Nr. 135. Hbonncmcnts-Bcdingungcn; ITConncnienlä> Preis»rknumcrando: Lierlkljährl. Z.M Ml» nwnatl l.IV Ml., wöchcnllich 23 Psg. frei inS Haus. Eiiizeliic Nimmiei S Psg. Sonnlags- nuniincr mit illustrierter EomitagZ. Beilage.Die Neue Welt' 10 Psg. Post. Nbonueiuent: l.lv Marl pro Monat. Eiugettagen in die Posl.Zciwngs. Lreisüsle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Posladouncinents nehmen an: Belgien. Dnncmarl. Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. vuinSiiien, Schweden und die Schweiz. 24* Jahrg. Vichtiii tZglich slllitk Moilizg«. Vevlinev Volksblcrkk. vle lnlerttonz-eedilhr betrSgt sbr die scchsgespaltene Kolonel- »eile oder deren Raun, bll Psg., für politische und gewerlschaftlichc Pereins- und Bersamintungs.Anzeigen 30 Psg. „Kleine Bnxcigcn", das erste tlett- gedrucktc) Wort 20 Psg., jedcS weitere Wort lv Psg. Stellengesuche und Schlas« stellen-Anzeigcn dag erste Wort lv Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchslaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geössnet. , Delegramm. Adresse: „SoziiliUaoknt Bcrili". Zentralorgan der rozialdemokratifehen Partei Deutfchtands. Redaktion: S3CL 68, Lindenstrasae 69. Bcniilireriicr: ttmt IV, Nr. 1983. Expedition: SA. 68, Qindenstrasve 69. Zternsprecher! Amt IV. Nr. 1981. ssroselioren-Kevolte. In der jetzigen Zeit, wo überall auch die liberalen Berufe sich zu gewerkschaftlichen„Standesvereincn" zusammenschließen, um ihre idealen und materiellen Interessen ivahr- zunehmen, wollen auch die Professoren nicht zurückbleiben. Seit langer Zeit hat die liberale Presse die dentschen Uni- versitäten zur Opposition gegen die willkürliche Be- setzung der akademischen Lehrstühle mit Günstlingen der herrschenden Bureaukratie und der ihr nahestehenden politischen Kreise aufgefordert; aber die in Amt und Würden sitzende Professorenschaft zeigte für diese Aufforderung zur akademischen Rebellion ebensowenig„Neigung" wie zur Auflehnung gegen� die disziplinarischen Maßnahnien, mit denen die preußische Regierung bald hier, bald dort in die an- gebliche akademische Lehrfreihcit eingriff. Besonders als vor sechs Jahren der Herr Spahn jun., der Sohn des Leiters der damals sich noch allerhöchster Gunst erfreuenden Zentrums- Partei, ob seiner unbekannten Verdienste um die historische Wissenschaft zum Professor der Straßburger Universität ernannt wurde, forderte die liberale Presse zu energischem Wider- stand gegen dieses angeblich unerhörte„Attentat auf die Freiheit der Wissenschaft" auf. Doch wie im Fall Schweninger die Opposition der Berliner Professoren- schaff nur dazu ausgereicht hatte, daß sie dem ihr durch Bismarcks hohe Gunst aufgezwungenen neuen Kollegen die bei ihnen abgegebenen Visitenkarten zurückschickten— eine Leistung professoralen Mutes, zu der sich übrigens fnuch nur ewige der energischsten Vertreter der reinen Wissenschaft aufschwangen— so blieb es auch im Fall Spahn bei dem Widerstand in engsten Kreisen. Nur Mommsen wagte ein kräftigeres Wort. Als der Kaiser die lahmen Proteste mit einem Telegramm an den elsaß- lothringischen Statthalter beantwortete, womit er feierlichst die Ernennung des Spahnschen Sprossen zum Lehrer der Geschichtswissenschaft bestätigte, beruhigte sich jedoch das wissenschaftliche Gewissen der Größen deutscher Wissenschast. Schließlich war es ja auch gleichgültig, ob zu den verschiedenen notionalliberalen und konservativen Tendenz- und Hofhistorio- graphen, die an deutschen Universitäten Geschichte dozieren, der konfessionellen Parität wegen noch ein Tendenzhistoriker ultramontaner Färbung hinzukam. Jetzt, nach Verlauf von sechs Jahren haben aber doch eine Anzahl Professoren die Energie zum Widerstand gegen die Methode gefunden, nach der in Deutschland und speziell in dem Lande, das bekanntlich in Deutschland an der kulturellen Spitze marschiert, in Preußen, die akademischen Lehrstühle besetzt werden. Sie wollen sich vereinigen und eine Art Organisation schaffen, die, wie es heißt, den Hochschulen er- möglicht, in den Dingen, die ihnen gemeinsam sind, auch ihre Anschauungen gemeinsam zum Ausdruck zu bringen. Vor- nehmlich soll das Mitbestimmungsrecht der Uni- versitäten bei der Anstellung neuer Pro- fessoren erhöht und dadurch verhindert werden, daß die Unterrichtsvcrwaltungen über die Köpfe des Pro- fessorenkollegiums hinweg Maßnahmen treffen, die in„die geistigen und materiellen Interessen der Universitäten tief einschneiden". Der Anregung, die charakteristischerweise nicht von Berlin und auch nicht von einer preußischen Universität, sondern von Wien ausgeht, haben sich verschiedene Professoren und Privatdozenten deutscher und österreichischer Universitäten angeschlossen und zum 8. September d. I. einen„deutschen Hoch schul- lehrertag" nach Salzburg einberufen. Auch fünf preußische Universitäten sind in dem Ausruf mit einigen Unterschriften vertreten— Berlin fehlt natürlich. In dem Aufruf heißt es: „Die politische Entwickelung hat dazu geführt, die Hochschulen wie andere'Korporationen der st a a t l i ch e n B e e i n f I u s s u n g zu unterwerfen. Wir verkennen keineswegs die Notwendigkeit, die dazu geführt hat, noch auch, daß manche Mißstände des frü h e r e n Un i v e r s i tä t s l e b en s dadurch beseitigt worden sind. Allein mit der Einreihung der Hochschulen in die Zahl der staatlichen Aemter erlitt auch ihr historischer Charakter eine empfindliche Einbuße. Nicht wissenschaftliche Tüch- tigkeit. Unbeugsamkeit des Charakters, hervorragende flegabung zum Lehrer blieben die einzigen Ge- i ch t s p u n k t e, die bei Besetzung der Lehrstellen immer den Ausschlag gaben, sondern häufig taten dieS die Eigenschaften des Beamten, welche diesen dem jeweilig herrschenden Regiment als wertvoll erscheinen ließen. Dadurch hat das Ansehen der Hoch- schulen gelitten....' Diese nachteiligen Wirkungen machen sich umsomehr geltend, je mehr Hochschulen infolge zunehmender staatlicher Zentralisation in der Hand einer Verwaltung vereinigt worden sind und je mehr die noch fortbestehenden staatlichen Verwaltungen dazu geschritten sind, sich in Hochschulangelegenheiten unabhängig von den Hochschulen zu verständigen. Auch in Angelegenheiten, die sehr gegen ihre Interessen entschieden werden, bleibt den Hochschulen dann nur noch verdrießliche Unterwerfung. Die letzten Reste von Autonomie, die den Hochschulen geblieben sind, erscheinen da- mit in Frage gestellt. Angesichts dieses Vorgehens der staat- lichen Verwaltungen erscheint eS geboten, daß auch die Hochschulen sich zusammentun, um in den Dingen, die ihnen allen gemeinsam sind, auch ihre Anschauungen gemeinsam zum Ausdruck zu bringen." Gegen die Vereinigung der Hochschullehrer zur Wahr- nehmung ihrer gemeinsamen Interessen läßt sich nichts ein- wenden, selbst nicht, wenn, wie bei so manchen anderen Vereinigungen der sogenannten liberalen Berufe, die sogenannten idealen Interessen bald in den Hintergrund treten und die Vertretung der materiellen Interessen, die Fernhaltung der Konkurrenz und die Sicherung guter Einkünfte, zur Hauptsache werden sollten; denn so gut wie jeder andere Beruf haben auch die Hochschullehrer das Recht, sich zu organisieren. Wir sind die letzten, die ihnen dies Recht versagen. Es kann auch durchaus nicht schaden, wenn unter den jetzigen Ver- Hältnissen der Einfluß der Unterrichtsverwaltungen auf die Universitäten vermindert und sie verhindert werden, die Professorenposten als Kompensationsobjekte, als bequeme Mittel zu betrachten, den Günstlingen höfischer, bureaukratischer oder politischer Cliquen zu gesicherten Lebensstellungen zu verhelfen und dafür die Unterstützung dieser Cliquen einzu- tauschen— wenngleich wir uns völlig darüber klar sind, daß, wenn die Professorenschast das entscheidende Wort bei der Anstellung neuer Lehrkräfte enthält, dieses System zu einer gewissen geistigen und verwandtschaftlichen Inzucht, zur Fernhaltung unbequemer, abweichende Anschauungen verfechtender Kräfte und zur Rücksichtnahme auf verwandtschaftliche Beziehungen führen wird. Ohnehin spielt schon die Vetternwirtschaft in den Senaten mancher Universitäten eine ganz bedenkliche Rolle; wird aber diesen Senaten die eigentliche Entscheidung über die Besetzung der Professorenposten eingeräumt, dann könnte— ins Moderne übersetzt— leicht jener frühere schöne Zustand wiederkehren, den Treitschke mit den Worten schilderte: „Die Ordinarien bildeten eine fest geschlossene Zunft und Vetternschast, zumeist wohlhäbige Herren, verschwägert mit den reichen Kaufleuten, trefflich ausgestattet mit Sporteln und Naturallieferungen. Obwohl der sprichwörtliche Kindersegen der Professoren späterhin den gelehrten Magister Fiebiger veranlaßte, eine tiefsinnige Abhandlung äs xol�telcnia sruäitorum zu schreiben— für die Genossen dieser mächtigen Sippen blieb immer noch ein Lehrstuhl frei." Nur eines kann man billigerweise von der Berufs- Vereinigung der Professoren und ihren Wortführern verlangen, daß sie ihre Organisationspläne, wie geschieht, nicht in pathetischen Worten mit der Aufrechterhaltung der sogenannten „voraussetzungslosen Wissenschaf t", der„Frei- heit der Wissenschaf t", der.Lehrfreiheit an den deutschen Universitäten" usw. begründen. Ebenso- wenig wie voraussetzungslose Wissenschaft gibt es an deutschen Universitäten'eine Freiheit der Wissenschaft oder eine Lehrftcihett. Die deutschen Universitäten sind durchaus reaktionäre, im Dienste der herrschenden Klaffen stehende Institute, deren Zweck es nicht ist, die Wissenschaft an sich zu pflegen, sondern den Nachwuchs der wohlhabenden Schichten mit jenem Wissens- quantum zu versehen, der sie gemäß den heutigen Bedingungen zu gewissen Staatsdiensten oder zur Ausübung bestimmter Berufe befähigt, und zwar haben sie die Ausgabe, den Studierenden dieses Wissen in einer Form zu übermitteln, die den Interessen der genannten Schichten enspricht und ihrem politischen Machtstreben dient oder wenigstens dieses nicht gefährdet. Innerhalb der Grenzen, die ihnen durch diese Bestimmung gezogen werden, mögen die Professoren frei lehren, obgleich sie sich auch dann, falls sie nicht ihre Wissen- schaff den jeweils in der Regierung herrschenden Strömungen anzupassen wissen, manchen Schikanierungen aussetzen und sich gefallen lassen müssen, daß, wenn ihre Studien sie z. B. zu freihändlerischen Anschauungen geführt haben, ein agrarischer Kollege zur Korrektur ihrer Vorlesungen angestellt wird— über diese Grenze aber dürfen sieinkeinem Fallhinausgehen, wenn sie nicht fliegen wollen. Selbst das Vortragen mathematischer oder physikalischer Lehrsähe verträgt sich, wie der Fall Arons beweist, nicht mit der Freiheit preußischer Univcrsitätswiffenschaft, wenn der Vortragende sozialdemokratische Anschauungen teilt. Ein Dozent, der sich einfallen ließe, Marxsche Nationalökonomie vorzutragen, ist an deutschen Universitäten unmöglich. Er mag Marxsche Theorien vortragen; er mag auch mit allerlei Ver- klausulierungen in Marx einen bedeutenden Denker erkennen, in jedem Falle aber hat er hinterher die unerläßliche wissen- schaftliche Aufgabe zu erfüllen, nachzuweisen, daß Marx geirrt hat und neben Schmoller oder Wagner eigentlich kaum als Nationalökonom in Betracht kommt. Und das Gros der Professoren weiß sich dieser«Lehr- freiheit" vorzüglich anzubequemen, die liberalen oft noch weit besser als die konservativen. Sie betrachten durchweg die Verteidigung der bestehenden Gefellschaftsordnung als die höchste ihrer Lehrpflichten. Nur die Prämissen und die Beweis- sührung ihrer voraussetzungslosen Wissenschaft sind verschieden. Gehen die einen von der göttlichen Ordnung oder irgend welchen ewig sittlichen Weltgesetzen aus, so die anderen vom tierischen Kampf ums Dasein oder der natürlichen Auslese der Besten, das heißt der Kapitalkräftigsten. Nur die Methode variiert: das Resultat ist in allen Fällen das gleiche. Mögen also die Professoren sich zu Jnteressenverbänden zusammenschließen. Wir werden ihnen dieses Recht nicht be- streiten; aber mit dem Gerede von ihrer voraussetzungslosen Wissenschaft und von der Freiheit der Wissenschaft und Lehre an den deutschen Hochschulen sollen sie uns gefälligst ver- schonen. Htavediche flusweitungspraxis. Der kühne Handstreich des Hauptmanns von Köpenick, der die Roheit der Ausweisungspraxis enthüllte, hat da und dort der Bureaukratie doch etwas das Gewissen geschärft und zu einer mil- deren Praxis Veranlassung gegeben. In der freisinnig-liberal re- gierten Stadt Nürnberg aber scheint man aus den Lehren des Köpenicker Falles keinen Nutzen gezogen zu haben. Ein neuerdings vorgekommener besonders krasser Fall beansprucht allgemeines Interesse und zeigt, wie die Gesellschaft die Opfer ihrer eigenen „gottgewollten Ordnung" zu„bessern" sucht, damit sie dieser Ord- nung nicht mehr gefährlich werden. Das Opfer ist ein jetzt 31 Jahre alter Mann, der als unehe- liches Kind aufwuchs und eine trostlose Jugend verlebte. Er wurde von der in Not und Elend lebenden Mutter zum Betteln an- gehalten, in seiner Erziehung verwahrlost, sodaß es kein Wunder ist, daß er im Alter von 12 bis 14 Jahren einige Strafen wegen kleiner Diebstähle erlitt. Herangewachsen, wurde der sittlich halt- lose Mensch in die Welt hinausgestoßen. Mit 13 Jahren verübte er ein Sittlichkeitsvergehen und erhielt dafür eine mehrmonatliche Gefängnisstrafe. In den darauffolgenden drei Jahren kam er noch wiederholt wegen Bettelns, Landstreicherei und Bannbruchs mit dem Strafrichter in Konflikt, mit 21 Jahren erhielt er wegen Fäl» schung eines Legitimationspapiers die fürchterliche Strafe von 18 Monaten Gefängnis. Nach Verbüßung dieser Strafe war er bestrebt, sich ehrlich und rechtschaffen durch die Welt zu schlagen. Er bekleidete verschiedene Stellen und erwarb sich überall durch seine gute Führung volles Vertrauen. In Nürnberg war er zwei Jahre als Ausgeher tätig, in anderen Stellen mehrere Monate bis zu einem Jahre. Nirgends gab er Anlaß zur Klage. Dann begab er sich auf die Wanderschaft, um auswärts eine Stelle zu suchen. Auf der„Walze" bekam er einige kleine Bettelstrafen, sonst ließ er sich nicht das geringste zuschulden kommen. Das war 1897. Seit dieser Zeit ernährte er sich ehrlich und bekam keine Straft mehr. 1908 erschien der Mann wieder in Nürnberg, wo er Arbeit fand. Aber jetzt kam man aus seine Vergangenheit und wußte nichts Besseres zu tun, als den Menschen, der sich neun Jahre lang straf- frei geführt hatte, auf zwei Jahre auszuweisen! Er ging nach Erlangen und fand dort Beschäftigung. Nach einigen Monaten erhielt er eine Vorladung auf die Polizei. Um seiner Ausweisung zuvorzukommen, verließ er auch diese Stadt und wendete sich nach Ludwigshafen; dort erhielt er Beschäftigung in der Badischen Anilinfabrik. Aber nach einigen Monaten wurde ihm auch hier die Ausweisung angekündigt, sodaß er genötigt war, den Staub der pfälzischen Jndustriemetropole von seinen Pantoffeln zu schütteln. In seiner Verzweiflung wendete er sich wieder nach Nürnberg, wo er in der Maschinenbauakticngesellschast Anstellung fand. Da der Ausweisungsbefehl noch nicht abgelaufen war, ging er auf das Rathaus, um dort um die Aufhebung des AusweisungS- befehls nachzusuchen. Er war der Meinung, daß die liberale Stadt- Verwaltung, die sich auf ihre Sozialpolitik soviel zugute tut, ihm nichts in den Weg legen werde, nachdem er den Beweis geliefert, daß er sein Brot ehrlich erwerben wolle. Aber er hatte sich ge- täuscht. Der Beamte, an den er sich wendete, ließ ihn sofort ver- haften und der Magistrat erwirkte seine Verurteilung wegen Bann- bruchs. Nach Verbüßung der Strafe gelang es ihm abermals, in Nürnberg Arbeit zu finden, aber wiederum wurde er aufgespürt, aus seiner Stellung gerissen und wogen Bannbruchs ins Gefängnis gesteckt. Nun muhte er Nürnberg verlassen; wiederum fand er auswärts Arbeit, bis ihn abermals die Polizei aufscheucht und aus die Landstraße Hinaushetzt. Schließlich wird dem Mann, der sich seit 10 Jahren ehrlich bemüht hat, seine früheren Versehlungen vergessen zu machen, nichts anderes übrig bleiben, als sich durch irgend eine Verzweiflungstat im Gefängnis vor der Polizeihetze Ruhe zu verschaffen. vom Condoner Parteitag der russischen Sozialdemokratie. III Aus Den tneioiutionen des Parteitages geben wir kurz die folgenden wieder: 1. Die Beziehungen zu den nichtproletari» schen Parteien. Zunächst konstatiert die Resolution die: Dringlichkeit der Aufgabe,„den Klasseninhalt der verschiedenen nichtproletarischen Parteien, das Verhältnis der verschiedenen Klassen zueinander im gegebenen Augenblick festzustellen und im Anschluß daran die Beziehungen der Sozialdemokratie zu diesen Parteien zu regeln". Von dem Grundsatz ausgehend, daß die Sozialdemo» kratie jede gegen die existierende politische und soziale Ordnung gerichtete oppositionelle und revolutionäre Bewegung unterstützen, gleichzeitig aber alles daransetzen muß, um dem Proletariat, unter der vollen Wahrung seiner unabhängigen Klassenposition, die Rolle des Führers der bürgerlich- demokratischen Revolution zu sichern, erklärt die Sozialdemokratie nicht nur den Parteien der„Schwarzen Banden",„Echt-russischen Leute" usw.,„die bestrebt sind, die Revolution durch nationale Hetze und Organisation von Pogromen in einem Meer von Blut zu er- sticken", den Krieg bis aufs Messer, sondern auch Parteien wie dem„Verband des 17. Oktober" und zum Teil der„Partei der fried- lichen Erneuerung",„da sie sich deutlich auf die Seite der Konter- revolution gestellt haben, die Regierung unterstützen und eine möglichst antidemokratische und auf einem Zensus begründete Ver» fassung anstreben". Die Parteien der liberal-monarchistischen Bourgeoisie, hauptsächlich die Kadetten,„haben sich ebenfalls beut- lich von der Revolution abgewendet und verfolgen das Ziel, ihr durch ein Kompromiß mit der Konterrevolution ein Ende zu machen"; diese Parteien sind die„der ökonomisch fortgeschrittenen Schichten der Bourgeoisie, besonders der bürgerlichen Intelligenz"; ein Teil der städtischen und ländlichen Kleinbourgcoisie folgt ihnen „nur aus Tradition oder auch direkt von den Liberalen betrogen". Das politische Bestreben dieser libcral-monarchistischen Parteien ist eine konstitutionelle Mmiarcbic,„durch das Zweikamniersystem, Polizei und stehendes Heer vor den Ansprüchen des Proletariats geschützt". Daher ist es Aufgabe der Sozialdemokratie,„der heuchlerisch°- demokratischen Phraseologie dieser Parteien die konsequente Demokratie des Proletariats entgegenzustellen, den von ihnen verorciteten konstitutionellen Illusionen entgegenzutreten und energisch gegen ihre Hegemonie über die kleinbürgerlichen Schichten zu kämpfen". In bezug auf die Parteien der„Narodniki" i Sozialrevolutionäre, Bolkssozialisten, Arbeitsgruppe) konstatiert die Resolution, daß sie„mehr oder weniger richtig die Interessen und den Standpunkt des städtischen und länolia,en Kleinbürgertums wiedergeben": da sie aber zu einer unklaren sozialistischen Phrase- ologie Zuflucht nehmen, muß die Sozialdemokratie„ihren Pscudo- soziakismus entlarven, gegen ihr Bestreben- Vertuschung der Klasseng.egensätze" zwischen Proletarier und Kleinbürger kämpfen. gleichzeitig aber, durch Bekämpfung des Einflusses der Liberalen, „sie zur Wahl zwischen der kadettischen Politik und derjenigen des revolutionären Proletariats zu stellen".„Die hieraus ent- springenden gemeinsamen Aktionen müssen jede Möglichkeit von Abweichungen vom Pro- gramm und von der Taktik der Sozialdemo. kratie ausschließen und können nur einem ge- meinsamen Angriff gegen die Regierung oder gegen die verräterische Taktik der liberal- monarchistischen Bourgeoisie dienen." Diese Resolution spiegelt im wesentlichen den Gedankengang der Bolschewiki wider. 2. Heber neutrale Arbeiterorganisationen und den neutralen Arbeiterkongreß. Vom Stand- Punkt ausgehend, daß die Sozialdemokratie die einzige Organi- sation ist, welche die für den Sozialismus kämpfende Vorhut des Proletariats vereinigt; daß neben der Sozialdemokratie auch„Ge. werkschaften und andere Arbeiterorganisationen den ökonomischen Jnteresien der Arbeitermassen dienen"... erkennt der Parteitag als notwendig für die Erweiterung und Vertiefung des Einflusses der Sozialdemokratie an: 1. Intensivere gewerkschaftliche Arbeit, d. i. Propaganda und Agitation für die Gewerkschaften selbst und Heranziehung breiterer Massen in die Parteiorganisationen; 2.„die Beteiligung der Sozialdemokratie an eventuellen unparteiischen Arbeiterdeputierten-, Arbeiterbevollmächtigtcnrätcn" usw. zum gleichen Zweck wie unter 1; 3. die Mißbilligung der Agitation für einen neutralen Arbeiterkongreß, da sie„für die Klassenentwickelung deS Proletariats schädlich" ist. 3. Dumafraktion und nationale Frage.„Durch ihre Vernachlässigung der nationalen Frage hat die Dumafraktion sich eine gute Gelegenheit entgehen lassen, mit breiten Massen der unterdrückten Nationen Fühlung zu gewinnen." Jedoch gibt der Parteitag der Ueberzeugung Ausdruck, daß„die Fraktion bemüht sein wird, sich auch auf diesem Gebiete auf die gebührende Höhe zu erheben als die Vertreterin der Interessen der Arbeiterklassen von ganz Rußland". vom neue» Hecht cker„0r sich keinesfalls gegen die Detaillisten und Händler richten, sondern der Verein ist hauptsächlich gegründet, um II. vttcke. Bettin. Druck u. Verlag: Vorwärts Luchdr. u. PtriuafcmftMB I beim Hcimarbeiterschutzgesetz mit der Macht des Verbandes ein Wort mitzusprechen und um zu der sich bemerkbar machenden Lohne bewegung der Kurbelsticker Stellung zu nehmen. Das Heimarbeiter- schutzgesetz sei von so einschneidender Bedeutung für die gesamte Branche, daß, wenn es zur Annahme im Zicichstag komme, es ein empfindlicher Schlag für die Branche sein werde. Als Hauptgrund der Gründung des Vereins gab man die— allerdings noch im An- sangsstadium befindliche Lohnbewegung der Berliner Sticker an. Dombau-Steinmetzen! An den Renovierungsarbeiten am Kölner Dom herrschen unerhörte Zustände. Schon im vorigen Herbst wurde der Werkplatz für Steinmetzen gesperrt, weil der Dombaumeister Hertel sich weigerte, den Tarif anzuerkennen. Es fanden sich Arbeitswillige, und schließlich wurde die Sperre auf- gehoben. Die erste Frage des Dombaumeisters lautet:„Sind Sie organisiert?" Schließlich folgt sogar die Frage:„Wie heißt der Pfarrer Ihres Ortes?" Die ungesunde Arbeit der Steinmetzen am Dom ist eine halbe Stunde länger als auf den anderen Kölner Plätzen, der Lohn zum Teil noch um 15 Pf. pro Tag geringer als der der Kölner Bauhülfsarbeiter. Da die Kölner Steinmetzen am Dom überhaupt nicht mehr beschäftigt werden, diene dies den Aus- wältigen zur Warnung. Die Stuttgarter Huf- und Wagenschmiede haben am 16. Juni ihr Arbeitsverhältnis gekündigt; ein Ausstand scheint unvermeidlich zu sein. Die Ursache liegt in dem geringen Entgegenkommen der Schmiedezlvangsinnung auf die Forderungen der Gehülfenschaft. Bezüglich der Arbeitszeit ist wohl eine Einigkeit zustande ge« kommen, indem dieses Jahr die tägliche Arbeitszeit 9% Stunden und vom 1. Juli 1968 ab 9V2 Stunden betragen soll, aber bezüg- lich der Lohnsätze sind seitens'der Meister so geringe Zugeständnisse gemacht, daß die Gehülfen darauf nicht eingehen konnten. Stuttgart ist somit für alle Huf- und Wagenschmiede gesperrt. Zuzug ist streng fernzuhalten. TextKarbeiterstreik. Aus Plauen wird gemeldet: Die Arbeiter der hiesigen Jutespinnerei sind zum größten Teil in den Ausstand getreten. Von 1666 Arbeitern gehen nur etwa 466 ihrer Beschäfti- gung nach. Es wird eine allgemeine Lohnerhöhung gefordert. HusUind. Ronen, 12. Juni. Hier streiken 1266 Hafenarbeiter. Sie ver- langen Lohnerhöhung. Sechs Dampfer können ihre Ladung nicht löschen._ eine ehetragödle hat sich gestern in der sechsten Abendstunde in dem Hause Fenn- straße 32 abgespielt. Aus bisher noch nicht ermittelter Ursache hat die Frau A u g u st e des dort wohnhaften Buchhalters Erich B 0 l l w a h n auf ihren Mann drei Revolverschüsse abgefeuert. Die Kugeln sind in den Kopf eingedrungen und haben Bollwahn lebensgefährlich verletzt; er wurde nach der königlichen Klinik gebracht. Frau Bollwahn ist bald nach der Tat durch die Polizei festgenommen worden. Letzte JVadmcbten und Depefcbm Bon der neuesten MajestätsbeleidigungS-Aktion. Rostock, 12. Juni.(Privatdepesche deS„Vorwärts".)' Heute erhielten die Genossen Redakteur Starosson und Verleger D i t t r i ch von der„Mecklenburgischen Volkszeitung" eine Ein, ladung des Untersuchungsrichters. Es handelt sich um die an» gebliche Majestätsbeleidigung, die die„Mecklenburgische Volks- zeitung" durch einen Artikel über die Neubesetzung der Regentschaft in Braunschweig verbrochen haben soll. Unwetter. München, 12. Juni.(W. T. B.) Während eines heftigen, mit woUenbruchartigem Regen verbundenen Gewitters schlug der Blitz zweimal im Stadtgebiet ein. Ein Anwesen in dem Stadtteil Giesing brannte vollständig nieder, bei einem andern wurde der Dachstuhl zerstört._ Ein ungarischer Reichsverbändler. Budapest, 12. Juni.(W. T. B.) Abgeordnetenhaus. Auf eine Interpellation Buza bezüglich der Ueberwachung der Gelbgebarung der sozialistischen Parteikasse erklärt der Minister des Innern, Graf Andrassy, die sozialistische Partei sei keine auf Statuten beruhende Vereinigung, sondern eine politische Partei, die nicht aufgelöst oder überwacht werde» könne. Der interpellierende Abgeordnete Buza weist darauf hin, daß die Arbeiter durch Ausübung eines Zwanges zur Beitragsleistung für die Partei herangezogen wurden, und daß mit diesen Geldern vielfach schlecht gewirtschaftet werde. Der Zwang sei jedenfalls zu mißbilligen, doch habe er von der Antwort des Ministers Kenntnis genommen, daß es keine gesetzliche Hand- habe gebe, um dagegen einschreiten zu können. Bergebliche Einladung. Paris, 12. Juni.(B. H.) Aus Alen<:on wird berichtet: Der Ausstand der Textilarbeiter in Flers dauert fort, nachdem der heute veranstaltete Versuch, die Arbeit wieder aufzunehmen, gescheitert ist. Auf die Einladung der Arbeitgebcrin hat sich heute von 6666 Arbeitern nicht ein einziger gemeldet. Die Arbeiter werden er- mutigt durch die sozialdemokratischen Abgeordneten. Die Truppen, welche nach Flers berufen wurden, werden nicht eintreffen an» gesichts der Erklärung des Gemeindcrats, daß keinerlei Ruhestörun- gen zu befürchten seien. Dem Gedächtnis Garibaldis. Rom, 12. Juni.(W. T. B.) Der Senat hat eine Vorlage an- genommen, durch die der 4. Juli dieses Jahres, der hundertst» Jahrestag der Geburt Garibaldis, zum Nationalfeiertag erklärt wird. Eine Abschlagszahlung. London, 12. Juni.(W. T. B.) Das Oberhaus hat in zweiter Lesung den Rcgierungsentwurf angenommen, welcher die Wahl von Frauen zu Mitgliedern von Grafschaftsräten und sonstigen Lokal- behörden gestattet. Es ist aber zweifelhaft, ob der Entwurf noch in dieser Session erledigt wird. Ein vierfacher Mord. Gotenburg, 12. Juni.(W. T. B.) Dem„Aftonbladet" zufolge ist in der Nähe des Stenungsunds der Pächter Larson, seine Frau, gefunden worden. Ein Knecht des Nachbarhofes ist der Tat ver» dächtig._ Das Strcikrccht mit Fallstricken. Petersburg, 12. Juni.(W. T. B.) Ein heute veröffentlichter Erlaß des Präfektcn von Petersburg bringt in Erinnerung, daß als berechtigt nur solche Ausstände gelten, die einen wirtschaftlichen Charakter tragen, wohingegen Ausstände, die hervorgerufen und unterhalten werden durch Gewalttätigkeit, Drohung und Boykott von feiten einzelner Personen, Gruppen oder gewerblicher Bercini- gungcn, als verbrecherische Handlungen zu betrachten sind, deren Urheber auf dem Verwaltungswege mit 3666 Rubeln Buße oder drei Monaten Gefängnis bestraft werden. Gewerbliche Verein!- gungcn, die sich der bezeichneten Handlungen schuldig machen, ver- fallen der Auflösung._ (aulSinger LeCo., Berlin S W. Hierzu LBeilagenu.ynterhaltungsblatt Ur. 135. 24. Jahrgang. . ftilnp te JmmWf Knlim WIIlsdlR Domiwtxg, 1% Inni 1907. Krieg Im Baugewerbe. Der„Sieger" auf dem Bettel. Am 3. Juni tvurden die Bauunternehmer, die meist aus Äugst vor Materialsperre oder vor den bösen Folgen einer Ouerschrift den Vahl und Genossen den Gehorsam"nicht der- sagen, aber mit bitterem Grolle zusehen, wie ihre Kollegen arbeiten lassen und Geld verdienen, mit allerhand Mätzchen über gute Aussichten traktiert. Was die Einseifer sich bei den Nenommistereien gedacht haben mögen, das läßt ein Rund- schreiben ahnen, das man bereits unterm 30. Mai nach allen Richtungen der Windrose flattern ließ. Hier sein Wortlaut: „Rundschreiben Nr. 207 pro 1907. Wir Ihnen durch die Presse bekannt geworden sein wird, hat das Baugewerbe augenblicklich einen schweren Kampf(!) mit dem Verband der Bkanrcr anszufcchtcn. Es handelt sich in diesem Kampfe hauptsächlich um den Acht- swndcntag und eine Lohnerhöhung vo» 75 auf 85 Pf. pro Stunde. Der Verband der Bangeschäfte von Berlin und Umgegend richtet nun an uns das Ersuche», ihn dadurch zu unterstübcn, daß wir die streikenden und ausgesperrten Arbeitnehmer aus dem Baugewerbe für den Bereich unserer Organisation aussperren!! Wenn uns anch der Verband der Bangeschäfte von Berlin und den Vororte»(eingetragener Verein) nicht angeschlossen ist und somit eine statutenmäßige Pflicht nicht vorliegt, dem Wunsche zu ent- sprechen, so halten wir eS doch im allgemeinen Interesse aller Arbeitgeber zur Pflicht liegend, die gewünschte Unterstützung zu gewähren. Verband Deutscher Maschincnindustricllcr." Also vor vierzehn Tagen war man schon genötigt, aus sämtlichen Lungenpfeifcn um Hülfe zu schreien, und da stellt man sich hier stolz und„kühn" hin und schwafelt von guten Anssichten. Gewiß, für einige Leute sind die Aussichten gut: je mehr Konkurrenten bei diesem Kampfe über die Klinge springen müssen, desto größer die Ernte für die Ramscher. Einer, der schlau wurde. Einer von denen, die sich bis jetzt haben an der Rase herumführen lassen, schreibt uns: Es ist bewußter Schwindel, daß nur kleine Unter- nehmer bewilligt hätten, damit will man gerade die kleinunter- nehiner zwingen, abzulehnen. In aller Stille suchen dabei die Großunternehmer ihr Geschäftcheu zu machen. Leute, die 15 bis 20 Bauten in Arbeit haben und über 200 Mann, das sind doch keine Kleiuunternehmer. Wer sich nur etwas umschaut, findet, daß gerade au solchen Bauten massenhaft gearbeitet wird. Diese Leute lachen sich heimlich ins Fäustchen über die dummen Kerle, die ihre Bauten still liegen lassen. Anscheinend dämmert es nun doch bald bei den Unter- nehmern, die sich bisher als ein Objekt der glorreichen Zick- zackstrategie der Vahl, Heuer et tutti quanti mißbrauchen ließen. •,» Eine am Dienstag, den 11. Juni, im Neuen Klubhause statt- gefundene Versammlung der Vereinigung der Fliesenleger und Hülfs« arbeiter nahm wiederum Stellung zu dem Kampfe im Baugewerbe. Der Vorsitzende Schacht gab einen Ueberblick, inwieweit die Fliesen« leger und Hülfsarbeiter durch den Kampf in Mitleidenschaft gezogen sind und beleuchtete in kurzen Zügen die dadurch geschaffene Situation, betonend, daß diese außergewöhnlichen Zustände außergewöhnliche Matznahmen unsererseits verlangen. Die Diskussion, an der sich als Vertreter der Maurer Genosse Z e g l i n beteiligte, endete mit der fast einstimmigen Annahme folgender Resolution: Da durch den Kanipf im Baugewerbe eine Anzahl unserer Mitglieder in Mitleidenschaft gezogen und den arbeitslosen Kol- legen die Möglichkeit, Arbeit zu erhalten, bedeutend erschwert ist, beschließt die heutige Versammlung: 1. Die in Mitleidenschaft gezogenen Kollegen— Leger wie Hülfsarbeiter— erhalten vom 4. Tage ab die statutengemäße Unterstützung; also Leger pro Tag 2,50 M., Hülfsarbeiter pro Tag 2,00 M., außerdem für jedes Krnd unter 14 Jahren pro Tag 20 Pf. 2. Die arbeitslosen Kollegen erhalten von Beendigung der S. Woche ihrer Arbeitslosigkeit ab dieselbe Unterstützung; die- jenigen, die jetzt schon länger als drei Wochen arbeitslos sind, er- halten mit dieser Woche die erste Unterstützung. Da wir außer diesen Leistungen den streikenden Genossen gegenüber Solidarität in finanzieller Beziehung zu üben ver- pflichtet sind, zahlen die arbeitenden Mitglieder unseres Vereins von der 24. Woche ab(inkl.) bis ans weiteres: Leger, neben dem Wochenbeitrage von 50 Pf. pro Tag 50 Pf. Extrastcucr. Hülfsarbeiter, neben dein Wochenbeitrag von 40 Pf. pro Tag 40 Pf. Extrastencr. Die Unterstützungsbezieher haben den ein- fachen Beitrag weiter zu zahlen. Alle ausständigen resp. arbeitslosen Kollegen erhalten eine Kontrollkarte und haben diese täglich im Bureau des Vereins, Steinstr. 38, vormittags von 10—12 Uhr zur Abstempelung vor- zulegen. Für Tage, an denen sich die Karteninhaber nicht melden, wird keine Unterstützung gezahlt. Die Anwesenden verpflichten sich, den streikenden Genossen gegenüber auch in moralischer Beziehung die weitgehendste Soli- darität zu üben und Arbeiten, die sonst Maurer resp. Bauhülfs- arbeiter ausführte», strikte zurückzuweisen. Alle Vorkommnisse auf den Bauten, an welchen wir interessiert sind, niiissen dem Vereinsbureau sofort gemeldet werden. Nachdem noch darauf hingeivieseu war, daß am Donnerstag, den 20. Juni, im selben Lokale iviedcrum eine Versammlung statt- findet, die zu dem Kampfe weiter Stellung nehmen soll, sowie daß die üblichen regelmäßigen illlitgliedervcrsaminlungeu während des Kampfes ausfallen, war Schluß der Versammlung. »» » Nausreißerarbeit- In der Tieckstraße 23a läßt sich der Hauswirt A b l e r t, Böttchermeister, vom Unternehmer Aug. Hamann, Wilhelm Stolzestraße 31, einen Anbau(dein Anschein nach Fabrikräume) ausführen. Die dort beschäftigten Maurer und Bauarbeiter stellten am 27. Mai wegen Ablehnung der bekannten Forderung die Arbeit ein. Herr Abtert wollte nun angeblich die Arbeit selbst ausführen. Im Beisein von Organisationsvertretern erklärte er: Ich will jetzt mit Hamann nichts mehr zu tuu haben. Hamann hat von mir schon mehr als 1000 M. im voraus weg. Er wolle die Forderung der Arbeiter bewilligen. Das dem Hamann gehörige Nüst- und Handwerkszeug behalte er aber als Pfand für das zu viel bezahlte Geld. Da Hamann noch ein- und ausging, glaubte niemand an das Gerede und es fanden sich keine organisierten Arbeiter, die darauf hineinfielen. Darauf bemühte sich Herr Ahlcrt(freifinniger Armenvorsteher) um Akkordmaurer. Diese besorgte ihm in der Zahl von 3 Maurern und 2 Arbeitern der Unternehmer Hamann. Diese 5 Mann starke Kolonne hat nun unter polizeilichem Schutz(ein Schutzmann war ständig vor der Haustür und im Böttchcrkcller des Hauses postiertj etliche Tage geschafft, bis heute früh%9 Uhr folgendes Ereignis die Weiterarbeit unmöglich machte: Der hintere Hof des Grundstücks wird unterkellert. Soweit die Arbeit von den Lohnmaurcru ausgeführt worden ist, sind die bau- polizeilichen.Vorschriften beachtet worden. Das mutz wohl bxi der Akkordmaurcrei nicht mehr notwendig gewesen sein. Es ist in die unvermauertcn und unvcrankertcn Träger der Hofdccke hinein- gcwölbt worden, ohne die freien Felder abzusteifen. Als nun die Rausreißcr den Schluß einsetzten, gab der Träger nach und durch die Schalung ging's hinab in den Keller. Nun hat die Arbeitswillige schützende Polizei das Weiter- arbeiten verboten. Ohrenzcugcn hörten, daß der Herr Polizei- leutnant sagte: Ich habe schon viel Bauarbeiten gesehen, aber solche Pfuscharbeit noch nicht. Und: Bei drei von diesen Leuten müßte ich sechs Schutzleute stellen. Ein noch viel größeres Unglück droht auf der Baustelle Chaussee- straße. Ecke Ostsecstraße. Hier unterfängt der Polier mit drei Lehrbürschchen das Nachbarhaus. Wie dieses geschieht, ist zuzusehen empfehlenswert. Im Interesse der Bewohner dieses Hauses halten wir es für geboten, öffentlich auf die dort beliebte Arbeitsweise aufmerksam zu machen. Generllllikrsllmmlniig des Ientrillverems ftr alle in der Hut- und Filzlliarenindustrit beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Guben, irn Juni. Den Vorstandsbericht gibt Metschke. Er verweist aus den ge- druckt vorliegenden Bericht für die Zeit vom 3l. Dezember 1004 bis 31. Dezember 1S06. Da der Bericht mit dem Kalenderjahr schließt, konnten die Lohnbewegungen aus dem laufenden Jahre nicht aufgenommen werden. Die Zahl der Mitglieder ist um 66 Proz. gestiegen. Es herrscht aber eine große Fluktuation; 48 Proz. der Eingetretenen sind wieder ausgetreten. � Die Lohnbewegungen ohne Streiks haben überall Erfolge erzielt. Mehr ließ sich nicht erreichen, weil die große Zahl der in der Woll- und Strohutbranche beschäftigten Personen für die Organisation noch nicht gewonnen sind. Redner empfiehlt paritätische Arbeitsnachweise, die jetzigen Verhältnisse seien unhaltbar. Facharbeitsnachweise seien besser nicht einzuführen, weil die Organisation noch zu schwach sei. Es sei unklug, den Gegnern vorher bekannt zu geben wann die Lohnbewegung beginnen solle. In der Haarhutbranche liegen die Verhältnisse— wegen ausgiebiger Benutzung der Maschinen— jetzt schlechter für die gelernten Arbeiter. Darum sei es notwendig, in eine regere Agitation für den Verein einzutreten. Mit 40 Proz. Organisierten sei nichts zu erreichen. Ein besserer Ausbau der Kassenverhältnisse müsse erfolgen, um, wenn die Zeit gekommen, die Unterstützungseinrichtungen vervollkommen zu können. Bezüglich der Kartellverträge sei zu empfehlen, möglichst überall solche abzuschließen. � Eine internationale Streikkasse habe wenig Zweck, wenn so geringe Beiträge, wie z. B. in Italien gezahlt würden. Solche Organisationen hätten es dann gar nicht nötig, ihre Beiträge zu erhöhen. Nach dem Bericht der Mandatsprüfungskommission sind 48 Delegierte anwesend, es fehlt ein Mandat aus Altenburg. Das Mandat für Hamburg, Bremen und Braunschweig wird beanstandet. P f i tz n e r- Dresden gibt einen Bericht des Ausschusses. Es sind 12 Beschwerden eingegangen, zwei wurden als begründet er- achtet, acht zurückgewiesen, eine zurückgezogen, eine dem Vorstand überwiesen. Die Anstellung eines zweiten Beamten habe die letzte Generalversammlung verweigert, der Ausschuß aber habe f in- zwischen den Beamten doch anstellen müssen. An der Geschäfts- führung sei alles in bester Ordnung befunden, dagegen sei die der einzelnen Filialen zu bemängeln. Die Berichte des Ausschusses und deS Vorstandes werden angenommen. M e tz s ch k e nimmt sodann als Referent das Wort zur Statutenänderung. Der Antrag Guben betreffend Festlegung der Altersgrenze im Statut sei unzweckmäßig und schädlich. Der Antrag Hamburg, bei 30 jähriger Mitgliedschaft von weiteren Beiträgen zu entbinden, schaffe nur Ehrenmitglieder. Um den Abschluß eines Dienst- Vertrages mit den Angestellten zu ermöglichen, sei eine Acnderung des 8 10 notwendig, auch eine Festlegung der Arbeitszeit und der Obliegenheiten der Beamten sei erforderlich. Die Beiträge zu den staatlichen Versicherungen müßten, wie bei anderen Organisa- tioncn, von der Organisation getragen werden; auch die Hälfte der Beiträge zur Unterstützungsvereinigung. Es sei traurig, daß die agitatorische Wirkung der Generalversammlungen fortfalle; er beantrage deshalb, die spätere in Altenburg abzuhalten. Uebcr die Arbeitslosen- und Erwerbslosen-Unterstützung führt Referent aus: Die Organisation strebe in erster Linie dahin, im Wirt- fchaftlichcn Kampfe seine Mitglieder zu stützen. Nur wer der Stärkste seh könne einen großen Kampf siegreich durchführen. Weil der Organisation die Macht fehlte, sei sie ins Hintertreffen gegen- über anderen Organisationen geraten. Darum sei schon 1805 der Entschluß gefaßt worden, alle in der Hut- und Filzbranche Beschäftigten dem Verein zuzuführen, darum sei das Obligatorium abgeschafft und seien Staffelbciträge eingeführt worden. Heinz mann- München erklärt sich für Erhöhung der Bei- träge um 10 Pf. und fragt an, ob eine doppelte Unterstützung gezahlt werde, wenn man nun auch der UnterstützungSkasse angehöre. Metzschke: Man erhalte selbstverständlich doppelte Unter- stützung. Die Zuschußkasse werde darum nickt sofort zusammen- stürzen, sondern nur allmählich eingehen, falls die Erwerbslosen- Unterstützung eingeführt werde. K n o l l- Generalkommission: Er habe einen Kompromiß- Vorschlag: Die UnterstützungSkasse in Liquidation treten zu lassen, indem man aus dein vorhandenen Fonds Zuschüsse an die Mit- glieder zahle. Klinke- Sommerfeld will das Unterstützungswcscn weiter ausgebaut wissen, auf jeden Fall für die weiblichen Mitglieder. G r o n w a l d- Berlin hält es ebenfalls für nötig, daß für die Frauen etwas geschehen müsse und bittet um Annahme der Berliner Anträge, die Arbcitslosigkeitsunterstützung für die dritte Klasse auch bei Krankheit zu gewähren. F l e m i s ch- Wien: Auch in Oesterreich sei die Industrie auf dem Wege vom Klein- und Mittel-, zum Großbetrieb. Die Arbeiterschaft in der Industrie setze sich aus allen Kreisen zu- sammen. Da habe man sich gesagt, daß man irgend etwas schaffen müsse, um Mitglieder heranzuziehen. Es sei sehr schwer in älteren Organisationen etwas Neues einzuführen, da die älteren Mit- glieder gegen Acndernngen seien und mit gewissem Recht. Aber aus Idealismus kommt niemand mehr. So groß die Fluktuation früher gewesen sei, so groß sei jetzt nach Einführung der Unter- stützung die Stabilität des Mitgliederbestandes. Streich- Berlin begründet einen Antrag; die Beiträge sollen 90, 50 und 25 Pf. je nach der Klasse betragen. K n o l l(Generalkommission) tritt warm für die Erwerbs- loscnunterstützung ein, empfiehlt aber eine Staffelung der Beiträge und Unterstützungen auch in der Richtung, daß die älteren Kollegen dabei keinen Schaden erleiden. Mit 43 gegen 5 Stimmen erklären sich die Delegierten im Prinzip für die Erwcrbslosenunterstützung, mit 26 gegen 22 Stimmen für die allgemeine(obligatorische) Einführung der Er- wcrbslosenuntcrstützung; der Antrag ist jedoch abgelehnt, da zwei Drittel Majorität bei Statutenänderungen notwendig ist. Einstimmig nimmt darauf die Versammlung den Antrag auf Einführung der Erwerbslosenunterstützung für die dritte Klasse (Frauen) an, worauf Luckenwalde seine damit in Verbindung stehenden Anträge zurückzieht. Hierauf wird eine elfgliedrige Kommission gewählt zur Bearbeitung der Statuten, Ein Antrag Luckenwalde-Berlin-Neudamm um Verlegung deS Vorstandssitzes nach Berlin wird gegen 15 Stimmen abgelehnt. Ebenso ein anderer, der die Umwandlung des Namens Zentral- verein in„Zentralverband" fordert. Ein Antrag, der den Vorstand ermächtigt, in großen Mitglied- schaftcn resp. Bezirken ein geschäftsführcndes Vorstandsmitglied voll besolden zu können, wird in namentlicher Abstimmung mit 33 gegen 15 Stimmen angenommen. Als Sitz des Vcreinsausschusses bestimmt die Versammlung auch fernerhin Dresden; Pfützner wird wieder zum Vorsitzenden, Herr mann-Dresden zu seinem Stellvertreter gewählt. Möckel-Berlin erstattet darauf den Bericht vom inter- nationalen Hutarbeiterkongretz vom 13. bis 16. August 1906 in Frankfurt a. M. Folgende Resolution Pfützners wird angenommen:„Die 9. Generalversammlung nimmt den Bericht von dem viiac* nationalen Hutarbeiterkongretz zur Kenntnis und beauftragt die Delegierten zu dem künftigen Kongreß, dafür einzutreten, daß bei Abstimmungen daselbst die Zahl der Mitglieder der einzelnen BundeSorganisationcn entscheidet." Mit der Stellungnahme der Delegierten auf dem Kölner Gc- wcrkschaftSkongretz— Metzschke und Psützner—, die für die Bc- schlüsse des Kongresses stimmten, ist die Versammlung ohne Debatte einverstanden. Beschlossen wird sodann, daß sich alle im Ausland arbeitenden Mitglieder des Vereins der betreffenden Landesorganisation an- zuschließen haben. Zum internationalen Arbeiter- und Gewerkschaftskongreß 1907 wird Metzschke delegiert. Die Beschickung der Generalversammlung deS österreichischen Brudervercius bleibt dem Vorstand überlassen. Zum nächsten Gewerkschaftskongreß werden delegiert: Sicfert vom Vorstand(Metzschke als Stellvertreter), von Berlin Möckcl (Vehlke, Gronwald, Schneider als Stellvertreter) und von Dresden Pfützner(Hcrrmann und Sieb als Stellvertreter). Als Delegierte zum internationalen Hutarbeiterkongretz 1909 in Wien werden ohne längere Debatte Heinzmann-München, Schneider-AItenburg, Gronwald-Berlin, als Ersatzleute Damm- Dresden, Möckel und Streich-Berlin gewählt. Unter Agitation wird beschlossen: „Mitgliedschaften, die einem Agitationsbezirk nicht an» gehören resp. einen Bezirk für sich allein bilden und Ausgaben für Agitation usw. nicht haben, dürfen die für diesen Zweck be» stimmten Prozente der Einnahmen nicht zurückbehalten am Orte, sondern müssen sie als Ucberschuß an die Hauptkasse abführen. Die Agitationsbczirke haben über Einnahme und Ausgabe alljährlich im„Corrcspondcnt" Rechnung zu legen, lieber- schüssige Gelder, die voraussichtlich im nächsten Vierteljahr keine Verwendung finden, sind ganz oder zum größten Teil an die Hauptkassc einzuschicken. Von allen Agitationsschriften, die die Agitationskommissionen der Mitgliedschaften oder Agitationsbezirke herausgeben, sind je mehrere Exemplare an das Vcrbandsburcau zu schicken." Ein Vorstandsantrag, der die Ermächtigung für den Vorstand fordert, alljährlich mehrere Mitglieder auf Vercinskosten zu den gewerkschaftlichen Unterrichtskurfen der Gcneralkommission ent- senden zu dürfen, wird einstimmig angenommen; die Auswahl der Teilnehmer trifft der VcreinSvorstand. Unter Vcrwaltungsangelegenhciten find zwei Anträge vom VercinSvorstand gestellt, der sich dadurch eine Vereinfachung der Geschäftsführung für Haupt- und Filialkassiercr verspricht; beide Antrüge wurden angenommen. Ueber die Ausführung derselben werden sich die Kassierer verständigen. Entsprechend dem Vorschlage der Statutenbcratungskommission wird eine Reihe von Zusatz- und Abänderungsanträgen zum Statut angenommen. Sodann wird in der Beratung der Anträge der Statuten- ändcrungSkommission fortgefahren und eine teilweise Aus- gestaltung des ArbeitSnachweiSreglements borgenommen. Zur Maifeierfrage liegt folgender Luckenwalder Antrag vor: In Betrieben, wo vier Fünftel der Beschäftigten in unserem Differenzen hieraus entstehen, Anspruch auf Unterstützung." Metzschke bringt folgende Abänderungen und Zusätze zu dem Antrage Luckenwalde in Vorschlag: Statt drei Viertel„fünf Sechstel der Beschäftigten" zu setzen; für die ersten sechs Arbeitstage der Aussperrung wird keine Unter- stützung gewährt; Forderungen dürfen im Falle einer Mai- aussperrung nur mit Zustimmung des Vereinsvorstandes gestellt werden. Der Antrag wird mit den beantragten Abänderungen und Zusätzen angenommen. Metzschke erhält das Wort zu einem Referat über„D i e Taktik bei Lohnbewegungen und Streiks". DaS Strcikrcglcment erhält verschiedene Aenderungen. Auf Antrag Heinzmanns- München wird dem Vereins- vorstand einstimmig Decharge erteilt. Der KommissivnSantrag, an Beiträgen für die 1. Klasse 50 Pf., für die 2. Klasse 35 Pf. zu erheben, wird angenommen; für die 3. Klasse wird ein Beitrag von 20 Pf. wöchentlich festgesetzt. Es werden hierauf noch einige Aenderungen zum Punkte Unterstützung angenommen. In den Vorstand wird einstimmig als 1. Vorsitzender Metzschke wiedergewählt, als 2. Vorsitzender und Hauptkassierer Sicfert. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Huö Induftm und Handel. Lebensmittelpreise. Kürzlich hat der ZentralanSschuß Berliner kaufmännischer, ge» werblicher und industrieller Vereine das Ergebnis einer Enquete über Schweine-, Vieh- und Fleischpreise veröffentlicht, wodurch die Klagen über zu große Preisspannung zugunsten der Fleischer als nicht stichhaltig erschienen. Die„Deutsche Tageszeitung" gibt nun einer Zuschrift Raum, in der es heißt:„Die vom Zentralausschuß als tatsächlich festgestellten Detailpreise haben zweifellos in weiten Kreisen Erstaunen hcrvorgenifen...." Es werden da weiter An- gaben gemacht über Preise, die in verschiedenen Stadtvierteln ge« zahlt worden sind. Diese Preise in Vergleich gestellt mit den vom ZentralanSschuß ennittelten geben folgendes Bild: Es kostete Va Kilogramm in Pfennigen Eimittelung zurzeit gezahlte tatsächliche Preise des Zentral. Hansa- Eharlottcnburg- WilmerS- Slral. ausschusjcs viertel Westend Moabit Tor Karbonade 94 100 90 100 110'100 Kamm.. 74«S 85 80 85 90 Schinken. 67 70 75 65 85 100 Bauch.. 60 65 65 60 75 70 Rückcnfett. 56 65 60 60 65 60 Liefen.. 55 60 60 50 60 60 Die wirklichen Preise erheben sich nicht unwesentlich über dp'« vom ZentralanSschuß ermitteltem Anscheinend wird das Jahr 1907 überhaupt ein rechtes Tcummgsjahr werden. Nach Berliner Notierungen wurden im April 1907 gegenüber dem Vcrglcichsmonat deS Vorjahres höher bezahlt(per Kilogramm): Kartoffeln 1 Pf, Hammelfleisch 20 Pf., Butter 10 Pf., Kohle 7 Pf. Noch erheblicher sind die Aufschlage im Großhandel. ES kostete z. D. ein Doppelzentner in Mark: 'Ä" Ä----- r.»°, April 190S. 21.43 24.2S 3.17 13S.S 1S.3S«2.00 . 1307. 23,33 23.00 6,17 144,6 18,33 70,00 In 1907.+ 1,90 1,75 3,00 9,00 2,00 8,00 Nur bei Baumwolle, Schweinen und Kaffee haben die exzeptionell hohen Preise des Vorjahres etwas eingebüßt. Das kräftigere An- ziehen der Preise im Großhandel tritt im Kleinhandel natürlich später in Erscheinung._ Ausstellung für Bureaubedarf. Vom v. bis 20. Oktober findet in Berlin in den Ausstellungshallen am Zoologischen Garten eine „Allgemeine Ausstellung für Bureaubedarf" statt. Die Ausstellung soll in geschlossener Vorführung zeigen, was Industrie und Praxis geschaffen haben, um die Tätigkeit in staatlichen, kommunalen, kauf- männischen und technischen Bureaus zu erleichtern und korrekter zu gestalten. Das Bureau des Arbeitsausschusses und des Komitees be« findet sich Joachinisthalcrstraße 45, I. Expansion. Der Montantrust Gelsenkirchen-Schalke-Rote Erde sucht seine Macht immer noch mehr zu verstärken. Wie die „K. V. Ztg." vernimmt, hat die Gelsenkirchener Bergwerks-Aktien- gesellschaft in der letzten Zeit große Erwerbungen von Kuxen der Gewerkschaft Haus Aden gemacht, so daß sie gegenwärtig den größten Teil derselben besitzt. Das Grubenfeld dieser Gewerkschaft liegt auf dem südlichen Ufer der Lippe, zwischen den Städte» Luenen und Werne. Die Gelsenkirchener Gesellschaft soll beabsichtigen, in dieser etwa drei Normalfelder umfassenden Gerecht- fame eine große Vergwerksanlage zu errichten, die später eine un- mittelbare Verbindung mit einem an der benachbarten Lippe an- zulegenden Zechenhafen erhalten soll. Aschingrr. An der Börse kursierten am Dienstag Gerüchte über finanzielle Schwierigkeiten bei der Aschinger-Gesellschaft. Die Direktion erläßt nun eine Erklärung, in der jene Gerüchte als voll« ständig aus der Luft gegriffen, bezeichnet werden. Die Gesellschaft sei nicht nur bisher in der Lage gewesen, auf das prompteste alle Verpflichtungen zu erfüllen, sondern ihre durch bindende Verträge mit Firmen allerersten Ranges getroffenen Dispositionen seien der Art, haß die Mittel für alle von der Gesell- schast noch zu leistenden Zahlungen gesichert sind.— Einem Mitarbeiter des„B. T." hat die Direktion ferner noch mündliche Informationen erteilt, ans denen wir folgendes wiedergeben: „Die ersten Monate des Geschäftsjahres 1907 haben sich bei unserem Unternehmen durchaus zufriedenstellend entwickelt. Die Einnahmen sind von Monat zu Monat gestiegen. Auch unser neues Unternehmen, das.Weinhaus Rheingold", prosperiert. Falls die Einnahmen der nächsten Monate sich auf derselben Höhe bewegen, wie die der abgelaufenen fünf Monate, werden wir für 190« eine weitere Steigerung des Reingewinnes ausweisen können. „Die Gerüchte, die amcheinend von böswilliger Seite über unsere Zahlungsfähigkeit in Umlauf gekonnnen sind, haben offenbar Nährstoff aus der Hinausschiebung der Eröffnung des Hotels , Fürstenhof" geschöpft. Und in der Tat haben wir durch diese Ver- zögerung, die eine Folge des Tischlerstreikes und der Aussperrung der Bauarbeiter ist, Schaden erlitten, die Baukosten haben sich durch diese Verzögerung nicht unwesentlich erhöht." Daß die Tischler- aussperrung die Fertigstellung des„FürstenhofeS" hinausgeschoben hat, ist schon im Geschäftsbericht gesagt worden. Für die finanziellen Schäden, die der Gesellschaft aus den beiden Aussperrungen ent- standen sind, sollten die beteiligten Unternehmer haftbar gemacht werden. Soziales. .Sachgemäßes" ärztliches„BerlrauenS"-Gutachten und schleppender Geschäftsgang in der Rechtsprechung über Arbeiterverstcherung. Einen Kampf um die Invalidenrente führt seit mehr als drei Jahren eine 48jährige Näherin in Köln. Das Schiedsgericht für Arbeiterversicherung in Köln hat sie wiederholt mit ihrer Klage gegen die Versicherungsanstalt Rhcinprovinz abgewiesen. Am 26. Januar 1906 sandte sie eine Revisionsschrift an das Reichs- versicherungSamt. Monatelang nachher war noch nicht einmal ein Termin bestimmt. Auf eine Anfrage erhielt die Klägerin die Antwovt, daß das vorbereitende Verfahren zwar ab- geschlossen sei, eine Verhandlung könne jedoch„mit Rücksicht auf die große Zahl gleich bedürftiger älterer Sachen erst in einiger Zeit stattfinden". Erst am 22. September, volle acht Monate nach Ein- rcichung der Revisionsschrift, hat dann die Verhandlung statt- gefunden. Und dabei lag nach den Erklärungen des Reichs- versicherungsamtes noch eine große Zahl älterer Sachen vor! Das Urteil Verwies die Klage an das Schiedsgericht für Arbeiter- Versicherung in Köln zurück. Die Begründung, die uns vorliegt, ist die denkbar schärfste Kritik gegen die Art, wie das Kölner Schiedsgericht gearbeitet hat. Das Reichsversicherungsamt stellt nämlich fest, daß daS Schiedsgericht die Abweisung gestützt hat auf die„gutachtliche Aeußerung" des Vertrauensarztes Dr. Krautwig „und auf den Augenschein". Dabei hat aber, wie das Protokoll ergibt, Dr. Krautwig seine Aeußerung ohne vorgängige Unter- suchung der Klägerin abgegeben, und das Ergebnis des„Augen- scheins" steht, wie das Reichsversicherungsamt weiter ausführt, in einem unvermittelten Widerspruch mit dem eingehend begründeten Gutachten des Dr. Engländer, der die Klägerin seit zwölf Jahren kennt und seit dieser Zeit behandelt hat". Abgesehen davon könnte bei der Natur des Leidens der Klägerin(chronisches Unterleibs- leiden und hochgradige Nervosität— die bekannten Näherinnenkrankheiten) der„Augenschein" für die Beurteilung der Erwerbs- Unfähigkeit nicht ausschlaggebend sein. Ferner sei noch mitgeteilt. daß die Klägerin auch durch ein Gutachten des Armenarztes Dr. Böse in Köln für dauernd erwerbsunfähig erklärt worden ist. DaS Kölner Schiedsgericht aber bestreitet die Erwerbsunfähigkeit auf Grund des„Augenscheins" und des„Gutachtens" eines jungen Arztes, der die Kranke gar nicht untersucht hat! Eine solche Art Rechtsprechung kennzeichnet sich selbst schärfer als es die tadelnste Kritik vermag. Leider ist diese Art Rechtsprechung in Sachen, in denen eS sich um Rechte handelt, die durch sauer erworbenes und vom Reich eingeheimstes Geld der Arbeiter erworben sind, ins- besondere seit Dr. Bödikers Ausscheiden aus dem Reichs- versicherungSamt, nicht vereinzelt, sondern fast typisch. Nachdem das Reichsversicherungsamt das Kölner Schiede- gerichtSurteil als unbrauchbare Arbeit aufgehoben hatte, hat dieses Gericht in der neuen Verhandlung die Klage abgewiesen, weil die Klägerin— die Wartezeit nicht erfüllt habe. Ist dieser Ab- Weisungsgrund gerechtfertigt, so gibt daS Schiedsgericht durch das neue Urteil selbst zu, daß es bei dem ersten Urteil die Prinzipal- frage, ob die genügende Zahl Beitragswochen geleistet war, gar nicht geprüft und entschieden hat. Im übrigen bestreitet die Klägerin diese neue Entdeckung des Schiedsgerichts durchaus, da sie als erwerbsunfähig und freiwillig weiterversichert nur alle zwei Jahre 40 Beiträge zu leisten brauchte. Das ReichsversicherungS- amt wird infolge der erneuten Revision der Näherin sich auch mit dem neuen Ergebnis Kölner SchiedsgerichtS-Rechtfprechung zu be- fassen haben._ B erstößt da? Konkurrenzverbot mittel« Konknrrenzklaufrl bei Zahnärzten gegen die guten Sitten? Mit dieser Frage hatte sich kürzlich das Reichsgericht zu be- schäftigen. Es hatte der Zahnarzt Bock in Nürnberg mit den bei ihm im Jahre 1899 als Assistenzarzt eingetretenen Zahnarzt Weidenslaufer zu Nürnberg einen Vertrag abgeschlossen, nach welchem sich W. bei einer Konventionalstrafe von 19 996 M. ver- pflichtete, nach Austritt aus dem Geschäfte des Bock vor Ablauf von 3 Jahren weder in Nürnberg noch innerhalb 12 Kilometer in Nürnbergs Umgebung eine gleiche Praxis zu gründen, oder eine ähnliche Stellung wie bei ihm zu übernehmen. AIS Gehalt sollte Weidenslaufer monatlich 600 M. und nach Ablauf von drei Jahren 630 M. erhalten. Sodann behielt sich Bock in dem Vertrage noch vor. daß im Falle seines Ablebens— falls sein Sohn noch nicht an seine Stelle treten könnte— W. seine Praxis solange unter Leitung von Bockas Frau weiterführen sollte. Weidenslaufer hielt diesen Vertrag jedoch nicht inne, und machte sich vor emigen Jahren in Nürnberg selbständig. Daraufhin klagte Bock gegen W. auf Zahlung der 10 000 M. Konventionalstrafe. Der Beklagte wandte ein, daß der betreffende Vertrag gegen die guten Sitten und gegen die Standesehre des Arztes ver- stoße. Er führte hierfür auch die Gutachten von Sachverständigen dor Aerztekammern an, die bekunden, daß eine derartige Kon- kurrenzklausel gegen die ärztliche Standesehre verstoße. Der Be- klagte legte noch dar, daß es für ihn, der in Nürnberg bekannt sei, unmöglich wäre, mit Frau und Kind Nürnberg zu verlassen, um sich in einer anderen Stadt eine Praxis zu gründen. DaS Landgericht und Oberlandcsgericht Nürnberg ver- urteilten den beklagten Zahnarzt Weidenslaufer jedoch zur Zahlung der Konventionalstrafe, allerdings mit der Maßgabe, daß das Oberlandcsgericht die Strafe von 10 000 M. auf 7000 M. ermäßigte. DaS Oberlandesgericht führt in seiner Urteilsbegründung aus, daß der Beklagte zweifellos gewußt habe, was für einen Vertrag er eingehe, und dieser deshalb auch gelten müsse, andernfalls könnte kein Zahnarzt gegen seine Konkurrenz einen Vertrag schließen, wenn darin ein Verstoß gegen die guten Sitten liegen sollte. Die vom Beklagten gegen dieses Urteil beim Reichsgericht eingelegte Revision war von vollem Erfolge begleitet. Die Revision machte besonders zwischen bloß geschäftlich gewerbetreibenden Kauf- leuten usw. und höher stehenden Standcsberufcn insofern einen Unterschied, als bei den einen nur das rein geschäftliche Interesse mitspreche, während bei den anderen, wie bei den Aerzteberufen, ideelle Fragen und das Vertrauen des Publikums mitsprächen; auch sei es ganz und gar eine unsittliche Vertragsklausel, daß der studierte Zahnarzt eventuell im Dienste der Frau des Klägers weiterarbeiten sollte, bis der Sohn des Klägers so weit wie nötig ausgebildet sei. Der III. Zivilsenat des Reichsgerichts hob das Urteil beS Ober- lanbcsgerichts Nürnberg auf und wies den Zahnarzt Bock mit seinen Ansprüchen vollständig ab. Tierhalterhaftpflicht bei Verleihung des Fuhrwerk? aus Gefälligkeit. Der Kaufmann St. in Bremen stellte dem Kaufmann R. dortselbst sein mit Pferden bespanntes Fuhrwerk zur Ver- fügung, damit er sein krankes Kind ins Krankenhaus bringen konnte. Diese Fahrt hat der Ehemann der jetzt klagenden Witwe H. mit angetreten. Kurz vor dem Krankenhaus scheuten die Pferde und der Ehemann der Klägerin sprang deshalb vom Wagen. An den hierbei erlittenen Verletzungen ist er dann gestorben. Von Bedeutung für die Beurteilung dieses Falles ist es hier, daß der beklagte Tiereigentümer St. die Pferde selbst leitete und somit die Führung und Aufficht übernommen hatte. Das Landgericht erkannte die Klageansprüche dem Grunde nach für gerechtfertigt an. Auch das Ober- landesgericht Hamburg urteilte auf die Berufung der Be» klagten in demselben Sinne. Das Lberlandesgericht geht, waS die eigentliche Tierhalterhaftung anlangt, in diesem Falle davon auS, daß es durchaus nicht der Wille des Fuhrwerkleihers gewesen sei, auch die Haftpflicht der Tiere mit zu übernehmen, und daß, falls man sich vor der Fahrt darüber befragt hätte, der Leiher aus das Fuhrwerk verzichtet haben würde, wenn der Beklagte erklärt hätte, daß er die Haftpflicht sür eventuelle Unfälle aus dem§ 833 B.-G.-B. übernehmen solle. Zudem habe auch der Beklagt« felbst das Fuhrwerk geleitet. Die gegen das oberlandesgerichtliche Urteil eingelegte Revision hatte keinen Erfolg und wurde vom IV. Zivilsenat des Reichs- gerichts zurückgewiesen.— Eine andere Beurteilung hätte dieser Fall allerdings auch dann gefunden, wenn der Leiher des Fuhr» Werks selbst fahrtüchtiger Kutscher gewesen wäre, und als solcher die Leitung des Fuhrwerks zu seinem eigenen Vorteile übernommen haben würde. Gleichgültig wäre es dann gewesen, ob der Be- klagte mitgefahren oder zu Hause geblieben Ware. In diesem Falle war es jedoch von Bedeutung, daß er dem anderen Kauf- mann ans Gefälligkeit den Wagen zur Verfügung stellte, oder wie man auch sagen kann, ihn aus Gefälligkeit fuhr. Durch eine Ge- fälligkeitsfahrt kann man aber schlechthin noch nicht den Uebergang der Tierhalterhaftung annehmen, da dies dann regelmäßig dort eintreten müßte, wenn ein Juhrwerksbesitzer aus Gefälligkeit einem anderen eine Fuhre leistet. ömcbtd- Zeitung. Den Wiedererwerb der verlorenen Reichs- und SlaatSzugehörigkeit betrifft eine am 7. d. M. gefällte Entscheidung deS preußischen Oberverwaltungsgerichts. Der Handelsmann A. Silber, der als Sohn eines deutschen Staatsangehörigen geboren ist, verließ 1380 Deutschland, versehen mit einem Auslandspaß, und begab sich nach San Francisco, wo er die amerikanische Staatszugehörigkeit erwarb. Nachdem er durch das große Erdbeben Hab und Gut drüben ver- loren hatte, kehrte er 1906 in die alte Heimat zurück. Er ging nach Ostrowo, wo er Verwandte hatte, und gründete dort ein kleines Geschäft. Der Landrat zu Ostrowo wies ihn im Februar 1907 als einen Ausländer aus Preußen aus. Nunmehr stellte Silber (auch Goldbaum genannt) beim Regierungspräsidenten in Posen den Antrag auf Wiederaufnahme in die preußische Staatszugehörig- keit, die er durch seine lange Abwesenheit ja verloren hatte. Und zwar behauptete er, ein Anrecht gemäß 8 21 Nummer 5 des Reichs- gesetzes vom 1. Juni 1870 darauf zu haben. Die von ihm an» gezogene Bestimmung lautet:„Deutsche, die ihre StaatSangehörig- keit durch zehnjährigen Aufenthalt im Auslände verloren haben und demnächst in das Gebiet des Deutschen Reichs zurückkehren, er- werben die Staatsangehörigkeit in dem Bundesstaat, in dem sie sich niedergelassen haben, durch eine von der Höheren Verwaltungs- behörde ausgestellte Aufnahmcurkunde, die auf Nachsuchen ihnen erteilt werden mutz." Der Regierungspräsident lehnte die Ausstellung der Urkunde ab, weil diese Bestimmung auf den vorliegenden Fall nicht zu- träfe, da S. iuzwi chen Ausländer, nämlich amerikanischer Staats- bürger, geworden ei.— S. klagte darauf beim ObervcrwaltungS- gericht und machte geltend,§ 21 Nr. 6 sei sinngemäß dahin aus- zulegen, daß er keinen Unterschied machen wolle zwischen solchen Deutschen, die inzwischen auch eine ausländische Staatszugehörig. keit erworben hätten, und denen, wo dies nicht der Fall sei. Das Oberverwaltungsgericht wies aber die Klage ab. Es stellte sich auf den Standpunkt, daß keinen Anspruch auf die Vergünstigung des § 21 Nr. 5 des Gesetzes vom 1. Jum 1870 diejenigen hätten, die im Auslande eine andere StaatSzugehörigkcit erworben haben. Ihnen bleibe nur der Weg der Naturalisation gemäß Z 2 offen, darauf hätten sie aber als„Ausländer" kein Klagerccht. Ein Klage- recht auf Wiederaufnahme in die deutsche Reichs- und Staats- Zugehörigkeit hätten nur die Deutschen, die lediglich durch mehr als zehnjährigen Aufenthalt im Auslände die Staatszugehörigkeit in Deutschland verloren haben. Strafbare Schiebung. Wegen strafbaren Eigennutzes ist am 22. Dezember v. I. vom Landgericht Hagen der Klempner Alfred Knülle in Schwerte zu einer Woche Gefängnis verurteilt worden. Sein Voter hatte ihm zur Einrichtung eines Geschäftes ein Darlehen von 700 M. gewährt, Der Angeklagte kaufte für das Kell! Handwerkszeug und Einrichtungsgegenstände. In einem schriftlichen Vertrage ver- pflichtete er sich, für den Fall des Eintrittes unvorhergesehener Ereignisse das Eigentumsrecht an dem Handwerkszeug und den etwaigen Forderungen seinem Vater zu übertragen. Als der An- geklagte nun später in Schulden geriet und seine Zahlungen ein- stellte und eine Firma in B a r m e n einen rechtskräftigen Zahlungs- befehl gegen ihn erwirkt hatte, übertrug er sein ganzes Geschäft mit allen Waren im Werte von 1369 Di. und seine Forderungen in Höhe von 88 M. seinem Vater. Die Gläubiger hatten das Nachsehen, da der Angeklagte den Offenbarungseid leistete.— Die Revision des Angeklagten wurde am Dienstag vom Reichsgericht verworfen.. Trotz der Uebertragung haftet das Geschäft den Gläubigern des Verurteilten._ Bewirkt der gestattete Gebrauch eines fremden Namen? Urkundenfälschung? Vom Landgerichte Hagen ist am 13. März der Gärtned Karl Gustav Götte wegen schwerer Urkundenfälschung zu einer Woche Gefängnis verurteilt worden. Er konnte seine Gläubiger nicht befriedigen und wollte, ohne daß diese es merkten, gewisse Waren in eineni Fachblatte zum Verkauf ausbieten. Ein Hausgenosse K. hatte ihm gestattet, sich mehrfach seines Namens zu bedienen und auch Briefe für ihn in Empfang genommen. Götte hatte nun auch unter K.s Namen eine Anzeige aufgegeben und nicht bezahlt. Der Verleger des Blattes verklagte dann K. auf Zahlung und wurde abgewiesen, da K. nachwies, daß er nicht der Besteller des Inserates gewesen sei. In seiner Revision bestritt der Angeklagte, daß zwischen seinem Bestreben, sich einen Vermögens- vorteil durch den Verkauf der fraglichen Gegenstände zu verschaffen, und der Urkundenfälschung ein Zusammenhang bestehe.— Der Reichsanwalt war der Ansicht, daß von einer Urkunden- fälschung nicht die Rede sein könne, weil K. die Erlaubnis zur Be- Nutzung seines Namens gegeben habe und kein Fall vorliege, wo eigenhändige Unterschrift erforderlich gewesen wäre. Er beantragte aber dennoch Verwerfung der Revision, da andere Strafsenate in solchen Fällen entgegen der Praxis der Zivil- s e n a t e eine Urkundenfälschung angenommen hätten.— Der 5. Strafsenat hob aber am Dienstag das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. v. ManteuffelS„Ochsen und Pferdeknechte". Eine Szene aus dem Eisenbahncoupö lag einer Anklage wege8 Bcamtenbeleidiguug zugrunde, ivelche gestern den Bureaudiätar Karl v. Manteuffel vor das Schöffengericht Berlin-Schöneberg führte. Am 12. Dezember v. I. fuhr der jetzt in Wittenberg stationierte Lokomotivführer Sauer mit seinem Schwager in einem Stadtbahn- zuge vom Potsdamer Bahnhofe aus. Unterwegs stieg der An- geklagte v. Manteuffel, der sich in Begleitung eines anderen Herrn befand, in das Abteil ein. Als er den Lokomotivführer bemerkte, be» gann er sosort.seincm Begleiter einen Bortrag über den niedrige* Bildungsgrad der Eisenbahnbeamten zu halten, wobe, er sich verschiedener beleidigender Olusdrücke bediente. Als sich Sauer die Sticheleien verbat, suhr der Angellagte erst recht grobes Geschütz auf und äußerte:„Die sämtlichen Eisenbahnbeamten wären nur Ochsen und Pferdeknechte, sie könnten nur knapp. bis vier zählen, mehr würde aber auch gar nicht verlangt, denn dies genüge vollständig zum Eisenbahnbeamten'. DaS Humoristische hierbei ist, daß der Angeschuldigte früher selbst bei der Eisenbahn- behörde angestellt gewesen, also selbst Eisenbahnbeamter ivar. Da M. in dieser Weise weitere Beleidigungen aus- stieß, sah sich Sauer veranlaßt, die Persönlichkeit deS Angeklagten feststellen zu lassen.— Bor Gericht behauptete v. Manteuffel, er könne sich auf den damaligen Vorfall absolut nicht mehr besinnen, weil er seinerzeit ziemlich stark angetrunken gewesen sei. Der Staatsanwalt hielt den Angeklagten der gröblichsten Beleidigungen für überführt, beantragte aber mn Rück- ficht auf die bisherige Unbefchollenheit des Angeklagten und weil dieser wahrscheinlich nicht ganz nüchtern gewesen war, eine Geld» strafe von 80 Mark. Das Gericht erkannte diesem Antrage gemäß auf 30 Mark Geldsttafe event. vier Tage Gefängnis. Wäre auch ein Arbeiter ohne„von" mit so niedriger Geldstrafe fort- gekommen oder hat das Gericht die humorvolle Selbsteinschätzung berücksichtigen wollen?_ Eine HauSbefitzerin als Ladcndiebin. Um enorme Diebereien einer vermögenden Dame handekte etz sich in einer Anklagesache, die vor dem Schöffengericht Berlin- Schönebcrg zur Verhandlung kam. Wegen fortgesetzten Diebstahls mußt« sich die Hauseigentümerin Wilhelmine Kautsch aus Schöne» bcrg verantworten. Die Angeklagte, welche in der Gothenstraße ein grögeres Grundstück besitzt und auch sonst kapttnlistisch sehr gut ge- stellt ist, machte häufig bei dem in derselben Straße wohn- haften Posamentenhändler Peter kleine Einkäufe. Jedesmal, wenn die Angeklagte in dem Geschäft etwas gekauft hatte, fehlten sonderbarerweise verschiedene Waren. Am V. Februar dieses Jahres kaufte Frau K. wiederum in dem Pcterfchen Geschäft Spitzen. Sie verstand eS in geschickter Weise, die Llufmerksamkeit de�Verkäuferin Brödlau abzulenken, und ließ plötzlich eine Rolle Spitzen unter ihrem Umhange verschwinden. Als die Angeklagte gerade den Laden verlassen wollte, bemerkte Frl. B. den Verlust und fragte die Angeklagte, ob sie die mitgenommenen Spitzen nicht bezahlen wolle. Diese tat höchst entrüstet und erklärte es für eine unglaubliche Unverschämtheit, sie einer unredlichen Hand- lung zu beschuldigen. Bald darauf wurden die verschwundenen Spitzen an einer Stelle wiedergefunden, an der sich die K. längere Zeit aufgehalten hatte. Frau Kautsch wurde von nun an scharf beobachtet, da man vermutete, sie würde versuchen, verschiedene andere gestohlene Waren schleunigst zu beseitigen. Diese Ver- mutung bestätigte sich auch noch an demselben Tage. Die An- gcschuldigte wurde beobachtet, wie sie am Nachmittage mit einem großen Paket daS Haus verließ. Die Verkäuferin des Besiohlcnen folgte ihr und stellte schließlich fest, daß sich in dem Paket ein Stück Stoff befand, welches nach der Etikeltierung aus vem Peterschen Geschäfte stammte. Nunmehr wurde die Kriminalpolizei herbei- gerufen, die in der Wohnung der K. eine Haussuchung vornahm. Diese führte zu einem überraschenden Ergebnis. ES wurde ein förmliches Warenlager von gestohlenen Sachen wie Spitzen', Stoffe, Taschentücher, Borten usw. vorgefunden und beschlagnahmt. Die Angellagte tat wiederum sehr entrüstet und behauptete, die Sachen sämtlich gekauft zu haben. Der nach dieser Richtung hin vor Gericht angetretene Beweis schlug jedoch vollständig fehl.— Der Vertreter der Anklage- behörde hielt die Angeklagte des fortgesetzten Diebstahls für überführt und beantragte die geringe Gefängnisstrafe von drei Wochen. Das Schöffengericht erkannte, trotzdem es sich um eine reiche, gefährliche Ladendiebin handelte, auf vier Wochen Gefängnis._ Eifersucht. Die 29jährige Mal- und Handarbeitslehrerin Bernhardine K. hatte vor zehn Jahren� den damaligen Studenten, jetzigen Rechts« anwalt Scherek in der Tanzstunde kennen gelernt. Später nahm sie ihn als Anwalt in Erbschaftssachen in Anspruch. Sie behauptet, daß sie aus verschiedenen Lleußeruugcn deS Rechtsanwalts habe entnehmen können, daß er sie habe heiraten wollen; er habe mit ihr bald daS trauliche„Du" gewechselt und sie habe sich als seine ver- lobte Braut betrachten dürfen. Der Rechtsanivalt ist aber ganz anderer Ansicht. Er behauptet, daß, als die Angeklagte in anonymen Briefen mit Liebeswerbungen an ihn herantrat und er gemerkt, woraus sie hinzielte, er ihr brieflich ganz klar gemacht habe, daß er gar nicht daran denke, sie zu heiraten. Die Angeklagte war gegen den Anwalt und dessen Wirtschafterin fortan sehr erbittert. Sie ließ sich. wiederholt zu Schimpfereien, Schlägereien und dergleichen hinreißen. Das Schöffengericht erkannte deshalb wegen Hausfriedensbruchs und Beleidigung auf die hohe Strafe von drei Monaten Ge- fängni». Hiergegen hatte Fräulein A. Berufung eingelegt. Im gestrigen Termin bekundete der als Zeuge und Sachverständiger vernommene Sanitätsrat Dr. Di est er weg. daß er als Hausarzt des der- storbenenOnkels der Angeklagten diese kennengelernt und als wohlgesittete Dame geschätzt habe. Er begutachtete serner. daß sie stark neurasthenisch und sehr leicht erregbar sei. Die Strafkammer verneinte das Vorliegen eines Hausfriedensbruchs und änderte im übrigen das erste Urteil dahin ab, daß sie die Angeklagte zu 100 M. Geld« strafe verurteilte. Das Gericht nahm zu ihren Gunsten an, daß die sie beherrschende Erbitterung die Grundursache zu all den un- liebsamen Vorkommnissen gebildet habe, bei denen ihre Zurechnungs- fähigkeit als vermindert angesehen werden müsse. Vermischtes. Blattern-Epidemie. SSie aus Lindheim in Hessen berichtet wird, sind die Blattern dort in vier Häusern festgestellt worden. Ein von der Krankheit betroffener hiesiger Ortsbürger ist gestorben. . ch Vom Schornstein abgestürzt. Auf einer Fabrikanlage in Lützkendorf stürzte gestern der Essen- bauer Hammer aus Nebra 52 Meter hoch von einem Schornstein herunter und war sofort tot._ Eine schwere Fahrt. Das itaNenifche Segelschiff„Jenni" ist aus Argentinien kommend nach hundertzehntägiger Reise gestern in Cadix eingetroffen, nachdem es bereits für verloren galt. Die Verspätung war durch hohen Seegang verursacht. Die Mannschaft war halb verhungert. Abgestürzt. Am Christofsgrund im Riesengebirge abgestürzt ist vorgestern abend der achtzigJahre alteRentrer Dreßler aus Schöneberg. Er war gegen 1I3W Uhr auf der Tour nach Marchendorf begriffen und verfehlte in der Dunkelheit den Weg. Der Greis stürzte die Böschung etwa 20 Meter hinab und blieb hier glücklicherweise mit den Kleidern an einem Baume hängen. Die Hülferufe des Verunglückten wurden von Touristen gehört, die aus Marchendorf Unterstützung herbeiholten. D. wurde aus seiner entsetzlichen Lage befreit, hatte aber so schwere innere Verletzungen erlitten, daß auf ärztliche Anordnung seine sofortige Ueberführung in das Krankenhaus erfolgen mußte, wo er in bedenklichem Zustande daniederliegt._ Bootsunglück. Eine Barkasse, die am 10. d. M. um Mitternacht die Ausstellung von Jamestown verlassen hatte, um nach dem Linienschiff.Minne- sota' zu fahren, ist verschwunden; es gilt als sicher, daß sie von emem Dampfer überranut worden ist. Elf Mann werden vermißt._ Bei einem Brückenbau ertrunken ist gestern der Rekrut Falken« Hagen von der 3. Kompagnie des II. Eisenbahn« Regiment«. Eine Abteilung Eisenbahner war zu einer Uebung auf dem Sperenberger See kommandiert und sollte gestern vormittag eine Brücke über das Gewässer schlagen. Bei der Herstellung geriet das Gerüst ins Wanken und stürzte, die hierauf stehenden Offiziere und Mannschaften unter sich begrabend, in den See. Während es den übrigen Personen gelang sich zu retten, ertrank Falkenhagen, der unter einen Träger geraten war, obwohl Offiziere wie Mann- schaften sofort nach ihm tauchten. Berliner Marktpreise. kluS dem amtlichen verlcht»er städtischen Markthallen-Direktion.(Großhandel.) Nindsteisch I» S8— 70 dr. 100 PId., IIa 62-67, nia 67-58, Bullenfleisch la 64—68, IIa 64-62, Kühe, fett 60—58, do. mager 88—48, Fresser 50—62, Bullen, dän. 52—64, do. Holl. 0,00. Kalbfleisch, Doppellender 100—120, Mastkälber la 88—94, lla 74—82, lila 0,00, Kälber ger. gen. 43—63, do. Holl. 0,00, dän. 0,00. Hammelfleisch Mastlämmer 71—75, la 66—71, lla 59—66, Schase 54-59, Schweinefleisch 47-54. Rehwild la per Pfund 0,60-0,70. IIa 0,50-0,58. Notwild, Abschuß 0,50-0,60. Damwild, Abschuß 0,00. Wild- schweine 0,35—0,40, do. IIa 0,20. Kaninchen per Stück 0,00. Hühner, alte, per Stück 1.30—1,70, IIa 0,80—1,30, do. junge 0,45—0,65. Wolga- Hühner 0,00. Tauben 0,30—0,63, italienische 0,00. Enten per Stck. 1,00 bis 2,80, dito Eis- per Stück 0,00, do. Hamburger per Stück 3,00-3,75, Gänse per Pfd. 0,70—0,85, do. per Stück 2—5, do. Hamburger per Psund 0,35, per Stück 2,50-5.25. Chalonshühner IIa 0,00. Hechte per 100 Psund 93-105. matt 72-92, dito klein 88-99, dito groß 82. Zander 0,00. Schleie, klein 131, dito groß 63-65, do- 77—107. Aale, groß 123—127, do. klein und mittel 93-110, dito mittel Itl— 125, do. unsort. 86—100. Blößen 0,00, do, klein 0,00, dito matt 0,00. Karpfen 67—78. Bleie, matt 55, groß 0,00. Bunte Fische 46— 71. Barse 62, do. matt 0,00. Karauschen 70—86. Bleisische 0,00. Wels 45—56. Aland 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer per 100 Wo. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. lila neuer 60. Seelachs l5— 20. Sprotten, Kieler, Wall 0,00, Danziger, Kiste 0,00. Flundern, Kieler, Stiege la 3—6, do. mittel per Kiste 2—3, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2,00—3,00. Bücklinge. Kieler per Wall 1,00—2,50, Scralsunder 2,00—2,50.'Aale, groß per Psd. l,lO— 1,40, mittelgroß 0,80—1,10, klein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5—9. Schellsische Kiste 4,00—5,00, Kiste 2—3,50. Kabkiau, geräuch. per 100 Psd. 15—20. Dorsch, Kiste 2,50-8,00. Goldfische, Schock 2-12. Sardellen, 1902et per Anker 95, 1904er 95, 1905er 90, 1906er 85—90. Schottische Vollhcriiige 1905 0,00, largo 40—44, füll. 38—40, med. 36— 42. deutsche 37— 44. Heringe, nette MatjeS, per*/> To. 50— 120. Sardinen, raff.. Faß 1.50—1,60. Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1,25—1,50. Neunaugen, Schocksaß II, klein 5—6, Niesen» 14. Eier, Land-, unsort. Schock 2,90— 3,10, gr. 3,50. Butter per 100 Psd. la 106—108, IIa 105—106, lila 100—102, abfallende 90—95. Sanre Gurken Schock 4,50, do. neue 6—8. Pfeffergurken 4.50. Kartoffeln per 100 Piund magnum bonvun 3,50—4,00, Dabersche 3,50— 4,00, Rasen 0,00, weiße 3,25—3,75, Salatkartosscln 0,00. Spinat per 100 Psund 6—12, Karotten, hiesige, Schock-Bund 5,00—6,00. Sellerie, hiesige, per Schock 10,00—25,00, do, pommersche 0,00. Zwiebeln große, per 100 Psund 0,00, do, kleine 0.00, do, hiesige(Perl.) 0,00, Charlotten 0,00. PeterfUie, grün. Schockbund 0,80—1,00. Kohlrabi Schock 0,60— 1,50. Retiig, bahr., neue Stück 0,12—0,16. Mohrrüben Schockbd. 4,50—5,00. Teltower Rüben per 100 Psd. 0,09. Weiße Rüben, große 0,00, tleine 0,00. Rote Rüben 0,00. Blumenkohl, holländischer per Kops 0,10—0,30. Kohlrüben per Schock 2,50-3,50. Wirsingkohl Holland., per Schock 0,00. Rotkohl Holland., per Schock 0,00. Weißkohl, dän. per 100 Psd. 0,00. Rosenkohl per 100 Psd. 0,00. Sprutkohl per 100 Psund 0,00. Rhabarber 100 Bund 0,60—3,50, Bergedorfer per 100 Bund 0,00. Morcheln per Psund 0,00. Sandmorcheln per 100 Psd. 0,00. Waldmeister per Mandel 0,30—0,45. Radieschen per Schock 0,50—1,00. Salat per Schock 0,60—1,75, Spargel la 100 Psd. 30—50, do. IIa 20—30, do. lila 5—18, do. unsort. 35-38, do. Beelitzer la 30—40, do. Beelitzer Ha 20-28, do. Beelitzer lila 5—20. Stachelbeeren, grün, per 100 Psd. 9—12. Birnen, austral., in Kisten von 20 Kg. Kiste 0,00, itaL 0,00. Aepsel, per 100 Psd., hiesig- 0,00, Tiroler. Kiste 0,00, Calville, Kiste 0,00, Australier In Kisten 8—22, Jialicnische in Kisten 0,00, extra 0,00. Zitronen, Messina. 300 Stück 9,00—12.00, 360 Stück 8,50-11,00, 200 Stück 6,00-12,00. Apfelsinen, Jaffa, per Kiste 0,00, Murcia 200 er Kiste 0,00, do. 300 er 0,00, Balencia 420 er Kiste 18,00—25,00, do. 714 er 22—30,00, Messina. 100er 4-7,00, 150er 5— 8,00, 16( er 3-13,00, 200er 7,50—12.50, ZOOer 0,00, Blut- 100er 5,50-9,00, do. 150 er 7—9,00, 80 et 6-7,50, 200er 13—14._ Eingegangene Druchrcbriften. »Die moderne Friedensbewegung'. Von A. H. Fried. s.AuS Ratirr und Geisteswelt'. 157. Bündchen.) Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. Seh. 1 M.. geb. 1,25 M. Der Zentralverband deutscher Konsumvereine im Jahre 1906. 311 Seiten. Verlag: Heinrich Kaufmann u. Co. w Hamburg, Gröiuriger- straße 24/25. BmfKaften der Redahtion. Die suriftisch« Eprcchstiinde finde» Friedrichs» r. IN, Slufgana 4. eine Treppe(Handelsstätte Bclleastiaiirc, Tnrchgaiig auch Ltndenstr. 101) wvchcnläglich von?>/, vis V'h Uhr abend? statt. tfievffne» 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde»>» 0 Uhr. Jeder'Anfrage ist ei» Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche'Antwort wird nicht erteilt. Eilig« Fragen trage man IN der Sprechstunde vor. F. B. 10. 1. bis 8. Di« Bestimmungen über Berechtigung zur Land- gemeindewahl und zur Siadtaemeindewahl sind in Preußen sehr verschieden- artig. Es ist unmöglich, im Raum deS Briefkastens sämtliche Bestimmungen, die mehrere Spalten füllen würden, anzugeben. Wollen Sie' sich über die einzelnen Vorschrijlen informieren, so mußten Sie die verschiedenen Städte- ordnungen und Landgemeindeordnungen, welche für Preußen gellen, ekn- sehen. Haben Sie ein« bestimmte Gemeinde im Auge, so lesen Sie das da und wiederholen Ihre Anfrage. 4. Ein solches Wort könnte allenfalls Holzschuhtanz bedeuten, wahrscheinlich meinen Sic Balloiage, das ist Wahl durch Kugeln.— G. W. ttt>. Falls aus nochmalige Aufforderung die Firma Ihnen die Papiere nicht herausgibt, so klagen Sie aus Herausgabe und eventuell Schadenersatz. Sie müßten der Firma mitteilen, daß Ihre Einwilligung Ihrer Tochter nicht erteilt ist.— M. M. 190. Nein. — R. N. 1880. Haben Sie den Krieg mitgemacht und sind hülss« bedürftig, so wenden Sie sich mit dem Antrag aus Gewährung von Invaliden- rente an den Polizeipräsidenten. Der Anspruch aus Invaliden- oder Altersrente wird bei der Versicherungsanstalt geltend gemacht. Ob Ihnen ein solcher Anspruch zusteht, ist ohne Klarstellung Ihrer Verhältnisse nicht zu ersehen.— Fritz 98. Das ist möglich.— Kiiglcrstraste F. 1009. Der von Ihnen geschilderte Brief enthalt eine zulässige Kündigung. Wenn im Vertrage als Kündigungsfrist drei Monate und drei Tage festgesetzt find, so muß spätestens am 27. Juni die Kündigung in den Händen des zu Kündigenden sein. Eine frühere Kündiguiig ist aber gültig.— R. K. 33. Von dem Eintritt in die von Ihnen genannte Kasse würden wir abraten. Wenden Sie sich an Genossen Simanowski, Engel-ilfer 15, wegen Empfehlung einer sür Sie etwa passenden Kasse.— W. sähig erklären lassen, mit der Waffe zu dienen.— O. W. Nein. —?). 8. Der Antrag aus Dispens von dem Eheverbot ist an das Land- gericht, welches die Scheidung ausgesprochen hat, zu richten. Wenn Sie nicht besondere Umstände zugunsten der Heirat anführen, so hat das Gesuch wenig Aussicht aus Erfolg.— B. S. 74. Ihren Anspruch müßten Sie durch eine Berufung an das Amtsgericht gegen den abweisenden Teil des magistratlichen Urteils richten. Nach unlerm Dafürhalten hat die Kasse zu zahlen, weil die erforderlichen Kosten sich als notwendige Prozeglosten dar« stellen, indeß ist die Entscheidung zweifelhaft.— C. G. 9. 1. biS 3. Amtsgericht Berlin-Tempelhos, Hallesches User 29—31 und 26. Etwa um 11 Uhr vormittags ist die passendste Zeit. 4. Wenn Sie bereits im März Ihren Fortgang gemeldet haben, so sind Sie zur Zahlung der Steuer in Berlin nicht verpflichtet. Eine Reklamation würde Erfolg baben. — Dt. M. 83. Das von Ihnen Vorgetragene ist keineswegs ein Grund zur Entziehung des Pflichtteils.— Dt.®. Klagen Sie beim Amtsgericht gegen den Wirt aus Herstellung einer brauchbaren Kochmaschine und aus Schadenersatz.— B. M. 4. Die Zeit wird nicht angerechnet.— O. D. 33. Die Rechtslage ist zweiselhajt. Nach unserer Ansicht liegt eine Meldepflicht nicht vor. Sie können aber die Frage durch die Gewerbe» deputation Sttalauerstr. 1 bis 3 kostenlos entscheiden lassen.— M. B.. Waiseiistratze. Nein. Die Kasse gehört nicht zu den Kassen, die der Orts« Irankenkasse sür Kauslcute vorzuziehen sind.— St. 91. Sie können die Sachlage dem Magistrat mitteilen.— V. 46. Berlin gehört nicht zu der Provinz Brandenburg, auch nicht zum Regierungsbezirk Potsdam, sondern bildet einen Bezirk für sich. — B. P. 6. 1. Leider ja. 2. Nein. 3. Die Klage is» event. beim Amtsgericht zu erheben. 4.�Ja.—<£. S. 10. 1. Der kleine Unfall steht der Ausnahme in die Saniiätskoloimc nicht entgegen. 3. u. 4. Wenden Sie sich an einen Arzt.— K. P. 100, M. P. 89. Wir können zum Eintritt m die Deutsche Kranken- und SterbcversicherungSanstalt zu Bautzen nicht raten. Treten Sie auf dem im Statut angegebenen Wege wieder aus. Wegen Eintritts in eine zuverlässige Kasse wenden Sie sich an den Genossen Simanowski, Engel-User 15.— Frischauf II, Exerzierslratzc. Sehen Sie der Klage mit Ruhe entgegen. Die Anstellung derselben wird wohl unterbleiben.— M. Dt. 145. Der Steuererheber hat seiner Pflicht entsprechend gehandelt.— Zeidler. 1. u. 3. Formulare zum Ans tritt aus der Landeskirche erhalten Sie unentgeltlich durch die Buchhandlung des .Vorwärt«' sowie durch Wendi, Grcisswalderstr. 208. Der Austritt ist an das Amtsgericht, in dessen Bezirk Sie wohnen, zu richten. Nach Eingang des Austritts müssen Sie, auch wenn Sie eine Vorladung nicht erhallen, innerhalb vier bis sechs Wochen aus dem Gericht erscheinen und Ihren Zlustrttt zu gerichtlichem Protokoll erklären. Kirchensteuern sind bis zum Schluß des aus den Austritt folgenden KalendersahreS nicht mehr zu zahlen. Wenn Sie also in diesem Jahre austreten, haben Sie vom 31. Dezember 1908 ab Kirchensteuern nicht niehr zu zahlen. 2. u. 4. Ja.— O. Dt. Ja. — St. 101. Der Ehemann hat Wohnung und Wohnort zu bestimmen. Ihre Frau hat Ihnen also in die neue Wohnung zu folgen. Das Kind nehmen Sie mit. Folgt die Frau nicht, so steht Ihnen das Recht, zu, aus Herstellung des ehelichen Lebens zu klagen. Gibt die Frau dem aus Ber- urtcilung zur Herstellung des ehelichen Lebens lautenden Urteile nicht nach, so steht Ihnen das Recht zu, aus Ehescheidung zu klagen. Machen Sie von Ihrem Vaterrecht Gebrauch und versuchen Sie eine gütliche Einigung. — G. K. 99. Der schlechte Geschäftsgang ist leider kein Grund zum ein- fettigen Rücktritt vom Vertrage. Zur Einwilligung können Sie den Wirt nicht zwingen. Da» Aushängen des Plakats beweist nur seine Bereitwillig- keit, Ihrem Wunsche entgegenzukommen, gibt Ihnen aber lull Recht zur einseitigen Lösung des Vertrages. i Sozialdemokratischer Wablverelii für den 4. Berliner Reictistags-Wahlkreis. (Landsberger Viertel.) Stadtbezirk 362. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Fliesenleger Sermllll Schwarz wohnhast Weidenweg 41 gestorben ist. Ehre seine« Andenken k Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in FricdrichSjelde aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 244/15 Der Borktanb. keranpij der Fliesenleger UDd HisariieilerDentselilanils. (Ortsverein Berlin.) Tode»- Anzeige. Am Sonntag, den 9. Juni, verstarb nach kurzem, schwerem Leiden unser Mttglied, der Fliesen- leger, Kollege 291/13 Hcrmaim Schwarz im Alter von 28 Jahren. Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in FriedrichSseldc aus statt. Um recht rege vetelligmig ersucht Der Borstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwieger« und Großmutter üiiso Gehlhar g-b. Banm nach langem Leiden am 11.». M. sanft enischlasen ist. J» tiefer Betrübnis Tie Hinterbliebene«. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 15. d. M., nach- mittags 4 Uhr. vom Tranerhause Swaußbergerstt. 3 aus nach dem St MarkuS-Kirchhos, Wilhelms- berg, statt. 12t3b Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau und unserer guten Mutter sagen wird allen Verwandten. Freun- den. Bctaimten, Kollegen und Genossen des 10. Bezirks unlerm wnigsten Dank. S18SL W. Matiog mchst Kinder». Am Montag, den 10. d. M. starb nach schwerem Leiden der Obermaschinenmeister 1213b Molk Osnainsky. Ein ehrende» Andenken bewahrt ihm 0a» Personal der Buchdruckerei Otto v. Holten. fieerdigungsTerein Berliner Zimmerleute. Am 11. Juni verstarb nach langen Leiden im Alter von 47 Jahren unser Mitglied, der Zimmerer Franz Qeduhn. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 14. Juni, nachmittags 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des Kranken- Hause« am Urban. Grimnislraße, aus statt. Um rege BeteMgung ersucht 1228b Der Borstand. ?0lle8-�li7eixe. Am 6. Juni entschlief sanst nach kurzem, schwerem Leiden unser guter Sohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Former Max Henschke im 28. Lebensjahre. Um stille» Beileid Rttm VI« trauernden»Interbiledenen. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 13. Juni, nachmittag» 5 Uhr, von der Leichen- Halle de» DankeS-Kirchhoses aus statt. 5190L Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Manne» sagen wir allen Ber- wandten, Freunden und Bekannten sowie den Pächtern der Kolonie Neu- Lichtenberg unseren herzlichsten Dank. Witwe»nna Rioke und Tochter. Für die anläßlich de» Hin- scheid m» meine» liebm Manne» bewiesene herzliche Teilnahme sage Ich hiermit allen Bekannten und Verwandten, inibesondere dem Meiallarbeiier-Verbande und den Kollegen der Finna Panzer, meinen tiefgefühltesten Dank. Witwe Anna Riedel 1216b und Kinder. Zentral-Kranken-Unlersllilzongs- verein der Schmiede ond yerw. = Cewerhe Deutschlands.=- Zahlstelle Berlin 9. Todesanzeige. Am 10. Juni verstarb das Mitglied EJrüsso�v. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am DonnerStagnnchniittag 3 Uhr von der Leichenhalle des Elisabeth» Kirchhofes, Prinzenallee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 1221b 0!o Omvorwaitung. Für die Beteiligung bei der Be- erdigung meiner lieben Frau Blinna Hehnee geb. Llx sage ich allen Verwandten, Freunden und Velaunlen, iusbesondere der Firma Albert Spiesecke sowie den Kollegen und dem Holzarbeiter-Ver- bände, meinen besten Dank. 12'23b Der trauernde Gatte nebst Tochter. lOeutsche Annes-, Martoe- und (ponlal-Äusstellunfc Berlin 1907 zu Gunsten der Veteranen und Invaliden von Heer-, Marin»- u. Sehutztruppen. Lotterie ItWoOO Serien se 20 Stick UM! 18191(itlui ib liualwti im lirt 300000 _tUuetfcwinae im. Werte von Mark 2«T&O 10aiiil000.20«ii50Ö 50 ui 200. 100«il 00 NSW. NOV. LOSE ä X Mark kereebtl|M 11 Uta kür 10 Mwb f JL MOLLläo�BorUll Kaiserhofstrasse I. Reise-Anzüge 9 M. 38�- 27— 21- 18- 15- 12- 36- 30- 27- 24- 21- 18- IJ M. IS 24- 2t- 15- 12- 18- S- Staub-Mäntei 6— 6.50 3 M- 75 Reise- Mützen Loden-Hüte Strand-Mützen. 30- 21- 15-* 12.- 10- 7.50"f M,£0 Pridilige MusUr-Wabl ß Bai 3 Stück:/ OK 6.50. Einzeln m M- 24- 21- ISIS- 12- 10- 6 m. 75 Reise-Joppen 4.80 8.— 173 85 r. 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Studium der Verhälwisse in der Heimindustrie, bei den Landarbeitern und dem Gesinde, nutzbringende Vcr» Wendung der dabei gesammelten Ersahrnngen. Agitation durch Vorträge, Absasfung und Verbreitung von Flugschristen usw. Als Ansangsgchalt werden 2000 M.(cvent. höher) gewährt. Sitz in Magdeburg. Bcsähigtc Genossen wollen ihre Offerte, unter Angabe der jetzigen Tätigkeit und der Organisationszugchörigkcit, bis zum 1. Juli er. an den Vorsitzenden dcS GewerlschastskartcUs, Louis H ä h 11 s e n, Metall. arbciter-Bureau zu Magdeburg, Knochcnhaucrstr. 27/28, einsenden. _____ 291/17*_ I. A.: Gewerkachaftskartell Masdebnrg. 3üx de» ßnleratenteil vcrnntw,: Th. Glocke, Berlin. Krück u. Verlag: VorwärtZ Bud�ruckerci u. Verlaasanitatt Baul Sinacr& S.o.. Berlin SW- Schneiderkreide-Arbeiter wird sür Budapeslcr Fabrik gegen gute Bc- zahlung gesucht. Offerte unter„Kreide- sabrik 66 631- an Josef Schwarz, Annoncen- Expedition, Budapest. 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Meldungen nur in Begleitung der Eitern oder des Vormundes mittags 1—2 oder 3— 9 Uhr abends. A. JandorfA Co., Große Frankfurterstr. 113. Deutscher HolzaMsr-Verbaoil Zahlstelle Berlin. Wegen Streik und Differenzen ist gesperrt: für Vergolder u. Leistenpolierer die Finna ZIaellensen, Nitlcr- straße 47. 86/17* Tie Qrtsverwaltung. Vorbehaltlich der Zustimmung unserer Generalversamm- lung suchen wir per 1. August für den 13. sächs. Neichstags- Wahlkreis(Leipzig-Land) einen ParteitckrctUr, Redegewandte, im Verwaltungsfach erfahrene Partei- genossen wollen ihre Bewerbung unter Angabe ihrer bisherigen Tätigkeit bis 22. Juni an unseren Vorsitzenden I. Scheid, Leipzig-Rcudnitz, Luthcrstraße 5, einreichen. 291/6* Ter Vorstand des sozialdemokratischen VcrciuS für den 13. snchs. Rcichstagswahlkreis. KeÄi'ks-Zeki'ekär gesucht. Dr. 135. 24. Iahrgaag. 2. Irilnp des Joruilrts" ßttliutt ildlioliliitt. Donnerstag, 18. Juni 1907. Partei- Hngelegenbeiten* Alt-Glicmcke. Am Donnerstag, den 13. d. M., abends 8 Uhr, hält der Wahlverein eine außerordentliche Mitgliederversammlung bei Saß ab. Um pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Berliner JVachnchten. In Hoppegarten. Der feudale Sport hat Hochsaison. Während die Autler noch Deutschland durchrasten und die Landstraßen unsicher machten, veranstaltete der Unionklub am Montag einen „großen Tag". Dieser große Tag galt dem Pferdesport. Viele Leute waren da, die sich für Pferderennen noch mehr aber für Wetten und Spielen interessieren. Der Staat begünstigt das Wetten und Spielen, mehr noch, er zieht daraus erheb- liche Einnahmen. Der Totalisator ist die staatlich einge- richtete Spielbank. Am Montag sollen am Totalisator nicht weniger als eine Viertelmillion Mark umgesetzt worden sein. Wieviel bei den sogenannten Buchmachern, den heimlichen Börsenhaltern gewettet worden ist, ist nicht festzustellen: jedenfalls brachte der Montag ein„glänzendes Geschäft." Das ist auch zu verstehen, wenn man hört, daß sich der Kaiser mit großem Gefolge eingefunden hatte. Wo solch hohe Herr- schaften erscheinen, da ist Galatag. Am meisten freut sich dann die vornehme Damenwelt: es gibt doch wieder einmal Gelegenheit, die ganze Pracht der Toiletten zu entfalten. Und das ist die Hauptsache. Wozu zerbricht man sich denn auch in diesen Kreisen den Kopf über die neuesten Kleider- moden, wenn man keine Gelegenheit bekommt, sich auch darin zu zeigen. Es war doch schrecklich, neulich in der Aus- stellungshalle des Zoologischen Gartens bei dem Concours hippique, mit den feinen Toiletten so verschwinden zu müssen. Da war es diesmal ganz anders. In der„B. Z. am Mittag" finden wir von einem Kenner eine Schilderung des Toilettenlurus am Montag, es heißt in derselben: „Einige Worte noch über die Toiletten. Sie waren bei Damen und Herren gestern des Studiums wert. Bei der Tropen- sonne herrschte natürlich die vollkommen sommerliche Aufmachung vor. Bei unseren schöneren Hälften ist der tu» ctresg der Hunds- tage kompliziert, aber geschmäckvoll. Als Stoff wird Leinen und die schicke Bastseide bevorzugt, doch behaupteten auch Chiffon und leichte Libertyseide ihre Position. Der oben enge, nach unten weit auseinanderfallende Glockenrock, bald in Falten gelegt, bald eingereiht oder auch glatt, ist ebenfalls ein alter Liebling unserer Damen und gibt allen Figuren viel Eleganz. Neu ist der Charakter der Taille, der durch Spitzcnärmel und Einsatz noch mehr als zuvor bestimmt wird. Die Garnierung mit Spitzen und Chiffon, die Bluse, die den Hauptteil der Taille bildet und dem sommerlichen Kostüm einen äußerst duftigen Ausklang nach oben gibt, insonderheit auch der weite japanische Acrmel, beherrschen die Sommermode. Reben den hellen Roben spielt auch Schwarz eine gewisse Rolle. Schwarze Federhüte und schwarze lange Handschuhe werden selbst da getragen, wo sie kaum hingehören. von jungen Damen oder zu sonst lichtfarbenen Toiletten. Besonders schick präsentierte sich eine schwarze Chiffonrobe mit rosa Blumenbukctts bei einer Offiziersdame, llernme entre trente et quarante ans. Die auf rosa Seide gearbeitete Toilette hatte dreiviertel lange Aermel und breiten Schalkragen aus rosa Seide, den schwarze Spitzen verdeckten. Ein schwarzer Tüllhut mit ebensolchen Federn und rosa Rosen vervollständigte das Ganze. Eine andere Offiziersdame trug ein entzückendes Hand- gesticktes Batistkleid in Rcformstil auf rosa Seide und mit rosa Schleifen, weißer Basthut mit Reiher, rosa und weihen Rosen und ein weißer, handgesticktcr Schirm. Eine wundervolle Gc- samtharmonic. Eine Dame aus der Gesellschaft trug ein tauben- ölaugrau abschattiertes Chiffonkleid zur Schau, das sich sehen lassen konnte. Die Taille zeigte Querlagen mit Einsatz aus olaugrau gefärbten Guipurespitzen mit japanischen Aermeli? imd Quastengarnitur. Den Faltenrock schloß oben ein in Falten ge- legier Seidengürtel ab. Ein blaugrauer kleiner Strohhut war mit blau-grün-gelben Flügeln originell garniert. Viel sah man auch Hüte mit Bindcbändern. Bei der Garnierung der weiblichen„Behauptungen" werden Band. Tüll und Blumen vor Federn bevorzugt. Vielfach fielen auch einfache Toiletten auf, die das Portemonnaie des lieben Gatten nicht allzu sehr belasten und doch schön waren. So wirkte ein Leinen- kostüm sehr apart, dessen Schotztaille weite japanische Aermel und Garnierung mit dunkelfarbiger türkischer Borte und Knöpfen zeigte. Der weiße Glockenhut mit modcblauem Crepe de Chine und buntem Blumenkranz stand reizend zu dem süßen Ge- sichtchen. Bei den Herren überwog natürlich auch die helle Farbe und der zwanglose Sakko. Die Herren vom Unionklub hatten zur Feier des Tages meist schwarzen Ueberrock und den sonst auf der Rennbahn verpönten Zylinder angelegt. Der alte Baron Oppen- heim trennte sich aber auch an diesem Kaisertage nicht von seinem schwarzen runden Hut und dem geliebten grauen Entoutcas in der Hand. Major v. Gotzler fiel durch einen todschicken hell- grauen Gehrockanzug auf, zu dem der graue Zylinder und die weißen Gamaschen über den Lackschuhen sich sehr gut machten. Der dunkelblaue Ueberrock mit Samtkragen, der ein anderes Klubmitglied zierte, das samt Zylinder und dunkelgestreifter Hose trug, machte einen originellen, altväterischcn Eindruck." Unsere Leserinnen mögen beim Lesen dieser Schilderung von einem gewissen Neid nicht frei bleiben. Tausende von ihnen mühen sich tagtäglich, oft mit Zuhülfenahme der Nacht, ab, die schönen Kleider und Hüte herzustellen, ohne dabei so viel zu verdienen, daß es zum Essen reicht, geschweige dazu, sich selbst anständig kleiden zu können. So will es unsere heutige„von Gott gewollte" Gesellschaftsordnung! Ein Beitrag zur Selbstverwaltung der K-mmune. In der letzten Sitzung der städtischen Schuldeputation wurden mehrere Verfügungen des königlichen Provinzial-Schulkollegiums über die Erteilung der Erlaubnis an Lehrpersonen zum Wohnen außerhalb des Amtssitzes, über die Entscheidung aus Anträge wegen Uebernahme oder Ueber- tragung renumerierter Nebenämter, über die allmähliche Ver- ringcrung der Zahl der jüdischen Lehrkräfte usw. eingehend beraten. Das Provinzial-Schulkollegium hat verfügt, daß ihm ebenso wie das Disziplinarrecht auch allein das Recht zur Er» teilung der Erlaubnis für das Auswärts loohnen der Lehrer und Lehrerinnen zustehe. Das Kollegium verlangt ferner die Verringerung der jüdischen Lehrkräfte und die alleinige Entscheidung auf Anträge wegen der Uebernahme usw. be- zahlter Nebenämter. Da hierüber die Schuldeputasion bezw. die Gemeindebehörden bisher allein entschieden haben, weil ferner die Schuldeputation und die Gemeindebehörden in allen Schulangelegen- hrtU» schließlich zu eise: gqnz überflüssigen Behörde herabsinken würde, wenn das Provinzial-Schulkollegium in all' diesen Dingen allein zu verfügen hat und um den Rechtsstandpunkt zu wahren, wurde von der Schuldeputation beschlossen, den Magistrat zu ersuchen, gegen diese Verfügungen an den zuständigen Stellen Einspruch bezw. Beschwerde zu erheben. Unsere Genossen im Roten Hause haben schon zu Dutzenden von Malen darauf hingewiesen, daß die so viel gerühmte Selbstverwaltung der Kommune bei Licht betrachtet einfach ein Popanz ist; das be- weist wieder von neuem die Verfügung des Provinzialschulkollegiums, nach der die städtische Verwaltung über die Lehrpersonen gar nichts zu bestimmen habe. Daß eine Beschwerde da helfen wird, glauben wir nicht. Vermehrung der Barackenschule«. Die Schuldeputation hat be- schlössen, wegen der Erbauung von acht zweiklassigen Baracken ans dem städtischen Gelände Brunnenstraße 22/37, wo bereits solche Baracken erbaut sind, und der Erbauung von einer zwanzigklassigen Barackenschule auf dem städtischen Gelände an der Seestraße, nahe der Müllerstraße, die Zustimmung des Magistrats und der Stadt- verordnetenversammluug einzuholen. Die Beschlußfassung der Schuldeputation, schon wieder Baracken- schulen einzurichten, zeigt wieder einmal, daß der Berliner Kommunal- freisinn dem Bedürfnis auf dem Gebiete des Schulwesens stets nach- hinkt. Weil nicht rechtzeitig an die Erbauung von Schulgebäuden gegangen ist, weiß sich die Schuldeputation nicht mehr anders zu helfen, als durch die Einrichtung von Barackenschulen, die doch nur ein Notbehelf bilden sollen, dem Bedürfnis abzuhelfen. Unter dem Spittelmarkt, an der Einmündung der Niederwallstraße, woselbst, wie gemeldet, das vorstehende Eckhaus jetzt niedergelegt wird, ist der große, die Baugrube durchquerende Kanal nunmehr abgebrochen worden, fodaß mit den Ausschachtungsarbeiten, nach der Niederwall- straße zu, weiter vorgedrungen werden konnte. Da der Bahnhof hier in die Tunnelstrecke übergeht, verengt sich die Baugrube von sechzehn auf rund acht Meter. Gegenwärtig wird an der Erweiterung der Wasserhaltung gearbeitet und zu dem Behufe ein neuer Brunnen gebohrt, wie dies sonst von der Straßenoberfläche zu geschehen pflegt; zugleich werden die elektrischen Leitungen für Beleuch- tung§- usw. Zwecke verlängert. Unter dem Platze selbst und der Wallstraße sind die 30 Stützenpaare für die Kassen- und Schalter- räume bereits aufgestellt, ebenso stehen schon 24 Stützenpaare, welche die Decke des eigentlichen Bahnsteigs zu tragen haben: das Eisenwerk der letzteren wird bereits montiert. Ein Teil der eisernen Spundwand, welche der morastige Untergrund am Ravenöschen Ge- bäude notwendig macht, ist noch durch 14 schrägstehende, verstellbare Spreizen besonders abgesteift worden; es sind dies starke Eisenrohre, an deren Enden sich Schrauben zum Anziehen der Steifen befinden. Die Tunnel-Sohle und-Wandungen des eigentlichen Bahnsteiges sind zum großen Teil schon fertig betoniert. An der Griinstraße wird die Wasserhaltung ebenfalls verlängert, eine neue Pumpe an- geschlossen und neue Brunnen gebohrt. Die Erdarbeiten sind schon bis zum Hause Wallstr. 23/24, jenseits der Griinstraße, vorgedrungen; bis hierher reicht bekanntlich der Rangicrtunnel. Gestern wurden die letzten Reste der altberliner Pfahlro st bauten, die sich am alten Wallgraben befanden, auf der elektrischen Drahtseil- bahn hinausbefördert. Zur Errichtung einer Zentralinstanz für Gedankenstatistik und Erweiterung der menschlichen Wissensgebiete wollte ein Herr Löwen- thal von der Stadt Berlin 5000 M. haben. Der Petitionsausschuß der Stadtverordnetenversammlung ging über diesen„bahn- brechenden" Plan zur Tagesordnung über. Der gleiche Beschluß wurde gefaßt anläßlich einer Petition des Hauptsteucramtcs für inländische Gegenstände, die Steuer- freiheit eines Wachthundes betreffend. Für das Halten von Wacht- Hunden werden keine Steuern erhoben, wenn ein Antrag auf Steuerfreiheit gestellt wird. Das Hauptsteueramt hatte aber in diesem Jahre den Termin versäumt und wollte nachträglich die Steuerfreiheit bewilligt haben. Weil aber jedem Privatmanne gegenüber die Terminsversäumnis nicht als Grund für einen Steuernachlaß angesehen wird, und sei er noch so sehr berechtigt, wurde auch mit dem Fiskus keine Ausnahme gemacht; möge er aufpassen. AuS der Laubenkolonie„Feldschlößchen" an der Landsberger Allee hatten wir in Nr. 116 berichtet, daß über den General- Pächter dieser Kolonie, den Restaurateur Lange, aus mehreren Gründen von Kolonisten geklagt werde. Herr Lange schickt uns jetzt eine schriftliche Erwiderung.„Ich wollte anfangs," so schreibt er, „über die in dem Artikel enthaltenen Beschuldigungen als meistens unmotiviert hinwegsehen. Von gewisser Seite wird daraus ge- schlössen, daß mein Stillschweigen ein Schuldbewußtsein gewisser- maßen enthalte." Indem Herr L. die Beschuldigungen nur als „ m e i st e n s unmotiviert" bezeichnet, gibt er eigentlich selber zu, daß er sich doch nicht völlig frei von Schuldbewußtsein fühlt. L. belehrt uns nun in seinem Brief über allerlei und noch einiges, auch über Dinge, die wir weder behauptet noch bestritten hatten. Wir wollen daraus nur wiedergeben, was als Antwort auf unsere gegen ihn gerichteten Ausführungen gelten kann. Zu den unmotivierten Beschuldigungen zählt er die Angaben über sein Verhältnis zu den dur st igen Kehlen seiner Koloni st en. Er versichert, niemand sei verpflichtet, sein Bier bei ihm zu trinken. Ob es hiernach ein Kolonist mal probieren wird, sich einen ganzen Sommer hindurch sein Bier von anderswo mitzubringen? Univahr soll sein, daß in den FilialauSschanken, die L. auf seiner weit ausgedehnten Kolonie eingerichtet hat. für 10 Pf. nur ein �-Becher gegeben werde;„in der ganzen Kolonie" bekomme man für 10 Pf. 3/1() Liter. Was werden seine Kolonisten zu dieser Erklärung sagen? Zu den unmotivierten Beschuldigungen zählt L. ferner den Vorwurf, daß er an dem Wasser, das er die Kolonisten aus der Wasserleitung seines an der Landsberger Allee gelegenen Restaurationsgrundstückes nehmen läßt, viel verdiene. Er fordert pro Eimer'/? Pfi aber er behauptet» daß ihm das„tatsächlich nichts einbringe". Wir hatten den Eimer auf durchschnittlich 10 Liter taxiert, so' daß für 1000 Liter Wasser 50 Pf. herauskämen, während L. an die Wasserwerke hierfür nur 15 Pf. zu zahlen braucht. L. erzählt, es werde an der Leitung soviel Wasser„verplanscht", daß auf jeden bezahlten Eimer Wasser fast drei Eimer Wasser verbraucht werden. UeberdieS werde von mindestens einem Drittel der Wasserholenden die Ablieferung der Marken('/a Pf- Wert) unterlassen. L.s Behauptung, daß„meistens Kinder mit Gießkannen oft von fünfzehn Liter In- halt gesandt" werden, läßt darauf schließen, daß seine Kolonisten sich eines kräftigen Nachwuchses erfreuen. Kinder, die 15 Liter Wasser im Gewicht von 30 Pfund durch die langgestreckte Kolonie schleppen, können sich immerhin sehe» lassen. Die Erhöhung des Pacht- zinses um 10 Pf. pro Rute sei, so sagt L..„durch Umstände und Zeitverhältnisse bedingt". Durch welche denn? Daß man etwa ihm selber die Pacht gestmgert habe, sagt er nicht. Eine Razzia größeren Stils ist in der Nacht vom Dienstag zu Mittwoch von der Polizei vorgenommen worden. Eine große An- zahl Personen wurden sistiert und nach den Polizeiwachen gebracht; der größere Teil nach Ausweis wieder entlassen. Bei einer solchen Gelegenheit kommen leider auch viele anständige Leute in die un- angenehme Situation, den Weg nach der Wache antreten zu müssen, denn wer versieht sich denn ständig mit Legitimationspapiercn. Ablenkungen bei der Straßenbahn. Die Straßenbahn ist ge- nötigt, eine Reihe ihrer Linien im Osten umzulenken. Die Straßenkreuzung Jännowitzbrücke, Holzmarktstraße und Alexander- straße und die Holzmarktstratze bis zur Krautstraße wird neu ge- pflastert. Abgelenkt werden deshalb die Linien 6 Moabit--- Küstriner Platz, ö Moabit— Schlesischer Bahnhof, 28 West-Reinickendorf— Britz, 29 Seestrgße— Britz, 30 Swinemünderstraße— Rixdorf und 80 Schlesischer Bahnhof— Charlottenburg. Im einzelnen fahren die Wagen der Linien 6 und 9 durch die Köpenickerstraße über das Engelufer, die Schillingsbrücke, Andreasstraße, den Grünen Weg bis zum Küstriner Platz und umgekehrt. Die Wagen der Linien 28 und 29 gehen durch die Alexanderstraße, Königstraße, Span- dauerstraße und umgekehrt, die der Linie 30 durch die Alexander- straße, Münzstraße, Weinmeisterstraße und umgekehrt. Die Wagen der Linie 80 endlich gehen durch die Schicklerstraße, Blumenstraße, den Grünen Weg, die Markusstraßc, Holzmarktstraße und um- gekehrt. Die Umlenkungen beginnen am nächsten Dienstag, den 18. Juni und bleiben bis zur Beendigung bestehen. Ein Hauswirt, der zu rechnen versteht, ist Herr Z e l l i e n, der Besitzer des Hauses Wiesen straße 29. Die Verwaltung der Wasserwerke hatte diesem Herrn Zellicn für den Monat April eine Wasserverbranchsgebühr abgefordert, die ihm ungewöhnlich hoch schien. Der Herr Hauswirt nahm natürlich sofort an, daß da in seinem Hause eine unnöfige Verschwendung von Wasser stattfinden müsse. Um festzustellen, ob vielleicht irgendwo ein Wasserhahn un- dicht sei, klapperte er eine Wohnung nach der anderen ab. Schließlich glaubte er in der Wohnung eines Mieters M. die Ursache der„Ver- fchwendung" in der Undichtheit des zum Klosett ge« hörenden Wasserhahnes gefunden zu haben. Der Mieter hatte im vorigen Herbst, wo er einzog, diesen Hahn tatsächlich undicht vorgefunden. Da aber Herr Zellien, trotz wiederholter Mahnung von feiten des Mietxxs, sich um die notwendige Reparatur herum- zudrücken suchte, so mußte der Mieter sich entschließen, selber den Hahn zu reparieren, wie er es eben konnte. Daß der Hahn im Mai, als der Wirt ihn besah, wieder besonders undicht gewesen sei, wird von dem Mieter bestritten. Der Wirt aber behauptet es, und er will sogar Zeugen dafür haben, daß auf dem Klosett Tag und Nacht Wasser gelaufen sei. Er ließ sich nun nicht daran genügen, in der Wohnung des Mieters„Krach zu machen", sondern schrieb Herrn M. hinterher noch den folgenden Brief:„Da durch Ihr Verschulden im Monat April mehr Wasser im Betrage von 20 Mark braucht ist, da Sie Ihr Klosett Tag und Nacht ununterbrochen laufen ließen, was durch Zeugen bewiesen ist, so ersuche ich Sie Höst., um Ihnen unnötige Kosten zu verursachen fgemcint ist wohl: nicht unnötige Kosten zu verursachen), mir binnen acht Tagen Bescheid zu geben, ob Sie den Betrag von 20 M. für den Mehrverbrauch des Wassers zahlen wollen oder nicht, da ich mich sonst veranlaßt sehen würde, die Sache dem Gericht zu übergeben." Was diese Forderung be- deutet, das wird erst dem recht klar werden, der sich einmal aus- rechnet, wieviel Wasser der Wirt selber für 20 M. geliefert be- kommt. Für 1 Kubikmeter(--- 1000 Liter) hat er 15 Pfennig zu zahlen, mithin kriegt er für 20 M. 133 333 Liter. Selbst wenn der Herr Zellien annehmen wollte, in jenem Klosett sei den ganzen April hindurch Tag und Nacht Wasser gelaufen, so kämen immer noch ans je 24 Stunden 4444 Liter, also auf eine Stunde 185 Liter. Wer wird Herrn Zellien glauben, daß einen vollen Monat hindurch Tag und Na cht in jeder Stunde 185 Liter Wasser durch das Klosett geflossen seien? Herr M. glaubte es ihm nicht, weil er ja wußte, daß das Unsinn war. Er lachte über den Brief und ließ ihn unbeantwortet. Von dem Wirt bekam er dann zunächst nichts weiter zu hören. Als aber im Juni, einige Tage nach dem Ersten, Frau M. die Miete im Betrage von 21 M. an eine etwa zwanzigjährige Tochter des Wirtes zahlte, quittierte diese nicht etiva im Mretöbuch über 21 Miete, sondern überreichte der Frau M. die folgende Quittung:„21 M. habe ich heute von Herrn M. � als Strafe für nicht pünktlich gezahlte Miete erhalten und behalte mir das Recht der Räumungsklage vor. R. Zellien." Gegenüber diesem Schriftstück hört nun allerdings die Möglichkeit des Verstehens auf. Man weiß wirklich nicht, was man zu solcher Dreistigkeit sagen soll. Eine Strafe für nicht pünktlickie Zahlung der Miete, das ist in der Tat das neueste, was die Phantasie eines Berliner Hauswirtes aus- zuhecken vermochte. Herr M., der gegen dieses Verfahren Einspruch erhob, hat von der Wirtstochter die ausdrückliche Versicherung erhalten, sie habe im Auftrage ihres Vaters gehandelt. Der„be- strafte" Mieter sieht der weiteren Entwickelung der Dinge, vor allem der angedrohten„Räumungsklage", mit- einiger Neugier entgegen. Tragödie in einer Arztfamilie. Der angesehene, im besten Mannesalter stehende Frauenarzt Dr. Schäfer, Chausseestr. 33, machte gestern abend durch Gift seinem Leben ein Ende. Die Gattin des Selbstmörders geriet derart in Verzweiflung, daß auch sie nnt ihren beiden Söhnen im Alter von 10 und 12 Jahren einen Selbstmord« versuch unternahm. Sie schloß sich mit ihren Kindern gestern früh in ihr Schlafzimmer ein und öffnete den GaShahn. Nur durch das rechtzeitige Dazwischentreten von Nachbarn wurde dieses zlveite Un- glück verhindert. Hierauf verfiel die bedauernswerte Frau in Tob« sucht und mußte gefesselt einer Klinik zugeführt werden. Die Gründe, die den in guten Vermögensvcrhältnissen lebenden, sehr stark beschäftigten Arzt in de» Tod getrieben haben, sind vorläufig unbekannt. Ueier einen Mordversuch, den ein offenbar geisteskranker Mann vorgestern unternahm, meldet der Polizeibericht: Der 24 Jahre alte Gärtner Kurt Hornberg hatte vorübergehend in der Wohnung der Ausbesserin Marie Malycha im Hause Stcinmetzstr. 22 Aufent- halt genommen. Vorgestern mittag überraschte die Tochter der Frau M., die 22 Jahre alte Zuarbeiterin Ella Malycha, den Hornberg bei einem Diebstahl in der Wohnung der Mutter. Hornbcrg warf sich auf das junge Mädchen, legte ihr einen Strick um den Hals und würgte sie lo stark, daß sie bewußtlos zu Boden sank. Dann fesselte er ihr die Hände, stopfte ihr ein Tuch in den Mund und verletzte sie am Unterleib derart, daß starke Blutungen eintraten. Als die M. wieder zur Besinnung kam, eilte sie ans Fenster und rief um Hülfe, worauf Hausbewohner sie ihrer Fesseln entledigten. Fräulein M. ist so erheblich verletzt, daß sie das Bett hüten und ärztliche Hülfe in Anspruch nehmen muß. Hornberg wurde ergriffen. Er war bereits vor fünf Jahren in einer Irrenanstalt untergebracht und gestand ein, daß er die Malycha habe umbringen wollen. Nach eingehender Untersuchung seines Geisteszustandes durch einen Kreis. arzt wurde er als gemeingefährlich geisteskrank nach der Irrenanstalt Dalldorf transportiert. Ter Einbruch in die Gemcindekasse von Nieder-Schönhausen, bei welchem bekanntlich 13 000 M. gestohlen wurden, wird von der Polizeibehörde mit dem Großfeuer in Französisch- B u ch h o l z, dem Nachbarort von Nieder-Schönhausen in Zu- sammenhang gebracht. Diese Kombination hat insofern viel Wahr» scheinlichkeit, als es sich bei dem Großfcuer in Franz.-Buchholz unstreitbar um eine sehr geschickt angelegte Brandstiftung handelt und der Einbruch zu der Zeit, als die Schönhauser Wehr alarmiert wurde und die Aufmerksamkeit der Polizeiorgane und der Ein- Wohnerschaft auf das Feuer gelenkt war, vorgenommen wurde. Ferner muß mit Bestimmtheit angenommen werden, daß die„Geld-. schrankknacker" mit den Verhältnissen in Nieder-Schönhausen sehr iwnau vertraut waren, wenn sie nicht überhaupt in den nördlichen Vororten zu suchen sind. Seit einem Vierteljahre sind in Pankow und Nicderschönhausen 4 Einbrüche verübt worden, wo es sich um die Beraubung von Geldschränken ha«delte. Die Gemeindekasse von Nieder-Schönhausen weist selten so hohe Beträge wie am Tage des Einbruchs auf. Es ist in Nieder-Schön- Hausen, wie in den anderen Vororten Brauch, höchstens 1000 M. im Gemeindeamt zu halten, alles übrige sofort bei einer Bank als Tagesgeld zu hinterlegen. Bei den Steuerzahlungen in diesen Tagen sind die Eingänge jedoch sehr verschiedenartig und so kam es in Nieder-Schönhausen, daß zufällig einmal 13000 M. in der Kasse waren, als gerade der Einbruch geschah. Der eingestürzte Stndtvahnvogrn. Gestern vormittag T'/a Uhr brach, wie anitlich berichtet wird, ein Teil des Gewölbes vom Stadtbahnbogen Nr. 9 des Ausstellungsgeländes neben dem Gleis Lehrter Bahnhof— Vellevue ein. Die Ur- fache ist auf ungleiches Setzen des Pfeilers zurückzuführen. Der Zugverkehr zwischen Lehrter Bahnhof und Bellevue wird eingleisig aufrecht erhalten. Zum Teil werden die Stadtbahnzüge über die Ferngleise geleitet. Der regelmäßige Zugverkehr wird voraussichtlich im Laufe des Nachmittags wieder aufgenommen werden. Ueber den Einsturz sind verschiedene Versionen verbreitet. Er geschah, wie schon oben erwähnt, kurz nach 7 Uhr. Der Bogen 9 befindet sich im Kunstausstellungspark. Es ist jener große Bogen, dessen Oeffnung den Verkehr zwischen dem Hauptrestaurant und dem AusstellungSgebäude vermittelt, gegenüber dem Springbrunnen. Der Hausmeister Stiller der Kunstausstellung befand sich hinter der Halle, um Arbeiten zu beaufsichtigen. 19 Minuten vor 7 Uhr nahm er ein dumpfes Geräusch wie von einer Erderschürterung wahr. Als er nach der Richtung lief, aus der es kam, sah er zunächst nur eine ungeheure Staubwolke, die die ganze Umgebung einhüllte. Dann sah er, daß aus dem Bogen ein großes Stück heraus- gefallen war. Er eilte sofort nach dem Lehrter Bahnhofe und teilte dem Vorsteher seine Wahrnehmung mit. Der Vorsteher begab sich an die Bruchstelle, überzeugte sich von dem Umfange des Ein- sturzcs und ließ sogleich den Verkehr einstellen. Beide Stadtbahn- gleise mußten gesperrt werden. Auf die Meldung an die zuständige Betriebsinspcktion erschienen bald mehrere Baubeamte. Schon am Dienstag fielen aus dem drei Steine starken Gewölbe des Bogens einzelne Teilchen heraus und durchschlugen deiwStuck, mit dem die Wölbung abgeputzt ist, man legte aber dieser Erscheinung keine Bedeutung bei. Gestern morgen ist nun aus dem Bogen ein drei- eckiges Mauerstiick im Gewicht von etwa ö9— 89 Zentnern herausgefallen. Das Dreieck mißt auf der Grundlinie etwa und auf den Schenkeln etwa 3 und 2 Meter. Die glatte Seitenschicht über dem Mauerwerk zeigt einen schräg laufenden klaffenden Riß, der an der breitesten Stelle etwa 15 Zentimeter mißt. Dieser Riß muß schon länger bestanden haben. Es zeigt sich das daran, daß das Mauerwerk unter ihm mit Oel und Teer beschmiert ist. Die Wagen- schmiere muß schon lange durchgesickert sein. Das Mauerwerk aber hielt sie fest, bis es gestern morgen brach. Möglich ist, daß zuletzt auch Wasser und Oel in die Fugen eingedrungen war und den Verband gelockert hatte. Die Sperrung der beiden Stadtbahnglcise brachte eine vollständige Umgestaltung des ganzen Verkehrs mjt sich. Die Mehrbelastung der Ferngleise hat stundenlange Zugverspätungen zur Folge. Auf den Bahnhöfen ist angezeigt: Verkehr unregelmäßig. Der Unglücksfall wurde der vorgesetzten Behörde sofort ge� meldet; bereits um 8 Uhr fand sich eine größere Kommission, be stehend aus Sachverständigen der Eisenbahndirektion und des Reichs eisenbahnaints, an der Unglücksstelle ein, um genau die Ursachen des Einsturzes zu erforschen. Als ein große« Glück muß es bezeichnet werden, daß der Unfall sofort entdeckt wurde. Nach der oben gegebenen Darstelllmg muß man sich nur wundern, daß den Anfsichtsbeamten dieser Schaden bei ihren Revisionen nicht schon längst aufgefallen ist und die Frage: In welcher Weise und wie oft werden die Baulichkeiten der Stadt- bahn einer Revision unterzogen? ist nur zu berechtigt. Hier ist äußerste Vorsicht und genaueste Gewissenhaftigkeit dringend zu ver- langen. Zusammenstoß im Bahnhof Charlottenburg. Auf dem Stadtbahngleise Bahnhof Charlottenburg fuhren gestern vormittag zwei Maschinen zusammen. Ein Zugführer und ein Heizer erlitten bei diesem Unfall Verletzungen und mußten nach dem Krankenhause transportiert werden. Der Stadtbahnverkehr war längere Zeit gestört._ Gegen den Ausschalter geschleudert. In der Straßenbahn- untertunnclung der Spree bei Treptow hat sich gestern eine ver- hängnisvoller Unglücksfall ereignet. Bei einem auf der Durchfahrt begriffenen Straßenbahnwagen war die Sicherung durchgcschmolzen, und dadurch der Strom unterbrochen. Der Schaffner ersetzte nun die durchgebrannte Sicherung durch eine neue und als sich der Wagen hierauf wieder in Bewegung setzte, ertönte plötzlich ein markerschütternder Schrei. Der Schaffner hatte sich aus dem Wagen hcrausgcbeuat und war mit dem Kopf zwischen die Seiten- wand und den Ausschalter gedrückt worden. Der Verunglückte er- litt eigen doppelten Schädelbruch und wurde in hoffnungslosem Zustand in das Krankenhaus gebracht. Ein arbeitswilliger Steiuträgcr erlitt gestern auf dem von der Baufirma Kurt Berndt ausgeführten Ausbau Rungestr. 22/21 einen schweren Unfall, indem er aus der dritten Etage in die zweite ab- stürzte. Mit schweren Kopfverletzungen muß er nunmehr seine un- solidarische Arbeitsfreudigkeit büßen. Kurze Zeit vor dem Unfall kontrollierten Streikende den Bau. Bei dieser Gelegenheit zeichnete sich der Verunglückte durch eine besondere Forsche aus, indem er sich seiner Kraft rühmte, mit der er cS mit jedem aufnehme. Auch den ihre gewcrlschaftlichc Pflicht erfüllenden Streikposten hat er des öfteren Gelegenheit gegeben, über die Charaltcrbeschaffenheit arbeitStvilliger Elemente Betrachtungen anzustellen. Ob der Unfall dem Be- troffenen die Lehre gibt, daß nur durch die Solidarität der Arbeiterschaft der Kampf der Gewerkschaften gegen den ganz unzu- länglichen Lauarbeiterschutz geführt werden kann? Vielleicht begreift der Beruiiglückte dann auch, daß eines der besten Uufallverhütungs- mittel eine möglichst kurze Arbeitszeit ist, für die die im Baugewerbe Ausgesperrten und Streikenden iin Interesse ihrer selbst und ihrer Familien seit Wochen im Kampfe liegen. � Lebhafte Aufregung rief auf dem Gesundbrunnen gestern der in der Hochstraße 1 wohnende Arbeiter Wirke hervor. Der an Ver- folgungswahnsinn Leidende hatte sich in einem Anfalle mit einer Mist- gabel bewaffnet und attackierte damit auf der Straße die Passanten. �n der Bellermaimstraße gelang es, den Tobenden, der das Publikum in große Gefahr brachte, zu überwältigen. Auf Veranlassung der Polizei wurde er der Irrenanstalt Dalldorf überwiesen. In einem Anfall von Bcrfolgungswahnsinn warf sich gestern nachniittag daS am Kurfürstendamm 185 in Stellung befindliche Dienstmädchen Czibolska vor einen heransausendcn Straßenbahn- tvagen der Linie Potsdamerplatz— Hundeki-Hle. ES gelang dem Wagenführer nicht mehr, den Wagen rechtzeitig zum Stehen zu bringen und das Mädchen wurde daher eine Strecke mitgeschleift. In schlver verletztem Zustande wurde die Unglückliche nach Anlegung eines Notverbandes nach dem Krankenhaus Westend überführt. Feuerwehrbcricht. Durch Ueberkochen von Teer kam am Mitt« woch in der Mllnchebcrgerstraße 21 Feuer aus. An der Ecke der Zwingli« und Gotzkowskystraße 39 brannte das GaS aus einer um- gefahrenen Straßenlaterne, weithin die Straßen erleuchtend. Ein großer Kellerbrand beschäftigte die Wehr in der Linienstr. 115. Durch kräflige« Wassergeben gelang es. die Flammen auf den Keller zu beschränken. Ein weiterer Kellerbrand wurde aus der SteiumG- straße 17 gemeldet. Papier war dort in Brand geraten. In der Schönhauser Allee 47 war in einem Badezimmer Feuer ausgekommen und hatte Türen, Kleider u. a. ergriffen. Außerdem wurden gestern noch eine Reihe anderer Brände gemeldet, u. a. ein Wohnungsbrand aus der Neuen Hochstr. 52.__ Vorort- JVachncbtern Schöneberg. In der letzten Stadtverordnetensitzung hatten unsere Genossen, Vte wir ichon mitteilten, folgenden Antrag gestellte „Ter Magistrat wird ersucht, die Interessen der Stadt überall wahrzunehmen, auch da, wo laut Beschlutz der Bau- geschäfte vom 19. Mai die Aussperrung der Maurer. Zimmerer und Bauarbeiter am 18. Mai auf den städtischen Bauten statt- gefunden hat. Die Unternehmer sind aufzufordern, soweit soweit sie sich den Aussperrungsbeschluß zu eigen gemacht haben, die ihnen laut Verträge auferlegten Pflichten sofort zu erfüllen. Geschieht das nicht, so ist der Magistrat verpflichtet, die Arbeiten auf Kosten der Unternehmer selbst auszuführen." lieber die Verhandlungen haben wir gestern schon teilweise berichtet: angesichts der Wichtigkeit des Gegenstandes tragen wir heute die Schlußausführungon nach: Stadtv. Katz lLib.): Im Namen meiner Freunde erkläre ich, daß wir für den ersten Teil des Antrages eintreten werden, wenn vom Magistrat nachgewiesen wird, daß in den Verträgen nur eine Streikklausel und keine Ausspcrrungsklauscl vorgesehen ist. Die Unternehmer wären in diesem Fall schadcnsersatzpflichtig. Für den zweiten Teil werden wir nicht stimmen. Es übersteigt die Kompe- tenzcn der Stadtverordnetenversammlung, in die Rechte des Magistrats einzugreifen. Der Magistrat muß selbst wissen, welche Schritte er zu ergreifen hat. Stadtv. v. Glasenapp: Die Ausführungen des Vorredners sind sehr interessant. Es hat den Anschein: die Herren möchten gern, aber können nicht. Anläßlich der Wahlen trauen sie sich nicht, offen Farbe zu bekennen. Ter Standpunkt des Vorredners ist pflaumenweich und unlogisch. Stadtv. Gottschalk(Lib.): Wir haben die bevorstehenden Stadtverordnctcnwahlen keineswegs zu fürchten, bei den Freunden des Herrn v. Glasenapp scheint das eher zuzutreffen. Wir sind die größten Gegner der Sozialdemokratie, weil wir für die For- derungen der Arbeiter auch eintreten. Wir werden jeden Kampf aufnehmen, sowohl nach rechts wie nach links. Bon der Stadt können wir nicht verlangen, daß sie ein Auge zudrückt, zum Nach- teile der Steuerzahler. Hier liegt eine Aussperrung und kein Streik vor, da muß von der Stadt etwas getan werden. Im übrigen können wir es aber nicht billigen, in die Verwaltungs- Praxis des Magistrats durch die Annahme des zweiten Teiles des sozialdemokratischen Antrages einzugreifen. Stadtv. Dr. Voßberg(Lib.) nimmt denselben Standpunkt ein und verlangt vom Magistrat Aufklärung darüber, wie es mit der Streikklausel in den stadtischen Verträgen steht. Stadtbaurat E g e I i n g erklärt, daß der Magistrat noch keine Stellung zu dem Antrage genommen habe, sondern erst den Be- schlutz der Stadtverordnetenversammlung abwarten werde. Stadtv. Schüler �Hausbesitzerfraktion): Ich beantrage, beide Teile des Antrages abzulehnen. Die Arbeitgeber haben keine Ursache, so lange zu warten, bis es den Arbeitern gefällig ist, zu streiken. Die Stadt hat kein Recht, in den Kampf einzugreifen und die Arbeiter zu begünstigen. Ich hoffe, daß die Unternehmer in diesem Kampfe nicht unterliegen werden. Stadtv. K ü t e r(Soz.) geht nochmals auf die geschichtliche Entwickclung des Kampfes ein und tritt den Ausführungen des Vorredners entgegen. Redner ersucht, für beide Teile des An- träges zu stimmen, da der zweite Teil durch die Annahme des ersten Teiles notwendig werde. Stadtv. v. Glasenapp: Heute sei wieder einmal das innige Zusammengehen der Liberalen mit den Sozialdemokraten betviesen. Die Klarheit sei geschaffen und damit erreicht, was er wollte. Stadtv. Obst(Soz.) bedauert, daß der Magistrat in den acht Tagen es nicht für nötig gehalten hat, zu dem Antrage Stellung zu nehmen. Stadtv. Lohausen(Freie Fraktion): Im Auftrage meiner Fraktionskollegen habe ich zu erklären, daß wir den gegenwärtigen Kampf im Baugewerbe als einen Kampf der bürger- lichen Parteien gegen die Sozialdemokratie be- trachten. Für uns ist es gleichgültig, ob ein Streik oder eine Aussperrung vorliegt. Die Unternehmer sind von den Arbeitern zu diesem Kampfe gezwungen worden. Der Magistrat ist verpflichtet, die bürgerlichen Parteien, deren Rechte und Pflichten hier in Frage kommen, energisch zu unter st ützen. Stadtv. Bartels: Ohne berechtigte Veranlassung ist es nicht notwendig, in die Rechte des Magistrats einzugreifen. Die Sozialdemokraten haben erst den Beweis zu erbringen, daß der Magistrat seine Pflicht nicht erfüllt.» Redner beantragt, den vorliegenden Antrag dem Magistrat als Ver- waltungsbehörde zur Erwägung zu überweisen. Stadtv. Dr. Voßberg: Die Ausführungen des Stadtverord- ncten Lohausen haben uns wirklich überrascht. Sonst macht man uns und der Sozialdemokratie den Vorwurf, daß wir die Parteipolitik in das Stadtparlament hineintragen. Hier zeige sich wieder ein» mal, daß das Umgekehrte richtig ist. Nach einer persönlichen Auseinandersetzung zwischen dem Stadtv. v. Glasenapp und der liberalen Fraktion wird ein Schluß- antrag angenmnmcn, wodurch der Vertreter unserer Fraksion ver- hindert wurde, auf die Ausführungen des Stadtv. Lohausen zu antworten. � Die Abstimmung ist eine namentliche. Der erste Teil d«S sozialdemokratischen Antrages wird mit 21 gegen 15 Stimmen abgelehnt, der zweite Teil ebenfalls gegen die Stimmen der Sozialdemokraten. Abgelehnt wird weiter auch der Antrag deS Stadtv. Bartels mit 29 gegen 14 Stimmen. Die weiteren Punkte der Tagesordnung werden vertagt. Schluß der Sitzung 19% Uhr. Charlottenburg. Berichtigung. In dem Geschäftsbericht der Gewerkkchaftskommission von 1996 ist auf Seite 17 unter Bericht des Fabrik-, Land- und Hülfsarbeiter-VerbandeS folgender Passus vorhanden: „Am 15, Februar wandten sich die Zeitungsfrauen des „Berliner Lokal- Anzeigers"�an unsere Ortsverwallung(Charlotten- bürg) mit dem Ersuchen um Aufnahme in unseren Verband. Die- selben erklärten wiederholt, daß sie von dem Handels- und Trans» portarbeiter-Verband abgewiesen worden seien." Hierzu ist zu bemerken, daß mit diesem Satze nicht die OriS- Verwaltung Charlottenburg des Trausportarbeiter-VerbaudeS, sondern nach Angabe öes Fabrikarbeiter-VerbandeS die Verwaltmig Berlin des TranSportarbeiter-Verbandes gemeint sein soll. Die Unterzeichneten sehen sich gezwungen, die Berichtigung selbst zu geben, weil die Leitung der Ortsvenvaltung Charlottenburg des Fabrikarbeiter-Verbandes trotz einstimmigen Beichlusses der Gewerk- schaftskommission und niehriacher Ausforderung, eine Berichtigung zu geben, nicht nachgekonimen ist. Gew-rkschaftskommissü:n Charlottenburg. I. A.: Otto Flemmiug. Transportarbeiter-Verband, Ortsverein Charlottenburg. I. A.: August Gebert. Rixdorf. Beim Absturz von der Treppe den Tod gefunden hat der 59 Jahre alte Maurer Albert Holz, Prinz Handjerhstr. 22. H. wohnte in einer Kellerbehausung und stürzte beim Heruntersteigen der Treppe ab. Er zog sich schwere innere Verletzungen zu und starb kurz darauf an den Fokgen. Rummelsburg. Aus der Gemeindevertretung. In der letzten Sitzung wurde die Einrichtung von Michaelisklassen bei der Knabenmittelschule sowie bei der höheren Mädchenschule, die durch den regen Zuspruch zu diesen Lehranstalten sich notwendig machen, einstimmig beschlossen. Ehre längere Debatte zeitigte die gleichzeitig beantragte Er« bauung dreier Schulen und zweier Turnhallen— und zwar soll für die Knabenmilteischnle sowie für die höhere Mädchenschule je ein eigenes Schulgebäude errichtet werden: zugleich macht sich auch der Bau einer 64klassigen Volksschule notwendig. Gegen den Bau eine? eigenen Schulgebäudes für die Knabenmittel- schule sowie gegen die Einführung von Elementarklassen an dieser Schule wandten sich unsere Vertreter ganz entschieden; sie be- antragten, die Mittelschule entweder in der auf dein trockenen Dreieck zu errichtenden neuen Volksschule oder in dem ebenfalls neu zu er- richtenden Schulgebäude für die höhere Mädchenschule unterzubringen. Auch die bürgerlichen Vertteter sprechen sich im gleichen Sinne aus. Der Bürgermeister sieht in der Erbauung eines eigenen Schul- gebäudes für die Knabenmittelschule, welches 16 klassig werden soll, und daher schneller als das 64klassige Volksschulgebäude fertig ge- stellt werden kann einen Ausweg aus der etwaigen Kalamität, falls das neue Volksschulgebäude nicht zur rechten Zeit bezugsfertig sein sollte. Die Beschlußfassung wird auf eine spätere Sitzung ver- tagt; dieser Sitzung soll aber eine Aussprache der Gemeindevertretung mit der Schuldeputation sowie mit den betreffenden Schulleitern und dem Kreisschnlinspektor vorausgehen. Eine gleichfalls rege Debatte rief folgender von unserem Ler- treter gestellter Antrag hervor: „Die Mitglieder der Gemeindevertretung Hierselbst dürfen sich für die Folge an Lieferungen und Arbeiten für die hiesige Gemeinde weder direkt noch indirekt beteiligen." Genosse Rittet, welcher den Antrag eingehend begründete, fand mit seinen Ansführnngen bei den Herren Gegnern wenig Verständnis. Von Herrn Leichnitz wurde ausgeführt, daß Geineindevertreter aus Interesse für die Gemeinde die Arbeiten und Lieferungen für die Gemeinde bester und billiger ausführten als fremde Lieferanten. Auch würden sich bei Annahme dieses Antrages in der Gemeinde Rumnielsburg bei nur 43 999 Einwohnern nicht genügend befähigte Personen finden, welche das Amt eines Gemeindevertreters annehmen würden. Als in der Debatte Genosse John u. a. darauf hinwies, daß, wenn die beiden hiesigen Grundbesitzervereine nicht in der Lage sind, genügend befähigte Gemeindevertreter stellen zu können, die etwaigen Lücken doch leicht durch die nichthauSbesitzende Bllrgerschast ergänzt werden könnten— veranlaßte dies den Vertreter Stibitz, Hausbesitzer jüngeren Datums, zu der geistreich sehr sollenden Erklärung, daß er auf Grund dieser Anzapfung der Grundbesitzer sich nunmehr der Abstimmung enthalten werde; er hätte sonst für den Antrag gestimmt. Der Anttag wurde mit 19 gegen 11 Stimmen bei 4 Slimmenthaltungen abgelehnt; dafür stimmten unter anderen Bürgermeister Hahn und Beigeordneter Köhler. Unter den elf gegnerischen Stimmen befanden sich allein fünf Stimmen von Ver- tretern, welche persönlich an dieser Abstimmung interessiert waren, da sie Lieferungen respektive Arbeiten für die Gemeinde aussühren. Hierauf teilte der Gemeindevorsteher mit, daß das Ergänzungs- verfahren zwischen der Stadt Berlin und der Großen Berliner, be- treffend die Befahrung der Boxhagenerstraße durch die Große Berliner, zu einem Einverständnis zwischen diesen beiden Parteien geführt hat. Nach dem Ergebnis will der Magisttat verlin die kleinbahngesetzliche Zustimmung zur Benutzung der Boxhagenersttaße unter der Bedingung geben, daß der Stadlgemeinde Berlin: a) für die ganze Strecke in der Boxhagenerstraße das Mitbenutzungsrecht eingeräumt wird und d) daß der Gesamtheit der Wegeinteressenten ein Recht auf Erwerb der Straßenbahnlinie nicht, wie im§ 19 des zwischen Rummelsburg und der G. B. St. B. geschlossenen Vertrages im Jahre 1926 vorgesehen ist, sondern auch schon 1919 zustehen. Die Gemeindevertretung erklärt sich mit dieser Abänderung des Vertrages einstimmig einverstanden. Ferner beschloß die Vertretung für die Berufs- und Betriebs- zählimg den Betrag von 1199 M. auszuwerfen Jeder Zähler soll 5 M. erhalten. Lichtenberg. Der Arbciter-Turnverei» nimmt am Sonntag, den 16. Juni, dt» im vorigen Jahre eingeführten Kinderspiele wieder auf. Der große Beifall, den diese Spiele, die unter bewährter Leitung stehen, ge- fundeu haben, veranlaßt den Verein, schon jetzt mit denselben zu bcgiiuien. Gespielt wird jeden Sonntag von Vz9— V,l2 Uhr im Garten des Gastwirt? Gürsch, Frankfurter Chauffee 128. Treff- punkte sind 9/i8 Uhr Frankfurter Allee, Ecke Blumenthalsttaße, und um 8 Uhr Frankfurter Chaussee, Ecke Gürtelsttaße. Um rege Be» teiligung, Knaben und Mädchen, ersucht Der Vorstand. Unsere Darlegungen über die ProvifivnSangelegenheit anläßlich der Aufnahme eines DarlehnS der Gemeinde Lichtenberg bei der Sparkasse in Schkeuditz haben nun auch den Gemeinbevorsteher Schmidt w Rosenthal aus dem Busch herausgeholt. Er erklärt, daß er wie sein Bruder, der Bürgermeister Schmidt in Schkeuditz an der Provisionsangelegcnheit gänzlich unbeteiligt seien. Der Gemeinde- Vorsteher Walther-Rosenthal hätte erfahren, daß die Schkeuditzer Sparkasse Geld zu verleihen hatte. Von ihm, dem Gemeinde- Vorsteher Schmidt, habe Walther gehört, daß verschiedene Vororte, darunler Lichtenberg, Geld suchten. Walther habe daraufhin sich mit Lichtenberg in Verbindung gesetzt. Von einer Beteiligung an der Waltherschen Proviston sei zwischen ihnen niemals gesprochen worden. Er, AintSvorsteher Schmidt, habe sich vielmehr gefreut, daß Walther auf seine Veranlassung etwas verdienen könne. An- deutungen Walthers, ihm etwas von der Provision abzugeben, habe er sofort bestimmt zurückgelviesen. Der Amtsvorsteher Schmidt erklärt noch, daß sein Bruder von der Einsendung einer Berichtigung ab- gesehen habe, da er nicht Mitarbeiter sozialdemokratischer Zeitungen sein wollte. Wenn die„Genossen" deutlicher mit ihren Verdäch- tigungen geworden wären, so wäre der Sachverhalt gerichtlich klar- gestellt worden. Die Erklärung des Herrn Schmidt ist köstlich.„Gänzlich un- beteiligt" ist Herr Schmidt, so sagt er, fügt aber vorsichtshalber hinzu, daß Herr Walther von ihm gehört habe, daß Lichten- berg Geld suchte. Ein sonderbarer„Zufall" ist es auch, daß Herr Walther wußte, daß gerade die Sparkasse in Schkeuditz, einem Orte, in welchem der Bruder des Herrn Schmidt Bürger- meister ist, Geld zu vergeben hatte; sonderbar, höchst sonderbar l Schließlich wird noch behaupte;, daß Lichtenberg um das 4 prozentige Darlehn gekommen sei, weil die bösen Sozialdemokraten dieses Techtelmechtel vor die Oeffentlichkeit gezerrt hätten. Das ist natür- lich falsch. Ans der Sache ist nur nichts geworden, weil man sich nicht noch mehr kompromittieren wollte, auch ein Zugeständnis, daß die Sache oberfaul war. Daß es die Hintermänner schmerzt, daß ihnen ein schöner Profit entgangen ist, glauben wir gern; dazu sind aber die Steuerzahler nicht da, einigen Personen für nichts und wieder nichts Tasijende von Mark in Gestalt von Provisionen in den Schoß zu werfen. verband deutscher Barbiere, Friseure und Perückenmacher» Gehiilfen, Berlin. Heute, Donnerstag, den 13. Juni, abends 10 Uhr, im Lokale Dircksenstrasje 46: Außerordentliche Versammlung. Zentralverband der Friseurgehülfcn Deutschlands, Zweigverein Berlin-Weißensee. Donnerstag, den 13. Juni, abends'/,t0 Uhr: Ver» sammlung Lei Content, Lehderstt. 5. Wttternuastidersscht vom IS. Juni morarn« 8 III)». ElatlMtN L E -- Ii S— s s B- 2 Swwrmde. 763 N Hornburg 762 O Berlin 762 NO Frants.a.M. 7SSO München 769 O Bim 1 761. Still »«tter 1 wölken! 3wolkenl 1 wölken! 2 heiler 3 wölken! — wölke»! »ck c V -i II = t» M& SlaNentn LS "S~ i- o a 1 1 ■-9 U Haparanda■ 765 Still Petersburg 75g ONO Scilly jiberdeen Paris 746 S 757 ONO 758 SSW BeU« — wölken! 1 bedeckt 6 Regen 1 bedeckt 3 Regen »st c t, » I wa 20 17 11 10 14 Wetter-Prognose für Donnerstag, den 13. Juni 1SV7. Etwa? kühler, veränderlich, vielfach wolkig mit Gewitterregen und mäßigen Winden aus wechselnder Richtung. Berliner W ejt er b u r« a u. Wasserstand am 12. Juni vonn. Elbe bel Aiisstg— ,— Meter, bei Dresden— 141 äx.— Elbe bei Magdeburg 1,17 Meter.— Oder bei Ratibor— Meter.— Oder bei Breslau— 0,20 Reter.— Oder bel Brleg 2,79 Meter.— Neißemündung 2,34 Meter. « Für den Jntialt der Inserate üderuiiiimt die Redaktion dem Publikni» genenüber keinerlei Vcrannuortnng. HKeater. Donnerstag, den 13, Juni. Ansang 7'/- Uhr. Kgl. Opcrnhans. Tannhäuser. Kgl. Schauspielhaus. EinFaMfle- ment. Neues kgl. Operntheatcr. Wimer Blut. Ansang 8 Uhr. Schiller O. sWallner-Theater.) Minna von Barnhelm. Schillcr-Theater Charlottcnburg. Die Schmuggler. Schiller X. lFriedrich Wilbelm- städtisches Theater.) Drei Paar Schuhe. Deutsches. Der Jongleur. Kleines. Front Wedetind.(Ansang 3'/, Uhr.) Komische Oper. HoffmannS Erzählungen. Neues. Die Condottieri. Westen. Die lustige Witwe. Residenz. Haben Sie nichts zu verzollen's LustiUielliauS. Die Welt ohne Männer. Thalia. Charlcys Tante. Luisen. Das Rätsel seiner Ehe. Bernhard Rose. Der große Un- bekannte. Nachm. 41/2 Uhr: Die rote Nase. Großes Reinemachen. Die Ziller- talcr. Metropol. Der Teusel lacht dazu. Wintergarten. La Tortajada. Spezialitäten. Apollo. Der lustige Witwer. Spe- zialitätcn. Walhalla. Spezialitäten. FolicS Caprice. Geisteraulo.— Paris. Passage. SpezialiiSten. Reichshalle». Stcttiner Sänger. Urania. T»»bc»»r>>sie 4K/JU. Abends 8 Uhr: Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Ttermvarte, Jnvalidenstr. 67/62. Heues Theater. Zum 98. Male: Die Condottieri. Ansang 8 Uhr. Freitag zum 99. Male: lldiv CondottlcrL Sonnabend zum 100. Male: Die Condottieri. Sommer-Ferien vom 16. Juni bis 15. August 1907. Kleines Theater. Ansang S'/j Uhr. Gastspie! Frank Wedekind. Morgen und solgcnde Tage: Gastspiel Frank Wedekind. Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Die luMtljje Witwe. Operette in 3 Akten o. Franz Lehär. Direktion Richard Alexander. Heute und solgcnde Tage 8 Uhr: haben Sie nichts zu verzollen? Schwank in 3 Akten v. M. Hennequin und P. Beb er. LustspSsEhaus. 8 Uhr: Wiener Ensemble- Gastspiel: Tie Welt ohne Männer. Pcpi Glöckner als Gast. Uiisen-Hisatsr Reichenbergerstr. 34. Heute und folgende Tage: Das Rätset seiiitr Ehe Ansang 8 Uhr. Sonntag, den 16. Juni, nachm. 3 Uhr: ßvspsnsivn. Abends 9'/, Uhr: Kerlin amujiert fich über w Hart«* teilt-ma und seine Burleske: Der luftige Witwer. 1. Bild: Das lchte Mal. 2. Bild: Tie Folgen davon. Vorh. 8Uhr: Llänrentte LporialitStsn. Passage-Theater. Abends 8—11 Uhr: |Die kleine Rakete mit « Paulette van Roy. JJ4 pfiartlge Spezialitäten. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Ubr; Die Gletselier derHocligeliirge irnil die Eiszeit unserer Heimat. OOtOCISCHER Täglich nachm. 5 Uhr: Grolles Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 Mk., von abends i 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter g 10 Jahren die Hälfte. AÄÄÄ ÄÄ Ä AÄÄÄ i VwWiFwww ww w wwwö 1 Metropol-Theater Anfang: 8 Chr. Grolle Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Rauchen überall gestattet. «raUTH»! Gr. Franksurlerstr. 132. Donnerstag, den 13. Juni: Ansang 4l/i Uhr. Im Gaden: TS Theater- und Spczialitnten-Borst. Panl Corrudini. Sperrfitz 50 Pf. Entree 30 Pf. Abends S'/j Uhr im Theater: Der xroU« Cnbckannte. Sommerpreise. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Vatiete-Lssten Weinbergsivcg 19/20, Rolenth. Tor. Spezialitäten- Vorstellung. Promenaden- Konzert. Ans.: KonzertS; Vorstellung 7 Uhr. D9~ Äei ungünstigem Wetter Vorstellung Im Theater 8 Uhr. Kleine Sonimerpreise. Zette- �Umnce-Garten Herrlichster Sommcrgarten Berlins. Mtlthrrühmte Ittnmitiation. Vollständig neue Anlagen. Täglich: Mo-Vgriotö-Vorstollung Ans, wochentags 6, Sonntags 4 Uhr. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Srnnnenstr. 16. Auf vielfachen Wunsch I Nur einmalige Wiederholung: DaaMdkMIedenanzdenillpen. Dazu das große Juni.Programm. Ans. 7 Uhr. Kasfeeküche o.» Uhr ab. Bei schlechtem Weiter: Vorst. Im Saal. Brutmen-Theaier Badstraße 58. Direkt.: Lernt,. Rose. 10 Attraktionen erste» Ranges 10. BOT Artur Wo] ff. tJBg D EIbost.— Rambler Comp. Der Geistcrspuk im Gefängnis. Pantomime der Kohasodl/truppe. Im Fluge durch die Welt. AusstattungS-Volksstück in 6 Bildern. Kasscneröffnnng 2 Uhr. Ans. 5 Uhr. Im Saale: Groller Ball. Billettvorverkaus von 10—1 Uhr an der Theaterkasse. ?rater- Theater. Kastanien-Allee 7/9. Täglich: Flotte Weiber SpezialitlUen 1. Kangea. Konzert nnd Ball. Anfang 4'/, Uhr. Relchshallen-Tliealer. r sasoer. Ansang Wochentags Sicht. Sonntags 7 Uhr. Relchs- hallen- Garten und Restaurant Militär- Konzert Sciailler-Theater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Thcatcr). Donnerstag. abendS8Uhr: IKinna v. Bnruhclm. Lustspiel in 5 Auszügen v. Gotthold Ephraim Lessing. Freitag, abends 8 Uhr: Letzte Schauspielvorst, v. d. Ferien: PerrleRon« Reise. Sonnabend, abends 8 Uhr: Eröffnung der Morwitz-Opep. Die Bnx:enotten. Schiller-Theater Charlottenburg. Donnerstag abends 8Uhr: Die Gelunnxsler. Komödie in 4 Akten v. Artur Dinier. Freitag, abends 8Uhr: Dl« SchmaggTer. Sonnabend, abends 8 U h r: Die SelininKgler. Sehiller-Theater N. Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater. Abends 8 Uhr: Drei Paar Schuhe. _ Sommerpreise. HaiKliems j | Sommer Theater i § Hasenheide 13/15. j Artistische Leitung: Paul Milbitz. J iTäglicii: Gr.Koiizert toter| f u. Spezialitäten-Mellung. 9 Jeden Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste. Jeden Donnerstag: Elite-Tag. Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. ! Fröbels Allerlei-Theater (früher Puhlmann) Schönhauser Allee 148 und Kastanien-AUee 07/00. Heute Donnerstag: Drittes großes Kittderfest mit vielen Ueberraschungen. Rlesen-duni-�ProKrarnm. Nur noch bis Sonnabend: cnt.8U. Für nächste Saison find sämtl. Sonuab. bereits besetzt. Noch einige Mittwoch- Abende find frei. Otto prit�koiv BUnzstraße 16. M-Ausstellungs- Biograpb-(st. louis) Theater lebender Photographien. Täglich Eingang von — Neuheiten.—— ♦ Den ganzen Tag Vorstellung. ♦ Oustav Behrens-Theater. Berlin W., Goltzstraße 9. Ob Regen, ob Sonnenschein Das neue großartige uni- Programm. au-: HannyS aprice.Ä-llnÄ; Grete Reaume, Soubrette. Willy Schönberg, Humorist. ?? Grrifenberger prolongiert?? und die anderen Spezialitäten. Zum Schluß die urkomische Posse: Tie Katzen i» der Perücke oder: Ein verunglücktes Stelldichein. Ansang 8 lihr, Sonntags 61l2 Uhr. Wanzenfluid gieichel'S verstärktes ist das wirksamste und sicherste Spezialmittel der Welt. 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DonnerStag, den 13.Jnni, abends 8'/, Uhr, im„Engllschea Garten", Alexanderstr. 27c: Branchen-VerfammUmg für die in der Krimche beschäftigten Tischler, Maler und Mafchineaarbeitkr Kerlins uud Mngegeud. Kein Kollege darf fehlen. Die Kommission. Zentral-Mand der Maurer Zweigverein Berlin.— Bezirk Wedding« Freitag, den 14. Jnni, abends 8'/, Uhr, tu RaabeS Salon, Kolberger- Straffe Nr.»3: Mitglieder- Uersammlung. Tages-Ordnung: 1. Unsere Lohnbewegung. 2. Diskussion. Bs Ist Pflicht eines jeden Kollegen, nn erscheinen. 140/9 Die Bezirksleitung. I. A.: Emil Poschel. Wilmersdorf. Manrer! Wilmersdorf. Freitag, den 14, Juni, abends 8's, Uhr: «illllieöer-VerLammIuog lte8 leülral-Verbavöes im„Luisenpark", Wilhelmsaue IIS. 1215b Um pünktliches Erscheinen ersucht Norm. Behrendt. r Verwaltungsstelle Berlin 11. Aclitung! Achtnng! Kierftljrer, MWm x. Stillritt aus sämtlichen Weißbierbrauereien Berlins, i Freitag, den 14. Juni 1007, abends 7 Uhr: Große Versammlung: im„Englischen Garten", Nlexandrrstraße 27 c. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Lohnkommisfion über de» Stand unserer Lohn« bewegung. 2. Diskusston. 3. Beschlußfassung. Das Erscheinen eines jeden einzelnen Kollegen ist unbedingt netwendig. 186/35 Die»ehtlonsleunng. Sllpeins Hei- unil Slettasse Her HelalWIer (E. H. 29) Hamburg., Filiale Berlin 2. Sonnabend, den IS. Juni, abends 8 Uhr, im Märkischen Hof, Admlralstr. ISo: General Versammlung TageS-Ordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung. 2. Diskussion. 3. Wahl der Ortsverwaltung resp. des Vertrauensarztes. ZW- Die Zahlstelle» sind an diesem Abend geschlossen. 120J2 Die Ortsverwaltung, In die Liste der boykottfreien Bäckereien ist nachzutragen: Badstr. 37», Schimetzek. Holzmarktstr. 14, I. Elsner. Kopenhagenerstr. 3S, Raber, , 59, Kurth, # 65, Weitz, standen irrtümlich KopemikuSstr. Stargarderstr. 63, Burger. Neu-Ltchtenberg. Sophlenstr. 8, Schönwg. Rummelsburg. Goethestr. 16. Gillat. Steglitz. Marksteinstr. 3, L. Straßmann. Mommsenstr. 59, Schröder. Schützenstr. 1, Hackbarth. Die Bewilligung zurückgezogen haben: E. Barth, Drontheimerstr. 13. Otto Mürbe, Nostizstr. 49. Schön, Mühlenstr. 51. F. Dähne, Stralauer Allee 23. H. Eder, Anklamerstr. 57. I. Gößwein, Allensteinerstr.9. Dretzler, Pappel-Allee 85. Frd. Susat, Rixdorf, Falkstr. 21 F. Lorenz,» Steinmetzst.131 Durch das unberechtigte Eingreifen der Polizei in den Lohnkampf der Bäckergesellen sind die Plakate zum größten Teil aus den Schaufenstern verschwunden. Die Bäckerinnunge» glauben, daß hierdurch der Sieg auf ihrer Seite wäre. Die Arbeiterschaft ist in hochherzigster Weise in den letzten Tagen eifriger noch für die Sache der unterdrückten Bäckergesellen eingetreten, als bisher. Um aber auch die Bäckermeister und Wiederverkäufer vor Polizeifchikanen zu schützen, erklären wir vom heutigen Tage ab die Plakate für ungültig. An Stelle derselben tritt folgende rote Karte: Klemer geehrten Kundfcbaft teile ich mit, daß ich nur ho�ftottfreics Brot und Sackware verkaufe, die unter den vom Väckerverband im JMai 1907 auf- geftellten Lohn- und Arbeitsbedingungen hergestellt sind. Seltätlgt» lVerbandsstempel) cliUerlcbritt. Diese Karte ist im Schaufenster an sichtbarer Stelle anzubringen. Sie ist ein Hinweis auf Verkäufe, daher nach dem Pretz- gefey völlig einwandfrei, obwohl dasselbe auch nach den letzten Gerichtsentscheiden bei den Plakaten ebenso der Fall war. Arbeiter! Frcmide unb Italien des Volkes! Der Boykott wirkt, dank der tatkräftigen Unterstützung weiter Volkskreise ganz gewaltig. Bewilligthabende Bäckermeister, die bisher keinen Gesellen be- schäftigten, haben jetzt 4 und 5 Gesellen. Das gerade ist die Ursache der Bäckerinnungswut gegen die Plakate. Einzelboykottierungen haben besonders gute Erfolge gezeitigt. Die Arbeiterschaft wird niemals in der Unterstützung unserer gerechten Sache erlahmen. Hervorheben aber wollen wir, daß die„Borwärts"liste der bewilligten Bäckermeister die zuverlässigste Quelle der boykottfreien Geschäfte ist. Darum, hoch die Arbeitersolidarität! Die Stteikleitung. Unser Bureau ist von jetzt ab: Bäckerverbands- Bureau Auguststraße 36. T. A. III 1243. Die verehrliche Bevölkerung von Berlin und Umgegend fordern wir hierdurch auf. falls iie aus bewilligten Bäckereien Ware haben wollen, i« denjenigen Stadtviertel« oder Strastenzügen, wo keine bewilligt habende Bäckereien vorhanden sind, an untenstehende Zlundenssmmslstellen ihre Adresse gelangen zu lassen und zugleich mitzuteilen, wie viel Backware und Brot fie täglich brauchen und NM welche �eit die Ware geliefert werden soll. Die Streikleitung wird dafür sorgen, daß den sich Meldenden auf dem schleunigsten Wege die Ware ins Haus geliefert wird. Auf Wunsch der dortigen Bevölkerung haben wir vorläufig folgende Kundensammelstellen eingerichtet: Knapp. Ober-Schöneweide, Edisonstr. 44. Emil Witte, Pankow, Florastr. 45. Gronau, Reinickendorf-West, Waldstr. 65. H. Schmidt,„ Berlinerstr. 5. Otto Wedermann, Steglitz. Fichtcstr. 71, v. I. Winkelmann, Steglitz, Schloßstr. 104, Hof II. Gülzow, Steglitz, Niederlage, Forsterstr. 23, Heidschmidt, Steglitz, Niederlage, Marksteinstr. 4. Klein, Steglitz, Niederlage, Herthastraße. Rost, Weistensee, Straßburgstr. 27. Micklitz, Wilmersdorf. Berlinerstr. 37. Ferner die Verkaufsstellen des Berliner Consum-VereinS: Michaclkirchplatz 4; Krantstr. 7; Zorndorferstr. 64; Liebigstr. 7; Kopernikusstr. 33; Rostockerstr. 35; Havelbergerstr. 6; Emdenerftr. 50; Erasmusstr. 5; Rummelsburg, Türrschmidtstt. 6; Lichtenberg-�riedrichs- berg, Frankfurter Chaussee 403; Kronprinzenstr. 4; Thiefsen, Lichtenberg, Hagenstr. 56. Stralauer Allee SOa. Bäckermeister, die gewillt sind, auch für weitere Touren Lieferungen zu übernehmen, bitten wir, ihre Adresse im Streikbureau niederzulegen. Falls bei der Lieferung im Anfang nicht alles nach Wunsch gehen sollte, bitten wir die verehrliche Bevölkerung um Nachsicht, aber bei der Hartnäckigkeit unsere» Gegner um energische Ausdauer. Die Streikleitung. ___ BäckerverbandS-Bureau: Auguststr. 36.— Telephonruf: Amt III Nr. 1243._ x Lerantwortlichei Bedakteull Lans Kever, Berlin. Für dkn�önscratenteil beraiitw� Ä ltcke. Stilin, Druck u. Lrrlaa: LmlvärtH«uÄdruljerü u. VerlasFanügjt Laul Sinau& Berlin SW." c. Hoehnow, Parochialstr. 36. Arnold, Spittelmarkt 3. G. Wallberg, Kaiser Wilhelmstr. 13 o. R. Roy, Kirchbachstr. 16. Schmidt, Schwerinstr. 12, Hof IV. F. Lehmann, Großgörschenstr. 27. sw. Günsel. Alte Jakobstr. 172, Hof l. I. C. Mehnert, Feilnerstr. 15. Hermann Michaelis, Lankwitzstr. 5, Stfl. HI. Leue, Wilhelmstr. 3, Ouergebäude 4 Treppen, bei Hohmann Krumpel, Zimmerstr. 75 und Markthalle III(Stand 197). K. Werner» Eylauerstraße 2. C. Müller, Nostizstr. 56, IV. NW. Gaedke, Calvinstr. 6, linker Seitenflügel 1 Tr. Petermann, Birkenstr. 28, Ecke Stephanstraße. Eduard Rothe, FlenSburgerftr. 24. 8. H. Zieph, Camphausenstr. 5. NO. Walter Sieber, Lippehnerstr. 24. o. C. Wolfs, Mirbachstr. 39, Part. Hermann Barentin, Tilsiterstr. 81. N. Hegel, Ackcrstr. 21, Part. Otto Schellenberg, Wcißenburgerstr. 57 (erbietet sich, den Kunden bohkottsieieZ Brot in lt., O. und 0. inä Haus zu bringen). P. Schwcmmer, Gnineastraße, Ecke Seestraße. Ender, Friedrichsberg, Kronprinzenstr. 17, Seitenflügel I. Hartmann, Boxhagen-Rummelsbnrg, Holteistr. 11. Ferdinand Krause, Hohen-Schönhausen, Berlinerstr. 66. Pühl, Lichtenberg, Pfarrstr. 74.