Nr. 140. RbonneiMntS'Btdlngunsen: HBonnemmlä•$tci« StänumeianÄ»; vierteljihrl. 8�0 Ml, monall. 1,10 Ml,, wöchentlich 28$fg. frei ins Haus. Elnsclne Runimer ö Pfg. Sonntags. Nummer mit Mustrierler SaniitagS» Vellage.Die Sleue Well» 10 Pfa, Post. «bannemenl: 1,10 Marl pro Monat. Singctragen in die Post.Zcitunas. «reiSIistc. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postaboniicmenls nchnien an: Belgien. Dönemarl. Holland. Italien. Üuxcinburg. Portugal, Rumöitien. Schweden und die Schweis, 34. Jahrg. «ch«»» Ugiil»»iiLtl vsit»«. ys* � Vevlinev Volksblstk. Sie sliseltlonz-c-ebilhf delrSgl für die scchsgespaltcne Noloneti seile oder deren Nauin 80 Pjg, sür politische und gewerlschasllichc Bercins» und BcrsammlungS.Anzcigen 30 Pfg, „Kleine Hnreigen", das erste tlett- gedrullte) Wort 20 Psg, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- flcllen ilnicigcn daS erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 8 Psg. Worte über 18 Buchstabe» zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis ä Uhr nachmittags inder Expedition �gegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geossnet. Telegramm- Adresse: ..ZUizlhillUli»! Btlll»". Zentralorgan der rozialdcmokratifcbcn Partei Deutfchlands. Redaktion: SCd. 68» Lindcnstrassc 69. neruwreclier: Slmt IV, Mr. I9SS. Mittwoch, den 19. Juni 1907. Expedition: SM. 68. I.indenstrasse 69. neriilvrerlicr: fllnit IV. Nr. liifJ-l. Die Kolonialpolitlk als Kulturaefakr. L Soeben ist im Verlage der„Leipziger Volksztg." eine «msangreichere Schrift des Genossen P a r v u s über die Kolonialpolitik erschienen/) Diese Schrift erscheint gerade zur rechten Zeit. Haben wir es doch nicht nur erleben müssen, daß ein politischer Eingänge! wie C a l w e r direkt eine Lanze für die Kolonialpolitik gebrochen hat, sondern daß kürzlich auch Genosse Hue in einer Wochenschrist eme„positivere" Stellungnahme der Partei zur deutschen Kolonialpolitik empfahl und von den kulturellen Aufgaben der Kolonialpolitik sprach. Die aus- gezeichnete Arbeit des Genossen Parvus dürfte wohl den Erfolg haben, diesem Gemunkel von den„Kulturaufgaben" der Kolonial- Politik ein- für allemal innerhalb der deutschen Sozialdemokratie ein Ende zu machen. Führt doch Parvus den zwingenden Be- weis, daß die moderne Kolonialpolitik, und zwar ganz speziell auch die deutsche Kolonialpolitik, nicht nur keinem Kultur- interesse im sozialistischen Sinne dient, sondern daß sie nicht einmal im Interesse der k a p i t a l i st i s ch en Gesellschafts ordnung liegt. Nicht die EntWickelung der Industrie, die Volksvermehrung und materielle Hebung des Volkes bedingen die heutige Kolonialpolitik, sondern einzig die den Gesamtinteressen widerstreitenden Klassenvorteile einiger Privilegierter Kapitalistenschichten: des Agrariertums und des Börsenkapitals. Eine Expansion der Industrie, eine Hebung der Qualität der industriellen Produkston und die damit verbundene materielle und moralische Hebung des Proletariats könnte sehr leicht durch eine vernünftige Regelung des Handelsverkehrs zwischen den Industriestaaten untereinander herber geführt werden. Aber statt diesen Weg einzuschlagen, entfesseln kleine Schichten des industriellen und agra rischen Unternehniertums einen wütenden Zollkampf. Diese Hochschutzzöllnerei zwingt England zum im perialistischen Zusammenschluß mit seinen Kolonien. Diese Bedrohung der deutschen Ausfuhr nach Großbritannien und seinen Kolonien aber treibt nun wiederum Deutschland auf der Bahn eines aberwitzigen Imperialismus vorwärts. Und das Ende vom Liede? Selbst wenn es Deutschland gelingen sollte, unter den ungeheuerlichsten Opfern den Absatz nach seinen Kolonien erheblich zu steigern, so wäre an die Stelle der stüher nach England usw. exportierten Oualitäts Ware, in der ein unverhältnismäßig höherer Arbeitslohn steckt, die billige Massenware getreten. Statt der industriellen Höherentwickelung ein Herabsinken des industriellen Niveaus, wie es England infolge seiner prozentual gc steigerten Kolonialausfuhr bereits deutlich aufzuweisen hat. Mit diesem wirtschaftlichen Rückgang iväre notwendigerweise auch eine Stagnation der Arbeitslöhne verbunden. Und wird erst zu dieser weltpolitischen Degeneration des Kapitalismus die mongolische Konkurrenz der sich kapitalistisch entwickelnden asiatischen Staaten treten, so wäre damit das Los der europäisch-kapitalistischen Kultur vollends besiegelt. Bevor wir diese Gedankengänge, der Broschüre folgend, eingehender darlegen, möchten wir des Kapitels gedenken, in dem Parvus, gleichsam als an einer Stichprobe, die„koloniale Kulturarbeit" der modernen Kolonialpolitik erweist. Man sollte es zwar für unmöglich halten, daß es nach der Enthüllung so unzähliger Kolonialskandale und dem Verlaufe des südwestafrikanischen Krieges für Sozialdemokraten noch eines solchen Beweises bedürfte, allein wir haben ja leider das Gegenteil erfahren müssen! Die europäische Kulturarbeit in Südafrika war die: Jahrhundertelang begnügte man sich in Afrika mit der Wild- ausbeute, mit Elefantenzähnen und Straußfedern. Dazu kam die I a g d a u f M e n s ch e n, der Sklavenhandel. In Südafrika siedelten sich seit Mitte des 17. Jahrhunderts die Holländer an. Sie waren Viehzüchter, sie brauchten riesige Flächen Weidelandes und Eingeborene als Arbeits- sklaven. Später kamen die Engländer, schließlich im Westen die Deutschen. Und jedesmal wiederholte sich in den Grundzügen der gleiche Kampf zwischen den europäischen Eindringlingen und den Eingeborenen. Die Eingeborenen müssen um ihren Besitz gebracht und gleichzeitig dezimiert werden. Man braucht ja einmal ihr Land und zum zweiten die A r b c i t s k r a f t der Uebriggebliebenen. Man verleitet sie also durch Angebot von Pulver, Schnaps und allerhand wertlosen Kinkerlitzchen zur Verschleuderung ihres Besitzes und zum Schuldenmachen. Man gibt ihnenFeuer- Waffen, um auch das Wild auszurotten und sie dadurch auch dieses Unterhaltsmittels zu berauben. Die Feuerwaffen haben überdies den Vorteil, die Kriege der Eingeborenen untereinander, wenn auch nicht häufiger, so doch blutiger zu machen. Sind durch diese schlaue Taktik die Eingeborenen hinlänglich geschwächt, so schreckt man auch vor der offenen Gewalttat, dem Rtkltb- und Vernichtungskriege nicht zurück! Die Vorgänge gerade in Deuts ch-Südwe st afrika bieten im Kleinen und historisch Gedrängten ein geradezu •).Die Kolonialpolitik und der Zusammenbruch." Von VarvuS. 1öS Seiten 8°. Breis 1 M. J klassisches Bild der Südafrika-Politik überhaupt. Nach Deutsch- ! Südwestastika wurden Teile der von den Buren und Ein- ' geborenen versprengten Völkerstämme vertrieben. Schwabe, "ein deutscher Kolonialoffizier, schildert die Dinge in seinem Buche:„Mit Pflug und Schwert in Südwestafrika" folgendermaßen: .Infolge der immer zahlreicher einwandernden Europäer und der Eroberung immer neuer Landstriche im Norden und Osten der Südspitze Afrikas wurden die ursprünglichen Besitzer des Landes, die Eingeborenen, immer mehr und mehr zurückgejagt in ent- fernter liegende Gegenden.... So sehen wir denn in der letzten Hälfte des IS. Jahrhunderts— hinausgedrängt aus seinen ur- sprünglichen, südlichen Wohnsitzen— ein trotziges Krieger« und Jägervolk, die Naman sHottentotten) durch daS südliche Ein- gangstor am Oranjeflutz in unser heutiges Schutzgebiet stürmen, während von Norden her, begleitet von ungeheueren Rinder- Herden, die H e r e r 0 s oder DamaraS, ein Hirtenvolk des Bantu« stammes, bereits nach Süden vorgerückt waren. Die beiden stammesfremden Völkerschaften lagen miteinander in Fehde. Die Hottentotten wurden dazu von weißen Händlern mit Feuerwaffen ausgerüstet, um den Hereros ihre Viehherden zu rauben. Freilich: So rasch wie es gekommen war, zerstob das erbeutete Vieh wieder nach allen Himmelsrichtungen in die Hände der gierigen Händler, die dafür Pferde, Pulver und Blei zum nach st en Zuge lieferten." Nun kam die deutsche„ S ch u tz h e r r s ch a f t". Die Ausbeute der Kolonie bestand hauptsächlich in der Vieh- lieferung nach den englischen Golddistrikten.„Das konnte nun entweder in der Weise geschehen, daß man sich in den Besitz der Viehherden der Eingeborenen setzte, oder daß man selbst Viehzucht trieb, zu welchem Zweck man aber den Grund und Boden dem Besitz der Ein- geborenen entziehen mußte. In der einen wie der anderen Beziehung fanden die Deutschen aber bereits Konkurrenten vor, nämlich die H 0 t t e n t 0 t t e n, die, wie wir wissen, dies Geschäft auf eigenes Risiko besorgten. Die Hottentotten raubten den Hereros Vieh und Land. Sie be trachteten sich als die Herrscher im Lande, wenn sie auch diese Herrschaft nur in fortwährenden Kämpfen gegen die Hercros behaupten konnten. Um an Stelle derHottentotten zu treten, mußten die Deutschen erst diese besiegen. Das war die Ursache des Kneges gegen Hendrik W i t b 0 i." (Parvus.) Nach der Unterwerfung Hendrik Witbois wurde dann auch ein großer Teil des Landes der Hottentotten für Krön land erklärt. Als ein Teil der H e r e r 0 s unter Nicodemus sich gegen die deutsche„Schutzherrschast" erhob, wurde auch ihm sein Land genommen. Mit Recht stagt Parvus:„Mit welchem Rechte? Nach dem Völkerrecht der kapitalistischen Welt wird das Privateigentum auch im Kriege respektiert. Aber wo ihm ein Profit winkt, stellt sich das Kapital gern auch auf den Standpunkt des Hottentottenrechts. Und da spricht man noch von den höheren Rechts- begriffen, die angeblich das Kapital zu den Wilden bringt." Man besaß jetzt Land, um Farmer anzusiedeln. Aber die Viehzucht war nicht besonders einttäglich, weil ja die Händler den Eingeborenen ihr Vieh so viel billiger ab schwindelten. Die Farmer verlegten sich also selbst ans den Viehhandel, mit dem Erfolg, daß die Hcreros schließlich dem Hungertod den Tod auf dem Felde vorzogen. Viele Hcreros wußten ganz genau, was ihnen bevorstand, aber ihnen blieb keine Wahl. So teilt der Missionar A. Kuhlmann folgende Aeußerungen christlicher Hereros mit: .Lehrer, wir wissen, daß wir einen schweren Krieg angefangen haben. Der deutsche Kaiser wird demnächst Millionen von Soldaten senden, und viele von uns werden sterben. Wenn wir alle gestorben sind, so schreibe dem Kaiser, allen Deutschen und den großen Lehrern: an diesem Kriege ist nicht die Truppe schuld, gegen die wir nichts haben, die kann ruhig im Lande bleiben. Die Schuld an dem Kriege tragen die H ä n d l e r, die uns mit ihrem Handel drangsaliert haben: Kauften wir nicht bei ihnen auf Schuld, so war's ein Unglück; lausten wir auf Schuld, so war's auch ein Unglück: sie quälten uns eben immer." Mit dem Viehraub ging der L a n d r a u b Hand in Hand. Den Landraub besorgte im großen Stile die Regierung. Bei den Hcreros war das Land Kollektiveigentum, kein Häuptling durfte es verkaufen. Da machte die Regierung nach dem Tode des alten Herero-Oberhäuptlings gegen alles Erbrecht der Herero dessen jüngsten Sohn Samuel Maharero zum Oberhäuptling. Major v. Fran?ois, der diesen Coup ausführte, charakterisierte Samuel selbst als„eitel, genutzsüchtig und dem Trünke ergeben". Gerade deshalb war er ja der rechte Mann für die Regierung. In richtiger Spekulation auf seine Verschwendungssucht billigte man' ihm das Recht zu. Stammland zu veräußern. obwohl man wußte, daß er das gar nicht durfte! Und Samuel verschleuderte trotz allen Einspruchs seiner Groß- leute das Stammesland unter dem Schutze der deutschen Regierung! Die Erbitterung der Herero wurde schließlich so namenlos, daß Samuel Maharero selbst, der doch an der deutschen Herrschaft so sehr interessiert war, dem Drucke der Scinigen nachgeben mußte. .Die Erbitterung gegen Samuel seitens der dortigen Großmänner war so groß, daß derselbe au? Furcht vor ihnen nicht auf der Straße nach Okahandja zurückzukehren wagte, sondern den sehr beschwerlichen Weg durch die Berge ciuschlug---- Schließlich mußte Samuel Maharero etwas tun. um sich vor seinen eigenen Leuten zu retten, und gab den unheilvollen Aufruf zum Aufstand gegen die Deutschen, denen er selb st das Land verkauft hatte, und die sich nun, gestützt auf ihr Eigentumsrecht, als die alleinigen Herren der Hereroplätze gebürdeten." Man sieht, wie genial die deutsche Politik der rechts- widrigen Erbfolgeschaft Samuel Mahareros war! Man bekam Land und schließlich durch den Hereroaufstau d und die Aus- rottung dieses Stammes von ehedem 80000 Köpfen deren ganzes Stammcseigentum in die Hände. Nicht besser erging es den Hottentotten. Und wenn es nach dem Wunsche ein- flußreicher Kreise gegangen wäre, so hätte man auch gleich mit den O v a m b 0 s aufgeräumt. Schreibt doch Oberst Leutwein in seinem Buche„Elf Jahre in Südwestafrika": „Ursprünglich war bei Beginn des HereroaufstandeS fast allgemein die Rede davon, seiner Beendigung unmittelbar einen Ovambokrieg folgen zu lassen"'... (Und in einer Fußnote setzt Leutwein hinzu):„Erhielt ich doch sogar von autoritativer Seite in einem Privatbriefe die Anregung dazu." Nun, der Ovamboktteg wird uns darum nicht lange er« spart bleiben. Noch ist ja nicht die ganze Eingeborenen- bevölkcrung Südwcstafrikas ausgerottet, noch nicht ihr s ä m t l i ch e s Land und Vieh geraubt I So sieht es mit den kolonialen„Kulturtaten" aus l Parvus schließt das Kapitel mit den beherzigenswerten Worten: „Ich denke, wir Sozialisten haben am allerwenigsten ein Interesse daran, uns selbst zu belügen. Wollen wir kolonial- fragen erörtern, so sprechen wir vom Geschäft, von kapitalistischer Profitbildung— mit zivilisatorischen Aufgaben hat das nichts zu tun, im Gegenteil, es ist ein Hohn auf Zivilisation und Humanität." Die iefclen Stunden der Duma. Nach der Nachtsitzung von Freitag auf Sonnabend versammelten sich die Fraktionen, um über die Lage zu beraten. Während der Sitzung schienen die Kadetten noch ziemlich einstimmig gegen den Auslieferungöantrag der Regierung Stellung zu nehmen. Ihr Führer Miljickoff z. B. sagte:„Geben wir heute unsere Einwilligung zur Ausschließung der sozialdemokratischen Fraktion, so kann die jRegierung morgen die Entfemung der s 0 z i a l r e v 0 l u- t i 0 n ä r e n Gruppe verlangen und schließlich, da auch die Kadetten eine ungesetzlich bestehende Partei bilden, kann ja die Regierung mit demselben Recht auch gegen s i e vorgehen!" DaS war die ziemlich einmütige Stellung der Kadetten während der Sitzung. Allmählich aber entstanden.Unstimmigkeiten" unter ihnen, so daß man auf Ucberraschungen gefaßt sein mußte. Im Klub der Kadetten kam eS zu starken Zusammenstößen, wobei eS sich zeigte, daß selbst in diesem Falle ein starker gemäßigter Flügel zu der Rechten hinneigte: Nabokoff, Petraschitzki, Kolubalin waren für die Aus« lieferung, Teslckoff, Pergament, Pctrunkewitsch dagegen. Die Kommission der 22, die über die Anklageakte Bericht er« stattten sollte, versammelte sich am Sonnabendvormittag, wandte sich aber gleich an den Justizminister wegen der Zusendung aller Dokumente der Voruntersuchung, die ihr auch übergeben wurden. Die Erklärungen gab der Staatsanwalt des AppellationShofes, Kamischansli. Die Prüfung der Schriftstücke, auf die der Staats» anwalt sich bezogen hatte, ergab, daß die Untersuchung von vornherein daran gegangen war, die Schuld auf alle Fälle zu kvu« struicren. Großes Gewicht hatte die Regierung auf ein im Fraktionssaal gefundenes Dokument gelegt. 3 tun erwies sich aber, daß die UntersuchungSbchörde in dieses Dokument willkürlich Be- zeichmingen eingefügt hatte, um so ein Belastungsmaterial nach ihrem Sinne zu erhalten II Als die Kommission diese Entdeckung machte, mußte sie natürlich die Prüfung um so sorgfältiger vornehmen, so daß eS ihr unmöglich war, in den 24 Stunden damit fertig zu werden. Die Sonnabend-Sitzung der Duma begann etwas später als gewöhnlich. Auf der Tagesordnung stand die Reform der lokalen Gerichte. Die Linke konnte sich in diesem ernsten Augenblick natürlich nicht mit einer Detailfrage beschäftigen. Sie erkannte, daß die letzte Stunde der Duma geschlagen. Nach 4 Uhr beantragte die Linke, die Debatten über die Gerichts- reform zu unterbrechen. Die Begründung des Antrages gab Zeretelli. Von den Rednern der Linken wußte er den politischen Moment am schärfsten zu erfaffen.„Unter gewöhn- lichen Umständen", so erNärte er,„würden wir selbstverständlich für die Fortsetzung der Debatte sein. Wir durchleben jedoch einen Moment, in dem nicht nur die Geschäftsordnung der Duma nu- beachtet bleibt, sondern ein Attentat gegen die Konstitution auS- geführt wird. Die Verfassung wird mit Füßen getreten. Volks- Vertreterl Wir stehen vor dem Staatsstreich!" Diese Worte zündeten, und der Vorsitzende beeilte sich, den Redner zu unter- brechen. Zeretelli jedoch fuhr fort:„Weil morgen diese Leute, die über die physische Macht verfügen, uns hindern können, unsere Bürgerpflicht zu erfüllen, die uns daS Volk auferlegt hat, so müssen wir die uns gebliebene Zeit dazu verwenden, für die Rechte zu kämpfen, die voni Volk in Leiden und Blut erlangt sind. Wir müssen den Willen dcS Volkes zum Ausdruck bringen...." Der Vorsitzende unterbricht wiederum: Nach der Geschäftsordnung könne er ein Abweichen von der Tagesordnung nicht zulassen. Zeretelli versuchte, den Antrag noch einmal eingehender zu motivieren: Verlassen wir", so sagte er,„den formalen Standpunkt. Die Staatsgewalt bedroht die Konstitution, die Staatsgewalt organisiert eine Verschwörung. Wir müssen deshalb zu Fragen übergehen, die die g r ö ß t r n Lebensintereffen des Volkes bedeuten, wir muffen dein Volke zeigen, auf Ivelchem Boden der Konflikt ciitstcmden ist und der Staatsstreich in Szene gesetzt wird. Das Volk soll wissen, wer smit einer Handbewegung zur Rechten) jene Verschwörer sind." Vielfach wurde die Rede Zcretellis vom brausenden Beifall der ganzen Linken begleitet. Nach Zeretelli sprach Hessen von den Kadetten, die gegen den Antrag der Linken waren: Die Kadetten geben ja zu, dag die Regierung in diesem Augenblick entgegen der Verfassung bandelt, doch könne die Duma der Negierung ans diesem Wege nicht folgen I Als es der Linken nun also nicht gelang, die Debatte ganz zu unterbrechen, versuchte sie diese wenigstens zn kürzen. Bei der Be- gründung des Antrages auf Beschränkung der Redezeit ergriff B e r e s i n von den Trudowiki das Wort. Er weist gleichfalls auf die außerordentlichen llmständc des Augenblicks bin: die Duma könne sich nicht mit Einzelheiten befassen, wo die G r u n d g e s e tz e deS Landes auf dem Spiele ständen. Auch die Rede Beresins wird voin Beifallssturm der ganzen Linken begleitet. Das schivarze Hundert sendet wie gewöhnlich Purischkcwitsch vor. Auch heute ist er nur der geschorene graugclbe Narr, über den die Duma selbst heute, in ihrer e r n st e st e n Stunde, nur lachen konnte! Der Klown ist natürlich für die Fortsetzung der Gerichts- Reformdebatten. Eine halbe Stunde später wird der neue Antrag auf Unterbrechung der Debatten eingebracht. Es spricht nun Archangelski von den Sozialrevolutionären: Unnötigerweise habe Hessen auf die Notwendigkeit, sich zu beherrschen, hingewiesen. Die Duma beherrsche sich I Sie weiß, daß sie ihre Pflicht zu er- füllen hat, die Pflicht: die letzte Minute vor dem Staatsstreich.... Hier unterbricht ihn der Vorsitzende mit der naiven Frage, woher er dennlvisse,„daßwir vor dein Staatsstreich stehen?!" Nachdem Archangelski seine Rede beendet hatte, wiederholte Adschcmoff die nichtssagenden Argumente Hessens und auch diesmal ward der Antrag der Linken abgelehnt. Die Debatte über die Gerichtsreform läuft nun weiter. Nach einer längeren Ausführung eines Vertreters der Kadetten kani der neue Schlußantrag, den der„Volkssozialift" Wol-Karaschewski begründete: ES sei lächerlich, in dieser Stunde über das russische Gewohnheitsrecht zu diskutieren, das ja nichts andere? sei, als die Willkür der Minister und der Polizeiverwaltung.„Unsere Stunden sind gezählt, und wenn wir wissen, wenn wir die Ueberzengung haben, daß wir sterben, so«miß unser Tod den künftigen Generationen etwas sagen können! Wir sitzen hier drei Monate. WaS haben wir dem Lande gegeben? Jetzt in der letzten Stunde müssen wir etwas tun, was dem Volke wirklich Nutzen bringt".— Auf den Bänken der Schivarzcn Hundertschafr erhebt sich Geschrei, die Linke applaudiert. Ein d r i t t e r Redner der Kadetten spricht sich gegen den Schlußantrag ans, und da SO Stimmen genügen, um einen Schlnßantrag zu Fall zu bringen, so wurde die Linke auch diesmal niedergestimmt. Die Situation war also klar. Nur die Linke wollte dem letzten Augenblick der zweiten Duma die Wucht verleihen, die diese letzte Stunde zu einer historischen niachc» konnte. Aber jämmerlich- ängstlich wichen die Kadetten jeder schärfereu Wendung aus. Das zeigte sich besonders, als die Sprache auf die Abhaltung einer A b e n d s i tz u n g kam: Nachdem man der„Kommission der 22" bis Montag Zeit gegeben hatte, betrat Zeretelli wiederum die Tribüne, nm zu beantragen, die Duma möge in der Abendsitzung die Fragen erörtern, die von der Linken soeben für die Tagesordnung vorgeschlagen waren.„Volksvertreter!" sagte Zeretelli,„wollt Ihr auf der Höhe des h i st arischen Moments stehen, wollt Ihr Eure historische Mission erfüllen, die Euch das Volk auferlegt hat, io sollt Ihr an diesem Vorabend des Staatsstreiches nach einem un< sterblichen Worte Karl Marx? das Bajonett auf die Tagesordnung ictzen, dem Volke noch einmal die großen Fragen seines Lebens zmii Bewußtsein bringen." Ein Stur in durchbraust den Sitzungssaal, und dann erschien die Jammergestalt KrupcnSkis von der Rechten, der unter lautem Lachen der Dnmn über„Verschwörer" faselte. Genosse D s ch a p a r i d s e unterstützte Zeretelli. DnS letzte Wort in der Sitzung hatte Struve. In seiner langgezogenen, mir einer gewissen Salbung vorgetragenen Rede spiegelte sich der ganze Charakter der zweiten Duma wieder. Es kann ja an sich darüber gestritten werden, welchen praktischen Nutzen eine größere Debatte über die wichtigen Fragen in der letzten Sitzung gehabt hätte. Es war aber notwendig, den historischen Moment all- feitig zu beleuchten. Die Duma sollte zusammenfassend zeigen, daß sie nicht ganz vergebens dagewesen ist. Sie mußte ini voraus wissen, daß die Regierung ihr die„Unfruchtbarkeit" ihres Bestehens und Wirkens entgegenhalten würde. Es galt also, auf jeden Fall eine Antwort zu geben. Es galt weiter, öffentlich das zur Sprache zu bringen, was in der Nachtsitzuug unter A u s s ch l u ß der Oessent- lichkeit gesagt worden war. Eine großzügige Anklage war nötig, eine Anklage gegen die„Ankläger". Das verlangte der politische Augenblick. So aber hauchte die zweite Duma ihr Leben in zer- rissencn, abbröckelnden Tönen aus. Es war eben schon eine Sitzung der Agonie, nicht des letzten Zusammenraffens und des letzten Kampfes. In der Hanptstadt. Nachdem man in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag in Petersburg etwa 700 Personen verhaftet und die Garnison durch Kavallerie und Infanterie bedeutend verstärkt hatte, wurde durch einen Erlaß deS Stadthanptmanns„die Veröffentlichung von Artikeln und Mitteilungen, die eine feindliche Stimmung gegen die Regierung erzengen können, die Verbreitung verbotener Schriften, die öffentliche Zustimmung zu Verbrechen, in welcher Form sie auch erfolge, ferner der Verkauf oder die öffentliche Ausstellung von Schriften, durch die Verbrechen gutgeheißen werden, des weiteren die Verbreitung lügenhafter Angaben über die Regierung und Regierunasbeamte, Kommandeure und Truppen, durch die die öffentliche Meinung gegen diese aufgereizt werden könnte, ferner die Verbreitung unwahrer, die öffentliche Meinung aufregender Gerüchte über Maßnahmen der Regierung, über die an- geblich unglückliche Lage der Gesellschaft und anderes" verboten. Die Schuldigen sollen auf administrativem Wege mit Geldbußeii bis zu 3000 Rubel oder mit Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft werden.—- Im Reiche. Die„Russische Korrespondenz' erhält das nachstehende Tele- gramm: Petersburg, 18. Juni. Den Zeitungen hier in Petersburg tvie im Reiche ist das Verbot zugegangen, Aeutzerungcn gegen die Negierung zu veröffentlichen. Nichtbeachtung soll härteste Strafe im Gefolge haben. Vcrhaftnnge» finden überall blind- lingS und in größter Anzahl statt. In Odessa in der ab- gelaufenen Nacht wiederum 300 Verhaftungen l Während die Dumaauflösung hier ohne besonders sichtbare Erregung der Bevölkerung aufgenommen wurde, wird aus dem Lande steigende Erbitterung gemeldet; sie wächst durch provoka- torisches Auftreten des Verbandes des russischen Volkes. In zahlreichen Orten werden Prozcssioucn des Verbandes mit Fahnen und Musik arrangiert! In Odessa empfing KanlbarS die Führer der Prozession. Da an den meisten Orten der Verband des russischen Volkes gänzlich bedeutungslos ist, so wurden Beamte, abhängige Personen, sogar Polizei und Kosaken zur Anteilnahme an den Prozessionen kommandiert. Tie Truppen. Kiew, 13. Jilni.(Meldung der„Petersburger Telegraphen- ageulnr".) In dem Lager von Syretz wurde ini Regiment SelerginSk nach dem gestrigen Abendappell ein Meutereiversuch gemacht, der jedoch durch geeignete Maßnahmen unverzüglich vereitelt wurde. Gegen 11 Uhr abcudS meuterte im Sappenrlager in Banijewka das Sappeurbataillon Nr. 21, wurde aber nach einem Fcurrgefecht ent- waffnet und durch die anderen Sappeurbataillone zum Gehorsam gebracht. Ein Offizier ivurde bei der Erfüllung seiner Pflicht ge- tötet. In der Stadt ist alles ruhig. Der KiiueraMeg in SfidfranMch. Paris, 16. Juni.(Eig. Ber.) Der Miliisterpräsident hat an die zurückgetretenen Bürgermeister einen ellenlangen Brief gerichtet, der allerhand gar nicht unrichtige Dinge enthält, aber den großen Fehler hat, daß er auf die jetzige Lage im Süden paßt wie die Faust aufs Auge. Der Minister setzt den Gemeindevorstehern auseinander, daß ihr Streik dem Elend nicht abhelfen könne. Als ob sie dies je gedacht hätten I Geradezu komisch wird aber Herr Clemenceau, wenn er, die gefährlichen Folgen der Demission aufzählend, in den Jammerruf ausbricht: „Wer wird VolkSansanimlnngen verhindern?" Hier erinnert der sozialphilosophische Regiercr Frankreichs schon stark an Oesterreichs.weiland„guten Kaiser Franz", der auf die Nachricht von der Julirevolntion erschreckt auSrief:„Derfen'S denn das?" UntcrdeS geht'S im Süden ziemlich drunter und drüber. Die Erklärung des Ministers, daß die Regierung die Demission nicht an- nehme und die Bürgermeister für alle aii-Z ihrer Dienstverweigerung entstehenden Schäden verantwortlich machen wolle, scheint diese nicht zu rühren. Sie sind eben auf die Vorteile der organisierten Massen- aktion gekommen und wissen, daß man mit einer ganzen rebellischen Provinz nicht umspringen kann wie mit einigen hundert oder tausend streikenden Arbeitern. Zuverlässige Beurteiler nehmen denn auch die Bewegung für weit mehr als einen phan- rastischen Massenwahnsinn. So schreibt einer der einsichtigsten und gebildetsten konservativen Publizisten Frankreichs, de V o g ii o, im „Figaro": „Der Jnteressenkonflikt zwischen dem Norden und dem Süden ist vergiftet durch das furchtbare Mißverständnis:„Paris kennt uns nicht oder verkennt uns aus Voreingenommen- he it." Ich höre um mich nichts als diese Worte, und das feind- selige Mißirauen gegen alles, was ans Paris kommt, wächst von Stunde zu Stunde. Mehrere unserer großen Zeitungen, ohne Unter- schied ihrer Tendenz, sind schon in der Gegend boykottiert. Die Unachtsamkeit und der Skeptizismus des Parisers stammen aus einem Vorurteil, das er vielleicht teuer zu zahlen haben wird. Dieser liebenswürdige Daudet hat für lange Zeit unser Urteil gefälscht. Er hat uns seinen Süden ein- geredet, den Süden Tartarins und der Cannebiöre(der Hauptstraße des als Stadt der Ausschucider verschrieenen Marseille). Der Süden ist kompliziert, vielgestaliig. Derjenige, der sich heute kundgibt, ist der Süden der Sarazenen, der A l b i g e n s e r, der Katalanen. Feierlicb, fast schweigsam in der grandiösen Manifestation gehaltener und disziplinierter Leidenschaft... Wir leben hier wieder unter den schlickiten Seelen, die das Wort eines Propheten zur Eroberung eines gelobten Landes entflammte, in der GeburtSzeiv des Islam, unter den Gläubigen, die von einem Apostel emporgerissen, in Clermont zum Kreuze schwuren, und der Triumpki der Wiedertäufer von Münster wird vor uuS lebendig. Aber kehren wir zur Gegeuwarl zurück, um die Wirkung eines Phänomens von einst auf den Staat von beute mit kühler Vernunft zn beurteilen. Dieser Staat ist ernstlich bedroht. Nicht weil er außerstande ist, an einem Tag, mit einer Zauberformel ein Leiden zu heilen, das alte und vielerlei Ursachen hat, sondern weil er seiner Sendung nicht gerecht worden ist und sich nm alle Dinge eher als um. diese Leiden kümmerte. Das Elend hat die Augen geöffnet. In der Zeit von einigen Tagen hat dieses Volk seine ganze Denk- weise geändert: ES hat plötzlich begriffen, daß eS an einer U e b e r- Produktion leidet I Ich spreche hier nicht von der des Weines. Ob es eine solche gibt, darüber sind die Memungen noch geteilt. Aber alle sind über eine andere einig. Es hat eine U e b e r- Produktion von Politik gegeben. Diese plötzlich zur Klarheit gekommenen Muffen wollen sich nicht mehr mit dem, was ihnen noch gestern gefiel, regieren lassen: mit Phrasen, Ordeusbändchen, Austeilung von Dergünstigungen, Protektion von Betrügern und nochmals Phrasen, immerzu Phrasen. Sie schreien ihr für immer unbesiegbares Miß- trauen hinaus, gegen die öffentlichen Gewalten, gegen das Parlament, gegen ihre eigenen Vertreter, kurz gegen alles, was aus Paris kommt. Eine einfache Beobachtung sagt mehr als alle Raisonnements: In diesem Lande, wo nicht zwölf Feuerwehrleute oder Turner zusammenkommen konnten, ohne daß ein Deputierter hinzulief, versammeln sich jede Woche Hunderttansende zu ent- scheidenden Kundgebungen. Und kein einziger Deputierter wird dabei gesehen I Die Gegenwart eines einzigen von ihnen wäre eine Gefahr für die öffentliche Ordnung." DaS republikanische Regime ist keineswegs bedroht. Es wird'S auch künftig nicht sein, wenn eS sich biegsam geimg erweisen wird, um sich im Sinne der volkstümlichen Ideen zu entwickelii. Was bedroht, ja durch ein einstimmiges Urteil schon verdammt ist, ist ein S y st e m und ein Personal. Der Stachel des Elends hat ein regio nali st isches Gefühl erweckt, das auf dem Grunde der Herzen schlummerte und daS man vielleicht wird Sepa- r i s m n S nennen müssen, wenn man diesen lokalen und hi st arischen Patriotismus nicht einige legitime, mit der Einheit Frankreichs vollkommen verträgliche Zugeständnisse macht. Von den Pyrenäen bis zum Unterlauf der Rhone gibt es in dieser Stunde nur die eine moralische und tatsächliche Macht: das Komitee von Argellicrs I Die offiziellen Autoritäten sind moralisch abgesetzt, tatsächlichohnmächtig! Ucberall passiver und begeisterter Gehorsam gegen die Komitcebefehle. Die Batiem dieses Komitees machen keine Politik, sie verlangen nur, daß man keine auf ihre Kosten mache, daß man dem Elend ihrer Brüder beistehe, daß man mit ihren Interessen, mit ihren Gefühlen rechne. Sie greifen niemand an, sie predigen die Ruhe. Diese Bauern haben nnS Wunder von Organisation und Mobilisation gezeigt, in einer Ordnung, einer Würde, einem Anstand, der alle zur Bewunderung zwingt. Bisher erlaubt nichts, verdächtige Hintergedanken bei diesen Menschen guten Willens da anznitehmen. Die Zentralgewalt, die nichts gegen sie vcr- mag, könnte mit ihnen zusammenarbeiten, mit ihnen die Lösung der dringendsten Probleme suchen." De Vogiw schließt:„Die Situation ist ernst, die ernstesten Ge- fahren bedrohen die Ordnung und den ungeschmälerlen Bestand unseres Landes, wenn da? Elend einerseits und der Eigensinn andererseits den Konflikt verschärfen.' f Paris, 17. Jnili.„Patrie" meldet aus Argclliers, der Anfent- haltSort Marccllin AlbertS sei Tag und Nacht von Wache» und Nadfahrern umstellt, welche beauftragt seien, die Bevölkerung zu be- »achrichtigen für den Fall, daß Gendarmen kämen, um ihn zu ver- haften. Es sollen dann Barrikaden gebaut werden. Zahlreiche Bauern seien mit Gewehren bewaffnet. Man spreche sogar davon, die Brücken in die Luft zu sprengen» wenn Marccllin verhaftet würde. Paris, 17. Juni. Ter Ministerrat hat in seiner heutigen Sitzung endgültige Maßnahmen getroffen, welche bestimmt sind, die Achtung vor den Gesetzen in den Weinbau-Departements sicher- zustellen. Anordnungen in diesem Sinne sind nach Schluß des Ministerrats an die Behörden der beteiligten Departements tele- graphisch übermittelt worden. Paris, 17. Juni. Die Kammer setzte heute vormittag die Be- ratung des Gesetzentwurfs betreffend die Verhütung von Wein- fälschungen fort. Nach längerer Verhandlung lehnte es die Kammer mit 304 gegen 255 Stimmen ab, die Zuschlagssteuer auf zur Wctn- bereitung bestimmten Zucker aus 65 Franks festzusetzen, wie Re- gierung und Kommission verlangt hatten. Argclliers, 17. Juni. Die Nachricht, daß die Deputierten- kammer die Zuschlagsceucr von 65 Franks auf zur Wcinbereitung bestimmten Zucker abgelehnt hat, hat die hier versammelten Wein- Hauern in große Erregung versetzt; sie erklären, sie würden ihrer- scits keine Zugcständniffe machen. Paris, 18. Juni. Tos in Montauban garnisonierendt Tra- goncr-Rcgliiient und das Husaren-Rcgiment in Earcassonne wurden aufgeboten, um alle Zugänge nach Argclliers zu besehen. Nach Montpellier wurden erhebliche Gcndarmericvcrstärkungcn gc- sandt. Paris, 18. Juni. Die„Agcnce Fournier" erhielt vcrgangeu.e Nacht aus Montpellier folgendes Telegramm: Eine ernste Nachricht kommt aus dem Militärlager von Narvac. Nach derselben haben die Soldaten des 100. Jnfantcric-Regiments in Narbonne, welches gelegentlich der Winzerumzüge eine Kundgebung veranstaltete und aus diesem Grunde strafversetzt werden sollte, neuerdings sich gegen ihre Vorgesetzten aufgelehnt. Sic sollen Offiziere geschlagen und das ganze Lager geplündert und demoliert haben. Paris, 18. Juni. Wie die Blätter melden, sind die Maß- nahmen, welche der Ministerrat im Hinblick auf die Krisis in den Wcinbaudistriktcn beschlossen hat, folgende: Einleitung des gericht- lichen Verfahrens gegen alle Mitglieder des Komitees von Ar- gclliers wegen Aufreizung zum Aufruhr, gerichtliche Verfolgung der Weinfälscher, Verfolgung gewisser Bürgermeister, letztere wegen gemeinsamen Vorgehens zu dem Zwecke, sich an Stelle der Zcntralgcwalt zu setzen. Verlegung des 100. Jnfanteric-Regi- mcnts und einiger anderer Regimenter des Südens.—„Pctite Republique" meldet, die Regierung sei ernstlich bemüht, eine weitere Ausdehnung der Bewegung zu verhindern; Berichte von Präfekten bestätigten, daß Versuche gemacht werden, die Bevölkerung der De- partements Jsere und Lvt-et-Garonne zum Aufruhr zu bewegen. Paris, 18. Juni(Deputiertcnkammer.) In der Vormittags- sitzung wünscht Aldh(radikaler Sozialist) Auskunft über die ge- richtlichen Maßnahmen, die die Regierung gegen die Weinbauern im Süden ergrisssn hat, und beantragt sofortige Besprechung. Clemenceau beantragt Vertagung derselben bis zum Freitag. Er erklärt, er wolle Entgegenlommcn üben, zuerst aber müßten die Gesetze geachtet werden. Der Protest deS Südens werde jetzt u n- gesetzlich; eine längere Duldung desselben würde das Ende Frankreichs bedeuten.„Während wir hier den Gesetzentwurf zur Unterdrückung der Weinfälschungen beraten," fährt der Minister- Präsident fort,„antwortet man im Süden mit G e w a l t- streichen. GSgen die Urheber der im Süden verübten Vergehen und Verbrechen sind gerichtliche Schritte ergriffen. Wenn aber die Kammer sich gegen das Kabinett entscheidet, werde üst anordnen, daß alle ergriffenen Maßregeln vorläufig eingestellt werden. Die Kammer mag ihre Entscheidung treffen." I a u r es erklärt:„'Es würdr unklug sein, der Regierung die Vollmacht, die sie fordert, zu erteilen: denn sie hat nicht genügend Kaltblütigkeit bewiesen. Wir gestatten der Regierung nicht, uns auf den Weg des Bürgerkrieges zu führen." Hierauf erwidert Clemenceau:«Wir müssen die Hinder- nisse niederwerfen, die sich der Vollstreckung der Gerechtigkeit ent- gegenstcllen. Ich habe einfach die Staatsgewalt zur Ber- fügung des Gesetzes gestellt. Soweit als angängig möchte ich einen blutigen Konflikt vermeiden. Angesichts einer rcgionalistischen Rc- gierung, die Entlassungen durch Schrecken erzwingen will, ist die Stunde der Anwendung des Gesetze? gekommen."(Langanhal- tender Beifall.) Sarraut führt aus:„Seine Demission bedeute keine Miß- billigung der Politik der Regierung, der er treu bleibe.(Beifall.) Der Regierung gehe die Not des Südens sehr nahe, aber Clemenceau habe recht, zu sagen, daß das Gesetz herrschen müsse. Ich bin." so schließt Sarraut,„vor allem Franzose und beuge mich vor der gebieterischen Notwendigkeit."(Lauter Beifall.)— Nibot kNcpublikaner) erklärt:„Er werde für die V e r t a g u n g stimmen, denn seit 37 Jahren habe man keine ähnliche Lage gesehen. Die Stunde sei ernst, alle Parteien müßten sich um die Regierung scharen." Darauf wird mit 412 gegen 158 Stimmen die Verhandlung der Interpellation auf F r e i t a g festgesetzt. Die Kammer nimmt sodann die Beratung des Gesetzentwurfes betreffend die Wein- fälschungen wieder auf. Sek vertkagsking gegen Deutschland. Frankreich und Spanien und zugleich auch Spanien und England, haben Verträge mit einander geschlossen, deren In- halt vom französischen Minister des Auswärtigen in den an die Gesandten seines Staates herausgegebenen Instruktionen folgendermaßen wiedergegeben wird: „Diese Abmachung hat zum Zweck, nicht nur den statns quo aufrecht zn erhalten, der in Anbetracht der Nähe unserer Besitzungen nicht ohne Verletzung wesentlicher Interessen beider Staaten geändert werden könnle, sondern— was uns ganz besonders betrifft— die Sicherheit unserer Verbindungen mit unseren afrikanischen Besitzungen im Mittel meer und im Atlantischen Ozean zu be- festigen." Natürlich wird von den Offiziösen die Friedlichkeit der Absichten der VertragSteile betont. Wann wäre auch je- mals ein Vertrag zu anderem Zwecke als„zum Schutz des Friedens" geschloffen worden! Indes muß auch dem gläubigsten Gemüte die zum mindesten demonstrative Absicht dieser just bei Beginn des Haager„Friedenskongresses" veröffentlichten neuen Vertragsserie offenbar werden: Die „Isolierung Deutschlands" erfährt eine neue, grelle Beleuchtung. Denn gegen wen sollte der wechselseitige Schutz notwendig sein, da doch Italien in notorisch guten Beziehungen zu Frankreich steht? Txr Pariser spanische Botschafter hat einem Redakteur deS„Temps" ausdrücklich gesagt, daß„die Marokko- affäre, die in Paris und in Madrid in loyalem Geiste de- handelt worden sei, die Basis des Vcrtragsgebäudcs gewesen" ist! Die ungeschickte deutsche„Weltpolitik" hat also in der Tat alle die Vereinbarungen möglich gemacht, die— man muß es eingestehen— der allgemeinen Stimmung der Völker und der Meinung entsprechen, die sie über die Znperlässigkeit der deutschen Politik haben. Für die Wehrkraft der Gegner Teutschlands in einem Weltkriege würde bei dem jetzigen Zustande der spanischen Wehrkraft das einem allgemeinen Defensivbündnis sehr ähnelnde Abkommen mit Spanien nicht allzu viel bedeuten, wenngleich natürlich die Sicherung des englischen Besitzes in Gibraltar schwer ins Gewicht fällt. Der„Temps" versichert, daß zwischen Frankreich und Spanien„keine Militär- konvention und keine Geheimklauseln" vor- Händen seien, was beinahe die Vermutung bestätigen könnte oder vielleicht gar bestätigen soll, daß solche zwischen Frankreich und England bestehen! Dazu würde auch die ztvei- dcntige Antwort Passen, die C l e m e n c e a u in der Kammer auf die Anfrage wegen einer Militärkonvention gegeben hat.— Bei dem bedingten Wert, den diplomatische Verträge haben,— da man sie ja doch nur so lange befolgt, als sie nützlich scheinen, ist der Abschluß dieser neuesten Verträge an sich für Deutschland kein Grund zum Erschrecken, voraus- gesetzt, daß die deutsche auswärtige Politik künftig Wege vcr- folgt, auf denen es ihr möglich wird, die gegen sie im Aus- land angesammelten Antipathien zu zerstreuen. Immerhin ist nach wie vor größte Vorsicht gegen die Kriegstreiber in Deutschland sowohl wie im Auslände geboten; denn ebenso- wenig wie eine direkte Gefahr, bedeuten die neuen Verträge etwa eine stärkere Sicherung des Friedens. Sie verbessern auch nicht ini geringsten die Hoffnungen auf eine Vernnnde- rnng der militärischen Lasten, hinter denen der internationale Kapitalisnms als besorgter Interessent Wache steht. Schon schreibt der„Temps":„Tie diploniatischen Aktionen sind Krcditopcrationen, deren Grundlage das ist, was nran das militärische Jukasio jedes Volkes nennen könnte. So friedfertig wir sind— und um es zu bleiben— denken wir i m m e r an dieses Inkasso." In der Tat, trotz aller Schutzverträge und trotz der ab- geschmackten Friedenskongreßkomödie— sie werden das „Inkasso" nicht vergessen und es so lange betreiben, bis ihnen das internationale Proletariat einen Strich durch die Rech- nuug macht._ politische(leberficht. Berlin, de» 18. Juni 1907. Eine neue Neichsfinauzrcform. Offiziös Nnirde vor einigen Tagen nicht nur bestritten, daß eine neue ReichSanleihe in Höhe von ungefähr 200 Mil- lionen Mark bevorstehe, sondern auch, daß eine alsbaldige neue„Reichsfinanzreform", das heißt die Vorlegung neuer Steuerforderungen zu erwarten sei. Daß das Dementi, soweit es sich auf die neue Reichsanleihe bezieht, auf nichts anderes als eine Wortklauberei hinausläuft, haben wir bereits in der Stummer 1.86 des„Vorwärts" vom 14. d. M. nachgewiesen. Daß aber auch der zweite Teil des Dementis nicht auf eine viel größere Glaubwürdigkeit Anspruch machen kann, zeigt folgende, allem Anschein nach offiziöse Finanzbetrachtnng der -JBerl. Pol. Nachr.": „Sicher ist, daß der Reichshaushaltetat für löül nur dadurch ins Gleichgewicht zu bringen war, daß über den Betrag von 24 Millionen Mark hinaus, wer von den Bundesstaaten in ihren Etats vorgesehen ist, ungedeckte Matrikularumlagen in der Höhe von 64 Millionen Mark ausgeschrieben worden sind. Ferner unterliegt es auch, keinem Zweifel, daß vom nächsten Jahre ab dem Reiche Mehrausgaben in beträchtlicher Höhe erwachsen, und endlich ist es gleichfalls sicher, daß, wenn im Jahre 1912 der Kapitalbestand des Reichsinvalidenfonds aufgezehrt sein wird, die darauf angewiesenen Ausgaben in der Höhe von rund 49 Mii- lionen Mark im Jahre aus laufenden Einnahznen zu decken sein werden. Das Bedürfnis, dem Reiche Mehreinnahmen in beträchtlicher Höhe zuzuführen, wird daher ernstlich nicht bestritten werden können. Wie außerordentlich un» erwünscht selbst für Preußen die Notwendigkeit ist, für 1907 einen Betrag von nahezu 180 Millionen Mark an Matrikular- Umlagen vorsehen zu müssen, erhellt, wenn man bedenkt, daß für etwa 49 Millionen Mark an Matrikularumlagen im Staatshaus- Haltetat Mittel nicht vorgesehen sind, daß also für deren Deckung anderweitig gesorgt Wersen muß. Zwar stehen für diesen Zweck aus Geldern, die vorsorglich für Mchransprüche des Reiches in früheren Jahren zurückgelegt sind, noch etwa 16 Millionen Mark zur Verfügung. Der überschießende Betrag aber mutz, wenn anders er nicht durch Anleihen gedeckt werden soll, in den rechnungsmäßigen Ueberschüssen de? laufenden Jahres seine Deckung finden. Ferner zwingt die Notwendigkeit, sich für unvorhergesehene An- spräche des Reiches gerüstet zu halten, dazu, die Einnahmen des Staates so vorsichtig zu veranschlagen, daß sich daraus mit einiger Sicherheit die entsprechenden Reserven gewinnen lassen. Diese Reserven entziehen sich aber der Verwendung für den.eigenen Bedarf Preußens; in ihrer Höhe mutz deshalb für die Deckung des Mehraufwandes für Beamten- und Lehrerbesoldungen die Stcuerkraft der Bevölkerung in Anspruch genommen werden. So wird schon in Preußen trotz seiner reichen Einkünfte aus werbendem Staatsvermögen die Finanzwirtschaft durch die In- anspruchnahme für das Reich beträchtlich erschwert und die Gefahr einer starken Anspannung der Steuerkraft herauf- beschworen. In ungleich höherem Matze ist dies naturgemäß bei den meisten anderen Bundesstaaten, denen gleich reichlich fließende Einnahmequellen nicht zur Verfügung stehen, der Fall, und man kann sich nicht verhehlen, daß das unbefriedigende Ver- hältniS zwischen den Reichs- und Landesfinanzen in hohem Grade verstimmend gegen das Reich wirkt." Offen wird in dieser Notiz zucfcstanden, daß dein Reich „Mehreinnahmen in beträchtlicher Höhe" zu- geführt werden müssen. Ob zur Ausbringung dieser Mehr- einnahmen allerdings schon vom Reickssschatzsekretär irgend- ivelche Steuerpläne ausgearbeitet sind, oder ob sich das neue Steuervorschlagsbündel noch im ersten Fabrikationszustand befindet, das läßt sich mit Bestimmtheit nicht sagen. � Daß aber der sogenannten„Reichsfinanzreform" des Vorjahres alsbald eine Reform gleichen Kalibers folgen wird, kann als sicher gelten.—_ Kapitalismus und Friedenskonferenz. Die Friedenskonferenz im Haag regt einen Teil der Presse zu allerlei Friedensvorschlägen an. Besonders erfinderisch erweist sich auf diesem Gebiete die„Franks. Ztg.". Sie knüpft an die Tatsache an, daß seit zwei Jahrzehnten eine internationale Vereinbarung besteht, die daS Kaliber des KlcingewchrS ans ein bestimmtes Maß beschränkt, und meint dann: „Könnte man nicht diese Vereinbarung einfach auf daS große Geschütz zu Wasser und zu Land und aus die Schiffspanzerung ausdehnen? Es liegt aus der Hand, daß dadurch ungeheuere Summen, die jetzt auf immer stärkere Panzer, auf stets weiter schießende Kanonen, auf fortwährende Versuche und Proben ver- wendet werden, erspart werden könnten. Aber da tritt leider ein neues Hemmnis ganz eigener Art auf, das bisher nur wenig beachtet worden ist. Die Fabrikation der Kleingewehre ist Monopol der Mächte, die unter sich leicht eine Verständigung erzielen können: für Kanonen und Schiffspanzer tritt jedoch ein anderer selbständiger Faktor auf, mit dem eine Einigung nicht so leicht zu erreichen ist: die P r i V a t i n d u st r i'e, die so mächtig geworden ist, daß sie in der Ab- rüstungsfrage vielleicht das entscheidende Wort mitzusprechen hat. Die Rüstungen sind nämlich zu einem großen Teile darum so gewachsen, weil die Fabriken, welche Kanonen und Panzer verfertigen, mit ihren Riesen- kapitalien und ihren Hunderttausenden von Arbeitern einen großen Teil des National- reichtums bilden, der unterhalten und befördert sein will. So ist es neuerdings nicht sowohl das Schutz- bedürfnis der Völker, das zu Rüstungen drängt, es sind vielmehr dieKrnpp, Schneider, Arinstrong, Maxim, Terui usw., die immer neue, immer mehr Kanonen und Panzer pcrfertige» müssen, damit sie Geld verdienen, ihren Kapitalien hohe Dividenden ausrichten und ihre Arbeiter bezahlen können. Wir wollen nicht so iveit gehen, zu behaupten, daß alle Regierungen, die sich der Abrüstung irnd sogar der Besprechung derselben widersetzen, bei ihren Ent- schlüssen bewußt oder unbewußt dem Einflüsse der großen Kriegs- illdustrie gehorchen, aber sicher ist, daß die Konferenz sich ein unschätzbares Verdienst erwerben würde, wenn sie einmal diese Seite der Sache gründlich behandeln und klar zeigen würde, w o die H a u p t g'e g n e r der Abrüstung sieen: die üffent- liche Meinung würde dann auch wissen, wohin sie ihren Haupt- druck zu richten habe. Leider ist, wie die Tinge liegen, wenig Aussicht vorhanden, daß die Konferenz sich dieses Verdienst er- werben wird." Mit ihrer Vermutung, daß die Haager Konferenz ihren schönen Vorschlag ignorieren wird, dürfte die„Franks. Ztg." recht behalten — sintemalen die Festsetzung einer Maximalgrenze des Kalibers an den Rüstungen nichts ändern würde, geht doch ohnehin daS Be- streben der Erfinder dahin, das Kaliber zu verringern, um die Kraft und Tragweite des Geschosses zu erhöhen. Aber in gewisser Hinsicht hat allerdings die„Franks. Ztg." recht: es würden die Rüstungen tveit weniger energisch betrieben und nicht so häufig mit den Ge- schützmodcllen und-Systemen gewechselt werden, tvenn nicht die Geschütz- und Panzermdustrie daran ein großes Interesse hätte und nicht durch eine von ihr alimentierte Presse die öffentliche Meinung beeinflussen würde. Es sind größtenteils rein kapitalistische Interessen, die der Abrüstung entgegenstehen.— „Kaplan hetzt das Volk anf l"— so telegraphierte, wie aus dem Aachener LandfriedcnSbrnchprozeß be- kannt geworden ist, der Unternehmer Honigmann an den Kölner Erzbischof, Kardinal Fischer. Es ist nicht bekannt geworden, ivie Se. Eminenz sich auf diesen Hülferuf verhalten hat. Aber bei anderer Gelegenheit hat der Herr Erzbischof bewiesen, daß er ein Herz hat für die Unternebmer, die sich W Agitation politisierender Kapläne beschwert fühlen. Vor Jahresfrist, so berichtet die.Bergische Arbeiterstimme", kam nach W i e s d o r f im unteren Kreise Solingen ein junger Kaplan namens Esser, dem das Elend der dortigen> im Joche der Bayerschen Farbwerke frondendcn Arbeiter zu Herzen ging. Er fing an, in dem stockkatholischcn Orte die Scharen zu sammeln und mit Mut und Hoffnung zu erfüllen. Den Gewinn hatte zunächst das Zentrum; ein katholischer Arbeiterverein entstand, der katholische Volksverein nahm mächtig an Mitgliedern zu und die Abonnenten- zahl der ultramontanen Presse stieg um mehrere hundert Prozent. Bei der letzten Reich-ZIagSwahl ging Esser mit Eifer' gegen das Unternehmertum vor, die Arbeiter kamen in Erregung, von der auch die Sozialdemokratie, deren Flugblätter verschlunge» wurden, pro- filierte. Da aber war die Geduld der Unternehmer zu Ende. Sie wandten sich nach der Wahl an den Kardinal Fiicher mit dem Ersuchen, den Kaplan Esser im Interesse des Friedens aus Wiesdorf zu entfernen. Se. Eminenz tat den liberalen Herren den Gefallen, den Kaplan zur Rechenschaft zu ziehen. Tie Nachricht, daß Eiser versetzt werden sollte, brachte die Gemeinde in Auiruhr. Der Erzbischof wurde mit Bittgesuchen bestürmt. Kaplan Esser selber erklärte dem Lberhirlen, daß er nicht daran denke, den Frieden zwischen Unternehmer und Arbeiter zu stören, sein Kampf gelte nur der Sozialdemokratie. Esser durfte bleiben. Er setzte seine Agitation unter den Arbeitern fort, was eine abermalige Beschwerde der Herren von den Bayerschen Farbenfabriken zur Folge hatte. Und diesmal war ihnen der Erfolg sicher. Kaplan Esser scheidet aus Wiesdorf, er geht nach Euskirchen, wo ihm die Gelegenheit, gegen daS liberale Großkapital zu Felde zu ziehen, genommen ist. Der Kölner Erzbischof. so schreibt unser Solinger Parteiblalt, macht sich damii zum Beschützer der schrankenlosen Ausbeulung und Entrechtung der Arbeiter in den mörderischen Giftbnden der Bayerschen Farbwerke! Wir können ans eigener Kenntnis hinzufügen, daß Kaplan Esser in seinem Schicksal Vorgänger hat. Vor einem Dutzend Jahren amtierte in Kölir der Kaplan Oberdörffer, der mit zu den Gründern der ersten christlichen Gelverkschaften gehört. Er trat mit Eifer für die Sache der Arbeiter ein und bewahrte auch der Sozial- demokratie gegenüber eine anständige Haltung. Auf Betreiben des Unternehmertums wurde er nach einem kleinen rheinischen Orte ver- setzt, dort verlernte er seinen Eifer für die Arbeitcriache, heute ist er Pfarrer in Köln und die rechte Hand dcS Kardinals Fischer in sozialpolitischen Dingen. Einige Jahre nach ihm trat in Köln Kaplan H e ß d ö r f fer als eifriger Agitator unter den Arbeitern auf; auch er tat viel für die gcwcrlschaftliche Ocganisation der katholischen Arbeiter und redigierte eine Zeitlang ein chnslliches Arbcitcrblatt, bis auch ihn einsö Tages der Bannstrahl traf. Seine sozialpolitische Tätigleit gefiel dem Unternehmertum nicht und so wurde er nach einem kleinen Wallfahrtsort versetzt, wo er fromme Pilger zu erbauen hatte. Heute beschästigt er sich alö Pfarrer in Stolberg bei Aachen mit der ungefährlichen Organisation der katholischen Jugend. Man sieht, das Kapital findet immer einen treuen Bundes- genossen in der Kirche, und der Hülfcrruf:„Kaplan hetzt das Volk a u f I" schlägt nicht vergebens an die Ohren der hohen Klerisei.—_ Ei»„terroristisch geführter Guerilla-Lohnkampf wird gegenwärtig in Frankfurt a. M. von einer kleinen aber ent- schlosscncn Gruppe eines Berufs— es handelt sich um ein Dutzend Leute— in Szene gesetzt, ohne daß ihre„Arbeitgeber" es wagen, den Standpunkt des„Herrn im Hause" hervorzukehren. Unter schlauer und rücksichtsloser Ausnutzung der Konjunktur und des Glaubens ihrer Arbeitgeber, die sie für unersetzbar halten, setzt ein Angehöriger dieser BcrufSgruppe nach dem anderen durch „Drohungen" und„Nötigungen" seinen„Arbeitgebern" die Pistole auf die Brust und drückt spielend eine Lohnerhöhung durch. Die Arbeitgeber find so eingeschüchtert und hypnotisiert, daß sie sich bei den Beratungen über die Forderungen ängstlich einschließen, so daß niemand Zeuge ihrer Schwäche ist. Von allen Instinkten ihrer Klasse völlig verlassen, verzichten sie nicht nur auf den üblichen Nachweis, daß die Löhne der Mehrfordernden bisher schon höher waren, als sonst irgendwo, sondern sie bewilligen sogar ohne jedes Feilschen und im Handumdrehen die Forderungen. Der erste dieser „Terroristen" begnügte sich noch mit einer 17 prozentigen Lohn- erhöhung, die absolut mehr als das Doppelte eines gewöhnlichen Arbeiterlohnes ausmacht; doch der schnelle Erfolg ermutigte den zweiten„Kollegen" bereits, das Doppelte, nämlich eine Lohn- erhöhung von mehr als 33 Proz. zu fordern und durchzudrücken. Als sicher gilt bereits, daß in nächster Zeit zwei weitere Kollegen, und zwar die einflußreichsten von allen, dem Beispiel der beiden ersten folgen werden. So wissen zielbewußte Leute ihre Lohnvcrhältnisse zu ver« bessern, ohne sich um den bestehenden„Lohntarif" zu kümmern, ohne auf die„gespannte" Geschäftslage Rücksicht zu nehmen, ohne langes Verhandeln, ohne Belästigungen durch die Behörden und ohne— sich zu genieren. Diese Glücklichen sind allerdings keine getvöhnlichen Arbeiter. Es sind die besoldeten Magistrats- Mitglieder in Frankfurt a. M., und ihre„Arbeitgeber" sind die dortigen Stadtverordneten, mit Ausschluß der sozialdemokratischen. Der Chef des Hochbauamts, Stadtrat Schau mann, machte vor einigen Monaten den Anfang, indem er forderte, sein Gehalt von 14 599 M. auf 17 999 M., also um 2599 M. pro Jahr zu erhöhen, sonst würde er den Dienst quittieren und nach Köln gehen. Ihm ist jetzt der Chef des TiesbauamtS, Stadtrat Kölle, gefolgt, der aber gleich eine Gehaltsaufbesserung von 15 999 M. auf 20 999 M., also um 5999 M., forderte, wenn er nicht in Privatdienste treten solle. In geheimen Sitzungen haben die bürgerlichen Stadt- verordneten die Forderungen ohne zu mucksen bewilligt, und damit die ganze Regelung der Magistratsgehälter über den Haufen ge- warfen. Dem zweiten Bürgermeister Grimm dünken, wie es heißt, seine 15 999 M. Gehalt jetzt auch zu wenig. Er will nächstens ebenfalls mehr fordern. Oberbürgermeister A d i ck e s wird für seinen Verzicht auf einen Ministerposten höchstwahrscheinlich eben- falls zu seinen 30 099 M. eine„Teuerungszulage" bekommen, und so fort. Bei den bescheidensten Lohnforderungen der städtischen Arbeiter predigen dieselben Herren Zufriedenheit und Genügsam- keit, und die bewilligungsbcreitcn bürgerlichen Stadtverordneten werden plötzlich knauserig und sagen:„Ja, Bauer, das ist ganz was anderes!" Schleiden-Mnlmedy. Bei der heutigen LandtcigSerscitzwahI für den verstorbenen Ab- geordneten Prinzen Arcnbcrg im Wuhlkrcise Schleiden-Mcilmedy- Montjoie wurde der Zenlrnniskaudidat Lehrer Kesternich mit allen nbgegebencn 267 Stimmen gewählt. Eine schallende Ohrfeige erhielten die Aerzte von dem zurzeit in Dresden tagenden VerbandStag deutscher Journalisten- und Schrift- stellervereine. Er beschloß auf Antrag der westfälischen Gruppe des Verbandes, über die Veryaudlungen deS Ende Juni in Münster statt- sindenden Aerztewges nicht zu berichten, da die Aerzte wegen der skandalösen Behandlung der Preise auf dem Aerztelag in Rostock noch keine Genugtiumg geleistet haben. Dieser Beschluß der bürgerlichen Journalisten ist durchaus be-, greiflich. Gut wäre es aber, wenn sie alle Brüskierungen der Presse bei höfischen und anderen ähnlichen Veranstaltungen, bei denen sie sehr oft en Canaille behandelt werden, gleichermaßen beantworteten. Aber da fehlt der Mut!_ Oertcmich. Die erste Sitzung dcS RcichsratS wird in?inem kurzen Vor- cherichh den die �Poffische Zeitung" Montag abend' erhielt, folgender- maßen geschildert: Wie», 17. Juni. Die heutige erste Sitzung des Abgeordneten- hauies. die aus Grund' der Bestimmung der Gefchäftsordimng einen bloß formalen Charakter tragen konnte, ist programmgemäß und ohne jeden Zwischenfall verlaufen. Die Abgeordneten leisteten die An- gelobung i» ihrer Mutlersprache: Polen polnisch, Tschechen tschechisch, Italiener italienisch und so weiter. Drei von de» vier in Galizicn gewählten Zionisten bedienten sich der polnischen Sprache, der vierte, der Dozent an der Prager deutschen Universität Dr. Möhler.' sprach die AngclobnngSformel deutsch. Als Alters- Präsident Dr. Funke am Schlüsse seiner Rede daS HauS zu drei- maligem Hoch auf den Kaiser aufforderte, verließen ein Teil der Tschechischradikalen soivie der Alldeutsche Malik den Saal. Die tschechischen Sozialdemokraten blieben sitzen. Die d e n t s ch e n Sozialdcinokratc» erhoben sich, stimmten jedoch in das Hoch auf den Kaiser ebenso wie die im Saale anwesenden drei Alldeutschen nicht ein. Die Tschechischradikalen sowie die Kroaten fügten mit Bezug auf ihre staatsrechtlichen Bestrebungen der Angelobungsformel die Worte„unter Verwahrung" bei. Der Kroate Don Ivo Prodan gelobte mit den Worten:„Ich gelobe, soweit ich als Kroate geloben kann."-- Italien. Nasi. Rom, 16. Juni. Die Kammer nahm in ihrer heutigen Sitzung einen Antrag der Abgeordneten Turati und Genossen an, in welchem die Kammer den Juslizminister auffordert, in kürzester Frist den Wortlaut des Bescylusses des KassationshofeS in dem Prozeß gegen den ehemaligen Minister Nasi der Kammer vorzulegen, ebenso wie die vorhergehenden Beschlüsse der Anklagekammer und deS Geschworenen- gerichts sowie auch das vollständige Urteil des Kassationshoses. Der Miliistcrpräsidcnt Giolitli hatte vorher erklärt, da es sich um Vorrechte des Parlaments handele, werde die Regierung an der Ab« stiinniimg nicht teilnehmen. Rom, 17. Juni. Der Abgeordnete Brnnialto hat in der Kammer einen Antrag eingebracht, welcher die Aburteilung NasiS durch den Senat als höchsten Gerichtshof fordert. Rom, 17. Juni.(Kannner.j Der Präsident gibt bekannt, daß der Justizminister dem Hause den Wortlaut des Beschlusses des Kassationshofes, der Beschlüsse der Anklagekammer und des Geschworeueugericht-Z sowie andere Akten über den Prozeß Nasi mit- geteilt hat. Diese Schriftstücke werden gedruckt und dann verteilt werden. perNen. Der Polizeichcf alö Geisel. Teheran, 17. Juni. In vergangener Woche setzten die Tehcraner Polizisten ihren Chef gefangen und drohten, ihn in Haft zu be- halte», bis sie die rückständigen Gehälter erhallen hätten. Der Minister des Innern versprach die Auszahlung, worauf der Polizei- chef in Freiheit gesetzt wurde. Als aber das Geld nicht eintraf, ver- anstalteten die Ausständigen eine lärmende Kundgebung und weigerten sich, eine Teilzahlung anzunehmen.— Afrika. Die Parlameutstagnng im Transvaal. Nachdem das Parlament vom 22. März an in den Ferien ge» wesen war, nahm es am 14. Juni seine Arbeiten wieder auf. Zu- nächst werden die Ehinesenfrage und der Streik der weißen Berg- arbejter im Vordergründe der Verhandlungen stehen. Der Premier- minister, General Botha, teilte dem Parlamente bereits mit, die Regierung sei gedrängt worden, ein Gesetz eiltzubringen, welches verlangt, daß die Chinesen der Kolonie erhalten bleiben, das Ministerium fei aber fest davon überzeugt, daß jene eine Gefahr für Transvaal seien und daß es an der Zeit sei, sie sobald als möglich aus der Kolonie verschwinden zu lassen. Die Befürchtung, es sei nicht möglich, anS der eingeborenen Kaffernbevölkeruna ae» tißflenö Arbeitskräfte zu rekrutieren, iei nicht begründet, da in der letzten Zeit das Angebot an Arbeitskräslen die Nachfrage ganz bedeutend überschritten habe l Dann aber sei das Ministerium auch entschlossen. die Rekrutierung selber zu überwachen. Gleichzeitig sollen die Arbeitsbedingungen und die Lebensweise der eingeborenen Arbeiter gebessert werden, wodurch bei diesen das Zutrauen zu den Unternehmern gesteigert würde.(I) Außerdem werde man noch in kurzer Zeit in der Lage sein, mit der Rekrutierung von Arbeitskräften in Natal und im Zululande zu beginnen. Am 17. Juni trat das Parlament in die Verhandlung des Regierungsprogramms ein, und man erwartet allgemein, daß diese Tagung recht stürmisch verlaufen wird. In der Tat hat die sogenannte Chinesenpartei, d. h. die Verteidiger der Minenmagnaten, alles aufgeboten, die Regierung zu zwingen, die Chinesen in der Kolonie zu halten. Aber selbst wenn die Vorschläge der Regierung angenommen werden, wird es bis 1910 dauern, bevor die Chinesen aus der Kolonie entfernt sind, da man erst die dreijährige Konlraktzeit ablaufen ließe. Der erste„Chinescnschub" langte im Juni 1904 in Transvaal an. Am Ende desselben Jahres wurden in den Minen bereits L0 88S Chinesen beschäftigt. Bis Ende 1903 wurden im ganzen 50 693 Chinesen importiert. Von diesen hat man 3478 wieder in ihre Heimat zurückgesandt, weil sie untauglich oder sonst.defekt" waren; einige„kauften" ihre Freiheit zurück, andere starben. Be- merkenswert ist es, daß die Zahl der Chinesen Ende 1906 trotz der liberalen Regierung auf 53 828 gestiegen war, ja selbst in diesem Jahre wurden noch Chinesen importiert. Die Gesamtzahl aller bis jetzt Importierten beträgt 63 568, davon starben oder gingen in die Heimat zurück 9740. Die Sterberate ist überhaupt eine sehr hohe: sie betrug bis jetzt im Durchschnitt 13—16 Proz.! Die ersten Kontrakte sind am Ende dieses Jahres abgelaufen, und eS sollen dann 16 759 Mann in die Heimat zurückgeschickt werden. Vor einiger Zeit hat die Regierung zwei parlamentarische Kom- Missionen eingesetzt, deren Aufgabe es ist, die Klagen und Forde- rungen der weißen Bergarbeiter zu untersuchen, besonders die Frage der Ventilation in den Minen und die Frage, ob die Bedienung von drei Bohrmaschinen durch eine Person anempfohlen werden könne, ohne daß den Arbeitern Schaden daraus erwachse. Die Grubenmagnaten wollten von einer unparteiischen Untersuchung dieser Fragen ebenso- wenig wissen wie von einem gewerblichen Schiedsgericht, welches die streikenden Arbeiter vorgeschlagen hatten. Nachdem aber General Botha vor einigen Tagen einer Deputation von Minenbesitzern kurz und bündig mitgeteilt hatte, die Regierung sei nicht im stände, die Truppen ewig am Rand mobil zu halten, erklärten die Herren Unter- aehmer sich plötzlich bereit, die Ratschläge der Untersuchungskommissionen »lS bindend anzuerkennen I!— Amerika. San Franz i-Sko, 18. Juni.(23. T. B.) Bürgermeister Schmitz ist, da er überführt wurde, Geld von französischen Gastwirten erpreßt zu haben, seines Amtes enthoben worden. San Franziska, 13. Juni. Sofort nach Verurteilung des Bürger- Meisters wegen Betrügereien ist gegen 92 Polizisten und 96 städtische 'Beamte gerichtliche Bersolgung eingeleitet worden wegen Anfertigung falscher Schriftstücke._ GcwerhrcbaftUcbc9o Berlin und Qmgegend* Vom Bäckerboykott. Der Boykott tut seine 2Lirkung. Man incrkt das schon an den zahllosen Schmäh- und Drohbriefen, die bei der Verbandsleitung, bei Gruppenführern und bei der Redaktion des„Vorwärts" ein- laufen. Aber auch zahlenmäßige Nachweise für die Wirksamkeit des Boykotts liegen vor. Im Verbandsbureau der Bäcker sind in den letzten Tagen über 50 Meister erschienen, die, der Macht der Hausfrauensolidarität sich fügend, die Forderungen der Gesellen bewilligten. Allein am letzten Sonnabend und Sonntagvormittag wurden vom paritätischen Arbeitsnachweis 114 Gesellen au bewilligte Bäckereien vernnttelt. Die Herren, welche vor einigen Tagen in den Ruf eines ibrer Führer: Wir haben gesiegt I einstimmten, bekommen bald Angst und Grauen vor ihrem Siege. Wir können uns die Gesichter dieser Sieger vorstellen, sie dürften so geistreich ausschauen, wie ein Mops, der den Schnupfen hat. Und unsere Genossinnen werden dafür sorgen, daß die Jnnungskrauter ganz gründlich den Schnupfen be kommen. Die vom Bäckerverband eingeführte Kontrolle hat ergeben, daß eS zum großen Teile die Milch- und Gemüsehändler sind, welche in hinterhältigster Weise das Publikum täuschen und unter allerhand Schiebungen den Meistern, die nicht bewilligen, den Rücken steifen. Es wird aber bei der scharfen Durchführung der Kontrolle auch diesen Leuten das Handwerk gelegt werden und eS ist manchmal erstaunlich, mit welcher Schnelligkeit Händler, die den Kontrolleur„rausschmeißen" wollten, durch das Abspringen diverser Kunden zur Vcnmnft gebracht werden. Griiossimicn, laßt nicht locker, der Boykott muß durchgeführt verde»! >»' Einzelne Polizeibeamte nutzen die Unkenntnis mancher Bäcker und Händler aus und versuche», teilweise unter Inaussichtstellung von Strafe, sie zum Entfernen der roten Karten aus den Schmu feilstem zu veranlassen. Zu solchen Forderungen hat die Polizei nicht das Recht und niemand ist verpflichtet, unberechtigten Anforderungen der Polizei Folge zu leisten. Bei eventuellen Gewaltmaßnahmen wende man sich an daS Vcrbandsbureau der Bäcker. Dort wird jeder erfahren, waS zu tun ist, wie man Schadenersatzansprüche an die Polizei geltend macht und sich gegen uniformierte Belästiger wehrt. Für Berkürziing der Dienstzeit demonstriert zurzeit ein Artillerist. indem er lustig als Klempner arbeitet. Der junge Mann, Siegwardt sein Name, dient in Ingolstadt und hat angeblich vier Wochen Urlaub, um in Verlin bei der Firma Karnay als Rausreißer tätig sein zu können. Wenn zu solchen Zwecken die Dienstzeit abgekürzt werden kann, dann könnte das auch generell geschehen. Achtung, Rohrleger und Helfer! Die Differenzen bei der Firma Henning u. Markgraf, Grün- straße 17, sind beigelegt, die Kollegen haben die Arbeit aufgenommen. Die Sperre ist hiermit aufgehoben. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Veurkcbes Beleb. Di: Maschinisten und Heizer der Schlepp-, Güter- und Bugsier- boote des ganzen Rheinstromes sind in den Streik getreten. Die Organisation hat alles aufgeboten, auf friedlichem Wege eine Einigung herbeizuführen, jedoch alle Versuche dazu scheiterten am Starrsinn der Unternehmer. Insbesondere scheint eS den Herren die Forderung einer Mindest- aachtnihe von sechs Stunden, sowie der Sonntagsruhe angetan zu haben. Dabei hat selbst die nationaUiberale Fraktion des Reichs- tages diesem am 20. März d. I. folgende Resolution unterbreitet „Der Reichstag wolle beschließen: die verbündeten Regierungen zu ersuchen, tunlichst bald einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen für die in der Binnenschiffahrt beschäftigten Personen Bestimmungen über Sonntagsruhe getroffen werden." So die nationalliberale Partei, in deren Reihen sicher viele Reeder zu finden sind. Wenn die Probe aufs Exempel gemacht wird, dann ist Theorie und Praxis zweierlei. Allem Anscheine nach sind auch die Gewaltigen des Rheinstromes vom Geiste Ballins beseelt. Die Geduld der Rheinschiffssklaven ist aber erschöpft. Mit Eni- rüstung wurde von dem ablehnenden Standpunkt der Rheinprotzen Kenntnis genommen und euistimmig beschlossen, sofort in den Streik zu treten. In Betracht kommen 1200 Kollegen, die auf 350 Dampf- booten, bei 92 Gesellschaften bezw. Besitzern beschäftigt find. Zuzug ist nach sämtlichen Rheinhäfen streng fernzuhalten. Die arbeiter- freundliche Presse wird um Abgedrnck gebeten. Die Streikleitung. I. A.: F. Scheffel. In der Motorfahrzeugfabrik Hciule u. Weiß in Augsburg- Oberhauscn sind ernste Differenzen ausgebrochen. Die Friseurgehülfen in Leipzig haben eine Lohnbewegung ein- geleitet, nachdem sie im vorigen Jahre den Kampf abbrechen mußten. Der Gesellenausschnß richtete an die Innung die Anfrage, ob sie geneigt sei, neue Verhandlungen über den Abschluß eines Tarif- verträges mit den Gehülfen anzubahnen. Der Jnnungsvorstand hat darauf ablehnend geantwortet. Die Gchülfen sind jedoch nicht ge- willt, sich so abspeisen zu lassen. Sie haben für nächste Woche eine Versammlung einberufen, um die weiteren Schritte zu beschließen. Die Hafenarbeiter Königsbergs haben am Montag früh die Arbeit wieder aufgenommen und die„Gnahyba", das Streikbrecher- schiff, das während der sechs Wochen dauernden Aussperrung der Hafen- und Stauerarbeiter im Königsberger Außenhafen lag, hat am Sonntagnachmittag 5 Uhr, mit den fremden Arbeitswilligen an Bord, die Anker gelichtet. Die Streikbrechergarde, die zum größten Teil aus verlumpten und verkommenen Elementen bestand, bat hier in Königsberg mancherlei Schandtaten auf dem Gewissen. Zu Raufereien kam es fast täglich und nur der humanen Behandlung der Sichcrhcitsbeamten dieser gefährlichen Sorte gegenüber, wie sie sonst ehrlichen, im Ausstand oder in der Aussperrung befindlichen Arbeitern wohl selten zu teil wird, ist es zu danken, wenn die Revolverschießereien und Messerstechereien nicht noch zahlreicher vorgekommen sind. So kam es selbst noch am Tage der Abfahrt der„Gnahyba", am Sonntag früh, auf dem Roßgärter Markt, einem Platz im Zentrum Königsbergs, zu einer blutigen Schlägerei. Einige Streikbrecher der„Gnahyba", die nach durchzechter Nacht zum Dampfer zurückkehren wollten, verprügelten ohne weitere Veranlassung entgegenkommende Passanten und nach kurzer Zeit gab es eine blutige Schlägerei. Der Streikbrecher Schiller ans Essen wollte hierbei einen der in Aktion tretenden Schutzleute niederschießen, verfehlte jedoch sein Ziel und die Kugel traf einen der Passanten in die Schulter; bewußtlos stürzte der Getroffene zur Erde. Nun bekam aber auch Schiller eine kräftige Lektion, bald lag er blutüberströmt am Boden, besonders am Kopfe schwer ver- letzt. Drei Opfer der Schlägerei mutzten mit dem Unfallwagen nach dem städtischen Krankenhaus: geschafft werden, ein Teil der Kampflustigen wurde verhaftet oder zur Anzeige notiert. Zu keiner Zeit hat bisher die Stadt Königsberg derartige Exzesse gehabt als in den Tagen der Aussperrung der Hafenarbeiter, verursacht durch die Einschleppung der fremden Streikbrecher. Ter Streik bei der Weltfirma Seidel n. Naumann tn Dresden ist ohne Erfolg für die Arbeiterschaft beendet. Einen schweren Kampf hat hier die organisierte Arbeiter- schaft zu bestehen gehabt und trotzdem zehn Wochen lang im Aus- stände verharrt, aber leider ohne Erfolg. Der Firma ist es ge- lungcn, mit Hülfe des behördlichen Apparats und mit Hülfe der damals im Betriebe gebliebenen gelben Streikbrecherorganisation, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Ferner hat die Firma Seidel u. Naumann den größten Teil der Arbeit bei anderen Firmen her- stellen lassen. Zu allen diesen Momenten kommt nun noch die Halsstarrigkeit der Direktion, die nicht ein Jota Entgegenkommen zeigte und dadurch auch nur den Streik frivol heraufbeschworen hatte. Am Montag nachmittag beschäftigte sich nun eine Ver- sammlung mit der Situation über den Streik. Verbandsleitcr Haak legte in längeren Ausführungen dar, daß eine Weiterführung des Streiks unter den obwaltenden Verhältnissen aussichtslos sei. Nach einer äußerst heftigen und langen Debatte, in welcher sich einige Redner für die Weiterführung des Streiks aussprachen, wurde dann in geheimer Abstimmung die sofortige Beendi- g u n g des Streiks mit 475 gegen 283 Stimmen be- schlössen. Wenn auch der Kampf für die Arbeiterschaft ohne Erfolg geblieben ist, so geht aber doch die Organisation gestärkt aus diesem Kampfe hervor. Die moralische Niederlage bei diesem Streik hat aber die Weltfirma Seidel u. Naumann erlitten.-- Die Kämpfe dcS Textilarbcitcrverbandes im Jahre 1906. JnS- gesamt wurden 217 Lohnbewegungen mit 113 926 Beteiligten ge- führt. 145 Bewegungen mit 93 806 Beteiligten wurden ohne Streik durch Verhandlungen erledigt. An den 72 Streiks und Aussperrungen waren 23 120 Personen beteiligt. An den 54 Angriffs-, 15 Abwehr- streiks und 3 Aussperrungen waren 12 403, 1303 und 9414 Personen beteiligt. Von den Angriffsstreiks endeten 25 erfolgreich, 23 teil- weise erfolgreich und nur 5 erfolglos; beteiligt waren 4995, 5888 und 1373 Personen. Die Abwehrstreiks endeten: 5 ganz. 1 teilweise erfolgreich und 8 erfolglos mit 479, 6 und 722 Beteiligten. Alle 3 Aussperrungen aber endeten für die 9414 Personen teilweise erfolgreich. Die Kämpfe ergaben als Gesamt- erfolg: 86 793 M. für 75 344 Beieiligte pro Woche au Lohnerhöhungen oder Abwehr von Lohnreduzicrungen, ferner für 67 250 Beteiligte pro Woche 233 073 Stunden Arbeitszeit- Verkürzung. Die Lohnbewegungen verursachten eine Gesamtausgabe — Maßregelungscntschädigung nicht mitgerechnet— von 434 491 M. Der Verband hat durch'seine kämpfe den Textilbaronen 4Vz Millionen pro Jahr 1906 von der Profitrate abgeknöpft. Trotzdem entfällt auf den beteiligten Arbeiter nur ein Mchrlohn von 1,13 M. pro Woche. Kulturell höchst bedeutsam ist, daß jeder Be» teiligte pro Woche drei Stunden weniger Arbeitszeit erreichte. Alles in allem sind die Erfolge gerade dieses Verbandes, der ein besonders kapitalkräftiges, protziges Unternehmertum als Kampfes- gegner hat, umso höher anzuschlagen, als der Prozentsatz der Organi- sierten noch ein verhältnismäßig geringer ist. (Wiederholt, weil nur iii einem Teil der Auflage.) i das Vermögen am Jahresschlüsse 1903 1 466 500 M. Die größt» Gewerkschaft ist die der„Slustralischen Slrbeiter", welche 17 852 Mit- glieder zählt. Dann folgt die Bergarbeiter-Gewerkschaft mit 5699. ! die der Maschinenweber mit 4704, die der Eisenbahn- und Straßen- bahnangestellten mit 4592, die der Seeleute mit 2969, der Broker, � Hill-Grubenarbeiter mit 2828, der Werftarbeiter mit 2824 usw lieber die Enrwickclung der Gewerkschaften sind leider keine Angaben vorhanden. Paris, 18. Juni. Die Bäcker von Gap sind in den Ausstand getreten. Auf Anordnung des Bürgermeisters hat im Rathause so- fort eine Brotvcrteilung stattgefunden. Weitere Maßnahmen find vorgesehen, damit es der Bevölkerung nicht an Brot fehle. Husland. Ein Laudarbciterstreik ist im Departement der Brie ausgebrochen. In dieser Gegend existieren Güter von ziemlich erheblichem Um- fange, die meisten der Bauern besitzen 120—250 Hektar Boden, den sie von 30— 40 ständigen Arbeitern kultivieren lassen, ihre Profite betragen alljährlich bis in die Zehntausende. Die Landarbeiter er- halten jetzt während der Hälfte des Jahres einen Tagelohn von 2.40 M., während der übrigen Zeit 2,80 M. bis 3 M., die an der Dreschmaschine beschäftigten Arbeiter 36 Pf. pro Stunde. Die Forde- rungen der Streikenden gehen dahin: 3,20 M. Tagelohn während neun Monaten des Jahres und 2,80 M. während der übrigen Zeit, sowie eine Erhöhung des Stundenlohnes für die Drescher um 8 Pf. Die Grundbesitzer haben sich zur Abwehr in einer Organi- sation vereinigt. lieber die Trade Uuions in New South Wales(Australien) ent- hält die soeben erschienene„Statistik der in der Industrie gezahlten Löhne" im Anhange kurze Angaben. Die Gewerkschaften sind dort nämlich durch die Trade Union» Acte vom Jahre 1381 verpflichtet, über die Zahl der Mitglieder, ihre Einnahmen und Ausgaben sowie über ihre Bestände und Verbindlichkeiten dem staatlichen statistischen Amte genaue Angaben für die Zwecke der Statistik zu machen. Danach bestanden am Ende des JahreS 1905 137 Trade UnionS mit im ganzen 84 893 Mitgliedern, deren gewerkschaftliche Einnahmen sich auf 1432 000 M. beliefen. Die Ausgaben betrugen 1 352 000 M. Letzte JNfacbmbten und Dcpefcben, Abgeblitzt. Karlsruhe, 18. Juni.(Privatdepesche.) Der beantragte AuS- fchluß des Genossen A. Geck aus der Burschenschaft„Teutonia" ist am Sonntag vom Bundcskonvent mit der Begründung abgclehn, worden, daß es nicht zu den Aufgaben der Burschenschaften gehöre. die politische Haltung ihrer Mitglieder zu zensieren. Typhusepidcmie beim Militär. Trier, 13. Juni.(B. H.) Eine große Anzahl der Mannschaft des 161. Regiments wurde als typhuSvcrdächtig in daS hiesig, Garuisoulazarctt übergeführt. Generalarzt Dr. Ott aus Koblenz ist hier eingetroffen._ Entgleist. HcrSfcld, 18. Juni.(W. T. B. Amtliche Meldung.) Heute mittag entgleiste der vorletzte Wagen des Eilzuges 81 bei der Aus- fahrt desselben aus dem Bahnhof Bebra und stürzte um. Sieben Reisende wurden verletzt. Der Betrieb ist nicht gestört. Der Abschluß der Autoraserei. Höchst, 18. Juni.(B. H.) Ungefähr 30 Anzeigen gegen Auto- mobile, die, wie festgestellt worden war, innerhalb der Stadt Höchst zu schnell gefahren sind, gingen Montag früh bei der Höchster Bürger- meisterei ein. Die Anzeigen sind sofort der Amtsanwaltschaft zur gerichtlichen Verfolgung übermittelt worden. Abgestürzt. Salzburg, 18. Juni.(B. H.) Der Oekonomiebeamte H u e t t e r stürzte im Täuncngebirge ab und blieb tot. Generalstreik in Lodz. Lodz, 13. Juni.(B. H> Die hiesigen Fabrikarbeiter sind heute in den Generalstreik eingetreten. Die Revolte der Weinbauern. Paris, 13. Juni.(W. T. B.) Einem Abgeordneten ist ouS Narbonne ein Schreiben zugegangen, das besagt, in den Straßen seien Barrikaden errichtet und die Bewohner aus der Um- gegend träfen in der Stadt ein, um, wenn nötig, den bisherigen Maire Ferroul zu beschützen. Namentlich seien die Frauen seh" erbittert. Radfahrer streiften in der Gegend umher, um die Be- völkerung zum Widerstände aufzufordern. Narbonne, 18. Juni.(W. T. B.) Unweit des Fleckens Coursan sind die Eisenbahnschienen aufgerissen und die Tele- graphcndrähte zerschnitten worden. Zur Reparatur entsandte Ar- beiter sowie der Staatsanwalt und Untersuchungsrichter, die sich nach den betreffenden Stellen begeben hatten, mußten umkehren. Ferroul hat die Bevölkerung aufgefordert, die Wiederherstellung der Telcgraphenleitung und die Ausbesserung der Schienen nicht zu hindern._ Zusammenstost mit dem Exprestzug. Rom, 18. Juni.(B. H.) In der Station von Bari stieß heut» ein Güterzug mit einem Expreßzug zusammen. Infolge der Gefahr versuchten, bevor her Zusammenstoß stattfand, zahlreiche Reisende des Exprcßznges, sich aus dem Wagen zu stürzen. Viele sind schwer verletzt worden._ Frech und feige. London, 13. Juni.(W. T. B.) Unterhaus. Heute kam eS zu erregten Auftritten bei der Besprechung von Anfragen, die an den Staatssekretär für Indien, Morley, in der Angelegenheit der Deportation der indischen Agitatoren Ladschpatrai und Adschit- Singh gerichtet wurden. Mehrere radikale Redner, sowie Mitglieder der Arbeiterpartei und irische Nationalisten stellten Fragen in dem Sinne, daß sie betonten, Ladschpatrai stehe nicht in Beziehung zu der aufrührerischen Agitation des Adschit-Singh und verdiene, ver- schieden behandelt zu werden. Diese Behauptung stellt Staats- sekretär Morley in Abrede. Während er sprach, machte der Kon- servative Howard Bincent mit halblauter Stimme eine Zwischen- bemerkung. Diese wurde jedoch von den Nationalisten gehört und gab ihnen Anlaß zu stürmischer Protestkundgebung. Wie sich herausstellte, hatte Howard Vincent zwischengernfen, warum man den Ladschpatrai nicht erschieße. Es entstand starke, langandauernde Unruhe. Ter Sprecher wurde von den Nationalisten aufgefordert, Howard Vincent zur Zurücknahme seiner Bemerkung zu zwingen. Letzterer erklärte» es fei nicht seine Absicht gewesen, daß seine Be- merkung gehört werden solle. Der Sprecher sagte darauf, daß er die Bemerkung nicht gehört habe, ermahnte jedoch Howards Vincent» Zwischenrufe zu unterlassen. Staatssekretär Morley erklärte dann auf Aufforderungen von feiten der Nationalisten, daß er sich der Bemerkung Bincents keineswegs anschließe, und damit war der Gegenstand erledigt._ Es gibt Menschen die hündischer sind als Hunde. Petersburg, 18. Juni.(W. T. B.) Der Vorsitzende des Per» bandeS echt russischer Leute richtete an den Kaiser folgendes Tele- gramm:„Tränen der Rührung hindern uns. Dir, Kaiser, die Ge- fühle auszudrücken, die wir beim Lesen Deines Manifestes empfan- den. Dein Machtwort hat der Existenz der verbrecherischen Duma ein Ende gemacht. Wir bitten Gott, Dir und Deiner Familie die Gesundheit zu erhalten. Wir find überzeugt, daß unter Deiner mächtigen Führerschaft Rußland siegreich aus allem Unglück her- vorgehen wird, daß alle Ränke innerer und äußerer Feind« nicht zu fürchten sind, so lange das russische Volk gesichert wird durch einen von Gott eingesetzten, unumschränkten Selbstherrscher." Der Kaiser antwortete dem Vorsitzenden des Verbandes mit folgendem Telegramm:„Ucbcrmitteln Sie den Vorsitzenden aller Abteilungen des Verbandes und allen Mitgliedern des Verbandes der wahrhaft russischen Leute, die mir ihre Ergebenheit ausgedrückt haben, meinen herzlichen Tank. Ich bin überzeugt, daß sich jetzt alle wahr- Haft treuen Söhne des russischen Volkes, die ihr Baterland uner- schütterlich lieben, ihre Reihen noch enger zusammenschließen und mir helfen werden bei der Erneuerung unseres großen heiligen Rußlands und bei der Vervollkommnung der Grundlagen des mächtigen Volkes. Möge mir der Verband der wahrhaft russischen Leute hierbei eine feste Stütze sein und allen in jeder Hinsicht als Beispiel der Gerechtigkeit und der Ordnung dienen." V-rantw. Redakteur: Hans Weber. Berlin. Inseratenteil oerantw,: Uß. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr.u.PerlagsanstaA MaulSingerLcCo..BerlinL1V. SikrzuLBeilagcnu.Unterhgltungshlatt Nr. 140. 24. Jahrgang. 1. KW des Jütniiirts" Krim Kllislilnil. Mitwoch. 19. Inn! 1907. Zum Kampf im Baugewerbe. Der Retter. In der von uns bereits erwähnten Denkschrift führen die Unternehmer, getreu ihrer bishengen Taktik, eine sehr selbst- bewußte Sprache. Und die hochgemutete Siegeszuversicht, als Ausfluß stolzer Kraft, hält an bis auf die— letzte Seite. Da wird's elegisch! Die 23 Seiten lang poussierte Sieges- zuversicht löst sich auf der 24. Seite in eine— Drohung aus. Eine schreckliche Drohung! Eine gelbe Gewerkschaft wird man gründen und die Verbände zerreiben. Berliner Bauarbeiter- schaft zittere uud vernehme das beschlossene Verhängnis: Die Arbeitgeber halten daran grundsätzlich fest, daß nicht eher der Kampfzustand dem Frieden weichen wird, bis die unver- ständige und im höchsten Maße unwirtschaftliche Forderung auf jedwede Herabsetzung der Arbeitszeit von den Gewerkschafts- führern endgültig aufgegeben, oder in praxi zur Bedeutungs- losigkeit geworden ist; sollte es sich im Laufe der allernächsten Zeit zeigen, daß die Gewerkschaften auf ihrem Kraftprobenversuch deHarren, dann werden Mittel und Wege gefunden werden, den sich so anmaßend geberdendcn Organisationen andere Verein!- gungen der Arbeitnehmer zur Seite zu stellen, die weitsichtig genug sind, im Blühen und Gedeihen des ganzen Gewerbes a»ch ihren Vorteil zu sehen, und denen das Interesse der Allgemeinheit mehr gilt, als eigene Augenblickserfolge, die, im gänzlichen Wider- spruch zur allgemeinen wirtschaftlichen Lage stehend, das Gewerbe selbst nicht tragen kann, und die also durch erhöhte Ausgaben auf der anderen Seite, oder richtiger gesagt, durch die Eni- Wertung des Geldes in kurzem wieder paralysiert werden..Die Gewerkschaften sollten sich, ganz wesentlich noch in ihrem eigenen Interesse, daran erinnern, daß bereits in anderen Berufen ganz gute Erfolge mit den sogenannten meistertreucn Arbeitnehmer- Vereinigungen gemacht worden sind. Wenn die Möchtegründer die nötige Geduld haben und warten, bis sie selbst— gelb werden, dann bekommen sie auch eine gelbe Gewerkschaft. Mit solchen Drohungen, wie die vorstehende. können sie wahrhaftig nicht imponieren. Solche unfreiwilligen Eingeständnisse der Schwäche und der Hoffnungslosigkeit können die Kampffreudigkeit der Arbeiter nur noch erhöhen. *» » Nicht verblüffe., lassen! Die Untcrnchnier haben durch Plakatanschläge bekannt inachcn lassen, daß sie am 1. Juli die Bauten öffnen Wollen. Arbeitswillige, die zu den alten Bedingungen anfangen wollen, sollen sich bei den einzelnen Baugeschäften und im Zentral- arbeitsnachweis des Unternehmerverbandes melden. Daß man Leute annimmt, ihnen aber gleich sagt: Ihr müßt noch 14 Tage warten! ist ein Novnm. Aber der Unsinn hat Methode. Es steckt etwas dahinter. Und dies Etwas Wollen Wir verraten: Man weiß ganz gut, daß sich nicht Leute genug melden. und da soll künstlich etwas nachgeholfen iverden. In den nächsten Tagen wird man der Oeffentlichkeit mitteilen, daß bereits so und so viele tausend Arbeitswillige eingeschrieben sind. Die Zahlen kann man leicht zusammen- schreiben. Alles. was sich an den Arbeitsnachweisen an Arbeitern der verschiedensten Kategorien meldet, kann man als„arbeitswillig" eintragen, dazu noch die Obdachlosen; vielleicht kommen auch Doppelzählungen vor. Die Hauptsache ist, daß man Zahlen auf dem Papier hat. Damit hofft man die Bauarbeiter ängstlich zu machen und zu veranlassen, sich ebenfalls zu melden. Glückte der Plan, dann könnte nian Auslese halten und sich über das gelungene Plänchen ins Fäustchen lachen. Die Arbeiter werden sich natürlich nicht so leicht über den Löffel barbieren lassen, wie die Herren das gern möchten. Für die Bauarbeiter gilt jetzt das 11. Gebot: Laß dich nicht verblüffe»! »« • Nachdem die Arbeitgeber im Dachdeckergewerbe den von der Tarifkommission ausgefertigten und unterschriebenen Vertrag abgelehnt hatten, mußten die Gesellen sich schlüssig werden, in welcher Weise der von neuem entbrannte Kampf weitergeführt werden soll. In der am Sonntag bei Wilke stattgefundenen Mitglieder- Versammlung gab der Gauleiter Höppner den SitnalionSbericht. Trotz des Manövers der Unternehmer steht die Sache der Gesellen derartig günstig, daß von den im Tarif niedergelegten Bc- dingungcn unter keiiic» Ilmstniiden zurückgegangen werden soll. Die Kassenvcrhältnisse des Verbandes seien ebenfalls derart, daß an ei» Abbrechen des Kampfes seitens der Arbeitnehmer gar nicht zu denken sei. solange die Unternehmer auf ihrem inkonsequenten Standpunkt verharren. Ucbrigens werde am Donnerstag das EinigungSaint des GctverbegcrichtS darüber entscheiden, ob die vom Vorsitzenden der Tarifkomnnssion im Auftrage der Unternehmer abgegebene Unter- schrift bindend sei oder nicht. Nach längerer Debatte beschloß die Versammlung einstimmig, an den gestellten Forderungen festzuhalten. »* « Die DachdeckerhülfSarbeiter, welche � aus dem gleiche«! Anlaß wie die Dachdeckergesellen zur Weiterführuiig dcS Kampfes gezwungen sind, beschlossen ebenfalls in ihrer am Sonntag im Gewerkschaftshause abgchallcnen Mitgliederversammlung, an ihren bisherigen Fordernnge» festzuhalten. Die Einwendungen der Unternehmer gegen die einzelnen Tarif- Positionen sind so kleinlicher Natur, daß man ohne weiteres als wahren Grund der Ablehnung die Treibereien der Oberscharfmacher im Banberuf herauskennen muß. Vierter ordentlicher Genoffenichaftstag. Düsseldorf, 17. Juni 1907. Der Genossenschaftstag tagt Hierselbst in der Städtischen Ton- Halle. Derselbe wird von Nadestock-Dresden eröffnet. Zu Vor- sitzenden werden R a d e st o ck, Barth und Markus, zu Schrift- führern S ch m i t t ch e n- Magdeburg und Ja mm er-Düsseldorf gewählt. Des Zentralverband deutscher Kon suinvereine hat, seitdem er infolge des Krcuznachcr GenossenschastStages auS dem Alaemeinen Verband deutscher WirlschaftSgenossenschaflen aus- schied, sehr erhebliche Fortschritte gemacht. In den V Jahren des Bestehens des ZentralverbandeS deutscher Konsumvereine<1902 bis 1900) ist die Zahl der VerbaudSvereine von 585 auf 929, die Zahl der Mitglieder dieser Vereine von 480 000 auf 781 000 gestiegen. Der Umsatz hat sich von 148 Millionen im Jahre 1902 auf 258.5 Millionen Mark im Jahre 1900 gehoben, und dementsprechend hat sich auch das Kapital der Vereine von 14 auf 25 Millionen vcr- mehrt. Die Zahl der zurzeit von den Konsumvereinen dcS Ver- bandeS— eS gehören ihm übrigens auch eine kleinere Zahl von Vroduktivgenossenschaften an— beschäftigten Personen betrug zuletzt 1 10 710, die Zahl der Verkaufsstellen 2 324. Dieser Fortschritt ver- «teilt sich ganz gleichmäßig auf die einzelnen Jahre. Auch im letzten «Jahre ist der'Umsatz der dem Verband angeschlossenen Konsum- vereine bedeutend größer geworden, er stieg um mehr als 9 Proz. Dieses rasche Wachstunl des Verbandes macht eine Reihe von Aende- ruugcn in der Organisation notwendig, die der Düsseldorfer Verbändstag beschließen soll. Die Einteilung des Gesamtverbandcs in Revisionsverbände soll streng durchgeführt und eine scharfe Teilung der Aufgaben der Zentralinstanz, deS Vorstandes und des Sekretariats, und der RevisionSverbände vorgenommen werden. Diese sollen durch Anstellung besoldeter Beamten, zu deren Gehalt auch die Zcntralkasse größere Beiträge, zu leisten bereit ist, fester gegliedert und aklionSfähiger geinacht werden. Die Hauptaufgabe des Sekretariats ist die I i t e r a r i s ch- j o u r n a l i st i s ch e Ver- lretung der Kousinnvereine nach außen. Auch hier soll ein weiterer Ausbau der Verbandseinrichtungcn dadurch angestrebt werden, daß das Propagaudavrgan der Konsumvereine, das„Frauen-Ge- nossenschastSblatt", zu einem konsulngenossenschaftlichen Volksblatt erweitert wird. Weitere Neueinrichtungen des ZentralverbandeS, die jetzt zum ersten Male über ihre Tätigkeit vor dem Verbandstage berichten werden, sind die U n t e r stü tz u n g S- lasse und das T a r i f a m t. Das Tarifamt, daS aus zwei Gewerkschaftsvertretern und zwei Genossenschaftsvertretcru unter Hinzuziehung eines Mitgliedes der Generalkonnnission der Gewcrk- schaften Deutschlands uud deS Sekretärs des ZentralverbandeS Heinrich Kaufmann gebildet ist, hat die Aufgabe, alle auS den Tarifverhältuissen einspringenden Streitigkeiten in den einzelnen Konsumvereinen zu schlichten und den Abschluß neuer Tarifverträge anzubahnen. Bisher ist cS gelungen, mit den Bäckern und mit den Transportarbeitern Tarifvercinbarungcn für ganz Deutschland zu treffen, dagegen sind die Verhandlungen über einen Lohn- tarif zwischen den Konsumvereinen und den Lagerhaltern und Haudlnngsgehülfen bisher ergebnislos verlaufen, ob- wohl die Bemühungen um ihren Abschluß auch dieses ganze Jahr hindurch angedauert haben. Die Forderungen, an denen die beiden Verbände der Lagerhalter und der Handlungsgehülfen von« getverkschaftlichen und politischen Standpunkt aus durchaus mit Recht festhalten, während die Konsumvereine sie für un- aiuiehnibar erklären, sind in der Hauptsache: gleiche Be- zahlung von Frauen- und Männerarbeit, Geltung der Tarifverträge auch für die klein st en Konsum- vereine und für das Personal der Zentralläger und Konkurse. Diese Schwierigkeiten in der Regelung der Verhältnisse mit den beteiligten Gewerkschaften werden zweifellos bei dein einschlägigen Punkte der Tagesordnung den VcrbandStag aus- gicbig beschäftigen. Weiter wird sich der Verbandstag außer mit den üblichen geschäftlichen Angelegenheiten, den Berichten deS Vorstandes und des Sekretärs sowie des Ausschusses mit der Regelung des gemeinschaftlichen Ankaufs der Konsumvereine beschäftigen. In besonderen Tagungen werden sich die anwesenden Vertreter mit der Orgauisalion und dem Jahresbericht der Großeinkaufsgesellschaft beschäftigen. Dem VcrbandStage voraus geht eine Tagung der Mitglieder dcS internationalen GenosscnschaftsbundcS, dessen nächste Zusammenkunft noch im laufenden Jahre in Cremona stattfindet. In seiner Begrüßungsrede gibt N a d e st o ck seiner Freude Ausdruck, daß endlich der GenosjenschaftStag einmal im Rheinland tagen könne, da gerade im Rheinland die Genosse,«schaftS- Bewegung mächtig gefördert sei. Seit Kreuznach sei die Entwickclung der Konsumvereine rapid vor sich gegangen, da durch die dortigen Verhandlungen die Bahn stir dieselben frei geworden sei. Die Vcr- trcter der Genossenschaften sahen dort ein, daß sie nnr als Schleppen- träger der Freisinnige» dienen sollten. Redner gibt dem Wunsche Ausdruck, daß auch die Verhandlungen dieses Tages vom Geiste der letzten Jahre beseelt sein mögen. Annähernd 500 Delegierte sind erschienen, die insgesamt 250 K on sumvereine vertreten. Ferner ist die i n t c r- nationale K o n s u m b e w e g u n g vertreten durch den Verkehrsminister Dr. Sven HögSbro- Kopenhagen; auS England ist der Generalsekretär Gray, Direktor Wartvick und Goodch-Manchester erschienen. Frankreich ist durch Dr. Rast- Paris, Holland durch Unterstaatssekretär Dr. Elias nnd Herrn Goodhart, Belgien durch Serlvin, Oe st erreich durch Sekretär Exner-Wicn, die Schweiz durch Bcrtvart und Glattsclder-Basel, Schweden durch Direktor Pahlmann- Stockholm. Nor». Wege n durch den Präsidenten Maxwell, Finnland durch Vaisälä, die International Cooperative Alliance durch den Präsidenten Henry Wolff- London vertreten. Die G e n e r a l k o m m i s s i o n hat Umbreit, der Tabak- arbeitcrverband Eberle, der Transportarbeiter- verband Schulzky, der Bäckereiarbeiterverband Allmann entsandt. Ebenso haben die Verbände der Lager- a r b e i t e r und Handlungsgehülfen Beauftragte delegiert. H ö g s b r o- Kopenhagen betönt in seiner Begrüßungsrede,' daß er von 1125 Konsumvereinen beauftragt sei, dem vierten Genossen- schaftStag die Brudergrnße zu überbringen. Dort Ivie hier sei e§ das Bestreben der Konsumvereine, durch Verbilligung der Lebens- mittel die Lage der arbeitenden Klassen zu verbessern. Der Unisatz der GroßeinkaufSgesellschaft sei von 3 auf OO'/z Millionen Kronen gestiegen; dies dürfe bei einer Bevölkerung von 2 t/z Millionen als ganz enorm bezeichnet werden. Dr. N a st- Paris gibt eine EntwickelungSgeschichte der stanzösi- schen Konsumvereine. Redner erwähnt, daß schon Fourier den Ge- nossenschaftSgedauken propagiert und die Uebcrvortcilung der Konsumenten seitens der Kaufleute als ein großes Uebel bezeichnet habe. Die Genossenschastsidee sei unter der Bevölkerung dort populär, die genossenschaftliche Allianz sei eine Idee, von der die Arbeiter aller Länder noch innner mehr erfaßt werden müssen. Aus England wird berichtet, daß dort nicht nur die Konsum« vereine, sondern auch die Produktivgenossenschaften sehr gute Fort- schritte gemacht haben. lieber 1J3V00 Personen finden allein in letzteren Beschäftigung. Tie bestfunktioniercnden Maschinen und Arbeitsmethoden Iverden in diesen Betrieben angewandt. So ist eS ihnen z. B. möglich, innerhalb einer Stunde 220' Doppelzentner Korn zu Mehl zu vermählen; auch in der Seifenfabrikation ist die Pro- duktiou eine ähnlich stannenerregende. Von den auswärtigen Gästen betont der Delegierte aus Schottland, daß der GeuossenschaftSgedanIe mehr Friede und Glück für die Menschheit verbürge, als alle hochtönenden Worte der Häagcr Friedenskonferenz. Darauf wird die Verhandlung auf Dienstag früh 9 Uhr vertagt. Heute tagt erst der Internationale Genoffcnschaftshund. Der einzige Punkt der Tagesordnung des Internationalen Bundes ist eine Aussprache über den Internationalen Genossen schaftStag. DaS einleitende Referat hatte Lorenz- Hamburg. Redner bemängelt die in den Statuten des Internationalen Genossenschaftsbundes festgelegten Grundsätze und tritt energisch dafür-ein, daß der Internationale GeuossenschaftStag in C r e m o n a mit den alten Statuten aufräume. In Cremona müßten die in dem Zeutralverbande der deutschen Konsumgenossenschaften geltenden Prinzipien zum Durchbruch gelangen, gegen die man seinerzeit in B u d a p e st verstoßen habe, indem dort einseitige Agrariuteresscn gefördert seien. Die deutschen Konsumgenosseuschöften seien anti- kapitalistisch, deshalb dürfe auf keinen Fall eine Verschmelzung von Kqpitalsiutcrcsscn und Volksinteressen stattfinden. Da Deutschland nur mit 82 Vereinen dem Internationalen Genossenschaftsbunde an- geschlossen ist, so ermahnt Redner dringend zu einem stärkeren An- schlich an den Bund. Mr. Wolff- London(Präsident des Internationalen Genossen- schaftsbundes) betont, daß ihm der Referent im Prinzip ans der Seele gesprochen habe, doch scheine er ein wenig zu kraß die Situation zu schildern. Auch könne sich der Internationale Genosscnschaftsbund nicht in die inneren Angelegenheiten der einzelnen Sektion einmischen. UebrigenS mache sich auch in England innerhalb der Genossenschaften die Agrarbewegung stark bemerkbar, sie finde auch in Regierungskreisen Freunde, doch sei die Idee des Genossenschaftswesens, das die Hebung der arbeitenden Klassen im Auge habe, so stark im Volke eingewurzelt, daß eine Zurückdrängung dieses Gedankens durch eine Sonderbestrebuug für agrarische Interessen ausgeschlossen sei. Kaufmann-Hamburg betont, daß dem Bestreben der land- wirtschaftlichen Genossenschaften, die nach Staats- hülfe verlangten, entgegengetreten werden müsse. Redner geht dann näher auf den Internationalen Genosfenschaftstag ein und macht Vorschläge bezüglich der Delegation. Es sei an der Zeit, endlich das Gefühl der„Wurschtigkeit" gegenüber dem Internationalen Genossenschaftsbnnde abzulegen. Bei der Revision der Statuten in Cremona müsse ganze Arbeit gemacht werden. Dr. Müller- Basel erklärt die jetzigen Zustände innerhalb des Internationalen Bundes für unhaltbar, es fehle jedes klare Ziel. Bei den verschiedenen Strömungen erscheine es ihm unmöglich, alle unter einen Hut zu bringen. Es bestehe auch im Prinzip ein Unterschied zwischen landwirtschaftlichen Genossenschaften und den Konsumvereinen. Für die agrarischen Genossenschaften käme inner- halb des Internationalen Bundes kein Platz sein. Die Großeinkaufs- genossenschaften und die Konsumgenossenschasten seien das Rückgrat des Internationalen GenossenschaftSbuudes. In Crcmona müsse das demokratische Gefühl mehr zum Durchbrach kommen, die klein- bürgerlich- utopistischen Anschauungen müßten beiseite geschoben werden. v. Elm- Hamburg tritt Dr. Müller teilweise entgegen, v. Elm will die internationalen Grundsätze nicht zu eng gezogen wissen, da sonst für Bau- und Produktivgenossenschaften' kein Platz mehr im Internationalen Bunde sei. Durch die antiagrarische Strömung würden auch die dänischen landwirtschaftlichen Genossenschaften, die doch sehr segensreich im VolkSiuteresse wirkten, schwer getroffen werden, obwohl sie rein bäuerlich, nicht agrarisch seien. Die Scheidung zwischen agrarischen und Konsumgenossenschaften werde sich auch ohnedem vollziehen. Mr. Wolff- London befürchtet, daß es in Cremona zu einem zweiten Kreuznach kommt. Aber dcmioch müsse versucht werden, die Reformierung der Grundsätze durchzubringen.— Dr. Müller betont gegenüber v. Elni, daß auch selbst bei den Klein- dauern das EigeutumSgefühl vorherrsche.— Lorenz ermahnt dann in seinem Schlußwort noch dringend, auf eine starke Vertretung in Cremona bedacht zu sein. Es solle wohl den Gegnern in den An- schauungen die Hand geboten werden, aber wenn eS nicht anders gehe, dann müsse schließlich ein Internationaler Kons« m- vereinSverbaud ins Leben gerufen werden. Das Prinzip dürfe nicht unter Sonderintercssen leiden. Line Feuerwehr vor Gericht. Im Siebenlehner BrandstiftuugSprozeß find die Verhandlungen gestern beendet worden. Von den Angeklagten hat sich am letzten Freitag der Schuhmacher Stein im Gefängnis erhängt. Auch der als Zeuge vernommene frühere(1893—1903) Fcuerwehrhauptmann Clautz machte seinem Leben durch Erhängen(im Zellerwalde) ein Ende. Von den charakteristischen Aeußerungen aus dem Prozeß sei noch erwähnt, daß nach der Aussage eines Zeugen in der F e u e r w e h r- st u n d e gesagt wurde: «enn'S Geld mal knapp wird, haben wir immer noch die Ludwigsche Scheune, die muß zwei Prämien bringen. Das Urteil ging dahin: Drei Angeklagte, der F e u e r tv e h r k o m«n a n« d a n t, Kausmann und Feldwebel der Landwehr Zetzsch, der Baumeister, Brandmeister und V e r s i ch e r u n g S- agent Straube, und der Schlosscrmeister Kaden wurden zu je drei Jahren sechs Monaten Zuchthans, der Wirt- schaftsbesitzer Rendel zu drei Jahren sechs Monaten Gefängnis, der Schuhmacher S o h r zu einem Jahre zwei Monaten Gefängnis, der Schuhmachermeister S t a r ck e zu einem Jahre sechs Monaten, der Schuhmachermeistcr Frauke zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Fünf Angeklagte wurden stei- gesprochen._ 5. Uerbandstag der(Biiwiirf nnd Melrnre. In der kurzen Vorb?ratung am Montag wurde nach den üb» lichen Begrüßungen das Bureau gebildet. Die Präsenzliste weist 34 Delegierte auf. Zum Bericht des ZentralvorstaudeS gab der erste Vorsitzende Brückner noch eine Reihe mündlicher Erläuterungen zu der gc- druckten Vorlage. Er wies u. a. darauf hin, daß die Entwickelung des Verbandes in den letzten Jahren nicht in der Weise vor sich ging, wie es wünschenswert gewesen wäre, und führte dies zum Teil auf die zunehmende Neigung zum Uebcrtritt in den Metall- arbeitcrverband, teilweise aber auch darauf zurück, daß an manchen Orten die leitenden Personen nicht die nötige Energie cntsaltetcu» um die indifferenten Kollegen für die Organisation zu gewinnen. Die Einberufung einer süddeutschen Konferenz anläßlich der Er- Hebung von Extrabciträgcn wurde von dem Redner scharf ver- urteilt. Er berichtete sodann über die Schritte, die getan wurden, um die Graveure der Stoffdruckindustrie zum Uebertritt in den Verband zu veranlassen. Es ist aber nichts daraus geworden. Tie Organisation der Stoffdruckgravcure beruht nach des Redners Meinung auf Hirsch-Dunckerscher Basis, und er hat den Eindruck, daß die führenden Organe dieser Kategorie eifrig daran arbeiten, die Stoffdruckgraveurc vom Uebcrtritt in den Verband abzuhalten. Redner bemerkte noch einiges zu den Grcnzstreitigkeitcn und be- sprach am Schluß den Streik der Leipziger Graveure. Nachdem der Kassierer Streicher noch einige Bemerkungen zum Kassenbericht gemacht, berichtete Sicwert-Bertin kurz über die Ein» richtung der Wanderbibliotheken und über die zur Feststellung der erwerbslosen Kranken aufgenommene Statistik, die als Grundlage für die eventuelle Einführung der Erwcrbslosenuntcrstützung dienen soll. Nachdem noch Hollerbach-Stuttgart den Bericht der Kontrollkommission gegeben, setzte eine ausgiebige Diskussion über die verschiedenen Berichte ein. Hub Induftm md k>anäei. Scheck-Verkehr. Die andauernde Gcldversteifung hat das Problem der AuS- schnltung dcS Bargeldes im Tagcsverkchr tvicder akut gemacht und wird dabei auch wohl etwas herausspringen. Die Frankfurter Handelskammer hatte für Sonnabend nachmittag eine Versammlung der Banken und Bankiers des Bezirks einbe- rufen, welche über die zur Popularisierung des Scheckverkehrs zu ergreifenden Maßnahmen beraten sollte. Erschienen waren auch Vertreter des DankgewerbcS aus der weiteren Um- «jebimg Frankfurts, sowie Vertreter der benachbarten Handels- tammern Von Mannheim, Darmstadt, Wiesbaden, Mainz, Offenbach und Hanau. Nach einleitenden Referaten der Herren Friedrich Thorwart und Bankier Otto Höchberg entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, deren Ergebnis die Einsetzung einer Kommission war, die nun die weiteren Arbeiten betreiben soll, um de» Scheck- verkehr zu verbreiten und wenn möglich die Organisation eines Abrechnungs- und Ueberweisnngsverkehrs für den ganzen Bezirk in die Wege zu leiten. In die Kommission sollen die Frankfurter Handelskammer vier, die anderen Kammern je ein Mitglied delegieren. Hamburg erfreut sich bereits eines sehr ausgedehnten Heber- Weisungsverkehrs, durch welchen Gehaltszahlungen, Stenerlcistungen, Begleichung von Rechnungen usw. ohne Barverkehr lediglich mittels Uebertragung in den Büchern der Banken besorgt werden. Bei den reichsten Leuten findet man kaum 100 M. Bargeld im Hanse; alle ihre Verpflichtungen lösen sie durch Ucberwcisnng. Auch die Behörden zahlen ihren Beamten die Gehälter und Lieferanten ihre Guthaben durch Ucberweisung an die Bank. So sehen wir wieder sich eine Organisalion entfalten, die man für den Znkunftsstaat gut wird gebrauchen können, welche zeigt, daß schließlich das Geld aus der Wirtschaft vollständig ausgeschaltet werden kann. Anteil der einzelnen Industrien am Kohlcnverbranch. Ueber den Anteil der einzelnen Industrien und des Bedarfs von Hausbrand bringt der„Glückauf" nach den Ausweisen dcS Rheinisch- Westfälischen Kohlenshndikats folgende Aufstellung: Demnach ist der Anteil der Eisenindustrie— Eisengewinnung und Verarbeitung von Eisen und Stähl— an dem Gcsamtabsatz, von 30,11 Proz. im Jahre 1003 auf 35, 6S Proz. im Jahre 1905 gestiegen._ Die Ergebnisse der landwirtschaftlichen BctricbSzählnng in Oesterreich. Soeben werden die Ergebnisse der landwirtschaftlichen Betriebszählung veröffentlicht. In Oesterreich wurden im ganzen 2 853 318 land- und forstwirtschaftliche Betriebs gezählt, von denen über 1,1 Million oder fast 10 Proz. in Galizien und der Bukowina gelegen sind. Fast alle diese Betriebe enthalten eine, wenn auch nur geringe landwirtschaftliche Fläche; bloß 0161 Betriebe bestehen ausschließlich aus Waldboden, die überwiegende Mehrzahl der Be- triebe, 2 133 506, lediglich aus landwirffchaftlicher Fläche. Die fstoergbctriebe von weniger als Ve Hektar repräsentieren ungefähr t/-. Million oder etwa'/g der Gesamtzahl: etwa? größer ist die Zahl der Betriebe von Va bis 1 Hektar. Am stärksten besetzt ist die Größenklasse von 2 bis 5 Hektar mit 806 290 Betrieben oder etwa 23 Proz. Rechnet man zu den mittleren Betrieben jene von 5 bis 50 Hektar, so ergibt sich für diese agrarpolitisch besonders wichtige Klaffe eine Gesanitzahl von 766 751, wählend an Großbetrieben von mehr als 50 Hektar nur 36 382 gezählt wurden. Deutsche Nickclwcrke. Bei erhöhten Ueberwcisnngen an den Reservefonds sollen für das letzte Geschäftsjahr 16 Proz. Dividende verteilt werden gegen 11 Proz. im Vorjahre. Huq der partei. Die christliche Streikbruchpraxis wurde wieder in einer Vcr- Handlung des Schöffengerichts Fürth enthüllt, die zugleich auch zeigte, daß die bayerische Justiz immer mehr im Eilmarsch nach Preußen und Sachsen abschwenkt. Angeklagt war der Genosse Emil Zöllner von der„Fürth er B ü r g e r z c i t u n g", der den Leiter des christlichen KeramarbeiterverbandcS, Fidelis Ulrich, beleidigt haben sollte. Die Vorgeschichte des Falles ist folgende: Die Glasschleifer der Firma Lerchenthal u. Meyer in Fürth legten im Februar die Arbeit nieder, weil verschiedene Verschlechterungen der Arbeitsverhältnisse geplant waren und die Firma die Verein- barungcn wegen der ausschließlichen Benützung des Arbeitsnach. weises brach und auf Vorhalt erklärte, sie beachte den Arbeitsnach- weis nicht. In der christlichen Presse und tn den christlichen Per- sammlungcn wurde die allbcliebte Lügenmär verbreitet, es handele sich bei diesem Streik nur darum, einen Christlichen aus der Fabrik hinauszuterrorisieren. Der betreffende Arbeiter selbst hatte jedoch eine schriftliche Erklärung abgegeben, daß der Gauleiter des Glas- arbciterverbandcS ihm mitgeteilt hat, er solle ruhig weiter arbeiten, da die Differenzen sich weder um ihn noch um die christliche Orga- nisation drehen. Auf Grund dieser Erklärung hatte die„Bürger- zcitung" einen scharfen Artikel gegen den Leiter der Christlichen, den schon genannten Ulrich,-der jene unwahre Nachricht in die Welt gesetzt, gebracht. Der Herr besaß den Mut, durch eine be- schimpfende Erklärung zu antworten, außerdem scheute er sich nicht, unter seinen Mitgliedern Streikbrecher zu werben, indem er mit einem anderen christlichen Führer von Haus zu Haus ging und die Leute entsprechend bearbeitete. Aber die christlichen Arbeiter hatten mehr Solidaritätsacfühl als ihre Führer, denn nur wenige ließen sich zum Streibruch verleiten. Da gab Herr Ulrich selbst seine gute Stellung in einer anderen Fabrik auf, um in eigener Person Arbeitswilliger zu spielen. Dieses Gebaren wurde von der „Bürgerzeitung" in ihrer Antwort auf die Ulrichschen Be- schimpfungcn als„schamloser Streikbruch" gekennzeichnet. Obwohl nun durch das Zcugcnverhör der Nachweis erbracht wurde, daß die christliche Behauptung von der beabsichtigten Hinausekelung eines christlichen Arbeiters eine Lüge war, und obwohl ferner nachgewiesen und durch die eigene Aussage des Ulrich bestätigt wurde, daß er lediglich aus gehässigen Motiven Streikbruch verübt hat, wurde Zöllner wegen des ersten Artikels zu 25 Mark Geldstrafe, wegen des zweiten zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Dem christlichen Verleumder, gegen den Widerklage erhoben worden war, wurde der Schutz des§ 193 zugesprochen, dem Genossen Zöllner aber versagt. Selbstverständlich wird gegen dieses unerhörte Urteil Be- rufung eingelegt werden. Soziales. Das Elend der Landarbeiter in Ostpreußen. Die Landarbeiter waren von jeher die Stiefkinder der Gesetz- gcbung. Sie haben kein Recht sich zu organisieren, um um höhere Löhne und kürzere Arbeitszeit zu kämpfen; in vielen Bundesstaaten wird sogar der Streik bei den Landarbeitern mit hoher Gefängnis- strafe belegt. Und dabei werden die Löhne so tief wie möglich ge- halten. Ein wahres Bild des Janmicrs steckt in den Zahlen, welche wir im„Reformblatt für Arbeiterversicherung" über die durchschnitt- lichen Jahresarbeilsverdicuste für land- und forstwirtschaftliche Arbeiter in der Provinz O stp r e u ß e n für die einzelnen Kreise finden. Erwachsene Arbeiter männlich weiblich Anzahl der Kreise Mark Anzahl der Kreise Mark Die Landarbeiter in Ostpreußen genießen die Vorteile der Krankenversicherung nicht, Iveil die Krankenversicherungs Pflicht auf sie nicht ausgedehnt ist. Nimmt man die allgemeine Versicherung in ihren verschiedensten Formen, so ergibt sich das Resultat, daß die Landwirtschaft täglich pro Arbeiter ganze vier Pfennige a»S- gibt. Jin Jahre 1006 betrug die Gesamtsumme dieser Pfennige (inklusive der gewerblichen Unternehmer innerhalb der Landwirtschaft) 118 250 000 M. Diese Sumine verliert aber bald ihr glänzendes Aussehen, wenn es ferner bekannt wird, daß sie sich auf 6151 Witwen, 12 613 Waisen und 336 zu unterhaltende andere Verwandte verunglückter Landarbeiter, 1601 dauernd völlig ertvcrbsunfähige, 63 233 dauernd teilweise erwerbsunfähige und 116 202 Verletzte, die innerhalb der ersten 13 Wochen geheilt wurden, erstreckt. Aus alledem gewinnt man den Eindruck, als ob die Großgrundbesitzer die Arbeiter nur als lebendes Gutsinventar betrachten, mit dcni sie rücksichtslos loirtschaften können. Die Landarbeiter aber sind durch die Nachgiebigkeit der Regierung gegenüber den agrarischen Wünschen rechilos geblieben und daher nicht in der Lage, sich bessere Lebens- bedingungen zu erkämpfen._ Terrorismus gegen den eigenen Bruder. Der TerroriZmus gegen Arbeitnehmer durch„schwarze Listen" verstößt nach der Entscheidung des Reichsgerichts gegen die guten Sitten und macht schadenersatzpflichtig, mag auch strafbar sein. Trotzdem fällt seine Anwendung in Deuschland ebenso wenig auf wie seine Straffreiheit. Etwas seltener dürfte der Fall sein, daß ein Unternehmer seinen eigenen Bruder auf die schwarze L i st e setzt. Das ist jetzt in Dülken geschehen. Bei der Firma Joh. Schwarz, Stuckgeschäft in Dülken, waren die Arbeiter in den Streik getreten und hatte sich der Bruder des Firmeninhabers, als alle Vergleichöversnche erfolglos waren, den Ausständigen an- geschlossen. Die Firma hatte sich an den Arbcitgebervcrband für das Baugewerbe zu M.-Gladbach gewandt, welcher die Sache zu der seinigen machte. Der Geschäftsführer des Verbandes sandte ein Schreiben an die Mitglieder, in welchem sie aufgefordert wurden, die Streikenden nicht einzustellen, oder wenn sie eingestellt, sofort zu entlassen. Diesent Schreiben war eine schwarze Liste beigefügt, die die Namen der Streikenden— dariuiter den des Bruders des Firmen- inhabers— enthielt. Die Profitgier des Unternehmers kennt keine Schranken der Ausnutzung. Der eigene Bruder wird verfemt, weil er sich nicht ruhig ausnutzen läßt. Und dann predigen die Unternehmer und i h r e Tra b a n t en von der— Heilig- keit der Familie._ Gelenkerkrankuiige» im Verlaufe von Geschlechtskrankheiten. Die Berliner Ortsgruppe der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten hielt am Freitag im Kaiserin Friedrichhans ihre vierte öffentliche Sitzung ab, in der Herr Dr. Bosse, Assistent des Geheimrats Hoffa, einen Vortrag über„Gelenkerkrankungen im Verlaufe von Geschlechtskrankheiten" hielt. Der Vortragende wies darauf hin, daß ein nicht unerheblicher Teil der- jenigen Erkrankungen, welche im Publikum als rheumatisch aufgefaßt würden, auf Tripper-Jnfektionen beruhten. Die richtige Diagnose würde getvöhnlich erst dadurch gestellt, daß das aus Rheumatismus wirkende Salicyl bei jenen Erkrankungen wirkungslos bleibe. Gerade aber für Trippcr-NheumatisniuS komme es sehr viel auf die frühzeitige Erkennung an, weil die Behandlung alsdann stets.von Erfolgs begleitet ist, besonders seitdem Gcheimrat Bier die bei derartigen Erkrankungen häufig zurück- bleibenden Gelenkstcifigkeiten und Verunstaltungen der Gelenke erfolgreicher loie früher zu behandeln gelehrt hat. Noch schwerer aber verlaufen die Gelenkaffektionen, die durch erworbene oder er- erbte Syphilis entstanden sind und die im Publikum gewöhnlich, be- sondcrS wenn es sich um die ererbte Syphilis der Kinder handelt. als englische Krankheit oder Tuberkulose aufgefaßt werden. Die durch Syphilis hervorgernfenen Gelenkvcränderungen sind leider oft so schwer, daß sie zu den erheblichsten Funktionsstörungen und Ver- krüppelnng der Gelenke und Knochen führen. Der Vortragende unterstütze seine Ausführungen in wirkungsvoller Weise durch zahl- reiche Projeltionsbildcr von gesunden und kranken Knochen und Gelenken. Zinn Schluß gab Herr Dr. B l a s ch k o einen Bericht über den jüngst abgehaltenen Mannheiiner Kongreß, auf welchem als alleiniges Thema die Sexualpädagogik von den berufensten Medizinern und Pädagogen im Beisein der Vertreter vieler Länder lind höchster Behörden behandelt wurde. Der Kongreß ist in glänzendster Weise verlaufen und zeigte vor allem eine erfreuliche Ueberein- st i m m u Ii g aller m a ß g e b e n d e n F a k t o r e n, n a rn e n t- [ich darüber, daß die Belehrung in der sexuellen Hygiene in der Schule gelegentlich d e S natur- Ivisse n schaftlichen Unterrichts ebenso notwendig sei, lvie die Aufklärung speziell der abgehenden älteren Schüler durch Aerzte, die sexnell-pädagogische Ailsbildmig der Lehrer, die Einrichtniig von Elternabenden behufs Aufklärung ihrer Kinder und Erziehung zu einer reinen sexuellen Ausfassung._ Zur AnfsichtS- und Schadenersatzpflicht der Kommunen bei Unfällen ans öffcntlichen Straßen. Der 6. Zivilsenat des Reichsgerichts beschäftigte sich am 17. Juni mit folgender Angelegenheit: Bon dem Bahnhof der Stadt D a n z i g führt ein Anschlußgleis nach dem städtischen Vieh- und Schlachthofe, das unter anderem auch duMH eine öffentliche Straße führt, die mit bewohnten Häusern ans einer Seite nur bebaut ist. Dort liegt auch das Marien-KrankenhauS. Für dieses wnrdcit vom Bahnhof aus zwei Loren Kohlen transportiert. AIS die eine Lore von Arbeitern des Krankenhauses— nicht der Stadt— entladen und eine Strecke fortgeschobeu wurde, meinte der eine Arbeiter zu herumstehenden Kindern, daß sie den Wagen weiterschieben könnten. Der eine Junge-—der Kläger— schob. Ein anderer kletterte unter den Wagen, lockerte den einen Riegel und die hierdurch fallende Klapptür quetschte dem jetzt klagenden--- damals 10 Jahre alten Kalling drei Finger cb. Die erste Instanz wies die Klage— die auf Grund des§ 1 des Reichshaftpflichtgesetzes und Iveil die Loren ohne die erforderliche Aufsicht gewesen seien— erhoben worden war, glatt ab. Das OberlandesgeriÄt Marien Werder stellte sich aus einen anderen Standpunkt. Da hier kein Eisenbahn- betriebsunfall vorliege, für den die Stadt haftbar sei, wurde die auf den Z 1 dcS Reichshaftpflichtgesetzes sich stützende Schadenersatz- forderung abgelehnt, dagegen für begründet anerkannt aus§ 823 B. G.-B. Die Stadt habe es bei einer Straße, die dem öffentlichen Verkehr erschlossen, besonders hier wo Kinder spielen, an den Loren an der erforderlichen Aufsicht fehlen lassen, denn dieser Mangel sei die Ursache des Schadens. Das Reichsgericht hob das der Stadt ungünstige Ober- landesgerichisiirtcil zugunsten der verurteilten Kom- m n n e auf. Tie Klage müsse abgewiesen werden, da sie sich weder aus das RcichShaftpflichtgesetz, noch auf den Z 823 B. G.-B. stützen könne. Die entleerte Eiscnbahnlore sei kein im Sinne des Ge- sctzcs gefährliches Werkzeug, das man ohne Gefahr für die Kinder nicht unbeaufsichtigt stehen lassen dürfe. Die Stadt hatte keine Ucberwachungspflicht, da das Krankenhaus den Wagen entladen hatte. Zur LcistmigSfähigkcit der Konsumvereine. Uebcr einen interessanten Versuch, die Borteile eines Konsum- Vereins angenfällig zu machen, wird uns aus Landsberg a. W. berichtet. Der Konsiunverein Landsberg a. W. hatte am Sonntag während des Gcwerkschaftsfcstes im alten Schützenhaiise eine Ans- stellimg veranstaltet. An zwei langen Tischen waren Kolonialwaren ausgestellt und zwar so, daß den Waren des Konsnmvereins bei Landsberger Kaufleuten gekaufte Waren derselben Art gegenüber- lagen. Kleine Täfelchen unterrichteten über Preis und Gewicht der Waren sowie darüber, woher sie entnommen waren. Hierbei stellte sich heraus, daß die KonsninvereinSware reeller und besser war und daß niit verschwindenden Ausnahmen das Gewickt der Kauf- mannSwnre nicht stimmte.— Fast jedes Pfund Hülsenfrüchte, Zucker, Kaffee usw. wies ein Mindergewicht von 6, 18, 22, ja bis 10 Gramm auf.— Eine bessere Gelegenheit, den Landsberger Arbeiterfrauen sinneiifällig vor Augen zu sührcn, wie vernünftig sie handeln, dem Konsumverein beiziilreten, konnte der Berein nicht wählen. Das Interesse der Frauen und ihrer Männer an der kleinen Ansstelllmg ivar recht stark und dürste dem Konsliinvereiii, der so durch die Tat bewies, welchen Grad von Leiftnngsfähigkeit er hat, manche Mit- glieder zugeführt haben._ Hus der frauenbewegimc� Frauenstinliilrccht. In England ist seit beträchtlicher Zeit eine lebhafte Agiiatiotz für die Zulassung der Frau zu den ParlamcntSwahlen im Gange. Der Erfolg steht»och aus. Das Unterhaus hat, nachdem es früher jedesmal den Antrag ans Verleihung des Stimmrechts abgelehnt hatte, einen solchen am 3. Februar 1897 angenommen, das Ober- Hans aber verhielt sich ablehnend.— Haben die Frauen in England nicht das Parlamentslvahlrecht. so steht ihnen doch die Beteiligung an den Wahlen und auch die Wählbarkeit für die lokale Selbst- Verwaltung frei. Für die Gcmeiiideversanimlungeii und die Gcmcindcräte der ländlichen Bezirke besitzen die Frauen das aktive wie das passive Wahlrecht, d. h. sie köilnen wählen und gewählt werden. Die Wählbarkeit gilt außerdem auch für den BczirkSrnt, der für jeden ans mehreren Kirchspielen zu- sanimengesetzteii Grasschastsbezirk zur Verwaltung de» Gestmdheits- Wesens und der öffentlichen Wege geschaffen wurde. In den städtischen Gemeinwesen hatten die Frauen schon früher als in den ländlichen einen gesetzlichen Anspruch auf Teilnahme an der Ver- waltuna erlangt; 1881 wurde das städtische Fraueiiwahlrecht auch auf Schottland auSgedrbnt. Bei der Schaffung der Grass chaftüräte. für England 1881, für Schottland 1880, wurde das Francnwahlrccht in derselben Weise wie in den Städten geregelt. Für die Schulräte wurden die Franen in England bereits im Jahre 1870 wählbar. In Irland haben die Frauen, soweit sie selbständige Steuerzahler sind, das aktive Gcineindewahlrccht seit 1887 und 1396 sind sie wähl- berechtigt und wählbar für die Armenpflege. Die englischen Kolonien haben das komnunmle Frauenstiminrecht meist nach dem Muster des Mutterlandes gestaltet. In einigen englischen Kolonien haben die Frauen das Parlaments- Wahlrecht, so in Neuseeland seit 1303 und in Südaustralien seit 1891. Von den nordamerikanischen Staaten hatte New Jersey schon im vorigen Jahrhundert, nämlich 1776, den Frauen da§ Stimmrecht verfasmugsmäßig eingeräumt, e>? aber 1807 wieder abgeschafft. Um die Mitte des vorige» Jahrhunderts entfaltete sich neben der Ami- skavereibewegnng auch eine Frauentvahlbewegung. Zuerst entschloß sich Wyoming, den Frauen das Wahlrecht zu verleihen imd damit zugleich die Wählbarkeit zu öffentlichen Aenitern; 1883 folgten Washington und 1893 Kolorado. Utah gab schon 1870 den Frauen das Wahlrecht, um es ihnen 1837 wieder zu nehmen, worauf es dann wieder 1395 dauernd eingeführt wurde. Ein früherer Gouverneur von Kolorado hat dem tagenden Vcrfassuiigskonvent von Oklahama seinem Territorulin, das zum Range eines Staates aufzusteigen im Begriff ist) sein Gutachten erstattet. Vor allem hebt er die vorzüglichen Erfahruiigeii im Schul- und Erziehungswesen hervor; die' Schulangclcgenheiten sind den Frauen übcelvieseil worden, erklärte er, wir haben immer einen weiblichen Staats- schulsuperintendeiiten gehabt. Wo immer Frauen in Aemtcr hinein- kamen, haben sie sich nicht einen einzigen Mißbrauch zu schulden kommen lassen und nicht der leiseste Verdacht ist je auf sie gcsallcn. Niemals ist eine Roheit gegen Frauen im Wahlkampfe vorgekonnneii. Die Männer sind besser daran, das Land ist besser daran und die Franen sind nicht schlimmer daran. Die Vorgänge in Fipnland, wo die sozialdemokratische Fraktion die stärkste im Parlaniciit ist, sind bekannt. Hier gelangt die Frau mit dem 21. Jahre in den Besitz der Staatsbürgerrechte, und eine ganze Anzahl Frauen sitzt in der ncugeiväblten Volksvertretung. In Rußland hat sich die mohammedanische Partei der Reichsduma für die Proklamiernng der Frauenrcchte ausgesprochen; wie in Finn- land soll auch die Frau de« Islams mit dem 21. Jahre die völlige politische Gleichberechtigung genießen. Und in Deutschland, das angeblich in der Welt voran ist? Hier gestehen mehrere Staaten(Preußen, Sachsen, Braun- schweig usw.), in den Landgemeinden, Bayern im rechtsrheinischen Teil, Sachsen-Wcimar und andere, in allen Gemeinden, den Frauen da« Wahlrecht zu. Allerdings ist das Wahlrecht von der Bedingung selbständigen Grundbesitzes abhängig, es dient also nur der Ver- lretung wirlschaftlichcr Interessen und entbehrt des persönlichen Charakters, weshalb die Frauen in diesen Fällen ihr Wahlrecht auch meist mir durch männliche Stellvertretung ausüben dürfen. Wir sehen, wie weit Deutschland in dieser Frage noch zurück ist: nur als Inhaberin des Gcldsacks zählt die Frau sur gewisse Rechte; im übrigen sind bei uns noch nicht einmal die allerkleinften Anfänge zur politischen Mündigmachmig der Frau zu verzeichnen. Abgesehen von dem Wahlrecht zu den Vcrtretungskörpcrn, abgesehen von der Teilnahme an den Organen der Selbstverwaltung, entbehrt bei uns die Frau auch die staatsbürgerlichen Rechte(genannt sei nur das Vereinsrecht), die ihr die Geltendmachung ihrer politischen und sozialen Ansprüche gestatten. Wer am weitesten zurück ist. soll die größten Anstrengungen machen, um ans Ziel zu gelangen. Deutschlands Arbeiterfrauen, die ihr de» starken Rückhalt an der Sozialdemokratie habt, schließt euch dieser Partei an, kämpft für sie und ihr kämpft für eure Rechte. Der Weg des Sozialismus ist die Besreiuna der Frau auZ jahr- tausend alter Rechtlosigkeit. Urbcr die Arbeits- und Lohnvcrhältnisse der Plätterinnen in der Stadt Lnzcrn hat der dortige christliche Arbeiterinnenvereiii eine Enquete veranstaltet, an der sich 93 Arbeiterinnen durch Ausfüllung der Fragebogen beteiligten. Nach den in einer Broschüre veröffent- lichten Ergebnissen beträgt die tägliche Arbeitszeit der Plätterinnen bor der Hochsaison an ven ersten o Wocyentaqen il'/j Stunden, an den Sonnadenden 12 Stunden, während der Saison 13� Stunden im Durchschnitt. Bei 3 Arbeiterinnen steigt die Arbeitszeit sogar ans 19% Stunden. Dazu kommt dann noch weiter regelmäßige Sonntagsarbeit, die in einzelnen Betrieben ebenfalls 9 bis 11 Stunden beträgt. Und dabei hat der Lianton Luzern ein be- solideres Arbeiterinnenschutzgesetz niit dem llstündigen Maximal- arbeitstag, dem Verbot der Nacht- und Sonntagsarbeit I Die organisierte Arbeiterschaft des Kantons Luzern kämpft seit Jahren für die entschiedene Durchführung dieses Gesetzes und sie verlangt hierzu auch eine Gctverbeinspektorin, aber bis jetzt vergebens. Was die Lohnverhältnisse der Plätterinnen betrifft, so bestehen Stunden-, Tage-, Wochen-, Monats- und Stücklohn nebeneinander und sodann schwankt der durchschnittliche Stundenlohn von 29 bis 39 Rappen(IS bis 24 Pf.) in den selbständigen Wäschereien und „-u.schen 22 und 29 Rappen in den Gasthofwäschereicn. Je länger die Arbeitszeit, desto geringer der Stundenlohn. Die durchschnitt- lichen Wochenlöhne betragen 16,88 bis 19,89 Frank in den selb- ständigen Wäschereien und 22,94 bis 22,31 Frank in den Gasthöfen. Der Verfasser fordert zum Schlüsse die Anstellung eines Gewerbe- inspeklors und einer-Jnspektorin und die Unterstellung der größeren Wäschereibetriebe unter das Fabrikgesetz. Die Regierung des Kantons Luzern besteht aus 6 Katholiken und Liberalen, erstere haben somit die große Mehrheit und nun schöne 4egenheit, katholische Sozialpolitik praktisch zu betreiben. Tie Kleidcrrcchnung der oberen Zehntausend in England. .Poll Mall" äußert sich laut Urteil eines erstklassigen Damen- schneiderS über die extravaganten Preise der Garderobe unserer icvorzugtcn Klasse. Eine»Lady" kann sich für 26 999 M. jährlich u guter Kleidung halten. Diese Schätzung scheint jedoch noch zu licdrig gegriffen zu sein, wenn man folgende Preise vergleicht, .'ic eine Londonerin in einem Jahr» gezahlt hat. Danach kosten hre Kleider 12 579 M.; Mäntel usw. 4589 M.; Hüte 2959 M.; 'ondschuhe und Sonnenschirme usw. 4919 M.; Wäsche 6821 M.; Stiefel und Rcitkleider 3999 M.; Automobilgarderobe 859 M.; verschiedenes, einschließlich Wäschc-Reinigung, 8639 M. Dazu .ommen noch die Ausgaben für die Toilette usw., und ergibt sich hieraus eine ganz stattliche Summe, mit der sich mehr als hundert rrauen der mindcrbegütcrten Klasse, des Proletariats, cinschließ- lieh der Nahrung begnügen müssen. Doch so ist die heutige Welt. Auf der einen Seite Ueberfluß und Luxus, auf der anderen Armut, Elend und Hunger. Liericbts- Leitung. Frühstücksbrutel durch einen Bäckermeister entwendet. Der zu Rixdorf, Boddinstr. 64, wohnhafte Bäckermeister Franz Godowa stand dieser Tage als Kläger vor den Schranken des Rixdorfer Schöffengericht«, verließ den Gerichtssaal aber als moralisch Verurteilter. Er hatte die Grünkram- Händlerin Frau Hurte, die in demselben Hause wie er wohnt, wegen angeblicher verleumderischer Beleidigung angeklagt. Im Laden der Beklagten war erzählt, der Kläger habe im Beamten hause Frühstücksbeutel eines anderen Bäckermeisters entwendet. Das hatte Beklagte weitererzählt. Vor Gericht trat sie durch ihren Ver- teidiger den W a h r h e i t s b e w e i S an. Als Zeuge bekundete der pensionierte Lokomotivführer Böhme: Im vergangenen Sommer, es mag im Mai oder Juni ge Wesen fem, habe ich selbst eines Morgens um 6 Uhr gesehen, wie der Kläger Frllhstücksbentcl entwendete. Ich wollte ihn zur Polizei bringen, aber auf seine Bitten, ihn alS Geschäftsmann nicht unglücklich zu machen, unterließ ich weitere Schritte und ließ ihn laufen. Das G e r i ch t wies, da durch die völlig glaubwürdigen Aussagen des Zeugen die Entwendung der Beutel durch den Bäckermeister Godowa er- wiesen war, die Klage ab, sprach die Beklagte frei und legte dem Kläger die Kosten auf. Der Beleidigungsklage des Bäcker- meisterS Godowa dürste nun eine Anklage gegen ihn wegen Diebstahls folgen. Godowa ist übrigens im vergangenen Jahre bereits wegen Mißhandlung eines Gesellen bestraft worden. Auch schwebt gegen ihn eine Anklage wegen vorsätzlicher Sachbeschädigung, die durch Ein- schlagen einer Schaufensterscheibe seiner Nachbarin begangen sein soll. Selbstredend gehört Godowa zu den Bäckermeistern, die nicht bewilligt haben._ Der nervöse Prinzipal. Einen Ueberfluß an Temperament und Nervosität entwickelte der Fabrikant Emil Krüger, MuSkauerstr. 42, gegenüber seiner Buch- halterin, der 19 jährigen Olga M., wie eine gestern vor der fünften Kammer deS KaufmannSgerichts stattgehabte Verhandlung ergab. Die Klägerin M. befand sich seit dem 1. Mai in gekündigter Stellung bei Beklagtem und hatte am 4. Mai Herrn K. gebeten, ihr VorstellungSurlaub zu gewähren. Der Chef lehnte ihr dies jedoch mit der Motivierung ab, sie könne ja dazu ihre Mittagszeit benutzen. AlS nunmehr die Klägerin in ruhigem Ton cinwandle, sie hatte sich erkundigt, die Mittagszeit brauche sie dazu nicht in An- sprach zu nehmen, wurde der Beklagte gleich ausfallend und rief der Klägerin zu:„Halten Sie Ihre Klappet* und„J ch schlage Ihnen verschiedene Backzähne ein." Die Buchhalterin erklärte, auf Grund dieser Behandlung sofort die Stellung verlassen zu wollen, worauf ihr der Bc- klagte höhnisch zurief, sie solle nur machen, daß sie herauskomme. Aus Angst vor Vorwürfe« seitens der Eltern überlegte sie es sich, setzte sich an den Arbeitstisch und arbeitete ruhig weiter. Nach etwa zehn Minuten betrat der Chef diesen Raum und zog ihr mit den Worten:.Was. Siesind ja immernoch da?" init Vehemenz den Stuhl von hinten fort, so daß sie rücklings mit voller Wucht zil Boden fiel. Vom Vorsitzenden nach dem Grund dieser eigenartigen Umgangs- Ivcise init seiner Angestellten gefragt, gab K. die sonderbare Entschuldigung an, er sei nur Fachmann und nicht Kaufmann, sei außerdem sehr nervös und durch die ewige» Vorftelluiigsgesuche der Klägerin gereizt worden.— Das Kaufmannögericht sah in dem Ver- halten des Beklagten einen berechtigten Grund für die Klägerin, sofort das Dienstverhältnis aufzulösen. Es kam aber leider nicht zu einem den Beklagten verurteilenden Erkeniitiiis, weil sich die Klägerin mit einem Vergleich in Höhe von 49 M. einverstanden crllarte._ Zur Hastung ans einem Straßenbahniuifall. Die Klägerin eines jetzt vom Reichsgericht entschiedenen Rechts- streites verunglückte am 8. Sepien, ber 1903 ans einem Wagen der Hamburger Straßenbahn. Sie machte gegen die genannte StraßcnbahngeseNschaft Schadenersatzansprüche in Höhe von 999 M. jährlicher Rente auf Grund des g 1 des RcichShaftpflichlgesetzes geltend. ES handelt sich hierbei um folgenden Unfall: Wahrend früher an dem Vorderperron der Hamburger Straßenbahn beider- sciliq Verschlußtürcn angebracht waren, sind diese Türen im Herbst 1303 im Interesse des Publikums an der Einsteigeseite entfernt worden. Und ztvar ist dieö auf Anordnung der Polizei geschehen mit dem Ergebnis, daß sich seit dieser Zeit weniger Unfälle im Straßenbahnbetricbe ereigneten. Die Klägern, war zu der Zeit der Aenderung drei Monate verreist gewesen und bestieg am Tage der Rückkehr abends gegen 11 Uhr. vom Bahnhofe kommend, einen so geänderten Wagen der Hamburger Straßenbahn. Sie schritt durch den leeren Wagen nach dem Vorderperron und stellte sich direkt hinter den Wagenführer. In der Meinung, daß der Schaffner hinter ihr herkomine, trat sie bald darauf rechts seitwärts und stcl, indem sie dem Schaffner Platz machen und sich an die früher dort angebrachte seitliche Verschlußtür anlehne» wollte, vom Wagen. Das Landgericht Ha mb»urg hatte ihre infolge der beim Absturz erlittenen Verletzungen erhobenen Schadenersatzansprüche dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt, während das Ober- l a n d e s g e r i ch t Hamburg die Klägerin auf Grund des eigenen Verschuldens abwies. Dieses Urteil wurde auf die Revision der Klägerin hin vom Reichsgericht aufgehoben, da sich das Berufungsgericht ans den Standpunkt gestellt hatte, daß ausschließlich das eigene Ver- schulden der Klägerin an dem Unfälle schuld war, während das Reichsgericht bei der Aufhebung des Urteils betont, daß immer nur das überwiegende Verschulden in Betracht kommen könne und das Verschulden gegenüber der Betriebsgefahr auf jeden Fall durch eine Begründung hätte abgewogen werden müssen. Infolgedessen wurde die Sache noch einmal an das Oberlandesgcricht Hamburg zurückverwiesen. In der neuen Verhandlung erkannte das Ober- landesgericht Hamburg dahin, daß eS der Klägerin vier Fünftel des Schadens alsersatz- pflichtig zusprach und sie nur zu einem Fünftel abtvies. In der Begründung dieses Urteils ist ausgeführt, daß es dahingestellt bleiben könnte, ob die Klägerin infolge eines zuweit nach rechts ge- tauen Schrittes oder durch das beabsichtigte Anlehnen abgestürzt ist. Die offene Scitenöffnung hätte für den vorsichtigen Fahrgast ge- nügenden Grund zur Aufmerksamkeit geboten, und' hätte seirens der Fahrgäste durch Festhalten an den Messingstangen die erhöhte Be- iriebsgefabr umgangen werden können. Es liege iomit auch durch die Beseitigung der Vordertüren kein schuldhaftcs Handeln des Beklagten vor. In Betracht komme allerdings, daß die Klägerin den geschaffenen Zustand nicht gekannt hätte und im ersten Augen- blick sich in dem Glauben befand, es beständen noch die alten Ver Hältnisse. Insofern wurde sie auch entschuldigt. Immerhin habe sie aber gegen die im Verkehr erforderliche Sorgfalt verstoßen, da sie den Vorderperron ohne sich umzusehen betreten hatte, denn bei der geringsten Vorsicht hätte sie das Fehlen der rechten Seitentür bemerken müssen. Nach allen diesen Erwägungen habe nach Z 234 des Bürgerlichen Gesetzbuches eine Verteilung des Schadens im Ver- hältnis von 1 zu 4 einzutreten. Die gegen das oberlandesgerichtliche Urteil neuerdings von der Beklagten eingelegte Revision wurde vom VI. Z i v i l s e n a t des Reichsgerichts zurückgewiesen. Ein Fahrstuhl, mglück, bei welchem ein Mensch um das Leben kam, beschäftigte gestern die siebente Strafkammer des Landgerichts I. Wegen fahrlässiger Tötung war der 21jährige Fahrstuhlführer Johannes S i e b e r t vor dem Strafrichter angeklagt. Der schon vorbestrafte An- geschuldigte ist gelernter Sattler, hat sich dann als Fahrstuhl- fiihrer ausbilden lassen und hat am 12. Februar dieses Jahres die Prüfung durch die Behörde abgelegt. Seit Ende März war er in dem GcschäftShause der bekannten Baufirma Kayser u. von Großheim in der Klosterstraße 1—2 angestellt und hatte hier einen elektrischen Aufzug zu bedienen. Schon nach wenigen Tagen »ach seinem Dienstantritt wurde der Angeklagte zum Urheber eines entsetzlichen Unglücksfalles. Am 3. April d. I. benutzte der Schuh- machermeister Becker den von dem Angeklagten geführten Aufzug. »m nach einem im vierten Stockwerk gelegenen Schuhwarcnlager zu gelangen. In dem Fahrstuhl befand sich außerdem noch der Telephonarbeiter Lehmann, der im dritten Stockwerk ausstieg. Hier beging S. eine grobe Nachlässigkeit dadurch, daß er ehe die Tür geschlossen war, wieder die Maschinerie in Bewegung setzte. Un glücklicherweise stand Becker gerade in der Nähe der Tür und wurde, als der Fahrstuhl nach oben fuhr, von der Türöffnung erfaßt und zwischen Aufzug und Wand festgeklemmt. Als der An- geklagte sah, welches Unheil er angerichtet hatte, ließ er den Fahr- stuhl wieder abwärts gehen und erreichte damit nur, daß der Ver- unglückte nunmehr in den Schacht hinabstürzte und niit zerschmetterten Gliedmatzen in dem Keller liegen blieb.— Die Beweisaufnahme erbrachte, trotz des Leugnens des Angeklagten, daß er in unverant wortlich leichlsinniger Weise gehandelt hatte. Der Staats� a n w a l t beantragte mit Rücksicht hieraus eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten. Das Urteil lautete auf vier Monate Gefängnis._ Interne Angelegenheiten aus der VermögensvrrwaltnngSstellc für Offiziere und Beamte lagen einer Privatklagesache zugrunde, die gestern vor dem Amtsgericht Berliu-Mitte zur Verhandlung kam. Wegen Beleidigung des Rechtsanwalts Dr. A ß ni a n n war der Freiherr Detleff von der Bottlenberg-Schirp angeklagt. Nach vielstündiger Verhandlung endete der Prozeß mit folgendem eigenartigen Vergleich: Die Parteien sind sich darüber einig, daß die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse in der Vermögens- Verwaltungsstelle für Offiziere und Beamte derartig verwickelter und komplizierter Natur sind, daß Irrtümer und Mißverständnisse durch- aus erklärlich sind. Dies vorausgeschickt, nehmen der Angeschuldigte und der Privatkläger alle gegenseitig gefallenen Vorwürfe mit dem Ausdrucke des Bedauerns zurück und ziehen auch die Klag« und Widerklage zurück. Die Kosten wurden gegenseitig aufgeteilt.— Danach steht es ja mit der Vermögeiisverwaltungsstelle für Offiziere und Beanite recht eigenartig. Versammlungen. Die Grenzstreitigkeitcn zwischen dem Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter und dem Handels-, Transport- und Verkehrs- arbeiterverband, sowie die Angriffe, die auf der letzten General- Versammlung dieses Verbandes gegen jenen Verband gerichret wurden, beschäftigten am Sonntagnachmittag eine Mitglieder- Versammlung der Filialen Berlin I und II des Brauereiarbeiter- Verbandes, die Kellers großen Saal füllte. Der Verbandsvorsitzende Martin Etzel hielt das Referat. Er wies ganz entschieden den Vorwurf zurück, daß der Brauerciarbeiterverband zünftlerisch und keine moderne Arbeiterorganisation sei und in der Agitation eine Art Raubrittertaktik betreibe. Mit vieler Mühe habe man inner- halb des Verbandes die zünftlerische Gesinnung, die früher den Brauern anhaftete, beseitigt. Zum Beweise dafür, daß der Brauerciarbeiterverband sich als eine moderne Arbeiterorganisation bewährt, wies der Redner auf die großen, opferreichen und keines- Wegs erfolglosen Kämpfe hin, die der Verband geführt hat. Des- gleichen führte der Redner eine Reihe von Tatsachen zum Beweise dafür an, daß der Brauereiarbeiterverband nicht Mitglieder anderer Organisationen zu sich herüberzuziehen sucht. Hinsichtlich der Bierfahrer, um die es sich hauptsächlich bei dem Vorwurf der „Raubrittcrtaktik" handelte, führte der Redner aus, daß diese Gruppe von Arbeitern so eng mit dem Brauercibctrieb verknüpft sei, daß sie im Interesse der Einheitlichkeit der Lohnbewegung zum Brauereiarbeiterverdand gehören müßten. Die Bierfahrer seien größtenteils auS den eigentlichen Braucreiarbcitern herborge- gangen und besonders in kleineren Brauereien seien sie vor und nach dem Bierausfahren im inneren Betrieb tätig. Ferner bemerkte der Redner, daß der„Courier" nach der Borständekonfcrenz im vorigen Jahre geschrieben habe: nun seien die Bierfahrer dem Transport- arbcitcrverband Überwiesen. Diese Darstellung der Konferenz- beschlüsse sei durchaus falsch, und das hätten auch die Genossen Kube und Knoll von der Generalkommission bestätigt. Wenn ge- ordnete Verhältnisse hinsichtlich ber Organisation der Brauerei- arbeiter eintreten sollten, mühten außer den Bierfahrern auch die Arbeiter der Biernicderlagcn dem Brauereiarbeiterverband ange» schlössen sein, denn die Brauereien suchten manchmal Tarifverträge dadurch zu umgehen, daß sie einen Teil ihres Betriebes den Bier- Niederlagen übertragen. Nur durch einheitliche Organisation könnten geordnete Verhältnisse in den Brauereien geschaffen werden. Durch ruhige Aufklärungsarbeit müsse man dahin wirken, diese Einheitsorganisation zu fördern.— Ter Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Zur Versammlung war auch die Generalkommission der Gewerkschaften eingeladen. Sie hatte zwar keinen Vertreter entsandt, doch lag ein Schreiben von der Generalkommission vor, worin erklärt wird, daß der Genosse Knoll auf der Generalversammlung der Transportarbeiter nicht, wie der„Courier" berichtete, gesagt habe:„Die Art der Agitations- weise des Brauereiarbeiterverbandes wird auch von der General- kommission mißbilligt", sondern daß seine Ausführungen die waren, daß, wenn das, was auf der Generalversammlung gesagt wurde über die Agitationsweise des Brauereiarbeiterverbandes, zutreffe, diese von keinem vernünftigen Menschen und ebensowenig von der Generalkommission gebilligt werden könnte.— Die Versammlung nahm schließlich einstimmig eine Resolution an, in der die Ver- sammelten mit den Ausführungen sich einverstanden erklären. Bei der Firma Mix u. Genest herrscht große Unzufriedenheit unter den Arbeitern und Arbeiterinnen. In einer Betriebs- besprechung am Donnerstag abend in Zühlkes Lokal, Dcnnewitz- straße, wurden die Verhältnisse innerhalb jener Werke beleuchtet in einem Vortrag, den G u t s ch e vom Metallarbeiierverband vor den Angestellten hielt. Die Geschäfte der Firma gehen gut, die Preise ihrer Produkte wurden erhöht und doch müssen die An- gestellten sich Lohnabzüge gefallen lassen, bei der Arbeit hasten und viele Ueber stunden machen. Wenn statt 53 Stunden in einer Woche, 7V und 89 Stunden gearbeitet wird, dann spricht man von den„guten Löhnen", die die Arbeiter ver- dienen. In der Stanzerei ist es für die Arbeiterinnen sehr ge- fährlich, wenn sie durch die Hast die nötige Vorsicht beiseite setzen. Viel geklagt wird über schlechte Werkzeuge, die von der Firma geliefert werden; auch fehlt es an genügenden Schutzvor- r i ch t u n g e n, z. B. an den Bohrmaschinen. Man ist einem S p i o n a g e s y st c m auf die Spur gekommen und hat entdeckt, daß schwarze Listen geführt werden. Ueber die Anmaßung der c i st e r wurde Beschwerde geführt, ebenso über die Arbeits- o r d n u n g. Ein Arbeiterausschuß besteht nicht mehr, weil ein Zusammenarbeiten mit den Vertretern der Firma nicht möglich war. Um so mehr müssen die Angestellten es als ihre Pflicht an- sehen, dem Verbände beizutreten. Gutsche empfahl, daß in allen Abteilungen energisch Stellung gegen die bestehenden Mißstände genommen werde, um sie zu beseitigen. Auch Arbeite- rinnen waren zahlreich anwesend; diese erhalten vielfach Löhne von 8 bis 12 M., höchstens 18 bis 20 M. pro Woche, im Durchschnitt etwa 15 M. Eine sehr gut besuchte Versammlung der Sektion der Packer, Lager-, tzülfs-, Hof- und Transportarbeiter aus der Metall- und Elektroindustrie, einberufen vom Zentralverband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter Deutschlands, Ortsverwaltung Berlin II, tagte am Sonntag in den„Germania-Prachtsälen". Di: Versammlung nahm den Bericht der Delegierten entgegen und be- schäftigte sich eingehend mit den auf dem Verbandstag gefaßten Beschlüssen. Bei der Berichterstattung wurde besonders hervor- gehoben, daß die Berliner Delegierten es sehr unangenehm empfunden hätten, daß ihnen von auswärtigen Delegierten der Vorwurf gemacht worden sei, daß die Berliner Verwaltungen nicht auf dem Boden der Zentralisation stehen, sondern ihrer Tendenz nach zu urteilen, lokalistisch veranlagt seien. Es wurde ferner darauf hingewiesen, daß gerude die Berliner im Verlaufe der verflossenen Gefchäftsperiode eine große Zahl von Lohnbewegungen mit gutem Erfolg durchgeführt hätten, was den beteiligten Mitgliedern Lohnzulagen von 3, 6 und 19 M. pro Woche gebracht hätte. Aber in keinem Fall sei zu konstatieren, daß die Verwaltung an die Beteiligten herangetreten sei um ihnen zu sagen, daß sie nun auch ihrerseits verpflichtet seien, durch höhere Beitragslcistung die Widerstandskraft der Organisation für zu- künftige Kämpfe zu stärken. Berlin stehe immer noch auf einen Wochenbeikrag von 49 Pf., wogegen alle anderen Verwaltungen schon seit längerer Zeit einen Ortszuschlag von 5 und 19 Pf. ein- geführt hätten. Ferner wurde darauf hingewiesen, daß der Ver- bandstag beschlossen hat. vom 1. Juli dieses Jahres ab einen Gau- beitrag von 39 Pf. pro Quartal und Mitglied zu erheben, ferner das Verbandsorgan„Courier" alle 8 Tage erscheinen zu lassen. Auch wird der Name des Verbandes geändert und nennt sich unsere Organisation vom 1. Juli ab:„Deutscher Transportarbciter-Vcr- band". Diese Aenderungen, die der Berbandstag beschlossen hat. so führten die Berichterstatter aus, legen den Verwaltungen eine ganze Reihe von neuen Ausgaben auf, die eine Beitragserhöhung bedingen. In der Diskussion wurde die Notwendigkeit einer Beitrags- erhöhung allseitig anerkannt. Durch Beschlußfassung, die ein- stimmig erfolgte, wurde der wöchentliche Beitrag um 10 Pf. erhöht. Zum Schluß wurde noch der Wunsch ausgesprochen, daß auch die Kollegen der anderen Sektionen sich mit dieser Frage möglichst bald beschäftigen. Der Verband der Maler. Filiale Berlin, beschäftigte sich in der letzten Mitgliederversammlung am Donnerstag, den W. Juni, zu. nächst mit der Beitragserhöhung. AuS den Ausführungen des Vorsitzenden Mietz war zu entnehmen, daß der Beschluß deS letzten Verbandstagcs eine Mehrleistung aus Sommerbciträgen von 5 Pf. pro Woche Vorsicht zur Deckung der Mchransprüche an die Haupt- lasse bei Streiks. Maifeier usw. Weiter gelte es auch, einen Fonds am Orte zu sammeln, um den gegebenen Anforderungen vollauf gerecht zu werden. Die Versammlung' nahm schließlich mit 296 gegen 193 Stimmen den Antrag Strelow an, welcher vom 1. Juli ab einen Wochcnbeitrag von 69 Pf. während der Sommermonate vorsieht. Ter Wintcrbeitrag ist. wie ergänzend mitgeteilt wurde, gemäß dem Beschluß der Generalversammlung, auf 29 Pf. pro Woche festgelegt. Die Beschlutzfassung über den Punkt:„Ersatzwahl eines Hauskassierers", wurde nach längerer Diskussion zurück- gestellt, um zum Kayipf im Baubcrufe und in Sachen des Bäcker- boykotts Stellung zu nehmen. Mietz erörtert diese Bewegungen und resümiert dahingehend, daß es Pflicht eines jeden Kollegen sei. den Bauarbeitern und Bäckern die größtmöglichste Solidarität zu bezeugen. Der Verein Berliner Hausdiener, Mitgliedschaft I de? Deutschen Transportnrbciter-VerbandeS beschäftigte sich in der am Freitag in den„Musikersälen" stattgefundenen außerordentlichen General- Versammlung mit der Berichterstattung vvn der zu Pfingsten im „Gewerkschaftshause" stattgcfundenen V. Verbands-Generalver- sammlung. Mit den dort gefaßten Beschlüssen, achttägiges Er. scheinen des„Courier", Erhöhung der Unterstützungssätze sowie Dauer derselben, Gaucinteilung Groß-Berlins usw. erklärten sich die Versammelten nach kurzer Diskussion einverstanden. Die Wahlen zum Zentralvorstand gaben nachstehendes Resultat: Bei- sitzcr im Zcntralvorstand Karl Alboldt, Revisoren Herm. Epiecker» mann und Adolf Webers. Berel» der Lehrlinge, jugeiidlichen Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins und llingegeiid.(Abteilung V und VI.) Heute abend 8 Uhr Kombinierte Versammlung bei Licr, Raunynstr. S. Lese- und Tistntierklnb„Südost-. Heute abend 8'/, Uhr bei Tolk-Zdorf, Görliderstr. 58: Sitzimg. Gäste willkommen. Lese-»nd Disrnttcrklnb„Mehr Licht«. Heute abend Vortrag bei Knapp, Grünthalerftraße.___ Eingegangene Drucklchnften. „Die Nene Gesellschaft.« Heft 12. Herausgeber Dr. H. Braun und Lllh Braun. Preis 19 Pf. Verlag Berlin W. 15. Stationen Swwemde Hainbnra Berlin Fraukf.aM Blüncheu Wie» Wetter-Prognofe für Mittwoch, den IS. Jnni>»97. Etwas warmer, zunächst ziemlich heiter bei mäpigen südwestlichen Winden: später»imchmends Bewölkung und leichter Regen. Berliner W e t t e r b u r e-» CIGARETTEN Sie repräsentieren das höchst erreichbare in Cigaretten. In Gehalt, in Form, in jerfgr Qualität, welche den kritischen Raucher befriedigt, sind sie unvergleichlich, 10 St. 30 Pfennig, Reise-Anzüge 36.- 27- 2t- ft 18- 15.- 12- 9 M. 36.- 30- 27- 24.-. 21- 18-!□ M. 15 24- 21— ISIS- 12- 9-|| M. 8 Staub-Mäntel 6- 5.» 3 M> 75 Reise-Mützen Loden-Hüte Strand-Mützen. 30- 21- 15-* 12- 10- 7.50 f M. äO Pridtllje HastEf-Walil A Bsi 3 Stück;/ OC 6.50. Einzeln fc M- � 3 24- 21- 18- 15- 12- 10- D M. 75 6 Reise-Joppen 4.50 3.— 1.75 85 r. 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Verlag: VorwärtZ Buchdruckerei u. Vcrlagsanjtalt Paul Singer Sc Co.. Berlin SW. 292/6 Hnnabme-ötellcn für„Kleine Hnzctgen". Zentrum: Frist Zinke, Mauerstr. 89. Zl. Hahnisch, Auguststr. 50. Weateu: G. Schmidt, BAowstr. 52. ttuteu: W. Mann, PetcrSburgerplatz 4. R. Wengels, Rüdcrsdorscrstr. 3. Gustav Vogel, Koppenstr. 83. X«r,I»«teu: L. Zucht, Keibelstr. 42. I. Reul, Baniimstr. 42. B>'«r«Ieu: H. Raschle, Ackcrstr. 36. F. Trapp, Stcttincrftr. 10. Karl Mar», Lychencrstr. 123. Karl TÄetsie, Nazarcthkirchstr. 49. L. Techand, Ruhcplatzstr. 24. H. Vogel, Lortzingftr. 37. Ä. Tiest, Jnvalidcnstr. 124. Xercku-estten: Karl Zlnders, Salzwcdelcrslr. 8. BS. Schrotte, Gotzkowskystr. 29. 8ti«lu'e«ten: H. Werner, Gneisenauslr. 72. H. Schröder, Hagcibcrgerstr. 27. biitckeu: St. Frist. Pritizcnstr. 3l. F. Gntschinidt, Kottbujcr Damm 3. hfiirlexteu: Paul Böhm. Lausitzcr Platz 14/ lo. P. Horsch, Engcl-Ujcr 15. Oknrlsttenkuex: G. Scharnderg, Scsetthcimcrstr. 1. I-'rleckrieliukerj?: C. Scikel, Kronprinz enstr. 50. Rixdorf: M. Heinrich, Neckarstr. 7. <5onrad, Hermamiftr. 50. Riiuimelilhurx: «. Rosenkran». Ast-Boxhagen 5« Seiiiinederx: Wilh.Bänml er, Martin Lntheritr.->1. �Veilten«ee: K. Fnhrmann, Scdanitr. 105. Jnl. Schillert, König-Chaussec 39a. Iteliilelieiidorr: P. Gursch, Provinzstr. 108. R. Gramen». Kiesholzstr. 412. Nr. 140. 24. Jahrgang. 2. Ktilmt des, Amiirls" Kerliiill MlisdlM. Mittwoch. 19. Inn! 1907. Partei-?Zngelegenkeiten. Dritter Wahlkreis. Sonntafl, den 23. Juni, findet ein Ausflug Mit Familie nach Kiekemal bei Köpenick statt. Treffpnnkt mittags im Liestaurant Heidekrug. Zahlreiche Beteiligung erwartet _ Der Vorstand. Berliner J�acbricbten» ReligionSpriigel. In der Schule darf bekanntermaßen gehauen werden. Das Priigclrecht bleibt den Schulpädagogen erhalten, wenn auch Gesetzesbestimmungen und besondere Dienstvorschriften die Prügelnden zu etlicher Mäßigung mahnen. Lehrer und Lehrerinnen nützen dieses Recht so vollständig aus, wie eS ihnen irgend möglich ist. Mancher und manche von ihnen gehen in der Ausnützung ihres Prügelrechtes sogar noch über das Mögliche hinaus, trotz Vorschrift und Gesetz. Gehauen wird auch im Religionsunterricht. Wenn der Stifter der christlichen Religion einem dieser prügelnden Religions- lehrer zuschauen könnte! Wenn er sehen müßte, daß in unserem modernen Religionsunterricht nicht nur Lehrer und Lehrerinnen, sondern sogar Geistliche Ohrfeigen und Stockhiebe austeilen! Einer dieser Diener Gottes, die ohne Rohrstock nicht mit den Kindern fertig werden können, gibt Religionsunterricht an der katholischen 3 9. Gemeindeschule sMüllerstraße, Ecke Triftstraße). Der Herr heißt Schnura, trägt den Titel Kuratus und versorgt als Geistlicher den Seelsorgebezirk»St. Joseph" (Stadtteil Wedding). Von Herrn Kuratus Schnura wurde kürzlich ein lljähriger Schüler H., der in den Verdacht gekommen war, während des Unterrichts gespielt zu haben, mit dem Stock auf die Hände geschlagen. H., der seine Unschuld beteuert hatte, erklärte dem prügelnden Kuratus ins Gesicht hinein, er werde das seiner Mutter sagen. Da packte Herr Schn. den Jungen am Hosenbund, legte ihn mit kräftigem Schwung auf den Tisch und hieb nun erst recht mit dem Stock auf ihn loS. Als der>. ssfriedrich Wildelm» städlilches Theater) Drei Paar Schuhe. Deutsches. Der Jongleur. Kleines. Nachtasyl. Ao, nische Oper. Hossmann» Er< zählungen. Börsten. Die lustige Witwe. NencS Schauspielhaus. Hopfenraths Erben. Ncstdcnz. Haben Sie nicht» zu verzollen s LuftipieUinnS» Die Welt ohne Männer. Thalia. Staatsanwalt Alexander. iknise». DaS Rätsel seiner Ehe. Bernhard Viose. Der große Un- bekannte. Nachm. i'l, Uhr: Die Schwäbin. Der Gehülse des Teufels. Die Balletlschule. Meiropol. Der Teusel lacht dazu. Wiiitergaric». La Tortajada. Spezialitäten. Apollo. Der lustige Witwer. Epe- zialiiäten. Böalhalla. Spezialitäten. Folies Caprice. Geisterauto.— Paris. Passage. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Ta»be»sir,iste Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. kleines Theater. Abends 8 Uhr: Naclifasyl. Donnerstag: Gastsp. Frank Bede- lind. Freitag: Ein idealer Gatte. Sonnabend: Vorletztes Gastspiel Frank Wedetind. Idealer des Westens. «lbends 8 Uhr: Ol« lästige Witwe. Operette in 3 Allen v. Franz Lehür. zitfidtlis-Thkliler. Direktion Richard Alexander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Wen 8ig nichts zu verzollen? Schwant in 3 Akten v. M. Henneouln und P. Veber. Lustspielhaus. 8 Uhr: Wiener Ensemble« Gastspiel: Die Welt ohne Männer. Pepi Glöckner als Gast. l-Uisön-Mer Reichenbergerstr. 34. Vorletzte Woche des Schauspiels: Das Kntlfl friiift(tljf Ansang 8 Uhr. Sonntag, den 23. Juni, nachm. 3 Uhr, bei halben Preisen: tteinrick tteine. I Passage-Theater. Abends 8—11 Uhr: Die kleine Raketei mit Paillette van Roy. , U pSartige Spezlaliiäten. � Kelropol-Theaier Anfang 8 Ihr. Große Jahresrovuo in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaondor. Dirigent Was Roth. In Szene gesetzt von Direktor Riehard Schult». Rauchen überall gestattet Praler-Theater. Kastanien-Allee 7/9. Flotte Weiber Spezlalitiiten 1. Bange«. Konzert nnd Ball. Anfang 4'/, Uhr. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Die Cletselier fierHochgehirge mi öle Eiszeit imserer Heimat OtUOCISCHER Heute nachmittag 5 Uhr: Plaistspicl des Musikkorps der kaisorl. 4. Matrosen-Art.- Abt. Kaiserl.Musikdir. B1. Stolle. Eintritt 1 Mk., von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. #eseeeteee»»ei#s$eei Heues Programm. 8 Ubr: Tie bedeutenden Spc- zialitätcn mit Jean Clement» Zirkus-Parodic Bnrnnm u. Beileid. Abends 9'/, Uhr:» mit seiner BnrieSke: Der lnstige Witwer. 1. Bild: Das lebte Mal. 2. Bild: Tie Folge» davon. EMraraME Gr. Franksnrlerstr. 132. Täglich: Anfang i'l, Uhr. MF" Im Gatten: Da« glänzende Juni- Programm. Paul Oorrailini.— The Laugtry. Sperrsitz 50 Pf. Entrce 30 Pf. Abends 81/, Uhr im Theater: Der grolle l'nbekunntc. Sommerpreise. Wcinbrrgswcg Speziaiiläten■ Vorstellung. Promenaden- Konzert. Ans.: Konzert 5; Vorstellung 7 Uhr. Bei ungünstigem Wetter Voeelostung im Tbeater 8 Uhr. Kleine Sonimcrprrise. kelie-�lliance-Larten Herrlichster Sommcrgai teil Berlins. AitlthkrnljmteIlliiuiiiilitjou. Pollständig neue Anlagen. Täglich:. Elite- Variete-Vorstellung Aiif. wochentags 6, SonnIagS 4 Uhr. Reichsliallen-Tliealer. jr. Aiuang Wochentags SIld> Sonntags 7 Uhr. iisiobs- liallsn- Garten und Restaurant: Militär- Konzert. W. Koacks Theäler. f'lreftiun: Rod. Dill. Sruniienttr. I«. Vollständig neues Programm! »'/, Uhr:»'/, Uhr: Depli«.«iie es baut iii krackt! Lebensbild mit Gesang von Ely. Ans. 7 Uhr. KassccMche o. 3 Uhr nb. Bei schlechtem Welter: Vorst, im Saal. enumen-Thösisi' Badflrntze 68. Direkt.: Bemh. 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Heute Mittwoch: tiroller Eiitctag d. vollständig neuen erstklassigen Riefen- Juni- SpietplanS. Karl Braun%Soi und die übrigen 15 Kunstlräfte. um�-usr- Krsßstadwuder. Ansang i'l, Uhr. Eintritt 30 Pf. Sanssouci., ÄT Direktion Wilhelm Rolmer. Ter Garten ist geöffnet. Sonnt., Mont.,Do»ncrZt.: kotlivMZ wö!!. u. TanzkrMnachen, (AuSgcw.Progr. Ensemblc- szcnen, Quart., Eoupl uswü Sonnt. Bcg. 5,wochent 8U. Jyilr nächste Saison find sämtl. Sonnab. bereits besetzt. Noch einige Mittwoch- Abende find frei. Velhegerteii-Thegter. Bad-Behmsleaee— Bahnhof Gesundbrunnen— BollermannstraBe, Das Bild der Mutter ober Berliner Zlmmcrlente. VollSstück mit Gesang in 3 Alten. ——— Hierzu: Daö neue liiem-GpMM-l'rsgraW. Volksbelustigungan. X GroBer Ball. Hasenheide 108—114. Jeden Mittwoch: Cr.«! Puppentheater.— Bonbonregen. Kinematograph. Kindersackelzug. GratiSuerlosung: I. Preise: 1 silberne Damenuhr, , 1 silberne Herrennhr. lZroIZes lZoppel-Kortzert u.SpezIslltaten-Voretellung. Anfang 4 Uhr. Enlre« 15 Pf. Enlrce zum Konzertgarten 10 Pj. Morgen Donnerstag: Großes Brilliat- Feuerwerk. ßrattDTOn 2 ganzen Sebweta ans. dem ziieseubralapparat. Portion 75 Pf. Portion 75 Pf. Sebwslzerggste» üm RSnIgetor. Im Friodrichshaln. Ehahenbahn 1,2,4,17,59, 62,63 u. 74. Täglich: TWer-Vorstelhmg. Neue Spezialitälen. KiDematograph und Ball. Freier Dammtanz. Ansang 5 Uhr. Entree 30 Pf. SchilleF-Thealer N. Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater. AbendS S Uhr: Drei Paar Schuhe. Sommerpreise. Deutsche Armee-, Marine- u. Kolonial-Ausstellung D AMUKA Äm Wannseebabnliof Friedenau Eintritt 1 M., von?>/, Uhr ab 50 Pf., Militär n. Kinder 25 Pf. G e U ff n e t: Aossteüiingsbailen bis 8 Gbr, InssteiliiiigsgeläniSe bis 12 Ubr. Grolle Konzerte. Ausstellungslose a 1 M. berechtigen zum Eintritt, Oustav Behrens-Theater. Berlin W., GoltzstraBe 9. Da» neue exqnislte UNI» Frogramin. Schlager aal Schlager! Nr»! Die Jungfrau v. Orleans. Komödie. Greifenberger prolongiert. Neu I llmmsüne u. Grlch Hoehherg, Operudnelt sowie die übrigen erst- llassigen Spezialitäten. Ansang 8 Uhr, Sonntags 6'/, Uhr, Sommerpreise. fisthahw-yark Am KUstrinerplatz, RUdersdorferstr. 71 Hermann Imbs. Täglich: droßes Konzert, Tbeater- nnd Spezialitäten- Vorstellung. Otto Pritzkow UUnctitrnfle 10. M-Äusstellungs- Biograph-(st. L.ui.) Theater lebender Photograpblen. Täglich Eingang von - Neuheiten.— ♦ Den ganzen Tag Vorstellung. ♦ Kur noch bis Ende Juni geölinet! Oolksmiucum Feiediichstr. II», Nähe Crntticiibnrncr Tor. Anatomie! Pathologie! Samariterlchre! Mechanische Kolossalgruppenl Völkergalerie Tfigllcb wechselnde Lichtbildervorträge über Visitkarle des Verbrechers! Vorausbestim- mung des Geschlechts! Hermaphroditismus Volks• Krankbeilen etc. Eintritt 30 ii, 50 Pf., Militär 20Pf., Kinder 10 Pf. 1041b*» Cyr wmwwwyiwwvmwmwmi> Ilescrl franko' garaiitierl nawr- rein, 10 Psd.» Kolli 7 M.. 6 Psd.-Kolll 4M. f281/16 Toni Aackera.aa», vnezarz N. v. via Breslau. S Haben Sie Stoff? 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Boiltbelustigimgen aller Art. Enlree 30 Ps. Dadlatells Beeil«. Bureau: Engel-User 19. Telephon: Amt IV, Nr. 10 623. Itautiselilei*. BezirkSYersammlungen om***£&% A1?' Zmi' Bezirk I im Hofjäger, Hasenheide 52. Bezirk II bei Litfiu, Memelerstr. 6» Donnerstag, den SO. Jnui, abendS 6*/, Uhr» Bezirk III bei Oblig», Echwedterstr. 23/24. Tagesordnung in allen Versammlungen: 1. Was hat unS die AnSsperrung gezeigt und unsere weiter« Taktik. 2. Diskussion. 3. VerbandSangclegenheitcn. Die Branclienkommlsslon. Bezirksversammlung Rosentlialer a. ScliönhauseF Vorstadt®£.®Ä24, findet am Donnerstag mit den Bautischlern zusammen statt. 88/14 I. A: Merrettig. Verband der Wäsche- und Arewattenarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands Filiale Berlin Am Donnerstag, den 20. Juni er., abend» pünktlich'/ß Uhr, im Alten 8chUt.zenhanse, Linicnstr. 5: Mitglieder- Persammlung. TageS-Ordnung: 1. Die bevorstehende Vereinigung mit dem Schneiderverbande. 2. Diskussion. 3. a) VierlellahreSberlcht des Kassierers, d) Mrechnung vom MaSken» ball, c) Abrechnung von der Urania-Borftellung. 4. Wahl eines Beisitzers zu der Ortsverwaltung. 5. Verschiedenes. Kollegen und Kolleginnen I ES Ist Pflicht eines jeden Mstgllede», de- sonders auch Pflicht der Heimarbeiterinnen, in dieser wichtigen Vcrsainnisnng zu erscheine».— Neue Mitglieder werden ailsgenommen. Lounsdenä, den 13. Juli er.: Großes Sommerfest Am KUnlgator im Schweizergarten-Am KOnlgator. d 0 teert d Ilealer a WMs-MIlU°° lilntlore�sokelpolonaise. IZSlIt. vie ksüeekiiebe Ä m 3 Öhr so gfölliiet. Anfang der Borstellung 0 Uhr. Eintritt SO Pf.— Kinder fk-el.— Programm 10 Pft Herren, welche am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Ps. nach. 252/18 Die Ortaverwaltnng. Reue Könlgstr. 7, Tel. VH. 6731. I.«.: W. Eeue, „Hungriger Wolf" Herrlich an Wald nnd Wasser gelegen.— Tanzfaal, KegrN>ahw ======== Kaffeekiiche.======= ES ladet die geehrte» Ausflügler, Vereine nnd Radfahrer ergebenst ein Cj 663fc* nrow. Heute Mittwoch: Große Soiree der Willy Waide-Sänger. Nach der Vorstellung: Eomllleii-Kranzclicn.-W Jeden Sonntag: Künftler-Konzert und Dpezialitäten. Gesellseksftsliaus Swinrmünderftr. 4L wegen Todesfall sofort zu verkaufen. V H«8]>ftllI]lKS- ApParate 3,—. 5,—, 7,50 Mark, nur SanitätZhauS v. Seoker, I.INI,auvrst.S. 4301U» pbänomen- mit Kopf Egyptischer Art______ 3, 4 u. 8 Pf. das Stuck. Zigarettenfabrik„NAMKORI". ♦ ♦ ♦ «■ 1 ♦ t t ♦ ❖ 51® ♦ Cbarlottenbiarg�. Sonntag, den 23. Juni, in den Gesamträumen des Volkshauses, Rosinensfr. 3: Sommei'fest des Wahlvereins. Zur Aufführung gelangen: HumoriLtiZdie u. Gesangsvorträge, turnerische Aufführungen usw. Ferner: Großes Preiskegeln und Preisschießen. Entree 25 Pf.— Herren, die am Tanz teUncbmen, zahlen SO Ps. nach.— Entree 25 Pf. Die KafleekDcho steht den geehrten Damen von 3 Uhr an zur Vertilgung. Das Komitee. s Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptburcau: Hvj I. Amt 3, l23S. Charitsslraße 3. Hos m. Amt 3, 1937. Mittwoch, den 19, Juni, abends 8 Uhr: Rohrleger nnv Helfer Kerlins und Umgegend in Frankes Festsälen, Sebastianstr. 39. Tages-Ordnung: i. Die TnrPtntkpng der Wm- burger Kollegeil. Ktsertilt: Kolikge krall!«Iis Hlimburg. 2. Diskussion. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Donnerstag, 20, Juni, abends 81/« Uhr: Branchen-Versammlung der Elektromontenre u. Hülfsmonteure Berlins und Umgegend in Frankes Festsälen, Sebastianstr. 39. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Brnno Borchardt über: Die Sozialdemokratie und das Genossenschaftswesen. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Die Kollegen der Vorort-Elektrizitäts-Gesellschaft Steglitz. Allgemeine, Keßner u. Völkel, sind ganz besonders zu dieser Versammlung geladen. Donnerstag, 20, Im«, abends 8l/a Uhr: Versammlung aller in den mechanischen Betrieben Berlins und Umgegend beschäftigtigten Kolleginnen und Kollegen in den Musiker-Festsälen, Kaiser Wilhelmstraße 18m. Tages-Ordnung: 1. Bericht von der Münchener Generalversammlung. Referenten: Kollegen Max G u t s ch e und Albert D r ä g e r. 2. Diskussion. 3. Bericht der Agitationskommission. 4. Neuwahl des Branchenvertreters und der Agitations- kommission. Kolleginnen und Kollegen! Um sich über die Neuerungen unseres Verbandes zu informieren, ist es Pflicht der Mit- glicder, in der Versammlung vollzählig zu erscheinen. Es wiro daher zahlreicher Besuch erwartet. Neue Zahlstellen sind errichtet bei: Kiebai.'«! Wegner, Halensee, Johann Georgstraße 13. IttebarcV Miasler, Reinickendorf, Kopen- hagenerstraße 13. ?auK Wilk, Charlottenburg, Tau- roggenerstraße 44. 120/12 Die Ortsverwal lang. Teilzahlung monatlich 10 M. liefere Herren-Garderobe nach Maß(billigste Preise). -I. Töffiparowski,&iTäT�0' Nähe Belleallianceplatz. Kasse 10°/. billiger.» Steppdecken 8! billigst direlt in der Fabrik» 72. Wallstr. 72, wo auch alte Ztcppdccken ausgearbeitet werden. Beruhard Ttrohiiiaudcl, Berlin S 14. Jllustr. Katalog gratis. Unsere General> Versammlung findet am Donnerstag, 27. Juni 1907, 8 Uhr, im„Rbeinschlojj'', Friedenau, Nheinstr. 60, statt. 128/1 Konsumverein Friedenau u. Umgegend Eingetragene Genofsenschast mit be- schräntter Haslpslicht. Der Aussichtsrat. I. A.: LangmuS. Lngliselu-n UnlerriM, eiiizel» und im Zirkel, erteilt 3S37L* lZöftsilll Smenh. Schfineberg, Sedanstraffe 57, IN. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. PrinzenstF. 41, 10— 2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2—4. Wichtig für Bruch- leidende, Meine Bruchbänder mit u. ohne Feder, sowie meine Leibbinden sind die bostsitzenden u. verursachen keine Beschwerden. Außerd. empfehle mein Lager von Bettunterlagen, Gummistrümpfen, Suspen- sors, sowie sämtl. Ausspül- Apparate, Hygienische Schutzmittel. A. R E I C II P. Uandnglnt, Lieferant sämtl. Krankenkassen etc. Berlin C., Seydelstr. 15. Tel. 1, 3256. BerliDS iiod Diagepnil. Hierdurch die traurige Nachricht. dag das Bundesmitglied Ulrich Friedrich .Feste Brüder» I aus dem Klub verstorben isL Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am| Mittwoch, den 19. d. Mts.. nachmittags 5 Uhr, von der Leichen- 1 halle des Neuen Nixdorser Kirch- Hofes am Mariendorser Weg aus! statt. D«l» Vorstand. Für die Teilnabme bei der Beer- digung unseres lieben Sohnes und Bruders sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere dem Deuischen Mctallarbeitcrverband unseren innigsten Dank. 1342b Die liesbetrübie Mutter Wilhelmine Erdmann nebst Kindern. Tauksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, deS Schloffers Wilhelm Kosseri allen Freunden und Verwandten sowie dem Gesangverein und den Kollegen meines Sohnes Welheim unseren besten Dank. 1346b Die trauernden Hinterbliebenen. Achtung!"WW Achtung! Zentral-Verkml der Maurer ientseblands. Zweigverein Berlin. Mittwoch, den 19. Juni, nbeuds S1� ilhr, in der Krnuerei Fnedrichshain, Am FriedrichZhain 16—23: Außerordentliche Qensral- Versammlung oller zum Zweigverein Berlin gehörigen Zahlstellen und Bezirke der Maurer. TageS-Ordnung: Bericht über den Stand unserer Lohnbewegung. SV Mitgliedsbuch legitimiert Ohne dasselbe kein Zutritt."Mg 140/12* Die Terbandsleltung. Rixdorf. Die Versammlung findet nicht AAttttUßch, sondern FfVCttllQp den 21. Juni, bei TMcI, Bergstr. 151/152, abends 81/, Uhr, statt. Nachtrag zur Eiste der boykottfreien Bäckereien. Brandenburgstr. 21, Becker. Dalldorserstraffe, Markthalle Stand 175/176, Hänisch. Erasmusslr. 2, Müller. GohkowSkhstr. 6, Müller. Grünaucrstr. 26, Barack. Hausburgstr. 26. Söder. Lüderibstr. 60, Klihing. Malmoerstr. 6, Hirschseld. Schulstr. 67, Knrzmann. Stargarderftr. 69/70, Fun! Wiesenstr. 28, Scger. Britz. Jahnftr. 41, Lutz. Lichtenberg. Scharnweberstt. 8, Schubert. Ober-Schöneweide. Rathcnaustraße, Petereit Rixdorf. Neue Donaustr. 52/53, Runkel, Dcmpclhof. Borussiastr.8a, Schultz«(nicht Zerbahn, Steglitzerstr. 79). Luttci, Rcinickendorf-�., Antonienstr. 42, Jkgen, Milchhändler, Soldinerstr. 5 und Freienwalderstr. 24, Friese, Milchhändler. Jasmunderstr. 20, und Hein, Pappel-Allee 53, beziehen aus unbewilligten Bäckereien. Die Bewilligung zurückgezogen haben: H. Eder, Anklamerstr. 57. Treszler, Pappel-Allee 85. Scheuneniann, Strelitzerst. 31. Lcgler, Barnimstr. 5. Legler, Weinstr. 27. Schön, Mühlcnstr. 51. Otto Mörbe, Nostizstr. 49. I. Gösjwein, Allensteinerstr.9. F. Tnhne, Stralaucr Allee 23. Hanke, Fennstr. 51. E. Barth, Drontheimerstr. 13. Frd. Susat, Rixdorf. Falkstr. 21 F. Lorenz,, Steinmetzst.131 Zahl, Hochstädterstr. 23. Mensing, Biesenthalcrstr. 2. gesperrt sind femer die Brotfabrik Mittler, Müllerstr. 33/34, und die Großbäckerei Slottner. Die verehrliche Bevölkerung von Berlin und Umgegend ersuchen wir, qenau auf die roten Karten zu achten, die alten Plakate sind ungültig. 44/11 Die Lohnkommission. BerdandSdurea»: Auguftstr. 3«, Tel. Amt lll. 1243. ivenn Sie für Ihre Familie ein nahrreiches, wohlschmeckendes und ergiebiges Fruhstücks-Getränk gebrauchen. Cacaol ist ein Cacaopräparat reich an Blut und Knochen bildenden Nährsalzen. Ein Teelöffel genügt für eine Tasse. 1/4 Pfund-Paket 50 Pfg, Va Pfund-Paket Allen Verwandten und Bekannten die tiestraurige Nachricht, daff j meine inniggcliebte Frau, Louise Pagel geb. Münchow, am 17. Juni nach I langjäbrigen Leiden und achi-j monaiiger schwerer Krankheit ver- i slorben ist. 1344b[ Die Beerdigung findet am\ Donnerstag, den 20. Juni, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause f Stephanstr. 50. nach dem Johannis- Kiichhos in Plötzensce aus statt. Der tiefbetrübte Gatte _ Knrl Pagel. Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten I die traurige Mitteilung, daß mein| lieber Mann, unser Vater ttermsull Kenmitz am 16. Juni nach kurzem Leiden f oerschtedcn ist. Die Beerdigung findet am! 20. Juni, nachmittags 5 Uhr. von! der Leichenhalle des Wcißcnseerk Kirchhoses aus statt. S244L! Die trauernde Witwa Anna Kemnitz; nebst Töchtern. SozialiiemokratischerWalilveFein; Bez. Weißensee.| Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Hennium Kemnitz verstorben ist Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 20, Juni, nachmittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Weißenseer Gemeinde- FriedboseS üt der Rölkestraße aus statt. 18/2 Um recht rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Turnverein„Fictile" Am 17. Juni verstarb unser langjähriges Mitglied der siebenten Männer-Abteilung ckulius Bodinus im Alter von 63 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 1'/, Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhoses in Rixdors aus statt. Um zahlreiche Betelligung bittet Der Vorstand. Mclw Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Ansteige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schleifer Paul 8cdneberg gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, den 19. Juni, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Nixdorser Kirchhofes in Nirdors, Rudowcrstratze aus statt. Rege Beteiligung erwartet 120/13 Die Drtsvenvaltung. SVefbaBdilEFLeileFarbeiterßerliiis! (Filiale I). Dodes-Nnzeige. Am Sonntag, den 16. d. Mts., s verstarb unser langjähriges und f treues Mitglied, der Wcißgerber Paul Kühne im 39, Lebensjahre an Nieren- entzündung. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Milt- woch, den 19. Juni, nachmittags I 6 Uhr, von der Leichenhalle des| neuen PauIS-KirchhoseS in Plötzensce aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet! 292/3 Der Vorstand. Zentral-Yerband der Töpferl Deutschlands. Filiale Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß am Montag, den 17. Juni, der Kollege Eimit Sebastian (Bezirk Gesundbrunnen) im Alter aon 50 Jahren an Herz- schwäche verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigmig findet am Donnerstag, den 20. Juni, nach- mittags 21/, Uhr, von der Leichen- halle de? PaulilS-Kirchhoses, See- straße am Plötzensce, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 200/3_ Der Vorstand. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes, unseres guter Vaters, des Gastwirts Paul Reinfarth (Swinemünder Gesellschastshaus) sagen wir allen Freunden, Nachbarn iotvie dem Wahlverein unseren herz- lichsten Dank. Witwe Reinfarth und Söhne. verantwortlicher Redakteur: Kans Weber. Berlin, Für den Anseratenteil verantw.: Th. Glecke, Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtDBuckdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW.