Kr. 127. BbonnemcntS'Bcdingungjn: Rlonnementä■ Preis StänumcronSo j Siertcljährl. 3,30 MI,, monall. 1,10 MI,, wöchenllich 28 Pig, frei ins Ha»Z. Einzelne Nummer 5 Psg. EoimIligZ- nummer niil illuslrierier EoimIagZ- Beilage»Die Neue Weit' 10 Psg, Posl» «bonncmenl: 1.10 Marl pro Monat, «iiiaelragen in die Posi-ZeitungS- PrciSIisle. Unier Kreuzband für Dcuifchland und Ocslcrreich. Ungarn 2 Marl, für daZ übrige Ausland 8 Marl pro Monat. PoslabonnementS nehmen an: Belgien. Däncmarl. Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rulllünicn, Schweden und die Schweiz, 24. Jahrg. CrldKlnt UälliS aaBer montasi. Vevlinev Volksblalt. ZcMtfalorgfan der foztaldemohratifcbcn Partei Deutfcblands. Die InlertlonS'Gebülir tclrügt für die fechsgespaltene Kolonel» zeilc oder deren Raum 00 Psg,, für polilische und gewerkschastlichc Bercins« und Bersammlungs-Anzeigen 30 Psg, „UIcine Hnreigen", da? ersle(seit» gedruckte) Wort 20 Psg,, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf« stcllcn-iinzeigcn das erste Wort 10 Psg, jedes weitere Wort 6 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer»tüssen bis SUhrnachmiltags in der Expediiion abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends gcöslnet, Telegramm- Adresse: „SoxialdcmoSrat RtrliB"« Rcdahticn: SCd. 68» Lindcnstrasac 69. {rcriifltrcrfifr: Ilmt IV. Nr. 10SS. Dienstag, den 4. Jnni 1907. Expedition: 8M. 68» Lindcnstrassc 69. Scrnibrcrftor: Slint IV. Nr. 1084. Der bayerische Nahlersolg. Aus Südbayern wird uns geschrieben: Ein hervorragender Erfolg der Sozialdemokratie, ein völliges Versagen der bürgerlichen Blockpolitik, so läßt sich kurz das Landtagswahlergebnis vom 31. Mai werten. Das Ergebnis selbst ist den Lesern des„Vorwärts" bekannt, seine parteipolitische Bedeutung wird überall zur Würdigung ge- langen, wo immer Sozialdemokraten wohnen. Und für uns in Bayern bringt es nicht nur die Lust des ehrlich erarbeiteten Erfolges, sondern auch die Gewähr eines stetigen und un- widerstehlichen Fortschreitens unserer Sache auch unter den schwierigsten Umständen. Wir haben in Anbetracht der an dieser Stelle wiederholt besprochenen Verhältnisse auf zwölf bis fünfzehn Mandate ge- rechnet und haben zwanzig errungen. Aber diese sehr beträcht- liche Steigerung unserer Fraktionsziffer ist nicht einmal das Hauptmoment des Wahlausfalls. Am bedeutsamsten erscheint mir vielmehr die unverrückbare Tatsache, daß wir selbst auf Grund eines so mangelhaften direkten Wahlverfahrens bei weiterem verständigen und geschlossenen parlamentarischen Wirken und einer sorgfältigen Organisation in unseren Fort- schritten von gar keiner gegnerischen Koalition gehindert werden können. Darüber später Genaueres, wenn erst die verlässigen Einzel- Ziffern vorliegen. Zunächst ein paar Worte über die neue Fraktion und ihre neuen Leute. In München sind gewählt außer den früheren Mit- gliedern der Landtagsfraktion(v. Vollmar, Timm, Franz Schmitt, Adolf Müller): Eduard S ch m i d, Redakteur unseres Münchener Parteiorgans, seit acht Jahren als Magistratsrat Mitglied der Münchener Gemeinde- Verwaltung, ein genauer Kenner unseres bayerischen Gemeinde- Wesens; er war in einem besonders heiß umstrittenen Wahl- kreise aufgestellt und wird namentlich bei-der bevorstehenden Reform des GemeindcrechtS eine besonders wertvolle Kraft sein. Genosse Pickelmann, ebenfalls Magistratsrat, steht seit Jahren in der vorderstenReihe unserer MünchenerParteibewegung. Erhart Auer, Kassenbeamter, ein Neffe unseres unvergeßlichen Nazi und nach allen Proben seiner bisherigen Partei- tätigkeit von ebenso gutem niederbaycrischen Holze. Und schließlich Genosse Roßhaupter, Arbeiter in der Zentral- Werkstätte der Verkehrsverwaltung, ein bekanntes Mitglied des Süddeutschen Eiscnbahnerverbandes. Er ist in einem„Eisen- bahnerviertel" trotz hartnäckigen Gegcnkampfcs der christlichen Eisenbahner gewählt worden, und sein Sieg ist die deutliche Antwort auf unerhörte Provokationen des Verkehrsministers von F r a u e n d o r f e r, der, offenbar von dem ultramon- tanen Eisenbahnreferenten angetrieben, sich zu wahrhcits- widrigen Beschuldigungen gegen die Eisenbahnarbeiter hin- reißen ließ, sür die er trotz wiederholter öffentlicher Auf- sorderung bis heute noch jeden Beweis schuldig ist. Aus Nürnberg erhält die Fraktion in der Person des Genossen Dr. S ü ß h e i m endlich auch ihren Juristen und in den Genossen Simon, Dorn und S ä ck l e r willkommene Arbeitskräfte für verschiedene gewerkschaftliche und sozial- politische Spezialgebiete. Haller in Nürnberg und in Erlangen gewählt, wird in Erlangen annehmen. Seine Wiederwahl bedeutet für die Landtagsgruppe einen großen Gewinn. Aus Fürth kommt neben Segitz der Genosse Harscher. Die Pfalz schickt Ehr hart. Körner und Clement wieder. Ehrhart wird für Kaiserslautern annehmen, so daß außer in Nürn- b e r g VI. wo H a l l e r mit 2000 Stimmen Mehrheit gesiegt hat, auch in L u d w i g s h a f e n, wo wir eine absolute Mehrheit von ungefähr 1000 Stimmen haben, eine Nachwahl stattzufinden hat. Die Kandidaten für diese Neuwahlen sind bis jetzt noch nicht bestimmt. Aus dieser Aufzählung der Charakteristik ergibt sich, daß die neue Landtagsfraktion auS guten und für die verschiedensten Gebiete tauglichen Arbeitskräften besteht. Sie ivird in gesteigertem Maße wirken und damit unserer Partei vermehrten Einfluß verschaffen, der Vertiefung unserer Ideen dienlich sein können. Daß das aber ohne Rücksicht auf die jeweiligen bürgerlichen Mehrheitsverhältnisse bei uns in Bayern möglich ist, dafür ist durch die Reform des Wahlgesetzes und das stetige Ansteigen unserer Vertretnngsziffer der genaue Beweis geführt worden. Nichts törichter darum wie das Gerede der naturgemäß äußerst übelgelaunten Blockpresse, die Sozial- demokratie sei infolge der Zcntrumsmehrheit„auch jetzt wieder" zur Bedeutungslosigkeit verurteilt. Das nämliche Geschwätz, angenehm verbrämt noch durch eine grotesk lügnc- rischc Herabsetzung der sozialdemokratischen Landtagstätigkeit, ist von den Blockagentcn und ihrer außerordentlich verbreiteten Presse bis zur letzten Wahlstunde verübt worden: mit welchem „Erfolge", das hat man soeben gesehen. Daß die Blockpresse infolge der fürchterlichen Niederlage des„freiheitlichen" Blocks aus allen Himmeln gerissen ist, daß sie sich auf der nüchternen Erde gar nicht wieder zu finden weiß und daß sie gar so kräftig schimpft. >vie ihre goldene und akademische Jugend am Abend des Wahltages bei Verkündigung der Ergebnisse ge- pfiffen und geheult hat, davon ist in Anbetracht der gegen- wärtigcn Gemütsverfassung der Vertreter von Bildung und Besitz nicht viel Aufhebens zu machen. Daß sie aber die aktiven und inaktiven Minister anrüpelt und diesen ihren füllen Freunden alle Schuld am Blockelend beimißt, das ist 1 teuflischer Undank. Herr v. F e i l i tz s ch, der frühere Minister ' des Innern, ist der Urheber der Wahlkreiseinteilung, er hat München. Dürnberg, Oberfranken, die Pfalz usw. so zugunsten der Liberalen eingeteilt, daß, nicht zuletzt aus diesem Grunde sogar die demokratische„Frankfurter Zeitung" ihn als einen„wahrhaft liberalen Mann" gefeiert hat. Er wußte das Wahlgesetz so gut zu interpretieren, daß die Arbeiter um 20 Proz. ihrer Wahlberechtigten gekommen sind. Die Regierung hat den Wahltag auf einen Freitag nach einem Feiertag verlegt, damit ja der Wahleifer der Proletarier gebändigt werde und die Rentämter des liberalen Finanz- Ministers v. P f a ff. die Kreisrcgierungen des liberalen Nach- folgers des Herrn v. F e i l i tz s ch haben das ihre getan, um den Arbeiterwählern weitere 20 Proz. der Wahlberechtigten abzuknöpfen. Und nun statt Anerkennung der schnöde Vorwurf, das Ministerium habe die Interessen des Liberalismus(lies: die Personalien) den Schwarzen ausgeliefert! Bis jetzt sind mir nur zwei bayerische bürgerliche Blätter mehr oder weniger liberalen Anstrichs zu Gesicht ge- kommen, die auch die eigene Schuld zu erörtern der- suchen. Das eine ist der freisinnige„Fränk. Kurier", der den Verlust des 3. Nürnberger Wahlkreises dem erbau- lichcn Umstände zuschreibt,„daß einmal außerordentlich viel liberale Wähler in Bädern oder auf Geschäfts- reisen abwesend waren und daß andererseits sich in ge- wissen Kreisen leider Gottes eine außerordent- liche Gleichgültigkeit gegen die Wahl ge- zeigt hat." Das andere ist ein in München erscheinendes und von einem ehemals für die Liberalen sehr tätigen Journalisten geleitetes Organ, die„Nayerische Zeitung". Sie sagt: „Der bayerische Liberalismus, d. h. die bereinigten Libe- I ralcn und Demokraten, haben von dem neuen Wahl- system keinen Vorteil gezogen, aus dem sehr einfachen Grund, weil sie nirgends Mafien aufzubieten hatten wie Zentrum und Sozialdemokratie. Auch die Drittelsmehrheit brachte ihnen keinen Nutzen, sondern lediglich die Wahlkreiseinteilung in München, wo vier wohlhabende Jnnenbezirke den Liberalen sicher sind. Sie haben daher sehr schlechr abgeschnitten, denn wenn sie auch in München 4, in Augsburg und Schiveinfurt je ein Mandat gewannen, so verloren sie in Nürnberg 3, und konnten nirgends wesentliche Neuerwerbungen machen. Wenn sie vor zwei Jahren um die Hälfte ihrer Mandate durch daS Kompromiß von Sozialdemokratie und Zentrum erleichtert wurden, so sind sie jetzt auf diesem Ties st and ge- blieben. Damals warf sie jenes Kompromiß, heute war keines da und dennoch konnte sich die Stoßkraft des neuen bayerischen Liberalismus nicht bewähren. Sie legten sich diesmal selber lahm durch ein Wahlbündnis mit dem Bund der Landwirte, den Konservativen und Bauernbündlern; man hoffte dadurch zu großen Siegen in Franken zu gelangen, man errang sie nicht, was erreicht wurde, war lediglich das, daß das Nürnberger Programm, das den bayerischen Liberalismus 1905 zusammenschloß, durch dieses Kompromiß mit den agrarischen Reaktionären Bayerns in Frage gestellt wurde, daß dieses Bedürfnis ihm die ganze Werbekraft raubte. Und dieses sacriticiuiu intellectus wurde auch durch keinen Mandatzuwachs gelohnt, denn man hielt mit Mühe und Not die alten Sitze.... 25 statt 23 Mandate hat heute der bayerische Liberalismus, 19 statt 29 haben durch seine Hülfe die vereinigten Konservativen und Bündler, eine Gruppe, die nur durch den L i b e r a Iis m u S künstlich erhalten worden ist. die auf eigenen Füßen noch keine sechs Man- date bekommt. Und diese selbstlose Stützung einer wankenden Schar führte dazu, daß das bayerische Zentrum von seinen 192 Mandaten nur drei verlor und mit 99 in den Landtag zurück- kehrt!" Diese Darstellung ist im wesentlichen richtig. Es hätte nur noch hinzugefügt werden müssen, daß im rechtsrheinischen Bayern wie in der Pfalz im Blockrausche des Reichstags- wahlcrfolges das besprochene Kompromiß eigens zu dem Zwecke geschlossen worden war. der Sozialdemokratie jede Aussicht zu einer eigenen Vertretung zu nehmen.— Ein Trost im Leiden aber ist den Geprügelten doch ge- worden, die Berliner Blockmntter, die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", das Organ des größten Staatsmannes der Welt, findet, daß der bayerische Liberalismus„mit den er- zielten Erfolgen im ganzen wohl zufrieden sein kann". Solcher Trost und solche Bescheidenheit ist rühmenswert und tut den Geschlagenen sicher sauwohl. Das Zentrum hat dank der Taktik der Blockleute, deren hervorragendstes Licht, Herr M ü l l e r- M e i n i u g e n. in Hof beinahe ausgeblasen worden wäre, 99 Mandate erlangt. Nur ein inoffizielles ist darunter, im übrigen hat, wie vor- auszusehen war, die Pfarrhofdisziplin gesiegt. An inneren Wirren wird es der Zcntrumspartei aber doch nicht fehlen, denn die Gruppe Heim kommt gestärkt wieder. Nachwahlen haben nur in den zwei Kreisen stattzufinden, in denen unsere Leute doppelt gewählt sind. Den Zweck, Stichwahlen zu vermeiden, hat also die relative Mehr- heit vollständig erfüllt. Sie hätte auch dazu dienen können, die Zcntrumsmehrheit zu brechen. Denn durch ein Zusammengehen der Liberalen und Sozialdemokraten Wä>-en dem Zentrum ungefähr zwanzig Sitze abzunehmen ge- wesen. So lange aber der Liberalismus reaktionärer ist wie das Zentrum und so lange er seine Hauptaufgabe darin sieht, sich an den Mauern des Proletariats den Kopf einzurennen, kann eine solche Koalition gar nicht in Frage kommen. Und ob eine derartige Taktik für die Sozialdemokratie über- Haupt nützlich wäre, das zu erörtern bleibt Zeit genug. In allen prinzipiellen Fragen von einiger Bedeutung haben Liberale und Ultramontone bisher doch geschlossen gegen uns gestimmt. Daß es anders wird, dafür ist der Eintritt einiger ehrlicher Liberalen in die Fraktion der Dorfältesten vorerst nur eine geringe Bürgschaft. Zudem werden wir in sechs- Jahren bei weiterer sorgfältiger Organisation und treuer Pflichterfüllung uns dreißig Mandate holen. Wir können also, nachdem es so gut gelungen ist, das Blockgespenst in sein Nichts aufzulösen, ruhig den Dingen entgegensehen, wie sie kommen. Und dann entscheiden gemäß dem Willen der Partei und zu ihrem weiteren Gedeihen. Aus Nürnberg wird uns zum selben Thema ge- schrieben: JBer Sieg in Nürnberg hat nach der Schlappe von 1903 ungeheure Begeisterung hervorgerufen. Unsere Stimmen- zahl hat dort eine ganz ansehnliche Steigerung erfahren. 1903 erzielten wir im Stadtbezirke 21 395, die vereinigten Gegner 14 894 Stimmen. Trotz unseres Vorsprunges von nahezu 7000 Stimmen verloren wir damals infolge einer raffinierten Wahlbezirksgeometrie sämtliche vier Mandate, da- die bürger« liche Minderheit-mehr Wahlmänner aufbrachte als wir. Diesmal bekamen wir 27 995, der Block 19 160 Stimmen. Unsere Stimmenzahl hat sich also in zwei Jahren um mehr a l s 6000 vermehrt, obwohl viele frühere Wähler durch Hinaufrückung des Wahlalters das Wahlrecht verloren haben. Um rund 8400 Stimmen haben wir den bürgerlichen Ordnungsbrei überflügelt. Auch der zweimännige Wahlkreis Fürth hat sich als feste sozialistische Hochburg gezeigt. Unsere beiden Kandidaten Segitz und Harscher schlugen den Block mit rund 800 Stimmen Vorsprung. Der überraschendste Erfolg ist die Wahl des Genossen v. Haller im Wahlkreise Erlangen, ein für den Liberalismus um so vernichtenderer Schlag, als Haller den Vorsitzenden der nationalliberalen Landespartci, Prof. Geiger, besiegte, allerdings nur mit der kleinen Mehrheit von zirka 80 Stimmen und infolge des Um- standes, daß der agrarische Führer Beckh-Rathsberg mit seiner Sonderkaudidatur auftrat, weil der Block ihm für seine Wahl- hülfe nicht genug Entschädigung in anderen Wahlkreisen bot. Wir können aber darauf rechnen, daß uns der Kreis nicht wieder entrissen werden wird, da namentlich auf dem Lande die in- dustrielle EntWickelung reißende Fortschritte macht. Sie wird durch den demnächstigen Bau einer Bahn von Nürnberg in die fränkische Schweiz, die einen bis jetzt vom Verkehr vollständig abgeschlossenen großen Teil des Wahlkreises erschließen und auch die Industrie anziehen wird, noch mehr gefördert. Leider war es nicht möglich, in einigen für uns nicht ungünstigen industriellen Kreisen Oberfrankens die Gegner niederzuringen, da die Wahlkreiseinteilung meist so getroffen ist, daß die Städte vom Lande erdrückt werden. Die ansehn- lichen Sfimmenzahlen, die wir dort aufbrachten, geben uns aber die Hoffnung, daß auch dort in nicht allzu langer Zeit die Sozialdemokratie Siege erfechten wird. iialikmännische üioloniglvewsltung. Die liberale Presse vermag sich noch immer nicht über die Redensarten zu beruhigen, mit denen Exzellenz Dernburg im„Verl. Tagebl." die Tatsache zu rechtfertigen versuchte, daß bei der Neubesetzung der Kolonialamtsposten das kauf- männische Element so völlig umgangen worden ist. Ein großer Teil der liberalen Geschäftswelt hat sich bei der letzten Reichstagswahl zu seiner Begeisterung für die deutsche Kolo- nialpolitik in erster Reihe durch die Hoffnung bestimmen lassen, daß künftig die Kolonien nach„kaufmännischen Grund- sätzen", d. h. im s p e z i e l I e n I n t e r e s s e der Bank- finanz wie des Handigls- und Reederkapi- tals, verwaltet werden würden— und nun reißt die Be- setzung der wichtigsten Stellen mit gewöhnlichen Bureau- kraten in diese schönen Profitträume eine Lücke. Es ist des- halb nur allzu begreiflich, wenn in gewissen Finanz- und Handelskreisen der Unmut über Herrn Dernburg, den man sich allgemach als Agenten der kaufmännischen Interessen in der Reglierung anzusehen gewöhnt hatte, immer wieder hervorbricht, und wenn andererseits Herr T->-nburg, um diese Kreise zu beschwichtigen, sich gemüßigt gefühlt hat, die Besetzung der Kolonialamtsposten in einem Zeitungsartikel — entgegen den Traditionen der preußischen Bureaukratie— öffentlich zu rechtfertigen. Ob diese Rechtfertigung allerdings geeignet ist, ihren Zweck zu erfüllen und die sich in ihren Erwartungen getäuscht Fühlenden zu versöhnen, ist eine andere Frage; denn Herr Dernburg beweist mit seinen Aus- führungen, daß er die vulgär-liberale Regierungsillusion wenigstens teilweise überwunden und in seiner neuen Amts- stellung realpolitisch zu rechnen gelernt hat, So sagt er zum Beispiel: «Das staatliche Leben rechnet mit den Machts Verhältnissen, und es ist klar, daß diejenigen Klassen, welche heute im Besitz staatlicher Aemter sich befinden und in den wichtigsten Parlamenten die Mehrheit stellen, dem Eindringen des Kaufmanns einen um so größeren Widerstand entgegensetzen werden, je stärker und ungestümer die Ambition hervortritt, eine Aenderung in den gegenwärtigen Machtverhältnissen herbei, zuführen," Und ferner meint er, daß sowohl die Bildung als die Tätigkeit eines Kaufmanns und eines Verwaltungsbcanitcn ßrundverschiedenc Dinge seien. Seine Amtswaltung hätte thm deshalb belehrt, daß nur der„formale" Werdegang des Verwaltungsbeainten die geeigneten Kräfte heranreifen lasse. „Während das Universitätsstudium," sagt er,„die Theorie der Verwaltung und des Rechts entwickelt, soll während der Aus- bildungszeit die praktische Handhabung der der Staatsgewalt obliegenden Funktionen betrieben werden, und der hierbei cnt- wickelte formalistische Zug, der durch den Grundsatz der Rechtsgleichheit vor dem Gesetz und der Aufrcchterhaltung des Ansehens und der Würde unserer Staatsgewalt bedingt ist, wirkt bestimmend auf Anschauungsweise und Behandlung derartiger Fragen bei den Beamten ein." Bis zu gewissem Grade ist diese Behauptung nicht un- berechtigt. Die kaufmännische und die Verwaltungstätigkeit stellen verschiedene Anforderungen, und für das rein fornialc Berwaltungsgeschäft bringt oft der Verwaltungsbeamte bessere Vorbedingungen mit als der Liaufmann: nur hat die jetzt übliche Ausbildung dieser Beamten den großen Fehler, daß der„so r m a I i st i s ch e Zug" dermaßen überwuchert, baß häufig jeder Zusammeiihäng mit dem gesellschaftlichcii Lcbensgetriebe verloren geht und weiter nichts übrig bleibt, als allein der Formalismus. Treffend hat diese Tendenz Dr, Stier-Somlo, Professor an der Universität Bonn, vor einigen Monaten in der„Deut- schen Wirtschaftsztg." folgenderinaßen charakterisiert: „Der jetzige Zustand befördert ein unwürdiges, nur in Preußen in diesem schamlosen Maße blühendes Einpaukerwesen. ein erschreckendes Banausentum der jungen Juristengcneration in allen geistigen Tingen, einen Mangel an Vertiefung, ins- besondere in den Materien des öffentlichen Rechts, der sich bitter rächen muß. Es ist kein Zweifel, wenn hier nicht Wandel eintritt, daß das wissenschaftlich- geistige Niveau unseres höheren Beamtentums (daS uns doch schließlich, wie ich nochmals betone, trotz Parlament allein regiert) sich bedenklich abwärts neigen und sinken muß! Dabei ist gerade jetzt angesichts der sich täglich steigernden Anforderungen des praktischen Lebens, der vielverschlungenen gesellschaftlichen, poli- tischen und Rcchtsbildungen der Gegenwart nicht nur eine ge- waltige Anspannung von Fleiß, Willenskraft und Pflichttreue, sondern auch geschulte Intelligenz notwendig, die sich zu verbinden hätte mit weitem Blick und vorurteilslosen weltmännischen An- schauungen, gleich fern von gesellschaftlicher und amtlicher lieber- Hebung wie von nervöser Rücksichtnahme auf allerhand Einflüsse." In den Mängeln dieses Ausbildungssystems liegt der Fehler. Er ist es, unter dem bis jetzt nicht nur die Kolonial. Verwaltung, sondern auch so manche anderen Verwaltungs- zweige zu leiden hatten. Im übrigen stimmen wir mit der Einschätzung der kaufmännischen Verwaltungsqualitäten durch den früheren Bankdirektor und jetzigen Staatssekretär Dernburg überein. Wo in deutschen Handels- und Industriestädten die kauf- männischen Kreise einen entscheidenden Einfluß auf die städtische Verwaltung erlangt haben und diese nach ihrem Willen regieren, können ihre Leistungen nicht gerade als Muster gelten. Nirgends dient die Verwaltungsmaschinerie so ein- seitig dem Interesse einer bestimmten engen Bevölkerungs- klasse, nirgends stellt sich der Apparat so teuer, als gerade dort. Und dasselbe gilt von den liberalen Geschäftsmännern in der preußischen Regierung. Tie Aera der Hansemgnn und Camphauscn war zugleich die Aera der größten Finanz- und Gninderskandale. Als Herr Dernburg ins Kolonialamt berufen wurde und die freisinnigen Blätter ihn als Bahn- brecher einer neuen Zeit feierten, schrieben wir: „Auch bisher schon hat Preußen„kaufmännische" Minister „regieren" sehen, nicht nur Herrn Möller aus Brackwede, sondern auch einen Hansemann und Camphausen, und zwar unter un- gleich günstigeren Bedingungen; die Folgen waren aber nicht die Abdankung der junkerlichen Bureaukratic, sondern nur die Aufpfropfung einer großkapitalistischen Korruption auf feudale Triebe. Es gehört die ganze Naivität des bürgerlichen Illusionisten dazu, anzunehmen, durch einen Personenwechsel, nebenbei noch in einem für die feudale Staatshierarchie ganz nebensächlichen Amte, werde die junkerlich. bureaukratische Macht gebrochen. Beruht doch diese Macht nicht darauf, daß einige Junker auf Minister- s e s s c l n t h r o n e n. sondern auf dem Einfluß, den die Junker- schast auf die ganze Beamtenschaft, das Heer usw. ausübt. Selb st als Reichskanzler— das Ende der Vcrhand- lungcn über den Rhcin-Elbc-Ltanal hat das zur Genüge erwiesen — vermöchte Herr Dernburg nicht gegen diesen Stachel zu locken, viel weniger aber auf dem einflußlosen Posten eines K o l o n i a l d i r c k t o r s oder selbst eines Kolonial st aatssckrctärs inner- halb einer Korona, deren Haupttypcn durch Bülow, Podbielski, Rheinbaben, Studt repräsentiert werden." Die jetzige Besetzung der Ko�onialamtsposten liefert nur eine neue Bestätigung zu dieser Voraussage. Das Cand der Skandale. Tempora mutanhir! Welch' Wandel der Zeiten, da Deutsch- land noch als fromme Kinderstube erschien, in der der strenge Haus- Vater gute Ordnung und die Kinderchen hübsch im Zaume hielt, und dem Heute, wo kein Tag vergeht ohne seinen„Fall" und kein Jahr ohne seinen Skandal. Mächtiger, protziger und uneingeschränkter als je herrscht in Preußen-Deutschland eine geschlossene Burcaukratenkaste. Nnan- gefochtencr als je waltet das„persönliche Regiment". Das deutsche Bürgertum hat seinen Widerstand aufgegeben, eS kümmert sich umS Geschäft und überläßt der Bnrcaukratie alle Gewalt in der gesicherten Erfahrung, so am besten vor den Ansprüchen der Arbeiterklasse geschützt zu werden. Die letzten Wahlen vereinigen das Bürgertum gegen die Arbeiterklasse, im Parlament ist die Oppo- fition verstummt bis auf die sozialdemokratische Fraktion. deren Zahl nicht hinreicht, die Parlamentarischen Eni- scheidungen zu bestimmen. Dein Können und Wollen der Bnrcaukratie ist keine unliebsame Schranke mehr aezogem Sie herrscht allein— und trotzdem diese Unordnung, diese Nervosität mrd Unsicherheit in der Leitung der Politik. Doch viel» leicht täuschen wir uns. Hat man UNS nicht erzählt, daß Neben- regier ungen vorhanden wären, baß Zentrums- abgeordnete sich einiger Snbalternbeamter angenommen hätten, und daß diese schädlichen Leute die Regierung bei ihren Entscheidiinge» ständig gehindert hätten? Freilich hat man das erzählt, aber man hat gelogen! Zwar hat es eine Neben regier ung gegeben und ihre Existenz hat zur Auflösung des Reichstages geführt, aber diese Nebenrcgiernng war keine einer Parlamentsfraktion. sondern eine höchst unparlamentarische. Ihr Ehrgeiz hatte ganz andere Ziele als die armseligen Jnter- ventionsverfuche der Herren Erzverger und Roeren. Skandal ist, waS man nicht mehr vertuschen kann. Und so hat es einige Zeit gedauert, bis die Aufklärung über die psychologischen Triebkräfte gekommen ist, die zur letzten ReichStagSauflösimg, deren Plötzlichkeit alle Welt überraschte, geführt haben. Da- für aber erfährt jetzt das deutsche Volk um so genauer, von welch erhabenen sittlichen und geistigen Motiven sich die leiten lassen, die mit der ganzen Unwiderstehlichkeit und den Dünkel preußischer Autorität Volk und. Volksvertretung in die Schranke» ihrer Ohnmacht zurückzuweisen wissen, so oft diese versuchen, ihren Einfluß geltend zu machen. Die„ N e b e n r e g i e r u n g". die den F ü r st e n Bülow bedroht hat, w«r die des Fürsten Eulenburg, des früheren Botschafters in Wien. Er, der Freund des Kaisers und Dichters des„Sanges an Acgir", kann Tisch- rücken und Geister beschwören; und diese Eigenschaften scheinen ihm in manchen Hofkreisen großes Ansehen verschafft zu haben. Fürst Eulenburg hat nun seine Beziehungen zum Kaiser dazu benutzt, um tüchtig„nebenzuregieren". Iii-letzter Zeit aber fiel er in Ungnade und ein Mitglied seine» KreifcS, der Graf Kuno v. Moltke, wurde, wie wir bereits gestern mitgeteilt haben, deshalb der Stellung als Kommandant von Berlin enthoben. Doch auch der Einfluß EulenburgZ soll gebrochen und Bülow endlich seine Neben- regierung losgeworden sein.» Wie es nun zu diesem Bruche zwischen Eulenburg und dem Kaiser kam, ist ein so charakteristisches Sittenbild, daß es trotz aller unserer Abneigung gegen den Klatsch nicht übergangen werden darf. Wir wollen dabei die„Leipz. Neuest. Nachr." zitieren, die bei Be- sprcchung des Skandals an die Kotze-Briefe erinnern und dann fortfahren: „Nur daß die heutige Affäre noch einen ungleich hätzlicheren Charakter besitzt als die früheren Vorgänge,>e»en wenigstens das sexuelle Moment zu fehlen schien. Jetzt wird man. wenn die Dämme wirklich durchstochen werden,' mit Bedauern genötigt sei», über das Problem dcö P a r a g r a p h e n 17 5 des Straf- gesetzbuches und über die eigentümlichen Zusammenhänge zwischen Geschlechtsleben und Politik tiefsinnige Betrachtungen anzustellen." Uebcr die Rolle des Fürsten Eulenburg aber berichtet die „Germania": Im Oktober 1906 batte der Kreis um Eulen- bürg eine neue Kraftprobe vor; Fürst Büloiv sollte entlassen werden. An seine Stelle sollte Hellmuth von Moltke, der General st abschef, als Reichskanzler treten, sich aber nur mit der inneren Politik befassen; für da-Z Auswärtige war ja der Kaiser und H err v. T s ch ir s ch k y da. Der Reichskanzler erhielt auch Kenntnis von diesen Bestrebungen, die in einem Kaiserwort variiert wurden:„Nicht drüber ivcg, sondern unten durch." So ungefähr war damals die Lage des Fürsten Bülow. Da erfolgte ein höchst gewagter Gegenzug; es war auch kein Zufall, daß dieser Plan vorzeitig— im„Berliner Tageblatt", dein Organ DeruburgS des Aelteren, publiziert wurde. Der Rücktritt de? Reichskanzlers war für die Zeit um Weihnachten herum in Aussicht gestellt. Ein leitender Staatsmann hat damals die Richtigkeit dieses Artikels gegenüber einem bekannten Politiker zngegcben, und jener Staatsmann stand der Sache nicht fremd gegenüber. Doch die Gegenmine der vorzeitigen Veröffentlichung tat noch nicht ihre Dienste. Da kam am 14. November 1906 die bekannte Jnter- pellation Bassermann zustande; gewiß sind Inhalt und Fassung in der nationalliberalc» Fraktion festgesetzt worden, aber d i c Anregung ging von dem Reich Skanzlerpalais aus, dafür sind zuverlässige Zeugen vorhanden.(Die Offiziösen werden es zwar abzuleugnen versuchen, wie unsere Darstellung der Erueitnung TschirschkyS. aber trotzdem sind beide Angaben zutreffend.) -Der Zweck dieser Interpellation ivar— so haben cS die. Jnter- pellanten setbst gesagt— gemeinsam mit dem Reichskanzler gegen das.persönliche Regiment" anzurennen; man hat wiederholt ver- sucht, hierfür auch ZciitruinSabgeordiiete zu gewinnen. Die Rede de» Reichskanzlers enthielt denn auch tatsächlich eine ganze Anzahl von Spitzen gegen eine gewisse Stelle. Die Eulenburgs konnten jnbiliereii, ihr Partner gab das Spiel verloren; er suchte noch einen schönen Abgang. Da aber kam da»„politische Versuchskaninchen" Dernburg zu Hülfe; er unternahin den bekannten Ausfall gegen den Ab- geordneten Roeren. Wie ein Mann erhob sich die gesamte liberale Presse gegen das Zeiltrum; wer die D r a h t z'i e b e r hinter den Kulissen kannte, der hat nichts anderes erwartet. Jetzt wuchsen die Chancen des Fürsten Büloiv. wenn er Dernburg deckte; er tat cS. Einer Verständigung über die südwestafrikanische Frage ging man absichtlich auS dem Wege; wenn der Reichstag aufgelöst ivar, konnte man keinen Kanzler ivechsel vor nehmeit; Fürst Bülow mußte den Wahlkampf zu Ende führen; er stritt, wie Graf PosadolvSky im Reichstag sehr treffend bemerkte, um seine politische Existenz. Wir sind auch der Mahnung des Staatssekretärs nachgekommen, die gesamte Auflösung psychologisch zu nehmen. Ter WahlanSfall brachte zwar die Zerschmetternng des Zentrums nicht, jedoch wird man eS jetzt auch begreiflich finden, warum Fürst Bülow mit all den hinreichend be- kannten Mitteln in der Wahl arbeiten ließ. Sein politisches Schicksal hing vom Ergebnis des 25. Januar ab. Und er hatte Glück, daß die Sozial- dcmokratic so viel verlor. Nim konnte er sich rühmen, daß er mit dieser fertig werde ohne jedes Gesetz. Der Stern Eulen- bürg» verblich immer mehr, und da hatte es die dem Kaiser „nahestehende Persönlichkeit" leicht, wenn nun vollends auf Grund nichtpolitischer Vorkommnisse da? Tischtuch zerschnitten worden ist." Diese Enthüllung, deren Richtigkeit im wesentlichen vom„Verl. Tageblatt" bestätigt wird, ist min in vieler Hinsicht intereffant. Zunächst beweist sie, wie richtig unsere Auffassung war. als wir den im vorigen Jahre plötzlich losgebrochenen Kampf gegen da? persönliche Regiment als einen arrangierten Humbng charakterisierten. Nur waren wir allerdings nicht so kühn, hinter dem Arrangement den großen Diplomaten Bülow zu vermuten. Dann aber, und das ist das Wichtigste, bestätigen diese Ans- führnngen, daß die ganze ReichStagSanflösnng und der mit so un- erhörten Mitteln der patriotischen Hetze und der nationalen Vc- geisterung inszenierte und durchgeführte Wahlkampf in der Absicht seines Urhebers— natürlich nicht in der historischen Wirkung— für einen gleichgültigen und unbeträchtlichen Diplomaten, der den Reichskanzler des Deutschen Reiches spielt.»ichtS anderes war als ein Mittel, sich in seiner Stellung zu behaupten gegen den An- stürm einer durch ihre persönlichen Beziehungen zum Kaiser überaus mächtigen Clique. Die Existenz dieser Clique und ihren Ein- flutz bestätigt übrigens niemand anderes als— das offiziöse RegiernngSorgan in einer Notiz, deren Sinn dahin geht, daß Fürst Bülow die Existenz einer„Kamarilla" zugibt. ver Kampf im MckergeMrbe. Tie Situation. Der Schlag, den das Hefesynditat zugunsten der Bäcker- iunungen gegen die tariftreucn Bäckermeister zu führen dachte. ist durch den Bäckcrverband pariert worden. ES hat natürlich er- hcbliche Schwierigkeiten verursacht, noch am Sonnabend in den Abendstunden soviel Hefe heranzuschaffen, als gebraucht wurde. Aber es ist doch gelungen. Kein einziger der Bäckermeister, welche die Forderungen bewilligt haben, ist wegen Mangels an Hefe in Verlegenheit gekommen und kein Kunde dieser Bäckermeister brauchte am Sonntag auf den gewohnten Genuß von Gebäck ver- zichten. Aus Hamburg sotvohl wie aus dem Auslände sind größere Sendungen von Hefe eingetroffen und jetzt hat die Streikleitung von diesem Material mehr, als augenblicklich gebraucht wird. Sie verkauft die Hefe sogar billiger, als die Innung, gibt jedoch nur an solche Bäckermeister etwas ab, welche bewilligt haben. Diese werden durch ein Flugblatt ausdrücklich ersucht, ihren Bedarf an Hefe nur von der Streikleitung zu nehmen, welche augenblicklich 70 Zentner besserer Ware, als sonst in Berlin zu haben ist, vor- ratig hat. Weiter teilt die Streikleitung den Bäckermeistern mit, daß sie, gewitzigt durch den Ileßerfall des Hefesyndikats, sich auf die Möglichkeit einer Sperre von Mehl, Butter, Zucker usw. ein- gerichtet und durch große Avschlüffe in diesen Materialien gesichert hat. Andererseits— heißt es in dem Flugblatt— ist c» nicht unmöglich, daß die Arbeiter in den Hcfefabrikcn zum Solidarität»- streik greifen, so daß der Spieß umgedreht wird und die Böckereien, welche nicht bewilligt haben, eines Tages keine Hefe mehr haben. Auf die Bäckermeister, welche bis Sonnabend bereits bewilligt hatten, hat der Beschluß des Hefesyndikats fast keine Wirkung ausgeübt. Verschwindend wenige haben deshalb ihre Bewilligung zurückgezogen. Jedom ist anzunehmen, daß mancher Meister, der am Sonnabend noch bewilligt haben würde, sich durch die Drohung seines Hcfelieferanten einschüchtern ließ und von der Absicht, zu bewilligen, Abstand nahm. Nachdem aber nun die Sorge um Hefe vorüber ist. sind am Montag bereits wieder eine größere Zahl neuer Bewilligungen eingegangen. — Auch die Hefchändler sind wieder recht zahm geworden. Mancher von ihnen, der seinen Kunden am Sonnabend die Lieferung von Hefe protzig verweigerte, hat sich am Montag de- und wehmütig zu weiteren Lieferungen erboten. Meistens ist das Angebot der Händler jedoch abgewiesen worden, da die bewilligten Bäckermeister ihren Hefebedarf bei der Streikleitung decken. Angesichte dieser für die Syndikalisten unerwarteten Wendung der Tinge sind der Streikleitung von verschiedenen Hefehändlern— auf Umwegen natürlich— Angebote von Hefe gemacht ivorden. Die Streik- leitung mußte derartige Angebote jedoch ablehnen, da sie, wie ge- sagt, mehr als ausreichend mit Material versorgt ist.— Ter Hcfe- ling, soweit er sich gegen die Lohnbewegung der Bäcker richtet, ist gesprengt und damit haben auch die JnnungSfubrer eine empfind- liche Schlappe erlitten. Hatten sie doch auf die Wirkung des Hefe- boykotts große Hoffnungen gesetzt. In einem Flugblatt, welches den Bäckermeistern den Beschluß dcS Hefesyndikats mitteilte, heiht es:„Dieser Beschluß ist am Sonnabend zur Tat geworden und wird vom Montag ab mit aller Strenge durchgeführt."— Es wäre so schön gewesen, aber— es ist anders gekommen, können die Jnnungsführcr jetzt sagen..... Wenn man mit Schimpfen und Räsonnieren Kämpfe gewinnen könnte, dann müßten die Innungen längst gesiegt haben. Nicht nur gegen die Leiter des Bäckcrverbandes. sondern auch gegen die Meister, welche bewilligt haben, richten die Jnnungsführcr ihre Wutausbrüche. So schreibt der Obermeister Fritz Schmidt in der am Sonntag erschienenen„Concordia-Fachzeitschrift": „Für derartige Herren(nämlich die, welche bewilligt haben. Red. d.„V."> haben wir die größte Verachtung. Sie brauchen sich aber für die Folge auch nicht zu wundern, daß ihnen der Kredit des Kaufmanns ganz entzogen wird, ja ob diese Elemente für die Zukunft noch Hefe zum Backen erhalten, wird die Zukunft lehren. Wir sind iiifolgedessen gezwungen, den Kampf nach zwei Seiten zu führen... Die Feder sträubt sich und empört kann man werden, wenn man schen muß. daß diese Verräter. Ehrenwortbrecher, wie sie Herr Hetzschold selbst bezeichnet, jetzt alles aus Angst versprechen. um es nachher nicht zu halten. Herr Hetzschold wird sein blaues Wunder' mit jenen bekommen, wir haben aber kein Mitgefühl mit diesen charakierloscn Wichten, die bis heute noch nicht mal gelernt haben und nicht wissen, was sie wollen. Es soll ihnen aber nicht gelingen, durch ihre verräterische Handlungsweise die Meisterschaft auseinanderzureißen." Wenn solche Worte in einem Arbeiterblatt standen und gegen Arbeitswillige gerichtet wären, so würde darauf mit Sicherheit eine Anklage und Verurteilung aus tz 153 der Gewerbeordnung folgen und Obermeister Schmidt würde jedenfalls die Bestrafung dessen, oer so etwas gegen Arbeitswillige schreibt, durchaus billigen. Wir .vollen abwarten, ob es der Obermeister auch als selbstverständlich hinnehmen wird, wenn die Staatsanwaltschaft, die ja die objektivste Behörde der Welt sein soll, gegen ihn Anklage erhebt, weil er. wie es im§ 153 heißt, durch Drohung und Ehrverletzung jemand zu bestimmen versucht hat, von einer Vereinbarung der im§ 152 ge- dachten Art zurückzutreten. Oder ist Herr Schmidt sicher, daß der Staatsanwalt einen Obermeister mit anderem Maße mißt, tv.e einen Arbeiter? ••• Noble KamPfeSweise. Wie es die Bäckermeister machen, um ihre einsichtigeren Kollegen von der Bewilligung der Gesellenforderungen abzuhalten. zeigt folgender Vorfall:„„. Ter Bäckermeister Kahlfuß. Löwestr. 1. hatte beim vorigen Däckerstrcik die Forderungen der Gesellen sofort bewilligt. Einige seiner Kollegen gaben ihrem Unmut darüber dadurch Ausdruck, daß sie bei dem Genannten einen KrankentranSportwagcn vorfahre» ließen,„um den verrückt gewordenen Bäckermeister abzuholen". Beim jetzigen Kampf drohte man dem betreffenden Meister wiedcil mit der gleichen Aufmerksamkeit, und es ist den noblen Herren auch wirklich gelungen, den Meister K. einzuschüchtern. Terrorisiilus dcö Hefesyndikats. ' Die Waren-Einkaufsgcsellschaft m. b. H. Berlin hat seit dem 23. Februar 1905 bis 23. Februar 1915 einen Vertrag mit der Roscnthaler Pretzhefefabrik, nach welcher der crstcren täglich bis 35 Zentner Hefe ä 23 Mk. ab Breslau geliefert werden muß. An dieser Firnia ist der mehrfache Millionär Hamburger in Breslau Hauptbcteiligter. Nachdem die Waren-Einkaufsgesellschaft das Fg, brikat bei den Bäckern eingeführt hatte, gründete Herr Hamburger eine Ges. m. b. H. Einige Monate später wurde der frühere Be- sitzcr seines Amtes als Gcschäftsfübrer cvthobcn und der Herr Hamburger brachte mit dem Herrn Dir. Florian ein Hcfcsyndikat zustande. Nim mehr wurde dem Herrn Hamburger der Umsatz garantiert und sollte sich die Waren-Einkaufsgesellschaft allen Vc- stimmllngen de? Syndikats fügen, anderenfalls trotz Vertrages der- selben Hefe nicht geliefert wird. ES wurde der Waren-Einkaiifsgesellschaft am 18. Februar 1906 gesagt, entweder sie unterschreibe den Vertrag oder sie werde sofort in ganz Teutschland gesperrt. Da die Unterschrift verweigert wurde, wurde die Drohuilg �ausgeführt. Tic Warcn-EinkaiifkgcscNschaft hat nun sowohl beim Land- gericht Berlin, als auch beim Öbcrlandgcricht gewonnen aber Hefe bekonimt sie nicht. So wird gchandelf, damit eine Firma, die sich dem Syndikat nicht beugen will, zu Grunde gerichiet wird. Nachdem die Warcn-Einkaufsgcscllschaft gezwungen war, das Hefegeschäst einzustellen, verschaffte sich deren Direktor Hefe und handelte dieselbe für seine Rechnung. Um diesen aber auch un- schädlich zu machen, wurden verschiedene Zirkulare versandt, das letzte, das wir im Wortlaut wiedergeben, beweist wiederum, daß das Syndikat keine Mittel scheut: Verband deutscher Prcßhcfcfabrikantcn E. V. Berlin, den 26. April 1907 Leipzigerstr. 129. K. P. Von einer vcrtragSangeschlossencn Firma wird unS eine An- frage eines Herrn Hermann Reschke, Berlin SO., Köpnickerstr. 25 eingesandt, in welcher vorgenannter Herr um billigste'Offerte in Preßhefe zum Wiederverkauf bittet. Unsere sofort angestellten Ermittelungen haben ergeben, daß Reschke unter oben angegebener Adresse eine Wüsche- und Woll- warcnhandlung betreibt und daß unter diesen Umständen die Per- mutung nur zu begründet erscheint, daß Reschke nur vorgeschobene Person für einen Dritten ist, Wir glauben nick/ fehl zu gehen in der Annahme, daß dieser dritte Mann Herr Otto K u b i n, Berlin, Alexandcrstr. 22 ist. Herr Kubin hat mit einer Münchener Hcfchandlung einen Lieferungsvertrag, der ultimo Mai dieses Jahres abläuft und keinesfalls erneuert werden wird. Herr Kubin wird sich deshalb beizeiten nach Ersatz umsehen, zumal seine Hefe infolge ihres starken Gehalts an Bierhefe schon schwierig unterzubringen ist. Wir nehmen daher hiermit Veranlassung, unsere angc- schlofscncn Händler zu ersuchen, dem vorgenannten Herrn Reschke, Berlin, Köpnickerstr. 25 auf seine Anfrage Hefe weder zu offerieren, noch zu liefern und wiederholen an dieser Stelle auf das dringlichste unsere Warnung, Anfragen nach Hefe aus Berlin und Umgebung auf das peinlichste zu prüfen, bevor denselben näher getreten wird. Die Geschäfts- stelle ist nach wie vor gern bereit, auf Anfrage über etwaige Hefe- ordres unbekannter Personen aus Berlin die entsprechenden Er- Hebungen anzustellen. Es mutz unter allen Umständen die Beschaffung von Syndikatshefe Herrn Kubin unmöglich gemacht werden, damit derselbe nicht wieder in die Lage kommt, das Hefe- gcschäft ernstlich zu beunruhigen; da dieses doch im eigensten Jntcr- esse der Händler selbst liegt, erwarten wir nachdrückliche Unter- stützung unserer Bestrebungen, Kubin im Berliner Hefegeschäft unschädlich zu machen. Hochachtungsvoll Verband deutscher Prctzhcfenfabrikanten von Brixen. polizeiliche illlZlieferung an Sie mliilchea Henker. Am Sonntag erwähnten wir, daß nunmehr das Schicksal der sämtlichen Opfer der Polizcirazzia vom 28. Mai zur Blamage der Polizei geklärt sei, und daß nur noch Dunkel schwebe über das Schicksal des einige Tage vor dem 23. Mai von der hiesigen Polizei festgenommenen Studenten Josse! Lcibow. Die sogenannten amt- lichcn Darstellungen hatten verbreitet, er se, in die Gcheimbunds- affäre Karfunkclstein verwickelt und daher in Untersuchungshaft überführt. Heute nun traf bei Bekannten Lcibows eine Postkarte von ihm mit dem Poststempel Wilna-Bahnhof, den 13. b. 37(d. h. I. 6. neuen Stils) ein, in der er mitteilt, daß er von der preußischen Polizei bereits am Donnerstag bezw. Freitag voriger Woche au die russische Grenze transportiert, dort der russischen Polizei übergeben und nnnmehr auf dem Transport nach dem Petersburger Polizei- departement sei. Was das Schicksal Lcibows in Rußland sein wird, iunic man sich bei den russischen Justizzuständcn an den fünf Fingern ab- zählen, die trotz Aufhebung der Feldgerichte keinerlei Rechts- oaranticn kennen und heute noch genau ebenso verrottet sind, wie sie jemals waren. Und die preußische Polizei weiß das alles na- türlich ganz genau. Ihr Verfahren verdient genau unter die Lupe genommen zu werden. Zunächst verbreitet sie die Meldung, Leibow sei in ein Kriminalverfahren verwickelt. War dies zutreffend, so mußte sie Lcibow ebenso wie Frau Straffer nach§ 127 des St.-G.-B. binnen 24 Stunden nach seiner polizeilichen Festnahme dem Richter vor- führen und in richterliche Haft nehmen lassen. Bei ihm wie bei Frau Straffer ist beides nicht geschehen. Durch diese Falschmeldung erreichte man aber nicht nur eine Irreführung der öffentlichen Meinung, die man so an einen guten Fang der Polizei glauben machen wollte. Man wiegte auch die hier wohnhafte Braut Lei- bolvs in den Glauben, daß Leibow aus den Händen der polizeilichen Willkür in die„Obhut" unserer strafprozessualen Garantien ge- bracht sei. Ob Leibow Geld bei sich gehabt hat, konnte bisher nicht er- mittel! werden. Wohl aber steht das fsst, daß Leibow jederzeit durch seine Braut die zu einer etwaigen Abreise aus Preußen erforder- lichen Geldmittel hätte erhalten können. Tie Polizei hat dies auch gewußt, jedenfalls wissen müssen. Die Polizei hat also nicht ein- mal die Ausrede für sich, daß sie infolge der Mittellosigkeit des russischen Studenten sich zu ihrer Auslieferung für berechtigt ge- halten habe. Wir haben also wieder einen ganz krassen und schmäh» lichcn Fall polizeilicher Willkür und polizeilicher Beihülfe zur Henkerarbeit der zarischen Schergen'vor uns. Einen Fall, der schlimmer liegt, wie die aus den Jahren 1931 und 1932 bekannten Fälle. In der Auslieferung' an Nutzland liegt aber an und für sich, von aller Brutalität abgesehen, auch eine Gesetzwidrigkeit. Die Reichstagsvcrhandlungcn denkwürdigen Angedenkens vom Jahre 1932 und 1933 haben klar ergeben, daß nicht nur nach Auffassung der Sozialdemokratie eine Ausweisung der Polizei mit gleich- zeitiger Ueberlieferung an die auswärtige Polizei einer wirklichen Auslieferung gleichzuachtcn ist und also, da si» ohne die Garantien eines ordnungsmäßigen Auslieferungsvertrages erfolgt, den Ge- setzen und dem Völkerrecht widerspricht. Tie Polizei mag sich jetzt noch so sehr in der Gnade der kon- servativ-liberalcn Paarung sonnen und in der reichstagslosen Zeit gedeckt glauben. Sie kann versichert sein: die Abrechnung kommt; es wird ihr nichts geschenkt werden.— poUtilcbe Ocb er ficht. Berlin, de» 3. Juni 1907. Das sozialistische Herrenhaus. Selbst das preußische Herrenhans, dies mittelalterliche Gebilde, dessen Mitglieder sorgsam aus ihre staatSerHaltende Gesinnung geprüft werden, wird bereits von modernen sozialistischen Ideen an- gekränkelt. Tic Regierung mutet diesen treuen Stützen des Privatkapitals einen Schritt zu. der unvermeidlich in seinen Konse» gucnzen auf die schiefe Ebene und schließlich sogar in den sozia- listischen Zukunftsstaat führt. Das war der Grundgedanke, dem die Freunde der schranken- losen Bergbaufreiheit am Montag in ihrer Bekämpfung der B c r g- gesetz Novelle Ausdruck verliehen. Bekanntlich hat das Ab- geordnctcnhaus die Vorlage bereits angenommen, das Herrenhaus hatte sie einer Kommission zur Vorbcratung überwiesen, die die Annahme in der Fassung des Abgeordnetenhauses beantragte. Aber so leichten Herzens wollten die Kohlenmagnaten den Kampf gegen das Privatinonopol im Bergbau nicht aufgeben. In den schlvärzesten Farben schilderten sie unter Führung des Grafen B a l l e st r e m und des Grafen T i e l e- W i n ck l e r die Folgen der Aufhebung der Bergbaufreiheit. Voller Sorgen um die Zu- kunft— nicht etwa des Staates, sondern seiner Erben— jammerte der ehemalige Reichstagspräsident darüber, daß dem Gesetz etwas Sozialistisches beigemischt sei; dies sei der Ansang und es gehe imnier weiter und führe schließlich zur Verstaatlichung des ganzen Bergbaues. In ähnlichem Sinne sprach Graf Tiele-Winckler von der sozialistisch-kommunistischen Tendenz des Gesetze». Minister Delbrück suchte die Befürchtungen der Gegner der Vorlage zu zerstreuen, indem er in Abrede stellte, daß da? Ziel des Gesetzes das StaatSmonopol sei. Tie Tendenz gehe nur dahin, zu verhindern, daß an Stelle eines Staatsmonopols ein Prihar- Monopol tritt. Wenn übrigens die Regierung und die Parlamente einmal so sozialistisch gesinnt seien, datz sie an eine Verstaatlichung denken, so ivürden sie das mit oder ohne diese Vorlage tun. Zweifellos hat der Handclsminister damit recht, und es wird Auf- gäbe der Sozialdemokratie sein, den Gedanken des Sozialismus immer weiter zu propagieren, freilich nicht den Gedanken des CtaatSsozialiSmus, wie er der Regierung und den Katheder- sozialisten vorschwebt, sondern den Gedanken der Vergesellschaftung aller Produktionsinittcl, wie es das Programm der Sozialdcmo- lratie verlangt. Ucbrigcnb ist das Schicksal der Vorlage noch sehr ungewiß, sie wurde wider Erwarten nach Annahme eines Abändcrungsantragcs noch einmal an die Kommission verwieser Selbsterkenkttnis. Jeden Mosikäg früh erfreut das„Berliner Tageblatt" sein Lescpublikum durch einen Nachtragsscrmon, dessen Aufgabe darin besteht, in möglichst„schön" gesetzten Phrasen dem Leser— nichts zu sagen. Da solche Plauderei jedoch eine Kunst ist, die selbst den Virtuosen nicht inimer gelingt, so läßt es sich beim besten Willen nicht verhindern, daß nicht doch hin und wieder mal ein Etwas sich hinein verirrt; natürlich fast stets«in Etwas, das der Verfasser nicht hat sagen wollen. Eben deshalb entbehren solche halb un- willkürlichen Acußerungen nicht eines gewissen Wertes. So ent- schlüpft in der letzten Montagsausgabe des Blattes dem Verfasser besagter Schwabbelet folgendes interessante Geständnis: „Es gibt im Reichstag.'und es gibt besonders auf der liberalen Linken eine große Anzahl feinsinniger und kenntnisreicher Persönlichkeiten, aber diese Vornehmsten und Besten werden mehr und mehr von den subalternen Vielreduern und den ellenbogenstarken Fraktiousstrcbern in den Hintergrund gedrängt. Man würde die„Blockpolitik" weniger mißtrauisch, würde die vielbesungene Paarung weniger ungläubig beurteilen, wenn man aus der liberalen Kommandobrücke einen staats- männischen Geist und eine kraftvolle Individualität erblicken würde." Gewußt haben wir das längst. Aber daß man sich im liberalen Lager selbst s o klar darüber ist. das Ivar uns neu. Ob diese Selbst- crkenntnis der erste Schritt zur Besserung sein wird? Wir zweifeln daran. Da müßten die„subalternen Vielredner" und die„ellen- bogenstarkcn Fraktionsstreber" ä ls Kopsch, Wiemer, Müller-Sagan das Heft nicht gar so fest in Händen halten.— Ter verkannte„Bombcnwerfer" von Offenbach. Einen falschen Griff hat die Offenbachcr Polizei getan. Als an- geblichen Werfer der Bombe vom 13. Mai hatte sie, wie wir gemeldet, den Schuhmacher Sänger verhaftet, einen Alkoholiker, den niemand ernst nimmt. Wirklich stellte sich auch heraus, daß S. eine Bombe geworfen hatte und dieses furchtbaren Verbrechens war er sogar geständig. Aber leider hatte er es zu Fastnacht begangen und die Bombe sah zwar recht verdächtig ans. war aber mit Säge- spänen gefüllt. Vier Tage lang hat man den S. in Haft behalten, hat nach allen Richtungen der Windrose telegraphiert, ja den Mann sogar, weil Offenbach nicht sicher genug schien seS hätte ja das Gefängnis gestürmt und S. gewaltsam befreit werde» können I) in ein sicheres Verließ nach Darmstadt gebracht. Doch schließlich ordnete der Oberstaatsanwalt seine Freilassung an und die ist in aller Stille erfolgt. Und übrig bleibt von allem nur schallendes Gelächterl—_ In das Herrenhaus berufen wurde infolge Präsentation des Domkapitels zu Naumburg(Saale) der Senior des Domkapitels. der königliche Staatsminister und Staatssekretär des Innern Graf v. Posadowsky-Wehner an Stelle des am 6. März 1937 verstorbenen Staatsministers und Oberpräsidenten Dr. v. Bocttichcr. Ein Muster von Stadtverwaltung führt in dein echt illtrainontanen Aachen das Regiment. Vor zwei Jahren machte diese Musterverwaltung von sich reden, als sie arbeitslose Weber, die um Armenunterstützniig einkamen, aiilvicS, sich bei einer Firma um Arbeit zu melden, deren Arbeiter im Ausstand ivaren. Entweder hungern oder an den kämpfenden Klassengenossen zun, Verräter werden— das Ivar die Wahl, vor die Aachens Stadtverwaltung arbeitslose Bürger stellte. Und jetzt leistet sich das löbliche Stadtregiment einen ähn- lichcn Streich. Die Aachener Bauarbeiter sind im Lohukamps be- griffen. Einige Ausständige fragten beim Stadtbauamt um Arbeit nach. Als auf die Frage, ob sie streikende Bauarbeiter seien, eine bejahende Antwort erfolgte, sagte der diensthabende Ingenieur:„Dann können wir sie nicht e i n st e l l e n, wir'dürfen das nicht." Einer der Arbeiter, der verinntete, daß die Stadtverwaltung die vom Arbeitgeberverbande versandte schwarze Liste angenommen habe, meinte:„Ich stehe doch nicht in der schwarzen Liste." Darauf holte der Beamte ein Aktenstück hervor, schlug eö auf und erklärte:„Jawohl, Sie stehen drin, wir dürfen Sie daher nicht aufnehmen." Darauf versuchte der Bczirksbeamte deS christlichen Bauhandwerkerverbandes beim Oberbürgermeister vorstellig zu werden. Nach 'längerem hin und her erhielt er schließlich von dem zuständigen Bei- geordneten den Bescheid, daß die Verwaltung in der Sache nichts tun könne: die Annahme der s ch w a r z e n L i st e sei im Einverständnis mit den maßgebenden Personen erfolgt; daran sei nichts zu ändern und die Stadt- Verwaltung sehe sich außerstande. Streikende einzustellen! Das städtische Beamtentum in Aachen, das aus den Mitteln der Gesamtheit unterhalten wird, stellt sich also hier offen auf die Seite des Unternehmertums und gibt sich her als Vollstrecker der kapitalistischen Feme, die mit schwarzen Listen die Arbeiter ächtet. Dabei muß man wissen, daß der Bauarveiterausstand in Nachen ausgebrochen ist, nachdem die Unternehmer die Aussperrung angekündigt hatten, weil die Arbeiter nickt einen einseitig anfgestcllteu Tarif annehmen wollten. Dafür ist Aachen eine überaus fromme Stadt, der Oberbürgermeister ist gut katholisch und das Zentrum hat die Meh rheit in der Stadtverordnetenversammlung. StaatSgefährliche Lieder. Vor einiger Zeit hatte die Vereinigung der freien Jugend- orgauisationen ihren Vorsitzenden Max Peters beauftragt, eine Liedersammlung für die Jugendlichen herauszugeben. Tic kürzlich unter dem Titel„Lieder für die arbeitende Jugend" erschienenen harmlosen Lieder scheinen aber nicht den Beifall deS Staatsanwalts gefunden zu haben. Das Amtsgericht Berlin-Mitte hat durch Bo- schluß vom 25. Mai die Beschlagnahme des Liederbuches auS§ 133 des R.-St.-G.(Aufreizung verschiedener Klassen zu Gewalttätig- ketten) angeordnet. AuS diesem Anlaß fanden um gestrigen Montagvormittag drei Haussuchungen statt. Zunächst wurde im Bureau der Berliner Jugendorganisation, Stralauerstr. 13/14, gehaussucht. N'cht weniger als vier Polizeibcamte, darunter ein Kommissar, waren emsig tätig, die Liederbücher zu finden, um sie zu bcschlag- nahmen. Darauf fanden in der Privatwohnung des Herausgebers Max Peters und in der Buchdruckerei von JaniSzewSki Haussuchungen statt.____ Tobias Nißler. In Alfershausen ist am Sonntag der Reichs- tags- und LandiagSabgeordnete Tobias Nitzler(k.) an Herzschlag gestorben. Er ist am 25. November 1853 in Alfcrshausen geboren und war in diesem Ort 15 Jahre lang Bürgermeister. Im Reichs- tage vertrat er seit 1838 den mittelfränkischcn Wahlkreis Dinkels- bühl-Feuchtwangen. Oerternicb. Siebenundachtzigl! Am 31. Mai sind endlich die Wahlen sn Galizicn zu Ende gegangen, wenn sich nicht nachträglich herausstellen sollte, daß hier oder da vielleicht noch ein— vierter W a h l g a n g erforderlich ist. Unseren Genossen haben die letzten Gänge noch 2 Mandate gebracht, so daß sie nnnmehr über eine Fraktion von 87 Mann verfügen! Die beiden nach- gewählten Olenossen sind Moraczewski in«stryj und W i t y k in Drohobycz. ein um die rnthenische Sozialdemo- kratie hochverdienter Genosse. Die Wahlfrcvel der Schlachzizcn sind ungeheuerlich. Von Tag zu Tag wird neues Material bekannt, das sich zu stinkenden Riescnbergen auftürnit.„Unsere 87" im Parla- meist werden mit der Horde schon einige Wörtlein zu rede» wissen.— Von Sonntag meldet der Telegraph: Lemberg, den 2. Juni. Anläßlich der ReichsraiSwahlen kam es in Jssajcr zu großen Skandalen. Die Bauern griffe» die Wahlkommission an. Dem Vorsitzenden Jiniski wurden zwei Rippen gebrochen. Einem anderen Beisitzenden wurde ein Ohr abgerissen. Eine Untersuchung ist eingeleitet. Wie arg müssen die Banditen es treiben, wenn sogar schon die Bauern um der Mahlen willen rebellisch werden!— frankmeb. Ein scharfer Protest. Paris, 2. Juni. Der allgemeine Arbeiterverband' und die Syndikatsvereinignng des Seinedepartements hielten heute eine Versammlung ab, um gegen die Verhaftung der Antimilitaristen Bousquet. Lewy, Marck und Uvetot zu pro- testieren. Hierbei hielt I a u r d s eine Rede, in der er sagte, die Regierung habe, als sie-diese willkürlichen Verhaftungen anordnete, eine sehr böse Unklugheit begangen: Die Aistimili- taristen hätten nur wiederholt, was die Minister gesagt hätten! Redner erklärte dann, es sei ein Verbrechen, wenn Arbeiter in Uniform auf Arbeiter in der Bluse schössen. Das einzige Heilmittel sei. daß das Eigentum Gemeingut aller werde. Er fordere die Arbeiter auf, sich in Syndikaten zusammenzuschließen, damit sie die Herren würden. Jaurds griff dann heftig die Regierung, die reaktionär sei, und die Mehrheit der Kammer an. die noch reaktionärer sei und schloß mit einem Hinweis auf das im Süden des Landes erwachte Proletariat und seinen ungestraften Aufruhr. Eine Tages- ordnung, die gegen die nicht zu rechtfertigenden Verhaf- tungen der Antimilitaristen protestiert, wurde hicranf ein- stimmig angenommen. Die Versammlung verlief ohne Zwischenfall.—_ Tie Weinbauern. Kirne?, 2. Juni. Mehr als 233 333 Winzer, die in der Nacht aus der Umgegend hier eingetrofsen waren, veranstalteten heute eine Kundgebung gegen die Weinfälschungcn. Sie durchzogen unter Vortritt von Musikanten und Vcrantragen von Bannern mit In- schriften die reich beflaggte Stadt. Der Führer der Bewegung, Marccllin Albert, wurde stürmisch begrüßt. Nach dem Marsch durch die Stadt wurden Reden gehalten. Marccllin Albert sprach über den Notstand der südlichen Departements, die, wenn man ihre Stimme nicht hören wolle, andere Töne finden würden, um sich Gehör zu verschaffen. Zwischenfälle ereigneten sich nicht. Nimes, 2. Juni. Die Eisenbahngcsellschaftcn haben alle Vor- kcbrungcn getroffen, um dem Riesenverkehr gerecht zu werden. Alle verfügbaren Güterwagen sind requirier worden. Sämtliche Hotels sind überfüllt. Viele Kundgcber mußten die Nacht im Freien zubringen. Alle Truppen sind zusammengezogen. Pcrpigna», 3. Juni.(B. H.) 333 Winzer, welche gestern unentgeltlich zu der Demonstration nach Nimes fahren wollten, erstürmten den Bahnhof und bestiegen einen Zug. Gendarmerie schritt ein; sie mußte mit blanker Waffe vorgehen, wobei eine Anzahl Personen verwundet wurden. Paris, 3. Juni.(W. T. B.) Der NationalanSschntz der sozialisti. schen Parteien faßte einen Beschluß, in welchem er die notleidenden Winzer Frankreichs seiner Sympathien versichert und erklärt, die sozialistischen Parteien würden in der Kammer alle Gesetzes« Sestimniungen unterstützen, die geeignet seien, die WeinbankrisiS im südlichen Frankreich zu mildern, ohne jedoch in anderen Gegenden die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu vermehren. Wie Jaures in der sozialistischen Protcstversammkung auf das Beispiel der Winzer hinwies, so ein Pater in einer Versammlung der Liga des Widerstandes der französischen Katholiken, die am Sonntag in Paris stattfand. Der Pater forderte die Katholiken Frankreichs auf, sich an den Weinbauern ein Beispiel zu nehmen, diHzu hunderttansenden die Regierung zwingen, ihren Forderung� gerecht zu werden.»» Spanien. Ter Prozeß gegen Ferrer und Genossen hat am 3. Juni in. Madrid begonnen. Angeklagt find 17 Personen: sie werden be- schuldigt, bei dem Bombenattcntat, das beim Einzug des neu» vermählten Königspaares im Mai vorigen Jahres ausgeübt wurde, beteiligt zu sein. Der Hauptangeklagtc ist FranziSlo F e r r c r. Er hat in Barcelona und anderen Städten Eatalonicns Schulen eingerichtet, in denen ohne Aufsicht der Pfaffen in modernem Sinne unterrichtet wird. M o r r a l war bei Ferrer, der ein reicher Mann ist, als Bibliothekar bezw. Sekretär angestellt. Zur Zeit des Attentates im Mai 193S war Morral nicht mehr in Fcrrcrs Diensten. Belastungsmaterial gegen Ferrcr hat die Untersuchung weiter nicht zutage gefördert; trotzdem wird die Anklage aufrecht erhalten! Der Haß. der Pfaffen gegen Ferrcr ist eben ein un- gemein großer, und es wird sicherlich alles geschehen, den viel- gehaßten Mann zu verderben, der sich bemüht, etwas für die Auf- ktärung des armen ausgebeuteten, von den Pfaffen verdummte» spanischen Volkes zu tun.— Snglanck. London, 31. Mai.(Ezg.©er.) Keine Srspitzekmig unserer russischen Genossen dnrch englische Detektiv?. Wir haben nicht im geringsten Anlaß, an den Erklärungen zu zweifeln, die Herbert Gladstone, Minister deS Innern, am 27. und am 33. Mai in dieser Angelegenheit im linterhause abgab. Der Sachverhalt ist eben folgender: Die„Daily News", eine der loyalsten und ergebensten Verteidigerinnen der jetzigen Regierung, brachte die Angelegenheit zur Sprache; sie forderte die Rcgicnmg ans. die Sache gründlich zn untersuchen. Durch die offene nnd unumwundene Erklärung, daß die Regierung niemals ihre Hand zur Be- spitzeluiig Andersdenkender reicht, ist die Sache erledigt. Die Vor- gänge, die sich tatsächlich am Kongrcßlokal abspielte», müssen also doch wohl ohne Wissen und Willen der Regierung passiert sein. Tatsache ist es ja auch, daß sofort, nachdem die„Daily News" Protest erhoben hatte, die verdächtigen Personen von der Bildfläche verschwanden I Das zeigt den deutschen Genosse» von neuem, daß man in England doch eine etwa? freiere Lust atmet als im Reiche des„Volkes der Denker nnd Dichter" l *** Als nnscr Korrespondent diese Zeilen niederschrieb, konnte er nicht ahne», wie sehr seine letzten Worte zutreffe»; den» gerade zur selben Zelt, da Englands Regierung die russischen „Nichtgentlemcn" von sich abschüttelte, hat die deutsche Regierung wieder einmal dem ZariSnniS durch Auslieferung eines russischen„Untertanen" i» die Hände gearbeitet. Das Nähere hierüber :n unsere Leser an anderer Stelle dieses Blattes.- Rurnäimn. Die allgemeinen ParlamentSwahlen begannen am Sonntag mit der Wahl aus dem ersten Senatskollegium, welches aus der Majorität der Großgrundbesitzer zusammengesetzt ist. ES erhielten von 63 durch dieses Wahlkollcgium zu besehenden Sitzen die Lide- ralen 43, die Konservativen 9 Sitze; acht Stichwahlen sind er« forderlich.—» Ziirkcl Revolte«. Konstantinopel. 3. Juni.(Meldung des Wiener k. t. Telegr.» Korr.-BureauS.) Am 2S. v. M. trafen ans Tripolis 1300 Beurlaubte in Smyrna ein. von denen 300 aus dem Wilajet Aidin, die übrigen aus Smyrna sind. Die Beurlaubten weigerten sich, an Land zu gehen, ehe sie ihren Sold erhalten hätten. Erst am 26. v. M. gelang es, sie in die Kasernen zu bringen. Am nächsten Tage wollte man sie ohne Sold nach Hanse schicken. Sie erklärten jedoch, die Kasernen nicht zu verlassen, ehe sie den Sold erhalten hätten. Einige drangen bis zum Militärkommandanten Tewfik Pascha vor, welcher eine Plünderung in der Stadt sowie einen schlechten Einfluß auf die Garnison befürchtete und deshalb Gewalt anwenden ließ, wobei etwa 26 Soldaten leicht verletzt wurden. Auf telegraphische Bitte wurde der Sold angewiesen. Konstautiiwpel, 3. Juni.(Meldung des Wiener!. k. Telegr.- Korr.-Bureaus.) Die Meutereien in Uesküb sind durch die Sold- auSzahlung und die Entlassung der Meuterer beendigt.— China. Aufruhr. London» 3. Juni.„Morning Post" meldet aus Schon- fchai: Die Aufruhrer in der Umgebung von Swatau und Amoy morden Beamte, brennen Amtsgebäude nieder und baben sich verschiedener Städte und Ortschaften bemächtigt. Der Taotai von Swatau berichtet nur von den Verlusten der Aufrührer aus Furcht, daß durch die von ihnen an- gerichteten Verwüstungen eine Einmischung des Auslandes herbeigeführt werden könnte. „Daily Chronicle" meldet aus Hongkong, daß das eng- tische Geschwader von Japan nach Hongkong zurückberufen und ein japanischer Kreuzer nach Swatau entsandt worden sei.— Indien. Die Unruhen. Lahoret, 3. Juni. Die Polizei in Amritsar verhaftete heute den Agitator Ajitsingh, der neulich, als die Haftbefehle gegen die Agitatoren erlassen wurden, der Verhaftung entgangen war. London, 3. Juni.„Daily Mail" meldet aus Simla: In Co- canada in der Provinz Madras ist es unmittelbar nach dem Besuch eines bekannten Agitators dort zu Ruhestörungen gekommen, die sich gegen die Europäer richteten. Veranlassung war die Züchtigung eines eingeborenen Studenten durch einen Arzt, der von diesem auf der Straße belästigt wurde. Ein Volkshaufen zog darauf bor den europäischen Klub und ließ seine Zerstörungswut an dem Klubhaus aus. Ein Beamter, der den im Klub Anwesenden mit eingeborenen Polizisten zu Hülfe kam, wurde ebenso wie der Arzt von der Menge tätlich angegriffen und verwundet. GewerhfebaftUebe� Arbeiterverräterisches Treiben. Während der jüngst beendeten großen Aussperrung der Holz- arbeiter hat der Hirsch-Dunckersche Gewerkvcrein der Tischler be- kanntlich eine schändliche Verräterrolle gespielt. Als der Arbeit- gcber-Schutzverband den Vernichtungskampf gegen den Holzarbeiter- verband begann, stellte sich der Gewerkverein auf die Seite der Unternehmer. Er schloß mit denselben ein Abkommen, wonach dem Gewerkverein alles, was der Holzarbeiterverband durch den Kampf etwa erringen werde, ohne weiteres zugestanden werden sollte. Da- durch hatten sich diese Arbeiterverräter die Erfolge des Kampfes gesichert, ohne an demselben teilzunehmen. Als Gegenleistung für diesen Judaslohn, den die Unternehmer den Hirschen versprochen, hat der Gewerlverein seine Mitglieder während der ganzen Dauer des Kampfes als Streikbrecher den Unternehmern zur Verfügung gestellt und die Vermittetung von Streikbrechern planmäßig be- trieben. Der Gewerkverein hat sich also nach besten Kräften bemüht, dem Holzarbeiterverband eine Niederlage bereiten zu helfen. Aber es ist trotz alledem anders gekommen. Der Holzarbeiter- verband hat einen langwierigen und schweren Kampf gegen das vereinigte Unternehmertum geführt, und als der Kampf beendet wurde, hatte der Holzarbeiterverband keine Niederlage erlitten, sondern er konnte mit einem Erfolge abschließen, der unter den gegebenen Verhältnissen als befriedigend angesehen werden kann. Jetzt, nachdem wenige Wochen seit dem Friedensslchuß mit den Unternehmern vergangen sind, verbreitet der Gewerkverein in den Tischlereibetrieben ein Flugblatt, wodurch er die Verräterarbeit, die er im Kampfe ausübte, nach einer anderen Richtung hin fortsetzt. Jetzt bemüht sich der Gewerkverein, die Mitglieder des Holzarbeiter- Verbandes gegen ihre Leitung aufzuhetzen, sie dem Verbände ab» wendig zu machen und sie seinen eigenen Reihen zuzuführen. Der- selbe Gewerkverein, der im Bunde mit den Unternehmern auf eine Niederlage des Holzarbeiterverbandcs hinarbeitete, räsonniert jetzt darüber, daß der lange und opferreiche Kampf keine Erfolge ge- bracht habe und daß die großen Opfer, die der Holzarbeiterverband brachte, nutzlos gewesen seien. Fünf Prozent Lohnerhöhung, Heraufsetzung der Abschlagszahlung, das sind dem Gewerkverein nur Scheinerfolge, und dw nach zwei Jahren eintretende Ver- kürzung der Arbeitszeit um eine Stunde bedeutet dem Gewerk- verein yichts weiter, als eine Schmälerung des Einkommens. Die arbeiterverräterischen Hirsche mögen nicht begreifen, daß der Erfolg des Kampfes für die Arbeiter weniger auf materiellem als auf moralischem Gebiete lag. Der Holzarbeiterverband war ja der Angegriffene, der den Kampf, welchen die Unternehmer ins Werk setzen, lediglich in der Verteidigungsposition führte. Wenn es dein Holzarbeiterverband gelang, den mit zäher Ausdauer ge- führten Angriff zurückzuweisen und noch dazu einige Verbesse- rungen im Arbeitsverhältnis herauszuschlagen, so ist das ein Er- folg von nicht geringer Bedeutung. ES ist ein eigenartiges Schauspiel, wenn die Verräter der Arbeitersache sich jetzt zum Anwalt der Arbeiterinteressen auf- ioerfen wollen. Das tut der Gewerkverein nämlich. Er, der sich während des Kampfes als Streikbrechcrorganisation im Dienste des Unternehmertums hcrvorgetan hat, will jetzt den Holzarbeitern klar machen, daß die Taktik ihres Verbandes eine verfehlte war. Der Gcwcrkverein scheint zu glauben, jetzt sei die rechte Zeit, um Un- einigkeit in den Reihen des Holzarbeitervcrbandes zu stiften und dabei Mitglieder für sich zu fangen. Das ist nämlich der einzige Zweck, den der Gewerkvcrein mit seinem Flugblatt verfolgt. Er will sogar den Mitgliedern, die zu ihm übertreten, die im Holz- arbeiterverband erworbenen Rechte gewähren, ihnen ihre Mitglied- schaftsdauer anrechnen usw..... Während des Kampfes betrieb der Geloerkberein offenen Ver- rat. Nach beendetem Kampfe betreibt er die Zersplitterung der Arbeiterorganisation. Erfolg wird er allerdings nicht haben, denn eine Organisation, die sich so offenkundig und so schwer an den Interessen der Arbeiter versündigt hat, wie der Gewerkverein bei der Holzarbeiteraussperrung, kann kein eini'ck'tiaer Arbeiter als die Vertreterin seiner Interessen ansehen. Verantw. Redakteur: Hans Weber» Berlin. Inseratenteil veranttp,� Berlin und Omgegend. Ein Arbeiterhrim. Der Verband der Gastwirtsgehülfen hat in Berlin nun auch ein eigenes Heim. Im Hause Große Hamburgerstr. 18/19 sind die erforderlichen Räume auf 16 Jahre gepachtet worden. Es sind vor- handen große RcstaurationLräume für den allgemeinen Verkehr. dazu ein großer, schöner Garten mit zirka 4S6 Sitzplätzen, in dem die Partei- und Gewerkschaftsgenossen mit Familie angenehme Er- holung finden können. Für gute Bewirtung ist durch Anstellung eines tüchtigen RestaurateurS und eines erfahrenen Kochs Sorge getragen. Daß Küche und Keller Gutes preiswert bieten, davon haben sich am Sonnabend eine Reihe Angestellter aus der modernen Arbeiterbewegung überzeugt. Sie folgten einer freundlichen Ein- ladung des Verbandes und alle Teilnehmer waren von dem Gebotenen angenehm überrascht. Die unteren Räume dienen lediglich dem Restaurationsverkehr. Ein kleiner Saal, ca. 1S6 Personen fassend, steht Vereinen und Gewerkschaften zu Versammlungen und Festlichkeiten zur Verfügung. In der ersten Etage befinden sich die Bureaus der Berliner Ortsverwaltung, ein großes Sitzungszimmer, ein Verkehrslokal für die Verbandsmitglieder, wo sie alle Bequemlichkeiten genießen, ohne gezwungen zu sein, irgend etwas zu verzehren. Ferner ist vorhanden ein großes Lesezimmer. Fremdenzimmer, das Bureau der Hauptverwaltung, das ebenso wie die übrigen Räume mit modernen Einrichtungen versehen ist, und die Wohnung de? Oekonomen befinden sich in der II. Etage. Falls sich die Lokalitäten als nicht ausreichend erweisen, was hoffent- lich bald eintreten wird, stehen laut Vertrag weitere Räume zur Verfügung. Der Verband der Gastwirtsgehülfen hat in der letzten Zeit erfreuliche Fortschritte zu verzeichnen: die Berliner Verwaltungsslelle ist bereits auf 1666 Mitglieder angewachsen, ausschließlich der kürzlich gegründeten Sektion für HülfSpersonal. Die Erwartung der Ver- waltnng, daß durch die Gründung eines eigenen Heims das Tempo deS Fortschritts noch beschleunigt wird, teilen wir vollständig. AlS Beweis dafür, daß mit der Gründung einem Bedürfnis gedient ist, fei nur die eine Tatsache erwähnt, daß der Verwaltung mehrere Gesuche um Ueberlassung von Bureauräumen für andere Organisationen vorliegen, dem leider nicht entsprochen werden konnte. Zur Tariffrage der Bootsbauer. Wir berichteten am letzten Freitag über Differenzen aus dem Vertrage, der zwischen dem Verband der Boots- und Jachtwerften von Berlin und Umgegend und dem Verein der Schiff- und Boots- bauer besteht. Es handelte sich um die Berechnung der Ueber- stunden. Jetzt ist nun die Schlichtungskommission(drei Arbeit- geber und drei Arbeitnehmer) wieder beisammen gewesen und hat eine maßgebende Festlegung hinsichtlich der fraglichen Bestimmungen getroffen. Wie protokollarisch festgelegt wurde, bleibt es betreffs der Ueberstunden bei der Fassung des Tarifs der Arbeitnehmer vom 7. März 1967. Danach sind als Ueberstunden mit den tarifmäßigen Aufschlägen zu bezahlen die Stunden, die die tägliche Arbeits- zeit von 16 Stunden überschreiten. Hiermit ist seitens der Vertretung der Arbeitgeber zugestanden, was die Arbeiter ver- langten. Auch diese Bestimmung soll, wie die übrigen des Ver- träges, vom 1. März 1967 ab Gültigkeit haben, so daß d i e Ar- bciter, welche etwa infolge fehlerhafter Auslegung der Bestimmung seit dem 1. März für Ueberstunden zu wenig erhalten hätten, zu entsprechenden Nachforderungen berechtigt wären.— Durch protokollarische Festlegung wurden auch noch einige andere Fragen ge- regelt, die mit den erwähnten Differenzen zusammenhängen.— Eine Versammlung der Dootsbauer, die am Sonntag in ihrem Vereinslokal in der Stralauer Allee stattfand, erklärte sich durch Beschluß mit dieser Erledigung der Angelegenheit ein- verstanden. Was die spe z i el l en. Differenzen mit dem Unternehmer Deutsch betrifft(siehe Nummer vom Frei- tag), so hielt die Versammlung es für angebracht, durch ausdrück- lichen Beschluß offiziell die Sperre über den Betrieb zu ver- hängen. Man erörterte dann den Streik auf der„Deutschen B u f f a l o w e r f t". Den Anlaß zu dem eine Woche währenden Streik gab unter anderem, daß der Unternehmer eine Abmachung mit seinen Arbeitern, wonach die Arbeitszeit früher beginnen und früher enden soll wie vordem, wieder rückgängig machen wollte. Die Arbeiter verlangen, daß an der Vereinbarung festgehalten werde. Außerdem fordern sie: Anbringung einer Schutzvorrichtung an der Bandsäge, bessere Waschgelegcnheit und einen Schrank für die Sachen.— Es hat sich noch kein S�eikbrecher gefunden. Man erwartet bestimmt einen Sieg.�_ Berichtigung. Eine uns zugegangene, Karl Kulicke, Töpfer, unterzeichnete Karte enthält folgende Berichtigung:»Ich habe mit keinem Fuß die Bäckerei betreten I" Lohnbewegung der RheinschiffSsklaven. Das Maschinen- und Kesselpersonal der Schlepp-, Güter- sowie der Bugsierboote des Rheinstroms ist in eine Lohnbewegung ein- getreten. An 92 Firmen wurde folgender Lohntarif eingereicht: Es wird in der Hauptsache gefordert: Lohn, wöchentlich: für l. Ma- schinisten 42,56 M.. für II. Maschinisten 35.66 M.. für III. Masch!- nisten 32.66 M.. für Heizer 28,66 M. Die Löhne verstehen sich als Mindestlöhne. Höhere Löhne als die oben geforderten dürfen nicht gekürzt werden. Die Arbeitszeit darf 8 Stunden taglich nicht überschreiten. Ueberstunden, die unbedingt notwendig werden, sind für die Maschinisten mit 66 Pf. und für Heizer mit 56 Pf. für jede angefangene Arbeitsstunde zu vergüten. Als Ersatz für die in die Fahrzeit fallenden Sonn- und gesetzlichen Feiertage wird gefordert: daß Schleppdampfer in der Zeit von Sonnabend nachmittag? 2 Uhr bis Montaasmorgens mit Sonnenaufgang keine Schiffe aufnehmen bezw. die Reise antreten dürfen. Ebenso darf nach 2 Uhr Sonnabcndnachmittags kein Wechsel der Schlcppzüge vor- genommen werden. Für Güterdampfer, die keine Passagiere be- fördern, wird verlangt, daß dieselben an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen nach ihrer Entladung die Reise keineswegs am selben Tage, sondern erst am anderen Morgen mit Sonnenaufgang fort- setzen dürfen. Für Hafcnboote ist vollständige Sonntagsruhe durch. zuführen. Sind Maßregeln zu treffen, die zum Schutze des Lebens und der Gesundheit des Fahrpersonals dienen, Anstellung eines Menage-Mannes, Einrichtung von Wasch- und Klosetträumen. Bei Einstellung von Maschinenpersonal ist der Arbeitsnachweis des Zentral-VcrbandeS der Maschinisten und Heizer zu benutzen.� � � Für die Dauer der Lohnbewegung sind sämtliche Hafenstädte des Rheines zu meiden. Arbeiterfreundliche Blätter werden um Nachdruck gebeten. Zentral-Verband der Maschinisten und Heizer sowie Berufsgenossen Deutschlands. Veutsdieo Reich. Lohnbewegung der Straßenbahner. Die Schaffner, Fahrer usw. der„Großen Berliner Straßen- bahn" erstreben eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage an. Sie haben in ihrer letzten Versammlung Forderungen aufgestellt und diese dem Direktor Micke unterbreitet. Die Vorlegung der Forderungen geschah in der letzten VertrauenSmännerkonfercnz. Hier lehnte der Direktor Micke die Forderungen ab und erklärte: „Was die beklagte Mitarbeit der Frau anbelangt, so sei dies doch kein Unglück; cS gewährt doch für gesunde und kräftige Frauen eine gewisse Genugtuung, für die Erhaltung der Familie mit tätig sein zu können."_ Ms. Glocke/Berlin. Druck u. Verlag: vorwäusBuchdr.u. Verlagsanstalt Die Straßenbahner haben nun ein Flugblatt in kausenden von Exemplaren unter ihre Kollegen verteilt, in welchem es heißt: „W i l l die Gesellschaft nicht gutwillig eine Aufbesserung des Lohnes zugestehen, so werden wir sie dazu zwinge n." Weiter heißt es:„Der Straßenbahner kann leider auf die Mitarbeit seiner Frau schon in normalen Ehevcrhältnissen nicht verzichten, will er sich und seiner Familie in der Ernährung ge- recht werden. Es bleibt eben der Hausfrau keine Wahl. Ohne Rücksicht auf ihre sowieso schon in diesen Fällen reichlich in Anspruch genommene Arbeitskraft als Hausfrau und Mutter, ohne Rücksicht auf ihre durch lange Arbeit in den Jugend- jähren geschwächte Widerstandskraft und Gesundheit hat sie etwa noch verbleibende freie Stunden und halbe Nächte fernerer Arbeit zu opfern, um trotz reichlicher, verantwortungsvoller Tätigkeit ihres Mannes, die Familie nur ernähren zu helfen.— Zu heute(Dienstag) abend ist eine große Versammlung der Straßenbahner und deren Frauen nach Dräsels Fcstsälen ein- berufen worden, die zu der Lohnforderung und dem Ausspruch des Direktor Micke Stellung nehmen wird. Stratzcnbahncrfraucn, deren Mann infolge Ausübung des Dienstes der Versammlung fern bleibt, werden ersucht, trotzdem derselben beizuwohnen. Streik der Bau- und Erdarbeiter. In Würzburg wurden im ver- gangenen Winter die Löhne der Bau- und Erdarbeiter stark redu- ziert, so daß die Stundenlöhne 22 bis 28 Pfennig betrugen. Jetzt verlangen die Arbeiter eine Erhöhung ihrer Löhne, aber die Unter- nehmer gaben nicht einmal eine Antwort, weshalb zirka 466 Ar- bester in den Streik eintraten. Zu Tode gearbeitet. In Kulmbach ist die große Fleischwarenfabrik von H. u, P. Saucrmann, die ihre Produkte nach allen Himmelsrichtungen ver- sendet. Die Firma beschäftigt ein Heer von Metzgergesellen, die unter schlechten Verhältnissen leben, von früh 4 Uhr bis abends 8 Uhr arbeiten müssen und dafür einen ganz bescheidenen Lohn er- halten. Alle bisherigen Versuche, Besserung zu schaffen, wurden von der Direktion durch Entlassung der„Rädelsführer" vereitelt. Das wurde ihr leicht, da die Arbeiter keine starke Organisation hinter sich hatten. Darin hat nun ein trauriger Fall plötzlich eine Aenderung gebracht. Ein Arbeiter legte sich abends in äußerst er- schöpftem Zustande zu Bett und stand nicht wieder auf. Das be- wirkte, daß die Arbeiter sich endlich aufbäumten und Verkürzung der Arbeitszeit um zwei Stunden und Bezahlung der Ueberstunden mit 36 Pf. verlangten. Diese sicherlich bescheidene Forderung wurde von der Direktion schroff abgelehnt; als sie aber sah, daß es ernst wurde und die Arbeiter einmütig in den Streik traten, be quemte sie sich zur Bewilligung aller Forderungen. Kampf im Baugewerbe. Nächsten Donnerstag treten in Weißen« fels 566 bis 666 Maurer in den Ausstand, weil die von ihnen ge- forderte Erhöhung des Stundenlohnes von 45 auf 56 Pfennig ab- gelehnt worden ist. Aussperrung. Am letzten Freitag wurden 75 Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma Waldorf-Astoria Comp. Zigarettenfabrik Stuttgart ausgesperrt. Die seit dieser Zeit seitens der Kommission der Ausgesperrten versuchten Verhandlungen hatten, soweit solche nicht abgewiesen wurden, keinen Erfolg. Husland« Streik der Seeleute. Ueber die Ausstandsbewegung in den Häfen liegen uns fol» gende Meldungen vor: Amsterdam, 3. Juni. Die streikenden Seeleute bleiben auf ihren Forderungen bestehen, doch dürfte, allem Anschein nach, in Kürze der Konflikt gütlich aus der Welt geschafft werden. Paris, 3. Juni. Zwölf Abgeordnete der eingeschriebenen See. lcute sind aus verschiedenen Häfen heute hier eingetroffen; sie werden heute nachmittag eine Besprechung mit dem Minister haben.— Wie aus Bordeaux gemeldet wird, liegt dort die Schis- fahrt vollständig still; nur die Lotsen, die den internationalen Dienst versehen, haben es abgelehnt, sich dem Ausstande anzu- schließen.— In Collioure(Pyrenees Orientalcs) haben die einge- fchriebenen Seeleute sich abmustern lassen. Aussperrung. In Schwenningen wurden von den in der Metall- induftrie beschäftigten Arbeitern 1700 wegen Lohnstreitigketten ausgesperrt._ Letzte J�achrichtcn und Dcpcfchcn» Verschüttet. Königöhiitte, 3. Juni.(B. H.) Auf der Deutschlandgrube wurden durch einstürzende GesteinSmassen drei Arbeiter verschüttet, zwei Tote wurden geborgen. Vom Schnellzug überfahren. Saarbrücken, 3. Juni.(B. H) Auf der Strecke Metz— Saar- brücken wollte mittags auf der Schanzenbergbriicke ein italienischer Bahnarbeiter die Gleise überschreiten; er wurde von einem Schnell. zuge erfaßt und getötet. Ter zu seiner Hülfe herbeieilende Rotten- sührer Birkenhaucr von Burbachcr Hütte wurde ebenfalls getötet. Drohende Aussperrung in der Uhrcnindustrie. Schwenningen, 3. Juni. Eine Versammlung der in der Uhren- industrie beschäftigten Arbeiter beschloß, die Erklärung der Fabri- kanten nicht zu akzeptieren. Dadurch ist die Aussperrung von 16500 Arbeitern in 70 Betrieben deS SchwarzwaldeS sehr wahrscheinlich ge- worden._ Sicherung des Wahlrechtes. PariS, 3. Juni.(W. T. B.) Die Deputiertenkammer nahm heute den Gesetzentwurf zur Sicherung der geheimen Stimmabgabe und der Redlichkeit der Wahloperationen an. „Wohlwollen" statt Verbesserungen. Paris, 3. Juni.(W. T. B.) Die Marinckommission der Deputiertenkammer empfing heute eine Abordnung der ringe- schriebenen Seeleute, die erklärte, daß sie die ihre Verhältnisse betreffende Regierungsvorlage für ungenügend ansehe. Die Ab- ordnung ersuchte die Kommission, ihr das Versprechen zu geben, die Vorlage in befriedigender Weise abzuändern, damit durch dieses Versprechen der Ausstand sein- Ende erreiche. Der Vorsitzende der Marinckommission erwiderte, die Kommission werde die die See» lcute betreffende Vorlage mit Wohlwollen prüfen» er könne jedoch keine Hoffnung machen, daß das Parlament eine Borlage an- nehmer werde» welche mit größeren Ausgaben als die der Regie- rungSvorlage verbunden wäre und forderte die Seeleute auf, den Ausstand zu beendigen, der ihnen nur das Wohlwollen, daS die Regierung für sie hege, rauben würde. Ter Streik der französischen Seeleute. Havre, 3. Juni. Der Ausschuß der eingeschriebenen Seeleute wird bei dem Syndikat der Seeleute von Sonthampton Schritte unternehmen, damit die englischen Schiffe das Umladen der gegen- wärtig in Havre weilenden Auswanderer in Sonthampton an Bord anderer Schiffe verweigern, die eingeschriebenen Seeleute von Chcrbourg werden sich ebenfalls bemühen, zu verhindern, daß die Auswanderer sich an Bord der Schiffe der Hamburg-Amcrikalinie einschiffen. Heute vormittag kam es zwischen Fischhändlerinncn und Frauen von Ausständigen, welche die Fische in einen Bach warfen, zu Zusammenstößen. Drei Personen wurden verhaftet. KaulSingerLiCo., Berlin 2VV7Sierzu3 Beilagen u.UntcrhaltungSblatt Nr. 127. 24. Jahrgang. t KilU ki.Ifltrorttla" Ittliiift Pollüliliill. Uenstag, 4. Inn! 1907. Der Kampf im Berliner Baugewerbe. Die Putzer waren an dem Tarifverträge, welcher im Bau- twwcrbe bestand, nicht beteiligt, sie haben auch keine Forderungen an die Unternehmer gestellt und diesen in keiner Weise Anlast zum Konflikt gegeben. Trotzdem hat der Verband der Baugeschäfte die Putzer in den gegenwärtigen Kamps mithineingezogcn, indem er beschlost, die angefangenen Putzarbeitcn fertigstellen zu lassen, neue Arbeiten aber nicht mehr auszugeben. Hierdurch ist die Aus- sperrung, wenn auch nicht sofort, so doch nach und nach auch auf die Putzer ausgedehnt worden. Zu dieser, durch das Vorgehen der Unternehmer geschaffenen�Situation nahmen die beteiligten Organi- sationen am Sonntag Stellung. Die Sektion der Putzer des Zentralvcrbandes der Maurer hielt ihre Generalversammlung in Frehers Saal ab, der bis auf den letzten Platz gefüllt war. Der Referent Dähne sagte unter anderem: Bis jetzt haben die Putzer eine abwartende Haltung ein- genommen, weil sie nicht wustten, wie sich die Unternehmer ihnen gegenüber verhalten werden. Jetzt hat sich die Situation geklärt und nun tritt an die Putzer die Frage heran, wie sie sich unter den gegebenen Umständen zu verhalten haben. Dadurch, dast die an- gefangenen Arbeiten fertiggestellt, neue Arbeiten aber nicht an- gefangen werden, ist wohl dem Interesse der Unternehmer gedient, aber die Putzer werden dadurch nach und nach arbeitslos. Die Unternehmer verfahren mit den Putzern so, wie der Mann, der seinem Hunde den Schwanz stückweise abhackt. Die Putzer können dem nicht ruhig zusehen. Sie sind es ihrer Selbsterhaltung schuldig, nicht so lange zu warten, bis sie nach und nach von den Unternehmern abgeschlachtet worden sind. Selbst diejenigen Putzer, die noch arbeiten, sind dadurch in eine ungünstige Lage gekommen, dast die Unternehmer die Hülfsarbeiter der Putzer aussperrten und ihnen ungeübte Lkräfte oder auch Lehrlinge als Hülfsarbeiter gaben. Die Unternehmer beabsichtigen also, die Putzer nach und nach arbeitslos zu machen, und wenn diese Absicht ausgeführt ist, scheint den Unternehmern vielleicht die Zeit gekommen, beim Abschlust neuer Arbeiten das Arbeitsverhältnis der Putzer zu verschlechtern. Unter diesen Umständen fühlen sich die Putzer nicht verpflichtet, die Arbeiten fertig zu machen, welche die Unternehmer fertiggestellt haben möchten. Eine weitere Zurückhaltung könnte nur schaden. Aus diesen Gründen schlägt die Scktionsleitung vor, dast die Putzer auf allen Arbeitsstellen, wo die Unternehmer ausgesperrt haben, sowie da, wo die Forderungen der Maurer, Zimmerer und Bau- arbeiter nicht bewilligt sind, am Montag die Arbeit niederlegen Zu diesem Vorgehen sind die Putzer durch die Taktik der Unter- nehmer gezwungen.— Die Seklionsmitglieder, welche bereits durch den Kampf in Mitleidenschast gezogen sind, werden als Gemah- regelte betrachtet und erhalten vom ersten Tage der Arbeitslosigkeit ob die Unterstützungssätze des Ortsstatuts. Vom Montag ab treten die Bestimmungen des Verbandsstatuts über die Unterstützung in Kraft.— Die Vorschläge des Referenten fanden lebhaften Beifall. Auch die Diskussionsredner stimmten denselben zu. Einige Redner wollten, dast diese Gelegenheit benutzt werde, um mit Forderungen gegen die Unternehmer vorzugehen. Davon riet Dähne jedoch ent- schieden ab. Die Putzer wollen aus diesem Kampfe keine Vorteile für sich ziehen, sie wollen nur die Taktik der Unternehmer durch- kreuzen und ihre Solidarität mit den übrigen Bauberufen be- künden.— Schließlich nahm die Versammlung die nachstehende Resolution fast einstimmig an:., „Da durch den Beschluß des Verbandes der Baugcschäste Berlins und der Vororte vom 10. Mai d. I. nur die angefangenen Putzarbeitcn fertiggestellt, neue Verträge aber nicht mehr ab- geschlossen werden dürfen, damit also der ausgesprochene Zweck er- reicht werden soll, die Putzer nach und nach in kürzester Zeit a r» beitslos zu machen und Uneinigkeit in ihre Reihen zu bringen: da ferner schon jetzt ein Teil der in Frage kommenden Arbeitgeber in geradezu provozierender Weise den Putzern die ge- übten Hülsskräfte entzogen rcsp. dieselben ausgesperrt und durch ungeübte resp. Lehrlinge hat ersetzen lassen, wodurch schon jetzt ein Teil der Putzer in Mitleidenschaft gezogen ist.— Unter Fest- stellung der Tatsache, daß diese Matznahmen vom Verband der Baugeschäfte getroffen sind, trotzdem die Putzer Forderungen nicht gestellt haben, beschließt die Generalversammlung der Sektion der Putzer des Zentralverbandes der Maurer: Zur Abwehr gegen die Maßnahmen des Verbandes der Baugeschäfte am Montag, den 3. Juni, überall da die Arbeit einzustellen, wo die Arbeitgeber die Angehörigen der Baugruppe ausgesperrt rcsp. die neuen, am 26. Mai beschlossenen Forderungen nicht bewilligt haben. Die Versammlung erklärt sich mit den Ausgesperrten solidarisch und beschließt, nur da die Arbeit wieder aufzunehmen resp. weiterzuführen, wo die Aus- sperrung aufgehoben resp. die am 26. Mai beschlossenen Forde- rungen durch schriftliche Erklärung des bisherigen Inhabers des Baugcschäftcs anerkannt sind. Die Versammlung erwartet von jedem Kollegen, i�aß er die Beschlüsse ungesäumt zur Ausführung bringt." «.' Auch die in der Freien Vereinigung der Maurer organisierten Putzer Grost-BerlinS haben am Sonntag be- schlössen, die Arbeit vom Montag, den 3. Juni, ab überall da ein- zustellen, wo die Forderungen der anderen baugcwerblichen Arbeiter nicht bewilligt sind oder ausgesperrt worden ist. Für die Rabitz- Putzer, Gips- und Zemcntarbeiter, die ja in einem Vcrtragsverhält- nis zum Untcrnehmerverband stehen, gilt der Beschluß nicht.— In der Versammlung, die bei Patt in der Tragonerstraße tagte, teilte der Referent M e tz k e u. a. mit, dast, nachdem auch die bei den Berliner Kanalbauten tätigen Maurer Forderungen auf 5 Pf. Lohnzulage und eine halbe Stunde Arbeitszeitverkürzung stellten, der Unternehmer sich bereit erklärte, zu bewilligen, der Berliner Magistrat dies jedoch verhinderte, sich also in cinen� bedauerlichen Gegensatz zu dem anerkennenswerten Verhalten des Rixdorfer Magistrats stellte. Ter Redner erwähnte ferner, dast am Freitag auf cistcm Bau in der Amsterdamerstraste ein Einsturz erfolgte, der auf unverantwortlich leichtfertige Akkordmaurerei zurückzuführen sei. Nur besonderen Umständen ist es zu verdanken, dast die Bau- arbeiter sich noch rechtzeitig vor dem zusammenstürzenden Bogen in Sicherheit bringen konnten. Die Sektion der Putzerträger vom Verband der bangewerblichen Hülfsarbeiter versammelte sich am Sonntagmorgcn in Obligos 'Saal, Schwedterstraste, um zu beschließen, welche Stellung sie in dem gegenwärtigen Kampfe einnehmen wollen. K r i b o w rcfe- rierte über die Lage und trat dafür ein, daß die Putzerträger ge- meinsam mit den Putzern vorgehen, sobald die letzteren das Signal dazu geben. Nach Beratung mit den Vertrauensmännern mache die Streikleitung den Vorschlag, daß auf allen Bauplätzen die Putzcrträger am Montag in den Streik treten, wo die Putzer die Arbeit niederlegen. Die Streikenden sollen sich sofort nach den Kontrollstellen begeben, um Meldung zu erstatten. In der D i s- k u s s i o n gab sich eine starke Unzufriedenheit damit kund, dast die Träger verpflichtet sein sollen, sich nach den Putzern zu richten. Man beansprucht das Recht, selbständig vorzugchen, denn so sehr man bereit ist. den Putzern zu helfen, will nian zugleich die Forde- rung von 60 Pf. Stundenlohn für die Bauhülfsarbciter durchsetzen. Der Vorschlag der Streikleitung wurde angenommen, aber dahin amendiert, daß zugleich die Forderung von 60 Pf. er- hoben wird und die Arbeit ruhen soll, wo diese Forderung nicht «rfülit wird. K ribow teilte zur Beruhigung mit, dast bereits neue Tarifverträge gedruckt seien, um diese Forderung der Bauhülss- arbeiter bei allen neu abzuschließenden Verträgen zu berücksichtigen und dast auch die Maurer und Zimmerer dafür eintreten werden. In der Sonntagnummer unserer Zeitung ist durch einen Druck- fehler die Zahl der zu den neuen Bedingungen arbeitenden Maurer auf 7057 angegeben. So erfreulich die Sympathie- erklärung des Druckfehlerkobolds für die Arbeiter auch ist, ent- spricht sie doch nicht den Tatsachen. Nach der gestrigen Aufstellung i?es Zentralverbandes der Maurer sind 9207 Maurer in den Streiklisten eingetragen. Arbeitsverträge zu den neuen Bedingungen sind mit 432 Unternehmern abgeschlossen und arbeiten etwa 2000 Maurer zu den neuen Be- dingungem Im Streik befanden sich gestern 5312 Man», vom 5. Parteitag der loÄaldemokratiichei, Partei Rußlands. II. Die drei Berichte des Zentralkomitees entsprechen ihrem Inhalt nach den hauptsächlichen Richtungen in der Partei. Der offizielle Bericht ist vom Standpunkt der Menschewiki verfaßt und ist auf die Begründung der Taktik des Zentralkomitees gerichtet, enthält aber auch zahlreiche Ausfälle gegen die Bolschewiki, die beschuldigt werden, die Beschlüsse des Zentralkomitees mit Fützen getreten und ihnen stets entgegengewirkt zu haben, so dast die Arbeiten des Zentralkomitees darunter erheblich zu leiden hatten. Der Kor- rcferent der Bolschewiki schiebt im Gegenteil die ganze Schuld auf chas Zentralkomitee selbst, das in Wirklichkeit nicht die Vertretung der Partei, sondern nur der menschewistischen Fraktion gewesen sei; srine ganze Taktik sei grundfalsch, weil nicht revolutionär, sondern opportunistisch. Die seinerzeit ausgegebene Losung des „verantwortlichen Ministeriums", die Kompromiffelei mit den Kadetten während der Wahlkampagne seien schlagende Beweise da- für. Der dritte Berichterstatter, ein Vertreter des„Bundes" im Zentralkomitee, vermag keiner einzelnen Fraktion die ganze Schuld aufzubürden: eine normale Arbeit des Zentralkomitees sei unter den gegenwärtigen Zuständen, wo die Partei formell einig, aber faktisch in zwei feindliche Lager gespalten ist, von denen jedes das andere mechanisch unterzukriegen sucht, ein Ding der Unmöglichkeit; nicht die Personen oder die einzelnen Parteirichtungcn tragen die Schuld, sondern das ganze Parteileben, das solange nicht gesunden werde, als nicht das Parteiinteresse über das Fraltionsinteresse siegt.— In der Diskussion wurde dieser Standpunkt nachdrücklich von allen nationalen Organisationen betont— trotz ihres durchaus verschiedenartigen Verhaltens zum Menschetoismus, als theoretischer und taktischer Richtung. Die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Fraktionen entbehrten aber leider oft der Sachlichkeit, deren es bedurft hätte, um die Debatten auf der gebührenden Höhe zu erhalten, und beide Seiten wurden im Laufe von ganzen zwei Tagen nicht müde, einander ihr Sündenregister vorzuhalten. Es war klar, daß kaum eine Einigung auf einer bestimmten Resolution zustande kommen würde, und so einigte man sich, um eS nicht gleich bei dem ersten Punkt der Tagesordnung zu einem Bruch kommen zu lassen, auf eine einfache, sich jeden Ausdrucks von Mistbilligung oder Vertrauens enthaltenden Ucbergangsformel, die von den Ver- tretern des„Bundes" eingebracht wurde. Die Abstimmung darüber zeigt folgendes Bild: für die einfache Formel— die Menschewiki und der„Bund"(143 Stimmen), dagegen— die Bolschewiki und ein Teil der Letten(30 Stimmen), die Polen und der übrige Teil der Letten(insgesamt 50) haben sich der Abstimmung enthalten. Diese Abstimmung— obwohl sie an Einstimmigkeit noch viel zu wünschen übrig läßt— zeigt trotzdem, daß die Mehrheit des Parteitages ernst- lich gewillt ist, die Einheit und damit auch das Ansehen der Partei zu wahren und nicht durch Annahme einseitiger Resolutionen neues Ocl ins Feuer des unerfreulichen Fraktionskampfes zu gießen. Nicht in letzter Linie ist dieses Resultat dem energischen Austreten der nationalen Organisationen zu verdanken. Der zweite Punkt der Tagesordnung— der Bericht der D u m a- f r a k t i o n— bringt ebenfalls zwei Referate, das eine vom Standpunkt der Menschewiki, das andere von demjenigen der Bolschewiki. Der erste Referent bezeichnet als die Ziele, die sich die Dumafraktion gesteckt hatte, einerseits die Ausbreitung des proletarischen Klassenbewußtseins, andererseits die Ausnutzung der Duma zur Demokratisierung Rußlands, was notwendigerweise unter Umständen auch ein Zusammengehen mit der bürgerlichen Opposition erfordert. Die Lage der Dumasraktion, als eines weit- vorgeschobenen Postens der Partei, sei eine äußerst schwierige ge- wcsen— einerseits, weil die parlamentarische Umgebung ein ganz neues Arbeitsfeld für die Sozialdemokratie Rußlands ist, zweitens wegen der Hinterlistigkeit der Kadetten, die die ganze Duma am Gängelband führen, drittens aber— und das nicht in geringem Maße— infolge der offenen und versteckten Feindschaft der Bolschc- Witt, die auch zu inneren Konflikten sehr unangenehmen Charakters führte. Es sei daher kein Wunder, wenn die Fraktion einige kleine Fehler taktischer Art begangen habe, er, der Referent, müsse aber für mildernde Unistände plädieren. Sein Korreferent bezeichnet hingegen die Fehler der Dumafraktion als programmatische und taktische. Unter den ersteren falle besonders die nur demokratische, nicht sozialistische Motivierung der Ablehnung des Etats schwer ins Gewicht; unter den letzteren müsse der Abstimmung zugunsten Golowins bei der Präsidentenwahl, ferner der Teilnahme am Jnformationsbureau aller oppositionellen, d. h. auch der bürgerlichen Parteien, wie die Kadetten und die polnische Narodowa Demokratya, gedacht werden. Alle diese und ähnlichen Fehler, die aber seiner Ansicht nach m ehr als Fehler sind, seien ein Ausfluß des opportu- nistischen Charakters der Fraktion der Menschewiki, die sich nunmehr mit Haut und Haaren dem parlamentarischen Kretinismus ver- schrieben hätten und um augenblicklicher Erfolge willen den Kadetten nachhinken und darauf verzichteten, in ihren Reden den program- matischen und revolutionären Standpunkt zu betonen. Die Diskussion gestaltet sich äußerst lebhaft, es kommt oft zu erregten Auftritten, von den Menschewiki wird die Dumafraktion in den Himmel gehoben, die Bolschewiki dagegen unterwerfen jeden ihrer Schritte in der Duma einer unbarmherzigen Kritik. Auch die nationalen Parteien erklären sich nicht in allen Stücken mit der Tätigkeit der Dumasraktion einverstanden: neben anderen, bereits von anderen Rednern bemängelten Schritten, wird besonders die völlige Umgehung der nationalen Frage, eine völlige Unterlassung jeglicher Stellungnahme gegen die Politik der nationalen Unter- drückung und der Pogrome gerügt. Ihren Gipfel erreichte die Er- regung des Parteitags, als die Bolschewiki eine Resolution ein- bringen, die ein verkapptes Mißtrauensvotum gegen die Duma- fraktion enthält. Flugs bringen die Menschewiki eine Vertrauens- rcsolution als Gegengewicht ein. ES scheint einen Augenblick, als ob die Belastungsprobe für die Partei doch eine zu starke ist und die vor ein paar Tagen mühsam zusammengeflickte Einheit in die Brüche gehen will. Allgemeinen Beifall findet daher ein von den nationalen Organisationen ausgehender Antrag, unter Ablehnung beider ResolutionSentwürfe eine Kommission zur Ausarbeitung einer Kompromistresolution einzusetzen. Die Kommission, bestehend aus je zwei Mitgliedern jeder Fraktion und Organisation, schreitet sofort an die Arbeit, im Plenum wird aber beschlossen, noch zehn Rednern, nach Auswahl der Organisationen, das Wort zu geben und sodann die beiden Bericht- erstatter zum Schlußwort kommen zu lassen. Die Bolschewiki fahren in ihren Anklagereden gegen die Dumafraktion fort, die Menschewik» wehren sich insbesondere gegen den erhobenen Vorwurf des Ver- schweigens der sozialdemokratischen Prinzipien in der Duma. Das Ziel unserer Arbeit in der Duma, führen sie aus, ist dieRcvolutioni- sicrung der Massen, und dies wird am besten an der Hand unseres Auftretens in einzelnen konkreten Fällen auch auf dem Gebiet der gesetzgeberischen Arbeit erreicht, nicht aber durch bloße wiederholte Proklamierung der abstrakten Sätze des Parteiprogramms, wie es die Bolschewiki, die Anhänger der revolutionären Phrase, gern sehen möchten. Großes Aufsehen macht die Rede eines der ältesten Sozialdemokraten Rustlands, der Bedeutendes im Kampfe gegen den Revisionismus auch auf internationalem Gebiet geleistet hat. jetzt aber von den Bolschewiki als geistiger Vater des mensche- wistischcn Opportunismus hingestellt wird und sich in einer inhalr- reichen, sarkastischen Rede gegen diesen Vorwurf deS Opportunis« muS wehrt. Nach dem Schlußwort der beiden Referenten kommt nunmehr die Reihe an den Berichterstatter der Kompromißkommission. Es ist ihr nicht gelungen, sich auf einem definitiven ResolutionSentwurf zu einigen, dagegen unterbreitet sie dem Plenum ihren Beschlust. wonach die anzunehmende Resolution auch Direktiven kür die weitere Tätigkeit der Dumasraktion enthalten soll; dieser Beschluß wurde von den Bolschewiki, Polen und Letten gegen die Menschewiki und den„Bund" angenommen. Der Parteitag schreitet zur endgültigen Abstimmung über diesen Vorschlag; eine lebhafte Agitation setzt an allen Ecken des Sitzungssaales ein, denn die Kräfte der Gegner sind im Plenum ungefähr gleich und jede einzelne Stimme gewinnt dadurch ungeheuer an Bedeutung. Die Gegner der Direktiven führen hauptsächlich das Argument ins Feld, jede Direktive-, die von der bisherigen Tätigkeit der Dumasraktion abweicht, bedeute ja im Grunde ein Mißtrauensvotum, welches doch um der Partei- cinheit willen vermieden werden soll; daher sei eS am besten, auf jegliche Direktiven zu verzichten, die Dumafraktion werde ja schließ- lich an die allgemeinen taktischen Beschlüsse des Parteitags gebunden sein. Bei der namentlichen Abstimmung ergibt sich der Sieg der Direktivcngegner: bei einer Stimmenthaltung erklären sich 154— Menschewiki, Bundisten und ein Teil der Letten gegen Direktiven, 145— Bolschewiki, Polen und einige Letten für Direktiven. Die Direktivcngegner feiern ihren Sieg, aber ihre Freude ist nur von kurzer Tauer: das Glück ist launisch, und bereits am nächsten Tage nimmt die ganze Angelegenheit eine ganz unerwartete Wendung,______ Die nMche Revolution. Die widerspenstige Duma. Petersburg, 3. Juni.(R e i ch S d u m a.) Das HauS lehnt den Gesetzentwurf deS Justizministeriums, betreffend die Verschärfung von Strafen, die auf Verherrlichung von Ver« brechen gesetzt sind, ab und nimnit den Antrag des Unter- richtsministers an, der dahin geht, die Verfolgungen wegen des geheimen Unterrichts in Polen einzustellen. Im Laufe der Debatte bei letzterem Antrage greifen mehrere polnische Redner in heftigen Worten den Unterrichtsminister an, der nach ihrer Ansicht nur bestrebt ist, mit Hülfe der Regierungs- schulen Polen zu russifizieren. Der Gehülfe des Unterrichtsministers Gherassimoff hält es für seine Pflicht, auf die Politik der Polen hinzuweisen, die zwischen Regierung und Duma und zwischen den verschiedenen Parteien in der Duma selbst hin- und herschwankten. Die Worte deS Redners rufen Beifall auf der Rechten und große Aufregung bei den Polen hervor. Der Präsident des PolenklubS Dmusky verivahrt sich gegen die Aeusterungen Gherassimoffs und sagt, die Polen wünschten gleiche Freiheit für alle Nationalitäten in Rußland, die bisher durch die Willkürherrschaft unterdrückt worden seien. Das Haus bespricht den Antrag des Ministers des Innern auf Nichtzulassung derjenigen Personen zum Heere, die unter polizeilicher Aufsicht stehen oder seitens der Verwaltung Vor- beugungsmaßregeln unterstellt sind.— Die mit der Prüfung der Vorlage beauftragte Kommission sprach sich gegen die Annahme derselben auS, da sie sich in Heeresangelegenhciten nicht auf den Standpunkt des Ermessens der Polizei stellen könne. Der Gehülfe des Ministers des Innern betonte die Notwendigkeit von„Präventiv- Maßnahmen" gegen die Revolutionäre, die sich in das Heer einzudrängen beniühtcn. — Mehrere Redner legen die Unzulänglichkeit und die Un- gerechtigkeit von Maßnahmen nach Art der vom Minister des Innern eingebrachten Gesetzesvorlage dar. Die Duma ver- wirft darauf den ministeriellen Entwurf mit großer Mehrheit. (Schluß der Sitzung um 6 Uhr.) Väterchen ist erregt. Petersburg, 2. Juni. Golowin beobachtet über das Resultat feiner gestrigen Audienz beim Zaren strengstes Stillschweigen. Nur so viel verlautet, daß der Zar sich in einer erregten Stimmung be« funden und über die Duma sich äußerst abfällig geäußert hat. Wie das Land über die Duma denkt. Die Stellung der ReichSduma zum politischen Terror hat eine eigenartige Erscheinung zur Folge, die unter Umständen auch auf den weiteren Gang der Dumaverhandlungen großen Einfluß aus- üben kann. Verschiedene Gouverneure wollen nämlich die ihnen unterstehenden Stadtverwallungen veranlassen, der ReichSduma ihr Mißtrauen offiziell auszusprechen und gleichzeitig dem Minister Stolypin zu erklären, daß die Stadtverwaltung den politischen Terror verurteilt! Dieser von Petersburg aus unternommene Schritt ruft in einer Reihe von Provinzstädten Meinungsverschiedenheiten hervor, da viele Stadtväter sich hartnäckig weigern, der ReichSduma eine Rüge zu erteilen.—_ eine Regierung gegen die gewerltichastlichen Rechte der Frauen. Der Weber 23. Reimes zu Krefeld, besoldeter Leiter deS linksrheinischen GaueS des Deutscheu Textilarbeiterverbandes, hatte beinr Vürgenneister in Lobberich zum 29. November 1905 eine „öffentliche Versammlung sür Arbeiter und Arbeiterinnen" angemeldet. Die Anmeldung erfolgte auf einem Bogen mit dem Vordruck: „Deutscher Textilarbeitervcrband. linksrheinischer Gau". Der Bürger- meister teilte ihm mit, wenn Frauen an der Versammlung teil- nähmen, hätte sie die Auflösung zu geivärligen. Die Versammlung sch als Veranstaltung deS Deutschen Textilarbeiterverbandes an- zusehen. Dieser aber wäre ein politischer Verein! Nach 83 des preußischen VereinSgesetzes dürsten Frauen aber den Bersamm» lnngen und Sitzungen solcher Vereine nicht beiwohnen, welche be- zwecken, politische Gegenstände in Vcrsaminlimgen zu erörtern. Die Versammlung, die unter Leitung Reimes begonnen wurde, verfiel, als man die F r a u e n nicht entfernte, der A u f l ö f u ir g. Reimes beschwerte sich vergeblich beim Land- rat und auch beim Regierungspräsidenten zu Düsseldorf. Der Regiernngspräsident behauptete, der Deutsche Textilarbeitervcrband müsse im Gegensatz zu den Behauptungen des Beschwerdeführers als politischer Verein gemäß.§ 8 deS Vereins- gcsetzeS gelten. Er gehöre zu de» freien Gewerkschnften und.er« fahrungsgemaß' würden im Verbände staaM-bs Einrichiungsn«ud ihre Abänderung erörtert. Die Ortsgruppe Lobberich verfolge den gleichen Zweck wie der Verband selbst. Die Versammlung müsse als Versammlung des Vereins behandelt werden. Darauf, daß sie als öffentliche angemeldet sei, komme eS nicht an. Reimes klagte nunmehr gegen den Regierungspräsidenten beim Oberverwaltungsgericht mit dem Antrage, die polizeiliche Verfügung und die Auflösung für unzulässig zu erklären. Es werde bestritten, daß es sich um eine Versammlung des Deutschen Textilarbeiter- Verbandes handele. ES seien nicht bloß Rtitglieder dagewesen. Indessen wäre das ja schließlich unerheblich, denn auf keinen Fall sei der Deutsche Textilarbeiter- verband ein politischer Verein. Er sei eine Ge- w c r k s ch a f t und er verfolge gewerkschaftliche Zwecke. Wäre er ein Verein im Sinne dcS§ 8, dann hätte man sicher schon etwas gegen ihn unternommen, da ein solcher Verein auch Frauen nicht als Mitglieder haben dürfe. Der Textilarbeiterverband habe aber 15 000 weibliche Mitglieder und nie und nirgends sei von den Behörden dagegen etwas unternommen worden. In seiner Klagecrwidcrung sang der Regierungspräsident das alte Lied weiter, nur noch einen Ton höher. Der Textilarbeiter- verband stehe wie alle freien Gewerkschaften— so klang es jetzt— der sozialdemokratischenPartei sehr nahe. Er verfolge nicht nur die statutenmäßigen Zwecke, sondern suche, gleich den anderen freien Gewerkschaften, auch durch die Presse und durch Versammlungen auf die politische Gestaltung einzuwirken. Bezüglich der Ortsgruppe sei das schon auS ihrer Zugehörigkeit zum Verband zn schließen. Rechtsanwalt Hü ssener wies in der mündlichen Ver- Handlung nochmals eingehend die„Gründe" dcS Regierungs- Präsidenten zurück. Betont wurde unter anderem, daß sich der Regierungspräsident in vagen Behauptungen, wie„zweifellos politischer Verein" usw., erschöpft habe. Der erste Senat des Ober Verwaltungsgerichts hob in seiner letzten Sitzung den Besch Werdebescheid des Regierungspräsidenten auf und erklärte da? Verlangen des Bürgermeisters, keine Frauen in der V�e r f a m m l u n g zu dulden, sowie d r e A u f- lösung selb st für unberechtigt. Damit ist der behördliche Versuch, Frauen das schmale politische und gewerkschaftliche Recht noch mehr zu kürzen, als g e s e tz- widrig vom obersten preußischen Gericht gekennzeichnet. Damit ist aber der N e ch t S b r» ch, der durch die eventuelle Ankündigung der Auflösung und die dann erfolgte Auflösung begangen wurde, noch keineswegs gesühnt. Die begonnene Versammlung ist durch, wie durch das Oberverwaltungsgericht festgestellt ist, rechtswidrige, voni Landrat und Regierungspräsidenten gebilligte Handlungen ge- bindert, ihre Aufgabe zu erfülle». Eine solche rechtswidrige Auf- lösung, die eine außerordentliche Verkümmerung des gewerkschast- liehen und DereinSrechtS bedeutet, könnte trotz des erwähnten Er- kenntnisseS wiederkehren, wenn die an der rechtswidrigen Auflösung schuldigen Beamten nicht zur Verantwortung gezogen werden. Ab- gesehen von dem zivilrechtlichen Schadenersatz, zn dem der Bürger- meister verpflichtet ist, kommt in Velracht, ob er auch strafrechtlich verantwortlich ist? Diese Fn>ge ist nach der früheren Judikatur des Oberverwaltungsgerichts zn bejahen. ES hatte in einem Falle, in dem ein Gendarm eine nach dem Gesetz nicht gestattete Auflösung vorgenommen hatte, die Erhebung des Konflikts lediglich deshalb für begründet erklärt, weil die inangelhafte Vorbildung des Gendarmen, der aus einem Gebiet ver- fetzt war, in dem ein anderes VcreinSrecht galt, den Gendarmen vor Strafe schütze. Diese Entschuldigungsgründe dürsten weder für den Düsseldorfer B ü r g e r m e i st e r. noch für den L a n d r a t, noch für den Regierungspräsidenten zutreffen. Derlei rechts- gelehrte Beamte müssen die richtige Auslegung des Gesetzes kennen. Ihre etwaige RechtSunkenntniS und das Handeln allein nach der Richtschnur ihrer falschen Interpretation ist eine grobe, bei einem juristisch borgebildeten Beamten nach der Judikatur dcS Reichs- gerichts strafbare Fahrlässigkeit, die keineswegs den„guten Glauben" in juristischem Sinne ersetzt, vielmehr den Tatbestand einer straf- baren Nötigung(fjZ 240 und 339 Str.-G.-B.) erfüllt. Gerade der juristisch vorgebildete Beamte sollte durch seine Amtspflicht be- hindert sein, eine so grundfalsche, das Wesen und die reichS- gesetzlich anerkannte Notwendigkeit des KoalitionSrechts so schwer verkennende RechtSansicht zu haben. Gelangt er trotz Pflichttreuester Anwendung der ihm zu Gebote stehenden Erkenntnismittel dennoch zu einen, so schweren Irrtum, so muß er als Jurist dessen«ingedenk sein, daß auch eine andere Ansicht richtig sein kann. Stiftete er trotzdem zur Auflösung an, so handelte er in den. Bewußtsei», daß, falls seine Rechtsansicht hinfällig ist, die Auflösung eine rechts- «vidrige, amtliche Nötigung ün Sinne der gedachten Strafparagraphen ist. Dies durfte dem Bürgermeister um so weniger entgehen, als ihm der Weber Reimes als eine Person bekannt sein mußte, die als Sozialdemokrat niit peinlichster Gewissenhaftigkeit die Gesetzes- Vorschriften beachtet, und auch auf eine Gewerkschast, die auf Grund des Reichsgesetzes lövOO Frauen als Mitglieder umschließt, un- möglich der Z 8 des preußischen Vereinsgesetzes Anwendung finden köimc. Die Benutzung und Anwendung des KoalitionSrechts ist im Interesse der Knltnrentwickelung so wichtig, daß sie von dem Zufall nicht abhängig gemacht werden darf, ob der zur Uebertvachung ent- senoete Beamte zutreffend instruiert ist. DaS öffentliche Interesse ver- langt deshalb zur endlichen Einengung der Vogelfreiheit des Koalitionsrechts, daß gegen den Bürgermeister von Düsseldorf die nach obigem notwendige Anklage erhoben werde. Wird die Anklage- behörde wegen des vom Oberverwaltungsgericht konstatierten Rechts- ftruchs Anklage gegen das Haupt der Düsseldorfer Polizei erheben? Eue der Partei. Eine sozialdrmekratische GemeindcratSmchrhcit hat das Dorf Klein-Lenbusch in Schlesien erhalten. Nachdem zwei vorher- gehende Wahlen für ungültig erklärt wurden, brachten die Genossen bei der dritten drei Kandidaten und zwar einen mit 33 gegen 14 Stimmen in der dritten Klasse und zwei in der zweiten Klasse mit 22 und 24 gegen 2 Stimmen durch. Da schon vier Sozial- demokratcn in der aus zwölf Manu bestehenden Gemeinde- Vertretung sitzen, so haben die sieben Sozialdemokraten jetzt die Mehrheit. Den Achtstundentag hat der Verlag unseres Parteiblattes zn Elberfeld, der„Freien Presse" am 1. Juni auch für das Kontor« und Expeditionspersonal eingeführt, nachdem er für das Druckereipersonal längst bestand. Die Buchhandlung wird fortan um 7'/2 Uhr geschlossen. Die Beerdigung de? Genossen Groth fand am Sonntag zn R o st o ck statt. Trotz des strömenden Regens folgten dem Sarge 4000 Mann.(Frauen beteiligen sich dort nicht an einem Leichen- zuge, selbst nicht die allernächsten weiblichen Familienangehörigen.) Durch Deputationen waren vertreten der Wahlkreis Bielefeld- Wiedenbrück(die frühere Wirkungsstätte des Toten), der Wahlkreis Lübeck(wo Groth durch die mecklenburgischen Parteitage bekannt wurde, die dort stets ivegen der vereinsgesetzlichen Bestimimmgen des ObotritenlandeS abgehalten werden), die verschiedenen mecklen- bingischen Wahlkreise und einzelne Städte. Der Partcivorstand in Berlin sowie die Redaktion des„Hamburger Echo" ließen Kränze am Grabe niederlegen, an dem sich die Blumenspenden der mecklen- burgischen Parteigenossenschast als auch der Gewerkschaften häuften. Reden durften auf dem Friedhofe nicht gehalten werden. Bom Fortschritt der„Hiiinanite". Das Tageblatt unserer französischen Genossen befindet sich in einem erfreulichen Aufschwung, obzwar es seine Sorgenzeit noch nicht hinter sich hat. Seit dem 1. Januar hat sich die Zahl seiner täglichen Leser um 8000 gehoben, wovon 5000 auf Paris entfallen. Die Zahl der Abonnenten ist dagegen ziemlich unverändert geblieben. Kie beträgt an 7600. Diese Ziffer würde in Deutschland beschämend gering erscheinen, ,n Frankreich, wo fast nur die großen Blätter zu 15 Centimes, wie der„Figaro", auf das ZlbonnementSshstem basiert sind, ist sie verhältnismäßig sehr beträchtlich, langt aber allerdings nicht zu. um die Existenz des Blattes zu sichern. Die Gesamtziffer des täglichen Absatzes beträgt 42 000. Kein einziges unter den eigentlichen politischen Blätter» in Paris(die„Petite Rcpubliqne" kann man nicht mehr zu diesen rechnen) reicht an sie heran— in der Pravinz freilich steht namentlich die radikal- sozialistische„Depöche de Toulouse" weit darüber— aber diese Blätter leben entweder direkt von RegiernngSsubventionen und Bank- Pauschalien oder�sie haben ihren Anzeigenteil und die Börsenrubrik an Finanzunternehmcr verpachtet, die dort einen Kundenkreis für zweifelhafte Geschäfte anlocken. Da die„Humanitä" aus derartigen Ouellcn natürlich nichts beziehen will, andererseits der Verlauf infolge des hohen Rabatts der Verschleißer und der vielen un- verkauften Exemplare einen minimalen Nutzen abwirst, ja bei der Probinzauflage sogar ein Defizit hervorbringt, ist die Situation des Blattes noch immer recht schwierig. Die Steigerung der Auflage und administrative Ersparnisse haben immerhin das Defiztt, das ini Augenblick der Krise 13 000 Frank im Monat betrug, auf 0500 verringert. Wenn es ganz beseitigt werden soll, ist ein erhöhtes Jntereffe der Arbeiterschaft für das Blatt notwendig. Die„Humanits" richtet nun in diefen, Sinne einen neuen, dringendeu Appell an das Proletariat. Auch sind von den 75 000 Frank Aktienkapital erst 55 000 gezeichnet. Der Rest soll nun durch eine allgemeine Sammlung aufgebracht werden, deren Er- trag in Aktien angelegt wird, die das Eigentum der sozialistischen Partei und der organisierten Arbeiterschaft bleiben werden.— Hoffentlich werden diese Bemühungen Erfolg haben und die „Hnmanits", deren mit der Zuspitzung des Klassenkampfes wachsende Bedeutung nicht erst auseinandergesetzt zu werden braucht, zu einer unzerbrechlichen Waffe des französischen Proletariats machen. polizeUicluo, �ericdtlichea ulw. D«S„geistige" Eigentum, so berichtet man uns unterm 1. Juni aus Halle a. S., jenes Oberscharfmachers Beumert in Hamburg, Vorsitzender des UnternehmerverbandeS im Baugewerbe, beschäftigte heute wieder die Strafkammer. Gcnosie Redakteur Artur Molken- b u h r hatte einige Stellen aus einem Vortrage, den der Mann in einem geheimen Zcrkcl gehalten hatte, im„Halleschen Volks« b l a t t" abgedruckt und man verurteilte ihn deshalb wegen an- geblicher Verletzung de? Urheberrechts zu der Kleinigkeit von 000 M. Geldstrafe—„mehr" schien der Vortrag nicht wert zu sein—. DaS Reichsgericht kassierte das Urteil— aber der Staatsanwalt be- antragte wiederum 000 M. Geldstrafe. Auf Antrag des Rechts- anwaltS Dr. Landsberg- Magdeburg wurde die Verhandlung schließlich vertagt. ES soll als journalistischer Sachverständiger der Chefredakteur der Berliner„BolkS-Zeitung" Karl Bollrath ver- nommen werden. Soziales* Einrichtungen der Bäckereien. Von einem sachverständigen Techniker wird uns geschrieben: „Daß das Kost- und Logiswescn hier bei den Bäckern noch im Gang ist, dürfte nur darauf zurückzuführen sein, daß die betreffen- den Meister mit der Einrichtung moderner Bäckereien nicht vertraut sind, weil ihnen die nötige Ausbildung fehlt. Daß in solchen ver- altcten Betrieben Unreinlichkeit an der Tagesordnung ist und daß sie nicht zu wirtschaften verstehen, ist eine Technikern längst bekannte Erscheinung. In amerikanischen Bäckereien findet man die voll- kommensten technischen und hygienischen Einrichtungen. Die Back- stube ist meist hinter großen Schaufenstern und die Arbeit von der Straße aus zu beobachten. Die Gehülfcn haben einen reinen weißen Anzug; alle Maschinen und Geräte sind blitzblank. Es gilt dort als selbstverständlich, daß in einer Bäckerei die Gehülfen nicht wohnen. Es befindet sich in jeder Bäckerei ein Ankleide- und Wasch- räum mit den modernsten Einrichtungen, wie Kalt- und Heißwasser- leitung mit blanken Hähnen, mehreren großen weißen Waschbecken mit Anschluß an eine Abslutzleitung usw. Sollten die Bäckermeister hier wirklich so beschränkt sein, solche oft mit wenigen Mitteln herzustellenden Einrichtungen anzulegen, oder fehlt ihnen nur die nötige Kenntnis? Die zur Einrichtung solcher Vorrichtungen nötigen Räume sind sicher in jeder Bäckerei vorhanden, sobald die Gehülfen außer dem Hause wohnen und die bisher als Schlafräume benutzten Abteile frei werden. Solche Einrichtungen sollten nicht erst von den Gesellen erkämpft werden, sie müßten imJnteressc des konsumierenden Publikums vorgeschrieben sein. Es werden in Bäckereien Nahrungsmittel hergestellt, welche eine absolut reinliche Behandlung erfordern. Da sind ausreichende Waschräume in erster Linie erforderlich. Die Schaffung solcher Einrichtungen und das Autzerdemhause- wohnen der Gehülfen würde bald eine bessere Löhnung und eine geregelte Arbeitszeit zum Vorteil von Meister und Gehülfen nach sich ziehen."_ Ausländische Werbeagenten. Die Warnungen der sozialdemokratischen Presse, insbesondere deS„Vorwärts", vor ausländischen Arbeitgebern und deren Agenten, die deutsche Arbeiter unter schwindelhaften Versprechungen nach dem Auslande locken, haben die Aufmerksamkeit derjenigen Kreise wachgerufen, die sich sonst den Teufel um das Wohlergehen der Arbeiter kümmern; die im Gegenteil fortgesetzt bemühet sind die besten und leistungsfähigsten heimischen Arbeiter aus ihrer Nähe z>i vertreiben und minderwertige ausländische Arbeiter an deren Stelle zu importieren. Die ostelbischen Junker sind es, die wieder einmal den Schutz der Behörden mit Erfolg in Anspruch nahmen, aber nur um Wahrung ihrer Interessen. Auf Veranlassung einflußreicher Vertreter der Landwirtschaft der östlichen Provinzen ist nämlich jetzt eine b a h n p o l i z e i l i ch e Beaufsichtigung der Werbetätigkeit ausländi- scher Arbeitgeber und Arbeitervermittler ange- ordnet worden. So hat die Eisenbahndirektion zu Bromberg an die Bahnhofsvorstände und die Inspektionen ihres Bezirks folgende Verfügung gerichtet: „Es liegt Anlaß bor, die Werbetätigkeit ausländischer Arbeitgeber und Arbeitervermittler an der preußisch-russischen Grenze mit Rücksicht auf den zurzeit in der Landwirtschaft Herr- schenken Mangel an inländischen Arbeitern nach Möglichkeit einzuschränken. Die Bahnhofsborstände werden daher angewiesen, bahnpolizeilich das Treiben der ausländischen Werber auf den Bahnhöfen sorgfältig zu überwachen und im Bereich ihrer Zu- ständigkeit etwaige landespolizeiliche Mahnahmen gegen sie nach Möglichkeit zu unterstützen. Solche Arbeitgeber und Arbeiter- Vermittler sind, sofern sie sich nicht durch amtlich erteilte Er- laubnisscheine auszuweisen vermögen, oder sofern sie sich nach- weislich der Verleitung zum Kontraktbruch schuldig machen, sofort der zuständigen Polizeibehörde zuzuführen." Merkwürdig, wie oft haben wir vergeblich zum Schutze hüls- und rechtloser in- und ausländischer Arbeiter gegen ausbeutungS- wütige und kontraktbrüchige deutsche und ausländische Arbeit- geber und deren Agenten aufgerufen. Handelt es sich darum, der angeblich Leutenot leidenden Landwirtschaft unter die Arme zu greifen, flugs ist der dazu nötige Apparat, aber nur gegen Aus- l ä n d e r, mobil gemacht._ Zentrum und Landarbeiter Wir haben kürzlich die von einem christlichen Gcwerkschafts- führer in Bayern aufgestellten Leitsätze bezüglich der O r g a n i- sation der Landarbeiter mitgeteilt. Diese Leitsätze liefen darauf hinaus, den Agrariern zu versichern, daß sie von den klerikalen Lgndgrheiterprganisationen nicht das Mindeste zu fürchten hätten, daß tved'kr bezüglich der Sohlte noch der Arbeitszeit krgen?- welche Forderung von Belang gestellt werden würde und der Streik von vornherein ausgeschlossen sei— so daß sogar die Korrespondenz des Bundes der Landwirte sich zu der anerkennenden Aeutzerung veranlaßt sieht:„Diese Leitsätze klingen sehr ver- n ü n f t i g und heben sich von den bisher kundgegebenen Anschau- ungen christlicher Gewerkschaftsführer recht vorteilhaft ab." Die„Kölnische V o l k s z e i t u n g" ist erfreut über die Anerkennung der Agrarier, und um diesen die letzten Bedenken zu nehmen, weist sie auf den Irrtum hin, als ob zwischen den als„sehr vernünftig" bezeichneten Leitsätzen und den bisherige,? Kundgebungen christlicher Gewerkschaftsführer ein Gegensatz bestehe. Der Münchener Kongreß der christlichen Gewerkschaften (1902) habe zur Landarbeiterfrage Stellung genommen und aus den Verhandlungen ergebe sich, daß die auf christlicher Seite ver- tretencn Anschauungen insbesondere bezüglich der Lohn- und Streikfrage auf dem Lande sich dem Sinne ra* durchaus mit den in Frage stehenden Leitsätzen deckten. In München habe Gicsberts ausgeführt: „Die Besserung der Landarbeiterverhältnisse sei nicht allein und nicht einmal hauptsächlich in der Zahlung hoher Geldlöhne zu suchen. Gewiß würden die organi- sierten Landarbeiter höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen erstreben. Ob aber dabei der Streik das ausschlaggebende Mittel sein werde, sei denn doch fraglich; das werde durchaus nicht der Fall sein, wenn die Landarbeiter recht- zeitig auf christlicher Grundlage organisiert würden und man nicht so lange warte, bis die sozialdemokratischen Tendenzen des Klassenkampfes bei den Landarbeitern Boden gefaßt hätten. Eine organisierte Arbeiterschaft würde vor allem das Akkord- und Kontraktverhältnis zu reformieren suchen." Genau wie bei der Gründung der christlichen Gewerkschaften, so spiegelt man auch den Landarbeitern vor, daß das bloße Dasein der Organisation genüge, um das Unternehmertum zu Zugeständ- nisscn zu veranlassen. Eine Organisation ohne das Recht und den Willen zu streiken, mag sich begraben lassen, und wenn die Ultra- montanen den Landarbeitern dieses Messer ohne Klinge in die Hand geben, dann beweisen sie, daß sie den Agrariern nicht wehe tun wollen und daß ihre Landarbeiterorganisationen weiter nichts sind als der Versuch, das Agrarproletariat vor der Sozial» demokratie zu bewahren._ Hus Induftrlc und Handel* Der FiSkns hilft die Preise— regulieren. Die von der königl. Bergwerksdirektion für Saargrubenkoks fest- gesetzten Richtpreise stellen sich für das zweite Halbjahr 1907 im Vergleich zu den Preisen deS zweiten Halbjahres 1906 um 1,70 M. bis 2,90 M. höher, wie folgende Tabelle ausweist. Preis für 1 Tonne ab Kokerei Zweites Halbjahr 1906 1907 M. M. Großkoks über 80 Millimeter.. 19.00 21,50 MittelkolS 50/80 Millimeter... 19.00 22,30 Brechkoks I......... 19,60 22,30 BrechkokS El........ 14,60 17,30 Der FiSkuS unterstützt die Preispolitik deS Kohlensyndikats nicht nur, er reizt die Privatindustrie förmlich auf. bei den Preis- festsetzungen jede Bescheidenheit beiseite zu lassen. Papiergeld bei Lohn- und Gehaltszahlungen. Auf der letzten Hauptversammlung des Vereins für die Wirt- schaftlichcn Interessen in Rheinland und Westfalen gab Ingenieur Schott-Köln die Anregung, daß die Fabriken auch dazu übergehe» möchten, den Lohn an die Arbeiter in Papiergeld auszuzahlen. Zu dieser Frage äußerte sich auch Herr Direktor Dr. v. Waldthausen- Essen, der darauf aufmerksam machte, daß ein Werk des nieder- rheinischen Bezirks zu dem Modus der Auszahlung des Lohnes in Papiergeld übergegangen sei. Man würde diese Angelegenheit mit besonderem Interesse verfolgen und die Erfahrungen entsprechend verwerten. Auch die Staatsregierung habe diese Angelegenheit be- reitS in den Kreis ihrer Erörterungen gezogen und den Beamte» nahegelegt, sich bei den Banken Konten anzulegen, um durch Giro- Überweisungen die GehaltSftage zu erledigen. Bankbeamtentag. Im KaufmannShause in Kassel wurde der deutsche Bankbeamtentag abgehalten. Nach Mitteilung des Vor- sitzenden deS Gesamtvereins Fürstenberg-Berlin hat sich die Mit- gliederzahl während der abgelaufenen zweijährigen Geschäftsperiode um 5619 auf annähernd 12 090 erhöht, die Zahl der Zweigvereme von 49 auf 60. ES besteht eine Teilorganisation des Vereins in London. Reichstagsabgeordneter Justizrat Dr. Junck-Leipzig hielt einen Vor- trag über die Privatbcamten in der deutschen Volkswirtschaft, Fürstenberg-Berlin über die PensionSfrage. Es wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in der an die gesetzgebenden Körperschaften die Bitte gerichtet wird, bei der in Aussicht gestellten Revision der Bestimmungen über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe die Sonntagsarbeit im Bankgewerbe zu verbieten. Eine ziveite, eben- falls einstimmig angenommene Resolutton hat die Errichtung einer allgemeinen ncntralen PensionSkasse im Einvernehmen mit den Bank- leitungen zum Ziel, die allen deutschen Bankbeamte» und ihren Hinter- bliebenen bei völliger Freizügigkeit einen Rechtsanspruch auf Pension sichert. In einer dritten Resolution wird der Wunsch um Aushebung des Verbotes des Börsenterminhandels in Wertpapieren aus- gesprochen. Ans der Tagung teilte ein Vertreter dcS Zentral» Verbandes des deutschen Banken- und BankierSgewerbeS mit, daß die von diesem genttalverbande angestellten statistischen Erhebungen ihrem Abschluß nahe seien und ein Plan für eine allgemeine Pensionsvcrsicherung der deutschen Bankbeamten aufgestellt würde. Als Ort der nächsten Tagung im Jahre 1904 wurde Dresden bestimmt.__ Deutschlands Maschinenexport im laufenden Jahre. Die Ausfuhr von Maschinen aller Art stellte sich während der ersten vier Monate der letzten Jahre auf 889 610, 943 720 resp. 1 020 578 Doppelzentner. Nicht nur absolut, sondern auch relativ ist die Ausfuhr in diesen? Jahre stärker gestiegen als 1900. An der Zunahme hat der März den größte?? Antell, während im Januar und Februar die Ausfuhr ganz bedeutend hinter der vorjährigen zurückgeblieben war. An dein Ausschwung de? MajchinencxportS im April haben alle wichtigeren Masch?nensorten teilgenommen; ganz hervorragend stark war die Zunahme der Ausfuhr von Maschine?? für den Bergbau. Maschinen für die Jnd?istrle der Steil?e und Erden, sowie Dampstnaschinen. In diesen drei Gruppen sowie in einigen anderen für die de??tsche Ausstchr wichtigen Maschinensorten stellte sich der Export i?n April ans D»ppelzcntt?er: 1900 1907 Maschinen z?ir Bearbeitimg von Metallen.. 17 837 35 515 Bergwerksinnschincn......... 8 879 14 043 Maschinen für die Gruppe Steine und Erden 3 550 13 522 Dampflokomotivei?.......... 12 927 19 203 Dampflokomobilen.......... 4878 7944 Andere Dampfmaschinen........ 13 177-2842 Stick« und Zurichtcmaschinen...... 4011 12101 Brauerei- und Brennereimaschinen.... 1476 5460 Vcrhälti?is?näßig wenig ist der Export von Lokomotiven im April gestiegen; allerdings?iur im Vergleiche zu den übrige?? Maschinen- forte»; an und für sich ist indes die Zunahme von 6200 Doppelzentnern oder 50 Proz. noch immer recht befriedigend. evasferstand am 3. Juni vorm. S I b e bei Anffig— Weier, bei Dresden— 114 dp.— Elbe bei Magdeburg 1,38 Meter.— Oder bei Ratibor 1,02 Meter.— Oder bei Breslau— 1,44 Meter.— Oder bei Bricg 1,60 Meter.— Neigemündung 1,26 Meter. Zweiperein Serlin und Umgegend. Sektion der Falirstnlilarkeiter. Mittwoch, den 3. J»ni, abends 8 Uhr, im Lokale von Bock er, Weberstr. 17: wer Versammlung"MZ sämtlicher auf den Kauten deschäftigteu Fahrstnl/lardeiter. Tages-Ordnung: 3t/8� i.„Unsere Ausbeutung seitens unserer Arbeitgeber und wie stellen wir uns dazu?" 2. Diskussion.______________ = Sektion der Deckenbranche. Donnerstag, den 6. Juni, abends 8 Uhr, im Lokale von Wohlfahrt, Rosenthalerstr. 57: Außerordentliche Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnung: t.„Ter Kampf im Baugewerbe und wie stellen wir uns dazu?" s. Diskussion. Recht zahlreichen Besuch erwartet»er Zweigrvercinsvorstand, XB. Die Moldenträgcr werden ersucht, recht zahlreich in der Versammlung der Fahrstuhl irbeiter zu erscheinen. Weiter machen wir Hicvmit bekannt, iafj auch in den nächsten Tagen die Fahrstuhlarbeiter an hre Unternehmer ihre Forderung einreichen werden und diesen mit allen erlaubten Mitteln Anerkennung zu verschaffen suchen. Wir fordern daher alle Moldenträger aus, den Fahrftuhlarbeitern die aröbte Solidarität cntaegcnzub ringen und auf allen Bauten, wo die Fahrstuhlarbeiter die Arbeit eingestellt haben, die Arbeit nicht auszunehmen. U. O. Bilanz per ltl. Dezember liMMj. Aktiva: Mk. Materialien...... 28 156,89 Werkzeug-Kont» 5035,40 Mschreibg. 10°/« 503,40 Maschinen-Konto 3787,45 Abschreibung. 756,45 z 031,00 Kassa-Konto 659,25 Wechsel-Konto..».. 3 747,05 Bank-Konto...... 1 972,56 Debitoren....»..11 534,60 53 633�5 Passiva: Kreditoren...... 14 177,04 Darlehns-Konto.... 35 061,14 lAenossenschasts-Anteil-Konto 240,00 Reservcsonds-Konto... 1 113,12 Neingewinn...... 3 042,05 Aciitünti! Bäcker! Dienstag, den 4. Jnni, nachmittags 3 Uhr, in den„Sophien-Sälen", Sophienstr. 17/18(großer Saal): MHgUedev-Versatimtlutig H stttilmiden lind flllet;ii titntn Akdiligililze« arbeiteiideii Kollegen. Tages-Ordnung: 1. Die Situation unseres Streiks, e-«««». Mitgliedsbuch legitimiert! Ohne dasselbe kein Znttitt!>■■>»»»» Es ist Pflicht eines jeden organisierten Bäckers, in dieser Versammlung zu erscheinen. Nerband der Kiicker und Kernfsgenosstn Dentschlilnds. _ Bezirk Berlin. I. A.: F. Schneider._ Ii itur-l Arbcits»achN>ciS: Verwaltungsstelle Berlin. Hos I. Amt 3, 1239. Clisntbstps0s 3. H Hanptbureau: III. Slmt 3, 1987 Rohrleger! Mittwoch, den 5. Juni, abends 8'/- Uhr, bei Baxel, Seydelstr. 30: VertrauensmäDiKr'KonfmDz der Rohrleger und Helfer. Anläßlich der Bauarbeiter-Aussperrung ist es notwendig, daß jeder Be trieb vertreten wird. Wo kein Vertrauensmann unserer Organisation ist, ersuchen wir, einen Kollegen mit der Vertrcwng zu bcaustragen. 119/14_ Die Ortsverwaltnng. nm U vir Filiale Berlin. MW Zuschneiden). Zusehneiderinnen! Die Fortsetzung unserer Mitglieder- Versammlung vom 29. Mai findet am Dienstag, de» 4« Juni, abends 8'/, Uhr, bei VrUael, Neue Friedrichstr. 33, statt._ 164/18 lesuch erwai Kahlreichen Besuch erwartet Die Ortsderwaltung. Filiale(ZroK-verlin. Mittwoch, den 5. Juni» abends 8'/» Uhr präzise, in Dräsels Festsaal, Nene Friedrichstr. 35: Mtglieder-Vmammlung TageS-Ordnung: 1. Bortrag des Arbetterselretärs Genossen Baner: Dlt gtllltkd» fchastlichtn Kämpft der Gegenwart. 2. Mitteilungen. 3. d« internationale Arbeitcr-Kongreh und die internationale Gemeinde- arbeiter-Koufercnz in Stuttgart. Diese sehr wichttgen VerhandllMgSgegenstände machen jedem 'hetw Einzelnen das Erscheinen zur Pflicht. 291,8 Die Ortsverwaltung. 4 532,00 53 633,35 . Mitgliederzahl am 31. Dezbr. 1906: 8. Ausgetreten: keiner. Eingetreten: keiner. Betrag der Gesamthastsumme 240 M. Betrag des Geschäjtsgut' Habens 240 M. Mithin haben sich Hnjtsumme und Geschäslsguthaben nicht verändert. 1044b Miideltabrllr„Union". Eingetr. Genossenschast m. beschr. Hast. W. Friose. F. Mögenburg. Bi|z DresdBB-Ra4#b8tC�w«»»_<� LössBitz*', HerrL mfldö Lege. Säcbs. Nizza Prospekte frei Oünstige „Jlerfolge. _ Aerate. Diroktor Alfred Bili. Ohetorzt Dr. Asckk». Internat. Besach. Station Löisnltzgrond 300000 an), SAbt.(Herr., Dam. u Familien). Bilz' Goldene Lebensregeln U» soeben erschienen. 2 Mk.'W" Begeistert aufgenommen. Blli Walurhellkuch c«.>>,, Hill,*erk. Tanzlehrer- Verband „Solidarität" Berlins u. Umgegend. Den Mitgliedern zurKcnntnis, das» die Monats-Versammlung am 7. Juni 1907.',,10 Uhr, im Restaurant»Zur schönen Aussicht-, Britz, Gauner Chaussee, stattsindet. >086b I. A.: Fennclre. Habe mich AlltjUStStr. 93, Ecke Oranionburgerstraße, als Spezialarzt für Beinleiden (Beingeschwüre, Krampfaderleiden, Plattfußbesch werden) niedergelassen. Sprechstunden 9—12, 4—6, Sonntags 9—12. Für Unbemittelte Dienstags und Freitags 4—6. 50751,* Dr. med. W. Fackeluiaim. 4» Hygienische BeaansarOkel. Neusit.Kaialog El. Empfehl.viel. Aerzte u.Prof. grat. uät H. ünger, Gummiwarenlifcrilj Berlin NW.. Friodrichetrads 6 91/92, Dr. Schünemann Spcziak-Arzt jfir 44112* Bant- und Harnleiden, Francnkrankheitcn. Friedrichstr. 203, Ecke Schützenstr. 10-a, 5-7, Sonnt. 10-18 Uhr. I I I H.& P.Uder, iSÄfl Fabrik-Lager sämtlicher gangbarer Kautabake. W Spezii; Nordhäuser Kautabak l stets frisch zu billigsten Engros-Preison. 3464 L* W 'Amt 4, 3011. Dampfväselierei Sonnenlicht Rixdorf, Borgstr. 55. LeibwöschelOPs., gr. Bezüge lo Ps., tdandtücher, Taschen- lücher 4 St. lOPs. schonendste Behand- hing, freie Abholung von 3 M. an. Empsehle den Gewertschasten usw. mein Lvkal zu Mtrbstlili- slijUNgtN. Zimmer für 36 bis 70 Personen. Zahlstelle des Deutschen Metallarbeiter- Verbände», der Tchneider-Krankenkafse. 1080b* Witwe Kürbis, Luisenstr. 26. 1000 MK. Für die Neberlassung einer ge- s u n d i n Idee, die Fabrikation eines neuen, kleinen Welt- Konsumartikels betreffend, der großen Absatz verspricht, aber ohne teuere Anlage hergestellt werden kann, bezahle ich nach desinitiver Auf- nähme bis zu obigem Betrage. Eventuell biete Beteiligung. 1087b* Gest. Offerten unter Ii. 1 befördert die Ervedilion dieser Zeitung. itai Teilzahlung! Wöchentlich nur 1 Mark. Uhren jeder Art so- wieGoldwar., Zithern, Phonograph., Platten- sprechmaschinen, Har- nonikaS, Mandolinen, Geigen usw. Große Auswahl in Platten, echte Edison-Apparate und Walzen zu Original, Preisen. Juhre& König, Warschauerstr. 72, 1. Etage. Reinickendorferstr. 101, I. Etage, Kinliitii- nild Kriliiftiiidttti vou ködert Klemer.. nur Nwllmrn-Slrtilie 2. Zentral-Verband der Maurer Deutschlands. Mitttvoch, den 5. Juni 1907, vormittags 10 Uhr, bei Freyer, Koppenstrahe SS Versammlung der Ausgesperrten bezw. Streilienden all» jgm Jinfipttri» liftliu grljörtpo JaMIIm miä ßtjirlif der Wirrer. TageS-Ordnung: vor Tisnü unsoror Bewegung,———• Freitag, den 7. Juni 1907, abends S'h Uhr, bei Freyer, Koppenstrahe 29 t General- Versammlung für fümtlirijf Keinke und Zahlflellen der Maurer» der Selition der Putzer, der Gips» und Aenlentllraiidje, ftwie der Flieftuleger. tm TageS. Ordnung: 1. Berichterstattung vom 9. VerbandStage. 3. Diskussion. 3. Neuwahl de? VcrbaiidPausschusses. 4. Abrechnung vom erste» Ouartal. ZlltKlledsbiiel, legitimiert!— Ohne dusmclbe kein Zntrltt! In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht jedes Kollegen, zu erscheinen. IZee Z wo igvcrclnsvor stand, Achtung! Maurer! Achtung! Dienstag, de« 4. Juni, abends 3'/- Uhr, bei Freyer, Koppeustr. 29: - AlltxlleUer- Versammlung der Freien Vereinigung der Maurer Deutschlands, Ortsverein Berlin. TageS-Ordnung: Der Stand der Lohnbewegung. Zahlreichen Besuch erwartet(129/l3*)_______________ Der Vorstand. Senlseher tiolzarbeiter-Verband. Mittwoch» den 3. Juni» abends 81/« Uhr» bei Freyer, Koppenstrahe 29: Vertrauensmänner- Versammlung für sämtliche Bezirke und Sranchen. Tagesordnung: 1. Unsere nächsten Ausgaben. 2. Festsetzung der Beiträge und der Krankenuntcrstützung nach dun 1. Ind. 3. Verbandsangclegenheiten. 87/13' Jode Werkstatt mutz vertreten sein. Mitgliedsbuch nebst VertrauenSmännerkarte legitimiert._ Ble Ortavcrwaltnag. Zentralverband der Töpfer Deulsehlands. Filiale Berlin. Mittwoch, den 5. Jnni 1907, abends S'/s Uhr: Mitglieder-Bersammlnng im Gewerkschaftshanse, Engel-Ufer IS(großer Saal). TageS. Ordnung! I. Fortsetzung der Sache Huhn. 2. Verschiedenes. „i ein■'• Ilm rege Äeteiligung ersucht 196/11 Der«orstand. Zentral-Verband der Zimmerer Zablftcllc Serlin und ötngegcnd. Bureau: Engel-Ufer 15 v. m, Zimmer SS. Fernsprecher i Amt 4 Nr. 2789. MMuich, den 5. Jnni, abends 8%!lhr, in der Kranerei FriedriltzstM, Mitglieder-Bersammlnng. 254/15* Tages-Ordnung: w Unsere Lohnbewegung.'HW Das Erscheinen aller Kameraden ist notwendig.— Vcrbandsbuch legitimiert. Der Borstand. stmichW iitt Jmmr DMWM vnrean: Ikorlln C. 54, Dragonrrstr. 15, II«f 1.— Fernsprecher Amt 8, Ufo. 602S Mittwoch, den 5. Juni, abends 8 Uhr, im Böhmischen Brauhause, Landsberger Allee 11— IS: AHgememe Mitglieder-Versammlung des Vereins der Zimmerer Berlins nnd flmgr« _ TageS-Ordnung: tB7/U« Bericht über die Lohnbewegung. Das Erscheinen aller Mitglieder ist Ehrenpflicht. vor Vorstand.*' Uro Dienstag, den 4. Zun!, abends 8 Ahr: Volksversammlungen I. Kreis: Dräsels Festsäle, Neue MM. 35. 2. Kreis: Horjäger- Palast, HOcheide 52153. Königshof, Kölmstraße 37-40, 3. Kreis: Buggenhagen, am Marihtah. 4. Kreis: Süi>-Ojl: Urania(Inhaber: Walter), Mraagetßr. 0/10. „: Draehenburg, Nor dm SchleWk« Tar. Oßea: Litßns Geseilsehaftshaus, Mmktkrßr. 67. Breuer,®ra|e Fraakfackrjlr. 117. Elysium, Fandsbngn Allee 40. Markgrafensäle, Markgraftadarnm 34. 5. Kreis: Sehtttzenhaus, Fiilieajlraße 5. 6. Kreis: Moabit: irmmiushallen, Kremerstraße 70/71. Gesaadbraaaea: Schirms Festsäle, Kadstraße 19. Uedding: Germania- Säle Weißer Such. Chaaffkkjtr. M Raskilth.-Varjtadt: Smneillünllöl KöllöllseliMgus, Smiaemiiadelßr. 42. Schäahaaser-Darfladt: Prater-Iheater. Kastanie«- Allee 7-0. T elto w-Beesko w. ff ff r«f, r�-r»•- ify Charlottenburg i Volkshaus, Rßßitilk. 3. Schönebergs Obst, Meiningerjlr. 8. Rixdorf: Fritz Hoppe, KeriiiWiistr. 48/49. Mariendorf: Pnrschke, SHussttstr. 82. Adlershof: Völlstein, Kismarckstr. 24. Baumsehnlenweg: Speers Festsäle, KmHiiIeO. 78. Üiecier-Bariiim. Rummelsburg: Weigelt, Tnrrschmdtstriiße. Lichtenberg: Schwarzer Adler(Gebrüder Arnhold), Itniilifiitlct CHliilssce 5. Reinickendorf-Ost: Schönholzer Tivoli, PmiiiAroßc 69. Weißensee: Prälaten, ßehderjlr. 122. Tegel-Borsigwalde: Icgtl, Trapp, ii.$o|ti||of. Pankow: Zum Kurfürsten EÄäch) Kcrli«erstr.l92. Karlshorst: Gruhn, Prinz Adulbntflrchc(Ecke Könmer Wicsemveg. Tagesordnung in allen Bersannnlnngen: Der Kitcktrstreik md die Frage«. Reserenle«: ANmsnn, Lugen Brüetmer, Lrnst Brückner, Böske, Ottilie Baader, Alax Barth, Agnes Vahrenwald, Vendel, Giebel, Grauer, Grnnwald, Kildebrandt, JtTartha Koppe, Stefan Kulitsehke, Karl Ketzschold, Lmma Ihrer, Knoll, Wilh. Kahl, jnirns, Kitter, Keinr. Sehnlz, Trans Schneider, Kob. Schmidt, Martha Tietz, Marie Thiel, Wurm, Klara Wegl, Sonnenburg. Zahlreichen Besuch erwarten Die Einbernfepinnen. '.Vtrantwortlicher Rcdalteur: Hans Weber, Berlin. Für de, gnserarenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts ivuchdruckerei u. VerlagSanstalt"PlNtr'SinL-r& Co.. Berlin SW.' m. a»« 2 Jtilnje Um Joniiitts" letliiitt JdlliölilJlt. Partei-?Znge!egenkeiten. Wilmersdorf. Heute abend finden die von den Frauen Groß- Berlins zugunsten deS Bäckerstreiks veranstaltete» VolkSversainin- lungen statt. Da für unseren Ort keine Versammlung anberaumt ist, so ersuchen wir die Genossinnen und Genofien, die Versammlungen in dem benachbarten Charlottenburg(Volkshans, Rosinenstr. 3t sowie in Schönebcrg(Obst, Martin Lutherstr. 51) zu besuchen. Der Borstand. Wilhelmsruh. Heute, Dienstag, abends S'/z Uhr, findet die Mitgliederversammlung des Wahlvereius im Barthschen Lokale statt. DageSordnung: 1. Maßnahmen zur Unterstützung der streikenden Bäcker. 2. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen wird erwartet. Nordend. Mittwoch, den 5. Juni, abends S'/z Uhr pünktlich, tagt der Wahlvereinsbezirk Nordend im Lokale des Herrn Schüßler, Blankcufelderstraße. Vollzähliges Erscheinen ist Pflicht. Wahlvercin Potsdam. Versammlung am Mitttvoch, den 5. Juni, absuds 8>/z Uhr, bei Ladenthin. Vortrag des Genossen M. H. Baege, Friedrichshagen, über:„Schöpfung oder Entwickelung?" Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Berliner JVachricbten» Respektlosigkeit. Als der Kutscher den Flaschenkorb vom Wagen herunter- hob, rutschte eine leere Flasche heraus und fiel mit lautem Geklirr auf das Straßcnpflaster. Aergerlich besah sich der Kutscher die Bescherung und schob die am weitesten weggeflogenen Glassplitter mit dem Fuß näher an den Wagen heran. Dann lud er den Korb auf die Schulter, um ins Haus zu gehen. Damit war die Angelegenheit eigentlich erledigt und die paar Zuschauer machten schon Miene weiter zu gehen. Anders dachte aber ein Schutzmann, der gerade des Weges wandelte. Wohl hatte er keinen Straßendienst. Er trug würdevoll eine Mappe unter dem Arm, die er mit der feierlichen Grandezza, die solchen Amtshandlungen geziemt, dem Polizei- bureau zutrug. Aber er war doch ein Schutzmann und hatte Uniform an; die beliebte blaue Uniform mit dem silberweißen Besatz. Welche schöne Gelegenheit, die Wirkung dieser schönen Uniform auf den gewöhnlichen, nichtuniformierten Staatsbürger zur Geltung zu bringen I So unterbrach er seine Amtstätigkeit als Beförderungs- mittel einer blauen Mappe und schritt smit der ganzen ungeteilten Würde eines Schützers der Ordnung und mit strenger Amtsmiene auf den Kutscher zu. Aber!-- aber! Dieser untergeordnete Mensch ohne Uniform nahm nicht die Hacken zusammen, legte nicht die Hände an die Hosen- naht, sondern empfing die blaue Uniform mit feindseliger, trotziger Ablehnung in Blick und Haltung! Der Schutzmann wies mit der weißbehandschuhten Hand auf die Glasscherben und richtete dann einen strafenden Blick auf den Kutscher. Die Empörung über die unerhörte Straftat des Kutschers zitterte in seiner Stimme, als er mit grollen- dem Unteroffizierstone also sprach: „Machen Sie das da weg!" Aber mit frechen, unbotmäßigen Worten.antwortete der Kutscher: ..Jawoll, det wer ick!" Entrüstet über die im herausfordernden Tone des Kutschers klingende Auflehnung gegen die Staatsgewalt, grollt die blaue Uniform noch gewichigcr als zuerst: „Sie werden das da sofort weg machen!" Aber weit davon entfernt, daß der Kutscher diese warnende Stimme des Gesetzes respektiert hätte, fährt er die blaue Uni- form an: „Wat wollen Sie? Sie haben woll nischt Besseres zu dhun? Ick habe Ihnen ja schon jesagt, det ick det wcgfejen werde. Det brauchten Sie mir ja nich erst zu sagen, det weeß ick von alleene." Die Röte steigt dem Schutzmann bis an den Mützenschirm, ob vor Zorn über den unbotmäßigen Kutscher oder vor Ver- legenheit über die lachenden Gesichter der Unlstehenden, ist nicht genau zu unterscheiden. Grimmig knurrt er unter seinem Schnlirrbart: „Sonst hätte ich Ihnen mal zeigen wollen--" Weiter kam er nicht. Der Kutscher war augenscheinlich auf dem Gipfel der Respektlosigkeit angelangt, denn mit höhnischer Miene und lauter Stimme fiel er der redenden blauen Uniform ins Wort: „Wat? Sic wollen mir wat zeijen! Wat wollen Sie mir denn zeijen? Wie ick fejen muß? Nich nötig! Kann ick!(Mit unerhört höhnischem Nachdruck): K a n n ick! Wat halten Sie sich denn hier bloß noch uff? Hier jiebt et ja nischt für Sie zu dhun! Det mach ick allens alleene." Das war zuviel für die wandelnde blaue Uniform. Auf soviel Mangel an Achtung war sie nicht gefaßt gewesen. Und dabei lag wirklich gar kein Grund vor. das Notizbuch heraus- zuziehen imd irgend etwas aufzuschreiben. Gar kein Grund! Noch einmal zeigte die weißbehandschuhte Hand auf die Scherben, dann drehte sich die zu ihr gehörige bkaue Uniform rasch um und schritt schnell fürbaß, dem Polizeibureau cnt- gegen. Aber so rasch konnte die aktentragende Uniform doch nicht gehen, daß sie nicht noch das laute Gelächter gehört hätte, das der respektlose Kutscher hinter ihr anstimmte. Und die Umstehenden halfen sogar noch dem Kutscher beim Lachen!_ SänglingSfiirsorgestelleu. Die SäuglingSfiirsorgestellen haben eine Vennehrung erfahren, k/idem zivei neue hinzugekommen sind. Dieser Umstand hat zu einer anderen Abgrenzung der zu den einzelnen Fürsorgestelle» gehörigen Stadtbezirke geführt. Es befindet sich: iilst! WmImMchlli. SäiiglingSsürsorgestelle l, für das Zentrum, den Osten und Nordosten bestinimt, in der B l u m e n st r a tz e 78; sie umfaßt die Stadtbezirke 1—1» u. IIS— 163, 16?— 183, 189A, B, C, 100B, C, E, 195-201. SäiiglingSsürsorgestelle II, für den Norden bestimmt, in der Elsasserstraße 27; sie umfaßt die Stadtbezirke 202—245, 251—253, 255—259, 264—274. SäugliiigSfürsorgcstellc III, für den Westen unid Nordivestcn bestimmt, in der B u g e n h a g e n- straße?, in der Markthalle am ArminiuSplatz'; sie umfaßt die Stadtbezirke 11-ck4. 279-304. Sauglingsfürsorgcstelle IV, für den Süden und Südosten bestimmt, Naunynstraße 63; sie um- faßt die Stadtbezirke 15—19, 22—28, 72—74, 76—144 und 167 A, B, C. SiiuglingSfürsorgcstclle V, für die Stadtteile Gesundbrunnen und Wedding bestimmt, Pank- straße 7; sie umfaßt die Stadtbezirke 254, 260—263, 275—278. 305-326. SäuglingSfürsorgcstclle VI, für den Südwesten bestimmt, Großbeerenstr. 10, Ecke Tempelhofer Ufer; fie umfaßt die Stadtbezirke 20, 21, 29—71, 75 A und B.— Zu ihrem Leiter ist der Kinderarzt Herr Dr. Schmoller ernannt, der seine Sprechstunde wochentäglich von 1—3 Uhr abhält. Säuglingssürsorgestelle VI! ist aus den Stadtbezirken 246-250, 1891), 190A und D, 191—194 �bildet. Diese neue Fiirsorgestelle ist am 1. Juni d. I. im Hause Prenzlauer Allee 45 eröffnet worden. Zu ihrem Leiter ist der Kinderarzt Herr Dr. SchapS ernannt, der seine Sprechstunde wochentäglich von Va2— V23 Uhr abhält. In den Fürsorgcstellen wird jeder unbemittelten Mutter über die zweckniätzige Ernährung und Wartung ihres schwachen oder kränk- lichen Säuglings unentgeltlicher Nat erteilt. Liegt das Bedürfnis vor. so wird stillenden Mütter» eine Geldunterstiitzung, nicht- stillenden Müttern Milch zu ermäßigten Preisen oder ganz umsonst gewährt._ .Der Berliner Lehrerverein hörte am letzten Freitag einen Bericht des Herrn L 0 r n s e n über den vierten Preußischen Lehrer- tag, der sich Pfingsten in Magdeburg mit den Wünschen der Lehrer für das in Aussicht stehende Besoldungsgesetz beschäftigt hatte. Darauf hielt Herr Borchardt einen Vortrag über:..Merk- blatt- und Plakatpädagogik" und kritisierte die gegen- wärtig in Berlin beliebte Art und Weise, der Lehrerschaft in durchaus selbswerständlichcn Dingen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Daran schloß der Referent eine Würdigung des Merk- blattes betr. die körperliche Züchtigung in der Volksschule. In der Debatte wurde betont, daß das Recht der Oeffentlichkeit auf Kritik in. keiner Weise tangiert werden solle; aber es sei unbillig, daß man die Blößen eines Systems aus Kosten der Lehrer decke. Und das»u» so mehr, als man sonst„amtlicherfeitS" recht schweigsam ist und z. B. den Lehrervereinen zu statistischen Zwecken verlangte Auskünfte über Gehälter, Schülerzahlen usw. von den kommunalen Schulverwaltung verweigert worden sind. Es gelangte folgende Resolution zur Annahme: ..Der Berliner Lehrervcrein sieht weder in der bisherigen amtlichen Tätigkeit der Berliner Lehrerschaft noch in den allge- meinen Grundsätzen der Erziehung die Notwendigkeit, den Lehrenden pädagogische Selbstverständlichkeiten in Form von Merk- bleniern in die Hand zu geben. Er protestiert insbesondere im Interesse der Schule dagegen, daß Kundgebungen der städtischen Schuldeputation, soweit sie die Person der Lehrenden betreffen, in der Tagcsprcsse veröffentlicht werden. Der Berliner Lehrcrverein bittet die städtische Schuldcputation, Vorsorge zu treffen, daß sich nicht Fälle wiederholen, wie der Abdruck des Merkblattes über die Gefahren der körperlichen Züchtigung in Berliner Gemeinde- schulen." Dem Zwecke, dem derartige Plakate und Merkblätter(über Verhalten bei Feuersgefahr, Gesundheitsregeln, Verhalten beim Ucberschreitcn von Straßen usw.) dienen sollen, kommt man auch dadurch nicht näher, daß man ihren Inhalt von den Schülern memorieren läßt, wie bezüglich der Anweisung für das Ueber- schreiten von Straßen angeordnet worden ist. Man vermehrt dadurch den Mcmorierstoff der Schule um einen Bestandteil, dem man den religiösen Stoffen gegenüber nicht einmal den Vorzug zusprechen könnte, daß er sprachlich durchsichtiger und verständlicher sei. Auch damit ist's nicht getan, daß man(bez. Gesundheitsregeln) Bericht einfordert, wie die Sache gewirkt hat. WaS man mit solchen Maßnahmen erreichen will, muß als reife Frucht aus dem gesamten Unterricht organisch und natürlich hervorwachsen. Wer nun für diese Zeugung derartiger Früchte erziehenden Unterrichts mit etwas„Hebammenkunst" sich durchaus noch besonders verbürgen will, der sollte seinen Eifer daran setzen, die realen Grundlagen der Schulerziehung auszubauen. Er wird bei sich s e l b st dadurch das Vertrauen stärken, daß die Berliner Schuten fähig sind. Notwendiges auf natürlichem Wege zu leisten. Der sollte sich bemühen, die Klassenfrcquenzen noch weiter herabzudrücken, Mietsschulen und fliegende Klassen, kurz alle die Mängel zu beseitigen, die an dieser Stelle am Berliner Schulwesen oft genug aufgezeigt worden sind. Vielleicht--rhält die Berliner Gcmeindeschule auch noch die durch den Lehrplan seit Jahren vor- gesehenen Realien- und Sprach buche r. Dann können die Vorzüge des Achtklassensystems der Berliner Schuljugend doch noch wenigstens eine Zeitlang voll und ganz zu teil werden, ehe ihm die Sparpolitiker im roten Hause den Garaus machen. Weiter gelte es noch, die Volksschichten, deren Jugend der Volksschule zu- geführt wird, sozial und wirtschaftlich derart zu heben, daß die Volksschüler körperlich genau so genährt und gekräftigt an der Schularbeit teilnehmen können wie die Jugend der besser situierten Kreise, daß sie der führenden Hand der Mutter ebensowenig ent- behren müssen wie jene. Ist das erreicht, dann würde auch— die körperliche Züchtigung aus der Schule verschwinden. Ein Merk- blatt über die körperliche Züchtigung hätte dann mehr Sinn. Vielleicht aber hat Herr Professor Wagner recht. Vielleicht fehlen in Berlin die Voraussetzungen für fruchtbare Reformen, als welche pädagogische Merkblätter und Plakate von den Lehrern an- scheinend nicht angesehen werden. Der Ruhm wäre auch zu billig. Fortzug vi» Zeusiten. Im ersten Quartal d. I. sind»ach Berlin 16 939 Z e n s i t e n der Stnatseinkommensteuer zugezogen, dagegen 17 342 fortgezogen. Es sind somit 403 Zensiten mehr fort- zugezogen, besonders groß war die Zahl der sortgezogenen Zensiten auS den höheren Steuerstufen. Zu dem Skelcttfunb auf dem Gesundbrunnen, der vor einigen Tagen in der Christianiaßraße gemacht wurde, wird uns heute be- richtet, daß seitens der Kriminalpolizei die Ermittelungen vor- läufig wieder eingestellt worden sind. Die Polizei ist nach wie vor der festen Ucberzeugung, daß dem Leichenfund ein schweres Verbrechen zugrunde liegt, doch war infolge der vollendeten Ver- wesung des Toten keinerlei Anhalt über die Persönlichkeit deZ« selben geschweige denn über die des Täters zu gewinnen. Auch die Recherchen, die über alle die Verschwundenen, die seit etwa sieben Jahren vermißt werden, eingeleitet worden sind, haben zu keinem Erfolg geführt. Wenn nicht noch durch einen Zufall oder durch andere besondere Umstände Licht in die dunkle Affäre ge- bracht werden wird, so dürfte eine Aufklärung wohl niemals herbeigeführt werden. Der Fiskus und die Stadt Berlin. Die Stadt Berlin beab- sichtigt am Stralauer Anger zwischen Oberbaumbrücke und der Ringbahn auf Berliner Gebiet einen Hafen zu erbauen. Der größte Teil des erforderlichen Geländes ist alter städtischer Besitz. Trotz- dem ergaben sich große Schwierigkeiten. Zunächst verlangte der StromfiskuS für die erforderlichen Wasserflächen 40 Mark für den Quadratmeter, d. h. rund zwei Millionen Mark. Nach langen Vcrbandlnngen ermäßigte der Fiskus diesen Preis auf die Hälfte— 20 M. pro Quadratmeter. Daneben beansprucht derselbe FiSkuS, der sich die Wasserflächen bezahlen läßt und keinerlei Beiträge leistet, ein Viertel der Einnahmen aus den Liegegelder». Neben diesen Verhandlungen nmßten noch Verhandlungen mit der Kanfmamischaft von Berlin, mit der Berliner Handels- kammer, mit den Grundbesitzern, mit der königlichen Eisen- bahndireltion, mit. der Gemeinde Stralau usw. geführt werden. Die Schwierigkeiten, die gemacht wurden, sind noch nicht alle be- seitigt. Gegen die in Aussicht genommene Niveaulreuzung der Straße Alt-Stralau durch eine Anschlußbahn sind von verschiedenen Bewohnern und Interessenten, insbesondere von feiten der Gemeinde Stralan, die den allcrgrößien Nutzen von dem Hafen haben wird, Einwendungen erhoben worden. Die Verbandlungen mit den Zollbehörden wegen der Speicher« anlagen, Zollverschlusses sind noch nicht abgeschlossen. Die Ein- richtung einer zollfreien Niederlage ist abgelehnt und nunmehr die Errichtung von Privailägern unter amtlichem Mitvcrschluß inS Auge gefaßt worden. Die Kosten sind danach' noch nicht zn übersehen. Für den Grunderwerb sind etwa 1 Million Mark, für die Kaimauern rund l1� Millionen Mark und für die Regulierung deS Geländes und Baggerungcu rund 280 000 M. erforderlich. Hierzu kommt der Wert des städiischen Geländes, die Kosten für die Speicheranlagen, den Gleisanschluß und die Einrichtung. Die städtischen Behörden sind von der Notwendigkeit der Hnfenanlage überzeugt und behandeln sie als eine dringliche. Wenn trotzdem Verzögerungen in den Lösungen der vielen Schwierigkeiten eintrcten, so sind die städtischen Behörden dafür nicht veraniwortlich zu machen. Frau Jnstitia unter Sittcnkontrolle. Sie möge eS nicht übel- nehmen, die hehre Dame mit der Binde vor den Augen. Wir meinen es nur gut mit ihr, wollen wir sie davor bewahren, daß„die Sitte", die so dicht neben der Grunerstraße wohnt, aus dem Polizei- palast in den Gerichtspalast und dort ifird Luchsaugen in die gc- heimsten, abgelegensten Orte schweifen läßt. Diesmal wacht daS Publikum selbst über gute Sitte, ladet hiermit Frau Jnstitia höflichst ein, die entschuldigende Binde mal von den Augen zu nehmen und sich dafür zwischen vier kahlen Wänden, die in der Regel nur für eine Person verschwiegenen Platz bieten, die AnstandS« brillr aufzusetzen. In de» Aborten deS Gericktsgebäudes und zivar gerade in denjenigen vor den EheschcidungSkamincrn treibt die Ge« meinheit zu übclduftende Blüten. Man sollte grundsätzlich doch etwas mehr darauf achten, daß die Wände nicht gewohnheitsmäßig zu „Aktstudien" und„dichterischen Ergüssen" eigenster Art benutzt werden. Wenn Frau Jnstitia alle diese Schmutzigkeiten ruhig auf sich sitzen läßt, so reizt das niedere Charaktere dazu, die Wände nur noch mehr zn beschmutzen. Gegen den Auwniobil-OmnibuSvcrkchr durch den Grunewald hat der Amts- und Gemeindevorsteher von Grunewald Einspruch er- hoben. Er beschwert sich darüber, daß die„Große Berliner" weder um eine Konzession zur Diirchguernng seines Amtsbezirks nach- gesucht, noch ihm vorher von ihrer nci.cn Einrichtung Mitteilung gemacht hat. Der Automobil-OmnibnZverkehr soll bereits zu Störungen de? übrigen Straßenverkehrs sowie zu argen Be- schädigungen der Straßenbänme geführt haben. Ein schweres Brnndlingluck verursachte gestern früh um 7 Uhr in dem Hause Große Frankfurterstraße 130 eine unbeschreibliche Auf« regmig. Dort war in der Küche der Frau TyminSli im 3. Stock des rechten Seitenflügels durch Fahrlässigkeit beim Kaffeekochen Feuer ausgekommen. Die Flammen halten Kleider, die Tür und Preßkohlen ergriffen. Frau Tyminski, die dabei Brandwunden zweiten Grades am Kopf nud an beiden Händen erlitten hatte, schrie laut um Hülfe; alle Hausbewohner eilten herbei, konnten aber nicht so schnell helfen. Die Ichährige Tochter Franziska der Frau Tyminski sprang vor Angst ans dem Fenster des 3. Stocks auf den gepflasterten Hof. Sie erlitt eine schwere Gehirnerschütterung und innere Verletzungen. Auf Anordnung eines Arztes wurde das Kind sofort nach dem städtischen Krankenhansc am Friedrichshain gebracht. Ihre Mutter, eine Frau von 40 Jahren, wurde verbunden und in der Wohnung belassen. Der Brand konnte auf die Küche beschränkt werden. Auf der Unfallstation in der Badstraße mußten am Sonntag zwei Polizeibeamte verbunden werden, die von Rowdys arg zu- gerichtet worden waren. Als Täter wurden der vor drei Wochen aus Hcrzberge entwichene Geisteskranke Köster und der kürzlich au? Dalldorf entlassene Gelegenheitsarbeiter Schulze verhaftet. In den Landwehrkanal geworfen. Ein Vorkommnis, das noch der Aufklärung bedarf, hat sich gestern morgen an der Lichtenstein- brücke abgespielt. In der vierten Stunde erschollen gellende Hülfe» rufe. Im Schiffahrtskanal dicht an der Lichtensteinbrücke, rang eine junge Frauensperson mit den Wellen. Ein Polizeibcamter und ein Wächter retteten sie. Das junge Mädchen war die 20jährige Schnei« denn Anna Sch., die bei ihrer Mutter am HauSvogteiplatz 5 wohnt. Der Polizei gegenüber erzählte die junge Dame eine längere mysteriöse Geschichte. Sie sei von einem jungen Mann verfolgt und schließlich in den Kanal geworfen worden. Zu einer recht rohen Tat hat sich ein Strahenbahnführer gegen einen Kutscher hinreißen lassen. Der Polizeibericht meldet hierüber: „Mittags fuhr der 21 Jahre alte Kutscher Reinhold Hapke mit einem Rollwagen deS Transportkontors der Hainburg— Lehrter Bahn ans der Elsasser- in die Hannoverschestraße ein. Hinter ihm folgte ein Straßenbahnwagen der Linie Tegel— Oranienburger Tor, dessen Führer durch andauernde Glockensignale Hapke aufforderte, die Straßenbahnschienen zu verlassen. Schließlich kam es zu einem heftigen Wortwechsel zwischen beiden, wobei Hapke behauptete, daß er wegen des aufgerissenen Pflasters nicht zur Seite fahren könne. Der Straßenbahnführer stieg ab und versetzte darauf dem Hapke mit der BremSkurbel zwei Schläge über den Kopf, wodnrch dieser zwei sechs Zentimeter lange blutende Quetschwunden erlitt. Ein Schutz- mann brachte den Verletzten nach der Unfallstation in der Eichendorff- straße, wo ihm die erste Hülfe zuteil wurde." Es ist ivirklich betrübend, wenn Arbeiter in Ausübung ihres Berufes in dieser Weise aneinandergeraten. Herr Emil Herrmann berichtigt. In unserer Nummer vom Sonntag, den 26. Mai d. I., brachten wir unter der Spitzmarke: „Die Rache des HanSwirtS!" eine Notiz, die sich mit den Zuständen im Hause des Herrn Emil Herr mann, Wiclcsstr. 42» und'Waldstr. 41. beschäftigt. Diese Notiz scheint bei Herrn Emil Herrmann wenig Freude hervorgerufen zu haben, desto mehr aber Wohl bei den meisten seiner Diieter. bildete doch unsere Notiz in der vergangenen Woche das Tagesgespräch im Hause des ge- nannten Eigentümers. Von Herrn Emil Hermann ging uns nun in dieser Sache ein vom gl. Mai datiertes Schreiben zu. Es heißt in demselben: „Mit Bezug auf den in der letzten Sonntagsnummcr gebrachten Artikel:„Die Rache des Hauswirts", bitte ich um Aufnahme folgender Berichtigung. Es ist unrichtig, daß ich und meine Frau mit den Mietern meines Hauses fast ohne Ausnahme auf dem Kriegsfuße stehen." Hierzu wollen wir bemerken, daß der Begriff„auf dem Kriegs- fuße stehen" allerdings eine ganz subjektive Auffasiung ist. Herr Hermann mag es ja für ein höchst friedliches Verhältnis halten, wenn er und seine Frau Gemahlin mit dem Gummischlauch im Aermel in ihrem Hause herumspaziercn. Recht friedlich mag es Herrn Herrmann auch vorgekommen sein, als er an einem Novembcrabende auf dem Hofe seines Hauses mit kräftigen Ar- bciterfäusten unliebsame Bekanntschaft machen mußte, was wir recht lebhaft bedauern. Die vielen Prozesse, die zwischen Herrn Herrmann und seinen Mietern zum Austrag kamen, bilden doch auch eine eigentümliche Illustration zu der Berichtigung des Herrn Herrmann. Weiter schreibt Herr Emil Herrmann'. „Es ist ferner unrichtig, daß der Wechsel der PortierSleute bei mir so häufig ist, daß die Porticrwohnung einem Taubenschlage (steche. Die letzte Portiersfrau war 6 Wochen, der vorausgegangene Portier zirka 1 Jahr S Monate in dieser Stellung. Ich habe die letzte Portierfrau entlassen müssen, weil sie die Ausführung der von ihr übernommenen Arbeiten verweigerte. Wenn ihr Herr N. N. (ein Mieter des Hauses, dessen Namen zu nennen wir keine Ursache haben) das Betreten meines Hauses, nachdem ich sie entlassen hatte, dadurch ermöglichte, daß er sie mit Teppichklopfen beauftragte, so überlasse ich jedermann die Beurteilung, auf wessen Seite das Per- halten ein schikanöses ist." Es ist auffallend, daß Herr Emil Herrmann hier nur von den beiden letzten Portiersleuten spricht, um die Seßhaftigkeit seiner Portiers zu beweisen. Er ist seit t. November 1902 Eigentümer des Hauses. Wollte er die Zahl der von ihm seit dieser Zeit beschäftigten Portiers richtig angeben, so müßte er die Ziffer 2 ganz wesentlich vervielfältigen, da doch nicht nur die beiden letzten entlassenen Portiers in Betracht kommen. Zu der von uns erwähnten Kaution der Portiers scheint Herr Herrmann übrigens nichts zu berichtigen zru haben. Statt dessen ergeht er sich in Ausfällen gegen seinen Ladcnmieter Herrn N. N.> dessen Frau übrigens die von Herrn Herrmann verjagte Teppichklopferin bestellt hatte, w«l sie keine Ahnung davon hatte, daß dieser das Betreten des Hauses durch den Hauswirt verboten war. Herr Herrmann kann doch wahrlich nicht verlangen, daß die Mieter erst bei ihm anfragen sollen, ob er dem von ihnen bestellten Per- sonal gütigst gestatten will, fein Haus zu betreten. Im Interesse des Herrn Emil Herrmann verzichten wir darauf, die in feinem„Berichtigungsschreiben" enthaltene An- rempelung des Herrn N. N. zum Abdruck zu bringen, da wir nicht wünschen, daß ein neuer Belcidigungsprozeß gegen Herrn Herr- mann durch den vollen Abdruck seines Briefes entsteht. Herr Herrmann schließt seinen Brief mit folgender Be- merkung: „Ich hoffe, da Sic mich durch Vollnennung meines Namens öffentlich einer ungünstigen Beurteilung ausgesetzt haben, daß sie auch diese Berichtigung zur Kenntnis Ihrer Leser bringen werden." Wir sind dem Wunsche des Briefschreibers, insoweit sein Schreiben auf den Namen einer Berichtigung Anspruch machen kann, in vollstem Matze entgegengekommen. Ein schwerer Unglücksfall, der gleichzeitig die Skrupellosigkeit des aussperrungswütigen Unternehmertums und die Humanität der— sagen wir Arbeitswilligen drastisch beleuchtet, ereignete sich am Sonnabend auf dem von der Firma Held u. Franke itt der Brüderstraße aufzuführenden Neubau. Es sind auf genanntem Bau vier der nützlichen Elemente be- schäftigt. Selbstverständlich fungieren dieselben seit der Aus- sperrung als„Poliere". Für diese Herren mußten zwei sechs- zehnjährige Lehrlinge Material herbeitragen. Als die- selben durch die Schwere der Lasten sich die Schultern wund ge- tragen hatten, wurden sie an den Aufzug gestellt und mutzten nunmehr die Lasten hochwinden. Solange die Hemmvorrichtung eingestellt war, führten die beiden Jungen unter größter Kraftanstrengung die für sie viel zu schwere Arbeit aus. Am Sonnabend, kurz vor 12 Uhr mittags, gab ihnen ein Monteur den Rat, die Hemmvorrichtung abzustellen, da dieselbe doch unnütz die Arbeit erschwere. Kaum aber war dies geschehen, verloren die beiden jungen Leute die Gewalt über die Winde und mit rasender Geschwindigkeit kam die Last von oben herab. Durch die dadurch verursachte schnelle Umdrehung platzte das eiserne Zahnrad und ein Stück davon traf den Lehrling Cuno Bötzer derartig an der Seite, daß er schwerverletzt umfiel. Da sich niemand anderes um den Verunglückten kümmerte, blieb dem zweiten Lehrling nichts anderes übrig, als seinen Kollegen nach der nächsten Unfallstation zu schleppen, von wo aus feine sofortige Ueberführung nach der Klinik am Mariannenufer 2 per Droschke angeordnet wurde. Den Transport leitete auch hierbei der un- verletzt gebliebene Lehrling. Da die Bauleitung sich auch im weiteren um nichts kümmerte, übernahm der junge Mann es noch, den Eltern des Schwerverletzten am Abend die traurige Nachricht zu überbringen. Ein schwerer Zusammenstoß eines mit acht Ausflüglern be- setzten Breaks mit der elektrischen Straßenbahn der Linie Treptow- Stralau verursachte am Sonntagabend gegen 8 Uhr große Auf- rcgung unter den Passanten der Oberbaumbrücke. Das einem Fuhrherrn aus der Weberstraße 16 gehörige Gefährt fuhr mit großer Wucht gegen den Anhängewagen der Elektrischen. Die Deichsel des Breaks drang durch die Seitenwand des Anhängers und zertrümmerte zugleich die Spiegelscheiben des Wagens. Nur dem Umstände, daß der Anhängewagen völlig unbesetzt war, ist es zu danken, daß kein größeres Unheil angerichtet wurde. Die Insassen des Breaks kamen bis auf einen bei der Kollision aus dem Gefährt herausgeschleuderten jungen Mann, der anscheinend Verletzungen an den Beinen erlitten hatte, mit dem Schreck davon. Am schlimmsten hatte das Pferd gelitten, das sich bei dem Anprall an der zertrümmerten Wagenscheibe am Kopfe arg verletzte. Den Kutscher des Breaks dürfte kaum die Schuld an dem Zusammen- stoß treffen, vielmehr war das Pferd durch das Geräusch der vorübcrfahrenden Hochbahn scheu geworden, so daß es dem Kutscher auf der abschüssigen Brücke nicht mehr möglich war, der Straßen- bahn auszuweichen. Erhängt hat sich am Sonntag, nachmittags 4 Uhr, die 64 jährige Witwe Franziska Haupt, wohnhaft Münchebergerstr. 32, Seiten- flügel I. Schwere innere Leiden und große Nervosität sowie Gram Über den Tod ihres ManneS sind die Ursache zu diesem Schritt. Die vranchrnkommission der Eisen-, Metall- und Revolverdrchcr bittet uns nm Aufnahme folgender Notiz:„Das in der Branchen- Versammlung der Dreher in den Musikersälen am Sonntag, den 2. Juni 1367 gefundene Portemonnaie mit Inhalt kann jederzeit in der Zahlstelle des MetallarbeiterverbandeS bei PH. Hunimel, Sophienstraße S abgeholt werden. Zeugen gesucht. Diejenigen Personen, welche am Freitag, den 31. Mai, abends zwischen 8 und 3 Uhr vor dem Hause Kronprinzen- straße16, Lichtenberg, Augenzeugen einer Mißhandlung waren, werden gebeten, ihre Adresse an Karl Hönke, Liebigstraße 16. Hos I. bei Döring(Berlin) abzugeben. Radrennen zu Steglitz, 2. Juni. Die„Goldene Kette", ein Dauerrennen über 166 Kilometer(2666, 17S6, 1566 und 1256 M), hatte unter verschiedenen Rad- und Motorschäden, von denen die Fahrer betroffen wurden und nicht zuletzt unter der Ungunst des Wetters zu leiden. Während am Nachmittag ein geradezu„ideales" Rennwetter herrschte, setzte in der Mitte des großen Rennens ein Gewitter mit solcher Gewalt em, daß die„Goldene Kette" kurz bor dem 56. Kilometer abgebrochen werden mnßte. Robl, der ganz vorzüglich ftrhr, war bis dahin erster, 49l/z Kilometer in 34 Min. 1 Sek., vor Dickentmann 2166 Meter, Guignard 3726 nud Rat Butler 3356 Meter zurück. Siob'l lag beim Ablassen als letzter, während Guignard die Spitze hatte; Butler hatte schon beim 12. Kilometer Motorschaden, wovon aucy Guignard beim 22 Kilometer betroffen wurde. Dickentmann lvar dadurch Erster geworden, doch sollte auch er sich nichi lange dieses Platzes erfreuen, denn beim 36. Kilometer fiel er durch Reifen- schaden zurück, dadurch Robl, der dicht hinter ihm war. den Weg freimachend. Schade, daß das Rennen durch das vorzeitige Ab- brechen kein einwandfreies Ergebnis brachte; es soll anr Montag- abend zu Ende gefahren werden. Ein zweites Dauerrennen, der Ausstellungs-Preis, 56 Kilometer(666, 566, 466, 366 M.), wurde von A. S ch i p k c in 33 Min. 41l/z Sek. vor Mettling, Stellbrink und Schulze gewonnen; es wurde so flott gefahren, daß schon vom 26. Kilometer die Steglitzer Bahnrekords verbessert wurden. Anfangs hatte Slellbrink die Spitze; doch kam er durch Radschaden beim 13. Kilometer ins Hintertreffen. Schipke hatte von da die Führung, die er sich nicht mehr nehmen ließ. Mettling hatte mehrfach den Anichluß an seinen Motor verloren und der Zehlendorfer Schulze schied beim 45. Kilo- meter durch Sturz infolge Reifenschadens aus dem Rennen; Mettling endete 1456 Meter, Stellbritik 1866 Meter hinter dem Sieger. Einige Rennen für die„Flieger" vervollständigten das Programni; sie wurden sämtlich von Theile gewonnen. Gesperrt werden die Charlottenstratze von der Schützenstraße (unter Ausschluß des Kreuzdammes) bis zur Kochstraße(nuter Aus- schluß des Kreuzdammes) behufs Asphaltierung vom 3. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter; ebenso die eine Hälfte der Eldenaerstraße von der Thaerttraße(ausschließlich des Kreuzdammes) bis zur Liebigstraße(ausschließlich des KreuzdainmeS) be- Hufs Ilmpflasterung vom 5. d. M. ab. Arbeiter-Bildungsschulc Berlin. Sonntag, den 9. Juni, Familie nausflug nach Grünau-RichterShorn. Abfahrt des Stadtbahnzuges: Alexanderplatz 8.51, Jannowitzbrücke 8.54, Schles. Bahnhof 8.57. Treffpunkt für Nachzügler bis 16>2 Uhr vormittags: Restaurant Jägerhaus(Jnh. G. ErHardt), Bahnhof- und Friedrich- straßen-Ecke in Grünau. Von 12 Uhr mittags ab: Möhrs Strand- Restaurant, Richtershorn bei Karolinenhof. Zahlreiche Beteiligung wird erwartet. Orgelkonzert. Mittwoch, den 6. Juni, abends 7>/.z Uhr veranstaltet der kgl. Musikdirektor Beruh. Irr gang in der St. Marien-Kirche das nächste Orgelkonzert unter Mitivirkung von Frl. Marie Lindow(Sopran), Frl. Hilde Ellger(Alt), Herrn Erwin Zingel(Tenor) und Herrn Konzertn>cister Willy Deckert (Cello) Orgelkompositioncn von Bach, Liszl(Fantasie und Fuge über „ast nos, ad salutarern undarn") und Bosst. Der Eintritt ist frei! Fenerbcricht. Der 16. Zug hatte in der letzten Nacht cinen Kellerbrand in der Oudenarderstr. 41 zu löschen, lvas durch kräftiges Wassergeben gelang. Grober Unfug lag wieder einmal einer Feuermeldung zugrunde, die nachts den 15. Zug nach der Jagowstraße alamierte. Der Täter ist nicht ermittelt. Ferner hatte die Feuer- wehr in der Auauststr. 5, am Koppenplatz 11, Braunsbergerslr. 26, Tieckstr. 6. auf dem Anhalter Güterbahnhof, in der Linienstr. 21, Kaiser Wilhelmstr. 29, Kopenhagenerstr. 76, Fidicinstr. 17, Schweriii- straße 16/17, Friedrichstr. 37 und anderen Stellen zu tun, wo Schwefel, Kartons, Müll, Möbel, Küchen, Kohlen, HauSrat u. a. brannten. Vorort- JVachnchtem Rixdorf. Die Polizei als Nachbarin. I« der Nähe der Polizei zu wohnen oder gar mit ihr zusammen unter einem und demselben Dache zu hausen, das wird ein„ord- nungSIieVender" Staatsbürger als eine besondere Annehmlich- keit betrachten müssen. Die Mieter eines Hauses, in dem ein Polizeibureau nebst Polizeiwache untergebracht ist, stehen ja sozu- sagen unter dem speziellen Schutz einer hochlöblichen Polizei. Da sollte man erwarten, daß sie hier noch sorgloser als in anderen Häusern sich die Schlafmütze über die Ohren ziehen können. Indes, es gibt auch Leute, die diesen Borzug nicht recht zu würdigen wissen. So wird uns aus Nixdorf mitgeteilt, daß dort unter Be- wöhnern des Hanfes Boddinstraße 47 und 48 sowie des Nebenhaufcs Boddinstraße 43 seit einiger Zeit eine nicht geringe Erregung herrscht, weil die auf dem erstgenannten Grundstück untergebrachte Polizeiwache ihnen immer mehr zu einem Anlaß des Mißbehagens wird. Mehrere Mieter dieser beiden Grundstücke haben unS übereinstimmend versichert, daß sie auS der Zelle, in der die Polizeiarrestanten vorläufig verwahrt werden, schon öfter ein Wimmern, Stöhnen, Jammern und Schreien gehört haben, das ihnen die Nachtruhe raubte. In einer Mainacht soll es da unten so arg geworden sein, daß der- schiedene Hausbewohner die Fenster aufriffen und ihrer Eni- rüstung in starken Ausdrücken Lust machten. Die Polizei selber scheint taub zu sein. Sie nimmt keine Notiz davon, daß die aus ihrer Ruhe aufgeschreckten Hausbewohner schimpfen, und sie scheint auch die auS der Zelle kommenden Laute nicht als etwas Ungewöhnliches zu empfinden. Den Hausbewohnern, die sich hierbei aufregen, ist es keineswegs bloß um ihre Ruhe zu tun. ES find auch Erwägungen nach anderer Art, durch die sie sich bestinmien lassen, die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf diese Polizeiwache und ihre Arrestantenzelle zu lenken. Im Hause ist schon der Vorschlag gemacht worden, man solle fordern, daß die Polizei sozusagen„exmittiert" werde. Das ist selbstverständlich nur ein stommer Wunsch, dem keine Erfüllung winkt. Welcher Hausbesitzer würde eS wagen, eine hochlöbliche Polizei wegen„Rnhestörung" ans seinem Hanse hinaus- zuweisen? Eher dürfte wohl ein Hausbesitzer eZ allzuzart besaiteten Mietern anheimstellen, sich anderswo Quartier zu suchen, wenn sie durch Nachbarin Polizei sich belästigt fühlen. Der Besitzer jenes HauseS der Boddinstraße, in dem die Polizei so lästig wird, ist in der glücklichen Lage, nicht in seiner eigenen Mietskaserne wohnen zu müssen. Der Verwalter aber. den er als seinen Stellvertreter dort wohne» läßt, ist— nebenbei bemerkt— selber Schutzmann._ Charlottenlmrg. Weitcrgcwährung von TcuernngSzulagcn. Der Magistrat be- antragt bei der Stadtverordnetenversammlung, daß der bisherige in der Form einer Teuerungszulage gewährte Zuschuß an die städtischen Beamten, Angestellten und Lehrlräfte sowie die ständigen Arbeiter mit einem jährlichen Diensteinkommen von 3666 Mark und an diejenigen Beamten und Lehrkräfte mit einem Diensteinkommen von 3666 bis 4666 Mark, die eine starke Familie zu unterhalten haben, in der bisherigen Höhe bis zum 31. März 1363 weitergewährt wird. Ursprünglich waren die Teuerungszulagen nur bis zum 36, Juni d. I. bewilligt worden. Der Magistrat weist nun in einer umfangreichen Vorlage nach, daß die Voraussetzungen, unter denen die Zulagen seinerzeit gegeben sind, noch immer vorhanden sind. Die Tendenz der Preissteigernng besteht allenthalben Iveitcr, die Preise für Fleisch haben sich im all- gemeinen auf der bisherigen Höhe gehalten oder sie sind doch nur ivenig gesunken. Auch die Preise für die Hülsenfrüchte sind im Durchschnitt gestiegen, und ebenso ist schon jetzt ein starkes Anziehen der Getreide- preise bemerkbar, und es ist die Befürchtung nicht von der Hand zu weisen, daß ein Steigen der Brotpreise eintreten wird. Dazu kommen die Preissteigerungen aus allen Gebieten des gewerblichen Lebens und speziell für Eharlottenburg noch die Tatsache, daß gerade Arbeiter und Beamte bei dem gegenüber der Nachfrage geringen An- geböte von kleineren und mittleren Wohnnngen und den infolgedessen verhältnismäßig hohen Preisen einen ganz wesentlichen Teil ihres geringen Einkommens— bis zu einem Drittel und darüber— allein für Wohnnilgsmieten ausgeben niüffen. Angesichts dieser Tatsache, die sich seit nunmehr zwei Jahren stetig so entwickelt haben, kann nach Ansicht des Magistrats von einer vorübergehenden Teuerung nicht mehr die Rede sein' Es muß vielmehr anerkannt werden, daß die allgemeine Lebenshaltung in allen Kreisen der Bevölkerung erhöhte Aufwendungen dauernd nötig macht. Diesen veränderten Verhältnissen soll durch eine allgemeine Revision der Löhne und Gehälter baldigst Rechnung getragen werden. Da es aber unmöglich ist, diese Arbeit so zeitig fertigzustellen, daß die Wohltaten des neuen Normaletats den Beteiligten noch für den bevorstehenden Winter zugute kommen können, bat der Magistrat beschlossen, vorläufig bis zum 1. April 1368 die Teuernngsznlagen weiter zu gewähren. Bon diesem Zeitpunkte ab sollen die erhöhten Gehälter und Löhne in Kraft treten. Nach dem Beschluß der Stadtverordneten-Versammlung war es dem Ermessen des Magistrats überlassen, auch den nicht ständigen Arbeiicrn eine Teneruiigsznlage zu gewähren. Der Magistrat hat davon abgesehen und ihnen statt dessen Lobnaufschläge in den Grenzen der verfligbaren Etatsmittel bewilligt. Da er hierbei äußerst be- scheiden vorgegangen ist. so nimmt er an, daß für diesen Zweck auch die verfügbaren Etatsmillel für 1367 ausreichen werden. Lichtenberg. Aus der Gcmeiiidcvertrctimg. DaS Gesuch der Genieindearbeiter um anderweite Regelung des Sonimerurlaiibes emvfieblt der Ge- meiiidevorstand abzulehnen. Geineindevertreter Graner befürwortet das Gesuch und tritt mit Nachdruck für die bescheidene Fordernng der Gemeindearbeiter ein. Der Gemeindevorsteher betome, der Vorstand habe sich nicht aus w i r t s ch a f t l i ch e n G r ü n d e n dagegen erklärt, sondern weil der gegenwärtige Zustand erst vor zwei Jahren geschaffen sei und in seiner Wirkung erst erprob! werden müsse. Auch stehe Lichtenberg nicht Himer anderen Gemeinden zurück. Zurzeit gewähre Lichtenberg seinen Gemeindcarbeilern eine» Urlaub nach einer Dienstzeit von 5—16 Jahren in Höhe von vier Tagen, nach mehr als 16 Jahren in Hohe einer Woche; Ofen- arbeitern und anderen Arbeiter», deren Beruf besonders gcsnndheits- erschütternd sei, könne durch das Kuratorinm der Urlaub verlängert werden. Die Ablehnung befürlvortel Herr Bankdirektor Plonz. Der „Rechtsanspruch" ist es. der es dem„freisinnigen" Kominnnalpolitiker angetan hat. Und das alles, weil die Gemeindearbeiter„bitten". den Urlaub von vier Tagen nach dreijähriger Dienstzeit und den von einer Woche nach fünfjähriger Dienst- zeit eintreten zu lassen! 4136,66 Mark verlangten eine Zahl„Privilegierter" als Ersatz für Verauslagte Biirgerileigherstellungskosten. Die Hansbesitzer- Majorität konnte selbstverständlich ihren„SlandeSgcnossen", die sich auf ein erstrittenes Gerichtseckenntnis berufen, ihre„rechtmäßigen" Ansprüche nicht voreiuhallcu und bewilligte die Forderung. Hierbei brachte Genosse Seikel zur Sprache, daß in der Scharnweberstraße, Ecke Jnngstraße, ein Verkehrshindernis seit langem bestehe, indem die Platten des Bürgerstciges fehlen. Ein Steinsetziiieister müsse dort„Selbsthülfe" geübt haben, indem derselbe einfach die bereits verlegten Granilplalten wieder herausnahm und so ein— Verkehrshindernis recht gefährlicher Art schuf I Dem Gemeindevorsteher war nur bekannt, daß der Bauherr „Unglück" gehabt habe und der Bau wiederholt stillgelegen habe. Bauabnahme sei noch nicht erfolgt. Möglicheriveise ist der Hauswirt auf Gmnd»seines Besitzes" demnächst Stadtverordneter. Das Projekt der Regenwafferleitung lag wiederum der Gemeinde- Vertretung vor. Dem Millionenprojckt wurde ohne Debatte prinzipiell zugestimnit und für die Borarbeiten 17 566 M. bewilligt. Zur Abrnndnng des Geländes, das in der Dorsstraße zur Er- richtuug eines Gemeindeparkes angekauft wurde, wird das Grundstück Dmfstr...164>, benötigt.'Die Ouadratrute ist mit 456 M. bezahlt und bewilligt die Vertretung die Uebernahme einer Hypothek in Höhe von 36 666 M. ans die Gemeinde. Unsere Genossen ersuchten hierbei den Gemeindevorstand, recht bald für Lösung der Mietsverhällniffe ans dem Parkgelände zu sorgen, um diesen dem öffentlichen Verkehr übergeben zu kömten. Rummelsburg. Wegen fortgesetzter großer BermögenSvcrluste ihre? Ehemannes Selbstmord verübt hat die 55jährige Frau B., in Rnmmelsburg, Alt-Boxhagen 54, wohnhaft. Als sich nachmittags ihre Angehörigen aus der Wohnung entfernt hatten, schickte Frau B. auch das Dienst- mäbchen fort und führte dann zwischen 6 und 7 Uhr den längst ge- hegten Plan, aus dem Leben zu scheiden, aus. Sie goß Chlorofonn auf ein Stück Watte, hielt sich dieses vor das Gesicht und atmete das Gift ein. Nach einer halben Stunde wurde Frau B. von ihrem Ehemann tot auf dem Sofa liegend aufgefunden. Die von einem sofort herbeigerufenen Arzt angestellten Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. Ober-Tchöueweide. Ein merkwürdiger Bubenstreich, durch den leicht größere? UnHeft hätte angerichtet werden können, ist am Sonntag bei Ober-Schöne» weide verübt worden. Als gegen 11 Uhr abends ein Vergnügungs- dampfer der Firma Kahnt u. Hertzer, von Rauchfangwerder kommend, die Treskow-Brllcke passierte, wurde von letzterer herab ein Stein- bombardement auf den Dampfer eröffnet. Große Ziegelstücke sausten auf die Passagiere herunter, die in eine derartige Aufregung ge- rieten, daß das Fahrzeug auf ihre Ausforderung stoppen mnßte. Der Kapitän des Dampfers, zwei Passagiere und mehrere Musikanten wurden am Kopfe und an den Armen leicht verletzt; ein Instrument im Werte von 75 M., wurde durch Steinwürfe vollständig zcr- trümmert. Leider gelang es nicht, die Täter, eine Rotte halb« wüchsiger Burschen zu erwischen. Hoherlehme-Wildau. Auf zur Gcmcindcvrrtretcr-Wahl i Heute abend von 6'/, bir 8 Uhr findet die Wahl eines Genieindevertreters für die dritte Klaffe statt. Das Wahllokal ist beim Gastwirt Trappe in Hoher- lehme, ES gilt heute, durch dieWahl des sozialdemokratischen Kandidaten Fleischermeister Josef Hoffmann Protest gegen die Mißwirtschaft in der Gemeinde einzulegen. Kein Wähler darf heute fehlen! Versehe sich jeder mit genügender Legitimation. Wo Parteigenossen mit Arbeitern aus den oben genannten Orten zusammenarbeiten, werden diese gebeten, auf die Wahl aufmerksam zu machen. Wenn jeder Genosse heute seine Pflicht tut, muß uns der Sieg zufalle». Also: Auf zur Gemeindewahl I Französisch-Bnchholz(Bezirk Pankow). Zu einem Rcnkonter zwischen Polizeibeamten und de» Arbeitern Grothe, Vater und Sohn, kam es am Sonntag in der Berlinerstraße. Der Polizeibeamte Steindorf war gerufen worden, um in einen Streit einzuarrifen, in den die Grolhes mit anderen Leuten geraten waren. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen, die zu Tätlichkeiten führten. Wen die Schuld trifft, wird erst die Untersuchnng feststellen. Es soll zu schweren Schlägereien gekommen sein. Mit Hülfe von auS Pankow gerufenen vier Amtsdienern und Kriminalbeamten er- folgte die Festnahme der beiden GrotheS, die dann ins Untersnchnngs- gefängnis übergeführt wurden. Potsdam. Sittlichkeitsvcrbrcchen. Am Sonntag wurde von der hiesigen Kriminalpolizei ein Mann festgenommen, der sich an einem Schul- mädchen vergehen wollte. Die Personalien des Betreffenden, der sich mehrere derartige Delikte zuschulden kommen ließ, sind fest- gestellt. Zur Hochlcgung der Bahnstrecke Potsdam— Wildpark. Mit dem Abbruch des alten Stationsgebäudes auf Bahnhof Charlottenhof ist seit einigen Tagen begonnen worden. Das Dach ist bereits Noll- ständig abgedeckt.— Ferner ist man damit beschäftigt, zwischen Potsdam und der alten Kiewittbriicke seitwärts der neuen Betrieds- gleise Boden zur Anhöhung des alten Bahnkörpers heranzuschaffen. Die Montage des eisernen Ueberbaues der Unterführung der Alten Luisenstrahe schreitet rüstig vorwärts.— Die Arbeiten werden Von der Maschinenfabrik Christoph in Nieskh O.-L. ausgeführt. ßericbta- Zeitung. Zur Plackerei von Vereinen. Der Vorsitzende des sozialdemokratischen WahIvereinsinKottbus.GenosseLehmann, wurde von der dortigen Polizeiverwaltung mittels Verfügung vom 14. No- vember 1906 bei Androhung einer Geldstrafe von 20 M. auf. gefordert, ein vollständiges Mitgliederverzeichnis einzureichen, obwohl bei Begründung des Vereins ein Verzeichnis der damaligen Mitglieder und später eine Mitteilung jeder Aende- rung der Vereinsmitglieder eingereicht worden war. Selbstverständlich kam Genosse Lehmann diesem gesetzwidrigen Verlangen der Polizei nicht nach. Er wandte sich beschwerdeführend an den Regierungspräsidenten in Frankfurt a. Oder. Dieser wies die Beschwerde mit der Begründung zurück, daß„b e i der äußer st schnellen und großen Steigerung der M i t g l i e d e r z a h l des im Jahre 1003 gegründeten Ortsvereins — das crsteingereichte Verzeichnis umfaßte nur 6 Mitglieder, während der Verein gegenwärtig etwa 700 zählt— das Vorhanden- sein eines den gegenwärtigen Stand nachweisenden Mitglieder- Verzeichnisses nötig ist, um der Polizeibehörde den für ihre Zwecke erforderlichen Ueberblick über den Ver- ein zu verschaffen." Diese Verfügung eines preußischen höheren Beamten ist ein Prachtdekorationsstück aus unserem„Rechtsstaat". Genosse Lehmann hat sichs aufbewahrt, selbstverständlich aber die polizeiliche Auf- fordcrung trotz der„Polizeizwecke" nicht befolgt. Später forderte die Polizeiverwaltung von Kott- buS von neuem die Einrerchung eines vollständigen Mitglieder- Verzeichnisses bei abermaliger Androhung einer Geld- strafe von 20 M. Gegen diese Verfügung legte Genosse Lehmann, ver- treten durch Rechtsanwalt Kurt Rosenfeld, Be- schwcrde ein. Er verwies darauf, daß nach Z 3 des Vereinsgesetzes nur binnen drei Tagen„nach Stiftung des Vereins" ein Mit- glicderverzcichnis eingereicht werden muß, im übrigen aber nur „jede Aondcrung der Vercinsmitglieder" der Ortspolizeibehörde an- zuzcigen ist. Es s e i S a ch e d e r P o l i z e i. auf Grund der An- zeigen von Veränderungen selbst die Liste zu vervollständigen, wenn sie das Bedürfnis habe, ein vollständiges Mitgliederverzeichnis zu besitzen. Und dennoch wurde die Beschwerde von dem RegierungS- Präsidenten zurückgewiesen. Erst als der Verteidiger weitere Beschwerde bei dem Oberpräsidenten einreichte, wurden endlich die gesetzwidrigen Verfügungen der Kott- buser Polizeiverwaltung aufgehoben. Es war also erst in der dritten Instanz möglich, die Beachtung klarer Gesetzes- bestimmungcn durch die Polizei zu erzwingen. Wird nun gegen die Polizei wegen ihrer gesetzwidr>oen Drohung vorgegangen werden?_ Sparpolitik des EisenbahnfiskuS. Am 10. Mai hatten wir übe" eine Gerichtsverhandlung vor der Kölner Strafkammer berichtet. Inter Bezugnahme auf diesen Bericht ersucht uns die Königlich-. Eiscnbahndirektwn Köln um Aufnahme ihre-. Erklärung: „Nichtig ist, daß der Eisenbahnassistent Th. Hartmann wegen des von ihm verschuldeten Unfalles am 9. Dezember vor. IS. in Porz-Urbach zu 75 M. Geldstrafe verurteilt worden ist. Un- richtig dagegen ist die Behauptung, daß er vor dem Unfall eine überaus anstrengende Dienstzeit hinter sich gehabt habe und dienstlich überlastet gewesen sei. Hartmann hatte nach vorauf- gegangener ISstündiger Ruhe den Dienst abends um 9 Uhr über- noinmcn, der planmäßig 8 Stunden dauern sollte. Bis zur Zeit des Unfalles(3 Uhr morgens) berühren die Station Porz- Urbach 53 Züge(stündlich also etwa 9), von denen sogar ein Teil die Station ohne Aufenthalt durchfährt. Die dienstliche Tätigkeit bei dieser Anzahl Züge stellt daher keine anstrengende Leistung dar. Unrichtig ist ferner, daß Hartmann genötigt gewesen sei, die Fahrkarten zu sortieren. Das Sortieren der Fahrkarten war überhaupt nicht dringlich, konnte vielmehr in beliebigen Pausen und selbst noch am anderen Tage und, falls nötig, durch einen anderen Beamten ausgeführt tverden. Unrichtig ist ferner. daß Hartmann 0 Weichen zu bedienen hatte. Eine Weichen- bedienung lag ihm überhaupt nicht ob. Wenn, wie der Artikel behauptet. Hartmann so häufig in das Stationszimmcr eintreten mußte, daß er, um Zeit zu sparen, die geöffnete Tür mit Bind- faden angebunden hatte, so hat Hartmann dies nicht not- wendiger Zeitersparnis halber getan, da bei durchschnittlich 9 Zügen in der Stunde zwischen je 2 Zügen ein Zeitraum von etwa 6 Minuten lag. Es fehlte ihm daher auch nicht, wie be- hauptet wird, an Zeit zur Verrichtung der Notdurft oder zum Einnehmen einer Erfrischung. Unrichtig ist ferner, daß das Stationspersonal in Porz- Urbach ein halbes Jahr lang keinen freien Sonntag gehabt habe. Hartmann insbesondere hat in den dem Unfall voraufgegangenen fünf Monaten an neun Sonntagen Ruhe und zwei Wochen Urlaub gehabt, in welche noch zwei weitere Sonntage fielen. Daß nach dem Unfall der Dienst verkürzt worden sei, ist gleichfalls im allgemeinen unzutreffend. In dem Dicnstbezirk, welcher dem Hartmann überwiesen war, ist überhaupt keine Ver- kürzung des Dienstes eingetreten, eine solche erstreckte sich auf einen anderen Dienstbezirk und war bereits vor dem Unfall angeordnet. Im übrigen ist auch durch das gerichtliche Urteil aus- drücklich festgestellt worden, daß von einer Dienstüberlastung des Hartmann nicht die Rede sein könne. Hartmann hat den Unfall dadurch verschuldet, daß er sich nicht, wie es seine Pflicht war, und was er unzweifelhaft zu tun imstande war, davon überzeugt hatte, ob die Fahrstraße für einen einfahrenden Güterzug frei war. Diese Ueberzcugung brauchte er sich nicht durch persönlichen Augenschein, der, wie behauptet wird, 14 Minuten in Anspruch genommen haben würde, zu verschaffen, er konnte sich hierüber vielmehr durch tele- phonische Anfrage bei dem Fahrdienstleiter im Nachbarbezirk vergewissern. Die Verurteilung des Hartmann hat daher mit der Spar- samkeit des Fiskus nicht den geringsten Zusammenhang, sie ist vielmehr erfolgt lediglich wegen der von Hartmann bewiesenen Fahrlässigkeit." Die vorstehende Darlegung der Eisenbahndirektion vermag nicht zu beseitigen, daß die Schilderung, welche unser Gerichts- bcricht enthielt, in der Verhandlung von den Prozeßbeteiligtcn gc- macht ist. Selbst wenn aber nicht das im Prozeß, sondern das von der Eiscnbahndirektion entworfene Bild den Tatsachen cnt- spräche, vermögen wir das Urteil der Eisenbahndirektion und des Gerichts nicht zu teilen, daß eine Dienstüberlastung nicht vorliege oder daß solche mit dem Unfall in keiner Beziehung stehe. Ein netter Trichinenbeschaurr. Eine Anklage wegen wissentlich falscher An- s ch u l d i g u n g führte gestern den Schlächtermeister Ernst K u n e r t und den Trichinenbeschaurr Friedrich Knorr aus Motzen vor die dritte Strafkammer des Landgerichts II. In Motzen fungiert der Barbier Gersdorf als Fleischbeschaucr und hatte in dieser seiner amtlichen Tätigkeit verschiedene Male Ver- 'anlassung, Teile der von dem Schlächtermeister Kunert geschlachteten Tiere zu beanstanden bezw. zu konfiszieren. Kunert wandte sich dann an den Mitangeklagten Knorr, um diesen zu ersuchen, in einer Beschwerde an das Landratsamt einige angebliche Pflicht- Widrigkeiten des Gersdorf bei der Vornahme der Flcischuntcr- suchung zur Sprache zu bringen. Knorr kam diesem Ansuchen nach und schickte unter dem Nanien des Kunert eine solche Beschwerde an das Landratsamt. Er fügte den beiden von Kunert behaupteten Verfehlungen noch aus eigenem Antriebe einen dritten Fall hinzu, in welchem der Fleischbcschauer angeblich vorschriftswidrig ge- handelt haben sollte. Die Anklage nahm an, daß es sich bei der ganzen Anzeige, die sich als unzutreffend herausgestellt hat, um einen Racheakt des Kunert und um eine Art Brotneid seitens des Knorr handelte. Der Fleischbeschauer Gersdorf bestritt im gestrigen, Termin entschieden, irgendwie sich einer Pflichtwidrigkeit schuldig gemacht»u haben. Die Beweisaufnahme ergab auch nach dieser Richtung hin kein einziges belastendes Moment. Da aber nach Ansicht des Gerichts der Angeklagte Kunert möglicherweise sub- jektiv überzeugt war, daß in den beiden von ihm zur Sprache gc- brachten Fällen Verfehlungen des Herrn Gersdorf vorlagen— wiewohl das keineswegs der Fall war—, so sprach ihn das Gericht frei. Anders lag die Sache bei K n o r r, der den dritten Fall noch aus eigenem Antriebe eingeflochten hatte. Er hatte den Fleischbeschauer beschuldigt, ein mit Rotlauf behaftetes Schwein freigegeben zu haben. Die Beweisaufnahme ergab jedoch, daß das fragliche Schwein nicht krank gewesen war und Knorr selbst dem Besitzer des Schweines seinerzeit die Versicherung abgegeben hatte, daß es vollständig gesund sei. Das Gericht erachtete daher den Angeklagten Knorr der wissentlich falschen Anschuldigung für über- führt und verurteilte ihn zu einem Monat Gefängnis. Barmherziger Staat. Ein Bild des Jammers und Elends, so berichtet man uns aus Halle a. S., konnte man in der letzten Schöffengerichtssitzung erblicken. Ein unglücklichei Krüppel, der Invalide B e s e ck e. dem beide Beine unter den Knien abgenommen worden sind, schleppte sich— der Mann geht tatsächlich ohne Stelzen auf den Knien— die steinernen Treppen des Gerichts- gcbäudes hinauf, um sich in dem in der ersten Etage gelegenen Ge- richtssaal wegen Bettclns zu verantworten. Der Aermste, bei dessen Anblick jeder Mensch von Mitleid gepackt werden muß, hatte eines Tages auf der Straße gebettelt, war dann von einem Polizisten„festgenommen"— eine kühne Tat, denn ausreißen konnte der Mann— und in die Haftzelle gebracht worden. Richtern und Publikum konnte man es an den Gesichtern ablesen, wie man über die Polizeihandlung dachte, zumal der Mensch, der nicht anders als nach dem Bibclwort:„Klopfet an, so wird Euch aufgetan", ge- handelt hat, nicht weniger als 13 Tage in der Haftzelle zugebracht hatte. Was ,ollte der Unglückliche, der sich, soweit es ihm möglich ist, von Kerbschnitzerei nährt, tun? Ein als Zeuge geladener Burcau-Polizeibeamtcr meinte, man habe hier noch„solch ein Schmerzenskind", das auch schon mehrfach Polizei- lichen Argwohn erregt habe. Das beste wäre, solche Leute in ihre Heimat abzuschieben. Das Trauerspiel endete mit der Verurteilung des Krüppels zu f ün f Tagen Haft. Diese Strafe wurde durch die erlittene Haft ais verbüßt erklärt.— Und da wundert sich der Erste Bürgermeister noch, wenn die aus- wärtige Presse nichts Gutes über den Halleschen Polizeikörpcr berichtet. Hus der frauenbewegung* Frauen, Genossinnen, Proletarierinnen! Die proletarischen Frauen greifen aktiv in den offenen Kampf im Bäckergeivcrbe ein. Die zünftlerischen und scharfmacherischen Meister in Ver- bindung mit dem Hefesyndikat, welche glauben, durch ihren fein ausgeklügelten Streich die Gesellen überwinden, Arbeitern und Konsumenten ihren Willen aufzwingen zu können, müssen erfahren, daß sie gegen den Einfluß und die Kampffähigkeit der Frauen aber auch mit ihrem Sperrebeschluß nichts aus- zurichten vermögen. Für die proletarischen Frauen, für die Genossinnen ist es Ehrensache, den Sieg der Gesellen durch- führen zu helfen. Darum, Ihr Frauen des Volkes, beachtet strikte den Boykottbeschluß; duldet nicht, daß eines scharfmacherischen Meisters heimliches, hämisches Lächeln Euch begleitet, weil Ihr vielleicht nur aus Gleichgültigkeit gegen den Boykott- beschluß verstoßt. Wahret Eure Ehre und Eure Interessen, der Gesellen Gegner sind unser aller Gegner. In welcher Weise die Frauen am wirksamsten arbeiten, das erfahren sie in den heute abend stattfindenden Ver- sammlungen. Keine Genossin, keine Proletarierin darf heute abend fehlen!!! Versammlungen— Veranstaltungen. Verein für die Interessen der Hausangestellten. Donnerstag, 6. Juni, abends 8 Uhr: Oeffcntliche Versammlung in Dräsels Festsälen, Nene Fricdrichstr. 35. Vortrag und Diskussion. Rcferentin: Frl. Berta Schaub:„Fort mit'den Gesindedicnstbüchern I" Rixdorf. Mittwoch, 6. Juni, bei Thiel, Bergstr. 151/152: Vortrag. Genossin Kadeit:„Was fehlt den arbeitenden Frauen in erster Linie?" Friedenau. Dienstag, 4. Juni, 8Vz Uhr, bei Grube: Vortrag. Dr. Röder:„Rückgratverkrümmung". Rcinickendorf-Ost. Mittwoch, 5. Juni,&j2 Uhr, im Lokal von Gründer, Hoppestr. 24: Vortrag. Frau Otto. Köpenick. Am 9. Juni Kaffeepartie. Treffpunkt: Heuplatz, Bahn- hofftraße. Abmarsch l'/a Uhr. Sozialdemokratischer Agitationsvcrei» für den Wahlkreis Kalau-Luckau. Morgen Mittwoch, den 5. Juni, abends Ky, Uhr: Monats» Versammlung bei Weihnacht, Grünstr. 21. Gäste willkommen. Briefkasten der Redaktion. Tie jnriftischc Evrcchstiiiide ftudet Friedrichftr. l«, Slnfgang 4, eine Treppe(Haudelsstiittc Belleallinlice, Tnrchgniij, auch Lindenstr. 101), louchcitlnfllirt) vo»?>/, bii>!>>/- Uhr obclldS statt. Gcöffiict 7 Uhr. EoiiiiabeildS beflinilt die Sprechstunde um« Uhr. Jeder Sliifrage ist ein Buchstabe»Ild ciuc Kahl als Merkzeichen beiziistigen. Briesliche Autwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage mau i» der Sprechstunde vor. Z. 1307. Sie könnten einen Sühnctcrmin beim Amtsgericht beantragen und wenn derselbe erfolglos sein sollte, durch einen Anwalt die Klage aus Herstellung der ehelichen Gemeinschast anstellen lassen. Wenn dann die Frau innerhalb eineS Jahres trotzdem zu Ihnen nicht zurückkehrt, könnten Sic erst Scheidungsklage einreichen. Zweckmästig ist es, wenn der Sühnetcrmin ersolgloS ablausen sollte, sich zur Anstellung der Klage das Armenrecht be- willigen zu lassen, iveil die Koste» sonst etwa 50—100 M. betragen würden. Die Kosten werden dem sür schuldig Erklärten oder dem abgewiesenen Teil auferlegt. Bäckerstreik! ä««» Xundensammelstellen. Die derehrliche Bevölkerung von Berlin und Umgegend fordern wir hierdurch auf, falls sie aus belvilligten Bäckereien Ware haben wollen, in denjenigen Stadtvierteln oder Strastenzügen, wo Keine belvilligt habenden Bäckereien vorhanden sind, an nebenstehende Knndenfammelstellen ihre Adresse gelangen zu lassen und zugleich mitzuteilen, U)te tltcl Backware und Brot sie täglich brauchen und um weiche Zeit die Ware geliefert werden soll. Die Streikleitung wird dafür sorgen, daß den sich Meldenden auf dem schleunigsten Wege die Ware ins Haus geliefert wird. Auf Wunsch der dortigen Bevölkerung haben wir vorläufig folgende Kuitdensammel- stellen eingerichtet: pvtonmsnn, Moabit, BirkenstraBe 28, Ecke SteptianstraBe. Otto Wedermann, Fichtestraße 71. Walter Sieber, Buchbinder, LippehnerstraBe 24. Hermann Barentin, Tilsiterstraße 8t. Max Thiele, Hohen-Schonhausen, Koskestraße, Emil Witte, Pankow, Florastraße 45. Winkeln&nn, Steglitz, Schloßstraße 104. August Ihrke, Weißensee, Sfraßburgstraße 27. Wo das Bedürfnis vorhanden, werden wir auf Wunsch weitere Sammelstellen einrichten. Bäckermeister, die gewillt sind, auch für weitere Touren Lieferungen zu übernehmen, bitten wir, ihre Adresse im Streikbureau niederzulegen. Falls bei der Lieferung von Anfang nicht alles nach Wunsch gehen sollte, bitten wir die verehrliche Bevölkerung um Nachficht, aber bei der Hartnäckigkeit unserer Gegner um eliergische Ausdauer. Die Streikleitung. Streikbureau:„Sophien-Käle", Kophienstr. 16/17. Achtung! Aadiatjrer! Arbeitslose Radfahrer, falls sie gewillt sind, uns zu unterstützen, bitten wir herzlich, im Streiklokal vorzusprechen oder ihre Adresse dort abzugeben D. O. Achtung! Bäcker-Streik! Achtung! Die Bäckergesellen Berlins und der Vororte sind durch den Wert- und Tarif brueh der Bacbcr-Smumgew in den Streik getrieben worden. folgende Bäckermeister haben die berechtigten Forderungen bewilligt! Ackerstr. 68,(MSatfer. » 85, g. Hanke. » III, Thoma. » 114, Marquardt Adalvertstr, 45a, O. Janke. » 66, Hoppe. Adolfjtr. 11, Tcnni.gkeit. . 12 b, Hönisch. Admiralslr. 10, O. Hanke. . 30, Heinroth. Mensteinerstr. 6. Ramthun. , 15, Cieluch. . 26, SaunuS. SMe Jakobstr. 138. Lück. Andreasstr. 16, O. Hante. Annenstr. 41, Niemeyer. Anllamerstr. 48, Haase. „, 57, Eder. Antonstr. 48. O-�tel. ?lndreaZstr. 32, Brotfabrst„Silljclnta* Slrtilleriestr. 3, Goldacker. Badstr. 13, Kappler. „ 49, Goldacker. Barntmstr. 4/5, Lcgcler. 37, Güldenstem. Bastianstr. 18, NiedzwiedS. 20, Tonn. Belforterstr. 22, Eggert. Bellealliancestr. 24, O. Honte. Bergstr. 2, Hönicke. Bergmannstr. 10, KnofiuS. „ 14a, Polenz. 19, O. Hanke. Derlichinnenstr. 1, PoloniuS. 12, Gras. � Bemauerstr. 3, Schill.. 47. Finke. Bcusselstr. 17. O. Hanke. 7. Eckert. , 42, Languth. , 44c, Grethlein. , 56, Pohle. „ 59, Schneider. Biesenthalerstr. 2, Mcnsing. Birkenstr. 32, Sauer. Dlücherstr. 11, O. Hanke. Blumenstr. 13, O. Hanke. . 67, Berolina. Bochumerslr. 10, Klinke. Boxhagenerstr. 27, Kieling. Böttchcrstr. 5, Kruppe. 25, Duckert. Brcmerftr. 57, Vesterling. , 60, Bayer. Brunnenstr. 3, Mollweide. , 41/«orge. » 151, F. Hanke. » 129, Goldacker. , 154, Herrmann. Brüsselerstr. 5, de Bruyn. , 8, Gonsior. 43, Ianczcck. Buchstr. 1. Völker. BurgSdorsstr. 15, Linder. Biitlmannstr. 20, Hirsch. Cadißkerstr.-4, Weber.- �'<-* Camphailsenstr. 6, Zindler. Gafmtn Sylvastr. Schi weck. . 157, Herde. 163, Strauß. Ehausseeftr. 44, Goldacker. Cyodowieckistr. 25, Marlock. Christburgcrstr. 35, Funk. Eomeninsplntz 1, P. Hanke. Euvrystr. 28, Plantz. Dalldorscrstr. 38. Wulst. Danzigerstr. 8, Conrad. 72, Von dran. . 76, Vogler. Demminerstr. 25, Grnnd. 23. Gliese. Diessenbachstr. 27, Steinbom. 52. Kley. 58a. Bethke. 70. Bock. Dolzigerstr. 51, Weiske. „ 36, Reimann. Dragonerstr. 38/40, Schramm. Drcsdenerstr. 6, Goldacker. „ 17, D. Hanke. , 90, Schulze. 104, Hanke. Dunckcrstr. 2, Czcrwcnla. , 78, Kunze. , 60, De inert. Ebcliugftr. 5, Blender. Ebertystr. 54, F. Hanke. , 33, C. Hanke. „ 45, Schramm. Eisciibahnstr. 8, O. Hanke. 3, Haupt. Elbingerftr. 99, Reimann. „ 27, Fiedler. Emdenerstr. 21, Niestroy. 17, Pohl., Erasmusstr. 16, Hanke. Falckensteinstr. 20, Starz. 17, O. Hank«. Falkplatz 1, Günther. gehmariistr. 8, Behrend. 9. Volksbrot. Fehrbcllinerstr. 27, Höselbarth. Fennstr. 48, Laddasch. „ 51, Hanke. Forsterstr. 20, Genossenschaft.Berlin". 48, Reich. Frankenstr. 2, O. Hanke. Große Franksurterstr. 139, Goldacker. Frankfurter Allee, Ecke Samariter- straye, F. Hanke. Franksurter Allee 40, Richter. Franseckistr. 27, Böttaer. ,„ 45, Thiel. . 53, Goldacker. Freien walderstr. 21, Gerlach. . 38, Köpfe. Fricdrichstr. 247, Eoldackcr. 27, O. Hanke. Friedrichsselderftr. 26, Hnida. Friedenslr. 57, Becker. Fricdrichsbergerstr. 16, NoWodzhNLk. Fruchtstr. 46, E. Polenz. Fürstenbergerstr. 9, Kanz. 15, Oßwald. Fürstenwalderstr. 7, Heinrich. Gerichtstr. 53, Schönwiese. Gipsstr. 7, O. Hanke. Gleimstr. 9a, Jaape. , 19, Pribyl. , 43, Grothe. , 48, Abrahasti. Gleimstr. 60, Metsch. Goltzstr. 31, Goldacker. Gollnowstr. 9, Osk. Hanke. Kormannstr. 25/26, Minuth. Glogaucrstr. 2, Kotza». . 17, Jautke. , 26, Schwarzer. „ 28, Bäckerei- Genossenschaft Berlin. Görlitzerstr. 68. Most. Gr.-Görschenstr. 43, O. Hanke. Gräsestr. 35, Bäckerei- Genossenschast Berlin. Gräsestr. 4, Rehseld. Graudenzerstr. 5, Nickisch. Graunstr. 5, Schcutz. , 22, Dohrmann. . 32, Lehmann. 37, Müller. Greisenhagencrstr. 15, Niklasch. Gretjswalderstr. 191, Müller. 12, O. Hanke. Grlmmstr. 1. Wolf. 29, O. Hanke. Grünauerstr. 12, Buy. Grüner Weg 63, Osk. Hanke. Gubenerstr. 44, Lucht. , 57, DcinS. Hagcnauerstr. 1, Hanke. Hagenaucrstr. 13, Zisowsky. HauSburgitr. 5, Mehl. Heidenseldstr. 21, Schön. „ 19, Goldacker. Heinersdorserstr. 12. Lamla. 27, Hossmann. Hennigsdorserstr. 1, Hermann. . 13. Paulisa. , 37. Schütze. Hermsdorferstr. 8, Bobel. Hochstraye, Neue, 18, Berliner Ge- nosfenschafts-Bäckerei. Sochitr. 81, Maue. ochmeisterstr. 1, Hanke. 20, Friedrich. Hochstädterstr. 23, Zahl. Holzmarktstr. 55, Aronheim. Huselandstr. 36, Oberreicher. , 40, Kittlaus. tübnerstr. 6, Bauer. usfltenstr. 15, Potscher. . 20, Ww. Wolf. , 30, F. Hanke. , 45, Kießling. Fmmanuelkirchstr. 32, Kleiner. Jnsterburgerstr. 2, O. Hanke. , 5, Syrow. , 12. Hennig. Jnvalidcnstr. 157, Goldacker. Iablonskistr. 1, Bode. Jagowstr. 10, Eichstädt. Jahnstr. 21, Köhler. Jasmunderstr. 18, Böttcher. Kaiserstr. 46, Kalbow. Karlstr. 26, O. Hanke. Kastanien-Allee 13/14. Pape. ■ � t\a r49, Goldackeri>»> ,» 46, Klepka. „ 57, Kimich«. Kleine Andreasstr. 7, Hierse. Kleine Franksurterstr. 14, Mittelstadt Kleine Markusslr. 1, Medersich. Kochhannftr. 28, KriemI. Kolbergerstr. 1, Hanke. Koloniestr. 30, Döring. . 34, Muche. . 71, Schopsch. Koppcnstr. 25. Stratmeyer. Kvpenhagcuerstr. 28, Bechtel. , 56, Raber. 59. Kurth. 65, Weitz. Kopernikusstr. 3, Teupel u. Pichöser, „ 9, Mellnitz. 25, Tbulke. 33, Winnenberg. Köpenickerstr. 172, Cicslik. Köslinerstr. 1, Kästner. 3, GriazdowZki. Korsörerstr. 2, Surcl. , 17, Hübner. Kotlbuser Damm 20, Protzer. Neue Königstr. 60, Goldacker. Krautstr. 4/5, O. Hanke. Kremmencrstr. 15, Marlock. Kreutzigerstr. 1, Laiige. Kuglerstr. 3, Schuniann. Landsberger Allee 43, Krellmann. 51. Jäckel. Landwchrstr. 12, Zicgler. Langestr. 13, Goldacker. 25, Hildcbrandt. Lausitzerslr. 9, Kauf. Lichtenbergerstr. 6, Winter. 21. Feist. Linienstr. 1, O. Hanke. , 26, O. Hanke. Liebigstr. 8, P. Hanke. . 31. Bauer. „ 88, I. Hanke. Liebenwaldcrstr. 31. Jäckel. Liegnitzerslr. 5, Albrecht. Lippehnerstr. 8, Zibell. Litthauerstr. 14. Schneider. Lortzingstr. 6, Rösener. 17, Dohms. Lothringersir, 34/35, Nollweide. Löwestr. 8, P. Hanke. . 18, Block, Lübeckerstr. 20, O, Hanke. , 47, Schmidt. Lübbenerstr. 10, Hacker. 17. Gaul, 24, PsennigSdors. , 2� Gierz, Lhchenerstr, 4, Schwede. 110, Köhler. Lynarstr. 14, Pawlick. Malplaquetstr, 6, Schulze. „ 12, Behrend. . 16, Gensior. Manteuffelstr. 61, Beckmann. 87. Jurke. , 90, O, Hanke. „ 99, Brauer. „ 103, Wicdekind. Mariannenstr. 12, O. Hanke. 32. Prack, Markgrafenstr, 99, O, Hanke. Markusstr. 11, Schneeberger. . 38, Tisch er. Maxstr. 17, Laas. Memelerstr, 7, Knorcke. Mctzerstr. 2, Sachwitz. Millenwaldcrstr. 30, Dohna!. „ 44, Schröder. Mirbachstr. 14, Volksbrot, MuSkauerstr. 13, Lattermann. 28. Heinzelmann. Mulackstr, 10, Schramm. Müllerstr, 28. Lüddicke. , 32a, Weber. 166a, Hanke. Mühlenstr. 32, Nahlk. „ 46a, Franke. „ 51, Schön. Münchebergerstr, 15, Leue. Naunynstr. 1, Lippert. 7, Fielitz. , 40, Barduhn. „ 64, Hcilmann. . 73. Stojaczyk. Nazarethkirchstr, 39. Zibell. „ 45, Schulz. Neanderstr, 23, Rauhut. 27, O, Hanke. Nene Hochstr, 45, Jacob. Nostizstr. 9, Bockisch. 49, Mörbcr. Ohmstr. 9, Nowosadke. Oranienstr. 186, O, Hanke. Oppclnerstr, 20, Golembiewsli. Palisadenstr, 20, Kynast. 58, Barth. 91, O. Hanke. Pankstr, 21, Kahle. „ 25, Günther. Pappel-Allee 7, Riedel. , 18,©öfen. 21, Schiller. „ 24, Caseler. „ 85, Dreyler. Perlcbergerstr, 54, Berk,»«•- Natiborstr. 6, Dietschmann. „ 17, Rücker. Reichenbergerstr, 62, O, Hanke. , 88, O, Hanke. 95a, Tschentke, „ 101, Wagner, 145/146, Klautsch. RheinSbergerstr. 13, Scholz. , 26, Lorenz. Reiliickeiidorserstr. 36, Hanke. „ 112, Goldacker, „ 120, Berliner Gen.- Bäckerei. Rigaerslr, 4, Hanke, , 100, Spörlein. Nomiiitenerstr. 41, Brämer. „ 44, Küster. „ 57, GorgaS. Ruppinerstr. 8, Baake, „ 12, O, Hanke. Rostockcrstr. 31, Wagener. . 36. Utbrich. 40, Tschöke. , 46, Krüger. „ 51, Hering, Rüdersdoilerstr, 20, Güldener. , 52, Haupt. Rügenerstr. 16, Höhne. „ 22, Jaiiibor. Samariterstr, 2, Fischer. 11, P, Hanke. „ 23�Klewe. Samoastr. 22, Stege. Schillingftr, 19, Osk, Hanke. Schivelbemerstr, 4, Hildebrandt. „ 16, Baur. 18. Wolff. Schliemannstr, 30, F, Hanke. 82. Japp, Schönhauserstr,, Alte 33, Goldacker. Schönhauferslr.Alte, 39/40, G.Schwarz. Schönhauser Allee 5, Goldacker. .. 70 s, Goldacker. ,. 150, Blume. . 168, O, Hanke. Schrcinerstr, 57, Siepack. Schulstr. 28, Schamberger. „ 25. Hanke, , 37, Schmidt. Schliizendorserslr, 23, Barth. Schivcdterstr. 32, Hanke. 43, Löchel. „ 52, Hüdner. „ 230,«umm. 240, Schmidt, Seelowerstr. 15, Baur. «ickingenstr, 76, Winter. Siemensstr. 17, Mügge. Simeonstr. 14, Link. Simon Dachstr, 12, Hanke. .. 28. Radtke. Skalitzerstr. 63/64, Dehmel. „ 120, Gerlach. Sonnenburgerstr, 13, Gräslittg. Soldinerstr, 32, Roscmann. . 69, Schneider. Sorauerftr. 1, König, . 8. Kretschmar. Sparrstr, 19, Gonsior. Sprengclstr, 4/5, Wagenknecht. Stallschreiberftr. 32, Hanke. Stargarderstr, 78, Bark u. Walter. Stendalerstr. 4/5, Corts. Stettinerstr. 26, Kleinert. „ 56, Barnekow. Stolpischcstr, 4, Badtke. „ 32, Panke, Straksunderslr. 8, Beizig, Straymannstr. 24, Zander. „ 2, Hanke. Strelitzerstr, 15, v, Grabowski. „ 31, Scheunemann. 64, Brauner. Stromstr, 33, Zastrow, Swinemünderstr. 54, Paulitscheck. 66. Biesker. 80, Pruy. „ 82, Manuel. „ 93, Schubert. , 106, Kunze. 119, Anhüuser. Torfstr. 13, Schachner, Treskowstr, 57, Noerschner. Türkcnstr, 22, Tzschetzsch. Tegelerstr, 11, Lenzner. , 23, Dahlke. 84, Stritzke. Tieckstraye, Fürst, Tilsiterstr. 26. Geßner. 91, P, Hanke. Torsstr. 14, Lenz. . 17, ZieSmer. Tnrinerstr, 36, Riymann. Turmstr. 51. Goldacker. . 67, O. Hanke. Urbanstr, 1, Neuvarth. „ 25, Herzog. 52, O. Hanke. . 104, Kruschke. Usedomftr, 4, Stollberg. Utrechterstr, 8, Kersten. Veteranenstr. 16, O. Hanke. Boltastr. 42, Eckel. Waldstr. 4, Senf. „ 17, Hanke. . 25. Jglisch. » 36, Bureck. . 46. Pohl. Waldemarstr. 76, ClauS. Warschauerstr. 8, Wols u. Heinz«. , 16, JarzcmbowSll. 64, Lüddcmann. Wattstr. 1, Hanke, . 21, Hoffrichter. Weberstr. 36, Goldacker. Weddingstr. 7, Brendel. Weichselstr. 34, Schulz. Weidcnweg 25, Brosin. „ 34, O, Hanke. 37, Ehnert. WeinbergSweg 9, Ludwig. Weinstr. 7, Karras. 27. Legier. Weiyenburgerstr. 24, Jahn. 55. Nobllinz. Wichcrtstr. 5, KierzkowSki. Wiclcsstr. 2t, Staub. 66, Spickermann. Wienerst». 3«. 49. Witsche!. . 56», Lauchwitzt Wiesenstr. 19a, Dreier. „ 3l, Holland. , 64, Schärdiem. Wilhelmshavenerstr. 13. Hesse. 23. Gödecke. Willdenowftr. 29, Breier. WilSnackerstr. 15, Goldacker. WinSstr. 6, Müller. 71, Schwabe. Wisbtzerstr. 3, Schulze. Wittslockstr. 7, Gicsmann. Woldcubergerstr, 7, Cilllalls. Wollinerstr. 23, Dahlen. » 3l, Fuhrmann. , 3t, Bordasch. » 44, Schirrmacher. „ 58, George. Wrangekstr. 77, Gentzmann. . 91, O. Hanke. Zelleftr. 11, Kurzweg. Zionskirchplatz 1, Mollweide. ZionSkirchslr, 2, Regen, 54, Zwicrschkc. Zorndorserstr. 2, P. Hanke. 55, Richter. Zwlnglistr. 15b, Utbrich. Alt-Glienicke. Rudowerstr. 67, Lange. Adlershof. BiSmarckstr. 14b, Schulz. , 21, Römisch. , 48, Laserich. Britz. Chaussccstr. 17. Dally u. Hagemeister. 47, Friese. Rungiusstr. 3, Adamek. Borsigwalde. Ernstftr, 6. Etzrodt. . 25. Tafclsky. Rcuschstr. 52, Neubauer. Baumschulenweg. Baumschulenftr. 70, Stenzel. Ernststr. 9, Hoffmüller, KIcsholzstr. 254, Lcupold. Scheiblerstr. 29, Schulze. Bohnsdorf. G. Solle. W. Gebhardt. Boxhagru-Nummelsburg. Boxhagencr Chaussee 5/6, März. Gabriel Maxstr. 1, Luzemann. . 2, Kliukmüller. . Zander. Grünbergerstr. 12, Schulz. . 18, Löwa. Hauptslr. 82, Herrcks. Ääntstr. 1, Dluczewski. » 13, Spöttlich. 18, Mägdesrau. Lenbachstr. 7a, Pflugrad." Neue Bahnhofstr. 9, Frilsche. Neue Prinz Albrech tstr. 3, Böhme. 30, Maschmann. Türrschmidtstr. 31, Pscnnig. 40, Kallweit. Wühlischstr. 32, Jander. Alt-Boxhagen. Nr. 10, W. Krüger. Nr. 35, Peter. Stralau. M-Stralau- 49, Härtung. Charlottenburg Cauerstr. 19, Ulbrich. Cauerstr. 27, Genossenschaft»Pro- duktion". Christstr. 18, Genossenschaft»Pro- duktion". Dancketmannstr. 12, Bartz. 46, Lehmann. 55. Ulbrich. Friedbergstr. 39. Ulbrich. Grokmanstr. 14, Ulbrich. Grünstr. 27, Bachmann. Helmholtzstr. 19. Ulbrich. Kaiser Friedrichstr. 43, Ulbrich. Kanalstr. 7, Leistncr. 15, Heine. Kantslr. 103, Ulbrich. Knobelsdorserstr. 43, Ulbrich. Lcibnizstr. 65, Ulbrich. Nchringstr. 21, Ratzky. Pestalozzistr. 42, Leislner. Potsdamerstr. 11, Bachmann. 12, Konsumverein. 42, Ulbrich. Sophie Charlottensir. 80, Pvccll. 87, Ulbrich. Spandauerstr. 30, Ulbrich. Spreestr. 11, Polka. Tauroggenerstr. 10, Genossenschaft „Produktion". Tauroggenerstr. 45, Ulbrich. Wallslr. 85, Ulbrich. Weimarerstr. 29, Konsumverein. Wtlmersdorserslr. 27, Konsumverein. 41, Ulbrich. 163, Ulbrich. Franz. Buchholz. Pankowerstr. 28, Ulrich. Mühlenstr. 1, Preuy. Friedenau. Lauterstr. 24, Marold. Friedrichsberg. Blumenthaistr. 38, Peschke. RummelSburgerstr. 22, Opitz. Friedrichsfelde. Berlinerstr. 66, Seiler. , 102, Wölsert. Groft-Ziethe». A. Werner. Hennigsdorf. Sämtliche Bäckermeister bewilligt. Hermsdorf. Hanplstr. 34. Herrmanll. Neptunstr. 36, Manie. Seebadstr. 1, Ladewig. Heiligeusee. 23. Kühne. Hohcn-Schönhause«. Maihoser. Köpenick. Borgmannstr. 6, Bergmann. Grünauerstr. 27, Krämer. Rosenstr. 2, Peter. Rudowerstr. 25, Hein. Schönerlinderstr. 12, Kudell. Karlshorst. Dönhoffftr. 9, Hansen. Dorotheenstr. 27, Eichhorn. Lichtenberg. Dorsstr. 82, Mägdesrau. Franksurter Allee 3, Bantsch. Margarethenstr. 8a, Schacher. Oderstr. 25, Goksch. Psarrstr. 36, Heyler. Scharnweberstr. 34, Köpke. Weichselstr. 32, Bantsch. Wilhelmstr. 57, Jesse. 69, Griebe. Mariendorf. Chausseestr. IIa, Nowack. 12. Wendt. » 15, Papier. , 67, Spielhagen. Nieder- Schönhause». Beuthstr. 11, Krügcrke. Bianlenburgerstr. 1, Zuawurft. , 18, Höhne. Obcr-Schöneweide. Edlsonstr. 9, Peter. Fllschcnstr. 2, Peter, Rathenausw. 31, Peter. Tabbertstr. 2, Peter. Pankow. Binzstr., F. Heyden. Mühlenstr. 32, Müller. Wollanlstr. 68, F. Hanke. Plötzensee. Charlottenstr. 12, Thiele. Reinickendorf. Berlinerstr. 104, Naß. 134, Gottschall. Markflr. 12/13, Vollmer. Provinzstr. 51, Langer. , 80, Schwarz. . 129, Schneider. Residenzstr. 61, Witte. 105, Gleich. , 118, Prose. Wilkcstr. 62, Neue Berliner Genossen- schastS-Bäckcrei. Nixdorf. Allerstr. 3, Perscke. Bergstr. 12, Hanke. Berlinerstr. 16/17, Schibgill. , 20, Volgtlchnder. 86, O. Hauke. Bodesir. 16, Beyer. 31, Topf. Elbeslr. 1/2, O. Hanke. , 6, Kirslädter. „ 15/16, Lunlwitz. Emserstr. 78, König. Erlangerstr. 8, Weiyleder. Falkstr. 1, Bäckerei-Genossenschast „Berlin". Fallsir. 21. Susat. „ 25/26, Perscke. Friedelslr. 3, Marmul. Glasowstr. 32, Kunz. Heidclbergerstr 76, O. Hanke. Herdaslraye, Hilmer. Hermannstr. 19, Bäckerei-Genossen- schast„Rixdors". Hermannstr. 23, Mertens. 118, Bartsch. 159a, Hagen. Hermannstr. 170, Thaler. , 175, Koczanecki. „ 231, Hermann. Herrsurthstr. 26, Brüx. . 34, O. San?» 7, Bäckerei-Gcnossett» schast„Rixdors". Herrsnrthplatz 10, Schnur. Hobrcchtstr. 71, Zrocke. Hohenzolleriiplatz 6, O. Hanke. Jmistr. 30, Krause. Jsarstr. 7. Zech. Jägerstr. 63, Jonscher. Jansastr. 7, Brie». Neue JouaSstr. 33, PulS. Karlsgartenstr. 19, Vonnoch.. Kaiser Friedrichstr. 25, Bartsch. „ 34, Schmidt. 245, O. Hanke. Knesebcckstr. 33, Gallert. , 38. Wölk. , 41. Belzig. , 68, Richter. 146, Dubowsti. Kopsstr. 38, Bäckerei-Gettollenschast „Rixdors". Kopsstr. 45, Hoppe. Kotlbuser Damm 103, O. Hanke. Köllnisches User 72, Müller. Lcssingstr. 34, Pcrseke. Mahlowerstr. 6, Bartsch. Mainzcrstr. 15/16, Grunert. 56. Döbl-r. Münchenerstr. 18, Völler. . 25/26, Bäckerei-GenosseN« schalt„Rixdors". , 44. Weigelt. Nansenstr. 33, Sekul. Niemctzstr. 10, Wach. Nogatslr. 32, Grzcbat. Pannierstr. 4, Riemer. . 13, Frischkemlith. » 20. Junker. 27. Maschler. » 34, Spura. 57, O. Hanke. Pflügerstr. 70/71, Linsener. Prinz Handjerystr. 58. Bartsch. 70. Schmidt. Reuterstr. 33, Splettstöyer. , 76, Bobel. „ 94, Lehmann. Richardstr. 63, Lüdicke. Sclchowerstr. 9, Bäckerei-GenosseN» schast„Rixdors". Sclchowerstr. 23/24, Grünhage». Siegsriedstr. 48, Pinkel. Steinmetzslr. 34, O. Hanke. , 39, Senstlcben. , 46, Perscke. , 121, Löwigt. » 129, Bäckerei-GenosseN» schast„Berlin". 131, Lorenz. ThomaSstr. 37, N-Hrig. Thürtngerstr. 7, Bartsch. „ 18, Klein. Warlhestr. 9, Ciestor. , 15, Janentzki. Weichselstr. 13, Hagemann. , 31, Schwarz. „ 55, Frlschgemuth. „ 60, Gasscnhuber. Wcisestr. 2. Bäckerei-Genossenschast „Rixdors". Weisestr. 24, Bäckerei-Genossenschast „Berlin". Weisestr. 23. Winde. 73/74, Wols. Weserstr. 47, BieS. . 168, Viclitz. Wielandstr. 27, Reich. Wiymannstr. 7, Troffer. „ 29, Krüger. Zietenstr. 20, Bäckerci-Genossenschafl „Rixdors". Zietenstr. 41, Beyer. Rudow. Köpenickerstr. 84. Weigt. Schöneberg. Barbaroffastr. 67, Wetzet. Belzigerstr. 61, Kernchen. Ebcrsstr. 42, Zeitz. Eiscnacherstr. 63, Machler. Erdmannstr. 5, Äulinski. Gustav Müllerstr. 35, Schmidt. 48. Beck. Nollendorsslr. 40. Hanke. Sedanstr. 18, Steück. Selchow. E. Schulze. Spandau. Achenbachstr. 6, Bühl. Stolpe. Gntschow. Tegel. Schloystr. 27, Pctcrsohn. Schulstr. 1, Eiunitz. Treptow. Beermannstr. 6. Fieck. Elscnstr. 38. GcSke. Kiesholzslr. 33/34, Weiser. Weitzcusect Charlottenburgerstr. 76, Hosfm-mn � 79, Schadwiickct. 98. Emil Engel. kenbcrgerstr. 146, Frösch. eldmannslr. 164, Krien. tedrichslr. 1, Roth. riesickeitc. 23, Thiele. Äeneralstr. 12, Müller. Gäblerftr. 60, Wilh. Engel. Heinersdorserweg 24, R.bert Eng�. . 45, Hoffmann. „ 48, LiSkowSkl. 56, Bay. König-Chauffee 72, Hoffmann. Langhan» str. 75, Nauber. Lehderstr. 1, Hossmmm. 119, Klink. Lothringenstr. 35, Hoffmann. Pistoriusstr. 8. Nassau. Prenzlauer Chaussee 3/4, Kohler. Rölckestr. 127, Hofsmaun. Wilhelmstr. 23. Drcws. 39, Schwarz, Wilhelmsruh. Edellveiyslr. 11, Lube. Zchlendorf. Berlinerstr. 6a, Haesner. Mitbürger! Arbeiter! Hausfrauen p Unterstützt die um Erkämpfung ihrer Menschenrechte känipfcndcn Bäckergesellen. I Die Streikleitung. Zentral-Streikvureau: Sophien-Säle. Sophienstr. 17/18.— Telephonruf: Amt III Nr. 1243, OnsUitwortlicher Nedakteur� Kgos Wetzkf« Berlin. LÜI ds» gnseratenteil veralMv. l Th. Glocke. Berlm. Truck u. Beilag:BortvgrtI ivuchdruckerei u. Berlagsausiglt Baul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 127. 24. Inljrptig. 8. Keilme des Jonunttf Cctlintr öollislilntl. Dienstag, 4. Iirai 1907. KuiMche Beamtenuntreue in liiedtlenburg. (Telegraphischer Bericht.) Schwerin, den 3. Juni. Ein Riesenprozeh wegen Durchstechereien und Unterschlagungen an der Irrenanstalt Sachsenberg bei Schwerin nahm heute vor der ersten Strafkammer des Schweriner Landgerichts seinen Anfang. Fünf Angeklagte werden aus der Untersuchungshaft vorgeführt, in der sich eine Anzahl von ihnen bereits seit Mai 1906 befinden; vier Angeklagte waren gegen hohe Kautionen aus der Unter- suchungshaft entlassen worden. Der eine der Hauptangeklagten, Hofschlächtermeistcr Wilck-Schwerin, hatte ursprünglich einen Teil der Kalbfleischlieferungen für die Irrenanstalt Sachsenberg. Indem er dem zweiten Hauptangeklagten, dem Bctriebsinspektor Arnold Schulde, der heute als schwerkranker, gebrochener Mann auf der Anklagebank Platz nimmt, die freie Fleischlieferung für seinen Pri- vathaushalt während des ganzen Jahres in Aussicht stellte, hat Wilck den Schultze bewogen, ihm die anderen Submissionen der sich um die Lieferungen bewerbenden Schlächtermeister zugänglich zu machen, damit er seine Bewerbung so einrichten könne, daß sie für die Anstalt günstiger werde. Zugleich bewog Wilck den Schultze, seine Bewerbung bei dem Oberarzt der Anstalt zur Annahme zu empfehlen. Auf diese Weise gelangte Wilck in den Besitz der ge- samten Fleischlieferungen für die Anstalt. Mit Hülfe des An- geklagten Schultze und zweier weiterer in der Anstalt beschäftigten Angeklagten, des Bureauassistenten Brüdigam und des Privat- schrcibers Hinzpeter, hat dann Wilck seit dem Jahre 1899 der An- stalt viel höhere Fleischgewichtsmengen in Rechnung gestellt, als wirklich geliefert wurden. Schließlich hat Wilck auch der Anstalt minderwertige Sorten von Fleisch, Wurst und Schinken geliefert, die nachher als erstklassige Ware ig Rechnnug gestellt wurden. Für den Umfang der Betrügereien und des Nutzens, den der Haupt- angeklagte Wilck gezogen hat, gibt der Umstand einen Anhalt, daß er den beiden Mitangeklagten Bureauassistenten jährlich 1999 M. für ihre Beihülfe gezahlt hat. Der Betriebsinspektor Schultze hat natürlich wesentlich höhere Summen erhalten. Als fünfter war an dem Nutzen der mitunterrichtete Buchhalter des Angeklagten Wilck, Karl Heinrich Müller, beteiligt. In ähnlicher Weise ist die Anstalt durch die anderen vier Angeklagten, Kolonial- Warenhändler Will, Kohlenhändlerin Witwe Scharfenberg, Kauf- ninnn Bärwald und Gutspächter Barth, geschädigt worden. Die Anklage gegen diese neun Angeklagten lautet auf Beamten- bestechung(aktive und passive), Urkundenfälschung» Betrug und Untreue. Die Verteidigung stützt sich hauptsächlich auf die Tat- fache, daß die beiden angestellten Beamten der Irrenanstalt, Bu- rcauassistent Brüdigam und Schreiber Hinzpeter ein Jahrcsgehalt von 369 M. bezogen, obwohl sie viele Jahr lang in der Anstalt in verantwort- licher Stellung tätig waren. Angeklagter Betriebsinspektor Schultze gibt die Anklage in vollem Umfange zu. Er hat seit einer Reihe von Jahren Geschenke aller Art angenommen und dafür die Lieferanten begünstigt. Hofschlächtermeister Wilck gibt die gemeinschaftlichen Betrügereien zu, bestreitet aber die Bestechung.— Aehnlich liegt es bei den An- geklagten Kaufmann Bärwald und Witwe Scharfenberg. Sie de- streiten, dem Schultze Geschenke gegeben zu haben, um ihn zu Pflichtwidrigkeiten zu verleiten.— Der Angeklagte Schultze gibt aber zu, von ihnen Geld genommen zu haben, um ihnen die Seifen- lieferung bezw. Kohlenlieferung zu verschaffen.— Der einzige Angeklagte, der alles bestreitet, ist der Gutspöchter Barth. Äib ihm zur Last gelegten Taten reichen allerdings bis 1893 zurück. Barth leugnet, sich in unrechtmäßiger Weise bereichert zu haben. Seine Butterlieferungen seien durchaus preiswert gewesen.— Bors.: Sie sollen aber auch an dem verstorbenen Betriebsinspektor der Irrenanstalt Behlsheim bei Rostock sehr erhebliche Geschenke gemacht haben. Vor allem haben Sie sich auch überhöhte Rechnungen zahlen lassen. Sie haben doch bei weitem nicht so viel geliefert, wie Sie bezahlt er- hielten.— Angekl. Barth: O doch!— Vors.: Wir verhandeln ge- trennt fünf Fälle, getrennt nach den fünf Lieferanten: Kolonial- waren, Kohlen, Seife, Fleisch und Butter, weil zwischen ihnen nur ein rechtlicher, aber kein tatsächlicher Zusammenhang besteht. Wir machen jeden einzelnen dieser fünf Fälle mit Beweisaufnahme und Zeugenverhör vollkommen spruchreif.— Wir verhandeln also zu- nächst den Fall Will. Angeklagter Betriebsinspektor Schultze äußert sich zu dem Fall des Kolonialwarenhändlers Will. Schultze ist jetzt 66 Jahre alt, verheiratet und Vater von sechs Kindern im Alter von 16 bis 25 Jahren. Er war ursprünglich Guts- inspektor, später selbständiger Besitzer in Mecklenburg, verkaufte aber, weil er nicht genug Geld hatte, um sein großes Besitztum be- wirtschaften zu können. Er kaufte sich dann eine kleinere Stelle im Holsteinischen. Kapitalsmangel zwang ihn auch da, zu ver- kaufen. Er trat dann für kurze Zeit als Bureauvorsteher in eine Hamburger Privatbriefbeförderungsanstalt ein. Diese Anstalt ver- krachte aber bald und Schultze wurde brotlos, bis er im März 1883 als Betriebsinspektor an die Irrenanstalt Sachsenberg kam. Hier wurde er schon nach einem halben Jahr fest angestellt und vereidigt. DaS Anfangsgchalt betrug 8799 M. bei freier Dienst- Wohnung, Garten und Feuerung und stieg bis 4299 M. im Jahre 1991.— Bors.: Davon wurden jedoch 19 Proz. für Wohnung und Feuerung abgezogen?— Angekl.: Nein, 19 Proz. für Wohnung, außerdem 150 M. für Feuerung. Bar bekam ich 3639 M. Ich war viel schlechter gestellt als mein Kollege in Gehlsheim.— Staatsanwalt: Der Angeklagte erhielt aber außerdem in den Jahren 1891 bis 1994 759 M. an Unterstützungen vom Kuratorium. Ja, er besaß sogar die Frechheit, im Dezember 1995, während schon die Untersuchung schwebte, noch einmal um Unterstützung cinzukommcn.— 1 Bors.: Sie hatten damals 18 999 M. Vermögen, das verschwiegen Sie in Ihrer Eingabe, um sich Unterstützung zu verschaffen.— Angekl.: Meine Frau war schwer krank, magen- leidend und nervös, meine Kinder kosteten viel Geld.— Bors.: Ihre Tochter war Lehrerin am Seminar und Ihr Sohn studierte die Arzncikunde in Berlin. Sie sollen außerdem zu Hause in großem Wohlstande gelebt haben. Trotzdem haben Sie sich noch ein solches Vermögen erworben. DaS Geschäft mit den Lieferanten musi also gut gegange» sein. (Heiterkeit.) Schon 1899 kauften Sie durch das Bankhaus Jaffe für 1999 M. Wertpapiere, 1993 aber durch die Dresdener Bank in Hamburg für 7399 M- Sie waren mit dem Angeklagten Will sehr befreundet und besuchten ihn fast täglich, für eine Freund- schaft fast zu oft.(Heiterkeit.) Sie lieferten also für die 899 Mann starke Belegschaft der Irrenanstalt Sachsenbcrg Zucker, Kaffee, Petroleum, Salz, Kartoffeln usw. Was hatten Sie davon für Vorteil?— Angekl. Schultze: Bis 1991 bekam nur meine Frau gelegentlich Geschenke im Werte von 59 bis 199 M. jährlich. Im Jahre 1901 schlössen wir einen festen Vertrag, wonach ich 19 Proz. der bezahlten Gelder erhielt.(Heiterkeit.)— Bors.: 19 Proz. ist ja enorm viel. Man wird ja den Kopf schütteln, wenn man das liest. Dabei ging Will mit den Preisen immer mehr herunter, um die Konkurrenz fern zu halten. Dafür steigerte sich seit 1991 der Verbrauch ganz un- geheuer. 1898 gebrauchte die Anstalt von ihm für 24 439 M. i Ware, 1994 aber für 42 999 M., also 18 999 M. mehr. Augen- ) scheinlich hat Will viel zu wenig geliefert und viel zu viel bezahlt bekommen. Sie haben das alles geduldet, weil Sie selbst großen Vorteil davon hatten.— Angekl.: Ich war fast ohne Kontrolle.— Dex Angeklagte Will hat sein Geschäft 1993 an seinen Neffen verkauft und ist jetzt Rentier. Er ist verheiratet, kinderlos und in guten Vermögens- Verhältnissen.— Bors.: Ihr Haus ist fast schuldenfrei, Sie haben 69 999 M. Vermögen, allerdings haben Sie nur ein Zinseinkommen von 1929 M. jährlich deklariert.— Angekl.: Ich hatte auch manch- mal nicht mehr.— Bors.: Nun, lassen Sie nur gut sein, ich will das nur als Streiflicht benutzen. Wegen Steuerhinterziehung wollen wir ja hier nicht gegen Sie verhandeln.(Heiterkeit.) Sie hatten also die Lieferungen für Sachsenberg seit Gründung Ihres Geschäfts im Jahre 1875 und legten darauf großen Wert?— Angekl.: Ja, vom Ladengeschäft allein konnte ich nicht leben.— Vors.: Sagen Sie doch offen, Sachsenberg war ihr einziger Kunde, dafür allerdings auch ein guter Kunde. Wie kamen Sie denn zunächst dazu, der Frau Schultze Geschenke� zu machen?— Angeklagter: Ich habe ihr zum Geburtstag und zu Weihnachten Ge- schenke von 29 bis 25 M. gemacht. Wir waren doch befreundet und jeder Kaufmann mutz der Kundschaft gegenüber aufmerksam sein. (Heiterkeit.)— Bors.: Nun, ich bin doch auch einer vom Fach. Mein Vater war auch Kaufmann und ich habe nie davon gehört« daß er solche Aufmerksamkeiten erwiesen hätte.— Angekl.: Ja, das war damals in der guten alten Zeit! (Große Heiterkeit.)— Vors.: Die Haushaltsrechnungen hat Frau Schultze auch stillschweigend unbezahlt gelassen?— Angekl.: In. den letzten Jahren wurde alljährlich über 559 M. quittiert.— Bors.: Aber bezahlt wurde nichts, denn Sie haben ja nichts davon aus der Kladde ins Memorial übertragen.— Angekl.: Dazu hatte ich zu viel zu tun.(Heiterkeit.)— Bors.: Sie hatten ja gar keine Privatkundschaft. Von 1991 an zahlten Sie also ständig 19 Proz. des Wertes der Waren an Schultze. Wie kamen Sie dazu?— Angekl.: Eines Tages schrieb Schultze, wenn es nicht anders würde, niüßte er den Geschäftsverkehr mit mir abbrechen.— Vors.: Früher haben Sie das deutlicher gesagt: Schultze habe geschrieben, wenn Sie ihm nicht entgegenkämen, würde er das Geschäft auf- geben. Dann forderte er, als Sie sich einmal auf der Straße ge- troffen hatten und Sie dann in die Kneipe gingen, 19 Proz. Das ist doch ein unerhörtes Ansinnen. Sind Sie nicht zuerst sehr er- schrocken darüber?— Angekl.: Nein, Schultze sagte zu mir, er sei schon so lange auf Sachsenberg und käme zu nichts, jeder andere Be- amte in seiner Stellung würde ein reicher Mann werden.— Vors.: Und für diese 19 Proz. haben Sie dann der Anstalt Waren von ge- ringerem Gewicht und schlechterer Qualität geliefert?— Angekl.: Nein, niemals.— Vors.: Das Zeugenverhör wird ja noch Tat- fachen ergeben, die Ihre sittliche Entrüstung wenig angebracht er- scheinen lassen dürften. Ist Ihnen denn das fabelhafte Anwachsen des Konsums nicht aufgefallen?— Angekl.: Nein, ich dachte, ich hätte die anderen Lieferanten verdrängt.— Vors.: Sie haben also mit allen Waren nach dem Jahre 1991 am Gewicht 19 Proz. auf- geschlagen.— Angekl.: Nicht mit allen Waren.— Vors.: Nun ja, ich weiß, an Sachen, die Sie alle Jahre einmal lieferten, wie an Anchovis, nicht, dafür an Kartoffeln, Petroleum. um so mehr. Sie sollen sogar auf einzelne Waren bis zu 45 Proz. aufgeschlagen haben.— Angekl.: Niemals, ich habe immer nur 19 Proz. heraus- geholt.— Vors.: Jedenfalls haben Sie der Anstalt falsche Rech- nungen aufgestellt.— Angekl.: Ja, aber das war doch nicht meine Schuld.— Vors.: Aber die Schuld Sachsenbergs auch nicht.— Verteidiger Oppenheimer: Der Angeklagte sagte mir, daß er ein- sehe, Unrecht getan zu. haben. Ich möchte, daß-er-daS doch auch dcnr Gericht offen sagt.— Vors.: Verteidigen wird er'sein Vo?- gehen wohl schwerlich können. Aber sagen Sie, Angeklagter Will, wie kam bloß Schultze dazu. Ihnen ein solches Angebot zu machen, wenn Sie nicht schon vor 1991„gemuschelt" hätten?— Angekl.: Das hatte ich nicht, aber vielleicht hatte Schultze es mit den anderen Lieferanten getan.— Vors.: Die Aussagen Schultzes, daß Sie seiner Frau schon große Geschenke gegeben hatten, sind doch glaub- hafter, weil er sich durch sein offenes Geständnis ja selbst schwer belastet Er wird sich doch nicht selbst Verbrechen an den Hals lügen. Wieviel haben Sie dem Schultze übrigens später ge- geben?— Angekl.: Durchschnittlich 1999 M. jährlich.— Vors.: Sie sind dabei reich geworden, Schultze auch. Aber das ging alles auf Kosten des Anstaltskuratoriums und was noch schlimmer ist, auf Kosten der Anstaltsinsasscn.— Der Angeklagte Schultze be- streitet, daß er den Mitangeklagten Will durch Drohungen be- stimmt habe, ihm 19 Proz. zu geben. Es wird dann erörtert, wie die Angeklagten die SubmisfionSanträge und Submissionsbedingungen so eingerichtet haben, daß Will die ganze Konkurrenz verdrängte und schließlich alleiniger Bewerber blieb. So reichte z. B. Will eine Liste über 16 Kaffeesorten, 13 Reissorten usw. ein, während Schultze dem Anstaltsleiter nur die billigsten Sätze vortrug, so daß es den Anschein gewann, als ob tatsächlich Will ein ganz besonders billiger Lieferant wäre. Außerdem wurden statt der etwa ge- brauchten 29 999 Pfund Kaffee nur 19 999 Pfund aufgeschrieben, so daß die anderen Bewerber, die den wirklichen Bedarf nicht kannten, nicht so billig kalkulieren konnten wie Will. Bors, zum Angeklagten Will: Sie haben in den Kontrakten oft Preise gefunden, die Sie bei der Submission gar nicht ge- fordert hatten, und zwar höhere.— Angekl.: Auch niedrigere Preise.— Vors.: Das hätte doch gar keinen Zweck gehabt. Sie wußten doch, was diese höheren Preise zu bedeuten hatten. Schultze war doch am Gewinn beteiligt. Wenn Ihnen z. B. 1,19 M. für ein Pfund Kaffee bewilligt wurden und Sie hatten nur 1 M. gefordert, haben Sie dann Kaffee zu 1,19 M. oder für 1 M. geliefert?— Angekl.: Immer die bessere Sorte.— Bors.: Sie haben 16 Kaffeesorten bei der Submission eingereicht; gibt es denn überhaupt soviel Kaffeesorten?(Heiterkeit.)— Angekl.: O ja. Ich ließ mir vielfach zum Zweck der Bewerbung Proben von aus- wärts kommen.— Vors.: Wurden die Preise nicht erst nach der Lieferung vielfach geändert?— Angekl.: Nein!— Vors.: Sie haben es ja aber selbst in der Voruntersuchung zugegeben.— Angekl.: Dann ist es möglich.— Vors.: Wurden oft Sachen ins Kontobuch eingeschrieben, die Sie überhaupt nicht geliefert hatten?— Angekl.: Es sind höchstens 19'Proz. mehr angeschrieben worden, damit ich keinen Schaden hatte. Die Waren waren immer gut und an- gemessen.— Bors.: Waren nicht im Reis Würmer?— Angekl.: Niemals.— Bors.: Und war der Käse nicht oft verdorben?— Angekl.: Er ist bei mir gar nicht alt geworden.— Bors.: Nein, aber Sie haben ihn alt bezogen. Die Zeugen werden uns ja sagen, daß vielfach frisch angekommener Käse weggeworfen werden mutzte, weil er total verdorben war. Schickten Sie nicht auch öfter Waren hinaus, die gar nicht bestellt waren?— Angekl.: Ja, Schultze sagte mir, ich könnte ihm alle Sachen hinausschickcn, die mir im Wege standen. Wir wohnten nämlich fehr'beschränkt.(Heiterkeit.)— Vors.: Schultze schrieb oft Waren in Rechnung, die Sie gar nicht geliefert hatten.— Angekl.: Ich nehme an, daß es Waren waren, die ich aufzuschreiben vergessen hatte.— Bors.: Durften Sie nicht viel einfacher annehmen, daß es sich um ein verschmitztes Ma- növer handelte, um die Rechnung und Ihren Anteil zu vergrößern? Schultze hatte doch auch Rechnungsformulare mit Ihrer Firma draußen in Sachsenberg.— Angekl.: Ja, er hatte mir gesagt, er müsse manchmal Rechnungen verbessern, wenn etwas falsch an- geschrieben sei.— Angekl. Schultze: Ich hatte Rcchnuugssorinu- lare von fast allen Firmen.— Vors.: Das läßt doch tief blicken. Die Ausrede ist fauler Zauber. Was ging es denn Sie an, wenn der Lieferant einmal zu wenig anschrieb? Vor allem verstehe ich eins nicht: Bei so riesigen Lieferungen von Hunderttausenden hätte doch die staatliche Verwaltung direkt beim Großhändler kaufen können statt sich an Zwischenhändler zu wenden. Das war doch eine un« verantwortliche Wirtschaft; damit hat man viele Zehntausende von Mark dem Staate aus der Tasche gestohlen.(Große Bewegung.) Sie haben nach Ihren Fakturen für Ihr ganzes Geschäft bei weitem nicht soviel Ware bezogen, wie Sie nach Sachsenberg lieferten.— Angekl. Will: Die Waren, die ich geliefert habe, habe ich auch bezogen.(Stürm. Heiterk.)— Vors.: Das ist nur halb wahr. Sie haben eigentlich viel mehr hinausgeliefert, als Sie bezogen haben. Aber Ihre Kladden fehlen ja meist. Nach Ihrer Angabe hat Ihre Frau die Kladden verbrannt.— Angekl.: Ja, beim Umzug.— Bors.: Sie sind zuletzt 1991 umgezogen, aber die Kladden sind bis 1994 verbrannt. Ein anständiger Kaufmann ver- brennt vielleicht alte Scharteken, aber doch nicht die Bücher der letzten Jahre.— Angekl.: Sie haben vielleicht meiner Frau im Wege gelegen.(Heiterkeit.)— Vors.: Soweit Bücher gefunden wurden, sind sie aber höchst verräterisch. Wenn alles richtig addiert ist und darunter steht: Zum Ausgleich erhalten z. B. 319 M., so steht dahinter in Klammern: per Kasse 399 M.— Angekl.: Vielleicht hatte ich etwas vergessen und Schultze es hinzugeschriebcn.— Vors.: Darauf wollte ich gerade auch hinaus. Diese schöne Sitte, daß der Zahlbetrag höher ist als der Rcchnungsbc-trag, zieht sich durch Ihre ganzen Bücher.— Bert. Oppenheimer: Vielleicht fragen Sie einmal Schultze danach.— Angekl. Schultze: Ich habe oft Waren auf Rechnungen nachgetragen, die nicht geliefert waren, soweit ich mich erinnern kann, aber erst seit 1991. Im übrigen habe ich die Waren nach der Rechnung abgenommen, ohne sie erst abzuwiegen.— Vors.: Bemerkten Sie denn nicht ohne weiteres, daß das keine 199 Kilogramm Zucker und keine 59 Kilogramm Kaffee waren?— Angekl. Schultze: Daß es weniger waren, wußte ich ohne Wiegen.(Heiterkeit.)— Vors.: Schultze. bei Ihrer ersten Vernehmung in der Ihnen überraschend kommenden Disziplinar« Untersuchung im Dezember 1995 sagten Sie aus: Will habe 39 bis 59 Proz. aufgeschlagen. Angekl. Schultze: So war es auch.— Bors.: Wie war denn die Ware?— Angekl.: Nach der Probe war sie gerade nicht.— Vors.: n der Voruntersuchung gaben Sie an, der Kaffee sei unrein; Sago, Gries und Reis muffig gewesen und statt ganzen Reis hätten Sie Bruchreis bekommen.— Angekl.: Es war vieAeicht Bruchreis bestellt.— Vors.: Nein, gerade der jetzige Leiter der Irren- anstatt, Medizinalrat Martusch, hatte das System eingeführt, daß alle Klassen von Patienten gleiche Ware bekommen.— Angekl. Will: Ich habe niemals schlechte Ware geliefert.— Vors.: Aber warum sagt es denn Schultze? Warum sollte er denn seine Schuld ab- sichtlich noch größer machen? Er hat doch weiß Gott schon genug auf seiner Seele.— Angekl.: Ich kann nur sagen, daß ich nie schlechte Ware geliefert habe. � Das weitere Verhör dreht sich um den Nachweis, daß o\e „Muschelei" der Angeklagten spätestens 1898 begonnen hat. Der Vorsitzende hält dem Angeklagten Will entgegen, daß Schultze in der Voruntersuchung angab, ihre gemeinschaftlichen Betrügereien gingen schon 8 bis 19 Jahre, daß er auch damals schon sich Aktien gekauft und das gerade mit dem Jahr 1898 sich der Konsum der Anstalt bedeutend gesteigert habe, so z. B. für Kaffee auf das Dreieinhalbfache, für Zucker und Petroleum auf das Eineinhalb- fache, für Hering fast auf das Zweifache und selbst für Feuer- anzünder von 3359 Stück pro Jahr auf 7299 Stück.(Heiterkeit.) Im ganzen hat nach der Untersuchung der Sachverständigen der Angekl. Will für 18 798 M. Waren mehr nach Sachsenberg ver- kauft, als er überhaupt je für fein Geschäft bezogen hat. Allein die beiden Angeklagten haben die Anstalt .SlfiOf«Su/lEl*•.«•' .........'' um 47 268 M.» geschädigt.— Angekl. Will bleibt dabei, daß er 1893 dem AngeN. Schultze noch keine Vorteile gewährt habe, sondern erst nach dessen Drohungen im Jahre 1991.— Bors.: Sie haben aber schon 1893 4790 Liter Petroleum mehr nach Sachsenberg abgerechnet, als Sie selbst eingekauft haben.— Angekl.: Es wurden viele Feueranzünder für Petroleum in Rechnung gesetzt.(Heiterkeit.) Schultze sagte mir, daß die Diener in Sachsenberg ganze Pakete Feueranzünder in den Ofen steckten.— Bors.: Sie waren aber doch mit Schultze sehr intim und alle Abende mit ihm zusammen. Sie haben ihm auch stets die Nachtdroschke nach Sachsenberg bezahlt. Haben Sie nie darüber gesprochen, woher er plötzlich so viel Geld hatte?— Angekl. Will: Geschäftlich haben wir nie miteinander gesprochen.— Vors.: Das ist doch aber höchst unwahrscheinlich.— Auf Befragen des Verteidigers Angekl. Will: Ich habe viele Waren ohne Faktura und ohne Rechnung sofort gegen bar gekauft, vor allem Kartoffeln. Damit ist das Verhör der beiden Angeklagten beendet. Es wird in die Zeugenvernehmung eingetreten.— Sachverständiger Oberarzt Dr. Wilhelmi gibt sein Gutachten über den Gesundhmts- zustand des Angekl. Will ab. Will fei etwas apoplektisch, er habe vor längerer Zeit einen Schlaganfall erlitten und sei infolgedessen im Denken etwas verlangsamt; sonst sei er aber geistig vollständig gesund und imstande, den Verhandlungen zu folgen. Hierauf wird die Weiterverhandlung auf morgen, Dienstag, vertagt. Eingegangene Dnickfcbinftcn. Von der„Reuen Zeit«(Stuttgart. Paul Singer) ist soeben das 35. Hcst des 25. Jahrgangs erschienen. Es hat solgenden Inhalt: Die Gärung in der Fabian Society. Von M. Beer.— Freie Konkurrenz und industrielle Organisation. Studien zur kapitalistischen Organisation. Von Pius Julmann.— Die industrielle Entwickclung und die Konzentration des Besitzes in den Vereinigten Staaten. Von Jakob Winnen(Chikago).— Zur Maiscicrsrage. Von Emil-Fischer iHamburg).— Literarische Rundschau: G. Maier, Soziale Bewegungen und Theorien bis zur modernen Arbeiter- beivegung. Aus Natur und Geisteswelt. Von r. h. Julius Deutsch, Die Kinderarbeit und ihre Bekänipsung. Von ad. br. Ricarda Huch, Die Geschichten von Garibaldi. Von Carl Korn.— Vauvenargues, Gedanken und Grundsätze. Von Hermann Wendel..,_, Die.Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Poslanstallen und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Versügung, Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Direktion.(Großhandel.) Rindsteisch la 66-68 pr. 100 Pfd., IIa 60-65, nia 55-58, Bullcnfleisch la 62—66, IIa 52—60, Kühe, sett 52—58, do. mager 42—50, Fresser 50—62, Bullen, dän, 0,00, do. Holl. 0,00. Kalbfleisch, Doppcllendcr 100—125, Mastkälbcr la 88—94, IIa 76—84, lila 0,00, Kälber gcr. gen. 50—65, do. Holl. 60—65, dän.�0,00. Haininelfleisch Mastlämmer 70—74, la 65—70, IIa 58—65, Schafe 53—58. Schweinefleisch 45—52, Rehwild la per Psund 0,60—0,73. IIa 0,40-0,56. Rotwild, Abschuß 0,50-0,59. Damwild, Abschuß 0,00. Wild. schweine 0,00. Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stück 0,60. Hühner, alte, per Stück 1,60-2,00, Ha 1,30—1,50, do. junge 0,60-1,40, Wolga« Hühner 0,00. Tauben 0,35—0,62, italienische 0,00. Enten per Stck. 1,39 bis 2,70, dito Eis- per Stück 0,00, do. Hamburger per Stück 2,00—4,25 Gänse per Pfund 0,00, do. per Stück 1,50—5,00, do. Hnm- burger per Psund 0,90—1,05, per Stück 0,00. Chalonshühner 0,00. Hechte per 100 Psund 92—106, groß und mittel 0,00, do. matt 91, do. groß 70—71. Zander 0,00. Schleie, Holl. 85—94, do. groß 78—92, do. 86—102. Aale, groß 129—134, do. klein und mittel 0,00, do. mittel 122—128, do. unsortiert 84—114. Plötzen 0,00, do. klein 0,00, do. matt 0,00. Karpsen 40 er 0.00, do. 0,00. Bleie 0,00. Bunte Fische 53-55. Barse 0,00, do, matt 57. Karauschen 40-71. Bleisischc 0,00. Wels 0,00. Aland 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer Per 100 Psd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. lila neuer 75. Seelachs 15—20. Sprotten, Kieler, Wall 0,00, Danzigcr, Kiste 0,00. Flundern, Kieler, Stiege la 3—5, do. mittel ver Kiste 1—2, Hamb. ~ liste 1,00-2,00. Bücklinge. Kieler per Wall 1,50-2,50, Stiege 4—6, halbe Kiste Stralsunder 1,59—2,50. Aale, groß per Psd. 1,10-1,50, mittelgroß 0,80—1,10, nein 0,00-0,80, Hcnllge per Schor! 8—0, Schellfische 5i>ste 2,00—3,80, Kiste 1—2,00, Nnblin», gceäuch, per 100 Vsd. 15—20, Dorsch, Kiste 2,00—2,50. Goldfische, Schock 2—3, Sordcllcii, 1002er per Anker 93, 1904cr 93, 1 90öer 90, 1900 et 85, echotlijche Vollheringe 1905 0,00, largo 40—44, füll. 38— 40, med. 36— 42, deutsche 37—44. Heringe, neue" Moljcd, per To. 60—120, Sardinen, russ.. Faß 1,30—1,60, Bratheringe, Büchse f4 Liter) 1,20—1,40, Neunaugen, Schocksag 11, klein 3—6, Nicscii- 14, Eier, Land-, unsorl. Schock 3,00— 3,20, gr, 3,73, vnttct per 100 Psd, In 106-103, IIa 105-106, lila 100-102, ahsallcnde 90-95, Saure Gurke» Schock 4,50, Piestergurkcn 4,50, Kartostcin per 100 Pfund inaznum donuin 3,23—3,75, Dabersche 3,00—3,50, Rosen 0,00, Iveigc 3,00—3,25. Salatkarlossclii 0,00, Spinat per 100 Pjund 3—5, Karotten, hiesige, Schock-Bund 5,00—6,00, Sellerie. hiesige, per Schock 10,00—25,00, do, poininellche 0,00, Zwiebeln große, per 100 Pfund 0,00, do, kleine 0,00, do, hiesige iPerl») O,0o, Charlotten 0,00. Petersilie, grün, Schockbund 0,80—1,00. Kohlrabi Schock 1—3, Rettig, banr,, neue Stück 0,12—0,16. Mohrrüben pr. 100 Psd. 4,00—8,00, Teitower Rüben per 100 Psd, 0,09, Weiße Rüben, große 0,00, tleine 0,00, Rote Rüben 0,00, Blumenkohl, holländischer | per Kops 0,10—0,30. Kohlrüben per Schock 2,00—5,00, Wirsingkohl \ Holland,, per Schock 0,00. Roikohl bolländ,, per Schock 0,00. Weißkohl, dän. per 100 Pfd. 0,00, Rosenkohl per lOO Psd, 0.00,, Sprnlkohl per 100 Pfund 0,00, Rhabarber 100 Bund 0,60—2,50 Bergedorser per 100 Bund 0,00, Morcheln per Psund 0,00, Sandmorcheln per 100 Psd, 0,00, Waldmeister per Mandel 0,30—0,45. Radieschen Per Schock 0,50—1,00, Salat per Schock 0,60—2.00, Spargel la 100 Psd, 40—55, do. IIa 23—40, do, lila 8—25, do, unsorl. 30-35, do, Bectiher la 45-53, do, Beelitzer IIa 30-40, do, Beelitzer lila 15—27. Stachelbeeren, grün, per lOO Pid, 0,00, Birnen, aiistral,, in Kisten von 20 Kg, Kiste 18—20, iial, 0,00. Aepsel, per 100 Psd,, hiesige 8—20, Tiroler, Kiste 0,00, Calville, Kiste 0,09, Australier in Kisten 10—22. Jtal in Kisten 5,00—20,00, extra 15,00 bis 26,00, Zitronen. Mcisina, 300 Stück 9.00—12,00, 360 Stück 9,00—11,00,200 Stück 6,00— 12,00, Apselsiuen, Fassa, per Kiste 0,00, Murcia 200 er Kiste 0,00, do, 300 er 7-10, Valencia 420«r Kiste 10,00-25,00, do, 714 er 22—26,00, Messwa. 100er 4—7,00, 150er 5—8 09, 16«, er 3-13,00. 200cr 7,50— 12,50. 300er 0,00, Blut- lOOer 5,50-9,00. da, 150 er 7,50, 80 er 6-7,50, 200er 13-14. Wittcrnngkübersicht vom 3. Juni 4207, morgen? H HD». Wetter- Prognose für Tieustag, den 4. Juni 4007. Nachts etwas kühler, am Tage ein wenig wärmer, teilweise heiter aber sehr veränderlich mit Regensällen und ziemlich lebhaften südwestlicher Winden. Berliner W e t t e r d u> t an Für de» Inhalt der Jnicratc überuinimt die Sicdattiou de», Publitni» gegenüber keinerlei Berantworiiiiig. Theater, Freie Bolksbnhue. Dienstag, 4, Juni, abends 7L, Uhr!m Steilen SchnuspielhanS 4,' Abend Vorstellung. 2, und 3, Abteilung: Goethes Faust. Mittwoch abend 7>/, Uhr: 5, Abend Vorstellung im Reuen Schauspiel Haus: 4. u. 5. Abteilung: Goethes Faust. Dienstag, den 4, Juni. Ansang 7,/s Uhr. Kgl. cpcriihans. Die NegimentS- lochter, Kgl. Sclianspielhaus. Goldsische Neues kgl. cperntheater. Die sieben Schwaben, Deutsches,'Robert und Bertram, K a m m c r s p i e l e, Aglavaineund Sclysette,(Ans, 8 Uhr.) Ansang 8 Uhr. Sckilller<», lWnlliicr-Theater,) Ein Fallissement, Schiller-rhraterGharlottenbiirg. Mauna Vanna, Schiller(Friedrich Wllbelm- slädliichcs Theater.) Drei Paar Schuhe, Berliner, Geschlossen. Lcssing. Die Fledermaus, Kleines. Marcell Salzer.(Ansaug 8V, Uhr.) Komische Oper. Hoffmanns Er- zählmigcn, Neues. Die Condittieri. Westen. Die luftige Witwe, Residenz. Haben Sie nichts zu verzollen? LuftivielhauS. Die Welt ohne Männer, Thalia. Charlehs Taute, Luise». Das Rätsel seiner Ehe. Bernhard Rose, Geschlossen, NIelropol. Der Teuscl lacht dazu, Wtutergarteil. I-a Dortagada, Spezinliiäien, Apoll o. Der lustige Witwer. Spc- zialltäten, Walhalla. Spezialitäten. Passage. Spezialitäten. NctchShallc». Stettincr Sänger. >1>»»in. Tnudciiitrafte 4b«/40. Abend» 8 Uhr: Durch Dänemark und Südschlvede», Sternwarie, Jnvalidenttr, 57/62, Tlleiitti»' des Westens. Kantstr, 12 IStation Zoolog, Garten), Gastsp, d. Neue» Lperetten-TheatcrS aus Hamburg: Die lustige Witwe. Schillor-Tbcaler 0.(WaNncr-Thealcr). Dienstag, abends 8 Uhr: I�Iii �'»Ilisseinent. Schausp. in 5 Ausz, von Björnstjeme Björnson, Mittwoch, a b e n d s 8 U h r: hlvlooli.— vor eorhroebono llrug. D o ii n e r s t a g, a b c n d s 8 U h r: Zum 1. Mal: porriobonz lleise, Scbillsr-Ihealor CHarlattonburg. Dienstag, a b c u p S 8 Uhr: Nenn» Vnnna. Schauspiel in 3 Auszügen v. Maurice Maeterlinck, Deutsch von Friedrich v, Oppeiu-Bronikowski, Mittwoch, a b e i, d s 8 U b r: I>lo ScSiiiiiiggler. Donnerstag abends 8 U h r: i l i n!'»:iks!««>»,enZ. Die?' 5peÄ»NMen- fdester. liandsboi-gef Allee<6 79. Direkt a, d, Ningbahnstation, Begucnifte Fahrgelegenheit», allen Stadtricht, 04» selitt» k V ii zx 1 1 e 4»: Ob Regen! Im herrlichen Garten oder groften Saal: Die gröfzte Sensation der Gegenwart: 3 Röhrs Todesfahrt im drehbaren Globus. HanS Röhr, der einzige Fahrer der Welt, welcher die endlose Schleife, nur 3 Meter Durchmesser, vertikal durchsährl.— lllecli»oiin, phänomenale Kunstradfahrer-Truppe.— AUrcdi Mourdini, der unscsielbarc Ausbrccherköuig. Dazu das neue und beste Programm Berlins. Auf. 3 Uhr, Kafseekuche, PolkSbelusiigungeii aller'Art, Entree 30 Pf. Heues Thealer. Abends 8 Uhr: Die Condottleri. Mittwoch und folgende Tage: Die Condottieri. Kleines Thealer. Abends 8 Uhr: MARCELL SALZER-ABEND. Morgen und solgende Tage, abendS 8 Uhr: Marceft Salzer-Abend. >.u»�spZsIksus. 8 Uhr: Wiener Ensemble- Gastspiel Die Welt ohne Männer. Pepi Glöckner als Gast, 8e!li!Ier-7!ieAler». fr!edrieh-V/i!I>o>in»li>dt!eoiios7hoaIor, Abends 8 Uhr: Drei Paar Schuhe. Sommcrprcise. Llil8öll-Itigg!gs Reicheubergersir. 34. Abends 8 Uhr: Das Ztötlf! seiiltl Ehe und solgende Tage._ lResliitiii-Thclilcr. Direktion Richard Alexander, Heute und solgende Tage 8 Uhr: Haben Sie nichts zu verzollen? Schwank in 3 Alien v, M, Henncauw und P, Veber. vrunuen-Thealer Badstraßc 53. Direkt,: fternd. Kose. 10 Attraktionen ersten Ranges 10. BBT- Ar tue Wolff. O'Eibost.— Rärnbler Comp. Der Gcisteispnk im Gefängnis. Pantomime der tSoKaseblrteuppo, Im Finge dnich die LUdi. Ansstaiiimgs-Volksstück in 8 Bildern, Kasscneröffuung 2 Uhr. Ans. 5 Uhr. Im Saale: Wroßer Rull. Billeltvorverkans von 10—1 Uhr an der Theaterkasse. Arbeiter- Sängerbund = Berlins und Umgegend. Da laut Vorfügung der Köiiigl. Eisonbahn-Diroktion die ( für den Sonderzug zum• Proviiizial-Sängerfest in Brantlenburg a. H. bestellten Fahrkarten bis spätestens drei Tage vor der Abfahrt abgeholt sein müssen, so weiden die beteiligten Vereine j ersucht, diese Fahrkarten am üilttwuch, den 5. dun!, 1 von abends 7 Uhr ab, im Warteraum III. Klasse dos 1 j Potsdamer Bahnhofes gegen vorherige Erlegung des Fahr-| proises vom Vorstände in Empfang zu nehmen. Abfahrt des Sonderzuges am Sonnabend, den 8. Juni: ab Berlin(Potsdamer Bahnhof) 8,05 abends, ab Brandenburg(Sonntag, den 9. Juni), 10.50 abends. Der Vorstand. 16/10 Üratiiä. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Oureli Dänemark üiiilSiiilseltweileii. Täglich nachm. 5 Uhr: Großes | Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 Mk., von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. ÜOTttPKBfTRUm Gr, Fraiiksiirlcrslr, 132. Dienstag, den 4. Juni: Ansang i'/, Uhr, 3®r- Im Garten: Theater- und Spczialitätcii-Porst. Theater heute geschlossen. Mittwoch, den 5, Juni 1907: It'einicren- Abend. Der groste Unbekaiintc v, R. Matull. Ä. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill, vriiimenftr. IS, Kerlm bei Nacht. Lebensbilb mit Gesang in 2 Bildern, Ei» Spasi tu der Baitstude. Dazu da» neue Juni> Programm. Ans. 0 Uhr, Kaffeelüche v, 3 Uhr ab, Bei schlechtem Wetter: Vorst, im Saal, CharloltenburB. „Freie Volksbühne." Am Sonntag, den 9. Juni, nachmittags 3 Uhr, im Schiller-Theater Charloltenburg Vorstellung sür die I. und II. Zlbtcilniig. Zur Aufführung gelängt: „Der Pterrer von Kirciiteld." Volksslück mit Gesang von Ludwig Iliizeiigriiber, Die Marken müssen bis zum Sonn- abend, den 8. Juni, geliebt sein. Zu dieser Borstellung werden eine Anzahl Gastmarken ausgegeben, die zum Preise von I.vt» Mark i» alle» Zahlstelle» zu haden siud. teWö-Ilrts. Jeden Abend 8 Uhr; n«» anl Miirl Schlager 1 auf Schlager Das neue juni-Programm. 14 Attraktionen 14. Prater- Thealer. , Kastanien-Allee 7/9. Ulotte Weiber 8i»e«lalitftten I. RnnKe». Kuuziert und Rull. Ansang i'l, Uhr. Abends 8 Uhr: Neue Spezialitäten. Zlbends 9'/, Uhr: Nie dagkwkskiirrFachkchlg! mt Hartstein-wa mit feiner Burleske: Der luftige Witwer. T. Bild: DaS let»te Mal. 2. Bild: Die Folge« davon. Mise Melt Hasenheidc 108-114. — Im Konzertgartcn:— Täglich: gpokes Konzert. Jeden Sonntag, Dienstag, Donnerstag: : MilitärsKonzert,: Jeden Montag, Mitiwoch, Freitag: » TheiSaOrchester. z Entree 10 Pf, Entree 10 Pf. Im Theatergartcn: Täglich: lZi-okes Koiuert des Nene Welt-Orchesters und Spemlitäten-Vorstellllilg Eutrcc 25 Pf. Entrce 25 Ps. Jeden Mittwoch liludorrost. Jeden Donnerstag Elltc-I'nztz. Pnlnlnjlnw-7i8»reiten � sind in Gescluuack und Qualität unerreicht! Das Stück 3 bis 10 Pfennige Uebsrall käuflich! Fabrik„Epiras", Dresden Helene Bulkow Reinhold Weidemann Kottbus. Verlobte. 1082b Berlin. MelropohTheaier Anfang 8 Illir. Große Jahresrevne in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor HoUaender. Dirigent Max Roth, In Szen» gesotzt von Direktor IlichnriT Schultz. Bauchen überall gastattet. Walttaüa-Variste-ßarten. WcinbergSweg 19/20, RoscniH.Tsr, f Spezialitäten• Vorstellung. 15 horvarragende Kummern 15.| Kleine Soinmerpreise. 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(Ohne Gewahr.)(Nachdruck verholen.) 149 050 604[ 600] 21 44 1236 90 5S0 2213[10oä] 43G (fi 500 602<71 3050 137 290[3000] 593 709 4 745 83 966 6367 73 05[30CO] 339 427 88 575 642 724 69 863 985[1000] 6037 11006] 372[500] 444 528[1000] 621 738[300] 928 62 7214 4 5 333 448 83 618 874 Sl64 89 25 7 7 40 943 9 002 349 406 661 736 916 1O043 79 236 390[500] 410 614 66 11309 710 982 97 12035 393 4SI[500] 983 18431 564 713 1 4099 330 44 762 837 922 43 15815[1000] 67 76 452 16042 46 90 105 878 495 518 31 621 866»77 1 7060 139 375 768 92 810 995 18238[1000] 46 332 464 611 754 86 829 1 9117 261 360 883 20069 141 73 383 454 651 54 750[3000] 941 74 21264 413 635 701 810 945 89 99 22015[3000] 46 133 56[500] 309 39 421 tsoool 25 33 51 773 870 939 2 3011 223[500] 42 619 62 2 4030 954 2 5100 623 683 895 2 6017 220 417 692 2 7178 760 28)234 663 29006 11 15 150 316 403 691 660 973 30053 83 133 44 482 534 739 31021[500] 203 610 744 32119 429 4 3 626 33 092 240 67 514 96 691 730 973 3 4051 166 226 51 35176 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Ziehung 5. KI. 216. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 3. Juni 1907, nachraillags. Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betretenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 52 118[1000] 23 514 893 99 1279 412 41 539[500] 724 2116 44 234[500] 304 640 733 847 81 3196 293 349 915 [1000] 4023• 238 334 48 68 412 501[3000] 45 5 232 441 67 523 654 84 797 373[3000] 6033[500] 95 132[3000] 330 [5000] 43 419[500] 713 90 958 83 7035 34 218 743 63 79 »67 8151 82 242 36, 400[1000] 63 556 73-. 42 91[1060] 816 25 949 9146 284 301 469 699 812 938[500] 85 10132[500] 214 62 317 35[3000] 652 742 64 884 934 11103 79 496 519 37 42 75 813[3000] 12160 99 906 1 3010 [500! 43 130 23 1 442[500] 511 14013 47 100 637 818 986 [1000] 15044 55 1500] 107 259»2 4=3 33[3000] 625 53 011 705[500]'8 66 1 6054 62 162[500] 303 484 738 39 53 956 17229 304 57 53 470 82 503 612 837[3000] 933[3000] 63 (500] 18061 91 317 531 44 643 822 1 9088 369 465 716 865 665 77 83 20337[500] 453 552 721 845 2 1 084[500] 174 99 218 620 636 703 856 913 56 22019 33 88 139 303 517 79 715 867 84 23146 517 63[1000] 035 72 89 93 24036 155 63 201 6 427 832[1000] 939 64 25218 443 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