ttt. 117. HbonnementfBedlogungtn: KSonnf mcnts• Preis pränumerando: «ierleljährl. 8,30 Ml, monali. 1,10 Ml. wdchenllich 28 Pfg, frei ins Ha»S, einzelne Nunmicr S Pfg, KonniagS- Nummer mit illuflrierter Sonnlag». Beilage.Die Reue Well' 10 Pfg, Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung». BrciSIisic, Unter Kreuzband für Deutfchland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für daS übrige Anstand 8 Marl pro Monat. PostabonncmenlS nehmen an: Belgien, Diinemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, RlUlliUiien. Schweden und die Schweiz. (Mtiat liglich iiitr ntstaat. S4. Jahrs« Vevlinev Volksblatt. vir»nitMonz-etbiidt bekSgi für die fechsgespaltene floltmrt* geile oder deren Raum 50 Pfg,, für politische und gewerlschasiliche BereinS- und BersamntlungS.Anzeigen 30 Pfg, „Ai-ln- Snrelgen". daS erste(fett- gedruckte) Wort 20 Psg„ jede? weitere Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlas- stelleN'Rnzcig-n daS erste Wort 10 Pfg,, jede» weitere Wort 5 Pfg, Worte über 13 Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen die S Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bi» 7 Uhr abend» geöfsnet. Delegramm. Adresse: „SuliMtaiknl BcrüB". Zentralorgan der roziatdemokratireben Partei Deutfchlandd. Redaktion: SRI. 68» Lindenetrasec 69. ilsernspreiher: flmt IT, Nr. 1983. Expedition: SRI. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Der Kampf im Berliner Baugewerbe. Erst gestern abend ist es gelungen, über den Umfang der Aussperrung eine Uebersicht zu gewinnen. Die bürgerliche Presse hatte sich damit begnügt, den Aussperrungs b e s ch l u ß der Unternehmer ihren Lesern als die Tatsache der Aus- sperrung zu servieren und kühne Rechenexempel darüber auf- zusetzen, welchen Umfang das geplante Unternehmen erreichen könnte. Jetzt, wo Ziffern vorliegen, zeigt sich, daß auch in den Kreisen der Bauunternehmer mit Wasser gekocht wird. Die Frage des Achtstundentages, die„Prinzipien".Frage für die Scharfmacher im Gewerbe, scheint doch noch nicht für a l l e Bauunternehmer der rote Lappen zu sein, der sie blindwütig in den Kampf stürzen läßt. Nach der bis jetzt gewonnenen Uebersicht nimmt der Kampf bei weitem nicht den Umfang an, den die Unternehmer ihm geben wollten. Nur etwa ein Drittel der Arbeiter haben sich der Kontrolle als ausgesperrt gestellt. Und wenn auch kein Zweifel darüber besteht, daß die Scksarfmacher ihre lauen Kollegen mit allen Mitteln des Terrorismus zu zwingen versuchen werden, den Beschlüssen des Arbeitgeberbundes nachzukommen, so ist doch schon heute klar, daß es den Unternehmern in diesem Kampf an jenem Elan fehlt, der die Vorbedingung für eine erfolgreiche Durch- führung des Kampfes von ihrer Seite wäre. Sie haben zum Sturm aufgerufen, und die Masse ihrer Truppen hat es vor- gezogen, abwartend in den Laufgräben liegen zu bleiben. Die Arbeiterschaft, die zu'ihrem Empfang bereit auf den Schanzen steht, sieht nur ein kleines Häuflein gegen sich anstürmen. Natürlich stellt die bürgerliche Presse sich völlig auf die Seite des Unternehmertums. Die Waschzettel des Arbeit- geberbundes für das deutsche Baugetverbe finden bei ihr be- reitwillige Aufnahme. Und vor allen Dingen ist es der Acht- stundentag, der in der bürgerlichen Journalistik ein Ver- brechen an sich und im Bauberuf insbesondere wäre. Da wird noch eine Beweisführung ausgegraben, welche das„Zentral- blatt für das Baugewerbe" schon vor Wochen brachte. Es heißt in der Notiz: „Ter Achtstundentag muß mit der größten Energie zurück- gewiesen werden, weil er eine enorme Verteuerung aller Bauarbeiten nach sich ziehen würde. Die Arbeit- nehmer fordern zum Ausgleich für die Verringerung der Ar- beitszeit eine Lohnerhöhung von 10 Pf., damit würden sich die Herstellungskosten eines Bauwerkes um 13.3 Proz. erhöhen, durch die Herabsetzung der Arbeits- zeit würde eine Verlängerung des Endtermins um 12.5 Proz. eintreten, wie auch die dann etwa notwendigen Doppelschichten eine weitere erhebliche Verteuerung der Bauarbeiten im Gefolge haben würden, und wer würde naturgemäß die Mehrkosten zu tragen haben? In erster Linie die Auftraggeber im Baugewerbe, die bauenden Behörden und die privaten Bauherren; in letzter Linie aber die All- gemeinheit. Von Arbeitnehmerseite wird zwar immer ge- sagt, das bißchen Lohnerhöhung bringe die Meten nicht hoch, dies bewirke die Terrainspekulation, die kapitalistische AuS- Nutzung des Grund und Bodens. Eine derartige Verteuerung des Bauens, daS wird jeder denkende Mensch zugeben, muß jedoch zur Steigerung der Mieten, dadurch aber zur Steigerung der Lebenshaltung des Arbeiterstandes und in weiterer Folge wiederum zu neuen Ansprüchen nach Lohn und Gehaltszulage führen. Eine Schraube ohne Ende..... In den weitaus meisten Gewerben kann eine Verringerung der Arbeitszeit durch Vermehrung der Arbeitskräfte ausgeglichen werden, im Bau- gewerbe ist das aber nicht möglich. Es können an einem Bau- Werk bei achtstündiger Arbeit nicht mehr Leute arbeiten, als bei der neunstündigen; eine Mehreinstellung von Arbeitskräften verbietet einfach der dann entstehende Mangel an Arbeits- und Bewegungsraum. Deshalb muß die Verkürzung der Arbeits- zeit naturnotwendig eine entsprechende Verlängerung der Zeit- dauer bewirken, innerhalb deren ein Bauwerk fertiggestellt werden kann. Gerade dieser Umstand aber und seine schweren Folgen machen die Herabsetzung der Arbeitszeit in Berlin unmöglich. DaS Baugewerbe ist als Saisongewerbe an die Termine April und Oktober gebunden, zu denen die Neubauten bezogen werden. Wird ein Gebäude zu Anfang Oktober ab- gerissen, so muß der Bau des neuen so gefördert werden, daß es am 1. Oktober des nächsten Jahres wieder vermietet werden kann. Zu dem Zweck müssen die Sommermonate ausgenutzt werden. Wenn aber die Arbeitszeit im Sommer verringert wird, so reicht die Zeitdauer eines Jahres nicht mehr hin, das Gebäude fertig zu stellen, woraus sich große Zinsverluste und schwere Schädigungen nicht nur des ganzen Gewerbes, sondern weitester BevölkerungS- kreise ergeben würden." „Der Staat bin ich." sagte Ludwig XIV. von Frank- reich:„die Allgemeinheit sind wir." sagen die Berliner Bau- Unternehmer! Wenn eine Verteuerung der Bauarbeiten wirklich herbeigeführt würde, so liegt an und für sich noch gar kein Grund vor. daß die Mehr- kosten naturgemäß" in letzter Linie von der Allgemeinheit getragen werden. Zuerst ist nämlich noch der P r o f i t der Bauunternehmer da! Wenn der Lohn erhöht wird, so tritt„naturgemäß" zunächst keine weitere Folge ein, als daß der Prosit verringert wird. An und für sich also brauchen deswegen keine Mieten gesteigert und„weiteste Be- Völkerungskreise" nichtgeschädigt zuwerden. Aber es ist bezeichnend für die Denkart der Bauunternehmer— wie für die kapitalistische Denkart überhaupt— daß sie es für ganz selbstverständlich. für»naturgemäß" ansehen, daß sie von ihrem Profit keinen Pfennig hergeben, sondern alles sofort durch Mietssteigerung auf andere Leute überwälzen! Das betrachten sie als ein Naturrecht des Kapitals I Und so spiegelt sich in ihrem Kopf die Forderung, die lediglich gegen den Profit sich richtet, als gegen die Allgemeinheit gerichtet. Dazu kommt nun aber, daß eine Verteuerung der Bau- arbeiten infolge verkürzter Arbeitszeit noch keineswegs als aus- gemachte Sache gelten darf. Es ist merkwürdig, wie wenig unsere Kapitalisten aus der Erfahrung lernen. Schon als im Jahre 1832 in England die Arbeitszeit, die bis dahin weder Maß noch Ziel gekannt hatte, gesetzlich auf 12 Stunden fest- gelegt werden sollte, schrien die Kochitalisten, daß dadurch die Produktionskosten verteuert würden. Bald nachher zeigte die Erfahrung, daß, infolge erhöhter Intensität der Arbeit, in 12 Stunden spielend dasselbe geleistet wurde, wie vorher in 15, 16, 17 Stunden. Im Jahre 1847 kam die Einführung des Zehnstundcntages in den Spinnereien und Webereien Eng- lands. Wiederum Zeter Mordio der Kapstalisten. Diesmal aber zeigte sich nach wenigen Jahren, daß in zehn Stunden sogar mehr geleistet wurde als früher in zwölf. Und so ging's fort bei jeder Verkürzung der Arbeits- zeit in England wie in Deutschland, wie in allen kapitalistischen Ländern. Jedesmal zeterten die Kapitalisten über drohende Verteuerung der Produttionskosten, und jedesmal zeigte sich nachher, daß der Zeitausfall durch vermehrte Anstrengungen zum mindesten wettgemacht, meist aber überttoffen wurde. Englische Kapitalisten wissen das jetzt— man lese z. B. John Raes Buch über den„Acht- stunden-Arbeitstag", das zahllose Beispiele enthält, darunter viele, wo die Arbeitszeit ausdrücklich zu dem Zweck verkürzt wurde, die Produktton und dadurch den Profit zu vermehren. Aber Berliner Bauunternehmer haben natürlich immer noch nicht nöttg, das zu wissen. Dabei ist das Baugewerbe eines von denen, wo diese Folge sich wahrscheinlich am schnellsten einstellen wird. Nur komisch muß es den Kenner wirtschaftlicher Zusammenhänge berühren, wenn er die bewegliche Klage hört, im Baugewerbe sei eine Ausgleichung der verkürzten Arbeitszeit durch Einstellung von mehr Arbeitern unmöglich. Der einzige halbwegs plausible Grund, den die Kapitalisten früher gegen die Verkürzung anführten, ist nämlich der: wo Maschinen an- gewandt würden, komme es auf die Leistungsfähigkeit der Arbeiter wenig an; denn nicht der Arbeiter, sondern die Maschine mache das Werk, und wenn diese nur elf Stunden laufe, so könne keine Macht der Erde bewirken, daß sie das- selbe leiste wie in zwölf. Auch dieser Einwand hat sich durch die Tatsachen als hinfällig erwiesen. Es würde zu weit führen, an dieser Stelle noch darauf einzugehen. Aber im Baugewerbe sind bekanntlich bis heuttgen Tages noch sehr wenig Maschinen eingeführt. Hier kommt noch fast alles auf die persönliche Leistungsfähigkeit der Arbeiter an. Gerade in diesem Gewerbe zu jammern, daß sich die Arbeitszeitverkürzung nicht ausgleichen lasse, zeugt von einer geradezu verblüffenden Unkenntnis der einfachsten wirtschaftlichen Tatsachen. Uebrigens ist natürlich die Frage des Achtstundentages in diesem Kampfe nur eine vorgeschobene. Die Arbeiter selbst würden daüber mit sich reden lassen. Daß die Unternehmer es nicht tun, zeigt, daß für sie noch anderes auf dem Spiele steht. „Sie haben drei Jahre lang einen sehr günstigen Arbeitsvertrag gehabt", sagte ein Wissender im„Tag", „und sie halten den jetzigen Zeitpunkt für günstig, ihn zu verlängern. Das ist der springende Puntt." Der- selbe sachverständige Industrielle hat die Mehrkosten berechnet, die beim Bau eines Hauses für 166 666 M., also das typische Berliner Wohnhaus, entstehen würden. Die Ziffer ist noch nicht einmal vierstellig I Was aber auch die Ursache dieses Kampfes ist: wir stehen jetzt mitten i n ihm. Wenige Tage noch und das Kräfteverhälttiis beider Parteien wird festgestellt sein. Hoffen wir, daß diese Feststellung schneller als im Holzgewerbe den Unternehmern die Ueberzeugung beibringen wird, daß die modernen Arbeiterorganisattonen nicht mehr niederzureiten sind l ••• Ueberall begaben sich gestern die ausgesperrten Arbeiter des Baugewerbes nach ihren Kontrollstellen, von denen die drei Zentral- verbände der Maurer, Zimmerer und Bauhülfsarbeiter nicht weniger als 79 eingerichtet hatten. Hier herrschte eine lebhafte Tätigkeit. Galt es doch genau festzustellen, wer von den Mitgliedern ausgesperrt worden war, wer nicht, welche Unternehmer die AuS- sperrung ganz, welche sie teilweise durchgeführt hatten und welche Unternehmer sich überhaupt nicht an den Beschluß ihres Ver- bandes gekehrt hatten. Daneben waren noch verschiedene andere Fragen zu beantworten, Streikkartcn und Arbeitsbcrechtigungs- karten mußten ausgestellt werden, und alles sollte, soweit es unter den außergewöhnlichen Umständen nur irgend möglich war, mit der Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit vollführt werden, die diesen in manchem Kampf erprobten Arbeiterorganisationen als etwas Selbstverständliches erscheint. Das war keine leichte Arbeit. Der Strom der Ausgesperrten war jedoch bei weitem nicht so stark, als man nach den großen Anstrengungen des Unter- nehmerverbandcs, eine wirklich allgemeine Aussperrung zustande zu bringen, annehmen mußte. Die Unternehmer haben die Weisung ihrer Organisation nur sehr mangelhaft befolgt. Alle die mehr oder minder sanften Ermahnungen und Drohungen haben zu einem guten Teil ihre Wirkung verfehlt. Gar mancher Unternehmer, auch mancher organisierte, kann es nicht begreifen, daß es in seinem eigenen oder im Jntereße seiner Kollegenlchajt liegen soll, sein Geschäft jetzt in der guten Zeit des Jahres still zu legen, auf sicheren Gewinn zu verzichten, ja vielleicht gar seine Existenz auf's Spiel zu setzen, damit später andere kapitalkräftigere Leute ihm die mit Mühe erworbene Kundschaft wegschnappen. 50 009 Ausgesperrte, von denen gestern schon bürgerliche Blätter zu berichten wußten, kommen gewiß nicht heraus, selbst wenn man die Streikenden dazu rechnet, die, den Beschlüssen ihrer Organisationen folgend, überall bei den Unternehmern, die nur einen Teil ihrer Arbeiter ausgesperrt hatten, die Arbeit nieder- legten. Manche Arbeiter, die meinten, daß die Unternehmer gleich einen ihren Beschlüssen entsprechenden Kampf eröffnen würden, waren geradezu enttäuscht über die Schwäche, mit der von dem Gegner vorgegangen wurde. Bezeichnend waren die ersten Er- gebnisse, die von Kontrollstellen der Zimmerer einliefen. Da wurde aus einem Bezirk berichtet, daß von 16 Unternehmern nur 4 ausgesperrt hatten, die größeren Firmen sich nicht beteiligten und die Zahl der ausgesperrten Zimmerer nur 28 betrug von 123 Mitgliedern im Bezirk. Nachrichten aus anderen Bezirken ergaben ungefähr dasselbe Bild: bei 310 Mitgliedern 82 Aus- gesperrte, bei 331 Mitgliedern 88 und in einem anderen Bezirk mit der gleichen Mitgliederzahl nur 57 Ausgesperrte. Die Zu- sammenstellung der eingegangenen Nachrichten aus allen Kontroll- stellen ergab dann, daß 1060 zentralorganisierte Zimmerer aus- gesperrt waren oder wegen teilweiser Aussperrung bei ihrem Ar- beitgeber dir Arbeit selbst niedergelegt hatten. Dabei kommen für das Aussperrungsgebiet ungefähr 5000 zentralorganisierte Zimmerer in Betracht. Von den 792 Arbeitgebern im Zimmerer- beruf, die bei der letzten Ermittelung gezählt wurden, hatten sich bis gestern abend nur ungefähr 90 an der Aussperrung beteiligt. Unter denen, die nicht ausgesperrt haben, sind viele große und namhafte Firmen, die auch ihrem Verbände angehören. Die Zahl der zentralorganisierten Maurer, die ausgesperrt sind, läßt sich bis jetzt genau noch nicht feststellen. Eine große Anzahl hat am Pfingstabend oder schon früher Berlin verlassen. Andere haben in den Feiertagen Reisen zu Verwandten unternommen und sind noch nicht zurückgekehrt. In den Kontrollstellen des Maurerverbandes meldeten sich bis gestern abend 5330 Ausgesperrte und Streikende, die wegen teilweiser Aussperrung die Arbeit eingestellt hatten. Eine Bautenkontrolle, die am selben Tage durchgeführt wurde, ergab, daß auf 654 Arbeitsplätzen 3557 Maurer tätig waren, die also nicht a u s g e s p e r r t-wurden. Wie bei den Zimmerern, so zeigt es sich hier auch, daß große und sehr bekannte Firmen nicht oder nur teilweise aussperrten. Zentralorganisierte Maurer sind im Aussperrungsgebiet ungefähr 13 500 vorhanden. Es ist als sicher anzunehmen, daß die Zahlen der Ausgesperrten in den nächsten Tagen etwas steigen werden, da erstens die gestrige Kontrolle noch keine vollkommene sein konnte und dann auch wohl die Unternehmer alles aufbieten werden, um ihrem Beschlutz mehr Geltung zu verschaffen.— Bei den zentralorganisierten Bauhülfsarbeitern war es bis gestern abend noch nicht möglich, eine einigermaßen genaue Uebersicht über den Stand der Aussperrung zu� gewinnen. Die Freie Vereinigung der Bauarbeiter hat ihre Kontrollstelle Steinstraße 38 eingerichtet. Im ganzen hatten sich 357 Ausgesperrte, die bei 67 Unternehmern beschäftigt waren, gemeldet. Dazu kamen noch 49 Arbeitslose. Zahlreiche Mel- düngen lauteten dahin, daß Unternehmer einen Teil der Leute zurückbehielten, um noch„notwendige Arbeiten" fertigstellen zu lassen. Manchem schien es doch eine Torheit, die Arbeiter, die er notwendig braucht, wenn er bauen will, fortzuschicken. Daß man sich auf teilweise Aussperrungen nicht einläßt, ist auch unter den Bauarbeitern die allgemeine Parole. Man rechnet danach mit 450 Ausgesperrten. Die Freie Vereinigung der Zimmerer nahm die Kontrolle im Vereinslokal in der Dragonerstr. 15 vor. Die Zahl der Ausgesperrten erreichte 437; außerdem meldeten sich noch 86 Arbeitslose. Man war etwas verwundert, daß die so pomphaft angekündigte Aussperrung kein höheres Zahlenresultat brachte. In vielen Fällen zeigte sich, daß die Unternehmer nur mit einer gewissen Vorsicht auf die wertvolle Arbeitskraft der Leute verzichteten und nicht selten einige Kolonnen zurückbehielten. Damit sind natürlich die Arbeiter nicht einverstanden. Wo ein Teil der Kollegen entlassen wird, legen auch die anderen die Arbeit nieder./ Die Freie Vereinigung der Maurer hat ins- gesamt 24 Kontrollstellen eingerichtet, 14 für Groß-Berlin und 10 weitere für Maurer, die in größerer Entfernung von Berlin ihren Wohnsitz haben. Am Mittwoch früh begann die Kontrolle, deren Resultate erst spät im Hauptquartier bekannt wurden. Die Zahl der Ausgesperrten beläuft sich auf 800. Die Stichwahlen in Oesterreich. Am heuttgen Tage finden in Oesterreich 169 Sttchwahken statt, und zwar sind unsere Parteigenossen, die sich am 14. Mai fo wacker geschlagen haben, an nicht weniger als III der engeren Wahlen beteiligt I Selbst wenn sich der große Kampf- platz besser übersehen ließe, als es in Wirklichkeit der Fall ist, wäre es doch vermessen,„Tips" über den vermutlichen Aus- gang der Stichwahlen anzugeben; den die Kompliziertheit des nattonal und sprachlich so stark zerklüfteten Reiches, die schon am Hauptwahltage ganz eigenartige Kombinationen schuf, sie dürfte den Tag der Stichwahlen noch eigenarttger, noch merk- würdiger gestalten. Die Christlichsozialen sind an 29 Stichwahlen beteiligt und ihre Chancen müssen im allgemeinen als gute bezeichnet werden; zumal in Wien lächelt ihnen das Glück; denn die sogenannten„Freialldeutschen" wollen den roten Siegern vom 14. Mai die Wahlfreude nach Kräften vergällen und den Christlichsozialen— Luegers Kampfgenossen— heute zum Siege über die Sozialdemokraten verhelfen. Aus Galizien, das doch schon ani Freitag gewählt hat. sind noch immer nicht so viele und so klare Resultate bekannt. daß es möglich wäre, die Situation in diesem Kronland mit seinen 10G Mandaten zu Werblukm. Mer soviel stellt fest, das; hier in der nächsten Woche glenchfalls eine nicht unbeträcht- liche Anzahl, Stichwahlen voirzunehmen sein wird. Was übrigens die Niederlage des Genossen Daszynski betrifft, so ist Aussicht vorhanden, diesen tapferen Streiter doch noch ins Parlanient hineinzuMomme»; tienn da Genosse R e s e l zwei» ural gewählt ist— in Marbuug und in Graz—, so wird Daszynski bei der Nachwahl in einem der beiden Kreise— voraussichtlich in Graz— kand-rdatieren können. Die Herren Gegner der Sozialdemokratie dicrften also zu früh trUnnphiert haben, als sie sich bei der Kwrde von Daszynskis Niederlage ins Fäustchen lachten. Dem heutigen Stichwahlta-g sieht die politische Welt, sieht vor allem die internationale Sozialdemokratie mit hoffnungs- voller Spannung entgegen. Wie die Resultate auch ausfallen mögen daß Oesterreichs Arbeiterschaft sich, soweit prole- larischer Eifer und politisches Verständnis in Frage kommen, des Mai 1907, des ersten großen Siegestages unterm allgememen Wahlrecht würdig erweisen wird, deß können wir gewiß sein. Unsere Gedanken weilen h'cut bei unseren österreichischen Brüdern, denen der 23. Mai eine freudige Fortsetzung dbs glorreichen 14. bedeuten möge. Der Triumph des Afsefforismus. Die Zusammensetzung des Kolonialsekretariates hat auch die freifinnigePresse zu dem Eingeständnis gezwungen, daß in der Kolonialpolitik trotz des neuen Demburg-Kurses der Asscsssr Trmnpf bleibt. Dernburg bleibt der einzige Kaufmann unter allen Kolonialbeamten. Die übrigen Herren sind lauter Bureaukraten und ehemalige Assessoren. Schon in seiner gestrigen Morgenausgabe äußerte das „B e r l. T g b I." sein Befremden darüber, daß Herr v. L i n d e- gut st, der bisherige Gouverneur von Südwestafrika, zum Unterstaatssckretär des Reichskolonialamtes ernannt worden sei. Es sei doch viel rationeller gewesen, Herrn Lindequist in Südwestafrika zu lassen, wo er in den zwei Jahren seiner Gouvernementstätigkeit ganze neun Monate anwesend gewesen iei. Vollends wundersam sei es, daß dann an Stelle des Herrn von Lindequist der konservative Landtagsabgeordnete von Schuckmann treten würde. Seine einzige Empfehlung ,ei die, daß er jüngst von der Tribüne des preußischen Abgeordnetenhauses herab eine Kapuzinade gegen das nächt- »iche Treiben in der Friedrichstraße und in den Berliner Nachtlokalen gehalten habe. Spötter behaupteten, daß Herr Schuckmann aus einer intimen Kenntnis des Berliner .achtlebens heraus gesprochen habe.„Wir lassen das dahin- gestellt, aber wir zweifeln gleichfalls nicht daran, daß Herr v. Schuckmann jedenfalls Berlin viel besser kennt als Südwestafrika." Seine ganze Kenntnis des KolonialwcsenZ bestehe darin, daß vor 15 Jahren einmal Herrn v. Puttkamer sechs Monate ang in Kamerun vertraten habe. Ueberdies sei Herr Schuckmann im Jahre 19M wegen eines Augenleidens in oen einstweiltgenRuhestand versetzt worden. Wahr- scheinlich werde man die beruhigende Versicherung erhalten, mß das Augenleiden inzwischen behoben sei. Das sei ja für Herrn Schuckmann sehr erfreulich, aber es rechtfertige noch keineswegs seine Wahl zum Gouverneur von Südwestafrika. In seiner gestrigen Abendnummer konstatiert das„Berliner Ngeblatt" nochmals ausdrücklich, daß unter den Beamten .es Reichskolonialamtes außer Demburg kein einziger 'aufmann sei. Da3 Blatt schließt seine melancholischen Betrachtungen: „Wir wollen deshalb nicht an der Qualifikation dieser Beamten zweifeln. Vielleicht find sie, um mit Witting zu sprechen, tüchtige, intelligente und brauchbare Männer, obgleich sie Assessoren waren. Nur die Erwartung einer Blutauffrischung gerade innerhalb des Kolonialamtes hat sich nicht erfüllt. D i e Leitung unserer Kolonien wird in Zukunft nicht in der Hand von„Amerikanern", son- dern von Bureau kraten liegen. Der Assessor triumphiert, wie er in Preußen und im Reiche noch immer triumphiert hat. Holt man aber schon einmal einen neuen Mann heran, dann entpuppt er sich auch wieder als ein Produkt der Bureaukratie. Herr v. Schuckmann lebte zwar seit sieben Jahren im Ruhestande, aber er ist doch auch einmal öiegierungsassessor gewesen.„Ich brauche Amerikaner," sagte der Kaiser.„Machen wir." erwiderte die Regierung, und berief den konservativen Landtagsabgeordneten v. Schuck- manu an die Spitze von Südwestafrika. Das heißt man dann Kolouialreforw." Auch die Zusammensetzung des Kolonialamtes ist wiederum ein eigenartiges Produkt dcr„ronservativ-liberalen Paarung". Der Assessorismus, der beseitigt werden sollte, feiert seine höchsten Triumphe l Aber auch mit diesem Rein- fall wird sich der Liberalismus sehr bald abfinden. Wenn die Herren von der Börse auch von den Beamten- stellen ausgeschlossen sind, so wird doch Herr Dernburg ander- wettig für fie sorgen. Sollen doch allein die drei für Deutsch- o st a f r i k a geplanten Eiscnbahnbauten nicht weniger als 143 Millionen Mark kosten, wie die„Freisinnige Zeitung" berechnet. Und wenn die„Freisinnige Zeitung" heuchlerisch darüber klagt, daß die Kosten für all' diese user- losen Kolonialeisenbahndauten nicht vom privaten Kapital, sondern tn letzter Instanz von dem Staat, d. h. den deutschen Steuerzahlern aufgebracht werden sollten, so reibt sich gerade deshalb unser Börscnliberalismus schmunzelnd die Hände. Wir haben ja kürzlich an verschiedenen Beispielen gezeigt, welch' brillantes Geschäft unsere Banken und Etsenbahn-Gesell- schaften bei diesen Kolonialspekulationen machen. Die 600(X» Mark, die unsere Börseaner zur Hottentottcnwahl gespendet haben— eine Summe, von der, wie Bebel im Reichstag ohne Widerspruch feststellte, nicht weniger als 200 000 Mark in die Taschen der freisinnigen Parteien geflossen sind— sind ja gerade in der Erwartung gespendet worden, daß Herr Dernburg die koloniale Beutepolitik der Bankokratie nach Möglichkeit fördere. Mögen also immerhin die Herren Afsesioren die kolonialen Beamtenposten be- sehen: der Börsenliberaltsmus macht dämm nicht minder sein Geschäft. Und im Zeichen der Prositmacherei wird der Freisinn solange mit der Rechten durch Dick und Dünn gehen, bis endlich dem geprellten, durch unerhörte Steuerbelasümg ausgepowerten liberalen Kleinbürgertum die Auge» übergehen!__ Evangelisch-soziale Klopffechtereien. Der evangelisch-sozialc'Kongreß, der heuer in Straßburg tagt, wurde mit einer Ansprache des bekannten Pro- fessorS Harnack eröffnet. Harnack ist der bekannte liberale Theologe, oer Stein des Anstoßes aller Orthodoxen. Er wurde kürzlich sogar als Anwärter für den Posten des preußischen Kultusministers genannt— einer der schönen liberalen Paarungsträume, die inzwischen längst ausgeträumt sind. Uebrigens hätte man Herrn Harnack gern zum preußischen Kultus- minister machen können. Gehört er doch zu der Sorte von Liberalen, für die es kein wichtigeres Ziel der politischen Betättgung gibt, als die„Zurückdrängung der Sozialdemo- kratie". Diese vermeintliche Zurückdrängung feierte denn auch der liberale Theologicprofessor im Eingang seines Vortrages be- sonders ostentativ. Vielleicht hat er die Hoffnung auf die Nach- folgerschaft StudtS trotz alledem noch nicht aufgegeben I Zum mindesten suchte er sich in seiner Rede als durchaus harmlos liberalen Klopffechter und geschworenen Gegner der Sozial- demokratte zu präsentieren. Der Herr trat für die Sozial- Politik ein,„trotz der Erschwerung, die die Sozial- demokratte durch maßlose Forderungen der Arbeiter, wie wir sie eben wieder erleben sAchtstundenforderung der Maurer?), der Förderimg der sozialen Gesetzgebung bereite". Auch die Frage der Koalitionsfreiheit für die Landarbeiter bezeichnete Herr Harnack als eine„sehr subtile und keineswegs einfach zu lösende Frage". Er befürwortete eine Sozialpolitik und ein System der sozialen Assoziation, das aber der„eigenen Selbstbestimmung den notwendigen Spielraum zu lassen und die Tatkraft und die Eigenartdes Einzelnen offen zu halten" habe. Er befürwortete also eine Paarung von Manche st ertum und StaatSsozialismusl Nicht besser stand eS um die übrigen Reden. Professor CurtiuS verfocht die famose These, die evangelischen Geistlichen seien besonders dazu berufen, Sozialpolitik zu treiben, weil— sie „keiner politischen Partei zugeschworen" seien. Professor v. Schnlze-Gävernitz phantasierte von der „neudeutschen Kultur". Im deutschm Sozialismus vollziehe sich zurzeit ersteulicherweise eine LoSlösung von der Hegel-Marxistischen Grundlage. Diese theorettsche Wandlung dürfte auf die Dauer von nicht geringerer Bedeutung ein, als daS Vordringen des gewerkschaftlichen Elements in der Partei. Der gute Mann hofft, daß im Jahre 2000, also in 100 Jahren die„gewerkschaftlich organisierten Oberschichten der deutschen Srbeiterwelt wirtschaftlich gesichert und anständig behaust" und infolgedessen auch vom„deutschen Kultur- gedanken" durchtränkt sein werden. Dieser„deutsche Kultur- gedanke" soll in der„Förderung der kapitalistischen Grundlagenderneudeutfchen Volkswirtschaft" bestehen! Herr Schulze-Gävernitz gibt also der Dernburgischen Wcltpolitik und der nationalen Blockpaarung eine Dauer von netto hundert Jahren! Schwarzseher werden nicht geduldet! Der greise Adolf Wagner war wenigstens so ehrlich, zuzugestehen, daß trotz der Hebung der Lebenslage mancher Arbeiterschichten die Ab- hängigkeit des Arbeiters von der ungeheuren Kapitalkonzeneration heute schlim/ner sei als früher. In einer späteren Rede bezeichnete er— der christlich- soziale Gegner des Liberalismus— die liberale Kommunal- Verwaltung Berlins als die„rückständigste und rückschrittlichste der Welt". Im übrigen aber drosch auch Herr Wagner jenes staatS- sozialistische Stroh, daS er bereits seit manchem Jahrzehnt unentwegt gedroschen hat. Auch für die evangelisch-sozialen Kongresse gilt daS 43 er Wort: 99 Professoren, Vaterland, du bist verloren! Zum Glück ist daS deutsche Proletariat bereits derart zum Selbstbewußtsein erwacht, daß es seine sozialen und polittschen An- gelegenheiten selbst in die Hand nimmt, ohne den evangelisch- sozialen oder sonstigen akademischen Klopsfechtern mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als eS solch' unfreiwilligen Humoristen der Politik gegenüber am Platze ist!—_ Die Landarbeiter in«ltramontaner Beleuchtung. «DaS Zentrum wird agrarisch sein oder es wird nicht sein">— hat einst der schlesische Zentrumsgraf S t r a ch w i tz verkündet. Nach der Fürsorge, die das Zentrum dem Agraricrtum allzeit hat zuteil werden lassen, muß man anerkennen, daß es bemüht ge- Wesen ist, im Sinne des Strachwitzschen Wortes seine Zukunft sicherzustellen. Das Zentrum hat viel für die Agrarier getan; es hat Bismarck im Jahre 1379 ermächtigt, die Getreidczölle ein- zuführen; eS hat bei jeder weiteren Erhöhung mitgewirkt, und dem Zentrum dürfen die Agrarier in allererster Linie daS Gelingen des letzten großen Raubzuges danken, den sie durch den Zolltarif im Jahre 1992 auf die Taschen des deutschen Volkes ausüben durften. Je mehr aber das Zentrum für die Grundbesitzer tat, desto beharrlicher wußte es sich der Fürsorge für den Teil der landwirtschaftlichen Bebölkerung zu entziehen, der ihrer sowohl durch seine Zahl wie durch sein Elend am meisten bedurft hatte: die Landarbeiter. Das Zentrum zeigte kein Gefühl für die traurige Lage und die Rechtlosigkeit der Agrarsllavcn. Zwar hat Herr Giesberts als Gewerkschafter in letzter Zeit wieder- holt die Landarbeitcrfrage erwähnt und auf die Notwendig. keit der Organisierung der ländlichen Ar- beiterbcvölkerung hingewiesen— letzteres allerdings unter Vorbehalten, die deutlich genug bewiesen, wie wenig die Organisation der Landproletarier den Agrariern wehe tun sollte. WaS in Wirklichkeit die Landarbeiter von ihren ultramontanen Freunden zu erwarten haben, daS hat sich jüngst in Bayern gezeigt. Dort hatten sich, wie de««Kölnischen Volks- zeitung" geschrieben wird, im RegenSburger Bezirk eine Anzahl Landarbeiter dem christlichen Verbände der Hülfs- und Transportarbeiter angeschlossen. Wie das unter Christcnleuten nun mal so üblich ist. ließen sich die frommen Zentrumsbauern diesen Eingriff in daS patriarchalische Vorrecht nicht gefallen; die Gutsherren maßregelten die Wortführer der organisations- lustigen Landarbeiter und kündigten ihnen auch die Wohnung. Daraufhin hat der genannte christliche Verband eine Versammlung veranstaltet, in der ein christlicher Gewerkschaftsführer bezüglich der Haltung der christlichen Arbeiter zur Landwirtschaft eine An- zahl Leitsätze aufstellte. Darin wird zunächst hervorgehoben, daß die christlichen Gewerkschaften die Landwirtschaft als das Rück- grat des deutschen Volkes betrachten, daß sie dem- gemäß dem Zolltarif mit dem landwir tschaft. lichen Zollschutz zugestimmt haben. Dafür wünschen sie nun auch eine»größere Beachtung des Landarbeiters". Um nun im einzelnen zu zeigen, daß die Befürchtungen der Landwirte bezüglich der Organisierung der Landarbeit� grundlos sind, wird angeführt:. «Die christlichen Gewerkschaften werden ihre«orderungen erst aufstellen nach reiflicher Ueberlegung und nach sorg. fältiger Prüfung der jeweiligen verhalt- nisse; vor allem ist eine Uebertragung der, n. dustriellen Lohne in die Landwirtschaft unmöglich...... Tie Arbeitszeit wird in der Landwirtschaft nicht auf bestimmte Stunden festzulegen s e i n, da die Landwirtschaft von der Gunst der Witterung abhängig ist. Die Organisationen wollen nicht den Streik in die Landwirtschaft eiufühxea, brnde«, durch teste, angemessene Verträge der Landwirtschaft einen treue» Arbeiterstamm vermitteln und das Davonlaufen der Landarbeiter verhindern, dagegen aber auch den Arbeiter vor Uebervorteilungen durch den Arbeitgeber schützen. Die Gewerkschaften werden das Pflichtbewußtsein der Arbeiter heben und damit die Unsitte der Montagsbummelei aufheben, Sparsamkeit heben und die Arbeiter zu Intelligenzen heranbilden, die ihre Arbeiten nicht mechanisch verrichten, sondern sich für ein Gedeihen ihrer Arbeit interessieren." Mehr an gesinnungsloser Unterwürfigkeit einem rücksichtslosen Unternehmertum gegenüber kann wohl nicht geleistet werden. Da erlauben sich fromme Agrarier, Landarbeiter auf die Straße zu setzen, die weiter nichts verbrochen haben, als daß sie einem ge- setzlich erlaubten Verbände beigetreten sind. Anstatt dieser Brutalität gegenüber die Rechte der Arbeiter zu wahren und den frommen Sklavenhaltern die Wahrheit zu sagen, ergehen sich die christlichen Arbeiterführer in Beteuerungen der Ergebenheit, in- dem fie ihre Organisation por dem Unternehmertum als eine harmlose Kinderei herabwürdigen, die niemandem wehe tut und eher den Unternehmern als den Arbeitern dienlich ist. Eine „größere Beachtung des Landarbeiters" wollen sie anstreben und „den Arbeiter vor Uebervorteilungen durch den Arbeitgeber schützen"— im übrigen aber bestehen die Leitsätze in Versiche- rungen, was alles für den Gutsherrn getan und für den Arbeiter nicht getan werden soll! Und mit dieser an Verräterei grenzenden Unterwürfigkeit wollen die christlichen Arbeiterführer dem Unter- nehmertum Achtung einflößen I—- Der Reichslngenverband bei der Manlwurfsarbeit. Die Zeit der polittschen Stille scheint der Reichslügen- verband zu intensiver Kleinarbeit unter der Arbeiterschaft be- nutzen zu wollen. Aus allen möglichen Gegenden Deutsch- lands kommen jetzt Meldungen, daß die Liebertgarde mit Hülfe des Unternehmertums versucht, an die einzelnen Arbeitet heranzukommen. Ein reichsverbändlcrisches Rundschreiben, das an die Industriellen von Bautzen und Umgegend gerichtet ist, ging uns zu. Es lautet: Vertraulich. Bautzen, 10. Mai 07. Sehr geehrter Herr! Die letzte hiesige ReichstagSwahl hat gezeigt, daß auch hier ein beträchtlicher Teil der Arbeiter im sozialdemokratischen Banne steht, und seit jener Wahl ist die Sozialdemokratie im hiesigen Bezirke wieder eifrig am Werke, sich ihre Arbeitergefolgschaft zu erhalten und sie nach Möglichkeit noch zu vermehren. Besonders in ihrer Tagespresse ist sie mit Verhetzung, Verleumdungen und Schmeicheleien beständig und lebhast bemüht, vor allem die Arbeiterschaft von jedem Verkehr mit den übrigen Gesellschaftsklassen abzuhalten, ihr selbst das Lesen der bürger- lichen Zeitungen zu verleiden, um so die Arbeiter nur den sozial- demokratischen Irrlehren zugänglich und der sozialdemokratischen Führung unbedingt gefügig zu machen. In Anbetracht dessen gilt eS jetzt, die Arbeiter mtt auf- klärendem Lesestoff zu erreichen, damit ihre vollständige Ver- gewaltigung durch die Sozialdemokratie verhütet und ver- eitelt wird. Die unterzeichnete Ortsgruppe des ReichsverbandeS gegen die Sozialdemokratie beabsichtigt deshalb, den einzelnen Arbeitern in ihren Behausungen möglichst durch die Post Flugblätter zu schicken, in denen versucht wird, in sachlicher, ruhiger Weise allmählich die Arbeiter über daS wahre Wesen der Sozialdemokratte und darüber. wie die Arbeiterinteressen durch die Sozialdemokratie vertreten worden sind, aufzuklären, sie von der grundsätzlichen Richtigkeit friedlichen Einvernehmens mit den Arbeitgebern zu überzeugen und fie zum Wiederanschluß an die übrigen Vollsgcnossen zurückzugewinnen. Sie werden daher höflichst gebeten, der unterzeichneten OrtS- gruppe zu diesem Zwecke ein Verzeichnis aller Ihrer Arbeiter. Vorarbeiter usw. unter Angabe von deren Wohnungen baldgefälligst zukommen zu lassen. Von besonderem Nutzen und ganz besonders dankenswert würde es sein, wenn Sie die Güte hätten, dabei mit« zuteilen, welche Ihrer Arbeiter zu den ein- geschworenen, einer gegenteiligen Beein- flussung unzugänglichen Sozialdemokraten ge- hörten. Etwaige Anregungen Ihrerseits in dieser Angelegenheit würden dankbarst aufgenommen werden. S t r e n g st e r Ver- schwiegenheit seitens der unterzeichneten Orts» gruppe dürfen Sie sich versichert halten. Die Satzungen des Reichsverbandes und der unterzeichneten Ortsgruppe desselben sowie eine kleine, die Entstehung deS Reichs- Verbandes darstellende Flugschrift folgen zu Ihrer gefälligen Kenntnisnahme und mag nur noch hervorzuheben sein, daß dci Reichsverband außerhalb der bürgerlichen Parteim steht und nm die Sozialdemokratte bekämpft. In größter Hochachtung Die Ortsgruppe Bautzen des Reichsverbandes gegen die Sozialdemolratie. gez. Eberhardt, Landgerichtspräsident a. D. Die..Münchener Post" veröffentlicht� dieser Tage ein Zirkular, das von der bayerischen Geschäftsstelle des Lügenverbandes ausging und von Bamberg dattert an ein staatliches Forstamt gesendet war. Es hieß darin, daß unter den Waldarbeitern eine Bewegung im Gange sei auf Koalitton aller Waldarbeiter. Man müsse versuchen, diese an sich berechttgte Bewegung in Bahnen zu leiten,„die dem Staats- interesse entsprechen". Das heißt es soll versucht werden, die Waldarbeiter von sozialdemokratischen Bahnen fernzuhalten. Das Forstamt wird gebeten, diesem Bestreben des Reichsver- bandes.hülfreiche Hand" zu bieten. Wörtlich heißt es weiter: «Das bestünde für das erste darin, uns die Namen aller in Ihrem Forstamte bediensteten Rottmeistcr mitzuteilen und durch die Herren ForstamtSassessoren, sowie durch die Organe des Forst- schutzeS, die Beamten und Bediensteten ic. in geeigneten Formen. die den sol. Argwohn nicht hervorrufen, die Arbeiter auf unsere Bestrebungen, sie in dem Bunde vaterländischer Arbeitervereine zu koalieren, hinweisen zu wollen. Der ergebenst Unterfertigte befindet sich zurzeit bei Ableistung einer militäriscben Uebung( 1) und kann von Ende Mai an leine Tätigkeit zur Organisation der Waldarbeiierschaft energisch auf- nehmen. Er würde dann im Benehmen mit Euer Hochwohl- geboren gerne einmal einen Bortrag vor den Arbeitern halten und damit die OrganisattonSarbeit einleiten. Wir bitten nun Euer Hochwohlgeboren ergebenst, uns Bescheid über die angeschnittene Frage zukommen zu lassen, und bemerken wir gleichzeirig. daß wir unS mit gleicher Post mit Herrn Ober- forsidirektor v. Huber und den Regicrungsforstabteuungen aller Kreise in Verbindung setzen, um auch hier an maßgebender Stelle unsere Ziele darzulegen und um offiziöse Unterstützung zu er- suchen." Zum Schluß wird gebeten, die Sache streng vertraulich zu behandeln. Im Thüringer Wald besucht ein Geschäftsreisender des Rcichslügenverbaudes die Unternehmer, dem ein Zirkular dcL Reichsverbandssekretärs Sänger zu Erfurt vorarbeiten soll, das die„Erfurter Tribüne" jüngst veröffentlichen konnte. Es heißt darin: l?.z ist bekannt, dast die Arüeit« in ihrer Mehrzahl ausschließlich sozialdemokratische Zeitungen lesen, wozu sie teilweise durch unerhörien Terrorismus gezwungen werden, die natürliche Folge davon ist, daß die Leute einseitig urteilen und dadurch zu uucrfiillbaren Forderungen sich veranlaßt sehen. Einem solchen Beginnen gegenüber kann nur eine Zeitung helfen, die einzig den Zweck verfolgt, in der Arbeiterschaft auf- klärend und werbend für den nationalen Gedanken zu wirken, dabei aber politisch, konfessionell und wirtschaftlich neutralmn auch daS rückhaltlost Lob des .Tempi" eintragen, der sein Mißtrauen gegen ihn noch nach der letzten, gegen Briand akzenwierten Kammerrede ausgesprochen hatte. Der Ministerpräsident bekommt daS Zeugnis ausgestellt, daß seine politischen Grundsätze ganz auf dem Niveau der derzeitigen Briand- scheu stehen. Daß jenes Zeugnis wohl verdient ist, beweisen fol- gende Aeußerungen ClemenceauS: Jedermann, der Unordnung stistet. ist ein wahrer Verbrecher gegen die Republik.... Wir wollen, daß... die Bürger Kundgebungen freier Männer ver- anstalten, aber wenn Gewalttäter da sind, die zu M o r d, P l ü n- derung und AntiPatriotismus anstiften, bann wende ich mich an meinen Freund Guhot-Derseigne, den Justiz- minister, und frage ihn:»Könnten diese Leute nicht ein wenig in den Gefängnissen des Landes stillegesetzt werden?'— Also sprach der berühmte Verteidiger der individuellen Freiheit I .AntiPatriotismus', das heißt: eine Gesinnung, setzt er als gleichwertig neben die Tat deS Mörders und Plünderers, und mit patriarchalischem Thrannenhumor setzt er sich über den Rcchtsbruch hinweg, der in der Verhängung der grundlosen Präventivhaft liegt. Nebenbei bemerkt ist daS, was Clemenceau über die Maniststailons- freiheit gesagt hat, direkt eine Unwahrheit; denn bei der unterdrückten Kundgebung für die Sonntagsruhe handelte eS sich um ein Gesetz, nicht um»AntiPatriotismus" und dergleichen. Im übrigen sind die Leute, die den»Temps" machen, viel zu klug, um sich mit Worten wie»Freiheit unter Wahrung der Autorität' und ähnlichen zu begnügen. Sie verlangen bielmehr von dem be- kehrten Antiautoritär prakttsche Beweise der löblichen Unter- werfung: vor allem die Zurückstellung der Einkommensteuer und die Voranstellung der Verschlechterung des Gesetzes über den Ruhetag sowie die Erledigung des Gesetzes über daS VereinigungSrecht der Beamten, d. h. die offizielle Konfiskation ihres KoaNtionsrechtS l Die Regierung soll also zunächst dem antisozialistischen Block Ge« legenheit geben, sich einzuexerzieren! JauröS, der immer noch versucht, eine Politik der radikalen Reformen durchzusetzen und Clemenceau dazu zu treiben, sein Ver- sprechen: mit der radikalen Linken zu regieren, einzulösen, soll von dem büßenden Ministerpräsidenten desavouiert werden. Die Lösung der Situation ist aber nicht nur für die parlamentarische Taktik der Sozialisten, sondern für die bürgerlich-radikale Partei von entscheidender Bedeutung. Was der„TempS" will, ist die Bildung einer sozialreaktionären Mehrheit auch um den Preis der bei der vor- geschlagenen Politik unvermeidlichen Sprengung derradikalsozialistischen Partei. Da fich aber Clemenceau überhaupt nur noch durch die Fiktion einer radikalen Politik an der Regierung erhält, würde er, wenn er den Ratschlägen seiner neugewonnenen Lobredncr folgte, nur den Ast absägen, auf dem er selbst sitzt. Mag er aber auch genug AlterSanzeichen aufweisen, so viel Schlauheit hat er sich gewiß noch bewahrt, um nicht geradeaus in diese Falle zu gehen. Da er sich andererseits die Rückkehr zu einer ehrlich radikalen Politik schon fast ganz abgeschnitten hat, so bleibt ihm laum etwas anderes als eine Taktik des Lavierens, die niemand zufriedenstellen kann und über kurz oder lang die offene Krise herbeiführen wird.— Belgien. Ein Minister als Verleumder. Brüssel, 22. Mai. Gestern kam es in der Kammer zu heftigen Auf- tritten, als der neue Arbeitsminister Hubert in recht ungeschickter Weise während einer Interpellation über den Kohlcnbergarbeiter- streik zu Husard behauptete, die Streikleiter führten gegen den Willen der Arbeiter den Ausstand fort, weil sie, die Strciklcitcr, hierfür täglich 5,59 Fr. bezögen!! Die Sozialisten erhoben einen unbeschreib- lichen Lärm. Dclporte nannte den Minister einen infame» Ber- leumdcr, und Schimpfworte wie»Lump" und»Lügner" regneten auf den Minister nieder. Schließlich wurde Delporte zur Ordnmig ge- rufen; er erklärte sich bereit, seine gegen den Minister gerichteten Beschimpfungen zurückzunehmen, wenn dieser seine Behauptungen bc- weise! DaS schwach besetzte HauS erklärte sich durch die Stimmen der Klerikalen und Konservativ-Liberalen für die Aufrechtcrhaltnng des Ordnungsrufes. Unter allgemeiner Erregung wurde die Sitzimg geschloffen. Cnglanck. London, 22. Mai. Der Beschluß der irischen National- konveution in Dublin wird in gleicher Weise von radikalen wie unionistischen Blättern als ein Scblaa ttir die Reoieriwo eufgefafet. Allgemein wird erwartet, daß der Birrelsche Gesetz- entivurf zurückgezogen werden wird. Der konservative„Daily Telegraph" spricht den Verdacht aus, dasz Campbell Bannerman die Absicht habe, seine im- perialistischcn Kollegen im Kabinett zu Fall zu bringen und in der Frage von Homerule für Irland an das Land zu appellieren.—_ DaS englische Asylrecht. London, IS. Mai. sEig. Ber.) DaS Haiidelsamt veröffentlichte vor einigen Tagen den ersten Jahresbericht über die Einwanderung im vereinigten Königreich seit Jiikraftlrcten des neuen Freindengesetzes. Im Jahre 1906 landeten 465 000 Personen, von denen— nach Abzug der Durchreisenden usw. — 38 527 als Einwanderer znriickblieben. Von diesen waren: Russen und Polen 12 832, Franzosen 10116, Italiener 5350, Deutsche 3186, Norweger, Schweden und Dänen 1295, Oesterreicher und Ungarn 1223, Schweizer 983, Holländer 798, Spanier und Portugiesen 572, Llnicrikaner aus den Vereinigten Staaten 552, Belgier 380, aus anderen Nationalitäten 1240. Von den Einwanderern waren 22 986 Männex, 11 049 Frauen und 4492 Kinder. Der gesetzlichen Inspektion wurden 64 213 Personen unterworfen und im ganzen 935 Personen zurückgewiesen, davon 733 wegen unzureichender Mittel und 202 wegen Krankheiten. Nahezu alle Zurückgewiesenen legten Berufung ein, und dieser wurde in 442 Fällen Folge gegeben, so datz um 493 Personen wirklich die Zulassung ins Land verweigert wurde. Zivnr enthält das Gesetz die Bestimmung, daß politischen Flucht» lingcu keinerlei Schwierigkeiten bei der Einwanderung in den Weg gelegt werden dürfen, leider muff aber konstatiert werden, daff die Zurückgewiesenen zumeist unglückliche Russen und Polen waren, zwar keine direkten politischen Flüchtlinge, aber doch Leute, die ihrer Heimat den Rücken gekehrt hatten, weil sie sich nicht sicher suhlten. In vielen Fällen konnten die Zurückgewiesenen sogar die gesetzlich vorgeschriebenen 6 Pfd. Sterl.(100 M.) aufweisen, wurden aber von den Beamten dennoch zurückgewiesen, weil man annahm, sie würden keine Arbeit finden können I— Bekanntlich wurde das Gesetz von der letzten konservativen Regierung gemacht, welche die Ausführung desselben feindlich gesinnten und engherzigen Beamten überlieh, denen außerdem jede fremde Sprache unbekannt ist. Der Arbeiterpartei gelang es zwar im vergangenen Jahre, die liberale Regierung zu zwingen, Nachsicht zu üben. Wie sich aber nunmehr herausstellt, ist diese Nachsicht nur auf den Hafen von London beschränkt geblieben; in den übrigen der Inspektion unterstellten Häfen ist man bis jetzt trotz der liberalen Regierung ans dem engherzigen, das Asylrecht gefährdenden Stand- Punkt stehen geblieben. Es kostete dem Staate 1400 000 M., die 493 Ausländer dem Lande fernzuhalten, das macht also a Person fast 3000 M. Bei Berücksichtigung all der angeführten Zahlen bekommt das„Asyl- gesetz", welches ja überhaupt unter dem Borwande entstand: das Schwitzsystem solle eingedämmt werden, denn doch ein anderes, leider nicht schöneres Gesicht. Inclien. Lahore, 22. Mai.(W. T. B.) In der Umgegend von Rawal- pindi sind seit längerer Zeit Gerüchte über Brunnenvergiftungen, die auf Veranlassung der Regierung geschehen sein sollten, in Umlauf gewesen, ohne daff es der Polizei gelingen wollte, den Ursprung dieser Gerüchte festzustellen. Besonders stark war die Erregung der Bevölkerung über diese Gerüchte in Hasan-Abdal, wo es hieh, eine Krankheit wie die Pest sei dort nicht vorhanden. sondern die Regierung habe absichtlich durch besondere Sendlings die Trinkbruunen in ganz Punjab vergiften und dadurch 100000 Menschen wöchentlich hinmorden lassen. Nunmehr ist es der Polizei gelungen, den Urheber dieser Gerüchte in der Person eines Hindu festzustellen und zur Bestrafung zu bringen. Er ist zu zwei Jahren schweren Kerkers und 500 Rupien Geldstrafe verurteilt worden. Ein Helfershelfer von ihm, der tatsächlich geheimnisvolle Klumpen in Brunnen geworfen und dabei behauptet hat, daff er im Austrage der Regierung handle, erhielt 18 Monate schweren Kerkers.— Die russische Revolution. Die Mordsgeschichte«ud die Monarchisten. Petersburg, 22. Mai. Die Monarchisten veröffentlichen heute in der„Nowoje Wremja" einen offenen Brief an den Dumapräsidentcn Golowin, der von 54 Mitgliedern der Duma unterzeichnet ist. Sie werfen in diesem Schreiben Golowin vor, daff er trotz der absichtlichen Abwesenheit des linken Blockes erklärt habe, die Duma mißbillige einstimmig das Attentat auf den Kaiser. Der Brief schließt: »Ihre Worte über Einstimmigkeit klangen uns wie Heuchelei und erscheinen uns unwürdig des hohen Postens, den Sie einnehmen. Wir halten es für unsere Pflicht, dies durch öffentliche Erklärung bekannt zu machen, damit Ihre Worte Rußland nicht irreführen und nicht den wahren Charakter dieser.einstimmigen" Erklärung verheimlichen." Die russischen Plackereien. HelfingforS, 19. Mai. sEig. Ber.) Der Feldzug der russischen Revolverpresse gegen Finnland, der in der letzten Zeit von ihr ganz besonders schmutzig geführt wurde, war natürlich nur das Vorspiel zu den Maßnahmen der russischen Regierung, die denn auch nicht warten ließen. Schon seit Monaten drang die russische Regierung auf den finnländischen Senat ein, für die abfahrenden und ankommenden Auslandsreisenden wieder die Paßkontrolle einzuführen. Jetzt wird der Wunsch StolypinS endlich erfüllt werden: Mit der kommenden Woche tritt wieder die alte Paßvcrordnung vom Jahre 1888 in Kraft, nach der alle Schiffspassagiere, die das Land verlassen oder ins Land kommen, der Polizei einen Auslandspaß vorzeigen müssen. Unter dem Regime BobrikoffS wurde diese Verordnung sehr streng gehandhabt; sie fiel aber, als im Oktober 1905 das finnische Volk seine alte Verfassung erlangte. Stillschweigend wanderte damals auch jene Verordnung in die Rumpelkammer. Jetzt wird sie nun hervorgeholt. Den Dampfergesellschaften ist die Vorschrift zugegangen, Fahrkarten nur an Passagiere zu verkaufen, die einen Auslands« paff vorweisen können I Außerdem wird noch eine Kontrolle der Pässe bei der Ankunft und beim Abgang der Dampfer ausgeübt werden. Die Reedereien müssen den Abgang eines Dampfers der Polizei einen Tag vorher melden; diese prüft dann an Bord des SckiiffcS die Pässe. Borläufig wird die Kontrolle von der finnischen Polizei ausgeübt werden, doch wenn nicht alles täuscht, ist die russische Regierung eifrigst bestrebt, dieses schöne Handwerk recht bald in die' Hände ihrer Gendarmerie gelegt zu sehen.— GewcrkfcbaftUcbcOs Berlin und Umgegend. Achtung, Schmiede! Bei der Firma Ziese, Tiefbaugesellschaft m. b. H.. Werkstatt Nonnendamm, sind sämtliche Kollegen wegen Verweigerung von Ueberstnnden entlassen worden. Wir ersuchen, den Zuzug streng fernzuhalten und die Werkstatt als gesperrt zu betrachten. Zentralverband der Schmiede. _ Zahlstelle Berlin. Achtung» Arbeiter in Zementfabriken! Seit drei Wochen kämpfen die Arbeiter der Bernburger Zement« fabrik um eine Lohnerhöhung von 2—3 Pf. pro Stunde. Alle Be« mühungen der Direktion, von auswärts Streikbrecher zu erhalten, sind an der Wachsamkeit der Kollegen gescheitert. Wie uns nun mitgeteilt wird, versucht jetzt die Betriebsleitung ihre dringendsten V- r-miw. Redaltcuri Hans Kebcr. Lc-sin, Jnieigtknteij tmonUu Aufträge in anderen Zementfabriken ausführen zu lasten, indem sie Säcke mit der Aufschrift„Bernburger Portland- Zementfabrik" dort füllen läßt. Wir ersuchen deshalb alle Arbeiter in Zementfabriken, falls in einem Betriebe diesbezügliche Wahrnehmungen gemacht werden, sofort an Unterzeichneten zu berichten. Vor st and des Fabrikarbeiter Verbandes. Hannover, Münzstr. 5, III. Deutfcbes Reich. Zur Aussperrung der Metallarbeiter im Maingebiete. Die angedrohte Aussperrung von 60 Proz. der Metallarbeiter wird wohl am Sonnabend, den 25. Mai, perfekt werden. Die Unternehmer tun alles, um eine friedliche Beilegung der Differenzen in Offenbach zu verhindern; sie lehnen EinigungSversnche seitens der Vertreter der Arbeiter brüsk ab. Diese Herren, die das Reckt, sich selbst in einem Verbände zusammenzuschließen, als selbst- verständlich ansehen, wollen das Recht den Arbeitern verweigern, sie wollen die Organisation der Arbeiter nicht anerkennen. In einem sehr höflichen Schreiben des Bezirksleiters des Deutschen Metallarbeiterverbandes an den Verband der Metall- industriellen in Frankfurt a. M., bat dieser um eine persönliche, un- verbindliche Ausiprache über die schwebenden Differenzen. Die Unter- nehmer stellten sich aber auf den brutalen Herrnimhause-Standpunkt und lehnten den Vorschlag des Bezirksleiters rundweg ab. In dem Antwortschreiben heißt es: „... teilen wir Ihnen mit, daß wir Ihrem Wunsche um Herbeiführung einer persönlichen Aussprache zwischen Ihnen und uns über die in den Offenbacher Maschinenfabriken zwischen den Arbeitgebern und ihren Arbeitern entstandenen Streitigkeiten nicht zu entsprechen vermögen, da unser Verband nach wie vor irgend welche Verhandlungen zwischen Vertretern der O r g anis atr onen oder auch nur unter Zuziehung von solchen als Berater oder Zuhörer ablehnt." Das ist die Sprache der schärfsten Scharfmacher, und so wird es kommen, daß durch diesen Gewaltstreich des Unternehmertums am Sonnabend Tausende von braven Arbeitern aufs. Pflaster fliegen. Das Unternehmertum wird aber die Arbeiterschaft gerüstet finden. In einigen gut organisierten Fabriken beschlossen die Arbeiter, bei Durchführung der Aussperrung mit den restlichen 40 Prozent in den Streik einzutreten. Zur Holzarbeiter-Bewegung. In den meisten Städten find die Differenzen im Holzgewerbe beigelegt. In Dresden scheiterte das bekanntlich daran, daß die dortigen Unternehmer entgegen den Abmachungen des Arbeitgeber- Verbandes in Berlin den Dresdener Tischlergehülfen der Möbel- und Baubranche einen einseitigen verschlechterten Tarif aufdrängen wollten. Darauf ließen sich diese aber nicht ein, sondern verlangten, daß bis zur Einigung über den neuen Tarif der bisherige Tarif weiter gelten sollte. Jetzt hat nunmehr öffentlich die Tischler-Zwangsinnung und der Arbeitgeberschutzverband für das deutsche Holzgewerbe bestätigt, da? fein bisheriges Verhalten wider Treu und Glauben verstieß. Beide Organisationen veröffentlichen in den Dresdener bürgerlichen Blättern Inserate, in denen sie die Aussperrung aufheben und die Wiederaufnahme der Arbeit auf den 23. Mai ansetzen. Bis zur endgültigen Regelung der Tarifsätze wird nach dem alten Tarif ge- arbeitet. Die Holzarbeiter nehmen in einer Versammlung am Mittwochabend Stellung zu dieser neuesten Frontänderung der Unternehmer, die mit ihrem Versuch, im Trüben zu fischen, ganz gründlich abgefallen sind und sich öffentlich blamiert haben. Streik der Hamburg-Altonaer Seeleute. Wie im vergangenen Jahre, so haben auch heuer die Reeder jede Verhandlung mit den seemännischen Arbeitern brüsk zurück- gewiesen mit dem Bemerken, daß ihnen Beschwerden der Seeleute nicht bekannt seien. Ob dieser schnöde» Behandlung riß den gegen eine äußerst schäbige Entlohnung frondendensund unter der drakonischen Seemannsordnung seufzenden Schiffslenten der Geduldsfaden. Am 20. Mai reichten sie beim Reederverein ihre sehr bescheidenen ? orderungen ein, sich bereit erklärend, mit den Reedern in Unter- andlungen zu tteten. Um die Angelegenheit nicht auf die lange Bank geschoben zu sehen, beschlossen die Seeleute von Hamburg-Altona in der am Dienstagabend in Altona stattgehabten Riesenversammlung die sofortige Arbeitseinstellung. In einem auf den Schiffen zur Ver- breitung gelangten Flugblatte heißt es u. a.: „Wir fordern eine einheitliche Regelung der Heuersätze, eine Erhöhung beziehungsweise einheitliche Festsetzung des Ueberstunden- lohnes, eine einheitliche Regelung der Kündigungsfristen, des Ueber- stundenwesens, des Wachesystems und des AnheuerungSwesenS. Wir fordern, daß uns einmal Gelegenheit gegeben wird, unsere Klagen über Bemannung, Behandlung und Beköstigung den Reedern selbst vor- ttagen zu können." Die Forderungen decken sich, mit Ausnahme der Bezahlung für Ueberstunden, für die statt 40 50 Pf. gefordert werden, mit den vor- jährigen. Der Streik umfaß: die Hamburg-Altonaer Schiffe in Nord- und Ostsee- wie in transatlantischer Fahrt. Während viele Ostsee- reedereien sich mit den Forderungen einverstanden erklärt haben, wurde in Hamburg, dem Sitz der Oberscharfmacher, die Parole nach den Ostseehäfen übermittelt, den Tarif nicht anzuerkennen. Den Hamburg-Altonaer Seeleuten blieb mithin weiter nichts übrig, als sofort die weiteren Anmusterungen zu inhibieren, welchem Be- fchlusse am Mittwoch in weitestem Maße Rechnung getragen wurde. ZZusUmd. 104 Treibriemensattler haben am 18. Mai in Wien einmütig die Arbeit eingestellt wegen Ablehnung ihrer berechtigten Forderungen. Zuzug ist streng fernzuhalten._ Massenaussperrungen in der norwegischen Papier- und Zellulose- industrie. Die„Norwegische Arbeitgebervereinigung", die ihrem Statut nach für„gute und beständige Verhältnisse zwischen Arbeitgebern und Arbeitern" sorgen will, hat in den letzten Wochen ihre Aufgabe darin erblickt, einige große Konflitte hervorzurufen, und sich hierzu die großen Papier- und Zellulosefabriken im südlichen Norwegen er- wählt. Die den Arbeitern aufgezwungenen Kämpfe begannen mit einer Maiaussperrung in den Fabriken vom Embretschos in der Gegend von Drammen. Hier hatten die Arbeiter eine Freigabe des 1. Mai nachgesucht, was ihnen denn auch ohne weiteres zugestanden wurde. Nachträglich verlangte man jedoch, daß jeder einzelne Ar- beiter ein Gesuch um Freigabe des Tages unterzeichnen sollte. Das lehnten die Arbeiter, die in ihrer Organisation einmütig die Mai- feier beschlossen hatten, ab und feierten gleichwohl den Tag. Darauf kam die Aussperrung, die noch jetzt andauert. IBald darauf wurde sämtlichen Arbeitern von S k i e n S Papierfabrik gekündigt. Hier hatte der Fabrikant selbst verlangt, daß die Arbeiter ihre Forde- derungen, die sie kurz vordem dem Hauptvorstande deS Arbeitsmannsverbandes zur Begutachtung überwiesen hatten, ein- reichen sollten, weil, wie der Fabrikant sagte, er aussperren müßte, falls bis zum 11. Mai ein Tarifvertrag nicht zustande käme. Die Eirma hatte sich eben erst der Arbeitgebervereinigung angeschlossen. achdem sie ihre Forderung eingereicht hatten, wurde sämtlichen Arbeitern gekündigt. Sie sollten zu Pfingsten ausgesperrt werden. Inzwischen ist es hier jedoch zu einer Einigung gekommen. Im Ausstand befinden sich die Arbeiter der Union-, SkotfoS- und KlosterfoS- Papier- und Zellulosefabriken, ungefähr 1100 Mann. Eine neue große Aussperrrung, die 2000 Arbeiter umfassen wird, ist auf Ende dieser Woche angekündigt. Sic betrifft sämtliche Arbeiter der Borregaards- und H a fs l u n d§< S ä l fi t- fabriken bei Sarsborg, die einer englischen Aktiengesellschaft«» hören. Hier sind sowohl die Arbeiter wie die Fabrikleitung geneigt zu verhandeln, aber die Arbeitgebervereinigung sucht die Ber- Handlungen zu Hintertreiben._ Der Streik in den Randminen. London, 20. Mai. Gestern fand in Johannesburg eine Deke« giertenversammlung statt, in welcher die Vertreter von 27 produzierenden Minen einstimmig beschlossen, am Dienstag, den 21. Mai. einen Generalstreik aller gelernten Arbeiter zu proklamieren. Voranssichtlich wird also die Arbeit in allen Minen, mit Ausnahme der Minen der Robinsongruppe, lahmgelegt werden. Die Ursache, daß die Robinsonminen von der Streikbewegung unberührt bleiben sollen, liegt daran, daß in diesen Minen die Arbeiter auch in Zu- kunft nur mit zwei Bohrmaschinen zu arbeiten brauchen, während- dem alle anderen Randmagnaten die Arbeiter zwingen wollen, mit drei Maschinen zu arbeiten. Das Arbeiten mit den Bohrmaschinen in den Goldminen ist sehr gesundheitsschädlich, umsomehr da in Transvaal bis jetzt eine wirkliche Arbeiterschutzgesetzgebung fehlt, welche Schutzmaßregeln vorschreibt. Alle Korrespondenzen, die hier aus Johannesburg einlaufen, sind darin einig, daff die Situation sehr gefährlich ist, da man befürchtet. daß die Chinesen ausständig werden. Die öffentliche Meinung ist auf der Seite der kämpfenden Arbeiter, da die Rand-Magnatcn die Einsetzung eines Schiedsgerichts brutal von sich gewiesen haben. Aber auch die Arbeiter sind bis äußerste empört. Nach ihrer Meinung handelt es sich um einen Kampf ums Dasein. Unter den weißen Arbeitern ist die Arbeitslosigkeit stetig gewachsen, man versucht die gelernten Arbeiter durch ungelernte Chinesen zu ersetzen, da, wie es sich herausstellt, dieselben es verstehen, die Behandlung der Bohr- Maschine sehr schnell zu erlernen. Zum Hafenarbeiterstreik in New Jork. 400 Streikbrecher, von der White Star-Linie angestellt, sind zu den Stteikern übergegangen. In Hoboken wurde ein Streiker erschossen und ein anderer ver- wundet, als sie sich Streikbrechern näherten. Hua der frauenbewegung. Für das allgemeine Franenwahlrecht in Norwegen haben die sozialdemokratischen Frauen Norwegens am 17. Mai, dem Tage deS Verfasiungsfestes, große Demonstrationen veranstaltet. In Krifsiania zählte der Demonstrationszug unserer Parteigenossinnen 700 Teil- nehmer. Eine Resolution wurde angenommen, die dem Storthing übersandt werden soll. Es wird darin scharf hervorgehoben, daß man nicht ein von der Steuerkraft abhängiges Wahlrecht verlangt, wie das den norwegischen Frauen im Jahre 1901 gewährte kommunale, sondern das allgemeine Wahlrecht, wie es die Männer in Staat und Kommune besitzen. Andernfalls würden, wie in den Kommunen, nach Einführung deS polittscken Frauenwahlrechts auch im Staate noch ungefähr 200000 erwachsene Frauen wahlrechtslos bleiben. Das Konstitutionskomitee des Storthings hat dieser Tage über die Einführung des staatsbürgerlichen Frauenwahlrechts abgestimmt. Vier Mitglieder haben sich für das allgemeine Frauen- Wahlrecht erklärt, vier für das beschräntte, wie es in den Kommunen besteht, abhängig von der eigenen oder des Ehemannes Steuerleistung für mindestens 300 Kronen Jahreseinkommen auf dem Lande und 400 Kronen in den Städten. Nur ein Mitglied des Konstituttons- komitees hat sich grmrdsätzlick gegen das Frauenwahlrecht erklärt. Die bürgerlichen Frauenrechtlerinnen nehmen jetzt ein: abwartende Stellung zu der Frage ein. Sie find offenbar ganz damit zufrieden, wenn sie und ihre Klastengenosstnnen �das Wahlrecht erhalten. Darum nahmen sie auch nicht an den Frauen- wahlrechtSdemonstrationen vom 17. Mai teil. Ihre Wahlrechtsftage ist so gut wie gelöst. Denn daß der Storthing demnächst das Franenwahlrecht, wenn auch nur für den steuerfähigen Teil der Frauen beschließen wird, ist sicher. eingegangene Dnichfcbrikten. „Die Reue Gesellschaft.- Hest 8. Herausgeber Dr.fH. Braun und Lily Braun. Preis 10 Ps. Verlag Berlin W. 15. Bund der Berliner Grundbefiyervereine. 1. Jahresbericht 1966. II. Der Bund und seine Einrichtungen 1967. 98 Seiten. Verlag: Ge- schästsstelle des Bundes, Berlin O. 2. Zeitschrift für Dozialwissenschaft. Hest 5. Herausgegeben von Dr. I. Wols. Monatlich ein Heft. Vierteljährlich 5 M. Einzelhest 2 M. 12 Hefte ein Band. Verlag: Ä. Deichert Rchslg., Leipzig. "Die Entwickelung des Christentums von den Uransingen bis zur Gegenwart. Broich. 4 M., geb. 5 M. Verlag: I. F. Lehmann, München Die Aufklärung der Kinder über geschlechtliche Dinge. Von O. Rühle. 20 Ps. Buchhandlung.Bremer Bürgerzeitung-, Bremen. Plutus. Hest 26. Herausgeber: G. Bernhard. Verlag: Charlotten- bürg, Goethestraße 69. Die Philosophie deS Krieges. Von Dr. S. R. Steinmetz.(Natur und tulturphiloiophische Bibliothek, Band VI.) 7 M., geb. 7,66 M. Verlag- I. Ambrosius Barth, Leipzig. Der Mensch und die Erde. Lieferungen 22—24. HerauSgegeber von H. Kraemer. 120 Lieferungen a 60 Pf. Deutsches VerlagShau» Bonx u. Co., Berlin W. 57. Letzte JNfacbrlcbten und Depefcben. Drei Menschen erstochen. Lüneburg, 22. Mai.(W. T. B.) MS ein Gendarm in Garstedt einen Fahrraddieb verhaften wollte, zog dieser das Messer und stad den Gendarm nieder. Bei der Verfolgung erstach der Täter, ehe« verhaftet werden konnte, noch einen Knecht und einen Stellmacher. Die rebellischen Weinbauern. Paris, 22. Mai.(B. H.) Der Organisator der Protestbewegung der Weinbauern erklärte in einer Unterredung: Wenn die Regierung bis 10. Juni keine befriedigenden Maßregeln getroffen habe, so würde die Stencrverwcigerung sowie die Demission der gewählten Körperschaften verfügt werden. Er fügte hinzu, daß das Exekutivkomitee Beschlüfs�freffen werde, welche von allen Wein- banern befolgt werden müssen. Alle diejenigen, welche diesen Beschlüssen nicht nachkommen würden, würden als Verräter betrachtet werden. Am 9. Juni abends wird in Montpellier die Steuer- Verweigerung verfügt und der Regierung eine Frist von acht Tagen gegeben werden, nach deren Ablauf dann auch die Demissionen der Gemeinde- und Gencralräte erfolgen werden. Eine RiesenfeuerSbrunst. Marseille, 22. Mai.(B. H.) Das„Echo de Chine" berichtet: Die Stadt Podune in der nördlichen Mandschurei ist am 7. April durch eine Feuersbrunst zerstört worden. 435 Wohnhauser sind ein Raub der Flammen geworden. 25 Personen und 2000 Stück Lastvieh sind umgekommen._ Eingestürzte Brücke. Belgrad, 22. Mai. Meter, so das; es eine Grundfläche von rund 359 Hektar bedeckt. Geplant ist die Anlage von vier mit dem Main parallel liegenden Hafen- b e ck e n, einem Querbecken, einem Vorhafen und einem Flotzhafen. Von den Parallelbecken sind drei als Industrie- Häfen gedacht und das vierte soll dem Handelsverkehr dienen. Durch die Offenbacher Mainschlcuse wird die ganze Hafenanlage in einen Unterhafen und einen Oberhafen zerlegt. Von den 359 Hektaren Gesamtgelände sollen 591 189 Quadratmeter für die Wasserflächen und Böschungen der Hafenbecken. 1 921 129 Quadratmeter für Straßen und Gleisanlagen verwendet werden, so daß das für Lade-, Lager-, Industrie- und Bauplätze und andere Zwecke verbleibende nutzbare Gelände 1 953 899 Quadratmeter betragen wird. Direktes' Hafen- und Jndustriegelände werden etwa 899 Hektar neu geschaffen, während im Westhafen und am Main gegenwärtig nur 12 Hektar gleichen Geländes zur Verfügung stehen, so daß künftig in Frankfurt insgesamt 192 Hektar Hafen- und Jndustriegelände vorhanden sein werden. Zum Vergleich sei darauf verwiegen, daß Düsseldorf 41 Hektar, Köln 26 Hektar, Mainz 46 Hektar und selbst der Mannheimer Jndustriehafen nur 199 Hektar nutzbares Hafengclände haben. Das Jndustriegelände im Hafcngebiet erhält Wasser- und Bahnanschluß. Schleusenanlagen sind weder im Unter- noch im Oberhafen erforderlich, da alle Hafenbecken nicht nur auf Maintiefe angelegt, sondern im Unterhafen der Vor- Hafen und der Handelshafen, im Oberhafen das Ouerbecken außer- dem noch als Sicherheits Hafen gebaut, d. h. auf 3,95 resp. 4,99 Meter ausgebaggert werden, so daß selbst bei niedrigstem Wasserstande Raum für 179 bis 299 der größten Rheinschiffe vor- Händen ist. Lagerhäuser, Dock- und Werftanlagen, Kräne und sonstige Hebe- und Transporteinrichtungen, ein Hafen- Elek- trizitätswerk, eine Turbinenanlage zur Aus- Nutzung der Wasserkräfte des Frankfurter Mainwehrs, sowie eine Müllverbrennungsanstalt zur Erzeugung billiger Dampfkraft werden in zweckmäßiger Weise im Hafengebiet an- gelegt werden. Durch einen städtischen Hafenbahnhof mit be- sonderen Rangiergleisen soll der Verkehr zwischen dem Osthafen- gebiet und dem Ostbahnhof der Staatsbahn hergestellt werden. Durch die Anlagen wird die ganze Talmulde zwischen Frankfurt-Bornheim, Seckbach, Eukheim, Bergen und Fechenheim wie mit einem Schlage für die Bebauung erschlossen, und auf der linksrheinischen Seite, zwischen Offenbach, Oberrad und Sachsenhausen wird zweifellos gleichfalls ein mächtiger Anstoß für die Bebauung gegeben. Die G e s a m t k o st e n des Projektes sind auf 57� M i l l. Mark veranschlagt, wovon rund 22 Millionen Mark auf den Grunderwerb und 35� Millionen auf die Baukosten entfallen. Das Gelände befindet sich fast gänzlich im Besitz der Stadt, was durch planmäßigen, seit Jahren betriebenen Ankauf von Grund- stücken durch die Gemeinde erreicht worden ist. Dadurch stellen sich die Grunderwerbskosten verhältnismäßig niedrig. Der preußische Staat, der für seinen Ostbahnhof aus der neuen Hafenanlage nicht geringen Vorteil haben wird, zahlt zu den gewaltigen Kosten nicht nur keinen Pfennig, sondern fordert von der Gemeinde für die Ueberführungen über den Ostbahnhof, soweit dieselben auf Wunsch der Gemeinde die Normal- dimensionen überschreiten, auch noch besondere Zuschüsse. Die Gemeinde Frankfurt muß die zirka 69 Millionen aus eigener Kraft aufbringen. Der Magistrat schlägt zur Finanzierung des Unternehmens außer einer Anzahl kleiner Benutzung?- gebühren für besondere Leistungen eine allgemeine Werft. gebühr, die Verpachtung der Lagerplätze und den Verkauf des Jndustriegeländes bor. Die Aus- führung des ganzen Projektes ist auf vier Bauabschnitte verteilt. Zunächst gelangt der größere Teil des Unter- hafenS zur Ausführung, der möglichst sofort in Angriff ge- nommen und gleichzeitig mit dem neuen Ostbahnhof und dem neuen Ostpark bis zum Jahre 1919 fertiggestellt sein soll. Für die Fertigstellung des zweiten Ausbaues, der den ganzen Unterhafen betreffen soll, ist das Jahr 1915 in Aussicht genommen. Der Oberhafen soll dann gleichfalls in zwei Abschnitten fertig- gestellt werden, doch hängt die schnellere oder langsamere In- angriffnahme dieser Arbeiten vollständig ab von dem Wachsen des Bedürfnisses für Lade-, Lager- und Jndustrieplätze. Für den ersten Ausbau, auf den der größte Teil der Grunderwerbs- kosten entfällt, werden insgesamt 28 348 099 M. erforderlich sein, von denen rund 12 Millionen Mark auf dem Wege einer Anleihe beschafft werden sollen. In einer Denkschrift, die über 199 Seiten Quart- format umfaßt, begründet und erläutert das Tiefbauamt der Stadt Frankfurt das gewaltige Projekt. Die städtischen Kollegien haben demselben bereits ihre Zustimmung erteilt. Auch die sozialdemokratische Fraktion des Stadtverord- netcn-Kollegiums hat sich i m P r i n z i p dafür erklärt. Ihr Redner nannte die Verwirklichung des Projektes die Neu- gründuug einer Industriestadt neben dem heutigen Frankfurt, die ein Kulturwerk im eminentesten Sinne darstellen »verde, wenn dabei von vornherein planmäßig nach modernen sozialen Grundsätzen verfahren werde. Zunächst sei notwendig, bei der Vergebung und Ausführung der umfangreichen Arbeiten durch statutarische � Bestimmungen zu verhindern, daß Unternehmer berücksichtigt würden, die ihre niedrigen Preisfestsetzungen auf Kosten der Gesundheit und menschenwürdigen Lebensführung ihi� Arbeiter vornehmen. Weiter seien möglichst in und um Frankfurt ansässige Arbeiter zu beschäftigen, allein schon wegen der schwierigen Frage der Unterbringung großer Massen fremder oder gar fremdsprachiger Arbeiter. Gleichzeitig mit der Inangriffnahme der Arbeiten müßte die Erschließung guten und billigen Bau- g e I ä n d e s, vornehmlich für Arbeiterwohnungen, vor sich gehen, weil sonst ein Steigen deer Wohnungsmieten und eine Verschlechterung der Wohnungsverhältnisse eintreten werde. Die Stadt solle in den an das Osthafengebiet anstoßenden Vorort» Gemarkungen nach großzügigem Plan sowohl den Eigen- Wohnungsbau in Angriff nehmen, als auch gemeinnützigen Baugenossenschaften und Privaten Erbbaugelände zum Klein tvohnungsbau zur Verfügung stellen. Auch für gute Verkehrsverhältnisse müsse von vornherein ge- sorgt werden. Um die Bodenspekulation aus dem Hafengebiet für immer fernzuhalten und ihr Ueberwuchern in den angrenzenden Wohnbezirken weiter zu erschweren, dürfe die Stadt keinen Fußbreit Boden des H a f e n g e l ä n d e s wieder in Privatbesitz übergehen lassen. Deshalb sei auch der vorgeschlagene V e r k a u f des Jndustriegeländes zu v e r- werfen. Es müsse statt dessen eine Form langfristiger Erbpacht gewählt werden, bei welcher für die Industriellen die Möglichkeit besteht, ihre Betriebe nach Belieben auszugestalten. das Besitzrecht aber der Stadt verbleibt. Man dürfe nicht zulassen, daß Kapitalisten und Spekulanten den Wertzulvachs des Bodens und alle Vorteile der Gründung usurpieren. Einer späteren Ver- Uzgltung, die vielleicht genötigt sei. große Umgestaltungen der projektierten Anlage vorzunehmen, würden unübersehbare Schwierigkeiten bereitet, lvenn sie das jetzt im Besitz der Stadt befindliche, kurzsichtigerweise aber wieder verkaufte Gelände mit enormen Mitteln zurücktaufen müsse. Die Gemeinde habe die Pflicht, eine vorausschauende, auf die künftige Ent- »vickelung Bedacht nehmende Politik zu treiben. Deshalb sei die Verpachtung dem Verkauf selbst dann vorzuziehen, wenn es in den ersten Jahren notwendig sei, zur Verzinsung des entsprechend größeren Anleihekapitals teils laufende Etats- mittel heranzuziehen. Wenn das dann den Anstoß zu einer gerechteren Verteilung der Gemeindesteuer- lasten gäbe, würden die minderbeinittelten Klassen keine Ursache haben, damit unzufrieden zu sein, und die bemittelten Schichten möchten den Opfersinn und den Gemeindesinn, die in der Denk- schrift zum Schlüsse mit Emphase gerühmt würden, einmal praktisch betätigen. Die Vorlage, die größte, sowohl an sich wie hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Bedeutung und finanziellen Tragweite, die das Frankfurter Stadtverordneten-Kollegium je beschäftigt hat, wurde dem Tiefbau- und dem Finanzausschuß überwiesen, wo es Aufgabe der sozialdemokratischen Vertreter sein wird, zu versuchen, ihr eine Gestalt zu geben, daß sie auch im einzelnen die Zustimmung der Arbeiterschaft finden kann. Achte ordevtliche Gkneralversllinmlllvg des Aeutschell Metatlllrbklter-Verbandes. (Offizieller Bericht des Verbandsvorstandes.) Zweiter Bcrhandlungstag. München. 29. Mai 1997. Vormittagssitzung. Es folgt die Diskussion über den Bericht des Vorstandes und des Ausschusses. Die darauf bezüglichen Anträge 1—56 werden mit zur Debatte gestellt. Mus derselben heben wir das Wichtigste hervor. Die Einzelmitglieder im Königreiche Sachsen wünschen an Stelle der jetzigen losen Form der Organisation die festere Form der Verwaltungsstellen zu setzen. Diese Umwandlung soll dazu fuhren, die Organisation innerlich zu festigen, persönlichen Zwist leichter erledigen zu können und die Verwaltungsarbeiten �zu ver- einfachen. Dieser Standpunkt wird von Probst- Leipzig ver- treten. Dagegen wendet sich H a a ck- Dresden, der dies der säch- fischen Delegation überweisen will. Beinkämpen- Dresden warnt vor Errichtung von Verwaltungsstellen in Sachsen, weil damit der Behörde die Möglichkeit gegeben sei, die Aufnahme jugendlicher Arbeiter in den Mctallarbeiterverband zu verhindern. Die Behandlung der Ausschlußanträge durch den Vorstand wird von Beinkämpen- Dresden verteidigt. Die Behandlung der einzelnen Fälle durch den Gesamtvorstand, wie sie der Ausschuß verlangt, sei praktisch unmöglich. Speziell im Fall der Ausschlüsse von Langer, Böhler und Genossen in Dresden sei noch viel zu lange gezögert worden, weil die Quertreibereien der Genannten die Organisation riesig geschädigt haben. Der Ausschuh habe eS nicht einmal für nötig erachtet, sich in Dresden wegen dieser Sache an zuständiger Stelle zu erkundigen, sondern er hat nur mit den An- geschuldigten korrespondiert, welche diese Korrespondenz in Mit- gliederkreisen gegen vie Verbandsinteressen ausgenützt haben. In ausführlicher Weise begründet Reichel-Stuttgart die Stellung des Vorstandes im Fall Karlsruhe, lvo es sich um Leute handelte, die ihre ganze Verbandstätigkeit in der Uebung einer giftigen Kritik erblicken und der Vorstand hat mit dem Ausschluß dieser Elemente ein gutes Werk getan. Nicht der Vorstand, sondern der Ausschuß habe hier gegen das Statut gehandelt. Der Vorstand könne sich nicht durch kleinliche Formalitäten von Handlungen zurückhalten lassen, die im Interesse des Verbandes liegen. D i ß m a n n- Frankfurt a. M. hält die Begründung Reichels nicht für stichhaltig. Die Erhebungen, welche von selten des Vorstandes auf- genommen werden, sollen nicht nur im Erscheinen beschleunigt, sondern es soll auch mehr nach dieser Richtung geleistet werden. Dieser Standpunkt wird von König- Dortmund vertreten und mit dem Hinweis darauf begründet, daß die Regierung nach dieser Richtung hin ihre Schuldigkeit nicht tut. Reichel- Stuttgart teilt zwar diese Meinung insoweit, als auch er es für wünschenswert erklärt, weist aber darauf hin, daß mit dem heutigen Arbeitspersonal nicht mehr geleistet werden könne. Es müsse das Bcamtenpersonal ganz bedeutend vermehrt werden. Haas- Gevelsberg verlangt ebenso bedeutend größere Lei- stungen auf diesem Gebiet. D i ß m a n n- Frankfurt a. M. fordert ebenfalls mehr Er- Hebungen, wünscht in Verbindung damit auch eine jährliche Zu- sammenstellung der vom Verband abgeschlossenen Tarifverträge. Die Verantwortlichkeit der Bezirksleitung wünscht Pe i n c- Köln auch den Mitgliedern gegenüber auf Bezirkskonferenzen. ES feien in einigen Bezirken insofern schlechte Erfahrungen gemacht, als beobachtet worden ist, daß die Meinung der Bezirksleiter sich häufig ändert, nachdem dieselben mit dem Vorstand Konferenzen abgehalten haben. Demgegenüber bemerkt Reichel- Stuttgart, daß die Bezirks- leiter in erster Linie dem Vorstand, dann aber der Generalver- sammlung gegenüber verantlvortlich seien. Die Statutenberatungs- kommission habe Aendcrungen borgeschlagen. Das späte Erscheinen der Jahrbücher, welches moniert wird, erklärt Reichel- Stuttgart mit der Ueberlastung der Beamten und einer Reihe von 5lrankheitsfällen. Die Agitation wird von König- Dortmund besprochen. Das Ruhrgebiet sei derart dicht von Metallarbeitern bevölkert, das sei ein so weites Agitationsgebiet, daß es nötig ist, einen Bezirksleiter allein für dieses Gebiet anzustellen. Die Exkursion in die Charlottenburger Wohlfahrtsausstellunz wird von einer ganzen Reihe von Rednern kritisiert. Es sei ein Fehler, daß der Besuch nicht besser ausgenützt werden könnte. Dieser Fehler liege jedoch an der Verwaltung der Ausstellung. Es»vird gewünscht, daß deswegen die Exkursionen nicht unter- bleiben, sondern daß der Versuch gemacht wird, die Fehler zu be- seitigen. Die Reiseuntcrstützung bei Eisenbahnfahrten ist nach der Meinung einiger Delegierter unzulässig beschränkt. Das frühere System des Fußreiscns sei mit Recht als rückständig bezeichnet und der Vorstakid habe durch diese Einschränkung rückschrittlich gewirkt. Reichel verteidigt die Stellungnahme des Vorstandes. Es handelt sich nur um eine Einschränkung, die im Verbandsintereffe liege. Es seien sogar Bahnfahrtgelder nach Orten ausgezahlt worden, die gesperrt gewesen seien. Es seien demzufolge nur Be- schränkungen vom Vorstande angeordnet, welche durchaus zu recht- fertigen seien. Die Versicberung der Verbandsbeamten wünscht D i ß m a n n grundsätzlich entschieden in dem Sinne, daß ein Teil der Beiträge verbandsseitig gezahlt wird, gleichviel, wo dieselben versichert sind. Besser»väre es freilich, wenn die Versicherungen verschmolzen würden.- Die Unterrichtskurse für die Berbandsbcamten werden allgemein empfohlen. Der Vorstand müsse Mittel und Wege finden, Ersatzkräfte für die Beamten zu finden, die durch die Teilnahme an den Untcrrichtskursen ihrer Tätigkeit entzogen werden. D i ß m a n n- Frankfurt a. M. geht noch weiter und verlangt auch Ersatzkräfte für die Fälle, in denen Verbandsbeamte an den Kursen der Parteischule teilnehmen. Unterbrochen wird die Debatte über den Bericht de? Bor-, standcs und des Ausschusses durch den Bericht der Mandats- Prüfungskommission, den Junge- Hamburg erstattet. Die Kommission empfiehlt Gültigkeitserklärung der sämtlichen bean- standeten Mandate. In Mühlheim a. d. Ruhr sollen Wahltermine nicht eingehalten worden sein. Diese Behauptung ist unzutreffend. In Dresden haben Querulanten, deren Arbeit mit den Bestrc- bungen der Organisation nichts zu tun hat, sich Wahlbeein- flusiungen zuschulden kommen lassen durch Verbreitung von Flug- blättern, welche Unwahrheiten und ungerechtfertigte Angriffe auf die VerbandSbeamten enthalten. Da das Verteilen von Flug- blättern an sich schon einen Verstoß gegen das Wahlreglement dar- stellt, ist diese Wahl für ungültig erklärt worden und Neuwahlen ausgeschrieben worden. Gegen diese Neuwahlen richtet sich der vorliegende Protest. Es soll den Mitgliedern das Vorschlagsrecht beschnitten worden sein. Die Vorschläge sind in einer Vertrauens- männersitzung gemacht und von einer Mitgliederversammlung be- stätigt. Bei einer Zahl von 13 999 Mitgliedern sei es ausgeschlossen, anders zu verfahren. Die Handlungsweise des Wahlkomitecs ist also vollkommen korrekt. Gerügt wird noch, daß der Vorschlags- tcrmin nicht länger hinausgeschoben wurde, auch die Kontrolle zu scharf gewesen sei. Beides hat die Kommission auf Grund des Materials als ungerechtfertigt erklärt. Die Kommission beantragt daher Gültigkeit der Wahl und verlangt, daß die Generalversamm- lung die Wiederholung solcher Dinge durch eine entsprechende Er- klärung verhindert.— Die Generalversammlung beschließt in beiden Fällen, die Beschlüsse der Mandatsvrüfungskommission zu den ihrigen zu machen. Nachmittagssitzung. Vor Eintritt in die Tagesordnung gibt Z e r n i ck e- Berlin im Auftrage der Bezirksleitung eine Erklärung ab, die sich mit aller Entschiedenheit gegen die Unterstellung wendet, die in der Vormittagssitzung von Peine gegeben ist, daß die Bezirksleiter ihre Meinung nach den Beiratssitzungen ändern. Peine erklärt, daß er mit seinen Ausführungen nur Berbesserngen habe anregen wollen. Danach wird die Debatte über die Berichte des Vorstandes und Ausschusses fortgesetzt. In Sachen der Errichtung von Verwaltungs- stellen in Sachsen erklärt Bohle-Leipzig, eine ganze Anzahl von sonst nur schwer zu erledigenden Sachen könnte durch die bessere Verivaltungsarbeit mit Leichtigkeit geregelt werden. Das Bestätigungsrecht des Borstandes gehe beim jetzigen System zu weit. Die Holzarbeiter L-ipzigS haben gute Erfahrungen gemacht. Schäffler-Leipzig: Die Verhältnisse in Leipzig würden in nichts geändert, wenn eine Verwaltungsstelle errichtet wird; es soll die Errichtung der Verwaltungsstelle dazu dienen, die Ent- scheidung des Vorstandes bei Streiks zu beseitigen. Die Gegner der Errichtung von Verwaltungsstellen können hier ihre Gründe nicht offen aussprechen. In Leipzig wird jedoch viel gegen die sonst anderwärts üblichen Usancen gehandelt. Z. B. werden in dre Parteipresse von unverantwortlichen Personen Berichte cingellefert, die der Verwaltung Schwierigkeiten bereiten. Haack-Dresden bemerkt, daß bei den Erkundigungen über die Erfahrungen, welche andere Gewerkschaften mit der Errichtung von Verivaltungsstellen in Sachsen gemacht haben, auch solche sind, die durchaus ungünstig seien. Die fakultative Einführung von Verwaltungsstellen sei undurchführbar und bei obligatorischer E:n- führung sei der größte Schaden zu erwarten. MrblUldstflg der Sandels-, Transport- und Verkehre arbeiter. Berlin, 22. Mai 1997. Nach Eröffnung der heutigen Sitzung begann die Debatte über den Bericht des Vorstandes. Der erste Redner, Zimmer- Bresla» schilderte die Verhältnisse in Schlesien und Posen. In Schlesien werde die Ausbreitung des Verbandes dadurch erschwert, daß keine Versammlungslokale zu bekommen sind. Der Redner wünscht, daß die Generalkommisfion die Lösung der Lokalfrage, die ihr durch die Vorständekonferenz übertragen sei, energischer als bisher in die Hand nehme. Em großes Hindernis der geiverkschaft- liehen Agitation in Schlesien und Posen bilde die national-polnische Bewegung, welche durch die Polenverfolgung der preußischen Regierung großgezogen worden»st. Besonders sei es der Ab geordnete Korfanty, der durch seine geschickte und dema- gogische Agitation für die polnische Bewegung der Aus- breitung der modernen Arbeiterbelvegung Hindernisse in den Weg werfe. In Posen hatte der Verband die Droschkenführer organisiert. Dann kamen die Leute von der polnischen Bewegung und sagten den Droschkenführern, der Verband sei ja evangelisch. Wenn sie bei dem- selben bleiben, dann dürften sie nicht mehr an der Fronleichnams- Prozession teilnehmen. Da? genügte. Die Kutscher kehrten dem Verbände den Rücken und marschierten mit ihrer Fahne, welche das Bild des heiligen Isidor zeigt, in der Prozession.— Zu den Grenz- streitigkeiten mit dem Brauerverbande führte der Redner mehrere Fälle aus seiner Heimat an, wo nach seiner Angabe der Brauer- verband mit nicht einwandSfreien Mitteln versucht habe, dem Transportarbeiterverband die Bierfahrer zu entziehen. Auch im weiteren Verlauf der Debatte»vurde das Verhalten deS Brauerverbandes an vielen Einzelfällen beleuchtet und allgemein verurteilt.— Werner- Berlin wünschte, daß die Generalkommission eine authenttsche Erklärung darüber abgebe, in welche Organisasion die Bierfahrer gehören.— K n o ll(Vertreter der Generalkommission) sagte, der Generalkomnnssion stehe keine Exekutivgewalt zu, sie könne in dieser Frage nur dann entscheiden, wenn sie von beiden beteiligten Seiten danim angegangen werde. Walter- Berlm rechtferttgte daS Verbleiben der Leitergerüst- bauer beim Transportarbeiterverband. Als vor einigen Jahren die Frage der Organisierung der Leitergerüstbauer auftauchte, gehörte ein Teil derselben schon dem Verbände, der Handels- und Transpe?? arbeiter an. Die Leitergerüstbauer haben als solche nur im Sommer Arbeit. Während des Winters suchen sie als Kohlen- träger und ionst im Transportgewerbe Beschäftigung. Aus die)en Gründen sind sie der Meinung, daß sie nicht im Bauarbeiterverband, sondern im Handels- und Transportarbeiter- verband die Vertretung ihrer Interessen finden. Die Leitergerüst- bauer halten trotz des Beschlusses des vorigen Verbandstages, der sie dem Bauarbeiterverband zulveist, daran fest, daß sie als Sektion beim Handels- und Transportarbeiterverband bleiben. Zur Frage der Grenzstreitigkeiten führte ein Redner aus, daß solche auch init dem Bäckerverbande bestehen, der in manchen Orten die Haus- diener, Austräger usw. in den Konsumvereinsbäckereien beanspruche.— Der Gauleiter für Westfalen, Dettmering- Elberfeld, erklärte den im Vorstandsbericht erwähnten Mitgliederrückgang in seinem Gau aus den dort herrschenden ungünstigen Verhältnissen, gegne- rischen Treibereien und dergleichen.— Gebert- Charlottenburg sagte, der Uebcrtritt des Verein? Berliner Hausdiener sei ja sehr erfreulich, aber zu bedauern sei es, daß demselben so günstige Uebertrittsbedingungen gestellt worden seien. DaS erlvecke fast den Anschein, als ob der Verband eine Vereinigung von Lokalorgani- sationen sei.— Zu den Streitigkeiten n»it den Brauern beanttagte Stelling-Lübeck folgende Resolution: «Die Generalversammlung bedauert lebhaft die in der modernen Arbeiterbewegung wohl einzig dastehende unerhörte Kampfesweise des Zentralverbandes deutscher Brauereiarbeiter. Insbesondere ver- urteilt sie auf das entschiedenste die systematisch erfolgende Abtreibung von Kollegen, über deren Zugehörigkeit zum Zentralverbande der Handels-, Transport- und VcrkehrSarbeiter Deutschlands auch nicht der geringste Zweifel bestehen kann. Die Generalversammlung er- klärt' ferner, daß sie nach wie vor auf dem Standpunkt steht: Sämtliche in Industriebetrieben irgend welcher Art beschäftigte« Sandels«, Transport« und VerkehrSarveiter gehören unbedingt zum Transportarbeiterverbande. Die vermeintlichen Anspruchsrechte anderer Organisationen auf diese Berufsschichten find unberechtigt. — Die Generalversammlung erwartet vom Zentralverbande deutscher Brauereiarbeiter, daß er sich fortan dem Transportarbeiterverbande gegenüber in solchen Bahnen bewegt, die einer modernen Arbeiter- organisation würdig sind." W i l d e i s- Leipzig beantragte zu dieser Resolution einen Zu« sah des Inhalts: Die Generalkommission möge ihre schwankende Haltung in der Frage der Grenzstreitigkeiten aufgeben und eine dem Beschluß der Vorständekonferenz entsprechende Stellung ein- nehmen. Schumann sprach gegen diesen Zusatz. Die Vorstände« ronferenz habe ihren Standpunkt festgelegt. Wenn die General- kommission demselben eine andere Auslegung gebe als ihm auf der Vorständekonferenz gegeben wurde, so erkläre er, der Redner, der Beschluß der Vorständekonferenz sei festgelegt, er entspreche dem Standpunkt des Handels- und Transportarbeiter-Verbandes und die Generalkommission könne nichts daran ändern. Man möge deshalb von einem Beschluß gegen die Generalkommission absehen. Der Antragsteller zog hierauf seinen Zusatzantrag zurück. Im übrigen drehten sich die Debatten um geschäftliche Maß- nahmen de? Vorstandes, der Gauleiter und ähnliche Angelegenheiten ohne allgemeines Interesse. Am Schluß des heutigen Sitzungstages war die Debatte noch nicht beendet. taralvtlsWtnlmig des Verbandes der Handschuhmacher Deutschlands. Berlin, den 22. Mai 1907. Vierter Sitzungstag. Zur Beratung stehen die zum Verbandsstatut und Unterstützungs- ceglemcnt gestellten Abänderungsanträge. Beschlossen wird zunächst, bei Berufswechsel Mitglieder, anderer, der Generalkommission angeschlossenen, Verbände von der Entrichtung eines Eintrittsgeldes zu befreien, sie sind für den Bezug der Unter- stützuny bei solchen Uebertritten berechtigt. Die Erhöhung deS Verbandsbeitrages wird gegen die Stimmen der Vertreter aus München, Osterwicck und Zeitz abgelehnt, es bleibt dieser somit auf 50 Pf. wie bisher festgesetzt. Die Reise« und Arbeitslosenunterstützung wird in drei Stufen am je 15 Pf. erhöht; sie beträgt je nach Dauer der Mitgliedschaft 90 Pf., 1,16 und 1,40 M. Die reguläre Bezugsdauer ist acht Wochen, sie kann aber bei allgemeiner Arbeitslosigkeit auf sechzehn Wochen ausgedehnt werden. AIS Neueinrichtung schuf die Generalversammlung die Erwerbs- losenunterstützung für weibliche Mitglieder. Nach den alten Satzungen zahlten die letzteren Jjro Woche 10 Pf. Beitrag, wofür auf die Dauer von vier Wochen taglich 40 Pf. Arbeitslosenunterstützung gewährt werden. Von der Generalversammlung find nun die Beitrage aus 20 Pf. festgesetzt, die Unterstützungssätze wurden bei 8 Wochen Dauer auf 60 Pf. täglich beschlossen. Die wirtschaftliche Lage der Hand« schuhnäherinnen, deren Löhne als Hausarbeiterinnen von den Unternehmern gekürzt wurden, ist von Jahr zu Jahr drückender geworden, es hat sich nun auch das Verlangen nach der gewerkschast« lichen Organisation bemerkbar gemacht. Hiervon ausgehend, soll die Agitation energischer als bisher seitens der Verbandsleiwng be- trieben werden. Im Verbandsorgan soll auf die Arbeiterinnenfrage mehr Rücksicht genommen werden. Abgesehen wird dagegen davon, die„Gleichheit" obligatorisch einzuführen. Erhöht wird die Streik- Unterstützung um 26 Pf. pro Tag auf 12,26 M. bezw. 16,76 M.; Familien Abgereister erhalten auf die Dauer von sechs Wochen wöchentlich 6 M. Unterstützung. 10. Geveralversammlung des Verbandes der Lagerhalter und Laaerhatterinnen Deutschlands. Leipzig» 20. Mai. Nachmittags S Uhr wurde vom Vorsitzenden der Leipziger Ortsverwaltung, M ö l l e r- Schönefeld, der Verbandstag mit einer längeren mit Beifall aufgenommenen Begrüßungsrede eröffnet. Vom Bezirk Dresden ist der Antrag eingegangen, auf die TageS- ordnung noch zu setzen: 1. Ursachen und Wirkungen der Rabatt- sparvercine und deren Agitation und 2. Welche Schritte sind nötig zur weiteren Entwickelung und Hebung der Konsumgenossen- schaften? Dieser Antrag wurde von Braune damit begründet, daß von den Verwaltungen zu wenig getan würde, um die in vielen Vereinen vorhandene Stagnation in bezug auf den Umsatz zu beseitigen. Die Lagerhalter seien ebenfalls als ein Teil der Verwaltung in den Konsumvereinen anzusehen und als solche der- pflichtet, auf Mittel und Wege zu sinnen, die das Konsumgenossen- schaftswesen fördern. Zum Schlüsse weist er entschieden einen Vorwurf zurück, der den Antragstellern von einem Kollegen in den „Monats-Blättern" gemacht wurde. Der Dresdener Antrag wird nach kurzer Debatte zurückgezogen und die Tagesordnung damit in der vorliegenden Form genehmigt. Nach erfolgter Wahl der MandatsprüfungS-Kommission wurde die Vorversammlung ge- schlössen. Leipzig, 21. Mai. Der von der Generalversammlung gewählte Vorsitzende L a m m e- Schöneberg-Berlin eröffnete um 9 Uhr die VerHand- lungen. Der Vorsitzende des Verbandes, Reinsdorf- Leipzig, begrüßte die anwesenden Gäste. K u b e« Berlin, als Vertreter der Generalkommission, R e d e r- Leipzig, als Vertreter der Handels« und Transportarbeiter Deutschlands, Meng es-Wien, als Vertreter der Handels, und Transportarbeiter Oesterreichs, und P l o t t k e- Leipzig, als Vertreter der Ortsgruppe Leipzig des Handlungsaehülfenvcrbandes, heben in ihren Erwiderungen die engen Beziehungen hervor, die ihre Verbände mit dem Lager- halterverband verbinden. Darauf erstattet die MandatsprüfungSkommission Bericht. Von den abgegebenen 61 Mandaten war das Mandat AhlerS-Bant beanstandet worden. Die Kommission ersucht die General- Versammlung, auch dieses Mandat für gültig zu erklären, was auch geschieht. Reinsdorf- Leipzig gibt hierauf den Vorständsbericht. AuS diesem ist noch zu entnehmen, daß der Verband eine Agitations- broschüre herausgegeben hat, die den Titel trägt:»Die Stellung deS Lagerhalters in den Genossenschaften". Redner streift dann kurz die Tarifverhandlungen mit dem Zentralverbande deutscher Konsumvereine, die, wie bereits erwähnt, einen besonderen TageS- ordnungspunkt bilden. Bedauert wird vom Vorsitzenden, daß bei Transtischen Aufnahmen, die vom Verband vorgenommen wurden, sehr viele Bezirke nicht daS nötige Interesse zeigten. Die An- forderungen, die von den einzelnen Bezirken an den Vorstand in bezug auf die Referentenfrage gestellt wurden, waren so hohe, daß sie nicht ganz erfüllt werden konnten. Eine rege Agitation wurde in Schlesien und im Elsaß mit gutem Erfolge betrieben. Dann geht der Redner auf verschiedene Gesuche um DarlehnS- und Gemaßregelten-Unterstützung ein. Die Unterverbandstage deS Zentralverbandcs deutscher Konsumvereine zu beschicken, ist der Vorstand des LagerhalterverbandeS abgekommen, da er sich von dieser Beschickung keinen Nutzen verspricht. H e n n i a- Leipzig gibt hierauf den Kassenbericht, der von Dohnel- Leipzig noch näher erläutert wird. Da wir die Haupt- sächlichsten Konten bereits im Vorbericht angeführt haben, er- übrigt es sich, hier näher darauf einzugehen. Auf Antrag deS Revisors L u ck n e r wird den beiden Genannten Decharge erteilt. Rüt er- Berlin gibt den Bericht deS Ausschusses. Der Ausschuß hat in den letzten beiden Jahren verhältnismäßig wenig zu tun gehabt. Bei den Tarif- und Dienstvertragsverhandlungen ging der Ausschuß mit dem Hauptvorstand gemeinschaftlich vor, wobei der Ausschuß die Anregung gab, den Hauptwert auf die Regelung der Mankobergütung zu legen. Denn durch zu geringe Manko- Vergütung ist schon so mancher gewissenhafte Lagerhalter um Ehre und Ansehen gekommen. Mit der Haltung und Schreibweise der Verbandszeitung ist der Ausschuß vollständig einverstanden. Beschwerden gegen die Verbandsleitung lagen nicht vor. Der Redner behandelt dann ausführlich die vom Vorsitzenden gestreifte Referentenfrage, wobei er bemerkte, daß die Kollegen nicht so sehr auf bestimmte Personen sehen sollten. P ö tz s ch- Berlin gibt im Auftrage der Preßkommission Be- richt. Nach den der betreffenden Kommission vorgelegten Be- schwerden zu urteilen, die sich nur auf zwei Fälle beschränken, ist die Kollegenschaft mit der Haltung des Verbandsorgans ein- verstanden. Die„Monats-Blätter" erscheinen jetzt in einer Auf- läge von 2000 Exemplaren. Der Berichterstatter geht dann näher auf die in den„Monats-Blättern" gegen die„Konsumgenossen- schaftliche Rundschau" geführte Polemik ein, die er vollständig billigt. Die Diskussion eröffnet Braune- Radeberg, der die Gründe nicht für stichhaltig ansieht, die der Vorstand des Zentral- Verbandes deutscher 5konsumvereine anführt, um die Nicht- beichickung der Generalversammlung zu motivieren. Ein der- artiges Verhalten trage nicht zum genossenschaftlichen Zusammen- arbeiten bei. R e i ch e l t- Chemnitz teilt nicht die Ansicht deS Vorstandes, die Revisionsverbandstage der Konsumvereine nicht zu beschicken. Wäre z. B. der sächsische Revisionsverbandstag in Pirna beschickt worden, so hätte sich wahrscheinlich der Geschäftsführer Lehmann vom Konsumverein Leipzig-Eutritzsch sehr gehütet, unsere Forde- rungen als grauenhaft zu bezeichnen. Oder aber es hätte ihm klar gemacht werden können, daß unsere Forderungen nur die sind, die ein großer Teil der Kollegen in öffentlichen Versammlungen als Redner vertreten müssen. Sehr schlechte Verhältnisse bestehen in Plauen i. V., wie H o b e r- Plauen berichtet. Der dortige Wirtschaftsverein der- biete kontraktlich seinen Lagerhaltern, dem Lagerhalterverband beizutreten; mache ihnen also daS Koalitionsrecht illusorisch. Scharberg- Hamburg ist ebenfalls nicht mit dem Beschluß des Vorstandes, die Revisionsverbandstage nicht zu besuchen, ein- verstanden. Er berichtet ferner, daß die Hamburger„Produktion" einen Versuch gemacht habe, Lagerhalter ohne jede Kaution und Verantwortung anzustellen. Der Versuch sei als mißlungen zu bezeichnen, obwohl die Verwaltung des Vereins dies öffentlich abstreite. B u s s e- Hannover berichtet: In seinem Bezirk sei ein Ver- ein gegründet worden, der im ersten Jahre 21 000 M. Umsatz erzielte, in den folgenden Jahren aber bei stetig sinkendem Umsatz immer höhere Rückvergütung auszahlte. Jetzt sei in der General- Versammlung der Antrag gestellt worden, dem Lagerhalter statt 100 M. nur 86 M. Monatsgehalt zu zahlen. Die übrige Diskussion drehte sich hauptsächlich um die Delegation zu den RcvisionSverbandStagen. Ein Antrag von Krause- Magdeburg, die Revisionsverbandstage regelmäßig zu beschicken, wird angenommen. In der Nachmittags-Sitzung referierte B a m m e S- Leipzig über die Tarif- und DienstvertragS-Verhand- lungen mit dem Zentralverband deutscher Konsumvereine. Er führte aus, daß die vom Verband aufgestellten Forderungen un- wesentlich abweichen von den bereits im Jahre 1393 von hervor- ragenden Genossenschaftern, wie Lorenz, Radestock usw., als be- rechtigt anerkannten. Der unsererseits ausgearbeitete Entwurf enthalte Bestimmungen über den Achtuhr- und Sonntags-Laden- schluß, der bei einigem guten Willen wohl durchführbar sei. Ferner wird fester Gehalt gefordert an Stelle der noch vielfach üblichen Bezahlung nach Prozenten des Umsatzes. Eine der wichtigsten Bestimmungen ist die Regelung der Mankovergütung und die Fest- setzung einer Umsatzgrenze pro Verkaufskraft, und zwar nicht allein im Interesse der Lagerhalter, sondern auch der Vereine, denn eS sei nicht zuviel behauptet, daß die Stagnation in einzelnen Ver- einen zum Teil mit darauf beruhe, daß an Lohntagen nicht in der schnellen und ordnungsgemäßen Weise bedient werden könne, als wünschenswert sei. Von Wichtigkeit sei ferner, daß ein Lager- Halter nicht schon auf Grund eines einzigen Defizits haftbar ge- macht oder gar entlassen werden könne. Selbst bei der gewissen- haftesten Verwaltung seien Irrtümer nicht ausgeschlossen, die dann bei der nächsten Inventur oft entdeckt werden; deshalb sei die Ueberschreibung von Fehlbetrag und Ueberschuh nur gerecht. Diese skizzierten Forderungen lehnte der Vorstand deS Zentralverbandes ab; es sei daher notwendig, die Oeffentlichkeit durch die Presse damit bekannt zu machen. In der Diskussion äußert W tl b e r t-Barmen Bedenken, daß der Tarif für alle Kollegen eine Verbesserung bedeute. Götz- Nürnberg und Weber- Chemnitz wünschen, daß der Dien st vertrag nicht eher angenommen werde, als bis der Tarif geregelt ist. N i l i u s- Halle wendet sich gegen die Ausführungen Kauf- mann»(Sekretär des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine) auf einem Nevisionsverbandstage, die die geringere Bezahlung des weiblichen Personals bezweckten. Allerdings könne sich Kaufmann auf den Zentralverband der HandlungSgehülfen stützen, der eine solche Ausfassung als berechtigt anerkannt habe. Die Sitzung wird abgebrochen. Em der Partei. Parteiliteratur. „Die Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung". Ew Kapitel zur Geschichte der deutschen Sozialdemokratie. Herausgegeben von Eduard Bernstein. Reich illustriert mit Bildern und Dokumenten I. Teil: Vom Jahre 1848 bis zum Erlaß des Sozialistengesetzes. 17 Hefte a 30 Pfennig. Bis jetzt sind die ersten drei Lieferungen erschienen. AuS dem Inhalt nennen wir: 1. Kapitel: Berlins Arbeiter am Vorabend der Märzrevolution. 2. Kapitel: Berlins Arbeiter in den Märztagen. 3. Kapitel: Die Sammlung der Arbeiter im Revolutionschaos. 4. Kapitel: Der erste Berliner Arbeitcrkongreß und sein Werk. 6. Kapitel: Die Arbeiter und die letzten RevolutionSkämpse. Der Verfasser schildert unter Beibringung reichen Urkunden- Materials die Zeit der 48er Revolution und die Anteilnahme der Ar« bester an dieser Bewegung. Mit großem Interesse wird der Leser die Schilderungen der Barrikadenkämpfe verfolgen. Er sieht die da« maligen Volksversammlungen mit ihren Forderungen und ihren Rednern und gewinnt ein lebhaftes Bild der Zeitverhältnisse. Bestellungen auf daS im Verlage der Buchhandlung-Vorwärts erscheinende Werk nimmt jede Buchhandlung und jeder Kolporteur entgegen. „lieber BcrfassungSwcsen" von Ferdinand Lassalle. Drei Abhandlungen: lieber Verfassungswesen.— WaS nun?— Macht und Recht. Neue Ausgabe mit Einleitungen versehen von Eduard Bernstein. Verlag: Buchhandlung Vorwärts, Berlin. Preis 1 M., Volksausgabe 60 Pf. E. Bernstein schreibt in seinem Vorwort: Von allen politischen Abhandlungen Ferdinand LassalleS ist keine so ganz und gar aktuell geblieben, wie sein Vortrag„Ueber Verfassungswesen". Nicht Pietät gegen einen großen Vorkämpfer, sondern Pflicht gegen die lebenden und insbesondere die heranwachsenden Kämpfer gebietet in erster Reihe, ihn mit seinen Ergänzungen„WaS nun"? und„Macht und Recht" allezeit zugänglich zu erhalten. Er ist noch heute eine Propagandaschrift ersten Ranges, die der ungeschnlteste Leser mit Leichtigkeit versteht und selbst der erfahrene Politiker wieder mit Frucht nachlesen wird. Das Gruppenbild der sozialdemokratische» ReichStagSfraktion, enthaltend die Bilder der bei den Wahlen 1207 gewählten sozial« demokratischen ReichStagSabgeordnetcn wird in den nächsten Tagen im Verlag der Buchhandlung Vorwärts, Berlin, erscheinen. Der Preis beträgt 40 Pf., bei direkter Zusendung inkl. Verpackung 60 Pf. In hochfeiner, künstlerischer Ausstattung auf bestem Kunstdruck- karton und nach den neuesten photographischen Aufnahmen hergestellt, ist daS Bild ein prächtiger Zimmerschmuck für jedes Arbeilerheim. Die Kartostgröße ist 40 X 66 Zentimeter.— Der außerordentlich billige Preis ermöglicht es auch den minder gut Situierten, sich dieses Bild zuzulegen. Zu beziehen durch jede Parteibuchhandluug und jeden Kolporteur. „Kommunale Praxis". Wochenschrift für Kommunalpolitik und Gemeindesozialismus. Herausgeber: Dr. Albert Südekum. Verlag: Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69. Die Nr. 20 der„Kommunalen Praxis' bringt einen sehr inter- essanten Artikel über die Aufgaben der städtischen Armenpflege, außerdem eine Fülle von agitatorisch wertvollen Notizen. Die „Kommunale Praxis" erscheint wöchentlich und kostet vierteljährlich nur 2,60 M. Probenummern find jederzeit kostenlos vom Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin LW. 68, Lindenstr. 69, zu beziehen. Lanbagitation. Die Pfingstnummer der.Königsberger Volkszeitung" enthielt eine Bekanntmachung des Agitations- komitees für Ostpreußen, worin es hieß: „Parteigenossen, die zu den Feiertagen die Provinz besuchen, erhalten zum Zwecke der Agitation die Broschüren:„Eine Abrechnung mit dem Reichslügenverband" — Rede Fischers— vom Unterzeichneten kostenfrei. Wir bitten, hiervon recht ausgiebigen Gebrauch zu machen und besonders bei den Besuchen auf dem Lande Abonnenten für den„Landboten" und Mitglieder ftir die Kreisvereine zu werben. Auch die Parteigenossen und Genossinnen, die im Sommer Ausflüge in die Umgebung von Königsberg machen, können unserer Agitation auf dem Lande und in den kleiuen Städten sehr viel nützen, wenn sie uns die Adressen der Leute übermitteln, von denen sie annehmen, daß dieselben der Sozialdemokratte zugäng-, lich sind...." Diese Art der Agitation ließe sich wohl auch für andere Landes- teile in Anwendung bringen. Gemcindewahlsieg. In Ellerbeck(SchleSwig-Holstein) siegte der sozialdemokratische Kandidat bei der Wahl der dritten Wähler« klasse mit 213 gegen 172 Stimmen. Ein Nadelstich. Die„liberale" Stadttatsmehrheit zu K«rlS» ruhe hat sich über Kritiken des, V o l k f r e u n d S" an der stadt« rätlichen Tätigkeit geärgert. Und hat auch Rache genommen und dem „Vollsfreund" folgenden Ukas gesandt: „Nachdem Sie ungeachtet unseres Ersuchens vom 16. April d. I. unsere berichtigende Darstellung nur teilweise und zerstückelt zum Abdruck gebracht, dagegen in den Nummern 106 und 108 zwei Artikeln Aufnahme gewährt haben, die ebenso unberechtigte als gehässige und verletzende Ausfälle gegen die Stadtverwaltung ent- halten, sehen wir uns veranlaßt, die mit Ihnen unterm 19. April 1900 getroffene Vereinbarung gemäß deren 8 0 mit foforttger Wirkung aufzuheben." Das heißt, den»„Volksfteund" werden die amtlichen Inserate und die offiziellen Berichte über die Sitzungen des Stadttats ent« zogen. Nach der Ansicht der„liberalen" StadttatSmehrhest sind also nur arttge Blätter, die alles, was der Stadtrat tut, gut und schön finden, würdig, die amtlichen Inserate zu erhalten. Wer nörgelt, wird am Geldbeutel gesttaft. Brave Liberale I Deutsche Arbritersänger in Brüssel. Man schreibt uns aus Brüssel vom 21. d. M.: Pfingsten hatte die hiesige Arbeiterschaft die Freude, den Arbeiter-Gesangverein Essens in Brüssel zu begrüßen. Der Empfang der deutschen Genossen am Pfingstsonntag gestaltete sich zu einer kameradschaftlichen und froh» lichen Manifestation von jenem warmen internattonalen Charatter, dem die Sozialdemottatie imlner Ausdruck gibt, wenn Arbeiter verschiedener Zungen sich zu ernstein oder fröhliche»» Zusammensein finden. Vom Bahnhofe begaben sich die deutschen Arbeltergäste— etwa 100 an der Zahl— von Mitgliedern desDeutschenArbeitervereinS in Brüssel, vom Gesangverein Molenbeek-Brüssel und dem MusikkorpS„Echo du Peuple" geleitet, ins„Maifon du Peuple", wo die Sänger mit warnien Begrüßungsreden bewillkommnet wurden. Es sprachen Genosse Oclors, der Administtator des„Maison du Peuple", Genosse Franz Fischer vom„Peuple" und der Sekretär deS Brüsseler deutschen Gesangvereins, alle in deutscher Sprache, worauf der Präsident deS Essener Gesangvereins in herzlicher Weise dankte. Am Pfingstmontag vereinigte ein äußerst animiertes Fest die Brüsseler und die Essener Arbeiter in den riesigen Garten- und Saallokalitäten das„Thöatre Lyrique". Die deutschen Ge« nassen vom. Sängerkreis" brachten den GesangSwillkonnngruß, dein sich die vortrefflichen Leistungen der belgischen Genossen vom Gesangverein Molenbeel und des Essener Gesangvereins anschlössen..Besonders diese wurden in rauschender und tempera-mentv oller Weise akklamiert und in ftan- zösischen, deutschen und vlämischen Lauten wurden die präzisen und schwungvollen Produktionen der Essener fte»ldig anerkanitt. Auch die Essener Arbeiter haben sich, daS hörte man und sah man ihnen wohl an, in dein den Deutschen heimisch anmutenden Brüssel gar bald wohl gefühlt und wie die Brüsseler Arbeiter werden auch sie sich der frohen Brüsseler Pfingsttage, die bei aller Heiterkeit von dem Weihegesühl solidarischen iiampsesempfindens getragen waren, gerne erinnern. Ein charakteristtsches Zeichen für unsere Ideen: Während man ftöhlich durch den Saal tanzte, gingen zwischen durch die tanzenden Paare Genossen und Genossinnen, um für die streikenden Textilarbeiter in Flandern zu sammeln. Ueberflüssig zu sagen, daß auch die Deutschen ihr Scherflein gaben. pollreilicbes, Oerlcbtliches uTw. GehauSsucht wurde dieser Tage in der Expedition der.Saar« wacht" zu Saarbrücken nach etwaigen Exemplaren der Nr. 262 der .Saarwacht" von 1906 mit dem Artikel:„Herr, was muß ich tun, um vollkommen zu werden?" Gefunden hat man selbstverständlich nichts. Was in dem Artikel StaatsgcfährlicheS enthalten sein soll das man erst nach so langer Frist entdeckte, ist noch unbekannt. Soziales. Vom Schullchrerelcnd. Die LehrerSftau Berta Sch w o ch o w hatte sich wegen schwerer Urkundenfälschung und Betrug« vor der 7. Strafkammer de? Landgerichts l zu verantworten. Der Ehemann der Angefchul« digten ist Lehrer in einem kleinen Orte in Thüringen und bezieht ein Gehalt von 83 M. monatlich. Vor etwa zivci Jahren hatte S. geheiratet, dabei aber seiner Frau verschwiegen, daß er etwa 1000 M. Schulden hatte. Diese stammten noch aus einer Zeit. als er ein monatliches Gehalt von 56 Mark und einigen Pfennigen hatte. Als der erste Wechsel über einen größeren Betrag präsentiert wurde, gab es die erste Wolke an dem ehelichen Himmel der damals noch Jungverheirateten. Herr S. verstand eS jedoch, seinen Hauptschuldner, einen Schuhmackermeister Andersohn, zu immer wiederholten Prolongationen des Wechsels zu bewegen, so daß sich die Bezahlung der Schuld etwa zwei Jahre hinzögerte. Im Januar dieses Jahre» verstarb der Hauptschuldner des S., so daß der Wechsel am 22. Jai»uar fällig wurde, während er sonst nochmals prolongiert worden wäre. Schwochow be- fand sich somit in einer sehr unangenehmen Situation. Seine Ehefrau versprach auf irgend eine Weise Geld zu verschaffen und reiste nach Berlin, um sich hier von einer vermögenden Cousine ein Darlehn von 2000 M. zu verschaffen. Wider Erwarten schlug diese Die Bitte der AngeNagten rundweg ab. Um nun ihrem Ehemann die Stellung zu erhalten und die drohende Zwangsvollstreckung zu Venneiden, ließ sich die Angeschuldigte zu einer Tat hinreihen. die ihr die jetzige Anklage einbrachte. Sie bat ihre Cousine, ihr ihre genaue»Adresse' auszuschreiben, damit sie ihr hin und wieder eine Ansichtskarte aus dem schönen Thüringen schicken könne. Mit dieser Adresse ging die Angeklagte nach der Filiale der Deutschen Bank und lieh sich dort ein Ouittungs- formular geben. Auf diesem fälschte sie die Unterschrift ihrer Cousine, wobei sie die Adresse als Borlage benutzte, und hob dann die Summe von 2000 M. ab. Bon den 2000 M. wurden 700 M. zur Bezahlung des Wechsels, 000 M. zur Tilgung anderer Schulden und 300 M. zur Begleichung kleinerer Schulden bei ver- schiedenen Kaufleuten verwendet. Der Rest von 400 M. wurde nach Entdeckung der Fälschung noch vorgefunden und beschlagnahmt.— Bor Gericht war die Angeklagte unter Tränen geständig. Der Staatsanwalt beantragte, da es sich doch um ein höheres Objekt handele, eine Gefängnisstrafe von vier Monaten.— RechtSanw. Bahn plädierte auf Zubilligung mildernder Umstände. DaS Gericht ließ auch Milde walten und erkannte auf nur vier Wochen Gefängnis._ 8. Jahresversammlung des deutschen Vereins für Schul- gesundheitspflege. In Karlsruhe begannen unter Teilnahme von Vertretern aus ganz Deutschland die Verhandlungen der 8. Jahresversammlung des deutschen Vereins für Schulgesnndheitspflcge.— Das erste Verhandlungsthema betraf die wichtige Frage der Einheitsschule: »Inwieweit ist von pädagogischen, kulturellen, hygienischen und sozialen Gesichtspunkten aus eine einheitliche Gestaltung des höheren Schulwesens möglich?" Diese Frage wurde vom k. k. Ober- sanitätsrat Dr. H u e p p e- Prag, dem Direktor des hygienischen Instituts an der dortigen Universität, wie folgt beantwortet:„Wir müssen folgende Stufen unterscheiden: Unterstufe Volksschule; oder Mittelstufe oder höhere Schule und Hochschule oder Universität. Unterstufe und Mittelstufe müssen für alle einheitlich aufgebaut werden, damit die Entscheidung über den zukünftigen Beruf soweit hinausgeschoben wird, bis man die Fähigkeiten und Neigungen besser erkennen kann. Erst in der Oberstufe sollte eine Gabelung in realistische und humanistische Fächer ein- treten, so daß die.Einheitsschule' die Schule der Zukunft ist und die Bedürfnisse der Gegenwart bereits in, Prinzip befriedigt. Vom ersten Schulbeginne an muß die Sinnestätigkeit geweckt werden und zwar in der richtigen Reihenfolge von Hand, Gesicht, Gehör, um das Kind zur Bildung von Anschauungen, Vorstellungen und Be- griffen zu bringen. Die Einheitsschule löst am besten die Frage nach der Reform des Gymnasiums und nimmt ihm die„Weltfremdheit'. Die Tortur der derzeitigen Maturitätsprüfung muß abgeschafft und durch eine andere Beurteilung ersetzt werden. Die körperliche EntWickelung macht zwei Stunden täglicher Uebungen, möglichst im Freien, wünschenswert. Im Sommer sollten genügend lange Ferien, etwa zwei Monate, gewährt werden. sBeifall.) Von pädagogischen Gesichtspunkten behandelte Direktor Dörr sFrankfurt a. M.) die bleiche Frage. Er trat in warmen Worten für die allgemeine Einheitsschule ein und betonte, daß mindestens die ersten vier Jahre für alle schulpflichtigen Kinder im wesentlichen die gleichen pädagogischen Matznahmen erfordern. Für diese Zeit ist also die gleiche, allgemeine Volksschule durchaus am Platze. Als dritter Referent stellte auch Oberlehrer Dr. Gruhn- Berlin die Einheitsschule als das Ergebnis der schulgeschichtlichen Entwickelung hin. Er verteidigte die Anhänger der Einheitsschule gegen den Vorwurf, daß sie Umstürzler seien, und forderte die baldige Umgestaltung unseres Schulwesens im Sinne der Einheits- schule. Die gemeinsame Erziehung der Geschlechter ivürde von unberechenbarem Segen für die Jugend, für die Familie und für die Gesellschaft sein. Auch die Lehrerbildung für alle Stufen müßte ein- heitlichcr gestaltet werden. Die Diskussion nahm einen recht lebhasten Verlauf. Stadt- schulrat Dr. Wehrhahn-Hannover wandte sich vor allem gegen eine Trennung in Stadt- und Landschulen. Die Frage der Einheits- schule sei noch nicht spruchreif.— Ein anderer Redner erklärte, jeden Znsammenhang des Themas mit der Schulgesundheit Uber« Haupt zu vermissen. ES habe Steine gegen da« klassische Gymnasium gehagelt.— Pfarrer Bumann- Baden trat für die Einheitsschule ein. Nie schmerze eS ihn mehr, als wenn er als OrtSschulinspektor oft sehen müsse, wie die geistigen Fähigkeiten armer Kinder in den Volksschulen verkümmern. Stadtverordnelenvorsteher Prof. Heyne-Schöneberg sprach für die Beibehaltung des AbiturientenexamenS.— Direktor Braun-Hagen: Wenn es in der Verzärtelung der Jugend so weitergeht, geht eS mit unserem Volke bergab.— Nach weiterer Debatte gelangte ein Antrag Bösche zur Annahme, in dem der Vorstand beaustragt wird, eine willige Stadtverwaltung zu der Errichtung einer Einheitsschule zu bewegen, um die mit ihr gemachten Erfahrungen mit den bei anderen Schulen erzielten Erfolgen vergleichen zu können. Die in Weimar stattgefundene Tagung des Verein? für deutsche Erziebung nahm eine Resolution an, in der man sich ebenfalls für die Einheitsschule erklärte._ „Moderne" BildungSanstalten. Die Beaufftchtigulig der Schulen auf dem platten Lande wurde recht treffend illustriert durch eine Verhandlung vor dem Halleschen Schöffengericht. Ein Baumeister war, wie wir kürzlich berichteten, infolge VcrmögenSverfallS gezwungen, seine Kinder, die früher hohe Schulen besuchten, in die Dorfschule zu schicken, wo ein Lehrer in einer Klasse 118 Kinder zu unterrichten hatte. Er hielt die Kinder aber vom Schulbesuch fern, da in dem Dorfe das Scharlachficber derartig grassierte, daß in kurzer Zeit zehn Kinder starben. Auch ein Sohn des Angeklagten erkrankte durch Ansteckung und starb. Unter Träneil erklärte der gestrafte Vater in der ersten Verhandlung, er habe seine anderen Kinder durch Fern- halten vom Schulbesuch schlitzen müssen, da es in der Schule an Desinfektionsmitteln gefehlt habe. Man war nicht wenig erstaunt, als in der erneuten Verhandlung an Stelle eines Arztes der OrtS« Pfarrer als Sachverständiger austrat und bekundete, die Schulbchörde habe pflichtgemäß gehandelt; von einer Epidemie sei keine Rede ge- Wesen. Der Baumeister wurde zu 20 M. Geldstrafe verurteilt. Ucberwachung der Heimarbeiter. Unter Mitwirkung des Vorstandes der Braunschweigischen Handelskammer haben sich zahlreiche Konservenfirmen in Braun- schweig unter Verabredung einer Vertragsstrafe von 20 M. für jeden Fall der Zuwiderhandlung über eine große Reihe von Punkten geeinigt, die bei der Beschäftigung von Heimarbeitern beachtet werden sollen. Nur Personen, die sich den für die Heimarbeit maßgebenden Bestimmungen unbedingt unterwerfen, dürfen angenommen werden; zur Abrechnung mit ihnen sind vor- geschriebene Bücher zu benutzen. Jede Firma hat Namen und Wohnung sätntlicher von ihr beschäftigten Personen zu Beginn der Kampagne der UebcrwachungSkommission anzu- zeigen, die auS sechs Konscrvenindustriellen und einem von der Handelskammer ernannten Vorsitzenden Mitaliede gebildet wird, und spätere Veränderungen im Bestände den zuständigen UeberwachungS- beamten zu melden, die auf Vorschlag dieser Kommission für jede Kampagne von der Handelskammer wiederruflich angestellt und auf gemeinschaftliche Rechnung nach Verhältnis der Heimarbeiter und Anzahl besoldet werden. Meinuiigsverschiedeuheiteit zwischen dielen Beamten und der Kommission entscheidet die Handelskammer. Die Ucberwachung hat möglichst täglich und unerwartet jauch Sonn- tagSj an den beteiligten Heimarbeitsstellen zu erfolgen. Der Beamte führt ein Tagebuch, in das alle von ihm beobachteten Verstöße gegen die Bestimmungen einzutragen sind; allmonatlich zweimal muß er mündlich dem Geschäftsführer der Ueberwachungskommission Bericht erstatten.— Aus dem Inhalt der Bestimmungen ist folgendes zu er- wähnen: die Gemüse, Pilze, Früchte usw. müssen in einem dazu geeigneten, durchaus reinlichen, nicht zu warmen, gut gelüfteten Räume aufbewahrt werden. In Kranken- und Schlaf- zimmern ist die Lagerung und Verarbeitung unter keinen Umständen statthaft. Das Ausschütten auf den Fußboden ist streng untersagt. Die Arbeit hat in sauberer Kleidung und mit sauberen Händen zu geschehen. Haustiere jHunde, Katzen u. dcrgl.) dürfen nicht in den Arbeits- und Aufbewahrungsräumen geduldet werden. Kranken Personen und kleinen Kindern ist die Berührung mit den zu ver- arbeitenden Produkten zu verwehren. Kinder dürfen nur in- soweit, als es die gesetzlichen Bestimmungen zulassen, Be- schäftigung erhalten. Der Transport der Erzeugnisse von und zur Fabrik hat in sauberen verdeckten Behältern zu geschehen. Ge- schölter Spargel darf nur in einer mit einem Weißen Leinentuche ausgelegten Riepe transportiert werden. Jede in der Juniarbeit beschäftigte Person darf Produkte jeweilig nur aus einer Fabrik in ihrer Wohnung verarbeiten; das gleichzeitige Arbeiten für mehrere Fabriken ist verboten, weil, abgesehen von anderen Nachteilen, sonst eine Vermischung der verschiedenen Gemüse und dergleichen leicht eintreten und Unzuträglichkeiten hervorrufen würde. Alle Heimarbeiter und Heimarbeiterinnen haben sich der Be- aufsichtigung durch die Ueberwachungsbeamten zu unterwerfen, die über jeden ihrer Besuche eine Bescheinigung in das stets von den Arbeitnehmern bereitzuhaltende Abrechnungsbuch einzutragen haben. Die Besichtigung erstreckt sich besonders auf die Reinlichkeit und Zweckdienlichkeit der benutzten Räumlichkeiten, Gerätschaften usw. Der Ueberwachungsbeamte ist verpflichtet, von jeder Uebertretung der Bestimmungen unverzüglich allen beteiligten Konservenfabriken Nachricht zukommen zu lassen._ Herr Hartmann der Logenbruder. Herr Richard Hartmann, Buchdruckereibesitzer Berlin 17. 20, Bad- straße 8d, teilt uns mit, daß er mit der von uns in der gestrigen Nummer unter obiger Stichmarke veröffentlichten Angelegenheit in Verbindung gebracht wird und ersucht uns, mitzuteilen, daß er dieser Sache völlig fernsteht._' Mus Induftrle und Handel Verteidigung hoher Fleischpreise. Die„Allgemeine Fleischer-Zeitung" schreibt: Es gibt kaum einen gewerblichen Stand, der unter Angriffen wegen der Preisfestsetzung für seine Ware so schwer zu leiden hat wie der Fleischerstand. Gehen die Viehpreise in die Höhe und der Fleischer folgt auch nur zögernd und auch nur bis zu einem Grade mit der Erhöhung der Fleischpreise nach, so wird er schon der Gewinnsucht bezichtigt; weichen die Viehpreise und der Fleischer setzt entsprechend die Fleischpreise herab, so wird wieder gegen ihn gehetzt, weil er angeblich die Preise nicht weit genug herabsetze. Man möchte fast sagen, es ist zur Gewohnheit geworden, auf alle Fälle die Fleischer zur Zielscheibe zu nehmen. Dies ist nur daraus erklärlich, daß man schablonenhaft und äußerlich Vieh und Fleischpreise aus früherer Zeit mit Vieh- und Fleischpreisen, wie sie jetzt gezahlt werden, vergleicht, ohne die Wandlung, die in allen in Be- tracht kommenden Verhältnissen eingetreten ist, zu berücksichtigen. Man spricht davon, daß die„Spannung', das heißt der Unterschied zwischen den Vieh- und Fleischpreisen, in neuerer Zeit größer ge- loorden sei. Sind denn aber nicht auch alle Ausgaben für den tleischereibetrieb ungeheuer gestiegen? Die Mietspreise, die rbeitslöhne, die Beköstigung sind bedeutend gestiegen, die Kosten der Gebühren und Steuern haben sich gewaltig vermehrt, die Fleischbeschau, die im Interesse der Ernährung des Volkes mit gesundem Fleisch eingeführt ist, verursacht einen jährlichen Schaden von Millionen, der Betrieß ist in jeder Beziehung kost- spieliger geworden. Dazu kommt, daß erfahrungsmäßig der Begehr nach den besseren Fleischstücken immer größer wird, während die geringeren Stücke vom Publikum zurückgesetzt werden und deshalb weit unter dem Einkaufspreis abgegeben werden müssen, und dies hat zur natürlichen Folge, daß die besseren Stücke Höher bewertet werden müssen, wenn der Fleischer nicht am Ende mit Verlust arbeiten soll. Bei dem jetzigen Geschrei wird auch nicht berücksichtigt, daß alle Dauerware, die die Fleischer jetzt auf Lager haben, Wurst, Speck und Schinken, noch von den teuren Schweinen stammen. Statt über die hohen Schweinefleischpreise zu zetern und über die Fleischer zu räs onnieren, oder gar zu einer Einschränkung der Schweine- zucht zu schreiten, sollten die Landwirte das billige AufzuchtS- Material sich zunutze machen und ihre Stallungen füllen. Denn nach allgemeinem Urteil ist zum Herbst wieder ein Anziehen der Schweinepreise zu erwarten. Ueberzeugend wirkt die Verteidigung der hohen Fleischprcise gerade nicht. Daß z. B. die Dauerware noch von den teuren Schweinen stamme, ist kein Grund, die hohen Preise beizubehalten, denn die Fleischer haben sofort mit dem Steigen der Viehpreise auch die Fleischpreise hinaufgehen lassen und haben daher für die Danerware, die von den billigen Schweinen stammte, Rekordpreise hereingeholt. Etwas stark mutet die Erklärung an, daß die Ver- teuerung der Beköstigung gestiegen sei. Die Fleischer schrauben die Lebensmittelpreise in die Höhe, denn Fleisch ist doch das für den Geldbeutel am meisten ins Gewicht fallende Lebensmittel, und sie erklären dann hinterher: Die Verteuerung der Lebensmittel recht- fertige das Hinaufschrauben der Preise I Und die Steigerung der Mietspreise schmerzt doch wohl den Konsumenten mehr, als den Fleischermeister-Hausbesitzer. Die Sache ist die, daß die Fleischer die Einbuße, die sie vorübergehend erlitten haben, nun voll und darüber hinaus auf den Konsumenten abwälzen. Dieser muß den Agrarier und den Fleischer dazu Tribut zollen. Terrain- Aktiengesellschaft Park Witzleben in Berlin. In der Haupwersammlung wurde mitgeteilt, daß der Verkauf der für das Reichsmilitärgericht bestimmten Baustelle an die Reichsregierung nunmehr vollzogen sei. Der im laufenden Jahr erzielte Rohgewinn rühre hauptsächlick aus diesem Geschäft her und beziffere sich auf etwa 032 000 M. Andere Verkaufsverhandlungen seien in der Schwebe. Aus den verfügbaren Mitteln sollen im Juli weitere 15 Proz. zur Rückzahlung gelangen, da bei der gegenwärttgen Lage de« Baugeschäfts auf größere Eingänge vorläufig nicht zu rechnen sei. Die Errichtung eines Stadtbahnhofes in der Nähe des Ge- sellschaftSbesitzes dürfte nicht lange auf sich warten lassen. Rechtfertigung von Lohnerhöhungen. In ihrem Jahresbericht be- merkt die oberbayerische Handels- und Gewerbekammer, daß die Steigerung der Lebensmittelpreise zum großen Teil durch die Er- höhung der Getreidezölle und der Zölle auf andere agrarische Pro- dukte verursacht wurde und fährt dann fort:»Was hier mit der einen Hand dem agrarisch interessierten Teil der Bevölkerung gegeben wird. wird der Judustrie genommen; denn die hohen Lebensmittelpreise rufen natürlich den begreiflichen Wunsch und da? Bedürfnis nach höheren Arbeitslöhnen hervor. Es ist daher erklärlich, wenn ein durchgehendes Merkmal der Berichte aus den einzelnen Branchen die Erhöhung der Arbeitslöhne bildet, welche übrigens fast all- gemein als eben durch die Lebensmittelteuerung gerechtfertigt zu- gestanden wird und man könnte sich auS sozialpolittschen Gründen über diese Tatsache freuen, wenn nicht ihre Ursache eine so bedenk- liche wäre und wenn sie nicht eine harte Last für manche Gewerbs- zweige, namentlich für die ohnedies schwer kämpfenden kleineren Betriebe bilden würde.' AuSfiihrvergütung abgelehnt. Der»Kölnischen Volkszeitung" zufolge hat das Rheinisch-Weftfälische Kohlensyndikat auf erneute Vorstellungen der reinen Walzwerke die Wiedereinführung der Ausfuhrvergütung abgelehnt, da der Geschäftsstand eine Notwendig- feit dafür nicht ergebe. Gericdts-Leitung. Aufgehobene Disziplinarvcrordnnngsslrafe. Kakao, Schokolade, TheaterbillettZ und Apfeltvein verhandelte der Obersekretär Hoffmann bei der Berliner Landesversicherungsanstalt auch an ihre unterstellte Beamte. Der Bureaugehülfe Lanzenberg glaubte seine Nichtbesörderung im Amt auf einen ungünstigen Be- richt seines Vorgesetzten Hoffmann zurückführen zu müssen. In einer Eingabe an den Vorsitzenden der Versicherungsanstalt erwähnte er dies und nahm auch Bezug auf den Handel HoffmannS. Der Vor- sitzende des Vorstands, Dr. Freund, erteilte ihm darauf einen strengen Verweis, weil in der Eingabe die wahrheitswidrige Be- hauptung enthalten sei, daß der Obersekretär den Apfelwein auf eigene Rechnung verkaufe, während der Verkauf des Apfelweins für den Beamtenverein erfolge. Da die Behauptung eine bewußt falsche sei, zu den Pflichten der Beamten aber Wahrheitsliebe gehöre, so müsse der Verweis erfolgen. Im Übrigen sei Hoffmann gegenüber der Verkauf von Kakao, Schokolade und Theaterbilletts als ungehörig gerügt worden.— Der Bezirksausschuß, bei dem Lanzenberg auf Auf- Hebung der Disziplinarordnungsstrafe klagte, erachtete den Verweis für gerechtfertigt, indem er davon ausging, daß die wahrheitswidrige Behauptung der„eigenen Rechnung' entweder eine bewußte oder aber doch eine leichtfertige wäre. Das Obervcrwaltiingsgericht als höchste Instanz hob jedoch das Urteil auf, setzte die Disziplinarordnungsstrafe des Verweises außer Kraft und führte kurz aus: Der Verweis fei nur erteilt wegen einer Behauptung, daß Hoffmann für»eigene Rechnung" verkauft habe. In der Beziehung falle aber nach Meinung des Senats dem Kläger ein Dienstvergehen nicht zur Last. Zwei Monate Gefängnis für eine» Faustschlag. Vor dem Rixdorfer Schöffengericht hatte sich der Kohlenarbeiter Karl Schmidt, Weichselstr. 37, wegen gemeinschaftlicher Körper- Verletzung eines Arbeitswilligen namens Ferdinand Seifert zu der- antworten. Der Vorgang der zur Anklage führte, ist nach Angabe beS Arbeitswilligen folgender: Auf dem Kohlenplatz bei Cäsar Wollheim, Treptow, waren die Arbeiter im Ausstand; der Beschuldigte Schmidt, ferner die Arbeiter Plack, otta. Gubenerstr. 48, und Laue standen zwischen Hoffmannstraße und Elsenstraße je zirka 00 Meter von einander entfernt Streikposten. Der Arbeiter Ferdinand Seifert, RummelSburg, war 2—3 Tage zuvor kotz des Streiks bei Cäsar Wollheim als Kohlen- schipper in Arbeit getreten und wollte sich am 4. September 1900, morgens 58/4 Uhr, nach seiner Arbeitsstelle begeben. Als er auf dem Bahnhof ankam und zu Fuß nach der Elsen- straße ging, erkannte Laue in Seifert den Arbeitswilligen und machte eine Bewegung, indem er seine Mütze hochhob; Schmidt gab dieses Signal an Streikposten Plachotta weiter. Plachotta stellte darauf den Seifert zur Rede. Nach der Behauptung des Geschlagenen Seifert soll Schmidt am Bahnhosshotcl hinter einem Baum ge- standen haben, Plachotta hinter einem Pfeiler, den Laue habe er überhaupt nicht gesehen. Plötzlich habe er einen wuchtigen Schlag auf den Kopf erhalten, so daß er zu Boden stürzte. Als er ans dem Gesicht am Boden lag, will er noch mehrere Schläge auf den Kopf erhalten haben, von wein, wisse er selbst nicht. Der Briefträger Hänel war Zeuge der Schlägerei und sagte aus, daß Schmidt geschlagen habe; Plachotta stand zu Füßen des Ge- schlagenen, der an der Erde gelegen habe. Der Schwiegervater des Hänel, Kohlenplatzwächter Saar, der einige Sekunden später hinzu- kam, sagte, Schmidt habe nicht geschlagen, er habe am Fußende oeS an der Erde liegenden Verletzten gestanden. Der AmtSanwalts-Vertreter, Referendar Zwicker, nimmt kotz der Widersprüche an, daß der Angeklagte immerhin in erreichbarer Nähe des Seifertschen Kopfes gestanden hat, und da zwei bis drei Mann auf der Lauer gestanden haben, so sei eine gemeinschaftliche Körperverletzung als vorliegend zu erachten. Er hält Schmidt für überführt und beantragt zwei Monate Gefängnis. Rechtsanwalt Rosenfeld beantragte Freisprechung. Hier handele eS sich um einen völlig unbe st rasten Menschen, der wegen ein paar Faustschläge, falls das Gericht den Schmidt überhaupt nach der Beweisaufnahme für Überführt halten könne, höchstens eine kleine Geldstrafe verdiene. Ein genieinschaftlichcs Handeln betreffs der Körperverletzung läge zweifellos nicht vor. Eventuell beantrage er noch Ladung der Zeugen Laue und Plachotta. Das Urteil lautete dem Ankage des AmtSanwaltS gemäß auf zwei Monate GefängniSl Verband der Frtseurgchülfen' Deutschlands(Zweigverein Berlin und Vororte, Zahlstelle Charloltenburg). Heute abend vfl, Uhr bei Mertens, Nrummestraße 43: Versammlung. Vermischtes. Geborgene Leichen. Wie die„Danziger Zeitung' meldet, wurde der am Pfingstmontag zwischen Hela und Adlerhorst gekenterte Kutter nach Neufahrwasser eingebracht. In der Kajüte fand man die Leichen der beiden Passagiere, deS Kaufmanns Schimmelpfeng und seiner Erau aus Königsberg und des jüngsten Sohnes des Fischers. Die eichen der beiden anderen während der Fahrt über Bord gespülten Personen sind noch nicht geborgen worden. DaS ominöse HochzcitSschießcn. Am zweiten Pfingstfeiertage beging der Schieferbrucharbeiter Max Neupert in Nöttcrsdorf bei Schleiz seine Hochzeit. Auf dem Wege von der Kirche zu Osla zurück nach RötterSdorf wurde dem Unfug des Hochzeitsschießens gehuldigt; ein Revolver versagte. Einer der Trauzeugen hantierte mit dem Revolver, wobei sich die Waffe entlud. Die Kugel traf den ledigen Wirtschaftsgehülfen Haas, der den Hochzeitswaacn führte, in den Kopf und tötete ihn sofort. Die Pferde wurden scheu, gingen durch und warfen den Wagen um, wobei die Insassen heraus« geschleudert wurden; viele wurden verletzt. Noch ein Opfer. Wie dem»Wiesbadener Tageblatt' aus Schlangenbad gemeldet wird, ist ein Fahrgast, der bei dem Eisenbahn- unglück am ersten Pfingstfeiertag schwer verletzt wurde, im Schwestern- heim Klostertiesenbach gestorben. Wieder ein Eisenbahnunfall. Vor der Halle des Bahnhofes der Staatseisenbahngesellschaft in Wien fuhr gestern früh die Maschine eines Personenzuges gegen einen Eilgüterzug. 18 Personen wurden leicht verletzt. Untersuchung ist eingeleitet. Ein Leuchtturm eingestürzt. Wie aus Bordeaux berichtet wird, ist der im Jahre 1895 erbaute Coubre-Leuchlturm an der Garonne« miindung, der bereits im Jahre 1890 außer Betrieb gesetzt werden mußte, weil er vom Meere unterspült worden war, in der ver- gangenen Nacht eingestürzt. Menschen sind dabei nicht zu Schaden gekommen._ 200 Menschen umgekommen. Nach Sydney ist die Nachricht gelangt, daß ein Orkan und eine Flutwelle die Karolineninseln am 30. April Hein, gesucht und großen Schaden angerichtet habe. ES sollen 200 Eingeborene um- gekommen sein._ Einschmuggclung japanischer Frauen. In Townsend find nach einer Meldung aus San Francisco an Bord des Dampfers .Oamfa", der aus Uokohama gekommen war, sechs große Kisten beschlagnahmt worden, in denen sich Japanerinnen befanden. ES handelt sich um einen Versuch, entgegen der neuen EmwanderungS- bill japanische Frauen einzuschmuggeln. i3. Ziehung 5. KI. 216. Kgl. Preuss. Lotterie Ziehung vom IS. Mai 1907, vormittag». Kur die tiowinnc über 210 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 128 316[500] 711 75 056 1 031 322«6 713 965 2123 175[500] 327 34 553 653 924 3103 4 41 513 87 50«09 757 820 984[3000] 4032 43 141 627 031 34 882 5043 103 288 399 460 600 757 940 62 6125 236[500] 897 666 945 7199 879 331 51 80 432 578 671 866 911 27 8037 137 68 414 528 44 34 774 9089 109 571 85 727 48 828 933 1O106 79 328[1000] 474 SO 512 31 703 62 11054 203 810 597 652 67 788 70 975 12065 150 61[1000] 245 69 81 491 516[500] 658 828 39 94[1000] 940 13083 316 528 81 745 820 14121 207 393 598 613 51[500] 7C5[1000] 84 912 15065 170 489 567 680 882 1 6271 580 640 772 993 1 7067 88 225 67 311 410 519 769 1 8125 270 96 392 728 987 19067 8 4 210[1000] 542[500] 45 823 20142 480[1000] 558 975 96 21 155[1000] 203 40 «I 804[500] 81 425 745 940[500] 2 2071 108 78 425 655 964 2 3064 176 814 70 97 651 94 942 24015 17? 239 68 314 447 564 752 950 96 23062 96 121 78 680[500] 714 56 981 2 6073 165 329[1000] 43 670 715 873 9 7 2 7065 181 223 82 334[3000] 644 671 28115 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1686 k 1000,»7»9 k 500. '13. Ziehung 5. Kl. 216. Kgl. Preuss. Lotterie. (Ziehung vom 22. Mal 1907, naebm'.tfngo. Kur die Gewinne Uber 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 42 142[500) 232[1000] 67 687 709 81 94 1028 81 [1000] 300 795 950[500] Ol 2 027 228 363 668 735 64 3452 609 634[1000] 823 4055 104 334 435 598 639 911 5201 20 63 544 742 60 806 73 6 281 SOS 40 57 99 964 7x06 273 93 447 035 742 68 807 953 61 80 16 87«7 271 582 89 955[3000] 9352 653[10000] 77» 873 079 1O039 185 652 960 11193 321 24 549 77 878 908 112144 203 421[500] 531 904 13307 16 30 032 85 87 836 14010 57 96 III 58? 645 65 829 15113 229 90 469 551 613 [1000] 16195 403 508 82 693 746 963 1 7204 819 415 633 702 85 1 8127 240 571 77 422 60 75 584 97 672 876 1 9025 [500] 69 447 570 664 734 808 20224 83 323 32 440 4 4 91 534[1000] 69 83 611[500] 50 88 900 21185 238 45 839[500] 47 22090 278 512[500] 60 2 3026 60 112 285 421 22 4 9 738 53 845 933 13000] 71 24390 631 943 2 5070 20« 498 655 728 53 71 91[1000] 824 26336 440 77 845 2 7057 CO 151 60 867 490[1000] 500 723 884 954[1000] 82 99[1000] 28240 75 801 24 43 71 521 698 778 2 9136 90 300 68 493 511 625 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266160 269[500] 300 6 17 42 52 415 82 88 529 924 26 7065 217 886 491«50 268014 516 426 79 688 90[500] 701[500] 41[8000] 963 269158[1000] 808 55»48[500] 2 70152 72 98 241 405 10»20 44«8 998[500] 271210 000 69 272229 30»52 78 648 88 848 2738:0 78 478 9« 519 750»68 274013 340 IlOCO] 487 84* 708 7 843 056 2 7 5097 235 425 527 SO 77 88 615 760 98 [8000] 910 276017 18[3000] 465 744 901 27705» 175 226[500] 40 321 525 943 2 78104»85 665 279027 US [500] 447 192 807 280062 269 405 10 B74 281068 1« 25 B80 BB» BB» 890 2 82165 536 432 55 63« 632 47 740«1 950 28302« [500] 80 96 58« 650[500] 801 50 52[1000]«8 996 284014 824 89 828 285250[500] 429 530 7»1 95[600] 620[8000] 979 286015[500] 174 437 577 518 752 80 842 287081 INl 581[8000] 818[1000] 32[500] 979 69 Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Plg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. | Kleine Anzeigen j ANZEIGEN für die nächste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr. für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition, Llndenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Teppiche mIlForbensebleniFobrif. Ittebeiinfle(Bricht fivaiiffurterftvnfet 9, porltrit fein Loden. Mauerhoff, ft Tfcppderfen billigst Febrik Grotzt grnnfiiirlcvfttrtBt 9, tmtlmt. fl (»int bin e üb im o(WroBtiUnlitmnet. strafje 9, pculerte. Kein Laden. Maucrhoff.>(- Teppiche!(irblerbiilit) In allen ®rüj,cii für die Häljle des WttleS in, Tcppichlager Brünn. Hackelcher Diarfl 4, Bahnhof Bütie. 255/2* Kahrriider, Teilzahlungen. Jn- BalibcuftvaBc 20, Skalitzerslrahe 40.* Gardinen, Portieren, Taschen. Uhren, Wanduhren, Schmucksachen spottbillig. 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Jfflandstratze 8. 224/14 Im Arbeitsmarkt durch besonderen Truck hervorgehobene Anzeigen kosten SV Pf. die Zeile. Arbeitsgelegenheit.-HKg 10—20 kräftige Erdarbeiter werden bei gutem Tagelohn und hohem Akkord sofort gesucht von den Pommerschen Kalksteinwerken, Zaniglaff bei Rackitt in Pommern. Kantine mit billiger Verpflegung vorbanden. Zarnglais ist mit Klein- bahn über Golluow-Cantreck in zwei Stunden von Stettin zu erreichen. Fahrgelder werden nach dreiwöchent- licher Arbeit vergütet. 4986 L* LekmMell aus achtbaren Familien zum soforttgen auch späteren Antritt bei monatlicher Vergütung gesucht. 49692» Meldungen nur in Begleitung der Eltern oder deS Vormundes mittag» 1—2 oder abends 8—9 Uhr. A. Jandorf& Co., Belle-Allianeestr. 1—2. __ Achtung!__ Zuschntider und Schneider der Herrenkonfektion! Die Zuschneider befinden sich in einer Lohnbewegung. Verschiedene Geschäfte Inserieren nun jetzt schon nach Streikbrechern. Wir [ordern daher alle Kollegen, Zu- schneider und Schneider auf, in den nächsten Wochen keine Stellung in einem Berliner Konsekttonsgeschüst an- zunehmen, um den für bessere Lohn- und Arbeitsverhältnisse kämpsendenZu- schneidern und Zuschneiderinnen nicht in den Rücken zu fallen. 164/9« mtglicdschaft II des Schneidfip- Verbandes, (Zuschneider-Vereinigung.) Alljtmils, NM! Der Töpfermeister Paul Schulze, Rirdors, Pamiierslraße 21, ist wegen Lohnaussall biS aus werteres ge- sperrt. In Betracht kommt der Bau Rixdors, Steinmetzstraße, Bauherr Roggenwald. 196/10 Die Verbandsleitung. Wegen Differenzen ist die Finna I. H. Mackensen, Ritlerstr, 47. ge- sperrt. 86/17* Tie OrtSvcrwaltung. g�tpnrtkichTriHchatteut: H-nS Weber, Berlin, güx hx, Anjeratenteil ver-ntw.: Th. Glocke, Berlin, xiud u. Verlag: Vorwärt« Ouchdruckerei u. Verlagianstalt Paul S-inzer& Co.. Berlin SW, Nr. 117. 24. Jahrgang. 2. KtiliP des.Ämlirls" Kerlim KIksdlR Donnerstag, 23. Mai IM. » Partei- 5ZngelegenkeLten. Zweiter Wahlkreis. Am Sonntag, den 26, Mai, früh 8 U h r, findet von den bekannten Stellen aus eine Flugblatt- Verbreitung statt. Alle Genossen müssen pünktlich zur Stelle sein. Am Dienstag, den 28. Mai, abends 8'/. Uhr, findet bei E. Z ü h l k e, Dennewitzstr. 13, eine Volksverfamm- l n n g statt, in der unser Abgeordneter, Genosse Richard Fischer, Über„den verflossenen Reichstag" sprechen wird. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Berliner J�acbrichten. Die Aussichten der Wertzuwachsstcuer. Trotzdem das Plenum der Stadtverordnetenversammlung dem grundlegenden Paragraphen auf Einführung einer Wertzuwachssteuer zugestimmt hat. sind die Aussichten dieser neuen Steuer sehr gering. Im Ausschusz, dem nochmals die weitere Veratimg der Wertzuwachs- ftcner überwiesen ist, haben die Gegner der Steuer die Majorität. Die Zusammensetzung des Ausschusses gibt aber kein richtiges Bild für die Stimmung der Versammlung. Das ist darauf zurück- zuführen, weil die Fraktion der sogenannten„Neuen Linken", die man eigentlich die veraltete Neue Linke nennen müßte, die in ihrer Mitte befindlichen Anhänger der Steuer bei der Wahl der Ausschuh- Mitglieder unberücksichtigt gelassen hat. Dieses Verfahren ist zlvar ein Interna der betreffenden Fraktion, immerhin aber von all- gemeinem Interesse, wenn man sich die Entstehung und Ent- wickelungsgcschichte dieser Fraktion vor Augen führt. Die„Neue Linke' splitterte sich seinerzeit von der„Großen Fraktion" ab, weil ihr die Haltung derselben zu rückschrittlich erschien. Ihr Verhalten zeigte denn auch in den ersten Jahren ihres Bestehens, im Gegensatz zu der Alten Linken ein schärferes Betonen des fort- fchrittlichcn Gedankens, gehörte doch zu ihren damaligen Mitgliedern auch Dr. Theodor Barth. Das ist nun im Laufe der Zeit anders geworden. Ein Unterschied zwischen den feindlichen Brüdern gibt es nicht mehr und um es kurz herauszusagen, befinden sich heute beide Fraktionen vollständig im Banne der HauSagrarier. Das Kommunalabgabengesetz und das neue Wahlgesetz mit dem Durch- schnittssteuerzahler hat den Hausbesitzern in der ersten namentlich aber in der zweiten Abteilung bei der Stadtverordneten- und LandtagSwahl einen sehr großen Einfluß verschafft, der umso wirkungsvoller ist, weil in der dritten Abteilung sowieso nicht mehr viel für die.freifinnigen' Herren zu holen ist. Die HauSagrarier sind gegen die Wertznwachssteuer und das genügt auch für die„Neue Linke' gegen die Steuer mit den fadenscheinigsten Gründen zu operieren. Zwar hat der Oberbürgermeister Kirschner in seiner Rede für die Wertzuwachssteuer überzeugend nachgewiesen, welche große Anforderungen in nächster Zeit unabweisbar an die Stadt herantreten werden, das hindert aber Herrn Rosenow nicht, namens seiner Freunde zu erklären,„die Finanzen der Stadt seien nicht so schlecht, daß eS nötig fei, eine solche Steuer einzuführen'. Diese Haltung findet ihre einfache Er- klärung in dem Umstände, daß im Herbst die Ergänzungswahlen für die Stadtvcrordnetenwahlen stattfinden und im nächsten Jahre die Neuwahlen zum Landtag. Ohne zu prophezeien, kann man heute schon behaupten. daß alles aufgeboten werden wird, daß bei diesen Wahlen die WertzuwachSsteuer keine Majorität in der Stadtverordneten- Versammlung findet. Bei den Ergänzungswahlen für die Stadtverordnetenversammlung liegt die Situation insofern noch günstig, weil die drei Fraktionen, die Alte und die Rene Linke sowie die Freie Fraktion sich durch den Abschluß eines Kartells die Mandate gegenseitig garantieren. Immer hilft das zwar auch nicht, wie der Fall Galland beweist. Herr Galland wurde vor zwei Jahren nicht wiedergewählt, weil er bei der Frage der Umsatzsteuer den Hausbesitzern nicht ganz zuwillen war. Er hat aber inzwischen xator xocavi gesagt und weil er versprach, gegen die Einsührung der Wertzuwachssteuer zu stimmen, hat man Gnade für Recht ergehen lassen und Herrn Galland bei einer am 15. Mai notwendig gewordenen Ersatzwahl in der I. Ab- teilung des 6. Gcmeindewahlbezirks wiedergewählt. Viel gefährlicher für die Freisinnigen als bei den Stadt- verordneten-ErgänzungSwahlen liegt die Situation bei den im nächsten Jahre stattfindenden Landtagswahlen, die diesmal unter ganz anderen Umständen vollzogen werden, als bisher. ES ist sicher damit zu rechnen, daß die eme Reihe Berliner Abgeordneten, die zugleich Stadt- verordnete sind, wie die Herren Goldschniidt, Kreitling, Rosenow, Max Schulz, ihren Besitzstand nach rechts und links schwer verteidigen müssen, und es ist ganz bezeichnend, daß keiner dieser Herren in diesem Ausschuß sitzt. Das ist doch sonst nicht so l Hinzu kommt, daß eine Anzahl derjenigen, die für das Prinzip der Wertzuwachs- steuer sgestimmt haben, das nur unter bestimmten Voraussetzungen taten. Werden diese Voraussetzungen durch die Ausschußberatungen nicht erfüllt, werden diese Herren im Plenum gegen die Steuer stimmen. Diese Voraussetzungen bestehen darin, daß Kautelen geschaffen werden, die die Wirkung der neuen Steuerform auf den Grundbesitz nahezu illusorisch machen. Daß der Ausschuß diese Voraussetzungen erfüllen wird, dafür bürgt seine Zusammensetzung. In der nächsten Sitzung des Ausschusses wollen die Gegner der Steuer die Wirkung derselben insofern paralisieren, indem sie durchsetzen wollen, daß der Ertrag auf die Umsatzsteuer verrechnet wird, ein Verfahren, das da- hin führen würde, daß für Berlin eine Wertzuwachssteuer ohne Er- trag eingeführt würde. Wie sich aber auch die freifinnigen Kommunalpolitiker auS der für sie so peinlichen Situation ziehen mögen: für uns werden sie für die kommenden Wahlen willkommenen Agitationsstoff liefern. Unsere Genossen werden nicht verfehlen, bei jeder passenden Ge« legenheit das Wirken der Hausbesitzerfreunde im Roten Hause hin» reichend zu beleuchten._ Umlcnkung bei der Swaßenbahn. Die Straßenbahn ist genötigt. wegen Erneuerung der gesamten Kreuzungsanlagen in der Andreas- ftraße an der Ecke der BreSlauerstraße eine Reihe von Linien in den Nächten vom Donnerstag zum Freitag, den 23. zum 21. Mai. von 12 Uhr an und nächste Woche in den Nächten vom 30. zum 31. Mai sowie vom 31. Mai zum 1. Juni von 1 Uhr an umzuleiten. Es sind die! die Linien 1 Stndtring, g Großer Ring. 6 Moabit— Küstrincr Platz. S Moabit— Schlesiichcr Bahnhof. 22 Müllerstraße— Rirdors und 80 Eharlottenbnrg— Schlesischer Bahnhof. Von diesen Linien gehen während der Ablenkung die Linien 1, 3, 6 und 22 durch die Andreasstraße, den Grünen Weg, die MarkuSstraße, Holz- marktstraße, Jannowitzbrücke, Bruckenstraße, Reanderstraße und um- gekehrt, die Linien S und 80 dagegen nur bis zur MarkuSstraße, Ecke Holzmarktstraße._ Zur Frage deS PrügclrcchtcS gcgeu FortdildnngSfchüler hatten wir in der vorigen Woche eine Mitteilung veröffentlicht, die aus der P f I i ch t f o r t b i l d u n g S, ch u l e des Bezirkes Süd über eine im Schulhause der B r a n d e nb u r g st r a ß e vorgekonunene Lffäre berichtete. Wir erhalten hierzu folgende Zuschrift: „In Ihrer Nr. 111, 3. Beilage, vom 13. Mai d. I. haben Sie mit der Spitzmarke:„Das Prügelrecht auch gegen Fort- bildungsschüler" eine Notiz veröffentlicht, wonach ich einen Fort- bildungSschüler aus nichtigem Grunde geschlagen haben soll. Unter Berufung auf K 11 des Preßgesetzes ersuche ich Sie, un- verzüglich zu berichtigen, daß der gesamte Artikel, soweit er meine Person betrifft, unwahr ist. Kaudeler, Direktor." Wir ersehen aus dieser Zuschrift, daß die in jenem Artikel ge- schilderte Erziehungsmethode nicht auf das Konto des Direktors Kandeler zu setzen war. Bestätigt wird uns das durch ein bei- gefügtes Schreiben des Abteilungsdirigenten Müller, in dem dielet sich zur Täterschaft bekennt. Doch macht auch er die Ein- schränkung, daß er den Schüler nicht„geoh'rfeigt" habe. Wir bedauern, daß wir Herrn Kaudeler unrecht getan haben. Die Schuld an der Personenverwechselung, die hier vorliegt, trifft aber nicht uns oder unsere Gewährspersonen, sondern besagten Herrn Müller. Der Irrtum ist entstanden dank der eigenen Manier, in der manche Lehrer die sich beschwerenden An- gehörigen von Schülern behandeln zu dürfen glauben. Als der in jenem Artikel erwähnte Schüler O. seinen Angehörigen mitgeteilt hatte, bei seinem ersten Eintritt in die FortbildunWschule sei er von einem ihm unbekannten Herrn geohrfeigt worden, weil er ahnungslos durch eine für Schüler anscheinend verbotene Tür gegangen sei, begab sich der ältere Bruder des Schülers in dessen Begleitung nach dem Schnlhanse, betrat mit ihm das Lehrerzimmer und fragte nach dem „Herrn Direktor". Ein Lehrer antwortete mit der Gegenftage, ob er Herrn X.(der Name wurde nicht verstanden) oder Herrn Kandeler sprechen wolle. Herr O. erwiderte:„Herrn Kandeler'. Ihm war nämlich bereits bekannt, daß Herr K. der Direktor dieser Fortbildungs- schule ist. Der Lehrer machte eine Handbewegung nach einem der anderen Herren hin, worauf dieser aus Herrn O. zutrat.„Ist das der Herr, der Dich geschlagen hat?' fragte Herr O. leise seinen Bruder: der Knabe antwortete:«Jawohl." Der betreffende Herr verhandelte dann mit Herrn O., ohne ihm seinen Namen und seinen Titel zu nennen; wenigstens hat Herr O. nichts derartiges gehört. Es gibt Lehrer, die solche Formalitäten gegenüber An- gehörigen ihrer Schüler für überflüssig halten. Aber dann darf sich auch niemand wundern, daß Irrtümer vor- kommen. Herr O. mußte annehmen, daß er den Herrn Direktor Kandeler vor sich habe, nach dem er ausdrücklich verlangt hatte. Nunmehr stellt sich heraus, daß jener mit ihm verhandelnde Herr, der zunächst sich der Prügelaffäre nicht mehr erinnern konnte und sie hinterher mit den Worten:„Das wird wohl nicht so schlimm gewesen sein" zugab, gar nicht der Direktor Kandeler war, fondern der Abteilungsdirigent Müller. Von Herrn Müller wird jetzt jene Antwort, es werde nicht so schlimm gewesen sein, dahin erweitert, daß er, wie wir schon oben erwähnten, überhaupt nicht geohrfeigt habe. Das hat uns überrascht. Man begreift nicht, welchen Grund der„nicht ge- ohrfeigte" Schüler haben konnte, seinen Angehörigen zu erzählen, er sei geohrfeigt worden. Zu Haufe hatte niemand ihn danach gefragt. Warum gibt übrigens Herr M. nicht an, was er eigentlich dem Schüler getan zuhaben meint? O. selber bildet sich noch jetzt ein, er sei geohrfeigt worden. Herr M. fchreibt weiter, O. sei bereits in der Fortbildungsschule der Wasser- torstraße eingeschult gewesen, als er der Abteilung in der Branden- burgstraße zugewiesen wurde. Dann galt er also schon als Schüler dieser Schule, als er von Herrn Dirigenten M. eine Ohr- feige zu kriegen glaubte. Aber die Tatsache, daß O. damals zum erstenmal das SchulhauS der Brandenburgstraße betreten hatte, daß er also von den dort geltenden Bestimmungen sowie von der Eigen- art deS Herrn M. noch nichts wissen konnte, wird von Herrn M. nicht bestritten. Herr M. versichert:„Nach den dargetanen Ver- Hältnissen lag gar kein Grund zu einer feierlichen Re« habilitierung de» Schüler» vor, zu der wir uns sonst im gegebenen Fall natürlich verstehen.' In gemeinverständlichem Deutsch soll das heißen:„Wir hatten diesmal keinen Grund, uns zu entschuldigen.' Warum nicht? Daß O. etwa Herrn M. gegenüber sich ungezogen benommen hätte, deutet der Brief mit keiner Silbe an. Aber welches war dann sein Verbrechen? Herr M. fügt hinzu, an, ersten Eingang des Schulhauses befinde sich eine deutlich zu lesende Inschrift, d,e die erste Tür auf dem zweiten Hofe als Eingang für die Schüler bezeichne. Ist es denn wirklich ein so großer Frevel, wenn ein fremder Schüler, der ahnungslos das Haus zum erstenmal betritt, nicht sofort jedes Plakat bemerkt? Da hört doch alles auf. wenn aus solchem Anlaß einem Schüler ein derartiger Empfang bereitet werden darf. Am Rudolf Birchow-Krankenhause ist die Abteilung für inner« xich kranke Kinder eröffnet worden. Aus der Praxis der Abzahlungsgeschäfte wird uns wieder ein Fall bekannt, der besonders kraß ist, und den wir deshalb ver- öffentlichen wollen. Ein Tischler H. hatte im Januar 1005 zur Vervollständigung seiner Wirtschaftseinrichtung drei Möbelstücke bei der Firma E. Cohn(Große Frankfurter st r. 58) auf Abzahlung gekauft: eine Matratze für 33 M.. eine gebrauchte Matratze für 25 M., ein gebrauchtes Küchenspind für 30 M. Vereinbart wurde, daß von Kiefen S3 M. sogleich 10 M. bezahlt würden und das übrige in Wochenraten von 2,50 M. ab- gezahlt würde. H. zahlte aber von vornherein in geringeren Raten und in langsamerem Tempo, so daß er gegenüber der Vereinbarung sehr bald im Rückstände war und dann auch trotz aller Zahlungen immer weiter zurückblieb. Ende Juni 1905 verklagte ihn die Firma auf sofortige Zahlung von zunächst 20 Mark, daS war ein Teil des damals bereits rückständigen Betrages. H. ging nicht zum Termin, und das Gericht verurteilte ihn auf Zahlung der eingeklagten Summe oder Heraus- gäbe der drei Möbelstücke. Hinterher einigte H. sich privattm mit der Firma. Er behielt die Möbel und zahlte weiter Der Firma wäre wahrscheinlich nicht damit genutzt gewesen, wenn sie die Möbel hätte zurücknehmen müssen. H. hatte im ganzen erst 24 M. bezahlt, als er verklagt wurde. Jene? Urteil konnte aber jederzeit noch vollstreckt werden; jederzeit durften die Möbel dem Abzahlungskäufer sofort weggenommen werden, wenn er nicht zahlte. Die Firma hatte den Käufer an der Schnur; sie brauchte nur zuzuziehen, wenn eS ihr paßte. Die Abzahlung schritt nun in demselben langsamen Tempo fort, wie ftüher, und mit denselben geringen Raten. Die Firma machte aber keinen Gebrauch von dem ihr zugesprochenen Recht, die Möbel abzuholen. Sah sie ein, daß H., der trotz mehrfacher Stockungen doch immer wieder weiterzahlte, zum mindesten kein böswilliger Schuldner fein konnte? Oder welchen Grund hatte die Firma sonst, immer noch zu warten?- Sie wartete auch noch, als im Winter 1906/07 H. das Tempo der Abzahlung noch weiter verlangsamte. Inzwischen war ja nun auch die Aussperrung über die Tischler hereingebrochen, da wäre eS ohnedies schwer gewesen, regelmäßig zu zahlen. H. wurde zwar mehrfach gemahnt, aber er antwortete immer, in der Zeit der Aussperrung müsse man sich eben gedulden, und die Firma tat'S auch. Endlich am 16. Mai konnte H. wieder ansangen zu arbeiten. Nun war Aussicht vorhanden, daß er bald wieder zahlungsfähig werden und in die Lage kommen würde, endlich den Nest abzuzahlen. Von den S3 M. waren 76 M. be- zahlt, mithin betrug der Rest nur noch 17 M. Da erschien plötzlich am 17. Mai w H.S Wohnung ein Vertteter der Firma E. Cohn mit einem Gerichtsvollzieher und holte dem noch nicht Zahlungsfähigen die beiden Matratzen und daS Spindab! H. selber war auf Arbeit, in der Wohnung war nur seine Frau anwesend. Frau H. war aber er st am 11. Mai von einem Kinde, dem sechsten, entbunden worden. Sie teilte daS dem Vertteter der Firma sowie dem Gerichtsvollzieher mit, doch wurde ihr geantwortet, sie sei ja schon außer Bett, und auf Geheitz deS Firmenvertreters waltete dann der Gerichtsvollzieher seines Amtes. H. hat also für das Vergnügen. knapp 21/3 Jahre hindurch die erwähnten Möbelstücke benutzen zu dürfen, 76 M. zahlen müssen. Indes, die Firma ist nicht so un- zugänglich, wie sie auf den ersten Blick erscheinen könnte. Da sie weiß, daß H. nächstens wieder zahlungsfähig werden mutz und dann noch etwas bei ihm zu holen sein wird, so hat sie auf seinen Wunsch sich noch einmal auf Verhandlungen mit ihm eingelassen. Sie will die Möbel wieder herausgeben, wenn er nun noch 30 Mark dazuzahlt. So hat wenigstens H. den Firmen- inhaber verstanden. Ursprünglich hatten die Möbel 93 Mark kosten sollen. Mutz er tatsächlich noch 30 Mark nachzahlen, um sie wiederzukriegen, so kosten sie ihn, da er ja schon 76 Mark bezahlt hat, im ganzen 106 Mark. In der Tat: ein merkwürdiges Ver- fahrenl Theodor Rosenfeld» der Direttor des Paffage-TheaterS und des Paffage-Panoptikums, ist gestern in Karlsbad, wo er Heilung suchte, gestorben. Die Berliner FlcischvernichtnngSanstalt, die von den Bewohnern der bei Berlin belegenen Vororte so energisch bekämpft wurde, hat in ihrem jetzigen Hein:, hinter Bernau, warme Freunde gefunden. Die Gastwirte von Rüdnitz inserieren z. B. in der Kreispresse: „Sehenswürdigkeit, schöne Futzpartie nach dem Albertshof zur Fleisch- Vernichtungsanstalt der Stadt Berlin, für gute Speisen und Gettänke ist gesorgt." Aus der Stadt der Intelligenz, Die Gesundbeter haben bereits jetzt einen Saal des im Bau begriffenen Eispalastes in der Nähe des NollendorffplatzeS für zwei Abende in der Woche um 10000 M. jährlich gemietet. Die Spekulation auf den Geldbeutel der Gläubigen scheint noch etwas einzubringen. I» der Havel erschossen. Aus zweifache Weise hat sich gestern der Beamte Adolf Vorwig, Markgrafenstt. 9, ums Leben gebracht. V., der am kaiserlichen Patentamt angestellt war, fuhr nach Tegel hinaus und begab sich an das Ufer der Havel. Dort entledigte er sich seiner Kleider und schritt mit einem geladenen Revolver in der Hand in die kalten Fluten. Als er keinen Halt mehr unter den Füßen verspürte, schoß er sich eine Kugel in die rechte Schläfe und verschwand dann in den Wellen. Später fand der vorübcrkommende Eigentümer Lorenz aus Tegel die zurückgelassenen Kleidungsstücke des Lebensmüden am Ufer und er benachrichtigte die Polizei. Etwa vier Meter vom Ufer entfernt wurde schließlich die Leiche des B. aufgefunden. Auch die Schußwaffe wurde entdeckt. In hintcrlasscnen Briefen, die sich in der Rocktasche deS Selbstmörders befanden, gibt dieser an, daß er sich wegen eines unheilbaren Nervenleidens das Leben nehmen werde. Verschwundene Brieftauben. Am Eröffnungstage der Kolonial-, Heer- und Marineausstellung hatte die Ausstellungsleitung geglaubt, sich etwas Besonderes leisten zu sollen. Sie hat 200„Brieftauben" in die Lüfte geschickt, zehn von ihnen sollten dem Kaiser, der in Wiesbaden weilte, Kunde von der Eröffnung der Ausstellung bringen. Nun war das Experiment schon von vornherein insofern gewagt, als der Kaiser bekanntlich sehr schnell seinen Aufenthaltsort wechselt. Aber auch abgesehen davon, liegt die Sache so, daß bis zum heutigen Tage noch keine Brieftaube in Wiesbaden eingetroffen ist, von wo der Kaiser längst abgereist ist. Sollten die Brieftauben so gewissen- hafte Tiere sein, daß sie unter allen Umständen ihre Reisen erfüllen wollen und nach der Abreise des Kaisers zurück nach Berlin und von da nach Cadinen geflogen sind, wo sich der Kaiser augenblicklich aushält? Zwei schwere Automobilunfälle haben sich gestern abend im Norden der Stadt zugetragen. Auf dem Weddingplatz wurde der Schlosser Artur Kathora, Müllerstr. 7a, wohnhaft, von einem Privat- automobil überfahren und schwer verletzt. Er war beim Ueber- schreiten des Fahrdammes von dem Kraftwagen gestreift und zu Boden gerissen worden. Die erste ärztliche Hülfe erhielt K. auf der Unfallstation in der Lindowerstraße.— Wenige Minuten später wurde am Nettelbeckplatz der 58 Jahre alte Invalide Fritz Krüger, Gerichtstr. 64, von einem Droschkenautomobil überfahren und ganz erheblich verletzt. Die Räder des schweren Gefährts waren dem Bc- dauernswerten über beide Oberschenkel hinweggegangen. Der Chauffeur entzog sich seiner Feststellung durch die Flucht. Mit dem Revolver das Auge ausgeschoffen hat sich gestern abend daS dreijährige Söhnchen des Kaufmanns Koch aus der Christiania- straße 114. Der Vater des Knaben hatte an der Waffe eine kleine Reparatur ausgeführt und sie dann wieder in die unverschlossene Schublade zurückgelegt. In einem unbewachten Augenblick holte das Kind den Revolver wieder hervor und hantierte damit herum. Plötzlich ging ein Schutz los und getroffen stürzte der Kleine zu- sammen. Die Kugel war ihm durch das rechte Auge hindurch in den Kopf gedrungen. Da§ Auge ist vollständig vernichtet, und es ist nicht ausgeschlossen, daß für daS Kind noch weit schlimmere Folgen eintreten werden. Große Erregung herrschte dieser Tage in der in der Greifs- walderstraße belegenen Laubenkolonie„Märkische Schweiz'. Einer der Laubenkolonisten, ein Arbeiter I., wurde dabei er- wischt, wie er anderen Kolonisten aehörrge Gegenstände sich an- eignete. Auf erfolgte Anzeige hin erfolgte eine Durchsuchung der J.fchen Laube, wobei sich zur allgemeinen Ueberraschung ergab, daß I. in zahlreichen Fällen— es wird von 15— 20 gesprochen— sich Werkzeuge und andere Gegenstände, die Eigentum anderer Laubenkolonisten waren, seit Jahr und Tag angeeignet hat. Der verhaftete Kautionsschwindler Starbatti, der Gründer und Leiter der„Allgemeinen deutschen Krankenversicherungskasse', hat nach dem Ergebnis der bisherigen Ermittelungen nicht weniger als 20 Kassierer um Bürgschaften von 1000 bis 2000 M. gebracht. Außer den Bürgschaften hat der.Versicherungsdirektor' auch die EinttittSgelder und die laufenden Beiträge der Mitglieder unter- schlagen. Geschädigte dieser Art haben sich nicht nur auS Berlin, sondern auch aus der Provinz Brandenburg, Neuruppin, Mitten« walde usw. gemeldet. Sie erhalten nichts wieder, denn der„Herr Direttor' verfügte bei seiner Festnahme nur noch über einen Kassen» bestand von 13 Pfennig. Die Transportierung geisteskranker Verbrecher von Herzberge nach der Jrrenhausburg in Buch hat begonnen. Es sind hierfür be« sondere Vorrichtlmgen getroffen ivorden. Da eine Feffelung der Kranken nach den modernen Jrrenhausprinzipien nicht angängig er- scheint, ist zum Transport ein„grüner Wagen' des Berliner Polizei- Präsidiums genommen worden. Diesem folgt ein AnftaltSwagen mit einer größeren Anzahl handfester Jrrenhauswärter. Landgerichtsdirektor Dr. Bernhard Oppermaun vom Landgericht Berlin I ist zum ReichSgerichtsrat emannt worden und siedelt zum 1. Juni nach Leipzig über. Wieder eiumal die„moderne Folter". Unter den Rachwehen deS Prozesses gegen den Redatteur Karl Schneidt. über den wir vor einiger Zeit berichtet haben, hat der als Zeuge vernommene Kunst« verlagsbändler Was Reumaun schwer zu leiden. In dem Prozeh fnm, tok bekannt, zur Sprache, dah Neumann durib einen Beaniteu der Kriminalpolizei erfahren haben sollte, dah Sitten- Beamte in der Wohnung der Frau Th. in der Charlottenstr. 70 nicht korrekt Verfahren seien. Daraufhin hat der Polizeipräsident ein Disziplinarermittclnng-Zversahren gegen„Unbekannt" eingeleitet. Da Neumann sich unter Berufung auf sein gegebenes Wort weigerte, seinen Gewährsmann zu nennen, wurde zunächst eine Geldstrafe von 20 M. gegen ihn verfügt, und da diese an seinem Standpunkte Vichts änderte, die Zeugniszwangshaft über ihn verhängt. Der Haflbefchluh gegen Neumann soll in den nächsten Tagen vollstreckt werden; nötigenfalls soll die Haft auf sechs Monate ausgedehnt werden. Gegen diesen Beschluß hat Neumann zunächst das Rechts- mittel der Beschwerde eingelegt. Von den Gcsahren des Kutscherlkruses. Auf der OmnibuShalte- stelle gegenüber dem Blücherplatz 3 fiel nachmittags der 24 Fahre alte ftütscher Gustav Mattern beim plötzlichen Anziehen des P,erdeS auf das Straßenpflaster, wo er bewußtlos liegen blieb. Man brachte ihn nach der Unfallstation am Tempelhofer Ufer, wo der Arzt eine erhebliche Wunde am Hinterkopf feststellte und die Ueberftihrung des Schwerverletzten nach dem Krankenhause am Urban veranlaßte.— Infolge eines plötzlichen Rucks fiel nachmittags der 21 Jahre alte Kutscher Neinhold Klau aus Ripdorf vor dem Hause Badstraße 29 von seinem mit Lehm bcladenen Arbeitswagen und wurde von seinem eigenen Fuhrwerk überfahren. Er zog sich einen Becken- Bruch zu und wurde, nachdem man ihm auf der nahen Unfall- station einen Notverband angelegt hatte, dem Lazarus-Krankcnhause zugeführt. Gesperrt wird die Rotherstraße von der Straße am Warschauer Platz bis zum Grrmdstlick Nr. 20/23 behufs Ausführung einer Ent- wäsferungsleitung vom 23. d. M. ab bis auf weiteres. Sportpark Treptow. DaS angekündigte Match Robl-Stell- b r i n k hatte im Verein mit dem schönen Wetter der Bahn ein volles Haus beschieden.— Das Rennen sah in allen drei Läufen (IV, 15 und 20 Kilometer) Stellbrinl als Sieger und stellte der junge Fahrer in den beiden ersten Läufen für 10 Kilometer neue Rekords auf; seine beste Zeit war 7 Minuten 52� Sekunden (bisher 8 Minuten 3% Sekunden). In spielend leichter Weise fertigte Stellbrink den.Weltmeister" Robl ab, der sichtlich gleich- gültig fuhr und sich keinerlei Mühe gab, einen Kanipf aufzunehmen. Zwei Fliegerrennen vervollständigten das Programm. Das Haupt- fahren gewann Rabe vor Stabe und Hellemann, während im Handicap v. Natzmer(130 Meter Vorgabe) vor Theiß(150), W. und A. Müller(70 bezw. 60) siegte. Feurrwchrbericht. Gestern früh um 9 Uhr kam in der elektro- technischen Fabrik von R. Kniger in der Michaelkirchstr. 41 am Michaelkirchplatz Feuer aus. Die Flammen erfaßten den Dachstuhl und konnten erst gelöscht werden, nachdem mit zwei Schlauchleitungen von Dampfspritzen Wasser gegeben worden war. Gleichzeitig hatte die Wehr in der Brunnenstr. 129/130 zu tun, wo im Keller einer Bäckerei Feuer ausgekommen war. In der Elisabethstr. 12» und Alt-Moabit 10b kam gleichzeitig Feuer anS. Dort brannten in Wohnungen Portieren, Betten. Fußböden u. a. Ein Kellerbrand wurde aus der Charlottenstr. 28 gemeldet. Papier u. a. brannten dort. Ferner hatte die Wehr in der Liniensw. 158 zu tun, wo das Zwischengebälk in Brand geraten war und aufgerissen werden mußte._ Vorort- JVacbncbtrn Die Schule gegen— die Kirche t Der Kirche Dienerin und Magd ist die Volksschule. Sie soll mithelfen, den Einfluß derKirche auf den Nachwuchs der minderbemittelten Bevölkerung zu sichern und zu stärken. Das Mittel, mit dem man das erreichen zu können meint, ist ein vollgerüttelt Maß von biblischen Geschichten, Bibel« sprüchen, Gesangbuchversen usw. Das wird den Kindern ein- getrichtert, nötigenfalls unter Verabreichung von Prügeln, mindestens aber mit Hülfe von Strafarbeiten, Tadeln, Nachbleibestunden usw., und diese Prozedur wird dann»Religionsunterricht" genannt. Wer solchen Brauch verwirft, der ist den Pastoren und ihrem Anhange ein schlechter Mensch, ein Feind der.Religion" und wer weiß was noch. Wer die Kinder vor solchem„ReligionS- Unterricht" schützen und bewahren will, ist jenen Leuten'ein Vcr- ächtcr der.staatlichen Ordnung", die der Kirche den ihr.ge- bührenden" Einfluß zu gewährleisten hat. Dabei gibt eS bei Lichte besehen keinen schlimmeren»Feind der Religion" als den Religions- lehrer. Und nichts wägt mehr als der Religionsunterricht dazu bei, die heranwachsende Jugend dem Einfluß der Kirche zrr entziehen. Knaben und Mädchen des vier- zehnten Lebensjahres gelten als reif genug, nun selber zu erklären, ob sie sich als Mitglied der Gemeinschaft fühlen, in die sie ungefragt hincingetauft worden sind. Aber gerade in dem Augenblick, wo sie religionsmündig werden und die Kirche sie für immer gewonnen haben müßte, wenn es mit der bloßen Erklärung getan wäre, wenden die meisten für immer der Kirche den Rücken. Wer den Religionsunterricht der Schule durchgekostet und bann etwa auch noch in der Konfirmandcnstunde vom Pastor die nötige Belehrung erhalten hat, der har in der Regel genug für sein ganze« Leben und geht so leicht in keine Kirche mehr hinein. Daß die religionSmüudig gewordene Jugend größtenteils sich innerlich sofort von der Kirche abwendet, das ist eine Wirkung, die die Schule als Dienerin und getreue Magd der Kirche zustande bringt. Ein zweites Ergebnis des Religionsunterrichtes der Schule besteht darin, daß er zahlreiche kirchenentfremdete Eltern aufrüttelt und sie dazu weibt, sich nun auch äußerlich von derKirche los» zusagen. Ein Fall dieser Art wird uns jetzt wieder aus Rix» d o r f bekannt. In der 26. Gemeindeschule für Mädchen(Elbestraße) konnte eine Schülerin R. der vierten Klasse das allzu reichliche ReligionSpensum nicht nach Vorschrift herunterschnurren. Lange genug hatte die Kleine daran gelernt, aber die Mutter hatte ihr schließlich gesagt:„Hör' auf! Lieber sollten sie Dir beibringen besser zu schreiben, zu lesen und zu rechnen". Am anderen Tage erzählte daS Kind das der Lehrerin, um sich zu entschuldigen. Die Lehrerin, ein Fräulein Aschner, berichtete hierüber eilfertig an den Rektor Herrn Müller, und dieser schrieb dann noch an demselben Tage dem Vater, das Kind müsse an irgend einem Religionsunterricht teilnehmen, auch wenn der Vater Dissident sein sollte. eS miisie für den Unterricht selbstverständlich auch daS ausgegebene Pensum lernen, und so weiter. Rektor Müller glaubte den Vater noch ein bißchen von oben herab belehren zu sollen:.Die Schule mischt sich ja auch weder in Ihren Beruf, noch in Ihre häuslichen Verhältnisie ein, und ebenso dürfen Sie unseren Betrieb nicht stören. WaS sollte das werden, wenn sämtliche Väter dasselbe tun würden? Vielleicht etwas Aehn- lichcs als in Posen." Der Vater, der längst Dissident ist, ließ den Rektor reden und gab ihm keine Antwort. Die Mutter aber, die zwar gleichfalls läng st nichtmehr zur Kirche hielt, aber den ormellen Kirchenaustritt als überflüssig angesehen hatte. ging jetzt aufs Gericht und erklärte dort, sie scheide nun aus der Kirchengemeinschaft auS. Und damit zwischen Eltern und Kindern kein Unterschied sei, gaben die Eltern für ihre samt- sichen Kinder dieselbe Erklärung ab. Man sieht, wie erfolgreich die Schule gegen die Kirche gearbeitet hatte. Der Familienvater, den die bisherige Gleichgültigkeit seiner Frau so manche« Mal verdrossen hatte, preist jetzt den Eifer de» Rektors, der sie aufgerüttelt hat. Zwar besteht für die Kinder auch so noch die Pflicht, irgend einen„Religionsunterricht zu„genießen", aber die Eltern können sich jetzt die Konfession aussuchen.— In letzter Zeit ist eS mehr und mehr üblich geworden, solche Kinder am jüdischen Religionsunterricht teilnehmen zu lassen. Sie brauchen da ihr Gedächtnis sehr viel weniger mit Lernstoff zu beladen; im übrigen aber sind solche Muß-Teilnehmer sicher vor der Gefahr, daß ein jüdischer Religionslehrer sie zu wirllichen Inden macht, und auch amtlich werden sie nicht etwa als Juden gebucht. Höchstens dem jüdischen Religionsunterricht seine Kinder zuführen zu lassen. das ist jetzt auch die Absicht des oben erwähnten Vaters, dem die Schule wider ihren Willen so kräftig gegen die Kirche geholfen hat._ Rixdorf. Bei einem verhängnisvollen NnglLckSfall hat Dienstag abend der 21jährige Kutscher Reinhard Klau aus der Knesebeckstr. 117 sein junges Leben eingebüßt. K. war nnt seinem Fuhrwerk die Prinzen» Allee entlang gefahren. Als er in die Bellermannstraße einbiegen wollte, geriet er mit seinem Wagen an eine Droschke heran, und um einen schweren Zusammenstoß zu vermeiden, fuhr er ganz dicht an die Bordschwelle. Durch den heftigen Stoß wurde K. vom Bock herabgeschleudcrt und unglücklicherweise fiel er unter die Pferde. Die Tiere wurden dadurch scheu und gingen durch. Die Räder des schweren Lastwagens gingen dem ungliiGlichcn jungen Menschen über die Brust hinweg und richteten diese furchtbar zu. Der Ver- nnglückte wurde sofort nach dem LazarnS-Krankenhause gebracht, doch konnte bei seiner Einlieferung nur noch der Tod festgestellt werden. Charlottenvurg. Eine traurige Auftlärung hat jetzt daS Verschwinden des 22jährigen Dienstmädchens Anna Sagler, das am Kurfürstendamm 34 in Stellung war, gefunden. An der Charlottenburger Brücke ist gestern eine Leiche aus dem Wasser gelandet worden, und in der Toten wurde die vermißte S. ermittelt. Es liegt zweifellos Selbst- mord vor, doch ist es sowohl den Angehörigen als auch der Dienst» Herrschaft der S. unerklärlich, aus welchem Grunde das junge Mädchen in den Tod gegangen ist. Dienstuiädcheneldorado. Gegenwärtig führen die Dienstherr« schaften wieder einmal lebhafte Klage über die geringe Neigung der Mädchen, in den Dienst zu gehen. Die Abneigung, sich zu verdingen, ist, das haben wir wiederholt dargelegt, meist zu finden in der un- erträglichen Behandlung, welche die Dienstherrschaft den Dienst- mädchen zu teil werden läßt. Die mittelalterliche Gesindeordnung gibt der Herrschaft das Recht zu einer Behandlung, die im schreiendsten Widerspruch zur modernen Zeit steht. ES ist deshalb auch kein Wunder, wenn es die Dienstboten mit der Zeit vorziehen, der Folter mittelalterlicher Gestndesklaverei zu entgehen mid andere Beschüfuguug zu suchen. Nur allzu oft nützt die„gnädige Frau" ihre„gottbegnadete" Stellung dazu aus, ein ihr zu Diensten stehendes Menschenkind zu beschimpfen und seine Ehre in Zweifel zu ziehen. So wird uns berichtet, daß eine Frau Herzfcld, Holtzeudorssstr. 18, sich ganz be- sonders durch„liebenswürdige" Behandlung ihrer Dienstmädchen aus- zeichnet. Kein Wunder, daß ein ständiger Wechsel der Dienstmädchen stattfindet. Wenn nun ein solches Mädchen den Dienst verläßt, so kostet es, wie uns Hausbeioohner mitteilen, in der Regel einen Kanipf, um in den Besitz des Dienstbuches usw. zu gelangen. Frau H. soll sich stets weigern, ihren Dienstboten dies auszuhändigen. Deshalb kommt es denn auch oft vor, daß die Polizei erst helfend eingreifen muß. Es erscheint geradezu als ein Wunder, daß bei all dieser Be- Handlung Frau H. überhaupt noch immer Dienstpersonal bekommt. Wenn sich deshalb eine immer größere Abneigung, in den Dienst zu gehen, bei den Mädchen bemerkbar macht, so ist das ein Zeicken, daß sie sich immer mehr ihrer Menschenwürde bewußt Iverden. Eine Erscheinung, für die ein großer Teil der»Dienstherrschaft" auch nicht das geringste Verständnis hat. Wilmersdorf. Die alte Unsitte» während der Fahrt vom Straßenbahnwagen herunterzuspringen, hat der technische Zeichner Eduard Kurowski, Mainzerstr. 14, gestern schwer büßen müssen. K. hatte den Straßen- bahnwagen Nr. 773 der Linie 2 benutzt und kurz vor der Haltestelle am Kaiser Wilhelmplatz sprang er von der Hinterplattform herunter. Er kam zu Fall und zog sich bei dem Aufschlagen auf das Straßen- Pflaster einen schweren Oberschenkelbruch und Quetschungen zu. K. fand im Schöneberger Krankenhaus Aufnahme. Mariendorf-Südende. Achtung! Gcmeindevcrtrcterwahl! Nur noch kurze Zeit trennt uns von der Wahl eines Gemeinde- Vertreters. Deshalb richten wir nochmals die Aufforderung an die Arbeiterschaft, alles aufzubieten, um die Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten Gastwirt Hermann Reichardt zu sichern. Ein Gemeindeparlament ohne sozialdemokratische Vertreter gehört in den Berliner Vororten bereits zu den Seltenheiten. Und namentlich Mariendorf-Südende ist so von Arbeiterbevölkerung durchsetzt, daß es bei etwas Mühe und Anstrengung ein leichtes ist, den Arbeiter- kandidaten durchzubringen. Die Bürgerlichen am Orte lasten— wenn auch diesmal nicht öffentlich— kein Mittel unverschont, um den Sieg unseres Kandidaten zu vereiteln. Diese Tatsache mutz auch die Arbeiterschaft anspomen, voll und ganz ihre Schuldigkeit zu tun, will sie sich ihres— wenn auch minimalen— Einflusses auf die Gestaltung der kommunalen Dinge nicht vollständig begeben. Manendorf wählt am morgigen Freitag von 12—6 Uhr nachmittags und Südende am Sonnabend von 3—6 Uhr nachmittags. Suche eS jeder Wahlberechtigte trotz der un- günstigen Wahlzeit möglich zu machen, fein Wahlrecht auszuüben. ES sei noch darauf aufmerksam gemacht, daß, wer am Freitag in Mariendorf nicht gewählt hat, dieS am Sonnabend in Südende nicht mehr nachholen kann. Nieder-Schönhaufen. Aus der Gemeindevertretung. Der KreisauSschuß hat die beantragte Anleihe von 650 000 M. nicht genehmigt, sondern nur 623 450 M. Er hatte beim hiesigen Gemeindevorjtand angefragt. wie hoch sich die Kosten de; Bürgerstcigpflasterung belaufen und wie hoch die Anliegerbeiträge sind. Der Landrat hat angenommen. daß die Hälfte der Kosten für die Mosaikpflasterung von den An- liegern einkommt, daher ist die Anleihe um 21650 M. niedriger festgesetzt worden. Dem Verschönerungsverein wurde die Ge» nchmigung zur Aufftellung von Papierkörben erteilt. Da der Architekt Hoppe das Straßenland in der Kaiser Wilhelm-, Blanken- burger» und Buchholzerstraße aufgelassen hat, wird die Erteilung einer Auflassungsvollmacht an den Schöffen Sörger beschlossen. Nach einem früheren Beschluß sollte das nebenanliegende Armen- hauSgrundstück zum Friedhofe htnzugenommen werden. Der KreisphysikuS hat nun in seinem Gutachten ausgesprochen, dah vom hygienischen Standpunkte aus Bedenken vorliegen. Es soll nun zum nächsten Jahre in der Nieder-Schönhausener Forst ein neuer Friedhof eingerichtet werden. Die Anstellung eines Land. messergehülfen mit einem Gehalt von 120 bis 150 M. wird be- schloffen. Ferner werden für die Einrohrung deS Grabens am Siegfriedsteg 200 M. bewilligt. Der Bürgermeister Abraham machte noch die Mitteilung, daß er beabsichtige, eine bessere Be- leuchtung des Ortes durch hängendes GaSglühttcht einzuführen.— Die Postbehörde hat den Wünschen der anliegenden Bewohner Rechnung getragen, indem sie in der Kaiser Wilhelmstraße. Ecke der Beuthstraße, einen Briefkasten anbringen wird. Des weiteren teilt sie mit, daß an Sonn- und Feiertagen nachmittags von 6 bis 7, Uhr mit die Annahmt von Telegrammen und der Perlani von Briefmarken in kleineren Mengen bis zu 1 M. zugelassen ist, daß aber auch gegen eine besondere Einlieferungsgebühr von 20 Pf. Einschreibebriefe und gewöhnliche Pakete angenommen werden. Em der frauenbevyegung. Plättlehrlinge. Wegen unseres Artikels„Billige Arbeitskrast" in der Nummer vom 4. Mai erhielten wir eine Zuschrift von einem Waschanstalts- besitzer, der sich gegen unsere AuSlasslingcn wendet. Bekanntlich übten wir Kritik an einem Artikel des„Waschereibcsitzer", in welchem gefordert wurde, anstatt der jetzt üblichen zwei- bis dreimonatlichen Lehrzeit für Plätterinnen eine solche von einem Jahre einzuführen. Wir nannten das Ausbeutung von Arbeitskräften. In der Zuschrift wird das bestritten unter Hinweis darauf, daß in der verlängerten Lehrzeit Kostgeld gezahlt werden soll. Das ändert die Sache aller» dings etwas. Von der Notwendigkeit der einjährigen Lehrzeit sind wir trotzdem noch nicht überzeugt. Folgendes Recheuexernpel wird aufgemacht: Lehrgeld 20 M., Selbstbeköstigung sechs Wochen lang 45 M., zwei Monate Miete 15 M. Also 80 M. Unkosten. Gleichzeitig wird bemerkt,— was in unserem Artikel verurteilt war— daß die Plätterin nun noch nicht so viel gelernt hätte, um selbständig arbeiten zu können, sondern wieder in Dienst gehen müsse. Also keine Widerlegung, sondern nur eine Wiederholung dessen, was wir bereits schrieben I Um uns nun von den humanen Bestrebungen der Plätterei- besitzer zu überzeugen, erhalten wir gleichzeitig mit der Zuschrift einen in der Wochenschrift der Plättanstattsbcsitzer vom Zuscnder selbst verfaßten Artikel über:„Die Reform der Lehrlingsausbttdung". Da wird nuter anderem ausgeführt: Das Lehrverhältnis müßte kontraktlich festgelegt werden, unter Festsetzung einer vierzehntägigen Probezeit, binnen welcher beiden Teilen das Recht zusteht, zurückzutreten. Um zu verhindern, daß der Lehrling vor Ablauf der Lehrzeit davongeht und wo anders als Plätterin resp. Plätter arbeitet, soll zunächst grundsätzlich kein Lehrling über 20 Jahre alt eingestellt werden. Für Arbeiter und Arbeiterinnen unter 21 Jahren besteht die gesetz- liche Bestimmung, daß dieselben ein Arbeitsbuch haben müssen, in welchem der Arbeitgeber den Tag des Ein- tritts und des Austtitts und die Art und Dauer der Beschäftigung einzutragen hat: Zur wahrheitsgemäßen Ein- tragung fei der Arbeitgeber verpflichtet. Zeigen sich nun im Arbeits- buche einer fich meldenden Arbeiterin resp. eines Arbeiters: Tag des Eintritts: 1. Juli, Art der Beschäftigung: Plättlehrling; Tag des Austritts: 1. September, Art der letzten Beschäftigung: Plätt- l e h r l i n g, so wisse man, daß man es mit einem fortgelaufenen Lehrling zu tun habe und er werde nicht eingestellt. Die Aussicht auf solche Eventualitäten werde die Lehrlinge veranlassen, die Lehr« zeit innezuhalten, damit eS beim Verlassen der Lehrstelle im Arbeits« buche heißt: Art der letzten Beschäftigung: Plätterin oder Plätt« gehülfe.". Das klingt echt zünftlerisch I Schlimmer niachen es die Scharfmacher auch nicht. Wenn man Bange hat, daß ein Lehrling ausreißt, um dann in anderen Betrieben als Gehülfe arbeiten zu können, so beweist das nur, daß es doch möglich ist, in einigen Wochen die„Kunst des Plättens" zu erlernen.— Sehr schön nimmt sich der Satz aus: Lehrlinge über 20 Jahre alt dürfen nicht ein« gestellt werden! DaS klingt denn doch etwas faul. Hier fürchtet der Plättanstaltsbesitzer den Konkurrenten; denn wer so alt geworden ist, wird sicher möglichst bald selbständig werden wollen. Das ist des Pudels Kern. Merkwürdig finden wir es, daß ein Mann mit solchen An- schauungen sich auf seine Parteigenossenschaft beruft und mit folgender Abgeschmacktheit schließt:„Wenn uns der„Vorwärts" so behandelt. dann mag er sich seine Abgeordneten von den Plätterinnen wählen lassen!" Wir wollen dazu bemerken, daß unS die Stimme einer ziel- bewußten Plätterin mehr wert ist, als die eines PlättereibesitzerS mit so rückständigen Anschauungen, wie sie in der Zuschrift zutage treten._ Die JahreSkonferenz der Brbeiterinnen-Liga von England trat am Sonnabend in der Caxton-Halle in London zusammen. Frau Mac Donald sagte in ihrer Eröffnungsansprache, daß es ein Zweck der Liga sei, Frauen heranzubilden, die an der politischen Tätigkeit der Arbeiterpartei teilnehmen; ebenso gelte es, Frauen für die soziale Reformtätigkeit zu gewinnen. Die Frage der Verbindung der Liga mit der Arbeiterpartei wurde diskutiert und bcschloffen, der nächsten Jahreskonferenz der Partei den Anschluß vorzuschlagen. Die Arbeits- losigkeit der Frauen, die Kinderarbeit und das Frauenstimmrecht waren Gegenstand weiterer Diskussionen. Es wurde den Mitgliedern überall zur Pflicht gemacht, in ihren Gemeinden dafür zu wirken, daß Bestimmungen zum Schutze der Kinder gegen die Ausbeutung von Unternehmern erlassen werden und streng über die Erfüllung der Bestimmungen zu wachen. Energisch sprach man sich dafür aus. daß in bezug auf das Frauensttmmrecht Männern und Frauen das gleiche Recht als Bürger und Bürgerinnen gewährt werden müffe. Keir Hardie sandte der Konferenz ein Schreiben, in welchem er besten Erfolg wünscht und der Hoffnung Ausdruck gibt, daß die politische Gleichberechttgung der Frauen bald zur vollendeten Tatsache in England werde. Wo das F r a u e n st i m m r e ch t in Frage kommt, da sind sich die Vereinigungen der verschiedensten Richtungen modern denkender Frauen in England klar, daß diese Forderung von allen mit Nach- druck erhoben werden muß. Zahlreicher als je vorher fließen die Geldbeiträge für die Agitation. Viele reiche Frauen zeigen sich zur Unterstützung bereit und manches gute Beispiel wird gegeben. Elisabeth RobinS, die Verfafferin deS Theaterstücks„Votes kor Women"(Stimmen für Frauen) gibt 25 Prozent der Tantiemen des zugkräftigen Stückes für die Agitation und macht damit zugleich eine gute Reklame, die doppelten Nutzen bringt.— Daß die Frauen auch zum Leiden und Dulden für ihre Sache bereit sind, zeigt der Bericht der„Womeus Social and Political Union", der eine Liste von 163 Frauen und Mädchen auf- führt, die zusammen über sechs Jahre Gefängnis erlitten, weil sie mit Eifer für das Frauenstimmrecht einttaten und in öffentlichen Demonstrationen sich hervortaten. An den Wahlen nahmen die Frauenvereine dadurch Anteil, daß sie die Kandidaten, die für die Sache des gleichen Stimmrechts eintraten, lebhaft unterstützen und den Gegnern eine Niederlage zu bereiten versuchten. Sie haben da- mit schon einige Erfolge errungen. Wttteron«»Ld«r6t vom SL. Mai 19 07, morar»» 8 Ilde. Wetter- Prognose für Donnerstag, SZ. Mai 1907. Etwas wärmer, trocken und vorwiegend heiter bei schwachen südliche» Winden. Berliner Wetterdur»«,» SterUner Marktpreise.«luS dem amtlichen Bericht der städtischen Markiballen-Dircktion.(Großhandel.) Rindfleisch l» SS— 70 pr. 100 Pid., IIa 60-65, lila 56—50, Bullcnfleisch la 61-68, IIa 54-62. Kühe, seit 52—58, do. mager 42—50, Fresser 50—62. Bullen, dän. 0,00, bo. Holl. 0,00. Kalbfleisch. Doppellender 100—125, Mastkälbcr la 88—94, IIa 76—81, IITa 0,00, Kälber ger. gen. 52—67, do. Holl. 0.00, dän. 0,00. Hammelfletsch Zliastlnrumer 68— 72, la 64—67, IIa 57—63, Schafe 51—56. Schweincfletsch 47—54. Rchbock la Per Pjund 0,60—0,75. Da 0,50-0,60. Rothirsch, Mschuß 0,53-0,62. Damwild, plomb. 0,00. Wild- schweinc 0,25—0,50. Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stück 0,00. Hi'chner, alte, per Siilck 1.80—3,00, da. Na 1,60, do. junge 0,80. Wolgahühner 1,20—1,60. Tauben 0,50—0,75, italienische 0,00. Enten per Stck. 2.00 bis 3.00. dito Eis- per Stück 0,00, dito Hamburger per Stück 4,75. Gänse, Hamb, per Pfund 1,20— 1,25, Stück 6,00— 7,00. Chalonshühner 1,70. Hechte per 100 PsUnd 83—103, matt 77—81, mittel 0,00, groß 0,00. Zander 0,00. Srblete 105— 124, holländische 0,00, do. groß 0,00. Aale, groß 117—121, klein und mittel 97—100, unsort. 106—109. Plötzen 52, do. klein 36. do. matt 41—43. Noddow 52. Karpfen un- sortiert 0,00, do. mittel 0,00. Bleie 42. tzlland 40—49. Bunte Fische 44. Barse 00—00, do. matt 0,00. Karauschen 58—76. Blei- sischc 0.00. Wels 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer per 100 Psd. 110— 130, do. Na Neuer 90— 100, do. lila neuer 75. Seelachs 10—20. Sprotten, Kieler, Wall 0,00—0,00, Danziger, Kiste 0,00. Flundern, Kieler, Stiege la 3—5, do. mittel ver Kiste 2— 3, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 1,50—2,00. Bücklinge. Kieler per Wall 1,50—2,50, Stralsund«: 1,50—2,50. Aale, groß per Psd. 1,10—1,50, mittelgroß 0.80—1,10. klein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5— 9. Schellfische Kiste 3,00-4,00,'s, Kiste 2-2,50. Kabliau, geräuch. per 100 Pfd. 20. Dorsch, Kiste 2,00—2,50. Goldfische, Schock 2—9. Sardellen. 1902er per Anker 95, 1904er 95, 1905er 90, 1906er 85. Schottische Vollheringe 1905 0,00, larxo 40-44, fnll. 38—40, med. 86—42, deutsche 37—44. Herings, neue Matjes, per»/, To. 60—120. Sardinen, rusi., Faß 1.50—1,60. Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1,50—1,75. Neunaugen, Schocksatz 11, kl. 5—6, Riesen- 14. Ger, Land-, unsort. Schock 3, gr. 3,75. Butter per 100 Pfd. la 110-115, lla 105—110, Illa 100—104, abfallende 90-95. Saure Gurken schock 4,50, Psefsergurken 4,50. Kartoffeln per 100 Psund magnum bonum 3,50— 4,00, Dabersche 3,50—3,75, Rosen 0,00, weiße 3,50—3,75, Salatkartoffeln 0,00. Spinal ver 100 Psund 5—10. Karotten per 100 Psund 0,00. Sellerie, hiesige, per Schock 10,00—25,00, do. pommersche 0,00. Zwiebeln große, per 100 Pfund 0,00, do. kleine 3,50—4,00. do. hiesige(Perl-) O.OO. Charlotten 0,00. Petersilie, grün, Schockbund 0,80—1,00. Kohlrabi Schock 3— 4. Rettig, bahr., neue Stück 0,12—0,16. Mohrrüben per 100 Psund 2,00— 5,00. Teltower Rüben per 100 Psd. 0,00. Weiße Rüben, große 0,00, kleine 0,00. Rote Rüben 0,00. Blumenkohl, holländischer per Korb 0,30—0,40. Kohlrüben per Schock 2,00—3,00. Wirsingkohl Holland., ver Schock 0,00. Rotkohl Holland., per Schock 0,00. Weißkohl, dän. per 100 Psd. 1,00-3,00. Rosenkohl per 100 Psd. 0,00. sprutkohl per 100 Pfund 00—00. Rhabarber 100 Bund 1,00— 3,00, Bergedorfer per 100 Bund 0,00—0,00. Morcheln per Pfd. 0,40. Sandmorcheln per 100 Psd. 0,00. Waldmeister per Mandel 0,30—0,45. Radieschen per Schock 0,50—1,00. Salat per Schock 0,75—1,25, Spargel 100 Psd. 5—50, do. Braunschweiger 5—50, do. Beelitzer la 45—55, do. Beelitzer lla 30—40, do. Beelitzer Illa 10—27, do. unsorttert 0,00. Birnen, austral. in Kisten von 20 Kg. Kiste 14—20, ital. 0,00. Aepsdl, per 100 Psd., hiesige 8-20, Tiroler, Kiste 0,00, Calville, Kiste 0,00, Amerikanische in Fäss. 0,00, Ital., in Kisten 5,00—20,00, extra 15,00 bis 26,00. Zitronen. Mcsstna, 300 Stück 9,00-10.50, 360 Stück 9,00-10,50, 200 Stück 6,00-12,00. Apfelsinen. Jaffa, per Kiste 0,00, Wurcia 200 er Kiste 0,00, do. 300cr 7—10, Valencia 420er Kiste 10,00—24,00, do. 714 er 18-24,00, Messina. lOOcr 4-6,00, 150er 5-7,00, 16i er 8—13,00, 200er 7,50—12,50, 300er 10-13, Blut- 100er 5,50—7,50, do. 150 er 7—7,50, 80 er 7—7,50, 200er 13-14. Für den Inhal» der Jniermr übernimmt die Redaktion dein lpublituni gegenüber keinerlei Beranttuortnnq. Xlbcater. !ai. Donnerstag, den 23. Ansang 71/, Uhr. Kgl. Opernhaus. Don Juan. Kgl. Schauspielhans. Was ihr wollt. Steucs kgl. Operntheater. Der lustige Krieg. Ansang 8 Uhr. Deutsches. Robert und Bertram. Ansang?>/, Uhr. Kammerspiele. GhgeS und sein Ring. Reu es Schauspielhaus. Hopsenraths Erben. Westen. Die lustig« Witwe. Schiller O.(Wallner-Theater.) Heimat. hilli Schiller-Theater Charlottenburg. Monna Vanna. Schiller«.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater.) Am grünen Berliner. Der Hund von BaSlervMe. Lessing. Zigeunerbaron. Zentral. Das Mädchen auS dem Rachtcass. Kleines. Marcell Salzer. Neues. Der Dieb. Lorhing. Fidclio. Residenz. Laben Sie nichts zu verzollen? LustspielhanS. Husarenfleber. Thalia. Wo die Liebe htnsällt. Luisen. Das Mädchen ohne Ehre. Trianon. Frl. Josette— meine Frau. Bernhard Rose. Im Rausche des Lebens. Nachmittag» 4'/, Uhr: Der Fluch des Goldes. Metropol. Der Teusel lacht dazu. Gebr. Herrnfeld. ES lebe da» Nachtleben. Vorher: Die Welt geht unter. Wintergarte«. La Tortajada. Spezialitäten. Apollo. Der lustige Witwer. Spe. zialitäten. Kasino. Nick Tarier. Spezialitäten. Walhalla. Der grüne Teusel. Spezialitäten. Pastage. Spezialitäten. Reichshallen. Stettwer Sänger. Urania. Taubenftraste 48/49. Abend» 8 Uhr: Durch Dänemark und Südschweden. Sternwarte, Jiwalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Ansang 8 Uhr. Der Hund von Baskerville. t:eUag: Sherlock Holmes. onnöchend: Der Hund von Bas- kerville. Sonnlag: Sherlock Holmes, Item Schauspielhaiis Donnerstag, den 23. Mai 1907: Kaxfenrachs Erben. Morgen: Hopfenraths Erben. _ Anfang 8 Uhr. Neues Theater. Zum 50. Male: Der Dieb. Ansang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Der Dieb. Kleines Theater. AbendS 8'/, Uhr: MARCELL-SALZER-ABEND. Freitag und solgende Tage, abends 8'/, Uhr: Marcell-Salzer-Abend. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Ein idealer Gatte. LortzingTheater: Belieallianceatr. 7/8. Abends 8 Uhr: Fidelio. Abonnements gültig l Frestag: lindine. jelleallia Bellealliance-Garten: Täglich: Elite- Varitzit-Vorstalliing, LustspieS�aus. Sommerpreise. Abends 8 Uhr: Husarettfieber. Luisen-Theater Reichenbergcrftr. 34. Abends 8 Uhr: Das Mdchttz ohne Ehre. Alle Abende: Das Mädchen ohne Ehre. Sonntag nachm.: DaS Mädchen «hne Ehr«. Urania. Wissenschaftliohes Theater. Abends 8 Uhr: lZMMMMWMckü. | Täglich nachm. 4 0 Großes I Militär-Doppel-Konzert. Eintritt 1 Mk., von abends 8 TJlir ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. «GSSSSSSSSSGSSSGS» I Zentral-Theater. Gesamtgastspiel des Ernst Drucker- Theaters. Täglich 3 Uhr: DaS Mädchen aus dem Nacht-Cafs, Lediller-Idesler H. Frledrich-Wilhelmstädtisches Theater. AbendS 8 Uhr: Am grünen Weg. __ Sommerpreise. RtfidenMlMtt. Direktion Richard Alexander. Heute und solgende Tage 8 Uhr: Neben Sie niohts zu verzollen? Schwant in 3 Akten y. M. Hennequin _ und P. Vebcr, Metropol-Theater In Anfang 8 Uhr. Große Jahresrevne in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Riohard Schultz. Hauchen überall gestattet 9'/, Uhr. Allabendlich: 9'/, Uhr, Nie dagewesener Lachcrfolg! *m- Harts tein mit seiner tollen Burleske: Der lustige Witwer. 1. Bild: Das letzte Mal. 2. Bild: Die Folgen davon. Vorher 8 Uhr: Bedeutende Speziali« täten m, Marians Baucrn-Hnudc- theater. tiroßer irfolg! Passage-Theatar. Jeden Abend 8 Uhr: Das Mai-Programm. Der größte Erfolg der Saison! Grete Gallus Mascha Dignam i 3 Clarus Brothers! 14 Attraktionen 14. ReiclishaHeö-Tliealer. iiaer Säur. ""SnlMi 7 0(1. Reichshallen- Garten und Restaurant Militär- Konzert Ncliiller-Tlieater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Thealer). Donnerstag, abendS8Uhr: Heimat. Schauspiel in 4 Akten von Hermann Sudermann. Freitag, abendS 8 Uhr: BHnna von Barnhelm. Sonnabend, abends 8 U h r: NIelech.— Der zerbrochene Krug. Schiller-Theater Charlottenburg. Donnerstag abends 8Uhr: Henna Vanna. Schauspiel in 3 Aufzügen v. Maurice Maeterlinck, Deutsch von Friedrich v. Oppeln-Bronikowsli. Freitag, abends 8 Uhr: Ein Fallissement. Sonnabend, abends 8 Uhr: Ein Fallissement. •freie Uolhsbiihnc* Sonntag, den 20. Mai, nachmittags 3 Uhr: Heues Schauspielhaus. H./IS. Abteilung: Paracelsus. Die letzten Masken. Das Fest des Sankt Matern Berliner Theater. 6./6. Abteilung; Der Richter von Zalamea. $ 5. Oper im Lortzing-Theater Sonntag, den 26. Mai, nachmittags 2'/« Uhr: = Fra IMavolo.= Marken sind noch in den Zahlstellen 17 und 18 vorhanden. 229/3 Der Vorstand. IVertr.: G. Winkler. ERKWRSSfTItUTED Gr. Frauksurterftr. 132. Donnerstag, den 22. Mal: Ansang 4'/, Uhr. m Garten: tSpczialitUScn-Vorstellans: Der Fluch des GoldeS. Wochenpreise.— Abends 8 Uhr im Theater: Im Rausch des Ledens. Sommerpreise. Morgen: Dicfclb en Borstellun g en. Gebr.Herrnfolfi- Anfang Thootoi) Vorder!. 8 Uhr. lUBdlcr 11-21%| 67 Kommandantenstraße 57. Täglich: Es lebe das Nachtleben! Folgen einer Separäe-Affäre I in 2 Akten von Anton und Donat Herrnseld IBy mit de» Autoren"9 in den Hauptrollen. Vorher: Neu bearbeitet: Die Welt gebt unter! Schwant in einem Auszug von| Anton u. Donat Herrnseld. «IIIUIIIIliWIMlKMiMII W. Noaeks Theater. DIretliou: Rod. Dill. Brimncnstr. 10. Täglich im herrlich renovierten Garten: Konzert, Theater, Spezialitäten. 9'/, Uhr: Die goldene Insel. Gr. Ausstattungsstück m. Ges. u.Tanz. Ansang 7 Uhr. Entree 3v Ps. Kaffee von 3 Uhr ab. Bei schlechtem Wetter: Vorst. Im Saal. Bninnen-Tiientel' Badstraße 53. Direkt.: Bernh. Rose. Heute erster Elitctag. Gartenkonzcrt. Spezialitäten. 10 Attraktionen ersten Ztanges. Der Spuk im Gefängnis. Pantomime der zzoschkal>-Truppe. Paul Coradini, Varadys usw. Im Fluge iimrij bip Meli. Ausstattungs-Voltsstück in 6 Bildern. Konzert 4 Uhr. Vorstellung 5 Uhr. Billcttvorvcrkaus von 10— 2 Uhr an der Theaterlasse._ Trianou-Theater. Heute und solgende Tage: Fräulein Josette— nieiue Fra«. _ Ansang 8 Uhr.___ Schweizeryarten 1 I Am Känigstor. Am Friedrichshain. Straßenbahn 1,2,4,17, 59, 62, 63 u. 74. Täglich: Theater-Vorstellung. Neue Spezialitäten. Freier Damentanz. Ansang 5 Uhr. Entree 30 Ps. Variele�Theafer� 1 Weinbergswcg 19/20, Roienth.Tor. | Heute abend 8 Uhr: Der Milk Tkustt. Sensations-Pantomime. 5 Jungmanns, Slf 18 Spezialitüten 18 ßrei- Konzert. Frehels Allerlei-Theater Schönhauser �Mlee�l48�und Heute, sowie The Dunhars X Lelly Geldern X Miß Silvia X fileide u. Albertj. BSreii-RingkamPf und die übrigen Spezialitäten. s Nr- Westet das Lehen. Mittwochs: Sonderahend. Ansang 5 Uhr._ Eintritt 30 Pf. ftfcue mett Hasenheide 108-114. — Im Konzertgarten:— Täglich; Großes Konzert! Jeden Sonntag, Dienstag, Donnerstag: » MilitärsKonzert.: Jeden Montag, Mittwoch, Freitag: » rdeiL-vrokoster.! Enttee 10 Pf. Enttee 10Ps. Im Theatergarten: Täglich: Großes Konzert des Neue Welt-Orchesters und Speziaiitäten-Vorstenmix.> Entree 25 Ps. Entree 25 Ps. 1 2 Jeden Mittwoch Kinderfest. * Jeden Donnerstag Elite-Tag. Crustav Behrens-Theater. Berlin W., GoltzstraBe 9. Bestvcntilicrtcs Theater. Vollstänil. Pro- yrammwechsel Auftteten der neuengagierten Spezialitäten, u. a. der Original Greiffenberger, der Mimiker Ad. Gretltcke, asststiert von Miß Clarito, der Lumpenmaler Signor Gaetano. Zum Schluß die tolle AiisstattiingS-Burleske �Veidliede k�euerivelir. Ansang 8 Uhr, an den Feiert. 61/, Uhr. Sommerpreise. Enttee 30 Pf. MxRIieuis Sommer Tlseoter i Hasenheide 13/15. I- Arttstische Leitung: Paul Milbitz.* fäglieh: Gr. Kmizert, Theater 1 . ö. Spezialitätefl- Vorstellung, i Jeden Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste. Jeden Donnerstag: Elite-Tag. Di« Kasfeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. ein kräftiger aromatischer, stets gleichmäßiger Kaifee. Original Vs P'd. Packung zu 60, 70, 80, 90 und 100 Pf. in circa 2000 Geschäften. olsi I Robert Tismer Abfahrt-Station: Berlin, Schillingsbrücke. r Telephon: Ober-Sohöneweide No. 14. Täglich(s0 ÄJ ml Uni J Von ca. 2 Uhr nachmittags ab*/, stündlich, a Person 20 Pf. Dampfer-Fahrgäste zahlen kein Entree. Elite-Tag. Großes Militär-Konzert. Im großen Saale: BALL, Billigste Dampfer-Sonderfahrten mit Musik Vereinen, Oescllscliaften, Sehnten usw. empfehle zu Ausflügen unter äußerst günstigen Bedingungen. Dampfer [49®!,* Volksgarten-Theater. Bad-Behmstraee— Bahnhof Gesundbrunnen— BellermannstraBe. Das Bild der Mutter oder Berliner Zlmmerleute. Volksstück mit Gesang in 3 Akten. ——. Hierzu:. Das neue Riesen- Spezialitäten-Propm Volksbelustigungen. X Großer Bali. Sanssouci, ST Direktion Wilhelm Reimer. Der Garten ist geöffnet. Heute Donnerstag, nach- mittags 3'/, Uhr: Kabale und Liebe. Trauerspiel von Schiller. Abends 8'l, Uhr: Gastspiel der Ziegel- Ziegelrothschen Theater-Akademie: Operetten-Abend Orchester, Ballett, Tanz. Sonntag, Montag, Donnerstag: Haffmanns Nordd. Sänger.— Tanz. Chor, Praler- Theater. ftastaniendXSet k/9. Täglich: Flotte Weiber täpeclalltJUen. Konzert and Ball. _ Affleng 4'/, Uhr._ Kasino-Theatep Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. iiieil Carter. Schluß der Saison Montag, den 27. Mai, bis dahin allabendlich: Blick Carter. <#> Steil!- Theater. BrDckenstr. 2(a. d.Jamiow.-Br.) Berlins beste und hill. linterhalt. Es wird wie früher gelaehl Ans. 8 Uhr. Tageslasse 11—2 Uhr. Steidl-Restaurant Große«(Stretchkonzert. _ Enttee frei._ «Ii i uns Für die am 19. d. MtS. aus ilaß unserer silbernen Hochzeit erwiesene Ausmerlsamkeit ! sagen wir hiermit allen Freun- l den und Genossen unseren ver- [ bindlichsten Dank. 779B Franz Merkowskij und Frau. Alle Wanzen werden nebst Brut durch mein Mittel vollständig vertilgt.— Fl 50 Pf. u. 1,00.— Ebenso Schwaben, Russen, Franzosen, Blattläuse usw. Schachtel 30 Ps.«0 Pf. u. 1.00. 49342' — Zahlreiche Anerkennungen.— 1000 Mark Belohnung zahle demjenigen, der mir einen Nichlersolg nachweist. Nur allein echt bei Hugo Barth, Drogerie, jetzt Brunnenstr. 1-1, srüher Nr. 81. Qstbaluhjiark Am Kiistrinerplatz, Rüdersdorferstr. 7t Hermann Imbs. Täglich: Qroßes Konzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstellnag. SnerSpar- Otlo Pritzkow, Miinzstr. 16, M-lussteliinigs- 3iODraDll-(S«. Louis) Theater lebender Photographien. Der Untergang des Dampfers„Berlin". 168 Tote, 12 Gerettete. � Den ganzen Tag Vorstellung. ♦ eingetragene Genossenschaft mit be- jchränkter Hastpflicht. Bilanz am 31. Dezember 1000. Aktiva. Mark Grund- u. Boden-Konto 1 57 787,50 Bau-Konto 1.... 158 000,— Grund- u. Boden-Konto 2 56 292,50 Bau-Konto 2.... 158000,- Grund- u. Boden-Konto 3 32 835,— Bau-Konto 3.... 90 000,— Grund« u. Boden-Konto 4 94 850,— Bau-Konto 4.... 271 000,— Grund- u. Boden-Konto 5 94 1 90,— Bau-Konto 5.... 295 000,— Grund- u. Boden-Konto 6 178 500,— Bau-Konto 6.... 563 000,— Grund, u. Boden-Konto 7 200 000,— Bau-Konto 7.... 67 226,48 Grund- u. Boden-Konto 3 100 000,— Bau-Konto 8.... 366 952,62 Grund- u. Boden-Konto 9 359 600,— Bau-Konto 9..,. 1 146 000,— Bau-Konto 10.... 44926,62 Bau-Konto 11.... 417 661,75 Grundstücks> Erwerbs- Konto Charlottenburg 1 226 841,88 Bau-Kantinc-Konto Mörtclwerk-Konto... Lnveutar-Konto�... Anlage-Äto. d. Siegsried Levh-Schcnkung... LLertPaPicr-Konto... Rückständige Mietcn-Kto. Gejchäslsgulhaben beider Deutschen Zentral-Ge« nossenschast.... Bant-Guthaben... Kassen-Bestand 12 524,17 26 387,21 1000,— 50 000,— 11 782,30 183,75 500,- 125 251,85 23 345,99 Sa. 6 229 639,62 Passiva. Geschäfts«® ut» haben- Kto. 282 937,— Bermehrung i. I. 1906 46 951,85 329 938,85 Sparcinlagcn-Konto.. 1 154 877,— ReservesondS-Konto.. 17 027,35 Sicgsr. Levh- S-benkung 53 600,— Verfüg lMgs- Konto der Siegsr. Levy-Schenkz. 1275,85 Schuldverschreib.-Kto. l 183 920,— Schuldverschreib.-Kto. II 338 600,— dypotheken-Konto 1.. 194 064,04 ?ppotheken-Konto 2.. 200 000,— dypothckcn-Konto 3., 101 000,— Hypotheken-Konto 4.. 318 000,— zypothckcn-Konto 5.. 355 456,75 Hypotheken-Konto 6., 646 000,— zypothekcn-Konto 8.. 50 000,— Hypotheken-Konto 9.. 1 391 310,— Hypotheken-Konto 11.. 350 000,— testkaufgeld Grundstück Charlotlenburg... 498 000,— Einbehaltene Barkautionen-Konto.. 11 675,— Saalbau-Konto... 3 120,— Kreditoren-Konto... 19 441,25 Reingewinn.... 12 333,53 Sa. 6 229 639,62 Gewinnverteilung. S'/j Proz. Dividende aus GeschäjtSguthabcn am 31. Dezember 1905. 9 290,90 M. Dem Reservefonds gutgeschrieben.... 3 042,63. Sa. 12 333,53 M. Mitglicderzahl. Am 1. Januar 1906.... 3489 Emgetretcn im Jahre 1906. 902 4391 315 4076 Am 31. Dezember 1906 schieden aus infolge Ausschluß, Tod und Aufkündigung.... Bestand an Mitgliedern am 1. Januar 1907..... DieHastsummes ämtlich cc Mitglieder betrug am Schlüsse des Geschäftsjahres 1905.... 1067 100 M. sie hat sich oermehrt um 178 800„ Gesamt- Hastsumme am Schlüsse des Geschäfts- jahres 1906.... 1 245 900M. Der Vorstand. L. Schmidt. Ernst Roscher. s teppdecken Spezialbaus Emil Lefevre, Berlin Süd. Seit 1882 nur Oranienstr. 158 Unter halte nirgends Filialen! delegenheitsbaull in den Farben rot, blau, oliv Bunte Normai- Schlafdecken II Pracht- Katalog ganz dick| Ä'JllO" mit ca. OOO LUostrat. gratis und franko. JOSETTI VERA CIGARETTEN httten jetzt vi« Immer den Vorzug, bei denen, welche das Beste kaufen wollen. Das anerkannt höchst erreichbare, was ia Cigarctten hergestellt vcrdea kaoa. 10 St 30 Pfeoaifr Achtung!! Vorsteilland zweite Länge, Vollblatt, sicher in Brand und gute Quailltät per Pfd. 1,40. 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Filialen in allen Stadtteilen Filiale Berlin. Fr ritag, den 24. Mai 1907, abends 6Vz Uhr, im Gewcrkschastshause, Engel-User 15, Saal 1: Kllil-Ntrtllilltllsmiilliitr-Sihlliig. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen»lesel: Das Koalitionsrecht und die Be- deutung desselben für die Arbeiter. 2. Bericht der Bauvcrtrauensmänner, 3 Verschiedenes, 196/U In Anbetracht der kritischen Siiuation im Berliner Baugewerbe ist es notwendig, daß jeder Bau vertreten ist._ Der Borftand. Ortskrankenkaffe der LslWtte u. vewanclten(iemrbe zu Berlin. Kassenlokal S. 14, Jnselstr. 6.— Kassenstunden: Wochentags von g— 1 Uhr. I�asfenrecknung pro 1906. Einnahme. Marl 1. Kassendestand am Anfang des Rechnungsjahres..... 35 162,92 2. Zinsen.................... 14 389,70 3. Eintrittsgelder................. 30 389,40 4. Beiträge................... 580 506,50 5. Ersatzleistungen Dritter für gewährte Krankenunterftützung. 6 097,05 6. Ersatzleistungen von Berussgenosfenschasten, Unternehmern, Versicherungsanstalten für gewährte Krankenunterstützung. 199,30 7. Aus verlausten Wertpapieren........... 169 500,— 8. Sonstige Einnahmen............... 5 835,68 842 080,55 AuSgabe» 1. Arzt-Honorar................. 53 919,25 2. Arznei und sonstige Heilmittel........... 63 341,60 3. Krankengeld: a) an Mitglieder................ 162 505,99 b) an Angehörige................ 2 582,28 4. Wöchnerinnen................. 9 102,82 5. Sterbegeld.................. 7 596,33 6. Kurkosten an Krankenhäuser inkl. Fürsorge jür Rekon- valcszcnlen.................. 171 042,28 7. Ersatzleistungen an Dritte für gewährte Krankenunterstützung: a) nach ZK 57 und 57a K.-V.-G........... 28 090,24 b) nach§ 11 Gew.-Uns.-Vers..Ges.......... 94,80 c) nach§ 18 Jnv.-Vers.-Ges............ 1 132,82 8. Zurückgezahlte Beiträge.............. 657,87 9. Für Kapitalanlage................ 243 778,70 10. VerwaltungSkosten: a) persönliche................. 50 714,84 b) sächliche.................. 14 335,06 11. Sonstige Ausgaben............... 1758,77 12. Kassenbestand am Schluh des Rechnungsjahres..... 31 426,90 842 080,55 Das Gesamtv ermögen der Kasse beträgt....... 491 409,10 M. Nach dem vorjährigen Abschluß betrug das Gesamtvermögen 431 614,92. Vermögenszunahme 59 794,13 M. B e r l i n, den 31. Januar 1907. Der Borftaud. Poppe, Vorfitzender. Braun, Schristsührer. Stammer, Rendant. Vorstehende Kassenrechnung ist von uns geprüft und mit den Büchern und Belegen übereinstimmend befunden worden. B e r I i n, den 13. März 1907. SozialileiiiokratiseliJatilYereiQ des 6. Berliner Wahlkreises. Todes-Anzeige. Am 17. d. M. verstarb unser MUglied, der Former Collis Adam Wiesenstr. 10. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet morgen Freitag, nachmittogs 4 Uhr, von der Halle des neuen Paulslirch. hoses in der Seestrahe aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 249/10 Ter Borstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former koms Adam gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Freitag, den 24. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Pauls-Kirchhojes in Plötzensee aus stalt. Rege Beteiligung erwartet 119/2 Die Ortsuerwaliur.g. Die Revislonskommtssio«. Petermann._ Grau. Lützow. 274/10 Zentral-Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin.— Sektion der Putzer. achimig l Putzer! flchtung! Hente Sonnerntnü, nachmittags z}(!, r, w Freyers Feslsälen, - Koppenftraste 29;- Mitqlieder-Bersammlung. TageS-Ordnung! i. Die Aussperrung im Baugewerbe und unsere Stellungnahme hierzu. 2. Wahl einer Schlichtungskommission. 3. Verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, in dieser Versammlung z« erscheinen. SHT" Mitgliedsbuch legitimiert! Ohne dasselbe kein Zutritt! Die örtliche Tersvaltang. J. 81.: E. Schulze._,„...__________ --- ßer-ntwortlicker Redakteur: Hau» Wcbttl Bkllw.«Llll'tWTMjkrateKttd vcrRlM.1 Sit. chikdt. Blisui. Drud lü Mllaai LlÄvÄ» MtMMttki it. LlliolltSi'jtatt Lblll ck ZÄ. 134/1 (|r. vampjer- Lxtrajahri ''NÄ'SV Wiimöadil Kiiiaau, Absahrt von der Michaelbrückc 2-/, Uhr nachmittags. Preis hin und zurück 50 Ps. Sowie Sonntag, den 2K. Mai, Abfahrt 8>/, Uhr vormittags und 2-/, Uhr nachmittags. Preis hin 50 Ps., zurück 50 Ps. Kinder die Hälfte. 787b G. Zachow, CuvryStr. 2. Dampfer sind an Bereine«ud Gesellschafte« billig zu vergebe». PaiÜ LitflüS Restaurant u. Feslsäle Amt VII Nr. 1075. HemelerstraBe 67. Saal mit Bühne und Nebenrämnm, 500 Personen, Hemer Saal mit Parkettboden, 150 Personen fassend, sowie Vcreinszimmer mtt Pianwo stehen den geehrten Vereinen und Gesellschaften zur Abhaltung von Versammlungen und Festlichkeiten, auch Sonntags, zur Verfügung. Es find noch Sonn- abende und Sonntage im Herbst und Winter zu vergeben.» Um gütigen Zuspruch bittet Paul Litlln. Iferbanil der Lederarbeiter (Filiale I Berlin). Kall Allen Kollegen dag am 20. Mai der Weiggerber Karl Henning im Alter von 54 Jahren ver- starben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, 23. Mai, nachmittags 4 Uhr, vom Moabiter Kranken- hause, Eingang Birkenstratze, aus nach dem Pauls- Kirchhos in Plötzensee statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 290/15 Der Vorstand. Verein der Stereotypesre und "'" B." Den Kollegen zur Nachricht, das, unser Vereinskollege «Inlius Schulz am 20. Mai gestorben ist. Leicht sei ihm die Erde l Die Beerdigung findet aui Donnerstag, 23. Mai, nachmittags '/,4 Uhr, vom Trauerhause Neue Hochstr. 15 auS nach dem DankeS- Kirchhof, Blankestrage, statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 794b Der Borstand. lodes-Anieixe. Allen Freunden und Ver- wandten die traurige Mtteilung, daß meine liebe Frau dodnnvs klduscdkt geb. Sckialttke am 20. Mai nach kurzem schweren Leiden verschieden ist. Die Beerdigung findet von der Leichenhalle des Georgen-Kirch- hoses in Weitzensee, Rölckestr.93/ 123, aus statt. Um stilles Belleid bittet Der trauernde Gatte Hans Albuschat nebst Kindern, Landwehrstr. 22. zur Nachricht, I unser Kollege,! Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManneS, unseres guten Vaters liarl Bitterling sagen wir allen Verwandten und Be- kannten, insbesondere den Herren Schröder und Lange, den Mitarbeilern vom Bau Schröder, dem sozialdemo- kratischen Verein Nieder-Schönhausen und dem Gesangverein.Zukunst" unseren herzlichen Dank. 4989L Witwe Anna Bnierling und Kinder. Danksagung. Zurückgekehrt vom Grabe meines am 17. d. MtS. verstorbenen Mannes «nstav Sternitzky, treibt eS mich, allen Verwandten uno Freunden des Verstorbenen, insbesondere den Mitgliedern der Organisation und dem Gesangverein.Solidarität' für die überaus zahlreiche Beteiligung und Kranzspenden im Namen der Hmterbltebenen meinen wärmsten Dank auszusprechen. 36/14 Berta Sternitzky. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigun�unsereS lieben, unvergefilichen Sohnes, Bruders und Schwagers, des Drehers Karl Damaschke sagen wir allen Teilnehmern, insbesondere dem Gesangverein.Gesundbrunner Lieder. kränz» sür den Gesang am Grabe sowie der Arbeitskollegen der A. E.-G. und den Genossen des 360. Bezirks unseren innigsten Dank. 79Sb Die trauernden Hmterbliebenen. Famllie Damaschke. DatihsaxunK. Hiermit sage ich allen Teilnehmern ber der Beerdigung meines liebes ManneS meinen herzlichsten Dank. Wwe. Henriette Albrecht,