Ar. 124. Hbonnnntnfj'Bedlngnngffl: flSonncmenU> Preis ptftnumtranbo! LierteljShrl. 3,30 MI., monatl. 1,10 Mk, wöchentlich 28 Pfg. frei in« HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags- Nummer mit illustrierter KonntagS- Beilage.Die Neue Welt' 10 Psa. Post. Sbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post> Zeitung»- Preieliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für da» übrige SuZland S Marl pro Monat, PostabonnementS nehmen an: Belgien, Dönemarl. Holland, Italien, Luxemburgs Portugal. Numünien. Schweden und die Echwa». vlltll»! iZgNE iBlcr nsiua*. 24* Jahrg. yzT* Vevlinev VolKsblcrkt. Die TnI(rtions«Gel)Ql)r üetrögt(fit die sechSgespallenc Kolonei- geile oder deren Rnuni 50 Psg.. für politische und gewerlschastlichc BereinS- und BcrlammIungZ.Anzcigen 30 Psg, „Ntelne Zlnreigen", da» erste tlctt- gedrucktes Wort 20 Psg., jede? weitere «ort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- ftellen-vnzcigen daS erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über tb Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachuiittagS in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abend- gevsstlit. Telegramm-Adresse: „SoziiliKniokrat Btrll»". Zcntralorgan der rozialdcmohrattfchen parte» Deutfchlands. Redaktion: Sül. 68, Lindenstrasse 69. Zternivreckier!«ml IV, Nr. I9SS. I Freitag, den 31 Mai 1907. Expedition: SCO. 68» Lindenstrasse 69. Zsrriiiprecher:«mt IV. Nr. lSsjt. Zw frage der liiaifeier. Es ist sehr wahrscheinlich, daß auf dem Jnternativ- nalen Arbeiterkongreß zu Stuttgart auch die Frage der Maifeier von neuem erörtert und voraussichtlich definitiv entschieden werden wird. Der diesjährige Aufruf des Parteivorstandes dürste ebenso zur Aufrollung der Frage in Stuttgart beitragen, wie das Bestreben mancher Gewerkschafts- kreise, einen Verzicht auf die Arbeitsruhe durchzusetzen und die Feier auf Verfammlungsdemonstrationen am Abend des 1. Mai zu beschränken. Man braucht nur die eingehende Maifeierdebatte des Henaer Parteitages und die Diskussion des Kölner Gewerkschaftskongresses nachzulesen, um sich davon zu überzeugen, daß die Meinungen über den Wert der Arbeitsruhe am 1. Mai namentlich in gewerkschaftlichen Kreisen weit auseinandergehen. Während z. B. dem Kölner Gewerkschaftskongreß eine Reihe von Resolutionen einzelner Zahlstellen, Gewerkschaftskartellc und Agitations- kommissionen vorlagen, die ein energischeres Ein- treten für die Arbeitsruhe am 1. Mai verlangten, hatte Genosse Robert Schmidt, als Referent über die Mai- feierfrage, eine Resolution vorgelegt, in der es hieß: „Wir können uns der Tatsache nicht verschließen, daß die teier, durch Arbeitsruhe begangen, nur einen kleinen eil der Arbeiterschaft ersaßt, große Gruppen von der ArbeitSruhe Abstand nehmen müssen. Nicht in der Arbeitsruhe liegt der Wert der Maifeier, sondern in der Massendemonstration, die allen Arbeitern un- gehindert die Teilnahme gestattet, um für die wichtigsten sozial- politischen Forderungen ihre Stimme zu erheben. Die Ar- b e i t S r u h e bedeutet Ausschluß großer Arbciterschichten von der Maifeier, wodurch der einheitliche Charakter der De- monstration Einbuße erleidet. Zu einer Abstimmung kam es in Köln nicht. Samt- liche Antragsteller zogen ihre Resoluttonen zurück. Genosse Robert Schmidt erklärte in dem Schlußwort:„Wir be- gnügen uns in der Sache mit der erfolgten Aussprache. Wir hoffen, daß sich Mittel und Wege finden lassen, um die Frage in einer für die Gewerkschaften zufriedenstellenden Weise zu lösen." Vier Monate später fand dann auf dem Jenaer Partei- tage eine ausgedehnte Maifeierdebatte statt. Robert Schmidt vertrat auch hier den von ihm in Köln ein- genommenen Standpunkt. Auch andere in Gewerkschaften hervorragend tättge Genossen schlössen sich seiner Auffassung an. So z. B. S i l b e r s ch m i d t, der nicht nur namens der �ganzen schlesischen Parteiorganisatton" die Beseitigung der ArbeitSruhe forderte, sondern auch vom gewerkschaftlichen Standpunkte aus folgende Bedenken gegen sie äußerte: „Die Geldfrage ist für uns in zweiter und letzter Linie maßgebend. Es steht aber fest, daß durch die ArbeitSruhe die Entwickelung der Organisationen unter Umständen schwer geschädigt wird. Da werden häufig große in- d u st r i e l l e Betriebe wieder auf Jahre hinaus von Organisierten entblößt und es vergehen wieder Jahre, bevor die Organisation wieder den früheren Einfluß gewinnt. Die Arbeitsruhe verhindert uns, die Lohn- bewegungen so zu führen, wie eS die Taktik fordert. In diesem Sinne ist gesagt worden, daß die Maiseier die Taktik der Gewerkschaften durchkreuzt. Die Maifeier zwingt uns, zu ganz bestimmtem Zeitpunkte uns auf Lohnbewegungen einzulassen; die Unternehmer können sich darauf verbereiten und unsere Aufgabe ist uns erschwert. Wir wünschen den Frieden und in der Voraussetzung, daß vor d e ni n ä ch st e n i n t e r- nationalen Kongreß zwischen den in Frage kommenden Instanzen B e r a t u n g und Ivoinöglich eine Verständigung über die Form der Maifeier stattfindet, stimmt die Ge- neralkom mission der Resolution Fischer zu.' Die Zusümmung der Generalkommission resp. der auf denk Parteitag deren Standpunkt vertretenden Delegierten bedeutete also keine Verständigung über die Form der Maiseier, sondern nur den Abschluß eines Waffen- still stand es unter der Voraussetzung späterer Neu- erörterung und Neuregelung der strittigen Frage der Arbeits- ruhe am 1. Mai. Und selbst diese vorläuft g c Zu- stimmung zur Rcsolutton Fischers, die die Arbcitsruhe sür die würdigste Form der Maifeier erklärte, wurde in manchen Ge- Werkschaftskreisen als eine voreilige, nicht zu rechtfertigende Kon- zession der Generalkommission empfunden. So erklärte bei- spielsweise Genosse Müller, der Vorsitzende des Seemanns- Verbandes, in der bekannten Konferenz der GeWerk- schaftsvorstän de im Februar 1906: .ES darf nicht vorkommen, baß die Generalkommission wieder einer Resolution wie der Resolution F i s ch e r zur Maifeier in Jena ihre Zustimmung erteilt." Daß der Jenaer Beschluß über die Maifeier nur als provisorischer anzusehen ist. ist von den Gewerkschaften auch in neuester Zeit unumwunden erklärt worden. So hat dieGeneralvcrsammlungderMetallarbeiter, der stärksten deutschen Gewerkschaft, um nur das eine Beispiel zu erwähnen, erst vor wenigen Tagen beschlossen, die Frage der Maifeier auf dem bevorstehenden Internationalen Kongreß zur Erörterung zu bringen. Uebrigens erklärte ja auch der Maifeierreferent auf dem M a n n h e i m e r Parteitage. Genosse Fischer selbst:„Nehmen Sie einstimmig die Vorschläge meiner Resolution an und überlassen Sie es dem f nternationalen Kongreß, das weitere zu e s.ch ließen." In der Partcipresse ist bei der Erörterung des Mai- VÄufrufs des Parteivorstandes vielfach die Auffassung geäußert �worden, der Aufruf verrate eine Unsicherheit der Taktik in der Maifcierfrage, daß es höchste Zeit sei, endlich einmal zu festen Normen zu kommen. So wünschenswert das in der Tat ist, so darf doch nicht verkannt werden, daß die Un- sicherheit der bisherigen Taktik hauptsächlich dem prinzipiell ablehnenden Standpunkt gegenüber der A r b e i t s- ruhe am 1. Mai geschuldet ist, den manche Genossen aus Gewerkschaftskrcisen seit Jahren vertreten haben. Einige Be- weise für diesen ablehnenden Standpunkt haben wir ja durch obige Zitate erbracht. Allerdings gibt es auch unter den in ersterLinie polittsch tätigen Genossen einzelne, die eine Beseitigung der Arbcitsruhe am 1. Mai für wünschenswert halten. So hat zum Beispiel der Genosse Stalten bekanntlich bereits im Jahre 1897 auf dem Hamburger Parteitag die Abschaffung der Arbeitsruhe empfohlen. Es bedarf nur dieses Hinweises auf die Stellungnahme des revisionistischer Gesinnung völlig unverdächtigen Genossen, um von vornherein jeden Verdacht zu beseitigen, als sollten unsere tatsächlichen Feststellungen irgendwelche gegen die Gewerkschaftsgenossen gerichtete Spitze enthalten. Im Gegenteil: wir halten die Frage der Arbeits- ruhe am 1. Mai einer durchaus objektiven und fach- lichen Erörterung für bedürftig. Eine solch sachliche Dis- kussion ist aber nur dann möglich, wenn man sich vergcgen- wärtigt, von welcher Seite und aus welchen Gründen sich seit Jahren Stimmen gegen die Arbeitsruhe am 1. Mai erheben, Stimmen, die sich gerade auf dem Internationalen Kongreß zu Stuttgart besonders vernehmlich machen dürften. Die Frage der Maifeier ist von solcher Wichtigkeit für Partei und Gewerkschaften, daß es schon heute an der Zeit ist, sich mit den Einwendungen gegen die Arbeitsruhe zu be- schäftigen. Nur dann, wenn die Masse unser Partei- und Gewerkschaftsgenossen sich selbst mit der Frage befaßt und ihrer Meinung darüber unzweideutigen Ausdruck gegeben hat, darf sie auch erwarten, daß die Beschlüsse des Stuttgarter Kongresses in ihrem Sinne ausfallen werden. (Ein Schlußartikel folgt.) ksnilett-polltikaitee. Die englischen Journalisten sind nun auch bereits in Berlin empfangen worden. Im„Zoo" fand am Mittwochabend ein Fest- dankest statt. Wir würden es für überflüssig halten, auf die Bankett- reden einzugehen, wenn nicht auch ein Vertreter der Regierung, der Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt Dr. v. Mühlberg eine Rede gehalten hätte, die nichts war als ein einziges großes Ausrufungszeichen der Verwunderung darüber, wie eine fremde Macht in Deutschlands Wettrüsten und seiner mit so pomp- haften Fanfarenstößen angekündigten„Weltpolittk" überhaupt eine Bedrohung anderer Staaten erblicken könne. So sagte der Unterstaatsselretär über Deutschlands Flotten- rüsten: „Meine Herren I Da habe ich— und zwar gerade in Ihrem Lande— Stimmen gehört, daß wir unser Programm ver- h e i m l i ch t e n und mit unseren Zielen hinter dem Berge hielten. Ich verstehe dies nicht. Denn klar und bc- stimmt liegt unser Flottenprogramm vor den Augen der Welt. Sehen Sie sich, bitte, das deutsche Flottengesetz vom 14. Juni 19CK) an, dessen Bestimmungen von den exekutiven Gewalten nicht überschritten werden dürfen, und Sie� gelangen zu einem festen und klaren Bilde über die geplante Stärke der Flotte. Ein Ver- gleich mit dem Bestände der englischen Kriegsflotte kann aber dem objektiven Urteiler keinen Zweifel darüber lassen, daß unsere maritimen Streitkräfte nur dem Schutze unserer Küsten und unseres Seehandels dienstbar gemacht werden sollen. Weiter wollen wir nichts; dies aber wollen wir mit dem Recht, das jeder großen vorwättsstrebenden und ehr- liebenden Nation zusteht." Es ist recht unvorsichtig von dem Unterstaatssekretär, sich auf das Flottengesetz von IM) zu berufen. Denn kaum war dies Gesetz angenommen, so gab Wilhelm II. die Parole aus:„Nun aber weiter!" Am 16. Juni IM) gab er dann seiner Genugtuung darüber Ausdruck, „daß wir die Aussicht haben, einmal eine Flotte zu de- komme»." Am 18. Juni 1901 meinte er: „Wir haben uns, trobdem wir noch keine Flotte haben, so wie sie sein sollte, den Platz an der Sonne erkämpft...." Zugleich sprach er von dem Suckien neuer Punkte, „wo wir einen Nagel einschlagen können, um unser Rüstzeug daran aufzuhängen". Weiterhin sei nur an die Agitation des von Wilhelm II. und der Regierung so sehr protegierten Flottenvereins erinnert, die— trotz der Flottennovclle vom vorigen Jahre!— einen un- vcrgleichlich schnelleren und stärkeren Ausbau unserer Flotte besür- wvrtet, als er dem Flottenvlan von 1900 zugrunde lag 1 lieber Deutschlands Landmilitarismus sagte der Unterstaats- sekretär: „Sie werden, meine Herren, mich nun vielleicht siagen, ob denn das Deutsche Reich wirklich dieser kostspieligen Vorkehrungen zu seiner Sicherheit bedarf. Werfen Sie, bitte, einen flüchtigen Blick auf die Geschichte unseres Volkes. Sie hat uns furchtbare, unvergeßliche Lehren erteilt. Da ist kein Land in ganz Europa, das unter den Tritten fremder Kriegsvölker so gelitten. so geblutet hätte, wie das deutsche. Aus aller Herren Länder sind sie gekommen, um auf den deutschen Gefilden ihre Kämpfe auszufechten. Um sich diese so überaus traurigen Zeiten lebendig zu vergegenwärtigen, brauchen Sie sich gar nicht in alte Geschichtswerke zu vertiefen. Nehmen Sie sich in Ihren Mußestunden einmal den ivelt- bekannten Roman„Simplicissimus" von Grim- melshausen vor. Da werden Sie in getreuer Schilderung lesen, wie ein blühendes Land in eine Einöde, fröhlich-schaffende Menschen in Bettlerhaufen verwandelt worden sind. Wo Sie jetzt bei Ihrer Fahrt durch Deutschland blühende Felder, lachende Dörfer, glänzende Städte sehen,— da herrschte das Grauen, die Not, das Elend, Krankheit und totale Verarmung. Und das zweite Mal, am Anfange des vorigen Jahrhunderts saustc die Kriegsgcificl auf Deutschland hernieder, brachte ihm eine Unsumme von Leiden, an deren Lasten manche Gemeinden noch bis vor kurzem getragen haben. Für ein Volk mit solchen Leiden in der Vergangenheit ist die Rüstung eine historische Notwendigkeit." Im Interesse der geschichtlichen Wahrheit möchten wir hier daran erinnern, daß es gerade die deutschen Fürsten waren, die vor und während des 30jährigen Krieges die Ausländer ins Land lockten! Schon im Jahre 1S19 unterhandelte I 0 a ch i m I., d e r K u r- fürst von Brandenburg, und sein Bruder A l b r e ch t mit dem Franzosenkönig wegen Verschachcrung der Königskrone an diesen. Auch im Jahre 1530 schloß eine Anzahl deutscher Fürsten mit Franzi, von Frankreich ein Bündnis gegen den deutschen Kaiser. Im Jahre 1S52 kam es dann zu einer neuen Verschwörung deutscher Fürsten, an deren Spitze der Mark- graf Hans von Brandenburg-Küstrin, der Bruder Joachims II. von Brandenburg, stand, mit Heinrich II. von Frank- reich. Der Franzosenkönig sollte helfen, das„bestialische Joch" deS deutschen Kaisers„mit Heereskraft und gewaltiger Hand" zu brechen, wofür ihm dann eine Reihe seit alters zum Reiche gehöriger Städte ausgeliefert werden sollten. Heinrich II. riß denn auch Lothringen an sich, und daß er nicht auch das Elsaß an sich brachte, scheiterte nicht am Widerstande der deutschen Fürsten, sondern an den abschreckenden Kriegsvorbereitungen Straßburgs. Dieselbe Verrätertaktik gegen das Reich übten die deutschen Fürsten— katholische wie protestantische. Bayern wie Sachsen und Brandenburg— auch während des dreißigjährigen Krieges I Durch ihre Schuld und Länder- gier wurde Deutschland der Tummelplatz der ausländischen Soldateska I Ebenfalls darf nicht übersehen werden, daß die deuffchen Fürsten durch ihr Vorgehen gegen die französische Revolution die napoleoni- schen Kriege hcranfbeschwören halfen. Das famose Manifest des Oberbefehlshabers der ö st e r r e i ch i s ch- p r e u ß i s ch e n Jnvasions- arinee, des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand von B r a u n s ch w e i g, das Paris mit der gäuzlichrn Zerstörung be- drohte, entfachte vollends den Volkssturm in Frankreich und ent- fesselte jene Kriegswirren, die zu Jena fiihrten! Diese historischen Lehren beweisen, daß die gewaltigsten Heeres« rüstungen den Frieden keineswegs sichern, daß im Gegenteil eine militaristisch-dynastische Politik die schwersten Gefahren für die Völker in sich birgt! Schließlich erklärte der Unter st aats sekretär, daß Deutschland nichts anderes erstrebe, als den„freien, ehrlichen Wctt- bewerb im Welthandel", worauf er England allerhand Elogen wegen seiner Freihandelspolitik machte I So etwas wagt, ohne den Fluch der Lächerlichkeit zu befürchten, ein Untergebener unseres„agrarischen" Kanzlers zu sagen! Als ob' nicht gerade Deutschlands Schutzzoll- Politik mit die Schuld daran trüge, daß sich in England die impe- rialistischen Ideen eine? durch gemeinsame Schutzzoll- schranken verbundenen britischen Weltreiches immer stärker regen! Man sieht, die schönen Redensarten des deutschen RegterungS- vettreters sind nichts als fe st rednerische Schaumschläge- r e i e n. Wer sich einbildet, durch solche Bankettphrasen die inter- nattonalen Spannungen. die aus wirtschaftlichen Mo- m e n t e n resultteren. mildern zu können, dient nicht der wirklichen Annäherung der Nationen, sondern täuscht nur in verhängnisvollster Weise über die durch die kapitalistische Privilegien- und Beutcpolitik geschaffenen Gegensätze hinweg! üsliziiche Aahlwittichait. Geradezu ungeheuerlich sind die Schwierigkeiten, unter denen österreichisch GalizienS Sozialdemokratte bei den letzten Wahlen zu kämpfen hatte. Um unseren Lesern einen ganz kleinen Einblick in die unverhüllte Brutalität der galizischen Schlachta zu geben, ver- öffentlichen wir aus einem in der„Wiener Arbeiter-Zeitung" ab- gedruckten Bericht des Genossen Dr. D r 0 b n e r, der selber in Tarnow kandidierte, folgende haarsträubende Einzelheiten: .... Zwei Tage vor der Wahl ließ der Bezirkshauptmann etwa 300 jüdische Wähler auS der Wählerliste streichen, weil sie vor mehreren Jahren zum Osterfest eine kleine Unterstützung in Geld oder Mehl von der jüdischen KultuSgemeinde erhalten hätten. Alles daS, weil nian in ihnen oppositionelle Wähler vermutete.... Vor den, Wahllokal stand eine Kompagnie Infanterie, die von jungen Offizieren kommandiert wurde. Die Wähler wurden immer zurückgedrängt und mußten einige Stunden in der Sonnenglut warten, bevor sie den Kordon passieren darften. Unterdeffen hatten Baron BattagliaS, des Gegenkandidaten, Agitatoren die ermüdeten Wähler in daS Wahllokal BattagliaS. daS in der Escomptebank, gegenüber dem Wahllokal, untergebracht war. geschleppt und dort wurden ihnen die sozialdemokratischen Stimmzettel zerriffrn und Stimmzettel BattagliaS zugeschoben, wofür jedem sechs Kronen ge- zahlt wurden. Ich bin im Befitze einer Menge von Beweise« und kann auch zahlreich Zeugen darüber anführen. Hatte der Wähler glücklich den Militärkordon passiert, so wurde er von den im Toreingange stehenden Personen gefragt, für wen er stimmet Lauteten die Antworten auf Battaglia, so wurde »och meist der Stimmzettel kontrolliert, bevor der Wähler eingelassen wurde. Polizeiinspektor Leibi zerriß dir den Wählern abgenommenen, auf meinen Namen lautenden Stimmzettel. In diesem Wahllokal standen bei der Urne neben der Wahlkommisfion zwei Jnfanterieoffiziere..... Meine Vertrauensmänner hatten bei sich einen Ausweis der im letzten Jahre V e r- storbenen. Meldete sich jemand zur Abstimmung, der als ge- starben notiert war, wie zum Beispiel ein gewisser Mroz, der einen Tag vor dem Wahltage gestorben ist, so verlangten meine Vertrauens- männer Arretierung des Schwindlers, waS aber in keinem einzigen Falle geschah... Da mutz man wahrhaftig den russischen Banditen, die bei den Wahlen zur zweiten Duma die skandalösten Wahltricks anwendeten, um dem Volke das Wahlrecht zu rauben, so manches Unrecht ab- bitten, das man ihnen antat, als man sie wegen ihrer Gemeinheiten an den Pranger stellte. Diese galizische Adels- und Beamtensippe ist ganz offenbar jeder Räuberhorde an Skrupellosigkeit und Brutalität überlegen. Und mit dem Pack muffen sich unsere Genoffen herumschlagen!_ politifchc Gebcrficbt Berlin, den 30. Mai 1907. „Kapitalistische" und„agrarische" Kolonialpolitik. Die Petitionskommission des Reichstags hat beschlossen, folgende Petition dem Reichskanzler zur Kenntnisnahme zu überweisen: Die Landwirtschaftskammer für die Provinz Posen überreicht dem Deutschen Reichstag eine von der General- Versammlung der der Lan d wirts ch aftS ka mme r für die Provinz Posen angeschlossenen land- wirtschaftlichen Kreis- und Lokalvereine am 28. Februar ISO? in Posen einstimmig gefaßte Resolution des Inhalts: .1. ES bestehen tiefgehende Unterschiede zwischen einer kapitalistischen Kolonialpolitik, welche als Glied einer Export- und Weltmachtpolitik bisher ausnahmslos in der Weltgeschichte die Heimat binnen wenigen Jahr- zehnten zugrunde gerichtet hat, und einer agrarischen Kolonialpolitik, welche unseren Volkswirt- schaftlichen Bedarf durch ihre Produkte wesentlich ergänzen und vom Weltmarkt unabhängiger gestalten will. 2. Nur für eine solche agrarische Kolonialpolitik gilt der Satz: datz Heimatpolitik und Kolonialpolitik identisch sind." mit der Bitte, dieselbe zur Kenntnis des Reichstages zu bringen. Die Petition ist von dem berüchtigten Agrargelehrten Dr. Ruh land mit einer kurzen kolonialhistorischen Be- Gründung versehen worden, die nur bis zum siebenten Jahr- undert vor Christus zurückgeht! Aus dieser kuriosen Be- gründung ist nur soviel ersichtlich, daß das Agrariertum nur eine solche Kolonialpolitik wünscht, die der Industrie nicht zugute kommt. Ausgeschlossen wäre also eine billigere Versorgung des Inlandes mit Fleisch, Getreide, Wolle usw., die freilich bei unseren Kolonien ohnehin nicht zu erwarten ist. Es scheint übrigens, als ob Herr Dernburg in seiner gestrigen Epistel im„B e r l. T a g b l." diese agrarische Be- sorgnis gekannt und sich deshalb ebenso zur nationalen Vrot- lvucher- und Schweinepolitik bekannt hat, wie sein Herr und Meister Bülow. In der Tat können die Agrarier ganz unbesorgt sein. Wenn auch das Börsenkapital durch unsere Kolonialpolitik auf dem direkten Wege der Steuererpressung den Schweiß der arbeitenden Bevölkerung in klingenden Profit verwandeln wird— unsere Agrarier werden unter einer solchen Kolonialpolitik nicht leiden. Die„Weltpolitik" wird mit der Agrar- Politik Hand in Hand gehen. Agrarier undBörseaner werden sich in den R e b b a ch teilen!— Eine bemerkenswerte Prophezeiung. Die.Antisozialdemokratische Korrespondenz" des Herrn Max Lorenz bespricht daS Glückwunschtelegramm, das der Reichs- kanzler an den neugegründeten Bund der Gelben, den.Blind Vater- ländischer Arbeitervereine" gesandt hat und vermerkt die begeisterte Begrüßung des Bundes in der.Nord. Allg. Ztg.". die dabei an den christ- lichen und Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften tadelte, datz sie.zu Zeiten viel zu nahe an die Sozialdemokratte gehalten haben." Lorenz schließt aus diesen Zeichen: .... AuS alledem muffen wir schließen, datzderKanz- ler sich von den Prinzipien der.modernen Ar- beiterbewegung" grundsätzlich ab gewandt hat — wenn er ihnen überhaupt einmal grundsätzlich zugewandt gewesen ist— und datz er gewillt ist, die Tendenzen des neuen „Bundes" zu fördern. Ja. es kann sogar als wahrscheinlich gel- ten, datz der Kanzler ein Gesetz zum Schutze der Ar- beitswilligen plant, falls erst ein solches Gesetz„aus den Kreisen der Arbeiter selber" verlangt wird, worauf doch der „Bund" offenbar hinsteuert. Und die Vermutung ist nicht von der Hand zu weisen, datz gerade ein solches, doch liberal ge- meintes Gesetz zum Schutze der.wahren Koalitionsfreiheit" die Zustimmung des„Blocks" finden und die Blockeinheit— durch eine einmütige Aktion sogar auf dem schwierigen sozialpoli- tischen Gebiete— kräftigen und besiegeln könnte. Die Par- teien der„Rechten" sind von vornherein dafür, und datz die Kreise der.Vossischen" und„Freisinnigen Zeitung" dagegen sein sollten, wird niemand für wahrscheinlich halten." Herr Lorenz schätzt die freisinnigen Blockleute, wie Figura zeigt, sehr tief ein. Ob zu tief, das wird die Zukunft lehren, die die Arbeiterschaft gegen jeden Versuch, eine neue Auflage der Zucht- Hausvorlage herauszubringen, gewappnet finden wird. Es wäre ein Schauspiel für Götter, wenn unter den Vätern eines solchen Wechselbalgs auch der linke Flügel des Blocks wäre,— wenn die angebliche Aera sozialpolitischer Reform mit einem Angriff auf Lebensintereffen der Arbeiter eingeleitet würde. Es gibt noch milde Richter! Unter dieser Ueberschrift hat der„V o r w ä r t s' in Nr. III vom 15. Mai über eine Gerichtsverhandlung berichtet, die sich vor der Strafkammer in Bonn am Rhein abgespielt hat und als deren Ergebnis von neun Angeklagten fünf freigesprochen, drei zu 100 M. und einer zu 150 M. Geldstrafe verurteilt wurden. Die Angeklagten hatten zur Zeit der Reichstagswahlagitation in dem Dorfe F r i e s h e i m sozialdemokratische Flugblattverbreiter in der denkbar brutalsten Weise überfallen, be- raubt und mißhandelt. Dennoch ließ das Gericht es bei den mitgeteilten gelinden Strafen bewenden. Jetzt hat sich, wieder im Bonner Bezirk, ein Gericht mit ähn- lichen Vorgängen befaffen müssen. Wieder haben fromme Zentrumsanhänger wehrlose Sozialdemokraten bei der Land- agitation feige überfallen und in rohcster Weise malträtiert, und wieder war das Gerichtsurteil gegen die„christlichen" Wegelagerer christlich e r Wilde getragen» Am 30. Dezember wurden von drei Parteigenossen aus Bonn in dem Dorfe Oberdrees Wahlflugblätter verteilt. Die fanatisierte Torfbewohncrschaft aber suchte die Leute auf alle Art zu vertreiben: Man warf die Flugblattverbreiter mit Ziegel- stücken, mit Schneebällen und Steinen, beschimpfte sie, beraubte den einen seines Hutes und warf diesen weg, so daß er ihn nicht wiedererhielt; dann wurde der Be- raubte zu Boden geschlagen. WaS die drei Leute an Flugblättern bei sich und an Papieren in der Tasche hatten, wurde ihnen ge- waltsam entrissen und das Ganze auf offener Straße verbrannt, wobei die klerikal erzogene Menge wie eine Horde Wilder das Feuer singend umtanzte. Von den frommen Banditen ermittelte die Staatsanwaltschaft nur den Bahnarbeiter Heinrich Mahlberg. Ihr sonst so wunderbarer Eifer und ihr gerühmter Scharfsinn versagten in diesem Falle. Es wurde nur gegen den Mahlberg und gegen den Landwirt und Schiedsmann(l) Heinrich Oepen Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung erhoben; im übrigen wurde das Verfahren„mangels Beweises" eingestellt, da„nicht festgestellt werden konnte", wer den Strasantragstellern die Drucksachen geraubt und verbrannt hat. Die Verhandlung fand vor dem Schöffengericht in Rhein- bach statt. Die beiden Angeklagten suchten sich herauszureden. Mahlbcrg beschuldigte einen gewissen Anton Beißel, der nicht unter Anklage stand, dem einen Flugblattverbreiiier Sachen aus der Rocktasche genommen zu haben. Einer der Miß. handelten bekundet als Zeuge, der Schiedsmann Oepen sei auf ihn zugekommen und habe geschimpft:„Rote Lumpen, macht, daß Ihr zum Dorfe hinauskommt!" Darauf seien sie von allen Seiten mit Steinen bombardiert worden. Seinen Hut habe man ihm ruiniert, ein Kassenbuch, Flugblätter u. a. gewaltsam aus derTasche des Rockes genommen. Der zweite Mißhandelte sagt ähnlich aus: Ihm hat Mahlberg den Hut vom Kopfe gehauen, so daß er ihn nicht wiederbekam; dann habe ihn M. zu Boden geschlagen. Er sei zum Orts- Vorsteher gelaufen, um polizeilichen Schutz zu suchen. Der habe ihm diesen Schutz nicht gewährt. Der Schiedsmann Oepen fei ihm gefolgt und habe ihn ins Gesicht geschlagen. Ein anderer Zeuge hat gehört, wie der Schiedsmann Oepen rief:„Drauf, drauf, es gibt fünf Groschen!" Eine Zeugin bekundet, daß Oepen einen Flugblattverbreiter packte und umherschleuderte. Die Zeugen haben merkwürdigerweise immer im entscheidenden Augen- blick nicht hingesehen. Der Vertreter der Anklage hatte in einer eben vorher ver- handelten Sache, wobei es sich um eine belanglose Prügelei zwischen siebzehnjährigen Burschen handelte, 100 M. Geld- strafe beantragt. Hier aber, wo es sich um einen ganz gemein- gefährlichen und bodenlos brutalen Ueberfall erwachsener Männer auf völlig Wehrlose handelte, beantragte er zehn Mark Geldstrafe. Und das Gericht erkannte nach mehr als halbstündiger Beratung auf dir beantragte Strafe! ' Jedes Wort der Krittk dieses Urteils glauben wir unS ersparen zu dürfen! Ein Nüchterner«nter Taumelnden. Die„Konservative Korrespondenz" bemerkt zu der englischen Journalisten-Gegenvisite: .Wer jetzt die deutsche Presse durchmustert, der bemerkt mit einem gewissen Staunen, daß sie sich gegenwärtig größtenteils in einer Art von Begeisterungsrausch für England befindet, während vor wenigen Wochen noch in denselben Organen das Bereinigte Königreich als d ö t o noir e hingestellt wurde, vor der da? bedauernswerte Deutsche Reich zittern müsie. Im Auslände dürste man diesen Wandel als . Aug st Produkt aber auch als ein Zeugnis deutscher „Charakterlosigkeit" ansehen. Um was handelt eS sich denn im Grunde genommen? Eine Reihe englischer Gäste erfreut Deutschland mit seinem Besuche. Im Mittelpunkt davon stehen die korporativ ihren Gegenbesuch abstattenden englischen Pretzvertreter. Es ist ganz selbstverständlich, datz nicht nur die Berufsgenossen, sondern auch weite Volkskreise sich beeifern, den Engländern liebenswürdige Gaftfreundschast zu gewähren. Es ist klug, den englischen Gästen, die zweifellos zum grötzten Teil nicht ohne Voreingenommenheit gegen die deutschen„Querköpfe" zu uns herübergekommen find, unier Voll, unsere Zustände, unser Wesen von der besten Seite zu zu zeigen. Es ist unterhaltend— wenn auch für den gefeierten Teil angreifend— täglich mehrmals die Gäste zu bewirten und anzutoasten. Aber von politischer Wichtigkeit und nachhaltiger Wirkung ist daS alles nicht." Inmitten des hysterischen Phrasengekreisches namentlich der liberalen Presse, der sich freilich auch Blätter wie die„Post", die bekannte Scharsmacherkloake, gesellen, berührt diese Auslassung förmlich wohltuend.—_ Ter Exzeh eines Feldwebels. Körperverletzungund rechtswidriger Waffen- gebrauch führten am Mittwoch den Bezirksfeldwebel Wilhelm Schulz vom Bezirkslommando E i s e n a ch vor das Kriegsgericht der 38. Division in Erfurt. Auf dem Heimweg von emer Kneiperei in der Nacht zum 25. März traf der von einem Zivilisten begleitete Schulz auf den von, Bahnhof kommenden Arbeiter Winkler; fie stellten ihn und Schulz trieb dem völlig Ahnungslosen den steifen Hut ein und warf diesen zu Boden. W. ging, empört über diesen Ueberfall und seinem Unmut darüber deutlichen AuS- druck gebend, nach der in der Nähe befindlichen Hauptwache, um dort die Person des Feldwebels fe st st eklen zu lassen. Der nachfolgende Feldwebel vergriff sich dort abermals tätlich an dem W.. er tat, als ob er auf der Wache zu befehlen hätte und herrschte den Schutzsuchenden an: „Kopf hoch, Brust raus. Knochen zusammennehmen", wobei zu beachten ist. datz der Angeklagte ein hochgebauter kräftiger Mensch, der Arbeiter Winkler aber eine u n- scheinbare Person ist. Der wachhabende Unteroffizier brachte schließlich den W. zum hinteren, nach einer abseits gelegenen Straße führenden Tor hinaus, um ein weiteres Zusammentreffen des W. mit dem auch ihm sehr erregt erscheinenden Feldwebel zu vermeiden._ Draußen traf der Kupferschmied Zimmermann, der den Vorgang mit dem ihm persönlich bekannten Winkler auf der Wache bemerkt hatte, mit diesem zusammen und erkundigte sich nach der Ursache und dem Verlauf des Renconttcs. Dabei kamen beide wieder an der Kaserne vorbei und stießen abermals mit dem An- geklagten zusammen. Dieser mutzte gehört haben, daß er die Ursache der Unterhaltung war, und infolgedessen kam es zu einem zweiten ernsteren Zusainmenstoß. Schulz ging auf Winkler zu und gab diesem ein paar derbe Ohrfeigen und als dessen Begleiter Z. ihm das als ungehörig verwies, erhielt auch er Schläge ins Geficht. Dann folgte eine Balgerei, während der der Feldwebel den Degen zog und blind auf den Z. einhieb, wobei dieser am Kopfe und Arme Hieb- und Stichverletzungrn davontrug. Endlich kam ein Unter- offizier hinzu, der den Feldwebel von dem Schauplatze seiner nächt- lichen Waffenübung fortzog. Dieser hier kurz geschilderte Hergang der Sache wurde autzer von den als Zeugen erschienenen Miß- handelten von zwei völlig einwandsreienZeugenbe» st ä t i g t. Der Vertreter der Anklagebebörde beantragte gegen den hart- näckig leugnenden und den Tatbestand beständig verdrehenden An- geklagten eine Gefängnisstrafe von 2 Monaten 3 Tagen; der Ver- leidiger plädiert für eine wesentlich mildere Strafe, da wohl„Not- wehr" als vorliegend anzusehen sei. Der Angeklagte weiß zu seiner Verteidigung nur den einen sehr merkwürdigen, aber in semer Wirkung»ücht günstigen Umstand anzuführen, datz die Angelegenheit auch in einer sozialdemokratischen Versammlung in Eisenach zur Sprache gekommen sei lwas gewiß ein Beweis dafür wäre, datz die Skandalaffäre eine große Erregung im Publikum veranlaßt haben mutz. D. Red.). Das Urteil ging über den Antrag erheblich hinaus. Es lautete, unter Ablehnung der Annahme der Notwehr, auf drei Monate sieben Tage Gefängnis wegen tätlicher Beleidigung in zwei Fällen, Körper- Verletzung und Mißbrauch der Waffe. Straferschwerend wurden die schlechte Führung, die verschiedenen schon erlittenen Vor- strafen, sowie die Stellung als Feldwebel des Ange- klagten, die ihm ein einwandfreies Benehmen hätten zur Pflicht machen müssen, in Betracht gezogen. Wegen Fluchtverdachts wurde autzer- dem die sofortige Verhaftung beschloffen. Wie wird man interessant? Auf diese nicht sehr einfache Frage könnte man nach dem Gut- achten eines Stabsarztes in einer Kriegsgerichtsverhandlung die Antwort erteilen: Man wird interessant, wenn man von einem Leutnant mit dem Säbel um die Ohren geschlagen wird und sich ein Stabsarzt dann um einen bekümmert. Man berichtet uns unter dem 30. Mai aus Halle a. S.: Vor dem Kriegsgericht der 8. Division war heute der Leutnant Curttus v. Rekowsky vom 3. Bataillon des 72er Infanterie- Regiments in Bernburg angeklagt, der am 16. Mai gelegentlich einer Bataillonsübung bei Jlberstedt(Anhalt) den Rekruten Schiller einen Schlag mit dem Säbel, der allerdings in der Scheide steckte, gegen die Schläfe versetzte, datz der Verletzte IZh Stunden marschunfähig wurde. Dem Au- trage auf Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde nur insofern statt- gegeben, datz die persönlichen Angelegenheiten hinter verschlossenen Türen erörtert wurden, um dem berechtigten Ehrgefühl des An- geklagten Rechnung zu tragen.(!) Der Angeklagte räumte die Tat ein, meinte aber, er hätte Schiller nicht gegen den Kopf, sondern gegen deu Helm schlagen wollen. Schiller sei bei Ausschwärmen in einen verkehrten Zug geraten und habe auf einen Zuruf noch gelacht. Dieses Lachen habe er, der Leutnant, „als Achtungsverletzung" angesehen, wodurch er in große Er- regung geraten sei. Der Mißhandelte bekundet, datz der Schlag ein fester gewesen sei und ihm, dem Geschlagenen, schwindelig wurde. Stabsarzt Friedrich nahm den Taumelnden, der nicht mehr laufen konnte, mit auf seinen Wagen und ließ Kopf- kühlungen machen. Nach Vti Stunden sei Schiller, der sich einen Tag schonen mutzte, wieder dienstfähig gewesen. Interessant war die Bekundung des Stabsarztes:„Ich habe mich dann um deu Mann nicht mehr bekümmert, damit er nicht auf den Gedanken kommen sollte, er sei eine interessante Persönlichkeit." Nach drei Tagen war alles gut und Schiller klagte nur noch, datz ihm daS Kauen etwas schwer falle. Der Verteidiger bezeichnete den An- geklagten als einen«Gentleman". Unter Berücksichtigung des D i e n st e i f e r s, der Gereiztheit und des erregten Gemütes des Angeklagten wurde ein minderschwerer Fall als vorliegend an- genommen und auf 14 Tage Stubenarrest erkannt. Die inter- effanteste Persönlichkeit des Prozesses war zweifelsohne der Herr Stabsarzt. fraiikmd?. Die ArbeitSkouföderation vor Gericht. Paris, 28. Mai.(Eig. Ber.) Knapp vor dem 1. Mai wurden bekanntlich drei Mitglieder der Arbeitskonföderation, Bousquet, Lövy und Delalv, verhaftet. Sie sollen, wie Polizisten behaupteten, welche in Zivilkleidern den Streikversammlungen in der Arbeitsbörsc beigewohnt hatten, zum„Sabotage", zur Brandstiftung, zum Mord und zu anderen Schreckenstaten„aufgereizt" haben. Delalö wurde, nachdem man ihn einige Tage hatte brummen lassen, wieder auf freien Fuß gesetzt; denn alle Tüftclkunst brachte es nicht fertig, ihn jener Verbrechen schuldig erscheinen zu lassen. Auch bei den anderen zwei, die wider das Gesetz in Verwahrnngshast blieben, vermochte der UntersuchungS- richter vorerst keinen strafbaren Tatbestand anzunchmcft, da ihm die Aussagen der Polizisten allzu unglaubwürdig er- schienen. Aber die Regierung griff ein, und der Unter- suchungsrichter schloß plötzlich die Untersuchung, ohne einen einzigen EntlasttmgSzeugcn vernommen zu haben! Diese Ein- Mischung der Regierung ist dadurch erwiesen, daß der„Matin" das Ergebnis des Verfahrens schon am Morgen des 10. Mai mitteilte, trotzdem der Untersuchungsrichter erst am Nach- mittag dieses Tages seine Verfügung erließ!!— Der Anklagebeschluß, der heute veröffentlicht wird, ist ein Prachtstück staatsanwaltlicher Logik. Da den Geschworenen vermutlich die Aussagen der Polizisten allein nicht genug Vertrauen einflößen würden, soll die Behauptung, daß die Angeklagten wirklich alle die vorgegebenen„Aufreizungen" begangen hätten, dadurch gestützt werden, daß angebliche Wirkungen dieser Austeizungen vorgefiihrt werden, woraus sich überdies eine höhere Strafbarkeit der Angeklagten ergäbe. Bousquet und Lsvy haben in Versammlungen der Nahrungsmittelarbeiter gesprochen. Es werden ihnen nun alle Arten boshafter Beschädigung zugerechnet, die während der ganzen Streikbewegung in der Nahrungsmittelbranche bei Unternehmern begangen worden sind! Bei zwei Metzgern ist Petroleum auf das ausgehängte Fleisch gespritzt, und bei einigen Bäckern sind die Scheiben eingeschlagen worden. In einem einzigen Falle wurde der Täter— ein Bäckergehülfe— festgenommen und ver- urteilt, in allen übrigen sind die Urheber unbekannt, aber Bousquet und Levy werden für diese Taten verantwortlich gemacht! Als„Beweis" wird außer der zeitlichen Nähe der angeblichen Austeizungen und der von den Unbekannten ver- übten Schäden geltend gemacht, daß diese den Charatter der „diretten Aktion" aufweisen! Die Logik ist famos: Die., A u f- reizung" zum Sabotage usw. wird durch die„Ver- ü b u n a" bewiesen und die VerÜbung durch den Hinweis auf die Aufreizung! Werden die Geschworenen den Zumutungen, die ihnen diese Anklage stellt. Folge leisten? Wird die Empfindung des beleidigten Klassenintereffcs. auf welches die Anklage spekuliert, bei ihnen stärker sein als das Gefühl für die in ihr enthaltene Beleidigung ihres Intellekts? In der Acra des Anarchistcnschreckens haben die Geschworenen bei ähnlichen Tcndenzprozessen versagt. Heute sind wir allerdings in der gesellschaftlichen Entwickelung um ein bedeutendes Stück weiter, und eine„radikale" Regierung brüstet sich mit einer Polittk der Verfolgung, zu der sich ihre gemäßigten Vorgänger von damals offen zu bekennen gescheut hätten.— Skandal über Skandal. Pari», 30. Mai. In der gestrigen Sitzung de« mit der Prüfung der Montagninipapiere bettauten Ausschusses verlas der Bericht- erstatter Bouröly ein Schreiben des Justtzministers, in dem dieser mitteilte, datz der Untersuchungsrichter Duchasie in der Tat genötigt gewesen sei. die Schriftstücke von Agenten der Sicherheitsbehörde übersetzen zu lassen, nachdem er fest- gestellt habe, datz mehrere vereidigte gerichtliche Uebersetzer sich teUs als unzuverlässig. teils als unfähig erwiesen hätten I— Der vom Ausschuh vorgeladene Untersuchungsrichter be- stätigte die Aussagen des Justizministers und fügte hinzu, er habe Polizeiagenten mit der Uebersetzung betraut, die an der HauS- suchung in der ehemaligen päpstlichen Nuntiatur teilgenommen h allem Diese Erklärung des Untersuchungsrichters rief um so lebhaftere Bewegung hervor, als erzählt wurde, daß er vor der Ausschustsitzung zu zwei befreundeten Deputierten geäuhert habe, er habe Befehl erhalten, alles in Unordnung zu lassen, damit man das etwaige Verschwinden von Schriftstücken nicht bemerke. Mehrere Ausschuhmitglieder beantragten, dah der gesamte Ausschuh unter diesen Umständen sein Amt niederlegen möge; jedoch wurde ein darauf bezüglicher Beschluh bis nach Anhörung des Vertreters des Ministers des Aeutzern, Gavarry, und des Direktors der Sicher- heitsbehörde, Henniot, vertagt.— Paris, 30. Mai. Der Untersuchungsrichter Ducasse erklärt die ihm in den Wandelgängen der Kammer zugesprochene Aeuherung, er habe den Auftrag erhalten, die Montagninipapiere in ,Un- ordnung" zu bringen, für durchaus erfunden» Cfrina. Die Unruhen. Hongkong, 30. Mai. sMeldung des Reuterfchen Bureaus.) Die Provinztruppen haben den Aufständischen in Kwan-Tung ein Gefecht geliefert, ihren Führer gefangen und ihre Fahnen und Munition er- obert. Weitere 2000 Mann sind nach Tschau-tschou abgegangen. Ein Kanonenboot mit dem IS. Regiment an Bord hat Canton verlassen. um nach Swatau zu gehen. Die„Daily Mail" meldet aus Hongkong, nach den letzten Nach- richten aus Pakhoi seien die Gebäude der deutschen und der britischen Mission in Lien-Tschau zerstört. Der Deutsche Jensen, Fräulein Mendt, der Engländer Stephen Wieks und Frau befänden sich in Sicherheit im Damen des Präfekten. Hongkong, 30. Mai. Die Provinzialtruppen haben die Rebellen angegriffen und über 100 getötet. Die Anführer der Aufständischen sind in Gefangenschaft geraten. Die Truppen erbeuteten Fahnen, Munition und zahlreiche Waffen. Eine neue Kolonne von 1000 Mann ist nach Chao-Chow abgegangen. Ein Kanonenboot mit dem IS. Infanterieregiment an Bord ist nach Kanton abgegangen. Sie russische Revolution. Ein edles Brnderpaar. Die„Russische Korrespondenz" erhält daS nachstehende Tele- gramm: Petersburg, 29. Mai. AuS absolut zuverlässiger Quelle erfahre ich, daß der berüchtigte Pogromorganisator RatschkofSkij unter gröhtem Geheimnis seine Tätigkeit im Polizeidepartement wieder aufgenommen hat. Nach den Enthüllungen Makaroffs und Lopuschins war RatschkofSkij für elf Monate in daS Ausland „beurlaubt" worden. Im März kehrte er zurück und wurde inoffiziell an die Spitze der politischen Polizei gestellt, zu- sammen mit Kurloff, dem berüchtigten Gouvemeur von Minsk. Kurloff wird protegiert von der Kaiserin Schwester Grohfürstin Elisabeth. Bei ihm finden jetzt Versammlungen der reaktionären Kreise statt, an denen insbesondere auch die reaktionäre Bureaukratie teilnimmt. RaffchkofSky und Kurloff find das Bindeglied zwischen den reaktionären Organisationen und dem Hofe, so dah die Situation jetzt genau dieselbe ist wie zur Zeit Trepoffs. DaS Geheimnis, mit dem die Reaktivierung RatschkofskijS umgeben wird, muh größte Besorgnis einflöhen, und dem Ratsch- tofSkij ist auch daS Aufbauschen deS angeblichen Attentats gegen den Zaren zu verdanken. Auf sein Betreiben wird die Regierung auch gedrängt, in den nächsten Tagen an die Duma die Forderung wegen der Auslieferung von 28 sozialdemokratischen Abgeordneten zu pellen.— Vom Sozialistcnkongreß. London, 30. Mai.(B. H.) Die Mitglieder de» russischen Sozialistenkongresses dementieren die Meldung, dah sie Pläne für einen Aufruhr in Ruhland erörtert hätten. Bisher habe man nur über die Beziehungen der Duma zu der Regierung und den ver- schiedenen Parteien diskutiert. Die unartige Duma. Petersburg, 30. Mai. Hier zirkulieren neuerdings Gerüchte von der bevorstehenden Auflösung der Duma. Selbst Golowin soll erklärt haben, daß, da die radikalen Deputierten jede produktive Tätigkeit der Duma verhindern, die Auflösung das beste sei.— Ableugnungs-Dreistigkcit. Petersburg, 30. Mai.(Reichsduma.) Auf der Tagesordnung steht die Interpellation über die Ereignisse in Riga, wo nach dem Bericht der Kommission im Gefängnis Folterungen vorgenommen sein sollen. Der Justizminister Schtscheglowitow erklärt, dah die Beamtendes Ministeriums an den Schandtaten, deren man sie beschuldige, nicht teilgenommen hatten und dah die Informationen der Kommission durchaus falsch seien!— Der Gehülfe des Minister» des Innern, M a k a r o f f, führt dann au», dah die Polizei niemals solche Dinge verübt habe, wie sie im Berichte der Kommission in großer Zahl enthalten seien. Die Boruntersuchung habe ergeben, dah die Polizei bezüglich gewisser Fälle Schuld treffe; man habe Verhafteten Fau st schlüge versetzt. 42 Polizei- beamtc seien deshalb in Anklagezustand versetzt worden; er wolle die Haltung der Polizei nicht entschuldigen, doch müsse er bemerken, dah dieselbe sich in einer sehr bedenklichen Lage befinde; ihr Vorgehen sei erklärlich wegen der Grausamkeiten der Revolutionare; man könne von der Polizei, von deren Beamten mehr als 1000 in den baltischen Provinzen ge- tötet oder verwundet worden seien, nicht verlangen, daß sie immer kaltes Blut behalte!— Makaroff erinnert an eine Reihe von terroristischen grausanien Handlungen, die 1903 und anfangs 1907 verübt wurden und die zahlreiche Opfer gefordert hatten. Nach den Reden des Ministers und Makaroffs mmmt die Sitzung einen unerwarteten Charakter an. Zahlreiche Redner sprechen garnicht über die Interpellation, sondern über terroristische Taten und die allgemeine Politit im Anschluß an den letzten Teil der Rede MakarowS.,~ Hierauf werden 8 Tagesordnungen eingebracht; vier derselben verurteilen die terroristischen Vorgänge, während die vier anderen die Erklärungen der Regierung als unzureichend bezeichnen. Sämtliche Tagesordnungen werden von der Duma abgelehnt.— ierauf wird auf Antrag der Arbeitspartei die Sitzung auf eine iertelstunde unterbrochen. Nach Wiederaufnahme der Sitzung verliest Vizepräsident Posnansky eine neue, von der Arbeitspartei eingebrachte Tagesordnung. Dieselbe lautet:„In Erwägung, dah die Er- klärungen der Regierung deutlich dargelegt haben, daß Beamte der öffentlichen Gewalt sich in den baltischen Provinzen Gesetzwidrig. leiten haben zuschulden kommen lassen, geht das Haus zur Tages- ordnung über." Die Sozialdemokraten beantragen, zu sagen:„In Erwägung, dah die Erklärungen der Regierung nicht befriedigend sind...." Nach längerer Debatte über die Frage, ob es zulässig ist. nach Ablehnung der acht eingebrachten Tagesordnungen noch über eine neue zu beraten, wird die Tagesordnung der Arbeitspartei mit dem Nbänderungsantrag der Sozialdemokraten angenommen. Gegen Echluh der Sitzung kommt es zu einem heftigen Zu» sammenstoh zwischen Roditfcheff und dem Grafen B o b r i n s- k y wegen beleidigender Acutzerungcn des elfteren gegen letzteren während der Debatte.(Schluß kurz nach 8 tlhr.) Wie die Dinge augenblicklich liegen, muß man darauf gefaßt sein, daß die Regierung, die in der letzten Zeit wieder vom Ma'chtkitzel besessen zu sein scheint, die Ablehnung der die terroristischen Vorgänge mißbilligenden Anträge zum er- wünschten Anlaß nimmt, neue Konflikte heraufzubeschwören. kommunales. Stadtverordueten-Vcrfammlung. 19. Sitzung vom Donnerstag, den 30. Mai 1907, nachmittag 5 Uhr. Der Vorsteher Dr. Langerhans widmet nach Eröffnung der Sitzung zunächst den am 20. bezw. 26. Mai verstorbenen lang- jährigen Mitgliedern D i n s e(N. L.) und Wallach(A. L.) in bewegten Worten einen ehrenden Nachruf, den die Versammlung stehend anhört. In die gemischte Deputation zur Auffindung von Mitteln und Wegen zur planmäßigen und rechtzeitigen Beschaffung von Schul- grundstücken und Schulbauten sind seitens der sozial- demokratischen Fraktion die Stadtvv. Borgmann, Hintze und Singer entsandt worden. Für den verstorbenen Stadtv. D i n s e ist in den Ausschuß für Besoldete, in das Kuratorium der Jagor-Stiftung und in die Ver- kehrsdeputation Ersatz zu wählen. In den Ausschuh für Be- soldete wird Stadtv. Imberg durch Zuruf gewählt; die beiden anderen Ersatzwahlen, für welche mehrfache Meldungen vorliegen, werden auf die nächste Sitzung verschoben. Auf 6 Uhr steht die Wahl eines besoldeten Stadt- r a t S an, welche auf den Magistratsrat Ledermann fällt. Dieser erhält von 60 gültigen Stimmen 43; auf Magistratsrat Franz entfallen 16, auf Stadtv. Mommsen 1 Stimme. 22 Zettel sind unbeschrieben, also ungültig. Die künftige Gestaltung des Berliner Rettungs» Wesens ist an der Hand der betr. Magistratsvorlage Gegenstand eingehender Beratung in einem Ausschusse gewesen, für den Stadtv. Dr. Wehl(Soz.) einen ausführlichen schriftlichen Bericht erstattet hat. Das seitens des Magistrats mit dem Berliner Aerzteverein getroffene vorläufige Abkommen wegen einstweiliger Wciterführung der Rettungswachen ist genehmigt worden; ein An- trag auf sofortige Anknüpfung von Verhandlungen behufs Verstadtlichung der Einrichtungen für Rcttungswesen und Krankenbeförderung mit den beteiligten Organisationen— Rettungsgesellschaft, Sanitätswachen, Unfallstationen, Verband für erste Hülfe— wurde abgelehnt, dagegen ein Antrag angenommen, wonach der Magistrat ersucht wird, bis 1. November 1907 eine Vor- läge darüber zu machen, in welcher Weise vom 1. April 1908 ab insbesondere bezüglich der Sanitätswachen das städtische RettungS- Wesen weiter gestaltet werden soll. Der abgelehnte Antrag auf sofortige Einleitung von Verstadt- lichungsvcrhandlungen hatte auch die baldigste Einbringung einer Vorlage auf folgender Grundlage gefordert: 1. Nachdem die Krankenhäuser Berlins und der Vororte als Hauptwachen bestehen bleiben und die mit den SanitätSwachen ver- bundenen Rettungswachen in städtische Verwaltung übergegangen sind, werden die Sanitätswachen vom 1. April 1908 von der Stadt übernommen, die Ueberwachung übt ein Kurator in der Person des Vorsitzenden aus, der auch die Kassengeschäfte kontrolliert. 2. Die Sanitätswachen, welche mit Unfallstationen in Verbin- dung stehen, sind verpflichtet, diese Verbindung aufzugeben, da auch hier die Stadt den Tagesdienst übernimmt. 3. Die beteiligten Organisationen sind hiervon in Kenntnis zu setzen mit dem Bemerken, daß vom 1. April 1908 ab der Zuschuß fortfällt. 4. Es soll ein Plan von Berlin angefertigt werden, in welchem die Lage der Sanitäts- und Rettungswachen, der Krankenhäuser (Hauptwachen) und der Unfallstationen durch besondere Farben kenntlich gemacht wird; hierdurch kann festgestellt werden, in welchen Stadtteilen noch ein Bedürfnis für städtische Wachen besteht, bezw. welche Wachen fortfallen können. 5. Der ärztliche Dienst in den Wachen wird einem Aerzte- verein übertragen, welchem diejenigen Aerzte angehören, die unter den später festzulegenden Bedingungen den Wachdienst zu über» nehmen bereit sind. Diese Resolution soll nach dem Ausschußantrage dem Magistrat als Material überwiesen werden. Stadtv. Singer(Soz.): Ich möchte dem dringenden Wunsche Ausdruck geben, dah der Magistrat dem Ersuchen nachkomme, zum 1. November eine Vorlage an unS zu bringen. Nur unter dem Zwange der Verhältnisse stimmen wir für da? jetzt vorgeschlagene Provisorium. Käme der Magistrat dem Wunsche nicht nach, so würden wir unsererseits die Zeit vom 1. November bis zum Schlüsse des Etatsjahres benutzen, um festzulegen, wie nach unserer Meinung die Sache weiter zu gestalten ist. Nach den Versicherungen des Magistratsvertreters im Ausschüsse haben wir ja aber Hoffnung, dah jener Wunsch erfüllt werden wird. Sehr bedauern müssen wir ferner, dah unsere Anträge wegen der Ver- stadtlichung des KrankentransportwesenS von der AuSschuh- mehrheit abgelehnt worden sind. Ich will keineswegs die be- stehenden Einrichtungen diskreditieren, aber auS dem unS zugäng- lich gemachten Material geht unweigerlich hervor, dah der be- stehende Krankentransport dem Bedürfnis nicht(jenügt. Die Ueberweisung von Kranken an die Krankenhäuser geschieht vielfach in ganz ungehöriger Weise; alle möglichen öffentlichen Fuhrwerke werden zur Beförderung be- nutzt, Kinder werden in Kinderwagen in die Krankenhäuser befördert, oder auf den Armen der Mutter in Omnibussen usw. Solches ist nicht nur nicht im Interesse der armen Kranken, sondern geradezu eine öffentliche Kalamität. Die große Menge kann sich überhaupt bei den teuren Preisen dieser vorhandenen Transportmittel gar nicht bedienen; hier ist die Stelle, wo die Stadt und ihre Mittel ein- greifen müssen. Für die spätere Regelung der ganzen Sache möchte ich dem Magistrat doch anheimgeben, die Frage der Trennung des Rettungswesens von dem Bereich der Zuständigkeit der KrankenhauS-Deputation in Erwägung zu ziehen, d. h. für die Bildung eines besonderen Kuratoriums sich zu entscheiden. ES müssen hier Personen zur Mitarbeit herangezogen werden, deren berufliche Tätigkeit ihnen eine besondere Sachverständigkeit in dieser Richtung beilegt; es müssen Bürgerdeputierte da hinein- kommen, welche aus stadtischem oder allgemein humanem Jnter- esse besonderen Anteil an der Sache nehmen. Bürgermeister Dr. Reicke: Auch dem Magistrat liegt daran. eine Vorlage, wie der Ausschuß sie wünscht, bald an die Versamm- lung zu bringen. Im Ausschuß sind drei Fälle vorgebracht worden. wonach die neue Organisation mit dem Aerzteverein versagt haben sollte. Alle diese drei Fälle haben sich nicht zu einer Zeit ereignet, wo der Aerzteverein den Dienst in den Wachen hatte.(Hört! hört!) Stadtv. Sachs(A. L.): Die Frage des Krankentransport- Wesens hat direkt mit dieser Angelegenheit nichts zu tun. Es müßte doch auch in jedem Falle erst ärztlich konstatiert werden, ob eine ansteckende Krankheit vorliegt. Das Krankentransport. Wesen braucht überhaupt nicht verstadtlicht zu werden; eS war bisher in guten Händen und Verfehlungen der betreffenden be- währten Privatunternehmungen sind Nicht nachgewiesen. Man soll die Angelegenheit damit nicht noch mehr komplizieren. Die AuSschußanträge gelangen zur Annahme, nachdem der Referent noch angeführt, daß im Aueschusse an einer großen Zahl von Fällen nachgewiesen� worden sei. daß der Transport von Kranken in die Krankenhäuser dauernd sich als untunlich erwiesen habe, weil c» den Betreffenden an dem dazu erfor- derlichen Gelde gemangelt habe. Die Angelegenheit der Zuteilung deS Stadt» bezirks!38 behufs Erledigung von Recherchen usw. an den Stadtv. S a s s e n b ach �(Soz.) hat neuerdings auch den Ausschuß für Unbesoldete beschäftigt. Mit 6 gegen 2 Stimmen wird von diesem vorgeschlagen, die Zuteilung des Bezirks an den Stadtv. Rosenow für 1907 beizubehalten und den Wunsch des Stadtv. Sassenbach bei der im Januar 1903 vorzunehmenden Neuzuteilung der Stadtbezirke an die Mitglieder in nähere Erwägung zu ziehen. Stadtv. Ewald(Soz.): Es handelt sich hier um einen Kollegen« der überhaupt noch keinen Bezirk zu Recherchen hat; Herr Rosenow hat 4 Bezirke. Kollege Sassenbach wohnt in dem Bezirk seit sieben Jahren; Herr Rosenow hat den Bezirk seit 1894. Es ist immer Gepflogenheit gewesen, dem Stadtverordneten den Bezirk, wo er wohnt, zuzuteilen. Wir haben allerdings am 1. Februar mit 64 gegen 57 Stimmen dem Kollegen Rosenow den Bezirk zugesprochen; aber Herr Rosenow hat doch eben 4 Bezirke, Herr Sassenbach gar keinen, und dieser hat sich rechtzeitig zur Verteilung gemeldet. Nach der Geschäftsordnung soll die Verteilung alljährlich stattfinden; ich kann nicht einsehen, warum jetzt eine Verschiebung beliebt werden soll. Ich beantrage, dem Kollegen diesen Bezirk zuzuteilen. Wir haben hier jüngere Kollegen, welche 7, 8, ja 10 Bezirke zugewiesen bekamen, während meine Fraktionskollegen recht stiefmütterlich be- handelt sind. Wenn ein Kollege den Wunsch äußert, in dieser Weise zu arbeiten, so bitte ich Sie. diesem Wunsche ohne weiteres zu entsprechen. - Die Mehrheit beschließt nach dem Ausschußantrage. Auf dem städtischen Gelände zwischen Thorner-, Schneide- mühler-, Schönlanker- und Paul Hcyscstratze soll eine G e- meindedoppelschule Platz finden, um die Barackenschulen hinter dem Friedrichshain mit der Zeit zu beseitigen und auch für die Mietsdoppclschule Elbingerstr. 4/5 Ersatz zu schaffen. Stadtv. Körte(Fr. Fr.) bedauert sehr, daß diese Vorlage erst jetzt kommt. Hätte man vor 5 Jahren über das Terrain so dispo- nicrt, so hätte man sich die beiden Barackcnschulen sparen können. Nunmehr solle aber so schleunig wie möglich mit den Vorberei- tungen zum Neubau vorgegangen werden und eventuell solle man' die bestehenden Pachtverträge sofort lösen. Stadtsyndikus Hirsekorn: Sollte die Versammlung in letzterem Sinne beschliehen, so wird der Magistrat alles tun, um den Bau- beginn schon auf den 1. April 1908 festzusetzen. Mit einer entsprechenden Modifikation gelangt die Borlage zur Annahme. Zu der Genehmigung des Schwibbogenbaues zur Ueberbrückung der Französischen st raße zwischen den Ge- schäftshäusern der Deutschen Bank sucht der Magistrat nun- mehr die Zustimmung der Versammlung nach. Die Genehmigung dieses oberirdischen massiven Verbindungsganges soll widerruflich sein und ist eine jährliche Anerkennungsgebühr von 3000 M. stipuliert. Stadtv. Kreitling(N. L.): Daß die geplante Ueberbrückung auch dem die Bank besuchenden Publikum dienlich sein soll, wie die Begründung sagt, möchte ich doch stark bezweifeln. Wir lehnen die Vorlage aus prinzipiellen Gründen ab, denn was wir dem Privaten bewilligen, können wir nachher dem Staate und anderen nicht versagen. Stadtv. Ladcwig(N. L.): Die beiden Gebäude der Deutschen Bank, die durch diesen Schwibbogen verbunden werden sollen, ge- hören ganz verschiedenen Baustilen an; eine architektonische Wirkung kann durch den Schwibbogen also nicht erzielt werden. Die beiden Gebäude liegen auch zu weit auseinander; der Schwib- bogen würde stets nur den Eindruck einer Girlande oder einer Waschleine machen. Der Schwibbogen müßte gestützt werden, und das ist an jener nicht eben verkehrsreichen Stelle wohl möglich. Die Sache sollte deshalb in einem Ausschuß näher geprüft werden. Schließlich ließe es sich ja auch im Wege der Untertunnelung machen.(Heiterkeit.) Der gute Ruf Berlins darf jedenfalls durch solche unästhetischen Projekte nicht geschädigt werden. Stadtv. Singer: Eine Wcißbierstube wäre wohl der richtigere Ort. solche Gründe vorzubringen, wie sie Kollege Ladewig geltend gemacht hat.(Große Heiterkeit.) Es ist erstaunlich, hier für eine verhältnismäßig so kleine Angelegenheit so große Gesichts- punkte geltend machen zu hören. Wir haben gegen die Vorlage nach erfolgter gründlicher Prüfung in der Fraktion nichts ein- zuwenden und sehen auch keinen Anlaß für Ausschußberatung, da die großen Fragen, welche Kollege Ladewig aufgeworfen hat, auch im Plenunm mit ja oder nein beantwortet werden können. Es handelt sich um eine rein praktische Erwägung. Beachtung verdient lediglich die Besorgnis bor unliebsamen präjudizierlichen Konsequenzen. Wir behalten indessen jederzeit die Freiheit, von all zu Fall ja oder nein zu sagen; ein Grund, von vorn- erein prinzipiell nein zu sagen, ist nicht vor- handen. Daß das städtische Interesse irgendwie leiden soll, wenn an dem toten Ende der Französischcnstraße diese Ueber- brückung vorgenommen wird, verstehe ich nicht. Man reist doch eventuell Hunderte von Meilen weit, um solche Bauwerke be- wundern zu können. Daß den Anwohnern Luft und Licht ge- nommen werde, stimmt auch nicht, denn es kommt nur ein einziges taus in Frage, und dieses wird in keiner Weise am Genuß von uft und Licht behindert. Alle die anderen Einwände sind nur künstlich herbeigezogen. Stadtv. Landsberg(A. L.): Das große Berliner Publikum hat in der Sache gar keinen Vorteil; diesen hat lediglich eine große private Erwerbsgesellschaft. Der Ausschuß soll eben prüfen, ob das öffentliche Interesse bei der Sache nicht zu kurz kommt. In der Bürgerschaft ist Entrüstung und Aufregung darüber entstanden, daß der Magistrat hier für eine Bagatelle einer Bank ein solches Zugeständnis machen will. Auf jeden Fall ist gründliche Prüfung im Ausschuß notwendig. Stadtv. Körte hat von Entrüstung und Aufregung in der Bürgerschaft über daS Projekt und den Magistratsvorschlag nichts gemerkt. Man solle doch einem so gewaltigen wirtschaftlichen Faktor wie der Deutschen Bank nicht Knüppel zwischen die Beine werfen und die Angelegenheit nicht so kleinlich behandeln. Auch Stadtv. Rathan(soz.-fortschr.) meint, ein so einzigartig in der ganzen zivilisierten Welt dastehendes Institut wie die Deutsche Bank müsse anders als ein Privatmann behandelt werden. Von einer Schädigung öffentlicher Interessen sei keine Rede. Stadtv. Architekt Cremrr(A. L.) tritt den Ausführungen Singers bei. Stadtv. Cassel: Auch ich betrachte die Sache nüchtern und vom praktischen Standpunkte; ich meine nur, man soll jeden gleich behandeln und die Vorlage weder mit Hurra annehmen, weil es die Deutsche Bank ist, noch dieser etwas weigern, was zu kon- zedieren uns keinen Schaden verursacht. Es sind aber von Nachbarhäusern Beschwerden über Verlegung der freien Aussicht geführt worden; darüber muß Aufklärung erfolgen. Stadtv. Dr. Hermes: Ich habe gestern den Schwibbogen be- sichtigt. Mein ästhetisches Gefühl wurde dadurch nicht verletzt; aber vielleicht ist es weniger entwickelt wie das des Kollegen Ladewig.(Heiterkeit.) Wie denkt dieser übrigens über die ästhetische Wirkung der Stadtbahn und her Hoch- und Untergrund- bahn auf das Straßenbild, z. B. an der Friedrich- und Flensburger- stratze? Hat er da keine Verletzung seines ästhetischen Fein- gefühls gespürt? Stadtv. Ladewig: Kollege Körte nannte mich einen„Kunst- rat". Das finde ich gerade von ihm, dem Architekten, wenig ge- schmackvoll; gerade er dürfte sich nicht erlauben, mit solchem AuS- spruch anzudeuten, daß niemand mitzureden habe, der nicht zur Zunft gehört. Kollege Singer erklärte, er kenne keine ästhetischen Bedenken; wenn das der Fall ist, kennt er sie natürlich auch be- züglich dieses Bogens nicht.(Heiterkeit.) An der weiteren Debatte beteiligen sich noch die Stadtvv. Herzberg(fr. Fr.) und Cassel, welch letzterer darauf ver- weist, daß der mit der Deutschen Bank zu schließende Vertrag da- hin geändert werden mutz, daß für den Fall der Durchlegung der Französischenstraße der Abbruch zu erfolgen hat. Darauf wird die Vorlage mit großer Mehrheit einem AuS« schuß überwiesen. Zu den Betriebskosten deS Kaiserin Auguste- Vik- toria. Hauses in Charlottenburg zur Bekämpfung der Säuglinge st erblichkeit im Deutschen Reiche will der Ma- gistrat pro 1908 6000 M. Beihülfe gewähren. Die Versammlung ist damit einverstanden. Der Lord- Mayor von London trifft mit 53 Begleitern am 16. Juni hier ein, um Berlin einen viertägigen Besuch zu machen. Der letztere erfolgt auf Einladung des Oberbürgermeister der damit den Dank Berlins für die„außerordentliche Freundlich» keit und die ungemein gastliche Aufnahme" abstatten will, welche die Vertreter der Berliner Gemeindebehörden bei ihrem vorjährigen Besuche in London erfahren haben. Der Lord-Mayor und die She- riffs sollen als Gäste der Stadt betrachtet werden. Ein Komitee von 30 Mitgliedern(1l> Magistratsvertreter, 20 Stadtverordnete) soll gebildet werden und ein Betrag von 40 000 M. zur Verfügung gestellt werden. Der Magistratsantrag wird angenommen. Zur Annahme des Vermächtnisses des Rentiers Siegis- mund Samuel für wohltätige Zwecke(500 000 M.) gibt die Versammlung die Genehmigung. Für den projektierten Ost Hafen am Stralauer Anger sollen die erforderlichen Spreeflächen dem Fiskus für 20 M. pro Quadratmeter(statt 40, die früher gefordert waren), insge. samt für 946 000 M. abgekauft und ferner für den Bau der Kai. mauer l 230 000 M., sowie für Regulierungsarbeiten 280 000 vorbehaltlich der Erstattung aus den Mitteln einer neuen Anleihe bewilligt werden. AuS der Begründung der Vorlage ist ersichtlich, welchen Schwierigkeiten die Ausführung auch dieses städtischen Projektes auf Schritt und Tritt begegnet. Diese Vorlage sowie diejenige betr. den Tarif und die Ge- bührenerhebung an den Lösch- und Ladeftellen be- antragt Stadtv. Kreitling, einem Ausschusse zu überweisen. Der Fiskus habe in allen seinen Gestalten auch hier sehr geringes Eni gegenkommen bewiesen, während er an den aufkommenden Ge bühren sich ein Viertel dauernd sichern wolle. Auch die Haltung der Korporation der Aeltesten der Kaufmannschaft bezw. der Handels. kammer sei eigentümlich. Vielleicht komme man im Ausschüsse werter. Stadtv. lkassel: Bei dieser Gelegenheit zeigt sich deutlich, welche Schwierigkeiten stets erwachsen, wenn die Stadtverwaltung irgend etwas für die wirtschaftliche EntWickelung Berlins plant. Manche Leute draußen glauben, man braucht eine Idee bloß auszusprechen und alles müsse dann sofort fix und fertig dastehen. Es ist eben viel leichter, zu kritisieren, als selbst etwas zu schaffen. Die Vorlagen gehen an einen Ausschuß. Schluß der öffentlichen Sitzung gegen HO Uhr. Der Bäckermeisted G e r l a ch, Koppenstr. 46, und die biedere 6ewerkrchaftUchc9« Berlin und Umgegend» Der Bäckerstreik. Wie bei jedem wirtschaftlichen Kampf, so entfaltet auch beim Bäckerstreik die Polizei eine Tätigkeit, deren Wirkung die ist, daß die Interessen der Arbeitgeber in jeder Weife begünstigt, die Rechte der Arbeiter aber verletzt werden. Die Posten, welche die Streikenden an den Bahnhöfen ausstellen, sind für die Polizeibeamten das Ziel besonderer Aufmerk samkeit. Da gibt es kaum noch ein Plätzchen, wo ein Streik� Posten nach Ansicht der Polizei nicht ein„Verkehrshindernis" bildet, welches mit allen Mitteln polizeilicher Schneidigkeit dann— im Interesse der Ordnung und Sicherheit natürlich — entfernt wird. Vor dem Germania-Jnnungshause in der Chausseestraße, wo die Bäckermeister ihr Zentralstreik bureau eingerichtet haben, sind gleich drei Schutzmannsposten aufgestellt und eine Anzahl„Geheimer" patrouillieren in der Nähe des Hauses und fahnden auf Streikposten. Mit welcher liebevollen Sorge sich Polizeibeamte um die Jnter- essen der Bäckermeister kümmern, zeigt ein Beispiel: Da be- merkten die Streikposten, die trotz aller polizeilichen Maß- regeln das Jnnungshaus fortgesetzt beobachten, einen fremden Bäckergesellen, der seine Schritte nach dem meisterlichen Streik- bureau lenkte. Man fragte den Fremden, woher und wo- hin und da erzählte er, er sei auf der Reise, soeben in Berlin eingetroffen, habe auf der Straße einen Schutzmann nach der Herberge gefragt, dieser habe sich erkundigt, ob der Fremde Bäcker sei, ob er arbeiten wolle, und auf seine be- jahende Antwort habe ihn der Schutzmann nach dem Jnnungshause gewiesen.— Die Mitteilung der Streikposten, daß in Berlin gestreikt wird, genügte, um den Fremden zur sofortigen Weiterreise zu veranlassen. In diesem Falle war also die polizeiliche Liebesmüh umsonst. Wie die Bäckermeister wutentbrannt auf die Streiken- den und deren Leitung schimpfen, das haben wir in ihrer Versamnilung gehört, über die wir gestern berichteten. Daß sie nicht weniger glimpflich mit ihren eigenen Kollegen um- gehen, falls diese so einsichtig sind, die Forderungen der Ge- scllen zu bewilligen, das zeigt eine Postkarte, welche der Bäckermeister W o l l w e i d e, Zionskirchplatz 1, gestern er- hielt. Das Schriftstück lautet: Berlin, 29. Mai 1907. Du gemeiner Lump, Du bist ein Strolch, schimpfe Dich nicht Bäckermeister, denn ein Meister kann sich nicht so erniedrigen. Deine Stunde wird aber schlagen, Fluch und Schande über Dein Haus bis Du Lump gehst barfuß raus, das wünschen die Kol- legen, die für Ehre und Recht streiten. Pfui, Pfui und nochmals Pfui. Natürlich haben die„Kollegen, die für Ehre(?) und Recht(?) streiten", es vorgezogen, ihre Namen nicht unter die Schmähkarte zu setzen. Wankelniut und Wortbruch macht sich, wie beim vorigen Streik, so auch jetzt, bisher allerdings nur vereinzelt, in den Reihen der Meister wieder bemerkbar. Blottner, der Inhaber einer großen Bäckerei, hat seine Bewilligung wieder zurückgezogen. Als Antwort darauf haben seine sämtlichen Gesellen die Arbeit sofort niedergelegt und auch die Kutscher erklären sich mit ihnen solidarisch. Blottner ließ seine Ge- sellen bisher durch einen der skrupellosesten Kommissionäre vermitteln. 3, 6, 9 M. mußten die Arbeitsuchenden dem Vermittler für eine Stelle zahlen. Es wird permutet, daß dieser Stellenvermittler seinen Einfluß für die Zurückziehung der Bewilligung geltend gemacht hat. denn die Anerkennung des paritätischen Arbeitsnachweises würde ja dem Mann das Geschäft verderben, Weitere Zurücknahme der Bewilligungen sind bis jetzt nicht erfolgt. Dagegen hat der Streik eine weitere Aus- dehnung erfahren. Mehr als 300 Gesellen haben im Laufe des gestrigen Tages bei Meistern, die nicht bewilligt hatten, die Arbeit niedergelegt. Das energische Vorgehen im Streik in Verbindung mit dem Boykott, der nach der am Mittwoch- abend erfolgten Verbreitung des Flugblattes gestern in den Arbeitervierteln einsetzte, hat die erfreuliche Wirkung gehabt, daß sich die Zahl der Bewilligungen bedeutend steigerte. Gestern, vom Morgen bis zum späten Abend hatte man im Streikbureau unausgesetzt zu tun, um die Unterschriften der bewilligenden Meister entgegenzunehmen, sowie Legiti- mationskarten für Austräger usw. auszustellen. Meister und Meistersfrauen kamen und gingen den ganzen Tag. Zeitweise war. der Andrang so stark, daß die Erledigung der Geschäfte nur mit Mühe vonstatten ging.� Infolgedessen war es der Streikleitung noch nicht möglich, die Zahl der Be- willigungen festzustellen, sie wird jedoch auf etwa 600 im ganzen geschätzt. Unter diesen Umständen kann die Streik leitung mit Befriedigung auf die Erfolge blicken. Meisterin mußten wohl von einer bangen Vorahnung der Flug- blattverbreitung bedrückt sein. Zur rechten Zeit— als die Flug- blattverbreitung ihren Anfang nehmen sollte, hatten sie beide vor dem Hause Posto gefaßt, um nach den Umstürzlern umzuschauen. Mit einem Male hieß es:„Da sind siel" Damit die Mitbewohner des Hauses von der elenden Lage der Bäckergesellen nichts er- fahren sollten, mußten wenigstens die Flugblattverbreiter von diesem Hause ferngehalten werden. So tauchte plötzlich, wie ein rettender Engel für unser Bäckermeisterpaar, als dritter im Bunde ein Kriminalschutzmann auf. Als unsere Genossen das Haus des Bäckermeisters betreten hatten, sprang der Kriminal- beamte hinterher und stellte unsere Genossen. Der Kriminal- schutzmann hatte, wie so häufig, von den gesetzlichen Bestimmungen der Flugblattverbreitung keine Ahnung. Er fragte unsere Ge- nossen, ob sie einen polizeilichen Erlaubnisschein zur Flugblattverbreitung hätten, worauf unsere Genossen dem Gesetzeshüter antworteten, daß sie zu einer derartigen Ver- breitung keine polizeiliche Erlaubnis brauchten. Der Kriminalschutzmann in seiner Unkenntnis verlangte nun die Legitimation der Genossen und notierte sich die Namen derselben. Damit war aber nichts gerettet: die Hausbewohner be- kamen ihr Flugblatt! � Berichtigung. Nicht Albrecht— wie in unserer gestrigen Mitteilung zu lesen ist— sondern U l b r i ch(Charlottenburg) heißt der Bäckermeister, welcher die gegen Bewilligung der Forderungen gerichtete Erklärung der Großbetriebe mitunterzeichnet, trotzdem aber die Forderungen durch Unterschrist anerkannt hat. Albrecht hat noch nicht bewilligt. Zur Bewegung im Baugewerde. Beim Zentralverband der Zimmerer wurde festgestellt, daß am 23. Mai 37, am 29. Mai 143 Baugeschäfte bewilligt hatten, am 30. Mai sind noch 91 Neubewilligungen hinzugekommen, so daß jetzt in 234 Baugeschäften zu den neuen Bedingungen gearbeitet wird. In den 23 Bezirken Berlins haben sich am gestrigen Tage 2311 Mann der Kontrolle unterzogen. Seitens des Zentralverbandes der Maurer wurde am 29. Mai eine Bautenkontrolle veranstaltet. Das Resultat war folgendes: Bewilligt hatten 207 Unternehmer. Zu neuen Bedin- gungen arbeiten auf 233 Arbeitsstellen 1163 Maurer. Außer- dem sind vorgefunden 408 Akkordmaurer auf 39 Baustellen. Am 30. Mai sind noch 124 Bewilligungen eingegangen; die Zahl der darauf beschäftigten Maurer muß erst durch die noch vorzunehmende Bautenkontrolle festgestellt werden. Es haben also bis jetzt 331 Firmen bewilligt. Am 30. Mai haben sich 5544 ausgesperrte bezw. streikende Verbandsmitglieder zur Kontrolle gemeldet. '»' Zum Kampf im Baugewerbe nahm am Donnerstag eine sehr stark besuchte Generalversammlung der Sektion der Gips- und Zementarbeiter Stellung. Der Vorsitzende Hase führte unter anderem aus: Die Sektion ist nicht unmittelbar an dem Kampf beteiligt, da sie mit den Unternehmern in einem bis zum 1. Oktober dieses Jahres laufenden Vertragsverhältnis steht. Trotzdem sind eine große Zahl von Gips- und Zementarbeitern durch den Kampf in Mitleidenschaft gezogen, namentlich die Kate- gorien, welche mit den Maurern zusammenarbeiten. Infolge der Aussperrung und des Streiks sind bis jetzt 191 Sektionsmitglieder außer Arbeit gekommen, und zwar 71 Hülfsarbciter, 64 Einschaler, 36 Zementierer. Wölber und Putzer. Mit Rücksicht auf das be- stehende Vertragsverhältnis müssen die Gips- und Zementarbeitcr in diesem Kampf eine abwartende Stellung einnehmen. Jedoch werden sie insofern volle Solidarität mit den Streikenden und Ausgesperrten bekunden, daß sie jede Arbeit der Maurer, Zimmerer und Bauarbeiter unter allen Umständen zurückweisen. Ein Soli- daritätsstreik wegen Angebot von Streikarbeit oder wegen Zu- sammenarbeitens mit Atkordmaurern usw. darf in keinem Falle erklärt werden, ehe nicht die Leitung der Organisation von den betreffenden Verhältnissen unterrichtet worden ist und ihre Zu- stimmung zur Arbeitsniederlegung gegeben hat. Die Gründe, welche für diese Taktik bestimmend sind, liegen in dem Vertrags- Verhältnis. Es darf den Unternehmern keine Gelegenheit gegeben werden, unter Berufung auf einen Vertragsbruch der Arbeiter den Vertrag für aufgehoben zu erklären. Um den Kampf materiell zu unterstützen, hat.eine Vertrauens- männerversammlung folgendes beschlossen: Alle arbeitenden Kol- legen haben vom 27. Mai ab auf Grund des Statuts einen Streik- beitrag zu zahlen. Derselbe beträgt pro Tag für Hülssarbeiter 40 Pf., für Einschaler 50 Pf., für alle anderen Arbeiter 55 Pf. Jeder arbeitende Kollege hat sich bis zum 1. Juni in den Besitz einer Sammel- resp. Arbeitsbercchtigungskarte zu setzen. Die Bau- deputierten haben jeden Sonnabend die Beiträge einzuzieh/n. Alle Arbeitslosen haben sich vom Freitag, den 31. Mai ab im Bureau der Organisation zur Kontrolle zu melden. Die Ausgabe der Streikkarten erfolgt unter dem Datum des 30. Mai. Die ledigen Kollegen haben Berlin zu verlassen, sie erhalten eine Legiti- mation und Reisegeld bis zu dem Orte, wo sie Arbeit suchen wollen. Nach längerer Diskussion stimmte die Versammlung den Vor- schlügen der Vertrauensmänner zu mit der Aenderung, daß der Streikbeitrag erst vom Tage der Eintragung in die Streikliste, also vom 30. Mai ab zu entrichten ist. Der Tarifvertrag der Zuschneider der Herren- und Knadenkonfektion. Die Geduld der Zuschneider und Zuschneiderinnen, die sich am Mittwoch bei Dräsel in der Neuen Friedrichstraße versammelt hatten, wurde auf eine harte Probe gestellt. Auf Vz? Uhr war die Versanunlung einberufen und der große Saal war gefüllt. Aber eine Stunde nach der anderen verging und immer wieder mußte bekannt gegeben werden, daß im„Altstädter Hof" die Verhandlungen mit den Unter- nehmern noch nicht beendet waren. ES war 11'/« Uhr, als die Lohn- kommiffion endlich eintraf und über die Verhandlungen berichten konnte. Wie der Referent Käming ausführte, war es aber bei der außerordentlichen Schwierigkeit der Verhandlungen auch dann noch nicht möglich geworden, sämtliche Punkte des Tarif- Vertrages zu erledigen. Weitere Verhandlungen, bei denen es sich hauptsächlich noch um die Kontrollbücher und um die Schlichwngskommisfion handeln wird, sollen am Montag stattfinden, worauf dann am Dienstag eine neue Zu- fch neiderversammlung über die Vereinbarungen endgültig beschließen soll. Geeinigt hatten sich die Vertreter der beiden Par- teien über folgende Lohnsätze: Die Zuschneider der Herrenkonfektion sollen beim Eintritt in den Beruf als Anfangslohn 30 M- erhalten, nach Verlauf von drei Monaten 32 M., nach sechs Monaten 34 M., nach 1>/z Jahren 37 M. und nach drei Jahren der Berufstätigkeit 39 M. Wochenlohn. Diejenigen Zuschneider, die schon 39 M. oder mehr, aber nicht über 50 M. Lohn haben, erhalten eine Lohnaufbesserung von 5 Proz. Diese Lohnsätze gelten auch für die Größen 7—12 der Knabenkonfektion. Die Zuschneider der Knabenkonfektion der Größen 1— 6 erhalten als Anfangslohn 27 M., nach drei Monaten 30, nach sechs Monaten 32, nach Vh Jahren 34, nach drei Jahren 37 und nach vier Jahren der Berufstätigkeit 39 M. Wochcnlohn. Der Ansangslohn der W e st e n z u s ch n e i d e r i n n en wurde auf 16 M. festgesetzt: nach einem Jahre sollen sie 18 M.. nach zwei Jahren 20,»ach drei Jahren 22 und nach vier Jahren 24 M. Wockenlohn erhalten Bei den Lohnsätzen für die Zuschneiderinnen der Knabe nkonfektion wurden besondere Bestimmungen für Lehr- damen getroffen. Für solche, die noch nicht in der Konfektion tätig waren, beträgt die Lehrzeit ein Jahr. Sie erhalten als Anfangs- lohn 8 M. und nach Verlauf von je drei Monaten 9,50 M., 11 M.. 12 M. Danach gelten dieselben steigenden Lohnsätze wie bei den Westenznschneiderinnen. Lehrdamen, die schon als Schneiderinnen oder Einrichterinnen tätig waren, fangen mit 9,50 M. Wochenlohn an und beenden ihre Lehrzeit in neun Monaten. Die Bestimmung, daß diejenigen, die den höchsten Lohnsatz schon erreicht haben aber nicht über 50 M. erhalten, 5 Prozent Lohn- aufbesserung bekommen sollen, gilt, wie für die Zuschneider der Herren- und Knabenkonfektion, auch für die Zuschneiderinnen der Westenbranche und der Knabenkonfektion. Die Arbeitszeit soll mit einstündiger Pause 10 Stunden, also rein 9 Stunden betragen. Wo seil länger als sechs Monaten eine kürzere Arbeitszeit eingeführt ist, bleibt diese bestehen. Für Ueber- stunden wird ein Zuschlag von 25 Proz., für Sonntagsarbeit von 50 Proz. bezahlt. Sämtliche Zuschneider und Zuschneiderinnen sollen, sofern sie ein Jahr im Geichäste tätig sind, acht Tage Ferien erhalten. Der Tarifvertrag soll am 1. Juni in Kraft treten und gelten bis zum 31. Mai 1910. Der Redner empfahl der Versammlung, sich mit diesen Ab- machungen einverstanden zu erklären. Dies geschah denn auch nach kurzer Diskussion einstimmig. Dementsprechend konnte bei den Verbandsfirinen die Arbeit ohne Unterbrechung fortgesetzt werden. Den übrigen Firmen werden, soweit sie noch nicht bewilligt haben, die Abinachungen zur Anerkennung vorgelegt. ES wird sich hier nur noch um wenige Geschäfte handeln. Der Streik der Bootsbauer. Zwischen dem Verband der BootS- und Jachtwerften Berlins und der Uingegend und dem Verein der Schiff- und Bootsbauer besteht ein Vertrag, der die Lohn- und Arbeitsbedingungen regelt. Bei der Auslegung dieses Vertrages kam es, wie so oft, zu Differenzen zwischen Unternehmern und Arbeitern, namentlich die Ueberstundenfrage gab Anlaß zu solchen. Zwar heißt es deutlich im Vertrage, die Ueberstunden sind solche, welche die tägliche Arbeitszeit von 10 Stunden überschreiten, aber die Unternehmer, allen voran Herr Deutsch, der Vorsitzende ihrer Organisation, wollten Ueber» stunden nur anerkennen, wenn die Arbeitszeit von wöchentlich 59>/z Stunden überschritten wurde. Fehlte ein Arbeiter einen Tag oder auch nur eine Stunde, dann konnte er um die Ueberstundenbezahlung kommen. Das führte zu Differenzen besonders bei der Maifeier und den dritten Feiertagen. Bei Ge» legenheit des Pfingstfestes maßregelte Herr Deutsch sogar einen Arbeiter, der ihm den Beschluß feiner Kollegen mitteilte, daß der Pfingstdienstag als Feiertag zu gelten habe. Darauf legten die Bootsbauer der Firma die Arbeit nieder. Als es einem Teil von ihnen gelang, anderwärts Arbeit zu bekommen, verlangte Herr Deutsch von dem neuen Arbeitgeber deren sofortige Entlassung. Es ist charakteristisch für die Taristreue dieses Unternehmers, daß er trotz des bestehenden Tarifs von 2 Jahren mit einem Teil seiner Leute einen anderen auf 5 Jahre lautenden abschloß.— Zuzug von Bootsbauern, namentlich aus Hamburg und besonders von England ist fernzuhalten. Auch Schiffbauer, Tischler und Stell- macher mögen der Werft von Deutsch fernbleiben. Zur Lergarbeiterbcwegung in Lothnngen ist zu melden, daß am 24. und 25. Mai in weiteren zwei Gruben die Mehrzahl der Mannschaften nicht eingefahren ist und der AuS« stand wird noch weiter um sich greifen, wenn sich daS Gerücht be» wahrbeitet, daß die de Wendelschen Gruben Erze an die vom Streik betroffenen Werke liefern. Man sucht die Arbeiter durch kleine Zu« geständnisse vom Streik abzuhalten. So gibt eine der Rombacher Hütten in St. Marie-aux-Genes, ohne daß die Bergleute es ge« fordert, die Beleuchtung stei; das bedeutet für die Berg- leute eine Ersparnis von 2 Marl 40 Pf. im Monat, Die Bergleute fallen auf diesen Trick aber nicht hinein. Besonders die ausländischen Arbeiter, und deren beschästigen die „nationalen" Grubenbesitzer eine große Anzahl, sind empört darüber. daß sie die gleichen Beiträge bezahlen müssen, wie ihre deutschen Kollegen, aber wenn sie als Invaliden in die Heimat ziehen, nur das Dreifache einer Jahrespension erhalten können und nicht die fortlaufende Monatsrente. Die Polizei geht mit aller Schärfe gegen die Arbeiter vor. Ein italienischer Bergarbeiter, der mit seinen Landsleuten italienisch sprach und für sie eintrat, aber nicht genügend Legitimationspapiere bei sich hatte, wurde abgeführt. Das reichS» ländische Vereinsgesetz wird mit aller Sttenge gehandhabt. Unter 21 Jahre alte Arbeiter dürfen nicht an den Versammlungen teil- nehmen. Der alte Verband hat an seine Mitglieder bereits Streik- Unterstützung ausbezahlt. ZZusUmd. Ausstände in England. Der Ausstand der Seeleute zu Glasgow ist in ein akutes Stadium getreten. Nachdem die Reeder auf die Forderung einer Lohnerhöhung, die von ihren Leuten gestellt war. keine Ant- wort gegeben hatten, begann zunächst der Ausstand auf den Schiffen mit Monatslohnempsängcrn. Nunmehr wollen auch die Wochenlohn- empfänger über die Streikfrage abstimmen. Die atlanttschen Dampfer, die am Sonnabend von Glasgow abgehen sollen, haben noch keine Mannschaften angemustert.— Nach einer Meldung aus New Castle haben die Mitglieder des vereinigten Maschinenbauerve r e i n s, die in den Maschinenbaubranchen an der Nordküste be- schäftigt sind, sich für den Ausstand ausgesprochen, falls ihre Forderungen in bezug auf Lohnerhöhungen abgewiesen werden sollten. Letzte JVaebnebten und Depefeben, Eheerleichterungen. Paris, 30, Mai.(W. T. B.) Die Dcputiertenkammer nahm einen Antrag an, wonach die Ehe zwischen Schwager und Schwägerin gestattet wird, sowie einen Antrag, wonach die bisherige Frist von 10 Monaten, nach welcher eine geschiedene Frau sich wieder verheiraten dürfe, abgeändert wird. Generalstreik der Seeleute in Marseille. Marseille, 30. Mai.. Strafkonto der Presse. Wegen Beleidigung eines Gemeinde- Vorstehers, der mit einem anderen verwechselt worden und also fälschlich beschuldigt worden war, wurde Genosse Franke von der „Arbeiterzeitung' zu Dortmund zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt. Wer fiir Trev und Glauben eintritt— ist wegen Nötigung, Erpressung oder Verstoßes gegen§ 153 der Gewerbeordnung anzuklagen. Daß unsere gelehrte Rechtsprechung in der Tat auf gewerkschaft lichem Gebiete diese Ungeheuerlichkeit als bindende Rechtsnorm er- achtet, zeigen die dieser Tage gegen den Borsitzenden des Deutschen Senefeloer-Bundes, Steindrnckcr Johannes Haß verhandelten An- klagen. Die erste Anklage betraf einen Vorfall, der sich Ende 1303 zu- gettagen haben soll. Als damals über die Firma O. Schäfer Nachf. die Sperre verhängt war, soll Haß in einem Lokale an Krüpfgans, der dem Senefelder- Bund nicht angehörte, mit der Aufforderung herangetteten sein, dem Verband beizutreten und die Arbeit nieder- zulegen. Krüpfgans habe sich dessen geweigert. Hierauf habe der Angeklagte gedroht, er würde ihm, wenn er die Arbeit nicht nieder- lege, die Knochen im Leibe zerschlagen. Die Stamper in der Fabrik würden einen Wink bekommen und ihm das Genick brechen. Krüpfgans habe sich Bedenkzeit erbeten, sei jedoch dem Verband nicht bei- getteten, habe auch die Arbeit fortgesetzt. Die Firma habe jedoch infolge der Drohungen des Senefelder-Bundes sich genötigt gesehen, um einen Generalstreik zu vermeiden, den Krüpfgans zu entlassen. In diesem angeblichen Verhalten des Angeklagten erblickt die Anklagebehörde einen Erpressungsversuch in Verbindung mit einem Verstoß gegen K 153 der Reicksgewerbeordnung. Noch ungeheuerlicher lautet die zweite Anklage. Diese betrifft einen Vorfall vom Januar 1306. Auch da soll der Angeklagte die beiden eben genannten Paragraphen verletzt haben. Er soll versucht haben, den Krüpfgans zunächst gütlichst zu be- wegen, dem Verbände beizutreten und die Arbeit niederzulegen. Dann habe er versucht, auf H'örnig, den Direktor der Firma O. Schäfer Nachfolger, dadurch einen Druck auszuüben, daß er die Aufhebung der Sperre von der Entlassung des Krüpfgans abhängig machte. Hierin, meint die Anklage, habe eine indirekte Drohung gegen Krüpfgans gelegen, falls dieser dem Verbände nicht beitrete. würde seine Entlassung die Folge sein. Krüpfgans ist schließ- lich von Hörnig entlassen. Der Angeklagte soll den Krüpf- ganS auch dadurch zum Beitreten zum Verband zu bewegen gesucht haben, daß er ihm durch Erlaß einer Warnung vor dem Sperr- brecher Krüpfgans und zugleich durch daS hierdurch bewirkte Zurückziehen seiner Standesgenossen von seiner Person ein Uebel in Aussicht gestellt haben. Die Anklage läßt völlig unberücksichtigt, daß Schäfer durch Tarif verpflichtet war, lediglich An- gehörige des Senefelder-BundeS zu beschäftigen. Sie deduziert vielmehr: Wäre Krüpfgans dem Verband beigetreten, so hätte er ein Eintrittsgeld und wöchentliche Beiträge in Höhe von je 1,20 M. zahlen müssen, um diese Summe sei dann das Vermögen des Verbandes vennehrt, sie würde dann den einzelnen Mitgliedern in Form von Unterstützungsgeldern zugute gekommen sein. Mit- h i n liege in dem Vorgehen des Angeklagten nach der reichSgericht- lichen Judikatur ein« versuchte Erpressung und ein Verstoß gegen ß 133 der Gewerbeordnung vor. Der Angeklagte be st ritt energisch, sich irgendwie strafbar gemacht zu haben. Insbesondere hob er noch hervor, daß er ja gar nicht in der Lage war, den der Freien Vereinigung angehörenden KrüpfganS in den Verband aufzunehmen, da man beiden Vereinen nicht angehören dürfe. Wenn er auf Einhaltung des Tarifvertrages gedrungen habe, so habe er lediglich seine Pflicht erfüllt. Hörnig habe ihn nach dem Grunde der Sperre beftagt und den habe er wahrheitSgen äß angegeben. Das könne doch nicht strafbar oder gar Erpressung sein. Die Verhandlung, die sich den ganzen Tag hinzog, ergab fslgeude» Bild» Belastungszeugen ekii» traten KrüpfganS und Sttchlow, Mitglieder der Freien Bereinigung, auf. Sie behaupteten, Haß habe gesagt, Krüpfgans solle bei der Firma Schäfer die Arbeit niederlegen, sonst könne er leicht verprügelt werden. S t r e h l o w erklärte aber weiter, er habe die Aeußerung nicht als Drohung aufgefaßt, vielmehr habe Haß nach seiner Ansicht den Krüpfgans in seinem eigenen Interesse warnen wollen. Auch diese beiden Belastungszeugen können nicht bekunden, daß Haß den Krüpfgans durch Drohungen habe bewegen wollen, dem Verband beizutreten. Der Angeklagte Haß wies darauf hin, daß diese Möglichkeit schon daran scheitere, daß ein Sperrebrecher und Mitglied der Freien Vereinigung ja ohne Beschluß der Generalversammlung gar nicht hätte in den Senefelder-Bund aufgenommen werden können. Ein Gerichtsbeisitzer bemerkte hierauf, der Zeuge Strehlow habe doch beiden Verbänden angehört. Auf Befragen durch den Verteidiger R.-A. Dr. Heine- mann gab Strehlow zu, als er sich m den Senefelder-Bund auf- nehmen ließ, habe er diesem feine Zugehörigkeit zur Freien Bereinigung verschwiegen. Sonst wäre er nie aufgenommen. Die Aufnahme habe er bewirft, um von beiden Seiten Vorteile zu haben. Im Gegensatz zu diesen beiden Belastungszeugen bekundet eine Reihe anderer Zeugen übereinstimmend, daß Haß keinerlei Drohung ausgesprochen habe, im Gegenteil habe er, als von den Nachbartischen beleidigende und drohende Aeuße- rungen fielen, sich energisch hiergegen gewahrt. Wie wenig wahr- scheinlich die Bekundung der Belastungszeugen war. ergibt sich aus folgendem von ihnen zugegebenem Umstand: nachdem die angebliche Drohung gefallen war.»st Krüpfgans mit Haß und anderen Mit' gliedern des Senefelder-Bundes in ein anderes Restaurant gegangen. Erst einige Tage später, als Krüpfgans in dem Arbeitsnachweis der Freie» Vereinigung von Sixtus Herrmann war, wurde dort beichlossen, die angebliche Drohung der Staatsanwaltschaft anzuzeigen. Hier will sich nun Krüpfgans die Aeußerungen, die Haß gemacht habe, im Nottzbuche notiert haben. Zum zweiten Fall bekundet der Direktor von der Airma Schäfer Nachfolger, Hörnig: Haß sei von ihm seit langem wegen der großen Ruhe und Umsicht geschätzt, mit der er alle Lohnstreitigkeiten schlichte. Er habe bei Haß angeklingelt, warum der Senefelder- Bund ihm keine Leute mehr schicke, worauf ihm Haß dem Sinne nach etwa gesagt habe, es arbeite bei ihm der unorganisierte Krüpf- gans, mit dem die Leute nicht zusammen arbeiten wollten; solange dieser da sei, würde er keine Leute bekommen können. Hörnig bekundete ausdrücklich: er selbst würde niemals den wider seinen Willen von seinem Werkmeister Noack e gagierten Krüpfgans eingestellt haben, wenn er gewußt hätte, daß dieser nicht vom Arbeitsnachweis des Senefelder-Bundes geschickt sei, da er einen mündlichen T a r i' vertrag mtt diesem geschloffen habe, wonach er nur Mi Glieder, die vom Arbeitsnachweis des Sene- elder- Bundes kämen, in Arbeit nähme. Hierin erblickte Hörnig eine ihn r e ch t l i ch u n d m o r a l i s ch bindende Abrede und blieb bei dieser Ansicht trotz Vor Haltungen an Gerichtsstätte, daß es sich doch dabei nur um eine „unverbindliche' Zusage an den Senefelder-Bund gehandelt habe. Hörnig bekundet ferner: er habe auch keinerlei Drohungen in den Aeußerungen des Haß finden können, sei vielmehr froh gewesen, daß dieser ihm die Ursache der Sperre mitgeteilt habe, damit er nicht im Dunkeln zu tappen brauchte. Der Angeklagte Haß bemerkt zu diesem Punkt noch, daß er nicht die Entlassung des Krüpfgans verlangt habe, sondern nur erklärt habe, Hörnig könne keine Arbeiter bekommen, bevor er die entlassenen Arbeiter wieder eingestellt habe. Des Angeklagten Dar. stellung wurde von einem Zeugen Hennig, der dem tele- phonischen Gespräch beigewohnt hatte, eidlich bestätigt. Von der Verteidigung wurden eine Reihe Beweisanträge nach der Richtung hin gestellt, daß Abreden, wie sie von Hörnig nach dessen Bekundung getroffen sind, sowohl in Arbeitgeber- wie in Arbeitnehmer- kreisen für rechtlich und moralisch bindend er- achtet werden. Diese Anträge wurden mit der Begründung abgelehnt, daß sie nicht Tatsachen, sondern Urteile betreffen. über deren Richtigkeit daS Gericht selbst zu befinden habe. Der Staatsanwalt erachtete den Angeklagten im vollen Umfange der Anklage für über- führt. Er beantragte für j e d e n Fall eine Gefängnis- strafe von je 1 Monat, die zu einer Gesamtstrafe von 6 Wochen zusammenzuziehen seien. Der Verteidiger legte ausführlich dar. daß die Rechtsprechung des Reichsgerichts über Erpressung für den Fall des Nichtzusammenarbeitens mit dem Unorganisierten durchaus unhaltbar ist, und daß die Folge einer gegenteiligen Rechtsansicht und einer etwaigen Verurteilung nur die sein könnte, daß Organisationen jede Unter- Handlung mit den Unternehmern ablehnen müßten. Aber selbst wenn man der Rechtsauffassung deS Reichs. gerichtS beitrete, so könne hier von einer Verurteilung nicht die Rede sein. Der Angeklagte habe lediglich auf eine Anfrage des Hörnig ihm die Gründe mitgeteilt, aus dem die Organisierten bei ihm nicht arbeiten wollten. Da könne weder von einer Drohung noch von der Erstrebung eines rechtswidrigen Vermögensvorteils die Rede fein, zumal nach dem mit Hörnig ge» sckjlossenen Vertrag die Organisation zu dem erlangen berechtigt war. daß nur Organi- sierte eingestellt wurden. ES scheide auch deshalb ein Vergehen aus§ 163 aus, da die Arbeiter nur das gefordert haben, worauf sie einen vertragsmäßigen Anspruch hatten. Zum mindesten habe der Angeklagte die in Arbeiterkreisen noch immer ehegte Ansicht gehabt� daß ein Wort auch ge- alten werden müsse und somit auch ein Tarifvertrag gültig sei. Sollte im ersten Fall trotz der positiven Bekundungen ö vieler Entlastungszeugen dennoch den beiden Anklagezeugen Glauben geschenkt werden, so sei höchstens auf eine Geldstrafe zu erkennen, da natürlich die Erpressungsklage hinfällig sei, aber eventuell der 8 133 G.-O. mit dem eine schwerere Strafe an- drohenden ß 240 des Strafgesetzbuchs(Nötiaungsparagraph) kon» kurriere, der§ 240 aber im Gegensatz zum§ 163 eine Gelbstrafe zulasse. Nach mehrstündiger Beratung gelangte daS Gericht zu folgendem Urteil. Im ersten Fall ist daS Vorhandensein einer Jdealkonkurrenz zwischen dem Z 163 der G.-O. und§ 240 St.-G.-B. angenommen. Der Angeklagte ist deshalb zu einer Geldstrafe von 100 M. verurteilt. Im zweiten Fall ist der Angeklagte frei- gesprochen. In der Tarifabrede mit Hörnig habe nur eine Besprechung, nicht eine rechtlich bindende Abrede gelegen. Der An- geklagte habe aber dem Hörnig nicht ein Uebel angedroht, vielmehr hm lediglich die Gründe auseinandergesetzt, die zur Sperre ge- ührt haben. Auch habe eS ihm gänzlich ferngelegen, den Krüpf- ganS zur Aufnahme IN den Senefelder-Bund zu bewegen. Art Zeugen, trotz Entlastungszeugen, Arbeiterführer verurteilt werde« können, die absolut nichts Strafbares getan haben. Viel schlimmer als das Urteil, das wohl durch Revision bekämpft werden wird, ist die Anklage. Die Anklage entspricht fteilich der von uns öfters niedriger gehängten Judikatur des Reichsgerichts, wie sie Arbeitern gegenüber am Platze ist. Wenn aber Vertreter dieser Art Rechtsprechung glauben, durch solche juristische Knüpfarbeiten irgend eine andere Einwirkung auf Arbeiter auszuüben als die. daß der Klassen- justizcharakter der Gesetze und Gesetzanwendung immer klarer wird, fo irren sie. Die von uns als Ueberschrift gewählte Rechtsnorm ist der rote Faden, der die gesamte neuere Rechtsklitterung zusammen- faßt: Die bürgerliche Presse und das Verhalten der freisinnigen Ab- geordneten ist mit schuld daran, daß ein Zerrbild des Reckts den Leitfaden für die Justiz auf vereinsrechtlichem und gewerkschaftlichem Gebiete geworden ist. Dadurch, daß die tagaus tagein erfolgende Mißhandlung des Rechts durch das Reichsgericht und durch die sich nach diesem richtenden Anklagebehörden dem Rechtsbewußt- sein und dem guten Glauben dieser Juristen entspricht, ist der Be- weis für die Unfähigkeit unserer heuttgen Rechtsorgane erbracht, die Rechtsprechung und das Recht in Einklang zu bringen. Um so not- wendiger ist der Ersatz dieser Organe durch aus allen Teilen der Bevölkerung und durch diese erwählte Richter. Versammlungen. Hat auch das Urteil im zweiten Falle und von der Auflage der Erpressung fteiaesprochen, so zeigt doch die Verurteilung im ersten Falle, auf welch schwache Gründe hin und aus die Aussagen welcher „Das agrarisch-liberale Regierungsprogramm". So lautete das Thema eines Vortrages, den der Reichstagsabgeordnete Ro- bert Schmidt am Dienstag in einer Versammlung des sozial- demokratischen Wahlvereins im 3. Berliner Reichstagswahlkreis hielt, die im„Alten Schützenhause' stattfand und ziemlich zahlreich besucht war. In seinem sehr inhaltreichen Vortrage enthüllte der Redner das ganze Elend der inneren und äußeren Politik Deutsch- lands, wie es sich in der verflossenen Reichstagssession gezeigt hat, und wies auf die erbärmlich lächerliche Rolle hin, in die der Libe- ralismus durch seine Koalition mit den allerreaktionärsten Par- teien gedrängt worden ist. Der Redner erwähnte dann u. a. auch die sozialpolitischen Versprechungen und die 142 Initiativanträge der Parteien, die den Glauben erwecken könnten, als sei in sozial- politischer Hinsicht ein goldenes Zeitalter angebrochen. Mit Recht bemerkte der Redner, daß bei all diesen Anträgen, von denen ja noch kein einziger beraten wurde, schwerlich etwas herauskommen wird. Gründlich kritisierte der Redner auch die äußere Politik der Regierung, ihre Stellung zur Haager Friedenskonferenz sowie das persönliche Regiment, das ja gerade in der äußeren Politik des Reiches zu so bedenklichen Zuständen geführt hat, daß es trostlos aussähe, wenn nicht die internationale Arbeiterbewegung einen Ausgleich der nationalen Gegensätze bildete, die Herrschenden nicht gezwungen wären, auf die politische Reife der Arbeiterschaft Rück- ficht zu nehmen, und wenn nicht gerade diese ganze Politik der Re- gicrung und ihrer Parteien doch auch die Masse des Volkes wieder mehr und mehr zur Erkenntnis und zur Vernunft führen würde, wodurch schließlich der Weg gebahnt wird für eine freie, höhere Entwickelung des Volkes und aller menschlichen Verhältnisse.— Der Vortrag fand lebhaften Beifall.— Das Andenken der verstor» denen Genossen Duvinage und Grotte ehrte die Versamm- lung in üblicher Weise. Zur Aufnahme in den Verein hatten sich seit der vorigen Versammlung 74 Genossen gemeldet. Einwen» düngen wurden gegen keinen geltend gemacht. Gegen den Stellenschacher im Kellnergewerbe. Eine geregelte Arbeitsvermittelung ist für die Gastwirts- gehülfen eine der' wichtigsten Forderungen. Ist doch kaum in irgend einem anderen Beruf der Stellenschacher und Stellenwucher so stark ausgebreitet wie in diesem. Darum trachtet auch der Gast- wirtsgehülfenverband vor allem danach, seinen Arbeitsnachweis, und pamit annehmbare Arbeitsbedingungen zur Geltung zu bringen. Die Gastwirtsgehülfen erwarten, daß sie in diesem Be- streben von der gesamten organisierten Arbeiterschaft unterstützt werden. In der Berliner Gewerkschaftskommission haben sich denn auch die Delegierten der Gewerkschaften durch einstimmige An» nähme einer Resolution bereit erklärt, in ihren Organisationen dafür zu sorgen, daß bei Vergnügungen und Versammlungen die Gastwirte schriftlich verpflichtet werden, organisierte Gastwirts- gehülfen zu beschäftigen, die dem Verband deutscher Gastwirts- gehülfen. Ortsverwaltung Berlin, zu entnehmen sind. Der Verband hat, um die Auswahl solcher Lokale zu erleichtern, eine eigene Lokalliste zur Verteilung an die Organisationsleitungen heraus- gegeben. Wie jener Resolution der GewcrkschaftSkommission mehr als bisher Geltung verschafft werden kann, mit dieser Frage befaßte sich am Freitag eine außerordentliche Generalver- sammlung der Gastwirtsgehülfen, die bei Breuer in der Großen Frankfurterstraße stattfand. Wie der Vorsitzende Münch ausführte, ist die Resolution im allgemeinen von den Ge- werkschaften und auch von den Wahlvercinen beachtet worden, wenn- gleich es nicht zu umgehen war, daß die Partei während der Wahl- bewegun� Lokale heranziehen mußte, wo die Forderungen der Gast- wirtsgehülfen nicht anerkannt waren In der Versammlung wurden sodann verschiedene Vorschläge besprochen. Beschlossen wurde, daß ein Vertragsentwurf versandt wird, und bei den Gastwirten, die ihn nicht anerkennen, eine Kom- Mission vorstellig werden soll. Die Resultate dieses Vorgehens sollen der nächsten Generalversammlung unterbreitet werden, soweit eS bis dahin möglich ist. Ferner wurde dem Vorstand aufgetragen, der nächsten Generalversammlung Vorschläge über die Erhebung eines Lokalzuschlags zu machen. Nerltner tviarktpretf«. Nu» dem amtlichen Berichl der städttichen vlarktballen-Direktion. lGroßbandel) Rindfleisch In 66—68 vr. 100 Pfd., IIb 60—65, lUa 56—58, Bullenfleisch la 62—66, IIa 62—60, Kühe, fett 52—58, do. mager 42—50, Fresser 60—62, Bullen, dän. 0,00, do. Holl. 0,00. Kalbfleiich, Doppcllender 100—125, Maslkölbcr la 88—94, IIa 76—84, Ula 0,00, Kälber ger. gen. 50—65, do. Holl. 60—65, dän. 0,00. Hammelfleisch Masllämmer 68—72. la 63—68, IIa 56-63, Schafe 53—56. Schweinefleiich 47—54. Rehwild la per Psund 0,60—0,75. IIa 0,40— 0,59. Rotwild, Abschuß 0,48-0,60. Damwild. Abschuß 0,00. Wild. schweine 0,37—0,44. Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stück 0,40— 0,70, Hühner, alte, per Stück 1.70-2,50. IIa 1,20-1,60, do. junge 0.55-1,00. Wolga- Hühner l,60— 1,85, Tauben 0,40—0,85, italienische 0,00. Enten per Stck. 1.60 bis 2,90, dito Eis- per Stück 0,00, do. Hamburger per Stück 1,90—4,50 Mänse per Pfund 0,95—1,00, do. per Stück 3,00—5,00 do. Ham- burger per Psund 0,90—1,08. per Stück 8,50—6,20. ChalonShühner 2.00. Hechte per 100 Psund 87—101, groß und mittel 106, do. matt 83—86, do. Nein 104—. Zander matt 0,00. Schleie, mittel 105—116, do. groß IIS, do, 107-121, Aale, groß 122-128, do. klein und mittel 0,00, do. mittel 124-130, do. unsorttert 88-108. Plätzen 0,00, do. klein 0,00, do. matt 0,00. Karpsen unsorttert 0,00, do. 10 er 0,00. Bleie 0,00. Bunte Fische 42—62. Bafte 0,00, do. matt 0,00. Karauschen 7t— 75. Bleisische 0,00. Wels 0,00. Aland 0,00. Quappen 0,00. Ülmerikanischer Lachs la neuer per 100 Pfd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. lila neuer 75. Seelachs 10—20. Sprotten, Kieler, Wall 0,00, Danziger, Kiste 0,00. Flundern, Kieler, Stiege la 3—5, do. mittel der Kiste 1-2.» Hamb. Sttege 4—6, halbe Kiste 1,00—2,00. Bücklinge. Kieler per Wall 1,50—2,50, Stralsunder 1,50—2,50. Aale, groß per Psd. 1,10—1,50, mittelgroß 0,80—1,10, klein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5—9. Schellflsche Kiste 2.00-3,50. Kiste 1-2,00. Kabliau. geräuch. per 100 Psd. 20. Dorsch. Kiste 2.00-2,50. Goldsische. Schock 2-9. Sardellen. l902er per Anker 95, 1904er 95, 1905ec 90, 1906 er 85. Schottische Bollheringe 1905 0,00, large 40-44, kull. 38—40, med. 36—42, deutsche 37—44. eringe, neue Masses, per•/, To. 60—120. Sardinen, ruff.. Faß 60—1,60. Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1,25—1,60. Neunaugen, Schocksaß 11, klein 5—6, Riesen» 14. Eier, Land-, unsort. Schock 2,95— 3,20, gr. 3,75. Butter per tOOPsd. la 110-115, IIa 105-110, lila 100-104, absallende 00-95. Saure Wurlen Schock 4,50, Pieflergurten 4.50. Kartoffeln per 100 Plund maguuni bonrnn 3,50— 4,00, Dabersche 3,85— 3,75, Rosen O.OO.s weiße 3,25—3,50, Salatkartoffeln 0,00. Spinat per 100 Psund 3—5. Karotten, hlefige, per 100 Bund 3,00—4,50. Sellerie, hiesige, per Schock 10,00—25,00, do. pommersche 0,00. Zwiebeln große, per 100 Pfund 0,00, do. kleine 0,00. do. hiesige lPerl») 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün. Schockbund 0.80—1,00. Kohlrabi Schock t— 3. Rettig, bahr., neue Stück 0,18—0,16. Mohrrüben pr. l00 Psd. 4,00—8,00. Teltower Rüben per 100 Psd. 0,09. Weiße Rüben, große 0,00, ttein« 0,00. Rote«üben 0,00. vlumenkohl, holländisch« p« Kops 0,20—0,40. Kohlrüben per Schock 2,00—5,00. Wirfingkohl Holland., der Schock 0,00. Rotkohl Holland., per Schock 0,00. Wcitzkohl, dän. per 100 Pfd. 1,00—3,00. Rosenkohl per 100 Psd. 0,00. Sprutkohl per 100 Pfund 0,00. Rhabarber 100 Bund 0,80—4,50, Bcrgedorscr per 100 Bund 0,00. Morcheln per Psund 0,40. Sandmorcheln per 100 Psd. 0,00. Waldmeister per Mandel 0,30—0,45. Radieschen per Schock 0,50—1,00. Salat per Schock 0,60—2,00, Spargel la 100 Psd. 30—42, do. IIa 18—30, do. IITa 6—17, do. unsort. 30—35, do. Beelitzer la 33—42, do. Beelitzer IIa 20—32, do. Beelitzer llla 10—13. Stachelbeeren, grün, per 100 Psd. 12—17. Birnen, austrat., in Kisten von 20 Kg. Kiste 18— 20, ital. 0,00. Aepsel, per 100 Pfd., hiesig- 8-20, Tiroler, Kiste 0,00, Calville, Kiste 0,00, Australier in Kisten 10—22, Ital. in Kisten 5,00—20,00, cptra 15,00 bis 26,00. Zitronen, Mesfina, 300 Stück 3,00—12.00, 360 Stück 9,00—11.00, 200 Stück 6,00—12,00. Apselsinen, Jaffa, per Kiste 0,00, Murcia 200er Kiste 0,00, do. 300er 7—10, Valencia 420er Kiste 10,00— 25,00, do. 714 er 22-26.00, Mesfina, 100er 4-7,00, 150er 5— 8,00, 16,. er 8-13,00, 200er 7,50—12,50, 300er 0,00, Blut- 100er 5,50-9,00, do. 150 er 7,50, M er 7—7,50, 200er 13—14. ßriefbaften der Redaktion. Dt« sarlstische Sprechstunde finde» Frtedrichftr. 10, Aufgang 4, eine Trepp«(Handelsstätte Bellealliance, Durchgang auch Liudeustr. 101), »oochentäglich von T'/i bis»>/, Uhr abends statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde»m« Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine.lahl als Merkzeichen bciznfnge». Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde bor. W. R.. Falkstr. 1. Solches Bureau gibt es nicht.— M. B. K7. New: innerhalb des Jahres hätte Klage angestellt werben müssen, jetzt liegt Verjährung vor.— W. 22, Die Klage hatte wenig Aussicht aus Erfolg. Die Beschwerde wäre an das Amtsgericht zu richten.— Soldin. Sie sind im Recht: tz 565 Bürgerliches Gesetzbuch.— K. P. IVO. Durch die Buch- Handlung Vorwärts, Lindenstr. 69, können Sie sämtliche Bücher, gleichviel, wo sie erschienen find, beziehen.— A. G. IVO. Wenden Sie sich an den Verband der Handels- und Transportarbeiter, Engel-User 15.— Drechslerei. Grünstr. 4.— O. 103. 1. Nein. 2. Das Schlofi rönnen Sie ändern lasten, aber aus Ihre Kosten. 3. Klagen Sie beim Amtsgericht aus Beseitigung der Mängel.— R. S. SÄ. Wenden Sie sich direkt an die Armendirektion.— P. 1. Existieren nicht i abonnieren Sie„L'Humanits"-Paris. — Schulste, Rostockerstr. 3. Im Adreßbuch sür 1907 ist der Medizinalrat Dr. Baer noch als Kreisarzt sür den V. Medizinalbezirk verzeichnet, ob er inzwischen ausgeschieden ist, ist uns nicht bekannt, können Sie aber durch Nachfrage aus dem Polizeipräsidium erfahren.— P. S. IVO. Leider nein. — K. 53. 1. Ja, das sogenannte Rücken wird mit Gesängnis bestrast. 2. Vor dem 42. Lebensjahr würde eine Rückkehr unmöglich sein. Und auch nach dieser Zeit müßten Sie sich erkundigen, ob nicht etwa die Verjährung unterbrochen ist. 3. Vom Jnvalidengeld hat der Arbeitgeber die Hälfte, von den Krankenkassenbciträgen der Arbeitgeber ein Drittel, der Arbeiter zwei Drittel zu zahlen. Die Höhe des Krankengeldes muß aus den Krankenkassenstatuten ersichtlich sein. Die Jnvalidenkarte muß Ihr Sohn sich besorgen.— A. K. 2,(Sylt). Die Aufkündiguiigsfrist sür städtisches Gesinde im Gebiete der altpreußischen Gesiirdeordnung beträgt nach Z 112 der Gesiirdeordnung vom 8. November 1310 sechs Wochen. Die Kündigungs- frist sür das Gebiet der Gesindeordnung sür Schleswig- Holstein vom 25. Februar 1840 beträgt nach Z 22 dieser Gesindeordnung drei Monate, bei monatlicher Dauer des Dienstverhälwisses aber 14 Tage.— Sch. 3. Die von Ihnen angegebenen Gegenstände werden mit Ausnahme des Kronleuchters, Spindes, Vertikos, der Uhr, des Teppichs sür unpsändbar erachtet werden.— M. W., Friedrichshagen. Sie sind im Unrecht. I. A. 50. Die Frau ist verpflichtet mitzuziehen, evenwell können Sie aus Herstellung des ehelichen Lebens klagen.— H. G. 27. Ja, aber aus das Krankengeld würden Sie nur so weit Anspruch erheben können, als es zusammen mit dem anderen den Tagelohn nicht übersteigt.— G. H. K5« Beide Ausdrücke sind gleichbedeutend.— H. S. 100. Sie können als Seibstvcl sicherer auf einer grauen Karte kleben. Sie müssen innerhalb zwei Jahren mindestens 40 Beitragsmarken kleben. Die Karte muß innerhalb zwei Jahren, auch wenn Sie nicht vollgeklebt ist, umgetauscht werden. Welche Klasse Marken Sie nehmen wollen, hängt von Ihrem Belieben ab. Wenn Sie mindestens 200 Marken geklebt haben, tritt Ihre alte Karte wieder in Gültigkeit. WttteriiiigSüberftcht vom 30. Mai 1007, morgens« Uhr. Wetter-Prognose für Freitag, den 31. Mai 1007. Etwas wärmer, ziemlich heiter, bei schwachen östlichen Winden; keine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Achtung! Bäcker-Streik! Achtung! Die Bäckergesellen Berlins und der Vororte sind durch den Weri- und Tavifbruch der Läeker Innungen in den Streik ge trieben worden. Tolgende SäeUemeisfer haben die berechtigten Tordermtgen bewilligt! Ackerstr. 68, Koldacker. , III, Thoma. . 114, Marquard. Adalbertstr. 45a, O. Janke. . 66, Hoppe. Adolsstr. 11, Tennigkeit. . 12b. Hönisch.. Andreasstr. 16, O. Hfinte. Sldmiralstr. 10, O. Hanke. Llnnenstr. 41, Niemeyer. Anklamcrstr. 48, Haase. Llntonftr. 48, Ocrtel. AndreaSstr. 32, Broisabrik.WilHelma* Artilleriestr. 3, Goldacker. Badstr. 13, Kappler. * 49, Goldacker. Barnimstr. 37, Güldenstern. Bastianstr. 18, NiedzwiedS. 20, Tonn. Bellcalliancestr. 24, O. Hanke. Belsorterstr. 22, Eggert. Bcrgmannstr. 10, KnofiuS. . 14a, Polenz. „ 19, O. Hanke. Bernauerstr, 3, Schill. Beusselstr. 17, O. Hanke. 59, Schneider. Biesenthalerstr. 2, Mensing. Blumenstr. 13, O. Hanke. Blücherstr. 11, O, Hanke. , 67, Berolina. Bremerstr. 57, Beslerling. , 60, Bayer. Brunncnstr. 3, Mollweide. , 41> Sorge. 129, Goldacker. , 154, Herrmann. Brüsselerstr. 5, de Bruyn. , 8, Gonsior. 43, Janezeck. Buchstr. 1, Völker. Burgsdorsstr. 15. Linder. Camphausenstr. 6, Zindler. Carmen Sylvaftr. 155, Schiweck. 163, Strauß. Chaussecstr. 44, Goldacker. Coloniestr. 30, Döring. Comcniusplatz l, P. Hanke. Cuvrhstr. 28, Plantz. Dankelmannstr. 46, Lehmann. Dalldorserstr. 38, Wulst. Demminerstr. 25, Grund. 23,©liefe. Dlesfenbachstr. 58a, Bethke. Dolzigerstr. 51, WeiStc. „ 36, Reimann. Dragonerstr. 38/40, Schramm. Drcsdenerstr. 6, Goldacker. „ 17, O. Hanke. , 90, Schulze. Dunckerstr. 2, Czerwenka. 78, Kunze. Ebelingstr. 5. Blender. Ebertystr. 54, F. Hanke. , 33, O. Hanke. „ 45, Schramm. Eisenbahnstr. 8, O. Hanke. 3, Haupt. Elbingerftr. 99, Rcimann. 27, Fiedler. Emdenerstr. 21, Niestwy. 17, Pohl. Falkplatz 1, Günther. Fehmarnstr. 9, Volksbrot. Fehrbellinerslr. 27, Höselbarth. Falckensteinstr. 20, Starz. , 17, D. Hanke. Frankenstr. 2, D. Hanke. Große Franksurterstr. 139, �Goldacker. Frankfurter Allee, Ecke Samariter» slraße, F. Hanke. Frankfurter Allee 40, Richter. Franseckistr. 53, Goldacker. Freienwalderstr. 38, Köpke. Friedrichstr. 247, Goldacker. 27, O. Hank«. Friedtichzselderstr. 26, Hnida. Fricdenstr, 57, Becker. FriedrichSbergerslr. 16, NowodzhnSk. Fruchtstr. 46, C. Polenz. Forslerslr. 20. Genossenschast.Berlin' Fürftenberaerstr. 9. Nanz. Gerichtstr. 53, Schönwiese. Gipssir. 7, O. Hanke. Gleimstr. 19. Pribhl. . 43. Grothe. . 48, Abraham. . 60, Metsch. Glogauerstr. 28, Bäckerei- Genoffen- schast Berlin. Glogauerstr. 26, Schwarzer. Goltzstr. 31, Goldacker. Gollnowstr. 9, Osk. Hanke. Gormannstr. 25/26, Minuth. Gr.-Görschenstr. 43, O. Hanke. Gräscstr. 35, Bäckerei- Genossenschaft Berlin. Gräsestr. 4, Rehseid. Graudenzerstr. 5, Nickisch. Graunftr. 5, Schcutz. . 32, Lehmann. 37. Müller. Greisswalderftr. 191, Müller. 12, O. Hanke. Grimmstr. 1, Wolf. 29, O. Hanke. Grünauerstr. 12, Büß. Grüner Weg 63, Osk. Hanke. Gubenerst. 57, DeinS. Hagenauerstr. 1, Hanke. Hagenauerstr. 13, ZisowSky. Hausburgstr. 5, Riehl. Heidenselostr. 2t, Schön. 19, Goldacker. Heinersdorserstr. 12, Lamla. 27, Hoffmann. HennigSdorserstr. 1, Hermann. 37. Schütze. HermSdorserstr. 8, Bokel. Hochstraße, Neue, 18, Berliner Ge» nossenschasts-Bäckeret. ochmeisterstr. 1, Hanke. ochstädtcrstr. 23, Zahl. olzmarktstr. 55, Aronheim. uselandftr. 86, Oberreicher. übnerstr. 6, Bauer. �uselandftr. 40, KittlauS. Hussttciistr. 45, Kießling. , 15, Potscher. 20, Wm. Wols. Jnsterburgerstr. 2, O. Hanke. , 12, Hennig. Jnvalidcnstr. 157, Goldacker. Jagowftr. 10, Eichstädt. Jasmunderftr. 18, Böttcher. Karlstr. 26, O. Hanke. Kastanien-Allee 19, Goldacker. ,„ 57, Künscher. Kleine Andreasstr. 7, Hierse. Kleine Franksurterstr. 14, Wittelstädt Kochhannstr. 28, KriemS. Kolbergerstr. 1, Hanke. Koloniestr. 34, Muche. , 71, Schopsch. Kopenhagenerstr. 28, Bechtel. , 56, Raber.- 59, Kurth. KoperniluSftr. 3, Teupcl u. Viehöser. 25. Thulke. 33, Winnenberg. Köpenickerftr. 172. Cieslik. Korsörerstr. 17, Hübncr. Neue Königstr. 60, Goldacker. Krautstr. 4/5, O. Hanke. Kreutzigcrstr. 1, Lange. Lausitzerstr. 9, Kauf. 16, Schöfisch. Langestr. 13, Goldacker. Linienstr. 26, O. Hanke. 1. O. Hanke. Liebigstr. 8, P. Hanke. , 31, Bauer. . 38, I. Hanke. Liebenwaldcrslr. 31, Jäckel. Lippehnerstr. 8. Z'bell. Lolhringerstr. 34/35, Mollweide. Löwestr. 8, P. Hanke. . 18, Block. Lübeckcrstr. 20, O. Hanke. 47, Schmidt. Lichtenbergerstr. 2>, Feist. Litauerstr. 14. Schneider. Lübbenerstr. 10, Hacker. . 17, Gaul. , 24, Psennigsdors. Lychenerstr. 4, Schwede. Malplaquetstr. 6. Schulze. 16, Gensior. Mantcuffelstr. 90, O. Hanke. 87, Jurle. Mariannenstr. 32, Prack. „ 12, O. Hanke. Markgrasenstr. 99, O. Hanke. Marknsstr. 38, Tischer. „ 11, Schnecberger. Maxstr. 17, Laas. Memelerstr. 7, Knorcke. Mctzerstr. 2. Sachwitz. Mittenwalderstr. 30, Dohnal. 44, Schröder. Mirbachstr. 14, Volksbrot. Muskauerstr. 13, Laltermann.• „ 28, Hcinzelmaim. Mulackstr. 10, Schramm. Müllerstr. 28, Lüddicke. , 32a, Weber. , 166a, Hanke. Mühlenstr. 61, Schön. Münchedergerstr. 15, Leue. Naunynstr. 1, Lippert. . 40, Barduhn. „ 64, Heilmann. 73, Stojaczyk. Nazarethkirchstr. 39, Zibell. Neanderstr. 23, Ranhut. 27, O. Hanke. Neue Hochstr. 45, Jacob. Noftizstr. 9. Bockisch. 49, Mürber. Ohmstr. 9, Nowosadkc. Oranienstr. 186, O. Hanke.» Palisadenstr. 91, O. Hanke. 58, Barth. Pappcl-Allee 7, Riedel. Petersburgerplatz 6, Hanke. Planuser 921, Blume. Plantagcnslr. 7, Welt. Prenzlauer Allee 24, Goldacker. „„ 42, Meyer. .. 203. Hermann. Prenzlauerstr. IIa, Goldacker. 81, Hänsch. Prinzcnftr. 12, O. Hanke. Prinzen-Allee 6t. Mahls. 53. Lost. Proskauerstr. 31, F. Hanke. Pulbuserstr. 46, Mach. 14, Gottschalk. Ramlerstr. 24, John. „ 31, Dahlenburg. Ratiborstr. 1, Bückerei-Genoffenschast Berlin. Ratiborstr. 6, Dietschmann. „ 17, Rückcr. Reichenbcrgcrstr. 62, O. Hanke. „ 88, O. Hanke. „ 101, Wagner. Reimckcndorserstr. 36, Hanke. 112, Goldacker. Rigaerftr. 4, Hanke. Romintenerstr. 57, Gorgas. Ruppinerstr. 8, Baake. „ 12, O. Hanke. Rostockerstr. 31, Wagner. , 36, Ulbrich. , 46, Krüger. 51, Hering. Rüdersdor-serstr. 20, Güldener. „ 52, Haupt. Samariterstr. 11, P. Hanke. Schillingstr. 19, Osk. Hanke. Schwelbcinerstr. 4, Hildebrandt. , 16, Baur. Schliemannstr. 82, Japp. Schönyauserstr, Alte 33, Goldacker. Schönhaus erstr.,Alte,39/40,G. Schwarz. Schönhauser Allee 150, Blume. ,. 70o, Goldacker. , 188, O. Hanke. 5, Goldacker. Schreinerstr. 57, Siepack. Schulstr. 28, Schamberger. „ 25, Hunte. 37, Schmidt._' Schwedtcrstr. 240, Schmidt. , 32, Hanke. „ 230, Kumm. „ 52, Hübner. Seclowerstr. 15, Baur. Sickingenstr. 76, Winter. Siemcnsstr. 17, Mügge. Simon Dachstr. 12, Hanke. „ 28, Radtke. Skalitzerstr. 63/64, Dehmel. Sonnenhurgerstr. 13, Gräsling. Soldinerstr. 32, Roscmann. „ 69, Schneider. Sorauerstr. 1, König. 8, Kretschmar. Sparrstr. 19, Gonsior. Stallschreiberstr. 32, Hanke. Stendalerstr. 4/5, Corts. Stettinerslr. 26, Kleinert. ,, 56, Barnekow. Stolpischestr. 32, Papke. Straßmannstr. 24, Zander. „ 2,.Hanke. Strelitzerstr. 15, v. GrabowSki. . 31. Schcunemann. Swinemünderstr. 93, Schubert. „ 106, Kunze. „ 82, Manuel. „ 54, Paulitschcck. 80, Pruß. Tegelerstr. 3, Lenzner. 34, Stritzke. TIeckstraße, Fürst. Tilsitcrstr. 91, P. Hanke. Torsslr. 17, Zicsmer. „ 14,«2ciia. Turincrstr.' 36, Rißmann. Turmstr. 67, O. Hanke. 61, Goldacker. Urban str. 52, O. Hanke. 25, Herzog. 104, Kruschke. Ufedomstr. 4, Stollberg. Utrechterstr. 8, Kersten. Vcterancnstr. 16, O. Hanke. Voltastr. 42, Eckel. Waldstr. 42, Bauer. „ 25, Jglisch. . 46, Pohl. 17, Haule. Waldemarstr. 76, Claus.s Warschauerstr. 8, Wols u. Heinze. Wattstr. 21, Hoffrichter. Weberslr. 36, Goldacker. Wcddingstr. 7, Brendel. Weidcnwcg 34, O. Hanke. „ 25, Brosin. WcinbcrgSweg 9, Ludwig. Weinstr. 27, Legier. Weißenburgerstr. 55, Nobilina. 24, Jahn. Wichcrtstr. 5, KierzkowSki. Wiclesstr. 66, Spickermann. 21, Staub. Wienerftr. 36, Dietschmann. 56a, Lauchwitz. Wiescnstr. 64, Schardicm. 10ä �rciev Wilhelmshavenerstr. 13, Hesse. 23, Gödecke. Willdenowstr. 29, Breier. Wilsnackerstr. 15, Goldacker. WinSstr. 6, Müller. 71, Schwabe. Woldenbcrgcrstr. 7, Citllaus. Wollincrstr. 31, Fuhrmann. „ 31. Bordasch. Wrangclstr. 77, Gcnymann. 91, O. Haute. Zionstirchplatz 1, Wollweide. 2, Regen. Zlonskirchstr. 54, Zwierschke. Zorndorserstraße. 2. P. Hanke. Zoffencrstr. 4l, Blottner. Zwtnglistr. 15b, Ulbrich. Charlottenvurg. Cauerstr. 19, Ulbrich. Cauerslr. 27, Genossenschast duktion". Thrislstr. 18, Genossenschast duktion". Danckelmannstr. 55, Ulbrich, Friedbergstr. 39. Ulbrich. Grolmannstr. 14, Ulbrich. Grünstr. 27, Bachmann. Helmholtzstr. 19, Ulbrich. Kaiser Friedrichstr. 43, Ulbrich. Kanalslr. 15, Heine. »Pro- «Pro» Kantstr. 103. Ulbrich. Knobelsdorserstr. 43, Ulbrich. Leibnizstr. 65, Ulbrich» Potsdamerstr. 11, Bachmann. Potsdamcrstr. 12, Konsumverein. Potsdamerstr. 42, Ulbrich. Sophie Charlottenstr. 87, Ulbrich. Spandauerstr. 30, Ulbrich. Tauroggcnerstr. 10, Genoffenschast „Produktion". Tauroggenerstr. 45, Ulbrich. Wallstr. 85, Ulbrich. Weiinarerstr. 29, Konsumverein. WilmerSdor crstr. 27, Konsumverein. Wilmersdor erstr. 4l, Ulbrich. WilmerSdor erstr. 163, Ulbrich. Plöüciisec. Charlottenstr. 12. Thiele. Nixdorf. Alle.rstr. 3, Perseke. Bergstr. 12, Hanke. Berltnerstr. 86, O. Hanke. Elbestr. 1/2, O. Hanke. 15/16, Lunkwitz. Emserstr. 78, König. Falkstr. 1, Bäckerei-Genossenschast „Berlin". Fallstr. 25/26, Perseke. Friedelftr. 3. Marmul. Glasowstr. 32, Kunz. Heidclbcrgerstr 76, O. Hanke. Herrsurthslr. 34, O. Hanke. 7, Bäckerei- Genoffen- schast„Rixdors". Herrjurthstr. 26, Brüx. Herrsurthplatz 10, Schnur. Hermannstr. 19, Backerei-Genoffen- schast„Rixdors". Hermannstr. 159a, Hagm. 170, Thaler. 28. Mertens. 118, Bartsch. Hohenzollernplaß 6, O. Hanke. Jnnstr. 30, Krause. Jägerstr. 63, Jonscher. Neue Jonasflr. 33, PnIS. Karlsgartenstr. 19, Vonnoch. Kaiser Friedrichstr. 34, Schmidt. . 245, O. Hanke. 25. Bartsch. Knesebcckstr. 38. Wolt. 63, Richter. Kopsslr. 38, Bäckerei-Genossenschast „Rixdors". Kottbuser Damm 103, O. Hanke. Köllnisches User 72. Müller. Lessingstr. 34, Perseke. Mahlowerstr. 6, Bartsch. Mainzerstr. 15/16, Grunert. Münchenerstr. 25/26. Bäckerei-Ge- nossenschast„Rixdors". Pannierstr. 4, Riemer. , 13, Frischkcmuth. . 27. Maschler. » 34, Spura. „ 57, O. Hanke. Prinz Handierystr. 53, Bartsch. . 70, Schmidt. Reuterstr. 94, Lehmann. Reutcrstr. 33, Splellslößer. Selchowcrstr. 9, Bäckcrel-Genossen» schast„Rixdors". Selchowerslr. 23/24, Grünhagen. Steinmetzstr. 39, Senslieben. . 34, O. Hante. » 46. Persete 129- Bäckerei-Genossenschast„Berlin". Thüringcrstr. 7. Bartsch. Wcisestr. 2, Bäckerei» Genossenschast .Rixdors«. Wcisestr. 24, Bäckerei-Genossenschast „Berlin". Wclscslr. 28, Winde. 73. Wols. Wctchselstr. 13, Haaemann. , 31, Schwarz. 55, Frischgcmuth. Wcserstr. 47. Bic«. Zictenstr. 20, Bäckercl-Genossenschasi „Rixdors". Karlshorst. Dorothecnstr. 27, Eichhorn. Borsigwalde. Ernststr. 6, Etzrodt. „ 25, Taselsky. Reuschstr. 52, Neubauer. Schöncberg. Barbarossastr. 67, Wetzet. Belzigerstr. 61, Kernchen. Erdniannstr. 5, Kulinski. Gustav Müllerstr. 48, Beck. Nollendorsstr. 40, Hanke. Sedanstr. 18, Steuck. Stralau. Alt-Stralau 49, Härtung. Treptow. Ktesholzstr. 38/34, Weiser. Obcr-Ichöneweide. Frischestr. 2, Mrose. Köpenick. Borgmannstr. 6, Bergmann. Grünauerstr. 27, Krämer. Rosenstr. 2, Peter. Rudowerstr. 25, Hein. Schönelindcrstr. 12, Kutcll. Friedrichsfelde» Berltnerstr. 66, Seiler. Herinsdorf. Neptunstr. 36, Manie. Seebadstr. 1, Ladewig. Karlshorst. Dönhoffstr. 9, Hansen. Lichtenberg. Dorsstr. 82, Mägdcsrau. Margarethenstr. 8a, Schacher. Psarvstr. 36, Hehler. Wilhelmstr. 57, Jessc. Mariendorf. Chaussecstr. IIa, Nowack. 12, Mendt. Stolpe. Gutschow. Weistensee. Charlottcnburgerftr. 76, Hossmann. Falken bergstr. 146, Frisch. Fcldmannstr. 164, Strien. Friedrichstr. 1, Roth. Gäblerslr. 60, Engel. Hciuersdorserwcg 24, Engel. „ 45, Hossmann. 48, Lislowski. König-Chaussee 72, Hossmann. Lchderstr. 1, Hossmann. 119, Klink. Lothringcrstr. 35, Hoffmann. Prenzlauer-Chaussee 3/4, Köhler. Rölckestr. 127, Hoffmann. Wilhelmstr. 23, Drews. Reinickendorf. Berltnerstr. 104, Naß. 134, Gottschalk. Provinzstr. 51. Langer.' Wilkestr. 62, Neue Berliner Genossen« schasts-Bäckerei. Tegel. Schlohstr. 27, Petersohn. Alt-Boxhagen. Nr. 35, Peter. Boxhagcii-Nummelsburg. Chaussee 5/6, März. Gabriel Maxstr. 2, Klinkmüller. Hauplstr. 82, Herrcks. Kantstr. 1, Dluczcwski. Lenbachstr. 7a, Pslugrad. Neue Prinz Albrechtstr. 3, Böhme. Türrschmidtstr. 40, Kallwcit. Bühlischstr. 32, Jander. Pankow. Binzstr., F. Heyden. Mühlenstr. 32, Müller. Wollankstr. 68, F. Hanke. Nieder- Schönhausen. Blankenburgstr. 1, Zugwurst. Britz. Chausscestr. 17, Dally u. Hagemeister. 47. Friese. Bohnsdorf. G- Solle. Hennigsdorf. Sämtliche Bäckermeister bewilligt. Die Slottnersche Großbäckerei hat ihre SewilUgung in der hinterhältigsten Weise durchkrochen, sogar die Arbeiter noch verhöhnt. Die Verbandsmitglieder, denen die Firma sogar einen Zndasiohn von 20 Alarh JÜr Streihbruch anzubieten wagte, haben hierauf einmütig die Arbeit niedergelegt, womuf Herr Liottner versuchte, Arbeitswillige durch die Innungen und seinen 7rennd, den bekannten Kommissionär Knuth. Krautstr. 33, der den Gesellen 3 bis 10 JTiarU und mehr für Jede elende Arbeit abnimmt, einzustellen. Mitbürger! Arbeiter! Dansfranen! Unterstützt die um SrhämpMg ihrer Menschenrechte streikenden Bäckergesellen. Die Streikleitung. gentral-Streikbureau: Sophien-Säle, Sophienstr. 17/13.--- Telephonruf: Amt M Sir. 1213. Ifaglaublieh hillig! Die Preise sind teilweise bedeutend unter dem Einkaufswert IferreHommer-ioppen Herren-Lüster-JocMs Herren-M-Mn Knaben-hlGsch-Anzüse Knoben-m-Blusen von 85 pfs. Z N. 25 75 Pf}.. 1 n. io. 50 Pf}.. Herren-Strohhüte 50 P�und Z5 m. Baer Sohn Spezialhaue grOesten Massstabes Chausseestrasse• 11 Brückenstrasse 11 Gr. Frankfurterstr. 20 Der Haupt-Katafog Nr. 31(neueste Moden 1907) wird auf Wonach kostenlos zugesandt. Prächtige Sefchenke liegen dem V eilekenseikenpul vor „Atarlce Kaminfeger" Bei, nur nützliche Gegenstände, die viel Freude machen. 202/10» In den meisten Geschäften a 15 Ps. zu haben. Vorficht Beim Einlaus! Man achte aus die.Schutzmarke Kaminseger- I Fabrikant: Verl Gentner, Göppingen. Alleinverkauf für Berlin und Umgegend: Andreas Caspar« Berlin SO., Josephstr. 11. 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Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. �uni, nach- mittags 5 Uhr, von der Leiiben- balle des neuen Rixdorser Ge- meinde- Friedhofes am Marien- dorser Weg aus statt. 87/8 Rege Beteiligung erwartet Die Qrtsverwaltiing. Hl». Timmsi Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr, 41, ÄÄ 10— 2, 5—7. Sonntags 10—12, 2— 4. Allen Verwandten. Freunden und Bekannten hiermit die trau« rige Nachricht, dag unsere liebe, gute Mutter, die Witwe Wilbelnriue Grünberg geb. Uecker am 28. Mai, früh*1,5 Uhr, nach kurzem, schwerem Leiden im 5g. Lebensjahre gestorben ist. _ Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Luisen- städtischen Kirchhofes in Rurdorf, Hermannstratze, aus statt. Um stille Teilnahme bittet Im Namen der tiesbetrübten Hinterbliebenen: Helene Gciinbecg. Tanksagnng. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden meines lieben Mannes, unseres Sohnes und lieben Bruders Otto Undstaedt sagen wir allen Verwandten, Freunden, Kollegen und dem sozialdemokratischen WahlvereinRixdors unseren herzlichsten Dank. S87b Die trauernden Hinterbliebenen. Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz N 4- s N »-> 5 N L w 2 N •+* s N jM 2 N « 2 N -M •vm 2 N ■** •1* 2 N 2 N 4- 2 N •*u •W0 2 N «M •w« mm es N 4- • WS 2 N 'WA 2 N Jj 2 N ►WS 2 N> ist 2 N 2 oder Das Wunder Berlins. Serien-Verkattf bis Sude lai. Bei Bestellungen bitten um Angabe der Brustweite und Hosenlänge. hell 735 gemustert| � Stck. hellgrau, wunder- 9 seile io. Heiren-Anzug, Serie is, Herren-Anzüo, seiie i4, Herren-Anzug, 12" Serie io. Herren-Anzug, ä's IS5" Stck. Serie 18. UmiI-AlIZllg, dasWunder Berlins sm 19SI> Serie 20. Uessen-Anzng�ZxSS"' Serie loo, Herren-Paletot, � 1" Serie 105. Herren-Paletot 19° Serie ho. Herren-Palelot, Iii M. M. M. M. Serie 120. Herren-Paletot, 17 Stck. 50 M. Serie t25. Herren-Paletot, das Wunder Berlins s« 21"-m Serie i4o, Herren-Palefot, �?24" m. Stck. Kerren-Jlosen r 2" 3" ws tr« Kinder-Anzüge u. Arbeiter-Bekleidung halb umsonst. Nur kein Neid, wer kann, kann. MSS BnMnk aW 29-30 137 Er. 9 Xup 29-30 137 9. Ecke Auguststraße. = Schöneberg= Hauptst r. Ecke VorbcrgHtraßc. Xnr 2 J? N 2 k N 2 N 2 ä N 2 .»■ N 2 N 2 BOt N 2 Ä N 2 s N 2 s N 2 Ä N 2 kW« Pf N 2 B N 2 Sf N 2 N 2 M. N 2 M. N 2 N 2 J? N Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz «»»sz Onfrem |50.6cbiitlstiij(,.| g>\f> Wir wandelten die gleichen vv Bahnen, Wir standen zu denselben F Fahnen— F y Nimm Gruß und Glückwunsch � vi; heut' entgegen <1/ Von den Genossen, den Kollegen, 91 91 Die eine lange Reih' von Jahren W Im Kamps mit Dir veremet Mf waren. 91 J. B.— M. B.— C. B. R. F.— W. F.— A. K. Z H. L.— L. L.— A. P. VI», H. Ph.— K. R.— J. W. t®" Unserem Firmenträger, dem"Ä � Genossen Z S flugust hintze Z zum "6 50. Geburtstage$ ■j die herzlichste Gratulation, mit W V dem Wunsche, daß er der gemein- W � iamen Tätigkeit noch lange m � Kraft und Frische erhalten bleibe.\j ■'s Inhaber, Obleute und Spedi- ® teure der Zeitungs-Spedition � Vorwärts A. Hintze& Co. «SU-K SozialderaokraiiSEtiJatilverein Rixdorf. Todcs-Anzeige. Den Mitgiieden, zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Zinkgießer Otto (14. Bezirk) ploplich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 5 Uhr, von der Leicheni alle des neuen Rix- dorser Friedhofes(Mariendorser Weg) aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 2Z2/M Der Vorstand. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß am Dienstag srüh Plötz- Ilch und unerwartet am Herz- schlage mein lieber Mann, unser guter Vater, der Zinngießer OKo Volgmann verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, Punkt 5 Uhr, aus dem neuen Rixdorser Gemeinde- Friedhofe statt. 505Sb Um stille Teilnahme bittet »ane Volgmann nebst Kindern. Verein der Zink-, Zinn- und Bleigießer Berlins u. llmgeg. Den Kollegen zur Nachricht. daß unser Kollege und Mit- begründer des Vereins Ollo Volgmann in der Nacht vom 28. zum 2S. Mai plötzlich am Herzschlage ver- storben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 1. Juni, nach. mittags 5 Uhr, von der Halle des iieueii Rixdorser Kirchhofes, Mariendorser Weg. aus statt. Sein treues Verhalten der Organisation gegenüber werden wir in ehrendem Andenken be- halten. 291/4 vSi- Aoi'staiid. Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Mslaus Gorgolewski am 29. Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. Juni, nach- mittag? 5 Uhr, von der Leichen- des Pius-Kirchhoses m WUHelm». berg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 87/7 Die Ortsverwaltung. Gestern srub 3 Uhr verstarb unser lieber Sohn AJkretl im neunten Lebensjahre. Die trauernden Eltern SjaappS und Geschwister, ThomafiuS-Straße 22. Die Beerdigung findet Sonn- tag, den 2. Juni, nachm. 4 Uhr. von der Leichenhalle des Frei- religiösen FriedhosS, Pappel-Allee. aus statt. 10O1B Berlin. Truck u. Verlag l Borwärch Onchdruckerei u. BkrlagSanjtalt Paul Singer& Co..»cilWstE— |lr. 124. 24. Jahrgang. 2. Kilm ck Jonüitf fnlinn Wksdlilt. Mag. 31. W« 1907. Hus Induftric und Randd. Gegen dir Fleischer. Die hohen Fleischpreise waren Gegenstand der Verhandlungen in einer Stadtverordneten-Versammlung in Hagen. Nach eingehender Erörterung wurde beschlossen, die Angelegenheit der Schlachthof- kommission zu überweisen. Diese soll mit dem Vorstande der Fleischerinnung wegen Herabminderung der jetzt bestehenden un- gewöhnlich hohen Spannung zwischen Einlaufs- und Verkaufspreisen beim Schweinefleisch verhandeln. Bleiben diese Verhandlungen er- solglos, dann sollen Mittel vorgeschlagen werden, die der minder« bemittelten Bevölkerung einen billigeren Fleischbezug gewährleisten. Vom Eisenmarkt. Aus Exporteurkreisen wird der.Rh.-Wests. Ztg.* geschrieben, daß die Tage des Pfingstfestes eine vorüber- gehende Ruhe in das Geschäft gebracht haben, der jetzt aber bereits wieder volle Lebhaftigkeit gefolgt ist, so dast von durchaus be- friedigenden Verhältnissen berichtet werden kann. Die allgemeine Klage geht nur dahin, dast die ständig steigenden Preise für die Rohmaterialien und dadurch bedingte unaufhörliche Heraufgehen der Fabrikpreise die Erteilung von Austrägen sehr erschweren. Ausfuhr der internationalen Eisenindustrie im Jahre 1906. Im Jahre 1906 wurden von Belgien, Deutschland. England, Frankreich und den Vereinigten Staaten 733 626 Tonnen s942 636 Tonnen in 196S) Halbzeug zur Ausfuhr gebracht. Unter diesen fünf für das Ausfuhrgeschäft wichtigsten Ländern nimmt Deutschland mit 365 626 Tonneu noch immer den ersten Platz ein, obwohl seine Halbzeug- ausfuhr gegen 1905 um rund 168 660 Tonnen zurückgegangen ist. Desgleichen ist die Ausfuhr der Vereinigten Staaten, die mit Belgien sich in den größten Teil der übrigen Ausfuhr teilen, um 45 600 Tonnen gegen das Vorjahr zurückgegangen. Die Ausfuhr Frankreichs war nicht bedeutend, während die englische Ausfuhr mit 11 747 Tonnen<8594 Tonnen) einen ganz untergeordneten Platz ein- nimmt. Auch in der Ausfuhr von Formeisen nimmt Deutsche land mit 477 644 Tonnen<465 642 Tonnen) die führende Stelle ein. Als zweitgrößter Exporteur folgt England mit 366 336 Tonnen <215 844 Tonnen). Die Vereinigten Staaten, die eine größere Menge Formeisen als irgend ein anderes Land herstellten, exportierten nur 112 555 Tonnen<83193 Tonnen). Belgien konnte seine Ausfuhr um 17 716 Tonnen auf 82 925 Tonnen erhöhen, während diejenige Frankreichs mit nur 5606 Tonnen kaum in Betracht kommt. In Schienen konnte England seine bisherige Stellung als erstes Exportland zwar noch behaupten, obwohl seine Ausfuhr, die 1965 noch 41 Proz. des ganzen Exports ausmachte, auf 33 Proz. ge funken ist. Die englische Ausstihr verminderte fich in 1966 um 83 329 Tonnen, während diejenige Deutschlands sich in der- selben Zeit um 84 653 Tonnen erhöhte. Auch die Vereinigten Staaten konnten die Schienenausfuhr in 1966 um 33 666 Tonnen. Belgien um 27 978 Tonnen steigern. In Drahterzeugnissen be hauptet wiederum Deutschland mit einer Ausfuhr von 327 196 Tonnen<311 673 Tonnen) unbestritten den ersten Platz. An zweiter Stelle folgen die Vereinigten Staaten mit 174 614 Tonnen<133 666 Tonnen), dann England mit 95 119 Tonnen<81 261 Tonnen), Frank reich und Belgien mit ganz geringen Mengen. In Platten und Blechen beherrscht England niit einer Beteiligung von zirka 70 Proz. an der Gesamtausfuhr der beteiligten Länder den internationalen Markt. Die Gesamtausfuhr der eingangs genannten fünf Länder betrug 1 686 316 Tonnen<1 539 266 Tonnen). Die englische Ausfuhr stieg in 1966 um 124 266 Tonnen, während die Ausfuhrmengen Teutschlands und Belgiens abnahmen. Die Vereinigten Staaten konnten ihre Ausstihr um 46 660 Tonnen steigern, während diejenige Frankreichs sich nicht geändert hat. Soziales. Was ist„triftiger Grund"? Das Unfallversicherungsgesetz schreibt vor: Wenn der Verletzte fich im Interesse der Wiedererlangung oder Erhöhung seiner Erwerbs- fähigkcit seitens der Berufsgenoisenschaft getroffenen Anordnungen ne Rentenentschädigung bis zur Wiederherstellung seiner völligen eirwerbsfähigkeit. t r Das Landgericht Gleiwitz erkannte auf A b w e r j u n g der vom Versicherungsnehmer im Klagewege geforderten Ansprüche. Dahingegen verurteilte das Oberlandesgerrcht Breslau die Gesellschaft dem Grunde nach. Die von der Versicherungsgesellschaft gegen das oberlandesgericht- iiche Urteil eingelegte Revision wurde vom 7. Zivilsenat deS Reichsgerichts zurückgewiesen. Der erkennende Senat legt in seinen Enticheidnngsgründen hierzu dar. daß der hier in Betracht kommende§ 14 der Vcrsicherungsbedingungen unter anderem den Verlust aller Ansprüche aus der Versicherung ausbedinge, wenn der verletzte Versicherungsnehmer„ohne triftigen Grund und ohne Einwilligung der Ge» sellschaft die Behandlung des zunächst zugezogenen Arztes* unterbreche und daß feststehe, daß der Kläger den Kur- aufenthalt in Meran und damit die Behandlung durch seinen dortigen Arzt ohne Einwilligung der Beklagten unterbrochen habe. Mit Recht habe aber das Berufungs- gerictn die Bestimmung des K 14 der Versicherungsbedingungen dahin ausgelegt, daß das Vorhandensein eines triftigen Grundes für die Kurunterbrechung genüge, um die verwirkungsfolge auszuschließen. Wenn das Berufungsgericht dann annehme daß die Heimreise des Klägers nach Gleiwitz zwecks An- Wesenheit bei den erforderlichen Verhandlungen über den Verkauf seines Geschäfts einen„triftigen Grund" ausmache, so gehöre das in die Talsachcnwürdigung und sei das vom Revifionsgericht nicht zu beanstanden._ Sofortige Entlassung des mit Kost und Logis angestellten Handlnngsgehülsen. Das prekäre Verhältnis, das sich für einen in Kost und Logio beim Arbeitgeber befindlichen Angestellten ergibt,. sobald ihm der erstere die sofortige Entlassung erteilt, kam in einer Verhandlung zur Sprache, die gestern vor der zweiten Kammer deS Kaufmannsgerichts stattfand. Der Verkäufer Hugo T. war bei dem Kolonialwarenhändler Hermann Hahn gegen Gehalt, Kost und LogiS angestellt. Am 13. Januar d. I. kam es zwischen dem Angestellten und seinem Chef zu einem Zwist, der zur sofortigen Entlassung des elfteren führte. T. leistete dieser Aufforderung in der Weise Folge, daß er sowohl seine Tätigkeit einstellte, wie auch anderweitig Wohnung und Verpflegung nahm. Gleichzeitig klagte er gegen H. auf Zahlung von 115 M. für Gehalt und Ersatz für Kost und Logis. Die gestrige mündliche Verhandlung ergab nun, daß die vom Beklagten angeführten Entlassungsgründe nicht stichhaltig waren. Nun trat H. mit der Behauptung hervor, er habe den Kläger zwar aus der Stellung sofort entlassen, ihm aber ausdrücklich gesagt, er könne bei ihm bis zum Ab- lauf der Kündigungsfrist in Kost und Logis bleiben, und die Eheftau des Beklagten wollte diese Behauptung beeiden, während sie der Kläger energisch bestritt. Nach der Beratung legte der Vorsitzende dem Beklagten einen Vergleich dringend nahe. Er richtete an ihn die Frage, wie er sich denn eigentlich ein solches Kost- und Logisverhältnis mit einem entlassenen Angestellten denke. Es möge ganz dahingestellt sein, ob das Essen und Trinken in Qualität und Quantttät auf der alten Höhe bleibe. Indessen schaffe schon der notwendige tägliche Verkehr durch Aufwarten, Bedienen usw. einen ganz zwiespältigen Zustand. Es sei sehr wahrscheinlich, daß die Kammer ein der- artiges Verhältnis als unannehmbar erkläre und dem zu unrecht Entlassenen nicht die Verpflichtung auferlege, auf ein solches Anerbieten einzugehen.— Auf diesen Vorhalt hin wird vom Beklagten ein Vergleichsvorschlag in Höhe von 86 M. akzepttert. Hus der fraucnbewegung. Genossinnen! Arbeiterfraneu! Ein neuer Kampf auf wirtschaftlichem Gebiete ist durch die Un- beugsamkeit der Bäckermeister hervorgerufen. Die bescheidenen Forderungen der Bäckergesellen sind von der Innung rundweg ab- gelehnt worden. Schon jahrelang kämpfen die aufgeklärten, dem Verbände angehörenden Bäckergesellen für menschenwürdige Zustände in ihrem Gewerbe. Die Bäckermeister wollen das patriarchalische Herrschaftsverhältnis, das den Gesellen jede Bewegungsfreiheit vor- enthält, nicht preisgeben. Nichts will man bewilligen. Und doch ist es so wenig, was die Gesellen verlangen. Die Forderungen: 1. Abschaffung des Kost- und Logiswesens. 2. ein freier Tag in jeder Woche, 3. ein Mindestlohn von 23 M. pro Woche, 4. pari- tätischer Arbeitsnachweis, müssen als berechtigt anerkannt werden. Bis heute ist es den Bäckergesellen fast unmöglich gewesen, sich eine Familie zu gründen, und wo es trotzdem geschah, ist an ein Familienleben nicht zu denken. Frau und Kinder bekommen den Gatten und Vater fast nie zu Gesichtet für Erziehung seiner Kinder kann der Vater sehr wenig tun. Tie Abschaffung des Kost- und Logiswesens ist notwendig, um auch den Bäckergesellen die Möglichkeit zu geben, sich ein eigenes Heim zu gründen, ohne den Berus zu verlassen. Die Abschaffung des Logiszwanges ist aber auch im gesundheitlichen Interesse dringend nötig. Die zweitwichtigste Forderung ist die Einführung eines freien Tages in der Woche. Fast jeder Arbeiter hat wenigstens einen Tag, an dem er nicht in die Tretmühle der Arbeit gespannt ist: er kann doch einmal sich selbst und der Familie gehören. Die Bäcker aber müssen Woche um Woche, Tag für Tag der Profitwut der Meister ihre Kräfte opfern; nicht einen Tag können sie sich als freie Menschen fühlen. Alle Forderungen der Gesellen sind rundweg abgelehnt und wurde daher der Kampf unvermeidlich. Die begründeten Forde- rungen sichern den Bäckergesellen die Sympathie der Arbeiterschaft, und muß es die Pflicht aller sein, die Kämpfenden in ihrem schweren Kampfe zu unterstützen. Keine Arbeiterfamilie wird von einem Bäcker, der nicht bewilligt hat, Backware entnehmen. Hauptsächlich ist es Sache«der Frauen, nach dieser Richtung energisch den Kampf gegen die Bäckermeister zu führen. Und die Frauen, die selbst oder deren Männer unter dem Hochmut des Unternehmertums leiden, haben alle Ursache, in diesem Kampfe entschieden Partei zu ergreifen zu gunsten der Arbeiter. Den hartgesottenen Feinden der Arbeiterbewegung muß gezeigt werden, was die Zusammengehörig- keit der gesamten Arbeiterschaft vermag. Darum Ihr Freuen, merkt Euch die Bäckereien, wo die For- derungen der Bäckergesellen bewilligt sind. Die Liste, die täglich vom Verbände der Bäcker herausgegeben und im„Vorwärts" ver- öffentlicht wird, mutz peinlich beachtet werden. Genossinnen, bekundetSolidaritätl Die sozialdemokratischen Frauen Berlins. Versammlungen— Veranstaltungen. Berlin. Sonntag, den 2. Juni, Ausflug nach Pichelswcrder. Treff- puntt 9 Uhr Bahnhof Grunewald Ps. Verlag: Berlin SW. 47, Ter Heilige Garten. Beiträge zur Aeithetil der Kindheit. Heraus- gegeben von Franz Lichtenberger und Karl Nötiger. Leipzig bei schcffer. Jahrespreis 1,50 M. Krieg oder Frieden von Oberst a. D. Gädke. 50 Ps. Coneordia, Deutsche Vcrlagsanstalt Herin. Ehbock. Berlin Vf. 50. Der Kontinent. Deutsch-französische Monatsschrift. Heft 7. Heraus- geber: Dr. H. Richter. Jährlich 12 Heste. 12 M. Einzelhest 1,25 M. Verlag: V. süßerott, Berlin Vf. 30._ Geschäftsbericht pro 1906 der OrtSkrankenkasse für den Gewerbe- betrieb der Kaufleute. Handelsleute und Apotheker zu Berlin. 55 Seiten.— Unsere Wohnungs-Enquete im Jahre 1906. Im Auftrag- des Vor- standes der Ortstrankenkasie für den Gewerbebetrieb der Kausleute, Sandelsleute und Apotheker. 38 Seiten. Selbswerlag, Berlin, Georgen- kirchstraße 40.„„ �. Streik und Strafrecht von Dr. E. M. Frey. Verlag: C. Winter, Unioerfitätsbuchhandlung in Heidelberg. Süddeutsche Monatshefte. Heft 6. Herausgeber: P. N. Coßmann. Pro Jahr 12 M. Selbstverlag in München. Für de» Jiibalr der Inserate übernimmt die Redaktion dein vublikui» gegenüber keinerlei Berauttvortniig. Zbcater. Freitag, den 31. Mai. Ansang 71/, Uhr. Kgl. Opernhaus. Die lusttgen Weiber von Windsor. Kgl. Schauspielhaus. Ein gallisse- ment. Neues kgl. Operntheater. Die Fledermaus. Deutsches. Robert und Bertram. Kammerspiele. Aglavain« und Selysette.(Ans. 8 Uhr.) Ansang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Hopsen- raths Erben. Westen. Die lustig« Witwe. Schiller O.(Wallne» Theater.) Ein Fallissement. Schiller-Dheater Charlottenburg. Monna Vanna. Schiller lV.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater.) Drei Paar Schuhe. Berliner. Sherlock Holmes. Lessing. Der Zigeunerbaron. Zentral. Das Mädchen auS dem Nachtcasö. Kleines. Marcell Salzer.(Ansang 3',. Uhr.) Neues. Der Dieb. Lortzing. Fidelis. Residenz. Haben Sie nicht» zu verzollen? Lnstspielbaus. Husarenfieber. Thalia. Wo die Liebe hchsällt. Luisen. DaS Rätsel seiner Ehe. Trianon. Frl. Josette— meine Frau. Bernhard Rose. Im Rausche des Lebens. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Gebr. Herrnfeld. Es lebe das Nachtleben. Vorher: Die Welt gehl unter. Wintergarten. La Tortajada. Spezialitäten. Rpollo. Der lustige Witwer. Epe- zialitäten. Kasino. Nick Carter. Spezialitäten. Walhalla. Der grüne Teusel. Spezialitäten. Passage. Spezialitäten. ReichShallen. Stettiuer Singer. llrania. Tanbenitrafie 48/19. Abends 8 Uhr: Durch Dänemark und Südschweden. Sternwarte, Jnvaltdenstr. 57/62. irerMnanck Bonns Berliner Thealer. Ansang 8 Uhr. Shcrloch Holmes Sonnabend: Der Hund von Bas. kerville. Sonntag: Sherlock HolmeS. Montag: Geschlossen. LortzingTheater! Bellealliancestr. 7/8. Freitag, den 31. Mai, 8 Uhr; Fidello. Abonnements gültig l Sonntag, den 2. Juni: Richard Wagner-Abend zum Besten des Allg. Deutschen Chorsänger-BerbandeS. Schluß der diesj. Spielzeit 31. Mai. Bcllcalliance-Garten: Täglich: eliie-Vai-istö-VorZtellung. Zentral-Theater. Gastspiel des Ernst Drucker-TheatcrS. Letzte Vorstellung. Das Mädchen aus dem Nacht-Cafs, Sekiller-I'liealel'«. ssnsileieb-Alllielmitäätisedaslkeater. Abends 3 Uhr: Am grüne» Weg. «ommerpreise. Rtsldcils-Thclitn. Direktion Richard Alexander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Haben Sie nichts zu verzollen? Schwank in 3 Akten o. M. Hennequin und P. Veber. Luisen-Theater Reichenbergerstr. 31. Heute und folgende Tage: Das Rätsel seiner Ehe. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Kabale und Liebe. IMMMkllM Gr. Franksn rterstr.>32. Freitag, den 31. Mai: Anfang ill, Uhr. DlM- Im Garten: Ter Fluch des Goldes. >�po�l»IItlltvi».V«l-üteII»nx Wochenpreise.— Abends 8 Uhr im Theater: Im Rausch deS Lebens. Sommerpreise. Helropol-Theater Anfang 8 Chr. Neues Thealer. Ansang 8 Uhr. Der Dieb. Sonnabend neu einstudiert: Die Condottieri. Sonntag und folgende Tag«: Die Condottieri. kleines Thealer. Abends 8 Uhr: MARCELL SALZER-ABEND. Morgen und folgende Tage, abends S Uhr: Marcell Salzer-Abend. LustspieShaus. Sommerprcise. Abends 8 Uhr: Husarenfieber. Grolle Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Rauchen überall gestattet. Ganz Berlin lacht Über «w Hartstein"•« lind feine Burleske t Der luftige Witwer. 1. Bild: Das'lclite Mal. 2. Bild: Die Folgen davon. Vorher 8 Uhr: Bedeutende Speziali« täten m. MerianS Hunde-Bauern. theater. W. Hoacks Theater. Direktion: Heb. Dill. Briiiiiienstr. 16. AbendS 8 Uhr: Sberloch Holmes Dazu: Die erstklofs. Spezialitäten. 10 Uhr: Die goldene Insel. Aus.aul Coradirii. X Rämbler Comp. Jim Fluge durch die Welt. AuSstattungs-Volksstück in 6 Bildein. Kasseneröffnung 2 Uhr. Ans. 5 Uhr. Ab 1. I u n i vollständig neue Spezialitäten. Artnr Wolff der Urkomische. Vanefe-Theater r-iiMim v, Weinbergsweg 19/20, Rosentb.Tor. Heute abend 8 Uhr: VW Zum letzten Male: TUtz), Der grünt Tech!. ScnsationS-Pantvmime. Ab Sonnabend, den 1. Juni in,«Zarten: Spezialitäten- Vorstellanx. Stddl- Theater. BrSckonstr. 2(a. d. Jannow.-Vr.) jjeuie Freitag, den 31. Mai; SälsonseliliiB u. letzter ibeml der Steidl-Sangep Ans. 8 Uhr. Tagekasse 11-2 Uhr. Im Steidl-Restaur. u. Garten heute und folgende Tage: «Sr. Streich- Kon rerte. ]�cuc Kielt Hasenheide 108-114. — Im Konzcrtgarten:— Täglich: Großes Konzert. Jeden Sonntag, Dienstag, Donnerstag: : MilitärsKonzert.: JedenMontag, Mittwoch, Freitag: : Tkeiß-Orckester.: Entree 10 Ps. Entree 10 Ps. Im Theatergarten: Täglich: Großes Konzert de» Neue Weli-OrchesterS und Spezislitäten- Vorstellung. Entree 25 Pf. Entree 25 Pf. Jeden Mittwoch Klndcrfcut. Jeden Donnerstag EIlte-Tag. Reiehshallen-Theater. r Sänger. einsang Wochentags 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. lleiohs- h allen- Garten und Restaurant: Militär- Konzert. Volksgarten-Theater. Bad-BehmstraBe— Bahnhof Gesundbrunnen— BellermannstraBe. Das Bild der Mutter ober Berliner Zimmerleate. VollSstück mit Gesang in 3 Akten. ———- Hierzu: Das neue klM-8pez!aI!täteg-?Milil!i. Velksdelustipungen. X. Großer Ball. Fröbels Allerlei-Theaier Schönhauser Allee 148 und Kastanien-Allee 97/39. Heute Donnerstag: *1 kT durchweg brillante'tf CS Nunstkräfte.-■«' 8 uhr- ßeniejlst das Heben. Die HochMsreise. Ansang 4'/, Uhr. Eintritt 30 Ps. Avtsl Sonnabend, den 1. Juni: Erstes grostes Kinderfest._ Schweizergarten Am Königstor. Am Friedrichshain. Straßenbahn 1,2,4,17,69, 62, 63«. 74. Täglich: Theater-VoFStellung. Neue Spezialitäten. Kinematograph und Ball. Freier Damentanz. Anfang 5 Uhr./ Entree 30 Pf, Sanatorium «BOtlO«! LÖMOlt»"* Radebeul- Dresden. Chofom Dr. Ascnke /r Internationaler Verkehr. KUREm Sichs. Nizza Ulla Waturhellbueh I-,»III,«erli. | MaxKliems| Sommer-Theater D � Hasenheide 13/15. Artistische Leitung: Paul Milbitz.' Täglich: Gr. Konzert, Theater| n. Spezialitäten-Vorstellnng. i 1 Jeden Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: Tie beliebten Kinderfeste. Jeden Donnerstag: Clite-Dag. i Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Ubr ab geöffnet. TstlSSOUCI, st0," Direktion Wilhelm Reimer. Ter Garten ist geöffnet. Sonnt., Moni., Donnerst.: Holfmaiiiis Nordd. Sänger u. Thnzkräncchen. Stets neues aktuelles Hrogramm. Sonnt. Bcg. 5, wochent. 8 U. Für nächste Saison find sämtl. Sonnab. bereits besetzt. Noch einige Mittwoch Abende sind frei. Trianon-Tdeater. Heute und folgende Tage: Fräulein Josette— meine Frut. Ansang 8 Uhr. Otto Pritzkow HOnsstraUc IG. Velt-iusstelliings- Biograph-(s«. i-«...) Theater lebender Pbotographien. Täglich Eingang von - Neuheiten.— ♦ Deu ganzotuTag VorsteUong. ♦ fisthak-yarh AmKDstrinerptatz.RQdersdorferstr.TI Hermann Imbs. Täglich: Qrojtes Konzert, Tlieater- und Spezialitäten' Vorstellung. Prater- Thealer. Kastanien-Allee 7/9. Flotte Weiber Spezlnlltütcn. Konzert nnd Ball. Ansang ill, Uhr. — Charlotteubnrg. SpezialwerbtattwÄ, solide Ausführung, preiswerte Berechnung. 4838L» Frlcdr. Stabenovr. Lützowerstrafte 15 am Rathaus. Berliner lilk-Trio. Felix Scheuer U Sirsliudtnii.l. Schweizergarten Köpenick Jede» Sonntag: Berliner Sänger. Cube jreundl. ein Fröhlich. 2. Qojimanns | Festsäle und Garten. 1 SW., Kreuzbergstr. 48. Jeden Sonntag: Gr. Frei-Konzert und Ball. Freitags: Orlgin. Hamburger Sänger. Montags: Elchler-Sänger. X Passepartout gültig. X Einige Sonnabende an Bereine zn vergeben, sowie Totensonntag. 1. Weihnachtsfeiertag Gustav Behrens-Theater, Berlin W., Goltzstraße 9. Bestventiliertes Theater. MM Pro- granunveehsei Austreten der neuengagierten Spezialitäten, u. a. der Original Greiffenberger, der Mimiker Ad. Greilicke, assistiert von Mist Elarito. der Lumpenmaler Signor Goedicke. Zum schlug die tolle Ausstattungs-Burlesle kkeuervelii'. Ansang 8 Uhr, Sonntags K'/, Uhr. Sommcrpreise. Entree 30 Pf. )»»»»»»««»»«»««»»«««»«»««»«»«««««««»««««« Ifcstsmeilväldcilell Schönholz 2 Mm. vom Bahnhos Schönholz.— Jnh.: Hcrni«»» Ramlow.| J Jeden Sonntag: GPOßOI* BgIIb 5 Gr. schattiger Garten. Zwei neue verdeckte Kegelbahnen. Kaffeeküche. £ Jeden Sonntag: G/, Uhr nach Woltersdorf. 3. Abt. nachmittags 1 Uhr nach Wilhelmshagen, Start: Mariannen» platz. 4. u. 8. Abt. nachmittags 2 Uhr nach Hirschgarten(Hohlwcihler). 8. Abt. 1 Uhr. Starts: Küswiner Platz. 8. Abt. Kriminalgericht. 5. Abt. nachmittags 1 Uhr nach ScssenwmkelsGcsellschastZhausf.Start: lyfium. 6. u. 9. Abt. nachmittags 1 Uhr nach Müggelheim. Start?: 9. Abt. Schillingstr. 22, 6. Abt. Geuoffenschast, Oderbergerftr. 30. 7. Abt. früh 6 Uhr nach Kremmen (Paproth), nachmittag»!>/, Uhr nach HeUigensee. Starts: Grenzsw. 21 „Vorsn II" Produktiv- u. Einkaufsgenossenschaft des„Berliner Arbeiter-Radfahrer- Vereins14. Mitglied des Bundes.Solidarität».) Keversl'Verzsmmluvg Freitag, den 31. Mai 1907, abends 9 Uhr, im Elysiurn, Landsberger Allee 44/41. TageS-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht des Geschäftsführers. 3. Geschäftliches. Mitgliedsbuch legitimirrt i 127/15 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute Freitag, abends 8>/z Nhr, im Gcwerkschnftshause, Engel-Ufer 15: Trthzimg der Ortsvcrwaltungs 3edes JeNLNSiS'AsÜ ein Meisterwerk deutscher Technik. _____— Tellzabiung!— Zwei Jahre Garantie!— Sozial-Rader M. 60-, Sozial-Luxus- M. 95,-, Gebrauchte Räder billig!— FalirradsubchOr billig! - Bitte genau aus Hausnummer„SS» zu achten l Konsum-üenossenscliskt von Künigs» �Vustertisusen und Umgegend. 1 JW Sonntag, den 23. Juni 1907, nachmittags S Uhr, MI im Lokal von Max Wedboru: Aiißtrirdtütlichc Geiicriil-Ntrsiiiiuilliiiig. TageS-Ordnung: 1. Vorirag des Herrn Graßhold. 2. Situation unserer Genossen» schast.— Zahlreiches Erscheinen erwartet 127/16 Der Vorstand. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hanptbureau: of I. Amt 3, 1239. Charitbstraüe 3. Hos III. Amt 3, 1987 Sonntag, den 2. fünf, vorm. präz. tollhr: Sranehen- Versammlung der Cnfrit-, Metall- und Revower-Dreher im Mufikervereilistiliuse, Kaiser Milhetmstr. 18m, großer Saal. Tages-Ordnung: 1. Jahresbericht der Branchen- Kominisston. 8. Diskussion. 3. Neuwahl der Branchen-Kommission. 4. Verschiedenes. _ Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt l- Sonntag, den 2. Zun!, vormittags 10 llhr: Allgemeine Versammlung der Kauanschläger Kerlins und Umgegend im Geivelkschaftshause, Engel-Uer 13, Saal 1. Tages-Ordnung: l. Bortrag de« Kollegen K. W ticke über:»Die Arbeiter» beweguug vor und nach dem Sozialistengesetze". 2. Diskussion. 3. Branchen- und Verbandsangelegenheiten. Zahlreicher Besuch wird erwartet. 119/12 BTB. Die für Mittwoch, den 5. Juni, angesetzte Konferenz für den Norden findet nicht statt. Ple«rts�erwaltuug. 23. R. Groskurth, seit c., Münzstr. 23. Soeben erschienen! Gruppenbild der Sozlaldem. Beichstagsfraktion 1907. Auf elegantem Karton. Bildgröße 55: 40 cm. Preis 40 Pf. Expedition des„Vorwärts", Berlin SW. BS, Lindenstr. 69(Laden). Ganz neu Hochbaugelände, 4 Etagen, geschlossene Bauordnung. Beste Lage, günstigste Zahlungsbedingungen. 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(Ohne Gewähr.)(Machdruek verboten.) 30 439 603 758 910 13 1 098 319 38 911 2053 197 28« 686«31 836 90 900 70 S036 80 102[500]. 42 417 73 576 642 73 891 968 4119 25[1000] 625 995 5039 313 99 39« 18 24 81 80(1000) 461 89 77« 919«4 6355 433 540»43[500] 7086 106 40[500] 302 507 41 784 857 8036»4«[1060] 990 9053 IIS 263[1006]«35 980 lOmi 490 989 181 96 819 11183 373 83 407 8 535 962 12026[ 500] 183 313 440 511 03 615 735 1 3020 61 |[500] 66[ 500] 101 296 406 80 648 58 93 710 3« 39»47 936 93 1 4031 443 52 59 500[500] 612 775 894 1 6063 75 143 1500] 407[000] 510 15 998 1 6325 50 540 15000] 63 61 756 jl7073 97[500] 371 341 18070 433 79[l900] 675 719 812 19006 71 234 407 519 34[50»] 82 64« 20164 970 317 497 707 2 1 087 172 253[500] 822 863 64 88[500] 931 22051 119 26 618 831 977 23008 11 165 .373 83 51« 898 994[3000] 24405[3000] 503 19[1000] 35 [500] 718 48[1000]«3 993[1000] 44 49 2 5038 136 210 26033 Iii 316 460 51 62 68 572 718 908 40 2 7010[500] »4 338 501 85« 914 28138 558 716 995 2 9039 60 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Ziehung 5. Kl. 216. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 30. Mai 1907, naebmitlagB. Mar die Gewinne Uber 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern belgefiig«. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 6 110 357 917 30 57 1 214 356 515 612 2 015 63 83 89 3387[ 500] 445[»*] 5,2 869 98[5»0] 945 69 73 4060 65 246 49 75 353 467«07 816 5,31 88 90 45« 953 6038 70 421 827 7005 22 169 315«1 465 651 791 829 8062 425 602 39 75 667[560] 89 799[500] 839 976 9 071 118»5 258[8000] 63 480[500] 759 85 ,31 77 10403 80 283 5«0 8[ 560] 65 696 807 29 98 Hill 57 25« 562 856 76 1 2183 2«3 401 534 696[500] 772[500] 910 13029 258 61 81 519 92 96«14 778 1 4006 382 463 575 933 15175 279[3000] 350 13000] 91 599 918 90 1 6316 561 694 95[1000] 17217 447 1 8010 151 93 229 35[506] 68 767 72 830 993 19065 19 224 444 551 718 50[3000] 914 20645 58 93[500] 935 51[500] 76 21133 635 850 52 22003 21 122 317 450 23076 341 66 472[500] 643 783 016 24005 28 27« 378 407 78 551 99 951 87 2 5009 23« 80 301 597 785«1»2 814 77 26352 611 727 27U3 96[500] 302 17 580 28159 312 439[1000] 515 847 717 76 800 87 2 9022 191 467 503 41 604 713 25[500] 3O062[500] 181[500] 8»[1000] 243 83 449 63[JOOO] 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Druck u. Verlag! Borwärt»»nchdluck-rei u. Lerlagsanjtalt Paul Singer& Co.. Berlin SW, Nr. 124. 24. Jahrgang. 3. Ki>»l>e»es.Awöck" Kcrlim WsM Freitag, 31. Mai IM. Partei-?Zngelegenkeiten. Maricufelde. Dienstag, den 4. Juni, abends 8 Uhr, findet bei Bcrger, Dorfstraße, die Mitgliederversammlung des hiesigen Wahlvcreins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Wahl der Delegierten zur Krcisgcneralversammlung. 4. Vereins- angelegenheiten und Verschiedenes. Gäste, auch Frauen haben Zu- tritt. Genossen, agitiert für regen Besuch. Ober-Schöncweide. Sonnabend, den 1. Juni, abends 8V2 Uhr, findet im Wilhelminenhof eine Theateraufführung„Der Pfarrer von Kirchseld" statt. Der Wahlvercin hat gute Kräfte hierzu ge- Wonnen und ersucht um zahlreiche Beteiligung. Billetts ä 50 Pf. sind bei den bekannten Genossen zu haben. Der Vorstand. Mahlsdorf a. Ostb. Am Sonnabend, den 1. Juni, abends 8�h Uhr, findet im Lokale von Schliefe, Hönowerstr. 6, eine Ver- samnilung des Wahlvereins statt. Der Genosse Räber spricht über „Sozialdemokratie und Materialismus." Um zahlreichen Besuch ersucht_ Der Vorstand. Berliner J�admehten* Aus der Stadtverordnetenversammlung. Eine„Verstadtlichung" des Rettungs- Wesens bildet der Beschluß noch nicht, den die Stadtver- ordnetenversammlung gestern über„die künftige Einrichtung des Berliner Rettungswesens" gefaßt hat. Aber er ist ein Schritt weiter auf dem Wege zu der notwendigen Ver- stadtlichung, und man darf hoffen, daß dieses Ziel in nicht zu ferner Zeit endlich erreicht werden wird. Ueber die Ver- Handlungen des Ausschusses und seine Beschlüsse referierte diesmal ein Sozialdemokrat, unser Genosse Wehl. Darin kam die Tatsache zum Ausdruck, daß die sozialdemokratischen Mitglieder des Ausschusses einen hervorragenden Anteil an dem Zustandekommen der Beschlüsse gehabt haben, die jetzt dem Plenum zur Annahme empfohlen wurden. Was die sozialdemokratische Fraktion über dieses„Provisorium" hin- aus noch wünscht und als ein„Definitivum" anstrebt, das wurde in der Debatte von unserem Genossen Singer dar- gelegt. Sie fordert vor allem eine Verstadtlichung auch des Krankentransportwesens''sowie für das gdsamte Rettungswescn nach seiner Verstadtlichung ein eigenes Kuratorium, in das aus der Mitte der Bürgerschaft Sachverständige, z. B. Vertreter von Krankenkassen, hinein deputiert werden könnten. Im weiteren Verlauf der gestrigen Sitzung wurde ein Beschluß gefaßt, der aufs neue zeigt, wie die freisinnige Mehrheit unserer Stadtverordnetenversammlung ihre Macht- stellung mißbraucht. Es handelte sich um„Zuteilung eines Stadtbezirks an einen Stadtverord- n e t e n"— des Stadtbezirks 138 im Köpenicker A i e r t e l, den bisher der Freisinnige R 0 s e n 0 w als „recherchierender Stadtverordneter" unter sich gehabt hat, auf den aber seit Anfang vorigen Jahres unser damals in die Versammlung eingetretener Genosse Sassenbach Anspruch erhebt. Dieser Anspruch ist schon deshalb berechtigt, weil Sassenbach im Bezirk wohnt. Herr Rosenow wohnt nicht darin, aber er hält diesen Bezirk fest, obwohl er daneben noch drei andere Bezirke hat, während dem Genossen Sassen- Ibach bisher überhaupt kein Bezirk zu Recherchen zugewiesen worden ist. Bei dem Willkürakt, den die freisinnige Mehr- heit im vorigen Jahr übte, soll es bis auf weiteres noch verbleiben. Gestern wies Genosse Ewald darauf hin. daß schon das Gerechtigkeitsgefühl eine Aenderung dieses Zu- standes fordert. Aber wo der Freisinn in der Mehrheit ist, da gibts für ihn kein„G e r e ch t i g k e i t s g e f ü h l". Der Grund des hartnäckigen Widerstandes, den Herr Rosenow und die Seinen in dieser Streitfrage leisten, liegt offen zu- tage. Der 138. Stadtbezirk gehört zum 19. Kommunalwahl- bezirk, der ein Teil des dritten Reichstagswahlkreises ist. Herr Rosenow, der den 19. Kommunalwahlbezirk noch ver- tritt und gern auch den dritten Reichstagswahlkreis ver- treten hätte, fürchtet im Köpenicker Viertel an 'Einfluß zu verlier e.n, wenn dort wenigstens in einem Stadtbezirk ein Sozialdemokrat als„recherchieren- der Stadtverordneter" dafür sorgen darf, daß in die Armen- kommissionen, Schulkommissionen usw. nicht lediglich Frei- sinnige hineingelangen. Diese Körperschaften sind ja die Stützpunkte der politischen Agitation des Freisinns, darum müssen sie möglichst frei von sozialdeni akratischen Eindringlingen bleiben. Im BcrmiewngSkontor. Geht man die Linkstraße entlang, fo erblickt man auf beiden Seiten fast an jedem Haufe ein Schild mit der Aufschrist: Un- entgeltliche Stellenvermittelung für Dienstboten I Es sind meist Frauen, die dieses Geschäft betreiben. Aber der Großbetrieb hat auch hier schon seinen Einzug gehalten. Während die kleineren Bureaus aus einem Raum bestehen und von der Inhaberin selbst verivaltet werden, stehen den größeren Vermietungsinstituten mehrere Räume zur Abfertigung der Kundschaft zur Verfügung und geschultes Personal, Damen und Herren, nehmen den Ein- tretenden geschäftig und zuvorkommend in Empfang. Gegen Ende de? Monats herrscht daselbst ein reges Treiben und besonders in den Nachmittagsstunden erreicht der Zudrang feinen Höhepunkt. Droschken. Autos, Equipagen folgen dicht hinter- einander. In buntem Gewirr drängen sich die Kommenden und Gehenden und die eleganten Toiletten der Damen bieten ein färben- reiches Bild. Abseits stehen und fitzen stellensuchende Mädchen und tauschen im leisen Flüstertone ihre Erlebnisse auS. Die Herrschaften aber sind eifrig damit beschäftigt, die Dienst- bücher umständlich und gründlich auf ihren Inhalt zu prüfen. „Mein Gott." seufzt eine ältere, dicke Dame,„die war ja über- all nur kurze Zeit, in der letzten Stelle bloß 14 Tage, und stets wird ihr unbotmäßiges Verhalten und ihr renitentes Wesen gerügt I" „Vielleicht machen gnädige Frau mal einen Versuch?" wagt die Vermieterin einzuwenden. „Ja. liebe Frau, das ist ja ganz gut. aber wenn sie stech ist, hat's doch keinen Zweck. Mein Mann ist ohnedies schon etwas heftig. Nein I" Sie wiegt mit schmerzlicher Miene das Haupt hin und her: „Wenn ich noch an die gute, alte Zeit denke; meine Eltern hallen ihre Mädchen 20. 30 Jahre, und die waren so bescheiden und anspruchslos." „Ja." mischt sich eine andere im schwarzen, tadellos sitzenden «leid ein:.die gibt'S nicht mehr, meine Dame, wirklich nicht, jetzt haben sie den Kopf voll Kaprizen. Und wodurch kommt das? Durch die Fabrikarbeit!" Eine dritte hat sich hinzugesellt:„Stimmt, meine Damen, ganz recht, denken Sie sich bloß, ich hatte eine drei volle Jahre, jetzt kündigt sie mir, sie will schneidern lernen. Ist das nicht toll?" Sie seufzt: „Und sie war brav und sittsam, eine Perle, sag' ich Ihnen I" Alle drei verlassen das Lokal, mit dem Versprechen, morgen, wenn mehr„Auswahl" da sei, wiederzukommen. Eine jüngere distinguierte Dame im knisternden Seidenkleid, tritt ein. Sie wendet sich an das bedienende Fräulein.„Eine Zofe möchte ich, nur erste Kraft, prima Referenzen selbstverständlich I Sie haben eine hier? Gut, rufen Sie sie her!" Die Gewünschte kommt herein. Ein schickes Püppchen mit hoch- mütigem Gesicht, ein„besseres" Mädchen, das sich nicht zu den Dienst- boten zählt. Run beginnt das Verhör: „Wo waren Sie zuletzt?" „Fünf Jahre bei der Gräfin de Duvernelle, drei Jahre bei der Freifrau von Turan. Ich war bisher nur bei allerhöchsten Herr- schaften!" Sie betont das letztere recht nachdrücklich. Um die Mundwinkel der Dame zuckt es, sie ist augenscheinlich pikiert.„Ich bin Frau Kommerzienrat Händel und wohne am Kurfürstendamm!" Stolz wirft sie das Haupt zurück. Neue Per- sonen kommen herein und die beiden treten in eine Nische, um da weiter zu verhandeln. Eine Dame im besten Alter, im Reformkleid, mit Tituskopf und Sportkneifer und burschikosen Allüren, sieht sich prüfend im Kreise um. In der Hand dreht sie nervös eine Hundepeitsche.„Geht mal nicht zu der da", flüstert ein blasses Mädchen ihren Gefährtinnen zu:„die schlägt ja ihre Dienstboten und ist deshalb auch schon vor Gericht gewesen." Diese wendet sich jetzt an die Vermittlerin:„Was da für mich?" „O ja. gewiß, gnädige Frau, sehen Sie mal, alles tüchttge Mädels!" Sie winkt der einen, aber die schüttelt den Kopf, desgleichen die anderen. Sie haben Angst. Nur eine, ein derbes, rotwangiges Mädchen, meint:„Wenn se man jut zahlt, det mit die Prügel. davor fürcht' ich mir nich, ich schreibe ooch'ne janz jute Handschrift." Ein Blick auf ihre breiten, arbeitsharten Hände zeigt, daß sie nicht renommiert. Sie tritt resolut hin. WaS sie verlange? 25 Mark. Die Dame zieht die Brauen hoch.„Viel Geld. Wollen wir sagen, 20 Mark, wie?"„Nee, dann verzichte ich I" Die Dame überlegt, indem sie das kräftige Mädchen mustert und einige Fragen stellt. Dann bewilligt sie das Verlangte. Eine stattliche Fünfzigerin, in bauschiger Seidenrobe nach Pariser Schnitt und mit künstlich gewelltem Haar, auf dem ein Hut von ungeheuren Dimensionen thront, hat sich mitten im Zimmer plaziert und betrachtet durch die Lorgnette die anwesenden Mädchen.„Wissen Sie, Frau Müller, ich möchte am liebsten ein junges Mädchen vom Lande, ich würde cS ganz gerne anlernen!" „Damit kann ich dienen, Frau GeHein, rat, Sie haben wirklich Glück," erwidert die Angesprochene dienstbeflissen und winkt einem jungen, schüchternen Mädchen in ländlicher Tracht. Die Dame betrachtet das junge Ding wohlgefällig mit süß- lichem Lächeln:„Willst Du zu mir, Kind, eS wird Dir gefallen bei mir?' Das„Kind" nestelt verlegen am Schürzenband. Jetzt lispelt es schüchtern:„Meine Mutter hat aber gesagt, ich soll nur eine Stelle annehmen, wo ich jeden Sonntag zur heiligen Messe gehen kann." Die Frau Geheimrat fährt in freudiger Ueberraschung auf: „Aber gewiß, liebes Kind, das sollst Du, jeden Sonntag kannst Du zur Früh», esse gehen. Sehen Sie, Frau Müller, so Hab' ich mir schon lange ein Mädchen gewünscht!" Die ersten Uebersichtcn über Feriensonderzüge. Die ersten Uebersichten über die Feriensonderzüge liegen jetzt vor. Sie bc- treffen die Sonderzüge von Berlin nach der Sächsischen Schweiz und nach dem Riesengcbirge. Nach Dresden und Schandau gehen Sonderzüge vom Anhalter Bahnhof am 6. und 14. Juli sowie am 15. August. Die Abfahrt erfolgt am 6. Juli und 15, August um 2,10, die Ankunft in Dresden Hauptbahnhof 0,01, Schandau 7,14. Am 14. Juli geht der Zug vormittags 7,15 und ist in Dresden Hauptbahnhof 11,30, in Schandau 12,32, Rückfahrtkarten kosten III. Klasse nach Dresden 9,30 M., nach Schandau 11,10 M., II. Klasse 14,90 und 17,70 M. Der Fahrkartenverkauf wird am Tage vor Zugabgang abends 0 Uhr geschlossen. Die Rückfahrt kann mit allen fahrplanmäßigen Zügen über Elsterwerda oder Röderau stattfinden. Von Schandau bis Dresden kann die Fahrt auch mit den Elbdampfern ausgeführt werden. Nach dem Riesen- gebirge gehen Züge vom Görlitzer Bahnhof am 0. und 15. Juli sowie am 15. August 7 Uhr vormittags. Man ist in Greiffenberg um 12,05, Friedeberg am Queis 1,09, Hirschberg 1,00, Schmicdeberg 2,20, Zillerthal-Erdmannsdorf 2.00, Krummhübel 2,32, Petersdorf 2,00, Ober-Schreiberhau 3,10. Rückfahrtkartcn kosten III. Klasie 14,10 M., II. Klasse 21,80 M. Von Zillerthal-Erdmannsdorf nach Krummhübel und von Petcrsdorf nach Ober-Schreiberhau werden jetzt einfache Fahrkarten zum Preise von 50 und 30 Pf. III. Klasse in Berlin ausgegeben. � Der Fahrkartenverkauf wird 24 Stunden vor Zugabgang geschlogen. Die Rückfahrt kann mit allen fahr planmäßigen Eil- und Personenzügen über Görlitz-Cottbus oder Kohlfurt-Sommcrfeld ausgeführt werden. Bei Schnellzügen ist Zu- schlag zu bezahlen. Alle Rückfahrkarten gelten 00 Tage. Freigepäck gibt es nicht. DaS Kuratorium des städtischen Bich- und Schlachthofes wählte in seiner letzten Sitzung einen Jnspektionsassistenten und erhöhte die Akkordsätze der Bodenarbeiterinnen. Eine große Anzahl von Beschwerden der Treiber über unHalt bare Zustände auf dem Viehhof waren durch Genossen Hoffmann vor einiger Zeit dem Kuratorium überreicht worden. Nach einer Berichterstattling durch Hofsinann faßte das Kuratorium folgende Beschlüsse: l. Die Vermehrung der Abortanlagen iu Erwägung zu ziehen (eine solche wird an der Schweinihalle neu gebaut). Geschlossene wieder zu öffnen. 2. Bei der nächsten Banbereisung den Neubau einer größeren Aufenthaltshalle für die Viehtransporteure feststellen resp. Vorschläge dazu machen zu lassen. 3. In den Wintermonaten soll eine größere Anzahl Viehhofs- arbeiter in den großen Transportnächten bereitgehalten werden, um bei eintretendem Glatteis die Transportstraßen, Buchten und Rampen sofort mit Sand zu bestreuen und so berechtigten Klagen Abhülfe zu schaffen. 4. Die Ninderhalle soll in Zukunft in den in Frage kommenden Nächten auch im Mittclaange erleuchtet werden und die zu fort- währenden Uuzuträglichkeiten führenden unpraktisch angebrachten unteren Trennungsholme sollen erhöht werden. 5. Wegen besserer Beleuchtung der Rinderställe wurde eine be- sondere Kommission gewählt, welche den Tatbestand prüfen und dem Kuratorium Abänderungsvorschläge machen soll. 0. Auf Beschwerde der Biehtreiber über Beschäftigung zu junger Burschen zum Vichtreiben lehnte es das Kuratorium ab, das Alter von 10 aus 18 Jahre heraufzusetzen, da nicht das Alter, sondern Körper- kräfte, Gewandtheit und Zuverlässigkeit der Betreffenden maßgebend wären. Daraus ganz besonders bei der Zulassung zu achten wurde der Direktion zur Aufgabe gemacht. Die bei den Viehtransporten verwendeten Frauen, Witwen und Angehörigen von Treibern und Obertreibern werden von dem Kuratorium nur als Kontrolleure betrachtet. Die Zahl ist nur gering (15—19) und geht ständig zurück. Zu einem Verbot dieser Frauentätigkeit konnte das Kuratorium im Einverständnis mit dem Referenten nicht kommen. Wohl nicht mit Unrecht sehen die Viehtreiber in den jungen Burschen und Frauen Lohndrücker; dagegen kann nur die Organisation helfen. Interessant war, daß man von einer Seite im Kuratorium von einer uns ganz weltfremden Organisation" sprach,„die wir gar nicht kennen". Damit meinte man den Verband der Handels- und Transportarbeiter. Der Referent legte dar, daß es das gute Recht der Viehtransporteure sei, sich diesem Verbände anzuschließen. Wenn der Verband diesem oder jenem unbekannt sei, so läge das nicht am Verbände. Er, Redner, gebe allerdings aus anderen Gründen ohne weiteres zu, daß es für beide Teile praktischer wäre, der Verein der Viehtreiber schlösse sich dem Verband der Gemeindearbeiter an. Automobil-Omnibuslinien. Für drei weitere Antomobil-Om- nibuslinien der Allgemeinen Omnibus-Gesellschaft hat das Polizei- Präsidium jetzt den Tarif genehmigt. Die Aufnahme des me- chanischen Betriebs bei diesen Linien steht aber noch nicht fest. Es handelt sich um die Linien 2 Nettelbeckplatz-Spittelmarkt, 5 Bülowstratze-Stettiner Bahnhof und 15 Warschauerstraße-Bahnhof Grotz-Görschenstraße. Auf allen drei Linien sind zahlreiche Teil- strecken zu 10 Pf. mit einer Ausdehnung von 2500 bis 3300 Meter vorgesehen. Auf Linie 2 sind dies Ncttelbeckplatz-Bahnhof Friedrich- straße, Weddingplatz-Unter den Linden, Liesenstraße-Jägerstraße, Jnvalidenstratze-Spittelmarkt. Bei Linie 5 bilden Teilstrecken Bülowstraße-Friedrich- Ecke Lcipzigerstraße, Lützowstraße-Bahnhof Friedrichstraße, Potsdamer Platz-Oranicnburgcr Tor, Leipziger- straßc-Stettiner Bahnhof, bei 15 Warschauerstrahe-Alexanderplatz, Königsbcrgerstraßc-Wallstraße, Ostbahnhof-Spittelmarkt, Koppen- straße-Friedrichstraße, Alexanderstraße-Potsdamer Platz, Spittel- markt-Lützowstraße, Friedrichstraßc-Großgörschcnstraße. Die ganzen Linien sind 4800, 5280 und 8100 Meter lang. Dem Wunsche zahlreicher Parteifreunde folgend, kommen wir mit der Veröffentlichung folgender Zeilen nach: Einer unserer alten Parteimitglieder, der Genosse August Hintze, begeht heute die Feier seines 50. Geburtstages. Es war im Anfange der achtziger Jahre, noch unter den Gc- fahren und Fesseln des fluchwürdigen Sozialistengesetzes, wo wir August Hintze zum ersten Male in der Oeffcntlichkeit auftreten sehen. Im Verein mit einigen wenigen Genossen unternimmt er das mühevolle und schwierige Werk, seine Kollegen, die Hand- lungsgehülfcn, für eine klassenbewußte Gcwcrkschafts- organisation zu gewinnen. Von diesem lang zurückliegenden Zeitpunkte an sehen wir August Hintze ohne Unterlaß in Partei und Gewerkschaft tätig. Der eifrige und selbstlose Mitarbeiter findet denn auch bald die verdiente Beachtung. Die Genossen des sechsten Kreises über- trugen ihm das Mandat eines Stadtverordneten, wählten ihn zum Vertrauensmann der Partei und erst kürzlich ward er dazu auSerschen, die Zentralisation der Partcispeditionen Groß-Berlins zu leiten und zu führen. Reich beladen mit Parteiarbeiten tritt er in das sechste Jahr- zehnt seines LebenS. Wir wollen wünschen, daß es unserem Freunde beschieden sei, noch recht lange Zeit in alter Treue und Hingebung für unsere Sache tätig zu sein, zum Wohle des Prolc- tariats, zum Wohle der Sozialdemokratie! Zu dem Projekt der Durchlegung der Boßstraßc bis zur Lenne- straße wird heute berichtet, daß die Entwürfe augenblicklich dem Minister für die öffentlichen Arbeiten vorlägen. Die Mitteilung einer hiesigen Korrespondenz über die Ablehnung des Projektes durch den Polizeipräsidenten wird als nicht den Tatsachen entsprchend bezeichnet. Der Polizeipräsident habe sich nur gutachtlich geäußert und allerdings auch Momente angeführt, die gegen das Projekt sprächen. Die letzte Entscheidung wird bekanntlich vom Kaiser ge- fällt, der für die Entlastung des Potsdamer Platzes ein erhebliches Interesse bekundet. Berlin darf bekanntlich über seine Straßen nicht felbständig verfügen, weil sie die Ehre hat, Haupt- und Re- fidenzstadt des Deutschen Reiches zu sein. Ein GerichtsschSffc, wie das Unternehmertum ihn sich wünscht, ist der Wild- und Geflügel Händler Julius Pabst, der im Hause Kessel st raße 42 wohnt. Diesem Herrn war in der vorigen Woche die Ehre zuteil geworden, bei dem Amts- gcricht als Schöffe fungieren zu dürfen. Dabei war er dann, wie sich das in unseren Zeitläuften ja von selbst versteht, auch in die Lage gekommen, über Streikposten zu urteilen. Wie eifrig und mit welchem Ergebnis er das getan hat. darüber hat er selber in einer Gastwirtschaft von W. in der Kesselstraße sich gc- äußert. Im Scherz war er dort als„Herr Amtsgerichtsrat" be- grüßt worden, und das war ihm dann ein Anlaß, über seine richterliche Tätigkeit einige Mitteilungen zu machen.«Arme Luder kommen frei," so ungefähr erzählte er,„aber andere werden verknackt, besonders aber die S t r e i k p 0 st e n. die kommen unter 15 M. nicht weg!" Herr Julius Pabst, der Wild- und Ge- flügelhändler, hat als Schöffe selbstverständlich immer nur nach seiner Ueberzeugung ge- und verurteilt. Aber die Unter- nehm er, denen in ihrer Sorge um ihren dreimal heiligen Prosit ein Streikposten als ein ganz besonders gefährlicher Verbrecher erscheint, werden es dem Herrn Schöffen danken, daß bei ihm und seinesgleichen ein Streik- Posten„nicht unter 15 M. wegkommt". Das Selbstbekenntnis dieses Schöffen, der in der Kneipe über seine Tätigkeit berichtet und mit Genugtuung feststellt, daß besonders Streikposten„verknackt" werden, ist ein beachtenswerter Beitrag zur Psychologie unserer Richter. Es ist übrigens nicht ganz klar, wen er mit den„armen Ludern" gemeint haben kann. Er hat da wohl weniger an jene Sünder gedacht, die aus Not die Gesetze übertreten und dann abgeurteilt werden müssen, als an die geistig Armen. die auS purer Dummheit gegen irgendeinen Gesetzesparagraphen sich vergehen. Streikposten zählen bei ihm offenbar zu den geriebenen Bösewichtern. für die eS keine Gnade geben darf. Zu den geistig Armen, die Herr Pabst schont, wird allerdings auch kein Streikposten geworfen zu werden wünschen. Im Wahnsinn aus dem Fenster herausgestürzt. Großes Auf- sehen verursachte gestern morgen in der Bergmannstratze die Tat eines Irrsinnigen. Der 34 Jahre alte Buchdrucker Richard Wede- kind, Bergmannstr. 14 wohnhaft, war schon seit Jahren stark nervenleidend. In der vergangenen Nacht brach bei dem Unglück- lichen plötzlich der Wahnsinn aus. Morgens in der vierten Stunde lief er fortwährend die Beramannstraße auf und ab und ein Schutz. mann beobachtete, wie der Kranke schließlich in dem Sause Nr. 108 verschwand. Wenige Minuten später siel ein menschlicher Körper aus der dritten Etage auf die Straße hinab. W. hatte sich vom Flur aus dem Fenster herausgestürzt. Die Füße waren dem Aermsten vollständig zerschmettert worden und außerdem hatte er schwere innere Verletzungen erlitten. In hoffnungslosem Zustande wurde W. in das Krankenhaus am Urban eingeliefert. Einen seltsamen Fund machten gestern nachmittag gegen iVi Uhr Schulkinder. ÄS sie KS in der ChriKianiajjrgtze gu der Koloniestraße mit Aufwerfen von Erde beschäftigten. In dieser Gegend standen bekanntlich früher Lauben. Als die Kinder un- gcfähr einen halben Meter tief gegraben hatten, stießen sie auf ein großes gut erhaltenes Menschenskelett. Der Fund wurde sofort von der Polizei beschlagnahmt. Der Schwindler mit dem Paket. Hausverwalter und Portiers- leute sucht sich ein Betrüger als Opfer heraus, der in letzter Zeit in den südlichen Stadtteilen auftritt. Er erscheint mit einem Paket in der Hand bei den Erwähnten und gibt an, daß er für den Mieter T.. der augenblicklich nicht zu Hause sei, eine Uhr, eine Brosche usw. abzugeben habe. Die Sachen seien repariert worden und zum Schluß ersucht der Schwindler seine Opfer, das Paket doch für den Mieter in Verwahrung zu nehmen und die Reparaturkosten aus- zulegen. Fast jedesmal fällt der Betreffende auch auf das Betrugs- manöver hinein. Oeffnet er dann später das Paket, so findet er darin wertloses Holz und Steine. Vor dem Gauner, der äußerst sicher auftritt, mag dringend gewarnt sein. Eine Bandalentat in der Berliner Kunstausstellung. Ein bisher nicht ermittelter Bube hat am hellen Tage in der Kunsb ausstellung am Lehrter Bahnhof das von Hans Hermann Günter gemalte Porträt des Geheimrats Prof. Slaby in schändlichster Weise beschädigt. Mit einem scharfen Messer hat er das rechte Auge des porträtierten Gelehrten zerstochen. Das vielbeachtete Bild cht dadurch vernichtet. Es hing in dem im östlichen Flügel belegenen .Saal 23 und trug die Katalognummer 1173. Der Täter wählte zur Ausführung der Tat die Zeit um 1 Uhr mittags, in der die Besucherzahl sehr klein zu sein pflegt. Der Saal 23 hat von zwei Seiten Eingänge und wird von einem Aufseher bewacht, der noch zwei Nebensäle zu beobachten hat. Er hat aber von dem Vorgange nichts bemerkt. Die Tat muß das Werk eines Augenblicks ge Wesen sein. Fcucrwchrvericht. In der letzten Nacht um 4 Uhr kam in der Frank furter Allee 130 durch Selbstentzündung von Preßkohlen Feuer aus. Der Brand konnte auf den Keller beschränkt werden. Gestern früh brannten Fqlckensteinstr. 27 Gardinen u. a. Auch in der Kochhann straße 26 mußte ein Gardinenbrand gelöscht werden. Im Quer gebäude Michaelkirchstr. 23a. war die Verschalung der Dachrinne in Brand geraten und in der Sebastianstr. 41 HI der Fußboden u. a. Wegen Schornsteinbränden usw. wurde die Wehr nach der Denne� witzstraße 35, Friedrichsfelderstraße 26 und anderen Stellen gerufen. Papier wurde in der Schönhauser Allee 146 ein Raub der Flammen. In der Zimmerstr. 28 drohte ein Gesims einzustürzen. Klempner waren dort mit Arbeiten beschäftigt, weshalb die Wehr gleich wieder abrückte. Eine unmittelbare Gefahr lag nicht vor. geraubt. Di Vorort- JVacbncbtem Rixdorf. Eine allgemeine Armenpflcgekonferenz, an der die Mitglieder der Armendcputation, die Armenärzte, die Bezirksvorsteher, die Ärincnkommissions-Mitglieder und die Waisenräte teilnahmen, tagt kürzlich im Rathause. Der Dezernent der Armenvcrwaltung, Stadt- rat Seydel, führte den Vorsitz und referierte über verschiedene Fragen aus der Praxis Die ganzen Verhandlungen atmen einen Geist, der die in der Rixdorfer Armenpflege vorherrschenden rück- ständigen Auffassungen, beleuchtete. So regte man sich nicht wenig darüber auf, daß Leute bei Todesfällen wohl eine Freistelle auf dem Friedhofe beantragen, auf die Lieferung eines Armensargcs aber verzichten, um selbst einen besseren Sarg zu besorgen. Der Herr Stadtrat instruierte die Versammelten dahin, daß dies nicht zulässig, ja aus ethischen Gründen sogar verwerflich sei: wer keinen Armensarg will, soll auch keine Freistelle haben. Es wäre ja auch fürchterlich, wenn nicht auch das Begräbnis eines Ortsarmen in jeder Hinsicht erkennen ließe, daß dieser durch unsere göttliche Welt ordnung gezwungen war, die„Wohltätigkeit" der bürgerlichen Ge kellschaft über sich ergehen zu lassen. Was es für den Besitzlosen mit der Freizügigkeit auf sich hat. ging aus dem Hinweis des Vor- sitzenden hervor, bei aus anderen Gemeinden Zuziehenden ja recht vorsichtig zu sein und genau zu prüfen, ob diese nicht dereinst den Ärnienetat Rixdorfs belasten könnten,' in solchen Fällen solle die Abschiebung in die Heimatgemcinde veranlaßt werden. Auf die Frage eines unserer Genossen, ob man auch den galizischen und polnischen Arbeitern gegenüber, welche vom Eisenbahnfiskus beim hiesigen Bahnbau und auch sonst von Rixdorfer Unternehmern in großer Zahl beschäftigt werden, so rigoros vorgehe, wurde die be zeichnende Antivort erteilt, daß diese Leute sehr bedürfnislos seien und von ihrem Verdienst noch sparen; hier liege also für die Armen Verwaltung keine Gefahr vor. Auch die aus Berlin hier zuziehenden Armen will man mehr unter die Lupe nehmen. Die Berliner Armenverwaltung zahlt nämlich wesentlich höhere Pflegesätze und um— wie man sagte— die Begehrlichkeit der Rixdorfer Armen nicht anzureizen, sollen die Berliner Almosenempfänger auf die niedrigen, absolut unzureichenden Rixdorfer Sätze hcrabgeschraubt werden; das Gegenteil sei„falsche Humanität". Dabei zahlt Berlin die höheren Beträge anstandslos der Rixdorfer Verwaltung zurück, so daß die vorstehend charakterisierte Knauserei ganz un- verständlich wird.— Den Kardinalpunkt der Beratungen bildete die Einführung von Frauen als Pflegerinnen in die Armcnver- waltung. Ueber die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit der weib- lichen Hülfe auf diesem Gebiete dürften unter geistig vor- geschrittenen klarblickenden Menschen wohl Meinungsvcrschieden- Helten nicht mehr bestehen. Die einleitenden und befürwortenden Ausführungen des Stadtrats Seydel entsprachen auch der modernen Auffasfung und wiesen im übrigen an Beispielen aus Berlin und Frankfurt a. M. treffend nach, wie vorzüglich sich die Frauen in diesen kommunalen Ämtern bewährt haben. Anders die Rixdorfer Armenvorstehcr! Gewiß kam auch manche verständige Ansicht zum Ausdruck, aber im großen und ganzen zeigten sich die Herren von höheren Gesichtspunkten durchaus nicht angekränkelt. So zog einer der Redner für die Fernhaltung der Frauen das Wort heran: Er soll dein Herr sein! und bezeichnete das Streben nach Heranziehung weiblicher Hülfe als„Modekrankheit". Ein anderer hielt es für unmöglich, daß eine Frau über sexuelle Dinge ihren männlichen Kollegen gegenüber berichten könne; es ginge nicht an, mit einer Frau beispielsweise von Konkubinaten zu sprechen. Ja, dieser Herr versicherte, daß bei einem bereits unternommenen Versuch die männlichen Mitglieder der betreffenden Kommission befangen waren und sehr verschämt— wirklich und wahrhaftig verschämt taten. Die Frauen vor den Insulten der„unverschämten" und „ausvcrschämten" Armen— neben denen es ja auch einige ver- schämte gebe— zu bewahren, war der Grund zur Ablehnung seitens eines weiteren Armenpflegers, von dessen„Liebcs"tätigkeit man sich nach diesem Ausspruch einen Vers machen kann. Und so ging es weiter mit Grazie in Beibringung von Beweisen für den re- aktionären Geist spießbürgerlicher Wohlfahrtspflege, bis schließlich ein besonders genialer Herr Armenvorsteber das ungeheuerliche Ende der geplanten Neuerung entdeckte: die bisherigen Armen- Pfleger wolle man nur durch die Frauen verdrängen, welche letztere schließlich dann um so leichter unter die Botmäßigkeit der Männer von der Sozialdemokratie gebracht würden. Schrecklich! Wie mag sich wohl im Kopfe dieses geängsteten Mannes der Betätigungs- drang der politisch aufgeklärten Arbeiterschaft malen? Jedenfalls hat diese Konferenz wieder einmal gezeigt, wieviel Unkenntnis und beispiellose Rückständigkeit selbst in Großstädten noch im kommu- nalen Leben-ihr Wesen treibt. Diese Tatsache dürfte auch dazu beitragen, daß der fast einstimmige Beschluß der Armendeputation auf Einführung von weiblichen Armenpflegerinnen noch lgnge auf Durchführung warten kann, wenn nicht den Armenkommissionen nachdrücklich die Befolgung dieses Beschlusses der obersten städtischen Armenbehörde nahegelegt wird. Eine große Anziehungskraft üben anscheinend die Schaukästen des Konfektionsgeschäftes von Loewy, Bergstrahe 52/53, auf die Einbrecher aus. In kurzer Zeit wurden die Kästen dreimal hinter- einander von Schaukastenmardern erbrochen und vollständig aus- Verantwortlicher Redakteur: KanS Weber, Berlin. Auch in der gestrigen Nacht war dies wieder der Fall. iesmal erbeuteten die Täter Kleidungsstücke im Werte von 150 M Chnrlotteubnrg. In der Mitgliederversammlung des Wahlvereins am Dienstag abend, die von etwa 350 Genossen besucht war, machte der Vor- sitzende Genosse Z i e t s ch zunächst Mitteilung von dem plötzlichen Tode des Genossen H e n s ch k e, dessen Andenken die Versammelten durch Erheben von den Plätzen ehrten. Des weiteren teilte der Vorsitzende mit, daß der bisherige Stadtverordnete Genosse Dr. Z e p l e r sein Mandat niedergelegt und seinen Austritt aus dem Wahlverein und der Partei angezeigt habe.— Zu der General Versammlung des Kreises wurden die Genossen F e l s m a n n Wilk und Bredtsch neider delegiert.— Sodann erstattete der Kassierer Genosse Müller den Kassenbericht.— Es folgte die Auf nähme von etwa 100 neuen Mitgliedern. Nunmehr erhielt Genosse Dr. Borchardt das Wort zu einem Referat über„die letzten Vorgänge in der Stadtverorducten-Ver- sammlung". Der Redner schilderte das unsoziale Verhalten des Magistrats und der Mehrheit der Stadtverordneten in einer Reihe von Fällen und ging dann auf die Verhandlungen anläßlich der Streitigkeiten der Miillverwertungsgesellschaft mit ihren Kutschern ein. Die Gesellschaft ist vertraglich verpflichtet, Streitigkeiten, die zum Streik zu führen drohen, vor dein Gewerbegericht als Einigungsamt zum Austrag zu bringen. Statt dessen hat sie die Streitigkeiten durch eine Aussperrung zu erledigen gesucht. Da der Magistrat sie hierin unterstützte, gelang es ihr, genügend Arbeits- willige zu finden. Anstatt den Vertrag zur Durchführung zu bringen. haben der Magistrat und die Mehrheit der Stadtverordneten den Vertragsbruch der Gesellschaft gutgeheißen. Natürlich wurde dies Verhalten in der Stadtverordnetenversammlung von unseren Ge- nossen ins rechte Licht gerückt. In der Diskussion wies Genosse Zietsch auf den inneren Zu- sammenhang zwischen dem Verhalten der bürgerlichen Parteien und den allgemeinen Zuständen hin und betonte die Notwendigkeit starker öffentlicher Betätigung seitens der Arbeiter. Genosse Gebert ging auf einen Artikel der Charlottenburger Zeitung„Neue Zeit" ein, worin die Verurteilung des Müllkutschers Pauleit wegen Beschimpfung Arbeitswilliger zu einer Woche Ge fängnis mitgeteilt wird. Aus dem Inhalt des Berichts von der Gerichtsverhandlung hatte bereits Genosse Borchardt nachgewiesen, daß es sich nur um einen sehr gelinde zu beurteilenden Fall handeln könne, da eine starke Erregung gegenüber dem ehrlosen Verhalten Arbeitswilliger erklärlich und berechtigt sei. Genosse Gebert teilte nun weiter mit, daß der Organisation der Transportarbeiter ein Kutscher namens Pauleit nicht bekannt sei, und daß nach seinen Erkundigungen ein solcher an der Aussperrung der Miillverwertungsgesellschaft nicht beteiligt gewesen sei. Die„Neue Zeit" wird das natürlich nicht hindern, auch in Zukunft jeden Exzeß zn einem Akt von sozialdemokratischem Terrorismus zu stempeln. Das Blatt nennt sich„liberal", und fühlt ein starkes Bedürfnis nach innigster Paarung mit dem Reichslügenverband. Die Versammlung nahm einstimmig folgende Resolutton an: „Nach eingehenden Erörterungen über die Stellung des Magistrats zu der Interpellation der sozialdemokratischen Stadt verordneten betreffend die Aussperrung der Müllabfuhrleute kommt die heutige Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Wahl Vereins Charlottenburgs zu dem Schluß, daß die arbeiterfeindliche, allem Anscheine nach auch von falschen Berichten herzuleitende Haltung des Oberbürgermeisters und der bürgerlichen Stadt' verordnetenmehrheit zurückzuführen ist auf das geringe Verständnis, tvelches Bürgermeister und bürgerliche Stadtverordneten für das Leben, die berechttgten Wünsche und zugesicherten Rechte der Arbeiter besitzen. Die zielbewußt vorwärts strebende Arbeiterschaft Charlotten burgs wird darum umsomehr darauf bedacht sein, durch eigene Kraft zu erlangen, was ihnen das mangelnde soziale Verständnis der Besitzenden und Herrschenden in der Gemeinde vorenthält." Zum Polizeipräsidenten von Charlottcnburg ist der Landrat des Landkreises Wiesbaden von Hertzberg ernannt worden. Schmargendorf. Ein gräßlicher Unglücksfall ereignete sich Donnerstag mittag an der Breiten- und Cunostraßenecke. Der Kutscher eines dort vorüber fahrenoen Zementwagens stürzte so unglücklich von seinem Wagen daß ihm die Räder desselben einen Arn, und ein Bein fast voll- ständig vom Rumpfe trennten. Nach Anlegung eines Notverbandes durch einen in der Nähe wohnenden Arzt wurde er in hoffnungs losem Zustande nach dem Kreiskrankenhause in Lichterfelde gebracht. I» einer Schonung im Grunewald am Dienstag aufgefunden und am Donnerstag auf dem Friedhose in Schmargendorf beerdigt lvurde die Leiche des vor etwa einer Woche verschwundenen fünfzehn jährigen Sohnes des Malermeisters Möhrstedt auS Schmargendorf. Er hätte sich aus Gram über den vor einigen Monaten erfolgten Tod seiner Mutter mit Lysol vergiftet.' Adlershof. Was durch die Verfügung des verstorbenen Ministers v. Hammer stein innerhalb der schwarz-weißen Grenzpfähle als Rechtsnorm gilt nach der es auch den Frauen gestattet ist, an Versammlungen politischer Vereine teilzunehmen— hatte für Adlershof bisher keine Geltung. Jetzt nun scheint der Wind umgeschlagen zu sein und man gewinnt den Eindruck, als wollte der Geist des seligen Herrn v. Oppen sich endgültig zur Ruhe begeben. Jedenfalls konnte eine am Montag bei Kaul einberufene Mitgliederversammlung des hiesigen sozialdemokratischen Wahlvereins, an der auch Frauen teilnahmen und in der Genosse Hildebrand über den„Nutzen der Konsumvereine" sprach, ungestört tagen I' Redner schilderte die Entstehung und Entwicke- lung der Konsumbewegung und weist auf die wachsende Bedeutung der- selben als Mittel zur Hebung der wirtschaftlichen Lage der Arbeiterklasse hin. Auch im wirtschaftlichen Kampf kann eine gut fundierte Konsum- genossenschaft ihren kämpfenden Mitgliedern sehr gut einen materiellen Rückhalt gewähren durch unentgeltliche Verteilung von Lebensnütteln und somit zum Kampfmittel im wahrsten Sinne des Wortes werden. Redner schließt seine Ausführungen mit einem Appell an die Anwesenden, sich nicht allein politisch und gewerkschaftlich, sondern auch für die Sache der Konsumgenossenschaften zu betätigen. Ge- nosse Wüstemann weist auf den bevorstehenden Kampf im Bäcker- gelverbe hin und ermahnt die Anwesenden, die Sache der streikenden Gesellen voll und ganz zu der ihren zu machen. Zum Schluß wurde auf das am 14. Juli in Nieder-Schöneweide(Hasselwerder) staltfindende Kreisfest hingewiesen. Zeuthen. Ein„nobler" Arbeitgeber Atd Gastwirt scheint der als Saal- Verweigerer bekannte Restauratcur Waldemar Rastaedt („Zeuthen See") zu sein. Der Herr wurde der hiesigen Ar- beiterschaft erstmalig bekannt, als er auf das Verlangen, seinen Saal zu einer Versammlung zur Verfügung zu stellen, die Ant- wort gab:«Ich pfeife auf die Arbeiter und reflektiere nur auf die Haute vole!" Zu dem wird uns jetzt mitgeteilt, daß der Herr auch mit seinen Angestellten vor einigen Tagen nicht glimpflich verfahren sein soll. Der bei R. beschäftigte Kellner geriet wegen des freien Tages in Wortwechsel, der damit geendet haben soll, daß Herr R. den Kellner hinter verschlossenen Türen mißhandelte. Ter Kellner hat Anzeige erstattet und eine spätere Gerichtsverhandlung dürfte nähere Aufklärung über den Sach- verhalt bringen. Das„Tcltower Krcisblatt" nahm sich nach den Pfingstfeiertagen dieses Herrn an und lamentierte darüber, daß die Lokalkommission über sein Lokal die Sperre verhängt hat. Es -ordert zum Schluß alle Patrioten auf, dem Saalverwcigerer die gebührende Unterstützung zu Teil werden zu lassen. Nun, eine 'olche Aufforderung hätte das Blatt nicht nötig gehabt. Die Lokal- !ommission wendet sich in ihrer Aufforderung, das Rastacdtsche Lokal zu meiden, nicht an die Anhänger des„Teltower KrciSblatts", 'andern an die arbeiterfreundliche Bevölkerung. Diese wird dafür 'argen, daß der„noble" Herr mit der Arbeiterschaft rechnen muß. Sozialdemokratischer Lese- und DiSkutierklub„Hasenclever". ___ Heute abend bei Korss, Äisabethkirchstr. IS: Sitzung._ Für den gnseratenteil vermtw.: Td. Glscke, Verlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Luchdruckeret u. Verlagsansialt Paul Smger& Co.. Berti» SW Pankow. Ein umfangreicher Dachstuhlbrand kam gestern mittag in der W o llan ckstr. 31, Ecke der Gottschalkstraße, zu Pankow aus. Auch die Berliner Feuerwehr eilte mit mehreren Löschzügen nach der entfernten Brandstelle. Im Verein mit der Ortswehr wurde dann mit vier Schlauchleitungen von verschiedenen Seiten aus vor- gegangen. Trotzdem dauerte es fast eine Stunde, bevor die Gefahr beseitigt war. Der Dachstahl ist vernichtet. Ueber die Entstehungs- Ursache des Feuers konnte noch nichts ermittelt werden. Die Orts- feuerivehr hatte noch bis in die dritte Nachmittagsstunde hinein mit den Aufräumungsarbeiten zu tun. Neinickendorf. Der Verkauf des Zentralschützenhauses soll sich nach einer Mt- teilung nicht bewahrheiten. Hingegen soll das Grundstück parzelliert und verkauft werden. Für den Fall, daß die Schießstände eingehen, ist bereits die Erbauung eines neuen Schützenhauses am Hermsdorfer Weg in Tegel beabsichtigt. Tegel. Der Etat der Gemeinde Tegel liegt vom 18. bis 31. d. Mts. zur Einsicht der Gemeindeangehörigen aus. Das schnelle Wachstum der Gemeinde zeigt sich in fast allen Abteilungen des Gemeinde- Haushalts. Das kleine Dorf Tegel, das noch vor wenigen Jahren kaum eine halbe Million Etat kannte, rechnet jetzt mit einem Etat von rund il/n Millionen in ordentlicher und außerordentlicher Ver- waltung. Der Etat der ordentlichen Verwaltimg schließt mit 750 000 M. in Einnahme und Ausgabe ab, das sind 125 754 M. mehr als im Vorjahre. Die Ueber- bezw. Zuschüsse balanzieren mit 463 534 M.. das sind 99 541 M. mehr als im Jahre 1906. Die einzelnen Abteilungen zeigen folgende Zahlen. I. Allgemeine Verwaltung: Einnahmen; 40 980 M.(38 253 M. im Vorjahre), Ausgaben: 290 200 M.(215 670 M.) Der Zuschuß beträgt 249 220 M., das sind 71 302,78 M. mehr. Von den Aus- gaben entfallen 94 421 M. auf die Gehälter. 23 265,83 M. mehr als im Vorjahre. Neu ist eine erste Rate vou 3000 M. zur Begründung einer Gemeinde-Witwen- und Waisenversorgung. Die Polizeikosten sind von 16 000 M. auf 20 000 M. gestiegen. Für die Schulsozietät zur Volksschule sind 139 930 M. zu zahlen. DaS sind 45 530 M. mehr als in» Vorjahre. II. Vermögens- und Schuldenverwaltung 45 245,67 M.(44 099,37) Einnahmen, 104 866,74 M.(83 697,49) Ausgaben. Der Zuschuß be- trägt 59 621,17 M.. das sind 20023.55 M. mehr. In der Abteilung erscheinen neu nur die im Laufe des Jahres aufgenommenen Anleihen. III. Grundbesitz: Einnahmen 23 700 M.(12 610), Ausgaben 6 601.72' M.(3 812.16), Ueberschuß 18 093.28 M.. mehr 9 400,44 M. IV. Gemeindeabgaben: Einnahmen 475 500 M.<392 400), Aus- gaben 48 100 M.(52 450). Ueberschuß 427 400 M., mehr 87 450 M. Die Zuschläge zur Staatssteuer bringen 35 000 M. mehr. Die Grund- ivertstcuer bringt 22 000 M. mehr, statt 133 000 M. 155 000 M. In einer Randbemerkung ist festgestellt, daß der Grundstückswert in Tegel zurzeit 77 500 000 M. beträgt. Im Jahre 1902 wurde er nur mit 27 700 000 M. berechnet. Die Gewerbesteuer soll 10 700 M. mehr bringen, nämlich 37 900 M. statt 27 200 M. Die Umsatzsteuer hat im letzten Jahre das„Soll" nicht erreicht. Sie brachte statt 60 000 M. nur 40 000 M. Die Wertzuwachssteuer erscheint zum ersten Male. Sie ist mit 30 000 M. angesetzt. Die Hundesteuer wird statt 3000 M. im laufenden Etatjahre 5000 M. bringe«. 4700 M. weniger ist die Kreissteuer geworden. Statt 52000 M. werden nur 47 300 M. zu zahlen sein. Der Rückgang ist nur ein augenblicklicher, bedingt durch die neue Berechnung, die statt deS laufenden Jahres das verflossene berllcksichttgt. V. Armen- und Waifenverwaltung: Einnahmen 6720 M. (5620 M.), Ausgaben 16 789 M.<15 337,80 M.. Zuschuß 10069,36 M.. weniger 148,44 M. Von auswärtigen Armenveroänden sollen 2000 M. eingeben. VI. Gemeindeschulwesen, a) Realschule. Einnahmen(Schulgeld) 20 000 M.. mehr 5985 M. Ausgaben 59 000 M., mehr 15 700 SR Zuschuß 39 000 M.. mehr 9700 M. Augenblicklich besuchen 150 Schüler die Realschule, 75 die Vorschule. Die Gehälter der Lehrer sind von 31 062,60 M. ans 40 050 M. gestiegen. 1000 M. sollen für Neueinrichtungen eines chemischen Laboratoriums ausgegeben werden. b) Höhere Mädchenschule: Einnahmen 10 650 M., mehr 3800 M.; Ausgaben 17 150 M., mehr 5550 M.; Zuschuß 6500 M.. mehr 1750 M. Zurzeit sind es 140 Schülerinnen. DaS Schulgeld bringt 3800 M. mehr, nämlich 10 640 M.; für Gehälter werden 11937,50 M. gezahlt. o> Kleinkinderschule: Einnahmen 910 M., mehr 200 M.; Ausgabe ,3680 M., mehr 2330 M.; Zuschuß 2770 M.. mehr 2130 M. d) Fortbildungsschule: Einnahmen 2761 M., mehr 791 M.; Ausgaben 7061 M., »lehr 2161 M.; Zuschuß 4300 M., mehr 1370 M. Der StaatSzuschuß ist um 759 M. erhöht worden, es werden jetzt 2689 M. gezahlt werden. Auf jedes Kind verteilt entstehen pro Kopf folgende Kosten: Volksschule.,.. Realschule.... Höhere Mädchenschule Kleinkinderschule.. Fortbildungsschule 1907 1906 95,28 M. 84.12 M. 173,33„ 207,05, 46,53„ 56,36, 39,57. 21,05, . 21,50. 15,33„ VH. Betriebseinrichtungen: a) Kanalisation: Einnahmen 38 850 Mark(35 350 M.), Ausgaben 63 192,70 M.(63 318,05 M.), Zuschuß 24 342,70 M., weniger 3620,35 M.; b) Wasserwerk: Einnahmen 58 600 M.(52 700 M). mehr 5900 M.. Ausgaben 40 563,70 M. (37354.50 SR), Ueberschuß 18 036,30 SR, mehr 2691,20 M. VIII. Straßen, Wege, öffentliche Anlagen und Einrichtungen. Einnahmen 18 588,72 M.(16 066,73 SR), Ausgaben 66 952,52 M. (57 472 SR), Zuschuß 48 363,40 M., mehr 6 958,53 M. IX. Insgemein. Einnahmen 7 494,71 M.(3 716,40 M), Aus- gaben 26 342,36 M.<28 783,33 M.). Zuschuß 19 347,55 M.. mehr 5 724.43 M. Es folgt dann der außerordentliche Etat, der mit 750000 M. balanziert, und die verschiedenen Einzeletats. Waidmannslust. Aus der Gemeindevertretung. Der neue besoldete Gemeinde- Vorsteher Herr Viktor Müller aus Rixdorf wird ein reichliches Stück Arbeit vorfinden. Die Kanalisationsfrage harrt noch der Lösung. Außer mit Hermsdorf sollen auch mit Wittenau Verhandlungen ge- pflogen werden. Mit der Gemeinde Tegel ist man ebenfalls, namentlich in der Wafferleitungsfrage, in Verbindung getreten. Die Einführung der Grundwert- und der Wertzuwachssteuer harrt eben- alls der Lösung. Ein Antrag unseres Genossen hierzu liegt vor. Die Etals'beratmig wurde in einer Sitzimg erledigt. Unser Genosse erklärte, daß er nicht in der Lage sei, über den Etat abzustimmen, wenn derselbe nicht wenigstens 8 Tage vorher schriftlich zugestellt wird. Dies wurde für den nächstjährigen Etat zugesichert. Die Gemeinde- emkommensteucr beträgt 120 Proz. Ein Antrag unseres Genossen, die Einkommen mit 400 M. und weniger steuerfrei zu lasse», wurde abgelehnt.— Bei Einführung des neuen Lehrers in Waidmannslust nannte der Pastor Mehner ans Wittenau die Ablehnung einer Eni- chädigung für die Verwalttmg einer kleinen Bibliothek gemein. Hierüber soll der Pastor aufgefordert werden, sich schriftlich zu äußern. Mit der Ablehnung dieser Entschädigung hat die Gemeindevertretung in vorsichtiger Wesse der Anstellung eines geprüften Oberlehrers vor- gearbeitet.— Für Neuanschaffung von Büchern sind 15 M. der Bibliothekkommsssion bewilligt. Slußerdem ist die Neuanschaffung von Turngeräten bewilligt. Bernau. Dem letzten WahlvcrrinSbcricht ist hinzuzufügen, daß das Mit- glied Tischler Lubonierski aus dem Wahlvcrein ausgeschlossen st. Außerdem finden die Zahlabende nicht jeden zweiten Mittwoch, ondcrn jeden zweiten Donnerstag im Monat statt.