Nr. 136. fi Sonntments-Bedlngungen: OTomtemcutä- Prcis DtilnutnctanSo: SictlcljäfirL 3,30 Mt., monatl. 1,10 Mk,. wöchentlich 28 Psg, frei in? Hau?. einzelne Nummer 5 Vfg, Sonntag?» Nummer mit illustrierter Sonntag?» Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg, Post» «lbanneiuenl: 1,10 Marl»ro Monat, Eingetragen in die Post. Zeitung?» Preisliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für da? übrige Nu?Iand 3 Marl pro Monat, Postabounement? nehme» an: Belgien. Dünemar», Holland. Italien, Luxemburg Portugal. Aumüuicn, Schweden und die Schweiz. «»«>1» ttgiild Ml!« mtatiti. ys?' V. Berliner Bolksblnkt. 34. Jahrg. Die InTerDonS'GebQlir üelrögt für die sechsgespaltene Kolonel» »eile oder deren Raum 50 Pjg,, für politische und gewerkschaftlichc Vereins- und Vcriamniluiig?. Anzeigen 30 Pfg. „Uleine ZZnrclgen", da? erste lsett- gedruckte) Wort 20 Psg„ jede? weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf- slcllcn-tlnzcigcn da? erste Wort 10 Psg,, jede? weitere Wort 5 Psg, Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die uächsle Nummer müssen bis ä Uhr nachmittag? in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bi? 7 Uhr abend? geöffnet. Telegramm» Adrcffe: ,,ZKUIilelti»Iil»l Berti»". Zcntralorgfan der rozialdemokratifchcn Partei Deutfchlands. RcdaUtiojv. 8M. 68, Lindcnstraaae 69. Z7eriisppcrlier: Nmt IV. Nr. 1983. Sonntag, den 2. Juni 1967. Expedition: SM. 68, t-indenstrasse 69. Fernsvrrclier: Slint IV. Nr. 1984. I itik stkikkliitkil Ailiklzkstllkii gcgkli Kit MiHlH des firMpiiilmlts! Keine„Sklaven"! Ein militärischer Mitarbeiter schreibt uns: Die Offiziere haben, wenigstens so lange sie nicht abgesägt sind, einen ungeheuren Zorn auf die Sozialdemokratie. Der Grund dieses, den damit Beehrten allerdings sehr gleich- gültigen Gefühls, ist bekannt: Die Sozialdemokratie schont auch Offiziere nicht, wenn sie Ungehörigkeiten und Fehler in der Armee entdeckt. Wie herrlich war es dagegen früher! Da war die preußische Armee für die preußische Presse heilig und unverletzlich. Nur der selige Eugen Richter ließ manch- mal ein leises Oppositionsgesäusel los, das sich aber meist auch nur gegen militärische Budgetforderungen richtete. Jetzt aber nörgeln die Zeitungen der„vaterlandslosen Gesellen" täglich am Heere herum; selbst der Parademarsch wird von ihnen nicht respektiert I Ja sogar Offiziere, die Unter- gebene mißhandelt haben, nennen sie frech beim Namen und machen unehrerbietige Bemerkungen dazu. Kein Wunder, daß auch der preußische Kriegsminister im Laufe der Zeit sehr erbost geworden ist und im Reichstag gegen die Sozialdcmo- kratie gräßlich wütet. Am 26. April 1907 ist er ganz be- sonders in Hitze geraten, wozu ihn vielleicht auch das Bewußtsein angespornt hat, daß die jetzige Reichstagsmajorität eine Hurramehrheit vorstellt, wie sie so bald nicht mehr zusammenkommt. Besonders unangenehm empfindet es Se. Exzellenz, daß die Sozialdemokratie die entwürdigende Stellung, die das preußisch-deutsche Armeesystem dem sogen, gemeinen Soldaten zuweist, ungeschminkt kennzeichnet. Mit Entrüstung warf er der Sozialdemokratie vor, daß sie den Glauben erwecken wolle, der gemeine Soldat sei in der deutschen Armee„ein S k l a v e." Die Entrüstung ist häufig ein sehr schöner psychologischer Prozeß, aber sie beweist gar nichts. Wir aber wollen auf Grund unumstößlicher Tatsachen darlegen, daß das preußisch-deutsche Militärsystem den gemeinen Soldaten tat- sächlich in eine Lage versetzt, von der man mit Rück- ficht auf die Anschauungen, die jetzt über die Rechte des Menschen gang und gäbe sind, ge- trost behaupten kann, daß sie nicht diejenige eines Freien ist. Da besteht z. B, die Vorschrift, daß der Untergebene sich über eine disziplinar verhängte Strafe erst dann be schweren darf, wenn er sie verbüßt hat. Hier ist zu bedenken, daß der Gemeine auf disziplinarem Wege bis zu drei Wochen in den mittleren Arrest und bis zu 14 Tagen in den strengen Arrest gesperrt werden kann. Im mittleren Arrest erhält er als Nahrung Wasser und Brot und eine sogen. Holzpritsche als Lager. Nur am 4., 8., 12, und von da ab jeden 3. Tag werden ihm Bett und warme Kost gewährt. Im strengen Arrest wird er ebenso behandelt wie im mittleren Arrest. Als Verschärfung tritt die Verdunkelung der Zelle hinzu. Auf Bett und warme Kost hat er am 4., 8. und von da an jeden 3. Tag Anspruch. Und solche mittelalterlichen Strafen können am deutschen Soldaten kurzer Hand vollstreckt werden, ohne daß er die Entscheidung einer höheren Instanz, ob die Strafe gerechtfertigt war, anrufen darf! Er muß einfach ins Loch, auch wenn das Unrecht, das ihm geschieht, auf flacher Hand liegt! Erst wenn er Tage, ja Wochen unschuldig eingesperrt war und dabei hungern mußte, daß ihm die Rippen krachten, kann er sich be- scheinigen lassen, daß er eine solche Behandlung nicht verdient hat. Einen Menschen unter allen Umständen bestrafen zu lassen, auch wenn die Ungerechtigkeit der Strafe mit Leichtig- keit nachzuweisen wäre. entspricht tatsächlich nicht dem modernen Freiheitsbegriff. Daran ändern die„schneidigsten" Reden des Kriegsministers nichts. Es wäre töricht, zu leugnen, daß es auch humane Offiziere gibt, die von ihrer Strafgewalt nur einen sehr mäßigen Ge- brauch machen. Aber damit wird das preußisch-deutsche Militärsystem nicht im geringsten entschuldigt. Wenn ein Staat sein Heer durch die allgemeine Wehrpflicht rekrutiert. wenn er also die tauglichen jungen Männer zum Militärdienst zwingt, so hat er die verdammte Pflicht und Schuldigkeit. die Ausgehobenen auch gegen inhumane Vorgesetzte zu schützen. Diese Forderung erfüllt die Disziplinarstraf- Ordnung in keiner Weise; im Gegenteil liefert sie mit ihrer jedem Gerechtigkeitsgefühl höhn- sprechenden Bestimmung, daß der auf diszi- plinarcm Wege bestrafte Untergebene sich erst nach Abbüßung der Strafe beschweren darf, die Unter- gebenen rohen und mehr oder weniger geffteskranken Vor- gesetzten wehrlos aus. Man denke sich einmal eine solche Disziplinarstrafgewalt in den Händen des erschossenen Ritt- meisters v. K r o s i g k I Wir haben selbst einmal einen Hauptmann, der ein hochgradiger Morphinist war,-die Disziplinarstrafgewalt in seiner Weise handhaben sehen. Bei jedem Kompagnieexerziercn diktierte er fünf bis sechs Mann je drei Tage mittleren Arrest. Glücklicherweise hatte der Kompagniechef infolge seiner Morphiumsucht das Gedächtnis nahezu vollkommen verloren, und daher bemerkte er es nicht, daß der Feldivebel die Bestraften sehr häufig nicht in den Arrest abführen ließ. Aber nicht genug damit, daß die Disziplinarstrafordnung dem Soldaten eine geradezu jämmerliche Stellung zuweist, das Militär st rafgesetzbuch treibt es noch ärger. Schon der Umstand, daß es für den„Gemeinen" den strengen Arrest(D u n k c l a r r e st) vorsieht, ist eine Kulturwidrigkeit. Der Dunkelarrest paßt überhaupt nicht mehr in unsere Zeit. Das Einsperren in Gelasse, in die weder Sonne noch Mond scheint, ist eine wahrhaft mittelalterliche Tortur, deren sich ein modern sein wollender Staat schämen sollte. Wie hoch das Militärstrafgesetzbuch Gesundheit und Leben der Soldaten einschätzt, ergibt sich drastisch aus Z 123. Macht sich ein Vorgesetzter einer schiveren Körper- Verletzung, begangen an einem Untergebenen, schuldig, so kann er nach dem genannten Paragraphen in minder schweren Fällen mit einem halben Jahre Festniigshlift davonkommen. Ist der Untergebene infolge der Körper- Verletzung gestorben, so kann in minderschweren Fällen aus nur ein Jahr Festungshaft erkannt werden. Und wie gemütlich es in den Festungen, die zur Aufnahme von Ge- fangenen dienen, zugeht, weiß man ja. Wir erinnern nur an die lehrreiche Momentaufnahme, die vor einigen Jahren den Fähnrich Hüffener, der einen Einjährigfreiwilligen erstochen hatte, auf der Festung darstellte. Die Paragraphen 121 und 137 des Militärstrafgesetz- buches zeigen sogar, daß der militärische Strafkodex den Soldaten niedriger einschätzt als einen Dien st- gegenständ, z. B. ein Pferd, ein Gewehr usw. Es be- stir...nt nämlich der§ 121: Wer einen Untergebenen beleidigt oder einer vorschriftS- widrigen Behandlung desselben sich schuldig macht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren bestraft. Ist die Beleidigung eine verlenin- derische, so tritt Gefängnis bis zu fünf Jahren ein. der§ 137: Wer vorsätzlich oder rechtswidrig einen Dien st gegen st and beschädigt, zerstört oder preisgibt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren be- strast; in besonders schwe- ren Fällen kann zugleich auf Versetzung in die zweite Klasse deS Sol- baten st andes erkannt werden. Man sieht, daß für die Beleidigung und die vorschriftS widrige Behandlung eines Untergebenen die gleiche Frciheits strafe festgesetzt ist, wie für die Beschädigung usw. eines Dicnstgegenstandes. Für das letzte Rcat ist a u ß e r d e in eine Ehren st rase vorgesehen, für das erste, bei dem es sich nur um„Menschen" handelt, nicht. Wir können nicht umhin, hier an ein seinerzeit vielgenanntes Urteil zu erinnern. Ein Mann des preußischen Husarenregiments Nr. 10 stieß ein Pferd, das sich gewohnheitsmäßig abhalfterte, mit der Lanze in die Seite. Das Tier wurde wieder dienst- brauchbar. Der Husar wurde in erster Instanz zu einem Jahr Gefängnis und Versetzung in die zw eite Klasse des Soldaten st andes verurteilt. >)N zweiter Instanz wurde auf 6 Monate Gefängnis erkannt. Wenn ein Soldatcnschinder mit 6 Monaten Gefängnis bestraft wird, muß er es sehr arg getrieben haben. Was nun den Schutz anbelangt, den das Militärstrafgcsetz buch denVorgesetzten gegen Tätlichkeiten von Unter gebenen gewährt, so kann ein Sklavenvogt auch nicht viel schärfer behütet werden. Im Felde steht auf tätliches Vergreifen an einem Vorgesetzten im allgemeinen die Todes- strafe; in minder schweren Fällen ist eine Freiheitsstrafe von nicht unter zehn Jahren oder von lebens- länglicher Dauer vorgesehen. Im Frieden variiert die Bestrafung des Reates zwischen Freiheitsstrafen von einem halben Jahre und 15 Jahren. Leider verbietet der zur Ver- fügung stehende Raum die wörtliche Wiedergabe der ein- schlägigen Paragraphen, obwohl sie sehr lehrreich wäre. Aber den letzten Absatz des§ 98 wollen wir genau zitieren, weil er einen tiefen Einblick in die geschilderten Verhältnisse ge- währt. Dieser Paragraph handelt von den Fällen, in denen der Untergebene von Vorgesetzten schwer gereizt wurde und sich daher auf der Stelle zu einer Tätlichkeit hin- reißen ließ. Am Schlüsse ist hier zu lesen: „Stellt sich die Handlungsweise des Vorgesetzten als eine Mißhandlung oder sonst als herab- würdigende Behandlung des Untergebenen dar, so kann die Strafe, wo die Hälfte des Mindestbetrages mehr als sechs Monate beträgt, auf die Dauer von sechs Monaten ermäßigt werden; die Strafe darf nicht den dritten Teil des H ö ch st b e t r a g e s der an- gedrohten Strafe übersteigen." Der langen Rede kurzer Sinn lautet: Ein Untergebener muß auch dann mindestens sechs Monate ein- gesperrt werden, wenn er von einem Vorgesetzten miß- handelt und beschimpft wurde, ehe er ihn tätlich angriff. Auch wenn der Vorgesetzte den Soldaten anspeit, ihn ins Gesicht schlägt, mit Füßen tritt, darf der Untergebene ihn nicht nieder- schlagen. Täte er es dennoch, so würde er mit mindestens sechs Monaten Gefängnis bestraft. Am 6. April 1993 wurde ja vor dem Breslaner Kriegsgericht ein solcher Fall ver- handelt. Der Unteroffizier Bleul hat einen Musketier so ins Gesicht geschlagen, daß er blutete. Bei der Abwehr der Schläge hat der Mißhandelte seinen Peiniger mit der Hand gestoßen. Dafür wurde der Musketier zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Es sei hier auch an die Wirtshausstreitigkeiten zwischen Soldaten und Unteroffizieren erinnert. Da sucht z. B. ein Unteroffizier einem Soldaten ein Mädchen abspensfig zu machen. Zuletzt wird ein Streit daraus, an dem sich auch andere Soldaten beteiligen. Erhält der Unteroffizier auch nur ein Paar Püffe, so ist nach§ 196 des Militärstrafgesetzbuches die Meuterei fertig und die armen Soldaten, die sich an Seiner Majestät dem Herrn Unteroffizier vergriffen haben, müssen zu mindestens fünf Jahren Zuchthaus— wohlgemerkt Zuchthaus!— verurteilt werden. Da die Disziplinarstrafordnung und das Militärstrafgesetz die Stellung des deutschen Soldaten in der geschilderten Weise „regelt", nimmt die Sozialdemokratie sich auch ohne hohe kriegsministerielle Erlaubnis die Freiheit, daraus die Konsequenzen zu ziehen. Und wenn der Herr Kriegsminister sich darüber ärgert, so bleibt ihm nichts anderes übrig, als die genannten Vorschriften ändern zu lassen, So lange sie bestehen, wird an ihnen genörgelt. Darauf kann Se. Exzellenz sich verlassen. lhMche ilntrigei». Wie alljährlich in parlamentsloser Zeit hat auch jetzt wieder die„anständige" Presse einige politische Raritäten entdeckt, mit deren Betrachtung sie ihre Leser unterhält. Der eine dieser rechtzeitig eingetretenen„Vorfälle" ist der Besuch der englischen Journalisten und die bei dieser Gelegenheit von Gastgebern und Gästen gehaltenen verdauungssörder- lichen Tafelreden: der zweite besteht in dem Rücktritt des Grafen Kuno v. Moltke von seinem Posten als Kommandant von Berlin: einem welterschütternden Ereignis, dessen Ur- fachen auf allerlei Intrigen der Eulenburgischen„Tafel- runde" zurückgeführt werden. Der nicht nur durch seine eigenartige politische Geschicklichkeit, sondern noch mehr durch seine poetische Begabung bekannte ehemalige Wiener Bot- schafter Fürst Philipp Eulenburg und der ihn umgebende Kreis gleichgestimmter schöner Seelen, zu denen auch der Graf Kuno v. Moltke gehören soll, haben, wie gemeldet wird, den Kaiser zu beeinflussen und für allerlei seltsame, zum Wohl des deutschen Vaterlandes ersonnene Projekte zu ge- Winnen versucht. So habe man z. B. daran gearbeitet, den jetzigen Reichskanzler zu Fall zu bringen und an seine Stelle einen anderen zu setzen, der sich vornehmlich auf die innere Politik beschränken und sich speziell � dem Kampf gegen die Sozialdemokratie widmen sollte, während die auswärtige Politik dem Kaiser als Spezialressort verbleiben sollte,— unter dem sachkundigen Beistand der Herren Tschirschky und des Fürsten Philipp. Durch irgend einen Zufall aber sei dem Kaiser der Plan verraten worden und die Folge sei nicht die Entlassung des Fürsten Bülow, sondern der völlige Abbruch der alten Beziehungen zwischen dem Kaiser und dem Fürsten Eulenburg sowie der Rücktritt des Grdfen v. Moltke gewesen. Die bürgerlichen Blätter betrachten in erkünstelter Ein- falt diesen sogen. Becinflussungsversuch als eine in der preußischen Geschichte höchst seltene Erscheinung. Eine lächer- liche Fiktion I Politische Intrigen dieser Art sind eine un- vermeidliche Konsequenz jedes persönlichen Regiments. Wo der Eigenwille eines einzelnen entscheidet, wo sich also die Aussicht bietet, durch Beeinflussung dieses Willens sich Vorteile irgend welcher Art zu verschaffen, da wird stets die höfisch politische Intrige ihre Stätte finden. Je unabhängiger der Monarch in seinen Entschließungen vom Parlament und von der öffentlichen Meinung ist. desto mehr bemühen sich die machtlüsternen Hof- und Bcamtencliquen. ihn zu beein- flussen. Das lehrt die Geschichte aller Despotien— vielleicht ani besten die des Zarenreiches. Auch Preußens Hof- und Regierungsgeschichte liefert dafür genügende Beweise. Erinnert sei hier nur an die Nanien Wartenberg und Wöllner. Selbst die neueste Zeit bietet manche Beispiele. Gerade jetzt veröffenNicht die„Deutsche Revue" Auszüge aus dem Brief- Wechsel Rudolf v. Bennigsens, der die Tatsache bestätigt, daß die Berufung Bennigsens in das preußische Ministerium zu Anfang des Jahres 1878 nicht nur an den politischen Meinungsverschiedenheiten scheiterte, die zwischen Bismarck ind Bmnlgscn bestanden, sondern in erster Reihe an dem Liderspruch Wilhelms I.. der inzwischen von einer Hofclique n ihrem Sinne bearbeitet worden war. Nachdem am ■1. Dezember 1877 Bismarck Herrn von Bennigsen zur Be- Prechung nach Varzin eingeladen hatte, schrieb am 2. Januar »578 Graf Herbert Bismarck an Herrn v. Bennigsen folgen- Hn Brief: „Varzin. 2. Januar 1878, Geehrter Herr Präsident, Mein Vater ist leider kränker geworden, als er bei Ihrer Abreise war, und außerdem in Folge der Nothwendigkeit. Schlaf durch Opiat zu gewinnen, sehr angegriffen. Außer Stande es selbst zu thun, beauftragte er mich, Ihnen Nachstehendes mit- zutheilen. Geschäftliche Besprechungen zwischen dem Vorsitzenden des Landtages und einem Minister wären in allen Ländern, wo es -tandtage gibt, gewiß etwas sehr natürliches: Das SensationS. jedürfniß unserer Parteipresse fände aber darin, daß gerade Sie und mein Vater über Fragen, welche demnächst parlamenta- cisch zu verhandeln wären, einen vorbereitenden Gedanken» austausch gehabt hätten, die Unterlage zu den übertriebensten Sensationsartikeln. Das wäre an sich nach unseren Preß- Verhältnissen noch nicht auffällig und ohne praktische Bc- deutung; letztere gewinnen solche Artikel aber dadurch, daß persönliche und politische Gegner sich ein Ge- schüft daraus machen, sie zusammenzustellen und auf Grund des Gesamtbildes Seiner Majestät ihre Ueberzeugung auszusprechen, daß doch etwas Mahres an jenen Gerüchten sein mühte, als hätten Sie mit meinem Vater hier die Ministerposten nun ver- theilt— sie möchten vacant sein oder nicht— und als hätte mein Bater sich vorläufig mit Ihnen persönlich wegen Uebernahme des Ministeriums des Innern geeinigt, ohne dem Kaiser auch nur eine Andeutung darüber zugehen zu laßen. Diese tendenziösen Unwahrheiten haben in- zwischen objectiv schon in mehreren Blättern Widerspruch ge- funden, aber scheinbar ohne daß die berichtigenden Organe sich über die Tendenz jener Erfindungen klar waren. Gerade in der tendenziösen Berechnung auf die Empfind- lichkeit, mit welcher jede Mißachtung der Rechte der Krone Seine Majestät den Kaiser bekanntlich berührt, sind diese Lügen erfunden, zu- sammengcstellt und benutzt: man hofft damit theilS meinen Vater dem Kaiser als rücksichtslos darzustellen, theilS . bei Seiner Majestät Mißtrauen gegen die nationalliberale Partei und deren Führer zu erwecken. Nachdem meinem Vater über dieses Treiben authentksche Mittheilungen zugegangen sind, hält er eS für nothwendig, Sie, geehrter Herr Präsident, davon zu be- nachrichtigen, und namentlich hinzuzufügen, daß nach den vorliegenden zweifellosen Tatsachen insbesondere der Mini st er Graf Eulenburg in ge- schickt berechneter Weise persönlich dazu mitgewirkt hat, bei Seiner MajestSt die Sorge und Verstimmung zu wecken, welcher der Kaiser meinem Vater gegenüber Ausdruck gegeben hat. Die Thatsache, daß Graf Eulenburg auf der anderen Seite bei manchen Liberalen und Radicalen Zugang und günstige Beurtheilung durch die ihm zugeschriebene Stellung zur Frage der inneren Reform gewonnen hat, läßt meinem Vater die obige Mittheilung als nützlich erscheinen, damit auch in diesen Kreisen zur Vorsicht und Kritik etwaigen Annäherungsversuchen gegen- über in discreter Weise ermahnt werden könne. In der Presse wird man Vorstehendes einstweilen garnicht oder doch nur so weit berühren können, als die Person dev Kaisers außer Spiel bleibt, denn mein Vater hat für den ganzen Hergang einen durchaus classischen, aber doch nur den einen Zeugen, nämlich Seine Majestät den Kaiser Selbst und deßen Schreiben, und es kommt ihm für jetzt nur darauf an, diejenigen zu warnen, welchen Zumuthungen oder Mittheilungen gemacht werden pollten, die etwa direct aus Eulenburgscher Quelle st a m m t e n. Indem ich meines Vaters und meine Glückwünsche zum neuen Jahre freundlich aufzunehmen bitte, bin ich mit der vor- Zllglichsten Hochachtung Euerer Hochwohlgcboren gehorsamer Diener Graf Herbert Bismarck." Auf den Entwickelungsgang der Völker haben diese Hinter den Kulissen gesponnene Regierungsintrigen nur ge- ringen Einfluß: das Geschick der Völker wird von anderen Faktoren bestimmt. Aber zu der Art und Weise, wie in Preußen regiert wird, liefert der Brief eine neue Illustration. Er bestätigt die alte Erfahrung, daß stets das per- sönliche Regiment seine ErgänzllNg in der höfischen Intrige findet-.� Das Ilefe-Syndlkat gegen die Bädtergelellen. Im Kampfe, den die Bäckergesellen Groß-BerlinS um bessere Arbeitsbedingungen führen, hat das Unternehmertum einen Schlag geführt, dessen Abwehr alle Kraft der gesamten Arbeiterschaft erfordert. Das Syndikat der Hefefabrikanten ist tvn Bäckerinnungen beigesprungen— was die Meister aus eigener Kraft nicht vermögen, das soll die Macht vereinten Kapitals erzielen. Das Syndikat, die Unternehmervereinigung zu wirtschaftlichen Zwecken, dessen Ziel auf die Aus- beutung der Käufer gerichtet ist, verwandelt sich plötzlich in eine Kampforganisation gegen die Arbeiterschaft. Und die gewaltige Macht einer solchen Organisation der Kapitalisten tritt uns mit großer Deutlichkeit vors Auge. Die vereinigten Hefefabrikanten haben es in der Hand, durch einen Federstrich Hunderte von Bäckermeistern, Tausende von Bäckergesellen vors Nichts zu stellen, ihnen ein unentbehrliches Rohmaterial für den Betrieb ihres Gewerbes ohne weiteres zu entziehen. Sie Sitd Herren über Existenz und Nichtexistenz, wenn eS der rbeiterschaft nicht gelingt, ihren Anschlag abzuwehren I Das Kapital gegen die Arbeit I In furchtbarer Schärfe zeigt sich hier dieser große Gegensatz unserer Zeit. Aus unerträglichen. halb mittelalterlichen Zuständen drängen die Bäckergesellen empor. Zu den unfteiesten, aus- gebeutetsten Schichten der Arbeiterschaft zählen sie. Sie wollen loskommen aus Formen des Arbeitsverhältnisses, die in unsere Zeit hineinragen als Ueberbleibsel der Vergangenheit, die sie dreifach, als Arbeiter, als Staatsbürger, als Mensch bedrücken. Sie wollen heraus aus einer Abhängigkeit, die sie hindert, gleich ihren Klassengenossen anderer Berufe, sich als volle Bürger ihrer Zeit zu fühlen und zu betätigen. Mühselig, unter zahl- losen Opfern erwerben sie die Kraft zum Kampfe, sie brechen los, die Solidarität der Arbeiterschaft führt sie zu Erfolgen, dje Meisterschast weicht zurück- es mehrt sich vou Tag zu Tag die Schar der Meister, die die billigen Forderungen zugestehen— da saust das Fallbeil der Materialsperre hernieder! Die wankenden Jnnungsmeister haben ihre Verbündeten, das Großkapital, aufgerufen. Die Solidarität der Arbeiterfeinde bekundet sich. Die vordringenden Lohnsklaven sollen zurückgeworfen werden um jeden Preis. Der Gewalt der Masse, die den Streikenden zur Seite steht, wird die Macht des Kapitals entgegengestellt I Laut redet dies Schauspiel von der Macht der Organi- sation I Laut von der Notwendigkeit der Organisation I Lauter aber noch von der Macht des Kapitals und von der Verurteilung des Proletariers zu ewigem Sklavendasein, wenn es ihm nicht gelingt, dieser Macht eine ebenbürtige, eine größere entgegenzusetzen! Von der Notwendigkeit, den Klassenkampf mit aller Kraft zuführen, wenn die Arbeiterschaft nicht verelenden will unter dem Joch der übermütigen Kapitalisten! Alle Kraft der Arbeiterschaft muß aufgeboten werden, den Bäckergesellen zu Hülfe zu kommen. Der entschlossene Wider- stand einiger Tage kann die Schlacht entscheiden. Und wenig ist's, was die Bäckergesellen Berlins von der Arbeiterschaft fordern. Ein wenig Selbstüberwindung, der Verzicht auf eine Annehmlichkeit! Nicht das Brot wird uns fehlen— nur ein Gebäck. Wer sollte seinen Gaumen nicht zu einem Opfer zwingen können, wer sollte es nicht wollen, wo es sich um die Zukunft einer Arbeiterschicht handelt I Die Opferwilligkeit der Berliner Arbeiterschaft hat schweren Prüfungen stand gehalten— möge sie sich auch hier be- währen, wo es der Zurückweisung eines gefährlichen An- griffs gilt! Arbeiter und Arbeiterfrauen Berlins I Der Hefering will Eure Klassengenossen unters Joch der Väckerinnungen beugen. Laßt eS nicht zu— kommt ihnen zu Hülfe l Ueber die Situation wird uns des Näheren geschrieben: Bisher hat der Streik in Verbindung mit dem Boykott recht erfreuliche und befriedigende Erfolge für die streikenden Bäcker ge- habt. Der Widerstand der starrköpfigen Jnnungssührer gegen die gerechten Forderungen der Bäckergesellen war gebrochen. 723 Meister, die zusammen 1334 Gesellen beschäftigen, hatten nach den Senauen Feststellungen der Streikleitung bis Freitagabend die orderungen des Bäckerverbandes anerkannt. Auch im Laufe des gestrigen Tages sind noch zahlreiche neue Bewilligungen erfolgt, sodaß eS zurzeit wenigstens 30(1 Betriebe sind, in denen die Forde- rungen des Verbandes anerkannt werden und zu den neuen Bc- dingungen gearbeitet wird. Nur noch wenige Tage, und die dünkel- hasten Führer der Jnnungsmeister hätten allein gestanden, ver- lassen von ihrer Gefolgschaft, und der Streit wäre siegreich beendet gewesen. Jetzt tritt den Bäckerinnungen ein Bundesgenosse zur Seite, der zu einem wuchtigen Schlage ausholt, um die wirtschaftliche Existenz derjenigen Bäckermeister zu vernichten, die so einsichtig waren, in ihrem eigenen Interesse die Forderungen des Bäcker- Verbandes zu bewilligen. In der Nacht lwm Freitag zum Sonn- abend hat eine Versammlung der Hefe Händler beschlossen, dem Verlangen der Bäckermnungen zu entsprechen, welches dahin geht, daß denjenigen Bäckermeistern, die bewilligt haben, vom Sonnabend(gestern) ab keine Hefe mehr geliefert wird. Die Lei- tung des Bäckerverbandes hat diesen Schlag zu parieren gesucht, indem sie Schritte tat, um den von dem Hefesyndikat gesperrten Bäckermeistern H'efe zu liefern, und zwar durch Vermittelung der GroßeinkaufS-Genossenschaft. Die Hefesabrikanten und-Händler haben sich bei einer Konventionalstrafe von IN WMI SN. für jeden Einzelfall verpflichtet, auch denjenigen Teil ihrer Abnehmer, der nicht unter die Sperre fällt, kein Gramm Hefe üllkr seine» bis- hrrigen Bedarf zu liefern. Auch im Hausgeschäft soll für die Dauer des Boykotts keine Hefe abgegeben werden, ebensowenig an Mehl- Händler, Kaufleute und Niederlagen. Hierdurch ist es der Streikleitung unmöglich gemacht, die Bäckermeister mit Hefe zu versorgen. Die Sachlage ist nun die, daß es diesen Bäckermeistern nicht möglich ist, solche Ware herzu- stellen, zu der Hefe verwandt werden muß. In denjenigen Backe- reien, welche von der Hefesperre betroffen sind, kann also einstweilen nur Brot gebacken werden. Die Streikleitung wird versuchen, von ausländischen Fabrikanten Hefe zu erhalten. Bis das gelingt, wird darauf gerechnet, daß das Publikum, welches die Bäckergesellen bis- her in ihrem gerechten Kampf unterstützt hat, für wenige Tage auf den Genuß von Schrippen, Knüppel, Milchbrot usw. verzichtet und sich mit Brot begnügt. Wenn die Arbeiterschaft Berlins diesen durch die Lage des Kampfes bedingten Wunsch der Streikleitung erfüllt, kann dieser neue Schlag des verbündeten Unternehmertums pariert werden. Die Absichten der vereinten Scharfmacher gehen noch weiter. Sie wünschen, daß auch die Mehlhändler die Sperre über die Bäckermeister verhängen, welche bewilligt haben. Dieser Wunsch ist bis jetzt allerdings noch nicht erfüllt. Weiter hat sich eine Ver- smnmlung der Vorstände der JnnungLausschuß vereinigten Innungen Berlins unter Führung des bekannten Herrn Rahardt mit den Häuptlingen der Bäckerinnungen solidarisch erklärt. Die Versammelten beschlossen, den Gewerbetreibenden und Handwerkern zu empfehlen, nicht bei Bäckermeistern zu kaufen, welche die Forde- rungen bewilligt haben. Es soll also dem Boykott durch die organi- sierte Arbeiterschaft ein Boykott durch das Burgertum entgegengestellt werden. ES ist jedoch nicht anzunehmen, daß ein derartiger Boykott in einem wirkungversprechenden Umfange durch- geführt wird. Der Bericht, welcher über jene Versammlung ver- breitet wird, sagt zwar, daß die Versammelten 25 000 Gewerbetreibende und Handwerker vertraten, aber daß diese dem Bc- schluß ihrer angeblichen Vertreter Folge leisten, glaubt wohl Herr Rahardt und seine Umgebung selber nicht. Außer den eben genannten Kampfmitteln gehen die Führer der Bäckerinnungen noch mit anderen terroristischen Maßnahmen gegen die Bäckermeister vor, welche bewilligt haben. Gestern teilten wir bereits mit, daß die Rixdorfcr Zwangsinnung sich herausnimmt, diejenigen ihrer Mitglieder, welche das bekannte Bewilligungsplakat im Fenster aushängen, mit einer Ordnungsstrafe von 20 Mark zu belegen. Wie inzwischen bekannt wird, wendet auch die Innung in Weißcnsee und anscheinend auch die in Charlottenb(£g dasselbe ungesetzliche Zwangsmittel gegen ihre Mitglieder an. In Charlottenburg sind sogar Leute, die sich als Mitglieder des Jnnungsvorstandes ausgaben, in die Bäckerläden gegangen, um das Plakat eigenhändig aus dem Fenster zu nehmen. Wo Scharfmacher und Arbeiterfemde aus den verschiedensten Lagern sich verbündet haben, um eine gerechte und leicht erfüllbare Forderung einer aufs äußerste gedrückten Arbeiterschicht niederzuzwingen, da darf die Polizei natürlich nicht fehlen, um eine Tätigkeit zu entfalten, die den Arbeitgebern zum Nutzen, den Ar- beitern aber zum Nachteil wirkt. Wir meinen das Verhalten von Polizeibeamten gegen die Streikposten. In der Hauptsache be- schränkt sich die Tätigteit der Streikposten auf die Beobachtung der Bahnhöfe und die Warnung der Arbeitswilligen, die etwa mit der Bahn ankommen. Sowohl die Gesellen wie die Meister haben ihre Bahnhofsposten ausgestellt. ES geschieht ja nicht oft, daß sie in Aktion treten, denn nur selten kommen einzelne Streikbrecher an. Wenn aber ein kleiner Trupp von Arbeitswilligen signalisiert ist, dann trifft kurz vor Ankunft des ZugcS«ine Kolonne von 10 bis 15 Bäckermeistern auf dem Bahnhofe ein, und sogleich ist auch eine Anzahl von Schutzleuten zur Stelle, die dafür sorgt daß die Meister ihre Arbeitswilligen möglichst ungestört in die Mitte nehmen und abführen können, während die Streikposten der Arbeiter durch die Polizei, und BahnhofSbcamtcn ferngehalten, ja bei den gering- fügigsten Anlässen, wie nicht sofortiges Entfernen nach ergangener Aufforderung, sistiert werden. So begünstigt die Polizei in jeder Wsile bii Streikposten ia Meiste� iMreiÜ» sie io Streikposten der Arbeiter die Ausübung ihres Rechts unmöglich mach!. Be- sonders am Anhalter Bahnhofe ist nach diesem System gearbeitet worden. Man sieht also, daß die Macht des Unternehmertums, begünstigt durch die Organe der Staatsgewalt, sich mit voller Wucht auf die Bäckereiarbeiter wirft, um ihre gerechten Forderungen zurückzu- schlagen und die menschenunwürdigen, kulturwidrigen Verhältnisse, unter denen die Bäckergesellen arbeiten müssen, auch für die Zu- kunft zu erhalten. Unter diesen Umständen wird die Arbeiterschaft das kleine Opfer, welches die Bäcker jetzt von ihr forvern, gern bringen und dadurch den Streikenden zum Siege verhelfen. Das Vorgehen des Hefe-Syndikats ist übrigens, nach der geltenden Rechtsauslegung, wie sie gegen kämpfende Arbeiter beliebt wird. ein rechtswidriges und strafbares. Darüber wird uns von juristischer Seite geschrieben: Die Verpflichtung, die die Hefefabrikanten übernommen haben, Bäckereien nicht zu liefern, falls sie nicht den mit den Bäckerei- arbeiten, geschlossenen Vertrag brechen, ist nach der ständigen Recht- sprechung des Reichsgerichts nicht nur zivilrechtlich ungültig, sondern überdies strafbar. Wir haben erst kürzlich von der Erhebung einer Anklage durch die Staatsanwaltschaft gegen Perlmutter- fabrikanten berichtet, die auf Grund dieser Judikatur hat er- hoben werden müssen, der erwähnte Beschluß der Hefe- fabrikanten ist unter Zugrundelegung der Reichsgerichtsjudikatur. wie sie nun einmal besteht, ein klarer Vorstoß gegen§ 153 der Gewerbeordnung. Es wird der nach diesem Paragraphen st r a f- bare Versuch unternommen, die tariftreuen Bäckermeister durch die Drohung, ihnen sonst keine Hefe zu liefern, zu bestimmen, der Vereinigung der anderen Bäckermeister beizutreten, ja ihr Folge zu leisten. Diese Handlung bedroht§ 158 der Gewerbeordnung mit Gefängnisstrafe. Die Hefefabrikanten und die Bäckermeister(als Anstifter) haben aber nicht nur durch die Anwendung dieser Waffe im Lohnstreit offen gegen die Strafgesetze gefehlt. Sie haben in noch viel schärferer Weise durch den anderen Beschluß, bei Vermeidung einer Kon- ventionalstrafe von 10000 M. nicht mehr Hefe als früher an die bisherigen Abnehmer abzugeben, gegen die Rechtsordnung— immer unter Beachtung der reichsgerichtlichen Judikatur— gefrevelt. Die Vereinbarung einer solchen Konventionalstrafe ist nach 8 826 B. G.-B. und nach§ 152 G-O. ungültig und das Verlangen einer solchen ungültigen Konventionalstrafe ein strafbarer Erpressungsversuch(Z 253 Str.-G.-B.). Auch in der Befolgung des ersten Beschlusses liegt ein ErpreffungS- versuch. ES wird versucht, die tariftreuen Bäckermeister durch die Drohung, keine Hefe zu liefern, zum Vertragsbruch zu nötigen, um den anderen Bäckermeistern den Vermögens- vorteil zu verschaffen, die Tarifvereinbarungen nicht einzugehen. DaS ist aber, da die Bäckermeister.einen klagbaren Anspruch", die Bedingungen deS Tarifs zu verwerfen, nicht haben, nach der von uns so häufig bekämpften aber vom Reichsgericht gegen Arbeiter ständig betätigten Spruchpraxis des Reichsgerichts ein.rechts- widriger Vermögensvorteil' der Bäckermeister im Sinne des Z 153. Wie hier ErpreffungS- Versuche zugunsten der Bäckermeister vorliegen, so liegt in dem Bei- such, durch Konventionalstrafen die Hefesabrikanten zur Nicht- lieferung zu veranlassen, ein strafbarer Erpressungsversuch gegen die Hefefabrikanten untereinander vor. Diese Charakterisierung des Vorgehens der Bäckermeister und Hefesabrikanten als Vergehen gegen 8 152 der Gewerbeordnung und als ErpressungS- versuche ist die notwendige Folge der vom Reichs- gericht gegen Arbeiter ausgeklügelten Interpretation der angezogenen Paragraphen. Vor dem Gesetz sollen alle Staatsbürger gleich sein. Demnach muß erwartet werden, daß die zur Anklageerhebung verpflichtete Anklagebehörde gegen die Hefefabrikanten und Bäckermeister strafrechtlich einschreitet. An Privilegium für Erpressungsversuche haben die Fabrikanten nach dem Gesetz noch nicht. Auch die Staatsgewalt sucht den Bäckergesellen den Kampf zu erschweren: Davon ist die folgende Verfügung Zeugnis: �. Ober-Schöneweide b. Berlin, den 1. Juni 1907. In dem Schaufenster der in der hiesigen Tabbertstraße be- legenen und von Ihnen verwalteten Backereifiliale von Peter ist folgendes Plakat, das auf den in Groß-Bcrlin bestehenden Streik der Bäckergesellen Bezug hat. ausgestellt: „Hier sind die Forderungen der Bäckergesellen bewilligt." v Anschlagzettel und Plakate, welche einen anderen Inhalt haben, als Ankündigungen über gesetzlich nicht verbotene Ver» sammlungen. über öffentliche Vergnügungen, über gestohlene, ver- lorene oder gefundene Sachen, über Verkäufe oder andere Nach- richten für den gewerblichen Verkehr, dürfen nach§ 9 deZ preußischen Preßgesctzcs vom 12. Mai 1851 nicht angeschlagen, angeheftet oder in sonstiger Weise öffentlich, also weder im Schaufenster noch im Geschäftsladen, ausgestellt werden. Zuwiderhandelnde haben Bestrafung aus§ 41 a. a. O. zu gewärtigen. Zur Vermeidung des weiteren fordere ich Sie hiermit auf, die genannten Plakate s o f o r t zu entfernen., Ewardt An � den Leiter der Bäckcreifiliale von Peter hier Tabbertstraße. Das Vorgehen entbehrt natürlich der gesetzlichen Grund- läge und allen Bäckermeistern, denen ähnliche Verfügungen zugehen, ist zu raten, sich nicht einschüchtern zu lassen. Der Herr Amtsvorsteher führt sich in seinem Schreiben selbst ab, indem er ausdrücklich feststellt, daß Anschlagzettel und Plakate nftt„Nachrichten für den gewerbliche n Ver- kehr" erlaubt sind. Daß es sich hier um solche„Nachrichten für den gewerblichen Verkehr" handelt, wird der Herr Amtsvorsteher bei näherem Nachdenken selbst nicht be- streiten können. ** 9 Der Anschlag des Heferings ist abgeschlagen. In letzter Stunde geht uns noch die erfreuliche Nach' richt zu, daß eS der Streikleitung gelungen ist, den Sperre- beschluß des Hefesyndikats unwirksam zu machen! Es ist ge- lungen, Hefe in genügendem Maße für die tariftreucn Bäckereien zu beschaffen! Die bereits gelieferten und noch auf deni Versand begriffenen Quanten sichern die tariftreuen Bäckereien vor Materialmangel. Wenn die Arbeiterschaft die Bäckergesellen weiter uytex- stützt, wird der Kampf gewonnen werden! politilebe Gcberftcht. Berlin, den 1. Juni 1907. Karl Blind. Wie der Telegraph aus London meldet, ist gestern in Hampstead der von den deutschen Liberalen als großer Revolutionär und Acht- undvierziger gefeierte Schriftsteller Karl Blind infolge eines Herz- schlageS gestorben. Am 4. September 1826 in Mannheim geboren, nahm er schon als junger Student in Heidelberg und Bonn an der politischen Dcwegnng teil und schrieb fiir libernl-demolrotische Mntter Aufsätze und Notizen. Im Jahre 1848 schlag er sich den Frei- schärlern an. Er beteiligte sich an verschiedenen Gefechten, bis er mit Struve im Schwarzwald gefangen genommen und von dem Freiburger Geschworenengericht im Mai 1840 zu acht Jahren Einzelhaft verurteilt wurde. Bevor er jedoch noch die Strafe angetreten hatte, wurde er durch den Rastatter Soldatenaufstand ouS der Hast befreit und ging darauf nach Paris, Brüssel und schließlich nach London. Schon vorher hatte er mehrfach eine halbkomische Rolle gespielt, und in London söhnte er sich bald mehr und mehr mit der EntWickelung der deutschen Verhältnisse auZ. Das revolutionäre Jugendfeuer erlosch. Herr Karl Blind wurde guter deutscher Patriot, der sich bei jeder Gelegenheit vordrängte und in empfehlende Erinnerung brachte. Als Lassalle seine sozialdemokratische Agitation begann, richtete Blind auch gegen diese einen.republikanischen Protest", erreichte aber damit nur, daß Karl Marx, der ihn schon in seiner Schrift über Karl Vogt derb angefaßt hatte, nochmals vornahm. In der Er- klärung, die Marx zugunsten LassalleS gegen Blind erließ, heißt es: »Es liegt mir durchaus fern, einen Mann wie Lassalle und die wirkliche Tendenz seiner Agitation einem grotesken Clown, hinter dem nichts steht als sein Schatten, verständlich machen zu wollen. Ich bm im Gegenteil überzeugt, daß Herr Karl Blind nur seinen von Natur und Aesop ihm auferlegten Beruf erfüllt, wenn er nach dem toten Löwen tritt." Ein Stieffohn Blinds war bekanntlich F e r d i n'an d Cohen, der am 7. Mai 13SS ein Attentat auf Bismarck verübte und sich dann im Gefängnis entleibte._ Ultramontane Stichwahlsorgen. Das Dortmunder ZentrumSblatt, die.Tremonia", tritt für die Abschaffung der Stichwahlen ein. Erstens bedeute die große Masse der Stichwahlen eine empfindliche Erschwerung des Wahlgeschäfts und dann käme eS bei den Stichwahlen zu un- natürlichen und ungehörigen Bündnissen. ES trete vielfach eine Notlage ein, die einen Gewissenszwang ausübe. Die Sache möchte gehen, wenn.alle Parteien auf dem gleichen Boden der Ordnung' ständen, aber, so heißt es weiter: „Es kommt die revolutionäre Sozialdemokratie ins Spiel, und immer ist es ein schweres Aergernis, wenn An- gehörige der bürgerlichen Parteien für einen roten Kandidaten rhre Stimme abgeben, weil sie ihn im Vergleich mit einem be- sonders verhaßten oder gefährlichen Sttchwahlkandidaten aus einer anderen bürgerlichen Partei für das.kleinere Nebel" halten. Auf die große Mafie des Volkes wirkt eine derartige Stichwahlhülfe für die Sozialdemokratie sehr ungünstig ein. Der instinktive Widerwille der gesunden Volks- kräfte gegen die Prediger der Revolntton und die Begünstiger von Gewalttaten wird in bedenklichem Maße ab- geschwächt und schließlich ganz vernichtet, wenn sich die Leute an die Abgabe eines roten Stimm- zettels gewöhnen. Von der roten Stichwahl bis zur roten Hauptwahl ist oft kein großer Schritt." Diese Erfahrung hat die.Tremonia" zu ihrem Leidwesen gewiß schon öfter machen können. Im Jndusttiebezirk standen bei der letzten Wahl in drei Kreisen(Duisburg, Bochum, Dortmund).die Sozialdemokraten mit den Liberalen in Stichwahl und mancher katholische Arbeiter hat, wie auch schon früher, in der Stichwahl für den Sozialdemokraten gestimmt, um es das nächste Mal auch in der Hauptwahl zu tun, nachdem er gemerkt hat, daß die Sozialdemo- traten keine.Begünstiger von Gewalttaten", sondern eiftige und ehrliche Vertreter der Arbeiterinteressen sind.— Verdächtig! Dem Abgeordneten Schiffer, Vertreter von Borken- Necklinghausen, war von„besseren" ZenlrumSleutcn, denen der schlichte Mann auS der Werkstatt nicht behagte, im Wahlkampfe vorgeworfen worden, daß er eS mit der Erfüllung seiner kirchlichen Verpflichtungen nicht genau nehme und überhaupt in Glaubenssachen nicht besonder? kittelrein sein. Herr Schiffer hat einen seiner Partei- und Glaubensgenossen, der solches behauptet hatte, verklagt; in der Verhandlung wurde weder für noch gegen Schiffers etwas bewiesen, es erfolgte Freisprechung. Die ultramontane „Essener Volkszeitung" bedauert, daß eS Herrn Schiffer nicht gelungen sei, eine völlige Klarstellung des Sachverhalts herbeizuführen..Herr Schiffer", so schließt das Blatt,.hat Berufung angemeldet; ob er eine Ver- urtcilung des Herrn Grüter erzielt, ist fraglich, weil der letztere in der Form seiner Vorwürfe sehr vorsichtig gewesen ist, aber Herr Schiffer muß nach Beweisen suchen, welche die erhobenen Beschuldigungen klipp und klar ausräumen." Herr Schiffer wird sich also beeilen müssen mit dem Nachweis, daß er allzeit regelmäßig zur Kirche und zur Beichte gegangen ist; andernfalls dürfte ihm das Zentrum klar machen, daß er nicht würdig sei, in der Fraktton der allerchristlichsten Partei zu sitzen. Teuerungszulage für Unterbeamte. Dem Abgeordnetenhause ist der Nachtragsetat mit der ver- sprochenen Teuerungszulage für die Unterbeamten zügegangen. Er- forderlich sind 11203 430 M., so daß, da bereits 3 243 800 M. durch den Hauptctat(Etat des Finanzministeriums, Kap. 24, Titel 3, Unterstützungsfonds für Unterbeamte) bewilligt sind, noch 7064630 M. gefordert werden. In der Begründung der Vorlage heißt es: Für das Etatsjahr 1003 ist in Aussicht genommen, neben einer Neuregelung der Bestimmungen über die Gewährung des WohnungSgeldzuschuffeS, die Gehälter der Beamten, insbesondere der mittleren und unteren, zusammenfassend, anderweit zu ordnen. Bei der großen Mannigfaltigkeit der in Betracht kommenden Kategorien von mittleren Beamten erfordert eine solche organische und für längere Zeit befriedigende Regelung umfang- reiche Vorarbeiten. Dagegen ist bei den Unterbeamten einerseits die Vielfälttgkeit der historisch gewordenen Klagen nicht so groß, wie bei den mittleren Beamten, andererseits ist bei ihnen das Bedürfnis einer möglichst baldigen Aufbesserung der Bezüge be- sonders dringlich. ES erscheint deshalb geboten, den Unter- beamten alsbald schon für das Jahr 1007 eine antizipierte Gehaltsaufbesserung durch Ge- Währung einer einmaligen Beihlllfe von je 100 Mark zuteil wenden zu lassen. Mit letzterer sollen alle Unterbeamten bedacht werden, welche sich am 1. Juni d. I. im Staatsdienste befunden haben. Dabei würde denjenigen Unter- beamten, welche bereits durch den Etat für 1007 eine Besoldnngs- aufbesserung erfahren haben, diese auf die jetzt beabsichtigte Bei- hülfe von 100 M. in Anrechnung zu bringen sein. Zweierlei Ausländer. Unter der Spitzmarke„Polizei und christliche Gewerkschaften" findet man in rheinischen Zentrums- blättern einen Artikel, der über die �unterschiedliche Behandlung Klage führt, die die Polizei den Ausländern zuteil werden läßt: einmal, wenn es sich um Arbeitswillige handelt, und das andere Mal, wenn die Ausländer sich gewerkschaftlich be- tätigen. ES wird darauf hingewiesen, daß bei dem Streik in Wür- seien bei Aachen, der dieser Tage das Reichsgericht beschäftigt hat, die holländischen Arbeitswilligen von Polizei und Gendarmerie wie kleine Kinder geschützt worden seien. Aus diesem Streik, der.allein von der christlichen Gewerkschaft geführt wurde, hat sich infolge eines Zusammenstoßes mit den von der Firma an- aeaoiiimen ausländisches Streikdrechero m LandirieoeüsblM- prozeß entwickelt, der dem christlichen Führer Schümmer 4 Monate und einem ganzen Dutzend Mitangeklagter je drei Monate Ge- fängnis eingebracht hat. Diesen Dingen stellt der Artikel der Zcn- trumspresse die Tatsache gegenüber, daß jetzt ein holländischer Bergarbeiter, ein vollkommen unbescholtener Mann, der schon 18 Jahre in Preußen beschäftigt ist und eine Deutsche zur Frau hat, von der Polizei in Homberg am Rhein einen A u s w e i- sungsbefehl erhalten hat, und zwar einzig aus dem Grunde, weil er sich in der Agitation für den christlichen Verband eifrig be- tätigt hat. Er muß bis spätestens 10. Juni mit seinen sämt- lichen Familienangehörigen das preußische Staatsgebiet verlassen. Es ist kennzeichnend für die Zentrumspresse, daß sie hierbei betont, daß der holländische Arbeiter sich nichts weiter hat zu schulden kommen lassen, als„mittels der christlichen Organisation auf streng gesetzlicher Grundlage" für Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse gewirkt zu haben. Wenn es sich um eine a n- d e r e Organisation handelte, würde die Zentrumspresse also an der Ausweisung nichts auszusetzen haben!— Eine enorme Brotpreiscrhöhung haben die Bäckermeister in Leipzig in ihrer Jnnungsversammlung beschlossen. Statt der bisherigen Brotpreise von 20, 4V, 60 und 80 Pf. soll das Publikum bei gleichem Gewicht der Brote vom Montag, den 3. Juni, an 2S, 50, 76 Pf. und 1 M. zahlen. Die Bäckermeister haben also eine Verteuerung des Brotes um 25 Proz. vorgenommen, die sie vor allem mit der Steigerung der Getreidepreise, dann aber auch mit der Steigerung der Mieten, Steuern, der Ausgaben für Lebensbedürfnisse aller Art und— mit der Steigerung der Ge- sellenlöhne begründen. Mit der letzten Behauptung wollen die JnnungSmeister nur der kommenden Lohnbewegung der Ge- sollen entgegenarbeiten. Die Erhöhung der Preise für Weißgebäck von 2(4 auf 3 Pf. pro Stück wurde mit dem Hinweis auf die Kon- kurrenz der Konsumbäckereien als vorläufig nicht ratsam ab- gelehnt.—_ Zur letzten Polizeiblamage. Der.Lokak-Anzeiger" vom Freitag abend bringt über die am 23. Mai verhafteten.Russinnen" folgende sich amtlich gebärdende Mitteilung: Zu der Verhaftung russischer Anarchisten, worüber wir mehr- fach Mitteilungen brachten, werden uns noch folgende Einzelheiten gemeldet: Zu den nach dem Polizeipräsidium übergeführten und vorläufig in Hast behaltenen Personen gehörte auch eine Frau Sttasser aus der Heilbronnerftraße 27, die, von Geburt Russin, durch Heirat Oesterreicherin geworden war. Sie war in die Affäre Karfunkelstein und Weit verwickelt, und somit verdächtig der Geheimbündelei im Sinne des § 128 Strafgesetzbuchs. Die Behörde glaubte sich zu der An- nähme berechtigt, daß Frau Strasser als Deckadresse zweien russischen Terroristen diene. Außerdem war es erwiesen, daß sie mit dem Russen Leibow in Verbindung stand, der sich wegen Vergehens gegen Z 123 zu verantworten hat. Sckfließlich fand man bei ihr eine Menge anarchistischer Schriften in mehrfachen Exemplaren, die also augenscheinlich zur Verbreitung dienen sollten. Da nach eingehenden, mehrtägigen Ermittelungen das beigebrachte Material für eine gerichtliche Untersuchung nicht verwertbar erschien, so wurde Frau Strasser aus der Polizeihaft entlassen; gleichzeitig aber erhielt sie einen AuS- weisungSbefehl. Während der Haft war indessen das in der Wohnung belassene Kind der Frau Strasser an Windpocken er- krankt, so daß eS nach kreisärztlicher Untersuchung erst in zehn Tagen etwa transportfähig fein kann. Einem Antrage der Frau Strasser gemäß wurde aus diesen, Grunde der Ausweisungsbefehl zurückgezogen und bis auf weiteres sisttert. Dieser Bericht ist in fast allen Punkten unzutreffend. sWie wir festgestellt haben, hat Frau Strasser weder mir Karfunkelstein noch mit Weit jemals etwas zu tun gehabt. Auch dafür, daß sie als Deck- adreffe zweier russischer Terroristen diente, ist nicht der mindeste Anhalt vorhanden, was übrigens der Bericht ja bereits zugibt. Zu Leibow hat sie allerdings in einer ganz entfernten und keineswegs irgendwie politischen Beziehung gestanden. Bei Frau Straffer ist nicht„eine Menge anarchistischer Schriften in mehrfachen Exemplaren" gefunden worden, sondern nur eine Anzahl Nummern vom„Freien Arbeiter" und vom„Revolutionär", zu- sammen etwa 6 oder 7 Exemplare, und zwar verschiedener Numinern; des weiteren ein Exemplar der Broschüre.Leo Tolstoj an die Soldaten". Danach kann keine Rede davon sein, daß dies« Schriften zur Verbreitung hatten dienen sollen. Diese Schriften sind von einem persönlichen Bekannten der Frau Strasser liegen gelassen worden. Richtig ist nur, daß Frau Sttasser mit Rücksicht aus die Krankheit ihres Kindes vorläufig noch in Berlin bleiben darf. Be- merkenölvert ist an diesem Fall, daß Frau Strasser, ohne einen richterlichen Haftbefehl und ohne auch nur einem Richter vor- geführt worden zu sein, von der Polizei in Haft genommen worden ist! Wir sind auch in der Lage mitzuteilen, daß von den am 23. Mai Festgenomminen, die bisher nicht aus der Haft entlassen waren und die angeblich in ein anarchistisch- terroristisches Komplott verwickelt fein sollten, außer der Frau Sttasser weitere zwei, nämlich Moses Umansky und Keire(übrigens ein Gärtner, also ebensowenig wie Frau Strasser ein Student) tatsächlich mit diesem angeblichen Komplott, d. h. der Affäre Karsnnkelstein, in gar keine Beziehung gebracht worden sind. Beide befinden sich aller- ding« zurzeit in Untersuchungshaft, indessen wird sich Keire nur wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt, verübt bei Gelegenheit seiner polizeilichen Festnahme, und UmanSky wegen Führung eines falschen Namens zu verantworten haben. Danach ist von sämtlichen von der Polizei am 23. Mai fest- genommenen„Verschwörern" auch nicht ein einziger übrig geblieben. Zweifelhaft kann nur noch sein, ob der bereits einige Zeit vorher verhaftet gewesene Leibow vorläufig noch in dem Verdacht einer Beziehung zu der Affäre Karfunkelstein steht. Das eine aber steht bereits fest: Was wir bereits behauptet hatten, ist bestätigt. DaS ganze am 23. Mai angeblich ausgehobcne Verschwörernest war eine Polizeihalluzination. Bei ihrem großen Fischzug hat die Polizei auch nicht ein kleinstes Fischlein gesangen, wohl aber eine ganz außergewöhnlich gründliche Blamage.—_ öebweiz, Statistik der schweizerischen Konsumvereine pro 190k. Der„Schweiz. Konsumverein", das Organ des Verbandes schweizerischer Konsumvereine, veröffentlicht soeben die Resultate der Statistik, die über die Ergebnisse der dem Verbände ange- hörenden Konsumvereine pro 1006 veranstaltet wurde. Die Sta- tistik erstreckte sich auf 229 von 237 VcrbandSvercinen und ergab, daß diesen Vereinen Ende 1006 152 334 Mitglieder angehörten. Gegenüber dem Vorjahre ist eine Zunahme von 11616 Mitgliedern gleich 8,35 Proz. zu verzeichnen. In 347 Gemeinden von 25 Kan- tonen besaßen die erwähnten Konsumvereine 726 Läden. Gegen- über dem Vorjahre wurden in 44 Gemeinden 63 Läden neu er- richtet. Das Personal der Konsumvereine umfaßte 2444 Beamte und Angestellte, eS vermehrte sich gegenüber dem Vorjahre um 325 Personen.. Eine bedeutende Zunahme hat der Umsatz der Konsum- vereine erfahren: er stieg von rund 54 Millionen Frank auf 61 314 600 Frank. In Prozenten berechnet, beträgt die Zu- nähme 14,24 Proz. Der Umsatz ist also stärker gestiegen als die Zahl der Mitglieder. Eine prozentual noch größere Vermehrung, nämlich nahezu 16 Proz. erfuhr der U e b e r f ch u ß, er ist von 4,0 Millionen auf 5,7 Millionen Frank gestiegen. Hiervon find den Konsumenten in Form von Rückvergütungen 4(4 Millionen Frank zugeflossen gegen 4 Millionen Frank im Vorjahre. Dies Resultat wurde erzielt, obwohl viele Konsumvereine infolge der wesentlichen Preissteigerung vieler Artikel dazu übergegangen sind, uiedligere Preiszuschläge als früher zu den Einstandspreisen zu machen. Das eigene Vermögen der Konsumvereine des Verbandes ist auf 4 652 000 Frank angewachsen, der Betrag der einbezahlten An- teilscheine auf 2 760 000 Frank. Insgesamt haben sich im letzten Jahre die eigenen Betriebsmittel der Konsumvereine um rund 830 000 Frank vermehrt. In der erwähnten Statistik ist auch der Durchschnittsumsatz pro Verein und Laden berechnet. Elfterer beträgt 270 000 Frank, letzterer über 85 000 Frank. Aus diesen Ziffern geht hervor, daß in den Läden der Konsumvereine bedeutend höhere Umsätze erzielt werden als das in den Schweizer Spezercihandlungen im Durch- schnitt der Fall sein dürfte. Hieraus erklären sich denn auch die er- heblichen Ersparnisse, die mit dem konsumgenoffenschaftlichen Be- triebe verbunden sind. Die Mitglieder der Konsumvereine sind durchschnittlich gute Kunden ihrer eigenen Läden. Es entfällt pro Mitglied ein Durchschnittsbczug von 405,64 Frank; gegenüber dem Vorjähre ist der Durchschnittsbezug um 21,25 Frank gewachsen. Alles in allem geht aus diesen Zifjern hervor, daß die Konsum- vereine in der Schweiz schon eine nicht unerhebliche Bedeutung er- wohl künstlerisch ist. sz. frankmcb. Paris, 1. Juni. General Billot, der ftühere französische Kriegs- minister, ist gestorben. Jean Baptiste Billot 1823 geboren-» hat ein Alter von 70 Jahren erreicht. Er ist aus der Militärfchule von St. Cyr hervorgegangen und nahm am Kriege 1870/71 mit Auszeichnung teil. Sein Heimatsdepartement Corrtzze wählte ihn in die Nationalversammlung, der er als Mitglied und bald als Präsident der sogenannten„republikanischen Linken" an- gehörte. Am 16. Dezember 1875 machte ihn die National- Versammlung zum„senatsur inarnovible"(Senator auf Lebenszeit). Am 36. Januar 1882 trat er als Kriegsminister ins Kabinett Frehcinet, und, als dieser noch im selben Jahre zu Fall gebracht war, ins Kabinett Duclerc ein. Am 29. Januar 1883 demissionierte das gesamte Ministerium Duclerc. Dreizehn Jahre später trat Billot, inzwischen zum kommandierenden General und Armeeinspekteur avanziert, wiederum als Kriegsminister inS gemäßigt- republikanische Kabinett Meline ein. Am 15. Juni 1308 nahm dies Kabinett seine Entlassung, weil es bei einer sozialistischen Jnter« pellation über die Haltung der Regierung unterlegen war. In der DreyfuS-Affäre hat Billot eine etwas zweideutige Rolle gespielt.— China. Hunger-Aufruhr. Amoy, 1, Juni.(Meldung des„Reuterschen Bureaus.") Auf halbem Wege zwischen Amoy und Swatau hat ein Zu- sammenstoß zwischen kaiserlichen Truppen und Aufständischen stattgefunden. 700 Mann find gefallen. Die Aufständischen haben sich zurückgezogen, doch wird erwartet, daß sie die Feindseligkeiten wieder aufnehmen werden, sobald die Truppen zurückgezogen sind. Die Aufrührer sind gut organisiert, aber schlecht bewaffnet. Plünderungen finden nicht statt. Die Fremden werden nicht belästigt. Die Ursache des Aufstandes liegt darin, daß die Beamten in den von der Hungersnot be- troffencn Bezirken kein Reismehl verteilt haben. In der Stadt Tschangtschu, 80 Meilen von Amoy, sind Unruhen auS- gebrochen, die Bewohner flüchten nach Amoy. Ck werk Pchaftlichce. Schutz der nationalen Arbeit. Es wäre ein Verbrechen wider die Untertanenpflicht, wollte man daran zweifeln, daß die deutschen Reeder lediglich aus Sorge um das Wohl der nationalen Arbeit— die Ar- beiter bekämpfen. In ihrer Bekümmernis um des Vaterlandes Wohlergehen rufen sie sogar das intcrnattonale Kapital zur Hülfeleistung auf bei der Niederknüppelung der eigenen Volksgenossen. Jubelnd, begeistert von dem Bewußtsein, ihren Ruhmeskranz selbstloser nationaler Taten um ein neues Blatt bereichert zu haben, läßt der Verein deutscher Reeder folgende Freuden- botschaft verkünden: Seitens der Nccdcrvcrcini-nngcn von England, Dänemark, Schwede» n»d Norwegen wird darauf hingewirkt, daß wahrend der Dauer des Ausstandeö deutsche Seeleute, die in der Zeit nach dem 1. Mai de» Dienst bei deutschen Reedereien aufgegeben haben, im Ausland nicht angestellt werden. Nun ist des Reiches Größe und Herrlichkeit auf ewige Zeit gesichert. In Hamburg hing man den nationalen Schild aus, um deutsche Arbeiter gegen deutsche Arbeiter aufzuhetzen, um deutsche Arbeiter zu den schofelsten kapitalistischen Haus- knechtsdiensten zu verführen und die Blüte des Deutschtums setzt sich mit dem internationalen Kapital zu demselben Zwecke in Verbindung. Wer das Spiel erkennt, muß mit Abscheu und Ekel davon sich abwenden. Tief beschämend nur, daß es noch Arbeiter gibt, die sich als Werkzeug des internationalen plündernden Kapitals mißbrauchen lassen. Durch die falsche Flagge mag sich vielleicht ein Teil haben täuschen lassen, jede Täuschung ist aber ausgeschlossen, wenn man sich folgende Tatsache vor Augen hält: Das internationale Kapital, deutsche Unternehmer, nationale deutsche Arbeiter, deutsche Streikbrecher und internationales Lumpengesindel kämpfen gemeinsam gegen ehrliche deutsche Arbeiter und das firmiert die kapitalistische Gesellschaft bewußt verlogen: Schutz der nationalen Arbeit! Berlin und Umgegend* Der Kampf im Baugewerbe. Einen beachtenswerten Erfolg haben die Arbeiterorganisationen zu verzeichnen. Als unmittelbare Folge der gegenwärtigen Be» wcgung wird ein Teil der städtischen Bauten in Rixdorf jetzt in eigener Regie der Stadtverwaltung ausgeführt, und das kam so: Mehrere städtische Bauten, die eine Verzögerung nicht vertragen. sind in Rixdorf zurzeit in der Ausführung begriffen. Sie waren de» Unternehmern Tcichmann, Ellroth und Wessel übertragen. Die beiden erstgenannten Unternehmer haben die Forderungen der Arbeiter bcivilligt, die von ihnen aufzuführenden Bauten erleiden also keine Verzögerung. Der Unternehmer Wessel dagegen hat seine Arbeiter ausgesperrt, die ihm übertragenen Bauten liegen deshalb still. Es handelt sich um einen Schulbau in der Berliner» straße und den Erweiterungsbau des Rathauses in der Schönstedl- straße. Die städtische Bäuvcrwaltnng hat nun dem Unternehmer Wessel, weil er die Arbeit ruhen läßt, die weitere Ausführung der- selben abgenommen und mit de» beteiligten Organisationen der Maurer, Zimmerer und Bauarbeiter durch den Rixdorf« Magistrat einen Bertrag geschlossen, der gestern perfekt geworden»st. Der Magistrat übernimint die Fertigstcllurrg dieser Bauten in eigener Regie unter Leitung der städtischen Bauverwaltung. Die- selbe stellt Poliere und Arbeiter selbst ein und gewährt ihnen die Lohn- und Arbeitsbedingungen, welche die betreffenden Organi- fationcn fordern. Unter diesen Bedingungen wird die Arbeit auf tot genannten Baut?» fiffl MMag tpixder gufgensininM. Die Railrer haben NM Sen Feststellungen, die gestern Abend gemacht wurden, mit 413 Unternehmern, welche die Forderungen bewilligt haben, Verträge abgeschlossen. Zu den neuen Bedingungen arbeiten nunmehr 70S7 Maurer von beiden Organisationen. Dazu kommen noch etwa 200 christlich organisierte Maurer. Die Zimmerer beider Organisationen hatten bis gestern Abend mit 307 Baugeschäften Verträge abgeschlossen. HanblungSgehülfen und©thülf innen! Kollegen. Kolleginnen, unterstützt die kämpfenden Bäcker- esellenl Nicht um große Lohnerhöhungen handelt es sich diesmal— die Bäckergesellen wollen nichts weiter haben, wie das Recht, auch ,inmal Mensch zu sein. Sie verlangen einen freien Jag in der Woche, sie verlangen Beseitigung --es Kost- und Logiswesens, Forderungen, die zu er- füllen in der heutigen Zeit etwas selbstverständliches sein müßte. Nur die Bäckermeister wollen nicht anerkennen, daß auch die Ge- sellen ein Recht auf eigenes Familienglück haben, daß auch für .lie Gesellen das Wort gilt:„sechs Tage sollst du arbeiten und am .ebenten ruhen von deinen Werken". Und dabei wäre es ein ichtes, diese Forderungen zu bewilligen. Die Bäckergesellen haben an die Solidarität der Berliner rbeiterschaft appelliert, sie fordern die Konsumenten auf, nur bei en Bäckern zu kaufen, die die Forderungen der Gesellen bewilligt ihen. Kollegen, beherzigt als Konsumenten diese Aufforderung. Be- enkt, daß auch ein großer Teil der Handlungsgehülfen heute noch -n Kost und Logis steht! Es gilt, Bresche zu schlagen in diese Zustände! Deshalb übt Solidarität und verhelft den Bäckergeselleu „um Sieg! Zentralberband der Handlungsgehülfen und Gehülfinnen Deutschlands. Bezirk Berlin, Neue Königstr. 36. Gestohlene Beitragsmarken. Im Bureau des Deutschen Metallarbeiterverbandes Merane nid in der letzten Nacht 6000 Beitragsmarken a 50 Pf. und 18 Bei- iragsmarken a 10 Pf. mittels Einbruchs gestohlen. Es wird ver- .nutet, daß der Versuch gemacht wird, die Marken aus Herbergen der in Lokalen zu verkaufen. Die Zahlstelle Merane ersucht, die eventuellen Verkäufer verhaften zu lassen. Um schleunige Ver- breitung dieser Warnung durch die Parteipresse wird gebeten. Der Lohntarif der Töpfer läuft, falls er rechtzeitig gekündigt wird, am 1. Oktober dieses Jahres ab; wird er nicht gekündigt, so gilt er ein Jahr weiter. Mit der Frage der Kündigung befaßte sich am Freitag eine außerordentliche Generalversammlung der Filiale Berlin des Zentralverbandes der Töpfer, die den großen Saal des Gcwerkschaftshauses füllte. Der Vorsitzende S a g a w e empfahl oer Generalversammlung im Namen des Vorstandes wie im Ein- Verständnis mit den Bezirksversammlungen, zu beschließen, den Tarif nicht zu kündigen. Als Gründe dafür führte der Redner unter anderem die ungünstige Konjunktur und den Kampf im Bau- gewerbe an, der vielleicht noch eine weitere Verschlechterung der Arbeitsgelegenheit im Töpferberuf zur Folge haben könne. Fol- gende Resolution wurde dann fast einstimmig angenommen: „Die außerordentliche Generalversammlung beschließt, den Tarif nicht zu kündigen, wünscht jedoch, daß eventuelle Mängel des Tarifs abgestellt werden. Sollten wider Erwarten die Meister den Tarif kündigen, so ist die Versammlung der Meinung, daß, falls die Konjunktur es gestattet, auf den bestehenden Tarif eine prozentuale Aufbesserung vorzunehmen ist." Darauf wurde nochmals die Sache Huhns zur Sprache ge- bracht, was seinen Grund darin hatte, daß Huhn an den„Töpfer" eine Berichtigung gesandt hatte, deren Aufnahme abgelehnt wurde. Die Kommission, die zur Untersuchung seiner Angelegenheit ein- gesetzt worden war, hatte sich nun entschlossen, die Protokolle ihrer Sitzungen sowie die Gründe ihres Urteils ausführlich bekannt zu geben. Kemnitz verlas die Protokolle, knüpfte daran einige Be- merkungen gegen Huhn, worauf dieser selbst eine Verteidigungs- rede hielt. Nachdem noch einige andere Redner sich geäußert hatten, wurde die Sache vertagt. Sodann machte der Vorsitzende einige Ausführungen über die Stellung der Töpfer zum Kampf im Baugewerbe. Er hob hervor, daß die Töpfer selbstverständlich keinerlei Streikarbeit ausführen und im übrigen die kämpkciiden Arbeitsbrüder nach besten Kräften moralisch unterstützen. Darüber hinaus haben die am Kampfe be- teiligten Organisationen keinerlei Ansprüche an die Töpfer gestellt. Der Redner verwies in dieser Hinsicht auch auf den Bericht von der Generalversammlung der Gips- und Zementarbeiter in der Freitagsnummer des„Vorwärts" und die darii� wiedergegebenen Ausführungen des Vorsitzenden Hase. Ferner beschloß die Versammlung, die Mitglieder Gude, Hasselberg und Hamilton aus dem Verband auszuschließen, weil sie dem Beschluß der Filiale über die Arbeitsruhe am 1. Mai zu- widerhandelten./ Schließlich wurden noch einige Unterstützungsgesuche erledigt. Achtung, Metallarbeiter! Den im Heizungsfach beschäftigten Kollegen hiermit zur Nachricht, daß die Differenzen in Hamburg durch Abschließung eines Tarifvertrages erledigt sind. Die Sperre ist somit aufgehoben. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Achtung! Steinarbeiter, Berlin I! Alle infolge der Bau- arbciterausfperrung arbeitslos gewordenen Kollegen werden er- sucht, sich am Montagnachmittag 5 Uhr zwecks Kontrolle bei Faber, Stephanstr. 11, einzufinden. Es ist Pflicht jedes in Betracht kommenden Kollegen, zu erscheinen.— Die in Arbeit stehenden Kol- legen haben Arbeiten, welche vor der Aussperrung von Maurern bezw. Hülfsarbeitern ausgeführt wurden, zu verweigern. Arbeitsniederlegungen dürfen jedoch nur mit vorheriger Ein- willigung des Vorstandes erfolgen. Zentralverband der Steinarbeiter, Berlin I. Die Ortsverwaltung. Deutfcsies Reich. Achtung Fabrikarbeiter! Die abermaligen Verhandlungen der Lohnkommission mit der Direktion der Zementfabrik„Podejuch"-Finkenwalde sind ge- scheitert. Die Direktion will nicht nur nichts bewilligen, sondern sogar noch Abzüge machen. Ferner soll eine Auslese unter den Streikenden gehalten, das heißt, die Organisation zertrümmert werden. Der Kampf nimmt aber seinen Fortgang und zwar in ver- schärfter Form. Wir ersuchen deshalb alle Arbeiter, bei der Ze- mentfabrik„Podejuch"-Finkenwalde keine Arbeit anzunehmen. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. _ Das Streikkomitee. Die Maleraussperrnng in Straßburg scheint ihrem Ende entgegen zu gehen. Unter dem Vorfitz des Bei- geordneten Dominikus fanden Verhandlungen zwischen den Parteien statt, die folgendes Resultat hatten. Der Tarif soll auf 3 Jahre abgeschlossen werden. Die Stundenlöhne für über 22 Jahre alte Gehülfen betragen im ersten Bertragsjahre 46 Pf., im zweiten Jahre 48 Pf., im dritten 60 Pf. Vom dritten Gehülfenjahr an beträgt der Lohn 44 Pf. im ersten, 45 Pf. im zweiten und 46 Pf. im dritten Jahre pro Stunde. Ueberstunden werden mit 10 Pf. Ausschlag vergütet, Nachtarbeit mit 25 Pf., Sonntagsarbeit mit 35 Pf. pro Stunde. Auch besondere Leiter- und Gerüstarbeiteu werden höher bezahlt. Bei Landarbeiten, wo eine tägliche Rückkehr nicht möglich ist, wird nicht unter 1 M. für Ledige, und 1,50 M. für Ver- heiratete vergütet. Bei Arbeiten in den Vororten tritt eine Lohn- erhöhung im Betrage eines Stundenlohnes pro Tag ein. Bei längerer Dauer der Landarbeit wird eine einmonatliche Hin- und Rückfahrt für Verheiratete gewährt. Die Lohnfrist ist eine 14tSgige. Die Entlohnung der Ungelernten wurde ebenfalls ge« regelt. Diejenigen, die bereits fünf Jahre im Malerbernfe tätig sind, erhalten den Tariflohn, in Zukunft dürfen Ungelernte nur noch zu Tagelöhnerarbeiten verwandt werden. Die Arbeitszeit bleibt die alte. Die Gehülfen haben den Abmachungen zugestimmt. Die Meister waren im Prinzip damit ebenfalls einverstanden, stellten aber die Bedingung. daß die bis jetzt in Submission gestellten städtischen Malerarbeiten nur noch an Jnnungsmeister vergeben werden. Ueber diese Forderung hatte der Gemeinderat in seiner Sitzung vom Mittwoch, den 2g. Mai zu be- schließen. Ist die Bedingung der Innung angenommen, so kann es eventuell zum Scheitern des Tarifabschlusses kominen. Die Maler- innung ist keine Zwangsinnung und die Gehülfen stehen auf dem Standpunkt, daß die Arbeiten an tariftreue Meister ohne Rück- ficht auf die Zugehörigkeit zur Innung vergeben werden sollen. Die Aussperrung der Maler in Straßburg ist noch nicht be- endet. Die Meister haben die Unterzeichnung des Tarifs davon abhängig gemacht, daß die Stadt sämtliche in Submission zu ver gebenden Malerarbeiten an die Jnnungsmeister abgebe. Die zweite Kommission des Gemeinderats lehnte diese unverfrorene Forde- rung der Meister ab und der Gemetnderat setzte die Behandlung des Punktes aus. Nun betrachtete der Vorstand der Innung den Tarif als abgelehnt. In einer Versammlung am Sonnabendabend nehmen die Gehülfen Stellung zu der neuen Situation. Ter Malerstreik in Leipzig wird auf beiden Seiten mit stci- gender Erbitterung weitergeführt. Jetzt schickt sich der Arbeitgeber- verband für das Malergewerbe an, schwarze Listen herzustellen; er beabsichtigt, wie aus einem Zirkular an die Mitglieder hervor- geht, die ausständigen Gchülfen, die sich dem Gebot der Meister nicht fügen, auf ein Jahr auszusperren. Gleichzeitig ver- suchen die Meister, von auswärts Arbeitswillige heranzuziehen; bisher aber ist es den Ausständigen gelungen, die Zugereisten nach kurzer Zeit abzuschieben oder auf ihre Seite zu bringen. Aus der im Leipziger Unternehmerlager geplanten Aussperrung ist bis jetzt noch nichts geworden; die Trauben sind den Herren schließlich doch zu sauer. Ausständig sind noch etwas über 300 Mann, etwa 260 arbeiten zu den neuen Bedingungen in über 100 Geschäften. Wenn die Kollegen allerorts für Fernhaltung des Zuzugs sorgen, muß der Sieg bei den Ausständigen sein. Zum Streik der Seeleute. In der Versammlung der Streikenden vom Freitagabend wurde der Situationsbericht erstattet, aus dem hervorgeht, daß die Behauptungen der Reederpresse, es ständen genügend Arbeitskräfte zur Verfügung, auf Unwahrheit beruhen. Wohl trifft noch täglich auf der Straße aufgelesenes Gesindel fremder Zunge in Hamburg ein, das aber ist zum Schiffsdienst völlig ungeeignet. Nachdem die englischen Streikbrecher, die ebenfalls aus unbefahrenen Leuten bestehen, auf verschiedene Schiffe verteilt worden sind, behelfen die Reeder sich mit„Arbeitswilligen", die in der Mehrzahl noch kein Schiff gesehen haben. Wie es da um die Sicherheit der Schiffahrt bestellt ist, braucht nicht näher dargelegt zu werden. Der Dampfer „Poseidon" brachte in Holland angeworbene„Hafenarbeiter" nach Hamburg, die man mit Gewalt auf die Schiffe abschieben wollte. Die Leute protestierten und zwanzig Mann begaben sich ins Streik- bureau der Seeleute, dem sie ihre Erlebnisse mitteilten. Die Be- hauptung der bürgerlichen Presse, der Dampfer„Kaiserin Auguste Viktoria" sei mit deutscher Besatzung in See gegangen, wurde als unwahr bezeichnet, vielmehr befinden sich 120 Englishmen unter der Bemannung. Aus den Ostseehäfen wurden günstige Resultate mitgeteilt, dort haben viele Reedereien die bescheidenen Forde- rungen bewilligt. Auch in den Nordseehäfen ist die Situation für die Seeleute eine günstige. Die Zkstündige Arbeitszeit verstößt nicht gegen die guten Sitten, so hat bekanntlich im vorigen Jahre das Hamburger Ge- Werbegericht in der bekannten Maifeierklage der Hamburg- Amerika-Linie gegen 142 Schauerleute entschieden, die am 1. Mai 1006 nach 22stündiger ununterbrochener Arbeitszeit den Dampfer „Blücher" verließen. Um einen prinzipiellen Entscheid herbei- zuführen, haben einige Schauerleute die Angelegenheit vor das Landgericht gebracht. Die Zivilkammer III des Landgerichts Ham- bürg hat aber die Berufung als unbegründet verworfen. Sobald die Gründe vorliegen, werden wir auf diesen Prozeß zurückkommen. Königsberg, 1. Juni. Der W.-T.-B.-Polizeibericht meldet: An Bord des im hiesigen Hafen liegenden Dampfers„Guahyba", auf dem sich auswärtige Stauer befanden, entspann sich gestern abend ein großer Krawall, weil nach Ansicht der Arbeiter durch die Schuld der Schiffsoffiziere ein Arbeiter, der den nach Schluß der Arbeits- zeit nach der„Guahyba" fahrenden Transportdampfer versäumt und versucht hatte, schwimmend die„Guahyba" zu erreichen, er- trunken war. Die an Bord befindliche Polizeiwache mußte schleunigst Hülfe requirieren. Zwischen den in zwei Parteien ge- trennten Arbeitern kam es zu einer großen Schlägerei, in deren Verlaufe zwei Arbeiter schwer und sieben weniger schwer verletzt wurden. Die Polizei verhaftete vier Rädelsführer, worauf all- mählich wieder Ruhe eintrat. ZZuslancl. Der Generalstreik der Seeleute. Paris, 31. Mai.(Eig. Ber.) Heute früh haben die Seeleute in allen großen französischen Häfen die Arbeit eingestellt. Das Nationalkomitee des Marine- Verbandes, dem außer der Gewerkschaft von Marseille die Lokal- vereine von Dünkirchen, Rouen, Le Havre, Nantes, Seint-Nazaire, Bordaur, Cette und Algier angeschlossen sind, hat gestern in Marseille die Aufforderung zum Streik erlassen, die mit musterhafter Disziplin überall befolgt worden ist. Der Ausstand hat einen politischen Charakter, wenngleich er wirtschaftliche Motive hat. Er richtet sich nicht gegen die Unternehmer, sondern gegen den Bourgeois st aat, seine Regierung und seine Parlamente. Seit 15 Jahren kämpfen die Seeleute vergebens um eine zu- reichende Altersversorgung. Die Reform aber, die das Projekt des Marineministers Thomson bietet, ist für sie unannehmbar. Bisher hatten die einfachen Matrosen eine Altersrente im Mindest- betrage von 204 Fr., die Kapitäne der Ueberseeschiffe von 780 Fr. Der Regierungsentwurf will diese Pension auf 360 bezw. auf 1000 Fr.' erhöhen. Dafür soll der Versicherungsbeitrag der Angestellten erhöht, bei den Matrosen gar verdoppelt werden! Für die W i t w e n ist nur eine Rente von 60 Centimes täglich vorgesehen. und der Bezug der Altersrente soll erst mit dem 70. Jahre beginnen! Vorgestern haben die Seeleute von den Parlamenten die Durch- sührung einer sie weniger belastenden und ausgiebigeren Versicherung gefordert. Der Entwurf einer solchen liegt in einem Antrage des radikalsozialistischen Abgeordneten Jules Siegfried vor. den die Seeleute trotz mancher Bedenken im einzelnen in seiner Gesamtheit akzeptiert haben. Der niedrigste Rentenbetrag, den er festsetzt, ist 600 Frank, dann folgen 800—1000 Frank für den Bootsmann, den ersten Heizer usw.. die höchste Klasse— Kapitäne, Mechaniker erster Klasse, Schiffsärzte— sollen 1600—1800 Frank beziehen. Da der Marinemmister den Antrag Siegfried mit Hinweis auf die Situation der Reeder und der Staatssinniizen als unannehmbar bezeichnet hat, haben die Seelente beschlossen, nicht weiter zu warten, sondern von den gesetzgebenden Körperschaften die Berücksichtigung ihrer Forderungen zu erzwingen. Die Wucht ihrer«rreik- bewegung ist um so bedeutender, als alle Kategorien der auf Schiffen Beschäftigten an ihr teilnehnien, neben den Matrosen auch die Kapitäne, die Mechaniker, die Schiffszimmerer usw., ja logar die Küchenmeister und Kellner der Passagierdampfer. Die Dockarbeiler und Lastfuhrwerker haben sich bisher nur in einigen Häfen dem Ausstand angeschlossen. Dagegen nehmen auch die Fischer fast überall an ihm teil. Die Verlegenheit der Regierung ist groß. Die Postverbindung mit den Kolonien kann sie wohl durch Kriegsschiffe aufrecht erhalten, aber es ist klar, daß der Streik bei längerer Dauer zu einer schweren wirtschaftlichen Krise führen muß. Die südftanzösischen Häfen haben ohnehin mit der Konkurrenz von Genua und Barcelona, die nördlichen namentlich mit der Antwerpens zu kämpfen. Auch ist Algerien fast ganz auf den Absatz seiner agrarischen Produkte, namentlich seiner rasch verderbenden Gemüse und Früchte im Mutterlande angewiesen. Da die Streikenden die Parole ausgegeben haben, bei ihren Kund- gebungen die Gesetzlichkeit streng zu wahren, wird die Regie:" ng nicht leicht den Vorwand zur Anlvendung von Gewaltmitteln finden, um so mehr, als sie der offen ungesetzlichen Agitation der Wiu.er aus Furcht vor den Wählern mit unerschöpflicher Langmut und löblicher Zurückhaltung zusieht. » Ueber die Bewegungen in den verschiedenen Häfen liegen folgende Meldungen vor: Havre, 1. Juni. In einer gestern abgehaltenen Versammlung des Ausschusses der Seeleute wurde beschlossen, gleichfalls in den Ausstand zu treten. Marseille, 1. Juni. Der Ausstand der Seeleute ist heute ein vollständiger. Sämtliche Schiffe sind ohne Mannschaften. Ein Zwischenfall ist nicht vorgekommen. Der Dampfer„Shamrock", fünf Torpedojäger und mehrere Torpedoboote sind hier eingetroffen, um den Postdienst und den Transport leicht verderblicher Waren zu sichern. Marseille, 1. Juni. In einer gestern abend abgehaltenen Versammlung der Seeleute wurde beschlossen, den Streit fortzusetzen, bis die Forderungen sämtlich bewilligt wären. Paris, 1. Juni. Die ausständigen Seeleute in Cette versuchten auf mehreren Schiffen die Mannschaft von der Arbeit abzuhalten. auch versuchten sie, aber vergeblich, den Dampfer„Ville des Fax" an der Abfahrt zu verhindern, indem sie die Hafcnausfahrt mit Lastschiffen versperrten. Der Verband der Kapitäne für große Fahrt und die Marineoffiziere zu Saint Nazaire haben einstimmig be- schlösse», sich dem Ausstande anzuschließen. In Saint Nazaire ist die Bewegung völlig zum Stillstand gelangt. Die Fischer und Fisch- Händler in Toulon haben sich mit den Ausständigen solidarisch er- klärt. Der Verkauf von Fischen ist eingestellt. La Rochelle, 1. Juni. Die eingeschriebenen Seeleute beschlossen den Generalausstand. Alles ist ruhig. Amsterdam, 1. Juni. Die Abteilung Rotterdam des all- gemeinen niederländischen Verbandes der Seeleute hat für die Frachtschiffahrt den allgemeinen Ausstand erklärt. Die Aus- ständigen verlangen Lohnerhöhung und Einführung eines Arbeits- Vertrages. Rotterdam, 1. Juni. Der Ausstand der Seeleute umfaßt alle holländischen Dampfer mit Ausnahme derjenigen der Holland- Amerika-Linie, des Rotterdamschen Lloyd und der Batavia-Linie. Einstweilen werden von dem Ausstand nur einige Dampfer be- troffen, weil die Mannschaften für die Binnenschiffahrt für mehrere Fahrten angemustert werden und an vierzehntägige Kündigungsfrist gebunden sind. London, 1. Juni. Der A us stand d er M a tr o sen und Heizer auf dem Clyde nimmt große Ausdehnung an. Mehrere große Dampfer, welche abgehen sollten, mußten wegen Mangel an Mannschaften ihre Abfahrt auf- schieben. Die Arbeitgeber weigern sich, die Arbeiterverbände anzuerkennen. Streikerfolge der Bauarbeiter Antwerpens. Der große Streik im Baugewerbe Antwerpens, der am 2. April begann, ist nun am Donnerstag beendet worden. Die Streikenden haben eine Erhöhung ihrer Stundenlöhne um 3 Centimes erreicht, sowie eine Verkürzung der täglichen Arbeitszeit um eine Stunde, obwohl sich die Unternehmer gerade gegen diese Forderung aufs heftigste gesträubt hatten. Die Streikenden sind vom Verband der belgischen Gewerkschaften, und namentlich auch von den Diamant- arbeitcrn tatkräftig unterstützt worden. Ihre Organisationen sind in der Zeit der Bewegung von 500 auf 2500 Mitglieder gewachsen. Sie wollen sich jetzt zu einer einheitlichen, alle Stein- und Kalk- arbeiter des Baugewerbes umschließenden Organisation vereinen. In San Francisco soll die Zahl der Arbeitslosen 40 000 be- tragen„infolge der unbeschränkten Herrschaft der Arbeiterorgani» sationen", wie die sonderbare Meldung in der bürgerlichen Presse lautet. Die Sache verhält sich so: Die Gewerkschaften haben eine Reihe von Streiks inszenieren müssen, um bei den teuren Lebens- Verhältnissen gute Arbeitsbedingungen zu erzielen. Gegenwärtig sollen 16 000 Arbeiter streiken. Die Unternehmer haben darauf eine Masseneinsuhr von Streikbrechern begonnen, aber ohne den gewünschten Erfolg, die Gewerkschaften niederzuzwingen. Große Massen der Arbeitslosen sind Streikbrecher, die ihre Mission nicht erfüllt haben und von den Unternehmern wieder aufs Pflaster geworfen wurden. Eingegangene Druck Ich riften. Werde gesund! Zeitschrist für VolkSzesutwheitspflege. S. Heft. Monatlich ein Heft. Vierteljährlich 75 Pf. Verlag: Th. Krifche in Erlangen. IS. Berwaltungsbericht des Vereins für Volksunterhaltimg»u Berlin. 20 Seiten. Druck: H. S. Hermann, Berlin SW. 19. Letzte JNaebriebten und Depefebrn Ein Sieg der Solidarität. Rom, 1. Juni.(Privatdepefche des„Vorwärts".) Der große Landarbeiterstreik von Argenta, der von 80(M) Land- arbeiter» drei Monate lang unter unsagbaren Opfern durch- geführt wurde, ist heute mit einem Siege der Ausständigen beendet worden._ Eine Million Streikspende. Offenbach, 1. Juni.(23. H.) Der MetallarbeiterveriandSkaffe wurden zur Durchführung der Offenbacher Streikbewegung von nn- bekannter Seite eine Million Mark gespendet. Vom Blitz erschlagen. Magdeburg, 1. Juni.(B. H) In der Nähe von Lostau wurde ein Radfahrer und in der Neustädter Flur eiu Arbeiter bei« Kartoffelhacken vom Blitz erschlagen. 14 J| l 114 IJ„. V.~...... f■,---------— �„« 4... O V 4 Vi| I V/''II----------- w Verantw. Redakteur: Haus Weber. Berlin. Inseratenteil verantwT�UHjGlicke, Berlin. Druck u. Verlag: LorwärlsBuchdr. u. BerlaazgnstMllPaul Singer ö- Co., Berlin SW. Hierzu 5 Beilagen. Nr. 126. 24. Jahrgang. Die bayeriki)en Candtagswaljlcn. Seit dem Jahre 1893 kämpfte in Bayern die Sozialdemokratie für das direkte Wahlrecht, ihr Werk war es, daß endlich— be- zeichncnderweise gegen den Liberalismus— das alte indirekte komplizierte ungerechte System einem besseren Wahlrecht weichen mußte. Freilich ist das neue Wahlrecht keineswegs ideal und nicht leichten Herzens haben unsere Genossen ihm schließlich zugestimmt. Das wahlfähige Alter wurde vom 21. auf das 25. Lebensjahr hinaufgerückt, einjährige Steuerleistung und einjähriger Besitz der Staatsangehörigkeit wurden Voraussetzungen des Wahlrechts. Tie neue Wahlkreiseinteilung erfolgte nach dem Bevölkerungsstandc von 1900. Infolgedessen sind Großstädte wie München und Nürn- berg jetzt schon um je ein Mandat geprellt. Dazu wurde relatives Wahlrecht eingeführt, ein System, dessen Folgen zunächst nicht zu überblicken waren. Aber mit dem alten Wahlsystem ging es un- möglich weiter. Die Willkür der Regierung, die Schikanierung der Wähler, die Privilegierung der wohlgelittenen Parteien waren unerhört. Vor allem war keine reinliche Wahl mehr möglich. Ohne Kompromisse kam unter diesem vorsintflutlichen Wahlmänner- system einfach keine Wahl mehr zustande. Europäische Berühmtheit erlangte jener pfälzische Wahlkreis, in dem beinahe ein halbes Hundert Wahlakte erforderlich waren, bis eine Majorität heraus- kam. Und dann war die Legislaturperiode bereits vorüber. Die ganze Schamlosigkeit des Wahlraubes, der unter diesem von den Liberalen bis zuletzt hochgehaltenen Schandsystem möglich war, enthüllte die vorletzte Wahl in Nürnberg, 22 000 sozialdemokratische Wähler standen gegen 15 000 bürgerliche und trotzdem fielen sämtliche 4 Mandate dem dachsgepintscherten, ins Unendliche prostituierten Liberalismus zu. Und großes Geschrei war im liberalen Blätterwalde ob des liberalen Aufschwunges. Und doch war dieser Pyrrhussieg nichts als ein frecher Raub, ein Diebstahl, begangen mit Hülfe der von Staat und Stadtverwaltung ein» gerichteten Bezirkseinteilung. Karl Grillenberger hatte in Bayern das Banner des direkten Wahlrechts aufgepflanzt und im Kampf für dies Wahlrecht war er wie ein Held auf dem Schlachtfelde geblieben. Doch die Sache fiel nicht mit ihm, sie wuchs und erstarkte. Und die kleine bayerische sozialdemokratische Fraktion zwang, weil sie die Massen hinter sich hatte, zur Wahlreform. Die Früchte ihrer jahrelangen Arbeit erntet sie jetzt. Freilich die Zahlen scheinen auf den ersten Blick durchaus nicht überwältigend. Im alten Land- tag, der 159 Mandate zählte, saßen 102 Zcntrumsleute, 23 Liberale, 12 Sozialdemokraten, 20 von der Freien Vereinigung(Bauern- bündler). 2 Mandate konnten— weil keiner wollte, daß der andere für ihn stimmte— nicht besetzt werden. Soweit die vorläufigen Resultate zuverlässig sind, wird der auf 6 Jahre neugewählte Land- tag 99 Schwarze, 25 Liberale, 19 Bündler und 20 Sozialdemokraten zählen.(Die.Germania" rechnet— wahrscheinlich irrtümlich— 22 sozialdemokratische Mandate aus.) Dabei ist indes zu bedenken, daß bei der vorigen Wahl nur durch das taktische Zusammengehen mit dem Zentrum, das durch das gebietende Verlangen nach end- lichem Abschluß der Wahlreform diktiert war, die 12 sozialdemokra- tischen Mandate erzielt werden konnten. Jetzt waren getreu dem Beschluß deS Schweinfurter Parteitages keine Kompromisse ge- schlössen. Mit einer bedauernswerten Ausnahme: im klassischen Lande des Kuhhandels, in der Pfalz, scheint in letzter Stunde zwischen Zentrum und Sozialdemokratie für Germersheim und Kaiserslautern— beides zweimännige Mandate— ein Wahl- abkommen getroffen zu fein. Wir warten die Bestätigung dieser von der bürgerlichen Presse gebrachten Nachricht ab. Sollte sie zutreffen, so werden die bayerischen Genossen dafür zu sorgen haben, daß einstimmig gefaßten Parteitagsbeschlüssen strikteste Rechnung getragen wird. Die Wahlen sind infolge deS relativen Systems, das den Kandidaten für gewählt erklärt, der die meisten Stimmen er- hält, vorausgesetzt, daß ihm ein Drittel der abgegebenen Stimmen zugefallen ist, sogleich im ersten Wahlgang entschieden worden. Keine Stichwahlen! Das Gesamtresultat der Ergebnisse ändert an der Majorität deS Zentrums nicht allzuviel. Die von dem mehr demokratisch gerichteten Dr. Heim geförderte Schilderhcbung gegen die offiziellen Zentrumskandidaten der Gouvemementalen hat keinen Erfolg gehabt. Das Zentrum bleibt vorläufig was es war, die ausschlaggebende Partei. ES wird den manchmal rebclltfchen Bauerndoktor(Heim) schon kleinkriegen, falls er— was gar nicht zu erwarten— zu systematischer Opposition gegen die herrschende 1. KcilM des Jotmärts" flttliiitt MsMifll. jmntoj, 2. Juni 190}. Garibaldi. 4. Juli 1807—2. Juni 1882. Die großen Menschen und die großen Geschehnisse aller Zeiten hat die Phantasie der Nachwelt mit schimmernden Fäden»m- spönnen und sagenhaft verklärt. Und so erscheinen uns die Hekden der Geschicht? auf ferne Höhen entrückt, die ihnen die Verehrung auftürmt aus ihrem und fremden Verdienst, aus persönlichem und nationalem Wesen, auS Wirklichkeit und Sehnsucht. In Garibaldi aber ist die Heldensage Erlebnis geworden. Nahe, greifbar, in der Mittagssonne des Tatsächlichen ist sie an die Mitwelt heran- getreten. Dieser Mann hat wirklich in seiner eigenen Tüchtigkeit das Schöpferwort gehabt um das Höchste an fremder Tüchtigkeit zu wecken, in ihm ist der Genius seines Volkes Person geworden und alle Sehnsucht Wirklichkeit. Als ein gewaltiges Werkzeug der Vorsehung muß seine Gestalt den Gläubigen erscheinen, mit diesem Körper, den Unbill und Wunden jeder Art nicht zu töten vermögen, mit dem lauteren, sonnigen Willen, den keine Niedertracht, keine Verruchtheit ablenken kann: unbesiegbar, gefeit an Leib und Seele. Uns aber, die wir in dem mühevollen Aufstieg der Menschheit keine vorbestimmende Vernunft erkennen und keine führende Hand, uns muß die leuchtende Gestalt Garibaldis mit Stolz und Zuversicht erfüllen: so winzig und alltagsgefangen uns dieses Geschlecht oft scheinen mag, in seiner kleinlichen Geschäftigkeit und dumpfen Muße, es kann sich emporrecken zu gewaltigen Maßen. Mensch der Erfüllung durch das, was er tat, ist Garibaldi. Mensch der Verheißung durch das, was er war.— „Ein stürmisches Leben, gemischt von Gut und Böse, wie wohl das der meisten Menschen. Das Bewußtsein, immer das Gute ge- sucht zu haben, für mich und die anderen. Und wenn ich manchmal Unrecht getan habe, so war es unfreiwillig. Hassen der Tyrannei und der Lüge, aus der tiefen Ucberzeugung, daß sie der Haupt- sächliche Ursprung der Uebel und Verderbtheit der Menschheit sind. Republikaner folglich, denn das ist die Regierungsform der recht- schaffenen Leute, die normale Form, weil die von der Mehrheit, gewollte und die daher nicht durch Gewalt und Betrug aufgezwungen I zu werden braucht". Mit diesen rauhen, gehackten Sätzen leitet> Garibaldi seine 1872 vollendeten„Erinnerungen" ein. In diesem Buch, das zu schreiben ihn die Sorge um die Existenz zwang, tritt• in scharfen und schlichten Linien seine Persönlichkeit hervor: nicht, kompliziert, nicht modern, kristallklar- l ZcntrumSclique überginge. Der Liberalismus bleibt trotz aller schimpflichen Kompromisse mit allem bürgerlichen Geschmeiß in seiner kläglichen Ohnmacht. Er wird voraussichtlich weiter die Politik der großen Worte treiben, die infolge der Scheinsiege bei den letzten Reichstagswahlen ihn auch in Bayern noch von rosigen Morgenröten träumen lassen wird, wenn der letzte Liberale— längst inS urreaktionäre Paarungs-Himmelreich hmübergewandert ist. Und vor allem haben sie den Trost, einen wirklichen katholischen Pfarrer— den Grandinger— in ihrer Fraktion zu zählen. Viel- leicht bringt ihnen der auch den päpstlichen Segen. Unsere Genossen haben in Bayern einen erfreulichen Anfang gemacht. Das direkte Wahlrecht erlaubt ihnen, auch da zu ernten, wo sie ins frische Erdreich neugewonnener Massen ihre Saaten ge- streut haben. Die großen Städte, wie München, Nürnberg, sind ihnen natürlich sicher und die stark industrialisierten Bezirke der Pfalz nicht minder. Daß aber auch sonst der Ackerboden trag- fähig geworden ist, zeigt das hocherfreuliche. Ergebnis in Fürth und Erlangen. Augsburg und Würzburg bedürfen noch zäher Arbeit und vor allem muß das stark proletarische Oberfranken mit aller Energie weiter in Angriff genommen werden. Hof und noch manch anderer Wahlkreis muß unser werden. Der schöne Sieg, den unsere Genossen errungen haben, wird Sporn und An- trieb sein, durch rastlose Arbeit im Landtage, wo sie allein auch die sogenannten liberalen Forderungen zu vertreten haben, und unermüdliche Agitation besonders in den Elendsdistrikten der Heim- industrie und den Sklavereiplantagen der Großindustrie(Augs- bürg) die Massen an sich zu fesseln. Kultur- und Klassenpartei zu sein— ist die dankbare Aufgabe der Sozialdemokratie in Bayern. Unsere 20 Vertreter sind gewählt in Nürnberg(5). München(8), Fürth(2), Erlangen(1), Ludwigshafen(2). Kaiserslautern(2). Da zwei Kandidaten zweimal gewählt sind, haben zwei Neuwahlen stattzufinden. Hus der Partei. Internationaler Sozialistischer Kongreß Stuttgart 1907. Der Internationale Sozialistische Kongreß findet in Stuttgart vom 18. bis 24. August 1907 statt. Das unterzeichnete Komitee teilt mit, daß die Anmeldungen der Teilnehmer am Kongreß nunmehr erfolgen sollten, damit recht- zeitig die Wohnungen belegt werden können. Die Preist für 1 Bett pro Tag liegen zwischen 1,50 M. und 3 M. ohne Frühstück. Für Frühstück(Kaffee, Tee oder Schokolade mit Butter und Brot) wird im Durchschnitt 75 Pf. bis 1 M. berechnet. Für Mittagessen 1,50 M. bis 2,50 M. Das Nachtessen wird in der Regel ä In carte genommen. Die Preise sind die gleichen wie in den Großstädten Europas. Soweit als möglich sollen die Teilnehmer um Kongreß je nach ihrer Nationalität gemeinsam in geeigneten Hotels untergebracht werden, was den Berkehr der Genossen untereinander wesentlich er- leichtern dürfte. Die Stuttgarter Hotels liegen sämtlich in der Nähe deS Bahn- Hofs und des Kongreßlokals. Stuttgart, 27. Mai 1907. Furtbachstr. 12. Für das Lokalkomitee: H. Dietz. Am 9. Juni findet in Brüssel eine Sitzung der Mit- glieder des Internationalen Bureaus statt. In dieser Sitzung wird auch die provisorische Tagesordnung des Jnter- nationalen Kongresses festgestellt, deren Veröffentlichung unmittelbar anschließend erfolgen wird._ Eine Krisis ist im Sozialdemokratischen Verein zu Halle a. S. ausgebrochen. Sie kam in der Amtsniederlegung einer Reihe von Borstandsmitgliedern zum Ausdruck. Ueber die Gründe unterrichtet der Bericht des„VolköblatteS" nicht. Auch eine Ausführung, die der Bericht den Genossen Thiele tun läßt, ver- breitet darüber keine Klarheit. Er führte danach die KrisiS im Partcileben auf die beiden Auffassungen über die Parteitaktik zurück. von denen die eine von der alten Taktik, die unter dem Schandgesetz angewandt werden mußte, nicht abgehen will, während die zweite die Erledigung der Geschäfte auf wirklich demokratischer Grundlage verlange. Er stellte folgenden Antrag: Die heutige Versammlung wählt eine Kommission von fünf Mitgliedern, welche der Vereinsversammlung im Juli Vorschläge Aus SccmannSgeschlecht und an der See geboren, zeigt er sich schon als Kind unleidlich gegen den Zwang der Schule in der Buchgelehrsamkeit. Mit anderen Knaben flieht der Bursche vom Vaterhause in einem kleinen Boot, wird aber eingefangen. Durch den Streich sieht der Vater ein, daß der Hang zum Seemannsleben übermächtig ist. Und so bleibt der junge Garibaldi Schiffsjunge und Matrose, und bildet sich zum meisterhaften Seemann aus, bis etwas über ihn kommt, das noch übermächtiger ist und für sein Leben bestimmend werden sollte: der Wunsch, sein Vaterland geeint zu sehen. Er trat dem Geheimbunde„Giovane Jtalia" Idas junge Italien) bei, gegen den alle Regierungen, auch die des Königreichs Sardinien, mit Blei und Eisen vorgingen. Am 5. Februar 1832 muß er aus Genua fliehen, als Bauer verkleidet, und bald darauf liest Garibaldi zum ersten Male seinen Namen in einer Zeitung, im„Popow sovrano" von Marseille, das seine Verurteilung zum Tode abdruckt. Während der Flücht- ling in der Hafenstadt den Lauf der Dinge abwartet, bricht die Cholera aus und Garibaldi verbringt seine Nächte als freiwilliger Krankenpfleger in den Cholcrabaracken. Solange in Italien die revolutionäre Bewegung noch schlummerte, trägt sein Schicksal ihn dahin, wo ein« opferreiche Revolution in hohen Flammen steht, nach den südamerikanischen Staaten. Hier stellte sich Garibaldi und eine Handvoll Italiener in den Dienst der Republik von Rio Grande, in den Dienst einer hoffnungslosen Sache, die den meisten dieser jungen Himmel- stürmer Entbehrungen und frühen Tod brachte. Als Seeräuber auf kleinen, primitiven Schiffen, als Flüchtlinge oder Verfolger auf den endlosen Steppen oder in den dichten Urwäldern, im Kampf mit Elementen und mit Menschen wird Unglaubliches geleistet und noch Unglaublicheres ertragen. Bei einem Ucberfall auf sein Korsarenschiff erhielt er eine Kugel in den Hals und bleibt für tot auf Deck liegen. Ohne ihn wissen die Gefährten nicht, welche Richtung sie einhalten, nack welchem Hafen sie steuern sollen. So breitet man vor seinen Augen, die sich für immer zu schließen drohen, die Schiffahrtskarte aus und der Schwervcrwundete, der nicht sprechen kann, weist mit dem Finger Santa-Fö als nächstes Ziel. In der Folge wird Garibaldi gefangen genommen, nach einem Fluchtversuch ausgepeitscht und an einem Baum aufgehängt, worauf dem schon Halbtoten Ketten angelegt werden. Wieder in Freiheit gesetzt, geht das alte Leben wieder an. Bei einem Ueber- fall weist er mit 13 Gefährten 150 Feinde zurück; bei einem Schiff- bruch verliert er all seine Landsleute, darunter zwei seiner treucsten Freunde, Carniglia und Matru. Beiden ist er zur Seite in ver- zweifelten Rettungsversuchen, bis sie die Weges vegWpfiß, Lv des zu unterbreiten hat auf Ueberführung der Genossenschasts- druckerei in Parteieigentum und auf Beseitigung aller störenden Einflüsse, durch welche die frische Entwickelung des Parteilebens gehemmt wird. Der Antrag wurde nach längerer Debatte, an der die Genossen Ebeling, Groß, Fröhlich und Albrecht die eine, die Genossen Votz, Thiele und Gräfe die andere Seite bildeten, mit 118 gegen 96 Stimmen abgelehnt. Mit der Ueberführung der Druckerei in dos Eigentum der Partei waren jedoch im Prinzip alle Redner ein- verstanden. Für die ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden andere Genossen gewählt. pollreiUches»©erlditlichca nlw. Strafkonto der Presse. Eine Mahnung für die Berichterstatter und Korrespondenten der Zeitungen, auf die sich die ver- antwortlichen Redakteure bei der gegenwärttgen Organi- sation des ZeituugSwesens in den meisten Fällen verlassen müssen, ist ein Preßprozeß, der am Mittwoch vor der Straf- kammer in Straßburg gegen den Genossen Max Schneider von der„Freien Presse" verhandelt wurde. In einem Artikel im November vorigen Jahres hatte die„Freie Presse" verschiedene Mißstände in der Behandlung der Mannschaften der neunten Kompagnie des 126. Jnfanterie-Negiments zur Sprache gebracht rind dabei den Feldwebel und den Hauptmann der Kompagnie be- stimmter Verschlungen beschuldigt. Ferner waren in dem Artikel Mißstände in einem Pionierbataillon geschildert. Während mm in dar letzteren Angelegenheit gegen unseren Genossen nichts unternommen wurde, klagten gegen ihn der Feldwebel und der Hauptmann. Die Verhandlung ergab, daß die Vorwürfe gegen diese beiden Militärs nicht aufrecht erhalten werden konnten. Das gleiche Mißgeschick traf den Angeklagten mit einer zweiten Notiz auS Zabern, in der im Oktober v. I. behauptet worden war, ein Leutnant des 99. In- santerie-RegimentS schlage seinen Burschen mit der Reit- oder Hundepeitsche. In der Verhandlung stellte sich heraus, daß einige Frauen im Hofe des von dem Leutnant bewohnten HauseS in dessen Wohnung erwaS klatschen gehört hatten. Eine dieser Frauen vermutete, daß der Leutnant seinen Burschen schlage; es entstand ein Gerücht in der Stadt; der ständige Berichterstatter erfuhr davon und berichtete an die„Freie Presse", die im Vertrauen auf die bis- herige Zuverlässigkeit des Mannes die Notiz anstandslos passieren ließ. Der Staatsanwalt beanttaate gegen Genossen Schneider nicht weniger als 1600 M. Geldstrafe. Das Gericht erkannte auf 800 Mark Geldstrafe. Genosse P r ü t e r von der„Schleswig-Holsteinischen Volks- z e i t u n g" zu Kiel wurde von der Strafkammer wegen Beleidigung des Eisenbahnpräsidenten zu Essen zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt. Es handelte sich um dieselbe Sache, wegen der Genosse Weber vom„Vorwärts" seinerzeit zu 600 M. Geldstrafe verurteilt wurde. Die„SchleSwig-Holsteinische Volkszeituug" hatte den betreffenden Artikel des„Vorwärts", worin der Präsident der un- gerechten Verteilung der Remunerationen beschuldigt war, abgedruckt. ES erwies sich bekanntlich, daß der Gewährsmann des„Vorwärts" falsch berichtet worden war. Während in B e r l i n der Staats- anwalt sechs Wochen Gefängnis beantragt hatte, wollte sein Kollege zu Kiel den Preßsünder auf vier Monate eingesperrt wissen. Eue Industrie und Kandel. Das Material der sozialistischen Presse. Der bekannte Anwalt scharfmacherischen Allüren, Herr Dr.Beumer, der aus weiser Vorsicht bei der letzten Wahl auf die Reichstags- kandidatur in Duisburg-Mülheim verzichtete, rezensiert in der von ihm redigierten Unternehmerzeitschrist„Stahl und Eisen" ein Buch von Otto Jeidels„Die Methoden der Arbcitercntlöhnung in der rheinisch-westfälischen Eisenindustrie". Er lobt den Verfasser wie folgt: „Wir lernen den Verfasser als einen aufinerksamen und gründlichen Beobachter kennen, der in der Darlegung der gewcrb- lichen Grundlagen und der Lohnbemeslung, der Lohnfests-tzung. Lohnverrechnung und Lohnanszahlung die bestehenden Verhältnisse aufweist und kritisch bespricht, so daß sein Buch ohne Zweifel einen wertvollen Beitrag zu den Untersuchungen über die Arbeiter- entlöhnung darstellt." Dann aber wird der aufmerksame und gründliche Beobachter wegen mangelnder Objektivität abgestraft. Jeidels war nämlich so vorurteilslos, die Wahrheit nicht nur nicht zu strangulieren, sondern sie auch in einem Falle ausdrücklich zu konstatieren, wobei er sich sagen mußte, daß dafür die Anrempelnnge» nichts ausbleiben würden. Er schreibt nämlich: „Wer die sozialdemokratische Presse Rheinland- Westfalens kennt, muß sie als ausgezeichnetes Material für wissenschaftliche Betrachtung der Arbeiterverhältnisse erklären, da es hier nicht so sehr— tme der betreffenden Fabrikleitung und den Gerichten— Erlebnissen dieser Jahre ist genug an Wagen und Erdulden, um Dutzende von Durchschnittsleben auszufüllen. Nach den Schrecknissen dieses Schiffbruchs fühlt er sich einsam, liebcsbedürftig. Er sucht mehr als einen Ersatz für die verlorenen Freunde: er sucht eine Gefährtin für sein Leben. Vom Schiffe aus durchforscht er die Küste von Santa Catcrina, bis er bei einem Hause ein junges Weib gewahrt. Die Brautschau aus der Ferne genügt ihm und Garibaldi macht sich auf. um Anita zu werben. In seinen Erinnerungen schildert er das erste entscheidende Zu- sammentrcffen:„Wir standen einander gegenüber, beklommen, ohne ein Wort zu sagen, uns gegenseitig betrachtend, wie zwei Menschen, die sich nicht zum ersten Male sehen und die einer in den Zügen des anderen nach einem Kennzeichen suchen, das die Erinnerung auffrische. Endlich begrüßte ich sie und sagte:„Du mußt die Meine werden." Ich konnte wenig Portugiesisch und sprach die tollkühnen Worte in Italienisch. Immerhin— ich war magnetisch in meiner Frechheit. Ich hatte einen Knoten ge- schlungen, ein Urteil gefällt, daS nur der Tod brechen konnte." Eine elementare Leidenschast, etwas Verhängnisvolles, vor dem jede Rücksicht schweigt, hatte sich dieser beiden Menschen bemächtigt. Anita war eines anderen ManneL Braut, als sie Leben und Schick- sal in Garibaldis Hände legte.„Wenn Schuld dabei war, so war sie meine allein. Und— es war Schuld dabei. Ja! zwei Herzen verknüpften sich mit unendlicher Liebe und das Leben eines schuld- losen Menschen wurde dabei zerbrochen." Unerhörte Schwierigkeiten ertrug Anita an dieses Mannes Seite. Der Mutterschaft nahe, blieb sie auf Deck, während kkie Kanonenkugeln um das Schisf sausten— mit dem drei Monat- alten Säugling im Arm, ohne Nahrung und ohne Schutz gegen Kälte ritt sie mit Garibaldi durch den Urwald, Strapazen crdul- dcnd, denen die Krieger zu Dutzenden erlagen. Ihr Mann schreibt von ihr, daß er sich oft im Leben ihren Mut gewünscht hätte. Der Hcldenkampf der Republiken erschöpfte sich, und die Schaar junger Leute, die sich unter Garibaldi in der herben Schule gcstäblt hatte, wandte sich einem anderen Schauplatz zu: was in Amerika abenteuerlich war. weil der Erfolg tiefer geschichtlicher Furchen versagt blieb, wurde in Italien heroisch, wurde die große ge- schichtliche Tat. Demselben König, dessen Regierung ihn 1834 zum Tode verurteilt hat, stellt sich Garibaldi jetzt(1348) zur Verfügung. Es waren ihrer 61,„junge Veteranen", wie ihr Führer sie nennt, mittellos, schlecht gekleidet, mangelhaft bewaffnet, aber die Glorie ihres Namens genügte, um in wenig Tagen 3000 Freiwillige um Garibaldi zu schaaren. Und nun beginnt ein niederträchtiges Spiel, das sich immer wiederholte, bis der alte Löwe nach ge» auf die absolute Zuberlässigleit in den Angaben iiver eine spezielle Werkstatt, als auf den typischen Vorfall ankommt.... Fabrik- inspektoren und die Unternehmungen selbst legen den Angaben dieser Zeitungen praktischen Wert bei; die Finna Krupp z. B. schickt jedem Betriebsfiihrer die seine Werkstatt betreffenden Zeitrmgsangriffe zur Prüfung in Abschrift oder als Ausschuitt in den Betrieb." Also es kommt dem Verfasser auf die typischen Vorfälle an, er hält es für weniger wichtig, wenn sich einzelne Details vor'Gericht nicht erweisen lassen, oder die Anwendung des BeleidigungS- Paragraphen sich ermöglichen läßt. Dr. Beumer erklärt dazu, was der Verfasser als typische Vorfälle betrachte, seien Erfindungen der sozialdemokratischen Presse. Dieser Herr, dem schon öfter nach- gewiesen ist. daß er die Wahrheit beim verkehrten Ende erwischt hatte, scheint der Größenwahnidee verfallen zu sein, leere Behaup- tungen von ihm könnten Anspruch darauf machen, irgendwie als Beweis zu gelten. Aus dieser Stimmung heraus schließt er seine Schimpf- und Strafepistel mit folgendem Anwurf: .So stellt sich denn auch im Kopfe des Verfassers manches als„typischer Vorfall" dar, was lediglich der Erfindungsgabe eines sozialdemokratischen Agitators entsprungen ist und in der Arbeiterpresse«als ausgezeicknetes Material für wissenschaftliche Betrachtung der Arbeiterverhältnisse" seinen Niederschlag ge- funden hat." Wir wollen nur konstatieren, daß Dr. Beumer noch nicht in der Lage gewesen ist, eine einzige materielle Angabe in der sozia- listischen Preffe als Erfindung nachzuweisen; das mag als Maßstab für die Erfindungsgabe dieses Herrn genügen. Auf das Buch des Herrn Jeidels selbst kommen wir noch zurück. Kritisierte Gründungen. In den in Berlin erscheinenden Zeit- schriften„Ratgeber auf dem Kapitalmarkt" und„Börsen- und Handelszeitung" erschienen im Herbst 1907 scharfe Kritiken über die Geschäftsgebarungen zweier Hamburger Reedereien, der«Chinesischen Kiistenfahrt-Gesellschast A.-G." und der„Hamburg-Bremer Afrika- Linie A.-G.", die zusammengelegt sind und jetzt den Titel der letzteren Gesellschaft führen. Beide Reedereien unterstehen der Leitung deS Hamburger Schiffsreeders Menzel!, der sich durch die Kritiken beleidigt fühlt und gegen den Redakteur Kaufmann vom„R. a. d. K." und den Redakteur K o r a ch von der«B.« u. Hztg." Privat- klagen anstrengte, die vor dem Schöffengericht IH zu Hamburg zur Verhandlung gelangten. In dem Artikel des erstereu Blattes, der die Ueberschrift„Ein gescheitertesProjekt" trägt, wird von verfehlten in der Luft schwebenden Unternehmungen, die nichts zu verlieren hätten, gesprochen. Es sei Herrn Menzell noch immer ge- lungen, seine Interessen und die der von ihm abhängigen Gesell- schaften auseinander zu halten. Die Hamburg-Bremer Äsrika-Linie sei ein von vornherein verfahrenes Unternehmen. Die andere Gesell- schaft sei jetzt in arger Verlegenheit; die neue Gründung werde sofort an das Portemonuaie des Publikums appellieren, das iu letzter Zeit ohnehin in mehr als normalem Maße für zweifelhafte Gründungen in Anspruch genommen sei. Der andere Artikel ist be- titelt:„Finanzielle Totengräber", zu denen der Privat-. tläger gezählt wird. Diese Totengräber plündern systematisch gute Unternehmungen aus und streifen hart an den Mauern des Ge- fängnisses. Die Totengräberei sei die ins große übertragene Praxis der niedrigsten Klasse von Geldverleihern, die ihre Opser langsam und sicher dem Ruin entgegenzuführen verständen. Die Kunst, zwischen den Paragraphen des Gesetzbuches geschickt hindurch- zuschliipfen, sei bei dieser Art von Geschäftsleuten zu erstaunlicher Virtuosität entwickelt, und selten gelinge es den ausgeraubten Aktionären, ihr Unternehmen den Saugarnien des Vampyrs wieder zu entreißen oder gar einen solchen Totengräber der strafenden Gerechtigkeit zuzuführen usw. Beide Angeklagte erklären, in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt zu haben, wie es auch ihre Pflicht sei, das Publikum vor solchen Unter- nehmungen zu warnen. Die Artikel kritisierten nur die Auswüchse im Handel und Wandel. Der Beklagte Korach wundert sich über die Sensibilität des Privatklägers, der ihm nach Erscheinen seines Artikels einen Brief geschrieben habe, in dem Herr Menzell ihm „Gasscnjungenton" vorwerfe. Wegen dieses Briefes erhebt Herr Korach Widerklage, der stattgegeben wird. Der Beklagte Kaufmann bemerkt noch: Die Kursnotierungen der Chinesischen Küstenfahrt- gesellschaft seien an der Hamburger Börse und auch an der Berliner Börse gestrichen worden und die Aktien der Hanseatischen Dampfer- kompagnie seien zur Notierung an der Börse überhaupt nicht zu- gelassen. Im Jahre 1905 hätten die Aktionäre dieser Kompagnie dem Kläger in der Generalversammlung die Entlastung verweigert. Das Gericht verurteilt Kaufmann zu 100 M. oder 10 Tagen Haft, Korach zu WO M. oder 50 Tagen und Menzell zu 60 M. Geldstrafe oder 6 Hagen Haft. Preiserhöhungen. Wie dem„Konfektionär" aus dem böhmischen Industriegebiet berichtet wird, haben sich die Fabrikanten der einzelnen Branchen der Glaskurzwarenindustrie in geschlossenen Gruppen vereinigt, in denen gemeinsame Interessenvertretung an- gestrebt werden soll. Die Gablonzer Glasknopfsabrikanten haben sich ebenfalls vereinigt. Auch die Glossier- und Schmucksteinerzeuger von Reichenau und den umliegenden Jndustrieorten schließen sich zu einer Produktionsaenossenschast zusanunen. Die Folge dieser Ver- einigungen sind überall Preiserhöhungen der Fabrikate in der Höhe von 10—15 Proz. Auch die Gablonzer Similiseure, die Fabrikanten tanem Werke sich auf die Insel Caprera zurückzog. Die maß- gebenden Staatsmänner, Cavour nicht ausgenommen, fürchteten Garibaldi seiner überragenden Persönlichkeit und seines rcvo- lutionären Sinnes willen, wollten ihn aber als Werkzeug und Aushängeschild benutzen. Für diesen ersten norditalienischen Feld- zug ließ nian die in seinem Namen geworbenen Freiwilligen gar nicht zu ihm stoßen. Die königlichen Kommiffäre finden das rote Wollhemd der Garibaldianer zu auffallend, hüten sich aber wohl, andere Mäntel zu besorgen, so daß die Truppen in Leinenanzügen im Winter dreimal den Appennin überschreiten müssen! Nach diesem Muster wurde immer verfahren. Der Kriegsminister bestimmt, daß die Legion der Garibaldianer nicht über 500 Mann stark sein dürfe, später erlaubt man ihm. es auf 1000 zu bringen, immer schikaniert man ihn. mit Order und Konterorder, ruft ihn zum Ober-Kom- mando und gibt ihm dann einen untergeordneten Posten. Ja, als die Tausend nach Marsala ziehen und Garibaldi in Mailand die Gewehre abholen lassen will, die aus dem Geld einer öffent- lichen Sammlung für seine Truppen angeschafft worden waren, werden seine Abgesandten auf Anordnung CavourS mit Gewalt verhindert, ihr Eigentum zu nehmen! Man gibt ihnen schließlich elende Waffen„mehr Türricgel als Gewehre", bei denen die Mehr- zahl der Schüsse versagt. Mit solchen Waffen hat man das Korps ausgerüstet, das die Geschichte neben den Dreihundert des Leonidas nennt. Und als f3W die Garibaldianer in Palermo liegen, sich gegen eine ungehenre Uebermacht bourbonischer Truppen wehren, da verweigert eine in jenem Hafen verankerte italienische Fregatte jede Hülfe, obwohl der Mangel an Munition so groß war, daß man sie, wie Garibaldi schreibt, gern mit Blut aufgewogen hätte. Die- selbe Angst vor dem Volksführer ließ die italienische Regierung in Aspromonte italienische Gewehre auf Garibaldi richten,.eine Tat, die wohl zu den infamsten gehört, deren die Geschichte gedenkt. Auch während deS Tiroler FeldzugS, als es Garibaldi ein leichtes gewesen wäre, Hunderttausend Freiwillige aufzubringen, waren nur wenige Tausend unter Waffen, als die Niederlage von Custoza hereinbrach: dse Mehrheit wartete noch in Süd-Jtalien auf Stiefel und Waffen. Was die Regierung tun konnte, um den blonden Sohn der Revolution zu verderben, der ihr Italien er- oberte, das hat sie von Anfang bis Ende redlich getan.— Von den Waffentaten der italienischen Einheitskriege kann hier nicht die Rede sein. Wie Garibaldi die römische Republik verteidigt, wie die Truppen des republikanischen Frankreich für den Papst und gegen die Freiheit kämpfen, Garibaldis Flucht und Anitas Heldentods die Befreiimg Siziliens, bei der eine Handvoll Frei- der Druck- und Schwarzperlenbranche und der Glasschieber für Schnhrosette» und Schleifen haben ihre Preise um 10—15 Proz. erhöht. Soziales. „Sie dürfen eben nicht Streikposten stehen.' � Die in der Ueberschrift wiedergegebenen Worte, deren Inhalt auf das flagranteste gegen das Reichsrecht verstößt, sind in einer am Freitag vor dem Leipziger Schöffengericht verhandelten Straf- fache von einem— königlich sächsischen Richter gebraucht. Sie kennzeichnen ebenso wie die Verhandlung selbst die völlige Un- kenntnis gelehrter Richter mit den ökonomischen Forderungen und der auf ihnen beruhenden Gesetze, die das Koalitions recht und damit, wie selbst das Reichsgericht anerkannt hat, auch das Recht zum Streikpostenstehen gewährleisten. Ueber die Verhandlung entnehmen wir folgenden Bericht unserem Leipziger Bruderorgan: Nach der Anklageschrift soll der Möbelräumer Rudolf S. am 25. März 1907, zur Zeit des Möbeltransportarbeiterstreiks auf der Sebastian Bachstraße Streikposten gestanden und dem Geschirr« führer Lässig, der Musikautomaten auflud, zugerufen haben:„Du Streikbrecher, Du Lump— Du bist ja ein schönes Vieh,— Du kriegst Deinen Teil später!!"" Ferner soll er auf die Aufforderung eines Schutzmanns, sich zu entfernen, geäußert haben:„Ich kann hier bleiben, so lange ich will." In der Anklageschrift hieß es weiter, S. sei dem Wagen dann bis Gohlis gefolgt und habe auf dem Wege Lässig ständig„belästigt". Dadurch soll der Angeklagte die ZK 152, 153 der Gewerbeordnung und eine Straßenpolizei- Verordnung verletzt haben. Von den Behauptungen der Anklage blieb in der Verhandlung sehr wenig übrig. Der Angeklagte gab an, er sei am Streik der Möbeltransporteure beteiligt gewesen und habe vom Verbände den Auftrag erhalten, Streikposten zu stehen. Er leugnete auf das be- stimmteste die ihm zur Last gelegten Ausdrücke und nannte den Inhaber einer ganz nahe bei dem Ort gelegenen Wirtschaft, an dem die Beleidigungen gefallen sein sollen, als Zeugen, daß er nur ge- sagt habe:„Ich denke. Du willst keine Möbel mehr vom Platze räumen?" Als ihn der Schutzmann weggewiefcn habe, sei er wieder in die Wirtschaft gegangen, um dann dem Wagen bis nach Gohlis zu folgen, ohne irgendwie den L. zu belästigen. Der Zeuge Lässig gab in der Verhandlung eine völlig andere Tarstellung des Falles, als in der Anklage verzeichnet stand. In der nahen Restauration hätten sich mehrere Gäste befunden, unter ihnen auch der An- geklagte. Durch das Fenster seien die Worte zu ihm gedrungen: „Du Lump— Du Streikbrecher". Ob ihm der Angeklagte diese Worte zugerufen habe, könne er nicht behaupten. Dieser habe sich zum Fenster hinausgelehnt und gesagt:„Du bist ja ein hübsches, gemütliches Schwein— ich grüße Dich im Namen deS Kollegiums." Ob der Ausdruck:„Wir lvollen Dirs beibringen", gefallen sei, könne er sich nicht besinnen! Auf den Vorhalt des Vorsitzenden, weshalb er denn auf der Polizei eine ganz andere Darstellung des Falles gegeben habe, auf die sich die Anklage stützte, erklärte Lässig mit Bestimmtheit, daß er es auch dort nicht anders gesagt habe! Er sei Gcschirrführer und habe»lit dem Streik der Möbeltransport- aibeiter nichts tun gehabt. Der Schuvmann Staupe sagte aus, daß er selbst nicht die inkriminierten Ausdrücke gehört habe. Die Beleidigungen seien ihm von einem Schneidermeister hinterbracht worden. Er habe dann den Angeklagten, der auf- und abgegangen sei, aufgefordert, sich zu entfernen. Dieser habe ihm aber ge- antwortet, er könne sich aufhalten, wo er wolle. Er habe sich dann den Namen des Angeklagten notiert und in Gohlis sei dieser später verhaftet worden. Folgende kleine und bezeichnende Episode spielte sich noch ab: Der Angeklagte: Als mich der Schutzmann aufforderte, mich zu entfernen, habe ich eben geglaubt, daß ich die Berechtigung habe, Streikposten zu stehen.— Der Vorsitzende: Sie dürfen eben nicht- Streikposten stehen! Da hätten Sie sich erst erkundigen müssen! Sie haben eben jeder polizeilichen Aufforderung Folge zu leisten.... Der Nmtsanwalt schien selbst im Zweifel zu sein, ob die Situation genügend geklärt sei. Er stellte den Eventualantrag, noch den Gastwirt und den Schneidermeister, die die Acußerungen noch gehört haben sollen, zu vernehmen. Im übrigen halte er die volle. Schuld deS Angeklagten für erwiesen. Aber selbst wenn das nicht festgestellt sei, daß er die inkriminierten Worte gebraucht habe, so genüge schon die Ehrverletzung und das Benehmen, die Voraus- setzungen der 88 �2 und 153 der Gewerbeordnung zu erfüllen.... Das Gericht hielt den Sachverhalt für geklärt genug und ver- urteilte S. wegen angeblichen Vergehens gegen die genannten Para- graphen der Gewerbeordnung zu einer Woche Gefängnis und wegen der Antwort auf die Aufforderung des Beamten zu zwei Tagen Haft! Fast noch krasser als das Urteil ist die mündlich verkündete Urteilsbegründung, die aufs trefflichste den inneren Widerwillen unserer Rechtsorgane gegen das Koalitionsrecht und ihre völlige Verstäiidnislosigkeit gegenüber den Gründen, die das KoalitionS- recht für eine nicht auf Sklavenrecht beruhende Gesellschaftsordnung notwendig machen und zur Festsetzung des§ 152 der Gewerbe- ordung geführt haben. Die mündlichen Urteilsgründe gingen dahin: Es ist„festgestellt", daß der Angeklagte den Zeugen Lässig nicht nur belästigt hat, sondern ihn auch durch versteckte Drohungen ver- anlassen wollte, der Streikvcrabredung beizutreten. Beinahe ebenso festgestellt und höchstwahrscheinlich ist es, daß es der Angeklagte ge- williger 20 000 bourbonische Soldaten vor sich hertrieben, der Ein- zug in Neapel, die Schlacht am Polturno und zuletzt die Niederlage von Mentana— das alles steht mit großen Lettern in den Tafeln der Geschichte und jeder sollte es kennen. Hier fei nur des Mannes gedacht, dessen TodeStag heute wiederkehrt und dessen Wesen sich keineswegs erschöpft in seinen Waffentaten. Der uns aus den ersten Blick als Abenteurer mit Kriegsheer erscheint, war zunächst und vor allem ein Mensch von seltener Milde und Güte, in dem das Verantwortungsgefühl so hoch und scharf entwickelt war, daß all sein Handeln einen Riesenaufwand phsychischer Kraft repräsentiert. Gewalttat und Grausamkeit waren ihm aus tiefster Seele zu- wider. Während des Aufstandes in Rio Grande erhielt er Befehl, einen Gegner durch Plünderung zu strafen. Er schreibt darüber in Aufzeichnungen aus dieser Zeit:„Ich wünsche mir und jedem, der nicht vergessen hat, Mensch zu sein, nie die Verpflichtung zum Plündern zu haben. Obwohl weitläufige Berichte über solche Schandtaten existieren, glaube ich, daß es unmöglich ist, all ihre Gemeinheit und Verruchtheit wiederzugeben. Ich habe nie einen Tag erlebt, an dem ich so viel Kummer und so viel Ekel an der menschlichen Familie gefühlt hätte. Die Mühen und Anstrengungen an diesem unglücklichen Tage, um wenigstens die Gewalttaten gegen die Personen zu zügeln, sind nicht zu sagen, nur mit Säbelhieben und unter Gefahr des eigenen Lebens gelang es mir. Aber was das Besitztum jeder Art betraf, konnte ich nicht schreckliche Ueber- griffe verhüten..... Endlich, mit Drohungen, Hieben und Nieder- stechen gelang es, die wildgewordenen Bestien wieder an Bord zu bringen". Und dieser Mann, der so viele Schlachten gesehen hatte, schrieb 1859 von sich:„Truppen organisieren— widerwärtigste aller Beschäftigungen für mich, der ich eine eingeborene Antipathie gegen das Soldatenhandwerk habe! Für mich, der wohl manchmal Soldat war, weil ich in einem versklavten Lande geboren wurde, aber immer mit Widerwillen, überzeugt, daß es ein Verbrechen ist, sich gegenseitig abzuschlachten". Die Sorge für das Leben seiner Soldaten, der Schmerz um jeden einzelnen Perlust hat etwas Mütterliches. So veranlagt, mußte Garibaldi in Aspromonte, gegenüber den italienischen Soldaten, Befehl geben, nicht zu schießen: er stand fest im'„brüderlichen" Kugelregen, bis er von zwei Kugeln durchbohrt zusammenbrach.„Wer besiegte dich?— singt von ihm Carducci nach Aspromonte— ach schweigt doch mit unehrlichem Rühmen— dich besiegte die Liebe zum Paterland— und im Fallen warst du Sieger". Wesen-ist, der jene Worte aus der Wirtschaft herausgerufen hat. Aber es genügt schon, daß er gesagt hat:„Du hübsches, gemütliches Schwein,— ich passe schon auf, wo Du hinfährst." Durch diese Ehrverletzung hat er Lässig zu bestimmen versucht, sich dem Streik anzuschließen. Daß dieser nicht Möbelräumer war, sondern Kutscher,— darauf kommt es nicht an. Der Angeklagte. ist vom sogenannten Verband mit der Ucberlvachung beauftragt worden. Es liegt nach alledem Vergehen nach 88 l53 und 152 der Gewerbe- ordnung vor. Man hat auf eine Woche Gefängnis erkannt, da die Belästigung doch ziemlich erheblich und hartnäckig gewesen ist, die der Zeuge Lässig freilich heute nicht mehr ganz zugibt und zugeben will, aber damals„doch ganz erheblich gewesen ist." Was die Nicht- bcfolgung der Aufforderung des Schutzmanns angeht, so war ihr unbedingt Folge zu leisten. Es würde die Anfrechterhaltung der Ordnung gefährden, wenn jedermann gleich das Recht hätte, sich zu beschwere» und die Maßnahmen der Beamten zu kritisieren. Auch hier lag ein ziemlich erhebliches Delikt(!) vor, und man habe zwei Tage Haft als entsprechende Sühne erachtet." Mag dies Urteil auch in den höheren Instanzen als ungerecht und gegen das klare Gesetz verstoßend aufgehoben und der An- geklagte freigesprochen werden— eS zeigt, wie notwendig gegenüber der ständigen Rechtsprechung gegen das Koalitionsrccht ein aus- reichender, strafrechtlicher Schutz des Koalitionsrechts ist. Zu Unrecht einbehaltener Lohn. Wegen Herauszahlung von 11,60 M�. Akkordlohn klagte der Schraubendreher Sch. gegen die Firma Stärk beim Berliner Ge- Werbegericht. Der Tatbestand war: Kläger hatte in Akkord 3200 Schrauben gefertigt, sie geliefert und voll bezahlt erhalten. Der Kunde der beklagten Firma schickte einen Teil an Stärk zurück, de: eine Anzahl als nicht brauchbar feststellte. Inzwischen hatte de: Kläger Sch. einen neuen Akkord ausgeführt, an dem nichts aus- zusetzen war. Unstreitig hotte er dafür. 11,60 M. zu beanspruchen. Diese Summe behielt nun Stärk zurück, um sich daran schadlos zu halten. Er meinte, er könne sich so einen Ersatz verschaffen für den Schaden, der ihm aus dem früheren Akkord erwachsen ist.— Die Kammer 5 des Olewerbcgerichts verurteilte den Beklagten zur Hcrauszablung deS Betrages und führte aus: Da nach 8 694 des Bürgerlichen Gesetzbuchs eine Aufrechnung gegen eine Lohnforde. rung nicht zulässig ist, sei selbstverständlich auch eine solche Zurück- bcbaltung des Lohns für eine einwandsfreie Arbeit nicht zulässig. Für den Dienst, den Kläger geleistet habe, müsse ihui Zahlung werden. Versammlungen. Deutscher Holzarbeitcrverband. Am 30. Mai hielt die Zahlstelle Charlottenburg eine außerordentliche Generalversammlung ab. Da der bisherige Bevollmächtigte, Kollege Pohl, sein Amt niedergelegt hatte, wurde an dessen Stelle der bisherige zweite Bevollmächtigte. Kollege Tuuack, und an� dessen Stelle Kollege Kussike zum zweiten Bevollmächtigten gewählt. Nachdem die Ver- sammlung über die gegenwärtige Lage verhandelt hatte, gelangten folgende Anträge der Ortsverwaltung zur Annahme: Der obli- gatorischc Wochcnbeitrag von 1,90 M. ist bis zum 1. Juli d. I. zu zahlen, ferner ist jeder Kollege verpflichtet, der während der Aus- sperrung voll gearbeitet hat. 10 Extramarkcn, wer 12 Wochen gearbeitet hat 0 und wer 6 Wochen gearbeitet hat, 3 Extramarkcn ä 1,10 M. zu kleben. Zuwiderhandlungen werden bei einer gvea- tuellen Lokalunterstützung abgezogen. Eingegangene Druckfebrifte«. Vom Markte der Seelen. Entdeckunasjahrten einer sozialen Frau (Olive Cla. Malvery) im Lande Armut. 2 M. Verlag: R. Vaigtländ« 1 Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. VoIkgRsfen-TMer. Bad-BehmstraSe— Bahnhof Gesundbrunnen— BellermannstraBe. Das Bild der Mutter oder Berliner Zlmmerleute. Volksstück mit Gesang in 3 Akten. - Hierzu:■ DaS neue Volksbelustigungen. X GroBer Ball. Reichshallen-Tbealer. ner Anlanst Sonntags 7 Uhr. Relchs- hallen- Garten und Restaurant Militär- Konzert. Schweizergarten Am Könlgstor. Am Friedrichshain. Straßenbahn 1,2,4, 17,59, 62, 63 u. 74. Täglich: Tliealer-Vorstellung. Neue Spezialitäten. Rinematographundfiail. Freier Damentanz. Ansang 5 Uhr. Entree 30 Ps. Sanssouci, S'" Direktion Wilhelm Reimer. Bei günstiger Witterung aus der Gartenbühne. Sonnt., Moni., Donnerst.: Holtanz Nordd. Sänger Der Onkel au! Reisen. Posse mit Gesang. Sonnl. Beg.5,wochent.8U. Morgen Montag: Gr. Elile-Solree.— Tanz. Fröbels Allerlei-Theater (früher Puhlmiuin) Schönhauser Allee 148. Heute Sonntag: Das großartige neue Juni-Progr. u. a.: Mar» Ein»+ Rudo Kröhl-f Hr. Hopkins 4- Roosevelf+ Zeitinger Prolonglrt! Corty u. Rettlb-f Hermann Milardo+ The Ounbars-f Mis Silvia. �°/uhr-"t!eniej!ktl!s8Lehen. Eintritt 30Ps. Mittwoch: Sanderabend. Gustav Behrens-Theater. Berlin W., GoltzstraOe 9. Ob Regen, ob Sonnenschein Das neue grossarttge Juni- Programm. w- llannySapriee,i1r9Ä"Ä' Grete Reaumb, Soubrette. Willy Schönberg, Humorist. ?? Grelfenberger prolongiert?? und die anderen Spezialitäle». Zum Schluß die urkomische Posse: Die Kassen in der Perücke oder: Ein verunglücktes Stelldichein. Ansang 8 Uhr, Sonntags 6'/, Uhr. ?teue Melt Hasenheide 108-114. — Im Konzertgarten:— Täglich; Großes Konzert Jeden Sonntag, Dienstag, Donnerstag: : Mllitär-Konzert.: Jeden Montag, Mittwoch, Freitag: : Tdeiß-Ovclioster. s Enttee 10 Pf. Enttee 10 Ps. Im Theatergarten: Täglich: Großes Konzert des Neue Welt-Orchester» und Spezialitäten-Vorstellnng. Enttee 25 Ps. Enttee 25 Ps. Jeden Mittwoch Klnderfeot. Jeden Donnerstag Elite-Tag. Otto Pritzkow nunzsstrafie 16. ilt-iDSStetlniigs- l"(81. Uni») Theater lebender Photographien. Täglich Eingang von — Neuheiten.—-» ♦ Den ganzen Tag Vorstellung. ♦ fisthahn-starh Am Küstrinerplatz, RDdersdorteratr.Tt Hermann Imbs. Täglich: Großes Konzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstellung. Alhambra Wallner-Theaterstratze 15.• Großer Ball Großes Orchester. Ansang Sonntag» 5 Uhr. A. Zameitat. Ober-Schb'neweide a. d. Oberspree. Inh.: Allh. Jloernoi' (Neues KonzertHauS). 42812») Heute: Extra-Reunion (Leitung: Tanzlehrer«ach»). Für Bereine und Gewerk- fchaften im Sommer noch Sonnabends zu vergeben. Bedingnngen in bekannter kulanter Weise. AJAN öpittelmarkt Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag Belle Aliiancestrasse Grosse Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Kottbuser Damm Soweit Vorrat 4 Spitzen- und Weiss waren- Tage Valenciennes-Spitzen u. 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Spitzen-Aermel Ä�nsÄÄre�P� 65, 85, 1.25 JaC kett-Kragen aus Muli, Batist oder Spachtel-Stickerei 45, 75, 90. 1. 25, 1. 50 Kragen-u.Manschetten-Garnituren 85, 1.10, 1.25, 145 für Jacketts oder Kleider in aparten Mustern Spachtel-Manschetten sehr modern Paar 45, 65 Pt Grosse Posten Spaehtel- Passen und Plastrons die beliebteste und modernste Garnitur für Blusen, Stück 45, 75, 95, 1,25, 1.4:5, 1.75, bis 4.50 J�estc u. Kupons in Spitzen, Stickereien u. Seidenband Sonnenschirme Weiss Batist mit Einsatz 1.35 Weissßatist mit Einsatz und Lpitze 2.10 Weiss Halbseide mit Einsatz und Spitze 4.50 Entout-cas„Reine Seide» inU nfir+zal ca. 6 cm breit mit hübschen farbigen nrt VV d.oL.n->JUriol oder weissen Bordüren besetzt DUPf. Wasch-Gürtel g cm breit, Imitiert Leinen, nr mit weisser od. farbiger Stickerei, in versch. Ausführungen/ O Pf rüfir+öl ca. 6 cm breit mit sehr reicher imitiert "" o.oL>I 1" va U 1 ItJl türkischer Stickerei, weiss oder dem in verschiedenen aparten Muslern 90 pt Weiss Rips Weiss Batist äjour Weiss Leinen Meter Pf. 48, 75 Pf- Weiss Mull Eepunkt Meier 55, 75 Meier 38, 58 Pf. WeiSS Inäls, Mull Meter 68, 95 Pf. Meter 55, 85 Pf. kuum voll-Mussslm L'Su'iS 28, 35, 43 Pf Zephir für Blusen und Kleider v-'f df.M.ter ee pf. r.-°,.t.r Vert di. Meter SO Pf. � is'e Roden gsnz desenclers preistvert India-Mull Leinen-Imitation Seiden-Batist 2.95 5.95 6�95 Roben modernste Ausfuhrnng, weit unter regulärem Wert Serie I Serie ll Serie III 8,75 12.50 16.50 Wollene u. reinwollene Kleiderstoffe darunter Alpaccas in Karos u. Streifen, Efamincs u, andere duftige Gewebe, Cf-AjetztEinlieitspreis regulärer Wert b. Meter �.......... Meter 95. Verkaufssielle für jabonnemenismarken der Grossen berliner Sirassenbahn Utrantvortlicher Redakt?ur: Hans Weber. Berlin. Kür de» Snierarenteil verantw.: Ttz. Gtsit«, Berlin. Krück u. Verlagi Borioärtlt GtÄdruckerei u. Berlagsaniial! Paul Singer Lr Co.. Berlin LÄs, Nr. 126. 24. Jahrgang. 3. Kilage des JorimW Sttlintt NcksdlR Zountag, 2. Juni 1907. Hus der fraucnbcwegung. Dienstboten und Herrschaften. Man schreibt uns: Im„Lokalanzeiger" erschien kürzlich ein Artikel, aus dem zu entnehmen war, dast man, um die Herrschaft vor schlechtem Per- sonal zu schützen, die Maßregel getroffen habe, daß die Stellen- vermittler einem Mädchen, welches seinen Dienst ohne Kündigung verläßt, kein Engagement mehr verschaffen dürfen. Diese Ver- ordnung dürfte voraussichtlich eine Verringerung der Dienstboten und eine Vermehrung der Prostitution zur Folge haben. Und man wollte doch, wenn ich nicht irre, die Prostitution bekämpfen! Eine Reform in bezug auf die Stellenvermittelung war schon längst dringend geboten— nur hätte der„dienende Stand", nicht der herrschende geschützt werden müssen. Ich bin Erzieherin, gehöre also auch dem dienenden Stande an. Für ein Engagement, dessen Zeitdauer im voraus niemand bestimmen kann, habe ich dem Ver- mittler, nebst einer entsprechenden Anzahlung für seine etwaigen schriftlichen Bemühungen, am Tage des Antritts 4 bis 5 Proz. vom Jahresgehalt zu entrichten. Eine lange Zeit hindurch habe ich Gelegenheit gehabt, das Verhältnis zwischen Herrschaft und Hauspersonal act oculos zu beobachten und ich mutz sagen, daß es viel angebrachter gewesen wäre, den Stellenvcrmittlern, die aus schnöder Selbstsucht immer wieder Mädchen auf Plätze schicken, wo es nicht auszuhalten ist, eine namhafte Geldstrafe für solche skrupellose Handlungsweise in Aussicht zu stellen, als die Prin- zipalität zu schützen, die doch hier von zwei Parteien den stärkeren Teil repräsentiert. Ueberhaupt möchte ich den Kollektivbegriff „Herrschaft" hier ein wenig näher erörtern. Wer ist denn eigentlich Herrschaft? Ein jeder, der auf irgend eine redliche oder unredliche Manier zu Geld gekommen ist! Ich will nicht gerade hervorheben, daß einige Leute sagen:„Ein ehrlicher Mensch kommt im ganzen Leben zu nichts!"— aber ich muß doch betonen, daß die Bereit- Willigkeit, mit welcher man Leuten, die das Portemonnaie im Wappen führen, Konzessionen macht, in unserer heutigen auf- geklärten Zeit nicht mehr ani Platze ist. Leider betrachtet die All- gcmeinheit jede berechtigte Klage der Unbemittelten, die ein hartes Schicksal in ein Dienstverhältnis zwingt, kurzweg als„Dienst- botcnklatsch", während das Lamento und Gezeter der Herrschaft als legitim und berechtigt gilt. So wie man die Prostitution niemals durch die gegen sie geschleuderten Anathemas ausrotten wird; denn ihre Ursache mutz entfernt werden, so wird inan dem Dienstbotenmangel nicht durch bloßen Spektakel abhelfen, sondern dadurch, daß man die bevorzugten Klassen zwingt, den Mitmenschen, die ihnen ihre Dienste widmen, mit Achtung zu be- gcgnen, ihnen ihren Sonntag und nach getaner Arbeit ihren Feier- tag zu gönnen, sie anständig zu beköstigen und zu behandeln, kurz- weg sie nicht als weiße Sklaven anzusehen, die jeder Willkür preis- gegeben sind. Hiermit bitte ich Notiz von einigen meiner selbst gc» sammelten Erfährungen zu nehmen: Eine kinderreiche Familie bewohnt 8 Zimmer, der kleinste Junge, ein strammer Einjähriger, der Tag und Nacht Radau schlägt und auf den Armen herumgetragen wird, hat ein Kinderfräulein, ein Hausmädchen und eine Köchin in ihren Diensten. Das Fräu- lein ist vollauf durch die schulpflichtigen Kinder beschäftigt, die sie zu verschiedenen Zeiten in die verschiedenen Schulen bringen und von dort wieder abholen muß. In derZwischenzeit kauft sie ein, wischt Staub, stopft und bessert aus. Tann kommt das Spazieren- gehen, die Nachhülfe in Musik und fremden Sprachen. Abends werden die Kinder gebadet, zu Bett gebracht und ihre Garderobe nachgesehen. Das Hausmädchen schneidert von früh bis spät für die Familie, die schon eine Unmenge von Kostümen besitzt. Alle schränke im Hause sind damit angefüllt. Das Personal muß seine Sachen in den Koffern behalten, denn nicht ein Plätzchen ist mehr für dasselbe vorhanden. Die Köchin, frühere Amme des Jüngsten, trägt, wenn sie nicht kocht, dasselbe umher. In diesem Haushalt klappt nichts! Die Gnädige, verlangt, daß das Hausmädchen fortwährend schneidert und das kleine, ver- wöhnte Kind fast unausgesetzt getragen wird, will auch, daß in ihrem großen Haushalt alles spiegelblank sei.„Drei Leute und doch keine Ordnung. Faules Volk!" Eine zweite Gnädige, sehr reich, aber völlig vom Geiz bc- sessen, tischt ihren Angestellten halb verfaulte Kartoffeln uno stinkendes Fleisch auf und ist empört über die Frechheit von Per- sonen, die das nicht essen wollen, was sie zu geben für gut findet. In ihren Kaffeegesellschaften, die sie zu arrangieren nicht umhin kann, sind die anspruchsvollen Dienstboten von heutzutage ständiges Gesprächsthema. Ein Herr, Witwer, von ehrbaren Allüren, der eine löjährigc Tochter und einen großen Sohn hat, sucht per Annonce eine gebildete Dame zur Leitung des Haushalts, Beauf- sichtigung der Tochter und Führung der Geschäftskorrespondcnz. Ein Fräulein aus guter Familie tritt den Posten an und freut sich der ihr nun wirkenden Selbständigkeit. Aber kaum ist sie drei Tage im Hause, so belästigt der ehrwürdig aussehende, schon er- graute Herr sie mit zweideutigen Erzählungen und Redensarten. Er wird schließlich handgreiflich und sagt ihr geradeheraus, was beim Engagement sein Hauptzweck war. Was bleibt dem Fräulein übrig? Sie verläßt augenblicklich den Dienst. Ein anderes Bild! Eine Dame aus der guten Gesellschaft ist von unfreundlichem, cholerischem Temperament. Wenn sie zur Visitc geht oder selbst Besuch empfängt, muß sie sich zusammen- nehmen, ja sie bringt es sogar fertig zu kichern und zu lachen, aber dafüu hält sie sich privatim, wo das dloblesse oblige nicku herrscht, für den sich auferlegten Zwang schadlos. Sie schimpft und zankt, sie wirst mit den Türen, schneidet schreckliche Gesichter und ist mit nichts zufrieden. Je nun, das ist so die Art der Dame, ihre wahre Natur. Aber welchen Eindruck muß das aus ein ar- beitswilliges junges Dienstmädchen machen, das da läuft und springt, die Herrschaft zu befriedigen und doch nie eine freundliche Miene ficht. Der Tag wird der Armen zur Ewigkeit. Alle Arbeits- freudigkeit schwindet. Sie hat ein liebcwarmcs Elternhaus ver- lassen müssen. Es ist ihr erster Dienst. Ob sie den Heldenmut be- sitzen wird, bis zum Kündigungstermin, der Dank der Vorsicht der Hausfrau Xantippe noch ziemlich weit hinaus liegt, auszuhalten? Wieder eine andere Hausmonarchin ist vom Reinemachcteufel besessen._— Bei ihr ist alle Tage Grotzreinemachefest. Mit der Zahnbürste werden alle Ritzen ausgescheuert. Sie selbst kriecht am Fußboden hin und wischt mit der Hand nach jedem Stäubchcn um- her, das ein von draußen Kommender vielleicht soeben herein- getragen hat und wehe den armen Dienstboten, wenn sie eins findet. Ihr Mann ist im Begriff, sich von ihr scheiden zu lassen! Die Mädchen arbeiten, waschen und scheuern bei karger Kost und un» liebenswürdiger Behandlung bis 1 Uhr nachts. Von ihrem Lohn müssen sie ersetzen, was dabei capores geht. Zum Schlafen weist ihnen Frau Sauberkeit eine stickige von Wanzen stark bevölkerte Bodenkammer an, denn auch dem eigenen Wigwam einige Sorgfalt angcdeihcn zu lassen, dazu fehlt den Mädchen ganz und gar die Zeit. Sie haben keinen Feierabend, keinen Sonntag. Sie sehen elend aus und in den Gliedern zwickt sie ein angehender Gelenk- rheumatismus. Mit Neid Nicken sie auf ihre Kreundinnen aus den Fabriken, die nach getaner Arbeit im Feicrklcide am Arm des Liebsten dahergehen.—„Des Liebsten? Zeter! Zctcr!" Nun ja, des Liebsten! Darf etwa ein armes Mädchen nicht glücklich sein? Wenn die Mitschwestcr von der Ilaute linance, die alles hat, sich auf Bällen und Wohltätigkeitsbazarcn ausbietct um„versorgt" zu werden, wie muß da der armen Magd, die zur Frauenrcchtrlei keine Zeit hat, der Mann willkommen sein, der sie aus der Ab- hängigkcit, die ihr die Hölle bedeutet, erlöst, sie mit Liebe umgibt, sie nicht als Arbeitsmaschine, sondern als gleichberechtigten Ka- mcradcn betrachtet. Madame N. N. war schon von jeher sehr schlagfertig und sehr kinderlieb. In aufgeräumtem Zustande erhält jedermann im Hause von ihr Prügel, der Mann, die Dienstboten— nur die Kinder nicht. Diese hänseln und ärgern Jette und Auguste wo und wie sie nur können, machen ihnen alles schmutzig, beehren sie mit Koscxchmcn aus zoologischem Gebiet und spucken in die Kochtöpfe. Am Schla- fittchcn genommen und aus der Küche hinausgeworfen, erheben sie ein mordsmäßiges Gebrüll vor Muttcrs Richterstuhl und die Ohrfeige, welche beim kleinen Hans gewiß nicht übel angebracht gewesen wäre, erhält nun die Köchin und verläßt sofort den Dienst. Daß die Dienstboten in allen Ländern selten werden und auch für vieles Geld kaum noch zu haben sind, ist ein Umstand, der eine Sprache redet, die nicht mißverstanden werden kann. Zur Organi» sation freilich haben die Acrmstcn keine Zeit, aber sie streiken einzeln, eins nach dem anderen. In den Vermittelungsburcaus läßt die Hausfrau� umsonst ihren Lockruf erschallen: Wer wagt es?!!"—„Haben Sie Kinder?" fragt die gcohrfcigte Köchin.„Ich habe meine Erfahrungen gemacht."—„Wie ist die Kost bei Ihnen" erlaubt sich die aus dem Hause der Geizigen zu fragen.—„Wie viel Arbeit fordern Sie?" erkundigt sich die von der Firma Sauber» keit. Und die Hausmonarchinnen schlagen die Hände zusammen und wünschen Pech und Schwefel herab auf die Rotte Korah im Mietsburcau. Ja, Ja, die Mädchen von heute!! Ueber moderne Frauen sprach Julia Word Howe, Amerikas ge- feierte Schriftstellerin, an ihrem 88. Geburtstage in Boston(am 27. Mai). Sie gedachte der Frauenwelt aus ihrer Jugendzeit, die von häuslichen Sorgen niedergedrückt war, und deren Sinnen und Trachten von Nichtigkeiten ausgefüllt wurde. Damit vergleicht sie das große Streben nach Bildung und höheren Genüssen und Anerkennung ihrer Rechte, wie es die Frauenwelt der Gegenwart auszeichnet. Zugleich spricht sie aber die Ansicht aus, daß die Modedamen von heute, vergleichen mit ihren Vorgängerinnen an Würde, an Charakter und inncrem Gehalt Einbuße erlitten haben. Es sei sonderbar, daß gerade diese Klasse, die kulturell zurück- gegangen sei, sich anmaßt, den übrigen Klassen Vorschriften zu machen und sie zu beeinflussen suchen in allen Dingen, welche die Frauenwelt interessieren.— m Sommer« Joppen 85, Tausendfältige Auswahl verschiedenster guter Waschstoffe 4.— 3.— 2;s0 1." Sftsler« Jfacketls Tausendfältige Auswahl schönster Lüster- Moden 9.— 6— 5.— 4— 3- Wasch- Anzüge Lüster- Anzüge Ranell- Anzüge Wasch- Hosen Lüster-Hosen Flanell-Hosen T ouristen-Anzüge Touristen-Hüte Westen-Gürtel Rucksäcke Reise-Hemden Reise- Mütze* jCerren-lilasch-Uesten 2 M. 25 Baer Sohn Spezialhatm grösston Massslabes Chausseestrasse 29 30. ii Brückenstrasse tl •He Nr. 24*/2S Gr. Frankfurterstc. 20 Der havpt- Katalog Nr. ZI f neueste Moden 1907) wird an) Wunsch kosUnios zugesandt o �Hygienische Beflulurnktl. Neaeet. Katalog tehl.Tiol. Aerzte u,Proi grat. oUS B. Dogtr, Gommlwireslakrik Berüs NW» rnedncbeuuB e 81/91, Straße 92, Anfrage» Wipper. 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Osten: Litfins Gesellschaftshaus, Memelerstr. 67. „: Breuer, Graste FranKsnrterstr. 117. 5m Kreis: Schfitzenhaus, Linienstraste 5. 6. Kreis; Moabit: irminlushallen, Krenerstraste 70/71. Gesnndbrnnnen: Schirms Festsäle, Kadstraße 19. Medding: Germania- Säle(Meister Saal), Chansteestr. 110, Roskch.-Vorst.: Swinemünder Gesellschafts!)., Snlneniinderstr.42. Schanhanser-Narstadt: Prater- Theater, Kastanien-Allee 7-9. T elto w-Beeskow. Charlolf enburg: Tolkshaus, polinciifit. Z. Schönebergi Obst, Mkiiiiztlßr. 8. Rixdorfi Fritz Hoppe, invintr. 48/49. Nieder-Barnim. Mariendorffi Pursehke,€|»f(rlr. 82. Adlershof i Wöllstein, Kjsmrckstr. 24. Ruisimelsburg: Veigelt, TürrjHiaidtstriißt. Lichtenberg: Schwarzer Adler(Gebrüder Arnhold), frunlifiittfc ilanftt 5. Reinickendorf-Ost: Sehöoholzer Tivoli, Prgi>i«zjlr»ste 69. Weißensees Prälaten, 5ehdttjlr. 122. T egel-Borsig waide: Tezel, Trapp,».Knhiihlif. Pankow: Zum Kurfürsten kb°»b«i.» Kcrti»erstr.i92. Karlshorst s Gruhn, Urins Adnlbcristriiße(iihe Könoincr Wicsenweg. Tagesordnung in allen Versammlungen: Jet Kiilllttflteik miil die Km«. Referenten: HUmatin, Lugen Srfiekner, Lrnst Brückner, BSske, Ottilie Baader, JAax Barth, Agnes Vahrenwald, Liehet, Grauer, Qrnnwald, Martha Koppe, Stefan Kulitsehke, Karl Ketzsebotd, Stntna Ihrer, Knall, Wilh. Kahl, Miras, Kitter, Keinr. Schulz, Vranz Sehneider, Kob. Schmidt, Martha Vietz, Marie Thiel, Wurm, Klara Weg!» Sonnenburg. Zahlreichen Besuch erwarten Die Einberuferinneu. Zentral-Verband der Maurer Dentsetdands. Zweigverein Berlin.— Sektion der Putzer. Achtung! Pistz©!*! Achtung! Sonntag, den 2. Juni 1907, rormittags S'/- Wr, in Freyers Festsalen, Koppenstr. 29 lgroßer Saal): Mitglieder-Bersammlung. Tages-Ordnung: Die Beschlußfassung der Arbeitgeber im Baugewerbe und unsere Stellungnahme dazu. ■■mhhbb Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen, mmmmmmm Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Zutritt. 134/3*_ Die ertliche Yepwaltnng. F. St.; E. Schulze. Zentral'UerbaDd der Maurer fleutfcblands.— Zweigverein Berlin. Sektion der Gips-«. Jementkrnnche. Von Montag, den 3. Juni 1907 ab findet die Kontrolle der durch den Streik im Bangewerbe in Mtleidenfchaft gezogenen Kollegen von VOVttlittftQS 0— 11 Uht und nachmittags von 2—4 Uhr in folgenden Kontrollstellen statt: Bezirk Moabit bei E. Bonitz, Stephanstr. 47. .. Wcdding und Oranienburger Vorstadt bei G. Zillmer, Gerichtstr. 41. „ Osten und Nordosten bei Grosser, Memelerstr. 74/73. „ Schönhauser Vorstadt, Pankow-Weistcnsee bei E. Schmidt, Pappel-Allee 63. „ Südosten im Bureau Engel-Ufer 15(Zimmer 36). „ Wcsten-Schöneberg bei Ad. Rickert, Steinmetzstr. 36a. „ Charlottenburg im„Volkshaus", Rosinenstr. 3. „ Rixdorf bei Oskar Preil, Rosenstr. 24. Die Ausgabe der Tammelkarten zum«trelhfoiuls erfolgt im Bureau und ersuchen wir alle in Arbeit stehenden Kollegen, sich in den Besitz einer Karte zu setzen. 140/3 Die Grnppenvcrsammlungen der Spanner am 5. Juni und die der Puster am 7. Juni finden nicht statt._ Achtung! Achtung! Dienstag, den 4. Juui, abends 8>/z Uhr, bei Freyer, Koppeustr. 29: - Mitglieder* Versammlung- der Freien Vereinigung der Maurer Deutschlands, Ortsvarein Berlin. Tages-Ordnung: Der Stand der Lohnbewegung. Zahlreichen Besuch erwartet(129/13*) Der Borstand. Zwsigvsvsin ZerUn und Umgegend. Sektion der Putzerträger. Sonntag, den 2. Juni, vormittags 10 Uhr, in Obiglos Feftsälen, Schwedterstr. 23/21: M Versammlung � sämtlicher Pntzerträger Berlins und der Vororte. TageS-Ordnung: 34/7' 1. Unsere Stellungnahme zum Kampfe im Baugewerbe. 2. Diskussion. Recht regen Besuch erwartet_ Der Zwclgvereinsvorstand. Zentralverband der Töpfer Deutsehiands. Filiale Berlin. Mittwoch, den 5. Juni 1907, abends ö'/a Uhr: Mitglieder-Versammlung im Gewerkschaftshaufe, Engel-Ufer IS(großer Saal). Tages-Ordnung: 426/13 1. Jortsestung der Sache Huhn. 2. Verschiedenes. _ Um vege Beteiligung cvsucht Der vorstand. Dr. Schiinemann Spezicil-Arzt fflr 44112* llant- nn.l Hai-ulcideii, rranenkrunkheiten. Friedrichstr. 203, Ecle Schüstenstr. 10—2, 5—7, Sonnt. 10—1» Uhr. A»«Zt«»Ktautl ropploks � Portiaren** ß*wi» Sl.iip*« rlM«, Tleoh- n. Olwt» Laattr- and Uütlttott*«to. Berlin Andreas�Sti*. 23 gegenüber Andreasplatz. Bpunnen-Stp. 95 am Bahnhof Gesundbrunnen. Beussel-Stp; 67 Moabit Leipzigep-Str. 54-55 Spittel-Kotonaden. Verkaut Hol In FabrIkgebiiudeR. Klnflerwaoen„..„.,,... llinderdstisteiUll TriumpbstQble GrOSSl. Spezialgeschaft. Korbwaren Klnflermöbal-- Puppenwaoen a A a a ,» i zahle ich Jedem, der mir in Berlin ein lulf U jliirJi�— 3 Spezial-Geschäft in der ranehe als das meinige aschweist GearUndet 1873.— Katalns grnei* ßelohnung Verlangt bei Euren Zigarren- Händlern moht Wichtelmännchen! Beste 6 PfenntgsZigarre, Vertreter: Leo Ansbach, Berlin O., SchilllngstraBe 39. tsnr Iii Bureau; Zahlstelle Berlin. Vngel-User 19. Telephon: Slml IV. Nr. 10623. lctitnng! IlsebinaebBr! Achtung! Dienstag, den 4. Juni, abends 8'/, Uhr: IW ¥ersammBu6Kg aller in Kerlin und Vororten lieschWgten Nschmacher im Gewerkschaftshause, Saal 1. Tages-Ordnung: 1. Unsere Ausgaben nach der Aussperrung. 2. Werlsiattangelegenheiten und Verschiedenes. 87/11 Die Branchenkommission. MüHi! Stock- und Zettutoid-Ärbeiter! Den Kollegen zur Nachricht, daß unsere Zahlstelle von Brandenburger Ufer S nach der Neuen Jriedrichslraste 1 bei Lehmann verlegt worden ist. I. A.: Der Obmann. m» StalmieiimacJier,......> Montag, de» 3. Juni, abends 6 Uhr: Vertrauensmänner- Versammlung bei Pähl, Brandenburgstraste SS. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Kommission. �....... i lüstenmaclier.■im.............. Die Bertrauensmänner-Bersammlung am Mittwoch fällt aus. _ Der Obmann im i Jalousie- Arbeiter,■nm Donnerstag. 6. Juni, abends 8'/, Uhr, bei Lehmann, Gräfestr. St VertvaueirhKmanmp-Oit&tmg. Sämtliche Werkstätten müssen vertreten sein. Der Obmann. W KüchesimöbebBranche. Montag, den 3. Juul. abends 8 I hr, bei Clbrowins, Älexanderstr. 8: VertrauenssnäEKner-S&tz&sBig für'btc In der Branche beschäftigten Vlscbler und Baler Berlins uiid der Bororte. 87/10 EJSF" Jeder Betrieb, auch die noch Ausgesperrten, mus! vertreten sein. Mitgliedsbuch und Karte legitimiert. Die Äommission. ZIl Filiale Berlin. Kostüm- tmd Kusterschnoider und-Sclmeidennnen! Montag, den 3. Juni 1007, abends 8>/, Uhr. im»Neuen Klnb- » Hans*, Kommandantenslr. 72: GeffentUchr Uersammlnug. Frantnpßichttn und frnnnii'fdjtp. �eSln: Martha Uetz. Kollegen und Kolleginnen! Ueberall, in jedem Berus regt sich die Arbeiterschajt ihre t/age zu verbessern, auch Ihr habt eS notlvendig, das- selbe zu tun. Deshalb erscheine jeder in der Versammlung. Niemand dars fehlen l Bor JBlnbcmfcr. Westrnbrauche! Montag, den 3. Juni 1907, abends 8'/, Uhr: Versammlung sämtl. Westenarbeifednuen und Wesfenbügler bei Mendt, Miinzstraste, Eingang vom KönigSgraben. TageS-Ordnung: Welche Jorderungeu stellen in der gegenwärtigen Bewegung in der Konfektion die in der Westenbranche beschäftigten Kalle- ginnen und Kollegen? Neserentin: Frl. Siclmiib. 164/17 Zu zahlreichem Besuch fordert ans_ Die Konsmlnsion. In tr HA ar sowie BerofsgeoosseD Deutssbiaiiiis. Verwaltungsstella Berlin und Umgegend. Montag, den 3. Jnni, abends 8'/, Uhr, bei Bercbi, Ritterstraste 75: Versammlung. TageS, Ordnung: Bortrag deS Kollegen liarl Ixlrsclinik über:„Die Recht- sprechung der Gewerbegerichte--. DiSlussion und Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 133/17_ Bio Oi-tsvorsvaUnng. Verewigung der Msler, Lsskierer, Anstreicher sie. Mittwoch, den 5. Juni 1907, abends Pünktlich 8'/, Uhr» Ähtiens- Nerftiniillung her Fulhitttt _ in Dräfels Jestsälen, Neue Friedrichstrahe 3S. DUT' Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. 107/7 Die SektlonHloitang. ttiiimigi ehariottenhurg! lüdstli»! Geffeutliche Uersammlung für alle in de» Wasch- und Plättanstalten beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Dienstag, de» 4. Jnni. abends 9 Uhr, im Bolkshause, Rosinenstr. 3: Tages-Ordnung: 1. Welchen Wert hat die giwerkschastliche Organisation für die Arbeiter und Arbeiterinnen der Wasch-- und Plätianstalten. Reserent: Paul Keller- Berlin. 2. Diskussion.— Um recht zahlreiche Beteiligung bittet 291/6 Die Charlottenburger Gewerkschaftskommissto». _ I. 81.: Otto Flammlng, Pestalozzistr. 13._ Sierfahrer finden Urbellsanznge in groster Auswahl nach meinem Umzug nur Lruvusn-Ltr. 1ö8. Wer Lsdeu. SorujsWduug.! ZZ-ix.ÄorL'. Zenlral-ri{rankeu- und Sterbe kasse der Zimmerer. Dienstag, 4 Juni, abruds S'h Uhr bei Gellort, Steinvaetzstr. 113: Mitglieder-�p.fsaüiKilung Tages-Ordnung: 1. Mrechnung vomIV.QuartallMS und I. Quartal 1M7. 2. Kassen. angelegenheiten. Der Vorstand. Anerkannt reellste Rezugsquell für solide und preiswerte Prachtstücke 4,85,0, 10, 20 bis 300 3J., Gardinen, Portloren, Möbelptoflc, Steppdecken, Tüllbctt- decken etc. Berlin Ad. Seil t3SS nur Oranieosir. ISO, umeriiaite nirgends Fllialsn! Pracht-Kalaiog (ca. 600 Illustrationen künstlerisch ausgestattet) gratis und franko. Mg monatlich 10 M. liefere Herren-Garderobe nach Matz(billigste Preise). J. foniporows!:!, 8i«.e&e"0' Nähe Belleallianeeplatz. 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Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß unser Genosse, der Arbeiter Paul Brandt, wohnhast Naunynstn 3, Stadtbezirk 97, gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute nachmittag 4'/, Uhr von der Leichenhalle des St. Michaelis- Kirchhofes aus statt. lim zahlreiche Beteiligung ersucht 244/12 Der Vorstand. SoziaidemokratisctierWatiiverelii des 6. Berliner Vablkreises. Todes- Anzeijsrc. Am 31. Mai verstarb unser Mitglied, der Arbeiter Guslsv Seiiiukowski Berlichingenltr. 12. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause aus nach dem Hei- lands-Kirchhos in Plötzensee statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 249/16 Der Vorstand. Oeutsclier Metallarbeiter-Vecband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Nevolverdreher Gustav Sehinkowski am 31. d. M. an Lungenbluwng gestorben ist. Ehre seinem Andenken Z Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 2. Juni, nach- mittags 4 Uhr, vom Trauerhause BerUchingenstraste 12, nach dem Friedhof der Heilandsgemeinde (Plötzensee) aus statt. Rege Beteiligung erwartet 119/13 vis Ortsverwallung. Gesangverein Liederlust II. (MoabH. M. d. A.-S.-B.) Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Sangesbruder Gustav Sehinkowski am 31. Mai er. saust entschlafen ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet Sonntag, den 2. Juni, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhausc Berlichingen- strafie 12 aus nach dem Heilands- Kirchhose(Plötzensee) statt. 1040b Der Borstand. ISoziaidemoitratizeberVaiiiverein de, Todes-Anzeige. Am 30. Mai verstarb unser 1 Mitglied, der Arbeiter Otto Rettschlag Stendalerstr. 6. Ehre seinem Andeuten t Die Beerdigung smdet am Montag, den 3. Juni, nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Johannis- Kirchhoss in Plötzensee aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 249/15 Der Vorstand. Verein Gerliner Hausdiener Mitgliedschaft I desZentral- Verbandes d. Handels-, Transport-, Verkehrsarbeiter u. Arbeiterinnen Deutschlands. Dodes-Anzeige. Unseren Mitgliedern zur Nach- rstht, daß der Kollege 72/3 Paul Lehmann Wcidenweg verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstagnachmittag 4 Uhr von derLeichcnhalle des Auferftchuiigs- Kirchhoses in Weifiensee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortöverwaltnng I. Am Freitag, 3t. Mai, morgens Uhr, verlchied nach lurzem 1 Sttanleniogex mein tnniggeiiebier I um b verschied nach kurzem _____. r tnem Mann, der Tischler Wilhelm Sack witz im 67. Lebensjahre. Dies zeigt mit der Bitte um stille Teilnahme ttcsbetrübt an Frau Bolono(Sackwitz, 10435 geb. MelBner. Die Beerdigung findet am Montagnachmittag 6 Uhr, von der Leichenhalle des alten St. Georgen- Kirchhoses, Landsberger Allee, auS statt. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß mem innigstgeliebter Mann, unser guter Vater, der Maschinenmeister Max Drescher nach langen, schweren Leiden im Atter von 42 Jahren verstorben ist. Um stilles Beileid bitten Elisabeth Drescher nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 4. Juni, nachmitt. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Georgen-Kirchhoss, Landsberger Allee, aus statt. S090L Todes-Anzeige. Allen Freunden und Kollegen die traurige Nachricht, dag unser langjähriger Arbeitsgenosse, der Buchdruck-Maschinenmeister Max Drescher am Sonnabend, den 1. Juni, nach langer, schwerer Krankheit entschlajen ist. Wir verlieren in demselben einen treuen Mitarbeiter, der alle- zeit seine Pflicht ersüllt hat, und werden sein Andenken stets m Ehren halten. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 4. Juni, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des alten Georgen-Kirchhoss, Landsberger Allee, aus statt. üas Personal der Bocbdrockerei Paul Singer& Co. Iferein Berliner iBuclnlruek-MaseliiiieDiiiEisler. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser langjähriges Mitglied, der Kollege Max Drescher am Sonnabend, den I.Juni, nach langem schwerem Leiden ver- starben ist. Sein Andenken werden wir in Ehren halten. Die Beerdigung findet am Dienstagnachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des alten Georgen- Kirchhoses, Landsberger Allee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Am 30. Mai verschied plötzlich im Alter von 34 Jahren unser lieber Kollege und Mtarbeiter Richard Wedeldud. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. Juni, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Heiligkreuz-Kirchhoses in Mariendors aus statt. Das Personal der Buchdruckerei G. Bernstein. Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, datz der Kollege, Tischler Richard Hasse am 30. Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. Juni, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen« halle des neuen Rixdorser Ge- meinde- Friedhofes am Marien- dorser Weg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 87/12 Die Ortsverwaltung. Zentralverhand der Handels-, Transport-, Verkehrsarheiter und Arbeiterinnen Dentschiands. Verwaltungsstelle Berlin II. Hiermit diene unfern Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Platzarbetter Karl Stüh er am 28. Mai plötzlich an Schädel- bruch(Betriebsunsall) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 3. Juni, nach- mittags 5>/z Uhr, von der Leichen- halle d. Auserstehvngs-Kirchhojes, Weitzenseer Weg, aus statt. 72/2 vis Ortsverwaltang Berlin II. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und herrlicher Kranz- spenden bei dem Heimgänge meines lieben, unvergehlichen Mannes, un- sereS guten VaterS, des Zimmerers Wittielin Decker sagen wir allen Freunden und Be- kannten sowie den treuen Mitgliedern deS Rauchklubs„Victoria II- unseren tiesgesühlten, ausrichtigsten Dank. krau lulse Becker nebst Kindern, Berlin 0., Holzmarktstr. 48. Olga Prelae ♦ beliebige Deil- äahlniig. Jacobson, ,nva,iden- Fär die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines Mannes sage ich allen meinen besten Dank, besonders Herrn Stern für seine schöne Rede an der Bahre, und den Herren Köhler und Freitag für ihre vielen Bemühungen. 1071b! ITean Voelz. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau, sage ich allen Freunden und Verwandten, besonders den organisierten Kollegen der Schultheitz-Brauerei(Sektton I) im Namen aller Hinterbliebenen meinen herzlichsten Dank. 10S6b Johann Adler. Den Parteigenossen gebe ich die ehrenwörtliche Versicherung ab, datz die am 24. Mai in der Berliner .Morgenpost" erschienene Anzeige ohne mein Wissen und Wollen aus- gegeben ist. Ich hätte überhaupt zu einer Ver- öffentlichung der Angelegenhett meine Genehmigung nicht gegeben. Gustav Grobler, 50922_ Dunckerstr. 83. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, ÄA 10— 2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2— 4. Die Harnleiden Ibre Gefahren, Verbatung und Beseitigung von Dr. med. Schaper, BERLIN- Preis 1 Mark. ■ lies Cansenb> fglsg Mm Bkbter 29 Gardinenhaus Bernhard Schwartz Wallstr. 29 Flur-Eing. Gctiüircte Hochwald- u. Uandparzellen am Kahnhiif Mmli a. d. Sttatze nach Biesdorf 7 Minuten ab Bahnhos beginnend. □ R. 10 Mark an. Günstigste Zahlungsbeding., Gas- u. Wasserleitung. Auskunst im Sonnenbad. Restaurant Döhnng. Exner, Gerlach in Neu-Sadowa und Restaurant Götze, Kaulsdorf. Nioscbalh& Nitsche, Berlin C., Landsbergerstratze 66. DaS alte Gas- u. 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Des großen Andranges wogen am Nachmittag erbitte ich werten Besuch tunlichst vormittags. iriaatenieil oeitnÜB.: tit Salai Druck u. Berlaa: Bsrwärt> MMdrückerei u Lerlausauvall Äqni Smoer& ßo SHajßp SMt Nr. 126. 24. Jahrgang. 4. KeilM Ks Jormitts" Aerlim SollisMalt. Sanntag, 2. Juni 1907. parte!- Hngelegenbeiten. An die Parteigenossen Berlins und der Provinz Brandenburg! Die neue Lokalliste erscheint Ende Juni. Wir ersuchen daher, alle Aenderungen bezw. Neuaufnahmen bis spätestens Sonntag, den 16. Juni er., an die nachverzeichneten Kam- missionsmitglieder gelangen zu lassen: Für den I. Wahlkreis an den Genossen Jakob Ege, Neue Rotz- stratzc 12.* Für den II. Wahlkreis an den Genossen Heinrich Schröder, Hagels- bergerstratze 27. Für den III. Wahlkreis an den Genossen Karl König, Jahn- stratze 24. Für den IV. Wahlkreis an den Genossen Karl Rott, Stratz- manustratze 29. Für den V. Wahlkreis an den Genossen Albert Hahnisch, Auguststr. öl. Für den VI. Wahlkreis an den Genossen Richard Henschel, Wollinerstratze öl. Für Nieder-Barnim an den Genossen Robert Rieck, Rummels- bürg, Kantstr. 22. Für Teltow-Beeskow an den Genossen Karl Rohr, Rixdorf, Selchoiverstr. 22. Für Potsdam- Osthavelland an den Genossen Karl Linz, Spandau, Mittelstr. 13. Für alle übrigen Orte der Provinz sind Mitteilungen zur Lokal- liste durch die Borsitzcnden der Kreise an den unterzeichneten Obmann der Kommission zu richten. Um das rechtzeitige Erscheinen der Lokalliste zu ermöglichen, ersuchen wir die Parteigenossen dringend, alle Mit- teilungen in Lokalangelegenheiten für G r o tz- B e r l i n dem zu- ständigen Kommissionsmitgliede, für die übrigen O r t e d e r Provinz dem betreffenden Vorsitzenden des Kreises unverzüglich zu übermitteln. Ferner_ weisen wir wiederholt auf den in den Lokalkonfercnzen der Landkreise so oft gefatztcn Beschlutz hin, wonach die örtlichen Kommissionsmitglieder un- bedingt verpflichtet sind, vor dem Erscheinen jeder neuen Liste rechtzeitig an den Obmann ihres Kreises einen Bericht einzusenden, gleichgültig, ob Veränderungen vor- gekommen sind oder nicht. Orte, aus denen kein Bericht kommt, werden in der Liste nicht weiter aufgeführt und haben sich die betreffenden Genossen die etiva hieraus entstehenden unangenehmen Folgen selbst zuzuschreiben. Alle„ach dem 16. Juni einlaufenden Meldungen können nicht mehr berücksichtigt werden und ersuchen wir, dies zu beachten. Des iveiteren ersuchen wir wiederholte alle Mitteilungen in Lokalangelegenheiten nur durch die oben genannten Kommissions- Mitglieder an den Obmann der Kommission zu richten und nicht direkt an den„Vorwärts". Es enfftehen hierdurch nur unnötige Verzögerungen, und da die meisten Einsendungen immer erst in letzter Stunde einlaufen, ist, wenn es fich um eine Sperrnotiz handelt lVergniigen in einem gesperrten Lokal), eine Publikation nicht mehr möglich. Der Obmann der Lokalkommisfion: Richard Henschel, Berlin dl. 28, Wollinerstratze vi II. Eharlottenburg. Am Montag, den 3. d. M., abends 8Va Uhr, findet im Volkshause, Rosinenstr. 3, ein autzerordentlicher Zahlabend der S. Gruppe statt. Um zahlreiches Erscheinen ersuchen Die Bezirksführer. Schviiebcrg. Die B i b l i o t h e k des Wahlvereins befindet sich vom 1. I u l i ab in der Spedition und können dort in der Zeit von morgens 8 Uhr bis abends 8 Uhr an Wochentagen Bücher entnommen werden. Um festzustellen wieviel Werke und Bände vor- Händen sind, ist es notwendig, alle entliehenen Bücher bis spätestens am IS. d. Mts. zurückzugeben. Der Vorstand. Steglitz. Mittwoch, den ö. Juni, abends SVa Uhr, bei Schellhase, Versammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Redakteur H. Schulz über„Volksschule und Volksbildung" 2. Wahl von zwei Delegierten zur Generalversammlung. 3. Wer- schiedeneS. Oranienburg. Den Wahlvereinsmitgliedern zur Nachricht. das; der Wahlvercin am Sonntag, den 9. Juni, einen Ausflug nach Zchlendorf veranstaltet. Treffpunkt früh 7 Uhr im„Waldhaus Sandhaufen". Die Mitglieder werden ersucht, sich recht zahlreich zo. beteiligen und vor allem recht pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. Adlcrshof. Den Parteigenossen zur Nachricht, datz vom Diens- tag, den 4. Juni, ab der„Vorwärts" nicht mehr in der Laube aus- gegeben, sondern den Abonnenten zugestellt wird. Der Vorstand. Wahlverein Eichwalde. Dienstag, den 4. Juni, abends SVj Uhr, im Lokale von Lier in Miersdorf Versammlung. Tagesordnung: Vortrag— Beschlutzfassung über Verlegung der Versammlungen und Zahlabende— Sommersest betreffend— Wahl von 3 Delegierten zur Kreis-Generalversammlung— Verschiedenes. Die Wichtigkeit der Tagesordnuna erfordert vollzähliges Erscheinen. Der Vorstand. berliner JVacbncbtcn» Concours hippique. Das Leben gleicht einem Januskopf mit �nem guten und einem bösen Gesicht. Indem es der einen Gesellschaft�- Lasse eine freundliche, lachende Miene zeigt, starrt der anderen mit kalten, grimmigen Zügen entgegen. Während die werktätigen Volksschichten in Fabriken und Kontoren unter der Fuchtel des allgewaltigen Kapitalismus fronden, während die organisierte Arbeiterschaft in heißem, heldenhaftem Ringen ihre Rechte Zoll für Zoll von dem Unter- nehmertum ertrotzen mutz und gigantische Kämpfe das gesamte wirtschaftliche Getriebe erschüttern, herrscht in den oberen Regionen eitel Lust und Freude und unter Bcchcrklang und sorglosem Jubel taumeln die Lieblinge der Glücksgöttin von einem Vergnügen zum anderen. Während der Arbeiter um einige Pfennige Lohnerhöhung, um Verkürzung der Arbeitszeit Wochen- und monatelang kämpfen und darben mutz, und die Proletarierfrau, von täglichen Sorgen zermürbt und aufgerieben, nicht weiß, wo sie das Notwendigste zum Leben hernehmen soll, dreht sich der §anze Gedankenkreis jener Auserwählten um Sport und uxus, um rasscnedle Jucker und die modernsten Toiletten. Und lacht des Morgens die Sonne durch die kostbaren Damastgardinen, dann räkelt man sich auf den weichen Daunen und gähnend ftägt man Wohl:„Wo amüsieren wir uns heute und welches Kostüm zieht man bloß heute an?" Vergangene Woche brachte der guten Gesellschaft die Hochflut des feudalen Sports: Polewettspiel und Concours hippipue. Besonders über das Concours hippique brachte die bürgerliche Presse spaltenlange Berichte. Der deutsche Sport- verein als Veranstalter hatte zu diesem Zwecke die Aus- stellungshalle am Zoologischen Garten entsprechend hergerichtet. Wassergräben. Barneren, kurz alle künstlichen Hindernisse waren errichtet. Es bandelte sich hierbei um eines jener Wettkampfspiele des Pferdesports, das Herren und Damen Gelegenheit bietet, ihre Reit- und Fahrkünste zu zeigen. Dabei ist es dem weiblichen Publikum vergönnt, die Pracht der Kleider und Schmucksachen zu entfalten. Die letzten Jahre hat man diese sich höchster Gunst er- freuende Veranstaltung der guten Gesellschaft im Freien abgehalten und man will schon gefunden haben, daß in der Ausstellungshalle nicht alles„zur Geltung komme". Das ist auch zu verstehen. Frau Mode kann nicht so zur Schau gestellt werden, wie es nun einmal unumgänglich notwendig ist, wenn man die kritischen Blicke und den Neid der anderen herausfordern und sich im Vollgefühl des Triumphes wiegen will. Wohl aus dieser Erkenntnis heraus schreibt ein Sport- berichterstattcr, der mit der Psychologie der hohen Damenwelt vertraut ist:„Denn wozu ist denn eigentlich ein Concours hippique da, wenn man nicht seine neuen Kleider und Hüte ausstellen kann?" Es wird auch dafür plädiert, datz die Kaffeepause um sli Stunden verlängert wird,„damit man sich genügend begrüßen, bekritteln und beklatschen kann.„Wir erfahren auch, unter mißbräuchlicher Benutzung des offiziell anerkannten Scherlfchen Hofslils, datz der dritte'Tag„einfach himmlisch" gewesen sei. Tie Kronprinzessin Cecilie habe in ihrem„einfachen Battistkleidc" mit dem„einfachen" Strohhut, auf dem große rosa Rosen sich wiegten, so„anmutsvoll und liebreizend wie eine Königstochter aus dem Märchenlande" ausgesehen. Weiter schreibt der phantasiebegabte Märchen- erzähler, der Kronprinz habe„kühn und patent" ausgeschaut und soll seinem Vater immer ähnlicher werden. Natürlich dominierte das blaublüttge Element, zahlreich war die Hofgesellschaft vertreten. Daß einige Reiter vom Unglück betroffen wurden und sich Bein- und Knochenbrüche und sonsttge Verletzungen zuzogen, sei nebenbei erwähnt. Mit bitterem Groll bemerkt ein Sportblatt, datz bei zwei von den dreizehn Gespannen der Ursprung nicht an- gegeben war, die übrigen elf aber aus Brüssel, Paris und London stammten.„Die Manie, mit ausländischen Firmen renommieren zu wollen, ist einfach lachhaft. Als ob wir in Deutschland keine tüchtigen Wagenbauer hätten. Mit einer gewissen Schadenfreude sei konstatiert, daß die ftemdcn Fabrikate sich durchaus nicht von den einheimischen unter- scheiden und auch von den Preisrichtern nicht besonders ge- würdigt worden sind." Wir begreifen den Schmerz dieses teutschen Mannes, aber wir wundern uns darüber nicht, wissen wir doch längst zur Genüge, datz in jenen Kreisen, aus denen sich bekanntlich die Generalpächter des„echten und wahren" Pattiotismus rekrutieren, Reden und Handeln ebensoweit von einander entfernt ist, wie der Mond von der Erde. Diese Kreise, die hier dem feudalen Sport huldigen, diese Leute, denen Pferde, Wein und Weiber alles gilt, sind die selben, die nicht laut genug über die Begehrlichkett der arbeitenden und darbenden Klassen zetern können. Man kann es aber verstehen: Sie wollen nicht den Ast absägen, auf dem sie sitzen._ Zwischen Chorin«nd Oderberg. Um 6 Uhr morgens, wenn wir Frühaufsteher sind, oder sonst um 8 Uhr 20 Minuten entführt uns der Zug in der Richtung nach Stettin. Auf den schönen Wald vor Eberswalde folgt hinter diesem Orte die dürre Britzer Heide, die schließlich wieder in Hochwald übergeht. Große Seen schimmern rechts durch die Bäume, das enge kleine Tal der Ragöse wird übersetzt und beim Dorfe Cho> rinchen(Haltestelle) schneidet die Bahn in die welligen Höhen des Choriner Waldgebietes ein, eines Gewirres alter Moränen aus der Eiszeit, fast durchweg von Buchen gekrönt. Von Chorin führt die Waldchauffee in 49 Minuten zu der ansehnlichen Klosterruine, zu deren Füßen der stille Amtssee liegt. Ihr gegenüber, auf der anderen Seite der Chaussee, führt uns ein mit„Liepe— Odcrberg bezeichneter Weg in den Wald. Bei verschiedenen Gabelungen des Weges gehen wir immer links, stets den blauen Strichen an den Bäumen und dem Wegweiser„Oderberg" nach. Wo der Weg die Moränenhügel erreicht und einschneidet, weichen die Kiefern den Buchen, die im vollsten Laubschmuck stehen. Kleine Waldteiche, reizvoll durch üppigen Pflanzenwuchs belebt, tauchen auf, dann folgen Waldsümpfe, die dem Gebiete des Großen Plagesees angehören, und die, wie auch die vielen erratischen Granitblöcke, den Ursprung der Gegend verraten, die alte Gletscherstrudelwässer geformt haben. Zahlreiche Wege schlängeln sich in das Gebiet hinein, die aber nur der Geübtere mit Kompaß und Karte ver- folgen darf, wenn er nicht im Kreise herumgehen will. Ueber uns ruft unaufhörlich der Pirol und dazwischen schallt dumpf der Kuckucksruf. Kaum jemals aber gelingt es, diese scheuen Tiere zu Gesicht zu bekommen. Um so wirkungsvoller sind ihre Laute, die uns fortgesetzt umschweben und sich mit dem Gesang der Finken und Amseln mischen.— Wir folgen unserem bezeichneten Wege und erreichen Forsthaus Liepe. Von hier kann man nach Oderberg gehen, von dort mit dem Dampfer nach Niedcr-Finow fahren und hier wieder einsteigen, denn die gelöste Sonntagskarte gilt auch für die Rückfahrt von Nieder-Finow. Hat man sich bei der Ruine aber zu lange aufgehalten und reicht die Zeit nicht, so wendet man sich entweder zurück oder geht von Forsthaus Liepe nördlich nach dem alten Dorfe Brodowin, von wo wieder ein Waldweg zurück nach dem Kloster und dem Bahnhof(mit kleinem Gartenlokal) führt. Die Rettungsmedaille. SchutzmannSparade... am Rand der grünen Spree und auch anderwärts in preußischen Landen kein allzu seltener Anblick! Irgend etwas ist los, das die ganze Stadt elektrisiert, die Neu- gierigen in hellen Scharen nach der reichshauptstädtischen Triumph- straße lockt oder sonsthin, wo für sie Zeit kein Geld zu sein scheint, wo Byzantinismus und Hurrapatriotismus Orgien feiern. Schutz- mannsparade! In langer Reihe sind sie aufmarschiert, die Mannen des Herrn von Borries am Alexanderplatz. Eine stolze Macht mit den blinkenden Säbeln und den drohenden Pickelhauben, den braun- gelben Ledergurt um die stramme Hüfte und dem gefürchtetcn Revolver daran, eine Macht, vor der dem Großstädter, wenn er sie nicht zu seiner Sicherheit brauchte, gruselig werden könnte. Gestern bei der Parade wars. Ein Deutschamerikaner, der fem Vaterland drei Jahrzehnte lang nicht gesehen, sah sich mit mir den Mittags- trubel in der Friedrichstraße an. Was ihn am besten gefiele? Ger- schmitzt lächelte der Mann von jenseits des großen Teiches.„Eure Sicherheitsmänner müssen große Helden sein!" Ich war verdutzt. „Wieso? Das verstehe ich noch nicht," meinte ich etwas kleinlaut. „Nun, die Orden und alle die Ehrenzeichen. Die da haben ja fast mehr Vögelchen auf der Brust als Eure Vaterlandsverteidiger. Und dsns.... feht Euch doch mal das kleine blitzende runde King da gm weißgelben Bande an. Denkt Ihr, ich Habs dort drüben schon ver» gessen? Oh, zu meiner Zeit, als man anno Siebzig und noch früher in Berlin schrieb, da zogen wir fast den Hut vor dem kleinen, blitzenden, runden Ding. Da wußten wir schon als Jungcns— das war ein ganzer Mann, ein Held, der die preußische Rcttungs- medaille am Baude stolz auf der Brust trug. Und heute? Seht doch mal hinunter die langen tzlauröckigen Reihen. Seht Euch ge- wissenhaft auch die Offiziere der heiligen Hermandad an. Da und dort und da wieder.... fast jeder zwanzigste Mann im Polizeihcerc ist geschmückt mit der preußischen Rettungs- medaille. Wie sagte doch mal Fürst Bismarck im vertrauten Kreise? Die kleine Medaille, deren Band ich so stolz und so gern trage, die preußische Rettungsmedaille, die ich als Land- junkcr für Rettung vom Tode des Ertrinkens erhielt, da» ist der einzige Orden, den ich mir wirklich und ehrlich verdient habe!... Wahrhaftig, ich wiederhole es... Eure Schutzmänner müssen große Helden sein!..." Seitdem wollen mir die Worte des Deutschamerikaners nicht mehr aus dem Kopf. Und ich forschte und forschte und kam immer wieder zu dem Ergebnis, daß unsere mit der königlich preußischen Rettungsmedaille geschmückten königlich preußischen Schutzleute sich den schönsten Orden, den es auf der Welt gibt, verdient hatten, als sie auf der Großstadtstraße einen durchgehenden Gaul auf- hielten oder einem Selbstmordkandidatcn ins feuchte Element nach- sprangen. Und dafür die Rettungsmedaille? Für die Erfüllung der Beamtenpflicht, die dem Manne des Gesetzes doch noch über die verdammte Menschenpslicht gehen soll? Gut... mein Eni- schlutz ist gefaßt---- unwiderruflich. Sowie jetzt ein Gaul im Stratzcngcivühl Elektrizität in die Beine bekommt, werfe ich mich ihm entgegen, und wenn ich am nächsten Straßenbrunnen zu Mutz gequetscht werde. Und auf solche vernünftigen Leute, die in der Nähe eines Rettungskahnes oder eines Retungsringes beweisen wollen, daß sie zwar lebensscheu, aber nicht wasserscheu sind, mache ich nun schon seit acht Tagen Jagd. Ich will und muß die königlich preußische Rettungsmedaille am Bande haben... Aber da tippt mir eben mein Deutschamerikaner auf die kahle Brust, faßt mich grinsend beim hohlen Knopfloch.„Alter Freund, Dir hängen die Trauben zu hoch! So was ist seltenes Futter für den Mann im einfachen schwarzen Bürgerrock. Sieh mal, es soll eine Menge armseliger Zivilisten geben, die wagehalsig, todesmutig ihr Leben eingesetzt haben für das Leben eines anderen, eines Wild- fremden. Glück haben sie gehabt, unverschämtes Glück, daß sie dein Tode, dem sie sich furchtlos in die Arme warfen, noch einmal ent- rönnen sind. Weiht Du, was die bekomnien haben, alter Freund? Nach Strömen verspritzter Tinte eine öffentliche Belobigung im Amtsblatt. Und die Brust des Kühnen blieb kahl, das Knopfloch leer. Ja, wenn er Pech gehabt hätte! Wenn ihn der Selbstmord- kandidat mit in die Tiefe zog,'"--nn der Gaul ihn mit zerbrochenen Rippen gegen die Wand schlcud! Crlleicbt hätte man ihm die Rettungsmedaille auf den Sarg'- 1"''o----! Nein, mein Bester, zieh Dir erst den-'kitte! über, schaff Dir Beamtencharakter an, dann Ii.. rzugsberechtigt für die Rettungsmedaille. Ich knickte förmlich zusammen. Recht hat er, mein Deutsch- amerikaner, hundertmal Recht. Warum bin ich nicht Schutzmann? Warum bin ich nicht Offizier? Oder wäre ich doch die Grotzherzogin von Hessen! Die hohe Dame hat, allerdings stark post festum, vom König von Sachsen für die bereits am 27. Februar 1892(?) in Dresden„nicht ohne Lebensgefahr" bewirkte Errettung einer Mit- schwester aus der Gefahr, auf durchgehendem Pferde zu verunglücken, jetzt auch die Rettungsmedaille am Bande erhalten. Die Museen der Reichen. Mit ihrer Maßnahme, an bestimmten Tagen ein Eintrittsgeld zu den königlichen Museen zu erheben, hat die Generalverwaltung der Museen in weiten Kreisen lebhaften Widerspruch hervorgerufen. Er wird aber noch verstärkt, wenn man hört, daß die Berwalwng für Studierende besondere Privilegien schafft, sie hat nämlich den Studierenden ausnahmslos für alle Tage freien Eintritt in das Kaiser Friedrich-Museum und die Nationalgalerie gegen Vor- zeigung der Erkennungskarte zugebilligt. Sollten sich Unzuträg- lichkeiten ergeben, so würde die Vergünstigung nur auf Kunst- studierende beschränkt werden. Warum bloß für Studierende diese Ausnahmen? Wenn man schon glaubt, den Einttitt bezahlen zu lassen und dann Ausnahmen zuzulassen, warum dann nicht auch für Schüler der oberen Ge- meindeschulllassen?_ Die gestrige Frühjahrsparade ging wie in den Vorjahren unter dem üblichen Tamtam und Stratzenabsperrungen vor fich. Am meisten erbaut davon waren die Kinder, die einen fteien Tag hatten, Ein Gcsamtdircktor für die Fortbildungsschulen. Die Frage, in welcher Weise die Leitung des städtischen Fach- und Fortbildungs- schulwesens einzurichten sei, ist gestern nach langen Verhandlungen ihrer Lösung nahegerückt worden. Die zur Vorberatung dieser An- gelegenheit eingesetzte gemischte Deputation hat unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Kirschner beschlossen, der Stadtverordneten- Versammlung vorzuschlagen, die Leitung des Fach- und Fortbildungs- schulwesens nicht einem dritten Stadtschulrat, sondern nach dem Vorschlag, den Stadtschulrat Dr. Michaelis in seiner Denkschrift eingehend begründet hat, einem Gesamtdirektor zu übertragen, der unter dem Dezernat des Schulrats für das höhere Schulwesen mit weitgehenden Bollmachten ausgestattet werden soll. Neue Baufluchtlinien. Für mehrere neue, auf dem Ges"ud- brunnen geplante Straßenzüge, Querstraßen der Christianiasnaß- und Parallelstraßen der Kolonie- und Provinzstraße sind vom Magistrat vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung Bau- fluchtlinien festgesetzt worden. Es handelt sich um die Straßen 68b, 69», 69d, 69c:, 696, 80b, 80c, 806, 80s, 80k, 80g, 80h, Straße 1 usw. an der Berliner Weichbildgrenze von Reinickendors, Schönholz bezw. Nicder-Schönhausen, die der Bebauung erschlossen werden sollen, so- bald die Baufluchtlinien definitiv festgelegt sind. Im Lchrkursus für Gefängniswesen machte der Pastor PeterS- Plötzensee verschiedene Mitteilungen über jugendliche Gefangene, von denen folgende ein gewisses Aussehen erregle: Bor vier Jahren wurde ein Berliner Junge vom Landgericht zu neun Monaten Gefängnis verurteilt, die Strafbollstrcckung aber aufgeschoben. Der Verurteilte fand Unterkunft bei einem auswärtigen Schlächtermeister, bei dem er über 23/4 Jahre als Lehrling tätig war. Als er vor der Gesellenprüfung stand, wurde er plötzlich zurVerbüßuirg seinerStrafe eingezogen. Sein Lehrherr hat sich an den Justizminister gewandt, dem Lehrling aber zugesagt, daß er ihn wegen seiner Tüchtigkeit und guten Führung nach der Entlassung sofort wieder aufnehmen werde.(Der Dezernent für das Gefängniswesen, Geh. Oberjustizrat P l a s ch k e. ordnete sofort eine Erhebung über diesen Fall, sowie über die Belegung des Gefängnisses Plötzensee mit Jugendlichen an.)_ Aus dem Sündenbabel Berlin. Noch nicht allzulange ist es her. daß der konservative Abgeordnete Herr v. Schuckmann sich weidlich entrüstete über das Sündenbabel Berlin und die Polizei aufrief. Der Minister des Innern wies die Auf- forderung zu einem polizeilichen Einschreiten ab, ohne damals zu ahnen, daß kurze Zeit darauf H err v. Schuckmann in die Lage kommen würde, selbst so eine Art Alleinherrscher zu werden. Herr v. Schuckmann ist bekanntlich zum Gouverneur in Deutsch-Südweft- diesem Augenblick übet den Gefährt umgerissen und zu sahrdamm schritten, wurden von dem ?oden geschleudert. Erschrocken fluch- teten die Passanten nach den Bütgersteigen zu, doch es gelang ihnen kaum, diese infolge des enormen Menschenandrangcs zu erreichen. Vor dem Hause Friedrichstr. 36 endlich gelang es einem Schutz- mann> die Durchgänger aufzuhalten und zum Stehen zu bringen. Einer der Verletzten, ein älterer Herr, erhielt die ersten Rotver- bände aus der Unfallstation in der Kronenftraste. Einige andere in Mitleidenschaft gezogene Paffanten hatten äußere Verletzungen und Quetschungen erlitten. Au« der Unglückslifie. Freitag vormittag stürzte der fünfjährige Sohn Otto des Arbeiters Hermann Schaler aus einem Fenster der im vierten Stockwerk des Hauses Wrangelstr. 12V belegenen elterlichen Wohnung auf den Hof hinab. Der Knabe war in AbWesen- heit der Mutter, die auf dem Hofe Holz zerklemerte, auf das Fenster- breit geklettert und hatte das Gleichgewicht verloren. Man trug den Knaben sofort nach der Unfallstation am Mariannen-Ufer, wo der Arzt mir noch den infolge Schädelbruches eingetretenen Tod afrika ernannt worden und hat nunmehr Gelegenheit, in den Tropen seine Grundsätze an den Schwarzen zu probieren. Wir werden wohl bald von der Tätigkeit dieses Herrn nähere? hören, vielleicht setzt er in Afrika seine im Abgeordnetenhause an den Minister gerichtete Aufforderung, daß die Polizei die Bürger zu einer bestimmten Zeit mit einem sanften Druck ins Bett befördere, in die Praxis um. Sind wir aber auch Herrn v. Schuckmann vorläufig los, die Schuckmanns sind geblieben. Das hat sich wieder gezeigt anläßlich der in letzter Zeit stattgehabten Tagungen der Berliner Synoden. Da wurde wieder das alte Klagelied von der Unsittlichkeit in Berlin gesungen und polizeiliches Einschreifen gefordert. Interessant war ein Hinweis des Hofpredigers Ohlig auf der Kreissynode Berlin- Kölln-Stadt auf die Arbeit der Stadtmissionare. Seit einem halben Jahr sei von dieser Stelle eine Mitternachtsmission ein- gerichtet worden, deren Mitglieder nachts die Friedrich st raffe und die Animierkneipen besuchen, um warnend und aufklärend zu wirken. Wenn also in Zukunft ein Stadtmissionar in den Blumen- oder den Amorsälen oder im Gase National betroffen wird, so weiß jeder, daß das nur geschieht, um. warnend und aufklärend" zu wirken. Und wenn gar ein Stadtmissionar in Begleitung einer Dame der Demimonde gesehen wird, so geschieht dies nur, um sie »aufzuklären und zu warnen" I Verhältnismäßig verständige Ausführungen auf dieser Synode machte eine Synodale Mathes mit folgenden Bemerkungen: »Der Vortrag des Referenten konnte den Eindruck erwecken, als iväre die Stadt Berlin gewissermaßen der Urquell aller Un- sitllichkcit. Auch von anderen Stellen aus ist das Thema in diesem Sinne behandelt worden. Alles wird den Berliner Bürgern in die Schuhe geschoben. Das Treiben in der Friedrichstraße hat aber mit den Berlinern gar nichts zu tun, sondern trifft gerade diejenigen Kreise, von denen man im allgemeinen an- nimmt, daß sie wesentlich sittlicher sind als die Be- wohner des Siindenpfnhls Berlin. Gerade diese Kreise stellen die Elemente zu dem nächllichen Treiben. Sie kommen aus allen Gegenden des Deutscheu Reiches, um sich in Berlin auszutoben, und ich möchte nicht untersuchen, ob nicht mancher von ihnen draußen einer Synode angehört. Es sind nicht die Arbeiter auS den betreffenden Kreisen des deutschen Vaterlandes, welche sich nachts in der Friedrich- straffe herumtreiben und die Prostitution fördern, sondern es sind die Gebildeten und Wohlhabenden. Wir dürfen nicht immer bloß von Berlin sprechen, sondern müssen daran denken, daß die Unsittlichkeit im ganzen Lande verbreitet ist. Heute ist es damit auch nicht schlimmer als früher. Schlimmer aber ist die Wohnungsnot geworden, und hier wird nicht eher Wandel ge- schaffen werden, als bis das Haiisbesitzerprivilegium in den Stadt- verordnetenveisammlungen aufgehoben wird." Daß die Herren auf der Synode die Prostitution als eine Erscheinung unserer ganzen wirtschaftlichen Verhältnisse erkennen sollten, ist von ihnen füglich nicht zu erwarten. Alles glauben sie durch die Polizei reglementieren zu können, genau wie ein Arzt, der an den Folgen einer Krankheit herumdoktert, ohne den Ursachen nachzugehen. Der Motorbootverkehr von Boxhagen-Rummelsburg nach Treptow ist perfekt geworden und wird mit dem heutigen Tage er- öffnet werden. Wie der Gemeindevorsteher von Boxhagen- Rummclsburg bekannt macht, wird mit dem heutigen Sonntag ein Fährverkehr über den Rummelsburger See und die Oberspree mit- tels Motorbooten, von der Anlegestelle hinter dem Garten des Restaurants„Bellevue" ausgehend, über Liebesinsel, Schwanen- berg bis Kaiserbad in Treptow unterhalten. Der Verkehr erfolgt bis auf iveiteres stündlich, und zwar von morgens 3 Uhr bis abends 10 Uhr. Der Fahrpreis beträgt für Erwachsene 10 Pf., für Kinder die Hälfte. Damit ist eine neue bequeme Verbindung zwischen Runimelsburg und Treptow geschaffen, die namentlich auch den zahlreichen Berliner Ausflüglern zugute kommt. Bezüglich des Ausflugsvcrkehrs der Großen Berliner Motor- Omnibus- Gesellschaft am morgigen Sonntag teilt die Verwaltung mit, daß derselbe vom Nollendorfplatz nach „Onkel Toms Hütte" von morgens VAO Uhr ab und vom Wik- Helmsplatz in Charlottcnburg von Uhr nachmittags an nach der Jungfernheide ununterbrochen stattfindet, und zwar bis 10 Uhr abends. In der Leichenlialle verstorben. Freitag nachmittag um m Uhr fand in der Kapelle des alten Luisenkirchhofes in Westend eine Trauerseier für eine verstorbene Frau P. statt, zu der sich zahlreiche Verwandte und Bekannte der Dahingeschiedenen einge- funden hatten. Unter ihnen befand sich auch ein Bruder der Frau P., der Postbeamte Schröter aus Berlin. Während der Pfarrer die Trauerrede hielt, brach Sch. plötzlich zusammen. Als man einen Arzt herbeigeholt hatte, konnte dieser nur den infolge Herzschlages eingetretenen Tod feststellen. Herr Schröter hatte sich irrtümlich zuerst nach dem Luisenkirchhof am Fürstenbrunner Weg begeben und hatte dann, um nicht allzu spät in der Trauervcr- sanimlung zu erscheinen, den größten Teil des Weges in vollem Lauf zurückgelegt. Anscheinend ist hierdurch der Herzschlag herbei- geführt worden. Tierquälereien rohrster Art werden seit einigen Tagen auf dem städtischen Schlachthof verübt. Nachdem erst am Morgen des 28. Mai einer dem Fleischermeister Fischer gehörenden Kuh eine Euterzitze abgeschnitten war, sind, wie die„Allgemeine Fleischer-Zeitung* mitteilt. in der Nacht zu heute drei weitere ähnliche Sckandtaten aus- geführt worden. Zwei Schafen, den Meistern Paul Enge bezw. Paul Nitschke gehörig, ist der Bauch aufgerissen worden, einem Sckms des Meisters Max König find die Augen ausgestochen worden. Alle drei Tiere mußte» sofort polizeilich abgeschlachtet werden. Leider ist der Täter bisher noch nicht ermittelt, anscheinend handelt eS sich um Taten eines geistesgestörten Menschen. Große Aufregung wurde gestern morgen in der Leipziger- und Friedrichstraße durch ein scheu gewordenes Gespann hervorgerufen. Aus Anlaß der Frühjahrsparade hatten sich auf den Bütgersteigen der Friedrichstraße ungeheure Menschenmengen angestaut, um dem Vorbeimarsch der Truppen zuzusehen. An der Ecke der Leipziger- straffe scheuten vor der Musik der Regimentskapelle die Pferde eines Geschäftswagcns der Firma Neufeld in Wcißensee und gingen durch. In wilder Karriere rasten die Tiere in die Friedrich- straffe hinein. Der Kutscher, dem die Zügel entglitten waren, hatte jede Macht über die Pferde verloren. Einige Personen, die in konstatieren konnte.— Freitag, vormittags, geriet der Unteroffizier Gustav Benzig vom dritten Garde-Feldartillerie- Regiment, mit seinem Zweirade die Friedrichstraße entlang fahrend, vor dem Hause Nr. 131l unter einen Omnibus und wurde über- fahren. Vorübergehende brachten den Verunglückten nach der Kaserne des II. Garderegiments, wo ein Stabsarzt erhebliche Quetschungen des rechten Oberschenkels feststellte.— Zwischen einem Straßenbahn wagen der Linie 60 und einem Nollwagen erfolgte Freitag mittag vor dem Hause Prenzlauerstr. 27 ein Zusammenstoß, als der Fahrer des erstercn die falsche Weichenstellung nicht beachtete. Der öv Jahre alte Kutscher Karl Thiel wurde infolge des Anpralls vom Bock geschleudert und erlitt Verletzungen an den Füßen. Der Vorderperron des Straßcnbahmoagens wurde zertrümmert und der auf demselben stehende 3? Jahre alte Schlosser Eduard Ziltz trug eine Quetschung der linken Schulter davon. Die beiden Verletzten erhielten die erste Hülfe auf der Unfallstation in der Keibelstraße. Neber lebensgefährliche Zustände in den Häusern Danziger straße 3/4 berichteten wir am 24. April. Der Herr Eigentümer der genannten Häuser hatte die beiden Eingänge zu einer schmalen Einfahrt umbauen lassen. Dadurch, daß täglich etwa 200 Post beamte, 120 Postwagen, die Angehörigen der etwa bv Mieter und beim Monatswechsel einige hundert Rentenempfänger die Em fahrt passieren müssen, bestand die Gefahr, daß jeden Augenblick einer der Passanten im Torweg zerquetscht werden konnte. Auf Grund unserer Kritik hat sich nun die Behörde veranlaßt gesehen, einzuschreiten und es muß nunmehr für das Haus Nr ein besonderer Eingang wieder hergestellt werden. Da nun der Herr Hauseigentümer einmal beim Bauen ist, sollte sich aber die Direktion des Postamtes 58 die Gelegenheit nicht entgehen lassen, nunmehr auch zu verlangen, daß die hygienischen Einrichtungen für die Beamten verbessert und erweitert werden. Es sind für die zirka 2 00 Innen- und Autzenbeamten sage und schreibe 2 Klosetts und Retiraden vorgesehen. Zu Zeiten des Witterungswechsels, wenn viele Menschen an Erkrankungen der Verdauungsorgane leiden, kann man sich den Andrang zu den stillen Orten wohl einigermaßen vorstellen. Viele der Beamten ziehen es schon vor, auf ihrer Tour bei diesem oder jenem Nestau- rateur im Drange der Geschäfte ihre Bedürfnisse zu verrichten. Ein schwerer Unglücksfall hat sich auf dem Güterbahnhof in Tempelhof ereignet. Während des Ausladens von eisernen Schwellen geriet der Kutscher Franz Noweck aus der Lankwitzstraße 40 zu Mariendorf zwischen seinen eigenen und einen vorüberfahrenden Wagen, so daß er mit dem Oberkörper festgeklemmt wurde. Der fahrende Kutscher brachte seinen Wagen sofort zun. Stehen, legte den schwerverletzten Kameraden darauf und brachte ihn nach dem nahe gelegenen Tempelhofer Garnisonlazarett, wo mehrere Rippen- und Armbrüche sowie eine Zerreißung der rechten Lunge festgestellt wurden. ' Ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen zwei Straßenbahn. züge», wobei vier Personen verletzt wurden und bedeutender Material schaden entstand, hat gestern abend in der achten Swnde am Lützow- platz stattgefunden. An der Einmündung der Lützowstraße in den Lützowplatz befinden sich mehrere Weichen, die zum Ueberleiten der Straßenbahnwagen bei eventuellen Stockungen usw. dienen. Gestern abend wurde nun von einem Fahrereines Straßenbahnzuges der Linie S3, von Eharlottenburg kommend, eine der Weichen falsch gestellt und der Waggon geriet infolge dessen auf ein Nebengleis. Ein Straßenbahir zug' der Linie 78, der aus entgegengesetzter Richtung kam, fuhr in den ersteren Waggon hinein. Der Zusammenstoß erfolgte mit solcher Gewalt, daß die beiden Vorderplattformen fast vollständig demoliert wurden. Drei Herren, die in dem Zuge der Linie 93 saßen, wurden durch umherfliegende Glassplitter der zertrümmerten Scheiben verletzt. Der in der Kochstr. 16/17 wohnhafte Arbeiter Lampke erlitt eine große Schnittwunde an der Stirn sowie an der Backe und erhebliche Kopf- und Unter- schenkelquetschungen. Der 19 Jahre alte Fensterputzer Ernst Hoffmann, Krummestr. 69, zog sich Verletzungen am Unterleib zu. Der dritte Verunglückte war mit leichteren äußeren Wunden davon- gekommen. Das Hausmädchen Martha Ullrich, Fasanenstr. 26. das in dem Wagen der Linie 78 gesessen hatte, trug lange Schnitt- wunden am Arm und Quetschungen am Oberschenkel davon. Die Verletzten erhielten die erste ärztliche Hülfe auf der Unfallstatton am Zoologischen Garten. Der Fahrgäste hatte sich natürlich eine un- geheure Aufregung bemächtigt. Bureaukratisches vom Berliner Spar- und Bauverein. Der Berliner Spar- und Bauverein hat sich das löbliche Ziel gesteckt, auf dem Gebiete des Wohnungswesens reformierend zu wirken. Er baut Mietshäuser und vermietet die Wohnungen an seine Mitglieder möglichst zum Selbstkostenpreis. Mit den sonst üblichen Mietssteigcrungcn hat der Mieter nicht zu rechnen. Außer dem Spar- und Bauverein verfolgen auch noch eine Reihe anderer Baugenossenschaften das gleiche Ziel. Natürlich sind nicht soviel Wohnungen vorhanden, um allen Mitgliedern eine solche geben zu können. Häuser bauen kostet viel Geld und auch Zeit. Wer auf eine Wohnung reflektiert, meldet sich und wird unter Berücksichti- gung seiner Wünsche in bezug auf die Größe der Wohnung in eine Liste eingetragen. Sobald Wohnungen beziehbar werden, erfolgt rechtzeitig eine Auslosung der Mitglieder, die sich gemeldet haben. Die Form der Auslosung der freien oder frei werdenden Woh- nungen ist gewählt, um kein Mitglied in seinen Rechten zurückzu- setzen. Wer aus irgend einem Grunde seine Wohnung aufgeben will oder muß, mutz rechtzeitig kündigen. Daneben kommt es vor, daß durch Todesfall, Versetzung eines Beamten und aus anderen Gründen auch eine Wohnung plötzlich frei und beziehbar wird. In solchen Fällen kann der Vorstand den Inhaber der Wohnung von der Kündigung entbinden. Dabei ereignen sich aber Härten, die mit den sonstigen Bestrebungen des Vereins keineswegs im Einklang gebracht werden können und uns nötigen, eine öffentliche Be- sprechung eintreten zu lassen. Uns wird folgender Fall unter- breitet: Ein Metallarbeiter hatte in einer Ansiedelung des Vereins eine Wohnung inne. Weil er damit rechnete, ausgesperrt zu werden, kam er zu dem Entschluß, sich eine andere Existenz zu gründen. Es machte sich gerade, daß er plötzlich ein kleines Ge- schäft übernehmen konnte, was ihn nötigte, seine Wohnung aufzu- geben. Da stieß er aber auf Schwierigkeiten. Als der Verwalter von der beabsichtigten Veränderung erfuhr, drohte er schon: kein Stück Möbel kommt aus der Wohnung, ohne daß die laufende Halb- jahrsmiete hinterlegt und ein Schutzmann zur Stelle sei. Als der Kauf des Geschäfts perfekt war, hinterlegte das Mitglied anstands- los die Halbjahrsmiete im Betrage von 136 Mark und setzte sich mit dem zuständigen Verwalter in Verbindung wegen Weitervermietung der so plötzlich freigewordenen Wohnung. So- fort wurden die Mitglieder, die auf eine Wohnung reflektierten und in der Liste standen, von dem Freiwerden der Wohnung be- nachrichtigt. Von 18, die auf der Liste standen, meldeten sich 12, die bereit waren, die Wohnung sofort zu übernehmen. Hätte nun- mehr unter den 12 eine Verlosung stattgefunden, wäre die Sache erledigt gewesen. Die Wohnung wäre bezogen worden und der Metallarbeiter hätte seine für das Halbjahr deponierte Miete wiedererhalten können. Der Vorstand bestimmte aber anders. Vermietet könne werden, aber eine Auslosung fände jetzt nicht statt, weil dann die Mitglieder, die sich unter den Bewerbern um eine Wohnung befinden, aber infolge ihres Kontraktes nicht sofort ein- fiehen könnten, an der Verlosung nicht teilnehmen könnten. Diese Mitglieder wurden benachteiligt meinte der Vorstand. Und was war die Folge dieses bureaulratischen Standpunktes des Vor- standes? Die Mitglieder, die bereit waren, die Wohnung sofort zu übernehmen, lehnten nunmehr ab, weil sie beim eventuellen Einzug in die Wohnung doch nicht damit rechnen können, daß s i e gerade bei der später erfolgenden allgemeinen Auslosung der Woh- nung zufällig berücksichtigt werden und dann nach 6 Monaten wieder ausziehen müßten, um dem Mitgliede Platz zu machen, den das Los getroffen. Die Wohnung ist deshalb unvermietet ge- blieben und der Arbeiter ist um seine 136 M. gekommen. Der Vorstand hat zwar das Recht, in Notfällen sofort zu vermieten, er hat aber in diesem Falle als getreuer Buchstaben- mensch einen Notfall nicht anerkannt. Eine Beschwerde beim Auf- sichtsrat, die seit April eingereicht ist, ist noch nicht entschieden, ob- wohl um Beschleunigung gebeten wurde. Die Gcncralversamm- lung sollte sich mit der Sache beschäftigen, allein der Vorstand er- klärte, der Antrag sei zu spat eingereicht. Formell mag der Vorstand korrekt gehandelt haben; er hat die Bestimmungen bis aufs Tüpfelchen über dem i beachtet und aus- gelegt, aber der Genossenschaft wird durch derartige Haarspalte- reien nicht genützt. Würde ein Hauswirt so handeln, wie der Vor- stand des Spar- und Bauvereins, so müßte er sich gefallen lassen, daß ihm gesagt wird, er habe einen armen Arbeiter um sein Geld geprellt._, Arbeiter- Bildnngsschule Berlin, Grenadierstr. 37. Del Unterricht in Geschichte hat am vergangenen Montag be- gönnen und wird am nächsten Montag resp. Dienstag um 9 Uhr fortgesetzt. Da der Vortragende, Gen. Maurenbrcchcr, seinen Wohnsitz nach Breslau verlegt hat, macht es sich not- wendig, zwei Tage hintereinander zu unterrichten. Zu zahl- reichem Besuch wird hierdurch eingeladen. Nach 15 Jahren gesühnt. Im Oktober 1892 wurde der Pferde- Händler Mützelburg aus Zerpenschleuse auf der Chaussee hinter Französisch-Buchholz von dem Töpfer Hermann Hahn und dem Arbeiter Kühn ermordet und beraubt. Kühn wurde alsbald vcr- haftet und hingerichtet, während Hahn sich der Verfolgung zu entziehen wußte. Verschiedene Anzeichen wiesen nun jüngst darauf hin, daß ein unter dem Namen Gustav Kaatz eine Strafhaft in Hannover verbüßender Verbrecher der langgesuchte Mörder sei. Als der angebliche Kaatz merkte, daß man semein Geheinmis auf der Spur sei, erhängte er sich im Gefängnis; seine Leiche wurde estern von einem ehemaligen Schulkameraden, dem Berliner Fisch- ändler Gädecke, als die des Mörders Hahn erkannt. Lortzing-Theater. Wegen unvorhergesehener technischer Schwierig- leiten kann die für morgen Sonntag, den 2. Juni 1997, angesetzte Wiederholung des Richard Wagner-Abends nicht stattfinden. Im Sportpark Steglitz gelangt am heutigen Sonntag das große klassische 100 Kilometerreniren zur Entscheidung, das den Namen oldene Kette" führt und folgende vier Bewerber an den Start bringt: Th. Robl, Paul Guignaro, Rat Butler und Piet Dickentmann. Straßensperrung. Die Mauerstraße zwischen der Mohrenstraße und der Taubenstraße, der nördliche Straßendamm der Mohrenstraße zwischen dem Wilhelmplatz und der Mauerstraße sind be- Hufs Ausführung eines gemauerten Kanals vom 1. Juni d. I. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Wegen einer Gasexplosion wurde am Sonnabendabend die Feuerwehr von mehreren Seiten nach der Schwedterstraße 5 ge- rufen. Dort war angeblich durch eigene Unvorsichtigkeit im ersten Stock die Explosion beim Anzünden eines Gasapparates entstanden. Die Hähne waren nicht geschlossen gewesen, bezw. frühzeitig ge» öffnet worden. Als dann die Hauswirtin, Frau Marie Kichle, mit einem brennenden Streichholz dem Apparat zunahe kam, erfolgte unter großer Detonation die Explosion. Türen und Fenster wurden eingedrückt, Einrichtungsgegenstände beschädigt und anderer Schaden verursacht. Frau Kiehle, deren Kleider sofort Feuer fingen, erlitt anscheinend nicht lebensgefährliche Brandwunden im Gesicht und an beiden Armen durch Stichflammen. Sie mußte sich in ärztliche Behandlung begeben. Die Gefahr konnte von der Feuerwehr bald beseitigt werden. Feuerwchrbericht. Gestern hatte die Feuerwehr zum zweiten Male innerhalb kurzer Zeit einen großen Dachstuhlbrand in der Romintcnerstr. 23 zu löschen. Abermals konnte die Entstehung nicht aufgeklärt werden. Die Hausbewohner nehmen wieder Brandstiftung an. Als das Feuer bemerkt wurde, schlugen die Klammen schon aus den Bodenfenstern deS Ouergcbäudes und Seitenflügels empor und als die Feuerwehr erschien, war der Brand über seinen Herd längst hinaus, die Treppen und Boden- räume verqualmt und das Vorderhaus bedroht, lieber eine große mechanische Leiter wurde vorgegangen und mit mehreren Schlauch. leitungen von Dampfspritzen Wasser gegeben. Um an den vcr- qualmten Brandherd heranzukommen, wurde einer von den Rohr- ührern mit einem sogen. Sauerstoffschutzhelm ausgerüstet. Schließ- lich gelang es, die Flammen auf das Quergcbäude und den Seitenflügel zu beschränken. Fast gleichzeitig wurde die Feuer- wehr nach der Rigacrstr« 91 im Osten von Berlin alarmiert. Der Täter konnte nicht ermittelt werden. Vermutlich ist ein Zu- ämmenhang beider Alarmierungen nicht ausgeschlossen. Nachts hatte die Wehr in der Hochmeisterfir. 29 zu tun. wo im 1. Stock des linken Seitenflügels Regale, Verpackungsmaterial u. a. brannten. Ferner mußte sie in der Dalldorferstr. 5 einen Brand löschen. Ein Automobil, Benzin u. a. standen dort in einer Remise in Flammen. In der Putbuserstr. 10 wurden Möbel, Kleider usw. ein Raub der Flammen. Ardeiter-Samariter-Kolonnr. Montag abend 9 Uhr. 2. Abteilung Brunnenstr. 154. Fortsetzung des Kursus. Vortrag über Physiologie. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Vorort- JVadrncbtcih Rixdorf. Die Stadtverordnetrnvcrsammlunq wählte am Donnerstag in ihrer Sitzung die Vertreter zum Städtetage, der vom 16. bis 13. Juni stattfindet. Die sozialdemokrattsche Fraktion beantragte drei Vertreter zu entsenden, damit auch die III. Abteilung Berück- ichtigung finden könne. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt und nur der Vorsteher Sander delegiert. Der vom Magistrat vorgelegten BesoldungS-, Dienst- und Prüfungsordnung für die städtischen Beamten stimmte die Ber- 'ammluug nach einigen Abänderungen zu. Die Einrichtung zweier neuer Botcnstcllen wird nach längerer Debatte mit geringer Majorität beschlossen. 'Einstimmige Annahme fand die Verstärkung der einmalig be- willigten Mittel für die Treptower OminbuSlinie um 19 000 M. Der bisherige 15-Minutenverlehr hat sich als ungenügend erwiesen, ö daß die Einführung eines 12-Miiiuten- eveiitnell Iv-Minuten- Verkehrs notwendig ist. Außerdem sollen an Sonn- und Festtagen Reservewagen an der Erkstraße eingefügt werden, um den gc- teigerlen BerkehrSbedürsittssen gerecht werden zu können. Zu diesem Zwecke sind zwei weitere Wagen und acht Pferde nötig, so daß sich die einmaligen Einrichtungskosten auf 52 000 M. erhöhen. Die beabsichtigte Abänderung des Bebauungsplanes für das Gelände zwischen Hermann-, Thomas-, Berg- und Kopfstraße wird einem Ausschuß zur Vorberatung überwiesen, welchem auch die Ge- nossen Iben, Müller und Wutzky angehören. Der vorgelebte Entwurf für den Bau einer Turnhalle auf dem Hofe der Gemeindrschule m der Elbestraße wird debattelos ge- nehmigt. Dem Antrage des Magistrats, den beschlossenen Pflanzen- lieferungsgartcn für die städtischen Schulen auf dem Wartheplatz anzulegen, trat Stadtv. Wutzky(®o�.) namens seiner Freunde cnt- zegen, da durch den mit einer Umzäunung zu versehenden Garten >er Platz als Parkanlage der Erholung suchenden Bürgerschaft zum arohen Teil entzogen wird. ES müsse an anderer Stelle eine Stätte für den Schulgarten geschaffen werden. Nach kurzer Debatte beschließt die Versammlung nach dem Vorschlage des Magistrats. Der Magistrat hat mit der preußischen Steuerverwaltung ein Abkommen getroffen, nach welchem die Einkommensteuer-Veran- lagungskommission vom Tempelhofer User nach Rixdorf verlegt wird. Obwohl die Bedingungen teils wenig entgegenkommend sind, wird notgedrungen aus Zweckmäßigkeitsgründen dem Abkommen zu- gestimmt. In geheimer Sitzung beschäftigte u. a. die Versammlung eine Vorlage, nach der anstellcsdersErweiterung des Friedhofes am Marien- dorfer Weg, geplant wird einen neuen Friedhof in Buckow anzulegen. Gegen das in Frage kommende Terrain bestehen jedoch schwer- wiegende Bedenken: z. B. liegt es in nächster Nähe des neuen Krankenhauses, was aus Humanitären Gründen schon nicht ratsam ist. Die Grundeigentumsdeputation wird daher beauftragt, das ganze Projekt nochmals genau zu prüfen. Charlottenburg. Freie Volksbühne Charlottenburg. Die Junivorstellung findet für die t. u n d 2. A b t e i l u n g im Schillert�ater Charlottenburg am Sonntag, den 9. Juni, 3 Uhr nachmittags, statt. Zur Dar- jtellung gelangt„Der Pfarrer von Kirchfeld", Volksstück mit Gesang von Ludwig Anzengruber. Alle Mitglieder müssen spätestens am Sonnabend, 8. Juni, geklebt haben. Zu dieser Vorstellung werden Gastkarten ä 1 M. in den Zahlstellen verkauft; die Anzahl der Gastkarten ist beschränkt, es empfiehlt sich daher, sich zeitig damit zu versehen. Berein Freier Kindergarten. Sonnabend, den 8. Juni, beran- staltet der Verein ein K i n d e r s p i e l f e st im Restaurant„Wald- Haus"(Inhaber Kant). Tegeler Weg 88/39. Die Spiele werden von Kindergärtnerinnen geleitet werden. Anfang 3 Uhr. Eintritt für Kinder 19 Pf., für Erwachsene 20 Pf. Schöneberg. Zu dem räuberischen Ucberfall auf die Opernsängerin Frau Dorn, Bambergerstr. 41, der vor einiger Zeit großes Aufsehen hervorrief, wird uns heute mitgeteilt, daß die Ermittelungen der«ochöneberger Kriminalpolizei zur Verhaftung zweier„schwerer Jungen" geführt haben, die«Ach als Urheber des Raubanfalles gelten. Nach Ver- Übung einer ganzen Reihe von Einbruchsdiebstählen wurden die beiden„Gelegenheitsarbeiter" Cassier und Glenz festgenommen und im Laufe der Untersuchung hat sich dann herausgestellt, dasi die beiden auch den blutigen Ueberfall auf die Opernsängerin D. verübt haben. Bei einer Haussuchung in den Wohnungen der Verhafteten wurden noch zahlreiche wertvolle Gegenstände vorgefunden, die aus Dieb- stählen herrühren. Während es der Polizei gelungen ist die Eigen- tümer der gestohlenen Sachen fast sämtlich zu ermitteln, war es ihr bisher noch nicht möglich, den Besitzer eines ebenfalls von den Ver- hasteten gestohlenen Mikroskops im Werte von 300 M. ausfindig zu inachen. Der Apparat trägt das Fabrikzeichen L. Benecke Nr. 2909 und befindet sich in einem braunpoliertcn Holzkastcn, der außerdem zwei Schachteln mit Prismen enthält. Wahrscheinlich ist er aus der Wohnung eines Arztes gestohlen worden. Lichtenberg. Die Provisionsgeschichte bei Aufnahme eines Darlehens von 160 000 M. seitens der hiesigen Gemeinde bei der Sparkasse in Schkeuditz wurde in der letzten Sitzung der Gemeindevertretung von unseren Genossen nochmals zur Sprache gebracht. Den Anlaß dazu gab der Umstand, daß das Stadtoberhaupt in Schkeuditz erklärt hatte, Schkeuditz habe sich keines Vermittlers bedient, während der hiesige Gemeindevorsteher das Gegenteil behauptete. Dieser äußerte sich dahin, daß ein Herr Walter in Rosenthal das Angebot gemacht habe. Die ganze Sache habe sich aber zerschlagen, da die Dar- lehenSsumme nicht in bar sondern in Wertpapieren offeriert werde. Unsere Genossen werfen die Frage auf, ob die andersgeartete Erklärung deS Schkeuditzer Bürgermeisters nicht etwa darauf zurückzuführe» sei, daß dieser den oder die Vermittler nicht als solche� ansehe. Hatte doch der dortige Bürgermeister Schmidt davon gesprochen, daß ein„Bürger" von Rosenthal einer Gemeinde, die auch von Schkeuditz Geld aufgenommen, angefragt habe, ob für die Gemeinde Lichtenberg Geld zu haben sei; dem Herrn hatte er geantwortet, er möge die Gemeinde Lichtenberg veranlassen, sich direkt nach Schkeuditz zu wenden. Ob aber der Bürgermeister Schmidt davon gesprochen hat, daß der„Vermittler" Gemeindevertretcr in Rosen- thal ist, derselben Gemeinde, in der auch zufällig der Bruder deS Bürgermeisters Gemeindevorsteher ist, konnte nicht klargestellt werden. Wie die„Bürgerlichen" die Tatsache rechtfertigen, daß der Gemeinde- Vertreter Walter aus Rosenthal für die bloße Anfrage in Schkeuditz, „ob dort für die Gemeinde Lichtenberg Geld zu haben sei", von den Lichtcnberger Steuerzahlern 1600 M. Provision erhalten sollte, dafür lieferte Herr Plonz einen Beweis. Er meinte, die Besprechung könne dazu führen, daß die Gemeinde im Bedarfsfalle überhaupt kem Geld mehr erhalten würde! Die Bedienung durch Vermittler sei gang und gäbe! Gewiß, sei das ein Mßftand aber— dieser Mißstand bestehe eben!! Vielleicht interessieren sich die Gemeindcväter in Stadt und Land nun etwas für diesen„Mißstand", der einer„Korruption" gewiß sehr ähnlich sieht. Zehlendorf. Eine auhemdentliche Tatkraft zeichnet die hiesige Gemeinde- Vertretung aus. Sie ist bestrebt, soweit eS ihr nur irgend möglich ist, den Kampf gegen die—„sozialdemokratische Knechtschaft" auf- zunehmen. Aber noch nicht genug damit: sie legt einen Geld- bewilligungSeifer an den Tag, wie er nur selten in unserem Drei- klasscnparlament zu finden ist. Dies aber meist für die Zwecke des Patriotismus und für ihre eigene Klasse. So werden beispielsweise nicht geringe Summen für die höhere Töchterschule und für das Gymnasium, Anstalten, die den Kindern deS Arbeiters verschlossen sind, bewilligt. Für die Volksschule hat diese Gemeindevertretung selten etwas übrig. Im vorigen Herbst hatte man bereits den Neubau einer Doppelschulc im südlichen Ortsteil, in der Wilhelm- straßc, beschlossen. Bezogen sollte dieselbe am 1. Oktober d. Js. werden. Aber bis heute liegt die Baustelle noch unberührt. Auf- klärung darüber bot die letzte Gcmeindcvertretersitzung. Es wurde der Versuch gemacht, den Neubau der Schule bis 1909 zu vertagen, da man augenblicklich mit größeren Projekten beschäftigt sei, welche den Etat schon übermäßig belasteten. Man wolle ein Rathaus, ein monumentales Feuerwchrgebäude und noch verschiedene andere Kleinigkeiten bauen, auch zeige es sich, daß das Gymnasium und die Töchterschule schon infolge deS rapiden Wachstums der Einwohner- !ahl an Raummangel leiden. Man müßte, so hieß eS, die Gemeinde» chule auS Anleihemitteln erbauen, augenblicklich aber sei das Geld zu teuer und so müssen die Kinder des Volkes eben warten. Erst nach längerer Debatte kam ein Kompromiß zustande, welcher dem Gemeindevorstand aufgibt, die Schule bis zum Herbst 1908 zu er- bauen, ein Beschluß, der nach seiner Fassung höchstwahrscheinlich auch nicht ausgeführt wird. Bei dieser Gelegenheit sei darauf hin- gewiesen, daß in einer der letzten Sitzungen dem Kricgerverctn 600 M. zu seiner Fahnenweihe mit anschließender Kneiperei be- willigt wurden. Figura zeigt, daß man mit dem Gelde der Steuer- zahler durchaus nicht geizt, wenn es sich um die Unterstützung so- genannter„patriotischer" Zwecke handelt. Eine andere Tat der Gemeindevertretung verdient noch in das rechte Licht gerückt zu werden. Es handelt sich um Festsetzung der Pauschalsummen der Lustbarkeitssteuer. Da hat man nun alle großen Säle im Zentrum des Ortes, trotzdem sich hier der größte Verkehr abspielt, nicht höher besteuert, als im vorigen Jähre. Unser Versammlungslokal, das „Gesellschaftshaus" von Wilh. Mied, Karlstr. 12, dagegen, für welches bisher 120 M. zu zahlen war, soll von jetzt an 226 M. an Lustbarleitssteuern aufbringen. Die Arbeiterschaft wird sich die geschilderten Dinge recht gut merken müssen, wenn im nächsten Zrühjah? die Ngitgtiov süx pt§ Gsminde- bertreterwahken einsetzt. Es sind so verschiedene dft jetzigen Vertreter, welche von Arbeiterfreundlichkeit triefen, die aber nur deshalb keine Sozialdemokraten in der Vertretung haben wollen, weil dieselben die Politik in dieselbe hineintragen würden. Wer sich allerdings bei seinen Entschlüssen fast nur von politischen Gesichtspunkten leiten läßt, beweisen die bürgerlichen Vertreter jeden Tag aufs neue. Im nächsten Frühjahr gilt es zu zeigen, daß in der Gemeindevertretung Leute sitzen, denen das Allgemeinwohl gleichgültig ist, wenn nur ihre Klafleninteressen zur Geltung kommen. Adlershof. Diebstahl aus dem Friedhofe. Ein unerhörtes Diebesstück ist auf dem Begräbnisplatz der Gemeinde Adlershof ausgeführt worden. Seit mehreren Tagen war aus einer Nische des Erbbegräbnisses des verstorbenen Apothekenbesitzers Greinte eine kostbare Christusfigur verschwunden. Man nahm anfangs an, sie sei wegen einer Reparatur abgeholt worden. Jetzt hat sich aber herausgestellt, daß die Figur gestohlen worden ist. Sie repräsentierte einen Wert von mehreren Hundert Mark. Tegel. In der letzten Gemeindevertretersitzung am Freitag teilte Ge- meindevorsteher Weigert unter anderem mit, daß die Gemeinde aufgefordert sei, sich für die Erhaltung der Grunewaldstrecke zwischen Grunewaldsee und Schlachtensee auszusprechen und an der dies- bezüglichen Petition zu beteiligen. Die Gemeinde beschloß ohne Debatte demgemäß. Ebenso stimmte die Gemeindevertretung dem Beschluß des Gem�indevorstandes zu, daß die Gemeinde als Mit- Unterzeichner unter der Gcgenpetition gegen den von der Stadt Berlin gestellten Antrag auf Aenderun� des Kommunalabgaben- gesetzes dahin, daß die, die in Berlin verdienen und in den Vororten wohnen, auch in Berlin Steuern zu zahlen haben. Endlich gab der Vorsitzende bekannt, daß der Haushaltsplan der Gemeinde für 1907/08 fertiggestellt fei und ausliege. In der nächsten Sitzung werde er zur Beratung stehen. Die Beschickung des branden- burgischen Städtetages am 17. und 18. Juni dieses Jahres in Havelberg wurde dem Gemeindevorstand überlassen. Mit der Ueber- lassung des Gemeindcgrundstücks an der Ecke der Berliner- und August Müllerstraße an den Nachbar, Restaurateur Nasum, zu Gast- wirtszweckcn war die Gemeindevertretung einverstanden. Nur be- hielt sie sich die Genehmigung des abzuschließenden Vertrages vor und wünschte Vorlage der Zeichnung für die auf dem Grundstück zu errichtenden Baulichkeiten. Zur Uebernahme von Straßenland von Schmidt. August Müllerstraße, von Frau Witwe Zimkow, Hauptstraße und von Bürgersteigland von den zum Kreisbahnbaü bestimmten Gemeindcgrundstücken wurde dem Gemeindevorsteher Vollmacht erteilt und ihm gleichzeitig das Recht gegeben, sich bei der Auflassung durch einen anderen Beamten vertreten zu lassen. Es folgte ein Antrag der Beleuchtungskommission auf Vermehrung der Straßenbeleuchtung. Insgesamt sollen 40 Laternen neu auf- gestellt werden, darunter an den Ecken Haupt- und Treskowstraße, Berliner- und Schloßstraße, sowie Schlieper- und Berlinerstraße sollen Kandelaber mit hängendem Auerlicht, dem die Gemeindever- waltung auf Grund eigener Versuche den Vorzug gegeben hat, auf- gestellt werden. In der Bahnhofstraße sollen die Laternen ver- iuchsweise gegenübergestellt werden. Die Gemeindevertretung stimmte den Vorschlägen zu. Der geforderten Aufstellung einer Laterne am Friedhof konnte noch nicht nachgekommen werden, da dort kein Gasrohr liegt. Sobald die zu Kanalisationszwecken not- wendige Untertunnelung der Staatsbahn im Zuge der Hermsdorfer- straße gebaut wird, das wird in vier Wochen der Fäll sein, soll gleichzeitig das erforderliche Gasrohr gelegt werden. Eine längere Debatte entspann sich um die Frage, wie der an Sonntagen viel benutzte Droschkenhaltcplatz in der Hermsdorferstraße dem Publikum besser sichtbar gemacht werden könne. Zurzeit werden Droschken, die sich Sonntags in wachsender Zahl in Tegel einfinden, meist sehr schwer gefunden. Nach längerer Debatte, in der verschiedene Vor- schlage gemacht wurden, wurde beschlossen, ein Transparent mit der Aufschrift„Droschken-Platz" anbringen zu lassen. 200 M. wurden dazu bewilligt. Dem KrankenhauSverbandS-Vertrag, aus dem HermSdorf ausgeschieden ist, wurde auch nun, wo nur Reinickendorf, Wittenau und Rosenthal neben Tegel beteiligt sind, zugestimmt. Die Dauer ist auf V Jahr und 18 Monate Kündigungsfrist, ins- gesamt auf 7 Jahr 0 Monate, festgesetzt. Es folgte eine lebhafte Debatte über den Antrag des Gemeindevorstandes auf Einleitung von Verhandlungen zur Herstellung einer Stratzcnbahnverbindung mit Charlottenburg. Mehr und mehr hat sich herausgestellt, daß die Beziehungen zwischen Tegel und Charlottenburg sehr enge sind. Ein lebhafter Verkehr ist von den nördlichen Vororten nach dem zuständigen Landgericht III. Charlottenburger Beamte und An- gestellte dortiger Firmen wohnen, wie festgestellt, in Tegel und ivahrscheinlich ist auch daS Umgekehrte der Fall. Daß in dem Wernerwerk am Nonnendamm und in anderen Fabriken der Gegend vielfach Tegeler Arbeiter beschäftigt sind, ist anzunehmen. Es wurde beschlossen, mit dem Magistrat von Charlottenburg in Verbindung zu treten und falls sich ergeben sollte, daß die Vcrkehrsverbindung, sei eS nun Hoch- oder Nivcaubabn, dem Tegeler Weg folgend durch Reinickendorf und Wittenau geführt werden müsse, auch die Ge- meinden Reinickendorf und Wittenau zuzuziehen. Die Verkehrs- Verbindung wäre dann als gemeinsame Einrichtung der vier Ge- meinden zu betreiben und der etwaige Gewinn gleichmäßig zu teilen. Die Gemeindevertretcr stimmten einmütig dem Antrage zu. Mocken- Spielplan der Berliner Cbeater. KSnigl. Opernhaus. Sonntag: Carmen. Montag: Du Tr-mutu. Dienstag: Die Rcglmentslochter. Mittwoch: Tristan und Isolde. Einsang 7 Uhr.) Donnerstag: Romeo und Julia. Freitag: Salome.(Ansang 8 Uhr.) Sonnabend: Die Regimentstochter. Sonntag: Manon. Montag: Rienzt. ttönigl. SchansPielhauS. Sonntag: Ein Fallissement. Montag: Die Rabcnsteinerin. Dienstag: Goldfische. Mittwoch: Die Rabensteinerin. Donnerstag: Wallenslcins Lager. Die PIccolomins. Freitag: WallenstelnS Tod. Sonnabend: Die Rabensteinerin. Sonntag: König Richard in. Montag: Die Rabensteinerin. Neues köntgl. Opern- Theater. Sonntag: Die sieben Schwaben. Sonntagnachmtttaa 3 Uhr: Der Zigeunerbaron. Montag: Die Getsha. Dienstag: 1001 Nacht. Mittwoch: Die sieben Schwaben. Donnerstag: Wiener Blut. Freitag: Die fieben Schwaben. Sonnabend: Boccaccio. Sonntag: 1001 Nacht. Montag: Die sieben Schwaben. Schiller- Theater<». SonntagnachmIItag 3 Uhr: Heimat. Abends: Weh' dem, der lügt. Montag: Die Schmuggler. Dienstag: Ein Fallissement. Mittwoch: Moloch. Der zerbrochene Krug. Donnerstag: PerrichonS Reise. Freilag: Moloch. Der lzerbrochene Krug. Sonnabend: PerrichonS Reise. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Traumulus. ÄbendS: PerttchonS Reise. Montag: Perrlchons Reise. Sehiller-Theater Charlottenburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Pfarrer von Kirchseld. AbendS: Ein Fallissement. Montag: Heimat. Dienstag: Monna Vanna.. Mittwoch: Die Schmuggler. Donnerstag: Ein Fallissement. Freitag und Sonnabend: Die Schmuggler. Sonntag- nachmittag 3 Uhr: Der Psarrer von Kirchseld. Abend»: Die Schmuggler. Montag: Ein Fallissement. Swillrr-Thrnter W.(Friedrich-Wilhelmstäbtifchc» Theater.) Sonntag- nachmittag 3 Uhr: Jugend. Abends: Drei Paar Schuhe. Montag bis Montag: Drei Paar Schuhe. Neues Schauspielhaus. Allaoendlich: Geschlossene Vcrelnsvorftellung. Lessiiig-Thearcr. Sonntag bis Sonntag: Die Fledermau». Montag: Geschlcssen. Deutsches Theater. Sonntag bis Freitag: Robert und Bertram. Sonnabend bis Montag: Der Jongleur, Kaminersptcle des Tciitschc» Theaters. Sonntag und Montag: Ghge« und sein Ring. Dienstag: Agiavatne und Selhsette. Mittwoch bis Freitag: Frühlings Erwachen. Sonnabend ab: Geschlossen. Neues Theater. Sonniag bis Montag: iDie Eondoltieri. Berliner Theater. Sonntag: Sherlock HolmeS. Von Montag ab: Geschlossen. LuftsplelhanS. Sonntag: Die Welt ohne Männer. Montagnachmittag 3 Uhr: Sondervorstellung. Abends: Dte Welt ohne Männer. Dienstag bis Montag: Die Welt ohne Männer. Kleines Theater. Sonnkagnachmittag 3 Uhr: Tin kdeaker Gatte. Abends und allabendlich: Marcell Salzer....„. Luisen« Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Kabale und Liebe. Wends und allabendlich: Das Rätsel seiner Ehe.„.».. Bernhard Rose- Theater, sonntag: Im Rausche des Lebens. Montag und Dienstag: Geschlossen. Ab Mittwoch: RasileS, der Gentleman- Verbrecher. ,,,„, Residenz- Theater. Allabendlich: Haben Sie nichts zu verzollen? MetroPol>Th«atcr. Allabendlich: Der Teuscl lacht dazu. Thalia- Theater. Sonntag bis Montag: Charleys Tante. Apollo-Theatrr. Allabendlich: Hartstein. Der lustige Witwer. Spezialitäten(Ansang 8 Uhr.) Walhalla-Theater. Der. grüne Teusel. Spezialitaten. Reichshallen< Theater. Stettiner Sänger. Passage- Theater. Spezialitäten. Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten. Figaro-Theater(im FolteS Gaprice). Allabendlich: Geisterauto, Paris. Ansang 8'/, Uhr. Carl Haverland-Theater. Spezialitäten. Gustav Behrens-Theater. Berlin W., Goltzstr.9. Die Katzen in der Perücke. Spezialitäten. Urania- Theater. Taubenstrasse 48/40. Sonntag, Dienstag und Sonnabend: Durch Dänemark und Südschweden. Montag und Freitag: Die deutsche Oftsecküste. Mittwoch: Von der Zugspitze zum Watzmann. Donnerstag: Im Lande der Mitternachtssonne. Sonntag: Die Gletscher der Hochgebirge und dte Eiszeit unserer Heimat. Ansang o Uhr. Sozialdemokratischer Wahlverein für den Reichstags. Wahlkreis Brieg- Ramslau.(OrtSverein Berlin.) Sonntag, den 2. Juni, abends 8 Uhr, Sitzung bei Emil Bogt, Grünauerstr. 3. Zentralvcrband der Fleischer und Bernfsgenosse» Deutschlands. (Ortsverwaltung Berlin.) Mittwoch, den 6. Juni, abends 0 Uhr, im .Englischen Garten", Alexanderstr. 27 o: Mitgliederversammlung. Berliner Marktpreise. Aus dem amllichen Bericht der städtische» Markthallen-Direktion.(Grosshandel.) Rindfleisch la 66—68 pr. 100 Pfd., IIa 60-65, Ula 55-58, Bullenfleisch la 62-66, Na 52-60, Kühe, fett 52—58, do. mager 42—50, Fresser 50—62, Bullen, dän. 0,00, do. Holl. 0,00. Kalbfleisch, Doppellender 100—125, Mastkälbcr la 88—94, IIa 76-84, lila 0,00, Kälber.gcr. gen. 50—65, do. Holl. 60-65, dän. 0,00. Hnminelsicisch Mastlämmer 68—72, la 63—68, IIa 56—63, Schase 53—56. Schweinefleisch 47—54. Rehwild la Per Psund 0,60—0,79. IIa 0,40-0,59. Rotwild. Abschuh 0,55—0,61. Damwild, Abschuss 0,00. Wild- schwcine 0,24— 0,44. Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stück 0,56— 0,90. Hühner, ---- 1,70-3,00,....... M......~' alte, per Stück 1,70-3,00, IIa 1,20-1,50, do. junge 0,53-1,20. Hühner 1,40—1,80. Tauben 0,40—0,65, italienische 0,00. Enten per Stck. 1.30 bis 2,75, dito Eis- per Stück 0,00, do. Hamburger per Stück 2,00—4,25. Gänse per Psund 0,90, do. per Stück 1,80—5,00, do. Ham- burger per Psund 0,90—1,05, per Stück 4,00—5,50. EhalonShühner 0,00. Hechte per 100 Psund 94—111, gross und mittel 87—96, do. matt 77—85, do. gross 62—77. Zander 171. Schleie, mittel 0,00, do. gross 90—107, do. 98—126. Aale, gross 125—135, do. klein und mittel 88—97, do. mittel 111-128, do. unsortiert 88-112. Plötzen 0,00, do. klein 0,00, do. matt 0/00. Karpsen 40cr 108, do. 0,00. Bleie 42-56. Bunte Fische 42—72. Barse 0,00, do. matt 0,00. Karauschen 56— 87. Bleistsche 0,00. Wels 45. Aland 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer per 100 Pfd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. lila neuer 75. Seelachs 15—20. Sprotten, Kieler, Wall 0,00, Danaiger, Kiste 0,00. Flundern, Kieler, Stiege la 3—5, do. mittel per Kiste 1— 2, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 1,00—2,00. Bücklinge, Kieler Per Wall 1,50—2,50, Slralsundcr 1,50—2,50. Aale, gross per Psd. 1,10—1,50, milielgross 0,80—1,10, klein 0,60—0,80. Heringe per Schock 6—9. Schellfische Kiste 2,00-3,50,•/, Kiste 1—2,00. Kabliau, geräuch. per 100 Psd. 15-20. Dorsch, Kiste 2,00—2,50. Goldfische, Schock 2—8. Sardellen, 1902er per Anker 95, 1g04er 95, 190Ser 90, 1906er 85. Schottische Vollheringe 1906 0,00, large 40-44, fall. 38—40, med. 36—42, deutsche 37—44. Heringe, neue MatjeS, ver'/, To. 60—120. Sardinen, russ., Fass 1,50—1,60, Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1,25—1,50. Neunaugen, Schocksah 11, klein 5—6, Riesen» 14. Eier, Land-, unsort. Schock 3,00—3,20, gr. 3,75. Butter per 100 Psd. la 110-112, IIa>05-108, lila 100-104, abfallende 90-95. Saure Gurken Schock 4,50, Pfeffergurken 4,50. Kartoffeln per 100 Psund magamn bonum 3,50—4,00, Dabersche 3,25—3,75, Rosen 0,00, weisse 3,00—3,50, Salatkarloffeln 0,00. Spinat per 100 Psund 3—5. Karotten, hiesige, Schock-Bund 3,00—4,50. Sellerie, hiesige, per Schock 10,00—25,00, do.> pommersche 0,00, Zwiebeln grosse, per 100 Psund 0,00, do. kleine 0,00. do. hiesige(Perl.) 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün, Schockbund 0,80—1,00. Kohlrabi Schock 1—3. Retiig, bahr., neue Stück 0,12—0,16. Mohrrüben pr. 100 Psd. 4.00—8,00. Teltower Rüben per 100 Psd. 0,00. Weisse Rüben, grosse 0,00, kleine 0,00. Rote Rüben 0,00. Blumenkohl, holländischer per Kops 0,10—0,30. Kohlrüben per«chock 2,00—5,00. Wirsingkohl bolländ., der Schock 0,00. Rotkohl holländ.. per Schock 0,00. Wcisskohl, dän. per 100 Psd. 0,00. Rosenkohl per 100 Psd. 0,00. Sprutkohl per 100 Psund 0,00. Rhabarber 100 Bund 0,80—2,60, Bergedorfer per 100 Bund 0,00. Morcheln per Psund 0,40. Sandniorcheln per 100 Psd. 0,00. Waldmeister per Mandel 0,30—0,45. Radieschen per Schock 0,50—1,00. Salat per Schock 0,60—2,00, Spargel la 100 Psd. 40—55, do. IIa 25—40, do. lila 10—25, do. unsort. 80-35, do. Beelitzer la 45-55, do. Beelitzer IIa 26—40, do. Beelitzer lila 10-26. Stachelbeeren, grün, per 100 Psd. 10-15. Birnen, austral., in Kisten von 20 Kg..Kiste 18-20, ital. 0,00. Aepsel, per 100 Psd., hiesige 8-20, Tiroler, Kiste 0,00, Calville, Kiste 0.00, Australier in Kisten 10-22, Ital. in Kisten 5.00-20.00. extra 15,00 bis 26,00. Zitronen, Messina. 300 Stück 9,00-12.00, 360 Stück 9.00-11.00. 200 Stück 6,00-12,00. Apselsinen. Jaffa, per Kiste 0,00, Murcia 200 er Kiste 0,00, do. 300 er 7—10, Valencia 420 er Kiste 10.00-25.00, do. 714 er 22-26,00, Messina. 100er 4-7,00, 150er 5-8,00, 16i er 8-13,00, 200er 7,50-12,60, 300er 0,00, Blut- 100er 5,60-9,00, do. 150« 7,50, 80 et 6-7,50, 200er 13-14. Bnefhaften der Redahtion. Tie lurlftilche Sprcchsinnd« stnde« Fr> ed rt ch str. 1«,«nsgana 4. ein« Treppe(HaiidclSftäitc«cllealliance. Turchgang auch Liiidenstr. KU), wochentäglich von 7'/, dt»'J'/, Uhr abend» statt. Geüffilet?«Hr. eoiniabend» beflimit dle«prechstuud« um««Hr. Jeder Anfrage ist ei» Buchstabe und eine Zahl als Wlert, eichen driznlüge». Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Frage» trage man in der Sprechftnnd« vor. N. Z». Der Adresskalender gibt Ihnen Auskunft.— KirchenauStritt. Ihr Austritt hat nicht slattgesmiden, weil Sie eS unterlassen haben, die mündliche Erklärung abzugeben. Sie mühten von neuem den Antrag aus Austritt stellen und dann auch, ohne eine Vorladung erhalte» zu haben, innerhalb vier bis sechs Wochen nach Eingang des Antrages den Austritt zu Protokoll erklären. Die Gebühren müssen Sie nach dem Gesetz zahlen. — A. P. 17. Nein, ein Ehebruch ist nur strasbar. wenn wegen dieses Ehebruches die Ehe getrennt ist und der beleidigte Ehegatte Strasanlrag stellt.— R. M. 29. Richten Sie an das Gericht das Ersuchen, dte Vor- strasc» nicht zu erwähnen. Voraussichtlich wird der Bitte stattgegeben. Dte Vorbcslrasungen und den Grund Ihrer Bitte müssten Sie mit angeben. — T. G. 69. 1. Den Antrag haben Sie an das Polizeipräsidium zu richten. 2. Unkosten entstehen nur tnsosern, als ein StaatSangehörigkestS- auSweiS von der mecklenburger Behöide gefordert wird. 3. und 4. Ja.— W. 3. 24. Wenden Sie sich an den Turnverein„Fichte", Koppenstr. 24. — 66 E. Wenn die Armendirettion nichts gezahil hat, so kann auch ein. Abzug nicht stattfinden. Sollte Ihrer Schwiegermutter Unierslützung weder von dem früheren noch von dem hiesigen UiiterslützungSwohnsitz gezahlt sein, so soll sie reklamieren.— H. Pankow. Der Vertrag läuft weiter.— A. M. 1. Die Naturalisation eine» Ausländers(Ntchtdeutschen) kann slattswden. der Ausländer hat aber kein Recht aus dieselbe. Da» Gesuch ist an den Polszeiprästdenten zu richten. Durch dte Naturalisation eincS AuS» läiidcrS entstehen 50 M. Kosten.— H. P. in Dch. 1. und 2. Ja.— A. O. 1. Das ist zulässig.— H. B. 16. Voraussichtlich würden Sie beide zur Zahlung verurteilt werden. Ihre Frau hätte entweder bei der Bestellung angeben sollen, dah Sie die Ware nur annimmt, wenn sie bis zum 15. Mai kommt, oder hätte eine kurze LieserungSIrist nach dem 15. Mai festsetzen müssen.— F. Dch. 23. 1. Leider ist da» kein Grund zur Aus. bebung deS Vertrages. 2. Ein Kind verliert keineswegs durch Adoption seinen Anspruch aus Alimentation gegen seinen Erzeuger.— T. T. Nein. Singegangsene Druckschriften. Monatshefte für graphisches Kunstgewerbe. Hesi 7. Heraus. geber A. Knab, Redakteur C. MatthieS, Verlag von C. Flcmmmg A.-G. Berlin\V. 35. Grabbes Ausgabe. Bearbeitet von Paul Friedrich. Preis gebunden 2 M. Verlag: A. Weichert, Berlin NO. 43. Rechenschaftsbericht der Victoria zu Berlin A. V.-A..T. sür daS Jahr 1006. 31 Seiten. Selbstverlag, Berlin, Lindenftr. 20/21. 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Robert Böhme, Dresden. I? Gesichtsausschläge b-l-Itlgt mit üb-r- Herba-Seife Zu h. t» a. Lpoth., Drog. u. Pars. p. 6t EO Pfg. u. 1 SRI. Habe mich ÄütjüSlSlr. 93, �he Oranionburgorstraße, als Spezialarzt für Bemleiden (Beingeschwüre, Krampfaderleiden, Plattfußbesoh werden) niedergelassen. Sprechstunden 9— 12, 4— 6, Sonntags 9— 12. Für Unbemittelte Dienstags und Freitags 4— 6. 50751� Dr. med. W. Fackelmann. 22. Ziehung 5. Kl. 216. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 1. Juni 1907, TOcmltUgs. Nor dl« Gewinne Uber 240 Mark Bind den beueSendeji Kummern in Klammern beigefügt. (Ohne QewAbr.)(Nachdruck verboten.) 43 86 266[1000] 949 602 834[9000] 93t 91 1374 449 617 40 609 38 2191 266 78 80[500] 89 476 342 3016 135 339 482 610 803 43 023 99 4040[900] 225 464 684 702 853 66 [500] 50J9 97 101[1000] 28[1000] 74 683 821 998 6001 323 464 69 98 523 33 789 858 903 7420 70 84[1000] 97 709 813 948 8367 332 702 816 43 909 9008 27 365 73 369 94 413[500] 89 648 708 1O006 47 98[1000] 814 427 846 016 llOSl 400[600] «I 873 820 1 2048 248 78 1500] 487 673 880 99 097 1 3021 138 217 56 382 456 867 977 1 4209 404 534[1000] 819 765 80 *7 810 1 5033 167 281[1000] 337 84 490 643 696 643 16065 132[500] 345 318 61 674 702 96 848 81 931[500] 17130 312 32 695 728 851[1000] 934 69 87 1 8086 118 671 693 1 9063 102 469 643 609 700 8 82 2 0213 469 684 724 63 84 958 2 1 291[500] 492 534 38 718 992 37 2 2484 605 73 97 712 838 2 3430 570 745 928 37 24091 105[500] 484 864 995 2 5187 237 333 58 90 671 652 841[14 000] 935[1000] 63 2 6270[3000] 413 588[3000] 007 62 783 818 018 64 73 2 7 216 33 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X A 30 000, 6 A 13 000, 7 A 10 000. 13 k 5000,»48 k 3000, 872 A 1000, 642 k 500. 22. Ziehung 5. Kl- 216. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 1. Juni 1907, nachmittags. Nur die Gewinne Uber 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne GewAbr.)(Nachdruck verboten.) 16 122 505[1000] 31 69 651 766 938 1 026 72 467 79 502 6o3»Uo[1000] 30[1000] 2 026 156 283[500] 344[ 500] 422»1 561 85«45 82« 88 3146 53 316 436 560 021 33 4260 03[500] 428 Ol 875 755 88[1000] 832 03[3000] 5145 424 55 887 083 6074 84 166[500] 434 75 615 65 840[500] 034 7 7 7 431 387[500] 407 15 53 88 505 51 674 726»13 8438 597 703 802»14[3000] 8077 82 287 886 805[500] 074 1O032 151[500] 282 1500] 419[500] 40[3000] 626 657 008 11135 72 260[500] 515 702 14 806 07 1 2202 335 469 700[500] 92 874[1000]»74 1 3615 78 850 71 14066 394 469 542 340 941 15054 650 85» 16333 490 781 640[600] 17011 13 3« 92 411«07 18147[3000] 78 706 843[500] 090 19205 633 70 991 20487 806 2 1 020 52 249 649 22184 260 362 507 4« 933 88 23063 75[500] 231 349 57 440 641 858 96 24181 91 385 435 549 905 33[5000] 2 5025 118 85 443 505 57 808 30 26474[500] 519 713 2 7048[5000] 240 437 525 653 99 813 2 8034 76 100 434 541 641 824[500] 29061 66 272 834 [500] 433[1000] 60 80 533 33» 40 835 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Dtxui u. Berta«: Lorwatt» vuchbrucierei u. Bertagsanjtatt Paul Singer St So., Beriiu SW. Nr. 126. 24. Jahrgang. 5. KilU des Jotmäils" Kerlim Sonntag, 2. Inn! 1907. Stehen Staatsarbeiter unter Polizeiaufflcht? Eine am Freitag vor dem Spandauer Schöffengericht der- kjandclte Strafsache gab über die in der Ueberschrift gestellte Frage Auskunft. Angeklagt war der Zahntechniker Genosse Max Reibeholz. Er soll den Polizeikommissar Marcks in zwei Fällen in den öffentlichen Wahlversammlungen(am 30. Januar bei Borchardt und am 4. Februar bei Schmidt, Nonnendamm) beleidigt haben. In diesen Versammlungen wurde von Reibeholz mitgeteilt, ein Arbeiter Warda, der zehn Jahre im Spandaucr Artillcriedcpot beschäftigt war, habe eine vom sozialdemokratischen Wahlkomitee bei Kumke einberufene Wählerversammlung besucht und beim Hoch auf die Sozialdemokratie habe er die Hand erhoben. Das sei vom Polizei- kommiffar Marcks, der die Versammlung überwachte und dem der Warda aus seiner früheren Tätigkeit als Feuerwerker bekannt war, angezeigt. Daraufhin sei Warda aus der Arbeit entlassen. Zuin Schluß hatte der Angeklagte das Sprüchwort angeführt, das dar- legt, wie anständige Menschen über die Denunziationen denke». Durch diese Wendung fühlte sich der Polizcikommissar Marcks be- lcidigt. Der Angeklagte, der durch Rechtsanwalt Dr. Karl Lieb- kuecht verteidigt wird, gibt den Tatbestand zu, bestreitet aber, die Absicht gehabt zu haben, den Polizeikommissar Marcks zu beleidigen. Der als Zeuge vernommene Polizeikommissar Marcks bekundet eidlich, daß er den Arbeiter Warda persönlich aus seiner früheren Tätigkeit als Feuerwerker kenne und diesen in der sozialdemokra- tischen Versammlung bei Kumke gesehen und auch bemerkt habe, wie er in das Hoch auf die Sozialdemokratie eingestimmt habe. Er habe es dann für seine Pflicht erachtet, dies in dem Bericht, den er als überwachender Beamter über diese Versammlungen zu machen habe, zu bemerken, da die Regierung über die Stimmung im Volke unterrichtet werden müsse, und es von Bedeutung sei, wenn ein Arbeiter eines königlichen Instituts eine sozialdemokra- tische Versammlung besuche und in ein Hoch auf die Sozial- dcmokratie einstimme. Den Bericht habe er an den Polizei- Inspektor abgegeben und von hier gehe er an die Regierung. Die Frage, ob er gewußt, daß die Entlassung des Arbeiters erfolgen würde, wenn der Direktion bekannt wurde, daß er eine sozial- demokratische Versammlung besucht, bejaht der Zeuge. Die weitere Frage des Verteidigers, ob es dem Zeugen bekannt sei, daß auch andere Arbeiter der Staatswerkstättcn sich zur Sozialdemokratie bekennen, bejaht der Zeuge gleichfalls, meint aber, diese trügen es nicht öffentlich zur Schau. Warda habe sich aber nicht gescheut, dicS öffentlich zu bekennen. Das schließe er daraus, daß er in das Hoch mit eingestimmt. Der Verteidiger stellt fest, daß für den PolizeikommiMr der Umstand, daß hier ein Arbeiter der Staats- wcrkstättc den Mut hatte, sich öffentlich als Sozialdemokrat zu be- kennen, maßgebend war, diesen Arbeiter namentlich in dem Be- richt aufzuführen, obwohl er wußte, daß darauf dessen Entlassung erfolge. Der Amtsanwalt ist der Ansicht, daß mit der Zitierung des bekannten Sprichwortes nur der Kommissar Marcks getroffen werden sollte. Daß dieser den Vorfall mit dem Arbeiter Warda in seinem Bericht aufgenommen hatte, war seine heiligste Pflicht. Denn er habe seiner vorgesetzten Dienstbehörde über alles, was in Versammlungen Bemerkenswertes vorgeht, Bericht erstatten müssen. Es w'äre eine Pflichtverletzung, wenn er dies nicht getan hätte. Die Beleidigung sei sehr schwer und auch öffentlich geschehen. Er be- antragte deshalb zwei Monate Gefängnis und Publikationsbefugnis im„Spandauer Tageblatt". Der Verteidiger führt aus: Der Ar- bester Warda, der zehn Jahre im Artilleriedepot beschäftigt war. sich also in gesicherter Stellung befand, und der auch verheiratet ist und Familie hat, der auch dem Polizeikommissar Marcks bekannt ist. geht in eine Wählerversammlung, um sich zu orientieren, welchem Kandidaten er seine Stimme geben wolle. Er übt also ein Recht aus, das eigentlich jeder Staatsbürger ausüben sollte. Da hebt er ganz suggestiv die Hand mit aus bei einem Hoch, wie es in anderen Versammlungen auch geschieht. Dies sieht der über- wachende Polizeibcanite, er notiert sich dies, nimmt es in seinen Bericht auf, der Bericht geht an die höheren Instanzen und schließ- lich auch an die Direktion des Instituts, wo Warda arbeitet. Ter Mann wird entlassen. Seit wann ist denn die Polizei die Hand- langerin der königlichen Institute? Es wäre ja noch schöner, dies als eine Pflicht der Polizei zu bezeichnen. Es ist im Gegenteil eine Pflichtverletzung. Die Angelegenheit Warda gehörte nicht in den Bericht des Polizeibeamtcn, denn sie trägt den Stempel des Per- sönlichen. Es war eine Denunziation, denn d« Beamte wußte ganz genau, daß der Mann hinausgeworfen würde. Da schreit man immer über Tcrrorismus der Sozialdemokratie, während hier tat- sächlich Terrorismus getrieben wird. Das Typische des Falles war t;c Veranlassung für den Angeklagten, darauf einzugehen. Daß sogar der Amtsanwalt es für eine Pflicht des Polizeibeamten hält, solche Angelegenheit in seinen Bericht aufzunehmen, zeige das System der Denunziation, gegen das sich der Angeklagte kritisierend tuendetc und hieran den unter Arbeitern bekannten poetischen Aus- spruch zitierte. Er kann also nicht den Polizeikommissar beleidigt haben, da der Angeklagte sich gegen das ganze System wendete. Außerdem sei in Erwägung zu ziehen, ob nicht angesichts des Wahl- kampfes, in dem man sich zu jener Zeit befand und bei welchem solche Sachen erörtert werden dürfen, der§ 193 des Strafgesetzbuches(Wahrung berechtigter Interessen) Anwendung finde. Er beantrage Freisprechung. Das Gericht hält eine Beleidigung in zwei Fällen für erwiesen und verurteilt den Angeklagten zu 59 M. Geldstrafe. Die Ccffcntlichfcit der Beleidigung wird verneint. Wahrscheinlich wird gegen dieses Urteil Berufung eingelegt werden. Sollte jedoch auch in der Berufungsinstanz der Genosse Reibeholz verurteilt werden, so hat diese bedauerliche Tatsache aber doch das Gute gehabt, daß endlich einmal öffentlich klargestellt wurde, woher die Tirettionen ihre Kenntnis über die politische Zu- gchörigkcit der Staatsarbeiter erhalten, nämlich durch die Polizei. Eine solche polizeiliche Aufsicht, nicht minder die Entlassung wegen politischer Ansicht widerspricht dem Recht auch des Staatsarbeiters aus Anerkennung seiner persönlichen Freiheit. Sie enthält deshalb eine Herabwürdigung der Ehre der Staatsarbeiter und einen Terrorismus erheblichster Art. i�unst uncl Mssenscbaft. „Drei Paar Schuhe" im Schillerthcater k�. Abermals hat uns der Zufall oder die Notwendigkeit zu der Ausgrabung eines von den Werken geführt, die man mit irgend einer Beziehung aus das„Volk" nennt. Vor langen Zeiten gab es ein berühmtes „Lebensbild mit Gesang" von Carl Görlitz, betitelt„Drei Paar Schuhe". Es gehört zu der bekannten Sorte von so- genannten Volksstücken, in denen die und die Leute mit ihrer Lage unzufrieden sind und höher hinauswollen, schließlich aber in ihrer Harmlosigkeit froh sind, aus den Verwickelungen der höheren Ver- Haltnisse wiederum herauszukommen. Diesmal ist es die Frau eines Tamcnschusters, deren Erlebnisse in einer sehr fadenscheinigen höheren Welt sie wieder mit ihrem guten Lorenz vereinigen.-Ein Börsenspekulant, eine Opernsängerin und eine Tänzerin stehen im Mittelpunkte der drei Abteilungen des Stückes, und zwar dadurch, daß zu jeder von diesen Personen die Schustersfrau je ein Paar Schuhe bringt.— Zu der Wiener Bearbeitung des Stückes hat Carl M i l l ö ck e r eine Musik geschrieben, in der er sich wegen der Dienstbarkeit unter ganz andersartigen Interessen nicht recht entfalten konnte. Trotzdem guckt an zahlreichen Stellen der eigen- artige österreichische Mclodikcr hervor; das„Hals mi nur. hals mi nur. Du bist»icin lieber Bual" war schon längst volkstümlich; und stellenweise kommen ganz beträchtliche Aufgaben für Gesangs- kunst.— Freitag besorgte das Ensemblegastspiel des Lustspiel- Hauses(Direktor Zickel) im S ch i l l e r- T h e a t e r dl. die Ncuaussühruug. Den Gesangsansprüchen wurde Else L i e b e r t am besten gerecht, und andere leisteten manches Gute. Um so denk- licher darf man darauf aufmerksam machen, daß mit den outrierten Künstlichtcitcn in dieser Aufführung der primitive Ton eines solchen Stückes am wenigsten getroffen wird; zumal Else B ö t t i ch e r in der Hauptrolle blieb trotz innerer und äußerer Bemühungen den Kern einer solcyen Aufgabe schuldig, die ganz wohl künstlerisch ist._ ßmebts- Zeitung» Ein Italiener totgestochen. Gestern hatte sich vor dem Schwurgericht des Landgerichts I Oegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgange der Zemcntarbeiter Salvatore Solitari vor den Geschworenen zu verantworten. Der Angeschuldigte kam vor etwa vier Jahren nach Deutschland und fand hier durch Vcrmittelung der hiesigen italienischen Kolonie Arbeit als Zementarbeiter. Im März d. I. arbeitete der An- geklagte mit mehreren anderen italienischen Arbeitsgenossen auf einem Neubau in Charlottenburg. Unter seinen Arbeitskollegen machte sich S. dadurch sehr unbeliebt, daß er mit besonderer Vor- liebe andere hänselte und neckte. Dies geschah besonders mit dem Zcmentarbciter Domenico Caldera«. Am 8. März d. I. entstand aus diesem Anlaß schon aus der Arbeitsstelle zwischen Calderan und dem Angeschuldigten ein Streit, bei dem letzterer drohte, er würde es ihm abends schon besorgen. Am Abend des 8. März kcbrten die auf dem Bau beschäftigten italienischen Arbeiter nach Feierabend in ihre in der Gegend der Schönhauser- und Kastanien- Allee gelegene Wohnung zurück. Der Angeklagte war mit dem Ar- heiter Antonio Zanoni bis zum Bahnhof Schönhauser Allee gefahren und dann allein weitergegangen. An der Ecke der Sonnenburger- und Kopenhagenerstratze traf Solitari zufällig mit seinem Wider- sacher Calderan zusammen. Es entstand zwischen ihnen eine Schimpferei, die bald in einen Faustkampf ausartete. Wie von ver- schiedcnen Augenzeugen bekundet wird, griff nun der Angeklagte plötzlich in seinen Gürtel, zog ein dolchartiges Messer mit fest- stehender Klinge hervor und jagte es seinem Gegner bis an das Heft in die linke Brustseite. Der Gestochene taumelte noch einige Schritte vorwärts, wurde dann von Passanten aufgefangen und in das nahe gelegene Lokal von Orsi gebracht. Der Stich war mit furchtbarer Gewalt geführt und hatte die linke Lunge durchbohrt und das Herz getroffen, sodass schon nach wenigen Minuten der Tod des Verletzten eintrat, ehe überhaupt ärztliche Hülfe herbei- geholt werden konnte.— Der Angeklagte gab zu, ein Messer ge- braucht zu haben, behauptete aber, er habe dem Getöteten nur in der Abwehr einen Stich in den Oberschenkel versetzen wollen. In diesem Augenblick habe sich Calderan unglücklicherweise gebückt, so- daß der Stich in die Brust gegangen sei. Die Geschworenen sprachen den Angeklagten der Körperverletzung mit tödlichem Erfolge schuldig und billigten ihm mildernde Umstände zu.— Das Urteil lautete auf drei Jahre Gefängnis. Strafbare Wurstgeschenke. Die Agrarier haben es leider durchgesetzt, daß die Einfuhr von Wurst nach Deutschland verboten ist. Wer Wurst einführt, ist strafbar. Das führte dieser Tage vor dem Amtsgericht Halle a. S. zu einer köstlichen Zollepisode, die einige Heiterkeit auslöste. Eine lebenslustige Oesterreicherin, die Wirtschafterin Toni Wagner, gegenwärtig in Halle, hatte gelegentlich eines Besuchs in ihrer Heimat ihren Verwandten in Halle a. S. eine freudige Ucbcr- raschung bereiten wollen. Sie nahm eine Salanriwurst, machte Teig darum, backte ein formgercchtes Brot und sandte dies in einem Postpaket nach hier. Dann kam sie von Oesterreich nach Halle a. S„ um bei ihren lieben Verwandten der Ucberraschung beizuwohnen. Die delikate Wurst traf aber mit etwas Verspätung ein und die „freudige Ucberraschung" blieb aus. Das Brot ging hier den üb- lichen Weg vom Postamt nach dem Zollamt, wo man über vorzüg- liche Röntgenapparate oder über noch bessere Riechorgane verfügen soll. Man„witterte" Salamiwurst, öffnete das Brot und fand, daß man sich nicht getäuscht hatte. Und nun kam für Fräulein Wagner eine andere Ueberraschung, nämlich eine Anklage wegen Vergehens gegen das Fleischbeschaugesetz und Ucbcrtrctung des VercinS-Zollgesctzes. DenN die Angeklagte erschien„hinreichend verdächtig", wissentlich und widerrechtlich eine verhüllte Salami wurst in das Deutsche Reich eingeführt zu haben. Die Angeklagte incintc zu dieser schauerigen Anklage vor Gericht in ihrem Wiener Dialekt: Ebensogut wie man Schinken in Brotteig macht, kann man auch Salamiwurst in Brotteig machen." Diese Erklärung wirkte erheiternd und brachte dem Gericht die Ueberzeugung bei, daß Fräulein Wagner als Oesterreicherin die Gesetze nicht kannte, auch nicht geahnt hatte, daß zwecks Vergrößerung der agrarischen Geld- beutcl die deutschen Magen vor Versuchung mit ausländischer Wurst gesetzlich geschützt sind. Infolgedessen konnte die brave Oesterreicherin auch nicht wissentlich gegen das Gesetz verstoßen haben. Es erfolgte Freisprechung; die Kosten trägt die Staatskasse. Schulstreikprozesse ohne Ende. Nicht weniger als neun Prozesse, in denen es sich um Auf- fordcrung zum Ungehorsam gegen die Sprachenverordnungcn in der Provinz Posen handelt, kamen am Freitag vor dem Reichsgerichte zur Verhandlung. Nachdem, wie wir mitgeteilt, das Reichsgericht vor längerer Zeit diese Verordnungen leider für zu recht bestehend erklärt hatte, wurden die Revisionen iil den erwähnten neun Pro- zessen sämtlich verworfen. Es handelte sich um folgende Sachen: Propst Laubik, Hohensalza, 1. März; Propsteipächter Stachowiak, Bromberg, 26. Februar; Redakteur Ziolkowski, Posen, 39. Januar und 8. Februar; Buchdruckereibesitzer Rowinski, Ostrowo, 29. Ja- nuar; Redakteur Kolakowski, Danzig, 28. Februar; Redakteur SzpstanSki, Posen, 6. Februar(zwei Sachen), und Propst Niedbal, Lissa, 22. Februar. Diese Verurteilungen stehen trotz der Rechtsauffassung des Reichsgerichts, die im Grunde genommen Verwaltungsanordnungen anstelle von Rechtssätzen entscheiden läßt, mit dem natürlichen und gesunden Rechtsbcwußtsein rn unlöslichem Widerspruch. Pflichttreue Gendarmen. Wegen Bestechung ist am 23. Januar vom Landgericht Münster in Westfalen die Witwe Westhoff in Vellern zu 19 M. Geldstrafe verurteilt worden; außerdem wurden die von ihr zwei Gendarmen gegebenen Aktien im Gesamtwerte von 49 999 M. für dem Staat verfallen erklärt. Die beiden bestochenen Gendarme haben je zwei Jahre und eine Woche Gefängnis erhalten und ihr Amt verloren. Im Jahre 1995 häuften sich in Vellern auf dem Hofe der An- geklagten die„Vellerncr Spukgeschichten" gegen das Dienstpersonal und die Kinder der Dienstherrschaft. Ferner gelangten anonyme Briese an verschiedene Personen. Die Schulkinder wollten aus Angst nicht mehr zur Schule gehen. Schließlich wandte sich die An- geklagte an die Polizei und übergab ihr die Briefe, die ihr auf den Tisch gelegt worden waren. Zwei Gendarmen kamen zur An- geklagten und stellten fest, daß nur die Tochter der Angeklagten den Spuk gemacht haben könne. Die Gendarmen sagten der Angeklag- ten, die ganz bestürzt war, die Tochter müßte wegen groben lln- fugs, Sachbeschädigung. Beamtenbeleidigung und versuchten Ehe- bruchs auf die Anklagebank. Die Gendarmen meinten dabei, wenn sie die Sache unterdrücken sollten, so koste es viel Geld. Die An- geklagte bot zunächst jedem 199 M. Als die Beamten darüber lachten, bot sie jedem 29 999 M. Damit waren die braven Hüter des Gesetzes zufrieden. Da die Angeklagte nicht soviel bares Geld hatte, gab sie ihnen Aktien, die zusammen einen Kurswert von 49 999 M. hatten. Die Tochter de'r Angeklagten wurde späte'' für geistesgestört erklärt. Das Gericht hat der Angeklagten mildernde Umstände zugebilligt, da sie ein Opfer der Gendarmen geworden war. Ihre Revision wurde Freitag vom Reichsgericht als un- begründet ve�oorfen. In wieviel unentdeckten Fällen mögen die Gendarmen wohl Aberglauben und Furcht vor dem Vater Staat zu Erpressungen mißbraucht und wieviele Unschuldige, die ihrem Verlangen nicht willfahrten, auf die Anklagebank gebracht haben? Aufhebung eineS Schiedsspruchs einer Versicherungsgesellschaft wegen offenbarer Unbilligkeit. Der Kaufmann St. zu Tilsit war mit der Oberrheiuischeu Ver- sichcrnngsgesellschaft in Mannheim einen Versicherungsvertrag auf 19 Jahre gegen die Folgen von körperlichen Unfällen eingegangen» und zwar in Höhe des Kapitalbetrages von 29 999 M. Während der Zeitdauer dieses Versicherungsvertrages, am 16. Februar 1991, er- litt St. einen Unfall, wobei er sich den Unterschenkel des rechten Beines brach. Aus diesem Unfall behauptete St. dauernd zu 29 Prozent erwerbsunfähig geworden zu sein, was die Vcrsicherungs- gcsellschaft aber bestritt und deshalb gemäß des bekannten§ 13 der Allgemeinen Versichcrungsbedingungen die Vernehmung der Sach- vcrständigenkommission beantragte. Diese Kommission, welcher als Obmann der Kreisarzt B. in Tilsit beiwohnte, kam zu der Ent- scheidung, daß eine lebenslängliche Erwerbsbeschränkung des 5Aägers durch den Unfall vom 16. Februar 1901 nicht vorliege. Es heißt in dem Kommissionsspruch unter anderem, daß sich das rechte Bein des Klägers wohl etwas kühler anfühle, was sich aber später wieder ausgleiche; es sei anzunehmen, daß die Erwerbsbeschränkung in kurzer Zeit wieder gehoben sein werde. Diesen Schiedsspruch hat der Kläger in dem gegenwärtigen Rechtsstreit mit Erfolg angefochten. Einmal stützt er sich darauf. daß der Spruch nicht gemäß den Versichcrungsbedingungen genau und erschöpfend in der Begründung sei, und daß er ferner an offen- barer Unbilligkeit leide. Die Versicherungsgesellschaft wandte hiergegen ein, daß der Kläger den Versichcrungsanspruch schon deshalb verwirkt hätte, weil er die Fragen im Antrage, ob er schon einmal an Gicht oder Rheumatismus gelitten habe oder leide, wahrhcits- widrig verneint habe, und der Versicherungsanspruch erlösche, wenn die unrichtige Beantwortung der Fragen Einfluß auf Prämien» zahlung hätten. Während das Landgericht Tilsit das letztere Moment annimmt. wird dies vom Oberlandesgcricht Königsberg verneint, weil Kläger niemals an Gicht gelitten habe, seine früheren Leiden an Rheuma- tismus und Nierenstein aber auf Aderverkalkungen, wie sie jetzt festgestellt seien, keinen Einfluß hätten und auch soweit zurück- gelegen haben, daß sie auf die Prämienzahlung keinen Einfluß ge» habt hätten. Der Kläger habe sich deshalb auch keine unrichtige Fragebeantwortung zuschulden kommen lassen, weil er das jähre- lang zurückliegende und nur ganz leicht aufgetretene rheumatische Leiden für diese Versicherung nicht mehr für erheblich hielt und im guten Glauben sich für vollständig gesund halten konnte. Was nun die Aufhebung des Kommissionsspruches anlangt» so führt das Oberlandcsgericht Königsberg, indem es hierin der Entscheidung des Landgerichts beitritt und die Verurteilung der Beklagten erklärt, weiterhin aus, daß die Kommission zu entscheiden hatte, ob Invalidität, vorliege und in welchem Grade. Die Kom- Mission habe sich jedoch nicht erschöpfend über die Frage aus- gesprochen und sogar offenbar unbillig geurteilt, wenn sie die Ader- Verstopfung des Klägers ganz außer acht ließ. Infolgedessen sei dem Kläger der Prozcßwcg im vollen Umfange eröffnet worden. Wenn die Kommission erkläre, daß wohl ein Tcmperaturuntcr- schied bestehe, der sich aber später wieder ausgleiche, so sei es ganz unverständlich, ob damit die Zukunft gemeint sei, die den Ausgleich herbeiführen wird, oder irgend welche anderen Umstände. Bei einer genaueren Untersuchung hätte die Komniission die An» schwellung der Haut bemerken müssen, wie auch das Fehlen der Pulsation der Hauptschlagader des rechten Fußes, welches durch die Aderverstopfung(Trombosis) hervorgerufen wurde. Diese Krank- heitserscheinung hatte neben anderen nachteiligen Einwirkungen für den Kläger aber auch Muskelschwund zur Folge. Wurde dem Kläger somit der Prozeßweg eröffnet, so hatte er in demselben jetzt nur nachzuweisen, daß die TrombosiS eine unmittelbare Folge des Unfalles ist. was das Gericht aber nach einem ärztlichen Gutachten als erwiesen ansieht. Die von der Beklagten gegen das oberlandcSgerichtliche Urteil eingelegte Revision hatte keinen Erfolg und wurde vom VII. Zivil- senat des Reichsgerichts zurückgewiesen. Vermischtes. 20000 Mark unterschlagen. Aus Elbing wird gemeldet: Der städtische Steuerkasscnrendant Korth, der am 29. Mai einen Selbst- Mordversuch machte, Hot Benmtmmngen verübt. Die„Elbinger Zeitung" meldet, daß bisher ein Betrag von etwa 29 999 Mark als unterschlagen festgestellt ist. Erstickt. Bei einem Brande, der nachts die Besitzung de! Maurers Henschel in PrauSnitz bei G o l d b e r g(Schlesien) ein» äscherte, erstickten der Besitzer sowie dessen Sohn und Tochter. Prozessions-Knallerei. Beim Böllcrschießen in H e ß l o ch wäh- rend der FronleichnaniSprozession zerplatzte ein Böller. Einem in der Nähe stehenden 16jährigen Knaben wurde Hals und Kopf ans» genssen, so daß er auf der Stelle tot war. Gestrandet. Der deutsche Petroleumtankdampfer„Sophie" ist aus seiner Reise von Batum gestern infolge von Nebel am Eingange dcs Bosporus gestrandet. Durch den starken Stoß drang das Petroleum in den Maschinenraum. Das Schiff sowie die Ladung verbrannten, die Mannschaft wurde gerettet. lieber einen Lastertrust in Chicago sprach kürzlich ein Pastor vor 599 Frauen und Mädchen im Chicagoer Klub für Sozial- ökonomie. Die Stadt sei in den Klauen von drei Teufeln, so erklärte er, nämlich dem Schnapstrust, dem Spieltrust und dem Lastertrust. Der letztere sei der gefährlichste. Er habe darüber persönlich Untersuchungen angestellt und fand im Umkreise einer viertel Meile in einem Teile der Stadt 257 öffentliche Häuser, die er alle besucht hatte und 1579 Mädchen zählte er insgesamt, von denen manche die Töchter geachteter- Bürger waren. Der Trust habe sie verfolgt und entführt. 59 Dollar sei der Durchschnitts- preis, den der Trust für ein Mädchen zahle, das ihm überliefert werde. Besonders werden Landmädchen, die nach Chicago kommen, verfolgt.— Die Rede machte großes Aufsehen. SAttternngsüberNiIit vom 1. Juni 1907,»lorncn» 8 Utzt. £laM»nin 1? m— Swtneinde erlin Frantla M. München Wien - E - H 8 f 757)0 754ONO 753 D 751:©» 754® 755 Still Bettn I 5 Rege» 4 bedeckt 4bedcckt 3 bedeckt 3 bedeckt (bedeckt t*K H t> Stallonen 1- = 5 8« c daparanda! 758 N Zctcrsbnrg 752 Still Scilly Aberdeen Pari» 750 W 754 OSO 752 SW veller 2 wolkig bedeckt 2 Nebel 4'Regen 4 bedeckt ! t» s A P H& S 3 11 7 13 Wetter-Prognose für Tonntag, den S. Juni 1907. Zunächst ziemlich trübe und regnerisch, später langsam aufklarend bei mäßigen südwestlichen Winden uyd wenig veränderter Temperatur. Achtung! Bäcker-Streik! Achtung! Die Bäckergesellen Berlins und der Vororte sind durch den Wort- und 7avifbviich der Bäeker-Jnnungen in den Streik getrieben worden. folgende Bäckermeister haben die berechtigten Tordemngen bewilligt! Ackerstr. 68, ffloIJader. » 85, g. Hanke. . III, Thoma. . 114, Marquar�. «dalbertstr. 45a, D. Janke. 66, Hopp«. Adolfstr. 11, Tennigkeit. 12 b, Hönisch. »nte Jakobftr. 138, ßüi. Slndreasstr. 16, O. Hanke. Admiralstr. 10, O. Hanke. Annenstr. 41, Niemcyer. Anllamerftr. 48, Laase. Antonstr. 48, Oertel. AndrcaZstr. 32, Brotfabrik.vllbelma' Artillericstr. 3, Goldacker. Badstr. 13, Kappler. • 49, Goldacker. Barnims:?. 37, Güldenster». Bastianstr. 18, NtedzwtedS. 20, Tonn. Belforterftr. 22, Eggert. Bellealliancestr. 24, O. Hanke. Bergstr. 2. Hönlcke. Bergmanns�. 10, Knofiu». , 14a, Polenz. . 19, O. Hanke. Berlichtngenstr. 1, Polonin». Bernauerstr. 3, Schill. 47, Fmke. Bmsselstr. 17, O. Hanke. , 7, Eckert. » 42, Langutv. , 44o, Grethlew. » 56, Pohle. , 59, Schneider. Biesenthalerstr. 2, Mensina. Blücherstr. 11, O. Hanke. Bwmenftc. 13, O. Hanke. . 67, Berolina. Bochumcrstr. 10, Klinke. Böttcherstr. 5, Kruppe. . 25, Duckert. Bremerstr. 57, Besterltng. » 60, Bayer. Brunnenstr. 3, Mollweide. » 41, Sorg«. , 151, F. Hank«. » 129, Goldacker. » 154, Herrmann. Brüsfelerslr. 5, de Bruyn. » 8, Gonfior. . 48, Janezeck. Buchstr. 1. Völker. Burgsdorjstr. 15, Linder. Buttmannstr. 20. Hirsch. Cadwerstr. 4. Weber. Camphausenstr. 6, Ztndler. Carmen Sylvastr. 155, Schiweck. „ 168, Strauß. Chausseestr. 44, Goldacker. Chodowieckistr. 25, Marlock. Chrtstburgerstr. 85, Funk. ComcnIuZplatz 1, P. Hanke. Cuvrhftr. 28, Plantz. Dalldorferftr. 38, Wulst. Dankelmann ftr. 46, Lehman«. Danzigerstr. 72, Vondran. . 76, Vogler. Demminerstr. 25, Grund. 23, Glies«. Diessenbachstr. 27, Steinbor«. , 58a, Bethke. . 70, Bock. Doizigerstr. 51, WeiSk«. „ 36, Reimann. Dragonerftr. 38/40, Schramm. DreSdenerstr. 6, Goldacker. , 17, O. Hanke. , SO, Schulz«. . 104, Hanke. Drontheimcrstr. 13, Barth. Dunckerstr. 2, Ezerwenka. , 78, Kunz«. . 80, Deinert. Ebeling ftr. 5, Blender. Ebertystr. 54, F. Hanke. , 33, O. Hanke. „ 45, Schramm. Eisenbahnstr. 8, O. Hanke. , 3, Haupt. Elbingerstr. 99, Reimann. , 27, Fiedler. Emdenerstr. 21, Riestroh. 17. Pohl. ErasmuSstr. 16, Hanke. Falckensteinstr. 20, Stürz. 17, O. Hanke. Falkplatz 1, Günther. Fchmarnstr. 8, Behrend. , 9, Volks brot. Fehrbellinersir. 27,---- Fennstr. 48, Laddas 51, Hanke. Forsterstr. 20, Genossenschaft.Berlin'. „ 48, Reich. Frankenstr. 2, O. Hank«. Große Frankfurterstr. 139, Goldacker. Franksurter Allee, Eck« Samariter- strnsze, F. Hanke. Franksurter Allee 40, Richter. Franseckistr. 27, Böttger. 45, Thiel » 53, Goldacker. Freienwalderstr. 21, Gerlach. . 38, Köpk«. Friedrichstr. 247, Goldacker. . 27, O. Hanke. PdrichSselderstr. 26, Hulda. denstr. 57, Becker. drichsbergerstr. 16, RowodzhnSk. chtstr. 46, C. Polenz. stenbergerstr. 9, Kanz. 15. Ohwald. Fürsten walderftr. 7, Heinrich. Gerichtstr. 53, Schönwies«. Gipsstr. 7, O. Hanke. GIcimstr. Sa, Jaape. . 19, Pribyl. , 43, Grothe. , 48, Abraham. 60, Metsch. Golhstr. 31, Goldacker. Gollnowstr. 9, Osk. Hanke. Gormannstr. 25/26, Minuth. Glogauerstr. 2, Kotzan. » 17, Jautke. . 26, Schwarzer. 28, Backerei> Genosse«' schast Berlin. Görlitzerstr. 68, Most. Gr.-Görschenstr. 43, O. Hanke. Gräsestr. 35, Bäckerei- Genossenschast Berlin. Grcksestr. 4, Rehfeld. Graudenzerstr. 5, Nickisch. Graunstr. 5, Scheuß. , 22, Dohrmann. , 32, Lehmann. , 37, Müller. Greifenhagenerstr. 15, Nikiasch. Greisswalderstr. 191, Müller. . 12, O. Hanke. Grimmstr. 1, Wolf. . 29, O. Hanke. Grünauerstr. 12, Büß. Grüner Weg 63, Osk. Hanke. Guvenerstr. 44, Lucht. 57, Dein». Hagmauerstr. 1, Hanke. vagenauerstr. 13, ZisowSky. HauSburgltr. 5, Mehl. Hcidenseldftr. 21, Schön. , 19, Goldacker. Heinersdorserstr. 12, Lamla. , 27, Hoffmann. HennigSdorserstr. 1, Hermann. 18, Paulisa. , 37, Schütze. HrrmSdorserstr. 8, Bobel. Hochstraße, Neue, 18, Berliner Ge- nossenschastS-Bäckerei. Hochstr. 31, Maue. Hochmcisterstr. 1, Hanke. 20. Friedrich. Hochstädterftr. 23, Zahl. Holzmarktstr. 55, Stronheim. Huselandstr. 36, Oberretcher. 40. Kittlau». Hüinerstr. 6, Bauer. Hussitenstr. 15, Potscher. , 20, Ww. Wolf. . 30, F. Hanke. . 45, Kießling. Llnstervurgerstr. 2, O. Hanke. , 5, Shrow. , 12. Hennig. Jnvalidenstr. 157, Goldacker. Iagowstr. 10, Eichstädt. Iahnstr. 21, Köhler. JaSmunderstr. 18, Böttcher. Kaiserftr. 46, Kalbow. Karlstr. 26, O. Hanke. Kastanien-Allee 13/14, Pape. ,„ 19, Goldacker. ,„ 57, Künscher. Klein« Andreatstr. 7, Hierse. Kleln« Frankfurterstr. 14. Mittelstadt Kleine Martusstr. 1, Wiedersich. Kochhannftr.' 28, KriemS. Kolbergerftr. 1, Hanke. Koloniestr. 30, Döring. , 34, Much«. 71. Schopsch. Kopenhagenerstr. 28, Bechtel. , 58, Raber. , 69, Kurth. « 65, Weitz. Kopernikusftr. 3, Teupel u. vtehöser. , 25, Thulk«. , 33, Winnenberg. Köpenickerslr. 9, Wellnitz. 172, CieSlik. KöSIInerstr. 3, GriazdowSki. Koppenstr. 25, Stratmeyer. Korsörerftr. 2, Sur«!. 17. Hübner. Neue Königstr. 60, Goldacker. Krautstr. 4/5, O. Hanke. Kremmenerstr. 15, Marlock. Kreutzigerstr. 1, Lange. Kuglerstr. 8, Schumann. Landsberger Allee 51, Jäckel. Landwehrslr. 12, Ziegler. Lanaestr- 13, Goldacker. Laufitzerstr. 9, Kauf. Lichtenbergerstr. 6, Winter. 21. Feist. Linienstr. 1, O. Hanke. , 26, O. Hanke. Liebigstr. 8, P. Hanke. » 81, Bauer. , 88, I. Hanke. Liebenwalderstr. 31, Jäckel. Liegnitzerstr. 5, Albrecht. Libpehnerstr. 3, Zibell. Litthauerstr. 14. schneid«. Lortzingftr. 6, Rösener. 17, Dahm». Lothringerftr. 84/35, Mollweid«, Löwestr. 8, P. Hanke. . 18, Block. Lllbeckerstr. 20, O. Hanke. , 47, Schmidt. Lllbbenerfir. 10, Hacker. » 17, Gaul. . 24, PsennigSdorf. Lychenerstr. 4, Schwede. 110, Köhler. Lynarstr. 14, Pawlick. Malplaquetstr. 6, Schulz«. „ 12, Behrend. » 16, Gensior. Manteusselstr. 61, Beckmann. . 87, Jurke. , 90, O. Hanke. » 99, Brauer. 103, Wiedekind. Mariannenstr. 12, O. Hanke. 32, Prack. Markgrasenstr. 99, O. Hanke. Markus str. 11, Schneebttger. 38. Tisch«. Maxstr. 17, Laas. Memelerstr. 7, Knorcke. Metzerstr. 2, Sachwitz. Mittenwalderstr. 30, Dohnal. „ 44, Schröder. Mirbachstr. 14, Vollsbrot. Muskauerstr. 13, Lattermann. 28, Hcinzelman». Mulackstr. 10, Schramm. Müllerstr. 28. Lüddick«. , 32a, Weber. „ 166a, Hanke. Mühlenstr. 32. NaHIk. „ 46a, Franke. „ 51, schön. Münchebergerstr. 15, Leite. Naunynstr. 1, Lippert. 7, Ftelitz. , 40, Barduhn. , 64, Heilmann. . 73,«tojaczyk. Nazarethkirchstr. 39, Zibell. „ 45, Schulz. Neanderstr. 23, Rauhut. , 27, O. Hanke. Neue Hochstr. 45, Jacob. Nostizstr. 9, Bockisch. , 49, Mörber. Ohmstr. 9, Nowosadke. Orimienstr. 186, O. Hanke. Oudenarderstr. 36, Sanier. . 44. Liebner. Oppcknerstr. 20, GolembicwZki. Palisadenstr. 20, Kynast. 58, Barth. 91, O. Hanke. Panlstr. 21, Kahle. . 25, Günther. Pappel-Mee 7, Riedel. . 21, Schiller. , 24, Cascler. „ 85, Dreßler. erlebergerstr. 54, Berk. Gen.-Bäckerei. etersburgerplatz 6, Hanke. Pintschstr. 4, Grützmachcr. Planuser 33, Berliner Gen.-Bäckerei. , 92 e, Blume. Plantagcnstr. 7, Welt. Prenzlauer Allee 24, Goldacker. ,,„ 42, Meh«. ,. 86, Raub«. ,, 203, Hermann. Prenzlauer str� IIa, Goldacker. 81, Hänsch. Prinzenstr. 12, O. Hanke. Prinzen-Allee 53, Loff. 61. Mehl«. ProSkauerstr. 31, F. Hanke. Putbuserstr. 11, Jaape. 14, Gottschakk. . 21. P. Hanke. , 24, Kunot. 46, Bloch. Ramlerstr. 24, John. , 31, Dahlenburg. „ 34, Dchmclt. , 86, Haehn. Ratiborftr. 1, Bäckeret-Genoffenschast Berlin. Ratiborstr. 6, Dietschmann. .. 17, Rücker. Reichenbergecstr. 62, O. Hanke. , 88, O. yanke. 95a, Tschentke. „ 101, Wagner. 145/146, Klautsch. ststheinSbergerstr. 13, Scholz. , 26, Lorenz. Reinickendorserftr. 86, Hanke. „ 112, Goldacker. „ 120, Berlin« Gen.« Backttei. Rigaerstr. 4, Hanke. « 100, Spörleln. Romintenerjtr. 41, Brämer. . 44, Küster. , 57, Gorgas. Rupplnerstr. 8, Vaake. „ 12, O. Hanke. Rostockerstr. 31, Wagener. 36. Ulbrlch. , 40. Tschöle. . 46, Krüger. 51, Hering. Rüdersdorserstr. 20, Güldener. . 52, Haupt. Rügenerstr. 22, Jambor. Samariterftr. 2, Fischer. , 11, P. Hanke. „ 28, Kiew«. Somoastr. 22, Stege. Schillingftr. 19, Osk. Hanke. Schivelbemerstr. 4, Hildebrandt. » 16, Baur. 18, Wolff. Schliemannstr. 30, F. Hanke. « 32, Japp, Schönhau erstr., iilltc 38, Goldacker. Schönhau«str., Alte, 39/40, G. Schwarz. önhau er Allee 150, Blum«. ,. 700, Goldacker. .. 188, O. Hanke. ,.5, Goldacker. schreinerstr. 57, Slepack. Schulst«. 28, Schambergn, 25, Hanke. .. 37. Schmidt. Schwedterstr. 32, Hanke. 48. Löchel. 52, Hübner. 230, Kiimm. 240, Schmidt. Seelowcrstr. 15, Baur. Sickingenftr. 76, Winter. Siemensftr. 7, Laads. 17, Mügge. Simconftr. 14, Lütt. Simon Dachstr. 12, Hanke. .. 28. Radtke. Skalitzerstr. 63/64, Dehmel. 120, Gerlach. Sonnenburgerslr. 13, Gräsling. Soldlnerstr. 32, Roscmann. . 69, Schneider. Sorauerstr. 1, Kömg. . 8, Kretschmar. Sparrstr. 19, Gonsior. Sprengclftr. 4/5, Wagenknecht. Stallschreiberstr. 32, Hanke. Stargardirstr. 78, Bark u. Walter. Slendalerstr. t/5, Cotts. Stettinerstr. 26, Kleinert. , 56, Barnekow. Stolpischestr. 4, Badtke. 32, Papke. Stralsund«flr. 8. Belzig. Straßmannstr. 24, Zander. „ 2, Hanke. Strelitzerstr. 15, ü. Grabowski. , 31, Scheunemann. „ 64, Brauner. Stromstr. 33, Zaftrow. Swinemünd erstr. 54, Paulitscheck. „ 66, Biesker. 80. Pruß.» „ 82, Manuel. „ 93, Schubert. , 106, Kunze. 119, Anhauser. Torsstr. 13, Schachner. Treskowstr. 57, Noerschner. Türkenstr. 22. Tzschetzsch. Tegelerstr. 11, Lenzner. 23. Dahlke. , 34, Stritzke. Tieckstraße, Fürst. Tilsitcrftr. 91, P. Hanke. Torsstr. 14, Lenz. . 17, Ziesmer. Turinerstr. 36, Rißmann. Turmstr. 51, Goldacker. . 67, D. Hanke. Urbanstr. 23, Herzog. „ 62, D. Hanke. . 104, Kruschke. Usedomftr. 4, Stollberg. Utrechterstr. 8, Kirsten. Vetcranenstr. 16, O. Hanl«. VoltasK. 42, Eckel. Waldstr. 4, Senf. . 17, Hanke.« . 25. Jglisch. , 36, Bureck. , 42, Bauer. . 46. Pohl. Waldemarstr. 76, Claus. Warfchauerstr. 8, Wolf u. Heinz«. , 10, Farzembowsst. , 64, Lüddcmann. Watlflr. 1, Hanle. „ 21, Hoffrichter. Web erstr. 36, Goldacker. Weddingstr. 7, Brendel. Weichselstr. 34, Schulz. Weldenweg 25, Brosin. „ 34. O. Hanke. „ 37, Ehnert. Weinbergswcg 9, Ludwig. Weinstr. 7, Karras. „ 27, Legier. Weißenburgerstr. 24, Jahn. 55, Nobiling. Wichcrtstr. 6, Kierzkowskt. Wiclesstr. 21, Staub. 55/56, Matschke. » 66, Spickermann. Wienerstr. 36, Dietschmann. 49, Wilsches. , 56a, Lauchwitz. Wiesenstr. 64, Schardiem. „ 19a, Dreier. Wilhelms havenerstr. 13, Hesse. 23, Gödecke. Willdenowstr. 29, Brelcr. WUsnackerstr. 15, Goldacker. Winsstr. 6, Müller. 71, Schwabe. Wittstockstr. 7, GicSmann. Woldenbergerstr. 7, CitllauS. Wollii>«str. 23, Dahlen. . 3t, Fuhrmann. » 31, Bordasch. , 44, Schirrmach«. 58, George. Wrangelslr. 77, Genhmann. , 91, O. Hank«. Zellestr. 11, Kurzweg. Zionskirchplatz 1, Mollwtide. Zionskirchftr. 2, Regen. . 54, Zwicrschke. Zorndorserstr. 2, P. Hanke. Zwlnglistr. 15b, UlBnch. Ritzdorf. Allerftr. 3, Perfeke. Bergstr. 12, Hanke. Berlinerstr. 16/17, Schibglll. , 20, Voigtländer. . 86, O. Hanle. Bodestr. 16, Beyer. 31. Tops. Elbestr. 1/2, O. Hanke. , 6, Kirstädt«. „ 15/16, Lunkwitz. Emserstr. 78, König. Fatksir. 1, Bäckerel-Genoffenfchast .Berlin'. Faltslr. 21, Susat. 25/26, Perfeke. sriedelstr. 3, Marmul. Slasowstr. 32, Kunz. /eidelbcrgerstr 76, O. Hank«. /«daftraße, Hilmer. lermannstr. 19, Bäckerel-Genossen- schast„Rixdorf'. Herniannstr. 28, Mertens. 118, Bartsch. . 159a, Hagen. , 170, Thaler. , 175, Koczanecki. . 231, Hermann. lcrrfurthstr. 26, Brüx. wrrjurlhstr. 34, O. Hanke. 7, Bäckerei- Genoffcn- schast„Rixdorf". lerrsurthplatz 10, Schnur. wbrechtstr. 71, Zrocke. >ohenzollcrilplatz 6, O. Hanke. nnstr. 30, Krause. Jsarftr. 7, Zech. Jägersir. 63, Jonscher. Jansaftr. 7, Vricii Neue Jonasstr. 33, Puls. Karlsgartcnstr. 19, Vonnoch. Kaffer Friedrichstr. 25, Barffch. , 34, Schmidt. 245, O. Hanke. Knesebeckstr. 33, Gallert. , 3?. Wölk. , 41, Belzig. , 68, Richter. , 146, Dybowski. Kopsstr. 38, Bäckerei-Genossenschast .Rixdorf". Kopsstr. 45, Hoppe. Kottbuser Damm 103, O. Hanke. Köllnisches Ufer 72, Müller. Lcssingstr. 34, Perseke. Mahlowcrslr. 6, Bartsch. Mainzerstr. 15/16, Gruner!. 56, Döbler. Münchenerstr. 25,26, Bäck«ei-Ge- nostcnschast.Rixdorf". Nansenstr. 33, Sekul. Nogatstr. 32, Grzebat. Pannierstr. 4, Riemer. , 13, Frischkemuth. , 20, Juni«. 27, Masch!«. , 34, Spura. 57, O. Hanke. Pflügerstr. 70/71, Linsen«. Prinz Handjerystr. 58, Barffch. , 70, Schmidl. Reuterstr. 33, Spleitftößer. , 76, Bobel. 94, Lehmann. Selchowttslr. 9. Bäckerei-Genoffen- schast.Rixdorf". Sclchowersir. 23/24, Grlinhagen. Siegsrtedstr. 48, Pinkel. Sieinmetzstr. 34, O. Hanke. . 39, Scnstlcben. , 46, Perseke. „ 129, Bäckerei-Genosfen- fchaft.,B«I!n". Steinmehstr. 131, Lorenz. Thomasstr. 37, Nehria. Thürtngerstr. 7, Bartsch. Warthestr. 9, Ciesior. „ 15, Jnnentzki. Weichselstr. 13, Hagcmann. » 31, Schwarz. , 55, Fr!schgemuth. „ 60, Gasfenhiib«. Weisestr. 2, Bäckerei- Gcnoffenschast „Rixdorf". Weisestr. 24, Bäckcrei-Genoffenschast „Berlin". Weisestr. 28, Winde. 73/74, Wols. Wesersir. 47, Bics. . 168, Vielitz. Wielandstr. 27, Reich. Wißmannstr. 7, Troffer. Zietcnstr. 20, Bäckerei-Genossenschast „Rixdorf". Zietenstr. 41, Beh«. Zllt>Glie»icke. Lange, Rudowerstr. 57. Adlershof. Bismarckstr. 14b, Schulz. , 48, Laserich. Britz. Ehauffeestr. 17, Dally u. Hagemcister. . 47, Friese. Borsigwalde. Ernflstr. 6, Ehrodt. . 25, Tafelsky. Reuschstr. 52, Neubauer. Baumschulenweg. Schulze, Scheiblerstr. 2S. Bohnsdorf. G. Solle. W. Gebhardt. Boxhageu-RummelSburg. Boxhagcner Chaussee 5/6, März. Gabriel Maxstr. 1, Luzcmann. , 2, Klinkmüller. Zander. Grünbcrgerstr. 13, LSwa. Hauptstr. 82, Herrcks. Kantstr. 1, Dluczewski. 13, Epötilcr. Lenbachstr. 7a, Pstugrad. Neue Prinz Sllbrechtstr. 3, Böhme. Türrschmidtstr. 3l, Pscnnia. 40, Kallwcit. Wühlischstr. 32, Jander. Alt-Boxhage». Nr. 10, W. Krüger. Nr. 35, Peter. Stralau. Alt-Stralau 49, Härtung. Charlottenburg. Eanerftr. 19, Ulbrich. Eauerstr. 27, Genossenschast„Produktion". Christstr. 18, Genossenschast„Pro- duktion". Danckclmannstr. 12, Bartz. . 55, Ulbrich. riedbergstr. 39, Ulbrich. K'olmannsir. 14. Ulbrich. Grünstr. 27, Vachmann. Hclmholtzitr. 19, Ulbrich. Kaiser Friedrichstr. 43, Ulbrich. Kanalslr. 7, Lelstncr. 15, Heine. Kantstr. 103, Ulbrich. Knobclsdbrscrstr. 43, Ulbrich. Leibnizslr. 65, Ulbrich. Nehringstr. 21, Ratzly. Peslalozziftr. 42, Leistner, Potsdamersir. 11, Bachmann. Potsdamerstr, 12, Konsumverein, Potsdamerstr. 42, Ulbrich, Sophie Charlottcnslr, 80, Proell, 87, Ulbrich, Spandauerstr, 30, Ulbrich. Spreestr. 11, Polka.„« Tauroggenerstr. 10, Genoffenschast „Produltion". Tauroggenerstr, 45, Ulbrich. Wallftr, 85, Ulbrich, Weimarerstr, 29, Konsumverein, WUmerSdorjerstr. 27, Konsumvereil. , 4t, Ulbrich. , 163, Ulbrich. Schöneberg. Barbaroffastr. 67, Wetzel. Belzigerstr, 61, Kernchen. Ebersstr. 42, Zeitz. Eisenacherstr. 63, Machl«. Erdmannstr. 5, Kulinski. Gustav Müllerstr. 35, Schmidt. 48. Beck. Nollendorfstr. 40, Hanke. Sedanstr. 18, Steück. Weitzensee. Charlottenburgerstr. 76, Hofham». I 98,' Emil Engel. Falkenbergerstr. 146, Frosch. Feldmannstr. 164, Krien. Friedrichstr. 1, Roth. Generaistr. 12, Müller. Gäblerstr. 60. Wilh. Engel. 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Die Streikleitung. Zentral-Streikvureau: Sovbien-Säle Sovbienktr. 17/18.— Telephonruf.' Amt III Nr 1243 �wa«! Bäckerstreik! Die Vorstände der dereinigten Bäckerinnungen haben in einem Inserat„Zur Aufllärnng tiber den Bäckerstreik" eine Schilderung der zwischen der Gesellen- und Meisterschaft ausgebrochenen Differenzen gegeben, die den wahren Tatsachen in keiner Weise entspricht. Gegen- über diesen Darlegungen der vereinigten Innungen erklären wir folgendes: Immer und immer wieder versuchen die Jnnungsvorstände, die Tatsachen zu entstellen und die Bevölkerung über die wirklichen Ursachen des Konfliktes zu täuschen. Immer und immer wieder berufen wir, die Gesellenvertreter, uns einzig und allein auf die klaren Bestimmungen des mit den Innungen im Vorjahre abgeschlossenen Vertrages. Die grund legenden Bestimmungen desselben lauteten: 1. Kost und Logis darf den Gesellen vom Meister nicht mehr gewährt werden. Ausnahmen sind nur auf ausdrücklichen Wunsch der Gesellen zulässig. 5. Für Berlin und die Vororte, die dieser Abmachung angeschlossen sind, soll ein zentralisierter Arbeitsnachweis errichtet werden. Dieser ist einer aus gleichen Teilen von Meistern und Gesellen gewählten Kommission zu unterstellen. Die einzusetzende Schlichtungskommission hat die Vorarbeiten für Errichtung dieses Arbeitsnachweises zu treffen und muß derselbe möglichst am 1. April 1907 in Kraft treteu. Die Innungen verpflichten sich, ihre Mitglieder zur ausschließlichen Benutzung desselben anzuhalten. Gegen diese Bestimmungen haben die Bäckermeister in ihrer überwiegenden Anzahl wie auch die Bäckerinnungen von Anfang an bis zum letzten Augenblick verstoßen. Anstatt, wie es der Vertrag vorsieht, das Kost- und Logiswesen ohne weiteres zu beseitigen und nur dort Ausnahmen zuzulassen, wo dies von den in Betracht kommenden Gesellen ausdrücklich gewünscht wurde, stellten die Jnnungsvertreter den Grundsatz auf, die Gesellen haben in jedem einzelnen Falle erst an den Meister das Ersuchen zu richten, ihnen Kost und Logis außer dem Hause zu gewähren. Selbstverständlich konnten die Gesellen in den wenigsten Fällen dies Ersuchen an die Meister stellen, weil fast regelmäßig— als Antwort darauf— die Entlassung des Gesellen erfolgte. Die Mehrzahl der Bäckermeister, darunter hervorragende Jnnungsführer, erklärten sogar frei und offen, sich um diesen Vertrag und diesbezügliche Jnnungsbeschlüsse überhaupt nicht kümmern zu wollen. Die Jnnungsvertreter aber weigerten sich nicht nur, gegen diesx notorischen Tarifbrecher entschieden vorzugehen, sondern erklärten sogar, falls dies die Gesellen- organisation tun würde, ihre Jnnungsmitglieder nachdrücklichst zu unterstützen. Die Arbeitsvermittler haben die Bestimmung des Vertrages, wonach Gesellen nur zu den vertraglichen Bestimmungen vermittelt werden dürfen, vollständig ignoriert. Gesellen, die sich bei ihnen auf den Vertrag beriefen, wurden mit brutalen Reden bedacht und in der Arbeitsausgabe zurückgesetzt. Nicht genug damit, der Vorsitzende der Sprech- und Herbergskommission, Herr Bäcker- Meister Rau, erließ in der Jnnungszeitung der Germania-Jnnung mehreremale eine Bekannt- machung an die Bäckermeister, daß die Gesellen dem Arbeitsvermittler schon den Wunsch äußern könnten, beim Meister in Kost und Logis vernnttelt zu werden und die Meister sich solche Gesellen mit Kost und Logis bestellen können. Unser sofort dagegen eingelegter Protest an die Schlichtungskommission hatte nur die Wirkung, daß diese einfach erklärte: Wir legen diese Bestimmung deS Vertrages eben so aus. Also nicht der klare Wortlaut des Vertrages, sondern ihre eigene Auslegung desselben war ihnen maßgebend. Genau ebenso verhielt es sich mit der Arbcitsvermittelung. Auch hier sollte nicht der klare Wortlaut, sondern die Auslegung der Jnnungsvertreter gelten. Nichts ist in dem Ver» trag davon enthalten, daß nur die Jnnungsvorstände allein die Arbeitsvcrmittler anstellen können. Es heißt vielmehr ausdrücklich, der zu errichtende Arbeitsnachweis wird von der Schlichtungs- kommission errichtet und einer von Meistern und Gesellen gewählten Kommiffion unterstellt. Das heißt die Gesellen und Meister sind in der Verwaltung des Arbeitsnachweises gleich- berechtigt. Die Behauptung der Jnnungsvorstände, die Gleichberechtigung würde von den Gesellen- Vertretern nur deshalb verlangt, um einen unzulässigen Zwang zugunsten der Gesellen- organisation ausüben zu können, ist so absurd, daß wir darauf nicht eingehen brauchen. Mit dieser Behauptung stellen sich die Herren selbst und den Innungen das größte Armuts- zeugnis aus. Seit Jahrzehnten schon werden von den Gesellen und ihren Vertretern die bittersten Klagen gegen die Arbcitsvermittelung der Bäckerinnungen geführt, die größten Kommissionäre, die für die Arbeitsvermittelung von den Gesellen die horrendesten Gebühren verlangten, sind mit Vorliebe als Jnnungsarbeitsvermittler angestellt worden. Es hat sich speziell in der Arbeitsvermittelung eine geradezu unglaubliche Korruption eingebürgert. Die guten Freunde der Arbeitsvermittler wurden von jeher und werden auch heute noch in jeder Weise bevorzugt, während gute, tüchtige, aber ehrliche Gesellen zurückgesetzt werden. Die Gesellenvertreter haben zwar das Recht, die Arbcitsvermittelung zu kontrollieren, müssen aber diese Absicht immer erst vorher dem Meistervorsitzenden melden und von ihm eine Erlaubnis erhalten. Aenderung aber herbeizuführen, dazu haben sie absolut keine Möglichkeit. Das wollten im vorigen Jahre die Gcsellenvertreter erreichen und ist ihnen von den Innungen auch zugestanden worden. Erst nachträglich ist ihnen dies Zugeständnis leid geworden. Nun haben sie, anstatt den Arbeitsnachweis zu zentralisieren, es zugelassen, daß verschiedene von den Meistern gegründete und erhaltene Gesellenvcreine in jedem Stadtviertel Arbeitsnachweise einrichteten, in welchen nur solche Gesellen vermittelt wurden, die sich diesen organisations» feindlichen Vereinen anschlössen. Aus diesen Darlegungen geht wohl zur Genüge hervor, wer diesen Kampf herauf- beschworen hat. Hätten die Jnnungsvertreter ein reines Gewissen und ehrliche Absichten, so hätten sie ohne weiteres das Einigungsamt des Gewerbegerichts als Schiedsinstanz anerkannt. Sie haben aber nicht nur dieses abgelehnt, sondern auch nichts von der Vermittelung des Oberbürgermeisters von Verlin wissen wollen. Sie wollten eben Richter in ihrer eigenen Sache sein. Wir überlassen eS nun getrost dem Urteil der Oeffentlichkeit, zu entscheiden, auf welcher Seite das Recht ist und wer diesen Kampf heraufbeschworen hat. Die Bezirksleitung Berlin des deutschen Bäckerverbandes. Die Gesellenausschüsse der Bäckerinnnngen von Berlin«. ttmg. vi« Kenncrprobe. A.: Franz Schneider und Ernst Melcher. Ei» guter Tropfen! 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Die Firma Kaufmann Wilhelm Mcinke läßt durch den Stiefsohn des TöPsernieisters Karl Runge, namens Karl tiranchlnski, einen Bau in der Pettcnfofcrftrastc ausführen. Da die Differenzen bei genannter Firma noch nicht beigelegt sind, ist dieser Bau als gesperrt zu bettachten. 196/8* Die Berbondsleitung. IIIIH» I I 1 II III■IHIPM in I Pouch u. Nr. 32a. Pinner, geübte, iofort. t Köpenickerstratze' 1016b* Botenfrauen finden dauernde und lohnende Beschäftigung Alt-Moabit 138. Boteufraue» finden dauernde und lohnende Beschästigung Schiffbauer- dämm 1(Ecke Friedrichstratze). 41/1» Im ArveitSniarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten»0 Pf. die Zeile. Mtig für Drahtarbeiter! Sofort gesucht für auswärts bei hohem Lohn eine tüchttge Person, welche die D radlstänllei'- Fabrikation grandlich rennt. Reisekosten werden vergütet. Off. unter J. E. 9953 an Rudolf Mosse-Berlin»VI. erb._ 41/5* Helmlackierer, selbständiger Arbeiter, per sofort bei hohem Lohn nach autzerhaw»gesucht. 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