Ar. 132. BbennfmcnfS'Btdlngungtn; «ionnemen»• Prei» Jjtänumctanio: SintfljilfiiL 3,30 Ml,, monall. 1,10 Ml.. wöchenllich 28 PIg. frei in» Hau». Cinzcliie Nummer S Psg, Sonntag». nununer mit illustrierter Sonntags« Beilage.Die Neue«eil' 10 Psg, Post- klbonnement: 1,10 Marl pro Mona«. eingetragen in die Post. Zeitung«. Stcislisie. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterrelch. Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat, Poltabonncmcnt» nehmen an: Belgien, Dllnemarl. Holland. Italien. Luxemburg, Portugal. Nuiiianicn. Schivedcn und die Schtvci», S4. Jahrg. dlltilsl lig»»»»hl« Vevlinev Volksblslkt. vi«!nftrtIons*6et)QI>r lelrSgt für die lechsgespaltcne Kolon »eile oder deren Raum 60 Psg„ sür politilche und gewcrllchaslliche Verein!« und Berlammlung». Anzeigen 30 Plg. �Aleine Vln:«!g-n". da» erste(lett« gedruckte)«ort 20 Psg,, jedes weitere «ort 10 Psg. Slellcngcluche und Schlaf- slellen.Anzelgcn das erste Wort 10 Iii, jede» weitere Wort 6 Psg, Worte«mw 15»uchllabcn zählen für zwei ttrrs. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis SNhrnachmlttags in dcr Expedition abgegeben werden. Dlc Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Adresse! „Sozialfitmekrit BtrUi". Zcntfalorgan der rozialdcmokratifchcn parte» Deutfcbtande. sn Rcdahtion: SRI. 68, Lindcnetrasec 69 fvrritili'friiiT:?li!il IV. 9fr.!!)s(S. Die Beruf$zä!)lung. Zwölf Jahre werden am 12. Juni 1907 fast auf den Tag verflossen sein, seitdem— am 14. Juni 1895— die letzte Berufs- und Gewerbezählung im Deutschen Reiche statt- gefunden hat. Zwischen den beiden vorangegangenen Zäh- l lnigen von: 5. Juni 1882 und 14. Juni 1895 waren dreizehn Jahre verstrichen. Bei der raschen EntWickelung unserer Wirt- schaftlichcn Verhältnisse durften die letzten zwölf Jahre stärkere Aenderungen in der beruflichen Gliederung der Bevölkerung des Deutschen Reiches herbeigeführt haben, als die dem l4. Juni 1895 vorangegangenen dreizehn Jahre. Daß die Berufszählungen, die jetzt besser als Berufs- und Betriebszählung, früher als Berufs- und Ge- Werbezählung bezeichnet wurden, außerordentlich wichtige jeder, der die ununterbrochenen Berufsgliederung kennt. Zwischen finden heute viel stärkere Ver- als in der ganzer Jahv Erhebungen sind, weiß Verschiebungen in der zwei Berufszählungen änderungen wirtschaftlicher Natur statt vorkapttalisfischen Produktionsweise während hunderte. Zur Feststellung der sozialen und wirtschaftlichen Zustände bildet die Berufs- und Betriebszählung eine wichtige Grundlage, ja die unentbehrliche Voraussetzung; denn sie zeigt uns den Gang der wirtschaftlichen EntWickelung, die Ver- drängung der Hand- durch Maschinenarbeit, das Vordringen der Frauen- und Kinderarbeit, die EntWickelung der Groß- und Riesenbetriebe und die hierdurch bewirkte Beeinflussung der Mittel-, Klein- und Alleinbetriebe, das Verhältnis der Fabrik zum Handwerk und zur Hausindustrie, die Abwanderung landwirtschaftlicher Arbeiter, die Geschlechts- und Alters- Verteilung in den verschiedenen ErwerbsgmPPen, das Auftauchen neuer Industrien, das Verhältnis der Unternehmer- zahl zur Anzahl der kaufmännischen und technischen Ange- stellten sowie zum Kreise der Lohnarbeiter, der Ausüber von Nebenberufen zu denen der Hauptberufe, die Größe der land- wirtschaftlichen Betriebe und ihren Anteil an dem Gesamtareal des Reiches und der einzelnen Bundesstaaten. Schon diese Beispiele beweisen, von welcher großen Bedeutung für die Erkenntnis der wirtschaftlichen EntWickelung und der sozialen Zustände eine gründliche und umfassende Berufs- und Betriebs- Zählung werden kann. Man hat viel zu lange gezögert; schon längst hätte die Zählung der deutschen Bevölkerung nach Bernsen vorgenommen werden sollen. Ilnzivcifelhaft sind die Veränderungen im sozialen Aufbau unserer Bevölkerung weit erheblicher und gehen rascher vor sich, als die Wandlungen, die durch unsere Volkszählungen festgestellt werden. Dennoch nimmt das Deutsche Reich in regelmäßigen, durch ein Gesetz fest- gelegten fünfjährigen Zwischenräumen Volkszählungen vor, während die Berufszählungen in viel längeren Abschnitten erfolgen, und zwar immer erst auf Grund von Spczial- gesetzcn, die keinerlei Garantie für die regelmäßige Wieder- holung bieten. Schaffen die Volkszählungen durch ihr, wenn auch nicht vollkommenes. Zusammenfallen in den meisten Kulturstaaten die Möglichkeit internationaler Ver- gleichungen, so fehlen diese Möglichkeiten für die Ergebnisse der Berufszählungen fast gänziich; obgleich es keines Be- weises bedarf, daß die Vergleichung der volkswirtschaftlichen Ergebnisse der Berufszählungen nicht bloß von Bedeutung für die Wissenschaft, sondern auch in sicherlich gleichem Maße für die praktische Volkswirtschaft, sür die Gesetzgebung, den Handelsverkehr usw. wäre. Mehr wie ein Jahrzehnt haben wir mit den am 14. Juni 1895 erhobenen Zahlen arbeiten müssen, obwohl bei der außerordentlich raschen Entwickelung der tvirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse diese Angaben und Verhältiiiszahlcn bis zur völligen Unbrauchbarkcit veraltet waren, Sic boten ein verzerrtes und falsches, vielfach irreführendes Bild unserer Verhältnisse. Das Deutsche Reich spart häufig an unrichtiger Stelle. Es schiebt dringliche Aufgaben hinaus, weil die Lasten fiir Armee und Marine, sür Kolonien und desgl. den Etat vollständig in Unordnung gebracht haben. Während jeder Abstrich an den Hecresforderungen und Schiffsbauten als eine Vorbereitung zum Hoch- und Landesverrat angesehen wird, entschließt man sich leichten Herzens bis zur Knickrigkeit sparsam zu sein, wo. wie bei der Berufs- und Betriebs- Zählung, wichtige Verpflichtungen der Rcichsvcrwaltnng vor- liegen und die Voraussetzungen für die wirtschaftliche und sozialpoinische Gesetzgebung geschaffen werden. Vor uns liegt ein vom März IVO! datterter amtlicher Entw"-" für die Berufs- und Bctriebszählungen am 7. Juni' 1995, und doch findet die Erhebung erst nach mehr als zwei weiteren Jahren statt. Damit ist auch die Hoffnung wieder vermindert, daß in wenigstens regelmäßig zehn- jährigen Zwischenrännien diese Zählungen vorgenommen werden. Diese Verschiebung ist umso bedauerlicher, als zwischen Zählungstag und Abschluß der Verarbeitung und Veröffentlichung der Resultate eine sehr lange, den Wert der Ergebnisse stark vermindernde Zeit verfließen wird. Erst im Jahre 1919 werden wir die vom Reichsstatistischen Anit be- kanntgegebcnen Ergebnisse ganz kennen. 2'/, Jahre rechnet es für die Verarbeitung des Materials, Was mögen diese Jahre unserer Volkswirtschaft bringen? Wahrscheinlich eine schwere Wirtschaftskrise, sicherlich tiefgreifende Verschiebungen der Be- ��Sgrößen in der Industrie, vermutlich auch manche Trust- I bildungen. Unzweifelhaft wird man die deutsche Volkswirtschaft s von 1919 nicht mehr nach den Ergebnissen einer Zählung vom Juni 1997 beurteilen dürfen; und wenn man das not- gedrungen tun wird, erhält man ein verzerrtes Bild. Dem Laien versucht man weiszumachen, daß man das gewaltige Material nicht rascher aufarbeiten kann. Man er- zählt, daß 359 Personen zur Bearbeitung der Zählungs- ergcbnisse neu angestellt wurden, als ob man nicht ebensogut auch 1999 oder 1299 Personen hierzu anstellen könnte, um im dritten oder vierten Teile der Zeit das Material aufzuarbeiten. Sparsainkcitsrüch'ichten, mangelnder Unter- nehmungsgeist, bureaukratischer Sinn, Verschmähen der technischen und maschinellen Mittel, die in der Statistik anderer Länder angewendet werden, vornehmlich der schweizerischen Erfahrungen, wo der Fragebogen in sinnreicher Weise mit der Zählkarte kombiniert ivorden ist, verursachen diese Verzöge- rungen. Man braucht nur auf die letzte Volkszählung in — Indien hinzuweisen, um zu zeigen, daß man selbst die größten statistischen Erhebungen bei gutem Willen und zielbewußter Energie überaus rasch und tadellos ausführen kann. Am 1. März 1991 wurde in Britisch-Jndien, einem Lande, das größer ist als Europa ohne das Russische Reich, eine Bevölkerung von 294 361956 Köpfen, fast fünfmal mehr als die des Deutschen Reiches, unter den schwierigsten Verhältnissen und in der ein- gehendstcn Weise gezählt. In 147 Sprachen wurde gefragt, 2378 verschiedene Kasten und Stämme festgestellt und die Be- Völkerungslage nach den verschiedenen Richtungen aufgenommen; und doch waren schon 1 Jahr nach der Volkszählung außer dem in zwei Teile zerfallenden Generalbericht 69 Folio- bände mit Volkszählungsergebnissen und Tabellenwerken ver- öffcntlicht, und ferner eine Anzahl weiterer Bände von Sonder- ausweifen, die nur für den Gebrauch der Verwaltungen in Indien herausgegeben wurden. Man würde übrigens gewalfig fehlgehen, wollte man annehmen, daß bei uns die Veröffentlichung der in so laiig� wieriger Arbeit fertiggestellten Resultate berechtigten Wünschen entspricht. Sind die Resultate gefunden, so sucht man bei der Veröffentlichung zu sparen. Zahlreiche Geiverbe zieht man in Gruppen zusammen, so daß man vielfach außerstande ist, die Zahlen für die einzelnen Berufe zu finden und sie mit den Ergebnissen der früheren Zählungen in Vergleich zu stellen. Man hat die Erhebungen von 1882 und 1895 in der wissenschaftlichen Literatur kritisiert. Wir verweisen nur auf Georg v. Mayr, Ernst Hasse, Karl Bücher, Schobel, Silber gleit, Rauchbcrg usw. sowie auf die trefflichen Bemerkungen Bnino Schoenlanks bei der Beratung des Gesetzes, auf Gnmd dessen die Berufszählung vom 14. Juni 1895 vorgenommen wurde. In mancher Hinficht sind die Fragebogen nun ver bessert worden, wenn auch viele beachtenswerte Vorschläge unberücksichtigt blieben. Die stark angefeindete Frage der Ermittelung der Hausindustrie:„Arbeiten Sie zu Hause für fremde Rechnung I" ließ man z. B. endlich fallen. Wir fürchten aber, daß die neue Fragestellung von den Hausindustriellen auch nicht erfaßt werden wird. Sie heißt jetzt: „Arbeiten Sie in Ihrer eigenen Wohnung soder in eigener oder selbst gemieteter Werlstätte; für einen oder mehrere andere (fremde) Meister, Fabrikanten, Kaufleute oder sonstige Unter nehnier als Hausgewerbetreibender?(Ja oder nein!j... oder als Heimarbeiter?(Ja oder nein!)... Wir möchten die Wette eingehen, daß unter den auf den Universitäten herangebildeten Nationalökonomen ein erheb lichcr Bruchteil den Unterschied zwischen Hausgewerbetreibenden und Heimarbeitern nicht klannachen kann. Werden die Ge meindebehörden, die freiwilligen Zähler die Beantwortung dieser Frage auf ihre Richtigkeit prüfen oder dem Ausfüller des Fragebogens mit zweckdienlichen Ratschlägen dienen können? Sicherlich nicht. Merkwürdigerweise behandeln die „Erläuterungen zum Gewerbeformular" (Drucksache Is) zwar die Frage, aber nicht den Unterschied von„Hausgewerbetreibenden" und„Heimarbeiter". Keine Partei hat mehr wie die Sozialdemokrafie den Tiefstand und die Lücken unserer Wirtschafts- und Sozial- statistik beklagt. In der Vorrede zum ersten Bande des „Kapital" heißt es: „Im Vergleich zur englischen ist die soziale Statistik Deutsch- lands und des übrigen kontinentalen Westeuropas elend. Dennoch lüftet sich der Schleier gerade genug, um hinter demselben ein Meduseuijaupt ahnen zu lassen. Wir würden vor unseren eigenen Zuständen erschrecken,_ wenn unsere Regierungen und Parlamente, wie in England, periodische IlntersuchungSkommissionen über die ökonomischen Berhältniffe bestallten, wenn diese Kommissionen mit derselben Machtvollkommenheit wie in England ausgerüstet würden, wenn eS gelänge, zu diesem BeHufe ebenso sachverständige, unparteiische und rücksichtslose Männer zu finden, wie die Fabrik« inspektoren Englands sind, seine ärztlichen Berichterstatter über nVubUoLealrb"(öffentliche Gesundheitspflege), seine llntersuchungs- kommissionäre über die Exploitation(Ausbeutung) der Weiber und Kinder, über Wohnungs- und NahrungSzustände usw." Im nächsten Monat, am 25. Juli, werden es 59 Jahre, daß Karl Marx diese inhaltschwcren Worte niederschrieb. Wohl ist inzwischen auch das deutsche Wirtschaftsgebiet zu einer klassischen Stätte der kapitalistischen Produktionsweise ge- worden; aber es ist uns noch immer leichter, auf Gnmd amtlichen englischen und amerikanischen Materials die kapita- listische Produkttonsweise und die Lage des modernen Industrie« Expedition: SM. 68» üindenstrasse 69. Aernlvrecher: Sliut IV. Nr.«KZI. und Ackerbauarbeiters darzustellen als auf Grund der amtlichen deutschen Statisttk. W Diese Erwägungen allein schon müsien uns veranlassen, mit allem Eifer an der Verbefferung der sozialen Statistik mitzuwirken. Wie viel Sinn und Verständnis die deutschen Arbeiter hierfür haben, weiß jeder Kenner unserer gewer?- schaftlichen Statistik, die trotz vieler Verbesserungen, die wir ihr wünschen, heute schon Bedeutungsvolles leistet und alljährlich Beweise des lebhaften Interesses und Verständnisses für die soziale Statisttk bietet. Die stattsttschen Veröffent- lichungen der Gewerkschaften beweisen aber auch die Notwendigkeit des klaren Einblicks in die sozialen Zustände für die kämpfende Arbeiterklasse. Die BerufL- und Betriebsstatistik bietet etwas, was keine private statistische Arbeit, keine Untersuchung der Gewerkschaft schaffen kann: den Einblick in die volkswirtschaftliche Ent- Wickelung, in die Raschheit ihres Ganges, in das Verhältnis der Selbständigen zu den Abhängigen, der Kapitalisten zu den Proletariern, in die Zurückdrängung des Agrarstaates und das Vorrücken des Industriestaates, in die EntWickelung der Maschinenanwendung in Industrie und Landwirtschaft, in die Verteilung des Grundbesitzes nach Größenklassen usw. Viele Irrtümer werden die neuen Zahlen verscheuchen, viele Aufklärung werden sie bringen können— mannigfaltige Anrcgungungen zu weiterer wissenschaftlicher und prak- tischer Arbeit. Deninach ist der Tag, an dein nach langem Zögern endlich die so lange schon notwendige Berufs- und Betriebszählung vorgenommen wird, ein bedcutungs- volles Datum für die soziale Erkenntnis. Deshalb fordern wir die Arbeiter auf, die Berufs- und Betricbszähluug als eine wichtige und bedeutungsvolle Angelegenheit zu behandeln und mit Ernst. Uebcrlegung und Genauigkeit die Fragebogen anszufiillcn. Die Arbeiter wiffen, daß niemand weniger als sie die Aufklärung über unsere sozialen Zustände zu furchten haben, daß sie aus der Erkenntnis des Ganges der Wirtschaft- lichcn Entwickelung nur Nutzen ziehen können und daß es deshalb in ihrem eigenen Interesse liegt, das Gelingen der Erhebung zu fördern. Sie CaDdtas$fef$ion. Die Landtagsscssion, die vorletzte der laufenden Gesetzgebung?» Periode, ist geschlossen, die Männer dcS DrciklassenparlaMents, die von Gcldfacks und Junkers Gnaden berufen sind, die Geschicke des preußischen Volkes zu leiten, sowie die geborenen Gesetzgeber, die von Zeit zu Zeit im Hcrrenhause ihre Stimmen erschallen lassen, können sich wieder ihren Privatgeschäften widmen. Allzu schwer haben sie es sich in der verflossenen Session nicht gemacht; nur etwa 70 Sitzungen haben in den simf Monaten stattgefunden, also durch« schnittlich noch nicht einmal an jedem zweiten Tag eine Sitzung, und positive Arbeit ist so gut wie nicht geleistet Ivorden. An Unfrucht- barkeit übertrifft diese Tagung sogar noch die vorausgegangenen. Und doch wäre es ein verhängnisvoller Fehler, wollte man der LandtagSfefsian jede Bedeutung absprechen. Nur darf man sie nicht beurteilen nach den Vorgängen, die sich in der Oefscnllichkcit ab- gespielt haben, sondern nach dem, was hinter den Kulissen vor sich ging, man muh sie betrachten im Zusammenhang mit der all- gemeinen politischen Lage im Reich und in Preußen., Als die Session im Januar eröffnet wurde, tobte der Reichs« tagswahlkampf. Der Reichskanzler Fürst Bülow. der gleichzeitig prcuhischer Ministerpräsident ist, war in höchst eigener Person in die Arena hinabgestiegen, um die Konservativen und Liberalen zum gemeinsamen Kampf gegen Zentrum und Sozialdemokratie auf- zurufen. Daraus ergab sich für die preußische„Volksvertretung" eine recht heikle Situation. Im prcutzischcn Abgeordnetenhause herrscht seit Jahren eine konservativ-klerikale Mehrheit, die jede freiheitliche Regung im Keime erstickte und die die Liberalen, namentlich das Häuflein Freisinniger bei jeder sich bietenden Ge- legenhcit mit Spott und Hohn überhäufte. Dasselbe Zentrum, das im Reiche von den Konservativen bekämpft wurde, ging im Land- tag Arm in Arm mit diesen, und dieselben Freisinnigen, denen die Konservativen im Reich huldvollst gestattet hatten, ihnen die Steigbügel zu halten, bildeten im Landtag den äußersten Flügel der Opposition gegen die Scharfmachergelüste der Konservativen und die Vcrpfasfungsbestrcbungen der Herren vom Zentrum. Was war da zu machen? Entweder die Konservativen paarten sich auch im Abgevrdnetenhause mit den Liberalen, um durch diese wider- natürliche Paarung die preußische Gesetzgebung zu beeinflussen, oder aber sie blieben jeder für sich und vertuschten die Gegensätze- Man wählte das letztere, man kam dahin überein, bei der Etats- dcbatte, bei der sonst immer die Gegensätze auseinanderplatzten. alle politischen Fragen auszuscheiden, und ging bereits am vicricn Tage nach der Eröffnung des Landtags in die Ferien, um erst einei� Monat später, nach Becndiauna des Reichstagswahlkampfes. zusammenzukommen. Ter zweite Abschnitt der Session lieferte den Beweis dafür. wie wenig die Regierung geneigt ist, den Liberalen auch nur die geringsten Zugeständnisse zu machen und wie sie in Preußen nach wie vor im konservativ-klerikalcn Geiste zu regieren sich bemüht. Das zeigte sich besonders auf dem Gebiete der Schulpolitik. Die Nationallibcralen. die noch im Jahre dorhcr alles eingesetzt hatten, um das Bolköschulgesetz mit seiner Einschränkung des Selbst. vcrwaltungsrechts der Gemeinden und seinen Zugeständnissen an di- Frömmler und Dunkelmänner zustande zu bringen, hatten die Ver» sprechungen des Fürsten Bülow ernst genommen und verlangten deg Lohn 1« ihre Liebesdienste, feie fie feer Regierung geleistet hatten. Sie forderten gebieterisch die Entlassung des ihnen der- haßten Kultusministers v. Studt; sie vergaßen aber, daß gerade st- e« gewesen sind, die seine Stellung befestigt hatten. So sanken dann die hochpolitischen und denkwürdigen Debatten anläßlich der Interpellation über den Bremscrlaß und später anläßlich der An- träge auf Einführung der fachmännischen Schulaussicht zur Farce herab. Wohl hielten die Mannen um Friedberg, denen unerwartet auch noch von dem edlen Octavio v. Zedlitz Hülfe wurde, von Libe- ralismus übectriefcndc Reden, und wenn Wort- töten könnten, zählt- Herr v. StuH längst nicht mehr zu den Lebenden. Aber nicht das S y st e m Studt, sondern die Person Studt war es. der der Kampf galt, und das System wird weiter seine Orgien feiern, gleich- bwl ob Herr v. Studt vor Beginn der nächsten Session einem anderen seinen Platz räumt oder ob er auch dann noch die Geschäfte seines Ressorts führt. Tie Konservativen verbitten sich die liberale Paarung in den Fragen des Volksschulwesens; hier feiert nach wie vor das kenscrvativ-klerikale Kartell Orgien. Auch sonst war von irgendwelchen Konzessionenanden L i b e r a l i s m u s in der ganzen Session nicht die Rede, und all- «ählich scheint sogar den Freisinnigen ein Licht darüber aufzugehen, daß sie die blamierten Europäer sind und daß sie sich in eine un- würdige Rolle haben hineinlockcn lassen. Anders ist der Schmcrzens- schrei der«Freien Deutschen Presse" über das Verhalten des Finanz- Ministers nicht zu verstehen, der in den letzten Tagen in der Frage der Teuerungszulagen für die mittleren Be- a m t e n, ohne sich an die Freisinnigen und die Nationalliberalen zu kehren, mit dem Zentrum und den Konservativen ein Kompromiß «dgcschloffen hatte. An und für sich ist die Sache ja belanglos, aber in Verbindung mit den sonstigen Vorgängen trögt sie mit bei zur Charakterisierung der preußischen Politik. Es ist natürlich ein Unsinn, wenn freisinnige Redner und freisinnige Blätter den An- schein erwecken wollen, als bestehe zwischen Rheinbaben und Bülow ein Gegensatz. Nein, Bülow als preußischer Ministerpräsident und Vorgesetzter des Finanzministers ist mit dessen Vorgehen ein- verstanden, er hält es nur nicht für nötig, selbst im Parlament zu erscheinen als lebendiges Zeugnis des Widerspruchs zwischen den Worten und den Taten der Regierung. Und die Freisinnigen haben es doch wahrlich verdient, daß man sie etwas weniger verächtlich behandelt; sie haben sich alle Mühe gegeben, den Konservativen zu Willen zu sein. Haben sie doch sogar auf die Beratung ihres Wahlrcchtsantrags verzichtet! Die offiziöse,' Freisinnsorgane stellen eS so dar, als ob es taktisch nicht klug sei, wenn die Abgeordneten bereits den Reisckoffer in der Hand haben, einen so wichtigen Antrag zu erörtern. Wir können diese Entschuldigung nicht gelten lassen. In einer prinzipiellen Frage von solcher Bedeutung darf man keinerlei Rücksichten nehmen. Und außerdem! War denn in der ganzen langen Session keine Gelegenheit, die Wahlrechtsfrage anzuschneiden? Hätten die Frei- sinnigen den ernsten Willen gehabt, hätten sie nicht gefürchtet, es mit ihren konservativen Bundesgenossen zu verderben, dann hätten sie die Besprechung der Wahlrechtsfrage herbeiführen können. Die positiven Leistungen des Landtags lassen sich an den fünf Fingern einer Hand aufzählen. Verabschiedet wurde neben dem Etat und einer Reihe lokaler Gesetze die Novelle zum Berg- gesetz, die das Muten und Verleihen nach verschiedenen Rich- tungen hin abändert und insbesondere die Gewinnung der Stein- kohle und der Salze fortab dem Staate vorbehält, die S e k u n d ä r» bahnvorlage, der RachtragSetat. der die Forderungen für die Teuerungszulagen enthält, das Wanderarbeits- pättengefetz, die Novelle zum E in kommen st euergesetz mit den Schikauen für die Arbeiter und das Gesetz betr. die Bc- willigmig von Mitteln zum Bau von Wohnungen für Staatsarbeiter und gering besoldete Beamte. Getreu den Traditionen des preußischen Landtags ist auch diesmal wieder nichts für die arbeitende Klasse geschehen. Tie fortgesetzt günstige Finanzlage dcS Staates, die die Thronrede hervorhebt, kommt den Arbeitern nicht zugute. Vorteil davon haben einzig und allein die besitzenden Klassen. Auf dem Gebiete des Bergarbeiterschutzes, auf dem Gebiete der Gewerbeinspcktion. auf dem Gebiete des BauarbeitcrschutzeS, nirgends der geringste Fort- schritt, überall ein Stillstand. Der preußische Staat, der als größter Arbeitgeber mit gutem Beispiel vorangehen müßte, ist sich seiner Pflichten auch nicht im entferntesten bewußt. Im Gegenteil, er sucht die Arbeiter und Beamten zu Heloten zu degradieren, er ver. bietet ihnen das Koalitionsrccht, er nimmt ihnen das Pctitionsrccht, er schreibt ihnen sogar vor, welche Zeitungen sie lesen sollen. Und niemand erhebt sein« Stimme, um gegen ein so unwürdiges Vor- gehen Protest einzulegen. So ist es seit Jahren gewesen und so wird cS bleiben, solange die Vertreter der Arbeiterklasse durch ein pluto- kratischeß Wahlsystem vom Landtage fern- gehalten sind. Hier Wandel zu schaffen, ist die Pflicht aller derer, denen die kulturelle Entwickclung Preußens ani Herzen liegt. bor allem der Sozialdemokratie. Sie darf nicht eher ruhen, als bis auch der größte deutsche Bundesstaat eine Vertretung erhält, di» kein Scheinparlamcnt, sondern eine wirkliche Vertretung des preußischen Volkes ist, vie politische Situation in England. London, 6. Juni.(Eig. Bcr.) ES gibt kein Land in der Welt, in dem die öffentliche Meinung einen so gewaltigen Einfluß auf Parlament und Regierung hat, wie in England. Uebcrhaupt basiert die De- mokratie Englands nicht auf einer geschriebenen Konstitution, sie beruht im V o l k S w c s e n, in der T r a d i t i o n, in de» Gewohnheiten des Volkes. Damit wollen wir durchaus nicht sagen, daß das englische Volk etwa in einem Eden lebt, in dem es keine Unterdrückung gibt. Ein Vergleich mit Deutsch- tand aber fällt doch gar zu sehr zugunsten Englands aus, ob- wohl ja auch hier der Kapitalismus herrscht und schließlich so die Demokratie immer auf halbein Wege stehen bleibt. Dafür sorgt schon— von allem anderen abgesehen— das reaktionäre ÖbcrhauS, ohne dessen Zustimmung ja noch immer kein Gesetz zustande komnien kann. Auf wie festen Füßen in- dessen die englische Konstitution bei alledem steht, das kann man daran erkennen, wenn man weiß, daß es in der Macht des Unterhauses liegt, das Oberhaus abzuschaffen! Ein wirklich demokratisches Unterhaus ist also imstande, das„Holisv of Lords" mundtot zu machen! Wir haben diese einleitenden Darlegungen für nötig ge- halten, weil es so erst möglich ist. die augenblickliche politische Situation zu verstehen: England, besitzt momentan eine liberale Regierung. Aber trotzdem biete kaum zwei i.,ahre be- steht, hat öas Oberhaus bereits drei Vorlagen vernichtet I Die Regierung eröffnete denn auch die diesjährige Tagung mit der Erklärung: Di« konstitutionellen Einrichtungen bedürsten der Revision. Die Frage ist jedoch die: Welcher Art wird diese Revision sein? Alles deutet daraus hin. daß jener Alarmruf schließlich doch wieder in einer Schaumschlägerei ausläuft: denn es liegt in der Natur der Sache, daß der Liberalismus die Macht der Lords nicht brechen wird, da diese ja doch auf dem Boden der heutigen Gesellschaftsordnung stehen und eine Beschnei- düng der Macht der Lords— ganz abgesehen von einer vollständigen Bcscitignng des Oberhauses— die kapitalistische „Ordnung" ins Wanken bringen könnte. Bis jetzt weiß man über die Absichten der Regierung nur eins: Sie hat den Kampf mit den Lords um ein Jahr verschoben. Alles, was in diesem Jahre in dieser Beziehung geschehen wird, ist eine Herauf- beschwörung einer theoretischen Debatte über»die jetzigen konstitutionellen Zustände".— Gestern hat der Premierminister eine Erklärung darüber abgegeben, inwieweit die liberale Regierung gesonnen ist, in diesem Jahre liberale Reformen durchzusetzen. Die Regierung mußte eingestehen, daß von den„großen Reformen", mit denen sie am Anfang des Jahres in die Arena trat, wenig übrig bleibt. So in erster Linie von der Reform des Er- ziehungswesens und der Regelung der irischen Frage. Letztere ist— wie vorauszusehen war— überhaupt ans dem Pro- gramm geschieden, während die Schulfrage„vertagt" wurde! Auch die W o h n u n g s f r a g e, an deren Regelung das ar- bettende Volk ein so großes Interesse hat, ist„vertagt" worden. Ueber den gesetzlichen AchtstundentagfürBerg- a r b e i t e r ist die Regierung noch im Zweifel: sie weiß nicht, was sie damit anfangen soll. Immerhin bleiben im Ne- gierungsprogramm noch einige ganz gute und tiefgreifende Reformvorschläge übrig, und man kann deshalb gespannt darauf sein, inwieweit es gelingen wird, wenigstens d i e zum Gesetz zu erheben. Die wichtigsten dieser Gesetzentwürfe sind: Eine Agrargesetzgebung und ein B e r u f u n g s- tribunal fiir Kriminalsachen. Die Agrargesetzgebungsvorschläge zerfallen in drei Teile, d. h.: England, Schottland und Irland sollen je eine se- parate Gesetzgebung erhalten. Der Gesetzentwurf für England, der vorige Woche in erster Lesung einstimmig angenommen wurde, ist der weitestgehende. Er will der immer mehr ilmsichgreifenoen Entvölkerung auf dem flachen Lande ciiieii Tamm setzen. Um dies bewerkstelligen zu können, oll den Grafschaftsräten die Macht erteilt werden, Land an- zukaufen(im Notfall zwangsweise), welches an die Land- bevölkcrung billig verpachtet werden soll. Das von den Grafschaftsräten erworbene Land bleibt unter der Kontrolle derselbe.'. Weiter verlangt der Entwurf ein unter Kontrolle )cs Ackerbauministeriums stehendes Kommissariat, welches die einleitenden Schritte zur Erwerbung von Land zu unter- nehmen hat. Es ist verpflichtet, das flache Land zu bereisen und den Grafschaftsräten betreffs Erwerbung der geeigneten Ländereien Vorschläge zu machen. Uebcrall da, wo die Graf- ichaftsräte sich weigern, Land zu erwerben, übernimmt oas Kommissariat die Stelle jener und bringt es das Gesetz zur Anwendung. Um eine Ueberschuldung der neuen Pächter zu verhindern, soll das Ackerbauministerium die ersten Kosten der Instandsetzung übernehmen, zu welchem Zweck ihm stirs erste Jahr ein Fonds von zwei Millionen Mark zur Ver- ügung gestellt wird. Die Räte können Kredite aufnehmen. welche innerhalb 8t> Jahren zu amortisieren sind. Ferner will Entwurf den kleinen Pächtern dadurch zu Hülfe kommen, , er das System von Kreditbanken und landwirtschast- liehen Genossenschaften fördert. Auch der Entwurf betr. das BernfungStribunal für Krimi- nalsachen ist natürlich von höchster Bedeutung. Seine wichtigsten Bestimmungen sind: 1. Absolutes Appellationsrecht bei allen strittigen Fragen, die das Gesetz betreffen. 2. Absolutes Appellationsrecht über die Frage der Strafbemessung. 3. Ein Recht der Appellation kann auch nachgesucht werden über die Fragen des T a t b e st a n d e s, dieses kann nur gewährt werden, wenn das Berufungstribunal sich von der Notwendig- keit einer Appellation überzeugen kann. Es ist sehr wahr- scheinlich, daß dieser letzte Entwurf vom Oberhaus an- genommen wird. Was dieses Parlament dagegen mit den Agrarvorschlägen tun wird, das ist schwer zu sagen..,._ politische debcrlicbt. Berlin, den 8. Juni 1907. Sesstousschluh im Landtag. Die„Edclen und Erlauchten" und die„Gechrken Herren" des preußischen Landtages beendeteit heute ihre diesjährige Tagung. Die letzten Sitzungen boten in beiden Häusern nichts Bemerkenswertes mehr. Im Abgeordnetenhausc führte die Mehrheit. Konservative und Klerikale, noch einmal das alte, die ganze Session hindurch ständig geübte Schauspiel auf. die Freisinnigen an die Wand zu drücken: Sie beschlossen, über eine Petition des Magistrats von Berlin auf Heranziehung der in Berlin erwerbstätigen, aber in den Vororten tvohnen- den Personen zur Tagesordnung überzugchen, nachdem ein Regicrungsvertretcr und der konservative Malermeister Hammer weidlich auf den„Wasserkopf" geschimpft hatten und den Freisinnigen das Wort zur Erwiderung abgeschnitten worden war! Die übrigen Petitionen wurden meist ohne Debatte in den Papierkorb der Regierung befördert, und die Anträge, die noch zu Debatten hätten führen können, ließ man einfach unter den Tisch fallen. Das Herrenhaus ward noch rascher fertig. Es nahm so ziemlich sämtliche Gesetzesvorlagen, die den Landtag nach Pfingsten npch beschäftigt haben— selbst das ihm so wert- volle Jagdgesetz— nach den Beschlüssen des Abgeordneten- Hauses an, ohne daß in der einstündigei, Sitzung auch nur ein einziges Mitglied aus dem Hause das Wort z-u r Sache ergriffen hatte.— Staatssekretär Graf Posadowskv. der heute zuni ersten Male im Kreise der geborenen Gesetzgeber weilen durfte, machte ein höchst verdutztes Gesicht zu diesem hcrrenhätislcrischen Befähigungsnachweis zur„Gesetzgebung". Um 3 Uhr fand die gemeinsame Schlußsitzung statt. Unter den üblichen Kaiserhochs wurde die Session geschlossen. Sie ist— erfreulicherweise— ganz unfruchtbar gewesen. Außer der Berggcsetznovelle ist nicht ein einziges Gesetz von größerein Umfange oder bleibendem Werte ge» schaffen worden, und die Wablrechtsfrage hat man dank der Freisinnigen mit keinem Worte erwähnt. Kamarilla oder Clique? Eine gewisse Presse setzt ihre Bemühungen fort, den Einfältigen im Geiste zu beweisen, daß am preußischen Hofe weder jemals eine Kamarilla existiert hat, noch infolge der hohen geistigen und sittlichen Qualitäten der preußischen Monarchen zu existieren vermag Die„Militär.-polit. Korrc- spondenz" bestreitet aus Grund einer ihr„von einer hoch- stehenden Persönlichkeit" gegebenen„Aufklärung" auf das entjchiedenste. daß eine Kamarilla am kaiserlichen Hose bc- standen hat. Tie persönlichen Bestrebungen einer gewissen, bisher vom Kaiser gesellig wohlgelittenen Koterie als eine Art von Nebenregierung anzusprechen, sei grundfalsch. Das Recht der unverbindlichen Aussprache niit einer ihnen sympathischen Umgebung könne den Fürsten nicht bestritten werden. Ein Einfluß aber auf Staatscnt» schließungen seitens der jetzt vom Hofe entfernten Tiplo- matcn und Offiziere habe niemals bestanden usw. Hinterher gesteht jedoch in seiner Darstellung des In» trigenspiels Eulenburg kontra Bülow die„Militär.-pol. Korresp." selbst zu, daß noch im vorigen Jahre eine Kama» rilla am Hofe bestanden hat, wenn es auch das Wort„Kama- rilla" selbst sorgfältig vermeidet und die Euleuburgsche Tafelrunde mit der Bezeichnung.�liaue" belegt. Es schreibt nämlich über die vorjährigen Bestrebungen, den Fürsten Bülow zu stürzen: Nichtig ist dagegen, daß im Herbst vorigen Jahres eine Anzahl von dem Fürsten v. Bülow zum Teil persönlich feindlichen Amatcurpolitikern den Zeitpunkt zu einem Vorstoß gegen ihn gekommen hielt. Man glaubte, der„Reichskanzler sei ein wirk- lich kranker Mann, und traute ihm nicht die Kraft zu, das nach nicht ganz vereinzeltem Urteil etwas ins Treiben ge- kommene Staatsschiss wieder in festen Kurs zu bringen". Be- zeichnend für die Bestrebungen jener Tage ist das'damals viel geäußerte Wort,„der neue Reichskanzler müsse die Q u a l i- sikation zum Gencraladjutanten habe n". wo- mit man eine Persönlichkeit bezeichnen wollte, die dem Kaiser genehm und zugleich scharf durchgreifend sein sollte. So cnt- stand der Gedanke, den Chef des Generalstabes der Armee, General der Infanterie Hellmut v. Moltke, vorzuschieben und seine Ernennung zum Reichskanzler mit den kleinen und unschuldigen Mittelchen vorzubereiten, über die Eulenburg, Kuno Moltke und Konsorten allein ver- fügten. Dem General v. Moltke selbst war von diesen Plänen nichts bekannt. Der gerade und aufrechte Soldat, der sicherlich niemals politische Aspirationen gehegt hat, wurde auch, an- scheinend absichtlich, im Dunkeln über die geheimen Gedanken jener Clique gelassen. An der Möglichkeit des Gelingens kann füglich gezweifelt werden. Ehe aber dieser Plan überhaupt an der entscheidenden Stelle vorgetragen werden konnte, hatte die auS fürsorglichen Parlamentskreisen stammende Veröffent. lichung im„Berliner Tageblatt", in der die Kandidatur Moltkcs besprochen war. als Gegenmine eingesetzt, und es wurde damit erfolgreich der Intrige ein Ende gemacht. Ferner versichert noch die betreffende Korrespondenz, daß aber nicht diese Zettelungen den Anlaß geboten hätten, die Eulenburgschcn Vertrauten vom Hose zu entfernen, sondern „lediglich Gründe zum Teil delikater, jeden- falls persönlicher Natur".. Infolge seiner eigenartigen Begriffe von Königstreue und politischem Anstand merkt weder das Blatt, noch ihr„hochstehender" Informator, welche Herabsetzung des Hofes und der sogenannten maßgebenden Regionen in der Versicherung liegt, daß nicht die Ausdeckung des Intrigenspiels, des Versuchs, in hinterlistiger Weise in die Regierungsgesckiäfte einzugreifen, die Entfernung der an der Tafelrunde Beteiligten bewirkt hat. sondern erst das Be- kanntwerden von Verfehlungen«d e I i k a t c r" Natur. *» Wie die„Magdeb. Ztg." meldet, hat die Staatsanwalk- schaft beim Landgericht Berlin II auf Antrag des Fürsten Philipp zu Eulenburg die Erhebung der östeutlichen Anklage gegen den Schriftsteller Max. Haiden wegen schwerer ösfent- licher Beleidigung des Fürsten beschlossen. Auf die Beschwerde des Grafen Kuno Moltke beim Justizminister ist dagegen noch kein Bescheid ergangen. Wir wissen nicht, ob diese Meldung zutrifft, selbst wenn das der Fall sein sollte, ist damit nicht gesagt, daß der Prozeß zur Durchführung gelangt._ Paris— Berlin. Ain Freitag interpellierte P r e s s e n s 6 in der Deputierten- kanimer die Regierung mit Bezug auf die den französischen Delegierten fiir die Haagcr Konferenz zu erteilenden In- struktionen. Der Interpellant hielt eine ihrem Inhalt nach treffliche Rede. in der er Englands Initiative tu Sachen der Rüstungs- Einschränkungen lobte und das ungeheure Anschwellen der internationalen Hceresausgaben charakterisierte.„Ein Verbrechen würde es sein,"— so führte er ans—„nicht auf günstige Ergebnisse der Haagcr Konferenz hinzuarbeiten. Die französische Demo- kratie würde es der französischen Regierung nicht verzeihen. wenn sie ans der Haager Konferenz eine Tripelallianz des „bewaffneten Friedens" zuwege bringen würde." Der Radikalsozialist Hector Depaffc unterstützte die AuS- führungen Prcsseiises: er sprach das interessante Wort: es kiime eigentlich Tcntschland zn, die Initiative zu ergreifen! Auch der Abgeordnete Fourier plädierte für Einschränkung del Rüstungen. Sodann ergriff Pich on, derMinistcr dcsAeußcrn. daSWort Er wicS zunächst auf das Werk der ersten Friedenskonferenz im Haag hin, auf der die Slgnatarniächte sich in die moralische Notwendigkeit versetzt hätten, zu einem Schieds- gerichtsvcrfahrcn ihre Zuflucht zu nehmen unter Umständen. die eS ihnen immer mehr und mehr schmierig machten, eineni solchen Verfahren auszuweichen l Pichon machte daraus aufmerksam, daß diesmal 200 Mitglieder 47 Staaten vertreten würden, anstatt 23 auf der ersten Konferenz. Die Kommission— so fuhr er fort—, die am 20. Novenibci vorigen Jahres von Bourgeois eingesetzt sei, habe geprüft, unter welchen Umständen Frankreich die Initiative werde er» greifen können zur Lösung der Frage, Gewalt durch Oiecht, Krieg durch Friede» und dcu Geist der Eroberung durch den Geist der Freiheit zu ersetzen. Er glaube, daß die Schwierig- kcitc», das Schiedsgerichtsverfahren obgligatorisch zu machen, noch größer fem werden, al8 es bei der ersten Konscrenz der Fall gewesen sei. weil die Zahl der dieses Mal an der Konferenz teilnehmenden Staaten größer fei. Es werde aber möglich fein, eine Art internationalen Friedensgerichtes zn schaffen, daS die größten Dienste in der Richtung leisten könnte, daß mehr und mehr die Bermittelung au Stelle der Gewalt trete. Die Konferenz werde sich mit der Dragodoktrin beschäftigen, und eS sei unzweifelhaft, daß die Diplomattc nicht im Schlepptau der Finanzlente sein oder eine Politik befolgen könne, die darin bestehe, dem nichr oder weniger glücklichen Erfolg der Unter- nehmer, Bankiers nsw. zu folgen. Frankreich habe von An- fang an erklärt, daß es, ivcnn die Frage der Einschränkung der Rüstungen aufgerollt würde, bereit sei, sie zu erörtern, ohne sich indessen Illusionen über die praktischen Resultate hin- zugeben. Fast einstimmig nahm das Haus eine Tagesordnung an, in der die Erklärungen der Regierung gebilligt werden. G• • Am 30. April 1907 stand auf der Tagesordnung des deutschen Reichstages die Fortsetzung der zweiten Beratung de* NeichShauShaltSctatS(Reichskanzler und Reichskanzlei, ans» wärtige Politik). In dieser Sitzung ergriff auch Fürst von SBToh), des Deutschen Reiches Kanzler, das Wort. Er mußte anstandshalber auch etwas über die Haagcr Konferenz sagen; denn alle seine Vorredner(Hcrtling. Winckler. Bassermann. Fürst v. Hatzfeldt, Wiemer)'hatten diese Frage berührt. Wenn mau hört,>vie Pichon sich am Freitag zu dem wichtigen internationalen Problem äußerte, so konrmt einem nachträglich der Mangel an großzügigem politischen Verständnis und an VerantwortlichkeitSgefühl im höheren Sinne des Begriffes noch einmal zum Bewußtsein— jener Mangel an Vülows Rede vom 30. Slpril, der auch von bürgerlichen Organen Deutschlands und des Auslandes scharf kritisiert wurde. Es ist verlockend, die markanteste Stelle aus jener Reichskanzlcrrede in diesem Zu- sammenhange hier noch einmal zu zitieren: „... Deutschland kann nicht unter einen Druck gestellt werden, auch nicht unter einen moralischen... Es erschien mir richtiger, klüger und auch würdiger, kair play zu spielen und offen zu sagen: an einer, nach unserer Ueberzengung wenn nicht bedenklichen, so doch unpraktische» Diskussion könne» wir un-Z nicht beteiligen.. Wie sehr doch die Ansichten über„Moralität",„Richtig- keit",„Klugheit" und—„Würde" differieren, zumal wenn auf der einen Seite ein seines demokratischen Berantwortlich- kcitsgefühls bewußter Mann, auf der anderen Seite ein Re- Präsentant absolutistelndcr Regierungsmaximen vom Schlage Bernhard v. Bülows im Streit steht.— Aus dem Zentrumslager. Die Vorgänge im klerikalen Lager während der bayerischen Landtagswahlen machen dem Zentrum zu schaffen. Es ist vorbei mit dem alten patriarchalischen System der Bevormundung der Massen.„Früher", so heißt es in einem Artikel der „KölnischenVolkszeitung",„kannte man in Bayern keine eigentliche Organisation. Ein einziger Mann oder wenige Männer machten alles allein in dem Wahl- kreis, man überließ ihnen gerne die Arbeit. Das geht jetzt nicht mehr, seitdem die Massen politisch reif geworden sind und an der Politik auch mit Recht bestimmend teilnehmen wollen. Das Zentrum mußte sich eine Organisation auf breiter demokratischer Grund- läge geben. Solange die indirekten Wahlen stattfanden, funktio- nierte das patriarchalische System immer noch; denn wenn man sich über die Kandidaten nicht einigen konnte, dann überließ man die endgültige Entscheidung den Wahl- männern.../ . Es ist gut, von einem Zentrumsblatt se.lber zu hören, wie bis- kang das Zentrum die Rechte der Masse geachtet hat. Stimm- vieh— als weiter nichts betrachtet das Zentrum sein Gefolge. Jetzt ist daS nun durch die Schärfung des wirtschaftlichen Kampfes und durch die größere Regsamkeit des politischen Lebens anders geworden, wobei sich dann in Bayern für das Zentrum besondere Unliebsamkeiten einstellen.„Das Zentrum." so schreibt nämlich daS Kölner Zentrumsblatt,„war nach den letzten Wahlen Hans im Glück; eS ist klar, daß sich da gar manche Personen vor- drängen, die früher nie zum Zentrum gehört haben und zum Zentrum gerechnet werden wollten; manche drängen sich jetzt vor, die früher, wo der Kampf heiß war, wohl zum Zentrum gehört haben, aber imHintertreffenstanden; und wieder andere gibt eS. die den Kampf mitfochten und jetzt als Belohnung eine Auszeichnung verlangen. Dies Verhängnis zeigte sich, indem es in zahlreichen Wahlkreisen nicht zur glatten und ge- regelten Lösung der Kandidatenfrage konimen wollte." Auch für diesen Beitrag zur Kenntnis der klerikalen Geschäfts- ßylijiker kann man dem Kölner Zentrumsblatte dankbar sein. Politische Sittlichkeitsheuchelek. Die ehrsame„Deutsche TageSztg." fühlt sich durch den von uns la der gestrigen Nunnner wiedergegebenen Aufruf der„Münchcner Most', der zur Mitteilung von Material über.das Verhalten des Dr. Karl PeterS in Afrika und— nach seiner Rückkehr— in Berlin, namentlich über sein Treiben im Tiergartenviertel" auffordert, in ihrem bekannten polittschen Anstandsgefühl tief verletzt, denn nicht mit Unrecht fürchtet sie. daß manches Material zusammeickounnen könnte, das nicht nur ihren Nationalheros, den großen Karl Peters, sondern auch seine Freunde, die so uneigennützig seine Rehabilitierung betreiben, arg bloßstellen könnte. So schreibt denn dasselbe Blatt, den, es völlig unmöglich ist. den Kampf gegen die Sozialdemokratie sachlich zu führen, das mit spezieller Vorliebe Verdächtigungen und Verleumdungen gegen die sozialdemokratischen Führer und An- ge st eilten kolportiert und die sauberen Er- findungen des Reichsverbandes weiter der- breitet, in hochkomischer Entrüstung: „Was die„Münchener Post" jetzt tut, das übersteigt aber doch noch die Handlungsweise des sozialdemokratischen Führers. So- lange es sich um Anschuldigungen handelte, die sich aus angebliche Amtsvergehen des Dr. Peters bezogen, konnte die Sozial- demokratie wenn auch nicht für die Methoden ihres Vor- gchens, so doch für diese Aktion an sich wenigstens noch einen Schein des Rechtes geltend machen. Die Ausforderung der .Münchener Post" aber, den, Privatleben des Gegners, „namentlich im Tiergartenvi ertel", nachzuspüren, und die eventuelle Ausbeute zur Ausuützung vor Gericht an die Sozialdemokratie abzuliefern, zeigt nicht nur, daß das bisher den, genannten Blatt zugegangene„Material" auf sehr schwachen Füßen stehen muß, sondern sie verrät vor allem einen derartigen Maugel an jedem Anstand-S-, SchicklichkeitS- und GerechtigkeitS- gesühl, wie wir ihn in» politischen Kampf— denn nn» politiiche Gegnerschaft handelt es sich— in Deutschland nach unserer Er- , innerung den» doch bisher noch nicht erlebt haben." Indem eS ohne weiteres unterstellt, daß die„Münchener Post" auf jenem sittlichen Mveau steht, daS cZ selbst einnimmt, folgert allem Anschein nach das landbündlerische Blatt, baß der angeklagte Redakteur unseres Münchener Parteiorgans beabsichtige, die Streitsache von dem politischen auf daS sexuelle Gebiet hinüber zu schieben. DaS ist jedoch durchaus nicht der Fall; aber»m zu zeigen, was die Aussagen und Behnnptungei, des Herrn Peters wert sind, was dieser„NationalheroS" selbst wert ist und Ivie weit er berechtigt ist, tzen Vertreter des idealeil Deutschtums zu spielen, ist durchaus nötig, daß sein Treiben in Afrika wie in Berlin aufgeklärt wird, selbst wenn der Gestank den edlen Hintermännern der„Deutschen Tageszeitung".„Post" und anderen schönen Seelen eklich in die Rase stechen sollte.—_ Ein rnssischer„Verschwörer". Einen Verbrecher hat die Berliner Polizei bei ihren glor- reichen Aktion für den Zaren doch erwischt. Und schnell hat ihm die Strake ereilt. A», Freitag stand er vor dein Schöffen- gcricht zu Charlottenburg. der russische Student M o s e S U S m a n ö k Y. Bei der Haussuchung in den russischen Lese- hallen war er verhaftet lvorden. Das Verbrechen, dessen er sich sckmldig gemacht hatte, bestand in der Führung eines falschen RamenS und Passes. Anfänglich war er auch beschuldigt. einer verbotenen Verbindung angehört und Geheimbündelei getrieben zu haben. Aber schließlich wurde er nur wegen deS erst- genannten Vergehens unter Anklage gestcNt. Das Schöffengericht erkannte ans zwanzig Mark Geld st rase cvcnt. vier Tage Haft; die Strafe wurde durch die erlittene NntersuchungShast als verbüßt erachtet. Wer will nach diesen, Urteil noch leugnen, daß Gefahr im Verzuge war und daß der deutsche Bürger allen Anlaß Hai, die fürsorgliche Polizei zu preisen, die über ihn wacht und ihn vor russischen Anarchisten treulich behütet! Wer wird dieser Polizei noch einen Vorwurf daraus machen, daß sie den Studenten L c i b o w. der freilich keinen falschen Paß aber doch der Spießgeselle des Verbrechers Usmanskys war, den russischen Henkern auslieferte! Sicherlich wird sich kein„Liberaler" und kein„liberales" Blatt darob ausregen. Wie sie denn auch bis- her ruhig weiter geschwiegen haben! Dem einen aus der Reihe tanzende» Berliner Tageblatt hat sich lediglich die„Frankfurter Zeitung" schließlich noch angeschlossen. Sie schrieb: „Ist die Meldung richtig, so muß sie unseres ErachtcnS den schärfsten Protest aller herausfordern, deren Gesichtskreis nicht in den abgetatelstcn Anschauungen aufgeht. Man komme hier nicht mit den üblichen weisen Betrachtungen darüber, daß gegen die. Anarchisten jedes Mittel der Abwehr erlaubt sei, daß „Schnorrer und Verschwörer" keinen Anspruch auf rücksichtsvolle Behandlung haben, und daß überhaupt diese ganzen russischen Studenten eine höchst unsympathische Gesellschaft seien. Hier handelt es sich um etwas ganz anderes. Es ist ein an- erkannter Grundsatz aller Kultnrstaaten, daß wegen politischer Vergehen keine Auslieferungen stattsluden sollen, und diesen Grundsatz umgeht die preußische Polizei dadurch, daß sie politische Flüchtlinge einem Verfahren unterwirft, das schlimmer ist als eine Auslieferung, weil es an kcinerlc. rechtliche Voraussetzungen geknüpft ist. So lange solche Fälle vorkommen, wird das unangenehme Wort von den, Russenkurs in Deutschland niemals verstummen, im Jnlandc nicht und auch nicht im Auslande, und man muß zugeben, daß es dann nicht ohne Grundlage ist. Wie aber verträgt sich dieser Kurs mit dem„Ruck nach links" in der inneren Politik? Herr V, Bcthmann-Hollweg gilt noch immer bei manchen Leuten als ein sozusagen halblideraler Minister, also als ein Mann, der für den Blockkurs besonders qualifiziert sei. Es ist uns aber unklar, wie die Liberalen mit der Politik eines Ministers irgend- welche Gemeinschaft haben können, der die Schuhlosigkcit deS Ausländers, die schon nach der augenblicklichen Rechtslage groß genug ist, unter Umgehung völkerrechtlicher Verträge noch künstlich verschlimmert." Es ist der..Frankfurter Zeitung" unklar, wie die Liberalen mit der Politik der Auslieferung Gemeinschaft haben können. Aber soviel wir wissen, ist die„Frankfurter Zeitung" nicht Gegnerin der Blockpolitik!_ Ultramontane Stichwahlschmerzeu. Die„Tremonia", daS DortmunderlZcntrumsblatt. und mit ihr die ultramontane„Essener Volkszeit nng" dringt von neuem auf die Beseitigung der Stichwahlen. Als das Reich entstand, sei man noch nicht zu der Erkenntnis durchgedrungen, daß die Stichwahlen„eine lästige, sittcnverderbliche und entbehrliche Einrichtung" seien. Jetzt aber sei man durch die Erfahnmg eines Besseren belehrt worden und eS entstehe die Frage, ob man nicht im Reiche daS bayerische Vorbild nachahmen könne: „In, allgemeinen gilt ja die bestehende ReichSwahlordnung als ein K r ä u t ch e„ r ü h r n, i ch n i cht a n, weil man fürchtet, ein Abändern,, gSverfuch könne den Gegnern des volkslümlichcn Wahl- rechts einen Ansatzpunkt für eine gefährliche Agitation bieten oder gar ein Ränkespiel irgend einer Kamarilla auslösen. Die jüngste ReichStagswahl hat aber neben vielen schlechten Seiten auch die gute, daß sie die Furcht vor den Folgen dcö allgemeinen und geheimen Wahlrechts etwas eingeschränkt hat. Zurzeit erscheint der Gedanke, über die Beseitigung der Stichwahlen sich zu einigen, durchaus nicht mehr so unmöglich und undurchsiihrbar, als, vor einem Jahre noch." Die Art, wie hier die Zeiitrumsprrff« von dein NeichStagH- Wahlrecht als eilten,.Kräutchen Rührnnchutchtan" spricht, läßt nicht gerade auf besondere Znneigung für dieses Wahlrecht schließen. Wenn übrigens das Zentrum einen solchen Schauder vor dem „sittenverderblichen" Stichwahlsystcin hat, dann kann eS nichts Besseres tun, als mit den Sozialdemokraten für die Proportional- Wahl einzutreten, die die Stichwahlen überflüssig macht. Seine Vorliebe für das bayerische System läßt erkennen, daß eS den, Zentrum weniger um die Moral als umS Geschäft zu tu» ist.— Dernburg» der Rächer. Der neue Staatssekretär der Kolonien hat seine Tätigkeit mit einer Maßnahme eröffnet, die der PaarungSära durchaus würdig ist. Er hat gegen nicht weniger als acht Sozialdemokraten Strafantrag gestellt, weil sie in Reden während der verflossenen ReichstagSwahlbcwegnng Kolonialbeamte beleidigt baben solle». Die Verbrecher sind sämtlich Einivohner deS Herzogtums Gotha, es sind die Genossen Bock, Hildebrandt. JooS, Kister, Keller, Leube und Z e n t g r a f in Gotha, Schauder in Ohrdruf. Seit Menschengedenken ist, wie unser Gothaer Parteiblatt, daS„Volksblatt" mitteilt, eine Anklage wegen einer Rede in öffentlicher Versammlung im Herzogtum Gotha nicht vorgekommen. Der neuen Aera ist der Vorstoß gegen die Redefreiheit vorbehalte» geblieben. Ganz folgerichtig ist deshalb auch Bernhard D e r n- bürg, die Verkörperung der neuen Aera, mit bei der Affäre. Für die mangelnden liberalen Taten bringt er den Liberalen Ersatz — er erlegt ihre gefährlichen Feinde, die Sozialdemokraten, serien- weise. Acht auf eine,, Streich I Mit der Verurteilung eines Bc- leidigerS wäre die verletzte Ehre seiner Beamten nicht genügend repariert. Alle acht müssen sie brummen. Also beschloß eS Dem- bürg, der Reformator und Rächer. Die Landtagsnachwahl in Ludwigshafen-Stadt. Für die Ersatztvahl. die im bayerischen LandtagSwahlkreise Ludlvigshafen-Stadt stattfinden muß. da der doppelt gewählte Ge- nasse Ehrhart in Kaiserslautern angenommen hat, haben die Ludwigs:, aicuec Genossen in äußerst gut besuchter Mitglieder- Versammlung des sozialdemokratischen Vereins den Genossen Hub er aufgestellt.—_ Das Zentrum als„Bolkspartei". Der„Bayrische Kurier" sucht an dem Ausfall bet bayerische» Landtagswahlen darzntun, daß da« Zentrum eine wahre Volkspartei sei. Die LaudtagSsraktion habe„Vertreter aller Berufs- gruppen und Stände", überwiegend aber.Angehörige der breiten Schichten des Volkes". Und jetzt zählt daS Blatt auf: 23 Landwirte(die sich um 9 vermehren, wenn man auch die Gewerbe- treibenden mit landwirtschaftlichem Rcbenbetdeb zuzählt); 24 Vertreter von Handel. Gewerbe und Handwerk; 23 Beamte, darunter 13 Juristen; 13 Geistliche und endlich 4— sage und schreibe vier— Arbeiter und untere Staatsbedienstete. Also vier Mann als Vertreter der zahlreichen Arbeiter in Stadt und Land und der Unterbeamten— aber 93 als V e r- treter der Grundbesitzer. Unternehmer, Geist- l i ch e n und höheren Beamte>,. Und das nennt sich eine „Bolksparte," I—_ O welche Lust, Soldat zu sein! Unsere so überschriebene Notiz in der FreitagSmmnner ouS Gießen enthält eine unliebsame Unrichtigkeit. DaS Verdienst, die Sache aufgedeckt z» haben, gebührt nicht einem bürgerlichen Blatte, sonden, unserem Gießeuer Parteiorgan. Die.Oberhessische Bolkszeitnng" ist das vor etwa Jahresfeist gegriindele Blatt unserer oberhessischen Genossen. Die fatale Verwechslung einstand infolge einer Verwechslung mit einem bürgerlichen Blatte ähnlichen RamenS.— Friedrich Wolgast, LandlagSabgcordncker für Klcl-Neumünster, ist gestern morgen in Kiel gestorben. Er wurde am IS. Kuli 1SS3 in Jersbek. Kreis Stormarn, geboren und war von Beruf Lehrer, zu, erst in Neumünster, dann an einer Knabenvolksschule in Kiel; später wurde er Schriftsteller. Dem Verdienste seine Krone. In Anerkennung seiner Per« dienste um die Landwirtschaft, besonders um die preußische Schweinezucht, ist der Exminister v. Podbielski zum Ehren- Vorsitzenden des Bundes der Landwirte für die Provinz Branden- bürg ernannt worden._ Kleine politische Nachrichte«. Aus Anlaß seines 40jährigen KrönungSjnbilämnS als König von Ungarn hat Franz Josef eine umfangreiche Amnestie erlassen. namentlich für Personen, die wegen M a j e st ä t s b e l e, d, g n n g verurteilt worden sind.— Der sozialistisch-radikale Bürgermeister von Narbonne hat sich geweigert, 100 Gendarmen eiiizuquarticren, die beordert waren, um aus Anlaß der für heute(Sonntag) ge- planten Nicscnkundgrbung der Winzer in Montpellier.die Ordnung aufrechtzuerhalten". Ungarn. Die WahlrechtSdemoustration. I» der Wiener„Arbciter-Zeitung" finden wir folgende tele- graphische Meldungen über die cigenartiga Wahlrechts- Demonstration der Budapcstcr Arbeiter: Budapest, 6. Juni. Die Hauptstadt Ungarns war heute der Schauplatz einer in ihrer Art einzig dastehenden Demon- stration. Die sozialdemokratische Arbeiterschaft zog vor den König, um ihn zu empfangen, und sie empfing ihn mit dem alten Schlachtruf des ungarisckM Proletariats:„Hoch das allgemeine, geheime Wahlrecht!" Dieser Ruf ertönte auf der ganzen langen Strecke, die der Wagen des Königs durchfuhr und die von einem nach Hunderttausende!, zählenden Spalier von Menschen besetzt war. Die klassenbewußte Arbeiterschaft hat vor aller Welt dokumentiert, daß sie nicht gewillt ist, länger ihre Rechtlosigkeit zu ertragen und das heuchlerische Treiben der Oligarchcnclique länger zu dulden. Die Demonstration, zu deren Vorbcreituiig die Arbeiter- schaft kamn mehr als 24 Stunden zur Verfügung hatte— da die Regierung die Stunde der Ankunft des Königs geheim hielt—, ist weit über alle Erwartung gelungen. Der ganze, mehrere Kilometer lange Weg vom Bahnhof an war auf beiden Seiten von dichten Reihen unserer Genossen besetzt. Die Polizei war in großer Zahl ausgerückt, auch zahlreiche Aßents provocateurs waren ausmarschiert. Aber alles scheiterte an der Ruhe und Disziplin unserer Genossen. Ter König wurde auf der ganzen Strecke mit Hochrufen auf daS allgemeine, geheline Wahlrecht begrüßt. Kaum war der Wagen vorbei, so zerstreuten sich auch schon die Massen. Ein Teil zog unter Hochrufen auf das Wahlrecht unter Absingung der Marseillaise durch die Haupt- straßen. Ein anderer Teil begab sich vor die Redaktion der „Ncpszava", wo ebenfalls stürmische Hochrufe auf das all- gemeine Wahlrecht ausgebracht wurden. Hier hielt Genosse Bokanyi eine Ansprache, in der er ankündigte, daß nun der Wahlrechtskampf inir größerer Energie aufgcnoinmen werden wird. Diese friedliche Demonstration wurde von der Polizei gestört, die mit unglaublicher Brutalität in die Menge hineinritt und mit blanker Waffe die Demonstrant�, attackierte. Es würdig rpillutre Personen verwundet, auch mehrere Verhaftungen wurocn vorgenomnien. f. Dw DciiioüftrcUiü«, hat in der gattsön Stadt das größte Aufsehen erregt. Budapest, 6. Junt.(Meldung des Ungarischen Tele- araphcn-5iorrespondenzbiircans.) Seine Majestät ist um halb 8 Uhr abends hier eingetroffen. Vor dem Bahnhof und in den vor dem Bahnhof zur königlichen Hofburg in Ofen führet, den Straßen hatte eine ungeheure Menschen- menge, darunter überaus zahlreiche Ar bei- ter, Aufstellung genommen. Mit Rücksicht darauf, daß gestern die sozialdemokratische Organisation die Arbeiterschaft zu Demonstrationen für das allgemeine Wahlrecht ans- gefordert hatte, war eine größere Polizeibercit- s ch a f t konsigniert und ans den Straßen verteilt worden. Beim Verlassen des Bahnhofs akklamierte das Publikum mit begeisterten Eljenrufen Seine Majestät, während die Arbeiter- Massen in stürmische Hochrufe auf daö allgemeine Wahlrecht ausbrachen. Diese Rufe sowie die Ovationen wiederholten sich während der ganzen Fahrt zur O f e n e r Hofburg. Seine Majestät iuar von dem herzlichen Empfang sichtlich angenehm berührt.— Die mnstcrhaste Ordnung wurde durch keinen Zwischenfall gestört. Schweiz. Der Ueberfall ans die Polizeikascrne und die Bowbenexplosio» in Zürich. Zürich, 5. Juni.(Eig. Ber.). Die beiden Ereignisse sind bereits telegraphisch gemeldet. Die Urheberschaft ist noch immer dunkel— die Arbeiterschaft schließt auf Spitzel, die Polizei tut, als glaube sie an die Täterschaft russischer Revolutionäre. Da die Schüsse in der Polizeikaserne mit Browning- Pistolen abgefeuert wurden und in der Bombe ebenfalls solche Patronen gefunden wurden, so erklärt die Polizei, daß zwischen beiden Borkoimmiisscn ein innerer Zusammenhang besteht und Nusseli Urheber derselben seien.' lieber das Unglück der unschuldigen Kinder ist natürlich die ganze Bevöllernng empört und daS„Volksrecht", unser Züricher Parleiblatt, bezeichnet d'aS Verstecken der Bombe in der Kaiialijalioi» als eine verbrecherische LauSbuberei oder als eine Spitzeltat. als eine so unerhört gewissenlose Handlung, daß es dafür keine Entschuldigung gibt.„Man kam, ein Revolutionär, man kam, auch ein Terrorist sei», aber gerade dam, wird man sich dessen bewußt bleiben, was man der Gesamtheit und vor allen, den Klassen- oenossen schuldig ist. Hier aber haben wir es mit Buben zu tun, die mit dem orgailisierten Proletariat keine Gemeinschaft habe,,." So dürfte die gesamte organisierte Arbeiterschaft denken. * Tie reaktionäre Fruktifizicrung der Voinbenexplosion . V.üf'ch, Juni.(Eig. Vcr.) Sowohl in bczug auf den Ucbcrfall auf die Polizeikaserne als auch auf die Bombcncxplosion fehlt zur Stunde immer noch jede nähere Aufklärung; man hat nur die von der Polizei vermuteten Zusammenhänge, über die wir berichteten, mehr ist nicht bekannt. Mau weiß also nicht, ob die Urheber der beiden Ereignisse Russen, Schweizer oder Italiener, Anarchisten oder Spitzel waren und welche Zwecke eigcnt- lich von ihnen verfolgt wurden. Tatsache ist, daß die ganze Bevölkerung über die Verwundung der drei unschuldigen Kinder durch die Bombenexplosion entrüstet ist, und diesen Umstand benutzt nun die bürgerliche Presse zu einer Ausländer-, insbesondere Russen- und Jtalicncrhehe, gleichzeitig aber auch zu einer H„tze gegen die schweizerisch: Sozialdemokratie wegen ihrer Sympathien mit der internationalen Arbeiterbewegung! Am wütendsten ge» bürden sich dabei die katholischen„Reuen Züricher Nachrichten", die den Bundesrat anflehen,„zu säubern, schonungslos zu säubern", wenn dabei auch Unschuldige mitbetroffen werden, d. h. also: MasscnauSweituugcn von Ausländern vorzunehmen k Das soll nun„christlich",„katholisch" sein. ES ist in der Tat nicht ausgeschlossen, daß beide Ereignisse» Spitzelarbeit find, unternommen mit der Absicht, eine Auö- tändcrhetze zu inszenieren und nebenbei auch die schweizerische Sozialdemokratie zum Nutzen der bürgerlichen Parteien in Mitz- krcdit zu bringen. In diesem Falle dürften die Ereignisse völlig unaufgeklärt bleiben. Wir haben aber alles Interesse daran, volle Aufklärung zu verlangen. fratikreicb. Das Klassenurteil. Paris, 8. Juni. Die gestern zu zwei Jahren Gefängnis ver- urteilten Mitglieder des Gencral-Arbeiterverbandes Bousquet und Leqi haben gegen das Urteil Berufung eingelegt. Paris, 8. Juni. Die konservativen und die gcmäßigt-republika- Nischen Blätter sprechen ihre Befriedigung über die Ver- urtcilung der Führer des Allgemeinen Arbeitsvcrbandes aus. Die zwölf Geschworenen hätten gezeigt, dass sie mutiger seien als die Richter und die Parlamentarier,„und daß die Bevölkerung es satt habe, den Strcikhetzern und Unruhestiftern auf Gnade oder Ungnade preisgegeben zu sein. Die„Humanite" bezeichnet das Urteil als Wahrspruch der Furcht, der übrigens der Arbeiterbewegung gegenüber durchaus wirkungslos bleiben werde.— Wir werden auf das saubere Klasscnurteil am Montag zurück- kommen.— Htneriha. In San Francisco bestehen gegenwärtig große Arbeiter- Unruhen, hervorgerufen durch die Maßnahmen der Straßenbahn- Gesellschaft. Die Angestellten der Bahnen sind in den Streik gc- treten; sie verlangen einen Tagclohn von drei Dollar bei acht- stündigcr Arbeitszeit. Die Gesellschaft hat große Massen von Streikbrechern nach der Stadt gebracht und sie mit Revolvern be- waffnet. Zusammenstöße fanden statt und zwei Bürger wurden erschossen. Große Aufregung herrschte darüber und in allen Ge- werkschaften wurde die Situation besprochen. Die sozialistische Partei trat hervor und verlangte, daß der Präsident der Straßen- bahn-Gesellschaft, Pat Calhonn, wegen Mordes in Anklagezuftand versetzt werde. Die Partei gab viele Tausend Flugblätter heraus und forderte die Gewerkschaften zum Einschreiten auf. Die Führer in den Gewerkschaften mahnen dagegen zur Ruhe. Außer den Straßenbahnern streiken Eisenarbciter, die Arbeiter in Brauereien und Wäschereien, Elektriker und Telephonmädchen. Kaum ein Drittel der Straßenbahnwagen sind in Betrieb; nach 7 Uhr abends fährt überhaupt kein Wagen mehr, weil es dann für die Streik- brecher zu unsicher wird. Der Gouverneur von Kalifornien droht, Truppen nach San Francisco zu senden.— Erschwert wird die Situation in der Stadt durch den Prozeß gegen den Bürgermeister Schmitz, der in diesen Tagen seinen Anfang genommen hat.— GcwerhrcbaftUchc**. Die Reeder und ihre Helfershelfer als Verleumder im Secmaunsstreik in Deutschland. Der Streik der deutschen Seeleute im Nord- und Ostsee- ffebiet bereitet den Reedern ungeheure Schwierigkeiten, die selbst nicht unter Heranziehung des berüchtigten internatio- nalen Streikbrechcrgesindels behoben werden können. Den Reedern brennt deshalb das Feuer auf den Nägeln, weshalb sie nunmehr zu dem verwerflichen Mittel der Verleumdung der Streikführer greifen, um, wenn möglich, so Uneinigkeit in den Reihen der Streikenden selbst zu stiften. Insbesondere haben sie und ihre Helfershelfer es in diesem unerhörten Vorgehen auf mich als den ihnen so sehr verhaßten Leiter des Seemannsverbaudcs abgesehen. Ich will hier nicht in dem stinkigfaulen Morast ihrer. Lügen und Veplvundungeu herumwaten, nur aus die gcmemst'e und infamste ihrer An- würfe gegen mich will ich ausnahmsweise hier abwehrend reagieren. Die Reeder lassen durch ihre ihnen treu ergebenen Helfer in allen deutschen Hafenstädten, ja selbst im Aus- lande an Bord der deutschen Schiffe unter den Seeleuten das direkt aus den Fingern gesogene Gerücht verbreiten, ich sei mit der Kasse des Seemannsverbandes in Höhe von 20000 bis 70 000 M. durchgebrannt» folgcdessen der Scemannsver- band bankrott und der Streik mit einem glänzenden Fiasko für die Seeleute Deutschlands beendet sei. Mit diesem Trick glaubt man bei den von der Reise kommenden Seeleuten, die von den Streikvorgängcn noch gar keine Ahnung haben, Ver- wirrung anzustiften, bei ihnen das Vertrauen zur Verbands- und Streikleitung zu erschüttern und sie zum Streikbruch, also zum Verrat an ihren kämpfenden Brüdern anzustiften. Zu denen, die sich zur Kolportierung dieses nichtswürdigen Gerüchtes im Dienste der Reeder hergeben, gehören Reederei- inspektoren, Bureanangestellte der Reeder. Kapitäne. Offiziere, Maschinisten, Geschäftsleute und Lotsen. Die Absicht der Ehrenmänner merkend, werde ich doch nicht verstimmt, weil ich weiß, daß in diesem Falle wieder einmal der Wunsch der Vater des Gedankens ist und bleiben wird. Trotzdem werde ich einige derselben gerichtlich belangen, um ihnen den wohl- verdienten Denkzettel zu geben. Dies zur öffentlichen Kenntnisnahme. � Paul Müller. Zentralvorsitzender des Seemannsverbandes. Die Arbeiterpresse wird um Abdruck gebeten. Berlin unck Omgcgencl« Also befehl ich! Die Expedition des„Vorwärts" wurde mit folgender Zuschrift— beehrt: Hierdurch fordere ich Sie meinen Namen im„Vorwärts" nicht mehr zu gebrauchen! im Wiederholungsfall ich klaabar gegen Sie werde! Brot- und Fein-Bäckerei H. Ed er, Berlin N» Anklamcrstraße 57. Da wir das Verbot des Herrn Eder hiermit doppelt übertreten haben, gedenken wir zitternd der Folgen. Erklärung. In dem Bericht über die Versammlung der zentral- organisierten Maurer im gestrigen„Vorwärts" wird von einem Irrtum im Bericht über die Versammlung des Verbandes der Zimmerer am Mittwoch dieser Woche gesprochen. Diese Rede- Wendung und der Hinweis darauf, daß in der Versammlung des Vereins der Zimmerer der Beschluß der Vorstände richtig wieder- gegeben sei, läßt die Vermutung zu, als ob die zentralorganisierten Zimmerer nicht gewillt seien, Solidarität gegenüber den Maurern in der Weise zu üben, wie eS von den in Frage kommenden Or- ganifationsvorständen vereinbart worden ist. Dem ist nicht so! Die in der Versammlung des Zentral- Verbandes der Zimmerer angenommene Resolution entspricht vollauf den getroffenen Vereinbarungen. Wilhelm Witt. Zur Lohnbewegung der Bierfnhrer, Mitfnhrer und Stnlleute kn den Weihbicrbraiiereien Berlins. Eine gut besuchte Versamni- lung dieser Angestellten der Weißbierbrauereien nahm gestern abend den Bericht entgegen über die Tarifverhandlungcn zr-cchen ihrer Kommission mit der Kommission des Vereins der K'.etIir,ZT Weißbierbrauereien. Das Ergebnis der Verhandlungen warez. Gegenangebote der Arbcitgebervertreter. Für Fahrer waren ge- fordert außer den üblichen 50 Pf. Provision pro halbe Tonne ein Wochenlohn von 30 M. Die Arbeitgeber bieten 22,50 M. und die Provision. Tic Versammlung ermäßigte die Forderung von 30 M. ßUf 27 M. Mitfahrer sollen nach Meinung beider Parteien 30 M. Wochenlohn erhalten. Gefordert wird, daß dazu der Fahrer 10 M., die Brauereien 20 M. zu geben hat. Die Brauereien Perantw. Redalieur: HanS Weber» SerlinT" Inseratenteil verantw� wollen das Verhältnis umkehren und selbst nur 10 M. geben, so daß der Fahrer 20 M. zuzugeben hätte. Die Versammlung hält an der ursprünglichen Forderung fest. Folgende Angebote werden angenommen:„Bei Faßfahrern, welche keinen Mitfahrer haben, ist es wünschenswert, daß sie die Gefäße durch die Brauerei gereinigt erhalten. Die Brauereien werden nach Möglichkeit die Mitfahrer auch im Winter beschäftigen."— Einen Mitfahrer wollten die Arbeitgeber nur dem Fahrer zugestehen, der pro Woche durchschnittlich 120 halbe Tonnen absetzt. Die Ver- sammlung verlangt durch Beschluß festzustellen: durchschnittlich 100 halbe Tonnen. Für Refervefahrer und Stalleute wollen die Arbeitgeber 24 M. Anfangslohn und nach einem Jahr 25 M. geben. Die Forderung war 28 M. Daran wird festgehalten. Einver- standen ist die Versammlung damit, daß für Fahrer und Mit- sahrer, wenn sie mit anderen Arbeiten beschäftigt werden. die Arbeitszeit lizh Stunden nicht überschreiten soll, sowie daß die Arbeitszeit der Reservefahrer und Stalleute innerhalb 13 Stunden tatsächlich nur 10 Stunden betragen soll. An der nicht bewilligten Forderung der Lieferung der Schurzselle durch die Brauerei wird festgehalten. Eine Reihe anderer das Arbeitsverhältnis betreffender Zugeständnisse und Bedingungen werden, zum Teil mit kleinen Aenderungen, akzep- tiert.— Auf Grund der gefaßten Beschlüsse wird eine neue Verhandlung statfinden.— Interessant ist auS den Verhandlungen zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern, daß die Braucreivertrcter zugaben, die Brauereien litten ganz erheblich unter dem Boykott, der aus Anlaß der Biervcrteucrung über sie verhängt wurde. Man beklagte sich darüber, daß einzelne Brauereien geradezu vor d e r B e r- n i ch t u n g ständen und gezwungen seien, sich mit größeren Brauereien zu vereinigen. Es wurde von den Herren der Wunsch geäußert, die Organisationsvertreter möchten hinwirken auf Auf- Hebung> des in der„Neuen Welt" gefaßten Beschlusses, von den Ningbraucreien kein Weißbier zu nehmen, damit es den einzelnen Brauereien möglich wäre, sich wieder zu erholen. Dann könnte man, wurde gesagt, den Arbeitern bei Vereinbarung des Tarifs größeres Entgegenkommen zeigen.— Natürlich konnten die Organi- sationsvertreter ein Versprechen nicht abgeben, da ihnen ja eine Befugnis dazu fehlt. Die Dachdecker versammelten sich am Freitagabend bei Wilke, Brunnenstraße, um Stellung zu nehmen zu den Zugeständnissen der Unternehmer. Der Referent Höppncr gab einen Situations- bericht, nach welchem noch 250 Dachdecker sich im Ausstand befinden. 23 Firmen haben die Forderungen— 90 Pf. Stundenlohn bei achtstündiger Arbeitszeit— bewilligt, und etwa 100 Mann arbeiten zu den neuen Bedingungen. Die Kommission der Arbeitnehmer versuchte nach besten Kräften eine Einigung herbeizuführen; die Arbeitgeber nahmen aber einen durchaus ablehnenden Standpunkt ein. Es kam zu Unterhandlungen mit einzelnen Mitgliedern der Arbeitgeberkommifsion und Vorschläge wurden erörtert, die dahin gingen, daß ein Tarif auf 3 Jahre abgeschlossen werden solle, der die Arbeitszeit auf 8s4 Stunden und den Lohn im ersten Jahre auf 80 Pf., später auf 85 Pf. pro Stunde festgesetzt. In einer Meistcrversammlung am Donnerstagabend wurden die Vor- schlage zwar abgelehnt, aber cS herrscht viel Zwiespalt in den Reihen der Unternehmer und manche große Firma würde gern diese Vorschläge akzeptieren. Höppner ersucht um Vollmacht eventl. kleine Zugeständnisse zu machen. Eine Resolution im Sinne der Ausführungen des Referenten wurde fast einstimmig angenommen. Der Kampf der Dachdecker währt bereits neun Wochen, und sie haben gute Aussicht, auch die Forderungen, die die Maurer und Zimmerer stellen, zur Anncrkennung zu bringen. Die organisierten Dachdecker dürfen vorläufig aber noch nicht zur Arbeit zurück- kehren! Der Kampf muß mit derselben Energie fortgesetzt werden, bis ein gutes Ende erreicht ist. Diejenigen, die noch zu den alten Bedingungen, für 75 Stundenlohn, weiter gearbeitet haben, werden nun aus den Betrieben herausgezogen, aber man warte auch hierbei die Anordnungen der Kommission ab, die wahrscheinlich erst Unter- Handlungen mit den Arbeitgebern Pflegen wird. Achtung» Steinarbeiter Berlin I! Wegen Differenzen mit dem Zentralverband der Maurer ist die Firma Gebr. Friesicke, Kunst- stcinfabrik in Britz, auch für Steinmetzen gesperrt. Arbeitsangebote sind zurückzuweisen. Die Ortsverwaltung. Deutkcves Reich. Unternchmerterrorismus. In den Flechtmaschinenfabriken von Elberfeld und Barmen haben vor einigen Wochen die Arbeiter die Arbeit eingestellt, und als sie nicht nach Wunsch der Unternehmer zu Kreuze kriechen wollten, haben die Inhaber von 27 Fabriken die Arbeiter ausgesperrt und die Be- triebe stillgelegt. Jetzt hat der M a s ch i n e n f a b r i- kantenverein Barinen-Elberfeld an das rheinisch-westfälische Unternehmertum der Maschinenbranche Gehei in zirkuläre versandt, in denen die Arbeit- geber aufgefordert werden,„bei der Annahme von Ar- beitern äußerst vorsichtig zu Werke zu gehen" und„bis auf weiteres überhaupt keine Arbeiter aus dem Wuppertal anzunehmen". Es handele sich„um Former. Putzer, Schlosser, Dreher, Schmiede. Zuschläger und Hülfsarbeiter, die mit Abkehr scheinen vom 11. Mai ab versehen sind". Zum Schluß gibt der Verein der Hoffnung Ausdruck,„daß es nur dieser Mitteilung bedarf, um Sie zur Unterstützung unserer Abwehrmaßregeln durch Nichtein stellen unserer A r b e i t e r zu veranlassen".— Wie sagte doch Wilhelm II: Schwerste Strafe dem, der einen anderen an freiwilliger Arbeit hindert l Zur Aussperrung der Metallarbeiter im Maingebie«. Zur Lieferung von Streikbrechern en gros empfiehlt sich den Metallindustricllen eine Firma folgendermaßen: An den Arbeitgcberverband der Metallarbeiter _ Frankfurt a. M. AuS hiesigen Blättern ersehen wir, daß bei Ihnen ein Streik der Metallarbeiter ausgebrochen ist. Wenn Sie meine Dienste - in Anspruch nehmen wollen, hoffe ich, Ihnen genügendes P e rional zuführen zu können. Ich habe bereits für den Hafenbetriebsverein in Hamburg sowohl als auch in Königsberg viele Arbeiter besorgen können und hoffe ich. Ihnen dasselbe zu verschaffen. Bitte Bedingungen. Hochachtend G. Mattern, Elbing. Privatsekrclär. Neust. Wallstr. 13. Das Schreiben, welches dem Metallarbeiterverband in die Hände geflogen ist,� ist höchst interessant. Die Herren wollen menschliche Arbeitskräfte liefern, wie man Schmierseife liefert. Die Metallarbeiter Deutschlands werden aber dafür Sorge tragen, daß aus dem Geschäft nichts wird, daßeSkeineArbeitskräfte zu liefern gibt. Eine andere amüsante Erscheinung hat die Aussperrung ge- bracht: neben den Arbeiterorganisationen zahlen nun auch ver- schiedcne Unternehmer Streik, resp. Aussperrungs- unter st ützung aus. � Natürlich nur an Unorganisierte, welche »benfalls von' der Aussperrung betroffen wurden. Die Leute müssen sich dann verpflichten, sich jederzeit zur Verfügung des Unternehmers zu stellen. Auch dieser Trick wird nichts nutzen! Bevorstehender Friedensschluß im KönigSberger Hafen- Nach mehrtägigen Verhandlungen ist endlich vor dem Einigungs. amt des Königsverger GewerbegcrichtS ein Tarifvertrag zwischen den beiden Kommissionen vereinbart worden, der zweifellos in n. Glocke, Vertui. Druck».Vertag: Vorwärts Buchdr. u. Berlag»ang«A kürzester Zeit den Frieden im Hafen herbeiführen wird. Der Tarif» vertrag enthält folgende hauptsächliche Bestimmungen. Mit Aus- nähme der Köhlenarbeitcr ist für alle Arbeiter des Hafens das Atkordsystem aufgehoben, desgleichen die stundenweise Entlohnung. Der Tagelohn ist auf 5 M. festgesetzt, jeder angefangene Viertel- tag wird mit 1,25 M., jeder halbe Tag mit 2,50 M. usw. bezahlt. Die Ucberstunden werden bis 9 Uhr abends mit 70 Pf., nach 9 Uhr abends mit 90 Pf. bezahlt; für Sonntagsarbeit ist 1 M. pro Stunde festgelegt. Die Akkordarbeit für Kohlen stellt sich auf 471h Pf. pro Tonne feine Kohle, und 521h Pf. pro Tonne grobe Kohle, für Ucberstunden gibt es außer dem Akkordsatz pro Stunde 60 Pf. Zuschlag. Außerdem enthält der Tarif eine Bestimmung gegen die Willkür der Stauermcister bei Entlassungen der Arbeiter. Die Aufrechterhaltung der tariflichen Bestimmungen liegt dem Hafenarbciierverband, ebenso in gleicher Weise der Arbeitgeber- organifation zur Pflicht. Der Tarif soll auf vier Jahre ab- geschlossen werden, d. h. bis 15. Juni 1911. In Ludwigshof vor dem Königstor fand nun am Freitag vormittag eine Versammlung der ausgesperrten Hafenarbeiter statt, in welcher nach einem ein- leitenden Referat des Genossen S ch i k o w e r folgende von den Vertrauensleuten vorgeschlagene Resolution einstimmige Annahme fand: Die heute am 7. Juni 1907 in Ludwigshof tagende Ver» sammlung der ausgesperrten Hafenarbeiter nimmt Kenntnis von den zwischen der Tarifkommission und den Reedern gepflogenen Verhandlungen. Die Versammlung beschließt einstimmig, sich dem Antrage der Vertrauensleute zu fügen und die zwischen der T«ifkommisfion und den Reedern abgemachten Vereinbarungen als für sich bindend zu erklären und sie einstimmig anzunehmen. Die Versammlung gibt sich nnumehr der vollen Hoffnung hin, daß der Friede im Hafen zwischen Arbeitern und Arbeit» gebern voll und ganz einkehren wird. Dazu ist aber nötig, daß die Gctrcidetcäger, die unter denselben Umständen ausgesperrt wurden, auch die Arbeit ausnehmen können. Die Versammlung erwartet daher, daß nunmehr die beim Assessor Dolle seinerzeit beantragten Einigungsverhandlungcn stattfinden werden, um die Bedingungen, unter denen die Ge- treidetrügcr die Arbeit aufnehmen, festzulegen. Die Versammlung erwartet, daß die Kaufleute ebenso handeln werden, wie die Reeder und in Verhandlungen in aller» kürzester Frist eintreten, wie es im Interesse des sozialen Friedens geboten ist. Am 15. Juni soll die Arbeit im Hafen wieder aufgenommen werden. Tie Arbeitgeber haben sich verpflichtet, innerhalb dieser Zeit alle angeworbenen Streikbrecher zu entlaiien und alle aus- gesperrten Arbeiter wieder einzustellen. Mctallarbciterstrcik in Solingen. Die Firma Gottlieb HammeSfahr, Solingen-Foche, bei welcher feit dem 21. März 200 Arbeiter streiken, versucht allerorts, hauptsächlich in Thüringen, Arbeitswillige anzuwerben. Auch wird versucht, durch Agenten und durch Chiffrc-Jnserate Arbeiter nach hier zu locken. Die Kollegen sind zum Teil wegen Zugehörigkeit zur Organisation ausgesperrt und will die Firma keinerlei organisierte Arbeiter dulden, Wir ersuchen, jeden Zuzug fernzuhalten. Die Arbeiterpresse wird um Abdruck gebeten. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsvcrwaltung Solingen. In der Zclluloscfabrik Maxau a. Rhein sind sämtliche Arbeiter zum ersten Juli gekündigt, weil sie den alten Tarif auf ein weiteres Jahr nicht anerkennen wollen. Da die Fabrikleitung in den bürgerlichen Zeitungen Arbeiter sucht und Anstrengungen macht. Arbeitswillige zu erhalten, so er» suchen wir um Fernhaltung des Zuzugs. Der Vorstand des FabrikarbciterverbandeS. Der Streik in der Bernburger Zcmentfabrik dauert un, verändert fort. Die Direktion, die sich hartnäckig weigert, die mi» nimalen Forderungen der Arbeiter zu bewilligen bezw. in Unter- Handlung zu treten, ist fortgesetzt bemüht, von auswärts Arbeits» willige heranzuziehen, und zwar unter der lügnerischen Vorgabe» der Streik sei beendet. Es wird dringend ersucht, den Zuzug nach Bernburg fernzuhalten. Die Arbeiterpresse wird um Abdruck gebeten. Die Streikleitung. I. A.: H. Brix. Erfurt. Die Lohnbewegung im Baugewerbe dauert un- verändert fort. Von den in die Bewegung eingetretenen 453 Bau» arbcitern, 920 Maurern und 348 Zimmerern und Bautischlern sind noch 235 Bauarbeiter, 415 Maurer und 146 Zimmerer und Bau, tischler zu unterstützen. Die Situation ist als eine gute zu bezeichnen. Gegenteilige Nachrichten sind mit Vorsicht aufzunehmen und wende man sich betreffs Aufschluß an die Streikleitung. Zuzug ist nach wie vor streng fern zu halten. I. A.: Wilh. Grün. Tivoli. Die Holzarbeiter StraßburgS haben bei den Unternehmern Forderungen eingereicht, in denen sie in der Hauptsache ver» langen eine Herabsetzung der Arbeitszeit von 10 auf 91� Stunden, 15 Proz. Lohnaufbesserung und einen Minimallohn von 40 Pf. pro Stunde fiir die Arbeiter unter 20 Jahren und von 45 Pf. für die Arbeiter über 20 Jahren. Die christlichen Gewerkschaftler haben sich mit den Forderungen einverstanden und mit den freien Gewerkschaftlern solidarisch erklärt. Die Antwort der Meister wird bis 16. Juni erwartet. In Betracht kommen ca. 800 Holz- arbeiter, wovon 700 im deutschen Holzarbeiterverband organi» sicrt sind. Buslanck. Tabakarbeiterstreik in Basel. Die Konsumenten und Abnehmer machen wir hierdurch aufmerksam, daß wir über nachgenannte Zi» garrenfabriken die Sperre verhängt haben, da sie die Forderungen der Arbeiter abgelehnt haben. Gesperrt sind E. Veit in Basel und Hüningen i. E., E. Vollmer in St. Ludwig i. E. Zigarrenarbcitcr-Gcwerkschaft Basel. Santiago be Chile, 8. Juni. Der Eisenbahnverkehr ist durch den Ausstand der Bahnbeainten, denen sich die Straßenbahn. angestellten und die Bäckergchülfen angeschlossen haben, lahm gelegt. Letzte Nachrichten und DcpcFcbcn, Bom exklusiven Sport. Luiz, 8. Juni.(B. H.) Der hier wohnhafte Baron Hammer- stein stieß auf einer Automobilfahrt mit einem Radfahrer zu- sammen. Der letztere erlitt schwere Bcrlrhungrn, während Baron Hammerstein leichter verwundet wurde. Die Bcrgkraxler. Graz, 8. Juni.(B. H.) Von, Schnceberg sind drei Touristen, und zwar ein Bäckermeister aus Ncunkirchen und zwei Studenten aus Wien 15 Meter in eine Schlucht herabgestürzt. Nur mit großer Mühe konnten sie von den ausgcsandten Rettungsmannschaften ge- borgen werden. Alle drei sind schwer» aber nicht lebensgefährlich verletzt._ Streik Ende— Streik Anfang. �.roppan» 8. Juni.(W. T. 33.) Die Belegschaften des Salomon» und Karolincnschachtcs bei Mährisch-Ostrau sind heute wieder an» gefahren, nachdem die Direktion die Revision der Gedinge und die Abstellung der vorgefundenen Mißstände zugesagt hat. Am Salm- schacht bei Polnisch-Ostra» ist seit heute vormittag ein Teil der Schlepper im Ausstand. Die Pest. Konstantinopcl, 3. Juni.(W. T. B.> In Bassora ist ein Pcstfall festgestcllt worden. Das Gerücku von einem Cholcrafall hat sich nicht bestätigt. Die Behörde hat für alle Hcrkünste aus Bassora eine fünftägige Quarantäne angeordnet._ Paul Singer& Co., BcrlmLW. Hierzu 5 Beilagen. Nr. 182. 24. laljrpig. 1. Ktilsge des Jotiüättf Zonlltüg. 9.|«ni 1907. Die rufiifcbe Revolution. Die„unterirdische" Tätigkeit iu den—„oberen Regionen". Die„Russische Korrespondenz" enthält das nachstehende Tele- gramm: Petersburg, den 8. Juni. Es war aufgefallen, daß Graf Witte in der Biittwochsitzling des Neichsrats die Regierung heftig angegriffen hatte. Er hatte dem Kabinett Stolypin zum Vorwurf gemacht, daß es Lberflüssigcrwcise das jetzige Budget der Duma vorgelegt habe! Es war überdies bekannt, daß die Beziehungen Wittes zu den Hofkreisen sich intimer gestaltet haben. Nunmehr erfahre ich das kaum glaubliche Gerücht: Witte sei berufen, Stolypin zu ersetzen mit dem Auf- trage, eine„Reform" des Wahlgesetzes herbeizuführen.— Diese Nachricht ist allen politischen Kreisen im höchsten Grade überraschend, und ich würde sie nicht weitergeben, wenn mein Ge- währsmann nicht als ausgezeichnete Quelle bezeichnet werden könnte. «.' Petersburg, S. Juni.(B. H.) Heute abend findet in Peterhof unter Vorsitz des Zaren ein Ministerrat statt, in welchem über das definitive Schicksal der Duma Beschlutz gefaßt werden soll. Stolypin setzt alle Hebel in Bewegung, damit die Duma nicht aufgelöst «verde, stößt aber selbst in allerhöchsten Kreisen auf heftige Opposition. Kein Zutrauen im eigenen Lande. Der am Mittwoch, den 5. Juni, in Odessa eröffnete Kongreß der Vertreter der Älein-Kreditanstalten hat soeben einstimmig bc- schloffen, die von den Kunden der Kreditanstalten eingezahlten Gelder nicht in russischen Dividendenpapieren anzulegen! Da der Kongreß eine gleiche Resolution bezüglich der Sparkassen angenommen hat, so forderte das russische Finanzininistcrinm den Odessaer Finanz- agcnten dringend auf, den genauesten Bericht über die Kongreß- Verhandlungen einzusenden.— Enthüllungen. Moskau» 8. Juni. Ein soeben erschienenes, vom Fürsten Uruffoff herausgegebenes Memoirenwerk erregt ungeheures Aufsehen. Das- selbe enthält sensationelle Enthüllungen Über die Regierungspolitik unter Plehwe, insbesondere über seine Rolle bei der Lcranstaltnng des Pogroms in Kischinew. Die Agrarfrage. Petersburg, 8. Juni.(Reichsduma.) Das Haus hört zunächst die Reden von sechs Vertretern verschiedener Parteien an, die Agrargesetzentwürfe vorlegen. Die sozialistischen Redner greifen in heftigen Worten die Erklärung des Minister- Präsidenten Stolypin über die Argrarfrage sowie die von den Kadetten eingebrachten Gcsetzentivürfe an. Muschenko, revo- lutionärer Sozialist, schließt seine Rede mit den Worten:„Die Regierung hat die Nation herausgefordert, die Heraus- sorderung wird angenommen!" Kutler(Kadett) entwickelt kurz das Programm der Kadetten und sagt: Die ZwangSenteignnng sei das Prinzip jeder Agrarreform. Die Parteien der Linken bringen Tagesordnungen ein, in denen sie sich über die Hauptgrundsätze der Agrarreform aussprechen. Die Sozialdem okraten bringen eine Tagesordnung ein, in der die Zuteilung des Grundbesitzes an die Gemeinden ohne Entschädigung der bisherigen Eigentümer als notwendig hingestellt wird. Die Arbeitspartei verlangt, daß der Grundbesitz Gemeingut der Nation oder datz zum mindesten die Z w a n g s c n t e i g n u n g als Grundlage der Reform festgelegt wird. Das Mitglied der Kadcttcnpartci, Professor Kiescwetter beantragt zunächst Entscheidung über die Vorfrage: ob man überhaupt eine Tagesordnung annehmen müsse! seine Partei sei dagegen, weil der Standpunkt der verschiedenen Parteien bekannt und es auch unmöglich sei, eine Einigung unter den auseinandergehenden Ansichten der Abgeordneten zu erzielen.— Leresin, der Vizepräsident der Duma und Mitglied der Arbeiter- Partei, beschuldigt die Kadetten der Doppelgängigkeit und sagt: sie sollten entweder die Zwangsentcignnng annehmen oder nicht. Der Präsident stellt darauf die Vorfrage, und die Duma lehnt eS mit 238 gegen 191 Stimmen ab. irgend welche Tagesordnung anzn- nehmen. Die Kadetten, die Rechte und die Polen stimmen hierbei gegen die Parteien der Linken. Um 4 Uhr 40 Minuten wird darauf die Sitzung geschlossen._ Die Kadetten auf dem larid) nach rechts. Petersburg, 3. Juni.(Eig. Ber.) In der letzten Woche beschäftigte sich die Duma hauptsächlich am zwei Fragen. Am Dienstag kam der Antrag der Rechten zur Sprache: Die Duma möge die terroristischen Vorgänge vcr- urteilen, und am Donnerstag antworteten die Minister Schtsche- glowitofs und Makaroff auf die Anfrage der Duma über die Foltc- rungen in den Rigaer Gcfängniffcn. Aber auch in der Donnerstags- sitzung wurde die Frage der revolutionären Geschehnisse diskutiert, da die Rechte am Dienstag nicht auf ihre Kosten gekommen war. Der Antrag der Rechten will vor allem die Kadetten fassen: sie sollen erklären, wie sie sich zu revolutionären Vorgängen vcr- halten. Haben sie den Mut, zu sagen, daß sie mit der Volks- bcwegung nicht brechen wollen, so heißt es: die Kadetten sind Rc- volutionäre. sind sie für die Verurteilung, dann wird die Kluft zwischen der Linken und ihnen noch tiefer. Eigentlich ist ja so schon die Kluft zwischen diesen beiden Gruppen der Duma un- nbcrbrückvar geworden, allein die Rechten wollen das schwarz auf weiß haben! Außerdem würde ja eine Verurteilung der revolutionären Vorgänge die Repressalien der Regierung recht- fertigen; sie brauchte sich dann nicht viel Mühe zu geben, auf jede Anfrage über die im Lande wütende Schreckensherrschaft eine Antwort zu suchen, sie hätte für alle Fälle ein Dokument in der Hand, das alle ihre Unterdrückungsmaßregcln im voraus entschuldigte. Wenn nun die Antragsteller auf der Rechten, diese geistigen Häupter der schwarzen Hundertschaften, so tun, als ob es ihnen um die Verurteilung der„politischen Morde und des Terrors" zu tun sei, so ist das natürlich nur Spiegelfechterei. Wo- rauf ihr Antrag abzielt, das ist die Verurteilung der Volks- bcwegung. Sie verlangen, die Duma solle sich von dieser lossagen. Für den Fall, daß die Duma den Mut haben sollte, mit den „Räubern und Mördern" zu gehen, wurde ihr mit der Auf- lösung gedroht. Das war für die Kadetten wieder eine bittere Prüfung. Für sie wäre es gewiß besser gewesen, wenn der Antrag überhaupt nicht zur Behandlung kam, und sie taten denn auch alles, um ihn zu verschleppen.— Für die revolutionäre Linke stand die Frage anders: sie hatte eine Debatte über den Antrag nicht zu fürchten; sie ist ein Teil der Revolution, und sie hat daher keinen Grund, das irgendwie zu verheimlichen oder zu vertuschen. Die Sozialdemokraten und die Sozialrevolutionäre drangen aber mit ihrer Anschauung nicht durch, und die Folge war, daß wir eben am Donnerstag dieselbe Debatte wieder hatten, der man durch die Ablehnung einer Behandlung des Antrags der Rechten auS formalen Gründen am Dienstag geschickt aus dem Wege gegangen zu sein glaubt» Tie beiden Minister erschienen als die Handlanger der bal- tischen Barone und der Rigaer Detektivs. Sie dachten auch gar nicht daran, die im Kommijsionsbericht niedergelegten Tatsachen über die Folterungen ernstlich zu widerlegen. Nur Details wollten sie nicht zugeben, tvie das Prof. Kusmin-Karawaseff in seiner Rede unterstrich. Daß in den Gefängnissen in Riga ge- foltert worden ist, stellten jene gar nicht in Abrede. Es hat sich aber nur um„leichte Folterungen" gehandelt, erklärten sie! Daß das nicht mit den Tatsachen übereinstimmt, hob der Kom- missionsberichterstattcr Pergament hervor. Die Minister selbst haben ja zugeben müssen, daß nicht weniger als 42 Polizeibcamte so schwer belastet sind, daß sie unter Anklage gestellt werden mußten! Eine andere Frage ist natürlich, ob sie dabei nicht die Treppe herausfallen. Sagten ja die Minister schon jetzt entschuldigend: Die Polizei habe einfach in der Erregung gehandelt! Sie stellten der Polizei damit einen Freibrief aus: sie möge es nur weiter so treibe», wie sie es in Riga getrieben hat— was sie sich natürlich nicht zweimal wird sagen lassen. Roditschcsf konnte denn auch in seiner Rede mit Recht sagen, die Minister seien in die Duma gekommen, nicht um zu sagen, die Polizei dürfe nicht foltern, sondern nur: die russische Polizei dürfe nur foltern, wenn sie erregt ist! Sämtliche Redner der Kadetten stempelten die Erklärungen der Minister als elende Ausflüchte, und doch hatte die Kadetten- fraktion nicht den Mut. der Forderung der Rechten zu widerstehen, welche in die Tagesordnung eine Verurteilung der revolutionären Vorgänge in den baltischen Provinzen cingeflochtcn wissen wollte. Diese Formel wurde zwar verworfen, nichtsdestoweniger bleibt aber doch die Tatsache, daß die Kadetten auch diesmal vor der Rechten ihr Haupt neigten, wie das in der letzten Zeit schon des öfteren geschehen ist. Sie werden dafür nun von dem Blatt Stoly- pins, der„Rossija", nach Verdienst gelobt.... Tie Linke konnte durch den Umfall der Kadetten nicht über- rascht werden, da sie ja auf ihre Versumpfung mit zynischer Offen- heit hinarbeiten. Für die baltischen Provinzen hat also die Rc- gierung von den Kadetten freie Hand: sie kann dort ihre Schreckens- Herrschaft noch weiter ausüben. Nächstens kommt die Regierung mit einigen von der Polizei zusammengelogenen Zahlen auch aus dem übrigen Rußland, und die Kadetten geben der Regierung ihren Segen zu den Hunnenzügen auch im übrigen Rußland. Das nennt sich die„liberale", ja noch mehr, die„konstitutionell- demokratische" Partei in einer revolutionären Epoche! Das Wesen der verflossenen Dmnawoche besteht also in dem Fortschreiten des Zersetzungsprozesses im„Liberalismus". Daß dieser„Liberalismus" für die weitere EntWickelung der politischen Verhältnisse in Rußland nur reaktionäre Bedeutung haben kann, ist klar. Die revolutionäre sozialistische Linke wird eine geschichtliche Tat begehen, wenn sie diesem„Liberalismus" den Fuß noch fester auf den Nacken setzt. Die Kadetten ziehen die Duma mit in ihren Sumpf hinein, und nur ein rücksichtsloser An- griff gegen die Scharfmacher einerseits und die Flaumacher andererseits kann die Volksvertretung vor der moralischen Auflösung bewahren, die schlimmer wäre als jene andere Auf- lösung, mit der in Gedanken und Worten jetzt hier und im Ausland bis zum Uebcrdruß gespielt wird, eine Haupt- und btaatsaiition verpufft. Telcgraphisch haben wir schon gemeldet, daß die Strafkammer zu Plauen als Berufungsgericht durch Freispruch jenes überaus inerllvürdige Urteil des Schöffengerichts Auerbach aufgehoben hat, das wegen angeblichen Hausfriedensbruches den Genoffen A d,. H o f f m a n n- Berlin mit drei Wochen, die Genossen Rössel und S t e i n k u h l mit je zehn Tagen Gefängnis belegte. Ein Besuch der drei in der Lungenheilstätte NciboldSgrün während der letzten ReichStagSwahlbeivegnng.— Genosse Hoffmann lvar als sozialdemokratischer Kandidat des Wahl- krcises Auerbach-Kirchbach, in dem die Heilstätte gelegen ist, von einigen Insassen aufgefordert worden, sie zu besuchen, da man ihnen die Aufnahme in die W ä h l e r l i st e verweigere— sollte den HaussriedenSbruch darstellen, da dieser fünf Minuten dauernde Be- such— wie hunderte andere— entgegen der Hausordnung ohne Erlaubnis des ArzteS der Heilstätte erfolgt war. lieber die Schöffen- gerichtsverhandlnng haben«vir seinerzeit ausführlich berichtet. Von der Verhandlung vor der Plauener Strafkammer ist folgendes zu melden: Sechs Zeugen bekundeten, daß trotz der Hansordnnng unge- hindert und ohne Erlaubnis von anderen Leuten den Patienten sehr häufig Besuche abgestaltet worden sind, ohne datz die Anstaltsleitung einschritt. Ferner hat Genosse Hoffmann selber, unter N a m e n s n e n n u n g dem Bureaubeamten der Lungenheilstätte telephonisch gebeten, den Kranken von R e i b o l S g r ü n mit- zuteilen, daß e r z u B e s u ch k o m m e. Als Hoffmann kam, halte ihn eine Schwester in freundlichster Weise zu einem Kranken geführt. Weder har ihn jemand am Besuch zu hindern versucht, noch irgend jemand mitgeteilt, daß er erst die Erlaubnis des Arztes ein- holen müsse. Uebcreinstimiiicnd lauten die Aussagen, daß Hoffmann auch nicht eine einzige politische Bemerkung gemacht, sondern nur knappe fünf Minuten allein in de» Liegehallen anwesend gewesen sei. Er habe gute Ruhe gewünscht, die„übliche" Bewirtung nicht einmal angenommen, sondern am H a u p t e i n g a n g vorbei, sich wieder entfernt. DaS Erscheine» Hoffmnuns habe nicht nur niemanden beunruhigt, sondern umgekehrt liernhigeiid gewirkt. Da- gegen seien die Patienten längere Zeit dadurch geärgert und sehr beunruhigt worden, daß man ihnen das Wahlrecht durch die Ver- «veigernng der Eintragung in die Wählerlisten nehmen Ivolltc, wo- durch sie— wie ein Zeuge sagte— zu Bürgern zweiter Klasse degradiert worden wäre». Eigenartig war die Geschäftsführung des Vorsitzenden Land- gerichlsrateS Dr. Hartman», eines ehemaligen Staatsanwalts und konservativen Reichstagsabgcordneten. Mehrfach unterbrach er den Verteidiger, ja er drohte ihm sogar einigemal mit W-rtcntzichung. Besonders eifrig zeigte sich der Vorsitzende bei der Vernehmung des Chefarztes Dr. Schneider, den Liebknecht und Hoffmann allerdings allerlei zu fragen hatten. Herr Dr. Schneider er- klärte, nach seiner ärztlichen Ansicht sei jede politische Agitation in der Heilanstalt unstatthaft. Die Angeklagten aber hätten solche Agitation betrieben und die Kranken dadurch beunruhigt. Die Hansordnnng verbietet„jede" Agitation. Deshalb habe er(Schneider) auf Ersuchen des HofrateS Wolff, des Vorsitzenden des Vereins der sächsischen Lungenheilstätten- bewegung, Strafantrag gestellt. Aus eine Frage HoffmaimS, worin denn diese angebliche politische Agitation bestanden habe, erklärte Dr. Schneider, er halte eS für politische Agitation, wenn ein Kandidat seine Parteigenossen aufsuche. AIS der Verteidiger die Vermutung aussprach, daß die Anzeige aus politischen Gründen erfolgt sei, fuhr Dr. Hartmann auf: Es niüsse bitten, nicht in dieser Weise fortzufahren. Sehr interessant «st die folgende Episode: Dr. Liebknecht: Ist Herrn Dr. Schneider die Dcnkmals- cnthüllung vom 27. April bekannt? Ist ihm weiter bekannt, daß am Abend eine große Feier stattfand, daß in der Lungenheilstätte Albertsburg bei dieser Gelegenheit Tansrnde von Menschen anwesend waren, daß Militiirmusik spielte, eine große patriotische Frier stattfand, daß alles— auch bis Patienten s i ch daran beteiligten und tüchtig tranken und daß Sie, Herr Dr. Schneider die Festrede gehalten haben? Zeuge Dr. Schneider: Ich habe nur ein Hoch ausgebracht. ES war ein Fest zum Andenken an den König Albert, dessen hoch- herziger Art die Entwickclnng der Lnngenhcilstättenbewcgung und ihre Ausdehnung zu danken ist. Daher war das Fest so eng mit der Heilanstalt verbunden. Viele von den Patienten haben sich am Königshoch nicht beteiligt, aber am Freibier haben sie sich— ich will nicht gerade sagen zu unserer Genugtuung(!) beteiligt. Als Genosse Liebknecht zu einer neuen Frage ansetzt, unter« bricht ihn abermals der Vorsitzende: Ich gestatte Ihnen nicht, Herr Verteidiger, in dieser Richtung weiter zu fragen.— Dr. Lieb- k n e ch t: Ich bin mit diesem Teil Fragen auch schon zu Ende. Als Genosse Hossinann später ans die Sache zurückkam, erklärte der Vorsitzende: Diese Diskussion gestatte ich nicht! Als dann Genosse Liebknecht in seinem Plädoyer mit dem Satze begann: Ich will das politische Moment, das hier eine gewisse Rolle spielt, beiseite lassen, unterbricht ihn der Vorsitzende mit den Worten:„Für uns gibt es kein politisches Moment, sondern nur das Gesetz I" Und bei einem anderen Teile der Liebknechtschen Ausführungen:„Sie entfernen sich von der Sache, ich muß Herrn Schneider schützen, da Sie ihn so herunterreißen." Ter S i a a t S a n w a l t stellte sich vollständig auf den Stand- Punkt des ersten Urteils. Sehr geistreich war seine Deduktion, daß die Angeklagten doch politische Agitation getrieben hätten. Wozu, so incinte er, habe denn Hoffmann von einem kleinen Stab von Genossen begleitet die Anstalt besucht und nicht allein? Der Herr Staatsanwalt weiß es, die Begleiter sollten den Kandidaten der sozialdemokratischen Partei vorstellen und so„st i l l s ch w e i g e n d S t i m m u n g m a ch c n". Daß die Angeklagten nicht mit Worten Stimmung gemacht hätten, sei nicht entscheidend. Es sei bloß ein Gebot der Vorsicht gewesen, daß sie sicki miausfällig bewegten." In seiner Antwort bemerkte Genosse Liebknecht u. a.: Es scheine ihm, daß man die Sache so ansehe, ein solcher Besuch sei an sich nicht unzulässig, aber er werde es, wenn ihn ein sozial- demokratischer Reichötagskandidat mache. Nicht er, der Verteidiger, sondern Dr. SÄiieidcr'habe die Politik in die Sache gebracht. Aber das Sprechen von der Politik sei immer besser als das Schweigen und Handeln ans politischen Gründen. In der Begründung des freisprechenden Urteils hieß eS: Ans der Form der Einladung durften die Angeklagten annehmen, daß ihr Besuch keinen Widerstand finden würde. Ihr Zweck lvar die Wählerlisten-Angelcgenheit. DaS Gericht nahm nicht an, daß die Angeklagten mehr getan haben, als sie selber sagten. � � So ist also eine der merkwürdigsten Staatsaktionen verpufft, die wir bis jetzt unterm PaarnngSknrse zu verzeichnen hatten. Die verhaßten Eozialdemokraien, die der patriotische Strafantragstcller treffen loollte, sind freigesprochen, der ReichSlügcnverband muß be- trübt den„sozialdemokratischen Hausfriedensbruch" auS seiner Liste sozialdemokratischer Schandtaten streichen und als Resultat der ganzen Anstrengung verbleibt nur— ein Beitrag zum Wesen unserer Justiz._ Zum Krieg im Kdcliergemrbe. D i e Polizei als Schutztruppe der Bäcker», I n n u n g e n. Das Eingreifen des kaufenden Publikums zugunsten de! Streiks der Bäckergesellen, der Boykott gegen diejenigen Bäckereien, welche die Forderungen nicht bewilligen, ist eine Waffe, die von den Jnnungsführern ganz besonders gefürchtet wird. Um diese Waffe unwirksam zu niachen, sind bekanntlich die Jnnungsvorstände mit Ordnungsstrafen gegen den Aushang der WewilligungSplakate vorgegangen. Doch hat diese ungesetzliche Maßnahme keinen Erfolg gehabt, zumal die Innungen doch nur den Bäckermeistern, aber nicht den Backwarenhändlern Strafen androhen konnten. Tie Be- willigungSplakate blieben also trotz der terroristischen Maßnahmen der Innungen an ihren Plätzen. Der Boykott hat trotz aller Machi- Nationen seine Wirkung getan und die Meister, welche nicht be- willigt haben, haben den Schaden davon. Jetzt tritt die Polizei auf den Plan, um den Innungen zu helfen und in ihrer Weise den Boykott unwirksam zu machen. Die Entfernung der Bewilligungsplakate, welche die Innungen durch keine Drohung erreichen konnten, wird jetzt durch die Machtmittel der Polizei durchzusetzen versucht. Wie soeben be- kannt Ivird, sind in den letzten Tagen in verschiedenen Stadt- gegenden Polizeibeamte bei Bäckermeistern und Händlern erschienen und haben die Entfernnug des Bewilligungsplakates verlangt. Manche Bäckermeister haben, in begreiflicher Unkenntnis über die Rechtslage, dem Verlangen der Polizeibeamten stattgegeben. Andere haben sich dessen geweigert, dann ist ihnen von den be- treffenden Beamten gesagt worden, der Aushang des Plakates sei strafbar, und wo auch dieser Hinweis nicht den gewünschten Erfolg hatte, wurde gewaltsame Entfernung des Plakates in Aussicht ge» stellt. Ein Vorgehen dieser Art wird uns aus dem Gebiet des Ivb. Polizeireviers gemeldet. Tort ist der Polizeileutnant selbst zu einem Bäckermeister gegangen, der dem Verlangen des Schutz- niannes, das Plakat zu entfernen, nicht Folge leistete. Der Leut- nant bemühte sich, dem Bäckermeister klar zu machen, daß das Plakat nicht ausgehängt werden dürfe, daß der Bäckermeister be- straft würde, wenn er es nicht entferne usw. Der Meister blieb jedoch fest, denn er wußte, daß dem Verlangen des Beamten jede gesetzliche Grundlage fehlt.„Zeigen Sie mich nur an, bestrafen Sie mich, aber das Plakat wird nicht entfernt" sagte der Bäcker- meister. Nach dieser Unterredung kamen wieder Schutzleute und verlangten im Auftrage ihres Vorgesetzten die Entfernung des Plakats bis zu einer bestimmten Stunde. Auch diesem Verlangen kam der Meister nicht nach. Tann erschienen zivei Schutzleute, welche angaben, sie hätten den Austrag, das Plakat abzunehmen und mitzunehmen. Jetzt entfernte der Meister, um ein gewaltsames Einschreiteu der Beamten zu verhindern, das Plakat selbst, sagte den Beamten aber gleich, daß er es bald wieder anbringen werde. Tatsächlich hat die Polizei nun verschiedentlich gegen Gesetz, Recht und Hausfrieden die Plakate mit Gewalt entfernt. Wenn die Streikleitung nur ein Bruchteil von den Gewaltakten und Gesetzes- Verletzungen sich hätte zu schulden kommen lassen, die Polizei und Unternehmer trutziglich begehen, im Bewußsein, daß Recht uuo Gesetz ja doch zu ihren Gunsten gebeugt wird, wahrlich die gesamte Leitung säße längst hinter Schloß und Riegel. In Lleil— schrift wird es den Arbeitern bei diesem Kampf vor Augen geführt, daß Rechtspflege, Ausbeutertum und Polizei in holder Eintracht gegen die Interessen der Arbeiter zusammen wirken. Solche Hetzarbeit wird ihre Wirkung nicht verfehlen. Ter Krieg, den die Polizei gegen die Plakate führt, ist durch- auS ungesetzlich. Soweit wir erfahren konnten, stützt die Polizei ihr Verlangen auf den Z 9 des alten preußischen Preßgesetzes. Der- selbe lautet: „Anschlagzettel und Plakate, welche einen anderen Inhalt haben als Ankündigungen über gesetzlich nicht verbotene Versamm- lungen, über öffentliche Pergnügungenx über gestohlene, verlorene und gefundene Sachen, über Verkäufe oder andere Nach- richten für den gewerblichen Verkehr, dürfen nicht angeschlagen, angeheftet oder in sonstiger Weise öffentlich aus- gestellt werden." Nur durch juristische AuLlegungskünste ist der 8 9 des preu- Kischen Preßgesetzes überhaupt als anwendbar erklärt, freilich z. B. gegen den Flottcnverein nicht angewendet worden. Würde sich unsere Rechtsprechung, namentlich wenn es stcy um Vorgänge in der Arbeiterbewegung handelt, nicht in gekünstelten Auslegungen ergehen, sondern die tatsächlichen Ver- Hältnisse berücksichtigen, dann läge der Z 9 längst da. wohin er ge- hört, nämlich in der Rumpelkammer. Da er aber nach der herrschenden RcchtSpraxis immer noch als eine der kleinen Waffen gegen die Arbeiterbewegung angewandt wird, so hat der Bäcker- verband Kon vornherein mit dieser veralteten Bestimmung ge- rechnet\t.o nach juristischem Rat den Inhalt der Plakate so ge- staltet, daß selbst das preußische Gesetz gegen dieselben nicht ins Feld geführt werden kann. Die Plakate, in denen Bäckermeister und Händler ihren Kunden mitteilen, daß die von ihnen feil- gebotenen Waren unter den vom Bäckerverband geforderten Be- dingungcn hergestellt sind, müssen ohne Zweifel als »Nachrichten für den gewerblichen Verkehr" gelten, die 8 9 des preußischen Preßgesetzes ausdrücklich als statthaft erklärt. Wenn die Polizei die Entfernung der Plakate verlangt, oder mit Gewalt entfernt, so handelt sie ungesetzlich und kein Gericht kann ihr Borgehen billigen. Leder Bäckermeister und jeder Vackwarenhändler, der die Bc- dinguugen des BäckcrverbandcS erfüllt, hat das Recht, die Plakate in seinem Fenster anzubringen. Wer deshalb einen polizeilichen Strafbefehl erhält, braucht die Strafe nicht zu zahlen. Er kann die Entscheidung des Gerichts anrufen und muß nach Lage der Dinge unbedingt freigesprochen werden. Wo die Polizeibeamien auf die Entfernung der Plakate bc- stehen, ist den betreffenden Bäckermeistern und Händlern zu raten, sich von den Beamten sagen zu lassen, von welcher Stelle(ob Rc- vicrvorstand oder Polizeipräsidium) die Verfügung ausgeht. Die Rcchtsgültigkeit der Verfügung kann im Verwaltungs st reitverfahren angefochten werden. Wenn Polizcibeamtc gegen den Willen dcS Bäckermeisters oder Händlers das Plakat abnehmen, so möge der Betreffende den ge- schäftlichen Schaden feststellen, den er infolge der Entfernung des Plakats gehabt hat. Gegen denjenigen Beamten, der den Schutz- mann beauftragt hat, das Plakat abzunehmen, oder die Abnahme unter Androhung von Zwangsmaßregeln zu fordern, kann eine Klage auf Schadenersatz erhoben werden. Ter betreffende Beamte handelt nicht im Rahmen seiner Be- fugnisse. Je mehr die feindlichen Gewalten sich in den Dienst der Jnnungsmcistcr stellen, um mit so größerer Energie werden die Arbeiter den Boykott durchführen. Der Polizeipräsident ist am Freitag abend telcgraphisch von dem Vorgehen der Polizeibeamten unterrichtet und um Abhülfe ersucht worden. Auch an den Mi- uister des Innern ist eine telegraphische Beschwerde abgesandt worden. Bis Sonnabend abend hatten die Beschwerdeführer noch keine Antwort.— Will die Polizeibehörde warten, bis ihre Maß- ,-ahmen durch gerichtliches Urteil als ungesetzlich erklärt werden? Nach dem, was wir bis jetzt erfahren konnten, geht die Polizei in ganz Berlin in der geschilderten Weise gegen das BcwilligungS- Plakat vor und es ist ihr auch, wie der Augeuchein llchrt, gelungen, in den meisten Fällen die Entfernung des Plakats aus dem Fenster zu bewirken. Es ist nun Pflicht der Arbeiterschaft, den Kampf der Bäckergesellen um menschenwürdige Verhältnisse energischer denn je zu unterstützen. Die Parole mutz sein: Nur bei solchen Bäckern einkaufen, welche die Forderungen des Verbandes bewilligt haben. Diese Bäckereien sind jeden Tag im»Vorwärts" angezeigt. DaS Publikum will wissen, wm die Ware hergestellt Ut. Es hat ein Recht darauf, daß auch die- jcnigcn Bäckermeister, welche sich durch das ungesttzliche Vorgehen der Polizei einschüchtern ließen, daS Plakat wieder im Fenster anbringen. Der Kampf gegen daS unbegründete Eingreifen der Polizei in eine Angelegenheit, die ihr nichts angeht, mutz mit allen zulässigen Mitteln durchgefochten werden. » Genossenschaftsbäckerei. Von einem in der Genojsenschastbcwegung bekannten Genossen erhalten wir folgende Zuschrift: In Nummer 130 des„Vorwärts" wird unter der Rubrik„Der Kampf im Bäckergcwerbe" eine Zuschrift veröffentlicht, die die großen Vorteile betont, die daS Bestehen einer bedeutenden Nrbeitcrbäckcrei für die Bäckereiarbeitcr und für die Konsumenten haben müßte, und auf daS Bestehen und daS Blühen solcher„eigenen großen Bäckereien der Arbeiterschaft" in verschiedenen Städten Deutschlands hinweist. Hierzu muß bemerkt werden, daß ein gewaltiger Unterschied besteht zwischen Bäckereien, die als P r o d u k l i v g c n o s s e n s ch a f t bc- trieben werden und Bäckereien, die von K o n s»i in genossen» s ch a? t e n errichtet»ud betrieben werden. Die Erfahrungen mit den produktivgenossenschaftlichcn Bäckereien sind nirgends günstig gewesen; sie sind entweder klein geblieben oder gründlich verkracht. Die blühenden Genossenschaftsbäckercien sind überall solche von Konsum- gcnossenschaftcn betriebene. Ein lvcsentlicher Grund für diese» Unterschied liegt auf der Hand: Die Produklivgenoffciischafl steht im Konkurrenzkampf auf offenem Markt, die Bäckerei der Konsumgenossenschaft stellt die vorher bekannte Menge Brot her, deren die Mitgliedschaft bedarf; man kann auch sagen: die Bäckerei des Konsumvereins steht nicht mehr in der kapitalistischen Waren« Produktion, sie stellt nicht„Ware" her, sondern befriedigt daS Konsum- bedürfnis der Konsumgenosseu. So haben wir denn, um nur ein Beispiel zu erwähnen, eine Backcrciproduktivgenossenschaft auf der Eutritzscher Seite von Leipzig langsam dahinsiechen fehen, während ans der Plagwitzer Seite, die sogar industriell weniger entwickelt war. die Bäcker« des Leipzig» Plagwitzer Konsumvereins glänzend in die Höhe ging. Die hygienischen Einrichtungen der Plagwitzer Bäckerei find nmsteryaft. die technischen so vollkommen, daß sogar schon Militär» bäcker dort zur Ausbildung hingeschickt worden sind; die Arbeits- bedingunge» sind selbstverständlich auch im übrigen besser als in irgend einem Privatbetrieb. Wie bedeutend die Bäckerei.ist, geht -us folgenden Anoaben über die Produltion hervor, die dem letzten Jahresbericht vom September 1906 entnommen sind; es wurden im Gefchäftsjah; 190S/06 in der Bäckerei von Leipzig-Plagwitz hergestellt: 206 369 Stück Brote a 90 Pf. 779 933,.. SO. 580 624 u_, 45, 2025143.,„ 40, 171501. Weißbrote(einschließlich 17484 Stück Schrotbrote); ferner Weißgebäck als Semmeln, Franzbrote u. dgl. 8870 712 Stück. Für Feinbäckerei, Kuchen. Zwieback und andere gute Ware wurden im Laufe des JahreS in Lcipzig-Plagwitz 93 176 M. ver- einnahmt. Wollen die Berliner Arbeiter etwas ähnliches erreichen, so müssen fie sich zunächst der Konsiimgcilosscnschaft anschließen und ihr auch wirklich ihre Koiisumkraft zuwenden. Bedenklich aber wäre cZ unter der augenblicklichen Wirkung der Bohkotlstimmung eine große BäckereiproduMvgenossenschaft zu gründen oder eine kleinere be- stehenve oiotzlich zu vergrößern. Aufgabe der einsichtigen Genossen muß es sein, an der Hand der Doykottbestrcbungen zu zeigen, daß die O r g a n i s a t i o n des Konsums, soweit irgend möglich, stetig betrieben werden muß und daß der ständig organisierte Konsum dann ganz andere Ergebnisse zeiligt, als die Versuche der Arbeiterschaft sich in einem gegebenen Augenblick plötzlich auf ihre Macht als Konsumenten stützen zu wollen. Auch hier heißt es: Agitieren und organisieren." Der Kampf im Baugewerbe. Stand der Bewegung. Die Situation des Solidaritätsstreiks der Putzer stellte der Sektionöleiter Schulz in der gestern vormittag abgeholte- neu Versammlung der streikenden Putzer folgendermaßen dar: Am 1. Juni, dem Tage vor dem Streikbeschluß, waren schon 389 Putzer durch die Bewegung in Mitleidenschaft gezogen. Nachdem am Sonn- tag die Arbeitsniederlegung beschlossen war, meldeten sich zur Kon- trolle am Montag 531, am Dienstag 722, am Mittwoch 702, am Donnerstag 595, am Freitag 575. Bis Freitagabend waren 1327 Streikende eingetragen, von diesen sind aber 752 bei Unternehmern, die bewilligt haben, wieder in Arbeit getreten. Das Eingreifen der Putzer in den Kampf hat einen erfreulickien Erfolg gehabt. 40 Per- träge, die infolgedessen abgeschlossen wurden, sind im Bureau der Putzer niedergelegt, dazu kommen noch 20 bis 25 Verträge, welche cbcnfallö als Folge des Eingreifens der Putzer auf dem Bureau der Maurer eingelaufen sind. Verschiedene, selbst größere Unter- nehmcr suchten durch Schiebungen eine scheinbare Einigung zu voll- ziehen, um die Fertigstellung der Pntzarbeiten zu ermöglichen. In mehreren Fällen, wo noch nachträglich festgestellt werden konnte, daß ein falscher Unternehmer vorgeschoben war, sind die Verträge als ungültig erklärt und die Arbeit ist niedergelegt worden. Die Putzer vom christlichen Bauarbcitcrverband haben sich dem Vorgehen der Putzer deS ZeutralverbandcS angeschlossen, sie legen ebenfalls die Arbeit nieder, wo die Forderungen nicht bewilligt sind.— Die Arbeitsniederlegung der Putzer wird eine Anzahl von Rechts- strcitigkeitcn zur Folge haben. Tie betreffenden Unternehmer bc- anspruchen in Fällen, wo die Putzarbeit liegen blieb, den ganzen noch nicht ausgezahlten Akkordüberschuh. Das ist unzulässig. Der Unternehmer darf nur die Arbeit auf Kosten der Putzer, die den Vertrag mit ihm geschlossen haben, fertigstellen lassen und nur diese Kosten von der Gesamtsumme abziehen. Jedoch sind die Fälle nicht alle gleichartig, weil die Arbeitsverträge verschiedenartig sind. Die SektionSleitung hat eine besondere Rechtsschutzkommission eingesetzt, welche in jedem Falle die Rechte der Mitglieder vertreten wird.— An der Diskussion beteiligte sich auch Ei l b e r s ch m i d t. Er erkannte an. daß der Kampf durch daS Eingreifen der Putzer sehr günstig beeinflußt worden ist. Die Putzer haben sich in ancrkennens- werter Weise mit den Maurern und den übrigen im Kampfe stehenden Arbeitern solidarisch erNärt, sie werden auch ferner dazu veitragen, daß dieser Kampf mit einem vollen Siege endet. Der Kampf im Baugewerbe hat auch einen nicht geringen Teil der Steinmetzen in Mitleidenschaft gezogen, und dazu kommt, daß sich auf Bauten, wo Maurer und Bauhülfsarbeiter als Streik- brechcr tätig sind, der Drang bemerkbar macht, der kämpfenden Bauarbeiterschaft durch Solidaritätsstreik zu Hülfe zu kommen. Die Steinmetzen stehen jedoch in einem TarifvcrtragSvcrhältniS zu ihren Arbeitgebern. Wie der Vorsitzende W i n k I e r in der am Freitagabend stattgefundencn Versammlung ausführte, verlangen die Organisationslcitungen der im Kampfe stehenden Berufe auch keineswegs von den Steinmetzen, daß sie aus Solidarität die Arbeit einstellen, halten vielmehr ein solches Opfer für unnütz. Sie wünschen jedoch, daß die Steinmetzen keine Arbeit ansführen, die bisher von Maurern oder Bauhülfsarbcitern verrichtet wurde, und daß sie, w» Streikbrecher tätig sind, diese durch moralischen Druck von ihrer verwerflichen Handlungsweise abzubringen suchen. Der Redner brachte folgende Resolution in Vorschlag, mit der Bc- merkung, daß der Punkt 2 nach den Erklärungen der beteiligten Organisationsleitungen eigentlich nicht mehr in Frage komme, aber gleichwohl mit angenommen werden könne: „Die Steinarbciter Berlins verpflichten sich, den aus- gesperrten und streikenden Bauarbeitern ihre möglichste Unter- stützung zuteil werden zu lassen: 1. durch Perweigerung derjenigen Arbeiten, welche vor dem Kampfe von den Maurern oder HülfZarbeitern ausgeführt , wurden; 2. durch Niederlegnng der Arbeit in solchen Fällen, in denen nach Maßgabe der beteiligten OrganisationSlcitungcn ein Vor- teil für die Ausgesperrten oder Streikenden hcrausspringt; 3. durch Ausübung eines moralischen Drucks auf eventuelle Streikbrecher in solchen Fällen, in denen, ebenfalls nach Maßgabe der beteiligten Organisationsleitungen. eine Arbeitsverweigerung nutzlos wäre." Diese Resolution wurde nach längerer Debatte, in der die Sympathie mit den kämpfenden Bauarbeitern lebhaft zutage trat. angenommen._______ Hua der Partei. Ein» BcitriigSerhShung wird in Hamburg erfolgen. Vor einigen Wochen hatte die Dclcgicrteiivcrsaimnlung der Hain- burger Landeso rganisation beschlossen, über die von den Borftänden der drei Partcivereine angeregte Beitragserhöhung von 30 auf 40 Pf, pro Monat eine Urabstimmung stattfinden zu lassen. Das Abstiminimgsresiiltat liegt»un vor. In allen drei Kreisen wurde mit großer Mehrheit der �Beitragserhöhung zugestimmt. Für die Erhöhung votierten 2788. dagegen nur 774 Genossen. Die beinahe mit Vierfünftelmehrheit beschlossene Beitragserhöhung tritt mit dem 1. Juli d. I. in Kraft. Der Beitrag für weibliche Mitglieder beträgt nach wie vor 10 Pf. Bei den Gemeindewahlrn in F o r ch h e i m(Baden) erzielte die Sozialdemokratie 117—140 Stimmen, die Bürgerlichen siegten mit 154—179 Stimmen. Der.Bolksfreimd" erklärt, daß man«inst- weilen mit diesem Resultat zufrieden sein könne. Ein Grabdenkmal wollen die Genossen Baden? dem verstorbenen Genossen Anglist DreeSbach errichten. Der Vorstand des sozial- demolratischen Vereins für den 11. badischen Wahlkreis(Mannhcin,) ersucht, Beiträge zu diesen, Zwecke a» den Parteisekretär H. Schäfer in Mannheim. B. 8, 14 II zu richten, lieber die eingegangenen Gelder wird in der Mannheimer„VolkZstimme" und iin.Volks- freund" Luittung erteilt werden. Personalien. In die Redaktion der»Mainzer Volks- z e i t li n g" ist Genosse S ch i l d b a ch eingetreten, der vor kurzem mfolge des bekannten Konflikts aus der Redaltion der.Nordhäuser VollSzcitmig" ausschied. Sozialdemokratische Wahlerfolge in der Schweiz. In O e r l i k o n bei Zürich siegte bei einer Wadlbeteiligniig von zirka 80 Prozent unser Parteigenosse Faust mit 506 gegen 424 Stiinnien über seinen bürgerlichen Gegner bei der Gemeiiideratswahl. Vor 4 Wochen hatten bei den allgemeinen Wahlen unsere Genossen infolge nach- lässiger Wahlbeteiligung der sozialdemokratischen Wähler eine bedauerliche Niederlage erlitten.— In Strüttligen(Kanton Bern) siegten anl letzten Sonntag die sozialdemokratischen Kandidaten für die Stelle des Gcineindcpräsidciiteii mit 315 gegen 233 lind für die des GenieindeschrcibcrS mit 306 gegen 230 Stiinnien. Die beiden gewählten Genossen heißen Siegenthaler und Gerber. Damit hat die Arbeiterschaft im Kanton Bern den zweiten Gemeindepräfidenten erhalten. Auf dem außcrordcnilichcn Parteitage der sozialdemokratischen Partei des Kailtons Zürich, der am 23, Juni im Kasino Hottingen in Zürich stattfindet, werden die Genossen Manz über Organisation, Agitation und Taktik, Greulich über das Verhältnis von Griitli- vereinen und sozialdemokratischen Mitgliedschaften sowie über den intenlationalen Sozialisteilkongreß in Stuttgart referieren. Die sozialdemokratischen GemcindcratZmitgliedcr Hollands hiettei, am Sonntag in U treckt eine außerordentliche Bersamnilung ab. die sich mit de» bevorstehenden GemeinderatSwahlen beschäftigte. Mit Rücksicht aus die zunehmende Stärke der Partei, so führte der Vorsitzende Genosse T a k aus. würden überall Kandidaten zu den Geniciilderatswahlen aufgestellt und keine Kompromisse mit bürgcr- lichcn Parteien abgeschlossen werden, auch bei den Stichwahlen nicht, da die Sozialdemokraten grundsätzlich das klemere Hebel wählen würden. Wenn die Gegner meinten, daß da? sozialdemokratische Genicii, deProgramm nicht revolutionär sei, daß sie es linterschreiben könnten, so behaupte er. daß seine ganz- liche Erfllllliiig ganz bestimmt revolutionär wirken werde. Viele Gemeinden Hollands haben bereits monopolistische Betriebe in Geuicindevetrieb übernommen, sie sind aber ans Gas. Wasser, Elektrizität. Straßenbahn und Telephon beschränkt geblieben. Der nächstfolgende Schritt muß die Koinmuiialisierung der Milchlicfcrung sein und dann müssen wir weiter auf diesem Wege. Tausende Arbeiter und Beamte, deren Arbeitsbedingungen, Rechtsposition und Vereinignngsrccht von den Gemeiiiden abhängen, haben ein besonderes Jntercsse an der Vertretung der Sozialdemokratie in den Gemeinderätcn. Die Sozialdemokratie müsse bessere Elemente in diese bringen, auch mit Rücksickt ans de» Unterricht, der der best- möglichste»nd für alle zugänglich, sowie in gewissem Maße obliga- torisch sein müsse. Es wurden sodann verschiedene Fragen der Gemeindepolitik in Referaten und Diskussion besprochen. Beschlüsse wurden dazu nicht gefaßt. Dagegen wurde beschlossen, das Organ des Gemeiildc- Vereins womöglich noch vor nächstem Herbst als monatliche Beilage zuin Parteiorgan„Het Volk" erscheinen zu lassen. Ter Kongreß der italienischen Syndikalisten. Rom, 6. Juni. Am 14. Juni tritt in F e r r a r a der Kongreß der italieuischen Sundilalistcu zusainmei'. Zur Teilnahme werden zugelassen: die Delegierten von syndikalistischen Organisationen(ob sie der Partei angehören oder nicht), solche der gewerkschaft- lichcn Sektionen, die das syndikalistische Programm amiehmen und endlich die Delegierten der syndikalistischen Jngendorganisalionen. Auf der Tagesordnung steht a.: Bericht über die„Azione". Referent: Leone-Mantica.— Beziehung zwischen Shiidikalisten und sozialistischer Partei.— Syndikalistische Organisation und Propaganda.— Formen des gewerkschaftlichen Kampfes.— Kon- söderation der Arbeit.— Syndikalismus, Wahlkampf und parlamen- tariiche Aktion.— Arbciterschutzgcsetzgebung.— Syndikalistische Presse.— Antiklerikalismus.— Antimilitarismus.— Jugendorganisation. Von dieser übermäßig langen TageSordmmg dürste kaum die Hälfte zur Erledigung kommen. Das Hauptinteresse konzentriert sich auf den Bericht über die„Azione", auf die Beziehung zur Partei und die Stellung zur parlamentarischen Aktion. Wie es scheint, werden alle syndikalistischen Gruppen, außer der von R e a p el. den Kongreß beschicken. Labriola, der als Referent zum Punkt 7 bcstelll war, hat es abgelehnt, an dem Kongreß teil- zunehmen, da er ihn stir inopportun hält„nd auch in der Frage der„Azione" einen von dem der syndikalistischen Mehrheit ab- weichenden Staudpunkt einnimmt. polizeiliches, Gerichtliches ufo. Die Ehre des Schiihwlirenfabrikantcn. Halle, 8. Juni.(Privatdcpesche de?„Vorwärts".) Genosse Fröhlich vom„V o l k S b l a t t" wurde vom Schöffen- gcricht im Privatklageverfahren wegen Beleidigung des Schuhwaren- fabrikanten H a a s e in W e i ß e» f e l S zu zwei Pionateu Gefängnis verurteilt._ Strafkonto der Presse. Wegen Aufforderung zur Begehung einer strafbaren Handlung wurde Genosse Oskar Hoffmann von der „Freien Presie" zu Elberfeld vom Elberfelder Land- gericht zu 20 M, Geldstrafe verurteilt. ES handelte sich um den be- kannten, dem„Vorwärts" entnommenen Artikel„Aufhebung deS Verein SgesetzeS durch daS Kam mergericht", wegen dessen Genosse Weber vom„Vorwärts" und Genosse Wolters von der„Niederrheinischen VolkStribüne" zu Krefeld ebenfalls je 20 M. Geldstrafe zudiktiert erhielten. Der beleidigte Rabattsparverein. Auf ein Flugblatt des Rabatt- sparvereiiis zu Magdeburg gegen den dortigen Koiisnmverein hatte der Genosse Holzapfel im Austrage des KonsumvereinSvorstandes durch einen Handzettel ciitsprechend geantwortet. Der Vorstand des Rabattsparverein» klagte und Genosse Holzapfel wurde zu 30 M. Geldstrafe verurteilt. Die Presse vor der RevisionSiiistmiz. Wegen Beleidigung deS Schöffengerichts Remscheid ist Genosse G r ii tz von der„Renischeidei Arbeiterzeitung" zu 300 Mark G e l d st r a s e verurteilt worden Er hatte ein Urteil, das das Gericht gegen ihn fällte, kritisiert. Das Reichsgericht verwarf die Revision. Soziales. Szenen aus dem„Deutschen Kolonialhaiis". Recht erbauliche Dinge waren cS. die gestern gelegentlich ein« Masse n klage gegen Herrn Bruno Aiitelumiin in Firma.Deutsches KolonialhaiiS" vor der 1. Kammer des K a u fm a n n S g e r i ch t S zur Sprache kamen. Als Kläger traten zwei Geschäftsführer, zwei Verkäufer und ein Reisender ans. Sie ivarcii sämtlich auf eine bestimmte Probezeit engagiert worden, aber schon nach wenigen Tagen wurden sie„wegen Unbotmäßigkeit oder Widerstandes gegen die Verfügungen des Prinzipals" vor die Tür gesetzt. Die Maßregeluiig traf die Angestellten um so schiverer, als sie meist von A. aus der Provinz engagiert wurden und mit den Berliner Ver- Hältnissen noch gänzlich unvertraut waren. Wie erst jüngst ein Ehe- paar auf A.S glänzende Versprechungen hin seinen Haushalt i» Dessau auflöste und dadurch Tausende verlor, daß eS nach wenige» Wochen zum Bruch kain, so hatten auch diesmal die Kläger gute Stelluiigen in Guben, Dortmund, Striegau usw. aufgegeben, um in der Rcichshauptstadt eine Position einzutauschen, die ihnen stets als»iberauS aussichtsreich geschildert wurde. Der Freude über daS großartige Berliner Eiigageineul folgte dann die Enttäuschung nur zu bald.— Am anschaulichsten schilderte daS ganze Milieu im Hause Antelmanii der erste Kläger, der GeschäftSsührel Eugen von B., der wegen 117 M. Restgehalt klagte. Am 18. März bekam er eine Rohrpostkarte, daß er sich-zch am selben Tage nachts 12 Ilhr vorstellen solle. Er wurte denn auch als BertraucnSperson für de» Reslauratioilsbetrieb engagiert. hatte aber gleich in den ersten Tagen seiner Tätigkeit die Eiiipfindilng, als b e f i n d e er s i ch i n einem T o l l h a u S, nicht in einem Geschäftsbetriebe. In seiner 30jährigcn Tätigkeit sei er nie auf ähnliche Zustände gestoßen. Wegen der geringsten Geschehnisse geriet Herr Antelmanii in Ekstase. So halte ein Kellner zu eine», Büffettmädchcn„Lieschen" gesagt; A, machte ihm die heftigsten Vorwürfe, wie er al» Geschäfts- fghrer so etwas dulden könne. Gemeinhin war Herr A. für das Personal nicht zu sprechen, er erteilte am Tage mir wenige Stunden seine„Audienzen". Eines Abends wurde er vom Chef auch„zur Audienz befohlen" und mußte eine Viertelstilnde wie ein dummer Junge warten, während Herr A. zwei N c g e r j u u g e n französische Vokabeln abhörte. Am nächsten Tage hatte wiederuni terr A. nach ihm verlangt und die EiupsangSdame hatte ihm die ür zum Eintreten in den Eiiipfangsrauin geöffnet. Wie ein Rasender schrie ihn Ll. an, wie er dazu komme, un- angemeldet einzudringen, und ließ ihn durch einen Diener aus dein GcschäftSlokal tveisen.— Der GerichtSdof riet in dieser Sache zum Vergleich, der auch iu Höhe von 70 M. zustande kam. Ebenfalls erzielte der Beklagte einen V e r- gleich in Höhe von 10(1 M. bcztv. 75 M. in den Klagen des Ver- käuferS M. und des GeichäftSführers Sk., welche Vergleiche gleich- falls vom Gericht angeregt wurden. Im erstcren Fall- hatte der Kläger nach der Probezeit stillschweigend weitergearbeitet, und die Mazorität der ersten Kammer vertrat die Ansicht, das Engagement sei nach abgelaufener Probe nicht in ein festes umgewandelt, da es Sache des Klägers gewesen wäre, au den Beklagten heranzutreten und mit ihm wegen der weitereu Tätigkeit sich zu verständigen. Dadurck. daß Beklagter den Kläger 19 Tage nacl, Ablauf der Probezeit stillschweigend weiterbcschästigt habe, werde die Rechtslage nicht geändert. In den beiden letzten Klagen erzielte Antelmann die Ab- Weisung der Kläger. Die Weigerung des Verkäufers Z.. eine Kiste mit Datteln aus dem Keller zu holen, wurde als berechtigter Entlassungsgrund angesehen! Des- gleichen die Weigerung des Stadtreisenden K., n a ch Vz7 Uhr abends dem Chef Bericht zu erstatten, obgleich seine Tätigkeit im Vertrag ausdrücklich von 8�-6'/» Uhr festgesetzt war! Interessant war aus dem Geschäftsbetriebe des„Deutschen Kolonialhauses' noch, daß Herr A. feine Wünsche von Zeit zu Zeit dem Personal durch schriftliche„Verfügungen' kundgibt, daß sich die Verkäuferiunen auf etwaige Entwendungen hin einer ständigen Leibesvisitalion unterziehen lassen müssen, und daß ein ausgedehntes Strafsystem besteht. Wer in der Telephonzelle das Licht auszudrehen vergißt, muß 50 Pf. Strafe zahlen, wer das Klosett beschmutzt, 75 Pf. usw. Das Drängen des Berliner KaufmannSgerichts auf Abschluß den Gchülfen ungünstiger Vergleiche und anlifozialer Erkenntnisse wie die vorerwähnten, zeigen, daß die Rechtsprechung des Berliner Kauf- mannsgerichts keineswegs den Charakter einer sozial gerechten Recht- sprcchuug trägt. An den Handlungsgchülfcn selbst liegt es, durch zahlreicheren Beitritt zum Zentralverband der Handlungsgehülfe» und Handlungsgehnlfinnen, Neue Königstr. 36. Mißstände wie die erörterten für die Zukunft unmöglich zu machen. Feiertagsruhe im Böckergewerie. Die Gauleitung des Deutschen Bäckerverbandes für Bayern fordert von den Behörden eine Erweiterung der Feiertagsruhe- bestimmungen in der Weise, daß an den hohen Festen vom ersten Feiertag früh 8 Uhr bis zweiten Feiertag abends 10 Uhr Gehülfen und Lehrlinge in den Bäckereien nicht beschäftigt werden dürfen, also eine ununterbrochene 38stündige Ruhezeit eintritt. Gegen diese Forderung liefen die Unternehmerorganisationen— und zwar nichl bloß die des Bäckergewerbes, sondern auch andere, wie die Handels- kammern usw.— Sturm, aber bei der oberfränkischen Kreisregie- rung hatten sie keinen Erfolg. Wie im Magistrat Bayreuth mit- geteilt wurde, hat die Regierung den Antrag der Gauleitung ge- nehmigt._ Wo war die Gewerdemspektiau? Im Jahresbericht der Gewerbeinfpcktoren für das Jahr 1900 widmet der Beamte von Düsseldorf den drei im Bezirke vorhandenen Thomasschlackenmühlen ein besonderes Kapitel— Seite 406—77— aber von mangelhaften Schutzvorrichtungen weiß er nichts mitzuteilen. Kleinigkeiten können ja schließlich übersehen werden, daß eine ganze Betriebseinrichtung den Anforderungen für die Sicherheit des Lebens der Arbeiter nicht entspricht, sollte aber völlig ausgeschlossen sein. Daß das jedoch nicht der Fall ist, hat ein Unfall auf dem Fintroper Werk dargetan. Wie aus Esten gemeldet wird, hat das Fintroper ThomaSschlackenmahlwerk auf behördliche Anordnung den Betrieb einstellen müssen, nachdem infolge mangelnder Schutzvorrichtungen glühende Schlacken auf einen Arbeiter gefallen waren, der dadurch verbrannte. Daß so etwas vorkommen kann, ist natürlich nicht die Schuld der einzelnen Beamten; dieie sind meist überlastet. Die Hauptschuld trägt da? System selbst. Das System taugt nichts. Die G e- Werbeinspektion wird er st dann ordentlich funk- tionieren können, wenn den Beamten Assistenten aus den Reihen der Arbeiter beigegeben werden. Sin abgewiesener Konkurrenzklauselprozeß. DaS Kaufmannsgericht in Nürnberg hatte sich dieser Tage mit einer Konkurrenzklauselklage zu befassen. In dem Hut- und Schirm- geschäft Heise! war seit 1897 ein Fräulein Liebcl als Verkäuferin tätig. Sie erhielt monatlich 35 M. und l'/o Proz. des Umsatzes, zusammen jährlich 1300—1400 M. Der Anstelluiigsvertrag enthielt auch die Konkurrenzklausel, worin bestimmt war, daß die Ver- käuferin innerhalb zweier Jahre nach allen- fallstgem Austritt in kein Konkurrenzgeschäft eintreten, noch «in solches gründen oder sich an einem solchen beteiligen dürfe. Für jeden Fall der Zuwiderhandlung war eine Konventionalstrafe festgefetzt. Nun erhielt die Verkäuferin eines Tages von Heifcl einen Brief aus Weilheim, wo sich das Hauptgeschäft befindet; darin wurde Bezug genommen auf die neueste Bestimmung,„ach der jeder Verkäuferin eine Pause von !>/» Stunden zu gewähren ist. Da der Laden während dieser Zeit nicht geschlossen werden könne, solle fie entiveder aus eigenen Mitteln eine Hülfskraft einstellen oder auf die Pause verzichten und den Kontrollbeamten sagen, daß sie abgelöst werde. Diese Zumutung brachte sie derart auf, daß sie dem Unternehmer eine erregte Antwort gab, die dieser als Anlaß bemitzte, ihr zu kündigen. Als daö Fräulein dann in Nürnberg selbst ein ähnliches Geschäft aufmachte, verlangte er die 1000 Mark Kon- ventionalstrafe. Das Kaufmannsgericht wies feine Klage ab unter Berufung auf den Z 75 des Handelsgesetzbuches. der bestimmt, daß eine Konvenlioualstrafe nicht zu zahlen sei, wenn der Prinzipal selbst daö Dienstverhältnis kündige, ohne daß der Angestellte hinreichenden Anlaß dazu gegeben habe. Ein solcher Anlaß sei aber durch die entschiedene Abweisung der Zumutungen des Klägers nicht gegeben. Ein KonsumvereinSleitcr vor Gericht. Am 13. Juni 1906 geriet der Konsumvereiii Karlsruhe in Konkurs. Die Passiven betrugen 416 984, die Aktiven 374 312 M. Der frühere Geschäftsführer, der Kaufmann Wilh. Stößer, wurde Mitte Juli 1906 verhaftet und bis zum Februar dieses Jahres in Untersuchungshaft gehalten. Am 7. Juni fand vor der Strafkammer Karlsruhe die Verhandlimg gegen Stößer statt. Die Anklage lautete auf einfachen Bankrott und Vergehen gegen das Genossenschaftsgesetz. Stößer sollte schon in der Bilanz von 1904 ein-u Posten von 21000 M. an Wein eingesetzt haben, fiir den keine Deckung vorhanden war. Im Jahre 1904 sollen Warengutscheine an Stelle der Dividende ausgegeben worden sein, obwohl ein Reingewinn nicht vorhanden war. Weiter legte ihm die Anklage zur Last, daß er bei der Hauptinventur am g. Januar 1906 Juveuturzettel auk dein Wege vom Warenlager zum Kontor abgeändert bezw. gefälscht habe, um den Stand des Gc- schnfls günstiger erscheinen zu lasten. Auch soll er sogenannte Um- buchungen vollzogen haben imd endlich sei der Konkurs zu spät an- gemeldet worden, da bereits Ende Dezember 1005 der Verein konkursfällig war, die Konkursanmelduug aber erst im Juni 1006 erfolgte., Ein erheblicher Zeugenapparat bestätigte zum Teil, daß in bezug auf die Buchführung manches verabiäumt worden sei. Da- gegen wurde betont, daß Stößer keineswegs sich Person- l i ch e Vorteile sichern wollte. Das Leitmotiv wchfr, die KonlurSanmeldung zu vermeiden und den Mitgliedern ihre Hans- anteilscheine, Spareinlagen und Geschäftsanteile zu retten. Kredit war nicht mehr vorhanden, auf der schiefen Ebene des Borgens siel man den Liescrauten auf Gnade und Ungnade in die Hände und schließlich stellte man im Januar 1900 eine Unterbilauz von über 20 000 M. fest. Ein letzter entscheidender Schritt wurde gewagt; mittels der Darlehen benachbarter Konsumvereine, Lieferung von Waren durch die GroßemkaufSgesellschaft, Verzichtleistung einer An- zahl Mitglieder ans ihre Spareinlagen, Wechsel in der Geschäfts- leitung und endlich größere Anteiliiahme der organisierten Karls- ruher Arbeiterschaft an dem Warenbezug sollte die Sanierung be- werkstelligt werden. Der Versuch schien zu gelingen, Nach fünf Monaten erwies er sich als Täuschung. Was in früheren Jahren gesündigt worden war— der Verein hatte 1902 1719, 1905 um noch 1363 Mitglieder— konnte in wenigen Monaten nicht gut gemacht werden; der Zusaininbruch ivar fertig. Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von einem Jahr. DaS Urteil lautete auf drei Monate Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft für verbüßt erklärt wurden. Des einfachen Bankcrotts wurde Stößer für schuldig erlanut. von der Anklage, die Konkursanmeldung zu spät vollzogen zu haben, freigesprochen. Der Prozeß mahnt daran, daß die Koiisumvereiiie in dem Ertverb und der Herstellung von eigenen Gebäulichkeite» vorsichtig sein»liissen. Die Schtvierigkeiten begannen in Karlsruhe in dem Augenblick, als man ein eigenes Warenlager und eine große Bäckerei herstellte. FortbildnugSschulpfiicht und Stundenplan. Z 142 der Gewerbeordimug bestimmt:„Statutarische Bc- stimmungen einer Gemeinde oder eines weiteren Kommunal- Verbandes können die ihnen durch da? Gesetz überioiesenen gewerb- lichen Gegenstände mit verbindlicher Kraft ordnen. Dieselben werde» nach Anhörung beteiligter Gewerbetreibender und Arbeiter abgefaßt, bedürfen der Genehmigung der höheren Verwaltmigsbehörde und sind in der für Bekanntmachungen der Gemeinde oder des weiteren Konummalverbandes vorgeschriebenen oder üblichen Form zu veröffentlichen.' DaS Kammer- g e r i ch t entschied in einem Strafverfahren gegen de» Bäckermeister Dölling aus Bochum, der das OrtSstatut'über die Fortbildungsschnlpflicht übertreten hatte, daß jene zitierte Vorschrift über da§ Zustandekommen der Orlsstatuten auch beim Zu- st an bekommen des Stunden planes befolgt iv erden m ü s f e. Unterbleibe das,>v i e in Bochum, dann bestehe trotz der entsprechenden Vorschrift des„OrtsstamtS an sich' keine Pflicht zum Besuch der Schulstunden. Aus diesem Grunde sei der Augeklagte vom Landgericht mit Recht freigesprochen worden von der Beichuldigung, den Lehrling nicht zum Besuch der Schule angehalten zu haben. Demnach müßten die einzelnen Gemeinden revidieren, ob die Vorschrift des Z 142 der Gewcrbcordming auch nach dieser, wie uns scheint, zu weit gehenden Auslegung des KaminergenchtS beobachtet ist, ob also die beteiligten Arbeiter und Gewerbetreibenden auch über den Stundenplan gehört sind. Eue Xnduftrie und fjandel Grschäftslase im Zemcutgcuicrbe. Je mehr Zementfabriken ihre Geschäftsergebnisse für das Jahr 1906 veröffentlichen, desto deutlicher wird die außerordentliche Prosperität, deren sich die Zenieni- industrie im letzten Jahre erfreute. Nachdem sich für die Gesell- schaflen, die im Monat März über ihren Geschäftsabschluß berichteten, eine DurchschiiittSvcrzinsung von 12,0 gegen 8,4 Prozent auf rund 49 Millionen Mark Aktienkapital ergeben hat, haben im April weitere 10 Zementwerke mit l9,4 Millionen Mark ihre Bilanzen veröffentlicht, die eine durchschnittliche Verzinsung des Aktienkapitals von 10,5 gegen 4.4 Prozent im Vorjahre ausweisen. Bei diesen letzteren Gesellschaften hat also die Rentabilität die vorjährige um weit mehr als das Doppelte überholt, ivährend sie bei den erstcren um zirka 4 Prozent höher war. Au§ diesen Ziffern läßt sich mit einiger Sicherheit auf die Gefamtrentabilirät in der Zement- Industrie schließen, die demnach im Jahre 1906 eine außerordentlich günstige tvar. Biömarckhütte. Wie gemeldet wird, wird die BiSmarckhütte bei erheblich höheren Abschreibungen für das Jahr 1906/07 25 Proz. Dividende verteilen gegen 22 Proz. im Vorjahre. Die HandelSgesetzgebnng und die Konsumgenvstcnschaften in Norwegen. Dos norwegische OdclSthing beschäftigt sich gegenwärtig mit der Beratung eines neuen Handelsgesetzes. Am Dienstag wurde über einen Paragraphen beraten, der den Handeltreibenden und damit auch den kooperativen Gesellschaften verbietet, in ein und derselben Kommune mehr als eine Verkaufsstelle zu haben. Unser Parteigenosse Dr. Eriksen stellte hierzu im Namen einer Komiteeminderheit den Aenderungsantrag, daß kooperative Gesell- schaften das Recht haben sollten, in der Kommune mehr als eine Acrkaufsstelle für ihre Mitglieder zu haben. Der Antrag wurde mit 64 gegen 26 Stimmen angenommen; jedoch wurden noch zwei Zusatzanträge angenommen, die besagen, daß kooperative Gesell- schaften, wenn sie mehr als eine Verkaufsstelle errichten, nnr an ihre Mitglieder verkaufen dürfen und für jede Verkaufsstelle einen Handelsbrief lösen müssen. Russische Beamlenuntreue in Uecklenburg. Telegraphischer Bericht.! Schwerin, 8. Juni. > 5. Bcrhandlnngstag. Bei Eröffnung der heutigen Sitzung richtet der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Schmidt an das Publikum die Bitte, seiner Stimmung nicht allzu laut Ausdruck zu geben. DaS entspreche nicht dem Ernste der Situation, da es sich hier nicht um ein Lust- spiel, sondern um ein Trauerspiel handle. Wenn aber so häufig das Rubrum: Heiterkeit in den Prozeßberichten erscheine, so könnte ein solcher Eindruck nach außen erweckt werden. Sachverft. Ober- landesgerilbtSsekretär Kolz bestätigt die Angaben der Angeklagten Müller, Hinzpeter und Drüdigam, daß die Rechnungen höher auS- gestellt wurden, als es den laut Kontobüchern gelieferten Waren entsprach. Bei der Berechnung des Schadens stellte er fest, daß im ganzen bei der Wurst Aufschläge von 1740 Kilogramm im Werte von 2935 M. gemacht wurden. Ob auch bei anderen Fleischsorten Aufschläge stattfanden, ist nicht besonders ermittelt worden. Dazu kommt der Schaden für die Anstalt infolge falscher Fleischbercch- nungen, und dadurch, däß der Ausschlag bei Schmalz im Brutto- gewicht wiederholt als volles Gewicht in Rechnung gestellt wurde. Es wird nun zu den weiteren Betrugsgruppen übergegangen, die sich Hofschlächtcrmeister Wilck nach der Anklage zuschulden kommen ließ, nämlich: 1. Die Ansehung höherer als der kontraktmäßig festgesetzten 2. die Lieferung geringerer Fleischoualitätcn. Nach dem Kontrakt war die Lieferung von drei Sorten Fleisch vereinbart. Bei Kalbfleisch z. B., das zunäckist hier in Frage kommt, wurde unterschieden: Kalbfleisch zu 70 Vf., Kalbsbraten zu 1,50 M., Kalbskarbonade und Schnitzel zu 1,60 M. Nach der Anklage ist aber Kalbfleisch meist als Kalbsbraten berechnet worden. An- geklagter Wilck behauptet, daß er dazu berechtigt war. Es habe sich eigentlich nur um die Teilung zweit- und drittklassigen Fleisches gehandelt.— Vors.: Nach dem Kontrakt werden drei Sorten unterschieden. Wenn eine Dame in Ihren Laden kommt und Kalbsfrikassee verlangt, was fordern Sie von ihr?— Angekl.: 80 Pf.— Vors.: Wenn eine Dame Kalbsbraten verlangt, was kostet das?— Angekl.: 1 M.— Bors.: Wie kommen Sie denn dazu, der Anstalt Sachsenbcrg einen Einheitspreis für Braten zu berechnen?— Angekl.: Weil für die zweite Klasse immer Braten- fleisch verlangt wurde. DaS gewöhnliche Fleisch war nur für die III. Klasse. Das war bei Rindfleisch genau so.— Bors.: Drehen Sie sich doch nicht im Kreise herum. Wenn Sie es bei Rind- fleisch auch so gemacht haben, so wäre ja daß eine ganz neue Uebervorteilung von Ihnen. ES war ja im Wochenzettel gar nicht angegeben, für welche Klasse Sie liefern sollten, es hieß doch nur z. B. 45 Kilogramm Frikasseefleisch.— Angekl.: Das wußte ich schon, daß es für die II. Klasse war.— Vors.: Geben Sie also zu, daß Sie für gewöhnliches Kalbfleisch Bratenpreise in Rechnung gestellt haben?— Angekl.: Jawohl, mit vollem Recht.— Vors.: Aber durchaus gegen den Kontrakt, denn wozu hatte man denn drei Sorten unterschieden? Angekl. Schultz» gibt zu, daß alles Fleisch für die erste und zweite Klasse als Bratenfleisch berechnet wurde. Eigentlich sei das ja nicht richtig gewesen. Ich meine aber, daß ich auch einige Male monierte, daß daö Frikasseefleisch zu hoch berechnet sei.— Vors.: Weshalb haben Sie es denn attestiert?— Angekl. Schultz»: Wilck sagte, daß er bei den Submissionspreisen nicht besteben könne.— Vors.: Na ja, Sie waren ja wohl in der Hand deS Wilck?— Schultze: Ja.— Vors.: Sie geben wohl zu, daß Sie damit dem Wilck widerrechtlich bedeutende Borteile zukommen ließen.— Schultze: Jawohl.— Angekl. Wilck: Ich habe den Braten- preis in der Submission nur deshalb gestellt, weil ich annahm, daß ich auch Kalbsfrikassee zum Bratcnpreis berechnen könnte. Sonst hätte ich nicht zum Preise von 1,30 bis 1,ö0 M. Kalbsbraten einschließlich Keule liefern können. Der Angekl. Hinzpetcr gibt an, daß er zuerst Frikassee extra gebucht habe, bis ihm gesagt wurde, es solle alles als Braten gebucht werden.— Vors.: Sie bekamen doch auch eigene Ver» pflegung zweiter Klasse; fiel Ihnen da nicht auf, daß eS kein Braten war?— Angekl.: Nein, das war ja alles mit einer Sance gekocht.(Heiterkeit.) Ich habe selten davon gegessen, sondern fuhr meistens nach Schwerin zu meinen Eltern.— Vors.: Warum mochten Sie denn das Essen nicht?— Angekl.: Weil es zu schlecht war.— Vois.: Das Fleisch war wohl schlecht?— Angekl.: Nein, die Zu« bcrcitung schmeckte absolut nicht. Angekl. Wilck: Wenn er, wie es die Auflage wünsche, be» rccbnet hätte, hätte er in den ganzen Jahren mindestens 50 000 M. an Kalbfleisch zugesetzt. Nach dem Zusammenbruch habe er für Frikasseeflcisch mehr bekommen als vorher für Frikassee mit Braten zusammen.— Ter Staatsanwalt stellt fest, daß bei Uebernahme der Lieferungen durch den Angeflagtcn tatsächlich Frikassee als gewöhnliches Kalbfleisch berechnet wurde.— Als Sachverständige zu diesem Punkte werden die Schlächtermeister Lexow und Arnholz aus Schwerin sowie der jetzige Magazinverwalter in Sachsenberg Sckmidt, ein gelernter Schlächter, vernommen. Lexow und Schmidt erklären: Wenn man im Laden Frikassee verlange, so verstehe man darunter allgemein Kalbfleisch. Es komme ja auch vor, daß mau Keule und Karbonadenstücke als Frikassee verlange, aber das müsse dann extra gesagt werden Sonst werde für Frikassee Brust, Nacken und Bauch des KalbeS verwendet, während zum Kalbsbraten Krnle/ und Rücken verwendet werden Wenn nicht besonders feinere Stücke vereinbart werden, müßte Frikassee als Kalbfleisch berechnet werden. Die Berechnung zu den höheren Bratenflcisch- preisen sei nicht berechtigt.— Sachverft. Aruholz wendet ein, daß bei Kalbfleisch auch Vorderbeine und blutige Nackenstücke mit hiueingetan werden, während das bei Frikassee nicht der Fall sei. — Sackwerst. Lexow gibt noch an, daß er jetzt Lieferant für Sachscnberg sei. Wenn Frikassee verlangt werde, so betrachte er es als dasselbe wie Kalbfleisch, es sei denn, daß besondere Stücke vereinbart werden. Wenn Karbonaden dazwischen sein sollen, so halte ich mich nicht für berechtigt, den BratenslcischpreiS zu berechnen, dann müßte jede Sorte für sich berechnet werden. Der Preis für einfaches Frikassee ist derselbe wie für Kalbfleisch, er beträgt in den letzten Jahren 80 Pf. pro Pfund. Die sackiverständigen Schlächtermeister geben noch an, daß die Siibmisüonspreisr des Angekl. Wilck außerordentlich niedrige seien. Kalbfleisch für 70 Pf. sei man bei den gegenwärtigen Fleisch» preisen gar nicht imstande zu liefern.— Obcruledizinalrat Tr. Martusch, Direktor der Landcsirtenanstolt Sachscnberg, gibt an, daß die Anstalt bis 188? Zuschüsse brauchte. Von dieser Zeit an hatte sie steigende lleberschüsse, die aber 1808 aufhörten und sich!>>.>drr'n isii'chüsse verwandelten. Der böchsle Zuschuß mußte im Jahre 1903 geleistet werden, er betrug 55 000 M. Zeuge führt ober verschiedene Faktoren an, welche diese Zuschüsse bewirkt habe» könnten, einmal die schwankende Zahl der Kranken, dann die Ver» bcsserung der Einrichtungen, Neuanschaffung von Wäsche usw., die Erhöhung der Gehälter, die Vermehrung des Wärterpersonas, be» sonders aber die Verbesserung der Kost. So wurde die Margarine für die dritte Klasse abgeschafft. Dadurch sei wohl ein großer Teil der Zuschüsse zu erklären. Der letzte Rest der Zuschüsse, vielleicht 15 000 M., sei einmal durch die Verteuerung der Lebensmittel, weiter durch die hier in Frage stehenden Veruntreuungen zu er» klären.— Vors.: Der Angeklagte Wilck sagt, daß Sie zu ihm von anonymen Briefen gesprochen hätten.— Zeuge: Mir ist nichts von anonymen Briefen bekannt, ich würde davon auch nie zu einem Lieferanten sprechen; am allerwenigsten aber würde ich mich durch anonyme Briefe bestimmen lassen, Lieferungen anderweitig zu vergeben. Mir war allerdings aufgefallen, daß sehr große Braten» rcchiiungö.i vorgelegt wurden und wenig Kalbflcischrechnungen, während eigentlich daS Umgekehrte der Fall sein müßte. DaS veranlatzte mich auch, 1905 eine Aenderung der Lieferungen vor» zimchmcii, indem ich seitdem ganze Tiere liefern lasse. Höher« Preise, als kontraktlich festgesetzt, hätte ich Wilck niemals zuge- billigt. Vor der letzten Submissionsvergebnng im Sommer 1905 kam mir zu Ohren, daß Schultze ein hohes Konto bei Wilck habe. Ich fragte Wilck, ob Schnitze bei ihm ein unbeglichenes Konto hätte, was Wilck strikt verneinte. Ich hätte sonst an Wilck gar nicht mehr die letzte Submission vergeben.— Bert. Jnslizrat Sello: Die dritte Klasse erhielt, wie feststeht, seit Jahren kein Kalb» fleisch mehr, der Speisezettel für die zweite Klasse führt aber nur Kalbsbraten auf.— Zeuge Ober-Mrd.-Rat Martusch: Da» habe ich nie angeordnet; ich wollte im Gegenteil immer Ab» wechselung in den Speisen haben.— Bors.: Wenn man Kalbfleisch nicht geben wollte, brauchte man es doch nicht in der Submission auszuschreiben.— Sachverft. Kolz stellt fest, daß seit 1899 Kalb» fleisch überhaupt nicht mehr in den Rechnungen vorkomme.— Bert. Sello: Wurde Ihnen auch der Speisezettel vorgelegt?— Zeuge Ober-Med.-Rat Martusch: Jawohl.— Bert. Sello: Ist Ihnen entgangen, daß die ganzen 7 Jahre hindurch dieses nach ihrer Ansicht für die Abwechselung wesentliche Nahrungsmittel auf dem Speisezettel der dritten Klosse ausgeblieben ist?— Zeuge: Da» kennte nicht übersehen werden. Es erscheint dann als Zeugin Frau Hofschlächtermeister Elisabeth Wilck» die Ehefrau des Angeklagten Wilck. Sie erklärt, daß sie aussagen wolle. Frau Wilck hat im Kontor und Geschäft ihre ManneS mitgeholfen, aber mit dem Abwiegen hat sie nichts zu tun gehabt. — Vors.: Die jungen Schreiber in Sachscnberg haben von Ihrem Manne Geld bekommen?— Zeugin: Ja, für die Arbeit des Kolla- tiemicrenS mit unseren Büchern und dafür, daß sie danach die Rechnungen ausstellten.— Vors.: Wieviel bekamen die Schreiber? — Zeugin: DaS weiß ich nicht.— Bors.: War nicht auch die Rede davon, daß Aufschläge gemacht werden und höhere Beträge in die Rechnungen kommen sollten?— Zeugin: Das halte ich für ausgeschlossen.— Bors.: Sie toissen also nichts davon?— Zeugin: Nein.— Bors.: Der Angekl. Müller hörte aber, wie Sie äußerten, daß der Hinzpeter so schnell in die Fußtapfen dcv Brüdigam getreten sei.— Zeugin: Ich halte daS für ausgeschlossen. — Bors.: Aber Müller sagt eS doch; war er nicht ihr Vertrauens» mann?— Zeugin: Ja, ich halte es aber für ausgeschlossen.— Vors.: Haben Sie sich nicht bei Müller nach der Höhe der Auf- schlage erkundigt?— Zeugin: Nein.— Vors.: Angekl. Müller, wie ist das?— Angekl. Müller: Frau Wilck fragte, wie hoch Brüdigam die Aufschläge mache, man müsse daS doch wissen.— Zcngin: Ich weiß nichts darüber.— Vors.: WaS geschah denn mit den alten Büchern?— Zeugin: Die habe ich unter dem Wurst» kesscl verbrannt, bezw. durch die Leute verbrennen lassen. Es waren das Kladden und alte Hauptbücher.— Bors.:_ Weshalb taten Sie es denn? Man bewahrt doch alte Schuldenbücher auf. ■— Zeugin: Ich hielt die Bücher für wertlos, sie waren vollge»» fdjrteBeit und die Konken bezahlt.— Vors.: Haben Sie Ihren Mann danach gefragt, ob Sie es tun sollten?— Zeugin: Ich glaube nicht.— Bors.: Nun fällt aus, daß für November aus einem der Bücher das Schuldkonto des Angekl. Schultzc fehlt und daß bei den wiederholten Durchsuchungen dieses Buch nicht gc- funden wurde.— Zeugin: Das weiß ich nicht.— Bors.: Die Bücher müssen doch dagewesen sein. Das Verschwinden der Bücher musz zu der Zeit erfolgt sein, als schon der Zusammenbruch in Sachsen- berg stattfand.— Zeugin: Ich weiß das nicht.— Vors.: Sind nicht auch Seiten aus einem Buche herausgerissen?— Tie Zeugin schweigt.— Bors.: Hier ist ein Hauptbuch, das fängt mit Seite 17 an; Zlngeklagter Wilck, wie ist das?— Angekl. Wilck: Ich habe mich um die Schreibereien nicht gekümmert. Ach so, ja, der Unter- snchungsrichter hat einmal einige Seiten ausgerissen.— Ober- landesgerichtsdirektor Kolz bestätigt das.— Zeugin Wilck gibt noch an, es sei richtig, daß Schnitze nur einige Male bezahlt habe und dann immer das Fleisch schuldig geblieben sei.— Bors.: Sie können uns also über dieses eine Buch, aus dem die Schuld des Schultze hervorgeht, keine Auskunft geben?— Zeugin: Nein.— Vors.: Angekl. Müller, ist das, was Sie über Frau Wilck gesagt haben, die Wahrheit?— Angekl. Müller: Jawohl.— Frau Wilck wird darauf für heute entlassen. Zeugin Köchin Schwarz hat gesehen, daß Frau Wilck am Tage der Verhaftung des Wilck Papiere verbrannte. Ob auch Bücher dabei waren, weiß sie nicht.— Zwei weitere Zeuginnen be- künden, daß Herr Wilck Bücher zum Verbrennen gab. Es wird dann zum nächsten Anklagepunkt wegen Betruges übergegangen. Er betrifft die Lieferung von Schnuten und Poten (Schnauzen und Pfoten), welche von Wilck als Schweinefleisch zum Preise� von 1,1l) M. berechnet wurden, während der Laden- preis 60 Pf. betrug.�— Angekl. Wilck erklärt, daß er von dieser Sache gar nichts wisse.— Bors.: Sie haben doch aber zum Unter- suchungsrichter gesagt:„Ich weiß gar nicht, wie das kommt, daß 1,10 M. berechnet wurden, es mußte doch wie Eisbein zu 80 Pf. berechnet werden". Dann sagten Sie, der Ladenpreis sei 60 Pf. und fügten hinzu:„Aber das können Sie mir doch wohl gönnen, daß ich da etwas schärfer antreibe."— Angekl. Wilck: Ich erinnere mich nicht, so etwas gesagt zu haben. Aber ich war ja nervös und bei den ersten Vernehmungen antwortet man ja mal sowas. Vielleicht bin ich auch mißverstanden worden. Der Herr Unter- snchungsrichter und ich konnten uns überhaupt nicht gut vertragen. — Bors.: Das glaube ich Ihnen schon.— Angekl. Hinzpctcr gibt an, daß ein Oberwärter vorgeschlagen habe, Schnuten und Poten auf dem Speisezettel aufzunehmen, weil das doch ein schönes Essen sei. Es wurde dann aus den Speisezettel gesetzt: Pökelfleisch (Schnuten und Poten) mit Erbsen und Sauerkohl.— Bors.: Nun, das ist ja auch ein schönes Essen.— Angekl. Hinzpeter: Ich fragte dann Herrn Schultzc, wie das berechnet werden sollte. Da sagte er, es sei ja etwas angcpökclt, das müßte teurer berechnet werden, ich sollte es als Schweinefleisch aufsetzen. Wilck und Müller habe ich davon nichts gesagt; es ist möglich, daß sie nichts davon wußten.— Sachverst. Kolz stellt fest, daß in den Jahren 1903 bis 1905, in denen Schnauzen und Pfoten bezogen wurden, im ganzen 1355 Kilogramm davon verwendet wurden.� ES wurde mit 1,10 bis 1,20 M. zum Submissionspreis für Schweinefleisch bezahlt. Dem Wilck seien aus diese Weise 805 Mk. zuviel gezahlt worden. — Staatsanw.: Schultze kann das doch unmöglich in dieser Form gesagt haben, denn er hat mehrfach vor dem Untersuchungsrichter erklärt, das sei ein unverschämter Preis gewesen.— Angekl. Wilck: Ich weiß gar nichts davon, was Müller in Rechnung gestellt hat. Ich habe mehr zu tun gehabt, als mich um die Schnuten und Poten für Sachsenbcrg zu kümmern.(Lachen im Publikum.) — Bors.: Solche Witze unterlassen Sie!— Angekl. Wilck: Ich wollte nur sagen, daß ich ein großes Geschäft habe und mich nicht um alle Kleinigkeiten kümmern kann.— Bors.: Dann machen Sie aber nicht solche schlechten Witze! Sie haben immerfort Ausreden: ich habe mich nicht darum gekümmert, das konnte ich nicht wissen usw. Es muß einen doch Wunder nehmen, daß Sie gar nichts gewußt haben von Ihrem Geschäft.— Angekl.: Wenn Sie wissen würden, wie groß mein Geschäft ist, dann würde Sie das gar nicht wundern, Herr Vorsitzender! Sehr interessant gestaltet sich die Vernehmung über die Vorzugspreise der Beamten. Vors.: Ich sehe nicht ein, inwiefern die Vorzugspreise für Skc Beamten, die doch dafür bezahlen mußten, hier in Zusammenhang stehen mit dem Nichtbczahlen des Angekl. Schultze, das fünf Jahre hindurch währte.— Bert.: Das ist doch nur ein Unterschied in der Ouantität.— Bors.: Wollen Sic denn sagen, daß der Vorzugspreis als Kanon auf dem Geschäft des Wilck lag?— Bert.: Jawohl.— Angekl. Müller: Herr Lbermedizinalrat Martusch bezog das Fleisch für 40 Pf. das Pfund, Braten einschlicstlich Filet für 50 Pf. Für Delikatessen bezahlte er etwas mehr, bis zu einer Mark das Pfund. (Große Bewegung.) Rcndant Frese hat sein Konto selbst geführt, bczw. seine Frau.— Bors.: Wie ist daö zu verstehen?— Angekl. Müller: Nun, er schrieb selbst auf und bezahlte danach.— Bors.: Was er wollte?— Angekl.: Jawohl.(Bewegung.)— Bors.: Angeklagter Müller, gab es auf Sachsenbcrg auch noch andere Beamte, die nicht bezahlten, wie Schultze?— Angekl.: Nein, die anderen Beamten bezahlten, allerdings Vorzugspreise.— Bors.: Herr Obcr- medizinalrat Martusch, wollen Sie sich bitte in dieser Sache, da Ihr Name genannt ist, äußern?— Zeuge Obcrmedizinalrat Martusch: Ich bemerke, daß ich über die Preise der Lebensmittel. die in meinem Haushalt verwendet worden sind, niemals mit Wilck oder einem anderen gesprochen habe. Ich habe mir die Preise nie angesehen, ob sie zu niedrig sind, sondern nur ich bczw. meine Frau haben bezahlt, was gefordert wurde. Ich weiß, daß eine Be- stimmung von altcrshcr bestand, wonach die Angestellten das Recht hatten, von den Lieferanten Lebensmittel zum Licfcrungspreis zu beziehen. Ich habe mich anläßlich dieser Affäre an eine Reihe von Anstalten, die in ähnlicher Lage sind, gewendet. Unsere Anstalt liegt eine Stunde von der Stadt entfernt, die Beamten sind daher angewiesen, von den Lieferanten, die für die Ansialt liefern, auch die Lebensmittel zu beziehen, da sie nicht immer in die Stadt schicken können. Die meisten Anstalten haben geantwortet, daß sie entweder keine Vorschriften haben oder daß sie den Beamten selbst die Lebensmittel liefern, oder daß sie die Lieferanten kontraktlich verpflichtet haben, den Beamten zum Licfcrungspreise zu liefern. Nur eine Anstalt, deren Namen mir entfallen ist, hat den Beamten verboten, von den Lieferanten zu beziehen. Jetzt ist eine Neu- regelung eingetreten, wonach es zulässig ist, von den Lieferanten zu beziehen, aber zum Ladenpreis.— Der Angekl. Müller erklärt, daß der alte Wilck, der Vater des Zliigcklagten Wilck, als er die Lieferung bekam, sich erkundigte und dabei hörte, das« die Beamten von dem alten Lieferanten diese Preise bewilligt erhielten. Da sei der alte Wilck nach Sachsenbcrg hinausgefahren und habe den Ober- mcdizinalrat Martusck um seine Kundschaft gebeten. Seitdem sei dieser Preis beibehalten worden. Als aber vor einiger Zeit ein neuer Obcrwärtcr engagiert wurde, habe Frau Wilck gesagt, es sollte der Ladenpreis genommen werden, dieser alte Zopf müßte aufhören.— Tic Angekl. Müller und Wilck erklären dann noch» daß sie mit Herrn Obcrmedizinalrat Martusch niemals über Vor- zugspreise gesprochen hätten.— Erster Staatsanwalt Henke: Ich möchte bemerken, daß alles dies wiederholt Gegenstand von Er- mittclungsvcrfahrcn gewesen ist. Gegen einen Beamten hat längere Zeit ein Ermittclungsvcrsahrcn geschwebt, es ist aber wie alle airderen eingestellt worden. Hierauf wird die Wciterverhandlung auf Montag früh vertagt. Smgegangene Drucfcrchriftcn. Keller. 3., Das gcschlechllichc Problem in der Kinderstube. Verlag von Otto Nippel, Hage» i. 33. Preis kart. 75 Pf. Rcichsrats-Wahlknrte uon Oesterreich.(&. Freytag.) Pr. 2 Kronen. Verlag: G. Frcytag u. Bcrndt, Wien VH/I. Unserem Abtcilungssührer und* ' Freunde \ Pawl Christen J die herzlichsten Glückwünsche l zu seinem Geburtstage! I Jj Die 2. Abteilung im V. Kreise.| y wpygy www-y Sozialiieinokfätisciier Walilverein des 6. Berliner Walreises. Todes-Zlnzcigc. Am 8. d. MtS. verstarb Mitglied, der Arbeiter unser kerSinWa Olbrielit, Putbuserstr. 31. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindct am Dienstag, den 11. Juni nsch> miltags 5 Uhr, von der Hölle des Himmclsnhrts- Friedhofes in Nordend auk, statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 249/18 Ter Äorstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, das; mein lieber unvergeßlicher Man», unser guter liebevoller Vater, Sohn, Bruder. Schwager und Onkel. der Tischler 51062 Johann Gruber nach langem schweren Leiden an der Proletaricrkrankheit verstorben ist. Die Beerdigung sindct am Montag, den 10. Juni, nachm. 5'/, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Nixdorfer Kirchhofes. Ma- rieudorser Weg, aus statt. Die trauernde Witwe Auguste Drude." nebst Kindern. Lenlselier HoIzarbeUer-¥erband Zahlstelle Rixdorf. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß der Kollege Johann Gruber am 7. Juni verstorben ist. Ehre seinem Niidenke»: Die Beerdigung sindct anr Montag, den 10. Juni, nach- mittags öhz llhr, von der Leichen- Halle des neuen Rixdorser Kirch- böses am Maricndorjer Weg aus statt. Die Drtsverwsltung. Ober-Schöneweide. Zahlstelle des Oeutsclien Helzarbeiterverbandes. Am Freitag verstarb nach langem Leiden unser Kollege Wilhelm Masch. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindct am Montag nachmittags 5 Uhr von der Leichenhalle des hiesigen Gc- meindc-Friedhoss aus statt. Rege Beteiligung erwartet 88/3 Die Ortsverwaltung. Di». Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, 10—2, 5—7. Sonntags 10—12, 2—4. 1 SözialöemokratiMh.WahbereiD Itlxdorf. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Mitglied, der Schank- wirk Mwin Gersdorf (15. Bezirk) verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung sindct am Montag, nachmittags 6 Uhr, vom Trnuerhousc, Stcinmchstrajjc 107 aus, nach dem Luisen-Kirchhose, Hermannslrasje, statt. Um rege Beteiligung ersucht 235/1 Der Äorltand. VsM der freien Gast- u. Schankwirte Deutschlands Orlsverwaltiing Rixdorf. Den Mitgliedern zur Nachricht, das; unser 51ollcge Mvin Gersdorf am Freitag, den 7. Juni, nach langem Leide» verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung siildct am Montag, den 10. Juni, nach- mittags 6 Uhr, vom Trauerhause, Steimnetzstr. 107 aus, nach dem Luisen-Kirchhose in der Hcnnann- strasze statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet KS/20 ver Voestnnd. Todes- Anzcigrc. Allen Freunden und Vcr- ivandten die traurige Mitteilung. daß meine liebe Frau 51672 Hedwig Mating geb. Wciglo am 7. Juni nach langem schweren Leiden verschieden ist. Die Beerdigung sindet am Montag, den 10. Juni, nachm. 3>/z Uhr, von der Leichenhalle des Rixdorser Kirchhofes am Marien- dorser Weg aus statt. Um stillcS Beileid bittet der trauernde Gatte Niliielm Mating nebst Kindern. Rixdors, Thüringcrstr. 17. Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekanuten die Nachricht, daß unser lieber Vater, Schwiegcr- und Großvater Wilhelm /Hehler am 7. Juni ISO? im Alter von 66 Jahren gestorben ist. 0ie trauernden Hinterbliebenen Die Beerdigung sindet am II. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Luiscn-Kirch- hoscS, Fürstenbrumicr Weg. ans stait. 1163b Ain Freitag, de» 7. Juni, verstarb plötzlich nach kurzem, schwerem Leiden unser verehrter und geliebter Chej Herr 8klmar Bayer. UnS allen war er ein väterlicher Freund und Ratgeber, ein leuchtendes Vorbild in jeder Beziehung. Sein unermüdliches Borwärtsstrcbcn, sein Fleiß und seine Rechtlichkeit spornten n»s alle zur Nacheiserung au: durch seine Gcrcchtiglcit, Wahrhastig- lcit, seine Kenntnisse, Ersahrungcn und seine grenzenlose Güte zwang er uns alle zur Liebe, Verehrung und Hochachtung. Sein edles Herz hat ausgehört zu schlagen, seine Liebe und Sorgsalt umgibt uns nicht mehr, aber uns allen, die wir teil- weise seit Gründung des GcschästcS mit ihm zusammen wirken zu könne» das Glück hatten, Ivird er stets in dankbarer Er- innerung bleiben, unsere Verehrung werden wir ihm über das Grab hinaus bewahren. In anfrichtiger Trauer: vas gesamte Persomd der Luxuspapierfabrik Selmar Bayer. JS&, �RSiteS von Iy30 an Kabinetts. 4,80 KS.„ V Btv in gntcr Ansfülirans liefert Oscar Goelze, Photograph. I. Geschäft: Paul=Sfraße 26, 294/17' 2.„ Dresdener Straße 135, 3.„ Friedrich=Straße 91 92, 4.„ Charlottenburg, Nehringstr. 1« Spezialität: ßromsilber-Vergröpenntg bis Mensgröjle. cvhUlt jeder Itcstellcr eine Seinl-Einaille- Ul«aiS5» liroclic oder Wadel, a!so ganz umsonst! GeOffnet von niorgcns 8 Uhr bis abends O tJhr. Oap- Sonn- und Festtage den ganzen Tag geöffnet."WE Bierfahrer finde« Arbeits- A»züge in großer Auswahl nach meinem Umzug nur | KttMittustr. 158. Berufskleidung. Griber Laden. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme bei der Beerdigung unserer lieben Mutter 1162b Berta Bethge agen wir allen Verwandten und Be- saunten unseren herzlichsten Dank. Die trauernden Ulnterbliebenen. Sarg-Magazin {Albert JareWn NW., Stephanstr. 56, NW. Fernsprecher II, 930. Grolles Lager särntlicber Sorten Särge zu den billigsten Preisen. Die Harnleiden Ihre Oefobren, Verhütung und Beseitigung von J)r. med. Schnper, BERLIN- Preis 1 Mark. > stes tausend> fwlao Mit RitMer Sranhfurt(Oder) Itria,«m nicnier Bu8Ch3lütli..l;B(lS8BM SfacrflnhsilDP ic6cr Art. Augusta-Bad, ItlIsölWuui!! Kopcuickerstr. 60.* MIlH-Klii. Olga Jacobson, von Mo 80— an in garantiert bekannter® ütc und bester Anssührmig. Kobfank& Co., Purnpenfabrik, Berlin N., Rcinickendorscrst. 95. Erdbohrer leihweise gratis.Jllustr.Kataloge graiis. Für die zahlreiche Beteiligung und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben nnvergehlichen Mannes Beiurtek Kattner sage ich allen Freunden und Be- kannten, insbesondere dem Gesang- verein„Note Nelke' I", sowie den Mit- gliedern des Wahivereins und des Verbandes der Brauereiarbciter, Schlotzbrauerci Schuiieberg, meinen herzlichsten Dank. Die trauernde Witwe Martha Kattner. Weiche Dame hat noch Bedarf? Verkaufe soweit Vorrat reicht um zu räumen EgSäf last umsonst"HW z&s jedem anneEnraiisapen Preis ISOOStauMutel modern u. hochelegant, erstk ttöö Kostüme assiges Material u.Verarbeitung Merentziickentle prächtige PleGen-Neuhelten Original-Modelle, Kopien und Reisemaster früher bis in Serien 1.| 2. 1 3. 1 M. 22,- l M. 38,-! M. 61,— Las I 2. I 3. ! M. 56.— i M. 85,— 1. M. 39,____ JI. 14,- jil SM),- j M.«8,- jetzt M. 7,-jM. 18,50| reichste Aaswahl für alle Größen, selbst allerstärkste Figuren. 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Sonntag, den 9. Juni. Anfang 7'/, Uhr. Kgk. Qpernhans. Manon. Montag: Die Meistersinger von Nürnberg.(Ans. 7 Uhr). Kgl. SchnnipiclhanS. Ein Fallisse- mcnt. Montag: Die Rabcnsteinerin. NcneS kgl. Operutheater. 1001 Nacht. Nachmittags 3 Uhr: Nanon. Montag: Der lustige Krieg. Deutsches. Der Jongleur. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ansang 8 Uhr. Schiller«». iWallner-Tbeater.) Perrichons Reise. Nachmittags 3 Uhr: TraumuluS. Montag: Perrichons Reise. Schiller-Dheater Gharlottenburg. Die Schmuggler. Nachmittags 3 Uhr: Der Psarrer von Kirchfeld. Montag: Die Schmuggler. Schiller H.(Friedrnv Lilbelm- städtiiches Theater.) Drei Paar- Schuhe. Montag: Diescwe Vorstellung. Leising. Die Fledermaus. Montag; Geschlossen. Kleines. Marcell Salzer.(Ansang Uhr.) Nachmittags 3 Uhr: Marcell Salzcr. Montag: Frank Wcdckind. Kölnische Oper. HoffmannS Erzählungen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Neues. Die Condotlieri. Montag: Dieselbe Vorstellung. Westen. Die lustige Witwe. Montag: Dieselbe Vorstellung. Residenz. Haben Sie nichts zu verzollen k Montag: Dieselbe Vorstellung. LttilipieitmuS. Die Welt ohne Männer. Montag: Dieselbe Vorstellung. Thal in. Charlcgs Tqute. A Montag: Dieselbe Vorstellung. Luise». DaS Rätsel seiner Ehe. Nachmittags 3 Ubr.- Maria Stuart Montag:'Das Rätsel sentcr&■ Bernhard lliose. Der grog bekannte. Nachmittags 4 Uhr: Die ro Grotzcs Reinemachen. Die thaler. Montag: Der große Unbekannte. Nketraval. Ter Teusel lacht dazu. Montag: Dieselbe Vorstellung. iWiilirrgarmi. La Tortajada. Spezialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. lllpolto. Der lustige Witwer. Spe» zialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Walhalla. Spezialitäten. Passage. Spezmliiätcn. Netchohallc». Stcttiner Sänger. ktrauia. Taubriii, raste IX>!>. Abends 8 Uhr: Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Montag: Dieselbe Vorstellung. Sternnome, JuvalidentU. 57/62. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr; Die Gtelier DerWgeliirge iisil die Eiszeit unserer Heimat. Montag: Dieselbe Vorstellung. Neues Theater. AbendS 8 Uhr: Die Condottler). Montag und folgende Tage: Die Condottieri. kleines Thealer. Nachm. 3 Uhr und abends 8'/, Uhr: Letztes Auslreten ZKarvvU Falzer Montag und folgende Tage: Mpiel Frank Wedekind. Lustspielhaus. 8 Uhr: Wiener Ensemble- Gastspiel: Die Welt ohne Männer. Pepi Glöckner als Elast. Rtsidtiif-Tiftliitr. Direktion Richard Alexander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: »eben 8!e nicltk zu verzollen? SchlvilNk in 3 Akten v. M. Hemicquin und P. Veber. \ Passage-Theater. 4 Jeden Abend 8 Uhr: : iiier auf ftüiisr! i Schlager S aul j Schlager! I Das neue Juni-Programni l 14 Attraktionen 14. VW« www Heute Sonntag Kiiitritt: 50 Pf. Kinder unter 10 J. die Hälfte. Nachmittags ab 4 Uhr: Militär- Doppel-Konzert. Morgen sowie täglich: "Grolles Konzert. Berliner Aquarium Unter den Linden 68a Eingang Schadow-Straße No. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis pr so pf.-m Reichhaltigste Ausstellung der Welt an lobenden Seetieren, Reptilien etc._ 39/5 Sei« i 1 1 er-Th eater. Schiller-Theater lZ.(Walliier-Tbealer). Sonntag, nachm. 3 Uhr: Ti-nuiiihIii». Schauspiel in 5 Alten v. Arno Holz und Oskar Jcrschke. Sonntag, abends s Ubr: Perrichons Iteise. Schwank in 4 Ausz. v. Eugene Labiche und Edouard Martin. Montag, abends 8 Uhr: Perrlehon» Heise. Dienstag, abends n Uhr: Perrichons Heise. llchlller- Theater Gharleitenburg. Sonntag, nach m. 3 11 b>: Der Pfarrer v. Kirchfclii. Voiksslück mit Gesang in 5 Akten von Ludwig Anzengruber. Sonntag, a b e» d S 8 U b r: Hie �chinnxgier. Komödie in 4 Akten v. Artur Dinier. Montag, abends 8 Uhr: Hie Schmuggler. Dienstag, abends 8 Uhr: Hie Schimia'gler. Luisen-Theater Reichenbergerftr. 34. AbendS 8 Uhr: Das Rätsel seiner Ehe und svlgende Tage. öonntag, den 9. Juni, nachm. 3 Uhr: Maria Stuart. Golgatha! 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Entree 30 Ps. Während u. n. d. Vorstellung: Ball. Bei schlechtem Wetter: Vorst, im Saal. Pröbels Allerlei-Theater (stüher Puhlmann) Schönhauser Allee 148 und Kastanien-Allee 97/99. Aeltestes und bckannlestes Bolls- Etablissement Berlins. Heute sonntag: Theater- und Spezialitäten- Vorstellung des brillanten Juni-SpielPlanS. Z Orions.+ Gort» u. RottlO.+ Mar» Ellis.+ Hermann Mllardo.-f The Ounbars. Rudo Krüh). MIB Mar» usw. v/üV: üeniepet daslleben. Ansang 4'/, Uhr. Eulree 30 Pf. Am Donnerstag, l3. Juni: Drittes grostcS Kinderfest. Vsukehe Ani>«.'ManaeiistNoIiRiaIMsMIIiiiiz /X.m �Vannseebsknliok prieoennn. �usstellullgsdstteli bis 8 Uhr— Vergnügungspark bis 12 Uhr nachts geöffnet Täglich große Konzerte. Heute Eintritt SO Pf., Militär und Kinder 25 Pf._ 42/12» Besfaurant ewerksehafts- \ haus. � = Engel-Ufer 15.—> ßlenu 75 Pf. Heute Sonntag: Ochsenschwanzsuppe. LachS in Butter oder Grüne Bohne» mit Hammclstcisch. SchwemSrncken mit Ebampignonsauce oder Gefüllte Kalbsbrust. Kompott oder Salat. X lfelcbhallige Abendkarte. X Wochenlüglich: Groster bürgerlicher MWUtaN 60 pi. Um zahlreiche» Besuch bittet alle Genossen b023L Rieh. Augustin. Schweizergarlen Am Königstor. Am Friedrichshain. Stratzenbahn 1,2,4, 17,59, 62, 63 u. 74. Täglich i Theater-Yorslellung. Neue Spezialitäten. Kioematograph und Ball. Freier Damentanz. Anfang 5 Uhr. Entree 30 Pf. eiyfUim, S'Jsr Hcnte sowie täglich: --- Vorstellung--- Anfang 7 Uhr. Eutree frei. A v i S I Empfehle den geehrten Vereinen an Wochentagen meinen 2000 Personen fassenden Raturgarten. Saal sür 1200 Personen zur Abhaltung von Sommersesten mit Tängergesellfchaft grattS zu vergeh. Ami 7, 2617. 5111L» Ouslav Behrens-Theater. Berlin W., Goitzstralle 9. Ob Regen, ob Sonnenschein Das neue grostartige Juni- Programm, �ImjSaprin.sSÄ'fS' Grete Reaumb, Soubrette. Will» SchSnberg, Humorist. ?? Gretfeuberger prolongiert T? und die anderen Spezialitäten. Zum schluh die urkomische Posse: Die Katzen in der Perücke oder: Ein verunglücktes Stelldichein. Ansang 8 Uhr, Sonntags 6'/, Uhr. Vl)IIß(]ZsIöll-TMs. Bad-Behmstralle— Bahnhof Gesund- brennen— Bellermannstraße. Das Bild der Mutter oder Berliner Zimmerleate. Volksstück mit Gesang in 3 Sitten. ——— Hierzu:———- Das neue RieseD- Spezialitäten-Prografflin. Volksbelustigungen. X Greller Ball. fisthahw-yark Am Kttstrlnerplatz, Rüdersdorterslr. 71 Hermann Imbs. Täglich: Qroftes Konzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstellung. Otto Pritzkow lIUnzstraQe 10. ffelt-telellings- Biograph-f»«- L#ui#> Tbeater lebender Pbotograpblcn. Täglich Eingang von — Nenheiien.— ♦ Den ganzen Tag Vorstellung. ♦ Nur noch bis Ende Juni geöllnet volkzmuseum Frirdtichstr. 11Ä, Nähe Oranienburger Tor. Anatomie'. Pathuloglel Lamarllerledre! biecdanisclie Kolossalgruppen! 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WV Volks- und Kinderbelustigung, Präsentverteilung usw. ----------- Die Kaffeeküche ist von 3 Uhr ab geöffnet.--------- Sämtliche Kollegen von nah und fem, Geworkschafts- und Parteigenossen, Freunde und Gönner des Verbandes werden hiermit freundlichst eingeladen. 196/19 Eintrittskarten zum Preise von 30 Pf. sind in sämtlichen Zahlstellen des Verbandes sowie in allen mit Plakaten belegton Geschäften zu haben. Da. Komitee. Schwarzer Udler Friedrichsberg F"-k(Ä.P.cÄr Chanssee 5 Stechbahnstation�Fr� Inh.i(fSbr. AVtlllOlda Por�tpr�Fnedricitsdei-�Uo�� Jeden Sonntag: GroBes Künstler-Konzert.« Spezialitäten-Vorstellung. Im Ktfnigsanlc: GPOßCI« BsIIb Volksbelustigungen aller Art. ♦ Drei verdeckte Kegelbahnen. Die Kaffeeküche ist von 3 Uhr an geöffnet. Entreo 80 Pf. Jeden Illttwoch: Anfang 4 Uhr. 5021D» Willy Waide-Sänger. i Sonntag, den O., 10. und LS. Juni 1907: I. 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Ein Landarbeiterstreik, an dem über 8000 Personen beteiligt sind und der 80 volle Tage währt, gehört aud) in der an Land- arbeiterstrcik� so reichen Gcsckichle des italienischen Proletariats zu den Sclicnheitcn. Bcsonvere Beachtung verdient aber der Streik von Argenta, weil der Sieg diesmal über einen fest organisierten Gegner errungen wurde, wie das bisher nur bei den grohcn Rcisarbeiterstreiks in M o l i n c l l a der Fall war. Tie grossen Siege des Landprolctariats, die im Jahre>900 in Italien so zahlreich crfoditcn wurden, hatten die Grundbesitzer im Zustand völliger Unorganisierthcit überrascht; nachdem sidi die Besitzer orgalkisicrt hatten, nahmen sie viele Zugeständnisse zurück. Jetzt fängt nun das Landprolctariat an, auch mit dem organisierten Unternehmertum fertig zu werden. Tic materiellen Errungenschaften des Streiks von Argenta sind sehr beträchtlich, obwohl der Streik lediglich als Abwehrstreik begonnen hatte. Die Grundbesitzer hatten, wie erinnerlich, das Ävnkordat, das dem Streik vom vorigen Herbst ein Ende gesetzt gattc, nidü eingehalten. Im besonderen hatten sie sich geweigert, zur Gründung des Arbcitsvcrmittlungsburcaus zu sckireiten, indem >ic ihre zur Packit auszugebenden Ländereien anmelden und von der Gewerkschaftsvertrctung Personal zugewiesen erhalten sollten. Ferner hatten sie 6t Pächtcrfamilicn gekündigt, was als Matz- regelung angesehen wurde. Nach dem gestern unterzeichneten Konkordat verpflichten sich die Besitzer, das ihnen so verhatztc Arbeitsvcrmittlungsbureau zu gründen und an erster Stelle organisierte Arbeiter anzustellen. Weiter beschränken sie die Zahl der Kündigungen auf 7 Familien und verflichten sich, datz die Gutsbesitzerorganisation diesen Familien ! behülflich sein werde, im Kreis von Argenta selbst neues Land l in Pacht zu erhalten. An weiteren Verbesserungen, die zunächst , nicht im Programm der Streikenden waren, sondern nur gegen- ! über der wachsenden Hartnäckigkeit der Unternehmer aufgestellt s ivurden, sind durchgesetzt worden: Verminderung des Packitpreiscs um Ib Lire pro Hektar und Jahr, Uebernahme der Hälfte der Transportspesen der landwirtschaftlichen Produkte von der Scheune zur Eisenbahn durch die Grundbesitzer(bisher trugen die Pädster diese Spesen allein); Erhöbung des Teilantrags l>ei allen Kulturen; Uebernahme aller Kosten für Dreschen und sonstige Ma'dstnenarbeit durch den Besitzer. Auch Taglöhner und Stall- knechte erzielten Lohnerhöhungen. Datz die Arbeiterschaft� ohne Streikfonds es durdrgcsetzt hat, gegen 700 000 Arbeitstage cinzubühen. ohne durch den Hunger besiegt zu werden, ist den grotzen Opfern zu danken, die die Arbeiter ganz Italiens gebracht haben. Alle Kinder aus dem Slreikgcbict waren seit zwei Monaten in Geiwsscnfamilicn unter- gebracht, wobei die Regierung Gratisreise bewilligte, wie das bei Arbeitslosen zu geschehen pflegt. Autzcrdem hat es an Geldspenden nicht gefehlt, die im ganzen gegen 70 000 Lire betragen haben dürften. Da jeder Streikende nur 1 Kilo Polenta und b Ccntesimi pro Kopf erhielt, konnte man es dabei aushalten, ohne satt zu werden freilich, aber doch aud,. ohne zu hungern. Um den grotzen Sieg würdig zu feiern, haben die Arbeiter von Argenta lOOO Lire an die Ausgesperrten von Terni gesandt. Die Niederlage, dic� die organsiertcn Grundbesitzer erlitten haben, , nachdem sie erst erklärt hatten, auf Verluste von Dutzenden von ; Millionen gefatzt zu sein, wird von den Kapitalisten des ganzen '■ Landes mit unverhohlenem Grimm hingenommen. Wir oft hat man in den letzten Monaten die Niederlage der tapferen Streikenden prophezeit! An Grotzmäuligreit hat es nicht gefehlt, aber an Solidarität haben es die Besitzer den Landarbeitern nicht nach- ! tun können. Versammlungen. Der Zentralverband der Fleischer hielt am 6. Juni im„Eng. lischcn Garten" eine gut besuchte Mitgliederversammlung ab. Honsel referierte über: Tie Riesenaussperrung im Berliner Baugetverbe und welche Wirkung hat dieselbe für das Fleischergewerbe? Redner : schilderte alle Vorgänge von Anfang der Bewegung, Die Arbeiter hätten alles versucht, den Frieden zu erhallen. Die Bauherren hätten aber auf den Kamps hingearbeitet Hierauf schildert Redner den Kamps der Bäckergesellen und ersucht die Anwesenden, den kämpfenden Brüdern die weitgehendste Unterslützimg zu teil werden zu lassen. Hierauf sprach der Vorsitzende Bergmann über das ! Thema: Welche Forderungen gedenken wir zu stellen? Lange genug ! haben die Fleischergesellen diesen Kämpfen gleichgültig zugefehen, ! das müsse aufhören. Auch die Fleischer mützten versuchen, ihre Lage s zu verbessern. Redner schilderte hierauf lurz die augeiiblicktiche i Berufslage. Trotz der billigen Sd, weinepreise würden die Gesellen noch ebenso ausgebeutet. ja noch mehr als sonst. Von den Meistern sei nidstS zu erwarten, die Fleischer- gesellen müßten ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Hierauf begiündele Bergmann die vom Vorstande vorgesästagenen Forde- rungen. Die Diskussion darüber gestaltete sich sehr rege. Mancher wünschte mehr zu verlangen, jedoch waren fast alle Kollegen der Meinung Mmimalforderungen aufzustellen und mit allen Kräften dafür einzustehen. Einstimmig wurde ein Antrag deS Vorstandes, das Mitglied Emil Hund. Sdiöneberg, Sedanstr. 45, wegen Streikbrnch auszuschließen, angenommen. 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Zun! er., vormittSKS 10 Uhr für das gesamte Zweigvereinsgebiet drei Mitglieder-Versanimlungen. Me bei Ballsclimieder, Badstr. 16. {¥üt iotoit bei Buggenliagen, M�ritzplatz. Sfiic alle westlichen Vororte bei Bvst, Schöutbtrg, Reiningexftr. 8. Tagesordnung in alle» Versammlungen: Ser Stsnck unkrei' Bewegung u. unsere weiteren Msknuhme». In Anbetracht der Tagesordnung ist das Erscheinen aller Kollegen Pflicht. lKUxUeckndncI» IvxitluUcrt; ohne dasselbe kein Zutritt. 31/13* ___ Die Zeutral-Streikkoinmission. Verband der bangewerbl. Hülfsarbeiter Deutschl. Zweigverein Berlin and Umgegend. Ycrbandsbareaa: Engel-Ufer 16. pt. 1 Telephon: Amt IV Nr. 4493. Telephon: Amt IV Nr. 4433. Versammlung»'Aussige: Sektion der IPutzertrager. Tonntag, den s. Juni, vorm. 11'/, Uhr: llllitglieder-Yeraauunlnng in»Wernaus Festsiilen*, Schwedterstr. 23. Sektion der Löpterträger. Montag, den 10. Juni, abends 8 Uhr: Rlltglleder-Yersanimlnng im»Rofenthaler VercinohanS', Rojenthalerftr. 57. Sektion der Sohrer. Tonntag, den 9. Juni, vorm. 10 Uhr: lRltglleiier-Yersammliing im»GewertschaftSIianS«, Engel-User 15(»aal V). Sektion der �zhritiihizrbeiter. i, von». 10 Uhr: Wltx bei Jannascht. Jnscip Tonntag, den 9. Juni, von». 10 Uhr: ZIltglleder-Yernammlnng ...------cssr. 10. Gnippe dJrunnenbauer utzülkarbeiter. Touutag» den 3. Juni, von». 10 Uhr: nitgilcder-Yersaiumlnns bei I. Meyer, Oranienstr. 103. Sektion der vachdecker-ihiilkarbeiter. Tonntag. den S. Juni, vorm. 10 Uhr: lillticlletler-Yersiiniinlang im»Gewertschastshans', Engel-User 15(Saal VII). TageS- Ordnung: �. Unsere Lphnbewcgnng. 34/11* DaS Erscheinen aller Kollegen i't notwendig.'ME l»er ZwcIgver'clnavörstaBd. ZalilHtdlc Ucrlln. Bureau: Engel-User 10. Telephon: Amt IV, Nr. 10 K23. DienStng, den 11. Jnni, abends S'/j Uhr, bei Boeker, Wrberstr. 17: Versammlung; aller in Drechslereien, Treppengeländer- und Luiusmöbel- Betrieben beschäftigten Arbeiter. T a g e s- O r d>1 n n g: 1. Der Abschlnst des Bertraacs in der Holzindustrie nnd die »Berrätertattik des Htrsch-Tnuirerschen löcwcrkvereiuS-. 2. Dis- kussion. d>L. Die Mitglieder des GcwerkvcreinS haben Zutritt. Der Vorstand desselben ist zu der Versammlung eingeladen. Die komniisflon. Lranelie der Korbmacher. DienStag, 11. Juni, abends S'/j Uhr. bei Hoffmaon, Kopprnfir. 47: Vertrauensmänner-Versammlung. Jede Werkstatt muh vertreten sein. Die Kommisfiou. Bürstenmacher! Montag, 10. Juni, abcudS iJ29 Uhr, bei Schubert, Ranuynstr. 14: Vertrauensmänner-Versammlung. Die bei JnnungSmeistcrn bcschästigten Kollegen werden ersucht, eben» falls zu erscheinen._ 38/2__ Die Vranchenkom Mission, Verband der Salttef. Ortaverwaltung Berlin. Donnerstag, den 13. Juni, abends 8'/, Uhr. in de»»Zentral- Festsälen». Alte Jakobftr. SS: Außerordentliche General- Nersammlung. TageS-Ordnungi 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Genossen A. StSrmer:»Wozu verpflichtet uns die lebte Rcichstagswahl.» 3. Diskussion. 4. Die TteUung des Zcntralvorstandcs zur Beitragserhöhung in Berlin. 5. VeischiedeneS� Mitgliedsbuch kein Zutritt.'----- Achtung l Vertrauensleute! Da in den nächsten Tagen für einzelne Branchen noch besondere VcrtrauenSinäiiner-Versanwilungcn stattfinden, so ersuche» wir die dazu noch besonders ergehenden Einladungen zu beachten. i57|6_ Die Ortaverwaitnng. BREUER8 Festsäle ===„Zur JWnigsbawU"- Gr. FrankfurtBrelr. 117. X Jich. Cart llrcncr. X Amt Vlla, 8142 Den geehrten Gewerlschastcn. Vereinen. Klub,«mpsAe ich meine Gesamt räume zur Abhaltung von Bersaminlungen„nd Feftlichteiten irder Art e..- zu den tulanlestcn Vedingungen.--- Um recht regen Zuspruch bittet ,44302*1 0uM Breuer. Gaslwl.t. Karren- u. Knaben- Konfektion! Nach nunmehr erfolgtem Abschluh unserer neuen Lohntarise fordern wir die BerusStollegcn auf, sich streng an die Abmachungen zu halten und die Firmen zu meiden, die sich dem Tarif nicht unlcrwcrsen wollen. Die rcgel» mähigrn Mitglieder. Versammlungen finden alle 14 Tage Freitag bei vetige!. Neue Friedrichstr. 35, statt, und«rjuchci» wir auch die noch scrn- stehenden Kollegen zu erscheinen. Verdslilt deutsches Schneider, Filiale Berlin. nitglicdsehart II (Zuschneider und Zu/chneidcrinnen). Nähere AuSkunst daselbst. essstr. 23 rannenstr. 95 Bensselstr.67 Leiprijerstr. 54-53. /erUut I« Fabrlkgebiuden. Filiale Berlin. Montag, den 10, Juni 1907, abends O'/j Uhr: Mitglieder-Versammlung im Gcwerkschaftshause. Engel-Ufer 1», Saal 4: Tages-Ordnung: 105/18 1. Wabl von zwei Beisitzen» zum Zentralvorstand. 2. Der Kamps im Baugewerbe. 3. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch'erwartet Ter Vorstand. Krosst. Spezial-Geschäft Kinderwagen fiiseubettstclien Kindermöbci j Korbwaren etc. 1000 Mark 8ÖMcÄd� Belohnung Rrancho»Ii d&s meinigo nachweist. kataloggratts., Ästi Schmiede. Aclitt'ns! Mittwoch, den lÄ. Juui 1907, abends S1/« Uhr: Oeffentlielie Versammtwii famtlicber Schmiede von Spandau und(lmgegen< im Lokale des Herrn Spandau, Pichelsdorferstr. 39. Douuerstag, den 13. Juui 1907, abends 81/» Uhr: OeDeniliehe Versammlung söititllchkr.SchWtkllt Herlins unb der Dmrle in den Musiker-Sälen, Kaiser Wilhelmstratze Nr. 18 u». Tagesordnung in beiden Versammlungen: i. Ms ist ss mvgUob. die Lobn- und Arbeitsbedingungen der Lebmiede Lrop-Seriins au verbessern? Referent: Kollege Wilhelm Sierlnx. 2. Diskussion. iw/u Kollegen, erscheint Mann für Mann in diesen Versammlungen; kein einziger Schmied darf fehlen, ganz gleich, ob Ihr' in der Fabrik oder beim Kleinmeister beschäftigt seid. Wir ersuchen unsere Kollegen, alle in Frage Kommenden auf diese Versammlungen aufmerksam zu machen. Mit Gruß Die Einhenater. ArbeitsnachwriS: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbnrean: Hos I. Amt 3, 1239. Chariwstrafle 3._ Hos III. Amt 3, 1987 Montag, den 10 Juni, abends 8 Uhr, finden in folgenden Lokalen KtsirlisHkrsWWliiM statt. Hi Norden: in den Gerniania-Sälen, Cltaussee- straSe 110 und Ballschmieder, Badstr. 16. Für Moabit: in der Kronen-Brauerei, Ait-Moabit47. Für Osten: in Cranz' Pracht-Sälen des Ostens, Frankfurter Allee 152. Für Süden: in der Urania, Wrangelstr. 10-11, in der Drachenbnrg, Vor dem Scitlesisciten Tor und in Giiesinys Festsälen, Wassertorstr. 68. Für Westen und Schöneberg: bei ZUhike, Dennewitzstr. 13. Für ChaHottenburg: im Yolkshaus, Rosinenstr. 3. Für Rixdorf: in Thiels Fest-Sälen, Bergstr. 152. Für Rummelsburg: in Tempels Lokal, Alt-Boxitagen 56. Für Weißensee: in Roßkopfs Lokal, König- Chaussee 38. Für Steglitz: in Scheiihases Lokal, Ahornstr.ISa. Für Tegel und Umgegend: in Trapps Festsälen, Bahnhofstr. t. Für Köpenick: in ScbDlers Lokal, Hohenzollarn- Platz 6. Für Spandau: inKumbkes Festsälen, Schön- walderstr. 80. Für Obepschöneweides In Kaufholds Lokal, Wilhelminenhofstr. 18. TageS- Ordnung: t Ktrilhtttßnttmtg uoin Ukrbnttdstng.«• Plahnflion. Ohne Mitgliedsbuch(ein Zutritt. Kollegen nnd Kolleginnen I Da ein jedes Mitglied imsercr Organisation von den Beschlnffen resp. Berhandlimgen unseres BerbnndStageS unter- richtet sein Mlih, so ist cS Ihre Pflicht, in dieser Versammlung zu erscheinen. 119/19 Die Ortsvcrwaltuue. Bekanntmachnng. Gewerbegericht zu B«rlm. J-Rr. 405 Gew.-Gcr. 07. Zur Entscheidung der Streitsraqe, ob im Roblegergewerbe vorkommende Stcmmarbetten von Rohrlegern zu verrichten find, wenn bauseltig bisher dicie Arbeiten von Maurern auSgesührt ivorden find, und wenn fie infolge einer Aussperrung eventuell als so- genannte Streikarbeit in Betracht kommen, war das EuiiomigSamt von der SchlichtimgSkommiisioii tär da» Rohrlegergewerbe nach erfolgloser Verhandlung in dieser aogeruseu worden. Das EinigungSamt hat In der Sitzung vom 28. Mai 1907 in der Sache nachstehenden Schiedsspruch gesollt:.. 1. Stemmarbeitcn find schlechihin keine spezifische» Maurerarbeilen, sondern Hülssarbeiten bei den ver- schicdenen bei Bauten in Betracht kommenden Gewerbe». 2. Die Stemmarbeiten zum An- bringen und Verbinden der Ob- jckte gehören grundsätzlich und ge- wohnhettSgcmätz zu den Arbeiten der Rohrleger. 3. lieber Punkt 2 hinausgehend« Stcmmaibeilen gröberen UmsangS werden, sofem fie von vorherein von Maurern auSgesührt worden find, al» sogenannte Strcikarbclle» erachtet. 4. Zur Entscheidung, ob im speziellen Fall Arbeiten dieser oder jener vorstehend bezeichneten Art in Frage komme», soll unverzüglich eine paritätische Kommission ge- bildet werden, welche aus einem unparlclschcn Vorsitzenden und k Mitgliedern bestehen soll. Von letzteren sind je zwei aus dem Arbeitgeber- und Arbeitnehmer- (reise deS RohrlegergewerbcS und und je ein au» den entsprechenden Kreisen deS ManrergewcrdeS zu bestellen. Die Wahl der Mitglieder erfolgt durch die beiderseitigen Parteien im Roiirltgergewerbe, desgleichen die deS Vorsitzenden. v. g- n. gez. Le Viseur. gez. E. Beriihand, R. Pähl, A. Juppcnpiatz, Jul. Gehl. vorstehendem Schiedssprüche haben die Parteien sich unterworfen. Berlin, den 6. Jnni 1907. Der Vorsitzende de» EiiiigungZamtcS. gez. Le Biscur. �andpsrtie-, Verein»-Veeloeung»- Oegenslünde, Lampion», Fepiermiltien, Rndeu- Inetrumant« in hervorr. Auswahl. AuDergowöhnlich billig z. B.; trannpnrcnto\ Dutzend Htocklntcrncn l 45 Pf.» Bernhard Kcillch, ßrSSt. Spielwaren- Gösch. Dtachl. Or. Hamburieralr. 21— 23, Ecke Oranlenturierstr. 19 Sehanf. Eine Mark »ichenUicke Teilzahlung llestre elegante fertige t»»»S »emn-SllkUendeii Erl atz ftir R-aß. �eeFerti«»»»».url,»1»! Tadeklose Buifftlrnmg. Julius Fabian, Schneidermeister, Kr. Franklurterstr. 37, a Eingang Strauiderger Platz. Dr. Svbllnemann Spczial-Arzt für 44llL» Unnt-»ixi llarnlcielcii, brauen ki*ankhcItcD. 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Bewerber müsse» rednerisch begabt sein und bei Einrcichung ihrer Lsscrie eine Abhandlung über die Tätigkeit eincS Arbeilexfekretärs beilegen. Anstellung 1. August 1907. Meldungen sind bis längstens 1. Juli an«. Banev, Spitalgaste 3, zu richten. V> Inder SluvNlraiici oiilei um Arbeil Slüdle iverdcu adgeboll und ziirückgrliejcrt. St. Gläler. Mulack- Iliaße 27. 14686 Stellenangebote. Antomobiisührer I Vorzüglichste iheoiclische und praktische AuSbiidung zum Chauffeur unltr Ingenieur- leilmig. Größlcr Slclleiiuachwcis gratis. Werlslätlen mit elektrischer Kraft Aiitolechuikiim Berliu-Wilmcrs- dorf. Hildegardstiaße lll. Bedeuleudstes Lehiuistitut Deuffchlands. Von Lc- Hörden bevorzugt. 2508K* Chausscurschule.Am Wedding*, nur Gerichfflraße 17, größte, bedcu- teudste, nimmt stets Lebrlinge an. Theoretische und praklische Ausbildung zum Chauffeur unter Ingenieur- leilung. Berlstäiten mit elektrischer Kraft. 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Töpfer! «tv•_ fv*______»Ti'M ffi f»r»»• Die Firma Staufuunn Wilhelm Meinke läßt durch den Stiessohn dcS Töpfermeisters Karl Uiiiikc, namens Karl Krnschlnskl, einen Bau in der Pcttciilofcrstrastc ausführen. Da die Differenzen bei genannter Firma noch nicht beigelegt sind, ist dieser Bau als gesperrt zu betrachten. 196/8* Die Berbandslcitnng. Nr. 132. 24. Iahrgailg. tilnjf des Jotraiitts" Krim Wksdlslt. Sonntag, 9. Inn! 1997. M Nitwoch findet für Berlin und Vororte der Zaljlabend statt. partei- Angelegenheiten. Achtung! Der gestern versandten Auflage des„Mit- teilungsblattes" wurde eine Broschüre des Verbandes der Bäcker beigefügt, in welcher den Bczirksführcrn und Genossen Berlins die Situation nochmals klargelegt wird. Wir empfehlen diese Broschüre am Zahlabende den Ge- nassen zur Beachtung. Der geschäftsführende Ausschuß. Fünfter Wahlkreis. Die zweite Abteilung hält am kommenden Mittwoch gemeinsamen Zahlabend bei Feind, Wein- st r a tz e 1 1, ab. Die Mitglieder werden um zahlreiches Erscheinen gebeten. Der AbteilungSfuhrer. Tcmpclhof. Mittwoch, den 12. Juni, abends 8'/z Uhr, findet bei Müller, Bcrlinerstr. 41/42, eine Wahlvereinsversammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Gcnosien Kurt Heinig über: Bildungsbcstrebungen des Proletariats. 2. Dis- kuflion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Wahl der Delegierten zur Kreisgeneralversammlung. 5. Verschiedenes.— Der Zahlabend beginnt eine Stunde vor derVersommlung. Der Vorstand. Niedcr-Schönhauscn. Am Mittwoch findet in den drei bekannten Lokalen der Zahlabend statt. Die Wahlvereinsmitglieder werden ganz besonders aufgefordert, zahlreich zu erscheinen. Es ist dies der letzte Zahlabend, an dem die alten Beitragsmarken (25 Pf.) ausgegeben werden. Obcr-Schöuewcide. Auch am hiesigen Orte findet heute früh Vz8 Uhr eine Flugblattverbrcitung zugunsten der Bäckereiarbeiter statt. Die Genossen werden gebeten, sich zahlreich an der Arbeit zu beteiligen. Rudow. Die Mitgliederversamnckung des Wahlvereins findet am Mittwoch, den 12. d. M., abends 8'/2 Uhr. bei Palm statt. Die Genossen werden ersucht, ihre Mitgliedsbücher in Ordnung zu bringen, da vom 1. Juli ab nur noch 3» Pf.-Marken geklebt werden, auch für die rückständigen Beiträge. Karlshorst. Die heutige Flugblattverbreitung erfolgt von dem Parteilokal Gruhn, Prinz Adalbertstrahe, Ecke Hönower Wiesen- weg. aus. Zahlreiche Beteiligung erforderlich- berliner JVacbricbten* Im Friedrichshain. Eine der schönsten Parkanlagen Berlins bilde! der Friedrichshain. Mit seinen hohen, altchrwürdigen Bäumen und seinen weiten, mit saftigem Grün bedeckten Rasenflächen, mit seinen gut gepflegten Wegen und den zweckmäßig ange- legten Kinderspielplätzen besitzt er die ungeteilte Liebe und Ber- ehrung der anwohnenden Bevölkerung. Des Morgens herrscht eine idyllische Ruhe und Stille. Nur einige Kindermädchen führen die Sprößlinge ihrer Herrschaften aus und die einzelnen Spaziergänger wandeln die einsamen Wege entlang. Hie und da trifft man einen Handwerksburschen auf einer Bank sitzend, oder einen Obdachlosen, der. den Kopf weit zurückgelegt, nnt offenem Munde schläft. Um die Mittagszeit da beginnt es sich dann zu regen. Wie in einem Ameisenhaufen wimmelt und kribbelt es und fröhliches Kinderjauchzen erfüllt die Luft. Da herrscht ein Leben und Treiben, ein Bauen, Graben und Hämmern be- ginnt, und in emsiges Schaffen aufgelöst, vergißt die kleine Welt alles um sich herum. Hier haben zwei Knirpse eine Burg aus Sand errichtet.„Gewaltig" ragen die Zinnen zu „schwindelnder Höhe" empor und schauen gar trutziglich drein. Treppen, mit unendlicher Geduld mühsam hergestellt, führen den„steilen Berg" hinan. Das Ganze zeigt gut er» faßte architektonische Linien und legt Zeugnis ab von der Auffaffungs- und Beobachtungsgabe der kleinen Bau- meister. Daneben haben mehrere Mädchen eine Bäckerei improvisiert und backen mit viel Ernst und Verständnis Kuchen und Brot(selbstverständlich boykottfreics), in allen Formen, tsticht weit davon ist ein Kramladen. Man kann da„alles" haben. Und die Wage ist nicht, wie in den meisten großen Kaufläden, hinter aufgestapelten Waren versteckt, sondern steht frei, und die Verkäuferinnen befleißigen sich, sorgsam und gewissenhaft zu wiegen, schon um ihre„Kund- schaff" zu erhalten. Auch Gänse- und Butterblümchen in niedlichen Töpfchen kann man daselbst„billig" erstehen. Ab- seits werden Puppen singend in den Schlaf gewiegt. Eine Schar Knaben vergnügt sich damit,„Buffalo-Bill", zu spielen, was allerdings weniger erhebend wirkst Weiter hinten spiegeln sich die Sonnenstrahlen in den Wellen eines kleinen Sees und träumerisch wiegen sich die dichtbelaubten Baumkronen darüber. Eine Entcnmuttcr bc- wacht eifersüchtig ihre Jungen, die gierig nach den Brot- knnnen haschen, welche ihnen vom Ufer her zugeworfen werden. Ein schöner weißer Schtvan reckt Iben schlanken Hals empor und blickt init souveräner Verachtung auf die Gaffer, indem er elegante Kurven aus der blanken Wasser- fläche ziehst Kommen aber erst die Abendstunden heran und speien die Fabriken und Geschäfte den schwarzen Strom müder, luft- und ruhebedürftiger Menschen aus, dann ändert sich das Bild. In Scharen strömen sie dem weiten Park zu und verlieren sich zwischen den Bäumen und Büschen. Liebes- Pärchen, engnmschlungen. suchen abgelegene Wege auf oder schmiegen sich auf einer Bank im lauschigen Dunkel aneinander und tuscheln sich Geheimnisse zu. Ehemänner wandeln rauchend und wortkarg mit ihren Frauen vorbei. Backfische lesen beim Zlvielicht rührselige Liebesgcschichten oder verbrechen sentimcn- tale Gedichte, die sich auf Herz und Schmerz, Sonne und Wonne reimen. Vielleicht träumen sie sich auch in die Rolle einer 10 Pfennigheftkomtesse hinein und täuschen sich über ihr leeres Dasein hinweg. Wir aber gehen weiter und lenken unsere Schritt- einem stillen, einsamen Fleckchen Erde zu. Durch eine hölzerne Pforte tritt man ein. Blumen und Sträucher, verwitterte Grabsteine mit verwaschenen Inschriften geben ihm ein harm- loses, friedliches Gepräge. Nichts erinnert den oberflächlichen veschaucr a« das weltcrschüttcrnde, politische Drama, dessen Opfer hier unter den eingefallenen Grabhügeln schlummern. — Alles still.— Das Brausen der Weltstadt dringt nur dumpf und verschwommen an unser Ohr. Fernher, aus einem Gartenlokal klingen weiche, prickelnde. leicht- sinnige Weisen herüber und mischen sich in das geheimnisvolle Raunen der Bäume. Tie untergehende Sonne wirft ihre letzten Strahlen über die Gräber, wie zu einem letzten, innigen Kusse. Alles scheint in purpurne Glut getaucht. Eine kühle Brise streicht über die Bäume und es ist, als dehnten sie sich lichterloh, gleich riesigen Feuersäulen zum Himmel empor, weit über die finsteren Schornsteine hinaus, in flammender, hoffnungsvoller Glut._ Die schulzahnärztliche Fürsorge wurde in vergangener Woche von einer Vertreterversanimlung der zahnärztlichen Vereine Grotz-BcrlinS beraten. Zahnarzt Marcnse gab eine Uebersicht über die Entwicke- lung der schulzahnärztlichen Fürsorge. In 24 deutschen Städten ist eine zahnärztliche Fürsorge für BolSschultinder eingeführt oder beafr sichtigt, in Form einer Schulzahnklinik oder Untersuchung und Be- Handlung durch Privatzahnärzte. Von den Gemeinden Groß- Berlins hat zuerst Charlottenburg ein lebhaftes Jnteresic be- kündet, seit zwei Jahren das darauf bezügliche Material ge> sainmelt und wird voraussichtlich noch in diesem Jahre die Ein- führung der schulärztlichen Fürsorge vorschlagen. Schöneberg und Wilmersdorf haben sich in letzter Zeit mit der Frage beschäftigt. Berlin selbst hat in der Stadtverordneten-Versammlung vom 22. Februar 1306 gelegentlich eines Antrages bezüglich Einstellung von Spezial- Schulärzten die zahnärztliche Fürsorge abgelehnt. Die Millionenstadt sei aber kein Gegengrund, daß Verlin nicht die kommunale Pflicht ähnlich anderen Städten er- fülle. Man könne vorhandene geeignete zahnärztliche Kliniken mit einem städtischen Zuschuß versehen; eine große Entlastung aber würde für Berlin die Angliederung einer Schulzahnklinik an das zu erbauende zahnärztliche Universitätsiustitut bedeuten. In der Erörterung sprachen sich die meisten Vertreter von Berlin sür Schulzahnkliniken aus. In der Form von Anträgen wurden die Wünsche kundgegeben, daß das Universitätsiustitut oder auch die Krankenhäuser Räume für Schulzahnkliniken zur Verfügung stellen, daß aber auch bei Schulneubauten auf solche Zwecke Rücksicht ge- nommen werden sollte. Zum Schluß teilte der Berichterstatter mit, daß Geh. Rat Kirchner vom Kultusministerium entgegen einer früheren Zeituugsmeldung sich für Schulzahnkliniken aus gesprochen habe. Die Stadt Berlin ist also auch auf diesem Gebiete noch erheblich im Rückstände._ Weiteres zur Massenflncht aus der Kirche. In pastorenfrenudlichen Blättern finden wir einen Artikel, der noch einige Mitteilungen über die Zahl der Personen macht, die in Berlin im Jahre 1906 aus der evangelischen Landes- kirche ausgeschieden sind. Seine Angaben stützen sich auf die amtlichen Jahresberichte, die den diesjährigen Shnodalvcr sammlungen vorgelegt wurden. Genaue Zahlen sind nur den Berichten für die Synoden„Berlin H", „Kölln-Stadt" und.FriedrichSwcrderll" zu entnehmen, lieber„Kölln Stadt" haben wir sie bereits mitgeteilt, wobei wir feststellten, daß in diesem Gebiet die Zahl der AuLtrittserklärungen von 1902 zu 1906 von 254 auf 864 gestiegen ist. In„Friedrichs- Werder II' soll in derselben Zeit die AuSlritlsziffer nur von 178 auf 299 gestiegen sein. Das ist glaubhaft: denn zum Ge biete von.Friedrichswerder II" gehören vor allem die Kirchen gemeinden des Westens. Desto gewaltiger scheint aber die Mehrung der Abtrünnigen in„Berlin II' gewesen zu sein. Dort sind nämlich im Jahre 1996, nach Ausweis der am! lichen Berichte, 711 Personen auS der evangelischen Landeskirche ausgeschieden. Der Verfasser des oben erwähnten Artikels hat unterlassen, hier hinzuzufügen, daß im Jahre 1995 in demselben Gebiet nur 81 Personen ihren KirchenauSlritt vollzogen hatten. Von 61 auf 711, das bedeutet eine Steigerung aus das Elf- bis Zwvlffachel Zu.Berlin II" gehören die großen Arbeiterviertel des Nordens und Nordwestens der Stadt, in denen die Dankeskirchengemeinde, die Nazarethgemcinde, die Heilands gemeinde usw. ihren Sitz haben. Da draußen wird noch fleißig gebaut und die Bevölkerung ist noch in ständiger Zunahme bc- griffen. Aber diese Zunahme ist bei weitem nicht so stark, daß mau die gewaltige Steigerung der AuStrittZziffer von 61 auf 711 er- klären könnte. Die den Synodalversammlungen vorgelegten Berichte eut- halten auch mancherlei Aenßerungeu, die unS aufs neue zeigen, woniit die Pastoren srch darüber zu trösten suchen, daß so viele jetzt auch formell die LoSlösung von der Kirche und ihren Pastoren vollziehe». So wird in dem Bericht über „Berlin II' gesagt, eine Anzahl beabsichtigter Austritte sei schließlich doch nicht vollzogen worden, und die Macht der Sozialdemokratie habe sich eigentlich nicht gerade als sehr stark erwiesen. Noch mehr- fach macht in diesen Berichten der Grimm über die Massenflncht ans der Kirche sich Luft in A n r e m p e l u n g e n der Sozial- demokratie. Wir gönnen den Verlassenen das billige Vcr- gnügen._ Für die Ruder-Regatta auf der Wendischen Spree bei Grünau hat der Regierungspräsident ein für allemal eine be- sondere Strom- und Schiffahrts-Polizei-Ver- o r d n u n g erlassen, welche mit dem gestrigen Tage in Kraft ge- treten ist. Danach darf an den Regatta-Tagen von mittags an der gesamte Schiffsverkehr nur auf dem rechten Ufer, außerhalb der markierten Bahn, stattfinden; Segel dürfen nicht geführt werden. Das Hinlegen von Fahrzeugen an den Usern ist nur mit besonderer Erlaubniskarte gestattet; diese Fahrzeuge sind mit zwei Ankern auszustatten. Von 3 bis 7 Uhr nachmittags ist der gesamte Schiffsverkehr vom Wendcnschloß bis zur„Bammclccke" gänzlich verboten; nur den fahrplanmäßigen Tourcudampfern ist daS lang- same Passieren am rechten Ufer gestattet. BerkehrSgemcinschaft Berlin und der Bororte. Unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Kirschner fand gestern eine Sitzung der Vertreter von Groß-Bcrkin im Rathause statt. Die in der letzten Sitzung angeregten Aenderungen des an- genommenen Statutcncntwuris für die Gründung einer Verkehrs- gemeinschaft der Stadt Berlin und seiner Vororte wurden ge- nchmigt und beschlossen, das nunmehr fertige Statut der demnächst einzuberufenden Generalversammlung vorzulegen. Das Statut mutz natürlich auch von den einzelnen Gemeinden genehmigt werden, woran indes kaum zu zweifeln ist, da die Gemeinden, welche es ab- lehnen sollten, ihre Interessen nur schädigen würden. Tie dritte Ausflugslinie der Grossen Berliner Motor- OmnibnS-Grsellschaft. welche Tegel mit dem idyllisch belegenen Schulzcndorf verbindet, wird am heutigen Sonntagnachmittag um 2 Uhr bei günstigem Wetter eröffnet werden. Tie Autobusse vcr- kehren von Tegel. Berlinerstraße. Eck- Hermsdorfer Weg. in etwa 19 bis 15 Minutenabständen und beträgt der Fahrpreis für Er- wachsene 13, für Kinder 19 Pf. Die Wagen fahren um 1,99, 1,15 und 1£0 Uhr mittags Pom Hallefchcu To; j(Bl.ücherplatz). ab und nehmen auf der Fahrt nach Tegel auch von hier aus Fahrgäste mit. Der Fahrpreis für diese Strecke beträgt für Erwachsene 69, für Kinder 39 Pf. Außerdem verkehren, wie an den vorigen Sonn- tagen, derartige Ausflugsomnibusse vom Nollendorfplatz nach Onkel Toms Hütte und von Charlottcnburg(Wilhelmsplatz) nach Karls- Hof(Jungfernheide). � Warnung vor Schwindlern. Das Krankenversicheruugsgcsetz bestimmt unter anderem, daß das den Ortskrankcnkasscn- Mit- gliedern zustehende Sterbegeld demjenigen auszuzahlen ist, der die Beerdigung besorgt hat. Die Legitimation zur Empfangnahme desselben ist deshalb in der Regel— außer der Ucbcrgabe der Stcrbeurinnde— die Vorlage der Belege über die bezahlten Be- erdigungskosten. Diese Bestimmung benützte ein Schwindler, um sich in den Besitz des Sterbegeldes für den plötzlich verstorbenen Sohn eines Straßenbahnschaffners zu setzen, welcher Maurer- lchrling war und der Allgemeinen Ortskrankenkasse in Charlotten- bürg als Mitglied angehörte. Jener Schwindler erschien in Ab- Wesenheit des Straßenbahnschaffners bei dessen Ehefrau, stellte sich als Berufsgenossenschaftsbcanrtcr vor und bat im Auftrage seiner BcrnfSgenosscnschaft um Aushändigung der Sterbe- Urkunde usw., da die Genossenschaft diese Papiere brauche. Die Frau ließ sich durch das sichere Auftreten des Mannes verblüffen und händigte ihm das Gewünschte aus. Der Mann hat sich darauf sofort nach dem Bureau der Ortskrankenkasse begeben und sich hier unter Weinen und Lamentieren als Vater des Verstorbenen ausgegeben. Auf Grund der der Frau abgeschwindelten Urkunden erhielt er das Sterbegeld anstandslos ausgezahlt. Zu einer Be- anstandung dieser Auszahlung oder auch nur zur Forderung einer Legitimation über die Empfangsbcrechtigung war die Kasse nicht befugt, so daß die Hinterbliebenen Eltern weiteren Sterbegeld- anspruch an die letztere nicht hatten. Dieselbe hat in Anbetracht der ganzen Sachlage und insbesondere mit Rücksicht auf die eben nicht günstige wirtschaftliche Position des Vaters des Verstorbenen in Ucbcreinstimmung mit der Aufsichtsbehörde das Sterbegeld nochmals bezahlt, doch hatte sie hierzu eine rechtliche Pflicht nicht. Die Angelegenheit ist der Kriminalpolizei unterbreitet, jedoch ist jener Schwindler noch uncntdcckt und es ist bei seiner anscheinend genauen Kenntnis der einschlägigen Verhältnisse zu befürchten, daß er seinen Schwindel noch bei anderen Hinterbliebenen versucht. AuS der Selbstmordchronik. Einen schaurigen Selbstmord vcr- übte der Maurermeister Karl Weise aus Berlin, der seit Jahren in Böhmen ansässig war und zuletzt in Gablonz wohnte. Der 5Sjährige Mann nahm eine mit Pulver gefüllte Patrone in den Mund, die er mittels einer Zündschnur zur Explosion brachte. Dem Lebensmüden wurde der Kopf buchstäblich auseinander- gerissen. Das Motiv zu dem ungewöhnlichen Selbstmorde war unheilbare Krankheit.— In der Nähe des Bahnhofes Westend wurde gestern die Leiche eines Unbekannten auf freiem Feld auf- gesunden. In der Rechten hielt der Lebensmüde noch irampflzaft den Revolver. Die rechte Schläfe wies eine Schußwunde auf. In der Brusttasche des Toten wurde ein Eisenbahnauswcis mit der Nummer 2654 auf den Namen Klempner Schmidt. Grunewald, vorgefunden. Ob der Tote init Sch. identisch ist, konnte noch nicht ermittelt werdest. Die Leiche würde zur Rekognoszierung dem Schauhaufe überwiesen. Zu dem NiiglnckSfall in der Brüdcrstraße auf dem Neubau von Held u. Franke, bei dem ein Lchrling schwer zu Schaden kam, sendet uns die obige Banfirma folgendes Schreiben: „Es ist unwahr, daß auf genanntem Bau 4 Poliere beschäftigt sind. Wahr ist, daß 2 Poliere und 2 Postcngeselle» tätig sind, welche bereits vor der Aussperrung als solche fungierten. Es ist un- wahr, daß sich die Lehrlinge die Schultern wund getragen haben, da das zu verarbeitende Material mittels Karren an die Winde herangefahren wurde. Es ist unwahr, daß die Lehrlinge daS Hochwinden des Materials unter größter Kraftanslrengnng verrichten mußten, denn die großen tlcberscpimgen der Winde gestalten das Heben von 69 Zentnern durch zwei Arbeitskräfte, während beide Lehrlinge nur sieben Zentner durch die Winde zu fördern hatten, Ferner ist der Unglücksfall nicht beim Hochziehen des Materials geschehen, sondern beim Herablassen des leeren AufzugskastenS� durch daS Eingreifen eines Monteurs einer fremden Firma, der während des Hernntcrlnssens dcS Kastens die Welle ausrückte, ohne irgend welchen Auftrag hierzu zu haben. Hierdurch ciitstaiid der Unfall, ES ist unwahr, daß sich niemand um den Verletzten kümmerte: Der Verletzte ging mit dem anderen Lehrling nach dem Unfall die Treppen hinab und meldete sich beim Polier, der hierdurch erst von dem Unfall Kenntnis erhielt. Die Unfallstation liegt einige Häuser vonr Bau entfernt in derselben Straße. Dorthin wurde der Verletzte geführt, da die Verletzung nicht als schwer erkannt wurde. Von der Unfallstation wurde der Verletzte mittels Droschke in Begleitung des älteren Lehrlings nach dem Krankcnhanse gefahren. Dieter ältere Lchrling war vom Polier auch beauftragt, »ach der Rückkehr vom Krankcnhanse den Eltern dcS Verletzten Kenntnis von dein Unfall zu geben. Der Vorwurf der Skrnpellofigkcit entbehrt jeder Begründung." Zu dieser Berichtignug haben wir folgendes zu bemerken: Ob die vier auf dem Bau Beschäftigten sämtlich Poliere oder ob davon mir zwei Poliere und zivci Postcngcsellen waren, ist zur Sache selbst unerheblich. Daß die Lehrlinge das zn verarbeitende Material mittels Karren an die Winde herangefahren haben, beweist noch nicht, daß sie nicht außer dieser Tätigkeit zur Herbeischaffimg von Material verwendet worden sind, wobei sie sich die Schultern wilnd getragen haben. In der Tat ist dies auch der Fall, die Spuren sind heute noch zu sehen. Daß der Unfall beim Herablassen des AufzugSkastenS passiert ist und nicht beim Hochziehen, bedurfte leiner Berickstiglmg, etwas anderes ist in unserer Notiz nicht behauptet woroe». Daß sich lediglich der ältere Lehrling um seinen vernnglücktcii Kollegen kümmerte, ihn nach der Unfallstation und von da nach dem Krankcnhanse brachte, auch die Eltern benachrichtigte, wie wir be- haupteten, wird in der Berichtigung nur bestätigt. TaS Opfer einer verhängnisvollen Flafchenvcrwechselung ist der Schneider Andreas Strumpf aus der Uhlandstr. 15 geworden. St. war in einer Engros-Schneidcrci in der Wilhelmstratze tätig gewesen und wollte, um den Durst zu löschen, eine Flasche Bier trinken. Im Dunkeln griff er nach der Flasche, setzte sie an die Lippen und tat einen kräftigen Schluck daraus. Zu seinem Eni- setzen bemerkte er erst jetzt, daß er nicht Bier, sondern Salmiak ge- trunken hatte. Rachen, Hals und die inneren Teile waren dem Unglücklichen fast gänzlich durch die ätzende Flüssigkeit verbrannt worden. Nachdem St. auf der Rettungswache in der Mauerstraße die erste Hülfe erhalten, wurde er in bedenklichem Zustande jn das Krankenhaus am Fricdrichshain eingeliefert, Ein Geisteskranker im Clownanzug rief an der Effe ver Grunewald- und Potödamerftraße allgemeines Aufsehen hervor. Der Irrsinnige, ein etwa 40jähriger Mann, hatte sich daheim voll- ständig als Clown gekleidet und stolzierte nun mit seiner spitzen Mütze und mit bemaltem Gesicht in den Straßen umher. An der Spitze der Potsdamer- und Grunewaldstraße wollte er einige kleine Kunststücke zum besten geben, die aber mißglückten. Erst durch einen hinzukommenden Schutzmann wurde dem Treiben de? seit- famcn Kranken.ein EM bereitet» Sich gttpstrt. In der Nacht vom Freitag versuchte die 2-2 Jahre alte Wirtschafterin Ida G. in der Wohnung der Witwe H. in der Brunnenstrahe, bei der sie in Stellung war, sich durch Einnehmen von Cocain zu töten. Ein herbeigerufener Arzt wandte sofort Gegenmittel an und beseitigte bald jede Gefahr. Die G. wollte ihrem Geliebten, der sich verheiraten wollte, nicht mehr hindernd im Wege stehen. Aus dem Fenster gestürzt. Freitag nachmittag stürzte der fünf jährige Sohn Franz des Landsberger Allee R wohnhaften Brauers Wicczorcck, als er sich kurze Zeit allein im Wohnzimmer befand auf den gepflasterten Hof hinab und blieb mit gebrochenem Schädel, Bruch de» rechten Oberschenkels und mehreren Rippen- brächen bewuhtlos liegen. Hausbewohner trugen das Kind in die elterliche Wohnung hinauf, wo ein herbeigerufener Arzt vergeblich verslichte, den verunglückten Knaben zu retten. Er starb ihm unter den Händen. Stimmen der auf dem Hofe spielenden Kinder hatten den Kleinen an daß Fenster gelockt, zu den> er über einen Stuhl und die vor dem Fenster stehende Nähmaschine geklettert war.— In der Schaperstr. 31 hatte die in der vierten Etage wohnende 57 Jahre alte Witwe Schäpke im Fenster gelegen und dem Spiel der Kinder auf dem Hofe zugesehen. Als sie sich erheben wollte, wurde sie plöhlich von einem Schwindelanfall heimgesucht. Sie "«lor die Besinnung, stürzte vornüber auf die niedrige Fenster- l-�stung und fiel in die Tiefe. Mit dem Kopf schlug die Acrmste auf das Pflaster auf und der Schädel wurde ihr vollständig zer schmettert. Ein Arzt, der sofort von der Unfallstation am ZooloMben Garten an der Unfallstelle erschien, vermochte leider nur noch den Tod bei der Frau festzustellen. Ueberfahren und schwer verletzt wurde gestern der Kutscher eine« DiingerwagenS. Der Führer kam im scharfen Trabe durch die Wollinerstraße. Vor dem Hause Nr. 27,» fiel er vom Wagen und kam»mer die Räder. Nachdem ein Arzt einen Notverband an- gelegt hatte, mnble der Schwerverletzte in ein Krankenhaus gebracht werde». «Tie Gletscher der Hvchgeblrgr und die ElSzeit unserer Heimat" betitelt sich ein neuer Vortrag, der durch zahlreiche Lichtbilder vcr- anschoulicht, gestern zum ersten Mast» in der Urania in der Tauben- strcche gehalten wurde. Der Vortragende führt uns im Geiste in das Land der Lawinen und der Gletscher, nach der Schweiz und Tirol, und schildert in wissenschaftlicher, aber populärer Weise die Vorbedingungen für die Bildung von Lawinen und deren gewaltige Wirkungen. Nach einer Kennzeichnung der verschiedensten Gletscher- typen, der Alpiner, norwegischen und grönländischen Gletscher, lernen wir die Hauptgleischcr der Alpen kennen, die Mächtigkeit ihrer Eisbedeckung und ihren Rauminhalt. Bei dieser Gelegenheit begeben wir unS als Touristen auf eine Gletscherwanderung, ihre Schönheiten, aber auch ihre oft den Tod bringenden Gefahren kennen lernend. Im zweite» Teil seines Vortrages wurden wir in die Vorzeit zurückversetzt und uns die Ausdehnung der diluvialen Gletscher geschildert; wir werden mit älteren Ansichten über die Herkunft der rratischcn Blöcke und nordischen Geschiebe bekannt ge- macht. Lebendig vor unser geistiges Auge treten die Rinnensecn und die Pfuhle Norddcutschlands. das diluviale Flutzshstem unserer Heimat und schließlich die Riesentiere der Jnterglazialzeit. Der mit großem Beifall aufgenommene Vortrag wurde mit regem Jnteresie verfolgt. Arbeiter- Bi!dnng?schule Berlin. Der Unterricht in Literaturgeschichte fällt bis auf weiteres aus. Sonnabend, den 15. Juni, findet kein Unterricht in Natur- erkenntnis statt; derselbe wird am Sonntag, den 23. Juni, vormittags%11 Uhr. nachgeholt. Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird der neue, mit zahlreichen farbigen Bildern ausgestattete Vortrag:.Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat" am Sonntag, Montag, Mittwoch. DonnerSiag und Sonnabend zur Darstellung gelangen. Am Dienstag wird noch einmal der Vortrag:„Von der Zugspitze zum Wettzmann" und am Freitag der Vortrag:„Im Lande der Mitternachtssonne" wiederholt. Am Sonnabend findet eine Nachmittagsvorstellung zu kleinen Preisen statt, und zwar wird der Bortrag:»Durch Dänemark und Svdschweden" gehalten. Spvrtpark Spanba». Ein Hundertkilomcter- Rennen wird heute im Sportpark Spandau zur Entscheidung gelangen. Arbeitrr-Samariterkolonnr. Montag abend L Uhr: I. Ab. teilung, DreLdcnerstr. 45: Dortrag über Verletzungen, Wund- behandlung. Blutstillung. Daran anschließend praktische Uebungen. Neue Mitglieder können jederzeit eintreten.— Donnerstag: Außer- ordentliche Versammlung der diensttuenden Abteilung zwecks Prüfungen. Jedes Mitglied muß erscheinen. Die ordentlichen Versammlungen der Abteilung finden von jetzt ab jeden letzten Donnerstag im Nonat statt. Vorort-JVacimtbten. Tchöneberg. Zn den bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen beginnen bereits die einzelnen Parteien ihre Borbereitungen zu treffen. Auch der Magistrat hat das Seinige getan, indem er die neue Bezirkseinteilung für die Stadtverordneten- Wahlen zur öffentlichen Kenntnis gebracht bat. Die letzte Volkszählung hatte wieder eine beträchtliche Vermehrung der Einwohnerzahl ergeben, demzufolge ist die Zahl der Mit- glieder der Stadwerordnetenversammlung von(30 auf 66 erhöht worden; auf jede Wählerabtetlung fallen also zwei neue Mandate. In der dritten Abteilung bestanden bisher zehn Wahlbezirke, jeder Bezirk hatte zwei Stadtverordnete zu wählen. Jetzt ist die Zahl der Bezirke um einen vermehrt worden. Der neugebildete Bezirk, welchem die beiden neuen Mandate zufallen, besteht aus der Gothen- und Sedanstraße. Hier ist ein Hausbesitzer und ein Mieter zu wählen. Mit Ausnahme deS 6. und früheren 10.(jetzt 11.) Bezirks, haben alle übrigen Bezirke Veränderungen erfahren. Der 1. Bezirk ist erweitert durch: Frankenstr. 1—16, Frei- singerstraße. Pallasstr. 21—23 und Rosenhainerstraße. Vom 2. Bezirk sind abgegangen die oben bezeichneten dem 1. Bezirk zugeteilten Straßen; hinzugekommen ist Grunewaldstr. 17 bis 105. Der 3. Bezirk ist ertveitert durch die Akazienstraße, Verlängerte Bclzigerstraße. Verlängerte Gleditschstratze und Vorbergstraßc. Dem 4. Bezirk ist zugeteilt die Nordseite der Velziger- ftraße, abgenommen dagegen: Grunewaldstr. 17—105. Akazienstraße. Verlängerte Belzigerstraße. Verlängerte Gleditsch- straße und Vorbergstraße. Der 5. Bezirk hat eine Erweiterung erfahren durch: Ebersstr. 37—47, Fritz Reuterstraße und Gutzkowstraße; ab- gegangen ist die Nardscite der Belzigerstraße. Der 7. B e z i r k ist verkleinert um Kolonnenstr. 1-31. Von dem früheren 8.. jetzt 9. B e z i r k ,st abgenommen die Gothen- und Sedanstraße. die jetzt emen eigenen, den 8. Bezirk bilden. Zu den übrigen Straßen ist hlnzimekommen: Kolonnen str. 1-3*. Ebersstr. 1-13. Fcurigstr. f-20 und 56—72, Herbertstraße. Kaiser Wikhclmplatz und Verlängerte FemWttc: frühere � � Bezirk ist verkleinert worden durch die dem 5. und 9. Bezirk zugeteilten Straßen. In der dritten Abteilung sind bei den im November stattfindenden Wahlen neun Stadtverordnete zu wählen. Es scheiden aus die Stadtverordneten Lulay und Gotheiner (1. Bezirk), Gottschalk(2. Bezirk), Kütcr(5. Bezirk), B ä u m l e r(6. Bezirk), Presch und Dr. Freund(jetzt 10. Be- zirk). Wir haben also 2 Mandate zu verteidigen(5. und 6. Bezirk). Mit Hausbesitzern müssen die beiden Mandate im 1. Bezirk und das Mandat im 2. Bezirk besetzt werden.— Wird die Zeit bis zn den Wahlen von unseren Parteigenoffen gehörig ausgenutzt, so wird es uns möglich sein, die sozialdemokratische Fraktion im Stadtparlavlent wesentlich zu verstärken. Drei Telegraphendrahtmarder mit ihren drei„Bräuten" gefaßt. Gestern abend bei Eintritt der Dunkelheit wurden drei in dem jugendlichen Alter von lg Jahren stehende Burschen beobachtet, wie sie mittels einer Leiter zu den in der Nähe deS Tempelhofer WegeS befindlichen Tclegraphenleitungcn hinaufstiegen, die Drähte durchschnitten und sie, nachdem sie einen große» Vorrat zusammen- gerollt, nach einer zu der Laubenkolonie„Japan" nahe der Tempel- hoferstraße gehörigen Laube brachten. Der sofort benachrichtigte Wächter der Laubenkolonie holte sich einige Männer zu Hülfe und umstellte die Laube, so daß ein Entwischen der sechs Personen un- möglich war. Hcrbeiaerufene Kriminalbeamten brachten die Gesellschaft zur Wache. Nixdorf. Unter einem einstürzenden Bauzaun begraben. Von einem schweren UnglückSiall ist gestern der fünfjährige Sohn des Arbeiters Oestreich, Hcnnannstr. 65, bell offen worden. In dem Augenblick, als der Knabe an dem Neubau Okerstr. 5 vorüberging, ftürzie Plötz- lich ein Teil des Bauzaunes ein und begrub den Kleinen unter sich. Hinzutpringende Posfaiiteii befreiten da» Kind und brachten es zn eineiii Arzt in der Nachbarschaft. Dieser stellte einen komplizierten Bruch des rechten Unterschenkels und schwere Verletziuigen an der Stirn fest. Wilhelmsruh-Rosenthal-Nordend. lieber einen Akt skandalöser Brmenfürsarge wird uns berichtet: Vor einiger Zeit wurde mitgeteilt, in welch„nobler" Weise sich ein Arinen.vater" der Gemeinde Niedcrschönhausen einer Ortsarmen entledigt habe. Der Mann der bedauernswerten Unglücklichen wurde vor etwa% Jahren in einer Irrenanstalt interniert. Die Frau, welcher ein reichlich zwei Jahr altes Kind zum Ernähren und Er- ziehen blieb, befand sich außerdem zur Zeit der Fortschaffung des Mannes im vorgeschrittenen schwangeren Zustande, geriet deshalb in die bitterste Not und mußte die Annenuntcrstützung der Gemeinde Schönhausen in Anspruch nehmen. Der Armcnpflcger gab der in den Fallstricken der modernen GeseheSkunst unerfahrenen Frau den „guten Rat", sie solle doch nach dem benachbarten Nordend(zur Gemeinde Rosenthal gehörig) ziehen, da doch dort oic Wohnungen billiger seien und sie mit ihrer Unterstützung dann besser durchkäme. Als sich nun die Frau wieder die Unterstützung von Schönhausen holen wollte, wurde ihr bedeutet, daß sie ja gar nicht mehr in Schön- Hausen wohne, deshalb auch von dieser Gemeinde keine Unterstützung mehr empfangen könne. Der famow Armen„vatcr" hat durch seinen „guten Rat" dicFrau um ihren Unterstützungswohnsitz gebracht. Man wieg die von allen Mitteln entblößteFrau nun an die GemeindeRosen- thal, wo ihr aber entgegnet wurde, daß sie noch nickt zwei Jahre am Orte wohne, mithin auch keine Unterstützung beanspruchen könne. Der Gemeindevorsteher Schmidt hat sich bei dieser Gelegenheit ge- waltig über die Handlungsweise deS Schönhauser Armen.vaterS" entrüstet, denn er richtete sofort eine geharnischte Beschwerde an die AufsichtSbebörde, wenn auch der Grundgedanke derselben nur der war, daß Rosenthal selber nichts geben wollte. Jetzt ist in diesem wahrhaft sozialen Drama ein weiterer Akt erfolgt. Der Wirt des Hauses Kastanien-Alle« 2 in Nordend hat der Unglücklichen, weil sie keine Miete mehr bezahlen konnte, am Dienstagabend die Wohnung gesperrt, so daß die Bedauernswerte mit ihrem drei Monate alten Säugling und dem dreijährigen Kinde die Nacht auf der Straße kampieren mußte. Als die Frau im elbcn Hause bei einem Mieter übernachten wollte, jagte sie dieser „empfehlenswerte" Hauswirt mit ihren Kindern auch von dort wie einen Hund hinaus. Mit welchem Recht dies letztere geschehen konnte, ist uns unerfindlich. Und nun kommt das Bezeichnende. Als am nächsten Tage— Mittwoch— die Frau zum Rosenihaler Gemeindeamt nach Wilhelmsruh ging, wurde ihr dort, jedenfalls abermals als„guter Rat", auf ihre Beschwerde und Bitte um Unterstützung als Antwort die katcgorisckc Aufforderung zuteil, das Gcmeindcgcbict sofort zu verlassen, da sie obdach- und mittellos und in Rosenthal nicht unter- 'tützungsberechtigt sei. Sollte sie dem keine Folge geben, so würde man ihr das mit 3 M. Geldstrafe oder 1 Tag Haft begreiflicher machen. Punktum? Bezeicynend ist. daß dem Gemeindevorsteher Scknndt, dem die Verantwortung für diese Handlungsweise zufällt. erst vor etwa drei Wochen das Gehalt um volle 2 4 0 0 M. er- höht worden ist, ein wohl beispielloser Fall, der unter Protest unseres Genossen Hascheck und unter Umgehung des OrtSstatutS vollzogen wurde. Der in der„Vetternwirtschaft viel genannte Gemeinde- Vertreter und Geschäftemacher Walter,— als solchen hat er sich skrupellos in derselben Bertretersitzung bezeichnet, indem er 1 Proz. Gebühr für eine etwaige Vermittelung von 30 000 M. verlangte—, konnte sich gar nicht genug tun, alle die Verdienste dcS Vorstehers zur Besserstellung des Gemeindeetats aufzuzählen, obwohl er doch als Armcnvater wissen mußte. Wi" schlecht eS gerade mit dem Armenctat bestellt sei. Also kurz— für eine geradezu unvernünftige Gehaltserhöhung war Geld vorhanden, aber nicht zur Erfüllung reiner Menfchenpflichtcn einer Unglücklichen gegenüber!„Der Menschheit ganzer Jammer" überkam die wr Schühlerschen Lokale zufällig versammelten Wahlvereinsmitglieder, als sie sahen, daß auch am Mittwoch nachts gegen 12 Uhr die Frau mit ihren zwei Kindern immer noch obdach- und mittellos auf der Straße umher- irrte, also schon die zweite Nacht. Eine auf der Stelle vorgenommene Sammlung wurde der Armen übergeben, während der ebenfalls an- wesende Gendarm dann die drei Personen in seine Obhut nahm und sich in anerkennenswerter Weise bemühte, für diese Nacht ein Unterkommen zu beschaffen.— der einzige Lichtblick in diesem Drama, soweit beamtete Personen in Frage kommen.— Wir werden die Angelegenheit im Auge behalten. Reinickendorf West. .Nnfer Parteiprogramm" lautete das Thema, das Genosse Boldt In der letzten WahlvereinSversammlnng behandelte. In seinen Ans- führungen beschränkte sich der Referent auf die Darlequiig der Grundideen der Sozialdemokratie und der Mittel zur chrmchnug de» Endzieles. Dann erstattete Genosie Danncnberger Bericht von de' Gcneralversaiiimlnng von Groß-Berli». Da die Erhöhung der Beiträge am 1. Jul, in Kraft tritt, wird ersucht, bis zu diesem Termine die vertrage zu enttickten. SS wurde nock bekannt gegeben, daß es dem Vorstand in Vcr- hindung mit der Lokalkommisston gelungen sei, die Eichbornsäle frei zu bekommen. Dadurch werde es möglich fein, in diesem schönen Saale in Zukunft den Genossen Lichtbildervorträge, Rezitanonen usw. zu bieteir. Das Gtiftungsfest de» WahlverciirS soll in diesem Lokale am Sonnabend, den 20. Juli, stattfinden. Am nächsteii Zahlabend wird die Broschüre»Rede des Genossen Fischer im Reichstage" an die anwesenden Mitglieder gratis verteilt. Steglitz. Abermals beanstandet wurden in der letzten Gemeinde- Vertretersitzung die Wahlen der dritten Abteilung des zweitens Bezirks. Vom Gemeindevorstand wurde die Angesessenen- Qualifilation des Herrn Radtkc, des Erwählten des MictcrvcreinS, angezweifelt und beantragt, die Prüfung dieser Frage einer Kam- Mission zu übertragen. Herr Weinhausen unternahm zwar einen Versuch mit untauglichen Mitteln an einem untauglichen Objekt, um daö Mandat seines Parteifreundes zu retten, doch eS gelang ihm nicht, seine Kollegen zu überzeugen, daß Mieter, Pächter und Rieß. braucher im Sinne der Landgemeindcordnung begrifflich ein und dasselbe sei. Der Antrag des Gcmeindcvorstandcs wurde an« genommen. Die übrigen Wahlen wurden für gültig erklärt und die Neugewähltcn eingeführt. Das Schulgeld für die neu zu errichtende Realschule wurde auf 100 M. jährlich festgesetzt, während es bei den übrigen höheren Lehranstalten 120 M. beträgt, mit Ausnahme der Vorschule, die 110 M. erhebt. Da außer dieser Realschule auch noch ein Realgymnasium im Entstehen ist, so kann sich unser Dorf in Zukunft mit seiner Fürsorge für die Kinder wohlhabender Eltern jedenfalls sehen lassen. Wir besitzen dann Gymnasium. Real- gymnasium, Oberrcalschule. Realschule, Vorschule und höhere Mädchenschule. Trotz des Schulgeldes erfordern diese Anstalten ganz bedeutende Zuschüsse au? dem Gemeindcsäckel. Aber hier spielt die Geldfrage keine Rolle. Anders bei den Volksschulen. Der seit Jahren bei der Etatsberatung gestellte Antrag aus Uncntgeltlichkcit der Lernmittel für die Gemcindcschüler wird stets abgelehnt. In diesem Jahre wurde dem Antrag wenigstens ein anständiges Be» gräbnis dadurch bereitet, daß der Gemeindevorsteher versprach, ihn der Schuldeputation vorzulegen. Tie Antwort dieser wohlweisen Behörde, der u. a. der Gemeindevorsteher, zwei Pastoren und zwei Schuldirektoren angehören, wurde vorgestern abend verkündet. Die Herren haben den Antrag einstimmig abgelehnt. Was zu er» warten war!— In der vorigen Sitzung tobte ein heftiger Kampf die Frage, ob bei der sich als nvrig erweisenden Vergrößerung der Jumpstation der Dampf Alleinherrscher bleiben, oder ob die Elektrizität in Kon- lurrcnz treten solle. Diese Frage wurde nunmehr in höchst ein- facher Weise dadurch gelöst, daß die Gemeindevertretung das An- erbieten der Berliner Vororts-Elektrizitätswerke annahm, einen elektrischen Probebctricb völlig unentgeltlich und ohne jede Ver- pflichtung seitens der Gemeinde einzurichten. Zu den nötigen Vor- arbeiten hierzu wurden 15 000 M. bewilligt. Solksschnle und Bolksiildung— ein dankbares Thema für einen Redner in einer Arbeiterversammlnng; und nun gar. wenn dc� Redner sein Thema lo beherrscht und in so intnessailier. mit Hmiioi unv SarkaSmuS gelvürzier Weise vorzutragen versteht, wie Genosse H. Schulz in der letzten WahIvereinSversannnlimg. Da ist du gesummte Aufmerksamkeit der Zuhörer begreiflich und der rauschende Beifall am Schluß des Vortrages eine spontane DanleSbezeugung die wirklich aus dem Herzen kommt. In der Diskussion gab ein Genosse, der die ganze hingebend? Fürsorge unseres ostelbisckcn Junkertums iür die Volksschule am eigene» Leibe erfahren hat, seine diesbezüglichen Ersabrmigcn zum besten, damit die Ausführungen des Reier-nten bestätigend. Ein anderer Genosse machte Mitteilung von dem eigenartigen Geschichtsunterricht, den eine hiesige Lehrerin an 1 3jährige Mädchen der Volksschule erteilt. EiucS TageS wurde der Geuosie von seiner Tochter interpelliert. waS eigcnt- lich die rote Farbe bedeute. Auf die verwunderte Antwort:„Aber. Kind, da§ weißt Du dock längst, daß rot die Liebe bedeutet", erklärt die Kleine:„Gewiß weiß ich das. aber unsere Lehrerin hat henie gesagt, daß rot Blut bedeutet und daß die Sozialdemokraten deshalb die rote F a r b e geivählt haben, weil sie das Blut des Kaisers haben wollen. Rot sei auch die Farbe der Jakobiner in Frankreich gewesen, und diese hätten denn auch den König und die Königin hingemordet und nur deren Sohn leben lassen, den sie dann zu eine», Schuster in die Lehre gegeben hätten. Dort hätten sie ihn so lange mit Schnaps gefüttert, bis er daran gestorben sei. Die Sozialdemokraten seien eben solche Menschen ivie die Jakobiner". Der Genosie meinte, daß er nach dieser Leistung einer Lehrerin im Zweifel sei, ob cS sich im, eine bewußte Ver- leumdung iiiistrer Partei handele oder ob der GeschichtSunIerricht in den Seminaren derart verfälscht sei, daß eS diese Lehrerin».cht anders wisse In dem eine» wie in dem anderen Falle bleibt ein derartiger„GeiuiichtSiiiiterricht" ein Skandal. Der B ä ck e r st r e i k bildete den nächsten Punkt. Es entspann sich eine rege Debatte, als deren Fazit registriert sei. baß die Ver- sammlniig es als Pflicht der gesamten Arbeiterschaft erklärte, die Bäckergesellen nachdrücklichst moralisch zu untrrstütze'.i, um ihren Forderungen zur Anerlemiling zn verhrlfen. Genosse A ß in a n n kritisierte noch die laue Beteiligung bei der Gemcindeivahi uild beantragte genaue Nachprüfung der Wählerliste. um die Genossen, die ihrer Wahlpflicht nicht genügt haben, festzu- stellen. Nudow. Dir Solidarität der hiesigen Arbeiterschaft gegenüber den Bäcker- gesellen in ihrem Kampfe für ihre berechtigten Forderungen läßt noch vieles zu wünschen übrig. Obgleich der Bäcker», cistcr Wcigt bewilligt hat, bezieht doch der größte Teil der Arbeiter ihre Back- waren„ach wie vor von dein als Sozialistentöter bekannten Bäcker- meister Zahn, demselben Herrn Zabn, der als Saalinhaber de, Arbeiter, chaft seine» Saal zu Versammlungen verweigert. Durch dieses Verhalten der Arbeiterschaft wird dieser Rcakiionär in seiner Handlungsweise nur bestärkt. ES ist zu erwarten, daß die politisch wie gewerkschaftlich organisierten Genosse» sich auf ihre Pflicht be- sinnen und diesem Herrn die Zähne zeigen. Den Frauen u»d Partei- genossen von Nixdorf. Britz. Köpenick und AdlerShof, wohin dieser Bäckern, eistet Zahn seine Waren liefert, bringen wir diesen Hinr nochmals in empfehlende Erinnerung. Eichwalde. In der am Dienstag stattgefundenen Versammlung deS Wahl« Vereins wurde beschlossen, die m o n a t l i ch c n B e r s a n, n, l u» g e n von jetzt ab am letzten DicnStag im Monat abzuhalten und zwar abwechselnd in Zeuthen, Eichwalde und MierSdorf. Zweck dieser Verlegung ist, die Zahlabcude der einzelnen Orte a», gleiche» Tage wie die Berliner abhalten zu können.— Als Delegierte zur KreiS-Generalversammliing wurden gewählt die Genossen Wilhelm Schulz, Max Loick und Huch.— DaS Sommerfest des Wahl- Vereins soll am Sonntag, den 11. August, bei Witte in Eichwalde stottfinden.— Wegen Nichtwählens bei der letzten Miersdorfer Gemeindevertreterwahl soll gegen da» Mitglied Slein setzet ElSholz, der auch einer Vorladung vor den Vorstand in dieser Angelegenheit keine Folge leistete, das Ausschlußverfahren eingeleitet werden. Tegel. Die Gemeindkvcrttetimg Tegels hatte sich gestern in dringlicher Angelegenheit versammelt. Es handelte sich un, die Bedingungen, unter denen die von der Gemeindevertretung beschlossene Anlcibe von 100000 M. fiir den Gemeindeamtsbau gegeben werden sollte, Die Preußische Zentral-Boden-Kredit-Aktiengesellschaft zu Berlin. von welcher die Anleihe zu i'/t Proz. Verzinsung, 2 Proz. Amortisation und 1 Proz. Äbschlußprovision entnommen werden sollte, wollte aber statt deö bestimmten K ündigiingSvorbchaltS nach 5 Jahren einen solchen nur nach 10 Jahren, ab 1. Januar 101? zulassen und statt 1 Proz. Amortisation deren zwei hören. Die Gemeindeverttetting erwog, daß die Bedingungen immerhin»och nicht so scharfe wie die anderer Berliner Vororte seien und beschloß daher die Genehmigung der Snleihebedingungen. Auch sonst wurde noch einiges Wichtiges erledigt. Zunächst teilte der Gemeinde» Vorsteher mit, daß eS nicht in der Machtbefugnis deS AmtSvorstchcrs, als Leiter der Polizei, läge die sog.„Rummelplätze" zu verbieten. Die Schanstrller hätten als Besitzer ihres WandergewcrbescheineS das Recht, sich bald hier bald da niederzulassen. Sie hätten nur die Pflicht, anzuzeigen, wo jii sich niedergelassen hätten. Dann müßten si« die Liistoarkeftasteuer zahlen. Augenblicklich könne er nur die Musik dämpfen, verbiete» dürfe er sie nicht. Helfen könnten in dieser Sache nur die Besitzer der betteffenden Grundslücke und die Oeffentlichkeit. In Sachen der Bernauerstraße hat der MilitärfiSkns auf eine Beschwerde der Handelskammer geanttvortct, daß der Weg im Laufe der nächsten zwei Jahre ge- bessert lverden würde. Der Brief lonrde verlesen und mitgeteilt. daß die Tegeler Polizei bereits den in der Seestraße erfolgreichen Weg einer Klage auf sofortige Herstellung im Interesse der öffent» lichen Sicherheit beschritten hätte. Der Bebauungsplan für die ver« längerte Schönebergerstraße und de» Freibeitsweg(Müll« abladeplatz) wurde genehmigt. Der Einwand der Forst- behörde konnte nicht anerkannt werden, da der dabei an- gezogene Charlottenburger Weg langst eingezogen werden soll. Dagegen erklärte sich die Geineindcoertrctnng bereit, einen eigenen BebannngSplan für das anstoszende Gelände des Forstsiskns entgegenzunehinen. Die Aenderung des GcwerbegerichtSstatutS. wonach die Beisitzer künftig für den Tag(bis nach 12 llhr inittagsl statt 3 M. 6 M., und für den halben Tag(bis 12 Uhr mitrags) statt 1,50 M. 3 M. Entschädigung erhalten, wurde ebenso ge- nehmigt, wie der Ersatz dcS Namens Dalldorf im Statut durch den neuen Namen Wiltcnan. Sodann wurde noch die lieber- nähme der Schulbaracke und der für sie bestehenden Nnleihe von 14000 M. von der Schulgcmeindc auf die bürgerliche Gemeinde Tegel beschlossen. Endlich hatte sich die Geuieindcvertrelung mit einem Antrag des Ortsvereins Tegel wegen Entsendung von Kindern in die Ferienkolonien zu beschäftige». Dem Verein wurde ein- stimmig e>ne Summe von 300 M. bewilligt.— In der vorauf gehenden Sitzung der Schulgemeindevertretung wurden wegen der Anleihe zum Schulbau von 230 000 M. die gleichen Ve- dingungen genehmigt. Potsdam. Die Mitglieder des WahlvercinS hörten in der letzten Versamm- lung einen Vortrag des Genossen M. H. Barge Friedrichshagen über „Swöpfung und Entwickclniig". In der sich hieran anschlichende» Diskussion wurden von den Genossen eine Reihe Fragen an den Vorrragenden gerichlet. Vom Vorsitzenden wurde auf die hiesige ArbeiterbildniigSschnle aufmerksam gemacht, welche aus den vcr- ichiedensten Gebielen lehrreiche Vortragskurse veranstaltet und z» reger Beteiligung an denselben aufgefordert. Sodann kam Genosse Staad auf den Prozeh dcS Genossen Liebknecht gegen das Nauencr „.KreiSblait" zu sprechen und stellte fest, dah die von sozial« demokratischer Seite noch am Wahltage angestellten Nachforschungen nach solchen falschen Stimmzetteln anch nicht einen einzigen zutage gefördert hätten. Neuaufnahmen waren erfreulicherweise 16 zu verzeichnen. Iii der letzten Stfidwerordnctenfitziiiig wurde der zum Stadtrat gewählte Sindtv Geh. Rechnimgsral �nntze in sein Amt eingeführt. Neben verschiedenen Bewilligungen für Etaisüberschrcitnngen wurde zum Schlnh ein Dringlichleiisantrag belteffend Bewilligung von 2000 Wt. für die Kosten deS Besuches der Londoner Stadivcrtretcr verhandelt. Dieselben werden gelegentlich Jhreö Berliner Besuches am 20. Juni eine Besichtigung der königl. Gärten und Schlösser vornehmen. Für die Dampferfahrt von Babelsberg, für ein Frühstück und für evcnlnelle Wagemahrr wird die geforderte Summe bewilligt. Nach einzelnen komische» Zwischenfällen gelang eS denn anch, unter den Stadtverordneten einige englisch sprechende Vertreter zum Empfang auszuwählen. Zwei Leichenfunde waren diese Woche in Potsdam zu konsta- tieren. Anfang der Woche wurde der obdachlose Arbeiter Sch aus dem Bassinplatz, dessen Gebüsche er sich als Nachtquartier allSgesucht hatte, als Leiche aufgefunden. Ein Herzschlag holte seinem Lebe» ein Ende gemacht.— Im zweiten Falle handelt es sich zweifelsohne um ein Verbrechen. Am Mittwochabend wurde nämlich am Havel- ufer hinter dem Lustgarte» bei den Laubenkolonien die Leiche eines zirka acht Monate alten Kindes männlichen Geschlechts gefunden. Die Leiche lvar in einen Pappkasten. der mit Steinen beschivert ivar, verpackt. Beide Leichen schaffte unsere Berufsfeuerwehr— das Mädchen für alles-» nach dein Kirchhof. Hus der Frauenbewegung. Franc», Genossinnen, Arbeiterinnen! Der von den Bäckergesellen verhängte Boykott tut seine Schnldigkeit: sicher nicht zum wenigsten durch das Eingreifen der Frauen. Das beweist die Verschärfung des Boykotts seit Stattfinden der von den Frauen arrangierten Versammlungen am Dienstagabend. Nunmehr soll durch die unglaublichsten Maßnahmen der Polizei der Boykott unwirksam gemacht werden. Die Durchführung des Boykotts ist vorlviegend Sache der Frauen, deshalb richtet sich der Polizetkampf im besonderen gegen unseren Einfluß. Umsomchr wird es daher für uns Ehrensache, mit allen Kräften für die strikteste Durchführung des Boykotts ein- zutreten. Darum Franeu, Genossinnen, Arbeiterinnen, tut Eure Psiicht! Die Vertrauenspersonen Berlins. Wahlrecht für die Frauen. Der Verband für die Gleichberechtigung der russischen Frauen unterbreitete soeben der Arbeitsgruppe eine von etwa 20 000 Frauen unterzeichnete Perition, in der die Gleichberechtigung der Frauen bei den nächsten Reichsdnmawahlen verlangt wird. Die Reichsdumafraktion hat nun diese Petition weitergegeben. Versammlungen— Veranstaltungen. Lerlln. Dienstag, den 11. Juni: Ausflug der Mitglieder der Lese- abende nach der Jungfernheide. Treffpunkt bis 6 Uhr im.Waldkater". Gäste willkommen. Zericdts- Deining. Der Sittenschutzman» an der Arbeit. Wegen angeblicher Beleidigung durch die Presse wurde bekanntlich am 10. Dezember v. I. vom Landgericht I in Berlin der Redakteur der.Zeit am Montag" Karl S ch n e i d t zu der ungeheuerlichen Strafe von zwei Monaten Ge- fängnis verurteilt. Er soll drei Kriminalschutzleute durch die Artikel.Der Sittenschutzmann an der Arbeit" und„Berlin unter Sittenkontrolle" beleidigt haben, in denen Sittenpolizei-Mitzstände beleuchtet wurden. Gegen daß Urteil hatte der Angeklagte Revision eingelegt. Diese war von Erfolg. Das Reichs- gericht h o b am Freitag das Urteil a u f und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Der Angeklagte hatte in der Haupt- Verhandlung den Wahrheitsbeweis führen wollen und des- halb die Vernehmung der von ihm geladenen und auch erschienenen Zeugen beantragt. Das Gericht hatte diesen Antrag als.nicht ge- nttgend substantiiert" abgelehnt. Das Reichsgericht Ivar der Ansicht. daß diese Formel nicht genügte, dasi vielmehr die Zeugen gemäsi z 244 Str.-P.-O. zu vernehme» waren, da der Angeklagte nicht auf deren Venichrnung verzichtet hatte. Ein Massenkautionßschwinde» lag emer Anklagesache zugrunde, die gestern vor der 134. Abteilung des Amtsger, chtS Berlui-Mitte zur Verhandlung kam Aus der Untersuchungshaft wurde der K a u s m a n n W i l h e l m Meyer vorgeführt, lvelcher sich wegen Betruges in 14 Fällen verantworten muhte.«i-cr Angeklagte, welcher sich noch heute den Titel eines„Direktors" der Türkischen Ziga- retten- und Tabak- Kompagnie beilegt, hat cS längere Zeit verstanden, sich auf Kosten anderer Leute, die in der Hoffnung, eine gute Stellung zu erlangen, ihre geringen Ersparniffe hergaben, ein müheloses und gutes Leben zu verschaffen.— Vor elwa SM Jahren gründete der Angeklagte ein Zigaretten- und Tabak- Eilgrosgcschäft, welches er stolz„Türkische Zigaretten- und Tabak- Kompagnie" nannte. Das Unternehmen hatte schon nach wenigen Monaten abgewirtschaftet. In der Hauptsache sollte es mit den Kauiioncn der zu cngagterendcn Verkäuferinnen und sonstiger An- gestellten arbeiten. Im Herbst vorigen Jahres kam der große Krach; die„Kompagnie" mußte Konkurs anmelden, der aber infolge Mangels jeglicher Masse eingestellt wurde. Trotzdem operierte der Angeklagte mit der vertrauenerweckend klingenden Firma weiter und legte es auf einen Kautionsschwindel im großen an. Er errichtete in verschiedenen Stadtteilen Filialen und suchte durch den Annoncenteil bürgerlicher und sogeranntcr„parteiloser" Zeitungen, des„Lokal-Anzeigcrs" u. dgl., Verkäuferinnen, die Kaution stellen konnten, für eine„Lebensstellun g". Wie cS mit dieser beschaffen, sollten mehrere der Slellnngsnchciidcn bald in sehr trüber Weise erfahren. Es meldeten sich auf die Annoncen hin eine große Anzahl junger Damen. Ter Angeklagte engagierte nacheinander eine Verkäuferin, eine Packrrin, ein Kontoristin und selbst eine Jnspcktorin, die angeblich die Filialen kontrollieren sollte. Ten Damen wurde eine Kaution von 150 bis 500 M. mühsam ersparter oder erborgter Gelder abgenommen. Die Engagcmentsverträge unterzeichnete der eingeklagte immer noch alz Direktor der Türkischen Zigaretten- und Tabak-Kompagnie, die längst im Konkurse war. Sckon nach wenigen Tagen merkten die Angestellten, daß das ganze Geschäft unreell war. Als sie ihre Kautionen zurückvcrlangicn, erklärte der Angeklagte in aller Ge- müisruhe, er habe sie. wie verabredet, als Ge- schäftscinlagen verwendet, und sei infolge des schlechten Geschäfisganges nicht in der Lage, das Geld zurückzuerstatten. Wenn eine der An- gestellten Lärm schlug und mit dem SlaalSanwalt drohte, cnga- gierte der Angeklagte schleunigst ein neucS Opfer und zahlte mit der nun erlangicn Kaution die alte zurück. Ein Fräulein B.. die sich auf eine Annonce hin gemeldet hatte, bot als Kaution ein Sparkassenbuch über 500 M. an. Der Angeklagte lehnte dies jedoch mit den Worten ab:„Ich als Direktor kann mich doch nicht mit Sparkasicnbüchcrn abgeben!" Die junge Dame ließ sich verleiten, hob die 500 M. ab, um sie dem Angeklagten in bar auszuhändigen. Sie wurde dann als Verkäuferin für eine Filiale in der Berg- straße engagiert, hatte aber, wie sie vor Gcrich. bekundete, wieder- holt die ganze Woche über auch nick» für fünf Pfennige verkauft. Ihre Tätigkeit bestand darin, am Sonntag Zi-kusbillcttS zu vcr- kaufen, auf welche der Angeklagte einen Aufschlag von 50 Pf. erhob. Da Meyer nicht einmal die Miete für das Gcschäftslokal bezahlt hatte, machte der Wirt eines Tages einfach daS Geschäft zu und setzte die Verkäuferin auf die Straße. AIS sie von dem Angeklagten ihre 500 M. wicdervcrlnngtc, hatte dieser nur höhnische Redensarten für sie übrig. In gleicher Weise erging es etwa zwanzig anderen jungen Damen, die zu der gestrigen Verhandlung als Zeuginnen erschienen waren und bisher auch nickt einen roten Pfennig von ihren Kautionen wiedergesehen haben.— Die Verhandlung, zu der etwa 30 Zeugen geladen waren, zog sich bis in die späte NachmittagSsrunde hin. AmtSanwnlt Sonnenberg hielt den Angeklagten, der jede betrügerische Absicht in Abrede stellte, durch die Beweisaufnahme in vollstem Umfange für überführt, bcantragle drei Jahre OlcfängniS und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die gleiche Dauer, da ein derartiges Treiben höchst ehrlos und verwerflich sei. DaS Schöffengericht erkannte den Angeklagten des Betruges in zehn Fällen schuldig und verurteilte ihn zu drei Jahren Gefängnis. Mit Rücksicht darauf, daß das ganze Unternehmen des Angeklagten nur auf Schwindel beruhte und darauf berechnet war, Stellung suchende Personen um ihre Spargroschen zu bringen, verhängte das Gericht ferner über den Angeklagten den Verlust der bürgerlichen Ehren- rechte auf die Dauer von fünf Jahren. Trotz der gerechten Strafe, die diesen Kautionsschwindler ereilt hat, wird leider die Schar der durch ähnliche Manöver Geschädigten insbesondere so lange nicht alle werden, so lange derartige Schwindler Zeitungen finden, die bereitwilligst den Raum für solche Schwindelannonccn gegen Bezahlung frei- stellen und in ihrem redaktionellen Teil für Zßerdummnpg ihrer Leser ihr redlich Teil beitragen. Die Revolu tionSpnragraphcn vor dem Rcichßgericht. An, Freitag verwarf das Reichsgericht die Revision dcS Redakteurs des„Freien Arbeiier", Rudolf O estreich, der am 3!. Januar vom Laiidgericht I in Berlin ivegen vermeintlicher Veräckilichniachiing der Heereßeinrichtung durch Verbreitung erdickleter Tatsachen— begangen durch zwei Artikel in der Beilage.Antimilitarismus"— zu ,cck)s Wachen Gefängnis verurteilt woracn ist. Dasselbe Gericht hat am 1. März den Elektrotechniker und früheren Redakteur de?„Rebolutionär", Karl S a u t e r, wegen Aufforderung zur Begehung strafbarer Hmidlmige», Knreizung zn Gewalttätiglazten und Aufforderung zur Fahnenflucht und Meuterei und Aiistifluiig dazu sowie wegen imbefugtcn Gebrauches dcö kaiserlichen Wappens zu einem Jahre Gefängnis ver- urteilt. Ferner ist wegen gleicher Straftaten verurteilt ivorden der Schuhmacher Peter S ck a n f in Krefeld. Die Revision Sauters wurde vom Reichsgericht verworfen. soweit da§ Rebellen-Liederbuch in Frage kommt. Dagegen hob da« Reichsgericht ouf die Revision Sauters das Urteil gegen beide Angeklagte auf. soweit daS Soldaten- Brevier in Betracht kommt. Die Feststcllmig, daß dieses Buch verbreitet worden sei, war zu beanstanden. Verbreitung letzl voraus, daß der betieffcnde Gegenstand dem Publikum zugänglich gemacht worden ist. Das ist nicht festgestellt. Schauf bat die Schriften nicht den, Publikum zugänglich gemacht, sondern seinem Genossen Sanier, der ihn au- gestiftet hatte, und dem Genossen Malycha, der nur die Deckpersou für Santcr war. Diese beiden Personen konnten nicht als Vertreter des PnblikinnS angeschen werden; sie wollten erst den Anfang der Ausführung der Verbreitung machen. Unsere Leser entsinnen sich, daß die Art der„Entdeckung' der Schriften stark nach Lockspitzeln roch. Zahlreiche Diebstähle in städtischen Badeanstalten sielen dem Üminerlehrliiig Max K a t t s ch n ck zur Last, der vorgestern der dritten Strafkammer des Landgerichts I auZ der Unterluchungshaft vorgeführt wurde. Der Angeklagte hat geständlich DiebcSfahrien durch die städtischen Badeanstalten gemacht und dort Diebstähle an Gold- fachen und Kleidungsstücken verübt, indem er die Gelegenheit ab- paßte, wo die Badenden ins Wasser gegangen waren und sich dann in höchst raffinierter Weise Eingang zu den verschlossenen Ankleide- zelleil verschaffte. Zehn solcher Diebstähle mußte er im gest igen Termin zugeben. Seine Entdeckung erfolgte, als er durch edie» jungen Mann eine gestohlene Uhr versetzen ivollte. Er wurde zu einem Jahre Gefängnis verurteilt. Zweimal angeklagt. Vor dem Schöffengericht Rixdorf erhob gestern der Kutscher P a e tz e l ans Mariendorf gegen die Anklage fahrlässiger TranSportgesährdmig den Einwand, daß er ja wegen derselben Sache bereits am 24. April rechtskräftig freigesprochen sei, da auf Grund der Zeugenaussagen das Gericht sich davon überzeugt hatte, daß an dem Zusammenstoß dcS vom Angeklagten gcsührte» ArbcilöwagcnS mit einem Motorwagen den Angcklagieii keine Schuld treffe. Tableau! Der Angcllagtc hatte sogar die Keckheit, da? Aktenzeichen (6 D. 244 07) anzugeben. Die Akten werden herbeigeschafft und— bestätigen die Angaben des Angeklagten in vollem Umfange. Es erübrigte sich natürlich nunmehr die Vernehmung der drei geladenen Zeltgen. Das Gericht erkannte auf Einstellung des Ver- fahrenS als eines unzulässigen. Eanktils Blireankrarnl» hat eine eigenartige ArbcitSlvill'gkcit. die Unschuldigen Arbeit. Mühe und Verdruß schafft. Wenn Sozialdeniokraten sich nicht gutwillig niederreiten lassen, werden sie bestraft. Vor dem S ch ö f f e n g e r i ch t in W u st e r h a u s c n a. D. hatten sich dieser Tage zwei Genossen wegen Hausfriedensbruchs, Körperverletzung und Ucbcrtrctung des Forst- und Feldpolizei. gcsetzes vom 1. April 1880 zu berantworien. Der Sache Aegt folgender Tatbestand zugrunde. Im Januar dieses Jahres, während der Zeit der Wahl, hatten zwei Parteigenossen aus Kyritz es unter- nommen Wahlflugblättcr in einigen Orten des Kreises Ost-Pricg- nitz zu verbreiten. In HcinrichSfclde wurden sie von dem Guts- besitzer Schulte vom Gutshof hcruntcrgcjagt. Um nach dem nächsten Ort zu gelangen, schlugen sie einen Landweg ein. Hier kam Schulte ihnen nachgesprcngt und verlangte unter der Drohung, sie niederzureiten, dah beide den Weg zurückgehen sollten, da dieser seinem Freunde, dem Pächter des Gutes Leddin gehöre. Beide Angeklagten behaupten, nur die Drohung, nicht aber die Belehrung gehört zu haben. Als beide Genossen sich anschickten weiterzugehen, ließ der Gutsbesitzer seiner Drohung die Tat folgen und rittmitdem Pferdeauf sie ein. Um sich vor den Pferdchufcn zu retten, sprangen sie aus den zur Seite liegenden Acker. Auch hier kam Schulte ihnen nachgeritten und da der jüngere von beiden schleunigst die Flucht ergriff, ritt er gegen den zweiten, älteren Genossen an; angeblich um ihn mit dem Pferde nach dem Wege zurückzudrängen. Dem so Bedrängten waren jedoch seine gesunden Gliedmaßen lieber als der Gaul des Herrn Gutsbesitzers und schlug er deswegen jedesmal, wenn das Tier auf ihn einspringen wollte, diesem mit einem Stock über die Nase. Als das Pferd in richtiger Erkenntnis, daß Stockschläge weh tun, dem Schenkeldruck dcS kühnen Reiters nicht mehr gehorchte. sprang dieser vom Gaul herunter und drang mit der Reit» peitsche in der Rechten auf den Verfolgten ein. Als er jedoch zum Schlage ausholen wollte, erhielt e r einen Hieb über den Arm, so daß er die Peitsche fallen lassen mußte. Wie unser Genosse behauptet, habe er aus Furcht, der Herr Schulte würde eventuell seinen Ncvolwcr ziehen und schießen, blindlings darauf loSgehauen. Ter Herr Gutsbesitzer will aber nur den einen Schlag über den Arm erhalten haben. Bei ihrer polizeilichen Vernehmung, wie im Termin be« stritten beide Angeklagten, sich strafbar gemacht zu haben, denn von dem Vorhandensein einer Verbots- oder Warnungstafel war ihnen nichts bekannt. Ferner hatten sie in berechtigter Notwehr gehandelt und dies Recht nicht überschritten. Trotzdem kam das Gericht zur Verurteilung beider. Und zwar erhielt der, der vor den Angriffen dcS Schulte geflohen war, eine Geldstrafe von 20 M. zudiktiert, während der andere, den der Gutsbesitzer besonders bedrängte, mit 2 Monaten Ge- fängnis und 4 0 M. S t r a f e belegt wurde. Berufung ist selbstverständlich eingelegt._ Darf eine Leiche getragen werden? Der Transport von Leichen ohne Bcmitzimg eine« Leichen» wagens. d. h. das Tragen von Leichen nach dem Friedhofe, ist durch eine Polizeiverordmiiig dcS Amtsvorstehers zu Kammin verboten worden. Bontzoll sollte sich dagegen vergangen haben. Das Landgericht Benthe n sprach ihn jedoch frei, weil cS die Verordnung für nicht gültig erachtete. Dieses Urteil wurde vom K o in n, e r g e r i ch t aufgehoben. DaS Land- gericht soll sich nochmal mit der Sache vesassen. DaS Kammer- gericht führte aus: ES könne dahingestellt bleiben, ob die Ver» ordnung etwa aus grsundheilSpolizeilichen Gründen hätte erlassen iverden könnm. Nach ihrem Inhalt sei sie eine Transportverordiiung, die de» Verkehr ans öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen vor Bc- »achtelligniig bclvahre» solle. Sie sei deshalb rechtsgültig, und zwar mit Rücksicht ouf§ Ob des PolizeiverwaltniigSgesetzeS. wonach zu den Aufgaben polizeilicher Regelung die Sicherheit, Ordnung und Leickligkeit des Verkehrs auf öffentlichen Wegen, Straßen. Plätzen usw. gehöre._ Wegen fünf Pfennigen vor dem Schwurgericht! Daß sich das Schlvurgericht auch mit an sich ganz nichtigen Sachen zu beschäftigen hat, zeigte eine Verhandlung vor dem Ehenmitzer Schwurgericht. Der Packer P füll er. der im Nachbarort Auervwalde wohnt und in Chemnitz arbeitet, wurde am Abend des 26. April auf der Station AnerSwalde an- gehalten, weil an seiner Fahrkarte Veränderungen sichtbar waren. Pf. hatte eine Fahrkarte vierter Klasse von Glösa bis UnterwittgenSdorf für 10 Pfennig gelöst, war aber bis Auerswalde, eine Station weiter gefahren. Diese Fahrt hätte 1ö Pfennig gekostet. Pfüller bezahlte nun die verlangten 10 Pfennig für die Strecke zwischen den letzten Stationen. Weil aber die Fahrkarte insofern verändert worden, als die Endstation unkenntlich gemacht worden war, und Pf. bei der Feststellung große Verlegenheit zeigte, aber leugnete, daß er den Stationsnumen weggekratzt habe, wurde die Sache der StaatSaiuvaltschaft übergeben. Eine Eisenbahn- fahrkarte gilt als inländische öffentliche Urkunde. DeS- halb kam die Sache vor das Schwurgericht, wo sich Pfüller wegen schwerer Urkundenfälschung und Betrugsversnches zu verantworten hatte. Die G e s ch>v o r e n e n nahmen aber nur Beschädigung der Urkunde, nicht Fälschung an und verneinten die Schuldfragen. Daraufhin erfolgte Frei» s p r e ch u n g._ Nngerrchtr Freisprechung. Der Großgrundbesitzer Hochhcim bon Schafstädt hatte den Arbeiter Kammer des Diebstahls beschuldigt. Die Beschuldigung stellte sich aber gelegentlich der Bernchinnng Vor der Polizei als durchaus ungerechtfertigt heraus. Hierbei tat Hochheim in Beziehung auf Kammer die Arußernng:„Das ist die moderne Sozialdemokratie. Während andere Leute sich plagen, gucken die Spitzbuben zum F e n st e r itiiiau« und lachen eine in aus." Kammer fühlte sich durch jene Acnßernng beleidigt, klagte und daS Lauch» städtsr Schöffengericht verurteilte Hochhei», zu zehn Mark Geldstrafe. Die Hallesche Strafkammer hob aber ans eingelegte Berufung HochhcimerS das Urteil auf, sprach Hochheim frei und legte Kammer die Kvften zur Last. Begründend hieß eS, die Aeiißernug sei nur allgemein aufzufassen und nicht direkt auf den Kläger zu beziehen.— DaS Urteil entspricht weder dem Recht noch der anch von der Hallenser Strafkammer, ins- besonder? gegen Sozialdemokraten geübten Praxi». Aber--- es gibt keine Klasscniustiz. Wa» schimpfen Sie, Herr Lizentiate? An die Taten des Herrn Bahn erinnert ein vor de». Halleschen Strafkammer verhandelter.Sittenprozeß". Zwei Stndenien hatten den Kaufmann Schlüter, der Pariser Gnmmiartikel vertreibt, gebeten,„ihrem Freunde", einem frommen Theologen, eine Preisliste über Gnnnniartikcl zuzusenden. Der Theologe fühlte sich durch Zusendung der Liste„in seinen sittlichen Gefühlen" verletzt, entrüstete sich ent- sprechend, lief zum Staatsanwalt und die Folge davon war, baß Schlüter„wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften" und Beleidigung zu 30 M. Geldstrafe verurteilt wurde. Die Verhandlung fand auch noch wegen Sitteiigesährduiig r mter verschlossenen Türen statt. Und doch verbreiten.par' ilose" und, wie wir erst jüngst fest« stellten, agrarische Zeitinigci straflos Aiigimdigimgen solcher„unzüchtigen Artikel" im Aunoi.centeil, während sie im redaktionellen Teil über die sündige Welt zetern. Die ReichSpost als Arbeitgeber. Vor dem Schwurgericht in Trier stand der 28jährige Post- böte K l n g e l aus Bitburg wegen Unterschlagung im Amte. Der Angeklagte ivnrde vor fünf Jahren als Hülfsboie angestellt. Später lvurde er Postbote. AIS er vor zwei Jahren heiratete, nahm er ein Darlehen von 450 M., da» er in Monatsraten von 5 M. zurück- zahlen sollte. Als er diesen Verpflichtmigen nicht nachkam, wurde daö ganze Darlehen zurückverlangt. Nach einem Dienstgange, aus dem er auch einige Kneipen besucht hatte, fehlten ihm an einer Post» anwsisung einige Mar?. Er d-ckte das Geld durch einen Betrag, der ihm in amtlicher Eigenschaft ausgehändigt worden war. So machte er immerfort Schiebungen, um eine Veruntreuung durch die andere zu decken. Zuletzt war ein Fehlbetrag von 80 M. vorhanden, der von seinen Schwiegereltern gedeckt wurde. Die Geschworenen billigten dem Angeklagten mit Rucksicht darauf, daß er sich in einer Notlage befunden habe, mildernde Umstände zu. Das Urteil lautete auf ein Jahr Gefängnis; ferner wurde er auf drei Jahre unfähig erklärt, ein öffentliches Amt zu bekleiden. Wie fast in allen PostunterschlagungSprozessen, war es auch hier ein wahres I a m m e r g e h a l t, das den Beamten dem Verbrechen in die Arme getrieben hat. Der Mann sollte mit dem Hungerlohn von 60 M. monatlich eine Fmmlw ernähren I Das sollen ihm die Verantwortlichen der Reichssozialpolitik mal vor- machen, ohne zu stehlen._ Verurteilter Rechtsanwalt. Vom Landgericht I in M ü n ch e n ist am 8. April der frühere Rechtsanwalt Friedrich Wilhelm S ch i f f n e r zu acht Monaten Ge- fängnis verurteilt worden, nachdem ein früheres freisprechendes Urteil aufgehoben worden war. Die erkannte Strafe ist mit zwei anderen noch unverbiißten Strafen zu einer Gesamtstrafe von einem Jahre acht Monaten vereinigt worden. Der Angeklagte hatte zehn Aktien zum Nominalbetrage von 10 000 Vi. zum Verkauf erhalten, aber.keinen Käufer gefunden. Als ihm dann eine Wechselklage drohte, übergab er dein Rechtsanwalt seines Gegners die Aktien als Sicherheit dafür, daß er ihm eine erste Hypothek auf einem fremden Grundstücke einräumen werde. Diese Hypothek erhielt er aber nicht, worauf er nach Italien„reiste". Einlösen konnte er die Aktien nicht.— Die Revision des Angeklagten, der den Vorsatz der Unterschlagung bestritt und nicht das Bewußtsein der Rechts- Widrigkeit gehabt haben will, wurde am Donnerstag vom Reichs- geri chte verworfen. Llteranfcbes. Sezialistifche Literatur. Zwei Vorträge von Paul Lenfch. Verlag der Leipziger Buchdruckerei. 1007. „Einen Ueberblick über die sozialistische Literatur geben, heißt einen Ueberblick über die sozialistische Bewegung geben." Mit diesen Worten beginnt Genosse Lenfch seine Broschüre, und sie bezeichnen die Auffassung, womit er an die Arbeit gegangen ist, sie sind gewissermaßen sein Programm. Man darf sagen, daß er dieses Programm gewissenhaft eingehalten hat. Nicht zwar als ob er in den zwei kurzen Vorträgen von zusammen 19 Druckseiten eine erschöpfende Behandlung der sozialistischen Bewegung hätte geben können. Aber er hat an der Hand des historischen Werde- ganges der Sozialdemokratie das Werden ihrer Literatur gezeigt und dadurch nicht nur diese Literatur, sondern auch die historische Enwickelung der Sozialdemokratie selbst in kurzen, treffenden Strichen gezeichnet; er hat gezeigt, unter welchen historischen Um- ständen die bedeutenden Werke unserer Literatur entstanden sind, und hat dadurch ihr Verständnis dem fleißigen Leser außerordent- lich erleichtert. Dieser Gang der Tarstellung führte ihn mehrfach zu der Erörterung der grundlegenden Fragen unserer Bewegung, und hier hat er auf gedrängtem Räume hervorragendes geleistet. Wir kennen wenige Schriften, die in gleicher Kürze eine solche Fülle von Arbeit enthalten. Wer nicht selbst sich mit den hier be- handelten Gebieten schon näher beschäftigt hat, wird kaum ahnen, wie viel Fleiß und Schweiß des Verfassers in den wenigen Seiten steckt. Seine Darlegungen können geradezu als Grundritz und Plan eines ausführlichen Kursus über die Geschichte unserer Partei gelten. Was den praktischen Nutzen der Schrift anlangt, so liefert sie uns den so lange schmerzlich entbehrten Führer durch die sozia- listische Literatur. Allerdings mit der Einschränkung, daß er nur stellung historisch und deshalb im wesentlichen chronologisch, d.' h. es werden die Werke in der Reihenfolge ihres Entstehens an- geführt. Wer nun in der sozialistischen Bewegung sich praktisch und theoretisch schon fleißig umgetan hat, der wird zweifellos großen Nutzen daraus ziehen, wenn er sich an die von Lensch ge- gebene Reihenfolge hält. Er wird dadurch sein schon erworbenes, aber ungeordnetes Wissen systematisieren, in Ordnung bringen, was ja die erste Vorbedingung zur Vertiefung und Bereicherung des Wissens ist. Gegen das Ende der Broschüre freilich, je mehr der Verfasser sich der Gegenwart nähert, desto mehr häufen sich die Büchertitel, so daß dem Anfänger damit auch nicht viel gedient ist. Das wird sich aber kaum anders machen lassen, wenn die Broschüre sich nicht zu einem umfangreichen Buch auswachsen soll. ES schadet aber auch nichts, denn wer bis dahin der Führung des Verfassers gefolgt ist, der kann sich dann schon selbst weiter helfen. Dagegen dem Anfänger, der überhaupt erst in die sozialistische Gedankenwelt den Eingang finden will, wird mit der chronologischen Reihenfolge nicht viel genützt sein. Er braucht eine logische Reihen- folge, d. h. eine vom leichteren zum schwereren fortschreitende Bus- zählung der Literatur. Indessen muß anerkannt werden, daß sich beide Aufgaben in einer Schrift wohl kaum lösen lassen. Und so kann das Schriftchen von Lensch als eine sehr wertvolle Be- reicherung unserer BildungSmittcl warm begrüßt werden. /. B. geschassen werden lomilc, beaustragle die Versammlung den Vor- stand, die Sache zu untersuchen. Ferner wurde mitgeteilt, daß die Versetzmaurer der Firma Gebr. Fricsicke, Kunststeinfabrik in Britz, streiken, und daß die Firma nun Steinmetzen als Streik- brccher Heranzuziehen sucht. Wenn auch die Steinmetzen das Ver- setzen als eine ihnen und nicht den Maurern zustehende Arbeit ansehen, werden sie sich selbstverständlich nicht als Notnagel von der Firma Friesicke gebrauchen lassen, die bisher der Billigkeit halber nur Maurer für diese Arbeit einstellte. Der Zentralverband der Töpfer Deutschlands, Filiale Berlin, beschäftigte sich in einer am S. Juni stattgefundenen Versammlung nochmals mit der Sache Huhn, die dadurch ihre Erledigung fand, daß Huhu sämtliche ihm von der Organisation übertragenen Aemter niederzulegen hat und in Zukunft keine Aemter mehr be- kleiden kann. Ein Antrag, welcher hesagt, Huhn soll zur Herstellung seiner Ehre die Firma Schuppmann wegen Beleidigung verklagen, wurde dadurch erledigt, daß Huhn erklärte, dies zu tun. Sodann wurde Stellung genommen zum Bauarbeiterkampf. Da die Zeit aber schon zu weit vorgeschritten war, wurde beschlossen, in kürzester Zeit eine neue Versammlung einzuberufen. Weiter wurde darauf hingewiesen, daß es Pflicht eines jeden Kollegen sei, die Bäcker in ihrem schweren Kampfe zu unterstützen, durch strikte Durchführung des Boykotts und rege Beteiligung an der Flug' blattverbreitung. Mit der Lohnbewegung der Bäcker beschäftigten sich die zahl' reich versammelten Mitglieder des Verbandes der Friseurgehülfen am Donnerstag im„Rosenthaler Hof". Der Delegierte der Ge werkschaftskommission Bolljahn und der Vorsitzende Schmidt er- statteten Bericht über den Verlauf des Lohnkampfes und gaben die Beschlüsse bekannt, welche dieserhalb angenommen wurden Folgende Sympathieerklärung wurde von den Versammelten ein stimmig angenommen:„Die im„Rosenthaler Hos" versammelten organisierten Friseurgehülfen sprechen den im Lohnkampfe befind lichen Bäckergesellen ihre vollste Sympathie aus und wünschen, daß es ihnen gelingen werde, den Kampf siegreich zu beenden. Die Friseurgehülfen verpflichten sich, den verhängten Boykott wirksam zu unerstützen. Der Kampf gegen das Kost- und Logiswesen, unter dem auch die Friseurgehülfen noch zu leiden haben, muß energisch durchgeführt werden. Der Kampf gegen diese Ueberbleibsel der mittelalterlichen Zustände verbindet die Bäcker und Friseur gehülfen gemeinsam gegenüber dem protzenhaften Benehmen der Arbeitgeber. Der Kamps der Bäcker ist der unsere." Hierauf hielt Genosse Bolljahu einen Vortrag über soziale Gesetzgebung. Iozialdeniokratisckier Zcntralwahlverei» für de» Reichstags Wahlkreis Züllicha»- Schwiebus- Krassen< Sommerfeld(Ortsverein Berlin). Dienstag, den lt. Juni, abends 8'/« Uhr, bei Patt, Drazonerstr. 15 AusjcrordeiUIiche Generalversammlung. Zlllgemeine Familie». Sterbekasse. Heute: Zahltag Ackerstr. 123 bei Wicsenthal von 3—6 Uhr. Verein der Lehrlinge, jugendlichen Zlrbeiter und Arbeiterinnen Berlins und Umgegend.(Abteilung Moabit VIII u. IX.) Mitglieder- Versammlung am Sonntag, den S. Juni, nachm. 2'/, Uhr, bei Pieleke, Waldstr. 8. Polnische Sozialiste« zu Berlin. Montag, den 10. Inn!, abends g Uhr: Versammlung bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75. Die Parteigenossen werden ersucht, ihre polnischen Mitarbeiter aus die Versammlung ausmerksam zu machen._ Vermilcbtes. Der vernagelte Bahnhof. Zu dieser im vermischten Teil der Nummer 120 vom 6. Juni 1007 entbaltenen Notiz schreibt die königliche Eisenbahndirektion:„Im Interesse der zahlreichen Arbeiter schalt der am Nonuendamm belegenen Werke der Aktiengesellschaft Siemens u. Halske wurde auf Kosten dieser Gesellschaft der Haltepunkt Fürstenbrunn mit größter Beschleunigung er- und vor etwa zwei Jahren in Betrieb genommen. DaS __ hW tch- divssnigen gut führt, die schon einige, und fagar. nicht einmoh�-�il» Enteiginmasverfahren zu erwerbende Gelände für den eisenbahn- beträchtliche Vorkenntnisse haben.-Wtö' kchött.bemerkt, ist,die Dar- Teiitg borgeseheiien Bahneigenen ZugangSweg konnte bis zur In- -..r,— t.—''-".5ro ji... w c betri ebnahme nicht beschafft werden. Die Atticngesellschaft Siemens u. Halske legte deshalb nach Vereinbarung mit der Minerallvasser' Versammlungen« Zentralverband der Maurer. In der am Freitag abgehaltenen Generalversammlung des ZweigvereinS Berlin erstattete der Kassierer Wartenberg den Kassenbericht vom 1. Ouartal. In den Zahlstellen und Sektionen wurden eingenommen 160 431,20 M., ausgegeben 12 381,74 M., bleibt ein Bestand von 167 049,46 M. Tie Zweigvereinskasse hatte eine Einnahme von 191 366,77 M.. eine Ausgabe von 66 784,47 M., einen Bestand von 136 682,30 M.— Am Schluß des Quartals hatte der Zweigverein 16 643 Mitglieder, davon sind 10360 Maurer, 2677 Putzer, 2697 Gips- und Zement- arbeiter. Es wurde mitgeteilt, daß die durch Beschluß des Verbands- tages erhöhten Unterstützungssätze am 1. Juli in Kraft getreten sind, was also auch für die Streikunterstützung gilt. Eine längere Debatte entstand darüber, ob der Lokalzuschlag zum Vecbandsbeitrag, 6 Pf. wöchentlich, im gesamten Zweigverein zu zahlen ist. Die Zahlstellen der Maurer und die Sektion der Putzer hatten den Zuschlag bereits beschlossen, die Sektion der Gips- und Zementbranche dagegen hat ihn abgelehnt. Die Ver- sammlung beschloß nun, daß der Zuschlag auch in der Gips- und Zementbranche zu erheben ist.— Ferner nahm die Versammlung die Wahl des Verbandsaus- fchusseS vor. Da dieselbe durch Stimmzettel stattfand, konnte das Resultat bis zum Schluß der Versammlung noch nicht festgestellt werden. Die Filiale 1 des ZentralverbandcS der Steinarbeiter nahm in ihper am Freitag stattgefunbenen Versammlung eine Sympathie- erklärung für die kämpfenden Bauarbeiter an. Darüber berichteten Wir unter„Der Kampf im Baugewerbe". Ferner wurde über die Unterstützung der in Mitleidenschaft gezogenen Kollegen beraten. Sowohl die durch den Kamps im Bau- gewerbe arbeitslos gewordenen, wie auch die anderen arbeitslosen verheirateten Mitglieder erhalten aus der Zentralkassc die Streik- Unterstützung, während die ledigen zur Abreise verpflichtet sind und Reisegeld erhalten. Tie Versammlung beschloß� zu� den vom Zentralvorstand bewilligten Sätzen bestimmte Zuschüsse aus der Ortskasse. Sodann teilte der Vorsitzende mit, daß die Stein- m e tz e n in Pirna seit Mitte vorigen Monats sich�im Aus- stand befinden, und daß wahrscheinlich in Berlin Streik- arbeit gemacht wird. Da jedoch hierüber noch keine Klarheit fabrik„Quelle Fürstenbrunn" auf deren Grundstück einen vorläufigen Zugangsweg an. In Rücksicht auf Verhandlungen mit der Stadt gemeinde Charlottenbnrg. die auf eine Aenderung des ursprüng- lichen Planes für die BahnhofSanlage abzielen, aber»och nicht ab- geschlossen sind, konnte das Enteignungsverfahren bisher nicht durch geführt werden. Zur Abkürzung des Weges zum Haltepunkt um 1 bis 2 Minuten waren die Fahrgäste eigenmächtig über das Waliersche Privat- grundstück— an der Stelle, wo der bahneigne Zugang vorgesehen ist— gegangen. Ebenso wie bereits im März d. I. die Eisenbahnverwal tnng durch Schließen einer Zaunlücke ans ihrem Grundbesitz diesem wider' rechlichen Betreten des Walterschen Grundbesitzes vorzubeugen suchte, hat der Grundstückseigentümer Walter neuerdings— und mit vollem Recht— durch Abschluß des Grundstücks auch von seiner Seite aus dessen Betreten nnmöglich gemacht. Es ist demnach nicht richtig, daß dadurch, daß der Grundstückseigentümer des Bahnhossvorlandes den Zugang zum Bahnhof durcd einen Zaun unmöglich gemacht hat, der Bahnhofsbetrieb hätte eingestellt werden müssen. Der Zugang zum Bahnhof Fürstenbrunn ist nach wie vor gesichert." Aber wie! Ein Fontanr-Drnkmal wurde gestern in Neu-Ruppin, dem Ge- burtSorte Theodor Fontanes enthüllt. Ler Kaiser vor Gericht. In Ost- und Westpreutzen ist der Kaiser bekanntlich Grund- besitzer. Als solcher ist er auch nicht von Prozessen verschont ge- blieben. Wie die„Elbinger Zeitung" berichtet, wurden gegen den Kaiser 4 Prozesse geführt. Alle vier Prozesse hat der Kaiser ver- loren, trotzdem seine Anwälte eS an Eifer und Mühe gewiß nichi fehlen ließen. Als die Haffuferbahn den kaiserlichen Gutsherrn von Cadinen verklagte, wurde er verurteilt zur Anerkennung des Wegerechts, wodurch die öffentliche Haltestelle Cadinen überhaupt erst möglich wurde. In dem Prozeß' mit seinem Pächter in Reh- borg, einem Bestandteil von Cadinen, wegen Reparaturbauten im Betrage von etwa 20 000 M: erkannte das Elbinger Landgericht die klagerischen Ansprüche nur zum zehnten Teil an und legte dem Gutsherrn von Cadinen auch neun Zehntel der Kosten zur Last. In dem Prozeß gegen den Romintener Gastwirt auf vorzeitige Räu- mung des Gasthofs wegen angeblicher Vertragswidrigkeit konnte das Landgericht Jnsterburg den Ansprüchen des Kaisers nicht statt- geben, und endlich verfiel die gegen diesen Gastwirt gerichtete und auf Entziehung der Schankerlaubnis lautende Klage dem Schicksal der Zlbweisung, welches Urteil der Bezirksausschuß in Gumbinnen fällte.__ Ein Wirbelsturm ging über Teile von Illinois, Indiana und Kentucky hinweg und verursachte viele Verluste an Menschenleben sowie großen Schaden an Eigentum. Bei einem Wolkenbruch in Greensburg(Kentucky) wurden 16 Personen getötet, Mocken-Spieiplan der Berliner Cheater. Königl. Opernyans. Sonntag: Manon. Montag: Meistersinger von Nürnberg.(Ansang 7 Uhr.) Dienslag: Salome.(Ansang 8 Uhr.) Mitt- woch: Die NcgimcntStochter. Donnerstag: Tannhciuser. Freitag: Carmen. Sonnabend: Geschlossen. Sonntag: Mignon. Montag: Salome.(An- sang 8 Uhr.) Königl. Schanspielhans. Sonntag: Ein Fallissement. Montag: Die Nabciisleincrin. Dienstag: Die Welt, in der man sich langweilt. Mittwoch: Die Rabensteinerin. Donnerstag: Ein Fallissement. Freitag: Die Raben- steinerin. Sonnabend: Geschlossen. Sonntag: Die Rabensteinerin. Man- tag: Ein Falliflement. NeneS königl. Opern- Tcheater. Sonntagnachinittaz 3 Uhr: Nation. AbcndS: lOOl Nacht. Montag: Der lustige Krieg. DienStag: Die Geisha. Mittwoch: Die Fledermaus. Donnerstag: Wiener Blnt. Frei- tag: Der Zigeunerbaron. Sonnabend: 1 Theater. Sonntagnachmiltag 4 Uhr: Die rote Nase. Großes Reinemachen. Die Zillcrthalcr. AbcndS: Der große Un« bekannte. Ab Montag: Die rote Nase. Großes Reinemachen. Die Zillcr- thaler. Nestdenz< Theater. Allabendlich: Haben Sie nichts zu verzollen? LNrtropol-Theater. Allabendlich: Der Teufel lacht dazu. Thalia- Theater. Sonntag bis Montag: Charleys Tante. Apollo-Theatcr. Allabendlich: Der lustige Witwer. Spezialitäten. Walhalla-Theater. Spezialitäten. Reichshalle». Theater. Stetliner Sänger. Passage- Theater. Spezialitäten. Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten. Figaro-Theater(im Folies Capriee). Allabendlich: Geisteroutck Paris. Ansang 8Y, Uhr. Carl Haverländ-Theater. Spezialitälen. Gustav Behreus-Theater. Berlin IV., Eoltzstr. 9. Die Katzen in der Perücke. Spezialitäten. Urania- Theater. Taubcnstraße 48/49. Sonntag, Montag, Mittwoch, Donnerstag und Sonnabend: Die Gletscher der Hochgebirge und die Eis- zeit unserer Heimat. DienStag und Sonntag: Von der Zugspitze zum Watzmann. Freitag: Im Lande der Mitlernachtsionnc. Ansang 8 Uhr. Briekkalten der Redahtion. Tie siirlstlsche Sprecht»,»ide findet Fried richstr. IN, Ztilfgitng 4, eine Treppe(Hniidclostäctc Bellcallinnce, Turchgang auch Lindenstr. IUI). Ivochcnläglich pon 7Y, bis Wj, Uhr abends statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechtnindc um ff Uhr. Jeder eintrage ist ein Buchstabe»nd ein« Zahl als Bterkzcichen beiznfnge». Briefliche'Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen»rage man IN der Sprechstiiiidc bor. E. W. 100. Den Schwestern steht zusammen ein Anspruch auf die Halste des NachsasseS ihrer Schwester zu. Geht der Anspruch nicht in Güte durch- zusetzen, so können Sie sich an daS Gericht wenden.— R. S. 100. Ja, die Kasse selbst kann dann Erstattung von der BerusSgenossenschajt verlangen. — F. P. 92. Wenn die Fcrienipiele beginnen, werden wir näheres ver- öffentlichen.— K. G. 20. Die Privatllage könnten Sie auf Grund des § 185 des Strafgesetzbuches anstrengen und haben auch Aussicht, dieselbe zu gewilmen, wenn Sie die Acutzerung durch Zeugen bekunden lassen können. Sonst wäre von einer Klage abzuraten.— Wermelskirchen. 1. Ein Ausländer kann nach der herrschenden Praxis, die allerdings im Widerspruch mit den Staatsverträgcn steht, ohne Grund ausgewicscn werden. 2. Ja. 3. Ja. aber der Beweis des Zusammenhanges der Wunde mit dem Leiden»mß geführt werden und ebenfalls muß bewiesen werden. daß die Folgen erst jetzt bemerkbar geworden sind.— O. K. 27. Das während der Ehe Erworbene ist Eiaciitum Ihres VaierS geworden. Die Auffassung JbreS VaterS entspricht also dem Gesetz.— M. G., Schwedter» straste. 1. bis 3. Auf Antrag an die Eisenbahndirektion kann Ermäßigung gewährt werden.— N. N. 27. 1. Nein. 2. Dagegen läßt sich leider nichts tu«. Berliner Marktpreise. Aus dem amNIchcn Bericht der städMche» Marktballcn-Direktio».(Großbandel.) Rindtlcisch I» 66 68 pr. 100 Pfd.. Iis 60- 65, Uta 55-56. Bullenfleisch la 62—66, IIa 52-60, Kühe, seit 50—58, do. mager 38—48, Fresser 50—62, Bullen, dän. 0,00, do. holt. 0,00. Katbfleiich. Doppellender 100—125, Mastkälbcr la 88—94, Na 76—84, lila 0,00, Kälber gcr. gen. 50—65, do. Holl. 60—65, dän. O.OO. Hainmclsleiich Mastlämmer 70—74, la 65—70, IIa 58- 65, Schase 63— 58. Schwcineileislt, 47—54. Rehwild la per Pfund 0,60—0,73. IIa 0,30-0,58. Rotwild. Abschuß 0,56-0,59. Damwild. Abschuß 0,00. Wild» schweine 0,35—0,40. Frischlinge 0,00, Kaninchen per Stück 0,60—0,75. Hndiier, alle, per Stück 1,45-1,80, IIa 1,00—1,40, do. junge 0,50—0,80. Wolga. Hühner 1— 1,75. Tauben 0,40—0,55, italienische 0,00. Enten per Stck. l.50 bis 1,80, dito Eis- per Stück 0,00, do. Hamburger per Stück 1,75—4,00, Gänic per Pfd. 0,80—0,85, do. per Stück 2,00—5,50, do. Hanl- burger per Psund 0.80—0,90, per Stück 3,50—5,00. ChalonShübner Ha 1,30. Hechte per 100 Psund 94—109. groß und mittel 0,00, dito matt 75. dito groß 89. Zander 150. Schleie. Holl. 85— 97, dito tiein 115—125, do. 86—108. Aale, groß 121—127, do. klein und mittel 0,00, dito mittel 110—126, do. unsortiert 86—107. Plötzen 0,00, do. Nein 0 00 do. matt 0,00. Kardien 0,00, do. 0,00. Bleie 0,00. Bunte Fische 45- 69. Barse 0,00, do. matt 0,00. Karauschen 74—82. Bteisische 0,00. Weis 0,00. Aland 62—72. Ouappcn 60. Amerikanischer Lachs la neuer per 100 Psd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. IDa neuer 70. eelachs 15—20. Sprotten, Kieler, Wall 0.00, Danzigcr, Kiste 0,00. Flundern, Kieler. Stiege la 3—6, do. mittel ver Kiste 2—3. Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2,00—3,00. Bücklinge. Kieler per Wall 2,00—3,50 Stralsunder 2,00—3,00. Aale, groß per Psd. 1.10—1,40. nüttelgro» 0.80—1,10, klein 0,60—0.80. Heringe per schock 5—9. Schclliiiche e 5,00—7,00, Kiste 2—3,50. Kablian, geräuch. per 100 Psd. 15—20. Dorsch, Kiste 2,50—3,50. Goldfische. Schock 2—6. Sardellen. 1902« per Anker 95, 1904« 95. 1905« 90, 1906« 85—90. Schottische Vollhcriuge 1905 0,00, large 40-44, kult. 38—40, med. 36—42, deutsche 37—44. Heringe, neue MatjeS, per'/, To. 50— t20. Sardinen, rilss., Faß 1,50-1,60. Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1.25—1,50. Nemiaugell, Schocksaß II, Nein 5—6, Riesen- 14. Eier, Land-, uns ort. Schock 3.20, gr. 3.75. Butler per 100 Psd. la 106— 108, IIa 105— 106, lila 100— 102, abfallende 90— 95. Saure Gurken Schock 4,50, do. neue 6—8. Psessergurke» 4.50. Kartoffeln per 100 Piund rnagmira bonurn 3,25—3,75, Dabersche 3,00—3.50, Rose» 0,00, weiße 3,00—3,25. Salatkarloffeln 0,00. Spinat per 100 Psund 6—10. Karotten, hiesige, Schock-Bund 2,50—6.00. Sellerie. hiesige, per Schock 10,00-25, 0O. do. pommcrschc 0,00. Zwiebel» große, per 100 Psund 0,00, do. kleine 0.00, do. hiesige iPerl-) 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün. Schockbund 0.80—1.00. Kohlrabi Schock 0,60— 1.50. Rettig, bayr., neue Stück 0,12—0.16. Mohrrüben p. lOOPsd. .00— 8,00. Teltow« Rüben ver 100 Psd. 0,00. Weiße Rüben, große 0.00, kleine O,0O. Rote Rüben 0,00. Blumenkohl, holländischer per Kops 0,10—0,30. Kohlrüben per Schock 2,00—5,00. Wirsingkohl holländ. per Schock 0,00. Rotkohl Holland., per Schock 0,00 Weißkohl, dän. per lOO Pfd. 0,00. Rosenkohl per 100 Psd. 0,00. 'prutkohl per 100 Pjunb 0,00, Rhabarber 100 Bund 0,60—3,50, Bergedorfer per 100 Bund 0,00. Morcheln per Psund 0,00. aiidmvrcheln per 100 Psd. 0,00. Waldmcist« per Mandel 0,30—0,45. Radieschen per Schock 0,50—1,00. Salat per Schock 0,60— 1,'75 Spargel la 100 Psd. 40—58, do. IIa 25—35, do. lila 10—20, do. unsört' 0,00, do. Beelitzer la 45—58, do. Beelitzer IIa 30-40, do. Beelitzer lila 15—28. Stachelbeeren, grün, per 100 Psd. 11—13. Binien. austral., in Kisten von 20 Kg. Kiste 12—22, ital. 0.00. Aevsel, per 100 Psd., hiesige 20—25, Tiroler, Kiste 0,00, Caloillc, Kiste 0,00, Australier in Kisten 8—22, Italienische in Kisten 0,00, extra 0,00. Zitroucn, Messiua, 300 Stück 9,00—12.00, 300 Stück 8 50—13 00 200 Stück 6,00—12,00. illpselsinen, Jaffa, per Kiste 0.00. Murcia 200« Kiste 0,00, do. 300« 0,00, Valencia 420« Kiste 18,00—25.00,. do. 714« 22-30.00. Messina. 100« 4-7.00, 150« 5-8 00. 16i«8-1200 200«' 7,50-12,50, 300« 0,00, Blut. 100« 5,50-9,00, do. 150« 7-9,0» 60 er 6-7,50, 200« 13—14.__ W»tternngvaderN.k>t vom 8. Juni 1997. morgens 8 Nd«. Stall«»» 5winnnde. e o s— so=« Z i Iä 85!l I «etter. Prognose für Sonutag. den 9. Jnni I9»7. Wärmer, zunächst oieliach heiter bei mäßigen südlichen Winden; spät« wieder zunehmende Bewölkung und etwas Neigung zu Geioitterii. ,___________ �_________ Berliner W e t t e r t>»> e n ■uantvortrigec Reiattejit; Sans Kiber. Berlin. Für i»k» Inseratenteil vcrsnttv.: Sd. Glocke, Perlin. Tcuit u. Verlag: Pouvätt» Ouchdrucierei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Es., Berlin SW,"-""" 760 NW ! 763 NW 761 NW Fra»N.aM.j764SW München Wien ! Hamburg oerlin .764 RA !760W atittt 3 wollig 2 wolkig 4 bedeckt t wolkig Twolkig 3 bedeckt »s s» H S, Stallamn 5ä ® i Haparanda 766 S Petersburg 763 O Wcilly >758 S Aberdeen 757 SSO Paris 763 SW Settel r»« c e. — I> 1» HS, I wolkig» 2 bedeckt 12 öwolkig 12 2bedeckt g Iwolkenl 16 i i,.»»,>w» 5. KcilU Ks JttiDörts" ffrlintt lolMitt.».">»» w»». Achtung! Bäcker-Streik! Achtung! Die Bäckergesellen Berlins und der Vororte sind durch den Werl- und Tarifbvnolt der 9äeHer-3tmtmgen in den Streik getrieben worden. folgende SäcUemeister haben die bereehtigfen Forderungen bewilligt! Ackerstr. 45, Benthe, , 68, Koldaiker. . 85, g- Hanke. , III, Tboma. 114, Marquard. Adalbertstr. 36, R au Hut. , 45a, O. Janke. » 66, Hoppe. Adolfstr. 11, Tennigkeit. „ 12 b, Hänisch. Admiralstr. 10, O. Hanke. , 30, Hcinroth. Allensteinerstr. 6, Ramthun. , 9, Götzwein. , 15, Cieluch. 26, SaunuS. Alexandrinenstr. 28 Hilbig. Sllte JakobsK. 138, Lück. Andreasstv. 16, O. Hanke. Annenstr. 41, Niemcyer. Lln der Spandauer Brücke 1b, O. Hanke. Anllamerstr 31. Benthin. . 48, Haase. Slntonstr. 48, Ocrtcl. LlndreaSstr. 32, Brotsabrik„Wilhelms" Artillertestr. 3, Goldacker. Badstr. 13, Kappler. . 49. Goldacker. Barnimstr. 4/5, Lcgeler. „ 37, Güldenstern. Bastianstr. 18, Niedzwieds. . 20, Tonn. Belsorterstr. 22, Eggert. Bellealliancestr. 24, O. Hanke. Bergstr. 2, Hönicke. Bergmannstr. 10, KnofiuS. . 14a, Polenz. . 19, O. Hanke. Berllchingenstr. 1, PoloninZ. 12. Gras. Bernauerstr. 3, Schill. 47. Finke. Beusselftr. 17. O. Hanke. » 7, Eckert. » 42, Languth. , 44o, Grcthlein. •, 56, Pohle. » 59, Schneider. „ 87, Rithmer. Blesenthalerstr. 2, Menfing. Birkenstr. 32, Sauer. Blücherftr. 11, O. Hanke. , 67, Berolina. Blmnenstr. 13, O. Hanke. Bochumerstr. 10. Klinke. Bohenstr. 6, Bcnnckc. » 16, Jakob. Borhagenerstr. 27, Sieling. Böttcherstr. 25. Duckcrt. Bremerstr. 57, Vesterling. , 60, Bayer. Brunnenstr. 3, Mollweide. Lrunnenstr. 41, sorge. . 151, F. Hanke. » 129, Goldackcr. » 154, Hcrrmann. Brüsselers�. 5, de Bruyn. , 8, Gonfior. „ 43, Janczcck. Buchstr. 1, Pölker. Burgsdorsstr. 15, Linder. Büschlngstr. 17, Grosch. Butlmannslr. 20, Hirsch. Cadinerstr. 4, Weber. Camphausenstr. 6, Zindler. Carmen Sylvastr. 155, Schiwelk. »» 157, Herde. .„ 163, Straub- Chausseeftr. 44, Goldackcr. Chodowieckistr. 1, Müller. 25. Marlock. Christburgcrstr. 35, Tank. Ehrislianiaslr. 116, Eppinger. Comcniusplatz 1, P. Hanke. Curry str. 28, Plaiitz. Dalldorserstr 38, Wulst. Danzigerstr. 8, Conrad. „ 70, Freitag. , 72, Vondra». 76, Vogler. Dänenstr. 5, Butzck. Demmnierstr. 25, Grund. 23,©liefe. Dieffenbachstr. 27, Steinborn. „ 52, Kleb. Dieffenbachstr. 58a, Belhke. 70, Bock. Dolzigerstr. 51, WciSke. • 36, Reimann. Dragonerstr. 38/40, Schramm, DreSdencrstr. 6, Goldackcr, t • 17, O, Hanke. » 90, Schulz. » 104. Hanke.. Dunckeritr. 2. Czervenka. » 75, F. Hanke. » 78, Kunze. . 80. Deinert. Dunckcrstr. 90, F. Hanke. Ebelingllr. 5, Blender. Ebcrswalderstr. 27, Rothe. Ebertyftr. 33, O. Hanke. „ 45, Schramm. , 50, Brückner. 54, F. Hanke. Eisenbahnstr. 8. O. Hauke. „ 3, Haupt. Elbingerstr. 27, Fiedler. . 32. Wensch. . 90. Trappe. , 99, Reimann. Smdenerftr. 21, Niestroy. IT, Pohl. EraSmuSstr. 16, Hanke. Falckensteinstr. 20, Starz. 17, O. Hauke. Falkplatz 1, Günther. vohmarnstr. 8, Bchrcnd. 9. Volksbrot. 20, Barz. Fehrbcllinerftr. 27, Höselbarth. gennstr. 48, Laddasch. Forsterstr. 20. Genoffenschast„Berlin'. . 48, Reich. Große Franksurterstr. 38, Hanke. „„ 139, Goldacker. Frankfurter Allee, Ecke Samariter- stratze, F. Hanke. Frankfurter Allee 40, Richter. 176, C. Hauke. Franfeckiftr. 27, Böttger. 45. Thiel. 53, Goldacker. Freienwalderstr. 21, Gerlach. 38, Köpke. Friedrichstr. 247, Goldackcr. . 27, O. Hanke. . 13, C. Hanke. FriedrichZfeldcrstr. 26, Hntda. Friedenstr. 57, Becker. Friedrichsbcrgcrftr. 16, NowobzhnSk. Fruchtstr. 2, Schulze. „ 46, C. Polenz. Fürftenbcrgerstr. 9, Kanz. , 15, Otzwald. Fürstenwalderstr. 7, Heinrich. Gerichtftr. 53, Schönwiese. Gipsstr. 7. O. Hanke. Gitschinerstr. 58, Heinroth. Gleimstr. 9a, Jaape. , 11. Gicbler. m 19, Pribyl. , 32, Rothe. , 43, Grothe. » 48, Abraham. „ 60, Metfch. Goltzstr. 31, Goldacker. Gollnowstr. 9, Osk. Hanke. Gormannftr. 25/26, Minuth. Glogauerstr. 2, Kotzan. , 17, Jautke. , 26, Schwarzer. „ 28, Bäckerei- Genossen- schaft Berlin. Görlitzerftr. 63, Most. 55. Fischer. Gr.-Görschenstr. 43, O. Hauke. Gräfestr. 35, Bäckerei- Genossenschast Berlin. Gräsestr. 4, Rehseid. , 10, Schnittger. Graudenzerstr. 5, Nickisch. Graunftr. 5, Schenk. . 22, Dohnnaml. . 32, Sübmann. 37, Müller. Greisenhagenerstr. 15, Niklasch. GreifZwaldcrstr. 12, O. Hanke. Grimmstr. 1, Wolf. 29, O. Hanke. Grünauerstr. 12, Buy. Grüner Weg 63, Osk. Hanke. „ 124, Guniar. Grünbergerstr. 10, C. Hanke. Grünthalerstr. 10, Jambor. „ 56, Bobel. Gubenerstr. 44, Lucht. , 57, Deins. Hagenanerstr. 1, Hanke. . 13, Wurst. Hausburgltr. 5, Mehl. Heidenfeldstr. 21, Schön. 19, O. Hanke. HeinerZdorserstr. 12, Lamla. HennigZdorferstr. 1, Hermann. „ 13, Paulisa. „ 37, Schütze. HermSdorserstr. 8, Bobel. Hochstraße, Neue, 18, Berliner Ge- nofsenschasts-Bäckerei. tochstr. 31, Maue. ochmcisterstr. 1, Hanke. 20, Friedrich. Hohenlohestr. 18, Bäckerei- Genossenschaft Berlin. Holzmarktstr. 55, Aronheim. Huselandstr. 36, Obcrreicher, » 40, Kittlaus. Hübnerstr. 6, Bauer. Hussitenstr. 15, Potschcr. 20, Ww. Wolf. 30, F. Hanke. , 45, Kießling. Jmnianuelkirchslr. 32, Kleiner. Jnsterburgerstr. 2, O. Hank«. , 5, Syrow. 12, Henntg. Jnvalidenstr. 33, Bobel. 157, Goldacker. JablonSkistr. 1, Bode. 39, Hellwig. Jagowstr. 10, Eichstädt. Jabnstr. 21. Köhler. Jasmundcrftr. 18, Böttcher. Kaiserstr. 46, Kalbow. Karlstr. 26, O. Hanke. Kastanien-Allee 13/14, Pape. ,, 19, Goldackcr. ,„.46, Klepka. ,„ 57, Künscher. „83, F. Hanke. Kleine Andreasstr. 7, Hierse. Kleine Franksurterstr. 14, Mittelstädt. Kleine Markusslr. 1, Wicdcrsich. Kochhannslr. 28, KriemS. Kolbergerstr. 1, Hanke. Kolonicstr. 30, Döring. , 34, Much«. 71, Schopsch. Koppenstr. 12, Bobel. » 25. stratmeyer. Kopenhagenerstr. 28, Vechtel. » 59, Kurlh. . 65. Weitz. Kopernikusstr. 3, Teüpel u. Vichöscr. m 9, Mellnitz. • 25, Thulke. • 33, Winnenberg. Kopenickerstr. 165, Purschke. 172, Cicslik. KöSIinerstr.!, Kästner. . 3. Gwiazdowski. Korsörcrstr. 2, Sinei. „ 8, Rothe. 17, Hübner. Kottbuser Damm 20, Proher. Kottbuserstr. 2, Halbauer. Neue Königstr. 60, Goldacker. Krautstr. 4/5, O. Hanke. „ 22, Arndt. „ 41, Arndt. Kremmen crftr. 15, Marlock. Kreutzigerstr. 1, Lange. Kuglerstr. 8, Schumann. Landsberger Allee 43. Krellmatm. 51, Jäckel. Landwehrstr. 12, giegler. Langestr. 18, Goldackcr. 25, Hildebrandt. „ 36, Guniar. Lausitzerplatz 12, KonatkowZki. Lausitzerstr. 9, Kauf. 18, Schösisch.. Lichtend ergerstr. 6, Winter. 21, Feist. Linlenftr. 1, O. Hanke. , 26, O. Hanke. Libauerstr. 22, C. Hanke. Liebigstr. 8, P. Hanke. , 31, Bauer. . 38. I. Hanke. Liebenwalderftr. 1, Voleh. ,. 10, Biedermann. 31. Jäckel. Liegnitzerstr. 5, Albrccht. 28. Mieth. Lippehnerstr. 8. Zibell. Litthauerstr. 14, Schneider. . 24. C. Hanke. Lortzingstr. 6, Rösener. , 17, DahmS. Lothringerstr. 34/35, Mollweid«. Löwestr. 8, P. Hanke. „ 18, Block. Lübeckerstr. 20, O. Hanke. „ 47, Schmidt. Lübbenerstr. 10, Hacker. 17, Gaul. . 24, Psennigsdorj. , 29, Gierz. Lychcnerstr. 4, Schwede. HO, Köhler. Malpläquetstr. 6, Schulze. „ 12, Bchrcnd. . 16, Gensior. Manteuffelstr. 61, Beckmann. . 87, Surfe. , 90, O. Hanke. „ 99, Brauer. „ 103, Wiedekind. Mariannenstr. 12, O. Hanke. 32, Prock. Marienburgerstr. 38, Hank«. Markgrasenstr. 99, O. Hanke. MarkuSstr. 11, Schnecbcrger. , 38, Tischcr. Maxstr. 17, LaaS. Memelerftr. 7, Knorcke. . 12, Drutschmann. , 77, Stachowsli. . 84, C. Hanke. Mctzerstr. 2, Sachwitz. Mittenwalderstr. 30, Dohna!. 44, Schröder. Mirbachslr. 14, VolkSbrot. Mulackstr. 10, Schramm. MuSkauerstr. 13. Lattermann. , 15, Dürer. 28, Heinzelmann. Müllerstr. 28, Lüddicke. , 32a, Weber. „ 166a, Hanke. Mühlen str. 32, Nahlk. „ 46a, Franke. Münch ebergerslr. 15, Lette. Naunynstr. 1, Lippert. 7, Fielitz. , 40, Barduhn. „ 64, Heilmann. 73, stofaczyk. Nazarethkirchstr. 39, Zibell. „ 45, Schulz. Neanderstr. 23, Raubut. , 27, O. Hanke. Neue Hochstr. 31, Benthin. „ 45, Jacob. Oudenarderstr. 36, Sanier. , 44, Liebner. Ohmstr. 9, Nowosadke. Oderbcrgerstr. 21, Wagner. 38. Busch. „ 49, Böhme. Oranienstr. 186, O. Hanke. Oppelnerstr. 4, Schenk. , 20, GolembiewSki. , 24, Müller. 35. Wolf. Palifadenftr. 2, Hanke. .' 20, Kynast , 58, Barth. , 91, O. Hanke. Pankstr. 21, Kahle. , 25, Günther. „ 53a, Dunkel. Pappel-Allee 7, Riedel. , 14, Hässewarth. , 18. Gökcn. , 21, Schiller. , 24, Eascler. 85, Dretzler. Perlebergerstr. 54, Berl, Gen.-Bäckerei, Pctersburgcrstr. 58, Dorhauer. Pintschstr. 4, Grützmacher. Planufer 33. Berliner Gen.-Bäckerel, , 92 s. Blume. Plantagcnstr. 7, Welte. Prenzlauer Allee 24, Goldacker. „ 42, Meyer. 81. Hänich. ,„ 86, Räuber. . 203, Herniann. Prenzlauerftr. IIa, Goldacker. Plinzenstr. 12, O. Hanke. Prinzesfinlienstr, 31. Miehe. Prinzen-Allee 53, Loff, 61, Mehl». Proskaucrstr, 31, F. Hanke. Putbuserftr. 11, Jaape. » 14, Gottschalk. , 21, P. Hanke. t 24, Kunot. , 46, Bloch. Ramlerstr. 24, John. . 81, Dahlenburg. „ 34, Dchmelt. » 36, Hachn. Ratiborstr. 2, Bäckerei-Genossenschaft Berlin. Ratiborstr. 6, Dietschmann. 17. Rücker. Reichenbergerstr. 62, O. Hanke. , 83, O. Hanke. » 95a, Tschentke. „ 101, Wagner. 145/146, Klautsch. RhelnSbergerstr. 13, Scholz. 26, Lorenz. Rcinickendorferstr. 36, Hanke. „ 112, Goldacker. 120, Berliner Gen.- Bäckerei. Rigaerstr. 4, Hanke. „ 100, Spörlcin. Romintenerstr. 41, Brnmer. „ 44, Küster. 57, GorgaZ. Roßstr. 11, Bobel. Roftockerftr. 31, Wagcner. , 36, Illbrich. Roftockerftr. 40, Tschöke. „ 46, Krüger. „ 51, Hering. Ruppinerstr. 8, Baake. „ 12, O. Hanke. Rüdersdorserstr. 20, Güldener. . 52, Haupt. Rügenerstr. 16, Höhne. « 22, Jambor. Samariterstr. 2, Fischer. , 11, P. Hanke. •„ 28, Klewe.... Samoastr. 22, Htege, s: i" Schcnlcndorfstr. 4, Frettd«..-., j l Schillingstr. 19, Osk. Hauke..... i■ Schivelbeinerstb. 4, Hildchrandt. „ 16, Baur. 18, Wvlff. Schliemannstr. 30, F. Hanke. 32, Japp. Schönhauserstr., Alte 33, Goldacker. Schönhauserstr.,AIte,39/40,G. Schwarz. Schönhauser Allee 5, Goldacker. », 70s, Goldacker. ,, 150, Blume. „, 188, O. Hanke. Schönholz erstr. 5, Mittclbach. Schönlcinstr. 4, Müller. Schreinerstr. 57, Sicpack. Schulstr. 28, Schambergcr. „ 25, Hanke. . 37, Schmidt. Schulzcndorseriir. 23, Barth. Schwedterftr. 32, Hanke. 48, Löchel. „ 52, Hübner. „ 230, Stumm. . 240, Schmidt. Seelowerstr. 15, Baur. Sickingenstr. 76, Winter. Sieniensstr. 17, Mügge, Simeonstr. 14, Lück. Skalitzerftr. 63/64, Dehme!. „ 120, Gerlach. Sonnenburgerstr. 13, Gräsling. Soldinerstr. 32, Roseinann. 69, Schneider. Sorauerstr. 1, König. » 8, Kretschmar. Sparrstr. 19, Gonsior. Sprengelstr. 4/5, Wagenknccht. Stralauerplah 13, Hulda. Stallfchreiberstr. 32, Hanke. , 60a, Dürer. Stargarderstr. 78, Bark u. Walter. Stcndalerstr. 4/5, Corts. Stettinerstr. 17, Kleinert „ 38, Hubert. „ 56, Barnekow. Stolpischestr. 4. Badtke. „ 32, Papke. Stralsunderstr. 8. Belzig. Strantzberg erstr. 33, Schiefe. Straßmannstr. 24, Zander. , 2, Hanke. Strelitzerstr. 15, v. GrabowSki. „ 64, Brauner. Stromstr. 33, Zaftrow. Swinemünderflr. 54, Paulitscheck. „ 66, Becker. » 80, Pruff. », 82, Manuel. „ 93, Schubert. » 106, Kunze. , 119, Anhänser. Tegelerstr. 11, Lenzncr. . 23, Dahlke. 32, Stritzke. Tieckstrahe 16, Fürst. Tilsiterslr. 26, Gcßner. 91, P. Hanke. Torfslr. 14, Lenz. . 17, Ziesmcr. Torsstr. 13, Schachner. Trcöckowstr. 57, Moerschner. Trislstr. 29, Sprigadi. Türkcnstr. 22, Tzichctzsch. Tnrinerstr. 36, Rißmann. Tnrmflr. 5l, Goldackcr. » 67, O. Hanke. Urbanstr. 1, Ncubarth. 25, Herzog. . 52, O. Hanke. 104, Kruschke. Uscdonistr. 4, Stollberg. Utrcchterstr. 8, Kersicn. Vctcrancnstr. 16, O. Hank». Voltastr. 42. Eckel. Waldstr. 4, Senf. , 17, Hanke. . 25. Jglisch. » 36. Äureck. , 42, Bauer. „ 46, Pohl. Waldemarstr. 76, Claus. Wallner-Theatcrstr.. Fränkel. Warschauerftr. 8. Wolf u. Heinze. „ 16, JarzeinbowSki. . 64, Lüddcmantn Waßmannstr. 20, Bcier. 24. Guniar. Watiftr. 1, Hanke. , 21, Hoffrichtcr. Webcrflr. 25, Hanke, 36, Goldackcr, Wcddingstr, 7. Brendel. Weichfelstr, 34, Schulz. Weidcnwcg 25, Brosin. , 34, O, Hanke. 37. Ehncrt. Weinbcrgsweg 9, Ludwig. Weinslr, 7, Karras. „ 27, Legier. Weißenburgerstr, 24, Jahn, , 55, Nobiling. Wichertstr, 5, KierzkowSki. Wielefstr, 21, Staub. 55/56, Matschke, „ 66, Spickcrmann. Wienerstr, 35, Dietschmann. 49, Witsche!, 56a, Laugwitz. Wiesenstr, 19a, Dreier. „ 31, Holland, „ 64, schardien. WilhelmShavenerstr. 13, Hesse. . 23, Gödecke. , 32, Winde. Wilhelm Stolzestr. 15, Schmidt. n �:i"'2t Tchachfchall. ,/ 82. Dürschke. .yr.-t». B. Bäch man«,.1 Willdtnvmsir, 29, Breicr.",' Wilsnackerstr, 15, Goldacker. WinSslr. 6, Müller. 71, Schwabe. Winterseld-Platz, Goldacker. WiSbyerstr. 3, Schulze. Witlstocksir. 7, Gicsmann. Woldenbergerstr. 7, CiillanS. Wollinerslr. 23, Dahlen. , 31, Fuhrmann. , 31, Bordaich. , 44, Schirrmacher. „ 58, George. Wrangclstr. 77, Gcntzmann. Zehdcilickcrstr, 13, GründmaNtt. 91, O., Hanke. Zellcslr, 11, Kurzweg. ZionSkirchPlatz 1, Mollweide. Zionslirchstr. 2, Regen. 13, Bobel. „ 54, Zwierschke. Zorndorferstr. 2, P. Hanke. „ 55, Richter. Zwinglistr. 16b, Ulbrtch. Adlershof. BiSmarckslr. 12, Thoma. , 14b, Schulz. , 17s, Warteuberg. , LI, Römisch. . 48. Lascrich. Hackcnbcrgstr. 2. Zabke. Radickcstr. 37, Noack. Sedanstr. 25, Peter. Alt-Glienicke. Rudowerstr. 57, Lange. Grünauerstr. 29, Scher. Baumschulenweg. Baumschnlenstr, 70, Steiizel. Ernstste. 9, Hoffmüller. Kiesholzstr. 254, Leupold. Scheiblcrstr. 29, Schulze. Bohnsdorf. G. Solle. W. Gebhardt. Borsigwalde. Ernststr. 6, Etzrodt. „ 25, Taselslh. Rcuschstr. 52, Neubauer, Boxhage». Numinelsbnrg. Borhagener Chaussee 5/6, März. Gabriel Maxstr. 1, Luzemann. » 2, Klinkmüllcr. „ 12, Haspcl. Grünbergerstr. 12. Schulz. !8, Löma. Hauptstr. 82, Hmcks. Kantsir. 1, Dluczewski. 13, Spöttlich. 18, Mägdcsrau. Lenbachstr. 7a. Pslngrad. Neue Bahnhosstr. 9, Fritsche. » 23, Peter. Neue Prinz Albrcchtsw 3.'«öhme. 30, Maichmann snmon Dachstr. 12, C. Hanke. 28, Radlle. Türrschniidtstr. 31, Pfennig. 40, Kallwcit. Wühlifchstr. 32, Jandcr. Brist. Chausseestr. 17, Dolly u. Hagemeiste» 47. Friese. Rungiusstr. 3, Adamek. Alt-Voxhagen. Nr. 10, W. Krüger. Nr. 35, Pelcr. Charlottenburg. Eauerstr. 19, Uwrich. Caucrstr. 27, Genoffenfchast»Pro» dultion". Christstr. 18/ Genoffenschaft ,Pr» duktion". Danckelmannstr. 46, Lehmann. 55. Ulbrich. Friedbergstr. 39, Ulbrich. Grolmanstr. 14, Ulbrich. GrÜnstr. 27, Bachmann. Hclmholtzstr. 19. Ulbrich. Kaiser Friedrichstr. 43, Ulbrich. Kanalstr. 7. Lcistner. 15, Heine. Kanlstr. 103, Ulbrich. KnobelSdorserslr. 43, Illtrtch. Kruinmestr. 57, Nietsche. Leibnizstr 65. Ulbrich. Nehringstr. 2l, Ratzlq. Pestalozzisir. 42, Leislner. 12, Walter. Potidamerstr. 11, Bach man« Schlüterstr. 17, Krause. 42, Illbrich. Sophie Charioitcnstr. 80, Proell. 87. Ulbrich. Spandauerstr. 30. Uwrich. Sprccslr. 11, Pella. Tamoggenerstr. 10, Genossenschaft „Produktion". Tauroggencrstr. 45, Uwrich. Wallstr. 85, Ulbrich. � Wciinarcrstr. 29. Konsumverein. WilmerSdorserslr. 27, Konsumverei« , 41. Uwrich. . 163. Ulbrich. FaNcnhagen. Wiiwe Bock. FriedrlchSbcrg. Ä'-Menthalstr. 38, Peschl«. i. Rumwelsburgerftr. 22, Opitz. . 38, Werner. FriedrichSfelde. Bersinerstr. 66, Seiler. 102, Wölsert. Friedenau. Lauterstr. 35, Klein. Franz. Buchholz. Panlowerstr. 28. Ulrich. Mühlensw. 1, Preuß. Groff-Ziethe». A. Werner. Hennigsdorf Karl Wolter. triedrich Woller. silhelm Wolter. HermSdorf. Berlinerstr. 16», Schaudin. Hauptstr. 34, Herrmann. Neplunftr. 36, Manie. Heiligensee. W. Kühne. Lahrmann. Hoheu-Schönhanse». Malhoser. Müggelheimerstr. 41, Peter. Roscnstr. 2, Peter. Rudowerstr. 25, Hein. Schöncrlinderstr. 12, Kudell. Karlshorst. Dorotheenstr. 27, Eichhorn. Köpenick. Borgmannstr. 6, Bergmann. Glicnickerstr. 2, Peter. Grünauerstr. 27, Krämer. Kaiser Wilhelmstr. 100, Leischke. 104, Peter. Hermann Woller. Albert Lücke. Wilhelm Seiler. Lehrend. Graffcnberger. Mahnlops. Marwitz. Kemnitz. Finte. Lichtenberg. Dorsstr. 82, Mägdesrau. Eitclstr. 30, Liltwin». Frankfurter Allee 3, Bantsch. HubcriuSslr. 53, C. Hank». Jrenstr. 17, Ncuciidors. Jungslr. 14, Schräder. Kronprinzeustr. 1, C. Hank«. Dlargareihenstr. La, Schachers Odcrslr. 25, Golsch. Psarrstr. 36, Hcßlcr. Scharnweberslr. 24, C. Sanken 34. Köpf«. Weichselstr. 32. Bantsch. Wilhelmstr. 57. Nesse. , 69, Griebe. Mariendorf. Chausseestr. IIa, Nowack. , 12, Mendt. , 15, Papier. . 67, Spielhage« Mieder. SchSnhause». Beuthstr. ll, Krügerle. 13, Seger. Blankenburgcrstr. 18, Höhne. Buchholzerstr. 8, C. Richter. Plntmienstr. 28, Hardtle. Waldstr. 21, Lux. Bu Ober-Tchöncweide. Edisonstr. 8, Peter. Fiischenstr. 2, Peter. Rathennustr. 3t, Peter. Tabbertslr. 2, Peter. , ZS, Seidelmann. Pankow. Brchmestr. 52, F. Hanke. Binzstr., F. Heyden. Mülileustr. 32, Müller. Wollaiilstr. 68, F. Hanke. Plöttcnsee. Charlottenstr. 12. Thiele. Reinickendorf. Berlwerstr. 104, Na». , 134, Gotischalk. Grüner Weg 51/52, Max Modrow. Markstr. 12/>3, Vollmer. Provinzstr. 51, Langer. , 80, Schwarz. , 129, Schneider. Nesidenzstr. 61, Witte. , 105, Gleich. 118, Brose. Wilkestr. 62, Neue Berliner Genossen- schasts-Bälkcrei. Rixdorf. Allerftr. 3, Perseke. , 46, Äeddi, Bergsir, 12, Hanre. 84, schensch. Berlwerstr. 16/ l7. SchiSgill. , 20, Voigtländer. . 86, O. Hanke. Bodestr. 16, Beyer. „ 31. Toys. Elbestr. 1/2, O. Hanke. „ 6, Kirstädter. 15/16, Lunkwitz. Emserstr. 78, König. Erlangerstr. 8, Weigleder. Falkltr. 1, Bäckerei-Gcnossenschast „Berlin". Fallstr. 25/26, Perseke. Friedelstr. 3. Marmul. Glaiomftr. 32, Kunz. Heidelbergerslr 76, O. Hanke. Herdastrage. Hilmer. Hcrmannstr. 19, Bäckcrei-Genossen� schast„Rixdors". Herinannftr. 28, Mertens. Hcrmannstr. 159a, Hagen. , 54 HUdebrand. . 118� Bartsch. , 170, Thaler. , 175, Koczaneckt. „ 231, Karl. Herrsurthstr. 26, Brüx. „ 34, O. Hanke. 7, Bäckerei- Genossen- schast„Rixdors". Hensurthplatz 10, Schnur. Hobrech tstr. 71, Zrocke. Hohenzollernplatz 6, O. Hanke. Jnnstr. 30, Krause. Jsarstr. 7, Zech. „ 11, Bäckerci-Gen.„Berlin". Jägerstr. 63, Jonschcr. Iansastr 7, Bricn. Neue Jonasstr. 33, PuIS. KarlSgartenstr. 13, Vonnoch, Kaiser Friedrichstr. 25, Bartsch. , 34, Schmidt. 245, O. Hanke. Knescbcckstr. 33, Gallert. 38. Wölk. » 4t, Bclzig. , 68. Richter. 146, Dhbowski. Kopsstr. 38, Bäckerei-Gcnossenschast „Rixdors". Kopsstr. 45, Hoppe. Kottbuser Damm 103, O. Hanke. Köllnisches User 72, Müller. Lessingstr. 34, Perseke. Mahlowcrstr. 6, Bartsch. Mainzerstr. 15/16, Krunert. 56, Döblcr. Münchencrstr. 18, Völler. , 25/L6,Bäckerc!-Genosicn- ichast„Rixdorj". Münchcnerstr. 44, Veigelt. Ransenstr. 33, Seknl. Niemetzstr. 10. Wach. Nogatstr. 32, Griebat. Pannicrslr. 4, Riemer. , 13, Zrischkcmuth. , 20, Junker. 27. Rlaschlcr. , 34, Spura. „ 57, O..Hanke. Pslügerstr. 70/71, Linscncr. Prinz Handjerhstr. 58. Bartsch. 70, Schmidt. Reuterstr. 33, Splctlstöizer. , 76, Bobel. 34, Lehmann. Richardstr, 23, Ehrentraut. 63, Lüdicke. Sclchowcrstr. 9, Bäckerei-Genossen- schast„Rixdors". Selchowersir, 23/24, Grünhagen. Siegfriedstr. 48, Pinkel. Steinmetzstr. 3t, O. Hanke. . 39, Senstlebcn. , 46, PeZeke Steinmetzstr. 121, Löivigt. , 123, Bäckerei-Genossen- schast.Berlin". ThomaSstr. 37, Nehrig. Thüringerstr. 7, Bartsch. 18, Klein. Warthestr. 9, Ciesior. 15, Janentzki. Weichselstr, 13, Hagemann. . 31, Schwarz. » 55, Frischgemuth. „ 60, Gaffenhberu. Wcisestr. 2, Bäckerei- Genossenschaft „üiirdorf". Weisestr. 24, Bäckerei-Genossenschaft .Berlin". Weisestr. 23, Winde. 73/74, Wolf. Weserstr. 47, Ries. „ 168, Vielitz. Wielandstr. 27, Reich. Witzmannstr. 7, Troffer. » 29, Krüger. Zietenstr. 20, Bäckercr-Genossenschast „Rixdorf". Zietenstr. 41, Beyer. Rudow. Köpenickerstr. 84, Weigt. Schöneberg. Barbarossastr. 67, Wetzet. Belzigcrstr. 61, Sternchen. Eberoslr. 42, Zeitz. Eiscnacherstr. 63, Machler. Erdmannstr. 5, Kulinski. Frankenstr, 2, S, Hanke. Gustav Müllerstr. 35, Slbmidt. 48 Beck. Kyssbäuserltr. 2, Paul. Nollendorsstr. 40, Hanke. Sedanstr. 18, Struck. Schönerlinde. Dorsslr. 59a, E. Weeze. Selchow. E. Schulze. Spandan. Achenbachstr. 6, Bühl. Gulschow. Stolpe« Tegel. Brunostr. 4t, Rotbert. Egcllsstr. 99, Mayer. Schlieperstr. öS, Schwanz. 67. König. Schloststr. 27. Petcrsohn. Schulslr. 1, Eiimitz. Treptow. Beermannstr. 6. Ficck, Elsenslr. 38, Geske. Kiejholzstr. 33/34, Weiser. Stralau. M-Stralau 49, Harwng. Weissensee. Berlinerftr. 37. Haocnburg. Charlottenburgerstr. 76, Hoffmann. Charlottenburgerstr. 78. R. Wick. , 79, Schadwinkel „ 98, Emil Engel Falkenbergerstr. 146, Frosch. Feldmannstr. 164, Kricn. Friedrichstr. 1, Roth. Fricsickeftc. 23, Tbiele. Gcncralstr. 12, Müller. Gäblerstr. 60, Wilh. Engel. Hcinersdorserweg 24. Robert Engel . 45. Hoffmann. „ 48, Lidkowsli. 56. Bay. König-Chanssee 72, Hoffmanll. Langhan- str. 75, Nanber. Lehderstr. 1, Hofimaim. 119, Klink. Lotbringenstr. 35. Hoffmann. Pistorinsstr. 8. Rassau. Prenzlauer Chaussee 3/4, Kohler. Rölckestr. 127, Hoffmann. Wilhelmstr. 23. DrewS. , 39, schwarz, Wattersdorf. H. Sparr. Wilhelmsruh. Edelweißstr, 11, Lube. Wilmersdorf. Brandenburgischcstr. 3/10, Tanncrt. Sigmaringcnstr. 8, Frost. Wittenau. Triftstr. 74. O. Richter. Zehleudorf. Berlinerftr. 6a, Hacfner. Der Brotfabrikant Heinrich Wittler, Müllerstr. 33/34, hat die Unterschrift der Bewilligung, die sein Bruder gegeben hatte, zurückgezogen, dann hat er ebenfalls versuch� einzelne ältere Kollegen als Streikbrecher zu kaufen, um alle übrigen, teils lange Jahre bei ihm tätige Familienväter, aufs Straßenpflaster zu werfen, was natürlich ebenfalls mißlang. Die hierauf angebahnten friedlichen Verhandlungen, an denen außer den Arbeitern noch Werner vom Transportarbeiter-Verband und Hctzschold vom Bäcker-Verband teilnahmen, scheiterten, weil der reichgewordene Wittler knrz nnd schroff den Arbeitern mit folgenden Worten die Türe wies:„Wems nicht paßt, der geht und mit den Verbänden überhaupt will ich in Zukunft nichts mehr zu tun haben!" Wittler ist mit Obermeister Schmidt und Liebing-Reinickendorf in der Leitung der Großbetriebsvereinigung, daher die Scharfmachelstellung.— Die Vcrbandsmitglieder haben darauf einmütig die Arbeit niedergelegt. Die Blottnersche Großbäckerei hat ihre Bewilligung in der hinterhältigsten Weise durchbrochen, sogar die Arbeiter noch verhöhnt« Die Verbandsmitglieder. denen die Firma sogar einen Judaslohn von 20 Mark für Streikbruch anzubieten wagte, haben hierauf einmütig die Arbeit niedergelegt, worauf Herr Blottner versuchte. Arbeitswillige durch die Innungen und seinen Freund, den bekannten Kommissionär Knuth, Krautstr. 33, der den Gesellen 3—10 Mark und mehr für jede elende Arbeit abnimmt, einzustellen. Durch den Hefe-Terrorismns der Bäcker-Jnnungen waren, nur um am Sonnabendabend Hefe zu erlangen, 25 Bäckermeister gezwungen worden, im Jnnungshause. Chausseestr. 110, die Zurückziehung der Bewilligung der Gesellenforderungen zu unterschreiben. Der größte Teil davon hat aber sofort in derselben Nacht oder am anderen Tage der Streikleitung erklärt, daß die Unterschrift bei der Innung nur eine unter den Umständen erzwungene und daher ungültige sei. Nach Recherche durch die Streikleitung haben folgende Bäckerei-Jnhaber erklärt, daß sie die Bewilligung zurückziehen: Lrnst Asrtti» Dromheimerstr. 13. AngUSt 3()Ckl8Ck. Nostizstr. 9. Otto Mörde, Nostizstr. 49. Aewdolck Kruppe, Böttcherstr. 5. Schön, Mühlenstr. 51. 7. Oähne, Stralauer Allee 28. 7erd. Susiat, Rixdorf, Falkstr. 21.' 7. Loren?, Rixdorf, Steinmetzstr. 131.' Wir bitten das verehrliche Publikum, diese Namen in dem am Sonntag erscheinenden Flugblatt zu streichen. Achtung, Kirchhofsbesucher von Nordend! Den K/irchhofsbesuchern von Nordend teilen wir mit, daß die Bäckerei und Cafck von Asmus, Nordend, gesperrt ist. WmuZ weigert sich hartnäckig, die Forderungen des Verbandes zu bewilligen. Ferner bitten wir zu beachten, daß die Inhaber der Cafss Holland, Beuthstr. 19; Schild, Blnmenstraße; Meier, Dresdenerstr. 128; Ritter, Roßstr. 2 Brot und Backwaren ans unbcwilligten Bäckereien beziehen. Mitbürger! Arbeiter! Hausfrauen! Unterstützt die um LrhSmpfung ihrer Menschenrechte streikenden Bäckergesellen. Die verehrliche Bevölkerung von Berlin und Umgegend fordern wir hierdurch auf. falls lie aus bewilligten Bäckereien Ware haben wollen, in denjcnigm StadtdierttlN oder Straßenzügen, wo � keine bewilligt habende Bäckereten vorhanden sinH- an untenstehende liuidensainmelstelleii ihre Adresse gelangen zu lassen und zugleich mitzuteilen, wie viel Backware und Brot sie taglich branchen nnd UM Welche Zeit die Ware geliefert werden soll. Die Streikleitung wird dafür sorgen, daß den sich Meldenden auf dem schleunigsten Wege die Ware ins Haus geliefert wird. Auf Wunsch der dortigen Bevölkerung haben wir vorläufig folgende Kundcnsammelstellen eingerichtet: c. Hoehnow, Parochialstr. 36. Arnold, Spittelmarkt 3. G. Wallberg, Kaiser Wilhelmstr. 18 o. �V. R. Koch, Kirchbachstr. 16. Schmidt, Schweriustr. 12, Hof IV. F. Lehmann. Großgörschenstr. 27. sw. Günsel. Alte Jakobstr. 172, Hof l. I. C. Metmer, Fcilnerstr. 15. M. Hermann, Lankwitzstr. 5, Stfl. IU. K. Werner, Eylauerstraße 2. C. Müller, Nostizstr. 56, IV. Gaedke, Calvinstr. 6, linker Seitenflügel 1 Tr Petermann, Birkcnstr. 28, Ecke Stephanstraße. Eduard Rothe, Fleosbnrgerstr. 24. 8. H. Zicph, Camphauseustr. 5. NO. Walter Sieber, Lippehuerstr. 24. O. Hermann Barentin, Tilfiterstr. 81. N. Otto Schellenberg, Weißenburgerstr. 57 /erbietet sich, den Kunden boykotifteieZ Brot in N-, 0. und 0. ins Hau» zu bringen). Paul Dietrich, Friedenau, Lauterstr. 22 U. Ender, Friedrichsberg, Kronprinzenstr. 17, Seitenflügel I. Hartmann, Boxhagen-Rummelsburg, Holteistr. 11. Ferdinand Krause, Hohen-Schönhausen, Berlinerftr. 66. Pühl» Lichtenberg, Pfarrstr. 74. Knapp, Ober-Schöneweide, Edisonstr. 44. Emil Witte, Pankow, Florastr. 45. Gronau, Reinickendorf-West, Waldstr. 65. Otto Wedermann, Steglitz, Fichtestr. 71, v. I. Winkelmann, Steglitz, Schloßstr. 164, Hof II. Gülzow, Steglitz, Niederlage, Forsterstr. 23, Heidschmidt, Steglitz, Niederlage, Markstciustr. 1. Klein, Steglitz, Niederlage, Hcrthastraße. August Jhrke, Weißensee, Straßburgstr. 27. Micklitz, Wilmersdorf, Berlinerftr. 37. Ferner die Verkaufsstellen des Berliner Consum-VereinS: Michaelkirchplatz 4; Krautstr. 7; Zorndorferstr. 01; Liebigstr. 7; Kopernikusstr. 33; Rostockerstr. 33; Havelbcrgerftr. 0; Emdencrstr. 30; Erasmuöstr. 3; Rnmmclsburg, Türrschmidtstt. 0; Lichtenberg-Friedrichs- berg, Frankfurter Chaussee 103; Kronprinzenstr. 1; Stralaner Allee 80a. Thieffen, Lichtenberg, Hagenstr. 56. Wo das Bedürfnis vorhanden, werden wir aus Wunsch weitere Sammelstellen einrichten. Bäckermeister, die gewillt sind, auch für weitere Touren Lieferungen zu übernehmen, bitten wir, ihre Adresse im Streikbureau niederzulegen. Falls bei der Lieferung im Anfang nicht alles nach Wunsch gehen sollte, bitten wir die vcrehrliche Bevölkerung um Nachsicht, aber bei der Hartnäckigkeit unserer Gegner um energische Ausdauer. Die Streikleitung. Zcntral-Streikbnreau: Sophien-Säle, Sophicustr. 17/18.— Tclephonruf: Amt HI Nr. 1213. verantwoctlicher Redakteur: HanS Weber. Berlin. Für de» Inseratenteil verantlv.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SVV.