aufschwung, der den Arbeiterbedarf der Industrie steigert, und der auf der Teuerung sich aufbauenden stärkeren Jntensifizierung des landwirtschaftlichen Großbetriebes verschärfen sich aber diese Gegensätze erst techt. So sehen wir denn im preußischen Landtage den Grafen K a n i tz sich in beweglichen Klagen über die Verlockung der Landarbeiter durch die Kohlenzechen verbreiten. Er kam zu folgendem Schluß, der ungemein kennzeichnend ist für die Stellung des Agrariertums zum Volke: „Jeder erwachsene Arbeiter repräsentiert ein ansehnliches Kapital, das ivir ausgelegt haben, und wenn die Leute heran- gewachsen sind, stellen sie ihre Arbeitskraft in den Dienst der Großindustrie, die da erntet, wo sie nicht gesät hat.(Sehr richtg! rechts.) Daraus könnt ihr es erkennen, ihr Bauern und Bauernsöhne, wie euch die Agrarier achten! Ihr seid, nach ihrer Auffassung, nicht um euerer selbst willen da, ihr seid keine freien Bürger, die nach eigenem Ermessen über ihr Schicksal verfügen, sondern ihr seid„ausgelegtes Kapital"! Der Gutsherr, dessen Acker ihr bestellt und dessen Vieh ihr wartet, betrachtet euch selbst als eine Art Arbeitsvieh, daL er züchtet. Ihr macht ihn reich und bleibt doch, nach seiner Auffassung, noch immer seine Schuldner. Ihr gehört ihm— selbst und mit euerer ganzen Nachkommenschaft! Mit welcher Arroganz die deutschen Agrarier ihre Aus- beutuugsziele verfolgen, zeigt der Unistand, daß allen Ernstes der Vorschlag gemacht wurde, einen Ausfuhrzoll auf Kohle zu beschließen, unter anderem uin die Kohleuproduktion einzu- schränken und Arbeiter überzählig zu machen. Wir zitieren nach dem stenographischen Bericht folgenden Passus aus der Rede des Abg. Hirsch: „Nehmen wir z. B, die Einschränkung der Ausfuhr generell um ein Driltcl an, so würde das in flauen Zeiten die Entlassung von rund 25 OVO Bergleuten mir einem jährlichen Lohubetrag von 25—30 Millionen zur Folge haben,(Abg. Dr. Hahn: Die der Landwirtschaft zugute kämen!)— Ich wollte eigentlich sagen: das liegt natürlich nicht im Sinne des Herrn Interpellanten. Nach den Ausführungen aber des Herrn Interpellanten und nach den Zurufen, die ich hier höre, muß ich sagen: das liegt durchaus im Sinne des Herrn Interpellanten." Also Zehntauscnde von Arbeitern sollen aufs Pflaster geworfen werden, um den Agrariern billige Arbeitskräfte zu verschaffen—, und dazu soll der Staat herhalten. Einen drastischeren Beweis dafür, daß die Staatspolitik der Agrarier samt ihrem Patriotismus nichts ist als Volksausbeutungspolitik. kann mau sich wohl kaum denken. Selbstverständlich blieb die Industrie auch auf den Vor« Wurf, daß sie die Arbeitslöhne hinaufschraube, nicht die Ant- wort schuldig. Die Arbeitslöhne zu steigern, das liege wahr- lich nicht in ihren Intentionen. Aber— „Meine Herren, woher kommt es denn, daß die Löhne so er« heblich gestiegen sind?(Oho! rechts.) Das ist in erster Linie eine Folge der teuren Lebenshaltung der Arbeiter.(Lebhafter Widerspruch rechts. Sehr richtig! bei den Nationalliberaleu.) Diese teurere Lebenshaltung der Arbeiter ist wiederum in erster Linie zurückzuführen auf die Steigerung speziell der Lebens- mittclpreise, wie man sie auf das deutlichste im Jahre 1903 konstatieren kann." Die Arbeiter werden gut tun, bei ihren Lohnkäinpfcn sich diese autoritative Aeußerung aus Untcruehmerkreiscn zu merken. Waren nun die Industriellen indiskret genug, die Aus- hungerung der Arbeiter durch die Agrarier ins Feld zu führen, so begingen die letzteren ihrerseits die Indiskretion, darauf zu veriveisen, daß die Industrie direkt am Lebensmark der Arbeiter saugt. Graf K a n i tz erklärte: „Nach den Berichten der Knappschaftsverciue werden die Berg- arbeitcr im Durchschnittsalter von 46 Jahren invalide. In dem Bezirk Bochum mit 285 000 Mitgliedern tritt die Invalidität sogar schon im Durchschnittsalter von 43 Jahren ein. Aber natürlich, das wird den Leuten verschwiegen. Der hohe Loh» genügt jedoch, um sie zur Abwanderung zu verleiten." „Du Blutsauger!" sprach zum Floh die Wanze.... Und angesichts dieser Tatsachen, die sie selbst anerkennen, glauben diese Herren das Proletariat mit dem kapitalistischen Staat versöhnen und es Icithammelu zu können. Spotten ihrer selbst und wissen nicht wie! Eilte„Majestätsbeleidignttg" und ihre Sühne. In dem MajestätSbeleidigungSprozeß gegen den Bauarbeiter Reinhold Brüning, über den wir bereits berichtet hatten, wurde gestern durch den Vorsitzenden der zweiten Straf- kammcr des Landgerichts Berlin I, Landgerichtsdireklor W e st e r- mann, das Urteil verkündet. Der Angeklagte war bekanntlich bc« schuldigt, im November v. I., als der Kaiser in seinem Auto- mobil von der Truppenvereidigung zurückkehrte, sich auf der Straße der Majestätsbeleidigung schuldig gemacht zu haben. Die Beleidigung wurde von der Anklage darin gefunden, daß Brüning nach Art kleiner Kinder die Zunge heraus- gestreckt hatte. Staatsanw.-Rat Artelt hatte in der vorigen Verhandlung selbst die Anklage wegen MajoslätSbeleidigung fallen lassen und nur wegen groben Unfugs eine Hast- st rase von vierzehn Tagen gegen den Angeklagten in An- trag gebracht. Die Strafkammer war jedoch anderer Ansicht und erblickte in dem Verhalten des Angeklagten eine schwere Majcstäts- lielcidigung, da sich B. in unflätigster Weise benommen habe. Mit Rücksicht hierauf erkannte daS Gericht auf neun Monate Gefängnis. DaS Urteil redet Bände von der Notwendigkeit der Abschaffung deS Majestätöbclcidigungsparagraphen. Eine unanständige Gebcrde wird auf Grund dieser furchtbaren Nechtsbcstiinmung mit drei Vierteljahren Freiheitsentziehung bestraft. Eine geschmacklose Grimasse. die der angeblich> Beleidigte gar nicht einmal bemerkt hat, derentwegen ein Privatmann schwerlich eine Beleidigungsklage einreichen würde, wird, weil sie gegen den Monarchen gerichtet war. mit 9 Monaten Gefängnis bestraft! Ein Ausländer wird eö nicht glauben können. Dergleichen ist eben auch nur in Deutschland möglich, nur in Deutschland gibt es eine Justiz, bei der solche Urteile möglich sind, nur in Deutschland ist im Bürgerwin der Grad von Byzantinismus dorhanben, der solche Urteile als etwaS ganz Natürliches ansehen läßt l Nur in Deutschland, daZ in der Welt voran ist l „Nieder mit dem Mojestätsbeleidigungsparagraphen/ predigt der Prozeß. Der Liberalismus aber entsetzt sich vor solch' revolutionärer Folgerung und verweist stolz darauf, daß er. der veriillnftigertvetse nur da? Erreichbare will, durch seine Be- scheidenheit und gute Führung die Regierung des Reiches zur Vorlage eines ÄesetzentwurfeS zur Einschränkung der MajestätS« beleidigungSprozesse bewogen hat. Jawohl, das hat er und das Verdienst soll ihm unbenommen bleiben. Aber wenn er glauben sollte, daß, wenn dieser Entwurf Gesetz geworden ist, solche Urteile, wie dieses der Ktraflammer des Landgerichts Berlin l unmöglich wären, so irrt er gewaltig. Auch künftig kann jeder, der beim vorbeifahren kaiserlicher Gefährte eine höhnische Grimasse macht, zu neun Monaten Gefängnis und mehr noch verurteilt werden. Dazu bedarf es nur der Feststellung, daß der An- getlagte„mit Vorbedacht" und„böswilliger Absicht" gehandelt hat. Und solche Feststellung ist im Handumdrehen gemacht. Namentlich, wenn der Angellagte der Zugehörigkeit zur sozialdemo- kritischen Partei oder auch nur der Sympathie für ihre Ideen hin- reichend verdächtig erscheint. Was besonders bei Proletariern stet« viel Wahrscheinlichkeit für sich hat l— Die Wahlen in Oesterreich. Die Wahle» iu Galizie». Die Wahlen in G a l t z i e n, die zum größten Tel! erst am Freitag stattfanden, haben leider einen Mißton tn die herrliche Harmonie des Wahlsieges gebracht. Nicht deswegen, weil dieZahl der eroberten Sitze in Galizten geringist. Das war bei dem fast reinagrartschen Charakter dieses Kronlandes nickt anders zu erwarten. Aber schmerzlich berührt eS, baß Genoße DaszynSki, der verdiente Führer der polnischen Sozial- demokratie Galiziens, der langjährige Vertreter der fünften Kurie unter dem Kurienwahlunrecht, diesmal, bei der ersten Wahl unter dem freien Wahlrecht, unterlegen ist. Inwieweit dabei der ungeheuerliche Wahlschwtnoel der den Schlachtschitzen als willfähriges Werkzeug dienenden korrupten Behörden mitgewirkt hat, wird noch festzustellen sein. Vorläufig ist jedenfalls der beredte Sprecher der polnischen Sozialdemokratie aus dem Parlament hinaus- gedrängt. Die Meldung über den Wahlausfall lautet: Wien, 17. Mai. Nach den vorliegenden Resultaten über die am 14. d. M. und heute stattgehabten Wahlen in Galizten wurden gewählt: 5 polnische Volksparte!. 3 Konservative, 3 Demokraten, 2 polnisches Zentrum, 2 Mitglieder der ukrainisch-ruthenifchen Partei. 2 radikale Rnthenen, 1 Altruthene. 1 Sozialdemokrat, 1 polnischer Wilder. In 9 Landgemeinden ist ein zweiter Wahl- gang und in 7 Wahlbezirken sind Stichwahlen notwendig. In Krakau unterlag der Sozialdemokrat DaSzynSki gegen den fort- schrittlichen Demokraten Petelenz. » viach Bülowschem Nkustcr. Nach Meldungen aus Wien bemüht sich der Minister- Präsident Baron Beck angelegentlichst, ein Kompromiß der bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokraten für die Stich- Wahlen zustande zu bringen. Von militärischer Seite wurden bei der Krone Besorgnisse erregt, daß durch das Anwachsen der Sozialdemokraten Schwierigkeiten für die Votierung militärischer Vorlage>i im Reichsrat entstehen könnten. In einer großen Versammlung freisinniger Wiener Wähler am Freitag wurde entschieden gegen jedes Wahl- kompromiß mit den Christltch-Sozialen protestiert. Vom heutigen Tage wird telegraphiert: Win«, 18. Mai. Die Verhandlungen zur Herbeiführung eines Wahlkompromisses der bürgerlichen deutschen Parteien für die Stichwahlen ivurden gestern, im MinisterratSpräsidium in Anwesenheit der Führer der deutsch-freiheitlichcu Parteien und Christlichsozialen fortgesetzt. Von der Herbeiführung eines Kompromisses i» Wien wurde vollständig abgesehen, dagegen ist es betreffs einer ganzen Reihe von Bezirtcn in den Krön- läutern gelungen, ein Zusammengehen aller bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokraten zu sichern. Im all- gemeinen waltet der Wunsch vor, unter allen Umständen ein weiteres Durchdringe» der sozialdemokratischen Kandidaten zu verhindern. .,. Stimmenzahlen der deutschen Sozialdemokratie. Ucber eine halbe.Million Stimmen haben die deutschen Sozialdemokraten Oesterrcicks auf ihre Kandidaten vereinigt. Nach Kronländern geordnet, ergeben sich folgende— auf hundert abgerundete Zahlen: Da noch viele Zahlenangaben aus den tschechischen Wahl- kreisen Böhmens und Mährens, ebenso von Dalmatien und auö den galizifchen Landbeztrken fehlen, so läßt sich die Gesamtzahl der für die Sozialdemokratie im ersten Wahlgang abgegebenen Stimmen noch nicht angeben. Die Schätzung auf ÜöOOOO bis 1000 OOO dürfte kaum zu hoch greifen, zumal wenn man die tn Galizten und Dalmatien noch ausstehenden 77 Wahlen mit berücksichtigt. Die Sozialdemokratie würde dann ein Viertel— 25 Prozent— aller abgegebenen Stimmen auf sich vereinigt haben. Ein prächtiger Anfang l .« * Daö StimmenergebniS der Sozialdemokraten in Nicderösterreich. In den 33 Wiener Wahlbezirken wurden abgegeben für die Sozialdemokraten........ 124508 In den zehn niederösterreichischen Landstädten und Jndustrieorten.........- 32 127 In den 21 Landgemeinden(davon fehlt das Resultat aus Schwechat-Land)-- 23443 Zusammen. 180078 m»* Sozialdemokratische Abgeordnete mit„Wien- Verweis"? Unter den neugewählten sozialdeniolratischen Abgeordneten befinden sich zwei, die wegen„sozialistischer Umtriebe" und wegen ähnlicher„Delikte" auS Wien ausgewiesen sind. ES sind die tschechischen Abgeordneten Habcrmann und M o d r a c e k, die vor Jahren, als die Sozialdemokraten statt ins Parlament in die Kerker geschickt wurden, aus Wien aus- gewiesen wurden— allerdings ohne daß damit der erstrebte Zweck, daß die Sozialdemokratie in Wien ausgerottet werde, erreicht worden wäre. Nicht einmal mit dem Erfolg, daß die beiden Staatsverbrecher von Wien ferngehalten werden konnten. Denn nicht nur hat Genosse Habermann im Anfang dieses Jahrhunderts einige Jahre lang als Redakteur der „Delnickö Listy" unter falschem Namen in Wien gelebt, sondern beide Genossen kehren nun als immune Abgeordnete nach Wien zurück, wohin sie das Volk gesendet hat I Der Landarbeiterstreik in Argenta. Rom, 17. Mai.(Eig. Ber.) Unter den zahlreichen Landarbeiterstreils, die in Italien im letzten Jahrzehnt ausgefochten worden sind ist der Streik von Argenta zweifellos einer der großartigsten. ES ist jetzt schon der dritte Monat des Kampfes hereingebrochen und die Streikenden wanken und weichen nicht. Die Grundbesitzer ihrerseits wollen heute weniger vom Nachgeben wissen, als vor einem Monat. Damals war es noch Zeit, die Erntearbeiten für dies Jahr zu beginnen: jetzt ist die Sommerhitze hereingebrochen und es ist zu spät zu zeder Aussaat. Außerdem ist heute fast alles Vieh auS dem Streilgebiet verschickt— so versteifen sich die Besitzer immer hart- näckiger auf ihre Bedingungen, obwohl zweifellos viele der kleinen Grundbesitzer an den Folgen des heutigen Streiks zugrunde gehen werden. Die Arbeiter, die schon im März, bei Beginn des Streiks, ohne alle Refourcen waren, wie das alle Landarbeiter am Ende des Winters find, zeigen eine Ausdauer und einen Opfermut, der ihnen die tatkräftige Sympathie des ganzen italienischen Proletariats ge« sichert hat. Ohne große Opfer der organisierten Arbeiterschaft de» ganzen Landes wäre es unmöglich gewesen, KOOS Ausständige über 10 Wochen über Wasser zu halten. Man hat die Streikunterstützung in ganz eigenartiger Form gewahrt: durch Uebernahme der Kinder ber Streikenden. Ueber 1000 Kinder von Ausständigen sind für zwei Monate von Argenta abgereist und in Familien von Genossen untergebracht worden. Außerdem haben die Konsumvereine und Arbeitergenosienschaften der Romagna viele Zentner Mehl und Kar- toffeln gesandt. Beim„Avantj" sind bis heute 171500 Lire eingegangen, etwa der dreifache Betrag ist direkt an da» Streikkomitee von Argenta gesandt wordeil. So wird wenigstens der Hunger fern gehalteii. Gestern sind wieder die Verhandlungen zwischen den Parteien abgebrochen worden. Es ist das schon das sechste Mal während des langen Kampfes. Die Arbeiter fordern, wie erinnerlich, nicht» als die Einhaltung des Kontrakt», der den Streik vom Herbst vorigen Jahres beendete. Diesen Kontrakt haben die Grundbesitzer nicht eingehalten, denn sie haben in diesem Frühjahr 63 Pächterfamilien gekündigt, was offenbar als Maßregelung gemeint war und von den Arbeitern als solche aufgefaßt wurde. Ferner haben sie nicht die neuen Pachtverträge einer gemischten Kommission zur Beratung vorgelegt und nicht in ausbedungener Weise einen Teil des Bodens an Teilpartner zur Bestellung vergeben. Ueber einige dieser Punkte ist man einer Einigung nahegekommen. So haben oie Unternehmer die Zahl der Kündigungen von 63 auf 14 und bei den letzten Unter« Handlungen auf 7 vermindert, aber die Streikenden fordern, vorher die Namen der sieben verabschiedeten Pächterfamilien zu wissen. Hierauf antworteten die Grundbesitzer abschlägig und die Lerhand- lungen wurden von neuem abgebrochen. Auch über die Pachtverträge selbst ist noch keine Einigung erzielt. Einstweilen dauert eine Art Belagerungszustand in der Segend von Argenta fort. Alle« ist mit Militär und �Polizei überschwemmt und die Geduld und Selbstbeherrschung der Streikenden wird auf eine harte Probe gestellt. Die Situation, die heute ernst ist, kann morgen tragisch werden. Schuld der Arbeiter wird das nicht sein. politische ücbcrftcbt. Berlin, den 18. Mai 1907. Zur Organisation der Zentrumspartei bringt die„Kölnische VolkSzeitung" einen Artikel, der be- weist, daß für daS Zentrum die Tage gemächlicher Ruhe vorbei sind, wo fein Gefolge sich mit dem Sprüchlein von Wahrheit, Frei- hett und Recht als Parteiprogramm begnügte und bei Wahlen dem Kandidaten die Stimm« gab, den der Herr Pfarre» nannte, ohne daß ihn die Wähler zu Gesicht bekommen hatten. Die letzte Reichs- tagswahl scheint dem Zentrum doch mehr Beschwerden gemacht zu haben, al« e« zugestehen will. Deshalb erhebt die „Kölnische Volkszeitung' den Ruf nach einer straffen, ein» heitlichen Parteiorganisation, die„durch die gegen- wältige Beschaffenheit der Wahlkämpfe, ihre großen Kosten, das allgemeine Kesseltreiben gegen die Zentrumspartei' gebieterisch gefordert werde. Die Zeit sei sogar nicht mehr fern, in der ein Parteitag des Zentrum? für ein bestimmtes Land oder auch für das Reich notwendig sein werde, und zwar ein Parteitag, der berufen und befähigt sei, nicht bloß zu beraten, sondern auch Beschlüsse zu fassen, die für die Partei im Lande bindend oder wenigstens richtunggebend seien. Da» rheinische Zentrumsblatt schildert nun die Buntscheckigkeit der Organisation in den verschiedenen Ländern, Provinzen und Kreisen, wobei wir die interessante Tatsache erfahren, daß teilweise die Zentrumsorgamsation nach dem Dreiklaffenwahlrecht zusammen- gesetzt wird. Demgegenüber fordert die„Kölnische BolkSzeitung', daß„alle Zentrumswähler gleichberechtigt bei der Schaffung der Organisation mitwirken. Eine Vertrauensmänner- Wahl nach Klassen, etwa aus der Grundlage des preußischen Landtagswahlsystems muß absolut aus- geschlossen sein". Die„Westdeutsche Volkszeitung'. das Blatt des früheren ZentrumSabgeordneten FuSangel, bemerkt zu den Vor- schlagen der„Kölnischen VolkSzeitung': „Schon vor zehn Jahren hat FuSangel der Parteileitung de» westfälischen Zentrum« in Münster ein Statut eingereicht. in welchem alle diese Gedanken enthalten waren. Selbst- verständlich ist sein Versuch, die Partei aus dem Volke heraus zu organisieren, auf den heftig Pen Wider- stand der Männer des DreiklasienwahlfystcmS gestoßen. Die führen auch jetzt noch in Münster das große Wort, wie die armselige Tatsache beweist, daß man den langjährigen Abgeordneten deS SauerlandeS aus dem Provinzialwahlkomiide ausschloß, weil er sich nicht ohne weitere» den Beschlüssen eine« Komitee» fügen wollte, welches in seiner Entstehung und Zusammensetzung geradezu ein Hohn ist auf die Grundsätze, welche von der.Kölnischen VolkSzeitung" dargelegt worden sind." Auch die zentrumSagrarische„Rheinische Volksstimme' geht energisch mit der Art. wie die Zentrumsorganisationcn zusammen- gesetzt werden, ins Gericht. Sie verlangt eine andere Zusammen- setzung der Kreiswahlkomitees. Das Blatt schreibt:„Das Komitee soll der Dolmetsch der Wünsche der Wähler sein und nicht die Wähler als blöde Hammelherde ansehen, die mir zu dem Zwecke da ist. auch die aus- s ch weifend st en Privatgelüste des Komitees bei- fällig blökend gutzuheißen.'-. Zeugniszwang der Sredakteure. Die„Nordd. Allg. Ztg." vereidigt— auch ein Dokument deS Entgegenkommens der„liberalen" Regierungsabsichten I— trotz aller Proteste bürgerlicher Journalistenvcreine die zurzeit be- stehenden Zeugniszwangsfolter gegen Redakteure. Sie weist daraus hin, daß dadurch ja in erster Linie nur sozialdemokratische Redakteure getroffen worden seien. Die„Boss. Z t g.' sagt dazu: „Ob in den letzten zehn Jahren dieses schlechte Gesetz be- sonder« gegen sozialdemokratische Blätter zur An- Wendung gekommen ist oder nicht, kann nicht von Belang sein. Das mag für die Beurteilung der Politik dieses Jahrzehnts, nicht für die des Z e u g n i S z w a n g e S ins Gewicht fallen. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" beruft sich für ihre Statistik auf die Schrift des Redakteurs eines bürgerlich-de in akratischen BlatteS. Aber dieses Blatt hat selbst oft genug unter dem Zeugniszwang gelitten. 'Kommt die Schrift etwa zur Entschuldigung des Zeugnis- zwanges? Mit nichten, sie verlangt eine Aufhebung. lind wir denken, der Reichskanzler wird diese Aufhebung ebenso in sein konservativ-liberaleS Program in auf- nehmen wie die Reform der Behandlung der Majestätsprozesse; er wird sich dadurch den Dank der Presse aller Parteien und ein Verdienst uin daS deutsche Volk erwerben." SS ist sehr unvorsichtig von dem freisinnigen Blatte, die Maje st ätsbeleidigungS. reform' hier heranzuziehen. Ist diese doch gerade als Ausnahmegesetz gegen die Sozial- demokratie gedacht, wie ja auch die freisinnige„VolkS-Zeitung" nachgewiesen hat. Und diese„Reform' hat ja gerade die liberale Presse bejubelt! Vielleicht schlägt die Regierung, um dem„liberalen" Geiste Rechnung zu tragen, demnächst eine Einschränkung des redaktionellen Zeugniszwanges im Geiste der Majestätsbeleidigungsreform vor. Dann wäre auch daS liberale Gewissen beruhigt und die Sozis könnten nach wie vor tn ZeugntShaft brummen I— Warum? Der nationalsozial» freisinnige Eigenbrödler v. G e r l a ch schreibt über die Frage der Neueinteilung der Reichs- tagSwahlkreis e: Darum ist eS die erste Pflicht der Liberalen, immer von neuem, in jeder Session mindestens einmal, die N e u e i n t e i l u n g der Wahlkreise durch Interpellationen oder Initiativ- antrage zur Debatte zu stellen, einerlei, ob der „Block" dabei zum Kuckuck geht oder nicht. Unterstützt in diesem billigen Unternehmen sollten sie von den Interessenten werden, in erster Ltni« von den Handelskammern und den Bertretunge» der großen Städte. Der Reichstag und der Bundesrat müssen überschwemmt werden mit Petitionen, die eine gerechte Grundlage für die Volksvertretung fordern. Warum beschäftigen sich nur die Gchöueberaer Stadt- verordneten mit dieser Frage? Warum b l e i b e u S t ä d t e« tag und HandelStag stumm? Wahrlich, hätte daS deutsche Bürgertum auch nur den zehnten Teil der Energie und des Selbstbewußtseins der preußischen Junker, die Gleich- heit des Wahlrechts wäre schon jetzt leine bloße Phrase mehr, sondern eine Tatsache. Der ehemalige Reichstagsabgeordnete Gerlach hat dann ganz recht, daß dos liberale Bürgertum, wenn auch nur noch ein Funken von Liberalismus in ihm steckte, eine Nclicinlriluug der Reichstags- Wahlkreise längst erzwungen haben müßte I Aber auch Herr v. Gerlach sollte doch wissen, baß der Libcralil» MUS da, wo er die Macht hat, in den Konmiune» nämlich, das ohnehin beschränkte Wahlrecht noch verschlechtert hat. Der Freisinn ist eben nur freisinnig in der Phrase; in der Praxis ist er genau so reaktionär wie sein neuer politischer Bettgcnosse, ber oft« elbische Junker!—_ „Exzellenz Koofmich" Staatssekretär. Die Ernennung des bisherigen stellvertretenden Kolonialdircktors Dernbnrg zum Staatssekretär des ucuerrichtete» Rrichs- kolonialamte« ist durch den Kaiser vollzogen worden. Gleich- zeitig ist die Ernennung de» GeheimratS v. L o e b» l l zum Unter- staatssekretär in der Reichskanzlei erfolgt. Ueber die Besetzung der leitenden Stellen im R e i ch s l o n i a l a in t ist, nach dem„Berliner Tageblatt', die endgültige Entscheidung noch nicht getroffen. So viel steht indes fest, daß neben dem Posten eines Unter st aats- sekretärö noch«ine Dir«ktorstell« sowie die Stelle eines Abteilungsdirigenten geschaffen werden werde. Für die Direktorstelle komme Geheimrat Dr. C o n z e, für den Posten des Abteilung-Zdirigenten der Wirkliche LeaationZrat Schnee in Betracht. Für den Posten des Unter st aatSsekretärS würden mehrere Kandidaten genannt, indejsen dürfte«S sich hierbei lediglich um Kombinationen handeln.— Englands AVrüstungSantrag zurückgezogen. Der Pariser„Eclair" berichtet, ein römischer Diplomat habe in einem Interview über die AbrüswngSfrage erklärt, daß zurzeit mit Sicherheit versichert werden könne, daß England nicht darauf de- stehen werde, seinen Vorschlag auf der Haager Friedenskonferenz zur Diskussion zu bringen. England sei amtlich informirt worden, daß Oesterreich und Deutschland nicht bereit seien, an der Beratung teil- zunehmen, während Frankreich und Rußland fich geweigert hätten. den Initiativantrag zu unterstützen. Unter diesen Umständen wolle sich England einer sicheren Niederlage nicht aussetzen.— Kandidatenschmerzen im Zentrum. In der LentrumSfraktion deS Reichstages saß bekanntlich bis 1907 nur ein einziger Arbeiter: der Abgeordnete Stötzel. der 1903 durch Giesberts ersetzt wurde. Bei der letzten Reichstagslvahl hat das Zentrum dem Drängen der katho- lischen Arbeiter nachgeben und in einer Anzahl von Wahl- kreisen Arbeiterkandidaten aufstellen müssen. Diese Arbeiter- kandidaten sind innerhalb des Zentrums vielfach mit scheelen Augen angesehen worden; in mehreren Wahl- kreisen mußte in letzter Stunde der Arbeiterkandidat zurück- treten und einem Ultramontanen von Rang und Stand weichen, so in Saarbrücken und Osnabrück; man weiß auch, daß mancher„bessere" Zentrumsmann statt dem Kandidaten der eigenen Partei, wenn dieser ein Arbeiter war, dem gegnerischen Kandidaten die Stimme gegeben hat— das Klassenintcresse wog schwerer als Partei- und Glaubens- treue. Es ist nun anzunehmen, daß die katholischen Arbeiter sich mit dem jetzigen Erfolge nicht begnügen werden. Dafür gibt es zu viel strebsame Leute unter ihnen; sie werden weitere Arbeitervertreter in die Zentrumsfraktion hineinzu- schieben versuchen. Das wird nun aber den leitenden Partei- kreisen wiederum nicht passen und so sucht man denn bei zeiten vorzubeugen, wie dieS ein Artikel der„Kol- nischen VolkSzeitung" tut, der es für geboten er- achtet, im Hinblick auf die nächste Wahl(1912!!)„aus der letzten und aus früheren Wahlen gewisse Konsequenzen zu ziehen und sie als Material mit in die Zukunft hinüber, zu- nehmen". Bei der Politik, so heißt es da, müsse mau nicht in erster Linie an sich und seine persönlichen Wünsche denken. sondern den Blick aufS große Ganze, auf die Scuye, auf die Idcalc richten. Wer das aber tue, müsse„mit Dcdauern bemerkt haben, day die jkandidatenfrage vielfach mehr und mehr auch zu einer Siandesfrage, zu einer LUasscufrage ge- worden ist und noch mehr zn werden droht". Gewiß solle in einer Fraktion nach Möglichkeit jede Klasse rind jeder Beruf vertreten sein, aber diese Forderung sei noch lange nicht die höchste: wichtiger als der Stand des Abgeordneten sei seine Persönliche Tüchtigkeit zur Vertretung des <3 e s a m t p r o g r a m in s. Der Artikel weist bin auf Männer wie Hitze, Trimborn und Rieger, in deren Händen die Interessen der Bauern, Handwerker und Arbeiter bestens aufgehoben seien, wozu noch komme, daß sie..in dem mehr geistigen Kampfe um die Geschicke des Volkes besser ihren Mann stehen als diejenigen, denen es nicht möglich war, sich ein gleiches Maß von allgemeiner Bildung anzueignen". Die„Kölnische Volkszeitung" rät deshalb, die Vertretung durch Interessenten nicht zu überschätzen, man solle vor allem bedenken, daß eine weitgehende Erfüllung des Wunsches nach einer solchen Vertretung dem sozialen Ausgleich mehr hindcr- lich als förderlich sei» müßte. Der oberste Grundsatz bei der Aufstellung der Kandidaturen müsse stets lauten:„Gute und rüchtige Zentrumsmänner, die� namentlich auch in idealer Hinsicht die alte bewährte Tradition hochhalten. Sollte es je dahin kommen, daß, wozu hier und da Ansätze vorhanden sind, die Kandidaturen lediglich oder fast nur mit Rücksicht auf die soziale Stellung der Mehrheit der Bevölkerung eines Wahlkreises gewissermaßen als Standeskandida- t u r e n vergeben werden, dann ginge es mit dem Zentrum bergab und langsam zu Ende." Wenn es auch nicht aus- drücklich zugestanden wird, so merkt man doch aus dem Zu- fammenhange, daß es die Furcht bor weiteren Ansprüchen der katholischen Arbeiter ist, die dem führenden Zentrumsblatt diese Besorgnisse erpressen. Die jetzigen Inhaber der Man- date, die als Männer der„Bildung und der Ideale" ge- priesen werden, möchten sich nicht gerne von den„schlichten Männern aus der Werkstatt" verdrängen lassen: außerdem scheut man den Widerspruch der„besseren" Zentrumsleute, die mit den Arbeiterkandidaten nicht einverstanden sind. In dieser Beziehung ist es interessant, daß die„Kölnische Volks- geitung" vorschlägt, lieber die Arbeitervertreter in den bombensicheren als in den umstrittenen Wahlkreisen aufzustellen. So ließe es sich erreichen, daß in industriellen Wahl- kreisen„andere Kandidaten aufgestellt werden könnten, die den unteren sozialen Ständen gleich fern, darum aber auch gleich nahe ständen. Es läßt sich nicht ver- kennen, daß die Bestrebungen der Arb-iter einerseits und des Mittelstandes anderseits, mögen sie beiderseitig noch so be- rechtigt sein, diese beiden Stände Wirtschaft- lich leicht in einen gewissen Gegensatz bringen können". Man sieht ans alledem, wie die Interessen und Klassengegensätze innerhalb der eigenen Reihen dem Zentrum zu schaffen machen. Je mehr sich diese Gegensätze verschärfen, desto näher kommt das Zentrum dem Vunkte. wo es auseinander- fällt. Wir wissen, daß die Bundesgenossenschaft der Kirche vorläufig noch dem Zentrum ermöglicht, die widerstrebenden Interessen unter dem Banner des Glaubens zu einigen, aber dem Drange der wirtschaftlichen Gegensätze wird auf die Dauer die religiöse Gemeinsckwtt doch nicht widerstehen können und dann ist es vorbei mit der Macht des Zentrums.— Höflich sich empörender Bürgerstolz. Tin köstliches Geschichtchen meldet baS Mosseblatt aus Wiesbaden: Die Wiesbadener Festtage haben, wie uns ein Privat- telegramm meldet, in der Bäderstadl eine tiefgehende Ver- stimm un 3 hinterlassen, die sich allerdings ans: chlicßlich st) gegen den Generalintendanten v. Hülsen richten soll. Als am Eröffnungstage das neu« Kurhaus eingeweiht wurde und sich der Magi st rat, die Stadtverordneten und die ober st en Stadtbeamten mit ihren Ehren- gasten versammelt hatten und des Kaisers harrten, stellte Herr v. Hülsen in rniffallcnd brüskem Ton, indem er aus die Stadtverordneten hinwies, die Frage:„Was sind denn das für Leute? Wie kommen denn die Leutedahin?" Von städtischer Seite wurde Herrn n Hülsen in höflicher, aber bestimmter Weise erklärt, daß.diese Leute" Ehrengäste, die amtlichen Vertreter deS Hausherren, nämlich der Siadtgemeinde. seien. Die Affäre wird jedenfalls nicht ohne Nachspiel in der Ltadtverordnerenversammlung bleiben. Der Generalintendant schnarrt in„auffallend brüskem Ton"„die Leute" an. Die Antwort aber erfolgt.hoflich'. Nachträglich aber wollen die Brüskierten unter sich eine Lippe riskieren. Oos gar so schlimm werden wird Z—_ Zentrumsbauern und Zentrumsarbeiter. Eine Versammlung von christlich organisierten Arbeitern in Aachen hat zu den hohen Flei s chp reis en Stellung ae« nommen und in einer Resolution die Aufhebung der städtischen Fleisch- steuer und die Oeffnung der Grenze für den Aachener Viehmarkt ge- fordert. Für die letztere Forderung wurden die Aachener Arbeiter von der zentrumsagrarischen.Rheinischen Volks stimme" gehörig hcruntergekanzelt. Ihren Führern wird geraten, sich erst über die Dinge zu unterrichten, von denen sie zu den Arbeitern reden. Die den Gewerkschaftlern vielleicht nicht unbekannte , Katholische sozialpolitische Korrespondenz" hat in zahlreichen fach- lichen AufklärungSartikeln sich bemüht, nachzuweisen, daß die Oeffnung der Grenzen auf eine Herabsetzung der Fleischpreise ganz ohne Einflutz ist und daß die Gründe der Fleischteuerung ganz wo anders zu suchen sind. Es wäre unseres Erachtens die Aufgabe der Arbeitersekretäre, das.schlafende Heer" zu wecken und über die wahre Sachlage zu unterrichten." Die.Katholische sozialpolitische Korrespondenz" wird von den Ge- lehrten des katholischen Volksvereins in M.-Gladbach berauS- gegeben: sie hat fich allerding« redlich bemüht, in der Fleischnot- frage die Sache der Argrarier zn führen. Die Aachener Arbeiter leben aber nun nahe genug der Grenze, um zn wissen, daß in einer Ent- fernung von einer Stunde das Fleisch beträchtlich billiger und reich- lich zu haben ist._ Die Zcugnisfolter bis zur völligen Erschöpfung. Nachdem Genoffe Paul Schlegel in Nürnberg seine ZeugniSzwangShast wieder angetreten hat. wurde ihm von dem Kulmbacher Amtsrichter Frohnauer ein Schriftstück zugestellt des Inhalts, daß s-tne Haft am 17. Oktober 1907, abends 6 Uhr 10 Minuten abläuft. Die Herren Frohnauer und Hornschuh gedenken also wirklich das Zwangsmittel.bis zur völligen Erschöpfung" aus- zunützen. Der Unternehmer Hornschuh will seine Rache voll und ganz genießen, und daS Gericht leistet ihm Beistand. Schade, daß man den hartnäckigen Sünder nicht zuweilen mit glühenden Zangen zwicken und in die spanischen Stiefel zwängen kann, wie in der guten alten Zeit!— Das muff bei Liberalen passieren, Da« Gesuch des Arbeiter- turnverews in Kempten, in geschlossenem Zuge vom VereinSlolal zum Festplatz marschieren zu dürfen, wurde vom dortigen liberalen Stadtmagistrat abgelehnt mit der vegrünbung. der Zug auf dem 10 Minuten langen Weg richte sich gegen„die bestehende Rechts- ordnung".— Diese liberalen Herren glauben nun fest, durch dieses Verbot„die bestehende.Rechts"-Ordnung gesichert zu haben.-» „Rechts"- Ordnung I—__ Agrardebatte im württcmbergischen Landtag. Stuttgart, 16. Mai.(Eig. 23er.) Die fortgesetzte Beratung des Etats erstreckte sich zunächst auf die dle Landwirtschaft betreffenden Kapitel. ES kam dabei zu mehrfachen Zusammenstößen zwischen den Vertretern de» Banernbundes und der Sozialdemokratie. Die Bauernbündler hielten mehrfach Reden zum Fenster hinaus, in denen sie glauben machen wollten, daß die Sozialdemokraten grundsätzliche Feinde der Bauern seien und der Landwirtschaft interesselos, ja sogar übel- wollend gegenüberstünden. Ihre Angriffslust gegen die linke Seite des Hauses artete vielfach in Erregung und Reizbarkeit aus, als sich regelmäßig die völlige Deplaziertheit ihrer Behauptungen er- wies. Die sozialdemokratischen Redner zum LandwirtschaftSetat zeigten mehrfach, wie lebhaft auf ihrer Seite das Interesse für die soziale Lage der landwirtschaftlichen Bevölkerung ist. Allerdings läßt sich die Saozialdemokratie nicht vor den Karren des Bauern- bundes spannen, der das A und O seiner Politik in dem Schreien nach hohen und immer höheren Zöllen erblickt. Die sozialdemokra- tischen Abgeordneten W a s n e r und Feuer st ein stellten zum großen Unwillen der Bauernbündler den Interessengegensatz fest, der in der Zollfrage zwischen den Großgrundbesitzern und den kleinen Bauern besteht. Wasner forderte noch insbesondere die Einführung einer allgemeinen staatlichen Liehbersicherung. während Feuerstein speziell das Genossenschaftswesen behandelte. Er hielt dem Bauernbund das Törichte seiner Gegnerschaft gegen die Konsumvereine der Arbetter bor Augen und legte überzeugend dar, daß bei einem Handinhandarbeiten der landwirtschaftlichen Ge» nossenschaften mit den Konsumvereinen unter Ausschaltung des hier besonders überflüssigen Zwischenhandels nicht nur der Kon« sument, sondern vor allem auch der landwirtschaftliche Produzent wesentliche wirtschaftliche Vorteile erzielen würde. Er bedauerte, daß in der bäuerlichen Bevölkerung zum Teil nur geringes Ver. ständnis für die Nützlichkeit genossenschaftlichen Zusammenschlusses vorhanden sei. Man finde wenig Initiative dafür bei den Bauern. und die Genossenschaften bestünden vielfach nur dadurch, daß Be- amte, Lehrer oder Pfarrer sie verwalteten und der Staat die Re- visoren stellte, während die Konsumvereine der Arbeiter au» deren eigener Initiative hervorgingen, keine Staatszuschüsse erhielten und meist auch nur von einfachen Arbeitern selbst verwaltet würden. Er führte als Beispiel an. daß in Ravensburg die Bauern früher von den Händlern nur ö Pf. für das Liter Milch erhielten, während der Konsumverein ihnen jetzt 13 Pf. zahle, ohne daß der Konsument geschädigt würde. ES sei nur zu bedauern, daß der Bauernbund so wenisz dazu beitrage, daS Verständnis für die wirtschaftlichen Zusammenhänge bei der ländlichen Bevölkerung zu fördern. Die Treffsicherheit dieser Argumente brachte die Bauernbündler in solche Unruhe, daß sie fast bei jeder Etatposition eine General- debatte herbeiführten. Als sie bei der staatlichen Subvention für das„Landwirtschaftliche Wochenblatt" forderten, daß e» bezüglich der Zölle in bauernbündlerischem Sinne redigiert werden solle. trat ihnen mit aller Entschiedenheit Abgeordneter Heymann entgegen. Er legte in knappen Sätzen die ganze Einseitigkeit ihres zollpolittschen Standpunkts dar. wie» auf die schädlichen ökono- mischen Folgen hin. die der Zollschutz für landwirtschaftliche Pro- dukte durch die forciert« Steigerung der Preise für landwirtschaftlich bebaute Grundstücke im Laufe der Jahre haben müsse und forderte nachdrücklichst, daß ein aus den Mitteln der Allgemeinheit sub. ventioniertes Blatt von der einseitigen Tendenz de» Bauernbundes freibleiben müsse._ Schweiz. Wohnungen für städtische Angestellte in Zürich. In der Volksabstimmung vom letzten Sonntag fand mich der Antrag de» Stadtrats betreffend die Bewilligung von 232 000 Fr. zur Herstellung von Wohnhäusern für ständige Angestellte der städtischen Straßenbahnen mit IS 691 gegen 8407 Stimmen Annahme. In welchem Maße in der Stadt Zürich die Wohnungsnot herrscht, mag dt« Tatsache ertennen lassen, daß im JndustriequaMer der Präsident der Kirchenbehörde sich öffentlich an die ktrchcn- und pfarrerfreundlichen Hausbesitzer mit einem Appell um Ueberlassung einer Wohnung an den Pfarrer, dem seine jetzige Wohnung gekündigt wurde, wendet! Wenn nicht einmal der Pfarrer mehr eine Woh- nung findet, sondern mit seiner Familie obdachlos in den Straßen der Großstadt umherirren muh, dann ist die Wohnungsnot gewiß aufs höchste gestiegen und die privatkapitalistische Produktionsweise dem Bankrott verfallen. Die Unentgeltlichkeit der Lehrmittel. Im Kanton Zürich wurden im Jahre 1906 für die Lehrmittel an 63 336 Schüler der Primarschule(Volksschule) 69 399 Fr., sür Schreib- und Zeichenmaterialien 133 436 Fr., für Arbeitömaterial an 18 764 ArbeitSschülerinnen 40 431 Fr., für die Lehrmittel an 9094 Sekundarschüler 36 961 Fr., für Schreib- und Zeichen- Materialien 65116 Fr., für die Arbeitsmaterialien an 3564 Arbeits- schülerinnen 11129 Fr., in Summa 292073 Fr. ausgegeben. Für den einzelnen Schüler wurden demnach jährliche Ausgaben gemacht: Primarschule: Lehrmittel 1.19 Fr.. Schreib- und Zeichen- Materialien 2.37 Fr., Arbeitsmaterialien 2,15 Fr. Sekundärschule: Lehrmittel 4,06 Fr., Schreib« und Zeichen- Materialien 7,16 Fr.. Arbeitsmaterialien 3,12 Fr. In der ganzen Schweiz wurden im Jahre 1906 61 160000 Fr. für das Unterrichtswescn ausgegeben, wovon 5010000 Fr. vom Bund, 26819000 Fr. von den Kantonen und 30330000 Fr. von den Gemeinden. Davon entfielen 40 160 000 Fr. auf die Primär-, 5 860000 Fr. aus die Sekundär-, 3 940 000 Fr. auf Fach- und Gewerveschulen, 3 940 000 Fr. auf Gymnasien und 885 000 Fr. auf Universitäten. Auf den Kopf der Bevölkerung entfallen etwa 19 Fr. Ausgaben für das Schul- und Bildungswesen. Die Militärausgaben betragen zirka 14 Fr. pro Einwohner.— frankreick. Eine sozialistische„Niederlage". Paris, 13. Mai.(Gig. Ber.) Bei den Stichwahlen für den Gemeinderat haben die Sozialisten ein Mandat verloren. Gewählt wurde von den sozialistischen Kan- didaten mir Genoff« B r u n e t im Stadtdlertel Spinelles. daS vorher Brouffe vertreten hat. Dagegen ging das Viertel.Amerika" im 19. Arrondissement, der ehemalige Bezirk RozierS, an einen als „Radikalen" verkleideten reaktionären Kandidaten verloren, der mit 2306 Stimmen über Genossen Camülinat siegte, welcher 2031 Stimmen erhielt. Die radikalen/Wähler gingen in ihrer Mehr- zahl zu den Reaktionären über. Nicht minder skandalös war das Verhalten der Radikalen im 4. Arrondissement. Dort wurde der Rationalist Badini- I o u r d a i n gewählt. Er erhielt 2063 Stimmen gegen 1213, die er im ersten Wahlgange auf sich vereinigt hatte. Genosie Besombe» vermochte seine Stimmenzahl von 1333 nur auf 2049 zu steigern. Ein Radikalsozialist, der seine Kandidatur aufrechterhielt, gewann nur ein paar Dutzend Stimmen, während die Mehrzahl der Wähler der andere» radikalen Kandidaten reaktionär stimmte! Aus all dem geht nur hervor, daß daS Kleinbürgertum keinen großen Unter» schied zwischen Nationalismus und Radikalismus macht, waS in der Tat ein ganz richtiges politisches Urteil ist,«nd daß eS unter dieser wie unter jener Flagge arbeiterfeindlich bleibt. Wenn die kapitalistische Presse darum, weil der kurze Rausch der„republikanischen Solidarität" vorbei ist und die Klassengegensätze wieder allein entscheidend werden, von einer«Niederlage" der Sozialisten spricht, mag man ihr dieses bescheidene und vergängliche Vergnügen gönnen. Die Sozialisten, die ihre Stimmenzahl überall beträchtlich anwachsen sahen und im alten radikalen Bezirk La Chapelle nur mit 9 Stimmen Minderheit unterlegen sind, haben alle Ursache, mit dieser„Niederlage" zufrieden zu sein und mit Zu- verficht den NadikaliSmus seine.EiegeSbahn" verfolgen zu lassen.—> öcbwcdcn. Die Wahlrechtsreform. Die jahrzehntelangen WahlrcchtSkämpfe des schwedischen Volkes, vor allem der Arbeiterschaft, haben nun endlich zu einem positiven Ergebnis geführt, das allerdings erst Gesetzeskraft er- langt, wenn der rm nächsten Jahre neu zu wählende Reichstag sich ebenfalls einverstanden erklärt, was sich natürlich nicht voraussagen läßt. Die Wahlrechtsreform und VersassungSrevision. die nun von beiden Kammern angenommen ist, gibt der schwedischen Arbeiter- schaft keine Veranlassung zu besonder» großer Freude. Die Re- form kann höchstens als eine Abschlagezahlung gelten, als ein Schritt auf dem Wege zur Demokratisierung des schwedischen Staatswesens. Das Wahlrecht zur Zweiten Kammer, das bis jetzt nur der» jenige ausüben kann, der während der letzten fünf Jahre vor der Wahl für ein Einkommen von mindestens 800 Kronen Steuern be- zahlt hat, wird auf alle männlichen Steuerzahler ausgedehnt, und diejenigen, denen wegen Armut ihre Steuern erlassen wurden. sollen ihres Wahlrechts nicht verlustig gehen. Neben dieser Ver- besserung steht die Verschlechterung, daß das Wahlrechts- alter vom 21. auf daS 2 6. Lebensjahr heraufgesetzt wird! Die Frauen sind nach wie vor vom Wahlrecht ausgeschlossen. Ein Proportionalsystem wird eingeführt, das in seiner kompliziertev Form von zweifelhaftem Wert ist. Wäre mit dieser Wahlrechtsreform das Einkammersystem ver- bunden, dann könnte man wohl von einem Fortschritt reden, der wenigstens die männliche Hälfte des schwedischen Volkes zum Herrn im eigenen Lande machte. Aber die Erste Kammer soll auch in Zukunft als die Hochburg der Plutokratie bestehen bleiben, wenngleich daß empörende Wahlunrecht, dem diese Kammer ihr Dasein dankt, ein gut Teil eingeschränkt wird: die städtischen und die ländlichen Gemeindevertretungen sollen nach wie vor die Ab- geordneten dieser Kammer zu wählen haben. Um aber wählbar zur Ersten Kammer zu sein, muhte man bis jetzt mindestens 4000 Kronen Jahreseinkommen oder Grundbesitz im Werte von 30000 Kronen haben! In Zukunft sollen 3000 Kronen Einkommen oder 6 0 000 Kronen Grundbesitz einem Manne die nötige Jntelli- genz geben, um al« Gesetzgeber erster Güte über die Geschicke des Volke» entscheiden zu können! Da» kommunale Wahlrecht, das ja i n d i r e k t für die Wahl der Herrenhäusler maßgebend ist, soll nach wie vor auch den Aktiengesellschaften zustehen! Hierbei ist jedoch die Einschränkung getroffen, daß die reichen Leute und Gesellschaften nicht mehr— wie jetzt— auf dem Lande bis zu 6000, in den Städten bis zu 100 Wahlstimmen abgeben können, sondern in der Stadt und auf dem Lande sollen„n u r" noch 40 Stimmen als das Maximum gelten, über das der einzelne Wähler vermöge seine» Reichtums verfügen darf. Das Pluralwahlsystem wird also, beson- ders in den ländlichen Gemeinden, zwar gemildert, beseitigt aber wird die schreiende Ungerechtigkeit nicht. Daß die ganze Reform auch einem großen Teil der b ü r g e r- lichen Abgeordneten nicht weit genug geht, das zeigte sich darin, daß für den Wahlrechts- und VerfassungsrevisionSvorschlag der sozialdemokratischen Fraktion, die bekanntlich 16 Mitglieder zählt, 64 Abgeordnete der Zweiten Kammer stimmten! Auch der Abgc- ordnete Lindhagen, der liberale Bürgermeister von Stockholm, hatte sich dem sozialdemokratischen Vorschlag angeschlossen.— Der Antrag auf Einführung des Frauenwahlrcchts wurde hier sogar mit 133 gegen 91 Stimmen verworfen. Bon der sozialdemokratischen Presse Schwedens wird die Wahl» rechtsreform durchweg als ganz unbefriedigend bezeichnet und mit aller Deutlichkeit erklärt, daß der Wahlrechtskampf, der Kampf um politische Gleichberechtigung aller Männer und Frauen, mit dieser „Reform" nicht etwa sein Ende erreicht hat. perNen. Teheran, 13. Mai.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) In Täbris sind bcdeuteudc Nnrnhm ausgebrochen. Mitglieder des örtlichen Medschlis und der Geistlichkeit, welchen eine große Volksmenge doranzog, besetzten daS Telegraphenamt und verlangten Bestätigung der Grundgesetze durch den Schah. Die Bevölkerung von Täbris forderte diejenige anderer Städte auf, diese Forderung telegraphisch zu unterstützen. Die Bazare wurden geschlossen. Aehnliche Unruhen fanden auch in Rescht, Kermanschah und SchiraS, wo der Gouverneur an heiliger Stätte Zuflucht suchen mußte, statt.— HuftraUen. Die Eingeborenen, zu deren Schutz der Bischof Dr. Gibneh iv Pcrth(Westaustralicn) eine Intervention der Regierung verlangte werden in einem Antwortschreiben des amtlich cingesetzlen Schutz- Herrn in Perth als t r u n k s ü ch t i g(!) und u n m o r a l i s ch geschildert. Der„Schutzherr" weist die Anklagen des Bischofs zurück; ihm ist nichts bekannt von Brutalitäten gegen die Schwarzen; er weiß nichts Havon, daß sie hungern müssen, erklärt aber dann, daß sie unter dem Schutze der katholischen Missionen ebenso schnell aussterben wie anderswo.— Diese Missionen kosteten viel Geld und brächten auch keinen Nutzen. Die Tatsache, daß die Schwarzen elend zugrunde gehen, kann der„Schutzherr" also nicht leugnen, wenn er auch meint, daß sie durch den Schnaps(der Weißen I) und ihre Unmoral(in den Augen der Weißen!) selbst daran schuld seien. GexverkfebaMickey. f-"'" Die gelbe Korrumpierung der Arbeiterschaft ist vielleicht im Bächergewerbe am weitesten vorge- schritten. Eine ganze sogenannte Zentralorganisation, der „Bund der Bäcker und Konditorengehülfen Deutschland", bat sich, natürlich allein aus tiefstem sittlichen Abschel� gegen die „perfiden" Forderungen und den„brutalen Terrorismus" des freien Verbandes zusammcngetan. Unter dem erhabenen Schlachtruf:„Mit der Meisterschaft für unser Handwerk", kämpft er mit„idealer Begeisterung" für die zünftlerisch ge- krönte„Arbeitsfreibeit". Ganz freiwillig selbstverständlich und ohne jegliche metallische oder sonstige Verbindung mit den Back- trogprotzen mühen sich die„Meistertreuen" nur als die Hohe» Priester der selbstlosesten Sittlichkeit gegen den Ansturm der rohen Verbaudsvandalen. In keuschester Bedürfnislosigkeit stürmen sie unentwegt gegen die„arbeiterfeindliche" Ver« bandSdevike� Kürzere Arbeitszeit, Köbere Löhne, menjchea» Kur�ige Urbeitsvechältnisse! Der ivurdige Hauptmann dieser nnternehmerlichen Profit-Tchutztruppe ist ihr„Präsident", der Zigarrenhändler W l s ch n ö w s k i- Berlin. Dieser interessante Ehrenmann!, der in seinem Beruf Weyen �zu gi'OBer� Kunstfertigkeit radikal Schiffbruch gelitten, predigte am 25. April auch in D a n z i g. und zwar im großen Saale des Germania-Innungshauses, das Evangelium des mcistcrtreuen Hungerleidens. Eine Korona von Jnnungs- meistern, mit dem früheren Gesellen-Rebellenführer und jetzigen Obermeister Karow an der Spitze, erbaute sich mit der ehrbarsten Biedermannsmiene an den Ergüssen des ihnen natürlich völlig fernstehenden gelben Häuptlings. Der Herr machte sich über die Kämpfe der organisierten Arbeiter lustig rn einer Weise, die unmöglich noch widerlicher gedacht werden kann. Als dem Manne zugerufen wurde, daß er doch nur ein bezahlter Unternehmerknecht sei und des- halb das Wort Ucberzeugung nicht besudeln solle, höhnte er „ironisch": er würde auch das Geld des Verbandes nehmen, wenn man es ihm anbiete! Dieser„Witz" des Streikbrecher- Häuptlings war tatsächlich aber mehr als nur scheinbarer Galgenhumor. Denn bald nach dieser Versammlung konnte der rinwiderlegliche Beweis geliefert werden, daß die Gelben sich tatsächlich gegen unternehmerliche Barzah. lung im Kot des Arbeiterverrates wälzen. Der folgende Originalbrief des christlich-gclben Leiters der Versammlung an den Tanziger Obermimen der Gelben— dem Obermeister Kprow— 1 beweist, mit welcher Stirn der„Präsident" Wischnöwski die Wahrheit schändete, als er von„Freiheit" und„Ueberzeugung" erzählte, und die barbezahlte Meister- mache abstritt: Oliva, den 18. April 1907. Hochgeehrter Herr Karow! Ich habe von Herrn Wischnöwski schon die Antwort bc- kommen, daß er am 25. ganz bestimmt kommen wird, auch hat er die Tagesordnung geschickt, worüber er referieren wird. Ich möchte aber noch gerne die Bitte an Herrn Karow richten, ob Herr Karow nicht die ganze 45 M. bezahlen möchte, denn uns kosten die Karten wieder so viel. Mit aller Hochachtung Anton Hinzmann. Oliva, Köllnerstr. 59. Nach dem Genuß dieses Wisches können wir es den Genossen des Bäckerverbandes aus vollstem Herzen nachfühlen, wenn sie mit Friedrich dem Großen urteilen: Mit solchem— barbezahltem— Gesindel müssen wir uns herumschlagen.—_ Berlin und Qmgegend. Kampfvorbercitungen der Böckerinnungen. Es ist nachgerade eine alltägliche Erscheinung geworden, daß feder Lohnkampf, auch wenn er noch so offensichtlich von den Unter- nehmern heraufbeschworen worden ist, von diesen und ihren Or- ganen als ein Streik hingestellt wird, den die Arbeiter oder deren Leitung„in frivoler Weise angezettelt" haben. Auch angesichts des bevorstehenden Kampfes im Bäckergewerbe vollzieht sich wieder das- selbe Schauspiel. Wer die Bewegung auch nur oberflächlich der- folgt hat, der weiß, daß der Bäckerverband alle Mittel versucht hat, um die von den Jnnungsführern veranlaßten Differenzen f r i e d- l i ch beizulegen. Die Innungen dajgegen haben jede u n p a r t e i- i s ch e Bermittelungsinstanz, zuletzt auch den Oberbürgermeister von Berlin, abgelehnt. Aber nicht genug damit. Sie sind wütend darüber, daß vor dem Einigungsamt des Gewerbegerichts Ber- Handlungen zwischen deni Bäckerverband und der Freien Vereint- gung der Bäckermeister stattgefunden haben, und möchten nun ihre Wut an dem unparteiischen Leiter der Verhandlungen, dem Magistratsrats v. Schulz, auslassen. Diese wutschnaubende Stinimung der Jnnungsführer verdichtete sich in der letzten Jnnungsversammlung zu einem Beschluß, der dahin geht, beim Oberbürgermeister von Berlin eine Beschwerde gegen Herrn v. Schulz einzureichen(!), weil er mit der Freien Vereinigung der Bäckermeister, der auch einige Jnnungs- Mitglieder angehören, verhandelt hat, obwohl die Innungen be- schloffen haben, nicht vor dem Gewerbegericht zu verhandeln. Dieser Jnnungsbeschluß zeugt von einer grenzenlosen Ueber- Hebung und einer großen Unwissenheit seiner Urheber. Die Jnnungshelden glauben also, weil sie den Krieg beschlossen und vorberestet haben, deshalb darf niemand in der Welt sich bemühen, den Frieden zu erhalten. Den Oberbürgermeister als Friedensvermittler wiesen die Innungen ab. Jetzt suchen sie den Oberbürgermeister auf. damit er ihnen als B ü t t e l diene gegen den Mann, welcher in Ausübung der ihin gesetzlich auferlegten Pflicht im Interesse des sozialen Friedens wirkt. Nun, die Antwort, welche der Oberbürgermeister den Bäckerinnungen zu erteilen hat. wird ihnen nicht gefallen, denn selbst, wenn der Oberbürgermeister sich zum Büttel der Bäcker- meister erniedrigen wollte, fände er doch keine Handhabe, um gegen die nach jeder Richtung hin einwandfreie Tätigkeit des Herrn v. Schulz etwas zu unternehmen. Wie wir schon sagten, suchen die kampflüsternen Jnnungs- führer den Gesellen die Schuld für die Zuspitzung der Situation zuzuschieben. In seinen Arbeitsnachweisräumen und Herbergen hat der Vorstand der Bäckerinnung zu Berlin folgende Plakate an- schlagen lassen: Warnung! Die Drohungen des Hamburger Gesellenverbandes lassen für Berlin und Vororte einen Streik in naher Aussicht erscheinen. Räch den bisherigen Erfahrungen werden wiederum gewissenlose Agitatoren versuchen, einzelne Gesellen dabei zum Kontraktbruch des Arbeitsverhältnisses zu verleiten. Wir warnsv, dieser Ver- suchung zu folgen, da wir einen jeden Gesellen für dieses geseh- widrige Verhalten auf ein Vierteljahr von der Arbeitsvermitte- lung ausschließen würden. Der Jnnungsvorstand. Bekanntmachung. Wiederum versucht der Hamburger Gesellenverband, die Berliner Gesellenschaft in einen Streik hineinzuziehen, und leider wird ein. wenn auch kleiner Teil, ihm folgen. Da bei Ausbruch eines Streits erfahrungsgemäß eine Arbeitsvermittelung in den Arbeitsnachweisen nicht möglich ist. so ersuchen wir diejenigen Gesellen, welche auch dann in Arbeit gehen wollen, sich schon jetzt schriftlich oder mündlich bei den Sprechmeistern oder im Jnnungs- bureau zu melden. Der Jnnungsvorstand. Diese beiden Plakate hängen schon seit Wochen aus. Das zeugt dafür, daß die Innungen schon ihre Kampfvorberei- t U n g e n getroffen hatten, während der Bäckerverband alle Mittel versuchte, die geeignet schienen, den Kampf zu vermeiden und eine Verständigung herbeizuführen. Trotzdem beginnt die Bekannt- machung des JnnungsvorstandeS wahrheitswidrig mit den Worten: „Wiederum versucht der Hamburger Gesellenverband, die Berliner Gesellenschaft in einen Streik hineinzuziehen." Erfreulicherweise gibt es unter den Berliner Bäckermeistern doch noch solche, welche klug genug sind, dem Kriegsrufe der Jnnungsführer nicht zu folgen, sondern sich mit den Arbeitern zu verständigen. Das gestern von uns erwähnte Rundschreiben, lvelcheS die Leitung des Bäckerverbandes an die Meister versandte, hat schon gute Erfolge gehabt. Eine Anzahl von Bäckermeistern erklärten im Laufe des gestrigen Tages durch Unterschrift, daß sie die mit dem Spruch des Einigungsamtes übereinstimmenden Forde- rungen der Gesellen anerkennen. Achtung! Maschinisten und Heizer. In den Osteiswerken Mier u. Co., Mittelbuschweg 26/27, dessen Mitbesitzer der Buchdruckereibesitzer und Verleger des hochpatriotischen .Rixdorfer Tageblatt" ist, hat das Maschinenpersonal eine wöcheut- liche Arbeitszeit von 99 Stunden bei einem Stundenlohn von 45 Pf. Seitens des Zentralverbandes der Maschinisten und Heizer ist eine Tarifvorlage eingereicht worden, welche eine achtstündige Schicht vorsieht bei einem Wochenlohn von 34 beziehungsweise 36 M. sowie Anerkennung der Organisation. Wenn man nun annehmen könnte, daß doch mindestens Ver- Handlungen zugelassen werden, zumal die Buchdrucker doch ebenfalls mit einem Tarife arbeiten, so lehnte hier die Firma stritte ab, zu verhandeln, indem man doch noch Herr im Hause ist. Die Kollegen werden ja die Konsequenzen ziehen. Die Osteiswerke G. Mier u. Co., Mittelbuschweg 26/27, Rixdorf, sind bis auf weiteres für Maschinisten und Heizer gesperrt. Der Zentralverband der Maschinisten und Heizer. Erklärung. In der Versammlung der ausgesperrten Möbel- Posamentierer vom 17. Mai ist von den Diskussionsrednern nach dem ,.Vorwärts"-Bericht die Behauptung aufgestellt worden, der Streik sei verloren gegangen,„weil der Zentralvorstand mit an- gesehen habe, daß in anderen Städten Streikarbeit gemacht wurde, ohne daß dort die Arbeit eingestellt wurde." Wir konstatieren demgegenüber, daß die Proklamierung eines Sympathiestreiks wegen Verrichtung von Streikarbeit von keiner Seite ver- langt worden ist und diese Frage den Zentralborstand während der ganzen Dauer des Streiks nicht ein einziges Mal beschäftigt hat. Wohl aber wurde unter anarchistischem Einfluß von einzelnen Posamentierern die Proklamierung des Generalstreiks verlangt. Dieses Ansinnen mutzte abgelehnt werden. Auch im Reiche wurde diesem Plan nicht zugestimmt. Bezüglich der Streikarbeit betonten die Posamentierer selbst, daß es schwer sei, festzustellen, wo Streik- arbeit gemacht werde und wo nicht. Die Verbandsleitung. Veuvkches Reich. Bergarbeiterbewegnng in der Niederlausitz. Auf den Meder- lausitzer Kohlenwerken Grube„Anna" in Zschipkau legten am 17. Mai 95 Bergarbeiter wegen Differenzen die Arbeit nieder. Die Arbeiter forderten: Anstellung eines Brnchschlägers; sollten die Hauer bei der Arbeit beschäftigt werden, so soll ihnen die Zeit dafür bezahlt wer- den. Das Holz soll in Zukunft fertig geschnitten in die Grube ge- schickt werden. Für Platten- und Schienenlegen sollen 2 Stunden im Schichtlohn vergütet werden. Bei Betriebsstörungen, die länger als eine halbe Stunde danern, sollen die Arbeiter mit anderen Arbeiten beschäftigt werden und dafür die Zeit im Schichtlohn vergütet werden. Der Loh» der Stationswärter soll von 3 Mark auf 3,50 M. erhöht werden. Bei nassen Arbeiten sollen für in Standhalten der besonderen Kleidung monatlich 3 M. vergütet werden.— Der vom 1. April zu« gelegte Stundenlohn, der bisher noch nicht ausgezahlt worden, soll nachgezahlt werden, auch sollen in Zukunft die Lohndüten mit der gesamten Lohnberechnung versehen sein. DaS Arbeiten während der Mittagspause soll verboten eventuell mit Strafe belegt werden. Nach Verhandlungen, welche noch am genannten Tage zwischen dem Arbeiterausschnß und dem Direktorium stattfanden, sind schon die meisten Punkte bewilligt worden. Die Arbeiter beschlossen aber in einer am Abend des 17. Mai abgehaltenen Belegschastsversammlung, nicht eher einzufahren, bis alles bewilligt ist. Auf einigen Gruben, welche zu demselben Werk gehören, wo zum größten Teil die Forde- rungen schon erfüllt sind, will man zur Unterstützung der Streikenden ebenfalls die Arbeit niederlegen. Tarifbewegung ber GlaSperlenmacher im Fichtelgebirge. In einem der schönsten Teile des Fichtelgebirges, in der Gegend von W a r m e n st e i n a ch, ist die Fabrikation der bekannten Glas- perlen heimisch. Die Arbeiter seufzen unter einem unerhörten Drucke, sie leiden unter einer bis zum äußersten ausgedehnten Arbeitszeit und unter unglaublich niedrigen Löhnen. Selbst im Jahresbericht des Fabrikinspektors wird darauf hingewiesen, daß die Abhängigkeit vom Unternehmertum schwer auf den Perlen- machern lastet. Früher herrschte auch ein unerträgliches Truck- system; die Arbeiter bekamen für ihre Arbeit fast gar kein Geld zu sehen, sondern erhielten meist nur Waren. Das ist etwas besser geworden, als die Perlenmacher anfingen sich zu organi- sieren und auch eine Genossenschaft gründeten, aber im geheimen wuchert dieses verderblichste aller Ausbeutungssysteme noch immer fort. Jetzt haben sich die Perlenmacher neuerdings aufgerafft und einen Tarif vorgelegt, in dem eine Verbesserung und Regelung der Verhältnisse erstrebt wird. Bis zum 1. Juni wird Antwort verlangt. Die liberale Presse tritt bereits für die Unternehmer ein und sucht glauben zu machen, daß die Fabri- kanten mit Verlust arbeiten. Ter Ausstand der Maler in Leipzig dauert unverändert fort. Die Malerinnung und der Arbeitgeberverband für das Maler- gewerbe stehen den Forderungen der Gehülfen strikt ablehnend gegenüber, die Gehülfen, die ihre Lohnforderungen von 65 auf 62 Pf. herabgesetzt haben, sind nicht gewillt noch weiter herab zu geben; die Innung bietet nur 58 Pf. Von den 1972 in den Streik getretenen Malern sind über 490 abgereist und etwa 225 arbeiten zu den neuen Bedingungen. Rausreißer sind nur in geringer Zahl vorhanden. Die Meister versuchen deshalb mit allen Mitteln. Arbeitswillige heranzulocken und inserieren zu diesem Zwecke in auswärtigen Blättern. In Leipzig aber spielen sie die über die Lage Erhabenen; in ihren Versammlungen und in der Presse verkünden sie. die dringendsten Arbeiten wären fertiggestellt, sie könnten dem Ausgange des Streiks mit Ruhe entgegensehen. Die Gehülfen lassen sich durch dies Gerede nicht wankelmütig machen, sie sind vielmehr entschlossen, den Kampf durchzufechten. Die Maler und Anstreicher StraßburgS wurden ausgesperrt, nachdem das von der Innung gestellte Ultimatum, den von ihr ge- botenen Mindestlohn von 37 Pf. für junge und 45� Pf. für Gehülfen über 22 Jahren anzuerkennen, von einer Gehülfenversamm- lung abgelehnt worden war. Die Aussperrung ist jedoch nur teil- weise durchgeführt, es kommen zunächst 223 Gehülfen in Betracht; von 117 Meistern haben 36 ausgesperrt. Der Wert christlicher Organisationen. In Königsberg besteht seit einigen Jahren eine ch r i st l i ch e Heimarbeiterinnenorganisation, die vor einigen Wochen beweisen wollte, was sie im Interesse ihrer elend bezahlten Mitglieder alles tun könne. 16 Königsberger Firmen wurde ein Tarifentwurf für Arbeiterwäsche eingereicht. Der Vorstand der Organisation flehte in den bürgerlichen Blättern um das Wohl- wollen der Arbeitgeber. Er gab an, daß die Engrospreise für Arbeiterwäsche in einer höchst bedauerlichen Weise gesunken seien. Der Tief st and der Löhne gefährde ernstlich die Volksgesundheit, denn da Arbeitsmaterial und Lebensmittel im Preise gestiegen, die Löhne abqr nicht erhöht worden seien, so müsse die Differenz im Budget durch verdoppelte Arbeitszeit wieder aus- geglichen werden. Auf diese Art kommen in Königsberg Lvstündige Arbeitstage vor!! Diese Zustände seien auch deshalb bedauerlich, weil sie vielfach eine stillschweigende Erbitterung großzögen und so allmählich auch die Frauen der Sozia ldemo- kratie mit ihren zersetzenden Lehren in die Arme trieben. Weiter wurde ausgeführt, daß der christliche Gewerkverein mit sozialdemokratischen Verbänden nicht zu ver» wechseln sei, daß er den sozialen Frieden anstrebe, für einen ge- rechten Interessenausgleich eintrete und nicht prinzipiell unzu- frieden machen wolle. Er wies weiter darauf hin, daß„nur eine zielbewußte soziale Reform einen Damm gegen das Umsichgreifen sozialdemokratischer Ideen bilde, die unser Volk vergiften uns unglücklich mache. Daher sollte jeder gerechtdenkende Mensch die Bestrebungen der christlichen Gewerkschaften fördern." Auf diese Weise wollten die Macher der christlichen Bewegung eine Lohnerhöhung für die schlechtestbezahlten Arbeiterinnen er- ringen. Aber die Arbeitgeber dachten nicht daran, ihre Bitten zu erfüllen. Dieser Tage mutzte der Vorstand der christlichen Or- ganisation bekanntgeben, daß leider nichts erreicht sei, die Verhandlungen hätten sich zerschlagen, da zwei Engrosfirmcn auch nicht die kleinsten Zugeständnisse gemacht hätten. Da die christliche Organisation keine Kampfesorganisation ist und auch keine Mittel besitzt, um den Arbeitgebern einen regelrechten Kampf zu liefern, so müssen sich die Christen schweigend zurückziehen und die Heimarbeiterinnen müssen sich bei 29stündiger Arbeitszeit weiter mit elenden Löhnen abspeisen lassen. Da haben wir den Wert christlicher Organisationen. Die Harmonieduseler müssen mit langer Nase abziehen. Es hat alles nichts geholfen, weder ihre unwürdige Bettelei, noch der Hinweis auf die gute, unterwürfige Gesinnung der christlichen Gewerkvereinsmitglieder. Selbst der Hinweis, daß ihre Organisation keine sozialdemokratische sei und daß die Frauen— wenn ihnen keine Zugeständnisse gemacht werden— der Sozialdemokratie in die Arme fallen, hat keine Wirkung auf die Herzen der Arbeitgeber ausgeübt. Die alte Wahrheit ist die, daß die Unternehmer freiwillig feine Lohnzulagen gewähren. Das wissen auch die Christen, jetzt haben sie noch erfahren, daß auch durch Betteln und Winseln nichts zu ör- reichen ist, folglich bleibt nur der Kampf übrig. Den verabscheuen ja aber die christlichen Gewerkvereinler. Deshalb haben ihre Organisationen absolut keinen Wert und jeder Pfennig, der an Beitrag für diese Vereine den Arbeitern abgenommen wird, ist weggeworfen. Nur eine Organisation, die auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung steht, kann die Lebenslage der Mit- glieder verbessern._ Husland. Massenaussperrung holländischer Zigarrenarbeiter. In der holländischen Zigarrenindustrieftadt Eindhoven sind seit Anfang dieser Woche über 2799 Zigarrenfabrikarbeiter und -Arbeiterinnen ausgesperrt, abgesehen von den als Heimarbeiter tätigen Personen, die ebenfalls von der Aussperrung betroffen sind. Die Ursache ist. daß die Arbeiter einer kleinen Fabrik, die im ganzen nur 26 Personen beschäftigt, die Arbeit eingestellt hatten, um Lohnverschlechterungen abzuwehren. Die Zigarren- fabrikanten von Eindhoven sind einheitlich organisiert. Sie haben sich gegenseitig bei sehr hohen Konventionalstrafen verpflichtet, wenn in einer Fabrik ein ihrer Meinung nach ungerechtfertigter Streik ausbricht, entweder die Arbeiten für sie herzustellen oder die Arbeiter in allen Fabriken auszusperren, bis der Streik be- endet ist. Die Ausgesperrten gehören zu einem großen Teil der Katho- lischen Tabakarbeitergiloe an und die Geistlichen halten streng darauf, daß diese ihre treuen Schäfchen nicht etwa zum„Nieder- ländisch Internationalen Zigarren- und Tabakarbeiterverband" übergehen, was eine schwere Sünde wäre. Die Fabrikanten kümmern sich in ihrem Verband selbstverständlich nicht um die Re- ligion ihrer Mitglieder und die Geistlichkeit macht den katholischen Unternehmern natürlich auch keinen Vorwurf daraus, daß sie neu- tral organisiert sind. Letzte JVacbnchtcn und Depefcben, Lieb' Vaterland magst ruhig sein! Hamburg, 18. Mai.(W. T. B.) Hier hat sich heute der Bund vaterländischer Arbeitervereine Deutschlands gebildet, dem 43 Ver- eine mit 7990 Arbeitermitgliedern angehören. verantw. Redakteur: Hau» Weber. Lcrlm. Jnferatentejl veiantW�».Vlscke,»erlin. Druck u.verlag: Borwärt«Buchdr.u.»erlag»an8O>Paul Singer LcCo..BerlinL�V. Wilhelm ber Schweigsame. Wiesbaden, 18. Mai.(B. H.) Der Kaiser hat gestern abend bei seinem Abschied vom Oberbürgermeister dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß man in Wiesbaden die Traditionen deS Hauses Nassau-Oranien treu pflegen möge. Er habe beschlossen, der Stadt Wiesbaden ein Denkmal zu stiften und zwar eine Reproduktion des Denkmals Wilhelms von Oranien, des Schweigsamen, welches neben drei anderen Denkmälern der Nassau-Oranier in Berlin zur Aufstellung kommen solle. Die Wahl in Galizien. Wien, 18. Mai.(W. T. B.) Bei den Wahlen in Galizien sind bisher gewählt 19 Polen, 6 Ruthenen und 2 Sozialdemokraten. Außerdem sind 14 Stichwahlen und 16 Reuwahlen erforderlich. Konflikte in der Textilindustrie. Troppau, 18. Mai.(W. T. B.) Die Textilfabrikanten in Jägerndorf erklärten sich bereit, mit den Arbeitern einzelner Be- triebe über von ihnen gestellten Forderungen zu verhandeln, sie lehnten aber eine Einmischung des Arbriterverbandes ab. Für den Fall, daß ein Erfolg nicht erzielt werden sollte, ist von den Arbeitern der Ausstand beabsichtigt. 1599 Arbeiter haben bereits die Arbeit niedergelegt._ Ein Protestmeeting gegen die FriedcnSkomödie. Amsterdam, 13. Mai.(B. H.) Am Tage nach Eröffnung der Haager Friedenskonferenz wird die niederländische antimilita- riftisch« Bereinigung ein großes, gegen die Konferenz gerichtetes Protestmeeting im Haag abhalten, da diese keineswegs zur Förderung des Friedens beitrage; diese könne lediglich durch den Willen der Arbeiter zustande kommen. Redner deS In- und Aus- landes sind zu diesem Meeting angemeldet. Untergegangene? Fischerboot. Kopenhagen, 18. Mai.(W. T. B.) Nach einer Meldung aus Thorshavn, der Hauptstadt der Färörinseln, ist ein mit acht Mann besetztes Fischerboot auS Hove untergegangen. Russische Streits. Baku. 18. Mai.(W. T. B.) In den Werken der Moskau- Kaukasus-Gesellschaft in Romany und der Firma Born in Bibi- Eibat herrscht seit drei Tagen der Ausstand. Heute haben auch die Arbeiter der Montaschewschen Werke in Bibi-Eibat die Arbeit niedergelegt._ Protestkundgebung englischer Arbeiter. London, 18. Mai. sW. T. B.) Etwa 9999 Arbeiter deS Ar- senals in Woolwich, des Proviantlagerhofs in Dcptford und des Bekleidungsamtes in Pimlico begaben sich heute auf den Trafalgar Square und veranstalteten dort eine Kundgebung als Protest gegen dir Entlassung von Arbeitern des Arsenals in Woolwich. Mehrere Mitglieder des Parlaments, darunter ein Konservativer, hielten Ansprachen. Es wurde ein Schreiben des Staatssekretärs des Innern Gladstone verlesen, in dem derselbe erklärt, der König habe mit Betrübnis von der durch die Entlassungen verursachten Notlage gehört und er erwarte zuversichtlich, daß alles getan werde, die Not zu lindern. Von den Versammelten wurde schließlich ein- stimmig eine Resolution angenommen, in der die Regierung auf- gefordert wird, mit den Entlassungen einzuhalten, da weitere Ent- lassunaen die Wohlfahrt des Staates ernsthaft bedrohen würden. Größfeuer. New Jork 18. Mai.(W. T. B.) Der Pier der Morgan-Linie wurde mit den darauf lagernden Waren beute durch eine FcnrrS- brunst vernichtet. Ter Schaden wird auf 599 999 Dollars geschätzt» Schiffe sind nicht beschädigt.___ Hierzu 4 Beilagen. 8t. 115. A.ZchMg. 1, Mm Nationalliberale Wahlschwindeleien. Im Hildesheimer Wahlkreise kam eS am 25. Januar zur Stichwahl zwischen dem Nationalliberaleir Dr. v. Campe und dem konscrvatip- aenUiimlichen Mischmaschkandidaten gelb mann. 1003 hatte Wtichlvahl zwischen Zentrum und Sozialdcntokratie stattqefundcii. Die National liberalen gaben 1903 den Ausschlag zugunsten des Zentrumskaudidaten. Zu ihrer eigenen Ueberraschung gelangten die Nntionallibcralen nun diesmal anstatt der Sozialdemokratie in Stichwahl und wollten nun um jeden Preis das Mandat erobern. Das war aber nur möglich, wenn die Sozialdemokratie sich für die Nationalliberalen entschied. Die Nationalliberalen hatten 10 410, die Zentrumsleute 10 829 und die Sozialdemokratie 9109 Stimmen erhalten. Unsere Parteigenossen faßten am 1. Februar in einer Versammlung den Beschluß, in der Stichwahl für den Zentrumsbündler zu stimmen, nachdem dieser die verlangte Erklärung abgegeben und hinzugefügt hatte, daß er auch bei den Abstimmungen anwesend sein werde. Dieser Beschluß hatte die Nationalliberalen in Harnisch gebracht. Ihr Kandidat, Herr Dr. v. Campe, ließ recht aufdringlich bekannt geben, daß auch er für die bekannten drei Forderungen eintrete. Außerdem erschien ein Flugblatt, in dem es hieß: Arbeiter! Genossen! Die Entscheidung unseres Wahlkomitees ist ge- fallen. Wählt Feld mann heißt die Losung unserer Führer. Wird unsere Wählermasse folgen? Nein und abermals Nein! Wähler, Arbeiter, Handwerker, ehrliche Männer! Gebt die Antwort auf solche politische Charakterlosigkeit und wählt am Dienstag Herrn Landgerichtsdirektor Dr. V. Campa. Unterschrieben war das Flugblatt mit: Einige Sozialdemokraten! Das Flugblatt war gedruckt in der Druckerei des national- liberalen Parteiorgans in Hildesheim. Nachdem dieses Flugblatt verbreitet war. erschien der sozialdemokratische Aufruf ebenfalls in Form eines Flugblattes. Darüber waren die„ehrlichen Männer" der Nationalliberalen entrüstet und besonders, weil unter dem Aufruf auch die Namen des sozialdemokratischen Wahlkomitees standen. Den Nationalliberalen war also bekannt, daß unsere Partei für Feldmann entschieden hatte, trotzdem erschien am Morgen des Stichwahltages ein Flugblatt mit folgendem Inhalt: Wahllügc::. Für die Kandidatur Feldmann wird in letzter Stunde(!) von interessierter Seite die Behauptung verbreitet, der sozialdemokratische Wahlausschuß habe mit Herrn Feldmann, dem agrarkonservativ- ultramontanen Mischmaschkandidaten, Unterhandlungen gepflogen und die Stichwahlparolr aus- gegeben, für Herr» Feldmanu zu stimmen. Diese Behauptung ist unwahr und völlig aus der Lust gr- griffen! Ein sozialdemokrasischer Wähler kann Herrn Feldmann nicht wählen. Warum?(Folgen die Gründe.) Wähler! Einem solche» Manne könne« und wollen wir unsere Stimme nicht geben! Der Wahlausschuß. Dieses Flugblatt war vorsichtigerweisevonden„ehrlichen Männern" nicht in der nationalliberalen Parteiblattdruckerei hergestellt, sondern bei George in Hildesheim. Ueber diesen infamen Schwindel schwieg sich nun da« Hildesheimer Organ der Nattonalliberalen aus und es setzte seine Wanzentaktik dickfellig fort, trotz aller Anbohrungen von unserer und von Zentrumsseite. Schließlich erfolgte erst am letzten Tage des Februar im nationalliberalen Blatt eine Erklärung, daß Landgerichts- direktor v. Campe weder den Inhalt dieses Flugblatts gekannt, noch von der Absicht, ein Flugblatt dieses oder ähnlichen Inhalts zu verbreiten, gewußt habe. Das Flugblatt habe weder dem Borstande des liberalen Vereins oder des jung- liberalen Vereins, noch dem nationalliberalen Wahlausschusse vorgelegen. Auf diese Erklärung antwortete der„Volkswille" in Hannover, daß, wenn nicht die V o r st ä n d e und der Wahlausschuß, dann aber doch Borstandsmitglieder der Nattonalliberalen zum Nutzen der Kandidatur Campe„gelogen und betrogen, falsche Tatsachen vorgespiegelt und Unterschriften ge- fälscht haben." Unter den Unterschriften fehlte die des Vor« sitzenden deZ jungliberalen Vereins, des Rechtsanwalts Arnemann und noch drei andere Namen, darunter auch der des nationalliberalen Parteikassierers. Es wurde vom „Volkswillen" eine Erklärung verlangt, warum diese Namen fehlten. Die Antwort blieb aus. Deshalb schrieb am 12. März der „Volkswille": Entlarvte nationalliberale Wahlfälscher. Der Jung» liberale Verein hat am Dienstag, den b. März, seine Jahres- Generalversammlung abgehalten. In dieser Jahresversammlung wurde Herr Rechtsanwalt Arnemann wieder zum Vorsitzenden, Herr Paul A h r e n s zum zweiten Vorsitzenden, zu Schriftführern die Herren Lehrer L a h m a n n und Weßling einstimmig wiedergewählt. Absichtlich haben wir erst dieses„Ereignis" abgewartet, um mit unserem, uns von nationallibcralcn Zwangs- Mitgliedern zugestellten Material herauszurücken: Herr Rechts- anwalt(!) Arnemann, wir stellen heute fest, daß Sie das am 5. Februar herausgegebene Flugblatt„Wahllügen" ver- faßt haben und Herr Paul Ahrens, Kausmann, die Fälschung in Druck gegeben hat. Diese Tatsache war den jungnational- liberalen Vereinsmitgliedern zum großen Teil bekannt, und trotzdem wurden diese beiden Herren wieder zur Leitung des Ver- eins„einstimmig" berufen II Wegen dieser Notiz erhob Herr Rechtsanwalt Arnemann Be- leidigungsklage gegen den„Verantwortlichen", Genossen T h o m a s e r. Vor einigen Tagen fand die Verhandlung vor dem Schöffengericht Hannover statt. Der obengenannte Herr Paul AhrenS war Zeuge. Die erste Frage, die der Richter an diesen Zeugen richtete war: Wer hat das Flugblatt verfaßt? Zeuge:--„Arncmann!!"-- Große Sensation I-- „hat es entworfen und veranlaßt und ich habe es in Druck gegeben."- Auf die weitere Frage, warum sie denn solche Unwahrheiten geschrieben, da doch jeder Mensch wissen konnte, daß die Sozialdemo« kratie sich nie für die Nattonalliberalen, sondern für das Zentrum entscheide, erzählte der feuge: Es sei ihm und Arnemann bei der Abfassung des lattes die Parole der Sozialdemokratte nicht bekannt gewesen; sie hätten auch nicht annehmen können, daß die Sozialdemokratte sich für Feldman» entschieden habe. Vorsitzender: Wie konnten Sie dann behaupten, daß die Parole, die Sie gar nicht kannten,„unwahr und völlig aus der Luft gegriffen" sei? Zeuge: Es waren Gerüchte vorhanden, daß Verhandlungen mit der Sozialdemokratie stattfinden sollten. Die Abmachungen mit den Sozialdemokraten hat der Ingenieur Thiele, der der deutsch- sozialen Partei angehört, geführt und mich gefragt, ob ich zur Verhandlung bereit sei. Es sei dann mit Herrn Thiele ab- gemacht worden. daß die Verhandlungen am Freitag abend um 6 Uhr bei Arncmann stattfinden sollten. Aber die Sozialdemokraten seien nicht gekommen! Z(Am Freitag abend fiel die sozialdemokratische Entscheidung.)— Am Sonnabend wurde nun das Flugblatt verfaßt, ain Montag des Lsmiills" Sa!iiler| ssnaRTsram?• i>__ �'i imh l i'iii_ itnh'i">>>>> miiti"1>»"» versandt und am Dienstag morgen verbreitet. Am Sonnabend abend war aber schon in dem nationalliberalen Partei- b l a t t ein Wu rausfall gegen die sozialdemokratische S r i ch w a h l p a r o l e zu lesen!— Schließlich behauptete der Zeuge, der sozialdemokratische Wahlleiter, Genosse Evers habe durch Thiele sagen lassen, es sei unwahr, daß die Sozialdemo- kratie uir Fcldmann einlrele I Das habe er geglaubt, trotz dein selbst die nationallrberaleZeitungdasGegentcil berichtete. Obendrein war aber nach dem Stichwnhl- tage auch rioch das mit„Arbeiter I Genossen I" übcrschriebene Flugblatt erschienen I Der Vorsitzende fragte dann: Was ist idenn das für ein Wahlausschuß? Zeuge: Da müssen Sie Herrn Arne mann fr a g en. I ch bin nicht in dem Ausschuß gewesen! Bors.: Gibt es denn einen nattonalliberalen Wahlansschuß? Der Wahlausschuß ist des Pudels Kern. Zeuge: Nein. Wir sind immer mir so zufällig zusauimen- gekommen! Vors.: Das Flugblatt erweckt doch den Anschein, daß der sozialdemokratische Wablausschnß unterschrieben habe. Man mag einer Partei angehören, welcher man will, aber mit offenem ehrliche» Visier muß man kämpfe». Sie mußten deshalb schreibe»: Wahlausschuß der nattonalliberalen Partei! Auf diesen Vorhalt wußte der Zeuge keine Antwort zu geben. Der Prozeß wurde schließlich vertagt. Es sollen noch mehrere Zeugen vernommen werden. Aber was sollen die Zeugen noch helfen? Erwiesen ist, daß der Rechtsanivalt Arnemann und Herr Ahrens, d. h. der erste und zweite Vorsitzende des jung- nattonalliberalen Vereins, über die sozialdemokratische Wahlparole die Unwahrheit geschrieben und ver- breitet haben und daß die Unterschrift„Der Wahl- a u s s ch u ß" eine Fälschung ist, womit die Wähler über den Ursprung des Flugblattes getäuscht werden sollten. Saubere Helden fürwahr diese Jungliberalen! So werden Wahlen gemacht. Der nationalliberale Schwindel ist freilich nicht geglückt, denn Herr von Lampe unterlag troydein mit 14 078 gegen IS 937 Stimmen. Nach dieser Niederlage schrieb dann das Hildes- heimer nationalliberale Blatt, die Gerstenbergsche Zeitung obendrein: Wir sind unterlegen, aber ehrlich unterlegen! So sehen die„ehrlichen Männer" aus, die anderen„politische Charakterlosigkeit" vor- werfen, weil sie nicht nationalliberal wählen wollen.— Die russische Revolution. Paßzwang für Finnland. HelsingforS, 18. Mai. (Privattelegramm des„Vorwärts") Von nächster Woche an müssen abfahrende und ankommende Auslandsreisende in finnischen Häfen einen Auslandspaß vorweisen. Nene Metzeleien in Lodz. Die Soldateska des Zaren hat in Lodz wieder eine furchtbare Metzelei angerichtet. Gereizt durch einen Uebersall ans einen Post- ttansport, bei dem die Räuber einen Kosaken getötet, einen zweiten Kosaken sowie den Postillon und Postineister verletzt hatten, schlachteten die Zarenschcrgen, da sie der Räuber nicht habhaft werden konnten, unschuldige Passanten und gänzlich unbeteiligte Arbeiter einer nahegelegenen Fabrik ab. Die Meldung des„Tag" lautet: Warschan, 17. Mai. Wie aus Lodz telephoniert wird, umringten 30 bewaffnete junge Leute einen Postgeldwagen, der, vom Kalischen Bahnhof kommend, die Ecke der Lonkowagasse passierte. Sie beschossen die begleitenden Kosaken, töteten einen und verletzten einen zweiten von ihnen sowie auch den Postillon und den Postineister. 2000 Rubel Bargeld wurden geraubt. Die Räuber entkamen. Unverzüglich eilte eine Jnfanterieabteilung ihnen nach. Die Kosaken erschössen mit der ersten Salve, die sie in den Straßen abfeuerten, sieben unschuldige Passanten und verletzten mehrere. Darauf drangen sie in die benachbarte Fabrik von Kuttner ein, wo sich unbeschreiblich blutige Szenen zwischen Soldaten und Arbeitern abspielten. In den Fabrikräumen wurden ca. 30 un- schuldige Arbeiter getötet bezw. verletzt. Von den Verwundeten sind bereits sieben gestorben. Die im Fabrikkontor befindliche Fabrik- lasse wurde beraubt.... Eine Meldung der„B, Z." sagt: Lodz, 18. Mai. Unbeschreibliche Aufregung herrscht in der Stadt über den gestrigen Zusammenstoß zwischen Militär und Arbeitern in der Kuttnerschen Fabrik, der zahlreiche unschuldige Opfer gefordert hat. Offiziell wird bereits zugegeben, daß neben den mehr als 50 schwerverletzten Personen 21, unter ihnen auch der Direktor und drei Buchhalter der Fabrik, getötet worden sind: doch ist anzunehmen, daß die Zahl der wehrlos Hingcmordctcn erheblich größer ist... Die Aufregung in der Stadt über den un- erhörten Vorfall ist dermaßen groß, daß stündlich der Ausbruch erneuter Unruhen zu befürchten ist. Die gehätschelte« Monarchisten. Der„Russ. Korresp." wird aus Moskau geschrieben: Mit Zustimmung der Regierung tagte hier der Monarchisten- kongreß. Das Verhalten der Regierung zu einer solchen gesetz- gegnerischen Partei, wie der Verband der„Echt-russischcn" es ist, fordert die Kritik heraus. Die völlig unverhüllte Unter- stützung dieser Partei, die unmittelbare Teilnahme höherer Regiernngsvertreter— z. B. des Moskauer Generalgouverneurs Herschclmann— an der Tagiing der Verbandsleutc beweisen, daß die Vertreter der Regicrungsgewalt mit dem Verbände, der die Abschaffung der Grundgesetze� erstrebt, sympathisieren. Noch unlängst hat die offiziöse„Rossia" den„echt-russischen" Dumamitgliedern wegen ihrer Extravaganzen im Parlament, die das„konstitutionelle" Ministerium nur kompromittieren, Vorwürfe gemacht. Aber man meint es nicht so schlimm. Die Extravaganzen der Monarchisten in der Duma sind ganz harmlose Scherze im Vergleich zu den öffentlichen Kund- gedungen, die in Moskau stattfanden. Die Vertreter der Schwarzen Hunderte demonstrierten dort gemeinsam mit den Vcrtretcru der höheren Geistlichkeit und der RegierungSgewalt. Ihr allrussischer Kongreß sollte über Fragen entscheiden, die zu offenkundiger Verletzung der Gesetze führen müssen. Auf der Tagesordnung des Kongresses stand u. a.:„Einsetzung einer militärischcli Diktatur";„Anflösung der Reichsdnma"; „die Umänderung deS Wahlgesetzes". Schon die G e n e h m i- g u n g des Kongresses durch die Regierung zeigt, daß Sym- pathie für diese Themata in den entscheidenden Kreisen besteht. Die Moskauer Bevölkerung verhielt sich den„echt- russischen" Demonstrationen gegenüber ganz gleichgültig. Diese Gleichgültigkeit kennzeichnet am besten die Erfolglosigkeit aller Bemühungen der Dunkelmänner, die der einzigen orga- nisicrten und gesetzlichen Volksmacht— der Reichsduma � so offenkundig feindselig gegenüber stehen. Wie der Staatsetat zusammengestellt wird. Das Budget für das laufende Jahr balanziert mit dem erheb- lschen Defizit von I86V2 Millionen Rubel, zu dessen Deckung, nach Ansicht des Finanzministeriums, eine„Kreditoperalion" oder, ein- facher gesagt, eine Anleihe notwendig ist. Zoimillg, 19. Ulli 1907. Der Einnahmenetat wird systematisch und absichtlich zu niedrig berechnet, so daß man am Ende bedeutende„Ueber» s ch ü s s e" der wirklichen Einnahmen gegen den Voranschlag bekommt! Diese Rcchnungsweise wurde vom ehemaligen Finanz- minister WhschncgrodSky im Interesse der Anhäufung„freier Bar- schaft" eingeführt. Besonders Witte hat dann später dieses System ausgenutzt, um dadurch den westeuropäischen Börsen, die nach dem Hungerjahr 1901 keine allzu hohe Meinung vom russischen Staats- kredit hatten, Sand in die Augen zu streuen. Dasselbe System wird auch jetzt, unter Kokoffzew, fortgeführt. Wie erheblich die„Ueber- schüsse" waren, kann man aus folgender Tabelle sehen: Die Gesamtsumme der„Ueberschüsse" ist also kolossal. Diese Tatsache der beständigen„Ueberschüsse" muß man beim Suchen der Mittel zur Deckung des diesjährigen Defizits berücksichtigen. Das Budget für 1907 ist nach altem Muster zusammengestellt; auch dieses Jahr wird also erhebliche„Ueberschüsse" bringen. Eine Reihe wichtiger Einnahmeposten sind im diesjährigen Budgetentwurf wieder ohne jeden Grund niedriger als im vorigen Jahre berechnet worden. Bei gleichzeitiger Schmälerung der Ausgaben wird es also wohl gelingen, das Staatsbudget.defizitlos" ins„Gleichgewicht" zu bringen. Die richtige Zusammenstellung des EinnahmeetatS ist natürlich von großer politischer Bedeutung. Das System der allzu niedrigen Berechmmg der Einnahmen führt zur Verringerung des Einflusses der Volksvertretung auf die Fiuauzwirtschaft sowie auf die Exekutiv- gewalt, da die EtatS„llberschüsse" der Regierung die Möglichkeit ge- währen, über bedeutende Geldmittel unabhängig vom Willen de' Volksverttetung zu verfügen. Vom Sozialistenkongreß. Petersburg, 18. Mai. Auf dem Londoner Sozialistenkongreß sind sechs hervorragende Führer der Dumafraktion anwesend. Die Majorität auf dem Kongreß gehört der Parteistaktion der Bolschiwiki genannten Maximalisten an, jedoch nicht der äußersten Richtung. Der jüdische Sozialistische Bund schloß sich den Bolschiwiki an. Zur Leutenot in Oftelbien. Die Verwendung der landwirtschaftlichen Maschinen hat einen gut Teil der Arbeit auf landwirtschaftlichen Großgütern zur Saisonarbeit gemacht. Dieselbe Arbeit wird jetzt in kaum so viel Wochen, ja Tagen bewältigt, als früher in Monaten. Sind für die das ganze Jahr hindurch zu leistende landwirtschaftliche regel- mäßige Arbeit weit weniger Arbeiter als früher erforderlich, so muß insbesondere auf den Gütern, auf denen an dauernden Arbeitskräften gespart wird, sich ein Arbcitermangel zu den Zeiten einstellen, in denen viel Arbeit in kurzer Zeit zu verrichten ist, insbesondere also zur Erntezeit. Eine naturgemäße Abhülfe gegen diese aus der veränderten landwirtschaftlichen Produktionsweise folgernde sogenannte..Leutenot" schafft ein selbst tätiger, selbst arbeitender, nicht nur besitzender Gutsbesitzer durch Herabsetzung der täglichen Arbeitszeit, Vermehrung der Zahl der ständig beschäftigten Arbeiter und durch Darbietung besserer Ar- bcitsbedingungen. Wer so vorgeht, leidet nicht unter Arbeiter- mangcl. Das ist gelegentlich des albernen Spottes festgestellt, den die„Deutsche Tageszeitung" im vergangenen Jahre gegenüber der Maifeier auf den Rittergütern der Genossen Ebhardt auf Komo- rowen bei Bialla und Hofer auf Groß-Skaisgirrcn für angebracht hielt. Es wurde u. a. vom Genossen Hofer damals festgestellt, daß er auf seinem 2300 Morgen umfassenden Besitztum so viel Arbeiter beschäftigt als die meisten Güter auf 4999 Morgen haben. Anders gehen die Großgrundbesitzer vor, die nach dem Grundsatz„Arbeit schändet, Besitz adelt" handeln und eö als ihr ererbtes oder er- kauftcs Recht betrachten, den Vorteil der immens gestiegenen Grundrente für sich allein zu behalten und die Arbeiter als Hörige des gnädigen Herrn von Sonnenaufgang bis nach Sonncnuntcr- gang gegen jämmerlichen Lohn, schlechte Kost, erbärmliche Woh» nungcn und herrische Behandlung auszubeuten und zu kujonieren. Dadurch treibt er die Arbeiter in stärkcrem Maße zur Land- flucht aus dem industriearmcn Osten, als die veränderte Pro- duktiansweise allein es bedingt. Die junkerliche Erwerbsgcsell- ichaft mit unbeschränkter Raffgier ist weit davon entfernt, die Ursachen der Landflucht, soweit diese außerhalb der veränderten Wirtschaftsweise liegen, zu verringern. Im Gegenteil: sie sucht zur Zivangsarbeit die ländliche Arbeiterklasse in roherer, für die Arbeiter selbst weit nachteiligerer Weise als die Mittelalter- liche Leibeigenschaft, bei der der„Herr" immerhin verpflichtet war. für den Unterhalt der Leibeigenen das ganze Jahr hindurch zu sorgen, zu zwingen. Weit entfernt, die bestehenden schmachvollen Ausnahmegesetze gegen die ländlichen Arbeiter Ostelbiens zu be» seitigen, schreit die Junkerklasse nach neuen Ausnahmegesetzen und macht die Staatsgewalt gegen die Arbeiterklasse mobil. Durch ungerechte Gesetze und parteiische Handhabung der bestehenden Gesetze sucht sie das Vereiniguugsrecht der ländlichen Arbeiter lahmzulegen. Die„patriotische" Heranziehung minderwertiger ausländischer Arbeiter, die unter betrügerischen Vorspiegelungen nach Deutschland gelockt werden und hier entgegen dem Sinn und Wortlaut der Staatsvcrträge von der Ausweisung bedroht werden, sowie sie Rechte begehren, ist eines der infamsten Mittel, das diese „Edelsten der Nation" verherrlichen. Alle diese und ähnliche unter der Flagge des Kampfes gegen ..Leutenot" von dieser rückständigsten Kaste der Besitzenden gegen die Arbeiterklasse unternommenen Mittel sind Untergrabungen der Grundlagen der bestehenden Gesellschaftsordnung, die auf der Arbeiter rechtlich Freier und auf der Anerkennung deS Strebens nach voller Gleichberechtigung beruht. Dies gemeingefährliche Treiben der Junker wirkt freilich wider ihren Willen revolutionierender als viele aufklärende Reden uno Schriften es vermögen. Die aus den ostelbischcn Gefilden nach den Jndustriegegenden des Westens gehetzten armen Land- Proletarier lernen durch die Leiden, die ihnen zugefügt sind, die Ursachen des bestehenden Kampfes zwischen Kapital und Arbeit außerordentlich schnell begreifen. Davon legen zahlreiche Briefe von Landproletariern Zeugnis ab, die noch als Feinde der Sozial» dcmokratie den Osten verließen, die ihnen nur in dem Zerrbilde bekannt war, das unsere verehrten Gegner von ihr zu entwerfen belieben, und schon nach kurzer Beschäftigung im Westen sich zur Sozialdemokratie als der einzigen Retterin gegen die Ausbeutung der Arbeiterklasse freudig bekennen. Aufpeitschend wirkt vor allem das am eigenen Leibe gespürte herrische Benehmen so vieler Großgrundbesitzer und das Gefühl fast vollkommener Rechtlosigkeit der Arbeiter. Ueber die Gerichtserlebnisse eines Arbeiters, der früher sein elendes Schicksal als Gottes Fügung betrachtete, gehen uns folgende Mit- teilungcn zu, die zeigen, wie schwer ein Arbeiter kämpfen mutz, um auch nur den sauer verdienten Lohn zu erhalten: ?!uf com Gute des Herrn v. Sets in K o m a l m e n(Ostpreußen I war der Arbeiter A. als Jnstmann wohnhaft. Bis zum Juli des vorigen Jahres hatte er seine Obliegenheiten zur Zu- friedenheit seines Vorgesetzten verrichtet. Im Juli 1906 stellte nun der Wittschaftsinspektor deS Herrn v. S. an den Arbeiter das Verlangen, am Sonntag den Kuhstall auszumisten. Für diese sicherlich nicht besonders angenehme Sonntagsarbeit, die vier Stunden angestrengtester Tätigkeit kostet, s o l l t e d e r A r b e i t e r den horrenden Lohn von sage und schreibe 20 Pf. erhaltenl Der Arbeiter lehnte dies Ansinnen wegen zu geringer Bezahlung der Arbeit» und weil er kontraktlich zur Sonntagsarbeit nicht verpflichtet sei, ab. Die Folge war, daß der Arbeiter sofort aus der Arbeit entlassen wurde und auch die Wohnung räumen mutzte. Außerdem erhielt er auf Antrag des Herrn v. S. auch noch einen Strafbefehl vom Amtsvorsteher von 3 Mark zudiktiert— wegen„Gehorsams- Verweigerung" l!I!>. Gegen diesen Strafbefehl beantragte der Arbeiter gerichtliche Entscheidung. Das Schöffengericht zu Guttstadt verurteilte ihn aber zu 10 Mark und Tragung der Kosten.„Von rechts wegen", weil er seinem„gnädigen Herrn" den Gehorsam verweigert habe. Gegen dieses Urteil legie der Amtsanwalt» der Freisprechung beantragt hatte, im Interesse des Verurteilten Berufung ein. Das Landgericht zu Barten st ei n erkannte auf Freisprechung. In wie viel ähnlich liegenden Fällen wird gegen den schuld- losen Arbeiter ein auf Strafe lautendes ungerechtes Urteil rechts- kräftig! Das Gefühl, auch„oben" nicht recht zu erhalten, wenn man im Recht ist, hält noch gar viele von Einlegung eines Rechts- mittels ab oder sie versäumen die Rechtsmittelfrist. Der in dem geschilderten Fall vom Landgericht freigesprochene Arbeiter hat inzwischen den Staub Ostelbiens von seinen Füßen geschüttelt und ist nach Marten bei Dortmund verzogen, um auf einer Zeche in Arbeit zu treten. Mit Ostelbiens Gerichten ist er aber noch in Fühlung geblieben. Sein ehemaliger„Brotherr" hat ihm den'sauer verdienten Lohn einbebalten. Der Arbeiter muß diesen und den Schadenersatz erst einklagen, der ihm gegen den„Herrn" wegen unrechtmäßigen Vertragsbruches zusteht. Freies, unbeschränktes, geschützte» Koali. tionsrecht tut den Landarbeitern bitter not, um wenigstens den ärgsten Bedrückungen durch gemeinsamen Zu- sammenschluß entgegenzutreten. Em der Partei. Parteiliterntur. 60 Jahre in der sozialdemokratischen Bewegung. Erinnerungen eine» alten Kommunisten.— Unter diesem Titel hat Friedrich Leßner in London ein Büchlein(in englischer Sprache) heraus- gegeben, in welchem er als Greis von 83 Jahren zurückblickt auf die letzten 00 Jahre seines Lebens im Dienste der Sozialdemokratie Bor Jahren erschien die Selbstbiographie dieses alten deutschen Genosten in der Wiener Zeitschrift„Neue Worte". Das vorliegende Werkchen ist die englische Uebersetzung dieser Publikation! es ist reich an interessanten Momenten, denn Leßner stand in persönlichem Verkehr mit Marx und Engeis und vielen anderen hervorragenden Zeitgenossen in der Bewegung. Dem Andenken dieser beiden sind zwei besondere Schlußkapitel gewidmet, um sie dem Verständnis der englischen Genossen näher zu bringen. Der englische Titel der Schrisl lautet: Lixty Yoars in the Social-Demooratio Movement. Before 1848 and alter. Eecollactions of an old Oommunist. By Frederiok Leßner. London 1007. Zum Partrisekretiir von Hamburg wurde in der am Freitagabend stattgehabten Delegiertenversammlimg der Hamburger Landes- organisativn anstelle des in die Red'altlon des„Bauhlllfsarbeiter" eintretenden Genosten«lvert RoeSke Genoste S t u b b e, lang- sithriaer Vorsitzender de» Parteivercins für den dritten Hamburger WabtlreiS, gewählt.— Nor Jahren ivnrde angeregt, eine G e- schichte der Hamburger Partei heranszugeben. Der Sache soll nun näher getreten werden. Mit dem Verfolg derselben wurden die Vorstände betraut, die zur Bearbeitung des Materials sich mit einer geeigneten Person in Verbindung setzen sollen. Der AgitationSbezirk Görlitz. Dem Bericht beS Agitaiionskomitres für den Bezirk Görlitz über daS zweite Geschäftsjahr. II. 0. KreiS. Wcdding: Frau Stolpe, Sparrstr. 20. Frau Jacobey, Kolbergerstr. 20 Iii Frau Rommel, Wiesenstr. 401. Frau Jahn, Pankstr. 51b, vorn lV. Frau Rudolf, Müllerstr. 7, Seitenflügel IV. Frau Hossmann, Badstr. 42/43, vorn IV. Moabit: Frau Pohl. Rostocherstr. 27. Frau Keyler, Oldenburgerstr. 3S. Frau Hoppe, Bandelstr. 40, vorn Ii- Frau Reichert, Flemmingstr. 16 IV. Frau Jordan, Lübeckerstr. 43, r. Seitenfl. X Frau Wulff, Kirchstr. 5. Roscnthaler Vorstadt und Gesundbrunnen: Frau Malow, Koloniestr. 25. Frau Pröhl, Rügenerstr. 22. Frau Matschke, Wolgasterstr. 8, vorn I. Schönhauser Vorstadt: Frau Panzcram, Pappel-Allee 7g. vorn f. Statten«, Stowemde. 757 SSW Hamburg 759 NNW Berlin 758 W j.a.M. 7S1NW München j 761 NW Wien j 759 NW ä B = H s e 'S Bett« 2 wolkig 4 Regen S bedeckt 3 bedeckt 3 bedeck« 4 Regen B% 1* StaNenev I! s= o« af Setter Havaranda Petersburg Sctlly Aderdeen Part» 763 O 758 WSW 768 N 771 N 766 N 2 wolkig 1 bedeckt 3 halb bd. 1 bedeckt 3 heiter vis rt §'■ 5» (. 3] Wetter- Prognose für Sonntag, den IS. Mai 1S07. Ein wenig wärmer, vielfach heiter, aber noch veränderlich mit etwas Regen und maßigen nordwestlichen Winden. IZentral-lfepiiand der Maurer. i Zlvcigverein Berlin. Am 16, Mai verstarb nach langem iKraulenlager an Gehinihaut. entzündung unser Mitglied Ulbert I�Stebus im Alter von 52 Jahren. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am! Montag, den 20, d. Bits., nach. mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des»encn Nazarethkuchhofcs. 1 Reinickendorf, Birlmerstraße, ans i statt. 139/18 1 Um rege Beteiligung ersucht vor Zwoigesrsinsvorstand. Am 17. d. M. verstarb»ach i langen, schweren Leiden ine!» llcbcr'| Mann, der Arbeiter KarB FiedBer. Die Beerdigung findet am Mitt- woch. den 22, d, M,. nachmittags! 5 Uhr, vom Krankenhaus am> Urban aus nach dem Kreuz-Kirch. hos in Marien doof statt. Um stille Teilnahme bittet im I Namen der Hintcrblicboncn i 737b Frau Agnes Fiedler. Allen Freunden und Bekaniiten! die traurige Nachricht, daß meine| liebe Frau Pauline Schmidt Haak 30 Jahren »er- Im Alter von storbcn ist. Die Beerdigung findet am ersten! Feiertag nachmittags 4'/, Uhr voii j der Hall» de« Schöucberger Fried« | hose», Maxstraßc, aus statt, Der trauernde Gatte 1 746b A. Schmidt. Verein der Rohrer Bcrllnn und Umgegend. Todes- Anisclge. Am 15. d. M. verstarb nach lauge» Leiden an der Proletarier- kraniheit der Kollege P. Schlach. Die Beerdigung sind et am 19, Mai, nachmittags 3 Uhr, vom Pirchow-Kraiitenhaus auS stali. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 290,11»er Vorstand. Orts» Krankenkasse der Gravklllt«(in. zu Berlin. Laut Beschluß vom 26. März sind die Statuten genehmigt, welche im Kasscnlokal zu haben find. ■J,\JftOf yj/ülf Kj.OOf Woche. Eintrittsgeld wird nicht mehr erhoben. Krantenunterstützung wird bis zu 52 Wochen gewährt, desgl. Sterbeunterstütziing an Ehesrmren und Kinder, Die Angehörigen der im Kraukenhause Untergebrachten erhalten das volle, unverheiratete Mitglieder die Hülste des bisherigen Kranken. gelbes. 274/9 Der Borstand. Tie. Grob, t Vorsitzender. Heise- u. Badesaison! 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Die Agrarfrage ist eine der wichtigsten Fragen der russischen Revolution; ist doch das Wohlergehen von 80Proz. der russischen Bevölkerung, die Möglichkeit ihrer menschen- lvürdigen Existenz, ihres wirtschaftlichen Wohlstandes und da- mit auch des Wohlstandes des ganzen großen Reiches aufs innigste mit der befriedigenden Lösung der Agrarstage ver- Kunden. Solange diese Lösung nicht erreicht ist, kann auch die russische Revolution nicht als endgültig abgeschlossen betrachtet werden, da sie in ihrer ökonomischen Grundlage wesentlich durch die Entwickelung der Agrar- Verhältnisse und die daraus resultierende Lage der Bauern- schaft bedingt ist. Für die Erkenntnis der inneren Ursachen der grandiosen politischen und sozialen Umwälzung, die sich in Gestalt der russischen Revolution vor unseren Augen Vollzieht. ist daher das Verständnis der russischen Agrarverhältnisie von unerläßlicher Notwendigkeit. • m* Der Grundstein zu der gegenwärtigen Gestaltung der russischen Agrarverhältnisse wurde im Jahre 1861 bei Auf- Hebung der Leibeigenschast gelegt. Diese„große Reform", die dem Zaren Alexander II. den Titel„Wohltäter des Volkes" eingebracht hat— wir werden noch sehen, mit welchem Recht — machte den Bauern, der bisher leibeigener Sklave des Gutsbesitzers gewesen war. persönlich frei und stattete ihn mit einem bestimmten, dem Besitze seines Grundherrn ent- nommenen Ouanwm Land aus,„um seiner Existenz eine ökonomische Grundlage zu sichern". Doch als erster und größter Grundbesitzer des Reiches konnte die Regierung die Interessen ihrer Klassengenossen nicht verleugnen und sie führte die Reform in einer Weise- durch, daß der Guts- bcsitzer weder eines„ungeziemend" großen Teiles seines Landes, noch der billigen Arbeitskraft des Bauern verlustig ging! Zu bemerken ist, daß vor der Aufhebung der Leibeigenschaft der gesamte Boden den Grundbesitzern ge- hörte, die ihren Leibeigenen einen für deren Ernährung aus- reichenden Acker sowie Wiesen, Nutzung von Wald und Weide anzuweisen hatten; als Entgelt dafür mußten die Bauern die gutshcrrlichen Felder mit ihrem eigenen Inventar bebauen, auch waren sie zu mancherlei Naturalabgaben an landwirt- schaftlichen und hausgewerblichen Produkten verpflichtet. Um also wirklich die ökonomische Existenz des Bauern zu sichern, mußte ihm bei seiner Befteiung mindestens so viel Land gegeben werden, als er vordem in Nutzung gehabt hatte, ebenso ein angemeflenes Quantum Wiese, Wald und Weide. Diese Voraussetzungen sind aber nicht erfüllt worden. Ein Vergleich zwischen dem bäuerlichen Ackerboden unmittelbar vor und nach der Reform zeigt uns, daß die Bauern je nach der Gegend 4 bis W Proz. ihres Acker- bodens eingebüßt hatten und außerdem in der Nutzung von Wiesen, Wald und Weide aufs äußerste eingeschränkt wurden. Damst hat die Regierung im Interesse der Gutsbesitzer zweierlei erreicht: erstens behielten die Gutsbesitzer den größten— und natürlich auch den besten— Teil ihres Bodens auf Kosten der Bauern, die sür das ihnen zugeteilte Land den drei- und vierfachen Preis be zahlen mußten; zweitens aber wurde der Bauer infolge seines künstlich geschaffenen Boden-, Wald- und Wiesenmangels, in folge der oft ungünstigen Lage seiner Parzellen von Anfang an in eine dem Gutsbesitzer gegenüber abhängige ökonomische Lage gebracht, da er, um seinen Bodenmangel ausgleichen zu können, genötigt war, selbst unter den schwersten Be dingungen vom Gutsbesitzer Land zu pachten. Diese Situation ward von entscheidendem Einfluß auf die weitere Entwickelung der Agrarverhältnisse ftn Rußland. Im Laufe der Jahre machte sich der Bodenmangel infolge des natürlichen Zuwachses der Bevölkerung immer mehr fühlbar. Obwohl die Industrie seit dem Jahre 1861 er- hebliche Fortschritte gemacht hatte, war ihre Entwickelung doch nicht soweit gediehen, um dem Ueberschuß der ländlichen Be- völkerung, der sich auf seinen Parzellen nicht mehr ernähren konnte, Unterkunft zu gewähren. So war der Bauer ge zwungen, in seinem Heimatsdorfe zu bleiben, und ein raffiniertes System behördlicher Maßnahmen bevormundete ihn auf Schritt nnd Tritt, beschränkte seine Freizügigkeit und fesselte ihn an die Scholle, um ihn, an Händen und Füßen gebunden, auf Gnade und Ungnade dem Gutsbesitzer auszuliefern, der seine Notlage nur' allzugut auszunutzen verstand. Die Pacht des gutsherrlichen Bodens nimmt meist zwei Hauptformen an, die jedoch oft in der seltsamsten Mischung in Erscheinung treten: dies sind die G e l d p a ch t und die Naturalpacht. Die letztere ist ein direttes Erbstück der alten, auf Leibeigenschaft begründeten Wirtschaftsordnung; denn üe bedeutet nichts anderes, als daß der Bauer den Zins für das gepachtete Grundstück mit der Verrichtung dieser oder jener landwirtschaftlichen Arbeit für den Wirtschaftsbetrieb des Gutsbesitzers bezahlt, genau wie zur Zeit, als er noch Leib- eigener seines„gnädigen" Herren war. In der erdrückenden Mehrheit der Fälle ist diese Naturalpacht denn auch nichts anderes als unverhohlene Sklaverei: der Bauer muß zehn Dcstjatin*) Feld bestellen, um sich den Erttag eines Deßjatin zu ftchern; er muß zu jeder Zeit bereit sein, auf Geheiß des Gutsbesitzers die im Pachtvertrag übernommene Arbeit zu leisten, und wenn dabei seine eigene Ernte zu- gründe geht; der Gutsbesitzer hat ja Machtmittel genug, um die Erfüllung des Vertrages nötigen- falls durch Polizeigewalt zu erzwingen! Ja, gar nicht selten sind Fälle, wo der Bauer nur„um der Ehre willen" oder für ein Gläschen Schnaps für den Gutsbesitzer arbeitet, da ihm sonst die Gefahr droht, daß sein gepachtetes Land im nächsten Jahre an andere, ebenso landhungrige Bauern vergeben wird.— So gestaltet sich die Naturalpacht in den Händen des Gutsbesitzers zum Mittel, ihm stets eine genügende Anzahl Arbeitskräfte zu sichern, die feine Felder be- stellen, ohne daß er dafür auch nur einen Finger zu rühren nötig hat. Es braucht wohl kaum gesagt zu werden, daß die Bewertung der menschlichen Arbeit bei der Naturalpacht eine äußerst niedrige ist, was ja ausnahmslos bei allen Naturalleistungen zutrifft. So z. V. stellt das Statistische Amt des Ssaratowcr Scmstwo folgendes fest: Während die voll- ständige Bestellung eines Deßjatin Acker, durch Lohnarbeiter ausgeführt, etwa 20 Rubel kostet, erhält der Bauer, der die- selbe Arbeit als Pachtzins leistet, einen Gegenwert von zirka 16 Rubel, also kauni die Hälfte! Die Geldpacht 1 Deßjatin--- 1,08 Hektar. kommt dem Bauern in der Regel etwas billiger zu stehen, auch gewährt sie ihm größere Bewegungsfreiheit zur Führung seiner eigenen Wirtschaft, jedoch sind viele Bauern nicht in der Lage, zu ihr überzugehen, da sie nicht imstande sind, die notwendigen verhältnismäßig großen Summen baren Geldes aufzubringen. Was beide Formen der Pacht gleichmäßig charakterisiert, ist ihre horrende Höhe, ihr offener Wuchercharakter, der in der bitteren Not der Bauern seine Ursache hat. Die Landnot des Bauern, die Notwendigkeit für ihn, koste es was es wolle, Land zu pachten, oft ein bestimmtes Stück Land, das in- mitten der Gemeindeflurcn liegt, oder ihm den Weg zur Landstraße, zur Tränke, zur Weide versperrt— alles das gibt dem Gutsbesitzer Gelegenheit, den Pachtzins auf eine be- liebige Höhe zu treiben, was durch die erbitterte Konkurrenz der bodenarmcn Bauern oder Gemeinden noch besonders be- günstigt wird. Trotz aller dieser unmenschlichen Bedingungen ist die Pacht eine allgemein verbreitete Erscheinung in der Bauern- schaft, was aus folgenden Zahlen mit genügender Klarheit hervorgeht: Im Gouvernement Kursk mutzten schon Ende der 80 er Jahre fast 70 Proz. der Bauernhöfe zur Pacht ihre Zuflucht nehmen, im Gouvernement Woronesch 83 Proz., im Gouvernement Ssaratow 86 Proz., im Gouvernement Ssamara 80 Proz. usw. Die Folgen dieser anormalen Zustände für die bäuerliche Wirtschaft sind leicht zu übersehen. Die ganze Arbeitskrast des Bauern, der größte Teil seines schwer erarbeiteten Em kommens wird aufgebraucht, damit den hohen Ansprüchen des Gutsbesitzers Genüge geschehe. Kaum daß der Bauer das Allern otwendigste zum nackten Leben erübrigt. Er kann keine wirtschaftlichen Verbesserungen einführen, kein neues Inventar anschaffen, kein gutes, kräftiges Arbeitsvieh halten. Darunter leidet aber die Bebauung seiner Felder: nicht rechtzeitig und nicht gut gepflügt und geeggt. Mangelhaft gedüngt, liefern sie wenig und schlechtes Getteide. Der Bauer kann auch kein Stückchen Acker brach liegen lassen, kann ihm nicht ein Jahr Ruhe gönnen, sondern er baut auf ihm Jahr sür Jahr dasselbe Getteide, um seine Einnahmen nicht zu verringern. Die Fruchtbarkeit des Bodens fängt infolgedessen an zu sinken, Mißernten mehren sich, Steuerrückstände, Schulden beim Dorf Wucherer und beim Gutsbesitzer zwingen ihn, sein Vieh Stück um Stück zu verkaufen oder wiederum Jahre hinaus seine Arbeitsttaft für einen Schundlohn loszuschlagen. Der Weg in die Stadt ist ihm versperrt, und nur ganz wenigen Glück' lichen gelingt es, aus dieser Zwickmühle zu entrinnen. Die Masse fällt unrettbar der ökonomischen ktnechwng und Wirt' schaftlichen Verelendung anheim. Diese Verelendung der Masse der Bauern, während eS nur einer kleinen Minderheit gelingt, obenauf zu kommen, ist längst kein Geheimnis mehr; sie ist durch eingehende, sorg' fältige statistische Untersuchungen, die namentlich von den Semstwos vorgenommen wurden, übereinstimmend sür das ganze Rußland bewiesen: Im Gouvernement T a u r i e n, also im äußersten Süden. bildet die bodenarme Gruppe der Bauernhöfe, das heißt solche bis zu 10 Deßjatin Saatfläche*), 39 Proz. der Gesamtzahl, sie hatte aber nur 12 Proz. der Saatfläche inne und besaß zur Hälfte kein Arbeitsvieh l Im Gouvernement Ssamara, also im Schwarzerdegebiet der Wolga, bilden die bodenarmcn Höfe 64 Proz. der Gesamtzahl, haben aber nur ein Viertel der Saatfläche und 23 Proz. des Arbeitsvieh- bestandes. Für das Gouvernement Ssaratow(dasselbe Gebiet) sind die entsprechenden Zahlen: bodenarme Höfe 61 Proz., Saatfläche 23 Proz., Viehbestand 22 Proz. Im Gouvernement Perm(Nordost): bodenarme Höfe 67 Proz., Saatfläche 30 Proz., Viehbestand 1o Proz. Im Gouvernement O r e l(Mittelrußland) ist die Zahl der Höfe ohne jegliches Arbeitsvieh 22 Proz., mit nur einem Pferd 33 Proz.; beide Gruppen zusammen haben 29 Proz. der Saatfläche. Im Gouvernement Woronesch(Schwarzerdegebiet): Höfe ohne Arbeitsvieh 24 Proz., mit einem Pferd 40 Proz.; Saatfläche beider Gruppen 44 Proz. Im Gouvernement N i s ch n i Nowgorod(Mittelrußland): Höfe ohne Arbeitsvieh 30 Proz., mit einem Pferd 37 Proz.; Saatfläche 44 Proz. Wir wollen uns mit diesen wenigen Angaben begnügen und nicht weiteres stattstisches Material häufen, da es ja doch in seinen verschiedenen Fassungen immer wieder ein und das- selbe besagt: über die Hälfte der russischen Bauernschaft lebt trotz der größten Opfer, die sie bringt, um ihren Bodcnmangel durch Pacht ausgleichen zu können, unterhalb der Grenze des wirtschaftlichen Wohlstandes, ja am Rande des Ruins. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß dieser Prozeß der Ver- elendung der Bauernschaft immer weiter vorwärtsschreitet. Man denke nur an die ewigen Steucrrückstände, die schließlich infolge ihrer Hoffnungslosigkeit erlassen werden müssen, an den Zustand chronischen Hungerleidens, auS dem die Äcvölke rung von 23 Gouvernements schon seit Jahren nicht mehr heraus' kommt. Die Folgen dieser Zustände sind allbekannt: die grarunruhen, das drohende Zeichen der Rebellion der Bauernmasscn gegen ihre Ausbeuter, ihres Protestes gegen ihre unerträgliche wirtschaftliche Lage, die sie zu ewigem Hungern und Darben verdammt. und zu genießen. Land und Freiheit! dies sind zwei Forderungen, die beide in gleichem Maße zur befriedigenden ösung der Agrarstage gehören. Die revolutionäre Bauern- schaft hat dies wohl begriffen, und sie hat deshalb diese beiden Worte zu ihrem Schlachtruf gemacht in dem erbitterten Kampfe, den sie auf Tod und Leben gegen ihre Unterdrücker führt. Das Mittel, um die Bauernschaft vor dem endgülttgen Zusammenbruch zu retten, geht aus dem Dargelegten mit ge- nügender Klarheit hervor. Es ist eine in weitestem Umfang durchgeführte Bodenzuteilung an die Bauern, die aber Haupt- sächlich auf Kosten der Gutsbesitzer zu geschehen hat, da die staatlichen Domänen viel zu wenig ackerbaufähiges Land aufweisen, um den Landhunger der Bauern zu stillen. Andererseits aber ist mit der bloßen Bodenzuteilung dem Bauern nur zur Hälfte geholfen; denn solange die Regierung als tteue Helferin und Vertreterin der Klasseninteressen derGuts- besitzer den Bauern politisch knechtet und cnttechtet, ihn ge- »ualtsam zur Unwissenheit und zu geistigem Stumpfsinn zwingt, ihn der Willkür der Polizei und der Soldateska ans- liefert— kurz solange der Bauer nicht sein eigener Herr ist und dem Gutsbesitzer als rechtloser Helot gegenübersteht, so lange wird er auch nie und nimmer imstande sein, alle Vorteile seines gesteigerten Grundbesitzes richtig auszunutzen *) Wir bemerken auSdriiSIich, daß wir die Saatfläche(also event. eigenes und gepachtetes Land znsa mmen), nicht den Bode»besitz bcrücksichligen: dies bietet einen festereu Anhaltspunkt zur Beurteilung der wirtschaftlichen Schwäche oder Stärke des Bauernhofes Simulation und Uebertreibung. Eine berufSgenoffenschastliche Studie. Kennen Sie Vittor Giloth? Nein? Wir kennen ihn auch nicht, lasen nur seine„Studie" im„Reformblatt sür Arbeiterverficherung", auf die wir kürzlich bereits kurz eingingen. Jetzt ist sie als„Sonder- abdruck" der wissensdurstigen Leserwelt noch extra für drei Nickel zur Verfügung gestellt worden. Damit Mit- und Nachwelt auch näheres über den genialen Schriftsteller Giloth weiß, hat derselbe bescheiden gleich seinen vollen Titel unter die Ueberschrist seiner „Swdie" gesetzt und deshalb können wir authentisch verkünden, daß Giloth—„Geschäftsführer der Sektion II, Darmstadt, der Hessen- Nassauischen BaugewerkS- Berufsgenossenschaft" ist. DaS sollte doch genügen! Genügt auch als Entschuldigungsgrund, daß er seine„Studie":„Simulation und Uebertreibung"— be- tituliert hat, fintemalen fast jeder Krüppel von der Berufs- genossenschast als„Simulant" oder gar als Schwindler angesehen wird. Wes das Herz voll ist,— deffen Feder entsttömen solche „Studien". Und Giloth hat ein volles Herz, das er gründlich aus- schüttet, weil, wie er selbst einleitend bemertt:„Die meisten, die heutzutage ihre geistige Nahrung lediglich der ZeitungSlettüre ent- nehmen, blindlings glauben, was man ihnen hier in Nachrichten, Ab- Handlungen usw. vorsetzt!" In seiner Abneigung gegen die„Tinten- buben" setzte er sich, in seiner steten Zeit natürlich, hin und schrieb diese Studie, um den„Wahn" zu zerstören; sowie den gedanken- schweren Satz:„Die wittschaftliche Misere wird vorwiegend dem Gesetz in die Schuhe geschoben, und man erhofft auch hier von einer Abänderung alter und Schaffung neuer Paragraphen einzig und allein die Lösung der ganzen sozialen Frage" l Es muß also in Darmstadt noch sehr beschränke Leute geben! Sollte die? die Wahl Osanns verursacht haben? Auch Herrn Giloth geht anscheinend die„Lokomotive der Sozial- reform" noch viel zu schnell, denn er stöhnt von einer„ständigen Hast", nimmer ruhendes Suchen nach neuem Ersatz für das„Alte" — Wohldurchdachte" von lauter.Reformwünschen', daß man nichts „hört und sieht", nur„tadell und klagt", nicht einmal das „Fundament" des Gesetzes gründlich sucht, sondern die„Leiter" gar „durch Anfügen neuer Sprossen und Verlängerung der Balken" „leichter zu erklimmen" hofft! Das Unfallversicherungsgesetz sollte aber doch ein.Monumentalgebäude, ein Wahrzeichen deutscher Intelligenz, Kraft und Opfer« Willigkeit' werden und klagend ruft der Verfaffer aus:„Heute stehen wir, statt vor einem Prachtbau, vor einem reparaturbedürftigen, kalten, st eisen Mauer« koloß, in dessen Hallen sich niemand wohl fühlt"!! Sehr richtig 1 War eS denn nicht Vorspiegelung falscher Tatsachen, daß man diesen„kalten, steifen Mauerkoloß", der doch so„reparatur- bedürftig" ist, auch noch auf allen Weltausstellungen zur Prämiierung. als das Produtt„reiner Menschenliebe, sozialen Verständnis usw." „vorführt"? Giloth selbst erklärt, daß in der Praxis der Berufs- genossenschasten„ein trübes Zwielicht, Unkenntnis, Geldgier, Ver- stellung" herrscht—„die Genossenschaft klammert sich an das Gesetz, verschanzt sich hinter Gutachten und Ober- gutachten— der Verletzte verlegt sich auf Täuschung, auf Simulation und Uebertreibung"! Damit ist der Verfasser in„das richtige Geleise" endlich ge- kommen und dann entströmen seiner Feder Anklagen auf Anklagen gegen— die armen Verletzten natürlich! Kein Wort über die schrecklich hohe und immer ständig an- wachsende Zahl der Verletzten, den Opfern einer geldgierigen Industrie, kein Mitleid mit den Verletzten, die hinkend, humpelnd auf den Bureaus der Berufsgenoffenschasten erscheinen und nach monate- langem Warten, Hungern auf ihre Rente endlich Anspruch er- heben wollen! Ja, die Berufsgenossenschaften sind dem Verfasser, deren„Brot- lied" er singt, viel zu human, denn er ruft auS:„Das Unfallgesetz hat den Berufsgenoffenschasten genügend Befugnisse ein- geräumt(eher zu viel I D. V.).„Würden alle Genossenschaften hiervon Gebrauch machen und fänden sie genügend Unter st ützug seitens der Aerzte, Schieds- gerichte usw., lägen die Dinge sicherlich anders als heutzutage." Die Berufsgenoffenschasten müssen also noch mehr—„lernen", die Aerzte gar keine Gutachten mehr für„Private" ausfertigen, kaum daß dies heute mal erfolgt, die Schiedsgerichte statt in 20 Prozent der Fälle, in allen Fällen die Berufungen der gierigen Krüppel verwerfen I Ja, dann„lägen die Dinge" noch anders! Denn„man hat die Zahl deft Simulanten und Uebertreiber unterschätzt. Eine Statistik aufstellen zu wollen, ist ein Ding der Unmöglichkeit." Wie vorsichtig! Be- hauptungen, grobe Beleidigungen der Verletzten und keine Zahlen- angabe, da dies ja„unmöglich" sei, denn„man kann sich nur ans der Praxis heraus einen annähernden Begriff davon machen". Des- halb hat nur die„Schätzung" der„BerufSgeuoffenschaftSgeschästs- führer" zu gelten, die auch kaltblütig erklären können:„Im Grunde genommen hat eS für uns keinen Wert, zwischen Simulation und � Aggravation einen Unterschied zu machen. In beiden Fällen liegt eine Täuschung vor, eine Borspiegelung falscher Tatsachen, welche. sobald sie bewußt geschieht, gleich strafbar sein müßte." Gut erzogen, verwendet der Verfasser das Sprüchlein:„Omnis horno rnendax", das er höflich und zutreffend überseht:„In jedem Menschen steckt der Hang zum Lügen". In jedem Menschen?" Das war etwas unvorsichtig, Herr Geschäftsführer. Doch,„die Simulation ist so alt wie die Welt". Der brave Adam soll sogar schon etwas stark simuliert haben; sie habe auch „zu allen Zeiten und in allen Ländern existiert"— also schon vor dem Unfallversicherungsgesetz in Preußen-Deutschland? Sogar die „Rahel" habe simuliert,„Väter ihren Söhnen die Daumen ab- geschlagen, um sie vom Militärdienst zu befteien". Früher sei die Simulation in„allen Ländern" bestraft worden—„im alten Griechenland wurde ein Simulant mit dem Tode bestraft". Hu! Man hat sicher„hinter Darmstadt" ei» solch „Papyrus" gefunden I Deshalb muß eine weise Gesetzgebung helfen, denn—„auch in dem erträumten Zukunftöstaat der Sozialdemokraten müßte es Gesetze geben, weil ohne diese ein Zusammenleben überhaupt nicht denkbar ist". Auch ohne diesen Satz hätte jeder Leser herausgefunden. daß der Verfasser kein.Zukunftsstaatsttäumcr", sondern ein braver Dannstädter Musterknabe ist. Man lese nur folgenden Satz:„Die Arbeitslust hat abgenommen in dem« selben Maße, wie die Genußsucht gestiegen ist (im Original auch gesperrt gedruckt. D. 23.), heute wird fast nur simuliert und übertrieben, unr besser leben 5u können, ohne mehr arbeiten zu müssen." Man sieht, daß sogar in Darmstädter Spießerkrcisen die Schrift des edlen v. Rcißwitz:„I-a. cany" mit.Erfolg" gelesen wurde! Nach An« ficht des Berufsgenossenschaftsbeamten müsse sich die Mehrzahl der Krüppel ihres Unfalles geradezu freuen; verschulden ihr Unglück selbst, um in den Genuß der Rente zu gelangen..Die meisten sehen in dem Unfall nur ein Vorkommnis, das ihnen Aurecht auf entsprechende Rentenzahlung gibt, während das Verlangen, wieder her- gestellt zu werden, äußerst gering ist, denn n» i t der Besserung wird ja die Rente geringer!!" Es heißt dann! „Der Unfall muß für mich sorgen." Ganz unrecht hätten deshalb diejenigen nicht, die behaupteten:.Die Unfallgesetze züchten die Simulanten, und man hat sogar die Entstehung einer ganz neuen Er« ktankungsform, die traumatische Neurose, dein Gesetze zur Last gelegr. Die Darmstädter Herren scheinen also an.traumatische Neurose" gar nicht zu glaube»!„Wo bleibt die erhoffte Wohltat des Gesetzes?" rust der gutherzige Mann aus.—.Dabei zahlen die 83e« rufsgenosfenschasten sicherlich auf alle Fälle mebr als nötig ist, und erreichen weniger als sie erhoffen." Mso hat die Rentendriickerei noch nicht den ge- wünschten Erfolg gebracht? Nein! Denn der Verfasser ruft:.Das steht meines Erachtens nach so fest, wie ein Axiom in der Natur- Wissenschaft."! Die Nachteile des Gesetzes.verleiteten zu Lug und Trug und machten das Deutsche Reich zu einer Nation von Rentenempfängern"! Das ist aber kein „Original-Fluch", sondern die Aussprüche unserer Junker schlecht kopiert, Aber nicht die rasende und überhastende Produktionsweise ist schuld an den vielen Unfällen, sondern die Verletzten ja selbst—.einen großen Teil der Schuld wägt hieran die mangelhafte Belehrung des Volles" (das man solche.Studien" lesen lassen sollte?).auch ein gut Teil das Vorgehen der Kassen, die das ärztliche Honorar so gedrückt haben, daß mancher ärztliche Besuch geringer bezahlt wird wie derGang eineSDienst« mannes". Zur.Beweisführung" schleppt der brave Darmstädter sogar die Krankenkassen an den»Haaren herbei" und schimpft die» lelben, daß das ärztliche Honorar«gedrückt' worden sei. Mugda», Becker u. Co. haben diesen Schwindel schon früher„verbreitet". Also wieder kein.Originalbeweis"! Die.schlechtbezahlteu" Aerzte sollen deshalb auch ein Teil schuld an der steigenden Rentenlast haben.„Den Uebertreibern wird eS in der Tat leicht gemacht, sich eine hohe Rente zu erschwindeln." Einen Kampf um die Rente gibt es also gar nicht. Wie»leicht" haben eS die Verletzten, sich eine hohe Rente zu.erschwindeln". Zur»Grobheit" paart sich nun auch eine Bosheit, die man in dem„liebenswürdigen" Beamten gar nicht gesucht hätte, denn er ruft, von seinem Wissen und Können felsenfest überzeugt aus:.Ich könnt«, selb st ohne die Hülfe des Arbeiter« sekretariatS in Anspruch zu nehmen, einen kleinen Leitfaden schreiben mit dem Titel:„Wie werdeich z um R en tenemp fä n g er? nebst Anhang:„Wie behalte ich meine Rente?" Giloth ist ein Mordskerl! Wie„hübsch" er die Arbeitersekretariate verdächtigen kann! Um den.Beweis für seine Behauptung' anzutreten, schildert er dann einen.Fall", wie ein „Handwerker verunglückt"(also gibt eS doch noch„wirNiche" Unfälle?! D. B.), nach beendigter Heilung seiner.Knöchelfraktur' sich einbildet, nach Ablauf der ersten 13 Wochen des Unfalles, in welcher„die Krankenkasse zunächst für den Verletzten sorgt", noch Anspruch auf Rente zu haben l Ein frecher Kerl, dieser Handwerker I Er müßte doch von.Rechtswegen" vollständig.mobil" sein! Um den Gedankengang eine» solchen Simulanten zu erkennen, gehört nach Giloth nur.ein wenig Menschenkenntnis" dazu. Wie hoch er die Arbeiter selbst einschätzt, zeigt uns nachstehender, von uns schon früher niedriger gehängter Satz seines Ergusses:»Ein Arbeiter, der im Bett liegt, hat wohl keinen anderen Gedanken und kein anderes Interesse, als seine eigene werte Person; die Familie kommt er st in zweiter Linie, sie dient mehr als Verzierung, als Aufputz für feine eigenen Klagen"! Kann man dem Verfasser deshalb zürnen? Nach dem Vorhergesagten ist diese Verhöhnung des Arbeiters eigentlich als selbstverständlich anzusehen! Wie kann sich der Mann in die Lage eines verletzten Familienvaters hineindenken, der. von Schmerzen geplagt, ruhelos sich auf seinem Lager wälzt, von den Gedanken gequält, wie eS seiner armen Familie ergeht, die er schutzlos in der Welt stehen lassen mußte? Müssen nicht die Angehörigen, und speziell die derHessisch-Nassauischen Baugewerks-Berufsgenossenschast, oft monatelang auf ihre schmale Rente warten und die Hülse der Armenbehörden einstweilen in An- spruch nehmen? Verlassen nicht viele Familienväter deshalb früh« zeitig das Krankenhaus, unterbrechen die dringend nötige Kur in der Lungenheilstätte, wie dies sogar die Heilstättenärzte bitter be« klagen? Doch davon weiß ein„Menschenkenner" ä la. Giloth nichts, der Verletzte denkt ja nur»an seine eigne werte Person", die Familie „kommt in zweiter Linie, ist Aufputz, Verzierung." Sollen wir deshalb die ganze»Studie" weiter kritisch be« leuchten? Wir denken, daß diese.Probe" genüge! Kann eS da Wunder nehmen, wenn der Verfasser zum Schlüsse seiner.Studie" zu der Forderung kommt:.Abschätzung des Grades der Erwerbsunfähigkeit durch die Berufsgenossenschaft allein?" Bei der»Unfähigkeit der Aerzte", die Erwerbsunfähigkeit richtig zu taxieren, dürfe man deshalb denselben diese Schätzung nicht über- lassen!.Er soll selbstredend gehört werden, sein Gutachten die Basis sein, auf welcher dann die Berufsgenossenschaften selbständig weiter „arbeiten" können." Der Verletzte selbst hat gar nichts zu sagen, er soll noch besser„kontrolliert" werden, sogar„auch innerhalb der Karenzzeit". Arbeitervertreter in die Berufsgenosfenschaften zu wählen, die als Sachverständige, als Praktiker wohl am besten in der Lage wären, die Verstümmelung ihres Berufskollegen zu würdigen und zu taxieren, das fordert der Verfasser natürlich nicht! Die Herren Unternehmer, von denen die Mehrzahl niemals praktisch gearbeitet hat, können eben allein die Rente abschätzen, die Berufs- genossenschasten verwalten. Wer solche„Studien" voll Hohn auf die Krüppel schreiben kann, darf natürlich fordern, hosten,„daß eS uns gelingen wird, das verlorengegangene Vertrauen der Verletzten in die gesetzlich gewährte Hülfe zurückzuerobern"! Wir würden die„Studie" außer acht lassen können, wenn sie nicht so schön zeigte, welchen Zweck die seit Jahren genährte, auch vom Minister a. D. Möller und leider auch vom Minister in Diensten Graf v. Posadowskh weiter verbreitete Legende einer .Rentensucht", von der die Arbeiter wie von einer.GoisteSlrankheit' befallen sind, verfolgt._ Ans einer alten Gewerkschaft. Die Geschichte dcS HandfchuhmacherverbandeS, dessen 12. Ge- neralverfammlung am 10. Mai hier in Berlin zusammentritt, enthält manches, das auch dem Handschuhmacherberuf sernstehende Leser deS„Vorwärts" interessieren durfte. ES handelt sich hier um einen der wenigen Zentralverbände. deren Gründung zusammenfällt mit dem Aufkommen der poli- tischen Arbeiterbewegung Deutschlands. Schon im Jahre 1813 gründeten sich die Handschuhmacher eine Organisation, die sich über ganz Deutschland erstrecken sollte und tatsächlich, wie aus der im Jahre 1820 erschienen Fachzeitung„Gazette des GantierS"*) Wehl dem ältesten deutschen GewertschaftÄblatt, hervorgeht, in einer Anzahl Städte Ortsgruppen besaß. Ob und wie lange dieser Vorläufer des jetzigen Handschuhmacherverbandes das Jahr 1850 überdauerte, läßt sich leider nicht feststellen. Anzunehmen ist, daß er in der Reaktionsperiode der Auflösung verfiel, auch mag der in den fünfziger Jahren erfolgte Niedergang der Handschuhindustrie die Bande der Zusammengehörigkeit arg gelockert haben. Die Neugründung erfolgte dann 1860, nachdem sich die Hand- schuhfabrikanten Deutschlands eine Organisation gegeben hatten, „um sich gegen das zügellose Treiben der Arbeiter zu schützen". Auf das Vorgehen der Fabrikanten antworteten die Handschuh- mochergehülfcn Augsburgs, indem sie ebenfalls zur Gründung einer Vereinigung aufforderten, die eS ihnen gestatte, ihre Ar- beiterinteressen gegenüber den Unternehmern wahren zu können. Johann H e i d e r, der damalige Wortführer der deutschen Ge- bülfenschaft, stand als eifriger Anhänger L a f f a l l e» mit L. T a u s ch e r, dem Führer der politischen Arbeiterbewegung in Augsburg, in Fühlung und holte sich von diesem, als dem er- fahrungsreichercn Gesinnungsgenossen, die benötigten Ratschläge für die Verbandsgründung. So standen an der Wiege des Ver- bandeS zunächst Lassalleaner. Daß aber damals beide Richtungen der politischen Arbeiterbewegung unter den Handschuhmachern Anhänger zählten, erhellt die Tatsache, daß 1869 auf dem Grün- dungSkengreß, als es sich darum handelte, dem jungen Verein ein PublikationSorgan zu schaffen, beschlossen wurde, dieserhalb mit Liebknecht und Bebel in Verbindung zu treten, um den An- schluß an daS Organ der Eifenacher. dem„Demokratischen Wochen- blatt" zu gewinnen. Nichts lag doch näher, als wenn die Ver- bandSgründer, da sie doch selbst ausgesprochene Anhänger L a s s a l I e s waren, sie sich auch nach jener Seite wegen der Herausgabe einer Zeitung oder der Uebernahme einer sonstigen Publikationsgelegenbeit gewandt hätten. Indessen die VerHand. lungcn mit Liebknecht verzögerten sich und die Handschuh- macher beschlossen, selbständig ein Vereinsorgan herauszugebe», dessen erste Nummer als„VereinSblatt" unter dem 1. August 1860 in Augsburg erschien. In der Nummer 2 des„Vereinsblatt" findet sich die Antwort Liebknechts abgedruckt, ein Schreiben, das man als ein Partei- dokument bezeichnen kann und als solches verdient, weiteren Kreisen bekannt zu werden. Dasselbe hat folgenden Wortlaut: Leipzig, den 30. Juli 1869. Hochgeehrter Herr! Aus Ihrem geehrten Schreiben vom 18. ds. habe ich ersehen, daß Sie unser Blatt'zum Organ Ihrer Gewerksgenossenschaft zu machen beabsichtigen und uns, wenn wir auf Ihren Vorschlag eingehen, sofort 100 event. 200 Abonnenten versprechen. Ich mußte mit Bebel und sonstigen Freunden beraten, ehe ich Ant- wort geben konnte. UeberdicS war ich 8 Tage verreist. Dies wird die verzögerte Antwort entschuldigen. DaS Resultat dieser Beratung ist: Wir veröffentlichen mit Freuden alle Ihre Be- kanntmachungcn:c., und zwar wollen wir. da andere Ge- werkschaften sich mit ähnlichen Gesuchen an unS gewandt haben und die Ausgabe einer besonderen Bei» läge für jede Gewerkgenossenschaft viel zu kostspielig wäre, eine eigene Zeitungsabteilung, etwa„Gewerks- genossenschasts-Wesen" betitelt, gründen, in die alles von den Gewerkschaften Eingesandte aufgenommen wird. Natürlich müßten Sie dafür sorgen, daß das rein Technische nicht zu viel Raum beansprucht, da sonst die Interessen deS Blattes leiden würden. Sobald die Einsendungen der Gewerkschaften hinlänglich zahlreich geworden sind und wir sehen, daß eS durchführbar ist, eben wir eine besondere„GewerkSgenossen- chaftS- Zeitung" als Beilage zum„Wochen- latt" heraus. Indem ich Sie nun bitte, mir möglichst bald Bescheid zu geben und Ihren Herren Kollegen unser Blatt zu empfehlen, verbleibe ich achtungsvoll und ergebenst der Ihrige W. Liebknecht. Der in diesem Brief skizzierte Plan, so gut er gemeint war. ist nie zur Verwirklichung gelangt, denn wie die Handschuhmacher zogen es die anderen Gewerkschaften, sobald sich da« Bedürfnis dafür als unabweisbar herausgestellt hatte, vor, ein eigenes Blatt herauszugeben. Das„VercinZ-Blatt" bringt in seinen ersten Jahr- gängen mehrfach Auszüge aus den Reden und Broschüren Lassalles, woraus deutlich die Parteizugehörigkeit der da- maligen Vereinsleitung hervorgeht. Die übergroße Mehrzahl der Gehülfen, soweit sie sich politisch überhaupt betätigten, stand immer auf sozialistischer Seite, eS ist daher auch begreiflich, daß sich unter den Mitgliedern ein Sturm der Entrüstung erhob, als es der 1371 zum Präsidenten gewählte Wilhelm Schmidt, ein Anhänger der Fortschrittspartei, wiederholt versuchte, für die Ideen seiner Partei im„Vereins- Blatt" Propaganda zu machen; ein direkt gegen die Sozialdemo- kratie gerichteter Artikel hatte beinahe seine Amtsentsetzung her- beigeführt. Später verzichtete Schmidt auf eine Wiederwahl. Sein Nachfolger wurde 1874 der um die Organisation selsi verdienstvolle I. H e i d e r, dem jedoch nur eine kurze Amtstätigkeit beschieden war: Er starb 1876 an der Proletanerkrankheit, tief betrauert von den Handschnhmachergehülfen Deutschlands. Von da an erfreut sich der Handschuhmacherverband einer ruhigen Weiterentwickelung. Er überstand das Sozialistengesetz, und auch den Versuchen der preußischen Polizeibehörden, aus ihm einen„königlich preußischen Gewcrtverein" zu machen, wußte die VerbandSleitung, unterstützt von der Verwaltung deS Ortsvereins Berlin, geschickt zu entgehen. Bekanntlich schikanierte Puttkamer Ende der achtziger Jahre die deutsche Gewerkschaftsbewegung, indem er die Zentral- verbände, insofern sie in Preußen Zahlstellen eingerichtet hatten, zwingen wollte, sich dem Gesetze über die Versicherungsanstalten vom 17. Mai 1853 anzupassen. Als solche bedurften d,e Gewerk- schaften der staatlichen Genehmigung, waren der behördlichen Kon- trolle und Aufsicht unterworfen, sie mußten den Sitz der Organi- sation nach Preußen verlchen und so der Dinge mehr, welche die Bewegungsfreiheit und Selbständigkeit zu vernichten geeignet waren. Irren wir nicht, so sind außer den Buchdruckern nur noch die Kupferschmiede den Anforderungen des preußischen Polizeiministers nachgekommen, der Handschuhmachervcrband entrann ihnen. Zunächst galt es für die VerbandSleitung, Zeit zu gewinnen, um das Inkrafttreten der Verordnungen des Polizeipräsidiums hinauszuschieben. Diese Taktik hatte auch Erfolg, und P u t t» k a m e r konnte dem Verbände nichts mehr anhaben, nachdem au» dem Statut jede» llnterstützungs a n r e ch t gestrichen war. Aller- dingS versucktc die Berliner Polizei das UnterstützuiMrcglement von der Ortsverwaltung in Berlin herauszuspitzeln, doch hatten diese Bemühungen kein Resultat. So erschien beim Ortskassierer mehrmals eine feine Dame, die für ihren reichen Verwandten, der sich lebhaft für die humanen Bestrebungen deS Verbandes interessiere und gern ein pekuniäres Opfer bringen wolle, etwas Ge- schriebcnes über die UnterstützungSeinrichtungen bezw. da» gedruckte Reglement haben wollte. Da diese„Dame" immer wieder mit leeren Händen abgehen mußte, verzichtete sie ganz und gar. an dun zur Aushändigung bestimmten Termin wieder zu kommen. Jeden- falls ahnte sie, daß man fie bei ihrem Wiederkommen, wie kurzlich dem Pseudljgenossen, Kriminalschutzmann Dietrich, hinaus— photographiert hätte. Doch wie alles sein Ende hat, so auch die Herrlichkeit P u t t k a m e r s. Er flog, nachdem Bismarck, •) Die Glacehandschuhmacherei ist französischen Ursprungs, mit einem gewissen Stolz darauf wählte man diesen Titel, sein Herr und Gebieter, samt seiner Gewaltpolitik durch das auf- strebende Proletariat zu Falle gebracht war. Soviel aus der Geschichte des HandschuhmachervcrbandeS, dis sicher dazu beitragen wird, das Interesse an der Tagung dieser den modernen Riescngewerkschaften gegenüber nur kleinen Or- ganisation z« uhoyen« Versammlungen. Metallarbeiterverbanb. Tic Generalversammlung der Ver- Ivaltungsstelle Berlin, welche am Montag in der Brauerei Friedrichs- Hain tagte, nahm zunächst den Kassenbericht für daS erste Viertel- jähr entgegen. Tie Abrechnung der Hauptkasse schließt in Einnahme und Ausgabe mit 532 634 M. Unter den AuSgabc?i befinden sich folgende Posten für Unt»rstützung«n-' Umzug 1605 M., Reise- geld 3408 M., Krankhckt 115 063 M., AlSeilSiosigkeit 126 024 M.. Streiks 157 080 M.. Maßregelungen 37 003 M.. in Notfällen 1735 Mark, Sterbegeld 2740 M.. Rcchtssckmtz 16 0® M.— Die Abrechnung der Lokalkasse schließt mit 356 806 M. An Nii«erstiitzungen wurden ausgegeben an Durchreifende 419 M.. in RotfälX» 56 M., bei Streiks 44 877 M., bei Maßregelungen 0625 M.— Der».lassenbestand am Schluß des Vierteljahres betrug 130 155 M.— Nackie.em die Abrechnung gutgeheißen war, beschäftigte sich die Versammlung mit Anträgen an den Verbandstag. Ein von zwei Mitgliedern gestellter Antrag will eine andere Organisation der Ortsverwaltung. Zurzeit besteht eine engere, eine mittlere und eine erweiterte Ortsverwaltung, jede mit besonderen Obliegenheiten. Der Antrag befürwortet die Einführung einer einzigen aus 36 Mitgliedern bestehenden Ortsverwaltung. Nach längerer Diskussion wurde der Antrag abgelehnt.— Gegenwärtig haben die Verwaltungsstellen mit mehr als 3000 Mitgliedern das Recht, über Lohnbewegungen selbständig zu entscheiden. Sie sind nur verpflichtet, dem Vorstands Mitteilung von dahingehenden Beschlüssen zu machen, während die Lohnbewegungen der kleineren Zahlstellen der Genehmigung des Hauptvorstandes bedürfen. Anträge, welche sich gegen die Selb- ständigkeit der größeren Verwaltungen richten, beschäftigten schon den vorigen- Verbandstag. Auch für diesen Verbandstag liegen dahingehende Anträge vor vom Hauptvorstand sowie von den Ver- waltungen Bochum, Nürnberg und Vegesack. Die Versammlung nahm hierzu ohne Debatte folgende Resolution einstimmig an: „Die Generalversammlung wendet sich ganz entschieden gegen den Versuch des Vorstandes, die Rechte der Verwaltungsstelle Berlin einzuschränken. Die Generalversammlung erblickt in dieser immer wiederkehrenden Beunruhigung der Mitglieder eine die EntWicke» lung der Organisation hemmende Tätigkeit. Wenn auch die Vor- cingenommenheit gegen Berlin groß sein mag, so darf es doch nicht so weit gehen, daß die Existenz der Verwaltungsstelle Berlin ge- fährdtt wird.— Die Berliner Mitglieder erwarten ans daS bestimmteste die Ablehnung der diesbezüglichen Anträge." Zcntralverband der Handels-, Transport- und Verkehrs» arbetter. Die Verwaltung II hielt am Montag ihre General- Versammlung in den Musikersälen, Kaiser Wilhclmstraße, ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrten die Anwesenden das Andenken von 23 Kollegen, welche im Laufe des 1. Quartals ver- storben sind. Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen durch den Bevollmächtigten gab der Kassierer S t e i n i ck e einige Er- läuterungen zu dem Kassenbericht, welcher den Anwesenden gedruckt vorlag. Nach demselben stellt sich die Gesamteinnahme auf 122 101,42 M.(inkl. eines örtlichen Kassenbestande» von 37 444,05 Mark vom 1. Januar 1907). Die Gesamtausgabe betrug 87 713,67 Mark. An die Hauptkasse wurden 62 311,25 M. abgeliefert. Ferner erhielt die Hauptkasse aus dem örtlichen Kassenbestand 2000 M. al» Zuschuß für den Streit der Möbeltransportarbeiter zugewiesen. Sic in icke wies in seinen Ausführungen darauf hin, daß der Kassenbericht nicht da» erfreuliche Bild zeige, wie die letzten Quartale im Jahre 1906. Die Ursache sei zunächst darin zu finden, daß durch den Anschluß deS Vereins Berliner Hausdiener und des Vereins der Droschkenführer ungefähr 2756 Mitglieder an deren Verwaltungen abgetreten werden mutzten. Darauf sei cS Haupt- sächlich zurückzuführen, daß in diesem Quartal 16000 Wochen weniger an Beiträgen bei der Verwaltung II eingingen. Es sei aber zu hoffen, daß durch die zahlreich eingehenden Neuaufnahmen die Lücke, welche die abgetretenen Mitglieder hinterließen, bald wieder ausgefüllt fein wird. Zurzeit zählt die Verwaltung II 20 444 Mitglieder, darunter 1031 weibliche. Den Arbeitsnachweis- bericht erläutert W a k l a w i a k. Der Nachweis wird seit 1. Januar von allen vier Verwaltungsstellen gemeinsam unterhalten. Die Abteilung für Hausdiener und Packer befindet sich Alte Leipzigerstr. 1, während für die Kutscher, Transport- und Lager- arbeit« der Nachweis sich im GcwcrlschaftShaus befindet. Außer- dem befindet sich noch eine Filiale in Rixdorf. ebenfalls für Kutscher. E« wurde konstatiert, daß sich der Arbeitsnachweis eines sehr guten Zuspruches feiten» der Unternehmer erfreue. Wegen Strcikbruch beim Möbeltransport-, Speichcrarbeit«- und Leiter- gerüstbauer-Streit wurden sodann noch 10 Mitglieder aus dem Verbände ausgeschlossen. Tie Zahlstelle Verlin de» Buchbinderverbandcs hielt am Mittwoch im GcwcrkschaftShause eine außerordentliche General» Versammlung ab, die zur Ausstellung der Kandidaten und zur Be- rntung der Anträge zum 10. Verbandstag einberufen war, der in Nürnberg stattfindet und am 24. Juni beginnt. Der Vorsitzende Klar verlas die von den Branchcnversammlüngen nominierten Kandidaten, und cS fand dann' eine längere Aussprache statt. Die Kandtdatenlsste enthielt schließlich 84 Namen, wozu noch die Vor- schlüge von Rathenow kommen, daS mit Berlin den 1. Wahlbezirk des Verbände» bildet. Zu wählen sind 17 Delegierte. Die Wahlen finden am 1. Juni abends von 5 bi» 10 Uhr statt, und zwar in folgenden Lokalen für die betreffenden Stadtbezirke: Süd-Westen: Lindenstr. 3, 2. Hof bei Schmidt; Süd-Osten: im GewerkschaftL- hause, Saal l; Nord-Osten: Weinstr. 11 bei Feind; Norden: Lindowerstr. 26 bei Sachs. Die Wahlen werden durch Stimm- zettel vorgenommen. DaS Mitgliedsbuch dient als Legitimation. Die Auszählung der Stimmen erfolgt am 2. Juni. Die Wahl wird durch Wahlkommissionen geleitet, die aus je 5 Mitgliedern bestehen sollen. Es hatten sich bereits 20 Mitglieder bereit er- klart, die Wablkommisstonen zu bilden. Die Versammlung be- schloß, daß, falls zum Wahltage die Kommissionen nicht vollzählig sind, die Fehlenden aus den Reihen der Arbeitslosen zu ergänzen find. Die Entschädigung der Wahlkomiqissionsmitgliedcr wurde auf 6 M. festgesetzt, die der Revisoren, die bei der Auszählung der Stimmen und der Feststellung des Resultat» anwesend zu sein haben, auf 3 M. Zu den VerbandStagsanträgcn gab Brückner Bericht über die Vorberatungcn der Kommission. ES wurde sodann über einen Teil der Anträge beraten und abgestimmt. Bald zeigte eS sich jedoch. daß die Zeit nicht ausreichte, um mit sämtlichen 230 Anträgen fertig zu werden, weshalb die Versammlung beschloß, die übrigen Antrage den Delegierten zur Beratung zu überweisen. Lingegangene Oruchrchriften. .März-, HalSinonatSschrift für deutsche Kultur Herausgeber: L. Thoma. H. Hesse, A. Langen, K Ära«. Zweile» Machest 1R17. Preis ifiO M., Öuarial(6 Hefte) 6 M. Verlag von Albert Langen in München. »Der Ardeitsmarkt", Nr. IS. Halbmonatsschrist der Zentralstelle für Arbeitsmarklberichte(Herausgeber Prof. Dr. J. Jastrow, Verl!», Verlag von Georg Reimer. Berlin Vf. 35.) Zehnter Bericht de« GewertschastSkartell« und 7. Bericht des Arbeiter. GekretarlatS von Hamburg.Altona 1906. L00 Seiten. Selbstverlag. Eine Hinrichtung. Gerechtigkeit ober Barbarel? Don!l!ccht«anwalt Dr. DanieleÄcz. Pr-l« 50 Pf. Verlag: H. Walthcr, Berlin IV. 30. Fachblatt für Holzarbeiter. Hcst 5 des zweiten Jahrgangs, Mal 1001. Herar.sgegcben vom Deutschen HolzarbeUer-Aerband, Stultaart. (Vierteljährlich 1 M., monatlich l Hcst.) . Giuiard Goldbeck, Deutschlands Sukunft— die Nattonaldemokratt« Sr. Rotbbarth, Leipzig. 1 M. r HERMANN UETZ LEIPZIGER STRASSE DleSO Woche,»weit t» Vorrat reicht: ALEXANDERPLATZ GROSSER VERkÄUF IM LlOHTHOF �-- V.'-' 1------''-'1 1 L 1—-1'-*'— t � wi..I.'»..- � V�sscÄstorre Cl�ikkon deäruekt ms"..8ro:s",.Mo~" 45 60 75 90« Grosse Posten Waschstoffe ganz bedeutend unter Preis. duftiges Gewebe, moderne Muster I I I. I. Mtr. Organdy bedruckt in sehr grosser moderner Muster-Auswahl, Diusenzeiir früherer Wert bis 1.45.......... Mtr. TD �1.!«4- in feinen Qualitäten für Blusen und Oberheraden Dausi-l ertdl früherer Wert bis 70 Pf................ Mtr. Gestr. Kleiderleinen 1 ,Ko!"hM.'.Ui"!n: Baumwollen- Mousseline in grösster Musterauswahl Mtr. 45 60 75 35 45 60 35 45« 70 95« r 30 45 55 pf. pf. 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Kur die Gewinne Uber NO Mark sind den bstrefleadea C Nummern in Klammern beigefllgt, (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verbotea.} 230 317 457 512 38 623 1101 267 883 630[300] 94 829 2187 292 343 854 82 3118 330 423 514 956 57 4184 490 517 620[500] 83 711 32[ 600] 977 5 117[ 5000] 398 578 607 813 6291 98 448[600] 607 18 835 89 7089 92 17« 624[500] 8155[500] 211 507 841[500] 907 9025 252 78[600] 879 628 773 808 11 935 10145 266 352 486 511 629 825 92{600] 11062 150 800 69 84 461 612 719 66 898 1 2449 63 598 827 49 65 1 3082 [500] 588 617 790 988 1 4111 396[508] 566«27 908 15060 223 1 6110 74[500] 341 431 537 611 HOO«] 19 717 45 800 67 [30001 17023 359«4 42« 34 509 895 972 1 8146«07[3000] 802 1 9506 469 77 97 549 56 655 88 760 858 907 20057[500] 151 232 954 57 628 818 978 2 1 038 106 79 979 653 840[1000] 979 22014 366 899 93 935 51[500] 23119 229 97 549 709 840 030 89 2 4850 2 5012 57 924 89 699 701 63 95 2 6048 86[500] 86 92 111 43 48 88 939 683 986 27064 93 196 429 821 26 98 86 2 8067 391 402 796 923 2901'[900] 412 608[500] 733 898 30075[1000] 423 31226[900] 99« 491 788 3 2807 89 99 783 951[3000] 74 33661 760 958 34561[5000] 75[500] 35164 231 371 43«[500] 77 713 929[500] 33 4 7 3 6105 96 438 37 38 53 698 89 96 875 3 7131 53 300 3 8099 233 828 68 844 85 39118 112 320 468 663 82 920 95[ 3000) 40282 436 644 48[3000] 66 633 30 781 4 1 060 300 483 830 90 42184 473 609 789»53 4 3 383 303[5000] 449 592[10001 997 727[1000] 837 934[1000] 44051[500] 135 256[1000] 369 40»«27 51 63 83 4 4 5 271 312 491[800] 758 828 80 46064[8000] 11««7 71 968 47122 113 490 718 77 855[1000] 68 4 8033 73 831 41[800] 617 53 718 980 4 9025 137 502 640 727 61 59020 81[600] 128[600] 414 635 621[500] 23 763 830 5 1 283 374 447 48[690] 72 864«46 5 2192 365 95 308 662 765 860 84 5 3 061 230 600 671 864«8 54039 1500] 94 100 29 274 438 902 5 5356[3000] 460 84 86 503 665[ 3000] 68 [30001 93 917 48 5 6053 54 262 75 875 685 67 794 924 4» [3000] 67040 214 857 75 469[600] 73 825 58:23[500] 97 908 473 588»4 990 67 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(Ohne Gewähr.)(Nachdruck r erboten.) 2 78 97 223 521 70 606 43 765[500] 916 1 294 522[8000] 672 723 884 970 2037 81[500] 121 401 2 66 565 891 3225 58 [1000] 402 43 66 559 038 972 4113 6 4 513 937 5 222 31 396 501 552 739 814 6091 457 629 7134 264[500] 318 503 4 76 871 96 8388 786 9238 555[1000] 654 59 793 915 10355 510 20 759 90 622 70 11075 100 23 288 566 743 80 80 843 1 2001 82[ 3000] 382 424 512 83[500] 771 13129 91 221 366 413[9000] 608 18 722 69 99 991 14048 252 956 54«[500] 795 882 IS095 101 224 955 495 65[500[ 630 779 94 938 1 6124 283 457 643 64 608 1 7274 338 418 613 73 99 782 835 48 946 1 8435 512 82 873 906[lOOU] 19214[500] 522 811 43 26160 480 621 732 21094 385 462 620 69 BS 798 826 900 22049[ 3000] 441 675[10 000] 913 83 2 3 09« 337 533 «43 732 2 4129 421 636 034 66 2 5376 762 863 2 6130 299 475 579 647 50[3000] 884 91 2 7 408 99 605 87 745 6« 905 79 2 8036 86 510 31[3000] 821[5000] 954[600] 29198 654 941 961 3O100 91«37[8000] 519 646 702 78 801 923 32 3 1 805 «6 899[ 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24O022[3000] 723 849[500] 72 2 4 1061 891 512 864 2 42199 448 75 513 606 965 2 4 3066 85 191 265 533 888 08 909«5 244176 230[500] 360 785 93 245103«6 493 633[500] 41 775[500] 807 10[3000] 24 6067 214 336 49 62 420 64 660 6.30 82[1000] 829 2 4 7024 89 272 455 «18 75 248134[1000] 47 236 863 829[500] 94[3000] 952 249048[3000] 57 150 204[1000] 8 37 559[600] 73 [500]«44 25O0I0 48 288 472 689 797 65 95 979 2 5 1 067 24» 940 471«SO[1000] 715»4 252066 172 277 356 498 8,6 »95[SOOO]£5 3010 106 287[1009] 345 591 603 753 254088 106 55« 887 255076 III 05 81[500] 515 753 891[500] 956 2 5 6026 131 439 563 070 70« 15 849»55 257183 243 51« 55 729 258105 93 259162 551[500] 820 932 36[500] 2 6 0306 22 32 467«50[590] Sil 935 47[80 000] 2610»!«2 751 874 711 88 850 2 6 2033 142 215 470 70 «30»40 2 6 3007 162 476 93 892 9Ü1[500] 264037 92 126 400 46 707 950 67 2 65183 210 51 6« 855 98 780 75 80« 2ö6"2n 81 148 81 82 217[1000] 532 761 888 93 26707« 146 292 853 77 532 605[500] 71« 55 815 26[800] 26SI27 SO 60 317 451 52 504 877 2 6 9203 304 40 591 [5001«10 880[1000] 270216 CO 390 461 678 987 27 1 250 963 543 81«M [6001 77 953 27200« 54 184 421 711 27 3202 153 274140 336 616 SO 27 5004 74 196 213 501(87 730 80» 9 52 55 2 7 6100 250 84.309 559 621 340 46 7« DT 277029 68 238 llOOO] 57[500] 849 928[500] 50[500] 61 [1000] 278146 97 236 621 35 776 73»90 279090[äOOl 158 200 514 614 65 885 995 280146 SU 38 453 769[590] 281109 18[1000] 290 «55 754 813 2 82148 627 763 809 2 S310S 571«37 4» 72 972 2 8 4(01 350 852«65 2 8 5044 3 8 79 1509] 81 46» 517 074 84[3000] 703 2 8 6103 53 2 8 7066 203 73 4ei 08» 92 Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für de, Inseratenteil verantw.: Th. GUcke. Berlin. Druck u. B erlag: BorwärtD»nchdrnckcrei u. BerlagSanstalt Po»! Singer& Co., Berlin SW, April April Zunahme+ 1906 1907 Abnahme—. M. M. Prozent 173 187+ 8,0 157 172 4- 9,5 153 164+ 7,2 Hafer..... 162 180+ 11,1 Gelbe Kocherbsen. 233 243+ 4.2 Weiße Speisebohnen 340 311— 8,4 Linsen..... 510 575+ 12,7 Ehkartoffeln... 46,9 63,9+ 36.2 Rindfleisch.... 1202 1276+ 6,1 Also nur bei Speisebohnen, die für den Gesamtmarkt von nur unter- geordneter Bedeutung sind, ergibt sich ein Preisnachlaß, bei allen übrigen Produkten ein weiteres Hinaufgehen. Seit April sind die Getreidepreise weiter fortgesetzt gestiegen. Diese Preisanspannungcn werden sich bald auch im Kleinhandel unangenehm bemerkbar machen, der im April noch etwas unter dem Einfluß der Preis- abschwächung im Beginn des Jahres stand. Die Veränderung von April 1906 zu April 1907 veranschaulicht die folgende Zusammen- stellung: Es kostete im Kleinhandel per 1 Kilogramm Rindfleisch von der Keule „ vom Bauch. Schweinefleisch.... Kalbfleisch...... Hammelfleisch.... Geräuch. inländ. Speck. Eßbutter...... Inland. Schweineschmalz Weizenmehl..... Roggenmehl..... Eier per Schock.... Neben dem Preisrückgang bei Schweinefleisch und Schmalz ist nur noch ein minimales Abschwächen der Preise bei Kalbfleisch, bei Butter und Eiern zu konstatieren. Die Preise für Rind- und Hammelfleisch haben ganz fühlbar angezogen und auch bei Mehl für Spcisezubereitung hat schon ein Anziehen begonnen, das sich in der nächsten Zeit verschärst fortsetzen wird. Ein Bild davon können die Preiserhöhungen im Börsenverkehr geben. Am 17. Mai standen höher gegen 6. Mai: Weizen, Juli: New Dork um 16 Proz., Chi- cago um 18 Proz., Berlin 4% Proz.; Roggen, Juli: Berlin um 7 Proz. Solche EntWickelung eröffnet Aussichten, die es dem Ar- bciter zur Pflicht machen, zur Sicherung seiner Lebenshaltung die entsprechende Lohnerhöhung zu erlangen. D. im Großhandel 1000 Kg. Weizen.... Roggen.... April April Zunahme+ 1906 1907 Abnahme— in Pfennigen Prozent 157 162 4- 3,2 134 138+ 3,0 172 142— 17,4 164 163— 0,6 156 162+ 3,8 190 169— 11,0 248 244— 1,6 181 165— 8,8 Hochmoderne, tadellose aus erstklassigen deutschen u. englischen Erzeugnissen Sauberste Ausführung Kleidsamste Fasson« yr DiebestcQualitätJemals erreicht, nach welcher alle anderen Cigaretten beurteilt werden, besitzen ein unentbehrlicher Ratgeber beim Einkauf von Herren- und Knaben-Kleidung, wird auf Wunsch kostenlos und portofrei zugesandt. Oerselbe enthält neueste, teilvreise kSnst- - lerisch ausgeführte Moden 1907.— CIGARETTEN Sie repräsentieren das höchst erreichbare in Cigaretten. 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Es empfiehlt sich freundlichst Telephon: Amt Köpenick 67. Zg. f l»ie(ll.*lCllS. iiMiä. 24.i, 3. KtillM des Jöniils" KÄm jlotelilatt. s.lm.-,ls.U°i.M. Nur bcii Jiidnli der Jnjeraie Uberiiiiiiiiit die Redaktion dem vublitiim nefteiiüber keinerlei Arianimortnn«. da dieselbe €heater. Sonntag den 19. Mai. Freie Bolköbiihnc. Nachmittag» 3 Uhr. S. und 4. Abteilung. Berliner Theater: Der Richter von Zalamea. 10. und 11. Abteilung im Neuen Schauspielhaut: Paracclsus. Di« letzten MaSken. Da» Fest des Sankt Matern. Montag, 2. Feiertag: 12. und 13. Abteilung ebenda Vorstellung. Nene freie Volksbühne mittags 3 Uhr: 13. Abteilung im Neuen Theater: Dämonen. Nachm. S>/, Uhr: 3. Abtcllung im Deutschen Theater: Der Revisor. Montag, den 20. Mai, nachm. 3 Uhr: 18. Abteilung im Neuen Theater: Dämonen. Nachm. 2',, Uhr: 17. Abteilung im Deutschen Theater: Der Revisor. Anfang Vi, Uhr. ttgl. Opernhaus. Das Rheingold. Montag: Die Walküre.(Anlang 7 Uhr.) Dienstag: Salome. mg 8 Uhr/ Sgl. Schauspielhans. WallenstelnS Tod. Montag: Die Rabenfteineria. Dienstag: Kiew Dorit. Neues kgl. Operntheater. 1001 Nacht. NachmitagS 3 Uhr: Die Fleder- maus. Montag: Die Geisha. Nachmittags 3 Uhr: Der Zigeuner- baron. Dienstag: Die Fledermaus. iDeutschc». Robert und Bertram. Kammersptele. Aglavaine und Eelysette.(Anfang 8 Uhr.) Montag: Stöbert und Bertram. Äammerspiele. Frühlings Erwachen.(Ansang S Uhr.) Dienstag: Robert und Bertram. Kammerspiel«. Frühlings Erwachen.(Ansang 8 Uhr.) Slnsang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Hopfen- rathS Erben. Montag: Dieselbe Vorstellung. DienStag: Dieselbe Borstellung. Schiller O.(Wallner. Theater.) Cyprienne. Nachmittags 3 Uhr: Heimat. Montag: Ein Fallissement. Nachmittag« 3 Uhr: Zaplenstreich. DienStag: Moloch. Der zerbrochene Krug. SchtUer-rheater Eharlottenburg. Jugend. Nachmittags 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Montag: Monna vanna. Nachmittags 3 Uhr: Kabale und Liebe. DienStag: Heimat. Schiller JN.(Friedrich Wilhelm- städtische« Theater.) Am grünen Nachmittags 3 Uhr: Der Famllien- tag. Montag: Am grünen Weg. Nachmittag« 3 Uhr: Jugend. DienStag: Am grünen Weg. Berliner. Shcrlock HolmeS. Montag: Der Hund von vaSler- ville. DienStag: Shcrlock Holme«. Lessing. Zigeunerbaron. Montag: Dieselbe Vorstellung. DienStag: Der Bettelgraf. Zentral. Das Mädchen au» dem Nachtcass. Montag und DtenStag: Dieselbe Vorstellung. Kleines. Marcell Salzer. Nachmittags 3 Uhr: Ein idealer Gatte. Montag: Marcell Salzer. Rachmiliags 3 Uhr: Ein idealer Gatte. Nene». Der Dieb. Montag und DienStag: Dieselbe Vorstellung. Lorhtng. Die Fledermau». Nachmittags 3 Uhr: Ftdelio. Montag: Der Wildschütz. DienStag: Der Mikado. Nrsidenz. Haben Sie nicht»«u verzollen? Montag und DienStag: Dieselbe Vorsiellung. Lnstspielliiiii«. Husarcnficber. Nachmittags 3 Uhr: Unsere Käte. Montag: Husarensteber. Nachmittags 3 Uhr: Der Weg zur Hölle. DienStag: Husarenfieber. Thalia. Wo me Liebe hinsällt. Nachmittag«»'s, Uhr: Charley» Tante. Montag: Wo dl« Liebe HInsSM. Nachmittags 3 Uhr: Der Hoch. tourist. DienStag: Wo die Liebe hinsällt. Lniicn. Das Mädchen ohne Ehre. Nachmittags 3 Uhr: Die Wats« au» Lowood.._ Montag: Das Mädchen ohne Ehre. Nachmittags 3 Uhr: Die Räuber. DienStag: Das Mädchen ohne Ehre. Tri an o,i. Frl. Jojette— meine Frau.___„ Montag und Dienstag: Dieselbe Vorstellung. Bernhard Rose. Im Rausche deS Lebens. Nachmittags 4 Uhr: Fluch de» GoideS. Montag uns Dienstag: Im Rausche de» Leben». Mmopol. Der Teufel lacht dazu. Montag und DienStag: Dieselbe Vorstellung. Bcbr. Herrnfcld. ES lebe daS Nachttcbcn. Vorher: Die Welt ged: u»tcr. Montag und DienStag: Dtcsclde Lorslelluna. Wiutergarirn. I* Tortajada. Speziaiitäten..„ Montag und DienStag: Dieselbe Borstellung. Slpoll». Der lustige Witwer. SPe- zialitätcn. Montag und DienStag: Dieselbe Vorstellung. Kasino. Heirat aus Probe. Spezia. litäten. Nachmittags 4 Uhr: Traum der Rose. Singvögelchen. Montag und Dienstag: Heirat aus Probe. Walhalla. Der grüne Teufel. Spezialitäten. Monlag und DienStag: Dieselbe Vorstellung. Passage. Svezialltäten. Montag und DienStag: Dieselbe Vorstellung. Netchohallen. Stettiner Sänger. Montag und DienStag: Dieselbe Vorstellung. llraiii». T»»t>e»siraho 4�/41). AbcndS 8 Uhr: Durch Dänemark und Südschweden. Nachmittags 4 Uhr:«m Golf von Neapel. Montag: Durch Dänemark und Südschweden. Nachmittags 4 Uhr: Tterlcben in der WiloniS. Dienstag: Durch Dänemarl und Südschweden. Nachmittags 4 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. Sternwarte, Jnvalidenllr. 57sS2. rerdintu»«! Bonn« Berliner Theater. Ansang 8 Uhr. Shcrlock ftohneö Montag: Der Hund von Baskerville. • DienStag, Mittwoch: Sherlock HolmeS._ Neues Schauspielhaus Psingstsonntag, den 19. Mai 1907: Hopfenraths Erben. Psingstmontag: Hopfenraths Erben. Dienstag: Hopsenrats Erben. _ Ansang 8 Uhr. Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Der Dieb. Morgen und folgende Tage: Der Dieb. Nleines Theater. Sonntag und Montag nachm. 3 Uhr: Et» idealer Gatte. Abends 8's, Uhr: Der Unverschämte. Hieraus: Marcell Salzer. Zum Schluh: Die Hasenpfote. Montag, Dienstag und jolgende Tag«: MareeU Salzer._ lortzingTheätetv Bellealliancestr. 7/8. Nachm. 3 Uhr: Fldello. Abends 8 Uhr: Die Fledermaus. Montag: Der Wildschütz. Abonnements ungülltg l Dienstag: Der Mikado. Bellcalliance-Gartcn: Tägliche eilta-VariStb-Voeatellinig. Schiller- Schüler-Theater 0.(Wallner-Tbcater). Sonntag, nach m. 3 Uhr: Heimat. Schauspiel in 4 Alten von Hermann Sudermann. Sonntag. abendS 8 Uhr: OA'pelena«. Lustspiel in 5 l'lufj. v. V. Sardon u. E. de Najcc. Bühnenb. v.O.BIumenthal. Montag nachm. 3 Uhr: SlaNfenstrelel». Montag, abends 8 Uhr: Flu'Fallissement. Dienstag, abends 8 Uhr: Moloch.— Oer zerbrochene Krug. Theater. Schiller-Theater Charloltenburg. Sonntag, nachm. 3 U b r: Hie JurjjJ ran von Orleans. Eine romantische Tragödie in einem Vorspiel u. 5 Alten v. Fricdr. Schiller. Sonntag, a b e n d s 8 U h r Jngcnd. Ein Liebesdrnma in 3 Auszügen von Max Halbe. Montag nachm. 3 Uhr: Halmle nnd Hebe. Montag, abends 3 Uhr: Henna Vanna. DienStag, abends 8 Uhr Heimat. Lustspielhaus, Nachm. 3 Uhr: Unsere Käte. Sommerpreise. Abend» 8 Uhr: Husarenflebe»-. Montag nachm. 3 Uhr: Der Weg zur Hölle. 8Uhr: Hnsareufieber. Sommerpreise. Dienstag 8 Uhr: Hnfarenficbrr. Sonimerpreile._ Sehlller-Tliealer H. Friedrlch-Wllhelmstldtitches Theater. Nachm. 3 Uhr: Der Familientag. Abends 8 Uhr: Zlm grünen Weg. Montag nachm. 3 Uhr: Jugend. Abends 8 Uhr: Am grünen Weg. Sommcrpreise. Dienstag abend 8 Uhr: Am grünen Weg. Sommcrpreise. Zentral-Theater. Gesamtgastspiel des Ernst Drucker« Tbcaters. Täglich 8 Uhr: DaS Mädchen ans dem Nacht-Cafs. Direktion Richard Alexander. Heute nnd solgende Tage 3 Uhr: llsben 8!« nicltts zu verzollen? Schwant in 3 Akten v. M. Hennequin _ und P. Veber. IlliLöll-IllgSlks Rcicheubcrgerstr. 34. Nachmittag« 3 Uhr: Die Waise ans Fowood. Abends 8 Uhr: Das Miidcheu ohne Ehre. �Psingstmontag nachmiitag» 3 Uhr: Alle Abende: Da» Mädchen ohne Ehr«. W. Hoacks Thealer. Direktion: Rod. Olli, vriiiinenstr. le. Au allen drei Psingstseiertagen im heirlich renovierten Garten: Grosse Nestvorstellungen! Konzert, Theater, Spezialitäten. 8'/, Uhr: Die goldene Insel. Gr. Ausstattungsstück m. Ges. u.Tan,. Bei schlechtem Wetter: Vorst, im Lssl. Lastans panasilieum, ISS, tti°li,i°lÄ,. ISS. Heine Hlnslvn: gas lebende Nimder Miß Gabrielle Ohne Unterkörper geboren! Kein Extra s Entree!== MWMIIM fsriuilsnrlcrstr. 132. Sonntag, den 19. Mai und Montag, den 20. Mai: Frlihvorsteilung m. Konzert Ansang 5'/, Uhr. Nachmittags 4 Uhr im Garten: Spezialitäten und Theatervorstellung. Der Fluch des GoldcS. Gartenpreise.— Abends 8 Uhr im Theater: Im Rausch des Lebens. Sommcrpreise. Dienstag nachm. 4 Uhr: Spcziali- täten. Der Finch des Goldes. Abends 8 Uhr im Theater: Im Rausch des Lebens._ Metropol-Theater Anfang: 8 Uhr. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. DiriRontMax Eoth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Rauchen überall gestattet. Ö'/, Uhr. Allabendlich: 9'/, Uhr. Nie dagewesener Lacherfolg! sr-Hartsteim-w mit seiner tollen Burleske: Der lustige Wittver. 1. Bild: Das letzte Mal. 2. Bild: Die Folgen davon. Vorhdr 8 Uhr: Bedeutende Spcziali- täten m. Marians Bnuern-Hnndc- theater. Neues Programm. Gebr. Herrnfeld- Ansang Thoatan Vorverk. 8 Uhr. lutJiUci 11.2 Uhr 57 Kommaudantenstratze 57. Täglich: Es lebe das Nachtleben! Folgen einer Separäe- Affäre in 2 Akten von Anton und Donat Herrnscld aer mit de» Autoren"VW gor in den Hauptrollen. Vorher: Neu bearbeitet: Die Welt geht anter! Schwank in einem Auszug von Anton«. Donat Hcrrnseld. ..»!,) Theater lebender Photographien. Der Untergang des Dampfers ,, Berlin". 158 Tote, 12 Gerettete. ♦ Den ganzen Tag V omeüung. ♦ Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: OiirebßäBeBiäfhBilSIliiseliweileB. Berliner Aparmm Unter den Linden G8a Eingang Sohadow-Straße No. 14. An den drei Feiertagen Eintrittspreis ZW- 50 Pf.-HW Reichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, Reptilien etc._ 38/12 OOIOCISCHER Am 1-, 2. u. 3. Pfingstfeiertag; Eintritt 60 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Am 1. und 2. Feiertag 6 Uhr frtlh Große Militär-FpiMonzerte ausgeführt von 3 Kapellen. An allen drei Feiertagen ab. 4 Uhr nachmittags; iGr. Militärkonzert ausgeführt von 3 Kapellen, i ' Die Wagen der Gr. Berl] [ Straßenbahn verkehren be-( reits ab 5 Uhr früh auf allen zum Gartenführe ndenl.inien desgl. die Züge der Stadt-( bahn und Hochbahn. Brunnen-Theater Badstratze 58. Direkt.: ßernh. Rose. An den drei Pfingstseicrtagen: dZartea-Hsmeert. Theater und 8pczialittttcn. Hoschkaly-Truppe, Pantomime: Der Spuck im GefäitgniS. Im Flnge dnrth die Welt. AnSstaltungS-VollSstück in 6 Bildern. Sröstnuiig 2 Uhr. Ansang 41/, Uhr. Am 1. u. 2. Pfingstseicrtag: Friih- konzert. Ansang 5 Uhr. Am 2. und 3. Feiertag: Grober Hall. 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Nach Teupitz, Tornows Idyll, Abf. 7 Uhr vorm., hin und zurück 2 M. 2. Nach WolterSdorfer Schleufe. Krampenburg, ZiegcnhalS und Nene Mühle, Abfahrt 9 Uhr. hin und zurück l M. 3. Promenadenfahrt nach dem Müggelse« mit Kaffeepause, Abfahrt 2 Uhr no�nittag», hin und zurück 60 Ps. 4. NM Hantets Ablage, Abfahrt 2'/, Uhr nachm., einfache Fahrt 50 Pf. Am 3. Feiertag: X. Nach Teupitz, Tornow» Idyll, Abs. 7'/, Uhr vorm., hin n. zurück 2 M. 2. Nach WoltcrSd. Schleuse, Abf. 8 Uhr vorm. M. 21/1 Uhr nachm.) Hin und 3. Nach Krampenburg, Abf. 9'/« Uhr vorm. u. 2�/, Uhr nachm.\ zurück 75, 4. Nach Neue Mühle, Abfahrt 10 Uhr vormittags. 1 eins..60 Pf. Abfahrt von CafS SUsen>/, Stmide später. 4S2LL' ttr hrih Jalonste Arbeiter. Mittwoch, den 32. Mai, bei Mühle, Mariannenstr. 41: Veilrausosmänner-Sitzung. Sämtliche 2TerIstrllcn müssen vertreten sein«"'SB der wichtigen Tagesordnung wegen. Ter Obmann Srsneksn- Versammlung bei Schmidt. Gartenstrassc»> Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Genossen ltelikvlii. 2. Tas Ende der Ans- sperrung. ö. Lranchcnangclegenheiten und Verschiedenes. Achtung! Ködkülkgtt llilll Kchner. Mittwoch, de» Lü. Mai. abends 8 llhr: 0 !> W«» bei Stiimer. Siemensstrasse Z. Hierzu find die Kollegen der Firma Elbinger eingeladen. Erscheinen unbedingt n titig. Die Kommission. Maschinenarbeiter. Donnerstag, de» 23. Mai, abends 8 Uhr: Sranehen- Versammlung Tages-Ordnung: 1. Unsere Aufgaben»ach der Aussperrung. 2. Die Be- reiligung der Branche an derselben. »»»»»»��- Ohn« stlltgliedsbnch kein Zutritt. Die Bcrsammlung wird pünktlich eröffnet. In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Kollegen zu erscheinen. 86/15 Die Branchenkommission. ZW'"'»: Kautisch ler! Donnerstag, den 23. Mai, abends Sl!T Uhr: Vertrauensmänner- Versammlung bei Boeker. Weberstrastc Nr. 17. Tages-Ordnung: 1. Unsere gegenwärtige Lage und der Spruch des Einignngö- amtes. 2. Diskusfion.!Z. Bericht der Vranchcnkomniission. Die Kollegen werden ersucht, recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Mitgliedsbuch und Verlrauensmännerkarle legitimiert.— L. 31.; Karl Reiche. Arbeitsnachweis: BerwaltungSstelle Berlin. Hanptburean: Hos I. Sluit 3, 1239. CharilsslraBo 3. Hos III. Amt 3, 19S7. Die NtttmkttsiWtim- ioiifftf ii| für die Süden-Bezirke fällt in diesem Monat aus. li8/ig vis vrtsvervrsltuinx. Mittwoch, de» 2L. Mai 1907, abends 8 Uhr t Oeffcutliche Verfotninlung der Rohrer Kerlins and Umgegend bei Fritx Wllke, Brunnenstraste 188.—— Ta-ges-Ordnung: unsere Die Aussperrung im Bangewerbe und Stellung dazn. Es ist Pflicht eines jeden Rohrcrs, in dieser sür uns so wichtigen Per- sanunlung zu erscheinen.[290/12»] Der Borstand. ritt Zweigvercin Rcrlin. —— Sektion der«ips- und Zementbranche.— Kruppe: Rabitzputzer nnd Träger. Mittwoch, den 22. Mai. abends 8'/, Uhr. im Gewcrkschaftshause, Engcl-Ufer 15, Saal I: Mitglieder- Kersammlung. Tages-Ordnung: 1. Festsetzutig des Lokalzuschlages zu unserer neuen Beitragöklafse. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. NB. Laut Beschluß der letzten Glmppenvcrsainmliing vom 8. Mai d. I. soll in dieser Versammlung nochmals Stellung zur Beitragsfragc genommen werden. Pflicht eines jeden Kollegen ist es, zu erscheinen und sür einen guten Besuch der Versamiulmig zu agitieren. 139/16» Der Gruppenvorstand. Arbeiter, Parteigenossen des vierten Wahlkreises ---------- und von Boxhagcn-Rnmmelsburg!--------, Zur gefällige» Vcachtiing, daß ich Grünbergerstraste Nr. 8 ein| ssKK Zigarrengeschäft HGOH eröffnet habe. Als Spezialität führe S-,«- und 7-Pscnisig.Zigarren. Um geneigten Zuspruch bittet ?elltrs!'Verbaiu! äer Ifsursr SeütschWs. Zweigverein Berlin.— Sektion der Putzer. üolrlKLng! Putzer! Achtung! Am Zsunerstag, den 23. Mai, nachmittags 5 Wr, w frefers kesiskilen, - Koppcnstraste 29:- Mitglieder-Berfammlung. TageS-Ordnung: i. Die Aussperrung im Baugewerbe und unsere Stellungnahme hierzu. 2. Wahl einer Schlichwngskoinmission. 3. Verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, in dieser Versaiitiiilung zu erscheine». Mitgliedsbuch legitimiert: Ohne dasselbe kein Zutritt: _ Die»rtliche VerwaUnng. I. 81.: E. Schulze. Verband der baugewerbl. Hülfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin und Umgegend. ——— Bezirk Südwest.■ Achtung! Achtung! Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß die Kontrollstelle sür den Bezirk tticf|t im Lokale von Thomsen sich befindet, sondern verlegt ist nach dem Lokale von Itans Hilgert, Urbanstratze 7. Wir ersuchen unsere Mitglieder, hiervon Kenntnis zu nehmen. Alle Kollegen» welche in Berlin arbeiten und ihren Wohnsitz in den außerhalb Berlins liegenden Zweigvereinen haben, haben sich am Mittwochvormittag von 9 bis 12 Uhr im Gewerkschaftshausc, Engel-Ufer 13, Saal 3, z« melden. Spätere Meldungen können keine Berücksichtigung finden. 31/14 Tas Zentral-Stteikkomitee. __ I. A.: W. 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Neben dem gesteigerten Interesse an der Literatur über die Kolonien lenkten die mehrere Bühnen be- herrschenden Detektivstücke, die abenteuerliche Erscheinung des Hauptmanns von Köpenick die Wünsche der Leser auf Lektüre ähn- lichen Inhalts. Sie wurden nach Möglichkeit durch au t e Bücher, wie Dickens, Oliver Twist-Fontane, Quitt-Kleist, Michael Kohl- Haas befriedigt. Gesperrt wird die Straße»Am Weidendamm" von Prinz Louis Ferdinandftraße bis Prinz Friedrich Karlstraße mit Ausnahme des Kreuzdammes behufs Asphaltierung vom 22. dieses Monats ab. Arbriter-BildungSschule Berlin. Montag, den 20. Mai(zweiten Pfingstfeiertag) Familienausflug nach Hirfchgarten-RahnS- dorfer Mühle. Abfahrt des Zuges nach Hirschgarten vom Bahn- Hof Alexanderplatz vormittags 8,29, Jannowitzbrücke 8.81, Schlesischen Bahnhof 8,84. Treffpunkt für Nachzügler bis 10 Uhr vormittags Restaurant.Waldburg"(Inhaber W. Keller) am Bahn- Hof Hirschgarten. Von 12'/, Uhr mittags ab Gasthaus zur RahnS- dorfer Mühle(Jnh. A. Klemm) in Rahnsdorfer Mühle. Zahlreiche Beteiligung der Mitglieder nebst Angehörigen sowie Freunden der Schule wird erwartet. Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird der mit zahl- reichen farbigen Bildern ausgestattete Vortrag„Durch Dänemark und Südschweden, nordische Städte- und Landschastsbilder" in dieser Woche mit Ausnahme von Mittwoch allabendlich zur Dar- stellung gelangen. Am Mittwoch findet noch einmal eine Wieder- holung des dekorativen und szenischen Vortrags.Die Feuer- ? Gewalten der Erde" statt. Außerdem finden während der Schul- erien, also am Sonntag, Montag. Dienstag und Mittwoch Nach- mittagsvorstellungen zu kleinen Preisen statt und zwar wird am Sonntag und Mittwoch der Vortrag„Am Golf von Neapel", am Montag der Vortrag..Tierleben in der Wildnis" und am Dienstag der Vortrag.Im Lande der Mitternachtssonne" wiederholt werden. Auf der Treptow-Sternwarte spricht Dozent Jens Lützen am 1. Pfingstfeiertag, Sonntag, den 19. Mai, naclim. 6 Uhr über:„Die Wirkungen des Wassers auf der Erde", abends 7 Uhr über:„Der Himmel des Mondes."— Am Montag, 2. Pfingstfeiertag, wird um 6 Uhr der Vortrag:„Eine Wanderung durch die Sonnenwelt" und um 7 Uhr:„Ueber die Eiszeit" vorgeführt. Sämtliche Vorträge find mit zahlreichen Lichtbildern ausgestattet. Feuerwehrbericht. In der vorletzten Nacht hatte die Feuerwehr an mehreren Stellen längere Zeit zu tun. Unter anderem in der Koloniestr. 11, wo Klee, Stroh usw. auf einem Futterboden brann- ten und die Feuerwehr längere Zeit Wasser geben mußte, um die Gefahr für die Nachbarschaft, besonders die Stallungen, zu be- seitigen. Gleichzeitig mußte der 7. Zug einen größeren Brand in der Brombergerstr. 16 löschen, der durch die Selbstentzündung von Preßkohlen entstanden war. Drei Stunden später, um 2� Uhr nachts, wurde der 7. Zug zum zweiten Male dorthin alarmiert. Abermals brannten da eine Menge Preßkohlen und mußte wiederum kräftig Wasser gegeben werden. Ein ausgedehnter Wohnungsbrand beschäftigte den 7. Zug in der Löwcstr. 0. Bei Ankunft der Wehr standen dort Betten. Schränke, Türen, Hängeböden, Deckender- schalung, der Korridor, Kleider usw. in Flammen. ES gelang durch sofortige» Wassergeben den Brand auf die Wohnung zu beschränken. Gestern früh um 7zh Uhr kam in einer Tischlerei in der Büsching- straße 6' Feuer auS. Hölzer, Balkenlagen, der Fußboden und anderes waren schon von den Flammen ergriffen, sodatz auch hier tüchtig gespritzt werden mutzte. In einem Bäckereikeller in der Alvenslebenerstr. 17 war Fett in einem Kessel in Brand geraten. Die Flammen hatten Bretterverschläge ergriffen und bedrohten schon oaS Erdgeschoß, als die Feuerwehr erschien und eine weitere Ausdehnung verhinderte. Um 9 Uhr vormittags brannten Fidicin- straße 6 Balkenlagen, Schaldecken, Fußböden und anderes. Ein ähnlicher Brand mußte in der Zorndorferstr. 37 gelöscht werden. Ferner hatte die Wehr in der Boeckhstr. 6. Bergmannstr. 2, Lhchener- kratze 0 und an anderen Stellen zu tun. Vorort- INtadmcbten» Charlottenburst. Freie Volksbühne Charlottenburg. Die M a i Vorstellung findet für die I. A b t e i l u n g Sonnabend, den 26. Mai. für die II. A b. t e i l u n g Freitag, den 24. Mai, beide 8 Uhr abend», im Schillertheater Charlottenburg statt. Alle Marken müssen spätestens am Tage vor der Vorstellung geklebt sein, für die II. Abteilung also schon Donnerstag, den 23. Mai. Die Mitjzlieder werden aber dringend gebeten, nicht bis zum letzten Tage zu warten, Mariendorf-Südende. Ueber Kommunalwahlen und Sozialdemokratie referierte in einer am Dienstag stattgefundenen Kommunalwahlerversammlung Genosse G r o g e r. Rixdorf. Redner erläuterte die Aufgaben der sozialdemokratischen Gcmeindevertreter in der Kommune und wies auf die Notwendigkeit der Besserung der Schulverhaltnisse, sowie auf die Einführung freier Lehr» und Lernmittel für Minder- bemittelte, der GesundheitS-, Armen- und Wai,enpflege hin. Er forderte am Schlüsse keines mit Beifall aufgenommenen Vortrages die Versammelten aus, am Wahltage ihre Stimme dem Kandidaten der Sozialdemokratie zu geben. Der Kandidat Gen. R e i ch a r d t richtete alsdann noch einen warmen Appell an die Wähler, trotz der ungünstigen Wahlzeit ihre Schuldigkeit zu tun.— In der Diskussion sprachen noch die Genossen Bernhardt, Husche, Leh mann II, Komnick und Hanemann im Sinne des Referenten und des Kandidaten. An den Wählern der dritten Klasse wird es nun liegen, dafür zu sorgen, daß der Kandidat am Wahltage als Sieger hervorgeht. Für Mariendorf findet die Wahl am 24. Mai, nachmittags von 12— 6 Uhr, und in Südende am 26. Mai, nach- mittags von 3— 6 Uhr, statt. Britz. Ein großer Schuppeneinsturz, der leicht die verhängnisvollsten Folgen haben konnte, hat fich gestern in der Rudowerstraße zu getragen. Der erwähnte Straßenzug wird gegenwärtig von der Kanalbrücke an reguliert, wobei auch elektrische Kabel verlegt werden. Zu diesem Zwecke ist eine etwa l'/a Meter tiefe Grube längs der Straße angelegt worden, die dicht an einem Schuppen der Näfeschen Färberei, Rudowerstr. 84, vorüberführt. Als sich gestern acht Arbeiter, die in der Grube beschäftigt waren, kaum zum Vesper entfernt hatten, stürzte der mächtige Schuppen unter donnerndem Getöse ein. Die Grube wurde durch die Trümmer vollständig verschüttet. Wäre die Katastrophe nur zwei Minuten früher eingetreten, so würden die acht Arbeiter wohl kaum mit dem Leben davongekommen sein. So kostete der Einsturz glücklicherweise nur einer größerm Anzahl von Hühnern das Leben. Da sich auch bei dem benachbarten Wohnhause große Risse gezeigt haben, wurde dies sofort abgesteift. Trebbin(5kreis Teltow). Die Stadtverordnetenfitzung wählte den RatSmann Schurig mit 7 gegen 4 Stimmen auf 6 Jahre wieder. Der Antrag unseres Genossen T r e b u s, betreffs Fortführung der Pflasterung der Berg- straße, wurde einstimmig angenommen. Abgelehnt wurde der Antrag des Stadtverordneten Wichert, außer den schon bewilligten 60000 M. weitere 20 000 M. zur Pflasterung der Schützenftraße bereitzustellen. Stadtverordneter B i b b e ck und Borsteher H a a s e empfahlen, die Pflasterung der Schützenstraße und Nöhringswinkel- weg soweit vorzunehmen, wie dieselben bebaut sind; die weiteren Strecken sollen reguliert werden. Eine lebhaste Debatte entspann sich über einen abzuschließenden Vertrag mit der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft Berlin. Eine hierfür eingesetzte Kommisston hatte mit genannter Gesellschaft einige Vergünstigungen erzielt, so unter anderem die Verbilligung der Glüh- lampen, der Zählermiete, die Herabsetzung de? Strompreises von 66 auf 60 Pf. Diese Vergünstigungen will die Gesellschaft eintreten lassen, wenn ihr Vertrag auf zehn Jahre verlängert wird. Die Kommission hatte beschlossen, denselben einem Fachmann zur Prüfung zu übergeben. Der Magistrat empfahl die Vorschläge zur Annahme mit der Bedingung, daß ihm 2 Proz. vom Umsatz bewilligt werden. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, einen Vertrag unter Acnderung deS Vertrages vom 18. Mai 1897 abzuschließen. Einem Antrag des RadfahrerklubS»FidelitaS" betreffs Anlegung eines Fahrweges wurde zugestimmt. Weiftenfee. Der Ausbau der Kanalisation scheint jetzt ein schnelleres Tempo anzunehmen. Nach dem EingemeindungSvertrage mit dem alten Ortsteile sollte dort mit der Kanalisation binnen Fahresfrist be- gönnen werden, eS werden deshalb, da bisher noch nichts geschehen st. die Anlieger unruhig. Die geplante Kreisbahn Tegel-FriedrichS« elde hat zu ungemein vielen Landverkäufen Anlaß gegeben: soll die Bebauung nicht gehindert werden, so ist eS notwendig, diesen Teil der Kanalisation zu erschließen. Sine der letzten Gemeinde- vertretersitzungen hatte diese Angelegenheit zu besprechen und mußte noch einen Techniker und einen Ingenieur anstellen, da nach Meinungen deS Gemeindebaurats nur so die Arbeiten gefördert werden können. Bei der am Freitag Üattgefuudenen Delegierten-ErgänzungSwahl zur OrtSkrankenkasse wurden auf die Liste de« GewerkichaftSkartells 400 Stimmen abgegeben, eine gegnerische Liste war nicht aufgestellt. Bei der Arbeitgeberdelegiertenwahl siegte die Liste deS GewerkichastS- kartells mit 60 Stimmen, während auf die bürgerliche Lifte nur 36 Stimmen entfielen. Pankow. vermißt wird seit dem 7. Mai der I4jähnge Schüler Ernst Krüger aus der Neuen Schönholzerstraße 13. Der Knabe war an dem genannten Tage um 1 Uhr mittags au» der Schule nach Hause gekommen, hatte bald darauf die elterliche Wohnung verlassen, um einen Schulkameraden zu besuchen, und blieb seit dieser Zeit der- schwundcn. Bei seinem Freunde ist der Junge nicht gewesen, die sofort angestellten Recherchen sind bisher ohne Erfolg geblieben. Die Eltern des Knaben nehmen an. daß ihr Sohn einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist, denn ein Grund für den Verschwundenen. die elterliche Wohnung zu meiden, liegt nicht vor. Der Vermißte hat dunkelblondes Haar, graue Augen, flache Stirn und trug ein ge- strickteS Jackett, blaue Weste, blaue Schirmmütze und schwarze Schnür stiefel. Nieder-Schonhansen. Am Sonnabend früh erlag der Genosse Karl Snterling nach langem, schweren Leiden der Proletarierkrankheit. Der Ver- storbene war einer von denen, die sich schon vor einem Jahrzehnt und länger durch rege Agitation am Orte für die Idee des Sozialismus auszeichneten, damals, als die Partei in Nieder- Schönhausen zum ersten Male festen Fuß faßte. Maurer von Beruf. war er sowohl seinen Kameraden in gewerlschastlicher Beziehung. wie auch den anderen Genossen in politischer Beziehung ein Vorbild. Erst in den letzten Jahren, als die Krankheit ihn mit aller Gewalt gepackt hielt, mußte er sich notgedrungen vom politischen Leben zurückziehen. Karl Enterling. den in den besten Mannesjahren der Tod ereilte, hinterläßt eine Witwe und fünf kleine Kinder. Die Beerdigung findet am Dienstagnachmittag statt; die genaue Stunde können wir nicht mitteilen. Jedenfalls ersuchen wir die Wahlvereinsmitglieder sich rege an der Beerdigung zu beteiligen. Die Südvororte-Sttaßenbah« de« Kreise« Teltow ist gefichert. Sie wird sich au» mehreren Linien zusammensetzen und die Vororte Adlershof. Alt-Glienicke, Britz. Sichwalde. Grünau, Johannisthal, Nieder-Schöneweide, Rixdorf. Schmöckwitz und Treptow mit einander verbinden. Der Forstfiskus stellt dem Unternehmen deS Kreises 6 Millionen Mark zur Verfügung, aus deren Zinsen 70 Proz. der im ersten Jahre erforderlichen Zuschüsse gedeckt werden, während die übrigen 30 Prozent von den beteiligten Gemeinden aufgebracht werden müssen. Auch die in Zukunst zu erwartenden Ueberschüsse sollen nach dem gleichen Maßstäbe zur Verteilung kommen. Der auf etwa 4 Pf. für den Kilometer angesetzte Fahrpreis erscheint einigen Gemeinden zu hoch, so daß sie eine Ermäßigung im Interesse eines lebhafteren Verkehrs auf der neuen Kreisbahn anstreben. Zur Kontrolle und Verwaltung deS großangelegten BerkehrSunternehmen» wird ein besonderer BahnverwalwngSrat gebildet, in dem außer der Kreisbehörde und dem Forstfiskus auch sämtliche beteiligten Ge- meinden vertreten fem sollen. Kunft und CÖilTcnrcbaft. Ludwig BoltzmannS Gedächtnisfeier. Eine der eigenartigsten Erscheinungen unter den deutschen Physikern war Ludwig Boltz. mann. Schon das war eine Besonderheit an ihm, daß er eigentlich niemals und nirgends feste Wurzeln fassen konnte. In Wien, in Graz, in Leipzig, dann wieder, und jetzt bi» zum Ende feines LebenS in Wien, nahm er ordentliche Professuren ein. Beinahe wäre er auch nach Berlin gekommen, denn nach dem Tode des grofcen Entdecker? der Spektralanalyse und der elektrischen Strom- Verzweigungen, Gustav Kirchhoffs, war ihm als dem Würdigsten die Nachfolge angeboten; und er hatte wirklich die Berufung schon angenommen, als ihm nachträglich Bedenken kamen, ob er mit seinem knorrigen Wesen in den Berliner Betrieb auch hineinpassen, ob er sich dort wohl fühlen würde, und diese Bedenken führten ihn denn auch dazu, die von so Vielen gewiß heiß ersehnte Berliner Stellung, noch bevor er sie angetreten hatte, wieder aufzugeben. Wie sein ganzes Leben eigenartig war, so war es, im schmerz- lichsten Sinne, auch sein Tod; denn wie ein Blitz aus heiterem Himmel kam im vorigen Sommer die Nachricht, daß Boltzmann durch eigene Hand aus dem Leben geschieden sei. Dem toten Gelehrten hat nunmehr die Deutsche physikalische Gesellschaft in Berlin eine würdige Gedenkfeier veranstaltet. Um die Festrede zu halten, war aus weiter Ferne, aus Leyden, der namentlich wegen seiner Forschungen auf dem modernen Gebiete der Elektronen, jener so interessanten und noch so vielfach un- belannten elektrischen Körperchen berühmte Professor A. H. Loren tz herbeigeeilt, um so mehr berufen, ein Bild von dem Leben, Wesen und Wirken des Dahingeschiedenen zu entwerfen, als er selbst sich vielfach gemeinsam mit Boltzmann beschäftigt hatte. Boltzmann faßte die Naturforschung überhaupt, und be- sonders die Physik, anders auf als die meisten Physiker. Er hatte einen universellen Blick, Interesse und BerständniS für das All- gemeine auch im Speziellen. So war er durch und durch Idealist; in der merkwürdigsten Weise erscheinen in seinen gelehrten Arbeiten Zitate aus großen Dichtwerken, und eS beweist seinen Idealismus. daß er seine populären Arbeiten den Manen Schillers gewidmet hat. Ein tiefes philosophisches Wissen zierte ihn und bewährte sich vielfach in seinen Werken. Die Mechanik, die Lehre von den BewegunaSvorgängen, ist ja heute die Grundlage aller Physik, auf sie stützt sich jetzt die Lehre von der Wärme nicht weniger, als die vom Schall, die vom Licht so gut wie die von der Elektrizität. BoltzmannS umfassender Geist aber sah auch in den Seelen- Vorgängen die Gesetze der Mechanik, er erkannte sie im Denken, im Wollen und im feinsten Empfinden; aber nicht roh mechanistisch faßte er diese seelische Mechanik auf, er ließ al» notwendige Er- gänzung hierbei die geistige Tätigkeit selbst gelten. Von allen Erscheinungen, in denen Gesetze der Mechanik sich geltend machen, interessierten ihn am meisten und am häufigsten die Zustände der kleinsten Körperteile, der Moleküle und Atome; hier lassen sich am deutlichsten die Gesetze erkennen und verfolgen, und hin und wieder am deutlichsten sind sie zu sehen bei den Molekülen der Gase. Boltzmann, mit dem tiefsten mathematischen Wissen und spekulativen Verstand ausgerüstet, wußte die Schwierigkeiten deS Gegenstandes aufs sinnreichste zu bewältigen. Wo das einzelne nicht zu erfassen war, benutzte er den Kunstgriff, Vielheiten und Mannigfaltigkeiten zu behandeln, bei denen er dann den Einzel- fall auS gewissen Durchschnittswerten zu bestimmen wußte. Die Resultate solcher Arbeiten waren denn auch höchst ergiebig und regen die Physiker immer wieder zu Anwendungen auf Spezial- fälle an. Boltzmann selbst benutzte die Ergebnisse seiner For- schungen, um die mechanische Wärmctheorie, die Lehre von den Zusammenhängen zwischen Wärme und mechanischer Arbeit, auf festere Grundlagen zu stellen als eS vor ihm möglich gewesen war. Dann wieder erklärte er Erscheinungen aus dem Gebiete der strahlenden Wärme mit dem Erfolge, daß er Gesetze dieses Ge- bieteS auffand, lange bevor die neueren Untersuchungen mit dem absolut schwarzen Körper,— d. h. mit Körpern, die sämtliche auf sie fallenden Strahlen verschlucken, um sie dann wieder aus sich auszusenden, al» wären sie selbst leuchtende Körper— auf be- yuemcren Wegen diese Gesetze hatten erkennen lassen. Weiter, und hier bewährte sich der große Theoretiker auch als großer Experimentator, stellte er Beziehungen zwischen Licht und Elek- trizität klar— überall ein modern denkender Physiker. Aber bei allem diesem modernen Denken fühlte er sich merkwürdigerweise wieder als einen greisenhaften, antiquierten Menschen; und viel- leicht war diese Zwiespältigkeit der Vorläufer jener dunklen Prozesse, die ihn schließlich zur Negierung seiner eigenen Person. zum selbstgewähltcn Tode führte. Und das ist um so beklagens- werter, je hervorragender die Person war, an ver sich die» Hart«. Schicksal erfüllte.—_ h. g. ßencbtö- Zeitung» Sparpolitik des preußischen EisenbahnfiskuS. Vor der Strafkammer in Köln hatte sich der Eisenbahnassistent Th. Hartmann zu verantworten. Auf dem Bahnhof Porz- Urbach fuhr am 9. Dezember früh 3 Uhr ein Güterzug aus einen dort stehenden anderen Zug, so daß die Lokomotive und drei Wagen umstürzten und ein Sachschaden von 1800 M entstand. Der Angeklagte hatte schon eine überaus an strengende sechsstündige Dienstzeit hinter sich. Er fiihrte zut Entschuldigung Dtenstüberlastung im weitesten Umfange an. Die Verhandlung ergab, daß auf der vom Angeklagten bedienten Strecke täglich 289 Züge ver- kehren. Außer der Bedienung des Blockapparats hatte der Stationsbeamte die Fahrkarten zu sortteren und neun Weichen zu bedieue»! Er mußte so häufig in das Stattonszimmer eintreten, daß er, um Zeit zu sparen, die geöffnete Tür m i t einem Bindfaden angebunden hatte. Es fehlte ihm dieZeit zur Verrichtung der Notdurft(!) und zum Zusichnehmen einer Erfrischung. Durch die Ueberlastung ist es gekommen, daß das StattonSpersonal ein halbes Jahr lang keinen freien Sonntag hatte. Nach jenem Unfall ist der Dienst verkürzt und elektrische Beleuchtung angelegt worden. Der Unfall entstand dadurch, daß eine von dem An- geklagten gegebene Anweisung nicht ausgeführt worden ist. Hätte er sich von der Freimachung des Gleises durch Augenschein überzeugt, so würde das 14 Mnuten in Anspruch ge- nommen haben, da der Platz sieben Minute» von der Dienst. stelle entfernt liegt. DaS Gericht nahm mit dem als Sach- verständigen gehörten Betrtebsinspektor eine Fahrlässigkeit an und verutteilte den Angeklagten zu 75 Mark Geldstrafe. Im Namen deS Königs I_ Deutsche Justiz. Am Donnerstag hatten sich vor dem Lübecker Schöffengericht die streikenden Holzarbeiter Beck, Schult und Willen wegen ge- meinfchaftlicher Köperverletzung und Nötigung zu verantworten. Der Sachverhalt ist kurz folgender: Am Sonnabend, den 16. März» fragte Schult den Arbeitswilligen Bogel, ob er denn noch nicht bald aus Lübeck abreisen wolle. B. erklärte sich hierzu bereit, doch wolle er erst noch seine Aushebung abwarten, die in den nächsten Tagen erfolgen würde. Hiermit war Schult zufrieden. Bald stellte sich jedoch heraus, daß Vogel gelogen hatte, denn er war schon zur Aushebung gewesen. Am anderen Tage, am 17. März, traf nun Schült. der sich in Begleitung von Beck und Willen be- fand, zufällig wieder den Bogel; er stellte ihn wegen seiner Lüge zur Rede, worauf J)er Arbeitswillige ihm einen Stoß bor die Brust versetzte, den Schült mit gleicher Münze zurückzahlte. Dann hat Vogel den Angeklagten Wilken angegriffen; Beck wollte letzteren befreien und schlug Vogel dabei auf den Arm. Schließlich wurde Beck von dem Arbeitswilligen zu Boden gestoßen, so daß er eine Kopfwunde erlitt. Diesen Angaben der Angeklagten gegenüber be- hauptete der Arbeitswillige als Zeuge, Beck habe ihm zuerst mit der Faust ins Gesicht geschlagen und Schült hätte ihn mit einem Stock geschlafen. Durch die erhaltenen Schläge sei er drei Tage arbeitsunfähig gewesen. Daß er den Schült am Abend vorher be» logen hatte, gab Bogel zu. Dem Angeklagten Beck wurde von seinem früheren Arbeitgeber das Zeugnis eines ruhigen und beson» nenen Menschen ausgestellt. Der Staatsanwalt schenkte— wie gewöhnlich— den Angaben der Angeklagten keinen Glauben, son- dern beantragte auf Grund der Aussage de» Arbeitswilligen gegen Schult und Beck je vier Monate Gefängnis. Erschwerend falle ins Gewicht, daß diese beiden Angeklagten bereits wegen Hurrarufens(!) zu einer Woche Gefängnis verurteilt worden seien. Bezüglich Willen, gegen den der Arbeitswillige nichts be- schworen hatte.stellte er desien Bestrafung in das Ermessen des Gerichts. Und das Gericht sprach schuldig. Beck und Schult sollen lvegen gemeinsamer Körperverletzung je zwei Monate in be- schaulicher Zurückgezogenheit über die Rechtsgarantien nachgrübeln. Willen wurde freigesprochen..— Einem Streikbrecher, der vor einiger Zeit Streikende mit einem Revolver bedrohte, ist noch nichts Gerichtliches passiert! Fabrikbesitzer, Graf und Profefsor. Gegenüber der Bestreitung des Grafen Alfred Dohna, daß er vom Professor Neumann eine Ohrfeige erhalten habe(vergl. „Vorwärts" vom Mittwoch und Donnerstag) teilt der Vertreter des Professor Neumann, Rechtsanwalt Dr. Gotthelf, mit: 1. In der Verhandlung vor dem Schöffengericht hat Pro- fessor Neumann unter seinem Eide erklärt, daß er den Grafen Dohna geohrfeigt hat, der Angeklagte Herschcl, der Freund des Grafen Dohna, hat auf ausdrückliches Befragen des Vorsitzenden angegeben, daß er dies gesehen hat. 2. Vor dem Ehrenrate des Bezirkskommandos lV Berlin kann irgend eine diesbezügliche Feststellung durch Vernehmung von Zeugen schwerlich getroffen worden sein, da weder Professor Neumann noch irgend ein anderer der Augenzeugen, die den Vorfall aus nächster Nähe beobachtet haben, vor dem Ehrenrat vernommen worden ist. Damit schließen wir die Akten über die Ohrfeigen, die der Graf erhalten hat und deren er sich nicht mehr erinnert. Nach 43jährlger Dienstzeit entlassen. Die Lage der Privatbeamten wurde recht treffend illustriert durch einen Prozeß bor der Zivilkammer des Landgerichts Halle, den der Ziegeleibesitzer M e n k in Firma Lösche u. Co., Osendorf, gegen den 68jährigen Inspektor der Ziegelei Holzkämper an- gestrengt hat. Der alte Inspektor, ein mit dem allgemeinen Ehrenzeichen geputzter Herr, lief vor dem Stattfinden de? Termins vor dem Gerichtssaal umher und klagte in mitleidcrregender Weise Herren, die es hören wollten, seine Not. 43 Jahre sei er, erst als Ziegelmeister, dann als Inspektor in der Osendorfer Ziegelei tätig gewesen und der Landrat habe ihm gelegentlich seines Jubiläums für treue Dienstzeit da? Allgemeine Ehren» zeichen überreicht und dabei eine feine Rede gehalten, und am 1. März habe ihn der neue Besitzer Menk ohne gesetzmäßige Kündigung entlassen und auS der Wohnung exmittieren wollen. So etwas habe er nach so langer Dienstzeit weder erwartet noch verdient. Die Verhandlung wurde behufs Beweiserhebung der- tagt.— Hat der alte Beamte auch seine Nahrungsquelle verloren, so hat er doch ein Ehrenzeichen auf der Brust, das ihm freilich in seinem Elend einen geringen Trost bieten wird. Tierhalterhaftung und Auslegung des st 834 B. G.-v. Das Reichsgericht hatte sich kürzlich mit folgendem Rechtsstreit zu befassen. Der Löwenwirt in einem Orte bei Mannheim wollte eines TageS von der Mühle dortfelbst eine Fuhre Wein abholen lassen. Er stellte hierzu sein Pferd zur Verfügung und borgte sich noch das Pferd eines gewissen W. Als W., der die Fuhre für den Löwenwirt nach dem Bahnhofe ausführen sollte, die Pferde angespannt hatte, und zwar das unruhige Pferd des Löwenwirtcs rechts und fein Pferd als Sattelpferd, wurde das rechtsgehendc Pferd beim Anziehen wieder unruhig, so daß cS hierbei stärker anzog als das linke und die Deichsel gegen dieses Pferd drückte. Das Fuhrwerk kam infolgedessen plötzlich inö Traben, so daß W., der die Zügel hatte, es nicht halten konnte, und auch die Peitsche, die er ins Kummet seines Pferdes gesteckt hatte. nicht sobald als nötig erlangen konnte. Der Wagen wurde nach zirka 15 Schritten an einen am Wege stehenden Telegraphenmast geschleudert, wobei W. um den Mast herumgedrückt und tödlich verletzt wurde. Für den ihnen aus dem Unfall des W. entstandenen Schaden klagten die Hinterbliebene Witwe und Kinder gegen den Löwenwirt E. auf Schadloshaltung nach Z 883 B. G.-B. Der Be- klagte machte hiergegen geltend, daß einmal der Schaden durch die Unvorsichtigkeit und das eigene Verschulden deS W. selbst ent- standen sei, da er das unruhige Pferd hätte als Sattelpferd nehmen müssen und auch die Peitsche nicht ins Kummet stecken durfte. Wenn er die Peitsche gehabt hätte, würde er die Pferde wohl haben in die richtige Haltung bringen können, wie es ein des Weges daher komiiiender Landwirt getan hat, der dag Fuhrwerk dadurch aufhielt, indem er die Zügel ergriff, die Peitsche aus dem Kummet zog und auf die Pferde einschlug. Sodann wendet der Beklagte für den Ausschluß seiner Haftpflicht noch ein, daß der § 834 Anwendung zu finden habe, denn W. habe die Leitung seine» Pferdes für ihn übernommen und sei deshalb die Haftpflicht nach§ 833 B. G.»B. auf ihn übergegangen. Auch seien den Hinterbliebenen de» W. überhaupt keine Nachteile ent- standen, da sie jetzt durch den Tod deS W. als dessen Erben fein Besitztum erlangt hätten. Das Landgericht Mannheim verurteilte de» Beklagte» zur Zahlung einer jährlichen Rente von Sil) Mark nebst Zahlung der entstandenen Unkosten, soweit sie durch die Berufsgenossenschaft nicht gedeckt wurden. Dieses Urteil wurde auf die Berufung des Beklagten hin vom Oberlandesgericht Karlsruhe bestätigt. Das Oberlandesgericht sieht als erwiesen an, daß der Tod deS W. durch das Pferd veS Beklagten verursacht worden ist und der Beklagte infolgedessen als Tierhalter zu haften habe. Die Hastpflicht des Beklagten sei nicht deshalb ausgeschlossen, daß W. sein Pferd mitgenommen und an den Wagen gespannt hat, so daß der Be- klagte aufgehört hätte, Tierhalter zu sein. Der ss 834 könne nicht Zur Anwendung kommen. Den« dadurch, daß W. dem Beklagten behülflich war, eine Fuhre Wein abzuholen» habe er nicht die Führung der Aufsicht über da» Pferd durch Bertrag übernommen und könne auch nicht als Dritter im Sinne dies«? Paragraphen betrachtet werden. Aber auch die anderen Einwendungen deS Be- «agten feien als unbegründet zurückzuweisen, denn ein eigenes verschulden deS Kläger» liege nicht vor, da die Pferde plötzlich anzogen und der ganze Borgang sich furchtbar rasch abwickelte. Gegen dieses Urteil hatte der Beklagte Revision eingelegt. Der IV. L'vllsenat de» Reichsgerichts erkannte jedoch auf Zurück- Weisung der Revision. VmmleKtes. Der Münchener Hoftheater-Prozeß. Vor einigen Tagen wurde vor dem Munchener StaatSgericht schmutzige Hoftheaterwäsche bor breitester Oeffentlichkeit gewaschen. Beklagter: Chestedakteur Siebertz de»„Bayrischen CourierS" wegen drei inkriminierter Artikel:„Der Verfall de» Münchener Hoftheaters". Kläger wider Willen: Generalintendant Exzellenz von Speidel(von einem Teil des weiblichen Personals nachdrücklich:„Unfere kleine Exzellenz" betitelt). Generalmusikdirektor Felix Mottl und Regisseur Albert Heine. Der Sensationsprozeß hat mit einem Vergleich geendet. Es hat sich aus dem Verlauf der Verhandlungen ergeben» daß der berantworkliche Vertreter der Anklage-Artikel in einigen sehr wichtigen Punkten teils direkt falsch informiert worden tpar, teils den Wahrheitsbeweis nicht erbringen konnte, weil die Zeugen „umfielen". Der wichtigste Punkt des Prozesses, ob Generalmusikdirektor Mottl seine amtliche Eigenschaft zu Person- lichen Vermögensvorteilen mißbraucht hat. konnte leider nicht er- wiesen werden, trotzdem nach wie vor der Schein dafür spricht, daß der geniale Künstler aber schwache Mensch Mottl von den mit Theateragenten angeknüpften Finanzoperationen feiner total ver- schuldeten Gattin, deren Verschwendunas- und Lebsucht für»patho- logisch" erklärt wurde, gewußt habe und z. B. Privatstunden seiner Frau(Aer ehemaligen Karlsruher Kammersängerin Henriette Mcttl-Standhartner) an Engagementskandidaten der Hofoper ver- Wittelt jhgbx. Die behauptete Rgltressenwirtschaft Speidels und Mottls hat sich auS genanntem Grunde ebenfalls nicht zur Tatsache erhärten lassen. Dagegen wurde der Nachweis für das„persönliche Regiment" und für eine man- gelnde soziale Fürsorge der Intendanz für verdiente, im Dienste des Instituts alt und invalide gewordene Künstler er- bracht. Ueber den im Münchener Hoftheater unter dem neuen Regime herrschenden„guten Ton" folgende Belege: Regisseur Heine spricht wiederholt im Dienst von einem kgl. Hof- und Sch...» thcater. Er sagt ferner:„Ich schlage den Hund tot, der mir wider- spricht" und:„Die Damen des Hoftheaters riechen nach Barchent. Ich brauche Weiber, die auf Seide rauschen und die Herren in den Logen interessieren. Auf die Moral im Theater sch.... ich." Das wäre also glücklich das Niveau einer Animierkneipe.— Mit Recht führte der Vertreter des Angeklagten aus, daß gegen das üble Sparsystem der Intendanz nur eines helfe: die Er- höhung deS staatlichen Hoftheaterzuschusses(der jetzt die lächerliche Summe von 400 000 M. jährlich beträgt) aus den Mitteln des Staates. Da die Zivilliste, die allein 52 kgl. bayrische Schlösser im Lande zu erhalten hat! keine Mittel für die Nationalbühne mehr bewilligen können wird, so ist es Aufgabe des Landtags, dem materiellen Verfall der Münchener Hofbühnen durch eine Jahres- dotation von mindestens 1 Million Mark entgegenzutreten. Ein� Forderung, die längst, aber bisher fruchtlos, von der sozialdemo-' kratischen Fraktion im bayerischen Landtag ausgesprochen worden ist. Unternehmer-Risiko. Der„Plauensche Anzeiger" meldet: In der vergangenen Nacht wurden in Reichenbach im Schnellzuge der Baumeister Strunz auS Ober-Wiesa und Steinmetzmeister Fiedler aus Ebersburg verhaftet. Gegen beide war seitens der Staats- anwaltschaft Chemnitz ein Steckbrief wegen Konkursverbrechens erlassen worden. Die Verhafteten waren im Begriff, nach der Schweiz zu entfliehen. Schnee zu Pfingsten. Wie gestern auS Hannover berichtet wurde, herrscht seit gestern morgen bei drei Grad Wärme andau- ernder Schneefall. Der Nord-Süd-Ezprrß entgleist. Vorgestern mittag ist nach Wiener Meldungen auf der Station Brenner der borletzte Wagen deS Nord-Süd-Expreßzuges entgleist. Der Unfall erfolgte durch vorzeitige Weichenstellung. Der Oberkellner des Speisewagens ist leicht verletzt. Der Zug hatte 52 Minuten Verspätung. Die Pest. Wie aus Teheran berichtet wird, sind in Bahrein 100, in Buschaer 7 Pestfälle beobachtet. Mocken-Spielplan cler Kerliner Cbeatcr. Königl. OPernhouS. Sonntag: Das Rheingold. Montag: Die Walküre.(Ansang 7 Uhr.) Dienstag: Salome.(Ansang 8 Uhr.) Mitt- woch: Siegfried.(Ansang 7 Uhr.) Donnerstag: Don Juan. Freitag: Götterdämmerung.(Ansang 61/, Uhr�) Sonnabend: Salome.(Ansang 8 Uhr.) Sonntag: Der Freischütz. Montag: Der fliegende Holländer. Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Wallenstein» Tod. Montag: Die Rabensteinerin. Dienstag: Klein Dortt. Mittwoch: Dt« Raben- stetnerin. Donnerstag: Was ihr wollt. Freitag: Die Rabensteinerin. Sonnabend: Ein Fallissement. Sonntag: Die Rabensteinerin. Montag: Ein Fallissement. Neues tönial. Opern- Theater. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Die Fledermaus. Abend»: 1001 Nacht. Montagnachmittag S Uhr: Der Ztgeunerbaron. Abend»: Die Geisha. Dienstag: Die Fledermaus. Mitt- woch: 11 Nacht. Donnerstag: Der lustige Krieg. Freitag: Prinz Methusalem. Sonnabend, Sonntag und Montag: Die sieben Schwaben. Schiller> Theater O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Heimat. Abend«: Cyprienn«. Montagnachmittag 3 Uhr: Zapsenstreich. Abends: Ein Fallissement. Dienstag: Moloch. Der zerbrochene Krug. Mittwoch: Ein Fallissement. Donnerstag: Heimat. Freitag: Minna von Barnhelm. «Sonnabend: Moloch. Der zerbrochene Krug. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Vogel im Käfig. Abend»: Im bunten Rock. Montag: Narrenglanz. Schiller-Theater Charlottenburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Abends! Jugend. Montagnachmittag 3 Uhr: Kabole und Lieb«. Abend«: Monna Vanna. Dienstag: Heimat. Mitt- woch und Donnerstag: Monna Vanna. Freitag und Sonnabend: Ein Ounent. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Psarrer von Kirchseld. S: Ein Fallissement. Montag: Monna Vanna. Schiller-Theater Zl.(Friedrich.WilhclmstSdtischcs Theater.) Sonntag- nachmittag 3 Ubr: Der Famtlicnlag. Abends: Am grünen Weg. Montag- nachmittag 3 Uhr: Jugend. Allabendlich: Am grüneu Weg. Sonntag, den 26. Mai, nachmittag» 3 Uhr: Helden. Abends und Montag: Am grünen Weg. ReueS Schauspielhaus. Allabendlich: Hopsenrat» Erben.(Ansang 8 Uhr.) Lesstng- Theater. Sonntag und Montag: Der Ztgeunerbaron Dienstag: Der Bettelgraf. Mittwoch: Der Ztgeunerbaron. Donnerstag: Die Fledermaus. Freitag: Der Bettelgras. Sonnabend: Die Fledermaus. Sonntag: Der Zigeuncrbarvn. Montag: Die Fledermaus. Deutsches Theater. Sonntag, den IS. Mai bis Montag, den 27. Mai: Robert und Bertram. Kammerspiele deS Deutschen Theaters. Sonntag: Aglavaine und Selhsetle. Montag bis Mittwoch: Frühlings Erwachen. Donnerstag: GygeS und sein Ring. Freitag: Aglavaine und Selysette. Sonnabend bis Montag: Frühlings Erwachen.(Ansang 8 Uhr.) Neues Theater. Sonntag, den IS. Mai bis Montag, den 27. Mai: Der Dieb. Berliner Theater. Sonntag: Sherlock HolmeS. Montag: Der Hund von BaSleroille. Dienstag uns Mittwoch: Sherlock HolmeS Donnerstag: Der Hund von Baskerville. Freitag: sherlock Holmes. Sonnabend: Der Hund von Baskerville. Sonntag: Sherlock Holmes. Montag: Der Hund von Baskerville. Lustspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Unsere Käte. Abends Husarenficber. Montagnachmittag 3 Uhr: Der Weg zur Hölle. All abendlich: Husarenfieber. Sonntag, den 26. Mai, nachmittag» 3 Uhr: Jugend. Abends und Montag: Husarenfieber. Zentral-Theatcr. Allabendlich: Das Mädchen aus dem Nacht-Cafö (Ansang 8 Uhr.) Lorhiug, Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Fldelio. Abend»: Die FledennauS. Montag: Der Wildschütz. Dienstag: Der Mikado. Mitt woch: Der Troubadour. Migno». Margarete.(Anlang 70, Uhr.) Donnerstag: Fidelto, Freitag: Undine. Sonnabend: Der Barbier von Sevilla."Sonntag: Stradella. Montag: Waffenschmied. Asrikanertn. Rtgoletto. Fra Dtavolo.(Ansang 70, Uhr.) Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ein idealer Gatte. Abends: Marccll Salzer. Monlagnachmittag 3 Uhr: Ein idealer Gatte. Allabendlich: Marcell Salzer. Trianon- Theater. Allabendlich) Fräulein Josette— meine Frau. Luiseu-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Dt« Waise aus Lowood. Abends: Das Mädchen ohne Ehre. Montagnachmiltag 3 Uhr: Die Räuber. Allabendlich: Das Mädchen ohne Ehre. Sonntag, den 26. Mat, nach- mittags 3 Uhr, abend» und Montag: DaS Mädchen ohne Ehre. Bernhard Rose- Theater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Fluch de« GoldeS. Abend»: Im Rausch deS Leben». Monlagnachmittag 4 Uhr: Fluch deS GoldeS. Allabendlich: Im Rausch de» Lebens. Dienstag (4 Uhr) bis Sonnabend: Fluch des GoldeS.(Ansang i'f, Uhr.) Residenz> Theater. Allabendlich: Haben Sie nichts zu verzollen? Metropol-Theater. Allabendlich: Der Teufel lacht dazu. Thalia- Theater. Sonntagnachmittag 30, Uhr: Charlevs Tante. MendS: Wo die Liebe hinfällt. Monlagnachmittag 3 Uhr: Der Hoch- tourift. Allabendlich: Wo die Liebe hinsällt. Sonntag, den 26. Mat, nach- mittags 3 Uhr: Olympische Spiele. Abends und Montag: Wo die Liebe hinfällt. Apollo-Thcater. Allabendlich: Der lustige Witwer. Spezialitäten. Walhalla-Theater. Der grüne Teusel. Spezialitäten. Reichshallcu> Thcater. Stettiner Sänger. Passage- Theater. Speziali iäten. ' Wintergarten. Allabendlich: La Tortajada. Spezialitäten. Kasino- Thcater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Traum der Rose. Singvögelchen. AbendS: Nick Carter. Montagnachmittag 4 Uhr! Traum der Rose, singvögelchen. Allabendlich: Nick Carter. Figaro-Theater(im FolieS Caprtce). Allabendlich: Getsteranto. Paris. Ansang 80» Uhr.« Gebr. Hcrrnfeld- Theater. Jedm Wend: CS lebe daS Nacht- leben. Vorher: Die Welt geht unter. Carl Haverlaud-Theater. Spezialitäten. llrauta-Theater. Taubenstratze 48/4S. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Am Golf von Neapel. Abends: Durch Dänemark und Südschweden. _-—■-—-'*•----"— Durch Lande der ,_______________________ Mittwochnachmittag 4 Uhr: Die Mosclland« und ihr Weinbau/' Donnerstag und Freitagabend: Durch Dänemark und Südschweden. Sonnabendnachmittag 4 Uhr: Am Gols bon Neapel. Abends und Sonntag i Durch Dänemari und Südschweden. Bibliothek des allgemeine« und praktischen Wissen». Zum Studium und Selbstunterricht in den hauptsächlichsten Wissenszweigen und Sprachen. Herausgegeben von EmanucI Müllcr-Baocn.(Deutsche» Verlags» haus Bong u. Co., Berlin W. 57. 95 Lieserungen a 60 Ps.) ßnefhaftcn der Redaktion. Dt« snrlftltche Eprechstiinde findet Fried richstr. tfi, Aufgang 4» eine Treppe(Handclsftatte Bellealliance, Durchgang auch Lindenstr. IUI), wochentäglich von?0- bis vo, Ilhr abends statt. Geöffnet 7 Ilhr. Sonnabends beginnt die Sprechstiiude um«i Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe lind eine Iaht als Bierk, eichen beiztifügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man ,n der Sprechstnude vor. H.®. 1863. Die Klage ist zulässig und hat Aussicht aus Ersolg.— M. H. Selbstverständlich ist c8 das ratsamste und einsachste, um den Kirchensteuern zu entgehen, aus der Landeskirche auszuweicn. Im Irrtum befinden Sie sich aber mit der Annahme, daß der Prokurist sür die Firma herangezogen sei. Er ist al» Person steuerpflichtig.— 80. G. T. 1. Einen Patz gebrauchen Sie nicht. Zweckmäßig ist es aber, vom Bezirkskommando einen Auslandspaß sich geben zu lassen. 2. Der Parteiselretär Linde wohnt in Königsberg. Wenden Sie sich an diesen.— Obstzucht Ostpreuste». Wenden Sie sich an den Genossen Gutsbesitzer Ebhardt in Äomorowo oder an den Genossen Gutsbesitzer Hoser in Groß- StaiSgirren.— Juchner. 1. Frankreich. 2. Darüber streiten sich die Weintenner je nach ihrem Geschmack herum.— 101. H. Ist über die Dauer des Mietsvertrages nichts vereinbart und wird monatlich Miete gezahlt, so köimcn Sie mangels anderer Vereinbarungen bis am 15. des Monats zum 1. des folgenden lündigen. Pechvogel 67. 1. Sie können sich der gegen die Mißhandler erhobenen össentlichen Klage als Nebenkläger anschließen und In dem Strasversahren vollen Schadenersatz verlangen. Der Anschluß hat durch Schreiben an das Gericht oder zu Protokoll des Gerichts zu crsolgen. 2. Stehen Ihrer Frau leine berechtigten Schcidungsgründe zur Seite, so wird sie mit der Klage abgewiesen. Sie können lediglich Klageabweisung oder Widerklage� be- antrage», die Ehe zu trennen und die Frau sür die Schuldige zu erklären. Sie müssen zu diesem Zweck durch einen Anwalt vertreten werden. Ihre Anwaltskosten würden in Ihrem Fall etwa 50 M. in erster Instanz be» tragen. Ebenso hoch stellen sich die Gerichtskosten. Eine Schadenersatzklage können Sie als Widerklage im Ehescheidungsprozeß nicht erheben. — Plätterei. Klagen Sie gegen den Wirt ans Beseitigung des Ihre Wohnung beeinträchtigenden Mißstandes.—®. 17. Auch wegen Hunde- stcuer ist Pfändung möglich.— G. O. 21. Nein.— G.®. 31. In der Regel poliert; indessen geht daS Urteil der Sachverständigen darüber aus» einander.— L. R. 2L. Die Armendireltion hat mit der Klage nickt» zu tun. Die Klägerin kann sich das Amienrecht bewilligen lassen. Zu diesem Zweck läßt sie sich von der dortigen Gemeindebehörde bescheinigen, daß sie außer stände ist, die Kosten des Prozesses zu tragen. Hat sie diese Be- Icheinigung erhalten, so wendet st« sich an das Gericht mit dem Antrag, ihr da» Armenrecht zu bewilligen. Da sie bereits einen Anwalt gestellt hat, ist es zweckmäßig, den Antrag durch den Anwalt stellen zu lassen. Die Klage erscheint keineswegs aussichtslos.— Zk. 1000. Nein. —®. K. 76. Wollen Sie aus der Landeskirche austreten, so haben Sie ein daraus gerichtetes Gesuch schristlich dem Amtsgericht Ihres Wohnortes etnzuretchen. Ein Formular für solches Gesuch erhalten Sie in der Buch» Handlung Borwäets und beim Genossen Hoffmann, Blumenstraße 14. Innerhalb 4 bt» 6 Wochen, nachdem das Gesuch eingegangen ist, haben Sie dann ohne eine Vorladung abzuwarten, Ihren Anstritt aus der Kirche zu Protokoll des Gerichts zu erklären. Da» gesamte Verfahren macht etwa 8,50 M. Kosten.— W. 31. 100. Wenden Sie sich an die Austunstsstelle sür ethische Kultur, Unter den Linden Nr. 16. Für Berlin ist uns ein solches Institut nicht bekannt.— X. X. Nein. — Fr. 116. Wir werden gelegentlich«wen Arttkcl über dieses Thema bringen. Inzwischen könnten Sie ein Fremdwörterbuch«stiieben.— G. W. 32. Nein.— 31. K. 9. Gegen die Einschätzung müssen Sie reklamieren. In der Reklamation teilen Sie mit, daß und wann Sie von Schöneberg weggezogen stnd.— 3l. K. 67. Sie können ohne Weiterungen die Zession vornehmen.— A. B. 100. Kaiser Wilhelmstraße 46. Die Adresse und Sprechstunde finden Sie auch Im Adrcßkalender.— 31. B. 25. 1. DaS von Ihnen Vorgetragene stellt keine strafbare Handlung dar. 2. Ja. — B. Dux. 1. Nein. 2. Ja, wenden Sie sich an einen Arzt. 3. Durch Zitrone. 4. Wenden Sie sich an den Vorsitzenden JhreS Wahlvereins zwecks event. gemeinsamer Bcsichligung durch mehrere.— 51. Beleidigungen lönnen auch zwischen Eheleuten strasrechlltch verfolgt werden.— Erbsache. Zu den Kosten müssen Sic beitragen.— O. R. 100. 1. u. 2. Nein. —®. M. 26. Die Kasse hat die Kosten Ihrer Entbindung, die sich in Ihrem Falle als KranlheitSfall darstellt, zu Gagen. Beantragen Sie Verurteilung der Kasse durch die AussichtSbrhorde.— Gottschalr. In Berlin wird die Kommunalsteuer bis 900 M. nicht erhoben. Keineswegs hängt die Wahlberechtigung von der Veranlagung zu einem Mindesteinkommen von S00 M. ab.— 001. Eine solche Schutzmarke ist nicht gestattet.— Katiltna. UnS leider nicht bekannt. Wenden Sie sich doch a» die b«» treffende Zeitung.— K. 12. Ihre Schwester müßte, um Hebamme zu werden, sich beim Polizeipräsidium melden. Sie hat dann zunächst ein Examen beim Physiku»(im Lesen, Hören, Sehen usw.) zu bestehen. Hat Sie dies bestanden, so wird sie vom Polizeipräsidium auf die BewerbungS- liste gesetzt. Nach etwa zwei bis drei Jahren wird sie dann zum Hebammen- kursuS in der Charitö zugelassen. Dle Kosten sür diesen Kursus betragen 300 M. Dauer 6 Monate. Dann erfolgt die Hebammenprüsung und wenn die Kandidatin daS 30. Jahr noch nicht erreicht hat, die Ernennung zur Hebamme. Berliner Btarttpreifc. Aus vem amtlichen Bericht der städtischen Marllhallen-Direktivn.(Großhandel.) Rindfleisch la 66—70 pr. 100 Pfd., IIa 60-65, lila 56-59. Bullenfleisch la 61-68, IIa 54-62, Kühe, fett 52—68, do. mager 42—50, Fresser 50—62, Bullen, bin. 0,00, do. Holl. 0,00. Kalbficisch, Doppestender 100—125, Mastkälber la 88—94, II» 76-81,[IIa 0,00, Kälber ger. gen. 52-67, do. Holl. 0,00, dän. 0.00. Sammelslessch Mastlämmer 64—70, la 62—65, IIa 55—62. Schafe 52—56. Schweinefleisch 46—53. Rehbock la per Pfund 0,60—1,00. IIa0,45— 0,60. Rothirsck, Abschuß 0,55-0,62. Damwild, plomb. 0.50—0,58. Wild- schweine 0.30—0,40. Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stück 0,25—0,70. Hühner, alle, per Stück 2.00—3,00, do. IIa 1.40—1,80, do. junge 1,40—1,65. Wolga- Hühner 1,00—1,90. Tauben 0,55— 0,75, italienische 0,00. Enten per Stck. 2.50 bi» 3,50. dito EiS- per Stück 0,00, dito Hamburger per Stück 4,75—5,00. Gänse, Hamburger per Pfund 1,25—1,30, dito Eis- 0,00—0,00. Hechte per 100 Pfund 90—100, do. matt 71—80, mittel 90—98, groß 60. Zander 122. Schleie Holl. 92— 103, do. groß 90— 103, do. 94— 115, fiale. groß 107—120 do. klein 47-80, do. mittel 103-125, do. uns ort. 80 bis 100. Plötzen 00—00, do. stumpf 0,00, do. matt 0,00. Karpsen im. sortiert 00-00, do. mittel 0,00. Bleie 0,00. Aland 0,40. Bunte Fische 30-80. Barse 00—00, do. matt 0,00. Karauschen 54—79. Blei- sische 0,00. Weis 40—51. Quappen 0,00. Amerilansscher Lachs la neuer per 100 Pfd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. Ma neuer 75. Seelachs 10-20. Sprotten, Kieler, Wall 0,00—0,00, Danziger, Kiste 0,00. Flundern. Kieler, SNege la 3-5, do. mittel ver Kiste 2-3, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 1,50—2,00. Bücklinge. Kieler per Wall 1.50—2,00, Strals. 1,50—2,00. Aal«, groß per Psd. 1,10—1,50, mittelgroß 0,80—1,10, Nein 0 60—0,80. Heringe p.schock 5—9. Schellsische Kiste 3,00— 4,00,'s, Kiste 2—2,50. Kabliau, gcräuch. p. 100 Psd. 20. Dorsch, Kiste 2,00—2�50. Sardellen. 1902er per Anker 95, 1904cr 93, 1905cr 85, 1906er' 80. Schottische Bollheringe l805 0,00, karge 40—44, füll. 38—40, med. 36—42, deutsche 37—44. Hcrinae. neue Matje», per'/, To. 60—120. Sardinen, russ., Faß 1,50—1,60. Bratheringe, Büchs«(4 Liter) 1,50—1,75. Neunaugen, Schocksaß 11. kleine 5—6, Riesen- 14. Eier, Land-, perSchock 2,90—3,00. Butter per 100 Psd. I» 110-115, IIa 105-110, lila 100-104, absallende 90-95. Saure Gurke» Schock 4,50, Pseffergurken 4,50. Kartoffeln per 100 Pfund magnum bonmn 8,50—4,00, Dabersche 3,50—3,75, Rosen 0,00, weiße 3,50—3,75, Salatkartoffeln 0,00. Spinat per 100 Pfund 2—4. Karotten per 100 Pfund 0,00. Sellerie, hiesige, per Schock 10,00—25,00, do. pommersche 0,00. Zwiebeln große, per 100 Pfund 0,00, do. kleine 8,50-4,00. do. hicstge(Perl.) 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün, Schockbund 0,80—1,00. Kohlrabi per Schock 0,00. Rettig, bahr, per Schock 2,40—4,80. Mohrrüben per 100 Pfund 2,00—5,00. Teltower Rüben per 100 Psd. 0,00. Weiße Rüben, große 0.00, Nein« 0,00. Rote Rüben 0,00. Blumenkohl, holländischer per Korb 0,30—0,40. Kohlrüben per Schock 2,00—3,00. Wirfing kohl bolländ., ver Schock 0,00. Rotkohl holländ., per Schock 20—30. Weißkohl, dän. per 100 Psd. 1,00—3,00. Rosenkohl per 100 Psd. 0.00. Sprutkohl per 100 Pfund 00—00. Rhabarber 100 Bund 1,00—2,50, Bergedorfer per 100 Bund 0,00—0,00. Morcheln per Psd. 0,40. Sandmorcheln per 100 Psd. 0,00. Waldmeister per Mandel 0,30—0,45. Radieschen per Schock 0,50—1,00. Salat per Schock 1,00—1,25, Spargel 100 Psd. 5—40, do. Braunschwelger 5—40, do. Beelitzer la 45—50, do. Beelitzer Ha 20—35, do. Beelitzer lila 10—15, do. unsortiert 0,00. Birnen, per 100 Psd. hiesige 12-18, böhm. 0,00, ital. 0,00. Aepsel, per 100 Pfd.. hiesige 8-20, Tiroler. Kiste 0,00, Calville, Kiste 0,00, Amerikanische in Fäss. 0,00, Ital.. tn Kisten 5,00—20.00, extra 15.00 bis 26,00. Zitronen, Messina, 300 Stück 9,00—10,50, 360 Stück 9,00—10,50, 200 Stück 6,00—12,00. Apfelsinen. Jaffa, per Kiste 0,00, Murcia 200 er Kiste 0,00. do. 300 er 7—10, Valencia 420 er.Kiste 10,00—24,00, do. 714 er 18—24,00, Messtna, 100er 4-6.00. 150er 5-7,00, 161 er 8-13,00, 200er 7,50—12,50, 300er 10-13, Blut- lOOer 5,50—7,50, do. 150 et 7—7,50, 80 et 7—7,50, 200er 13-14.__ Wasserstand am 18. Mai vorm. Elb« bei Nusflg—• Meter, bei Dresden— 42 äp.— Elbe bei Magdeburg 2,10 Meter,— Oder bei Ratibor 1,88 Meter.— Oder bei Breslau— 0,52 Ret«.— Oder bei Brieg 2,50 Meter.— Nelßemündung 2,00 Meter. jaBBBSSH Kein Laden, nur 1 Tr, BB8 Preisliste franko. KB Kein Laden, nur I Tr. KÖ525Dtok | Reellste,„direMe" und billigste Zigarren-Engros-Bezogsquellell K Nebenstehende OnpalSPf.- Z Zigarre f mild u. pikant f Kl. Mexico.... 100 St. M. 2.75| Vorstenland Pflanzer 100 St. M. 3.90i St. Andres Mexico, vors.lOOStM.4.35 Preferida. 5Pf.-Zig.„„„ 3.—| LaVentura,ff.7Pf.-Zig.„„„ 4.60! Mercedes, hochfein„„„ 5— Perla de St. Andres,, 3.85! 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