Zentralorgan der rozlaldemofcratifcben Partei Deutschlands. Kr. 133. 24* Jahrg. Bbflnntments-Btdlngungtn: RtonnementS- Preis ttilnumeranta; vierlcljShrl. 8,30 üRf, monatl. l,io TO f., wSchenilich 28 Psg, frei WS HauS. Einzelne Nummer S Psg, KonnIagS- nnmmer mit Mustricrtcr EonntagZ. Beilage.Die Neue Welt'>0 Pw Voll, «bonnement: I.lO Wart pro Monat. Eingetragen w die Poll-geilungS. PreiSllsle. Unter Kreuzband für Dcutlchland und vesterreich. Ungarn 2 Mark, für dak übrige Ausland 8 Marl pro Mona». Postabonneuient« nehmen an: Belgien, Dbnemart, Holland, Italien, Luxeniburg, Portugal, kumünien. Schweden und die Schwei» MMit 0«N» uBir mentaat. Ol« fnfntlons'GebQDr bcItÄgl für die sechSgefpallene flolDTKfc zcile oder deren Raum 50 Psg„ für polilische und gewerlschasilichc Vereins» und VersammlungS-Rnzeigen 30 Psg. „Ulelne ZZnreigen", das erste(feit» gedruckiel Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Pjg, Stellengesuche und Schlaf- slellen-Anzcigcn das erste Wort lO Pfg, jede? weitere Wart 5 Psg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis SllhrnachniillagS in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SoiljldtBiolirat Rerli»", Rcdahtlon: SCQ. 68, Lindenstraeee 69. Ket-iUveeriirr: Sinti IT, Nr. I9R3. Der Kampf um die uugariiche Aahlreforrn. AuS Budapest wird uns vom 8. Juni geschrieben: Die große„Demonstration", die wir soeben hier hatten, steht in ihrer Merkwürdigkeit einzig dasteht: Zehntausende von sozialdemokratischen Arbeitern waren auS- gerückt— den König zu begrüßen, der heute von Wien in die ungarische Hauptstadt gekommen war. um das 40jährige Jubiläum seiner Krönung als ungarischer König zu feiern. Der ganze, mehrere Kilometer lange Weg vom Bahnhof bis zur Hofburg war auf beiden Seiten von dichten Reihen der Arbeiter besetzt. Und ein Ruf begleitete den König auf dem Wege zur Burg ohne Unterbrechung:„Es lebe das allgenieine, geheime Wahlrecht! Rechte dem Volke!" So merkwürdig wie diese Demonstration ist auch die Be- flissenheit, mit der die Regierung sie verhindern wollte. Sie ließ die Plakate, die zu der„Versammlung" einluden, durch Polizisten abkratzen und die Aufrufe an die Arbeiter kon- fiszieren, sie sparte nicht mit Verhaftungen und belästigte die Arbeiter mit einem ungeheuren Aufgebot von Polizisten aller Arten.— Es wird nicht oft vorkommen, daß sozialdemokra» tische Arbeiter Monarchen Ovationen bereiten, aber daß die Regierung desselben Monarchen die Ovationen zu stören und zu hindern sucht, das ist sicherlich die zweite Merkwürdig« keit an dieser Einfahrt des ungarischen Königs in seine Re- sidenzstadt. Die gestrige Episode ist nur mit der einzigartigen Situation in Ungarn zu erklären. Das heutige Ungarn bietet der Welt das Schauspiel der schrankenlosen Herrschaft einer Oligarchie, eine Herrschast, die sogar der Milderung durch die dynastischen Interessen entbehrt. Alle Macht irr Ungarn ruht heute beim Reichstag, und der Reichstag ist das Besitz- tum einer schmalen Oberschicht, an der die Adelskaste den größten Anteil hat. Auch in anderen Ländern kann eine extreme Klassenherrschaft einreißen, das Haus der Gesetz- gebung sich auS einem Privilegienwahlrecht bilden. Was aber Ungarn eigentümlich ist. das ist die unbegrenzte Macht dieses Reichstages, der nicht bloß Gesetze gibt, sondern herrscht: das Land auch regiert und v e r- waltet. Das Charakteristische des ungarischen Reichstages liegt also nicht bloß darin, daß er sich aus dem engherzigsten und korruptesten Wahlsystem bildet, das überhaupt erdacht werden kann, sondern auch darin, daß er eines der mächtigsten Parlamente ist, die man heute in Europa findet. Da eS d i e- selbe Klasse ist, die Abgeordnetenhaus wie Magnatenhaus beherrscht, so unterliegt das Abgeordnetenhaus in Ungarn nicht einmal jener Behinderung seiner Machtvollkommenheiten, die in Frankreich zeitweilig vom Senat, in England fast regelmäßig vom Oberhaus ausgehen. Das auffälligste in Ungarn ist aber die vollständige Einflußlosigkeit der Krone: Der König von Ungarn hat auf die Führung des ungarischen Staates weit weniger Einfluß als etwa der französische Präsident auf die Angelegenheiten der Republik; als M a ch t f a k t 0 r existiert er überhaupt nicht mehr I Die ganze Macht ist bei der Regierung, die ein Ausschuß der Mehrheit des Reichstages ist. Der König von Ungarn ist gegenüber dem ungarischen Staate geradezu ein aus- l ä n d i s ch e r Monarch. Er hat nur das Recht auf getvisse Subsidien— nämlich auf die militärischen Beivilligungen—. dafür aber— und das ist der wahre Sinn jenes„Paktes", mit dem im April vorigen Jahres der„Friede" zwischen König und„Ration" besiegelt wurde— überläßt er der herrschenden Oligarchie die Macht und die Herrschaft im Lande unbeschränkt und unbegrenzt. Der politische Zustand des heutigen Ungarn ist also dieser: Auf der einen Seite die vollständige Ausschaltung der breiten Volksmasscn und die fast restlose Nullifizierung der nicht- magyarischen Nationen, welche doch fast die Hälfte der ungarischen Bevölkerung bilden; auf der anderen Seite die durch keine dynastischen Interessen(die ja unter Umständen auch auf den Volkswillen Rücksicht nehmen müssen) ein- geschränkte, also wahrhaft absolute Macht einer Clique, welche über die Klinke der Gesetzgebung ebenso verfügt wie über die Organe der gesamten Verivaltung. Nur aus diesem Verhältnis ist die Erscheinung zu erklären, daß die Arbeiter in ihrem Kampfe ums Recht gleichsam die Hülfe des Königs anrufen. Die Reform des ungarischen Wahlsystems, die Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts(denn in Ungarn wird das Wahlrecht noch mündlich ausgeübt I) liegt nämlich in Ungarn auch im t uteresse der Krone, für die— natürlich aus anderen ründen— die Beseitigung der oligarchischeu Herrschaft eben so notioendig ist wie für das Volk, das vom Reichstag ganz ausgeschlossen ist. Deshalb hat die Krone in dem bekannten Friedensschlüsse die Bedingung gestellt, daß die Koalitions- regierung unverzüglich und vor allem das Wahlrecht reformieren müsse und zwar zu mindest in dem Ausmaße, welches die Fcjervarysche Reform in Aussicht genommen hat. Die Koalitionsregierung, die nun über ein Jahr im Amte ist. macht aber nicht im geringsten Miene, ihre Verpflichtung zu erfüllen, vielmehr läßt sie sich in der Herrschaft so häuslich nieder, als ob sie nicht im Wesen eine provisorische Rc- gierung sein sollte. Die Gesetze, die unter dem neuen Regime Dienstag, den 41. Juni 1907. beschlossen werden, sind wahrhaste Ausnahmegesetze, denen jede Spur von Billigkeit und Gerechtigkeit mangelt. So ist das S ch u l g e s e tz. das angeblich die Lage der Lehrer verbessern will, ein wahres Gesetz zur Unterdrückung der Nationalitäten, die dadurch entweder der Magyarisierung oder dem Analphabetismus ausgeliefert werden. Das neue Feldarbeitergesetz degradiert die landwirtschaft- liche Arbeiterbevölkerung geradezu zu Sklaven. Das Eisenbahnergesetz, das jetzt in Verhandlung ist, hebt das staatsbürgerliche Recht der Eisenbahnangestellten geradezu auf l Dennoch haben alle diese Gesetze die Zu- stimmung der Krone gefunden, ohne daß diese zuerst die Ein- lösung des Wahlreformversprechens gefordert hätte l Nun will aber die Koalitionsregierung mit den sogenannten„Ver- fassungsgarantien" den letzten Schein der Kronmacht beseitigen. Dagegen wehrt sich aber der Kaiser, der allzu gut weiß, wie es ihm dann mit seinem„treuen Ungarn" ergehen würde, und er stellt die Forderung, daß vor der Stärkung des Reichs- tageS gegenüber der Krone die Stärkung des Volkes gegen- über dem Reichstag erfolge, daß zuerst und endlich die Wahlreform gemacht werde. Welches immer die Beweg- gründe der Krone auch sind: Die Wahlreform ist auch die allerwichtigste Forderung der Arbeiter, und in dem Bestreben. die Macht der Oligarchie zu brechen, findet das Volk den König eben auf seinem Wege. Der ungarische Reichstag, der einst in Europa so viel Ansehen hatte, ist nun erkannt: als ein Parlament der schäbigsten Gewalttätigkeiten und rohesten Korruption, das seine wahre Natur vergeblich hinter den Deklamationen eines ranzigen SchmiercnPakteS zu verbergen sucht. Ohne Wahl- reform ginge Ungarn und geht vor allem der Reichstag zu- gründe; er ist heute erfüllt von allen Lastern einer der- faulenden Klasse. Deshalb wird sich die Staats- und Volks- notwenbigktst der Wahlreform auch in Ungarn durchsetzen und hinwegschretten über die brutale Herrschsucht des einsichtslosen Klüngels, der heute am Ruder ist. Die Arbeiter müssen nun die Dingo vorwärts treiben, die zur Lösung über- reif sind. Die internationale Konferenz in ßrOiiei. Brlisseh 9. Juni.(Eig. Ber.) Heute früh ist im Volkshause das internationale Bureau zu- sammengetreten. Die dem Bureau angeschlossenen Länder waren durch folgende Delegierte vertreten: Bebel, Singer(Deutsches Reich); Hhndman(Sozialdemokratische Föderation) und Bruce Glasier(Unabhängige Arbeiterpartei Englands); I a u r d s, B a i l l a n t(Frankreich); D r. A d l e r(Oesterreich); v a n K o l. Troelstra(Holland); Olfen(Dänemark); N e m e c, Dr. S o u- kup(Tschechen); Dr. Diamand(Polnische sozialistische Partei und sozialdemokratische Partei Polens); S i g g(Schweiz); Dr. Welter Luxemburg); Anseele, Bandervelde(Belgien). AuS Rußland waren sechs Delegierte erschienen, zwei für die Sozialdemokratische Partei, zwei für de» Bund, einer für Littauen und einer für die Sozialrevolutionäre Partei. Entschuldigt haben sich U g a r t e(Argentinien), F e r r i(Italien), Rosa Luxemburg(Sozialdemokratie Polens) und Plechanoiv (Sozialdemokratische Partei Rußlands). Eine Begrüßung ist von den sozialistischen Soldaten von Sewastopol ein- gelaufen. Den Vorsitz führte Vandervelde. Zunächst wird über die von einigen französischen Genossen an- geregte Verschiebung des Stuttgarter Kongresses gesprochen. V a i l l a n t stellt fest, daß es sich nur um einen Wunsch, nicht um einen Antrag handle. Singer erNärt die Erfüllung dieses Wmisches mit Rücksicht auf die bereits getroffenen Abmachungen der Stuttgarter Genossen für unmöglich, womit die Angelegen- heit erledigt ist. Hieraus beginnt die Verhandlung über die Organisation des internationalen Kongresses. Er beginnt ani 1(5. August mit einer Sitzung des internationalen Bureaus, der am 17. die interparlamentarische Konferenz und am 18. die Eröffnung des eigentlichen Kongresses folgt. Die Festsetzung der provisorischen Tagesordnung ist der Gegenstand einer eingehenden Debatte. ES liegen dazu einige Anträge der Sektionen vor. Dr. Adler spricht für die Anfnahme des Punktes Frauen Wahlrecht als eigener Gegenstand, gemäß einem Antrag der österreichischen Frauen. Er zieht diese Fassung der von der Genossin Baader im Namen der sozialdemokratischen Frauen Deutschlands befürworteten vor. die das Frauenwahlrecht als besonderen Punkt unter der Demo- kratisierung des Wahlrechts einbegreifen will, da den Frauen volle Gelegenheit gegeben werden müsse, eine Diskussion über ihr Recht zu führen, ohne Möglichkeit der Abschweifung der Debatten auf alle möglichen Wahlsystemfragen. Der Antrag Adler wird angenommen. Angenommen wird ferner der Antrag Singers, die Frage der internationalen Hülfssprache von der Tagesordnung abzufetzen. Ein Antrag der Jndependent Labour Party auf Aendemng des KongreßreglementS, der auf die Zulassung von Gewerkschaften abzielt. die sich fiir eine politische Aktion in Verbindung mit den sozialistischen Parteien erklären, wird abgelehnt, da man, wie Vaillant ausführt, die Kongreßverhandlungen nicht durch Debatten über Zulassung von neuen Gruppen ausfüllen könne, wobei Nemec hinzufügt, daß die Annahme des englischen Antrages pseudo» Expedition: 8M. 68» kandenstrasse 69. Nerntpreeber: Nmt IT. Nr. ,984. sozialisttschen Vereinigungen Vorschub leisten würde. Die einzelnen Sektionen sollen Herr über die Anerkennung der Gruppen bleiben. Die Punkte III(Militarismus und die internationalen Konflikte); TV(Beziehungen zwischen den politischen Arbeiterparteien und den gewerkschaftlichen Organisationen) und V(Kolonialfrage) bleiben unverändert. Zu Punkt VI(Einlvanderung und Auswanderung aus- ländischer Arbeiter) wird auf Vaillants Antrag auch die Behandlung der Saisonwanderungen beschlossen. Singer teilt mit, daß die deutsche Partei den Genossen Schippe! mit der Sammlung des Materials über die Einwanderungsgesetze in den verschiedenen Staaten betraut habe. Die Arbeit werde bis Ende Juni in der „Neuen Zeit" fertig vorliegen. Hierauf verhandelt die Konferenz über den A b st i m m u n g s« modus auf dem internationalen Kongreß. Der inter- nationale Sekretär HuySmans legt einen Entwurf vor, der den verschiedenen Sektionen bis zu 20 Stimmen zuteilt. Nach einer Br- ratung in einem Subkomitee werden in der Nachmittagssitzung die nachstehenden Ziffern festgesetzt: 20 Stimmen erhalten: Rußland, Deutschland, Oesterreich« Böhmen, Großbritannien, Frankreich; 14 Stimmen: die Ver» einigten Staaten; 15 Stimmen: Italien; 12 Stimmen Belgien; 10 Stimmen: Polen, Schweiz, Dänemark; 8 Stimmen: Schweden, Finnland, Holland, sowie Australien, wenn die Einigung der dortigen Partei vollzogen wird; ö Stimmen: Norwegen, Ungarn, Spanien; 4 Stimmen: Bulgarien, Argentinien, Nu- mänien, Japan, Serbien und Südafrika sowie event. Australlcn; 2 Stimmen erhält Luxemburg. Ein Antrag der italienischen Genossen in Oesterreich auf Ab» Halbing einer Konferenz der Administratoren tind Herausgeber de» Parteiblätter zum Zweck der Gründung eines soziali st i- schen Nachrichtenbureaus wird als nicht spruchreif erachtet, doch soll wahrend des Stuttgarter KongreffeS eine Besprechung der Parteijourualisten über die Verbesserung des Informationsdienstes stattfinden. Die Exekutive des Bureaus erhält die Ausarbeitung eines Manifestes anläßlich ber Haager Konferenz zugewiesen. DaS Zu» laffungSgefuch der Kroaten und Slovcnen Ungarns wird der ungarischen, das der Ruthencn der österreichischen Sektion zugewiesen. Den Russen wird überlassen, die gleichen Fordeningen zionistische» „Sozialisten" zu erledigen. Eine russische Delegierte bringt die Auslieferungen russischer Sozialisten in verschiedenen Ländern zur Sprache, worauf eine von Dr. Adler beantragte Resolution beschloffen wird, die folgenden Wortlaut hat: „Das internationale Bureau erhebt energischen Protest gegen die Auslieferung russischer Revolu- lionäre an die zarische Negierung und fordert die Sozialisten aller Länder auf, ihren ganzen politischen Einfluß ein- zusetzen, um solche Fälle des Bruchs des AshlrechtS und der Neutralität zu verhindern." Die Konferenz wird um 5 Uhr geschloffen, ein Klaffenurteil. Paris, 7. Juni.(Eig. Ber.) � Der dreitägige Prozeß gegen die Gewerkschaftsführer Levy und Bousquet hat also mit einer Verurteilung geendet. Die Geschworenen fanden die Angeklagten schuldig, und der Ge- richtshof hat zwei Jahre Gefängnis über sie verhängt! Niemand hat ein solches Ergebnis für möglich gehalten, und die Freunde wie die Gegner der Angeklagten erwarteten einen Freispruch. Der Verlauf der ganzen Verhandlung schien diese Erwartung zu recht- fertigen; denn die auf einfältige und sichtlich unwahrhaftigc sowie einander widersprechende Polizistcnaussagen aufgebaute Anklage war von Anfang an so gebrechlich, daß es gar nicht erst der Wucht energischer und klarer Zeugenaussagen und schneidiger Verteidiger- beredtsamkcit bedurfte, um sie gleich einem Kartenhaus zusammen- zublascn. Und nun dennoch die Verurteilung! Da gibt eS denn keine andere Erklärung als den blindwütigen Haß der Bourgeois- geschworenen wider die Arbeiterklasse, die Ranküne des Krämer. tumS und der bornierten Mittclständlerei gegen die Männer, die versucht haben, yze edle Sippschaft zur Einhaltung des gesetzliche!» Ruhetages zu zwingen. Ein Klassenurteil, ein Akt unvcrhüllter blutiger Klassenjustiz ist das heutige Urteil, so gut wie es das von Löbtau war. Diesmal besteht nicht einmal der Vorwand des..Patriotismus", wie im großen Antimilitaristen-Prozesse. Nicht das„Vaterland", sondern einzig der Profit war zu retten. Das Urteil der Pariser Gc> schworencn ist keine Vollstreckung einer sei es auch falschen Ge- rcchtigkeitsidee. Es ist ein Akt dcS Klassenkampfes, nicht mehr, aber auch nicht weniger, und die Verhandlung hat die ganze Komödie der GesellschaftSrettung, in der sich C l e m e n c e a u zu Tode und B r i a n d cmpormimte, in ihrer ganzen Jämmerlich- keit ans unbarmherzige Tageslicht gezogen. Etwas so Hirnverbranntes von Anklage hat man in der Tat seit Menschengedenken nicht gesehen. Bousquet und Levy hatten eine Streikbewegung geleitet, deren Ziel die Durchsetzung eines Gesetzes war, das die Bourgeoisie unter stiller Duldung eines „sozialistischen" Arbcitsministers mißachtete. Die Ausbeuter hatten, indem sie die Läden am Sonntag öffneten und den Bäckern den Ruhetag vorenthielten, gegen das Gesetz eine„direkte Altion" begangen, und nicht sie. sondern die Organisatoren dex Arbeiter sollten bestraft werden! Nun wurden die Angeklagten allerdings bezichtigt, zu..Un» gesctzlichkeiten" aufgefordert zu haben. Besonders Levy wurden allerhand kindisch drohende Redensarten in den Mund gelegt. Abev « i n Zeuge nach dem anderen trat auf» um die Verdrehungen der Anklage zu erweise«. Sofern diese die Schuld Bousquets und L6vhs aus ihrer allgemeinen Wirksamkeit hatte erschließen wollen, zeigten die- Aussagen von Männern wie I a u r c s. McSlicr. Sembat. daß diese allgemeine Tätigkeit eine gcsetz- liche Organisationsarbeit gewesen ist. Und wenn die der Anklage zugrunde liegenden Spitzclaussagen die„Aufreizung" im bc. sonderen Falle einer Versammlung in der Arbeitsbörse bezeugen sollten, so bewiesen die einmütigen Erklärungen der doch zu einem Urteil zweifellos befähigteren Zeitungsberichterstatter das Gegen- teil. Nicht nur ein Redakteur der„Humanite". sondern auch die Berichterstatter deK RegierungSorganS„Petit Parisien", des großkapitalistischen„TcmpS", der klerikal-reaktionären„Croix" bestätigten die Bemühungen der Angeklagten um die Erhaltung der Gesetzlichkeit. Und auf einem pholographischcn Klischee sah man gar Bousquet leibhaftig abkonterfeit, wie er, vor dem Tor der Arbeitsbörse stehend, � die herausströmende Menge der Bäcker- gehülsen mit eigener Hand teilt, um Ansammlungen hintanzu- halten. Ein Argument des Staatsanwalts blieb allerdings noch, und zwar sein kostbarstes: der„Beweis", daß die Angeklagten zum „Sabotage" aufgefordert haben müßten, weil— in Paris Sabotage verübt worden sei! Während eines etliche Tausend Menschen um- fassenden Streiks sind in der Dreimillioncnstadt Paris in einem halben Dutzend Bäckerläden Fenster eingeschlagen und ist bei einem Schlächter Petroleum aufs ausgehängte Fleisch gespritzt worden. Für diese, von Unbekannten verübten Sachbeschädigungen haben die Angeklagten um angeblicher„intellektueller Urheber. schast" willen sechs Wochen in Untersuchungshaft sitzen müssen und nun noch zwei Jahre dazubekommcnl Für die Gewissenlosigkeit, mit der die Anklage zusammcngesudelt war, ist die Tatsache be- zeichnend, daß unter den Vorfällen, die als Beweis der auf- reizenden Wirkung der inkriminierten Reden angeführt wurden, Beschädigungen von Bäckereifenstern aufgezählt werden, die jenen Reden zeitlich vorangegangen sind! Welche fürchterlichen Umstürzler, deren Reden sogar rückwirkende Kraft haben!— So war die Verhandlung eine dreitägige Blamage der An- klage. Man kann sich nichts Lächerlicheres denken als die Situation eines Staatsanwalts, dessen klägliche Sophistik von den Zeugen, Angeklagten, Verteidigern bis zur letzten Faser zerpflückt wird. Drei Tage lang ging eine Douche von leidenschaftlichem Protest, schlichter Sachlichkeit, juristischer Logik, Hohn und Mitleid auf das arme Haupt des Anklägers nieder, bis es die Trübseligkeit eines begossenen Pudels zur Schau trug. Eine unbczwingliche Schaden- freude ergriff die Zuhörer, als sie den Staatsanwalt seine stärkste Karte ausspielen sahen und die Besitzer der zerbrochenen Scheiben, die„Opfer des Sabotage", am Zeugenstand vorüber. wandelnd, einer nach dem anderen, kopfschüttelnd fragten, was sie denn mit den Angeklagten zu schaffen hätten.— So erwartete man, wie gesagt, den grotesken Prozeß mit einem hellen Gelächter endigen zu sehen. Er endigt aber mit Trauer, Schande und Empörung. Die Pariser Geschworenen, die noch in den Jahren des Anarchistenschrcckens, unter Casimir PerierS Präsidentschaft, den Zumutungen der ordnungsretterischcn Staats- anwälte Widerstand leisteten, haben heute an den Vorkämpfern des Ruhetages ihr Mütchen gekühlt. Und das Gericht hat den verurteilten, allen Zeugenaussagen zum Hohn, nicht einmal mildernde Umstände zugebilligt. Es war ein klerikaler Monarchist. der gestern als Zeuge die Geschworenen gebeten hat:„Sabotieren Sie nicht die Fufliz!"— Die Richter des Vourgcoisirstnatcs haben diese Mahnung nicht befolgt. Wird die friedliche Eutwickclung der Gesellschaft gefördert, wenn die Arbeiterklasse zu der Ucbcr- zeugung kommt, daß der Apparat der Gerechtigkeit ein Werkzeug der sozialen Unterjochung ist? Herr Clemcnceau ist Geschichts- Philosoph genug, um die Antwort auf diese Frage zu wissen.— befaudon, seien hier einige Bemerkungen über den Verlauf der Debatte gemacht, um keine falschen Vorstellungen aufkommen zu lassen. Zunächst lief der Antrag des Zentrums erst am Tage vor der Ankunft der Herkomcrteilnchmcr an der württembsrgifchen Grenze ein, als vom Miiiifteriuiu die Erlaubnis zur Durchfahrt durch die von der Fahrt berührten württcmbergifchen Landstraße» bereits erteilt und die Bedingungen für die Durchfahrt festgesetzt und von den Teilnehmern an der Fahrt akzeptiert worden waren. Unter solchen Umständen wäre ein in letzter Stunde vom Landtage bewirktes Verbot der Benutzung württembergischer Straßen, das man hätte versuchen müssen, telegraphisch zur Kenntnis der bereits unter- Wegs bcstndlichen Fahrer zu bringen, sicherlich ein sehr sensationell wirkendes Ereignis und zugleich eine Mißtrauens kundgcbung schärfster Art gegen den Minister des Innern gewesen. Ehe dazu geschritten Iverden konnte, mußte naturgemäß eine Prüfung der Bedingungen erfolgen, die das Ministcriiim für die Erlaubnis der Durchfahrt durch Württemberg festgesetzt hatte. Bei dieser Prüfung stellte sich nun heraus, daß die getroffenen Sicherheitsmaßregeln in der Tat als ausreichend bezeichnet werden mußten. Während die Behörden in Sachsen und Thüringen allerdings so gut. wie nichts für die Sicherheit getan hatten, war in Württemberg bestimmt worden, daß die Geschwindigkeit auf offener Strecke nicht 30 Kilometer und in Ortschaften und auf belebten Straßen nicht 15 Kilometer pro Stunde übersteigen dürfe. Jeder Fahrer, der sich einer bewohnten Gegend näherte, mußte die Geschwindigkeit auf 15 Kilo- meter herabsetzen. Auf Grund dieser Festsetznug waren für alle württembergischen Orte von Freiidensiadt bis Friedrichshafen die Ankunftszeiten genau festgestellt worden und wer in den ein- zelncn Orten vor dieser Zeit ankam, ver- fiel der dafür festgesetzten Strafe. Wenn man in Betracht zieht, daß fünfzehn Kilometer von einen» rüstigen Fußgänger in zive» Stunden begangen werde» und daß jede beliebige, mit Pferden bespannte Droschle in den bc- lebtesten Straßen der Großstadt«ine stärkere Geschwindigkeit haben darf als sie hier den Antomobiliften zur Pflicht geinacht war, so lag wirklich keine Veranlassung zu der von» Zentmm geforderten sensationellen Maßregel vor, und diese Auffassung ließ die sozial demokratische Fraktion ii» der Debatte durch ihren Sprecher, Abg. Heymann, vertreten. Die Motive des Zentrums bei seinem Vorstoß gegen den Minister ließen sich a>lch in der Nähe weit besser bc- urteile»», als die? aus der Ferne möglich»st. Bei der vor wenigen Tagen im Landtag gepflogenen Debatte über die Gewerbeinspektion hatte der Minister auf die da« Maß deS Erlaubten dem» doch überschreitende AilSbentung jugend- sicher Arbeitcrinnci» in der Str»nnpfwar«„fabrik von Ferdinand Gröber in Nenfra, Bezirk Riedlingen, dem Wahlkreis des gleich- namigen bekannten ZentruniSabgeordneten, hingewiefc»», einer Fabrik, der die jugendlichen A rbeitSkräfte mit 14 Jahren bereits durch die katholischen Geistlichen zu- gewiesen werden»ind in der katholische OrdenS- fchwestern dieFunktion von Aufsichtspersonen aus- üben. Ueber diese Bloßstellung ist das Zentrum in Aufregung geraten, und man»vußte, daß cS die erste beste Gelegenheit benutzen würde, um sich an den» schon lange von ihn» mit besonderer Abneigung beehrten Miinster zi» rächen. In der Tat wurde denn auch die Automobil- aktion vom Abg. Grober in eigener Person' g'cktitet." Da die Motive dieser Aktion doch gar zu durchsichtig waren, mußte sich die sozialdeinokratische Fraktion mir Recht fragen, ob eS ihr«!' würdig gewesen wäre, den» Zentrum bei diesen» Rachefeldzuge Hülfe zu leiste»». Die Fraktion ließ im übrigen durch einen eigenen Antrag erkei»i»ei», daß sie zu einen» Verbot der„Schnell rgieitS- Wettfahrten' a la Gordoii-Vennettrennen bereit sei, sich aber nicht bei dem Verbot eines Rennens beteiligen wolle, bei dem das Prinzip der größtinöglichcn Schnelligkeit völlig ausgeschaltet worden ist. Leider wurde dieser An trag mit allen gegen die Stimmen der Sozialdemolratie abgelehnt. Der Verlauf der Herkouierfahrt durch Württemberg hat die Richtigkeit des von der sozialdemokratischen Fraktion eing«»omn»c>»en Standpunktes bestätigt; denn die Fahrt ist oh neUnfall verlaufen. „Lokal-Anzciger" nicht- nur Verteidigling, sondern das Blatt leistet sich obendrein das Ver- Die Frage der Schiffahrtsabgabcn iu Württemberg. gniigen, die Freisinnige» ob ihrer Entrüstung in halbvcrsteckter Stuttgart, 8. Juni.(Eig. Ber.) Form zu verhöhnen, indein eS schreibt, daß, wenn auch Anläßlich der Etatdcbatte über die Neckarschiffahrt kam cS im der Freisinn für die Regierung im Abgeordnetcnhause nicht> württembergischen Landtag zu eme� ausgedehnten DcbMtc über in Betracht komme, er doch auch dort nicht ganz zur lln- � � � � � � � � politische(leberlickt. Berlin, den 10. Juni 1907. Nicht ganz unfruchtbar. Die bon der Regierung bei der Verhändlung über die t'euerungSzulage im preußischen WgeordnetenhauS befolgte Taktik, die freisinnigen Parteien völlig zu ignorieren und über deren Kopf hinweg wieder mit dem noch vor kurzem geschmähten Zentrum zu paktiere»», findet in dem offiziöse» Scherlschen fruchtbarkeit verurteilt sei, denn immerhin halten z. B. zu der Teilcn,ngSz»ilage für die mittleren Beamten die Freisinnigen den erste» Anstoß gegeben. Recht boshaft heißt es in dem Artikelchcn: „Der Freisinn bildet jetzt, durch die Neuwahlen erheblich ver- stärkt, irn Reichstage einen wesentlichen Bestandteil der Majorität, auf die sich die Regierung gemeinhin stützt, ivährend er in, Ab- geordnetenhauss infolge seiner numerischen Schiväche hierfür nicht in Betracht kommt. Daß der entschiedene Libera- kiSmllS aber deshalb auch in der preußischen VolkSvertretmig keineswegs zur Unfruchtbarkeit verurteilt ist, haben die letzten Tage erst wieder erwiesen. Am Schluß der Debatte über die Bewilligung von Teuerungszulagen für mittlere Beamte entbrannte bekanntlich, vom Abgeordneten Herold entfacht, ein des Humors nicht entbehrender Kampf der Parteien»»m die Priorität des Gedankens. Allein den Anstoß, daß wirklich etwas geschah, haben doch die Freisinnigen durch ihren Antrag gegeben, während alle rechts von ihnen sich schon dabei bcschieden hatten, daß die Finanzlage zirrzeit nicht ge- statte, mehr zu tun, als ursprünglich itt der Absicht der Regierung lag. Ihr Ziel haben sie freilich nicht voll erreicht, aber ein gut Stück des von ihnen dorgezeichncten Weges gingen dann doch die Regierung und die Mehrheit. ES ist desbalb für den, der nicht durch die Parteibrille steht, nicht recht verständlich, warum die Freisinnigen aus diesen Vorgängen den Schluß ziehe», daß sich eine Schwenkung der vorn Reichskanzler prollamiertcn inneren Politik zu ihren Ungunsten vollzogen habe.... Freilich ist bei den Kompromihverhandlungen die ganze Linke ausgeschaltet worden, Zenttum, Konservative und Freikonservative haben die Sache gemacht. Allein vom Freisinn hat man wohl Entgegen- koinmen nicht erwartet, und den Nationalliberalen hat der Finanz- minister zugesichert, daß die Mittel so Vertvandt werden sollen, wie sie es beantragt hatten._ Die Herkomerfahrt im württembergischen Landtag. Aus dem Kreise unserer württembergischcn LandtagSfrakiion tvird uns geschriebene Im„BortvirtS" vom 7. Juni wird mitgeteilt, daß das Zentrum am 0. Juni im württembergischen Landtage einen Antrag aus Verbot der Herkomerfahrt eingebracht hatte, der mit 45 gegen 32 Stimmen abgelehnt worden sei. Daran loird die Bemerkung geknüpft: „45 Mann also haben die unter den oblvaltendcn Umständen recht vernünftige Anregung niedergeftinrnit." Da diese Bcnicr- kung nur auf Grund der sehr mangelhaften Information durch«in Telegraphenbureau gemacht worden ist und ferner da ferner unter den 45 gegen den Antrag abgegebenen____ Stimmen sich auch die 15 Stimmen der sozialdemokratischen Fraktion für das ganze Stromnetz wurde somit eine schwere Benachteiligung die jetzt vicluinstrittene Frage der Erhebung der Schiff fahrtsabgaben aus natürlichen Strom läufen, eine Streitfrage, die ja in nächster Zeit zur Entscheidung gebracht werden loird. Die Volkspartei hatte hierzu einen umfangreichen Antrag eingebracht, der„die Hebung der Schiffahrt auf dem Rhein und die Schifsbarmachuug des Neckars und Mains" für ein„all- zulang vernachlässigtes Bedürfnis" erklärte und die Befriedigung dieses Bedürfnisses als eine„geincinschaftliche Aufgabe der bc- tciligten deutschen Staaten" bezeichnete. Die dadurch verursachten Lkostci» sollten„grundsätzlich nicht durch Abgaben der Rheinschisfahrt beschafft, sondern aus allgemeinen Staatsmitteln bestritten werden". Nun zog aber der volksparteiliche Antrag nicht die na- türliche Konsequenz aus diesen prinzipiell wichtigen Sätzen, indem er die Regierung aufforderte, dementsprechend im Bundesrat gegen die zugunsten der einzuführenden SchisfahrtSabgabcn beabsichtigte Aendcrung deS Artikels 54 der Reichsverfaffung zu stimmen, sondern er fuhr vielmehr fort:„Wenn das aber..... aussichtslos sein sollte(!), dürste von Württemberg der Einführung von Abgaben nur unter folgenden Bedingungen zugestimmt werden und so weiter." Diese der preußischen Regierung hier in aller Ocffcntlichkeit auf dem Präsentierteller eutgcgengctragcne Handelsbercitfchaft seitens der süddeutschen Bolkspartei erschien natürlich geeignet, die Position der aufrichtigen Kämpfer für die Aufrcchtcrhaltung der in der RcichSvcrfassung festgelegten Abgabenfreiheit zu schwächen, und so unternahm es in der heutigen Sitzung für die Sozialdemokratie der Abgeordnete Dr. L i n d ein a n n in einer großen Rede, Kritik an dem preußischen Projekt einer Wasserstragcugemeinschaft zu üben und sich scharf gegen die Neigungen, diesem Projekt näher- zutreten, auszusprechen. Er legte dar, wie die„Fata Morgana" der baldigen Neckarkanalisation im Falle der Zustimmung zu den preußischen Vorschlägen den Umschwung in den Anschauungen der »oüttembcrgischcn Regierung bewirkt und jetzt auch die Handels- kammern und die Volkspartei geblendet habe. Die Rechtslage sei ungemein klar. Die Verfassung könne im Bundesrat nur mit Zweidrittelmehrheit geändert werden. Sachsen, Baden und Hessen mit 10 Stimmen seien gegen die Arnderung. Würfe nun a»lch noch Württemberg seine vier Stimmen dagegen in die Wagschale, so sei die Zlbgabcnfrciheit als großes wirtschaftspolitischcs Prinzip gerettet. Die Entscheidung sei also geradezu von historischer Bedeutung. Neben der Rechtsfrage spiele sodann die Erörterung der Wirt- schaftlichen Vor- und Nachteile eine Rolle. Bei der Berechnung derselben würde iinmer angenommen, daß aus dem zukünftigen Neckarkanal ein Satz von 0,42 Pf. pro Touucnkilomctcr würde er- hoben werden müssen. Erweise sich aber dieser Satz, wie er es an- uchmc, als zu hoch, so fielen damit alle darauf basierenden Kal- kulatiouen zusammen. Andererseits sei für Kohle und Erze eine Schiffahrtsabgabe von 0,02 Pf., für Getreide aber von 0.1 Pf. vor- gesehen. Bei Einführung der durchlaufenden Schiffahrtsabgaben der Gelreideeknfuhr die Folge sein. Bei der Strecke bon 601 Kilo» meter rheinaufwärts bis Heilbronn liefe das aus eine Belastung von 69,1 Pf. hinaus, was bei einein gctreidcimportierenden Land Ivie Württemberg von erheblicher Bedeutung ist. Hier sei aber auch der Ausgangspunkt für die ganze auf Einführung der Schiffahrts- abgaben gerichtete Bewegung zu finden. Diese Abgaben sollen eine Kompensation an die Agrarier darstellen, die sich damit für die Bewilligung des MittcllandkanalSstummcls bezahlt machen»vollen. Das„Einsalltor" für Getreide, das der Rhein bilde, solle geschlossen werden. Soinit stellen diese Abgaben eine erneute Belastung der Konsumenten, eine Steigerung des Schutzzolls für die süddeutschen Staaten im Gegensatz zu der günstigen Lage der nicdcrrhcinischcn Bzirke dar. Preußen suche auch durch die Herrschaft über die Tarisbildung auf dein Rhein nur seinen Eisenbahnen einen un- licbsamen Konkurrenten fern zu halten. An die geplante gemein- same Schiffahrtskasse des Rheinstromnetzes werde sich nach dem Aus- bau deS Mittellandkanals der Anschluß anderer, nicht so ertragS» fähiger Stromsysteme vollziehen, die durch den Anteil an den Ev- trägen des Rheinnctzes saniert werden sollen. Wer schützt uns dann vor einer Erhöhung der Tarife, wenn heute der klare Wortlaut der Verfassung nicht einmal vor Einführung der Abgaben Schutz gelvährc. Aus diesen Gründen beantrage er, die Regierung zu er- suchen, im Bundesrat gegen die Einführung der Schiffahrtsabgaben zu stimmen. Auf diese Rede folgte ein reger Meinungsaustausch, an den sich auch die Minister beteiligten, ohne jedoch wesentlich Neues mit- zuteilen. Mau erfuhr nur, daß die Schwenkung der Negierung darauf beruht, daß sie-den Reckarkanal als Kompensation für die Bewilligung der Schiffahrtsabgabcn zu erhalten hoffte An die Wand gedrückt. Die Natioiiallibcralen in Hannover sind in tausend Aengsicn, tveil der Bund der Landlvirte die famose Blockpolitik ständig zu durchkreuze»» sucht. Jetzt ist durch den Tod deS bisherige»» Abgeord- neten Hesse das LandtagSmandat für V e r d e n- R o t e n b u r g frei gcivordc». und schon erscheint der Bund der Landlvirte auf dem Plan und stellt de»» Freiherr» v. Hainmersteii», Landrat zu Zeven als Kandidaten auf. Seit 1870 ist der Kreis nationalliberal ver- treten und der verstorbene Abgeordnete war bei der letzte» Wahl mit 206 Stimmen e i n st i n» m i g gelvnhlt»vordcn. Der Bund der Landlvirte erklärt mm in einer Resoliltion,„daß eine neue national- liberale Kandidatur den Grundauschauungeu uuserer Landbevölkerung nicht Rechmnig tragen»md deshalb unserem bcstimintesten Wider- spruch begegnen würde." In seiner Angst ruft der„Hannov. Cour." die Regierung zu Hülfe. Er schreibt: „Nicht recht verständlich wäre eS, wenn ein politischer Regier» ngSbeamter die Hahnsche Taktik durch die Aufstellung seiner Kandidatur unter stützen wollte: doppelt unverständlich gegenüber ber politischen Taktik, die von der Regierung proklamiert ist. Oder hat die für Hannover keine Gültigkeit?" Mit diesen» SchmcrzcnSruf werden die Nationalliberalen schwer- sich Erfolg haben, den»» gerade, um sich die Unterstützung der Rc- gierung zu sichern, haben ja die Bündler einen Landrat aufgestellt. Gelingt es den Nationallibcrnlcn nicht, ebenfalls einen Landrat auf- zutreiben, dann sind sie ihr altes und„sicheres" Mandat unter allen Uinstäiiden loS. Dafür sorgt schon der amtliche Apparat._ Menschenopfer der Kolonialertverbssncht. Der Kampf gegen die Hercro' in Südwestafrika hat dieses. Voll, dessen Gesamtzahl vor dein Kriege auf 70 000 bis 80 000 Köpfe ge- schätzt wurde, so weit mlfgerieben, daß jetzt nur noch der vierte Teil deS früheren Bestandes vorhanden»st. Insgesamt haben sich an den Saminelstellen etwa 16 000 Herero eingefunden. Rechnet man dazu die sonst noch im Lande befindlichen Herero mit 3000 hinzu, so ergibt sich im höchsten Falle eine Gcsamtbevölkerrmg von 20000. Ein schöner Erfolg der deutschen Zivilisationsarbeit l Zweierlei Ehre in Kulmbach. In der bayerischen Bicrstadt Knlmb ach hält eS bekanntlich der viirgcrmeister Flessa für seine Pflicht, als Oberhaupt der Polizei den Unternehmern die Rcserale der überwachenden Beamten über die Verhandlungen der Gcioerkschaftsvcrsammlilngen zu übermitteln, damit die Herren llnternehiner unzufriedene Arbeiter sofort ent- lassen köniien, ehe sie in ihre», Betrieben Unheil anrichten. So dient der Herr Bürgermeister den»„sozialen Frieden", dem» wem» kein Arbeiter aufmuckt, gibt's leinen Streit. Was Herr Flessa auf dem Gebiete der Verlvaltimg, das ist der Amtsrichter Frohnauer auf den, Gebiete der Justiz. Auch er wirkt mit Eifer für den sozialen Frieden iin Sinne FlesjaS; durch seine Urteile predigt er den Arbeitern, daß sie sich»»ich» gleich dünlen»ollen ihren Herren, soliden» ihnen dienen in Furcht uud Fitten» und Ergebenheit. Wehe dem Sünder, der einen Unternehmer antastet. Den Genossen Schlegel, der einen Artikel gegen den Fabrikhenn Hornschuh zu veröffcntsichen gewagt hatte, verurteilte Herr Frohnauer zu zehn Tagen Gefängnis. Und»veil der Sünder hinterher noch so verstockt war, den Verfasser des Artikels iiicht verraten zu»vollen, steckte Herr Frohnauer ihn noch für etliche Wocbei» in Zengniszwnngshaft. Den Fabrikberrn Hornschuh aber. der sich gegen einen Arbeiter der Beleidigung schuldig machte, sprach Herr Frohnaucr frei! Herr Hornschilh, der seine eigene Ehre für so kostbar hält, daß er wegen ihrer Slntastung nicht nur einen, sondern zlvei Leute verurteilt ivisien wollte, hatte die Ehre anderer weniger hoch eingeschätzt. Er hatte einige Arbeiter mit Ausdrücken lvie„Saubande". .Schweinebande" usw. reguliert. Einer von diesen, der Genosse Reuter, ließ sich die-Z nicht gefallen und klagte gegen Hornschuh wegen Beleidigung. Vor der Verhondlimg hatte H. gegen den Kläger höhnisch erklärt:„Sie glauben»vohl, daß ich G e f ä»» g i» i S b e k o m in e? Da sind sie im Irrtum. Ich bekonime höchstens einige Mark Geldstrafe und die zahlt das Geschäft." Aber Herr Hornschuh lvußte, als er das sprach, noch nicht, was sich ein Kulmbachcr Fabrikherr gegen Arbeiter erlauben darf, was die Ehre eines Arbeiter» vor Herrn Frohnauer wert ist. Herr Frohnauer sprach den Herrn Fabrikanten frei,»veil er„in Wahrung berechtigter Jntcresse»»" gehandelt habe und sich„keiner Rechts- »vidrigkeit bewußt" gewesen sei! Die Zeugen des Klägers bezichtigte er der Niederträchtigkeit, Gewissenlosigkeit und Ehrlosigkeit, und in der Begründung deS Urteils sprach er gelassen den Satz aus: es sei auffällig, daß die Belastungszeugen zugunsten des Klägers aussagten, während die EutlastuiigSzeugcu eine andere Meinung hätten. So sorgt Herr Frohnauer dafür, daß die Arbeiter zu Kulmvach die Pflicht der Unterordnung unter die Unteruehmer erkenn«», indem er ihnen zeigt, baß ein Unternehmer nicht nngesttaft beleidigt»vird, daß aber dieser Unternehmer da» Recht hat, Arbeiter zu beleidigen. Arbeiter- und Uiitemehinerchrc, das find eben nicht vergleichbare Sachen._ Immer neue Majestätsbelcidignngsaffärcn. Gegen die„Mecklenburgische Volkszeitung", unser Rostocker Parteiblatt, ist eine Untersuchung wegen angeblicher Majestätsbeleidigung oder richtiger wegen Beleidigung eines regierenden Hauses eingeleitet lvorden. Dem Genossen Kühn als VcranllvorUichei» wurde von» Ersten Staatsanil>alt Dr. Brünner bei seiner Vernehmung erklärt, daß die„Meckl. Volks-Ztg." den Herzog Johann kllbrecht in zwei Artikeln der Rr. 121 und 122 beleidigt hat. Beide behandeln die Wahl des Herzogs zum Regenten in Braun schweig, beschäftigen sich aber mit keinem einzigen Wort etwa mit einer Handlung des Herzog«,»loch mit dessen Charakter usw.. sondern befassen sich lediglich mit der Finanzfrage, die bei der Braunschlveiger Negcnremvayl aufgeworfen wurde. Genosse Kühn konnte bei seiner Vernehmung er- klären, daß er jene Artikel nicht selbst geschrieben habe, prchgesctz- lich aber die Verantwortung übernehme. Der Erste Staatsanwalt meinte, er würde mit der Erhebung der Anklage noch drei Tage Warten, bis dahin könnte sich ja der Verfasser der Artikel nennen. Er hat natürlich umsonst warten müssen, denn unsere Gc- nassen haben keine Veranlassung, der Justiz statt eines zwei Ange- klagte zu liefern. Die Staatsanwaltschaft will aber gar zu gern den Verfasser haben und hat zu diesem Zweck bereits weitere Schritte getan. Ein Privattelegramm meldet uns aus Rostock vom II). Juni: Der Staatsanwalt vernahm den Verleger der„Volks- zeitung", um den Verfasser der Artikel über die Wahl des Herzogs Johann Albrecht zum Braunschlveiger Regenten zu er- Mitteln. Gleichzeitig lebt in Mannheim das Majestätsbeleidigungs- verfahren gegen das Fastnachtsblatt„Schnupftabak" wieder auf. Der neue Untersuchungsrichter, der dem versetzten Herrn Haas gefolgt ist, loill wie sein Vorgänger den Majcstätsbeleidiger des„Schnupftabak" herausfinden. Am Freitag wurde wieder eine Reihe von Zeugen vorgeladen, die den Attentäter nennen sollten. Genosse Emil Maier, Lokalredaktewr der„Volksstimme", er- klärte, in seiner Eigenschaft als Redakteur habe er den Namen des Verfassers des inkriminierten Artikels erfahren, er könne jedoch über diese Sache nicht aussagen, er wurde wegen Zeugnisver- Weigerung zu einer Geldstrafe von IVO M. und den Kosten verurteilt; ob gegen ihn auch die Zeugniszwangs- Haft angewendet würde, so erklärte man ihm, bleibe der weiteren Entschließung vorbehalten! So wetteifert Nord und Süd des Reiches im Schutze der Majestät!_ Reichsverbandsmanieren. Das Fiasko, das der Liberalismus bei den batienfchen Landtags« Wahlen erlitten hat. hat die liberale Presse vollends auf das Niveau dcS NeichSIügenverbandeS heruntergebracht. Zurzeit macht in der liberalen Presse Frankens folgende Notiz die Runde: „Fürth.(Skandalöse Strasieuszene.) Betrunken liegt am Abend dcS 3l. Mai die gcschlcchtSkranke Dirne Sch. auf offener Straße. Sie hat de» ganzen Tag über mit gefüllten Maßkcngen in der Hand für die Sozialdemokratie agitiert." Selbstverständlich ist die ganze Geschichte Schwindel. An der Agitation für die LandtagSwahl in Fürth haben sich Frauen über- Haupt nicht beteiligt. Kein Mensch hat in Fürth eine betrunkene Dirne auf der Straße liegen gesehen. Die Lügennachricht ist freie liberale Erfindung. Durch die Anführung der Anfangsbuchstaben eines Namens soll die Sache noch glaubhafter gemacht werden. In den Volkskreisen, welche die Sozialdemokratie noch nicht näher kennen, will man die Meinung erwecken, daß sie ans einer Bande von Zu- hältcrn und sonstigen verworfenen Elementen besteht.— Hurrapöbel. In die Stadt Heinsberg im Regierungsbezirk Aachen war dieser Tage der neue RegieruiigSpräsident Freiherr v. Saudi ge- kommen. Die aus Anlaß einer Feierlichkeit aus der katholischen Kirche kommenden Bürger- und Juiiggesellcii-Schützenvereine— die. wie der klerikale Aachener„Volksfreund" schreibt, an dem uralten schönen Gebrauch festhalten. nach Beendigung des Festgottesdiensics den. � geistlichen und weltlichen Behörden musikalische Ovationen zu bringen"— beschlossen, auch dem Herrn RegieriingSpräsidenten bei seiner Ankunft eine Begrüßung zuteil werden zu lassen. Obwohl sie von dem neuen Herrn >wch nie etwaS•gehtirt-�wn und der greizte- Teil der Lttrtrvon den Funktionen eines Regierungspräsidenten entweder gar keine oder nur sehr dunkle Vorstellungen haben mochte, zogen sie mitklingendem Spiele zun, Bahnhose und nahmen in Reih und Glied Aufstellung. Am Bahnhofe weilte zum Empfange des neuen Vorgesetzten auch der Landrat des Kreises, Freiherr von Scheibler. der sich zum preußischen Beninten auf keinen Fall eignet, weil er nicht das mindeste Verständnis für den„oben" gepflegten dekorativen Stil hat. Er lveiß sogar nicht, daß patriotische Auf- und Umzüge ein ivcsentlicher Bestandteil der nendeutschen Politik sind. Verständnislos sandte er den am Bahnhof postierten Gen- d a r m c n zu den braven Bürgern nnd ließ ihnen kategorisch er- klären, s i e in ö ch t c n s i ch schleunigst entfernen. Wie der„VolkSfreimd" schreibt, haben„die in ihren l o h a l e n Gefühlen tief gekränkten Bürger und Schützen nachher in kraftigen Worten ihrem Un- mute Luft gemacht"— natürlich beim vier. Ein vernünftiges Urteil. Die bremische Staatsanwaltschaft hat den- Schmerz einer ver- pufften Aktion gegen die Sozialdemokratie zu verwinden. Sie hatte gegen den Redakteur der„Bremer B ü r g e r- Z e i t u n g", Genossen Georg Staufer, Anklage wegen Vergehens gegen den§ 130 des St. G. B. erhoben. Verschiedene Klassen der Be- völkcrung sollten gegen einander aufgereizt worden sein durch ein Gedicht von Richard Wagner, betitelt„Märzluft", das am 18. März in unserem Bremer Parteiblatt erschien. Ein solcher politischer Prozeß nach prcußisch-sächsischcm Muster hatte für Bremen den Reiz der Neuheit. In dem gefährlichen Gedicht wurde die Revolution von 1343 und der russische Freiheitskampf gefeiert. Am Donnerstag kam die Sache vor der Strafkammer des bremischen Landgerichts zur Verhandlung. Kläglicher ist kaum je eine Anklage begründet worden. Sie gipfelte in der salomonischen Weisheit: das Wort„Revolution" könne von nichtlvissenschaftlich geschulten Köpfen als ein gewaltsames Vorgehen begriffen und somit zum Anlaß von Gewalttätigkeiten gegen die bürgerlichen Klaffen werden. Auch die Wendung:„Formiert die Bataillone der Proletarier!" sei geeignet, den öffentlichen Frieden zu gefährden. Um nachzuweisen, daß die Aufreizung öffentlich geschehen sei, erhöhte der Staatsanwalt in liebenswürdigster Weise die Abonnentenziffcr der„Bremer Bürger-Zcitung" auf 30 000, wo- für ihm die anwesenden Genossen in heimlicher Innigkeit oder innigster Heimlichkeit warni die Hand drückten. Der Verteidiger des Angeklagten, Genosse Dr. Herz-Altona, hatte leichtes Spiel mit der Auflösung des so überaus locker angefertigten Anklage- gewebcs. Jede Agitation sei bis zu einem gewissen Grade eine Aufreizung zum Kampf, jede politische Agitation eine Aufreizung zum Klassenkampf. Folge das Gericht der Deduktion des Staats- anlvalts, dann seien unzählige Gedichte unserer Klassiker nicht mehr sicher vor dem Z 130. Die Stellung der Sozialdemokratie zur Gewalt kennzeichnete der Verteidiger durch das bekannte Wort von Friedrich Engels im Lorwort zu„Die Klassenkämpfe in Frankreich usw.", wonach die Sozialdemokratie bei der Gesetzlichkeit pralle Muskeln und rote Backen bekommt und aussieht wie das «wige Leben. Das Gericht verschloß sich den überzeugenden Aus- führungen deS Verteidigers nicht und sprach den Angeklagten kostenlos frei. Die Begründung erfolgte zum Teil in den Worten des Verteidigers. Bei dem zum schärfsten Klassenhaß aufreizenden Mißbrauch, den der§ 130 im Kampfe gegen die Sozialdemokratie Dank der Jnterprctationskünste übereifriger Staatsanwälte gefunden hat, berührt dieses Urteil doppelt wohltuend und kann nur aufs dringendste als Vorbild empfohlen werden.--- Ei« Nachspiel zu den Hnrrawahlen. Eine allzu lakonische Fassimg deS in der Sonnabend-Nummer unter obiger Ucberschrift veröffentlichten Telegramms auZ Schweidnitz. verbunden mit Verstümmelung, hat verschuldet, daß sotvohl die Person des Verurteilten wie das Delikt falsch angegeben ist. Nicht Genosse Paul Lungwitz aus Niedersalzbrunn, sondern Genossin Berta Lun�soitz aus Berlin ist zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden und zwar nicht wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten, sondern wegen Beleidigung der Schutz- truppen, angeblich begangen tu einer Wählerversammlnng vom 17. Januar. DaS Urteil wird durch diese Berichtigung natürlich nicht besser. Soldatenmißhaudlung. Das Kriegsgericht in Dresden verurteilte den Unteroffizier Wilhelm, einen ehemaligen Untcroffizicrschüler, wegen einer unglaublich rohen Mißhandlung eines Umtcrgebenen zu der auffallend gelinden Strafe von drei Tagen mittleren Arrest!! Der Angeklagte hatte einem Soldaten, weil dieser etwas vergessen hatte, einen kräftigen Stoß mit der Faust in die Brust versetzt, daß der Soldat rückwärts auf den Steinboden fiel. Der Gemißhandclte hat heftige Brust- und Rückenschmerzen davongetragen und auch acht Tage im Lazarett zugebracht. Noch heute klagt der Soldat über Schmerzen. Trotz- dem nahm das Gericht einen„m i n d e r s ch w e r c n" Fall an, weil der Gemißhandelte keine nachteiligen Folgen davongetragen und der Angeklagte sich in großer Erregung befunden habe» frankreicd. Die Weinbauer«. Montpellier, 0. Juni. Heute fand hier eine Massenkundgebung der unzufriedenen Weinbauern statt. Die Zahl der Teilnehmer wird auf nicht weniger als 600 000 geschätzt. Ueber 200 Eisen- bahnzüge langten seit gestern hier an; die Mehrheit der Manifestanten traf jedoch zu Fuß nnd in Wagen ein. Heute mittag veranstalteten die Winzer einen M a s s e n u m z u g. Unter Trommelschlag und Hörnerklang bewegte sich der Zug durch die Straßen der Stadt. Die Winzer marschierten, nach Gemeinden ge» ordnet, in geschlossenen Zügen, an deren Spitzen Tafeln mit In- schriften wie z. B.„Nieder mit den Politikern I" getragen wurden. Eine zahllose Menschenmenge, die die Straßen einsäumte, begrüßte mit lebhaften Zurufen die Winzer und namentlich ihren Führer Marcelin Alberl und die Frauen, die in großer Zahl am Zuge teil- nahmen. Um 3 Uhr nachmittags kam die Spitze des Zuges auf der Esplanade an. Hier war eine Tribüne errichtet. Marcclin Albert, den seine Anhänger auf die Schultern hoben und auf die Tribüne trugen, hielt eine Ansprache, die mit anhaltendem Beifall auf- genommen wurde und in der er sagte, daß er im Namen von acht- malhunderttausend Bettlern deren Klagen vorbringe. Die Ver- sammelten nahmen eine Resolution an, in der sie aussprechen, daß sie keine Stenern mehr zahlen und daß die Demission sämtlicher Gemcindcvcrwaltnnge» des Südens nunmehr als vollzogene Tat- sache zu gelten habe. Nach Albert sprach der Maire von Narbonne, Ferroul: Der Süden, sagte er, werde jetzt handeln, und morgen abend um 8 Uhr, wenn die Sturmglocke läute, werde er seine Schärpe der Regierung ins Gesicht schleudern!(Beifall; lebhafte Bewegung.) Darauf rief der Beigeordnete Faucillon von Carcassone, er wolle ein Bei« spiel geben, und schleuderte seine Schärpe zu Bodem(An- haltender Beifall.) Albert forderte dann die Menge zum Schwüre auf, daß sie einig bleibe in der Verteidigung des Weinbaues mit allen Mitteln. Die Menge leistete Folge und bereitete Albert, Ferroul und Faucillon eine stürmisckie Huldigung. Nach dieser Kundgebung begann der Zug sich langsam aufzulösen. Trotz des großen Menschengewühls sind ernstere Unfälle nicht vorgekommen. Der Bischof von Montpellier gestattete, daß die Kirchen nachts geöffnet bleiben, damit daselbst den Winzern Unterkunft gewährt werde. Toulon, 0. Juni. Hier hielten heute 15 000 Weinbauern dcS Bezirks BrignoleS eine Versammlung ab. Es wurden heftige Reden gehalten und schließlich eine vom Präsidenten des General- rates Blache vorgeschlagene Resolution angenommen, welche besagt, die Wcinbnnec». wurden ans Paris märschiere», wen» sie nicht Bcfr.j�igmlg ihrer Forderungen crlavgcn.�.. � Paris, 10. Juni. Die Dcputicrtenkammer bespricht einen Eni- Wurf, welcher das Zusetzen von Wasser zum Weine sowie das über- mäßige Verzuckern verhüten will, und sodann den Bericht der Kam- Mission zur Untersuchung der Lage des Weinbaues. Camuzet (sozialistischer Republikaner), Deputierter aus Burgund, wendet sich gegen eine Deklaration der Ernte als etwas VexatorischeL und Unnützes, da die Ursache der Weinbaukrise nicht in Betrügereien, sondern in der übermäßigen Produktion und der Konkurrenz der Kunstwcine liege. Plichon, Abgeordneter des Departements du Nord, bekämpft die Einführung einer zu hohen Zuckersteuer, indem er ausführt, es sei unsinnig, eine ganze Industrie, die gerade selbst eine Krise durchmache, zu belasten unter dem Vorwaude, den hundertsten Teil der Zuckerproduktion, der den Zucker zum Per- zuckern der Weine liefere, überwachen zu wollen. Plichon betont, daß die Brüsseler Konferenz durch Beseitigung aller Zuckcrexport- Prämien die französischen Zuckcrproduzenten gegenüber den deutschen benachteiligt habe. Aldy(Narbonne, soziälistisch-Nadikaler) ver- tcidigt die Weinbauern des Südens und weist die Behauptungen der Vorredner zurück. Die Postbeamte« bleiben fest! Paris, 7. Juni.(Eig. Ber.) Die Maßregelungen der Gcwerkschaflsleiter der Beamtenschaft haben der Regierung nichts genützt. Die Postbeamten haben soeben kiindgegeben, daß sie sich nicht einschüchtern lassen. Der große, 14 000 Mitglieder zählende Zentralverband der Post- nnd Tele- graphenbcdiensteten, die„Association Günöralc", hält jetzt ihren Kongreß ab, der dem Ministerium zeigt, daß die Beamten die Freiheit hoher schützen als der FreiheitSmann Clemeiiccau, und die gewerkschaftliche Idee hoher als der Generalstreikler Briand. Die Eröffnungssitzung wurde gestern mit der Wahl der drei unlängst geinaßrcgeltcn Beamten zu Ehrenpräsidenten ein- geleitet. Genosse C l a v i e r, einer von ihnen, der Generalsekretär der Vereinigung geblieben ist, erstattete den Bericht. Auch Genosse G r a n g i e r, der entlassene Sekretär der Gewerkschaft der Unter- beamteu. und Simonnet von den„Jungen Vriefträgeru" hielten unter demonstrativem Beifall Ansprachen. Hierauf nahm die Ver- sammlung mit allen gegen drei Stimmen eine Resolution .an, die für die Postangestellten deSsclbe Recht in Anspruch nimmt wie für die anderen Lohnarbeiter, und ausspricht, daß allein die Gcwcrlschaft dein GünstlingSwesen in der Verwallung ein Ende machen könne. Die Resolution protestiert gegen jede Lösung der VerciiiigungSsragc, die die Beamten unter ein Sonderrecht stellen nnd so das Proletariat teile» ivürde; die Verbandsleitung und alle Ortsgruppen erhalten den Auftrag, die gewerkschaftliche Erziehung der Beamten mit verstärkter Energie zu pflegen nnd im geeigueic» Augenblick die Umwandlung deS Verbandes in eine Gewerkschaft vorzunehmen! Der entscheidende Beschluß darüber wird einem Kon- greß vorbehalten. Amerika. Orchards Zeugnis gegen Haywood und Genossen brachte im Gericht große Erregung hervor durch die gleichniütige Art, wie der Zeuge sich als das gefügige Werkzeug der Angeklagten hinstellte, und� durch die Seelenruhe, mit der er über seine zahlreichen Morde und' andere Schandtaten sprach. Er gab auch zu, Bigamist zu sein; er verließ Frau und Kind in Kanada und heiratete eine andere Frau in Kolorado. Auf 18 Mordtaten besinnt er sich und zu ihnen bekennt er sich schuldig, aber andere Morde noch werden ihm zur Last gelegt. Nachdem er sein Zeugnis abgelegt hatte, begann(letzten Freitag) das Kreuzverhör durch die Verteidiger; es gelang aber nicht, ihn in Widersprüche zu venvickeln; er blieb fest bei seinen Aussagen. Der Prozeß kann sich bis zum August hinziehen. » �» lieber große Landdicbstiihle in den Wcstftaatcn wurde bor einiger Zeit berichtet. Die Bundesregierung hatte Kenntnis davon ge- nommen und eine Untersuchung eingeleitet, die zur Belastung einer großen Zahl von einflußreichen Personen geführt hat. Die Diebe sind Millionäre, Eisenbahmnagnaten und reiche Holzhändler, die sich besonders die Staaten Idaho uüd Kolorado als Feld ihrer Tätigkeit ausgesncht haben. Auch der jetzige Senator von Idaho und gegen- wärtige Vertreter des Staates in dem Prozesse gegen Hahioood befindet sich unter jenen Personen, die durch die Untersuchung stark belastet erscheinen I In Washington aber ist die Anklage bis nach dem Prozeß zurückgestellt worden.— Me rassische üevolatson. Auf die lange Bank geschoben. Petersburg, 10. Juni.(Reichsdnma.) Das Hans erörterte den von der Arbcitspartei eingebrachten Gesetzcntivnrf auf Gewährung einer Amnestie. Der Justiz, ninimr erklärte, daß gemäß Artikel 23 der Verfassung die Amnestie ein Vorrecht des Monarchen bilde und daß demnach die Regierung nicht zuständig sei, zu einem Gesetz- eutwurf, wie der vorliegende, Stellung zu nehme«. Die Kadetten beantragten, den Entwurf an eine besondere Kommission zu über- weisen, ivelche prüfe» soll, ob er zur weiteren Beratung gestellt werden soll oder nicht. Der Antrag wurde mit 260 gegen 165 Stimmen angenommen. Die Sitzung nahm einen sehr erregten und stürmische» Verlauf._ Hus der Partei. JntcriiationaleS sozialistisches Burca». Aus dem Bericht des Sekretärs für die Monate April und Mai, der soeben veröffentlicht wird, entnehmen wir folgendes: Die z i o n i ft i f ch- f o z i a l i st i f ch e Arbeiterpartei verlangt die Zulassung zum Internationalen Bureau. Die Partei, die sich auf Rußland, Galizien und Amerika erstreckt, soll nach den Angaben des Komitees bereits 24000 Mitglieder zählen. Der An- trag wird damit begründet, daß die Partei auf den sozialistischen Prinzipiell basiere, die Vergesellschaftimg der Produktionsmittel nls das Ziel des politischen und ökonomischen Klassenkampfes anerkenne, ferner, daß sie die Eroberung der politischen Macht als daS Mittel betrachte, daS kapitalistische Regime nnd die Klassenherrschaft der Bourgeoisie eudgüllig zu beseitigen. Die Sonderorgaiiisation wird unter Hinweis auf die Existenz einer besonderen jüdischen Frage begründet, die ihre Lösimg finden müsse in der Kolonisation Palästinas durch die Juden.") Einem Bericht von Johannesburg zufolge ist eine„ S il d- afrikanische sozialistische Konierciiz" konstituiert worden. Dieser sind alle englischen, deutsche», roinanische» und russischen sozialistischen Vercinigungen der südafrikanischen Kolonien beigetreten, um eine Einigung aller Sektionen zu erzielen. Die Konferenz hat bereits drei Delegierte für den Stuttgarter Kongreß gewählt und den Genossen Sutherland zum internatioualen Sekretär. In Australien ist der Genosse Ton, Man zurzeit bemüht, die sozialistischen Parteien der australischen Staaten in eine geeinte zusammenzuschließen. Die Einrichtung eines Internationalen Jnfor« mationsburcaus für die Presse beantragen die Ge- nossen Pittoni und Dr. Vivande vom Triester Parteiblatt„Il Lavoratore". Sie beantragen, daß während oder nach dem Jnter- narionalen Kongreß in Stuttgart eine Konferenz der sozialistischen Redakteure und Schriftsteller zusammentritt, um die Gründung eines solchen BnreauS zu beraten.�) lleber die Publikationen des Bureaus wird mit- geteilt: Im April ist der offizielle Bericht der Sitzung des Bureaus vom 10. November in drei Sprachen(96, Seiten) für den Preis von 1 Fr. erschienen. Ende Juni soll der Bericht(I. Band) der an- geichlossenen Lanhesorgamsationen über ihre Tätigkeit von 1003 bis 1907 erscheinen(ca. 400 S-, 2,50 Fr.). Der II. Band erscheint Ende Juli in aimähcrnd der gleichen Stärke. Eine schwere Erkrankmig Bebels weiß die bürgerliche Presse zu melden. Erfrenlicherweise hat sie unrecht. Die„schwere Er- krankung" besteht in einem allerdings etwas hartnäckigen Bronchial- katarrh, der den Genossen Bebel gehindert hat, bei seiner Anwesen- heit in Brüssel— wo er der Sitzung deS Internationalen Bureaus beiwohnte— in einer Versammlung des Vereins der deutschen Sozialdeinolraten den versprochenen Vortrag zu halten. AuS Berlin nnd der Provinz Brandenburg. Der Zentralvorstand Berlins hat beschlossen, unserem leider so früh Heimgegangenen Genossen Jgnaz Auer ein schlichtes, lvürdiges Denlinal zu setzen. Zur Ausführung dcS Projekts ist eine Kominission gewählt. Zum Parteisekretär für die Provinz Branden» bürg wurde vom Vorstand deS Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine der Provinz Brandenburg im Verein mit dem Zentral- vorstand am Sonntag Genosse Wels gewählt. An deniselben Tage wählte der Votfftand des Verbandes der sozialdeinokratischen Wahlvereine der Provinz Brandenburg aus den durch die Wahlkreise vorgeschlagenen Delegierten für den internationalen Kongreß die Genossci,: V o r g m a n n, Grauer, Liebknecht, Schadow, Schubert und W e l S. Zum PetcrD.Prozcß der„Münchencr Post". Unser Münchencr Parteiorgan bringt folgende Mitteilung: Die Adresse des Herrn Otto Neuhans ist nun ermittelt. Der PUrteipresse und den Parteigenossen, die sich auf meinen Aufruf in Nr. 125 der„Münchencr Post" hin um die Ermittelung des Aufenthalts dieses wichtigen Zeugen bemüht haben, sage ich hier- mit meinen verbindlichsten Tank. Martin Eruber. Redakteur der„Münchencr Post." polueilickes» ßmetmichea ufw. Die Ehre deS Schilhwnrrnfnbriknlltcn. Ueber den Prozeß gegen den Genossen F r ö h li ch vom„Volksblatt für Halle" wegen Be» leidtguNg de§ Schuhivarenfabrikanten Hanse zu Weiße„sc 18— den Ausgang haben wir schon tclegraphisch gemeldet— teilt unser Hallenser Korrespondent noch mit: Ein verdächtiges Buchhallerinnen-Engagemeilt war der Ausgangs» Punkt. Die Buchhalterin Anna Lange ails Zeitz hatte in dem Fach- blatt„Schuh und Leder" eine Stelle gesucht. Herr Hasse wollte sie engagieren, verlangte Photographie und nach Absendung dreier Briefe persönliche V o r st e ll n n g, aber nicht etwa in WeißcnfclS, sondern in Leipzig im Cafö Frische nnd zwar eines Abcnds im Dezember zwischen'/„v und 0 Uhr. Wörtlich hieß es in dem Briefe mit der Einladung»nch Leipzig:„Da ich nichr das Vergnügen hatte, Sie bisher zu kennen, iv olle» Sie, bitte, in die linke Hand einige Bliimen nehmen als Zeichen Ihrer werten Person." Die Dame schöpfte Verdacht, fuhr nicht nach Leipzig und sandte die Briefe dem „Bolksblatt" zur Vcröffcntlichnng zu. DaS geschah mit entsprechender Kritik. Während die Buchhalterin Lange vor Gericht eidlich be» knndete, sie habe den Eindruck gehabt,'.Herr Hanse führte mit der Hinbestellung»ach Leipzig abends nichts GnteS im Schiide, und sie habe die Briefe dem„Volksblatt" zugesandt, um Kolleginnen öffentlich zu warnen, erklärte Herr Haase, er habe daS Fräulein nur deshalb nach Leipzig bestellt, damit der damalige Buchhalter von dem geplanten Engagement nichts erfahren sollte. *) Die Sitzimg deS Internationalen BnreanS vom Sonntag hat, wie unser an anderer Stelle abgedruckter Bericht zeigt, diese Forde- rung den russischen Genosien zur Erledigung überwiesen. *') lieber das Schicksal dieses Antrages gibt der Bericht über» die letzte Sitzung des Bureaus AuSknnit. Fröhlich wurde wegen Veröffentlichung des Artikels zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Der Borsitzende des Schö..... Assessor Hoffmann führte begründend aus: Die Presse habe kein Recht, in dieser Weise vorzugehen. Täglich werde systematisch gegen die Arbeitgeber in der sozialdemokratischen Preffe gehetzt. Der Schutz des§ 103 sei dem Beklagten nicht> zugebilligt worden und der Artikel müsse, als von einer gemeinen Gesinnung zeugend, ge brandmarkt werden. Herr Affesior Hoffmann darf diese Beleidigung ungestraft aus- sprechen— denn er vertritt damit natürlich ein berechtigtes Interesse. GcwcrfcrcbaftUchee. Christliche Arbeiter im Kampfe mit katholische» Unternehmern. In der äußersten Ecke des Niederrheins, an der holländi- schen Grenze, dort, wo das Zentrum noch uneingeschränkt herrscht, gärt es seit längerer Zeit unter den Arbeitern und Lohnbewegungen sind dort sehr häufig. Bis jetzt endeten die meisten dieser Bewegungen erfolglos, eine � Ausnahme machten die Streiks der Tabakarbeiter in mehreren Orten. An diesen Streiks war der Deutsche Tabakarbeiter-Verband, der in den Kreisen Cleve-Geldern sowie Mörs-Nees ziemlich diel Mitglieder zählt, beteiligt. Schlechter schnitten die chrisb lichen Holzarbeiter und auch die Bauarbeiter in Cleve und Umgegend ab; ihre minimalen Forderungen wurden zurück- gewiesen. Momentan stehen die christlichen Bauarbeiter in Kcvelar im Streik; sie fordern 10'/- stündige Arbeitszeit sowie 42 Pf. Stundenlohn für Maurer und 32 Pf. für Hülfsarbeiter. Diese Forderungen werden von den frommen katholischen Unternehinem als unverschämt bezeichnet und steht es fest, daß die Streikenden zu Kreuze kriechen müssen. Ein großer Teil der Bürger KevelarS steht auf feiten der Unternehmer, sie sind erbittert auf die Streikenden, weil durch den Lohnkampf ein großes Pilgerheim, das im Bau begriffen ist. zum WallfahrtSgeschäft nicht benutzt werden kann. Auch die Ve- Hörde stellte sich den Streikenden entgegen und bereitet den- selben allerlei Schwierigkeiten. Die Unternehmer dagegen werden, wie es auch anderwärts geschieht, in den Bestrebungen, Streikbrecher heranzuziehen, unterstützt. Das nahe gelegene Holland liefert nun auch Streikbrecher, und wird diesen Leuten von der Behörde der weitgehendste Schutz zuteil. Infolge dieser Dinge sind die Streikenden, lvie leicht erklärlich, in eine erbitterte Stimmung hineingetrieben worden. In der Nacht vom 2. bis 3. Juni ist nun ein Streich verübt worden, der leicht einigen der Streikbrecher das Leben hätte kosten können, wenn er nicht zufällig entdeckt worden wäre. Es waren nämlich an dem Geriist vor dem Pilgerheim die Stricke durchschnitten worden, und zivar so, daß die Kata strophe, der Zusammenbruch des Gerüstes, erfolgen mußte. wenn die Streikbrecher in Tätigkeit getreten waren. DaS Gerüst hätte dann die Belastung nicht ausgehalten. An dem Vormittage fanden sich zwei Streikbrecher vorzeitig auf der Arbeitsstelle ein, und durch das leise Schwanken des Gerüstes, als sie dieses betraten, aufmerksam gemacht, fanden sie die Bescherung. Diese Tat wurde sofort den Streikenden zur Last gelegt und zwei derselben, als dringend verdächtig, in Haft genommen. Nun hat man auch den christlichen Gau leiter der Bauarbeiter, Schwarz in Krefeld, wegen Anstiftung zu der Tat verhnftet. Einen sonderbaren Scherz hat sich nach der Verhaftung jemand mit dem Bürgermeister von Kevelar erlaubt. Als derselbe an dem nächsten Morgen erwachte-, sah er an seiner Haustür einen mit Trauerflor umwickelten Toten köpf, flankiert an jeder Seite von einer Kerze. Eine Versammlung, in welcher der Generalsekretär des katholischen Bolksvereins, Dr. Branus aus M.-Gladbach, über den Bauarbeiterstreik sprechen sollte, darf nicht stattfinden; die Bevölkerung in Kevelar befindet sich in großer Aufregung. Ueber alle diese Vorgänge schweigt sich die ZentrumSpresie vollständig aus, sind es doch auch keine freien Gewerkschaftler, welche hier in Betracht kommen. Wir können uns aber auch leicht vorstellen, wie un angenehm der genannten Presse die Vorgänge in dem frommen Wallfahrtsorte sind, wo der Kampf zwischen katho lischen Arbeitern und echt christlichen Unternehmern solche Formen angenommen hat._ ßcrlln und Umgegend« Zum Kampf im BSckergewerbe. An die organisierte Arbeiterschaft Berlins und der Bororte! Parteigenossen l Arbeiter und Arbeiterinnen! Im Bäckcrlohnkampsi hat die Polizei in einer unerhörten, bis Aer noch nie dagewesenen Weise eingegriffen. Der Terrorismus des Hefesyndikats hat die Staatsgewalt nicht zum Schutze, sondern zu verstärkter Parteinahme gegen diejenigen Bäckereien und die Wiedcrverkäufer bewogen, die mit den Arbeitern Frieden geschlossen haben! Die Arbeiterschaft ist an solche Behandlung gewöhnt, nicht aber die Kleingewerbetreibenden, die sich leider vielfach einschüchtern ließen. Die Plakate sind von Juristen, auf Grundlage der letzten Gerichtsentscheidungen» ausgearbeitet. Ein Polizeibeamter hat er- klärt, er stütze sich auf den— Groben-Nnfug-Paragraphcn, nicht auf das Pretzgcsetz. Sotoeit sind wir im Polizeistaat Preußen schon gekommen. Die Bäcker-Jnnungszeitnngen frohlocke» natürlich über die Polizeimaßnahmen, durch welche dem Boykott die Wirkung genommen würde. Die Innungen hoffen, daß die Arbeiterschaft nun- mehr erlahmen, und der Boykott„bald einschlafen" werde. Möge die Arbeiterschaft dafür sorgen, daß dieser Freudenrausch der Innungen einem klägliche» Katzenjammer Platz mache. Das Plakat kann die Polizei ja wohl mit Gewalt aus den Schaufenstern, ohne jedes gesetzliche Recht, entfernen. Im Laden hat die Polizei aber nichts zu sagen. Dringe daher die Arbeiter- schaft überall darauf, daß die Geschäftsinhaber, Bäckermeister und Wicderverkäufer das Plakat an sichtbarer Stelle im Laden aus- hängen!!! Genossen, sorgt bei allen Gelegenheiten dafür, daß diese Auf- forderung bekannt und beachtet wird. Die Blottnersche Großbäckerei hat die Bewilligung zurück- gezogen, ebenso der Brotfabrilant Wittler. Beachtet das und achtet auch auf die Wiederverkäufer, die die Waren jener Firmen vertgufen. Ucbcrhaupt ist mehr darauf zu achten, daß nicht durch Inanspruchnahme von Wiedcrverkäufern die Brot aus Bäckereien absetzen, die nicht bewilligt haben, die Wirk- samkeit des Boykotts abgeschwächt wird. Arbeiter! Genossen! Freunde und Töchter des Volkes! Setzt der Untcrnehmerwillkür und dem Polizeigeiste die Arbeilrrfolida- rität entgegen! Mit solidarischem Gruß Die Streikleitung. » Die Hefehändler sind zurzeit eifrig bemüht, die Rute, welche sie sich durch den Hefeboykott selbst gebunden haben, wieder zu brechen. Obgleich der Boykottbeschluß deS Hefesyndikats noch be- steht, beachtet ihn kaum noch jemand von denen, die ihn durch- führen sollen. Die Bäckermeister, über welche die Hefesperre ver hängt werden sollte, bekommen auch bon Händlern so viel Hefe wie sie nur haben wollen. Nicht offen, aber unter der Hand und hinten herum wird der Boykottbeschluß gebrochen und Hefe in jeder ge> wünschten Menge an jeden beliebigen Käufer geliefert. Die Hefe- Händler bestürmen den Vorsitzenden deS Syndikats, daß er die Auf- Hebung des Boykotts veranlassen möge. Es ist deshalb sehr wahr- scheinlich, daß der Hefeboykott, welcher in Wirklichkeit niemals durchgeführt worden fft, auch durch Beschluß in aller Form dem- nächst aufgehoben wird. Damit hat dann die eine Hülfstruppe der JnnungSmeister, vollständig geschlagen, daS Feld geräumt. Ein anderer Bundesgenosse der JnnungLherren, nämlich die Polizei, kann dagegen auf einen augenblicklichen Scheinerfolg zurückschauen. Dem ungesetzlichen Vorgehen der Polizeiorgane ist es tatsächlich gelungen, die tariftreuen Bäckermeister zur Entfer- nung der Plakate aus den Fenstern zu bewegen. Das ist erklärlich, denn in den Augen der meisten Bäckermeister ist der Schutzmann, und nun gar erst der Polizeileutnant, eine Autorität, gegen deren Anordnungen sie nicht zu widersprechen wagen. Strafbefehle gegen den Aushang des Plakats sind seitens der Polizei in dem einen oder anderen Vororte erlassen, soweit jedoch Berlin selbst in Frage kommt, ist von Strafbefehlen noch nichts bekannt geworden. In einigen Fällen haben Polizeibeamte die Plakate, welche sie ein- gezogen hatten, den Bäckermeistern wieder zurückgebracht, jedoch haben sie den Bäckermeister in jedem Falle ersucht, das Plakat nicht wieder anzubringen. Soviel scheint also der Polizei schon klar ge- worden zu sein, daß die Konfiskation der Plakate eine ungesetzliche Handlung ist. Vielleicht hat man auch schon eingesehen, daß der ganze Feldzug gegen die Plakate keine gesetzliche Grundlage hat. Doch, diese bessere Einsicht, falls sie sich inzwischen bei den Polizei- organen eingestellt haben sollte, ändert nichts an der Tatsache, daß der Erfolg, den das ungesetzliche Vorgehen der Polizei haben sollte, wirklich eingetreten ist, das heißt, nur soweit, als die Bäckermeister sich nicht mehr trauen, das Plakat wieder auszuhängen. Der Er- folg, den die Jnnungsführer von dem gesctzwirdrigen Eingreifen der Polizei erwarteten, ist allerdings nicht eingetreten. Die Kund- schaft, welche sich den tariftreuen Bäckermeistern während deS Kampfes zuwandte, ist natürlich nicht wieder zu den die Forde- rungen der Gesellen ablehnenden Meistern gelaufen. Die Streik- leitung wird nunmehr Plakate anderen Inhalts drucken lassen und die tariftreuen Bäckermeister zum Aushang derselben bewegen. Es wird sich ja zeigen, ob die Polizei auch gegen das neue Plakat einen widerrechtlichen Feldzug eröffnet.— Selbstverständlich wird auch gegen daS bisherige Vorgehen der Polizei der Rechtsweg beschritten und kein Mittel unversucht gelassen werden, um gerichtlich fest- stellen zu lassen, daß die Polizei durch ihren Plakatkrieg Recht und Gesetz verletzt hat. Dr. Hugo Remmler, Fabrik pharmazeutischer Präparate und Gewerkschaftsorganisation. Bereit? bor zwei Jahren wurde vom Fabrikarbeiterverbande der Versuch untornommen, für die in obigem Werk beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen durch Zuführung zum Verbände eine Aufbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen herbeizuführen. Die Fabrik setzte alle Hebel in Bewegung den gefürchteten Verband fern zu halten. Maßregelung über Maßregelung der dem Ver- bände bereits beigetretenen Arbeiter, Arretierungen der Zettel» Verteiler, welche Einladungen zu Fabrikbesprechungen ausgaben, ängstliches lleberwachen der Eingänge zu dem Lokal, wo die Zu- sammenkünfte stattfinden sollten und anderes mehr. Es fiel auch damals, als auf Grund der Entlassungen wegen Verbandszugehörig- kcit ein Vertreter der Organisation den Herrn Dr. Remmler intcr- pellierte, die bekannte Redensart vom„Herrn im eigenen Hause". Was aber mit diesen Maßnahmen nicht erreicht wurde, sollte daS Versprechen einer Lohnzulage zustande bringen. Es kann auch nicht Wunder nehmen, daß von den dort beschäftigten jungen Ar- beiterinnen und von den älteren Leuten viele auf den Köder an- bissen. Annähernd zwei Jahre sind seitdem in» Land gegangen. In den letzten Tagen wurde aufs neue der Versuch gemacht, mit den bei Remmler Beschäftigten eine Zusammenkunft herbeizuführen. Flugs griff man von feiten der Werksleitung zum alten bewährten System. Proletarier im Stehkragen mußten Spalier bilden vom Fabrikhause bis zum Versammlungslokal, um dadurch jedermann vom Besuch der Zusammenkunft abzuhalten. Wir glauben, daß Herr Dr. Remmler Ursache hat. das Ein- dringen der Organisation zu fürchten, sind doch die Lohn- und Arbeitsbedingungen, ganz zu schweigen von den sanitären und hygienischen Einrichtungen in seinein Werk derart, daß dort noch unendlich viel gebessert werden muß. Wir hoffen auch, daß die im Werk Beschäftigten durch die an den Tag gelegte Scheu vor dem Verbände der Arbeiter endlich zu der erforderlichen Einsicht von der Notwendigkeit der Organisation gebracht werden. Achtung! Rohrleger und Helfer! Bei der Firma Henning und Markgraf, Gleimstr. 17, befinden sich die Kollegen wegen Taris- differenzcn im Ausstand. Wir ersuchen dringend, den Betrieb zu meiden. Deutscher Metallarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin. Berichtigung! Auf die Notiz vom ö. 6. 07 des LokalvcrbandcS deutscher Barbiere, Friseure und Perückenmachergehülfen gebe ich folgende Erklärung: Es ist unwahr, daß ich jemals die Forde- rungen des Verbandes durchbrochen habe, und bezeichne die gegen- teilige Behauptung als Erfindung. Ich habe auch noch niemals Veranlassung gegeben, daß mein Name als Arbeitgeber genannt werden mußte. Friseur Ritter. Oevtkcsies Rclch. 10. deutscher HandlungSgchiilfentag. Der in Dresden tagende HandlungSgehülfentag stellte folgende Grundsätze für die Durchführung der gesetzlichen Regelung der Arbeitszeit in den Kontoren auf: 1. Völlige Sonntagsruhe. 2. Höchst- arbeitstag von 0 Stunden bei mindestens zweistündiger Mittags- pause in Kontoren und den dazu gehörenden Lagerräumen mit ge- teilter Arbeitszeit, von 8 Stunden in solchen mit ungeteilter Arbeits- zeit; Angestellte(Gehülfen und Lehrlinge) unter 18 Jahren sowie weibliche Arbeitskräfte je eine Stunde weniger. 3. Geschäftsschluß in den Kontoren und den dazu gehörenden Lagerräumen mit ge teilter Arbeitszeit spätestens um 7 Uhr, in solchen mit ungeteilter Arbeitszeit spätestens um 5 Uhr. 4. Die Einführung des Sonnabend- frühschlusieS mit zwingendem Rechte ist durch Erlaß gesetzlicher Vor- schriften, analog den Bestimmungen deS§ 139 f der Gewerbeordnung zu ermöglichen. S. Ausnahmen sind nur zulässig bei Arbeiten, die in Notfällen oder im öffentlichen Interesse oder zur Durchführung einer gesetzlich vorgeschriebenen Inventur vorgenommen werden müssen. l§ 105 o Ziffer 1—2 der Gewerbeordnung.) 6. Gesetzlicher ununterbrochener Urlaub von mindestens 14 Tagen für jedes Dienstjahr. 7. Die Vorschriften der 8§ 139 g und h der Gewerbeordnung finden auf diese Kontorangcstellten entsprechende Anwendung. Ter Streik der Seeleute in be« Hafenstädten Königsberg«ad Pillao wird von Tag zu Tag umfangreicher. Auf den beiden im Pillauer Hafen liegenden Dampfern„Albertus" und„Ostpreußen" haben die Seeleute abgemustert, ebenso auf den aus der Fahrt nach Königsberg befindlichen Dampfern„Planet" und„Ottokar". Auf dem im Königsberger Hafen befindlichen Tourendampfer„C»per- nikuS" ist die Mannschaft noch unentschlossen, ob sie die nächste �ahrt noch machen soll, da der Kapitän alle möglichen Ver- prechungen macht, die Leute zu halten. Die Reeder suchen über- Haupt mit allen Mitteln einer Verhandlung mit dem Verband der Seeleute aus dem Wege zu gehen und versuchen, die einzelnen Personen für sich zu gewinnen, oft mit der Zusicherung, noch höhere Lohnsätze zu zahlen, als der Verbandstarij vorschreibt. Neuer Streikbrecherbun». Die Lorbeeren der Butz usw. in Augsburg, die mit der Züchtung der gelben Gewerkschaften gewissermaßen bahn- brechend vorangingen, lassen auch die Porzellanprotzen nicht ruhig schlafen. Die Herren, die in einer Vereinigung über ganz Deutschland zusammengeschlossen, durch ihre Organisation dem Publikum die Verkaufspreise ohnehin schon diktieren, versuchen jetzt dem ihnen unbequemen Porzellanarbeiterverbande, dem söge- nannten„Berliner" swie er bezeichnet wird) das Wasser abzu» graben durch eine Unter st ützungskasse der Ver- einigten Porzellanfabriken. Dem gedruckt vorliegen» den Statut nach zu schließen, soll diese neueste Gründung sich über ganz Deutschland erstrecken. Oberfranken, mit seiner nach taufenden zählenden Porzellanarbeiterschaft scheint zunächst daS Versuchskaninchen abgeben zu sollen. In R e h a u, wo der sehr „liberale" millionenschwere Kommerzienrat Zeh über diele Hunderte von Arbeitssklaven der genannten Industrie sein Zepter schwingt, wurde damit der Anfang gemacht. Eine Unmasse von Unterstützungen, wie Kranken-, Wöchnerinnen-, Ar» beitslosenunterstützung, Sterbegeld, Er» holungsurlaub, Urlaubsbeihülfe und Rechtsschutz soll gewährt werden, deren Kosten, soweit sie nicht aus den Ar- b e i t e r beitrügen und den„sonstigen Mitteln"(welcher Herkunft diese wohl sein mögen?) gedeckt, vom Wohlfahrtsverein deutscher Porzellanfabriken bezahlt werden. Selbst- verständlich werden die Leistungen dieser Kasse nur„treuer Mitarbeiterschaft" zugewandt und wird die Auf- nähme jedermann verweigert, der einer den Interessen der Unternehmer feindlichen Be- rufsorganisation an gehört. Wer seine Zugehörigkeit zu einem solchen Verbände verschweigt, oder ihm nachträglich bei» tritt, wird mit Verlust seiner Anrechte ausgeschlossen. Die Beiträge für diese neueste Streikbrecherzunft bewegen sich in 5 Abstufungen(1— 3 für männliche, 4—5 für Lehrlinge und weibliche), mit 12 Pf. in der 5. bis 60 Pf. in der 1. Klasse. Dafür „können" die Arbeiter, sofern sie hübsch brav und ordentlich sind, Krankengeld in der Höhe von 3— 10 M., je nach der Klasse, in der sie gesteuert haben, erhalten. Ferner„kann" den Mitgliedern der Klasse 1— 3 ein jährlicher Urlaub von einer Woche gewährt werden, wofür die Beihülfe 15, 20 und 25 M. beträgt. Ueber den Antritt des Urlaubs entscheidet natürlich die Fabriklcitung. Auch bei unfreiwilliger Stellenlofigkeit„kann" Unterstützung gewährt werden, wie auch für den Todesfall eines Mitgliedes ein Sterbe- geld in„wöchentlichen Raten" in Aussicht gestellt wird. Wöchnerinnen erhalten bei Niederkunft 12 bezw. 18 M. Alle diese Unterstützungen, wozu noch„Rechtsschutz" kommt, über dessen Gewährung die Geschäftsführung dieser sonderbaren Kasse„be- findet", sind natürlich freiwillige, ein Recht hierauf steht keinem Mitglieds zu. Das schönste ist nun, daß alle diese Unterstützungen der Verband der Porzcllanarbeiter mit dem Sitze in Charlottenburg bereits seit langen Jahren gewährt, ja teilweise in noch höheren Sätzen, als sie hier seitens der„wohlfahrtwütigen" Unternehmer in Aussicht genommen sind. Dort haben die Arbeiter das Bestimmungsrecht selbst in Händen, während hier der Wohl- fahrtsverein zu dem aus 10 Personen bestehenden Vorstand allein fünf stellt. Wenn ferner noch in Berücksichtigung gezogen wird, daß nur„treue Mitarbeiter" als Mitglieder aufgenommen werden, so ist zu ermessen, welcher Geist der Unterwürfigkeit und Unter- tänigkeit in dieser Kasse vorherrschend sein wird, falls sie überhaupt das Licht der Welt erblickt, bezw. lebensfähig werden wird. Die Porzellanarbeiter Deutschlands werden gut daran run, sich den Beitritt reiflich zu über« legen, und nicht ihr Koalitionsrecht um ein Linsengericht preisgeben, wie eS der Beitritt zu dieser Kasse zur Folge hat. Eine Tertilarbritrraussperrung in Sicht. Die Arbeiter der Firma Kruhen, Weberei in M.-Gladbach. fordern eine 20prozentige Lohnerhöhung und sind gewillt, diese Forderung eventuell mittels Arbeitseinstellung durchzudrücken. Der Arbeitgeberverband der Textilindustrie, an welchen sich die Firma sofort gewandt, hat die Sache zu der seinigen gemacht. Den Arbeitern wurde eine fünf- prozentige Lohnerhöhung angeboten, ein Mehr zu zahlen, sei der Firma unmöglich. Wird dieses Angebot nicht angenommen und kommt es zum Streik, dann würden sämtliche Textilarbeiter M.-Gladbachs und Umgegend ausgesperrt, so lautet der Beschlutz des Arbeitgeberverbandes. Die Arbeiter haben noch nicht Stellung genommen,_______ Letzte JVacbricbten und Dcpcfcbea; Bllckerstreik in Pilsen. Pilsen, 10. Juni.(B. H.) Die hiesigen Bäckergehülfen sind heute morgen in den Ausstand getreten. Sie fordern Lohnerhöhung Verkürzung der Arbeitszeit und einen Ruhetag in der Woche, Erdbebe». Bukarest, 10. Juni.(B. H.) Gestern nachmittag erfolgten hie, und in mehreren Landesteilen eine Anzahl Erdstöße, ohne nenurnso werten Schaden anzurichten.____ Soldaten fraternisieren mit den Weinbauern. Pariö, 10. Juni.(W. T. B.) In Narbonne begrüßten eiwA 300 Soldaten des 100. Infanterie-Regiments von der Mauer deS Kasernenhofes aus die vorüberfahrenden Eisenbahnzüge mit den Weinbauern mit Händeklatschen und Zurufen. Mehrere Unter» offiziere, welche einschritten, wurden beschimpft und mit Steinen beworfen. Infolge des Einschreitens der Offiziere gehorchte der größte Teil der Soldaten, nur etwa 50 derselben setzten die Demon- stration fort und stimmten die„Internationale" an. Erst dem Obersten und dem Brigadcgeneral gelang es, die Ruhe wiederher, zustellen-__ Die kleinen Diebe hängt man... Rom, 10. Juni.(W. T. B.) Der Kassationshof Verhandeltd heute über die Berufung der Staatsanwaltschaft gegen den Beschluß des Schwurgerichts, das sich zur Aburteilung der gegen den früheren Minister Nasi erhobenen Anklagen für kompetent erklärt hatte. Der Kassationshof beschloß, der Berufung der Staats« anwaltschaft ftattzugrbcn und erklärte daS gewöhnlich« Gericht für inkompetent. Infolge dieses Beschlusses kann Nasi frei nach Italien zmückkehren, er kann eventuell nur vom Senat als Ausnahuiegerichtshof abgeurteilt werden. Roosevelt fordert Arveiterschntz. Norfolk(Virginia), 10. Juni.(W. T. B.) In einer Rede, di« Präsident Roosevelt auf der Ausstellung in JameSstown hielt, befürwortete er das Eintreten der Bundes- und Einzelstaatsgesetz. gcbung für eine Entschädigung der in Erfüllung ihres Berufes zu Schaden gekommenen Arbeiter bezw. ihrer Familien im Falle des Todes solcher Arbeiter. Dir Lasten müßten die Unternehmer tragen» die ihrerseits diese durch Erhöhung der Weltpreise ihrer Erzeugnisse auf das Publikum abwälzen könnten. Für eine Unter- scheidung zwischen Unfällen, die durch Nachlässigkeit oder korce majeure verursacht seien, liege kein gesunder wirtschaftlicher Grund vor. Eine Entscheidung müsse ohne weiteres erfolgen, statt baß darum erst prozessiert werden müßte. Bttanta. Ätfafteut; Hanl Weber. Berlin. Inseratenteil verantM� Tt.VIecke, Berlin. Druck».Verlag: vorwär:SBuchdr.u.BirIag»anß«g PaulSingerLiEo..BerlinL1V. Hierzu L Beilagen«.UnterhaMingSbloU Nr. 138. 24. Jahrgang. L Killigt des Jon» W Inlinet OolMlott. Dienstag, 11. Inni 1907. Der Kampf im Baugewerbe. Wirrwarr im Unternehmerlagcr. Selig sind die Armen im Geiste l dachte der Generalissimus der durch die Aussperrung böse in die Patsche geratenen Bau- Unternehmer. Er ließ diese zu einer Sitzung hinter ver- schlossencn Türen zusammentreten, um ihnen Mut einzusprechen. Die Lorsicht der Geheimtagung war von der Lot diktiert. Einen interessanten Bericht über die in dieser Versammlung applizierten Tröstungen veröffentlicht das„Zcntralblatt für das deutsche Baugewerbe". Der Bericht ist sicher fein frisiert worden, trotzdem läßt er erkennen, daß pure Angst und eine bereits stark sich bemerkbar machende Fahnenflucht die bom- bastische, für die Oeffentlichkeit bestimmten Resolution, in der man versichert: Unsere Sache steht gut! veranlaßt hat. Um die Situation zu beleuchten, lassen wir die oratorischcn Orna- mentierungen der Trost- und Erbauungsreden beiseite, stellen die positiven Behauptungen und Tatsachen aus dem Bericht hier zum Vergleich zusammen: Baumeister Vahl: .Unsere Position ist eine ausgezeichnete.... „Diese letzten Beschlüffe der Arbeitnehmer sind eS... die den Kampf verschärft haben.... „Welche Gründe die Organisationen zu diesem Vorgehen ver- anlaßt haben mögen— mag vorderhand dahingestellt bleiben.— Wir haben bisher nur Vermutungen für diesen offenbaren taktischen Fehler.... Es gibt aber loohl noch andere Erklärungen, die wir aber besser für uns behalten. «Man sah daraus, wie es im Lager der Bauarbeiter gärt und wie günstig diese Stimmung für die Arbeitgeber ist... „Den Beschluß des Verbandes, die zeitigen Putzerarbeiten fertigzustellen, neue aber in leinem Falle mehr abzuschließen, zum Borwand nehmend, haben nun auch die im Zentralverband und in der Freien Vereinigung der Maurer organisierten Putzer am 2. Juni in einer Versammlung Stellung genommen und folgenden Beschluß gefaßt...(folgt der Beschluß der Putzer, die Maurer durch Arbeitseinstellimg zu unterstützen). „Auch diese Beschlüsse können wir nur mit Freude begrüßen... „Der Referent schloß seine Darlegungen mit der Ermahnung, guten Mutes zu sein, die Position der Arbeitnehmer sei vorzüglich. Man solle aber die Situation nicht über- und den Gegner nicht unterschätzen." Wer nicht ganz kritiklos die Rede hat auf sich wirken kassen, muß schon herausgefunden haben, daß die Taktik der Arbeiter den Generalstab der Unternehmer vollständig über- rascht hat; die Angreifer sind in die Defensive gedrängt. Daß durch solche Verschiebung die Situation der Unternehmer ver- bessert worden ist, kann man doch nur Kindern einreden. Der zweite Redner begann auch mit Tröstungen, um dann die Notwendigkeit einer Taktikänderung möglichst unauffällig zu begründen. Herr Heuer: Für die NotstandSarbciten könne im übrigen der Verband Putzer nachweisen... „Nach dem uns gegebenen Bericht ist die Lage des Kampfes für uns günstig und erfolgreich. Wie aber alles hier auf Erdhn dem Wechsel unterworfen ist, so kann in diesem bestehenden Zustand mit der Zeit ein Wandel, eine Aendenmg eintreten, n»d diese Aenderung wird eintreten, wenn nicht nnsererseitS die Taktik der Arbeiwehmer durch einen neuen Schlag durchkreuzt(aha l) und zunichte gemacht wird... „Hierbei gibt es nur zwei Möglichkeiten: Die eine: Die Aussperrung strikte aufrecht zu erhalten, um dadurch die Streikkassen zu leeren... Die andere: Durch einen erneuten Angriff auf anderer Grund- läge eine Veränderung des Kampfes hervorzurufen, das heißt durch Arbeitswillige unsere Bauten zu besetzen." Also alle Kalkulationen der Unternehmer sind fehl- geschlagen, sie werden durch die Arbeiter zu einer Aenderung derjenigen Taktik gezwungen, von der sie die Erringung des Sieges erwarteten. Von ihrem ersten Siegesplan erhoffen sie nichts mehr; das können sie auch nicht, denn die Arbeiter sind darauf eingerichtet, den Kampf ein halbes Jahr laug zu führen und sie werden nicht zurückweichen. Die neue Taktik? Falsche Voraussetzungen führten zu falschen Schlußfolgerungen. Die Führer, von den Geführten ganz zu schweigen, haben von Anfang an den Blick für die Situation verloren. Die Arbeiter haben nicht ohne Absicht den Ausbruch des Kampfes hingezogen. Sie benutzten die Zeit, um mehrere tausend Mann nach den Provinzen abzuschieben. Weiter sind Pfingsten zirka 2O0V Mann abgereist ohne Abmeldung. Daher das Raten der Unternehmer über die Zahl der ortsanwescndcn Maurer und die törichte Hoffnung, viele Arbeitswillige auftreiben zu können. Die Unternehmerführer sind etwas zu spät auf- gestanden! Schlecht versteckte Hoffirungslosigkeit spricht auS den folgenden Ausführungen des Herrn Heuer: ..... Aber, meine Herren, aus Shmpathie mit den Arbeit- nchmern haben diese Unternehmer die neuen Arbeitsbedingungen nicht unterschrieben, sondern nur, weil ihnen das Messer an der Kehle sitzt... „Wenn nun jemand, sei cS ein Kollege oder ein Bauherr, sieht, daß auf anderen Bauten täglich gearbeitet wird, daß andere Unternehmer ihre Arbeiten fördern, lvahrend sein Bau den trost- loscir Anblick der Arbeitslosigkeit bietet, so wird in ihm, der doch auch nur ei» Mensch ist, der' Neid erweckt, und bei den schwachen, menschlichen Eigenschaften steht zu befürchten, daß das Gefühl des Neides das der Kollegialität und Solidarität mit der Zeit über- winden wird....Z „Eine strikte Aufrechterhaltung der Aussperrung stellt, wie schon oben ausgeführt, ganz erheblich hohe Anforderungen an die moralischen Eigenschaften der VerbaiidSniitglieder...." „Meine Herren! Wir wissen wohl, daß der andere, zweite Weg: Arbeitswillige heranzuholen und die Bauten zu besetzen, ein dornenvoller ist; aber er bietet zurzeit die größte Gewähr (also selbst zweifelt nia» an dem Erfolge) auf einen guten AuS- gang deS Kampfes...." Mit anderen Worten: wir haben uns nach jeder Richtung verspekuliert; nun mag retten, was retten will I Daß die strategischen Pläne der Herren Vahl und Heuer durchkreuzt worden sind, daß sie durch die Arbeiter auf ein ganz un- gewolltes Kampffeld gedrängt wurden und manche andere Voraussetzungen falsch waren, dafür noch einige Zitate aus dem uitbezahlbaren Bericht: „Wir entließen unsere Leute, weil wir nicht wollten, daß wir mit dem nunmehr unausbleiblichen Kampf in eine Zeit kamen, die an und für sich für uns ungünstiger wäre, als die jetzige. Die Arbeitnehmer zwingen, den Kampf zu eröffnen, konnten wir nicht. Hätten sie es getan(sie waren nicht dumm genug dazu), so wäre unsere KampfcSwcise von Anfang an eine andere gewesen..." „M. H.. eS wäre ja anders, wenn die Mörtclwcrke ganz ihre Betriebe stilllegen würden. Aber das ist nicht gut durchführbar." Alles ist anders gekommen, wie man wollte! Die Situation ist kurz dahin zu kennzeichnen: Durch die Btf Taktik der Arbeiter lvareir dieUnterneh,ner gezwungen, ihre ersten Pläne zu ändern. sich auf einen ncuen Plan festzulegen. Kaum war man damit fertig, gingen die Arbeiter zu dem Angriff über, auf den die Herren Vahl und Heuer vorher vergeblich gewartet hatten. Wie völlig unvorbereitet dieser Zug die Herren traf, geht aus verschiedenen Bemerkungen hervor. Hören wir Herrn Vahl: „Die diesmalige Situation im gegnerischen Lager macht einen total anderen und weniger zuversichtlichen Eindruck wie 18Sg(!), Es fehlt die Stetigkeit und Ruhe in der Taktik, an deren Stelle sich eine gewisse nervöse Unbeständigkeit geltend macht." Die Arbeiter können sich keinen besseren Führer der Unter- nehmer wünschen als Herrn Vahl, denn er iveiß gar nicht was los ist. Im Jahre 1899 haben die Arbeiter genau die- selbe Taktik befolgt, wie jetzt; auch damals ließen sie sich angreifen und gingen nachher, nachdem die Unternehmer ihre Taktik festgelegt hatten, zum Angriff über. Trotzdem läßt sich das Kommando der Unternehmer diesmal wieder überraschen; eingestandenermaßen zwingt die Taktik der Arbeiter die Unter- nehmer. fortgesetzt ihre Strategie zu ändern. Insofern ist die Taktik der Arbeiter verkehrt, als sie gar nicht in die Be- rechnungen der Herren Untcrnehmerführer paßt. Das darf man natürlich nicht sagen, die„Gefiihrten" werden mit den unglaublichsten Mätzchen abgespeist. So muß ein berichtigter Druckfehler im„Vorwärts" dazu dienen, als Beweis der günstigen Situation für die Unternehmer zu dienen. Weiter wurden diese mit der ans den Fingern ge- sogencn Behauptung regaliert, die Maurer zahlten keine Unterstützung— und die Organisation hätte sich an eine hiesige Brauerei gewandt, um ciu Darlehn von zwei Millionen Mark zu erlangen. Dieser Schwindel wird am besten durch die Tatsache beleuchtet, daß der Verband die Wochennnterstützung um 2 M. erhöht und nun auch die Unorguiiisierten unterstützt. Da man auch auf diesen Schach- zug der Arbeiter nicht vorbereitet war, werden die Unternehmer nun wieder eine neue Taktik beschließen müssen und dabei wollte man die beschlossene neue Taktik erst am 1. Juli in Anwendung bringen. Sie sollten aber nur gleich über den Eingang ihres Gehcimkabinetts schreiben: Laßt alle Hoff- nung draußen, die Ihr eintretet! Herr Böhme meinte in der Versammlung:„Mit der beabsichtigten Maß- nähme beschritte man einen dornenvollen Weg". Er hat Recht: Die Unternehmer sind von ihren Gencralstabschefs richtig in die Dornen geführt worden. Bei der verzweifelten Stimmung, in der die Führer sich befinden, kann es nicht wunder nehmen, daß sie mit den klein- lichsten Mitteln und dümmsten Mätzchen arbeiten. Dem Bürgermeister von Nixdorf wurde die nationale Gc- sin nung abgesprochen, weil er nicht nach der Pfeife der Vahl und Genossen tanzt. Herr Gotheimer regte an, die Rixdorfer Unteniebmcr sollten ihren Wohnsitz nach Berlin verlegen, damit die Stadtverwaltung durch Steuer- ausfall ge st rast werde. Wahrlich, eine grandiose Kampftaktik! Herr Heuer in grotesker Genialität meinte. durch Bewilligung der Arbciterfordcrungen würde die Kon- kurrcnzfähigke'it Deutschlands auf dem— Weltmarkt unter- Kunden. Mit solchen Tollheiten werden die Unternehmer abgespeist. Die Kleinen lassen sich dadurch vielleicht blenden. Die Großen aber gehen hin und bewilligen und lachen über diejenigen, welche auf das Gerede der Vahl, Heuer und Genossen hineingefallen. „Ein Glück für uns sind doch die Unternehnlerführer", sagen sich schnmnzcld die Arbeiter. '.- Bon der Rot der— Bauuntcrnchmer. Die Unternehmer haben wohl schon gemerkt, daß ihre neue Taktik bereits wieder veraltet ist, ihre Litfaßsäulen-Proklamation an Streikbrecher hat die Zahl ihrer Fehlspekulationcn um eine ver- mehrt. Der Schaden soll repariert werden, indem man Streikbrecher im Asyl für Obdachlose sucht. Der Arbeitsnachweis des Arbeitgeber- bundeS(Bcnthstr. 1) ließ heute(Montag) im Asyl für Obdachlose in der Fröbelstraße einen Ausruf anheften, durch ivelchen Streikbrecher jeder Kategorie Bauarbeiter gesucht werden. Den RanSreißern wird für zehn Tage freies Obdach und abends im Asyl unentgeltlich Suppe und Brot zugesichert; die MittagSspeisung soll in den Bau- kantincn erfolgen ans Kosten der Bauherren. Auch die Ueberweisung von Kleidungsstücken ist de» Bedürftigen vom Inspektor versprochen worden. Bei der Belehrung hatten die Leute die Empfindung, daß ihnen, falls sie das Angebot ablehnen, sie nicht arbeiten wollen, ihre Bestrafung durch Ueberweisung an ein Arbeitshaus auf die Dauer bis zu zwei Jahren in Aussicht gc- nommen sei. Wir wollen nnS jeder Kritik dieser Maßnahme enthalten, wir registrieren sie als weiteren Beitrag für die günstige Situation, der sich die Unternehmer erfreuen. Frohlockt. Ihr von Vahl und Heuer Geführten, man wird Euch Arbeitswillige bringen, mit denen Ihr die Konkurrenzfähigkeit Deutschlands auf dem Weltmarkt behaupten werdet. In der oben beleuchteten Versammlung wies man sicgeSsicher auf die katholischen Arbeitcrvcrcinler hin, diese sollten die RcichSfeinde zu Boden ringen. Weil man diese Truppe noch angemessen verstärken will, holt man Obdachlose zu Hülfe. � � Die Freie Bereinigung der Maurer nahm am Sonntag Stellung zu der neuen Taktik der Unternehmer. Der Referent Gehl führte hierzu aus: Wenn die Unternehmer jetzt schon die Bauten für Arbciiswilligc öffne», ist das jedenfalls auf Drängen eines großen Teiles der Mitglieder des Verbandes der Baugcschäfte geschehen, die das dringende Verlangen haben, ihre Bauten nicht länger still liegen zu lassen. Jedenfalls zeigt die neue Taktik der Unternchmer, daß in deren Reihen ein großer Wankel- »mt herrscht. Durch die Aussperrung sollten die Arbeiter nieder- gezwungen werden. Jetzt zeigt sich, daß die Unternehmer die Aussperrung nicht mehr aufrechterhalten können und die Bauten wieder öffnen müssen. Vor dem Kampf sagten die Unternehmer, sie hätten bereits Arbeitswillige in großer Zahl. Jetzt aber fangen sie erst an, Arbeitswillige zu suchen. Soviel ist sicher, aus ocn Reihen der Streikenden werden die Unternehmer keine Arbeits- willigen finden, �sic verlassen sich deshalb auf die Fachabteilungcn der katholischen Arbeitervereine. Es soll ja auch durch deren Ver- Mittelung eine Waggonladung von Arbeitswilligen in Fürsten- tvalde angekommen, doch soll es gelungen sein, dieselben zur Rück- reise nach Schlesien zu bewegen. Wie es heißt, wenden sich die Unternehmer nach dem Auslande. Es ist dafür gesorgt, daß sie auch dort keine Streikbrecher finden. Durch die Oeffnung der Bauten für Arbeitswillige wird die Situation für die kämpfenden Arbeiter nicht verschlechtert. Durch diese Taktik geschieht nichts anderes, als was wir bei jedem Streik sehen, die Unternehmer suchen Ersatz für die Streikenden. ES ist nun Aufgabe der kämpfenden Arbeiter, die Bauten genau zu beobachten, und wenn sich dort Arbeitswillige einfinden, dann sind sie ruhig und sachlich zum Anschluß an die Streikenden zu bewegen. Alle gesetzlich er- laubten Mittel müssen zu diesem Zweck angewandt werden. Um den Unorganisierten jeden Vorwand zur Streikbrccherei zu nehmen, werden dieselben in die Streiklisten eingetragen und auch eine Streikunterstützung erhalten. Das ist bereits in einer größeren Sitzung beschlossen worden. Diese Sitzung schlägt auch vor, daß die zu den neuen Bedingungen arbeitenden Kollegen pro Tag 1 M. Extrabcitrag zahlen. Ein Wendepunkt im Kamps ist durch die neue Taktik der Unternehmer eingetreten. Aber der weitere Erfolg der Arbeiter wird dadurch nicht beeinträchtigt werden.— Nach kurzer Diskussion beschloß die Versammlung, daß die Un- organisierten vom 4. Tage ihrer Eintragung an eine Streikunter- siützung von 1,5(1 M. pro Tag erhalten und daß die zu den neuen Bedingungen Arbeitenden pro Tag 1 M. zahlen. Die Situation im Zentralverband der bau« gewerblichen Hülfsarbeiter zu klären, hatte die Lei- tung d r ei große Versammlungen am Sonntagmorgcn veranstaltet, die alle sehr stark besucht waren. Bei Buggenbagcn am Moritzplatz referierte Hcidcmann, bei Obst in Schöneberg hatte K r i b o w, bei Ballschmiedcr auf dem Gesundbrunnen N o a ck das Referat übernommen. Die Redner bemühten sich, den Versammelten klar zu machen, daß es im Interesse der Einheitlich- kcit des Vorgehens notwendig sei, die Forderung von 60 Pf. Stundenlohn vorläufig zurückzustellen. Man sollte sich auf den zuerst von den Leitungen vereinbarten Satz von 55 Pf. einigen, um so»ichr, als die lokal- und christlich-organisierten Vanhülfs- arbeiler darauf beharren wollen. In der Diskussion wurde geltend gemacht, daß 60 Pf. als Stundenlohn sehr niedrig sei und daß versucht werden müßte» diese Forderung durchzusetzen. Eine geheime Abstimmung wurde vorgenommen und ergab bei Buggciihagcn: für die reduzierte Forderung 29l, dagegen 305; bei Ballschmiedcr 295 für, dagegen 3(15 und bei Obst in Schöncbcrg 95 für, dagegen 87 Stimmen. Insgesamt wurden 1468 gültige Stimmen abgegeben; davon waren 68l für und 737 gegen die rcdu- zierte Forderung.— Die Leitung ist der Ansicht, daß laut Statut bei solchen Abstimmungen eine Zwcidrittclmajorität erforderlich ist und daher auf die Durchführung dieses Beschlusses nicht be- standen werden kann. Der letzte Situationsbericht lag den Versammlungen vor. Da- nach meldeten sich zur täglichen Kontrolle als Streikende und Aus« gesperrte 5601 Bauarbeiter, 4846 Maurer und 1729 Zimmerer. Von 474 Firmen, die 1714 Bauarbeiter beschäftigen, sind BeWilli- gungcn eingelaufen für einen Stundenlohn von 55 Pf. 99 Firmen, die 549 Bauarbeiter beschäftigen, zahlen die viel umstrittenen 60 Pf. pro Stunde. 8 Bewilligungen sind bisher wieder zurück- gezogen worden. Die Bautcnkontrollc für die Bauhülfsarbeitcr vom letzten Freitag ergab folgendes Bild: Auf 933 Bauten ar- bciten 4583 Bauarbeiter, davon 3506 in Lohn und l077 in Akkord. Mehr als 60 Pf. Lohn erhalten 211 Kollegen, 60 Pf. 540 Kollegen; 55 Pf. erhalten 1714 und 50 Pf. 620 Mann, unter 50 Pf. arbeiten 235 Kollegen; von 186 waren die Verhältnisse nicht zu ermitteln. In bczug auf die Arbeitszeit wurde festgestellt: 794 arbeiten 10 Stunden, 1292 9 Stunden, 2236 SVi Stunden. Organisiert sind 2406 Mann, unorganisiert 1902 Mann; von 275 war nichts Gc- naucs zu ermitteln. Die Freie Vereinigung der Bauarbeiter hielt am Sonntagvormitlag eine Mitgliederversammlung ab. Den Be- richt über den Stand der Lohnbewegung gab N o r g e l. In der ersten Woche des Kampfes meldeten sich 457 ausgesperrte oder strei- kcnde Mitglieder der Freien Vereinigung, in der zweiten Woche stieg ihre Zahl auf über 500 und nun am letzten Sonnabend waren es 631, die sich zur Kontrolle gemeldet hatten. Von ihnen sind jedoch 155 teils zu den neuen Bedingungen in Arbeit getreten, teils sind sie abgereist und teils zu anderen Berufen übergegangen. Die zu den neuen Bedingungen arbeitenden Mitglieder dürften auf keinen Fall die Arbeit niederlegen, bevor nicht jemand von der Kom- Mission die Sache untersucht habe. Voraussichtlich werde in den allernächstci. Tagen eine neue Versammlung einberufen, weshalb die Mitglieder genau auf die Bekanntmachung im„Vorwärts" achten müßten. Ferner hätten die Kollegen jetzt, wo die Unter. � nehmcr Streikbrecher einzustellen suchen, mit um so größerem Eifer danach zu trachten. Arbeitswillige von der Arbeit abzuhalten, selbst- verständlich nur mit gesetzlich zulässigen Mitteln. Die Hoffnung der Unternchmer, der Kampf werde der Arbeiterschaft wegen Mangel an Geldern verloren gehen, sei verfehlt. Die Organisation habe sich auf einen langen Kampf eingerichtet. In der Diskussion wurde u. a. erlvähnt, daß in der Invaliden- straße ein Polizeiwachtmcistcr Streikposten aufgefordert habe, sich mindestens 150 Schritte von der Baustelle fern- zuhalten. Der Referent bemerkte darauf, daß eine solche Zu- mutung in keiner Weise zu rechtfertigen ist. Die Kollegen sollten in allen derartigen Fällen der Polizei gegenüber mit Ruhe und Sachlichkeit, aber ebenso entschieden auf ihrem gesetzlichen Recht des Streikpostcnstchcns beharren. Soziales. «Soziale Fürsorge für die LanbvcvSlkeruns. � Interessante Beschlüsse hat die Konferenz der deutschen lanü» wirtschaftlichen Verufsgenosscnschaftcil» die dieser Tage in KiinigS, berg tagte, gefaßt. Zu dem Thema„Vereinheitlichung der Arbeiter» vcrsichcrungsgcsctze" wurde folgender Beschluß gefaßt: I. Die landwirtschaftliche» Bcrufsgenossenschaften haben keine» Anlast, eine Verschmelzung der Kranken-, Unfall- und In» validcnvcrsichcrungsgcsctze zu erstreben. Sie sind aber bereit, an einer Vereinfachung der bisher geltenden Arbciterversicherungs» gesctze mitzuarbeiten und versprechen sich von einer solchen, auch wenn sie die Schaffung eines gemeinsamen Unterbaues für die ver- schiedenen Zweige der Arbcitcrvcrsichcrung mitumfaßt, einen er- heblichcn Fortschritt, vorausgesetzt, daß die selbständige Organi» sation der landwirtschaftlichen Ilnfallversicherung erhalten bleibt und daß die Kosten der neuen Einrichtung nicht unerschwinglich lverdcn, sondern im richtigen Verhältnis zu den damit erreichten Vorteilen stehen. 2. Die landwirtschaftlichen Bcrufsgenossenschaften halten eine möglichst frühzeitige Beröffentlichuiig der Geschentwürfe vor deren Einbringung bei den gesetzgebenden Körperschaften für wünschcns- wert. 3. Die landwirtschaftlichen Berufsgenosscnschaftcn erachten cS für notwendig, daß, wenn möglich, bereits zur Ausarbeitung, sonst aber jedenfalls nach Veröffentlichung der Gesetzentwürfe Vertreter der Kranken-, Unfall- und Jnvalidcnvcrsicheruiigs-Organisationcn mit beratender Stimme zur Abfassung der Entwürfe in der Gc- stalt, in der sie den gesetzgebenden Körperschaften vorgelegt werden sollen, zugezogen werden. Die Vereinheitlichung der Arbeiterversichcrungsgcsctze ist ja für jeden, der die angeblichen aus dem Etikett der Gesetze abzu- lesenden Zwecke der Versicherung erreichen will, etwas ganz Selbst- verständliches. Eine einheitliche Reichsversicherungsanstalt mit Selbstverwaltung durch die Arbeiter in allen Zweigen der Unfall- vcrsicherungsgcsctzgedung würde erhebliche Vorteile darbieten. Durch sie würden viele Millionen jährlich für die Verstcherungs- zwecke selbst flüssig werden. Es würde ermöglicht, endlich den Kreis der Bersi�ertcn auf alle Arbeiterkajcgorien oder, den tttten sozlaldeinokratischen Anträgen entsprechend, auf alle Staats- bürgcr mit Einkoüiinen bis 3000 Mark jährlich auszudehnen. Ferner könnten an Stelle einer almosenartigen Niedrigkeit der „Renten" und anderer Bezüge aus der Versicherung Leistungen treten, die den Kranken, den Unfallverlchten und den durch In- balidität oder Alter arbeitsunfähig Gewordenen wirkliche Hülfe brächten. Den Arbeitgebern, und keineswegs allein den landwirt- schaftlichcn Arbeitgebern, liegt an der Erreichung dieser Zwecke nichts. Sie wünschen die Gesetze so zu gestalten, datz in noch schärferem Matze als bislang dieser Zweig der Gesetzgebung eine Armengesetzgebung bleibt, deren Kosten vorzugsweise die Arbeiter- klaffe zu tragen hat, und datz insbesondere die Berufsgenosscn- schaften der Unfallgesetzc eine Organisation der Arbeit- geber gegen die Rechte der Arbeiter bleiben. Auch von den Leuten, die der Unternehinerklasse nahe stehen, wird feit einigen Jahren eine Vereinheitlichung des kostspieligen bureaukratischen Apparates nicht der Versicherungszwecke halber, sondern in erster Reihe zum Zweck einer EntWindung des Rechtes von Selbstverwaltung aus den Händen der Arbeiter gefordert. Beibehaltung des uneiu- geschränkten SelbstverwalluugSrechtes der Arbeitgeber auf dem Gebiete der Nnfallgesebgebnng und Bernichtung des Sclbstver- waltungSrcchtes der Arbeiter, insbesondere in den Krankenkassen, daS ist das Ziel, dem verhüllt und unverhiillt die Wortführer der herrschenden Klassen— Graf v. Posadowsky an der Spitze— zustrebe». Wenn hierbei die landwirtschaftlichen Berussgcnosscn- schaften ihre warnende Stimme gegen„Unerschwinglichkeit der Kosten" erheben, so ist das die alte Melodie, die die agrarischen und industriellen Unternehmer anstimmen, wenn es gilt, auf Kosten der auf dem Schlachtfelde der Arbeit erkrankten, verwundeten oder invalide gewordenen Arbeiter neue Vorteile sich zuzuschanzen. Rückstchtlich der Frage einer Ausdehnung der reichsgesetzlichcn Krankenversschcrnngöpflicht auf die ländliche Bevölkerung hat die Konferenz der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften endlich sich der Auffassung genähert, die seit länger als drei Jahr- zehnten im Parlament und der Presse von der sozialdemokratischen Partei vertreten wird. Es wurde nämlich auf der Konferenz ans- drücklich»«erkannt, dag die Einbeziehung der ländlichen Bevölke- rung(Gesinde, Arbeiter, Betriebsbcamte und kleine Bctriebsuntcr- nehmer mit ihren Familienmitgliedern) in die reichSgefctzlichc Krankenversicherung im allgemeinen notwendig und wünschenswert sei. Ja, die Einführung der Krankenversicherung auf dem Lande sei noch vor der Verschmelzung der Arbeiterversichcrungsgesetze zu erstreben. Die nichtständigen Arbeiter seien nicht aus der Ver- sicherung fortzulassen. Freilich vermochte die Berufsgenossenschaft sich nicht dazu aufzuschwingen, dasselbe Matz der Selbstverwaltung den Arbeitern einzuräumen, wie den Arbeitgebern in den Berufs- genossenschaften zusteht. Sie wünschten, datz als Träger der Krankenversicherung die Kreise eventuell die Gemeinden fungieren sollten. Dadurch würde dann auch äutzerlich der Krankenvcrsichc- rung der armenrechtliche Charakter klarer aufgedrückt werden. Für solche Scheinversichcrung ist die Arbeiterklasse selbstverständlich nicht zu haben. Besonders behandelt wurden die Fragen: Ist ein Bedürfnis zur Einführung der reichsgcseblichcn Krankenversicherung auch bei denjenigen Berufsgenossenschaften anzuerkennen, in deren Bezirk eine landesgesetzliche Krankenfürsorge für Angehörige der länd- lichen Bevölkerung besteht? Ist die landcSgcsehliche Regelung auf Grund deS 8 133 Sah 1 L.-N.-B.-G. vom 5. Mai 188« zu erstreben? Der Referent sprach sich dahin aus, datz die reichsgesetzliche Versiche- rung auch für die kleinen ländlichen Bctricbsuntcrnehmer sowie für sämtliche landwirtschaftliche Arbeiter und das Gesinde zu er- streben, die landesgesetzliche Regelung auf Grund des$ 133 Satz 1 L.-N.-B.-G. vom 5. Mai 1886 aber zu verwerfen sei. Zu dem Thema, ob die Berufsgenossenschaft, die einem Unfall- verletzten während der gesetzlichen Karenzzeit freie Kur und Ver- pflegung gewähre, zur Zahlung einer Angchörigenrente verpflichtet sei, wurde anerkannt, d«st die BernfSLeNossrnschaft einen Unfall- verletzten nicht zwingen lönne, sich in eine Heilanstalt zu begeben, wenn er dies nur unter der Bedingung tun wolle, datz seiner Fa- milie während dieser Zeit Angehörigenunterstützung gezahlt werde. Ein sehr wichtiges Thema wurde am Sonnabend behandelt. Geheimer Regierungsrat Landesrat Kchl-Düsseldors sprach über die Krinkenpflegr nnd Tuberkulosebekämpfung auf dem Lande. Während sonst oft von Agrariern behauptet wird, datz die Tuberku- lose nur in den Grotzstädten grassiere und daß auf dem Lande Bleichgesichter nicht zu sehen seien, betonte der Referent, datz auf dem L«nde die Tuberkulose weit verbreitet sei. Redner stellte 14 Thesen auf, von denen wir die wichtigsten wiedergeben:„Die Gesundheitspflege auf dem Lande bedarf vielfach durchgreifender Verbesserung, insbesondere muß die Bekämpfung der auf den» Lande sehr verbreiteten Tuberkulose mit Energie aufgenommen und durchgeführt werden. Es fehlt auf dem Lande an der zur Be« kömpfung oer Volkskrankheitcn, besonders der Tuberkulose, not- wendigen Aufklärung der Bevölkerung durch Behörden, Aerzte, Vereine, Schule und andere Organe. Es ist daher mit allen gceig- ncten Mitteln, besonders auch seitens der landwirtschaftlichen Ver- eine, Lokalabteilungen, Kasinos usw. auf eine Berbesscrung dieser Verhältnisse hinzuwirken. Namentlich bedarf es einer wesentlich erweiterten Anwendung des Heilverfahrens der Landesversichc- rungSanstalten zur Heilung bcr Tuberkulose, von welchem bis jetzt auf dem Lande mangels Kenntnis der vorhandenen Einrichtungen wenig Olebrauch gemacht wird. Die allgemeine reichSgefctzliche Durchführung der Krankenversicherung auf dem Lande ist ein drin- gendes Bedürfnis und auch zur erfolgreichen Bekämpfung der Tuberkulose auf dem Lande unumgängliche Boranssetzung. Die Schaffung leistungsfähiger Krankenkassen mit einer den Bcdürf- nissen des Landes angepaßten Einrichtung wird die Gcsundhcits- Verhältnisse auf dem Lande günstig beeinflussen und auch zur Er- Mittelung und Bekämpfung der Tuberkulose wertvolle Dienste leisten. Die Versorgung des Landes mit Aerzten ist vielfach unzu-, reichend, besonders in Gegenden mit schwierigen klimatischen und Verkehrsverhältnissen. Es ist Sache der Gemeinden, Kreise usw., sowie der Träger der sozialpolitischen Versicherungseinrichtungen — Versicherungsanstalten, Berufsgenossenschaften, Krankenkassen— hier helfend mit finanziellen Zuschüssen einzugreifen. � Die Krankenhäuser auf dem Lande können zu Zentralstellen zur Bc- kämpfung der Volkskrankheiten und besonders der Tuberkulose für kleinere Bezirke ausgebildet werden. Die Znhl der Krankenhäuser bedarf in vielen Gegenden der Vermehrung; das Bestreben der Kreise und Gemeinden nach Errichtung kleiner, ländlicher Kranken- Häuser ist zu unterstützen. Insbesondere ist es Sache der Versiche- rungSanstalten, Berufsgenossenschaften usw. durch Hergabe von Darlehen zu niedrigem Zinsfuß und Tilgungssatz fördernd einzu- greifen. Die ländliche Bevölkerung ist vielfach noch sehr unzu- reichend mit Krankenpflegepersonal versorgt, das bei der geringen Zahl und weiten Entfernung der Aerzte und Krankenhäuser für das Land erhöhte Bedeutung hat. Auf eine ausreichende Vermch- rung des Krankenpflegepcrsonals auf dem Lande ist daher hinzu- wirken. Voraussetzung einer solchen Vermehrung ist aber in erster Linie die Beschaffung und Ausbildung des für das Land geeigneten Pflegepersonals, das tunlichst auch aus der ländlichen Bevölkerung selbst zu entnehmen ist." In den weiteren Thesen werden dann Vorschläge gemacht, wie das Pflegepersonal am besten ausgebildet und verwandt werden kann. Recht gute Thesen. Ihre Verwirklichung wäre längst Tatsache. wem, die ländlichen Arbeiter rechtlich den gewerblichen Arbeitern gleichberechtigt wären, wenn ferner der Landtag auf dem allge- meinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht beruhen würde und wenn auch nur ein kleiner Bruchteil der Millionen, die für Panzerschiffe,� blanke Uniformknöpfe und KoloniallicbeSgaben ge- opfert sind, für Kulturzwecke Verwendung gefunden hätten» Zum VcreinSrccht nntmr Beinnten. In Bayern machten sich im vorigen Jahre unter de» Schutz« ckuten Organisationsbestrebungen bemerkbar, die zur Gründung von Vereinen in verschiedenen Stadien führten. Diele Bereine wurden zuletzt zu einem Verbände zusammengeschlossen. Auch m Nürnberg gründete sich ein solcher Verein. Die Organisation der Schutzleute ist sehr zahmen Charakters, sie verfolgt hauptsächlich UnterstützungS- zwecke und nenul auherdcni als ihr Ziel die Wahrung der Berufs- nnd StandeZintercsscn. Für den freisinnigen Stadtmagistrat Nürn- berg aber lauerte hinter dieser harmlosen Vereinigung die Hydra der Revolution: er verbot den Schntzlenten den Beitritt. Hiergegen lourde Beschwerde an die KrciSregierung und an daS Ministerium eingelegt. Beide haben jetzt die Beschwerde verworfen. Die Schutz- Mannschaft ist also tatsächlich ohne VercinigungSrecht. Im Raihause zu Nürnberg sitzen die freisinnigen Häuptlinge, die die Stoßkraft deS liberalen Gedankens durch stärkere Betonung der Arbeiterfordernngen erhöhen wollen und fortgesetzt in Versammlungen und in ihrer Presse versichern, daß sie den Schutz und Ausbau des KoalitionS- rechts energisch beireiben wollen. Wie ernst eS ihnen damit ist, das zeigt dieser Fall wieder._ Hwö Induftrie und Kandel. HauffemsuSver. Bekanntlich wird schon seit längerer Zeit über Kohlen- Mangel geklagt! Solche und ähnliche Nedclvcndungon findet man jetzt fast täglich in der Presse. Dieses„bekanntlich" soll die objektive Richtigkeit der Meldung und die materielle Bc- rcchtigung der Klage erhärten. Merkwürdig nnr, datz man nichts Von Betriebsstockungen infolge Kohlenmangel melden kann. Wo wohnt der Mann, dem es an Kohlen mangelt? Etwa im Monde? Soviel ist unbestreitbar, tatsächlicher Mangel ist noch von keiner Seite gemeldet worden. Woher, warum denn die Klage? Sie dient wohl nnr der StimmungS- mache. Arbeitcrmangel und Wagenmangel werden als Ur- fachen des Kohlenmangels bezeichnet. Das leuchtet ein. In die fehlenden Wagen könnten z. B. die Kohlen geladen werden, die die fehlenden Leute fördern. Wenn wirklich Kohlenmangcl vorhanden wäre, niutz er als gewollter Zweck den Bergherren zugeschrieben werden. Im April d. I. ist nämlich die Ausfuhr von Steinkohlen ganz kräftig gestiegen, auf 1 858 126 Tonnen, gegen 1 504 528 Tonnen im April 1006. Die Alisfuhrsteigerung beträgt demnach über 23 Proz. Unter solchen Umständen ist wohl die Frage berechtigt: Hat man die Ausstihr forciert, um hier das Gespenst einer Kohlennot an die Wand rnalen zu können, oder sucht man nur neue Absatzmärkte als Ausgleich für den vorausschauenden Konsum- rückgang in Deutschland?_ Landwirtschaftliche Kultur des RheinlandeS. In einem Artikel in den„Volkswirtschaftlichen Blättern�— Nr. 11/12— macht Prof. Dr. E. Wohlinann folgende Angaben: „Der durchschnittliche Grundstenerreincrtrag in der Rhein- Provinz stellt sich für den Morgen auf S.OOM.. während er in den ostelbische» Provinzen, ausschließlich Sachsen, nur 2,70 M. beträgt. Tie gesanite Grundsteuer macht in der Provinz 4 902 729 M. aus. Die erste Klasse in den unteren Teilen des Kreises Kreuznach ist mit 33 M. pro Morgen eingeschätzt, in den Kreisen Köln nnd Bonn mit 30 M.. ini Kreise Sldenau jedoch nur mit 10,80 M. und im Kreise Prüm mit 9.00 M. Den durchschnittlich höchsten Grundsteuerreinertrag weist der Kreis Grevenbroich mit 17 M. pro Morgen auf und den niedrigste» der Kreis Prüm mit 1,20 M. für den steuerpflichtigen Morgen. Das sind doch wunderbare Gegensätze I" Diese Disserenzen führt der Verfasser in der Hauptsache au die Verschiedenartigkeit des Bodens und de» KlnnaS- gUrlicki'-Heber die Besitzverhältnisse und Dodenpreise wird u. a. folgendes aus- geführt: «ES befindet sich jedoch viel Land in Händen von Groß- grundbesitzern und auch der tote» Hand, sodaß der Pächterstand im Rhcinlande weit verbreitet ist. DaS Pachtland z. B. im Kreise Vonii machte im Jahre 1895 6578 Hektar aus und betrug somit 30,7 Proz. der gesamten landwirtschaftliche» Betriebsfläche. Die Pächter zahlen oft außerordentlich hohe Pachtsumnren insbesondere dort, wo der Boden in der Nähe größerer Städte, z. B. zwischen Köln und Bonn, der Gemüse- und Gartenkultnr dient. In dem berühmten Spargelorte Alfter im Kreise Bonn sind die Pachlpreise seit den fünfziger Jahren um die Hälfte gestiegen. ES wird dort jetzt für daS beste Gemüseland 100— 120 M. JahreSpacht pro Morgen gezahlt, in einzelnen Fällen bis zu 200 M. Entlegene und geringwertige Ländereien haben jedoch im Rheinlande nur einen Pachtpreis von 10—12 M. aufzuweisen. Wie sehr im übrigen auch die Bodenpreise im Rheinlande seit einem halben Jahrhundert gestiegen sind, zeigt ein 167>/z Morgen großes Ackergur der Gemeinde Hersel(Kreis Bonn), welches mehr« mals den Besitzer wechselte. Der Kaufpreis betrug 1850 pro Morgen 500 M.. 136? 750 M.. 1890 950 M., 1903 wurden pro Morgen 1200 M. geboten. Indessen Ländereien, welche an Fabrik- orte grenzen oder Gartenland darstellen, werden pro Morgen selbst in größeren Flächen mit 4000—6000 M. im Rheintale zum Verkauf gebracht. Das ist natürlich kein rein landwirtschaftlicher Preis mehr, sondern in demselben liegt GpekulationSwert und hier und da auch wohl AffektionSwert." Auch diese Darlegungen bestätigen, daß der an den Fortschritten der Technik und der allgemeinen Kultur vollständig unschuldige Grundbesitzer durch Steigerung der Bodenrente de» Hauptvorteil aus der gesteigerten Produktivität der Arbeit zieht. Blöder Arbeiterhaß. Die Geistesverfassung der Redaktion der„Arbeitgeber-Zeitung" illustriert eine Notiz in der letzten Nummer dieses tollwütigen Scharfmacherblattes. Der geistige Leiter der Scharsinacherei be- schäftigt sich mit der Kritik, die die bestehende Gesellschaftsordnung in der Arbeiterpresse findet, wobei auf die berauschenden Gewinne der Unternehiner und die elenden Löhne der Arbeiter in der chemischen Industrie hingewiesen worden ist. Seine grenzenlose Verachtung des Arbeirerstandes bekundet der betreffende GeisteSheld mit folgender Bemerkung: „Gerade die chemische Industrie aber ist daS schlechteste Beispiel, auf daS die Verfechter deS NmstnrzeS der kapitalistischen Gesellschaft hätten verfallen können. All, Erfolge der chemischen Industrie find ans geistige Arbeit, auf Erfindungen und Ent- deckiingcn einzelner Forscher gegründet, und nirgends spielt die mechanische, körperliche Arbeit eine geringere Rolle. DaS Gold, daS die moderne Chemie schafst, ist ganz gewiß nicht aus Arbeiter- schweiß, sondern höchsten« aus dem Schweiß der Erfinder geprägt, die aber in ihrer großrn Mrhrzahl auch ihr wohl gerüttelt und gc- schüttelt Maß am Erfolge eingeheimst haben. Die Früchte der chemischen Industrie entstammen ganz allein der Ber> bindung»o» Geist nnd Kapital, und die Arbeiter- fchaft hat sich hier am allerwenigsten um den Erfolg zu be- kümmern!—" Solch hirnloses Zeng kann nur ein geistig Impotenter produzieren und es kann nur Aufnahme finden in einen, Organ. wo böser Wille Vernunft und Recht ersetzt. In den in Betracht kommenden Kritiken ist ausdrücklich auf die Dividenden hingewiesen. auf jene Summen, die von jeden, Hanswurst, von jeden, Idioten und notorischen Fanlenzer eingestrichen werden können, wenn er nur reich genug ist, Aktien zu kaufen. Jeder Trottel nnd Verbrecher kann Aktionär werden und an dem ans Arbeiterfchweitz gepreßten Goldsegen teilnehmen, wenn er nur vorsichtig war in der Wahl der Eltern. Der geistreiche Fabrikant der obigen Bemerkung wird daS vielleicht auch verstehen, wenn er sich bemüht, folgende Frage zu de« antworten- Wenn, unter Ausschluß der Arbeiier, dts Mtioitäre die Pro« duktivkraft ihres Geistes und ihres Kapitals verbinden mit der wclteroberndcn Intelligenz der Redaktion der„Arbeitgeber-Ztg.", auf welche Onantitäten und Qualitäten chennfcher Produkte und auf wie viel Prozent Dividende darf man da rechnen? ES mag ja fein, daß die geistige Leistung der Redaktion des ScharfinacherblatteS den Aktionären noch etwas kostet, sonst aber sind, ehe die Dividenden ausgeschüttet werden, alle Aufwcndnagen für Erfindung und sonstige geistige Arbeit in Gestalt von Tantiemen und Gehälter an Direktoren, Chemiker usw. abgezogen Die geistige Leistung der„Arbeitgeber-Ztg." hat aber auf die BetriebSergcbnisse ilichtfdeu geringsten Einfluß und die Dividenden sind ganz unverdienter, auö Arbciterschweiß gepreßter Mehrwert. Hus der frauenbewegung. Den Genossinnen zur Kenntnis, daß die Tellersammlung den Versammlungen am 4. Juni, welche von den weiblichen Ver- trauenspersonen zugunsten der streikende» Bäcker einberufen waren, einen Erlrag von 1010,15 M. ergeben haben. Der Betrag ist dem Verbände der Bäcker und BernfSgenossen überwiesen worden. Die Vertraue nspersonea. Versammlungen— Veranstaltungen. Lichtenberg. Montag, den 17. Juni 8'/z Uhr in» Lokale der Herren Gebr. An, hold. Frankfurter Chaussee 5: Vortrag:„Die Frau als Hausfrau und Staatsbürgerin". Frau A. Fahrenwald. Singegangene Druchfcbriften. Von der„Neuen Zeit«(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben doli 3S. Heft des 25. Jahrgangs erschienen. ES hat folgenden Inhalt: Die LaiidtagSivahlen in Bayern. Von Adolf Müller-München.— Der große Sieg. Bon Fritz Austerlid.— Der neue Mittelstand. Von Paul Lange-Oamburg.— Die Wcintrise und die Landarbeitergewerychasten im Languedoc. Von Paul Groß-Montpellicr.— Di» BcrusS- und Betriebs- Zählung im Deulschcn Reiche. Von Adolf Braun.— Literariiche Rundschau: Friedrich Mückle, Saint Simon und die ökonomische GeschichtSthcorie. Von K. K. Dr. Franz Dochow, Vereinheitlichung des Arbeiterschutzrechtes durch StaatSvcllräge. Von ad. br. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch« Handlungen, Postaiistalleli und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Ouartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Heft kostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Von der„Gleichheit--, Zeitschrist für die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Rr. 12 des 17. Jahrganges zugegangen. Sie bat folgenden Inhalt: Unser Patriotismus. 11.— Die österreichischen Genossinnen im Wahlkanchje. Von Emmy Freundlich. — Francliwahlarbcit und Frauenstimmrecht in Oesterreich.— Minna Kautsky. Von Marie Kunert.— Der dritte Kongreß der Deutschen Ge- sellschast zur Bclämpsung der GeschlechtSlrankheilen. I. Von 0. K. II. Von O.— Aus der Bewegung: Ein Jubiläum.— Von der Agitation.— Von den Orgaliisatioiieii.— Die Aerlincr Genossinnen und der Bäckerstrclk.— Jahresberichte der VertraucnSperson der Genossinnen Mindens und des Wahlkreises Essen.— Politische Rundschau. Von H. B. — Gewerkschastliche Rundschau.— Aus der rheinischen Textilindustrie.— Genossenschastlichc Runoschau. Von 11. Fl.— Notizenteil: Dienstboten» frage.— Frauenarbeit aus dem Gebiete der Industrie, deS Handels- und Verkehrswesens.— Sozialistische Frauenbewegung im Auslände.— Frauen in öffentlichen Aemtcrn.— VerichledeneS.— Feuilleton: Der Zeitgeist. Von Friedrich Hölderlin.(Gedicht.)— Rote Ostern. Historisches Gemälde aus dem Laucrnkriegc. Don Robert Schwcichcl.(Forts.) Für unsere Kinder: Türmerlied. Von Johann Dolsgang Goethe. (Gedicht.)— Rosen und Schmetterlinge. Ein Juni-Märchen von Hebe.— Im Bäckerläden. Von Ernst Almsloh.— Der Wilde. Von I. G. Seum«. (Gedicht.)— Eine Seefahrt. Von Brand.— Wie der Simpllzms in den aald kam. Bon A. Feudrich.— Das Lied vom Auge. Von Eastclli. iedicht.)— Prinzcßchcn So, mensche in.' TMMSrlewvon Franz Mäbmg. — Der Zwerg Rase. Von WUh. Haust.(Forts.)— Drei Tanzreime. Vom„Wahren Jacob-- ist uns soeLest: Üle' 12. Nummer feines 24. Jahrganges zugegangen. Aus ihren, Inhalt ermähnen wir die beiden farbigen Bilder„Haager Reigen" und„Der Krieg" sowie die weiteren Illustrationen„Zu den NeichsratSwahlcn in Oesterreich",„Exzellenz Koos- mich",„Vorbereitung zur FriedenSkonsnenz",„Preußen germanisiert in Polen", Der Rattensänger von England--,„Aus der Haager Friedens- konfcicnz" und„Braunschweiger Sorgen". Der texlliche Test der Rummer bringt die Gedichte„Unseren österreichischen Genossen",„DeS liberalen RcichStagSboten Heimkehr",„Guter Rat'-,„Der Maieg",„Oesterrcichische Wahl",„DeS Kapitaliilen KricgSlied",„§ 11".„Die Friedenskonferenz. Ein neuer Sang aus dem Remeke FuchS",„JeSIo a. D." und außer zahl« reichen kleineren Beiträgen noch die größeren satirischen Feuilleton»„Der gute Herr und der böse Knecht--,„Produktivität" und„Brtcs des Herrn v. Armm-Schnodderheim an den Herrn v. Selow-Plcitenburg". Vcrltner Sltarktprelse. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markidallen-Direktion.(Großhandel) Rindfleisch I» 68—70 vr. 100 Pfd., II» 62-67, Dia 57- 68. Bullensletsch la 64—68, IIa 54-62. Kühe, seit 50—58, do. mager 38—48, Fresser 50—62, Bullen, dän. 0,00, bo. Holl. 0,00. Kalbfleisch, Doppellender 100—120, Rasttülber la 88—94, IIa 74—82, lila 0,00, Kälber gcr. gen. 48—63, do. Holl 0.00, dän. 0,00. Hammelfleisch Mastlämmer 71—75, la 66—71, IIa 59- 66, Schafe 54—59. Schweinesleisch 47—54. Rehwild la per Pfund 0,60—0,73, IIa 0,50—0,58. RoitvIId, Abschliß 0,60—0,59. Damwild, Abschuß 0,00. Wild- schweine 0,30—0,45. Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stück 0,60—0,75. Hübner. alte, per Stück 1,40—2,00, IIa 0,80— IM, do. junge 0,65—0,70. Wolgahühner 1—1,70. Tauben 0,30—0,48, italienische 0,00. Enten per Stck. 1,50 bis 1,80, dito Eis» per Stück 0,00, do. Hamburger per Stück 1,75-3,90, Gänse per Psd. 0.82—0,88, do. per Stück 3.00—5,00, do. Ham» burger per Psund 0,80— 0,90, per Stück 3,00—4,00. Chnlonshühner Ila 0,00. Hechte per. 100 Psund 93-105. mittel 0,00, dito matt 82-86. dito groß 0,00. Zander 0,00. Schleie, Holl. 84—102, dito groß 63—72, do. 85—116. Aale, groß 123—127, do. klein und mittel 99-110. dito niiltel 123, do. unsortiert 82—100. Plötzen 0,00, do. klein 0,00, dito niatt 0,00. Karpfen 0,00, do. 0,00. Bleie 50. Bunte Fische 62—86. varse 0,00, do. matt 0.00. Karausche» 77. vleifische 0,00. Wel» 0,00. Aland 0,00. Quappen 0,00. Ameribmischer Lachs la neuer per 100 Pfd. 110—130, do. IIb neuer 90-100, do. Illa neuer 60. Seelachs 15—20. Sprotten, Kieler, Wall 0.00, Danziger, Kiste 0.00. Flundern, Kieler. Stiege la 3—6. do. mittel per Kiste 2—3. Hamb. Stiege 4-6, halbe Kiste 2,00—3,00. Bücklinge. Kieler per Wall 1,00—3,00, Stralsnnder 2.00-2,50. Aale, groß per Psd. 1,10—1.40, mittelgroß 0,80—1,10, klein 0,60—0.80. Heringe per Schock 6—9. Schellsische Kiste 5,00-6.00,>/, Kiste 2-3,50. Kabllan, gcrämh. per 100 Psd. 15-20. Dorsch, Kiste 2.50-3.60. Goldsische, Schock 2-6. Sardelleix 1902er per Anker 95, 1904er 95, 1905er 90, 1906er 85— 90. Schottische Vollheringe 1905 0,00, large 40—44, fuli 38—40, med. 36—42, deutsch« 37—44. Heringe, neue MatjeS, per'1, To. 50—120. Sardinen, russ.. Faß l.50— 1,60. Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1,25—1,50. Neunaugen, Schocksaß 11, klein 5—6, Riesen- 14. Eier, Land-, uiisort. Schock 2.90, gr. 3,75. Butter per 100 Psd. la 106-108. Na l0Z-!06. lila 100-102. absallendc 90-95. Saure Gurken Schock 4.50, do. neue 6—8. Psessergurken 4.50. Kartoffeln ver 100 Psund rnagnurn vonurn 3,25—3,75, Dabersche 3,00—3,50, Rosen 0,00, weiße 3,00—3,25, Salalkartoffeln 0,00. Spinat per 100 Psund 6—12. Karotten, hiesige, Schock-Bund 2,50—6,00. Sellerie, hiesige, per Schock 10,00—25,00, do. poinmersche 0,00. Zwiebeln große, per 100 Psund 0,00, do. kleine 0,00, do. hiesige(Perl-) 0,00. Charlotten 0.00. Pelerfilie, grün. Schockblind 0,80—1,00. Kohlrabi Schock 0.60— 1.50. Rittig. bayr., neue Stück 0,12— 0,16. Mohrrübenp. 100 Pfd. 4.00-8.00. Teltower Rüben per 100 Psd. 0.00. Weiße Rüben, große 0,00. kleine 0.00. Rote Rüben 0.00. Blumenkohl, holländischer per Kops 0,10—0,30. Kohlrüben per Schock 0,00. Wirsingkohl holländ., ver Schock 0,00. Rotkohl Holland., per Schock 0,00. Weißkohl, dän. per 100 Psd. 0.00. Rosenkohl per 100 Psd. 0,00. Sprulkohl Per 100 Psund 0,00. Rhabarber 100 Bund 0,60— 3,50, Bergcdoisser per 100 Bund 0,00. Morcheln per Psund 0,00. Sandmorcheln per 100 Psd. 0,00. Waldmeister per Mandel 0,30—0,45. Radieschen per Schock 0.50—1.00. Salat per Schock 0,60-1.75, Spargel la 100 Pfd. 40-58, do. Ha 26-35, do. lila 10—20. do. unsort. 0,00, do. Beelitzer la 45-58. do. Beelitzer IIa 30-40, do. Beelitzer lila 15—28. Stachelbeeren. grün, per 100 Psd. 10— ig. Birnen, austral.. in Kisten von 20 Kg. Kiste 12-22, ital. 0.00.«epsel, per 100 Pfd.. hiesige 20-25, Tiroler. Kiste 0,00, Caloille, Kiste 0,00, Australier in Kisten 8-22. Italienische in Kisten 0.00. extra 0,00. Zttronen, W-ssina. 300 Stück 9,00-12.00, 360 Stück 8,50-11,00, 200 Stück 6,00-12,00. Apfelsinen. Jaffa, per Kiste 0,00, Murcla 200 er Kiste 0,00. do. 300er 0.00. Valencia 420er Kiste 18,00-25,00. d». 714 er 22-30,00, Messina. 100er 4-7,00, lüOer 5—8,00, 10t er 8-13,00. 200« 7,60— 12,60, 300er 0,00, Blut- 100« 5,50-9,00, do. 150« 7—0,00, 30 er 6-7,50, 200er 13-lt SozialilemokraiiscIierWaMvereinl für den (Köpeuicker Viertel.) Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß unier Genosse, der Arbeiter Fpanz Rubow wobnhnst Mantcuffetstr. 3,«tadt- bezirk 100, gestorben ist. Ehre seinem Andenke» l Die Beerdigung findet am Mitt- Ivoch nachmittag 3 Uhr voms Trauerhause aus auf dem neuen s Jakobikirchhos in Rixdorf, Her- mannjtraße statt. Ilm zahlreiche Betetligung! ersucht 214/15 Der Vorstand. iSßziiüslofflOkrstiselieFWaWraEiii des 6. Berliner Walreises. DodeS-Anzcigc. Am 8. d. Mts. verstarb unser ! Mitglied, der Buchdrucker �uüus>Venxe!, Stettinerstr. 3S. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am I Mittwoch, den 12. Juni, nach- > mittags 4 Uhr, von der Halle i des neuen PanIskirchhoscS" in ! Plötzcnsce aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht [249/19 Der Vorstand. Todes-Änzeige. Hierdurch erfüllen wir die traurige! Pflicht, allen greunden und Bc-! kannten Mitteilung zu machen von j dem Ableben unseres treuen Mit- arbcitcrS, des Buchdruckmaschincn- mcislerS Filius Uöllgsl. Wir werden seiner stets ehrend| gedenken. Die Beerdigung findet am| Mittwoch, den 12. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen-. halle des neuen PauIS-Kirchhoscs in Plötzcnsce ans statt. BäZkerZlinälilerBiiedlIMerei! Todes-�meixe. Nach lange i Leiden verstarb! ani 8. Juni unser treuer Mit- 1 arbeiter, der Buchdruckmaschinen-! meister �ulius�VenKel. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet am Mitltvoch, den>2. Juni, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle deS neuen PauIS-Kirchhoses I in Plötzensee auS statt. »llclili!'lleke.''ei„Vowäi'ts". Allen Freunden, Verwandten| und Bekannl«» die traurige Nach. 1 vicht, imfj raemt liebe Frau Minna Schnee geb. I.ix am S. Juni verstorben ist. IZsr tesuirndo Latte nebst Tochter. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 11. Juni, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen« Halle des AndrcaS-Kirchhojcs l» WilhelmSbcrg aus statt. 119Lb 0eul5ej!e? SoliArbetter-VerbAm!! Den Mitgliedern zur Nachricht, dag die Kollegin, Bergolderin Kfünns Schnee am 8. Juni verstorben ist. Ehre ihrem Slndenken: Die Beerdigung findet am Dienstag, den 11. Juni, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des illndreaskirchhoses in WilhclmSberg, auS statt. Rege Beteiligung erwartet 54/16_ Die Orleverwalluna. Deutscher Transportarbeiter-Verband Vcrwaltnngsstello Berlin II. Allen Kollegen hiermit zur Nachricht, da» unser langjähriges Mitglied, der Rollkutscher Karl Hönisch am 7. b. M. plötzlich an Herz- lähmung gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Dienstag, den 11. d. M., nach. mittags 5 Uhr, von der Leichen- balle des MarkuSlirchhoseS in i Am Sonntag, den 9. Juni verschied nach schwerem Leiden mein inniggclicbtcr Sohn und unser guter Bruder, der Kansmann Franz Rubow Manteufselstrage 3. Dies zeigt tiesbetrnbt an im Namen der Hinterbliebenen Wilhclmino Ilnliow. geb. Kusserow. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 12. Juni, nach- mittags 3 Uhr, vom Tranerbause Mantcnfielstrahe 3 aus nach dem Neuen Jakobikirchhos(Rixdors), Hcrmannstraße statt. jll82b LonntSA, den 9. chnni, verstarb xlät?.licb naeb Irnriiem, sobtverem I-eiden unser verstuter und seliebtsr Lbef Herr Wrmnz Rubow ManteRfTelstraSe 3. Uns allen rrar er ein väterlicher Freund und Ratgeber, ein leuchtendes Vorbild in jeder Beziehung. Sein unermüdliches Vorwärtsstreben, sein Fleiß und seine Rechtlichkeit spornten uns alle zur Naoheiforung an; durch seine Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit, seine Kenntnisse, Erfahrungen und seine grenzenlose Güte zwang er uns alle zur Liebe, Verehrung und Hochachtung. Sein edles Herz hat aufgehört zu schlagen, seine Liebe und Sorgfalt umgibt uns nicht mehr, aber uns allen, die wir teilweise seit Gründung des Geschäfts mit ihm zusammen wirken zu können das Glück hatten, wird er stets in dankbarer Erinnerung bleiben, unsere Verehrung werden wir ihm über das Grab hinaus bewahren. 1181b In aufrichtiger Trauer: Das gesamte Persona!. l Ys IN Sonnabend. 8. Juni 1907, l v4. verstarb nach langem, schwerem I Leiden -nor-r Nz*. Seile sin Firma Dr. Seile& Co. Wir verlieren in demselben I eineu wohlwollenden, demZeitgeiste ! Rechnung tragenden Cves und werden daher sein Slndenken stets i in Ehren halten. Das Personal der Firma j Dr. Seile& Co., Graphische Kunstanstalt für Mehrsarbendruck. Doirtccim Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, da» unser Mitglied, der Schlosser keorg EngelmaDii am 2. Juni an Lungenleiden ge- starben ist. Ehre seistem Astdenketi:' Den Kollegen zur Nachricht, da» ! unser Mitglied, der Klempner am Otto Schweng! 7. Juni gestorben ist. er Ehre seinem Andenke«: [ 119/20 Die Ortsverwaltung. when-Schonhauscn, auS statt. Die Verwaltung II. 2/6 Zentral-Verband der Töpterf Deutschlands. Filiale Berlin. Todes■ Anzeige. Am Sonnabend, den 8. Juni, vcistarb nach langem Leide» der Kollege Nermsnn Uirttke (Bczlrl Osten) im Alter von 45 Jahren. Ehre seinem Andenlen! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 12. Juni, nach» mittags 1 Uhr, vom Trauerhausc Höchslestrabe 20 aus nach dem Zcnlralsriedhof in Friedrichsseide (onselbst uni 2 Uhr) statt. Um rege Beteiligung ersucht 193/00 Der Vorstand. Verband deutscher ßastwirtsgeholten (Ortsverwaltung Berlin). Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied Mus Gruoow verstorben ist. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 12. Juni, nach. mittag« 4'/. Uhr, auf dem städti. Ich»» Friedhofe, Müllerstr. 42/43, statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 291/is Ter Vorstand. E. II. Xo.»9. Hierdurch die traurige Mitteilung, da» unser langjähriges Mitglied frm Langer Piicklcrstratze 50 wohnhaft, am 8, Juni im Alter von köJahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 11. Juni, nach- mittags 6 Uhr, von der Leichen- Halle de» Michacl-KirchhoseS, Her- maimstrahe, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 198/17 Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten| I hierdurch die traurige Mitteilung. das? am Sonnabend, den 8. Juni I 1907, abends'/z5 Uhr, meine liebe! I Frau, unsere gute, trcusorgcude j j Mutter und Schwester tMm ScIiIelTler geb. vom Wege ! im Alter von 33 Jahren nach! I langem, schwerem Leiden(aujtj entschlafen ist. Um stilles Beileid bitten II erat an ii ftchlofiler nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Mitt. I woch, den 12. Juni, iiachmitlags 7, Uhr, von der Leichenhalle des I neuen Liiisen-KIrchhosS, Nirdoif. Hcrmaiinstra»e. auS statt. jll88b Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und unsercs guten Vaters, des Gastwirts bl75L - WUhelm Henke! .sagen wir allen Verwandten, Freun- den und Bekannien unseren ticjgc- fühlten Dank. Witwe Henkel nebst Kindern. In der Strafsache gegen den Knusmann Johannes snnow in Halle a./S., ycboren am 20. September 1879 in Bredow, Kreis Sictiin, Dcssident, wegen Bc- leidigung durch die Presse hat die zweite Strajlainmer des königlichen Landgerichts in Halle a./S. in der Sitzung am 8. Januar 1907 für Recht erkannt: Der Angeklagte, Kaufmann Jo baiincS Sanow tu Halle a./s. ist der össentlichcn Beleidigung der Unter ossiziere der Armee schuldig befunden und wird deshalb unter Auserlegiing der Kosten des Verfahrens zu einer Gesängnisstrase von drei Molinien verurteilt.— soNOL Dem königlich preußischen'Justiz minister wird die Befugnis zuge sprachen, den entscheidenden Teil des Urteils je einmal im»bisichS- «»zeiger-,.Mililärwochenblatt-,.Vorwärts- und im.Hallcschen Volks- blatt- binnen vier Wochen nach Zu« stellimg einer Ausfertigung des rechtskrästigen Urteils aus Kosten des Angeklagten bekannt zu machen. Alle Exemplare der Wochenbcilage zum„Voltsblatt- siir Halle und den nakkrei» Nr. 36, 37. 38, 39 deS Jahrgangs 1906 sowie die zu ihrer Herstellung bestimmten Platten und armen sind iiiibraiichbar zumachen. Snlhhandlsug Vonvijlts Berlin SW. 66. Undenstraüe 69. |Zicle und Clegei = erlSutcrungcn= der fozialdcmohratircHen öegenwarteforderungen ! Unter Milarbeit von Hugo hinde- l/nann, bis» Lvebeim, Friedrich I Ltam/ifer und Klara Zetkin herausgegeben von —: Adolf Braun-u— r i Preis 20 Pf.» Porto 5 Pf. Dr. Schünemann Spezial»Arzt für 44112* Bant- und Hnrnlcidon, Wauenitrunii heften. Friedrichstr. 203, Ecke Schiitzenstr. 10-3, 5-7, Somit. 10—1» Uhr. vi». Simm«! Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden, PrinzeDSlr.41,Md;crÄ 10-2,5—7. Sonntags 10-12,2—4. Ausspülnngs- Apparate 3,—, 5,—, 7,60 Mark, nur Sanitätshaus v. Becker, kitthaueret.». Klnintn- und Kruirrbiuderci von Dovert KZever,. nur Mnmuurn-Slrnlit 2. öslich-I'lllliiigiili eiiiPfichllseinO»zsrI»Bruohbsndagen, heitibinden, fleradohallern, Spritzen, Suspensorien sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Liescr.s.Orts- uHnlfS-Krankenkasse». Berlin C., 4408«» HO. Fiuitu-Ztrnße 30. 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Kcilqe des Jotiuiittf Scrlim llollietilntt. ptastiig, U. Imi 1907. Kukiiiche Bcomtcnuntreoe in Necklenbni'g. VerhandlungStng. Schwerin, den 10. Juni 1907. In de? heutigen Sitzung wird zu de? Wurstliefernnge» des Angeklagten Wilck übergegangen. Wilck war verpflichtet, wenigstens seit 1302, laut Kontrakt nur eine Sorte prima Mctt- Wurst zum Einheitspreise von 2 M. pro Kilogramm zu liefern. Er hat aber für die dritte Klasse in späterer Zeit eine zweite Qualität geliefert, die nach Annahme der Anklage minderwertig gewesen sein soll und nur einen Wert von 1,50 M. hatte.— Vors.: Es wurde doch im Kontrakt eine einzige Sorte prima Mettwurst gefordert?— Angckl. Willk: Ich habe auch halbfeine Mettwurst geliefert.— Vors.: Kommen Sie doch nicht immer mit anderen Sachen da- zwischen.— Angekl.: Ich muß das doch feststellen, ich kann mir doch nicht das Recht im Munde herumdrehen lassen. Was Recht ist, muß Recht bleiben.— Vors.: Ich muß das entschieden zurückweisen. Sie haben kein Recht, zu behaupten, daß man Ihnen hier das Fell über die Ohren ziehen will.— Angekl.: Ich habe dem Sachsenbcrg nur Gutes getan und nur mein Geld verloren. Da kann es nicht wundernehmen, wenn man nervös wird.— Vors.: Ich habe Ihnen schon vieles nachgelassen, was ich mir von anderen nicht bieten lassen würde, weil ich Ihre beklagenswerte Lage in Rechnung ziehe. Aber wenn Sic dem Gericht mit Beleidigungen kommen, werde ich anders gegen Sie verfahren müssen. Alle diese kleinen Sachen kommen in die Zeitung und ich habe nicht Lust, sie unwidersprochen zu lassen.— Angekl.: Nun, mein Name kommt auch in der ganzen Welt herum, ich mutz doch mein Recht haben. Was da im Kon- trakt steht, kann ich nicht bestreiten.— Vors.: Es sollte für alle Klassen Mettwurst für 2 M. geliefert werden.— Angekl.: Dann habe ich also die ganze feine Mettwurst dem Sachsenberg geschenkt.— Vors.: Wie unterscheiden sich denn I. und II. Klasse Mettwurst?— Angekl.: Es gibt 5 bis 6 Sorten Mettwurst.— Vors.: Sie gehen schon wieder um den Brei herum; ich glaube, wir werden uns darüber nicht verständigen können.— Angekl.: Die erste Sorte ist ganz fein gewiegte Mettwurst, die zweite Sorte etwas gröber mit Fettstücken.— Vors.: Aber es sollte doch nur eine Sorte geliefert werden. Weshalb lieferten Sie da nun plötzlich eine geringere Sorte?— Angekl.: Geringer war sie nicht, sie ist von Schültze so gewünscht worden.— Angekl. Schultze: Das habe ich nie gesagt.— Angekl. Wilck: Ich habe erstklassige Wurst für die III. Klasse zu 2 M. geliefert und dann aus freien Stücken eine noch bessere Wurst für die I. und II. Klasse, die mindestens 2,50 M. wert war. Ich habe also keinen Betrug gegen Sachsenberg verübt, sondern nur Gutes getan.— Vors.: Dann wundert eS mich, daß soviel Klagen über die Wurst vorkamen.— Angekl.: Es wird niemand behaupten können, daß die Wurst schlecht war.— Vors.: Herr Wilck, wollen Sic behaupten, daß Sie freiwillig bessere Wurst lieferten, als Sie zu liefern verpflichtet waren?— Angekl.: Ja.— Vors.: Weshalb taten Sie das?— Angekl.: Meines Renommees wegen, ich wollte gut liefern und die Lieferungen behalten.— Vors.: Sie klagten doch immer, Sie hätten in einem Jahre 20 000 M., in einem anderen 50 000 M. verloren, und da sollten Sie der Anstalt freiwillig etwas schenken?— Angekl.: Ja, weil ich hoffte, es später immer wieder herauszubekonimcn. Mein Nachfolger hat jetzt ganz andere Preise, jetzt werden 8 bis 10 000 M. mehr für Flcischwarcn verbraucht. Bei der früheren Lodderwirtschaft wurde für ebenso viel gestohlen, was die III. Klasse könne er doch wohl eine mäßigere Sorte liefern. Vors.: Und unter dem Einheitspreis?— Angekl. Schultze: Das lvar Wohl selbstverständlich.— Vors.: Sie waren damit ein» verstanden?— Angekl. Schultze: Ja, ich habe nichts dazu gesagt.— Vors.: Ist von der schlechten Wurst viel gebraucht worden?— Angekl.: Ja, sehr viel.— Vors.: Sie sagten früher, die Wurst für die III. Klasse sei ganz ordinär gewesen.— Angekl. Schultze: Sie war ja nicht schlecht, aber sehr grob.— Vors.: Herr Obermedizinalrat Mattusch snicht Martusch) konnte wohl aus den Rechnungen nicht ersehen, daß zwei Sorten geliefert wurden; gesagt ist ihm wohl nichts davon?— Angckl. Schultze: Nein.— Angekl. Wilck: Herr Obermedizinalrat Mattusch sagte, als ich ihn einmal wegen einer Schmalzlicferung interpellierte: Was in wirtschaftlichen Sachen zu erledigen ist, machen Sie mit dem Betricbsinspektor ab, ich habe dazu keine Zeit.— Zeuge Obermedizinalrat Mattusch: Ich habe in der Regel vermieden, mit Lieferanten über Lieferungs- fragen zu verhandeln. Ausgeschlossen ist aber, daß ich in bczug auf Preisfestsetzung jemand an Schultze verwiesen habe.— Angekl. Wilck.: Ich habe das aber so verstanden und mich seitdem immer nur mit Schultze auseinandergesetzt, ebenso wie ich ausrecht erhalte, waS Herr Obermedizinalrat Mattusch am Sonnabend bestritt, das? er zu mir von anonymen Briefen, die ihm auö Schwerin zugegangen seien, gesprochen habe.— Der Angeklagte Brüdigam erklärt, in früherer Zeit war im Kontrakt die Lieferung von zwei Sorten Wurst vereinbart, die eine zu 2 M., die andere zu 1,50 M. So wurde es auch in Rechnung gestellt. Dann sagte aber Schultze, der Wilck stöhne so viel, daß er damit nicht auskommen könne, es werde ja auch so viel über die Wurst für die III. Klasse geklagt, und des- bald liefere ja auch Wilck in der Hauptsache die bessere Sorte, darum solle, so sagte Schultze, der höhere Preis von 2 M. für die ganze Wurst gerechnet werden.— Zeuge Obermedizinalrat Mattusch bekundet: Bis 1902 wurde Mettwurst in zwei Sorten bezogen, eine bessere Sorte für die I. und II. Klasse, eine geringere für die III. Klasse. Da aber oft Klagen über die Beschaffenheit der Wurst kamen, wurde angeordnet, daß nur die bessere Sorte bezogen werden solle. Er habe nie gewußt, daß trotzdeni zwei Sorten geliefert wurden; das hätte er niemals geduldet. Proben der Wurstlieferungcn wurden bei den Sub- Missionen nicht verlangt.— Angckl. Wilck: Ter Herr Ober- medizinalrat scheint sich jetzt aus der Affäre ziehen zu wollen. Nach seinen Acußerungen mußte ich der Auffassung sein, daß ich alles mit Schultze vereinbaren könnte.— Vors.: Angeklagter Wilck, der- artige Angriffe auf Zeugen unterlassen Sie. Alles was hier ge- sprachen wird, geht durch die Zeitungen und kommt in die Ocffcnt- lichkeit.— Angckl. Wilck: Ich bin in der gleichen Lage, auch mein Name kommt in die Oeffentlichteit; ich muß mich doch verteidigen können.— Sachverständiger Kolz stellt aus den Büchern fest: Bis 1302 sollte Wurst zu 1,50 M. und 2 M. geliefert werden und wurde auch geliefert. Wilck liquidierte aber bald die gesamte Wurst zu dem höheren Satz von 2 M. Von 1902 ab sollte nur noch die bessere Wurst geliefert werden, trotzdem lieferte Wilck aber in zwei Qualitäten. Wenn Wilck z. B. beim Kalbfleisch so billige Preise stellte, so ist für jeden Laien klar, daß er aus andere Weise zu seinem Recht zu kommen suchen mußte. Aus den Kontobüchern geht hervor, daß zwischen Wilck und Schultze Zeichen bestanden haben müssen, nach denen verabredet war, daß für die III. Klasse minderwertige Ware geliefert werden sollte. Denn cS waren auf dem Wochenzettcl immer zwei verschiedene Posten untereinander angeschrieben: Geräucherte Mettwurst 45 Kilogramm und ge- räucherte Mettwurst 10 Kilograinm. Der Sachverständige be- zweifelt, ob das Quantum Mettwurst geliefert wurde, das an- geschrieben war. Nach dem Ausscheide» SchultzeS ist 1305 und 1300 ein Mindervcrbrauch von zirka 1300 Kilograinm Mettwurst in einem Quartal festgestellt worden. In einem anderen Quartal sind 502 Kilo- gramm verbraucht, aber 390 Kilogramm liquidiert. Im Kontobuch standen 753 Kilogramm, dazu müsse man noch den„Ausschlag", den Hinzpeter machte, hinzurechnen. Sachverständiger vermutet daß das Bruttogewicht ins Kontobuch geschrieben wurde. Angekl. Wilck be- streitet das, es wurde ja massenhaft gestohlen, er selbst sah Kranke mit ganzen Mettwürsten aus den Wirtschaftsräumen heraus- gehen.— Sachverständiger Kolz berechnet die Schädigung der An- stalt lediglich durch Mehranrechnung der zweitklassigen Mettwurst auf zirka 4330 M. und zwar für 9405 Kilogramm.— Zeugin Brüggemann, früher Dienstmädchen bei Wilck, hörte, daß Wilck ein- mal zum Wurstmacher sagte:„Willem, dat wer wcdder Wust for den Bärg(Sachsenberg)". Zeugin hatte früher auch Aussagen ge- macht über Abfälle vom Ladentisch, die in der Wurst verwendet sein sollten. Jetzt weiß sie darüber nichts und macht ihre Aussage überhaupt etwas zögernd.— Staatsanwalt: Die Zeugin scheint gegen früher mit ihren Bekundungen zurückzuhalten. Sie haben sich wohl in diesen Tagen in Schwerin aufgehalten?— Zeugin: Ja.— Staatsauwalt: Haben Sie mit Frau Wilck gesprochen?— Zeugin: Nein.— Zeuge Arbeiter Krüger war drei Jahre lang Hausdiener auf dem Sachsenberg. Er wurde ebenso wie die Wärter III. Klasse beköstigt. Das fleisch habe er oft nicht gegessen, weil es zu schlecht war. Die geräucherte Mettwurst sah manchmal ganz grau aus und war voll Maden, so daß er sie zurückschickte.— Angeklagter Wilck: Im Sommer kann derartiges bei angeschnittener Mettwurst sehr schnell einmal vorkommen. Schlächtergcselle AbShagen war 1305 als Wurstmacher bei Wilck beschäftigt. Das Ladengeschäft in Wurst sei unbedeutend gewesen, did meiste Wurst wurde für die Kasernen und für Sachsenberg fa- briziert. In die zweite Qualität Wurst für Sachsenberg kam Ab- fallfleisch, Kopfflcisch, Sehnen und ähnliches mit hinein. Zeuge kann sich nicht entsinnen, daß nach Sachsenberg auch von der besten Sorte Wurst etwas hinkam, die nur für das Ladengeschäft gemacht wurde.— Vors.: Also war die zweite Sorte Wurst schlechter als die andere?— Zeuge: Ja, die Mettwurst zweiter Sorte bestand aus Rindfleisch und Schweinefett.— Vors.: War gar kein mageres Schweinefleich dazwischen?— Zeuge: Ich kann mich nicht ent- sinnen, daß Schweinefleisch dazwischen kam.— Vors.: Das ist eine recht bedenkliche Auslage.— Angekl. Wilck: Das ist auch nicht so ganz richtig, wie es der Zeuge sagt.— lieber die Herstellung von Leberwurst befragt und ob in die zweite Sorte für Sachsenberg Leber hinein- kam, bekundet Zeuge AbShagen: ES kam alles hinein, was da war, Abfall, Kalbsgekröse, Kuheuter usw. Etwas Leber kam auch hinein.— Angekl. Wilck: Ich bestreite, waS der Mensch da sagt.— Vors.: Der Mensch? Sie meinen den Zeugen.— Angekl. Wilck (zum Zeugen Abshagen): Ich habe Euch doch immer gesagt, Ihr sollt nur gute Wurst machen!— Schlächtergeselle Vierhaus: Zu seiner Zeit sei Rindfleisch und auch Schweinefleisch in die Mett- wurst hineingekommen. Die erste Sorte unterschied sich von der zweiten nur darin, daß sie feiner gewiegt war.— Vors.: Zu dieser Zeit war beim Nachbar Feuer und da wurde auch die Wurst- kammer und ein Teil der Wurst beschädigt. Was geschah mit dieser Wurst?— Zeuge: Ein Teil kam in den Laden, ein anderer in die Wurstküche.— Vors.: Kam nicht ein Teil der beschädigten Wurst nach Sachsenbcrg?— Zeuge: Das weiß ich nicht.— Schlächtcrgesclle Fick, seit acht Jahren bei Wilck als erster Wurstmacher beschäftigt, gibt zu, daß etwa vor zwei Jahren Bücher in die Wurstküche zum Verbrennen gekommen seien. Was für Bücher es waren, wisse er nicht. Es war ein ganzer Haufen und Frau Wilck sagte, sie sollten verbrannt werden.— Zeuge Fick macht dann nähere Angaben über die Herstellung der Wurstsorten, bestreitet aber, daß die Wurst für Sachsenbcrg minderwertig gewesen sei. Für die Kasernen habe man allerdings n h Leberwurst fabriziert, die einen Grad schlechter war als die für Sachsenbcrg.— Vors.: Kam nicht Kuheuter zwischen die Leber?— Zeuge Fick zögert mit der Aussage.— Vors.: Es tut mir leid, daß Sie&l)re Geschäftsgeheimnisse über die Wurst- fcchrikat-ion.'vvAhüllett müsseu, aber Sie. nwssxN' est toxh-.Mssen, da �ut�iAetz�Wurstujachcr lvaren. Es fall, � MSsgrSröfe,"5kaheutöx und so töeit'er stn die Würst hineingekommen sein.— Zeu�e: Wir Schlächter nennen es meistens Abfall, er kommt gewöhnlich in die Kaserncnwurst. Vors.: Aber auch in die zweite Sorte für Sachsenbcrg?— Zeuge: Wohl nur selten. Zeuge gibt weiter zu, daß die erste Sorte Mett- wurst für Sachsenbcrg sich auch von der ersten Sorte Ladenmett- wurst unterschieden habe.— Vors.: Wie ist das mit der beschädigten Wurst?— Zeuge: Die wurde im Wurstkessel verbrannt.— Vors.: Aber ein Teil ist auch nach Sachsenberg gekommen?— Zeuge: Dann ist sie auch gut gewesen.— Staatsanwalt: Ich mache darauf aufmerksam, daß die Aussage dieses Zeugen in schroffem Wider- spruch steht zu der Aussage des Zeugen Abshagen.— Vors.: Zeuge Fick, ich erkenne ja an, daß Sie in einer schwierigen Lage sind, Ihre Geschäftsgeheimnisse offenbaren zu müssen; aber wir müssen hier doch die Wahrheit feststellen.— Zeuge Fick bestätigt dann zögernd die Nichtigkeit der Angabe des Zeugen AbShagen, das? die zweite Sorte Mettwurst keinerlei Schweinefleisch enthielt.— Zeuge Rcttiack war früher bei dem Angeklagten Wilck als Geselle be- schäftigt. Er bekundet: Weil der Angeklagte Schultze so viel zu Wilck hinkam, habe er sich gedacht, daß Schultze Vorteile von Wilck dafür genieße, daß Wilck die Lieferungen für Sachsenbcrg habe. Wurst wurde im Ladengeschäft wenig gekauft, sie wurde hauptsächlich für Sachsenbcrg und für die Kasernen gemacht.— Zeuge Happel, früher Schlächtcrgesclle bei Wilck. ist kommissarisch vernommen worden. Er bekundet, daß die zweite Sorte Leber- wurst sehr wenig Leber enthielt. Das Fleisch, das nach Sachsen- bcrg geliefert ivurdc, enthielt immer sehr viel Knochen.— Ein weiterer kommissarisch vernommener Zeuge, der früher in dem Wilckschcn Geschäft tätig war, bekundet, daß öfter Klagen über zu viel Knochen eingegangen seien; das Fleisch sei auch oft zurück- geliefert worden. Die Verhandlung wird auf morgen, Dienstag, vertagt,_ ßcricbtö- Zeitung» Ochsen und Esel. Eine Angelegenheit, die in den Kreisen Angestellter der„All- gemeinen E l e k t r i z i t ä t s- G e s e l l s ch'a f t" viel Staub aufgewirbelt hat. besckiäftigte gestern das hiesige Schöffengericht in einer Privatklage des Ingenieurs K o v p e gegen den Direktor der „A. E.-G." Hirschberg. Die Angestellten der„A. E.-G." hatten in einer Petition um eine außergewöhnliche, in den Teuerung»- Verhältnissen begründete gleichmäßige Aufbesserung aller Ge- Hölter gebeten. Die Petition trug die Unterschrift„Das Komitee" und als Anhang die Namen der 2914 Personen, deren Unterschriften gesammelt ivorden waren. Die Petition wurde von der General- direklion abschlägig beschieden. Am 4. Dezember verlas der Direktor Hirschberg in einer Konferenz mit 17 Abteilungs- Vorstehern den ablehnenden Bescheid der Generaldirektion und soll, wie behauptet wird, in einigen daran geknüpften Bemerkungen die Unter- zeichner der Petition„Ochsen und Esel" genannt haben. Daraufhin hat Herr K. als Unterzeichner der Petition die Privat- klage angestrengt.— Im gestrigen Termin bestritt Rechtsanwalt Dr. Brückmann als Verteidiger des Angeklagten, daß sich der Vorgang in der behaupteten Weise abgespielt habe. Nach seiner Darstellung habe Direktor Hirschberg darauf hingewiesen, daß die ganze Art der Aufmachung der Petition, unter welcher nur ein namenloses Komitee gestanden. Unwillen erregen müsse. Er habe dann gefragt,„wer denn da? Komitee sei?" und als darauf keine Antwort gegeben werden konnte, habe er sich dahin geäußert: „Da könnten ja am Ende die Angestellten auch eine Petition unter- zeichnen, die von einem ans Ochsen und Eseln bestehenden Komitee ausginge." Dieser Darstellung des Vorganges traten sieben vernommene Zeugen bei, die fast fänitlich noch bei der A. E.-G. beschäftigt sind.— Rechtsanwalt Weinberg als Ver- treter des Klägers hatte dem gegenüber sich auf die Bekundungen von drei anderen Zeugen berufen, die durch ein Versehen des Ge- richts nicht geladen worden waren. Der Anwalt erklärte, daß bei dem großen Aufsehen, den diese Angelegenheit erregt hat, er eine gründliche Aufklärung für angebracht halte und deshalb auf Ver- nehmung dieser drei Zeugen nicht verzichten könne, zumal deren Ladung schon beschlossen war. Das G e r i ch t gab dem Antrag« statt und vertagte deshalb die Verhandlung. Gemeine Rohheit. Der rohe Racheakt eines Mädchenjägers unterlaß gestern der Prüfung der zweiten Strafkammer am Landgericht IL Der 42 Jahre alte Metallschleifer Johann Elfenbein hatte vor sieben Jahren in einer Fabrik die damals 18jährige Anna Rese kennen gelernt und mit dem Mädchen ein Liebesverhältnis angeknüpft, obgleich er verheiratet und Familienvater ist. Dem Mädchen hatte er diese Tatsache verschwiegen und war mit ihr Jahr aus Jahr ein„gegangen". Er ist schon einmal zu einem Monat Gefängnis ve'rnrleiit worden, weil er in einer erregten Szene seine Geliebte so derb am Ohre gezaust hatte, daß der Ohr- zipfel vom Ohrring halb zerrissen wurde. Das Mädchen verzieh ihm aber diesen Exzeß und setzte auf seine Bitten das Liebes- Verhältnis fort, bis sie schließlich dahinter kam, daß der Angeklagte sie schmählich' hinter das Licht geführt hatte und sie gar nicht heiraten kann, weil er eben schon verheiratet ist. Sie brach nun jeden Verkehr mit dem Angeklagten ab. Dieser wollte sich hiermit aber nicht zufrieden geben. Als er das Mädchen Ende März auf dem Dönhoff- platze traf, erinnerte er sie daran, daß am ersten Osterfeiertage sein Geburtstag sei. Er sprach die bestimmte Erwartung au», daß sie zur Feier dieses Tages mit ihm einen Ausflug machen werde und fügte die Drohung hinzu, daß er sich bitter an ihr rächen würde, wenn sie zum Rendezvous nicht kommen sollte. Er wartete aber am ersten Feiertage vergeblich auf das Mädchen. Das Unglück wollte es. daß er ihr am ziveiten OstertagnachmittagS in der Nähe des Rixdorfer Bahnhofes in der Bergstraße begegnete. Er hatte eine kurze Auseinandersetzung mit ihr, dann wurden Passanten durch das entietzliche Geschrei deS Mädchens herbeigelockt und sahen, daß der Unmensch seine Drohung wahr gemacht hatte: Er hatte das Mädchen plötzlich umschlungen und ihr ein Stück aus dem linken Ohr herausgebissen! DaS blutende und in Schmerzen sich windende Mädchen wurde nach dem städtischen Krankenhause gebracht, den bissigen Liebhaber aber übergaben die herbeigeeilten Passanten, nachdem sie ihm ihre Empörung in sehr fühlbarer Weise zu erkennen gegeben, einem Schutzmann. Vor Gericht kam eS auf die Feststellung an, ob die Verletzte in erheblicher Weise dauernd entstellt sei, so daß§ 224 des Strafgesetzbuches Anwendung finden müsse. Der Staats- a n w a l t beiahte diese Frage und beantragte ein Jahr drei Monate Gefängnis. Das Gericht war gegenteiliger An- ficht und verurteilte den rohen Menschen nur zu s e ch s M o n a t e n Gefängnis._ Ein gefährlicher KautlonSschniindler, der seinerzeit auf Requisition der Berliner Kriminalpolizei von de? russischen Behörde in Polajewo verhaftet wurde, mußte sich gestern in der Person des Bäckergesellen Theodor Hagel vor der vierten Strafkammer des Landgerichts I verantworten. Anfangs April d. I. erschien in mehreren sogenannten„unparteiischen" und in bürgerlichen Berliner Zeitungen Inserate, in denen ein„Jnter- nationales Rcisebüredu" junge Leute als Reisebegleiter für eine Expedition quer durch Afrika suchte. Meldungen mit OriguialzeuMiisseiv, mxd Mntio?„in. beliebiger Höhe" sollten an den �ExPeditionS.lei'ter Georg v. Schönerer." nach Polajewö gesandt' lverden. Es nicldeten sich eine große An» zahl reiselustiger junger Leute. Außer diesen Annoncen er- hielten eine Anzahl junger Leute direkte Zuschriften, in denen sie in verlockendster Weise für eine Afrikaexpedition geworben wurden. Auch in diesen Schreiben wurde um Uebersendung einer Kaution„in beliebiger Höhe" an den„Freiherrn Georg v. Schönerer" nach Polajewo ersucht. Um die gleiche Zeit wurden von Breslau aus zahlreiche Zuschriften an verschiedene Personen gesandt, in denen angeblich vom Internationalen Reisebureau von Meyer u. Kroll unter den günstigsten Bedingungen junge Leute als Reisebegleiter gesucht wnrden. Es meldeten sich über 100 Personen, denen dann ein Fragebogen zugeschickt wurde, auf dem sie ihren Lebenslauf angeben sollten. In mehreren Fällen hatten sie an den angeblichen Expeditionsleiter kleine Geldbeträge als angebliche Kautionen eingesandt und keinerlei Antwort erhalten. Nunmehr schritt die Berliner Kriminalpolizei ein. um dem Treiben des Kautionsschwindlers ein Ende zu bereiten. Die Polizeibehörde in Polajetvo wurde telegraphisch benachrichtigt und um Festnahme de? Herrn v. Schönerer ersucht. In Polajewo lvar jedoch sonderbarerweise nichts von einem Herrn dieses Namens bekannt. Erst am 10. April traf dort ein Herr v. Schönerer ein, der sich sofort auf die Post begab, um für ihn eingegangene Briefe in Empfang zu nehmen. In dem Augenblick, als der Herr ExpeditionSleiter den Abend- Schnellzug besteigen wollte, wurde er von dem Distriktskommissar Engelniaim verhaftet. Der Festgenommeue behauptete anfänglich hartnäckig Georg v. Schönerer zu heißen; später gab er jedoch zienckich kleinlaut zu, der Bäcker- geselle Theodor Hagel zu sein, der sein ehrliches Handtverk an den Nagel gehängt hatte, um es mit einein kleinen Kantionsschwindel zu versuchen. Nachdem Hagel an Deutschland ausgeliefert worden war. wurde gegen ihn Anklage lvcgen versuchten uird vollendeten Betruges erhoben. Bor Gericht legte der Angeklagte ein offenes und reumütiges Geständnis ab. Mit Rücksicht hierauf erkannte daS Gericht dem Antrage des Staatsanwalts gemäß nur auf eink Gefängnis st rafe von vier Monaten. Ein Stiefbruder ist ei» Brndcr im Sinne der Gemeiudcordmingen. In Herringen war Isenbeck zum Gemeindevertreter gewählt worden. Seine Wahl wurde vom Bezirksausschuß Arnsberg für ungültig erklärt, weil bereits ein Halbbruder von ihm Mitglied der Gemeindevertretung ist. Das Obcrvcrwaltungsgericht bestätigte das Urteil. � Mit dem Bezirksausschuß ging es davon aus, daß in der westfälischen Landgemcindeordnnng(wie in anderen preußischen Gemeindcveriretungen) bestimmt ist, daß Brüder nicht gleich- zeitig der Gemeindevertretung angehören dürfen. Auch der Halb- beziehungsweise Stiefbruder falle unter diese Bestimmung. ßmfhaften der SxpecUtion. Otto Kaden, Tegel. Wir bitten um genaue Angabe Ihrer Adresse damit wir das Gewünschie übermitteln können. gSttt�ngpfliicenitit vom IQ. Juni I»«7, morgen» tt»p> Stationen £- si-S. B = H g e v QcUn » E b5- ä» £ fc» H fb Zwtnemde i 760 58 Hamburg j 760 OSO «erlin 761 3 Fraiiks.n M 7Z0 SO München! 76 ISO Wien! 761 NNW 1 wollen! 3 heiter 1 wölken! 1 wollig 2 wollen! 2 wölken! StaHenen Ü i« ES önBarntido 1 763® ZetcrSburg 750 SSO «cillh Aberbeen Paris 751 STW 750 SSO 761 SM Velin B-> 4' 5* «7» 2 heiter 1 Dunst 5 wollig 1 wollig 2 bedeckt 16 17 13 13 15 Wetter-Prognose für Dienstag, den 11. Juni lS«7. Etwas wärmer, zunächst meist heiter bei mäßigen südlichen Winden; später zunehmende Bewölkung und Gewilterncigung. Berliner Wetterbucaa» Uilr den Indult der Iiisernte nbernimmt die Reduktion dem vnblitnm««aenüber tetnerlei Berantwortnng. Zbcaur. Dienstag, den 11. Juni. Aniang Vjt Uhr. Ägl. Opernhaus. Salome,(ülitf. 8 Uhr. tkgl. Sihunspielhuus. Die Welt, in der man sich langweilt. Renes kgt. Opernthcater. Die Geisha. AnsMlg 8 Uhr. Schüler«. ülSallner-Theater.) PerrichonS Reise. Schill er-Theuter lkhurlottenbarg. Die Schmuggler. Schiller>.«inicdrlch Wilheln,. slädtilche» Theater) Drei Paar- Schuhe. Kleines. Fran! Wedelind. Komische Oper. HofsmannS Er gählungen. RencS. Die Eondoiticri. Westen. Die lustige Witwe. vicftdcnz. Haben Sie nichts zu verzollen i LnstIPielliunS. Die Welt ohne Männer. Dhulia. CharleyS Tante. Lnise». Das Rätsel seiner Eh«. lvernhard Rose. Der große Un bekannte. wtrtropol. Der Tensel lacht dazu. Wintergarten. La Tortnjadn, Spezialitäten. Rpollo. Der lustige Witwer. Spe- ztalitäten. Walhalla. Spezialitäten. Passage. Spezialilnten. RcichShalle». Stcttwer Sänger. Uran in. Dandriiitrasie iHHU. Abends 8 Uhr: Die Gletscher der Hochgebirge mid dteEiszeitunserer Heimat. Sternwarle. Jnvalidenstr. 57/(52. Seit liier« Sohiller-TdoMer 0. sWallner-Thealer). Dienstag, abends 8 Uhr: lEoi'l'lvknii«» Nvlne. Schwank in 4 Zlnsz. v. Eugene Labiche und Edouard Martin. Mittwoch, abends 8 Uhr: Pcrrlehons Reise. Dotin«rStag,abendS8Uhr: ülinna t. Barnbolm. Theater. Schlller-Theatar Cliarlolienhurg. Dienstag, abends 8 U fj t; Die Sclimneelcr. Komödie in 4 Akten v. Artur Dinier. Mittwoch, abends 8 Uhr: Die SelunuKxlei'. Donnerstag abends 8 U h r: Dlo Scbmuxzxlei'. Sehiller-Tlieatep H. Friedrlch-Wilhelmslädtsschos Theater. Abends 8 Uhr: Drei Paar Schuhe. Sonlmcrpreise. Helles Theater. klbends 8 Uhr: Die Condottieri. Mittwoch und solgende Tage: Die Condottieri. deines Theater. Anfang VI, Uhr. Gastspiel Frank Wedeklnd. Morgen und folgende Tage: Gastspiel Frank Wedekind. Theater des Westeos. Abends 8 Uhr: Die lustige Witwe. Operette in 3 Akten v. Franz Lchär Rtjiiitils-Thtlittt. Direktion Richard Alexander. Heute und solgende Tage 8 Uhr: Gaden 8ie nichts zu verzollen? Schwank in 3 Akten v. M. Henuequin und B. Leber. Lustapielhaus. 8 Uhr: Diener Ensemble- Gastspiel: Die Welt ohne Männer. _ Pcpt Glöckner als Gast. Unsen-Mer Reichcnbergerstr. 34. SlbendS 8 Uhr: Das Rätsel seiuer Ehe und solgende Tage. Sonntag, den 9. Juni, nachm. 3 Uhr: Maria Stuart. Passage-Theater. Jeden Abend 8 Ubr: Iiier aul Inner! Schlager auf Schlager! Das neue Juni-Programm. 14 Attraktionen 14. Hetropol-Theater Anfans: 8 Ihr. Große Jahresrovue in 7 Bildern von Julius Freund..Musik von Viktor Hollnondor. Dirigent Max Itoth In Szcno gesetzt von Direktor Richard Schultz. Rauchen überall gestattet. Reicbshallen-Theater. Steier Süer. Antang Wochentags«Uhr Sonntags 7 Uhr. «oieh»- lwilou- «aeto» und Restanrant: Militär- Konzert. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Ole Mer derüoeiigebirge and die Eiszeit unserer keimt. ZOOLOCISCHER GARTEN Programm. Trianon-Theater. Heute und{olgenbe Tage: FrSnlcin Josette— meine Frau. _ Ansang 8 Uhr._ Slbends 9'/, Uhr: Ganz Ktrli» nmufittt ßch über »w- nartstvln und seine BurleSkc: Der lnstige Witwer. 1. Bild: Das'lehie Mal. 2. Bild: Die Folge» davon. Borh. 8Uhr: Giaezenüs Spezialitaton. % Täglich nachm. 5 Uhr: GroOcs Militär- Doppel-Konzert. 1 Eintritt 1 Mk., von abends 1 ß Uhr ab 50 PJ, Kinder unter! 10 Jahren die Ifülkte. Zirkus Reiffarth. 0., Memelcratr, ComoniutpiaSz. Täglich abends 8'/, Uhr: Moderne Dressuren edelster Schul- und FreiheitSpserde. Billige Eintrittspreise. Neues Programm erstklassiger Spezialitäten. Weinberg» iveg 19/20. Zlmenb Spezialitäten- Vorstellang. Promenaden- Konr.ert. Ans.: Konzert 6; Vorstellung 7 Uhr. 99gr Bei ungünstigeni Wetter Voestollung im Tdeatoi' 8 Uhr. Kleine Somnierpreise. IVMliMMll (»t. Frantsnrterstr. 132. Dienstag, den 11. Funi: Ansang 41/, Uhr. $9*- Im Garten: �96 Theater- und Spezialitälen-Borst Pn»I Oorradtnl. Sperrfitz 50 Pf. Euiree 30 Pf. Abends 8'/, Uhr im Theater: D«i> grolie Unbekannte. Sommcrp: eise. Morgen; Dieselbe Borstellimg. ÄAAAÄÄAAiMn/MlÄi ® Buggenliagen Moritzplatz. Joden Dienstag Brunnen-Theater Bndstrasie 58. Direkt.: Bernh. Rose. 10 Attraktionen ersten Ranges 10. am- Artar WoIlT.-TT D'Elbost.— Rambler Comp. Der Geisterspuk im Gefängnis. Pantomime der Uekasckl/irupp». Im Fluge durch die Welt. AuSstattmigs-VolkSslück in S Bildern. Kasseneröffnung 2 Uhr. Ans. ö Uhr. Im Saale:«rohee Ball. Billettoorverkaus von 10—1 Uhr an der Thcalcrkasse. WM MMM»«W WW» N Ilax Rliems Sommer-Theater i Hasenheide 13/13. Artistische Leitung: Raul dlilbitz.. Wed: kMmi Tfieaterl u. Spezialitäten-KorstelluniJ ! Jeden Wontag: Sommerfest. M Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste, v I Jede» Donnerstag: Eltte-Dag. i Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. Clloackz Theater. Vtrektlon: Rod. 0(11. Brninienftr. 10. Ktrlin bei Dacht. Lebensbild mit Gesang in 2 Bildern. Dazu das neue Spezialitäten-Progr. Ans. 7 Uhr. Kaffeeküche v. 3 Uhr ab. Bei schlechtem Welter: Voest. im Saat. Berlin, wie es In Borbcreitung: baut und kracht. Wir*•Singer. Sknsang 8 Uhr Eintritt 20 PI Bei gutem Wetter Porst, i. Garten. Belle-AIIiance-Garten Herrlichster Sommrrgarten Berlins. Dicltbtrühmte IKumination. Bollstündig neue Anlagen. Däglick,: �iite- Vasislä-V orslellung Ans, wochentags 6, Sonntags 4 Uhr. Muae Melt i Hasenheid« 108-114. 1— Im Konzertgarten:— Täglich: Großes Konzert. | Jeden Sonntag, DienSlag, Donnerstag: l:: t Jeden Montag. Mittwoch, Freitag: i: ThelßsOrchester*: ] Entree 10 Pf. Enlree 10 Pf. Im Theatergarlcn: t Täglich: Großes Konzert j des Neue Wclt-OrchesterS und , Zpezislitäten-Voi-stellung. ' Entree 25 Pf. Entree 25 Pj. , Jeden Mittwoch lilndei-Cest. ( Jeden Donnerstag Elltc-Tag. t'»»»»»» W I Prater- Theater. Kastanicu-Allee 7/9. Flotte Weiber SpealalUAten 1. Ranges. Konzert und Ball. _ Ansang 4'/, Uhr. Diez* Spezialitäten-Theater. ** Landsberger Atlcc 76—79. Direkt a. d. Ringbahnstation. Deguemfte Fahrgelegenheit n. allen Stadtricht. Od schlin l x agil c h: Ob Regen 1 Im herrlichen Garten oder grossen Saal: Die grötzte Sensation der Gegenwart: 3 Röhrs Todesfahrt im drehbaren Globus. Hans Röhr, der einzige Fahrer der Welt, welcher die endlose Schleife. nur 3 Meter Durchmesser, vertikal durchfährt.— Bloollwoon, phänomenale Kunstradsahrer-Truppe.— AKredl Mmirdint, der unsesselbarc Ansbrecherkänig. Dazu das neue»nb beste Programm Berlins. Ans. 3 Uhr. Kaffeeküche. Volksbelustigungen aller Art. Entree 30 Pf. Paul LitflOS Reslaofant u. Feslsäle Amt VII Nr. 1075. Rcmcl er» trade 67 Saal mit Bühne lmd NebenrSnmen, 500 Pcrionen, Keiner Saal niit Parkettboden, 150 Personen saflend, sowie BereinSzimmer mit Pianino stehen den geehrten Vereinen und Gesellschaften zur Abhaltung von Versammlungen nnd Festlichkeiten, auch Sonntags, znr Verfügung. GS sind noch Sonn- ahende nnd Sonntage im Herbst nnd Winter z« vergeben.» Um gütigen Zuspruch bittet Pafll Litlin. ZTceigverein Berlin mtü Umgegsnä. SS5 Sektion der Dachdecker sffüifsarbeiter. Dieilstag, den 11. Juni, abends 8 Uhr, bei Janusklewicz, Mclchiorstc. 15: HiiSkrordentlfche Mitglieder-Versammlung. TageS-Ordnung: 34/14 Kcnditkrstllttnug über die Mgtfundtnrn Utrhlludlimgeu n. unsere Zfellungnohme dm». Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist das Erscheineu aller Dachdecker- Hülfsarbeiter Pflicht. Die Xar!fli»mi»issi«n. Vermmgnng der Maier, Lstckisrsr, Snstreieher Filiale Berlin. Fcrnspr. Amt 4. Nr. 4787. Mclchiorstrahe 28. Donnerstag, öen 13. Juni 1907, abends 8 Uhr: �lit�lieder-Versarnrnlun� im Lewerksckattskause, Engel-Ufer 15. TageS-Ordnung:' 1. Beitragserhöhung. t26/8 2. Wahl eines HanskasfirerZ(Ersatzlvahl). 3. BereinSangelegenheiten. KV Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung erwartet zahlreichen Besuch Dlo OrtsvcrwttUnng» Volksgarten-Tiieater. Ead-BehmstraSe— Bahnhof Gesundbrunnen— BcilornTannstraSe. Das Bild der Mutter oder Rcrllncr Zlmmorlentc. Lolksstück mit Gesang w 3 Akten. - Hierzu:———> Das neue KiM-ZpeMM-kMlM VotKibeiuetigungen. X GreBee Ball. Sanssouci, 8tr?au.sor S�birektiou Wilhelm Rolmer. - Der©nrOnr IsegSöstnet, Sonnt., Mont, Donnerst.: Illillmsims kor!'!!, u. Dunr.brtliir.ebel», Stets neues aktucLes Programm. Sonnt. Bcg.ö,>vochent.8U. Kür nächst« Saison find sämtl. Sonnab. bereits beseht. Noch einige Mittwoch» Slbende sind frei. gm ICUstrinerplaü, ROdarsdorferstr. 71 Hermann Imbs. Täglich: Qroßes Konzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstellusg. Otto Pritzkow MünaiBtrnße IG. »Iill- Bijjrapn-ia. Tbeater lebender Photographien. Täglich Eingang von — Neuheiten.— ♦ Den ganzen Tag Vorstellung. ♦ Fröbels Allerlei-Thealer (stilher Puhlninnn) Schönhauser Allee 1-48 und KastauieN'ZlRec 97/99. EST- Heute sowie täglich:-MG Durchschlagender Erfolg des Riesen Juni• Programms. Nur noch bis Sonnabend: CienieLet das l,eben, Vei-17 o. Rottlö.-f- Renolh a. Huhor. Marg Eitle.+ Hermann Milardo. Im Niesenlaal:«roher Ball. Morgen Mittwoch: Slitetag. Am Donnerstag, 13. Juni: Tritte? grostrS Kinderfest. Ab 16. Inn!: Karl Braun als: Ihrrlock HolmeS. GiZliWZktgattsa Am KSnigstor. Am Friedrichshain. Straßenbahn 1,2,4,17,59, 62, 63 u. 74. Täglich i Thealer-Yorstellong. Rene Spezialitäten. Klneaiatagraph nnd Ball. Freier Damentanz. Aulana 5 Mr. Entree SO Pf. Zahlstelle Itcrltn. Bureau: Engel-User 19. Telephon: Amt IV, Nr. 10 623. DicuStag, den 11. Juni, abends 8'/« Uhr, bei Boeker. Weberstr. 17: Versammlung; aller in Drechslereien, Treppengeländer- and Laxusmöhel- Betrieben beschönigten Arbeiter. TageS-Ordnung: 1. Der Abfchluft des Vertrages in der Holzindnstrle und dt« MmittmXM des Hf.rjch>Dnnltersche« Ä-wcrkvcreins-. 2. �S. HB. Die Mitglieder dcS GciverkvcrelnS haben Zutritt. Der Vorstand desselben ist zu der Bersammlung ciiigcladc». Die Kommtssio». Kranche der vergolder. DonuerStag. den 13 Juni er., abends präzise 8 Uhr. in Dietrichs Frftsäten(Jnh. Pusch)- Drcsdcnerstrage 116: Verirsuensmänner-VersNmhW. B�T" Jebi ZScrtftait mutz vertreten sein; gleichfalls ist daS Ertcheina» der BrancheiikommiffionSmitglieder ertviulscht.... L8/S Der Rz-anehenlelter. Zlmtralverdaml Iackltkshsr Vemaltiingsstelle Nerlin. Dtenötag, den 11. Jnui. abends 8 Uhr, bei Wilke, Bruimmstrage 138: MI VsPSSmiRtURF IW TageS-Ordnung: Bericht der LoHnkoinmission über die letzten Verhandlungen mit den Unternehmern.— Mitgliedsbuch lcgitimtcri.' 54/16 I! r n tet- Deutschlands, czahlstvlls Berlin.) Sezirksversammlungen: Bezirk 1. « 2. .. 3. » 4. „ „ 6. Donnerstag, den 13. Juni, nachmittags k Uhr, bei Flelekc, Daldstr. 8. Freitag. den 14. Juni, nachmittags S Uhr. Sei Rothes, Hujsitenstr. 40. 70/1 Freitag, den 14. Juni, nachmittags S Uhr, bei Rertens, Pappei-AUee 25. Donnerstag, den 13. Juni, nachmittags S Uhr, bei Rerkowskl, SlndreaSstr. 26 Donnerstag, den 13. Jnui. nachmittags 5 Uhr. bei Ret er, Oranienstr. 103. Freitag, den 14. Juni, nachmittags 5 Uhr. bei Rndtke, Neue Jalobstr. 1—3. Die Kollegen werden ersucht, beim Bezahlen der Beiträge daS WahlvereinSbuch dem Bezirtskafsicrer vorzulegen. Die DrtsverivaUung. Gustav Behrens-Theater. Berlin W., GoltzatraSe 8. Ob Regen, ob y*, mm Sonnenschein DaS neue grostartige Juni- __ Programm. u Usnnf�nnfP iugendi.Dcrwand. a.; nsJlllJ jopnw, limgS.Künstlerin. Grete ReaamS, Soubrette. Will» Sch6nberg. Hummist. ?? Greifenverger prolongiert?? und die Mtdcrcn Speztottläten. Zum Schtntz die nrkömff.he Poffe: Die Rahen in der Perttcke oder: t?in derungltiekteS Ttelldichein. Ansang ö Uhr, Sonntag» 6'/, Uhr. Herren- tt.Kmd)Cu- Konfektion! Nach nunmehr eisolgtem Abschluh unserer iieiic.i Lohntarisc sorderu wir die BenisStollegen auf, sich streng an die Zlbmachungeii zu halten imiö die Firmen zn meiden, die sich dem Tarif nicht untern'lnscn wolle». Die reget, mätztgen Mitglieder'- Vcrsainiiilungen finden alle 14 Tage Freitag bei Oräsol, Neue Friedrichstr. 35, statt, nad ersuchen nnr auch die noch fem- stehenden Kollegen zu erscheinen. Verdanci deutscher Schneider, Ftlial? Berlin. MI tglleel schaft n (Zuschneider und Zu'chnciderinn«) Nähere AuSIunst daselbst. Achtung! Achtung! Die Bäckergesellen Berlins und der Vororte sind durch den IV ort- und 7s?iZKrKeK der Saakei'-Ütmungen in den Streik gotrisden worden. LoigsnSe ISokvrmeistsr Kaken die kerssktigten Forderungen bev/iNi�t! Lckcrslr. 4S, Benthin. . KS, Koltmcker. . 85, g. Hanke. » III, Thvmri. » 114, Mnrquard. Adawertstr. 36, Nalih�tt. „ 45», D. Ianke. 66. Hopve. Zldolsstr. 11, Teiittigkcit. 12b. Hänilch. Adniiralstr. 16, O. Hanke. , 36, Hcinroth. Allcnsteiilerjtr. 6, Rainthun. , 15, Cicluch. . 26, Sarmus. Zlkcxaiidnncnstr. 28 Hilbig. ?iitc Jakvbstr. 138, Lü-k. Niidreasstr. 16, O. Hanke. Zlimeultr. 41, Riemeyei'. An der Sj'andaliciiBrückelb.O. Hanke. Anklanierstr. 3t, Benthin. , 48, Haaje. Antonstr. 48, Oertcl. ?li!drea§itr. 32, vrotsabrik„Wilhelm»' Artilleriestr. 3, Goldader. Badstr. 13, Kappler. n 49, Goldader. Barnimstr. 4/5, Lkgcler. „ 37, Güldenster». Lastianstr. 13, Nicdzwied». „ 20. Tonn. Därwaldstr. 47, Raotz. Belsorterstr. 22, Eggert. Bellcalliancestr. 24, O. Hanke. Bergstr. 2. Hönide. Bergmannstr. 10, KnofluS. 14a, Polenz. , IS, O. Hank«. Berlichingcnsir. 1. Polonius. . 12. Gras. Bernauerstr. 3, Schill. m 47, FiNke. Beussclstr. 17, O. Hanke. . 7. Edert. m 42, Langiith. »' 44o, Grethlel». » 56, Pohle. . 59, Schneider. 87, Rithmer. Biesenthalerstr. 2, Mensing. Birken str. 32, Sauer. Blücherstr. 11, O. Hanke. . 67, Berolina. Blumenstr. 13, O. Hanke. Bochmnerftr. 10. Klinke. Bötzen str. 6, Benneke. » 16, Jakob. Boi/hagenerstr. 27, Siellng. Böttcherstr. 25, Dudert. Breinerstr. 57, Besterling. , 60, Bayer. Brunnenstr. 3, Mollweide. Brunnenstr. 41, Sorge. , 151, F. Hanke. m 129, Goldader. . 154, Herrmana. Brüssclcrstr. 5, de Bruyn. , 8, Gonstor. . 43, Ianezed. Buchsir. 1, Völker. BurgSdorsstr. 15, Linder. Büschingstr. 17,(Broich. Buttmannstr. 20, Hirsch. Eadinerstr. 4, Weber. Camphausenstr. 6, Zindler. Carmen Sylvastr. 155, Schiweck. 157, Herde. .. 163, Straub- Ebausscestr. 44, Goldader. Chodowiedistr. 1, Müller. . 25, Marlock. Christburgerstr. 35, Tank. Christianiastr. 116, Epptnger. ComeniuSplatz 1, P. Hanke. Cuorystr. 28, Plantz. Dalldorserstr. 38. Wulst. Tanzigerstr. 8, Conrad. 70, ftreitag. , 72, Vondran. , 76, Vogler. Dänenstr. 5, Butzek. Demminerftr. 25, Grund. 23, Gliese. Dieffenbachstr. 27, Steinborn. 52. Kies!. Dicssenbachstr. 58a, Bcthke. 70. Bod. Dolzlgerstr. 5t, Weise«. . 36, Reünann. Dragoncrstr. 38/40, Schramm. DreSbenerstr. 6. Goldader. . 17, O. Hauke. , 90, Schulz. , 101, Hanke. Dundcrstr. 2, Czrrwenka. » 75, g. Hanke. , 78, Kunze. 60. Dcinert. Dundcrstr. 90, g. Hanke. Ebelingslr. 5, Blender. Cberswalderstr. 27, Rothe. Ebertystr. 33, O. Hanke. H 45, Schramm. , 50, Brückner. 54, F. Hanke.. Eiscnbahlistr. 8. O. Hanke. ,. 3, Haupt. Elbingerstr. 27, Fiedler. 32, Weuich. , 90. Trappe m 99, Rcunai.n. Emdenerstr. 21, Nieftroy. >7, Pohl. Faldenfteinstr. 20, Starz. . 17, O. Hanke. fairplat 1, Günther. Lehinarustr. 8, Behrendt 9, Volksbrot. *' 20,«WJ. Fehrbcllinerstr. 27, Hösewarth. .rennstr.' 48, Laddasch..' Forsterstr. 20, Genoiscuschast.BcrNn'. . 48. Reich. Grotze Franksiulerflr. 38, Hanke. .. 139. Goldader. Frankfurter Allee, Ecke Samariter- ltraize, F. Hanke. Frankfurter Allee 40, Richter. . 176, C. Hanke. Franseckistr. 27, Böttger. 45, Thiel. . 53, Goldacker. Frcicnwalderstr. 21, Geil ach. 38, Köl'ke. Fricdrichstr. 247, Goldader. 27, O. Hanke. 13, C. Hanke. Fricdrichsseldcrstr. 26, Hnida. Frieden str. 57, Decker. Friedrich-Zberacritr. 16, NowodzYtiZk. l,ruchtslr. 2, Schulze. 46, C. Polenz. Fürstcnbergerstr. 9, Kauz. 15, Lxivald. Fürstenivalderstr. 7, Heinrich. Gertchlstr. 53, Schöntviese. Gipsstr. 7. O. Hankc. Kilschincrstr. 58, Hewroth. Gleimstr. 9», Jaape. , lt. Gicblcr. , 19. Pribyl. . 32, Rothe. » 43, Grothe. , 48, Abraham. 60. Metlch. Goltzstr. 31, Goldacker. Gollnowstr. 9, Ost. Hanke. Gormaiinstr. 25/26, Minuth. Glogauerftr. 2. Aohan. , 17, Jautke. , 26, Schwarzer. „ 28, Bäckerei« Genossen- schast Berlin. Görlitzcrstr. 68, Most. 55. Fischer. Gr.-Görschenstr. 43, O. Hanke. Gräscstr. 35, Bäckerei« Genosseiischast Berlin. Gräjcslr. 4. Rchseld. 10, Schnittger. Graudenzxrstr. 5, Ntckisch. Graunstr. 5, Schenk. , 22, Dohrmann. , 32, Süstmaun.. 37, Müller. Gretsenhagenerstr. 15. Riklasch. Grcisswaldcrstr. 12, O. Hanl«. Grimmstr. 1. Wals. . 29, O. Hanke. Grünauerstr. 12, Bug. Grüner Wog 63, Osk. Hanke. , 124, Guniar. Grünbergerstr. 10, C. Hanke. Grünthalerstr. 10, Jambor. 56. Bebel. Gubcnerstr. 44, Lucht. , 57, Dems. Hagmaucrstr. 1, Hankc. 13, Wurst. HauSburgltr. 5, Mehl. Heidenfeldstr. 21, Schön. , 19, O. Hanke. HelnerSdorferftr. 12, Lainla. Henniaddorserstr. 1, Hermann. 13. Paulisa. . 37, Schütze. HermSdorserstr. 3, Wobei. Hochstrahe,. Neue, 13. Berliner Ge- nossenschasts-Bäckerci. Hochslr. 31, Maue. Hochlneisterstr. 1, Hanke. . 20, Friedrich. Hohcnloheftr. IS, Bäckerei> Genossen- schast Berlin. Holzinarttstr. 55, Aronhcim. Huselaudstr. 36, Obcrrcicher. . 40, Kiltlaus. tübnerstr. 6. Bauer. ussiteustr. 15, Polscher. , 20, Em. Wolf. , 30, F. Hanke. 46, Kiejsting. Jmmainielkirchstr. 82, Kleiner. Jnfterburgerstr. 2, O. Hauke. , 5, Syrow. . 12, Hennig. Jnvalldeiistr. 33, Bobel. 157, Goldader. JablonSkistr. 1, Bode. „ 39, Hcllwig. Jagowstr. 10, Eichstädt. Jahnstr. 21, Köhler. JaSmunderstr. 13, Böttcher. Kaiserstr. 46, Kalbow. Kmckstr. 26. O. Hanke. Kaftanien-Alle« 13/14. Pape. ,. 19, Goldader. ,, 40, Klcpka. ., 57, Küuscher. . 83. F. Hanke. Kleine klndreaSstr. 7, Hierse. Kleine Franksurterstr. 14, Mittelstädl. Kleine Markus str. 1. Bicbasidj. Kochhann ftr. 28, KriemS. Kolbergcrftr. 1, Hauke. Koloniestr. 30, Döring. . 84, Muche. 71, Schopsch. Koppenflr. 12, Babel. 25, SiraNneyer. Kopenhagencrstr. 28, Vechtel. Kopernikutslr. 3, Teupel u. Biehoser. , 9, Belluitz. . 25, Thulle. , Z3, Btnnenlcrg. , 36, Räber. , 59, Kurth. . 65, Weit Köpenickerstr. 165, Purichle. 172, Cicsltt. KöSUncrstr. 1, Kästner. • 3, Gwiazdowöki. Korsörcrstr. 2, Surcl. -* 8, Rothe. _. 17, Hübncr. Koltbuscr Damnr 20. Protzcr. Reue.Köntgstr. 60, Goldader. Kraittstr. 4/5. O. Hanle. 22. Arndt. n 41. Arndt. Krcinmciicrstr 15, Marlock. Krentztgerstr. 1, Lange. Kuglcrstr. 8, Schumann. Landsberger Allee 43. Krellm-NM. m 51, Jäckel. Landwchchr. 12, ZIeglcr. Langestr. 13, Goldacker. » 25, Hildcbrandt. . 36, Guniar. Lausitzervlatz 12, KonattowZli. Lausitzcrslr. 9, Kauf. 16. Schölisch. Lichtcubergcrstr. 6, Winter. 21. Feist. Linienstr. 1, O. Hanke. , 26, O. Hanke. Libaucrftr. 22. C. Hanle. Lieblgstr. 8, P. Hanle. . 31, Bauer. . 38, I. Hauke. Licbcnwalderstr. 1, Voley. . 10, Biedermann, . 31. Jäckel. Liegnitzcrstr. 5, Albrecht. 28, MielH. Llppehnerftr. 8, Zibcll. Litthauersir. 14, Schneider. . 24, C. Hauke. Lortzingstr. 6, Röscner. . 17, DahmZ. Loihringcrsir. 34/35, Mollwcide. Lömestr. 8, P. Hanke. . 18, Block. Lübcckcrstr. 20, O. Hauke. 47, Schmidt. Lllbdcnerstr. 10, Hacker. 17. Gaul. . 24, Pscui'.igZdors. . 29, Gierz. Lychenerstr. 4, Schwede. „ 110, Köhler. Malplaqnetstr. 6. Schulze. „ 12, Bchrcnd. . 16, Geusior. Mantcuffcistr. 61, Beckmann. . 87. Jurke. , 90, O. Hanke. „ 99, Brauer. „ 103, Bicdckiud. Mariamienstr. 12, O. Hanke. . 32, Prack. Marienbnrgerstr. 38. Hanke. Markgraseustr. 99, O. Hanke. MarkuSstr. 11, Schuecberaer. , 33, Tisch er. Maxstr. 17, LaaZ. Memclerstr. 7, Knorcke. , 12, Druischmann. » 47, Sier. .» 77, StachowSkt. 84, C. Hauke. Metzerstr. 2, Sachwitz. Millenwaldersir. 30, Dohna!. 44, Schröder. Mirvachstr. 14, VolkSbrot. Wulackjtr. 10, Schranun. MuZkaucrslr. 13, Lattcnnann. . 1b, Dürer. 23, Heiuzclmann. Müllerstr. 28. Lüddicke. , 32a, Beber. „ 166-», Hauke. Mühlenstr. 32, Stählt. „ 46a, Frauke, Münchcbcrgerstr. 15, Leu«. Namiynstr. 1, Lippcrt. 7. Ficlitz. , 40, Barduhn. „ 64, Heilmann. . 73, etojaczyt. Nazarethkirchstr. 39, Zibcll. „ 45, ochulz. Ncanderstr. 23, Nun Hut. , 27, O. Hauke. Neue Hochstr. 31, Bcnthiir. , 45, Jacob. Nosttzstr. S, Bockisch. Oudeuarberstr. 36. Sanier. . 44. Liebner. Ohmstr. 9, Nowosadke. Oderbergerslr. 21, Wagner. 38. Busch. 49, Böhme. Oranicnstr. 186, O. Hanke. Oppelncrstr. 4, Schenk. , 20, GvlcmbieivSki. » 24, Müller. 35. Wols. Palisadenslr. 2, Hauke. , 20, Kynast. 58. Barth. 91, O. Hanke. Pankslr. 21, Kable. , 25, Günther. „ 53b, Dunkel. Pappel-Allee 7. Riedel. , 14, Hässclbarlh. , 18, Gofm. , 21, Schiller. . 24, Caselcr. . 85, Trcsjler. Pasewalkerstr. 3, Beuthin. Perlebergerstr. 54, Bcrl. Gen.-Bäckcrci. PctcrSburgcrstr. 58, Dorhaucr. Piiitschstr. 4, Grützmacher. Planuscr 33, Berliner Gen.-Bäckcrei. » 92 o, Blume. Plautagenstr. 7, Welte. Prenzlauer Allee 24. Goldader. „ ,, 42, Metier. . 81, Säulch. ,, 86, Sta.ro'er. 203, Hermann. Prenzlauerslr. IIa, Goldader. Piinzenstr. 12. O. Hanken Prluicssiuncnsir. 31, Miche. Privzen-Allce 53, Lost. 61. WchlS. ProSlnucrstr. 31, F. Hanke. Pulbuserstr. 11, Jaape. 14. Goltschalk. , 21, P. Hauke. , 24, Kuuot. 46, Bloch. Ramlcrstr. 24, John.. , 31, Dahlenburg. „ 34, Dchmclt. 36, Hachn. Rattborstr. 2, Bäckerei-Genosseiischalt veritu. Ratiborsir. 6, Dicifchmann.- M 17, Rüder. Rcichenbcrgerstr. 62, O. Hanke. . 88, O. Hauke. » 95», TIchcntke. „ 101, Wagner. 145/145, Klautsch. RhciuSbcrgcrstr. 13, Scholz. , 26, Lorenz. Relnickeiidorserstr. 1, Benthiu. , 36, Hanle. , 112, Goldader. „ 120, Berliner Gen.- Bäckcrci. Nigaerslr. 4, Hauke. . 100, Spörleln. Rilterstr. 114, Ernst. Rominienerslr. 4t, Brämcr. » 44, Küster. , 57, GorgaZ. Nobstr. lt. Bobel. Nostockcrstr. 81, Wagner. 36, vtbrich. Rostockcrstr. 40, Tschöke. , 48, Krüger. 61, Hering. Ruppinerstr. 8, Baake. 12, O. Hanke. RüderSborserstr. 20,(Mldenerr , 52. Haupt. Rügeuerstr. 16, Höhne. „ 22, Jambör. Samariterstr. 2, Fischer. , 11, P. Hanke. „ 28, Stlcurc. Samoastr. 22. Stege. Tchcnkcndorsstr. 4, Freude. Schilliugftr. 19, Osk. Hauke. Schivelh-iuerstr. 4, Hildcbrandt. 16, Baur. - 18, Wolff. Schliciuniinstr. 30, F. Hauke. 32. Japp. Schönhauscrstr., Sitte 33, Goldacker. S ch ön hansirstr.,?IIte,39/40,G. Sch irarz Schönhaujer Allee. 5, Goldader. », 70 s, Goldader. ».» 150. Blume. ..188, O. Hauke. Schönholzcrstr. 5. Mittelbach. Schöiilciiiftr. 4, Müller. Schrcincrstr. 67, Siepad. Schulstr. 25, Hanke. „ 28, Schamberger. , 37, Schmidt. Schwcdtcrstr. 32,. Hanke. „ 43, Löchcl. „ 52, Hübner. „ 230, Stumm. 210, Schmidt. Seelowerstr. 15, Baur. Sickmgeiistr. 70, Winter. SlemenSstr. 17, Mügge. Simconstr. 14, Lück. Skalitzerflr. 63/64, Dchmcl. „ 120, Gcrlnch. Sonnenburgcrstr. 13, Gräsling. Soldinerstr. 32, Noseman». 69, Schneider. Sorauerstr. 1, König. , 8. Krctschmar. Sparwslr. 19, Gonstor. Sprcngclstr. 4/5, Wagenknecht. Stralaucrplad 13, Hnida. Stallschreiberstc. 32, Hanke. . Kyo, Dürer. Stargardcrstr. 78, Bark u. Walter. Stcndalerstr. 4/5, Corts. Stcttinerstr. 17, SUciiint 38, Hubert. 56, Bariickow. Stolpischestr. 4, Badtle. 32, Papte. 51, Skibb. Strallunderstr. 8. Bcljig. Slrajiburgerstr. 35, Heitmann. Sirausibergerstr. 33, Schiele. Stratzinnimstr. 24, Zander. „ 2, Hankc. Strelitzerstr. 15, r. GrabowSkt. „ 64, Brauner. Stromstr. 33, Zastrow. Swineuiündcrstr. 54, Paulitschcck. „ KS, Becker. . 80, Polst. .. 82, Manuel. « 53, Schubert. » 100, Kunze. 119, Anhäuser. Tegrlcrstr. 11, Lcnzncr. 23, Dahlke. 32, Stritzl«. Ticcksttaste 16, Fürst. Tilsiterstr. 26, Gestner. 91, P..Hanle. Torsslr. 14. Lenz. 17, ZicSmer. Torsftr. 13, Schachncr. TrcSckowstr. 57, Moerschner. Triststr. 29, Sprigadi. Türkenstr. 22, Tzschetzsch. Turinerstr. 30. Ristmann. Turmslr. 51, Goiducker. 67, O. Hanke. Urb an str. 1, Nenbarth. „ 25. Brotfabrik Viktoria. . 52. O. Hanle. 104, Kruschke. Usedor—r. 4, Stollbcrg. Utrechtepstr. 8, Kerstcn. Vctcraneiistr. 16. v. Hanke. Voltastr.-12, Eckel. Waldslr. 4, Scns. . 17, Hankc. . 25. Jgllsch. » 36, Bureck. m 42, Bauer. �. 46, Pohl. Waldcmarstr. 76, ClauZ. Waischaucrstr. 8, Wolf U. Hcinze. » 10, JarzembowSki. . 64. Lüddeinaiin. Dastmaimstr. 20, Bcicr. „ 24. Guniar. Wallstr. 1, Hanle. , 21, Hoffrichter. Wcbcrslr. 25, Hanke. . 36, Goldacker. Weddingslr. 7, Brendel. Weichsclstr. 34. Schul,. Wcidculvcg 25, Brosin. „ 34, O. Hanke. 37, Ehncrt. WeinbergSweg 0, Ludwig. Wciustr.. 7, Karras. 27, Legier. Weistenburgerstr. 2t, Jahn. „ 55, Robitinz. Wlchcristr. 5, Kicrzkowski. Wiclesstr. 21, Staub. „ 55/56, Maischte. , 66, Spickermaim. Wienerstr. 36. Dletschmann. 49, Witschel. . 5öa, Laugwitz. Wicsenstr. 19a, Dreier. „ 31, Holland. , 64, Schnrdien. Wilhclinshavenerstr. 13, Hess«. , 23, Gödecke. 32, Winde. Wilhelm Stolzestr. 15, Schmidt. , 21, Schachschall. » � 32, Maschle. . 35, Bach mann. WIlldenowstr. 29, Brcier. WilSnackerstr. 15. Goldacker. WiuSstr. 6, Müller. . 71, Schwabe. Winterseld-Piatz, Goldader. WiSbyerslr. 3, Schulze. Wittstockstr. 7, Gicsmaim. Woldcnbergerstr. 7, CittlanS. Wollincrstr. 23, Dahle». „ 31, Fuhrmann. 31. Bordaich. , 44, Schirrmacher. 58, George. Wrangclstr. 77, Gcntzmann. Zchdeiilckerstr. 13, Gründman». . 91, O. Hanke. Zellcstr. 11, Kurzweg.■ ZionSkirchPlatz 1, Mollweide. ZionSlirchstr. 2, Ziegen. , 13, Dobel. 54, Zivierschke. Zorndorserstr. 2, P. Hauke. „ 55, Züchter. Zwiiiglistr. 15b, Ulböch. AdlerShof. BiSmarckstr. 12. Thoma. . 14b, Schulz. , 17v, Wartcnbcrg. , 21, Rämifch. . 48, Laierich. Hackenbergstr. 2, Zable. Ändickeftr. 37, Noack. Sedaiislr. 25, Peter/ Lllt-Gllenicke. Rudowerstr. 57. Lange. Grünauerstr. 29, Seher. Baumschulcnweg. Baumschulenstr. 70. Stenzcl. Crnsijlr. 9, Hofsmüllcr. Kicsbolzstr. 254, Leupold. Scheiblcrslr.' 29, Schulze. Bohnsdorf. G. Solle. W. Gebhardt. Borstgwalde. Ernslstr. 6, Etzrodt. . 25, Taf-ISky. Ncuschstr, 52, Neubauer. Boxhageu-RninmelSburg. Doxhagciicr Chaussee 5/6. R/Ürz. Gabriel Maxftr. 1, Luzemann. » 2, Kliukmüller. 12. HaSpcl. Grünbergerstr. 12, Schulz. . 18, Löiva. Hauptstr. 82. Herrcks. Kanlstr. 1, Dlnczewski. » 13, Spöttlich. . 18, Mägdcsrau. Lenbachstr. 7a. Pflugrad. N»ue Bahnhossir. 9, Fritsche. 23, Peter. 34. Schulz. Neue Prinz Mbrechistr. 3, Böhme. „ 30, Matchmann Simon Dachstr. 12, C. Hanle. 23, Nadtkc. Türrschmidtstr. 31, Pseunig. „ 40, Kallweit. Wühlischstr. 32, Jandcr. Brist., Ehausscestr. 17, Dally u. Hagemcistcr. 47. Friese. RungiuSstr. 3, Lldamek. Rlt-Boxhagru. Nr. 10, W. Krüger. Nr. 35, Peter. Charlotteubnrg. Eaucrstr. 19, Uibrtch. Cauerftr. 27, Gciiosscnschast.Pro- duktion'. Christsta. 18, Genosienschast„Pro. duktion". Danckclmannstr. 46. Lebmann. 55. Ulbrich. Fricdbcrgstr. 39, Utürich. Grolmanslr. 14, Ii/brich. Grstnstr. 27, Bachinann. Helmholtzstr. 19, Ulbrich. Kaiser Fricdrichstr. 43. UlVrich. Kaiialstr. 7, Leistncr. . 15, Heine. Kantftr. 103. Ulbrich. KnobclSdorscrstr. 43, Ulbrich. Krummeftr. 57. Niclsche. Lewnizstr. 65. Ulbrich. Nchrlugslr. 21, Ratzky. Peslalozzistr. 42, Lcistuer. 12.«kalter. PolSdamerstr. 11, BachniaiM. Schlütcrslr. 17, Kraule. 42. Ulbrich. Sophie Eharlotienslr. 80, Proell. . 87, Ulbrich. Spandr.lurstr. 30, Ulbrich. Sprccstr. II, Pelka. Tauroggcnerstr. 10, Genossenschaft „Produltion'. Tauroggcnerstr. 45, Uibrtch. Wallstr. 85. Illbrlch. Welmarerstr. 29, Slonsumberel». WilmerSdorserstr. 27, Konsumverel» , 41, Ulbrich. 163. Ulbrich. i Falkcuhagen. Witwe Bock. Friedrichsberg. Blumenthalstr. 38, Peschle. Kronprinzciistraste, Hamich. ZlunimelSburgerstr. 22, Opitz. 38, Werner. Friedrichsfelde. Vcrlinerstr. 68, Seilet. , 102, Wölsert. Friedenau. Lauterstr. 35, Klein. Franz. Bnchholj. Paukowerstr. 28, Ulrich. Mühlenstr. 1, Preuh. Gross-Ziethen. A. Werner. Hennigsdorf Karl Wolter. Friedrich Wolter. Wilhelm Wolter. Hermann Wolter, Albert Lücke. Wilhelm Seiler. Bohrend. Graffcnbcrger. Mahnkopj. HcrmSdorf. Bcrstncrstr. 16», Schaudin. Ha»P tsir. 34, Herrmauu. Steplunslr. 36, Maute. Hriligcnsee. W. Kühne. Lahrmann. Hohen-Schönhause». Maihoser. KarkShorst. Doroiheeuslr. 27, Eichhorn. Köpenick. Borgmannstr. 6, Bergmann. Glienickcrstr. 2, Peter. Grünauerstr. 27, Krämer. Kaiser Wilhclmstr. 100, Leischke. 10t, Peter. Müggclheimerstr. 41, Peter. Rosciistr. 2, Pcter. Rudowerstr. 25, Hein. Echöneiiiilderstr."12, Kudell. Marwist. Kemnitz. Finlc. Lichtenberg. Dorfstr. 82, Mägdesrau. Siielstr. 30. Littwin?. Franksürter SIllee 3, Bantsch. HubcrtuSstr. 53, C. Hanl«. Ire» str.. 17, Ncuendors. Jungstr. 14, Schräder. Kronprinzcustr. 1, E. Hanke. Margarethenstr. 80, Schacher.. Odcrstr. 25, Golsch. Psarrstr. 36, Hehler. Schaniweberstr. 10, Peter. 24. C. Hanle. 3t, Köple. Wcichselslr. 32, Baiitsch. Wllhelmstr. 57. Jessc. , 69, Griebe. Neu-Lichtenberg. Fricdrichstr. 7, Mattner. Maricndorf. Chanssccstr. IIa. Nowad. , 12, Wcndt. » 15, Papier. » 67, Spiclhagcn. Nieder- Tchöuhanse». Dcnihstr. 11, Krügcrke. 19, Scgrr. Dlantenvurgerstr. 18, Höhne. Bnchholzcrftr. 8, C. Richter. Platanenslr. 28, Hardtkc. Waldslr. 21, Luy. Vber-Schönewetde» Edisonstr. 9, Pcter. Krischen str. 2. Pcter. Ohmstr. 7, Timm. Raibenaustr. 31, Pcter. Tabbertstr. 2, Pcter. . 35, Scidelmann. Pankow. Brebmcstr. 52, F. Hanke. Binzstr., F. Heyden. Florastr. 41, Schneider. Mühlenstr. 32, Müller. Wollanlstr. 68, F. Hunke. Plöstensce. Eharlottcnstr. 12, Thiele. Reinickendorf. Berstncrstr. 104, Rast. 134. Gottschalk. Btrkcnftr. 59, Gronau. Grüner Weg 51/52, Max Modrow. Marlstr. 12/13, Vollmer. Provinz str. 51, Langer. , 80, Schwarz. , 129, Schneider. Resideiizstt. 61. Witte. 105. Gleich. 118, Brase. Wilkestr. 62, Neue Bciiiner Genosse» schajlS-Bäckeret. Rixdorf. Merstr. 3, Persels. . 46,«ebbt. Lergstr. 12, Sanis. . 84, Schensch. Berlinerstr. 16/17, S, # 20, Volgtlänber. . 86, O. Hanke. Bodeftr. 16, Beyer. 31, Topf. Ewestr. 1/2, O. Hanke. . 6, Kirstäbier. , 16/16, Lnnkwitz. Emserftr. 78, König. Erlangerstr. 8, ffletfelcber. Falkstr. 1, Bäckerei-Genoffenschaft .Berlin". Falkstr. 25/26, Perseke. Mcbclstr. 3, Marmnl. Glasowstr. 32, Kunz. Heibclbergerstr 76, O. Hanke. Herbastraye, Hiliner. Hermannstr. IS, Bückmi-Genoffen- schast.Nixbors". Sermannstr. 28. Mertens. ermannstr. ISSa, Sageit. , 54, Hlibcbranv. » 118, Bartsch. , 170, Thaler. , 175, Koezanecki. , 231, Karl. Herrfurthstr. 26, Brüx. , 34, D. Hanfe. , 7, Bäckerei• Genossen- schast.Rixbors'. Serrsurthplatz 10, Schnur. pobrechtstr. 71, Zrocke. Hohenzollernplay 6, O. Hanke. 11, Balzer. Jnnstr. 30, Krause. Jsarstr. 7, Zech. . 11, Bäckerei-Gen.„Berlin". Iägerstr. 63, Jonscher. Jansaslr. 7, Brien. Neue JonaSstr. 33, Puls. KarlSgartenstr. 19, Bonnoch. Kaiser Friedrich str. 25, Bartsch. , 34, Schmidt. . 245, O. Hanke. KneseBeckstr. 33, Gallert. 38, Molk. » 41, Beizig. , 68, Richter. , 146, DyBowSki. Kopsstr, 38, Bäckerei-Genossenschasi .Nixdors". Kopsstr. 45. Hoppe. KottBuser Damm 103, O. Hanke. KöllnischeS Ufer 72, Müller. Lessingstr. 34, Perseke. Mahlowcrsir. 6, Bartsch. Mainzerstr. 15/16, Grunert. , 56, DöBIer. Münchenerstr. 13, Möller. , 25/26, Bäckerei-Genosien- schast.Nixdors". Münchenerstr. 44, Weigelt. Nansenstr. 33, Sekul. Nicmetzstr. 10. Wach. Nogatstr. 32, Grlebat. Pannierslr. 4, Riemer. » 13, Frischkemuth. , 20. Junker. , 27, Niaschler. , 34, Spura. , 57. D. Hanke. Pflüger str. 70/71, ßmicncr. Prinz Handjerhstr. 58, Bartsch. 70. Schmidt. Reuterstr, 33, Splettstöger. 76, BoBel. . 94. Lebmann. Nichardstr. 23, Ehrentraut. 63, Lüdicke. Selchowersir. 9, Bäckerei-Genossen- schast.Nixdors". Selchowersir. 23/24, Grünhagen. Siegsriedstr. 48, Pinkel. Sleimnetzstr. 34, O. Hanke. , 39, SenstleBe». . 46, Perseke Steinmetzstr. 121, Löwigt. , 129, Bäckerei-Genossenschaft.Berlin". ThomaSftr. 37, Nehrig. Thüringerstr. 7, Bartsch. . 18, Klein. Warthestr. 9, Ciesior. 15, Janentzki. Weichselstr. 13, Hagemann. , 31, Schwarz. , 55. Frischgemuth. . 60, Gassenhbem. Weisestr. 2, Bäckerei• Genossenschast .Nixdors". Weisestr. 24, Bäckerei-Kenossenschaft .Berlin". Weisestr. 28, Winde. 73/74, Vols. Weserstr. 47, BieS. , 163, Bielitz. Wielandstr. 27, Reich. Wibmannflr. 7, Trosser. , 29, Krüger. Zietenstr. 20, Bäckerei-Genossenschasi „Rixbors". Zietenstr. 41, Beyer. Rudow. Köpenickerstr. 84, Weigt. RummclSBurg. Neue Bahnhosstr. 27, Hanisch. Türrschmibtstr. 38. Peter. Tchöneberg. BarBarossastr. 67, Wetzel. Belzigerstr. 61. Kernchen. Eberostr. 42, Zeitz. Eisenacherstr. 63. Machler. Erdmaimstr. 5, KnlinSki. Frankenslr. 2, E. Hanke. Gustav Müllerstr. 35, Schmidt ». 48, Beck. Kyffhäuserstr. 2. Paul. Nollendorsslr. 40, Hanke. Sedanstr. 13, Struck. E. Schulze. Selchow. Spandau. ZlchenBachstr. 6, Bühl. Steglich. Birkbuschslr. 84, Giesemann. Gulschow. Stolpe. Ziegel. Bnmowstr. 41. Rolhert. EgellSstr. 99, Mayer. Schlieperstr. 59, Schwanz. 67, König. Schloßstr. 27, Petersohn. Schuljtr. 1, Eiimitz. Treptow. Beermannsir. 6, Fieck. Elsensir. 38, GeSke. Kiesholzstr. 33/34, Weis«. Stralau. M-Stralau 49, Härtung. Weichensec. Berllnerstr. 87, Haoenburg. CharlottenBurgerjlr. 76, Hoffmann. 78. R. Wick. , 79, Schadwiulel. , 98. Emll Engel. FalkenBergcxsir. 148, Frosch. Feldtmannstr. 164, Krien. Friedrichstr. 1, Noty. Friesickestr. 23, Thiele. Generalstr. 12, Müller. Gäblerstr. 60, Wilh. Engel. Heinersbors erweg 24, Robert EngÄ , 45, Hoffmann. „ 48, LiSkowsli. „ 56, Bay. König-Chaussee 72, Hoffmanu. Langhans str. 75, Nauber. Lehberstr. 1, Hoffmann. 119, Klink. Lothringenstr. 35, Hoffmann. Pistoriusstr. 8, Rassau. Rölckestr. 127, Hostmann. Wilhelntstr. 23, Drews. . 39, Schwarz, SBaltersdorf. H. Sparr. Wilhelmsruh. Edelweitzstr. 11, Lüde. Wilmersdorf. Branbenburgischestr. S/10, Tannert. Sigmaringenllr. 8, Frost. Wittenau. Tristsir. 74, O. Richter. Zchleudorf. Berlinerstr. 6a, Haesner. Der Brotfabrikant Heinrich Wittler, Mnllcrstr. 33/34, hat die Unterschrift der Bewilligung, die sein Bruder gegeben hatte, zurückgezogen, dann hat er ebenfalls versucht. einzelne ältere Kollegen als Ttrcikbrechcr zu kaufen,»m alle übrigen, teils lange Jahre bei ihm tätige Familienväter aufs Stra�cnpflaster zu werfen, was natürlich ebenfalls mißlang. Die hierauf angebahnten friedlichen Berhandlnngen, an denen außer den Arbeitern noch Werner vom Transportarbeiter-Berband und Hetzschold vom Bäcker-Berband teilnahmen, scheiterten, weil der reichgewordene Wittler kurz und schroff den Arbeitern mit folgenden Worten die Türe wies:„Wems nicht pafft, der geht»nd mit den Verbänden überhaupt will ich in Zukunft nichts mehr zu tun haben!" Wittler ist mit Obermeister Schmidt und Liebing-Reinickeudorf in der Leitung der Großbetriebsvereinigung, daher die Scharfmachcrstellung.— Die Verbandsmitglieder haben darauf einmütig die Arbeit niedergelegt. Die Blottnersche Groffbäckerei hat ihre Bewilligung in der hinterhältigsten Weise durchbrochen, sogar die Arbeiter noch verhöhnt. Die Verbandsmitglieder. denen die Firma sogar einen Judaslohn von 20 Mark für Streikbruch anzubieten wagte, haben hierauf einmütig die Arbeit niedergelegt, worauf Herr Blottner versuchte, Arbeitswillige durch die Innungen und seinen Freund, den bekannten Kommissionär Knuth, Krautstr. SS, der den Gesellen 3—10 Mark und mehr für jede elende Arbeit abnimmt, einzustellen. Durch den Hefe«Terrorismus der Bäcker-Jnnungen waren, nur um am Sonnabendabend Hefe zu erlangen, 25 Bäckermeister gezwungen worden, im Jnnungshause- Chausseestr. 110, die Zurückziehung der Bewilligung der Gesellenfordeningen zu unterschreiben. Der größte Teil davon hat aber sofort in derselben Nacht oder am anderen Tage der Streikleitung erklärt, daß die Unterschrift bei der Innung nur eine unter den Umständen erzwungene und daher ungültige sei. Nach Recherche durch die Streikleitung haben folgende Bäckerei-Jnhaber erklärt, daß sie die Bewilligung zurückziehen: Svns! Sarih, Drontheimerstr. 13. Otto ftiövhe, Nostizstr. 49. Schön* Mühlenstr. 51. 7. Sahne, Stralauer Allee 23. U. 8dcr, Anklamerstr. 57. 3. Qößweln* Allensteinerstr. 9. 7erd. Susiaf, Rixdorf, Fallstr. 21. 7. Loren?, Rixdorf, Steinmetzstr. 131. Wir bitten das verehrliche Publikum, diese Namen in dem am Sonntag erschienenen Flugblatt zu streichen. Achtung, Kirchhofsbcsuchcr von Nordend k Den Nirchhofsbesuchern von Nordend teilen wir mit, daß die Bäckerei and Caft von Asmus, Nordend, gesperrt ist. AsmuS weigert sich hartnäckig, die Forderungen des Verbandes zu bewilligen. Ferner bitten wir zu beachten, daß die Inhaber der Cafts Holland, Beuthstr. 19; Schild, Blumenstraße: Ritter, Roßstr. 2, Brot und Backwaren aus unbewilligten Bäckereien beziehen. Meier» DreSdenerftr. 123, bezieht schon seit 2. Juni aus bewilligten Bäckereien und bitten dies zu berücksichtigen. Dem Milchhändler Miinchhagcn» Pappel-Allce 58, ist daS Plakat von uns entzogen. Die Milchgeschäfte von Förster, Zwinglistt. 14, und Häntschel» Lichtenberg, Gürtel- straße 7, haben Plakate, beziehen aber aus unbewilligten Bäckereien; unseren Kontrolleuren wurde die Tür gewiesen, als sie die Plakate abholen wollten. Die Bäckermeister suchen in vielen Fällen daS kaufende Publikum über unsere Forderungen zu täuschen. So hat im Norden ein Meister wehmütig zu einer Arbsiterfrau t, wir wollten, daß vom Sonnabend zu Sonntag nicht gearbeitet würde, also der Betrieb ruhen müsse. DaS ist Schwindel. Richtig ist. daß wir den Ruhetag nicht a» einem bestimmten Tage fordern, sondern abwechselnd für die Gesellen an beliebigen Tagen, wie es der Betrieb verträgt. Mitbürger! Arbeiter! Hnnsfranen! Unterstützt die um Lrhampfung ihrer Mensehenrechic streikenden Bäckergesellen. erklärt, Die verehrliche Bevölkemng von Berlin und Umgegend fordern wir hierdurch auf, falls kie aus bewilligten Bäckereien Ware haben wollen, in denjenigen Stadtvierteln oder Sttaffeuzügen, wo*• keine bewilligt habende Bäckereten vorhanden find, an untenstehende Kundensammelstellen ihre Adresse gelangen zu lassen nnd zugleich mitzuteilen, tvie nie! Backware und Brot sie täglich brauchen und NM Metlhö �tlt die Ware geliefert werden soll. Die Streikleitung wird dafür sorgen, daß den sich Meldenden auf dem schleunigsten Wege die Ware inS Haus geliefert wird. Auf Wunsch der dortigen Bevölkerung haben wir vorläufig folgende Kundensammelstellen eingerichtet: c. Hoehnow, Parochialstr. 36. Arnold, Spittelmarkt 3. G. Wallberg, Kaiser Wilhelmstr. 18a. W. R. Roy, Kirchbachstr. 16. Schmidt, Schwerinstr. IL, Hof IV. F. Lehmann, GroßgSrschcnstr. 27. sw. Günsel, Alte Jakobstr. 172, Hof l. L <£. Metmer, Feilnerstr. 15. Hermann Michaelis, Lankwitzstr. 5, Stfl. HL Lene, Wilhelmstr. 3, Ouergebäude I. Krumbel, Zimmerstr. 11. K. Werner, Eylauerstraße 2. C. Müller, Nostizstr. 56, IV. NW. Gaedke, Calvinstr. 6, linker Seitenflügel 1 Tr. Peterman», Birkcnstr. 23, Ecke Stephanstraße. Eduard Rothe, FlenSburgcrstr. 24« 8. H. Zicph, Camphausenstr. 5. Walter Sicber, Lippehnerstr. 24. 0. Hermann Barentin, Tilsiterstr. 81. 1�. Otto Schellenbcrg, Weißciiburgerstr. 57 (erBletei fich, Ben Kunben BoykoIsseeieS Brot in N, O. und 0. ins Haus zu Bringen). P. Schwculmer, Guincastraße, Ecke Sccstraße. Paul Dietrich, Friedenau, Lanterstr. 22 IL Ender» FricdrichSbcrg, Kronprinzenstr. 17, Seitenflügel I. Hartman», Boxhagen-Nummelsbnrg, Holteistr. 11. Ferdinand Krause, Hohcn-Schönhansen, Berlinerstr. 66. Pichl, Lichtenberg, Pfarrstr. 74. Knapp, Ober-Schöneweide, Edisonstr. 44. Emil Witte, Pankow, Florastr. 45. Gronau» Reinickendorf-West, Waldstr. 65. Otto Wedermann, Steglitz, Fichtestr. 71, v. L Winkelmann, Steglitz, Schloßstr. 104, Hof H. Gülzow, Steglitz, Niederlage, Forstcrstr. 23, Heidschmidt, Steglitz, Niederlage, Markstcinstr. 1. Klein, Steglitz, Niederlage, Herthastraße. P. Barth, Tempelhof, Bornssiastr. 8s. August Jhrke, Weiffeusee, Straßburgstr. 27. Micklitz, Wilmersdorf, Berlinerstr. 37. Ferner die Verkaufsstellen des Berliner Consum-DereinS: Michaelkirchplatz 4; Krautstr. 7; Zorndorferstr. 61; Liebigstr. 7; Kopcrnikusftt. 3?; Nostockerstr. 35; Havelbergerstr. 6; Emdenerstr. 56; Erasmusstr. 5; Rummelsburg, Türrschmidtstt. 6; Lichtenberg-Fricdrichs- berg, Frankfurter Chaussee 163; Kronprinzenstr. 1; Stralaucr Allee iJOa. Thicsfen, Lichtenberg, Hageustr. 56. Wo daS Bedürfnis vorhanden, werden wir auf Wunsch weitere Sammelstellen einrichten. Bäckermeister, die gewillt sind, auch für weitere Tonren Lieferungen zu übernehmen, bitten wir, ihre Adresse im Streikbureau niederzulegen. Falls bei der Lieferung im Anfang nicht alles nach Wunsch gehen sollte, bitten wir die verchrliche Bevölkerung um Nachsicht, aber bei der Hartnäckigkeit unserer Gegner um energische Ausdauer. Die Streikleitung;. _____________ Zentral-Streikbureau: Sophien-Säle. Sophienstr. 17/13.— Telepfjoimif: Amt 111 Nr. 1243. Ker antwortlicher Rebakteur: Han» Weber. Berlin. Für de»«nieratenteil verantw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag. Borwäri» O»ckdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer Lc To.. Berlin SV. Nr. 1BB. 24. Iahrgüng. 3. KeilM Ks Jinmrts" Kerlim Solliolilatl. Jitllstag, 11. Im! 1907. Hm ffllttwocl) findet für Berlin und Vororte der Zahlabend statt. Cin Irrtum unterer SchuIpMe!. Zu dem bißchen Polizei, das der Stadtgcmeinde Berlin ge- gönnt und zu eigener Verwaltung überlassen worden ist, gehört die Schulpolizei, d. h. die dem Oberbürgermeister übertragene Bc- fugnis, gegen die Eltern der noch schulpflichtigen, ohne genügenden Grund aus der Schule gebliebenen Kinder die Schulüersäum- n i s st r a f c n festzusetzen und einzuziehen. Dieser Zustand besteht seit April 1901; vorher hatte die Schuldeputation der Stadt nur die Befugnis gehabt, die Kontrolle des Schulbesuches auszuführen und gegebenenfalls beim Polizeipräsidium die erforderlichen Straf- antrage gegen die Eltern zu stellen. Die Schulbesuchskontrolle wird seit mehr als einem halben Jahrhundert ausgeführt durch die Schulkommissicnen, die über das ganze Stadtgebiet verteilt sind und aus Bürgern der betreffenden Bezirke zusammengesetzt werden. Allwöchentlich werden von den Rektoren der Gemeinde- schulen die etwa zu verfolgenden Schulvcrsäumnisse dem Vorsteher der zuständigen Schulkommission mitgeteilt, und von dort aus wird dann durch die einzelnen Kommissionsmitglieder recherchiert, ob die Versäumnisse hinreichend begründet werden können, oder ob Kinder widerrechtlich der Schule ferngeblieben sind bezw. fern- gehalten worden sind. Nebenbei bemerkt: diese Schulbesuchs- kontrolle, die übrigens ähnlich schon vor Schaffung der Schul- kommissionen bestand und damals von den Armenkommissionen mit- besorgt wurde, ist üblich nur gegenüber den Kindern der Gemeinde- schule, der ehemaligen Armcnschule, nicht auch der höheren Lehr- anstalten. Man hat geglaubt, durch Uebertragung der Kontrolle un Kommissionen aus Bürgern der einzelnen Bezirke die Unregel- Mäßigkeit des Schulbesuchs erfolgreich bekämpfen zu können, weil ja die'Kommissionsmitglieder über die Verhältnisse der Bewohner ihres Bezirks sich am ehesten und besten unterrichten können. Diese Hoffnung hat sich im ganzen auch erfüllt. Im einzelnen aber kann man auf dem Gebiet der Schulbesuchskontrolle auch heute noch die merkwürdigsten Dinge erleben, weil es in unserer Zwei- Millionenstadt immer schwerer wird, unter den rasch wechselnden Bewohnern riesiger Mietskasernen sich auszukenncn— und weil es manchen Mitgliedern der Schulkommissionen an der erforderlichen Umsicht und noch an einigem anderen fehlt, was zur Ausfüllung eines solchen Postens nötig ist. Doch in dem Fall, über den wir hier zu berichten haben, handelt es sich nicht um Schulversäumnisse, die ungeahndet geblieben wären, sondern um Ahndung von Schulversäumnissen, die gar nicht stattgefunden hatten. Der Irrtum, der da von der städtischen Schulpolizci bezw. von ihren Hülfsorgancn verschuldet worden ist, wird im Hin- blick auf die sehr verdrießlichen Folgen, zu denen er am letzten Ende geführt hat, nicht mit der bequemen Antwort abgetan werden dürfen:..Ein Versehen kann überall mal vorkommen". Wir haben uns bemüht, durch persönliche Rücksprache mit dem Rektor der in Betracht kommenden Schule, mit dem Vorsteher-Stellvertretcr der zuständigen Kommission, sowie mit den in der Schuldeputation sitzenden Stadträten Hirsekorn und Sclbcrg die Ursache jenes Miß- griffes aufzuklären. Dabei haben wir überall ein bereitwilliges Entgegenkommen gesunden, doch sind wir hierdurch dem Ziel nicht um einen einzigen Schritt näher gerückt. Runmehr wollen»vir der Oeffcntlichkeit das Ergebnis unserer eigenen ErüiiltclllngMHK- legen. Die Anfänge dieser sonderbaren Affäre reichen zurück bis in den Sommer 190ti. In der 2 08. Gemein de schule für Knaben, die auf dem Gesundbrunnen an der Gothenburger Straße liegt und vom Rektor Kahler geleitet wird, hatte damals cin Schüler namens Schmidt wiederholt den Unterricht ohne ge- nügende Entschuldigung versäumt. Der Rektor erstattete die übliche Anzeige, und die Sache mußte nun zunächst durch die zuständige 348. Schulkommission untersucht werden. Der Vater des Knaben wohnte damals in der Prinzenallee. Die Recherche wurde, so scheint es, durch das Kommissionsmitglied Schmicdemeistcr Kuntze (Prinzenallee 7) ausgeführt. W i e sie ausgeführt worden ist, das entzieht sich unserer Kenntnis, da dieser Herr ebenso wie der Kommissionsvorsteher gegenwärtig verreist ist und deshalb von uns nicht befragt werden konnte. Nur das steht fest, daß im Herbst 3906 eine der Strafverfügungen, die für den Vater des säumigen Knaben bestimmt waren, einem anderen Schmidt zugestellt wurde, der in demselben Hause der Pcinzenallce gewohnt hatte. Beide «Schmidt waren inzwischen aus diesem Hause verzogen: der richtige Schmidt, der den Vornamen August trägt und Schlosser ist, war auf dem Gesundbrunnen geblieben; der falsche Schmidt mit dem Vor- uamen Ernst, ein früherer Stcinträgcr und jetziger Bauwächter, der als Arbeiter gemeldet ist, war nach der Putbuser Straße über- gesiedelt. Diesem falschen Schmidt wurde die Strafverfügung nach seiner neuen Wohnung gesandt. Herr Ernst Schmidt kann nns heute, wo jene Dinge bereits um ziemlich drei Vierteljahre zurück- liegen, keine ganz sichere Darstellung des Sachverhaltes mehr geben. Er erzählt, eines Tages sei ihm jene Strafverfügung ins Haus gebracht worden. Aus ihr ersah er, daß sein Sohn„laut Anzeige des Rektors Herrn Kahler ohne genügenden Grund der Schule ferngeblieben" sein solle. Das überraschte ihn nicht wenig; denn sein jüngster Sohn war damals schon 82 Jahre alt und hatte selber bereits schulpflichtige Kinder. Sch. nahm die Verfügung und trug sie— so schildert er eS uns— zum Postamt. Dort erklärte er, sein Sohn sei ja längst nicht mehr schulpflichtig, hier sei ein Irrtum passiert, und er ließ kurzerhand das Schriftstück auf dem Postamt zurück. Dieses Verfahren war verkehrt, gewiß; aber von einem einfachen und vielleicht auch etwas unbeholfenen Manne kann man nicht verlangen, daß er die Mittel kennt, mit denen er die Fehler der Burcaukratie zu korrigieren und von sich selber die etwaigen Folgen abzuwenden hat. Sch. erzählt weiter, nach einiger Zeit sei ihm dasselbe Schriftstück wieder ins Haus gebracht worden und gleichzeitig eine Vorladung zum Termin vor dem Amtsgericht. Nun befindet sich unter den Papieren, die Sch. uns jetzt übergeben hat, zunächst eine Strafverfügung der „Städtischen Polizcivcrwaltung, Abteilung III(Schulpolizei)", datiert„12. Oktober 1906", gezeichnet vom Stadtrat Selbcrg in stäntezer Vertretung des Oberbürgermeisters. Die Adresse lautet: ..Anoden Arbeiter Herrn Ernst Schmidt", und die Wohnung Put- buser Straße ist richtig angegeben. Die Poststempel zeigen, daß der Brief am 30. November 1906 zwischen 1—2 Uhr zur Post gegeben und am 30. November 1906 zwischen 3— 4 Uhr ausgetragen wurde. Unter der Briefmarke befindet sich noch ein Stempel deS „Zentralbureaus" des Magistrats. Nach Entfernung der Marke präsentierte sich uns auf diesem Stempel gleichfalls das Datum „30. November 1906". Sollen wir annehmen, daß eine Verfügung vom 12. Oktober erst am 30. November das Zentralburcau passiert habe? Oder bleibt nur die andere Annahme, daß dieses erst am 30. November abgesandte Schriftstück eine Wiederholung jener ersten Verfügung war, die der falsche Schmidt unter Protest an die Post zur ückgcliefert zu haben behauptet? Das zweite Schriftstück, das uns vorliegt, ist die erwähnte Ladung zum Termin, datiert„27. November 1906", aufgegeben zufälligerweise gleichfalls am 30. November 1906 zwischen 1—2 Uhr, ausgetragen am 30. No- vembcr 1906 zwischen 4— 3 Uhr. Die Adresse lautet diesmal„An den Arbeiter— Schlosser— Herrn Ernst Schmidt", und wieder ist die Wohnung Putbuser Straße richtig angegeben. Woher wußte die Gcrichtsschreiberei des Amtsgerichts Bcrlin-Mitte, daß der angebliche Schlosser Ernst Schmidt richtiger als Arbeiter zu bc- zeichnen sei? In dem Briefe wurde dem Empfänger mitgeteilt. daß er in seiner Strafsache wegen Schulpolizeikontravention auf den 16. Januar 1907 zur Hauptverhandlung geladen werde, nach- dem er gegen die Strafvcrfügung vom 6. September 1906 auf gerichtliche Entscheidung angetragen habe, und daß als Zeuge der Rektor Kühler geladen worden sei. Sch. versichert, er selber habe gegen die Verfügung vom 12. Oktober nicht gerichtliche Entscheidung beantragt, und eine Verfügung vom 6. September sei ihm niemals zugegangen. War diese frühere Verfügung in die Hände des richtigen Sch. gelangt, und hatte der die gerichtliche Entscheidung beantragt? Der falsche Sch., der zum Termin geladen wurde, be- teuert, c r sei nicht zum Termin gegangen. Trotzdem wurde ihm am 25. Februar ein Urteil zugestellt, das am 18. Februar gefällt worden war und ihn wegen Schulpolizeiübertretung zu 4 M. Geld- strafe oder 2 Tagen Haft verdonnerte. Die Adresse lautete jetzt wieder„An den Schlosser Herrn Ernst Schmidt", wie immer mit Wobnungsangabe Putbuserstrahe. Im Urteil war nahezu richtig angegeben, Ernst Schmidt sei geboren am 14. Februar 1852(er selber hält den 13. Februar für seinen Geburtstag) in Berlin. Der andere Sch. soll um 11 Jahre jünger sein. Ob der andere zum Termin am 18. Februar erschienen war, ist aus dem Urteil nicht zu ersehen. Wäre das aber der Fall gewesen, so ließe sich schwer be- greifen, warum das Urteil ihn dann als„Ernst Sch.", geboren am „14. Februar 1852", bezeichnet. Beweisaufnahme hat stattgefunden; sie kann nur bestanden haben in der Vernehmung des Rektors Kühler. Das Urteil gegen den falschen Schmidt nimmt Bezug auf Schulversäumnisse vom 28. bis 29. Juni und 24. bis 25. August, während die dem falschen Schmidt zugegangene Strafvcrfügung Bezug genommen hatte auf Schulversäumnisse vom 27. bis 31. August und 3. bis 8. September. Auch gegen dieses Urteil unternahm Sch. zunächst nichts, da er den Ernst der Situation immer noch nicht recht erkannte. Am 13. April erhielt er dann eine vom 21. März datierte Kostenrechnung, die von ihm 4 M. Strafe, 4 M. Gerichts- kosten, 50 Pf. Schreibgebühr und 20 Pf. Zeugcngebühr(vermutlich Straßenbahngcld) einforderte. Da Sch. nicht zahlen konnte, so wurde zur Voll st reckung der Haftstraße geschritten. In der zweiten Hälfte des Mai wurde er eines Morgens, als er eben von feinem Nachtdienst nach Hause zurückgekehrt war, von der Polizei aufgefordert, mal zur Wache zu kommen. Er ging hinüber und wurde sofort dabehalten. Seine Versicherung, daß hier ein Irrtum vorliege, fand keinen Glauben. Es wäre zwar ein Leichtes gewesen, aus den Büchern des Polizeiburcaus festzustellen, daß Sch. keinen Sohn schulpflichtigen Alters hatte. Aber was ging das die Polizei an! Sch. wurde im grünen Wagen nach der Stadtvogtei gebracht und hat dort die zwei Tage absitzen müssen. Mitgefangene sagten einem Aufscher, daß hier ein Unschuldiger für einen anderen die Strafe verbüßte. Doch auch das nutzte nichts. Vor uns liegt die von der Stadtvogtei ausgestellte Bescheinigung, daß Sch. die Strafe tatsächlich verbüßt hat. Vor uns liegt ferner eine Bescheinigung des Poliers, der auf dem von Sch. zu bewachenden Bau die Leitung hatte. Darin wird erklärt, Sch. habe seine Stellung verloren, weil er am Abend nach seiner Verhaftung seine Nachtwache nicht antreten konnte und dann cin anderer Wächter eingestellt werden mutzte. Wen trifft die Schuld an dieser Affäre und ihrem für Sch. so traurigen Ausgang? Man antworte uns nicht: Herrn Ernst Schmidt selber. Wie ist dieser Mann depn überhaupt in hie Akten -der Schulpolizei'hrncingepaten? Doch yzahrlich nicht du�feiije; Schuld! Wir haben nicht auch noch den Chef der städtischen Polizei- Verwaltung, Oberbürgermeister Kirschner, um Auskunft bitten mögen, weil wir uns sagten, daß auch das uns nicht weiterbringen würde. Wir hoffen aber, daß nunmehr diese unsere Veröffent- lichung ihm ein Anlaß sein wird, mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln eine Aufklärung zu versuchen, und daß das Er- gcbnis seiner Bemühungen bekannt gegeben werden wird. Sch. versichert übrigens, nach Feststellung seiner Zahlungsunfähigkeit sei noch„jemand von der Schulkommission" zu ihm gekommen, dem er den Sachverhalt mitgeteilt habe. UnS ist es nicht gelungen, fcstzu- stellen, wer das gewesen sein kann. Manche der Einzelheiten, die wir hier mitgeteilt haben, werden vielleicht nicht ganz zutreffen. Wir sind es von unserer Berliner Gemeindeverwaltung gewöhnt, daß in solchen Fällen auf die Unrichtigkeit nebensächlicher Angaben das Hauptgewicht gelegt wird. In dem vorliegenden Fall wolle man uns, bitte, mit diesem unwürdigen Versteckspicl verschonen. Um d i e Tatsache ist nicht herumzukommen, daß durch Organe der Ge- meinde cin falscher Schmidt in die Akten der städtischen Polizeiver- waltung hineingeraten ist. Daß hinterher die königliche Polizei den falschen Schmidt unbesehen eingesteckt, ihn auf zwei Tage seiner Freiheit beraubt und ihn um sein Brot gebracht hat, gehört zur Vervollständigung dieses Bildes burcaukratischcr Korrektheit. Partei- Etogelegenbeiteii. Königs- Wusterhausen und Umgegend. Die Wahlvereins-Ver- sammlung findet am Mittwoch, den 12. Juni, abends 8 Uhr, im Lokale von Wcdhorn statt. Tagesordnung: Vortrag. Wahl eines Kassierers. Wahl der Delegierten zur Kreis- Generalversammlung. Parteiangelegenheiten. Straln». Die Billetts für unser Volksfest kommen am Mittwoch zur Ausgabe. Außerdem wird die Broschüre„Eine Abrechnung mit dem Reichsliigcnvcrband" an die Mitglieder abgegeben. Köpenick. Die nächste Wahlvereins-Versammlung findet am 18. d. M. im Lokale deS Genossen Seidel statt. NowawrS. Morgen. Mittivoch, abends 8V3 Uhr, findet im Lokal des Herrn Schmidt die Versammlung des WahlvereinS statt. Genosse Block hält einen Vortrag über:„Die verflossene ReichstagSsession". Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. berliner I�ackricbten. Für die morgen stattfindende Berufs- und Betriebszählung seien noch nachstehende Leitsätze für die Ausfüllung der Zähl- forniularc besonders hervorgehoben. In die Haushaltungs- listen werden alle Personen aufgenommen, es ist dabei ganz gleichgültig, ob sie eine Berufstätigkeit ausüben oder nicht. Es müssen daher auch sämtliche im Haushalt an- wes ende Kinder, selbst die neugeborenen, nüteingetragcn werden. Die vorübergehend abwesenden— im Bade weilenden Personen sind gleichfalls in die Haushaltungslistc, und zmar im Verzeichnis B einzutragen. Dies gilt sowohl von einzelnen vorübergehend abwesenden Mitgliedern der Haushalte, wie von ganzen Familien. I. Für die Zählung der gcwcrb- lichen Betriebe ist das„Gewerbeformular" oder der Gewerbebogen" bestimmt. Ersteres ist zu benutzen für Betriebe, in denen höchstens drei Personen einschließlich des tätigen Inhabers beschäftigt sind. sofern in dem Geschäft keine motorische Kraft Verwendung findet. Für Betriebe mit vier und mehr Personen ist der G e w e r b e b 0 g e n auszufüllen. Setzt sich der Betrieb aus mehreren einzelnen Betriebszweigen zu- sammen, so ist für jeden derselben ein Gewerbebogen oder cin Gcwcrbeformular auszufüllen. Unter allen Um- ständen sind Gewerbebogen bei Betrieben zu benutzen. in denen elementare Kraft bei Umtriebs- Maschinen verwendet wird oder bei denen Personen außerhalb der Betriebsstätte beschäftigt sind. Die Aus- füllung des Gewerbebogens oder des Gewerbeformulars findet am Sitz des Gewerbebetriebes statt.— Wird eine Bodcnfläche landwirtschaftlich zum Anbau von Nutzpflanzen benutzt, muß eine Landwirtschaftskarte benutzt iverden. Bier- gärten kommen also nicht in Frage, wohl aber Obstgärten, Laubenkolonien. Um genügendes Wartcperfonal zu erhalten, hat sich der Magistrat genötigt gesehen, eine Abänderung der bestehenden Satzungen für die städtische Schwesternschaft in' den städtischen Krankenanstalten vorzunehmen. Nach diesen neuen Bestimmungen brauchen die Schülerinnen bei ihrem Eintritt eine Sicherheit von 200 M. nicht mehr zu hinterlegen. Die Probezeit beträgt 6 Monate. Diese Frist kann auf Antrag der Direktion der Anstalt durch Beschluß der Deputation verkürzt werden. Statt bisher 20 Mark erhalten die Probeschwestern— neben freier Station usw. eine monatliche Vergütung von 30 Mark. Das Bargehalt der Schlvcrstern wird auf 420 M. erhöht und steigt bis auf 600 M. Die Oberschwestern sollen anfangs 600 M. beziehen und alle drei Jahre 60 M. Zulage bis zum Höchstbetrage von 780 M. erhalten. Urlaub wird nach Maßgabe der Urlaubsordnung gewährt. Die Oberinnen beziehen jährlich 1200 M. mit Zulagen von 100 M., die von 2 zu 2 Jahren bis zum Höchstbetrage von 1300 M. be- willigt werden. Im übrigen sind die Satzungen fast unverändert geblieben. Der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung hätten diese Aenderungcn nicht nötig gehabt, wenn sie seinerzeit den von den sozialdemokratischen Stadtverordneten gestellten Anträgen zu- gestimmt hätten. Gerade Sozialdemokraten waren es, die bei Be- rawng der Satzungen für die städtische Schwesternschaft beantragten, von der Stellung einer Kaution Abstand zu nehmen, auch Aendcrungen bezüglich mehrerer anderer Bestimmungen vorzunehmen. Daß der Magistrat jetzt bereits mit diesen Aenderungen konnnt, ist dem Umstände zuzuschreiben, daß Krankenschwestern sich weigern, unter den bisherigen Bestimmungen in das— Wartepersonal nötig brauchende— Virchow-Krankenhaus einzutreten. Nun geht es auf einmal! Die Roscnvlnte in Britz hat begonnen und lockte am Sonntag eine große Schar Berliner Ausflügler an.„Rosenbritz" versorgt während der Saison nahezu allein den Berliner Markt mit dem täglichen Bedarf an Rosen, von denen oft mehr als 3000 Dutzend morgens an die Händler abgeliefert werden. In den ausgedehnten Rosengärten stehen zirka dreihundert verschiedene Sorten von Rosen, die jetzt ihre in allen möglichen Farbcnschattierungen prangenden Knospen und Blüten zu entsalten beginnen. Der Motorbootvcrkchr zwischen Boxhagen- Nummclsburg und Treptow, der nach langwierigen Verhandlungen zwischen den bc- teiligten Gemeinden und dem FiSluS zustande gekommen war,, ist wieder eingestellt worden. Nachdem der Betrieb am Sonntag, den 2. d. M., eröffnet worden war, hat der zuständige Wasserbauinspektor dem Unternehmer den Fährverkehr vorläufig unter- sagt. So hat die Freude der Berliner Ausflügler, denen diese neue Verbindung zwischen den genannten Vororten besonders zugute kaV nicht lauge gedauert. Ein Zusammeustofi erfolgte gestern früh 7 Uhr auf dein Ba'n- Hof Westend. Als ein Nordringzug in den Bahnhof einfahren wollte, kam in demselben Augenblick eine leere Lokomotive, die zum Umsetzen für einen anderen Zug bestimmt war, dem Nordring ent- gegen. Auf einer Weiche, unmittelbar unter der Brücke, stießen beide Maschinen aufeinander. Die leere Lokomotive wurde aus den Schienen geworfen und stark beschädigt, während die andere nur leicht demoliert wurde. Personen sind nicht verletzt worden. Beide Lokomotiven wurden aus dem Verkehr gezogen. Der Vorfall hatte für den Nordringverkehr Störungen im Gefolge, die aber am Mittag wieder behoben waren. Ein schwerer Automodilunfall hat sich am Sonnabend spät abends in der Lindenstraße zugetragen. Der 26 Jahre alte Post- böte Emil Furchtbar hatte Briefkästen zu leeren und lvar auf einem Dreirad von Kasten zu Kasten gefahren. In der Nähe der Junker- straße stieß das Rad mit einem vorbeifahrenden Automobil zu- sammelt und F. wurde unter den Kraftwagen geschleudert. Er erlitt einen schwere» Schädelbruch und wurde nach Anlegung von Not- verbänden in daö Krankenhaus am Urban gebracht. Ei» Lcichcnfund in Tegel beschäftigt gegenwärtig die hiesige Kriminalpolizei. Am Sonntag ciitdeckicn Ausflügler in einem Ge- büsch am Ufer des Tegeler Sees ein Paket, welches die Leiche eines ausgewachsenen neugeborenen KindeS männlichen Geschlechtes ent- hielt. Nach dem Befunde der Leiche muß die Geburt des Knaben erst kurze Zeit vorher stattgefunden habe». Die Leiche deS Mannes, der sich, wie wir meldeten, vor einigen Tagen in der Großbeerenstrahe in Maricndorf erschossen hat, ist noch nicht rekognosziert worden. Der Tote ist zirka 1,71 Meter groß und schlank; er hat kurzes rötliches Haar, rotblonden Spitz- und'Schnurr- bart, niedrige Stirn, graue Augen, große Ohren, vollständige Zähne und spitzes Kinn. Bekleidet war der Unbekannte mit schwarzem Rockanziig und Ueberzieher und weißem Strohhut mit schwarzem Band, in dem Hut befand sich das Monogramm E. W. Bei der Leiche wurde ein Regenschirm und ein Messer gefunden, welch letzteres dl. Et. gezeichnet war. Die Leiche ist polizeilich photographiert worden. In die Gefahr des Ertrinkens geriet am Sonntag in der Heim- statte vom Roten Kreuz in der Schönholzcr Heide ein 3'/.,jährigeS Kind. DaS kleine Mädchen hatte zusammen mit anderen Zöglingen gespielt und war, da eS sich der Aufsicht der anwesenden Pflege- schwestenr entzogen hatte, in einen Wassertümpel gefallen. Leider gelang eS den Schwestern nicht, die Kleine emporzuzichen, so daß diese in die Gefahr geriet, zu ertrinken. Erst die alarmierte Feuer- wehr Reinickendorf-Ost konnte das verunglückte Kind aus seiner ent- schlichen Lage befreien, ohne daß es erheblichen Schaden an seiner Gesundheit genommen hatte. In der Erholungsstätte in der Jungfernheide wurde am Sonntag ein Patient von einem Blutsturz befallen und starb kurze Zeit darauf. Einen furchtbare» Abschluß fand eine Schlägerei, die in der Nacht zum Sonntag am Ostbahuhof stattfand. Eine Person wurde dabei getötet, während zwei weitere schwerverletzt in das Kranken- hauS gebracht werden mußten. Eine derselben dürfte wohl kaum mit dem Leben davonkommen. Am Sounabeiidabend war der am 21. Dezember 1885 geborene Messingputzer Artur Schobert, Rüdersdorferstr. 12, mit seinem jüngeren Bruder und zwei Freunden, dem Kutscher Georg Boy. Madaistr. 13. und dem Arbeiter Karl Riemer, HauSburgstr. 27 wohnhaft, ausgegangen. Gegen 10 Uhr betraten die Bier cin Lokal in der Rüdersdorferstr. 47, in dem sich auch vier polnische Arbeiter, unter ihnen 6er am 6. Nugust 1883 gevorene Schelitzly, Luckauersir. 24 wohnhaft, aufhielten. Zwischen den beiden Parteien entstand eine Plänkelei, die bald einen ernsten Charakter annahm. Nach etwa einer halben Stunde entfernten sich die vier erstgenannten jungen Leute nnd kurz darauf folgten ihnen auch die Polen. Vor dem Ostbahnhof in der Nähe der öffentlichen Heuwage trafen sie sich dann wieder»nd jetzt kam eS zu einer Lln- rempelei. Schelitzky rief dabei dem Schober zu:„SBemi Du mich noch einmal anrempelst, kriegst Du eine Maulschelle I" ES entstand nun ein Streit, in dessen Verlauf Sch. plötzlich ein dolchartiges Messer aus der Tasche zog und wütend auf Schober einstach. Getroffen brach der Gestochene zusammen. Die Messerklinge war ihm in die rechte Halsseite eingedrungen und hatte die Schlagader durchschnitten. Während sich der Bruder des Sch. um den leblos am Crrdboden Liegenden bemühte, verfolgten Boy und Riemer den Messerstecher. Dieser war ebenso wie seine Landslente entflohen und hatte sich nach einem benachbarten Hause gewandt. Er wurde aber von den beiden Ver- folgern eingeholt. Als diese über ihn herfielen, stach er blindlings um sich und richtete seine Gegner furchtbar zu. Kaum hatte sich Boy dem Polen genähert, so erhielt er einen tiefen Messerstich in die Brust. Der Leib wurde dem Unglücklichen fast vollständig auf- geschlitzt. Auch Riemer wurde von dem gefährlichen Burschen niedergestochen. Er bekam einen Messerstich ins Schulter- blatt und auch die Hand wurde ihm durchstochen. Als die beiden jungen Leute zusammenbrachen, versuchte Sch. von neuem zu flüchten; er wurde aber jetzt von Paffanten verfolgt und festgenommen. Er gebürdete sich wie ein Rasender und konnte nur schwer überwältigt werden. Zweifellos hätte ihn die empörte Menge gelyncht, wenn nicht in diesem Augen- blick Polizeibeamte hinzugekommen wären und Sch. befreit hätten. Der Täter wurde zunächst nach dem nahen Polizeirevier gebracht und dann nach einem Verhör in das königl. Polizeipräsidium eingeliefert. Schobert war fast auf der Stelle verstorben. Ein Arzt, der noch hinzugezogen wurde, konnte nur noch den infolge innerer Verblutung eingetretenen Tod feststellen. Die beiden anderen Schiververletzten' wurden in Krankenwagen nach dem Krankenhause am �friedrichshain gebracht. Das Befinden des Boy war auch am gestrigen Morgen recht schlecht. Dagegen ist in dem Zustande des Riemer eine kleine Besserung eingetreten. Die Leiche des Erstochenen ist nach dem Schanhause übergeführt worden. Die Polizei ist den Kollegen des Sch. bereits auf der Spur. Von Naseudiphtheritis ist die Familie des Fuhrmanns Vollmer schwer heimgesucht worden. Vergangene Woche sind zwei jüngere Söhne gestorben, ein dritter befindet sich im Krankenhaus. Radrenncn zu Treptow, 9. Juni. Um dem jüngeren Nachwuchs der Fahrer Gelegenheit zu geben, ihre Kräfte im Kampf mit gleich- wertigen Gegnern zu erproben, hatte die Leitung der Treptower Bahn ein Hauptfahren über 900 Nieter für die Fahrer der Klasse III und ein Dauerrennen mit Motorführung über 60 Kilometer(400, pOO, 250, 200 M.) ausgeschrieben, das zum grofien Teil gleichfalls von Neulingen bestritten wurde. Gefahren wurde in beiden Nennen vorzüglich und alle Fahrer gaben sich redlich Mühe, um zu ge- Winnen. Zum 50 Kllometer-Nenncn hatten sich acht Fahrer gemeldet, die durch zwei Vorläufe über je 25 Kilometer ihre Teilnahme zum Endlauf, die von je den beiden Ersten bestritten wurde, erkämpfen inuhten. Sieger war der Holländer John S t o l in 42 Min. 16'/» Sek. vor E. Puhlmann, 1310 Meter und dem Nürnberger W. H n b e r, 3780 Meter zurück. Der Kölner C. Moritz war beim 32. Kilometer durch Sturz, glücklicherweise ohne erhebliche Verletzungen, ausgeschieden. Pnhlmann hatte bis zum 24. Kilometer die Spitze, muffte dann aber, da eS mit seiner Straft zu Ende war, Stol den ersten Platz überlassen; er wurde dreimal überrundet und Huber. der sich nicht zur Geltung bringen konnte, endete 12 Runden zurück. Die Berliner Stabe und Sucher, sowie der Hamburger Thom Süden und der Wiener Zehetner endeten in den Vorläufen unplariert.— Im Haupt- fahren siegte der Hamburger Weg euer vor Horch, Schröder, Elxleben und Rüdiger. In den fünf Vorläufen 31 Fahrer. Sportpark Spandan. Die.300 Kronen", das.klassische" Dauerrennen über 100 Kilometer, mit der Besetzung von Butler, Guignard. Günther, Ryser und Vanderstuift, schrumpfte schon noch den ersten 10 Kilometer, die in der Rekordzeit von 6 Min. 67s/t Sek. gefahren wurden, auf nur einen Fahrer ein. der das Rennen ohne Anstände nach Hause fahren konnte. Sieger war Günther- Köln in 1 Stunde 0 Min. 4% Sek., während Ryser mit 20490 Meter und Butler mit 23 360 Meter an zweiter nnd dritter Stelle kamen. Vanderstuift endete noch weiter zurück und Guignard scheint von dauerndem Pech verfolgt zu sein, indem er stürzte, ohne glücklicherweise ernsten Schaden zu nehmen. Vom Beginn ab verspricht das Nennen ein heißer Kampf zwischen Günther und Guignard zu werden, doch behält der Kölner die Spitze und zieht in rasendem Tempo von bannen. Ryser wird bald überrundet und auch Butler und Vander« stuist bleiben zurück. Schon nach der 30. Runde hat Guignard Rad- schaden und büßt 6 Runden ein, von denen er aber nichts gut machen kann, denn Günther zieht unwiderstehlich von bannen. Die anderen drei machen des öfteren Vorstöffe gegen ihren jeweiligen Ersten, werden aber noch öfter durch Rad- und Motorschaden gänzlich außer Gefecht gesetzt und spielen keine Nolle. Nach dem 70. Kilometer wechsele auch Günther sein Rad und dies bringt dem Franzosen drei Runden Gewinn. Das Resultat der Stunde ist 88 500 Kilometer<90 Meter weniger als der Bahnrekord). So geht das Rennen dem Ende zu. Der Franzose fäbrt sehr schön und schnell; da platzt an seinem Motor am Hinterrad der Reisen und beide stürzen; unglücklicherweise bleibt die Maschine ans dem flachen Zement liegen und der kurz nachfolgende Amerigo(als Führer VanderstuislS) fährt in den Knäuel hinein. Seine Maschine fliegt in hohem Bogen in den Jnnenraum. sich noch einigemale überschlagend und um ein Haar noch die Zuschauer treffend, die auSeinanderftieben. Aber schon ist Unheil genug: Pegny, der Führer GuignardS, ist am Köpfe schwer verletzt und muff fortgetragen werden, ebenso Amerigo. während Guignard sich von seinem Sturz erheben kann und Vanderstuift wie durch ein Wunder davongekommen ist. DaS vorangegangene 30 K i l o m e t e r r en n en(Preis von Tegel) wurde von Miller(Zürich) in 21 Minuten 43 Sekunden vor Vendredi(1400), Rank(5350) und Dubaschny(8190 Meter) genommen. Miller fuhr in schöner Weise das Rennen glatt zu Ende. während die übrigen unter den Launen ihrer Motore zu leiden hatten. Im H a n d i e a p siegte K u d e l a(0) vor Techmer(20) und Nowack(100). Das Verfolgungsrennen brachte einen Sieg der Noten Mannschaft(natürlich!)— Im Tan dem fahren belegten K u d e l a- H e l l e m a n n den ersten Platz von Knrzmaier- Techmer und Rabe-Kelbel. Personen, welche bei dem Einbruch in der chemischen Wasch- anstatt von Albert Hübsch, Wilhelm Stolzestr. 24, um ihre zum Reinigen dorthin gegebenen Sachen gekommen sind, wollen ihre Adresse sofort an Unterzeichneten einsenden. Emil Geiffler, Oranien- straffe 9. Gesperrt ist die Straffe Schiffbauerdamm vom Rampenfnh der Marschallbrncke bis zur Albrechtstraffe(ausschließlich Kreuzdamni) behufs Umpflasterung vom 10. d. Mts. ab. Feuerwehrbericht. Am Sonntagabend wurde die Feuerwehr um 1v Uhr nach der Oppelnerstr. 27 gerufen. Dort brannten in zwei von einander getrennten Räumen Betten. Die Flammen konnten auf ihren Herd beschränkt werden. Der Befund läßt auf vorsätzliche Brandstiftung schließen. Früh um 3 Uhr hatte der 16. Zug in der Köloniestr. 27 einen größeren Brand zu löschen. Fourage. Heu und Siroh standen dort in großer Ausdehnung in Flamme». Die Feuerwehr unter Leitung des Brandmeisters Steiner hatte längere Zeit mit mehreren Rohren Wasser zu geben, um den Brand, dessen E»t- stehung nicht ermittelt werden konnte, zu löschen. Etwas später kam in der Nähe. Koloniestr. 134. ein zweiter Brand zum Ausbruch._ Auch dort brannte Swoh. Heu und anderes und "■ Naavttvortlicher Redakteur: fcanT Weber, Berlin. Für d« hatte die Feuerwehr längrre Zeit zu run, um des Brandes Herr zu werden. ES ist der dritte größere Brand von Fonrage- Magazinen auf dem Gesundbrunnen. Wegen GaSauSstromnngen wurde die Berliner- und Charlottenburger Feuerwehr nach der Kurfürstenstr. 125 alarmiert, denen es gelang, die Gefahr zu be- festigen. Der Brand eines KleiderlagcrS beschäftigte den 8. Zug in der Rnchenbergerstr. 15. Große Posten Kleider fielen den Flammen zum Opfer. Am FriedrichSaracht 50 brannte ein Wettervorhaiig und am Ostbahnhos 13 das Zwischengebälk. In der Krausenft'r. 29 gingen nachts Betten in Flammen auf nnd auf dem Moabiter Güter- bahnhof Preßkohlen. Ferner wurde die Wehr nach der Kaserne deS 2. Garderegiments in der Fricdrichftr. 107, wegen eines Keller- brandeS nach der Scharnhorsistr. 13 und aus anderen Ursachen nach der Grünstraße, Bevernstr. 2, Alexandcrstr. 27 b, Lindenstr. 43 u. a. Orten gerufen. Wegen eines großen DachstnhlbrandcS wurde am Montag- nachmittag um 3 Uhr die Feuerwehr mehrere Male alarmiert. In der Pappelallee 85 stand bei Ankunft der ersten Löschzüge die Dach- konstruktion, die Ballenlage, Bodenverschläge mit Inhalt in großer Ausdehnung in Flammen. Brandmeister M a n d e r ließ sofort vom 3. Zuge mehrere Schlauchleitungen vornehmen und eine mechanische Leiter aufrichte», über welche Mannschaften bis zum Brand- heerd vordrangen. Trotz der großen Hitze und des OnalmeS, der den Boden füllte, gelang es nach etwa zweistündiger Tätigkeit, die Flammen zu löschen. Die Entstehung des Brandes ist noch nicht ermittelt, der Schaden bedeutend. Gleichzeitig hatte die Wehr noch an mehreren Stellen zu tun. Die Zunahme der Brände ist eine Folge der Hitze, die sich plötzlich eingestellt hat und wodurch die Selbstentzündungen von Preßkohlen sich häufen. Vorort- JVadmcbten. Charlotienburg. Hcimsparbüchscn. Die Sparkasse der Stadt Charlottenburg führt Anfang Juli in ihrem GeschäsiSbereich eine bemerkenswerte Neuernng ein: Heimsparbüchsen. Diese Einrichtung besteht in der Hauptsache in folgendem: Die Sparkasse beschafft für eigene Rechnung eine größere Anzahl von Heimsparbüchsen. Die Büchsen sind von ge- fälliger handlicher Form und trogen auf einem.kleinen Schilde die Bezeichnung der Sparkasse. Einem jeden Sparer wird ans Ver- langen eine Heiinsparbüchse zur unentgeltlilben Benutzung leihweise ausgeliefert, sosern er bereits ein Sparguthaben von mindestens drei Mark bei der Sparkasse besitzt, oder ein solches neu einlegt. Als Garantie für gute Behandlung der Büchse wird in dem Spar- buche des Büchsenempsängers ein Betrag von drei Mark gesperrt, der bei Rückliefernng der Sparkasse in brauchbarem Zustande wieder zurückvergütet wird. Alle Büchsen schließen über einen Schlüssel. Dieser Schlüssel wird dem Sparer nicht ausgehändigt, sondern bleibt bei der Sparbüchse. Da die Sparbüchsen den Sparern ver- schlössen ausgehändigt werden, so sind sie nicht i» der Lage, sie öffnen zu können. Die Sparbüchsen mit dem ersparten Inhalt können nun beliebig oft zur Oeffmmg und Entnahme des Spar- geldeS nach der Sparkasse gebracht werden. Ein Angestellter zählt in Gegenwart des UeberbringerS den Inhalt der gebrachten Büchse und quittiert sofort über den vorgefundenen Betrag in dem mitgebrachten Sparkassenbuche. Lichtenberg. Der Geuicindevorsland hat die eingereichten Entwürfe zun» Krankenhausball dem Banrat Rnppert in Hamburg— dem De- zernenten für das Hamburger KrankenhauSbauwesen— zur Begutachtung unterbreitet. Der Gemeiiidevorstand und die Bau- lonnnission haben nun in Hamburg selbst das mündliche Gutachten des Herrn Baurat in Form eines längeren Vortrages über die Er- forderniffe eines modernen KrankenhauSbaueS entgegengenommen. Es erscheint danach notwendig, den Bauplatz zu vergrößern, um eine hygienisch einwandfreie Einrichttmg zu schaffen. Dem Vortrage folgte ciiw eingehende Besichtigung der städtischen Hamburger Krankenhäuser. Hoffentlich gibt das dort Gesehene Veranlassung, daß nicht nur der Bau endlich sichtlichere Fortschritte macht, sondern daß sich auch hier das Sprichwort bewähre:»Was lange währt, wird gut." Köpenick. In der letzten Sitzung der Stadtverordnetcilvcrfamuilnng teilte der Vorsteher zunächst den Eingang einer Interpellation der sozial- demokratischen Fraktion bezüglich des Kampfes im Baugewerbe mit. Dieselbe lautet:»Welche Schritte gedenkt der Magistrat zu unter- nehmen, um die rechtzeitige Fertigstellung der im Bau begriffenen 18klassigen Volksschule und Mädchen-Mittelschule zu gewährleisten?" Von bürgerlicher Seite wird gegen die Verhandlung Protest erhoben, da dieser Punkt nicht auf der Tagesordnung stehe. Genosse Herbst erhebt demgemäß die Anfrage zum Antrage und fordert gleichfalls die Anerkennung der Dringlichkeit. Mit 17 gegen 14 Stimmen wurde diesem Ersuchen entsprochen. Die Be- grüudung gab Genosse Woik. Er führte anS, daß, nachdem die beiden erwähnten Gebäude endlich einmal in Angriff genommen und auch das Versprechen gegeben worden sei, die Her- stellnng so zu beschleunigen, daß die Gebäude Anfang Oktober in Benutzung genommen werden können, jetzt mit einmal wahr- genommen werden müsse, daß die Arbeit auf den Bauten ruhe. Den Anlaß zu diesem Vorkommnis habe die Aussperrung der Arbeiter durch die Unternehmer gegeben; die Bankommission habe den Unternehmern der erwähnten Bauten die Errichtungsfrist ver- längert. Wenn eS sich um Privatbauteil handelte, so mögen sich die Unternehmer mit dem Bauherrn auseinandersetzeil. Hier kommen aber öffentliche Bauten in Frage, an deren rechtzeitiger Fertig- stellnng die Allgemeinheit ein Interesse habe, zumal die Volks- lchnlverhältnisse in hiesiger Stadt keine gute» sind. Das Entgegenkommen den Unternehmern gegenüber, die ihre Arbeiter entlassen haben, sei gänzlich ungerechtfertigt. Stadt- verordneter M a r t i n(Freie Bereinigung) glaubt, daß die Stadt mit der Uebernahme der Bauten in eigene Regie keine guten Er- öhrnngen wachen werde; im übrigen haben nicht die Unternehmer, iondei* die Arbeiter(wie immer! D. B.) den Kampf heraufbeschworen. Genosse Herbst erklärt, der Versammlung könne es ganz gleich fein, o'j die Arbeiter streiken oder ausgesperrt sind; hier komme nur die rechtzeitige Fertigstellung der Bauten in Frage. Im weiteren legt Redner in eingehender Weise dar, daß die Stadt sehr gut die Ans- führung von öffentlichen Bauten erledigen könne. Die Unternehmer 'eien vollständig überflüssig. Stadtv. Martin beharrt auf seinem Standpunkte, daß die Arbeiter den Kamps angefangen; man kann das verstehen, wenn man weiß, daß Herr M. Ratsbauziminermeister ist und als Arbeitgeber ein erhebliches Interesse am Kamps« hat. Genosse N i e k e macht darauf ansmerksam, daß in Znknnft bei Be- loillignng von Geldern zu Bauten anders verfahren werden inüsie. Stadtv. Schulz(Fr. Vg.) führt aus, daß der Antrag überflüssig sei; die Rührig- keit deS Magistrats werde bei allen anderen Sachen so gelobt, und dieser würde auch hier seine Pflicht tu». Bürgermeister Dr. Langerhans erklärt kurz, daß der Magistrat der Meinung ist, daß daö eine Schul- hauS rechtzeitig fertiggestellt werde. Genosse Woik lvendet sich gegen diese Anschauung des Magistrats und bemängelt noch die Zusammen- setzinlg der Bmikommission. Von 9 Mitgliedern der Konnnission 'eien nicht weniger als 6 Bounnternehnier. Von feiten des Magistrats nimmt nochmals Bürgermeister Dr. Langerhans das Wort: Der Stadtverordnetensaal sei nicht zu politischen Debatten angetan; der Magistrat stehe über den Parteien, ihn ginge weder das Unternehmertum noch die Arbeiterschaft in diesem Kampfe etwas an; dieselben mögen den Kamps allein ansfechten. Nachdem Genosse Woik noch einmal kurz den Standpunkt der Fraktion klargelegt hatte, kam eS zum Schluß noch zu einer kleinen GeschäftSordmlngSdebatte. da der Vorsteher infolge der beantragte» Dringlichkeit das schriftliche Vorlegen des Antrages forderte. Das Fazit der Verhandlung war. daß die Versammluiig sich aus den Standpunkt des Vorsteher» stellte.___________ Lnjeratenttil vera»lw.:Ttz. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Von der liberalen Fraktion wurde in dieser Sache mit keinem Worte eingegriffen. Zu einer weiteren erheblichen Debatte kam eS noch beim letzten Punkt der Tagesordnung bezüglich eines Antrages der liberalen Fraktion ans Kündigung bezlv. Erhöhung des Zinsfußes von ausgeliehenen städtischen Geldern an die Kolonie Wenden- schloß. Stadtv. Eunitz weist darauf hin, daß noch 400 000 M. aus- geliehen seien nnd zwar an meistens Auswärtige, diese könnten ruhig mehr Zinsen bezahlen. Bürgermeister Dr. Langerhans warnt vor Annahme des Antrages, während Genosse Herbst dem Antrage zu- stimmt. Es sei gerecht, daß auch die Grundbesitzer in der Kolonie 4'/, bezw. 5 Proz� Zinsen bezahlen. Die Steigerung des Wertes der Grundstücke betrage über 100' Proz. Stadtv. Schulz(Fr. Vg.) hält eS nicht für anständig, den Zinsfuß zu erhöhen, zumal das Geld knapp sei. Nach persönlichen Bemerkungen wird der Antrag angenommen. Stralau. In den Rumuielsviirgkr See gestürzt ist infolge KcntmiS seines ScgclbooieS der Kaffenbote Wilhelm K., der bei der Stralauer Glas- Hütte angestellt ist. Er fuhr am Sonnabend um Va� Uhr abends bei böigem Winde mir voller Takelage ab. Eine Havarie im Vorder- segel brachte, etwa 1000 Meter von der Absahrtsstelle, das Boot zum Kenlern. St., ein schon bejahrter Mann, tonnte sich nur mit Aufgebot aller seiner Kräfte über Wasser halten. Auf seine Hülfe- rufe ruderte ein Schiffer ans die Unfallstelle zu und rettete dem Verunglückten das Leben. Nach zweistündiger Arbeit gelang es auch das Segelboot wieder flott zu»lache». Bert, au. Die Stadwcrordnctcnvcrsammlung vom 7. Juni 1007 erteilte dem Besitzer Michel die Genehmigung zur Erbauung eines Wohn- Hanfes in der Zepernickerstraße mit'der Maßgabe, die auf dieses Grundstück entfallende PflasterungSkautron im Betrage von 710 M. zu hinterlegen. Die Lieferung von Bordschwellen für die Brüder- und Hohe- steinstraße wurde der Firma Beyer aus Spandan. welche pro laufenden Meter 4.35 gefordert hatte, übertragen. Bewilligt wurde der Erweiterungsbau des StadthauptkaffenIokalS. Der Submissionszuschlag zur Erbauung des neuen RestaurationSgebäudeS am Liepnitz- iee wurde dem vernaner Maurer- und Zimmermeister Bach, der sich mit 48/4 Proz. unter dem 59 178,73 M. betragenden Voranschlag angeboten hatte, erteilt. Mit 15 gegen 7 Summen wurde die Magistratsvorlnge betreffend den Erlaß einer Baugebührenordnung für Bernau angenommen. Spandau. Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich am Sonnabend gegen Mittag in der Fabrik von Orenstein u. Koppel. Der Schloffer Schulz, der an der Monliernng eines Baggers beschäftigt war, verunglückte bei dieser Tätigkeit insolgs des Bruches einer Schraube, wodurch eine schwere Last auf ihn»iedersanste. Durch einen Arbeiter erhielt Schulz den ersten Verband. Bis zum Eintreffen eines Arztes legte mau den schwer Verunglückten aus die nicht ganz saubere Putzwolle. Der Arzt ordnete die sofortige Ueberführnng in ein Krankenhaus an. Dort ist Schulz seinen schweren Verletzungen erlegen. Es wird uns berichtet, daß die Schuld an den zahlreichen Unfällen in dieser Fabrik zum nicht geringen Teile der durch ein raffiniertes Akkardsystem hervorgerufenen Antteiberei zuzumessen ist. Es ist nur zu verwiinder», daß nicht noch mehr Unfälle vorkommen. Zeit wäre eS auch, daß die Fabrikleitung für einen Verbands- rmmi, welcher den hygienischen Anforderungen entspricht, Sorge trägt. Schon seit Jahren wird vom ArbeiterauSschuß ein Verbandsraum verlangt. Zwar hat man denselben schon seit langer Zeit zugesagt. aber ausgeführt ist bis heute nichts. In den: Betriebe von Oren- stein u. Koppel legt man heute noch wie vor Jahren die im Bc- triebe verunglückten Arbeiter auf die schmutzige Putzwolle. Vermischtes. Ein englischer Fischdampser beschlagnahmt. Der englische Fisch- Kämpfer„Franeonia" ist gestern in der Nähe von Listcr Tief auf dentschen Ankergründen wegen verbotenen FischenS von dem die Bewachung ausübenden Torpedoboot beschlagnahmt und nach Cux« Häven eingebracht worden. Die geraubte Madonna. Warschau, 9. Jiini. Unbekannte Räuber übersielen die Kirche deS Wallfahrtsortes Miednewice, raubten das in goldenem mit Brillanten besetzten Nahmen befindliche Mutter- gotteSbild sowie goldene Kirchengeräte im Gesamtwerte von 300 000 Rubel. Eine Stadt überschwemmt. Nach einem Telegramm au? Louisville ist die Stadt Gradhvillt von einer Ueberschwemmung schwer heimgesucht worden. Zahlreiche Personen sind umgekommen. Bisher sind 20 Leichen geborgen worden; viele Personen haben Verletzungen davongetragen. Antomobilwettfahrt Peking— Paris. Peking, 10. Juni. Fünf Automobile, drei französische, ein holländisches und ein italienisches, die sich an der Wellfahrt nach Paris beieilige», sind heule abgefahren. BriefkaCten der Rcdahtion. at« tnrtslltMr evrcchsmnve flutet F r t e d r i ch ft r. 10,«»fgana 4t eine Trcpve Opmidcleftütic SUIIcnllinnce, a»rchga»n auch Ll»de»ftr. l»l), wvchentaglich nun?Vi die UV> Nftr«beute ftnlt. IQeSflnet 7 Uhr. Semmbcute beginnt tie Tvrechftiiute um O Uhr. Jeter litufragc Ist ein <öurf)ft(ibc mit eine Puhl«1» averk, eichen beizufügen. Briefliche Jiuttuuu Wirt nicht erteilt. Eilige Jragen trage man in der eprechstuute tue. A. Z. 25. Di« alljährlich zum Patteltag evschcinendeu Berichte de? ParteworstlmdeS geben Ihnen über Ihre Frage AnSkUnst.— H. B. 1. Ein Auslandspaß ist nicht erforderlich, aber zweckmäßig.— 31. H. L2. Sie müßten Reflamation einlege». Der Weg ist in der Veranlagung selbst Ihne» angegeben.— R. Et. 26. Nein.— K. St. 652. UnverstandliS: ilellen Sie die Frage, deren Beantwortung Sie wünschen.— Ol. it. 200 At. sind erforderlich. Ein Paß ist nicht erforderlich.— 101 I. Ohne Einsicht in die Statuten der Kasse, der beizutreten wir nicht geraten hätten, ist Ibra Frage nicht zu beantiuortcn.— Gras. Melden Sie sich bei Genossin Ottilie Baader, Lindenstr. 3, erster Hos 4 Treppen an.— I. P. 45. Der Betreffende mag einen Versuch bei einer antlcfuaritchen Buch- Handlung machen. Für wertvoll halten wir die Auszeichnung nicht. — 21 1». Nach Rußland ist ei» Paß crsorderlich, nach Franfreich, England der Schweiz, Belgien, Ltalien usw. nicht, wohl aber zweckmäßig.— T. 59. Wir können nur dringend vor dem Eintritt tu die Kasse wm-ncn.— N. 86. 1. Ja. 2. Das ist das amerikanische Zolltarisgesetz. 3. Aus Antrag des Ab- geordneten Grasen v. Schwerin wurde im preußischen Landtage beschlossen, einen Tag der Wache zur Beratung der Jniliaiivanträge zu bestiimnen. Diese Tage nennt man SchwerinStnge. Die Bezeichnung ist aus den Reichstag übergegangen. Gehalten wird die Bestimmung weder im Ab. geordnet enhcmse noch im Reichstage.— R.®. 60. Sie sind zur Au»- zahlung deS Gewinnes verpflichtet, wenn Sie nicht ausdrücklich vereinbart halten: wer nicht weiterzahlt, scheidet anS.— O. P. 103. Eine Klage hätte wenig Aussicht aus Ersolg.— F. F. 100. Hat der Betreffende sur Benußunz der Schaukel gezahlt, so ist er für den Schaden nicht verantwort- lich. Sonst ja.— H. Zt. Militarin. Die Klage müßte Innerhalb eine» Jahre» angestrengt werden; sie hat leider wenig Aussicht aus Erfolg, weil das Gutachten der Militärärzte über die Enlstchung de» Leiden» nnd über die Fahrlüjsigteit bei Einstellung jllr auSschtaggebend erachtet wird. — P. A. 100. Ihr voreheliche» Kcnd hätten Sie am einsachsten bei der Heirat aus dem Standesamt legitimieren können. Jehl können Sie ent- weder nachttäglich aus dem Standesamt, bei dem die Geburl gemeldet ist, da» AnerkculiNliS ahgeben, oder das Anerkenntnis zu notariellem oder gerichtlichem Protokoll erklären und das Protokoll mit dem Antrag, die Urkunde zu berichtigen, dem Standesbeamten einsenden.— C. 31. Eine Strasanzeige wäre zwecklos, c-ie können a»> Herausgabe der Sachen beim Livilgericht klagen. Der Beklagte würde aber mit Erfolg die Widerklage aus Zahlung der 10 M. und Abliejcrung des Schlüssel» erheben können.— — Franz 100. Wenden Sie sich direkt an die Versicherungsanstalt. Kvchdruckerei u. Verlagsanjtalt Paul Singer& Co.. Berlin SW,