N-. iss. RbcimemenU'Bcdlnganflfli: «lonncment»- Preis Stänumcianbo: BierteljShrl. SM SKL, monaü. l,JO SRI., ivSchenüich 28 Pfg. frei w» Hau«. Einzeln» Nummer s Pfg. Konntags. n umrner mit illustrierter EonntagS. Beilage.Die»eue Veit' 10 Psg. Post, Abonnement: I.t» Mari pro Monat, Eingetragen in die Poft.ZeitungS. Preisliste. Unter Kreuzband filr Deutschland und Oesterreich- Ungar» S Marl, für da« übrige«uSIan» 8 Morl pro Monat. Postabonnement« nehmen an:«elgien, Dünemarl, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal Rumänien. Schweden und die SchMi» 84. Jahrg. Verlinev Volksblatk. Zentralovgan der rozialdemokratirchen parte« Deutfchtands. DK!nKrt!ens*G(bai)r letrSgl für die sechSgespaltene kolonest geile«der deren Raum 80 Psg. für politische und gewerkschaslliche Beiein», und LersammlungS-iinzeigen 80 Pfg. »INein« Sneelgen", das erste lsett» gedruckte) Wort 20 Psg., jede» weitere «ort 10 Pfg. Etellengesuche und Schlaf. ftellen-Unzeigen daS erste Wort 10 Pfg., jede« weitere Wort 5 Pfg.«orte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Stummer müssen di« S Uhe nachmMagS in der ExpedMon abgegeben«erden. Die Erpeditw» tk bt» 7 Uhr abend, geäffnU. relegramm-Udieffe: „Zoi>lIllt>»IlNl ItiHb". Redaktion: 8M. 68. �.«ndensrrass« 69. afenitJü-crficr: Rmt IT, Mr. 1983. Expedition« SM. 68, Qindenstrasse 69. Zheruiprecher: Slmt IV. Nr. 1984. Vrchenglaube und historische Dialektik. i, Durch die Parteipresse ging unlängst eine'Stelle aus der Schrift des Zentrumsabgeordneten Giesberts über die christlichen Gewerkschaften.„Die christlichen Gewerkschaften," heißt es da,„kämpfen für die Emanzipation der Arbeiter aus den unerträglichen Verhältnissen, in die sie ein rücksichtsloser Kapitalismus gebracht hat, so entschieden und kraftvoll, wie es die Sozialdemokraten nur tun können." Trotzdem werde der Gegensatz zwischen den christlichen Organisationen und der Sozialdemokratie„um so tiefer werden, je mehr die letztere sich zur Trägerin des modernen Unglaubens entwickelt, und aus diesem Gegensatz rührt denn auch die weitere Kampfstellung zwischen uns und den freien Gewerkschaften her, welche sich vollständig mit der Sozialdemokratie identisch fühlen." Es sei dies, meint Giesberts, eine ganz naturgemäße Erscheinung, über die sich die Sozialisten klar sein sollten. Man wolle nicht„das Joch des Kapitalismus mit dem des demokraftschen Sozialismus vertauschen". Die Frei- heit der Arbeit lasse sich am entschiedensten und besten wahren «im Sinne der ewigen Grundwahrheiten des Christentums". Wir rechten nicht mit Herrn Giesberts und denen um ihn über die„ewigen Grundwahrheiten", die er im Christentmn entdeckt hat. Sobald die klerikalen Arbeiter beginnen, an die Stelle christlicher Gemeinplätze positive Prinzi- p i e n und Forderungen zu stellen, besorgen die christ- lichen Herren Bourgeois ziemlich gut das Geschäft, mit deren Richtigkeit auch ihre Ewigkeit zu bestreiten. Zutreffend ist, daß sich die christlichen Gewerkschaften, wenn auch wider den Willen der Führer, gezwungen sehen, den Klaffenkampfstand- Punkt mehr hervorzuheben. Zutreffend ist ferner, daß in den kommenden Auseinandersetzungen innerhalb der Arbeiterklasse das religiöse Moment eine wachsende und jedenfalls größere Rolle spielen wird als bisher. Man wird den christlichen Führern aufs Wort den Eifer glauben dürfen, womit sie beflissen sein wollen, auch in der Zukunft das Trennende zu betonen und das Einigende in den Hintergrund zu schieben. Wer gegen die„unerträglichen Verhältnisse", in die ein rücksichtsloser Kapitalismus die Arbeiter gebracht hat, „entschieden und kraftvoll" kämpft, um den Kapitalis- mus zu erhalten, dem kann es auf innere Widersprüche nicht sonderlich ankommen. Selbst wenn sie die Neigung dazu besäße, könnte die Sozialdemokratie sich gar nicht als anti- christliches Kirchenkonzil auftun und sich eine missio canonica im Sinne irgend eines Antipsaffenwms zulegen. Wie sie zu Dogma, Kirche und Religion steht, hat sie in ihrem Pro- g r a m m mit wenig Worten klar und deutlich ausgesprochen. Die christlichen Führer sind sich darüber auch gar nicht im Unklaren. Wenn sie trotzdem das Sprüchlein von der immer größer werdenden Glaubens- feindschaft der Sozialdemokratie nachbeten, das sich aus dem allgemeinen Interesse der kapitalistischen Gesell- schaft und dem besonderen Klasseninteresse der geist- lichen Diener des Kapitalismus herleitet, so beweisen sie damit nur, daß sie einer ftemden und nicht der eigenen Klasse dienen, daß der bürgerliche Charakter der organisierten Arbeitcrzersplitterung in der bürgerlichen Existenz der Zersplittcrer unentwegt fortdauert. Dem Zersplitterungstrieb der christlichen Führer leistet die Verschärfung der Klassengegensätze zunächst Vorschub, denn in ihr ist fürs erste eine schärfere Betonung des religiösen Momentes begründet. Für weite Kreise der Arbeiterschaft bedeutet das religiöse Bekenntnis die allerdings unentwickelte Form des Klassenbewußtseins, des Gegensatzes wider das liberale Kapital. Gerade hieraus erklärt sich zum guten Teil die Vorliebe der Klerisei für Kulturkämpferei und der Anklang, den sie damit in den klerikalen Arbeiter- schichten findet. Das religiöse Empfinden bekämpfen, hieße die in Betracht kommenden Arbeiterschichten in ihrem Klassen- instinkt verletzen und abstoßen, was vom Standpunkte der Sozialdemokratie jedenfalls Wahnwitz wäre. Sprächen nicht Gründe ganz allgemeiner Natur für die Ablehnung aller Kulturkampfpaukerei seitens der Sozialdemokratie, schon diese taktischen Erwägungen würden sie vor den Mißgriffen des Liberalismus bewahren müssen. Je mehr das Klassen- empfinden jener Schichten erwacht, um so mehr werden sie den religiösen Gesichtspunkt und seine Gegensätzlichkeit wider den „Liberalismus", d. h. den Kapitalismus betonen. Man kann darin eine Verstärkung der Scheidewand erblicken, die uns von den christlichen Organisationen und den indifferenten klerikalen Arbeiterkreisen trennt, und die christlichen Führer werden zweifelsohne alles daran setzen, um die Situation weidlich auszunutzen. Aber sie werden nichts an der Tatsache zu ändern oermögen, daß jede schärfere Hervorhebung des Klassen- st a n d p u n k t e s, in welcher Form immer sie sich vollziehe. eine innere Annäherun g an die Sozialdemo- kratte bedeutet. Je mehr entsprechend der wachsenden Zu- spitzung der Klassengegensätze das religiöse Empfinden betont wird, um so eher wird es aus dem Bereich der Phrasen und der Gemeinplätze hinaus und dazu gedrängt, zum sotialdemokratischen Programm im einzelnen Stellung zu nehmen, wird es sich zum vollen Klassen- bewußtsein auswachsen und damit sich selber aufheben. Die christlichen Führer werden am ehesten merken, wie zwei- schneidig die Waffe ist, die sie führen. Immerhin stellt diese Situation an die Partei und ihre Agitatoren Aufgaben, deren Bewältigung nicht gerade leicht ist. Man könnte zu der Meinung versucht sein, es müsse das religiöse Bewußtsein der klerikalen Arbeiterschichten in noch höherem Grade geschont werden, als es ohnehin bisher der Fall ist. Soll das heißen, daß es nicht sozialdemokratisch ist, die ehrliche Ueberzeugung Andersdenkender geflissentlich zu verletzen, in die Sphäre des Gewissens und des persönlichen Glaubens hineinzugreifen, so wäre damit nichts weiter gesagt, als was ohnehin im Programm bereits stände. Unter keinen Umständen aber soll man der gestellten Aufgabe ausweichen. Es ist nicht unseres Amtes, eine unentwickelte Klassenideologie zu„schonen", vielmehr haben wir sie zu höheren Formen des Klassenbewußtseins vorwärts zn treiben. Den Entwickelungsprozeß innerhalb der klerikalen Arbeiterschichten sollen wir aufnehmen und aus- weiten, nicht indem wir die„Religion bekämpfen"— das hat die Sozialdemokratie niemals getan— sondern indem wir das kritische Bewußtsein der uns noch fernstehenden Arbeiterkreise stärken, ihren Blick für die dialektischen Wider- sprüche schärfen, in deren Mitte sie stehen und als deren Spielball sie mißbraucht werden. liamanlls«nck Rdchstaasaiiflotung. Der Regierung und der ordnungsparteilichen Presse ist der„Fall Eulenburg" höchst unbequem. Dem einen Teile besonders deshalb, weil dieser„Fall" die Art des heutigen Regiments mit seiner Abhängigkeit von höfischen Intrigen im schärfften Maße bloßstellt und eine niedliche Historie davon erzählt, wie man im neuen Deutschen Reiche als Reichskanzler gestürzt werden kann; dem anderen Teile, weil er das Rätsel enthüllt, weshalb plötzlich am 13. Dezember v. I. der Reichs- tag aufgelöst und jenes Scheingefecht gegen die sogenannte Nebenregierung des Zentrums eingeleitet wurde, das mit dem» bekannten Aufschwung des nationalen Geistes bei den Januav wählen endete. Den konservativen und offiziösen Blättern liegt natürlich vor allem daran, das Ansehen der Krone und des heutigen bureaukratisch- selbstherrlichen Regiment zu schützen. Sie suchen deshalb durch allerlei Redensarten die Anficht zu erwecken, als seien derartige Beeinflussungen, wie sie die Eulenburgsche Tafelrunde sich gestattete, etwas höchst Seltenes in der preußischen Hof- und Regierungs geschichte. Wenn aber wirklich solche Versuche unternommen würden, prallten sie selbstverständlich höchst wirkungslos an der Selbständigkeit und Charakterstärke des Kaisers ab, der sich nun einmal von niemand beeinflussen lasse, auch seinen nächsten Vertrauten nicht. Der„Lokal-Anzeiger" hat als Hof organ. Wie wir meldeten, bereits vorgestern das Schema für diese Argumentation ausgegeben, indem er den Bestand jeder Kamarilla bestritt und es fast als eine Art Majestäts- beleidigung hinstellte, anzunehmen, der Hof des Kaisers vermöge einen geeigneten Boden für politische Intrigen zu bieten. Eine konventionelle Loyalitätslüge, die schon dadurch genügend widerlegt wird, daß erst vor wenigen Tagen die„Nordd. Allgem. Ztg." in einer offiziösen Notiz nachwies, daß der Kanzler des Reiches höchstselbst trotz seiner intimen Hoftenntnisse an die Kamarilla glaubt— eine Leichtgläubigkeit, die vielleicht noch recht unangenehme Folgen für ihn haben dürfte. Doch selbst wenn dieses reichskanzlerische Zugeständnis nicht wäre, würde das schöne Dementi nicht verfangen; denn es steht zu der preußischen Regierungsgeschichte in allzu grellem Gegensatz. Gehört es doch zu den schönen Eigen- heiten des preußischen Staates, daß in ihm noch nie ein Minister über große Fragen der Politik gestolpert ist, sondern stets über Jntrigantenfäden junkerlicher Hof- und Bureaukraten- cliquen. Auch das Experiment, das im vorigen Jahre der geniale Dichter des Sanges an Aegir versucht hat, ist nur die Neuauflage eines Intrigenspiels, das im Jahre 1894 ein anderer Eulenburg, der Graf Botho von Eulenburg, unternommen hat und das mit der Entlassung des damaligen Reichskanzlers, des Grafen Caprivi, endete. Und zwar wurde diese Intrige damals ebenfalls auf Schloß Liebenberg gesponnen. Auch der be- kannte„Bierabend" im Jnni 1897 bei Brefeld erinnert an die feuchtfröhlichen Sitzungen der Eulenburgschen„Tafelrunde" auf Schloß Liebenberg,_ wenn auch damals die Spiritisterei noch nicht zu den erforderlichen Requisiten der Hofkabale gehörte. Den Liberalen liegt natürlich weniger daran, das An- sehen des Hofes als den Anschein zu erhalten, die plötzliche Reichstagsauflösung im Dezember vorigen Jahres wäre nicht die Folge eines Jntrigenkampfspieles gewesen, sondern tatsächlich zun« Zweck des Kampfes für die„heiligsten und hehrsten Güter des deutschen Volkes" gegen die finstere Macht des nebenregierungssüchtigen Zentrums erfolgt. Seit Januar ist in unzähligen liberalen Zeitungsartikeln der Wahlsieg als der große Auffchwung des nationalen GeisteL gefeiert worden— und nun stellt sich heraus, daß das Hauptmotiv der Auflösung in demWunsch des Reichskanzlers bestand, die im Schloß Liebenberg gesponnenen Fäden zu zerreißen und sich im Amt zu halten. Eine recht demütigende Illustration zu dem hehren Kampf, die es begreiflich macht, wenn die liberale Presse sich sträubt, diese Lösung des Rätsels, warum vor sechs Monaten der Reichstag aufgelöst werden mußte, an- zuerkennen, und wenn sie krampfhaft an der Fiktion festhält, der Wahlkampf hätte der Nebenregierung des Zentrums ge- gölten. Selbst die„Franks. Ztg." verficht in einer Berliner Korrespondenz diese Fiktion(bekanntlich unterhält ihr Berliner Vertreter gute Beziehungen zum Reichskanzlerpalais). Sie schreibt: „Die große nationale Frage war der Selbsterhaltungstrieb des Reichskanzlers," sagt die„Germania", und in einem voraus- gegangenen Artikel beruft sie sich, wohl nicht, um diesem Herrn einen Liebesdienst zu erweisen, auf den Grafen Posadowsky, der nach der Auflösung gesagt haben soll:„Fürst Bülow kämpft um seine politische Existenz." Wir wissen nicht, ob der Staatssekretär Posadowsky eine so scharfe pointierte Auf- fassung ausgesprochen hat. Ein leitender Minister, der zur Parla- mentsauflösung schreitet, kämpft damit— wir wollen diesen Ausdruck beibehalten— gewöhnlich um seine politische Existenz, in parlamentarischen Ländern immer. Dort hängt von der Auflösung und den Wahlen unmittelbar der Bestand des Kabinetts ab. Bei uns, wo der Kaiser ohne Rück- ficht auf Parlamentsmehrheiten Kanzler und Minister er- nennt, braucht der Wahlausfall nach einer Auflösung nicht direkt und sofort die Stellung des leitenden Ministers zn erschüttern, aber er kann es; und wenn die Wahlen vom 25. Januar nach allem, was vorausgegangen war, wieder das Zentrum als ausschlag- gebende Partei in den Reichstag gebracht hätten, die mit Sozial- demokraten und Polen die Mehrheit hatte. dann würde die Stellung des Fürsten Bülow jedenfalls auf die Dauer nicht hattbar gewesen sein. Damit sagt man einem polittsch Urteilsfähigen wohl nichts Ueberraschendes oder NeueS, sondern etwas Selbstverständliches. Aber trotzdem ist die Auffassung der„Germania", als ob Bülow seiner persönlichen Stellung wegen die Auflösung provoziert, das Zentrum brüskiert und über den Haufen gerannt habe, doch falsch und von Parteianschauungen entstellt. Die Dinge haben sich ganz natürlich und politisch logisch ent- wickelt, in der Hauptsache so. wie sie von Bülow vor, während und nach der Auflösung öffentlich dar- gelegt worden sind. Es gibt für Politiker nichts zu enthüllen, auch nicht nach der psychologischen Seite hin. Wir alle haben gewußt, und das Zentrum hat gewußt, und dafür ließen sich Hunderte von Beweisen beibringen, daß der wachsende Einfluß des Zentrums, mit dem Bülow im Reichstage und Landtage rechnen mußte, bei den anderen Parteien bis in die Reihen der Konservativen hinein dauernde Verstimmung erregt hat. Der Vorwurf der Abhängigkeit vom Zentrum und sogar der Vorwurf klerikaler Neigungen war seit Jahr und Tag immer stärker gegen den Reichskanzler erhoben worden, auS nationalen Kreisen, aus kirchlichen, aus politischen. Er hat damit schwer zu kämpfen gehabt, und es ist sehr wohl mög- lich, und es ist auch vielfach erzählt worden, daß Intrigen gegen ihn sich diesen Vorwurf zunutze gemacht haben. So war Biilows Stellung, wenn überhaupt, so ganz wesentlich durch seine Abhängig- keit vom Zentrum und aus der sich ergebenden Intimität mit dieser Partei erschwert, vielleicht auch bedroht.... Es kamen die Kämpfe mit Dernburg, den Bülow vorgeschickt hatte, und dessen Auftreten gegen das Zentrum ein weithin hallendes Echo bei allen anderen Parteien fand, es kam die Ver- Weigerung deS Nachttagsetats von 2g Millionen für die in Südioestafrika kämpfenden Truppen, wobei das Zentrum in einer jetzt kaum mehr begreiflichen Verblendung aus seine Macht pochend Widerstand leistete. Ja, welcher ruhig und objektiv Urteilende kann da eigentlich zweifeln, daß die Stellung des Reichskanzlers, mögen nun kurz vorher Intrigen gespielt haben oder nicht, überhaupt nicht mehr lange haltbar gewesen wäre, wenn er auch in dieser Frage vor dem Zentrum kapituliert und nicht gegen die schwarz-rote Mehrheit zur Auflösung gegriffen hätte. Das war eine politische Notwendigkeit. DaS Faß war voll zum Ueberlaufen. Bülow hatte längst eingesehen, daß er so in Abhängigkeit vom Zentrum nicht weiter wirtschaften könnte, und die Verweigerung deS Nachtragsetats für Südwestafrika war der letzte Tropfen, der das Faß zum Ueberlaufen brachte. Jeder Reichskanzler, der nicht die Absicht hatte, ruhmlos abzugehen. mußte in diesem Augenblick auflösen und versuchen, sich eine neue Mehrheit zu verschaffen. Eine höchst einfältige Beweisführung. Sicherlich war dem Fürsten Bülow der Einfluß des Zentrums unbequem, sicherlich suchte er sich gern diesem Einfluß zu entziehen; aber die Machtstellung des Zentrums bestand nicht erst seit dem Herbst 1996. Sie war vorher bei anderen Anlässen viel drückender, viel demütigender hervor- getreten. Weshalb hat denn Fürst Bülow bei diesen Ge- legenheiten nicht zur Reichstagsauflösung gegriffen, sondern sich aalglatt unter das �„kaudinische Joch" gebeugt? Der Kreis der Edelsten und Besten der Nation, die in Ungnade gefallen sind und ihre Entlassung nehmen müssen, wird immer größer. Außer dem Grafen v. Hohenau muß, wie eine hiesige Korrespondenz meldet, auch Graf Lynard. Eskadronchef eines Pots- damer Reiterregiments, gehen. Ferner ist der französische Botschaftsattachee Lecomte in der Sache verwickelt. Er war der vielaeliebteüe Freund des Fürsten Philipp von Eulen- Butfl und stand zu diesem in einem besonders intimen Ver- HSlfmS. Lecomte nannte den Minnesänger von Liebenberg und Verfasser des„Sanges an Aegir"„Harfner", während der Kosename des Monsieur Lecomte„Mein Süßer" war. Poplau verurteilt. Nach dem an anderer Stelle von uns mitgeteilten Prozehbericht ist der ehemalige Geheime Sekretariatsassistent bei der Kolonial- abteilung Pöplau nach neuntägiger Verhandlung zu einer enorm hohen Strafe auf Grund des berüchtigten Arnimparagraphen verurteiltworden. Das im Jahre 1876 aus Anlaß der Bismarck-Verfolgung gegen den ehemaligen französischen Botschafter von Arnim im Z 3S3a Str.-G.-B. geschaffene Ausnahmegesetz ist also auf einen Fall angewendet, auf den es seiner Richtung, seinem Zweck, seiner Entstehung nach sicherlich nicht hat angewendet werde» sollen und auf den es auch seinem Wortlaut nach nicht hätte Anwendung finden dürfen.§ 363 a Str.-G.-B. bedroht wohl- weise mit Geldstrafebis zu 5000 M. oder mit Gefängnis„einen Beamten im Dienst des Auswärtigen Amtes des Deutschen Reiches, welcher die Amtsverschwiegenheit dadurch verletzt, daß er ihm amtlich an- vertraute oder zugängliche Schriftstücke oder deren Inhalt anderen widerrechtlich mitteilt". Heute gehört das Kolonialamt nicht mehr zum Auswärtigen Amt. Ein Beamter, der nunmehr genau die- selben Handlungen begeht, wie sie Pöplau begangen haben soll, würde also zweifelsohne nicht auf Grund des§ 353 a des Strafgesetzbuches strafbar sein können. Und worin soll Pöplau gefehlt haben? Der Stationsleiter Hauptmann Kannenberg hat in einer Nacht ein Kind einer Schwarzen, weil es in der Näh» seines Hauses lärmte, totgeschossen. Diese Tatsache hatte Bebel, ohne von Pöplau hierüber informiert zu sein, im Reichstag mitgeteilt. Der Kolonialdirektor Stübel gab ihre Richtigkeit imReichS« tage zu, teilte auch mit, daß Kannenberg zu drei Jahren Gefängnis wegen dieses schamlosen Mordes verurteilt und aus dem Dienste entlassen ist, verschwieg aber, daß dem Kannenberg dann später im Gnaden- wege Pension zugebilligt wurde. Die letztere Tatsache, also die Wahrheit, ist durch Mitteilungen Pöplaus bekannt geworden. Weil er die Wahrheit mitgeteilt hatte und weil ihm als Beamten hätte bekannt sein müssen, daß die Wahrheit in Kolonialdingen verschwiegen bleiben muß— hat er sich nach Ansicht deS Gerichts in diesem Falle strafbar gemacht: das des Pudels oder der Anklage und des Urteils Kern, wenn man ihn von seinen juristischen Schalen befreit. Nicht anders liegt'S im zweiten Fall. Da find durch Pöplaus Vermittelung die bekannten Verfehlungen des Landeshauptmanns der Marschallinseln B r a n d e i s aufgedeckt— Grund genug, ihn zu bestrafen. Der Zweck eines Strafverfahrens sollte die Ermittelung der Wahrheit sein. Dem hat die neun Tage lange Verhandlung nicht gedient. Eine Reihe hoher Beamter, der Reichskanzler an der Spitze, waren vom Angeklagten als Zeugen geladen, um als Zeugen die Wahrheit auszusagen. Die Genehmigung zur Zeugen- aussage ist ihnen nicht erteilt. Verweigert werden durfte ihnen die Genehmigung nach§ 53 Str.-Pr.-O. nur,„wenn die Ablegung des Zeugnisses dem Wohle des Reiches oder eines Bundesstaates Nachteil bereiten würde". Welche bösen Dinge müssen demnach dem Reichskanzler, Dernburg usw. bekannt sein, wenn deren Mit- teilung dem Wohl des Deutschen Reiches oder eines Bundesstaates Nachteil bereitet hätte! Ein Beamter unter Anklage gestellt, weil er die Wahrheit mitgeteilt hat, hohen Beamten die Genehmigung zu Aus- sagen nicht erteilt, weil die Ablegung ihres Zeugnisses, also die Wahrheit, dem Deutschen Reiche Nachteil bereitet hätte. Mit Recht erinnerte der Angeklagte dieser Quintessenz des Prozesses an den Ausspruch Bismarcks über die Notwendigkeit, die Wahrheit der Oeffentlichkeit rückhaltlos im Interesse des öffentlichen Wohles zu unterbreiten. Nach diesem Prozeßergebnis muh man leider annehmen, daß der Kolonialdreck und die Kolonialschmach noch unendlich dicker ist als die schlimmsten Kolonialgegner bislang anzunehmen Anlaß hatten. Welchen Zweck hätte sonst die BertuschungSpolitU gegen Kolonialgreuel? Wird sich die Mehrheit des Reichstages dazu verstehen, nachdem so unzweideutig festgestellt ist. daß ihr und dem deutschen Volk die Wahrheit vorenthalten sein soll, endlich die Gelder zur Fortführung solcher Wirtschaft abzulehnen? Die Anwendung deS Arnim-Paragraphen auf die Bekundung der Wahrheit durch Pöplau widerspricht so stark dem Rechtsgefühl, dem Zweck und dem Wortlaut dieser Strafvorschrift, daß vom Reichsgericht wohl eine Aufhebung des gestern gegen Pöplau ge- fällten Urteils zu erwarten ist, wenn... ja, wenn das Reichs» gericht nicht das Reichsgericht wäre. politische(Jcbcrücht. Berlin, den 5. Juni 1907. Eine sozialpolitische Debatte im Herrenhaus. Im Herrenhaus führte am Mittwoch die Beratung des Nesetzentwurfs betr. die Errichtung von Wanderarbeits- statten zu einer interessanten sozialpolitischen Debatte, die uns aufs deutlichste zeigt, was es mit dieser so gepriesenen „sozialpolitischen" Maßnahmen auf sich hat. Graf von der Schulenburg- Grünthal, der Vertreter des Grafen- Verbandes der Provinz Brandenburg,"wandte sich in scharfer Weise gegen die Vorlage, weil sie die Kreise nur belaste, ohne ihren Zweck zu erfüllen.— So sehr wir auch mit dem Redner darin übereinstimmen, daß das für die Errichtung von Wanderarbeitsstätten verausgabte Geld hinaus- geworfen ist, so sehr müssen wir doch seine allgemeinen „sozialpolitischen" Anschauungen bekämpfen. Nach dem Grafen Schulenburg nämlich gibt es genau so wie unter den oberen Zehntausend, die zu keiner ernsten Arbeit fähig sind und alljährlich nach Nizza fahren müssen, auch unter der minderbemittelten Bevölkerung Leute,'die nicht arbeiten können und die nicht glücklich sind, wenn sie nicht heute hier, morgen dort herumwandern. Der Edle würde es am liebsten sehen, wenn es gestattet wäre, jeden Arbeitslosen, den man auf der Landstraße trifft, ohne weiteres auf einige Zeit ins Arbertshaus zu sperren.— Sollte Graf Schulenburg, der die unglücklichen Arbeitslosen in dieser Weise zu verspotten den traurigen Mut fand, wirklich nicht ahnen, welch tiefer Unterschied zwischen den Reichen besteht, die es sich erlauben können, mehrere Monate des Jahres in einem teuren Bade- orte zu leben, und jenen Aermsten der Armen, die als Opfer unserer Wirtschaftsordnung die Landstraßen bevölkern und von der Polizei von einem Orte zum anderen gehetzt werden? Hat der Herr Graf aus der Tragödie des„Hauptmanns von Köpenick" gar nichts gelernt?— Gewiß, nicht alle „Tippelbrüder" sind schuldlos, aber auch diejenigen, die durch aUüobnliämuS. Arbeitsscheu oder dergleichen höllig herunter- gekommen, aü'ch sie sind letzten En5es Opfer der kapitä- listischen Wirtschaftsordnung, die sie erst schuldig werden ließ. Auf die übrigen tiefsinnigen Betrachtungen des Grafen Schulenburg einzugehen, lohnt nicht der Mühe. Höch- stens wäre seine Mitteilung zu registrieren, daß in einem Kolonistendorf nahe bei„Hoffnungstal", in dem kl Kolonisten ansässig waren, bei der letzten Reichstagswahl kl fozialdemo- kratische Stimmen abgegeben wurden!— Schließlich sei noch als Kuriosum erwähnt, daß der„wohlinsormierte" Graf glaubt, daß auch streikende Arbeiter in die Wanderstätten gehen! Er warnte nämlich vor der Annahme des Entwurfs u. a. aus dem Grunde, damit nicht der Staat die fozialdemo- kratischen Arbeiterorganisationen unterstütze" II Fürwahr, der Mann ist des Herrenhauses würdig und das Herrenhaus seiner. Alle übrigen Redner waren mit der Vorlage ein- verstanden, die dann auch in der Fassung des Abgeordneten- Hauses angenommen wurde. � � Zu Beginn der Sitzung hatte von Winterfeldt- M e n k i n den Bericht der sogenannten„Matrikelkommission" gegeben. Nach diesem Bericht bestehen für das Herrenhaus zurzeit 353 Berechtigungen, und zwar 114 erbliche und 239 auf Lebenszeit. Von letzteren sind berechtigt als Inhaber der großen Landesämter 4, aus besonderem„allerhöchsten" Ver- trauen 59, auf Grund von Präsentation 176, darunter 19 Ver- treter der Universitäten und 49 Vertreter der Städte. Es ruhen zurzeit 42 Berechtigungen. Stimmberechtigt sind also 311 Mitglieder, von denen aber 4 noch nicht eingetreten sind, unter ihnen der kürzlich berufene Dr. Graf v. Posa- dowsky._ Halbe Arbeit. Das preußische Abgeordnetenhaus trat am Mttwoch zu seiner ersten Sitzung nach den Pfiugstferien zusammen und überwies zu- nächst nach längerer Beratung den Gesetzentwurf betreffend den er- wetterten Grunderwerb am Rhein-Weser-Kanal an die Budget- kommission. Die Vorlage ist in gewissem Sinne von sozialpolitischer Bedeutung, indem sie die Möglichkeit gewährt, den Preistreibereien in Grund und Boden in der Nähe des Kanals entgegenzutreten. Es bleibt natürlich abzuwarten, ob der beabsichtigte löbliche Zweck erreicht wird, oder ob nicht doch schließlich wieder die privaten Bodenspekulanten die Absichten der Regierung zuschanden machen. Den größten Teil der Sitzung füllte die Beratung des Nach- tragsetats aus, der acht Millionen als Teuernngsznlagen für die Unterbeamten fordert. Der reiche preußische Staat, dessen Finanz- läge eine glänzende ist, bleibt damit weit hinter dem Reiche zurück, da? bekanntlich auch die mittleren Beamten bedacht hat.' Kein Wunder daher, daß die Vorlage niemand befriedigte und daß die Redner der verschiedenen Fraktionen dieser Unzufriedenheit in längeren Reden Ausdruck gaben, die ganz offensichtlich den Charakter von Wahlrede'» auf der Stirn trugen. Für die im nächsten Jahre bevorstehenden Landtagswahlen sind ja die Stimmen der Beamten besonders wertvoll! Die ganzen Jahre hindurch hatte das Haus für die Beamten nichts übrig: eS duldete die Attentate der Regierung auf das Koalitionsrecht der Beamten, es tat nichts 'llr die Aufbesserung ihrer Lage, aber jetzt, wo besagte Neuwahlen vor der Tür stehen, da sucht man sich förmlich in Beamtenfreundlich- keit zu überbieten. Der Finanzmtnister Frhr. v. Rheinbaven widersetzte sich auf das entschiedenste der Ausdehnung des Nachtragsetats auf die mittleren Beamten; er schilderte— wie das so seine von Herrn v. Miguel übernommene Gewohnheit ist— die Finanzlage schwarz in schwarz und drohte sogar mit einer Erhöhung der Ein- kommensteuer— ein Mittel, das im Dreiklassenparlament niemals versagt. Vorläufig sollen denn also die mittleren Beamten keine Teuerungszulage erhalten, die Regierung ist jedoch mit den„Bor- arbeiten" für eine„generelle Aufbesserung" der Beamten- gehälter beschäftigt, in die auch die mittleren Beamten eingeschlossen sind, das heißt auf deutsch: Einstweilen werden die mittleren Beamten ebenso wie die Lehrer wieder einmal vertröstet, wieder einmal mit einem faulen Wechsel auf die Zukunft abgespeist. Die Vorlage wird ohne KoinmissionSberatung sofort im Plenum erledigt werden und die zweite Lesung soll bereits am Donnerstag ölgen.—_ Blockleute drängeln nicht! Der deutsche Freisinn hat wieder einmal eine Tat getan. Eine „nationale" Tat natürlich— zu liberalen langt'S bei ihm ebenso- wenig wie bei der ReichSregierung. Er hat beschlossen, in dieser Session des preußischen Landtages gegen die preußische Drei- klassenschmach— nicht vorzustoßen! Während eS dieser Tage hieß, die freisinnigen Fraktionen würden fordern, baß ihre Wahlreformanträge noch in dieser Woche im Ab- geordnetenhause beraten wurden, wird heute mitgeteilt: Die beiden freisinnigen Fraktionen des Ab- eorrnetenhauses haben beschlossen, davon abzusehen, auf ie Verhandlung ihres Antrages auf Aenderung des Wahlrechts zum preußischen Abgeordnetenhaus noch vor Schluß der gegenwärtigen Session zu dringen. Es wird aber dafür ge- sorgt werden, daß der Antrag gleich zu Beginn der neuen Herbst- session zur Verhandlung kommt. Die liberalen Taten werden auf den Herbst verschoben! Der Herbst wird alles gutmachen! Dann löst Bülow seine Ver- prechungen im Reiche ein, dann wird auch der Freisinn in Preußen dem Dreiklassenwahlrecht zu Leibe gehen. Jetzt ist keine Zeit dazu. Die Landtagsboten wollen in die Ferien und die konservativen Block- brüder, die sich ja ohnehin schon über die freisinnigen Wahlrechts- anträge ärgern müssen, dürfen nicht durch das Verlangen gekränkt werden, um dieser Anträge willen noch länger auf die Ferienruhe zu verzichten. Die freifinnigen Wähler müssen sich also damit abfinden, daß die erste Parlamentssession der konservativ-liberalen Paarung nicht nur ohne jedes positive Erträgnis für den Liberalismus ge- blieben ist, sondern auch noch mit einem Verzicht auf eine liberale Demonstration schließt. Den Herren Kommerzienräten wird eS freilich kaum sehr unangenehm sein, daß der Vorstoß zugunsten des allgemeinen gleichen Wahlrechts verschoben wird. Denn im innersten Herzen sind sie keine Freunde dieses Wahlrechts, das doch vor- nehmlich dem Proletariat günstig ist. Und die übrigen frei- sinnigen Wähler? Ob sie still bleiben, ob sie diese kühle BeHand- lung ihrer wichtigsten Interessen ruhig hinnehmen werden? Das arbeitende Volk Preußens wird gegebenenfalls aus diesem Verzicht der Freisinnigen auf die Behandlung der Wahlreform- anträge in dieser Session mit Recht schließen, daß eS ihnen nicht allzuernst mit ihrem Vorstoße gegen das Dreiklassenwahlrecht ist. Wäre eS anders, so dürfte er keine Session ohne solchen Vorstoß hingehen lassen. Denn wenn er eS schon zu außerparlamentarischer Aktion gegen die Dreiklassenschmach nicht bringen kann, so müßte er um so mehr darauf bedacht sein, wenigstens durch so oft wie möglich wiederholte parlamentarische Demonstrationen die öffent- liche Meinung gegen das preußische Wahlunrccht in Bewegung zu setzen I Aber von solcher BerMchtuna iuürt der deutsche Freisinn nichts. So wird die klassenbewußte Arbeiterschaft Preußens immer wieder daran erinnert, daß es ihre Aufgabe ist, den preußischen Karren vorwärts zu stoßen, daß die Wahlrechtsbewegung, die durch die Ereignisse im Reich in den Hintergrund gedrängt wurde, zu ihrer Zeit mit frischer Kraft wieder einsetzen muß.— Fürstcnwerk. Eine seltsame historische Weisheit hat auf dem Festmahl, das jüngst zu Ehren der Deutschland bereisenden englischen Wasserstraßenkommission im Kaiserhof stattfand, der Finanz- minister Freiherr v. Rheinbaben verkündet. Er hat nach einem Bericht der„Nordd. Allgem. Ztg." der englischen Kommission folgenden Vortrag über die Ursachen des heutigen kulturellen, besonders des wirtschaftlichen Entwickelungsstandes gehalten: Großbritannien sei in seiner insularen Lage, mit seiner seit Jahrhunderten stark entwickelten gewerblichen Tätigkeit, seinem weltumspannenden Handel ein Anhänger des Freihandels, während Deutschland, inmitten des Kontinents belegen, mit langen Grenzlinien, seine meist auf geringe Böden angewiesene, mit ungünstigen klimatischen Verhältnissen rechnende Landwirtschaft und seine mächtig aufstrebende Industrie durch Er- richtung eines gemäßigten Schutzzollsystems schützen müsse. Ver- schieden sei auch die EntWickelung auf dem Verkehrsgebiete ge- Wesen, sowohl hinsichtlich der Eisenbahnen als der Wasser- straßen. In Großbritannien habe Jahrhunderte hindurch ein Kampf zwischen den Machtbefugnissen der Krone und deS Parlaments obgewaltet. In Deutschland seien parlamen- t a r i s ch e Formen erst seit etwa einem halben Jahrhundert in Uebung, und das, was Deutschland heute politisch bedeute, wäre im wesentlichen das Werk seiner Fürsten, die es verstanden hätten, aus dem sandigen Boden der Mark Brandenburg den machtvollen Staat der Gegenwart zu schaffen. Naturgemäß sei deshalb auch der Einfluß des Staates auf wirtschaftlichem Gebiete ein sehr weitgehender gewesen, und er habe— zum Wohle der Nation— namentlich die Eisenbahnen in seine Hand und Verwaltung gebracht. Hieraus sei wiederum für den Staat die Verpflichtung erwachsen, auch den anderen wichtigen Teil des Verkehrswesens, die Wasserstraßen, weiter zu entwickeln. Ander» habe sich das in England gestaltet. Dort hätten die allein vorliegenden Privatbahnen schon bald nach ihrem Ent- stehen die vorhandenen Wasserstraßen an sich gebracht, und die Entwickelung der britischen Wasserstraßen wäre nicht in umfang- lichem Maße wie in Deutschland gepflegt worden. Die englischen Gäste werden sich über diese eigenartige wirtschaftshistorische Weisheit rechtsehr gewundert haben, denn in englischen urteilsfähigen Kreisen gilt die wirtschaftliche Ent- Wickelung eines Volkes nicht als Werk der Monarchen, sondern als Resultat des eigenen Ringens und Strebens der Völker nach höheren Lebensformen. Doch vielleicht trieb Freiherr« v. Rheinbaben bei seinen Ausführungen ein guter Zweck: er wollte zeigen, mit welchen geringen sozialwissenscha Glichen und historischen Kenntnissen man in Preußen Minister werden kann.—_ Die Rundfahrt der englischen Jourualiste«. Die Rundreise der englischen Journalisten in Deutschland wird von der liberalen Presse noch imnier als großes politisches Ereignis behandelt und jeder an vollbesetzter Tafel zwischen dem fünften und sechsten Gang gehaltene weinselige Toast getreu nach dem Wolff- scheu Telegramm berichtet, als machten in England nicht die Handel« treibenden und industriellen Mittelschichten, fondern ein Dutzend größtenteils von ihren Verlegern abhängiger Redakteure die englische Auslandspolitik. Viel richtiger weiß, wie sie in ihren Urteilen beweist, die konservative Presse die gegebenen Vorbedingungen für ein freund» schaftliches Verhältnis zwischen Deutschland und England einzu» f chätzen. So schreibt z. B. die„Kreuz-Ztg." in ihrer letzten Wochen- Übersicht über die auswärtige Politik: „Was sie(die englischen Journalisten) jetzt gesehen haben, wird wahrscheinlich für sie unerwartet und neu gewesen sein. Deutsch- land ist friedfertiger, arbcits- und waffenkräftiger, als man drüben glaubt. Es ist auch fester zusammengekittet. Und das alles zu wissen, kann nur nützlich sein. Aber wir glaub«« nicht, daß nun mit einem Schlage in den deutsch-englischen Beziehungen eine Wandlung eintreten kann. Die englische Politik ruht in anderen Händen. Von den Zeitungen waren diejenigen, welche noch immer die größte Verbreitung haben und die uns mit entschlossener Feindieligleit gegenüberstehen:„Times", „Morning Post",„Daily Mail" nicht vertreten; sie werden ihr altes Treiben fortsetzen. Sind Handel, Bürgerstand und gelehrte Kreise uns ftcundlich gesinnt, so gilt das nicht von gewissen Gruppen der Marine, der Berufspolitiker und des HofeS. Wir werden nach wie vor ihnen gegenüber unsere defensive Stellung behaupten müssen; auch glauben wir nicht, daß in dieser Hinsicht bei uns Illusionen bestehen."— Dcrnburgs Afrikareise. Staatssekretär Dernburg wird nun doch in nächster Zeit feint langangekündigte Reise nach den deutschen Kolonien antreten— aller- dings nicht nach den von ihm in phantasievollen geistigen Dämmer- stunden erschauten südivestafrikanischen Dattelpalmenhainen, sondern nach Deutsch-Ostafrika. Wie die„Köln. Ztg." berichtet, wird Dernburg am 15. Juli mit dem„Feldmarschall" von Neapel auS die Ausreise nach Dar es Salam antreten. Nach einigem Aufenthalt im deutsch- ostafrikanischen Schutzgebiete wird er sich von Mombassa mit der Ugandabahn nach Muansa begeben, wo jedenfalls die Aussichten der Nordbahn über den Meruberg nach Muansa und der Baumwoll- anbau den Hauptgegenstand seines Studiums bilden werden. Auf der Rückreise wird Herr Dernburg in Bot die Ugandabahn verlassen, um über Moschi am Kilimandscharo durch die Panganisteppe und West-Usambara bis zur Erreichung der Tanga-Bahn in Mombo zu marschieren. In West-Usambara ist der Besuch des Tschumme« Zedcrnwaldes, der landwirtschaftlichen Station Quai und der land- wirtschaftlichen Anlagen des Hauptmanns von Prince beabsichtigt.— Zum Peters-Prozeß. In dem schwebenden Prozeß des Dr. PeterS gegen die „Münchener Post" ersuche ich den früheren Lazarettgchiilfcn der deutschen Schntztrnppe in Ostafrika, Otto Neuhaus, mir umgehend seine Adresse mitzuteilen. Die Parteigenossen des In- und Auslandes bitte ich um ihre Unterstützung bei der Ermittelung des Aufenthalte» des Herrn C4to Neuhau«. Die Parteipresse aber ersuche ich um eine möglichst all- gemeine und wirksame Verbreitung dieses Aufrufs. Martin Gruber, Redakteur der„Münchener Post", __ München, Brieffach IL Ein neuer Puttkamer-Prozeß soll bevorstehen. JeSeo hat sich gegen die bekannte, ihn arg be» lastende Veröffentlichung seiner einstigen„Cousine", der Frau v. Germar, dieser Tage in einer Zuschrift an das„Kleine Journal' zu wehren gesucht, worin er u. a. behaupter, Frau v. Germar habe die Unwahrheit gesagt, wenn sie behauptet, daß sie nur eiumal md nur mit einer Geldstrafe bestraft sei. Sie sei in Wahrheit fünfmal bestraft worden, darunter einmal in Dresden mit zwei Monaten Gefängnis. Ferner behauptete der ritterliche Herr von seiner einstigen Geliebten, daß sie sich in ihrer Erklärung selbst eines falschen Eides bezichtigt habe, denn sie habe seinerzeit vor dem Untersuchungsrichter beeidet, Herr v. Puttkamer habe sie nie zu beeinflussen gesucht, während sie in zener Erklärung das Gegenteil behauptete. Außerdem stellte Jesco die wichtige Tatsache fest, daß das Kind der Frau v. Germar nicht das seine ist, denn es sei, als er sie kennen lernte, bereits drei Jahre alt gewesen. Schließlich führte er noch einen aktiven Offizier an. der durch ihn die jetzige Frau v. Germar im Englischen Büfett kennen gelernt und gleich- falls unter Eid ausgesagt habe, daß auch er die Dame unter dem Namen v. Eckardstein kennen gelernt habe. Wegen dieses Artikels soll Frau v. Germar den JeSco und das «Kleine Journal" verklagen wollen. Auf diese Weise könnte manches ans Tageslicht kommen, waS im Disziplinarverfahren im Dunkeln bliebe und es könnte dieser Prozeß, dessen Vorgeschichte ein liebliches Licht auf die gentlimsnlilce Art und Weise wirft, wie ein Edelster eine unbequem gewordene Geliebte öffentlich preisgibt, politische Bedeutung gewinnen. Ob er aber wirklich stattfinden wird? Windthorst und das Unfehlbarkeitsdogma. Der ReckitSlehrer Professor v. Schulte veröffentlicht im Juniheft sex«Deutsch. Revue" Erinnerungen an Ludwig Windthorst. Charakteristisch für Windthorsts Verhältnis zum Unfehlbarkeitö- dogma ist folgende darin geschilderte Episode: _«Am 11. Juni 1870 war Windthorst mit Tochter zu Mittag mein Gast, wir blieben den ganzen Nachmittag beisammen; am 13. fuhr ich mit den beiden Windthorst und meiner Frau in den Baumgarten, wo wir den Nachmittag zubrachten. Unser Haupt. gespräch drehte sich um das vatikanische Konzil. Windthorst er» zählte eingehend von dem bei Gelegenheit des Zollparlaments ge» machten Versuche, in Rom gegen die Dogmatisierung der Jnfalli» bilität zu wirken, er fand nicht genug Worte der Entrüstung über die Art des Vorgehens der Kurie auf dem Konzil und sagte wörtlich, wie ich auf dem Ältkatholikenkongrcß zu Köln am 22. September 1872 in der öffentlichen Versammlung mitgeteilt habe:„Wenn das Dogma proklamiert wfrd, so werde ich in sechs Wochen exkommuniziert; das kann ich nicht glauben, und dos glaube ich auch nicht." Er meinte, daß alles darauf ankomme, ob Ketteler fest bleibe.«Steht der." so sprach er wörtlich,«fest, so werden die deutschen Bischöfe ebenfalls fest bleiben, und dann wird auch der katholische Adel das Dogma abweisen, denn Ketteler ist von altem Adel, und was der tut, das nimmt der Adel an." Kaum war daS neue Dogma publiziert, kaum hatte Ketteler sich kläglich gebeugt, dessen Fußfall Pius IX. nicht abgehalten hatte — da fand auch Ludwig Windthorst sich in daS ihm unbegreifliche Dogma. Freilich nicht, weil er daran glaubte— das tat auch Ketteler nicht, daS tat die ganze Sippschaft der abgefallenen Bischöfe nicht— sondern weil er nur als Führer des Zentrums die erste Geige spielen konnte; die? aber ging nicht, ohne daS Lacrikicio dell' intellctto zu bringen. Eines TageS, im März 1874, als wir im Foyer de» Reichstages miteinander auf und ab gingen, sagte ich zu ihm:„Sie können mir doch nicht zumuten, daß ich wirklich glauben solle, daß Sie an diese neuen Dogmen glauben, daß Herr ...— ich nannte ihm ein hervorragendes Mitglied des Zentrums. das bor 1848 notorisch Voltairianer war— und Herr...— ich nannte ein anderes ZentrumSmitglied— daran glauben." Ich führte dann auS dem Leben der ihm bezeichneten Herren Einzel- heiten an; feine Antwort lautete:„Sie haben recht, aber sehenSie, man wird älter, demeinen st irbtsein Sohn, dem anderen die Tochter, man geht in si ch." Da konnte ich mich nicht enthalten zu erwidern:«Sagen Sie doch einfach wie der Student:„JungeH..., alteBetschweste r." Was die Zentrumsbauern von ihrem Abgeordneten erwarten. Im bayerischen LandtagSwahlkreife Wasserburg» T r o st b e r g ist der Zentrumskandidat Gilg bei der Wahl dem Bauernbündler unterlegen— so schreibt die«Münch. Post"— weil ein großer Teil der Zentrumsbauern an dem ursprünglich auf» gestellten, aber nicht wahlfähigen ultramontanen Kandidaten Diernreiter festhielt. Darüber jammert nun der in Rosenheim irscheinende„Wendelstein". Da« Blatt schreibt: „Die Bauern bestanden eigensinnig auf der Wahl eines Bauern... Hauptursache war die Erhaltung der.Halb» schule" zur Ersparung von Dien st boten und besserer LuSnützung derKinder." Diese Mitteilung ist außerordentlich charafteristisch für die in ländlichen Kreisen herrschenden Anschauungen. DaS sind die Leute, für die sich die christlichen Arbeiterorganisationen beim Zolltarif so vor den Laden gelegt haben.—_ «ine Amnestie in Braunschwelg. Der neue Regent deS Herzogtums Braunschweig hat am Mitt- woch seinen Posten angetreten und sein» Tätigkeit mit einem Amnestieerlaß begonnen, wodurch die wegen Vergehen oder Ueber» tretungen verhängten Strafen bis zu sechs Wochen Gefängnis oder 150 M. Geldswafen erlassen werden.— Kleine politische Nachrichten. Der Reichskanzler erläßt eine Bekanntmachung betreffend die Einfuhrbeschrävkpng wegen Gefahr der lkinschleppung der Sa» Jose-SchildlauS vom 2. Juni 1907. Danach finden die Vorschriften deS ß 1 der Verordnung vom 6. August 1900 auf die Einfuhr von Waren und Gegenständen der dort bezeichneten Art aus Australien Anwendung. Diese Bestimmung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung in Kraft. Die Session des schwedischen Parlament» ist am Montag ge- schlössen worden._ Schweiz. Eine sozialdemokratische Massenkundgebung ans dem Lande. Zürich, 3. Juni.(Eig. Set.) Im vorigen Jahre anläßlich der Streiks in der Stadt Zürich drohten die Bauern, wie 1839 in die Stadt zu kommen, um„Ordnung" zu schaffen, d. h. die Lohn» kämpfe der Arbeiter zugunsten de» Kapitals niederzuschlagen! Und sie kamen denn auch, in der Uniform, als aktive Teil» nehmer an dem Militäraufgebot, um wie die Kosaken zu Wirt» schaften. In diesem Jahre ist die Sache umgekehrt. Da ziehen die Arbeiter aus der Stadt aufs Land, um dort Ordnung zu machen, aber nur als einfache Bürger im bürgerlichen Kleid und nicht mit Säbel und Flinte, sondern mit dem freien Wort. In dem Städtchen Bulach im Kanton Zürich überfielen verbündete Bauern und Handwerksmeister die ruhig versammelten etwa SO streikenden italienischen Bauarbeiter mit Gummischläuchen und mißhandelten sie in schändlicher Weise. Die Arbeiterschaft erklärte sich mit den vergewaltigten Italienern solidarisch und veranstaltete am heutigen Sonntag in Bulach selbst eine impo» sante Massenkundgebung, um auch den Dorfmatadoren gegenüber das Recht der Arbeiter zum Kampfe um ihre Existenz zu der» tcidigen. Drei Extrazüge von Zürich und Wmterthur brachten ca. 2700 Genossen; zu ihnen gesellten sich noch zahlreiche Arbeiter au» der Umgebung des Versammlungsorte», so daß ungefähr S000 Per» fönen an der Demonstration teilnahmen. Der Gemeinderat von Bulach verbot nun die Benutzung von Gemeindeboden, und von der Regierung verlangte er das Verbot der Versammlung! Diese dreiste Zumutung wurde aber abgelehnt und statt des Ge- meindcbodcns ward ein Privatgrundstück benutzt. Genosse Greulich sprach in ausdrucksvoller Weise über das Recht des Arbeiter» im Kainpfe um seine Existenz und eine in diesem Sinne gehaltene Resolution fand einstimmige Annahm«, Die Schlagfertigkeit und Disziplin der organisierten Arbeiter- schaft hat sich wieder aufs beste bewährt und die imposante Kund- gcbung durfte auch auf dem Lande eine nachhaltige Wirkung haben, jedenfalls die gewerkschaftliche und politische Bewegung der Arbeiterschaft auf den Dörfern mächtig anregen und fördern. Italien. Ein Biedermann. Rom, 2. Juni.(Eig. Ber.) Genosse M o r g a r i hat in einer bewegten Kammersitzung der vorigen Woche den Abgeordneten für Anversa, Giuseppe Romano, beschuldigt, der Anführer und Zuhälter des organisierten Verbrecher- tum» in seinem Wahlkreise zu scin l Der Angegriffene begnügte sich, seine Unschuld zu behaupten und nach dem Skandal im Parlament die ihm nicht mehr bekömmliche Luft dieses Hauses zu meiden. Morgan hatte ihm damals auch versprochen, seine Taten der Staatsanwaltschaft anzuzeigen. Da nun aber die zu- ständige Behörde dasselbe Gericht ist, das Morgan in der Kammer als Kloake bezeichnet hat, so schien es doch zweckmäßiger, den Ab- geordneten Romano zu zwingen, gegen Morgari einen Be- leidigungsprozetz anzustrengen. Nun kann aber kein Ab- geordneter gerichtlich zur Rechenschaft gezogen werden für das, waS er im Parlament sagt. Um es also dem biederen Romano leicht zu machen, wiederholt Morgari in dem Neapolitaner Parteiblatte, der„Propagande", alle Än- schuldigungen mit einer Deutlichkeit, die nichts zu wünschen übrig läßt. Wir wollen die Blütenlese wiedergeben: Romano wird beschuldigt: 1. Ausdruck und Anführer de? organisierten Verbrechertums von Anversa zu sein; 2. unlauter» Verdienst auS den von ihm bekleideten öffentlichen Semtern zu ziehen; S. einen Erpresfungöbersuch gegen die Firma Magnani unternommen und eine bedeutende Summe für die Gewährung des Oktrois in Submission gefordert zu haben; 4. 500 Lire von einem Wohltätigkeitsinstitnt, in dessen Auf- sichtSrat er ist, unterschlagen zu haben; 5. mit gefälschten Oktroischeinen Wein eingeführt zu haben; 0. aus dem Garten eines Wohltätigkeitsinstituts, dessen Präsident er ist, Pflanzen gestohlen und in den Garten seiner Villa verpflanzt zu haben. Ob der Herr Abgeordnete nun klagen wird 7— Cnglancl. Eine dunkle Antwort auf eine klare Frage. London, 5. Mai..(Unterhaus.) Macdonald(Arbeiterpartei) fragt, ob die Regierung über einen Vertrag oder eine andere Form einer Verständigung mit der russischen Regierung verhandle und ob sie, bevor sie Englandaus ein solcheS Abkommen verpflichte, die Gefühle der organisierten Arbeiter und derjenigen in Bettacht ziehen werde, die hinsichtlich der Beziehungen der russischen Regierung zu den russischen Staatsangehörigen liberale Anschauungen vertreten. Unter- staatSsekretär Rune im an erwidert: Staatssekretär Grey könne zurzeit über den Gegenstand keine Mitteilung machen, aber er könne nicht zugeben, daß innere Angelegenheiten Rußlands in Betracht kommen für irgendwelche Erörterung von Fragen, betteffend die Grenzen der beiden Länder nach der Richtung, daß Schwierigkeiten vermieden werden sollen, die sonst zwischen ihnen entstehen könnten. Wenn sich der Herr U n t e r staatSsekretär schon so dunkel ausdrückte, wie unklar würde wohl erst die Antwort des Staats- sekretärs gelautet haben?— Warum übrigen» kann Herr Brey.zurzeit über den Gegenstand keine Mitteilung machen??" ES ist doch gar zu merkwürdig, daß, wenn irgendwo die Beziehungen zu Rußland in Frage kommen, die Herren Diplomaten die Sprache völlig verlieren, und zwar die Repräsentanten von Republiken und konstitutionellen Monarchien nicht minder als die von Staaten a la Türkei und Deutschland.— Amerika. Zum Prozeß gegen die Arbeiterführer. Am S. Juni ist eS endlich gelungen, die Auswahl der zwölf Geschworenen, die am 9. Mai begann, zu Ende zu bringen. DaS Verfahren gegen William D. Haywood, den Sekretär der Vereinigung der Bergleute der Weststaaten, wird zuerst durchgeführt werden. Die russische Revolution. Die Bohrwürmer. Kiew, 6. Juni. Der hiesige reaktionäre Arbeitgeberverband beschloß in einer im kaufmännischen Klub abgehaltenen Versamm» lung, an den Zaren die telegraphische Bitte zu richten,„die revo- lutwnäre Duma aufzulösen". Gleichzeitig forderte der Verband die Dumamitglieder der Rechten auf, nicht mehr an den Sitzungen der Duma teilzunehmen! Ein„angebliches" Dementi. Petersburg, 5. Juni.(W. T. B.) Die Unruhe im Leibhusaren- Regiment ist angeblich(! I) beigelegt worden. Die Belvegung ttng keinerlei politischen Charakter. Die 4. Eskadron hatte vor einiger Zeil einen neuen Esladronchef erhalte», der die Disziplin strenger handhabte als sein Borgänger. Die Mannschaften lehnten sich gegen die von dem Chef ausgesprochenen Disziplinarmaßregeln auf, die Rädels- führer wurden verhaftet und werden vor das Kriegsgericht gestellt. Gewcrfcrcbaftlicbes, 16 Jahre Entwickelung der gewerkschaftlichen Zentralverbände. Die Generalkommisston versendet soeben an die Zentralvorstände zur Jnformatton und auch zur Verwendung bei der Agitation ein umfangreiches Tabellenwerk, in welchem die EntWickelung der zentra- listerten Gewerkschaften seit dem Jahre 1890 veranschaulicht wird. Danach haben sich die Zenttalverbände von 1390 bis zun, Jahre 1905 um zwei auf 64 vermehrt. Inzwischen haben sich aber eine Reihe Verbände aufgelöst oder sie sind in andere verwandte Berufs- organisattonen übergegangen; es sind das die Verbände der Masseure, Former, Holzhülfsarbeiter, Goldarbeiter, Flößer, Korb- macher, Bergarbeiter Sachsens, süddeutschen Müller, Seiler, Bürstenmacher, Drechfler, Stellmacher, Tischler, Plätterinnen, Berg- arbeiter im Saarrevier, Zenttalverein der Frauen, Posamentierer, elbständigen Barbiere, Fabrikarbeiter, Ziegler, Musikinstrumenten- macher, Lohgerber, Weißgerber, Schlosser. Maler in Bayern. Mechaniker und süddeutschen Zimmerer. In den 15 Jahren ist die Mitgliederzahl der Gewerkschaften von 277 659 auf 1 844 803 gesttegen. Einige Gewerkschaften haben für die Jahre von 1891 bis 1897 der Generalkommission noch keine Angaben über ihre Kasscnverhältnisse gemacht, Nach den Berichten aber von 55 Gewerkschaften stiegen die Einnahmen in der Zeit von 1890 bis 1905 von 1 116 588 M.(pro Kopf der Mitglieder 6.63 M.) auf 27 312 257 M(pro Kopf 20.68 M.) und die Ausgaben von 1606 534 M.(pro Kopf 9.62 M.) auf 25 024 284 M.(pro Kopf 18,61 M.) Der Vermögensbestand jedoch stieg von 427 058 M.(pro Kopf 2.56 M.) auf 19 635 850 M.(pro Kopf 14,60 M.). In sämtlichen Jndustriegruppen wurden von 1890 bis 1905 ins- gesamt 11370 Stteik» und Aussperrungen durchgekämpft, woran 1401283 Personen oder 23,82 Proz. der Beschäftigten beteiligt waren. Für die einzelnen Jndustriegruppen ergaben sich für Streils und Aussperrungen folgende Ausgaben: Bau- gewerbe 11514 028 M.. Metallindustrie 8 050184 M.. Holz- industrie 5 651 344 M., Bekleidungsindustrie 2 107 541 M., Handels- und Transportgcwerbe 2 146 817 M., graphische Gewerbe und Papierindustrie 2 114 866 M., Nahrungs- und Genußmittel» industrie 1405 052 M., keramische Gewerbe 1863 842 M., Lederindustrie 575 474 M.. Bergbau 1209 613 M, Textilindustrie 2 606 633 Mark, Fabrikarbeiter 1 071 126 M.. Gärtner 25 896 M.. Barbiere 6685 M.. Gemeindearbeiter 6349 M.. Gastwirtsgehlllfen 1887 M. und Zivilberufsmysiker 457 M. Nach diesen Angaben wurden für Streiks und Aussperrungen insgesamt 37 052 794 M. ausgegeben. Berlin und Nmgegend» K. d. W. Die Firma Jandorf scheint sich die erdenklichste Mühe zu geben, den besonderen Rnhm, den sie bereits für ihre übrigen Warenhäuser erworben hat, in noch gesteigertem Maße für das Kaufhaus deS Westens zu sichern. Und sie hat vollen, ungeteilten Erfolg! Wir ivollen hier jetzt nicht von der „Ordnung" in dem organisierten Betriebe, auch nicht von sonsttgen geschäftlichen Angelegenheiten reden, vorläufig sei die merkwürdige Handlungsweise bei den Personalengagemcnts und den-Abschüben etwas beleuchtet. In voller Berück- sichtigung der Schwierigkeiten, mit denen ein so großes Unter- nehmen bei Eröffnung niit der Beschaffung des Personals zu rechnen hat, und den besonderen Umständen, die es mit sich bringen, daß die Geschäftstüchtigkeit der Angestellten vielfach hinter anderen Faktoren zurückgestellt wird, muß man doch sagen: was hier seitens der Leitung geschieht, läßt sich nicht verteidigen, das sträubt sich gegen den Begriff von Treu und Glauben und wird als unfein aufgenommen. Durch Redewendungen, Andeutungen und direkte Zusicherungen sind Leute veranlaßt worden, Stellungen, die sie jahrelang inne hatten, zu verlassen und in das„vornehme" Verkaufshaus ein- zutreten. Mancher von diesen hat dann aber schon nach kurzer Zeit, wenn alles eingerichtet war, die bösesten Arbeiten er- lcdigt waren, den Laufpaß bekommen. Man könnte zur Eni- schuldigung der Firma einwenden, daß sie sich sn ihren Dis- Positionen und Kalkulationen böse verhauen hat, deshalb ge- zwangen sei, das Personal zu verringern. Aber selbst dann hätte man in Berücksichtigung der Art der Engagements größere Rücksicht üben müssen. Da aber noch fortgesetzt neues Personal eingestellt wurde � und von dem Hinauswurf sehr stark die höher besoldeten Angestellten bettoffen wurden, so wird die Auffassung der Betroffenen erklärlich, daß es sich um einen von vornherein angelegten Plan handelt, das heißt, auf Kosten eines tüchtigen, eingearbeiteten Personals den Betrieb in Gang zu bringen, dann auf die weitere Mitarbeit dieser Kräfte zu verzichten. WaS aus den durch das ganze Arrangement getäuschten Leuten wird, geht der noblen Firma ja nichts an, und für das feine Publikum sind schlechtbezahlte Angestellte gut genug. Am 1. Juni haben nun wiederum viele Angestellte den blauen Brief bekommen unter Begleitumständen, die mindestens Befremden erregen. Als noble Firma gibt man natürlich dem Personal auch Urlaub. Seit fast 14 Tagen wurde die bekannt gewordene Absicht als Ereignis besprochen. Mit großer Umständlichkeit wurden die Wünsche betteffend Zeit deS Urlaubs eingeholt. Und es herrschte Freude im Li. d. W. Für viele soll sie ein überraschendes Ende nehmen. Manche wünschten die freien Tage im Juli andere im August. Vielleicht war es bloß ein tückischer Zufall, aber die Welt ist heute sehr un» gläubig: eine Anzahl von denen. die für Jult Urlaub gewünscht hatten, und wiederum höher be- zahlte Angestellte bekamen am 1. Juni die Mitteilung, daß sie vom 1. Juli, auf— dauernd beurlaubt seien; sie waren gekündigt und können am 1. Juli ihr Bündel schnüren. Ob wohl am 1. Juli ein Teil von denen, die im August Ferien machen wollten, die gleiche— „ Urlaubs"benachrichtigung erhalten? So gibt die Firma nobel— Urlaub und eS kost' nikS! Mit solchen Proben hat die Firma einen Befähigungsnachweis erbracht, der hoffentlich ein Privileg Jandorf bleibt. Der Tarifvertrag der Zuschneider nnd Zuschneiderinnen der Herren- und Kuabenkanfektion ist(nun endgültig abgeschlossen. Er enthält allerdings eine Bestimmung, wonach der Tarif außer Kraft tritt, wenn bis zum 1. September d. I. nicht mindestens 70 Prozent der handelsacrichtlich eingetragenen Firmen der Branche, die mindestens drei Zuschneider oder Zuschneiderinnen beschäftigen, ihn anerkannt haben. ES wird jedoch nicht schwer fallen, diese Bedingung zu er» füllen. Von den 52 Firmen, die dem«Verbände Berliner Herren» und Knabenkonfektionsfirmen engroS" angehören, haben bis letzt 31 den Tarif anerkannt. Dazu kommen 20 Firmen, die schon vor Ab« schluß der Verhandlungen zwischen den Organisationen die Forde- rungen bewilligten. Uebrigens hat sich auch der Verband der Konfeklionäre verpflichtet, seinerseits für die Anerkennung des TarifcS Sorge zu tragen, und wird demgemäß solchen Firmen, die sich weigern, den Tarif anzuerkennen, keinerlei Schutz gewähren. Das haben die Kommissionsvertreter der Arbeitgeber ausdrücklich erklärt. Die wichtigsten Bestimmungen des Tarifvertrages hat der „Vorwärts" am Freitag voriger Woche mitgeteilt. Die weiteren Verhandlungen, über die K ä m i n g am Dienstag in einer gut be- suchten Veriammlung der Zuschneider und Zuschneiderinnen berichtete, haben darin keinerlei Veränderungen gebracht. Einen paritätischen Arbeitsnachweis zu schaffen, lehnten die Arbeitgeber ab, sie ver« sprachen jedoch, den bestehenden Arbeitsnachweis der Zuschneider im weitesten Maße zu benutzen. Der Redner bemerkte hierzu, daß e» nun vor allem auch Sache der Kollegen und Kolleginnen sei, statt nach Annoncen zu laufen, sich auf dem Nachweis zu melden und ihn dadurch mehr als bisher zur Anerkennung zu bringen. Hinsichtlich der Abschaffung der Konttollbücher, mit denen von einzelnen Firmen Mißbrauch getrieben wird, ist eine Entscheidung noch nicht getroffen worden. Die Frage soll demnächst m der Tarifüberwachungskommission erledigt werden. Diese Kommisston, die über die Inne- Haltung des Tarifs und über Beschwerden zu entscheiden hat, wird aus je drei Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammengesetzt, die neben ebenso viel Stellvertretern von den Parteien ge« wählt werden. Die Gültigkeitsdauer de« Tarifs— vom 1. Juni 1907 bis zum 31. Mai 1910— verlängert sich auf ein Jahr, falls er nicht 3 Monate vor dem Ablaufstermin gekündigt wird. Die kündigende Partei ist verpflichtet, gleichzeitig neue Tarif» Vorschläge einzureichen und. falls innerhalb sechs Wochen keine Einigung erzielt wird, das EinigungSamt des Geiverbe- gerichts anzurufen. Der Tarifverttag wird auf dem Gewerbe« gericht niedergelegt. AuS den übrigen Bestimmungen des Tarif» Vertrages ist noch zu erwähnen, daß die Zuschneideräume geräumig, hell und täglich vor Beginn der Arbeit gereinigt sein sollen. Zu- schnciderutenstlien sind frei zu liefern. Maßregelungen wegen der Tarifbewegung dürfen selbstverständlich nicht stattfinden.— Den Firmen, die sich noch ablehnend verhalten, wird in den nächsten Tagen die Aufforderung zugehen, den Tarif anzuerlennen. Die in Bettacht komn, enden Kollegen und Kolleginnen erhalten bis Sonnabend weitere Mitteilung. In der Diskussion zeigte eS sich, daß einzelne Firmen Mer ge- wisse Bestimmungen des Tarifs unzutreffende Ansichten laut werden (leffen. So wurde erwähnt, daß ein Arbeitgeber die Ansicht geäußert habe, die achttägige Ferienzeit für die ein Jahr oder länger im Geschäft tätigen Zuschneider und Zuschneiderinnen könne erst Geltung er- halten, wenn der Tarif selbst ein Jahr bestehe. Solche Auslegung jener Bestimmung ist selbstverständlich gänzlich verfehlt. Ferner wurde erwähnt, daß einzelne Geschäfte jetzt auffallend viel nach Arbeitslräften annoncieren, vermutlich um zu sehen, wie viele sich wohl melden werden. Eine Firma wurde genannt, die zunächst auf dem Arbeitsnachweis Zuschneider verlangte, von den fünf, die dar- auf anftagten, aber, soviel man weiß, keinen einstellt, statt dessen andern Tages annoncierte. Diese Erscheinungen können für die Zu- fchneider und Zuschneiderinnen nur eine Mahnung sein, nun mit um so größerer Kraft für die volle Anerkennung des Tarifvertrages zu wirken. Die Versammlung erklärte sich einstimmig mit dem Tarifvertrag «inverstanden. Achtung, Friseurgehülfen! Für unsere Mitglieder sind gesperrt: Leupold, Wiclefftr. 21; Eicht), Huttenstr. 32; Henke, Frankfurter All«« 177; Ast. Littbauerstr. 23.— Die Sperre ist streng zu beachten. Verband der Friseurgehülfen Deutschlands. Zweigverein Berlin und Bororte. Rosenthalerstr. 67. Achtung. Metallardeiter! In Quedlinburg und Thale bestehen Differenzen. Da sich die dortigen Kollegen darüber beschweren, daß sich von Berlin durch Vermittelung der bekannten Firma Riebenstahl Arbeitswillige einfinden, ersuchen wir die hiesigen Kollegen dringend, jedes Arbeitsangebot nach Quedlinburg und Thale abzulehnen. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Achtung! Steinarbeiter Berlin II. Die infolge des Kampfes im Baugewerbe arbeitslos gewordenen Kollegen, ebenso die gematzregelten der Firma„Frieseke", Britz und „Lolat", Tempelhof. werden ersucht, sich Freitagnachmittag 6 Uhr bei Glaue, Krausenstr. 18, zwecks Kontrolle zu melden. Mitglieds- v ü ch e r sind mitzubringen. Pflicht eines jeden in Betracht kommenden Kollegen ist es zu erscheinen.— Die auf Bau be- schästigten Kollegen haben Arbeiten, die vor der Aussperrung von Maurern bezw. Hülfsarbeitern ausgeführt wurden, zu v e r- Iv e i g e r n. Wo verlangt wird, mit Streikbrechern zu arbeiten, ist sofort der Vorstand in Kenntnis zu setzen, Arbeits- niederlegungen dürfen jedoch nur im Einverständnis mit dem Vor- stand erfolgen._ Der Borstand. Achtung! Kleber und Bauhandwerker! Der Bau Sckiöneberg, Barbarossastraße 55/36 sBaumeister Groß- pietsch) ist für Kleber gesperrt. Die dort arbeitenden Kleberarbeiten bedeutend unter den tariflichen Preisen und ersuchen wir die Bau- Handwerker, die erforderliche Auskunft zu geben. Freie Vereinigung der Tapezierer Berlins und Umgegend. veutkches Reich. Erfolgreicher Streik. Der Streik der Töpfer in Coswig in Anhalt ist nach fllnfzehnwöchentlicher Dauer durch Vergleich beendet. Der Lohn für Brennhausarbeiter ist von 23 auf 30 Pf. pro Stunde erhöht worden, die Lohnerhöhungen bei Akkordarbeiten bewegen sich bei 14 Gattungen zwischen 3 und 20 Proz. Auch wurde die Arbeits- zeit um wöchentlich eine Stunde verkürzt. Ter neue verbesserte Tarif hat Gültigkeit bis zum 1. Oftober 1210. HusUnd, Streik der Seeleute in Frankreich. Vom Streik der Seeleute liegen einige Nachrichten vor, die darauf schließen lassen, daß der Kampf bald zugunsten der Aus- ständigen beendet sein wird, denn sie sühlen sich stark genug, ihn fortzusetzen, andererseits sucht man den Ausständigen entgegen- zukommen. Es wird gemeldet: Paris, 3. Juni. Aus verschiedenen Hafenstädten wird ge- meldet, daß die Seeleute in gestern abgehaltenen Versammlungen die Fortsetzung des Streiks beschlossen haben.— In Dünkirchen griffen ausständige Seeleute die Besatzung des Dampfers„St. Pierre" an und zwangen sie, die Beladung des Dampfers einzustellen. Paris, 3. Juni. Auf Ansuchen des Marineministers hat der Präsident der Compagnie Transallantique Roux, um die Beendigung des Ausstandes der eingeschriebenen Seeleute zu erleichtern, die gegen die Schiffsoffiziere verfügten Entlassungen zurückgenommen und die Offiziere aufgefordert, an Bord zurückzukehren und ihren Dienst zu versehen._ In Basel haben letzten Sonnabend zirka 800 italienische Hand- langer die Arbeit niedergelegt und sind in Streik getreten. Der Kampf Im Berliner Baugewerbe. Der Zentralverband der baugewerblichen Hülfsarbeiter hatte sich bekanntlich mit dem von der Leitung vorgelegten Tarif nicht einverstanden erklärt. Dem Willen der Majorität entsprechend sind neue Spezialtarife gedruckt worden, in denen(als einzige Aenderungj folgende Lohnsätze vorgesehen sind. § 2 lautet: l. Der Lohn beträgt für gewöhnliche Bauarbeiter pro Stunde 60 Pf. 2. Für Kalkschläger(Arbeiten mit hydraulischem Kalk), Wasser» träger, Rüster, sowie an Hebevorrichtungen beschäftigte Arbeiter pro Stunde 63 Pf. 3. Für das Tragen von Steinen und Kalk pro Stunde 80 Pf. 4. Akkordarbeiten. Der Preis für das Tragen von pro 1000 Steine nebst dem dazu gehörigen Mörtel beträgt 23 Pf. mehr wie die bisherigen Akkordsätze. Es gilt nun, die alten Verträge, von welchen etwa 430 bis 300 bereits abgeschlossen sind, entsprechend zu ändern, was hoffentlich nicht zu viel Schwierigkeiten machen wird. In vielen Fällen ist dies bereits gelungen. Fünfzig neue Tarife sind schon unterzeichnet worden und zahlreiche Zustimmungen zu der gewünschten Aenderung sind eingelaufen. Wo die Maurer und Zimmerer ihre Bedingungen zur Anerkennung bringen, wird nun auch der neue Tarif die Hülfsarbeiter berücksichtigt werden. Etwa 4700 ausgesperrte und streikende BauhülfSarbeiter meldeten sich in der letzten Zeit zur täglichen Kontrolle. Um über die be- stehende Situation ein klares Bild zu erhalten, soll am Freitag eine allgemeine Baukontrolle für die Hülfsarbeiter des Zweigvereins Berlin vorgenommen werden. � In der Versammlung, welche die Freie Vereinigung der Maurer Dienstagabend in FreyerS Saal abhiell, wurde das soeben festgestellte Ergebnis der neuesten Bautenkontrolle bekannt ge- geben. Im ganzen Lohngebiet von Berlin mit den Vororten sind 1324 Bauten ermittelt worden, einschließlich der Aus- und Umbauten sowie der Scharwerke. Auf 313 Baustellen, wo 2912 Maurer be- schäftigt werden, sind die Forderungen bewilligt. Auf 136 Bauten, welche nicht bewilligt haben, arbeiten 321 Gelbe, auf weiteren 116 Bauten sind 932 Akkordmaurer tätig. 303 Bauten liegen völlig still, auf 34 Bauten ruht die Arbeit teilweise. Wie der Referent Z e g l i n ausführte, haben sich die Putzer und andere Berufsangehörige schon in der vorigen Woche geweigert, mit Akkordmaurern und sonstigen Streikbrechern zusammenzuarbeiten, was den Erfolg hatte, daß diese Elemente den Bau verlassen mußten. Am Montag haben die Putzer einmütig die Arbeit niedergelegt. Unter den Arbeitgebern, die bewilligt haben, befinden sich auch Mit- glieder bes Verbandes der Baugeschäfte. Auf inanchen Bauten ist versucht worden, Zwischenpersonen als Unternehmer vorzuschieben und durch sie die Forderungen bewilligen zu lassen. Auf solche Schiebungen gehen die Arbeiterorganisationen jedoch nicht ein. Wenn sie es getan hätten, dann lägen schon von vielen Bauten, die von Mi. gliedern des Verbandes der Baugeschäste ausgeführt werden. Bewilligungen verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil veranft?,! bor. Nachdem der Rixdorfer Magistrat einen Vertrag mit den Arbeiterorganisationen geschlossen und die Forderungen bewilligt hat, ist Aussicht vorhanden, daß ein derartiges Abkommen auch in Char- lottenburg getroffen wird. Der Berliner Magistrat dagegen zeigt sich auch in dieser Hinsicht rückständig. Er hat einem Unternehmer, der städtische Kanalarbeiten ausführt, untersagt, die Z'/z stündige Arbeitszeit zu bewilligen. Die Arbeiter haben sich aus diesem Grunde an die sozialdemokratischen Stadtverordneten gewandt und sie um Behandlung dieser Angelegenheit ersucht.— Wenn die Unternehmer vielleicht versuchen sollten, die Bauten mit Arbeitswilligen zu besetzen, dann wird erst der energische Kampf beginnen. Die Arbeiter werden dann eine Taftik einschlagen, welche Schlag auf Schlag die Taktik der Unternehmer beantwortet und dazu angetan ist, die Bewegung zum siegreichen Ende zu führen.— In der Diskussion sprach unter anderen Metzle, der die Situation der Bewegung als sehr günstig bezeichnete.— Zum Schluß bemerkte Zeglin, daß auch Marmorarbeiter und Rohrleger solidarisch für die Maurer ein- getreten find. Der Zentralverband der Maurer hielt ain Mitt- woch vormittag in Freyers Saal eine Versammlung seiner streikenden und ausgesperrten Mitglieder ab. Der polizeilich abgesperrte Saal war überfüllt. Silberschmidt erstattete den Situattonsbericht. Seine Zahlenangaben über die�Bewilligungen usw. weichen nur wenig von den Mitteilungen ab, die am Dienstag in der Versammlung der Freien Verciniguug gemacht wurden. Bis Montag abend hatten sich 9207 Mann in die Slreiklisten eintragen lassen. Darunter sind auch die, welche zu den neuen Bedingungen arbeiten. 4311 haben sich in Berlin und 484 in der Provinz zur Kontrolle gemeldet. Weiter führte der Redner ans: Der Arbeitgeberverband versorgt die bürgerliche Presse mit Nachrichten, welche die Zahl der Streikenden und Ausgesperrten größer erscheinen lassen, als die von den Arbeiter- organisationen ermiltelten Zahlen. Dadurch soll sowohl bei den Arbeitgebern als auch beim Publikum die Ansicht erweckt werden, als ob der Kampf für die Arbeiter ungünstig stände und die Arbeit- geber in Kürze den Sieg davontragen würden. Demgegenüber muß betont werden, daß die von den Arbeilerorgaiiisa�oneu festgestellten Zahlen richtig sind. Die Arbeiter haben gar keine Ursache, salsche Angaben zu machen. Ferner behaupten die Unternehmer von denen, welche die Forderungen bewilligt haben, seien nur 69 Arbeitgeber, die als Inhaber von Baugcschäften betrachtet werden können. Auch diese Behauptung des Arbeitgeberverbandes trifft nicht zu. Die Streikleitung hat mit möglichster Sorgfalt untersucht, ob bei der Bewilligung Schiebungen seitens der betreffenden Unter- nehmer vorkommen. Es ist jedocb nicht ausgeschlossen, daß trotz aller Sorgfalt die Arbeiter beim Abschluß von Verträgen in manchen Fällen getäuscht worden sind. Aber so groß ist die Zahl der Täu- schungcn nicht, wie sie die Unternehmer hinstellen. Unler den 500 Bewilligungen, die bisher eingingen, sind mindestens neun Zehntel von wirftichen Arbeitgebern erfolgt,«ie sind ja nicht alle geprüfte Bauunternehmer, aber doch solche, die regelmäßig mit dein Gelde von Banken Bauten ausführen, also Unternehmer, die auf dem Ber- liner Baumarkt eine normale Erscheinung sind. Unter denen, die be- willigt haben, sind ungefähr 12 Mitglieder des Arbeitgeberbundes. — Viele unter den Streikenden und Ausgesperrten mögen mit den bisherigen Erfolgen des Kampfes nicht zufrieden sein. Sie werden geglaubt haben, der Sieg sei heut noch so schnell zu erlangen wie in den neunziger Jahren. Die Kollegen in der Streikleitung sind jedoch mit dem seitherigen Verlauf des Kampfes vollauf zufrieden. Was eingetreten ist, entspricht durch- aus den Erwartungen der Leitung, die von Anfang an mit einem langwierigen Kampfe gerechnet hat. Eine Ursache zum Mißmut in den Reihen der Arbeiter ist also nicht vorhanden.— Es fragt sich nun, wie sich die Streikenden in der Zukunft zu verhalten haben. Beim Abschluß der Einzelverträge sind, wie schon gesagt, von Unter- nebmern Täuschungen versucht worden. Mehr als 100 Vertrags- abfchlüsie inußten aus solchen Gründen zurückgewiesen werden. Auch einzelne Mitglieder des Arbeitgeberverbandes und große Baugeschäste, die sich mit den Beschlüssen desselben einverstanden erklärten, haben versucht, durch Täuschungen über die Person des Arbeitgebers zu Einzelverttägen zu kommen, welche ihnen die Ferttgstellung be- stimmter Arbeiten ermöglichen sollen. Ohne Zweifel ist das nicht im Einverständnis mit dem Verband der Baugeschäfte geschehen. ES soll jetzt noch sorgfältiger wie bisher in jedem Falle untersucht werden, ob der, welcher sich zum Abschluß eines Vertrages bereit erklärt, auch der wirkliche Arbeitgeber und keine vorgeschobene Person ist. Die Streikleitung ist der Meinung, daß lieber weniger Verträge abgeschlossen werden sollen als solche, wo auch nur Zweifel über den Unternehmer bestehen. Die Leitung schlägt deshalb im Einverständnis mit den Vertrauensmännern vor, daß auf allen Bauten, wo während des Kampfe« der bauaussührende Arbeitgeber gewechselt worden ist, die Verhandlung über den Abschluß von Verträgen, sowie die Vertrag- schließung selbst nicht von den beteiligten Arbeitern allein, sondern nur unter Mitwirkung der Leitung derjenigen Streikkontrollstelle zu geschehen hat, in deren Bezirk der betreffende Bau liegt. Wenn sich in strittigen Fällen noch weitere Verhandlungen notwendig machen, ist die zentrale Streikleitung mit heranzuziehen. Die Streikleitung wird beauftragt, dahin zu wirken, daß sich die anderen Organisationen diesem Vorgehen anschließen. Zu dem Beschluß der Unternehmer, die Einstellung von Arbeits- willigen betreffend, sagte der Redner, man darf diesen Beschluß nicht als ein bloßes Schreckmittel auffassen. Er mahnt die Slreikenden zur Vorsicht und zur Wachsamkeit. Bis jetzt war der Streik nichts weiter als ein ruhiges Feiern. Wemi aber die Bauren mit Streik- blechern besetzt werden, dann erst beginnt der eigentliche Kampf. Dann gilt es, alle gesetzlichen Mittel anzuwenden, um die Arbeits- willigen von den Bauten fernzuhalten. Und wenn sich, was an- zunehmen ist, in den Reihen der Streikendeii Kollegen finden, welche kein festes Rückgrat haben und deshalb zum Umfallen neigen, dann muß man solchen Kollegen liebevoll zur Seite stehen und sie stützen, daß sie nicht umfallen können. Die Unternehmer sagen, daß für hinreichenden Schutz der Arbeitswilligen gesorgt� ist; das läßt darauf schließen, daß sich die Unternehmer mit der Polizei verständigt haben und daß sie, wie man es gewohnt ist, auf polizeiliche Hülfe rechnen können. Das alles kann die Streikenden natürlich nicht abhalten, ruhig und besonnen, aber mit größtem Nachdruck und unter An- Wendung aller gesetzlich erlaubten Mittel die Besetzung der Bauten durch Arbeitswillige zu verhindern. Die Vorschläge, welche Silberschn, idt Hinsicht« lich der Taktik beimAbschlusß von Verträgenge- macht hatte, nahm die Versammlung ohne Debatte einstimmig an. eine«, Bau die ArbeikSeinstellung der Zimmerer, so seien Rlftf Kartellvertrag zwischen den in Betracht kommenden Zentral. organisationen dahingehende Anträge von feiten ihrer Leitung an die Zahlstellenleitung der Zimmerer zurichten; dieser stehe die Prüfung und die eventuelle An- ordnung zu. Eigenmächtige Einwirkungen von Maurer oder Bau- Hülfsarbeiter-Streikposten, die den Zweck verfolgen. Zimmerleute zur eigenmächtigen Einstellung der Arbeit an fraglichen Baustellen zu bestimmen, seien entschieden zurückzuweisen. •* ♦ Der Verein der Zimmerer Berlins und Umgegend hielt gestern abend eine außerordentliche Mitgliederversammlung im„Böhmischen Brauhaus" ab. Der große Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Theodor Fischer berichtete über die Lage des Kampfes. Bewilligt haben im Zimmerergewerbe 358 Unternehmer. 842 Mitglieder des Vereins und 1163 des Zentralverbandes der Zimmerer arbeiten zu den neuen Bedin» gungen. Als Streikende und Ausgesperrte haben sich im Verband 1833, im Verein 1130 Mitglieder gemeldet. Der Verein hat im Streikgebiet 2300 Mitglieder; 323 haben sich bis jetzt nicht zur Kontrolle gemeldet. Unter ihnen sind jedenfalls auch solche, die zu den neuen Bedingunzen arbeiten. Der Redner bezeichnete die Laqe bis jetzt als durchaus zuftiedenstellend. Kaum jemand habe gehofft, daß binnen so kurzer Zeit so viele Bewilligungen ein« laufen würden. Allerdings seien unter den Unternehmern nur wenige, die dem Verband der Baugeschäfte angehören, aber eine größere Zahl vom Verband der Zimmermeister. Lebhaftes Bravo rief die Mitteilung hervor, daß die Vertreter der sieben Organisa. tionen sich dahin geeinigt haben, daß die Zimmerer auf allen Bauten, wo die Forderungen der Maurer nicht anerkannt sind, nicht arbeiten sollen und umgekehrt die Maurer dort nicht arbeiten, wo den Zimmerern die Forderungen nicht bewilligt sind. Ein- mütigkeit unter den organisierten Berufsgenossen auf dem Bau ist selbstverständliche Voraussetzung eines solchen Vorgehens gegen die Streikbrecher. Soweit es sich um die Maurer handelt, kommen hier hauptsächlich Akkordmaurer in Betracht. Die vielen Unglücks. fälle, die schon durch die leichtsinnige Akkordmauerei verursacht wurden, lassen ein solches Vorgehen umsomehr notwendig er- scheinen. Sind doch auch in der vorigen Woche auf einem Bau die Zimmerer mit ihren Balken in den Keller gestürzt, lediglich infolge schlechter Arbeit der Akkordmaurer.— In der Diskussion zeigte er sich, daß Eintracht und unüberwindlicher KampfeSmut die Anwesenden beseelte. Der Beschluß der Vertreter der Organ». sationen. daß vom heutigen Donnerstag ab auf den Bauten, wo die Forderungen der einen Berufsgruppe nicht bewilligt sind und also Streikbrecher arbeiten, die andere Berufsgruppe nicht Wetter zu arbeiten hat. Einmütigkeit des Handelns vorausgesetzt, wurde einstimmig von der Versammlung gutgeheißen. Die Sektion der Fahrstuhlarbeiter vom Ber- band der baugewerblichen Hülfsarbeiter versammelte sich in Boekers Saal, Webcrstraße. am Mittwochabend. Die Molden- träger waren ersucht worden, sich zahlreich einzufinden. Von ihnen wird erwartet, daß sie den Fahrstuhlarbeitern die größte Solidarität entgegenbringen, sobald die letzteren ihre Forderungen an die Arbeitgeber durchzusetzen sich entschließen und zur Arbeits. einstellung gezwungen werden. Karl Heinemann zeigte in seinem Referat, daß die Forderungen nur mäßig, gerecht und billig sind- er verlangte, daß die Fahrstuhlarbeiter mehr als bisher in ihrer Majorität dafür eintreten und unter den Kollegen eifrig agitteren. daß Mann für Mann sich bereit erklären, einzustehen für den neuen Tarif. Von etwa 30 Unternehmern, denen die Forderungen unterbreitet wurden, hat nur ein einziger zu. stimmend geantwortet: die anderen haben überhaupt e» nach«cht der Mühe wert gehalten, zu antworten. Eingegangene DrucfcrcbHftai. Erster Jahresbericht des Parteisekretattat» Jena sttr die Zeit vi 1. April 1906 bis 31. März 1907. 16 Seiten. Selbstverlag. Letzte JVachnchtcn und Dcpcfcbcn« Spi-nageprvzeß. Leipzig, 3. Juni,(B. H.) Das Reichsgericht Wrurteirtefcn 21jährigen Schuhmacher Johann Parezewski aus Warschau, der früher Student war und aus Rußland oesertiert ist, wegen»ersuchter Spionage zu 3 Jahren 7 Monaten Zuchthaus, 5 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Der AngcNagte ist beschuldigt, im Dezember 1906 in Mülhausen i. E. und Belfort versucht zu haben, Gegenstände, deren Geheimhaltung im Interesse des Deutschen Reiches geboten ist. an sich zu bringen, um sie der ftanzosischen Re- aierung auszuliefern, es handelte sich hierbei um scharfe Patronen und ein Gewehr des Modells 1893, Ferner soll er im Jahre 1907 mit gleichem Ansinnen an Soldaten des Jnfanterie-Regiments Nr. 112 in Mülhausen gewandt und einen Musketier zur Desertton veranlaßt haben._ Vom Kriegsschauplatz der Autoraserei. Erfurt, 3. Juni.(W. T. B.) Ein Teilnehmer der Herkomer- fahrt stürzte kurz vor Erfurt auS dem Automobil und zog sich eine schwere Verletzung zu. Er wurde in das Erfurter Kranken. haus gebracht. Ein Insasse eines anderen Automobils erlitt eine Verletzung an der Stirn infolge eines leichten Zusammenstoßes. Auwmobil Nr. 32 hatte einen leichten Zusammenstoß mit r,nem Wagen der elektrischen Straßenbahn. Nach Vornahme einer Reparatur konnte das Automobil seine Fort fortsetzen. In Gotha wurde ein zehnjähriger Knabe beim llebcrschreiten der Straße von einem Automobil überfahren. Das Kind erlitt einen Bein- bruch. Ein anderes Automobil fuhr in der Friedrichstraße gegen einen Baum und wurde stark beschädigt. Svv Häuser abgebrannt. Petersburg, 3. Juni.(W. T. B.) Eine FeuerSbrunst zer- störte den Ort Stolbzv(Gouvernement Minsk) vollständig. 509 Häuser, das Post- und Telegraphenamt liegen in Asche. Die Lage der Einwohner ist verzweifelt. Der Zentralverband der Zimmerer(Zahlstelle Berlin) hatte gestern abend eine Mitgliederversammlung im großen Saal der Brauerei Friedrichshain. Es war eine imposante Ver- � uel______—.................... sammlung. Tausende füllten den weiten Raum bis zum aixjstijchcn eingeforderten Erklärungen hat die Synode beschlossen, letzten Platz. D» Vorsitzende Witt, der den Situationsbericht zuständige Diözesanbehörden aufzufordern, vier dieser Geist. bisherigen Resultat s». vrieslerlichen Würde zu entkleiden. Der Fünfte, der „Unwürdige" Priester. Petersburg, 3. Juni.(W. T. B.) Nach Kenntnisnahme der von fünf der Reichsduma als Abgeordnete der Linken angehörenden �___ c, S. 4 r C-.• X f....____ yl. l vi— e—— V— Cz-TiT f» i i r* letzten Platz. Der Vor,itzende Witt, der den Situationsbericht zuständige Diözesanbehörden aufzufordern, vier dieser Geist. gab, hob hervor, dag man zwar mit dem bisherigen Resultat bet„ncftcrlichen Würde zu entkleiden. Der Fünfte, der der Bewegung im allgemeinen zufrieden sein könne, es aber doch.-„aewilligt hat aus der Gruppe der Linken auszutreten, behält notwendig sei, sich über die Bedeutung der Bewegung klar zu--..... r-_____ S /> vz« Ii.i v« XaC« V—_£3\\____ C 1 u CO ,i v» 7» vi itrtS S. rt nOIIDeilLUy irvv twvv Vit RJCUCUllUiy UCL QU sein; namentlich darüber, daß der Kampf in Berlin und den Vororten ein hartnäckiger sein werde. Man dürfe nicht den Gegner unterschätzen. In diesem Sinne ermahnte Redner zum treuen Zusammenhalt.— Es wurde lebhaft diskutiert. Der Versammlung lag eine Resolution der Funktionäre vor, nach der an der bisherigen Taktik, die 8� stündige Arbeitszeit und einen Stundenlohn von 80 Pf. zu erringen, festzuhalten sei, und daß der Zahlstellenvorstand alles erforderliche zu tun habe. Für die Durchführung der beschlossenen Taktik stellt die Resolution eine Anzahl Normen auf, die besonders darauf ab- zielen, Komplikationen zu vermeiden. Namentlich richtet sie sich gegen wilde Sympathiestreiks dort, wo die Forderungen be- willigt sind. Wünschen die Maurer oder BauhülfSarbeiter an sein priesterliches Amt. Die Unruhen in Persien. Petersburg, 3. Juni.(W. T. B.) Die Petersburger Tele. graphenagentur meldet aus Teheran: Gegen den General» gouverneur von Luristan und Burudschird, Prinz Salar cd Dauleh, sind 199 persische Reiter, Gebirgsgeschütze und Jnfanterietruppen abgesandt worden. In Kermanschah sind offene Feindseligkeiten zwischen den beiden Parteien ausgebrochen. Eine ganze Anzahl Personen sind getötet worden. UlUigt]XllO»;a3mi|u�u vn-»ymutEE uuet �ociiujlU|»ui.uui4ci. uu_______________ 11� Glr�i Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Bu�dr.u.Berlagtan�D AgulSingeräcCo., Berlin SV7. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblgtt 9t. 129. A. Zchgavg. L KtilM des Jormärts" Kerlim giilMliiH. Jotinetätas, 6. Zml 1907. „Aus dem KIMchen Lande des Kuhhandels". Suwffe F. I. Ehrhart» Ludwigshafen bittet unL vm Aufnahme folgender Zeilen: In seiner Besprechung der bayerischen Landtagswahlen sagt der.Vorwärts" neben anderem Unzutreffenden folgendes: .. Jetzt waren getreu dem Beschluß des Schweinfurter Parteitages keine Kompromisse geschlossen. Mit einer bedauerns- werten Ausnahme: im klassischen Lande des Kuhhandels, in der Pfalz, scheint in letzter Stunde zwischen Zentrum und Sozial- demokratie für Germersheim und Kaiserslautern— beides zwei- männige Mandate— ein Wahlabkommen getroffen zu sein. Wir warten di« Bestätigung dieser von der bürgerlichen Presse ge- brachten Nachricht ab. Sollte sie zutreffen, so werden die baye- rischcn Genossen dafür zu sorgen haben, daß einstimmig gefaßten Parteitagsbeschlüssen strikteste Rechnung getragen wird." Diese Ausführung ist in allen Teilen unrichtig; sie muß die pfälzischen Genossen, zu denen auch ich mich zähle, aufs schwerste verletzen. Wir glaubten in Anbetracht unserer monatelangen auf- reibenden Tätigkeit eine andere Behandlung erwarten zu dürfen. Wollte man unsere Arbeit nicht anerkennen, so brauchte man uns wenigstens nicht zu prügeln. Da uns nicht gleichgültig ist, wie unsere deutschen Genossen über uns denken, so mag die geehrte Redaktion des„Vorwärts" mir eine Richtigstellung der Dinge in der Pfalz gestatten. Bis heute sind wir noch nicht im Besitze des amtlichen Resul- tatS über die Germersheimer Wahl, bei der ein Kuhhandel zwischen uns und dem Zentrum abgeschlossen gewesen sein soll. Heute noch besteht Zweifel, ob das Zentrum— inzwischen ist ein? der Mandate durch das LoS dem Block und das andere mit 4 Stimmen Mehrheit dem Zentrum zugefallen— oder der Block Besitzer der beiden Mandate ist. Fest steht nur, daß beide Parteien gleich stark sind. Würde der„Vorwärts", statt die Blockmär von einem Kuhhandel sofort unbesehen für bare Münze zu nehmen, die Güte gehabt und die früheren Wahlresultate aus diesem Kreise einer wenn auch nur flüchtigen Prüfung unterzogen haben, so hätte sich für ihn von selbst ergeben, daß er keine Ursache gehabt hätte, seinen bayerischen Siegesgenuß sich selbst zu vergällen. Es hätte ihm die Erkenntnis aufdämmern müssen, daß, wenn die Sozial- demokratie den schweren Disziplinbruch, der ihr unterschoben wird, wirklich begangen, auch die Entscheidung über die Wahl sogleich unzweifelhaft fallen mußte. Mindesten? hätten unserem Zentral- organ Zweifel aufstoßen und es veranlassen müssen� uns zur Recht- fertigung aufzufordern. Es hätte alsdann nicht nötig gehabt, dem Block in seiner Not Hülfsdienste gegen die Pfälzer Genossen zu leisten. Aehnlich liegen die Dinge im Wahlkreis. Kaiserslautern. Dem „Vorwärts" mußte einleuchten, daß, wenn wir auch nur den Ge- danken an ein Kompromiß mit dem Zentrum gehabt, wir uns nicht der Unannehmlichkeit einer Doppelwahl ausgesetzt hätten, die bei einem Kompromiß sicher gewesen wäre. Ich habe nicht den Beruf, im Namen der Provinzpresse zu reden, aber eS dürfte nicht unbescheiden sein, wenn ich das Be- dauern ausspreche, wenn unser Zentralorgan seine Informationen nur auf wenige große Parteiorgane beschränkt und die armen kleinen Provinzorgane, die da auch noch leben und kreuchen, völlig ignoriert. Das macht sich besonders bei Wahlkämpfen unangenehm bemerkbar. So erscheint auch in der Pfalz ein sozialdemokratisches Blatt,„Die Pfälzische Post"; hätte der„Vorwärts" demselben, wenn auch nur zuweilen, einige Beachtung geschenkt, so konnte er aus der ganzen Art des Wahlkampfes, besonders aus dem Gebaren der Blockkanbidaten, leicht ersehen, daß Ueberraschungen, veranlaßt durch diese selbst, in der Pfalz nicht ausgeschlossen waren. Er hätte auch bemerken können, daß der Wahlkampf genau wie im rechts- rheinischen Bayern, dem Schweinfurter Beschlüsse entsprechend, auch von uns geführt worden ist. Wäre der„Vorwärts" nicht allzu sehr textlich belastet, so würde ich gerne den Versuch machen, ihm den Ausfall der Wahlen in der Pfalz in seinen Einzelheiten zu er- läutern. Die Parteileitung der Pfalz hat kein Kam» promiß abgeschlossen. Ich hoffe, daß der„Vorwärts" dieser meiner Angabe auch ohne notarielle Beglaubigung ebensoviel Glauben beimißt, wie der Blockpresse. Es ist sicher, daß, wenn wir die Absicht, einen Kuhhandel abzuschließen gehabt und einen Partner dazu gefunden, wir wahrscheinlich die doppelte Anzahl Mandate erhalten und den Block gründlich gesprengt hätten. Für letzteres bestand in weiten Parteikreisen, die dem Block gerne für sein unerhörtes Treiben bei der letzten Reichstagswahl gegen uns die Quittung ausgestellt hätten, eine starke Neigung. Bei der vorigen Wahl hatten wir in der Pfalz 6 Mandate. Durch die neue Kreiseinteilung konnten wir als sicheren Besitzstand nur die beiden Ludwigshafener Kreise betrachten. Weil wir zu diesen noch den Wahlkreis Kaiserslautern, der als unsicher gehalten wurde, erobert haben, werden nun von unserem Zentralorgan gegen uns die schwersten Anschuldigungen des Disziplinbruches erhoben, die sich auf nichts anderes als auf das Verlegenheitsgeheul des herein- gefallenen Blocks gründen. Das ist ungerecht, ist nicht Partei- genössisch. Als das„klassische Land des Kuhhandels" bezeichnet der„Vor- wärts" die Pfalz. Mir ist unerklärlich, welchem Umstände wir diese Ehre verdanken. Wurden Wahlvereinbarungen getroffen, so geschah das meines Wissens nie in der Pfalz allein. Der„Vorwärts" sagt in dem angezogenen Artikel selbst, daß unter dem jetzt begrabenen„vorsintflutlichen Wahlmannersystem einfach keine Wahl mehr ohne Kompromiß zustande kommen konnte", und er hat damit das richtige getroffen. Nur durch die Kom- promisse haben wir die bürgerlichen Parteien zur Wahlreform ge. zwungen. Wären wir frei von solchen geblieben, so hatten wir heute noch das alte Wahlgesetz, wären aber auch auf emen einzigen Sitz aus eigener Kraft im bayerischen Landtag angewiesen. Glück- licherwcise hat der Kuhhandel in der Pfalz seinen Zweck erreicht; wehe uns, wenn das nicht der Fall gewesen wäre. Der„Vorwärts" denunziert uns arme pfälzische Sünder als Parteistaatsanwalt den bayerischen Genossen zur Aburteilung, hoffend, daß diese uns gnädigere Richter sind als der„Vorwärts", atmen wir erleichtert auf, denn sie werden unS nicht auf Grund der Indizien der Blockpresse richten. Genosse Ehr hart wirft dem„Vorwärts" Ungerechtigkeit gegen die Pfälzer Genossen vor. wird aber selbst in seinen Aus« führungen ungerecht gegen den„Vorwärts". Wir haben die Pfälzer Genossen nicht blindlings auf eine Blockmär hin be- schuldigt. Sondern wir haben lediglich unsere Pflicht, die Partei- genossen zu informieren, erfüllt, als wir von der Behauptung der Blockpresse, die zudem noch gestützt wurde durch Aeußerungen eines ZentrumSblatteS, des„Bayerischen Kuriers". Notiz nahmen. Als erwiesen haben wir die liberale Beschuldigung nicht hingestellt— wir haben ausdrücklich bemerkt, daß abzuwarten sei, ob sie sich bestätigen werde. � Der weitere Vorwurf des Genossen Ehrhart, daß der„Vorwärts" lediglich die größeren Parteiblätter berücksichtige, trifft auch nicht zu— wir könnten zum Gegenbeweis eine Menge von Notizen und Artikeln des„Vorwärts" anführen. die kleineren Parteiblättern entnommen worden sind. Und so hat denn auch gerade in diesem Falle der„Vorwärts" schon die An- schuldigung des Genossen Ehrhart am selben Tage widerlegt, als sie in Ludwigshafen niedergeschrieben wurde. Am 4. Juni hat Genosse Ehrhart seinen Artikel verfaßt, am selben Tage haben wir die in der Mittwochsnuinmer erschienene Notiz„Kaiserslautern— fiBermersbeim" aeschrieben, die die Erklärungen der„Pfälzischen IPost", unseres Ludwigshafener Parteiblattes, zu der Block- beschuldigung bringt. Wenn wir sie nicht schon früher „gebracht haben, so geschah es, weil wir genauere Angaben gewünscht hätten, die die„Pfälzische Post" leider noch immer nicht gebracht hat. Namentlich fehlen— auch heute noch— die Angaben über die Stimmen, die die Sozialdemokratie im Kreise Germersheim erhatten hat und die ja am besten nachweisen müssen, daß eine Zurückziehung der sozialdemokratischen Kandidaturen oder eine Abwanderung sozialdemokratischer Wähler ins Zentrumslager nicht stattgefunden hat. Dieser Nachweis ist auch heute noch nicht überflüssig. Denn so wenig wir Zweifel in die An- gaben des Genossen Ehrhart setzen, schon um der Blockpresse willen ist genaueste Aufklärung nötig, zumal ein Zentrumsblatt, der rische Kurier", schreibt, daß eine Zurückziehung „Bay d er s ozialdemokratischen Kandidatur in Germersheinr erfolgt sei. Uebrigens ist die Beweisführung des Genossen Ehrhart nicht ganz stichfest. Die Doppelkandidatur würde nichts gegen ein Kompromiß beweisen, das erst im letzten Momente zustande gekommen wäre, wo ein Kandidatenwechsel nicht mehr möglich war. Und der Um- stand, daß der eine Zentrumskandidat dieselbe Stimmenzahl wie der Blockmann erhielt, wäre ebenfalls mit einem„Komproniiß" nicht unvereinbar. Anstatt sich über den„Vorwärts" zu beschweren, sollte Genosse Ehrhart lieber dafür sorgen, daß in der ihm nahestehenden Parteipresse klipp und klar der Nachweis geführt würde, daß die Genossen in GermerSheim ihre volle Pflicht getan haben,— am besten durch Gegenüberstellung der bei dieser und der letzten Wahl abgegebenen Stimmen. Wie notwendig das ist, mag Genosse Ehrhart daraus ersehen, daß z. B. in den liberalen„Münch. Neuesten Nachr." im Mittwoch-Vorabendblatt noch ganz unverblümt behauptet wird, die „Sozialdemottaten hätten wie ein Mann in Germersheim für die beiden Zentrumskandidaten und nicht für ihre eigenei» gestimmt." Solche Behauptungen— wie falsch sie immer sein mögen— Wider- legt man am besten und richtigsten durch Zahlen und nicht durch unmotiviertes Entrüstungsgeschrei über das Zentralorgan, das diese Dinge besprechen mußte und immer noch gern sich weiter be- lehren läßt._ Der Kampf im Bäcfccrgcwerbe. Es war ein schöner Traum der Jnnungsführer, daß die Erfolge des Streiks und des Boykotts durch das Vorgehen des Hefeshndikats zunichte gemacht werden würden. Obgleich der Hejeboykott von denen, die er treffen sollte, vollständig überwunden ist, hält man im Jnnungslager immer noch an der Hoffnung fest, die Bäckermeister, welche an der Bewilligung der Gesellenforderungen ftsthalten, durch die Hefesperre zum Wortbruch zwingen zu können. Bürgerliche Blätter berichten über eine Versammlung der Hefehändler, welche am DienStag im Anschluß an eine Versammlung des Arbeitgeber- Schutzverbandes für das Bäckergewerbe statt- fand. Dort haben die Hefehändler beschlossen, die Material- sperre gegen die Bäckermeister, welche bewilligt haben, stritte durchzuführen. Man glaubt, der Bäckerverband werde nicht in der Lage sein, dauernd Hefe liefern zu können. Es ist ja begreiflich, daß Jnnungsmeister und Hefehändler von der Hoffnung, die sie auf die Materialsperre gesetzt hatten, nicht lassen mögen. Aber nur noch ein Weilchen und auch die zuversichtlichsten Schwärmer für die Materialsperre werden zugeben müssen, daß diese Maßregel ein Schlag ins Wasser war. Der Bäckerverband ist in der Lage, Hefe dauernd liefern zu können und zwar mehr, als die Bäckerineister, die bewilligt haben, brauchen können. Die wenigen Bäckermeister, welche sich am Sonn abend durch die drohende Hefesperre schrecken ließen und ihre Be- willigung zurückzogen, haben die Forderungen längst anerkannt. Das ist der beste Beweis, daß selbst ängstliche Gemüter die Hefe- sperre nicht mehr fürchten. Der Schutzverband der Bäckermeister soll beschlossen haben, die vom Boykott der Käufer betroffenen Bäckermeister in weitgehendster Weise Unterstützungen zur Verfügung zu stellen.— Wenn damit gesagt sein soll, daß die von den Käufern boykottierten Bäckermeister für ihre geschäftlichen Verluste schadlos gehalten werden sollen, dann dürfte der Schutzverband, falls er an die Ausführung seines Unterstützungsbeschlusses geht, bald einsehen, daß er sich eine unerfüllbare Aufgabe gestellt hat. Die vom Boykott betroffenen Bäckermeister sehen ihren Warenabsatz zusehends schwinden, während diejenigen, welche bewilligt haben, ihre Betriebe fortgesetzt der- größern. Sie beschäftigen bereits erheblich mehr Gesellen wie vor dem Streik und gestern sind wieder 90 Gesellen bei solchen Meistern, die schon längst bewilligt hatten, neu eingestellt worden. Gestern und vorgestern sind etwa 80 neue Bewilligungen erfolgt, so daß jetzt etwa 860 Bäckermeister die Forderungen anerkannt haben. Gegen 800 Gesellen sind noch als Streikende eingezeichnet. Gestern wurde ihnen die Streikunterstützung im Betrage von 7000 M. ausgezahlt. Die Bäckermeister, welche sich weigern, die Forderungen zu er- füllen, wissen anscheinend immer noch nicht, woher sie arbeitswillige Gesellen nehmen sollen und deshalb greift man zu allen möglichen AuShülfSmitteln. Ein in der Chorinerstraße wohnender, beim Postamt 54 angestellter Briefträger, der gelernter Bäcker ist, hat Urlaub nachgesucht und auch erhalten, um bei einem Bäckermeister als Arbeitswilliger tätig zu sein. Hier ist die Frage am Platze: Wie kommt der Leiter des Postamtes dazu, einen Beamten aus solchen Gründen zu beurlauben? Ueber die Volksversammlungen am DienStag gingen unS noch nachträglich einige Berichte zu. Im Lokale„K ö n i g s h o f" in der Bülowstraße war der Saal überfüllt. Ottilie Baader schilderte in beredten Worten den Kampf im Bäckergewerbe und forderte die Frauen aus, als Konsu- mentinnen, als Käuferinnen den Kampf der Bäckergesellen für Ver- besserung ihrer elenden Lage kräftig zu unterstiitzen. Im„Markgrafensaal' am Markgratendamm tagte eine überwiegend von Frauen besuchte Versammlung. Referent war Genosse Hildebrandt, der seine Aufgabe unter lebhaftem Beifall erledigte. In der regen Diskussion gab ein Redner be- kannt, daß die Bäckerei- Genossenschaft am Freitag, den 7. Juni, Caprivistraße 3 eine Filiale eröffnet und daß Bestellungen auf Back- wäre schon jetzt daselbst sowie in der Verkaufsstelle de? Berliner Konsumvereins entgegengenommen werden. In Baumschulenweg hatten sich 600 Personen, größten- teils Frauen, eingefunden. Der Referent Genosse R e h b e i n be- leuchtete die Situation im Bäckergewerbe. An der Diskussion be- teiligte sich auch ein Bäckermeister, der den ablehnenden Standpunkt der Meister vertrat, von anderen Rednern sowie vom Referenten aber unter lebhaftem Beifall der Versammlung widerlegt wurde. In Reinickendorf, wo etwa 500 Personen an der Ver- sammlung teilnahmen. Genosse Kahl aus Hamburg, der als Vorstandsmitglied des Bäckerverbandes in der Lage war, den Kampf der Säckergesellen mit gründlicher Sachkenntnis zu schildern, erntete reichen Beifall. Ein Bäckermeister, der in der DiSkusfion sprach, meinte, er würde die Forderungen der Gesellen wohl unterschreiben, aber die Innung verbiete eS ihm. Dem Manne wurde geantwortet, er brauche sich diesen TerroriSmuS der Innungen nicht gefallen lassen. In einigen Versammlungen wurde von Diskussionsrednern aus- geführt, daß die Backwarenhändler scharf kontrolliert werden müssen. weil sie oft von mehreren Bäckern zugleich Ware nehmen und deS- halb die Möglichkeit vorliege, daß man beim Händler trotz des Be- willigungsplakates Ware von nicht bewilligt habenden Bäckermeistern bekäme. Hier müßten die Frauen besonders wachsam sein. Berichtigung. Bäckermeister Modrow, Reinickendorf, Grüner Weg 51—52, teilt mit, daß er nicht der Modrow ist, bei dem ein Töpfer als Streikbrecher arbeitet. Dies bezieht sich vielmehr aus einen anderen Modrow. polnischer GelKlmimndsprozel). Vor dem Landgericht in Beuthen(O.-S.) spielte sich wiedet einmal einer der bekannten polnischen Gehelmbundsprozesse ab. Diesmal waren es zur Abwechselung einmal die Mitglieder eines polnischen Turnvereins(Sokol), welche sich gegen die ZZ 110, 129, 130 des Reichsstrafgesetzbuches vergangen haben sollten. Sie sollen an einer Verbindung teilgenommen haben, zu deren Zwecken oder Beschäftigung gehört, Maßregeln der Verwaltung oder die Vollziehung von Gesetzen durch ungesetzliche Mittel zu verhindern oder zu entkräften, ferner sollen sie in einer den öffentlichen Frieden ge- fährdenden Weise verschiedene Klassen der Bevölkerung zu Gewalt- tätigkeiten gegeneinander öffentlich airgereizt und öffentlich zum Ungehorsam gegen Gesetze und behördliche Anordnungen aufgereizt haben. Elf Arbeiter und Handwerker im Alter von 22 bis 35 Jahren hatten sich deshalb zwei Tage lang vor dem genannten preußischen Gericht zu ver- antworten. Sie waren kürzere oder längere Zeit Mitglieder Lczw. Vorstandsmitglieder des„GymnastischenVereins Falke" in RoSdzin, einem oberschlesischen Fabrikdorf gewesen. Dieser Verein bestand schon seit 1898 und hatte»ach seinem Statut den Zweck, körperliche Uebungen sowie Gesang und Musik zu pflegen, ebenso Vergnügen und Geselligkeit. Es hieß zunächst im Statut:„Politik ist ganz ausgeschlossen." Wie gefährlich für das Staatswohl dieser Verein war, zeigt u. a. der Umstand, daß die G r ü n d n n g s> Versammlung mit einem begeisterten Hoch auf den deutschen Kaiser und den Pap st geschlossen wurde I Als die polnisch-nationale Bewegung, die Frucht der unheilvollen preußischen Polenpolitik, auch nach Ober- schlesien hinüber griff, erschien der RoZdziner Turnverein der Polizei gefährlich. Seit 1902 behandelte die Polizei den Verein als einen polittschen; das führte zunächst zu allerlei Konflikten, bis sich die Mitglieder fügten und dann auch konsequenterweise den Passus im Statut:„Politik ist ganz ausgeschlossen" strichen. Das wurde in der Anklage nunmehr als besonders belastend für die An« geklagten betrachtet. Im wesentlichen sollten die Angeklagten ihre„schweren Ver- brechen" gegen die Ordnung und Sicherheit des preußischen Staates begangen' haben durch Veranstaltung von Vorträgen, Deklamieren von Gedichten und Singen von Liedern aufreizenden Inhalts. Außerdem sollten sie durch ihre Verbindung mit ausländischen polnischen Turnvereinen noch das preußische Vereinsgesetz verletzt haben. Die Angeklagten bestritten sämtlich ihre Schuld. Zu ihrer Ueberführung wurde von der Anklagebehörde eine Unmenge Belastungsmaterial herangeschleppt. Hohe Stapel von Akten ivaren neben dem Richtertische aufgehäuft, enthaltend die Protokolle der Vereinsversammlungen und die Berichte des über- wachenden Beamten über die Verhandlungen im Verein. Der Hauptzeuge, Polizei>v acht», ei st er Gohla in RoSdzin, muß über mehr wie hundert Vereinsversammlungen, die er seit 1902 überwachte, aussagen. Zu seiner„Jnfor- mation" läßt das Gericht den Zeugen vor der Schilderung jeder einzelnen Versammlung er st genau den erstatteten schriftlichenBeri cht studieren. Der Einspruch der Verteidiger, die in solchem Verhalten eine Verletzung des Grundsatzes deS mündlichen Verfahrens vor Gericht sehen, wird vom Gerichtshof zurückgewiesen. Etwa sechs Stunden lang trägt dann der Polizeibeamte dem Gericht vor, ivas in den Vereinsversamm« klingen nach seinen Aufzeichnungen verhandelt wurde. Er muß von vornherein auf Vorhalt der Verteidigung erklären, nichts Positives dafür anführen zu können, daß die Angeklagten in ihrem Verein den Zweck verfolgten, das polnische Reich lvieder her- stellen zu wollen. Er ist nicht in der Lage, bestimmte Worte aus den Reden anzuführen, sondern kann nur allgemeine Eindrücke auS den Versammlungen wiedergeben, die allerdings zu der Annahme führen mußten, das man solche Zwecke im Auge hatte. Von der Verteidigung wird der Zeuge auf den Unterschied zwischen der Tendenz des Vereins, mit gesetzlichen Mitteln daS polnische Nationalgefühl, die Sprache usw. zu pflegen und der von der Anklage betonten Tendenz, durch un- gesetzliche Mittel die Wiederherstellung des polnischen Reiches zu erlangen, hingewiesen. Der Zeuge gibt zu, daß im Verein lvieder- holt eine solche Absicht bestritten wurde, doch sei das nach seiner Eriimerung erst geschehen, als die Untersuchung eingeleitet wurde. Darüber, weshalb man fünf Jahre lang gewartet habe, ehe man aus den Berichten des Zeugen die nun behaupteten schweren Vergehen heraus- gefunden habe, konnte der Zeuge keine Auskunst geben. Nach den Aussagen des Zeugen wurden in den Vereinsversammlungen. an welchen regelmäßlg auch Gäste teilnahmen, Artikel verlesen und Gedichte vorgetragen, welche die Leiden Polens, seinen früheren Glanz und Ruhm schilderten und zum Kämpfen aufforderten, um Erfolge zu gewinnen, die Ketten des polnischen Volkes zu zerreißen, das Vaterland aufzurichten, Polen zur Freiheit zu führen usw. Bei einem Turnspiel erhob ein Mitglied betend die Hände mit den Worten„Gott erlöse Polen", während andere die Bilder der polnischen Könige küßten. Die Anklage sieht in all dem den Beweis, daß die Angeklagten nicht nur ihre polnische Sprache ukw. pflegen wollten, sondern die LoSreißung preußischen Staatsgebietes zur Meder- Herstellung Polen» wollten. Die Angeklagten bestreiten zum Teil die richtige Wiedergabe der Artikel und Gedichte wie das Singen verbotener Lieder und verneinen entschieden, an die Wiederherstellung deS polnischen Reiches gedacht zu haben. Auf die Frage des Vorsitzenden an einen der An- geklagten, an welchen Gegner er dann dächte, als er in einer Rede von den Waffen sprach, die man gegen den Gegner brauche, erttärt er unter allgemeiner Heiterkeit:„An die Sozial- d e m o k r a t e n." Von der Anklagebehörde werden dann eine Anzahl Polizei- beamte als„Gutachter" über die staatSgefährlichen Sokols vorgeführt. So teilt Polizeirat Mädler seine Ansichten über die Verbindung der oberschlesischen mit den galizischen SokolS mit. ES marschierte auch ein zweistündiges„Gutachten" des P o s e n e r Polizei sekretärS Günther auf, das die verschiedenen Sokolorganisationen als eine Organisation zum Zwecke der Wieder- Herstellung Polens erscheinen lassen will. Der„Sachverständige" unterscheidet vier große Gruppen Sokolorganisationen: die amerikanische mit2000, die russisch-polnische mit 5000, die preußische mit 7000—8000 und die galizische mit 17—18000 Mitgliedern. Die Tendenz aller dieser Sokolorganisationen sei gleich, der Grundgedanke demokratisch, die positische Stellung die der polnischen Nationaldemokratie, deren Hauptsitz in Warschau sei. DaS Endziel sei die Wiederanfrichwng deS polnischen Reiche». Solange dies schwierige Ziel nicht zu er- reichen, habe das Sokolwm schon jetzt die Bildung eine? geistigen Polen» zu erstreben. Die Polen geistig und national zu wecken, zu konsolidieren, mit legalen und unlegalen Mitteln. stach dem polizeilichen„Sachverständigen" wird daS Polentum durch die SokolS so organisiert, daß wenn der ersehnte Moment gekommen, Polen seine Rolle als selbständiger Staat spielen könne. Eine besonders wertvolle Feststellung erschien dem Herrn Pokizeisettetär offenbar die Tatsache, daß die galizischen SokolS bor einigen Jahren den SokolS in Posen zweitausend Mark schenkten, die nicht etwa zur Anschaffung von Waffen, sondern von— Dtudt zittere I— Turn- geraten bestimmt waren. Ebenso mager waren die„Beweise", welche in Gestalt von be- schlagnahmten Briefen usw. dem Gerichte vorlagen. Es handelt sich in all den schriftlichen«eußemngen um oft VBertriebene, fanatische Ausdrücke deS tief verletzten nationalen Gefühls. Aber von Konspirationen gegen die Sicherheit des preußischen Staates kann nirgendwo die Rede sein. Auf die Beschuldigung, verbotene Lieder in den Vereinsversammlungen gesungen und sich damit der Aufreizung zu Gewalttätigkeiten schuldig gemacht zu haben, konnten die Angeklagten geltend machen, daß sie selbst das Vereinsliederbuch dem Amtsvorsteher vorgelegt hatten, daß dieser die ver- botenen Lieder angestrichen und damit die Angeklagten in den Glauben versetzt hatte, die nicht angestrichenen Lieder seien frei, weshalb dann diese gesungen wurden. Diese Darstellung mußte von dem Hauptzeu�en, Polizeiwachtmeister Gohla, auSdrücklich als richtig bezeichnet werden. Fünf Jahre lang haben die Berichte des überwachenden Beamten seinem Vorgesetzten vorgelegen, ohne daß diese gegen die Redner und den Berein einschritten. Natürlich können die einfachen Arbeiter nicht beweisen, daß fie vor langen Jahre diese und jene jetzt als verbrecherisch angesehene Aeußerung nicht getan haben. Der über- wachende Beamte aber vermag auszusagen, daß er seine vor Jahren niedergeschriebenen Berichte für zutreffend hält, obwohl er zu« geben muß, daß er das Hochpolnische nicht be° herrscht, sondern nur einen polnischen Dialekt. Trotz des kläglichen und dürstigen Ergebnisses der Beweisauf- nähme hielt der Staatsanwalt die Anklage voll aufrecht. Nach ihm wollte der RoSdziner Turnverein den Artikel 2 der preußischen Verfassung, der von der Unverletzlichkeit der LandeSgrenzen handelt, in seiner Wirksamkeit entkräften, indem er eS unterließ, der Polizei den wahren Zweck des Vereins mitzuteilen, politische Versammlungen im Auslande abhielt und mit auslandischen politischen Vereinen in Verbindung trat, schließlich auch zu Gewalttätigkeiten aufteizte. Und dieser Vervrechen wegen beantragte der Staatsanwalt, sämtliche Angeklagte schuldig zu sprechen und sie zu Strafen von zwei Monaten bis zu ein Jahr drei Monaten zu verurteilen, den Verein aber zu schließen. Nach längerer Beratung fällt das Gericht das Urteil dahin: Die Angeklagten werden zu Gefängnis st rafen von einem Monat bis einemJahr drei Monaten verurteilt, der am schwersten verurteilte Plewnia, der Ausländer ist, wird sofort verhaftet. Der Sokolverein„Falke" zu Rosdzin wird geschlossen. Die Begründung des Urteils schließt sich fast wörtlich den Behauptungen der Anklage an. *•" Der Prozeß ist für die preußisch-deutsche Rechtspflege überaus bezeichnend. Unter dem politischen Druck, unter dem Mangel an wirklicher Schulbildung, unter der Verpfaffung, unter der Wirt- schaftlich elenden Lage stehen diese harmlosen polnischen Arbeiter. Sie eröffnen ihre Vereinigungen mit einem Hoch auf Kaiser und Papst, fingen nur die Lieder, die polizeilich als unverdächtig bezeichnet sind, sehen— in den Sozialdemokraten infolge der Hepreden der Ordnungsbrüder einen Feind, der mit Waffen bekämpft werden muß. Und diese politisch und religiös naiven Leute werden dennoch— wegen angeblich an Hochverrat grenzender Geheimbündelei verurteilt. Und das fast ausschließlich aus Grund von Sentiments und Ansichten unterer Polizeibeamten, die nicht einmal der Sprache völlig mächtig sind, durch deren Anwendung gefrevelt sein soll l Gegenüber einem so hervorragenden Mangel von Garantien für die Unterlagen einer gerechten Rechtspflege erscheint das rein ad- ministrative Verfahren dem gesunden Rechtsbewußtsein fast noch eher als diese Art deutscher Jusfiz Gerechtigkeit üben zu können. Diese Kritik unserer Justiz trifft nicht minder auf nicht polnische Strafsachen, insbesondere auf die gegen Sozialdemo- kraten und gegen Arbeiter auf Grund gewerkschaftlicher Kämpfe eingeleiteten Verfahren zu. Deutschlands Justiz steht auf der tiefsten Stufe der Rechtspflege aller modernen Völker. Eine solche Justiz unterwühlt stärker, als es die schwungvollsten Reden und eiudriiig- lichsten Artikel tun könnten, die Autoritätsduselei uud die innere Kraft des Landes. Insofern leiden die Opfer preußisch-deutscher Justiz nicht umsonst._ liiMche ßeamtcnuntreue In lilecMeninirg. (Telegraphischer Bericht.) Schwerin, den b. Juni, Dritter Tag. Die Verhandlungen über die Riesenunterschleife auf dem Sachsenberg wurden heute mit der Erörterung der Seifenlieferunge« begonnen. Der Kaufmann Bärwald hatte o,e Seifenlieferungen nach dem Sachsenberg. Bärwald hat die Seifenfabrik seines Vaters 1901 übernommen. Doch hatte dieser schon jahrelang die Lieferung nach dem Sachsenberg fast allein. Der Ankauf seitens der Irrenanstalt erfolgte ursprünglich freihändig, später wurde er im Sulimissionswegr vergeben. Der Gesamtbetrag der Jahres- lieserung betrug etwa 4000 M. Der Angekl. Schultze gibt an, daß er von Bärwald ursprünglich bei der Bezahlung der Vierteljahrs» rechnungen sich 30 bis 40 M. geben ließ. Schließlich habe er dem Bärwald gesagt, er wünscfje eine bestimmte Summe» Bärwald habe ihm nur 5 Proz. bewilligt, die vom Gewicht der gelieferten Seife abgezogen wurden. Im übrigen habe er die Lieferungen dxS Bärwald öfter nachgewogen. Das Gewicht war richtig an- gegeben und die Lieferung genau nach Probe.— Vors.: Ist Ihnen denn klar, daß Sie das Geld nicht annehmen durften? Sie haben doch wahrscheinlich auch Bärwald bei der Vergebung der-Lieferungen bevorzugt?— Angekl. Schulde: GeWitz war es Unrecht. Bärwald hat auch durch mich immer die Lieferungen' bekommen, trotzdem seine Preise nicht niedrig waren. Die anderen Bewerber bei den Submissionen, insbesondere der Fabrikant Horngräber, bekamen höchstens ganz kleine Anteile. Ich habe auch vorher immer dem Bärwald die Angebote seiner Konkurrenten und ihre Preisfest- fetzungen mitgeteilt,� damit er sie unterbieten konnte. Er hatte mich darum gebeten und ich dachte mir nichts Schlimmes dabei. — Vors.: Das ist ja eine lange Kette von Pflichtvorletzungen, die Frage aber, die noch aufzuklären ist, ist die, vann diese Durchstechereien angefange» haben. Das Konto Schultze ist bei Bärwald erst seit dem Jahre 1304 vorhanden. Es ist doch aber im hohen Maße wahrscheinlich, daß auch schon vorher Schultze feste Bezüge hatte.— Angekl. Schultze gibt das als möglich zu.— Bert. Cassow: Schultze hat mir gesagt, daß er sich nur deshalb von den Lieferanten Prozente habe geben lassen, weil auch die anderen Beamten sich Prozente geben ließen und er nicht zurückbleiben wollte Bors.: Glauben Sie wirklich an eine so starke Korruption in unserer Beamtenschaft? Bert.: Der Angeklagte will gehört haben, daß das gesamte Personal der Hofküche stch ebenfalls„schmieren" lieh.— Angekl. Bärwald gibt an, daß er dem Schultze ursprünglich stillschweigend bei jeder Lieferung und Zahlung zwei Goldstücke in die Hand gedrückt hätte. Das habe im Januar oder Februar 1001 angefangen, vorher habe er ihm nur freie Seife für seinen Haushalt geliefert. Später habe er ihm dann auf Schultzes eigenen Wunsch und Vorschlag ein Konto für 4 bis 5 Proz. des Warenwertes eingerichtet, weil er ihm die Lieferungen ja zu verdanken gehabt hätte und nicht kleinlich hätte sein wollen. Er habe es als persönliches Wohlwollen von Schultze aufgefaßt, wenn dieser ihm die Offertesi der Kon- kurrentcn rechtzeitig mitgeteilt hätte, damit er immer mit seinen Preisen herunter gehen konnte. Er habe vierteljährlich mit Schultze abgerechnet und ihm pro Jahr 110 bis 180 M. gezahlt. Schultze habe ihm gesagt, er sei unterstützungsbedürftig, weil er mit seinem Gehalt nicht auskommen könne. Die Anstalt sei ledenfalls nicht geschädigt worden, Das gehe schon daraus hervor, daß er mit bM anderen Submittenten Horngttlber die Preise gemSF Pen Feststellungen deS Seifenshndikats vereinbart und gleich normiert hätte.— Mehrere Zeugen bestätigen im wesentlichen die Angaben der Angeklagten.— Zeuge Seifcnfabrikant Horngräber erkennt an, daß Bärwald und er sich auf die Preise des Seifenringes bei der Submission geeinigt hätten. Oberköchin Schmidt bestätigt, daß die Bärwaldsche Seife immer guter Qualität gewesen sei. Zeuge Konrad war seit vielen Jahren im Geschäft des Angekl. Bärwald tätig. Er bekundet, daß er auf Anweisung Bärwalds nur erstklassige Ware nach Sachsenberg geliefert habe. Der Bedarf in der Anstalt Sachscnberg sei auch in den letzten 10 Jahren durchaus konstant geblieben und in keiner Weise gewachsen. Wenn einmal vorübergehend ein Mehrverbrauch eintrat, so hatte er ganz natürliche Gründe.— Die weitere Beweisaufnahme über den Fall Bärwald bot wenig Bemerkenswertes. Die Verhandlung wurde, da morgen die Sitzung ausfällt, auf Freitag früh vertagt. Es wird dann der interessanteste Fall zur Erörterung kommen, die Anklage gegen den Hofschlächtermeister Wilck. Der Angekl. Wilck bestreitet jede Schuld, er will auch keine Verbindung mit dem angeklagten Betriebsinspektor Schultze gehabt haben. Wilck schiebt die Durchstechereien, soweit sie vorgekommen sind, auf das Konto seines Mitangeklagten Buchhalters Müller, der bei ihm lange Jahre tätig war und sein uneingeschränktes Vertrauen genoß. Auch von der Lieseruna minderwertigen Fleisches will Wilck nichts wissen.* Ein Ifiallenproteft der Straßenbahner. Die ebenso ungeschickte wie vom Standpunkt einer vernünftigen Wirtschaftsweise verwerfliche Aeußerung des Direktors Mcke, daß die Mitarbeit der Straßenbahnerftauen zur Erhaltung der Familie kein Unglück sei und den Frauen selbst eine gewisse Genugtuung ge- währe, hat tn den Reihen der Straßenbahner wie ihrer Frauen starke Entrüstung hervorgerufen, die äußerst lebhaft in einer Ver- sammlung hervortrat, welche am Dienstag in den Musikerfälen statt- fand. Der große Saal war samt den Galerien gedrängt voll von Straßenbahnangestellten und deren Frauen. Der Referent S ch u I tz k i und andere Vertreter des TranSportarbeiterverbandeS hatten Mühe, die Erregung soweit zu dämpfen, daß nicht der Gedanke an einen plötzlichen allgemeinen Lohnkampf die Ober- Hand gewann, denn hie meisten Diskussionsredner meinten, daß man der Großen Berliner den Krieg erklären müsse. Ihre Frauen sollten sich ungestört dem Hauswesen und der Er- ziehung ihrer Kinder widmen können, eS sei wahrhastig kein erträg- licher Zustand, wenn fie noch mitverdienen müssen oder wenn die Angestellten selbst Nebenverdienst suchen müssen, um fich selbst und ihre Familien vor Hunger zu schützen. Eine Frau, die Gattin des Fahrmeisters Schulz, hielt es für ihre Aufgabe, in ganz pro- dozierender Weise für die Direttion Partei zu ergreifen. Eine Straßenbahnerftau, meinte fie, brauche nicht zu hungern, wenn s i e m i t a r b e i t e. Sie selbst habe 16 Jahre gearbeitet und sei dabei gesund geblieben. Diese und ähnliche Redensarten trug sie in so herausfordernder Form vor, daß man den Eindruck gewinnen mußte, fie sei abgesandt, um die Versammlung zur Auflösung zu bringen. DieS gelang ihr allerdings nicht. Die Entrüstung der Versammlung erreichte ihren Höhepunkt, als jene Rednerin noch obendrein erklärte, fie werde eS denen.anstreichen", die gegen sie oder die Direktion austraten, und sie sich dann tatsächlich auch die Namen verschiedener Diskussionsredner notierte, offenbar um sie zu denunzieren. Einige Frauen weinten vor Zorn über die Art wie jene Frau ihre und ihrer Männer Interessen mit Füßen trat. Alle rückten von ihr ab, so daß sie schließlich mit ihrem männlichen Be- gleiter isoliert saß. Trotz aller aufregenden Zwischenfälle konnte die Versammlung glücklich zu Ende geführt werden. Der Referent sprach sich dafür aus, daß man es vorerst noch versuchen solle, durch gütliche Vereinbarung annehmbarere Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu schaffen. Es war selbstverständlich auch nicht Zweck der Ver- sammlung, über einen Lohnkampf zu beschließen. DaS Ver- halten der Direktion und ihrer Vertreter trägt jedoch dazu bei. daß die Angestellten immer mehr zu der Ansicht kommen, ein offener Kampf sei notwendig. Die dielen Maßregelungen, Entlassungen, die lediglich auf Denunziatton ohne Untersuchung, ohne Verhör der Angeschuldigten erfolgen, können sie nicht abschrecken, sich immer fester und zahlreicher einer leistungS- und kampffähigen Organisation anzuschließen und in ihrem Geiste zu, wirken. Eine Maßregelung war auch der Versammlung vorausgegangen. Der Hofverwalter in der Kleinen Frankfurterstraße hatte von drei Angestellten, die Einladungszettel zur Versammlung verteilten, einen erwischt. Morgens wurden die Zettel verbreitet, nachmittags 3 Uhr war der Betreffende schon entlassen und seines Dienstes enthoben. Solche Hetze wird ihre Wirkung nicht verfehlen. ftis der parteu Reichsliigenverbands-Material. Wir entnehmen der.Arbeiterzeitung" zu Dortmund: Im Reichstagshandbuch des Reichsverbandes war erzählt worden. daß vom Landgericht Essen der Vertrauensmann P a n z e l t vom alten Bergarbeiterverband wegen Unterschlagung von 1000 M. zu neun Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Wir stellten sofort fest, daß es einen Vertrauensmann Panzelt nie gegeben hat. Nun kam die Schwindelkorrespondenz des Reichs- lügcnverbandes und erklärte, es handele sich nicht um einen Ver- trauensmann Panzelt, sondern I a n z e l t. Wir stellten daraufhin fest, daß eS auch einen Vertrauensmann Janzelt nie gegeben hat. In ihrer Nr. 32 reproduziert nun die genannte Korrespondenz einen Bericht der„Rheinisch. Westfälischen Zeitung" vom 10. Oktober 1905, nach welchem in Bochurn ein Vertrauensmann Wilhelm Janzett aus Eickel wegen Unrerschlagung von Streikgeldern zu neun Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Er habe einen gewissen Hebbel damit betraut. Gelder auf Listen zu sammeln. Bei der Abrechnung behauptete Hebbel, vaß er 1000 M. ab- geliefert habe. Janzett dagegen erklärte, nur 500 M. empfangen zu haben. Die Strafkammer in Bochum glaubte dem Hebbel und ver- urteilte Janzett zu neun Monaten Gefängnis. In gleicher Weise schrieb auch die.Tremonia"in ihrem heißen Bemühen, dem Reichslügenverband Material zu liesern. Nun gibt es auch einen Vertrauensmann Janzett nicht. Nach. dem aber der Name Hebbel genannt wird, kann man erst finden, was die Reichslügenverbändler eigentlich meinten. DaS Bureau deS Bergarbeiterverbandes schreibt darüber: „Es ist richtig, daß ein früherer Vertrauensmann unsere« Verbandes namens Janzyk aus Eickel seinerzeit vom Landgericht w Bochum wegen angeblicher Unterschlagung von Streikgeldern ver- urteilt worden ist. Jedoch find wir, sowie alle, welche Janzyk näher kennen, heute noch felsenfest davon überzeugt, daß Janzyk unschuldig verurteilt worden ist. Janzyk hat stets bestritten und bestreitet auch heute noch, daß er von Hebbel das Geld er- halten hätte, er behauptet vielmehr, daß letzterer daS Geld unterschlagen und die Quittung gefälscht habe. Hebbel ist seit jener Zeit verduftet, möglich, daß er sich von hier weg sehnte, wo er stets vor Augen hatte, wie durch seine Schuld eine Familie ins Unglück gestürzt worden war. Wenn auch daS Gericht von der Schuld Janzyks voll überzeugt war. so ist daS noch lange kein Beweis dafür, daß Janzyk auch schuldig ist. Die Ueberzeugung des Gerichts gründete sich doch lediglich aus daS Zeugnis eben dieses Hebbel, und da« besagt genug. Dem Gericht soll kein Vorwurf ge- macht werden, daß es sich durch da« ungemein dreiste Auftreten des Hebbel hat irreführen lassen, aber für jeden Kenner der Verhältnisse steht, wie gesagt, fest, daß Janzyk schuldlos gelitten hat." fite RelchSverbZndler hatten fortgesetzt von einem BettraaenSe mann Panzelt in Essen fabuliert, kein Mensch konnte wissen, daß dainit der Fall Janzyk in Eickel bei Bochum gemeint sein könne. Wenn die Verbandsleitung überdies versichert, sie sei felsenfest davon überzeugt, daß Janzyk unschuldig verurteilt worden ist, so darf man dem wohl ohne weiteres Glauben schenken. poliseilicbes, SericbtUcbes ufw, „Eine sehr verständige Maßregel." Die„Deutsche Tageszeitung� meldet unter dieser Ueberschrift aus Gera:„Die reußische Regierungsbehörde hat durch das Landratsamt verfügen lassen, daß von Gemeinden Aufträge keinerlei Art, die aus Gemeindemitteln bestritten werden, an sozialdemokratische Unternehmungen vergeben werden dürfen. Der sozialdemokratische Gemeinderats- Vorsitzende des Vororts Pforten hatte ein Bürgermeistergesuch in der sozialdemokratischen„Tribüne" veröffentlicht. Darauf hat daS Landratsamt verfügt, daß diese Bekanntmachung nicht auS Ge- meindemitteln bezahlt werden darf." So wird der Umsturz des Staates Reuß jüngerer Linie verhütet. Redakteiirfreuden. Genosse Oskar Hoffmann von „Freien Presse" zu Elberfeld hat eine Gefängnis- strafe von einem Monat angetreten, die ihm wegen an- geblicher Polizeibeleidigung auferlegt wurde.— Genosse Sauer- b e ck von der„Schwöb. Tagwacht" zu Stuttgart ist auf acht Tage ins Gefängnis gegangen. Er soll die Krittl büßen, die er an einem Pfarrer geübt, der einer 73 jährigen Frau wegen Beleidigung des Herrn Pfarrers zu drei Wochen Ge- fängnis verhalf. Die Presse vor der Revisionsinstanz. Verworfen wurde die Revision deS Genossen Franke von der„Arbeiterzeitung" zu Dortmund gegen ein Urteil der Strafkammer Dortmund am 3. Januar. Er war wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. TZus Industrie und ftandd* Gegenwärtiger Stand der Viehpreise. So kräftig der Rückgang der Schweinepreise gegenüber dem Vorjahre ist, so stark ist der Vorsprung, den die jetzigen Preise von Rindvieh vor den damaligen haben. Für Berlin, an dessen Vieh« markt sich auch die Tendenz an anderen größeren Plätzen wider- spiegelt, betrug Ultimo Mai in Mark der Preis für 50 Krlo 1903 1904 1907 Ochsen.... 23-40 26—43 27-47 Bullen.... 26-38 27—41 24-44 Schweine... 40—47 42— 50 44—50 Vergleicht man den Preisstand für Rinder mit dem Vorjahre, s« ergibt sich für die einzelnen Städte folgende Spannung: 50 Kil» Schlachtgewicht kosteten in Mark Ende Mai: 1906 1967 Breslau.... 22—37 23—3» Chemnitz.... 27— 46 29— 49 Leipzig..... 23-48 28-52 Dortmund... 27— 45 29— 48 Frankfurt a. M.. 29— 46 31—49 Köln a. Rh.... 27-43 23-46 Der Kälberpreis ist dem fiir Rinder nicht ganz mtt gleicher Schnelligkeit gefolgt, so daß er sogar vereinzelt noch unter dem Niveau der Jahre 1903 und 1904 steht. Mit 1906 verglichen ergibt sich aber fast durchweg ein Aufschlag, vereinzelt sogar ein recht be- deutender. In Mannheim z. B. kosten jetzt 50 Kilo Lebendgewicht 57—68 M.. die 1906 zur gleichen Zeit erst 46-62 M. kosteten. Auch in Köln ist die Spannung— 7 Wl.— sehr groß. Schafe haben sich im allgemeinen gegenüber 1906 noch verteuert, seit 1903 sind sie so- gar gewaltig im Preise gestiegen. Laurahütte. DaS 3. Quartal deS laufenden Geschäftsjahre« hat trotz der ungünstigen Verhältnisse bei den russischen Werken, wiederum eine höhere Gewinnziffer gebracht. Der Bruttogewinn nach Abzug der Zentralverwaltungskosten und ObligationSzinsen be- trägt für diese Zeit 2 004 276.43 M., somit gegen den gleichen Zeit- räum des Borjahres 70 795,56 M. mehr, sodaß sich m den ersten 9 Monaten des laufenden Geschäftsjahres der Gesamtgewinn auf 5 768 745,70 M.. d. i. im Vergleich mit dem Vorjahr 245 664.93 M. höher stellt. Die Ergebnisse des Berichtsvierteljahres würden noch günstiger gewesen sein, wenn sie nicht außer durch Arbeitermangel durch den außergewöhnlich langen und harten Winter mit seinen massenhaften Schneefällen und starken Frostperioden, die die Verkehrs« und Be- triebsverhältniffe besonders beeinträchtigten, ungünstig beeinflußt worden wären._ Soziales* Zur Zeugnispflicht des Arbeitgebers. Heber die Verpflichtung des Geschäftsherrn, in bezug auf sein Verhältnis zum Angestellten vor Gericht Zeugnis abzulegen, fällte das Kammergericht eine äußerst benierkcnswerte Enrscheidung. DaS Warenhaus Jandorf hatte mit einem Einkäufer, der zur Zeit noch in einein Konkurrenzbetriebe angestellt war, ein Engagement abgeschlossen und sich durch Festsetzung einer hohen Konventional- strafe gegen Vertragsbruch gesichert. Der Einkäufer verblieb in seiner alten Stellung, wurde mithin vertragsbrüchig und suchte der vom Warenhaus I. gegen ihn angestrengten Klage auf Erfüllung der Klage durch nebensächliche Einwände zu begegnen. Der Vertreter der klagenden Firma wollte nun in diesem Prozesse unrcr Beweis stellen, daß der Beklagte nicht aus eigenem Antriebe den Vertrag gebrochen, sondern von der Konkurrenzfirma zum Vertrags- bruch unter Zusicherung eines höheren Gehaltes verleitet worden sei, und beantragte die eidliche Ver- n e h m u n g der vier Geschäftsinhaber. Diese lehnten ihre Aussagen ab, da sie nach der Zivilprozeßordnung nicht ver- pflichtet seien. Aussagen über Handlungen zu machen, deren Ausführung ihnen zur Unehre gereichen würde. Auch über die Gehaltsverhältnisse der Angestellten auszusagen, seien sie nicht verpflichtet. Der achte Zivilsenat deS Kammergerichts ent- schied, daß die Geschäftsinhaber in bezug auf die Verleitung zum Konttaktbruch mit Recht ihre Zeugenaussage ver- weigern können, da die Verführung zum Kontrakt- bruch zu den unehrenhaftesten Handlungen gehöre, die ein Kaufmann in seiner Stellung als Arbeitgeber überhaupt begehen kann. Anders liege indessen die Sache bezüglich der GehaltSfrage. Hier biete sich den Inhabern nicht die geringste gesetzliche Handhabe, ihr Zeugnis zu verweigern. Die Geschäfts- mhaber seien verpflichtet, über die Höhe des früheren und jetzigen Gehalts des Angestellten ihr Zeugnis abzulegen. Im Falle weiterer Zeugnisverweigerung kann daS Zeugnis» zwangSverfahren gegen sie eingeleitet werden. Zur Rechtlosigkeit der Dienstbote». Am 16. April berichteten wir über die rohe Dienstboten- Mißhandlung, die vor dem Schöffengericht in R e i n f e l d mit der Freisprechung der rohen Dienstherrin, einer Witwe Müller, geh. Beyer au« Klein-Schenkendorf endete. Diese hatte einer alten schwächlichen Dienstmagd, die vor Schwäche hingefallen war. die Röcke hochgehoben und hatte ihr mit einem fingerdicken, etwa einen Meter langen Wcidenstock auf das bloße Gesäß geschlagen. Dann schleifte die Dienstherrm die alte Frau ins Haus. Die Magd blieb ohne ärztliche. Hülfe in der Kammer liegen. Einige Stunden später wurde ein Arzt' zugezogen. Dieser konnte nur den bereits eingetretenen Tod konstatieren. Das Schöffengericht war zm Freisprechung gelangt, weil der Stock kein„gefährliches Werkzeug' gewesen sei. Am Sonn- avend gelangte die Sache zur Verhandlung vor der B e- rufungs-Strafkammer in Altona. Der Staatsanwalt war der Meinung, daß der von der An- geklagten benutzte Stock als ein gefährliches Werkzeug angesehen und die Angeklagte verurteilt werden müsse. Mildernde Umstände der Angeklagten zuzubilligen, dafür liege leinGrund vor. Sie sei besonders roh zu Werke gegangen und zeige durchaus keine Reue. Er beantragte drei Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte nach kurzer Beratung auf Verwerfung der Berufung. Der Stock sei, selbst nach den Schilderungen der Zeugen Busse und Saß. weder objektiv noch in seiner Anwendung als ein gefährliches Werkzeug anzusehen. Deshalb könne keine Bestrafung eintreten. Das Schöffengericht hätte aus Einstellung des Verfahrens erkennen müssen, weil einfache Körperverletzung vorliege, wofür der erforderliche Strafantrag nicht vorlag. Zum Schluß nahm der Vorsitzende noch Veranlassung, zu erklären, daß das Verhalten der Angeklagten zu mißbilligen sei. Wenn in der Tat diese rohe Prügelei einer Hülflosen alten Frau leine strafbare Handlung ist, weil der Stock trotz der vorliegenden Umstände kein gefährliches Werkzeug gewesen sei. so wäre ja wohl auch dieselbe Behandlung der Dienstherrin gegen- über straflos? Oder sollte da anders zu urteilen sein, weil dieses Prachtexemplar humaner Gesinnung noch nicht hülflos ist? Kommunale Arbeitslosenversicherung. Die„Stadtkölnische Versicherungskasse gegen Arbeitslofigleit im Winter' erstattet soeben ihren Jahresbericht, der mit dem 31. März abschließt. Die Kasse besteht seit nunmehr elf Jahren. In den ersten fünf Jahren war sie zu völliger Bedeutungslosigkeit verdammt. Erst als ninn die Satzungen einer Aenderung unterzog und dadurch die organisierte Arbeiterschaft, soweit fie dem Baugewerbe angehört, für das Unternehmen interessierte, nahm die Kasse einen Aufschwung. Bis zum Jahre ISVV hatte fie 220 bis 847 Mitglieder; dann stieg sie auf 570. 1200, 1300, 1620, 1717. Im Jahre 1V05 sank sie auf 1610 zurück und im Berichtsjahre mit 1255 auf den Stand von 1902. Trotz dieses Rückganges wurde die Kasse im Berichtsjahr ungewöhnlich stark in Anspruch genommen. Infolge der andauernd ungünstigen Witterung und des scharfen Frostes, wodurch in den Wintermonaten im Baugewerbe völlige Brachlegung der Arbeit eintrat und ein Arbeiten im Freien fast um- möglich wurde, sind zeitweise bis 85 Prozent aller Versicherten arbeitslos geworden. Die Kasse ver« folgt den Grundsatz, den arbeitslos gewordenen Versicherten Arbeit zuzuweisen, wozu fie mit der städtischen Arbeitsnachweis- anstatt in Verbindung steht. Gelingt es nicht, den Ver- sicherten geeignete Arbeit nachzuweisen, so tritt die Unter- stützung in Kraft. Die Unterstützung kann nur bezogen werden in den Monaten Dezember, Januar und Februar, und zwar werden für die ersten 20 Tage je 2 M., für die folgenden Tage je 1 M. gezahlt. Die Mitglieder haben im Jahre 34 Wochenbeittäge zu leisten: ungelernte Arbeiter 35 Pf., gelernte 45 Pf. Die Kasse nahm an Wochenbeiträgen 17 194 M. ein, zahlte aber an Tagegeld: 16 928 Tage a 2 M. und 8153 Tage a 1 M., insgesamt 40 014 M. Davon haben die Versicherten nur 43 Proz. aufgebracht. Die Kasse erhält einen städtischen Zu- schuß von jährlich 20 000 M. Ferner zahlten 239„Ehren- Mitglieder' 2665 M. Das Jahr schließt mit einem Vermögens- bestände von rund 140 000 M. ab. Die Unterstiitzungssumme stieg gegen das vorige Jahr von 24,66 M. pro Kopf auf 41,90 M. im Gcsamtdnrchschnitt. Der ausgezahlte Höchstbetrag, den 95 Versicherte erhielten, belief sich auf 68 M. Es erhielten: 67 Versicherte bis zu 10 M.. 95 Versicherte 10 bis 20 M., 86 Versicherte 20 bis 30 M., 126 bis 40 M.. 256 bis 50 M.. 164 bis 60 M. und 160 erhielten 60 bis 68 M.— Die Satzungen der Kasse sind so gestaltet, daß ein Verkrachen der Kasse nicht möglich ist. Die Stadt Köln leistet für die Unterstützungsgelder Garantte, was aber lediglich formelle Be- deutung hat. Die Verfassung der Kasse ist bis zu einem gewissen Grade patriarchalischer Art. Es ist Vorsorge getroffen, daß die Arbeiter niemals ohne die Zustimmung der bürgerlichen„Patrone' und„Ehrenmitglieder' Satzungsänderungen vornehmen können. Hud der frauenbewegung* Vom Frauenstimmrecht. An der Spitze der Forderungen des sozialdemokratischen Partei- Programms steht das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahl- recht für alle über zwanzig Jahre alten Reichsangehörigen ohne Unterschied des Geschlechts, und im grundsätzlichen Teil wird betont, die Sozialdemokratie kämpft für gleiche Rechte und Pflichten ohne Unterschied des Geschlechts und der Abstammung. Für die Sozialdemokratie ist die Gleichberechtigung der Frau eine Prinzipienfrage. Wir müssen diese Forderung erfüllen aus Gründen der G e r e ch t i g k e i t, die nicht zuläßt, daß man das reiche Maß ihrer Pflichten und Leistungen durch den Ausschluß von allen politischen Rechten lohnt. Gleiche Pflichten bedingen gleiche Rechte I Gilt dies als erste? Gebot der Gerechtigkeit, dann darf es für eine Partei, die die Gerechtigkeit zum Siege verhelfen will, keine Wahl geben, ob fie will oder nicht, sie muß für das Frauenstimm- recht eintteten. Wir müssen aber auch für das Wahlrecht der Frau eintteten, weil wir eine demottatische Partei sind. Handelten wir anders, so würden wir damit da» demottattsche Prinzip durchbrechen und wir hätten nicht das Recht, uns eine demokratische Partei zu nennen, wenn wir die Hälfte deS erwachsenen Volke? vov der RltnriAOQ an den öffentlichen Angelegenheiten ausschlössen. Zum dritten stellen wir die Forderung auS wirtschaftlichen Gründen, mit Rücksicht auf die Stellung der Frau im heutigen Wirtschaftsgetriebe. Nach der letzten Berufszählung<1895) gab es in Deutschland mehr als 7y2 Millionen erwerbstätige Frauen, davon fast b>/2 Millionen Proletarierinnen; in Oesterreich gibt es 6'/� Millionen erwerbstätige Frauen, davon S'/a Millionen Arbeiterinnen. Die wachsende Anteilnahme der Frau am wirtschaftlichen Prozeß muß die Ausdehnung dieses Wahlrechts auf die weibliche Hälfte der Bevölkerung zur Folge haben. Freilich ist hierzu er- forderlich, daß die Frau zur Einsicht ihrer Wirtschaft- lichen Bedeutung kommt; sie muß einsehen lernen, daß sie, um dieser Bedeutung im vollen Maße gerecht zu werden, der p o l i t i s ch e n M ü n d i g keits« erklärung bedarf, daß die Arbeiterin not« wendigerweise auch Bürgerin werden muß. Wie die oben mitgeteilten Zahlen beweiseu. gehört der Haupt- teil der erwerbstätigen Frauen dem Proletariat an, daraus ergibt siw. daß die Proletarierfrau das weit größere Interesse an der politischen Befreiung haben müßte, denn ihr Ziel geht weit über die Bestrebungen der bürgerlichen Frauenbewegung hinaus. Während diese sich begnügt, dem Manne im Rahmen der gegenwärtigen Ordnung gleichgestellt zu werden, soll und wird die Proletarierfrau an der Seite des Mannes zur Befreiung der Arbeiterklasse, zur Auf- Hebung der Lohuknechtschaft, zur Abschaffung des ungerechten, unsittlichen, unmenschlichen kapitalistischen Systems kämpfen helfen. Wie es heute keine großen umfassenden und gründlichen Vorwärts- bewegungen mehr gibt, außer den proletarischen Reihen, so wird auch die Bewegung zugunsten des Frauenstimmrechts sich vollziehen unter proletarischer, unter sozialdemokratischer Flagge. Im Sinne der proletarischen Interessengemeinschaft hat die vor dem Mannheimer Parteitage der deutschen Sozialdemokratie ab- gehaltene Frauenkonfcrenz es als Pflicht der Genoffinnen erklärt, sich mit aller Energie an den politischen Wahlrechts« kämpfen zu beteiligen und ihnen die Massen der Proletarierinnen als Mitstreiter zuzuführen) weiter auch mit der nämlichen Energie dafür zu wirken, daß in diesen Kämpfen die Forderung des Frauen- Wahlrechts allgemein mit dem gebührenden Nachdruck vertteten wird. Der internationale Sozialistenkongreß in Stuttgart wird sich ebenfalls mit der Frage des Frauenwahlrechts beschästigen und da- durch dem Gedanken der Gleichberechtigung aller ohne Unterschied deS Geschlechts wachsende Beobachtung ver- schaffen. Das Wahlrecht der Frau wird nicht von der Tagesordnung verschwinden, bis es gelöst ist im Sinne der sozialistischen Auf- fassung, die hinauSsttebt aus die Gleichheit alles dessen was Menschen- antlitz trägt. �vuinx! Bäckerstreik! Xundensamitietststlen. Die d erehrliche Bevölkerung von Berlin und Umgegend fordern wir hierdurch auf, falls sie aus bewilligten Bäckereien Ware haben wollen, in denjenigen Stadtvierteln oder Straftenzügen, wo Keine beutilligt habenden Bäcfcmien vorhanden find, an«ebenstehende Kund ens ammelftellen ihre Adresse gelangen zu lassen und zugleich mitzuteilen, Ivte tftcl Backware und Brot sie täglich brauchen und UM tvtlche die Ware geliefert werden soll. Die Streikleitung wird dafür sorgen, daß den sich Meldenden auf dem schleunigsten Wege die Ware ins Haus geliefert wird. Auf Wunsch der dortigen Bevölkerung haben wir vorläufig folgende Kundensammel- stellen eingerichtet: HovKnoiKss, Parochiaistraße 36. Gaedke, Moabit, Calvinstraße 6, linker Seitenflügel, eine Treppe. Petermann, Moabit, Birkenstraße 28, Ecke Stephanstraße. Walter Sieber, Buchbinder, Lippehnerstraße 24. Hermann Barentin, Tilsiterstraße 8t. Max Thiele, Hohen-SchSnhausen, Koskestraße. Emil Witte, Pankow, Florastraße 45. Gronau, Reinickendorf W., Waldstr. 65. Otto Wedermann, Steglitz, Fichtestraße 71. Winkelmann, Steglitz, Schloßstraße 104. August Ihrke, Weißensee, Straßburgstraße 27. Wo das Bedürfnis vorhanden, werden wir auf Wunsch weitere Sammelstellen einrichten. Bäckermeister, die gewillt sind, auch für weitere Touren Lieferungen zu übernehmen, bitten wir, ihre Adresse im Streikbureau niederzulegen. Falls bei der Lieferung im Anfang nicht alles nach Wunsch gehen sollte, bitten wir die verehrliche Bevölkerung um Nachficht, aber bei der Hartnäckigkeit unserer Gegner um energische Ausdauer. Die Streikleitung. Streikbureau:„Sophien-Säle", Sophienstr. I�JIS. Achiuug! Aadslchrer! Arbeitslose Radfahrer, falls sie gewMt find, uns zu unterstützen, bitten wir herzlich, im Stretklokal vorzusprechen oder ihre Adresse dort abzugeben D. O. Achtung I Bäcker-Streik! Achtung I Die Bäckergesellen Berlins und der Vororte sind durch den Varl- und 7srifdruell äer Saeksr-SntUWgSN in den Streik gelrieben worden. folgende SäeUermeister haben die berechtigten Forderungen bewilligt! Ackerftt. 45, BentHIn. , 68,(Solbäder. . 85, F. Hanke. , III, Thoma. , 114, Marquard. Adalbertstr. 36, Rauhut. , 45a,€. Janke. 68, Hoppe. SJbolfftr. 11, Tennißleit. . 12 b, Hänisch. «Ibmiralftr. 10, O. Hanke. 30, Heinroth. Allenslelnerftr. 6, Ramthun. . 9, Götzwet». 15, Eieluch. 26, SaunuS. Alerandrinenstr. 28, Hilbig. Alte Jakobftr. 138. Lud. Anbreasstr. 16, O. Hanke. Annensw. 41. Niemeyer. An ber Spanbauer Brüdelb, O.Hanke. Anklamerstt. 31. Benthin. 48. Haase. Antonstr. 48, Ocrtel. Anbreasstr. 32. Bi otsabrik.«ilhelma' ArtiHcrieftr. 3, Goldacker. Babstr. 13, Kappler. » 49,(Solbäder. Saoilmftr. 4/5, Leaeier. • 37,©Oibenftetn. vastianstr. 18, Niebjmleb«. 20, Tonn. Selforlerftr. 22, Eggert. vellealliancesw. 24, O. Hanke. Bergstr. 2, Hönicke. Bergmannftr. 10, KnofiuS. , 14a. Polen,. . 19. D. Hanke. Berlichlngenftr. 1, PolontuS. 12, Gras. Bernnuerftr. 3, Schill. , 47, Finke. Beufjelftr. 17, D. Hanke. , 7, Eckert. • 42, Languth. » 44 o, Grethlein. « 56, Bohle. » 59, Schnciber. Bicsenthalerslr. 2, Menfing. Birkensir. 32, Sauer. Blucherstr. 11, O. Hanke. »lumenftr, 13, O. Hanke. . 67, Berolina. Bochumerstr. 10, Klinke. Boxhagenerstr. 27, SicliNg. Bottcherstr. 5, Kruppe. . 25, Duckcrt. Bremetftr. 67, Vesterllag. . 60, Bayer. Snnmenstt. S, Mollwetde. Brunnenstr. 41, Sorge. , 151, F. Hanke. , 129, Goldacker. . 154, Herrmann. Brüsielerstr. 5, de Bruyn. , 8, Gonsior. 43, Janezeck. Buchstr. 1, Völker. Burgäborfftr. 15, Linder. Büschingstr. 17, Grosch. Buttmannstr. 20, Hirsch. Cabinerstr. 4, Weder. Camphausenstt. 6, Zindler. Carmen Sylvastr. 155, Schiweck. 157, Herde. , 163, Strauß. Chausseestr. 44, Goldacker. Chobowieckistr. 25, Marlock. Cyristburgerstr. 35, Tank. Christinensir. 116, Eppinge». Comeniusplatz 1, P. Hanke. Cumystr. 28, Plantz. Dalldorserslr. 38. Wulst. Danzigerstr. 3, Conrad. , 72, Vondrau. , 76, Vogler. Demmwerstt. 25, Grund. 23, Gli.se. Diegenbachstr. 27, Steinbor«. . 68, fließ. DIeffenbachstt. 58a, Bethke. 70, Bock. Dolzigerstr. 51, Weiske. , 36, Rcimann. Dragonerstr. 38/40, Schramm. DreSdenerstr. 6, Goldader. , 17, D. Hanke. . 104, Hanke. Dunderstr. 2, Czerwcnka. . 75, F. Hankt. » 78, Kunze. » 80, Deinert. » 90, F. Hanke. Edelinastr. 5, Blender. Sbettystt. 54. F. Hanke. . 33, O. Hanke. » 45, Schramm. Eisendahnstr. 8. O. Hanke. 3, Haupt. Elbwgerstr. 99, Relmann. 27, Fiedler. Emdenerstr. 21, Nicstroy. 17. Pohl. Faldensteinstr. 20, Stärz. 17. O. Hanke. Falkplatz 1, Günther. Fehmarnstr. 3, Behrend. , 9, Volksbrot. , 20, Bar». Fehrdellinerstr. 27, Höselbatth. Fennstr. 48, Laddasch. Forsterstt. 20, Genossenschast.Berlin'. . 48, Reich. Frankenstt. 2. O. Hanke. Große Franksutterstr. 38, Hanke. „',» 139, Goldader. Frank urter Allee. Ecke Samariter- ftraße, F. Hanke. Franksurter Allee 40, Richter. Franjeckistr. 27, Böttger. .» 53, Goldacker. Freienwalderstr. 21, Gerlach. �,. 38, Köpke. Friedrichstr, 247, Goldacker. �» 27, O. Hanke. FriedrichSfelderstr. 26, Hulda. Friedenstt. 57, Becker. Friedrichsbergerstr. 16, NowodzhnSk. Fruchtstr. 46. C. Polen,. Fürstenbergerftt. 9, Kanz. 15, Oßwakd. Fürstenwalderstr. 7, Heinrich. Gerichtfw. 53, Schönwiese. Gipsstr. 7, O. Hanke. Gleimstr. 9a, Jaape. , 19, Pribhl. , 43. Grothe. » 48, Abraham. Gleimstr. 60, Metsch. Goltzstr. 31, Goldader. Gollnowstr. 9, Osk. Hanke. Gormannstr. 25/26, Minuth. Glogauerslr. 2, Kotzan. » 17, Jautke. , 26, Schwarzer. . 28, Backerei- Genossen- schalt Berlin. Görlitzerstt. 68, Most. Gr.-Görschenstt. 43, O. Hanke. Gräsestt. 35, Bäckerei< Genossenschaft Berlin. Gräsestt. 4, Rehseld. 10, Schnittger. Graudenzerstr. 5, Nlckisch. Graunslr. 5, Scheuß. . 22, Dohrmann. , 32, Süßmaun. , 37, Müller. Greifenhaacnerftr. 15, Nillasch. Greisswalderstr. 12, O. Hanke. Grimmstt. 1, Wols. , 29, O. Hanke. Grünaucrstr. 12, Büß. Grüner Weg 63, Osk. Hanta. Gubenerstt. 44, Lucht. . 67. Dein». Hagenauerstr. 1, Hanke. ßauäfiurgftr. 5, Mehl. Seidenleldstr. 21, Schön. . 19, O. Hanke. Selnersdorserstr. 12, Lamla. ennigSdorserstr. 1, Hermann. , 13, Paulisa. 37, Schütze. SermZdorserstr. 8, Bebel. ochstratze, Neue, 18, Berliner Ge nossenschasts-Böckcrei. §ochstr. 31, Maue. ochmeistcrstr. 1, Hanke. » 20, Friedrich. Holzmarktsir. SS, Zlronheim. Huselandstr. 36, Oberreichcr. 40. KiMaus. Hübnerstr. 6, Bauer. Hussitenstr. IS. Potscher. » 20, Ww. Wolf. » 30, F. Hanke. , 45, Kießling. Fmmanuelkirchftr. 32, Kleiner. Lnsterburgerstr. 2, O. Hanke. » S, Syrow. . 12, Hennig. Jnvalidenstr. 157, Goldacker. JMonskiftr. 1, Bode. , 39, Hellwig. Jagowstr. 10, Eichstädt. Jahnstr. 21, Köhler. Jasmunderstr. 18, Böttcher. Kaiserstr. 46, Kalbow. Karlstr. 26, O. Hanke. Kastanien-Allee 13/14, Pape. »» 19, Goldacker. »» 46, Klcpka. »» S7, Künscher. . 83, F. Hanke. Kleine Andreas slr. 7, Hierse. Kleine Franksurlerstr. 14, Mitt-Istädt. Kleine Markusstr. 1, Wiedersich. Kochhannstr. 28, Kl'iemS. Kolbergerstr. 1, Hanke. Koloniestr. 30, Döring. » 34, Muche. . 71, Schopsch. Koppcnstr. 25, Siralmeyer. Kopenhagenerstr. 28, Vechtel. , 59, Kurth. . 65, Weitz. Kopernikusstr. 3, Teupel u. Viehöser. r 9, Wellnitz. 25, Thulke. . 33, Winnenberg. Köpenickerstr. 172, Cieslik. Köslinerstr. 1, Kästner. . 3, GriazdowZki. Korsörerstr. 2, Surel. 17, Hübner. Kottbuser Damm 20, Protzer. Neue Königstr. 60, Goldacker. Krautstr. 4/5, O. Hanke. 22. Arndt. 41. Arndt. Kremmenerslr. 15, Marlock. Krcutzigerstr. 1. Lange. Kuglerstr. 8, Schumann. Landsberger Allee 43, Krellmann. 51. Jäckel. Landwehrstr. 12. Zicgler. Langcstr. 13, Goldacker. 25, Hildebrandt. Lausitzcrstr. 9, Kaus. Lichtenbcrgerstr. 6, Winter. 21, Feist. Linienstr. 1, O. Hanke. 26, O. Hanke. Liebigstr. 8, P. Hanke. „ 31, Bauer. . 38, I. Hauke. Liebenwalderstr. 1, Voleh. 31. Jäckeb Licgiiitzerstr. 5. Albrecht. Lchpehnerstr. 8, Zibell. Litlhauerstr. 14, Schneider. Lortzingflr. 6, Nösener. „ 17, Dahms. Lothringerstr. 34/35, Mollweide. Löwcstr. 8, P. Hanle. . 18. Block. Lübcckerstr. 20, O. Hanke. . 47, Schmidt. Lübbenerstr. 10, Hacker. , 17, Gaul. . 24, Pscnnigsdors. . 29, Gicrz. Lychencrstr. 4, Schwede. „ 110, Köhler. Lynarstr. 14, Pawlick. Malplaquetslr. 6, Schulze. „ 12» Behrend. 16, Gensior. Manleuffelstr. 61, Beckmann. » 87, Iurke. » 90, O. Hanke. „ 99, Brauer. „ 103, Wicdekind. Marianncnstr. 12, O. Hanke. 32, Prock. Markgrasen str. 99, O. Hanke. Markusstr. 11, Schneeberger. 38, Tisch er. Maxstr. 17, Laas. Memelerstr. 7, Kuorcke. 77, Stachowski. Metzerftr. 2, Sachwitz. Mittcnwaldcrstr. 30, Dohna!. 44. Schröder. Mirbachstr. 14, Volksbrot. Mulackstr. 10, Schramm. Muskauerslr. 13. Lattcrmann. , 15, Dürer. „ 28, Heinzelmami. Mllllerstr. 28, Lüddicke. , 32a, Weber. „ 166a, Hanke. Mühlenstr. 32, Nahlk. „ 46a, Franke. „ 51, Schön. Münchevergerstr. 15, Lette. Naunynstr. 1, Lippert. 7. Fielitz. , 40, Barduhn. „ 64, Heilmann. . 73, stojaczyk. Nazarethkirchstr. 39, Zibell. „ 45, Schulz. Neanderstr. 23, Rauhut. 27. O. Hanke. Neue Hochstr. 31, Benthin. . 45. Jacob. Noftizftr. 9, Bockisch. , 49, Mörder. Oudenarderstr. 36, Sanier. , 44, Liebner. Ohmstr. 9, Nowosadke. Oderbergerstr. 49, Böhme. Oranienftr. 186, O. Hanke. Oppelnerstr. 20, GolembiewSki. Palisadenstr. 2, Hanke. , 20, Kynast. , 58. Barth. . 91, O. Hanke. Pankstr. 21, Kahle. , 25, Günther. Pappel-Allee 7, Riedel. , 14. Hässelbarth. , 18, Göken. , 21, Schiller. , 24, Caseler. 85, Dreßler. Perlebergerstr. 54, Berl. Ken.-Bäckerei. Petcrsburgerstr. 58, Dorchauer. Pintschstr. 4, Grützmacher. Planuser 33, Berliner Gen.-Bäckerei. , 92 s, Blume. Plantagenstr. 7, Welt. Prenzlauer Allee 24, Goldacker. „„ 42, Meyer. ,, 86, Nauber. „ 203, Hermann. Prenzlauerstr. IIa, Goldacker. 81. Hänsch. Prinzenstr. 12, O. Hanke. Prinzessinnenstr. 31, Miehe. Prinzen-Mee 53, Losf. 61. MehlS. Proskauerftr. 31, F. Hanke. Putbuserstr. 11, Jaape. , 14, Gottschalk. , 21, P. Hanke. , 24, Kunot. 46, Bloch. Ramlerstr. 24, John. , 31, Dahlenburg. „ 34, Dehmelt. 36, Hachn. Ratiborstr. 2, Bäckerei-Genossenschast Berlin. Ratiborstr. 6, Dietschmann. „ 17, Rückcr. Reichenbergerstr. 62, O. Hanke. , 88, O. Hanke. , 95a, Tschentke. „ 101, Wagner. 145/146, Klautsch. Rheinsbergerstr. 13, Scholz. 26, Lorenz. Reinickendorserftr. 36, Hanke. „ 112, Goldacker. „ 120, Berliner Gen.- Bäckerei. Rigaerstr. 4, Hanke. . 100, spörlein. Rochowstr. 7, Dähre. Romintenerstr. 41, Brämer. , 4«, Küster. 57, GorgaS. Roftockerftr. 31, Wagener. 36. Ulbrich. , 40, Tschöke. , 46, Krüger. „ 51, Hering. Ruppinerstr. 8, Vaake. „ 12, O. Hanke. Rüdersdorserstr. 20, GAdener. 52, Haupt. Rügenerstr. 16, Höhne. Samariterstr. 2, Fischer. 11. P. Hanke. „ 28, Klewe. Samoastr. 22, Stege. Schillingstr. 19, Osk. Hanke. Schivelbeinerstr. 4, Hildebrandt. „ 16, Baur. 18, Wolfs. Schliemannstr. 30, F. Hanke. 32, Japp.* Schönhauserstr., Alte 33, Goldacker. Schönhauscrstr., Alte, 39/40, G.Schwarz. Schönhauser Allee 5, Goldacker. , 70 s, Goldacker. ,, 150, Blume. . 188. O. Hanke. Schönlcinstr. 4. Müller. Schreinerstr. 57, siepack. Schulstr. 28, Schambcrger. „ 25, Hanke. 37, Schmidt. Schulzendorserstr. 23, Barth. Schwedterstr. 32, Hanke. „ 48, Löchel. „ 52, Hübner. „ 230, Kumm. 240, Schmidt. Seelowerstr. 15, Baur. Sickingenstr. 76, Winter. Siemensstr. 17, Mügge. Simeonstr. 14, Lück. Simon Dachstr. 12. Hanke. „„ 28, Radtke. Skalitzerstr. 63/64, Dehmel. „ 120, Gerlach. Sonnenburgerstr. 13, Gräsling. Soldinerstr. 32, Rosemann. , 69, Schneider. Sorauerstr. 1, König. , 8, Kretschmar. Sparrstr. 19, Gonsior. Sprenaelstr. 4/5, Wagenknecht. Stallschreiberstr. 32, Hanke. 60a, Dürer. Stargarderstr. 78, Bark u. Walter. Stendalerftr. 4/5, Corts. SteMnerstr. 26, Kleiner!. , 38, Hubert. 56, Barnekow. Stolpischestr. 4, Badtie. 32, Papkc. Stralsunderstr. 8, Belzig. Straßmannstr. 24, Zander. „ 2, Hanke. Strelitzerstr. 15, v. GrabowSki. , 31, Scheunemann. „ 64, Brauner. Stromftr. 33, Zaflrow. Swinemünderstr. 54, Paulitscheck. „ 66, Biesker. « 80, Pruß. ,, 82, Manuel. » 93, Schubert. . 106, Kunze. . 119, Anhaus«. Stralauer Allee 23, Dähre. Tegelerstr. 11, Lcnzner. 23, Dahlke. 34, Stritzke. Tieckstraße, Fürst. TUsiterstr. 26, Getzner. „ 91, P. Hanke. Torsstr. 14, Lenz. 17, Ziesmer. Torsstr. 13, schachner. Tresckowstr. 57, Moerschner. Türkenstr. 22. Tzschetzsch. Tnrinerstr. 36. Rißmann. Turmstr. 51, Goldacker. , 67, O. Hanke. Urbanstr. 1. Neubarth. 25, Herzog. , 52, O. Hanke. 104, Kruschke. Usedomstr. 4, Stollberg. Utrechterstr. 8, Kersten. Veteranenstr. 16, O. Hanke. Voltastr. 42. Eckel. Waldstr. 4. Senf. , 17, Hanke. . 25, Jglisch. , 36, Bureck. , 42, Bauer. . 46, Pohl. Waldemarstr. 76, ClauS. Warschauerstr. 8, Wols u. Heinze. , 16, Jarzembowski. 64, Lüddcmann. Wattstr. 1, Hanke. . 21, Hofsrichter. Weberstr. 25, Hanke. 36, Goldacker. Wcddingstr. 7, Brendel. Weichselstr. 34. Schulz. Weidenweg 25, Brosin. , 34, O. Hanke. 37. Ehnert. Weinbergsweg 9, Ludwig. Weinstr. 7, Karras. 27, Legier. Weißenburgerstr. 24, Jahn. 55, Noblling. Wichertstr. 5, Kierzkowski. Wiclesstr. 21. Staub. 66, Spickermann. Wienerstr. 36, Dietschmann. 49. Witsche!. 56a, Lauchwitz. Wiejenstr. 19a, Dreier. „ 31, Holland. , 64, schardiem. WilhclmShavenerstr. 13, Hess«. 23, Gödecke. Wilhelm Stolzestr. 15, Schmidt. 32. Maschke. Willdenowstr. 29, Breier. Wilsnackerstr. 15, Goldacker. Winsstr. 6, Müller. , 71, Schwabe. Wisbyerstr. 3, Schulze. Wittstockstr. 7, Giesmann. Woldenbergerstr. 7, CittlauS. Wollinerftr. 23, Dahlen. , 31, Fuhrmann. , 31, Bordasch. , 44, Schirrmacher. » 58, George. Wrangelstr. 77, Gentzmann. 91, O. Hanke. Zellestr. 11, Kurzweg. Zionskirchplatz 1, Mollweide. Zionskirchstr. 2, Regen. , 13, Bobel. , 54, Zwierschke. Zorndorferstr. 2, P. Hanke. „ 55, Richter. Zwingltstr. 15b, Ulbnch. Zldlershof. BiSmarckstr. 12. Thoma. , 14b, Schulz. , 17c, Wartenberg. , 21, Römisch. , 48, Laserich. Hackenbcrgftr. 2, Zabke. Radickestr. 37, Noack. Sedanstr. 25, Peter. Alt-Glienicke. Rudowerstr. 57, Lange. .Pro- .Pro- «Saumschulenweg. Baumschulenstr. 70, Stenzel. Ernststr. 9, Soffmüller. Kiesholzstr. 254, Leupold. Scheiblerstr. 29, Schulze. Bohnsdorf. G. Solle. W. Gebhardt. Borfigwalde. Ernststr. 6, Etzrodt. „ 25, Tafclsky. Reuschstr. 52, Neubauer. Boxhagen-Rummelsburg. Boxhagener Chaussee 5/6, März. Gabriel Maxstr. 1, Luzemann. . 2, Klinkmüller. , 12, Haspel. Grünbergerstr. 12, schulz. . 18, Löwa. Hauptstr. 82, Herrcks. Kantstr. 1, Dluczcwski. , 13, Spöttlich. . 18, Mägdesrau. Lenbachstr. 7a, Pflugrad. Neue Bahnhosftr. 9, Fritsche. 34, Schulz. Neue Prinz Albrechtstr. 3, Böhme. 30, Maschmann Türrschmidtstr. 31, Pfennig. , 40, Kallweit. Wühlischstr. 32, Jander. Britz. Chausteestr. 17, Dallh u. Hagemetster. , 47, Friese. Rungiusstr. 3, Ädamek. Alt-Boxhagen. Nr. 10, W. Krüger. Nr. 35, Peter. Charlottenburg. Cauerftr. 19, Uwrich. Cauerstr. 27, Genossenschast duktion". Christstr. 18, Genossenschaft duktion". Danckelmannstr. 12, Bartz. . 46, Lehmann. 55. Ulbrich. riedbergstr. 39, Ulbrich. irolmanslr. 14, Ulbrich. Grünstr. 27, Bachmann. Helmholtzstr. 19, Ulbrich. Kaiser Friedrichstr. 43, Ulbrich. Kanalstr. 7, Leistner. 15, Heine. Kantstr. 103, Ulbrich. Knobelsdorferstr. 43, Ulbrich. Leibnizstr. 65, Ulbrich. Nehringstr. 21, Ratzkh. Pestalozziftr. 42, Leistner. Potsdamerstr. 11, Bachmann. Schlüterstr. 17, Krense. , 12, Konsumverein. 42. Ulbrich. Sophie Charlottenstr. 80, Proell. 87. Ulbrich. Spandauerstr. 30, Ulbrich. Spreestr. 11, Polka. Tauroggenerstr. 10, Genossenschast .Produllion". Tauroggenerstr. 45, Ulbrich. Wallstr. 85. Ulbrich. Weimarerstr. 29, Konsumverein. Wilmersdorserstr. 27. Konsumverein. , 41, Ulbrich. 163, Ulbrich. Friedrichsberg. Blumenthalftr. 38, Peschke. Rummelsburgerstr. 22, Opitz. 38, Werner. Friedrichsfelde. Berlinerstr. 66, Seiler. , 102, Wölscrt. Franz. Buchholz. Pankowerstr. 28, Ulrich. Mühlenstr. 1, Preuß. Groft-Ziethen. A. Werner. Hennigsdorf Karl Wolter. Friedrich Wolter. Wilhelm Wolter. Hermann Wolter. Albert Lücke. Wilhelm Seller. Behrend. Graffcnberger. Mahnkops. Marwitz. Kemnitz. Finke. Hermsdorf. Berlinerstr. 16a, Schaudin. Hauptstr. 34, Herrmann. Neplunstr. 36, Manie. Seebadstr. 1, Ladewig. Heiligensee. W. Kühne. Hohen-Schönhause«. Maihoser. Köpenick. Borgmannstr. 6, Bergmann. Glicnickcrstr. 2, Peter. Grünauerftr. 27, Krämer. Kaiser Wilhelmstr. 104, Peter. Müggelheimerstr. 41, Peter. rRosenstr. 2, Peter. Rudowerstr. 25, Hein. Schönerlinderstr. 12, Kudell. Karlshorst. Dorotheenstr. 27, Eichhorn. Lichtenberg. Dorsstr. 82, Mägdesrau. Frankfurter Allee 3, Bantsch. Jrenstr. 17, Neucndorf. Jungstr. 14, Schräder. Margaretbenstr. 8a, Schacher. Odcrstr. 25, Golsch. Psarrstr. 36, Heßler. Scharnweberstr. 34, Kopie. Weichselstr. 32, Bantsch. Wilhelmstr. 57, Jesse. , 69, Griebe. Mariendorf. Chaussecstr. IIa, Nowack. , 12, Wcndt. , 15, Papier. , 67, Spielhagen. Nieder- Schönhausen. Beuthstr. 11, Krügerke. Blankenburgerstr. 18, Höhne. Buchholzerstr. 8, C. Richter. Waldstr. 21, Lux. Ober-Schöneweide» Edisonstr. 9, Peter. Frischenstr. 2, Peter. Rathenaustr. 31. Peter. Tabhertstr. 2, Peter. , 35, Seidelmann. Pankow. Brehmestr. 52, F. Hanke. Binzstr., F. Heyden. Mühlenstr. 32, Müller. Wollankstr. 68, F. Hanke. Plötzensee. Charlottenstr. 12, Thiele. Reinickendorf. Berlinerstr. 104, Naß. 134, Gottschalk. Grüner Weg 51/52, Max Modrow.s Markstr. 12/13, Vollmer. Provinzstr. 51, Langer. , 80, Schwarz. 129, Schneider. Refidenzstr. 61, Witte. 105, Gleich. , 118, Brase. Wilkestr. 62, Neue Berliner Genossen« schasts-Bäckerei. Rixdorf. Allerstr. 3. Persel«. . 46. Kedoli. Bergstr. 12, Hanke. 84, schensch. Berlinerstr. 16/17, Schibgil. , 20, Voigtländer. 86, O. Hanke. Bodestr. 16, Beyer. .. 31. Topf. Elbestr. 1/2, O. Hanke. , 6, Kirstädter. 15/16, Lunkwitz. Emserstr. 78, König. Erlangerstr. 8, Weißleder. Falkslr. 1. Bäckerei-Genossenschast .Berlin". Falkslr. 21, Susat. . 25/26, Perseke. Friedelstr. 3, Marmul. Glasowstr. 32, Kunz. f eidelbergerslr 76, O. Hanke. erdastraße. Hilmer._ Hermannslr. 19, Bäckerei-Genossen- schast.Rixdors". Hermannslr. 28, Mertens. , 54, Hildebrand. , 118, Bartsch. , 159a, Hagen. , 170, Tbalcr. , 175, Koczanecki. 231, Karl. Herrsurthstr. 26, Brüx. , 34, O. Hanke. 7, Bäckeret- Genossenschaft„Rixdors". Heriiurthplatz 10, Schnur. Hobrcchtftr. 71, Zrocke. Hohcnzolleruplatz 6, O. Hanke. Jnnstr. 30, Krause. Jsnrstr. 7, Zech. Jägerstr. 63, Jonscher. Jansastr. 7, Brien. Neue Jonasstr. 33, PulS. Karlsgartenslr. 19, Vonnoch. Kaiser Friedrichstr. 25, Bartsch. 34, Schmidt. 245, O. Hanke. Knesebeckstr. 33, Gallert. 38. Wölk. , 41, Belzig. , 68, Richter. 146, Dybowski. Kopfstr. 38, Bäckerei-Genossenschast „Rixdors". Kopfstr. 45. Hoppe. Kottbuser Dämm 103, O. Hank«. Köllnisches User 72, Müller. Lessingstf. 34, Perseke. Mahlowerftr. 6, Bartsch. Mainzerstr. 15/16, Grunert. 56, Döbler. Münchenerstr. 18, Wöller. , 25/2S,Bäckcrei-Genosfcn- schast„Rixdors". 44. Weigelt. Nansenstr. 33, Sekul. Nienietzstr. 10, Wach. Nogatstr. 32, Grzebat. 'Pannierstr. 4, Riemer. , 13, Frischkcmuth. , 20, Junker. , 27, Maschler. 57, O. Hanke. Pflügerftr. 70/71, Linsen«. Prinz Handjerystr. 58, Bartsch. . 70. Schmidt. Reuterstr. 33, Splettstößer. 76, Bobel. 94, Lehmann. Richardstr. 63, Lüdicke. Selchowerftr. 9, Bäckerei-G enossett« schast„Rixdors". Selchowerftr. 23/24, Grünhage». Siegsriedftr. 48, Pinkel. Steinmetzstr. 34, O. Hanke. , 39, Senstlebe». , 46, Perseke. , 121, Löwigt. , 129, Bäckerei-Genossen» schast„Berlin". , 131, Lorenz. Thomasstr. 37, Nehrig. Thüringerstr. 7, Bartsch. 18, Klein. Warthestr. 9, Ciesior. 15, Janentzki. Weichselstr. 13, Hageman». , 31, Schwarz. , 55, Frischgemuth. 60, Gassenhberu. Weisestr. 2, Bäckerei- Genossenschaft „Rixdors". Weisestr. 24, Bäckerei-Genossenschast „Berlin". Weisestr. 28, Winde. 73/74, Wols. Weserstr. 47, BieS. . 168, Vielitz. Wielandstr. 27, Reich. Wißmannstr. 7, Troffer. , 29, Krüger. Zietenstr. 20, Bäckerei-Genossenschast „Rixdors". Zietenstr. 41, Beyer. Rudow. Köpenickerstr. 84, Weigt. Schöneberg. Barbaroffastr. 67, Wetzel. Belzigerstr. 61, Kernchen. Ebersstr. 42, Zeitz. Eisenacherftr. 63, Machler. Erdmannstr. 5, Kulinski. Gustav Müllerstr. 35, Schmidt. 48. Beck. Nollcndorsstr. 40, Hanke. sedanstr. 18, Struck. Tchönerlinde« Dorfstr. 59a, E. Weeze. Selchow. E. Schulze. Spanda». Achenbachftr. 6, Bühl. Stolpe» Gutscho». Tegel. Brunostr. 41, Rolhert. Egellsstr. 99, Mayer. Schlieperstr. 59, Schwanz. 67, König. Schloßstr. 27, Petcrsohn. Schulstr. 1, Einnitz. Treptow« Beermannsir. 6, Fieck. Elsenstr. 38. GeSle. Kiesholzstr. 33/34, Weiser. Stralau. Mt-Stralau 49, Härtung. Weiftensee. Berlinerstr. 87, Havenburg. Charlottenburgerstr. 76. Hoffman». „ 73, R. Wick. , 79, Schadwinkel , 98, Emil Engel Falkenbergerstr. 146, Frosch. Feldmannstr. 164, Krien. Friedrichstr. 1, Roth. Friesickcstr. 23, Thiele. Generalstr. 12, Müller. Gäblerstr. 60, Wilh. Engel. Heinersdorserweg 24, Robert Engel » 45, Hosfmann. „ 48, Liskowski. 56, Bah. König-Ehaussee 72, Hossmann. Langhans str. 75, Nauber. Lehderstr. 1, Hossmann. 119, Klink. Lothringcnstr. 35, Hosfmann. Pistoriusstr. 8, Nassau. Prenzlauer Chaussee 3/4, Kohler. Rölckestr. 127, Hofsmann. Wilhelmstr. 23, Drews. „ 39, Schwarz, Wattersdorf. H. Sparr. Wilhclinöruh. Edelweißstr. 11, Lube. Wilmersdorf. Brandenburgischestr. 9/10, Tannert. Sigmaringenstr. 8, Frost. Witteuau. Triststr. 74. O. Richter. Zehlendorf. Berlinerstr. 6a, Haesner. AlS Die Milchgeschäfte von Habicht, KönigSbergerstr. 12, Günther» Waldstr. 57 und Röhr, Turmstr. 72, haben Plalate, beziehen aber aus unbewilligten• Bäckereien. unser Kontrolleur das Plakat abholen wollte, wurde er hinausgeworfen. Der Brotfabrikant Heinrich Wittler, Müllerstr. 33/34, hat die Unterschrift der Bewilligung, die sein Bruder gegeben hatte, zurückgezogen, dann hat er ebenfalls versucht� einzelne ältere Kollegen als Streikbrecher zu kaufen, um alle übrigen, teils lange Jahre bei ihm tätige Familienväter, aufs Strastenpflaster zu werfen, was natürlich ebenfalls mißlang. Die hierauf angebahnten friedlichen Verhandlungen, an denen außer den Arbeitern noch Werner vom Transportarbeiter-Vcrband und Hetzschold vom Bäckcr-Verband teilnahmen, scheiterten, weil der reichgewordene Wittler kurz«nd schroff den Arbeitern mit folgenden Worten die Türe wies:„Wems nicht Paßt, der geht und mit den Verbänden überhaupt will ich in Zukunft nichts mehr zu tun haben k Wittler ist mit Obermeister Schmidt und Liebing-Reinickendorf in der Leitung der Großbetricbsvereinigung, daher die Scharsmacherstellung.— Die Verbandsmitglieder haben darauf einmütig die Arbeit niedergelegt. Die Blottnersche Großbäckerei hat ihre Bewilligung in der hinterhältigsten Weise durchbrochen, sogar die Arbeiter noch verhöhnt. Die Verbandsmitglieder, denen die Firma sogar einen Judaslohn von SO Mark für Streikbruch anzubieten wagte, haben hierauf einmütig die Arbeit niedergelegt, worauf Herr Blottner versuchte, Arbeitswillige durch die Innungen und seinen Frennd, den bekannten Kommissionär Knuth, Krautstr. SS, der den Gesellen S— IV Mark und mehr für jede elende Arbeit abuimmt, einzustellen. Mitbürger! Arbeiter! Hansfranen! Unterstützt die um Lrbsmptung ibrer ZKensebenreebte streikenden Bäckergesellen. Die Streikleitung. __________ Zentral-Streikbureau: Sophien-Säle, Sophienstr. 17/18.— Telephonruf: Amt III Nr. 1243. "Sercmtvorilicher�iedakteur� Kaust Weber, Berlin. LülT d» Inseratenteil verentw.: Ttz. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt« Guchdruckerei u. VcrlagsaniialÜVatil Singer& To., Berlin SW„ Nt. 129. 24. Iahrgaug. 2. Ifilnjt Ks, Amiirls" ßnliit« öalliolilall. Douuerstag, 6. Juni 1907. Verleumdung durch einen Bäckermeifter vor Gericht. Gegen die Leiter des Bäckerverbandes wird anS dem Jmnmgs- lager nicht erst in dem gegenwärtigen Lohnkampf, sondern schon seit Jahren eineFlutvon Verdächtigungen und unwahren Behauptungen aller Art ausgegossen. Man darf sich deshalb nicht wundern, wenn der Ton, den die Jnnungsgrögen gegen die Leiter der Gesellenorganisation anschlagen, in den Reihen der betörten Meister fortklingt und sich vergröbert. So werden schließlich aus Mutmaßungen und vagen Verdächtigungen handgreifliche Lügen und Verleumdungen, die von Mund zu Mund getragen werden und ihre Wirkung nicht verfehlen. Selten nur gelingt es, den Urheber solcher Verdächtigungen und Verleumdungen zu ermitteln und noch seltener ist es möglich, ihn zu fasien um ihn zum Widerruf zu zwingen. Heute können wir einen Fall mitteilen, wo es gelang, einen Bäckermeister vor Gericht zu stellen, der sich einer schändlichen Verleumdung des Verbandsleiters Hetzschold schuldig gemacht hat. Bäckermeister I. Schmidt, Mehnerstratze 2t, ist es, welcher vor einigen Monaten im Fahrowschen Restaurationslokal sagte: Obwohl Hetzschold von den Bäckergesellen ein hohes Ge- halt beziehe, lasse er sich auch von den Bäckermeistern bestechen, er, Schmidt, sei selber zugegen gewesen, als Hetzschold von einem Bäckermeifter Geld gefordert habe.— Hetzschold, dem diese Aeußerung mitgeteilt wurde, verklagte den Bäckermeister. Dieser bestritt in der gestrigen Verhandlung, daß er sich so geäußert habe. Er sei bei jener Verhandlung betrunken gewesen. Wenn er die betreffende Aeußerung getan haben sollte, so könne er sie nicht aufrecht erhalten.— Nachdem ein Zeuge bekundet hatte, daß sich Bäckermeister Schmidt in der Tat so geäußert hatte, bat er um Entschuldigung und verpflichtete sich, seine Behauptung im.Vorwärts" zu widerrufen und die Kosten des Verfahrens zu tragen.— Hetzschold, dem eS nicht um die Bestrafung des Beleidigers, fondern nur um die Feststellung zu tun war. daß die betreffende Behauptung unwahr ist, nahm darauf die Klage zurück. Partei-?Zngelegenkeiten. Achtung i A m Sonntag, d e n 9. Jnni, früh 8 U h r, findet in Groß-Berlin eine neue Flngblattverbreitung zugunsten der streikenden Bäckereiarbeiter statt. Wir bitten die Genossen, wiederum prompt und frühzeitig cm den bekannten Stellen anzutreten, damit die Verbreitung in gewohnter Weise rasch vor sich geht. Der Zentraldorstand. An die Parteigenosien Berlins«nd der Provinz Brandenburg! Die neue Lokalliste erscheint Ende Juni. Wir ersuchen daher, alle Aenderungen bezw. Neuaufnahmen bis spätestens Sonntag, de» 16. Juni er., an die nachverzeichneten Kom mifstonsmitglieder gelangen zu lasten: Für den I. Wahlkreis an den Genossen Jakob Ege, Neue Roß> stratze 12. Für den II. Wahlkreis an den Genosten Heinrich Schröder, Hagels> bergerstratze 27. Für den III. Wahlkreis an den Genosten Karl König, Jahw ftraße 24. Für den IV. Wahlkreis an den Genosten Karl Rott, Straß- mannstraße 2g. Für den V. Wahlkreis an den Genosten Albert Hahnisch, Augusistr. 61. Für den VI. Wahlkreis an den Genosten Richard Henschel, Wollinerstraße 61. Für Nieder-Barnim an den Genosten Robert Rieck, Rummels bürg, Kantstr. 22. Für Teltow-BeeSkow an den Genosten Karl Rohr, Rixdorf, Etlchotverstr. 22. Für Potsdam- Osthavelland an den Genosten Karl Linz. Spandau, Mittelstr. 13. Für alle übrigen Orte der Provinz find Mitteilungen zur Lokal liste durch die Borfitzenden der Kreise an den unterzeichneten Obmann der Kommission zu richten. Um das rechtzeitige Erscheinen der Lokalliste zu ermöglichen, ersuchen wir die Parteigenosten dringend, alle Mit- tcilungen in Lokalangelegenheiten für G r o ß- B e r l i n dem zu- ständigen Kommissionsmitgliede, für die übrigen Orte der Provinz dem betreffenden Vorsitzenden des Kreises unverzüglich zu übermitteln. Ferner weisen wir wiederholt auf den in den Lokalkonferenzen der Landkreise so oft gefaßten Beschluß hin, wonach die örtlichen Kommissions Mitglieder un- bedingt verpflichtet sind, vor dem Erscheinen jeder neuen Liste rechtzeittg an den Obmann ihres Kreises einen Bericht einzusenden, gleichgülttg, ob Veränderungen vor- gekommen sind oder nicht. Orte, aus denen kein Bericht kommt, werden in der Liste nicht weiter aufgeführt und haben fich die betteffenden Genossen die etwa hieraus entstehenden unangenehmen Folgen selbst zuzuschreiben. Alle nach dem 16. Juni einlaufende» Meldungen können nicht mehr berücksichtigt werden und ersuchen wir, dies zu beachten. Des weiteren ersuchen wir wiederholt, alle Mitteilungen in Lokalangelegenheiten nur durch die oben genannten Kommissions- Mitglieder an den Obmann der Kommission zu richten und nicht direkt an den„Vorwärts". Es entstehen hierdurch nur unnötige Verzögerungen, und da die meisten Einsendungen immer erst in letzter Stunde einlaufen, ist, wenn es sich um eine Sperrnotiz handelt(Vergnügen m einem gesperrten Lokal), eine Publikation nicht mehr möglich. Der Obmann der Lokalkommission: Richard Henschel, Berlin II. 28. Wollinerstraße 61 II. WaidmannSlnst und Umgegend. Die Mitgliederversammlung deS SSZahlverems findet am Sonnabend, den 3. Juni, abends 8>/, Uhr, im.Schweizerhäuschen", Waidmannslust, Diauastraße, statt. 1. Vor- trag des Genossen Adolf Stern über:„Der Sieg des Menschen über die Natur". 2. Diskussion. 3. Wahl einer Agitationskommission. 4. Vereinsangelegenheiten, ö. Verschiedenes. Da sehr wichttge An- gelegenheiten zu beraten sind, ist das Erscheinen eines jeden Mit- gliedes notwendig._ Berliner JVadmcbtens Die Riesengagen der Theaterstatisten. In einem Berliner Theater haben vor einiger Zeit die Statisten der Direktton die Freundschaft gekündigt, weil beide Teile über die Höhe des„Spielhonorars", das bisher die Riesensumme von dreiviertel Mark pro Abend betrug, in Differenzen gerieten. Die Statisten erkühnten sich, eine bare Viertelmark mehr haben zu wollen und waren außerdem Willens, die übliche Abgabe von einem Sechser pro Mann für ihren Führer, den sogenannten Statistengencral, der Direktion aufzuhalsen. Als sie sich konsequent weigerten, unter anderen Be- dingungen„aufzutreten", requirierte der schneidige Herr Direktor militärische Hülfe, das heißt, er erbat und erhielt aus der nächsten Kaserne acht Mann, die für die Streikenden ein- sprangen und selbstverständlich zu dem alten Honorarsatz mimten, als stets geldhungerige Vaterlandsverteidiger sogar mit dem größten Vergnügen. Am nächsten Tage wurde dann der seltsame Streik, da mit den ungeübten Soldaten auf die Dauer doch nicht auszukommen war, auf gütlichem Wege beigelegt. Der Vorgang, der übrigens ausnahmsweise nicht an der Bühne des geldliebenden Herrn Ferdinand Bonn aus der Char- lottenstraße passierte, ist vom sozialen Standpunkte bemerkens- wert. Trotz der gegenwärtig für das reichshauptstädtische Theaterleben nicht gerade übermäßig günstigen Zeit- läge hat auch die unscheinbarste Bühne nicht nötig, in solcher kleinlichen Weise die Angestellten zu treten. Nehmen wir an, daß jene mittlere Bühne durch- schnittlich zwanzig Statisten ständig bcschäfttgt, so beträgt die Lohndifferenz pro Abend fünf Mark für die Gesamtheit der Statisten. Ein solcher Betrag ist kaum mal für die Provinz- schmiere von erheblicher Bedeutung. Aber hier und anderswo auf der Bühne wird das gesamte untere Personal von der letzten Rcinigungsfrau an unerhört geschröpft, bannt die Gagen für„Sterne" oft sehr zweifelhafter Ordnung heraus- geschlagen werden können. Und nun greift man sich zur Lohn- drückerei gar die so schon am schlechtesten bezahlten Nothelfer auf den Brettern, die die Welt bedeuten sollen— die Statisten. Hat man denn kein Einsehen dafür, daß in den letzten Jahrzehnten auch die Extrawelt des Stattstenlcbens sich ganz bedeutend geändert hat? Früher wurden Statisten- rollen übernommen„aus Liebe zur Kunst". Das soll nun zwar ganz gelegentlich noch heute vorkommen. Aber für die meisten Statisten, wenigstens in der Reichshauptstadt, ist die Stattsterei doch eine Erwerbssache. Sie brauchen die paar Groschen zum Leben, tatsächlich für Brot. Es sind sogar nicht ganz leicht verdiente Groschen, wenn man die alte Weis- heit bedenkt, daß Zeit Geld ist. Denn der Stattst muß stundenlang im Theater anwesend sein; er soll auch noch vormittags für die Proben zur Verfügung stehen. Wie sehr es sich auch hier heutzutage um eine Erwerbsquelle handelt, geht schon daraus hervor, daß manche Stattsten an demselben Abend auf zwei nicht weit von einander entfernten Bühnen tätig sind. Endlich bedeuten die Stattsten in neuerer Zeit angesichts der modernen Bühnenausstattungen eine gewisse Macht, mit der der vernünftige Regisseur rechnen muß. Mit der Lohndrückerei dieser armen Schlucker um ein paar Pfennige pro Abend kann jene Bühne also wahrhaftig keine Ehre einlegen. Aber auch an anderen Bühnen gärt's unter den Statisten. Sie haben sich darauf besonnen, daß man ihnen für das Zeitopfer mehrerer Stunden eigentlich nur ein Almosen hinwirft. Jede Arbeit ist ihres Lohnes wert. Möge man auch das Stattstenpersonal so anständig bezahlen, daß es fortan nicht nöttg hat, seinen Pfennigverdienst an die Oeffentlichkeit zu zerren. Für den Bau der Unterpflasterbahn wird auf dem Gen- darmenmarkte gegenwärtig die Baustelle hergerichtet; die Montage der elektrischen Statten zum Betriebe der Aroeitsmaschinen hat gestern begonnen, ebenso die Vorbereitung der Brücke an der Kreuzung der Charlotten- und Mohrenstraße. Zwischen Wilhelm und Zietenplatz ist die Fahrbrücke bereits hergestellt und die Aus schachiung in vollem Gange. Die Niederwall st ratze kann noch immer nicht in Angriff genommen werden, weil die Verlegung der Kanäle usw. in den Nebenstraßen noch nicht beendet ist; erst wenn dies geschehen, können die Leitungen zwischen Spittelmarkt und Hausvogtciplatz außer Bettieb gesetzt und herausgenommen werden.� Im Unterpflaster- Bahnhof„Spittelmarkt" wird gegenwärttg das Eisengeslell der Decke montiert. Der Entwästerungs- kanal der Reichsdruckerei, welcher den Tunnel in der Gegend des Spindlerbrunnens kreuzte, ist, nachdem die Dückerung fertiggestellt. jetzt abgebrochen worden. Die Ausschachtungsarbeiten jenseits der Grünstratze gegen flott von statten. Die„Jugendlichen" in Plötzcnse«. Der� Anstaltsgeistliche Peters- Plötzensce hatte im„Lehr- kursus für Gefängniswesen" darüber Klage geführt, daß die Zahl der jugendlichen Gefangenen, die Freiheitsstrafen unter sechs Wochen zu verbüßen haben, in Plötzensee eine verhältnismäßig große sei. Wie der Dezernent für das Gefängniswesen, Geh. Ober-Justizrat P I a s ch k e, in der letzten Sitzung mitteilte, hat sich diese Angabe nach dem vom Direktor Sauer erstatteten Bericht voll bestätigt. Es sind daher sofort Erhebungen darüber angeordnet worden, ob in den beregten Fällen etwa verabsäumt worden ist, vor der Vollstreckung in eine Prüfung der Zulässigkeit des bedingten Straf- aufschubes einzutreten. In anderen Gefängnissen ist, wie Geheimrat Plaschke in seinem Vortrage statistisch nachwies, die Zahl der jugendlichen Gefangenen stetig gesunken, zum Teil in- folge der Anwendung des Erlasses vom Oktober 1895, auf Grund dessen im letzten Jahre allein 8675 Jugendliche der be- dingten Begnadigung teilhaftig wurden. Vielfach sind die für die Jugendlichen in den Gefängnissen eingerichteten Stationen auf- fallend schwach belegt. So große Vorzüge die Gemeinschaftshast auch haben möge, für die Jugendlichen sei die Einzelhaft stets vorzuziehen und in Großstädten, wie Berlin, geradezu geboten. Die Isolierung allein bewahre den jungen Verbrecher vor noch größerer Verderbnis und gewährleiste die Rückkehr zu einem ordent- lichen Lebenswandel. Bezüglich der leiblichen und g e i st i g e n Fürsorge für die jugendlichen Gefangenen gab Herr Pl. den Hörern folgende Ratschläge: so sollen sie uichl stumpfsinnig in den engen Höfen spazieren geführt, sondern an- gehalten werden zu anregenden Bewegungsspielen, Turn- Übungen usw., Seelsorge und Unterricht sollen mit dem nötigen Takt und Verständnis ausgeübt, das Uebermaß an Religion vermieden werden. Die Beschäftigung soll er- zieherisch wirken und dem Gefangenen das Fortkommen im prakti- schen Leben sichern, alle mechanische Arbeit sei zu verwerfen. Auf allen diesen Gebieten habe der Justizminister den Ge- fängnisvor st ehern eine große Selbständigkeit eingeräumt unter Hintansetzung aller finan- zielen Rücksichten. Mit Eifer und Wärme sollten sich die Vorsteher bei Entlassung des Jugendlichen um dessen Zukunft kümmern, gleichviel, ob er in die Freiheit zurückkehre oder einer Fürsorgeanstalt überwiesen werde. Aus der ElcndSstatistik. Im Berliner Asylverein für Obdachlose nächtigten im Monat Mai im Männerasyl 29 523 Personen, wovon 8116 badeten; im Frauenashl 2393 Personen, wovon 1935 badeten. Die„postalische Menschenfalle" im Hause Danzigerfir. 8/4, welche, wie wir schon berichteten, infolge unseres Einspruches nun- mehr beseitigt wird, ist nicht die einzige ihrer Art in Berlin. Auch in anderen Mietshäusern, die ein Postamt enthalten, bestehen ganz ähnliche Zustände. Durch den für die postalischen Zwecke not- wendigen Umbau der Parterreräumlichkeiten wurde in der Regel der bisherige Eingang für den Fußgängerverkehr eingezogen be- ziehupgsweije ledsgU�s pir die henufost fc düß M jeder apdexe Verkehr von und nach dem betreffenden Hause über die von postalischem und anderem Fuhrwerk mehr oder weniger stark be- nutzte Einfahrt bewegen mutz. So sieht es beispielsweise auch auf dem Postamt 37 in der Schwedterstraße aus. Dabei sind die- jenigen Personen, welche in den gewöhnlich im ersten Stockwerk belegenen Briefträgerzimmern zu tun haben, gezwungen, durch die Einfahrt zu gehen. Es mag sein, daß die örtlichen Verhältnisse nicht immer das Weiterbestehen eines besonderen Privatcinganges für Hausbewohner gestatton. Dann sollte man aber Vorkehrungen treffen, daß wenigstens die sämtlichen postalischen Räume, soweit sie dem Publikum zur Verfügung stehen, durch den postalischen Haupteingang hindurch erreicht werden können. Bon einem herabstürzenden Eisenträger niedergeschmettert. DaS Opfer eines verhängnisvollen Unglücksfalles ist Dienstag der 2t Jahre alte Schlosser Karl Dittmann, der in einer Eisenfabrik am Tempelhofer Weg 46 angestellt war, geworden. Dittmann hatte in der Nähe eines Kranes zu tun, durch den große eiserne Träger be- fördert wurden. In dem Augenblick, als er unter dem Kran hin» wegschritt, löste sich plötzlich die Kette und der Träger stürzte nieder. Er traf den jungen Mann und schlug ihn zu Boden. Dem Aermsten wurde der Schädel vollständig gebrochen. In hoffnungslosem Zu- stände wurde Dittmann in das Schöneberger Krankenhaus ein- geliefert. Zu dem Ehedrama in der Linicnstraße 8. wo, wie wir be- richteten, der Pferdehändler Becker seine Frau tötete und sich dann selbst zu erschießen versuchte, erfahren wir, daß nach dein Ergebnis der weiteren Ermittelungen es den Anschein gewinnt, als ob B. das Opfer von Wucherern geworden sei. Noch kurz vor Verübung der Tat hat er mehrere Briefe geschrieben und in einem derselben heißt es, daß er Wucherern in die Hände geraten sei. Die Zahl der Wechsel, die er unterschrieben, werde immer größer und er wisse keinen Ausweg mehr. Wie B. schreibt, hat er sich schon seit Jahren in der Gewalt der Geldlcute befunden und schließlich sind ihm die Wechselgeschäfte sozusagen über den Kopf gewachsen. Die anfängliche Annahme, daß B. seine Frau ohne deren Einwilligung im Schlafe getötet hat, findet bei der Behörde keinen Glauben mehr. In der Uniform eines Gasanstaltsbeamten treibt gegenwärtig im Süden der Stadt ein Dieb sein Unwesen, indem er am hellen Tage die Messingteile der Gasglühlampen auf den Treppen und Fluren der Häuser abschraubt und mitnimmt So hat der„Be- amte", ein Mann von etwa 27 Jahren, mit dunklem Haar und Schnurrbart, etwa 1,75 Meter groß, der einen dunklen Anzug und die Mütze eines Gasanstaltsbcamtcn trug, gestern in dem Hause Kottbuser Damm 191 im Vorderhause die Gashähne abgeschraubt, ohne von den Hausbewohnern, die ihn für einen Angestellten der Gasanstalt hielten, irgendwie angehalten zu werden. Ein schwerer Strasienbahnunfall trug sich Dienstag abend gegen?L8 Uhr in der Friedenstraße zu. Um diese Zeit wollte der in der Höchstestratze 18 wohnhafte Maurerpolier Tricbler, aus dem Friedrichshain kommend, an der Büschingstratze den Fahr» dämm der Friedenstratze überschreiten. Er beachtete dabei aber nicht, daß gerade ein Straßenbahnwagen der Linie 4 herannahte und wurde infolgedessen von dem Wagen umgestoßen. T. stürzte so unglücklich zu Boden, daß er einen Bruch der Kinnlade und eine klaffende Wunde an der Stirn davontrug. Der Schwerverletzte wurde nach dem Krankenhause Friedrichshain übergeführt. Der Todessprung einer Greisin rief am Kottbuser Ufer große? Auffehen hervor. Die 74jährige Ehefrau des Arbeiters Lück aus der Pflügerstraße wurde in letzter Zeit von einem Darmleiden arg ge- plagt und sie zog es schließlich vor, fteiwillig au« dem Leben zu scheiden. Sie begab sich gestern nach dem Kottbuser Ufer und sprang von der Thielenbrücke in den Schiffahrtskanal hinab. Ob- wohl sofort Rettungsversuche unternommen wurden, ertrank die Greisin. Ein Todcssturz aus der Kaserne ist in Spandau vor- gekommen. Der Gemeine Feng von der 5. Kompagnie des Garde- Grenadierregiments Nr. 6 hatte sich, als er abends nach seiner Sttibe gekommen war, noch zum Fenster hinausgelegt, während die Kameraden sich zur Ruhe begeben hatten. Plötzlich hallte ein durchdringender Schrei über den Kasernenhof hinweg; man fand den Soldaten mit zerschmetterten Gliedmatzen auf dem gepflasterten Hofe vor. Der Schwerverletzte starb auf dem Transport zum Garnisonlazarett. Was mag die Ursache zu diesem Schritte sein? Unter einem Haufen zusammengefegten Laubes wurde gestern im Tiergarten ein etwa vierzehn Tage altes Kind weiblichen Geschlechts gefunden. Das kleine Wesen hatte eine mit einer Schlinge ver« lehene Schnur um den Hals und war kurz vor dem Aufsinden hin« gelegt worden. Von dem ganzen Vorgang hatte, trotzdem in der erwähnten Gegend ein starker Fußgängerverkehr herrschte, niemand etwas gemerkt. Ein Parkwärter vernahm später das Wimmern des Kindes und entdeckte die Kleine unter den: Laube. Er löste sofort die Schnur und auf Veranlassung eines Schutzmannes wurde der Säugling nach dem Elisabeth-Krankenhause gebracht. Mit dem Schlächterbeil die linke Hand abgehaueu hat sich gestern vormittag 8 Uhr der Schlächtergeselle Wilh. Dickert, Siemensstr. 2, bei dem Schlächtermeister Jumtow. Die Tat des Unglücklichen ist wohl auf plötzliche Geistesgestörtheit zurückzuführen. Gestern morgen war er im Laden beim Fleischverkauf behilflich. Eine Frau'der- langte von ihm Suppenknochen. Im Begriff den Knochen ein- zuspalten, warf er diesen Plötzlich weg und mit den Worten:„Das tu ich für Euch alle" legte er den linken Ann auf den Hanklotz und hieb sich mit dem Beil die Hand ab. Zur Erkenntnis seiner Tat schien er nicht zu kommen, denn er betrachtete seinen Armstumpf mit stoischer Ruhe, während das Blut im Laden hernmspritzte und die Frau, die von ihm bedient wurde, in Ohnmacht fiel. HülfSbereite Hände brachten ihn nach der Unfallstation und von da nach dem Krankenhaus Moabit. DaS Apollo- Theater wartet für den Monat Juni mit einem Spezialitätenprogramm auf, das hinter dem früherer Monate keines- wegs zurückzustehen braucht. Bemerkenswert ist vor allem die äußerste Gewandtheit, mit der die Jongleure Tambo and Tambo ihre Produktionen ausführen; sie lassen sich nicht daran genügen, mit den Händen zu arbeiten, sondern nehmen auch noch gleichzeitig die Füße zu Hülfe. Auf dem Gebiete der Akrobatik führen Joe Marin und Miß Lona waghalsige Hand- und Kopfstände aus. Große Heiterkeit löste Jean Clernionl mit seiner Zirkusparodie Barnu», und Bailey unter Vorführung einiger guter Dressurkünste aus. Es er- götzte das Publikum höchlichst, als Herr Clermont zwei auf Kommando krähende Hähne auf die Bühne brachte. Neben dem reichhaltigen Spezialitätenteil füllt der rheinische Burlesk-Komiker Hartstein mit seinem Ensemble durch einen Schwank aus dem Kölner Karneval:„Der lustige Witwer" den Abend aus. Herr Hartstein, im Mittelpunkte der Handlung stehend, zeigt sich hier als vorzüglicher Mimiker. Ein Regenschirm ist am Dienstag in der Volksversammlmtg im Lokale„Dracheitburg" vor dem Schlesischen Tor abhanden gekommen. Es wird ersucht, denselben abzugeben bei Frau Koch, Oppelner- straße 12. Vermißt wird seit dem 3. d. Mts. der 19 Jahre alte Kontorist Richard Sack, Muskauerstr. 2. Aus den hiuterlassenen Briefen geht hervor, daß er sich das Leben nehmen wollte. Bis jetzt hat man nur{eiofin i&ui, Stack und Hut an der Havel im Grunewald gex funden. Bei den Sachen lag ein Zettel mit seiner genauen Adresse. Die Leiche ist noch nicht geborgen. Diejenigen Personen, die gesehen haben, wie am Montagabend der zehnjährige Schüler Bauer von der Straßenbahn überfahren wurde, werden um Angabe ihrer Adresse an Bauer, Britzerstr. 10, gebeten. Feuerwehrbericht. In der letzten Nacht gegen 1 Uhr wurde die Feuerwehr wieder einmal böswilligerweise nach dem Wedding- platz alarmiert. Der Täter ist unerkannt entwischt. Wegen eines Mchenbrandes erfolgte ein Alarm nach der Neuen Hochstraße 88. Möbel und anderes brannten dort. Durch Ueberkochen von Fett kam in der Reichenbergerstraße 53 und durch Entzündung von Mehlstaub in einer Bäckerei in der Greifswalderstraße 202 Feuer aus. Beide Brände konnten bald gelöscht werden. Ferner liefen noch Feuermeldungen aus der Kleinen Frankfurterstraße 8, Koblanckstraße 14a und anderen Stellen ein. Vorort- JVacbricbteth Schöneberg. In der letzten Stadwerordnetenversammlung wurde Beschwerde darüber geführt, daß der an der Grunewaldstraße gelegene Platz Y, der ursprünglich zur Errichtung eines Theaters in Aussicht genommen war, immer noch nicht reguliert worden ist, sondern nach wie vor als Müllabladestelle benutzt wird. Der Vertreter des Magistrats erwiderte, das Theaterproiekt sei auch bis heute noch nicht fallen gelassen ivorden, jedoch werde bis zur Ausführung desselben eine provisorische Regulierung und Bepfkanzung des Platzes borgenommen werden. Von sozialdemokratischer Seite wurde darauf aufmerksam gemacht, daß schon vor mehreren Jahren, als der Platz zur Er- richwng einer Kirche in Aussicht geitoinmen worden war, die Sozial- demokraten die Bepflanzung des Platzes gefordert hatten; die Mehr- heit der Stadtverordnetenversammlung stand damals aber auf einem anderen Standpunkte. Längere Auseinandersetzungen brachte die vom Magistrat zur Kenntnisnahme vorgelegte Dien st Vorschrift für die Schul- d i e n e r an den Gemeindeschulen. Stadtv. Dr. Voßberg(Lib.) übte eine scharfe Kritik an dieser Dienstvorschrift, die in ihrer kautschukartigen Gestalt die Schuldiener der Willkür der Rektoren unterordne. Man verlange in derselben etwas, was sich bei den bestehenden Verhältnissen nicht ausführen lasse. Die Schuldiener würden in der Dienstvorschrift behandelt, als wenn man es mit Offizierburschen zu tun hätte. Redner empfiehlt, daß den Schul- dienern zur Verrichtung der ihnen aufgegebenen Arbeiten eine HülfS- kraft zur Seite gestellt werde. Auch die Stadtvv. K ü t e r(Soz.) und O b st lSoz.) wandten sich gegen die Dienstvorschrift, die ganz bureaukratisch zugeschnitten sei. Redner richten die Anfrage an den Magistrat, wie lang eigentlich die Arbeitszeit der Schuldiener bemessen sei. Bei dem größten Fleiße könnten die Schuldiener nicht das erfüllen, was in der Dienstvorschrift verlangt werde. Die Schuldiener hätten Ursache, mit neidischen Augen auf die Dienstmädchen zu blicken. Jeder müsse erkennen, daß die Dienstvorschrift gegen die guten Sitten verstoße. Bürgermeister Blankenstein suchte mit ein paar Worten dieser Kritik entgegenzutreten, ohne auf die einzelnen Beanstandungen einzugehen. Seiner Meinung nach gingen die Bestimmungen nicht zu weit. Die Schuldtener seien als Militär- anwärter gewohnt, nur nach Instruktionen zu handeln; was nicht drin stehe, werde von ihnen auch nicht aus- geführt. Man müsse den Leuten alles, auch das kleinste, schwarz auf weiß geben, was sie zu tun hätten. Stadtv. Aich. Schneider sHauSbesitzerftaktion) war auch der Meinung, daß jede Kleinigkeit in der Dienstvorschrist geregelt werden müsse. In den Dienstanweisungen für die Staatsbeamten gehe man noch viel weiter. Es bestehe ja auch gar kein Mangel an Leuten, die sich zu einem derartigen Posten melden. Stadtv. Zobel sLib.) verlangte im Gegensatz zu seinen: traktionskollegen Dr. Voßberg eine noch weitere Belastung der chuldiener. Vor allem wünschte er, daß von den Schuldienern auch Reparaturen an Turngeräten usw. vorgenommen werden. Stadtv. L u l e y sFreie Fraktion) beantragte, die Reinigung der Fenster allmonatlich von einer Gesellschaft ausführen zu lassen. Stadtv. Val. Fröhlich meinte, die Schuldiener würden sich schon nicht zu Tode arbeiten, denn sie nähmen ja noch Privat- arbeiten an. Mit 13 gegen 17 Stimmen gelangte der sozialdemokratische Antrag auf Ausschuhberatung zur Annahme; diesem Ausschuß wurde auch der Antrag Luleh überwiesen. Ein Autrag der Liberalen, den Magistrat aufzufordern, auch die speziellen Anweisungen für die Schuldiener zur Kenntnis der Versammlung zu bringen, wurde gegen die Stimmen der Liberalen und Sozialdemokraten abgelehnt. Dem Antrage des Magistrats, die Kosten der Eisenbahnfahrt für die Teilnehmer an der Eröffnungsfeierlichkeit der Heim- stätte für Lungenkranke in Sternberg zu übernehmen, wird zugestimmt. Ebenfalls zur Annahme gelangte ein Antrag, zwei weitere Vierfamilienwohnhäuser auf dem Rieselgute in Deutsch- Wusterhausen zu errichten. Mit der Unipflasterung der Torgauerstraße zwischen Cherusker- straße und Ringbahnbrücke und des Königsweges zwischen Tempel- hofer Weg und Torgauerstraße erklärte sich die Versammlung ein- verstanden. Der wichtigste Punkt der Tagesordnung betreffend Beschluß- fassung über die Anlegung des Stavtparkes wird auf Antrag der Mehrheit in nichtöffentlicher Sitzung verhandelt. Die sozialdemokratische Stadtverordnetenftaktio» hat der Stadt« verordneten-Versammlung folgenden Antrag eingereicht, welcher auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung kommen wird: »Der Magistrat wird ersucht, die Interessen der Stadt überall wahrzunehmen, auch da, wo laut Beschluß der Baugeschäfte vom 10. Mai die Aussperrung der Maurer, Zimmerer und Bauarbeiter am 18. Mai auf den städtischen Bauten statt- gefunden hat. j Die Unternehmer sind aufzufordern, soweit sie sich den Aus- sperrungSbeschluß zu eigen gemacht haben, die ihnen laut Verträge auferlegten Pflichten sofort zu erfüllen. Geschieht das nicht, so ist der Magistrat verpflichtet, die Arbeiten auf Kosten der Unternehmer selbst auszuführen. Reinickendorf-Ost. In der am 28. Mai stattgefundenen Mitgliederversammlung deS Wahlvereins hielt der Genosse Block einen überaus lehrreichen Vortrag über:»Unsere auswärtige Politik". Unter Vereinsangelegenheiten machte Genosse Schönberg von der erfolgten Gründung eines Wahlvereins in Zehlendorf bei Lieben- walde Mitteilung und von der dadurch notwendig werdenden ander- weitigen Verteilung der Außenbezirke des Kreises. Zum Zwecke einer intensiveren Agitation in den Außenbezirken sollen die Kosten hierfür vom Bezirk getragen werden. Aus Anlaß der Erhöhung der Beiträge vom 1. Juli ab sollen die einzelnen Orte einen höheren Beitrag an den Bezirk abführen. Eine von Wilhelmsruh zu wählende dreigliedrige Kommission soll die ständige Ver- bindung mit dem neuen Wahlverein aufrecht erhalten. Au Stelle des verzogenen Bezirksführers Genossen Haude vom 4. Bezirk wurde Genosse Fischer bestätigt. Genosse Zeglin macht auf die Bau- arbetteraussperrung aufmerksam und ersucht die nicht ausgesperrten Bauarbeiter— Töpfer, Maler usw.—, volle Solidarität zu üben und Streikarbeit abzuweisen. Der Vorsitzende macht Mitteilung von einem gegen Genossen Zeglin eingeleiteten Schiedsgerichtsverfahren und dessen dem Genossen Zeglin günstigen Ausgange. Zum Schluß wurde vom Vorsitzenden noch auf den am 22. Juni im„Schönholzer Tivoli" stattfindenden Lichtbildervortrag des Genossen Greinpe über »Rußlands Freiheitslämpse" aufmerksam gemacht. Billetts zu dem Vortrage zum Preise von 25 Pf. sind schon jetzt bei den Bezirks- führern zu haben. Wilmersdorf. In der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins hielt Genosse Stern einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über: „Die Religion im Lichte der Kulturgeschichte". Zur Kreis-General- Versammlung wurden die Genossen Henkel, Goddäus und Gladigow entsandt. Zum Schluß richtete der Vorsitzende an die Versammelten die Aufforderung, die Bäcker in ihrem Kampfe tatkräftig zu unter- stützen. Nieder-Schöneweide. Neber Alkohol, Schule und Kirche referierte Genosse Hein ig in der letzten Versammlung des Wahlvereins. Mehrere Genossen sprachen im Sinne des Referenten, worauf Genosse Hofmann einen kurzen Bericht über die Generalversammlung von Groß-Berlin gab. Zur Kreis-Generalversammlung wurden die Genossen Elias, Gold- mann und Bengsch bestimmt, als Ersatzmann fungiert Genosse Töllner. Nieder-Schönhausen. Unsere hiesigen Bäckermeister scheinen der Meinung zu sein, sie hätten es nicht nötig, die Forderungen der Bäcker anzuerkennen, die Kundschaft bleibe ihnen doch; sie werden sich aber irren, wenn die Genossen beim Bezug ihrer Backware sich die Leute ansehen, die bisher bewilligt haben. Es sind dies: Zugwurst, Blankenburger- straße 2, Höhne, Blankenburgerstr. 13 und Krüger, Beuthstr. 11. Mahlsdorf a. d. Ostbahn. In der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins referierte Genosse Räber über»Sozialdemokratie und Mili- tarismus". In 1s4stündiger Rede erörterte der Referent an der Hand der Geschichte das Entstehen der Militärmacht Preußen- Deutschlands. Er legte klar, wie die herrschende Klasse es stets verstanden habe, ihre Macht ständig zu vergrößern und der breiten Masse des Volkes die ins Ungeheure steigenden Lasten aufzu- bürden. Redner kam zu dem Schluß, daß es Aufgabe der Sozial- demokratie sein müsse, durch ständige Kritik und Aufklärung unter der heranwachsenden Jugend die heutigen Mißstände abzuschaffen und schließlich die Umwandlung des heutigen Militärshstems in das Milizsystem mit allgemeiner Wehrpflicht herbeizuführen. Der lebhafte Beifall und die Diskussion bewies, daß das Thema gut gewählt war. Nach Erledigung einiger Vereinsangelegenheiten wurde das Verhalten der sogenannten unparteiischen Presse an- läßlich der Lohnbewegung im Bau- und Bäckergewerbe beleuchtet und die Genossen aufgefordert, die Konsequenz hieraus zu ziehen, und dafür zu sorgen, daß diese Blätter aus den Arbeiterwohnungen verschwinden und an deren Stelle das Organ unserer Partei, den „Vorwärts" zu halten. Lichtenberg. Keine direkte Gefahr soll für das neue Elektrizitätswerk vorliegen, wie die eine Untersuchungskommission begutachtet. Wohl schwanken die Giebelwände, dem könne aber durch Abtragung des massiven Aufbaues der Mittelfcnster abgeholfen werden. Dazu seien auch nicht die in der vorletzten. Sitzung der Gemeindevertretung bewilligten 8000 M. nötig, sondern 1000 M. seien ausreichend. Der frühere Leiter des Gemeindebauamtes und jetzige Gemeindevertreter Schütte beklagte sich in der letzten Sitzung der Gemeindevertretung darüber, daß Berliner Zeitungen der ganzen Sache einen fenfatio- nellen Anstrich gegeben hätten, während der jetzige Gemeinde- baumeister sich über die entstellte Wiedergabe seiner Ausführungen im hiesigen Ortsblatte beklagte. Unsere Genossen verlangten eine eingehende fachmännische Untersuchung, die bisherige genüge keines- Wegs. Der Antrag wurde aber abgelehnt. Den Betriebsfonds der Gemeindewerke von 45 000 M. auf 300 000 M. zu erhöhen verlangt der Gememdevorstand. In Rück- ficht auf den Geldmarkt vertagt die Vertretung eine Beschlußfassung. Eine Anleihe in Höhe von 800 000 M. zu 4'/« Proz. soll auf- genommen werden. Hoherlehme-Wilda«. Zum ersten Male ist eS gelungen, bei der am Dienstag statt- gefundenen Gemeindevertretcrwahl einen Sozialdemokraten durchzu- bringen. Man glaubte unseren Sieg dadurch verhindern zu können, indem die Gegner den Betriebsdirektor des Wildauer Werkes zun, Kandidaten der dritten Abteilung erklärt hatten. Die Rechnung, daß sich die Arbeiter des Werkes durch diese Kandidatur abschrecken lassen würden, ihrer Ueberzeugung zu folgen, war eine verfehlte; eS nützte auch nichts, daß der Beamten- und Mcisterapparat das Wahllokal besetzt hielt, um die Arbciterwähler des Werkes zu kontrollieren, alles war umsonst I Die Arbeiter waren sich bewußt, daß ein Be- triebsdirektor ihre Interessen nicht vertreten kann. Will der Mann durchaus in die Gemeindevertretung, muß er sich schon in die zweite oder erste Abteilung flüchten; die dritte gehört der Sozial- demokratie. Spandau. Wiederum mit einer Acndernng der Einteilung der Bezirke für die Stadtverordnctenwahlen der 3. Abteilung wird sich die nächste Stadtverordnetenversammlung zu beschäftigen haben. Diese Aende- rung soll nötig sein wegen der Vermehrung der Stadtverordneten- zahl von 42 auf 43. Sericbts- Leitung. Ein Wieberaufnahme-Berfahren beschäftigte gestern die 8. Strafkammer. Am 23. Mai 1902 ist der GefängniLinspektions-Assistent Heinrich Tim- mermann in Plötzensee wegen Unterschlagung im Amte zu fechs Monaten Gefängnis und zur Unfähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Acmter auf die Dauer von fünf Jahren verurteilt worden. Die 8. Strafkammer nahm damals folgenden Tatbestand an: Der Angeklagte war Assistent am Untersuchungsgefängnis Hierselbst. Die in Untersuchungshaft genommenen Personen werden bei ihrer Aufnahme im Untersuchungsgefängnis zunächst nach dem Expoditionszimmer geführt und hier werden ihnen, so- weit dies nicht schon vorher, z. B. auf der Polizei, geschehen ist, Las Geld und alle sonstigen Wcrtgegenstände, die sie bei sich haben, abgenommen. Mit Liefen Sachen wird dann in genau vor- geschriebener Weise verfahren, sie werden ins Depositenjournal eingetragen und schließlich in Tüten gesteckt, die mit der entsprechenden Depositennummer versehen uitd in einen Schrank ge- legt werden« Am 15. September 1900 war aus Ersuchen des Ersten Staatsanwalts in Potsdam gegen einen Rentier Karl Lowien aus Brandenburg die Untersuchung verhängt. Unter den dem Lowien abgenommenen Sachen, die vorschriftsmäßig behandelt wurden, befand sich auch eine goldene Damen-Remontoir-Uhr, die Lowien seiner Braut, der unverehelichten Lina Bölke, geschenkt, von dieser aber kurz vor seiner Verhaftung zur Aufbewahrung wieder er- halten hatte. In der Nacht nach seiner Einliekerung machte Lowien im Untersuchungsgefängnis seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Als dann die Bölke Schritte tat, um aus dem Nachlasse ihre goldene Uhr, deren Nummer bekannt war, wieder zu erhalten, stellte sich heraus, daß statt ihrer Uhr eine weit weniger wertvolle Uhr mit ganz anderer Nummer zur Stelle war.' Das Gericht hatte auf Grund einer umfangreichen Beweisaufnahme den Angeklagten trotz seines entschiedenen Bestreiten» für überführt erachtet, d i e goldene Uhr der Bölke an sich genommen und die wertlose Schlüsseluhr untergeschoben zu haben. Es hat sich herausgestellt, daß der Angeklagte— an. geblich, weil er einen Irrtum berichtigen wollte— in dem Depositenjournal die Eintragung eines Kollegen eigen- mächtig geändert und die dort eingetragene Nummer der Uhr durch eine andere Nummer ersetzt hatte. Die von ihm Müi«igegebeneo Gvwde fiuufco ntä bat Bolundunaen. seiner Kollegen nicht für stichhaltig erachtet; sein ganzes Verhalten dem Direktor Sauer gegenüber, der Aufklärung über die Sachlage verlangte, war verdächtig und das Gericht hatte aus der ganzen Beweisaufnahme die Ueberzeugung gewonnen, daß die Uhr der Bölke nicht versehentlich in eine andere Asserbatendüte getan und die andere Uhr nicht einem Gefangenen abgenommen, sondern von einer anderen Person eingeschmuggelt worden ist. Diese Metamorphose konnte nur von einer Person vorgenommen worden sein, die mit dem Asservatenschrank zu tun und zu ihm einen Schlüssel hatte. Da auf zwei andere in Frage kommende Beamte keine Spur von Verdacht fiel, diese auch eidlich bekundet hatten, daß sie der Uhrenverwechselung gänzlich fern ständen, so blieb nur der Angeklagte als Täter übrig. Die Wiederaufnahme gründet sich auf folgenden Umstand: Am 12. November v. I. erschien in dem Direktionszimmer des Moabiter Untersuchungsgefängnisses der Gartenarbeiter Adolf Sauf und erklärte, daß der Angeklagte Timmermann die Uhr nicht unterschlagen habe, sondern er selbst habe sich die Uhr angeeignet, als er seinerzeit von dem Angeklagten mit Gartenarbeiten beschäftigt worden war. Er habe auch die Uhr im Juni 1902 schon anonym an die Gefängnisverwaltung einge. sandt. Tatsächlich war die seinerzeit verschwundene Uhr am 2. Juni 1902 in einem Einschreibebrief von einem unbekannten Absender in die Hände der Gefängnisbehörde zurückgelangt. In dem fraglichen Briefe teilte ein Anonymus mit, daß durch seine eigene Tat großes Unglück entstanden sei und er keine Ruhe mehr habe. Dies war zwei Tage nach der Verurteilung des Timmermann. Gegen Sauf war inzwischen die gesetzliche Verjährung eingetreten, so daß seine 'Selbstbezichtigung keinerlei strafrechtliche Wirkungen mehr haben konnte. Der Staatsanwalt stand dieser eigenartigen Selüss- bezichtigung des S. skeptisch gegenüber und hielt die ganze Ge- schichte, die Sauf von seinem Diebstahl erzählte, für vollständig aus der Luft gegriffen, um den Angeklagten Timmcrmann hcrauszu- reißen. Auch nach der Vernehmung des Sauf in der gestrigen Ver- Handlung beantragte der Staatsanwalt wiederum 6 Monate Ge- fängnis gegen den Angeklagten. Da der Angeklagte auch beschul- diat ist, das amtliche Depositenverzeichnis gefälscht zu haben, erklärte sich das Gericht für unzuständig und verwies die Sache an das Schwurgericht._ Ei» vom Reichsgericht korrigiertes Gesetz. Es ist im Reichstage wiederholt von sozialdemokratischer Seite auf die Flüchtigkeit hingewiesen, mit der von der Mehrheit des Reichstags und der Regierung bei der Fabrikation und Publikation von Gesetzen vorgegangen wird. Ein Beispiel hierfür bot auch nach- stehender am Dienstag vor dem Reichsgericht verhandelter Fall. Vom Landgericht Bautzen sind am 11. Dezember v. I. wegen Vergehens gegen§ 82, 1 des Gesetzes betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftung vom 2 0. April 1892 der Braumeister Karl Oswald Kunze in Ostwitz und der Händler H e n s e l zu Geldstrafen verurteilt worden. Kunze hat im Einverständnis mit Hensel fälschlich dem Gerichte angezeigt, daß Hensel 1250 M. in die Kasse der be- treffenden Gesellschaft m. B. H. eingezahlt habe. Kunze war Ge- schästSführer, Hensel Mitglied. Beide sind auf Grund deS 882,1 verurteilt, welcher Geschäftsführer und Mitglieder, die hin- sichtlich der Einzahlungen auf die Stammeinlagen dem.Gerichte wissentlich falsche Angaben machen, mit Strafe belegt. Gegen das Urteil hatten beide Angeklagte Revision eingelegt. Der Reichs« an w alt führte dazu aus: Die Verurteilung Kunzes ist un» bedenklich; dagegen ist es zweifelhaft, ob Hensel verurteilt werden durfte. Die Worte„und Mitglieder" sind im Gesetze irrtümlich stehen geblieben, wie die Revision richtig be« merkt. Nur die Geschäftsführer sollen die Anmeldepflicht haben und für falsche Angaben bestraft lverden. Ursprünglich war bei der ersten Anmeldung die Anmeldepflicht auch den Mitgliedern zugedacht. Dies wurde aber in§ 7 gestrichen. Bei§ 82 ist dann vergessen worden, die Aenderung ebenfalls vorzunehmen. Die Reichsanwaltschaft ist aber der Ansicht, daß der Wortlaut eines Gesetzes so lange un« bezweifelt sein muß, als er klar ist. Deshalb beantragte der Reichsanwalt Verwerfung auch der Revision Hensels.— Das Reichsgericht verwarf nur die Revision Kunzes, hob dagegen auf die des Hensel das Urteil auf und verwies die Sache insoweit an d as Landgericht zurück. Zur Begründung wurde ausgeführt: Der Senat ist der Ansicht, daß es sich bei der Fassung des§ 82 um ein Redaklions- versehen handelt, daß es nur übersehen Ivorden ist, die Worte„und Mitglieder" zu streichen, da der Wille der gesetzgebenden Faktoren offensichtlich dahin ging, nur den Geschäftsführern, nicht auch den Mitgiiedern die Anzeigepflicht aufzuerlegen. Wo es sich nicht um einen von den gesetzgebenden Faktoren gewollten Inhalt des Gesetzes handelt, sondern um ein reines Uebersehen, hält sich das Reichsgericht für befugt, im Wege der Auslegung den wahren Willen der geletzgebenden Faktoren festzustellen, und ist der Meinung, daß die Bestrafung eines Mitgliedes auf Grund des§ 62,1 als Täte» ausgeschlossen ist. Die Zurückverweisung der Sache mußte erfolgen, weil noch zu prüfen ist, ob Hensel etwa der Beihülfe zu der Straftat des Kunze schuldig ist._ Wilderer oder Förster? Eine tragikomische Jagdgeschichte beschäftigte am Dienstag den Strafsenat des Reichsgerichts. Vom Landgericht Münster i. W. ist am 19. Dezember v. I. der Forstgehülfe Alois Witt« kamv wegen fahrlässiger Körperverletzung zu hunvert Mark Geldstrafe verurteilt worden. Am 23. Oktober machte ihn der Zeuge B., der ihm begegnete, darauf aufmerksam, daß in dem Walde des Freiherrn V. P. anscheinend Wilddiebe ihr Wesen trieben. Beide gingen nun in den Wald hinein. Bald darauf bemerkte Wittkamp zwei Gestalten im Mantel, die mit Gewehren bewaffnet zu sein schienen und die er für Wilddiebe hielt. In Wirklichkeit waren es aber der zum Jagdschutz ordinmgsinäßig berufene Förster und der von ihm mitgenommene P o l i z e i d i e n e r H., die ebenfalls in den Wald gegangen waren, um die bösen Wilddiebe zu fangen. Diese beiden Beamten hielten nun ihrerseits den An« geklagten und seinen Begleiter für Wilddiebe. Wittkamp, der auch bei näherem Herankommen die beiden Beamten noch immer für Wilddiebe hielt, versteckte sich hinter einer Hecke und rief, alS Förster und Polizeidiener über ein freies Stück Feld herüberkamen: Gewehre weg l Unmitlelbar darauf gab er einen Schrotschuß ab, der den Förster nicht unerheblich verletzte. In der Hauptverhandlung behauptete der Angeklagte, er habe den Schuß in der Notwehr abgegeben, da er gesehen zu haben glaubte, daß der Mann, der sich später als der Förster entpuppte. unter dem Mantel nach seinem Gewehre gegriffen habe. Das Ge- richt hat angenommen, daß der Angeklagte dadurch grob fahrlässig gehandelt hat, daß er, ohne den Erfolg seiner Worte abzuwarten, sofort losgeschossen hat.— Die Revision des Angeklagten wurde vom Reichsgericht verworfen, da das Urteil einen Nechtsirrtum »iicht enthalte._ Versammlungen. Arbeiter-Tüngerbunb Berlins»nb Umgegend. Die A u S« schußsitzung vom 2. Juni erledigte zunächst die Aufnahmen der Vereine„Brudergruß"(Storkow),„Einigkeit"(Caputh) und die Wiederaufnahme des Vereins„Textilia".— Den Bericht über die Generalversammlung der„Liedergemeinschaft der Arbeiter- Sängervereinigunaen Deutschlands" gaben die Delegierten Schön- thal und Barowski. An diesen Bericht knüpfte sich eine lebhafte Diskussion. Die Vereine werden auf das Protokoll der General- Versammlung verwiesen, welches in einigen Wochen herausgegeben wird. Eine weitere Stellungnahme deS Bundes zu den Beschlüssen der Generalversammlung soll in einer der nächsten Ausschußsitzungen stattfinden.— Sangesbrudcr Bartel gibt einen Bericht über das am 8. Juni in Brandenburg a. H. stattfindende Provinzial-Sänger- fest. Zur Teilnahme sind über 1000 Sänger gemeldet und zur Unterbringung derselben die Vorkehrungen in jeder Weise getroffen. Die Fahrkarten zu dem Sonderzuge gelangen am Mittwoch, den 5. Funi(siehe heutiges Inserat) zur Ausgabe.— Sin Protest. schreiben der an der Chorführerschule des Herrn S. beteiligten Vertreter einzelner Vereine wird verlesen und sodann lebhaft diskutiert. Der Vorstand verwehrt sich hierbei ganz entschieden gegen die ihm in dem Schreiben gemachten Vorwürfe und erklärt wiederholt, daß er seinen Standpunkt in dieser Sache nicht ändern könne. Diese Angelegenheit wird, aus Antrag, durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt, nachdem ein weiterer Antrag, das Protestschreiben dem Vorstand unter Hinzuziehung der Revisions- kommission zur Erledigung zu überweisen, abgelehnt ist.— Die Angelegenheit des Vereins„Georginia", welcher sich wiederholt gegen Bundesbeschlüsse vergangen hat, führte zu einer gründlichen Aussprache. Es wird scharf getadelt, daß, trotzdem der Verein vom Ausschuß ausgefordert war, sich streng an die Beschlüsse des Bundes zu halten, doch dem entgegen gehandelt hat; andererseits wird nicht verkannt, daß der Verein aus ideellen Beweggründen zu seinem Tun glaubte berechtigt zu sein. Ein Antrag, welcher den Ausschluß de? Vereins„Georginia" aus dem Sängerbunde forderte, wurde mit 61 gegen 58 Stimmen abgelehnt; jedoch mit allen gegen sechs Stimmen beschlossen, dem Verein eine ernste Rüge zu erteilen, Vermischtes. Ein Sukomobilwettrennen hat wieder begonnen. Von Dresden nkmmt es seinen Ausgang und führt durch Mittel- und Süddeutsch- land. Von hoher und höchster Stelle wird die„Kilometerfresserei" stark begünstigt. Wieweit dies geht, ist allein daraus ersichtlich, daß für die in Aussicht genommene Taunusstrecke nach einer Ver- fügung des Regierungspräsidenten am 13. Juni: von früh 3 Uhr bis 4% Uhr nachmittags und am 14. Juni: von früh S Uhr bis 3.20 Uhr nachmittags die Rennstrecke für jeden Verkehr vollständig gesperrt ist. Es kommt hierbei eine Strecke von 118 Kilometer in Betracht, 20 Orte und mehrere Einzel- ansiedelungen werden von dieser Verkehrssperre betroffen. In der „Kreuzzeitung" wird über diese Sperre lebhaft Klage geführt und aus die großen Schädigungen hingewiesen, die hierdurch entstehen. In den an der Rennstrecke belegenen Ortschaften herrscht eine große Erbitterung. Dazu kommen die Belästigungen, denen die dortigen Bewohner seit Monaten ausgesetzt sind, weil aus der Rennstrecke von den beteiligten Firmen trainiert wird. Schon hierbei sind zahlreiche Unfälle zu verzeichnen. Wie oben bereits bemerkt, hat gestern die Automobilraserei von Dresden aus begonnen und schon liegen eine Reihe Unglücks- Meldungen vor. Die Unglücksliste vom ersten Tage besagt: In Leipzig trafen die ersten Wagen um 9.50 Uhr ein. Die Polizei hatte keinerlei Vorbereitungen zur Absperrung getroffen. Auf diese Weise hat einer der ersten Wagen>binen Mann über- fahren. Wagen 20 von Ernst Sachs-Schweinfurt fuhr gegen ein HauS und zertrümmerte. Der Bianchiwagen von Friedrich Schön-Charlottenburg(Nr. 39) erlitt einen doppelten Achsenbruch. Frau Dr. Sternberg-Grunewald überfuhr in Frei- berg einen Arbeiter, der einen Hund retten wollte. Der Verletzte trug sehr schwere Rückgratverletzungen davon, so daß er kaum am Leben erhalten wird. Dann fuhr Frau Dr. Sternberg gegen eine Villa; ihr Wagen wurde kampfunfähig. Nr. 114, ein Benzwagen des Rittmeisters v. Arnim-Oschatz überfuhr kurz vor Freiberg ebenfalls einen Mann. Oskar Büchel-Gotha, dessen Wagen die Nummer 131 führt, überfuhr ein Kind. Altenburg, 5. Juni. Von einem an der Fahrt teil- «ehmenden Automobile wurde bei der Durchfahrt durch die Stadt ein Schulmädchen beiseite geschleudert und leicht ver- letzt.— Bei Tschaschelwitz fuhr Wagen 39 an ein Brückengeländer «id wurde v o l l st ä n d i g zertrümmert. In Serbitz fuhr Wagen 20 gegen ein HauS, daS Vorderteil des Wagens wurde dabei stark be schädigt. Ein vernagelter Bahnhof. Ein Unikum im preußischen Eisen- Kahnwesen dürfte die an der Lehrter Eisenbahn befindliche Station Fürstenbrunn sein, die vor zwei Jahren mit Rücksicht auf den starken Verkehr nach den Fabrikanlagen von Siemen? u. Halske am Nonnendamm errichtet wurde. Der Weg, der den Tunnel des Bahnsteigs mit dem Bahnhof verbindet, liegt auf privatem Eigen- tum, dessen Besitzer die Benutzung gestattete. Kürzlich ist das Terrain in andere Hände übergegangen, und der neue Eigentümer hat den Zugang zum Bahnhof ohne weiteres durch einen Zaun geschlossen. Der Bahnhofsbetrieb hätte nun sogleich eingestellt werden müssen, da niemand zum Bahnhof gelangen konnte, wenn nicht die Mineralwasserfabrik Fürstenbrunn auf ihrem dem Bahn- hos gleichfalls benachbarten Grundstück den Durchgang gestattet hätte. Tie Passagiere haben dadurch einen kleinen Umweg. Bahn- terrain ist für den Ab- und Zugang nicht vorhanden. Tie Wellmansche Nordpolexpedition hat gestern mit ihrem Schiff„Frithjof" von Tromsö aus die Reise nach Spitzbergen an- getreten. In ungefähr vier Tagen trifft sie an der Ballonstation auf der Dänischen Insel ein, und man wird dann bald erfahren, in welchem Zustande sich die im vorigen Sommer errichtete Ballon- Halle befindet und wie die Ueberwinterung der drei Hüter, die dort hausen, verlaufen ist. Hat die Ballonhalle durch die Stürme des arktischen Winters und Frühjahrs keinen Schaden erlitten, dann können die Vorbereitungen in vier Wochen beendet sein, so daß Wellman etwa um dieselbe Jahreszeit, in der Andree vor zehn Jahren den Flug begann, mit seinem lenkbaren Luftschiff reise- fertig sein wird. Anfang Juli trifft der Fürst von Monaco mit seiner Jacht„Princesse Alice" bei Spitzbergen ein. Ihm folgt Madame Heriot mit ihrer Jacht„Salvator". Außerdem tritt der Polarforscher Jsachsen, der im vorigen Jahr auf Veranlassung des Fürsten Albert eine Jnlandreise von dem Gebiet gegenüber der Amsterdaminseln bis zur Croßbay hinab ausführte, ungefähr am 10. Juli abermals eine Expedition nach Spitzbergen an. Zu diesem Behufe hat er soeben in Tromsö den Dampfer„Kvädfjord" ge- mietet. Sein Zweck ist die Fortsetzung seiner früheren Forschungen. Vizepräsidenten Freiherr v. Buol-Berenberg und Dr. Bsirklln gewählt. B» 23. März 18ö5 legte v. Levetzow nieder. Zum Präsidenten wurde Freihev v. Buol- Berenberg am 27. März 1895 gewählt. Vizepräsidenten wurdet Schmidt(Elberseld) und Spahn. Im Jahre 1898 wurde zum Präsidente» Gras v. Ballestrem, zu Vizepräsidenten Dr. v. Frege und Schmidt(Elbe« selb) gewählt. Am 27. November 1901 trat an die Stelle voi Dr. Frege Gras Udo zu Stolberg-Wernigerode. Büstng wurde am 15. N» vember 1900 Vizepräsident. Im Jahre 1903 wurde Gras v. Ballestren Präsident, Gras zu Stolberg-Wernigerode und Dr. Paasche Vizepräsidenten Lriekkaften cler Riclaktfoti. snrlsttfche Sprechstunde findet Fried ri ch str. I«, glufgana 4, cppe(HandclSftätte BelleaNtance, Turchgaiij, auch Lindenstr. 101), SU . Niochentählich von?>/, l'is 9>/- Uhr abends" statt. Weöffnet 7 Uhr. Eonuabeiids beginnt die Sprechstunde um 0 llhr. Jeder Slnsrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche illntwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man tu der Sprechstunde vor. R. 9N. 39. 1. Ratsam ist es, die Terminsvorladung abzuwarten. 2. Spätesten? am 22. September muß der Wirt die Kündigung in Händen haben. Sie können aber auch vorher kündigen.— A. U. 41. 1,50 bis 3 M. werden als angemessen erachtet.— Z. St. 190. Der Vertrag mühte notariell gemacht werden. Er hätte aber keine Wirkung gegenüber den augenblicklichen Gläubigern, auch keine Wirkung gegenüber dem Relentions- recht deS Wirtes.— Franz H. Wenden Sie sich an einen'Arzt. Der Entscrnung von Tätowierungen durch Quacksalbereien ist entschieden ab- zuraten.— 100 E. R. DaS Gericht hat eine Verpflichtung, bei den Kassen Ansragen zu stellen, nicht. Wollen Sie, dafj das Nachlasi- inventar von der Mutter beeidet wird. so können Sie eiiien dahin gehenden Antrag stellen. Die Kosten sallcn Ihnen zu. — Lichtenberg 800. In der Regel in 30 Jahren.— P. W. 99. Sie müfjten dem Gericht Mitteilung machen und Auszahlung beantragen.— D. W. 69. 1. Mittlere. 2. Soviel uns bekannt ja.— O. A. 3. 1. Der Lerkaus braucht nicht vor einem Anwalt oder Notar oder vor Gericht stattfinden, er muh aber den Erfordernissen eine? Kaufes genügen. 2. Nein, Sie sind aber verpflichtet, für die Möglichkeit der Oeffnung Sorge zu tragen.— H. 31. 1. Da Sie aus der Landeskirche noch nicht aus- getreten sind, haben Sie Kirchensteuer zu zahlen, ob Sie Schlasbursche, Mieter oder Eigentümer find, ist sür die Steuerzahlung gleichgültig. 2. Die Strasse hat ihren Namen von dem früheren prcussischcn Minister und Berliner Oberbürgermeister Hobrecht.— A. A. Rein. — I. S. 49. 1. und 2. Nein.— A. Z. 400. 1. Nicht das Geschäft, aber der Inhaber hat unbeschadet um die Zahlung von Gewerbesteuer auch Einkommensteuer zu zahlen.— K. S. 38. Da der zweite Vertrag den eisten ändert, so ist der erste Vertrag so weit ausgehoben, als er durch den zweiten abgeändert ist.— O. P. 108. Die Pfändung des Gehaltes wäre an sich zulässig. Legen Sie das Sachverhältuis dar und beantragen Niederschlagung der Steuern. Die Eingabe ist an den Magistrat, Steuerdeputation zu richten.— S. 1. Wir kommen auf diese Sache zurück. — E. D. 13. 1. Nein. 2. Ja. 3. Ob der Wagen in Ihr ausschliessliches Eigentum übergehen kann und unter welchen Bedingungen, hangt von Ihren gegenseitigen Abmachungen ab.— W. Sch. In der Lcgkslatur- Periode 1893 wurde im Reichstage zum Präsidenten Dr. v. Levetzow, zum Berliner Marktpreise. Aus dem amtllchen Bericht der städtisch«, Markthallen-Direktion.(Großhandel.) Rindfleisch In 68—83 pr. 100 Psd. Ha 60-65, nia 55-58, Bullenfleisch la 62-66, IIa 52-60, Kühe, s-ti 52—58, do. mager 42—50, Fresser 50—62, Bullen, dän. 0,00, do. Holl, 0,00. Kalbfleisch, Doppellender 100—125, Mastkälber la 88—94, Ha 76—84, Lila 0,00, Kälber ger. gen. 50—65, do. Holl. 60—65, dän. 0,00. Hannnelflcisch MasUämmer 70—74, la 65—70, IIa 58—65, Schafe 53—58. Schweinefleisch 45—52. Rehwild la per Psund 0,60—0,73. IIa 0,40-0,58. Rotwild, Abschuß 0,50-0,58. Damwild, Abschuß 0,57-0,60. Wild. schweine 0,35—0,40. Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stück 0,45—0,85. Hühner, alte, per Stück 1,50—2,10, IIa 1,00—1,40, do. junge 0,60—1,40. Wolga» Hühner 0,00. Tauben 0,30—0.60, italienische 0,00. Enten per Stck. 1,60 bis 2,50, dito Eis- per Stück 0,00, do. Hamburger per Stück 1,40—4,25. Gänse per Psund 0,85, do. per Stück 2,00— 4,50, do. Hamburger per Pfund 0,65. per Stück 3,50—4,50. Chalonshühner 1,75. Hechte per 100 Psund 103—114, gross u. mittel 94—108, do. matt 85—92, do. gross 0,00. Zander 155. Schleie, Holl. 80—90, do. gross 69—75, do. 80—100. Aale, gross 125—132, do. klein und mittel 0,00, do. mittel 122—131, do. unsortiert 82—112. Plötzen 0,00, do. klein 0,00, do. matt 0,00. Karpfen 40 er 0,00, do. 0,00. Bleie 0,00. Bunte Fische 52-68. Barse 0,00, do. matt 0,00. Karauschen 61—68. Bleifische 0,00. Wels 0,00. Aland 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer per 100 Pfd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. IHa neuer 75. Seelachs 15—20. Sprotten, Kieler, Wall 0,00, Danziger, Kiste 0,00. Flundern, Kieler, Stiege la 3—6, do. mittel per Kiste 1—2, Hamb. Stiege 4—7, halbe Kiste 2,00—3,00, Bücklinge, Kieler per Wall 2,00—3,00, Stralsunder 2,00—3,00. Aale, gross per Psd. 1,10—1,40, mittelgross 0,80—1,10, klein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5—9. Schellfische Kiste 3,00-6,00,>/, Kiste 1-2,00. Kabliau, geräuch. per 100 Psd. 15-20. Dorsch, Kiste 2,50—3,50, Goldfische, Schock 2—3. Sardellen, 1902er per Anker 95, 1904er 95, 1905er 90, 1906er 85. Schottische Vollheringe 1905 0,00, largo 40—44, füll. 38—40, med. 36—42, deutsche 37—44. Heringe, neue Matjes,� per'/, To. 60—120._ Sardinen, russ,, Faß 1,50—1,60. Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1,25—1,50. Neunaugen, Schocksass 11, klein 5— 6, Riesen- 14. Eier, Land-, per 100 Psd. la 106-103, IIa 105-106, IHa 100-102, abstillende 90-95. unsort. Schock 3,00—3,25, gr. 8,75. Butter Saure Gurken Schock 4,5», do, neue 6—8. Psessergnrken 4,50. Kartoffeln per 100 Psund rnagnurn bonnrn 8,25—3,75, Dabersche 8,00—3,60, Rosen 0,00, weisse 3,00—3,25, Salatkartosseln 0,00. Spinat per 100 Psund 3—6. Karotten, hiesige, Schock-Bund 3,00—6,00. Sellerie, hiesige, per Schock 10,00—25,00, do, pommersche 0,00. Zwiebeln grosse, per 100 Pfund 0,00, do. kleine 0,00, do, hiesige(Perl-) 0,00, Charlotten 0,00. Petersilie, grün, Schockbund 0,80—1,00. Kohlrabi Schock 1—2,50, Rettig, bavr., neue Stück 0,12—0,16. Mohrrüben pr. 100 Pfd. 4,00—8,00, Teltower Rüben per 100 Psd. 0,09. Weiße Rüben, grosse 0,00, kleine 0,00. Rote Rüben 0,00. Blumenkohl, holländischer per Kops 0,10—0,30. Kohlrüben per Schock 2,00—5,00. Wirsingkohl Holland., ver Schock 0,00. Rotkohl holländ., per Schock 0,00. Weisskohl, dän, per lOO Psd. 0,00. Rosenkohl per 100 Psd. 0,00. Sprutlohl per 100 Psund 0,00. Rhabarber 100 Bund 0,60—3,00, Bergedorfer per 100 Bund 0,00. Morcheln per Psund 0,00. Sandmorcheln per 100 Psd, 0,00, Waldmeister per Mandel 0,80—0,45. Radieschen per Schock 0,50—1,00, Salat per Schock 0,60—1,75, Spargel la 100 Psd. 40—55, do. IIa 20—35, do. IHa 10—18, do. unsort. 25-40, do. Beelitzer la 44-50, do. Beelitzer IIa 30-40, do. Beelitzer IHa 15—25. Stachelbeeren, grün, per 100 Psd. 0,00. Birnen, austral., in Kisten von 20 Kg. Kiste 13—20, ital. 0,00. Aepsel, per 100 Psd., hiesige 8-20, Tiroler. Kiste 0,00, Calville, Kiste 0,00, Australier in Kiste» 10—22, Italienische in Kisten 0,00, extra 0,00. Zitronen, Mcsstna, 300 Stück 9,00—12,00, 860 Stück 9,00—11,00, 200 Stück 6,00—12,00. Zlpselsinen, Jaffa, per Kiste 0,00, Murcia 200er Kiste 0,00, do. 300er 7-10, Valencia 420er Kiste 15,00— 25,00, do. 714er 22-26,00. Mcsstna, 100er 4-7,00, 150er 5-8,00, 16i er 3-13,00, 200er 7,50-12,50, 300er 0,00, Blut- 100er 5,50-9,00, do. 150 er 7,50, 80 er 6-7,50, 200er 13-14. Wasiersianv am 5. Juni vorm. Elbe bei Aussig— Meter, bei Dresden— 125 ckp.— Elbe bei Magdeburg 1,34 Meter.— Oder bei Ratibor 1,87 Meter.— Oder bei Breslau— 1,30 Meter.— Oder bei Brieg 2,00 Meter.— Neissemündung 1,52 Meter. den Inhalt der Inserate hernimmt die Ncdaktivu de», vublitnui gegeniiher keinerlei BkrantNiortiing. Theater. Freie BvlkSbüHne. Donnerstag abend 7ss, Uhr: 6. Abend» Vorstellung im Neuen Schauspiel» HauS: 10./1t. Abteilung: GvetheS Faust,(t. Teil.) Donners t-ag, den 6. Juni. Ansang 7'/, Uhr. Kgl. Opernhaus. Romeo und Julia. Kgl. Schauspielhaus. Wallcnsteins Lager. Die Ptccolomint. Skeues kgl. Opcrntheater. Die sieben Schwaben. Deutsches. Robert und Bertram. Kammerspiele. Frühlings Erwachen.(Ans. 8 Uhri) Ansang 8 Uhr. Schiller O. iWallner-Theater.) PerrichonS Reise. Schiller-Tbeater Charlottenburg. Ein Fallissement. Schiller.V.(Friedrich Wilhelm« städtisches Theater.) Drei Paar Schuhe. Berliner. Geschlossen. Lessing. Die Fledermaus. Kleines. Marcell Salzer.(Ansang 8'/, Uhr.) Komische Oper. HossmannS Er- zählungen. Neues. Die Eondittteri. Weste«. Die lustige Witwe. Residenz. Haben Sie nicht» zu verzollen? Liistipiellians. Die Welt ohne Männer. Thalia. Charleh» Tante. Luisen. DaS Rätsel seiner Ehe. Bernhard Rose. Der grosse Un- bekannte. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Wintergarten. La Tortajacka. Spezialitäten. Apollo. Der lustige Witwer. Spe- zialitäten. Walhalla. Spczialiläten. Passage. Spezialiläten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Tanbensiraste 48/49. Abends 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. Sternwarte. Jiwalidenftr. 57/62. Heues Theater. Abend? 8 Uhr: vie Condottleri. Freitag und solgende Tage: Die Condottieri. DUvat«!- des Westen«. Kantstr. 12(Station Zoolog. Garten). Gaftsp. d. Neuen Operetten-Theaters an» Hamburg: Die lustige Witwe�_ Kleines Theater. Abends 8oto, Troubadour. Ferner: Cavalleria rusilcaua (ganze Oper). Belle-Alliance> Garten. Täglich: Elite�VarlMö-Vorstellung. Lustspielhaus. 8 Uhr: Wiener Ensemble- Gassspiel: Die Welt ohne Männer. Pcpi Glöckner alS Gast. Lediller-Idester N. Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater. AdendS 8 Uhr: Drei Paar Schuhe. Sommerpreise._ Rksldky-TIikiittr. Direktton Richard Alexander. Heute und solgende Tage 8 Uhr: Rgbön 8is niciits zu verzollen? Schwank in 3 Akten v, M. Hennequtn und P. Bcbcr. LiilLön-Mer Reichcnbergerstr. 31. Abends 8 Uhr: Das Dätsel ftiiltr Ehe und solgende Tage. Sonnlag, den?, Juni, nachm. 3 Uhr! Aisria Stuart. niratn Gr. Frnnkjurlerstr. 132. Donnerstag, den 6. Juni: Ansang 41/. Uhr. Im Garten:- 9Gt Theater- und Spezialitäten-Vorst. Pnul Corrudlni. WochentagSpreisc.— Abends 8'/, Uhr im Theater: Der grofte Unbekannte Sommerpreise. Morgen: Dtejetbe Vorstellung. 5chIIIer.Theaier 0.(Wallner-Thealcr). Donner Stag.abendSSUHr: Zum 1. Mal: Perrlchons Reise. Schwank in 4 Akten v. Eugene Labiche und Edouard Marlin. Freitag, abends 8 Uhr: Molooh.— Der zerbrochene Krug. Sonnabend, abends 8 U h r: �PeR-elellons Reise. Tlieater. Schiller-Theater Charlottenburg. Donnerstag abends 8Uhr: Ein FaUtascinent. Schausp. in 5 Anfz. von Björnstjerne Björnson. Freitag, abends 8Uhr: Die Schningelcr. Sonnabend, a b e ii d s 8 Uhr: _ Die Schmnorfflcr. Landes-AusstelBungs-Park. Neu erbaut; Fcntsäle, Cafö nnd Konditeret, gedeckte Gartcnhallen, Fontaine Ininlnense. Dejeuners von 2,50 Mark an bis 2 Uhr nachmittags. Diners und Soupers von 4 Mark an. 32/13* Doppelkonzert. Illominationsabende großen Stils. Metropol-Thealer Anfang 8 Uhr. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Rauchen überall gestattet. Abends 8 Uhr: Neue Spezialitäten. Abends 9'/, Uhr: Dir dagemsrarrFachrrfolg! w Harte teiü« mit seiner BurlcSke: Der lustige Witwer. 1. Bild: Das lebte Mal. 2. Bild: Die Folgen davon. Zirkus Relffarth. 0., Mcmelerstr, Comeniusplatz. Täglich abends S'/a Uhr: Große vorltellung. Sensationelles Niescnprogramm mit stets neuen Debüts —» erstklassiger Spezialitäten.— DienStagS ii. Freitags, vorm. 10 Uhr: 0�* Probe."MW Eintr,• Ermachj-nf go Pj Finftfr 10 Pf Programm. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Bruiinenstr. 16. Ktliiil bei Dcht. Lebensbild mit Gesang in 2 Bildern. Ein Tpast in der Backstube. Dazu das neue Juni> Programm. Ans.« Uhr. Kaffeeküche v. 3 Uhr ab. Bei schlechtem Wetter: Vorst, im Saal. Reichsiiallen-Theater. « Siser. Ansang Wochentags SUHr, Sonntags 7 Uhr.. Reichs- hallen- Garten und Restaurant: Militär- Konzert Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne OOLOC�fHER Täglich nachm. 5 Uhr: Grolle� || Militär-Doppel-Konzert. Eintritt 1 Mk., von abends 1 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Brunnen-Theater Badstraße 58. Direkt.: Bornh. Rose. 10 Attraktionen ersten Ranges t0. pOF* Ai-tur Wolff."MW D'Elbost.— Rämbler Comp. Der Geistcrspuk im Gefängnis. Pantomime der Uokaschi/Iruppe. Im Fluge durch die Welt. tzlusstattungs-Volksstück in 6 Bildern. Kassenerössnung 2 Uhr. Ans. 5 Uhr. Im Saale:: 54/15 Zugeständnisse der Arbeitgeber und unsere Stellung- nähme hierzu. ——— Mitgliedsbuch legitimiert.—— Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Zimmerer ((£. H. Nr. 2 Hamburg.) Oertliche Verwaltung Berlin. Freitag, 7. Juui, abds.«'/, Uhr, im Gewerkschastshause, CMgel-Ufer 16, Saal 1: HanS N ö h r, der einzige Fährer der Welt, welcher die endlose Schieise nur 3 Meter Durchmesser, vertikal durchsährt.— Sleckncnn, phänomenale jmr Ö Z/teicl DUttltUl uutu/iuyi-t.— uidvi\ttuiiii, � yuuwilittiutc Kunftradsahrer-Truppe.— Alfredi Mourdini, der unsesselbare Ausbrecherkönig. Dazu das neue und beste Programm Berlins. Ans. 3 Uhr. Kaffeeküche. Volksbelustigungen aller Art. Entree 30 Pf. Arnold Scholz Neue Welt 108114. sdonnerstag, den 6. Juni 1907: Elite=Tag. G Or. Doppel-Konzert G und � Spe�ialitäten-Vorftellung. A l. xeokes krillsnt-�euei-�erk des ltunftseuerwerters Adolf Bock. Tanz=Reunion. «nfaiig 3 Uhr. An Tang 5 Uhr. Entree zum Konzertgarten 10 Pf. Entree zum Theatergarten 30 Pf. Mitglieder- Uersammlung. XageS'Ordnung: Mrechnung vom ersten Quartals 2. Wahl ewes Kassierers (tri."''' für den Link: dritten Bezirk. 8. Bortrag bei KewerklchaftSsekretärS Genossen O .lieber Wesen und Wirke« der Arbeiterverfichernng.« Mitgliedsbuch legitimiert. Der Borstand. 259/6» S.»ich. Schröder. Tilstterstr.»2. Vessenttiehe Versammlung für 1118b Dienstboten und Hausangestellte beute, Donnerstag, den 6. Juni, abends S'L Uhr, in Dräsets Fepsiilen, Neue Friednchslr. 35: „fort mit den üeiinckecklenstbüchei'n!" Reserenttn: Frl. 8chanb. Die Einbernfertn. i M MeMneg Oeulselilanits. Verwaltungsstelle Berlin N. Bnrean«. Arbeitsnachweis:.Gewerkfchaftshauö»,«ngel-Ufer 10 II. ------------- z.«tnir� Zimmer 13—17. Telephon: Arbeitsnachweis: tIV, 8348. Bureau: 4747. Achwng! Achtung 1 Bierfahrer, Mitfahrer u. Stalleute Sanssouci, sÄ5 e. Direktion Wilhelm Reimer. Bei gsinsliaerWitterung aus der Gartenbühne. Sonnt., Moni., Donnerst.: Hoffmaniis Nordd. Sänger u. Tönzkrilnzciien, Jubelnder Beifall: Def Unkel au! Reisen. Posse mit Gesang. Sonnt. Beg. 5, wochent. 3U. Walhalla-Variete-Garten. Weinbergsweg 19/20, Rosenth.Tor. Spezialitäten- Vorstellung. 15 hervorragende Nummern 15. Kleine Tommerpreise. Ans.: Konzert 5; Vorstellung7Uhr. NM- Bei ungünstiger Witterung Voroteliung im Theater. IBQ Am KBsfrinerplatz, Riidersdorferstr. 71 Hermann Imbs. Diiglich: Qroßes Konzert, Theater- und Spezialitätsn Vorstellung. Oustav Behrens-Theater. Berlin W., Goltzstraße 9. Ob Regen, ob Sonnenschein Das neue groftartige uni< Programm. jugendl.Berivand lungs-Künsllerin. Gre'te Reaumö, Soubrette. Willy Schönberg. Humorist. ?? Greifenberger Prolongiert?? und die anderen Spezialiläten. Zum Schluß die urkomische Pofle: die- o. Die Kasten in der Periickc oder: Ein verungliidtes Stelldichein. Ansang 8 Uhr, Sonntags 6'/, Uhr. Max Kiiems Sommer-Theaters i Möbelfabrik„Voran" Boxhagenerstr. 10». * Bilanz für das Geschäftsjahr 1906. A dk+lv««. Psvcidal vn. Hasenheide 13/15 Artistische LeiNlng: M M Paul Milbitz. Täp: Gr. konzert Theater| u. Spezialitätei-Vorstclliifisj. Jeden Montag: Sommerfest Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste. Jeden Donnerstag: Elitc-Tag. Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. I I Expedition des„Vorwärts", Berlin SW. 68, Lindenstr. 69, Laden._ Jedem Naturfreunde, jedem Wanderer, Svaziergänger, jedem. der nach dem Mühen und Hasten der Woche des Sonntags hinaus- flieht in die Natur, dort Erholung und Ersrischung zu suchen, empfehlen wir: 5 onntage eines grajfctädtisehen Arbeiters in der Katar;; •• •• omi Curt Grottewitz, mit einem Vorwort von Wilhelm BOIsche Mit Buchschmuck Broschiert 60 Psennig. — und dem Portrat des VerfafferS.—— Gebunden 1 Mark.— Wilhelm Bölsche schretit in seinem Berwort: „Ich glaube, daß es in der ganzen Literatur nicht leicht ivieder so schlichte Naturschitdcrungen gibt, mit so scheinbar allereinsachslen Mitteln, wie in diesem Büchlein.- 234/10» ms sämtlichen Weißblerbranmien Kerlins! Freitag, de» 7. Jum, abends 7 Uhr, i«„Englische« Garte«", Alexanderftr. S7o: Große Versammlung. TageS-Ordnung 1. Bericht der Lohnkommisstou über dir stattgehabte Berhand- lung mit der Dariftommissto» der Brauereien. 2. Diskussion. 7P5 3. Mitteilungen. Kollegen! In Anbetracht der hochwichtigen Tagesordnung darf kew einziger Fahrer, Mitsahrer, Reservesahrer od« Stallinann in dieser Ber< sammiung schien! Erscheint alle Mann für Mann! MOI Das Berbandsbuch ist am Eingang vorzuzeigen. Kollegen, ' den Zu welche noch nicht dem Berbande angehören, ha Versammlung und könne« sich als Mitglied einschreiben laße«. Zutritt zu der Mit kollegialem Gruß Die SektionSleitung. I. A.: G. Alisch. E.G. m. b. H. Actlva. Kaffa-Bestand..... 729,02 Bank-Konto..... 6 152,15 Kautions-Konto.... 260,00 Maschinen-Konto.... 1 665,72 Werkzeug-Konto.... 2 637,78 Utensilien-Konto.... 175,32 Debitoren...... 6 702,73 Materialien-Konto... 16 464,42 Passiva. KeschästSanteil-Konto Darlehen-Konto 330,00 i)a«eqtn-jcomo.... 19 111,53 Akzeplcn-Konto..... 6 544,76 Kreditoren...... 6 983,95 544,76 Kreditoren...... 6 983,95 Reserve-Konto..... 437,84 Gewinn- und Verlust-Konto 2 379,06 IS 34 737,14 MItglicderzahl am Ansang deS Geschäftsjahres Eingetreten..............— Ausgetreten.............. 2 Mitgliederzahl am 31. Dezember 1906.... 11 Gesamthasffumme am Schlüsse des Geschäftsjahres 1906: Dieselbe hat sich um 60 M. vermmdert. Möbelfabrik„Voran". E. G. m. b. H. Der Vorstand. K. Pusch. E. Kehding. 34 787,14 330 M, 1109b Restaurant„Rgffhäuser", Vleder-Schönewelde. Jnh.: Robert Tlsmer. 3euneb" 2°nu.a7� Gr. Garten- Konzert im großen Saal: Bö«„Ion. ab Schillinasbrücke täglich von L Uhr nadimtttags ab halbstündlich. Dampferfahr. gäste zahlen zum Konzert kein Entree. Arbeiter-vilclunKSsclAuIe verlin. Sonntag, den 9. Juni: 4/15 Tamiiien-jlusfinB nach Hohrs Strand-Restaoraiit Riehtershon, zwischen Grünau und Karolinenhof. Abfahrt de? SladtbabnzugeS: Aleranderplatz 8«, Jannowltzbrücke 8«, Schlesischer Bahnhof 8" bis Grünau. Treffpunkt sür Nachzügler von 12 Uhr Mags ab: Richtershor«. 0»» Komitee. I. A,: P, ElSner. mittags ab: RichterShor«. Zahlreiche Beteiligung erwartet Verspätet. Am Sonnabend, den 1. Juni, ' arb nach langem, schwerem en unser langjähriger Mit» arbeiter.s der Buchdruck-Maschmen- meister Max Drescher. Wir werden sein Andenken stets in Ehren hallen. Buchdruckerei„Vorwärts". Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige Den Kollegen unser Mitglied, (ur Nachricht, )er Schlosser daß Georg Engeimann am 2. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 6. Juni, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle deS ZionS-Kirchhoscs, Nieder- Schönhausen, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 119/15 Ole Ortsverwaltung. Zentral-Kranken-Unterstiitziuigs- Verein der Schmiede u. verwandten Gewerb« Deirtschl. Zahlstelle Berlin III. Todes-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, unser Mtglied, der Schlosser daß Georg Engeimann am 2. d. MtS. im Mer von! 39 Jahren an der Proletarier- krankheit verstorben ist. Ehre seine« Andenken k Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 6. Juni, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle deS Zions-Friedhose» t« Nordend auS statt. 291/10 Die OrtSverwnltnng. Verein Berliner Raiisdiener. Mitgliedschaft I de» Zcntralvcrbandes der Handels«, Transport«, Berkchrsardeiter». Ardeiterinnen Deutschlands. Dodes-Auzeige. Unseren Rilaiiedern zur Aach- richt, daß der Kollege Wilhelm Matiede verstorben ist.?A(4 Ehre seine« Budenke«! Di« Beerdigung findet heut«, nachmittag« 4 Uhr, von der Leichenball« de« St. Sebastta«- Kirchbose» in Reinickendorf, Hum> boldstraße 68/73, auS statt. Um reg« veteiltgung ersucht 01e Ortsverwaltung I. Deutscher Senefelder-Btrad. (Verband dnr Lithographen, Stein- druoker und verwandte Berufe.) Todes-Anzeig«. Am 3. Juni verstarb unser Mtt- glied»nd Kollege, der Stein- druck« (Zeorx Jacobs Im Alter von 28 Jahren an der Lungenschwindsucht 291/11 Ehre seine« Andenke«! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 6. Juni, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle Jerusalemer Kirchhofes t» der Bergmannstraße aus statt. Die Verwaltung der Filiale I. Zeitral-VerbaDil der Maurer Zweigverein Berlin. Dodes-Anzeige. Am Sonntag, den 2. Juni der- starb unser Mitglied Gottiieb Schwenzner an Darmkrebs im Alter von 37 Jahren, Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 1. Juu, nachmit- tagS 12'/, Uhr vom St. Josephs- Krankenhaus in Potsdam aus statt. 140/6 I. A.: W. Kernten. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Lodert Kom am 3. Juni verstorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 6. Juni, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen. berger Allee, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 87/18 Oie Ortsverwaltung. ttttfltill. itifUlllm' Hann Ißiebctt ifieiiui. fltlltmtinUlt UM&taU P- Psocke, Berlin. g)ni(J« u«»ria�L�p�g� Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern z—: Nachricht, Paul Lch��ketcl am 4. Juni verstovben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 7. Juni ct., nachmittags 5'/, Uhr, von der Leichen- halle des Gcorgenkirchhoscs.Lands- berger Allee, aus statt. 87/17 Rege Beteiligung erwartet Die OrtSverw. ltung. luvaüdeii-DiMtziiiigskasse Die Beerdigung des am 3. Juni verstorbenen StemdruckerS Georx Jacobs findet am Donnerstag, den 6. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Jerusalems- Kirchhojes, Bergmannstraße, aus statt. 1115b DaS Ksmitee. Orts- Krankenkasse sür da« Aarbiergtwrrbt Aerlia. Bekanntmachung. II. Abänderung zum Statut. 14 Absatz 2 wird solgendermaßen erwettert: Die tmKrankenhause Untergebrachten erhalten, wenn fie Angehörige baden, deren Unierhalt sie bisher aus ihrem Arbeitsverdienst beflritten haben, die Hülste des im S 13 Ziffer 3 als Krankengeld sestgefetzlen Betrag«« sür die Angehörigen, andernsallS'/„ deS durchschnittlichen TagelohnS. Der Vorstand. 276/15 Julius Langen««, Paul Sehrolle, Vorsitzender. Schri..... Genehmigt durch Scji Schriftführer. schtuß vom 9. Aprll 1907. Der Bezirksausschuß zu Berlw, Abteilung II. Siber. Reichels weltherfihmter flhuerangentod Josca' beseitigt schmerzlos u. gründlich jede« Hühnerauge, selbst veralte»«, u. jed- wedeHautverhärtung.„Besoo",»»« sicherste MMel der«ett. Dos« 75 Ps.. M. 1,— franko. Itto Reichel, Beriln 43, Elsenhnhnetr, 4. Empfehle den Gewerkschaften usw. »*. Lokal.. Wcrttflatt- ßhNgtU. 8«««« fth M M 10 Personen. Zahlstelle de« Dentschea Metallardeiter- Verbandes, der Tchneider-Krankenkafie. 1080b» Witwe JKürhUi, Luisenstr. 26. Otto Pritzkow HttnastraOe IC. -in (St Leate) Theater lebender Photographien, TSgtlcb Eingang tob — Nenbeiten.— V Den ganzen Tag Vorstellong. ♦ s teppdecken Spczialbaua Emil Lefevre, BerlinSfid. Seit 1882 nur Oranienstr. 158 Unter halte nirgends Filialen! Celegenbeitskan}! Ii Ersatz fQr Deckbett Bit in den Farben rot, blau, oliv jiSJS» |njjH ScÄ'enWF ganz dick) Pracht- Katalog mit cn. 000 III us trat. gratis und franko. Nr. 129. 24. IahrgavK. Z. KnlM i>es„Dmw" Kerlim KIKsM Donnerstag, 6. Juni 1907. Sei' Prozeß Pöplau. Neunter Verhandlungstag. Der Prozeh Pöplau ist am Mittwoch nach langwierigen, neun Tage hindurch dauernden Verhandlungen zu Ende ae- kommen. Das Ergebnis war die Verurteilung PöplauS zu drei Monaten Gefängnis. Den Schluß der Beweisaufnahme sollte am Mittwoch die Per- nehmung jenes unbekannten Kriminalschutzmanns bilden. auf besten„Beobachtungen" sich die Behauptung stützt, dem An- geklagten sei vom Sekretär Schneider Material geliefert worden. Diesem Beamten hat seine Dienstbehörde, wie vorauszusehen war, die Erlaubnis zur Zeugnisablegung verweigert. Zu Beginn der Sitzung verlas der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Langner ein Schreiben, durch das der Polizeipräsident mitteilt, er müsse es ablehnen, die Genehmigung zur Vernehmung dieses Zeugen zu erteilen. Einen Grund für seine Weigerung anzugeben, hatte der Herr Polizeipräsident unterlassen. Zugleich hatte er es sich erspart, auch nur den Ramen jenes Schutzmannes zu nennen. Das Beweismaterial war hiermit erschöpft, weitere Anträge wurden von keiner Seite gestellt, die Beweisaufnahme konnte daher geschlossen werden. Nunmehr ergriff Staatsanwalt Lindow das Wort zur Schuldfrage und führte folgendes auS: Fast ein Jahr ist vergangen, als grobe Indiskretionen aus der Kolonialabtcilung des Auswärtigen Amtes großes Aufsehen erregten. In der Sache Puttkamer wurden ganz geheime Akten- stücke sofort veröffentlicht, nachdem die betr. Verfügungen usw. kaum erlassen waren. Es war Pflicht der Behörde, den Spuren dieser Indiskretionen nachzugehen, und die Spur führte auf den Angeklagten Pöplau. Es stellte sich heraus, daß Pöplau tatsächlich bei den Indiskretionen seine Hand im Spiele hatte, aber es war damit noch nicht viel gewonnen, denn Pöplau war nicht mehr Beamter, er konnte die Mitteilungen aber nur von einem Beamten erhalten haben, und deshalb war es geboten, nach dieser Richtung hin weitere Nachforschungen anzustellen. Aber eS ist nichts ermittelt worden und es steht nicht fest, ob Pöplau in diesen Fällen als Anstifter oder Teilnehmer zur Rechenschaft gezogen werden könnte. Diese Fälle scheiden also aus. In dem Verfahren stellte es sich aber heraus, daß Pöplau sich gegen den§ 353a in anderen Fällen vergangen hatte. Das jetzige Strafverfahren hatte von Anfang an großes Aufsehen erregt, aber bald trat eine gewisse Enttäuschung ein. Es hat sich nicht ergeben, daß der Angeklagte bedeutende Urkunden der Oeffentlichkeit Preis gegeben, es handelt sich außerdem nur um wenige Fälle, die weit zurück und beinahe an der Grenze der Verjährung liegen. Da kam dann die Reaktion gegen die anfängliche Aufregung und man war geneigt, die ganze Affäre Pöplau als eine Rache der von Pöplau verlebten Bureaukratie hinzustellen und die Ansicht zu verfechten, daß es sich hier um Dinge handle, die doch überhaupt nicht verfolgt werden sollten. So liegt die Sache denn doch nicht. Die Justiz ist nicht dazu da, Sensation zu erregen, und da hier strafbare Handlungen vorliegen, mutzte die Anklage erhoben werden und diese lang- Ivierige Verhandlung stattfinden. Immerhin muß letztere größeres Interesse erregen, nicht wegen des Charakters der Urkunden, um die es sich hier handelt, auch nicht wegen der Person des An- geklagten �der Fall hat aber ein juristisches Interesse, denn H 363a ist eine Spczialbestimmung, die vor 33 Jahren erlassen ist und bis jetzt gar keine Anwendung gefunden hat. In der Praxis liegen Erfahrungen bezüglich der Anwendung des§ 353a nicht vor und der Verteidiger hat ja schon angedeutet, daß das Reichs- gericht sich mit diesem Fall zu beschäftigen haben wird, um eine maßgebende Interpretation des§ 353a zu erlangen. Heute muß das Gericht selbst diese Interpretation geben. Es kann nicht darauf ankommen, was dieser oder jener Abgeordnete bei der Bcratupg des§ 353 a gesagt hat; diese Ansichten des Einzelnen können nicht maßgebend sein. Gründe der Abstimmung werden nicht bekannt gegeben und das Gericht ist daher in der Lage, nach allgemeinen Grundsätzen seine Entscheidung zu treffen. Der Staatsanwalt geht hierauf dazu über, eine Analyse des § 353 a zu geben, den Begriff dieser Strafbestimmung zu erörtern und darzulegen, inwiefern der Angeklagte dagegen verstoßen hat. Als das Gesetz erlassen wurde, gab es noch kein Kolonialamt, dessen Beamte jetzt nicht mehr dem Auswärtigen Amte unterstehen und deshalb auch nicht mehr unter den Z 353 a fallen. Aber der Angeklagte war Beamter im Dienste des Auswärtigen Amtes. Der Staatsanwalt vertritt sogar die Ansicht, daß nicht nur ein aktiver Beamter unter das Gesetz fällt, sondern auch ein Beamter, der entlassen und außer Dienst ist. Es handelt sich hier nicht um Urkunden, die die Sicherheit des Reiches oder eines Bundes st aates gefährden können, sondern der§ 353a hat ganz allgemeine Urkunden ohne weitere Umgrenzung im Auge. Der Angeklagte hat ja angedeutet, daß er auch Urkunden der anderen Art besitze, die er vielleicht veröffentlichen könnte. Er würde dann einen Landesverrat begehen, der ihn ins Zuchthaus bringen würde. Hier handelt es sich um Veröffentlichung von Urkunden, deren In halt gleichgültig ist, deren Veröffentlichung unter Bruch der Amtsverschwiegenheit dem An- geklagten eine Gefängnisstrafe zuziehen mutz. Alle die Schrift- stücke, um die es sich hier handelt, waren, wie der Staatsanwalt des längeren ausführt, geheim zu halten, sie waren ihm teils amtlich anvertraut oder amtlich zugänglich. Der Angeklagte sagt, er habe sich das Material nicht gesammelt, es sei ihm zugeflogen und er habe keine Ahnung, wer der gütige Spender war. Es ist wunderbar, daß das Material nur an den Angeklagten kam und auch immer richtig war. Da liegt es doch nahe, daß er bei den anonymen Zusendungen seine Hand im Spiele hatte, die Schrift- stücke vielleicht selbst an sich schickte oder durch gute Freunde an sich schicken ließ. Aber er würde auch strafbar sein, wenn er die Urkunden auf dem von ihm angegebenen Wege bekommen hätte, denn er wußte, daß sie nur von einem Beamten stammen konnten. Der Staatsanwalt erörtert dann eingehend und unter Hervor- Hebung der einschlägigen juristischen Gesichtspunkte die einzelnen Fälle und kommt zu dem Schluß, daß sowohl in der Veröffent- lichung des Frantziusschen Gutachtens in dem Zivilprozeß, ferner in der Hingabe dieses Gutachtens an den Zeugen Schwinn und in der Hingabe der Schriftstücke an den Abg. Erzberger alle Tat- bcstandsmerkmale des§ 353a liegen und der Angeklagte diese Mitteilungen widerrechtlich und unter Verletzung der Amtsverschwiegenheit gemacht hat. Was den Kampf um seine Gehaltsansprüche betrifft, so war dem Angeklagten nicht zu verdenken, daß das Scheitern seiner Aussichten ihn in eine gewisse Mißstimmung bringen konnte. Der Angeklagte hat aber seine Rechte in einer Weise geltend gemacht, die ihn in das Gefängnis bringen muß. Er sagte hier einmal, er gehe immer den geraden Weg; das ist aber wohl eine optische Täuschung, denn viele Leute werden der Ansicht sein, daß seine Wege sehr krumme waren und er sich durch das Beschreiten dieser krummen Wege selbst unendlich geschädigt hat. Was den Fall Erzberger betrifft, so entbehrt die Schilderung, die Herr Erzberger von den Vorgängen gibt, nicht einer gewissen Komik. Herr Erzberger suchte einen Stenographen, ließ den An- geklagten zu sich kommen; dieser konnte den Posten nicht annehmen, erklärte aber, daß er sich über das Auswärtige Amt zu beschweren habe— und da war beiden geholfen; die Anknüpfung war ge- geben und der Angeklagte gab Erzberger ein ganzes Faszikel von Schriftstücken. Ueber den Zweck des Vorgehens des Abg. Erzberger auf Grund dieser Schriftstücke sind Meinungsverschiedenheiten ent- standen. Es war behauptet worden, daß es darauf angekommen l sei, die Einstellung des Disziplinarverfahrens gegen Pöplau zu ■ erringen. Herr Erzberger hat dies energisch bestritten. Jeden- -falls war die Antwort, die er an matzgebender Stelle erhielt, eine derartige, daß er das Wiederkommen in dieser Sache vergaß. Aber die Verbindung war nun einmal angeknüpft und so hat denn Pöplau zu einer Zeit, als er noch im Dienste war, dem Abg. Erz- berger manches Material ausgeliefert, das, wie der Staatsanwalt weiter eingehend darlegt, von ihm nicht ausgeliefert werden durfte. Der Angeklagte konnte auch nicht glauben, daß er nicht rechts- widrig handelte. Der Angeklagte hat wiederholt damit gedroht, daß er sich an die Oeffentlichkeit und an das Parlament wenden würde. Was er angedroht hatte, stand nicht in seiner gesetzlichen Befugnis. Er durfte sich nicht dazu herablassen, einem einzelnen Abgeordneten Material zu geben. Der Angeklagte kann sich auch nicht damit schützen, daß der Abg. Erzberger von dem einen oder anderen der fraglichen Schriftstücke kraft seiner Stellung als Abgeordneter auf ganz legalem Wege hätte Kenntnis nehmen können. Auf diesem legalen Wege ist diese Kenntnis aber nicht gewonnen worden, sondern der Abg. Erzberger ist durch einen Beamten unter Bruch der Amts- Verschwiegenheit erst darauf gestoßen worden.— Was die Straf- abmessung betrifft, so ist zu erwägen, daß der Angeklagte un- bestraft ist. Andererseits aber ist der Angeklagte durch eine hohe Disziplinarstrafe gewarnt worden, man hat ihn auch auf Z 353a aufmerksam gemacht. Der Angeklagte hat aber auch gröblich gegen die Disziplin verstoßen. Ein Beamter muß seine eigene Person zurück st ellen; der Angeklagte stellte aber seine Person in den Vordergrund. Es ist nicht gerechtfertigt, auf eine Geldstrafe zu erkennen, sondern es muß eine Gefängnisstrafe ausgesprochen werden. Der Staatsanwalt beantragt 4 Monate Gefängnis und Einziehung der hier in Betracht kommenden Abschriften. Verteidiger Rechtsanwalt Bertram: Der Herr Staats- anwalt hat bereits hervorgehoben, daß der Fall Pöplau in den weitesten Kreisen Sensation hervorgerufen habe. Der Schwer- punkt liegt nicht in den Bagatellen, um welche es sich bei den hier in Frage stehenden Urkunden handelt, sondern in dem Umstände, daß ein preußischer Gerichtshof zum erstenmal in die Lage kommt, den A r n i m- P a r a g r a p h e n zu interpretieren. Ich kann die Versicherung geben, daß man an den maßgebenden Stellen, auch selbst außerhalb der schwarz-weitz-roten Grenzpfähle, dem Ergebnis der Verhandlung gegen Pöplau mit großer Spannung entgegensieht.— Soweit man in das Gebiet der Jurisprudenz eindringt, wird man keinen An- Haltspunkt dafür finden, was der Gesetzgeber mit dem Arnim- Paragraphen gewollt hat. Es ist deshalb notwendig, auf die Motive, die diesem Paragraphen unterlagen, näher einzugehen. Der Verteidiger verliest die Motive zu dem Gesetz und trägt aus den Verhandlungen vom 3. Dezember 1875, an denen sich der da- malige Reichskanzler Fürst Birsmarck und die Abgg. Dr. Laster und Dr. v. Schwarze beteiligten, einzelne Reden wörtlich vor und zeigt an der Hand derselben, daß es sich bei dem Vergehen, die durch den Arnim-Paragraphen getroffen werden sollen, nur um Urkunden hochpolitischen Charakters handelte, daß Vorsorge gegen Indiskretionen in solchen hochpolitischen Dingen seitens der diplomatischen Agenten getroffen werden sollte,„da- mit der Staat keinen Schaden leide". Um solche Urkunden handelt es sich hier aber ganz und gar nicht, sondern nur um Angelegen- heilen der mneren Verwaltung der Kolonialabteilungen, und Ur- künden dieser Art fallen keinesfalls unter den Arnim-Paragraphen. An eine so extensive Interpretation des tz 353a, wie sie hier in diesem Falle gegeben werden soll, hat kein Mensch gedacht. Sollte der Paragraph so weit interpretiert werden, so würde jeder Boten- meister bestraft werden müssen, der etwa sagt:„Heute haben wir 50 Eingänge gehabt." Auch folgende Konsequenz würde entstehen: Der Etatsentwurf des Auswärtigen Amtes ist ein sehr geheimes Aktenstück. Wenn ein Beamter des Auswärtigen Amtes aus diesem Etat irgendeine Mitteilung macht, würde er bestraft werden; einem Beamten des Reichs-Schatzamtcs würde aber unter gleichen Um- ständen dieses Schicksal nicht beschieden sein.— Der Verteidiger erörtert sodann ausführlich die Frage der Amtsverschwiegen- h e i t an der Hand der Bestimmungen des Bcamtengesetzes und der Erläuterungen dieser Bestimmungen durch die Redner im Parlament. Er sucht nachzuweisen, daß die Beamten an die An- Ordnungen ihrer Vorgesetzten nur in soweit gebunden sind, als sie den Gesetzen gemäß sind. Er führt weiter aus, daß der Staats- sckretär des Auswärtigen Amtes nach der ganzen Stellung des letzteren zu den Schutztruppen überhaupt nicht befugt war, dem Angeklagten eine generelle Schweigepflicht aufzuerlegen bezüglich solcher Urkunden, deren Verantwortung nicht der Staatssekretär trug, sondern das Oberkommando der Schutztruppcn. Im übrigen ist hervorzuheben, daß das erste Schweigegebot am 31. Dezember 1902 erfolgt war, die Publikation des Frantziusschen Gut- achtens aber spätestens schon am 28. Februar 1902.— Der Angeklagte steht auf folgendem Standpunkte: Was den Fall Kannenberg betrifft, so kennt die Reichsverfassung kein Be- gnadigungsrecht des Kaisers. Der Kaiser kann das Äegnadigungs- recht nur ausüben auf Grund besonderer Titel, wie z. B. des 8 118 des Beamtengesetzes und der§8 484 und 485 der Strafprozeßordnung. Der Angeklagte war daher der Ansicht, daß die Pensio- uierung des Herrn Kannenberg nicht nur ungesetzlich, sondern auch etatswidrig war und auch durch einen Gnadenakt die Pensionierung des Kannenberg nun und nimmermehr erfolgen durfte. Deshalb hielt sich der Angeklagte nicht für verpflichtet, diesem Schweigegebot Folge zu leisten. Was den Fall Brandeis-Kiem betrifft, so handelt es sich um Verbrechen und Vergehen des Brandeis, die von dem jetzigen Staatssekretär Dernburg im Reichstage schon zugegeben worden sind. Der Angeklagte war der Ansicht, daß die zuständige Behörde die Sache nicht einfach zu den Akten nehmen durfte, son- dern sie sofort ex okticio behandeln mutzte. Der Verteidiger ver- weist ferner darauf, daß§ 11 des Bcamtengesetzes von der Geheim- Haltung solcher Urkunden spricht, deren Geheimhaltung sich aus der Natur derselben von selbst ergibt. Der Verteidiger sucht nachzu- weisen, daß dies hier nicht der Fall. ist. Sollte sich der Gerichtshof diesen Ausführungen nicht anschließen, so erörtert der Verteidiger eingehend an der Hand der einzelnen Fälle die Frage, ob die in Frage stehenden Urkunden dem Angeklagten amtlich zuge- gangen oder ihm amtlich anvertraut waren. Er greift die rechtlichen Grundlagen der Anklage an und kommt im Gegensatz zu dem Staatsanwalt zu einer Verneinung der Frage. Der Staatsanwalt, so schließt der Verteidiger seine rechtlichen und tatsächlichen Ausführungen, hat von dem von der Staatsanwalt- schaft manchmal ausgeübten Recht Gebrauch gemacht, die Person des Angeklagten anzuschwärzen, indem er auf dessen wiederholte Bestrafungen im Disziplinarverfahren hinwies. Demgegenüber möge der Gerichtshof die ganze Persönlichkeit dieses Angeklagten auf der einen Seite und die Verfehlungen, deren er sich schuldig gemacht haben könnte auf der anderen Seite in die Wagschale werfen und da ist es gar nicht zweifelhaft, auf welcher Seite die Wagschale sinken wird. Wohl selten ist ein Mann so tief ?e kränkt und gereizt worden wie dieser Ange- lagie, aber er ist immer frei von Schuld und Fehl seinen nicht mit Rosen bestreuten Weg gegangen. Ich verlange kein Mitleid für den Angeklagten, sondern nur das Recht. Sie mögen den An- geklagten der schwersten disziplinarischen Bestrafung für wert er- achten; ich verlange aber, daß die Scheidegrenze zwischen Disziplinarvergehen und einem nach dem Straf- gesctzbuch zu ahndenden Vergehen scharf gezogen werde. Sie, meine Herren Richter, stehen hier vor dem ersten Fall der Anwendung des Arnimparagraphen und wenn Sie nach Wür- digung aller vorgebrachten Momente anerkennen müssen, daß es sich um ein noch dunkles Gebiet handelt, so haben Sie die Pflicht, den Angeklagten frei zu sprechen, denn es ist eine Anforderung, die jede gesittete Nation an ihre Rechtspflege stellen muß, daß ein Angeklagter, der einem dunklen, ihm unverständlichen Gesetze gegenübersteht, niemals bestraft werden darf. Ich schließe mit den Worten, die seinerzeit Professor v. Holtzendorff als Verteidiger des Grafen v. Arnim dessen Richtern zurief, mit dem Wahlspruch, den die Stiftungsurkunde des preußischen Rechts enthält: Luum cuiquel Vor Gott und den Menschen kann dieser Wahrspruch in bezug auf diesen Angeklagten nur lauten: Nichtschuldig. Es folgt eine kurze Replik des Staatsanwalts und eine Dupli! des Verteidigers. Der Angeklagte selbst führt auch seinerseits aus, daß der Arnimparagraph auf die hier in Frage stehenden Schriftstücke un- möglich Anwendung finden könne. Der 8 3b3a sei doch sicherlich nicht zu dem Zweck in das Strafgesetzbuch hineingebracht worden, um eine Verfolgung strafbarer Vergehen zu verhindern. Der An- geklagte schließt mit den Worten, die seinerzeit Fürst Bismarck im Reichstage gesprochen:„Ich schätze an dem ganzen Regime der neueren Zeit nichts so sehr als die absoluteste Oeffentlichkeit; es soll kein Winkel des öffentlichen Lebens dunkel bleiben und müßte nur selbst das gelbliche Dämmerlicht auS der Blendlaterne auf ihre Fäden fallen— es ist immer besser, als daß sie unbeleuchtet bleiben, und hätte es auch nur die Folge, daß der„Flug der hohen Mei- nung", womit die beste Verwaltung und Bureaukratie sich so leicht täuscht, einige Verminderung erleide." Hierauf zieht sich der Gerichtshof zur Beratung zurück. Den, auf drei Monate Gefängnis lautenden Urteil gegen den Angeklagten Pöplau schickte Landgerichtsdirektor Laugner eine längere Begründung voraus, in welcher etwa folgendes auS- geführt wurde: Der§ 353a gehört zu den eigentlichen Amtsdelikten und betrifft nur eine bestimmte Kategorie von Beamten, nämlich diejenigen des Auswärtigen AmteS. Zu dieser Kategorie hat der Angeklagte zweifelsfrei gehört. Ihm werden drei Fälle des Vergehens gegen Z 353 a zur Last gelegt. In dem einen Falle, wo es sich um die Mitteilung des Frantzius- scheu Gutachtens an den Justizrat G r ü n s ch i l d handelt, kommt die Frage der Verjährung iu Frage. Eine Ver- jährung liegt aber nach Ansicht des Gerichts nicht vor. Es handelt sich um die Benutzung eines Gutachtens in einem Prozesse und da liegt eine fortgesetzte Handlung vor, die als nicht verjährt erscheint, wenn ein Teil noch nicht verjährt ist. Das Gericht hat ferner als erwiesen augesehen, daß der Angeklagte im Oktober 1905 sämtliche Schriftstücke zu den Fällen Kiem und Kannenberg dem Ab- geordneten Erzberger zur beliebigen Verwendung gegeben hat. Es handelt sich da um getreue Abschriften von Schriftstücken, die den Personalakten entnommen sind. Der Angeklagte behauptet, daß ihm dieses Material anonym zugestellt worden sei. Das Gericht nimmt nicht für erwiesen an, daß der Angeklagte anderes Material gesammelt hat. In dem einen Falle ist diftch die Aussage des Zeugen Schneider erwiesen, daß der Angeklagte das Schriftstück zugesandt erhallen hat, der Gerichtshof hält es auch für dargetan, daß dem Angeklagten noch nach seinem Ausscheiden aus dem Amte durch pflichtvergessene Beamte des Auswärtigen Amts Material zugesteckt worden ist. Im Falle Kannenberg hält es der Gerichtshof auf Grund der Beweisaufnahme für erwiesen, daß der Angeklagte selb st sich die Abschrift angefertigt hat, als ihm zur Bearbeitung dieser Angelegenheit die Personalakten zur Verfügung standen. Der Angeklagte hatte an diesem Falle schon wegen seines Streites mit dem Hoftat Tesch ein besonderes Interesse. Ferner hält es der Gerichtshof für erwiesen, daß der Angeklagte bei dieser Gelegenheit auch Kenntnis erhalten hat von dem Schreiben des Oberkommandos der Schutztruppe vom 2. Dezember 1900 und von dem Schreiben deS Militärkabinetts vom 11. Dezember 1900. Im Falle Kiem nimmt das Gericht für erwiesen an, daß der Angeklagte sich die fraglichen Schriftstücke selb st angefertigt hat. als er die Kiemschen Akten zum Zwecke der Anfertigung der Kassenorder erhalten hatte. Das geht gerade aus der Kiemschen Aussage hervor. Der Angeklagte hatte ein lebhaftes Interesse an diesem Falle und hatte dem Kiem gesagt, daß er dessen Sache in Fluß bringen wolle. Richtig ist, daß er das betreffende Schriftstück zu leiner Arbeit nicht brauchte, dadurch ist aber nicht bewiesen, daß er es nicht doch gesehen hat. Er hat ferner behauptet, daß die Sachen über- Haupt nicht bei den Akten gewesen sind; das ist aber nicht zutreffend. Was die rechtliche Würdigung anlangt, so besteht die strafbare Hand- lung in einer Verletzung der Amtsverschwiegenheit. Den Umfang dieser Schweigepflicht bestimmt der 8 11 des Reichsbeamtengesetzes. Der Beamte hat danach Stillschweigen zu be- obachten über alle ihm dienstlich bekannt gewordenen Sachen, die ihrer Natur nach geheim zu halten sind oder für die ein Schweige- gebot ergangen ist. Ein solches Schweigegebot ist in den hier behandelten Fällen ergangen und der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes war zu einem solchen Schweigegebot berechtigt. Sämtliche qu. Schrift- stücke waren ihrer Natur nach geheim zu halten. Es kommen in dieser Beziehung nicht nur Schriftstücke in Frage, deren Bekanntgabe gegen das Interesse des Staatswohles wäre, sondern auch solche, die sich auf interne amtliche Verhältnisse beziehen. Der Gerichtshof hat auch die Frage bejaht, ob das weitere Erfordernis, nämlich, daß die Schriftstücke dem Angeklagten amtlich anvertraut oder zugänglich waren, erfüllt ist. Die Handlungsweise des Angeklagten wird nun aber erst straf- bar, wenn die Mitteilungen an einen anderen rechtswidrig gemacht worden sind. Auch dies ist der Fall. Herr Erzberger hatte auch als Reichstagsabgeordneter keinen Anspruch auf diese Mitteilungen und auch der Angeklagte konnte leinen Zweifel haben, daß er widerrechtlich handelte, als er Herrn Erzberger das Material gab. Der Augeflagte ist deshalb wegen des Falles Kannen- berg-Kiem, wo eine einheitliche Handlung vorliegt, zu bestrafen, da alle Tatbestandsmerlmale des§ 353a vorliegen. In Sachen des Frantziusschen Gutachtens nimmt der Gerichtshof zwar an, daß die Hingabe des Gutachtens an den Justiz- rat Grünschild und an den Zeugen Schwin objektiv rechtswidrig war, verneint aber, daß der Angeklagte in diesem Falle subjektiv das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit hatte. In diesen beiden Fällen erfolgte daher die Freisprechung, dagegen mutzte der Angeklagte wegen Vergehens gegen§ 353 a in einem Falle(Erz- berger) verurteilt werden. Bei der Strafabmessung hat der Gerichtshof berücksichtigt, daß der Angeklagte unbescholten ist und geglaubt hat, daß er durch die Neuordnung der Beamtenverhältnisie schwer ge- schädigt sei. Andererseits hat der Gerichtshof erwogen, daß der An- geklagte nicht aus Rechthaberei vorgegangen ist, sondern lediglich persönliche Zivecke verfolgte, nämlich: Rache zu nehmen au denen, denen er die Schuld au der Schädigung seiner Interessen beimessen zu sollen glaubte. Bei dieser Sachlage war eine Geldstrafe von vornherein ausgeschlossen, und der Gerichtshof hat auf drei Mo- nate Gefängnis erkannt und, auch die Einziehung der in Frage stehenden Abschriften ausgesprochen. WttternngSüberNcht vom S. Juni 1U07,»lorgenv»»he. SlaNoNtn I 76333 763 SSW herlin 76 t WNW Franks, n M.!76t SW München i764NO Wie»! 76t WNW Stvincmbc. Hamburg verlin H &=■ £ I «f ElaNonen SS 1! B■8 "-c aparanda eterSburg Scillh ilberdec» Paris 757,5}0 760SSO 755 W 752 D 761 SSO «eller 2 Regen 3 ivollcul 3 bedeckt 2 Regen 2bedcckt »a B% f* 6 16 12 8 15 Wetter-Prognose für Donnerstag, den S. Juni 1907. Zunächst wärmer, zeitweise heiter, aber sehr veränderlich mit Gewitter- regen und meist schwachen südlichen Winden; später wieder etwas kühler. Berliner Wetterdureau. ■ji Hygienische Agentur des Reise- Büro der Hamburg- A merika-Linie - G. m. b. H__ Amtlicher Fahrkarten-Verkauf der Pr. St.- Eisenbahnen— Amtliche Ausgabestelle von Rundreise- Heften— Verkauf von Fahrkarten und Fahrscheinen für Eisenbahnen und Dampfer von und nach allen grösseren Orten im Weltverkehr(Originalpreise)— Eisenbahnamtliche Abfertigung des Reisegepäcks— Auskunftsstelle der„Deutschen Alpenzeitung" über Sommerfrischen und Alpinismus— Geldwechsel Verkauf von Reisehandbüchern Ole Korra guter QualHIt in Cigaretten unter kritischen Rauchern. 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