Kr. 131. HbonncmentS'Bedingun�n: Rlonnemctilä- PreiZ|)ifinumeranbo! Liertcljährl. 3,30 MI,, tnonall, 1,10 MI., wSchentticb 28 Pfg, itci inZ HauS. Kinjcliie Nummer 5 Psg, Sonnlags» nuiumei m>l illustricrlcr EoiiiilagS- Beiiage»Die Neue Well" 10?ifp. Post- Hbonncntenl: 1,10 Marl pro Monat. Eiiigolragen in die Post, Zeitung- Preisliste. Unler krenzband für Dcuiichland und Ocsicrreich. Ungarn 2 Marl, für daS übrige Huglonb 8 Marl pro Monat. Postabonncmc»!« nehmen an: Belgien. Dünemarl, Holland, Jlalien. Luxemburg, Portugal. ÄutitSllieli, Schweden und die Schwei«. VI»»»! tigliä«ßw Eonlaa*. 34. Jahrg. Berliner Volksblalt. 2entralorgan cker fosialäemokratifcken Partei veutfcklancls. vle lnlertlonz-Sebllli» delrügt für die Icchkgespalienc KoloneP zeile oder deren Raum 00 Psg., für poliliichc und gewerlschasilichc Berein«»' und Bcrsaninilnng-,klnzeigen 30 Psg. „lileine Anreizen", das erste(seil- gedruckte) Wort 20 Psg., jede« weiter» Wort 10 Psg, Stellengesuche und Echias- stellen, ilnzcigen da« erste Wort 10 Psg,, jede« weitere Wort B Psg. Warle über 15 Buchstaben zählen sür zwei Borte. Inserat- sür die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittag« in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition Ul tii 7 Uhr abends geöfsnet. Telegramm- Adreste: „SozUldcinolirat Btrlli". Rcdahtion: SSL 68, Lindenstrasse 69. |?cni!J)re(licr: Amt IT. Nr. lUSS. Sonnabend, den 8. Juni 1937. Expedition: SM. 68, Lindenotrasoe 69. ffcrnilircriicr: Rnit IT, Nr. I0S4. IPartciblldungen in oeiterreich. Aus Wien wird uns vom 6. Juni geschrieben: Das allgemeine Wahlrecht hat in Oesterreich nicht nur niit dem Privllegieuparlament, sondern auch mit den privi- legierten Parteien aufgeräumt. Parteien, die ehemals klein waren, sind nun groß geworden, Parteien, die sich als groß fühlten, erscheinen jetzt dürftig und unbedeutend. Es ist also begreiflich, jdaß sich die einst so hochgemuten bürgerlichen Parteien, die durch den gewaltigen Sieg der Sozialdemokratie so beträchtlich an Boden verloren haben, nun zusammen- zuschließen suchen, ihre alten Differenzen begraben wollen und daß sie in allen Nationen die eine, die bürgerliche Partei gegen die Partei der Arbeiter bilden möchten. Die Scheidung der Parteien nach Klassen ist noch nicht vollendet, aber aus dem Trümmerfelde der bürgerlichen Parteien, das die Wahlen zurückgelassen haben, treten ihre Konturen bereits deutlich hervor. Das Bestreben der bürgerlichen Konzentration ist bei allen Nationen wahrzunehmen und bei den Deutschen ist es schon mißlungen. Hätte der Mißerfolg darin seinen Grund, daß den deutsch- bürgerlichen Parteien noch starke politische Anschauungen eigen, die sie nicht aufgeben können, ohne sich s e l b st aufzugeben, so wäre es ein Ausdruck ihrer E n t- Wickelung. Aber die Idee der Bildung einer großen deutschfreiheitlichen Partei ist an so lächerlichen Hindernissen gescheitert, daß das Scheitern geradezu eine Bestätigung der unserer deutschösterreichischen Bourgeoisie eigenen politi- schen Unfähigkeit und Rechthaberei ist. Die Wahlen in Deuffchösterreich hatten bekanntlich das Ergebnis, daß von den 233 deutschen Mandaten 96 an Chrisllichsoziale und Klerikale gefallen sind, während die Sozial- demokratie deren 50 eroberte. Es bleiben also 87 Abgeordnete der verschiedenen Abstufungen des bürgerlichen Freisinns, so daß— ein paar unvermeidliche Außenseiter und Eigenbrödler abgerechnet— etwa 80 Abgeordnete verbleiben, die zur Gründung einer Partei des bürgerlichen Liberalismus und deutschen Nationalismus tauglich wären. Das war auch die Hoffnung der Deutschen im Verlaufe der ganzen Wahl- bewegung: die Gründung einer Partei, welche die kindischen Fraktionsunterschiede beseitigen und ein Gegengewicht bieten sollte gegenüber dem klerikalen Block auf der einen(denn dieser kommt durch Verschmelzung der Altklerikalen mit den Christlichsozialen zustande) und den Sozialdemokraten auf der anderen Seite, einer Partei, die also unter Uniständen mit den Deutschklerikalen nationale, mit den Sozialdemokraten fortschrittliche Politik machen könnte. Diese Idee ist nun gründlich gemeuchelt worden. Jene deutschfreiheitlichen Abgeordneten teilen sich in vier Fraktionen: in die Deutsche Volkspartei, die sich hauptsächlich aus den Alpenländern rekrutiert, die Deutsche Fortschritts- Partei, die in den Sudetenländern ihre Sitze hat, die deutschen Agrarier, die von nichtklerikalen Bauern gewählt sind, und die sogenannten Radikalen, den unter Wolfs Führung stehenden Schößling der ehemaligen Alldeutschen. Zu allererst erhoben die Radikalen gegen die Verschmelzung Einspruch; sie sind zwar nur ein Dutzend, aber ihre„Selbständigkeit" geht ihnen über alles! Der eigentliche Zankapfel war die Frage, ob man die drei in Wien gewählten freisinnigen Abgeordneten aufnehmen dürfe.— Es sind das der Sozialpolitiker Dr. Ofner, der ein ebenso ausgezeichneter Jurist wie trefflicher Mensch ist, der ehemalige Ministerialrat 5turanda (ein Sohn des einfügen Gründers der„Grenzboten". Jgnaz Kuranda) und Baron Hock, auch der Sohn eines in Oester- reich berühmten Mannes, des ehemaligen Staatsrats Karl Hock, der auch in der Wissenschaft als Philosoph und National- ökonom seinen Namen hat. Der Ausschließungsgrund gegen die zwei ersten ist sehr einfach: Sie sind nämlich— Juden und also als politische Weggenossen„gut deutscher Männer" schlechthin ungeeignet. Warum aber der Baron Hock nicht aufgenommen werden darf?— Er ist im Bezirk Alsergrund gewählt und zweifellos ein interessanter Mensch. Bei den Christlichsozialen ist er schon als Beamter in der nieder- österreichischen Statthalterei verhaßt gewesen durch die Eigen- schaff, die sie am wenigsten vertragen, nämlich durch seine gewissenhafte Redlichkeit in der Handhabung der Gesetze, bei der er christlichsoziale Günstlinge nicht schonte. Sie haben bei Koerber schließlich seine Abdankung durch- gesetzt, und Baron Hock ist nun Hoffat beim Verwaltungs- g e ri ch t s h 0 f. � Seine verdienstlichste Tat ist die Gründung der„Freien Schule", eines sich über ganz Oesterreich erstreckenden Vereins, dessen Zweck die Verteidigung der Schule gegen die Anschläge des im Dunklen schleichenden Klerikalismus ist. Der Verein, dem auch die Arbeiterklasse Interesse widmet, ist heute das Zentrum des bürgerlichen Freisinns, also den Klerikalen ein Dorn im Auge. Die Forderung, daß dem Baron Hock die Aufnahme in die geplante große deutsche Partei versagt werde, ist den Wolf-Leuten, die sie erhoben, auch zweifellos von den Christlichsozialen eingeblasen worden: sie ist eine Frucht jenes Kompromisses, das zwischen den Römlingcn und den Los-von-Rom-Leuten bei den Stichwahlen geschlossen wurde, und das sicherlich zu den seltsamsten Blüten der Snchwahltakük gehört, lieber diese unwürdige Forderung i st nun die stanze Parteibildung gescheitert! Die Parteien haben sich nicht nur nicht vereinigt, vielmehr sich noch mehr zerstritten. Herausgekommen ist bisher nur die Fusion der Volksparteiler und der Agrarier in einen „Deutschnationalen Verband", dem sich die Radikalen mehr oder minder intim„angliedern" werden. Dagegen ist der Fortschrittspartei, die unter ihren Wählern und unter ihren Abgeordneten Juden hat, geradezu der„gelbe Fleck" an- geheftet worden; die einst einflußreichste, überhaupt die Partei des deutsch-österreichischen Bürgertums, die allerdings in den Wahlen auf etwa zwanzig Mann reduziert wurde, steht nun vor dem unmitelbaren Zerfall. Der Plan, alle bürgerlich-frei- sinckigen Elemente zu sammeln, hat in der Praxis der deutschen Un- fähigkeit ins Gegenteil umgeschlagen: der vierte Teil des liberalen Besitzstandes ist abgesplittert und für die Majoritätsbildung im Parlament unwirksam geworden. Ueberhaupt deuten die Zeichen darauf hin. daß jener deutschnationale Verband, der in der Regierung Beck zwei Minister sitzen hat, das Geschäft der Regierung fortan mit den Christlichsozialen führen will. Unter den slavischen Nattonen geht dagegen die Konzen- tration der bürgerlichen Parteien flott vorwärts; wie in Oesterreich selbstverständlich, hüllt sie sich in ein natio- n a l e s Gewand. So werden die bürgerlichen Tschechen, Polen, Ruthenen, die Südslaven ihre althergebrachten Diffe- renzen„zurückstellen" und sich innerhalb jeder Nation zu einem parlamentarischen Klub zusammenschließen. Das gleiche Wahl- recht entzieht eben den ideologischen Scheidungen den Boden und rückt das Klassenintcresse in den Vordergrund. Die Parteiverhältnisse sind dadurch einfacher— ob auch das Regieren, da die Mittel- und Bindeparteien fehlen, leichter, das muß erst die Erfahrung erweisen. Vorläufig ist alles noch im Werden und Gestalten, und nur eine Partei steht gerade und aufrecht vor der politischen Welt: die inter- nationale Sozialdemokratie. Es ist schon beschlossen, woran übrigens ernstlich nie gezweifelt werden konnte: daß sich sämtliche 87 gewählte« sozialdemokratischenAbgeordneten in einem Verbände als die altbewährte einheitliche Partei zusammenfinden. Daneben wird selbstverständlich jeder Nation die Verbindung in einem Klub iin Verbände gewährleistet, so daß der erprobte Grundsatz der Sozialdemokratie in Oesterreich: freie Ent- Wickelung der Nationen und unverbrüchliche Einheit der Partei, sich auch im Parlamente realisieren wird. In dieser aus prinzipiellen Auffassungen resultierenden Ge- schlossenheit liegt vor allem die Bürgschaft, daß die Sozial- demokratie den sich vornehmlich gegen sie vorbereitenden nationalen Konzentrationen gewachsen sein wird. IMnKieirceD. Die Berliner Polizei hat mit dem Studenten Jossel Leibow nicht viel Federlesens gemacht: sie überlieferte ihn ihren lieben Kollegen, den russischen Schergen. Die bürger- lichc Presse Deutschlands hatte— mit Ausnahme des„Ber- lincr Tageblatts"— gerade Wichtigeres zu tun, als sich um Jossel Leibows Schicksal zu kümmern, und so wäre denn die neueste borussische Heldentat bald„vergeben und vergessen", wenn nicht die sozialdemokratischen Blätter es für ihre Pflicht und Schuldigkeit hielten, gerade hier nicht locker zu lassen und jzas nur zu leicht eingelullte deutsche „Gemüt" durch erneuten Hinweis auf diesen jüngsten Kulturskandal aus seiner behaglichen Frühlingsruhe empor- zustören. Es ist nun eine Woche her, daß Leibows Aus- lieferung so schmachvoll erfolgte, und inzwischen wird der Arme gewiß schon in einem der bekannten Zarenverlicße „besorgt und aufgehoben" sein. Der Fall Leibow erinnert an den Fall des Studenten Kalajeff, der am 10. August 1902 von Myslowitz aus seiner lieben russischen„Heimats"-Behörde überliefert wurde. „Ferienhalber" kam die sozialdemokratische Reichstagsfraktion erst 7 Monate später dazu, an Hand der Fälle Kalajeff, Buchholz, Kugel die ganze Russo-Borussenschmach aufzurollen. Diesmal liegen die Dinge wieder so— wie ja die deutsche Regierung überhaupt das„Glück" hat, den Reichstag in Ferien zu sehen, wenn gerade hochwichtige Dinge zu ver- handeln wären, bezw. auf eigene Faust hochwichtige Dinge zu unternehmen, wenn sich der Reichstag gerade„auf Urlaub" befindet. Jedenfalls ist es, da wir nun augenblicklich den Reichs- tag selber nicht zur Stelle haben, Wohl angebracht, einige Episoden aus jenen Tagen vor dem Königsberger Prozeß unglaublichen Angedenkens unserer leider nur zu vergeß- lichen Zeit in Erinnerung zu rufen, einige Reminiszenzen heraufzubeschwören, die den Fall Leibow in eine für ihn passende Umrahmung rücken. Waren am 19. und am 20. März 1903 die Sozialdemo- traten im Reichstage der verrußten Regierung schon scharf zu Leibe gegangen, so lag im darauffolgenden Jahre für die sozialdemokratische Fraktion doppelter und drei- facher Anlaß vor, die Herrschenden ins Gebet zu nehmen: denn im November- 1903 waren die ersten Verhaftungen in Sachen„Geheimbündelei" vorgenommen worden— die Präliminarien zu jenem Königsberger Prozeßmonstrum, da? für ewige Zeiten ein Schmuckstück im Panoptikum internationaler Justizblamagen bilden wird. ES kam der 16. Januar 1904, der große Tag der sozialdemokratischen Interpellation, welcha die Blicke der Kulturwelt auf die Tatsachen lenkte, daß mit Wissen und WAeo kc deutschen Reichsregierung russische Polizeispitzel in Deutschland ihr sauberes Wesen treiben und nicht nur russische, nein— auch deutsche Staatsangehörige unter Anwendung verbrecherischer Mittel belästigen dürfen! Wir verzichten darauf, hier die geharnischten Anklagen zu repro- duzieren, welche der russophilen deutschen Regierung damals von sozialdemokratischen Rebnern(Haase, Bebel) ins Antlitz geschleudert wurden. Uns interessiert im Augenblick besonders, was bürgerliche Abgeordnete damals zu sagen wußten. Herr Schräder von der Frei- sinnigen Vereinigung forderte:. � „... daß der russische Polizeispitzel aus Deutschland verschwindet, daß wir Leute nicht an die russische Justiz ausliefern, wo wir nicht notwendigerweise dazu verpflichtet sind. Wir sind es ja leider in viel zu großem Umfange, und ich glaube, wenn man einmal unser Strafgesetzbuch wieder prüfen würde, so würde man die Bestimmungen über die Verbrechen, die bei uns gegen einen fremden Staat begangen werden, einer gründlichen Prüfung zu unterziehen haben...." Vom Zentrum marschierte der Oberjurist Dr. Spahn auf, und er wußte gleichfalls manch kräftiges Sprüchlein herzu- beten. So zum Beispiel: „... Wir sollten darüber einig sein, daß wir die feststehenden Kulturanschauungen auch dem Ausländer gegenüber zur Geltung zu bringen haben.... Wir sind vollberechtigt, uns die Anarchisten vom Halse zu halten. Aber ich muß daran festhalten: maß» gebend für die Beurteilung einer strafbaren Handlung muß das inländische Recht bleiben.... Dem Manne, gegenüber, der vollständig in der Lage ist, über eigene Mittel zu verfügen,') haben wir die Pflicht, ihn den Grenzvrt wählen zu lassen, wenn wir ihn ausweisen...." Die Kulturträgerin Sozialdemokratie hatte auf der ganzen Linie gesiegt— das bestätigte ihr mit süßsaurem Lächeln die gesamte bürgerliche Presse. Doch dieser Rausch hielt nicht lange vor. Herrn Schönstedt, dem greisen Justiz- ministerlein, und Herrn v. Hammerstein, dem Manne mit dem Portefeuille des Innern, ward der„Ruhm", im preußischen Abgeordnetenhause„gutzumachen", was ihr Kollege v. Richt- Hofen und dessen reaktionäre Helfershelfer— v. Normann. Sattler— im Reichstage versäumt hatten. Sie drehten und deutelten, reckten und renkten die Wahrheit und die Tatsachen so lange, bis den preußischen Dreiklnssenabgeordneten die Augen übergingen und sie— an ihrer Spitze der„Demokrat" Oeser und der„freisinnige" Pcltasohn— die Tisteleien und Kniffeleien der beiden Minister mit Haut und Haaren schluckten. Und die ganze bürgerliche Preise— ausgenommev die„Frankfurter Zeitung"— ging hin und tat desgleichen! Die Woche darauf, am 27. und am 29. Februar 1904 stand auf der Tagesordnung des Reichstages der E t a t ü. zweiter Beratung. Und wieder erlaubte sich die Sozialdemokratie, die Parlamentstribüne zum Tribunal zu macheu vor das sie die deutsche Russenpolitik forderte, der sie durch folgenden Antrag gesetzliche Bahnen zu weisen versuchte „Der Reichstag wolle beschließen: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, er möge baldigst einen Gesetzentwurf zur einheit. lichen Gestaltung des Frcmdenrechts in Deutschland vorlegen, burch den insbesondere eine Zulassung von ausländischen Polizei- agenten zur Uebcrwachung der Ausländer im Deutschen Reiche verboten wird." Genosse Haase zerschmetterte die Minister der Justiz und des Innern, und er enthüllte die Vorgänge des sich damals lieb- lich entspinnenden Königsberger Prozesses. Schönstedt un! Haniinerstcin„replizierten", und nach Herrn v. Normann er> griff Dr. Müller-Meiningen zu einer kalt-warmen, links- rechten Rede das Wort, in die er immerhin den Satz einslocht: „Warum, meine Herren, diese Fürsorge gerade für den absoluten Repräsentanten einer Regierung, welche die deutschen Ostseeprovinzen rusfifiziert hat, welche Finnland mit Ver- fassungsbruch vergewaltigt hat, welche die Kischinewer Greuel noch heute ungesühnt gelassen hat?" Herr Spahn wiederholte, zum Teil wörtlich, was er am 16. Januar gesagt hatte, allerdings mit einer wesent- lichen Einschränkung, die charakteristisch ist für das Zentrum im allgeineinen und diesen Zentrumsmgnn im besonderen. Spahn sagte: .... Ich darf wohl auch noch weiter konstatieren, daß wir darüber einig sind, daß die Ausweisung uns nicht berechtigt, so- weit nicht eine vertragliche Bestimmung mit einem anderen Staate vorliegt, die ausgewiesene Person, welche über aus- reichende Mittel verfügt, um selbständig ihren Reiseweg wählen zu können, an die Grenze eines bestimmten Staates zu dirigieren, um sie dort in die Hände der Beamten dieses anderen Staates zu liefern..." Die oben durch Fettdruck hervorgehobene Einschränkung bedeutet eine Konzession an Rußland, bie durch die vorher- gegangene Debatte im preußischen Äbgeordnetenhause nur z u m T e i l erklärt werden kann, wie may ja bei den Herren vom Zentrum überhaupt den anderen Teil sich immer-- denken muß.-- Kurz und gut: der sozialdemokratische Antrag wurde glatt abgelehnt. * m* Zwischen dem 29. Februar 1904 und heute liegt der 13. Dezember 1906, liegen der 23. Januar und der 5- Februar 1907,— Wir haben einen„Blockreichstag" mit liberal-kon- servativem Techtelmechtel. Das junge Pärchen ist in die Ferien gegangen, um sich nach den Strapazen der Flitter- Wochen der wohlverdienten Ruhe hinzugeben. Wvnn der Reichstag wieder zusammentritt, werden gerade— 9 Monate verflossen sein, seitdem die Stichwahl die konservativ- Das trat aus Leibow im vollsten Umfange, zul Die Red»» liberale„Paarung" komplett machte. Was wird ihrem Gchoße tu der Wmtersession 1907/08 entspringen?— Tie Sozialdemokratie wird im Reichstage wiederum das Panier der internationalen Völker- und Menschenrechte auf- pflanzen. Sie darf sich keinen Illusionen darüber hingeben, daß sie die Sache der Menschheit, der Menschlichkeit auf einsamer Höhe zu vertreten haben wird. Milche Spitzel an der Arbeit. A»S Paris wird uns geschrieben: Vor einiger Zeit wurde von gut informierter Seite aus Ruß- kand gemeldet, daß der Pogroinorganifawr RatfchkowSky wieder an die Spive der politischen Polizei in Petersburg getreten ist. Er war durch Enthüllungen in der ersten Duma derartig kam promittiert worden, daß er sür 11 Monate Rußland hatte verlassen müssen. Die verschiedenen für die russischen Revolutionäre scheinbar kompromittierenden Ereignisse in Paris, dann in Berlin und schließlich in Zürich werden mir von sehr einflußreicher russischer Seite als Ergebnisse erneuter Tätigkeit Ratschkowskys bezeichnet. Der angebliche russische Revolutionär Lau, der in Paris von einem Omnibus herab schoß, ist in der russischen Kolonie dort gänzlich unbekannt. Er wurde als Jude ausgegeben, er spricht aber weder russisch noch Jargon. Daß die Aktion in Berlin absolut wie das Hornberger Schießen aus- gegangen ist. steht fest. Nichts blieb übrig, als daß zwei Leute mit falschen Pässen betroffen worden sind, und auch bezüglich des falsche» Passes der einen Persönlichkeit bin ich zuverlässig unterrichtet. Der junge Mann hatte seinen richtigen Patz verloren und, um llnannehnilichkeiten zu entgehen, Ivar er leicht- sinnig genug, sich eines falschen PasscS zu bedienen, aber es liegt so wenig gegen ihn vor, daß er nunmehr den legitimen Paß von neuem erhalten dürfte. Und schließlich erscheint auch das Züricher Ereignis, der Ueberfall der Polizeiwache, der Bombcnfund höchst eigenartig; bei dem Ueberfall ist niemand verletzt, und wie konnte man hoffen. einen Gefangenen befreien zu können, wenn Man in stiller Nacht eine furchtbare Knallerei veranstaltet. Ich werde darauf aufmerksam gemacht, daß russische Spitzel zurzeit in ruchlosester Weise das zivilisierte Europa heimsuchen, allerlei terroristische Akte veranstalten, um damit einen doppelten Zweck zu erreichen. Es soll den russischen - Flüchtlingen und zwar auch den harmlosen das Leben mehr und niehr erschwert werden und es soll eine Stimmung in Europa ge- schaffen werden, die neue Pogroms in Rußland— und sie sind in Borbereitung■— seitens der zivilisierten Welt milder be- urteilen läßt. '.' Die Erklärung, die in dieser Pariser Zuschrift für die Ereignisse in Zürich und Paris gegeben wird, hat sich dem aufmerksamen Be- obachter schon längst aufgedrängt. Daß der russischen Regierung, der Organisatorin der Judenmetzeleien, derartige Praxis im Alls» lande zuzutrauen ist, darüber bedarf es keiner Auseinandersetzimg. Das Wort vom„rollenden VUlbel" ist bekannt genug, und die Ge- schichte der auswärtigen russischen Politik weist viele Blätter auf, die davon erzählen, wie die Regierung des Zaren den Mord als beliebtes Mittel zur Förderung ihrer Pläne verwendet. Ein der- derbtes Regiment, wie das an der Newa, wird unbedenklich auch die niederträchtigsten Mittel verwenden. Abgehauite Cerrorismusliigen. Zwei infame Lügen von angeblichem sozialdemokratischen Terro- riSmus, die seinerzeit die Ordnungspresse kräftig fraiktifiziert hat. sind vor Gericht unschädlich gemacht worden. Der erste Fall spielt in Chemnitz. Im Februar wußte die Scharfmacherpresse von einem furchtbaren E�zeß in der Maschinenfabrik Kappel zu Chemnitz zu berichten. Und dieser Exzeß sollte die Frucht des fluchwürdigen sozialdemokratischen TerroriSmuS sein. Ein wahres Schauer- gcmälde wurde entworfen. Da sollte von den Arbeitern mit zentiicr- schweren Gußstücken nach dem Werkmeister Müller geworfen worden fern, nur weil er sich als Gegner der Sozialdemokratie bei der Wahl betätigt habe. Wahr aber ist, daß in jener Fabrik seit dem Eintritt Müllers eine gewaltige Lohndrückerei ein- gesetzt hatte, die M. in der rigorosesten Weise durch- führte. Daneben war sein ungemein schroffes Auftreten gegen die Arbeiter schuld, daß eine allgemeine Erbitterung gegen ihn Platz griff, die sich schließlich, da Beschwerden bei der Direktion keinen Erfolg hatten, am 8. Februar Luft machte. Leider ging eS dabei ohne scharfe Redensarten und einige Püffe und Schläge für Müller nicht ab; das Maß der Verbitterung hatte eben einen Grad erreicht, daß die Besonnenheit verloren ging. Am Dienstag hatten sich wegen des Vorganges sechs Arbeiter vor dem Chemnitzer Landgericht verantworten. Die Anklage lautete auf Nötigung. Haus- friedensbruch und Körperverletzung; sie stützte sich auf die Angaben des Müller, die von den zahlreichen Zeugen nur in ganz geringem Maße bestätigt wurden. Auch die angeblichen Wurfgeschosse find von Müller gesammelt und der Polizei und der Staatsanwaltschaft übergeben worden? eS waren kleine Gutzteilchen. von denen nicht bewiesen wurde, daß sie alle als Wurfgeschosse benutzt wurden, auch wurde nicht festgestellt, wer sie geworfen hatte. Das Zeugnis de» Arztes, den M. gleich nach dem Vorfall konsultiert hatte, lautete negativ. Der Arzt konnte nur sagen, daß er einen blauen Fleck und einige unbedeutende Hautabschürfungen gefunden habe. Aber die subjektiven Beschwerden Müllers machten das Gutachten deS Arztes umfangreich, das fiel selbst dem Staatsanwalt auf. Alles, alles, was für die Angeklagten be- lastend wirkte, war nur durch die Aussagen Biiillers g e d e ck t, auf die sich ja auch die Anklage aufbaute. Aber nichts, nicht em Wort brachte Müller von sozialdemokratischem Terrorismus vor! Und er hätte sicher das geringste mit schmatzendem Behagen verwendet. Das Urteil war hart. druckeS nicht erwehren, daß die presse nicht ohne Einfluß geblieben ist. elf, sechs und zweimal je vier verurteilt, zwei wurden freigesprochen. Das Gericht hatte die Angaben MüllerS für glaubhaft befunden, hinterlistiger Ueberfall wurde nicht als erwiesen erachtet. Es handelt sich also, das hat die Gerichtsverhandlung in vollem Maße erwiesen, um einen bedauerlichen Exzeß erbitterter Arbeiter gegen einen Lohndrücker und Antreiber— von sozialdemo- kratischem Terrorismus aber ist auch nicht eine Spur gefunden worden I, Kie zweite Lüge hatte bei der Reichstagswahl im Wahlkreise Brandenburg-Westhavelland eine bevorzugte Stelle im Agitations- Material unserer Gegner. In den Flugblättern und ZeitungS- Eingesandts, in denen für die Wahl deS Nationalliberalen Görcke agitiert wurde, hat die angebliche Vergewalligung eines.Arbeiters' Richter durch organisierte Sozialdemokraten eine große Rolle gespielt. Was daran ist, daS hat die Genchrsverhand- lutta erwiesen» die am Montag lior vem Brand e n- burgerEchöffengericht gegen sieben orgamfierte Weißgerber stattfand. Sie waren angeklagt, gegen den§ lu3 der Gewerbeordnung verstoßen zu habe»! mittelbar, so behauptete die An- klage, hatten sie den Weißgerber Richter gezwungen,, dre Arbeit be. der Brandenburger Firma Wirth einzustellen. �-ie Bewels- aufnähme ergab folgenden Sachverhalt. Der �eiggcrber Richter ist im Jahre 1S02 als«cVe.tSviNige be, der Firma Wirth eingetreten. Nachdem der Sticik üu'ubigt, Mten die meisten der früheren W.fchen Gehulfen an ihre alten Man kann sich des Ein Hetze der Scharfmacher- Die Angeklagten lvurden zu Monaten Gefängnis Plätze zurück. Oblvohl der Prinzipal den Richter mit noch einem Arbeitswilligen abgesondert von den anderen Arbeitern ließ, blieben Zwistigkeiten nicht aus. Im Jahre 1903 versuchten die Verbändler, R. für die Organisation zu gewinnen; R. lehnte jedoch ab Mehrfach ließ er sich in höhnischer Weise über die Be- strebungen des Ledcrarbeiter-Verbandes aus und rief auch sonst durch sein Betragen Aergernis und Auseinandersetzungen hervor. Die Verbändler ließen sich das provokatorische Verhalten des Richter schließlich nicht länger gefallen, sie beschäftigten sich mehrfach mit dem Verhalten R.s in ihren Versammlungen. R. muß davon Wind bekommen haben, denn eines TageS kam dieser Biedermeier zu dem Vorsitzenden der Zahl- stelle des Lederarbeiterverbandes und ersuchte um seine Aufnahme. Diesmal lehnten die Verbändler die Aufnahme Richters ab, da sie seinen Chareilter inzwischen genügend kennen gelernt hatten. Weil die Ver« Hältnisse immer unerquicklicher wurden, trat eines Tages eineKommission an Herrn Wirth, dem natürlich die Vorkommnisse nicht verschwiegen blieben, heran, und setzte ihm auseinander, daß ein Zusammen- arbeiten nicht, mehr möglich sei. Herr Wirth suchte noch zu ver- Mitteln, er machte den Vorschlag, Richter in die Organisation auf- zunehmen, vielleicht ändere er sich dann. Die Vcrbändler lehnten das aber dankend ab, sie reichten nunmehr ihre Kündigung ein, weil sie mit Richter nicht mehr zusammen tätig sein wollten. Herr Wirth überlegte sich die Sache und kam zu dem Entschluß. Richter zu entlassen. Nachdem das geschehen, nahmen die Verbändler die Kündigung zurück. Der Amtsanwalt beantragte trotz dieser negativen Beweis aufnähme Verurteilung und zwar gegen jeden der 7 Sünder 3 Tage Gefängnisstrafe. Genosse Rechtsanwalt Heine als Verteidiger aber wies nach, daß der Anklage jede Grundlage fehle. Wer habe versucht, jemand durch Drohungen oder Ehrverlctzungen zu zwingen, an Verabredungen zur Erzielung besserer Lohn- und Arbeits- bedingungcn teilzunehmen? Drohungen und Ehrverlctzungen seien überhaupt nicht nachgewiesen. Kein Zeuge, und selbst Richter nicht habe dergleichen bekunden können. Die Verbändlcr hatten Richter lediglich links liegen lassen; das war ihr gutes Recht. Richter sei nicht gezwungen worden, dem Verband beizutreten und es sei auch kein Druck auf Wirth ausgeübt, R. zu entlassen. Das Verhalten Richters habe die Verbändler veranlaßt, ihre Kündigung einzn- reichen. Herr Wirth habe dann vorgezogen, den schuldigen Richter zu entlassen. Das Gericht schloß sich diesen Ausführungen an; eS erkannt? auf Freisprechung sämtlicher Angeklagten. In der Urteils- begründung wurde anerkannt, daß das Vorgehen der organisierten Lederarbeiter durcb das Verhalten Richters diktiert gewesen sei. Es seien keinerlei Drohungen oder Ehrverketzungen erwiesen, der Z 153 der Gewerbeordnung also auch nicht übertreten. DaS Gericht erkannte ausdrücklich an, daß die Angeklagten, die organisierten Lederarbeiter, sich eines angemessenen Betragens befleißigt bntten. So hat also auch hier die gerichtliche Feststellung eine Lcrro- riSmuslüge gerichtet._ politifcbe Qeberlicbt Berlin, den 7. Juni 1907. Aufräumungsarbeiten. Das preußische Abgeordnetenhaus war heute angesichts der nahenden Ferien einigermaßen in Friedens- stimmung. Es nahm die Vorlage über den er- wetterten Grunderwerb a-m Nhein-Weser- Kanal nach den Beschlüssen seiner� Kommission und die Berggesetznovelle, die das Staatsmonopol für die Mutungen bringt, nach den Beschlüssen des Herrenhauses nach kurzer Debatte an. Der Nachtragöetat von 12 Millionen zur Gewährung von Teuerungszulagen an die unteren und mittleren Beamten fand sogar einstimmige An- nähme. Aber die Debatte hierüber lieferte doch noch manches nette Moment. Der Antisemit Werner erinnerte angesichts der Tatsache, daß man für die mittleren Beamten nur 5 Millionen statt der notwendigen 18 Millionen an- geblich aus Mangel an Geld bewilligt hat. daran, daß man bei der Erhöhung der Ministergehälter um 12000 Mark pro Mann nicht erst nach den Deckungsmitteln gefragt habe. Bei der Mehrheit herrschte, die größte Entrüstung darüber, daß solche Gedanken nichtnurimpreußischenVolke gedacht werden, sondern sogar im Dreiklassenparlament ausgesprochen werden dürfen. Dann charakterisierte der freisinnige Abg. Gytz- ling sehr nett den Vewillignngscifer der Konservativen und des Zentrums für die Beamten im Reiche durch die Darstellung ihrer Knauserigkeit tn Preußen, wo sie sich jeden Pfemng erst von den Petitionsslürmen der Staatsproletarier abzwängen lassen. Bei den Reichstagswahlen brauchen allerdings die„staatserhaltenden" Parteien die Bcamtcnsttmmen, auf die sie Unter dem Dretklassenivahlrecht pfeifen.— Bei einem Gesetz beharrte das Abgeordnetenhaus auf seinem Willen. In den Jagdrechtsfragen wies es die Abänderungsbeschlüsse des Herrenhauses zurück und stellte seine frühere Fassung des Gesetzes wieder her. In dieser„Lebensfrage" bleiben die Junker fest. Auf der Tagesordnung der morgigen letzten Sitzung stehen Petitionen und kleinere JnitiatGanträge.— Der freisinnige Wahlrechtsantrng. In einem.Krähwinkler Landsturm" Überschrievenen Artikel beschäftigt sich das.Berk. Tagebl." mit den Leistungen des preußischen Landtages, der bekannllich morgen geschlossen werden soll. DaS Blatt findet begreiflicherweise das Ergebnis allzu dürfsig und fragt mit Recht, weshalb denn eigentlich nach dem Pfingstfeste der Landtag noch zu einer Nachsession zusammengetreten wäre. Die Frage der Teuerungszulage hätte er, wenn er sich nach dem Reichstag gerichtet hätte, auch vor dem Pfingstfest erledigen können. Doch dieser Spott über die Leistungsunfähigkeit des preußischen Parlamentsfossils erscheint nebensächlich im Vergleich zu der scharfen Kritik, die das freisinnige Blatt an dem Rückzug der drei frei- sinnigen Fraktionen in der Wahlrechtsfrage übt. Der Beschluß dieser Gruppen, nicht auf die Beratung ihre? die Einführung des gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts in Preußen fordernden Wahlrechtsantrages zu bestehen, um nicht die rechte Seite des Blocks zu reizen, geht selbst der Bescheidenheit deS Mosseschen Blattes wider den Strich. .Diese Erörterung(des Antrages)", schreibt eS..war schon deshalb nötig, weil mit Rücksicht auf den Schluß des Reichstage« vor Pfingsten der freisinnige Antrag auf eine Neueinteilung der Reichstagswahlkreise auf den Spätherbst verschoben worden war. Der Landtag kam sowieso noch einmal nach Pfingsten zusammen, diese Rücksicht auf eine schnelle Be- endigung der Geschäfte kam also nicht in Betracht.... Aber auch aus prinzipiellen Rücksichten hätte er zur Erörterung gestellt werden müssen. Denn kein Kundiger wird daran zweifeln, daß der konscrvativ-libcrale Block höchstens im Reichstage ein Scheindasein führt, während man im preußischen Abgeordnetenhause nicht einmal den Versuch gemacht hat, sich die ParungSgedanken des Fürsten Bülow anzueignen. Die preußischen Konservativen gingen konsequent mit dem Zentrum, zunächst in Schulfragen, zuletzt auch noch in Sachen der TeuerungS- zulage für die notleidenden Beamten. Die links liberalen Parteien wurden überall geflissentlich ausgeschaltet. Da hätte es nahe gelegen, daß aus den liberalen Parteien heraus eine Klärung dieser verworrenen und für den Liberalismus sehr peinliche» Situation gefordert worden wäre. Man scheint auch in diesen Kreisen zuerst ein solches Bedürfnis sehr stark empfunden zu haben. Es wurde noch vor wenigen Tagen als selbstverständlich hin- gestellt, daß der Landtag nicht auseinandergehen werde, ehe er nicht zum liberalen Wahlantrag Stellung genommen habe. Diese Forderung hatte um so größere Berechtigung, als auch aus dem Zentrum ein von 81 Abgeordneten unterschriebener Antrag auf die Einführung des Reichstagswahlrechts in Preußen vorlag. Der Antrag mochte den reaktionären Parteien, zu denen in diesem Falle auch die Nationalliberalen gehören, noch so unbequem sein, aber er konnte nicht übers Knie gebrochen werden. Auch die Negierung hätte in irgend einer Weise dazu Stellung nehmen müssen. Die Gelegenheit war günstig; sie ist verpaßt worden. wie alle übrigen Gelegenheiten dieses Frühjahre? verpaßt worden sind, die eine Klärung der politischen Lage herbeiführe» konnten. Die liberalen Parieien haben größere Rücksicht au? das Ruhebedürfnis der konservativen Abgeordneten genommen, die schon mit einem Fuße im Coups stehen, um nach Hause zu fahren, als auf die Bedürfnisse der Wähler. Sie wollen eine gelegenere Zeit abwarten, um mit ihrer Wahlrechtsforderung vor den preußischen Landtag zu treten. Ob diese Zeil überhaupt kommt, und wann sie kommt, das weiß niemand." Es ist eben gekommen, wie es kommen mußte. Der stärkere Gefährte in dem schönen liberal-konservativeu Paarungsverhältnis, der Konservatismus, hat längst dem Freisinn die Rolle des schwächeren weiblichen Teils zugeschoben, der sich demütig den Launen und Wünschen des robusteren männlichen Lagergenossen unterordnet, nur um vor der Welt äußerlich das Paarungsverhältnis aufrechtzuerhalten und nicht vor dieser als weggeworfene feile Kon- kubine zu erscheinen.—_ Zweierlei Recht. Seit einer Reihe von Tagen wird in der gesamten Presse geger« hochstehende Personen der Vorwurf erhoben gegen den Z 175 des Strafgesetzes verstoßen zu haben. Der Vorwurf hat bei sehr „maßgebenden" Leuten unbedingten Glauben gefunden, denn er hat zu verschiedenen Entlassungen geführt. Nur eine Person hört nichts oder glaubt nichts. Der Herr Staatsanwalt scheint nicht daran zu denken, daß eS seine Pflicht wäre, der Sache auf den Grund zu gehen. Er glaubt die Beschuldigungen nicht oder will sie nicht glauben. Für die letztere Annahme spricht der Umstand, daß auch die Erhebung der Klage des Grafen Kuno v. Moltie gegen Herrn Horden abgelehnt worden ist. Dies wäre wohl nicht der Fall gewesen, wenn man der Verurteilung Hördens sicher ge- wesen wäre. Daß die Persönlichkeiten, die in Bettacht kommen, einen hohen Rang einnehmen, kann doch im Lande der Rechtsgleich- heit und der gesicherten Rechtsgarantien keinen Grund bilden, dein Recht nicht seinen Lauf zu lassen. Ebensowenig der Umstand, daß der Prozeß anderen noch höher stehenden Personen unangenehm fein könnte. Wann hätte je in Preuße» Kabinettsjustiz gewaltet? Warum also bleibt der Staatsanwalt so untätig? Freilich es handelt sich nicht um Arbeiter, die in berechtigtem Zorn einen Streikbrecher einen Lumpen genannt haben. Aber kann dies in Deutschland eine Aolle spielen? Wir möchten nicht mißverstanden werden. Wir haben Nieder» holt die Abschaffung des§ 175 befürwortet. Wir find dafür gerade von den Kreisen am gemeinsten angegriffen worden, die gesellschaftlich und politisch denen nahestehen, um deren vergehen eS sich jetzt handelt. Aber der Z 175 besteht heute noch zu Recht. Unsere Gegnerschaft gegen diesen Paragraphen dürste ja für die Staatsanwaltschaft kaum ins Gewicht fallen. Wir find auch Gegner des Majestätsbeleidigungsparagraphen, und trotzdem klagt die Staats» anwaUschaft fortwährend arme Teufel an, die ein« unvorfichttge Aeußerung gemacht haben. Im Ernste, es hätte an dem Bilde der deutschen Herrlichkeit. das uns der jüngste Skandal enthüllt hat, ein wesentlicher Zug ge» fehlt, wenn auf ihm nicht zugleich die Fratze der Klassenjustiz mit ichlbar geworden wäre.—_ Brüsseler Zuckerkonvention. In Brüssel ist gestern die permanente international« Zucket!» kommission unter Borsitz des Direktor» der Handelsabtetkung im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten zusammengetreten. Die Tagung wird. wie die Agence Hava»- Reuter meldet, be- andere Bedeutung gewinnen durch die Anttäge, die von den englischen Vertretern voraussichtlich gestellt werden, da die englische Regierung nicht eine Auftechterhaltung der Konventton. wie sie vor vier Jahren abgeschlossen wurde, wünscht und die englischen Vertreter den Auftrag haben. Abänderungen vor- zuschlagen. Wie aus der gestrigen Ankündigung deS eng» lischen Staatssekretärs des Aeußern, Grey, im Unter- Hause hervorgeht, fordert England, daß für sein Gebiet jene Bestimmungen der Konvention außer Kraft gesetzt werden, die ver- langen, daß Prämienzucker unter Strafe gestellt wird. Wenn die Regierungen der beteiligten Staaten, erklärte Grey, der Meinung ein sollten, daß den englischen Ansichten nur durch den Rück- Witt Englands von der Konvention entsprochen werden könne, o würde die englische Regierung bereit sein, zu dem nächsten möglichen Zeitpunkte die erforderliche Kündigung auszusprechen. Die englische Regierung habe aber wissen lassen, daß. wenn die übrigen kontrahierenden Staaten eS vorziehen sollten, England durch ein Zusatzprotokoll von der Ver- pflichtung, die Strafbestimmungen durchzuführen, zu entbinden. eine Mndigung hierdurch für England unnötig werden würde.—_ Auch ein Unfehlbarkeitsdogmatiker. Einer unserer Reichstagsabgeordneten schreibt uns: Der im gestrigen„Vorwärts" berichtete Vorgang zwischen Windthorst und Professor v. Schulte über das Unfehlbarkeitsdogma ruft mir einen ähnlichen Vorgang ins Gedächtnis. In den siebziger Jahren war der alte Westermeyer, Stadtpfarrer bei St. Peter. Ver- treter für München ll im Reichstag. Westermeyer war ein alter jovialer Herr, der kein Blatt vor den Mund nahm. Eines Abends sitzt er mit mehreren Bekannten bei einem Glase Bier und kommt das Gespräch ebenfalls auf das Unfehlbarkeitsdogma und die oppositionelle Haltung� die damals Döllinger gegen dasselbe einnahm. Man stritt lebhaft hin und her. als plötzlich Westermeyer mit den Worten herausplatzte und damit dem Streit ein Ende machte: Glaubt der alte Esel(Döllinger) an so vielen Unsinn, braucht es ihm auf den einen mehr auch nicht an- zukommen.... Der Vorgang wurde damals im Reichstage viel besprochen und belacht.—_ Ein Nachspiel zu den Hurrawahlen. Schweidnitz, 7. Juni.(Privatdcpesche deS„Vorwärts".) Wegen angeblicher Aufreizung zu Gewalttätigkeiten die er in der Wahlbewegung verübt haben soll, wurde heute Genosse Paul Lungwitz aus Niedersalzbrunn von der hiesigen Straf- kammer zu zwei Monaten GefängniH verurteilt. Vom selben Gericht erhielt Genosse Fritsch vym Textil- arbeiterverbande wegen Beleidigung des Konunerzienrats Zwanziger 300 Mark Geldstrafe.— Zum Peters-Prozeh der„Miinchener Post". Die.Münchener Post" veröffentlicht folgenden Aufruf: Fortgesetzt erhalten wir Zuschriften von Leuten, die uuS Material für die bevorstehende Verhandlung anbieten. Darunter befinden sich bedauerlicherweise auch manche, die mit ihrem Nanien nicht hervor- zutreten wagen. Da es Pflicht jedes anständig Denkenden ist. sein Teil zur Ermittelung der Wahrheit beizutragen und sich dabei nicht in Anonymität zu hüllen, ersuche ich hiermit alle jene, die etwas wissen über das Verhalten des Dr. Karl Peters in Afrita und— nach seiner Rücklehr— in Berlin, namentlich über sein Treiben im Tiergartcnvicrtel, sich dem Unterzeichneten oder seinem Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Bernheim, München, Neuhanserstraße 83, zu melden. Martin Grnber, Redakteur der»Münchener Post", München, Brieffach II. Neue Mannschaften für die Kolonien. Von Bremerhaven ist gestern ein Ablösungstransport von 14 Offizieren, 27 Unteroffizieren und 493 Mann mit dem Lloyddampfer.Willehad" nach Ostasien in See gegangen.— Schweiz. Der Große Rat von Basel gegelt die Arbeiter. Basel, 7. Juni. Der Graste Rat hat die sozialdemokratische Initiative auf Aufhctung des Polizei-Strafgeschesparagraphen, der Strcikvcrgchcn mit Gefängnis bestrast, als unerheblich erklärt, empfiehlt somit dem Volke die Verwerfung. frankrelch. Das„radikale" Blutrcgiment. Paris, 7. Juni. In der SchwurgerichtkberHandlung gegen die Mitglieder des Arbeitsbundes, BouSqnet und Lcvy, forderten die Verteidiger die Freisprechung im Namen der Gedanken« freiheit. Der Gerichtshof verurteilte die Angeklagten zu zwei Jahren Gefängnis und 190 Frank Geldstrafe. Der SeemannSstreik. Paris,(3. Juni,(ffiig. Ber.) Der Streik der Seeleute scheint seinem Ende zuzugehen. Jedenfalls ist er stark desorganisiert. In Marseille hat die Zurückberufung der entlassenen Schiffsosfiziere der Eompagnie Tranöatlantiqne die Streikenden zur Wiederaufnahme der Arbeit bewogen. Auch in Havre hat heute die Arbeit wieder begonnen. Dagegen ist in T o u l o n, Nantes, Cette und Bordeaux die Fortsetzung des Aus- standeS beschlossen worden. Man kann es heute aus- sprechen, dast die Streikleitung von Marseille lhrer Auf« gäbe nicht gewachsen ivar. Entweder durfte der Ausstand im jetzigen Augenblick nicht unternommen worden oder er war nicht nach den Drohungen der Regierung wieder aufzugeben, just, da die Solidarität aller Häfen«ine Wirkung zu verspreche» schien. In Marseille hat sich das Streikkomitee der Seeleute jetzt sogar zu einer Resolution bewegen lassen, worin es ausspricht, dast„die Wahl- interessen gewisser Deputierten die öffentliche Meinung in bezug auf ein Projekt, daS ganz und gar un- verwirklichbar war, irregeführt hätten. Die Seemanns- Versammlung sei bereit, 400 Frank als Rentenmintmum anzunehmen und überlaste dem OrganisationSlomitee, weitere Ver- besterungcu anzustreben. Man muh schon sagen, dast diese Resolution, die im übelsten Stil der Bourgeoistepreste die Verteidiger von Arbeiterintercsscn als egoistische Verführer hinstellt, selbst- bcivustter Proletarier wenig würdig ist. Wenn den Marseiller GewerlschaftSführern der Siegfriedsche Entwurf mit seinem Minimum von 600 Fr. so„undurchführbar" scheint, hätten sie nicht erst den Streik zu seiner Durchführung beschliesten dürfen, um hinterher seine parlamentarischen Besürworlcr der Wahldemygogie zu verdächtigen. Der Ausfall gegen die„Wahlinteressen gewisser Deputierter" soll wohl revolulionärcn Syndikalismus markieren, in Wahrheit steckt eine traurige Feigheit dahinter. Die Seelsute werden ivohl bald darauf kommen, dast ein Organisationskomitee, das einer solchen Stimmung Vorschub leistet, nicht fähig ist, auch bescheidenere Ver- besserungen durchzusetzen.—_ Zusammenstost mit Gendarmen. Aus Arras wird gemeldet: Aus Anlast des Aus standes der Arbeiter der Papier» fabriken, der Steinbrüche und der M e t a l l f a b r i k e n im Natale kam es in Wizcrnes zu einem Zusammen st ost zwischen Ausständigen und Gendarmerie. Ein Gendarmerierittmeistcr stürzte vom Pferde und erlitt ernste Ver- letzungen. Englanck. Tie Situation in Indien besprach am Donnerstag der Staats- sckretär von Indien, Morley, im Untcrhause. Das indische Budget zeige— so behauptete er—, dast die finanzielle Lage Indiens gesund sei; das Budget sei ein— Budget des Gedeihens. Die Pest jedoch werfe eine» schwarzen Schatten auf die Tinge in- Indien. Was die Unruhen im Pendschab angehe, so sei die Be- wegung keine agrarische, sondern eine politische. Der Redner schilderte die von den Agitatoren, die verhaftet worden seien, in der Bewegung gespielte Rolle und sagte: Bei dieser Agitation sei den SikhS und den pensionierten Militärs besondere Aufmcrt- samkcit geschenkt und besondere Mühe darauf verwendet worden, ibre Sympathie zu gewinnen und ihre Stimmung zu becinflusten. So babe man z. B. den Sikhs gesagt, dast Dank ihrer Hülfe die Engländer in früheren Zeiten festen Fust im Lande hätten fassen können. Ein besonders niedriges AgitationSmittcl sei die Auf- werfung der Frage gewesen, wie es komme, dast die Pest die I n d i e r und nicht die Europäer angreife, sowie die Behauptung, dast die Regierung über geheime Mittel verfüge, um die Pest durch Vergiftung der Brunnen auszubreiten. Der Staatssekretär„rechtfertigte" sodann die Deportation der Agitatoren ohne vorhergegangenen Prozest mit dem Hinweis darauf, dast erfahrungsgemäst ein Prozest gegen diese Leute, die sich dann als Märtyrer für das Wohl ihres Landes� aufspielten, die öffentliche Aufmerksamkeit errege!— Es sei für die Regierung ein Unding, angesichts der Gefahr eines Aufflammens, von einer Waffe, die sie besitze, keinen Gebrauch zu machen. Er habe keinerlei Entschuldigungsgründe für seine Handlungsweise anzuführen. lLebhafter Beifall.) Er würde sich ein strafrechtliches Verschulden zu schulden haben kommen lassen, wenn er wider- strebt hätte, Our Anwendung des Gesetzes zu schreiten. daS die Deportation gestatte. Er sei der Ansicht, die niedere- Bevölkerung Indiens sei auf Seiten der Regierung; er wolle damit nicht sagen, dast die englische Regierung bei ihr beliebt sei, aber sie sei sich klar, dast ihr Interesse mit Gesetz und Ordnung verknüpft sei, welche von der Regierung aufrecht erhalten und welche ver- schwinden würden, wenn die Regierung sich weigere, eine Ver» besserung in der Vcrtvaltung Indiens zu diskutieren. Morley führte weiter aus, die Regierung erwäge gerade die Einsetzung einer Kommission zur Untersuchung darüber: auf welche Weise den Nachteilen einer übcrmähigcn Zentralisation entgegen- gearbeitet werden könne. Auf Grund von lokalen, sporadisch auf- tretenden Unruhen von der Reform abzulassen, wäre etwas tief Beschämendes und würde als Anzeichen von Furcht ausgelegt werden. Furcht sei stets für eine Regierung etwas Unwürdigos, aber bei der Regierung von Indien würde Furcht nicht nur unwürdig, sondern äusterst gefährlich sein. Unter den Vor- schlügen, die von der Reichsrcgierung und der indischen Regierung erwogen würden, befinde sich die Errichtung einer beratenden Ver- sammlung von Notabeln, eine Erweiterung des Gesetzgebenden Rates und die Berufung von ein oder zwei Eingeborenen in den Rat von Indien. Morley schloß seine AussiiHrungen, indem er sagt«, er werde keine dogmatischen Zusicherungen geben bezüglich der Geheimnisse der Zukunft jn Indien, doch gebe er der Ucber�eugung Ausdruck, dast die britische Herrschaft in Indien fortdauern solle, daß sie fortdauern müsse und fortdauern werde. Verschiedene Leute hätten gesagt, England würde klug tun, Indien aufzugeben, daß die Eingeborenen besser regieren würden als England, aber jeder, der sich die Anarchie und das blutige ChaoS, das aus solchem Zurückziehen folgen würde, ausmale, würde von dieser Ansicht abgehen. Im Laufe seiner Rede kam Morley auch auf die Frage der militärischen Ausgaben zu sprechen und verteidigte das militärische Programm der indischen Regierung. AuS dieser Rede geht unzweideutig hervor, daß es der eng» lischen Regierung einfach am guten Willen fehlt, gewisse freiheitliche Versuche, die sich in anderen englischen Kolonien aufS beste bewährt haben, auch auf Indien auszudehnen. Schweäen. Schwedische Polizei im Dienste des Zaren. „Die Polizeischikaneu, denen reisende Russen hier in Schweden und vor allem in Stockholm ausgesetzt sind, werden früher oder später zu tatsächlichen Unannehmlichkeiten für unser Land führen und haben bereits in bedenklicher Weise unseren alten Ruhin als einer relativ freien und Fremden gegenüber gastfreien Nation kompromittiert." So schreibt„Sozial-Demokraten" und berichtet dann, wie ein junger russischer Arst, der nach Stockholm gekommen war, um hier einige medizinische und hygienische Institute kennen zu leruen, von der Polizei belästigt Ivurde. Er wurde nach dem Polizei- gcbäude beordert, hier in ein Zimnier mit der Anfschrist„Detektiven" geführt und dann über alle möglichen Dinge ausgefragt: Welcher politischen Partei er angehöre? Ob er für irgend ein Verbrechen ver- urteilt worden sei?— Wieviel Geld, und ob er Waffen habe?— Warum er nach Stockholm gekommen sei? usiv. Schließlich Ivurde ihm gesagt, er müsse sich alle acht Tage auf der Polizei melden und. wenn er Stockholm verlasse, mitteilen. wann und ivohin er reise. Auf seine Frage, was geschehen werde, wenn er dies nicht tue, wurde ihm geantwortet:»Dann werden wir jedenfalls darauf achten, wohin Sie reisen." Dieser Manu, der kein aktiver Politiker ist und dessen Legiti- mationspapiere durchaus in Ordnung sind, ist also tatsächlich unter Polizeiaufsicht gestellt in dem„freien" Schweden.„Herrliches Land, Stammort der Freiheit auf Erden", so beginnt eines der vielen schwedischen Nationallieder, die in hohen Worten Freiheit und Vater- land preisen.— EhnenKs. Der Hauptzcnge Orchard. Der Mann, auf dessen Aussagen die Anklage gegen Haywood und Genossen hauptsächlich basiert, befindet sich seit IS Monaten in Gefangenschaft: er hat das Geständnis abgelegt, daß er schon mehr als zwanzig Menschen umgebracht Habel— SS ist sehr wahrschein- lich, daß dieser Harry Orchard auf einen Pardon de« Gouverneurs von Idaho rechnet, wenn er die von ihm verlangten Dienste als Belastungszeuge verständnisvoll leistet. Gouverneur Gooding hat ihn ja sogar mehrmals im Gefängnis besucht und ihm Vertreter der Presse vorgestelll. denen Orchärd mitteilte, daß er ein— frommer Mann geworden sei und seine vielen Sünden bereue, daß er„aus eigenem Antriebe" ein volle» Geständnis ablegen und gegen Haywood und Genossen zeugen wolle und— daß es ihm im Gefängnis besser gehe als jemals zuvor in seinem Leben 1 1 Der Gouverneur hat offenbar die Absicht, auch durch die Lancierung dieser und ähnlicher Mitteilungeu das Gerichtsverfahren gegen die Angeklagten zu beeinflussen. Hus der Partei. A»S dem Bureau des Parteivorstandcs geht uns folgende Zu» schrift zur Veröffentlichnug zu: Die Nr. 66 der„Mitteilungen des Verein« Arbeiterpresse" ent- hält einen Artikel gegen den Pnrteivorstand, der zu einer Ent» gegnmig herausfordert. Der betreffende Artikel befaßt sich mit der auf der Konferenz der Redakteure der Parteipresse vorgeschlagenen Errichtung einer Nachrichten» und Informationsstelle für die Partei- presse, die der Parteivorstand zusagte. Da dieses bisher nicht ge« schah, ergeht sich der Verfasser jenes Artikels in ungehobelten und haltlosen Angriffen, die zeigen, daß er von dem Stande der Sache nicht die geringste Kenntnis hat und ins Blaue hinein kritisiert. Es sei deshalb festgestellt, daß den Partcivorstand keine Schuld trifft, wenn die Angelegenheit noch nicht ihren Abschluß gesunden hat. Am Schlüsse jener Konferenz erklärten mehrere Liedakteure sich bereit, dem Parteivorstand einen Plan vorzulegen, nachdem sie sich mit einer Anzahl Kollegen über denselben verständigt hätten. Der Partei- vorstand ging auf diesen Borschlag ein. Ein Entwurf für den Plan ist auch ausgearbeitet worden und er soll auch einer Anzahl Redakteure zur Begutachtung vorgelegt worden sein. Auf wiederholtes Ansuchen de» ParteivorstandeS. ihm endlich denPla» einzureichen, stelltestch aber heraus, daß dieses nicht geschehen konnte, weil der Genosse der die Schluß« redaktion des Plan» übernommen hatte, leider von schwerer Krank« heit befallen wurde und bis jetzt noch nicht wieder arbeitsfähig ge« worden ist. Alles was also der Berfaffek dtS erwähnten Artikel» in den „Mitteilungen" des Verein».Arbeiterpresse" über diese Angelegenheit schreibt, ist von A. bis Z. dessen eigene Erfindung. ES hätte sich wohl geschickt, daß er. ehe er seine grundlosen Angriffe und Ver- dächtigungen machte, sich erst an Ort und Stelle erkundigte, wie die Angelegenheit stehe. Auskunft wäre ihm bereitwilligst erteilt worden. Ueber die Drohungen, die der Artikelschreibcr gegen den Partei» vorstand erhebt, gehen wir nachsichtig hinweg. Er scheint bei der Abfassung seines Artikels die Tragweite seiner Auslassungen nicht übersehen zu haben. Wir wissen auch, daß der Verfasser weder von dem Verein Arbeiterpresse noch von dessen Vorstand zu seinen Aus« lassungen autorisiert war, obgleich er sich den Anschein dazu gibt. Ein Reinfall von Konsumvercinsgegnern. Der Vorstand des Stettiner Rabattsparvcreins hatte gegen den Genossen O u e s s e l vom.Volksboten" zu Stettin eine Privatklage angestrengt, weil er sich durch mehrere„Volksboten"-Artikcl beleidigt fühlte. Darin hieß es u. a.:.Wer bei Rabattiparvereinlern kauft, betrügt sich selbst". Ferner wurde dem Rabattsparverein, der seit einigen Jahren einen heißen Kampf gegen den Konsumverein führt, nachgesagt, daß er verleumderisch agitiere. Der Beklagte erbrachte ftir diese Behauptung den Wahrheitsbeweis: im übrigen wurde ihm der Schutz des§ 198 zugebilligt und er infolgedessen freigesprochen. Mit betrübten Mienen mußten die siegesbewußten Antisennte» ab- ziehen. ver Krieg Im Baugewerbe. Ein Notschrei! Der Deutsche Arbeitgeberbund für das Baugewerbe versendet an die Vorstände der Arbeitgcbcrverbände ein Zirkular, in dem neue Arbeitseinstellungen in Würzburg. Landsbcrg, Schmiege!, Schweidnitz, Offenburg in Bayern. Mülhausen i. E.. Penzig, Kolmar, Großenhain, Neukirch, Würzen und Flonheim angezeigt werden. Den Schluß des Zirkulars bildet ein Notschrei in Fettdruck. Er lautet also: Die Kollegen ans den Streikorten bitten dringend»m Untersillynug eller Baugewerlietrelbenden dahingehend, dir ausständigen Leute nicht zu beschSstigrn, oder fall» dies bereits geschehen fein sollte, sie Weuoigst wieder zu euilassc«. Leiber wirb diesem berechtigieit Verlangen vielfach nicht entsprochen, so daß dadurch die Kollegen der verschiedenen Streik- orte in arge Bedrängnis geraten sind. Diese Tatsache ist um so bedauerlicher, weil durch die Nichtbeachtliiig dieses Grundsatzes alle Bemühungen des Bundesvorstandes auf Einschränkung und schnelle Beendigung der Arbeitseinstellungen sowie der Zweck der Arbcitgeberverbände sehr ungünstig beeinflußt werden. Wir müssen deshalb notgedrungen den Kollegen im Bau- gcwcrbe immer wieder in Erinnerung bringen, daS Solidarität?- gcfllhl in dieser Beziehung lebhafter zu betätigen und weisen wiederum darauf hin, daß die Arbeitseinstellungen nur zn- gunstcn der Arbeitgeber durchgeführt werden rönnen, wenn die Streikenden und Ausgesperrten nicht anderweit beschäftigt werden. Tie Borstände der baugcwerblichen Organisationen und die Bauarbeitgcber werden deshalb dringend gebeten, auf die gc- naueste Beachtung des bezügl. Beschlusses des Bundes und des JnnungSverbandrs D. B. hinwirken zu wollen. Die Herren scheinen ja sehr nett im Drucke zu sitzen, was sie natürlich nicht hindert, ihre verführten Kollegen in Berlin mit bombastischen Redensarten Mut zuzusprechen. Jn einem zweiten an die Mitglieder des Verbandes der Baugeschäfte versandten Schreiben lassen sich die Unterzeichner des obigen Hülfe- und Notschreies wie folgt vernehmen: „ES ist nicht im entferntesten davon die Rede, daß die Ar- bcitgeber in irgendeiner Hinsicht einlenken wollen. Weil der Kampf gegen die Verkürzung der Arbeitszeit in jeder Bezchung für die Arbeitgeber sehr günstig steht, hat die Verbandsleitung die Einstellung von Arbeitswilligen für enen späteren Termin in Aussicht genommen, in der festen Ueberzeugung, mit diesen Mahnahmen den schärfsten Schlag gegen die Organisationen der Arbeitnehmer zu führen. Die Wirksamkeit dieser Mastnahmcn beweisen die Ausführungen der OrganisationSvorstände in den letzten Arbeitervcrsammlungen. Hier wurde erklärt, daß die Einstellung von Arbeitswilligen ein sehr ernsthaft zu nehmendes Kampfmittel darstelle, ja, daß mit der Einstellung solcher Leute der eigentliche Kampf erst recht beginnen werde. Der Termin, an dem Arbeitswillige eingestellt werden sollen, ist überhaupt noch nicht festgesetzt und bleibt der Bcschlutzfassung der nächsten Generalversammlung vorbehalten. Bis dahin bleibt die Aus- spcrrung in vollem Umfange bestehen. Unter keinen Umständen dürfen Leute eingestellt werden, auch dann nicht, wenn sie zu den alten Bedingungen arbeiten wollen. Jeder Bauunternehmer hat mit allen erlaubten Mitteln dahin zu wirken, daß solche Arbeit- gcber, die ihren StandcSgenossen auf daS schlimmste In den Rücken gefallen sind und die Arbeitsbedingungen anerkannt haben, unverzüglich ihre Unterschrift wieder zurückziehen." Also einmal„in arger Bedrängnis" und dann wieder„sehr g ü n st i g". Bei solcher Gewandtheit wird die Sache schon— schief gehen. «• » Alle„guten Dinger" sind drei, dachten die komman» dierendcn Generale und sie desavouieren schleunigst ihren Aufruf an die Berliner Bauherren. Heute(Sonnabend) abend sollen die Litsaß-Säulen mit folgender Bekanntmachung tapeziert werden: „Arbeitswillige Maurer, Zimmerer und Bauhülfsarbeiter, die bereit sind, zu den alten Lohnsätzen und bei neunstündiger Arbeitszeit dem- nächst in Arbeit zu trete», können sich persönlich in unserem Arbeitsnachweis, Bcuthstr. 1, sowie bei ihren früheren Arbeitgebern oder nur schriftlich in dem Geschäftsamtc des Ver- bandeS, Helgoländer Ufer 1, melden. Der genaue Termin des Arbeitsanfanges wird später bekannt gegeben." Mit dieser Bekanntmachung sollen natürlich nur die mit der Aussperrung unzufriedenen Unternehmer kusch gehalten werden; auf irgend einen Erfolg rechnen die Herren selbst Die Sektion ber Deckenbranche vom Zentralverband der baugewerblichen Hülfsarbeiter versammelte sich am Donnerstag- abend in Wohlfahrts Lokal, Rosenthalerstraße. Die Stellungnahme zu dem gegenwärtigen Kampfe im Baugewerbe stand zur Beratung. Der Referent Marx gab einen kurzen Rückblick über die Eutwickelung de» Kampfes, durch den jetzt die Arbeiter der Dcckenbranche stark in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Dem Zweigvereinsvorstand wurden manche Vorwürfe gemacht, daß er nicht genügend für Klärimg der Situation, so weit die Dcckenbranche in Betracht kommt, Sorge getragen habe. Viele Mitglieder sind der Meinung, eS bestehe ei» Streik in der Deckenbranche und die Fordcrmig, eine Erhöhung des Stundenlohnes von 65 auf 75 Pf., sei eingereicht worden. Marx verlangte, daß Klarheit geschaffen werde. Vertreter vom Zweigvereinsvorstand. Dräger. Kribow und andere wiesen die erhobenen Vorwürfe zurück nnd beriefen sich darauf, daß kein Streikbeschluß in der Deckenbranche vorliege. Die Mitglieder sollten sich gedulden: man könnt nicht eher mit Forderungen auf der ganzen Linie vorgehen, bis ein Einverstäudiii« mit dem Hauptvorstand der Maurer erzielt worden sei. Wo die Arbeiter in der Deckenbranche auS Solidarität in den Streik getreten sind, da handelt es sich nicht um ihre eigenen Forderungen, das müsse man streng auseinanderhalten. Ausgesperrt habe nur eine Firma, nämlich R a e b e l. Die Diskussion war zuweilen sehr hitzig, klärte aber die Situation im allgemeinen und beseitigte die vorhandenen Miß» Verständnisse. ••• Ueber die Situation der Bewegung führte Silberschmidt gestern abend in der Generalversammlung des Maurer- Verbandes folgendes aus: Vom Montag bis Donnerstag ist die Zahl der in den Streiklisten eingetragenen Verbandsimtglieder von 9207 auf 10 041 gestiegen. Die Zahl der Streikenden ist von 5196 auf 4930 zurückgegangen. Diese Differenz erklärt sich dadurch, daß die Betreffenden größtenteils zu den geforderten Bedingungen in Arbeit getreten, anderenteils abgereist sind. Von den Streiken- den sind 4157 verheiratet, 891 ledig. Die Zahl der abgeschlossenen Verträge ist von 493 auf 559 gestiegen. Von den neu abgeschlossenen Verträgen sind 45 bis 55 auf das Konto des solidarischen Ein- grcifens der Putzer zu setzen. Jn den Strciklisten der Putzer sind 1307 Kollegen eingetragen. 500 meldeten sich bis jetzt noch zur Kontrolle, die übrigen sind in Arbeit getreten, nachdem aus den betreffenden Bauten die Forderungen erfüllt worden sind. Von den Mitgliedern der Gips- und Zemcntbranche meldeten sich 647 Mitglieder zur Kontrolle, die durch den Kampf in Mitleidenschaft gezogen sind. Dir Bewegung hat also erfreuliche Fortschritte gemacht, womit wir sehr zufrieden sein können. Weniger zufrieden kann man in den Reihen der Unternehmer sein. Zwar geben sie in der bürgerlichen Presse bekannt, daß sie mit dem Stande der Bewegung zufrieden sind, sie sprechen von einem bestimmt gu erwartenden Siege. DaS ist eine sehr voreilige Freude. Es ist uns Herste mitgeteilt worden, daß der Beschluß der Unternehmer, die Bauten für Arbeitswillige zu öffnen, schon jetzt ausgeführt werden soll. Schon morgen(Sonnabend) wird durch Plakate an den Anschlagsäulen bekannt gegeben werden, daß vom Montag ab die Bauten für Arbeitswillige geöffnet werden. Auf diesen Schlag ist die Verbandsleitung der Maurer gerüstet, sie kann dem mit kühler Ruhe entgegensehen. Mit der Tatsache, daß die Bauten geöffnet werden für alle, die zu den alten Bedingungen oder sogar zu den vom Gewerbegericht aufgestellten Bedingungen arbeiten wollen, haben wir gerechnet. Nach den früheren Kundgebungen dtt Unternehmer sollten die Bauten erst nach vier Wochen geöffnet Werden. Jetzt geschieht es schon nach 16 Tagen ves Kampfes. Das zeigt uns, dah die Siegessicherheit der Unternehmer keines- Wegs groß ist. Mit dem Augenblick, wo die Unternehmer ihre Taktik ändern, werden auch wir eine Aenderung unserer Taktik vornehmen. Wir werden unseren Beschluß, keinen Unorganisierten in die Streiklisten aufzunehmen, aufheben und jeden Kollegen, der sich mit uns solidarisch erklärt, in unsere Reihen aufnehmen. Die Streikleitung wird alle gesetzlichen Mittel anwenden, um die Besetzung der Bauten durch Arbeitswillige zu verhindern. In den letzten Tagen sind manche Unklarheiten über den Ab- schlutz der Verträge hervorgetreten. Die Vorstände der sieben be- teiligten Organisationen hatten sich auf gemeinsame Verträge ge- einigt. Die Versammlungen von sechs Organisationen stimmten dem zu, nur nicht der Zentralverband der Bauarbeiter. Eine Anzahl von Verträgen mit den gemeinsam vereinbarten Bedin- gungen waren bereits abgeschlossen. Die Leitungen der Organi- sationcn haben einmütig beschlossen, daß an den bereits ab- geschlossenen Verträgen nichts geändert wird. Es herrscht Ein- mütigkeit darüber, daß die Forderungen der Bauarbeiter wohl berechtigt sind, daß es aber im Interesse der gesamten Bewegung liegt, daß keine Aenderung der bereits abgeschlossenen Verträge vorgenommen wird. Das gebietet das Ansehen der Organisa- tionen. Den Bauarbeitern ist gesagt worden, dah sie sich den Bc- schlössen der übrigen sechs Organisationen fügen müssen. Die Leitung des Bauarbeiterverbandos ist damit einverstanden. Es ist ein Irrtum, wenn in einem Bericht des„Vorwärts" ge- sagt war, die bestehenden Verträge sollten den Wünschen der Bau- arbeitcr entsprechend geändert werden.— Es herrscht auch Ein- mütigkeit bei den Leitungen darüber, daß die Zimmerer überall. wo Arbeitswillige oder Akkordmaurer beschäftigt sind, die Arbeit zu verweigern haben. In der Versammlung der lokalistischen Zimmerer war dieser Beschluß der Borstände richtig zum Ausdruck gekommen. Wenn in dieser Hinsicht in der Versammlung des Zentralverbandes der Zimmerer ein Irrtum vorkam, so liegt das daran, weil die Verbandsmitglieder die Vorstandssitzung vor Schluß verlassen mutzten und deshalb von diesem Beschluß keine Kenntnis hatten. Es wird dahin gewirkt werden, daß die Zimmerer vom Zentralverband diesem Beschlutz gemäß handeln. So werden die Arbeiter der Taktik der Unternehmer Zug um Zug begegnen und alles tun, um aus dem Kampfe, der sicher ein langwieriger sein wird, als Sieger hervorzugehen./ Gewcrkfcbaftllcbc� Ein Rechts— anwalt. Ein Arbeitswilliger, der friedliche Leute mit dem Revolver bedrohte, hatte sich gestern in der Berufungsinstanz vor der fünften Strafkammer des Land- gerichts I wegen Beleidigung und Bedrohung mit einem Ver- brechen zu verantworten. Der Angeklagte Daum hatte den Dreher Jopke in einem Lokal durch Ausdrücke wie:. Lump, Strolch, Plunder, ohne Grund beleidigt. Er wurde' deswegen aus dem Lokal ge- wiesen, lief aber mit einem Revolver in der Hand vor der Tür auf und ab und stieß die Drohung aus:„Den Hund schieße ich tot, einer von uns muß draufgehen". Er war in erster Instanz zu 60 M. Geldstrafe verurteilt und legte trotz des gelinden Urteils Berufung ein. Die Sache gewinnt dadurch Bedeutung, daß der Ange- klagte wiederholt sich den Richtern als„Arbeitswilliger" in Erinnerung brachte und der Verteidiger die Belastungszeugen wie den Nebenkläger Jopke als Sozialdemokraten für minder- glaubwürdig und besonders gehässig gegen den„Nichtsozial- demokratcn" Daum hinzustellen versuchte. Der Angeklagte erklärte noch, daß ihm die Polizei erlaubt habe, zu seinem persönlichen Schutze einen scharf geladenen Revolver zu tragen. Beide Herren hatten jedoch mit ihrer Mühe kein Glück. Die Berufung wurde verworfen. Berlin und vlmgegend. Zum Bäckerstreik. Die Situation im Väckerkamps wird durch folgende Mitteilungen beleuchtet: In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag wurde in der Filiale Jnvalidenstraße der Großbäckerei Goldacker die große Schaufensterscheibe zertrümmert. Da die Warenvorräte in der Aus« läge unberührt geblieben sind, erscheint eS wohl von vornherein ausgeschlossen, daß irgend ein hungriger Proletarier diesen Bandalismus begangen hat. Es besteht sogar der Verdacht, daß irgend ein wütender Streik- Hasser seinem Groll nur durch Zertrümmern der Scheibe Luft zu machen vermochte. Auch die Mimen vom Hefesyndikat scheinen erkennen zu lernen, daß sich die Maßregel, die sie gegen die bewilligenden Bäckermeister in Anwendung brachten, zu ihrem eigenen Schaden gestaltet. Herrn Goldacker ist beispielsweise von einem Bärmelieferanten angeboten worden, bei Abnahme von täglich sechs Zentnern Hefe anstandslos zu liefern. Selbstverständlich wurde das freundliche Angebot zurückgewiesen, da Herr Goldacker keine Veranlassung hat, die Suppe, die sich die Hefesyndikatsprotzen eingebrockt haben, aus- löffeln zu helfen. � � Mehrfach wird uns berichtet, daß Polizcibeamten ver- suchen, die Meister zu veranlassen, die Bcwilligungsplakate aus den Fenstern zu entfernen. Wir können nur raten, solchen Anforderungen nicht zu folgen. Wendet die Polizei Gewalt an, dann lasse man sie gewähren. Was weiter zu tun ist, erfahren die Beteiligten im Streikbureau. Auch was zu tun ist, wenn Innungen ihre Kompetenz überschreiten und versuchen, durch Strafbefehle in den Kampf einzugreifen, er- fährt man an der genannten Stelle. * Der Terrorismus und die Nötigungsversuche der Bäcker- Innungen und des Hefeshndikats werden ihre gerichtliche Beleuchtung und Wertschätzung erfahren. Seitens mehrerer Bäckermeister, die die Forderungen der Ge- sellen bewilligt haben, sowie der Leitung des Verbandes der Bäcker ist wegen Vergehens gegen KZ 152 und 153 der Gewerbeordnung Strafanzeige gegen die Bäckerinnung sowie gegen das Hefesyndikat erstattet worden. Ein Artikel in der„Konkordia", Organ der Innung und des Obermeisters Schmidt, gibt die Unterlage zu der Klage. Ferner ist in der Strafanzeige der Wortlaut eines Flugblattes, welches der„Konkordia" beigelegt war und den Beschluß der Jnnungs- Vorstände und des Hefesyndikats mitteilte, angezogen. Das Flug« blatt enthält die Mitteilung, daß den Bäckermeistern, die bewilligt hatten, keine Hefe mehr geliefert wird, ferner die Androhung, daß über die dem Syndikat angeschlossenen Händler, Ivelche sich dem Gebot nicht fügen, die Sperre verhängt und ihnen die Kundschaft der„freien", d. h. nicht bewilligt habenden Bäcker entzogen werde» soll. Die Anzeige richtet sich gegen Schmidt sowie alle Personen, die an dem Beschluß der Innung sowie des Hefesyndikats mit« gewirkt und zu dessen Bekanntmachung beigetragen haben. Ferner ist die Beschlagnahme des betreffenden Flugblattes und der Nummer vom 2. Juni der„Konkordia" beantragt. *** Zum Streik selbst liegt folgende Mitteilung bor: Der Brotfabrikant Wittler hat die Forderungen zurück- gezogen, nachdem der Obermeister Schmidt kräftig auf ihn ein- gewirkt hatte. Nun suchte Wittler Streikbrecher, um die bei ihm eschäftigten Verbnndsmitglieder hinauszuwerfen. Ehe noch die Verhandlungen mit dem Verband zu Ende waren, fuhr ein Brotwagen von Wittler beim Hauptquartier der Innungen vor, um Streikbrecher abzuholen. Aber es waren keine da. Mittler hat schließlich doch seinen Betneb besetzt mit seinen Brüdern, einem Kutscher und einigen Gelben von außerhalb. Die Arbeitswilligen waren jedoch mit der Kost und dem Logis, welche ihnen gewährt worden, so unzufrieden, daß sich mehrere von ihnen den Streikenden anschlössen. Einige Kutscher von Wittler haben sich gegen Radfahrer, die im Interesse des Bäckerverbandcs tätig sind, sehr unangemessen benommen. Sogar mit Tätlichkeiten sind sie gegen Radfahrer, welche die Kundschaft aufklären wollten, vorgegangen. Mit den kleinlichsten Mitteln suchte ein Brothändler in der Markthalle in der Lindeusiraße einem Radfahrer zu schaden, indem er denselben einem Schutzmann denunzierte, weil der Rad- fahrer Unter den Linden gefahren sein soll. Der Radfahrer wurde auch wirklich daraufhin sistiert. Durch solche kleinlichen Ränke der Helfer des Jnnungsprotzentums kann der Erfolg des Kampfes natürlich nicht beeinträchtigt werden. * Eine Versammlung derjenigen Bäckermeister, die die Gesellenforderungen bewilligt haben, beschäftigte sich gestern abend in den Sophiensälen mit der Material- sperre des Hefesyndikats. Vom Vorstand wurde mit- geteilt, daß die Errichtung einer Hefefabrik in Berlin aus den Mitteln der Meister mit Unterstützung des Gesellenverbandcs nunmehr gesichert sei. Die notwendigen Mittel und Pläne seien bereits vorhanden. Die Vertreter der beteiligten Banken und der Architekt waren in der Versammlung anwesend und versicherten, daß die Fabrik in sechs Monaten bereits betriebs- fähig sein werde. Damit seien die Meister ein für allemal vom Hefering unabhängig. •*# Die Organisation der„Gelben" holt zu einem„vernichtenden Schlage" gegen den Verband der Bäcker aus. In einem Flug- blatt, überschrieben:„Protest. Zur Aufklärung: Ein wichtiges Wort in Angelegenheit des frivol heraufbeschworenen Bäcker« streiks und Boykotts!", das in 366(XX) Auflage verbreitet werden soll, wenden sie sich an die„geehrten Berliner Hausfrauen". Wes Geistes Kinder die gelben Gesellen find, können unsere Leser aus einigen Sätzen sehen, die wir aus dem Elaborat herausziehen wollen. In dem Flugblatt heißt es u. a.: lieber S10. Schntttger. Graudenzcrstr. 6, Nillisch. Graunftr. 5, Schenk. . 22, Dohrmmm. . 32, Süßmann. 37. Müller. Grelsenhagenerstr. 15, Nillasch Greiss wald erstr. 12, Ö. Hanke. Grtmmstr. 1. Wols . 29, O. Hankfc Grünauerstr. 12, Büß. Grüner Weg 83, Osk. Hanke. Grünthalerstr. 10, Jamoor. Gubenerftr. 44, Lucht. . 57, DeinS. Hagenauerstr. 1. Hanke. . 18, Wurst. HauSburgstr. 5, Mehl. Heidenfeldstr. 21, Schön. . 19, O. Hanke. SeinerSdorferstr. 12, Lamla. ennigSdorserftr. 1, Hermann. , 18, Paullsa. . 37, Schütze. Hermsdorserstr. 8, Bobel. Hochstraße. Neue, 18, Berliner®c» nossenschaftS-Bäckerel. )ochstr. 31, Maue. -ochmeisterstr. 1. Hanke. '. 26, Fdebtlch Holzmarktstr. 55, Aronhetm. Huselandstr. 38. Oberreicher. , 40. KittlauS. §' übnerstr. 6. Bauer. -»»KSÄ. ! MÄ 45, tneßlmg. Jmmanuclkirchstr. 82. Kleiner. Jnsterburgerstr. 2, O. Hanke. , 5, Syrow. , 12, Hennig. Invalid cnstr. 157. Goldacker. Jabwnskistr. 1. Bode. „ 39, Hellwig. Jagowstr. 10, Eichstädt. Jahnstr. 21, Köhler. Jasmund erftr. 18, Böttcher. Kaiserstr. 46, Kalbow. Karlstr. 26, O. Hanke. Kastanien-Allee tS/l4. Pape. ,, 19,(Voldacker. . 4«. Klepka. , 57, Künsche?. . 88, F. Hanke. Kleine Andrcasstr. 7, Hierse. Kleine Franksurterstr. 14, Mittelftädt. Kleine MartuSstr. 1, Wlederjich. Kochhannstr. 23, KriemS. Kolbergerftr. 1, Hanke. Koloniestr. 80, Döring. . 34. Muche. . 71, Schopsch. Koppenstr. 25, Stralmeyer. Kopenhagenerslr. 28, Vechtel. , 69, Kurth. 65, Weih. KopermkuSstr. 3, Teupel u. vtehöser. 9. Wellnitz. , 25. Thulke. , 33, Winnenberg. Köpenickerstr. 165, Burschke. . 172, Cicsllk. KöSlinerstr. 1, Kästner. . 3, GwiazdowSki. Korförerstr. 2, Sm el. 8, Rothe. , 17, Hühner. Kottbuser Damm 20, Protzer. Neue Köntgstr. 60, Goldacker. Krautslr. 4/5, O. Hanke. . 22. Arndt. . 41, Arndt. Kremmenerstr. 15, Marlock. idreutztgerstr. 1, Lange. Kuglerstr. 8. Schumann. Landsberger Allee 43, Krcllmann. 51, Jäckel. Landwehrstr. 12, glegler. Langestr. 13. Goldacker. 25, Hildetrandt. Lausitzerplatz 12. KonattowS». Lausttzerstr. 9, Kauf. 16, Schöfisch. Lichtenbergerstr. 6, Winter. 21. Felst. Llnienstr. 1, O. Hanke. . 26, O. Hanke. Liebigstr. 8. P. Hanke. . 31, Bauer. , 38, I. Hanke. Lievenwalderstr. 1, Voleh. . 10, BiedermMM. 31. Jäckel. Ltegnitzerstr. 5. Mbrecht. 28, Mieth. LWPehnerstr. 8, Zibell. Litthauerstr. 14. Schneider. Lortztngstr. 6, Röscner. 17, DahmS. Lothrwgerstr. 34/35, MoMekde, Löweftr. 8, P. Hauke. . 18, Block. Lübeckerfir. 20, D. Hanke. , 47, Schmidt. Lübbenerstr. 10, Hacker. , 17, Gaul. , 24, PseniiigSdorf. . 29, Gier,. Lochen erstr. 4, Schwede. ~ 110, Köhler. Malplaquetstr. 6, Schulze. 12, Behrend. , 16, Gcnstor. Manteusselstr. 61, Beckmann. , 87, Jurke. t 90, O. Hanke. . 99, Brauer. „ 103, Wiedeklnd. Martannenflr. 12, O. Hanke. , 32, Proi Marlenburgerstt. 38, Hanke. Warkgrasenstr. 09, O. Hanke. WarkuSsw. 11. Schneeberger. 38. Ttscher. Maxstr. 17. LaaS. Memelerstr. 7, Knorcke. , 77, StachowSll. Metzerstr. 2. Sachwitz. Wtttemviüderstr. 30, Dohnal. 44. Schröder. Mtrdachstr. 14. vowbrot. «ulackftr. 10. Schramm. MuSkauerslr. 13, Latterman». , 16, Dürer. „ 28. HeinzelMlMN. Müllerstr. 28. Lüddicke. , 32a, Weber. „ 166a, Hanke. Mühlmstr. 82, Nahlk. „ 46a, Franke. Müncheberg erstr. 15, Lette. Naunynstr. 1, Lippert. * 40,�«arduhn. „ 64, Heilmann. , 73, Stojaczyk. Nazarcthkirchslr. 39, Zibell. . 45, Schulz. Neanderstr. 23, Rauhut. , 27, O. Hanke. Neue Hochstr. 3l, Benthi». , 45, Jacob. Oudmarderstr. 36, Sanier. . 44. Liebner. Ohmstr. 9, Nowosadke. Oderbergerstr. 21, Wagner. 38. Busch. . 49, Böhme. Oranienstr. 186, O. Hanke. Oppelnerstr. LO, GolembiewSkt. 24. Müller. Palisadenstr. 8, Hanke. , 20, Kynaft. 58, Barth. . 91, O. Hanke. Pankstr. 21, Kahle. . 25. Günther. „ 53a, Dunkel. Pappel-Allee 7. Rledel. 14. Hässelvarth. , 18. Kökcn. , 21. Schiller. , 24, Easelet. , 85, Dreßler. Perlebergerftr. 54, Verl. Gen.-Väckeret. PetcrLburgerstr. 53, Dorhauer. Ptntschstr. 4, Grützmacher. Planuser 33, Berliner Gen.-Bäckere>. , 92 s, Blume. Plantagenstr. 7, Weite. Prenzlauer Allee 24, Goldacker. .. �2. Meyer. , ,86, Räuber. . 208,»ermantt. Lrenzlauerstr. IIa, Goldacker. 81, Hänsch. Prinzenstr. 12, O. Hanke. Priuzesfinnenftr. 81, Miehe. Prtnzen-Allee 53, Lost. 61. MehlS. ProSkauerstr. 31, F. Hanke. T1"-!i: law 21,».»anlt , 24, Kunot. , 46, Bloch. Ramlerstr. 24, John. 31, Dahlenburg. _ 84, Dehmelt. . 36, Haehn. Rattborstr. 2, Bäckerei-Smossenschaft Berlin. Rattborstr. 6. Diesschmann. „ 17, Rücker. Reichenbergersw. 62, O. Hanke. . 88, O. Hanke. ,«5a. Tschentke. _ 101, Wagner. " 146/146, Klautsch. Rhetnsbergerstr. 18, Scholz. , 26, Lorenz. Rewtckendorserstr. 36, Hanfe. 112, Goldacker. 120, Berlwer Gen.- Bäckerei. Rigaerstr. 4, Hanke. . 100, Spörlein. Romwtenerstr. 41, Brämer. 44. Küster. , 67, GorgaS. Roßstr. 8, Bobel. Roftockerstr. 31. Wagen«. . 36. Ulbrtch. Rostockerstr. 40, Tschöf«. , 46. Krüger. „ 61, Hering. Ruppinerstr. 8, Baak«. .1»! O. Hanke. RüderSdorserstr. 20. Gülden«. 52, Haupt. Rügmerstr. 16, Höhne. 22, Jambor. Samariterstr. 2, Fisch«. 11. P. Hanke. , 28, ttlewfc Samoast». 22, Stege. Schenlendorsftr. 4, greuvfc Schtllingstr. 1», Dil Hankfc Schwelbeincrstr. 4, Hildebrandt. . 16, Baur. 18. Wolss. Schüemannstr. 30. F. Hanke. 82, Japp. Schönhauserstr.. Alte 33. Goldack«. Schönhauserstr.,Alte,39/40,G. Schwarz Schönhauser Allee 5, Goldacker. ,, 70 s, Goldack«. ., 150. Blume. , 188, O. Hanke. Schinbolz«str. 5. Mitteldach. Schönleinstr. 4, Müller. Schreinerstr 57. Siepack. Schulstr. 28, Schamberg«. „ 25, Hanke. , 37, Schmidt. Schulzendorserstr. 23, Barth. Schwedterstr. 32, Hanke. 48, LöcheL „ 52, Hübner. „ 230,»lumm. , 240, Schmidt. Seelowersw. 15, Baur. Sickingenstr. 76, Winter. Eiemensstr. 17, Mügge. Simeonftr. 14, Lück. Simon Dach str. 12, Hanke. ,. 26, Radlke. Skaiitzerstr.«3,«4. Dchmel. „ 120,©«lach. Somlmburgerftr. 13, Aräfling. Soldin«str. 32, Rosemann. 69, Schneid«. Sorau«str. 1, König. 8, Kretschmar. Sparrstr. 19, Gonsior. Sprengelstr. 4/5, Wagenknecht. Stralauerplatz 13, Hulda. Stallschreiberstr. 82, Hanke. 60a, Dürer. Stargarderstr. 78, Bark u. Wall«. Stendalerstr. 4/5, llort». Stettiuerstr. 26. Kleinert. . 38, Hubert. Stolpischestr. 4. Badtke. 32. Papke. Stralsuuderstr. 3, Beizlg. SIraußberg«ltr. 38, schiele. Straßmannftr. 24, Zander. 2, Hanke. Swelttz«str. 15, v. Grabows st. „ 64, Brauner. Swinemünderslr. 64, Paulisscheck. 66, Becker. , 80, Pruß. „ 82, Manuel. . 93, Schubert , 106, Kunze. . 119, Auhaus«. Tegel«str. 11, Lenzn«. * st Swtzkfc Tkckstraße 16, Fürst. Tilstterstr. 26, Geßner. » 91, P. Hanke. Torsflr. 14. Lenz. » 17, Ziesm«. Torsstr. 13, schachn«. TreSckowstr. 57, Moerschner. Türkenstr. 22. Tzschetzsch. Turinerstr. 36, Rißmamfc Turmftr. 51, Goldack«. . 67, O. Hanke. Urbanftr. 1, Neubarth. „ 25, Herzog. " 52, D. Hanke. , 104, Slrufchfe. Nsedomstr. 4, Siollberg. Uttechterstr. 8, Steiften. Veteranenftr. 16, O. Hanke. Voltastr. 42, Eckel. Waldftr. 4, Sens. : S;Ä , 36, Bureck. , 42, Bau«. . 46, Pohl. Waldemarstr. 76, Claus. «alln«-Theaterstr.. Fränkel. varschauerstr. 8, Wols u. Heinz«. , 16, Jarzembowski. . 64. Lübdemann. Waßmannstr. 20, Bei«. Wattstr. 1, Hanke. . 21..Hossrichter. Weberstr. 25, Hanke. , 36, Goldacker. »eddwgstr. 7, Brendel Wetchsesstr.»4, Schulz. Weidenweg 26, Brosin. , 34. O. Hanke. , 37. Ehnerl Weindergsweg 2, Ludwig. vetnftr. 7. Karras. , 87, Legt«. Welßenburg«sir. 84, Jahn. 55. Nobiltng Wicherssw. 5, SkierzkowSst. Wiclessw. 21. Staub. , 55/56, Masschle. , 66, Spickermann. Dienerst«. 38, Dtesschmaim. , 49, Witschet. , 56a, Laugwch. Mesenskr. 19a, Drei«». „ 31, Holland. , 64, schardien. WilhelmShavenerstr. 13, Wilhelm Stolzestr. 15, Schmidt , 32, Maichie. 35, Bach«an« 21, Schachstha» Willdenowstr. 29, Brei«. Wilsnackerstr. 15, Goldacker. WinSsw. 6, Müller. , 71, Schwabe. Wisbhersw. 3, Schulz«. Wittftocksw. 7. Giesmann. Woldenbergerstr. 7, ElttlanA, Wollinerstr. 23, Dahlen. . Ii- ia?* . oi, Ivoroaik�. , 44, SchtrrniachB» „ 68, Georg«. Wrangelstr. 77, GentzmaMfc Z ehdenickerstr.� 18� gellesw. tt, lwrzweg. ZionS kirchplatz 1, MollweH» Zionskirchsw. 8, Rege». 13, Bobel. 54. Zwterschlkfc Zorndorferstr. 2, P. HanIfc 55, Rtchk«� ZwWgUftr. Ulb, lllbrtch. «dlerShM. BiSmarckstr. 1». Tboma. , 14b, Schul» , 1?0. Wartend«»» , LI, Römisch. , 48, Lasertch. Hackenb«gstr. 2, gable. Radlckesw. 37, Noack. Sedansw. 86, Peter. Rndowerstr. 87, vaumschnle»»«» Bamnschulenstr. 70, Wenzel Ernststr. 9, Hossmüll«. Skiesholzstr. 254, Leupold. Echetblerst». 89, Schul» vahnSdOck». . Solle. . Gebhardt. Borstgwalde. Ernststr. S, Etzrodt. . 85. Taselsky. Reuschftr. 52. Ncuba»«. voxhagen.RummelSbnr». Borhagen« Chaussee 6/6, Mär» Gabriel Maxstr. 1. Luzemam». , 2, Klinkmüller. » 12, Haspel GrllNbergerlw. 12, Schul» 18, Löw» Sauptstr. 88. Herrcks. Kantftr. 1, DluczewSst, , 13. Spöttlich. » 18, Mägdefra». Lenbachsw. 7», Pflugrain Reue Bahnhosftr. 9, grissch«. , 23, Pet«. Türrschmidtstr. 81, Pseimig. 40, Kallwett. «ühlischstr. 88, Jand«. vrttz. Chausseestr.l?. Dolly a. Hazemessi« RnngülSstr. S,' Adamel Mt-Boxhage». Nr. 10,«. Krüger. Nr. 35, Peter. Falkeuhag«». Wwe. Bock. Frtedena». Lautrrstr. 35, Stets. dariBttentst«. Cauerstr. 19, Uwrich. Eauerstr. 27, Genossenschaft buttion". Christsw 18, Genossenschaft buttion*. Danckelmamistr. iß, Lehmann. 55, Ulbrtch. Friebbergstr. 39, Utbrich. Grolmanstr. 14, Utbrich. Grünste. 27, Bachmann. Helmholtzstr. 19, Utbrich. Kaiser griebcichftr. 43, Ulbrtch. Kanalstr. 7, Lcistner. .Pro- »Pro- 15, Heine. z. 103, Utbrich. Kantstr ftnobeläborjeritr. 43, Ulbrtch. Krnmmestr. 57, Nieische. Leibnizstr. 55, Utbrich. Nebringstr. 21, Ratzky. Pestalozzistr. 42, Leifwer. 12. Walter. Pottbamersir. 11. Bachmann. Schlüterstr. 17, Krause. 42, Utbrich. Sophie Chartottenstr. 80, Proell. 87. Utbrich. Spanbauerstr. 30, Ulbrtch. Spreestr. 11, Pelka. Tauroggenerstr. 10, Genossenschast .Probuktion*. Tauroggenerstr. 45, Ulbrtch. Wallstr. 85, Ulbrich. Kcimarerstr. 29, Konsumverein. Vilmersborserstr. 27, Konsumverein. , 41. Ulbrich. . 153, Ulbrich. Friedrichsbcrg. Slumenihalstr. 38, Peschke. ftmnmelsburgerstr. 22, Opitz. 38. Wemer. Friedrichsselde. Serlinerstr. 55, Seiler. , 102, Wöls-rt. Franz. Buchholz. stantowerstr. 28, Mrich. Äühlenstr. 1, Preutz. Grost-Zicthen. H Wemer. Hennigsdorf itzarl Wolter. �riebrich Wolter. Wilhelm Wolter. Hermann Woller. Albert Lmke. Wilhelm Seiler. Behrenb. Graffenberger. Mahnkops. Marwitz. Kemnitz. Finte. Hcrmsdorf. Berlinerstr. 16a, Schaubin. Eauptslr. 34, Herrmann. eptunstr. 35, Manie. Seebadstr. 1, Labewig. Heiligensee. W. Kühne. Lahrmann. Hohen-Schönhanse». Maihoser. Köpenick. Borgmannstr. 6, Bergmann. Klienickerstr. 2, Peter. Grünaucrstr. 27, Krämer. Kaiser Withelmstr. 104, Peter. Müggelheimerstr. 41, Peler. Rosenstr. 2, Peter. Rudowcrstr. 25, Hein. Schönerlinberstr. 12, Kudell. Karlshorst. Dorotheenstr. 27, Eichhom. Lichtenberg. Dorsstr. 82, Mägbesrau. Eitelstr. 30. LittwinS. Frankfurter Allee 3, Bantsch. Jrenslr. 17, Neucnbors. Jungsir. 14, Schraber. Margareiheiistr. 3», Schacher. Oberstr. 25, Golsch. Psarrstr. 35, Hetzler. Scharnweberstr. 34, Kopie. Weichsetstr. 32, Bantsch. WUhelmstr. 57, Jesse. 69. Griebe. Martendorf. Chaussecstr. IIa, Nowack. 12. Wcnbt. , 15, Papier. , 67, Spielhagen. Nieder- Schönhause«. Beuihsir. 11, Krügerke. Btankenburgerstr. 18, Höhne. Buchholzerstr. 8, C. Richter. Walbstr. 21. Lux. Ober-Schönewetde« Edisonstr. 9, Peter. Frischenstr. 2, Peter. Rathenaustr. 31, Peter. Tabbertstr. 2, Peter. , 35, seibelmann. Pankow. Brehmestr. 52, F. Hanke. Binzstr., F. Heyden. Mühl-nstr. 32, Müller. Wollankstr. 68, F. Hanke. Plöhensee. Charlottenstr. 12, Thiele. Reinickendorf. Berlinerstr. 104, Nah. 134, Gottschalk. Grüner Weg 51/52, Max Modrow/ Markstr. 12/13, Vollmer. Provinzsir. 51, Langer. , 80, Schwarz. . 129, Schneider. Residenzstr. 61, Witte. 105, Gleich. 118, Brose. Wiikesir. 62, Neue Berliner Genossen- schasls-Bäckerei. Rixdorf. Allcrfir. 3, Perseke. . 45. Kebbi. Bcrgsir. 12, Hanke. 84, i�chensch. Berlinerstr. 16/17, Schibgill. , 20, Voiailänder. 86, O. Hanke. Bobestr. 16, Beyer. . 31. Tops. Elbestr. 1/2, O. Hank«. , 6, Kirjtäbter. „ 15(16, Lunlwitz. Emserstr. 78, König. Erlangerftr. 8, Weiszleber. Falkslr. 1, Bällerei-Genossenschast „Berlin*. Falkstr. 25/25, Perseke. Fricdelstr. 3, Mannul. Glasowstr. 32, Kunz. Heibelbergerslr 76, O. Hanke. Herbastrade, Hilmer. Hermannstr. 19, Bäckerei-Genossen- schast„Rixbors*. Hermannstr. 28, Mertens. , 54, Hilbebrand. 118, Bartsch. Hermannstr. 159a, Hagen. , 170, Thaler. . 175, Koczaneckt. , 231, Karl. Herrsurihstr. 26, Brüx. . 34, O. Hanke. 7, Bäckerei« Genossen- schast„Rixbors". §errsurthplatz 10, Schnur. obrechtstr. 71, Zrocke. Hohenzollernplatz 6, O. Hanke. Lnnstr, 30, Krause. Jsarstr. 7, Zech, . 11, Bäckerei-Gen.„Berlin". Jägerstr. 63, Jonscher. Jansastr. 7, Brien. Neue Jonas str. 33, PulZ. Karlsgartenstr. 19, Vonnoch. Kaiser Friedrich str. 25, Bartsch. , 34. Schmidt. 245, O. Hanke. Knesebeckstr. 33, Gallert. 38. Molk. . 41, Beizig. 68, Richter. . 146, Dybowski. Kopsstr. 38, Bäckerci-Eenossenschast „Rixbors*. Kopsstr. 45, Hoppe. Kottbuser Damm 103, O. Hanke. Köllnisches User 72, Müller. Lessingstr. 34, Perseke. Mahlowerstr. 6, Bartsch. Mainzcrstr. 15/16, Grunert. „ 56, Dobterv Münchenerstr. 18,, Möller. , 25/26,Bäckerei-Genossen- schast.Rixbors*. , 44, Weiäclt. Nansenstr. 33, Sekul. Niemetzstr, 10, Wach. Rogaistr. 32, Griebat, Pannierstr. 4, Riemer. 13, FrischkeMUth. , 20, Junker. . 27, Maschler. , 57, O. Hanke. Pflügerstr. 70/71, Linsener. Prinz Hanbjerystr. 58, Bartsch. , 70. Schmidt. Reulerstr, 33, Splittstötzer. 75. Bobel. . 94, Lehmann. RIcharbstr. 63. Lüdicke. Seichowerstr. 9. Bäckerei-Genossen- schast.Rixbors*. Seichowerstr. 23/24, Grstnhag«. Siegsriebstr. 48, Pinkel. Steinmetzslr. 34, O. Hanke. . 39, Senstleben. » 45, Perseke. . 121. Löwigt. , 129, Bäckerei-Genossen- schast.Berlin*. TbomaSstr. 37, Nehrig. Thüringerstr. 7, Bartsch. 18, Klein. Warihestr. 9, Ciesior. . 16, Janentzki. Wetchselstr. 13, Hageman». , 31, Schwarz. , 55, Frischgemuth. , CO, Gassenhberu. Weisestr. 2, Bäckerei- Genossenschaft .Rixbors''. Weisestr. 24. Bäckerei-Genossenschaft Weisestr. 28, Winde. 73/74, Wols. Weserstr. 47, Bies. . 158, Vieiitz. Wielanbstr. 27, Reich. Witzmannstr. 7, Troffer. . 29, Krüger. Zietenstr. 20, Bäckerei-Genoffenlchast „Rixbors". Zielenstr. 41, Beyer. Rndow. Köpenlckerstr. 84, Weigt. Schöneberg. Barbaroffastr. 57, Wetzet. Bclzigerstr. 61, Kernchen. Eberssir. 42, Zeitz. Eisenacherstr. 63, Machler. Erbmannslr. 5, Kulinski. Frankenstr. 2, E. Hanke. Gustav Müllerstr. 35. Schmidt. 48, Beck. Khffhäuserstr. 2, Paul. Nollenborsstr. 40, Hanke. Scdanftr. 18. Steuck. Schönerlinde. Dorsstr. 59», E. Weeg«. Selchow. E. Schulze. Spandau. Achendachstr. 5, Bühl. Stolpe. Gutschow. Segel* Brunostr. 41, Rothert. Egellsstr. 99, Mayer. Schlieperstr. 59, Schwanz. 67, König. Schloststr. 27, Petersohn. Schulstr. 1, Einnitz. Treptow. Beermannstr. 5, Fieck. Glsenstr. 38, Geske. Kiejholzstr. 33(34. Weiser. Stralau. M-Stralau 49, Härtung. Weistensee. Berlinerstr. 87, Havenburg. Charlottenburgerstr. 76, Hoffmatrn. . 78, R.©ick. » 79, Schabwinkel. , 98, Emil Enget falkenbergerstr. 146, Frosch. elbmannstr. 164, Krien. riebrichstr. 1, Roth. rsestckestr. 23, Thiele. eneralstr. 12, Müller. Gäblerstr. 60, Wilh. Engel. HeinerSborserweg 24, Robert Enget. » 45, Hoffmann. „ 48, LiskowSN. „ 56, Bah. König-Chauffee 72, Hoffmarn Lang hane str. 75, Räuber. Lehberstr. 1, Hoffmann. 119, Klink. Lothringenstr. 35, HoffmaNN. Pistoriusstr. 8, Rassau. Prenzlauer Chaussee 3(4, Kohl«. Rölckcstr. 127, Hoffmann. Wilhelmslr. 23, DrewS. , 39, Schwarz, Waltersdorf. H. Spart. WilhelmSnch. Ebelweltzstr. 11, Lud«. Wilmersdorf. Brandenburgischestt. 9(10, TaMlerf. Sigmaringenslr. 8, Frost. Wittenau. Triststr. 74, O. Richter. , Zehlendorf. I Berlinerstr. 6a, Haesner. Die Milchgeschäfte von Günther, Waldstr. 57, und Röhr, Tnrmstr. 72, haben Plakate, bezichen aber auö unbewtlltgten Bäckereien. Als unser Kontrolleur das Plakat abholen wollte, wurde er hinausgeworfen. Der Brotfabrikant Heinrich Wittler, Müllerstr. 33/34, hat die Unterschrift der Bewilligung, die sein Bruder gegeben hatte, zurückgezogen, dann hat er ebenfall» versucht. einzelne ältere Kollegen als Streikbrecher zu kaufen, um alle übrigen, teils lange Jahre bei ihm tätige Familienväter, aufs Straszenpflaster zn werfen, wa» natürlich ebenfalls mißlang. Die hierauf angebahnten friedlichen Verhandlungen, an denen außer den Arbeitern noch Werner vom Transportarbeiter-Verband und Hetzfchold vom Bäcker-Verband teilnahmen, scheiterten, weil der reichgewordene Wittler kurz und schroff den Arbeitern mit folgenden Worten die Türe wies:„Wems nicht pafft, der geht und mit den Verbänden überhaupt will ich in Zukunft nichts mehr zu tun haben!" Wittler ist mit Obermeister Schmidt und Liebing-Reiuickendorf in der Leitung der GroßbetriebSvereiuigung, daher die. Scharfmacherstellung.— Die Verbandsmitglieder haben darauf einmütig die Arbeit niedergelegt. Die Blottnersche Groffbäckerei hat ihre Bewilligung in der hinterhälttgsten Weise durchbrochen, sogar die Arbeiter noch verhöhnt. Die VerbandSmitglieder� denen die Firma sogar einen Judaslohn von 20 Mark für Streikbruch anzubieten wagte, haben hierauf einmütig die Arbeit niedergelegt, worauf Herr Blottner versuchte, Arbeitswillige durch die Innungen und seinen Freund, den bekannten Kommissionär Knnth. Krautstr. SS, der den Gesellen S— 1v Mark und mehr für jede elende Arbeit abnimmt, einzustellen. Durch den Hefe-Terrorismus der Bäcker-Jnnungen waren, nur um am Sonnabendabend Hefe zu erlangen, 25 Bäckermeister gezwungen worden, im Jnnungshause. Chausseestr. 110. die Zurückziehung der Bewilligung der Gesellensorderungen zu unterschreiben. Der größte Teil davon hat aber sofott in derselben Nacht oder am anderen Tage der Streikleitung erklärt, daß die Unterschrift bei der Innung nur eine unter den Umständen erzwungene und daher ungültige sei. Nach Recherche durch die Streikleitung haben folgeude Bäckerei-Inhaber erllätt. daß sie die BetmMgung dauernd zurückziehen: ?aul Castro«, Stromstr. 33. Otto JÄÖrbe, Nostizstr. 49. 7erd. Suslat, Rixdorf. Falkstr. 21. Srnst Barth, Drontheimerstr. 13. August SoeUlsch, Nostizstr. 9. 7. Lorsns» Rixdorf, Stemmetzstr. 131. jteinhold Kruppe, Böttcherstr. 5. Außerdem haben noch zurückgezogen: F. Tähne, Stralauer Allee 23, und Schön, Mühlenstr. 51. Wir bitten das vcrehrliche Publikum, diese Namen in dem am Sonntag erscheinenden Flugblatt zu streichen. Mitbürger! Arbeiter! Hausfrauen! Unterstützt die um Lrkampfung ihrer JÄenschenrechte streikenden Bäckergesellen. Die verehrliche Bevölkerung von Berlin und Umgegend sordem wir hierdurch auf. falls lle aus bewilligten Bäckereien Ware haben»vollen, in denjenigen Stadtviertel« oder Straffeuzügen, wo keine bewilligt habende Bäckereien vorhanden sind, an untenstehende Kundetisatnmelstellen ihr- Adresse gelangen z» lassen und zugleich mitzuteile», wie viel«ackware uud Brot sie täglich brauchen und UM Welche Zeit die Ware geliefert werde« soll. Die Streikleitung wird dafür sorgen, daß den sich Meldenden auf dem schleunigsten Wege die Ware ins Haus geltefett wird. Auf Wunsch der dorttgen Bevölkerung haben wir vorläufig folgende Kundcnsammelstellen eingettchtet: Hoehnow, Parochialstr. 36. Gaedke, Moabit, Calviustr. 6, linker Seitenflügel 1 Tr. Petermann, Moabit, Birkenste. 28, Ecke Stephanstraße. Eduard Rothe, Flenöburgerstr. 24. Walter Sieber, Buchbinder, Lippehnerstr. 24. Hermau« Barentin, Tilfiterstr. 81. Otto Schellenberg, Weißcnburgerstr. 57 (erbietet sich, ben Kunden boykottfrete« Brot WS HauS zu brwgen). Paul Trietrich, Friedenau, Lauterstr. 22 U. Ferdinand Krause, Hohen-Schönhansen, Berliuerpr. 66. Emil Witte, Pankow, Florastr. 45 Gronau» Reinickendorf-West, Waldstr. 65. Otto Wedermann, Steglitz, Fichtestr. 71, v. I. Winkelmauu, Steglitz, Schloßstr. 104, Hof II. Steglitz, Niederlage Forststr. 23, Restaurant Paul Gülzow. August Jhrke, Weiffensee, Straßborgstr. 27. G. Wallberg, Kaiser Withelmstr. 18», Restaurateur. K. Werner, Eylauerstraße. Ender, Fricdrichsberg, Kronprinzenstr. 17, Seitenflügel L Pöhl, Lichtenberg, Psarrstr. 74. Thiessen, Milchhändler, Lichtenberg, Hageustr. 56. Schmidt, Schwerinstr. 12, Hof IV. Günsel, Alte Jakobstr. 172, Hof l. I. H- Zicph, Grünkramhändler, Camphauseustr. 5. Micklitz, Restaurateur. Wilmersdorf, Berlinerstr. 37. Ferner die Verkaufsstellen des Berliner Consum-VereinS: Michaelkirchplatz 4; Krautftt. 7; Zorudorferstr.«1; Liebigste. 7 ♦ Kopernikusstr. SS; Rostockerstr. 35 ♦ Havelbergerstr. 6; Emdenerstr. 50 j Erasmusstr. 5; Rummelsburg, Türrschmidtstr.0; Lichtenberg-Friedrichs- berg, Frankfurter Chaussee 10»; Kronprinzenstr. 1; Sttalauer Allee 20». Hartmann, Milchh., Boxhageu-Nummelsbnrg, Holteistr. 11. Wo das Bedürfnis vorhanden, werden wir auf Wunsch weitere Sammelstelle» einrichten. Bäckermeister, die gewillt sind, auch für weitere Touren Lieferungen zu übernehmen, bitten wir, ihre Adresse im Streikbureau niederzulegen. Falls bei der Lieferung im Anfang nicht alles nach Wunsch gehen sollte, bitten»vir die verehrliche Bevölkerung um Nachficht, aber bei der Hartnäckigkeit unserer Gegner um energische Ansdauer. Achtung! Radfahrer! Arbeitslose Radfahrer, falls sie gewillt sind, uns zu unterstützen, bitten wir herzlich, im Streiklokal vorzusprechen oder ihre Adresse dott abzugeben Die Streikleitung. emtral-Stretkvureau: Sophien-Säle, Sophienstr. 17/1».— Telephonruf: Amt M Nr. 12i& Maurer! mm Sonntag, den 9. Juni, vorm. 10 Uhr, bei Freyer, Koppenstr. 29: General- Versammlung dkl Freien Uerrinigung der Maurer Deutscht. OrtsvonvaltuitK Berlin« Tag es-Ordnung: Welche Maßnahmen treffen wir zur neuesten Taktik der Unternehmer? === Kollegen, erscheint alle Mann in dieser hochwichtigen Versammlung! Mitgliedsbuch legitimiert!__ Ter Vorstand. Veiband der bautperbl. Hülfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin«nd Umgegend. Sonntax, den 9. Juni er., vormittags 10 Uhr für das gesamte Zweigvereinsgebiet drei Mitglieder-Versammlungen. n Für den Norden«nd die nördlichen Vororte Für das übrige Berlin sowie östlichen Vororte bei Badstr. 16. bei Bnggenhagen, Moritzplatz. Für alle westliche» Vororte bei Obst, Schöneberg, Memingerstr. 8. Tagesordnung w allen Versammlungen: Der Stand unterer Bewegung n. untere weiteren filaßnal)men. In Anbetracht der Tagesordnung ist das Erscheinen aller Kollegen Pflicht. mtglledsbach legitimiert; ebne dasselbe kein Zutritt. 31/13* __ Tie Zentral-Streikkommisfion. ner Arbeitsnachweis! Hos I. Amt 3, 1239. Verwaltungsstelle Berlin. CharlttstraBe 3. H Hauptburrau: m. Amt 3, 1987 Montag, den 10. Jnni, abends 8 Uhr, finden in folgenden Lokalen Für Für Für bei statt. Für Nordens in den Germania-Sälen, Chausseestraße 110 und Ballsclmiieder, Badstr. 16. Für Moabits in derKronen-firauereUlt-Moabit47. Für Ostens in Cranz' Pracht-Sälen des Ostens, Frankfurter Allee 152. Süden s in der Urania, Wrangelstr. 10-11, in der Drachenburg, Vor dem Schlesischen Tor und in Gliesings Festsälen, Wassertorstr. 68. Westen und Schöneberg s Ziihlke, Dennewitzstr. 13. Charlottenburg s im Volkshaus, Rosinenstr. 3. Für Ripdorfs in Thiels Fest-Sälen, Bergstr. 152. Für RummeBsburgs in Tempels Lokal, Äit-Boxhagen 56. Für Weiilensees in Roßkopfs Lokal, König- Chaussee 38. Für StegBitzs in Schellhases Lokal, Ahornstr.15a. Für Tegel und Umgegend s in Trapps Festsäien, Bahnhotstr. 1. Für Kögenicks in Schülers Lokal, Hohenzollern- Plaiz 6. Spandaus in Kumbkes Festsälen, Schön- waiderstr, 80. Oberschöneweides in Kaufholds Lokal, Wilhelminenhotstr. 18. Tages-Orduuug: i Ktlichtkrstnttung vom Uerbondstag. 2. Diskussion. Lüne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Kollegen und Kolleginnen! Da ein jedes Mitglied unserer Organisation von den Beschlüssen rcsp. Verhandlungen unseres Vcrbandstagcs unter- richtet sein mich, so ist es Ihre Pflicht, in dieser Versammlung zu erscheinen. _ IMe Ortsyerwaltung. Dp. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr.41,„t* 10—2, 5—7. Sonntags 10—12, 2—4. Für Für Orts- Krankenkasse der Buchbinder und verwandten Gewerbe. Bekanntmachung! Wir machen hierdurch bekannt, daß die von der Generalversammlung am IS. November v. I. beschlossene Statutenänderung vom Bezirksaus- schütz genehmigt ist und am Montag, den 10. Juni o. I. in Krast tritt. Die Statutenänderung bestimmt, datz das Sterbegeld in der IV. und V. Klasse sowie bei Mindestleistung nicht unter 50 M. beträgt. Dsr Vorstand. gez. Beruh. Jost, Vorsitzender. gez. Georg Bastler, Schristsührer. XL. Druckegemplare obiger Sta- tutenänderungcn sind im Kassen- bureau, Engel-Ufer 15 H, zu haben. Ausnahmepreise Juni, Juli. 5? A. B. Koch � Kohlen-Groß-flandlang Berlin 0. 34, Brombergerftr. 15. Preise für nur la Marken ab Platz von 10 Ztr. an:* Prima la Halbsteinc(bekannte Marken).. pr. Ztr. 85 Ps. , la Diamant pr.Ztr.(110 bis 120 Stck.)... 87 Pf. . laJlse u. Akw....»0 Pf. „ IaAnthrazitCadbp.Ztr.S,30M. Koks, Steinkohlen usw. zu den dilligaten lageepreieen. Anlieferung frei Keller je nach Quantum pr. Ztr. 10— IS-Ps. mehr.— Bei Original- Waggons und grötzeren Abschlüssen verlangen Sie meine Spczial-Oftcrte. m soweit Vorräte reichen. Unglaublich billig! soweit Vorräte reichen. Unglaublich billig! Die Preise sind teilweise bedeutend unter dem Einkaufswert Hm-Sommer- Joppen 85 lierren-LOster-Joclietts Zw.« Herren-M-Mn JSp«.- Knoben-W-Ue h.io0 Uen-CM-Elnsen„.59 Hßrrßn-MhQtß SOprunnZS pfi. Spezialbam gr&evten. Maasstabes Chausseestrasse» 11 Brückenstrasse 11 Gr, Frankfurterstr. 20 Dtr Haupt-Katalos Nr. 31(neueste Moden 1907) wird au) Wunsch kostenlos zugesandt. 0 Zweigverein Berlin. Sektion der Patzer. Acht, um! Albtuna! Heute Sonnabend, den 8. Juni, vormittags 10 Uhr, im Luisenstädtischen Konzert» hause, Alte Jakobstr.»7: DM- Versammlung:"NE der Streikenden nd Ausgesperrten. Tagesordnung: Der Stand unserer Bewegung. ■V Mltclicdsbuch legitimiert; ohne dasselbe keinen Zntrltt.-Mxz I. A.: E. Schulze. Heute Sonnabend, den 8. ßuni 1907: GnBe Mondseheinfahrt müsir von der Dampserstation Michaelbrücke nach Hasselwerder bei Tchcruch. Abfahrt D1/, Uhr. Preis hin- u. zurück 5v Ps. Ferner Tonntag, 9. Juni: Fxlralahrt»ach Voller5lIorker Gchleuse. Abfahrt früh 8'/, Uhr, nachm. 8'/, Uhr. Preis hin und zurück 50 Pf. Dampser sind auch noch Sonntags billig zu vergeben.-Wgi 1128b l». Zachow, Reeder. Blitz9 Schnell kommt man mit der Hochbahn zu tVelnuarten, Gitschinerslr. 72, Station im Hause. Haltestelle Prinzenstratze. Empfiehlt: 1 Posten Monats-Anzügo, 1 Posten Monats-Paletots, 1 Posten Monats-Beinkleider zu staunend billigen Preisen, ■ auch für korpulente Herren passend. Dieselben sind von seinen Kavalieren»nd Reisenden, die nur einen Monat ihre Garderobe tragen. SUSIS» Fahrgeld wird vergütet. G Bitte auf Hausnummer zu achten. Dr. Schünemann Spezial-Arzt sär 44118* Haut- und ilaenleiden, Frauen kea nkhcltcn. Friedriclistr. 203, Ecke Schützenstr. 10— Ä, 5-7, Sonnt. 10-1« Uhr. Praktisch I Reinlich! Sparsam! 3866L* SpVfttt W Rorlin T4W. 7 Jockei für te nndjleise. Centrale für Spiritus-Verwerthung Berlin NW. 7, Friedrichstr. 96, gegenüber dem Oentral-Hotel. lllastricrtc Preisliste kostenlos! Verband der baugewerbl. Hülfsarbeiter Deutschi. Zweigverein Berlin und Umgegend. Yerbandsburcan: Engel-Ufer 16, pt. Telephon: Amt IV Nr. 4493. Telephon: Amt IV Nr. 4493. Verssmmlungs-Anzeige: Sektion der Futzerträger. Sonntag, den 9. Juni, vorm. 11'/, Uhr: mtglleder-Versanunlnng in»Wernaus Feftsälen-, Schwcdterstr. 23. Sektion der CopfertrSger. Montag, den 10. Juni, abends S Uhr: lltltglleder-Vcrsammlnns im„Rofenthaler Vereinshaus-, Rosenthalerstr. 57. Sektion der liohrer. Sonntag, den O.Juni, vorm. 10 Uhr: lllltglleder-Tcrsammlnng im»Gcwerkschaftshaus-, Engel-User 15(Saal V). Sektion der fahrituhisrbeiter. Sonntag, den 9. Juni, vorm. 10 Uhr:?Kltgll«dei--'Vee»aininliuig bei Jannaschk, Jnsclstr. 10. üruppe d.Il;rnnnenbsuer n.Hiilfzsrbeiter. Sonntag, dm 9. Juni, vorm. 10 Uhr: IHtslledee-Versainiulnng bei I. Meyer, Oranienstr. 103. Sektion der Dachdecker-lliilfsarbeiter. Sonntag, den 9. Juni, vorm. 10 Uhr: Mltglieder-Versamnilnng im„Gewerkschaftöhaus", Engel-User 15(Saal VH). Tages-Ordnung: Unsere Lohnbewegung. 34/11* Das Erscheinen aller Kollegen ist notwendig.-MGtz Per Zwclgvcrclnsvorstand. verantwortlicher fliedakteur: Hans Weber. Berlin. Für de» Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Truck u. Verlag: Vorwärt» Ouchdruckerei u. Verlagtanstalt Paul Singer& To., Berlin SW, Nr. 181. 24. IichtWg. 2. KtilU des.Amiirls" Scckm Nslksdl«� Z«m»bttd. 8 luni 1907. kuisikche Beamtenuntreue in liiecklenburg. (Telegraphischer B e r i ch t.> Schwerin, den 7. Juni 1ö07.' In der heutigen Sitzung wurde zunächst als Sachverständiger Oberlandesgcrichtssekretär Kolz vernommen. Er hat die Bücher seit dem Geschäftsjahr 1892/93 durchgesehen. In den ersten Jahren arbeitete die Ver- lvaltung mit großen Ileberschüssen. 1892/93 betrug der Ueberschutz 21 045 M., 1893/94 sogar 41 990 M. Der letzte Ueber- schuß erklärt sich allerdings daraus, daß in diesem Jahre die Ver- pslegungszuschüsse erhöht wurden. 1894/95 betrug der Ueberschuß 39 990 M.. 1895/96 29 900 M.. 1896/97 sank der Ueberschutz aus 14 990 M., 1897/98 betrug das Defizit 20 090 M.. 1898/99 23 990 Mark, 1899/1909 29 990 M.. 1999/91 44 990 M.. 1991/92 55 999 M- 1992/93 sank das Defizit auf 39 999 M. In diesem Jahre sind allerdings auch wieder die Zuschüsse erhöht worden. 1993/94 war ein Zuschuß von 34 990 M. erforderlich, 1994/95 von 35 999 M.— Vors.: Die Zahl der Pfleglinge rechtfertigte wohl diese erhöhten Ausgaben nicht, denn gerade in dem Jahre, in dem das große Minus einsetzte, war diese Zahl relativ gering. Es sind ja Wohl für Wäsche allerdings mehr Ausgaben gemacht und auch die Ver- pflegung ist verbessert worden.— Sachverst.: Diese Mehrausgaben habe ich schon in meinem Anschlag mit berücksichtigt. Ebenso sind die vom Staatsanwalt und der Verteidigung hervorgehobenen organisatorischen Veränderungen in der Anstalt, die Mehrlosten verursachen, von mir berücksichtigt. Es wird dann zur Vernehmung des Angeklagte» Hofschlächtermeisters Wilck übergegangen. Wilck gibt an, er habe 1899 das Geschäft von seinem Vater übernommen. Schon damals hatte das Geschäft die Fleischlieferungen für Sachsenburg. Zwei Jahre später habe er dann auch noch die gesamten Hoflieferungen bekommen. Die Liefe- rungen wurden jedes Jahr neu ausgeschrieben. Die Beträge der Submission blieben aber immer dieselben, obwohl der Konsum ge- stiegen war; die Annoncen in oen Zeitungen waren seit 29 Jahren immer dieselben.— Bors.: Obwohl der Verbrauch erheblich gewachsen war?— Angekl.: Ja.— Bors.: Es wurden tatsächlich Tausende von Kilogramm Fleisch mehr geliefert als ausgeschrieben waren.— Angekl.: Das weiß ich nicht.— Vors.: Ich sollte doch meinen, daß, wenn 10 900 bis 20 990 Kilogramm mehr geliefert werden, das der Geschäftsinhaber wissen müßte. Die Umsätze waren sehr be- deutend. 79 999 bis 89 990 M. im Jahre. Während dieser Zeit haben Sie dem Betriebsinspektor Schultze das Fleisch für den Privathaushalt geliefert?— Angekl.: Ja, auch sämtlichen anderen Beamten.— Vors.: Hat Schultze damals bezahlt?— Angekl.: Jaw»hl, er hatte nur, wie alle Beamten, den Borzug, daß er das Flei.ch billiger erhielt. Es wurden vierteljährlich Rechnungen zu- gestellt.— Bors.: Die wurden aber nicht bezahlt?— Angekl.: Ich glaube, daß sie bis 1900 bezahlt sind, ich habe mich um die Schreibereien nicht gekümmert.— Vors.: Wie kam es, daß seit 1900 nicht bezahlt wurde?— Angekl.: Früher kam Schultzes Frau und bezahlte die Rechnungen, dann trat in der Familie Typhus ein, da kam sie nicht mehr und dann ist die Sache eben eingeschlafen.(Heiterkeit.)— Vors.: Das kann ich mir aber gar nicht erklären, daß ein Geschäftsmann einfach seine Forde- rungen einschlafen läßt. Dazu macht man doch Geschäfte, um seine Waren befahlt zu bekommen.— Angekl.: Ach, das ist auch allen anderen passiert, ein Geschäftsmann muß viel Rücksicht nehmen. Um die ganzen Schreibereien bekümmerte ich mich nicht, denn dazu war mein Buchhalter Müller da. Gemahnt habe ich nicht, denn Schultze klagte immer, daß es ihm schlecht ginge, die Doktorkosten. seien so hoch usw.— Bors.: Bezahlte er denn in früheren Jahren wirklich bar?— Angekl.: Jawohl.— Bors.: Aber seit 1990 ist nicht mehr bezahlt?— Angekl.: Nein. Ich möchte übrigens be- merken, als die Sache zum Klappen kam, sollte Frau Schultze gesagt haben, alle Lieferanten seien ihr zu Willen gewesen und hätten Quittungen ausgestellt, nur der Wilck nicht, der wolle sie ins Unglück stürzen.— Bors.: Sagten Sie nicht früher zu Schultze, wenn Sie einmal die Lieferungen ganz hätten, dann sollte er das Fleisch ganz umsonst haben?— Angekl.: Das bestreite ich ganz entschieden. Ich habe überhaupt nicht das verdient, was die Be- amten mich gekostet haben. Die Beamten bekamen das Fleisch zum halben Preise, und da können Sie sich denken, was ich bei den hohen Fleischpreisen zugesetzt habe.— Vors.: Da wundert es mich nur, daß Sie die Lieferungen immer wieder übernommen haben.— Angekl.: Ja, man hoffte doch auf glücklichere Jahre, ebenso wie beim Lotteriespiel. In den drei letzten Jahren habe ich(mit der Faust auf den Tisch schlagend) über 29 999 M. bei den Lieferungen für Sachsenberg zugesetzt.— Vors.: Ich möchte Sie ersuchen, sich ruhig zu benehmen.— Angekl.: Man braucht sich doch nicht zu wundern, wenn ich bei dem Gedanken daran nervös werde. Mein Nachfolger hat jetzt den Profit.— Vors.: Machen Sie nicht, daß ich auch nervös werde. Sind nicht Ihre Bücher zum Teil vernichtet worden?— Angekl.: Soviel ich weiß, sind die Geschäftsbücher alle da.— Bors.: Nein, es fehlen bei Ihnen Bücher, wollen Sie das bestreiten? Wir werden es Ihnen nachweisen.— Angekl.: Darüber muß mein Buchhalter Müller sich äußern.— Vors.: Nein, zunächst sollen Sie sich äußern. Sind Bücher bei Ihnen verbrannt worden?— Angekl.(stutzend); Hauptbücher?— Vors.: Das habe ich nicht gesagt. Ich habe durchaus nicht die Absicht, dem Angeklagten Fallen zu stellen. Suchen Sie aber nichts in meinen Worten, was nicht darin liegt. Sind Bücher bei Ihnen verbrannt worden?— Angekl.: Kladden und Kontobücher habe ich nie aufbewahrt; auch bei meinem Vater ist es so gewesen. Bücherrevisor OberlanbesgerichtSsekretär Kolz stellt fest, daß das Buch des Angeklagten Wilck über die Vieheinkäufe, worin auch Sachscnberz in Frage komme, fehle. Vom Jahre 1994 waren die Tageseinnahmen vorhanden. Der Sachverständige * konnte feststellen, daß Schultze seit 1993 für 1999 M. jährlich Fleisch bezogen habe. Ein Kassenbuch über Einnahmen und Ausgaben war nicht vorhanden.— Vors.: Angkl. Schultze, wie kam es, daß Wilck die vielen Wurst lieferüngen bekam?— Angekl. Schultze: Wilck erklärte eines Tages, er müsse auch die Wurstlieferungen bekommen, denn beim Fleisch allein könne er nicht bestehen.— Es kommt dann zu einer längeren Erörterung über die Art der Submission und die Festsetzung der Preise. Der Vorsitzende hält dem Angeklagten Wilck vor, daß neben der öffentlichen Submission für 1999, in der Wilck für Kalb- fleisch einen Durchschnittspreis von 79 Pf. berechnet hatte, noch ein Brief geschrieben ist— auf diesem fehlt allerdings der Kopf, es wird aber angenommen, daß er an Schultze gerichtet war, in dem spezifizierte Angaben für Fleisch, Braten, Karbonaden usw. enthalten waren. Es wird angenommen, daß Wilck zunächst bei der Submission Preise für minderwertiges Kalbfleisch usw. gemacht und, nachdem ihm der Zuschlag erteilt war, für den Kontrakt mit Schultze spezifizierte Fleischpreise vereinbart habe.— Angekl. Wilck: Dann habe ich das bei der Submission so gemacht, wie es in der Annonce stand. Wie das zusammenhängt, kann ich nicht er- klären.— Vors.: Ich auch nicht.(Heiterkeit.)— Angekl. Wilck: Mein Schreiben bezog sich vielleicht darauf, daß einige Kleinigkeiten ausgelassen waren, die in dem Kontrakt aufgenommen werden sollten, und die habe ich dann dem Schultze nachgeschickt.— Vors.: Nun, cS handelt sich um Tausende von Kilogramm, das nennen Sie Kleinigkeiten?— Angekl.: Bei meiner Offerte habe ich mich genau an das Submissionsausschreiben gehalten und daraufhin den Zuschlag bekommen. Darauf ist man mit mir in Verhandlung getreten über die Preise, für die in dem Ausschreiben nicht er- wähnten besonderen Preissorten.— Vors.: Angeklagter Schultze: In den letzten Jahren war dem Wilck ein gefährlicher Mitbewerber in dem Hofschlächtermeistcr Lexow erwachsen. Sie sagen in einem Schreiben, Lexow habe Schleuderpreise gemacht. Haben Sie viel» leicht mit Wilck über diese Offerte gesprochen?— Angekl. Schultze gibt das zu. Er habe Wilck angedeutet, daß Lexow billigere Preise mache. Da habe Wilck gesagt, bei den jetzigen Schweinepreisen könne Lexow unmöglich zu dem Preise liefern. Lexow solle herein- fallen, aber ich möchte gut aufpassen, und sehen, was ich be- komme.— Vors.: Jedenfalls hat Lexow 1994/95 die Lieferungen nicht bekommen wohl auf Grund dieser Andeutung?— Angekl. Wilck: Nein, das bezieht sich auf die letzte Submission 1995/06, in der Lexow einen großen Teil der Lieferungen bekommen hat. Es waren tatsächlich Schundpreise, die er offerierte. Ich hatte die Pro- zentlieferung satt und wandte mich an Obermedizinalrat Martusch, den ich fragte, weshalb man mir die Wurstlieferungen nehme und ob man nicht zufrieden sei. Herr Obermedizinalrat Martusch sagte mir, man sei durchaus zufrieden. Aber es seien anonyme Briefe aus Schwerin eingegangen, und um den Leuten den Mund zu stopfen, wolle man es in diesem Jahre einmal mit Lexow ver- suchen. Vert. Sello: Von wem sind die Submissionsschreiben aus- gegangen?— Sachverst. Kolz: Ich glaube, Schultze hatte plein pouvoir(unbeschränkte Vollmacht) zum Kauf.— Vors.: Nein, die Schreiben sind alle vom Chefarz: unterschrieben.— Vert. Sello: Das wollte ich nur festgestellt wissen. Es wird hierauf Hofschlächter, ncister Karl Lexow vernommen. Er liefert jetzt für Sachsenbcrg das Fleisch. Wie er angibt, werden jetzt z. B. ganze Kälber dorthin geliefert, im Ver- trage seien aber besondere Preise festgesetzt für den Fall, daß Braten oder besondere Sachen verlangt werden. Zeuge gibt dann noch Auskunft, wie die Lieferung bei anderen Anstalten, deren Liefe- rant er war, gchandhabt wird. Die Lieferung ist von derselben Art wie überall. Schultze gegen Wilck— Wilck gegen Schulye. Auf weiteres Befragen gibt Angekl. Schultze an, er habe in der letzten Zeit dem alten Wilck vielleicht ein- oder zweimal das Fleisch bezahlt, später nicht mehr. Wilck suchte sich immer an ihn heran- zudrängen und ihn über die Lieferungen nach Sachsenbcrg aus- zufragen. Schließlich sagte Wilck einmal, wenn er die ganzen Lieferungen bekomme, solle es nicht sein, Schultzes Schaden sein. Wilck habe auch mehrmals Geld gegeben einige Male 190 M., nach Abschluß eines Kontraktes 599 M. In den letzten drei Viertel- jähren glaubt Schultze etwa 1999 M. bekommen zu haben, es können aber auch 1599 und etwas mehr sein.— Angekl. Wilck: Ich habe dem Betricbsinspektor Schultze nie bar Geld gegeben. Diese Be- zichtigung ist ein Racheakt, denn ich war schuld, daß alles heraus- kam. Es wurden der Anstalt Gänse gestohlen. Der Chefarzt Markusch fragte telephonisch bei mir an, wieviel Gänse geliefert seien; ich sagte 27, worauf er erwiderte, es seien nur 25 da. Am nächsten Morgen sollte ich herauskommen. Inzwischen kam Schultze und bat, ich möchte ihn nicht unglücklich machen, er habe ein paar Gänse für sich genommen. Ich antwortete, ich werde es mir überlegen. Am nächsten Morgen sagte die Oberköchin Schmidt in Sachsenberg zu mir:„Denken Sie sich die Gemeinheit, der Schultze sagt jetzt, ich habe die Gänse genommen, denn nur er und ich hätten die Schlüssek." Da ging ich zum Chefarzt und schenkte ihm reinen Wein ein. Der Chefarzt fragte micb, wie es mit der Bezahlung des Fleisches sei, das Schultze für sich bezog; ich ant- wortcte, er möchte sich von Müller die Bücher vorlegen lassen. Am nächsten Morgen kam Schultze zu mir und wollte Quittungen für die ganzen Jahre haben.. Er bettelte himmelhoch, ich lehnte aber ab. Darauf lief er ärgerlich weg und rief noch auf der Treppe: „Nun, dann will ich Sie schon to hus bringen."— 1991 war Schultze schon zu mir gekommen und hatte 19 Proz. von allen Waren verlangt. Ich sagte, ich verdiene nicht 1 Proz.; er sei doch Be- amtcr und solle Rücksicht auf seine Familie nehmen. 1992 kam er wieder und sagte, er habe sich überlegt und wolle nur 5 Proz. haben; ich könne es ja aufrechnen. Ich warnte ihn nochmals, es werde schon in Schwerin gemunkelt, daß er mit den Lieferanten solche Sachen mache. Wir gerieten dabei scharf aneinander und schließlich sagte er:„Wenn Sie'es nicht machen, macht es ein anderer!" Als dann Lexow die Wurstlicferung bekam, dachte ich, er habe mit ihm die 5 Proz. abgeschlossen. Ich ging deshalb zum Chefarzt und fragte ihn nach dem Grunde, aus dem mir die Lieferung nicht übertragen sei.— Vors.: Aber das war doch erst 1905, jenes Gc» spräch aber 1992.— Angekl. Wilck: Ich hatte während der drei Jahre keine ruhige Minute. Schultze schikanierte mich in jeder Weise; ich setzte bei den Lieferungen noch Geld zu.— Bors.: Sie haben sich aber immer wieder um Lieferungen bemüht und dieselben be- kommen. Weshalb soll denn Schultze sich grundlos eines so schweren Verbrechens beschuldigen?— Angekl. Schultze erklärt aus wieder- holte Vorhaltungen des Vorsitzenden, was er gesagt habe, sei die volle Wahrheit. Obwohl das gegen seine Pflicht war, habe er die Preise der anderen Submittenten mitgeteilt. Nie habe er gedroht. Die Geschichte mit den Gänsen sei Lüge. Von der Lieferung habe er allerdings eine Gans für sich zurückgcwogen und nicht bezahlt. — Der Vorsitzende macht darauf aufmerksam, daß der Angeklagte Schultze sich zuerst wie ein Löwe verteidigt und erst allmählich den Sachverhalt richtig angegeben habe.— Angekl. Wilck gibt zu, daß Schultze in einem Brief 10 Proz. gefordert habe, im nächsten Jahre habe er 5 Proz. geforderi. Vor dem Untersuchungsrichter habe er bestritten, daß Prozente abgefordert seien, weil er mit den Ge» richten nie etwas zu tun gehabt habe. Auf Veranlassung der Verteidigung soll noch ein Innung?» Obermeister aus Hamburg geladen werden, Die Betrugsfälle des Hofschlächtermeisters Wilck sollen darin bestehen, daß in den Rechnungen höhere Warenposten eingestellt wurden, als wirklich geliefert waren. Der Angekl. Briidi» gam gibt hierzu an, vom Jahre 1888 bis 1992 war ich als Schreiber in der Anstalt Sachsenberg beschäftigt. Ich bezog ein Monats- gehalt von 39 M. bei freier Station, wiewohl ich 14 Jahre in Sachsenberg angestellt war. Meine Mutter mußte ich mit erhalten. Das klägliche Gehalt war der Anlaß meiner Schuld. Für die Aus» stcllungen der Rechnungen für Wilck, Barth und einige Lieferanten erhielt ich etwa 59 bis 69 M. Trinkgelder vierteljährlich. In den Rechnungen stand mehr als geliefert ward.(Große Bewegung.) Das geschah auf Anregung des Herrn Wilck.(Erneute Bewegung.) Wilck hatte mir für Ausschreibungen der Rechnungen 29 bis 25 M. viertelzährlich versprochen. Er zahlte aber nicht und sagte dann, ich sollte mehr aufschreiben, von dem, was zuviel hineinkomme, wolle er dann eine Entschädigung an mich leisten. Die Aufschläge wurden im allgemeinen auf fast alle Waren gemacht. Hiervon erhielt ich etwa 309 bis 499 M. jährlich. Die Aufschläge selbst waren bei weitem höher. Der Angekl. Buchhalter Müller gibt an, ein richtiges Kassen» buch wurde bei Wilck nicht geführt. Die Ladenkladde nahm Frau Wilck nach hinten. Schuldenbücher und Kladden hat sie wiederholt unter dem Wurstkessel verbrannt. 1995 war das Buch noch da, da stellte ich mit Wilck zusammen, was Schultze seit 1991 für Fleisch schuldig war. Daß Ausschläge gemacht wurden, wußte ich. Wilck sagte mir, er habe das dem Brüdigllm erlaubt. Es wurden etwa 75 bis 125 M. im Quartal aufgeschlagen. Als Hinzpeter an Stelle Brüdigams trat, habe ich ihm den Vorschlag gemacht, auch auf. zuschlagen und den Betrag zu teilen. Das tat Hinzpetcr auch. Wilck hielt sich einmal darüber auf, daß Hinzpetcr sogar 169 Kilo- gramm aufgeschlagen hatte. Der Angekl. Hinzpeter gibt zu, daß er aufgeschlagen habe, jährlich habe er etwa 999 bis 1999 M. davon gehabt. Der Aufschlag war auch zugunsten von Wilck. Wilck habe ihm gesagt:„Nun sorgen Sie auch ein bißchen für mich". Durch die Aufschläge hat Wilck etwa 69 bis 89 M. im Quartal verdient. Angekl. Wilck bestreitet alles. Er habe Hinzpeter 199 M. gegeben, aber nicht gesagt, daß Aufschläge gemacht werden sollen.— Vors.: Wie kamen Sic dazu, 199 M. zu geben?— Angekl. Wilck: Nun, wenn man für 18 909 M. Lieferungen hat, dann spielen 199 M. keine Rolle.— Vors.: Wofür haben Sie 190 M. gegeben? — Angekl. Wilck: Für die Ausstellung von Rechnungen.— Vors.: Dafür haben Sie aber dem Brüdigam früher nur 29 M. gezahlt. Wie sollen denn die Angeklagten zu dieser Aussage kommen?— Angekl.: Das weiß ich nicht.— Vors.: Dann stehen wir vor einem Rätsel. Die drei Angeklagten haben monatelang in Untersuchung gesessen, unter Tränen und nach schweren Kämpfen haben sie den> Untersuchungsrichter erst das Geständnis gemacht. Nun sollte«! sich die Angeklagten selbst eines schweren Verbrechens bezichtigen, wenn daran kein wahres Wort wäre?— Angekl. Wilck: Ich glaube nicht, daß ich dem Angeklagten das gesagt habe.(Stürmisches Ge- lächter.)— Vors.: Haben Sic auch nicht gesagt: Sorgen Sie für mich?— Angekl. Wilcke: Vielleicht habe ich gesagt, er solle sehen, daß die Rechnungen immer in Qrdinmg sind.— Vors.: Das ist doch eine sehr verfängliche Redensart. Hierauf wird die Verhandlung auf morgen. Sonnabend, früh vertagt» Vermischtes. Zum zweitenmal zum Tode verurteilt. Dortmund, 7. Juni» Der Arbeiter Adam Kurschuß, der am 27. Oktober v. I. den Be- triebsführer Hahne� der Zeche„Glückauf Tiefbau" erschossen hatte, war in der letzten Schwurgerichtsperiode zum Tode verurteilt worden. Auf Revision des Verurteilten ivar das Urteil vom Reichsgericht aus formalen Gründen aufgehoben worden. In der gestrigen Sitzung des Schwurgerichts, die bis in die frühen Morgenstunden dauerte, wurde Kurschuß wiederum zum Tode verurteilt. Die Geschworenen wollen ein Gnadengesuch einreichen. Der wegen zweifachen Mordes zum Tode verurteilte Roß- schlächler Liberka in Beuthen Ober-Schk. hat die Wiederaufnahine des Verfahrens beantragt, um weitere Morde aufzuklären.« Lawinensturz. Eine verheerende Lawine versperrte das Ahrer- tal, so wird aus WladiSlaio gemeldet. Mehrere Joch Wald wurden vernichtet, zahlreiches Vieh ist getötet. Von einem verheerenden Zyklon ist die Stadt Karachi heim- gesucht worden. Kaum ein Gebäude blieb verschont; mehrere Dampfer wurden ans Ufer geschleudert. Menschen sind nicht um- gekommen. DsuKscKs Nord-Ostsee-Fischhallen Johs. Skorczyk. Terkanlsfllialc A.(Fernsprecher III, 3790, 8576): C.s-vl-o U.-ce'&a-ra& 1 1 � /i A neben d. Ebepswalder-StraOe u. Rappel-Allee, gegen AilC© R44 über der oanriger-SIraOe und Pappel-Allee. lialtcstcllo der StraUcnbahnllnlen>». 10, 33, 46, 4.7, 48, 40, 50, 51, 54, 57 und V. sowie Omnibus 34 empfehlen infolge großer Fänge und täglich frischer Zufuhren Verkaufsstelle U.(Fernsprecher III, 5376): Straße 67, Ecke Hoch-Straße. 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Mend< Vorstellung im Neuen Schauspiel- hauS: 14./15.«ibteilung: Goethes Faust.(1. Teil.) Sonntag: 16. u. 17. Abteilung. Montag: 6. u. 7. Abteilung. Sonnabend, den 8. Juni. Ansang 7'/, Uhr. Kgl. Qpcrnhauö. Die Regiments- tochter. Kgl. IchnnspielhauS. Die Raben- steinerin. Neues kgl. Operntheater. Die Geisha. Deutsches. Der Jongleur. v»irr. lZ'cldost.— Rämhler Comp. Der Geisterspuk im Gefängnis. Pantomime der«okasokl/trupps. Im Fingt durch die Weit. Ausstattuugs-Vollsstück in 6 Bildern. Kasseneröfsnung 2 Uhr. Ans. B Uhr. Im Saale: Glrottei- IS»II. Billclioorverkaus von 10—1 Uhr an der Theaterkasse. Welt Hasenheide 108-114. — Im Konzertgarten:— Täglich i groües Komert. I Jeden Sonntag, Dienstag, Donnerstag: : Militkr-Komert.: [ Jeden Montag, Mittwoch, Freitag: TkeilZ�OrcIiestsr.: Entree 10 Pf. Entree 10 Pf. Im Theatergarten: Täglich: Großes Konzert ■ des Neue Welt-Orchesters und) i Spezialiläten-Vorstellung. i Enttee 25 Pf. Entree 26 Pf. 1 Jeden Mittwoch Kinderfest. 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Anläßlich der jetzigen Ausflüge nach dem Sprcewald ersuchen wir die Parteigenossen, Vereine, Klubs und Gesellschaften, sich vor Arrangierung derartiger Partien recht frühzeitig mit folgenden Genossen in Verbindung zu setzen Gustav Zachow, Kottbus, Schul st r, 4, und A u g u st M a s ch o f i u s, Lübbenau, Mitte Istr. 124. Dieselben sind jederzeit gern bereit, jede gewünschte Auskunst über Nachtquartier zu erteilen sowie bei Beschaffung von Fährleuten streng darauf zu achten, daß keine Uebervorteilung der Ausflügler durch zu hohe Berechnung der Fahrpreise stattfindet. Darauf hinweisen wollen wir noch, daß im Spreewaldgebiet uns nur folgende Lokale jetzt zur Verfügung stehen:„Schwarzer Adler"(Baumgart) in Lübbenau und„Schützenhaus" in Vetschau. Bei Aus flögen von Vetschau über Burg nach dem Spreewald wende man sich um Auskunft an Genossen Aug. Klünke, Vetschau, Bahnhofstraße. Alle Anfragen bezüglich Buckow sMärkische Schweiz) sind an den Genossen Fritz Simon, Wald-SieverSdorf, Bahn Hof Damsdorf-Müncheberg, bezüglich Werder a./H. an den Genossen Gustav Wüstenhagen, Werder, Brandenburgerstraße 36, und bezüglich Freienwaldr a./O. an den Genossen Wilh. Fest« mann. Freienwalde a./O.. Uchtenhagenerstraße 17, zu richten. Im VI. Kreis steht uns das Lokal:.Zum Sängerheim", Inhaber H. Marzahn, Veteranenstr. 18 zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung._ Die Lokalkommisfion. Achtung, Parteigenossen! Zur Unterstützung des Streiks und Boykotts der Bäcker findet am Sonntag, de» 9. Juni, früh 8 Uhr, wiederum eine Flngblattverbreitung in Grofi-Berlin statt. Zentralvorstand und Gewerkschafts-Kommission haben ein stimmig weitgehendste Unterstützung zugesagt. Wir ersuchen die Parteigenossen, morgen so frühzeitig als möglich, Mann für Mann, an den bekannten Stellen mr zutreten. damit die Verbreitung prompt und schnell vor sich geht. In Berlin findet die Verbreitung in allen sechs Kreisen statt. In Teltow> BeeSkow an folgenden Orten: Adlershof, Britz, Charlottenburg, Köpenick, Friedenau, Mariendorf, Nieder Schöneweide. Rixdorf, Schöneberg, Steglitz, Tempelhof, Trefi tow-Baumschulenweg. Im Wahlkreise Nieder-Barnim: Friedrichsberg, Friedrichs- fclde, Karlshorst, Lichterfelde, Pankow. Tegel, Reinickendorf (Ost und West), Rummelsburg, Weitzensee, Wilhelmsruh. Parteigenossen, tut Eure Schuldigkett! _ Der Zentralvorstand. Wilmersdorf. Den Genossen zur Nachricht, daß in Rückficht auf die örtlichen Verhältnisse des Bäckerstreiks das am Sonntag für Groß-Berlin zur Verbreitung gelangende Flugblatt erst einige Tage später verbreitet wird. Der Tag wird noch näher bestimmt werden. Der Vorstand. Nowawes. Mittwoch, den 12. Juni, abends 8>/z Uhr, findet im Lokale des Herrn Ernst Schmidt(„Deutsche Festsäle"), Wilhelmstr. 3, die Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins mit folgender Tagesordnung statt: 1. Geschäftliches. 2. Abrechnung von der Mai- feier. 3. Ergänzungswahl zum Vorstande. 4. Wahl von drei Dele- gierten zur Kreis-Generalversammlung. 6. Sommerfest. 6. Ver- schiedenes.— Gäste, auch Frauen, haben Zuttitt. Auch werden Mit- glieder aufgenommen. Der wichttgen Tagesordnung wegen ersucht um zahlreiches Erscheinen Der Vorstand. Adlershof. Am Sonntag früh 7>/g Uhr findet vom Lokal des Gastwirts Herrn Kähne, Bismarckstraße, eine Flugblattverbreitung statt. Gleichzeitig wird eine Agitationönummer des„Vorwärts" ver- breitet. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Fraiizöfisch-Buchholz. Mittwoch, den 12. Juni, abends 8'/, Uhr, findet bei Kähne, Berlinerstt. 39, Mitgliederversammlung des Wahl« Vereins statt. Obcr-Schöneweide. Dienstagabend 8>/z Uhr öffentliche Ver- sammlung im Wilhelminenhof. Referent" Karl Hetzschold vom Bäckereiarbeiter-Verband. Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. Reinickendorf. Arn Sonntag findet von den bekannten Stellen aus Flugblattverbreitnng statt. Dieselbe beginnt früh I'/z Uhr, so daß auch diejenigen sich daran beteiligen können, die später zu Ver- sammlungen gehen. Die in Groß-Berlin eingeführte einheitliche Tätigkeitsmarke gelangt zun, erstenmal zur Ausgabe. Der Borstand. Pankow. Die Bezirksführer werden ersucht, die am Sonntag auszuteilenden Flugblätter heute abend von Abendroth abzuholen. Der Vorstand. Berliner jVacbricbten. Zum Direktor des städtischen Untersuchungsamts für gewerbliche und hygienische Zwecke wurde in der gestrigen Magistratssitzung Ge- heimer Regierungsrat Dr. Proskauer, Abteilungsvorsteher der Infektionsabteilung am Rudolf Virchow-Krankenhause, gewählt. Zweierlei Maß in der Wärmchalle. Uns wird geschrieben: „Während des Sommers wollen gefälligst diejenigen Persönlichkeiten, welche es angeht, sich mal mit der folgenden Angelege>cheit befassen: Die Städte Berlin und Charlottenburg besitzen jede für sich eine öffentliche Wärmehalle, deren Oekonomie von zwei verschiedenen gemeinnützigen Vereinen besorgt wird. In beiden Wärmehallen sind die Preise für die Verpflegung und die gebotenen Nahrungsmittel so verhältnismäßig gut, daß unmöglich mit einem Nutzen, sondern nur zum Selbstkostenpreise oder unter demselben gearbeitet werden kann. Demgegenüber ist der Verein, welcher die Berliner Oekonomie innehat, dadurch in eine schiefe Beurteilung gekommen, daß er die Speisen und Getränke fast noch einnial so teuer abgibt als der andere Verein in Charlottenburg. Des Rätsels Lösung ist nun aber sehr einfach und zudem für moderne Großstadtverhältnisse höchst lehrreich. In der Charlottenburger Wärmehalle setzte bisher die Oekonomie- Verwaltung täglich im Durchschnitt 10—12 M. zu. Auf die Dauer könnte sie das ohne größeren städtischen Zuschuß nicht aushalten. Sie hat sich jedoch zu der äußerst niedrigen Preisben, essung auS dem Grunde berett finden lassen, weil die Stadt Charlottenburg demnächst zwölf und vielleicht noch mehr öffentliche alkoholfreie Trinkhallen bauen will, deren Oekonomie dem betreffenden Verein ebenfalls übertragen werden soll. Auf diese Weise wird ein neues Prinzip von sozialer Bedeutung geschaffen, indem das Publikum ohne irgendwelche Preissteigerung indirekt dazu beiträgt, den beahuernswerten Besuchern der'Wärmehalle ihre Lage erträg- licher zu machen. Was sonst in die Tasche des Unter- nehmers als Gewinn fließen würde, konimt hier, da beide Vereine kein Geschäft machen wollen, den Obdachlosen und Frierenden zugute.— Die Stadt Berlin ist natürlich noch nicht so weit vorgeschritten. Auf der einen Seite gibt sie gemeinnützigen Vereinen Zuschüsse, deren angemessene Höhe stets niit Ach und Krach herausgeschlagen werden muß, und auf der anderen Seite ist sie zu engherzig, nm das gemeinnützige Prinzip solcher Vereine durch weitestes Entgegenkommen in die richtigen Bahnen zu lenken." Unserer Meinung nach wäre es das beste, wenn die Stadt selbst die Wärmehallen übernähme. Geschäfte können dabei allerdings nicht gemacht werden, das ist aber auch nicht nöttg. Die Linienführung des Großschiffahrtsweges Berlin— Stettin wird jetzt auf der Oberhavel, soweit dieser Flußlauf in Betracht kommt, festgelegt. Von der Stelle an, wo der Spandauer Schiff- sahrtskanal, der zwischen Saatwinkel und Plötzensee neu gebaut wird, in die Oberhavel münden soll, werden Peilungen vorgenommen, um die Wassertiefe festzustellen. Das Wasser muß zur ungehinderten Aufrechterhaltung des Schiffsverkehrs auch bei dem niedrigsten Stand eine Tiefe von 2,50 Meter haben. Bisher sind nur wenige flachere Stellen ermittelt worden, die eine Ausbaggerung notwendig machten. Der verkrachte Milchring. Der vor wenigen Wochen zwecks Gründung eines neuen Milchringes ins Leben gerufene„Verein märkischer Milchproduzenten" stellt bereits seine Tätigkeit wieder ein. Die Mitglieder werden auf den 15. Juni zu einer Versammlung ge- laden, auf deren Tagesordnung die Beschlußfassung über die Auf l ö s u n g des Vereins steht. Mehrere Großgrundbesitzer haben hierzu einen„Antrag von Bredow und Genossen" gestellt, wonach der Verein nur vorläufig seine Tätigkeit einzustellen und von Einziehung der Beiträge abzusehen hat. In der sehr charakteristischen Begründung des Antrages bemerken die Antragsteller. daß sie gleichzeitig der denselben Zweck verfolgenden neuen Gesell- schaft mit beschränkter Haftung angehören, daß aber„auch diese, als Kind der Zentrale, zu dem sie sich leider aus- wächst, ein kurzes Leben haben wird." Die Hitzeperiode der ersten Hälfte des Mai hat in Berlin eine ganz plötzliche und sehr bedeutende Zunahme derSäuglingS st e r b l i ch k e i t herbeigefühtt; das zeigen uns die Wochentabellen deS Berliner Statistischen Aints, die jetzt für die Zeit bis zum 18. Mai fertiggestellt und veröffentlicht sind. In der Zeit vor Beginn dieser Hitzeperiode hatte di»Säuglingssterblichkeit sich ziemlich unverändert auf einer mäßigen Höhe gehalten, so daß z. B. aus den vier Wochen vom 7. April bis zum 4. Mai nur 122, 116, 123, 126 Säuglingssterbefälle gemeldet wurden.(Als Säuglinge.gelten hier alle Kinder des ersten Lebensjahres.) Nach dem 4. Mai brach dann jene gewaltige Hitzwelle über uns herein, vor der dies mal sogar die famosen„drei Eisheiligen" die Flucht ergriffen, und sofott stieg für die Woche vom 5. Mai bis 11. Mai die Zahl der Säuglingssterbefälle auf 192. Die Periode heißer Tage erstreckte sich noch bis über die Mitte der folgenden Woche hinaus, und dem- entsprechend stieg auch in der Woche vom 12. Mai bis 18. Mai die Zahl der Säuglingssterbefälle noch weiter bis auf die für eine Mai- Woche ganz ungewöhnliche Höhe von 264. In den beidenWochen vom b. Mai bis 13. Mai starben zusammen 456 Säug- l i n g e, das sind um reichlich 200 mehr als in den beiden vorhergehenden Wochen vom 21. April bis 3. Mai, wo zusammen 254 Säuglinge starben. Die tägliche Zahl der Säuglings- sterbefälle erreichte ihren höchsten Stand in der Zeit vom 13. bis 15. Mai, daS war unmittelbar nach den beiden heißesten Tagen. den 11. und 12. Mai. Am 13., 14., 15. Mai starben 51, 57, 42 Säuglinge! Der Temperatursturz, der dann vom 16. zum 17. Mai einttat, spiegelt sich auch in den Zahlen der Säuglings- sterblichkeit wider. Schon am 17. Mai starben nur noch 21 Säuglinge. Die Nachwehen der Werdersche» Ausstellung machen sich jetzt im benachbarten Obststädtchen unangenehm bemerkbar. Da der erzielte Erfolg weit hinter den gehegten Erwartungen zurückblieb, kommt jetzt die Reihe an die Garanticfondszcichner, die zur Deckung des aus vorläufig 25 000 M. taxierten Defizits herangezogen werden. Da die zur Deckung eines Fehlbettages gezeichneten Beträge nicht ausreichen, müssen noch 5000 M. nachträglich eingebracht werden. Hierfür ist der Gesamtausschuß haftbar. Es haben somit auch die Herren, welche seinerzeit ohne ihre Einwilligung in den Ausschuß gewählt wurden, in die Tasche zu greifen. Zwei schwere Sttaßenbahnunfälle werden uns vom gestrigen Tage gemeldet. Gegen°/«1 Uhr mittags fuhr der Radfahrer Wilhelm Kropf, Koloniestr. 121 wohnhaft, mit einem Zweirade die Müller- straße entlang, in der ihm ein Straßenbahnwagen der Linie 22 (Richtung Rixdorf) entgegenkam. Einem Lastwagen ausweichend, bog K. auf die Straßenbahnschienen hinüber und wurde in diesem Augenblicke von dem Herannahenden Motorwagen umgestoßen. Er fiel so unglücklich, daß er mit dem rechten Arm unter den Schutzrahmen des Bahnwagens geriet. Mit Hülfe von Straßenpassanten wurde letzterer angehoben und der Verunglückte aus seiner gefährlichen Lage befreit. Kropf hatte einen Bruch des rechten Armes, blutende äußere und nicht unerhebliche innere Verletzungen erlitten. Der Radfahrer wurde nach der Unfallstation in der Lindowerstraße und dann nach dem Paul Gerhardt-Stift übergeführt.— Der zweite Unfall er- eignete sich zu derselben Zeit in der Greifswalderstraße. Dort wollte vor dem Hause Nr. 33 der zehnjährige Schüler Willi Gregor, dessen Eltern in der Pasteurstraße 33 wohnen, unmittelbar vor einem herannahenden Sttaßenbahnwagen der Linie 63(Richtung Danziger- traße) den Fahrdamm überschreiten i er wurde jedoch von dem Motorwagen umgestoßen und kam neben dem Wagen zu liegen. Der Knabe erlitt einen Bruch des Nasenbeins und Hautabschürfungen am Kopf, an den Beinen und Händen. Eine recht unangenehme Ueberraschnng wurde dem Händler Franz Albrecht zu teil. Er hatte in der Schlesischenstraße geschäftlich zu tun und war mit seinem Break dorthin gefahren. Vor dem Hause Schlesischestraße 1 ließ er daS Gefährt kurze Zeit ohne Aufsicht tehen und als er dann wieder die Straße betrat, war der Wagen untsamt dem Pferde, einem schwarzen Wallach, spurlos verschwunden. Der Dieb hatte sich so gestellt, als ob er zu dem Fuhrwerk gehöre, war ganz gemütlich auf den Sitz hinaufgestiegen und davon- gefahren. A. hat durch den ftechen Diebstahl einen Schaden von 1200 Mark erlitten. Drei große Einbruchsdiedstähle, wobei den Tätern für nahezu 10000 M. Beutestücke in die Hände fielen, sind in der Nacht zum Donnerstag verübt worden. In der Straußfedern- und Boasfabrik von Heitmann in der Lindeustr. 72 stahlen Einbrecher allein für 5000 M. Ware. Die Spitzbuben hatten es sich bei dem Einbruch äußerst bequem gemacht. Sie ließen sich auf dem Hofe des neben dem 39. Polizeirevier belegenen Grundstücks einschließen, öffneten dann von außen ein Fenster der Hettmannschcn Wcrkstätte und stiegen geräuschlos ein. Zunächst plünderten die Burscheu die Werkstatt. Sämtliche wertvollen Boas und Federn packten sie ein. Im Verkaufsraum eigneten sie sich nur die teuren weißen Straußfedern an. In sämtlichen Rämne» hatte die Bande alle Regale herausgezogen und eine heillose Verwüstung angerichtet.— Ein lohnender Einbruchs- diebstahl wurde auch in dem Herren-Konfektionsgeschäft von Robinowitz in der Greifswalderstr. 107 ausgeführt. Hier nahmen die Diebe den Weg durch die Tür, nachdem sie die Schlösser gewaltsam er- brochen hatten. Nicht weniger als 72 fertige Anzüge und einige Ballen Stoff schleppten die dreisten Täter ungehindert davon. R. ist um mehrere tausend Mark geschädigt worden.— Auf seltene Beute hatten es Einbrecher abgesehen/ die der Korsettfabrik von Neumann u. Co., Blumenstr. 62 eine nächtliche Visite abstatteten. Die Diebe stahlen für 1000 M. Korsetts. Mit„Kennerblick" suchten sie sich die wertvollsten Objekte heraus. DaS Ende des Deutsch-Amerikanischeu Theaters. Die Direktoren des Deutsch- Amerikanischen Theaters. die Herren Paul und Adolf Philipp, die mit ihrem Ensemble im Carl Schultze-Theater in Hain- bürg gastierten, haben, ohne ihren Verpflichtungen nachzukommen, die Direktion aufgegeben. Herr Paul Philipp befindet sich schon seit einiger Zeit in New Dork. Sein Bruder Adolf Philipp hat, nachdem er von Direktor Monti eine Abstandssumme von 6000 M. erhalten, sein Ensemble gleichfalls verlassen. Direktor Monti hat dann die Verträge der Schauspieler bis zum Schluß der Sommcrspielzeit übernommen. Schlechter dürfte ein weiteres Ensemble, das gleich- falls von den Herren Philipp engagiert wurde und das in der „Flora" in Altona auftritt, dran sein. Diese Mitglieder befinden sich durch das Vorgehen ihrer Direktoren in äußerst prekärer Lage. Der Besitzer des Deutsch-Amcrikanischen Theaters Herr Professor Stein hat, nachdem die letzte fällige Pachtrate nicht bezahlt wurde, Beschlag auf den Fundus gelegt. Eine furchtbare Bluttat verübte gestern vormittag ein geisteS- schwacher Mann iit Lichtenberg. Der Schuhmachermeister Franz Bergmann aus der Scharnweberstr. 38, ein Mann in den vierziger Jahren, versuchte seine Frau mit dem Beil zu erschlagen und tötete sich selbst durch einen Stich in das Herz. Wir erfahren über die Tat folgende Einzelheiten: Seit Bergmann in einem Streit einen Schlag auf den Kops erhielt, war er geistig geschwächt und bekam öfters Krämpfe. Sechs Wochen war er in einer Heilanstalt. Dann nahm ihn seine Frau wieder zu sich, um ihn zu Hause zu pflegen. Gestern morgen stand er schon früh auf. Während die älteren Kinder auf Arbeit und andere in der Schule waren, befand sich das jüngste, ein vierjähriges Mädchen, mit den Eltern zu Hause. Plötzlich hörten die Haus- genossen gellende Hülferuse. Man verschaffte sich Eingang in die Wohnung und fand Bergmann und Frau im Blute schwimmend der Kranke hatte seiner Frau mit dem Beil klaffende Kopfwunden beigebracht und sich selbst ein Messer in das Herz gestoßen. Er war tot. sie lebte noch und wurde besinnungslos nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Schwerer Bauunfall. Vom Bau abgestürzt ist der 23jährige Arbeiter August Hoppe auS der Bellcalliancestr. 105. Der junge Mensch hatte auf einem Neubau in der Gitschinerstraße zu tun und stürzte beim Hinaufklettern auf ein Gerüst von bettächtlicher Höhe ab. Schwerverletzt wurde der Verunglückte in das Krankenhaus Am Urban eingeliefert. Entrüstung unter den Passanten der Mühlenstraße herrschte Donnerstag mittag anläßlich folgenden Vorfalls: In das Haus Mühlenftr. 73 sollte eine Lokomobile transportiert werden. Die Einfahrt wird links von einer ungefähr 2>/z Meter hohen Mauer und rechts von dem Hause begrenzt. Bei der Einfahrt fuhr die Lokomobile mit voller Gewalt gegen die Mauer und die ganze Mauerecke, zirka 60 Zentimeter breit stürzte ein und auf ein dahinter stehendes Pferd, welches sofort zusammenbrach. Das war mittags um 12. Es dauerte gar nicht lange, da erschienen zwei Schutzleute, die die Umstehenden fortjagten. Das arme Tier lag da und zuckte, daß es die Zuschauer erbarmte. Nachdem das Pferd drei Stunden so gelegen hatte, erschien der Schinder und holte es ab. Ein Augenzeuge des Vorfalls knüpft an dieses Vorkonmuris den Hinweis, daß es doch für die mit der Browningpistole ausgerüsteten Schutzleute ein leichtes gewesen wäre, den Qualen des Pferdes durch einen Schuß ein Ende zu machen. Oder darf die Pistole nur an Menschen probiert werden? Auf einein Bau in der Wilhelmshavenerstratze hat sich am Donnerstag ein Unfall ereignet. Dieser Bau war bis zur Aus- sperrung so ziemlich fertig, die Putzarbciten wurden mit Zuhülfe- nähme von Lehrlingen vollendet und am Donnerstag waren Schlosser dabei, die Baltongitter zu befestigen. Bei dieser Gelegenheit brach eine Stange und em an derselben befestigter Kolben traf den Schlosser Krüger derartig an den Kopf, daß er nach Anlegung eines Not- Verbandes nach dem Krankeuhausc gebracht werden mußte. Die Stange war für die Last, die an ihr augebracht war, viel zu schwach, und ist von der Polizei beschlagnahmt worden. In der Nacht vom 5. zum 6. d. M. ist dem Zimmerer Urban, Wollinerstr. 33, Seitenfl. II, sämtliches Handwerkzeug, welches er zurzeit im Keller aufbewahrte, gestohlen worden. Arbeiter- Bildungsschulr Berlin. Sonntag, den 9. Juni, Familienausflug nach Grünau- Richtershoru. Abfahrt des «tadtbahnzuges: Alexanderplatz 8.51, Jannowitzbrücke 8.54, Schief. Bahnhof 8.57. Treffpunkt für Nachzügler bis 10�/z Uhr vormittags: Restaurant Jägerhaus(Jnh. G. ErHardt), Bahnhof- und Friedrich- straßen-Ecke m Grünau. Von 12 Uhr mittags ab: Möhrs Strand- Restaurant, Richtershorn bei Karolinenhof. Zahlreiche Beteiligung Ivird�crwartet.— Der Unterricht in Sozialer Gesetzgebung fällt am nächsten Mittwoch aus. Derselbe findet statt am Sonntag, den 9. Juni, bei gutem Wetter im Grunewald, bei schlechtem Wetter im Schullokal. Treffpunkt 9� Uhr. Der Zoologische Garten veröffentlicht in den hiesigen Bau- zeitungen soeben ein Preisausschreiben unter den Mitgliedern des Berliner Architektenvereins und der Vereinigung Berliner Architekten, uni Entwürfe für die geplante Restaurationserweiterung zu ge- Winnen. Wir erfahren dazu, daß der neue Saalbau mit seinen Annexen im äußersten östlichen Zipfel des Gartens gedacht ist, der bisher von einigen alten, schon baufälligen Tierhäusern eingenommen wird, welche auch aus anderen Gründen erneuert und verlegt werden sollten bezw. müßten. Der bisherige RcstaurationSsaal nebst Veranden wird nach wie vor bestehen bleiben. Infolge der Ad- gelegenheit des Bauplatzes wird das Publikum von dem für 1909 in Aussicht genommenen Neubau kaum berührt werden. Fcucrwehrbericht. Wegen einer Gasexplosion wurde gestern früh um 7 Uhr die Feuerwehr nach der Bellevuestr. 5 gerufen. Im Ouergebäude hatte sich angeblich durch Unvorsichtigkeit Gas an- gesammelt. Als dann daS Gas angezündet werden sollte, erfolgte die Explosion, bei der zum Glück niemand emstlich Schaden erlitten Aus Rixdorf wird uns wieder ein Selbhülfe bekannt, der fö ähnlich verlaufen hat. Eine Wand ward« eingedruckt und Fenster zertriimmert.— Vorsätzlich in Brand gesteckt wurde um Mitternacht eine Litfaßsäule in der Frankfurter Allee Iftt.— Fast gleichzeitig kam Alt-Moabit M Feuer aus. Dort brannten Kartons u. a. auf einem Hängeboden. In einem Lagerraum in der Königgrätzerstr. 78 gerieten Regale, Fässer u. a., in der Köpenickerstr. 89» und Wörtherstr. 1 Möbel. Gardinen u. a. Ferner hatte die Wehr in der Elisabethstr. 42/43 zu tun. Vorort- pfadmcbtem Chnrlottenburg. In einer am 4. Juni cr. von der hiesigen GewerkschaftSkom- Mission einberufenen öffentlichen Versammlung der in den hiesigen Wasch- und Plättanstalten beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen referierte Genosse Pasewaldt-Berlin über die wirtschaftliche Lage dieser schlechtentlohnten Berufsgruppe und wies am Schlüsse seines Resetats überzeugend auf die Vorteile eines gemeinsamen Zu- sammenschlusses in dem Verbände der Wäschearbeiter Deutschlands hin. Nachdem noch Frau Anklam und Genosse Flemming an der- schiedenen Beispielen den Nutzen der gewerkschaftlichen Or- ganisation dargelegt hatten, wurde der Grundstein für das Weiter- gedeihen des genannten Verbandes gelegt. Freie Volksbühne Charlottenburg. Zu der morgen, Sonntag, im Schillertheater Charlottenburg stattfindenden Vorstellung von Anzengrubers„Pfarrer von Kirchfeld" sind nur heute noch einige Gastkarten in den Zahlstellen zu haben. Sämtliche Mitglieder müssen heute geklebt haben! Am Sonnabend, Juni, findet im Volkshause ein NezitationSabend(Moderne Dichtungen) statt. Berein Freier Kindergarten. Auf das heute, Sonnabend, im !staurant„Waldhaus", Tegeler Weg 38/39, stattfindende sinder. Spielfc st wird noch einmal aufmerksam gemacht Anfang 3 Uhr. Eintritt für Erwachsene 29 Pf., für Kinder 19 Pf. Rixdorf. Eines Hauswirts Selbsthülfe. Hausbesitzer, die gegenüber ihren Mietern zu ihrem.Recht" kommen wollen, warten nicht immer erst auf die Hülfe des Gerichts. Wenn z. B. ein Hausbewohner die Miete schuldig geblieben ist und nun an die Luft gesetzt werden soll, dann hält mancher Hauswirt eS für einfacher und be quemer, zu dem Mittel der Sclbsthülfe zu greifen. Er dringt mit etlichen handfesten Personen in die Wohnung des Mieters ein, schafft ihm sein bißchen Kram auf den Hof oder die Straße hinaus, schiebt den Mieter selber hinterher und schließt hinter ihm die Bude zu. Das Verfahren ist zwar ungesetzlich und ein Hauswirt kann böse dabei hineinfallen, wenn er mal an den Richtigen kommt, der ihn anzeigt. Aber in der Regel gerät diese Sorte von Hausbesitzern nicht an den Richtigen, sondern nur an Leute, die ohne Gegenwehr alles über�sich ergehen lassen. ' l Fall hauSvesitzerlicher ist. Im Hause Kopf« straße LS, das dem Eigentümer Ernst Voigt gehört, wohnte seit Oktober vorigen JahreS der Gärtner Wilhelm Kuhlisch mit feiner lungenleidenden Frau und vier kleinen Kindern im Alter von b bis 13 Jahren. K. hatte im Januar die Wohnung zum April gekündigt. Für Februar und März blieb er dann die Miete schuldig, die pro Monat 17,59 M. betrug. Da er überdies zum April keine ihm zusagende Wohnung fand, so wurde ver- eiubart, daß er wohnen blieb. Für die restierende Miete überließ Frau Kuhlisch an Frau Voigt eine Forderung in Höhe von 72 M., die der Frau K. von einer dritten Person geschuldet wurden. Die Miete wurde nun auch für April und für Mai nicht gezahlt, weil ja der Wirt an der ihm bezw. seiner Frau überlassenen Forderung noch hinreichende Deckung hatte. Hinterher fiel aber der Frau V. ein, die Vereinbarung rückgängig zu machen und der Frau K. den Schein über die 72 M. zurückzugeben. K. hätte, somit die Miete für vier Monate nachzuzahlen gehabt. Da» konnte er natürlich nicht sofort, und so klagte B. auf Räumung der Wohnung und daneben auf Zahlung der Miete wenigstens für einen Monat. Weil aber B. nicht zum Termin kam, so wurde er durch VersäumniLurteil abgewiesen. Als nun K. auch für den Juni die Miete nicht sofort zahlte. sHritt der Herr Hauswirt zur S e l b st h ü l f e. Er und seine Frau, die übrigens die eigent« liche Herrin im Hause ist, forderten Zutritt zur K.schen Wohnung. während K. auf Arbeit war und seine Frau eine Besorgung machte. Die allein anwesenden Kinder öffneten, da ihnen gedroht wurde, daß man sonst die Tür gewaltsam öffnen werde. Voigt und Frau be- traten in Begleitung von zwei Männern die Wohnung, und nun wurde auf eigene Faust die Räumung ausgeführt. Möbel, Betten, Kleider, Wäsche, Geschirr usw. wurden zusammen- erafft und auf den Hof hinuntergeschafft. Dann wurden die Kinder .mausgeschoben, und hinter ihnen wurde die Tür der Wohnung verschlossen. Als am Abend die Eltern nach Hause kamen, fanden sie auf dem Hof die Kinder, und um sie herum ihr biszchen Habe in wirrem Durcheinander. Die bestürzten Leute mußten m ihrer Hüls» losiakeit sich entschließen, einstweilen diejlllöbel usw. auf dem Hose zurückzulassen, und bis auf weiteres Aufnahme in einer Herberge der Rosenstraße in Rixdorf. Unter den anderen Mietern des Herrn Voigt hat dieser Akt rücksichtsloser Selbsthülfe große Entrüstung hervorgerufen. Vielleicht wird der Herr Hauswirt Gelegenheit finden, sich durch ein Gericht darüber belehren zu lassen, ob sein„Recht" so weit geht oder nicht. Herr Kuhlisch hat Anzeige gegen ihn erstattet und Strafantrag gestellt. Grost-Lichterfelde. Eine Infamie gegen die ausgesperrten Bauarbeiter leistet sich das hiesige Lokalblättchen, die„Groß-Lichterfelder Zeitung", indem ste folgende Notiz abdruckt: „Ein trauriges Bild bot sich gestern in Berlin vor der Spar- lasse am Mühlendamm. Hier drängten sich Hunderte von Frauen, anscheinend die Frauen und Mütter der streikenden Bauhandwerker und Arbeiter, um Einlaß in das Gebäude zu gewinnen. Die von ihren Männern und Söhnen rücksichtslos der Not preisgegebenen Frauen sind gezwungen, sich ihre sauer ersparten Notgroschen von der Sparkasse zurückzahlen zu lassen, damit die Herren Bauarbeiter feiern und den Nlachthabern der Sozialdemokraten de» Beweis ihrer Knechtschaffcnhcit geben könne»!" Die Niedertracht steht dieser Notiz an der Stirn geschrieben. Jews Kind weiß, daß die Bauarbeiter nicht streiken, sondern daß sie von den Unternehmern rücksichtslos ausgesperrt worden sind, weil sie sich nicht stillschweigend dem Machtgebot der Unternehmer unterwerfen wollten. o Spandau. Die Stadtverordnetenversammlung, welcher wieder eine sehr reichhaltige Tagesordnung vorlag, beschäftigte sich zunächst mit der Einführung von zwei neugewählten Stadtverordneten und ge- nehmigte sodann die Annahme zweier Vermächtnisse! eins von 23 999 M. von den Oberstabsarzt Dr. Espeut'schen Eheleuten, von dessen Zinsen alljährlich zu Weihnachten bedürftige Spandauer 25 M. erhalten sollen, und das andere von 1999 Ä. von der Frau des verstorbenen Bureaudirektors Beyer mik der Verpflichtung der Unterhaltung der Grabstätte.— Für die Erneuerung deS Fußboden? der Küche und Speisekammer im Siechenhause werden 599 M. bewilligt. Ob auch die Fußböden der Wohnungen der Siechen reparaturbedürftig sind, wurde nicht verraten.— Die Vorlage bezüglich Kenntnisnahme von dem ablehnenden Beschluß des Magistrats betreffs Aufstellung von Straßenlaternen in der am Stadtwald belegenen Straße Hakenfelde ruft bei einzelnen Mitgliedern berechtigte Entrüstung hervor. Seitens der sozial. demokratischen Fraktion spricht Genosse Pieck seine Entrüstung au? kzulassen, wo sie dem strömenden Regen preisgegeben waren, mit ihren Kindern«ine andere Unterkunst zu suchen. Sie fanden Md befürlvorlel öll'ch gleichzeitig die Jnstandsetzsing SPt Straße an der Scharfen Lanke. Da die Vorlage nur eine Kenntnisnahme ausspricht, so sind Beschlüsse nicht zu fassen.— Eine Aendcrung rcsp. Erhöhung der Hundesteuer hat der Magistrat in Vorschlag gebracht und zwar sollen von über 59 Zentimeter Brusthöhe 39 M. und bei solchen unter 59 Zentimeter 29 M. Steuer gezahlt werden. Die Vorlage ruft eine etwa eine Stunde dauernde Debatte hervor, in der namentlich über die Art der Erhebung dieser Steuer nach der Größe der Hunde glossiert wird. Die Genossen Schmidt l und Pieck bekämpfen auch diese Art der Erhebung und treten namentlich dafür ein, daß von den Ziehhundenj eine Steuer nicht erhoben wird. Nach der vorgeschlagenen Ordnung sollen für diese Hunde 5 M. Steuern gezahlt werden. Die Versammlung beschließt nach dieser ausgedehnten Hundedebatte, daß von allen Hunden außer Wacht- und Ziehhunden eine Steuer von 29 M. erhoben wird. Die letztgenannten Hunde werden wie bisher mit 5 M. besteuert.— Der Fuhrherr Grunow, der vertraglich die Gespanne und Kutscher für die städtische Müllabfuhr zu stellen hat, ist um Erhöhung seiner Vergütung wegen der Mehrleistung durch die staubfreie Kastenabfuhr eingekommen. Der Magistrat hat vorgeschlagen,' dem Unternehmer für 1997 eine Erhöhung von 5 Proz. und für 1998 eine solche von 19 Proz. zu bewilligen. Auch hierüber entspinnt sich eine längere Debatte, bei welcher von einigen Stadtverordneten der Vorschlag gemacht wird, die Müllabfuhr Privatunternehmern zu überlassen, da die Stadt nur Geld zugeben müsse bei der jetzigen Art der Abfuhr. Dieser Vorschlag wird vom Genossen Schmidt 1 ganz energisch bekämpft, auch spricht derselbe gegen die Magistrats- Vorlage, da hierdurch ein Präzedenzfall geschaffen werde. Die Versammlung beschließt, dem Unternehmer nur für 1997 eine fünfprozentige Erhöhung zu gewähren. Für 1998 soll eventuell der Vertrag aufgehoben werden, falls der Unternehmer auch für dieses Jahr eine Erhöhung fordert.— In die zu bildende gemischte Kom- Mission zur Beratung des Verkaufs von Forstland wird vom 6. Aus- schuß, der für die Vorschläge dieser Wahlen eingesetzt, neben 6 bürgerlichen Stadtverordneten auch der Genosse Pieck vor- geschlagen. Sofort macht der konservative Stadtverordnete Bender, der auch zum Reichsverband zur Bekämpfung der So- zialdemokratie gehört, eine andere Vorschlagsliste, in welcher kein Mitglied der sozialdemokratischen Fraktion enthalten ist. Auf Be- fragen des Genossen Pieck erklärt der Stadtverordnete Bender. daß er deshalb keine Sozialdemokraten in dieser Kommission haben wolle, weil diese zu prinzipielle Gegner des Waldverkaufs sind. Es muß nunmehr eine zeitraubende Zettelwahl stattfinden, und trotzdem der Genosse Schmidt I darauf hinweist, daß man durch dies Verfahren ja dem 6. Ausschuß ein Mißtrauensvotum aus- stelle, wählt die Mehrheit die vom Stadtverordneten Bender vor- geschlagenen Stadtverordneten und sind dadurch die Genossen von dieser Kommission ausgeschlossen. Genosse Pieck erklärt, daß die sozialdemokratische Fraktion gegen dies Verfahren ihre Maß- nahmen treffen werde. Es gewinnt fast den Anschein, als wollte man die lästigen Sozialdemokraten aus dieser Kommission heraus- in die Praktiken Genossen werden I dazu in den öffentlichen Verhandlungen Kinderbewahranstalten, die Kinderhorte, der sozialdemokratische Fra: nahmen treffen werde. CsS 'ästigen Sozialdem haben, damit sie nicht einen zu tiefen Einblick der Grundstückspekulanten gewinnen. Nun, die dann ihre Stellung nehmen.— Für die Krippe und dem Verein Jugcndschütz werden vom Magistrat UnteD stützungen in einer Gesamthöhe von 2299 M. beantragt. Ueber diese Vorlage entsteht auch eine längere Debatte und wird seitens einzelner bürgerlicher Stadtverordneten eine höhere Summe be- antragt. Als eine Anfrage des Genossen Pieck, ob es wahr sei, daß der Verein Jugendschutz auch die Bestrebung habe, seine Schütz. linge vor der Sozialdemokratie zu bewahren, bejaht wird, erklärt der Genosse namens der sozialdemokratischen Fraktion, daß sie dann gegen die Vorlage stimmen würden. Sie könnten unmöglich solche Anstalten, die die Frömmelei und Muckerei betreiben, unter- stützen. Diese Gelegenheit benutzte sofort der konservative Stadt- verordnete und Landtagsabgeordnete Rechtsanwalt L ü d i ck e, um dem Genossen Pieck hinsichtlich seiner jüdischen Religion ein? aus- zuwischen. Als der Genosse Pieck dann in derselben Weise repli- zierte und dem Stadtverordneten Lüdicke geistige Beschränktheit vorwirft, wenn er weiter nichts anzuführen wisse, als seine jüdische vorzuwerfen, wurde der Genosse zur Ordnung Religion ihm vorzuwerfen, wurde der Genosse zur Ordnung ge- rufen. Man scheint jetzt den Versuch machen zu wollen, unsere Ge- Nossen im Stavthause bei jeder Gelegenheit anzurempeln, wahr- scheinlich weil die Stadiverordnetenwahlen nahe vor der Tür stehen. Die Wähler der 3. Abteilung werden ja den Herren bei der Wahl hoffentlich die richtige Antwort auf diese Anwürfe geben. Die Versammlung genehmigte sodann die Vorlage, wie sie vom Ma- gistrat beantragt.— Die Anstellung eine? zweiten Stadtbaurat? hatte bereits in der vorigen Versammlung eine längere Debatte ezeitigt, weil sich der Magistrat immer gegen diese Anstellung perrte. Man einigte sich schlichlich dahin, daß die Angelegenheit nochmals in gemischter Konimission beraten, und diese Kommission um 2 Mitglieder verstärkt werden soll. Der Magistrat hat nun eine diesbezügliche Vorlage eingebracht jedoch mit dem Zusatz, daß diese Kommission auch über die Besetzung der jetzigen Stadtbaurat- stelle, die zum 1. April 1993 zur Erledigung kommt, beraten soll. Trotzdem der Berichterstatter Stadtverordnete Bender diesen Zusatz bekämpft, weil gewissermaßen ein persönliches Moment hinein- getragen und die Sache dadurch verschleppt werde, stimmt die Ver- der Magistratsvorlage zu. Es wurden dann noch einige orlagen erledigt und der Rest bis zur nächsten Sitzung kleinere vertagt. eingegangene Dfiichfdmtten. „Kommunale Praxis". Wochenschrift sür Kommunalpolitik und EemeindelozlaliSmus. Redakteur: Dr. Albert Südekum. Verlag: Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69. Nr. 22 bringt eine Fortsetzung der Artikel„Die Sozialdemokratie in den Gemeinden". Eichhorn-KarlSruhe behandelt darin die Sozialdemokratie in der badischen Gemeindeverioaltung. Nr. 23 enthält einen instruktiven Leitartikel über die Tntwickelung der Sozialdemokratie in Breslau. Daran schließen sich viele Notizen, auS denen wir eine Polemik des Stadtrat» Dr. Flesch in Frankfurt a. M. gegen die Einsührung der sielen Arztwahl in der Armenpflege der Wichtigkeit dieser Frage wegen besonders hervorheben möchten. Die„Kommunale Praxis" erscheint wöchentlich und kostet vierteljährlich 2.69 M. Probenummcrn sind jederzeit kostenlos vom Verlag, Buchhandlung Vorwärts. Berlin gW. 68, Lindenstr. 69, zu beziehen. Die einzige in das Heim des Arbeiter», an den Lesetisch gehörende ................. die von der iilrbetterschast für die Romanbibliothek„In Freien erscheint wöchentlich in einem 2S Seilen starken Hest a 19 Ps. und kann du«h alle Buchhandlungen und Kolporteure bezogen werden. Auch Poltanstalten nehmen Bestellungen entgegen. Soeben sind die Hefte 22 und 23 bei uns eingelaufen. Wir nennen aus dem In» alte die Fortsetzungen der Romane:„Der Glöckner von Notre-Dame" von Z. Hugo und„St PeterS Reaenschlrm' von K. MikSzath. Ferner enthält Hest 23 einen Aussatz über„Splonenorden" und In einem Keinen Feuilleton „Dies und Jenes",„Witz und Scherz". Wir empfehlen die billigen Hefte, die stet» ausgewählte, gedlegene Romane und Erzählungen bringen, jeder- mann zum Abonnement. Ol xjic einjigc in oas.ycim ocs bi Unterhaltungszeitschrist ist unbestreitbar Arbetterschast gegründete illustrierte Stunden". Diese Zeitschrist crschet» dlegen« Lebendige Schilderungen mittelalterlicher Kriegsgreuel ....... B®iut und Eisen" de» Krieges und der Kriegs. enthält das'l'oebcn erschienene 36. Hest des Werkes„Blut und Eisen", anschaulicher Welse«ine Darstellung gibt. Zahlreiche Illustrationen erläutern aus dem 36. Hest sei erwähnt die �Lieder- dai in W W geschlchte in älter und neuer Zeit und veranschaulichen den Text; e. gäbe einer Radierung, die die Ermordung WallcnsteinS darstellt. Das Werk erscheint in 59 Lieferungen a 29 Ps. und kann durch jede Buchhandlung und von allen Kolporteuren bezogen werden. Aus Verlangen sendet der Verlag, Buchhandlung Vorwärts, verlin SV. 98, Probehefte gratis und sianko._______ ßrUfhaften der Redaktion. 1. Unseres Trachtens find Sie zur Zahlung nicht verpflichtet. Die Klage sindet zunm R.«».._______ 2. Der Zahlung muh eine Klag« vorausgehen. Die Klage findet zunächst beim Bezirksausschuh statt, gegen dessen Erkenntnis ist dann gerichtliche Entscheidung zulässig.— O. Ä. 10. Ja.— G. Z, 33. Suhr.— M. M. 3. Die betreffenden brauchen keineswegs die von Ihnen an- gefühlten Sprachen zu können. Wahrscheinlich kennen die meisten von ihnen kelne der beiden Sprachen.— K. St. 03». Nach der allerdings streitigen aber allein zutreffenden Ansicht kann der Lohn erst mit Beschlag belegt werden, wenn er im Jahr 1699 M. überstiegen hat. Wir haben vor kurzem die verschiedenen hierüber bestehenden Rechtsansichten in einem Artikel llar gelegt.— T. Z. Zwei Zwangskassen kann man nicht an- gehören, wohl aber einer Zwangskasse und einer freien Hülsskasse. Das Krankengeld dars insgesamt de» der Berechnung des Krankengeldes zugrunde gelegten Tagelohn nicht übersteigen, jedoch ist eme Aushebung dieser Beschränkung durchs Statut möglich.— Z> Nein. — Erbschaft. Soweit Ihre Darlegung verständlich ist, erbt die leibliche Schwester P. und der Bruder, nicht aber die Schwester K. aus erster Ehe. — M. 11 u. 12. Die Eigentümer der einzelnen Häuser können Sie aus dem Adrehkalender«riehen. Eine Angabc, welche von verschiedenen Feuer. versicherungsgescllschasten die sicherste ist. müssen wir ablehnen, da wir eS grundsätzlich ablehnen, bestimmte Geschäfte zu empsehlen.— F. B. S. Wenden Sie sich an einen Bausachverständigen, der an Ort und Stelle die Gelegenheit untersuchen mühte.— Prahl. Leider müssen Sie bis zur Entscheidung warten.— H. 109. Nein.— G.K.»9. Eine Verpflichtung zur Zahlung liegt Ihnen nicht ob.— A. B.. Stargarderstrastc. Nein, beantragen Sie bei der Gcwerbedeputation, Stralauerstr. 1/3, die Kasse zu verurteilen anzuerkennen, daß Sie noch Mitglied sind und das Ihnen zu- kommende zu zahlen.— R. Schulz 13. 1. und 2. Neil»— O. H. 4o» Uns nicht bekannt.___ Berliner Marktpreis«. Situs dem amtlichen Bericht der städtischen Marklhallen-Dircklion.(Grohhandel.) Rindfleisch I» 66—68 or. 199 Pfd., IIa 60-65, nia 55-66. Bullenflcisch la 62—66, IIa 52—00, Rühe, fett 50—58, fco. mager 38—48, Fresser 50—62, Bullen, dön. 0,00, do. Holl. 0,00. Kalbfleisch, Doppellender 100—125, Masttälber la 88—94, IIa 76—84, lila 0,00, Kälber ger. gen. 50—65, do. Holl. 60— 65, dän. 0,00. Hammelfleilch Mastlämmer 70—74, la 65—70, IIa 58—65, Schafe 53—58. Schweinefleisch 47—54. Rehwild la per Psund 0,60—0,75. IIa 0,47—0,60. Rotwild, Abschuß 0,46—0,59. Damwild, Abschuß 0,00. Wildschweine 0,25—0,37. Frischlinge 0,55. Kaninchen per Stück 0,65-0,75. Hühner, alle, per Stück 1,50-2,00, Ha 1,00—1.40, do. junge 0,50—0,70. Wolga. Hühner 1,75. Tauben 0,30—0,59, italienische 0,00. Enten per Stck. 1,50 biS 2 00 dito Eis> per Stück 0,00, do. Hamburger per Stück 1,25—4,25, Gänse per Psund 0.85, do. per Stück 2,50—5,60, do. Hain- burger per Psund 0,90—0,95, per Stück 3,50—6,09. Chalonshühner Ha 1,90. Hechte per 100 Psund 90—116. groß und mittel 0,00, dito matt 77, dito groß 60—72. Zander 160. Schleie. hall. 0,00', dito klein 0.90, do. 85—103. Aale, groß 121—129, do. Nein und mittel 0,00, dito mittel 0,00, do. unsorttert 89—103. Plötzen 55, do. klein 0,00, do. matt 0,00. Karpfen 80—86, do. 0,00. Bleie 0,00. Bunte Fische 57—85. Barse 84, do. matt 0,00. Karauschen 76—98. Bleisische 0,00. Wels 62. Aland 65—71. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer per 100 Psb. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. lila neuer 70. Seelachs 15-20. Sprotten. Kieler, Wall 0,00, Danziger, Kiste 0,00. Flundern, Kieler, Stiege la 3—6, do. mittel ver Kiste 2—3, Hamb. Stiege 4-6, halbe Kiste 2,00-3,00. Bücklinge. Kieler per Wall 2.00-3,50. Stralsunder 2,00—3,00. Aale, groß per Psd. 1,10—1.40, mittelgroß 0.80—1,10, klein 0,60—0.80. Heringe per Schock 5—9. Schellfische Kiste 5.00-7,00,'/, Kiste 2-3,50. Kabliau, geräuch. per 100 Psd. 15-20. Dorsch. Kiste 2,50—3,50. Goldsilche, Schock 2-6. Sardellen. 1902«: per Anker 95, 1904«- 95, 1905er 90, 1906« 85—90. Schottische Vollberinge 1905 0,00, large 40—44, füll. 38—40, med. 86—42, deutsche 87—44. Heringe, neue MatjeS, per'/, To. 50—120. Sardinen, russ.. Faß 1,50—1,60. Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1,25—1,50. Neunaugen, Schocksaß II, klein 5—6, Riesen» 14. Tier, Land-, uiisort. Schock 3,00—3,25, gr. 3,75. Butter per 100 Psd. la 106—108, Ha 105—106, lila 100—102, abfallende 00—95. Saure Gurken Schock. 4,50, do. neue 6—8. Pfeffergurken 4,50. Kartoffeln per 100 Psund magmim bonum 3,25— 3,75, Dabersche 8,00— 3,50, Rosen 0,00, weiße 3,00—3,25, Salaikarlosseln 0,00. Spinat per 100 Psund 3—10. Karotten, hiesige, Schock.Bund 2,50—6,00. Sellerie, hiesige, per Schock 10,00—25,00, do. pommersche 0,00. Zwiebeln große, per 100 Psund 0,00, do. Keine 0,00. do. hiesige(Perl-) 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün. Schockbund 0.80— 1,00. Kohlrabi Schock 0,60—1,50. Retlig, bayr., neue Stück 0,12— 0,16. Mohrrüben p. 100 Psd. 4,00— 8,00. Teltower Rüben per 100 Psd. 0,00. Weiße Rüben, große 0,00, kleine 0,00. Rote Rüben 0,00. Blumenkohl, hollandischer per Kops 0,10—0,30. Kohlrüben per Schock 2,00—5,00. Wirsingkohl holländ., per Schock 0,00. Rotkohl holländ., per Schock 0,00. Welßlohl, dän. per 100 Psd. 0.00. Rosenkohl per 100 Psd. 0,00. Sprutkohl Per 100 Psund 0,00. Rhabarber 100 Bund 0,60— 3,50, Bergedorfer per 100 Bund 0,00. Morcheln per Psund 0,00. sandmorcheln per 100 Psd. 0,00. Waldmeister per Mandel 0,30— 0,45. Radieschen per Schock 0,50—1,00. Salat per Schock 0,60—1,75, Spargel la 190 Psd. 35—55, do. IIa 25—30, do. Illa 6—18, do. unsort. 35—40, do. Beelitzer la 44—50, do. Beelitzer IIa 28—36, do. Beelitzer Nia 15-25. Stachelbeeren, grün, per 100 Psd. 11—16. Birnen, austral., in Kisten von 20 Kg. Kiste 12—22, Ual. 0,00. Aepsel, per 100 Psd., hiesige 20-25, Tiroler. Kiste 0,00. Ealville, Kiste 0,00, Australier in Kisten 8—22, Italienische in Kisten 0,00, extra 0,00. Zisionen, Messina. 300 Stück 9,00-12,00, 360 Stück 8,50-11.00, 200 Stück 6.00—18.00. ZIpselsinen, Jaffa, per Kiste 0,00, Murcia 200er Kiste 0,00, do. 300er 0.00, Valencia 420er Kiste 18,00—25,00, do. 714 er 22—30,00. Messina. 100er 4-7,00, 150er 5-8,00, 16( er 8-13,00, 200er 7,60-18,60, 800er 0,00, Blut. 100er 6,60-9,00, do. 150« 7—9,00, 80« 6-7,60, 200er 13-14._ Wttternngsüberffcht vom 7. Juni 1vv7. morgen« 8 Utz». Wetter-Prognose für Tonnabend, den 8. Jnni 1907. Zunächst kühler, vorwiegend trübe und etwa» regnerisch bei ziemlich frischen westlichen Winden; später aufklarend und wieder etwa» wärmer. Berliner Wetterdur eau.' Deutscher Metallarbeiter-Verbandl Vtrwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß l unser Mitglied, der Schloff« Karl Riedel am 6. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am s Sonntag, den 9. Juni, nach- mittags 41/j Uhr. von der Leichen. Halle des Gethsemane-KirchhoseS l m Nieder-Schönhausen aus statt, j Rege Beteiligung erwartet 119/18 Oie Ortsverweltunp. Todes-Anzeige. Allen verwandten. Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß unser lieber Vater, Groß- und Schwiegervater, der Möbclpollerer Rar! vriesener am 7. Juni, siüh 4 Uhr, nach langem, schwerem Leiden ent- schalen ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 10. Juni, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle deS ZionS-Frtedhost, Nord- end, aus statt. 01s trauernden Hinterbliebenen. Allen Freunden und Bekannten l die Nachricht, daß unser lieber Vater, Schwieger- und Großvater. j der Steinsetzer 1130b Rar! Kfeckow am 5. Juni 1907 im Alt« von 83 Jahren gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 9. Juni, nach. mittags'1,2 Uhr, vom Trauer- Hause, Malplaguctstrahe 36, nach dem neuen Nazarelh-Kirchhos statt. Um rege Beteiligung bitten die Gebrüder Krcckow. Für die vielen Beweise herzlichsti Teilnahme bei dein Hinscheiden meine liebenManneS, Bruders und|W Danksagung. st« nes chwagerS (Zeorx Engeiniann sage ich allen Verwandten und Be- kannten, besonders der Firma Mehlich A.-G. meinen herzlichste» Dank. Witwe Anna Engclmau«. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlich« Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben ManneS, deS SchrislsetzerS Paul Lcknürpe! sage Ich den Kollegen sowie allen Be- kannten meinen herzlichsten Dank. Oie trauornilo Witwe Johanna Schnürpel g-b. Mau. ■eiantnaitlifter tftttafteatl Kkbtk. iLttlin. göx fcf AnjerÄenteil oermtw.: kl. Gl»cke, Berlin. Druck u. Lttlag: Borwän» vuchdruckerci» LerlagSmistslr j&nd Swg-r& Co.. BerlÄ SW