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Worte über 2 Mars. sLr das übrige«usiand WW»> Z/*r �DWX � DW 16 Puchslabcn jählen für zwei»orte. 8 Marl vro Monat. Poslabomienienis WW. Inserate für die nächste Nmnmer müssen nehmen an: Bclgiem Dänemnrk. WBWM?� � /3/f /f�S�ZX diS S II hr nachmittags in der Exvedition rÄÄÄS».« «.e.,0... Verlinev VsllLS�lÄkk. Tentralorgan cler so2ialclemoKratifckLN Oartei OeutscKlancts. Rcdalitton: 8M. 68, Lindenstrasse 69. 5V«ni[j,rfriifr; Niu» IV. Nr. I»S3. von den Christlichen zu den Gelben. Als das Sozialistengesetz gefallen war und die Sozial- demokratie dann bei der Reichstagswahl von 1890 zur Anderthalbmillionenpartei emporschnellte, da begann sich's im Zentrum zu regen. Es wurde der Volksverein für das katholische Deutschland gegründet zur Bekämpfung der„sozialen Irrtümer", d. h. der Sozialdemokratie, und da man sah, welch wichtigen Bundesgenossen die Sozialdemokratie in den Gewerkschaften hatte, ging man auch an die Griindung christ- licher Gewerkschaften. Das Organisationsbedürfnis der Arbeiter war erwacht, es begann zusehends auch unter der katholischen Bevölkerung zu wirken; wollte man nicht das gläubige Gefolge in den Gewerkschaften und auf diesem Umwege zur Sozialdemokratie übergehen sehen, so mußte das Zentrum schon ein Uebriges tun und eigene Organisationen für die katholischen Arbeiter griinden. Es ist nachher von den christlichen Arbeiterführern abgestritten worden, daß die christlichen Gewerkschaften parteipolitische Gründungen des Zentrums zur Bekämpfung der Sozial- demokratie seien. Wir erinnern demgegenüber an das Wort des Kölner W e i h b i s ch 0 f s S ch m i tz, der bei der Grün- dung der ersten und heute bedeutendsten christlichen Gewerk- schaft: des Verbandes christlicherBergarbeiter, hervorragend tätig gewesen ist. „Es ist die Pflicht aller Gutgesinnten, den konfessionellen Frieden gerade auch in der Arbciterbcvölkerung zu erhalten und zu befestigen, wie das beispielsweise mit so großem Erfolge in der Montanindustrie in Essen gelungen ist, wo sich unter meiner Mitwirkung vor einigen Jahren ein chri st licher Gewerkverein gebildet hat. Dieser Verein hat jetzt an 18 0(X) Mitglieder, die zerstreut sind über das weite Gebiet von Essen bis hin nach Bochum. Sie alle bekämpfen ge- meinsam als einen und einzigen Feind den Ge- danken und die Partei des Umsturzes." So Weihbischof Schmitz am 18. Oktober 1897 in einer Krcfelder Katholikenversammlung. Und wer die Gründungs- zeit der christlichen Gewerkschaften mitgemacht hat, der weiß, daß damals der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ihr gleich geachteten Gewerkschaften den Kern der christlichen Beweisführung für die Notwendigkeit eigener Organisationen bildete. Gegenüber der„vaterlandslosen",„religionsfeindlichen" Sozialdemokratie, gegenüber der„verhetzenden" Tätigkeit der „Strcikvereine", wie die bestehenden Gewerkschaften allgemein in der christlichen Polemik genannt wurden, stellten sich die christlichen Gewcrkvereine vor als die Schützer von Thron und Altar, von Ordnung und Sitte, als die Gegner von Klassenhaß und Klassenkampf, die weit entfernt davon, einen unversöhnlichen Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit anzuerkennen, im Gegenteil auf den friedlichen Aus- gleich zwischen Unternehmer- und Arbeiterinteresscn hinzu- arbeiten gewillt seien. Und um die Friedfertigkeit gleich praktisch zu betätigen, gab man sich eine Vormundschaft in dem sogenannten Ehrenrat. dem Professoren, Geistliche. Unter- nehmer und— Polizeikommissare als Mitglieder angehörten. Diese Zeiten kamen uns wieder in die Erinnerung, als in den Pfingsttagcn dieses Jahres der Bund väter- ländischer Arbeitervereine sich der Mitwelt offen- barte. Es sind dieselben Gedanken, dieselben Worte, mit denen damals die christliche Gewerkschaftsbewegung auf den Plan trat, nur daß von dieser das„Christliche", von dem neuen Bund mehr das„Vaterländische" betont wurde. Sonst aber gleichen sich beide wie ein faules Ei dem anderen. Wie damals die Crhistlichen, so wollen jetzt die Vaterländischen alle nichts ozialdeniokratischen Arbeiter unter ihr Banner sammeln; sie verwerfen den Klassenhaß und den Klassen- kämpf, erstreben ein gutes Einvernehmen zwischen Unter- nehmcr und Arbeiter, wollen Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden nur auf friedlichem Wege zum Austrag bringen; vor allem aber wollen sie sich auf wirtschaftlichem wie auf politischem Gebiete dem Kampfe gegen die Sozialdemokratie widmen, und wie vor zehn Jahren in Krefeld Herr Weih- bischof Schmitz, so verkündet heute in Hamburg Herr Generalsekretär Schaper: „UnserHauptfeind ist dieSozialdemokratic!" Nun haben sich ja die Christlichen, das muß zugestanden werden, in manchem geändert, oder vielmehr: ändern müssen. Der Organisationsgedanke ist in der heutigen Arbeiterwelt so lebhaft, daß sich mit ihm kein leeeres Spiel mehr treiben läßt. Die katholischen Arbeiter verlangten ebensogut wie die anderen Besserung ihrer Lebenslage, und da sie vergebens an das„gute Herz" der Unternehmer appellierten, so mußte ihre Organisation notgedrungen zum Kampf übergehen. Dadurch änderten sich von selber die Beziehungen zu den bisher als sozialdemokratisch geächteten Organisationen, mit denen die Christlichen, wollten sie sich nicht selber aufgeben, zusammen- gehen mußten. Die Vernichtung der Sozialdemokratie durch die christlichen Gewerkschaften erwies sich als törichter Ge- danke und so trat denn bei ihnen die Betonung der Wirt- fchaftlichen Interessen von selber mehr in den Vordergrund. Das alles ist aber geschehen Wider denWillen derklcrikalcnHinter- männer, der Gönner und Führer der christlichen Gewerkschaften. Was diese Hintermänner, Gönner und Führer wollen, das Donnerstag, den 30. Mai 1907. sie noch im vorigen Jahre oft gezeigt, als sie den Auf- ruf an die christlich- nationale Arbeiterschaft erließen zum Kampf gegen die„religionsfeindliche und revolutionäre Sozialdemokratie", als sie unter Hinweis auf das„gewaltige Anwachsen der sozialdemokratischen Bewegung und der die Arbeiterbewegung, die soziale Reformarbeit wie das Volks- wohl schädigenden Tendenzen der Sozialdemokratie" die nicht sozialdemokratische Arbeiterschaft im Interesse der reaktionären Parteien mobil zu machen gedachten für den großen Schlag, der die Sozialdemokratie bei der Wahl im Jahre 1908 treffen sollte. Damals fügten die christlichen Führer dem Namen ihrer Bewegung das Wörtchen„national" zu, das unterdes für das Zentrum ja etwas in Mißkredit gekommen ist, das aber damals dazu dienen sollte, das katholisch-evangelisch- antisemitische Sammelsurium der Herren Giesberts, Stöcker und Schack auf den erhabenen Sockel vaterländischer Ge- sinnung zu erheben und allen Gutgesinnten zum Schutz zu empfehlen. Genau wie es jetzt die Vaterländischen niachen. Wenn deshalb jetzt in einigen Zentrumsblättern gegen die gelben Gewerkschaften und im Verein da- mit gegen den Bund vaterländischer Arbeitervereine losgezogen wird, so geschieht. das nicht, weil es sich hier um zwei im Grunde verschiedene Bestrebungen handelt, sondern aus Konkurrenzneid. Die Christlichnationalen be- trachten die nichtsozialdemokratische und Nichtorganisierte Arbeiterschaft als ihr Feld, das sie, zumal die Arbeit recht mühsam und die Ernte nicht sonderlich lohnend ist, nicht mit einem anderen teilen mögen. Dazu kommt, daß die„Vater- ländische" Bewegung von„nationaler" Seite begönnert wird und damit eine Spitze gegen das Zentrum erhält, so daß sich die Abneigung der Klerikalen gegen das neue Unternehmen zur Rettung der vom Umsturz bedrohten Gesellschaft zur Genüge erklärt. Im übrigen haben die Christlichen und die Vaterländischen einander nichts vorzuwerfen. Jeden Grund, den die Christ- lichen für die Berechtigung ihrer Bewegung anführen, können die Gelben von Hamburg auch für die Berechtigung der vaterländischen Arbeitervereine anführen. In dieser Hinsicht hat das Dortmunder Zentrumsblatt, die„ T r e m o n i a", recht, wenn es den Bund der vaterländischen Arbeitervereine für überflüssig erklärt, weil„die ch r i st l i ch e Arbeiter- schaft schon läng st durch ihre einflußreichen Organisationen all das hochhält, was der neue Bund vertreten zu wollen vorgibt". Das Blatt schreibt: .Der neue Bund richtet sich also in der Hauptsache gegen die Sozialdemokratie. Wer nun die christliche Arbeiterbewegung in den letzten Jahren verfolgt hat, wird erkennen, daß die Gründer des neuen Bundes eigentlich erst recht spät aufgestanden sind. Schon in seiner Enzyklika vom 28. Dezember 1878 sagte der Heilige Vater:.Es erscheint darum zweckmäßig, die Vereine von Arbeitern zu unterstützen, welche unter dem Schutze der Religion errichtet, dahin wirken, daß alle ihre Genossen mit ihrem Lose zufrieden sind, in ihren Arbeiten geduldig, zu einem stillen und ru h i g e n L e b e n s w a n d e l angeleitet werde n." Deshalb verlangen wir Katholiken katholische Arbeitervereine, welche, wie Leo Xlll. in der Enzyklika vom 20. April 1884 sagt, zum Zwecke haben,»die achtbdren arbeitenden Klassen zu unterstützen,� ihren Kindern und Familien Hülfe und Schutz angcdeihen zu lassen und in ihnen die Liebe zur Fröinniigkeit, Unterricht in der R e l i g i v n und die unbescholtenen Sitten zu sichern." Als dann der Arbeiter- papst am 15. Mai 1831 seine berühmte Enzyklika„Kerum nova- rnm" über die Arbeiterfrage erließ, da empfahl er besonders zur Heilung der großen sozialen Schäden unserer Zeit wiederum die Griindung von Arbeitervereinen. Er wies aber auch auf die Gegenbewegnng hin, deren Vereinigungen Einrichtungen haben, die dem Wohle der Religion»nd des Staates nicht entsprechen und darauf ausgehen, die charakterfesten Arbeiter. welche den Beitritt zurückweisen, in Verlegenheit und Elend zu setzen." In der Tat kann das Zentrum in dem Bestreben, die Arbeiter vor der Verführung durch die Sozialdemokratie fern- zuhalten und sie„unter deni Schutze der Religion"„mit ihrem Lose zufrieden" zu machen, es mit jeder anderen Partei auf- nehmen, und die Schwarzen haben recht, wenn sie in dieser Beziehung jedes Konkurrenzunternehmen für überflüssig halten. Ebenso darf das Dortmunder Zentrumsblatt die Unterstellung zurückweisen, als ob die christliche Arbeiterbewegung es bezüg- lich der„vaterländischen Gesinnung" an etwas fehlen ließe. Tie„Tremonia" schreibt: »Gerade die katholischen Arbeitervereine haben durch Bc- folgung der vom Heiligen Vater gegebenen Intentionen schon seit Jahren den Schutz von Thron und Altar auf ihrer Fahne stehen und diese Fahne auch siegreich durch da" Land getragen, so daß bereits im Jahre 1838 iin ganzen 790 katholische Arbeitervereine mit etwa 179 900 Mitgliedern bestanden, eine Zahl, die sich seither wesentlich erhöht hat. Die katholischen Arbeitervereine können also für sich das Verdienst in Anspruch nehmen, mit an erster Stelle in die„vaterländische Arbeiterbewegung" eingetreten zu sei». Ihnen zur Seite stehen die christlichen Gewerkschaften..." Nun ist nickt zu erwarten, daß der Bund der Vater- ländischen das Geschäft aufsteckt, weil die Christlichen der Meinung sind, daß sie bereits genügend für den Kampf gegen die Sozialdemokratie� und die Verbreitung guter Gesinnung unter der Arbeiterschaft leisten. Nach der versöhnlichen Haltung, die der neue Bund in Hamburg den übrigen nicht- sozialdemokratischen Organisationen gegenüber bewiesen hat, darf man wohl auf eine baldige Annäherung Expedition: 8Lll. 68» Oindenstrasse 69. Zlmiivrelber: Slmt IV Nr. 1384. rechnen. Der Haß gegen die Sozialdemokratie voll- bringt. wie wir am nationalen Reichstagsblock sehen, wunderbare Paarungen und wenn bei der letzten Reichstagswahl die christlichen Gewerkschaftsführer sich für das Wohl der Reaktion derart ins Zeug gelegt haben, daß sie den ärgsten Scharfmachern den Vorzug gaben vor dem sozial- demokratischen Arbeiterkandidaten, so fehlt für sie jeder Grund, ein Bündnis mit dem gleichgesinnten Bund der Vaterländischen abzulehnen. Auf keinen Fall haben die Geistlichen ein Recht, die „Vaterländischen" als Arbeiterzersplitterer zu bezeichnen oder ihnen zu wehren, eine Organisation nach ihrem Geschmack einzurichten. In alledem tun die Gelben nur, was die Schwarzen ihnen vorgemacht haben. Die Christlichen taten ihre Organisation auf, weil die bestehenden Gewerkschaften nach ihrer Meinung„religionsfeindlich" und vaterlandslos" waren; wer kann es besonders Patriatisch veranlagten Ar- beitern verwehren, wenn ihnen die„nationale" Gesinnung der Christlichen nicht genügt und sie deshalb besondere„Vater- ländische" Organisationen für nötig halten? In Hamburg wurde einfach der Unsinn weitergeführt, der in M.-Gladbach begonnen hat. Die Schwarzen und die Gelben haben einander nichts vorzuwerfen. Dernburg der einzige. Herr Dernburg muß trotz seiner Reisevorbereiwngen über sehr viel Zeit verfügen. Hat er doch dem„Berliner Tageblatt" auf dessen Wunsch einen vier Spalten langen Artikel geschrieben, in dem er die den Liberalismus unangenehm überraschende Tatsache zu rechtfertigen sucht, daß in dem neugeschaffenen Kolonialamt lauter Assessoren, aber kein einziger Kaufmann Platz gefunden hat. Herr Dernburg befindet sich den liberalen Kritikern gegenüber deshalb in keiner ungünstigen Lage, weil der Libera- lismus die Frage nicht gestellt hat:„Bureaukratie oder freie Ver- waltung durch die Tüchtigsten aller Berufe?", sondern:„Affessoren oder Kaufleute?" Man kann deshalb Herrn Dernburg nicht völlig unrecht geben, wenn er meint, der Beruf eines K a u f m a n nS sei von einem gewissen spekulativen Element nicht zu trennen, während es in der staatlichen Verwaltung hauptsächlich auf durch Erfahrung erworbene Tüchtigkeit ankomme. Herr Dern- bürg hätte noch viel weiter gehen und erklären können, daß selbst- verständlich der Kaufmanns st and kein Privileg auf Besetzung einflußreicherer Beamtenposten haben dürfe, sondern daß jeder sich durch Tüchtigkeit auszeichnende Angehörige jedes anderen Berufsstandes dasselbe Recht für sich in Anspruch nehmen könne!- Herr Dernburg spitzt indes die Frage so zu. wie sie vom Liberalismus gestellt wird. Er entgegnet auf den Vorwurf, warum er nicht auf die Anstellung kaufmännischer Kräfte in den Kolonial- dienst gedrungen habe, daß sich eben keine qualifiziert erscheinenden Kaufleute für den betreffenden Posten gemeldet hätten. Und zwar hätten sich wohl„unzählige kaufmännische Per- sonen" bei ihm gemeldet, aber„nur jüngere oder wenig erfahrene Leute":„ein Kaufmann ersten Ranges in wohl- befestigter Stellung, der aus Opfermut einen Posten in der Kolonialabteilung ambiert hätte", sei ihm„überhaupt nicht entgegen- g e t r e t e n". Herr Dernburg rechnet zu solchen Leuten in„wohl- befestigter Stellung", wie er weiter ausführt, nur solche Per- sonen, die mindestens ihre 20 090 M. verdienen! Er findet eS sehr begreiflich, daß solche Leute nicht mit einem vortragenden Rat tauschen möchten, dessen Anfangsgchalt„bloß" 7509 M. be- trage. Herr Dernburg glaubt also, daß kaufmännisch Gebildete, die es nicht bis zum„Prokuristen einer der größeren Erwerbsgcsellschaften" gebracht haben, von vornherein als, intauglich anzusehen sind. Das ist zwar die reine Erfolgs- nnbeterei und die Heiligsprechung des kapitalistischen Zufalls, aber die l i b e r a l e Presse wird dagegen als Verherrlicher derselben sozialen Theorien wenig einzuwenden haben. Herr Dernburg meint übrigens, daß cS ja auch sehr wenig darauf ankomme, ob ein mehr oder minder lebhafterer Austausch zwischen höheren Beamten und Großkauflcuten stattfindet, sondern daß die Hauptsache d i e sei, daß sich„d i e einzelnen Volks» kreise in ihren Interessen intimer verstehen lernen". Und da macht nun Herr Dernburg einige allerliebste Geständnisse. Er, der von dem Freisinn als einer der S e i n i g e n reklamierte Staatsmann, bekennt sich durchaus zu der Auffassung seines„verstorbenen Freundes und Meisters" Georg v. Siemens, der da erklärt habe, daß die Zukunft der deutschen Industrie in der Stärkung der Kaufkruft der deutschen Landwirtschaft liege! Herr Dernburg bekennt sich also als liberaler Agrarier, für den die— natürlich durch Schutzzölle und Einfuhrschikanen— gesteigerte Kaufkraft der Landwirtschaft wichtiger ist, als das„Poussieren deS Ausfuhrgeschäftes". Nach diesen famosen Erklärungen, durch die sich Herr Dern» bürg natürlich bei den Agrariern einen Stein im Brett erobern wird, ist es nur um so uuertlärlicher, warum Herr Dernburg gerade durch die uferloseste Kolonialpolitik das„Ausfuhr- geschäft zu poussieren" unternommen hat. Wer, wie Herr Dernburg, die Verstärkung des„inneren Konsums" für die Entwickelung der deutschen Industrie als das auSschlag- gebende Moment bezeichnet, der sollte doch zu allerletzt den p o l i t i- schen Makler einer Kolonialpolitik abgeben, die die Steuer, groschen des Volkes»ur s» hundcrtmillioncnweise papulvqfc, fTBct das ist lvohl ein logischer, oder durchaus lein kkassenpsycholo Mischer Widerspruch. Herr Dernburg weiß so- gut wie die Sozialdemokratie, daß die Hebung dss inländischen Konsums, die sich natürlich in erster Linie auf die proletarische Vcbölkerung,' nicht nur auf das Agrariertnm zu ex- strecken hatte, unsere» Nationnlwohlstnnd»nendlich mehr de- fruchten würde, als alle Kolonialfcxerei. Aber Herr Dernburg, der als liberaler Politiker die agrarische Privilcgicnwirtschaft»er- himmelt, versucht als Vertreter der Hochfinanz wenigstens auch für das Bankkapital ähnliche Privilegien dnrchzusetzet,! Wie sich die Agrarier auf Kosten der Masse des Volkes durch Schutzzölle und Liebesgaben bereichern, so soll sich auch da? mobile Kapital auf Kosten der dentschen Steuerzahler durch profitable Eisenbahn- bauten und ähnliche koloniale Kapitalanlagen bereicher»l dürfen! Eine Hand soll hier die andere waschen! Sehr interessant ist auch das Geständnis Dcrnburgs, daß in den Kolonien die kaufmännische Form der Organisation»ockp jederzeit gescheitert war. Es sei sehr bedenklich, ein m e r k a n t i l i st r s ch c s System auf die Kolonien zu überfragen.: --Der Kampf um den wirtschaftlichen Vorteil steht immer ig einem gewissen Gegensatz mit der Tendenz des Schutzes, der Erhaltung lind der Erziehung des moralisch und wirtschaftlich Schwächeren."� Das ist just dasselbe, was auch wir bei der Ankündigung der glgr« reichen merkantilistischcn Aera Dernburg erklärt haben. Nur darin Unterscheiden wir unS von Herrn Dernburg, daß wir be- haupten. daß auch bisher schon nicht nur der Asscssorismus und die militaristische Schneidigkeit in unseren Kolonien gesündigt haben, sondern mindestens ebensosehr.auch die kolonialpalitische Tendenz der wirtschaftlichen Bergowaltignug der Eingeborenen! Zum Schluß fordert Herr Dernburg von dem Liberalismus nach berühmtem Muster eine Karenzzeit. Es dürfe nicht verkannt werden, daß die heute herrschenden Klassen dem Eindringen des Kaufmanns in die Regierung und staatliche Verwaltung eigen starken Widerstand entgegensetzten. Dieser Widerstand könne erst überwunden werden,„wenn das kaufmännische Element in der Verwaltung sich tatsächlich bewährt" und erwiesen habe,„daß Männer des praktischen Lebens wirklich Dinge vollbringen könnten, die der formalistischen Borbildung der Beamten nicht gelungen" sei..Dieser Beweis ist— und ich bitte, das als ein Zeichen meiner Ehrlichkeit an- zunehmen>— bisher noch nicht geführt." In der Tat: Herr Dernburg, dies„kaufmännische Element" ln der Verwaltung, ist In der Tat bis jetzt aber auch jeden Beweis seiner Ucberlegenheit schuldig geblieben! Od wirtschaftliches Husnahinegefetz. Rom, den 26. Mai.(Eig. 93er.) Das gestern in dritter Lesung von der Kammer angenommene Gesetz über die Arbeit in den Reisfeldern ist vom Genossen T n r a t i mit Recht als ein wirtschaftliches Ausnahmegesetz bezeichnet worden. Und zwar war es ursprünglich als ein Ausnahmegesetz schlimmster Art geplant, als ein schamloser Raubzug gegen die Rechte der Arbeiter. Ehe die Kommission das Gesetz modl- fizierke, galt jeder Vertrag, der die Arbeit in den Reis- feldern betraf, bis znr V e e n d i g n n g her betreffenden Arbeite», auch wenn in dein Kontrakt kein Wort davon stand! Wer die Arbeit früher niederlegte, also„vertragsbrüchig" wurde, verlor feine gesamte Kantion, die durch Einbehaltung von einem Fünftel(!) des Arbeitslohnes gebildet wurde. Jeder Streik von Neisarbeitern war somit unmöglich gemacht; an Stelle des Streiks trat ein obligatorisches„Schieds- gericht", dessen Vorsitzender der Prätor(Stadtrichter) war, ein„Schiedsgericht", das als erste und letzte Instanz entschied! Außerdem sollte das ursprüngliche Gesetz, soiveit es Maßnahmen für die gesundheitliche Lage der Arbeiter enthielt, in den einzelnen Provinzen d i e Normen anerkennen und bestehen lassen, die es ain Tage seines Inkrafttretens vorfand! I Diese legislative Mißgeburt sollte en kamilis von den — Reisfeldbesitzem beraten werden. Zllm Glück kam aber in den Karpfenteich der Kommission ein ihr recht unangenehmer Hecht in Gestalt des Genossen Turati. Dieser hat viel dazu beigetragen, dem Entwürfe wenigstens diejenigen Bestim- mungen zu nehmen, die der brutalst e Ausdruck der Klossengewallige» waren. Trotzdem ist das Gesetz, so wie es die Kammer angenommen hat, noch durch und durch reaktionär. Recht treffend meinte Turati, das Gesetz hätte sich ja in der Kommission wesentlich verbessert, aber man könne ihm doch im besten Falle nur nachrühmen, daß es„für einen Buckligen eine gute Figur" hätte. In der Kommissionsberatnng wurde das Mindestalter für die Arbeit in Reisfeldern von 16 auf 1-1 Jahre erhöht. Die Auerkennnna der lokalen Gebräuche in sanitärer Hinsicht wurde von dem Urteil des Reichsarbeitsausschusses abhängig gemacht. Die obligatorischen Schiedsgerichte erhielten statt des Prätors einen von den Parteien g e w ä h l t e n Vorsitzenden, auch ist ihr Spruch nur bindend, wenn er einstimmig gefaßt wird— eine Bestimmung, durch die da?.„Schiedsgericht" allerdings unnötig, aber doch auch unschädlich wird. Als Ursachen, vom Vertrage zurückzutreten. ivurden die„hinreichenden Gründe", die das allgemeine italienische Recht anerkennt, beibehalten. Die Kcmticm wurde fakultativ gemacht und beide» Kontrahenten auferlegt. Trotzalledem bleibt noch des Nachteiligen genug, was um so ernster ist. als es sich um eine Arbeiterkategorie handelt, die unter ausnehmend ungesunden Bedingungen arbeitet: Die NeiSselder stehen bekanntlich einen Teil des' Jahres unter Wasser, und die Arbeiter waten bis z» de» Knien und darüber im Wasser oder im Schlamm! In den meisten Reisgegenden herrscht Malaria, da die Reisfelder ja kaum etwas anderes sind als künstliche SiimPfe. Dazu kommt, daß dte 46000 Reisarbeiter, die es in Italien gibt, zu vier Fünfteln aus Minderjährigen— männlichen wie weiblichen—- be- stehen. Ueber 80000 von den Neisarbeitern sind nicht ortsansässig, sondern„Sachsengänger", die bei den Feldern in Baracken schlafen, junge Mädchen und Burschlm, fern von der Familie, fern von jeder Aussicht, außer der des Caporale, des Aufsehers, der sich meist als Sklaven- Halter gebärdet. Dieses Heer jimger Leute, das alljährlich für die Reisfelder angeworben wird, hat schon selbst durch er- folgreiche Streiks viel für die Besserung seiner Lage getan und zum Beispiel in der Provinz Bologna bereits den Acht- und Siebenstundentag erreicht. Daher die«Notwendig- keit", den Unternehmern durch ein Schutzgesetz zu Hülfe zu kommen. So legt das neue Gesetz den Ncnnstmideutag fest, läßt aber für die auswärtigen Arbeiter den Z e h n st n n d e n t a g zu, nuter dem Vorwand, daß die Auswärtigen bei der Arbeitsstätte wohnen und daher länger arbeiten könnten als die Arbeiter vom Ort! Dadurch wird natürlich jede Kontrolle unmöglich, wenn sie es nicht ohnehin schon unmöglich wäre durch die Bestimmung, daß die wegen schlechten Wetters ver- lorenen Arbeitsstunden wieder eingeholt werden dürfen!! Sinnlos ist die Benachteiligung der aus- rvärtigen Arbeiterschaft, vornehmlich noch aus dem Grunde, rveil sie vielmehr mit besonderem Schutze umgeben sein sollte, da sie ja gar nicht air die Malariagegenden angepaßt und also den schwersten Malariaforinen unterlvorfen ist. Auch wird diese Bestimmung, welche die Ausivärtigeii zu besseren Ausbeutuiigsobjekten macht, leicht zu Konflikten zivischeu einheimischen und zugezogenen Arbeitern führen. Vergebens hat unsere Parteifraktion in der Kammer ver- sucht, den DoppelmaximalarbeirStag aufzuheben und anstelle des Nennstniidentages den Achtstundentag zn setzen. Es gelang ihr einzig, die Arbeitszeit für die AnSivärtigen- von lO'/j auf 10 Stunden herabzndrücken. Die Besttminuiig, durch welche im Gegensatz zum geltenden bürgerlichen Recht 14jährige Kinder für rechtsfähig erklärt werdeil, so baß der Von ihnen unterzeichnete Kontrakt verbindlich ist, wurde trotz der Opposition unserer Fraktion in das Gesetz auf- genoiniiien. So ist die italienische Gesetzgebung um ein schlechtes Gesetz reicher, von dem jedoch zu erwarten steht, daß e« kraft des Widerstandes unter der Arbeiterschaft das Schicksal der guten Gesetze im kapitalistischen Staate teilen wird; ohne praktische Aiiivendnng zu bleiben. Der ßackeHlmk. Der streik hat bereits einen Erfolg gehabt, mit dem die Leitung des Bäckerverbandes zufrieden ist. Die Zahl der Bewilligungen hat sich im Laufe des gestrigen Tages be- deutend vermehrt. Es sind bereits 200 Bäckermeister mit etwa 060 Gesellen, welche die Forderungen durch Unterschrift anerkannt haben. Von den großen Streikbrechertransporten, ans welche die Bäckermeister ihre Hoffnung gesetzt hatten, ist bis jetzt nichts bemerkt worden. Kleine Trupps von Arbeitswilligen sind allerdings eingetroffen. Soweit bis jetzt festgestellt, kamen sie aus Breslau, Hannover und Magde- bürg. Ihre Zahl ist jedoch so gering, daß sie für die Be» wegung ohne Bedeutung sind. Auch die Innungen stellen Posten an den Bahnhöfen auf. um die ersehnten Streikbrecher zn empfangen und mit Hülfe der Polizei vor jeder Berührung mit den Streikenden zu behüten. Auch sonst haben sie manche Vorbereitungen für die Unterbringung der Arbeitswilligen getroffen. So sind ans der Herberge der Konkordia-Jnnnng in der Andreasstraße 200 Betten nach dem Hauje der. Ger- mania-Innnng in der Ehausseestraße geschafft worden. Sie sollten den Streikbrechern,. die man im Norden der Stadt zu beschäftigen dachte, als Lagerstätten dienen, doch fand sich bis jetzt noch keine Verwendung für diesen Zweck, Die Jnnnngsführer lassen es natürlich an eifriger Agitation, unterstützt durch die bekannten Pressionsmitttel, nicht fohlen, um die Bäcksrmeister zum Widerstande gegen die Forderungen zu bewegen. Das mag bis jetzt manchen Erfolg gehabt haben. Wen». aber erst das Flugblatt, welches gestern abend in ganz Berlin verbreitet worden ist, seine Wirkung zeigt, dann dürfte die Hartnäckigkeit so manches Bäckermeisters wie Spreu vor dem Winde verschwinden� Das Flugblatt, fordert die Be- välkernng Berlins, in erster Reihe die organisierte Urbeiter- fcbaft, auf. Brot und Backware nur von solchen Bäckereien, Wiederverkänsern, Landbratbäckern, Frübstücksausträgern zu entnehmen, die durch ein init dem Stempel des Bäckerver- bände? versehenes Plakat und eine gleichfalls mit dem Verbgiidssteinpel versehene Legitimattonskarte nachweisen können, daß in den betreffenden Bäckereien die Fordenmngen des Verbandes bewilligt sind. Es ist selbstverständlich, daß die Arbeiterschaft, besonders die. Arbeiterfrauen, diesen Hin- weis beachten und es sich znr Pflicht machen, den gerechten Kampf der Bäcker dadurch zu unterstützen, daß sie nur da ein« kaufen, wo die Forderungen bewilligt sind. » Im Henpiquarlitr der Streikleitung. In den Svpbieusälcn, dem Hause de« Berliner Handwerker- Vereins in der Soplüenstraße. hat die Streilleituug ihr Hnuptauartier ausgeschlagen. Sämiliche Räume dcö Lokais stehen ihr zur Ver- fstgung und werden zur Erledigung der verschiedenen Arheiten benutzt. In einem kleine» Saale im Eedgelchoß ist' ein Aufnahmebureau er- richtet. Eine Anzahl von Verbandsfunktlonären ist hier mit der Aufnahme neuer Mitglieder beichäsiigt. Begreiflicherlvelie erfolgen jetzt, nach dem Ausbruch de« Streik«. Meldungen neuer Mitglieder !n großer Zahl, da die Errungenschaften der V-lvegnng natürlich nur den Verbaudsmügliedem zugute kommen., In einem Nebeuraume werden diejenigen abgefertigt, welche Ivcgtii des Streiks abreisen.„ In einem besondere» Räume werden die bewilllgungslusligen Meister vom Verbandsvorsitzenden A l l m a n n empfangen. Doch. um MißverstKndiüste zu vermeiden: Lustig sind sie gerade nicht, die Bäckermeister, welche bewilligen wollen. Die meisten von ihnen mögen den Weg nach der Sophieustraße schivmu Herzeus, als gelte-S einen Gang nach dem Eisenhammer, angetreten haben. Ist ihnen doch seit langer Zeit von den Jnmingsstihrem vor- geredet worden, sie müßten sich auf dem Verbaudsbureau eine entwürdigende Behandlung gefallen lallen. Die Tatsache» strafen diese Redeu-Sarten Lügen. In durchaus höslich-geschäfts- mäßigen Formen wickelt sich der Verkehr ab und der Ton. in dem die»Hetzer und Agitatoren" mit den Meistern verkehren, unter- scheidet sich vorteilhast von dem Ton. der in den Amtsstuben mancher Behörde» dem Publikum acaenüber angeschlagen wird. Hat der Bäckermeister ein die Arbeitsbedingungen einhaltendes BertragSsorniiilar unterschrieben, dann erhält er ein Plakat mit roten' Rand und zieht nun leichteren Herzen« davon. Im Obergeschoß ist ein besonderes Bureau für die Bahnhofs- kontrolle eingerichtet. Bon hier aus werden die Bahnhöfe mit Posten besetzt, die Meldungen derselben entgegengenommen und zur weiteren Veranlassung an die betreffenden Stellen weitergegeben. Der große Saal im Obergeschoß dient der Kontrolle der Streikenden. Hier werden die Streikkarten ausgegeben und bei den späteren Kontrollen abgestempelt. Die Streckenden, soweit sie nicht zu den Streikarbeiten gebraucht werden, halten sich hier tagsüber ans und freuen sich der Muße, bis sie durch die Beivilligung ihrer Meister wieder mi der Bereitung des täglichen Brotes teilnehmen können. � Ein Strcikbrrchcr-TranSpert. Einen, Kaufmann Lücke in Magdeburg. Sohn eines dortigen Bäckermeisters, war es gelungen, 1ö Arbeitswillige zusammen zu bringeil. Die Magdeburger Leitung deS Bäckerverbanbes hatte das erfahren, und als die Streikbrecher am Dienstag die Reise nach Berlin antreten sollten, waren auch zwei Verbands- Mitglieder zur Stelle, um die Fahrt in demselben Wagen- abteil mitzumachen. Doch die Bahubeamten wollten es anders. Die Arbeitswilligen wurden in einem anderen Wagen untergebracht. Als auch die beiden VerbaudSmilglieder hier einstiegen, wurden sie. obgleich noch Platz für mehrere Personen vorhanden war, durch einen Bahnbeamten dem ein Schutzmann Hülfe leistete, wieder anS dem Wagen herausgezogen. Mau sagte ihneii, das Wageuabteil fei restiviert. Die„rieten" machten min die Fahrt in einem anderen Wagen mit und stellten fest, daß die Arbeitswilligen während der Fahrt nicht a u s d e m F e» st e r s e h e n durften.! Als der Zug in Berlin ankam, stand ein starkes Aufgebot von Schutzleuten sl) und meistertreuen Gesellen auf dem Bahn- Hofe zum Eaipfaiige der Streikbrecher bereit. Trotzdem ge- laug eS den mitreisenden Verbandsmitgliederu, an die Arbeits- Ivisligen heranzukommen und ihnen in ruhiger Weise Mitteilung über den Sireik zu mach«,,. Ein Meistersohn schimpfte auf den Sprecher und packte ihu an.«Sie sind wohl tüet» rückt I" tief der so Behandelte seinem Gegner zu. Das hörte ein dabeistehender Schntzinmm. In der Meinung, daß ihm der Zuruf galt, verhaftete er das Verbandsmitglied und stellte ihm eine Anklage wegen Beamtenbeleidigung in Aussicht. Ein anderes Verbandsmitglied rief den Arbeitswillige» zu:„Kollegen, macht keine Streikbrecher!" Diesen Ruf mußte der Betreffende damit büßen, daß er ver« haftet, gefesselt und nach der Polizeiwache in de r K ö n i g g r ä tz e rst r a ß e gebracht lvnr.de.— Bis gestern mittag behielt man ihn dort in Hast. Daun erst würde er wieder freigelassen. Die Polizei zeigt hier wieder das bekannte, wenn auch im- rechiigte Bestreben, mit de» schärfste» Mitteln gegen streikende Arbeiter vorzugehen, den ArbeitSioslligen aber die weitgehendste Für- sorge angediihc» zu lasse». � Eine Vereinbarung der Großbetriebe? � Obermeister.Fritz.Schmidt hat Berichterstattern bürgerlicher Blätter folgende MiUelluiig zur Verbreitung in der Presse übergeben:'•. Die Unterzeichneten erklären sich heute bereit, einer Ver« einigung aller Großbetriebe beizutreten. Gleichzeitig erklären die- selben den Fordernngen der VcrbaiidSgescllcn dadurch cutgcgcnzu- treten, daß sie jede Beivilligung abzuschließen vsriveigern und erkeyren. während der Lohnbewegung einzeln nicht zu unter«! schreiben, bevor z» diesem Zwecke eine gemeinschastiiche Sitzung siattgefuuden hat. Emil L t e b i u g, Karl Hanke, Adolf Schulz, Hugo Schröder, Heinrich Wtttler, Herrn. Albrecht, M- Vi a u» h» i m l.Wikhelma"- Brotfabrik), I. Heyden, E. Goldacker,„Jsiri"« Brotfabrik, O. Blottner. H. P e t e r- Köpenick, Paul Hanke, Hagen, Mohr-», Erste Charlottenburger Brotfabrik sPorath), Köhler. Es muß bezweifelt werden, daß alle hier genannten Groß- backet einer Pereiiibarung gegen die Lohnbewegung beigetreten sind, den» die Herren Wittler, Albrecht, Mannheim l.Wil- Heimo"), E. Goldacker und H. Blottner haben die F o r« derungen deS Verbandes bereits durch Unter» s ch r i s t anerkannt, sie können sich also nicht verpflichtet haben, jede Beivilligung zu verweigern. � Im Lager der Meister. Gestern abend veranstalteten die Vorstände der Bäcker- Innungen eine allgemeine Meisterversammlung im Concordiasaal. In den vielen Reden, die von einer Reihe von Jnnungsführern ge- halten wurden, kam sehr wenig sachliches zum Porschein. In der Hauptsache räsonnierte man oft«» recht kräftigen Ausdrücken über den Bäckerverband und den„Vorwärts" und ermunterte die Meister zum Aushalten im Streik. Der Referent. Obermeister Fritz Schmidt, begann seine Rede mit der Bemerkung, daß die Meister mit diesem Kampf ge- rechnet haben upd mit ihm rechnen wollten. Jetzt sei die Gelegenheit, daß sich die Mejster durch energstchen Kampf endlich Ruhe im Gewerlie schaffen.— Siachdem dem Obermeister dfttz Pc- kemttnis entschlüpft war. welches doch nur so gedeutet werden kann, daß die Meister den Kamps geivollt, wenn nicht herbeigesehnt haben, war er inkonsequent, über den von dem Verbände frivol angc- zettelten Streik zu sprechen. Herr Schmidt versicherte, der Sieeik sei bereits völlig«dgoschlägen, Ehreuobermeister Ber- n a r d meinte jedoch, das sei zuviel gesagt. Roch sei der Streik nicht abgeschlagen, aber das iocrde in den nächsten Tagen gelingen. Gegen den Boykott würden die Meister allerdings einen flhweren Stand haben, aber die Situation fei ihnen günstiger wie im Jahre im. Trotz dieser Sjegeszuversicht hielten sowohl der Ehren- wie die sonstigen Obermeister es für nötig, die Meister zum Aushalten iinKminn aufzufordern, auch wemi derselbe 4—6 Wochen dauern sollte. Eine große Reihe von Hetzreden im wahren Sinne des Wortes wurden vom Vorstandstische aus gehalten. Die Redner überboten sich gegenseitig in Kraftausdrücken und Schimpfworten gegen die Leiter des BäckerverbandeS und den„Vorivärt«". In derartigen Leistungen tat sich besonders der Obermeister Müller, ein sehr frommer Mann, hervor. Ausdrücke, wie Lüge, Gemeinheit, Per. leumdung flössen nur so von seinen Lippen. Und diesen Schimpf, crguß schloß der fromme Meister mit den Worten:.Das walte Gott!" Die Tatsache, daß 1900 Bäckergesellen den Streik beschlossen haben, will den Meistern nicht i» den Kopf. Sie haben deshalb zu ihrer eigenen Beruhigung ein Phantastegebäude aufgeführt, welches in feinen Grundzügen so aussieht: Der Bäckervcrband hat ja bloß 1000 Mitglieder. In der Versammlung waren viele streikende Maurer und Zimmerer(!), die mitgestimmt haben. Die Abstimmung war auch picht geheim, jeder ist gezwungen worden, für den Streik zu stimmen. H e tz s ch o l d hat die Bäckergesellen der Freiheit beraubt, denn er hat sie his N Uhr in per Vcrsamm» lung festgehalten, damit sie nicht zur Arbeit gehen konnten. Es ist kein gutes Zeichen für das geistige SkivcaU vieler Bäcker» meister, daß solcher und noch mancher andere Unsinn von allen Red- nern vorgetragen und von den Zuhörer» mit Beifall ausgenoinmen wurde.— Schließlich nahm die Versammlung eine Resolution an. wodurch sich die Bäckermeister verpflichten, die Forderungen des Verbandes nicht anzuerkennen, weil dadurch eine außerordentliche Mehrbelastung des Gewerbes eintreten würde, welche die Bäcker- meister nicht tragen könnten, die sie aber auch nicht der Bevölke» rung auferlegen könnten. Es ist anzunehmen, daß die von den Bäckermeistern erzählten Legenden Berbreitung und entsprechende Verwertung durch die bürgerliche Presse finden. Mit Rücksicht darauf stellen wir fest: In die am Dienstag abgehaltene Versammlung wurde niemand eingelassen, der sich nicht als Bcitglicd des Bäckerver- b a n d e s ausweisen konnte. Die Abstimmung war voll. kommen g e he i m und ist von keiner Seite beeinflußt worden. Der Beschluß, sofort in den Streik einzutreten, wurde gegen 7 Uhr: gefaßt. Als dann die Versammlung vertagt wurde, sagte Hetz» schold:„Kollegen, nachdem Sie den sofortigen Streik beschlossen haben, erwarten wir. daß Sie den Beschluß auch ausführen und daß niemand den Saal verläßt, ehe die Versammlung zu Ende ist. Wer aber trotz des Beschlusses zur Arbeit gehen tvill, der mag ruhig gehen. Wir werden niemand halten." So sieht es mit der„Freiheitsberaubung" und mit dem ganzen Lügengewebe aus, welches in der Bäckermeister-Vcrsammlung ge- spönnen wurde. Wenn sich die Herren durch solchen Schwindel über die wahren Tatsachen täuschen wollen, so werden sie selbst den Schaden davon haben. poUtifche Qeberlicbt. Berlin, den 20. Mai 1007. Wozu die vielen Soldaten gebraucht»verden. Man schreibt uns aus Königsberg: Der von den ostelbischen Junkern selbst verursachte Mangel au Landarbeitern macht snh bekanntlich in jedem Jahre zur Erntezeit recht fühlbar. Früher mußte daher so mancher herrschsüchtige Großgrundbesitzer oder größerer Bauer wenigstens im Sommer die gewohnte brutale Behandlung seiner Landarbeiter etwas ein- schränken, um sich wenigstens zur Erntezeit die genügenden Ar- bcitskräfte zu erhalten. Nachdem den Gutsbesitzern aber infolge il«r Notschreie über Leutenot von den Militärbehörden t»n Jahr zu Jahr mehr Soldaten als Erntearbeiter be- .Kitwilligst zur Verfügung gestellt werden, lassen die Agrarier auch diese Rücksicht fallen. Sie lassen ihrem HcrreninstinU die Zügel schießen und werfen auch im Sommer, sogar zur Erntezeit, ganze �Familien plötzlich auf die Straße. Fast auf jedem Gut stehen auch in diesem Sommer einige Jnstmannswohnungen leer. Die notwendigsten Feldarbeiten� besorgen ja, wenn auch 'mangelhaft die Polen, G a l i z i c r oder sonstige Ausländer. Bisher erhielten zwar nur die großen und einflußreichen Rittergutsbesitzer, die möglicherweise Beziehungen in Offiziers- kreisen hatten, mit Bestimmtheit und vorzugsweise genügend Sol- baten zu Erntearbeiten auf recht ausgedehnte Zeit. Nun will man aber auch die kleineren Besitzer berücksichtigen, damit auch diese nicht mehr schonend mit den Landarbeitern umzugehen brauchen. Ja, man munterb die ängstlichen und säumigen Landwirte auf, sich beizeiten mit Soldaten zur Ernte zu versehen. Das geht deutlich aus einer Notiz hervor, die anscheinend vom Bund der Landwirte im Einverständnis mit den Militärbehörden in die„Ermländische Zeitung" hineinlanciert worden ist. Sie lautet: „Zu den Erntearbeiten werden, soweit es nur geht, - Erntearbeiter vom Militär beurlaubt. Dabei kommen aber die kloineg und mittleren Besitzer meistens zu kurz. Grund: Sic melden sich zu spät bei den betrcsfendon Truppenteilen. In den meisten Fällen sind die Ernteurlanber schon für die Groß- gütcr vergeben. Jeder Landwirt kann sich aber doch selbst schon berechnen: so und soviel Arbeiter brauchst du ungefähr. Es reiche deswegen jeder, sein Gesuch rechtzeitig bei dem Truppenteil ein. und seine in Wunsche wird in den weitaus meisten Fällen entsprochen werden können. Um nun auch den von Gariiisonsorten entfernt wohnenden Land- Wirten cS bequem zu machen, sollen ferner die Gesuche der Reihenach. wie sie eingehen, aufgezeichnet unh in derselben Reihenfolgo die Arbeiter abgegeben werden. Deshalb zögert nicht, Bcrufsgenosscn! Wer Ernteurlauber braucht, reiche schon jetzt ein Gefuch ein oder bringe es mündlich an." So werden sich also von Jahr zu Jahr immer iiiehr die Ka-, scrNen öffnen und die Soldaten an Stelle der vertriebenen Land- arbeitcr Feld- und Erntearbeiten verrichten. Bald werden die Gutsbesitzer über Pferdemangcl klagen und das Militär wird ihnen Kavalleriepferde zum Pflügen und Einfahren zur Verfügung stellen. Der angebliche Bombenattentiiter. O f f e n b a ch, 2S. Mgi. fPrivatdepesche deZ„BorwäriS",) AIS angeblicher Urheber des BombenattentatS vom 13, Wqi Wurde der Schuhmacher Sänger verhaftet. Sänger ist«in Trunkenbold, der fein ganzes Einkomflien durch die Gurgel jagt, mit seinem.Anarchismus' renommiert, von den Anarchisten ge- mieden und von den Arbeitern verlacht wird. Er warf bereits in der Fastnacht vor der Polizeiwache eine Ulkbombe, die ihm seine Kneipkameraden in die Zgsche gesteckt hatten. Im Alkoholdusel wußte er die Fastnachts- und die Maibombe nicht anSeinqirder zu halten. Jetzt bestreitet er, die Maihpmbe geworfen zu haben.— In den Wind gesprochen. Der nationalliberale„Hamburgische Kor- xefpondent' macht im Augenblick der qngsodeulschen Preß- Verbrüderung einen Vorschlag zur Bessermig der engkifth-deutschen Veziehanssen, der entschieden wertvoller ist, gls die begeistertsten Toaste, die bei der englischen Journalistein undsghet in Deuijchland in so unabsehbarer Fülle ausgebracht werden tzürsien. Das nationaUjberale Blatt führt anS, daß die Ansfahr Groß- britan niens und seiner sämtlichen K ol on stz N nachDentsch- l a n d im letzten Jahre 1480 Millionen Mqrk betragen habe. Dse Ausfuhr Deutschlands nach Großbritannien und den britischen Besitzungen habe sich aus 13W Millionen Mark besanien, h. h. aus LI Pr»z. der gesainten deutschen Warengussiihe. Der .Hamburgische Korrespondent" bemerkt zu diesen Ziffern: .Bei einem so bedeutenden Warenaustausch wäre wirklich zu wünschen, daß die beiderseitigen Handelsbeziehungen. nicht durch Differential- zölle und Zoll zu schlüge geschädigt, sondern im w e i t e st e n U in f a ir g e und dauernd nach dem Grund- s a tz c der M e i st b e g>t i> st i g p» g geregelt würde n." Leider wird diese vernünftige Anregung auf sunffaen Boden fallen. Unsere Hochschutzzöllner denken gar nicht an»ine Milderung der Zollsverren. Ihr Trumps bleibt nach wie vor die Ausplünderung der einheimischen kmisuiyierende» Masse durch Hochschntzzölle und die staatliche Subventteuicrnng der Äroßindustrse und drr Bankokratie durch den kostspieligsten MarinismuS und eine kolonialholitifchc Bcutrpvlitikl--- Richterliche Nnahhiingigkeit«nb verhinderter Wahrheitsbeweis. Zu der Verurteilung des Genoffen M a r ch i o n i n i von der .KönigSberger Volkszeitung' zu 500 M. Geldstrafe— wir haben den Fall schon kurz unter Parteinachrichlen gemeldet wird im« noch geschrieben: Es ist dies der zweite Prozeh. der auS Anlaß des Falles . GSM« gegen die„Polkszeitmig" angestrengt worden ist. Im Herbst porigen Jahres, als das Kammcrgericht sich mit dem Fall Gädke beschäftigte und sich dahin aussprach, daß die Kabinettsorder. auf Grund der mqn dem Oberst a. D. seinen Titel entzogen hatte, gültig sei, brachte die„VolkSzeitiing", die damals Genosse Mark- wald verantwortlich zeichnete, oine scharf« Kritik. Wog«,, diese« Artikels winde Genosse Markwnld Ende Februar dieses Jahres zu 500 M. Geldstrafe verurteilt. Während dieses Verfahre» schwebte. bekchnftigte sich die„VolkSzeiUmg" Mitte Februar abermals mit dem Fall Gädke. In diesem zweiten Artikel hieß eS wörtlich: „Am Kammergericht worden in den Slrafsanqten nur Richter geduldet, welche oje juristischen Ansichte» des Staatsministariiinis teilen. Befähigte erstklassige Jnristen, deren höhe Begabung s«lhst der Jnstizmiisister ausdrücklich anerkennt, werden wider ihren Willen von einem Strafsenat an einen Zivilsenat versetzt, wenn sie zu häufig freisprechen. Freisprechende Urteile sind oben nicht beliebt und wenn ein preußischer Richter xs mit seiner UcherzengilNg flicht vereinbaren kann, zu verurteilen, dann riskiert er schwere persönliche Nachteil«.' Der Angeklagte erklärte, daß er den betreffenden Artikel vor dem Erscheinen der Zeitung gar nicht gelesen Hab«. Wegen Arbeit«- überbürdmig habe er an dem Tag« die Abzüge nicht lesen käniie». Der Verfasser sei er nicht. Genosse Markwald als Zeuge bestätigte das; von seiner Vereidigung wurde Abstand genommen, da er im Verdacht der Täterschafs stehe, Der Verteidiger stellte mehrere Brweisanträgc, die aber vom Gerichtshof abgelehnt wurden. So wollte der Verteidiger de» Wahrheitsbeweis dafür erbringen, daß am Kammergericht tatsächlich dir Stellung der Richter zum Staatsmiiiislrrimn bei ihrer Tätigkeit von cntschcidciidem Einfluß sei. Auch wollte er beweisen, daß der verstorbene Landgrrichtsrat Havenstein, dessen außerordentlich hohe juristische Begabung und dessen Scharfsiim selbst der Jnstizininlfter im Abgeordnelenhause aiierlannt halte, wider scinrn Willr» oo» einem Strafsenat an einr» Zivilsenat verseht worden war, lediglich, weil er eiftc Anzahl Polizeiverordnungen siir nngältig erklärt Haft». Und endlich wölltk der Perscjdiger Heu. Nachweis führen, daß dg» Präsidium»ach diesen GcsichtSpmiltcn ganz allgemein dir cinzcluen Senate besetzte. Der Staatsanwalt fand den Artikel schwer beleidigend. Der Angeklagte wäre verpflichtet gewesen die Abzüge zu lesen, da die „Bolkszeitnng" stets von Beleidlgnuge» strotze und die Behörden und Gerichte angreise. Er beantragte für den Fall der Mittäterschaft 500 M.. siir den Fall der Fahrlässigkeit 300 M. Geldstrafe. Der Verteidiger trat für Freisprechung ein. Das Urteil kantete auf 500 M. Geldstrafe. Daß der Angeklagte den Artikel vor der Drucktegniig nicht gelesen habe, sei kein besonderer Umstand im Sinne des Z 20 des Preßgesetzes, durch den die Annahme der Täterschaft ausgeschlossen sei. Der Angeklagte sei deshalb als Täter zu bestrafen. In einein eigenartigen Widerspruche stehen die zwei Stellen der Begründung. Die eine lautet: „Ein schwerer Vorwurf gegen den Präsidenten de? Kammer- gerichts werde durch den Satz ausgesprochen, daß befähigte erst- klassig» Juristen, deren hohe Begabung selbst der Jnstizminister ausdrücklich anerkennt, luider ihren Willen von einem Slralsenat an einen Zivilsenat verletzt werden, wenn sie zu häufig frei- sprechen, und freisprechende Urteile seien oben nicht beliebt. Da- mit werde dem Kammergerichtspräsidium, ii, dessen Hand nach dem GenchisversassniigSgesetz die Zusammensetzung der«inzeliien Senate liegt, zum Vorwurf gemacht, daß es die Richter nicht nach ihren Fähigkeiten und Leisttingett verteile, sondern danach, ob sie die Ansichten des Staatsministeriinns teilen oder nicht, und daß es in die Strafsenate nur solche Richter nehme, die, wie es im Bollsniiiiide heißt. daZ Mäntelchen nach dem Winde hängen,' Und die andere, die die Ablehnung der B e w e i s a n t r ä g e rechtfertigen soll, sagt: „Die Behauptung, daß es Praxis sei. daß Aichtor, die nach der Meinung der Mehrheit des Präsidiums des Gerichts falsch urteilen, an eine andere Stelle versetzt werden, sei als wahr unlcr- stellt worden. Das sei selbstverständlich. Die Majorität des PräsidinmS habe nach pflichtgemäßem Erniessen zu nrteilen. Und ivenn sie einen Richter für einen Platz jür nicht befähigt hält, so hat sie ihn eben dahin z» stellen, wo nach ihrer Ansicht der betreffende Richter seinen Fähigkeiten entsprechend besser ver- wendbar ist,' Auch ohne die vorhergehende Steve der Vegrttndnng wäre die letzter« Feststellung des Gerichts sehr---- interessant.--- Agrarische Ginfchatznng des aNgemesnon Wahlrechts. Die„ Deutsche Tageszeit ung' stöhnt darüber, daß eS in Oesterreich nach den, Ausfall der ReichsratSivghl kaum möglich Sein werde,«in«„ngtianass Mehrheit' zustande zu bringen. Diese katsache beiveffe, daß es sich in Oesterreich bei der Einsührnng dos allgemeinen Wahlrechts kaum nn, mehr als„nm das besiunnugslsse Experiment einer dilettantischen Politik" gehandest Hab«. Wie könnte man auch erwarten, daß unsere agrarischen Staats st reicht er dem gllgeit,«»,»» gleichen Wahlrecht eines ÄuslandSstaaleS Geschmack abgewinnet, könnten!— Die bayerischen Jnbnstriellen wolle» das Klaffen- Wahlrecht! Die baverischßn Judttstxjelleu sind durch u,id durch vyn Gerechsigfeit durchdrungen— wöNtt osye bestelle,, de Uttgerochtig- ktzit gegen ihr« Zutereffen sich richtet. Sie verlangen deshalb in einer Eingabe nn das bayerische Staatsministeriuin eine Abänderung der Zusainmensetzung der Distrikts, und Land- räte, die nach einem Gesetz vgfn Jahre 1852 erfolgt, lvorin die— damals noch unbedentende— Industrie Bayerns nicht berücksichtigt ist, Die baverischen Industriellen begrjinden ihr? Eingabe damit, daß sie sagen! �....Solang« das in Bayern güss�gI Wahl-. recht, deffen Anidmiiig zugunsten der Judnstrie m astsehbaver Zeit lguin zg crivnrien ist, fort besteht, wird die bayerische Industrie ntemalj daraus rechne» lönnen, in der bayerische» Aba-ökdneten- kammer«ine entsprechend« palstisch« tzgftretnng zu finden. wie sie z, B, sn Preußen lind Sachsen ,,, Allbetracht des dortlaen Klassenwghlreihkcö poryänden ist, r?,.' Mit der gleichen Gerechtigfeitsliebe, Mit der dl? Industriellen dort chue Uugorechtsgkest heftstigt wissen lUyKls. mit der gleichen GerechiiWitsliebe vö,kgngen sie die Aufhebung des gleichen, doch ewiaermäßen gerechten Wghsrechts— Mtzfl es angeblich ber Industrie, d. h. dem Geldsack der Unter- nehmer nicht immer entspricht. Dieser bayerische Industriellen- verband rekrutiert sich über fast ausschließlich aus liberalen Herren, ja einige befinden sich sogar unser den Kandidaten siir die morgen, a»,«it. d, Mts,, stattfindsnden Wahlen, als welche sie sich natürlich als warme Frennde des gleichen Wahlrechts S eben, um bei Gelegenheit dem gleichen Wahlrecht wieder den rage» umdrehen zu können,— Klerikale Slbsplitterunge». Trotzdem der Pfarrer Grandiifger vom Erzbischof von Bqnf- berg wegen seiner liberalen Kaiididainr wiederhakt geinffest wgxpen war, bas nicht nur er selbst an dieser Kaiididatifr fesfgehalteif. söndern m,ch cm anderer Zensrnmsgeistlichcr, Pfarrer Hr. Bt, inslief. erklärte kürzlich in einer liberalen Veifainniliuig in Schikdberg in Oberbäyern seine Z n g e h ö r sg f e t t zu-x liberalen Partei. Di« lajholischoii Geistlichen beginnen assy unzifverlitlsta zu werden. Sollte dixse Jnsiirreklion des katholischen Klerus einen epidemischen Ehmakser aiiiietznieit. sg würde das Gefüge des ZeittrumsitikMöS dadurch ganz bedenstich erschüttert werden!— Eine heitere Mnjestätsbeleidigungsaffäre. S t n t t g a r j. 2b. Mai. sEig.«er.) Gegen ei» wnxttenthergisches Zetftrifmsblfitt� den in Rottiveil erscheinenden„Schlvaxzwäldex Bolkssrenud'' wurde vor f|ir,,eiii,|oic mau jetzt erfährt, ein M a j e st ä t s b« l e f d i- aungsprozeß eingeleitet, s?»s Blatt hqtfe eine Berliner Korxespoiidenz stlier die Vereiiiheitlichiing des Eifendähnweseiis ver- öffentsicht, in dox cs hieß,„Vom König v o» Württemberg ist bekannt, daß er die Mithülfe des Kaisers für den engen Anschluß dos wnrttemliorgischen Bahnnetzes an Preußen direkt erbeten und bundestreundliche Antwort erhalten hat.' Tie hierauf zwischen de» Bundesstaaten gepflogenen Verhandinngen über d>e Eisenbahn- betrievSmittelgemeinschaft sind inzwischen, wie man we,ß, so gut wie gesweitert. Das Zentrnfiisblatt lritifferte dies Ergebnis st, einem Artikel. Diesen Artikel nahm die Staatsanwaltschaft des ApzirkA zum Anlaß, ein Verfahren gegen das Platt wegen angeblicher Pe« lejdiguns des Königs von W p r s t«», h e r g esfi- zuleiten und durch mehrere HanSstichnnseu nach dem Versgssex des Artikels zu fahnden, Das Letztere war ygi, Erfolg begleitet, denn, wie die Aottweiler Stgqtsanwaltschafs jetzt tnjtteilt, hat es sich herausgestellt, daß— Herr Matth käs Erzhoraep der Verfasser des inkriminierten Artikels war! Zu gleicher Zeit wird aber auch mitgeteilt, daß der Justizininistcr„im V o l l- in a ch t s n a m e n des KönigS" angeordnet habe, die Sache nicht weiter zu verfolge»" Man zerbricht sich hie? jetzt den Kopf über tzie Preisfrage, ob der König von Vstrfteptberg«ine Beleidigung nicht für vor- liegend oder heabsichtigt erachtete und deS hglb auf die Wieder- Herstellung seiner angeblich beschädigten Ehre verzichtete, oder ob dje Niederschlagung des Verfahrens an» Wohljogllen für Herrn Erzbcrger erfolgte, der bekanntlich vor den Schranken des Gerichts immer eine tragikomische Roste spielt, und den man ppx der Wiederhpluua eines solchen Gastspiels bewahren wollte,,-. f»'»nkre»ck. Ein Bonlbenschwiudek. Paris, LS. Mai, lEig. Ber.s Es ist nunmehr deutlich geworden, daß auch der geschäftige Spürsinn der Pariser Palizcifveisen nicht imstande ist, die Explosion, die den Studenten Petroff so grausam mitgenommen hat, zum Ans- gangSpunkt eines große» Verschwörungsprozesies ö» machen. Viel- mehr ist es heute offenbar, daß die ganze„Affäre' ein niigcheiier- licher Hnmbug ist. an dem die kooperierenden russischen und fran« zvsischen Spitzel, die alberne Phantasie der Reporter der Sensations- presse und die gusriedcnheit der Negiernng.«inen Borwand für Answoisiinge» gesunden zg haben, gleich«!, Anteil hat. Man hat dem Pnblikmn die tollste» logischen Bocksprünge vorgesührt, weil eS von Ansang an unglaublich mar, daß jemand, um Bomben in Rußland zu verwenden, sie in Frankreich anfertigen Ivird. Da eS andererseits ober nicht minder ausgeschlossen schien, daß russische Terroristen die französische Republik, in der sie eine Zuflucht«- st ärt« suchen, mit der Propaganda der Tat zu bekämpsen sich versucht fühlen könnten, sö probierte man es einige Tage mit der geheimnisvollen Andentnng eines Allentqtsplanes gegen die in Paris anwesenden Grohsürsten I— Die Wahrheit über PetroffS„Bombe' ist aber viel einfacher. Die„Bombe' ist nämlich eine gewöhn- liche Revolverpatrone. Petroff hat. in ein Gespräch mit seinem Vetter Slepner vertieft, mit ein?», Tgschenmesser ggf sie geklopft, und dabei geschah die Explosion. Sollten die„Fachmänner' der Pariser Polizei wirklich an eine Bombeukatastrophe geglaubt haben, so wäre das eine arge wissen- schastliche Blamage. Trauriger ab?« ist die gesetzlvidrige Art, wie sie Petroff überhaupt zu einer Aussage bewogen haben. Es wurde ihn, nninlich, während er fiebernd im Spital lag. versichert, daß er durch seine Aussage die Freilassung seiner unschuldig verhafteten Kameraden bewirken könnte! Petroff sagte aus, aber seine zwei Freunde— Karpen ko und Salzencw, gegen die nicht der leiseste Verdacht vorliegt— sind»och immer in Haft I So sehen di«.Rechtsgakantien" der Aera Elemeuccgu aus,--- Kelgien. Berpfaffung. Di» Regierung hat soeben ein umfangreiche« statistisches Werk herausgegeben, welche« ei» reichhaltiges Zahlenmaterial von allen Gebieten des öffentlichen Lebens beibringt, sich bis aiff das Jahr 1810 znrückerstreckt und mit dem Jahre 1006 abschließt. I» diesem Zeit- raume hat die Nerpfaffnna Belgiens ungeheure Forischkitte gemacht. Mau zählt jetzt L17t geistliche Niederlasiniigen mit einem Heere von 37ö0S Insassen. Dabei zählt Belgien nur 2623 Gemeinden i Es sind also nicht sehr viele Orte, an. denen sich nicht eine oder mehrere Neligionsgeineiiischaflen befinden. In, Jahre lS16 zählte man»ftt?7v Niederlaffungen mit 11 008 Jiisflffeii. Das bedeutet also ein« Bermehtnng von Über 300 Proz., während hie Bevölkerung stf, gleichen Zeitranme nur um fit Proz. gestiegen ist! Cnglanel. London, 29. Mgl. Die Agrarbewcgnnß in Jtsoitd nimmt groß? Alisdehunfig an- Sie hat bosauders in dop Grafschaft Emmanght große Dimensionen erreicht. Die PaUzoi vexhgstete mehrere Baneri,, welche alj Nssdelsfiihrer der Beivegung gelten! nnter starker Bedeckung lourdeu sie abgesichrt, indessen lvurde die Polizrsi. gngegriffeif, lvobei es zn einem lebhaften Handgemenge kam, in welchem mehrere Personen verletzt wsrdöu. Hfl Mayp sgifh gestern ein Meeting tzex irischen PautzMkiyff..stajtz' des welHem scharfe Reden gegen die Rq- giernng gMten wnrhsn. � Inclien. Stipli», 88. Mai. Meldung des Neuierschen Bureau«.) Die Läge t» Indien hat sich, soweit sich tzaS ans tzcm ünßercn Eilldruck schließen lqßt, Kit- den vor kurzem ergriffeiien kxaftvoste>> Maßnahmen der Regtdntiig wesentlich gebessert. J» Ost-Peiigalen hat die Per- aiiftallnng aiisrühreiischer Veiiainmlimgen aufgehört. Fälle von PlNNdermigen komunm War immer noch vor, doch sind dieselben öhn« groß? Bedeniung. Tie Provinzialhehvrden schicke» starke Aus- geböte von Polizeimaimschasten in die von den linriih«» betroffenen Gegenden. Die politische Lag« in ganz Indien sft beinhigender, doch sind die exfreinen Zcituuiien überall überaus feindselig gestiifimt und predige» Aiiedauer im Widcrftgnd gegen die britische Herrschaft. Istid daS nennt man Jvcfeiitlicho Besserung" der Lag?! Lcrichtignng. Nicht 100, ivie eS in der aestrigen Mi», inet nifter Amerika(„Zum Prozeß gegen die Arheiterfiihrer") infolge eines Druckfehlers hieß, sondern je 10 Geschworcit« dürfen nach den Be- stiimiimigen drüben vom Angeklagten wie vom Anfinge« definitiv ghgelehnt tperdeu._ Die ruffifcl)« Revolution. Baiierufos. Die„Run.j-ae Korrespondenz" erhäss das nachstehende Tele- gramin aus Petersburg: In hiesigen Dtimakreisen beurteilt man die Lage tzes russischen Batiernsiaitdes sehr ernst, da zur Hungersnot eine neue große Kulamitgt über die ländlichst Ustvölfentiig ge- kommen ist: Teil Jghresfrjst emst fehlen Rstgicriiifgserklä- rnngen, die durch besondere Agenteil der Negißrima nnter der bänerljchen Bevölkerung verbreitet fvnkden, dißser als Mittel gegen den Landmangel die innere K o l o n i s a» t i o n und die A u H w q n d e r u n g ii a ch Sibirien zu betrachten. Tie Wirkung war, daß sich piosig« Schapen nach Sibtrtoii in Bochegiiifg setzten. Niiuuiehr bat nenesteus dje Regkerung eine Zirkularverfiigiing ertassei», die jede weiters Aiisivaiidernng nach Sibirieu vorbietotl Daniit wurde eine aiißerordentliche üalawität gefchaffoii, da schon Zchntausende sich ans dem Wege befanden.(Die sibirischen Grenzstationen passiextstst bjsher tggljch 19 Anslvandcrcr» ziige.) Auf Grund des letzten Zirkulars sind ietzj gn. der Grenzftgtion ngch Sibirien allein 20 000 Mann zurück- gehgisen worden, Durch Pensa gehen noch jetzt tqgsich l3 Afistvaifdererzüge, während ans dem nächsten größeren Punkt, Sysran an der Wolga, bereits 87 Züge laut Zirkglgr an- gehaljßn wvrtzßn sind, Ans Npch zahlreichen Stationen im Inneren Nuszsantzs mußten Tausende liegen bleiben, oft an Punkten, wo sie kein Hhdgch Wonmzei, und nicht verpflegt werden können. Die Empörung im Banerntnm über die köpf- lose Agrarpolitik der Negiernng wächst, niid in Dumakreisen sieht man in diesem»oiiesten Erlgß gegen dje Aiiswanderiing wiederum einen Beweis für die absolute jjnfähigkeij der Re- giening.. � Der Knchol. Moskau, M, Mai. Das hiesige liberale Blatt„Parns" wurde wegen angeblich staatsgefährlicher Tendenz unterdriickt, dagegen darf das tvieder erschienene konservative Hetzblatt „Wiecze" scineHetzercien in ärgerer Weife als früher fortsetzen. * t* Berichtiziing. In«Ix. HO brachte» wir es»«» Bericht„Aon, fünften Parteitag box sozialdemolralischen Partes RnßsqM," W>« Ms nach- träglich mitgeteilt wird, sind die Angaben deS Berichte? nicht in allen Punkten stichhaltig: so führt der Bericht B. als Teilnehmer des Lkongresses mehrere Personen an, die in Airllichleit auf dem Kon- gresse gar nicht anwesend sind. GewcrklchaftUcbes* Berlin und Umgegend« Sie schlagen sich selbst ins Gesicht. Der Kampf im Baugewerbe dreht sich bekanntlich um die Verkürzung der Arbeitszeit.?!un haben wir vor ein paar Tagen mitgeteilt, daß die gesamte bürgerliche Presse einen Waschzettel des Unternehmertums verbreitet hat, welcher es als ganz selbstverständlich hinstellt, daß bei verkürzter Arbeitszeit die Produktion verteuert, d. h. weniger geleistet wird. Wir wiesen dem gegenüber nach, daß nach der Erfahrung eines ganzen Jahrhunderts das Gegenteil die Wahrheit ist. Größere Intensität der Arbeit gleicht gewöhnlich die ver- minderte Arbeitszeit sehr bald wieder aus. Heute nun finden wir in der„Germania" folgende Notiz: „Arbeitszeitverkürzung und Arbeitslei st u-n g'. Zu dem schon so oft belegten Satz, daß eine B e r- kürzung der Arbeitszeit noch lange keine Herab- Minderung der Arbeitslei st un gen und eme Verminderung des Lohneinkommens nach sich zu ziehen braucht, bringt der Jahresbericht der badischen Fabrikinspektion siir das Jahr 1906 ein weiteres Beispiel aus der neuerdings tariflich ge- regelten Pforzheimer Bijouterie-Jndustrie. ES heißt hier: Die Bestimmung, daß die zwölfte und dreizehnte Arbeits- stunde mit SO Proz. Zuschlag bezahlt werden müssen, scheint nach den Erfahrungen des vergangenen Winters ihren Zweck längere als elfstündige Arbeitszeiten überhaupt zu verhindern, erfüllt zu haben. Die Arbeitgeber erklärten allgemein, daß so teuer bezahlte Arbeit sich nicht lohne, und kamen— was früher für absolut unmöglich gehalten wurde— trotz des überaus leb- haften Geschäftsganges ohne Weilarbeit auS. Haben auch manche Fabrikanten unter den neue» Verhältnissen wiederholt Aufträge mit kurzen Lieferfristen ablehnen müssen, so konnte im allgemeinen doch mit elfstündiger Arbeit soviel„hin au«gebracht" werden, als früher mit einer Arbeit von zwölf und dreizehn Stunden. Der Besitzer eines sehr großen Unternehmens hat die auch sonst gemachte Erfahrung bestätigt gefunden, daß die auf die Stunde berechneten Stücklohn- Verdienste der Arbeiter mit der Verkürzung der Arbeitszeit gestiegen sind. Als eine starke Garantie für die praktische Durchführung der tariflichen Vereinbarungen führt der Bericht weiter den Umstand an, daß die Arbeitszeiten für alle Pforzheimer Betriebe einheitlich festgelegt find." Vor 2—3 Wochen hat die„Germania"— gleich der ge- samten übrigen Scharfmacherpresse— den oben erwähnten Waschzettel der Bauunternehmer gebracht. Heute zeigt sich, daß sie dessen UnWahrhaftigkeit ganz gut kennt. Um die öffentliche Meinung gegen die Arbeiter des Baugetverbes aufzuhetzen, hat man Über die Wirkungen der Arbeitszeit- Verkürzung falsche, verlogene Behauptungen verbreitet. Heute erzählt man, ganz harnilos als ob gar nichts geschehen wäre, das Gegenteil. Die Unternehtnerpresse schlägt sich selbst ins Gesicht, daß es nur so klatscht. Ob wirklich ihr Lesepublikum das nicht merken sollte? Die Marmorarbeiter(Filiale II des Steinarbeiter- Verbandes) beschäftigten sich in einer am Dienstag ab- gehaltenen Versammlung mit dem Kampf im Baugewerbe. Nach dem herrschenden Brauch erhalten Steinmetzen, ivenn sie mit dem Versetzen ihrer Arbeiten auf Bauten be- schäftigt sind, Maurer zur Hülfeleistung. Selbstverständlich verweigern die Steinarbeiter die Ausftlhrung jeder Arbeit, die bisher von Maurern verrichtet wurde und die nun wegen der Aussperrung oder des Streiks der Maurer von den Stein- arbcitern verlangt werden sollte. Zweifelhaft war dagegen die Frage, ob die Steinmetzen auch in solchen Fällen die Ausführung von Maurerarbeit beim Versetzen verweigern sollen, wo sie dieselbe schon bisher gemacht hatten, weil der betreffende Unternehmer das Versetzen ohne Hinzuziehung von Maurern übernommen hatte. Die Versammlung beschloß, daß überall, wo sonst mit Maurern versetzt worden ist, der Unternehmer aber nach der Aussperrung sich verpflichtet hat, ohne Maurer versetzen zu lassen, die Arbeit niederzulegen ist. Achtung, Elektromonteure, Rohrleger und Helfer! Anläßlich der Bauarbeiteraussperrung ersuchen wir die Kollegen, wenn die Anfertigung von Maurerarbeit angeboten wird, dies unverzüglich nach unserem Bureau, Charitestr. 3, zu melden. Dort wird den Kollegen weitere Anweisung gegeben. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Mechaniker! Da die ungarische Metallacbeiterorganisatton wegen fort- gesetzter Differenzen die Bereinigte Elektrizitätsgesellschaft, vorm. Eger, für Mechaniker und Arbeiter gesperrt hat, ebenso bei der Firma Altenstein und Brandt in Budapest Differenzen entstanden sind, so erfuchen wir die Kollegen, nach Budapest keine Arbeit anzu- nehmen. Etwaige Angebote sind zurückzuweisen. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Metallarbeiter! In Saalfeld a. d. Saale, ebenso in Frankfurt a. Main, wie im ganzen Maiugebiet sind Tausende Metallarbeiter ausgesperrt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Wir ersuchen, dorthin keine Arbeit anzunehmen. Die Kollegen werden gebeten, für Verbreitung obiger Mitteilung zu sorgen. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Achtung, BootSbauer! Für sämtliche Holzarbeiter, bestehend aus BootSbauern, Schiffs- dauern. Tischlern, Stellmachern usw.. sind die Bootswerft W. Deutsch sowie die Buffalowcrft. beide in Stralau, bis auf weiteres gesperrt. Für die Buffalowerft kommen auch Metall- arbeiter in Betracht.. Verein der SchrffS- und BootSbauer. _ Max Zanke. Dcutfcheo Reich- Achtung, Fabrikarbeiter! Wegen nicht bewilligter Lohnforderung von 27 Pf. pro Stunde auf 32 Pf. pro Stunde lowie von 30 Pf. pro Stunde auf 3S Pf. pro Stunde legten die Arbeiter der Oel- fabrik des Geheimrats Herz in Wittenberge. Bezirk Potsdam, am Montagabend die Arbeit nieder. Es wird gebeten. Zuzug von Arbeitern nach Wittenberge fernzuhalten. � � �. Die Gauleitung des Fabrikarbeiter-VerbandeS. I. A.: E. Bennewitz. Achtung! Maschinisten und Heizer! In den Braunkohlcngruben und Brikcttfabriken M i l l i und Emanuel in Bockwitz sind abermals Differenzen ausgebrochen, "Hrrantw. Redakteur: Haas Weber. Berlin. Inseratenteil verant«u indem einige Kollegen anläßlich deS Streiks entlassen wurden, ob- gleich die Direktion der Werke versprochen hatte. Maßregelungen nicht vornehmen zu wollen. Der Zuzug von Kollegen nach diesen Werken ist entschieden fernzuhalten.— Arbeiterfreundliche Zeitungen werden um Abdruck des Vorstehenden gebeten. Zentralverband der Maschinisten und Heizer. Infolge deS Streiks der Drahtweber in Saalfeld sind seitens der Metallindustriellen jetzt sämtliche organisierten Metallarbeiter ausgesperrt. Da jedoch den verwandten bisher von der Aussperrung noch nicht betroffenen Gewerben vielfach Streikarbeit zu- gemutet wird, dürfte cS zur Aussperrung weiterer Arbeiterkategorien kommen. Da ferner Maurer, Zimmerer und Bauhülfsarbeiter sich seit Wochen im Streik befinden, so ist der Zuzug aller Arbeiter nach Saalfeld fernzuhalten. Zur Aussperrung der Hafenarbeiter in Königsberg. Die Verhandlungen zur Erreichung des Friedens im Königs- berger Hasen haben am Dienstagnachmittag vor dem Einigungs- amt des Gewerbegerichts wieder begonnen und werden nun am Mittwoch fortgesetzt. Bei den Arbeitgebern scheint Stimmung zu herrschen, die Festlegung der neuen Tarifverträge möglichst schnell und ohne Unterbrechung zu Ende zu führen. Besondere Schwierig- leiten macht die Frage der Akkordarbeit für Schauerleute, die seitens der Lohnkommission der Hafenarbeiter abgelehnt wurde. Die Arbeitgeber wollen durch Einführung der Akkordarbeit das un- haltbare System der stundenweisen Entlohnung aufheben, scheinen dabei aber keine Opfer bringen zu wollen, d. h. es darf nichts kosten. Es wurde dann in Vorschlag gebracht, die Bezahlung halber und ganzer Tage einzuführen, feste Beschlüsse darüber aber noch nicht gefaßt.—_ Der Streik der Seeleute in Königsberg nimmt von Tag zu Tag größeren Umfang an. Am Dienstagabend fand eine Versammlung der Seeleute statt, in welcher die Genossen S ch i k o e r und Werner referierten. Die Versammelten er- klärten sich mit den Forderungen der Organisation einverstanden und besonders herrschte über die einheitliche Zahlung der Ueber- stunden in allen deutschen Häfen vollständige Einstimmigkeit. Di? Versammelten beschlossen, entsprechend der Seemannsordnung, so- fort überall zu kündigen, wo es bisher nicht geschehen. In dieser Versammlung war auch die ganze Besatzung des Streikbrecher- schiffes„Guahyba", soweit sie nicht Nachtwache hatte, anwesend. Die Matrosen der �Guahyba" erklärten, in Hamburg für eine Reise nach Südamerika(Brasilien) gemustert zu sein. Erst wenige Stunden vor der Fahrt in See sei ihnen in der Kajüte des ersten Offiziers eröffnet woren, die Fahrt nach Brasilien finde statt, nur gehe es zuerst nach den Ostseehäfen und von dort zurück über Ham- bürg nach Amerika. Die Matrosen waren der Meinung, daß das Schiff vielleicht nach Riga bestimmt sei, um polnisch-russische Aus- Wanderer an Bord zu nehmen. Diese Annahme habe sich alsbald als falsch erwiesen, denn in Swinemünde seien die Streikbrecher aufgenommen worden, bestimmt für den Königsberger Hafen. Nun liege das Schiff„Guahyba" bald fünf Wochen im Königsberger Hafen, eine Nachmusterung der Seeleute habe nicht stattgefunden und so könnten diese auch nicht gesetzlich gezwungen werden, auf der„Guahyba" weiter Dienst zu tun. Die Mannschaft hat die Kündigung eingereicht, der Kapitän will sie aber nicht anerkennen, die Mannschaften wollen alle, ohne Ausnahme, das Schiff verlassen. Auch hieraus ist zu ersehen, mit welchen Mitteln die Unternehmer kämpfen, um ehrliche Arbeiter zu Fall zu bringen. Zur Metallarbeiter-AuSsperrung im Maingebiet. Die am Dienstag fortgesetzten Verhandlungen der Siebener- kommissioncn in Offenbach, an denen kein offizieller Vertreter des Metallarbeiterverbandes teilnehmen darf, führten zu keinem Ergebnis. Die Aussperrung dauert daher fort und wird immer größere Dimensionen annehmen. Die Angabe der bürgerlichen Zeitungen und des Bureau Herold über die Zahl der Aus- gesperrten sind übertrieben. Nach nun genauen Feststellungen der Verbandsleitung sind bis heute rund 2000 Arbeiter von der Aus- sperrung betroffen. Gesternhat sichdieseZahl durch die Lahmeyerwerke verdoppelt, und am Freitag, wo die Aussperrung bei den Adler- fahrradwerken vorm. Heinr. Kleher beginnt, wird sie sich vielleicht verdreifachen. Außerhalb Frankfurts wurde in Höchst, Darmstadt und Homburg in einigen Betrieben ausgesperrt. Doch ist die Zahl der Ausgesperrten nicht hoch. Zum Streik der Seeleute. Mit Argusaugen wacht die Polizei darüber, daß von den Streikenden keine„Gesetzesverletzungen" begangen werden, die sie schon darin erblickt, wenn ein Streikender nicht sofort auf die Auf- forderung zum Verlassen des betreffenden Ortes„Kehrt marsch!" macht. Auf Grund der vollständig eine Streikpostenverordnung ersetzenden Hamburger Straßenordnung muß stets, vorbehaltlich des sich auf dem Papier gut ausnehmenden Beschwerderechts, ein Staatsbürger unweigerlich den Anordnungen eines� Polizei- beamten Folge leisten. Der Beamte braucht nur zu befürchten, es könnte, und wenn eS sich auch nur um eine Person handelt, der öffentliche Verkehr oder die Ordnung gestört werden, um„ein- zuschreiten", wie der polizcitechnische Ausdruck lautet. Das sub- jektive Ermessen des Schutzmannes feiert in der Plutokraren- Republik höchste Triumphe. Ganz anders sieht die Kehrseite dieser Medaille aus, denn den Reedern und deren Agenten ist alles er- laubt, was den Arbeitern verboten ist. Das Gewerbe eines Stellen- Vermittlers für Seeleute darf hier nur mit polizeilicher Genehmi- gung betrieben werden, und in„normalen" Zeiten gibt sich die Polizei die redlichste Mühe, den„Landhaien" das Handwerk zu legen, ja, sie verschmäht es dann auch, nicht, auf dem Verbands- bureau der Seeleute Erkundigungen über Zuwiderhandlungen ein- ziehen zu lassen. Das Verbandsbureau hat sich jetzt das grausame Vergnügen gemacht, auf Uebertretungen dieser Art hinzuweisen. Allerdings handelt es sich jetzt um Kontraventionen im Reederinter- esse, denen von Agenten Gesindel zugeschleppt wird. Wir werden später über den Ausgang dieses interessanten„Falles" berichten. Auch sei bemerkt, daß. wie im Vorjahre, auch jetzt Schiffe mit unge- nügender oder völlig unzureichender Bemannung in See gehen. In der gestrigen Versammlung der Streikenden erstattete Paul Müller den Bericht, dem wir entnehmen, daß die Situation im all- gemeinen eine gute ist. Er teilte mit, daß viele Lstsee-Reedereien gern bewilligen möchten, aber sie fürchten den Druck des Reeder- Verbandes, während die unabhängigen Reedereien die Forderungen bewilligen. In Bremerhaven liegen viele Lloydschiffe ohne Be- satzung. In Hamburg vermehren sich die Streikenden von Tag zu Tag. Der Zuzug von Seeleuten nach Hamburg ist gleich Null, ebenso steht es in dieser Hinsicht in den anderen Häfen. Die Ham- burger Reeder haben bisher auf das in höflichster Form gehaltene Schreiben der Seeleute nicht geantwortet, obwohl darin den Ree- der» die Konzession gemacht wird, daß eine Kommission aktiver Seeleute mit ihnen verhandeln solle. Der Geist unter den Streikenden ist ein vorzüglicher. Die meisten Seeleute haben bis- lang auf Unterstützung vetzichtet, so daß nur eine kleine Summe ausgezahlt zu werden brauchte. - Ein BSckerstreik ist auch mit elementarer Plötzlichkeit über Regensburg herein. gebrochen. Die Zahl der Ausständigen beträgt 200. Gestern morgen war in der ganzen Stadt kein frisches Brot zu haben. Malerstreik in München. Das von den Malermeistern ver- breitete Gerücht, der Streik fei beendet, beruht auf Unwahrheit. Der- selbe dauert unverändert fort. Arbeiterfreundliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Ein Streik der Unternehmer. Ein eigenartiger Streik ist in Nürnberg ausgebrochen. Be� der städtischen Grubenentleerung besteht die Einführung, daß die Be- spannung von den Fuhrivcrksuuternehmern geliefert wird, ebenso das Dienstpersonal für die Leitung der Fuhrwerke. Im Jahre 1906 haben die Fuhrwerksbesitzer eine lOprozentige Aufbesserung durch- gesetzt, jetzt haben sie aufs neue eine solche in der gleichen Höhe ver- langt. Der Magistrat wollte sich aber nur auf 6 Proz. einlassen. Die Fuhrwcrksbesitzer machten kurzen Prozeß und traten einfach in den Streik ein, indem sie ani Montag nicht anfuhren. Der Magistrat hat nunmehr beschlossen, die städtischen Pferde entsprechend zu ver- mehren und in Erwägung zu ziehen, ob sich für die Grnben- entleerung nicht die Einführung des Automobilbetriebes empfehle. Husland. Die Revoltierung in Transvaal. London, 27. Mai.(Eig. Ber.) Die Streikbewegung in den Randminen hat mit einem Ruck das ganze südafrikanische Problem wieder aufgerollt. In England war man im allgemeinen der Meinung, die Gewährung einer Konstitution würde Transvaal auf längere Zeit hinaus den politischen und ökonomischen Frieden bringen. Das Erscheinen britischer Truppen zur Niedcrmetzelung britischer unzufriedener Arbeiter hat dieser Illusion gründlich den Garaus gemacht. Der Streik, der augenblicklich am Rand tobt, ist durchaus kein Streik im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Der politische Wirrwarr, in dem sich Transvaal seit dem Kriege befindet, spielt eine überaus wichtige Rolle in diesem Kampfe. Es wurde an dieser Stelle bereits darauf hingewiesen, daß die Chincsenfrage im Vorder- gründe dieser ganzen Bewegung steht. Und mit dieser Frage ist sowohl in England als auch in Transvaal eine sehr hätzliche politische Demagogie getrieben worden. Bei den Wahlen in Eng- land spielte diese Frage eine Hauptrolle. Die Liberalen zogen mit dem Versprechen in den Wahlkampf hinein, die durch die Konservativen in Transvaal importierten Chinesen wieder zu ver- treiben. Nun haben wir aber seit Ende 1906 eine liberale Re- gierung, aber die Chinesen sind noch immer in Transvaal, und eS erweckt den Anschein, als ob sie überhaupt nicht mehr verschwinden werden. Zwar hat die liberale Regierung den Buren eine Kon- stitution gegeben, aber sie hat nicht den Mut gehabt, ihr Wahl- versprechen einzulösen und die Chinesen auS dem Lande zu ver- treiben. Die Rassenfrage spielt in Transvaal eine sehr große Rolle. Die Randmagnaten sind fortwährend an der Arbeit, die Holländer gegen die Briten auszuspielen. Man versucht, die Plätze der Streikenden durch Holländer zu ersetzen; allerdings ist dieser Plan bis jetzt mißlungen. Am 26. Mai fand in Johannesburg eine große Demonstration gegen die Chinesen statt, an der sich mehr als 10 000 Arbeiter be- teiligten. Außer der Forderung, daß kein gelernter Arbeiter mehr als zwei Bohrmaschinen hehandeln soll, erheben die Arbeiter bittere Klagen gegen die schlechte Ventilation in den Gruben, gegen fortwährende Lohnabzüge und grausame Arbeits- bedingungen.—_ Eingegangene Druchrchrlftcn. „The theoretlcal System of Karl Han In the llght of recent crltlclsm". dem Zeugen mitgeteilt, wie die Ernennung des Dr. Karl Peters zum Gouverneur von Ostafrika zustande gekommen sei. Die öffentliche Meinung habe in erster Reihe die Berufung von Peters gefordert, ihm(Geheimrat Hellwig) aber sei a u s e i n e m geheimen Akten st ück die Mabruck- und Gagodjo-Hänge affäre bekannt gewesen und er habe es für seine Pflicht ge halten, die Ernennung Peters zu hintertreiben. Seine dies bezüglichen Vorstellungen beim Reichskanzler hätten keinen Er folg gehabt und so habe er sich damals im März 189S den Leutnant Bronsart von Schellcndorf kommen lassen und mit ihm be- sprachen, wie es möglich sei, auf nichtamtliche Weise Dr. Peters als Kandidaten für den Gouverneurposten zu eliminieren. Bron- sart, der zurzeit der Kilimandschpro-Expedition 1891/92 Dr. Peters als Truppenkommandant begleitet hatte, habe es ab gelehnt, seinen alten Chef zu desavouieren, habe jedoch geraten, auf den in Berlin wohnenden Maler Kuhnert, der die Ex pedition zu Studienzwecken begleitet hatte, zurückzugreifen. Auf Aronsarts Veranlassung— so habe Geheimrat Hellwig gesagt habe Herr Kuhnert„diesen Brief hier" geschrieben.„Dabei trat der Geheimrat an den Tisch, holte ein dickes Aktcnfaszikel und verlas einen Brief, in dem der grötzte Abscheu über da» Hängen des Mabruck— Kuhnert hatte freilich die Hinrichtung selbst skizziert— ausgesprochen wurde. Der Brief wurde dadurch br gründet, datz der Schreiber gehört habe, Peters solle wieder an leitender Stelle verwandt werden und ein solches Unglück müsse der Station erspart bleiben. Unterzeichnet war der Brief: Kuhnert, Tier- und Orientmaler." In dem Artikel heitzt es weiter:„Auf diesen Brief hin, fuhr der Geheimrat fort, indem er weiter in den Akten blätterte, sind auf Ver- anlassung des Reichskanzlers die folgenden Vernehmungen von Kuhnert und Bronsart aufgenommen worden, die aber für uns nicht genügende Anhaltspunkte gaben. Immerhin wurde der Zweck, aus Peters Freunde, auf die Opposition und auf die Leute zu wirken, die sich aus Gcrechtigkeitsgründen seiner annehmen zu müssen glaubten, erreicht, und durch Bronsart selbst wurde der Inhalt der Kuhnertschen Anklage in beiden Lagern bekannt." Geheimrat Hellwig erwähnte dann noch die Ueberrumpelung, als Bebel mit dem Tuckerbrief im Reichstag den Skandal wieder aufleben lietz usw. usw. Herr v. Löhberg hatte am Dienstag in?lbrede gestellt, datz Ge- hcimrat Hellwig ihm Mitteilungen aus Akten gemacht habe. Da mutzte man fragen, wie das zu zenem„Hochwacht"-Artikel stimmte. Nunmehr verlas aber Herr v. Löhberg eine Erklärung des Inhalts, daß ihm nichts aus geheimen Akten mitgeteilt worden sei, und datz auch indem„Hochwacht"-Artikel von geheimen Akten nicht die Rede sei. Der ihm vorgelesene Brief sei nicht geheim gewesen, Geheimrat Hellwig habe den Brief nicht als geheim bezeichnet, auch jene Akten seien nicht als geheim bezeichnet worden, daher müsse er(Herr v. Lotzberg) seine Aussage vom Tage vorher aufrecht erhalten. So hatte Herr v. Löhberg wieder „alles ins Lot". gebracht und durfte nach Hause gehen. Borgelesen wurde das Protokoll über die nachträgliche Ver- eidigung des Geheimsekretärs Schneider, die ani Dienstag im Sanatorium bei Eberswalde stattgefunden hat. nachdem Schneider dort dem beauftragten Richter noch einmal er- klärt hatte, er bleibe bei seiner Aussage in allen Punkten. Schneiders Vereidigung bedeutet eine Rehabilitierung dieses vielgehetzten Mannes. Man geht wobl nicht fehl, wenn man annimmt, datz auch der Staatsanwalt, der selber am Dienstag diesen Zeugen für nicht mehr verdächtig erklärte, ihn hierdurch zu rehabilitieren wünschte. Sodann wurden nacheinander neun Beamte au? den Bureaus der Kolonialabteilung als Zeugen ver- nommcn, die Herren Hofrat Stöpel, Hofrat Dollhardt, Geheimsckrctär Petzkc, Hofrat Wohlenberg, Sofrat Schmidt, Gehcimsekretär« c i d e l, Hofrat T c s ch, Geh. Sc- kretariatsassistent Schulz, Geh. Hofrat B i e r m a n n. Ein paar Stunden hindurch wurden vom Vorsitzenden zusammen mit den Zeugen immer wieder die dicken Aktenbände durchstöbert, die auf dem Richtertisch aufgestapelt lagen, und immer wieder festzustellen versucht, wie die geschäftsmätzige Behandlung jener Akten gewesen war, die in den Fällen Frantzius, Kannenberg und Kiem durch die Hände der Beamten gingen. Hatte Pöplau sich daraus die „interessanten" Materialien abgeschrieben? Hatte er die Gelegenheit dazu und überhaupt die Möglichkeit gehabt? War er der intrigante Nachrichtensammler. als den die Anklagcbehörde ihn ansah? All diese Fragen wurden mit den neun Zeugen aufs gründlichste durchgesprochen. Das gab manchen lehrreichen Einblick in die Welt des Aktcnstaubes. Ueber den Geschäftsgang, der in den Bureaus der Kolonialabtei- lung üblich ist oder war, erhielt man Aufschlüsse, die bei einem ahnungslosen Laien Staunen hervorrufen mutzten. Da war im Aktenausgabebuch genau vermerkt worden, welche Person dieses oder jenes Aktenstück eingefordert hatte und nun bis auf weiteres in Händen haben mutzte. Aber so manches Aktenstück wanderte— das wurde von den einzelnen Zeugen immer wieder auf die Frage des Verteidigers bekundet— inzwischen noch durch verschiedene an- dere Hände, ohne datz das Ausgabcbuch etwas davon zu melden wuhte. Da wurden Wochen hindurch nach Akten gesucht, nach Akten, die kein Mensch finden konnte. Einzelne Stücke wurden hierhin und dorthin verstreut, so datz eine Kontrolle über die vorschriftsmätzige Geheimhaltung unmöglich war. Besonders der Direktor Stühe! war„grotz" darin, die von ihm benutzten Stücke lange festzuhalten. Der Angeklagte be- merkte:„Weil er seine Sachen so sehr lieb hatte." Lehr- reich war auch die Schilderung der Mißstimmung unter den Beamten, die Neuordnung der Bcamtenstellungcn hervorgerufen worden war. Manchem von ihnen soll da ein angeblich geheim zu haltendes Schriftstück, das ihn für diesen Kamps interessieren mutzte, auf so rätselhafte Art auf seinen Schreibtisch ge- flogen sein, wie wenn er— ein„Vorwärts"-Redakteur wäre. Auch Pöplau versichert ja, datz er so zu seinem Material gekommen sei. Wer ihn zum„Nachrichtensammlcr" gestempelt hat, das konnte keiner der Zeugen angeben. Man„sprach so!" Hofrat Tesch, der unmittelbare Vorgesetzte Pöplaus, der dem Herrn Hof- rat unter anderem eine disziplinarische Bestrafung zu danken hat, erzählte, der Angeklagte habe in dem Ruf gestanden, „eine ganze Registratur voll Material" hinter sich zu haben. Den meisten dieser Zeugen wurde die Frage vorgelegt, ob etwa sie selber direkt oder indirekt Herrn Pöplau Material in die Hände gespielt haben, aber sie wurde von allen verneint. Auch vom Sekretär Schneider ist sie verneint worden. Auf Wunsch Pöplaus stellte Rechtsanwalt Bertram den Antrag, jenen unbekannten Geheimpolizisten zu vernehmen, von dem das Gerede herrühren soll, datz Schneider dem Pöplau Material geliefert habe. Der Vor- sitzende teilte aus den Akten mit, Pöplau sei in der Tat polizeilich überwacht worden. Er gab anheim, schriftlichen Bewcisantrag einzureichen. Das soll geschehen in der nächsten Sitzung, die auf Donnerstag 9 Uhr anberaumt ist und vielleicht den Schlutz der Be- Weisaufnahme bringen wird. Vermutlich wird dieser Geheim- Polizist nur die Zahl der„interessanten" Zeugen vermehren, jener Zeugen, die nicht kommen dürfen. Er wird da, wie man zu sagen Pflegt, sich„in guter Gesellschaft" befinden._ Von der fleiicherel-kernkgenossenkchsft. Der Bericht dieser über ganz Deutschland sich erstreckenden Bernfsgeiiossenschaft ist als„erster" erschienen. Die große Mehrzahl unserer Berufsgenossenschaften braucht für Fertigstellung ihrer viel dürftigeren Berichte schon noch mehrere Monate. Der Bericht erklärt, datz die Neuwahl von 70 Vertrauensmännern vorgenommen werden mutzte.„Die Ersatzwahlen sind wie seither auf Grund der Vorschläge der Innungen, Behörden usw. vorgenommen worden". Die Unteniehmerorganisation hatte also gute„Brüderschaft" mit ihrer„Schwestcroiganisation"— Berufs- genosienschaft. Und trotzdem ein Wahlprotest!„Zufolge der Vor- öffentlichung der Wahlen sind von einigen Handwerkerkammern Vorstellungen ergangen, warum Fleischer, die nicht zur Führung des M ei st ertitels berechtigt sind, zu Ver- trauenSmänneru bestellt worden feien. Es mutzte denselben erwidert werden, datz von den Innungen selb st, welche die Vor- schlüge gemacht hatten, die betreffenden Genossen- schaftsmitglieder als Fleischermeister bezeichnet worden seien, und deshalb kein Anlaß borgelegen habe, in eine weitere Prüfung einzutreten"! Ei. ei! Das ist ja eine schöne Blamage für die brave Innung. Womöglich haben diese sogar„Obermeister", welche gar kein Recht haben, den„stolzen Meistertitel zu führen". Versichert waren: im Jahre 190ö.. 63 173 Betriebe mit 101 432 Versicherten -, 1906.. 56 319„ 103145 somit mehr.. 3 144 Betriebe mit 1 713 Versicherten. Die Zahl der Vollarbeiter ist höher: 125 493(123 408). Der Bericht konstatiert die wesentliche Zunahme der versicherten Betriebe und beanstandet, datz die Zahl der versicherten Personen„nicht in einem enisprechenden Verhältnis" steht.«Es kann angenommen werden, datz dies seinen Grund in der ungünstigen Ge- schäftslage deS Fleischergewerbes hat, doch wird in der Folge ein besonderes Augenmerk darauf zu richten sein, ob die Betriebsunternehmer hin- lichtlich der Nachweisung der versicherten Per sonen in vollem Matze nachkomme n." Da liegt der Hase im Pfeffer! Es fällt auf, datz auf einen versicherten Betrieb nicht einmal 2 Arbeiter entfallen. In früheren Berichten hatte man die enormen Mogeleien der Herren Fleischermeister viel deutlicher gekennzeichnet. Diesmal ist man viel„vorsichtiger" ge- ivorden, um dem„Ruf der Genossen" nicht zu schaden. Der Bericht konstatiert nur, daß.5163 preußische Ort- ch a f t e n aus daS Vorhandensein von versicherungspflichtigen, aber noch nicht angemeldeten Betrieben kontrolliert worden sind." Diese umfangreiche„Razzia" hatte Erfolg; denn eS kellte sich heraus, datz auch heute noch m„1696 Orten 2624 unangemeldete Betriebe erniittelt werden konnten."! Ein kluger Gedanke war es auch, sich der Unterstützung in dieser Frage durch die Schlachthofverwaltungen zu bedienen. Dadurch wurde mancher„Drückeberger" ermittelt. Viele Meister weigern sich auch aus Unkenntnis, die von ihnen beschäftigten Ver- wandten lvie Söhne, Tochter, Brüder oder Schwestern zur Berufs- genosienschaft anzumelden. „Wohlwollend" wurde„ein Schreiben eines Gewerkschaftskartells" beantwortet,„datz dieGenoffenschaft denBestrebungen zur Förderung der Arbeiterwohlfahrt stets Jnter- effe entgegenbringe." Donnerwetterl Aber organisieren dürfen sich die Versicherten nicht. Zu der„Kaiser Wilhelm und Kaiserin Auguste Biktoria-Stiftung deutscher Berufsgenosienschaften" hat die Fleischerei-Berufsgenosienschaft natürlich auch ein Scherflein in Höhe von 3000 M. beigesteuert. Das Reichsversicherungsamt genehmigt ja solche Stiftungen, die man auch in„Einklang" mit den Naren Bestimmungen des Gewerbe- Unfallversicherungsgesetzes bringen kann, wenn man eben dies— Willi Dann„geht alles". Krankenkassen sollten aber dies einmal wagen. Nicht einmal ihre Kongresse dürfen sie auf Kassenkosten beschicken I Von der geplanten Verschmelzung der drei Versicherungsgesetze will die Fleischerei-Berufsgenossenschaft absolut nichts wissen. Es wurde beschlossen:„mit allen Mitteln dafür einzutreten, datz die Unfallversicherung mit keinem anderen Versicherungszweige vereinigt werde und die B e» rufsgenossenschaften in ihrer derzeitigen Or» ganisation erhalten bleiben!" Datz„die Selbstverwaltung der gewerblichen Berufs- genöfsenschaften, die sich durchaus bewährt hat, nicht beeinträchtigt werde."! Das ist ja die Hauptsache: datz ja kein Geselle in die Geschäfte der Meister hineinzureden hat, denn er ist ja„nur ein Versicherter". In ihren„Reformvorschlägen" geht die Berufsgenossenschaft sogar so weit zu fordern,„datz die sogen. Vorbescheide in Wegfäll kommen, oder ein Verfahren vor- geschrieben werde, das nicht einer förmlichen Auf- forder ung zu Einwendungen und Berufungen gleichkomme, wie es derzeit der Fall ist"! Aha! Die verflixte Rechtsbelehruug auf den Rentenbescheiden liegt den Herren sogar im Magen l„Praktischer" wäre eS jedenfalls, die „gesetzeskundigen" Verletzten einfach auf die betreffenden Paragraphen des Gesetzes hinzuweisen, statt ihnen auch mal ausdrücklich die Berufungsfrist und— sogar den Namen und Adresse des Schieds- gerichts anzugeben, wodurch ja„förmlich" aufgefordert wird, die Berufung einzulegen! Trotzdem stehen die Herren Meister der Arbeiierwohlfahrt" sehr„sympathisch" gegenüber! Kosten darf eS natürlich nichts. Zum Titel:„Unfallverhütung" wird bemerkt, datz endlich ein dritter Aufsichtsbeamter eingestellt wurde. Man denke, datz drei Beamte ganz Deutschland bereisen sollen und 56319 Betriebe .kontrollieren" sollen! Und dabei hat die Berufsgcnossen- schaft noch den Mut zu behaupten, datz jetzt dem allgemeinen Bedürfnisse abgeholfen sei, weil die„Revisionstätigkeit vermehrt" wurde, zumal„die Zahl der Betriebe mit elementarer Kraft von Jahr zu Jahr sich nrehrt und Hand in Hand damit auch die Aufstellung gefährlicher Maschinen, wie F l e i f ch z e r k l e i n e r ll n g s m a s ch i n e n uslv. zunimmt." Trotz« dem genügen jetzt drei Beamte vollauf. Aus dem Bericht der Aufsichtsbeamten ersehen wir, datz dieselben im Geschäftsjahre ganze 2022 Betriebe gleich 3,6 Prozent der versicherten Betriebe„besichtigt" hätten!! Mehr als 54 000 Betriebe haben alfo im Berichtsjahre gar keinen RcvisionSbeamten esehen? Und der Erfolg dieser wenigen Besichtigungen? lakonisch meldet der Beamte:„115 Betriebe wurden ordnungsmäßig befunden"! DaS liest sich besser als wenn er gemeldet hätte: von den 2022 besichtigten Betrieben hatten 1907 Mängel aufzuweisen! Es werden wohl die„vorgefundenen Mängel" der Betriebe aufgezählt, doch die Gesamtziffer verschwiegen. Zählt man diese Lcporelloliste zusammen, so stellt sich heraus, datz die Beamten in den 2022 besichtigten Betrieben 7742 Mängel, also Vcrstötze gegen die erlassenen UnfallverhütungSvorschriften, die gewiß sehr zahm gehalten sind, festgestellt haben!! Auf den einzelnen Betrieb kommen also durchschnittlich fast vier Beanstandungen! Wie mag es da erst in den 54 000 anderen Fleischereibetriebcn aussehen I Die aufgeführten einzelnen Mängel sind in der größten Zahl: „Fehlen der Unfallverhiitlingsvorschriften in 1167 Fällen",„Fehlen der Handleisten an Treppen: 794 Fälle", „Ungeschützte Z a h n g e t r ie be": 559 Fülle,„Fehlen deS Ei n l auf s ch u tz e s bei Wölfen: 724 Fälle!"„Ungeschützte Schwungräder usiv. 283 Fälle."„Fehlen der A u s r ü ck v o r r i ch- tuug an A r b e i t s m a s ch i n e n: 566Fälle", Fehlen deS Ver- bandmaterials: 389 Fälle"!! usw. Der Beamte bedauert: „datz trotz der eingehenden Belehrung bei den Besichtigungen und Strafandrohung die Mitteilungen über die erfolgte Beseitigung der Mängel nicht in wünschenswerter Weise eingehen, sondern datz u n- gefähr die Hälfte der revidierten Unternehmer daran erinnert werden mutzten." Und dabei ist das Papier so geduldig! Wie viele mögen die Mängel gar nicht beseitigt haben I Weiter wird kritisiert:„Noch nicht genügend wird die Vorschrift beachtet, datz jugendlichen Personen die Wartung von gefährlichen Arbeits« Maschinen nicht übertragen werde» darf." Ja, die„Vorschrift!" Auch eine„anonyme Anzeige" sei über„mangelhafte Ein- richtung von Schlafräumen" eingegangen. Dieselbe ., Ivurde dem Vertrauensmann, der gleichzeitig Beauftragter der Handtverkskammer war, über- wiesen; derselbe teilte mit.„datz die Beschwerde un- begründet sei." Punktum l So werden die Beschwerden„glatt erledigt" l Gemeldet wurden im Berichtsjahre: 4020 Unfälle, wovon 1117 entschädigungspflichtig wurden, darunter 20 die tödlich ver- laufen sind. Die entschädigten Fälle wurden im Bericht näher statistisch beleuchtet. Nach dem Alter verteilt, stellt sich heraus, daß unter 16 Jahre 108 Verletzte, unter 13 Jahre 220, unter 25 Jahre 639, unter 30 Jahre 825 Verletzte waren. Im Alter über 65 Jahre treffen wir nur noch 10 Verletzte an. Im Durchschnitt er« hielt jeder entschädigte Verletzte 24 Proz. Rente. Es ereigneten sich: Sonntags: 41 Unfälle Donnerstags: 182 Unfälle Montags: 177„ Freitags: 192, Dienstags: 186„ Sonnabends: 164, Mittwochs: 173„ Vormittags 516, nachmittags 601 Unfälle. Berechnet man die großen Lohnsummen der Flcischergesellen per Kopf der Versicherten, was der Bericht wohlweislich unterläßt, so stellt sich heraus, datz der Durchschnittslohn eines Fleischer- gesellen pro Jahr 785 Mark beträgt. Preutzische Eiiikomniensteuer hat also die große Mehrzahl der Arbeiter dieser Branche noch nicht zu zahlen. Der„hohe" Lohnsatz erklärt auch, weshalb die Organi- lation der Fleischergesellen so große Schwierigkeiten zu überwinden hat. Der Vorsitzende der BcrufSge nossenschaft erhält 3500 M.„Entschädigung". Von den eingelegten Berufungen wurden 406 zugunsten der Berufsge nossen schaft und nur 127 zugunsten der Verletzten entschieden. Auch das Reichs- VersicherungSamt brachte es fertig, 86 Rekurse zugunsten der Berufs- genosienschaft und nur 21 zugunsten der Verletzten zu„erledigen". Das ist das fabelhafte„Glück" unserer Berufsgenossenschaften I Ja die Fleischerei-Berufsgenossenschast hat—„Schwein" l Eue der Partei. Unsere Toten. In der Nacht zum Mittivoch starb zu Rostock der Genosse Redakteur G r o t h von der„Mecklenburgischen Volkszeitung".— Genosse Groth redigierte zu Beginn der 9ver Jahre die«Bielefelder Volkswacht" und trat dann in den Dienst des Parteiorgans seiner Heimat Mecklenburg über. Seit Jahren hatte ein schweres Leiden den Arbcitsfreudigen niedergeworfen— der Tod hat ihn vom Siechbette erlöst. Die Partei wird dem eifrigen Ge- nossen und liebenswürdigen Menschen ein ehrendes Andenken be- wahren. In K a r l s r u h e ist Genosse Ernst E b e r l e, 65 Jahre alt, gestorben. Er war einer der ältesten Parteimitglieder der badischen Residenz und hat stets getreulich seine Pflicht getan. Seit mehreren Jahren war er Mitglied des BürgerauSschusieS. Eine freie Jugendorganisation ist in Dortmund gegründet worden. Sechzehn junge Leute ließen sich in der konstituierenden Versammlung aufnehmen. Sozialdemokratische Wahlerfolge. In der Stadt Biel find am Sonntag zwei Parteigenossen in den Gemeinderat(Magistrat) ge» wählt worden. Vom Fortschritt der Presse. Der„VoMfreimd" zu Karlsruhe wird, so hat am Sonutag eine Konferenz der sozialdemokratischen Bertrauensleute Badens beschlossen, vom 1. Oktober ab achtseitig erscheinen. Zu diesem Zwecke wird eine löseitige RotationSmnschine aufgesteklt._ Die Sozialisten Roms im antiklerikalen Block. Noiu, den 23. Mai.(Eig. Ber.) Die hiesige Parteisektion hat gestern mit großer Mehrheit be- schlössen, bei den nächsten städtischen Wahlen dem Block der Ra- dikalen und Liberalen beizutreten. Durch diesen Beschluß macht die römische Parleisektion einen Strich unter ihre revolutionäre Vcr- gangrnheit und landet ganz in reformistisch-integralistisches Fahrwasser. Dieselben Genossen, die vor den letzten Wahlen nicht Worte genug fanden, um das Bündnis mit den Liberalen zu verwerfen. haben es diesmal vertreten und durchgesetzt. Damals traten die Reformisten allein für daS Bündnis ein und wurden, als sie trotz des Votums der Sektion für die Allianz agitierten, aus der Partei ausgestoßen. Heute ist auch in dieser Frage ein Unterschied zwischen Reformisten und Integralisten nicht mehr zu bemerken: Die Integralisten sind lediglich Refonnisten neueren Datums, und, wie das leicht bei Neubekehrten der Fall ist. zeichnen sie sich durch besondere» Eifer aus. Eine praktische Bedeutung ist dem Beschluß kaum beizumessen, da der sozialistischen Kräfte in Rom genug sind und kaum in die Wagschale fallen. Was für die Partei bei solchen Bündnissen heranSzukommen pflegt, haben wir ja unlängst in Genna gesehen. Sozialismus in Transvaal. Nach einer Zuschrift, welche die „Justice", das Organ der englischen Sozialdemokratischen Federa- tion, aus Johannesburg erhalt, macht die Idee des Sozialismus in dWer Kolonie erfreuliche Fortschritte. In Johannesburg be- inch-i neben einer englischen Sektion auch eine deutsche, eine ita- licnische und eine russische sozialdemokratische Vereinigung. Diese Sektionen treten auch zu gemeinsamen Konferenzen zusammen und werden auch eine Delegation zum Stuttgarter Kongreß ent- senden. Die Maifeier wurde im„Vorwärts", dem Klublokal der Deutschen, begangen. Demnächst werden die englischen Genossen Ben Tillett und Wilson erwartet, die eine Aaitationstour durch Transvaal unternehmen sollen. poUreilicbes, Gmcbtiichea uTVc. Jnristenwcisheit. In einem PrivatbeleidigungSprozeß des»christ- lichen" Gewerkschaslsbeamten Tremmel-Mannhcim gegen den Ge- nassen M a i e r von der„ M a n n h e i m e r V o l k s st l m m e" ver- urteilte am Freitag das Schöffengericht Mannheim den Genossen Maier zu acht Tagen Haft. Die.Volksstimme" hatte den Mann, der bei den Reichstagswahlcn unglanblicherweise als Zentrumskandidat für Mannheim aufgestellt war, einen Streikbrecheragenten genannt, Iveil er sich bei mehreren von den freien Gewerk- schaften proklamierten Streiks bemüht hatte. Christliche zum Streik- bruch heranznschaffen. Obgleich Herr Tremmel das nicht bestreiten konnte, kam das Gericht zur Verurteilung und zwar� mit der salomonischen Vegründung, ein Streikbrecher sei nur der, der bei Inszenierung eines Streiks das Versprechen gibt, oiitzustreikrn, nach- her aber doch weiter arbeitet. Die von Tremniel von auswärts ge- holten Arbeitswilligen seien also keine Streikbrecher, und Tremmel infolgedessen auch kein Streikbrccheragent. So sagt ein juristisch gebildeter Amtsrichter unter Assistenz von zwei Schöffen! Die klassenbewußte Arbeiterschaft wird indes fortfahren, auch die von auswärts herbeigeeilten Arbeitswilligen Slrcik- brecher zu nennen und sie darf sich dabei getröste», daß sie mit der Logik und der deutschen Sprache dabei auf besserem Fuß bleibt, als die Mannheimer Juristenweishcit. Plakatsäule ab! Zu dieser Achtungsbezeugiing, die die„Münchener Post" jüngst anempfahl vor einem Münchener Urteil, das eine Be- strafung mit der Behauptung begründete, der Angeklagte habe „seinen Hut zur Plakatsäule gemacht", sehen wir uns anjetzt gezwungen vor einigen SchösfengcrichtSnrteilen. die dieser Tage in Bockum ergangen sind. ES wurde» nämlich mehrere Genossen aus Laer und Ältenbochnm mit je einer Mark Geld- st r a s e belegt, weil sie am Stichwahllage an ihrem Hute einen kleinen Zettel getragen haben mit der Aufschrift: Wählt Huel! Man bewundere die Polizei, die dieses Verbrechen gegen einen verschimmelten Paragraphen des verschimmelten prenßiicken Preßgesetzes entdeckte und anzeigte, und das Gericht, das es zu sühnen wußte. Plakatsäule ab I vor dieser auch das Kleinste nicht übersehenden Pflichttreue! Aus der Staatöpensio» entlassen wurde gestern Genosse Adler von der»S ch l es w i g-H o l st ei ni sche n V o l k s ze i tu n g". nachdem er drei Monate Freiheitsentziehung wegen seiner Tälig- keit im Klassenkampfe erlitten hat. Soziales. Zurückweisung von Gewerkschaftsbeauiteu seitens deS Gewerbe- gcrichts. Wiederholt haben wir uns gegen den immer stärker werdendeil Mißbrauch wenden müssen, den einige Gewerbegerichte mit der Bestimmung des§ 31 des Gcwerbegerichts- gesctzes treiben, der bestimmt: Personen, welche daS Verhandeln� vor Gericht geschäftsmäßig betreiben, werden als Prozeßbevollmächtigte oder Beistände an dem Gewerbcgericht nicht zugelassen. Wiederholt ist Arbeitersekretären und Getverkschaftsbeamten gegenüber von dieser Befugnis unter der Annahme Gebrauch gemacht, sie trieben daS Verhandeln vor Gericht, wenn auch ohne Entschädigrmg. so doch häufig, also geschäftsmäßig. Eine solche Auslegung des§ 81 widerspricht dem Zweck desselben durchmts. Den' Gipfelpunkt in der Handhabung des§ 31 gegen GewerkschaftSbeamte dürste aber soeben das Gewerbe- gericht von Reichenbach in Schlesien erreicht haben. Dort hatten sich eine Anzahl Textilarbeiter wegen angeblichen Kontraktbruches während deS letzten Streiks zu verantworten. Der Kontrattbruch datiert bereits vom 27. April— ein Beweis, wie prompt das Gericht arbeitet.(Einige andere Arbeiter sind wegen desselben„Verbrechens" erst zum 29. Mai geladen!) Ms ihre Vertreter hatten die bettagten Arbeiter ihren Gau- l e i t e r aus Licgnitz und den Vorsitzenden ihrer Zahlstelle gewählt. Das Gericht aber ließ sie nicht zu, weil— sie„geschäftliche Gewandtheit" besäßen, „die vielleicht dem klagenden Gegner(einem Textilmillionär) nicht eigen" sei. DaS falle unter den§ 31 des Gewerbe- gerichtsgesetzes, der solche Vertreter ausschalte, die die Ver- tretung„geschäftsmäßig" betrieben II Aber damit noch nicht genug: Anstatt nun die Verhandlung zu vertagen bis die Beklagten anwesend lvaren, erklärte das Gericht die Beklagten als nicht anwesend und als nicht vertrete« und erließ gegen jeden beklagten Arbeiter e i n Bersäumiiisurteil, wonach sie pro Kopf 5,40 M. an den Millionär zu zahlen habenlü Die Aufhebung des angezogenen Teils des§ 31 dürste gegenüber der in der Art seiner Handhabung liegenden Rechts- Verkümmerung dringend am Platze sein. Prämie» für Kassenbetrüger! Wer st a t t Lohn immer nur Vorschuß zahlt, derbraucht keine Krankenkassen bei träge abzuführen! Nach diesem Grundsatz entschied am 23. d. M. die Düsseldorfer Strafkammer, vor der sich ein Bauunternehmer zu verantworten hatte, unter der Be- schuldigung. schon seit September vorigen Jahres seinen Arbeitern die fälligen Krankenkassenbeiträge vom Lohne abgehalten, aber nicht an die zuständige Ortskrankenkasse abgeführt zu haben. Der Angeklagte führte anS, daß er seit der genannten Zeit mit seinen Arbeitern nicht fest abgerechnet, sondern ihnen nur Vorschüsse gegeben habe und daß deshalb eine Verpflichtung zur Abführung von Krankenkassenbeittägen für ihn nicht vorliege. Der Staats- anwalt verwies auf die weitgehenden Folgen einer solchen Auffassung; zum mindesten hätte der Beschuldigte Beiträge im Verhältnis zu den gegebenen Vorschüssen zahlen müssen. Das Gericht schloß sich aber den Ausführungen des Angeklagten an und erkannte auf Freisprechung. Das Gericht scheint hier, wie das ja leider so oft vor- kommt, nach dem starren Buchstaben und nicht nach dem Geiste des Gesetzes geurtcilt zu haben.§ 32 des Kranken- Versicherungsgesetzes besagt: „Arbeitgeber, welche den von ihnen beschäftigten Personen auf Grund des§ 53 Lohnbeträge in Abzug bringen, diese Beträge aber in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, oder die berechtigte Gemeinde- krankeiwcrsicherung oder Krankenkasse zu schädigen, den letzteren vorenthalten, werden mit Gefängnis bestraft, neben welchem auf Geldstrafe bis zu dreitausend Mark sowie auf Verlust der bürger- lichen Ehrenrechte erkannt werden kann. Sind mildernde Umstände vorbanden, so kann ausschließlich auf Geldstrafe erkannt werden." Die gleiche Strafe fetzt ja auch Z 266 des Strafgesetzbuches wegen Untreue fest. Besehen wir uns nun, um über den vorliegenden Fall klar zu werden, den im 8 82a des KrankenversichcrnngsgesetzcS angezogenen§ 53. Dieser besagt: „ Die Abzüge für Beiträge sind auf die LohnzahlungS- Perioden, auf welche sie entfallen, gleichmäßig zu verteilen..... Sind Abzüge für eine Lohnzahlungsperiode unterblieben, so dürfen sie nur noch bei der Lohnzahlung für die nächstfolgende Periode nachgeholt werden...." Klipp und klar geht hieraus hervor, daß die Kranken- kassenbeiträge vom Lohne und nur vom Lohne abzuziehen sind. Das st e h t im Gesetz. Und nach dem, was im Gesetze steht, mußte der Angeklagte bestraft werden. Freigesprochen tonnte er nur werden, wenn sich etwas fand, was nicht im Gesetze stand. Unser Mann kam auf den sublimen Einfall, daß er seinen Leuten ja überhaupt gar keinen Lohn gezahlt habe, sondern immer nur Vorschüsse!!! Und sintemalen er nur bestraft werden konnte, wenn er Lohn gezahlt, trat er„mit kaltem Blute und warm an- gezogen".>vie man zu sagen pflegt, vor seine Richter und »lachte es ihnen plausibel, daß er, wenn er nur Vorschuß gebe, keinen Lohn zahle, auch nicht verpflichtet war, Bei- träge an die Kasse abzuführen, sich mithin gar keines Ver- gehens oder gar keiner Unterlassung schuldig gemacht habe und demnach auch nicht bestraft werden könne. Und das muß er dem Gericht wohl auch buch- und ziffernmäßig nachgewiesen haben, daß er immer„nur Vorschüsse" gezahlt habe, aus dem uns vorliegenden kurzen Bericht ist das leider nicht zu ersehen. Denn das Gericht hat es ihm ge- glaubt, wie es auch mit ihm der Ansicht gewesen sein muß. daß Vorschuß kein Lohn sei. Dem Staats- anwalt nutzte sein Protest gegen diese Auffassung— die auch wir nicht zu teilen vermögen und die auch schwerlich ein Richter teilen würde, wenn ein Arbeiter unter der hinrassigen Behauptimg, er habe zwar Vorschüsse in Höhe des Lohnes, aber keinen Lohn erhalten, Lohn einklagen würde.— Zahnärztliche Anmaßung. Zu denen, die nicht an Bescheidenheit zugrunde gehen, gehört ein Teil der Herren Zahnärzte. Von den Medizinern werden sie nicht für voll angesehen, dafür schauen sie in souveräner Verachtung ans alle diejenigen herab, die in irgend einer Weise zum Fach ge- hören, aber kein Zahnarztpatent aufweise» können. Man soll sich nur nicht täuschen: in dem Maße wie bei einzelnen Leuten die Ueberhebung wächst, nimmt der Respekt vor dem Nachwuchs des angefangenen ZnnfidrillS beim Publikum ab. Geiviß gibt cö Kur- pfuscher, aber nicht mir unter den Laien, sondern auch unter den patentierten Acrzten. Aber durch Erweiterung der Privilegien an diese, die dazu fast vollständig unveramwortlich find für nicht getvünschtc erfolgreiche Tätigkeit, wird die Knrpsuscherei nicht be- kämpft. Ganz besonders keinlich erscheint der Kampf nianchcr Zahn- ärzte gegen die Zahntechniker. Was ist in Wabrhcit das weitere Streben? Halten sie die Techniker für überflüssig? Dnrchails nicht! Nur die Konkurrenz ist ihnen ein Dorn im Auge. Was sie wollen ist: die Techniker sollen durch Gesetz zu Kulis der Zahnärzte degradiert werden. Die Arbeit sollen die Techniker nicht ver- licren, nur sollen sie nicht.selbständig, sondern lediglich als Gehülfen oder Heimarbeiter der Zahnärzte die technischen Arbeiten ausführen. Die Geschichte hat den materiellen Hintergrund, daß die Zahntechniker als Lohnarbeiter der Zahnärzte mit einigen Gnadcnbröckchen abgeipeist werden, während diese»ach Belieben da« Fett von der Stippe abschöpft,, können. Wer solchen unter falscher Flagge segelnden Bestrebungen nickt blind Gefolgickast leistet, wird natürlich angepöbelt. So leistet sich das„Zahnärztliche Zentralblatl" in semer Nr. 4 folgenden Erguß: „Die Zahntechniker haben bei einer Anzahl Fraktionen an- ftagcn lasten, wie sick dieselben zu einer eventuellen Aufhebung der Kuricrfreiheit stellen toilrden. Natürlich steht voll und ganz auf seite» der Kurierfreiheit, also auch der Kurpfuscher, die sozial- demokratische Partei, an ihrer Spitze der Diktator Bebel. Anck die linksliberalen Abgeordneten glauben die Zabntüiistler sicker für sich zu haben, trauen nur den in ihren Reihen befindlichen Aerzien nicht reckt. Auf das Zentrum hoffen sie dagegen stark, da da«- selbe„wegen der Heittätigkeit vieler Mitglieder des katholische» KleruS gegen Anfhcbnng der Ktirierfreiheit sein müsse'. Dagegen trauen die Herren der bösen Regierung, besonders wegen deS bösen GifterlasseS gar nicht. Für uns aber liegt in diesen Aiiölasiungen die ernste Er- Mahnung, die wichtige Waffe, die der persönliche Verkehr mit Abgeordneten und Behöiden denen gibt, die sich derselben zu bemächtigen wissen, nicht den Gegnern in der Hand zu laffen. zumal unS in linscrer doch gewiß höheren sozialen Stellung die Annäherung an die Parlamemsvertreter entschieden leichter als den doch meist a»f einer bedeutend niedrigeren Bildungsstufe stehenden Zahnkünstlern sein dürfte." Die Herren Zahnärzte scheinen Anmaßung mit Bildung zu ver- wechseln._ WaS ist die Ursache der Dienpbotennot auf de« Lande? An dm Holzplanken, die das Gut eines Großgrundbesitzers ank dem Wege vom Kempten nach Lenzfried(Schwaben) einfrieden, siebt seit einige» Tagen mit großen schwarzen Buchstaben zu lesen, daß die Dienstboten des GuteS deswegen davongelaufen sind, weil das ihnen vorgesetzte Essen»nicht zu fressen war". �Zerickts» Leitung. Kritik religiöser Anfichtcn strafdar? Wegen ReligionSvergehenS nach Z 166 ist an, 6. Januar vom Landgericht II in Berlin der Genosse Schrift- steller Albert Stürmer zu Gefängnis»erurteilt worden. Er hielt am 28. August 1906 in Ldlershof eine» Vortrag über den Austritt aus der Kirche. Er behandelie den Widerspruch zwischen den Ergebnisse» der Wissenschaft und den Lehren der Kirche und soll u. a. gesagt haben:„Gott ist der Herr der Welt und sein Sohn sitzt»eben ihm im Himmel: das ist Mumpitz". Das Gericht hat darin eine Beschimpfung der Lehre der christlichen Kirchen und zugleich der Kirchen selbst erblickt.— Die Revision des Angeklagten führte aus: Rechtsirrtümlicherweise hat das Gericht in der Aeiißerling einen Angriff auf die Kirche erblickt; die Worte richteten sich nur gegen die Ansicht derjenigen Personen, die an körperliche Wesen im Hiumrel glauben. Der Reichsanwalt trat der Revision insoweit bei. RechtSirrtürnlich sei die Ansicht deS Landgerichts, daß jeder Angriff gegen die Glaubens- sätze der Kirche als Angriff gegen die Kirche selbst zu gelten habe. Denkbar sei allerdings der Fall, daß durch die äußere Form der Beschimpfung der Lehre die Kirche selbst beschimpft werde. Etwas derartiges sei aber im vorliegenden Falle nicht festgestellt.— DaS Reichsgericht hob am Dienstag das Urteil auf und verwies die Sache au das Landgericht zurück._ Politische Vereine und LerclilSvergnügungen. Die Amishauptinannsckaft Leipzig hatte vor kurzem einem Arbeiterverein die Abhaliung eines Vergnügens versagt. Hiergegen wurde Beschwerde erhoben und die KreiShauptinannschaft erachtete dieselbe für begründet. In der Begründung heißt eS:„Die Ab- lehnnng ist erfolgt, weil nach Lage der Verhältnisse anzunehmen sei, daß das beabsichtigte Vergnügen infolge der Teilnabnie von .Angehörigen' und der erfahrungSgemäßen Ausdehnung deS Begriffs .Angehörige" auf einen unbestimmten Kreis von Personen einen öffentlichen Charakter annehmen«verde. ES erscheint jedoch nach dem Daffirhalten der KrdShanptmannschast weder angängig noch durch- führbar. allen politischen Vereinen, wie die AmlShaiiptmainischaft beabsicktiat. Vereinsvergnügungen schlechtweg zu untersage», sofern nicht im Einzelfalle besondere Tatsachen vorliegen, welche die An- nähme rechtfertigen, daß gerade dem nachsuchenden Verein nach dem pflichtinäßigen Ermessen der Amtshauptmannschast die Abhaltung eines Vergnügens zu verbieten ist. DaS angefochtene Verbot war daher nicht zu billigen."_ Der Leiter einrS AuSknnftS- und FundbureauS im Weinrestaurant ist Gewerbcgchülse. So entschied gestern die erste Kammer deS KaufmcmnSgerichtS. Der Angestellte Benno F. machte eine Klageforderung gegen das Weinhaus„Rheiugold" beim KaufmannSgericht anhängig. Kläger hatte die Kontrolle und Ausgabe der gefundenen Gegen- stände sowie daS für die Gäste ansliegende Trcsfbuch zu be- anfsichtigcn. Diese Tätigkeit wurde als eine gewerblrche an- gesehen._ Darf der mit festem Gehalt angestellte Reisende«ach Ncbcnvertrrtungen haben? Die Zigarettenfabrik Hoffmann hatte den Reisenden Alex B. zum Besuche der Stadtkundschast gegen ein Monatsgehalt von 125 Marl und Provision vom Verkauf engagiert. Eine besondere Verpflichtung, ausschließlich für die vertragschließende Firma tätig zu sein, war dem Reisenden nicht auferlegt worden. Durch Zufall erfuhr die Firma, daß B. auch stir eine Versicherungsgesellschaft Versicherungen vermittele. Sie erteilte ihm daraufhin die so- fortige Entlassung. Die beklagte Firma, gegen die der Reisende einen Anspruch auf Restgehalt in Höhe von 125 Mark stellte, führte in der Verhandlung aus. daß sie es nicht für notivendig erachtete, den Reisenden zur aus- schließlichen Tätigkeit für sie schriftlich zu verpflichten. ES müsse als selbstverständlich angesehen werden, daß wenn eine Firma einem Reisenden außer Spesen und hoher Provision noch festes Gehalt zahle, sie die Arbeitskrast dieses Herrn nur für ihr Geschäft ge- widmet sehen möchte. DaS KaufmannSgericht trat gestern den Ausführungen der Beklagten nicht bei. sondern sprach dem Kläger das Rcstgehalt zu. indem es die sofortige Entlassung als ungerechtfertigt erachtete. Gemäß Z 60 deS Handelsgesetzbuches dürft der Angestellte nur nicht in demselben Handels- zweige Nebentätigkeit ausüben. Zudem sei durch die Reben- täligkeit deS Klägers für die Versicherungsgesellschaft keine erhebliche Störung in der Tätigkeit des Klägers für die Beklagte eiu- getreten.'_ Geschlossene Gesellschaft und Totensonntag. Beim Gastwirt Gorgas, dessen Saal in Boxhagen-RummelSburg an der Straße liegt, hatten am Totensonntag nacktS gegen 12 Uhr Mitglieder des Verbandes der Fabrik-, Land- und HülfSarbeiter und eingeführte Gäste(also eine geschlossene Gesellschaft) ein Tänzchen gemacht. G o r g a s wurde deshalb in zweiter Instanz vom Land- gericht HI auf Grund der Regierungspolizeiverordining vom 4. Juni 1893 betreffend die äußere Heilighaltuug der Sonn- und Feiertage zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Landgericht betonte dabei, daß die Tanznmsik auch ans der Straße habe gehört werden können. (Es handelte sich um sogeilannte kleine Musik: Klavier, Cello, Geige und Flöte.) DaS Kammergericht verwarf die Revision deS Angeklagten mit der lakonischen Begründung: Die Tanzmusik in der Nacht de« Totensonntag sei öffentlich gehört worden; sie falle unter die angewandte Verordnung und die Berurteilung sei zu Recht er- folgt.— Ist die Auffassung deS Kammergerichts so zutreffend als sie unzutreffend ist. dann ist schwer erklärlich. weShalb da» Ver- anstalten der„öffentlich zu hörenden" Militärmusik beim Abholen der Fahnen, Wacheausziehen usw. noch nicht unter Anklage ge- stellt ist._ Ein jugendlicher Räuber vom Reichsgerichte freigesprochen. Vom Schwurgericht Halle a. S. sind am 4. März neben anderen Angeklagten wegen Massenraubcs verurteilt worden die Arbeiter Otto Bork und Paul Pfeifer zu je fünf Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust, der noch nicht 18 Jahre alte Arbeiter Hermann Bork dagegen zu 2 Jahren Gefängnis. Auf die Revision des Hermann Bort hob am Montag das Reichsgericht das Urteil auf und sprach den Angettagten frei. Die Sache wurde aber doch noch an die Vorinstanz zurückverwiesen, damit diese entscheide, ob der Angeklagte seiner Familie zu über» weisen oder in einer Erzichungs- oder Besserungsanstalt unter» zubringen sei. In der Hauptverhandlung war das BcrichtigungS. verfahren angewendet worden. Die Geschworenen hatten nämlich bei Hermann Bork die Frage, ob er die zur Erkenntnis der Strafbarkeit erforderliche Einsicht gehabt habe, verneint, aber überflüssigcrweise die weitere Frage nach mildernden Um- ständen bejaht. Das Gericht in Halle erblickte hierin einen Wider- spruch und ließ die Geschworenen inS Beratungszimmer zurückkehren. um den Spruch zu berichtigen. Nunmehr bejahten sie die Frage, ob der Angeklagte die zur Erkenntnis der Strafbarkeit seiner Handlung erforderliche Einsicht besessen habe und ließen die Antwort bezüglich der Frage nach mildernden Umständen un- verändert. Auf Grund dieses nunmehr nicht mehr Widerspruchs- vollen Spruches hatte dann das Gericht den Angeklagten verurteilt. Das Reichsgericht war aber mit der Revision der Ansicht. daß der erste Gcschworenenspruch einer Berichtigung gar nicht b*. durste, da ein Widerspruch nicht vorlag. Wenn die Frage na« mildernden Umständen ganz überflüssigcrwcise beantwortet worden ist, so war dies so anzusehen, als od die Frage überhaupt nicht beantwortet worden wäre. Die Revision der beiden anderen Angettagten wurde der» worfen. Ein MeineidSprozeß. Im großen SchwurgerichtSsaale des Landgerichts I wurde am Dienstag und Mittwoch ein Prozeß verhandelt, der fünf alö Ordnungsstützen wohlbekannte Einwohner au« Teltow auf der Anklagebank sah. Der Hauptangeklagte, wegen Ausliftung zum Meineide vor Gericht, war der Landwirt F. Henschel. Die Mitangeklagten, fccS Meineids beschuldigt und geständig, waren: Der Bäcker Hartman», die Landwirte Wolf und Mertens, und der Malermeister Schultze, sämtlich aus Teltow Alle Angeklagten sind vorbestraft, meist mit Geldstrafen wegen Körperverletzung. Alle gelten als wohlhabende, '"gar reiche Leute, besonders der Hauptangeklagte Henschel, der einige Hunderttausend Mark besitzen soll. Dieser verkehrte im Jahre 1904 mit einem 16jährigen Mädchen Elisabeth H. aus Teltow intim. Henschel behauptet, als die Folgen des Verkehrs offenbar wurden, habe er Geld geben, mich die H.' heiraten wollen, aber seine Freunde, die Mitangeklagten, hätten ihn ausgelacht und mehrere hätten behauptet, dafc sie den gleichen Verkehr mit dem Mädchen Pflogen. Darauf suchte er sich weiteren Konsequenzen zu entziehen. Es entspannen sich mehrere Prozesse, wegen Alimenten- zahlung, wegen versuchter Abtreibung, wegen einer Anzeige aus Meineid, die Hcnschel gegen das Mädchen erhob. In diesen Prozessen ist eine ganze Reihe von Meineiden geschworen worden, als deren Anstifter Henschel galt. Es taucht die Frage auf, ob Henschel als geistig normal anzusehen sei. Zwei Sachverständige, die Medizinalräte Dr. Leppmann und Dr. Hoffmann bekundeten übereinstimmend, dast von einer Geistesstörung bei dem Angeklagten nicht die Rede sein könne, daß dagegen die Bezeichnung„Dummer Kerl' in voll st em Maße auf ihn zutreffe. Zahlreiche Zeugen wurden vernommen, darunter auch Elisabeth H., die sich dagegen wehrte, daß sie mit mehrere» Männern geschlechtlich ver- kehrt haben tollte. Während sie vernommen wurde, schloß das Gericht die Oeffentlicht»it aus, ebenso bei der Vernehimmg des Angeklagten Wolf, der über seinen Verkehr mit der H. näher befragt wurde. Die Teltower. die zahlreich den Zuhörerraum füllten, schiene» darüber nicht erbaut, daß sie bei den ihrer Meinung nach inter- effantcsten Punkten den Saal verlassen mußten. Der Staatsanwalt v. Fuchs sprach in seinem Plaidoher von einem Drama in vier Akten, das in diesem Prozeß auf- gerollt wurde. Im I.Akt, dem Alimenten prozeß, begannen die falschen Aussagen, die beschworen wurden. Es folgte der Ab- tr e i b u n g S Prozeß Ende 1905, veranlaßt durch den Vater der H. auf eine Anzeige gegen Henschel, die diesem sechs Wochen Gefängnis und der angeklagten Hebamme 1 Jahr Gefängnis brachte. Jetzt kam die Anzeige HcnschelS gegen die H. ivegen Meineid, die der Staatßanivalt besonders verwerflich fand, wenn er auch im allgemeinen zu einer milden Beurteilung des ganzen Falles geneigt schien. Henschel erschien ihm alö haltloser und sehr beschränkter Mensch, dem eS in seiner eigentümlichen Lage an einem guten Ratgeber fehlte. Er trat auch dafür ein. daß die verschiedenen Straftaten der Angeklagten bei jedem als eine fort- gesetzte Handlung zu betrachten seien. Für Freisprechung trat er in dem Falle Wolf an, da die Beweise gegen ihn nicht auSreichteik: Wolf war wegen zwei Meineiden angeklagt, Hartmann wegen drei, Schultze ebenfalls wegen drei, Mertens hatte einen Meineid geschworen und war geständig wie auch die übrigen.— Den Hauptangeklagten Henschel verteidigte Dr. Löwen- stein. Er sprach ebenfalls von der„unglaublichen Beschränktheit' seines Klienten; er versuchte die Meineidsklage Henschcls gegen die H. zu erklären und zu rechtfertigen und betoute unter anderem, daß Henschel dem Vater der H. 2000 M. überweisen ließ und auch die 25 M. Alimente bezahlte, obgleich er rechtlich dazu nicht verpfltchtet war. Er plädiert trotz der Geständnisse des Henschel für Verneinung der Schuldfragen. Nach einstündiger Beratung verkündete der Obmann den Spruch des Gerichts. Der Angeklagte Henschel wurde in allen Punkten freigesprochen, ebenso Wolf. Hart man«.Schultze und Mertens wurden des Meineids schuldig befunden unter Zubilligung des Schutze« de» K 167. Der Staatsanwalt beantragte für Hartman» 1 Jahr 3 Monate Zuchthaus unter Anrechnung von 2 Monaten Untersuchungs- hast, für Schultz« 1 Jahr 3 Monate Zuchthaus unter Anrechnung von 1 Monat Untersuchungshaft, für Mertens 4 Monate Zucht- hau» oder 6 Monate Gefängnis unter Anrechnung von 2 Wochen Untersuchungshaft. Der Staatsaiuvatt erklärte, daß er nach dem Spruch der Geschworenen gezwungen sei. diese Strafen zu beantragen, da die Anstiftung durch Henschel jetzt fortfalle. Für Henschel und Wolf beantragte er Freisprechung. Der Urteilsspruch lautete: gegen Schultze auf 7 Monate Ge- fängnis unter Anrechnung von 1 Monat Untersuchungshaft, gegen Hartmann auf 9 Monate Gefängnis unter Anrechnung von 2 Monaten, gegen Mertens 6 Monate Gefängnis unter An- rechnung von 1 Monat, gegen Henschel und Wolf auf Freisprechung. verband der Friseurgchülfen Deutschlands. Zwelgvereln Rixdorf. Donnerstag, den 30. Mai, abends 10 Uhr, bei Schmidt, Berlinerstr. 14: Mitgllederoersammlung. Verband deutscher Barbiere, Friseure und Perückenmacher- Gehülfe«, Berlin- Heute, Donnerstag, den 30. Mai, abends 10 Uhr, jm Lokale Dircksenstraße 46: Versammlung. Berliner Marktpreise. SlnS dem amtlichen Bericht der stidllschen Marttiiallen-Direttton. sGroßbandel) Rindsleisch la 66-70 vr. 100 Pfd., IIa 60- 65, ma 56-69. Bullensleifch la 62-66, IIa 52-60, Kühe, fett 52—58, do. mager 42—50, Fresser 50—62, Bullen, dän. 0,00, do. Holl. 0,00, Kalbfleiich. Doppellcnder 100—125. Mastkälber la 88-94, lta 76-84, lila 0,00, Kälber gcr. gen. 50—65, do. Holl. 0,00, dän. 0,00. Haminclllellch Mastlämmer 68—72, la 63-68, IIa 56-63, Schafe 53—56. Schivciiieiieiich 45 52. Rehwild la per Psund 0,60—0,75. IIa 0,40-0,59. Rotwild, Abschuß 0,53—0,60. Damwild. Abschuß 0.58. Wild- ichweine 0,41. FAschlinge 0,40. Kaninchen per Stück 0.40—0,70. Hiibner. alle, per Stück 1,60—2.50, IIa 1,25— l, 50, do. junge 0,90—1,20. Wolga- Hühner 1,65—1,90. Tauben 0,40—0,70, italienische 0,00. Eulen per Stck. 2,00 bis 3,00, dito Eis- per Stück 0,00, do. Hamburger per Stück 2,25—4,50'SViiilr per Psund 0,90—1,00, do. per Stück 4,00, do. Hain- burger per Psund 0,95—1,05, per Stück 3,50—5,30. ChalonShühncr 0.00. hechte per 100 Psund 88—108, groß und mittel 32—86, do. matt 82, do. klein 0,00. Zander matt 0,00. Schleie, klein 111—112, do. groß 92—110, do. 111-134. Aale, groß 121—133, do.«ein und mittel 108—119, do. mittel 121—133, do. unsortiert 84—90. Plötze» 0,00, do. klein 0,00, do. matt 0,00, Karpfen unsortiert 0,00, do. 10 er 70. Bleie 56. Bunte Fische 51-75. Barte 0.00, do. matt 0,00. Karauschen 70— 83. Bleistsche 0,00. Wels 45—54. Aland 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lochs la neuer per 100 Psd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. lila neuer 75. Seelachs 10—20. Sprotten, Kieler, Wall 0/10, Danziger, Kiste 0,00. Flrindem, Kieler. Stiege la 3—5, do. mittel ver Kiste 1—2, Hamb. S liege 4-6. dalbe Kille 1,00-2,00. Bücklinge. Kieler per Wall 1,50-2,50, Slr alsunder 1,50—2,50. Aale, groß per Pst. 1,10—1,50, mittel groß 0,80—1,10. klein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5—9. Schellfische Kiste 2.00-3,50. Kiste 1-2,00. Kabliau. geräuch. per 100 Psd. 20. Dorsch, Kiste 2,00—2,50. Goldsisch«, Schock 2—9. Sardellen. 1902« per Anker 96, 1904« 95, 1905er 90, 1906« 85. Scholtüche Pollbennge 1905 0,00, large 40-44, füll, 38—40, med. 36—42, deutsche 37—44. Heringe, neue Matje», per To. 60—120.• Sardinen, lusf.. Faß 1,50—1,60, Bratheringe. Büchse(4 Liter) 1,25— 1,50. Neunaugen. Schockfaß 11, klein 5—6, Nicscii- 14. Ei«, Land-, unsort. Schock 2,90—3,20, gr. 3,75, Bull« per 1 00 Pst. In 110-115. IIa 105-110, lila 100-104. abj.illcilde 90-95. Same ÖNivfen Schock 4,50. Biestergiuken 4,50. Kartoffel» per 100 Pfund ir.agnura bonmu 3,50—4,00, Dabcrsche 3,25—3,75, Rosen 0,00, weiße 3,25—3.50, Salalki» lofsel» 0,00. Spinal l'cv 100 Psiiiid 3—5. Karolie», hiesige, per 100 Bund 3,00—4,50. Sellerie, hiesige, per Schock 10,00-25,00, do. pommersche 0,00, Zwiebeln große, per 100 Pfund 0,00, do. kleine 0,00. do. hiesige iPerl-) 0.00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün, Schockbund 0,80—1,00. Kohlrabi Schock l— 3. Rettlg, bahr, neue Stück 0,12—0,16. Mohrrübe» pr. 100 Pst. 4,00—8,00. Teltow« Rüben per 100 Pst. 0,00. Weiße Rüben, große 0,00, kleine 0,00. Rote Rüben 0,00, Blumenkohl, holländischer per Kops 0,20—0,40. Kohlrüben per Schock 2,00—5,00. Airfingtohl bolländ., per Schock 0,00. Rotkohl Holland., per Schock 0,00. Wcißtobl. dän. p« lOO Pst. 1,00-3,00. Rosenkohl per 100 Psd. 0,00. Sprutlohl per 100 Psund 0,00. Rhabarber 100 Bund 0,80—4,50, Bergedorfer per 100 Bund 0,00. Morcheln per Psund 0,40. Sandmorcheln per 100 Psd. 0,00. Waldmeister per Mandel 0,30—0,45. Radieschen per Schock 0,50—1,00. Salat per Schock 0,75—2.00, Spargel la 100 Pst. 25—42, do, II» 15—25, do. III» 6—15, do. unsort. 10—37, do. Beelitzer I» 35—45, do, Beelitzer IIa 20—34, do. Beelitz« Illa lO— 20. Stachelbeeren. grün, per Birnen, austral, in Kisten von 20 Kg. Kiste 18—20, ital. 100 Pfd.. biestge 8-20, Tirol«. Kiste 0,00, Calville. Australier in Kisten 10-22, Ftal in Kisten 5,00-20.00, etstra 15,00 bis 26,00. Zitroiic», Meisina, 300 Stück 9,00—10.50, 360 Stück 9,00—10,50, 200 Stück 6,00—12,00. Apfelsinen. Jaffa, per Kiste 0,00, Mureia 200« Kiste 0,00, do. 300er 7-10, valenew 420er Kiste 10,00-25.00. do. 714 cr 22-26,00, Mesfina, 100« 4-6,00, 150er 5-8,00. I6r er 8-13,00, 200« 7,50-12.50, 800« 0,00, Blut- 100er 5,50-9,00, do. 150 er 7,50, 80« 7-7,50, 200er 13-14._ Briefhaften der Redaktion. r ua ixi— oi, 100 Psd. 14-17. I. 0,00. Acpsel, per Dille, Stifte 0,00, DI« lnristitche Eprrchftuiid, flnv« Fricvrichstr. IN,?lufgang 4, «ine Treppe tHandclsftlittc Belleallianc«, Tnrchgaiig auch Liiidenstr. IUI), wocheueäalich vo»?>/, vis St'/, Ulir abends ftnt». Wföriiict 7 llhr. Lo»»ade»ds brgiiiiit die Tprechsruiide um v Mir, Jeder tlufrage ist et« Vuchstab« und eine ZabI als Nierkzeichen dei»»«»ge», Briefliche ülutwori wird»ich« erteil«.(Pillgt Frage»«rage man in»er Sprechstunde dar. M. G. 18. Leider wäre unter diese, i Umständen ein Antrag aus Be- willigung der Invalidenrente aussichtslos.— KrankenhaiiS. 1. Die Durchführung der Desinfektion wäre auch jetzt noch zulässig. 2. Beantragen Sie bei dem Bezirksvorsieher, die Desinseltion mieiitgelttlch vorzunchmen. Die Gewährung gilt nicht als Armenunterstützung. 3. Zahlen Sie in Raten.— Amerika. 1. Die Nachzahlung ist zulässig. 2. Nein.— K., Älwinemünder»4. Schlasleute und Chambregarnisien, die monailich zahlen, können bis am 15. zum l.(nicht umgekehrt bis am 1. zum 15.) kündigen.— K. K. Ja.—(f. W. 109, 1. Leider ja. 2. Wenden Sie sich an Hofsmann. Blumenstraße 14. 8. Sie können für die Sind er aus der Kirche austreten. 4. Wegen der Behandlung in der Schule wenden Sie sich beschwerdeführend an die Schuldeputation.— B. M. 39. Uns nicht bekannt. Der Geburtsschein ist erforderlich.— Bodenbnrg X. R. 1. Ihre Geburtsurkunde und der Ausweis Ihrer Heimatsbehörde ist erforderlich, daß nach dortigen Gesetzen der bcabsichligten Heirat nichts im Wege steht. 2. bis 4. Nein.— K. B. Z. Wenn Sie den früheren Zustand wieder herstelle», nein.— Spiegel 31. Nein.— S. 77. Die Betreffende müßte sich an die Krankenkasse wenden.— B. M. 97. Ein solches Krankenhaus gibt es nicht.— Zahlabendstreit. 1. Bis zum 1. Januar 1908. 2. Die Steuer für Frau und Kinder müßten Sie zahlen. 3. Die Bescheinigung können Sie von der Thüringer Behörde wieder er- halten. Es genügt auch, Reklamation einzulegen und mitzuteilen, daß und wo Sie ausgetreten sind. 4. Ja. 5. Die einfache Abschrift tostet etwa 50 Ps.— E. K. 14. 1. Eine Anklage wird schwerlich erfolgen. Sie wären sonst längst gerichtlich vernoinmcn. 2. Ja.— Z. Nein. — W. W. 88. t. und 2. Die von Ihnen beschriebene Koiilurrenzklausel hat Gültigkeit und kann durch Klage und einstweilige Verfügung sowie durch Zwangsvollstreckung und durch Schadenersatzklagen die Vcjoigung der Klausel erzwungen werden. 3. Das würde als Umgehung der Klausel aus- gefaßt werden. 4. In dies« allgemeinen Weise ist die Frage nicht zu be- antworten. Ihre Frau ist berechtigt, aus eigene Rechnung und Gefahr ein Geschäft zu eröffnen. Zweckmäßig wäre es, daß Sie durch einen notariell oder gerichtlich zu schlickenden Vertrag ausdrücklich auf Ihr Vermaitungs- recht verzichten und das Recht Ihrer Frau, ein selbstäudiges Geschäft zu cr- richten, anerkennen.— P. R. 1. uns nicht bekannt. 2. Ja. 3. Nein. 4. Die Erklärung kann jedem Pastor gegenüber abgegeben werden.>— Ostbahn S. Eine Genoflenschaft mit beschränkter Haftung ist etwas anderes als eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Die Genoffenschaft mit beschränkter Hastung besteht aus Grund deS ReichsgesetzcS betreffend die Er- werbs- und Wirtschastsgenossenschaften vom 4. Juli 1868. Das Rcichsgesctz betreffend G e s e 1 1 s ch a s t e n mit beschränkt« Hastung datiert vom 20. April 1892.— O. O.. Charlottenburg. Ja.— W. R. 85. Nein. — 91. 100. Den Stauf können Sie nicht einseitig rückgängig machen. Was milverkaust ist, hängt von der Abrede ab. Wenn Land mitoerkaust werden sollt-, so wäre ein gerichtlicher Vertrag notwendig gewesen.— P. B. 31. 1. und 2. Nein.— Gustav Urban 7. Klagen Sie aus vollen Schaden» ersatz beim Amtsgericht.— E. S. 87. 1. Die sechswöchentliche Kündigung zum Ersten des Quartals besteht leid« zu Recht. Zieht Ihre Braut früher fort, so kann die Zunickführung und Bestrafung erfolgen. 2. Die Klage ist möglich und könnte später vollstreckt werden.— B. 100. 1. Nein. 2. Der Zettel ist ungültig.— A. 45. Da Sic nicht mehr haben, als zum staiideSgeinäßen lliiteihait Ihrer Familie erforderlich ist, nein. — K. 159. Leider liegt Verjährung nicht vor. Wenden Sic sich aber an einen Anwalt, ob nicht Wiederaufnahme des Verfahrens Aussicht aus Erfolg hätte.— M. t>. 75. Klagen Sie gegen den Arbeitgeber auf Auszahlung des einbehaltenen Lohnes.— O. G. 109. Die Kündigung ist gültig.— O. K. 30. 1. Ja. 2. Das Ortsstatut muß darüber Bestimmungen treffen. 3. Der Lehrhc«.— S. 013. Ein Versuch sljr eine Reise würde nichts schaden.— O. O. 14. Wenn Sie sich rechtzeitig abmelden, baben Sie Steuer» nicht zu zahlen.— A. 10. Jedes der Kind« und auch das Enkel- kind würden ein Zwölftel de? Nachlasses erben. Das Erbteil für den Ver- schollencn ist zu hinterlegen. Dann würde Todeserklärung zu erwirken sein und das Hinterlegte an dessen Erben gehen.— 91. P. 13. Ein Dorf.— 45. B. 33. Ja.— Charlottenburg. 1. und 2. Ja. — G. K. 33. Die Einbehaltung der Sachen ist zulässig, sosern eS sich nicht etwa um unenlbehrliche und deshalb der Pfändung entzogene Sache» handelt.— 9l. R. Wenden Sie sich an die Auskunstsstelle der ethischen Kultur. Unter den Linden 16, Hinterhaus 3 Treppen.— M. W. 10. Wenden Sie sich an den Magistrat, Direktion für Gasanstalten.— E. B. 50. Leider sind Sie an den Vertrag gebunden und könnten nur durch gütliche Vereinbarung davon loskomme».— E. T,. 0. Wenden Sie sich direkt an den Magistrat.— K. St« 100. Ja.— 85 S. 1. Nein, nur sojern die Ausgabe eine mäßige Ist. 2. Das kann man halten, wie man will. 3. Schreiben Sie, wie es Ihnen ums Herz steht.— 100 R. Der Berkaus des Hause» ändert an den MieiSverhälliilfsen nichts. Nur im Falle einer Subhastation kann der neue Ersteher, nicht aber der Mieler vorzeitig kündigen.— 9lufterhalb? Rein. — H. Sch. 13. Die Herrschaft Ist verpflichtet, für die Dauer von sechs Wochen Arzt und Medizin zu bezahlen, sie ist aber berechtigt, den aus die KrankheilSzeit eillfnlleiideii Lohn cocitt. auszurechnen. Ihre Tochter kann die Nachsorderung stellen.— Oskar 105. 1. In der Regel ja. 2. bis 4. Ja.— Unglücklich 000. t Nein, Sie sind frei. 2. Zweck- mäßig ist es, vor der Heirat einen Vertrag zu schließen, durch den aus- drücklich das Eigentum der Braut anerkannt wird Und der Bräutigam aus das Verwaltuiigsrecht verzichtet. 3. Sechs Wochen. 4. Die Sätze des alten ErkennIniffcS gelten. 5. Das Mädchen hat nicht« herauszugeben.— F. BS. 78. Das Geld könnte verlangt werden, Zinsen höchstens für die Zeit von 4 Jahren. — W. R. SP. Die Silage hätte Aussicht aus Erfolg.— 91. R.. Lankwitz. Zahlen Sie dirett an den Wirt oder hinterlegen Sie die Miete.— N. 1105». l. Ja. 2. An das Amtsgericht, in dessen Bezirk der Meister wohnt. Vorher soll aber das Mädchen durch die Polizei einen Ve>- miltclungSversuch aus Wicdcrausnahme machen.— Steuer 100. 1. und 2. Ja.— I. P. 30. Das Gesetz bezeichnet nicht bestimmte Gegenstände, sondern die unenlbehrlichcn als unpsändbar. Was nnenlbehrlich ist, ist von Jall zu Fall, eventuell aus Beschwerde durch das Gericht, zu entscheiden, Die Sachen der Ehefrau hasten nicht für die Schuld deS MamieS. Werden sie gepfändet, io laim die Frau Widerjpruchsllage erheben. Auch geschenkte Sachen sind pfändbar. Für»eu Jnvaii er« Jinrrnir »beruimi»« die Redakitou dem Publikum gegenüber keinerlei Vera»»wor»iing. Cheater. Vonnerstag, den 30. Mai. Ansang TL Uhr. Rgl. Opernhans. Lohengrin.(Auf. 7 Uhr.) »gl. ZchauipiclhauS. Die Raben- steinerin. Skeues tgl. Operntheater. Die sieben Schwaben. Deueiches. Robert und Bertram. K a m m e r s p i e i e. GygeS und festi Ring.(Ans. 8 Uhr.) Aniang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Hopfen rathS Erben. llveften. Die lustige Witwe. S'(>(l t*, O. iWiiIlirri Jtirntri.) Moloch. Der zerbrochene Krug. Schiller-TbeaterCharloltenburg. Ein Fallissement. Schiller.V iFriedrl» Wtldeli»- städitzcheS Theater i Am grünen Weg. Berliner. SH«Iock Holme». Lrifing. Die Fledermaus. Zentral. DaS Mädchen auS dem Rachtcasg. Kleines. Marcell salzer.(Ansang «'/. Uhr.) Neues. Der Dieb. Lortziug. Die Fledermaus. Nesidrnz. Haben Sie nichts zu verzollen? L»tz'piril»>»S. Husarenfieber. Tbalia. Wo die Liebe hintällt. Liiiieu. DaS Rätsel seiner Ehe. Driauon. Frl Josette— meine verntzard Rose. Jm Rausche de» Leben». ivteironui. Der Teufel lacht dazu. Gebr. Herr» selb. ES lebe d»S Nachtleben. Borher: Die Welt gehi unter. Winiergarirn. L» Tortajada. Spezialitäten. Abotz». Der lustige Witwer. Spe- zialitäten. Kasino. Nick Carter. Spezialstäten. Walhalla. Der grüne Teufel. Spezialitäten. Pastagc. Spezialiläten. Retchshalleu. Stettiner Sänget. Ilrriiiiii. T»»beniiruhe IKiJl«. Abend» 8 Uhr: Jm Lande der Mitternachtssonne. «tmipam. Jnvalidenstr. 57/62. Ferdinan«! Honn« Berliner Theater. Anfang 8 Uhr. Sherloch ftolmea Freitag: Sherlock Holme». Sonn- abend: Der Hund von Bnskerville. Heues Theater. Anfang 8 Uhr. Der Dieb. Freitag: Der Dieb. Sonnabend: Die Condottieri. Sonntag: Die Condottieri. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Morgen und folgende Tage, abends 8 Uhr: Marcell- Salzer.9lbe»d. Sonniagnachinitlag 3 Uhr: Gin idealer Gatte. loOrtiing-TKester Bellealiiancestr 7/8. Donnerstag, den 30. Mai, 8 Uhr: J>ie Fledermaus. Adoniiements gültig I Freilag: fideiii). Schluß der diesj. Spielzeit 31. Mai. Bestealliance-Gartcn: Täglich: �Eltze-Vari 4t t- Vo rat el I un g. 2*91*11 iiier- Schiller-Thealer 0. tWallne»Tbeai«). DonnerSIag,abeiid»8Uhr: Sloloch. Eine unvollendete Tragödie(2 Akte) von Friedrich Hebbel.— Hierauf: ver zerkraeliene Krug. Ein Lustfp. in 1 Aufz. v. Heim. v. Kleist. Freitag,»bc»dS8Udr: Ein KalliHMcnient. sonn ade» o. abend» 8 Uber Heimat. Theater. Suhlller- Theater Charlottenburg. Donnerstag abend» 8Uhr: Ein Eakll-memeut. schausp. in 5 Ausz. von Björnstjerne Björnfon. Freitag, abend» 8 Uhr: Honiia Vnnna. Sonnabend, abend« 8 U b r: Zum 1. Mal: vke hiekiiuiigfeler. Urania, Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne Lustspielhaus. Sommerpreise. Abends 8 Uhr i Hnsarenfieber. Zentral-Theater. Gastspiel des Ernst Drucker-TheaterS. Vorletzte Vorstellung. DaS Mädchen aus dem Nacht-Cafö, tuissn-IMs Relchenbergerstr. 34. Donnerstag zum erstenmal: Das Mstl seiner Ehe und folgende Tage. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Kabale und Liebe. ZOOIOCISCHER C ART EN Täglich nachm. 4 Uhr: �(iroßcN( ; Militär-Doppel-Konzerf.| Eintritt 1 Mfc., von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10.lahron die Hälfte. I RlOtift-Thriiin. Direktion Richard Alexander. Heute tind folgende Tage 8 Uhr: «eben 8ie nichts zu verzollen? Schwank in 3 Akten v. M. Hennequin und P. Beber. m ■ Weinberg alhaila- Variefe-Thedfer Weinbergsiveg 19/20, Roienth. Tor Heute abend 8 Uhr: >M-Z. vorletzten Male:-MW Der piik Ttilfki. SensatioitS-Pantomime, Ab Sonnabend, den t. Juni Im«artou: Speziskltitea• Vorstellung. 0 CmtPROlETHMT DiMr. fHmiffurtctitr>32 Donnerstag, den 30. Mai: Ansang 4'/, Uhr. Im Garten: Der Fluch de» Golde». Spezialitäien.Porslclliing. Wochenpreise.— Abends 8 Uhr im Theater: Im Rausch de» Lebens. Sommerpieise. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Zebiiier-Ibeslei' N. Friedrich-Wilhelmstädtische* Theater. AbendS 8 Uhr: 9lm grünen Weg. sommerpreise. tf. NoacRs Ttieaier. Otiektioii: Roh. Olli. Oiuimetiftr. lv. Abend« 8 Uhr; Sbcrlod? Holmes Dazu: Die erftklaff. Spezialitäten. 10 Uhr: Die goldene Insel. Ans. 0 Uhr. Kaffeckliche v. 3 Uhr ab. Bei schlechtem Wetter: Vorat Im Saal. Neue Mett Hasenheide 108-114. — Jm Konzcrtgarten:— Täglich s Großes Konzert. Jeden Sonntag, Dienstag. Donnerstag: : Müit&roKonzert. t Jeden Montag. Mittwoch. Freitag: ! Theifi'Orchester.: Enttee 10 Pf. Enttee 10 Pf. Jm Theatergarten; Täglich- Großes Konzert de» Neue Welt-OrchefterS und Spezialitäten- Vorstellung. Sntree 25 Pf. Entree 26 Pf. Jeden Mittwoch Kinder fest. Jeden Donnerstag Eilt« Dn». Barett ein kräftiger aromatischer, stets gleichmäßiger Kaflee. Original Va PM- Packung zu 60, 70, 80, 90 und 100 Pf. io circa 2000 Geschäften. Kttffee Brunnen-Theater Badstraße 58. Dirett.: Beruh. Rose. 10 Attraktionen ersten Ranges 10. Pen! Caradlni. X Rämbler Comp. Der Geisterspuk im Gefäiistliis. Pantomime der Mekasahlf- Truppe. Im Fluge durch die Welt. ZlusstattungS-VolkSstück in 6 Bildern. Eröffnung 2 Uhr. Anfang 5 Uhr. Billetlvoi verlauf von 10 Uhr ab an der Theaterkasse. Volksgarlen-Theater. Bad-BehmstraOe— Bahnhof Geeund- hrunnen— BellermannsirtOe. Das Bild der Mutter ober Berliner Zlmmerlente, VolkSstück mit Gesang in 3 Akten. Hierzu:> Das neue V»nl,h«lMtlDinig«R. X Cnl" Bill. Fröbels Allerlei-Theater Schönhauser Allee 148 und Kastanten-Allee 07/99. Heute Mittwoch: Greller lsencker-Xkend. 1 K durchweg brillante g pt Atf«nustlräfte.■ 8 uhr- deniejlet das Heben. � Die Hochzeitsreise. Ansang 4>/. Uhr. Eintritt 80 Pf. A v i S I Sonnabend, den 1, Juni: Erstes grosses Kinderfest. Trlanon-Tdealer. Heute und folgende Tage: Fräulein Josette— meine Frau. Anfang 8 Uhr. ver>inei'IIll('1'rio. ii Felix Sohtutr BJaUiImtintl.l. Ganz Berlin lacht über «wHartsteiii und seine Burleske: Der luftige Witwer. I. Bild: Das'ledte Mal. 2. Bild: Tie Folgen davon. Vorher 8 Uhr: Bedeutende Speziali- täten m. Merians Vunde-Bauern- theater. Gebr. Herrnfeld- Anfang Thaoiar* Vorverk. 8 Uhr l 11-2 Uhr 57 Kommandantcnstrabe 57. Schluß der Spielsuison: ?reltax, Zl. Bis dahin allabendlich d. Novität Es lebe das Nachtleben! Eine Separee- Affäre mit den Autoren Anton und Donat Herrnscld in den Hauptrollen. Vorher: Die Veit gebt unter! Letzte Verstellungen des glänzenden Mai-Programms. Metropol-Thealer Anfang 8 Uhr. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Rauchen überall gestattet. Sanssouci, Direktion Wilhelm Reimer. Ter Garten ist geöffnet. Sonnt., Mont., Donnerst.: Hoflnianos Md. Sänger u. TiinzkriUizchcn, Jubelnder Lach-Erfolg! Eine Rekriiten-Ausiiebung. Posse mit Gesang. Sonnt. Bcg. S,Ivochent.8U. Max Kliems Sommer Tizeater! Hasenheide 13/15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. | Täglich: Gr. Konzert, fheaterl u. Spezialitäten-Vorstellung.' 1 Jeden Montag: Toinmerfcst. Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste. I Jeden Donnerstag: Glitr-Tag. Die Kaffecküche ist täglich von| 2 Uhr ab geöffnet. I'gmge-'Ms. Jeden Abend 8 Uhr: Das Mai-Programm. I Der größte Erfolg der Saison! Grete Gallus Mascha Dignam 3 Clarus Brothers! 11 Attraktionen 11. j> 5«eii» � Theater. Brückenstr. 2(a. d.Jannow.-Br.) Nur noch 3 Abende der beliebten Tioi«ü»Tanf|sn vor ihrer russischen Gastspielreise. Wiedereröffnung: Tonnabend, den 17. August. Im Tteidl-Reftanr.«.Garten während des ganzen Sommers: Br. Streichkonzert. Vorz. Küche. Reiehslialleii-Theater. k «niang Wochentags OUhr, Sonntags 7 Uhr. Reiche- hellen- Barten und Restaurant: �ilitSi-- � Konzert. Prater- Theater. Kastanien-Allee 7/9. Täglich: Flotte Weiber Spezialitäten. Konzert nnd Bali. Ansang l'/a Uhr. Schweizergarten Am KSnigstor. Am Priedrlchahaln. Straßenbahn 1, 2, 1, 17, 59, 62, 63 u. 71. Täglich: Theater-Vorstellung. Nebe Spezialitäten. Kinematograph und Ball. Freier Damentanz. Anfang 5 Uhr. Entree 30 Pf. fistbahn-yark Am Küstrinerplatz, Rüdersdorferstr. 71 Hermann Imbs. Täglich: Qrojtes Konzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstellung. Oustav Behrens-Theater. Berlin W., Boltzstraße 9. Beslventiliertes Theater. VoUsländ. Pre- Austreten der neuengagierten Spezialitäten, u. a. der Original Greisfenberger. der Mimiker Ad. Greilicke. assistiert von Miß Clarito, der Lumpenmaler Signor Goedtcke. Zum Schluß die tolle Ausstattungs-Burleske rFeuervehr. Anfang 8 Uhr, Sonntags 6'/, Uhr. Sommerpreise. Entree 30 Pf. Am 27. Mai, abends 8'/, Uhr, oerschied nach langem Leiden unser lieber Kollege, der Schriftsetzer Ernst Kretsctimer im 17. Lebensjahre. 976 Ein ehrendes Andenken be- wahren ihm Die Kollege» der„Bossischen Zeitung". Die Beerdigung findet am Freitag, den 31. Mai, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des St. ThomaS-Kirchhoses, Rixdors, Hermannstrasie, aus statt. Verband der VeraaltangsbeainteD der Krankenkassen nnd fieruls- genossenschalten Dentschlands Bez.- Bruppe Berlin-Brandenburg- Mecklenburg. Todcs-Anzclge. Den Kollegen hiermit zur Kenntnis, dag am 23. d. MtS. der Kollege Dermsnn Hensdtke plötzlich am Herzschlage verstor- ben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet heute Donnerstag nachmittag 6'l2 Uhr von der Leichenhalle des neuen Luisen- Kirchhoses am Fürsten- brunner Weg aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 291/3 Der Borstand. Am 28. Mai starb mein lieber Mann, unser guter Vater, Sohn und Bruder, der Schriftsetzer tiermann kramm im 37. Lebensjahre an der Be- russkrankheit. 971b Die Beerdigung findet am 31. Mai, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhoses aus statt. Bio trauernden Hinterbliebenen. Am 23. d. M. verstarb unser Kollege, der Schriftsetzer 979b ttermnnn Kramm im Alter von 37 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 3t. d. M., nach- mittags 5 Uhr aus dem Emmaus- kirchhos, Rixdors, Hermaunstratze statt. Personal der Buchdruckerei H. S. Hermann. Zenlral-Verband der Töpfer Deufschlands. Filiale Berlin. Tode-?- Anzeige. Den Kollegen zur Nachncht, dag am Dienstag, den 28. Mai, der Kollege Oskar Clausewitz fBezirk Gesundbrunnen) im Alier von 58 Jahren ver- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 31. Mai, nachmittags 1 Uhr. von der Leichenhalle des Fliedens KirchhofcS,Nicdcr-Sd)ön- Hausen(Nordend) aus statt. >96/11 Ter Borstand. Beutseber Buebbluder-Verbaud. Zahlstelle Berlin. Am Sonntag, den 26. Mai 1907 verstarb nach längerem Leiden unser Mitglieo, die Falzerin Lbarlotte Dauer im 23. Lebensjahre. Wir werden ihr Andenken in Ehren halten!. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. Mai, nach- mittags 5 Uhr aus dem Friedhos der Golgatha-Gemeinde in der BarsuSstrasic statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 21/3 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Mctalldreher Paul Albrecht am 28. d. M. früh 7 Uhr ge- starben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Freitag, den 31. Mai, nach- mittags 1 Uhr, vom Trancrhause, Bcusselstrajze 20, aus nach dem Kirch hos der Heilandsgcmcinde (Plötzensce) statt. Rege Beteiligung erwartet 119/11 Oie Ortsverwaltung. Zentralverband der Handels-, Transport-, Verkehrsarbeiter nnd Arbeiterinnen Dentschlands. Verwaltungsstelle Berlin II. Hiermit diene unseren Mit. gliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Kutscher Gustav Wetter am 27. Mai im Alter von 31 Jahren an der Proletarier- krankhcit gestorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Freitag, den 31. Mai. nach- mittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Jakobi- Kirchhofes, Rixdors, Hermannstrage, aus statt. 72/1 Die Verwaltung II. D/e Harnleiden ihre Oefahren, Verhütung und Beseitigung von Dr. med. Schnper, BERLIN- Preis 1 Mark. ■ Ites tausend> Terlu Hu Bickter krankturt(Oder» Buuclimuiü.-LuauBse« und Kranthindkm m Robert Meyer,. nur Wamuueu-Stmsze 2. Achtung! Die Bestrebungen unserer Organisation, auch in den Detailgeschäften der Herrenkonsektion Betriebswerkstätten und feste tarifmäßige Löhne zu erringen, haben bei den Firmeninhabern, welche um Bewilligung dieser Forderungen angegangen wurden, unter Ausflüchten, die wir als stich- haltig nicht anerkennen können, Widerstand gesunden. Wir sehen uns deshalb genötigt, gegen diese Geschäfte das Mittel des Boykotts in An- Wendung zu bringen. Die Delegierten zur Berliner Gewerkschaftskommission haben einem dementsprechenden Antrage ihre Zustimmung erteilt und die Parteigenossen von Groß-Berlin sind diesem Beschluß beigetreten. Wir appellieren deshalb mit Gegenwärtigem an die Parteigenossen und Gewerkschaftsmitglieder Berlins und Umgegend, bei ihren Einkäufen und Bestellungen von Herren- und Knabengarderobe in Zukunft nach- stehende Geschäfte meiden zu wollen: Qst«»: Bohne, Landsbergerstr. 79. Lucia«, Landsbergerstr. 56. Süden: Esders u. Dyckhoff, Oranienstr. 43. Karl Stier, Oranienstr. 166. Schulmeister, Dresdenerstr. 4. S. Böhm, Skalitzerstr. 39. S. Böhm, Kommandantenstr. 43. Ätentenm: Weltmann Nachf. Stephan Esders, Kaiser Wilhelmstr. 41. Westens Kaplan, Friedrichstr. 1. S. Adam, Leipzigerstr. 27/28. Karl Stier, Potsdamerstr. 113a. Landsberger, Friedrichstr. 108. Thiery«. Sigrand, Friedrichstr. 179. Bandsburger, Friedrichstr. 7. Bandsburger, Turmstr. 30. Esders u. Dyckhoff, am Dönhoffplatz. Ms übrigen lZsseküsts sind als frei zu betrachten. Mtsünng! Die Tirtna Konfektionshaus Böhm, Skalitzerstr. 39, hat einen Sesehlnß der 35. Zivilkammer des Sandgeriehis l, SerUn, erwirkt, welcher uns unter Androhung einer Geldstrafe von 500 Sit. für jeden?all der Zuwiderhandlung verbietet,.die 7irma weiter in der Liste derjenigen 7itmen zu führen, welche wir zu meiden ersuehten. Da die oben angeführte Zivilhammer diesen Seschtuß nunmehr aufgehoben hat, haben wir die 7irma der Liste wieder, wie oben ersiehtlich, angefügt. Verband der Schneider und Schneiderinnen und vermildter Berufsgenossen Deutschlands. m* Filiale Berlin; Michaelkirchplatz I, parterre. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für d«> Inseratenteil verantlv.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Mnchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer Lc Co., Berlin LW. Nr. 123. 24. Jahrgang. 2. Mm Ks Jutmitls" Dttlim Donnerstag. 30. Mai 1907. 41. Derliandstag des Nerliaudes snddeutscher Konsumvereine. München, 27. Mai. Im Änschluh an die Landcsversammlung der bayerischen Konsumvereine wurde am Sonntagabend und am Montag der 41. Verbandstag süddeutscher Konsumvereine abgehalten. Der Vertreter der Stadt München, Rechts- rat Freiherr v. Freyberg, wünscht den Verhandlungen das beste Gedeihen. Die Gemeinde München bringe den Konsum- vereinen das regste Interesse entgegen. Sind doch die Konsum- vereine wirtschastliche Vereinigungen, die sich zum Grundsatz ge- macht haben, dem minderbemittelten Mann ohne Unterschied der politischen Anschauung und Berufsklasse billige und gute Waren zur Verfügung zu stellen. Der Verband ist in letzter Zeit, wie man hörte, im Aukl'lühen. Redner hofft, datz auch diese Tagung zum weiteren Gedeihen des Verbandes süddeutscher Konsumvereine bei- tragen möge. Der Vorsitzende des Zentralverbandes deutscher Konsum vereine, R a d e st o ck-Dresden, weist in seiner Bcgrühungsrede darauf hin, datz die wirtschaftliche Bedeutung der Konsumvereine nun auch von den Behörden Beachtung findet. K a l t h ö f e n- Dresden, der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Grotzcinkaufsgcnossenschaft Hamburg, begrützt die Versamm- lung ebenfalls und empfiehlt den noch fernstehenden Vereinen den Beitritt zur Grotzeinkaufsgenossenschaft. Vertretungen haben noch abgeordnet der Verband der Lagerhalter und der Zentralverband deutscher Handlungs- gchülfen und-Gehülfinnen. Den Aeschäftsbericht erstattete Verbandsdirektor Barth: Der Verband habe schon in den Jahren 1871 und 1830 seine Tagung in München abgehalten. Damals bestand der Verband aus 52 Bereinen mit 8372 Mit- gliedern und 3 443 000 M. Umsatz. Während dieser Zeit sei die Zahl der Vereine auf 135 mit 147 171 Mitgliedern gestiegen, während der Gesamtverkaufscrlös sich auf 40 167 000 M. beziffert. Die im Verbände vertretenen Vereine entrichteten insgesamt 361 000 M. Steuer! Dabei schreien die Gegner von der Steuerfreiheit der Konsumvereine! Erfreulich sei die starke Zunahme, sowohl in der Zahl der Verbandsvereine als auch der Mitglieder in einzelnen Landcsteilen, in denen die Bewegung erst in der letzten Zeit Wurzel faßte. Die erzielten Erübrigungen wurden in allen Ver- einen in lobenswerter Weise wieder für die Mitglieder verwendet. Von dem Gesamtbetrage von 3 258 000 M. wurden 2 303 000 M. an die Mitglieder rückvergütet und 285 170 M. den Reserven über» wiesen. Auch Abschreibungen und Ucberweisungen an die Reserve- fonds wurden in lobenswerter Weise vorgenommen. Erfreulich sei es, daß bei keinem Vereine das Bestreben vorhanden sei, möglichst hohe Erübrigungen zu erzielen. Eine Ungerechtigkeit sonder- gleichen sei die Besteuerung der Erübrigungen, die nichts weiter als Ersparungen der Mitglieder seien. Der Redner weist auf die Angriffe der Gegner hin, die an Verdächtigungen großartiges leisten. Gegen einen der- artigen verblendeten Kampf mit giftigen Waffen müsse mit aller Entschiedenheit protestiert werden. Es ist eine alberne Behauptung, wenn gesagt wird, daß die�Konsumvercine den Mittelstand ruinieren. Würden an vielen Orten Konsumvereine nicht existieren, würde der Konkurrenzkampf des Kleinhandels üppige� Blüten zeitigen und Nahrungsmittelfälschungen noch weiter überhand nehmen. Die Lonsumvereine betreiben nur reelle Konkurrenz; sie bieten ihren Mitgliedern gute Waren bei anständigen Preisen. Durch ihr Geschrei haben es die Kleinhändler fertiggebracht, sich die Vereinigungen der Handwerker dienstbar zu machen. Nicht die Konsumvereine, sondern der Großbetrieb sei der Gegner des Hastdwerks. Wir machen durch die rück- vergüteten Erübrigungcn unsere Mitglieder kaufkräftiger, was doch wieder dem Handwerk zugute kommt. Auf der einen Seite werden Genossenschaften.unter Zuhülfenahme von Mitteln des Staates gegründet, um den entbehrlichen und verteuernden Zwischenhandel zu beseitigen, während andererseits man im gleichen Atemzuge ein Verbot der Konsumvereine fordert. Mit welchem Rechte will� man den Konsumvereinen das Brotbackcn verbieten? Durch das statistische Amt Stuttgart wurde konstatiert, daß eine weitere Verteuerung des Brotes durch den Konsumverein ver- hindert wurde. Auch die Hausbesitzer werden gegen die Konsum- vereine mobil gemacht, auch sie gerieren sich als Retter des Mittel- standes. Man behauptet, durch unsere Verkaufsstellen könne man die eigenen Läden nicht mehr so leicht vermieten. Wenn man die Beschlüsse so mancher Handelskorporation verfolge, so könnte man fast zur Ansicht kommen, daß der ganze Staat aus den Angeln ge- hoben werde, wenn nicht die gesamte Menschheit für ihre Be- dürfnisse dem Zwischenhandel tributpflichtig ist. Der Redner be- dauert, daß selbst Behörden an manchen Orten so schwach sind, dem Verlcumdungsfeldzug gegen die Konsumvereine Gehör zu schenken. Die Erfolge der Konsumvereine sind erfreulich und sollen uns an- spornen, mit doppeltem Eifer an dem weiteren Ausbau und der musterhaften Führung der Vereine tätig zu sein. Die Konsum- vereine sind der Platz, wo sich die Konsumenten, gestützt auf die gesetzliche Selbsthülfe, ihre Lage verbessern können. Entschieden muß danach gestrebt werden, daß die Arbeiter in ihrer möglichsten Gesamtheit die Fähigkeit zur Leitung ihrer wirtschaftlichen Ge- schicke gewinnen. Die Arbeiterschaft als Ganzes soll lernen, ihre Geschicke zu leiten, die Formen und Mittel stnd in der Konsum- Vereinsbewegung zu finden. Dann wird der Vernichtungskampf gegen die Konsumvereine erfolglos sein. Der Verbandstag faßte einstimmig folgende Resolution: .Die Konsumvereine verfolgen genau wie alle übrigen auf Grund des Reichsgesehes gebildeten genossenschaftlichen Ver- einigungen der Handwerker, Landwirte usw. lediglich einen Wirtschaftszweck, und zwar den, ihre Mitglieder mit Waren guter Qualität zu ortsüblichen Tagespreisen y. versorgen und ihnen hierbei Gelegenheit zu geben, Ersparnisse zu erzielen. Die Be- hauptungen ver Gegner, denen die entgegenstehenden Tatsachen bekannt sein müssen, werden wider besseres Wissen und ein- gestandenermaßen lediglich deshalb gemacht, die Konsumvereine und damit die konsumierende Bevölkerung zu schädigen." Nach einem Vortrage des Vcrbandssekrctärs Kaufmann aber Tarifverhandlungen in den Berbandsvereinen und einer längeren Diskussion nahm die Versammlung gegen 11 Stimmen folgende Resolution an: »Der Verbandstag nimmt mit Befriedigung von den Aus- führungen des Verbandssekrctärs, Herrn Kaufmann, Kenntnis be- züglich der Tätigkeit des Zentralvcrbandes deutscher Konsumvereine zur Herbeiführung von Tarifen für die in Genossenschaften be- schäftigten Arbeiter und Angestellten. Der Verbandstag ist der Meinung, baß zur Erhaltung des guten Einvernehmens zwischen Personal und Genossenschaften und in Anbetracht der sozialen Be- deutung der Konsumgenossenschaften gute Arbeitsbedingungen für die darin Beschäftigten absolut notwendig sind. Demgegenüber glaubt aber der Verbandstag betonen zu müssen, daß bei der Abfassung der Tarife die Arbeits- Verhältnisse in P r i v a t u n t e r n e h m u n g e n bil- ligerweise nicht außer Acht gelassen werden dürfen, um die Konsumvereine nicht konkurrenz- unfähig zu machen. Die Einführung von Tarifen für ganz Deutschland ist bei der Verschicdenartigkeit der Lohn- und Arbeitsbedingungen un- gemein schwierig und wird für viele Vereine zurzeit eine starke Be- I lastung sein. Darum ist es aber auch notwendig, daß sofern diese i Tarife in den Verbandsvereinen zur Einführung kommen, alle früheren Vereinbarungen außer Kraft treten. Der Verbandstag bedauert, daß für dieses Jahr noch kein diskutierbarcr Tarifentwurf für die Lagerhalter usw. fertiggestellt werden konnte und sieht sich genötigt die anläßlich dieser Sache von vcm Organ der Lagerhalter gemachten Aeußerungcn zurückzuweisen. Solche Prehäußerungen tragen nicht dazu bei, der Sache zu dienen, sondern geben den Konsunivcreinsgegnern unberechtigterweise Stoff zur Vcrläumdung der Gesamtbcwegung. Der Verbandstag hält es serner für notwendig, daß denjenigen angeschlossenen Verbands- vereinen, für welche diese Tarife in Frage kommen, ein direktes Mitwirkungsrecht bei künftigen Tarifbcratungen eingeräumt wird." Der nächste Verbandstag soll in Dillingen(Schwarzwald) statt- finden. Eue Induftric und ftandel* Der soziale Geist bei der Hapag. Auf dem Hintergrunde eines in den lichtesten Farben ge- malten Bildes von der Hapag und ihrem Leiter hebt sich recht wirkungsvoll der schwarze Fleck des dort herrschenden antisozialen Geistes ab. Ein solches Bild hat Adolf Goetz gezeichnet in einem bei Hermann Seemann Nachfolger erschienenen Bändchen, be- titel:„Ballin, der königliche Kaufmann". Ballin erscheint da als ein alles überragender Geist, als Bahnbrecher auf allen Gebieten, als Kaufmann und Politiker gleich groß, gleich bewunderungS- würdig. Ja der Schreiber ist von den überragenden Fähigkeiten Ballins so fasziniert, daß er ihn im Geiste schon als Retter des Reiches auf dem Ministersessel sieht. Und doch eine Klage zwischen all den jubilierenden Tönen über den Herrlichen. Es sollte keine scharfe Kritik sein, aber der schwarze Fleck wirkt um so intensiver, je mehr alles andere im strahlenden Licht erscheint. Goch schreibt: »Man wird vielleicht erwarten, daß hier über den Streit der Reeder und der Kapitäne eine Ansicht publiziert werden müßte. Bei aller außerordentlichen Schätzung der Leitung der Großreedereien darf es an dieser Stelle aber nicht verschwiegen werden, daß für beide Streitenden das Wort zutrifft: pcccatur intra muros et extra. Leider wurde in diesem �alle dem Prinzip von beiden Parteien zu viel Kraft geopfert. Was liegt am Ende daran, daß und ob ein Kapitän oder ein Offizier einem xbelie- bigen Verein angehört? Ihre Pflichten erfüllen sie ja, würdig der Tradition des deutschen Seemannes. Und so ist auch über den Zentralverband der Reeder zu sagen, daß er bedauerlicherweise in der Zeit des Konflikts ge boren wurde. Und der Konflikt gab ihm das Gesicht. Was ich über den Zentralverband im Februar in der Zeitz schrift„Hamburg" schrieb, kann ich hier nur wiederholen: »In Berlin wurde am 7. Februar die Gründung des Zem tralvcreins deutscher Reeder vollzogen. Die Vorarbeiten zur Gründung dieses Verbandes, heißt es offiziös, sind schon lange im Gange, sie sollen jedoch durch den letzten Streit zwischen den Reedereien und dem Verein für die Offiziere der Handels marine beschleunigt worden sein. „Das Arbeitsprogramm des Verbandes liest sich' wie eine neue Kampfansage der Arbeitgeber gegen die Arbeitnehmer, r ist aber durchaus fraglich, ob dieses Prinzip eine derart schroffe Betonung vertragen kann. Am Ende haben sich die Arbeitgeber und-nehmer gleich nötig. Und die riesigsten Mittel helfen dem Verbände nichts, wenn sich die Schiffsoffiziere oder die niederen Angestellten gedrückt fühlen und daraufhin die Arbeit einstellen. „Man nimmt an, daß das schroffe Prinzip in praxi bald so stark abgeschliffen wird, daß es die Reeder und die Offiziere nicht hindert, das Gemeinsame in ihren Interessen zu erkennen und ihnen entsprechend auch genreinsam zu arbeiten. „Bei der Gefährlichkeit der wirtschaftlichen Konjunktur wird sich jeder Verein der Angestellten hüten, einer Machtprobe das Wort zu reden, obwohl letzten Endes die Arbeitnehmer dabei nur Arbeitslöhne, die Reeder aber ihre Vormachtstellung ein büßen können. „Was soll es heißen, daß der Verband durch Unterstützung der Mitglieder soziale Streitigkeiten wirkungslos machen will? Diese Formulierung enthält wohl zweifellos einen lapsue linxuac, den man sehr rasch korrigieren sollte. „Die Praxis lehrte bisher, daß allein die Erkenntnis der Interessen der Zeit und der aus ihnen resultierenden bcrech- tigten Ansprüche der Arbeitnehmer soziale Streitigkeiten über- Haupt auszuschalten vermag." Vorsichtigerweise berührt der Verfasser das Verhältnis zwischen der Verwaltung der Hapag und ihren Handarbeitern erst gar nicht. Seine wohlwollenden Mahnungen, mehr dem sozialen» Geiste Rechnung zu tragen, hätten sonst zu einer scharfen Anklage gegen den kömglichen Kaufmann wegen seiner arbeiterfeindlichen, im Boden einer längst vergangenen Zeit wurzelnden rückständigen Auffassung über da? Verhältnis zwischen Arbeiter und Untere nehmer sich auswachsen müssen.— Hotclbctriebs-A..G. Konrad NhlS Bristol-Centralhotel. Der Ge- winn des letzten Jahres swird mit 3> 61 243 M.(2 974 212 M.) aus- gewiesen. Bei 624 864 M.(624 707 M.) Abschreibungen verbleibt ein Reingewinn von 1 919 651 M.(1 808 680 M.), aus dem 20 Proz. Dividende verteilt werden sollen. In dem Gewin» sind 400 000 M. als Wertvermehrung der Grundstücke enthalten. Es sind die Be- träge für Reparaturen usw. in Höh- der vorstehenden Summe auf die Grundkonten überschrieben. Nach dem GcschäftSberichl sind für die Ausstattung des Hotels Bristol 175 000 M. ausgegeben worden. Das Grundstück Unter den Linden 2 ist für 3 100 000 M. angekanft worden und hat man zu diesem Zweck eine besondere G. m. b. H. „Unter den Lindeu 2 Grundgeiellschast" mit einem Grundkapital von 400 000 M. errichtet. Die Anteile gehören der Gesellschaft. Der RestaurationSbctrieb im Zoologischen Garte» ist ab 1. Januar 1909 von der Gesellschaft für den jährlichen Pachtpreis von 135 000 Mark auf 10 Jahre übernominen. Felten und Guilleaumr-Lahmeyerwerke. Nach dem Geschäfts- bericht für das verflossene Jahr ergibt sich bei 15 022820 M. Brutto- gewinn ein Reinüberschuß von 7 129 739 M., woraus II Prozent Dividende auf 25 Millionen Mark Aklicnkavital ausgeschüttet werden. Int vorigen Jahre wurden aus 6 476 335 M. Reingewinn 10 Proz. Dividende verteilt. Auf den Kopf der beschäftigten Arbeiter und Beamte verrechnet ergeben sich folgende Summen: Bruttogewinn Reingewinn Mark Mark 1905.. 1223 657 1906.. 1435 681 AuS dem Bericht sei»och erwähnt, das; an die Reserve 338 000 M. abgeführt, 410 200 M. an Tantiemen verteilt, dem Beamteufonds>50 000 M., dem Arbeiterfonds 90 000 M. überwiesen und 421 637 M. auf neue Rechnung vorgetragen werden. Jntenmtioimler Kongreß der Vaumwollindustriellcn. In der gestrigen Sitzung knüpfte sich an den Vortrag von Giovanni Niggeler» Italien über den Transport der Baumwolle eine längere Debatte. Allgemein wurde die Forderung aufgestellt, daß die ameriknnisckien Verkäufer verpflichtet werden, mit dem Konsumenten Frachtbriefe abznschließen, die vollkommene Garantie für pünktliche Einhattung der Lieferzeit und Ersüllung der üdernvtwnenen Verpflichtungen sichern. Löhne in New Jersey. Einen interessanten Beitrag zur Be- urteilung der amerikanischen Lohn- und Arbeitsverhältnisse bilden die amtlichen statistischen Mtteilungen über die Löhne der Industrie- arbeiter im Staate New Jersey. Wir bringen in nachstehendem eine Tabelle zum Abdruck, die die prozentuale Verteilung der wöchent- lichen Durchschnittslöhne der in industriellen Betrieben beschäftigten männlichen und weiblichen Arbeiter und Kinder unter 16 Jahren auf die einzelnen Lohnllassen enthält. Prozentsatz derLohnempfänger Wochenlöhne Männer Frauen Kinde« Unter 3 Doll.(imter 12,60 M.) 0,7 8,9 23,6 3 unter 4 Doll.(12,60—16,80„) 1,8 9,4 47,6 4, 6,(16,80-25,20,) 6.4 35,8 26,2 6, 8,(25,20—33.60.) 10.8 28.3 2.4 8, 10.(33.60-42,00„) 28,5 13,2 0.3 10. 12.(42,00-50.40.) 15,3 5.5— 12, 15,(50,40—63,00.) 15,9 3,0— 15, 20,(63,00-84.00.) 17,3 0,8— 20, 25,(84,00-105,00,) 5,0 0,1— 25 und darüber(105 M.u.mehr.) 3,3—— Es erhielten demnach 8,3 Proz. der Männer, 43,1 Proz, der Frauen und 97,3 Proz. der Kinder Wochenlöhne unter 6 Doll. <25 M.); 29,3 Proz. der Männer, 41,5 Proz. der Frauen und 2,7 Proz. der Kinder verdienten 6 bis unter 10 Doll.<25—42 M.), 56,8 Proz. der Männer und 3,3 Proz. der Frauen 10 bis unter 20 Doll.(42—84 M.), und 8.3 Proz. der Männer sowie 0,1 Proz. der Frauen 20 Doll. und mehr. Diese Löhne, in denen also auch die der ungelernten Arbeiter mit enthalten sind, müssen als relativ hohe bezeichnet werden. Sie sind in erster Linie den starken gewerk- schaftlichen Organisationen zu verdanken, die, wie der Bericht halb bedauernd hervorhebt, in manchen Gewerben einen vollständig aus- schlagaebenden Einfluß aus die Arbeitsbedingungen gewonnen haben. Besonoers hohe Löhne werden gezahlt in der Maschinenindustrie. der elektrischen Industrie, der Hutmacherei, der Leder- industrie, dem Schiffsbau, der Buchdruckerei. Die höchsten in der G l a S i n d u st r i e(I). wo von 6360 männlichen Arbeitern nicht weniger als 1795 also 25,8 Proz. einen Wochenlohn von 25 Dollar(105 M.) und darüber verdienten. Die Arbeitszeit bewegt sich zwischen 8'/4 und 10 Stunden und steigt nur in einem Falle(in der Roheiscnindustrie) auf 12 Stunden. Daß diese Hohen Löhne nicht etwa durch entsprechend hohe Lebensmittelpreise wettgemacht werden, geht aus folgenden Zahlen hervor, die wir gleichfalls den genannten Veröffentlichungen ent- nehmen. Es kostete z. B. Weizenmehl pro(deutsche«) Pfund 13,2 bis 14 Pf., Hafermehl 21 Pf., Zucker 23,6, Butter 107—126, Rind- fleisch 58,8—75,6, Schweinefleisch 71,4, Hammelfleisch 46—76 Pf. usw. Zweifellos steht also der Arbeiter von New Jersey auf einer viel höheren Stufe der Lebenshaltung als der deutsche Arbeiter. Huö der Frauenbewegung. Die schwarze« Gründer. Daß die schwarzen Arbeiterfreünde ihre Arbeiterfreundlichkeit durch Gründung einer Dienstboteffftrgauisation bekunden lvürden, das konnte man erwarten, denn eine Organisation der Haus- angestellten, in der da« Evangelium der Menschenwürde gepredigt wird, hat Fuß gefaßt und gewinnt an Ausbreitung. Da war es selbstverständlich, daß die schwarzen Freunde der Dienstboten flugs mit einer Zersptittererorganisation bei der Hand sein würden. Bisher hat man sich im schwarzen Lager um die Dienstboten überhaupt nicht gekümmert, jetzt, wo diese versuchen, aus eigener Kraft daS Joch der Gesindeordnung etwas zu erleichtern, erinnern ihrer sich auch die Frommen in Christo— um ihnen Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Und natürlich wird die Organisation, die man schädigen will, in ihren Aeußcren etwas kopiert. Da» blendet die Naiven und damit läßt sich im Trüben fischen. Am 23. Mai ist daS Werk vollbracht. Der Verband katholischer erwerbstätiger Frauen und Mädchen gründete eine Disnstbotcnorganisation. Eine Frau v. Gordon hielt folgende Predigt an die zur Gründung Versamnielten: Der Aufruf zum Zusammenschluß der Dienstmädchen solle absolut nicht gleichbedeutend sein mit einer Hetze gegen die Herr- schaften, im Gegenteil gehe der einberufende Verband darauf aus, wieder ein besseres Einvernehmen zwischen den Dienstmädchen und ihren Herrschaften herzustellen. Es ist notwendig, daß die Dienst- mädchen sich organisieren, damit auch ihnen die Borteile geboten wer- den, die die gewerbliche Arbeiterin infolge gesetzlicher Bestimmungen schon genießt. Vor alleinmußdievcralteteGesindeordnungeinheitlicher gestaltet werden. Es bestehen nicht weniger als 59 verschiedene Gesindeordnlingen, von denen zwei aus dem Jahre 1732 und 1797 stammen, und 34 aus dem Jahre 1800—1850. Manche Para- graphen können verschiedenartig gedeutet werden, andere sind nicht mehr zeitgemäß. Genauere Präzisicrung und Aenderung ist zu beantragen. Reduerin schlägt auch vor, daß für das Wort Gesinde- ordnung ein Ausdruck gewählt werde wie z. B.„Hausangestellte". (Lebhafter Beifall der Versammlung.) Da ein Ersatz für die Ge- sindeordnungen so schnell nicht geschaffen werden kann, schlägt Rednerin vor, zunächst auf Grund eines Dienstvertrages(I) ihre bestehenden Härten zu mildern. Der Schutzvcrtrag für— die Herrschaften scheint in irgend einem Pastorat fabriziert worden zu sein. Er sieht so aus: 1. Jedes Dienstmädchen habe ein Anrecht auf mindestens VL Stunde Schlaf, eine gewiß gerechte Forderung, die leider oft außer acht gelassen wird. Sollte diese Mindestriihzeit durch außerordentliche Fälle(lvie Gesellschaften usw.) gekürzt' werden, so soll dem Mädchen eine entsprechende Ruhezeit am Tage zugebilligt werden. 2. Müsse jedes Mädchen auf 8 Stunden freie Zeit wöchentlich rechnen können, während welcher es vor 9 Uhr abends flicken könne. 3. Für das Mittagessen solle ihm eine halbe Stunde Ruhe bleiben. 4. Solle jedes Mädchen gleich beim Mietsvertrag ausmachen, daß es jeden Sonntagmorgen zur hl. Messe komme, nicht bloß in aller Frühe, sondern in eine hl. Messe mit Predigt. Wenn das schon Verbesserungen sind, dann läßt daS Schlüsse auf die wirklichen Verhältnisse zu. Daß die Schwarzen mehr den Schutz der Herrschaften im Auge haben, als den der Dienstboten, läßt der vorgeschlagene Vertrag deutlich erkennen. Die neue Organi- saiion muß als Schädling der Arbeiterbewegung ganz entschieden bekämpft werden, sie hat keine Existenzberechtigung. Der Sieg in Oesterreich. Einen Artikel in der„Gleichheit" über die Wahlen in Oesterreich schließt die Genossin Popp mit folgenden Sätzen:„Die Genossinnen sind im Wahlkanipse mit beispiellosem Fleiße tätig gewesen, gleich aufopfernd bei der Agitation nach außen wie auch bei der Kleinarbeit. Der Sieg der Sozialdemokratie ist auch ihr Sieg. Jetzt heißt es weiterarbeiten, um bei den Stich- wählen neue Erfolge zu sichern. Manche Feinde des Proletariats ü, Oesterreich haben ausgeatmet, als am 25. Januar die organisierlen Arbeiterfeinde in Dcuischland ihre Jubelhymnen anstimUUen. Sie sahen das versuchte.Niederreiten" der Sozialdemokratie als gutes Zeichen für den Ausfall des Wahlkampfes in Oesterreich. Sie haben zu früh frohlockt. Sie haben mehr verloren, als die Sozialdcmo- kratie je verlieren kann. Bürgerliche Parteien können zerschmettert werden, wie unser Wahltag zeigt. Die Sozialdemokratie aber ist unbesiegbar, sie kann wohl geschlagen iverdcn, aber nur, um bald daraus um so stolzer ihr Haupt zu erheben. Der Sieg der Sozial- dcmvkratie in Oesterreich ist ein Sieg des klassenbeiviißten internationalen Proletariats. Versammlungen. Zweiter Wahlkreis. In Mhlkes Saal, Dcnncwihstr. 13, sprach am Dienstag vor einer änderst gut besetzten. Volksvcrsaimnlung Genosse Richard Fischer über„Die verflossene Rcichstagspcriodc". Der Redner erinnert zunächst daran, daß, als man vor einigen Monaten in diesem Saale den Sieg des Wahlkreises verkündete, man sich der Hoffnung hingab, das übrige Deutschland werde den Verlinet Siegen noch folgen. Das fei nun leider nicht der Fall gewesen, und er sei der letzte, der eine Niederlage der Partei, soweit der Verlust an Mandaten in Betracht kowme, nicht zugeben wolle. Aber eine Partei, die immer im Kampfe stehe, kann wohl eine Schlacht verlieren, ohne deswegen geschlagen zu sein. Die„Sieger" vom Januar haben jetzt schon ihre liebe Rot, um den Block zusammen- zuhalten. Der Wahlausgang ist ein solcher gewesen, daß er allen Anlah� bietet, ihn zu bedauern. Seit Gründung dcS Reiches ist noch kein Reichstag weniger geneigt gewesen, den' Wünschen der Arbeiter Rechnung zu tragen, ass der gegenwärtige. Die Stär- kung der oppositionellen Richtungen war das Mindeste, was man vom Ausfall der Wahlen erwarten konnte, daß aber ein Reichstag zustande komme, der so ausschließlich den junkerlichen Interessen diene, sei kaum glaublich erschienen. Die libcral-konservative Paarung sei das abscheulichste, widersinnigste politische Gebilde aller Zeiten. Liberal und konservativ verhalte sich zueinander wie Feuer und Wasser. Fürst Aülow, dem diese Paarung gelün�en sei, streiche die Gebühren für seine HeiratSvemittelung insofern ein, als ihm eine zu jeder Zeit und für alle Fälle willige Reichstags- Mehrheit zur Verfügung steht. Den Erfolg dieser Politik wird die Sozialdemokratie jedoch noch ernten, wenn erst einmal von den Wählern der metallene Nachgeschmack wahrgenommen werde. Wie das in unserer Partei üblich, habe man zunächst bei sich selbst nachgesehen, ob da etwa die Schuld an den erlittenen Per- lustcn zu suchen ist. Jedoch waS bedeuten die in Sachsen der- lorcncn Mandate, war das— kaufmännisch gesprochen—.überhaupt kreditfähiger Besitz? Die großen sächsischen Erfolge bei den vorletzten Wahlen sind zurückzuführen auf die provenziellc Ilnzu- friedcnheit des Mittelstandes, zum Teil sogar auf die Affäre mit der sächsischen Kronprinzessin usw. Dort, Ivo der Arbeiter als Ver« treter seiner Klasse dominiert, so z. B. in den rheinischen Kohlen- rebieren und anderen großen Jndustriebezirkcn, habe die Partei, trotz des schamlosesten, erbärmlichen und bewußt verlogenen Ver- Haltens aller ihrer Gegner ihre Position nicht nur behauptet, fon- dern gekräftigt. Wir haben in Deutschland noch keine Wahl gc- habt, in der sich der oberste Beamte des Reiches gleichsam alS Wahl« kassiercr an die Spitze der gegnerischen Parteien stellte. In dieser Situation hat unsere Partei ihre Stimmcnzahl um eine Vicrtclmillion vermehrt, ein Untrügliches Zeichen für den Fortschritt und die Festigung der sozialdemokratischen Idee. Scheinbar hat Billow zur Rcichstagsauflösung die ihm günstige industrielle Hochkonjunktur glücklich ausgenützt, jedoch wird die Sachlage eine andere, sobald die Konjunktur.umgeschlagen. und die Wirkung der Zölle nNd sonstige herbeigeführte Verteuerung der Lebensmittel an den geringeren Arbeitsverdiensten der nieder- gehenden Konjunktur umhrnchmbarer wird. Einmal konnte Bülow die Partei der NichtWähler, die politisch Denkfaulen mobil machen, die Arbeiterklassen übertrumpfen, ein zweitesmal dürfte ihm das nicht gelingen, denn diese indifferenten Wähler werden die Wir- kung ihrer blinden Folgsamkeit noch am eigenen Leibe zu spüren bekommen. Die Sozialdemokratie kann künftige Siege nur aus der Er- kenntniS heraus erzielen, daß sie sich auf ihre eigene Kraft ver- lasten muß. Darauf muß die Agitation gerichtet sein. Es muh den Arbeitern klar gemacht werden, daß sie im politischen Kampfe nur auf ihre Klassengenostcn rechnen können. Der Referent erörtert dann die Gründe, weshalb die Partei bei den Stichwahlen mit dem Zentrum gehen mußte. Es galt den Block zu bekämpfen, wo es irgend Möglich war._ Der Verlust des Koalitionsrcchtcs, des allgemeinen Wahlrechtes stand auf dem Spiel. Das Zentrum ist aber seiner ganzen ökonomischen Struktur nach angewiesen, für beides einzutreten und für die Aufrecht- erhaltustg bestrebt zu ftin, wenn öS die WithlstiMMcn der katholi- scheu Arbeiterschaft nicht verlieren will. Die scharfmacherischen Gelüste haben iin Zentrum keinen wirtschaftlichen Untergrund, da- her galt es, im Reichstag das Zentrum zu stärken, um die Reaktion zu schwächen. Ein Bündnis mit dem verräterische» Freisinn, mit dem Redner scharf abrechnet, galt als ausgeschlossen. Der Frei- sinn gibt zwar an, das allgemeine Wahlrecht zu schützen, unterläßt cö aber, mit Nachdruck gegen das Klastenwahlrecht vorzugehen, ob- wohl ihni dazu im Landtag und den Kommunen Gelegenheit ge- boten ist. In den weiteren Ausführungen streift der Redner kurz die großen wirtschaftlichen Kämpfe der Gegenwart und geht dann über, die„positiven" Arbeiten der letzten RcicbStagSpcrivde zu besprechen. Was da der Block geleistet hat, lasse sich in fünf Minuten abtun, darüber könne man keine Rede halten. Der Etat ist gemäß den Wünschen der Regierung bewilligt. Die Regierung habe als Aktionsprogramm das„Fortwursteln" aufgenommen, das ihr die ReichstagSmehrheit leicht macht. In Sozialreform versprechen die bürgerlichen Parteien viel, und es erscheint gaüz unnütz, daß sciner-»it die„Magdeburger Zeitung" warnte, nicht die Begehrlich- keit r..„ Arbeiter zu wecken, denn um die Durchführung ihrer zahl- reichen sozialpolitischen Anträge sei es den bürgerlichen Parteien nicht ernst. Sie salvicrcn einfach ihr Gewissen, indem sie die An- träge einbringen und glauben dadurch der im Wahlkampfe gc- machten Versprechungen ledig zu sein. Die Erfüllung der sozial- politischen Forderungen werde von der sozialdemokratischen Frak- tion als ein wirtschaftlich begründetes Recht der Arbeiter verlangt, sie seien eine Klassenfordcrung und kein Almosen. Den bürgcr- | lichen Parteien war früher Gelegenheit gegeben, ihre sozialpoliti- ] schcn Triebe zu befriedigen; weshalb stimmten sie denn nicht für die diesbezüglichen Anträge unserer Fraktion? Der nächste Reichstag steht vor der Frage, wo neue Einnahme- gucllen erschlossen werden köluien, UM die Militär- und Marine- ausgaben zu decken. Von der Regierung wird es nach wie vor eilt- schieden abgelehnt werden, die besitzende Klasse zur 5?ostcndcckung Heranzuziehen. Oft von Zustimmung Und Heiterkeit begleitet, bespricht Ge- nosse Fischer die Kolonialpolitik TerubUras, streift kurz die aus- wältige, zur vollständigen Isolierung Deutschlands führende Politik BülowS, dabei das Verhalten des'Freisinns, der unter Eugen Richter und bis ünmittrlbär vor den letzten Wahlen noch die Kolonialpötitik bekämpfte, scharf kritisierend. Der national- liberale Basscrmann habe erst gegen das persönliche Regiment und die Politik Bnlows gewettert, um dann im Reichstag sein Einvcr- ständnis mit eben derselben Politik dem Kanzler untertänigst zu Füßen zu legen. Bon den eingebrachten Regierungsvorlagen bespricht Redner eingehend die Milderung deS Gesetzes betreffend die MajestätS» beleidigüngen, von der zn erwarten sei, daß�von ihr die Sozialdemokratie nicht berührt werde. Gleite ein Sozialdemokrat in der Kritik oder Abwehr einmal aus, dann wird die„böswillige" Be« lcidigung Wohl stets als vorliegend erachtet werden und die Ver« urtcilung erfolgen. Was das versprochene Vereins- und Ver« sammlungsrccht anbelangt, so dürfte hier vielleicht die einstmalige Umsturzvorlage ihre Auferstehung feiern; wenigstens gibt die Aus» lassung Posadowskys, tnan könne doch die auf den Umsturz der Staats- und Gesellschaftsordnung abzielenden Bestrebungen nicht unter den Schutz des geplanten Gesetzes stellen, zu den ernstesten Bedenken Anlaß. Genosse Fischer schloß seinen trefflichen Vortrag mit der Mahnung, in der Agitation für die Stärkung der politischen und gewerkschaftlicheu Organisationen nicht zu erlahmen. Die Partei babe im Wablkampfe Mitläufer, aber keine Soldaten verloren. Wir müssen alles aufbiete», unsere Reihen zu stärken und die Gc- nosscn für den proletarischen Klassenkampf schukkn. Partei und Gewerkschaften haben in den letzten zehn Jahren mächtige Fort- schritte gemacht; trotz aller Hindernisse, aller Verleumdungen ist die Arbeiterbewegung groß und unüberwindlich geworden, sie wird es bleiben, wenn wir alle unsere Pflicht tun. Dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag folgke eine Diskussion nicht. Der Vorsitzende forderte zum Abonnement auf den„Vorwärts" und zum Beitritt in den Wahlvcrcin auf. Nachdem bekannt gegeben war, daß am 4. Juni in der Bülowstraße eine Versammlung stattfindet, die sich mit dem Lohnkampfe der Bäcker beschäftige!» wird, wurde die imposante Versammlung mit einem brausenden Hoch auf die internationale Sozialdemokratie geschlossen.. -- Bäcker-Streik I Achtung I Die Bäckergesellen Berlins und der Vororte sind durch den Wort- und 7ari)brtieli der 8äcker-3nmmgen in den Streik ge trieben worden. folgende Säekermeister haben die berechtigten Forderungen bewilligt! Ackerstr. 68, Goldacker, , 114, Marqmird, Adalbcristr. 4öa, O. Sänke. 06, Hoppe. ZIll-Moabit 82 a, Blotiuer. Adolsslr. 12b, Häniich. AndreaSstr. 16, D. Hnnte, , 5, BloNner. Admiralstr, 10, O. Hanke. Annenslr. 41, Niemcher. Ansbacherstr. 8, Blottner. Änklamerstr. 48, Haaje. Antonstr..18, Oertcl. Nndreasktr. 32, Brotsabrlk„Wilhelma" Sin der Spandauer Briickc ld, Blottner Ariillericsir. 3, Goldacker. Aiigsborgerstr, 36, Blottner. Badslr. 13, Kappicr. „ 49, Goldacker. Barbarossastr. 67, Wctzcl, Barnimilr. 37, Güldcnsicrn. Bastianstr. 18, Niedzwieds. 20, Tonn. Bellcallianceslr. 24, O. Hanke. Belsortersir. 22, Eageri. Bergmannstr. 10, KnofiuS. . 14a, Polenz, , 19, D. Hanke. 104,»loltncv. Bernmierslr. 3, Schill. Bcusselstr. 20, Bloilner. 17, O. Hanke. vlumenstr. 13, O. Hanke. Blücherstr. 11, O, Hanke. , 16, Bloilner. , 67, Berolina. Bremerstr. 57, Pesierling. 60, Bayer. Bruimenstr. 3, Molliveide. 129, Goldackcr. Briisselerstr. 8, Gonsior. Biichslr. 1. Völker. BurgSdorsitr. 15, Linder. Carmen Sylvasl,. 155, Schiweck. Chaussceslr. 44, Guldacker. ComeniuSplatz I, P. Hanke. Demmüicrslr. 25, Grund. 23. Glicse. Dennclvitzstr. 6, Bloilner. 19, Blottner. DrcSdcncrstr. 6. Goldackcr. . 17. O, Hanke. Dunckcrstr. 2, Czerwcnka. 78, Kunze. Sbclinafir. 5, Blonder. Aberiyftr. 54, F, Hanke. „ 33, O, Hanke. Sisenbähnstr. S. O. Hanke. . 3, Haupt. Slbingerstr. 99, Sieiniann. 27. Fiedler. Emdcnerslr. 21, NcSkwd. 17. Pohl. Fehmariistr. 9, Boikebrot. Fchrbellinerstr. 27, Hösclbarth. Jalckenslctnstr. 20, Slärz. 17, D. Hanke. Fraiikenslr, 2, O, Hanke, Grotzc granksurteritr. 130, Goldacker. Frankiurlcr Allee, Ecke Samariler- slrnjjc, A Hanke. Franseckiftr. 53, Goldacker. Freienlvalderftr. 38, Köpke. griedrichstr. 247, Goldacker. . 27, Blottner. griedrichSseldcrilr. 26, Hulda. Fricdenstr. 67, Becker. Friesenstr. 27, Blottner. Fricdrlchsbcrgerstr. 16, Nowodzynsk. f� mchtslr. 46, C. Polenz, irstcrslr. 20, Gcnossenfchast.Berlin" enthüierstr, 37, Blottner, Gcrichlslr. 53, Schönwleje. GipShr. 7, O, Hanke. Glcimstr. 19, Prtbyl. , 43, Groiye. „ 48, Abraham, Glogcuicrstr. 28, Bäckerei- Genossen- ichast Berlin. Goltzftr. 16, Blottner, 31, Goldackcr. Gormamlftr. 25/26, Winuth. Gothensir 8, Blottner. Gr.-Görlchenstr. 43, C. Hanke. Gräicstr. 35, Bäckerei- Genossenschaft Berlin. Graudenzerstr. 5, Nickisch, Graunstr. 32. SusjMänn. Grcisslvaldcrstr. 1.91, Müller. 12, O. Hanke. Grimmstr, 1, Wolf. 29, O. Hanke. Kninewaldsw. 110. Blottner. Grünauerslr. 12, Buy. HauSburgllr. 5, Mehl. Hagenaucrstr. 13, Zisoivskh. Hcidenscldstr. 21, Schön. 19, Goldacker. HcinerSdorserstr, 12, Lamla. 27, Hossmann. HcrmSdorscritr. g, Booel. Hochilrasje, Neue, IS, Berliner Ge- nosfenschasts-Bäckerei. §HuseIandslr. 36, Obcrreicher. Hochmeisterstr. 1, Goldacker. ohensricdbcrgstr. 19, Blottner. olzmarklslr. IS, 55, Aronheim. Hübnerslr. 6, Bauer. Husclandftr. 40, Kittlaus. Hussitenstr. 45, Kießling. . 15, Polschcr. , 20, Ww. Wolf. Jnsterburgerslr. 2. O. Hanke. 12. Hcnuig. Snvalldcnstr. 157, Goldacker.• Sagowstr. 10. Eichstädt. JaSmunderstr. 18, Böttcher. Karlstr. 26, O. Hanke. Kasianieu-Allee 19, Goldackcr. . 57, Kisnscher-. Kleine Slndreasslr. 7, Hierfe. Kochsir. 49. Blottner. Kochhannstr. 28, Kricmt.• Kopenhageueritr. 28, Bcchtel. Köpenickerftr. 9b, Blottner. 172, KicSblock. Koriörcrstr. 17, Hübner. KönigSbcrgcrstr. 20, Blottner. Neue Köuigstr. 60, Goldacker. Kolonieilr. 34, Muche. KopernikuSstr. 3. T-upel u. Biehöser, Krautttr. 4/5, O. Haiitc. Krcutzigerstr. 1, Lange. Kurfürftenstr. 9, Blottner. Lauslyerstr. 0, Kauf. 16, Schölisch. Langcftr. 13, Goldacker. Linienstr. 26, O. Hanke. 1, D. Hanke. Liebigstr. 8, P. Hanke. . 31. Bauer. 88, I. Hanke. " lrstr. Liebenwalderstr. 81, Jäckcl Lippchnersir. 8, Zibell. Lolhriiigcrstr. 34/35, Mollwcide. Löivcstr. 8, P. Haute. . 18, Block. Lübcckerskr. 20, O. Hanke. Liitzvivstr. 105, Blottner, Warft». l7, Laos. Mnlplaquctstr. 16, Gensior. Maiileuffelslr. 45, Blottner. , 100, Blottner. „ 90, O. Hanke. 87. Jurke.. Mariannenslr. 32, Brock. , 12, O. Hanke. Markgraseustr. 99, O. Hanke. MarkuSstr. 38, Tischer. 11, Schneeberger. Memelcrstr. 7. Knorcke. Mcinekeslr. 16/17. Blottner. Mettrftr. 2, Sachwitz. Miltciiwaldcrstr. 44, Schröder, Mirbachslr. 14, Volksbrot. Motzstr. 19, Blottner, Möckernsir. 124, Blotlner. MuSkauerslr. 13, Lattermann. Mulackstr. 10, Schramm. Müllersw. 33/34, Witller. 28, Läddicke. » 32a, Weber. Mühlcnftr. 51, Schön. Münchebergcrstr. 18, Leue. Naunynstr. 1, Lipperl. „ 40, Bnrduhn. 73, Stojaczyk. Nazarethkirchstr. 39, Zibell. Ncaudcrstr. 23, Raudut. 27, O. Hanke. Neue Jakobstr. 17. Blottner. Nostizstr. 9, Bockisch. . 49. Mürber. Ohmstr. 9, Nowosadke. Oranienstr. 186, O. Hanke. Palisadenstr. 91. O. Hanke. . 58, Barth./ Pappcl-Mee 7, Riedel. Potsdanierstr. 68, Blottner. Plantagcnstr. 7, Welt. Prenzlauer Allee 24, Goldacker. ,. 203, Hermann. Prenzlauerstr. Ha. Goldader. , 81, Hünsch. Prinzenstr. 64, Bloltner. 12, O. Hanke. Prinzen-Allee 61, Wehls. 53. Loss. Proskauerstr. 31. F. Hanke. Putbusersir. 46, Bloch. 14. Gottschalk. Oultzowstr. 108, Blottner. Ramlerftr. 31, Dahlenburg. Ratiborstr. 1, Bäckerei-Genossenschast . Berlin. Ratiborstr. 6, Dietschmann. Relchenbergcrstr. 51, Blottner. 78. Blottner. . 88, O. Hanke. 62. O. Hanke. Reinickendorserstr. 112, Goldackcr. Romiiilcncrstr. 57, GorgaS. Ruppinerstr. 8. Vaake. 12, O. Hanke. Nostockerstr. 31. Wagner, 36. Ulbrich. . 46. Krüger. Rüdersdorferstr. 20. Güldener. . 52, Haupt. Snmariterstr. 11, P. Hanke. Schillingstr. 19, Goldacker. Schivclbeincrstr. 4, Hildebrandt. Schönhauser Allee 150, Blume.' ,, 70s, Goldacker. ,. 188, O. Hanke. » ,5, Goldacker. Schönyauscrstr, Alte 33, Goldacker. Schöuh-u»scrstr..Altc.39/40,G. Schwarz, Schulsir. 28, Schämbcrger. „ 37, Schmidt. Schwedterstr, 240, Schmidt. . 32,. Goldacker. Sickiiigenstr. 76, Winter. StemenSstr. 17. Mügge. Sonnend urgerstr. 13, Grästtng. Soldtnerstr. 32, Nosemann. .„ 69, Schneider. 1, König. 8, Kretschmar. Steinmetzstr. 22, Bloltner. 42.. Stendalerstr. 4/5, CortS. Stettinerstr, 26, Kleinert. 56, Barnekow. Skalitzerstr. 63/64, Dehmel. Swassmannstr. 24, Zander. Strelitzersw. 15. v, Grabowski. 31, Scheunemann. Sparrstr. 19, Gonsior, Swinemünderslr. 93, Schubert. 106, Kunze. Tegelcrstr. 8, Leugner. Thaerstr. 64, Blottner. Tunnftr. 67, O. Hauke. . 51, Gotdackcr. Tiksiterstr. 91, P. Hanke. Turinerstr. 36, Rißmann. Usedomstr. 4, Stollberg. Urbanstr. 52, O. Hanke. . 80, Blottner. „ 104, Kruschke. Utrechterstr. 8, Kersten, Petcranenstr. 16, O. Hanke. Waldftr. 42, Bauer. 25, Jglssch. . 46. Pohl. Waldeinarstr. 76, Claus. Wasscrtorstr. 2i, Blottner. Warlchanerstr. 8. Vötzke. Wattstr. 2l. Hossrichter. Webcrstr. 36, Goldacker. Weddingstr. 7, Brendel. Weideniveg 34, O. Hanke. WeinbergSiveg 9, Ludwig. Wichertstr. 5, Kierzkowski. Willdenowstr. 29. Breier. WilhclinShavenerstr. 13, Hesse. 23. Godecke. Wiksnackerftr. 15, Goldacker. Wienerstr. 36, Dieischmann. 56a. Lauchivitz. Wiesenstr. 64, Schardicm. Wiclcsstr. 66, Spickcrmann. Winsstr. 6, Müller. Woldenbergerstr. 7, CittlauS. WolltNerftr. SS. Fuhrmann. Wrangclstr. 77, Geiihmann. 9t, O. Hanke. Dorkstr. 40, Blottner. ZionSkirchpIatz 1, Wollwetde. Zionskirchstr. 54, Zwterschke. Zossenerstr. 2, P.-öanke, Zorndorserstr, 41, Blottner. Zivinglistr. lob. Utbrich. «txdorf. Bergstr. IS. O. Hanke. Berlinerstr. 86, O. Hanke. Elbcstr. 1/2, O, Hanke... Falkitr, 1, Bäckerei-Genossenschast „Berlin". Fricdclstr. 3. Warmult. Glasowstr. 32, Kunz, Hcidelbergerstr 76, Jp. Hanke. yerrsurthftr. 84, D. Hanke. 7, Bäckerei• Genossen- schast„Rixdors". Herrfurthsir. 26, Brur. Hercsurthplatz 10, Schnur, Hermamislr. 19, Bäckerei-Genossenschast.Riydors". Hcrmannstr. lS9a, Hagen. Hohcnzolleriiplatz 6, O. Hanke. Junftr, 30, Krause. Jägerslr, 63, Jonscher. Neue Jonasstr. 33, BulS. KarlSgaAenstr. 19, Vonnoch. Kaiser Frtedrtchstr. 34, Schmidt, 245, O. Hanke. Knesebcckstr. 38. Wotk. 63. Richter. Kopssir. 38. Bäckerei-Genossenschast „Rixdors". Kottbuser Damm 103, O. Hanke. Mainzerstr. 15/16, Grunert. Münchenerstr. 25/26, Bäckerei-Ge- nosscnlchast„Rixdors". Panniersir. 4, Riemer. 57, O. Hanke. Prinz Handjerystr. 18, Bartsch. . 70, Schmidt. Reuterstr. 94, Lehmann. Reutttstr. 33, Eplettstößer. Selchowerstr. 9, Bäckerei-Genossenschaft.Rixdors". Steinmetzstr. 39, Senstleben. , 34, O, Hanke. 129, Bäckcrei-Genossen- schast„Berlin". Weisestr. 2, Bäckerei- Genossenschaft „Rixdors". Weisestr. 24, Bäckerei-Genossenschast „Bertin". Weisestr. 28, Winde. Wetchselstr. 13, Hageman». Wesersw. 47, BicS. Zietenstr. 20, Bäckerei-Genossenschast ,, Rixdors". Charlottenburg. Taiierstr. IS. Ulbrich. kauersw. 27, Genossenschast.Produktion". Christstr. IS, Genossenschast»Pro- duktion". Danckelmannstr. 55, Ulbrich. Friedbcrgstr/ 39, Ulbrich. Grolmaiiustr. 14, Ulbrich. Grünstr. 27, Bochmann. Hclmhottzstr. 19, Ulbrich. Kaiser Friedrichsir. 43, Ulbrich. Kanalstr. 15, Heine. Kanistr. 103, Ulbrich. KnobelSdorserltr 43, Ulbrich. Leibnizstt. 63, Ulbrich. Netlelbeckstr. 14, Blottner. Potsdanierstr. 11, Bachmann. Potsdanierstr. 12, Konsumverein. Potsdamersir. 42, Ulbrich, Sophie Chart otteiislr. 87, Ulbrich, Spandauerstr. 30, Ulbrich. Tauroggeuersk. 10, Genossenschast .Produttion". Tauroggenerstr. 45, Ulbrich.> Wallstr, 85. Ulbrich. Weimarerstr. 29, Konsumverein. WilmcrSdorferstr. 27, Konsumv ereil», WilmerSdorfcrstr. 41, Ulbrich. Wilmcrsdorscrslr. 163, Ulbrich. densee. Thiele, Charlotten str. 12, Boxhagen-Rummelsburg. Hauvtstr, 82, HerrckS. Kantstr. 1, DluczewSki,.. k Lenbachstr, 7a, Pflugrad. Türrschmidtstr. 40, Kallweit. Wühuschstr. 32, Jander. Pankow. Mühlen skr. 82. Müller. Slchöueberg. Belzlgerstr. 61, Kernchen. Erdmaimstr. 5, KuItnSki. Gustav Müllerstr. 8, Bock. Sedanstr. 18, Steuck. Stralau. M-Stralau 49, Härtung. Treptow. Kicsholzstr. 33/34, Weiser. Weitzensee. Charlottenburgerstr. 76, Hossmann. Falkenbergsw. 146, Frösch. Feldmannsir. 164, Krien. Friedrtchsw. 1, Roth. Hcinersdorserwcg 24, Engel, 45. Hoffmann. König-Chaussee 72, Hossmann. Lehderstr. 1, Hofsmann. 119, Klink. Lothrtngerstr. 35, Hoffmann. Rölckestr. 127. Hossmann. WUhelmstr. 23, Drews. Köpenick. Borgmannstr. 6, Becginann. Grünauerslr. 27, Krämer. Rosenstr. 2, Peter. Rukowerstr. 25. Hein. Schonelwdersw. 12, Kutell. FriedrichSsclde. Berlinerstr. 66, Seiler. Hermsdorf. Neptunstr. 36, Wantc. Scebadstr. 1, Ladcwig. Karlshorst. Dönhoffstr. 9, Hansen. Lichtenberg. Doristr. 82, Mäodcjrau. Psarrstr. 36, Heyler. Wilhelmstr. 57. Jcsse. Martendorf. Chaussccstr. IIa, Nowack. Reinickendorf. Berlwerstr. 104. Sias,. 134. Eottschalk. Wilkestr. 62. Neue Berliner Gcnollcn» schasiS-Bäckerei. Wilmersdorf. Siegmaringenstr. 8. Forst. Norstgwalde. Rcustr. 52, Neubauer. Petersohn. Tegel. Mitbürger! Arbeiter! Dansfranen! Unterstützt die um Lekämpfung ihrer Mensekenreehte streikenden Bäckergesellen. Die Streikleitung. Zentral-Streilbureau: Sophien-Säle, Sophienstr. 17/13.— Telephonruf: Amt Hl Nr. 124S. Partei- Speditionen: S't'iitriiHi Is ftiitz Bittfc, MauNltk. 89. Äcnti'inn II i A liiert tz a h tt t s ch, Slunuftftv. 50, Eingang Ieachilnstrasje 2. Wahlkreis, W c st c n! Gilslau S ch ni i d t, Bülawstr. SZ. Oos. „ S>1 d c Ii und gübiaeffihi Hermann SB einet, Gneisciiaustr. 72, Laden. S. Wahlhrelsl St. F Li v, Prlilzenstr. 81, Hof rechts Part. <1. Wahlkreis! Cft c n: RSbert W c n g e I«, Niidcrsdorserstr, 8, am .anirtiNerplntz.— Wilhelm M a n n, Pkicrslimgcrplnh 4 sLaven), 4. Wahlkreis, Sil So sie Ii: Paul Böhm,. Lallsitzerchtatz 14/15 t?adcii1. e». Wahlkreis 1 Leo Zucht» Keibelftr. 42(Laden). <*. Wahlkreis(llaahlt und Hansavleetel): Stall Anders, Nazartthkirchstrade 49. OrnHietihiirger Vorstadt: Herman» SalZinrdclcrstr. 8, iniLadcn Wedillnji i Kar! K e i h e Hosenthaler und � .Ii a s ch k e, Ackcrllr. 30, Eingang Ankiamsrltraüe. i»es,i», Ihr ii„!> en: F. Trapp, Stettincrstr. Ii). »el»i'«liii«Ser Vorstadt! Karl Mars, Lychenerstr. 123, �It-t4ilenleke: Wilhelm Dürre, Rudoivcrstr, 83 Ii. VhaHottenhar»: Gusinv«chnvtiDctg, Sesenheimcrstrabc i, Ecke öwethestrasze, Laden, WilioersdorVllalensee: Georg Fecsc, Berlincrftr. 43, Laden. lldootenherK. Vrledriclisfclde, Wllhclmsberg S Otto S t l k e I. Kranptiuzeultrasjc BO, J. �»nninselsharg;, Hoshagren: 3(. 3t o f c n f r a ti j, Alt-BaxHagctt 53. r Uli au l kftö Schröder, Köpcnickerstr. 1. '4»xdorf: M. H e i n l t ch, NecliNslrasje 2, Im Laben. �rhmargendorr: Oiuffnu U n M 1 11 9 1 1), Eunosliaße S. ("ichtinehers:: Wilhelm B ä u i» I c r, Marlin LuIHcrstr. St, tm Laden. Veiapelhot': M, Müll et, Bcrlincrstr. 41/42. «tlber-deehilaeivelde: DuliuS Grunoiv, Edisanftr. 10, I. icder'MchUiicn'cldc: BonükolvSkH, Hasscltvcrdcrstr. 8. J ohamiisthal: Ztauz Hiinold, BiSMarckjtr, 7. illershoC: Erich Slctiti-, Hnckcnbcrgslt. 6, II. Jiünigs-Vt iistcrhaiiScii t' friedlich BauMNNN, LUckenivalder- iira'ic 4b; Köpenick t Friedrich Waich,(Krünstr. 4. I?'ried«>l,a„. �itezxllti«. SiUdeilde: tz. D e r n s e«. SchloHstr. llä. t"artvu>r,ilS I, in Sieglitz. Beslcliniigeu nehmen entgegen in atexllt»! H. M a t) r. Tüppelsir. 82. und Fr. S ch e I l H n s«. AHornsk. 15». iNzlrier.»lorf: Paul Müller, Bergflr. 35, Hos I. Slaaia!. lyraineuz, Kiesholzslrage 412, Laden. :Veo- WelBeiise«> Kurt Fuhr m an». Scdanslt. 105, parterre. Ileii-lekeadorr- Ost, Wllhelinsriih und SchUnhola: V*. G u r s ch, Pravinzsirasje 108, II. Te'ifel, Uorsigmaide. Wittenau, Waidmannslnst, Herinsdorf und Heinickcndorf- West: Paul St icnaft, Borsigwaide, Ziäuichstrage 10. �niikon-'IKtcd.ersehönhnnsen: G. Fr ei Wal dt, Mühlenstr. 73. Neman: Heinrich Brase, Hohcstciustr. 74, Part. lüekivnlde, ldelithe.», Miersdorf und Hankels Abläse: Agans tp r ü iz, Eichwaldc, Kronprinzen str. 82, I. Teltow! MllHeim Keßler, HoHcrsteinweg 7. Xownwes i Wilheli» I n p p c, Priestcrstr. 43. Spandau: Kappen, Jagawslr. 9. Arlsjerde», ist(iimüiche Partclliteratur sowie alle wissenschaftlichen Werte dort zu Häven, �litch werden Inserate für den„Vorwärts" eutgegeugettommen. _ BMKT* Bitte ausschneiden."MM f�eu eriebienen sind folgende Schriften, dle wir unseren Lesern zur Anschaffung empfehlen: lieber Verfasswigswesen. Von Ferdinand LassaLe. Inhalt- vleber Verkssfuiigswefen. Mas nun? I�acbt unck l�ecdt. Neue NuSgabc, mit Etiileitttngen versehen von Ed. Per« sie in. -............. Preis 50 Pf....... r..■- Sutioliftifdlt jCitcratiit. Zwei Vorträge von Paul Lcufch. Preis lZ Pf. 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Louis 1904. iinentgeltlicher Unterricht, auch in moderner Knnstsiirterci. Elektroinotorc für Nahmaschinendetrieb. Singer Lo. Mdmasckmen Rct.Gcö. Berlin W.. Lsipzigerstr. 92. Filialen in allen Stadttoilen freie Volksbühne Sonata�, den 2. Juni, nachmittags S Übr: Berliner Theater. 7./8. Abteilung Neues Schauspielhaus. 16./17. Abteilung: Paracelsus* Die letzten Masken. Das Fest des Sankt Matern Der Richter von Zalamea. Sonnabend, den I. Juni: H» Abcndvorstelinng im Aenen Gehansptelb»»»« 1 Anfang Tj* Uhr. 8. ttnd 9. Abteilung. Goethes„Taust" n. Teil). I Sonntag, 2, Juni; IS. Abt.a Montiig, 3. Juni: 1. Abt. I Dienstag, 4. Juni; S./S. Abt. M ittwoch. 5. Juni: 4./5. Abt. ' Donnerstag, 6. Juni: lO./ll. Abt. 229/5 Der Vorstand. I. Vertr.; G. Winkler Freitag, 7..Imii, 12./13. Abt. i Sonnabend, 8. Juni, 14.; 15. Abt. Sonntag, 0. Juni. 16./17. Abt. Montag, 10. Juni, 6,f7, Abt.' Getreidepreise steigen rapid! Warum rührt sich niemand? Waran g reift die Presse nicht efnf Warum sind die Handelskamniern mguschenstlll zu solchen Vorgängen? Waran rücken die Volksvertreter In den Parlamenten nicht mit der Sprache heraus? Warum bekümmert sich die Staats� reglerung nicht om diese gefährlichen Zustände? Warum unten stützt die fintnzweH den soliden Handel nicht? Warum unter» stützt sie die wahnsinnigen Spekulationen an den Effektenbörsen? — Wer sich für die(tctährllchen Vorgänge und der daran« ergebendei, Wirkungen im Wlrticbaftsleben intereasiert, Terjant-e die von Kaufmann Michael Proeatler in WUrzburg verfasste Broschüre:„I>n« tVlrt- .rlinftabild der Cegenwnrt«nd der KnltMnrf".— Dieselbe ist zu beziehen durch alle Buchhandlungen(Kommissionär; Otto Weher, Leipzig). Broschüre A, vollatündlge Ausgabe, Mk. 2.— Teil- und Volksausgabc, 60 Pfg. Gegen Einsendung von Mk. 2.10, bezw. 65 Pfg. für das Inland, Mk. 2.20 bcz«-. 70 Plg. für das Ausland, werden die Broschüren portofrei vom Verfasser versandt, wenn in Buchbandlungcn nicht erhältlich. Man verlange cbcndaaclbst Flugschriften und Prospekte. 10. Ziehung 5. Kl. 216. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 29. Mai 1907, rormittags. *I»r die Gewinne über l'to Mark sind den beiroOenden Nummern in Klammern bcigcfligl. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verbeten.) 57 19? 201 421[>000] OSO«47 743 5?[500] 823 1133 SO S'S(SÖOöl 401 721 2097 föOO] 277 Sil 404 71)7 3080 13« 2i 19 57[ 3000] 4207 392 439 93[ 500] 4J2 91 099 879 921 5380 853 6131 420 578[>000] 800 70U 83[500] 293[500] 703[3000] 90 845 8061 08 792 987 Soso 53 221 378[500] 732 815 03 10007 211 95 418[500] 827 777 11222 71 512 56 '3900] 90 081 812 901 12202 215[1000] 759 897 91?[SOCO] 23 13007 182 1500] 8)0 410 90 510 7U 14083 268 362 172 513 017[1000) 50 91 758 1 5 107 1 6613 18[ÖOC] 731 Foj 25 11[6001 978 1 7027 1400] 80 218 60 326 171 538 687 41000] 827 91 092 80 1 8261 131 621 15000] 796 887 WS 16035 ISl[1000] 410 1500] DU 733 55 919 20(120 283 321[500] 01 030 924 57 2 1 586 603[3000] 91 776 01[500] 800 951 2 2 025 331 75 109 500 92 711[3000] jFl 5 78 2 3 071 308 2 4102 526 085 781 2 80(1 50 97 SSI«01 88060[3003)} 178[1000] 121 630 40 798 003 27901 l-V[30901 m[3000] 234[50U] 67 307 927 29 2S023 1500] 128 431[500] 5t 621 736 847 77 2 9085 168 213 306 423 500 67 731 30156 487 521 42 58 650 59 69 761 953 31157 93[500] 339 555 09 971 81 32219 390 4SI 521 611 33(101 131 201 :[50(5001 759 801 33 901 11 20 3 4016 157 77 262 022 jSIOj 323 1500] 72 431 520 37 850 3 6003 453 3 7-09 413 01 575 970 3 8017 97(1000] 127(1060! 297(1000] 317 111 «0 593 39001 113 20 23 11 271[500] 613 27[ 3040| 392[500] 40301 32 570[1000] 600 745 020 04 41004»78 4 2071 122 30 445 533 600 20 4 3023 116 231 90[ 3000] 317 LlOOOl 13» 61» 83 71« 44114 733 553 620 80 45009 131 75 37 152[ 500] 13 91 903[ 500] 40003 65 102 JO 590 020 76 98« 47 000 87 129 201 74 365 635 711 989[500] 48071 1.11 286 SOS ISO 650 711 17 328 42 40llO[500] 413 500 13 082 97 873 99? 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Ziehung 5. Kl. 216. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 29. Mai 1907, naehmilläg«. Nut die Gewinne Uber 240 Mark tlnd den hettcllcnden Nummern In Klammern beigefügt. (Ohne GcwÄhr.)(Kachdruck«erdeten.) 58 134 30« 459 588«55 45 703 13 80 1 200 59 1500) 313 »1(IM 738 43 58 825 948 90 2039 479 510 981 3«[500]»1 93[1000] 306« 129 259 396 061 4.019 59 103 372 430 505 67 677 13000] 796 809 5 816[1000] 6011 47[500] 53[500] 562 7 063 115 33 676 734(8021 UOOO) 147 SO 230 384 917 «D 0139 630 667 847 XOOU 5« 208 77« 809 71 97t 11197 216 778 959 81 12259 320[506] 5»» 041[1000] 976 13270 77 38 Ml 547 77 »79 33 36 75» 73 974 1 4026 315[500] 75 448 61i GS 925 40 98 1 501t 306[500]' 779 IlOOO] 970 1 6 039 23« 303 35 415 54 549 762 87 98 838 1 7014 119 239 331 94 85»[500] »23 90 1 8190 308 5 4 87 90 449 9« 515 871 19203 313 581 951 00235 57[500] 301 14 40[SdOO] 70 82 595 304 912 1? 2 X029 90 263 IlOOO] 72[3000] 76 98 313 71 443 93 567 657 59 774 925 62[1000] 0-5 2 0135 292 311 83 532 51 643 792 23013 61 80 19? 265 87 473 91 520 2 4 269 7 4 316 477 316 »74 03947[1000] 305 428 700 2 6002 231 401 789 2 7053 135[500]»74 559 666 810 921 06O!)6 244 84[50»] 455 62 612 655 996 2 3 001 41 181 259 487 632 8 1 720 63 1500]»Ol 30 3O035 40[500] 1U 23 205 SO 72 397 694 725 53 936 3)073 98 115[500] 49 69 200«38 lU-OO] 813«9 30201 47« 83 709 932 33206[lOOO] SO 35 867[ 500] 54? 748 1 5001«54 34181 4*7 09 93«59[»00] 52 846 35000 125 25.5 57* 92 728 022 360,2 210 913 37691 776 8)[300] 91 940 3 8131 248 308 787»83 39080 140 1500] 31« 431 642 1500]»15 52 40434»50 65 733{500] 687 4 X 753 918 40), 2 1 37 67 179 299 303 82 357[ 500] 779 4 3333 533 780 836[1000] 44112 69 JK* 64 335 510 628!'«« 45109 225 445 51 7« 54»[3000] 632[1000]«8 76 48276[ 500] 433 69? 7« 47115[ 500] 275 861[500] 9« 400 502 757 951 4L OOS 137 87 470 535> 3000] 664[1000] 95 80» 996 49403[500] 49 570 664 805 909 50090 173 toi 363 492 531 894 5) 943 5 0049[10 000] t!>8 576 605 64 iSOOl 766 5 3 400[30001 55« 002 781 820 54069[ 5000]*03 675 740 5 5058 58 122 59 62[500] 270 437 522[1000] 811 820 90 5 8070 254 490 527 751 821 57004[500] 73 IST 891»44 775 85 82* 59 5 8073 88 84 192 36« 79 437 604 719 36 897 937 59:65»76 406 545 51 «50 78[SOOO] 78» 857 60027 112 29 404 512 73 674 818 983 6)147 54 216 69 486 03[SOflO] 575 603 1 1000] 726«37 953 75 92 6 0007 201 58? 754 321 97 6 3085 235 363 89 553 731 9145 64293 9« 397 474 749 81»[1000] 65104 223»00[ 500] 70 714 931 IlOOO] 6 6044 72 192 204 79 444 879 963 67132[1000]>412 41 535 «61 783 895 917 68077 187«2 2Z6 422[500] 979 6 9008 68 849 427 71[3000] 683 39 6« 741 52 62 936 58[lOOO] 70011 95 161 274 30« SS[500] 503 874 7 1 087 142 57 »48 6 75 86[500] 661 959 7 0030 212 321 663[1000] 717 68 879 960 6 4 7 307» 141 SO 254 71 81 584 833 35 7 4001«2 181 831 981 7514* 94* 7 6011 501«10 79 99[ 500] 798 [1000] 805 17 91 919 77165 l5(«] 22 251 434 60 804 50 001 2,1 7 8211 587 93 679[ 3000] 90t 79298 21 22 601 slOOHj 37 778 76 965 80315 583 843 855 905 31 89 8 1 293 40« 549 65 89 80)83 319 8 3 213[1000] 46[1900] 520 83 8 4079 307 523 «42 712 85111?0 65 357 090 818 62 8 8003 83 512 777 92 811*63|500) 87200 6t 311 14 650 984 8 8SU[SOOO] 94 623 75* 8 9 311 410 574 90014[1000] 57 250 729 804 47 70 970 9) 028 505 «16 493 037 61 712 943»0242 58 682 685 90 704 SS 56 «0« 13 957 9 3 057 259[ 5000] 78[3000] 305 44! 99» 71» 61 912[500] 70 94005 392 439 561 39 732[lOOO] 881 95)78 926 479 542 11000] 60» 703 79 888 9 6025 130[lOOO] 329 471[3000] 79 5*5« 99 9 7 187 601 30 93 603 739 91[500] 831 97« SS168'.*8 59 873 581 755 9 9057 220 22 24 79 330 82 8* 4*5 41[SOOfl]«1)5 100103 74 210 DU 601[500] 757 IO)025 252 IlOOO] 844 33 62« 35 57 707 877 930 1 02134 4119 600 2 74 959 103030 163 314 510 15000] 104230 452 500 643 737 hz 837 1 05138 277|5(tzll 660 32 762 38 990 1 06100 1« 1,1000) 564»42 IlOOO, mm______ u 373 041 10 8013 1&00 474 515 616 918 24 11 545[500] 027 73, 734»62 109281[500] 5*4) 00 05 107004 167 4*0 69« ...MW.. 500] 82,■ 1)0241 512 95 463 38* 76 11)05» 221»27«9 505 «27 61[500] 73 1)2232»03 1*000] 570 343 933))3t>39 293[ 500] 562«38 724 5 7 961 94 1)4>*5 590 768 1)5293 452 93 001 825[500] 0)0 11 6)31 134 62 214 6«.3?» 1500] 51« 00 083 833 7«[500] 1171«* 23« 1500] 52[ IlOOO] »1 IlOOO] 830 118013 4 4 80 209 368 000[500] 752 44 991 92 119102 30 424 53* 1202(1* 373 414 513 07 631[500] 12)00» n IN 263 SIS 79 37 96 428 630 0* 714 es»»5 100219 87! 023 959 12311« 890 627[500] 124)06 235[>000] 418 520 23«18 10302« 104 73 222 53 877 410 85 528 37« 939 1062*1 (500) 421 20 95[1000] 580[500] 09«[3000] 801 15001 »0 969 1 07227 731 870 1 0 8013 62 35 1500] 108| 500j Si(*60 537 1 2 9 203 45»[5001«8[500]«0 504 016 93 904 309 599 930 »1058 1J4«0« BW) OB 70« fö'-Ol 83' 284177 IffOOl "".rsi 757 8*7 0 8 6022 42 IbWOl 33 75(3)1 3* 28! 28 3031 115 946 05 •13 305 747«4,6 91 T_.., 20« 520(500] 47 651 796 009 2 8 70.5 113 334 613.8 04P 951 56 (m Üvwtnntade Tcrbllchep: 1 Prämie ä SM MO, 1 Gewinn*»00 060. 1-« 50 OM. 1 ä 40 000. 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Rohrer! Achtung! Donnerstag, den 30. Mai, abends 8 Zlhr, im Fokal von F. Milkt, Krunuenstraße 188: ---------- KomRuniS�tv------------- Mitglieder Uersammlnng. TageS-Ordnung: t. Unsere Lohnbewegung. 2. Diskussion. ss/e* Mitgliedsbuch beider Organisationen legitimiert. Ohne dasselbe kein Zutritt. Es ist Pflicht eines jeden organisierten RohrerS, in dieser Versammlung zu erscheinen. Verein der R-«r-r Vetltaä»nd Umg. d.b-�,w--bttch�Sul,S--d-i.-r Zweigverei» Berlin u. Umg. Sektion der Rohrer. I. A.: H. Karow. I. A.: H. Hilliges. ZenO'aiYerbaiid der Töpfer Deutschlands. Filiale Berlin. Freitag, den 31. Mai 1907, abends 0'/, Uhr: A«tzerordentlicheGeneralversammlmig im Gewerkschaftshanse» Engcl-Ufer IS, Saal 4. 'TageS-Ordnung: ise/13 i. Stellungnahme znm Ablauf unseres Tarifes. 2. Nochmals die Sache Huhn. 3. Verschiedenes. Der Punkt: Berichtckstattung von der 8. Generalversammlung ist laut Vertrauens- männer-Versammlungs-Beschluß von der Tagesordnung abgesetzt, bis die Protokolle er- schienen sind. Regen Besuch erwartet Der Borstand. Die Besirksleiter haben die Billetts«nd Plakate zum Sommeiiest in Empfang zu nehmen. i»»« Komitee. v Sektion der Mesenleger. Freitag, 31. Mai, abends 8'/z llhr, im Gewerkschaftshause, iKiigel-llicr l.ä tTaal 3): JffiUgUeder- Versammlung. Tagesordiumg wird in der Versammlung bekannt gegeben. Mitgliedsbuch legitimiert."HDZ >40/2 Ter Vorstand. I. 81.: Max Anton. ZentraMand � jlsphalteure fappdecker u. Küifsarbeiter. Ortsvcrwaltuiig Kerlin. Tonnabend, 1. Juni, im Ttadttbenter Moabit(Kronenbraueret), Zllt-Moabit 47/4«: Groszes Sommerfest verbunden mit VUeotervorsiellooN und Hall. Einlrltispreis 30 Pj. Anfang des Konzerts 4 Ubr. der Vorstellung 5 Uhr. Billetts sind im Lokal zu haben. 29l/12 Der Vorstand. llelilung! Gewerkscliafien und Vereine! 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Iber VorMtaiid. Achtung! Juschutidtr mid Zchueider der Hkrrenkonftktilin! DieZuschncider befinden sich in einer Stff Lohnbewegung.-MS Verschiedene Geschäste inserieren nun jetzt schon nach Streifbrechern. Wir fordern daher alle Kollegen, Zu- jchneidcr und Schneider aus, in den nächsten Wochen keine Stellung in einem Berliner Konsettionsgeschäst an- zunehmen, um den sür bessere Lohn- und Arbeiisverhällnisse kämpsendenZu- schneidern und Zuschneiderinnen nicht in den Rücken zu fallen. 164/9* mitglicdschaft II des Schneider-Verbandes. (Zuschneider-Veremigung.) Redakteur- Gesuch. Für unser täglich achisciiig erscheinendes Partcibialt suchen wir möglichst biS I. Juli d. I. einen durchaus* ekfshrenen, tüchtigen IRedakteur, welcher insbesoiidere den polttischen Teil selbständtg beherrschen kann. Gcfl. Offerten unter„Redakteur" wollen sofort eingereicht werden an den Verlag der„Schwäbischen Volkszeitung", A ngwbui-g, H. 31._ Himabmc-ötellen für„Kleine Hnzeigen". Zentrum: Jrih Zinke. Mauerstr. 89. A. Hahntsch, Auguftstr. 50. M'entea: G. Schmidt, Bülowstr. 52. «»tea i W. Mann, Pctersburgerplatz 4. R. WengelS, Zlüdersdorserstr. 8. Gustav Bogel, Koppenslr. 83. Ä'«rd»atea z L. Zucht, Keibeistr. 42. I. Re»l. Barnlmstr. 42. Xerden: H. Naschke, Ackerstr. 36. F. Trapp, Stettinerstr. 10. Karl Mars, Lychcnerstr. 123. Karl Weihe, Razarethkirchstr. 49. L. Dechanb, Ruhcplatzstr. 24. H. Bogel, Lortzingstr. 37. Ä. Tieft, Jnvalidenitr. 124. Xerdsve»«ten: Karl Anders. Salzwedelcrstr. 8. W. Schrotte, Gotzlowstystr. 29. GtidHrentea: H. Werner, Gnelsenaustr. 72. H. Schröder, Hagcibergerstr. 27. bitiden: St. Fsrih. Prinzenstr. 31. F. Gutschmidt, /lotibuser Damm 8. SiidoMten: Paul Böhm, Lausitzcr Platz 14/15. P. Horich, Engel-Uler 15. Obarletteabairg: G. Scharnderg, Sesenheimerstr. I. I'riedr>eb«berg: O- Seikel. Kronpriuzeustr. 50. Itixdorf: M. Heinrich. Ncckarstr. 7. l5onrad, Herinannstr. 50. It»it>i»el-.t»»fg: A. Noseukranz. Att-Boxhagen 56. nebitneberg: Wtlh.Bäniiiirr, Martin Liilherstr. 51 IVeiUentcee: K. Fuhrmann, Ledanslr. 105. Int. Schillert, König-Ehanssee 39« Ii etnIebeadarT: P. Gurich, Provinzstr. 103. Drepterr: R. Gramenz, Kiesholzstr. 412 Verantwortlicher Siedaktrur: Hau» Weder. Berlin. Für de» gnseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Pvrwärt« Luchdruckerei u. Berlagsan stall Paul Singer St Co.. Berlin SW. Nr. 123. 24, Jahrgang. 3. Kcilm Ks.Amiirls" KMm KIKsdlR Aonnerstag, 30. Mai 1907. Partei-?Zngelegenkeiten. Dritter Wahlkreis. Am Sonntag, den 2. Juni findet ein AuS- flug mit Familie nach Johannisthal statt. Treffpunkt nachinittagS im Lokal Lindenhos(früher Lenz), Friedrichsir. 61. Zahlreiche Be� teiligung erwartet_, Der Vorstand. Berliner JVacbncbtem Die Verlängernng der Vofiftraße abgelehnt? Die Durchlegung der Voßstraffe nach dem Kemperplatz, die von der Stadt mit einem Kostcnaufwande von 3'/z Millionen zur Entlastung des Potsdamerplatzes geplant war, soll, wie eine Korrespondenz zu berichten weiß, von den Aufsicht� behörden mit der Begründung abgelehnt worden sein, weil das Projett zu einer Entlastung des PotSdamerplatzes kaum beittagen, Wohl aber eine Ueberlastuug des Kemper Platzes, auf den schon jetzt sechs Straffen einmünden, herbei führen werde. Es soll den städtischen Behörden dabei zugleich anheimgegeben worden sein, die gerade Durchführung der Voff straffe nach der Bellevue- und Viktoriastratze in Erwägung zu ziehen, wobei natürlich vorausgesetzt werden muß, daß die schon jetzt vom Geschäftsverkehr stark in Anspruch ge nommene Bellevuestraße— unter Beseitigung der Baum reihen— entsprechend verbreitert wird. Wenn die Meldung zuttifft, so dürfte sie wieder einmal beweisen, wie die Stadt Berlin von den Aufsichtsbehörden behandelt wird. Das ganze Projekt ist nämlich ursprünglich von den Aufsichtsbehörden selbst angeregt worden. Die Stadt Berlin glaubte zeigen zu sollen, daß sie ernstlich auch unter Aufbringung erheblicher Mittel gewillt ist, zur Entlastung des Potsdamer Platzes nach Möglichkeit beizutragen. Pläne wurden entworfen, keine Mühe wurde gescheut, um die von oben selbst angeregte Verlängerung der Voffstraffe zu er möglichen. Noch in letzter Stunde wäre das Projett gescheitert, weil die Stadtverordnetenversammlung der erheblichen Mittel wegen nicht allzusehr bewilligungslustig war. Nur mit knapper Mehrheit erhielt der Magistrat die Zustimmung der Ver sammlung. Und nun kommt dieselbe Aufsichtsbehörde und ver weigert die Genehmigung. Seit wann ist die Erkenntnis ge kommen, daß nunmehr durch das Projett der Potsdamer Platz nicht entlastet wird? Auch wieder ein recht charakteristischer Beittag über die Behaudlung der Stadt durch die Aufsichtsbehörden. Und da gibt es noch naive Leute in der Stadtverordnetenversammlung, die bei jeder Gelegenheit von Selbstverivaltung in der Kom mune faseln I_ Eine Wcrtzuwachsstcuer ohne Ertrag. Der Stadtverordncteir Ausschutz zur Lorbcratung der Magistratsvorlage betreffend die Ein� führung einer Wertznwachssteuer hat, wie wir bereits gestern be- richteten, beschlossen, datz in allen Fällen eine Verrechnung der Wert- zuwachssteuer auf die Umsatzsteuer zu erfolgen bat. Damit ist der Wille der Hausbesitzer zu», Gesetz geworden. Berlin bekommt eine Wertzuwachssleuer, die lliemaudem wehe tut, aber auch nichts ab- wirft. Das ist selbst der„Täglichen Rundschau" zu viel, denn sie schreibt:.Unserem Kommunalfreisinn kam es offenbar darauf an, für die Nichtigkeit des bekannten Ausspruchs Adolf Wagners, in dem er Berlin als die sozialpolitisch rückständigste Stadt bezeichnete. baldmöglichst einen handgreiflichen Beweis zu' liefern." 23 neue Strasien und Plätze haben jetzt Namensbezeichnungen erhalten und zwar die Straffe 28a hat den Namen„Transvaal- straffe", die Straffe 18a den Namen„Ostenderstraffe", die Straffe 15 den Namen„Limburgerstratze", die Straffe 13 den Namen„Luxem- burgerstratze", die Straffe 54 den Namen„Schererstraffe", die Straffe 67 den Namen„Zumptstratze", die St'raffe 66b den Namen „Travemündcrstraffe", die Straffe 2c den Namen„Finländische- straffe", die Straffe 2 den Namen„Ucckermünderstratze", die Straffe 2b den Namen„Jslandstratze", die Straffe 12c den Namen„Norden- skiöldstratze", der aus den Straffen 3a und 12b zusammengesetzte Straffcnzug den Namen„Norwegerstraffe" erhalten. Der Straffe 9c ist der Name„Andersenstraffe", der Straffe 9d der Name„Bergencr- straffe", der Straffe Le der Name„Nordkapstrahe", der Straffe 9k der Name„Aalesunderstraffe", der Straffe 9g der Name„Sta- vangcrstrahe", der Straffe 9b der Name„Tcgnerstraffe", der Straffe 9i der Name„Gotlandstraffe", der Straffe 1a der Name„Ibsen- straffe" und dem zwischen der Straffe K in Pankow und der Wis- byerstratzc in Berlin belegenen Straffcnzuge der Name„Trelle- borgerstraffe" beigelegt worden. Die Straffe A hat den Namen „Zinnowitzerstraffe", die Straffe B den Namen„Heringsdorfcr- straffe", die Abzweigung der Kaiser Wilhelmstraffe nach der Schön- hauser Allee den Namen„Amalienstraffe", die Abzweigung der Kaiser Wilhelmstraffe nach der Prenzlauer Allee den Namen„Wey- dingerstraffe", die Verbindungsstraffe nach der Straffburgcrstraffe den Namen„Koblankstraffe", der an der Gabelung der Kaiser Wil- belmstraffe belegene Platz den Namen„Babelsberger Platz", die Straffe 66b den Namen„Waldeyerstraffe", die Straffe 17 den Namen„Dirschaucrstraffe", die Straffe 49c den Namen„Schmückcrt- straffe", der am Treffpunkt der Bromberger-, Merneler-, Rcvalcr- und Warschauerstratze belegene Platz den Namen„Helsingforscr Platz" und endlich die zwischen der Cornelius- und Friedrich Wil- helmstraffe belegene Privatstraffe den Namen„Hansemannstraffe" erhalten. Von der Masscnfliicht ans der Kirche. Wieviele Personen haben in Berlin im Jahre 1996 ihren Austritt aus der Kirchcngemein- schaft erklärt? Im vorigen Jahr war von den Pastoren auf den Synoden bitter darüber geklagt worden, datz die Zahl dieser Ab- trünnigen sich ganz autzerordentlich n, ehre. In diesen, Jahr aber ist auf einer der Synoden die tröstende Versicherung ge- geben worden, schlietzlich seien doch nicht soviele ausgetreten, wie man erivartet hatte. Eine bestimmte Zahlenangabe hierüber scheint nicht gemacht worden zu sein, wenigstens haben wir in den Be- richten der bürgerlichen Presse über die diesjährigen Synodal- Versammlungen nichts Derartiges bemerkt. Wir finden aber jetzt in einem Nachrichtenblättchen, das den Bestrebungen der Jünglingsvereine dient, die lehrreiche Mitteilung, in Berlin seien in einer Märzwoche des JahreS 1996 rund 699(sechshundert) Personen aus der Landes- kirche ausgetreten. Hiernach kann man sich ja eine ungefähre Vorstellung davon machen, wie viele in dem ganzen Jahre 1996 ausgetreten sein mögen. Das Blättchen fügt mitzmutig hinzu, uuter diesen 699 Personen seien 176 Jünglinge gewesen. DaS ist aller- dingS ein sehr beachtenswerter Beitrag zur Beantwortung der Frage, welche Wirk lln gen der Religionsunterricht der Schule samt der Konfirmandenunterweisung der Pa stören auf die heranwachsende Jugend ausübt. Wir glauben es den Pastoren aufs Wort, daß dieser»Erfolg" sie schwer verdrietzt._ Wichtige Fragei» der Justizreform wurden am Dienstag im LchrkursuS für Gefäiigniswesen erörtert. Anlaß dazu bot der Vortrag des Staatsanwalts, Geh. Ober- Justizrats Dr. Jsenbiel, über die Organisation des Gefängnis- Wesens, in welchem er auch im Hinblick auf den bestehenden „Dualismus" der Gefängnisverwaltung bemerkte, datz die auf Vereinheitlichung abzielenden Wünsche in der nächsten Zukunft wohl in Erfüllung gehen würden. Bezüglich der Gefängnisarbeit verbreitete sich der Vortragende über den Regiebetrieb, der dem freien Getverbe am wenigsten Konkurrenz bereite, und rücksichtlich den Disziplinar st rafeli warnte er vor zu häufigen und strengen Strafen und zwar sowohl durch Kostentziehimg, wie durch Verschärfung der Hast. Die Prügelstrafe, deren Wieder- einführung hie und da verlangt werde, sei heute kulturwidrig, sie entwürdige sowohl den Bestraften wie den Strafenden. Was die angestrebte Justizreform betreffe, so habe er, Redner, nichts dagegen, wenn die Rechte der Ver- teidigung im Vorverfahren erweitert würden, wenn man die Untersuchungshaft möglichst einschränkte, ivenn man den Zeugniszwang gegen Redakteure abschaffe— auf dies HülfSmittel, bei dem in der Regel doch nichts herauskomme, könnten die Gerichte ruhig verzichten—, jedenfalls werde es noch geraume Zeit dauern, bis diese schwierigen und einschneidenden Aenderungen in die Straf Prozeßordnung eingegliedert werden könnten. Im Anschluß an den mit reichem statistischen Material ausgestatteten Vortrag, an den sich eine recht anregende Debatte knüpfte, teilte der Leiter des Lehr- kursus, Geh. Ober-Justizrat P l a s ch k e mit, daß die Justizverwaltung eine anderweite Regelung der Kompetenz der landgerichtlichen Gefängnisse in Erwägung gezogen habe. Danach sollen die letzteren in ihrer Zuständigkeit auf Strafen bis zu drei Monaten, und wo das Zentralgefängnis zu weit ent fernt ist, bis zu sechs Monaten eingeschränkt werden. Strafen bis zu vierzehn Tagen würden dann in den Amts- gerichts-Gefängnisien und solche über drei bczw. sechs Monate in den Zentralanstalten zu verbüßen sein. Eine noch wichtigere Neuerung betrifft die lv eitere Einführung der sogenannten A u f s i ch t s k o m m i s s i o n e n, wie sie jetzt nur bei einzelnen, gröberen Justizgefäugnissen bestehen. Für die vier Berliner Ge- fängnisse z. B. existieren zwei Aufsichtskommissioiicn, in denen Ober staatSanwalt Dr. Jsenbiel bezw. Erster Staatsanwalt Dr. Preutz den Vorsitz führen und denen ein Richter, ein Staatsanwalt und ein Gefängnisbeamter angehören. Zu diesen sollen künftig noch Laien Mitglieder, die der Justizminister ernennt, treten und zlvar zu- nächst Angehörige der Fürsorgevereine. Wie in Belgien. Baden u. a. Staaten die„AussichtSräte", denen Laien angehören, so haben sich auch bei uns die Aufsichtskommissionen sehr gut bewährt; sie sollen daher bei einer ganzen Reihe von Gefängnissen eingeführt werden. Vielleicht wird man auch ihre Kompetenz erweitern, so datz sie nicht nur die Beschwerden der Gefangenen zu prüfen, sondern auch Gnadengesuche, An- träge auf vorläufigje Entlassung usw. zu begutachten haben würden._ BerkehrSsperrungen. Der Polizeipräsident gibt bekannt: Aus Anlaß der am 1. Juni d. I., vormittags 9 Uhr, auf dem Tempel- hofer Felde stattfindenden Parade wird die Tcnipclhofer Chaussee von euva 8 Uhr an bis zur Beendigung der Parade für jeden Verkehr gesperrt. Die Bcllealliancestraße und die Lichtcrfelderstratze dürfen von Lastwagen während der Zeit vorn Ausrücken der Truppen bis nach deren Einmarsch in die Stadt nicht befahren werden. Nur den mit Passierscheinen versehenen Personcuivagen tst das Befahren der Bellealliancestratze bis zum Sleuerhause gestattet. Alle übrigen Personemoagen haben bei der Kreuzbergstratze in die Lichterfcldcr- straffe einzubiegen und durch diese auf das Tempelhofer Feld westlich der Chaussee zu fahren. Der Betrieb der Straßenbahn- und OmnibuSlinien wird auf der Tempelhofer Chaussee und den aus Berlin nach dem Tempelhofer Felde führenden Srratzen(insbesondere auch iu der Friedrickistratze) mit dem Beginn des AnSrnarscheS der Truppen(etwa von 7 Uhr ab) bis zur Aufhebung der Absperrung eingestellt, bezw. eingeschränkt oder abgelenkt. Wie man«fromme Heime" gründet. Vor einem halben Jahre wurde im Norden der Reichshaupt- stadt das„Frommelheim" eingeweiht, bestimmungsgemäß eine Wohnstätte für invalide Krieger und kranke Beamte, sowie für andere würdige und bedürftige männliche und weibliche Personen, die zum Andenken an den verstorbenen Hofprcdigcr O. Emil Fromme! gestiftet oder richtiger„gegründet" worden ist. Daran wäre in unserer Zeit, wo man der notleidenden Menschheit unter Aufbietung des nötigen öffentlichen Tamtams mit aller Gewalt auf die Beine helfen möchte, nichts so Verwunderliches. Dem Verdienste seinen Kronenorden, jedem nach seiner Faffon. Aber hier gewinnt die Sache eine lebhaftere Färbung dadurch, daß der Stifter des Heims der bekannte und einst vielgenannte Pastor cm. Diestelkamp, der ehemalige Seelsorger der Nazarcthgcmcinde, ist. Pfarrer Diestelkamp hatte seiner Zeit in Gemeinschaft mit dem begüterten Grafen Oppersdorf in Wien, der in Berlin an der Sccstraffe um- fangreiche Gelände besaß, cbendort die Kapernaum-Kirche„ge- gründet", und es sollen im Anschluß an diese Kirchcngrüildung Dinge vorgegangen sein, über deren durchaus einwandfreie Natur man im Zweifel sein kann. Sicher ist, datz der geistliche Gründer in arge Vermögensbcdrängnis geriet und schließlich in den Ruhe- stand genötigt wurde. Pfarrer Diestelkamp hatte schlietzlich nur dasselbe getan, was nach ihm Exministcr Pod tat. Er hatte erkannt, daß ihm eine gütige Fee kaufmännisches Talent in die Wiege legte, und er war kraft seines angesehenen Amtes ganz der Mann dazu, dieses schöne Talent nicht verkümmern zu lassen. Gegen Pod nur mit dem Unterschiede, daß ihm im heftigsten Spekulations- fiebcr die Gründungskarre etwas schief ging. Aber trotz•alledem— der Herr Pfarrer bezieht heute ein nettes Ruhegehalt, er ist Haus- besitzer, und„oben" hat er als Mann im schwarzen Rock noch immer einen Stein im Brett. Das sah man wieder bei der Einweihung des Frommelheims. Schon wochenlang und monatelang vorher war tüchtig die Reklametrommel gerührt worden. Der Unbefangene muffte nach den Zeitungsberichten wahrhaftig glauben, daß es sich um eine Heimstätte größeren Stils für Unbemittelte und um dem- entsprechende Einrichtungen handelt. Wie entsetzlich armselig sieht das Frommclhcim in Wirklichkeit aus! Eine ehemalige Tischler- Werkstatt im zweiten Stockwerk einer Mietskaserne(Schönhauser Allee 141), die natürlich dem Pastor Diestelkamp gehört, ist derart umgebaut worden, datz sich hier ein paar dürftige einfenstrigc Stäbchen einrichten ließen. Darunter liegt im ersten Stockwerk der Logcnsaal des internationalen Guttemplcrordens, in dem jeden Abend bis in die Nacht' hinein schauerlich eintöniger Singsang stattfindet, und zur ebenen Erde die Kaffccstube des Vereins für Volks-Hygiene, im ersten Oucrgebäude auch noch die Koch- und Haushaltungsschulc der Zweigstelle Berlin des Vaterländischen FrauenvercinS. Der Gründer des Frommelheims hätte also ein glänzendes Fiasko erlebt, wenn er nur mit den paar Budchen im zweiten Stock aufwarten konnte. Da hätten wohl selbst die Hof- claqeure und die enragiertesten Wohltätigkeitskoryphäen die Nase gerümpft. Deshalb mufften die übrigen mehr oder minder gemein- nützigcn Einrichtungen, die mit dein Frommelheim absolut nichts zu tun haben, unter dessen Flagge zur Staffage mit herhalten, und — die Geschichte ist geglückt. Die geladenen und zahlreich er- schienen Fcstgäste sprachen gut gelaunt ihre volle Zufriedenheit mit dem Gesehenen und Gebotenen aus. Hoffentlich— so klang es damals durch die Festrede des Pastors Diestelkamp immer wieder durch— fließen die wohltätigen Spenden für das Frommelheim nunmehr recht reichlich. Denn der Nervus rerum, das ist ja neben der Knopflochzicrde, die für den oder jenen der Nächstbctciligtcn abfällt, der praktische Hintergrund bei solcher„frommen" Gründung. Der spekulative Herr Pastor hat dann noch versucht, die Kaffecstube und das Logenheim für eine illustrierte Zeitung als Frommelheim photographieren zu lassen; doch stieß er wider Erwarten bei den Inhabern dieser Räume auf Widerstand. Seitdem sind, wie gesagt, fünf Monat ins Land gegangen, aber das Frommelheim zeigt noch immer sein altes fadenscheiniges Gesicht. Zudem ist die Monats- miete von 12 M. für eins der Zimmerchen des Heims entsprechend den örtlichen Verhältnissen durchaus nicht billig. Man hat also unter großspurigen Vorbereitungen und unter Benutzung des Namens eines einst hochangesehcnen Toten wieder mal, wie es nicht selten geschieht, eine sogenannte wohltätige Stiftung ins Leben gerufen, die, bei Lichte besehen, sich als etwas recht Minder- wertigeS herausstellt._ Beim Abfeuern eines KanonenschlageS schwer vcrnnglückt ist gestern nachmittag der Büfettier Fröhlich, der in dem Nestaurant „Teufelssee" in den Müggelbergen tätig war. Er hatte die Absicht, eine sogenannte Schlagkanone abzufeuern, doch miglücklicherweife entlud sich der FeuerwerkSkörper zu früh und ein Teil der Schutz- inassen traf den F. Neben anderen erheblichen Verletzungen wurde ihm die rechte Hand zur Hälfte mit drei Fingern vollständig ab- gerissen. F. wurde der hiesigen königlichen Klinik zugeführt. Die englische» Journalisten sind gestern auf dem Lehrter Bahn- Hofe angekommen, nachdem sie zuletzt in Hamburg auf den Frieden getoastet und gut gegessen haben. Jetzt geht in Berlin die Friedens- esserei und-Trinkerei und-Rederei los. Einige Zeit geht das so fort, man sagt sich höfliche Worte, bis der Schnellzug die Engländer nach Dresden und München führt. Dort wiederholt sich das Spiel von neuem. Fünf deutsche Städte treten in Konkurrenz ob Be- lvillkonnnnung englischer Gäste. Eine politische Bedeutung können wir diesen Besuchen nicht beimessen. Ei» schwerer Straßcubahnunfall ereignete sich gestern nachmittag in der Landsberger Allee. Gegen'/43 Uhr versuchte der Rentier Roth, Cotheiiiussir. 18/19 wohnhaft, vor dem Hause Landsberger Allee 45 den Fahrdamm dieses Stratzenzuges zu überickireiten, wobei er anscheinend das Herannahen eines Stratzciibahiiwagens der Linie 64(Richtung Charlottcnbnrg) nicht bemerkt hatte. Er wurde von dem Bahnwagen umgcstotzen und stürzte so unglücklich zu Boden, datz er unter den Borderperron des Straffenbahnwagens zn liegen kam. Der Verunglückte wurde mittels Droschke nach dem Krankenhause Friedrichshain geschafft, wo ein Bruch des Brust- knochenS und innere Verletzungen festgestellt wurden. Falsche Zweiniarkstuckc sind wieder einmal in Umlauf gesetzt worden. Die Falsifikate sind täuschend ähnlich nachgeahmt und von den echten Geldstücken nur schwer zu unterscheiden. Sie tragen daS Prägezeichcn A und die Jahreszahl 1877. Uebcr den TodeSsturz eines Lehrlings, über den wir gestern berichteten, wird uns ergänzend mitgeteilt, datz das Unglück Koch- stratze 13 g. passierte. Der Lehrling stürzte bei den Reparaturarbeiten vom Dache nach dem Hofe des Hauses Fricdrichstr. 219 ab. Der Meister habe die halsbrecherische Arbeit von seinen beiden Lehrlingen allein ausführen lassen. Einer der Lehrlinge ist erst ein Jahr in der Lehre, während der zweite— der Verunglückte— erst 14 Jahre ist. Nach dieser Darstellung ist das Verfahren des Meisters un- entschuldbar; hier ist mit Menschenleben geradezu Schindluder getrieben worden._ Ein Ulan erschlagen? Auf einen gewaltsamen Tod läfft ein Leicheufund schließen, der am Montag in der Spree gemacht wurde. Eine kurze Strecke vor der Mündung in die Havel ist ein toter Ulan aus dem Wasser gezogen worden. Der Mann war in voller Uniform, mit um- geschnallte», Säbel und Handschuhen; die Uniform war von der Art, lvie sie Urlauber zu tragen Pflegen. Nach dem vorgeschrittenen Ver- wesungSprozetz zu urteilen, hat die Leiche Wohl schon an 5 Monate in, Wasser gelegen, und hieraus will man schließen, datz eS sich um einen Weihnachtsurlauber handelt. Der Tote war Gefreiter bei», 19. Ulanen-Reginrcnt in Züllichau. Messerstiche sollen in, Kopf vor- Händen sein. Auch ist die Ulanka an, Kragen zerrissen. Bei de», Toten lv, irden noch Uhr und Kette vorgefunden, aber kein barcS Geld. Die Leiche ist nach der Halle des Garnisonlazaretts gebracht worden, wo die Obduktion erfolgen wird. Eine weitere Meldung besagt: Der Fundort der Leiche deS n» u t n, a tz l i ch erschlagenen Ulancngefteitei, Robert BenSke deutet darauf hin, datz der Verstorbene nicht an dieser Stelle, sondern eine weite Strecke oberhalb deS FlutzlanfeS ins Wasser ge- warfen ist. Der Tote wurde am Ufer der Spree etiva 399 Meter von der Mündung in die Havel bei der königlichen Geschützgießerei in Spandau gelandet. Ist B. das Opfer eines gewalttätigen Au- griffes geworden, so wurde dieser nicht in Spandau, sondern in Charlottcnburg oder in Berlin ausgeführt; die Leiche ist ström- abwärts„ach Spandau getrieben worden. Als Todesursache stellte die Obduktion Ertrinken fest. Sie ergab jedoch, datz den, Ulanen die schweren Verletzungen„och bei seinen Lebzeiten bei- gebracht worden sind. Es wird angenommen, datz der Gefreite ahnungslos auf eiiiern Spaziergange überfallen und dann für tot ins Wasser geworfen wurde._ Schwer verunglückt ist Dienstagabend gegen 19 Uhr der 21 Jahre alte Arbeiter Willi Nehrke iin Hause Palisadensiratze 193. R. hatte die Absicht, seinen Freund Enno Korb, tvelcher in, Hofgebäude des genannten Grundstücks wohnt, zu besuchen, fand aber an der WohnuugStür keinen Einlaß. Er stieg deshalb auf das Glasdach. daS Vorder- uiid Hintergebäude verbindet. Dabei brach er durch lind stürzte 5 Meter tief aus den Hof hinab. Man brachte ihn nach der Unfallstation in der Keibelstraffe, wo der Arzt einen schweren Bruch deS rechten Oberarms feststellte. Ein Freund deS Genossenschaftswesens schreibt nnS:„In, Seit- artikel deS„Vorwärts" Nr. 121 wird auf die Möglichkclt eines •leischwucherkartells hingewiesen, wenn einmal„mit den kleinen adenbesitzeri, aufgeraunit" sein wird. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Aufräumungsarbcit namentlich in den großen Zentren mit grötztem Erfolge betrieben wird, nicht durch die böse Sozialdemokratie, wie die MittelstnndSrettcr so gern den, Philister einreden möchten, sondern durch die treibenden Kräfte des Kapitalismus. Die hierdurch bedingten Gefahren für die Arbeiterklasse, wie für dieKoilsinncntcn über- Haupt werden endgültig erst mit der Beseitigung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung verschwinden. Immerhin ist es wichtig genug, Vorkehrungen zu treffen, un, die zu erwartenden Schläge für die breiten Kousumcntenschichtcn möglichst abzuschwächen. Hierher gehört in erster Linie die Organisierung der Konsumenten, die Begründung und Pflege von Konsumgenossenschaften. Die KonsuingenossenschaftSbewegung ist in Deutschland keines- Wegs auf der Höhe. Wo sie nicht in der Zeit deS Sozialisten- gesctzeS, als die anderen BctätigunaSgcbiete mehr oder minder versperrt waren, zur Blüte gelangt ist, lvie in Sachsen, oder Ivo nicht besonders günstige Umstände ihr eine schnellere Entivickelung ermöglichten, ist sie' meist über kleine Anfänge noch nicht heraus- gekommen— so namentlich auch in Berlin. Welchen Einfluß aber die Zusainmenfasftlng der Konsumkraft des werltätigen Volkes ge- Winnen könnte, beweist der ständig wachsende Umsatz der„Trotz- einkaufS-Gesellschaft deutscher Konsumvereine Hamburg": in den letzten fiiuf Jahren hat sich der Jahresumsatz dieser seit t3 Jahren bestehenden Vereinigung deutscher Konsumvereine von 2l, 6 Millionen Mark in 1902 auf 46,5 Millionen Mark in 1906 gehoben. An diesem Umsatz war der Ldtzzig-Plagwitzer Konsumverein allein mit 2,1 Millionen beteiligt; fast zwei Millionen erreichte der Dresdener Konsumverein t für mehr als eine Million be- zogen von der Grotzeinkaufs-Gcscllschaft noch die Konsumvereine von Braunschweig, Chemnitz, Hamburg und Mainz. Zwischen einer und einer halben Million lagen die Bezüge der Konsumvereine von Barmen, Bremerhaven, Elberfeld, Essen, Forst i. d. L. und München. Die beiden Berliner Konsmnorgauisationen (Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend, e. G. m. b. H.. und der Berliner Konsumverein) bezogen dagegen zusammen nur für 305 600 M. von der Grotzeinkauss-Gescllschast. Freilich betrug auch der Jahresumsatz des Konsumvereins Leipzig-Plagwitz im eigenen Geschäft 14,3 Millionen, während beide Berliner Organisationen zusammen nur 1,2 Millionen umsetzten, nicht viel mehr als z. B. der Konsumverein zu Forst i. d. L.I Hier gibt es noch ein reiches Arbeitsgebiet für die Rrbeitcrfraueii, das mit wenig Mitteln und geringer Anstrengung anzubauen ist— erforderlich ist auSschlietzlich strenges Festhalten an dem einmal gefaizten Beschlutz, sich des Konsumvereins zu be- diene», und— Geduld. Von heute ans morgen lassen sich Erfolge nicht auS dem Boden stampfen und die Berliner Arbeiterschaft ist an grotze und aktuelle Erfolge gewöhnt. Hier geht eS namentlich mn Anfange nur langsam vorwärts. Wenn wir oben— anknüpfend an AilSführungen des„Vor- Worts"— die Konsnniorgatlisation auch als ein VorbengungS- mittel gegenüber einem drohenden Fleischivucherkartell hinstellten, so ist gerade � hierfür eine sehr lange VorbereitungSzeit nötig. Die eigene Fleischerei ist für den Konsumverein ails vielen Gründe» vielleicht das schwierigste Unternehmen— Beispiele einer wirklich blühenden KonsnmvereinSfleischerei sind äutzerst selten. Hierzu bedarf eS einer sehr großen Mitgliederzahl und großer Mittel. Dagegen sind mit der Bäckerei vielfach glänzende Erfahrungen gemacht worden; vielfach sind KonsumsvereinSbäckereien gute Einnahmequelleii für die Konsninvereine. während gleichzeitig die Betriebe in sozialer und hygienischer Beziehung alles leisten. waS in unserer kapitalistischen Ordnung überhaupt geleistet werden kam,. Verfehlt wäre es auch hier, zu früh anzufangen— etwa gereizt durck das Verhalten der Bäckermeister, daS ja gerade jetzt in Berlin zum Boykott zwingt. Wohl aber sollten die Verhältnisse im Bäckergewerbe ein neuer Anstoß für die Berliner Arbeiterschaft sein, ihr Interesse den be- stehenden Konsumorganisationen zuzuwenden, um die Möglichkeit der Errichtung eigener Bäckereien recht bald herbeizuführen. Scdon das Zuströmen einer grotzen Anzahl neuer Mitglieder zu den Kousumorganisationcn könnte namentlich auf die kleinen Bäcker- meister einen heilsamen Druck ausüben. AuS allen diesen Gründe» rufen wir namentlich den Arbeiterfrauen zu: Schlictzt Euch den Konsumorganisalivlien an!" Das Genossenschaftswesen in Berlin würde weiter sein, wenn wir eine einheitliche Konsumgenossenschaft hätten. Wie es jetzt liegt, sucht eine der anderen den Rang abzulaufen, waS gewiß nicht dazu beiträgt, die Bewegung zu fördern. Ein rücksichtsloser Nadfahrrr überftihr, wie unS nachträglich berichtet wird, am Tonnabend am Kottbuser Ufer— Forsterstratzen Ecke den siebenjährigen Sohn des Klempners Nich. Wilde, Forsterstr. 45. Der Knabe blieb besinnungslos liegen und mutzte in die elterliche Wohnung getragen werden, ohne daß sich der Rödler um ihn kümmerte. Er begab sich vielmehr nach dem Vorfall in ein in der Nähe belegenes Gartenlokal, um sich unauffällig zu drücken und es ist dem Vater nicht gelungen, die Adresse zu ermitteln. Das Gebrüder Herrnfcld- Theater beschließt nunmehr morgen seine diesjährige Spielzeit. Für den Juli hat die Direktion das Gastspiel eines Wiener LperettenensembleS in Aussicht genommen Das Gebrüder Herrnseld-Theater selbst eröffnet die neue Saison am 3. August. Im Luisea-Theater wird heute zum ersten Male:.Das Rätsel seiner Ehre" in Szene gehen. Die Feuerwehr, daS„Mädchen für alles", wurde gestern früh um 7 Uhr nach der Oberspree gerufen. Dort war in der Nähe des Grundstücks Mühlenstr. 61/63 ein Dampfer leck geworden und im Sinken begriffen. Der Zug 7 konnte aber wegen der ungenügende» Länge der Saugeleitnug nicht sofort helfen. ES mutzte erst ein großer Kahn herbeigeschafft werden. Auf diesem wurde dann die Dampfspritze 7 verlade» und an die Seite des sinkenden Dampfers verankert, Nun gelang es, die Saugeleitung bis in das Innere des Dampfers zu legen und das Wasser heraiiszupnmpen. Der Dampfer wurde gehoben, gedichtet und wieder flott gemacht. Der 16. Zug hatte am Nordhofen zu tun. Dort war ein Kohlen wagen über die Böschung in den Hafen gerutscht. Es gelang, den Wagen unbeschädigt wieder auss Trockene zu bugsieren. Durch die Explosion einer Petroleumlampe kam in der Schönhauser Allee 7l Feuer auS, das Möbel, Ikleider und Immobilien ergriff. Gleich zeitig war in der Friedrich Wilhelmstraße 6 die Umhüllung einer GaSlampe in Brand geraten. Kisten u. a. brannten in der Wolliner- straße 17. Ferner hatte die Wehr in der Bülowstcaße 56, Forster- stratze 33, Rückersiraße 7 und an anderen Stellen zu tun. Vorort- J�acbrlchrcn. Es geht wirklich vom Landrat selber aus! Bekanntlich hat bereits am 9. Febmar der Amlsvorsteher von Britz ebensalls eine zum 17. F bruar angemeldete Versammlung des Vereins der Lehrlinge usw. vcrboien. Beichtverde wurde am 16. Februar an den Landrat gerichtet, woraus am ö. April(schon I) folgende Aulloort kam: „Auf die Beschwerde vom 16. Februar 1997 crtvidcre ich, daß das Verbot einer Versammlung des von Ihnen geleiteten Vereins der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter Berlins und llmgegend durch den AmtSvorsleher in Britz auf meine Anordnung er- folgt ist." So erklärt sich, daß diese gesetzwidrigen Verbote in mehreren Ortet» des KreiieS Teltow gleichmäßig erfolgt sind. Es geht daraus hervor, waS wir bisher denn doch nicht für möglich gehalten hätten: daß nämlich der Landrat selb st über die Pflichten seines Amtes nicht genügend in- formiert ist. ES ist dieS die mildeste Beurteilung Denn wollten wir annehmen, daß der Landrat die in Frage kommenden G setze genau gekannt bat, so läge ja darin der Vorwurf, daß er sie absichtlich verletzt habe. Diesem Ver- dacht Raum zu geben, können wir uns nicht entschließen. Er- schwerend kommt hinzu, daß im Jahre 1397 die Regierung dem Landtage ein Gesetz vorgelegt hat, welches der Polizei das Recht erst geben sollte, in gewiffe» Fällen Versammlungen vorher zu verbieten. DieS Gesetz ist abgelehnt worden. Mithin weiß die Re- gierung ganz gut, daß der Behörde ein solches Recht in Preußen nicht zusteht. Und es ist wohl nicht zu viel verlangt, daß ein so hoher Beamter wie der Laitdrat. noch dazu vor den Toren der Hauptstadt, über diese Sachlage genau unterrichtet sei» sollte. Von einem einfachen Geudaimen kann man die Kenntnis aller dieser verzwickten Bestimmungen kaum verlangen, von einem Landrat aber wohl. Wird doch der einfache, nicht beamtete Bürger durch Unkenntnis der Gesetze nicht vor Strafe geschützt. Wie viel peinlicher müßte also ein Landrat darauf achten, daß er nicht durch Unkenntnis der Gesetze die Rechte anderer verletze! Roch eine bezeichnende Kleinigkeit: Gegen die Anordnung des Landrats ist bereits am 13. April Beschwerde beim Regierungs- Präsidenten erhoben worden; bi« zum 28. Mai war daraus nach keine Antwort erteilt. Ob sie etwa in den letz»'» zwei Tagen ein- veräntwörtlicher'Redäkteur: Hans Weber, Berlin. Für den gegangen ist, wissen wir nicht. Auch da? zeugt davon, daß den Wünschen und Dcdürfniflcn der Staatsbürger von den Regierungs- stellen nicht.mit derjenigen Achtung begegnet wird, die sie be- anspmchen dürfen.____ Groft-Lichterfelde. Zu dem Unglück beim Bau der hiesigen Gemeinde- Badeanstalt nimmt nunmehr das Gemeindebauamt m einer hiesigen Zeitung das Wort und gibt im Gegensatz zu den Behauptungen des Herrn Ingenieur Oesten-Berlin folgende Darstellung: Die Firma G. Oesten-Berlin, tvclcher die Ausführung der Waffer- Zuleitung und Filteranlagen für das Schwimmbad übertrage» ist, war vom Banleitenden mit Postkarte vom 19. Mai zn einer Be- sprcchung über die Rohrvcrlcgungsarbeiten am 2l. Mai früh an Ort und Stelle eingeladen, um eine schnellere Förderung zu ver- anlassen. Am 21. Mai, vormittags Uhr, war Herr Oesten noch nicht auf der Baustelle: unser Baulciteude beaustragte daher den die Oestenschen Arbeiten leitenden Monteur Burschkies, mit den Rohr- legungSarbeiten an dem Maschinenkeller zu beginnen, um hier die »och fehlenden FundamenlierungSarbeilen für den Hochbau boldigst ausführen zu können. Der Manteur Burschkies erklärte, die frag- lichen Arbeiten sofort in Angriff nehmen zu wollen; hierbei wies der Bauleitcnde dem Monteur Bnrschkies, weil die Firma Oesten keine Bohlen und Steifen zur Absteifung der Baugrube auf der Baustelle hatte, das auf dieser von den Kanalisations- arbeiten her lagernde Steiflnaterial der Firma Gommert, Berlin, an mit der ausdrücklichen Aufforderung, das Slcifmaterial zur Absteifung der Baugrube beim Ausschachten zu verwenden. Mit den Erdarbeiten wurde um 9 Uhr begonnen: gegen 10 Uhr kam der Bauleüende an der fraglichen Stelle vorbei, wobei er nochmals den Monteur daraus aufmerksam machte, daß eine senkrechte Absteifung der Baugrube mit Bohle» erfolgcir müßte. Die Arbeiter der Firma Oesten hatten auch inzwischen Bohlen, Brusthölzer und Steifen von dem durch den Vauleitenden ihnen angewieseneil Stapel des Unter- nehmers Gommert zur fraglickien Baugrube heraugeschafft, ein Ein- bau der Hölzer war jedoch nicht erfolgt. Kurz vor 11 Uhr erschien Herr Oesten jun. ans der Baustelle und beaufsichtigte von da ab seine Leute: gegen U'/a Uhr besprach der Bauleilende die Aussllhruugsart an der fraglichen Stelle, wobei Herr Oesten nur erwähnte, daß er lieber gesehen hätte, wenn mit den NohrleguiigSarbeiien an anderer Stelle begonnen wäre. Bei dieser Besprechung hat der Bmileitende Herrn Oesten jun. mitgeteilt, daß er dem Monteur Burschkies das Steifmaterial des Unternehmers Gommert zur Absteifung der Baugnibe an der fraglichen Stelle an- gewiesen habe. Da der Unternehmer Oesten jun. selber auf der Baustelle ver« blieb, die Arbeiten selbst weiter leitete und seine Leute selbst be- aufsichligte, entfernte sich der Bauleitende, welcher andere Arbeiten zu erledigen hatte, gegen ll'/z Uhr von der fraglichen Stelle, zn einer Zeit, wo die Baugrube»och nicht bis zur mörderlichen Tiefe von 2,5 Meter, sondern nur etwa 1,6 Meter tief ausgeschachtet war. Nach Aussage der Zeugen ereignete sich der Unfall um 12.35 Uhr, also während der ionst übliche» Miltagspause. Als der Baiilcitende an die Unfallstelle gerufen wurde, sah er, daß die Baugrube auch jetzt noch nicht abgesteift war. wohl ober, daß Steiflnaterial dicht neben der Unfallstell« lagerte." Wir haben diese Darstellling gebracht, weil Herr Ingenieur Oesten in einer Zuschrift sich von dem Borwurf der Schuld zu reinigen suchte. Unsere Leser mögen nun selbst ein Urteil über de» Vorgang fällen. Trcptow-Batimschlilenweg. In der lebten Geineindevertreterlthnng teilte der Gemeinde- Vorsteher mit, daß weitere Typhusfülle nicht mehr borgeiommen und die Epidemie somit als erloschen zu betrachten sei. Genosse Karow erwähnte den TipHtHeritisfall eines Kindes des Schriftsetzers Feldncr, Baumschulenstr. 79. Dieses Kind erkrankte am 22. März und erhielt durch Dr. Bildt eine Einspritzung; am 26. März tonnte das Kind das Bett wieder verlassen und am li9. März wurde vom Arzt die vollständige Gesundheit konstatiert. Dr. Bildt will den Fall sofort angemeldet haben, aber erst am 2. Mai erschien der Des- infektor, um das Krankenzimmer zu desinfizieren. Frau Feldner weigerte sich nun, nachdem das Kind bereits 5 Wochen gesund war, die Tesinsizierung vornehmen zu lassen und beschwerte sich persönlich beim AintSvorftcher, welcher ihr aufgab, ein ärztliches Attest darüber einzureichen, daß die Maßregel nicht mehr nötig sei. Diese» Attest ist dann auch am 6. Mai eingereicht worden.. Dennoch wurde am 18. Mai mit einem besoudcreu Auftrage von amtSivegen die Desinsiziening vorgenommen. Die Anordnung des Kreisphysikus datiert nach Angabe vom 24. April. Eine Auskunft darüber. an wem hier die Schuld liege, konnte der Gemeindevorsteher nicht geben, da er die Akten nicht zur Hand habe. Ein Antrag auf Erlaß des Fremdeuschulgeldes für drei Kinder in Nixdorf wohnender Lehrer der Gcmcindeschiile I. wurde au- genommen. Genosse Karow führt an, daß von einzelnen Lehrern und auch vom Rektor Schmidtsdors über zu starke Fregucnz der einzelnen Schulklassen Klage geführt werde und ersucht, dafür einzutreten, daß mehr Lehrkräfte eingestellt werden. Der Ge- meindevorstchcr bestritt die Notwendigkeit mit dem Hinweis, daß die Frequenz unserer Schulklassen im Verhältnis zu anderen Orten eine durchaus günstige sei da die durchschnittliche Schülcrzahl in den einzelnen Klassen nicht über bö betrage. Gegen die Aus- stattnng einer weiteren Klasse der hiesigen Privatschule aus Ge- meindemittelu wandte sich Genosse Gerisch; an den Gcmeindcschulen sei noch sehr viel zu bessern und man könne auch noch weitere Klassen für besonders befähigte und vorgeschriliene Schüler der Gemeindeschulen einrichten, aber Bedingung müsse sein, daß all? dazu befähigten Schüler auch gleichberechtigt sind. Diejenigen Ge- meiudeangehörigen aber, welche sich für zu gut halten, ihre Kinder in die Gemeindeschule zu schicken, müßten ihre Privatschule auch selbst bezahlen. Gegen die Stimmen der sozialdemokratischen Ver- treter wurde jedoch beschlossen, die Kosten zu übernehmen. Die Ausnahme von Tarlehen zum Erwerbe von Grundstücken für Ge- meindezwecke und einer Baurate für die Rcgcnwässerableitung im Betrage von 549 660 M. wurde angenommen. Eine erregte De» battc zwischen dem Gcmciudevorsleher und der Mehrheit der bürgerlicheu Vertreter rief der Beschlutz über ein zu erlassendes Ortsstatut betreffend die Unterhaltung des Stratzcnnetzcs hervor. Das Ortsstatut bezweckt die Festsetzung allgemeiner Grundsätze, nach welchen von den einzelnen Grundbesitzern Beiträge erhoben werden können, wenn ihnen durch Herbeiführung des dem jeweiligen Verkehrsbedürfuisse entsprechenden Zustandes des teilweise un- gepflasterten Straßennetzes wirtschaftliche Vorteile erwachsen. Mit Rücksicht auf die Verschiedenheit dieser Vorteile soll die Höhe der Beiträge und der Kreis der Beitragspflichtigen in jedem einzelnen Falle durch Gcmeindcbeschluß festgesetzt werden. Für die sofortige Annahme traten außer dem Gemeindevorsteher nur die sozialdemo- kratischcn Vertreter ein. Tie bürgerlichen Vertreter erblicken in der Vorlage das Mittel zu einer außerordentlichen Belastung des Grundbesitzes. Zur Vorveratung der Vorlage wurde eine Kam- Mission gewählt, der Genosse Gerisch angehört, und in der sich aber außer dem Gemeindevorsteher kein einziger Nichtgrundstückbcsitzcr befindet. Als letzter Punkt steht die Arbeitsordnung für die Gemeinde- arbciter zur Beratung. Die Vorlage hat eine Fassung in der Koinmission erhalten, die den Arbeitern auch nicht das allergeringste Recht gewährt. Um die Vorlage annehmbar zu gestalten, müssen eine Anzahl Aenderungcn vorgenommen werden. Da wegen der vorgerückten Zeit eine eingehende Beratung kaum möglich war, wurde auf Antrag des Genossen Gerisch die Angelegenheit bis zur nächsten Sitzung vertagt. Pankow. Die Gemeindevertretung verhandelte in ihrer letzten Sitzinig wieder einmal über die Krankenversichernng der Hausgewerbe« treibenden. Bereits 1904 lvnrden von unseren Genossen Anträge diesbezüglicher Art gestellt und auch in der gegenwärtigen Verhandlung beherrschten unsere Genossen allein die Materie. Der stellbertretende Teineiiidevorstehcr hofft, daß die Reichsregierung in der nächsten Session einen diesbezüglichen Gesetzentwurf dem Reichstage vorlegt. Unsere Genossen verlangten durch Orts- statut die Vcrsicherungspflicht für die Hausgewerbetreibenden einzuführen. Es wird der Antrag angenommen..baldmöglichst" Schritte zu unternehmen, um ein Ortsstatut zu schaffen. Der Schaffung von zwei Lehrerslellcn für die zum 1. Oktober zu errichtenden Hülssklassen für schwach besähigte Kinder wird zu- gestimmt. Der Gebührentarif für die beiden in Pankow belegenen Ge- meindefriedhöfe wird erhöht und zwar für Grabstellen für Kinder auf dem ersten Friedhos von 30 auf 50 M., für Erwachsene von 90 auf 120 M.. für nicht Ortsangehörige von 90 auf 150 M. Des weiteren hören die Beerdigungen am 1. Oktober 1917 auf und ivird der Vegräbnisplatz 1937 geschlossen. Für den zweiten Friedhof lverden die Sätze wie oben von 12 auf 30, von 30 auf 75 M. und von 45 auf 90 M. erhöht. Für die Walderholungsstätten vom Roten Kreuz wird eine Bei- hülfe von 460 M. bewilligt. Der Besoldungsplan der höheren Mädchenschule ist von der Regierung genehmigt. Desgleichen die Pläne zur Errichtung einer katholischen Kirche auf dem Gelände des Amtsgerichts. Die' von Pankolv in Aussicht genommene Ferienkolonie wird in diesem Jahre bereits ins Leben treten, da Berlin sich bereit erklärt hat, 20—30 Kinder der Pankower Gemeinde gegen Zahlung mitzunehmen; zu diesem Zioecke werden 1500 Mark be- willigt. Zu den» am 17. und 18. Juni in Havelberg stattfindenden brandcnburgischen Städtetag werden der Geineinde-Bauineister gen teu und Gemeindevertreter Genosse Freiwaldt delegiert. Bernau. Die letzte WahlvereinSversiimiitlung nahm einen Vortrag über „Was ist Eigentum?" entgegen, woran sich eine rege Diskussion schloß. Dem Antrage des Vorstandes, die Zahlabende von jetzt ab jeden zweiten Mittwoch im Monat stattfinden zu lassen, stimmte die Versammlttiig zu. Zum Schluß ersuchte der Vorsitzende die Genossen, im Juni-Zahlabend infolge der»euen Beitragsmarken die restiereudcn Beiträge zu begleichen. Tpaudau. Ein Elendsbild. Unsere HauSpaschaS sind, wie überall, ge- strenge Herren. Wer mit seiner Miete eine Zeit im Rückstände ist, veranlaßt durch»mgllnstige Verhättnisse, der zieht sich in der Regel den Zorn de« HanSwirtS zu. Von einigen Ausnahmen abgesehen wird ein Gerichtsbeschluß erwirkt und die Habe deS betreffenden zahlungsunsähigen Mieters auf Veranlassnitg des Gerichtsvollziehers auf die Straße gestellt. Ein solcher Fall trug sich am Dienstag in der Brcitestraße 40 zu. Der.Spandauer Anzeiger" war denn auch schnell dabei, über dieses Vorkommnis dem Spießer wie folgt zu berichten: „Die Exiniitiernng einer Familie hat gestern wieder einen großen Menschenauflauf veranlaßt»nd noch spät abends ein Eingreife» der Polizei erforderlich gemacht; ivegen rückständiger Miele war ans Gerichtsbeschluß durch cinen Gerichtsvollzieher aus dem Hanse Breitestraße 40 ein Arbeiter n. t seiner a»S Frau inid zwei Kindern besiehenden Familie exmittiert worden; dcr Gcrichlsvollziehcr haue die Habseligkeiten der Leute durch Arbeiter auf die Straße stellen lassen; die Familie selbst kümmerte sich auch nicht um die Fortschaffilng der Sache», die nun vertehrsbindernd ans der Straße lagen. Im Laufe des Abends sammelte sich eine Menschenmenge an, die. wie gewöhnlich in solchen Fällen, gegen den Hanseigen- tnmcr Partei nahm. Ein Postbote ging zur Polizei. ES blieb schließlich nichts iveiter übrig, als daß die Polizei die Gegeilstäude auf öffentliche Kosten nach dem Armenhause bringen ließ, wo auch die obdachlosen Leute Unterkunst fanden." Besser kam, der behäbige Spießbürger die TageSnenigkeiten nicht serviert erhalten. ES muß ihm ein Groll ankommen, wenn er liest, welch geringe? Interesse die auf den Straßendaunn gesetzte Familie an ihren Sachen hat.„Sie kümmert sich gar nicht um die Fort- schaffuug der Sachen, obgleich sie als„Verkehrshindernis" auf der Straße liegen." Und diese„Menschenmenge", die stets„gegen den Hans- eigentüincr Partei nimmt 1* Es ist eigentlich unerhört, daß es noch Menschen gibt, die sich über ein solches Bild empören können. Vielleicht hätte der entrüstete Reporter der Familie ein anderes Heim zuweisen können, und er hälie nicht notwendig gehabt, über die Gleichgültigkeit der Familie zu zetern. Es wäre der obdachlosen Familie sicher tanseudmal lieber gewesen, eine Wohnung zu beziehen. als den„Verkehr zu hindern" und schließlich Hunderte von Menschen- äugen ans ihr Elend zu lenken. Und zum Schluß mag eS der Familie wahrlich nicht gleichgültig sein, ihre Habe von der Polizei auf„öffentliche Kosten" nach dem Armenhause bringen zu lassen. Wer so unsere sozialen Zustände zu beleuchten wähnt, wird immer den Beifall des satten Philisters finden. Die aufwärts» strebende Arbeiterklasse denkt jedoch anders als bürgerliche Zeitungs ichreiber._ Vermischtes. verhaftet. l a n d(Ohio) Just wird der Auf Ersuchen der Duisburger Polizei ist in Cleve Franz Just nebst seiner Gefährtin verhaftet worden. Ermordung seiner Frau i» Duisburg beschuldigt. In den Flammen»mgrkommc». Nach einer Meldung aus Brüssel brach in der vergangenen Nacvt in der Borstadt Anderleche eine Feuersbrmist aus. Ein 80 jähriger Greis und dessen 1 6 j ä h r i g c r St esse kamen in den Flammen uin. Eine Medaille als Schmerzensgeld. Anläßlich deS Besuches des norwegischen KönigSpaares in Paris wurde eine Ehrenoper gegeben Gegen Mitternacht verließ das Königspaar daS Theater. 6 Munizipalgardist, welcher zur Begleiinng des königlichen Zuges. hörte, hatte das Unglück, vom Pferde z» stürzen und sich zn ve letzen. Ter König läßt sich über das Befinden des Verletzten fm lausend berichten. Er hatihm auch eine Medaille ver liehen.' Wegen einer Sparbüchse den Tod gefunden. Ein Bewohner eine.' in der Freitaguacht i» Cleve nledergebranitten HauseS, der Arbeiter Jansen, wurde nachträglich noch unter den Trümmern als verkohlte Leiche aufgefunden. Man nimmt an. daß er bei dem Versuch, seine enva sechS Mark enthaltende Sparbüchse aus dem breimeilden Hause zu holen, verunglückt ist. Ein Monster-Prozeß. In New Aork sind 16 ftühere Direktoren und andere Beamte der Eqililable-Lebensversicheiungs-Gesellschasl wegen Fälschung lind Meineids angeklagt worden. Wtttemunottuerflch, vom 29. Mai 1907, mvraens» III)». «lotlontn jv LI i!1 i£= - 1 c g 8? ■(Un Llotuemde Hamburg rerlin Frau ff.» Ä 76, NO Künch«» 1 762 NO äie» I7MNSI0 I| 764 NNW 76« NW I 1763 SMS 1 heiler 3 halb bd. L balb bd. 3 heiter 2 bedeckt 2 heiter r» � te Stationen es e g 1« S 3 «1 i i Haoaraiida 756 NNO Petersburg 732 W cillh /iberdeen Parti 763 ONO 771 NNW 762 NO I Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Wetter- Prognofc für Tonnerstag. den Zv. Mai 1997. Trocken und vorwiegend heiter, aber kühl bei ziemlich frischen nordwestlichen Winden.________ Wiistertiand am 29. Mai vorm Elbe bei Stntstg— ,— Meier, bei VreSden— 96 ckn.— Elbe bei Magdeburg 1,71 Meter.— Oder bei Ratibar 1,28 Meter.— Oder bei B>«Stau— 1,04 Meter.— O d e r bei Bricg 2,16 Meter.— Neißemündung 1,45 Meter._ Buchdruckern u. Verlagsaiistalt Paul Singer St Co., Verlin SW.