Nr. 138. nbonnemtntS'lkillngungen: «lonnemmtS•?rfi4 Jjianumftonfc#! Lieitkljührl. 8,30 Mk. monatl. 1,10 Mt,, wöch»»llich 28 Pfg, frei in? Hau?. Einzelne Nummer S Psg, Eonnlag?. Nummer mit iUnsiricrier Konnla»?» Leiiaqe.Die Neue Well' 10 Psa, Post» «bonncment: 1,10 Marl pro Monat. Eiuaetrajten in die Posl-geitiino?» Preisliste. Unter Urenzband ll» Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Wart, sür das übrige Ausland 3 Ma*I pro Monat. Postadoiinement« nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luzemlurg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweis. 34. Jahrg. Olchilat Iiilich nStr OsBliti. Derlinev VolKsbletkk. OK fnKrtlons'GebQbr üelrägt für die sechsgespaltene Uolonei» seile oder deren Raum 50 Psg., sür politische und gewerlschastsschc Vereins« und Versammlung?. Anzeigen 30 Psg. „Aleine Snreigen", das erste(seit« gedrultte) Wort 20 Psg. jedes weiter» Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf« stclleN'Anzeigen das erste Wort 10 Psg, jede» weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Wort». Inserate sür die nächste Nummer müsse» bis S Uhr nachmittags in der Expedition »»gegeben werden. Die Expeditign t? btS 7 Uhr abends geossnel. lelegramm- Adresse: „SozIaUtndknt Btrili". Zcntralorgan der fozialdemokratifcbcn Partei Deutfchlanda. Redaktion: SCd. 68, Lindenstrassc 69. ipernivreever: Zinn lV. Nr. IS�li. Expedition» 8M. 68, Lindcnstrasee 69. Fernsprecher: tlmt IT. Nr. I«>84. Berlins Cciftungcn auf dm Gebiete Kommunaler Sozialpolitik. Die kommende Woche bringt der Stadt Berlin neue englische Gäste. Der Lordmayor von London folgt mit einem großen Stabe kommunaler Würdenträger der Londoner City der Einladung des Berliner Oberbürgermeisters» der in Erwiderung der im vorigen Jahre genossenen Londoner Gast. frcundlichkcit den englischen Kollegen die kommunalen Herrlich. leiten Berlins vorführen wird. Die Herren werden einige der neuesten kommunalen Schöpfungen, deren moderne zweckmäßige Einrichtungen ihnen sicher gefallen werden, zu sehen bekommen. Das Rathaus wird im Glänze elektrischen Lichtes strahlen. Es wird viel und gut getafelt werden; schöne Reden werden gehalten und ebenso schön beantwortet werden. Unberufene und Berufene werden angehocht, Freundschaftsbeteuerungcn ausgetauscht, feierliche Versicherungen zu gemeinsamer Arbeit im Dienste der Kultur und des Völkerfriedens abgegeben werden, und am Schluß der Festwoche werden die englischen Vettern hoch befriedigt und dankerfüllt von bannen ziehen, um jenseits des Kanals den Ruhm Berlins zu verkünden und seine städtischen Einrichtungen als mustergültig zu preisen. Hoffentlich ist von dem Urteil des Professors Adolf Wagner über Berlin, das er auf dem„Evangelisch-sozialen Kongreß" in Straßburg am 22. Mai d. I. ausgesprochen hat, den Londonern nichts zu Ohren gekommen— sonst möchte die Be- wunderung für die kommunale Sozialpolitik Berlins doch cttvas getrübt werden, wenigstens für diejenigen Mitglieder der Reisegesellschaft, die in dem rauschenden Festtrubel ein eingehenderes Studium kontinentaler und speziell Berliner Gemeindeverwaltung nicht als gegenstandlos betrachten. Der Zufall hat die Diskussion der zwischen Wagner und dem größten Teil der liberalen Presse herrschenden Meinungs- Verschiedenheit über den Wert der Sozialpolitik der Stadt Berlin just in die Zeit fallen lassen, in der die englischen Jour- nalisten in Berlin weilten. Jetzt ist der Kampfboden, auf dem Wagner zu Tode geredet werden soll, in die Versamm- lungen der liberalen Bezirksvereine verpflanzt worden, in denen die Führer des Rathausfreisinns, Cassel und Rosenow, mit heißem Bemühen bestrebt sind, ihren Wählern einzureden, daßdasabsprechendeUrteilWagners vonHaß und Verleumdungs- sucht gegen Berlin diktiert und daß in Berlin alles wunderschön sei. Und vielleicht werden auch die englischen Gäste, die für nächste Woche erwartet werden, über das Professorenwort:„Berlin i st die langsam st e und rückständigste Stadt auf dem Gebiete der kommunalen Sozial- Politik" lächeln, wenn ihnen die Tore der für ihren Besuch ausgewählten Institute geöffnet und ihnen die Einrichtungen derselben erklärt werden. Und doch ist dieses Urteil berechtigt. Prof. Wagner hat in Straßburg nur Tatsachen festgestellt, die von der Sozialdemo. kratis seit mehreren Jahrzehnten im Berliner Rathaus be. kämpft werden. Vielleicht hätte Wagner besser getan, nicht in „Superlativen" zu sprechen; vielleicht existiert eine Großstadt. in der die sozialen Pflichten in noch geringcrem Maße geübt werden, als in der vom Liberalismus beherrschten Berliner Kommunalverwaltung— aber daß Berlin, so weit die Macht der Rathausmehrheit reicht, auf dem Gebiet der kommunalen Sozialpolitik langsam und rückständig ist— davon legt die Haltung der liberalen Mehrheit der Stadtverordneten- Versammlung und des von ihr in seiner antisozialen Auf- fassung unterstützten Magistrats ein leider nur allzu beredtes Zeugnis ab. Die„Freisinnige Zeitung" äußerte kürzlich, die Straß- burger Rede WagnerS käme der Sozialdemokratie zugute— natürlich entspricht es der liberalen Politik der„Freis. Ztg.", auch das Richtigste zu unterlassen, wenn die Sozialdemokratie davon profitieren könnte.— Prof. Wagner hat in Straßburg nur einen Standpunkt theoretisch vertreten, von dem aus die sozialdemokratischen Stadtverordneten Berlins Woche für Woche Forderungen stellen, Anregungen geben und seine praktische Durchführung verlangen. Freilich Professor Wagner kämpft vom christlich- sozialen Standpunkt aus. während unsere Genossen die Forderungen des sozialdemokratischen Pro- gramms in der Gemeindeverwaltung propagieren. Daher auch das Verschweigen der sozialistischen Arbeit im Rat- haus durch Wagner. Wir nehmen es ihm nicht übel. denn wenn er auf die Parteiverhältnisse im Roten Hause ein- gegangen wäre, hätte er die vollkommene Ohnmacht seiner eigenen, der konservativen Partei in Berlin bekennen müssen. Unter konservativer Herrschaft würde die Gemeinde- Verwaltung Berlins auch nicht sozialistisch sein— von der religiösen Bermuckernng der Schule und der Hintanstellung aller freiheitlichen Bestrebungen ganz abgesehen. Nicht nur die Sozialisierung. sondern zugleich auch die Demokrafisierung der Gemeinden muß errungen werden; dazu aber bedarf es ganz anderer Grundsätze und Forderungen. wie Wagner sie vertritt. Wir sind uns der unüberbrückbaren Kluft zwischen unserer und der Wagnerschen Weltanschauung vollkommen bewußt— wenn auch unsere Ansicht über die Verderblichkeit der kapitalistischen Wirtschaftsweise des Berliner Rathausfreisinns mit der von ihm vertretenen Auffassung übereinstimmt. Der Kapitalismus beherrscht die Berliner Gemeinde- Verwaltung in hohem Grade. Das Eigentum der Stadt wird ihm— gegen Abgaben— zur Ausbeutung überlassen. Alle großen Anlagen zur Befriedigung des Verkehrs, die Elektrizitäts- tverke, Beleuchtungs- und Kraftanlagen sind in Händen von Aktienunternehmungen. Erst in ganz letzter Zeit wendet man sich in Berlin städtischen Verkehrsanlagen zu, die jedoch mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Es ist der sozialdemokratischen Vertretung gelungen, refornuercnd einzu- wirken, aber die Sünden des Liberalismus auf diesem Gebiete sind so groß, daß die Widerstände, wenn überhaupt, nur mit schweren Opfern zu bewältigen sein werden. Ebenso schwer lastet der Druck des kapitalistischen Unter- nehmertums auf der EntWickelung der sozialen Fürsorge für die städtischen Arbeiter. Dem Privatuntemehmertum keine Kon- kurrenz machen— das ist das Prinzip, nach dem städtischer- seits verfahren wird. Arbeitszeit, Arbestslöhne, Arbeits- bedingungen in den städtischen Betrieben werden meist nach dem Vorbild der Privatunternehmungen geregelt und sind selbst in manchen großen Privatbetrieben vorteilhafter für die Arbeiter, als in den städttschen Arbeitsstätten. Die städtische Grund- und Bodenpolitik versagt fast gänzlich gegenüber den Forderungen der Hygiene und Volksgesundheit. Der Bekämpfung des Wohnungselends durch eine städtische Wohnungspolitik geht man geflissentlich aus dem Wege. Der Erhaltung, Vermehrung und Verwertung gemeind- lichen Grund und Bodens für die Errichtung von billigen und gesunden Wohnungen steht zurzeit noch ein unbesiegbarer Widerstand entgegen. Die hygienische Fürsorge für die Schul- fugend läßt noch sehr viel zu wünschen übrig. Den durch die Reichsgesetzgebung den Gemeinden übertragenen fakultativen Aufgaben hat Berlin fast nie Aufmerksamkeit geschenkt. Ge- zwangen nur und widerwillig geht der Liberalismus im Rat- hause an die Lösung der Aufgaben, die der Gemeinde auf diesem Gebtete von der Gesetzgebung gestellt werden. Wenn in den letzten Jahren manche Verbesserungen in sozialer Hinsicht geschaffen tvurden, so ist dies dem unab- lassigen Drängen und dem wachsenden Einfluß der Sozial- demokratie zu danken. Dreiundsiebzig Prozent der Mandate dritter Abteilung, ein Viertel der Sitze in der Stadt- verordnetenversammlung— 35 von 144— sind in den Händen der sozialdemokratischen Partei. Aber das reicht natürlich nicht aus, um eingreifende Reformen der Berliner Gemeindeverwaltung auf dem Gebiete der kommunalen Sozial- Politik vorzunehmen. Hier sollte Profeffor Wagner einsetzen, wenn er kommu- nalen Sozialismus fördern will, aber hier versagt der konser- vasive Sozialpolitiker. Das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht ist das Mittel, mit dem allein die Herr- schaft des Kapitals in den Rathäusern, die manchesterliche Vertvaltung in den Gemeinden erfolgreich bekämpft werden kann. Alles andere, Herr Professor, bleibt am Katheder kleben und hat keinen durchschlagenden Erfolg. Und noch eins. Mit der Einführung deS allgemeinen Wahlrechts für die Gemeinden muß zugleich daS Hausbesitzer- Privilegium beseitigt werden. Das ist's, was den Gemeinden bitter not tut, wenn der Boden für soziale Kommunalpolitik geebnet werden soll. Mobiles und immobiles Kapital schmieden gemeinsam die Fesseln, mit denen Bestrebungen der Gemeinde für soziale Kommunalpolitik unmöglich gemacht, und jeder ernsthafte Versuch hierzu von vornherein erdrosselt wird. Wer die Macht des GrundbesitzertumS und seine Geneigt- heit, sozial zu wirken, an der Quelle studieren will, der lese die Plenar- uud Ausschußverhandlungen der Stadtverordneten- Versammlung über die vom Magistrat geplante Wertzuwachs- steuer für Berlin. Die dabei von den Grundbesitzinteressenten befolgte Politik, deren einziger Zweck ist, jede Belastung des durch Gemeinde- Veranstaltungen und Leistungen erzielten Wertzuwachses zu verhindern, ist vollkommen gleichwertig dem Brot- und Fleischwucher, den die ländlichen Agrc. rier zur Steigerung der Grund- rente treiben. Das sind so einige Ursachen, weshalb Berlin eine langsame und rückständige Stadt auf dem Gebiete der kommunalen Sozialpolitik ist. Aber es kommt noch ein Moment hinzu, das der Ge- rechtigkeit wegen nicht verschwiegen werden darf: Die Be- vormundung durch die staatliche Aufsichtsbehörde. Berlin muß den Vorzug, Reichshauptstadt zu sein, mit der fast völligen Preisgabe seiner Selbstverwaltung bezahlen. Mehr wie in anderen Städten ist seine Bewegungsfreiheit ein- geschränkt— ohne hohe obrigkeitliche Erlaubnis kann die Ge- meinde kaum irgend etwas unternehmen. Namentlich lastet dieser Zustand in Verkehrsangelegenheiten schwer auf Berlin— und wer Gelegenheit hat, die Akten der Verkehrsdeputasion einzusehen, der weiß, was es heißt, städtische Verkchrsanlagen herzustellen. Das Kapital beherrscht zunächst noch vollkommen dieses Terrain. Private Unternehmungen erfreuen sich seitens der Regierung und einer noch höheren Stelle einer Unter- stützung, deren sich städtische Pläne und Anträge bisher nicht rühmen konnten. Die BankokraUe unterminiert die städtischen Einnahme- quellen durch Ausnutzung städtischen Eigentums; das Grund- bcsitzertum verhindert die gemeinnützige Verwertung des Grund und Bodens, das kapitalistische Unternehmertum »winat der Gemeinde rein kapitalistische Grundsätze für ihre Betriebe auf— und der Liberalismus, der im Roten Hause herrscht, sagt zu alledem Ja und Amen! Wenn Wagner diese Zustände ändern will, wenn er Berlin aus einer„langsamen und rückständigen" Stadt auf dem Gebiete der kommunalen Sozialpolisik in eine ihre sozialen Pflichten und Aufgaben erfüllende, sich der Wohlfahrt aller Bürger widmende Stadtgemeinde umwandeln will— dann muß er für das sozialdemokrattsche Kommunalprogramm eintreten und mit uns fordern: 1. Allgemeines, gleiches, direktes und geheimes Wahlrecht für die Gemeindevertretung. 2. Aufhebung des Hausbesitzerprivilegiums in der Städte- ordnung. 3. Volle Autonomie der Gemeinde. Also Herr Professor: „Eic Riiodus— hic salta sis Das Schicksal der zweiten Duma. Die Briefe des verstorbenen PobedonoSzew aus dem Jahre 1831 haben gezeigt, von welchen unbestimmbaren und unwägbaren Einflüssen oft die Regicrungsakte in Nußland abhängen. Das Re» giment der Intrigen ist da auf die Spitze getrieben. Alles was in Petersburg an der goldenen Krippe sitzt, fühlt sich berufen, auch hohe Politik zu machen. Das Resultat ist dann das tollste Ränke- spiel, die Minen und Konterminen. Das Staatsschiff schwankt bald nach rechts und bald nach links, die Planken krachen und das Schiff treibt den Klippen zu, doch was geht das die Goldbetreßten an, die in den Tag hineinleben, um aus der Minute den größten Profit herauszuschlagen. Die achtziger Jahre der schwarzen Alleinherrschaft Pobe- donoszews und der Ermüdung der russischen Gesellschaft hatten wenigstens einen markanten Zug; es lag in der Regierungspolitik ein System. Das aber fehlt jetzt vollständig. Die Politik der zarischen Minister ist jetzt nur eine Kette von mehr oder weniger gelungenen Abenteuern und Niederträchtigkeiten. Es ist ein System der Systemlosigkeit, das natürlich die größten Ueberraschungen ein- schließt und wohl selten auch vom Standpunkt der Interessen de? Zarenthrons als vernünftig erscheint. Darin liegt ja ein Teil der Tragik des Zarismus in den drei letzten Jahren, daß die reaktiv- nären Kreise durch ihre Politik den Zarenthron nicht gefestigt, sondern an seiner Zertrümmerung mehr gearbeitet haben, als die Revolutionäre. Wenn der Zarenhof noch je Hoffnung haben konnte, aus der Revolution einige Ueberbleibsel vergangener Herrlichkeiten zu retten, so war es jetzt bei dem Bestehen der zweiten Duma, durch die er bei einer einigermaßen besonnenen Politik einen Waffen- stillstand hätte erlangen können. Die Revolution hat an der zweiten Duma keine große Freude gehabt. Wohl war die Linke gestärkt ins Taurische Palais eingezogen. Die zweite Duma vcr- sammelte sich aber in einer Zeit der politischen Depression. DaS Jahr 1906 legte so manche Bresche in die Burg der Revolution; nach der Anspannung aller Kräfte war auch eine psychische Re- aktion natürlich. Die Abgeordneten erschienen mit der Devise: .Wahrung der Duma". Sie wurde eine vorsichtig hcrumtastcnde Duma des leisen Hoffen? und Harrens. Die erste Duma hat den Namen der.Duma des Volkszornes" erlangt, von ihm war aber in der zweiten nur wenig zu spüren. Jeden neuen Tag paßte sie sich einem neuen Hindernis an und bald waren deren so viele, daß die Duma eigentlich vom ersten Tag ihres ZusammcntretenS an unter Arrest war. Auf die Regierungserklärung des feudalen schwarzbcrockten Blutmenschen Stolypin schwieg sie, mit Ausnahme der sozialdemokratischen Fraktion; sie gewöhnte sich an die an» mähenden Reden eines Kokowzcw und Wassiltschikow, an den po» lizcilichen Türhüter Baron Osten-Sacken, sie gewöhnte sich an vcr- schlossene Türen. Durchsuchungen der Fraktionszimmer in der Duma, selbst die hcrumschleichendcn Bassermannschen Gestalten in und außerhalb der Duma, die jedes Wort der Abgeordneten be- lauschten. Sie nahm wohl einen Anlauf zum Konflikt in der Frage der Berufung von Sachverständigen in die Duma» kommissionen, sie duckte sich aber und Stolypin triumphierte. Die Regierung tat alles, um die Fäden zwischen der Volks» Vertretung und dem Land zu zerreißen. Als die Duma einige schüchterne Versuche machte, über den Stand der Hungersnot und die Verpflegungskampagnc Material zu sammeln, was natürlich den Helden der.Lidwaliade einige Beklemmungen verursachte, wurde ihr das als ungesetzlich verboten, ungesetzlich— weil die Duma den Versuch machte, gegen die Ungesetzlichkeit anzukämpfen. Die Entsendung von besonderen Dumakommissioncn in die von der Mißernte betroffenen Gebiete wurde von den Kadetten(Liberalen) gemeinsam mit der Rechten als außerhalb der Kompetenz der Duma abgewiesen und doch war auch in diesem Fall das Recht un» streitig auf Seite der Volksvertretung. Ausschlaggebend war eben die Aengstlichkeit des Liberalismus; die Furcht diktierte die Politik. Lediglich dem Bemühen der sozialistischen Linken ist es zu danken, daß die Budgetdebatten aus dem Sumpf der kleinlichen Zahlen- diffcrcnzen herausgezogen und ihnen ein grundsätzlicher Inhalt gegeben wurde. Entsetzt schlugen die Liberalen die Hände zu- sammen. Ihnen war ja das Fortwursteln der Duma an und für sich eine Errungenschaft und eine große Wohltat. Mit zusammen« geballten Fäusten standen sie der sozialistischen Linken in der ge» Heimen Sitzung gegenüber, als die Linke die Forderung der Re- gicrung, ein neues Rekrutenkontingent zu bewilligen mit der Losung beantwortete:„Keinen Soldaten!" Um die Duma zu wahren, machten die Liberalen den Bußgang zu Stolypin und dem Kriegsminister. Die prinzipiell ausgeprägte UebcrgangS- forme! der sozialistischen Linken bei der letzten Agrardebattc wurde dank den Bemühungen der Kadetten verworfen; das Amnestie- Projekt sollte von der Tagesordnung abgesetzt werden, die Auf, Hebung der Todesstrafe gar nicht angerührt werden. Und man muß sagen, die kadettische Taktik fand Anhänger. Das Zentrum wuchs, es ging ein langsames Schwenken nach rechts vor sich.„Wo ist die linke Duma? Da» ist die Frage," schrieb am 15. April die „Wolje i Semlja".„Die linke Duma" lächelte dem Volk einen Mgenblick zu ststd verschwand dann. ES ist Zeit, daß man die Sturtntrommel rührt. Die Aufmerksamkeit des Volkes muß darauf gelenkt werden, daß eine ganze Anzahl Abgeordnete von linis nach rechts gerückt sind."„Die Duma muß gewahrt werden. Das ist richtig," schrieb am 14. April„Obtschcstwcnnoje Djclo".„Muß sie aber um jeden Preis gewahrt werden? Die Duma ist dem Lande als Tribüne nötig; sie ist als eine Waffe im Kampf nötig. Wenn aber die Duma dem Lande nichts mehr geben kann, welchen Zweck hat es dann, um ihr Schicksal zu zittern. Man darf nicht ver- gessen. daß die Duma keine gesetzgeberische Befugnisse hat. Schreckt sie vor jedem Konflikt und selbst jeder ernsteren Auseinandersetzung mit der Regierung zurück, dann kann sie den Glauben des Volkes an eine Volksvertretung überhaupt vernichten, und das wäre ein viel größerer Verlust als die Auflösung der Duma." Den Freunden des papierncn Konstitutionalisinus konnte diese Wahrheit aber nicht einleuchten. Schritt für Schritt untergruben sie das moralische Ansehen der Duma. Sie zogen in den Wahlkampf mit der Losung, die feindliche Feste müsse belagert werden, doch selbst diese Losung hatten sie bald vergessen. Ihr Streben ging darauf hinaus, einen Kompromißbodcn zu finden. Alle wichtigeren Fragen sollten später behandelt werden; jetzt sollte die Duma nur Kommissionsarbeit tun, sie sollte nur an die Er- ledigung solcher Aufgaben gehen, bei denen ein Widerstand der Regierung nicht zu befürchten war. Die Mehrheit der Duma war auf demselben Weg, auf dem die Scmstwos immer weiter herab- geglitten waren. Durch dieselbe Taktik der Angst hatten die Libc- ralen aus den Semstwos eine Stütze der Reaktion gemacht, und jetzt waren sie daran, auch die Duma zum Spielzeug in den Händen der Bureaukratie zu machen. Damit war aber die Duma an der Grenze angelangt, wo sie durch jedes weitere Zurückweichen ihre letzte moralische Autorität aufs Spiel setzte. Die Kluft zwischen der sozialistischen Linken und der anderen Hälfte der Duma war da unüberbrückbar geworden. Das ergab aber eine Situation, bei der die Regierung eigentlich keinen Grund haben konnte, sich mit der Dumaauflösung zu beeilen. Was sie erstrebte, nämlich die Bildung eines libcral-konservativen Zentrums, ging ja allmählich in Erfüllung. Die Grundlage zu einer Regierungspartei, mit der Stolypin und das alte Regime sehr gut hätte auskommen können, war gelegt. Man weiß aber, daß gerade in den letzten Wochen der grundbesitzende Junker wieder den Hebel in der Hand hatte. Diese Vereinigung der Junker hatte ja bekanntlich auch die Auflösung der ersten Duma durchgesetzt, und auf dem im April stattgefundenen Kongreß beschloß sie. auch mit der zweiten Duma aufzuräumen, die trotz der Wahlrcpressalien und den einschneidenden Einschränkungen des Wahlrechts noch weniger nach ihrem Sinn ausgefallen war. Schon auf diesem Kongreß hatten sie ein neues Wahlgesetz fertig. Wie mächtig sich die russische Junkerschaft fühlt, ist daraus zu ersehen, daß derselbe Kongreß auch die Forderung an die Regierung stellte, sie möchte den Em- Wurf über die örtliche Selbstverwaltung, den die Regierung ansge- arbeitet hatte und der ihnen trotz seines urreaktionären Charakters zu weit ging, der Adelsvcreinigung zur Prüfung vorlegen. Die Regierung solle, so verlangte der Kongreß der Landwuchcrer weiter, mit den unruhigen Bauern kurzen Prozeß machen. Auf diesem Kongreß der Junker wurde die Regierungspolitik festgesetzt, die Politik des Wahnsinns, die nun in so drastischer Weise in dem Vor- gehen gegen die sozialistische Dumafraktion zum Ausdruck kommt. Ob die Regierung wirklich glaubt, daß die Duma ihr weiteres Bestehen durch die Uebergabe der sozialdemokratischen Abgeordneten in die Hände der Polizei zu erkaufen bereit sein wird? Es ist keine Frage: täte sie das, dann wäre sie ein Blatt der nationalen Schande in der Geschichte der russischen Freiheitsbewegung. Fast möchte man daran zweifeln, ob der Regierung wirklich soviel an der Verhaftung der sozialdemokratischen Abgeordneten liegt. Die hätte sie auch sonst haben können, z. B. nach der erfolgten Auf. lösung. Wäre es den Sozialdemokraten aber gelungen, zu flüchten, auch dann hätte ja die Regierung ihren Zweck so ziemlich erreicht. Di« außerordentliche Art des Vorgehens hat wohl auch und viel- leicht allein den Hauptzweck, einen plötzlichen unvorbereiteten Aus» bruch der revolutionären Kräfte zu provozieren. Die Herren fühlen. daß der Boden unter dem morschen Thron wankt, doch die bewegen. den Kräfte draußen im Lande sind geheime. Vielleicht, so kalku- lierte die Regierung, gelingt es, ihre DemaSkierung zu erzwingen. Dazu war wohl die ganze Staatsaktion eingeleitet. Man wollte auf Geheiß der Landwuchercr sich der Duma entledigen und gleich- zeitig die Revolution treffen. Das ist wohl der eigentliche Plan der Stolypin, Pichno und Durnowo, an dem sie eifrig seit jenem Kongreß im Monat April gearbeitet haben, und der auch kein so große? Geheimnis war, an dessen Verwirklichung man aber nicht recht glauben wollte, so unsinnig erschien er. selbst vom Standpunkt der absolutistischen Hofclique aus betrachtet. Denn was kann die weitere Folge der unternommenen Aktion sein als die Verschärfung des Kampfes! Di- organisierten Massen der Revolution sind diszipliniert genug, sie kennen die Ränke des Zarismus nur zu gut, um nicht blindlings in eine Falle zu gehen. Sie wissen, daß der beste Freund der Revolution bei den gegenwärtigen Verhält- Nissen die Zeit ist. Sie sind an der wirklichen Bclagerungsarbeit draußen in den 150 Millionen des Volkes. Und diese Arbeit kann nur mit dem Siege des Volkes enden. Mögen die Liberalen seufzen und stöhnen, die Revolution verliert an der zweiten Duma, wie sie durch die liberale Schlotteropposition und Kompromisselei gc- schwächt und entnervt ist, nicht gerade viel. Was aber die gte- volution an der Aktion der Regierung gewinnt, ist zur Stunde unübersehbar. Sie hat auch nichts zu fürchten, wenn ein Junker- Parlament zusammentritt. Sie wird auch mit ihm fertig werden und die Zeche zahlt dann der Junker zusammen mit der netten Gesellschaft in dem Versailles des Peterhofs. Nicht die Revolution, sondern diese spielt jetzt banque.— Die offizielle„Motivierung" des Coups. In der Nacht vom Freitag auf Sonnabend ließ die russisch« Regierung durch die ihren Intentionen gefügigen Telegraphen-BureauS— in Deutschland, also durch Wolff— folgenden Waschzettel verbreiten: Petersburg, 14. Juni. Am 18. Mai erfuhr die Petersburger Polizei, daß die Wobnung des Dumaabgeordneten Ohsol, wo die Sitzungen der sozialdemokratischen Partei der Reichsduma statt- finden, auch von Mitgliedern der revolutionären Militärorgani- fation besucht werden. Diese Nachricht, die später durch die Ver. Haftung einiger Mitglieder der erwähnten revolutionären Organi. fation bestätigt wurde, gab Veranlassung zu einer Haussuchung in der Wohnung Ohsols. Bei dieser wurden zahlreiche Schrift- stücke gefunden, die darauf hinweisen, daß die K> Dumaabgeord- neten. welche die sozialdemokratische Dumafraktion bilden, eine verbrecherische Vereinigung gebildet haben zum Um- stürz der durch die Grundgesetze festgestellten SIegierungSform mittels eines Volksaufstandes sowie zur Einführung einer demo- kratischen Republik. Zur Erreichung dieser Ziele traf die Ver- einigung folgende Maßnahmen: Sie trat in direkte Verbindung mit einer geheimen derbreche- rischen Vereinigung, welche sich„Zentralkomitee der russischen so- zialdemokratischen Arbeiterpartei" nennt, mit dem Petersburger Komitee dieser Partei und einer ganzen Reihe dem Zentralkomitee unterstellter Lokalkomitees. Ferner ordnete sie ihre Organisation dem Zentralkomitee unter, leitete aber selbst behufs Vorbereitung eines BolksaufstandeS die Tätigkeit der an verschiedenen Orten des Reichs entstandenen Geheimkomitces. Auch versandte sie an die Geheimkomitees Zirkulare, in denen die Agitatoren beauftragt werden, da? Volk gegen die Regierung, den Adel, die Beamten und gegen die Gutsbescher aufzuwiegeln. Weiter beauftragte sie die verbrecherischen Geheimkomitecs, die von ihnen aufgewiegelten Bauern, Arbeiter und Soldaten zu geheimen Vereinen, Filialen und Gruppen zu dereinigen und alle Gruppen wiederum zu dem Zwecke zu einigen, um die Unzufriedenheit und Erregung der ärmeren Boiksklussen zur Inszenierung eines gemeinsamen Auf- standeS des Militärs, der Bauern und der Arbeiter auszunutzen. -In einem an die Bauern gerichteten Aufruf forderte die Ver- einigung diese auf, Bereine zu bilden und sich mit den Arbeitern ig Verbindung zu setzen, sich zum offenen Kampf mit der gesetz- mäßigen Regierungsgewalt Rußlands, zur Ergreifung der Staats- gewalt und zur Uebergabe an die Volksvertretung bereit zu halten. Mit der geheimen verbrecherischen Vereinigung, die als nächstes Ziel ihrer Tätigkeit die Vorbereitung eines Militäraufstandes be- trachtet und sich„Militärorganisation der russischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei" nennt, trat die Vereinigung in direkte Verbindung. Eins ihrer Mitglieder, der Abgeordnete G e r u s, leitete am IL. April 1907 in Petersburg die Gcheimversammlung einer der Organisationen der erwähnten Vereinigung. Ferner nahm sie Instruktionen von Angehörigen der Wilnaer und Petersburger Garnison entgegen und empsing eine Abordnung der Petersburger Garnison, der sie ihre Mit- hülfe versprach. Die erwähnte Vereinigung bildete das Zcn- trum, in dem sich die revolutionären Forderungen der von den Lokalkomitees der geheimorganisieren Verbände und Gruppen der ärmeren Volksklasien zum Zwecke der Einberufung einer Kon- stituante und der gewaltsamen Einführung der demokratischen Republik konzentrierte. Alle Geheimkomitees sandten ihre Berichte dieser Vereinigung ein, die auf diese Weise über die revolutionären Kräfte und Mittel Buch führen konnte. Sie berief Vertreter der Geheimkomitecs, um ihnen Instruktionen zu erteilen und entsandte Mitglieder in gesebwidrige Arbeiterversaminlungcn, damit sie dort Brandreden hielten. Auch verfügte die Ver- einigung über falsche Vässe, mit denen sie solche Personen versorgte, die sich einer Verfolgung durch die Obrigkeit entziehen wollten. Gegen 55 Dumaabgeordneten ist die Voruntersuchung eröffnet; sie unterliegen dem Gesetze zufolge der zeitweiligen Ausschließung von den Dumasitzungen. 16 derselben, welche an der Tätigkeit der verbrecherischen Vereinigung hervorragenden Anteil genommen haben, sind auf Verfügung der Staatsanwaltschaft in Haft zu nehmen. Die Regierung hat, wie gemeldet, diese Frage heute in der Reichsduma vorgebracht und die sofortige Ausschließung dieser 65 Abgeordneten sowie die unverzügliche Erfüllung der staatsanwaltlichen Forderung betreffend Verhaftung von 16 der- selben beantragt. Einem Privat-Telegramm, das der„Voss. Ztg." über die„geheime(!) Dumasitzung vom Freitag zuging, ent- nehmen wir noch folgende Einzelheiten: Die politische Polizei teilte.... dem Staatsanwalt mit, am 18. Mai sei in der Wohnung Ohsols eine Abordnung der revolutionären Militärorganisation gewesen, die ein Schreiben dieser Organisation überbrachte. Mitglieder dieser Abordnung waren der Matrose der Garde-Equipage Archipow, der Gc- freite der Luftschifferabteilung Kaljasnikow, der Gefreite des 145. Jnfanterie-RegimentS Epstein, der Gemeine des 1. Kosaken-RegimentS Dolgow und der Gemeine der elektro- technischen Militärabteilung Kutyrew..... Archipow, KaljaSnikow und Kutyrew wurden verhaftet. Später verhaftete man unter dem Verdacht der Zugchörgkeit zu derselben Organisation die Gemeinen des Lcibgarde-Kosaken- Regiments Kremenskow und Popow. Sie leugneten alle ihre Zugehörigkeit zu der revolutionären Militärorganisation, gaben jedoch zu, seit April 1907 mit einem Fräulein M o r o s o w und einem Studenten Sopotnitzki verkehrt und auf deren Aufforderung mehrere Gcheimversammlungcn besucht zu haben, wo von revolutionärer Propaganda in der Armee gesprochen wurde. Einer dieser Versammlungen soll der Abgeordnete G e r u s beigewohnt haben. Nach Angabe Popows hat er dabei eine Agitationsrede gehalten und die Soldaten aufgefordert, an die ReichSduma ein Schreiben mit der Darlegung der Wünsche und Forderungen der Soldaten zu richten.(!) Am 18. Mai wurde ihnen der Entwurf eines solchen Schreibens von einem unbekannten Fräulein in einer Geheimversammlung vorgelesen. Sopotnitzki versah ihn mit Unterschriften der Truppenteile, denen die Anwesenden angehörten und noch ryU einigen anderen Unter-, schriften. Darauf begaben sich sieben Teilnehmer der Geheim- Versammlung in Zivilkleidung nach der Wohnung Ohsols. Dort wurden sie von mehreren Abgeordneten.empfangen, denen sie das Schreiben einhändigten. Das Schreiben lautete im wesentlichen: „Wir sind Vertreter der in Petersburg stehenden Truppen- teile, auf die sich die Regierung bei einem Konflikt mit der Duma stützen muß. Diese Truppenteile, die die Regierung zur Niederwerfung der Arbeiterbewegung gebrauchen wird, falls die Arbeiter sich zur Verteidigung ihrer Abgeordneten erheben, müsien sich auf die Seite des Volkes stellen, damit das Volk siege. Uns Vertretern dieser Truppenteile liegt die schwierige Aufgabe ob, allen Soldaten zu sagen, was sie tun sollen, und wir werden das tun, wenn wir dabei auch als Erste fallen sollten." Im weiteren empfiehlt das Schreiben den Abgeordneten, eine den Soldaten verständliche Sprache zu sprechen, und fordert die so- zialdemokratische Fraktion auf, sofort das Soldatenclend zur Sprache zu bringen.„Von diesem Schritt", schließt das Schreiben, „hängt es ab. ob die Armee Jhnen'folgen und wer im Kampfe das Feld behaupten wird, ob die Volksvertreter oder die alte Staatsgewalt. Löst die Regierung die Duma wegen der Sol- datenfrage auf, so brauchen Sie keine Angst zu haben, die Armee wird mit Ihnen sein." Das ist alles, was der Untersuchungsrichter über de»„Zu- sammenhang der sozialdemokratischen Fraktion mit der revo- lutioniireu Militärorgauisation" ermittelt hat. Im weiteren führt er einige Artikel des Parteiprogramms, Be- schlüsse des Parteitages von 1905 und eine Stelle aus einem Wahlflugblatt an, erwähnt in der Wohnung Ohsols gefundene drei Briefe an sozial- demokratische Parteiorganisationen und fünf Briefe an die Bevölkerung, die die Berbesse» rung der Lage der Eisenbahnange st eilten, die Arbeitslosigkeit, die N ot sta u d s a k t i o n, das Budget und die Agrarfrage zum Gegenstand haben, und zieht daraus den Schluß, die sozialdemokratische Dnmafraktion sei eine Bereinigung,„die den gewaltsamen Um- stürz, die Entthronung des Zaren und die Bildung einer demo- kratischen Republik auf sozialistischer Grundlage" anstrebe... ..... Nach Verlesung des Protokolls des Untersuchungs- richiers erklärte der Abgeordnete Konschin, er sei längst aus der Partei ausgetreten und tonne daher nicht begreifen, warum auch er vor Gericht gestellt wird..... Nach Wiederaufnahme der Sitzung erhielt der Abgeordnete Purischkewitfch das Wort. Er erklart, die Sache sei völlig klar. eS sei einleuchtend, dnft der Play der Sozaldemokraten nicht in der Duma, sonder» im Gesängnis und schließlich wohl auf dem Galgen ist. Ter Präsident rief Purischkcwitsch wegen dieser Acußerung zur Ordnung. Derselben Ansicht wie Purischkcwitsch war auch sein Parteigenosse Krupenski. dagegen trat der Kadett Teslenko in juristisch wohlbegrüudeter Rede für die Ueberweisung an eine Kommission ein.... Abgeordneter General Kusmin Karawajew erklärte, nicht nur da? Schicksal der 55 Abgeordneten, sondern der ganzen Volksvertretung sei auf dem Spiel, daher sei die Ueberweisung an eine Kommission nicht zu entbehren. Roditschcw nannte die Einleitung einer Gerichts- Verfolgung gegen Sozialdemokraten einen Racheakt und meinte, der Fall erinnere an die berühmte Forderung der Herausgabe der Girondisten im Jahre 1792. Er schloß mit den Worten: „Ob wir derentwegen auch sterben, vor allem müssen wir für die Aufrcchterhaltung der Würde der Bolttvertrctung sorgen." Ter Reaktionäre Sasonowitsch antwortete ihm: Der Fall erinnere nicht so sehr an die Girondisten, sondern eher an t&TO, wo das französisch« Parlament sich für die Erschießung der Kvmmu- narden aussprach.(!!) Der Sozialrevolutionäre SchirSki crltärtr. die Grundlosigkeit der Anklage sei zwar einleuchtend, doch müsse sie dem ganzen Land« dargetan werden, deshalb sei auch seine Fraktion für die Ueberweisung au eine Kommission. Im selben Sinne sprach im Namen der Arbeitsgruppe B e r e f i u. Ter Führer der Sozialdemokraten, Zerctelt, erklärte, feine Fraktion werde gegen die Ueberweisung an eine Kommission stimmen. Er führte aus, eine Volksvertretung ohne Zusammen» hang mit den Volksmassen sei wertlos, die Sozialdemokraten seien gerade bestrebt, diesen Zusammenhang zu schaffen und zum Kampfe mit den Feinden der Volksvertretung zu erziehen. Die Anklage sei ein Beweis, daß sie ihre Pflicht gegen das Volk ehrlich erfüllt haben. Die heutigen Umstände erinnerten ihn am meisten an den 18. B r u m a i r e. Die Solsatcn seien zwar nicht im Saal, sie stehen aber vor dem Tanrischcn Palais. Wenn die Duma davor Angst habe, werde es vielleicht gelingen, die Volksvertretung zu retten. Es sei aber fraglich, ob solche Volksvertretung im unabwendbaren Augenblick, Ivo das Volk die alte Staatsordnung umstürzen wird, dem Volkszorn entgeht!! .... Gegen 10 Uhr abends beschloß die Duma die Forderung der Regierung einer Kommission aus 2L Mitgliedern zu über- weisen und diese zu beauftragen, binnen 24 Stunden Bericht zu erstatten.... .... Aus guter Quelle wird mir mitgeteilt, nach 6 Uhr habe sich im Elaginpalast, wo Stolypin jetzt wohnt, der Minister- rat versammelt. Stolypin selber sei nach Petcrhof zum Zaren hinbeschiedcn worden. Die Sitzung werde unter dem Vorsitz Kokowzeffs fortgesetzt. An der Sitzuyg nahinen der Stadthaupt- mann und die Chefs der in Petersburg stehenden Truvpen teil. Aus der Umgegend sollen PreobratschcnSki und das Leib-Tragoner- regimcilt nach Petersburg beordert sein. Im Falle der Aus- lösung soll in Petersburg der Kriegszustand verkündet und zum Oberbefehlshaber General Sarnbaew ernannt werden. Ueber seine Meinung befragt, sagte der Kadettcnführer Prof. Miljukoff: „Ich würde es Wohl verstellen, wenn die Regierung gegen einzelne Abgeordnete die Strafverfolgung eingeleitet hätte, wenn sie aber die ganze Fraktion vor Gericht stellen will, so kann ich nur sagen, daß sie mit demselben Rechte gegen alle oppo- sitionellen Parteien gerichtlich einschreiten könnte. TaS Verfahren gegen die Sozialdemokraten stützt sich auf Tatsache», die seit langer Zeit, teilweise seit Jahren bekannt sind; es ist daher sonderbar, daß die Regierung erst jetzt und nicht bereits vor drei Monaten eingeschritten ist. Uellcrhaupt hat das schwebende Gc- richtsvcrfahren augenblicklich keinen juristischen, sondern� nur politischen Charakter." Abends hörte ich einen so gemäßigten Mann wie Michael Stachowitsch sich in ungefähr demselben Sinne äußern, und der Oktobristenführer Professor K a p u st i n, der ihm zuhörte, fand kein Wort der Entgegnung. Nur die Lußerste Rechte jubelt. Die Meldungen des Tages. Petersburg, 15. Juni.(W. T. B.) Die heutige Sitzung der Duma war der Beratung über die I u st i z r e f o r m gewidmet. Die Gruppen der Linken beantragten viermal Schluß der Debatte und Nebergang zur Budgetbcratnng. Die Anträge wurden aber sämtlich mit großer Mehrheit abgelehnt. Dabei stimmten die Kadetten mit der Rechten und den Polen gegen die Sozialisten und die Arbeitspartei. Der sozialistische Schlußantrag wurde von Zerctelt begründet. Er sagte, man könne sich im Augenblick der höchsten Gefahr nicht mit der Justizreform beschäftigen, am Vorabend des Staatsstreichs müsse die Dunia ihre Anschauungen über wichtigere Fragen kundgeben, über das Budget und das Agrac- gesetz. Hessen(Kadett) erwidert darauf, die Partei der Volks- freiheit fei zu schöpferischer, gesetzgeberischer A r b e i t in die Duma gekommen. Er leugnete den Ernst der Lage nicht, ermahnte aber die Abgeordneten. Ruhe zu bewahren und zu versuchen, die ihnen vom Lande auferlegte Pflicht zu er- füllen. Z e r e t e l i ergriff nochmals das Wort und beantragte, die Abhaltung einer Abcndsitzung. um über das Budget zu beraten. Professor Kiesewetter erklärte, die Kommission, die mit der Prüfung der Aiigelrgenheit der in Anklageznstand versetzten sozial- demokratischen Abgeordneten betraut ist, werde ihre Arbeiten nicht •at Montag fceentifien tonnen. Die Koinmijsion höre augenblicklich die Mitteilungen de» Staatsanwalt» de» Petersburger Rppellhofc». Die Duma beschloß hierauf Schluß der Sitzung und Abhaltung einer neuen Sitzung am Montag. Ter Antrag, heute abend eine Sitzung zur Budgetbcratung abzuhalten, wurde mit 201 gegen 157 Stimmen abgelehnt. Petersburg, 15. Juni.(B. H.) Um die A u f l ö f u n g d e r Duma zu verhindern, stellten die Kadetten den Kam- p ro m i ß a n t r a g, die am meisten belasteten Tumamitglirdcr auszuliefern. Man befürchtet(I) jedoch, daß die Regierung diesen Vorschlag verwerfen und die Duma unbedingt auflösen wird. Plötzlichkeitspolitik. Wenn die Situation nicht so überaus ernst wäre, könnte man sich versucht fühlen, die Petersburger Ereignisse um den 14. Juni 1907 mit den Berliner Ereignissen um den 13. Dezember 1906, den Tag der letzten Reichstags-Auflöfung, in Parallele zu stellen— wobei sich manche humoristischen Anklänge ergeben würden. Jedenfalls macht Bülows Diplomaten-.Knnst" Schule: Kollege Stolypin glaubt, mit der Politik der Plötzlichkeit dieselben Erfolge erzielen zu können, die sein Berliner Lehrmeister durch die Pyrrhus- Siege vom LS. Januar und vom 5. Februar 1907 erkämpfte. Der kluge Stolypin übersieht dabei nur die Kleinigkeit, daß Rußland nicht Deutschland ist. daß der russische„Untertan" sich nicht so leicht wie der friedliche deutsche Spießer durch eine plötzliche Parlaments- Auflösung und dergleichen Scherze mehr ins Bockshorn jagen läßt. Wie unerwartet die neue Wendung samt all den Gefahren, die sie in sich birgt, Rußlands Oesfentlichkeit traf, das läßt sich ganz vorzüglich illustrieren an einem Berichte, den die gewiß gut unterrichtete reaktionäre„St. Petersburger Zeitung" in ihrer Nummer vom— letzten Donnerstag(13. Juni!) brachte, in der Nummer also, die L4 Stunden vor der denkwürdigen Stolypin- schen Aktion gegen die Duma herauskam! Wie geben die einleitenden Sätze dieses Berichtes der„St. Petersburger Zeitung" wieder: Eine gewisse Ruhe macht sich heute wieder in den Blättern bemerkbar. Die krampfllafte Erregung der letzten Tage ist gewichen, man fürchtet die plötzliche Auflösung nicht mehr und wendet sich wieder konkreteren Themata zu. Einzelne Blätter konstatieren hierbei ausdrücklich, daß das Damoklesschwert der Auflösung nicht mehr über der Duma hange. Man wird diese Feststellung um so eher als zutreffend ansehen dürfen, als sie nicht nur der gesamten Situation entspricht, sondern auch von Blättern ausgeht, deren eines stets weiß, woher der Wind weht, („Nowoje Wremia") während das andere infolge der ehemaligen dienstlichen Stellung feines Chefredakteurs gleichfalls über g» wisse Beziehungen verfügt...."(„Slowo".) Sie hsager IMmn?. Im Haag tritt heute, während wir dieS schreiben, die intcr- nationale Friedenskonferenz zusammen. Eine Anzahl Zeitungen hat— mehr dem Zwange des journalistischen Brauchs als dem inneren Drange folgend— sich zur Eröffnimg lange Leitartikel ge- leistet; doch täuscht alle Dubcrifivcumusil nicht darüber hinweg, daß da« Ereignis in der Oeffcntlichkcit nur geringe Beachtung findet. Die vorausgegangenen Verhandlungen und Erklärungen der beteiligten Mächte. die Weigerung Deutschlands, Oesterreich« Ungarns und Rußlands, sich an den Erörterungen über die Slb- rnstiingSsmgc zu beteiligen, setzen von vornherein dem BctälignngS- gebiet der Konferenz sehr enge Schranken, und zudem nichrt sich in den Völkern die Erkenntnis, daß ihr Schicksal nicht auf solchen Ver- Handlungen, wie sie im Haag stattfinden, entschieden wird. Die alte Auffassung, Satz der Krieg nur em Prodnlt nienschlicher Nu- Vernunft oder gar nur ein Spiel des Zufalls sei, hat ihre Geltung verloren und wenn auch die bürgerliche Welt es nicht klar erkennt, so empfiudet sie eS wenigstens, daß der Krieg in den Interessen- gegensätzen der Nationen wurzelt und dann, wenn ernstliche Lebens- interessen auf dem Spiele stehen, alle Vereinbarungen und Ab- machungen nicht Stand halten. Auf der Tagesordnung der ersten Konferenz standen immerhin noch einige wichtige Beratungspunkte, und so gering auch das Gesamtergebnis der t8S9er Tagung sein mag. sind doch verschiedene halbwegs wichtige Beschlüsse zustande gekommen, z. B. betreffs der Einsetzung eines stündigen Schiedsgerichts, der Gebräuche des Landkrieges, deS Verbotes Bestimmter Spenggeschosse usw. Die Tagesordnung der zweiten Konferenz ist, nachdem Deutschland und auf dessen Betreiben auch Nußland und Oesterreich die Erörterung des von Englano gestellten AbrüstungSantragcS strikte abgelehnt haben, weit spärlicher wenn nicht dem Umfang, so doch dem Inhalt nach. Von wichtigeren, einschneidenden VerhandlungSgegenstündcn bleibt nur die sogenannte Kaper- und Blockadefrage übrig, das heißt die Frage, ob cS wie bisher im Seckriege gestattet sein soll, die Handelsschiffe der feind- lichen Macht zu kapern und die Blockade auch gegenüber reinen Handelshäfen anzuwenden— und diese Frage wird zweifellos nicht gelöst werden, denn die größte aller Seemächte, England, zeigt sich nicht im geringsten geneigt, auf den besonderen Vorteil, den ihm seine RiescnkriegSflotte und seine über die ganze Welt verstreuten Häfen und Kohlenstationen bieten, zu verzichten. Nicht besser kann die Sachlage gezeichnet werden, als durch den von Professor v. Martens gestellten Antrag:.In internationalen Streitfällen, welche weder die Ehre, noch wesent- liche Lcbensinteressen betreffen, und die lediglich daher rühren, daß ein bestimmter Tatbestand verschieden aufgefaßt wird, er- achten die Signatarmächte es für einpfehlenswert, daß die Parteien, die sich darüber nicht auf diplomatischem Wege verständigen können, eine internationale NntersuchungSkommission einsetzen, die beauftragt wird, die Beilegung der Streitfrage durch Aufklärung des Tatbestandes, Nittels unparteiischer und gewissen- hafter Prüfung zu erleichtern.' Also nur für ganz neben- sächliche, keine wesentlichen Lebensinteressen be- rührenden Frag ein wird die Einsetzung von internationalen UntersuchungSkommissionen empfohlen, alle wichtigeren Streitigkeiten mögen ans dem bisherigen Wege ausgefochten werden. Gerade für solche ganz nebensächlichen Fragen sind aber derartige Kommissionen am wenigsten nötig, dtnn Lappalien führen auch ohne UntersnchungSkommission unter den heutigen Verhältnissen nicht niehr zu kriegerischen Verwickelungen. An dieser voraussichtlichen völligen Ergebnislosigkeit der zweiten Haager Konferenz trägt die von der deutschen Regierung ein- genommene Haltung den größten Teil der Schuld. Die ihr nahe- stehende Preffe hat sich in den letzten Monaten recht kriegslustig gezeigt; schreibt doch noch in ihrer letzten Rummer wieder die .Deutsche Tageszeitung' in bezug auf die Haagcr Tagung: .Die Haltung Deutschlands auf der Konferenz ist klar gegeben: Wir dürfen unS in keiner Weise die Hände binden lassen bezüglich irgend eines kriegstechnischen Fortschritts oder sonstigen kriegerischen Mittels, wodurch der einfache Kraftunterschicd abgeschwächt wird. Ein Land von der maritimen Schwäche und den technischen Fortschritten Deutschlands muß sich die volle Freiheit wahren, namentlich im Seelriege von allen neuen Kricgsmitteln Gc- brauch zu machen, auch unter Waffer und iu der Luft. Und nur unser Interesse darf iu solchen Fragen ent scheiden, nie eine humane Ph rg s e. Im übrigen werden die deutschen Vertreter, auch abgesehm don�jhrer Nichtbeteiligung aw�ttt«�c«en- tuellen Abrüsluugsdebatte� guttun, mit gelassener Ruhe und tühler Reserve den Verhaiidlungen zu folgen und die Kosten der Unter- Haltung nach Möglichkeil andere tragen zu lassen. Wir können in voller Ruhe dem zweiten Akte der großen Komödie— eit venia verbell— zuschauen: haben aber auch keinen Grund zu einer Haltung im Vordergrunde deS Streites, die uns iu Ver- stimniungen hineinziehen könnte.....Das Spiel kann be- ginnen!' Wir aber können ihm in der Hauptsache vom Parterre aus folgen, im Vertrauen auf unser gutes Gelviffen und unser blankes Schwert. Die angebliche Selbstverwaltung und ihre angebliche Verteidigung. DaS Brandenburger Provinzialfchulkollcgium hat durch seine ncneste Verfügung an die Berliner Schuldeputation abermals eine Ausdehnung seiner Rechte beansprucht und der viclgerühmten Selbst- Verwaltung auf dem Gebiete des Schulwesens eine neue Schnürbrust angelegt. Der städtischen Schulverwaltung wird selbst das winzige Recht abgesprochen, darüber zu entscheiden, ob von der Stadt angestellte und von ihr bezahlte Lcbrpersonen in den Vororten Berlins wohnen und Nebenerwerb treiben dürfen. Darüber zu be- stimmen soll allein die staatliche Aufsichtsbehörde befugt sein. Nebenbei wird der Schuldeputation noch befohlen, die Zahl der jüdischen Lehrkräfte hcrabznsetzen— alldieweil in der Aera der Stndtschen Schnlverpfafiung nicht die Tüchtigkeit, sondern der Tauf- schein des Lehrers die Hauptsache ist. Es sind, abgesehen von, letzten Teil der Verfügung, nur winzige Rechte, die die staatliche Burcau�atie hier der Selbstverwaltung nehmen toill. Aber gerade die Winzigkeit, die geringe Erheblichkeit des ObjekiL zeigt, wie sehr die Selbstverwaltung schon eingeschnürt sein muß. wenn ihr Wichtigeres nicht mehr streitig gemacht werden kann. ES ist eben vieles schon früher genommen worden. Seit Jahren sind die Rechte der städtischen Schulverwaltung systematisch verkürzt, eines nach dem anderen ihr bestritten und von der staatlichen RnfsichtSbehörde für sich allein beansprucht wordeit. Systematisch ist die Selbstverwaltung der Gemeinde aus dem Gebiet de» Schulwesens zerstört, Stück für Stück abgetragen Iverdcu, heute kann sich die Herrschbegier der Bnreaukraüe nur noch a» traurigen Ruinen betätigen. Wir wollen von den zahlreichen Bor- stoßen der Regierung gegen die Selbstverwaltung auf dem Gebiete des Schalloese»» nur einige hier in die Erinnerung zurückrufen: Als die Berliner«Stadtverordnetenversammlung scinerzeil den Genossen Singer in die Schuldeputatio» wählte, nahm das Provinzial« Schiilkollegium das R e ch t der B e st ä t i g u n g in Anspruch nud versmeigerte sie. Das Kollegium untersagte, daß die Stadt Arbeitexlnriivereiiien städtische Turnhallen zur Verfügung stelle, und verbot die Hergäbe eines Schukzimmers für die fr»ireligiö>c Gemeinde. eine Maßnahme, die daraus hinauslief, daß die Stadt in ihren eigenen Räumen nichts zu sagen hat. Ueber den Kopf der städtischen Schuldeputation hinweg ivurden Parade- fericn und Einzugsferien angeordnet. Alles das zeigt, daß von einem SelbstverwaltungSrccht auf dem Gebiete des Schul- wesenS auch nicht im entferntesten gesprochen werden kaim. Die städtische Schuldeputation fristet heute nur noch ein Schattendasein und die Stadtverordiirten-Versammlung hat ihre ganz- Tätigkeit naili dieser Richtung hin auf die Hergäbe der erforderlichen Milte! zu Sckulbauten und der Besoldung der Lehig'ersoiien zu beschränken. Im FreisinnSlagcr herrscht nun ob diese»»cnerlichen Eingriffs de» Provinzialschiilkollcginms wieder die übliche Entrüstung. Das »Berliner Tageblatt' schreibt: „Selbstverständlich wird sich der Berliner Magistrat gegen diesen neuen Eingriff in seine Selbvcrwaltung beschweret!; ebenso selbstverständlich wird er abgeivicsen werden. Das ist nun eiimial des Landes so der Brauch. Aber man soll uns doch nicht damit kommen, daß innerhalb der Regierung wirklich ein neuer Kurs gesteuert würde. So wie heute war es schor'eit Jahren; ja, es ist immer schlimmer geworden. Die Selbst- Verwaltung wie das freie Selbstbestimmiingsrecht des Bürgers liegen in Banden. Wer sich auf den guten Wille» der leitenden Personen, zn denen ja noch immer Herr v. Studt zählt, verläßt, der ist schon verlasset!. Rur aus dem Nolle heraus kann die Entfesselung dcö Willens der Gesamtheit kommen. Aber mit papiernen Protesten ist es dann freilich nicht getan. Auch die Reichshauplstadt muß sich zum Bewußtsein ihrer Kraft auf- raffen, wenn sie sich von den Fesseln der Vureaukratie frei- machen will.' Und iu ähnlicher Weise äußert die..Freisiunige Zeitung': „Wir sind überzeugt, daß von feiten der koiitimiiialen Körper- schaftcn mit allen, Nachdruck diese UeberhebungSgeliiste eines despotisch-rückständischen KollegiinnS, dem der Kamm in diese» wonniglichen Zeiten Stiidtscher Schulpraxis zu schlvellen scheint, werden znrlickgeivieseii werden und in der Verteidigung der Rechte der Selbstverwaltung selbst die letzte Jtistanz erschöpft wird. Irgendwelche Nachgiebigkeit wäre in diesem Fall die bedauerlichste Schwäche und würde nnr Wasser ans die Mühlen von rechiS und links sein und den unbegründeten Klagen über Berliner Rückständigkeit und Liebedienerei gegen Wünsche von oben neue Nahrung geben.' Daß der neueste Eingriff der staatlichen Schnlbehörde im Zeichen der konservativ-liberalen Paarung unsere Freisinnigen besonders schmerzt, glauben wir gern. Was wir aber nicht glauben, das sind die oben gcntachten Versicherungen, daß„die Rcichöhallplstadt sich zum Bewußtsein ihrer Krasr aufraffen würde' oder daß„die koinmunlilen Körperschaften mit allem Nachdruck die Uebcrhebimgs« gelüste eines deSpotisch-rückständigcn Kollegiums zurückweisen lverdeu'. lind diesen Unglauben schöpfen loir aus der Vergangenheit. Gerade der Freisinn im Roten Hanse ist es gewesen, der vor den fortlvährcndcn Eingriffen der staatlichen Schulhehördeii in die Rechte der städlischen Verwaltung in der feigste» Weise znrückgewicheit ist. Man machte einige Redensarten und fand sich dann„ins Unvermcid- liche'. Mit dieser feigen Rückzngspolilit hat der Freisinn der Rc- gicrnng nur den Nacken gestcist und sie direkt zn weiteren Ein- griffen provoziert. Wären die Freisinnigen Männer, sie hätten schon längst der Regierung die Zähne gezeigt, daß ihr die Lust uergangen wäre, wicderznkonnncn. So aber hallen sie durch das feige Nach- geben, das den Freisinnigen eigen ist, die Rechte der Stadt preis- gegeben. Sie haben früher schon die Hand geküßt, die sie schlug, und sie werden sie ivicdcr küssen bei neuen Prügeln>md noch inbrünstiger als bisher— denn sie sind ja Regierungspartei gelvorden. politische deberlickt. Berlin, den 13. Juni 1907. Herr Hürden als Hutten. Herr Maximilian Horden enttäuscht gründlich die sensationß- lüsternen Allerwcltspolitikcr, die von ihm Ausklärung über die Be- Ziehungen der Licbenbcrgschen spiritistischen Gralsgemcinde zu dem § 175 des Strafgesetzbuches erhofften. Nachdem er gestern in der „Zukunft" versichert hat, daß es sich bei seinen früheren An- deutungcn über Perversität und konträres Scxnaleinpfindcn gar nicht um 8 175 gehandelt habe, sondern lediglich um ein„s ü ß- l i ch e s, unmännliches, kränkliches Wesen", gegen das sich seine kühne, robuste Mänulichkeit aufbäumte, hat er heute vor dem Amtsgericht in Eharlottcnburg, bei dem bekanntlich Fürst Phili sich selbst bezichtigt hatte, zu Protokoll erklärt, daß er jede Auskunft darüber verweigere, was er von der Tafelrunde wisse und wohin seine Andeutungen gezielt hätten. Folgende Gründe führte er für seine Weigerung an: 1. Er habe niemals gesagt, daß Fürst Eulenburg sich straf- barer Handlungen schuldig gemacht hätte. 2. Die Personen, die ihn über den Fürsten Eulenburg Mit- leiltzZMsV-Leriiüchl Wjcg, hätten ihn nicht criWchtsgt„ ihren Raulen zu nennen. 3. Der Graf Kuno Mollke hätte tvegen" derselben Angelegenheit gegen, ihn ein Strafverfahren eingeleitet, und er sei deshalb weder verpflichtet noch bereit, über Handlungen, die er auch als Angeklagter zu vertreten habe, unter Zcugencid auszusagen. 4. Es sei nicht ausgeschlossen, daß Eulenburg in seinen (Hardcns) Acußerungen noch eine gesetzlich strafbare Handlung erblicken und ihn noch nachträglich verklagen könnte. 5. Das Gesetz gewähre dem Zeugen das Recht,-sich zur Sache überhaupt nicht zu äußern, wenn durch die Sachlage die Möglich- keit gegeben sei, daß der Zeuge Punkte berühren müsse, deren Dar- legung ihm die Gefahr strafrechtlicher Verfolgung zuziehen würde. Durch Hardcns Verwcigernng der Aussage ist die Selbst- Bezichtigung EulrnburgS erledigt. Will Fürst Eulenburg sich mit HardcnS Erklärung nicht zufrieden geben, muß er gegen ihn die Privattlage wegen Beleidigung anstrengen. Der vorläufige Ausgang der Angelegenheit entbehrt nicht deS Humors. Iii seinem gestrigen„Zuiunftö'-Artikcl erklärte noch Horden in der Rolle d-S zweiten Hutten im Schmieren-Pathos: „B i n unverzagt, ich hab's gewagt und will des Ends erwarten!"— Heute kneift er. Seine ungestüme, nach großen Taten verlangende Heldcnsccle hat über Nacht schlecht gc- schlafen und fühlt sich daher nicht mehr zum Pathetischen aufgelegt. UcbrigenS ist cS nicht das erste Mal, daß Herr Harben die schöne Gelegenheit schmählich verpaßt, vor der Welt den großen politischen Heldcn-Märtyrcr zu spielen. Als in seinem MajcstätS- beleidigungS-Prozeß der Staatsanwalt nahte, leistete er sich be- kanntlich einen Artikel, in welchem er Wilhelm I. anhimmelte und erklärte, waS er geschrieben habe, sei von jener„achtungsvollen Sympathie" getragen, die er in feinem vaterländischen Herzen gegen einen solchen erlauchten Monarchen einpfindc. Vielleicht schreibt Herr Harden auch diesmal wieder für seine„Zukunft" einen derartigen schönen Artikel, in welchem er den Fürsten Phili als gottbegnadeten Sänger und Diplomaten feiert und ihn des höchsten Respektes vor seiner Sitlcitstrcnge versichert. Unmöglich ist'S nicht.—___ KaiserpreiS! Was die Herkomcrfahrt nur unvollkontinen leistete, das hat jetzt das TauiniSrcimeit um den KaiserpreiS in vermehrter Auflage gc« schafft. Die sogenaimte» drei Reiche der Natur mußten Opfer her- geben: Menschen und Vieh, Bäume, Steine. Dutzende von Auto- mobillvagen sind zu Schanden gefahren, schwere Unfälle in Menge haben sich ereignet: Ein Mann brach beide Beine, einer das Genick, einem wurde das Gehirn erschüttert. Zwei Teilnehmer starben, einer von ihiten, Mechaniker Fabcr, an seinem— zwanzigsten Geburtstage, den» 13. Juni. Cin Z n s ch a u e r wurde überfahren, cr blieb auf der Stelle, lind schließlich siegte ein Italiener nnd holte sich den Preis des deutschen Kaisers. Das Vorkommen von Unglücksfällen— zumal von so schweren — ist den Antomobiltlubherrcn. die derlei Unternchmungcn leiten, recht peinlich. DaS erhellt schon aus der Tatsache, daß sie von den Katastrophen am liebsten gar nicht» verlauten ließen, wie z. V. ciuS einem Bericht im„Tag" vom Freitagabend hervorgeht, wo es heißt: „... Die Overkeitnng deS Rennens, bei der all- derartigen Nachrichten eingehen, gibt auf Befragen keine AnSkniist und erklärt, es sei nichts gemeldet. ES liegt also die Verinntmig nahe, daß sie die Unfälle absichtlich verschweigt. Auch von dem gestrigen Unfall zwischen Glashütten nnd Esch, bei dem der Adlersahrer Göbel eine schwere Gehirnerschütterung erlitt mid der mitfahrende Mechaniker getötet wurde, erhielt die Presse keine Nachricht... � Na:,- schließlich kann man'» den Herren nicht verdenken. Wem, sie die Haupt»„Resultate" einer solchen Fahrt am liebsten verheimlichten. Berichtet doch die bürgerliche Presse, die„ S t i m m u n g' sei durch das Bekanntwerden der Todesstürze recht beeinträchtigt worden. Ein Blatt, das diese Meldung gleichfalls weitergibt, ist allerdings so geschmacklos, unmittelbar hinter diese Mitteilung eine Depesche(datiert K l o st e r T h r o n, 13. Jnni) zu setzen, in der verlündet wird, der Kaiser samt Prinzen, Prinzessinnen und Gefolge habe um 12 Uhr(der tödliche Unfall ereignete sich frühmorgens) ,tn den hinler der Hoflogo gelegenen Räumen' zn Frühstück gespeist. � Beim Hcrkomer-Rennen hat sich die„Deutsche Tageszeitung über die Raserei und ihre betrübenden Folgen gewaltig ecktausfiert. Jetzt vernimmt man diese Töne nicht mehr. Weshalb nicht? Gilt für Rennen um Kaiserpreise etwa auch das LieblingSzitat des Ägraricrblaltcs:„Ja. Bauer, das ist etwas anderes'? Oder soll das berühmte Horaz-Wokt: „Glorreich und süß ist'S Sterben siir'S Vaterland in Zukunft etwa auch auf diejenigen Antomobitsportopfcr Au'vem.nng finden, die bei einem Nennen um Kaiser« oder Königspreise m die Grube fahren?—_ Ein Lob des Marxismus. Ein christliches Gewerkschaftsblatt, der„Deutsche Holz» a r b e i t e r", bringt einen Artikel über„Arbeiterehre und Klassenge fühl". Der Artikel ist reichlich unklar und man wird wohl erst aus seiner Fortsetzung erfahren, wohinaus er dann eigentlich will und man wird, wosern es sich lohnt, cin endgulttge» Urteil bis zum Abschluß des Ganzen aufsparen müssen, �mmcryin sind einzelne Absätze in ihrem Sinn verständlich und auch mter- essant genug, um wiedergegeben zu werden. Der Artikel jchuöerr zunächst die tiefe Erniedrigung der Arbeiter unter der sich au»» dehnenden Macht des Kapitalismus, dann heißt es:, „Die Zeit des Marxismus war gekommen. Die Wert- und Mchrwcrttheorie eines Karl Marx, jene g I ä n z e n d c A p o. logie der nienschlichen Arbeit gab dem unbewußten Fühlen von Millionen w i s s e n s ch af t l i ch e n A u s d r u ck. Die mißachtete Schöpferin aller Werte, jedes Wertzuwachses. d,e gedrückte Arbeiterklasse die Erhaltcrin der ganzen Menschheit — konnte es ein volkswirtschaftliches System geben, das der persönlichen Würde, dem selb st vertrauenden Ehrgefühl des Arbeiters mehr zur Geltung verhalf? Ist ein sozialpolitisches Aktionsprogramm denkbar, das in dieser Zeit mehr gewirkt hätte, als das kom- munistische Manifest? Die solidarische Einigung der Proletarier aller Länder müßte eine Konsequenz der allgemeinen Entwürdigung oder, um mit Marx zu reden, der„Entmensch- lichung" der Lohnarbeit sein: der rücksichtslose Klassen- kämpf war eine selbstvcr ständliche Reaktion aus die wirtschaftliche, soziale und politische Zurückdrängung einer Volksschicht, in der das Bewußtsein des eigenen Wertes erwachte..."..„„ Der Artikel nennt dann„großartig und kindlich zugleich den „Drang nach unterschiedsloser Zlrbcitcrvcrbrüderung' und meint, es mache dem Arbcltcrstand alle Ehre, daß er auch im schmutzigsten Kleide die Arbeit, auch im verkommensten Menschen den Arbeiter zu achten lehrte. Dies allgewaltige Klasscngcfühl sei zwar in seinen Aeußerungcn einseitig und oberflächlich gewesen, aber, so heißt es dann weiter— „Wie h e i l i g e r n st es genommen wurde, das bezeugen die heldenmütigen Opfer,, die sich die Arbeiterschaft in schwerer Zeit und heißen Kämpfen auferlegt hat, das zeigt die kommunistisch selbstlose Begeisterung, mit der sich der einzelne der Gesamtheit hingab, seinen Besitz, seine Existenz und Familie, seine Sclbstdcstimmnng preisgebend. Kampfbereit, todesmutig war die Arbeiterschaft dieser Epoche. Ihr war eS Ehrensache, Unrecht mit Gewalt, ungc- setzliche Reaktion mit revolutionären Gesctzcsmißachtungen zu vergelten.... Das Ehrgefühl der Arbeiter ist weit mehr, alS�landläufig angenommen war, die Triebfeder der proletarischen Bewegung gewesen." Worauf nun die weiteren Aussührungcn des Artikels hinaus wollen, das ist vorderhand nicht zu sagen: der beiläufig eingefügte Satz über die„Entwickclnng vom revolutionären Klassenbewußtsein zur abgeklärten Bcrufssolidarität und Standcsvertretung" läßt ver» muten, daß eS auf Lob und Preis der christlichnationalcn Arbeiter- Bewegung hinausgeht, zumal uns auch noch versichert wird, daß„ver- tieft aufgefaßte Bcrufspflicht nur auf dem Boden des Christentums gedeiht". Gleichviel indes, die Anerkennung, daß der Marxismus es war, der die erniedrigte und entwürdigte Arbeiterklasse wieder zum Selbstbewußtsein und zur Selbstachtung aufrief, verdient um so mehr vermerkt zu werden, als sie von christlicher Seite kommt. Auf dem letzten Kongreß der christlichen Getverkschaftcn haben eS die Gicsberts, Schiffer und Genossen mit merklichem Unmut ans» genommen, daß Professor Tombart auch der sozialdemokratischen Arbeiterschaft Idealismus zusprach— eine Tugend, auf die be« kanntlich die Christlichen ein Patent zu haben glauben. Nach den Acußerungen des christlichen Holzarbcitcrfachblattcs über den Marxismus werden die christlichen Führer ihr Selbstbewußtsein wohl etwas dämpfen müssen._ Zentrnmswirtschnft. Die Vorkommnisse bei der ReichStagScrsatzwahl in M a l m e d y« Montjoie-Schleiden haben, wie die zc»trin»?agrarische „Rhein. Volköst." mitteilt, die Leitung der rheinischen ZentrmnSpartci dazu gebracht,„alif schleimige Ordnung der Dinge in dem durch fabelhafte Unordnung in der Wahlorgmiisation berühmt gewordenen Wohlkreise zu dringen." Um aber zn verhüten, daß die Sache noch schlimmer ausfalle, gibt das Blatt einige Ratschläge, um der„angemaßten Selbst- Herrlichkeit der Lokalgrößcn" zn begegnen. Vor allem müsse der Bancr aus derjfanleti Haut fahren und sich politisch betätigen: ti dürfe nicht mehr vorkomme», daß der Wähler auf die Frage:„Weit Ivählt Ihr?" die Antwort gebe:„DaS weil; ich nicht; ich wähle, wie der Herr Pastor sagtl" Bor alle» Dingen sollten die Bauern daraus sehen, daß die Wahl der VcrtraneiiSmäniier geheim sei.„Wenn die maßgebende Persönlichkeit selbst oder durch eine vertrantc Person Vorschläge macht, so werde» bei der öffentlichen Abstimmung durch Haiidanfhebe» oder Ans- stehen nur wenige eS wagen, nicht für den von oben herunter AnSerwähltcn zu stimmen und dadurch das Odimn auf sich zu laden, als räudige Schafe zn gelten. Die große Mehrheit wird dann eben ans Kommando die Vorgeschlagenen wählen, auch iveiin sie im Grmide nicht damit eiiiverstaiiden ist."— Man sieht,'baS Zentrum hat sich seine Leute gut erzogen.— Oeftemicb. Mörder MilitartsmuS. Letzten Mittwoch erhielten die„Delnieke Listy" folgenden mit Bleistift geschriebenen, Dienstag in Wels anfgegebenen erschütternden Brief: Geehrte Redaktion I Ich will heute, lind zwar am 11. Juni, eine schreckliche Sache vollführen. Ich werde von de» Offizieren gepeinigt, am meisten aber von den Wachtmeistern, die uns peinigen und Huiide. Schweine, Hurciisöhne schimpfen. Die Offiziere behandeln nnS wie das Bich lind sie fnorn das selbst, daß wir nur Vieh sind. Ich weih nicht, Iva» ich tun soll, ich bin ganz verwirrt. Am Sonntag den ganzen Tag nrdciten, schlechte Menage(sie sagen, siir das Vieh Ist sie gut grniigi. Der Mensch hat nicht vininnl Zeit, sich miSziischtafc», überall hört man: Sozialist! Bagage! Sozia- liftischeS Hydrsih-Schwri»! Sch»h»ic',er-Schwci»e! Auf mich besonders haben sie sich verlegt, weil ich nicht reite» kann und mich fortwährend beschwere. Auf mich verlegen sich alle und manchmal schlage« fie«ich s», daß ich ganz ohne Hoffnung bin. Am Sonntag, statt Ruhe, müssen wir antreten, und bis in die Nacht arbeiten. Und anders nennen fie uns nicht als Bich! und sozialistisches Schwein! Die Herren Offiziere, wenn sie wollen, bekommen Urlaub auf zwei Monate und ich kann keine» bekommen, weil ich nicht reiten kann. Sie leiten die Wachtmeister an, daß fie, wie sie sagen, diesem Bich den Sozialismus abgewöhnen. Die Wacht- meistcr Widhalm und Schebesta sagen, daß die Sozialisten keine Menschen sind. Der Dragoner, sagen sie, ist nicht einmal wert, dem Wacht- meistcr die Hand zu reichen, weil er fortwährend im Mist ist. Mehr kann ich nicht schreiben. Ich bin ganz hin. ohne Hoffnung, denn heute hat mir der Wachtmeister Widhalm gesagt: Kusch, Bich! wie ich ihm gesagt habe, daß ich um Ur- laub ansuchen werde. Heute endige ich mein Leben, denn ich habe im Karabiner schon eine Patrone für Nachnnttags vorbereitet. Ich bitte, veröffentlichen Sie daZ in der Oeffent- lichkeit, daß fie fich um meine Kameraden annehmen. Den Eltern schreibe ich auch, daß ich mir das Leben nehme. Teilen Sie das der Oeffentlichkeit mit. Heute sterbe ich als Selbstmörder durch eine Kugel aus meinem Karabiner, der schon bereit steht, und warte auf eine Gelegenheit, die Briefe nach Hause und an Sie wegzuschicken. Wie die Käme- raden aus dem Zimmer weggehen, die die Gewehre putzen, nehme ich mir das Leben. Wenn Sie diese Zeilen lesen werden, bin ich nicht mehr unter den Lebenden. Johann Walisch. 6. Eskadron, s. Dragonerregiment, Weis. Der Zlbgeordnete Genosse T o m a s ch e k begab sich sofort inS Kriegsministerium, um womöglich zu verhindern, daß der unglückliche Soldat feine» schrecklichen Vorsatz ausführe. Aber der Vertrauensmann der Partei in Wels, an den man sich gleichzeitig um Nachricht wendete, telegraphierte: Der Dragoner Walisch hat den Selbstmord verübt... Die Sozialdemokratie im Parlament. Wien, 1ö. Juni. Der sozialistische Verband, der 87 Mitglieder zählt, hielt gestern den ganzen Tag über Beratungen ab und ernannte einen zwölfgliederigen Vorstand. Der Verband teilt sich in fünf nationale Gruppen: deutscher, tschechischer, polnischer, rmhenischcr und italienischer Verband. Er beansprucht eine Vizepräsidenten st elle im Abgeordnetenhause und stellt dafür Perner st orfer als Kandidaten auf. Ckina. Bormasch der Aufständigen. Hongkong, IV. Juni. Aus Mitschau wird berichtet: Die Aufständischen wurden bei Patszeai von Regimentern der Provinztruppen angegriffen. Auf Seiten der letzteren fielen ein Offizier und 20 Mann. Die Auf- ständischen überschritten den Ostfluß und verbreiteten sich in den Bezirken des WestfluffeS.— GewerfclcbaftUcbce« (Jtitt Frage der Taktik. In der„Neuen Zeit" behandelte Genosse Winnig die Frage der Haltung der Parteipresse bei wirtschaftlichen Kämpfen. Er glaubt, die Parteipresse sei bisher nicht immer ihrer Aufgabe gerecht geworden. Er führt die Unzulänglich- keit aber nicht auf Böswilligkeit, sondern auf technische Mängel zurück, die sich in der Hauptsache aus der Kompliziertheit der zu berücksichtigenden weitverzweigten Fragen ergeben. Seing Betrachtungen verdichten sich zu der folgenden Forderung: „ES ist deshalb zu fordern, daß die Parteipresse die von der Gewerkschaftsleitung empfohlene Taktik tatkräftigst unterstützt, und daß sie besonders in solchen Fällen, wo Meinungsverschieden- heiten vorhanden sind, ihren ganzen Einfluß dafür einsetzt, diese Taktik allgemein zur Anerkennung zu bringen." Die„Holzarbeiterzcitung" stimmt den Ausführungen Winnigs zu, bemerkt dazu aber weiter: „Aus dem Gesagten ist aber nicht die richtige Schlußfolge- rung gezogen, wenn man nur Ermahnungen an die Parteipresse richtet, ihre Tätigkeit im wirtschaftlichen Kampfe den Erforder- nissen des TageS besser anzupassen, denn nach unserer Meinung sind auch die gewerkschaftlichen Funktionäre und die Gewerk- schaftsmitglieder gehalten, mehr als bisher Fühlung mit der Parteipresse zu suchen und ihr die Erfüllung ihrer durch die ver- änderten Verhältnisse gebotenen Pflichten zu erleichtern. Die Gewerkschaftsfunktionäre und die Gewerkschafter überhaupt sollten sich mehr als bisher in der Partei betätigen, sie sollten aber auch die Redakteure der Parteipresse jederzeit ins Vertrauen ziehen, wenn bei großen gewerkschaftlichen Aktionen die Presse zu besonderer Vorsicht genötigt ist. So erst wird der Parteipresse die Möglichkeit geboten, ihrerseits zielbewußt in den Kampf ein» greifen zu können. Auch die Gewerkschaftsmitglieder sollten die Parteipresse mehr als bisher unterstützen. Alle sollten Leser und Abonnenten )cr örtlichen Parteizeitung sein, sollten jederzeit für diese Presse, ruf die allein sie im Tageskampf angewiesen sind, eintreten. So würde eine viel innigere Verbindung zwischen Parteiblatt und Gewerkschaft Platz greifen, dadurch würden den Arbeitern die Wirtschaftskämpfe erleichtert werden. Die Frage, wie die Parteipresse sich zum Gewerkschaftskampf stellt, ist von großer Wichtigkeit für die gewerkschaftlichen Kämpfe der Zukunft, deshalb empfiehlt sich regste Unterstützung der Partei und ihrer Presse durch die Funktionäre und Mitglieder der Ge- werkschaften."» Wir können uns mit diesen Darlegungen vollständig ein- verstanden erklären. Daß die Forderungen, die die„Holz- arbeiterzeitung" aufstellt, notwendig sind, gibt die Erklärung für einzelne Unstimmigkeiten. Wir glauben auch, daß Ge- nosse Winnig einige unliebsame Erscheinungen anders de- urteilt hätte, wenn er die Erörterung der von ihm aufgewor- fenen Frage bei dem von der„Holzarbeiterzeitung" angegrif- fenem Ende angefaßt haben würde. Hoffentlich werden die Forderungen der„Holzarbeiterzeitung" beherzigt; für die Gesamtbewegung könnte das nur von Vorteil sein. GeWerk- schaftsleitungen und Parteiredaktionen gehören nicht zwei Welten an; sie sind beide Vertrauenskorporationen derselben Auftraggeber und Interessenten. Was im Interesse der Ar- beiterschaft getan werden muß und getan werden soll, braucht nicht gegenseitig als Geheimnis betrachtet zu werden. Volles Vertrauen der einen Seite zur anderen ist notwendig, wenn nicht gelegentlich aus Mißverständnissen Schaden für die Ar» beiterbewegung erwachsen soll. Berlin und Umgegend. Tarifbewegung der Bierfahrer. Mitfahrer«nb Stalleate in den Weißbierbrauereiea Berlins. Ueber die neuen Tarifverhand- lungen, die auf Grund der Beschlüsse vom Freckag voriger Woche stattgefunden haben, wurde gestern abend in einer wieder im .Englischen Garten" abgehaltenen Versammlung der beteiligten Arbeiter berichtet. Nach längeren Auseinandersetzungen ist eine verantw. Redakteur". H-n» Weber. Berlin. Inseratenteil verant»� Vertragsborlage zustande gekommen, die einige weitergehenve Zu- geständnisse enthält, als sie die Brauereivertreter zuerst gemacht hatten. Darüber hatte nun die Versammlung zu befinden. Es wurde lebhaft diskutiert. Die Versammelten nahmen den Vertrag an, nur einige Bestimmungen bleiben noch streitig. Der Vertrag wird abgeschlossen zwischen oem Verband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter und dem Verein Berliner Weißbicrbrauercicn. Der Fahrer erhält 25 Mark Lohn pro Woche und das übliche Spundgeld. Bei einem Absatz von 120 halben Tonnen pro Woche hat er einen Anspruch auf einen Mitfahrer und auf einen Lohn- zuschuß von 15 Mark zu dem von ihm dem Mitfahrer zu zahlenden Wochenlohn von 30 Mark. Wenn Mitfahrer überflüssig werden, dann sollen diese, soweit Vakanzen in der Brauerei sind, dort weiterbeschäftigt werden. Die Schurzleder haben sich die Fahrer selbst zu beschaffen, jedoch übernehmen die Brauereien die Kosten der Reparaturen. Reservefahrer und Siallmänner erhalten einen Anfangslohn von 26 Mark und nach einjähriger Tätigkeit 27 Mark. Die Bestimmung hat aber keine rückwirkende Kraft. Der gesetzlich auf die Arbeiter entfallende Teil der Beiträge zur Invaliden- und Krankenversicherung wird zukünftig vom Lohn abgezogen.— Für die Verzinsung der Fahrerkautionen, die nicht unter 500 Mark bc- tragen dürfen, sind die verlangten 5 Proz. zugestanden. Indessen ist nur jedes volle Hundert zu verzinsen. Dies bezieht sich auf diejenigen, die die Kaution ratenweise einzahlen, wofür bestimmte Normen im Vertrage vorgesehen sind. Bezüglich der Arbeitszeit bleibt es bei den Zugeständnissen, die das Personal in der früheren Versammlung bereits akzeptiert hatte.(Bericht des„Vorw." vom 0. Juni.)— Strittig ist noch folgendes: Der Tarif sollte am 3!. März 1910 ablaufen. Die Versammlung wünscht als End- termin den 31. März 1909 bei sechswöchentlicher Kündigung. Be- züglich der Anwendung des§ 616 Bürgerlichen Gesetzbuches sollte es bei der eingebürgerten Uebung verbleiben. Die Versammlung beantragt, daß in Krankheitsfällen der Fahrer auf jeden Fall noch einen Zuschuß von 15 Mark erhält. Ferner soll nach Meinung der Versammlung das Malzfahren nicht verlangt werden dürfen. Die Kommission soll versuchen, diese Wünsche durchzusetzen. Interessant ist noch, daß sich von dem Vertrage ausschließen können die Brauereien, deren Fahrer und Stallpersonal dem Verband.der Handels- und Transportarbeiter nicht angehören.— Wer also der Vergünstigungen des Vertrages teilhaftig werden will, wird gut tun, sich dem Verbände anzuschließen. 20 Proz. Lohnerhöhung und Arbeitszeitverkürzung. Durch Verhandlungen mit den Arbeitgebern erzielten die Korbmacher der Grünbranche eine 20prozentige Erhöhung der Tarifsätze und Ver- kürzung der Arbeitszeit um 3 Stunden pro Woche. Zu den neuen Bedingungen soll nach der getroffenen Vereinbarung von Montag, den 17. Juni, an gearbeitet werden. Wo der Tarif nicht an- erkannt wird, soll er durch Arbeitsniederlegung zur Durchführung gelangen._ Achtung! Steinsetzer und Berufsgenossen! In Teltow bei der Firma F. Weber aus Königsberg i. Pr. haben sämtliche Kollegen wegen Richtanerkennung des Tarifes die Arbeit niedergelegt. Wir bitten Zuzug streng fernzuhalten Zentralverband der Steinsetzer und Berufsgenossen. Filiale Groß-Berlin. Strelkbruch in Magdeburg. Da die Richtigkeit der Angaben über streikbrechende Rohrleger in Magdeburg in Zweifel gezogen wurde, haben wir an der zuständigen Stelle um Angabe von Namen und Buchnummer der Betreffenden ersucht und werden wir das Resultat mitteilen._ Ein humaner Arbeitgeber! Als OrganisationSzertrümmerer fühlt sich anscheinend der Farben- fabrikant H. S. Cohn, Rixdorf, Caiiner-Chaussee 46/18. Den Kutschern und Arbeitern aus diesem Betriebe, die fich ihrer Berufsorganisation anschlössen, um geregelte Lohn- und Arbeits- bedingungen zu erringen, wurde die Alternative gestellt: Entweder aus der Organisation austreten und keine Versammlungen be- suchen— oder Entlassung."■~ Ein Teil Kollegen, welcher diesen väterlichen Rat nicht befolgte, und sich durch die ungesetzliche Drohung nicht beeinflussen ließ, wurde gemaßregelt, darunter Familienväter, welche jahrelang bei Cohn beschäftigt waren. Die Organisation wird mit dem Herrn den Kamps aufnehmen. mögen nur sämtliche bei der Firma beschäftigten Kutscher und Arbeiter sich organisieren. Dentfekes Reich. Der Streik der Maler in Leipzig ist abgebrochen worden. Acht Wochen lang wurde der Kampf aus beiden Seiten mit äußerster Erbitterung geführt. Die Meister hatten sich zum Ziel gesteckt, diesmal die Organisation zu vernichten. das ist ihnen aber nicht gelungen. Sie haben mit der Aus- sperrung, mit schwarzen Listen gedroht, ohne den gewünschten Erfolg zu erreichen. Da aber nun die günstige Konjunktur vorüber ist. und die Verhandlungen ohne jede» Erfolg waren, haben die Gehülfen den Kampf abgebrochen, ohne das gesteckte Ziel vollkommen zu erreichen. Für die GeHülsen gilt es jetzt, die Organisation noch mehr zu kräftigen, uni zu geeigneter Zeit den Kamps von neuem aufzunehmen._ Vom Streik der Seeleute. In der letzten Woche hat die Situation im Seemannsstreik sich wenig geändert. Nach wie vor„bemannen" die Reeder ihre Schiffe mit auf der Straße aufgelesenen„Seeleuten", denen sie eine Heuer zahlen, welche die deutschen Seeleute in ihren kühnsten Phantasien nicht zu fordern wagen. Da die Streikenden sich ge- radezu musterhaft verhalten, fabrizieren die Reederschmocks„Streik. tcrrorismen" aller Art, von denen selbst die Polizei erklären muß, daß sie erlogen sind.„Anständige Leute schreiben nicht für mich", hat einmal der Nationalheros gesagt. Anständige Leute schreiben auch nicht für den sich aus den schlimmsten Ausbeutern zusammen- setzenden Reederklüngel. TlusUind. Ein großer Kinflikt in der italienischen Glasindustrie.� Die italienische Glasindustrie schein, ein besonders günstiger Boden für hartnäckige Kämpfe zwischen Arbeit und Kopital zu sein. In der Flaschenindustrie ist im Jahre 1905 ein Boykott beendet worden, der nicht weniger als drei Jahre gedauert hatte und für die Arbeiter siegreich ausging, weil sie eS vermocht hatten, eigene Genossem'chastsfabriken anzulegen, die über zwei Drittel der ge- samten Flaschenprodultion bewältigen. Ein ähnlich schwerer Kampf bereitet sich jetzt in der Weißglas- und Kristalliudustrie vor. Die achtzehn bedeutendsten Fabriken dieser Branche ge- hören einer Aktiengesellschaft, den„Vereinigten GlaS- und Kristall- fabriken". Diesen hat nun die Glasarbeitergewerkschaft vor drei Monaten Vorschläge eines Tarifvertrages gemacht. Jetzt erklärt die Altiengesellschaft. überhaupt nicht mit der Arbeiterorganisation unterhandeln zu wollen, worauf die Organisation antwortete, indem fie die Mitglieder aufforderte„Obstruktion" zu treiben, d. h. möglichst langsam zu arbeiten. Obwohl es sich um Akkordarbeit handelt, er- zielte man sofort einen Rückgang der Produktion um 80 Prozent. Demgegenüber haben nun die Unternehmer die Arbeiter ihrer 18 Fabriken ausgesperrt. Die Organisation ihrerseits hat diese Fabriken in Verruf erklärt. Die Arbeiterschaft ist gerade in ihrem qualifizierten Teil gut organisiert. Gelbe Gewerkschaften. Die«Handels- und Jndustrie-Zeitung" daS Organ des Finanzministeriums, bringt die Meldung, daß am 30. Mai in Petersburg am Meisterverein der Bäcker, und Konditorinnung ein Gesellenkonvikt der gesamten Betriebszweige eröffnet wurde. Zweck dieses Unternehmens ist: Vereinigung der Petersburger Gesellen untereinander und Annäherung derselben zu den Meistern R. Wide. Berlin. Druck».Verlag: vorwärts Buchdr. u. vcrlaasanit«» anzubahnen, den Gesellen Stellen nachzuweisen, die Meister mit tüchtigen Arbeitskräften zu versorgen und endlich arbeitslosen Gesellen zu ermäßigten Preisen Logis zu bieten. Für jeden nach- gewiesenen Gesellen zahlen die Meister cm die Konviktskasse 30 bis 50 Kopeken. Arbeitslose Gesellen können den Konvikt auf die Dauer eines Monats benutzen. Daselbst ist ein billiger Mittags- tisch eingerichtet. Mitgliedsbeiträge für Meister betragen 3 Rubel jährlich, Eintrittsgeld 5 Rubel, für aktive Mitglieder— Monats beitrage— 50 Kopeken und Eintrittsgeld 2 Rubel. Das ist der erste Versuch, eine gelbe Gewerkschaft in PeterS« bürg zu gründen. Schwerlich wird er aber Erfolg haben. Der Streik in den Transvaalminen. London, 14. Juni.(Eig. Ver.) Der Auftuf des Bergarbciterverbandcs zugunsten der Trans« vaalknappcn legt dar, daß der Streik dadurch ausgebrochen, weil die Minenthagnaten versuchten, die Zahl der weißen Arbeiter immer mehr einzuschränken.„Vor der Jmportierung der Chinesen war die Proportion der gelernten weißen Arbeiter zu den un- gelernten farbigen Arbeitern folgendermaßen: auf jeden weißen Arbeiter kamen sieben farbige. Bei Beginn des Streiks war die Proportion bereits 1 zu 13."Die Zahl der weißen Arbeiter war im ganzen 7000. Die Grubenbesitzer beabsichtigten nun, die Zahl der gelernten weißen Arbeiter mit einem Schlage um ein Drittel zu reduzieren, indem sie an die gelernten Arbeiter das Verlangen stellten, jeder solle anstatt wie bisher nur zwei in Zukunft drei Bohrmaschinen bedienen. Die Arbeiter widersetzten sich dieser Forderung und erklärten zunächst den Streik in der Knights Deep- Mine, wo dieses System zuerst eingeführt wurde. Die Arbeiter der anderen Gruben bezeugten Solidarität und stellten ebenfalls die Arbeit ein. Um das Verhältnis der weißen Arbeiter zu den farbigen zu verstehen, sei hervorgehoben, daß erstere nicht Arbeiter sind im gewöhnlichen Sinne des Wortes, man könnte sie Aufseher nennen, da ihnen die farbigen Arbeiter unterstellt sind. Die weißen Ar- beiter behandeln die Bohrmaschinen nicht selber, sondern beauf- sichtigen eine Anzahl ungelernter Arbeiter» die dieselben in Be- wcgung halten.— Ein Telegramm aus Pretoria meldet, daß General Botha am Freitag den Entschluß kundgeben werde, die Ordonnanz, die Chinesen betreffend, solle nicht mehr erneuert werden und seien dieselben nach Ablauf ihrer Verträge wieder nach China zurückzusenden. Sollte das sich bewahrheiten, so kann das als ein Erfolg des Streiks an- gesehen werden.—_ Streik der Schiffbauer in London. 2000 organisierte und un« organisierte Arbeiter der Schiffbauerfirmen Erith Works und Vickers Moxin u. Co. sind, nachdem die von ihnen gestellten Bedingungen abgelehnt worden sind, gestern in den Ausstand getreten. Letzte JVacbricbten und Depcfcbrn An die Schergen ausgeliefert. Petersburg, 15. Juni.(W. T. B.) Wie verlautet, hält die Kommission der Reichsduma bis jetzt sieben von den Abgeordneten, auf die sich der Regierungsantrag bezieht, für genügend belastet, um ihre Auslieferung zu beschließen. Der Abgeordnete für Riga, Osohl, ist in Sestroretzk(an der finnischen Grenze) verhaftet worden, er hatte versucht, sich durch Abnahme des Barles unkennt- lich zu machen, am Montag soll eine geheime Sitzung der Duma stattfinden,'da die Regierung an der Forderung der unveränderten Annahme ihres Antrages(Auslieferung der 16 meistbelasteten und llnteranklagestellung sämtlicher 55 beschuldigten Abgeordneten)! festhält und jeden anderen Vorschlag für unannehmbar erklärt. Die Lage ist immer noch so, daß die Auflösung unvermeidlich erscheint. Es heißt, der Nerv der Opposition in der Kommission seien di« Polen, welche heute eifrig die Bauern in ihrem Sinne umzu» t* ß*'- JttterpMatio« wegen Auflösung der Duma. Wien, 15. Juni.(W. T. B.) Der sozialdemokratische Vera band des Abgeordnetenhauses hat beschloffen, an die Regierung eine Interpellation, betreffend die bevorstehende Auflösung der Rrichsduma zu richten. In der Interpellation soll darauf hin« gewiesen werden, daß hieraus Unruhen in Rußland entspringen können und Europa mit internationalen Verwickelungen bedroht werden würde. Die Regierung soll gefragt werden, wie sie sich zu neuerlichen finanziellen Ansprüchen der russischen Regierung zu verhalten gedenke. In Rußland wird nur zurückrevidiert. Petersburg, 1h. Juni.(W. T. B.) Nach einer Rede des Justizministers Schtscheglowitow verwarf heute der ReichSrat mit 75 gegen 71 Stimmen den Antrag des Zentrums betreffend die Reorganisation des Senats._ Die moderne Guillotine. Frankfurt a. M., 15. Juni.(B. H.) Vom Taunus wird ge» meldet: Ein auf der Rennstrecke fahrendes Automobil, in dem außer dem Chauffeur Gebhardt zwei Herren aus Eisenach saßen, verunglückte gestern früh bei Wehen. An einer gefährlichen Kurve schlug das Automobil um. Die Insassen wurden heraus» geschleudert. Gebhardt kam unter das Automobil zu liegen und erlitt neben anderen Verletzungen einen doppelten Schenkelbruch und durch explodierendes Benzin Brandwunden. Er wurde nach Wiesbaden in das Krankenhaus gebracht. Handersheim, 15. Juni.(B. H.) Der sechsjährige Sohn des Valentin Lutz wurde außerhalo des Ortes von einem Auwmobil überfahren und am Kopfe schwer verletzt. Die Insassen, die aus München sein sollen, ließen sofort halten. Eine Gerichtskommission nahm den Tatbestand auf. Wie man hört, soll den Führer keine Schuld treffen._ Abschaffung der Ausgaben für Kultuszwecke. Genf, 15. Juni.(W. T. B.) Der große Rat des Kantons Genf hat heute mit 60 gegen 23 Stimmen bei Stimmenthaltungen endgültig die Abschaffung des Kultusbudgets beschlossen. Die Volksabstimmung über dieses Verfassungsgesetz wird am 29. und 30. Juni stattfinden._ Soldatcnunruhcn. Perpignan, 15. Juni.(W. T. B.) Beim 12. Infanterie» Regiment ist es heute zu Zwischenfällen gekommen. Gestern war allen Mannschaften, die darum baten, Urlaub für Sonntag erteilt worden, heute früh wurden die Urlaubsbewilligungen auf zehn bei jeder Kompagnie vermindert. Als die Urlauber heute nachmittag die Kaserne verliehen, versammelten fich die Mannschaften des Regiments fast vollzählig am Eingang der Kaserne und ver- anstaltetcn eine lärmende Kundgebung, dabei wurde die Jnter- nationale gesungen. Der sofort benachrichtigte Oberst kam nach der Kaserne, um die Ruhe wiederherzustellen, dabei war er Un» gchörigkciten seitens der Mannschaften ausgesetzt« Gekentert nnd ertrunken. Tokio, 15. Juni.(W. T. B.) Als gestern der Torpedoboots. Zerstörer„Alagiri" mit der Beseitigung von Minen auf der Höhe von Fuschili beschäftigt war, kenterte eines seiner Boote, wobei ein Offizier und ein Unteroffizier ertranken, während die übrigen 8 Mann der Besatzung gerettet wurden.— Auf der Höhe von Mnroran stieß gestern ein kleiner Dampfer gegen eine Mine und sank. Der Kapitän kam umS Leben; die übrige aus 20 Manu bestehende Besatzung wurde gerettet.___ «äul Singer& Co.. Berlin SW- Hierzu 5 Beilagetü Dr. 138. 24. IahrMg. 1. SeiliM Ks LsmSrls" Knlim NsllÄlM Somtl>s>tk> ImilM. vom concloner Parteitag tler russischen SoaialSemokratie. IV. Mit der Ablehnung von Direktiven für die Dumafraktion schien der Sieg der Menschewiki besiegelt; für den folgenden Tag galt es nur eine allgemein gehaltene Resolution auszuarbeiten, was wohl keine sonderliche Schwierigkeit in sich barg. Aber zu Anfang der Sitzung(am lt. Tag) erklärten plötzlich 10 Letten, an deren Stimmen die Direktiven eigentlich gescheitert sind, sie hätten nur deshalb dagegen gestimmt, weil der eigentliche Platz dieser Debatten und der Resolution nicht nach dem Bericht der Dumafraktion, sondern nach Erörterung der allgemeinen taktischen Fragen sei. Sic machen deshalb den Vorschlag, die Diskussion über die Re- solution bis dahin zu vertagen. Der Parteitag nahm diesen Vor- schlag an. Erst nach der Abstimmung besann sich ein Teil der Mitglieder, daß diese Abstimmung mit der des vorhergehenden Tages in Widerspruch stehe, daß also der Vorsitzende nicht einmal das Recht hatte, den lettischen Vorschlag zur Abstimmung zu bringen. Darob erhob sich in den Reihen der Menschewiki und des Bundes große Entrüstung, denn sie ahnten im lettischen Vorschlag einen Schachzug der Bolschcwiki, die die abgelehnten Direktiven später durch ein Hintertürchen wieder einbringen wollen. Die auf- geregte, chaotische Diskussion, die sich entspann, bestätigte diese Vcr- mutung, aber nach zahllosen Abstimmungen zur Geschäftsordnung, nach aufgeregten Auftritten mit heftigen gegenseitigen Bcschuldi- gungen fand sich doch eine nunmehr„ordnungsmäßige" Mehrheit von ganzen 5 Stimmen für den lettischen Vorschlag. Die Bolschcwiki hatten das Spiel gewonnen: die Debatten über die Resolution zum Fraktionsbericht waren auf später verschoben, aber um dieses zweifelhaften Resultates willen hatte der Parteitag einen ganzen Verhandlungstag in fruchtlosem Hin- und Herrcden verloren. Der 12. Tag trug glücklicherweise einen total anderen Charakter: teils, weil der zur Beratung stehende Punkt(Beziehung zu nichtproletarischen Parteien) einen prinzipiellen Charakter hatte, teils, weil in der Sitzung der Gcschäftsordnungs- Kommission beschlossen wurde, die Zahl der Debatteredner von vornherein auf 11 festzusetzen, keine Rcdezcitverlängerungen zu ge währen und die Ausarbeitung von Resolutionen nicht im Plenum, sondern in speziellen Kommissionen vorzunehmen. Kurz, der ganze 12. Tag verlief äußerst interessant und mit einer der Wichtigkeit des Beratungsgegenstandcs angemessenen Ruhe und Sachlichkeit. Als erster Referent trat das bekannte Haupt der Bolschcwiki auf. Alle sind sich darüber einig, führte er aus, daß Rußland inmitten einer bürgerlichen Revolution steht, aber nicht alle ziehen daraus die gleichen Konsequenzen. Die Menschewiki schieben die Hauptrolle der Bourgeoisie zu; wir aber behaupten, das Prolc tariat sei die treibende Kraft der Revolution, da die Bourgeoisie, aus Furcht vor der klassenbewußten Arbeiterschaft, es nicht ivagr, ihre eigene Revolution zum logischen Abschluß zu bringen. Ob und inwieweit aber das Proletariat der Revolution zum Siege verhelfen kann, hängt von der Unterstützung ab, die ihm das Bauerntum und das städtische Kleinbürgertum zuteil werden lassen. Die Resolution, die wir vorschlagen, enthält in erster Linie eine an diese Sätze anschließende Analyse des Klassencharakters der gegenwärtigen politischen Parteien und sucht entsprechend ihrem Charakter unsere Taktik festzulegen. Die Menschewiki verzichten dagegen auf solche Analyse des Klassencharakters der bürgerlichen Parteien und begnügen sich in taktischer Hinsicht mit der allgemeinen Losung:„Kombinierung der Aktionen", was im Grunde jeder Parteiorganisation, ja jedem Parteimitglied in seiner Taktik völlig freie Hand läßt. Nachdem der Redner die reaktionären Parteien kurz gestreift, wendet er sich den Kadetten zu. Er übt an ihnen eine scharfe Kritik. Sie sind eine Partei der Bourgeoisie, die stets eine ausgesprochen antirevolutionäre Stellung eingenommen hat. Der Redner beweist dies, indem er nacheinander das Verhalten der Kadetten vor und nach dem Oktoberstrcik, während der Dezembertage, vor und in der ersten Duma Revue passieren läßt. Sind auf diese Weise die Kadetten Feinde der Revolution und des revolutionären Proletariats, so sind die Bauern seine Freunde, da ihre Forderung des„ganzen Landes" nur unter Voraussetzung des vollen Sieges der Revolution erfüllt werden kann. Daher ist das Bauerntum revolutionär, daher muß auch die Sozialdemokratie nicht Zusammenschluß mit den Kadetten, sondern mit den Bauern- Parteien, den„Narodniki" in allen ihren Schattierungen erstreben, ohne sich natürlich zu ihren agrarischen Utopien, die ihre Entstehung dem Einfluß der Intelligenz verdanken, zu bekennen. Ist auch jetzt die Taktik der„Trudowiki", der eigentlichen Bauernpartei, noch schwankend, so muß die Sozialdemokratie bestrebt sein, ihnen K 166. Si) bin ein großes Rabcnaa», Ein rechter e-ündenknüppel... Aus einem alten Kirchenlicde. . Von orthodoxer Seite ist die Echtheit dieses Liedes bestritten worden. Wenn es auch bislang nicht gelungen ist, die Quelle wieder aufzufinden, so wird es doch bei manchem das Interesse an älteren Gebetbüchern geweckt und angeregt haben. In der Tat, ein solches Interesse verlohnt der Mühe. Die Unvereinbarkeit von Dogma und Wissenschaft läßt sich nicht handgreiflicher nachweisen, als durch jene urwüchsigeren und unverklcidetcn Formen des Glaubens, die die heutige Orthodoxie als Aberglauben preisgibt, die sie als In- halt der eigenen Glaubensvorstellungen entrüstet von sich weist— und die doch den Rahmen bilden, in dem sie sich bewegen muß, wenn'sie nicht allen Grund und Boden verlieren will. Man be- greift beim Durchblättern solch älterer Erzeugnisse, weshalb all- mählich die Orthodoxie selber beginnt, für die Abschaffung des be- rüchtigten Z 166 einzutreten, der von der Gotteslästerung und der Verächtlichmachung kirchlicher Einrichtungen handelt. Das orthodox- religiöse Denken bewegt sich nicht nur in einem Weltschema, das mit der modernen Erkenntnis schlechterdings nicht in Einklang zu bringen ist: es stellt auch als seinen Kardinalpunkt den Sühnctod hin, den ein Gott für alle Sünden aller Menschen angeblich erlitten hat. Was man als geschichtliche Tatsache ausspricht, muß sich irgendwie zur Vorstellung und Anschauung bringen lassen; und da die Sündhaftigkeit der Welt anerkanntermaßen zu keiner Zeit das geringste zu wünschen übrig ließ, so führt jene Auffassung kon- scquent zu einer wollüstigen Ausmalung der blutigsten Martern, denen jener Gott unterworfen wurde. Die ältere Theologie verwandte denn auch auf dieses Kapitel die redlichste Mühe. Es existiert eine umfangreiche Literatur, die lediglich sogenannte Offenbarungen über das„bittere Leiden und Sterben unseres Herrn JesuS Christus" enthält. Das hierin pro- duzierte Zeüg ist freilich so toll und ausschweifend, daß man heute nicht mehr wagen würde, es Schulkindern als bare Münze vor- zusehen. Doch hindert das nicht, daß seine Urheber noch heute sich als Theologen. Lehrer und Heilige bei den Frommen eines sehr guten NufeS erfreuen. Vor uns liegt ein Buch:„Dem verwundeten Hehl, verlassenen Trost, ohnmächtigen Liebhabern. und in Todt ringenden Leben, nemblich dem am Berg Oliveti vmb Verkostung Heß bittersten den Liberalen gegenüber das Rückgrat zu stärken und sie der ihnen eigenen revolutionären Taktik zuzuführen. Sollte das in manchen Fällen nicht gelingen, bliebe das Proletariat auch isoliert— so brauchte es davor nicht zurückzuschrecken. Diese Isolierung würde nur sein Klassenbewußtsein, seinen Haß gegen die bürgerliche Ge- sellschaft, sein Streben nach dem allbcfreicnden Sozialismus stählen und stärken. Als zweiter Referent erhält das Wort ein Menschewik, ein bekannter Schriftsteller. Zu Beginn seines Referates stellt er folgende zwei Thesen auf: 1. Die russische Revolution kann nur siegen, wenn sie V o l k s r e v o l u t i o n ist. 2. Im Laufe jeder Revolution geraten die bürgerlichen 5ilassen in innere Konflikte mit ihren eigenen Bestrebungen. Sie sind der Revolution schädlich. falls die Konflikte die ganze Energie jener Klassen absorbieren. Solche Klassen sind ein Hemmschuh der Revolution, z. B. die früher liberalen Semstwomänner, die konterrevolutionär sind, weil die Revolution ihnen alles gegeben hat, was sie wollten. Ebenso ist auch die Großbourgeoisie konterrevolutionär: sie befindet sich zwar im Gegensatz zum Absolutismus, insofern ihr Ziel die Entfaltung des Kapitalismus ist, aber noch größer ist ihr Gegensatz zum re- volutionärcn Proletariat, das sich nicht mit einer Zensuskonstitution begnügen will. Daher kommen alle diese Parteien, wie der Oktoberverband, die ehemalige„Handclsindustriclle Partei", nicht mehr als Förderer der Revolution in Betracht. Anders die Kadetten, die Partei der Mittel- und Klcinbourgeoisie: sie können noch der Revolution dienstbar gemacht werden, trotz aller ihrer Illusionen über friedliche Arbeit usw. Denn maß- gebend für die Beurteilung der weiteren Rolle der Parteien sind nicht ihre subjektiven Illusionen und Wünsche, sondern ihre objektive Lage im Prozeß der Revolution, und diese drängt die Kadetten trotz allem nach links, denn die Klein- und Mittelbourgeoisie hat die Revolution noch nichts Positives gebracht. Aber die Kadetten fühlen sich in ihrer Stellung zwischen Groß- bourgcoisie und Proletariat unsicher und schwach, daher ihre schwankende Taktik. Die Sozialdemokratie muß aber die Kadetten deshalb nicht verächtlich beiseite schieben, sondern sie ermahnen, die ihnen in der bürgerlichen Revolution zufallende historische Aufgabe zu erfüllen und nicht beim ersten Ansturm der Reaktion Ihre eigenen Lebensforderungcn preiszugeben und die Flinte ins Korn zu werfen. Die Kleinbourgcoisie, hauptsächlich die Bauern, sind revolutionärer als die Kadetten, infolge der Notwendigkeit einer radikalen Lösung der Agrarfrage. Daher geht das Proletariat öfter mit den Bauern als mit den Kadetten. Doch es wäre ein großer Fehler, den Ruf:„Mit der ganzen Opposition gegen die Regierung!" mit der Losung:„Mit den Arbcitspartcicn(Narod- uiki, Trudowiki) gcgne die städtische Bourgcoisie!" zu vertauschen. Das würde die Sozialdemokratie ganz bedenklich dem Standpunkte der Sozialrevolutionäre nähern, wie denn auch die Befürworter dieser Taktik, die Bolschewiki, gegenwärtig unter der Wirkung des mißlungenen Dezemberaufftandes und des jetzigen Tiefstandes der revolutionären Energie zu Illusionen aus der Zeit der Narodnaja Wolja— Verherrlichung des Bauerntums, terroristische Taktik des Partisancnkampfes— neigen. Wir, die Menschiwiti, schlagen vor, sich nicht von vornherein auf ein Zusammengehen nur mit einer bestimmten Partei(oder Gruppe von Parteien) zu beschränken, sondern alle oppositionellen Kräfte des Landes, wo man sie auch finden mag, in den Dienst der Revolution zu stellen. Zum Kampf Im Baugewerbe. Seit nahezu vier Wochen tobt nunmehr der Kampf, und noch stehen sich die Parteien in festgeschlossenen Reihen gegenüber. Es ist nur zu erklärlich, daß da§ Ringen ein so großes Aufsehen in allen Kreisen der Bevölkernng erregt, denn das Baugewerbe ist einer der be- deutendsten Machtfaltvren im Berliner Wirtschaftsleben, und feine Stockung muß deshalb enorm weite Kreise in Mitleidenschaft ziehen. Bis jetzt konnte die Bevölkerung Berlins sich über den Stand der Bewegung noch kein rechtes Urteil bilden, da nur sehr wenige Tatsachen bekannt wurden, die einen klaren Einblick in die tatsächlichen Verhältnisse gestatteten; die interessierten Kreise waren mehr auf Stimmungsbilder angewiesen. Der Verband der Baugcschäfte Berlins und die ihm ergebene bürgerliche Presse haben in der Erzeugung einer für den elfteren günstigen Stimmung ganz Erkleckliches geleistet. In nicht ungeschickler Weise sind alle Aeußerungen der Gewerkschaftsführer, die bekanntlich zunächst gegen diesen Kampf waren, und die namhafter Partei- führer, sowie der sozialdemokratischen Presse zusammengestellt und. Kelchs feines bevor st ehendcn Lehdens im blutigen Angst» und Todesschrein ohnmächtig zur Erde fallenden Jesu offerirt und dedi- z i r e t". Es ist verfaßt von den„Fratcres aus dem Gnadenhaus Grükau".(Glatz, Druck von Andreas Pcgg 1682.) Besagte FratercS sind über alle, auch die intimsten Einzelheiten des Sühnetodcs Christi aufs beste unterrichtet. Sie stützen sich außer auf die Evangelien vorzugsweise auf die hysterischen Halluzinationen eines St. Bonaventura, einer St. Brigitta. Therisia usw., und wo diese versagen, Hilst die eigene Klosterphantasie nach. Sie wissen, daß „vom Richt-Haus Pilati bis in den Palast des Königs Herodias schnd 350 Schritt oder 437 Elen".„Von Vcronica bis zum Nicht- Tor, wo der liebe Herr zum vicrtenmal unter dem Kreutz ge fallen sehn 336 und ein halber Schritt oder 436 Elen".„Als(die Häscher im Garten Gethsemane) näher herzukamen, ging ihnen Christus von dem Ort, wo er Blut geschwitzet, in die 40 Schritt, das ist 60 Böhmische Elen lang, entgegen". Doch das sind neben- sächliche historiographische Einzelheiten; greifen wir aus der „grausamben" Historie selber wahllos ein paar Stücke heraus: „Die Lieb vertrieb die Forcht vom Hcrtzen, mit solcher Gewalt, in die euserste Glieder, daß das Blut zu allen Schweißlöchern über- flüssig hcrausflosse, und dem betrübten Jesu über sein Angesicht, Brust, Rücken, Armen und Hände Herabflosse und die Erde unter ihm befeuchtete, von welchem S. Lucas schreibet: Nach vielen Vcr- spottungen und großen Schlägen kamen sie durch das Tal Josaphat. in welchem wir werden alle einmal vor Gericht erscheinen, zum Bach Ccdron. welcher damals, weil es noch zu Anfang des Früh- lings war. mit Wasser sehr angefüllet war, und da der gütige Herr über die Brücken gehen wollte, stießen sie ihn hinunter. sprechend, du verfluchter Hund, bist des Steiges nicht würdig, stoßt den Hund die Brücke hinunter. War also der gütigste Scligmacher über das Brücklein hinabgestoßen und gar sehr aufs den Stein- Felsen geworfen(über welchen der Bach führet) daß man biß auf den heutigen Tag die Zeichen sehn kann... auf der euserstcn Breiten deß Felsen, in welchem die Fußtapfcn, die Hände und bcyde Knien wie auch die Ende der Finger, an den Füßen, unsers Seligmachcrs eingedruckt, als Er von Juden über das Brücklein gestoßen, und allda gefallen!"„Etliche zogen ihn so stark mit den Haaren, daß sie ihm bisweilen eine gantze Hand voll Haare auff einmal ausreisen, dahcrs dann gekommen ist, daß(wie die Mutter Gottes St. Brigitten offcnbahrt hat) der arme Jesus an manchen Orth des Haubts gantz kaal gewesen ist. Etliche stachen ihn mit Nadeln in seinen h. Rücken, daß der gütigste JesuS für Schmertzen darüber zuckte, etliche rissen ihm die Haare aus seinem Barth, und anstat der Haare steckten sie ihm Nadeln w sein Kinn; tziel- verbunden mit den Argumenten der Arbeitgeber, ständig in den Arbeitgeberversamnilungen und der Presse den willigen Hörern und Lesern mit dem gleichen Refrain vorgetragen worden:„Seht, der Kampf steht für die Arbeiter schlecht. Wir Arbeitgeber haben ganz sicher den Sieg zu erwarten I" Nachdem auf diese nicht mehr ungewöhnliche Art die den Arbeitern ohnehin nicht sympathisch gesonnenen Bevölkerungskreise auch noch weiter durch die Uniwertung von Tatsachen beein- flußt war, als es deren Klasseniuteresse ohnedies schon be- dingt(z. B. durch die Behauptung: die Verkürzung der Arbeitszeit ist eine sozialdemokratische Forderung, deren Durch- führung den Untergang des Mittelstandes im Baugewerbe ganz rapide beschleunigen würde, den Arbeitern anderer Erwerbs- zweige ein böses Beispiel gebe und die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie auf dem Weltmarkte gefährde usw.) wird ver- sucht, auch in den Kreisen, die den Streikenden in jeder Beziehung nahe stehen, das Gefühl der Aussichtslosigkeit dieses Kampfes zu erwecken, um unter dieser künstlich erzeugten Stimmung und unter An- Wendung aller sonst den Arbeitgebern zur Verfügung stehenden Machtmittel die Kämpfenden um so sicherer niederzuzwingen. Unter diesen Umständen ist das Resultat der gestern veröffent« lichten Bankontrolle der Maurerorganisationen zur Beurteilung der Situation sehr wertvoll. Um diese Ergebnisse richtig bewerten zu können, muß in Berücksichtigung gezogen werden, daß bis kurz vor Ausbruch des Kampfes im Berliner Lohngebiet 17 000 Maurer beschäftigt gewesen sind, also 5—6000 weniger als im Vor- jähre in der Hochsaison. Da nach den Beschlüssen des Arbeitgeber- Verbandes die Bauten seiner Mitglieder geschlossen sein sollen, so ergibt sich, daß zurzeit bei außerhalb des Bundes stehenden Arbeit- gebern 5016 Maurer beschäftigt sind. Das sind nahezu 30 Proz. der vorher beschäftigt gewesenen Maurer. Wenn auch darunter 1963 Akkord- maurer und sonstige Arbeitswillige sind, so steht doch fest, daß alle diese Arbeitgeber im Widerspruch mit den Beschlüssen der Arbeitgeber- organisation jetzt das ehrbare Handwerk ausüben. Der Einfluß dieser Organisation erstreckt sich also nur auf Arbeitgeber, die zurzeit 70 Proz. der vorhandenen Arbeit besitzen. Aus manchem Bau, der zurzeit von sogenannten Arbeitswilligen besetzt ist, wird zu den geforderten Bedingungen gearbeitet, da die Forderungen aber nicht vertraglich anerkannt sind und die Leute außerhalb der Organisation und auch der Kontrolle stehen, können diese Arbeitsstellen nicht als bewilligt geführt werden. Aber aus alledem kann man ersehen, daß die Arbeitgeber, so- weit sie außerhalb des Bundes stehen, nicht so bedeutungslos find, wie letzterer es darzustellen beliebt. Nun fehlen aber noch 12 000 Maurer, um den Bedarf zu decken, und man kann füglich mit Recht annehmen, daß die Nachfrage nicht geringer wird. Um Ersatz dieser Kräfte bemüht sich der Arbeit- geberverband auf daS angelegentlichste. Es ist dies nach seiner neuesten Taktik die Waffe, mit der er den vernichtenden Schlag führen will. Doch prüfen wir die Verhältnisse etwas genauer. Die jetzigen Arbeitswilligen, soweit sie bei außerhalb des Bundes stehenden Arbeitgebern beschäftigt sind, werden nur zum ganz kleinen Teil einen Wechsel vornehmen wollen. DaS Rekrutierungsgcbiet muß deshalb ein anderes sein. Bei der Aussperrung sind alle die„alten Herren" mit entlassen worden, die lange Jahre im Geschäft tätig waren und die infolge des Alters nicht mehr voll leistungsfähig sind; außerdem Invaliden- und Un- fallrcntner. All diesen Kollegen legt die Organisation nichts in den Weg, wenn sie die Arbeit aufnehmen, und unter den 234 Maurern, die sich um die Mitte dieser Woche im Arbeitsnachweis der Arbeitgeber hatten aufnehmen lassen, dürften von diesen„alten Herren" und von denen aus dem Asyl für Obdachlose ein großer Teil vorhanden gewesen sein. ES ist sehr wahrscheinlich, daß es noch hiesige Maurer gibt, die arbeitswillig werden und die, um mit Heuer zu reden,„die hohen moralischen Eigenschaften nicht be- sitzen, die ein solcher Kampf von ihnen fordert". Die katholische Fachabteilung, die sich schon seit Weihnachten bei dem Arbeitgeber- verband zu Verräterdiensten anbietet, wird einige hundert Per- sonen liefern. Die Gesindcvcrmittelungsbureaus und sonstige menschliche Arbeitskräfte vermittelnde Institute werden aus dunklen mahl hebten sie ihm einen Fuß auff, daß der gütige Herr über den Stuhl abfiel, und sagten dann mit großem Gcspötte, sehet der Bösewicht ist trunckcn, er kann nicht sitzen... es ist auch wohl zu glauben, sie werden ihm glühende Kohlen zwischen seine Zähen gelegt haben, welche dem gütigen Herrn Blattern und Lücher in die Fuß gebrannt haben. Sie nahmen auch ein nassen Lumpen, mit einem Geschirr voll stiuckend und kottigem Wassers und schlugen ihm den Lumpen bielmahl in sein h. Angesicht. Und endlich schütteten sie ihm das Wasser über den Kopff. Sie binden ihm auch ein Seil umb den Hals, doch also, daß er nicht kont er- würgen, und schlcifften ihn damit auff und ab; und etliche schlugen auff ihn, als wollten sie ihn fort treiben.. So lesen wir auch in den alten Betrachtungen, daß ein Christum in die Länge neben das Feuer gelegt, und etliche auff ihn sich gesctzct haben, anstat ihres Stucls, und damit sie ihn recht martern möchten, so haben sie ihm an dem Feuer seine heilige Bein und Hände so lang lassen bratten, bis daß große Blattern darin scynd auffgelauffcn." „Nun aber sagt S. Matthäus da spiehcn sie in sein Angesicht; und S. Marcus da gingen sie zusammen an ihm zu verspeicn. Da bedenck, tvic das deinem lieben Jesu so leyd muß gedan haben, als die abfchculige Juden ihren ftiuckcndcn Koth aus dem innersten Magen herausgezogen und gar fchwartzc, gelbe und grobe Butzen ihm in sein heiligstes Angesicht, auff die Stirn, in die Haar, auff die Kleider, ja gar in seinen heiligen Mund und Hals gcspiehen haben. Dann wie man in den alten Betrachtungen liefet, so haben sie den güttigcn Herren ein Höltzlcin aufrecht» in seinen Mund gcstclt und ihm damit seinen heiligen Mund soweit als sie kunten auffgespcrrct, damit sie ihm besser in Hals speien konnten. Und wann ihnen ihr stinckcnder Magen, von wegen dem vielen Knob» lauchs so sie fraßen, aufstieße, so rcyschptcn sie Christus diesen abscheulichen Gestanck in seinen heiligen Mund hinein; darfs nicht sagen, was für andern abscheulichen Gestanck sie ihm für die Nase machten. Worüber ja sein blöder Magen sich gantzb umbkehren, und alles, was er in sich hatte, hätte mögen auswerffcn." Von besonderem Interesse für unsere Fraters sind„die heiligen Stiegen"; sie„sey zu Jerusalem in dem Vorhaus Pilati abgebrochen. über das Meer nach Rom geführt und neben andern heil. Reliquien von der heil. Kayserin Helena dem Kayser Constantino ihrem Sohn anno 326 gebracht, so in der Kirchen zu Latcrano genannt, verehrt worden... Diese Stkdge hat 28 Staffeln, und„welche fromme Christen diese heilige Staffeln verehren und mit gebogenen Knien steigen, verdienen auff einer jedweden Staffel drcy Jahre, und so viel Quadragenen Ablaß, darzu hat Papst Leo noch 6 Jahr gcsctzet wie auch des dritten Teils Nachlassung ihrer Sünden neben unserer Villen Jndulgenzien." Ecken des Reiches Leute für den Bau heranschaffen, und auch vom Auslande können einige Kolonnen solcher Prachtexemplare Spree- athcn mit ihrer Gegenwart beehren. Aber selbst wenn es gelingt, nach mehreren Wochen mühsamer Arbeit, 3000 solcher nützlicher Elemente hierherzuschaffen und— woraus es ankommt— hierzubehalten, dann wären erst 25 Proz. --- nach der Kopfzahl gerechnet— der fehlenden ersetzt. Diese repräsentieren aber bei weitem noch nicht 25 Proz. der Arbeitsleistung der Berliner Maurer. Zur Einschüchterung der Streikenden wird ständig die Dro- hung verbreitet, die Aktordmaurerei in größerem Maße als bisher einzuführen. Ganz abgesehen davon, daß die Herren sehr gut wissen, daß sie die Akkordmaurerei nicht dauernd brauchen können und sie diese andere Spezies von Streikbrechern bisher nur als Kampfmittel gegen die Organisation der Arbeiter benützten und auch jetzt benutzen wollen, können die Arbeiter diesem Beginnen mit kühlem Blute zusehen. Seit mehr als 35 Jahren bemühen sich die Arbeitgeber um Ein- führung dieser Arbeitsmethode und die Arbeiter bekämpfen sie ebenso lange. Jedem mit den Entwickelungsgesetzen Vertrauten muß es klar sein, daß, wenn die Akkordmaurerei dem Wesen und den Umständen der Rohbauausführung entspräche, dann hätte sie sich hier wie in allen anderen Industrien durchgerungen und niemand hätte deren Einzug zu hindern vermocht. Daß dem nicht so ist und daß nicht einmal in der letzten Prosperitätsepoche die Akkord- arbeit im ganzen Reiche zunahm, beweist, daß dieser Drohung nur eine vorübergehende Bedeutung beizulegen ist. Ebenso ist die geflissentlich verbreitete Drohung zu bewerten, die auch in der in den letzten Tagen verbreiteten Denkschrift dieses Verbandes enthalten ist, und zwar: „sogenannte meistertrcue Arbcitnehmer-Bereinigungen den jetzigen, sich so anmaßend gebärdenden Organisationen zur Seite zu stellen." Berlin ist kein vergessener und dunkler Erdenwinkel, wo die dort Lebenden»- und seien es auch noch so hartgesottene— dauernd vom Pulsschlage einer hoch entwickelten Arbeiterbewegung un, berührt bleiben, und der Bau ist keine Zwingburg, hinter deren Tore jahrelang der Arbeitswillige in Jsolicrhaft gehalten werden kann. Die Bauarbeiter werden in sehr kurzen Zwischenräumen wie in einem Schüttelwcrk immer wieder durcheinander geworfen. Das aber, was hier vom günstigen Stande der Bewegung unter Berücksichtigung der Baukontrolle der Maurer gesagt ist, trifft im gleichen Maße für die Bauhülfsarbeiter zu, und der Stand der Zimmerer ist ein noch günstigerer, da diese mit einer bedeutend g?. riugeren Zahl Arbeitswilliger zu rechnen haben. Für den objektiven Beobachter ist ersichtlich, daß der Arbeit- gcberverband bereits recht empfindliche moralische Niederlagen er- litt. Zwei seiner stärksten Waffen sind seinen Händen entfallen, und er bemüht sich krampfhaft, seine Mitglieder mit baldigen Siegcsnachrichten über diese unangenehmen Tatsachen hinwegzu— leiten. Das sind: I. Die Aufhebung der Aussperrung und die Aufgabe des Prinzips, durch möglichste Stillegung aller Bauten die Zahl der Unterstützungsempfänger so gros- zu machen, baß recht bald die Kassen der Verbände geleert würden, und L. der mißlungene Versuch, das Mörtelsyndikat zu veran- lassen» die Betriebe zu schließen und damit die renitenten Arbeit- geber am Weiterarbeiten zu verhindern, womit sie in die Arme zes ArbeitgeberverbandcS getrieben werden sollten. Die Finanzierung der Bewegung ist für die Arbeiterorgani- sationcn gelöst, und fürs zweite kommt in Betracht, daß außer den über 000 Arbeitgebern, welche die Forderungen der Arbeiter ver- traglich anerkannten und der Organisation der Arbeitgeber fern- stehen, bereits 18 Mitglieder dieses L34 Mitglieder zählenden Ver- bandes der Baugeschäfte- bewilligt haben. Somit ist ersichtlich, daß der Kampf für alle drei Berufe nach bicrwöchentlichcr Tauer sehr günstig steht, und alle Freunde werden mit Genugtuung den Kämpfenden ein herzliches.Haltet aus!" zurufen. • Zu der in Nr. 130 des„Vorwärts" veröffentlichten und von mir unterzeichneten Mitteilung mit der Ueberfchrift„Der organi- sierten Arbeiterschaft zur Kenntnisnahme!", erhalte ich heute von Herrn Baumeister Vahl, Vorsitzenden des„Verbandes der Bau- geschäfte von Berlin und den Vororten", folgende Berichtigung: Für jede Stiege sehen unsere PatreS«ine heilige Betrachtung bor. Betrachte wie der mildreichste Jesu mit seinen heiligen Haaren LS mahl von der Erden aufgezogen worden, betrachte wie der sanft- mütigste Christus mit seiner heiligen Nasen LO und mit dem heiligen Barth 76 mahl hin und her gezogen worden, betrachte, wie man den schmerzhaftesten Jcsum 30 mahl bei den heiligen Ohren hin und her gezupffet, darzu noch 120 Backenstreich gegeben habe" usw. Im Fortgang erfahren wir, daß Christns zuletzt so zugerichtet war.„als wenn er nie kein Jngcwcid gehabt hätte, denn sein Bauch hinge ihm an dem Rücken, wie die Mutter Gottes mit kläglichen Worten der heiligen Brigitta offenbaret hat." Auf diese Weise wird das christliche Gemüt präpariert. Auch die Poesie wird zur Präparation benutzt. Hier einige Proben: Könnt ich dich nur erretten Von so viel Strick und Ketten, O Allerliebster mein! Wollt ich dich vor den Schergen In meinem Hertz verbergen Mein Schoß dir räumen ein, Aber ebendrumb ich weine, Ich ängste mich und pehne daß ich ach dich nicht kan ach! Reißen au? ihrem Räch ach! Oder? Meinen liebsten Mann ich müsse Ein so fast geraume Zeit, Und dahero härteS büße Mein gemehrtes Hertzeleyd, Ach das Joseph sollte leben Würd er manchen Trost mir geben, Aber eben er ist hin, Weil ich eine Wittib bin. Das Dogma vom Abendmahl und vom Sühnetod Christi wird Noch heute von allen gut christgläubigen Seelen anerkannt. Die Heiligen-, Reliquien- und Krenzwcgverehrung, der Ablaßkram stehen noch heute im Schwange. Man wird zugeben, daß eine blutigere Satire auf alle diese Dinge, als ihn die frommen Väter von Grükau im Jahre des Heils 1082 geliefert habe», nicht möglich ist. Unter- finge sich ein neuzeitlicher Voltaire einer ähnlichen Persiflage, so nähme ihn der Staatsanwalt wegen Gotteslästerung und Ver- ächtlichmachung kirchlicher Einrichtungen beim Kragen. An dieser Klippe schifften die Mönche pon Grükau mit ihrer unverfälschten Glaubcnsnaivität Vorbeil Aber man sollte nicht weiter mit Straf- gesetzcn schützen wollen, was in der plastischen Darstellung ur, wüchsigen Glaubens den modernen Menschen nur noch als Harlcki- nade anmutet. "*jch stelle hiermit fest: 1. daß ein derartiges Rundschreiben von dem Verbände nicht versandt worden ist; 2. daß sich der Ver- band auch nicht an die vorstehend angegebenen Stcllenvermittler und Agenturen gewandt hat und 3. daß der Verband nicht und niemand gegenüber erklärt hat. daß die Bewegung in Berlin be- endet sei. In der Annahme, daß es nur dieser Richtigstellung meinerseits bedarf, um Sie zu einer Berichtigung dieser falschen Mitteilung im„Vorwärts" zu veranlassen, wende ich mich im Vertrauen auf Ihre mir bekannte Loyalität zuerst persönlich an Sie und bin überzeugt keine Enttäuschung zu erfahren." Ich nehme gern von dieser Berichtigung Kenntnis und bitte die Leser, die genannte Mitteilung hierdurch als berichtigt zu be- trachten. Zur Sache selbst habe ich folgendes zu bemerken: An einem der letzte» Tage erschien in unserem Bureau ein Herr, der sich als Augestelltcr eines auswärtigen Instituts für Arbeitervermittelung vorstellte. Er teilte uns mit, daß seinem Chef vom Verbände der Baugeschäfte Berlins ein mit der Schreibmaschine angefertigtes und vervielfältigtes Schreiben zugegangen sei. in dem um Ver- mittelung von Maurern, Bauarbeitern und Zimmerern unter den bekannten Bedingungen ersucht würde und in dem weiter mitgeteilt sein sollte, daß die Bewegung in Berlin beendet sei. aber durch die Abreise vieler Maurer nun ein Mangel an Arbeitskräften bestehe. Sein Chef habe ihm nach Berlin gesandt, um die weiteren Formali- täten mit dem Ärbeitgeberverbande zu erledigen. Das verviel- sältigie Schreiben hatte der Mann nicht zur Stelle. Wohl aber ein vom Geschäftsführer des Verbandes der Baugeschäft« unterfertigtes Schriftstück, in dem über weitere geschäftliche Vermjttelung von Bauhandwerkern Mitteilung gemacht wird. Der Mann teilte uns mit, daß er erst in Berlin durch die Presse vom Weiterbestehen des Kampfes Kenntnis erhalten habe, und nach Erkundigung bei den Streikposten nach unserem Bureau verwiesen worden sei und er uns nun um Aufklärung erstiche. Die Firma, die er die Ehre habe, zu vertreten, wolle mit der Vermittc- lung von Arbeitswilligen nach Streikorten grundsätzlich nichts zu tun haben. Eine groß« Anzahl(er nannte uns eine bestimmte Zahl) sei in den nächsten Tagen zur Abreise bereit; um diese vor Schädigung zu bewahren, wenn sie die Reise nach hier vergeblich unternehmen würden, wolle er hier Erkundigungen einziehen und dann die Leute nach einem anderen Arbeitsplatz dirigieren. Der Eindruck, den der Mann erweckte, und dann der Umstand, daß entgegen manchen Erfahrungen in solchen Fällen, er auch nicht den geringsten Versuch machte, von uns materielle oder andere Gegenleistungen zu verlangen, und eine Reihe weiterer Momente, haben bei den dieser Besprechung beiwohnenden Kollegen die ein- mütige Meinung hervorgerufen, daß sich alles, so wie es uns vor- getragen, verhält. Inwieweit wir getäuscht wurden, werden weitere Ermittelungen ergeben. � H. Silberschmidt. Wie berichtet wird, werden für den Bau Gause, Pariserplatz, Maurer gesucht unter Zusicherung der Bewilligung der von den Arbeitern aufgestellten Bedingungen. Die Streisleitung macht darauf aufmerksam, daß Gause mit der Organisation keinen Ver- trag abgeschlossen hat, und auch nur für diesen einen Bau die Zu- sage macht. Der Streik kann aber nur als beendet betrachtet werden, wenn der betreffende Unternehmer mit der Organisation einen Vertrag schließt und die Forderungen für alle seine Bauten bewilligt. Die Arbeiter haben kein Interesse daran, einen Unter- nehmcr bei einem Bau, niit dem er besonders im Druck sitzt,(MS der Verlegenheit zu helfen. � � Die Freie Vereinigung der Maurer veranstaltete gestern im Germaniasaal eine Versammlung ihrer streikenden und ausgesperrten Mitglieder. Der Referent Heller, der Vorsitzende Z c g l i n und andere Redner schilderten die Situation des Kampfes als sehr günstig. Mit den Erfolgen, welche durch die Solidarität der am Kampfe beteiligten Arbeiter erreicht wurden, könne man zufrieden sein. Andererseits müsse das Eingreifen der Behörden zngunsten des Unternehmertums scharf verurteilt werden. In Wilmersdorf habe der Magistrat Mannschaften der freiwilligen Feuerwehr gegen ihren Willen nach einem Tchulbau in der Pfalz- burgcrstraße beordert, damit sie alS Sireikbrrchrr Bis Arbeiten der Maurer verrichten sollten. Als jedoch die Feuerwehrleute an- rückten, legten die auf dem Bau beschäftigten Putzer die Arbeit nieder. Infolgedessen mußte die Feuerwehr wieder abziehen. Auch die Polizei gehe in diesem Kampf« i» gewohnter Weise gegen die Arbeiter vor. In der Bcuthstrasse, beim Arbeitsnachweis des Verbandes der Baugeschäfte, mache es die Polizei den Streikposten geradezu unmöglich, ihre Pflicht zu erfüllen. Verschiedene Sistierungen seien dort schon ohne erkennbaren Grund vor- genommen worden.>— Bei Bauten, wo die Arbeit ruht, erscheine oft ohne jede Veranlassung ein starkes Aufgebot von Schutzleuten, die dort überhaupt nichts zu tun finden. Derartige Polizei- aufgcbote erregen nur die Neugier des Publikums, irgend einen Zweck hätten sie nicht. Das Austreten der Polizei zeige, daß auch bei dieser Gelegenheit die Interessen des Unternehmertums in jeder Weise geschützt, den Arbeitern aber die Ausübung ihrer Rechte erschwert werde. Ein Verhalten, gegen das man entschieden protestieren müsse.— Weiter wurde ausgeführt, daß die Unter- nehmer nicht nur bei auswärtigen, sondern auch bei hiesigen Ar- beitcrn Versuche machen, dieselben zur Aufnahme der Arbeit zu bewegen. Selbstverständlich werden die Unternehmer bei keinem der länipfenden Arveiter Entgegenkommen finden. Berichtigend wurde mitgeteilt, daß die in der Sonnabend- Nummer des„Vorwärts" veröffentlichte Tabelle das Ergebnis einer von beide» Mnurcrorganisationen gemeinsam vorgenommenen Bautenkontrolle ist.(Die Mitteilung, es handle sich um eine vom Zentralverband ausgeführten Kontrolle beruht aus einem Irrtum unseres Berichterstatters. Red.) Nach �incr weiteren in der Versammlung gemackten Mit- teiluna sind in Schanklokalcn Personen mit Saminellisien auf- getaucht und haben angegeben, daß sie für die streikenden Maurer sammeln.— Es kann sich bei diesem Manöver nur um einen Schwindel handeln. Für den gegenwärtigen Kampf im Bau- gewerbe sind keine Sammellisten ausgegeben. Jeder, welcher vor- gibt, für den Bauarbciterkqmps zu sammeln, ist ein Schwindler, seine Listvn sind gefälscht. Wer einen derartigen Schwindler ab- faßt, möge dessen Person feststellen lassen und einer der am Kampf beteiligten Organisation den Sachverhalt mitteilen» �* Zum Kampf im Dachdeckergewerbe. Zu dem Bericht über die letzte Versammlung der Dachdecker- meister, der unS von einem bürgerlichen Berichterstatter zugegangen war, schreibt unS Herr Matz, Vorsitzender der Tariftommission: „Gestatten Sie, daß ich einige Irrtümer, welche sich im heutigen Bericht im„Vorwärts" über die Versammlung des„Verbandes des Dachdcckergewerbcs für Berlin und Umgegend", wohl infolge der großen Unruhe, die in der Versammlung herrschte, eingestellt haben, im allgemeinen Interesse aufkläre. Es heißt im Bericht des„Vorwärts": Der Vorsitzende der Tarifkommission habe keine Vollmacht zum Abschluß dcS Tarifvertrages gehabt— das ist als Acußerung des Vcrbandsvorsitzendcn wiedergegeben worden. Red.— und bestritt, daß er sich für den Verband der Gcsellenkommission gegenüber verpflichtete. Ich hatte als Vorsitzender der Tarifkommtfsion immer da? Recht und Pflicht, alle Beschlüsse der Tarifkommission und die des Verbandes, welche auf Lohnfragen bezug hatten, mit der Gc- sellenkommission auch zu vereinbaren. Dazu brauchte ich nach meiner Auffassung Vollmacht vom Verbandsvorsitzendcn nicht.— Von diesem meinem Rechte aber habe ich Gebrauch gemacht und de» neuen, in der letzten Verbandsversammlung einstimmig gc- faßten Beschluß hei der Gesellcnkommission unterzeichnet. Das War meine Pflicht.— Ich habe nicht abgestritten, daß ich mich ver- pflichtet habe, das heißt, soweit ich als Ausführender der Kom» mifsionS- und Verbandsbcschlüsse berechtigt war. Ob der Tarif aber durch meine alleinige Unterschrift rechts- verbindlich ist, das dürfte am nächsten Montag oder Dienstag das Gcwerbcgericht entscheiden, wo der Tarifvertrag zur Rechts- Verbindlichkeit von je 7 Mitgliedern beider Kommissionen unter- zeichnet werden sollle, und jetzt Entscheidung ansteht. Wenn nun die darauf folgende Versammlung des Verbandes der Arbeitgeber diesen von ihm selbst gefaßten Beschluß zurück- ziehen wollte, so lag der Grund darin, daß ich auf eigene Ver- antwortung den Gesellen 00 Pf. Fahrgeld pro Woche unterschrieben hatte, die schon in dem alten Tarif bewilligt worden waren und von der Gesellenkommission absolut nicht erlassen werden sollte, bei Ablehnung des Tarifs seitens der Gesellen. Ich unterzeichnete des lieben Friedens willen in dem guten Glauben, daß mir der Verband dafür später Indemnität erteilen würde.— Hierin hatte ich mich getäuscht, und zwar aus dem Grunde, weil die Bewilligung seitens des Verbandes viel weit- gehender und vorteilhafter für die Gesellen war, als der mit den Gesellen von den 11 großen Firmen schon früher sicher festgelegte Bertrag. Aus diesem Grunde kamen neun von dem genannten Verbände zurück und bestritten mit den beiden Vorsitzenden des Verbandes meine Berechtigung zur Unterschrift. Das Gcwerbcgericht am nächsten Montag wird ia entscheiden ob ich zur Unterschrift berechtigt war oder nicht. Hochachtungsvorll Carl Matz, Vorsitzender der Tariftommission des Dachdcckerverbandes für Berlin und Umgegend, Am FviedrichShain 15, Zum Bäcfeertl'Boyitott. Geh zur Armenverwaltung! Ein Bäckermeister in der Gegend des Kottbuscr Tors, wurde zu Beginn des Bäckerstreiks durch den Besuch eines der führenden Geister aus dein Jnnungslager beehrt. Und der Beehrte ließ sich durch allerhand schone Versprechungen dazu verleiten, im Lager der HnnungSmeister zu kämpfen. Tis Sicherung feiner Existenz war ihm ja auf jeden Fall per- sprachen! Er kämpfte sich feine Kundschaft fast vollständig fort, aber treu der Zusage und in Hoffnung auf die gemachten Zusicherungen, hielt er tapfer aus. Endlich konnte er aber nicht mehr weiter, er wandte sich an den, der ihm Hülfe zugesagt hatte. Aber er mußte Geduld haben.. Nach längerem Drängen erhielt er endlich die Aufforderung, sich zu einer be- stimmten Zeit cinzufindcm um seinen Anteil von den an- geblich zur Verfügung stehenden 7i3lilK)0 M. in Empfang zu nehmen. Hoffnungsvoll begab sich der Mann, der nicht mehr in der Lage war, einen Sack Mehl zu kaufen, zur„Rettungs- station". Und er wurde tinterstütztl 21 Mark zählte man ihm als angemessene Unterstützung auf den Tisch. Damit war nichts anzufangen, zudem noch Krankheit in der Familie Kosten verursachte. Er wurde vertröstet. Man wolle ver- suchen, eine Anleihe aufzunehmen, vielleicht bekomme er dann noch IM M. Ter bitter Enttäuschte watidte sich in der Not an eine andere Größe. Nachdem er hier sein Leid geklagt hatte, wurde ihin der Rat: Lieber Kollege, wende Dich an die — Arineuverwaltung! •» » Wir haben gesiegt. Am Donnerstag voriger Woche konimt einer der Führer des Bäckcrschlitzverbandes aus dem Polizeipräsidium. Draußen trifft er einen Bekannten. Diesem erzählt er freudestrahlend: „Nun haben wir gesiegt,'die Polizei wird alle Bewilligungs- Plakate entfernen!" Auf die erstaunte Frage, woher er das »visse, kam die Autwort:„Ich war beim Polizeipräsidenten. der hat es versprochenl" Als der Ungläubige Zweifel äußerte, daß solches Vorgehen sich nicht rechtfertigen lasse, wurde er belehrt:„Der Zweck-heiligt die Mittel', im Kampfe sind alle Mittel erlaubt s" Am nächsten Tage begann der Polizeikampf gegen die Bewilligungsplakate I-- � ♦ Die Solidarität der Arbeiterfrauen leistet den um bessert Lohn- und Arbeitsbedingungen känipfenden Bäckergesellen die ausgezeichnetsten Dienste. Nach Aufhebung des Streiks wird aus den verschiedensten Be- zirkcn das Verlangen an die Organisation der Bäcker gerichtet, »nit Haiedzetteln gegen die sich am hartnäckigsten gegen die Be- willtgung sperrenden Bäckermeister vorzugehen. Der Verband kommt selbstverständlich diesen Wünschen bereitwilligst nach. Ein Herr Franke in Stralau(Alt-Stralau 50), den der Boykott wohl etwas sehr nervös gemacht hat, wußte in seiner Not nichts anderes zu tun, als durch den Rechtsanwalt Löwe eine einst- weilige Verfügung gegen den Vcrtrauensinann der Bäcker zu er- wirken, wodurch demselben, unter Androhung von einem Tage Haft für jeden Fall der Zuwiderhandlung, die Verbreitung der Zettel untersagt wird. Als Grund wird angegeben, der Antragsteller(Franke) sei durch da» Flugblatt in der öffentlichen Meinung herabgewürdigt und verächtlich gemacht. Interessant ist der Echlußpassus der Verfügung, der wörtlich folgendermaßen lautet: „Da der Antraggcgner das Flugblatt in seiner Eigenschaft als Vertrauensmann einer sozialdemokratischen Organisation unterzeichnet hat und diese die Kosten de» Streiks und damit auch voraussichtlich die einer sür die Zulvidcrhandlung fc»t- gesetzten Geldstrafe, wie schon in anderen Fällen, trägt, so wurde zur Erreichung des durch die Verfügung angestrebten Zweck« für den Zuwiderhandlungsfall Haftstrafe festgesetzt." Sehr salomonisch! Es steht zu erwarten, daß diese einstweilig' Verfügung im Klagcwge wieder aufgehoben werden wird. '.* Natürlich darf auch die Polizei iin Kampfe gegen die Handzctiet nicht fehlen. Am Donnerstag hatten mehrere Genossen in der Gaudystraße Handzettel verbreitet, durch Ivelche mitgeteilt wird. daß die Meister Schwienhagen, Naujack und Ochlkc die Forderungen der Gesellen nicht bctvilligt haben. Plötzlich erscheint ein Schutz- mann auf der Bildfläche und verhaftet einen Genossen und dessen Sohn, die mit dem Geschäft des ZettclaustragcnZ längst fertig waren. Nausack batte den Schutzmann geholt, nachdem die Frau des BesohlanftaltsbesitzerS Eonfalla ihn auf die stattgefunden« Ver- breitung aufmerksam gemacht hatte. Der Wachmeister auf der Wache Greifenhagenerstraße, dem der Schuhmann seinen Fang zu- führte, war vorsichtiger'als sein Untergebener. Er erkunoigte sich nach der Ursache der Verhaftung. Der Schutzmann behauptete frisch, fromm, frei, der Verhaftete habe die Zettel auf der Straße verbreitet. Natürlich wurden die Verhafteten sofort entlassen. Wie würde eS Arbeitern ergehen, die sich sol�'r M'bijrifft schuldig machten?___ Line seuemehr vor Gericht. Vor dem Schwurgericht zu Freiborg i. S. wird seit Montag gegen 13 Angeklagte wegen Brandstiftungen engros verhandelt. Die Angeklagten sind Einwohner des Städtchens Sicbcnlchn. Das Eigentümliche des Prozesses ist, daß die Angeklagten selbst die Löschmannschaften der ireuer- wehr find.� Ter Branddirektor der Ortöfeuerwehr»st der Bürgermeistkr des Städtchens Siebenlchn, Gegen ihn, der zurzeit sich in Untersuchungshaft befindet, soll in einer be- sonderen Verhandlung auch wegen Urkundenfälschung, Be- trugs usw. prozessiert werden. Der Vrandmcister der Feuer- wehr befindet sich auf der Anklagebank. Es ist das der Baumeister Ernst Louis Straube, er ist gleichzeitig Feuervers icher ungsagent. Ferner ziert die An- klagebank der Fe u e r w e h r k o m m a n d a n t und Feld- webel der Landwehr. Kaufmann Paul Georg Richard Zetsch. Außerdem sind ein Hutmachermeister, ein Fleischermeister, ein Wirtschaftsbesitzer, zwei Schlosser und 6 Schuhmacher als Brandstifter angeklagt. Das bisherige Resultat der Verhandlungen, die bei weitem noch nicht zu Ende geführt sind, ist folgendes: Seit 1 v Jahren s i n a in dem etwa 2200 Einwohner zählenden Städtchen Siebenlehn nicht weniger als 6 5 Gebäude infolge der Brandstiftung durch die Feuerwehrleute selbst niedergebrannt. Insgesamt 43Brände waren zur Durchführung dieser Tat erforderlich. Die Feuerwehr hieß in Siebenlchn allgemein die Feuermehr. „Streichhölzer weg, die Fenermehr kommt!'- war der Scherzruf beim Nahen des Bürgermeisters und seiner Garde. Die brave Feuerwehr sorgte dafür, daß die Häuser niederbrannten und die Versicherungsgesellschaft den Abge- brannten bessere Häuser aufbaute. Der Bürgermeister meinte, nach der Darlegung eines Angeklagten, als man mit der Abbrennungsarbeit etwas zögerte: „Na, aber vorwärts, die Hausbesitzer werden sich noch mit der Hand bedanken, wenn die Häuser weg sind." Wenn ein Brand von einzelnen Mitgliedern der Feuer- wehr nach einem vorher vereinbarten Plan angelegt war, dann rückte die Feuerwehr an und hastig ging es dann unter der Führung des Feuerwehrkommandanten, Feldwebel der Landwehr Zetsch und des B r a n d m e i st e r s, Bau- meister Straube, an das Löschen. Das heißt: gelöscht wurde nur der Durst. Wein, Schnaps, Bier ging bei der fidelen Feuerwehr bei den Sitzungen, wo beschlossen wurde, welche Häuser demnächst dem Feuertode geweiht sein sollten, wie bei der„Löscharbeit" in reichlicher Masse herum. Wenn es nicht schnell genug brennen wollte, wurde das Dach auf- gehackt, damit der Luftzug besser heran könne. Spritzen duldete der Bürgermeister in der Regel nicht, ebensowenig die anderen Höchstkommandierenden der Feuerwehr, weil sonst die Schläuche abbrennen könnten. Nur ganz ausnahmsweise wurden ein paar Wassertropfen, damit es doch so aussehe, als werde gelöscht, verspritzt. Desto eifriger schützten die Mannschaften der Feuerwehr das bewegliche Mobiliar des zum Abbrennen bestimmten Hauses. Was an Wertsachen vor- handen war, wurde schleunigst zur Sicherheit in die eigene Tasche praktiziert: da war es am geschütztesten. Der jetzige Steuerrezeptor, frühere Gendarm Holzhaus, erstattete über den dringenden Verdacht, daß die Feuerwehr mit dem Bürgermeister an der Spitze, die Feuer selbst angelegt habe, und daß der famose Baumeister erst die Häuser a u f b a u t, sie dann versichert und nachher als Brand- meister ihre Beseitigung durch Feuer in Szene setzt, an die vorgesetzte Behörde Berichte. Aber das Gericht und die Staatsanwaltschaft habe trotz eifrig st er Bemühungen keinen einzigen Bericht aus» findig machen können. Wo die an die Amtsliaupt- Mannschaft gerichteten Berichte vernichtet worden sind, ist bis jetzt ein Rätsel. Die Berichte sind seit dem 14. März 1899 erstattet worden. Auf Grund der VerhaWungtzy Huben estw Reihe neuer Verhaftungen in Siebenlehn stattgefunden. Die vorzügliche Feuerwehr durfte natürlich wegen ihrer »ufreibenden Tätigkeit nicht ohne besondere Belohnung seitens des Staates bleiben. Auf Betreiben ihres hochvermögenden Bürgermeisters ist ein Teil der Feuerwehr- leute wegen der außerordentlichen Verdienste, die die nunmehr Angeklagten durch ihre eigenartige Löschtätigkeit sich erworben haben vom Staat bezw. vom König von Sachsen— mit Geldprämien und besonderen Belobigungen bedacht. Ein nettes Kulturbild...... ! Leber den Ausgang des Prozesses werden wir berichten. Hus der Partei* -— � Nrwahlen und Urabstimmungen.. Einen bedeutsamen Beschluß faßte die Versammlung bcS Krcis- BcrcinS für den 16. sächsischen Reichstags w ah lkrcrs (Chemnitz). Durch ihn wurden im Organisationsstawt des Vcr- eins UrWahlen und Urabstimmungen eingeführt, wie sie bei den Gewerkschaften schon in Uebung sind. Der betreffende Abschnitt rm Statut lautet:. � � m Die Delegationen für die LandcSversammlung und den Parte,» tag werden bollzogen durch UrWahlen. Um wegen dieser Wahlen die nötige Fühlung unserer Parteileitung mit den Partcnnstanzen des Landes und Reiches aufrechtzuerhalten und gewissermaßen reihum alle Teile des Wahlkreises an diesen Delegationen teil- nehmen zu lasten, gilt das folgende: mr, a) zu allen Delegationen muß auch ein Mitglied des Zentral- Vorstandes gewählt werden.. o.. b) Die weiteren Delegierten werden von den'n Frage kom- wenden Bezirksvereincn bezw. Borschlagsbezirkcn in Borichlag ge- bracht. Zu diesem Zwecke werden im ganzen 11 Vorschlagsbcz,rle mit annähernd gleichen Mitglicderzahlen gebildet. �, Die Vorschläge für den Zentralvorstnnd macht der Zentral» borstand: für die Bezirksvereine bezw. für die kombinierten Be» zirke erfolgen die Vorschläge nach einer Vorbesprechung der be- treffende» Vereinsvorstände möglichst in gemeinschaftlicher Mit- glicderversammlung.„,, � Für jedes zu vergebende Mandat sind vom Zcntralvorstand wie auch von den betr. Vorschlagsbezirkcn je 2 Kandidaten in Vorschlag zu bringen. Die Namen sämtlicher Vorgeschlagenen sind auf gedruckten Stimmzetteln der Reihe nach auszuführen und den Genosten zu unterbreiten, so daß die Nichtgcwünscht�, nur zu streichen sind. c) Andere als in vorstehend bestimmter Weise entstandene Dele- gationcn gelten keinesfalls als Vertretungen des 16. Reichstags- Es folgen dann Ausführungsbestimmungen. Ferner muß auch in anderen Angelegenheiten, in welchen eine Ucbereinstimmung zwischen Partciversammlung und Parteileitung nicht zu erzielen ist, und wenn eine dieser beiden Instanzen es verlangt, eine Urab. stimmung des Wahlkreises vorgenommen werden; außerdem muh eine Urabstimmung erfolgen, wenn mindestens 16 Proz. der gc- samten Parteigenossen dies verlangen. � Diese Neuerung ist das Resultat vieler Beratungen und auf seit fahren aus den Kreisen der Parteigenossen geäußerte Wünsche und schließlich auf unliebsame Vorkommnisse bei besonders den Delegiertcnwahlen zurückzuführen. Der Entwurf des Zentralvor- standcS wurde gegen nur wenige Stimmen angenommen. Die Delegiertcnwahlen zur Landeskonferenz erfolgen bereits nach dem neuen WahlmoduS._____ S-zialbemokratischcr Wahlerfolg in der Schweiz. In A a r a u ist unser Genosse Schriftsetzer K ü n g im zweiten Wahlgang mit 625 gegen 588 Stimmen in den Großen Rat(Landtag) gewählt worden. Er ist der erste sozialdemokratische Arbeitcrvcrtretcr Aaraus. der Hauptstadt des Kantons Aargau, im kantonalen Parlament._ Ausschluss des Danebrog-Nitters aus der Sozialdemokratie. Der Sozialdemokratische Verband in Aarhus hat am Mitt- woch in außerordentlicher Generalversammlung den mit dem Dane- brogsordcn dekorierten Stadtverordneten Fabrikant Julius Andersen ausgeschlossen. Der Beschluß wurde mit 263 gegen 33 Stimmen gefaßt. Julius Andersen suchte sein'Verhalten hauptsachlich damit zu verteidigen, daß er nicht als Sozialdemokrat, sondern nur als Absti- nenzlcr den Orden entgegengenommen habe. Als der Ausschluß beschlossen war, kündigte er an, daß er beim Gericht Klage gegen den Sozialdemokratischen Verband einreichen wolle, um auf diese Weise den Ausschluß rückgängig zu machen. Damit wird der edle Danebrog-Rittcr schwerlich Erfolg haben. Der Generalversamm- lungsbeschluß steht durchaus in Ucbereinstimmung mit den Sta- tuten des Verbandes. UebrigenS war die Ordensverleihung nur ein Manöver der Regierung und ihrer„liberalen" Hintermänner. Das„Verdienst", weswegen der Orden verliehen wurde, bestand ausschließlich darin, daß I. Andersen 25 Jahre lang dem Absti- nenzlerverein angehört. Obwohl das Ordenswesen unter der „Linken"-Regierung erschrecklich um sich gegriffen hät, ist es nun doch noch nicht so weit gekommen, daß jeder, der als Mitglied eines nach Ansicht der Regierung gemeinnützigen Vereins ein Jubiläum feiern kann, dem König zur Ordensverleihung vorgeschlagen wird. Man suchte sich jenen sozialdemokratischen Gemeindevertreter heraus, um den Kampf unserer dänischen Genosten gegen das Ordensunwesen abzuschwächen und die Sozialdemokratie zu kom- promittieren, wie die Linken-Reformpartei, die ja auch einmal gegen das Ordensunwcscn kämpfte, durch reichen Ordenssegen kom- promittiert worden ist. Unter diesen Umständen ist es um so mehr zu begrüßen, daß unsere Genossen in Aarhus den Danebrog-Rittcr schleunigst aus ihren Reihe» entfernt hassen. Bertretung der schweizerischen Arbeiterschaft auf dem inter- nationale» S»zialistenkongress i» Stuttgart. Die Geschäftsleitung der sozialdemokratischen Partei und das Bundcskomitee des Schweizer Gewerkschaftsbundes haben sich auf eine Kollcktivvertre- tung von 16 Genosten geeinigt, wovon jedem Teil 5 Vertreter über- lasten werden. Die Organisationen haben den beiden Zentralstellen entsprechende Vorschläge zu machen, aus denen sodann die 16 Per- treter gewählt werden. Die Kosten der Delegation haben die be- treffenden Organisationen, denen die Delegierten angehören, selbst zu tragen, die genannten beiden Zentralstellen leisten daran keinen Beitrag. Nnterstütznng der Militärdienstverweigerer in der Schweiz. Die Geschäftsleitung der sozialdemokratischen Partei und das Bundeskomitee des Gcwerkschaftsbundes haben in Sachen der Unterstützung der 564 Mann, die dem Militäraufgebot vom Ende März in Veveh nicht Folge leisteten und wofür noch 4666 Frank von den Genfer Militärprozeffen von 1868 vorhanden sind, beschlossen, den Nachweis darüber zu verlangen, daß sie wegen der Dicnstver- Weigerung verhaftet, eingesperrt oder verurteilt worden, daß sie sich in einer Notlage befinden und der sozialdemokratischen Partei oder dem Gcwerkschaftsbunde angehören. polizeUieKes, Ocrichtliches ulm« Strafkonto der Presse. Wegen Beleidigung eines Streik- Brechers durch das Wort..Rausreißer" wurde der Genosse Paulick vom„Bolksblatt für Anhalt" vom Schöffen- gericht zu D e s s a u zu 16 M. Geldstrafe verurteilt. Soziales. BolkSschullehrer als Schöffen und Geschworene. Nach§ 34 des Gerichtsverfassungsgesetzes sind die Volksschul- lehrer von dem Ehrenamte eines Schöffen uijb Geschworenen ausgeschlossen. Kikrzkich'hat der Vor st and des über 110 666 Mit- glieder zählenden Deutschen Lehrervereins ein st im m ig beschlossen, bei der Reichsbehörde um Aufhebung deS bisherigen Ausnahmezustandes vorstellig zu werden. Ein Wandel im Sinne der Petition ist durchaus berechtigt. Die Ausschließung des VolksschullehrerS vom Laienrichteramt ist keines- wegs etwa dadurch gerechtfertigt, daß dem Lehrer die erforderlichen Fähigkeiten zum Richter abgingen. Ep hat sie in weit höherem Maße als recht viele andere Berufsklassen. Allein das Schul- elend, die L e h r e r n o t hat die sachlich unberechtigte Aus- schließung des Lehrers von dem Amte eines Laienrichters herbei- geführt. Die Reichsgesetzgebung darf auf die durch die reaktionären Gesetze und Handhabung derselben herbeigeführte Selsten, ot nicht Rücksicht nehmen. Es wäre erforderlich, daß sie den jämmerlichen Besoldungsverhältnissen in den Cinzelstagten entgegentritt. Ungültige Grmeindevertrctcrwahl. Bei den Gemciiidcvertrcterwahlen am 22. September 1965 in Johannisthal bei Berlin wurden in der ersten Abteilung 13 Stimmen abgegeben. Neun fielen auf den Standesbeamten- Stellvertreter Mitsching, vier auf den Eigentümer Ludwig. Der Wahlvorstand erklärte die für M. abgegebenen Stimmen für un- gültig, weil er besoldeter Gemeindebcamter und darum nicht wähl- bar sei. Er proklamierte ferner Ludwig für gewählt. Die un- gültigen Stimmen behandelte er als überhaupt nicht vorhanden. Die Wahl wurde angefochten. Das Ober-Verwaltungs- gericht erklärte sie gleich den Vorinstanzen am Freitag für u n- gültig. Gewählt sei nach der Landgcmeindeordnung(Z 63) nur der, der die Mehrheit aller abgegebenen Stimmen auf sich vereinige. Das sei bei Ludwig nicht der Fall gewesen, denn bei dieser Feststellung kämen auch die ungültigen Stimmen in Betracht, Ludwig hätte somit aus leinet, Fall für gewphlt erklärt werdeü dürfen. Deshalb müsse die Wahl sür ungültig erklärt werden. Darüber, ob Mitsching das passive Wahlrecht gehabt habe, sei hier nach Lage der Tinge nicht zu entscheiden. Zum Achtstuilbentag. Die Regierungen und gesetzgebenden Körperschaften enque- tieren und parlamcntieren. Unterdessen geht die Entwickclung ihren Gang und die Praxis schreitet unbekümmert über den Sumpf all dieser Bcdenklichkcit und 5Ueinlichkeit hinweg. So melden die hessischen Gewerbcaufsichtsberichte, daß in den Bezirken Offen- dach und Gießen in 537 von 668, das sind 83 Proz. aller Be- triebe 16 Stunden und weniger von allen Arbeitern ge- arbeitet wurde. Das weniger als 16 Stunden bezieht sich auf 223 von 668 also auf 37,5 Proz. aller Betriebe. In den Gießener 195 Fabriken mit insgesamt 9366 Arbeitern war die Normalarbeits- zeit die 16stündige. Sie war in 127 Fabriken(65 Proz. aller An- lagen) für 6316 Arbeiter(67 Proz.) eingeführt. Eine 9 st ü n d i g e Arbeitszeit hatten 36 Fabriken(15 Proz.) mit 1692 Arbeitern (18 Proz.). Eine llstündige Arbeitszeit wurde nur in 19 Fabriken (9 Proz.) mit 619 Arbeiter»(6,6 Proz.) festgestellt. Also auch hier wieder der Satz: je kleiner der Betrieb, desto größer die Neigung zur Ausdehnung der Arbeitszeit. Im Bezirk Mainz hatten 81 Proz. der Fabriken im Sommer und 92 Proz. im Winter eine Arbeitszeit von 16 Stunden und weniger. In Worms hat die Firma Hehl, die 3866 Arbeiter beschäftigt, am 1. Oktober 1966 und, wie es heißt, mit gutem Erfolg, die 8?4 st ü n d i g e Arbeits- zeit eingeführt.— Tie Bekundungen der Beamten gehen übcrein- stimmend dahin, daß eine Verkürzung der Arbeitszeit nicht nur für die Arbeiterschaft von großem Vorteil ist. Sie bedingt auch nach den Worten des Wormser Inspektors„eine bessere Ausnutzung der Maschine» und Geräte, da die Perioden des Leerlaufs kürzer werden oder ganz in Wegfall kommen. Die Ausgaben für Be- Icuchtung der Ärbeitsräume werden erheblich geringer oder fallen tveg. Die Fabrikdlsziplin ist' bei frischen Arbeitern besser tvr' zuführen als bei ermüdeten. Auch die Leistungsfähigkeit d.". triebsbcamten wird gesteigert." Schließlich noch au Uuml über den Achtstundentag a. s dem Jahr 1966/1961. Im I m.csoericht des Gaswerks der Stadl Offenbach wird mitgeteiA, büß, trotz Ei, führung der Acht- stundenschicht und unter Beioe Haltung der früher sür die Zwölf stundenschicht gezahlt en Löhne, die Gaserzeugungsiosten pro 1666 Kubikmeter sich gegen das Vorjahr nicht erhöht, sondern noch vermindert haben. Das wird einmal auf die günstigere Verwertbarkeit der Neben- Produkte infolge des guten Standes der Industrie im allgemeinen, zum großen Teil aber auch auf die größere Leistungsfähigkeit der Arbeiterschaft infolge der Arbeitszeitverkürzung zurückgeführt. Darum noch einmal: in Preußen-Deutschland wird weiter enquetiert. Die Entwickelung aber geht über alle Rückständigkeit hinweg ihren sieghaften Gang. �kriekts- Leitung. Revolver gegen de» Bruder. Ein an versuchten Mord grenzendes Revolverattentat auf den eigenen Bruder beschäftigte gestern die zweite Strafkammer des Landgerichts III. Wegen Körperverletzung mittels gefährlichen Werk- zeugeS mußte sich der 23jährige Slblössergeselle Karl K i e ß l i ch verantworten. Der Anklage lagen höchst widerwärtige Familien- Verhältnisse zugrunde, die schon einmal die Gerichte beschäftigt haben. Am Sonnabend, den 7. Juli v. I., besuchte der An- geklagte mit seinem älteren Bruder Otto aus Rosenthal eine Versammlung des Gewerkbereins deutscher Maschinen- arbeiten Von dieser kam nian erst am frühen Morgen zurück, so daß Otto Kicßlich keine Fahrverbindung nach seinem Wohnsitz Rosen- thal hatte. Der Angeklagte lud ihn deshalb ein, in seiner damaligen Wohnung in der Schulstraße zu übernachten. Als er des Morgens zur Arbeit ging, ließ er seinen Bruder mit seiner Ehefrau in der Wohnung allein zurück. Nach etwa einer Woche trat Frau Kießlich plötzlich mit der schweren Beschuldigung hervor, ihr eigener Schwager mit dem sie vor Eingehling ihrer Ehe intim verkehrt hatte, habe sich an jenem Morgen an ihr in schlimmster Weise vergangen. Der Angeklagte stellte sofort seinen Bruder zur Rede. Otto Kießlich bestritt die Beschuldigung energisch und erhob, weil seine Schwägerin ihre Beschuldigimg auch anderen Personen mit- teilte, die Beleidigungsklage gegen seine Schwägerin. Nun erst er- stattete diese Anzeige wegen Verbrechens gegen den§ 176, 1 des Strafgesetzbuchs. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren wegen Notzucht jedoch bald wieder ein. Ii, dem Privatbeleidigungs- Prozeß stand am 1. Februar d. I. Termin vor dem Schöffengericht Berliu-Wedding an. Frau Martha Kießlich wurde in diesem wegen Beleidigung zu zehn Mark G e l d st r a f e verurteilt. Der An- geklagte beschloß in der ersten Aufregung nach dem Termin, sich an Otto Kießlich zu rächen. Er kaufte sich noch an demselben Nach- imUage einen Revolver und fuhr nach Rosenthal hinaus, wo sich sein Bruder bei seinen hochbctagten Eltern anshielt. Hier gerieten die beiden Brüder in einen Wortwechsel, in dessen Verlaufe Karl Kicßlich plötzlich seinen Revolver ans der Jackettasche herausriß und auf seinen Bruder zwei Schüsse abgab. Die Kugeln prallten von der Brust und von dem rechten Arm ab. Das Verfahren gegen den Angeklagten lautete anfänglich auf v e r- suchten Mord. Später gelangte die Staatsanlvaltschaft zu einer milderen Auffassung der Sache und erhob nur Anklage wegen ge- fährlicher Körperverletzung, zugleich wurde K. aus der Untersuchungshaft entlassen. In der gestrigen Verhandlung be- kündeten die praktischen Aerzte Dr. Beulshausen und Dr. K o h n übereinstimmend, daß der Angeklagte schwer neurasthenisch veranlagt und sehr leicht erregbar und reizbar sei. Vor dem Termin fand eine Aussöhnung zwischen den feindlichen Brüdern statt. Die Ehe- srau des Angeklagten erklärte nunmehr, ihren Schwager seinerzeit zu unrecht beschuldigt zu haben. Die noch schwebende Privatklage wurde zurückgenommen. In der Sache selbst ver- weigerten die sämtlichen verwandten Zeugen die Aussage. Das Urteil gegen den Angeklagten lautete mit Rücksicht darauf, daß eS sich einerseits um einen sehr gefährlichen Angriff handelte, anderer- seits aber die bisherige Unbescholtenheit und die leichte Erregbarkeit mildernd ins Gewicht falle, dem Alürgge des Staalsanlvalts gemäß auf dreiMonateGesängnis. Erschlichene Strcikgelder. Beim vorjährigen Streik der Hamburger Gipser und Stukkateure ließ sich der frühere Stukkateur und jetzige Unternehmer Philipps von dem Verbände der Stukkateurs und Gipser Streikgelder aus- zahlen, obwohl er bei einem Unternehmer gegen einen Stundenlohn von einer Marl Strcikarbeit verrichtet hat. Philipp erschien rcgel- mäßig zur Kontrolle und spielte dann seine Verrätcrrolle. Den grobe» Vertrauensbruch als straferschiverend in Betracht ziehend, verurteilte das Schöffengericht den sauberen Herrn wegen Betrugs zu einer Gefängnisstrafe von 1 4 T a g e n. die Vom Landgericht bestätigt wurde. Gegen das Urteil legte er Revision beim Oberlandesgericht ein, die er damit begründete, daß er für seine Streikbrechertätigkeit keinen Stmideiiloh», sondern nur eine Gratisikatio» bezogen habe. Er habe einem ihm befreundeten Unternehmer eine Gefälligkeit erweisen wollen. Diese„Gefälligkeit" sieht das Hanseatische OberlandcSzericht ebenfalls als Betrug an, denn es wies in der Freitagnachmittag stattgehabten Verhandlung die Revision als unbegründet zurück. Hm der Frauenbewegung. Eine amerikanische Fraucnstimmrcchts- Partei ist in New Aork gegründet worden und beruht auf derselben Basis, wie die der englischen Partei. Sie verfolgt das Projekt, in allen Staaten Amerikas Zweigvereine zu gründen und gegen jeden männlichen Kandi- baten für irgend ein öffentliches Amt, der sich gegen das Frauen» Wahlrecht ertlärt, zu opponieren. Die sozialistischen Franc» Groß-Nech Dorks setzen, um eine populäre Literatur zu schaffen, Preise aus sür nicht über 1666 Worte lange Artikel über folgende Fragen: 1. Die Frau als industrieller Faktor unter dem kapitalistischen System. 2. Die Frau und Heirat. 8. Tie Frau als Frau des Lohnarbeiters. 4. Die Frau als Selbstverdiener. 5. Die Frau und Politik. 6. Die Frau und die Familie. 7. Die Frau und wirtschaftliche Organisationen. 8� Die Frau und ihre Beziehungen zur sozialisti- schcn Bewegung.— Die besten Artikel sollen als Flugblätter über ganz Amerika verbreitet werden. Versammluligcn— Veranstaltnngen. Pankow. Montag, den 17. Juni: Ausflug nach Waidmannslust. Abfahrt mittags 1.32 Pankow, Nordhahn, Wollankstraße. Freitagannonce ungültig. Treffpunkt für Nachzügler: Waid- mannslust, Restaurant Temmler, Schwelzerhäuschen. WitteriiiiaSssderN-vt vom 15. Juni n»«7. morarns 8 NN». 6iaH«Rtn Swinemde Eamburg «rltn Franss.a.M München Wien t a Ss LS 65- «etln 764» 765 SW 765 WNW 766 S» 767 Still 766 NW Z heiler 3 bedeckt 2 wölken! 1 wolkenl — bedeckt 3 bedeckt >» e? c 5- -» II H S> Elationen s i a s s aparanda!765S eterSburg 762 NO Scillh Werdeeu Paris 76k SW 756 SSO 766 SA Vetter 2 wolkenl 1 bedeckt 4 bedeckt t bedeckt 2 wolkig tas e% s' H& 19 13 12 12 17 «Aetter-Prognole für Sonntag, den 1V. Juni 1U«7. Warm und zunächst vielfach heiter det mätzigen südlichen Wind« später zunehmende Bewölkung und etwas Neigung zu Gewittern. Berti» er Wetterdurea». ZMC ZMC 2&SC 3SEC 2mi '2&3C ZMC. J&üC (w / A. WERTHEIM . � Pc.m SEIDENSTOFFE verschiedene Qualitäten, ohne Rücksicht auf den früheren Wert, zu bedeutend herabgesetzten Preisen. 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Hus Induftm und Kandel. Die Bauunternehmer in der Klemme. Die Situation im Baugewerbe schildert die„Arbeits- markt-Correspondenz" in ihrer letzten„Wirtschaftlichen und sozialen Wochenschau" also: „Der Kampf im Berliner Baugewerbe hat eine Wendung genommen: die Bauunternehmer öffnen am 1. Juli ihre Bauten wieder für Akkordmaurer und andere Bauarbeiter, die zu den alten Bedingungen— neunstündige Arbeitszeit bei erhöhtem Lohn— arbeiten wollen. Auf den ersten Blick scheint diese Maßregel eine für die Arbeiter ungünstige Aus- ficht zu eröffnen: so lange die vollständige Sperre der Bauten bestand und kein Ersatz eingestellt wurde, hatten sie leichteres Spiel. Geht man der Ursache zu dieser Maßregel der Bau- Unternehmer aber mehr nach, so erscheint die Situation für die Arbeiter dadurch fast noch günstiger als vorher. Es ist nämlich anzunehmen, daß das Gros der Bauunternehmer doch nicht so kapitalkräftig ist, um gerade jetzt eine größere Arbeits- pause ertragen zu können und deshalb auf jeden Fall weiter- bauen will. Das Geld zum Bauen ist in diesem Jahre nur mit größeren Kosten zu beschaffen gewesen, jetzt müssen die teuren Zinsen bezahlt werden, die Aussicht auf Einnahme aus Verkauf oder Vermietung wird durch die Fortdauer der Ar- beitsstockung immer weiter hinausgeschoben. Da tritt natür- lich manch einem Bauunternehmer die Sorge vor Augen, ob er sich so lange durchhalten kann, bis er durch Fertigstellung des Baues für seine Ausgaben Deckung erhält. Vorerst wird nun versucht, durch die Einstellung Arbeitswilliger, die nach Lage der Dinge nur unorganisiert sein können/ den Betrieb weiterzuführen Bei der straffen Organisation der Bau- arbeiter aber und der günstigen Arbeitsgelegenheit außerhalb Berlins verspricht diese Maßregel keinen großen Erfolg. Em erster intcrimtiomilcr Fleischerkonzreß tagte dieser Tage in Hamburg. Von deutscher Seite lvurde auf die Miszstände der- wiesen, die durch die bedeutenden Schwankungen in der deutschen Viehhaltung und die infolgedessen periodisch auftretende Vieh- und Fleichteuerung verursacht seien. Die amerikanischen Delegierten sprachen sich über die unheilvollen Folgen dcö Fleischtrusts und die Dem �ubelpssre Q. Krüger SBlcfcnftvahc 28, zu der am 17. yunl slaltfindeiidcn Silberhochzeit die herzlichsten Glückwünsche von den 52231! Genossen dcö 7«7. Bezirks. Unscrm Kollegen v Krüger nebst Frau zur Silberne» Hochzeit gratulieren die Kernmacher von Hugo Hartnng lMonbil). 52221! wk-llilj der Bueli- und ISteiödruckerei-lfsarliEitBr 11. Arfieiterinnen OeutselilaBils. Plötzlich und unerwartet hat unserc Organisallon wiederum eine» schweren Schlag erlitten. Am Freitag, den 14. d. M. starb unsere treue Mitarbelterin und Kollegin, Frau l�uise Honrmtk im Illtci- von 83 Jahren. AIS langjähriges Mitglied des ZentralvorslaiideS war sie cisrig bemüht, die Interessen ihrer Kolleginnen und Kollege» in erster Linie zu vertreten. Ein ehrendes Andenken wird ihr stet» bewahren l273b l)sr Verbanilsvoretanll. Die Bekanntgabe der Beerdigung erfolgt in der DienStag-Ruminer, Mmi\ der Biieli- und Steindruck-Blllfsarlieiter und Arbeiterinnen Deutsebiands. Ortsvem-aKung Berlin. Zahlstetlo I(HQIfsarbeiterinnen). Todcs-Anzoigo. Wieder ist eines unserer treucsten und besten Mitglieder unserer Or- ganisation durch den Tod entrissen. Unsere lnivergcsjliche Kollegin l�uise Hoimutk starb plötzlich und unerwartet am Freitag, den 14. d. M., an Lungen- schlag. Ihr stet« sreundlichcr und gerader Charakter sichert ihr ei» ehrendes Andenken bei allen unseren Mitgliedern und beim Voeatami der Zahlstelle I Berlin. Die Beerdigung wird in der Dienstag. Nummer deS„Bor- wärtS* bekannt gemacht und er- sucht um recht rege Beteiligung 12746 T. O. SozlaldeniokratisflierWalilyereiii I des 6. Berliner Wahlkreises. Todcs-Anzclge. Am 12. b. M. verstarb unser I Mitglied, der Schieiser tterm. /�eyerdokk, Lhchencrstr. 13. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigiing sindct heute! Ionnlag, nachniiitagS 4 Uhr, von f der Halle des Gethsemane-Kirch- Hosts in Nordend auS statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht I 250/2 Iber Vorstand. SozialdetnokratisdierWahivereinl des 6. Berliner Wahlkreises. Todeö-Zlnzeigc. Am 13. d. MIS. verstarb unser Mitglied, der Steinmetz kriecll-ick Franke, Stcphanstr. 60. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindct am Montag, nachmittags 5 Uhr, vom Trauerhaust aus nach dem neuen Johannis. Kirchhos in Plötzenste statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 1 256/3 Der Borstand. Zentral- Verband der Steinarbeiter. Berlin I. Am Donnerstag, den 13. Juni, verstarb unser Kollege Friedrick Franke inr Alter von 60 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 17. Juni, nach- mittags 5 Uhr, vom Trauerhaust, Siephanstr. 60, aus nach dem Johannis- Kirchhof in Piötzcnstc statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 180/2 Die Ortsverwaltung. A m 18. Juni verstarb nach kurzem schweren Leiden meine Innlgstgcliebtc Gattin, Mutter, Schwester, Schwägerin, Tante und Grohmutter Uiise Westphal geb. Schmidt. Der trauernde Gatte: Eduard Westphal nebst Kindern, Schwester und Schwägerin. Die Beerdigung findet am Montag, nachmittag» 5 Uhr, von der Leichenhalle de» neuen ThoinaS-KirchhostS in der Her- nrannstrasj« in Nixdors statt. und Umgegend Den Kollege» zur Nachricht, daß daS Mitglied l�ickard Pachali am DonnerSiag, den 13. Juni 1907 verstorben ist. Ehr« feinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 16. Juni, nach- mittags 5'/, Uhr, auf dem Geth. femane-Kirchhof in Nicdcr-Schön- Haufcn-Nvrdend statt. Der Vorstand. Ivo Ak. Seloknung der Aufenthalt nachweift. Dunkel- brauner kleiner Spitzhund, Mumma, spitze Ohren, wetsibrüstig, Schwanz buschig aufgerollt. Augen, Schnauze braun. Fortgekommen 20. April.# Xachodstrnßc 24, Circve. gänzliche Degeneration des amerikanischen FlcischcrhandwcrkS mich Unterdes wächst der Unmut lveiter Kreise in Deutschland gegen die Fleischer, da trotz der deutlich absteigenden Tendenz der Viehprcisc das Fleisch innner noch nicht überall entsprechend billiger ge- worden ist. Kapitalistcnwirtschaft. In Gary lJndiana) baut die Vereinigte Staaten-Stahl-Compagnie eine neue Fabrik, die b0 Millionen Dollar kosten und fünf Jahre zu bauen dauern soll. Unser Brnderbiatl „Appeal to Neason" schreibt darüber: Die Gesellschaft baut auch zugleich die Stadt für ihre zweibeinigen Tiere. Ihr werden die Festungen, Theater. Kirchen, alle Häuser, Parks, Straßen und Wege, Telephone, elektrisches Licbt, Rechtsanwälte, Aerzte und Krankenhänser gehören sotvie sämtliche städtischen Beamte», die Polizei, Gerichts- Höfe, die Feuerwehr, die Leihbibliotheken, Wasserwerke, TrottoirS und Friedhöfe, und die Einwohner der Stadt werden dort leben, sterben und begraben im Heiligenschein ihrer Wohltäter, deS Kapitalismus, frei von der Sklaverei deZ Sozialismus. Verband der elektrotechnische» Jnstallatienöfirmen in Deutsch- land, Frankfurt a. M. Die 5. ordentliche Mitgliederversanunlung wurde in den Tagen vom 2.— 5. Juni d. I. zu Hamburg abgehalten. Ter Verband umschließt heute 351 Firmen der Branche und ist durch BczirkSvcreinc an den 13 Hauptplätzcn Deutschlands vertreten. Ablchinnig deS SpiritnSringcS. In einer am 14. Jmii in Nürnberg auf Einladung des Verbandes deutscher Spiritus- und Sviri- tnoseninteressenten E. V. unter dem Vorsitz des Generalsekretärs P. Köpcke abgehaltenen Siyung der Nürnberger SpiritliSgroßhändlcr wurde cinstiinmig der Beschluß gefaßt, vorerst, bestimmt jedoch bis zum 30. September IllOS, in keinerlei Verhandlungen wegen Ab- schlnsseZ von LieferungS- bczw. Abnahme-Vertragen mit der Zentrale für SpirituSvertvertnng einzutreten, sondern den gesamten Bedarf an Spiritus aller Art in erster Linie und wenn irgend möglich auS- schließlich bei ringfreicn Spritfabriken zu decken. Im Anschliyse an die Verhandlungen teilte Generalsekretär Köpcke mit, daß in allernächster Zeit die Einberufung einer Ver- samnilung der gesamten süddeutschen SpiritnSintcresseiitcn und der süddentskhen Sprilfabrikcn beabsichtigt ist. Stnbciscnvcrband. Wie das„Düsseldorfer Tageblatt" meldet, steht die Gründung eines StabcisciwcrbandcS bevor. Gestern hätten die StahlwcrkSbcsitzer in Düsseldorf bereits verschiedene Kommissionen gewählt, die sich mit der Syndizierung de» Stab- cisenS befassen sollen. Die Beratungen würden demnächst in Badcn-Baden unter Führung der süddeutschen Werke beginnen. Die Mehrheit der Stabciscnproduzenten wäre schon für den Plan gewonnen worden. MessKJr..js:viu20/0 vis Ortsverwaltung. Kerreit- u.Knal3@n- KotifeUtkm! Nach nunmehr erfolgtem Abschluh unserer neuen Lohntarife fordern wir die Berufskollegen auf, sich streng an die Abmachungen zu ballen und die Firmen zu meiden, die sich dem Taris nicht unterwersen wollen. Die rcgei- mäßige» Mitglieder- Versamniluitgen finden alle 14 Tage Freitag bei Dräsel, Neue Friedrichsir. 35, statt, und ersuchen wir auch die noch fern- ftcheiiden Kollegen zu erscheinen. Verdanck deutscher Schneider, Filiale Berlin. Bltgllcdscliaft II (Zuschneider und Zuschneidcrilincu). Nähere AuSkunst daselbst. Aleis»snvr lusehufltese E. H. K.— Gegr. 1«»1. 1150b» Or. Simmei Spczial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, 10—2, 5—7. Sonntags 10—12, 2— 4. 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Schauspielhaus. Die Naben- steinerin. Montag: Ein Fallissement. Neues kgl. Opcrntheater. Die Geisha. Nachmittags 3 Uhr: Die Fleder- maus. Montag- 1001 Nacht. Ansang 8 Uhr. Schiller O.(Wallner.Thealcr.) Martha. Nachmittags 3 Uhr: Der Freischütz. Montag: Die Hugenotten. Schillcr-Theater �harlottenburg. Die Schmuggler. Nachmittags 3 Uhr: Narrenglanz. Montag: Die Schmuggler. Schiller �!.(Friedrich Wllbelm- städlilchcS Theater.) Drei Paar Schuhe. Montag: Diesewe Vorstellung. Deutsches. Der Jongleur. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kleines. Franl Wedelind.(Ansang S'/2 Uhr.) Moulag: Bunbury. Komische Oper. HoffmannS Zählungen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Westen. Die luftige Witwe. Montag: Dieselbe Vorstellung. Residenz. Haben Sie nichts verzollen V Montag: Dieselbe Vorstellung. Lusi'bielhaus. Die Welt ohne Männer. Montag: Diesewe Vorstellung. Thalia. Charleys Tante. Montag: Geschlossen. Luisen. Das Nälsel seiner Ehe. Nachmittags 3 Uhr: Gespenster. Montag: Das Rätsel seiner Ehe. Bernhard Rose. Der große Unbekannte. Nachmittags 4 Uhr: Die Schwäbin. Der Gchülse des Teusels. Die Ballettschule. Montag: Der große Unbelannte. Nie»rouo l. Der Tcusel lacht dazu. Montag: Dieselbe Vorstellung. Wintergarten. La Tortajada. Spezialitäten. Montag; Dieselbe Vorstellung. lilpvllo. Der lustige Witwer. Spe- zialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Walhalla. Spezialitälen. Folies Caprice. Geisterauto.— Paris. Passage. Spezialitäten. Reichshalle». stctliner Sänger. llrauia. Tnnbensiraße 4t«, 4». Abends 8 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzinann. Montag: Die Gletscher der gebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Sterittvarte, Juvalidenstr. S7M. Er- z« Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Heute Sonntag Diatritt: 50 Ff. Kinder unter 10 J. die Hälfte. • Nachmittags ab 4 Uhr: Militär-Doppel-Konzert. Morgen sowie. täglich: Grobes Konzert. Metropol-Thealer Anfang 8 Diu*. II. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Rauchen überall gestattet. Kleines Theater. __ Lektes Gastspiel Frank Wedekind. Anfang S'/j Uhr. Montag i Eine triviale Komödie für seriöse Leute.(Bunbury.) Dienstag: Ein idealer Gatte. IMter des Westens. Abends 8 Uhr: Die Instige Witwe. Operette in 3 Allen v. Franz Lchär. Rtjldkiis-Thkliter. Direktion Richard Alexander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Haben Sie nichts zu verzollen? Schwank in 3 Akten v. M. Henneauin _ und P. Veber. Lais-Sispielhains. 8 Uhr: Wiener Ensemble- Gastspiel: Die Welt ohne Männer. Pcpi Glöckner als Gast. Luisen-TIieater Reichcnbergerstr. 34. Heute und folgende Tage: Das itiitse! skiiter Ehe Ansang 8 Uhr. Sonntag, den 16. Juni, nachm. 3 Uhr! Gespenster. A«t A«t Ai» A A* A A Passage-Theatsr.' Abends 8—11 Uhr: Oie kleine Rakete mit Paillette van Roy. | U ijoßartip Spezialist Belle-Alliance-Garten Herrlichster Sommcrgartcn Berlins. MeltbenihtitteIllnntiilntiou. Vollständig neue Anlagen. Täglich: Iflite- Variete-Vorstellung Ans. wochentags 6, Sonntags 4 Uhr. 8 Uhr: Die bedeutenden Spe- zialitäten mit Jean Clements Zirkus-Parodie Barnum U.Beileid. Mends 9'/, Uhr: «wr- Harts teiii-»a mit seiner Burleske: Der lustige Witwer. 1. Bild: Das lepte Mal. 2. Bild: Die Folgen davon. Menes Programm. MTORIlStTHtH Gr. Frauksurlerstr. 132. Sonntag, den 16. Jmn: Ansang 4 Uhr. Im Gallen: Theater-»ud Spczialitnteil-Vorst NencS Programm. Paul Lorrabini.— Ibs hangtry. Vonntagspreije. Abends 8*/, Uhr im Theater: Der grelle IJnbckannte. Sommerpreise. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Varietä'Garten Wcinbcrgsweg 19/20, btoienth. Tor. Spezialitäten■ Vorstellung. Promenaclcn- Konzert. Auf.: Konzert S; Vorstellung 7 Uhr. mrv Bei ungünstigem Wetter Vorstellung im Thsalee 8 Uhr. Kleine Sommcrpreise. w. lioacks Idesier'. Dlreklion: liob. 0tII. Bruniienltr. I«. Vollständig neues Prögramm! g-i, Uhr: S>/z llhr: Berlin, wie es haut und kraeht! Lebensbild mit Gesang von Ely. Ansang 5 Uhr. Entree 30 Pf. Bei schlechtem Wetter: Vorst, im Saal. Brunnen-Theater Badstrahe 58. Direkt.: Bornh. Rose. 10 neue Zpe.zialitäte». Die ivejtberühmte Teuselspantomime Eine unruhige Uncht der Rhoiles Guitano Companie. Letzter Sonntag: Im Fluge durch die Meli. Ausstattungs-Volksstück in 6 Bildern. Kasscuerössumig 2 Uhr. Ans. 4 Uhr. Voranzeigel Am 10. Juni zum erstenmal: Carmen. Scliiller- Schiller-Theater 0.(Wallncr-Thcaler). Morivih-Qper. Sonnta g. nachm. 3 Uhr bei halben Preisen: Der Freischütz. Romantische Oper in 4 Akten von Carl Maria von Weber. S o Ii» t a g. abends 8 Uhr: «artha ober: Der Markt zu Richmond. Romantische Oper in 4 Akten vvn Fr. v. Flotow. Montag, abends 8 Uhr: Die Ilngenotten. Dienstag, abends 8 Uhr: Die Hugenotten. Theater. Schlller-Thoater Charlottenburg. Sonntag, n a ch m. 3 U h r: Xarrenglan�. Ein Spielmannsdrama in 4 Akten von Rudols Ritter. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Selimnggler. Komödie in 4 Akten u, Artur Dinier. Montag, abends 3 Uhr: Die Selimnggler. Dienstag, abends 8 Uhr: Letzte Schauspielvorst, v. den Ferien Die Selimnggler. Golgatha in Castans Panoptikum 165 Friedrlchstraße 163. jölez' Spezialitäten-Theater. QacrwwMV liandsberger Allee 76— 79. Direkt a. d. Riiigbahnstation. Bequemste Fahrgelegenheit n. allen Stadtricht. Öd schön! Täglich: Ob Regen! Im herrlichen Garten oder großen Saal: Die größte Sensation der Gegenwart: 3 Röhrs Todesfahrt im drehbaren Globus. Hans Röhr, der einzige Fahrer der Welt, welcher die endlose Schleise, nur 3 Meter Durchmesser, vertikal durchfährt.— Dartou Brothers, phänomenale akrobatische Neuheiten.— The 5 Astleys, die fidelen Farmer, brill. Musilakt.— Mstr. Fredo mit seinem Ueber-Zirlus: Pomiy, Esel, Schwein und Hunden. Dazu das neue und beste Programm Berlins. Ans. 3 Uhr. Kafseeküche. Volksbelustigungen aller Art. Entree 30 Ps. 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Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste. M Jeden Donnerstag: Elite-Tag. » Die Kasfecküche ist täglich von � 2 Ubr ab geöffnet. Scliweizergarten Am Kfinigstor. Am Friedrichshain. Straßenbahn 1, 2, 4. 17,58, 62, 63 u. 74. »aglich: Thealer-Yopstellung. Neue Spezialitäteu. Kinetnatograpb und Ball. Freier Damentanz. Anfang 5 Uhr. Entree 30 Ps. Reichsliallen-Tlieater. ir Silier. Aiiiang Wochentags 8Uht Sonntags 7 Uhr. Reichs- hallen- Garten und Restaurant Militär- Konzert. Fröbels AlIeFlei-Theaier (früher Pahlmann) Schönhauser Allee 148 und Kastanien-Allee 97/99. Heute Sonntag: Große Extra- Vorstelluug des vollständig neuen Programms mit Karl Braun aIÄott und die neuen Kunslhäste. ÄÄ: Graßstadhauber. Posse mit Gesang von W. Gericke. Zlnsang 4 Uhr. Eintritt 30 Ps. ; Nur noch bis Ende Juni geöllnetf Uolhsmuseum Friedtichsir. IIS, Nähe Oranienburger Tor. Anatomie! Pathologie! Samariterlehre! Mechanische Kolossalgruppcn! 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Bad-BehmstraBe— Bahnhof Gesundbrunnen— BellermannstraBe. Das Bild der Mutter oder Berliner Zlmmcrtente. Volksstück mit Gesang in 3 Akten. ——- Hierzu:——— Das neue Riesen- Spezialitäten-Propmi!]. Volksbelustigungen. X Großer Ball. BciM: Theater. Kastanlen-Allee 7/9. .;.6V»d«11» � �*«»MI Flotte Weiber Spczlalltliton 1. Ranges. Konzert und Ball. Ansang 4'/, Uhr. M-Ansstellnngs- Otto Pritzkow MUnzstraSe 16. fmoppn-tst. lou.s) Theater lebender Photographien. Täglich Eingang von — Nenheiten.— ♦ Den ganzen Tag Vorstellung. ♦ Crustav Behrens-Theater. Neu! Berlin W., Goltzstraße 9. Das neue exquisite Juni- Programm. Schlager au! Schlager! Ken! Sie Inngfnm von Grltluis, Komödie. Gretfenberger prolongiert. Neu! Emmoline u. Erich Hochberg, Opernduett, sowie die übrigen erstklassigen Spezialitäten. Ansang 8 Uhr, Sonntags 6'/, Uhr. Sommerpreise. gstbajupM AmKUstrinerplatz,Rüdersdorferstr.7t Hermann Imbs. 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Brillant-Feuerwerk.& Schlußfront: Der Niagara-Wasserfall. Kassenöffnung nachmittags 8 Uhr. Konzort-Anfang 4 Uhr. 72/10 Billett SO Pfennige. Kinder frei. An der Kasse 85 Pfennige. Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Das Komitee. Alhambra Wallner-Theatetslrake 15. Großer Ball Grobes Orchester Ansang Sonntags 5 Uhr. A. Zanicltat. Jeden Sonntag; Ober-SchSneweide a. d. Oberspree. Jnh.: Aid. lleerner (Neues Konzerthaus). 42812*] Heute: Extra-ßeunion (Leitung: Tanzlehrer täaelisj. Für Bereine und Gewerk- scharten im Sommer noch Sonnabende zu vergeben. Bediiignugen i» bekannter kulanter Weise. jiookoMai'leo�inVasMwe� Landsb. Chaussee 117/18, Lichtenberg. Jeden Sonntag: Mar Halm- Ensemble. Grosse Spezialttaten. Allerlei Bolksbelustignugen.— Zm Prachlsaale: Grolier Bai), äntree frei— Fahrverbindung: mit Straßenbahn bis Wilhelmsberg (Weitzcnsccr Weg) oder Nöderplatz. Es ladet ergcbenst ein 12S4b_ O. Kopprasch. Waldemar. Straße 75. Süd-Ost Waldemar- straSe 75. Jeden Sonntag: GFODCF Belli. 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Jnnl 1007: Großes Doppel-Konzert - im Garton der Branerel Erledrlchshaln am Königstor* (früher Lipps) unter Mitwirkung des Berliner Sinfonie-Orchesters Kapellmeister M. Fischer. Entree 20 Pf. V Eröffnung 21/, Uhr. V Anfang präzise 4 Uhr. Bei ungünstiger Witterung findet das Konzert im großen Saale statt.— Billetts sind in den mit Plakaten belegten Lokalen und bei den Mitgliedern zu haben.[65/10] Das Komitee. OWWWVW Voranzeige. ■Sonntag, den 81. Juli 1907, in den gesamten Räumen des Etablissement„Karlsgarten", Rixdorf, Karlsgartenstr. 6—10: Großes Kreisfest des Arbeiter-Radfahrer-Bundes„Freiheit" bestehend in Konzert, Spezialitäten-Vorstellung, sportlichen Aufführungen und Ball. aillett üm Vorvmdc-LV PL rrJ)x(4grammo a. 4. Kontrolle grat. Jedes Kind erhält zwei Bons, berechtigend zu einer Stook- WteY l�a��penirtzui� �er Schaukel., rt Für Bich- Aufbewahrung der Räder wird unentgeltl. gos. Anfang mittags 12 Uhr. Das Komiteo. Moabiter Selmtzenhaiis. Plötzensee. Lüh.: Karl Frobei. Plötzensee. Am Wald und Wassor gelegen.— Bootfahren. S?»»t7g- Großes frottienadenOtoiizert. nuXSL. Vogelwiese.— Kasfcekoche».— 2 Kegelbahnen. Entree 10 Pf. Großer ItnII. Entree 10 Pf. Mein Soinniergarten und Ball-Zaal steht Gesellschaften und Vereinen zur Verfügung.— Endstation der clettrischen Straßenbahnlinie 12. === Jeden Mittwoch: Große« KlndcrlcHt.= „Liudengarten", Nleder-Schönliausen 43 liindcnNtr. 48. Qroße Sxtra-SpeziaUtätGU-Vorstellung am Sonntag, den Iß. Juni, unter andcrm: Gastspiel des weltberühmten Professors Frnnfoia Itoberts in seinen scheinbaren Wundern. 1217b» Benno Kramer- Trio, die besten Lnst-Akrobaten. :h NßU' I frischen Grünau und Garollncnhof I|�0yl > herrlich inmitten Hochwald am Langen See> gr. Saal— trockene Unterkunft für 1000 Pers.— Veranda Mohr5 Strand-Restaurant Tel.; Amt Grünau 70(Richtershorn) Inh.: E. Mohr. Bester Ausflugsort für Vereine, Fabriken u. Gewerkschaften. 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Die zurückgezogenen Zugeständnisse der Arbeitgeber und unsere weiter» Stellungnahme dazu. = Bei der Bichilgkeit der Tagesordnung ist das Erscheinen aller HülsSarbeiter Pflicht.===== Die Dachdecker werden ersticht, die HülsSarbeiter ans diese Vcrsaminlung besonders ausmcrlsam zu machen. Der Zweigvereinsvorstaud. freie Veremigung der eanarbeiler Berlius nud Umgegeud. Bureau: Eteln-Sttaste 38, I.— Telephon: Amt III Nr. 8574. Aienstag, den 18. Juni, vomittligs 10 Itljr, bei ßöker, Meberstrnße flr. 17: Versammlung aller ausgesperrten und streikenden Kollegen. T a g e e- O r d n u n g: 31/8 i. Bericht über de» Stund der Lohubewcguug.- 2. Diskussion. Dtrcikkarte legitimiert. Der Vorstnnck. NNLKIKNS k�estsÄIe —..Zur Königsfoanh"— Gr. Frankfurterstr. 117. X Inh. Cnrt Breuer. X Amt Vlla, 8142 Den geehrten Gcwcrkschastcn, Verclncn, Klubs cinpschlc ich meine Gesamt räume zur Abhaltung von Versanimlungr» und Jestlichkcitcn jeder Art : zu den killaiitcstcn Bediligmigcn. 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Verlag: Vorwärts vuchdruckcr-i u. Berlagsaiijtalt Paul Singer& Co.. Berlin ZW. Nr. 138. 24. loliraanti. 3. Dciiqk des„Wrmrls" Ktrlim KsIlisblM Zountag, 16. Juni 1W7. AIMHattlichei' Aschenbericht. Berlin, IS. Juni 19V7. BArsenstimmung.— Kursstürze.— Roheiscnsyndikat.— Auftragsbestände.— Preisrückgang.— Gcldversteifung.— Gctreidcmarkt.— Saatenstand. Trotz aller Bemühungen will es nicht gelingen, die Stimmung der Börse mit den Produktionsziffern der Großindustrie in Einklang zu bringen. In der letzten Woche gab es an der Börse sogar mehrere kritische Tage. Die Kurse wurden geworfen, daß man bei- nahe von einer Panik reden konnte. In den letzten Tagen sahen sich einige Großinstitute veranlaßt, kräftig mit Jnlerventionskäufen vorznaehen, um der Abwärtsbewegung Einhalt zu tun. Und ein Bö> en latt läßt dieses Eiligreisen der Banken sogar als ein „güinuges Zeichen" für die Marktlage passieren. Viele heutige Er- scheinungen gleichen den Vorgängen und Ereignissen im Jahre l900 wie ein Ei dem anderen; in einer Beziehung ergeben sich jedoch große Verschiedenheiten— in den Kursen. In der folgenden Tabelle stellen wir von einigen führenden Gesellschaften die Höchstkurse aus dem Jahre 1900 mit denen vom 14. März 1907, des schivarzen Tages der Berliner Börse, und den letzten Kursen in Vergleich. 1900 14. 3. 07 14. 3. 07 258,4 223,5 217,75 284 225 218,5 243,5 181 184,25 229,8 197,3 133,9 244,4 207,5 193,3 Bochumer Gußstahl Laurahürte... Rh. Stahlwerke.. Gelsenkirchcn... Harpen..... größer ist däs Geschäft nichts mehr verfangeit T. B." am 12. Juni aus der schweren Eisen- Daß die Großbanken, die ja alle stark in der Großindustrie engagiert find, sich alle Mühe geben, die Kursentwickelung mit den Produktionsziffern in Parallele zu bringen, ist erklärlich. Wer weiß, wie lange sich der Absturz noch halten läßt. Je höher die Kurse hinauf gebracht werden, desto nachher. Es scheint aber, als ob wollte. Der verdächtige, von„W verbreitete überaus glänzende Bericht I D industrie hat wohl momentan kurstreibend gewirkt; Apathie wenn nicht gar Mißtrauen, stellte aber bald sich wieder ein. Dazu mag stark beigetragen haben eine Meldung ans Düsseldorf, deren Ziel allerdings das Gegenteil war. Das Düsseldorfer Roheisen- syndikat hat durch seine Vertreter„unter der Hand" den Abnehmern nütteilen lassen, es sei in Kürze eine weitere Preiserhöhung zu er- warten. Da schon seit Wochen das Gerücht kolportiert wird, die Ansprüche der Roheisenverbraucher könnten nicht befriedigt werden, hätte die Ankündigung eines zu erwartenden Preisaufscblages ein stürmisches Verlangen nach bedeutenden, langfristigen Abschlüsien hervor- rufen müssen, wenn die Roheisenverbraucher wirklich in Materialnot sich befänden, oder sie aus der Situation mit einer solchen glaubten rechnen zu müssen. Die Verbraucher zeigten sich aber nicht geneigt, langfristige Verträge abzuschließen. Ihnen mochte wohl warnend die gleiche Politik des Syndikats im Jahre 1899 in Erinnerung kommen. Und sie dürsten wohlgetan haben in der zurückhaltenden Vorsicht. Die Ankündigung des Roheisensyndikats in Verbindung mit dem erwähnten glänzenden Situationsbericht, unterstützt von den Jnterventionskäufen, gab der Börse am Mittwoch eine Stiinmung, die auf weiteres gut Wetter schließen lassen konnte. Aber kurz war der Traum. Durch Situationsberichte der„Frankfurter Zeitung" und der„Rhcinisch-Westf. Ztg." wurde die Prognose, die man, ach nur zu gern, an den Bericht aus dem Stahtwerksverbande knüpfte, wieder über den Haufen geworfen. Gewiß, das bestätigten auch die beiden genannten Blätter: es liegen noch für mehrere Monate reichende Austräge vor, aber, und das ist das Bedenkliche, schon seit Wochen gehen neue Orders nicht mehr ein. Die Händler haben sich anscheinend teilweise doch übernommen; verschiedentlich hielt es schwer, Spezifikationen hereinzubekommen. Und noch andere de- primierende Nachrichten ließen den wirtschaftlichen Horizont mehr und mehr sich umwölken. Kaum hatte man den vergeblichen Ver- such gemacht, durch Ankündigung neuer Preisaufschläge den Arbeits- stock des Düsseldorfer Roheisensyndikats zu vergrößern— oder war die Meldung lediglich ein Börsenschwindel? da kam die� Nachricht, das Luxemburger Roheisensyndikat habe die Preise für Gießereieisen nach dem norddeutschen Absatzgebiet, wo es mit dem englischen Eisen konkurrieren muß, um VU Mark per Tonne ermäßigt. Das war nur ein Steckenstreich, der Keulenschlag folgte bald nach.«Jron Monger" meldete, auf dem amerikanischen Eisen- markt sei die Nachfrage nach Roheisen sehr gering. Den Anzeichen nach sei die Periode des hohen Preisstandes vorbei 1 vorbei! Man sollte meinen, ein Nachlassen der Rohmaterialienpreise könnte für die' Wirtschaftslage nur von Vorteil sein, aber wie so vieles widersinnig ist in der kapitalistischen Wirtschaft, so auch hier: in der Ordnung der bestehenden Dinge zeigt der Rückgang der Rohmaterialienpreise die Er- krankung des Gesamtwirtschastsorganismus an. Als weiterer Würger optimistischer Stinimung hleiht die Geldversteifung in Wirksamkeit. Die still genährte Hoffnung auf eine Diskontermätzigung erfuhr wiederum Enttäuschung. In der am Mittwoch stattgefundenen Zentralousschuß- sitzuiig der Reichsbank wurde betont, daß der Status der Bank relativ noch durchaus ungünstig sei, die Schwierigkeiten auf dem internationalen Geldmarkt könnten noch nicht als gehoben gellen. Eine Diskontermäßigung kam überhaupt nicht in Erwägung. Die Geldteuerung wird allgemein bedauert, sie wirkt auch hemmend auf die Unternehmungslust, aber sie bringt Produktion und Konsum- kraft mehr in Einklang, als das unter einer durch Riesengewinne angestachelten, ungehemmten Spekulation der Fall sein würde und dadurch wirkt in letzter Linie die Krise abschwächend; sie verhindert den katastrophenartigcn Umschwung der Konjunktur, zwingt mehr auf den Weg des allmählichen Abflauens. Somit ist das„große Uebel" in diesem Falle sogar ein Vorteil. Noch alarmierender als das Er- gcbnis der Reichsbank-Ausschußsitzung war die Meldung von der Krisis bei den amerikanischen Eisenbahnen. Der„günstige Eindruck" den die Jnterventiouskäufe der Großbanken am Mittwoch gemacht hatten, war futsch. Die Kurse wurden herunter geriffen, sie sanken, wie die obige Tabelle zeigt, noch unter den Stand des schwarzen 13. März hinab nur die rheinischen Stahlaktien hielten sich etwas höher. Diese Stürze konnten nicht verhindert werden, obwohl sich die Lage auf dem Getreidemarkt etwas günstiger gestaltet hatte Gegenüber den Höchstpreisen sind Rückgänge pro Tonne von 10 bii 14 M. bei Roggen, 7— 11 M. bei Weizen und 8—12 M. bei Hafer zu verzeichnen. Die Saatenstandsberichle, obwohl sie immer noch kein klares Bild geben, zerstreuen wohl die schlimmsten Bcfürch. tungen, nicht aber die Sorge, daß die Befriedigung der Markt» nicht glatt erfolgen wird. Nach dem Monatsbericht des Ackerbau- amts ergeben sich für die Vereinigten Staaten folgende Saaten- siandsziffern: Die diesjährigen Ziffern halten sich demnach ziemlich weit hinter den vorjährigen, wenn sie die bisher teilweise gehegten schlimmeren Erwartungen auch etwas abschwächen. Nach dem amtlichen Bericht über den Stand der Saaten in Frankreich war am 15. Mai ein» Fläche von 6 523 239 Hektar, gegen 7 292 139 Hektar im Vorjahre. mit Weizen bestellt. Als Durchschnittsstand wurden folgende Zahlen ermittelt: 15. Mai 1907 15. Mai 1903 Winterweizen... 72,9 33,3 Frühjahrswcizen.. 37,4 70,5 Winterhafer.... 39,2 39,3 Sommerhafer... 34,8 71,2 Die mit Hafer bestellte Fläche ist von 3 858 811 Hektar auf 3 844 598 Hektar zurückgegangen. Also auch in Frankreich mit Aus- nähme bei Winterroggen ungünstigere Ziffern.. Ziemlich trostlos lautet der letzte russische Saatenstandsbcricht: Winterweizcn im allgemeinen unbefriedigend; in den Bezirken Minsk, Mohilew, WitebSk, Smolensk schlecht, in Bessarabien, Cherson, Kiew, Podolien, Wolhynien, Tschernigow, Kaluga, Grodno, Wilna, Kowno unbefriedigend, in den übrigen Bezirken aber befriedigend; Winter- roggeu im allgemeinen gut mittel, und zwar schlecht und unbefrie- digend überall, wo Winterweizen schlecht oder unbefriedigend steht, dazu in Pskow, dagegen in den Bezirken Stawropol, Charkow und der Osthälfte von Jekaterinoslaw, ferner im Dongcbiet, in Woronesch, Tambow, Pensa, Saratow, Simbirsk, Samara und Kasan gut, in den übrigen Bezirken befriedigend. Die Sommersaaten stehen im allgemeinen vollkommen befriedigend: in Polen, Woronesch, Tambo, Pensa, Saratow, Simbirsk, Samara und Kasan gut. in den übrigen Bezirken befriedigend. Umackerung von Wintcrweizen fand in den südwestlichen Bezirken, von Sommerweizen aber in Noworossisk und von Gerste im Nord- Kaukasus statt.— Nachträglich ist allerdings versucht worden, dem Bericht eine etwas günstigere Interpretation zu geben; die Ernte werde für Rußland keine„besonders ungünstigen Resultate" ergeben, wird gesagt. Das kann jeder auslegen, wie er will; die russischen Stimmungsmacher werden's auch tun. Wenn's nach denen ginge, müßte man schließlich noch glauben, in Rußland falle schwarzer Schnee, und die Wolga decke glühendes Eis. v. Hochmoderne, tadellose aus©retklassigon deutschen u. engtischen Erzeugnissen a Müsen Preisen Sauberste Ausfahrung Kleidsamste Fasson» -■- Umfangreichste Betriebe. 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Referenten sind die Genossen: Eng. Kriiliiner, G. pnuibfoljii, E. Mwer, pr. Ul. Schütte, Franz Splied. —' ,,, i:= Gäste willkommen.---- Zahlreichen Besuch erwartet Oer Vorstand. Sozfogckinoltfatifcber UZ| � ----- Mabwen-ein----- KG Dienstag, den 18. Inni, abends 8'/- Phr, bei Hoppe, Sermannjirafze 19: Mitglieder- Versammlung TageS. Orb nang: l. Vortrag dcS Genossen Robert Tchmidt:.Das librral-agrartsche Gcilernlvttlain.nlnng; Antrage und 4. VercinSaiigclegcnhcitcn und Verschiedene«. {iftT" Mitgliedsbuch legitimiert. tct Nrbcitsuachlvcis: Telephon-Amt IV, Nr. 3348. Verwaltungsstelle Berlin II. Bn rem«: Telephon-Amt IV, Nr. 4747. Mitglieder aus alle» Krauche«! Montag, den 17. Inni, abends 8'/z Uhr, im GclvcrkschaftShaus«, Engel-Ufer 15, gr. Saali Werordentliehe Keneral-Versanunlnng. TageS-Ordnung: l. Bericht der Delegierten über den Verlans der Verhandlungen des letzten Verbandötages. 2. Antrag der OrtSoerwaltlmg, betrcsscnd die Erhebung eines wöchentlichen OrtsbeitrageS. 3. Diskussion und Bcschlusjsassnng. 4. Wahl eines Mitgliedes zum Haupivorsland und Wahl von zwei Nevisorcn sür die Hallptkasse. S. Geschastliches.' §■?*• Bei der äuffcrft wichtigen Tagcs-Ordnung erachten wir einen zahlreichen Besuch für selbswerssändlich. Mitgliedsbuch ist mitzllbrlngcn und am Eingange zur Versammlung vorzuzeigen.— Wer mit sciuen Bei. trägen über 10 Wochen im Nückslande ist, hat leinen Zutritt. 72/3 Die Ortsverwaltnng. Orts- Krankenkasse Weißensee. Bekanntmachung. Gemäß§ 67 der Kasseiisnhung machen wir hiermit belaniit, daß in der am 6. Juni cr. stattgcsnndeilcn Gcncralvcrsanimliiiig an Stelle der aus dein Vorstands auSgclchicdenen Herren Töpsrrmcister starl Jung und Tischlermeister Paul Mcßkow 1. der Restanratcur Franz Conlent in Weißcnsee, Lehdcrstr. 5. sprogramm". 2. Die Kl'etS-Gcneralversam.ulnng: Anträge und Wahl der Delegierten Hierzu! S." Der Jnternatioiiale Kongreß. S3S/4 Vollzählige« Erscheinen erwartet Der Vee�twnU. 2. der Goldteistenfabritallt Wilhelm Zicsing in Weißensee, Sedan- slraßc IS, als Arbcitgcl'crvertretcr, sowie an Stelle des ebenjalls ausgeschiedenen Herrn Wilhelin Neste der Tischler Heinrich Brodkorb in Wcißcnsce, LanghanSstr.>22. als Arbeilnehmcrvertrrtcr gewählt worden sind. 232/1 Wcißcnsce, den 12. Juni 1307. Der Vorstand der ertSkrankenkasse für den vlcllirindebezirk Wetstcusce. Fuhrmann, Vorsitzender. 6, Wahlkreis. Sonntag, lk. Juni, abends L Uhr, bei Iritr Wilke, Vrunnrnstr. 188: Geffeutliche Uersammluttg Tage?- Or d n u n g! 1. Der neue Reichstag. Rcjercnt: Stadtv..�le». D»gQl»»Nirdors 2. Diskussion. Nach der Versammlung: Gemütliches Beisallllnensein. 243/20» I. A.: B a u m a N n. WaliMn Rmniiielsltitrg. DicnStag, den 18. Juni, abends S'/a Uhr, im Saale der Witwe Wclgot, Titrrschmidt-Ttras/c Nr. 42: jßilglieiler'Versswmlullg. T a g e S- O r d n» n g: i. Der«ene Neichstag. Referent: Arbeitcrsckretär Äll'in Most. 2. Diskussion. 3. VctciiiSangclegcnhcitcn. Beiträge werden in dieser Versammlung cnlgcgcliaenommen. S/S Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. IM ir Montag, den 17. Inni, abends«Uhr, im Kösliner Hof, Köslinerstraße Nr. 8.: vs?irks- Versammlung für Wcdding und Gesundbrunnen. T a g e S- O r d n n n g: 1. Nückblick aus die Aussperrung und unsere weitere Taktik. 2. Ver- vaildSangelegeiiheiten. 3. Verschiedenes. 88/ tl Es wird jedem im Bezirk wohnenden Kollegen zur Pflicht gemacht, in dieser Versammlung zu erscheinen. lUs'ßlVUHHHNOKsN! Montag, den 17. Juli, bei B o eke r» Weberstr. 17: Oessentliche Versammlung. ES ist Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Achtung, Bodenleger! Montag, den 17. Juni, abends 8 Uhr, bei Walter, Adalbertstrahe SS> talMsimiKimg mit den Vertrauensleuten, ägsar Sämtliche Vertrauensleute müssen anwesend sein. Es werden fsinilen ausgegeben. Der Obmann. neue ik»I Berlins und Umgegend. Montag, den 17. Juni, abends« Uhr, bei Graumann, Nannynstr. 27: Mitglieder-Versuntmlunq Tage». Ordnung:' 1. Der Kamps im Bangewerbe. Rescrent: Genosse Ztgli«. 2. Dl». tusflon. 3. OrganisationSangelegenheiten. 14I/t4 Kollegen, die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert da« Erscheinen sämtlicher Mitglieder. Der Vorstand. Verband der Sattler = Vrisvsnvslwng Berlin. Achtung! Kollegen! Achtuns! Sie Urabstimmung betreffs der Beitrags erhöhung für die SoUalhasse findet am Donnerstag, den 20. Sunt, in der Zeit von 5 10 Whr nachmittags In nachfolgenden Schalen statt: 1. eil. Hllcenfold, Bergftr. 03. 3. Karl Kormton, Glbingerstr. 15. 3. OcwcrkscIiaftHhaus, tkngcl-ilscr 15 II, Zimm. 33. Zur Absiiiiiniuiig werden die Kollegen nur gegen'Borzetgung deS Mitgliedsbuches und. sofern sie nicht länger als acht Zvochen mit den Beiträgen rcstieren, zugelassen. Die Stimmzettel werden in den betreffenden Lokalen ausgegeben. stvir ersuche» die Kollegen, sich voll-»ihlig an der Slbstimmniig zu beteiligen. Di« Qrtnvmvaltniizx. üüH unutärforanche! WM M ArbcitS.iachtvcis: Hos I. Amt 3. 1233. BcrtvaltniigSstcllc Berlin. Hauptburean: LdaritsslratZg Z. Hof III. Amt 3, 1337. Montag, den IT'. Juni er., abends 6 Uhr: KesirltS'NlchitmItliiß kür legel unü llmgegenü in Tmpps Festsälen, Tegel, Bahnhofstmße 1. TageS-Ordnung: 1. Berichterstattung vom Vcrbandstag in München. 2. Diskussion. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Kollegen und Kolleginnen I Da ein'jedes Mitglied unserel Organisation von den Beschlüssen resp. Verhandlungen unseres Verbandstages unterrichtet sein must. so ist es Ihre Pflicht, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die ziiiii 33. d. M. nngrsevte Bersainniliiiig fällt besonderer tlmstäiidr wegen ans. Dafür findet am Montag, den 17. Inni, abends 8'/, Uhr, im GewerkschaflShauS, Saal 8, eine außerordentliche ßranchenverfammlung statt. Zu dieser Bersainmlung ist das(.erscheinen aller Kollegen notwendig. 1-7/8' IM« Druuclicnlcituiig. Verein Berliner Hausdiener Mitgliedscbai t I des deutseben Transportarbeiter-Verbandes. Hausdiener, Packer und Hülfsarbeiter aus der Holzindustrie. Dienstag, den 18. Juni. aGndS'/,» Uhr: Branchen-Verfammlnng im„Englischen(»arten", Alexonderstr. 27c, oberer Saal. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen G.■Verareit« über:„Welche Lehren ziehen wir anS der HolzarbeiteraiiSfpcrrung?" 2. Distuinon. 3. Braiichenangcl-gcnbcitcn. 72/12 Erscheint alle! Keiner darf fehlen! I. A.: stob. Vksin. IWl OrtSvcrwaltii ngcn Berlin I und 11. Bureau; 0. 54, Mulackstroßc 10, L— Fernsprecher: Amt III», 4543. Sonntag, den 10. Inni 1007, nachmittags VI, Uhr: Mitglieder Uersanlnünng beider hiesiger Sektionen in Kellers Fcstsäle«(Inhaber Frehcr), Koppcnstraste 20 (großer Saal). TageS-Ordnung: 1. Die Angriffe der Handels-Transportarbeitcr auf ihrem letzten VerbandStage gegen den Brauereiarbeiter-Berbaud. Referent: Verbandsvorsitzcndcr Kollege Martin Essel. 2. Diskussion. 42/3« In Anbetracht der hochwichtigen Tagesordnung ist eS dringende Pflicht eine« jeden VcrbandSniItglicdcS, in dieser Versaminlimg zu erscheinen I Kollegen! Erscheint Mann sür Mann in dieser Veifanimlung l Mitgliedsbuch oder Karte legitimiert I Ohne Legitimation kein Einlrsttl Die Qrtspcrwaltiingcn 1 und II. Kollegen! Beachtet den Bäckerstreik. resp. führt den Boykott derjenigen Bäckereien, welche nicht bewilligt habe», strengstens durch l D.O. Unseren Mitgliedern Mv Kenntnis, daß die Hanptbibliothe?, 3, am Dienstag, den 18. Juni, eröffnet wird. Bibliothekbücher werden an folgenden Tagen ausgegeben: Montag vormittags 9-1 Uhr, geschlossen. Dienstag vormittags 9-1 Uhr, 4-8 Uhr. Mittwoch vormittags 9-1 Uhr, 4-7 Uhr. Donnerstag vormittags 9-1 Uhr, 4-7 Uhr. Freitag vormittags 9-1 Uhr, 4-9 Uhr. Sonnabend vormittags 9-1 Uhr, geschlossen. In nachstehenden stzilial-Bibliothcken findet die 3luö- gäbe von Bibliotheksbüchern an folgenden Tagen statt: LorNn 80. kroMicIi, Muskancr-«nd Zcnghof- strasten-Ecke. Montags, Mittwochs und Sonnabends nachmittags von.1—8 Nhr. Wedding. Fahrow, Navcu6str. 0. Dienstags abends von 8—0 Uhr. Spandau. G. Rührmund, Ncnmeisterstraste 0. Montags und Donnerstags abends von 3 bis« Uhr. Ober-SehOneweide. Voß, Wilheiminenhof« strafte 64. Dienstags und Donnerstags abends von 3—6 Uhr. Moabit. Gundlach, Waldcnscrstr. 24. Mittwochs von 8—0 Nhr und Sonnabends von 8—10 Uhr abends. Charloftenburg. Mefzdorf, Potsdamerstr. 44. Montags abends von 8—16 Uhr. Wu«terbausen--Wndan. W. Geyer, Schwartz- kopffstraste 58 1 Tr. Dienstags und Freitags abends von 7—0 Uhr. Tez/el. Gehlhaar, Bcrlinerstr. 02, Dienstags abends 7'/,-0 Uhr. 120/1» Die ortsvornaltnu/x. nachmittags nachmittags nachmittags nachmittags nachmittags nachmittags Achfyngl lit fiBe liiilm wir«chOwalM! erscheint von fetzt ab nur noch jeden Sonntag. Alte übrigen Tage veröffentlichen wir nur Zu- und Abgänge. Ackerstr. 45, iScnIHin. » CS, Koldacker. » 85, g. Hanke. m III, Zlnnna. » 114, Maryiiard. «daweriftr. 36, Rantzut. „ 45a, D. Sänke. „ 66, Hoppe. Molsstr. 11, Sennißfcit. . 12 b, Hänilch. Admiralstr. 10, D. Hanke. . 30, Hclinolh. 37, Busch. Allensteinerstr. 6, Namthun. . 15, Giclitch. , 26, SaunuZ. Zllexandnuknstr. 88 HüDig. Silte yakobstr. 138, ßuef. Audreasstr. IG, O. Haute. M-nkkh.Tt. 125, Güldncr. Nimenstr. 41, Riciucyer. "In ber Spandauer Bi i'nJe lb,D. Hanke. SlnHaniciftc. 31, Bcnthiu. 48, Hnajc. Slntonslr. 48. Oertel. VlnbrcnSflv. 32, Bioisabnk.Wlkhclma' ülrtillcricstr. 3, Eoldalker. Badstr. 13, Kapplcr. „ 37a, Schiuictzck. 49, Toldackcr. Saiitünftc. 4/5, Legclcr. 37,©ülbciiflent. Dastianstr. IS, Niedzwieds. 20, Tonn. Bäriraldstr. 47, Raatz. !?cifortcifti-. 22, Eggert. iOcllcaVianccstr. 24, O. Hauke. -'cvgjtv, 9, Hflnitf«. Vcrguianiistr. 10, ZlnosiuS. » 14a, Polenz. 19, O. Hauke. verNchwgenftr. 1, PolvnluS. 12.©'.aj. Bernaucrstr. 3, Schill. 47, Fiuke. Bcusselfir. 17. O. Hauke. . 7, Eckert. » 42, Languth. » 44 o, Grcthlcin. . 56. Pohle. m 59, Schneider. . 87, Rilhnier. Virkenstr. 32, Sauer. Vlüchsrslr. 11, O. Hauke. 67, Berollna. vlumcnstr. 13, O. Hanke. Bochumcrstr. 10, Klinke. Bödickcrstr. 30, Gcn.-Bäckerci, Berlin. Loyenslr. 6, Benneke. ». 16. Jakob. � jst. j.- j Borhagcncrstr. 27, Sicling. Böttgcrslr. 5, Kruppe. 23, Dnckcrt. vrcmerftr. 57, Vcstcrliug. , 60, Bayer. Brunncnstr. 3, Mollweide. Lrmmenslr. 41, Sorge. , 151, F. Hanke. » 129, Goldacker. . 154, Herrmaun. LrSssclcrstr. 5, de Buiyn. . 8, Gonsior. 43, Janezeck. Luchstr. 1. Völler. Burgsdorjstr. 15. Linder. Büschingstr. 17, Grosch. Butlmannstr. 20, Hirsch. Eadinerstr. 4, Weber. Camphanscnsir. 6, Zindler. Carmen Sylvnstr. 155, Schilveck. ,. 157, �erbe. » 163, vit tau ü. Chansscestr. 44, Goldacker. Chodowicckistr. 1, Müller. 25, Mari eck. Chrislburgerstr. 35, Tank. Chrlsliaulaslr. 116, Eppiuger. ComcuinSpIatz 1, P. Hauke. Cuvryslr. 28, Plautz. Dalldorfcrstr. 38, Wulst. Markthalle. Danzigerstr. 8, Conrad. 15. Bebel. „ 70, Freitag. . 72, Vondran. 76, Poglcr. Dänenstr. 5, Bichel. Deouniiierstr. 25, Grund. 23,©lirse. Dieffenbachstr. 27, Steinborn. 52, Klei!. Dieffenbachstr. S8a, Bctbke. 70, Bock. Dolzigcrstr. 36, Neimaun. Dragoncrslr. 38/40, Schramm. DreSdoierftr. 6, Goldacker. . 17, O. Hanke. . 90, Schulz. . 104, Hanke. Dunckerstr. 2, Czcrlvcnka. - 75, F. Hanke. » 7«, Kunze. , 80, Deiner!. Dunckerstr. 90, F. Hanke. Ebelingsir. 5. Blender. Eberönialderslr. 27. Rothe. Ebertystr. 33, O. Hanke. „ 45, Schranrm. , 50, Brückner. 54, F. Hanke. cklsciivahnstr. 8, O. Hanke. . 3, Haupt. Elbingerstr. 27, Fiedler. , 32, Wcuich. „ 79, Hanke. , 90, Trappe. , 99, Reil, mint. Clsafserstr. 92, Tboma. Liudcncrstr. 21, Nicüroy. 17, Pohl. Falckcnsteinstr. 20, Starz. . 17, O. Hauke. Kalkplatz 1, Günther. Fchmarustr. 8, Dchrend. 9. Vollsbrot. 20. Barz. Fehrbellinerstr. 27, Hösclbarth. 93, Hein. Fcnnstr. 48, Laddnsch. Forsterstr. 20, Genossenschaft„Berlin'. 48, Reich. Greste Franlsnrtersir. 38, Hanke. .. 139, Woldacker. Franksurter Allee, Ecke Samariter» strastc, F. Hanke. Franksurter Allee 40, Richter. 176, C. Hanke. Franscckistr. 27, Böltaer. 45. Thiel. 53, Woldacker. Frtlenwalderstr. 21, Geriach. 38. Körle. Friedrichftr. 247, lkoldacker. 27, O. Hanke. Fnedrichsscldcrsir. 13, C. Hanke. „ 26, Hnida. Friedcnslr. 57, Becker. FriedrlchZbergcrstr. 16, RotvodzhnZk. Frnchtstr. 2. Schulze.> 46, C. Polenz. Färstendergerstr. 9, Kauz. 15, Ostwald. Fürstcnwalderstr. 7, Heinrich. Georgenlirchstr. 60, Hanke. Gcrichtslr. 53, Schönmiese. Gipöstr. 7. O. Hanke. Wiischlnerslr. 58, Hcinroth. Gteimstr. 9a, Janpe. „ 11, Gicstier. , 19. Pribyl. 32, Rothe. 43. Grothe. . 48, Abraham. 60, Melsch. Goltz str. 31, Goldacker. Gollnowstr. 9, Osk. Hanke. Kormannstr. 25/26, Minuth. Glogaucrstr. 2. Kotzan. . 17, Janlke. 26, Schwarzer. 28, Bäckerei- Genossen- schast Berlin. Evrlistcrstr. 68, Most. 55. Fischer. Görllher Ufer 32, Rowosadko. Gr.-Görschenstr. 43, O. Hanke. Gräscflr. 35, Bäckerei- Geuossenlchast Berlin. Gräscstr. 4, Nchseld. 10, Schnittgcr. Grandenzerstr. 5. Nickisch. Graunstr. 5, Schenk. " � 22, Tolr.ltmittt*■ t*''' 32, Süstmann. 37, Müller. Grclfcnhagcnerstr. 15, Nikiasch. WreisZwaldcrstr. 12, O. Hanke. Grimnistr. 1. Wols. 29, O. Htmke. Grünanerstr. 12, Vnst. Grüner Weg 63, Osk. Hanke. „ 12t, Gnniar. Grllnvcrgerstr. 10, C. Hanke. Grünthatcrstr. 10, Jambor. 56, Bebel. Gubcncrstr. 57, DeinS. Hagenaucrstr. 1, Hanke. 13, Wurst. HauSburgstr. 5, Mehl. Heidcnscldstr. 21, Schön. » 19, O. Hanke. iicincrSdorserstr. 12, Lamla. !>eniiig?dorlcrstr. 1. HcrmaiM. 13. Panlisa. , 87, Schüsse. HermSdorferstr. 8, Babel. Hochstraste, Nene, 18, Berliner Ge- nosscnschaslS-Bäckcrei. Hochstr. 31, Maue. Hochmcistersw. 1, Hanke. 20, Friedrich. Hohenlobestr. 13, Bäckerei- Genossen- schast Berlin. Hotzmarklstr. 14, I. Cl-Zucr. „ 55, Aronhcim. Husclandstr. 34, Hanke. . 36, Öbcrrcichcr. „ 40, Kittlans. Hnbncrstr. 6, Bauer. Hussitenstr. 15, Potscher. 20,»w. Wolf. , 30, F. Hanke. , 45, Klestllng. SmiUannelkirchstr. 32, Kleiner. Lttslcrburzcrstr. 2, D. Hanke. ,. 6, Syrow. 12, Hcnnig. Jnvalidcnstr. 33, Bodes. 157, Goldackcr. Fabionski str. I, Bode. , 39, Hcllivig. Jagawstr. 10, Eichstädt. Fahnstr. 21, Köhler. Jasmimdcrstr. 18, Böttcher. Kaiserftr. 46, Kalbow. Kamerunerstr. 51, Tzlchcstsch. Karlstr. 26, O. Hanke. Kastanien-Allee 13/14, Pape. ». 19,(»oldackcr. .. 46, ütlepka. .» 67, Künschcr. „ 83, F. Hanfe. Kirchbachstr. 6, ChiinetewSky. Klein« Andrcasstr. 7, Hicrse. Kleine Frniillurterstr. 14, Millelstädt. Kleine Markiisstr. l, Wiedcrsich. Kochhannstr. 28, Kricms. 35. Denmehand. Kowcrgrrstr. 1, Hanke. Kolonieslr. 30, Döring. , 34, Much«. 71, Schopsch. Koppen str. 12, Bobel. , 25, Stralmeyer. Kopcnhagciicrstr. 28, Bcchtcl. » 36, Räber. , 49, Kurth. . 66, Weist. Kopernilnsstr. 3, Tcupcl u. Viehöscr. 9, Wellmh. 25, Thulke. 33, Winnenberg. Köpcnickcrstr. 165, Vurschke. 172, Cicötil. KöZlinerstr. 1, Kästner. 3, Gwiazdowski. Korsörerstr. 2, Sm cl. 8, Rothe. 17, Hübner. Kollbnier Damm 20, Protzer. Neue Kinlgstr. CO, Goldackcr. Krautstr. 4/5, O. Hanke. 22, Arndt. 41, Arndt. Krcmmiiicrstr. 15, Marlock. Krentzioerstr. 1, Lange. Kuglcrstr. 8, Schnmann. Landsberger Allee 43, Krellmann. 5t, Jäckel. - 123, Hohcisel. Landwchrstr. 12, ßicglcr. Langcstr. 13, Goldacker. 25, Hüdebrandt. 36, Gnniar. Laiisiyerplatz 12, Konalkolvski. Lausisterstr. 0, Kaus. 16. Schölisch. Lschtcnbergcrsir. 6, Winter. 21. Feilt. Linienstr. 1, O. Hanke. 26, O. Hanke. LIbanerstr. 22. C..Hanke. Licbigsir. 8, P. Hanke. . 31. Bauer. , 38, F. Hanke. Licbenwaldcrstr. tO, Biedermann. 31, Fäckcl. Liegnitzcrstr. 5, Albrecht. 28, Mieth. Lippchncrstr. 8, Mcll. Lltthauerstr. 14, Schneider. „ 24, C. Hanke. Lorstingslr. 6, Nösencr. 17, DahiuZ. Lothringerstr. 34/35, Mollwcide, Löwcstr. 8, P. Hanke. . 18. Block. Lübcckcrstr. 20, O. Hank«. . 47, Schmidt. Lllbbenerstr. 10, Hacker. 17. Gans. 24, PscnniaSdors. 29, Gierz. Lychenerstr. 4, Schwede. „ 17, Borowski. „ 110, Köhler. MolpIaniictik.A Schulz«... „" If, Bchrend. 16, Gcnsior. Manlcnffclflr. 61, Beckmann. . 87, Furkc. , 90, O. Hanke. „ 99, Brauer. 103. LSiedekind. Marianncnstr. 12, O. Hanke. 32, Prock. Marlenbnrgerstr. 38. Hanke. Markgrnsenstr. 99, O. Hanke. Markusstr. 11, Schncebcrstcr. 38. Tiichcr. Maxstr. 17, Laos. Mcmelerstr. 7, Knorcke. . 12, Drutschmann. ff 47, Sicr. » 77. Slachowski. 84, C. Hanke. Mesterslr. 2. Sachwist. Mittcnwaldcrftr. 30, Dohna!. „ 44, Schröder. Mirbachslr. 14, Volksbrot. Mulackslr. 10, Schramm. Muslnuerslr. 13, Lattennann. „ 15, Dürer. „ 28, Heinzelmanit. Müllcrstr. 28. Lüddlckc. . 320, Weber. 166a, Hanke. Mühlcnstr. 32, Nahlk. „ 46a, Franke. Münchebergerslr. 15, Lette. Nanuynslr. 1, Lippcrt. 7. Ficlist. , 40, Bardnhn. „ 64, Heitmann. „ 73, �tojaczyk. Nazarethklrchstr. 39, Zibcll. 45. Schulz. Ncandcrstr. 23, Rnubiit. . 27, O. Hanke. Nene Hochstr. 31, Bcnthin. 45, Facob. Nostizstr. 9, Bockisch. Oudenarderstr. 36, Snntcr. „ 44, Liebner. Ohmstr. 9, Nowosndkc. Odcrbcrgerstr. 21, Wagner. 38. Busch. 49, Böhme. Oranienstr. 186, O. Hanke. Oppclncrslr. 4, Schenk. . 20, GoleinbielvLki. , 24. Müller. 35. Wols. Palisadcnstr. 2. Hanke. , 20, ky im st. , 58, Barth. 91, O. Hanke. Pankstr. 21. Kahle. . 25, Günther. „ 53a, Dunkel Pappcl-Tlllee 7, Ziiedck. . 14, Häslcl , 18, WZken. , 21, Schiller. . 24, Laselcr. Pascwalkerstr. 8, Benihin. Pcrtcbcrgcrstr. 54, Perl. Olen.-Bäckirei. Petersbiirzcrptast 6, Henke PctcrSburzcrstr. 58, Dorhaner, Pintschstr. 4, Grüstnincher. Planuser 33, Berliner Gcn.-Bäckcrel. » 92 o, Blume. Plaiitagcnstr. 7, Welte. Prenzlauer Allee 24,. Goldacker. „„ 42, Meyer. „, 81. Sänsch. „. 86, Räuber. „ 203, Heiinann. Prenzlanerslr. IIa, Cioldacker. Prinzcnstr. 12, O. Hanke. Prinzcsstnncnstr. 31, Miehe. Prinzeii-7lllce 53, Loff. 61. Mehls. Proskniicrstr. 31, F. Hanke. Putbuscrstr. 11, Jaape. 14. Wonschalk. „ 21, P. Hanke. , 24, Knuot. 46. Bloch. Ramlerslr. 24, Fohn. » 31, Dahlenburg. 3 t, Dehnielt. „ 36, Hachn. Raliboi-str. 2, Bäckerei-Genosscuschast Berlin. Ratiborstr. 6, Dielschmann. „ 17, Rücket. Rcichenbergerstr. 62, O. Hanke. „ 88, O. Hauke. „ 95a, Tschciitke. „ 101, Wagner. 145/146, Klanlsch. RheinSbergcrstr. 13, Scholz. 26, Lorenz. Rcinickendorserstr. 1, Benlhln. . 36. Hanke. 112. Goldackcr. 120, Berliner Gen.- Bäckerei. Rigaerslr. 4, Hanke. . 100, Spürlein. Rilterstr. 114, Ernst. Nomliitriierstr. 4t, vrnmer. 44. Küster. 57, GorgaS. Rostsir. lt. Bobel. Rostockerstr. 31, Wagcner. 36, Uibrich. Rostockerstr. 40, Tschöie. . 46,.Krüger. Nnppflicrstr'a' inat"8' „ 12, O. Hanke. 25, Bobel NüdcrSdoilcrstr. 20, Güldener. 52, Haupt. Nügeiterstr. 16, Höhne. . 22, Fanibor. SamarilWstr. 2. Fischer. 11, P. Hanke. 28, KIcwe. Snmoastr. 22, Siege. Schenkeiidorsstr. 4, Freude. Schillingstr. 19, Osk. Hanke. Schivetheincrstr. 4, Hitdcbrandt. „ 16, Baur. 18, Wolfs. Schlieniamisir. 24, Nciscwitz. 30, F. Hanke. „ 32, Japp. Schönhanscrslr, Alle 33, Goldacker. SchönbanIcrstr.,Alte,39/40,G.Sch(varz. Schönhauser Mce 5, Goldackcr. „. 70 a, Goldackcr. .. ISO, Blume. , 183, O. Hanke. Schönholzerslr. 5, Miltclbach. Schöiilcinstr. 4. Müller. Schrcincrstr. 57, Sicpack. Schulstr. 25, Hanke. „ 28, schäm 37, Schmidt. Schulzendorscrstr. 23, Barth. Schwcdtcrstr. 32, Hanke. 48. Löchel. „ 52, Hübncr. „ 230, Knmm. » 240, Schmidt. Scckowerstr. 15, Baur. Sickingenslr. 76, Winter. Sieincnsstr. 17, Müage. SImeonstr. 14, Llick. Skalistcrslr. 63/64, Dehmes „ 120, Gcrlach. Sonncnbnogcrstr. 13, Gräsling. Soldlnerstr. 32, Rosemmm. 69, Schneider. Sorancrstr. 1, KSing. . 8, Kretschmar. 18, Schiller. Sparrftr. 19, Gonsior. Sprengelstr. 4/5, Wngcnknccht. SNalaiierplatz 13, Hnida. Stallschi ciberstr. 32, Hanke. CO;i, Dürer. Stargarderstr. 63, Neiscwist. „ 69/70, Bürger. 78. Bark u. Walter. Stendalerslr. 4/5, CoriZ. Stettinerstr. 17, Kleinert. 26, Kleinert. » 38, Hubert. 60; Barnckoto. Siolpischestr. 4, Bndtke. „ 32, Papke. 51, Skibb. Stralsnnderstr. 8, Bclzig. Strastbnrgcrstr. 35, Hctlmnnn. Slranstbergeistr. 33, Schicke. tratztiiannstr. 24. Zander. 2. Hanke. Slrclisterstr. 15, ll. GrabowZli. „ 64, Brauner. tromstr. 33, Zastrow. Swincinüiiderstr. 54, Paulitschcck. 66, Becker. 80, Prust. „ 82, Maimel. „ 93, Schubert. . 106, Kunze. 119, Anhäuser. Teaclcrstr. 11, Lenzner. , 23. Dahike. . L2, Stristke. Ticckstraste 16, Fürst. Tilsiterslr. 26, Gestner. 91, P. Hanke. Torsstr. 14, ßenz. 17, Ziesmcr. Torsstr. 13, schachner. TrcSckowstr. 67, Mocrschncr, Triststr. 29, Sprigadi. Türkenstr. 22, Tzschestsch. Turincrstr. 36, Ristmann. Turmstr. 51, Goldackcr. „ 67, O. Hanke. Urbanstr. 1. Ncubarth. „ 25. Brotfabrik Viklorla. „ 52, O. Hanke. 104, Knnchke. Uscdomstr. 4, Stvllbcrg. Utrcchtcrstr. 8, stetsten. Vctcraiiciistr. 16, O. Hanke. Voltaslr. 42, Eckel. Waldstr. 4, Senf. „ 17, Hanke. . 25, Fglisch. , 36, Vnrcck. 42, Bauer. .. 46. Pohl. Waldemarslr. 76, Klaus. Warschanerslr. 8, Wolf n, Helnze. „ IG, Jarzembowsli. 64, Lüddcmann. Wastmannstr. 20, Bcier. 24. Gniiiar. Wailstr. 1, Hanke. , 21, Hoffrichter. Wcberslr. 25, Hanke. , 30, Goldackcr. Wedoingftr. 7, Brendel. Wcichsclstr. 34, Schulz. Wcidciiwcg 25, Brosin. , 84, O. Hanke. 37, Ehncrt. Weinbcrgsweg 9, Ludwig. Welnstr. 7, Karras. 27, Legier. Wcistcnbnrgcrjtr. 24, Fahn. , 55, Nobiling. Wichcrlstr. 5, KierzkowSIi. Wiclesslr. 21, Staub. „ 55/56,?Natschke. , 06, Spickennaim. Wioncrstr. 36, Dielschinann. 49, Witschet. , 50a, Laugwist. Wicsenstr. 19a, Dreier. „ 81, Holland. 64, Schardicn. WilhelmShaveuerstr. 13, Hc�sse.� * äd, Mude.' Wilhelm Stolzestr. 15. Schmidt. , 2t, Schachschall. 32. Maschke. „ 33, Bachmaiin. Willdenowsir. 29, Brcier. Wilsnackerstr. 15, Goldacker. Winsstr. 6, Müller. „ 71, Schwabe. Winlerscld-Plast, Goldackcr. Wisbyerstr. 3, Schulze. Wittstocksir. 7, Giesmann. Woldcnbcrgcrstr. 7, CilllanS. Wollisterslr. 23, Dahle». , 81, Fuhrmann. , 3t, Bordaich. . 44, Schirrmacher. 58, George. Wörthcrstr. 22. Bobel. Wrangclstr. 77, Geiistniann. Iorkstr. 65, Eeii.-Vückcrci Berlin. Zehdcnickerslr. 13, Aründmaun. 9t, O. Hanke. Zellesir. 11, Knrziueg. Fiotiskirchptast 1, Mollwelde. Zloiisllrchstr. 2, Regen. 13, Bobel. 54, Zwicrschke. Zorndorserstt. 2, P. Hanke. 55, Richter. Zwinglistr. 15b, Uibrich. NdlerShof. Bismarckslr. 12, Thoma. , 14b, Schiilz. . 17c, Wartciiberg. , 2t. üümisch. 48, Lascrich. Hackpiibergstr. 2, Zabke. Rndickcstr. 37, Noack. Sedanstr. 25, Peter. Ntt-Gllcni-re. Nndowerstr. 57, Lange. Grünanerstr. 29, Scher. Banmschnlcuwcg. Baiimschulenstr. 70, Stenzcl. . 87, Becker. Ernslstr. 9, Hoffmüller. Kicsholzstr. 254, Lcupold. Schciblerstr. 29, Schulze. Bohnsdorf. G. Solle. W. Gebhardt. Borsigwalde. Ernst str. 6. Etzrodt. 25, Taselsky. Rcuschstr. 52, Nenbiiner. Boxhagen-RnmmelSdnrg. Nlt-Boxhagen 10, W. Krüger. 35, Peter. Borhagcner Ehnnffee 5/6, März. Gabriel Maxstr. 1, Lnzcmnnn. ., L, Klinkmüllcr. 12, Haspcl. Koethestr. 16, Gillar Grünbcigerstr.>S, Schulz, ,, 18, Löioa. Hanplstr. 82, Hcrrcks. Kanlstr. 1, Dluczcwskl. . 13, Spötltich. Lcnbachstr. 7a, Pflngrad. Neue Vahnhosstr.' 9, Fritsche. v?. Peter. . 27, Hanisch 34, Schul». Neue Prinz Albrcchtstr. 3, Böhm» 30. Maichmam» Simon Dach str. 12, C. Hanke. 28, Radtke. Türrschmidtstr. 31, Psennig. „ 88, Peter. 40, Kallweit. Wühlischstr. 32, Lander. Brist. Chansseesir. 17. Dally u. Hagemcister. 47, Friese. NnngiuZstr. 3, Adaniek. Charkottcnburg. Cancrstr. 19, Uibrich. Cauerstr. 27, Geiiossenschast»Pro« duktion". Christstr. 18, Genossenschaft»Pro» diiliioii". Danckelmanustr. 46, Lehmann. 55, Uibrich. Fricdbergstr. 39, Uibrich. Grolmanstr. 14, Uibrich. Grünstr. 27, Vachnialin. Helmholtzsir. 19, Uibrich. Kaiser Fricdrichstr. 43, Uibrich. Kanalstr. 7, Leisiner. . 15, Heine. Kantstr. 103, Ulbrich. Knobelsdorserstr. 43. Ulbrich. Krununestr. 57, Nictsche. Lcibnizstr. 65, Ulbrich. Nchringstr. 21, Rayky. Peslalozzistr. 42, Leisiner. 12, Walter. Potsdanierstr. 1t, Bachiiiann. Schlütersir. 17, Krause. „ 42, Ulbrich. Sophie Chariollenstr. 80, Procll. 87. Ulbrich. Spandanerstr. 30, Ulbrich. Sprcestr. II, Pelka. Tauroggcncrflr. 10, Genossenschast „Produktion". Tnilioggencrstr. 45, Ulbrich. Wallstr. 85, Ulbrich. Wcimarerstr. 29, Konsumverein. Wilmersdorserslr. 27, Konsumverein. 4,. Ulbrich. . 163. Ulbrich. Falkcnhagen. Wiiwe Bock. FrledrichSbcrg. Blnmcnihnlstr. 38, Peschke. Kroiiprinzcnstraste, Hnniich. Nuinmclsburgcrstr. 22, Opitz. . 33, Werner. FriedrichSfrlde. Berlinerflr. 66, Seiler. , 102, Wölfcrt. Friedenau. Lauterstr. 35, Klein. Franz. Bnchholz. Pankowerstr. 28, Ulrich. Mühienstr. i, Preust. Grost-Ziethen. A. Werner. Hennigsdorf Karl Wolter. Friedrich Wolter. Wilhelm Wolter. Hermann Wollcr. Albert Lücke. Wilhelm Seiler. Bchrend. Graffeilbergtr. Mahnkops. HermSdorf. BerNnerstr. 16a, Schaudin. Hanplstr. 34, Herrmami. Ncpiiliistr. 36, Mante. Scebadstr. I, Ladwig. Heiligcnsce. W. Kühne. Lahrmann. Hohen Dchiiiiyai, sc». Malhofeo.. Koskcflr. 17, F. Müller. KarlS Horst. Dorath ccnstr. 27, Eichhorn. Köpenick. Vorgmanuflr. 6, Bergmann. Glienickcrstr. 2, Peter. „ 29. Hackenberg. Grünanerstr. 27, Krämer.■■ Grünstr. 8, H. Ullrich. Kaiser WilhclMstr. IM, Leischle. 104, Peter. Marie, istr. 14. Nlseri. Müggetheinierstr. 32, Girinng. 41, Pckcr. Nosonstr. 2, Peter. Rildowerstr. 25, Heist. Schönertmderstr. 12, Kudcll. Lichtenberg. Dorsstr. 82, fflfigicffflu,. Eitelste. 30, LittlvlnS. Franksurlcr Alice 3, Bkmtsch. Hubcrtusslr. 53, L. Hanke. Frenltr. 17, Neiicndors. Fungstr. 14. Schräder. Krouprinzenftr. 1. C. Hanke. Maranrethenstc. aa, Schacher. Odcrslr. 25, Gwlsch. Psarrstr. 36, Hehler. Scharnwcberslr. 40, Dctri?M 24, C. HaiM 31. KSpke. � Wcichsclstr. 32. Bantsch. Withclmstr. 57, Feste. . 09, Griebe. Neu'Lichtenberg. SJrieliridjftr. 7, Mattner. Sophienstr. 8, Schöning. MnhlSdorf. Hönoverstr. 5, Hornig. Mariendorf. Chaussecstr. ila, Nowack. , 12. Mendt. , 15, Papier. , 67, Spielhagen. Marwitz. Kemnitz. Finke. Nieder- SchSnhause«. Beuthstr. 11, Krügcrle. 19, Seger. Blankenburgerstr. 1, Zugwurst. „ 18, Höhne. Duchholzerstr. 8, C. Richter. Kaiser Milhelnillr. 85, Achtenhagen. Körnerstr. 8, G. Remter. Platancnstr. 28, Hardtke. Waldstr. 2l, Lux. Obcr-Schöneweide. Edlsonstr. 9, Peter. 49. Arndt. Frischenftr. 2, Peter. Luiscnstr. 5, Gehler. Marienstr. 18, Kleint. Mathildenstr. la, Muchow, Nalcpastr. 5t, Marlens. Ohmstr. 7, Timm. Nathcnailstr. 3l, Peter. Tabbertslr. 2, Peter. , 35, seidclmann. Pankow. Berlinerstr. 79, Zadow. Brchniestr. 52, F. Hanke. Binzstr., F. Heyden. Florastr. 41, Schneider. Kaiser Friedrich'lr. 67. Wieneke. Mühlenitr. 32, Müller. Ulermarkstr. 178, Stöhr. Wollanksir. 68. F. Hanke. Pichelsdorf. Scharfe Lanke 2, Krämer. Plötzcnsee. Charlottenstr. 12, Thiele. Neiniekendorf. Berlwerstr. 5, Schmidt. „ 104, Nah. „ 134, Gottschall. Birkenstr. 59, Gronau. Grüner Weg 51/52, Max Modrow. Markstr. 12/13, Vollmer. Provinzstr. 51, Langer. , 80, Schwarz. 129, Schneider. Residcnzstr. 61, Milte. 105, Gleich. 118, Brase. Milkestr. 62, Neue Berliner Genosse«' schasts-Bäckcrei. Rixdorf. Allerstr. 3, Perseke. . 46. Keddi. Bergstr. 12, Hanke. 84, Schensch. Berlinerstr. 16/17, Schihgill. , 20, Voigtlänoer. 86. O. Hanke. Bodestr. 16, Beyer. 31, Tops. Elbestr. 1,2. O. Hanke. , 6, Kirstädter. 15/16, Lunkwitz. Emserstr. 78, König. Evlaiigerstr. 8, Weitzleder. Falkitr. 1, Bäckerei-Genossenschast .Berlin". Falkstr. 25/26, Perseke. Friedelstr. 3. Mannul. 30, Reich. Glalowstr. 32, Kunz. tzeidelbergerstr 76, O. Hanke. Herdaslrahe, Hilmer. Hermannstr. 19, Bäckerei-Genossen- � Ichast„Rixdors". Hermannstr. 28, Mertens. Hermaiuiilr. i5Sa, Hagen. , 54, Hildebrand. , 118. Bartsch. m 170, T balcr. , 175, Koczanecki. 231, Karl. Hcrrsurlhstr. 26, Brüx. , 34, O. Hanke. 7, Bäckerei- Genossen- schast„Rixdorj". Hcnsurtbplatz 10, Schnur. Hobrech tstr. 71, Zrocke. Hohenzollernplatz 6, O. Hanke. 11, Balzcr. Innstr. 30, Krause. Jsarstr. 7, Zech. , 11, Bäckerei-Gen.„Berlin". Kägerslr. 63. Jonscher. Jansastr. 7, Bricn. Neue Jonasstr. 33, PulS. Karlsgartenstr. 19, Vonnoch. Kaiser Friedrichstr. 25, Bai-tsch. , ,34, Schmidt. 245, O. Hanke. Kuesebcckstr. 33, Gallert. , 38. Molk. , 41. Beizig. , 68, Richter. , 146, Dyboivski. Kopsslr. 38, Bäckerei-Genossenschaft .Rixdors". Kopsstr. 45, Hoppe. Kottbuser Damm 103, O. Hanke. Köllnisches User 72, Müller. Lesfingstr. 34, Perseke. Mahloivcrstr. 6, Bartsch. Mamzerstr. 15/16, Gruner!. 56, D übler. Münchenerstr. 18, Möller. , 25t26,BäckereI-Genosfen- ichast.Rixdors". Münchenerstr. 44, Meigelt. 73. Bobel. Nansenslr. 33, Sekul. Niemetzstr. 10, Wach. Nogatftr. 32, Griebat. Pannierstr. 4, Riemer. , 13, Frischkemuth. , 20, Junker. Pannierstr. Vi. Maschler. , 34, Spura. , 57, O. Hanke. Pllügeritr. 70/71, Linsener. Prinz Hand�erystr. 58, Bartsch. 70, Schmidt. Reuterstr. 33, Splettslöher. , 76, Bobel. , 94, Lehmann. Richardstr. 23, Ebrentraut. , 63, Lüdicke. Selchowerslr. 9, Bäckerel-Genossen- schast.Rixdors". Selchowerslr. 23/24, Grünhagen. Sicgsriedstr. 48, Pinkel. Sicinmetzstr. 34, O. Hanke. , 39, Sensileben. 46, Perseke Sicinmetzstr. 121. Löioigt. , 129, Bäckerei-Kenoffen- schast.Berlin'. TbomaSstr. 37, Nehrig. Thüringerftr. 7, Bartsch. , 18, Klein. Warthestr. 9, Cicsior. . 15, Janentzki. Weichselstr. 13, Hagemann. , 31, Schwarz. . 55, sfrischgcmuth. 60, Gassenhbcru. Weisestr. 2, Bäckerei- Genossenschaft .Rixdors'. Weisestr. 24, Bäckerci-Genosienschast .Berlin'. Weisestr. 23, Winde. 73/74, Mols. Weserstr. 47, BieS. . 168, Vielitz. Wielandstr. 27, Reich. Witzmannstr. 7, Troffer. 29, Krüger. Zietcnstr. 20, Bäckerci-Genoffenschast „Rixdors". Zietenstr. 41, Beyer. 0 53, Bobel. Rudow. Köpenickerstr. 84, Weigt. Tchöneberg. Barbaroffastr. 67, Wetzel. Belzigerftr. 61, Kernchen. Eberostr. 42, Zeitz. Eilcuacherstr. 63, Machler. Erdmannstr. 5, KulinSki., lfrankenstr. 2, E. Hanke. Gustav Müllerstr. 35, Schmidt. 48. Beck. Kyffhäuserstr. 2, Paul. Nollendorsstr. 40, Hanke. Scdanstr. 13, Steuck. E. Schulze. Selchow. Spandau. Achenbachstr. 6, Bühl. Steglitz. Birkbulchstr. 84. Gietcmann. Mommsenstr. 59, Schröder. Gutschow. Stolpe. Tegel. Brunowstr. 41, Rothert. ögellsstr. 39, Mayer. Schlieperstr. 59,«chwanz. . 67, König. Schloystr. 27, Petersohn. Schulstr. 1, Einnitz. Tempelhof. Steglttzerstr. 79. Zrau Zcrbahn, Grünkramgesch. lies, boykottsr. Ware. Treptow. Beermannstr. 6, Fieck. rxlscirslr. 38, GeSke. Kiejholzstr. 33/34, Weiser. Strala«. Alt-Stralau 49, Härtung. H. Sparr. Wattersdorf. Weitzenfee. Berlinerstr. 87. Havenburg. Charlottenburgerstr. 76, Hoffmann. 78. R. Wick. 0 79, Schadwinket. , 98, Emil Engel. Falkenbergerstr, 146, Frosch. Feldtmannstr. 164, Krien. Friedrichstr. 1, Roth. Friesickeste. 23, Thiele. Generalstr. 12, Müller. Gäblerstr. 60, Wilh. Engel. Heinersdorserweg 24, Robert Engel. 0 45, Hoffmann. „ 48, Liskowski. „ 56, Bay. König-Chauffee 72, Hoffmanu. Langhan-str. 75, Nauber. Lehderstr. 1, Hofsmann. 113, Klink. Lothringcnstr. 35, Hoffnnmn. Pistoriusstr. 8, Nassau. Rölckestr. 127, Hoffmann. Strasiburgstr. 20, Heise. Wilhelmstr. 23, DrewS. 0 33, Schwarz, Wilhelmsruh. Edelweißftr. 11. Lube. Hauplstr. 30, Äilletat. Wilmersdorf. Brandcnburgischestr. 3/10, Tanner» Sigmaringcnstr. 8, Frost. Witteuau» Triststr. 74. O. Richter. Zehlendorf. Berlinerstr. 6a, Haesner. Die Bewilligung zurückgezogen haben: E. Barth. Dronthcimerstr. 13. Otto Mürbe, Nostizstr. 49. Schön, Mühlenstr. 51. Scheuncmann, Strelitzerst. 31. F. Tähne, Stralauer Allee 23. H. Edcr, Anklamerstr. 57. I Göstlvein, Allensteinerstr.9. Hanke» Fennstr. 51. Trestler, Pappcl-Allee 85. Frd. Susat, Rixdorf, Falkstr. 21 F.Lorenz,„ Steinmetzst.131 Messing, Biesenthalerstr. 2. Die verehrliche Bevölkerung von Berlin und Umgegend ersuchen wir, genau auf die roten Karten zu achten, die alten Plakate sind ungültig. Handler, welche boykottfreie Ware verkaufen, und Bäckermeister, welche die Forderungen bewilligt haben und noch nicht im Besitze der roten Karte sind, ersuchen wir, dieselbe im Verbandsbureau, Auguststr. 28. abzuholen. Cfcspsrri sind ferner die Brotfabrik Müler, Müllerstr. 33/34, und die Großbäckerei Llottner. Die Streikleitung. verbandsdureau: Auguststr. 36, Tel. Amt III. 1243. Wir bitten das verehrliche Publikum, diese Namen in dem am Sonntag erschienenen Flugblatt zu streichen. Achtung, Kirchhofsbesucher von Nordend l Den Kirchhofsbesuchern von Nordend teilen wir mit. daß die Bäckerei und Caf6 von Asmus, Nordend, gesperrt ist. Asmu! weigert sich hartnäckig, die Forderungen des Verbandes zu bewilligen. Ferner bitten wir zu beachten, daß die Inhaber der CaftS Holland, Beuthstr. 19; Schild, Blumenstraße, Brot und Backwaren aus unbewilligten Bäckereien beziehen. Mitbürger! Arbeiter! Hansfranen! Unterstützt die um Lrbämpfung ihm IRensohetltechfe streikenden Bäckergesellen. Die verehrliche Bevölkerung von Berlin und Umgegend fordern wir hierdurch auf, falls lie anS bewilligten Bäckereien Ware haben wollen, in denjenigen Stadtvierteln oder Strasienziigen, wo keine bewilligt habende Bäckereien vorhanden sind, an Untenstehende ZlunlisnssmmslsteUsn ihre Adresse gelangen zu lassen vnd zugleich mitzuteilen, wie biet Backware und Brot sie taglich brauchen und NM Wetck)e-ßeit die Ware geliefert werden soll. Die Streikleitung wird dafür sorgen, daß den sich Meldenden auf dem schleunigsten Wege die Ware ins Haus geliefert wird. Auf Wunsch der dortigen Bevölkerung haben wir folgende Kundensammelstellen eingerichtet: c. Hoehnow, Parochialstr. 36. Arnold, Spittelmarkt 3. G. Wallberg, Kaiser Wilhelmstr. 18 o. �V. R. Roy, Kirchbachstr. 16. Schmidt, Schwerinstr. 12, Hof IV. F. Lehman», Großgörschenstr. 27. sw. Günsel, Alte Jakob str. 172, Hof l. I. C. Mehuert» Fdliicrstr. 15. Hermann Michaelis, Lankwitzstr. 5, Stfl. Ell, Lcue» Wilhelmstr. 3, Oncrgebäude 4 Treppen, bei Hohmann. Krumpel, Zimmerftr. 75 und Markthalle III(Stand 197). K. Werner, Eylauerstraße 2. C. Müller. Nostizstr. 56, IV. NW. Gaedke, Calvinstr. 6, linker Seitenflügel 1 Tr. Petermann, Birkenstr. 28, Ecke Stephanstraße. Eduard Rothe, Flensburgerstr. 24. s. H. Zieph, Camphausenstr. 5. NO. Walter Sieber, Lippehnerstr. 24. O. C. Wolff, Mirbachstr. 39, Part. Hermann Barentin, Tilsiterstr. 81. N. Segel, Ackcrstr. 21, Part. tto Schellcnberg, Weißenbnrgerstr. 57 (erbietet sich, den Kunden boykollsreicS Brot in N., 0. und C. WS Haus zu bringen). P. Schwcmmer, Guineastraße, Ecke Seestraße. Ender, Friedrichsberg, Kronprinzenstr. 17, Seitenflügel I. Hartman«, Boxhagcn-Rummelsburg, Holtristr. 11. Ferdinand Kranse, Hohen-Schönhauscn, Berlinerstr. 66. Pühl, Lichtenberg, Pfarrstr. 74. Thicsien, Lichtenberg, Hageustr. 56. Knapp» Ober-Schöneweide, Edisonstr. 44. Kroll,„ Slabystr. 17. Emil Witte, Pankow, Florastr. 45. Gronau, Reinickcndorf-West, Waldstr. 65. H. Schmidt, n Berlinerstr. 5. Otto Wedermann, Steglitz, Fichtcstr. 71, v. I. Winkelmann, Steglitz, Schloßstr. 194, Hof El. Gülzow, Steglitz, Niederlage, Forsterstr. 23, Heidschmidt, Steglitz, Niederlage, Markftcinstr. 1.' Klein, Steglitz, Niederlage, Herthastraße. Rost, Weistensce, Straßburgstr. 27. Ferner die Verkaufsstellen des Berliner Consum-Vereins: Michaelkirchplatz 4; Krantftr. 7; Zorndorferstr.«1; Liebigstr. 7; KopernikuSstr. 33; Rostockcrstr. 35; Havelbergerstr. 6; Emdenerstr. 50; Erasmnsstr. 5; Rummclsburg, Türrschniidtstr. 6? Lichtenbcrg-Friedrichs- berg, Frankfurter Chaussee 103; Kronprinzenstr. 1; Stralaucr Allee 80a« Bäckermeister, die gewillt sind, auch für weitere Tonren Lieferungen zu übernehmen, bitten wir. ihre Adresse im Streikburcau niederzulegen. Falls bei der Lieferung im Anfang nicht alles nach Wunsch gehe» sollte, bitten wir die verehrliche Bevölkerung um Nachsicht, aber bei der Hartnäckigkeit unserer Gegner um energische Ansdaner. Die Streikleitung. Verbands-Bureau: Auguststr. 86.— Telephonruf: Amt III Nr. 1243. »erantworllicber Redakteur: Hans Weber. Berlin, gür den gnscratcnteil verantw.: Th. Glöcke�Berlin. Tcuck u. Verlag: VorwärtI ckuchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer Sc Co.. Berlin LW, Ir. 138. 24. Jahrgang. 4 Mm te Jotmätts" Mim VMW. Sonntaj, IG. Itini 1907. partei- Angelegenkeiten. Zur Lokalliste! AnISstlich der jetzigen Ausflüge nach dem Gprcewald ersuchen wir die Parteigenossen. Vereine, Klubs und Gesellschaften, sich vor Arrangierung derartiger Partien recht frühzeitig mir folgenden Genossen in Verbindung zu setzen: W i l h. Zachow. Kottbus, S ch u I st r. 4. und A u g u st Maschofius, Lübbenau. Mittel st r. 124. Dieselben sind jederzeit gern bereit, jede gewünschte Auskunft über Nachtquartier zu erteilen sowie bei Beschaffung von Fährleuten streng darauf zu achten, dah keine Uebervorteilung der Ausflügler durch zu hohe Berechnung der Fahrpreise stattfindet. Darauf hinweisen wollen wir noch, daß im Spreewaldgebiet uns nur folgende Lokale jetzt zur Verfügung stehen:.Schwarzer Adler"(Baumgart) in Lübbenau und.Schützenhaus' in Vetschau. Bei Aus- flügen von Vetschau über Burg nach dem Spreewald wende man sich um Auskunft an Genossen Aug. Klünke, Vetschau. Bahnhofstraste. Alle Anfragen bezüglich Buckow(Märkische Schweiz) sind an den Genossen Fritz Simon, Wald-SieverSdorf, Bahn- Hof DamSdorf-Müncheberg, bezüglich Werder a./H. an den Genossen Gustav Wüstenhagen, Werder, Brandenburgerstraste 36, und bezüglich Freienwalde a./O. an den Genossen Wilhelm Testmann. Freienwalde a./O., Uchtenhagenerstraste 17. zu richten._ Die Lokalkommission. Zentralwahlvcrein für Teltow-Beeskow. Die Kreis-Generalversammlung findet am Sonntag, den 7. Juli, mittags 12 Uhr, im Lokal des Genossen Koppe, Rixdorf, Hermannstraße 49, statt. Jeder örtliche Wahlverein hat das Recht, drei Delegierte zu entsenden. Die Delegierten müssen mit Mandaten versehen fein. Anträge, die auf der Generalversammlung ihre Er- ledigung finden sollen, sind möglichst bis zum 20. Juni dem Zentralvorstande einzureichen. Das diesjährige Kreisfest findet am Sonntag, den 14. Juli, in dem Etablissement Hasselwerder zu Niederschöne- weide statt. Billetts a 25 Pf. sind in den örtlichen Wahl- vereinen zu haben._ Der Zentralvorstand. Charlottenburg. Am Dienstag, den 13. Juni, abends �9 Uhr, findet im„Volkshaus" eine öffentliche Versammlung statt, in der Genosse Eduard Bern st ein über das Thema:„Hat der Liberalismus in Deutschland noch eine Bedeutung?" referieren wird. Wir erwarten, daß die Genossen zahlreich und pünktlich zu dieser Versammlung sich einfinden. Erkner. Unsere nächste WahlvereinS-Versammlung findet Dienstag, den 18. Juni, abends liO Uhr, im Vereinslokal statt. Das Erscheinen aller Genossen ist der wichtigen Tagesordnung halber dringend erwünscht. Der Vorstand. Wilmersdorf. Da nun auch der„Viktoriagarten", Wilhelms- ckue 114, der Arbeiterschaft zu Versammlungen zur Verfügung steht, so findet am Dienstag, den 18. d. Mts., abends 8)� Uhr, in diesem Lokal die erste sozialdemokratische Versammlung statt. Die Tagesordnung lautet:„Der Kampf im Bäckergewerbe". Referent: Genosse Karl Hetzschold- Berlin. Hierzu findet am Montag- abend 7 Uhr eine Handzettel-Verbreitung statt. Zahlreiche Be- teiligung wird erwartet. Gleichzeitig werden die Genossen ersucht, für einen guten Besuch dieser Versammlung zu agitieren.— Die für einen guten Besuch dieser Versammlung zu agitieren.— Die ausaelost in denen bei den bevorstebendsti, Ktadin�rd- Abölen!** WdM in netenwahlen Ha u sb e s i tz er zu wählen sind, �rausgestcht� mihmen.~'' daß nicht durch den Erwerb oder durch den Bcsitzwechsel bezw. Reinickendorf- West. Am Dienstag, den 18. Juni, abends 3 Uhr, findet in den„Eichbornsälen", Eichbornstr. 60, eine öffent- liche Versammlung statt. Der Genosse Hermann Schubert spricht über:„Klassenkämpfe in der Gegenwart". Die Wahl- Vereinsmitglieder werden aufgefordert, zur Verbreitung der Hand- zettel sich am Sonntag, also heute früh, bei den Bezirksführern einzufinden. Pflicht eines jeden Mitgliedes ist es, in der Ver- sammlung zu erscheinen. Ober-Schöneweide. Dienstag, den 18. Juni, abends 8'/z Uhr. findet bei Kaufhold. Wilhelminenhofstr. 18, die Mitgliederversamm- lung des WahlvereinS statt. Regen Besuch erwartet Der Vorstand. SchZncberg. Den Parteigenossen zur gefl. Kenntnis, datz am Sonntag, den 23. d. M., das 17. Stiftungsfest des sozial- demokratischen Wahlvereins in E. Obst'S Festsäleu, Meiningerstr. 3, stattfindet. Die Direktion Kissel wird diesmal ein vorzügliches Streich- konzert veranstalten und die Vereine Rote Nelke I, Arbeiter- Nadfahrer und Arbeiter-Turner werden das Fest mit verschönen helfen. Die Genossen werden ersucht, sich rechtzeitig mit ihren Familien einzufinden. Alles Nähere die Billette und Plakate sowie demächst Annonce. Der Vorstand. Friedenau. Dienstag abend Vz9 Uhr: Mitgliederversammlung bei Grube. Kaiser-Allee 86. Tagesordnung: Bericht von Grost- Berlin, Kreis-Generalversammlung, VercinSangelegenheiten, Ver- schiedeneS. Pflicht jedes Parteigenossen ist es, pünktlich in der Ver- sammlung zu erscheinen. Der Vorstand. Treptow- Baumschiilenweg. Dienstag, den 18. d. MtS., abends 8Vz Uhr, findet in Speers Festsälen die Versammlung des Wahlvereins statt.— Tagesordnung: 1.„Diskussion über das Erfurter Programm". Referent: Gen. G r u n- w a l d t. 2. Wahl der Delegierten zur Kreis-Generalversammlung. 3. VereinZangelegenheiten und Verschiedenes. Parteigenossen! Erscheint in dieser Versammlung, da auster dem interessanten Vortrag wir Stellung zum internationalen Kongreß nehmen müssen. Gäste, auch Frauen, sind willkomnreit. Der Vorstand. Zehlendorf. In der Wahlvereinsversammlung, die am Dienstag bei Mickley, Potsdamerstr. 23, stattfindet, wird Genosse Ulm einen Vortrag über das Erfurter Programm halten. Auster den Mit- glicderit des Wahlvereins sind auch Gäste willkommen. berliner I�admcKten. An der Peripherie der Großstadt. Verläßt man die Müllerstraße mit ihren aufeinander- folgenden Friedhöfen und wendet sich rechts, Reinickendorf an, so erkennt man sofort, daß die Züge der Großstadt ver- flachen und man in eine Umgebung kommt, wo sie vorerst wie suchend, die Füllhörner ausstreckt. Die Straßen verlieren hier ihr starres verschlossenes Gepräge; idyllische Villen, kleine, altersgraue und weinumsponnene Häuschen, oft aus einem Stockwerk bestehend, dazwischen hohe, nüchterne Mietsbauten, wechseln in mannigfacher Reihenfolge ab. Ueberall Gärten, größere und kleinere, gepflegte�und vernachlässigte, Remise und Schuppen, Molkereien, Ställe, Fuhrhaltcreicn, und zwischendurch schweift das Auge über grüne Flächen, Fabrik- qelände, Kartoffeläcker, Lauben, immer bunt und vielgestaltig. Am Himmel lagert eine bleischwere, silbrigwciße Wolken- schickst, die sich dein Horizonte zu ins blqulich-schwärzliche ab- tönt. Ein feiner Staubregen rieselt herunter, und an dünnen Wolkenstellen stiehlt sich dann und wann ein flüchtiger Sonnenstrahl schelmisch lächelnd hindurch. Unser Weg führt uns an einem Schulgebäude vorbei und wir werfen einen Blick auf die im Hofe exerzierenden Kinder.„Links, links, links!" schallt die Stimme des Lehrers über den freien Platz. An einer einsamen Stelle steht eine Kirche. Der schlanke Turm hebt sich scharf von dem dunklen Hintergrunde ab. Dröhnend, mit gewaltigen Schwingen läuten die Glocken euiern müden Erdensohne zur ewigen Ruhe.— Weiter oben häufeln Frauen, das Gesicht unter weiten, bunten Tüchern o versteckt, Kartoffeln. Daneben wogen, vom Lusthauch sanft bewegt, Getreidefelder und rufen wehmütige Erinnerungen an die ländlichen, heimatlichen Gefilde in uns wach. An einer grünen Hecke weiden eine schwarze und eine weiße Ziege und glotzen uns dumm und verwundert an. Ein Wagen rasselt vorbei. Ein Schornsteinfegerlehrling benutzt die gunstige Gelegenheit, um billig und schnell fortzukommen und setzt sich hinten auf. Sein rußiges Gesicht glänzt vor Freude und die glänzenden Augen rollen lebhaft hin und her Weit breiten sich jetzt die Felder aus, deren Boden an ein- zelnen Stellen Risse und Löcher zeigt. Da ist ein Spielbuden- Platz, aber keine Menschenseele ist zu sehen und die bunten Schaukeln blicken uns melancholisch an. Wir wenden uns links, nach Tegel zu. Drüben erheben sich die gewaltigen Bauten der Gasanstalt und finstere Schorn- steine recken sich empor. Ein Streifen Nadelwald erstreckt sich bis hierher. Erfrischend und labend wirkt die ozonhaltige Luft auf unsere staubgewohnte Großstadtlunge. Dahinter knattern Gewehrsalven. Dort wird den Söhnen des Volkes die Wirkung des„Modells 98" demonstriert und ihnen bei- gebracht, wie man die Fehler der Diplomaten wieder gut macht. Dicht dabei steht ein nüchterner Bau, in Ziegelsteinen aufgeführt, mit vielen Nebengebäuden. Das ganze ist mit einer auffallend hohen Mauer umgeben. Dort werden die Opfer unserer von Grund aus reformbedürftigen sozialen Verhältnisse beim Kuvertklcben und Bürstenmachen„ge- läutert" und zu brauchbaren Gliedern der Gesellschaft erzogen oder auch— umgekehrt!_ Die Stadtverordnetenwahlen finden anfangs November in Berlin statt. An diesen Wahlen sind folgende Kommunalwahlbezirke der dritten Abteilung beteiligt: 4. Bezirk(bisher: Kollokowsky,„Sozial-Fortschritt- ler"), 9. Bezirk(bisher: Genosse Bernstein), 10. Bezirk(bis- her: Genosse Zubeil), 11. Bezirk(bisher: Genosse Voigt), 12- Bezirk(bisher: Genosse Schulz), 22. Bezirk(bisher: Ge- nosfe Wengels), 23. Bezirk(bisher Genosse Basner), 29. Be- zirk(bisher: Altliberal), 32. Bezirk(bisher: Genosse Leid). 34 Bezirk(bisher: Genosse Fischer), 35. Bezirk(bisher: Ge- nosse Wurm). 36. Bezirk(bisher: Genosse Weyl), 41. Bezirk (bisher: Bitterhoff, liberal), 44. Bezirk(bisher: Genosse Glocke), 45. Bezirk(bisher: Genosse Liebknecht) und 48. Be- zirk(bisher: Genosse Pfannkuch). Der Magistrat von Berlin hat am Sonnabend in seiner außerordentlichen Sitzung diejenigen Gemeindewahlbezirke durch Ausscheiden von Stadtverordneten eine notwendige Aenderung erforderlich wird. Nach dem Ergebnis der Aus- losung sind in den Gemeindewahlbezirken 9. 10, 29, 32 34 35 und 45 der dritten Abteilung Hausbesitzer zu wählen. Vertrauensmänner. Die Berliner Stadtverordneten-Versamm- lung hat zu Vertrauensmännern für die für das Jahr 1908 zu bildenden Ausschüsse zur Auswahl der Schöffen- und Geschworenen folgende Herren gewählt: Für Berlin-Mitte: Stadtrat Mielenz die Stadtverordneten Baumann. Geriete, Schulze, Leis, Gohlickc und Kaufmann Gombert. Für Verlin-Schöneberg: die Stadt- verordneten Heimann und Kollokowsky. Für Bcrlin-Tempelhof: die Stadtverordneten Berger, Kreitling und Liebenow, sowie Ve- zirksvorsteher Frank und Bürgerdeputierter Charlie. Für Berlin- Wedding: Kaufmann Fehrmann, die Stadtverordneten Hintze und Thieme, Bezirksvorsteher Vost und Losch. Für Neu-Weistenscc: Dr. med. Rud. Buchmann. Der durch den großen Trakehner Prozeß bekannt gewordene Lehrer Nickel ist nunmehr von der Stadt Berlin angestellt worden. Seine definitive Anstellung an das Erziehungshaus Lichtenberg wurde in der letzten geheimen Sitzung der Stadt- verordnetcnversammlung genehmigt. Das Fernsprech-Fernamt. Ueber das neue Fernsprcch-Fernamt in Berlin liegen jetzt ausführliche amtliche Mitteilungen vor. Allein von den Teilnehmern des Berliner Netzes werden täglich etwa 6000 Ferngespräche angemeldet, während die Gesamtzahl der im Laufe eines Tages erledigten Fernverbindungen das 12. Tausend bereits erreicht hat. Für das Fernamt ist auf dem Grundstücke des Hauptfernsprcchamtcs Ecke Französische- und Obcrwallstraste ein Oberlichtsaal neu gebaut worden. Das Amt kann 600 Fernleitungen aufnehmen und ist zunächst für 232 Leitungen ausgebaut. Für den Betrieb dieser Leitungen gelangten bisher zur Aufstellung: 42 Fernschränke für den Tagesdienst, 13 Mcldeschränte, 1 Verteiler- schrank und 4 Nachtfernschränke. Zur Entgegennahme der An- Meldungen auf die von Teilnehmern des Berliner Netzes verlangten Fernverbindungen dient das auS 13 Schränken mit je 2 Arbeits- Plätzen bestehende Meldeamt. Die einzelnen Plätze dieser Melde- schränke werden an einem besonderen Verteilerschrank mit den von den verschiedenen Stadtämtern kommenden Meldeleitungen ver- Kunden, welche am Verteilungsschrank auf Anruflampe und Klinke gelegt sind. In der Zeit zwischen 9 Uhr abends bis 7 Uhr morgens erfolgt die Ausführung der Fernverbindungen an vier Nachtfern- schränken mit je zwei Arbeitsplätzen. Da der Nachtverkehr er- heblich geringer ist, so sind jedem Arbeitsplatz 30 Fernleitungen zugewiesen. Am Tage finde» diese Umschalter als Meldeschränke Verwendung. Der Betrieb gestaltet, sich in folgender Weise: Der Teilnehmer ruft in gewohnter Weise sein Bezirksamt an. Dies verbindet ihn über eine Meldeleitung mit dem Verteilerschrank des Meldeamtes. Hier leuchtet die Anruflampe und eine Meldebeamtin nimmt den Wunsch des Teilnehmers entgegen, füllt den Melde- zettel aus und teilt dem Teilnehmer mit, datz er angerufen wird, sobald die Verbindung hergestellt werden kann. Mittels einer Hausrohrpost wird der Meldezettel zur Zentralstelle befördert, von wo aus der Zettel dem entsprechenden Fernamtplatz zur Erledigung übermittelt wird. Aehnliche Einrichtungen sind getroffen, wenn ein Teilnehmer wissen will, wann er die angemeldete Verbindung voraussichtlich bekommen kann. Dauer, Beendigung des Gespräches und so weiter wird in allen Einzelheiten durch Kontrolllampcn überwacht. Das Fernamt ist von Siemens u. Halske gebaut, das solche Acmter in letzter Zeit unter anderem in Breslau, Leipzig. Crefeld, Plauen, Erfurt, Nürnberg, Wiesbaden usw. eingerichtet hat. iVesonbere Strafverzeichnisse über körperliche Züchtigungen der Schulkinder müssen einer Ministerialverfügung zufolge fortan in den Schulen geführt werden und zwar für jede Klasse eins. ES ist dafür ein Formular mit acht Spalten vorgeschrieben, in die folgendes eingetragen werden mutz: Lausende Nummer, Tag der Züchtigung, Name und Alter des Kindes, Begründung der Züchtigung, Angabe der vorher vergeblich angewandten Zucht- mittel, Name der züchtigenden Lehrperson, Bescheinigung des Schulaufsichtsbeamten(Rektors). Diese Neuerung wird von den Bezirksregierungen noch mit einer strengen Anweisung an die Lehrer begleitet, welche in der Hauptsache folgendermaßen lautet: „Wegen der großen Wichtigkeit, die dem Strafvcrzeichnis als Be- Weismittel bei etwaigen gerichtlichen Untersuchungen wegen Ueber- schreitung des Züchtigungsrechts zukommt, machen wir den Lehr- Personen in ihrem eigenen Interesse Vollständigkeit und Genauig- kcit in den Angaben, namentlich auch bezüglich des Matzes der Züchtigung(Zahl der Schläge), zur strengsten Pflicht. Jede Unter- lassung in dieser Hinsicht werden wir, sobald sie zu unserer Kenntnis gelangt, für die Folge mit empfindlichen Disziplinar- strafen ahnden." Man sollte sich endlich dazu aufschwingen, die körperliche Züchtigung in der Schule ganz zu beseitigen, dann kann man sich solche Erlasse und den Lehrpcrsonen die Arbeit des Eintragens in Prügelverzeichnisse ersparen. Nlitcr der Zuchtrute der Großen Berliner. Wir teilten gestern bereits mit, daß bei der Großen Berliner Straßenbahn wieder einmal eine Anzahl von Entlassungen vor- gekommen sind, die weder in dauernder Krankheit noch in Dienst- untauglichkeit anderer Art ihre Ursache haben, sondern lediglich auf bloße Denunziation hin erfolgten, ohne daß die Sache vorher unter- sucht oder den Beschuldigten Gelegenheit gegeben worden war, sich zu rechtfertigen. Wäre man seitens der Direktion nicht so blindlings darauf losgegangen,.so hätte man gewiß nicht Verbandsmitglieder und Vereinsmitglieder entlassen können, die gar nicht in jener der Direktion so unangenehmen ProtestWrsanmilung am 4. Juni anwesend waren und sich auch sonst in keiner Weise an einer der Direktion„unangenehmen" Agitation beteiligt haben. Die Denunziationen, auf Grund deren die Direktion die Eni« lassungen verfügte, werden einer Kontrolleurfrau Schulz aus Char- lottenburg zugeschrieben, die in dem Organ der Straßenbahner in recht charakteristischer Weise abkonterfeit wird � und die in der Ver- sammlung ganz offen erklärte. Denunziantin spielen zu wollen. Datz diese Frau mit ihrem Vorhaben sich bei der Direktion ganz besonders in„empfehlende" Erinnerung bringen wollte, versteht sich am Rande; es ist nicht das erstemal, daß sie sich auf diese Weise angenehm machte. Solche Leute, denen Ar« bester gern aus dem Wege gehen, braucht die Direktion. Diese Frau ist es mm freilich nicht allein, die sich erfolgreich mit dem Anzeigen von der Direktion unliebsamen Leuten befaßt. Leider macht sich auch in den Reihen der Straßenbahner selbst das Denunziantentum breit. So wurde kürzlich auf Denunziation eines Schaffners F. vom Bahnhof„Huttcnstraße" ein Mann entlassen, der 29 Jahre lang der Gesellschaft treu gedient hatte, entlassen wegen „hetzerischer Agitation". Der Mann ist K r i e g e r v e r e in l e r und soll sich auch nicht wenig daraus einbilden und mit Stolz seine Ehrenzeichen tragen. Dieser Umstand mag wohl der Direktion bekannt geworden sein und dazu bei- getragen haben, daß die Entlassung zurückgenommen und der Mann zur Strafversetzung nach dein Bahnhof Lichtenberg„begnadigt" wurde. Eö sind aber nicht nur Entlassungen und Strafversetzungen, die die Direktion anwendet, um ihr Personal frei von„Hetzern" zu halten und sich einen Stamm allzeit gehorsamer Dienstsklavcn zu sichern; auch die Hoffnung auf Beförderung muß in großem Maße dazu ausgenutzt werden. Braucht man einige neue Kontrolleure, so beordert man sich die zehnfache Zahl von Angestellten, die Kon- trolleurprlifimg abzulegen. Bei der letzten Kontrollenrcinstellttng wurden z. B. 7 Mann gebraucht, aber 64 mußten ihre Prüfung ab- legen. So wird es immer gemacht. Für die überzähligen geprüften Kontrolleuranwärter gilt dann das Wort: Hoff', o du arme Seele! Sei stets hübsch artig, denunziere deine Kollegen vielleicht ge- legentlich, dann kann es möglicherweis« im Laufe der Zeiten dazu kommen, daß du wohlbestallter Kontrolleur bei der Großen Berliner wirst! Aber Hoffen und Harren macht auch hier manchen zum Narren, Denn bei noch so starker EntWickelung ihres Betriebes kann die Große Berliner doch nie und nimmer: all die Leute zu Kontrolleuren machen, die sie zur Prüfimg heranzieht. Ihr ist es ivohl auch nur darum zu tun, datz sie recht viele Angestellte hat, die in der Hoffnung leben und darum ssefügig sind bis zum äußersten. Ob ihr das immer gelingen wird, ist bei der auch unter den Straßenbahnproletaricrn immer mehr wachsenden Aufklärung mindestens sehr zweifelhaft._ Der Hauswirt, der zu rechne» versteht— er heißt Z e l l i e n und kommandiert über das Haus Wiesen st vasze 29— verlangt, daß wir die Mitteilungen„berichtigen", die wir in Nr. 136 über ihn gebracht haben. Er verlangt es keck auf Gnmd von § 11 des Preßgesctzes, den er vennutlich noch niemals in seinem Leben gelesen hat. Es sei unwahr, daß— wie im„Vorwärts" gesagt worden war— das Klosett des Mieters M. in- folge einer schon bei seinem Einzüge vorhanden gewesenen Nn- dichtigkeit lief. Die Nachforschungen, die der Wirt zusannncn mit einem Kontrolleur der Wasserivcrke angestellt habe, um die Ursache des ungewöhnlich hohen Wasserverbrauchs zu ermitteln, hätten ergeben, daß im Klosett des Mieters M, der Wasserhahn durch einen eingeNemmten Nagel heruntergedrückt war, so daß fortwährend Wasser lief. Herr M. hatte uns diese Tatsache von vornherein mitgeteilt. Die Anbringimg des Nagels hat aber den Zweck gehabt, den Wasserfluß zu hemmen. Sie war die felbstuusgefiihrte„Reparatur", von der wir sprachen, und zu der Herr M. sich genötigt gesehen hatte, weil der Wirt keine llleparatur ausführen ließ. Die weitere Behauptung der Zellieiischcn Zuschrift, daß M. sogar ein Loch in die Gummischeibe gebohrt habe, ivird von M. als unwahr zurückgewiesen. Herr Zellien versichert, für die Zeit vom 21. März bis 23. April sei von den Wasserwerken ein Wasserverbranch von täglich rund 4,3 Kubikmeter mehr als sonst, also für die ganze Zeit ein Mehr von 142,6 Kubikmeter festgestellt worden. Für dieses Quantum hat Z. von M. 20 Mark eingefordert, was ja allerdings noch.etwas unter dem Selbstkostenpreis(18 Pfennig pro Kubikmeter) zurückbleibt. Wenn aber diese 142,6 Kubikmeter tatsächlich durch daS Klosett dieses einen Mieters abgelaufen wären, dann müßten in den 34 Tagen vom 21. März bis zum 23. April Tag und Nacht in jeder Stunde 178 Liter abgelaufen sein. Und das sollte nicht früher bemerkt worden sein? Herr Z. erzählt weiter:„Als M. am 1. Juni 1907 keine Miete zahlte, habe ich die Räilmungsklage gegen ihn angestrengt. Er zahlte dem- nächst verspätet die Miete(nämlich am 3. Juni, als er von Z.'S Absicht einer Räumungsklage noch gar keine Ahnung hatte— Red. d.„V."), und ich habe dieselbe zur Wahrung nieines RänmungS- rechts gemäß§ 2 des Vertrages als Vertragsstrafe angenommen." Inzwischen hat der Termin bereits stattgefunden. Ueber daS Ergebnis schreibt Z.:„M. ist im hettigen Termine zur Räumung der Wohnung verurteilt worden." Dem gegenüber versichert uns Herr M. ans das bestimmteste, es sei eine Einigung zustande gekommen, von sosorligem Ausziehen sei keine Rede, aber sein bis zum 1. Oktober laufender Kontrakt werde auf gegenseitige Uebereiukiinft zum 1. Juli aus- gehoben. M. ist froh, daß er nicht länger dort zu wohnen braucht. Die am 3. Juni gezahlte Miete, deren Verrechnung als.Strafe" dem Richter ein Kopfschütteln verursachte, gilt als Miete für Juni. Die Kosten der Klage werden vom Wirt übernommen. � Hiernach mögen unsere Leser selber sich ei» Urteil über die»Berichtigung" des Herr» Zellien bilde». In Ausübung seines Berufes geriet gestern abend der Wächter Heinrich Noack aus der EberSstr. 86 mit einer Anzahl junger Burschen, die er in der Gegend der Kolonialausstellung von einem Gelände weisen wollte, in Streit. Plötzlich richtete einer der Burschen einen Revolver auf Noack, dem die Hand, die er abwehrend voi> hielt, durch eine Kugel durchbohrt wurde. Die Rowdys entflohen. Noack mufcte nach dem Krankenhaus Schöneberg gebracht werden. Eine größere Betriebsstörung im Straßcnbahiiverkchr ereignete sich gester» früh gegen'/� Uhr am Potsdamer Platz. In der Ein- fahrt zur Königgrätzcrstraße vor dem Hotelneubau des»Fürstew Hofes", entgleiste zur genannten Zeit ein Straßenbahnwagen der Linie lö mit allen Rädern in der dort liegenden Notweiche. ES dauerte dreiviertel Stunden ehe der Waggon durch Mannschaften des herbeigeholten Rettungswagens der Straßenbahn wieder ein« gegleist werden konnte. Die Wagen der Linien 1, 7, 14 und 15 wurden durch die Leipziger-, Charlotten- und Friedrichstraße ab gelenkt, die Linien P und E fuhren durch die Leipzigerstraße zum Spittelmarkt und legten dortselbst um. Während die Mutter Arbeit ablieferte, verunglückte die sechs- jährige Tochter der Eheleute Boitin, Gropiusstr. 6, dadurch, daß sie beim Hinunterrutschen auf dem Treppengeländer von der dritten Etage in einen mit Steinen belegten Schacht stürzte. Dem Unglück� lichen Kinde wurde der Schädel fast vollständig zerschmettert. Als die bedauernswerte Mutter heimkehrte, war sie ganz verzweifelr und unternahm einen Selbstmordversuch, von dem sie aber noch rechtzeitig abgehalten wurde. Der Schmerz der Mutter ist be- greiflich, es war ihr einziges Kind. Ein Schulknave ertrunken. In der Nähe der Hobrechtbrücke am Kottbuser Ufer hatten mehrere Knaben in der Nähe des Wassers gespielt und als sie beobachteten, daß im Schiffahrtskanal der Kadaver eines Hundes herangeschwommen kam, versuchten sie ihn an das Ufer zu ziehen. Hierbei stießen sie sich gegenseitig heftig an und der achtjährige Schüler Felix Nowicki, dessen Eltern in der Forsterstraße 8b wohnen, erhielt von einem Schulkameraden einen so heftigen Stoß vor die Brust, daß er schwankte und das Gleichgewicht verlierend in den Kanal stürzte. In diesem Augen blick kam die Mutter des KGaben hinzu. Auf ihre Hülferufe eilten sofort Schiffer herbei, um den Knaben zu retten. Aber alle Be- mühungen waren erfolglos, das Kind ertrank vor den Augen der Diutter. In ihrem Schmerz wollte sich die unglückliche Frau ins Wasser stürzen und sie konnte nur mit Gewalt daran gehindert werden. Die Leiche des Ertrunkenen wurde bald darauf geborgen und nach dem Schauhaus gebracht. Im Ncvolverschicße» scheinen sich in der Nacht Leute in de� Markthalle zu üben. In der Zentralmarkthalle Is. wurde festgestellt, daß irgend jemand in der Nacht drei Schüsse in den Klosettraum ab- gegeben hat. Die große Tür. welche den ganzen Klosettraum ab- schließt, war von außen durchschossen. Die Kugeln haben noch die Seitenwäude der nebeneinander liegenden drei Einzelklosetts durch- schlagen und blieben i» der fünften Wand stecken, wo sie gestern von dem Markthalleninspektor gefunden, und entfernt wurden. Vor den einfahrenden Zug gestürzt. Ein aufregender Vorgang hat sich gestern auf dem Bahnhos Gesundbrunnen abgespielt. Die Frau des Kaufmanns Thiem, Kanalstraße 60 in Oranienburg wohnhaft, wollte vom Bahnhof Gesundbrunnen heimfahren. Als sie auf dem Bahnsteig auf den Zug wartete, wurde sie plötzlich von einem Schwindelanfall heimgesucht und besinnungslos stürzte sie vornüber auf die Gleise. In diesem Augenblick kam ein Nord- ringzug herangesaust und obwohl der Lokomotivführer sofort bremste, konnte es doch nicht mehr verhindert werden, daß Frau T. von der Maschine erfaßt und eine Strecke mitgeschleift wurde. Bahnbeanite befreiten nun die Verunglückte und trugen sie in be- wußtlosem Zustande nach einem Arzt. Sie hatte eine schwere Ge- hirnerschistterung, schwere äußere Verletzungen und anscheinend auch einen Schädelbruch erlitten. Wenn ein Unschuldiger angeklagt wird, so muß er den Vor- ladungen zu den gerichtlichen Terminen Folge leisten, will er sich nicht große Unannehmlichkeiten machen. Es gibt Leute, die meinen, das nicht nötig zu haben, und zu diesen gehört ein Arbeiter Schl. in der Soldinerstraße. Er war beschuldigt, im April zwei Eiscnbahnbcamte beleidigt zu haben und wurde deshalb an- geklagt. Weil er sich eines solchen Vergehens nicht bewußt war, glaubte er alle an ihn gerichtete» Zustellungen mit dem Bemerken zurücksenden zu sollen, er sei nicht der richtige Schl./ es müsse sich wohl um einen anderen Mann gleichen Namens handeln; auch der Vorladung zu einem gerichtlichen Termin leistete er keine Folge. Das war falsch. Das Gericht vertagte den Termin und beschloß zwangsweise Vorführung. Als dieserhalb in seiner Wohnung ein Schutzmann erschien, kam es noch zu Auseinandersetzungen, bis der Schutzmann seinem Befehl mit der Pistole in der Hand Nach- druck verschaffte. Vor Gericht bestätigten zwei Zeugen, daß Schl. mit der Sache gar nichts zu tun hätte, er wurde freigesprochen. Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird der mit zahl- reichen farbigen Bildern ausgestattete Vortrag„Von der Zugspitze zum Watzmann" am Sonntag, Dienstag, Donnerstag und Sonn- abend zur Darstellung gelangen. An den übrigen Tagen, also am Montag, Mittwoch und Freitag wird der Vortrag„Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat", welcher ebenfalls mit zahlreichen farbigen Bildern illustriert ist, wiederholt werden Feuerwehrbericht. Gestern früh um 3 Uhr wurde die Feuet wehr nach dem Planufcr 23 am Vlüchcrplatz gerufen. Tort war in der Wohnung des Vcrsicherungsbcamten Tarnowski im 4. Stock Feuer ausgekommen. Es brannten Hausrat, Balken, das Zwischen gebälk, Schaldecken u. a. Die Gefahr wurde erst bemerkt, als Qualm in die Schlafräume drang. Die Familie geriet dadurch, daß der Korridor und die Treppen total verqualmt waren, in Gefahr. Die Hausbewohner riefen deshalb aus den Fenstern laut um Hülfe. Durch die Zurufe des zahlreich versammelten Publikums würden die Frauen noch mehr beunruhigt. Man rief ihnen zu, aus den Fenstern zu springen. Zum Glück erschien die Feuerwehr in diesem kritischen Moment. Brandmeister v. Borch ließ sofort eine große mechanische Leiter aufrichten und durch Zurufe die Bewohner vcr- ständigen, daß sie oben bleiben sollten. Dies beruhigte die Frauen und Kinder, die dann von der Feuerwehr in Sicherheit gebracht wurden. Die Flammen konnten bald gelöscht werden. Ferner hatte die Wehr in der Prinzenstr. 89 zu tun, wo ein Schaufenster mit Schuhwaren brannte. Betten, Matratzen und Möbel wurden in der Weberstr. 1/2 ein Raub der Flammen. Vor dem Hause Tiergartenstr. 10 brannten drei Kisten mit Inhalt aus einem Roll wagen und in der Linienstr. 32 Gardinen, Möbel usw. Arbeiter- Bildungsschule Berlin, Grenadierstraße 37. Die ibliothek bleibt bis auf weiteres geschlossen. Die Mit glieder werden gebeten, die entliehenen Bücher bis spätestens zum 21. Juni zurückzugeben. Gesperrt sind die Lützowstraße zwischen Genthiner- und Magdeburgerstraße und Blumeshof(ausschließlich Kreuzdamm Magdeburger- Lützowstraße) umfangreicher Straßenbahnarbeiten halber; außerdem das Bethanien-Ufer vom Elisabeth-Ufer bis zur Adalbertstrhße behufs UmPflasterung vom 17. d. Mls. ab. Ein tragischer Selbstmord. Das Draina in der Köthenerstr. 24, wo wie wir vor wenigen Tagen berichteten, der Fabrikbesitzer Dr. Franz Joseph und dessen Geliebte, die Kaufmannsfrau Pauline Gotthelf gemeinsam in den Tod gegangen, hat nun auch noch ein drittes Opfer gefordert. Die Mutter des Fabrikbesitzers, die Ehefrau des Rentiers Martin Joseph ist in der vergangenen Nacht freiwillig au-s dem Leben geschieden. Sie vermochte die unselige Tat ihres Sohnes nicht zu überleben. Als sie am Donnerstag die Nachricht vom der Tragödie ihres Sohnes erhielt, brach die Unglückliche ohnmächtig zusammen. All den beiden letzten Tagen hatte die Acrmste furchtbare Krämpfe zu bestehen. Schließlich reifte der Entschluß in ihr, dem Sohne in den Tod nachzufolgen. Gestern fuhr sie zweimal nach dem Schau- Hause, um noch einmal die Leiche des Sohnes zu sehen. Heimlich verschaffte sie sich auf der Fahrt eine Flasche Lysol, und als sie gestern abend in der elften Stunde allein in ihrem Zimmer war, leerte sie die Flasche bis auf den letzten Tropfen. Als man die be- klagenswerte Tat entdeckte, war Frau I. bereits ohne Bewußtsein. Hinzugezogene Aerzte wandten sofort alle nur erdenklichen Gegen« mittel an, aber ihre Bemühungen hatten keinen Erfolg mehr. Gegen Mitternacht verschied Frau Joseph. Ein Schwindler treibt sein Unwesen, indem er bei den Kunden der Brauerei Ernst Engelhardt Nachf. für in früheren Jahren leihweise überlassene Flaschen Bezahlung fordert. Er gibt an, ein Verwandter der Geschäftsinhaber zu sein und ist es ihm gelungen, m mehreren Fällen Milchhandlungen und Grünkramgeschäfte in verschiedenen Stadtteilen zu schädigen. Arbeiter-Samariter-Kolonne. Montag abend 9 Uhr: 2. Abteilung, Brunnenstr. 154. Vortrag des Spezialarztcs für Chirurgie Dr. Loevy über Verletzungen, Wundbehandlung. Blutstillung. Daran anschließend praktische Uebungen. Neue Mitglieder können jeder- zeit eintreten. Wer ist und nähni daher Vel eknem Bäckermeister eme Stellinig als Aus- trägerin an. Zu diesem Zwecke bedurfte sie einer Jnvaliditätskarte, die ihr Mann von dem zuständigen Polizcibiireau. Alt-Boxhagen 23, besorgen wollte. Der Beanile fragte ihn nach seiner Legitimation und der Arbeiter wieS Jnvalidenlarte und Krankenkassenbuch vor. Aber wo- zu werden denn im Verkehr mit den Behörden so oft Urkunden auS- gestellt? Wenn man sie zu Hause läßt, glaubt der Beamte natürlich nicht an die Identität des bctrestenden. Es wurde Th. also be- deutet, er solle eine Bescheinigung des Arbeitgebers seiner Frau bei- bringen. Diese wurde beschafft und noch bewaffnet mit Heirats- Urkunde, polizeilicher Meldung und Militärpatz marschierte Tb. siegeö- gewiß nach dem Polizeirevier. Aber eins hatte er vergessen, das Sprüchwort:„Der Vureankrat tut seine Pflicht von 8— 3*. Da nämlich 58/4 Uhr nachmittags war, fragre der Beamte zwar, ob nunmehr alles zusammen habe, riet ihm aber dann, in den Dicnststundcn von 8—3 Uhr wieder zu erscheinen. Unser Freund Th. batte nun aber ein Haar in dem Verkehr mit der Polizei gestmden. Er schickte jetzt seine Frau nach dem Bureau, natürlich versehen mit allen Legitimationspapieren. Der Betmile prüfte gewissenhaft, wie dies nur ein Beamter tun kann; plötzlich huschte ein finsterer Schatten über das Antlitz des Polizeigewaltigen. Man denke, der Heiratsschem war nicht gestcntpelt. Er erklärte deshalb� keine Jnvalidenkarte ausstellen zu können, dazu benötige er vielmehr noch der Geburtsurkunde der Frau. Die Frau muß angesichts dieser vielen behördlichen AuSstellnugen kroh sein, daß nicht noch ein Verfahren wegen Führung falscher Legitimationspapiere gegen sie angestrengt wird, oder daß gar noch ihre Ehe wegen des fehlenden Stempels auf der Urkunde für ungültig erklärt wird I Frau-vh. hat ihre Stellung in Rummeltburg aufgegeben und will in Berlin Arbeit nehmen, um hier in den Besitz einer Jnvaliditätskarte zu kommen. Ob ihr das hier leichter gelingen wird? Lichtenberg. Ter Arbeiter-Turnverein nimmt heute, den 16. Juni, die im vorigen Jahre eingeführten Kinderspiele wieder auf. Der große Beifall, den diese Spiele, die unter bewährter Leitung stehen, gefunden haben, veranlaßt den Verein, schon jetzt mit denselben zu beginnen. Gespielt wird jeden Sonntag von Vi9—W2 Uhr im Garten des Gastwirts Gürsch, Frankfurter Chaussee 128. Treff. punkte sind � Uhr Frankfurter Allee. Ecke Blumenthalstraße, und um 3 Uhr Frankfurter Chaussee. Ecke Gürtelstraße. Um rege Be- teiligung, Knaben und Mädchen, ersucht Der Vorstand. Wilhelmsruh-Rosenthal-Nordcnd. Aeber einen Akt skandalöser Armenfürsorge berichteten wir in der Nummer unseres Blattes vom vorigen Sonntag. Danach war ein armes Weib mit ihren Kindern von den Gemeinden Nieder- schönhauscn und Rosenthal hin und her gestoßen worden; eS mußte unter freiem Himmel kampieren, bis schließlich sozialdemokratische Arbeiter eine kleine Sammlung für das auSgestoßene Weib veranstalteten und mit Hülfe eines Gendarms für ein einstweiliges Unterkommen sorgten. Aus Anlaß unserer Mitteilungen schickt uns nun der Bürgermeister von Niedcrschönhausen ein Schreiben folgenden Inhalts: „Die Frau, um die es sich handelt, mußte, nachdem ihre Familie seit Januar 1907 seitens der Gemeinde Niedcrschön- Hausen reichlich unterstützt worden war, am 20. Februar 1907 mit ihren Kindern ins Armenhaus aufgenommen werden. Auf- gefordert, sich innerhalb 4 Wochen eine Wohnung zu suchen, er- klärte sie, sie wolle sich nach einer Wohnung in Nordend(Ge- meindebezirk Rosenthal), wo sie schon früher gewohnt habe, um- sehen. Sie fand dort auch eine Wohnung und zur ersten Miete erhielt der Wirt 12 M., die ihm vom zuständigen Armenpfleger ausgezahlt wurden.� Die Frau selbst also ist auf den Gedanken gekommen, nach ihrem früheren Aufenthaltsort Nordend zurückzugehen, keines- Wegs ist ihr dies von dem Armenpfleger geraten worden. Im übrigen ist die Frau sogenannte Landarme, die weder in Nieder- schönhausen noch in Noscnthal einen Unterstützungswohnsitz hat, so daß also auch davon keine Rede sein kann, daß sie„durch den Armenpfleger um ihren Unterstützungswohnsitz gebracht wäre". Durch diese Erklärung wird an dem Elend der armen Frau auch nicht ein Jota geändert. Ober-Schöueweide. Tie Leiche eines Unbekannten ist vorgestern bei Ober-Schöne« weide aus der Spree gelandet worden. Papiere, die über die Persönlichkeit des Lebensmüden Aufschluß geben könnten, wurden nicht vorgefunden. Die Leiche, die schon eine Reihe von Tagen im Wasser gelegen, wurde nach der Halle des Gemeindefriedhoscs in Ober-Schönewcide übergeführt. Ketschendorf. Beim Angeln ertrunken ist vorgestern nachmittag in der Ober» spree der Mechanikerlehrling Gustav Schmidt aus dem benachbarten Ketschendorf. Sch. leidet seit Jahren an Krampfanfällen und trotz des Verbotes der Mutter konnte er es nicht unterlassen, häufig zu angeln. So saß er auch vorgestern nachmittag wieder am Ufer der Spree und angelte. Plötzlich wurde er wieder von Krämpfen befallen und kopfüber stürzte er ins Wasser. Er versank sofort und vergeblich bemühten sich mehrere Schiffer, ihn zu retten. Sie konnten schließlich nur noch die Leiche des Ertrunkenen bergen. Sparverci» für Freidenker zur Ausführung der Feuer» bestattung. Versammlung Dienstag, den 18. d. M., abends 8'/, Uhr Dalldorserltr. 5 bei Kowalczyk. Mocken»Spielplan der Lerliner Cbcatcr. Königl. Opernhaus. Sonntag: Mignon. Montag: Lohengrin. (Anfang 7 Uhr.) Dienslag: Die Regimentstochter. Die Puppenfee. Mittwoch: Margarete. Donnerstag, Freitag, Sonnabend, Sonntag. Montag: Geschloffen. � r., Königl. Schauspielhaus. Soimtag: Die Rabenstemerw. Montag: Ein Fallissement. Dienstag: Feenhände. Mittivoch: Die Rabcnstemerin. Donnerstag: Feenhände. Freitag: WallcnstcinS Lager. Die Piccolonnni. Sonnabend: Wallensteins Tod. Sonntag: Die Rabensteinettn. Montag: Feenhände. Neues königl. Opern. Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die ledermaus. Abends: Die Geisha. Wontag: 1001 Nacht. �ienStag: Siener Blut. Mittwoch: Der Zigeunerbaron. Donnerstag: Die Wieder- maus. Freitag: Die Geisha. Sonnabend: Carmen. SonntagnachmNtag 3 Uhr: Der Zigeuncrbaron. Abends: Carmen. Montag: Die Fledermaus. Schiller- Theater O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Fresschutz. Abends: Martha. Montag: Die Hugenotten. Dienslag: Der �recichuh. Mittwoch: Die Zaubcrflöte. Donnerstag: Martha. Freitag- Carmen. Sonnabend: Zar und Zimmermann. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Zauberslöte. Abends: Carmen. Montag: Unbestimmt. Schillcr-Thcater Eharlottcnburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Narrenglanz. Abends; Die Schmuggler. Montag und Dienstag- Die chmuggler. Mittwoch bis Montag: Geschlossen.~. Schiller-Theater X.(Friedrich-Wilhelmstädtisch-S Theater) Sonntag bis Donnerstag: Drei Paar Schuhe. Freitag bis Montag: Khrltz-Pyritz. Lnstspielhaus. Sonntag bis Montag: Die Welt ohne Manner. Kleines Theater. Sonntag: Frank Wedekind. Wontag: ounvuth. Dienstag: Ein idealer Gatte. Mittwoch: Nachtasyl. Donnerstag: Em idealer Gatte. Freitag bis Montag: Der Wandersalke.,.... Luisen Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Gespenster. Allabendlich: Das Rätsel seiner Ehe. Bernhard Rose- Theater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Die Schwäbin. Der GeHülse des Teufels. Die Ballettschule. Abends- Der große Unbekannte. Montag bis Sonnabend: Der gr0l,e Unbekannte. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Die Schwäbln. Der Gehillse des Teufels.~ie Ballettschule. Abends und Montag: Der große Unbekannte. Residenz-Theater. Allabendlich: Haben Sie nichts zu verzollen? Nietropol-Theater. Allabendlich: Der Teusel lacht dazu. Thalia- Theater. Sonntag bis Montag: Charleys Tante. Apollo-Tl, rarer. Allabendlich: Der lustige Witwer. Spezialitäten. Walhalla-Theater. Spezialitäten. Reichshallen- Theater. Stetttner Sänger. Passage. Theater. Spezialitäten. tiÄintergarten. Allabendlich: Spezialitäten.___ Flgaro-�hearer»(im Foye» Eaprtoe). M Allabendlich» Geisterautq» Pari«. Slnfang 8'/,*, Carl Haverlaud-Thcater. Spezialitäten. Gustav Behreiis-Theater. Berlin VT, Goltzstr. S. Die Katzen w der Perücke. Spezialitäten.„ Urania-Theater. Taubenstraße 48/49. Sonntag, Dienstag, Donners. tag und Sonnabend: Von der Zugspitze zum Watzmann. Montag, Mittwoch. Freitag und Somitag, den 23. Juni: Die Gletscher der Hoch» gebirge und die Eiszeit unferer Heimat. Ansang 8 Uhr. Berliner Marktpreise. Ans dem amlltchen Bericht der städllschet Markthallcn-Dircttton.(Großhandel.) Rindfleisch la 67—69 pr. 100 Pfd., IIa 61-66, Qla 56-57. BuNcnflcisch In 63—67, Na 53-61, Kühe, seit 49—57, do. mager 37—47, Fresser 50—62, Bullen, dän. 52—61, do. Holl. 0,00. Kalbfleisch, Doppcllender 100—120, Mastkälber la 86—92, II» 72—80, Hin 0,00, Kälber ger. gen. 45—61, do. Holl. 55—62, dän. 0,00. Hammelfleisch Mastlämmer 72—76, In 67—72, IIa 60—67, schase 55—60. Schweinefleisch 46—56. Rehwild la per Pfund 0,60—0,75. II» 0.30-0,55. Rotwild, Abschuß 0,55-0,61. Damwild. Abschuß 0,00. Wild- schweine 0,00, do. IIa 0,25. Kaninchen per Stück 0,00. Hübner, alle, per Stück 1,30—2,00, Na 0,80—1,20, do. junge 0,40— 1,30. Wolga» Hühner 0,00. Tauben 0,30—0,60, italienische 0,00. Enten per Stck. �1.30 bis 2,00, dito Eis- ver Stück 0,00, do. Hamburger per Stück 2,50-3.75, Gänse per Psd. 0,70-0.75, do. per Stück 2-4.50. do. tzam. burger per Psund 0,90—0,95, per Stück 3,00—5,50. Ehalonshühncr IIa 0,00. Hechte per 100 Pfund 72— 91, matt 56—72, dito klein 0,00, dito groß 00. Zander 0,00. Schleie, Hein 0,00, dito groß 52—70, do. 60—100. Aale, groß 115—124, do. klein und nnitel 77- 101, dito mittel 91-115, do. Hein 00-00. Plöheu 0,00, do. klein 0,00, dito matt 0,00. Karpscn 60— 74. Bleie 00— 00, do. slumps 00— 00. Bunte Fische 40—77. Barst 0,00, do. matt 0,00. Karauschen 56—81. Bleisische 0,00. Wels 63. Aland 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer LachS la neuer, ver 100 Psd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. lila neuer 60. cclachs 15—20. Sprotten, Kieler, Wall 0,00, Danziger, Kiste 0,00. Flundern, Kieler, Stiege la 3—6, do. mittel ver Zkiste 1—2. Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2,00—3,00. Bücklinge. Kieler vcr Wall 2,00—2,50, "nallunder-2,00—3,00. Aale, groß per Psd. 1.10-1,40, mittelgroß 0.80—1.10, Hein 0,60—0.80. Heringe per Schock 5—9. Schcllstjche Kiste 3,00—5.00, Kiste 2—2,50. Kablia», geräuch. per 100 Psd. 15—20. Dorsch, Kiste 2,50—3,00. Goldfische, Schock 2—15.� Sardellen, 1902er per Anker 98, 1904er 98, 1905cr 98, 1906 er 90—95. schottische Lollhering« 1905 0,00, largo 40—44, füll 38—40, med. 38— 12, deutsche 37— 44. Heringe, neue MatjcS, ver'/, To. 50—120. Sardinen, russ.. Faß 1,50—1,60. Bratheringe, Büchse(4 Liter) 1,20—1,40. Neunaugen, Schocksaß 11, klein 5— 6, Riesen- 14. Eier, Land-, unsort. Schock 2.90— 3,00, gr. 3,50. Butler per 100 Psd. la 106— ItO. IIa 103—106, Itla 100—102, abiallcude 90—95. Saure Gurken Schock 4,50, do. neue 6—8. Pseffergurkrn 4.50. Kartoffeln ver 100 Piund magnum__ bonum 3,50—4.00, Dabcrsche 3,50—4,00, Rosen 0,00, weiße 3,25—3.75, Salatkartoff ein 0,00. Spinat per 100 Psimd 8—12. Karotten, hiesige, Schock-Bund 5,00—6.00. Sellerie. hiesige, per schock 10,00—25,00, do. pommersche 0,00, Zivicbeln große. Per 100 Pfund 0,00, do. kleine 0,00, do. hiesige(PerW 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün. Schockbund 0.80—1,00. Kohlrabi Schock 0.60— 1.50. Rettig. bahr., neue Stück 0,12-0,10. Mohrrüben Schockbd. 4,50—5,00. Teltower Rüben per 100 Psd. 0,09. Weiße Ltübcn, große 0,00, kleine 0,00. Rote Rüben 0,00. Blumenkohl, holländischer per Kops 0,10-0.25. Kohlrüben per Schock 2,50-3,50. Wirsingkohl Holland., vcr Schock 0,00. Rotkohl Holland., per Schock 0,00. Weißkohl, dän. per 100 Pfd. 0.00. Rosenkohl per 100 Psd. 0.00. Sprutkobl per 100 Psund 0,00. Rhabarber 100 Bund 0,60—3.50, Bergedorfer per 100 Bund 0,00. Morcheln per Psund 0,00. andmorcheln per 100 Psd. 0,00. Waldmeister per Mandel 0.30— 0,45. Radieschen per Schock 0,50—1,00. Salat per Schock 0,60—1.75, Spargel la 100 Pfd. 25-40. do. IIa 15-22. do. lila 3-12, do. unsort. 20—30, do. Bcetlher la 30-45, do. Beelitzer IIa 18-25, do. Beelitzer lila 7—15. Stachelbeeren, grün, per 100 Pfd. 8—12. Erdbeeren, stanz., 50 Kg. 20—100, dito Holländer Korb 0,75—0.90, dito 50 Kg. 90—100, do. Dresdener. Kanne 0,60-0,90, do. hiesige 50 Kg. 70—100, do. Beelitzer, 50 Kg. 120, do. Werdersche, 50 Kg. 60-100, Kirschen, stanz., in Kisten von zirka 1 Kg. Kiste 10—30, do. ital.. 50 Kg. 18-30, do. Gubener, 50 Kg. 20—35, do. Schles. 50 Kg. 12—25, do. Heidelberger, 50 Kg. 25—35, do. Werdersche 50 Kg. 20—30. Zitronen. Meisina, 300 Stück 9,00—12,00, 360 Stück 8.50—11,00, 200 Slück 6,00—12,00. Apselsinen. Jaffa, per Kiste 0,00, Murcia LOOer Kiste 0,00, do. 300er 0,00, Lalencia 420er Kiste 18.00-25.00. do. 714er 22-30.00, Messina, 100er 4-7.00. 150er 5—8.00, 16c er 8-13,00, 200er 7.50— 12.50, 300a 0,00, Blut- 100er 5,50—9,«), 150 er 7—9,00, 80 er ö-7.50. 200er 13-14 SS Hoffnung" Berliner Schneiderei- Genossenschaft E. G. m. b. H. Zwischen Rosenthaler DKiinnancfpoRQ IRts Zwischen Rosonthaler Tor u. Invalidenstr. DI slIillcUMI diJC iOw Tor u. Invalidenstr. Gegründet im Februar 1906 v. organisiert. Schneidergebülfen Berlins. E.p..M.Soh Hrbeitcrn, Parteigenossen u.'.'l jültburgern pur �ufertizuuU eleganter llerren-i.Knaliengarilerol)e Großes Lager fertiger Herren-, Knaben- u. Kinder-Anzüge in allen Größen und Preislagen. Eeicbhaltiges Lager in fertigen Sommer- Paletots, Ulster, Fantasio- Westen Arbeiter= Berufskleidung. Die IlerHtellnng anderer Fabrikate erfolgt in eigenen Betriebswerkstätten unter den von unserer Organisation festgelegten Bedingungen. Lieferanten der Konsum-Genossenschaft Berlins u. Umgegend, des Berliner Konsum-Vereins sowie des Charlottenburger Konsum-Vereins._ Laut Beschluß der Aerztesohaft von Groß- Berlin ist vom 1. Januar 1907 ab eins Honorar-Erhöhung; festgesetzt worden, dem eich nun auch die vereinigten Aerzte des Weddings und Gesundbrunnens und der angrenzenden Stadtteile von Berlin N.(bis zur Kessel- und Bernauerstraße) angeschlossen haben. Speziell wird auf- folgende» aufmerksam gemacht; 1. eine besondere Erhöhung tritt ein für Besuche, die nach der Vormittagsspreohetnnde bestellt oder sofort verlangt werden, und für Besuche in der Zeit von 9 Uhr.abends bis 7 Uhr morgens; 2. Atteste und Nach tbesuohe müssen sofort bezahlt werden, desgl. alle ärztlichen Leistungen an dem Arzte unbekannte Personen; 8. die Rechnungen werden nach Schluß der Behandlung, spätestens an dem auf den Schluß der Behandlung folgenden Quärtalsersten zugestellt. l)Dr. Abraham, Prinzen-Allee 22. Arcnsteln, Invalidenstr. 137. Dudtke, Ackerstr. 69. Baedeker, Leeste. 62. Beatler, Go- richtstr. 28. Block, Müllerstr. 179. F. Bock, Müllerstr. 166. n. Bock, Keinickendorferstr. 46. Bnttermllch, Brunnenstr. 69. Cohn, Pankstraße 4Gb. Banziger, Reinickendorfers traße III. Dcntsch, Anklamerstraße 23. Doninnucr, Prinzen- Allee 85. Ehrmann. Bndstr. 64. Emsmann, Hussitenstr. 2. Engels, Neue Hochstr. 31. Fleck. Ackerstr. 117, JRUatef, atrhße 4/5. Ercntfenstelfi, ELru-arstr 20i FplodlSnder, Tiacfo- straße 34. Fronzlg. Invalidenstraße 20. 4, Kick, Pankstraße 52. Ooldschlag, Badstr. 26. Ooldsteln, Chausseestr. 59. Groh- mann, Föhrerstr. 10. Goette, Kesselstr. 36. Gntinaiin, Fennstraße 2. Hahn,. Gerioitstt'. 47. C. Ilambarger, Hussiten- straßo 24. S. Hamburger, Brunnenstr. 76. Hartwich. Dali- dorferstr. 16. Illrwch, Rainickondorferstraße 70. Hirehbcrg, Brunnenstr. 57. Jacob, RCgenerstr. 21. JacobHohn, Brunnenstraße 84. JaffiS, Xütticheracr. 4. Kauffuiaun, Koloniestr. 153. Kern, Müllerstr. 131 KKullcr, Neue Hochstr. 50. Klein, Brüsselerstr. 49. M bette, Müllerstr. 145a. Knopf, Gartenstr. 1. K Ohler, Chausseestr. 81. Krakauer, Strelitzerstr. 56. Kramm, Ackerstr. 79. Kwollor, yinetaplate 7,. Eaudccker, Demminor- straße 25. Ecmke, Anklamerstr. 19. Ecsscrttoliii, Rykestr. 52. G Eevy, Müllerstr. 175. 9L Eevy, Badstr. 61. Ecu In, Lortzing- straße 31. Eohmann, Lindowerstr. 10. Tlnttlk, Tegeleratr. 24. IMendelsohn, Rejniokendorferstr. 3. H. Weyer, Brunnenstr. 112. O. Weyer, Badstr. 28. AiathanNolm, Reinickendorferstraße 15. A'cithai'dt, Brunnenstr. 43. Oenikc, Chausseestr. 34. Opct, Badstr. 58. Pagel, Prof., Chausseestr. 60. l'ick, Koloniestr. 3/4. Pompctzky, San.rRat., Badstr. 19. Brenk. Chausseestr. 68. Kau, Reinickendorfcrstr. 93. Kauert, Chausseestr. 62. Batvitseher, Chausseestr. 56. Boeder, Prinzen-Allee 84. Küseler, Badstr. 67. Koscnbanm, Badstr. 13. KoHenberg, Ramlerstr. 21. 8amter, Ackerstraße 113. Sand, San.-Rat, Brunnenstraße 70. Schenk, Reinickendorforstr. 87. Schmidt, Chausseestr. 94. Schnitzer, Reinickendorferstr. 2. Schröder, San.-Hat, Brunnenstraße 147. Schal/.. Fermstr. 34. Simon, Badstr. 55. SimonBohn, Invalidenstraße 129. Sohesky, Prinzen-Allee 41. Solger, Geh. San,-Rat, Reinickendorferstr. 4. Sonchon, Müllerstr. 156b. Steuer, San.- Rat, Ackerstr. 136. Strecker, Stralsunderstr. 62. Streitmnd, San.-Rat, Chaussestraße 22. Strohe, Badstraße 38/39. Strnpp, Reinickendorferstraße 122. Echan, Malplaquetstraße 33. Vater, Reinickendorferstr. 96. Weinstock, Stralsunderstr. 30. Wo KT, Müllerstr. 183. Wolffheim, Reinickendorferstr. 73. Wreacbncr, Müllerstr. 173. Manzen. Straße 92, Waldemarslr. Änsrägen Wipper, Userstrabe 13, Part. 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Stilnjt des Jorroirts" Knlim WksM ZoNtag, tk.)ml IM. von Sei' Seiäenderukgensiienichzft. Der un-Z soeben zugegangene Geschäftsbericht dieser Berufs- genossenschaft für 1906 bemerkt einleitend, das; die Betriebe der Seidenberufsgenossenschaft«über ganz Deutschland zerstreut liegen, nur im Rheinland ist eine gröhere Gruppe". Die Berufsgenossensckaft ist in zwei Sektionen geteilt, die jedoch sehr ungleich groß sind. Nach dem Bericht zählt z. B. Sektion I 2808 Betriebe mit 52 088 Arbeiten! . II 445.„ 18 496 Summa: 2253 Betriebe mit 70 579 Arbeitern. Sitz der Berussgenossenschaft ist Krefeld. Der Wirkungskreis der Sektion I erstreckt sich auf Norddeutsckland, der der Sektion H auf Süddeutschland(Bayern, Baden, Hessen usw.) Dadurch erklärt sich auch der Grötzenunterschied beider Sektionen. Zur Frage: „Hausindustrie und Heimarbeit", die gerade rn der Scidenbranche eine Rolle spielt, bemerkt der Bericht:„In den badischcn Bezirksämtern Hächingen und Waldshut wurden 390 ber- sicherungspflichlige Hausgewerbetreibende ermittelt. Es sind das solche Unternehmer, welche in eigenen Betriebsstätten im Auftrage und für Rechnung anderer Gewerbetreibenden(Seidenbandweberei- firmen der Sekiion H) mit der Herstellung oder Bearbeitung von Erzeugnissen der Seidenindustrie beschäftigt werden. Im Bezirk der Seknon I sind etwa 3500 in der Hausindustrie in ähnlicher Weise tätige Personen vorhanden, die seit fahren in unserem Kataster ein- getragen find, ohne datz dagegen mit irgendwelchem Erfolg Beschwerde eingelegt wurde. Unsere Aufforderung an die erwähnten Unter- nehmer der Sektion II, ihren Betrieb anzumelden, blieb jedoch erfolglos und zwar weil dieselben von den zu- ständigen Bezirksämtern angewiesen worden waren, die Anmeldung abzulehnen.(Ei, ei! D. B.) Die Bezirksämter halten diese Unternehmer nicht für ver- sicherungSpflichtig, weil sie der Meinung sind, datz dieselben der Kategorie der bisher nicht ber- sicherungSpflichtigen Heimarbeiter angehören. Diese Ansicht ist jedoch irrig. ES liegen alle gesetzlichen und statutarischen Merkmale der Versicherungspflicht vor." Der Bericht bedauert dann, daß alle Versuche, die Bezirks- ämter von ihrem Irrtum zu überzeugen,„erfolglos ge- Wesen sind". Was braucht sich auch ein badischer Bezirksamtmann erst über die Unfallversicherungsgesetze belehren zu lassen? Doch waS nützt all der Hinweis auf das Gesetz, die„Wohltaten des Gesetzes", die geringen Beiträge von 3—4 M. pro Jahr, daß „die Versicherung dieser kleinen Unternehmer durchaus nicht im Interesse der Berufsgenossenschaft liegt" usw. Nenne man sie doch „versicherungspflichtige Heimarbeiter", die nach den eigenen Worten des Berichtes:„sin Auftrage und für Rechnung" „der Scidenbandwebereifinnen" tätig sind, die Rohstoffe derselben bearbeite« usw., deshalb auch von den Bandwebereien gegen Unfall zu versichern sind! Dann ist das Risiko der Berufsgcnossenschaft verschwunden, der Wunsch des Berichts:„dem kleinen Unternehmer die Wohlraten des Gesetzes, also die Anwartschaft auf die hohen gesetzlichen Renten zu sichern und ihn auch von der Haftpflicht für die etwa von ihm beschäftigten Personen, die unter Umständen seinen Ruin herbeiführen könnten, zu entbinden", auch erfüllt. Die Unfallstatistik lehre auch,„daß die Unfall gefahr dieser Betriebe keine geringe ist". Und trotzdem bestehen die Behörden— badische Bezirksämter— darauf, daß diese Personen nicht gegen Unfall zu versichern sind? Für die Entwickelung der Seidenindustrie in Deutschland spricht der Umstand, daß z. B. im Jahre 1894 nur 4g 255 Personen in der Berufsgcnossenschaft versichert waren, jetzt über 70 000!„Riesen- löhne" zahlt diese Branche, wer zweifelt daran? Nach dem Bericht beträgt nämlich der Durchschnittslohn pro Jahr: 1. in Handbetrieben jeglicher Art... 2.„ Betrieben der Zwirnerei und Winderei... 3.„ Seiden-, Seidenbandwebereien.Seidentrocknungs- anstalten, Krawattcnfabriken..... 4., Samt- und Samtbandwebereien...... 5.„ Färbereien............. 6.„ Florettspinnereien........... 7.„ Appreturen und Samtscherereien..... 8.„ Handwerker, Schlosser, Heizer usw...... 890,08 M. 682,83. 814,81„ 1029,01. 1036,07, 601,29. 916,62„ 1091,50„ Diese Zahlen sind wichtiger als die allgemeinen Angaben eines Durchschnittslohnes, der nach dem Bericht im Bezirk der Sektion I pro Kopf und Jahr: 908,57 M. und in Sektion II gar nur 713,10 M. beträgt. Jammer löhne, die von dem Bericht der Berufsgcnossenschaft kaltblütig registriert werden. Ja, man hat so- gar noch den Myt zu schreiben, daß seit 10 Jahren der Durch- schnittSlohn um 213,06 M. resp. 188,90 M. pro Kopf und Jahr ge- stiegen ist. Im Berichtsjahre wurden der BcrufSgenossenschaft insgesamt 498 Unfälle gemeldet. Die Zahl ist verhältnismäßig sehr gering. Ent- schädigt wurden davon nur 92 Fälle. Die Sektion I der BerufSgenossenschast hatte die meisten Un- fälle: 400; schreibt aber selbst:„Die Zahl der entschädigten Fälle war geringer als im Vorjahre(66 gegen 76)". Auch die Ent- schädigungssumme ist zurückgegangen.„DieS außerordentlich günstige Resultat wurde hauptsächlich durch die sorgfältige Be- obachtung und Kontrolle jedes einzelnen Ver» letzten erreicht!" Bei einer Reihe von Fällen sei durch mündliche Vorstellung erreicht worden, datz sich die Verletzten„von der Haltlosigkeit ihrer Ansprüche überzeugen ließen". Ja, wenn daS Schaf den Wolf um Rat fragt!. Ja die Berufsgenossenschaft brüstet sich noch mit ihrer„Geschick- lichkeit" im Rentendrücken I Man höre nur:„Die Nachprüfung der in den Arztattesten vorgeschlagenen Prozent- s ä tz e der Rente an Ort und Stelle durch Rücksprache m.i t den Verletzten usw. ergab, datz die Sätze zu hoch ge- griffen waren 1� Z. B. wurde statt der vorgeschlagenen 35' bis 40 Proz. Rente in einem Falle 10 P r o z., in einem anderen Falle statt 60 Proz. nur 30 Proz. bewilligt, ohne datz die Ver- letzten Widerspruch erhoben hätten."! Ja die ge- duldigen Verletzten! Und trotzdem wagt es die Berufsgcnossenschaft zu schreiben:„Leider mußten wir aber auch häusig beobachten, daß manchen Verletzten die Rente, um einen vom Minister des Innern im Reichstage gebrauchten treffenden Ausdruck zu widerholen, zur fixen Idee wird, ja der dauernde Besitz einer solchen als das höchste Glück erscheint, das man mit rechten und unrechten Mitteln zu erreichen sucht." Wie die Minister sungen, so zwitschern natürlich auch die Berufsgenossenschaften, als ob eine dumme Redensart dadurch geistreicher würde, wenn sie zufällig von einem Herrn Minister, einer leibhaftigen Exzellenz, gebraucht wird:„Unrechte Mittel" wendet die Berufsgenossenschaft natürlich auch nicht an, denn die Arztatteste werden ja nur etwas„revidiert"! Für„Rettung der Verunglückten" hat die BerufSgenossenschast im Berichts- jähre ganze— fünf Mark verausgabt. Da war aber die Prämie nicht hoch I Oder wurde gar niemand„gerettet"? Die drei Aufsichtsbeamten der Berufsgenossenschaft haben zu« sammen 1580 Betriebe revidiert, wovon in 354 Mängel vorgefunden wurden. Bei der Aufzählung der einzelnen Mängel— Motoren, Transmissionen und Arbeitsmaschinen— wird angeführt, daß„trotz der in jedem Jahre wiederholten Revisionen der Webereien sich jedesmal Webstühle finden, an denen die Schutzfangvorrichtungen fehlen."„In mehreren Betrieben wurde wieder die Schleuder- Maschine mit einem Kissen gebremst, indem der Arbeiter, während die Schleudertrommel noch in voller Be- wegung war, sich auf ein auf die Trommel gelegtes Kissen setzte!" Der Bericht nennt das einen Leichtsinn, der nicht streng genug gerügt werden kann." Ganz recht. Nur darf man den Arbeitern die Schuld nicht allein beimessen, denn der Bericht erklärt selbst:„in einigen Betrieben fehlte überhaupt die Bremse an diesen Maschinen." Also l Die UnfallverhütungSvorschriften sollen in Plakatform bekannt- lich iil allen Betrieben aushängen.„Leider wird von vielen Bctricbsin habern nicht die nötige Sorgfalt auf die Instand« Haltung der Plakate und auf die Aushänge verwendet. In sehr vielen, besonders in kleinen Betrieben, werden sie nicht einmal auf Pappe aufgeklebt und hängen dann in Fetzen von den Wände n." Auch die Arbeitsordnungen sind oft in diesem „schönen" Zustande, sollen aber von den Arbeitern gelesen— und beachtet werden! Für die„Kaiser Wilhelm- und Kaiserin Auguste Viktoria- Stiftung" wurde natürlich auch ein Beitrag von 3000 M. gegeben. Dies ist ja„erlaubt" I Von den Schiedsgerichten wurden 32 Be- rufungen zurückgewiesen und nur 14 teilweise anerkannt. Die Ver« letzten hatten 1 5 Rekurse erhoben, wovon sie 12 verloren haben, während die zwei Rekurse der Berufsgenossenschaft Erfolg hatten! Versammlungen. Herr Justizrat Alexander Goldschmidt sendet unS im Auftrage der Lederwarenfabrik A. Schwalbe, Gesellschaft m. b. H., Berlin, Kommandantenstraße 18, folgende Berichtigung: „Das in Nr. 108 des„Vorwärts" vom 11. Mai 1907 wieder» gegebene Referat des Vcrbandsvorsitzenden der Portefeuiller und ' Ledergalantericarbeitcr enthält die Angabe, daß bei der Firma A. Schwalbe, Berlin, Arbeiter mit einem Wochenverdienst von 10 M. beschäftigt worden sind. Dies ist unrichtig." Die„Berichtigung" bezieht sich aus Wiedergabe einer Per» sammlung der Portefeuiller und Ledcrgalanteriearbeiter und-Ar- beitcrinncn, in der der Verbandsvorsitzende, Genosse Wein- s ch i l d- Frankfurt a. M. die erfolgreiche Streikbecndigung bei obengenannter Firma behandelte. Schon allein die Tatsache, daß die Arbeiter der Firma Schwalbe erst zu dem Mittel des Streiks greifen mußten, um eine Verbesserung ihres Lohnes zu erzielen. läßt das soziale Verständnis der Firmcninhaber in hellstem Lichte erscheinen. Die Firma ist in ihrer„Berichtigung" sehr bescheiden. aus einer ganzen Reiho in der Versammlung vorgetragener und im Bericht wiedergegebener Mißstände bezüglich der Entlohnung „berichtigt" die Firma ausschließlich die Behauptung, daß bei ihr Arbeiter mit einem Wochenverdienft von 10 M. beschäftigt gewesen sind. Die Firma hütet sich aber wohlweislich, den doch von ihr leicht zu ermittelnden Lohn der niedrig bezahlten Arbeiter vor dem Streik anzugeben. ......- c-lii lt.- HERMANN UETZ LEIPZIGER STRASSE Montag, Dienstag, Mittwoch,»-»»«>«»>i<1,c.'(fchierbafie) in allen Grüfjc» für die Hniste deZ Werlcs tin Tet>pichlager Brünn, Hackeichcr Marli 4, Bnbiibuj Börse. 20012* Fahrräder, Teilzahlungen. In- validenstrajze 20, Slalitzccstratze 40.• Steppdecke» spottbillig, Fabrik Große Franlsurterftrajjc 60. 2167S* Herreufahrrnd, tt:;««reu, 45,00. Itinfjc 36 b. Damciijabrrad, Holz, Bluiuen- LölSK« Kinderwagen, Kiuderbellflcllcn Sportwagen, gebrauchte, zurückgesetzte spottbillig. 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