Ur. 141. IlbonnementS'Btdlngnnaeii: OTomiemenlS> Preis trönumtranbo: Bierlcljiihrl. 3,30 Ml,, mono«. 1,10 Ml,. Ivöcheiiilich 28 Psg. frei ins HouS, Einzelne Nummer 3 Psg, Sonnlogs. Nummer mit Muslricrler Sonnlogs. Beiloge.Die Neue Weif 10 Psg, Post- «bonnement: 1,10 Morl vro Mono!. Eingelrogen in die Posl.ZeilnngS. Breislisle. Unter Kreuzband für Dculschlond und Ocslcrreich. Ungorn 2 Morl, sür dos übrige Auslond 3 Morl vro Monol, Poslabonnemenls nehmen an: Belgien. Dänemorl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und dir Schweis. 24* Jahrg. Vicht»» IZgUch«tktt Msslsg». Vevlinev Vollisblertk. vie InleitlonZ-eedllhk telrägl sür die sechsgrspallene»olonel- geile oder deren Romn 60 Psg,, ffit politische und gewerlschoslliche Vereins- und BcrlommIungS.Nnzeigcn 30 Psg. „Uleine ZInielgen", dos erste(fett- gedruckte) Worl 20 Psg,, jedes weitere Wort 10 Psg, Slellengesuche und Echlos- stcllen-ilnzeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 6 Pfg, Worte über 16 Buchstoben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müsseiA bis SllhrnochinittogSinder Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geSksnet. Delegroiiim-Ndiesset „Sotlilltmtknt Rtrili**. Zcntralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfcblanda. Redaktion: 8M. 68, Lindcnstrasse 69. IprntilK-Pdirr: tlml IV.?lr, MIKlt. Donnerstag, den 20. Jnni 1907. Expedition: SM. 68, Lindenstraese 69. Stcrnitirrrfifr:«mt IV. Slr. 1981, Die ruiiiiche(Revolution. Die zarische Regierung hat unter dem Aufgebot vor gesamten Kriegsmacht des Staates ein Parlament aufgelöst, dessen politische Ohnmacht vom ersten Tag an seines Zu- sammentritts feststand. Es war das Signum dieser zweiten Dumawahlen, daß das Volk revolutionär blieb, die von ihm gewählten Fraktionen aber, mit Ausnahme der sozialistischen und der bäuer- lichen Gruppen, es noch weniger waren, als in der ersten Duma. Statt sich auf das revolutionäre Volk zu stützen, suchten sie vielmehr Anschluß an die Regierung. Die Regierung kann sich wahrlich nicht beklagen, daß die zlveite Duma ihr nicht willfährig war. Die Forderung eines parlamentarischen Ministeriums, mit der die erste Duma abschloß, wurde von der zweiten von vornherein fallen gelassen. Die Regierung verlangte„positive Arbeit", was bekanntlich bedeutet, daß die Volksvertretung in ihrer gesetzgeberischen Tätigkeit sich nach dem Fingerzeig der Regierung zu richten habe, und die Duma stellte, dem Wunsche der Regierung geniätz, alle brennenden Fragen zurück und schob vor allem die Entscheidung über die Agrarfrage weit hinaus. Die Regierung verlangte Soldaten, eine Armee, die gegenwärtig nur dazu dient, das eigene Land im Belage rungszustand zu halten, und die Duma bewilligte ihr diese Armee. Die Regierung legte ein Budget vor, das zu mehr als neun Zehnteln sich der Bewilligung des Parlaments entzieht, und die Duma ließ es sich gefallen und erklärte sich grund- sätzlich bereit, auch eventuelle Anleihen zu bewilligen. Wie immer, wenn der bürgerliche Liberalismus seine staatsmännische Weisheit bekunden will, zeigte er auch im russischen Parlament, daß er sich selbst nicht ernst nimmt. Auf jeden Fußtritt der Regierung antwortete er mit einem Bückling. Der bürgerliche Liberalismus war schon in der ersten Duma bereit, die Revolution zu verraten; in der zweiten Duma hat er diesen Verrat vollzogen. Aber die Volksmassen folgten ihm nicht. Wohl zeigte die städtische Bourgeoisie schon längst eine politische Müdigkeit, aber unter den Arbeitern und den Bauernmassen ließ die revolutionäre Gärung nicht nach. Darum bewirkte die Abtrünnigkeit des Liberalismus nur eine Schwächung seiner selbst, die den Uebermut der Reaktion steigerte, der er schließlich zum Opfer fiel. Das ist die Geschichte dieses zweiten russischen Parla ments. Die Wogen der russischen Revolution gehen noch viel zu hoch, um einen parlamentarischen Abschluß zu ennöglichen. Darum begann mit dem ersten Tage der Existenz der zweiten Duma ihre Todesagonie. Es blieb ihr nur noch die Wahl zwischen einem ruhmreichen Tod oder einem elenden Unter- gang. Aber die bürgerliche Majorität dieser Duma fand in sich nicht jene Klarheit und Sicherheit der Ueber zcugung und jenen Kampfesmut, die eine unabwendbare Niederlage zur Vorstufe kommender Siege machen, sondern sie gab das beschämende Schauspiel kleinlicher Ausflüchte, des feigen Verrates und der ängstlichen Uncntschlossenheit, bis die Regierung die Duma wie einen verbrauchten Lappen zum Fenster hinausschmiß. Die Regierung fürchtete nicht die Duma, sie fürchtete die Revolution. Das gab sie selbst ostentativ zu, indem sie die Duma wegen der Sozialdemokratie, die sich auf die revolu- tionären Volksmassen stützt, auflöste. Nun sollen durch das neue Wahlgesetz die Volksmassen vom Parlament zurückgehalten werden. Wenn die Regierung ein Parlament braucht, dann nur ein solches, das ihr die politische Autorität gibt, ohne die tägliche Anwendung von Bajonetten und Maschinengewehren regieren zu können. Das Zensus-Parlament wird ihr aber nur eine parlamentarische Abstimmung geben können, die sie selbst erst auf Bajonette und Maschinengewehre wird stützen müssen. Die Zensusdnma wird der Regierung sicher noch weniger helfen können, als die Kadettenmehrheit in der bis- herigen Duma. Reaktion und Revolutton stehen sich nunmehr in Rußland ohne jede Vermittelung gegenüber. Um die Reaktton scharen sich die Großgrundbesitzer und die reine Kapitalistenklasse. Die übrige städtische Bourgeoisie aber wird durch die politische Eliminierung des Liberalismus mit Gewalt wieder in das Lager der Revolution zurückgetrieben. Daß die revolutionäre Energie der Arbeiter nicht nach- lasten wird, dafür bürgt die Geschichte des proletarischen Klassenkampfes in allen Ländern der Welt. Wie aber die Bauern? Man wäre mit den Arbeitern längst fertig geworden. wenn man sich auf die Bauern hätte stützen können. Doch gerade die Agrarfrage steht längst im Vordergrnnde der Revolutton und wird selbstverständlich dadurch nicht beseittgt, daß man die Bauernvertreter im Parlament niederstimnit. Die russische Agrarfrage ist vor allem eine Eigentums- frage, verbunden mit komplizierten Klassenkämpfen, die die Revolution bis zum äußersten entfacht und entfaltet. Es ist die Frage der vielen Millionen der unter der kapitalistischen Entwickelung verelendeten Bauern, ohne Betriebsmittel, bei einer armselige?: rückständigen Betriebsweise, die in des Wortes verwegenster Bedeutung um ihre Existenz kämpfen, und es ist zugleich die Frage einer mit dem Kapitalisnius emporstrebenden Bauernschicht, die sich in den Besitz der ftronländereien setzen möchte, beide vereinigt gegen den Staat und gegen den Groß' grundbesitz, der selbst eine wahre Mnstcrkarte Wirt- schaftlich�r Typen darstellt, vom rentenbeziehenden Ärandseigneur an, dem Großpächter, der Latifundien nach amerikanischer Art mit maschinellem Betriebe bewirtschaftet, der industrialisierten Gutsivirtschaft usw. und bis auf den verschuldeten Adligen, der sich gern— aber gegen Entschädigung I— expropriieren lassen möchte, um seine Hypotheken loszuwerden. Sämtliche wirtschaftliche Widersprüche und Jnteressenkämpfe, welche die kapitalistische Eni- Wickelung in Europa und Amerika im Laufe von mehr als einem Jahrhundert zutage gefördert hat, sind hier räumlich nebeneinander gestellt und sozial untereinander geschichtet. Diese Kämpfe um den Besitz des Landes und um die Existenz und das wirtschaftliche Emporkommen ganzer Bcvölkerungs- schichten müssen zu desto stärkeren Ausbrüchen der Revolution führen, je mehr man ihre parlamentarische Entfaltung hindert. Kulturell ist die russische Agrarfrage die Frage der Zukunft der Nation. Der russische Bauer der Gegenwart ist aber längst nicht mehr der Muschik der Zeit der Leibeigen- schaft. Er besitzt die politische Erkenntnis und den festen Willen, sich zu einer höheren Kultur emporzuringen. Politisch ist die Bauernfrage eine Frage der Armee. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Arbeiter und ganz besonders die Eisenbahner längst nur noch durch die mili- tärischen Besatzungen vom Massenstreik zurückgehalten werden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Bauern die Land- frage längst in ihrer eigenen Weise gelöst haben würden, wenn sie nicht von der Armee zurückgehalten worden wären. Und auf die Armee wird sich die zarische Regierung nun- mehr erst recht stützen müssen. Wie ist es aber um die Armee bestellt? Die fort- laufenden Nachrichten über Verhaftungen und sogar Meutereien in den einzelnen Regimentern mögen hier nur erwähnt sein. Ich will mich vielmehr auf ein allgemeines Urteil berufen, das aus dem Negierungslager selbst kommt. Die„Noivoje Wremja" schrieb noch vor mehr als einem halben Jahr, in ihrer Nummer vom 3l. Oktober(13. November) in einem Artikel des bekannten Publizisten Menschikoff:„Diesen Sommer habe ich mich wiederholt mit verdienten Offizieren aus den verschiedenen Teilen Rußlands unterhalten. Alle wie ein Mann berichten sie von der furchtbaren Gefahr, in welche die Armee durch den andauernden Putsch versetzt wird. Die Regimentsbefehls- haber sagen: Wir kennen unsere Truppentefle nicht mehr. Wir führen das Kommando über das Regiment, dieses aber ist über viele hunderte und Dutzende Werst verteilt, zerstreut in einzelnen Bataillons, Kompagnien, halben Kompagnien. Pelo- tons, die zum Schutz der Eisenbahnen. Stationen, Postämter, Schatzämter, großer Hüttenwerke. Bahnhöfe. Warenlager verschickt sind. Das Regiment ist aufgelöst, in Staub ver- wandelt. Manchmal zwei Jahre nach einander Hausen einzelne Kompagnien in Eisenbahnwagen, in allerlei Schuppen, in leeren Warenlagern, in Bauernhäusern, vermischt mit Arbeitern und Bauern. Jede Verbindung, jede Disziplin verschwindet; die Soldaten, unter dem Kommando rasch ernannter Unter- offiziere, bekommen manchmal lange keinen Offizier zu Gesicht. Die Armee verwildert, bekommt eine schlaffe Haltung, verliert den militärischen Geist, und was die Hauptsache— das ist un- gemein wichtig— ihre militärische Abrichtung ist voll- kommen lahmgelegt. Der Bauer, in einen grauen Mantel gesteckt. bekommt ein Gewehr und geht zur Bewachung, wobei er Bauer verbleibt. Keine Zeit mehr; ihn zu unterrichten, ihn an das militärische Handwerk zu ge- wöhnen. Nicht nur die inneren Armeeteile, sondern selbst die glänzend gestellten Regimenter an der Westgrenze sind in einen Zustand nicht etwa einer regulären Armee, sondern einer Art Miliz versetzt worden." Die Aushebung vom vorigen Herbst, die unter dem Eindruck der Auflösung der Duma und der Hungersnot stattfand. konnte nicht dazu beitragen, die Regierungsfrcundlichkeit der Armee zu steigern. Die Aushebung von diesem Jahr, nach einer neuen Dumaauflösung, verbunden mit einer Verkümme- rung des Wahlrechts, muß in der gleichen Richtung wirken. Und der fortwährende Polizeidienst muß die Armee nur er- müden und erbittern. Man würde unter diesen Umständen die Polittk der russischen Regierung unbegreiflich finden, wenn sie uns nicht im japanischen Krieg Muster einer gleicharttgen Taktik gegeben hätte. Wie im Krieg, so in der Revolutton ist das Vorgehen der russischen Regierung gepaart aus Angst und Dreistigkeit. Sie hat eine Angst vor liberalen Reformen, weil sie, und zwar mit Recht, befürchtet, daß diese zu einem Ausbruch der Revolutton führen würden. Nun wirft sie sich mit Gewalt in die Reaktton. wodurch sie den revoluttonären Kampf nur ver- schärst und noch eine um so schlimmere Niederlage vor- bereitet. Die zarische Regierung ist nicht mehr imstande, die Re- Volutton einzudämmen, wie sie nicht imstande war. den Vor- marsch der japanischen Armee zurückzuhalten. Sie kämpft nur noch um ihre eigene Existenz. karvus. DaS StaatSstreich-Wahlrecht. Aus den SenatS-„Erläuterungen- vor den Wahlen zur zweiten Duma ergaben sich schon ganz deutlich die Tendenzen, die jetzt dem neuen StaatSfireichswablaesetz zugrunde gelegt sind. Wenn die Re- gierimg geglaubt hatte, in der Bauernmasse eine zuverlässige Stütze zu finden, so hat sie sich getäuscht. Schon die erste Duma bewies, daß auch die Wähler aus der Bauernschaft in ihrer großen Mehrzahl gegen die Regierung wählten, und trotz der Ein- schränkungen des Wahlrechts für die zweite Duma ergaben dann auch die letzten Wahlen, daß die regierungsfeindliche Stimmung auch unter den Bauern eine allgemeine war. Selbst die Gruppe der kleinen Landbesitzer, auf welche die Regierung mit großer Zuversicht gerechnet hatte, wählte progressiv. Das soll nun anders werden. Erstens bringt das neue Wahl» gesetz für die bäuerlichen Wähler insofern eine EinschtäNkung, daß das passive Wahlrecht nur Baucruwirten zusteht, eine Bestimmung, die besonders für die baltischen Provinzen von schwerwiegender Be- deutnng ist. Eine sehr ttef einschneidende Aendertmg des alten Wahlgesetzes vom 6. August bezw. vom 11. Dezember 1905 bringt den bäuer- lichen Wählern sodann die neue Bestimmung, daß nicht, wie vorher, in jedem Gouvernement zuerst ein Abgeordneter aus der Zahl der bäuerlichen Wahlmänner gewählt wird, sondern daß nunmehr um» gekehrt, zuerst die Großgrundbesitzer spezielle Mandate erhalten und dann erst allgemeine Wahlen stattfinden. Nach den Bestimmungen des neuen Wahlgesetzes kann ferner in manchen Gouvernements nur e i n Abgeordneter aus der Gruppe der st ä d t i s ch e n Wahlmänner gewählt werden. Dadurch ist die Wahl von Abgeordneten auS der Arbeiterkurie sehr erschwert. Die Bestimmungen wechseln von Gouvernement zu Gouverne« ment und sind so gehalten, daß sie sich in jedem einzelnen Gouverne- ment gegen die progressiven Elemente wenden, seien das nun Bauern, Städter oder Arbeiter. Diese Sicherung einer bestimmten Anzahl von Mandaten für den Großgrundbesitz als die reaktionärste Kurie hat aber noch nicht genügt! Um den rückschrittlerischen Schichten eine Vorherrschast auch bei den nicht normierten Mandaten zu sichent. ist die Zahl der W a h I m a n n e r der einzelnen Kurien stark zugunsten der Junker und der konservativen Gruppen der städtischen Bourgeoisie verschoben worden. Diesen letzteren bringt das neue Wahlrecht eine große Bevorzugung. Die städtischen Wähler sollen nicht mehr wie nach dem alten Wahlgesetz eine Wahlversammlung bilden, sie sollen nunmehr in zwei Kategorien eingeteilt werden, wobei in der ersten Kategorie der Einfluß der reaktionären Bourgeoisie gesichert ist. Wie sich das Stärkeverhältnis der einzelnen Kurien nach dem neuen Gesetz ver» schoben hat, zeigen die folgenden Ziffern: Die Gesamtzahl der Wahl- männer im Gouvernement P e t e r S b u r g betrug bei der letzten Wahl 47, jetzt 79. Die Bauern hatten 14 Wahlmänner, nach dem neuen Wahlgesetz haben sie nur 81 Der Großgrundbesitz hatte 13. jetzt 31 1 1 Die städtischen Wähler im Gouvernement Peters» bürg, die nach dem alten Gesetz nur eine Gruppe bildeten und deren Zahl 15 betmg, sind jetzt in zwei Gruppen geteilt, wobei die erste 15, die zweite 19 Wahl» männer erhält. Im Gouvernement Moskau ist die Gesamtzahl der Wahl» männer fast dieselbe geblieben. Die Zahl der B a u e r n w a b l« männer ist aber verringert I Der.Großgrundbesitz oa» gegen erhält nunmehr statt dreizehn 43 Wahlmänner.— Im Gouvernement L i v l a n d ist die Gesamtzahl der Wahlmänner von 61 auf 78 gestiegen, die Zahl der bäuerlichen Wahlmänner aber von 21 auf 12 herabgemindert. Die Herren Barone er» halten statt 25 Wahlmänner nunmehr 42 k Auch in Kurland ist die Zahl der bäuerlichen Wahlmänner vermindert, dagegen die der Wahlmänner auS den Gruppen der Junker von 14 auf 24 vermehrt. Diese Zahlen zeigen deutlich, welche Richtung das ganze Wahl« gesetz einhält: Die Interessen der Junker sind eS. die bei dem neuen Wahlrecht fast allein Berücksichtigung gefunden haben. Selbst die russische Bourgeoisie erschien der Regierung als revolutionär. Nicht nur ist der Einfluß der progressiveren Elemente aus der bürger- lichen Klaffe durch die Bildung der zwei städtischen Kategorien zurückgedrängt worden, die Zahl der selbständig wählenden Städte, die stark liberale Wahlen ergaben, ist von 26 aus 7 gemindert worden I— In welcher Weise die Mandate auf die zwei Kategorien in den Städten verteilt werden sollen. das ist im Gesetz nicht ge- sagt; es läßt sich also denken, daß hier reaktionäre WahlrcchtSpolitik freien Spielraum haben wird. Ueberhaupt erhält der Minister des Innern durch das neue Wahlgesetz weitgehende Befugnisse, so zum Beispiel d i e Befugnis: nach seinem Gutdünken die Kreiswahl- Versammlung zu teilen, waS er natürlich stets dann tun wird, wenn er damit dem reaktionären Prinzip dienen kann. Um eine reaktionäre Vertretung auch in den Grenz- marken zu erlangen, werden für mehrere Gebiete— so für Transkaukasien, Kolono, Wilna— die Abgeordnetenmandate der rusfischcn Bevölkerung vorbehalten, die sich dort ja meist aus bureaukratischen Elementen zusammensetzt und somit den reaktionären Bestand der Duma verstärken wird. Die Zahl der Mandate verschiedener, mehr demo« k r a t i s ch e r Teile des Landes ist herabgesetzt worden. So erhält z. B. Polen statt 37 Abgeordnete nur 14, Kaukasien statt 29 19, Sibinen, das ebenfalls demokratische Abgeordnete entsandte, be- hält von 46 Mandaten nur 15, wobei das Steppengebiet und Mittel- asten(bisher zusammen 25 Abgeordnete) das Wahlrecht über- Haupt verlieren 1 1 So sieht das Werk der reakttonären Verschwörer aus, das dem Lande durch den Staatsstreich aufgehalst wurde. Was die Re- gierung von diesem Monstrum eines Wahlgesetzes erwartet, zeigt deutlich ihr OffiziosuS. die Stolypinsche.Rossija"..Wenn das Schicksal der zweiten Duma in ihren eigenen Händen lag". schreibt sie,.dann liegt das Schicksal der dritten Duma in den Händen des Lölkes." Welches.Voll", das haben wir soeben gesehen. Und so kann denn das Stolhpinsche Reptil weiter kiinden: Das„Voll" werde in die dritte Duma«vernünftiger und'Pflicht- bewußter" seine Vertreter entsenden. Ob die Staatsstreichler trotz alledem und alledem nicht doch dielleicht zu früh jubeln?— Der Regierungs-Terror. Petersburg, 19. Juni. Den Blättern zufolge fanden im Verlaufe der vergangenen Nacht hier etwa 50l> Berhaftniigen statt. Der ehemalige Vizepräsident der Duma, Beresln, war gleichfalls verhaftet worden, wurde jedoch nach kurzer Haft freigelassen. Ueber die Zahl der Verhaftungen im übrigen Reiche liegen keine Nachrichten vor. Der Preßkncbel. Petersburg, 19. Juni.(Rufs. Korr.) Die Presse in Nuß- land ist zurzeit derartig geknebelt, daß sie die ausländischen ZeitnngMmmen über die Auflösung der Duma nicht zu bringen wagt.„Nowoje Wremja" und Petersburger offizielle Agenturen veröffentlichen ausschließlich Stinimen reaktiv- n ä r e r Zeitungen des Auslandes, so daß hier die öffentliche Meinung auf diese Weise vollständig irregeführt wird. DaS beschlagnahmte Gegen-Manifeft. Petersburg, 19. Juni.(B. H.) Die Polizei beschlagnahmte in der Wohnung des Exdeputierten AlexinSli viele tausende Exemplare eines an das Volk, die Armee und die auswärtigen Mächte ge- richteten Manifestes._ Das franMich- japanische Abkommen. Die Japaner haben einen neuen, großen— unblutigen— Sieg errungen: das Abkommen mit Frankreich ist perfekt Begreiflicherweise hat die politische Welt sofort die Ohren ge- spitzt, als die erste Kunde kam, daß Frankreich und Japan im Begriff stehen, ihre Interessen durch einen Vertrag eng an- einanderzuketten. Wenn jetzt, da die Einzelheiten des Abkommens bekannt geworden sind, das Aufsehen geringer zu sein scheint, als es der Bedeutung des hochpolitischen Aktes zu- käme, so liegt das wohl daran, daß jetzt gerade Frankreick)- Spanien-England den doppelt geschürzten Dreibundknoten ge- schlungen und dadurch wohl einen Teil der öffentlichen Auf- merksamkeit von dem bedeutsamen französisch- j a P a n i- s ch e n Bunde abgelenkt hat. Ebenso wie die neue„Tripelallianz" haben Japan und Frankreich, durch die Marokkoverwirrung gewitzigt, ihren Vertrag publiziert: einen Vertrag, der— rein äußerlich betrachtet— durch seine Kürze und Klarheit von den sonst wohl üblichen diplomatischen Stilwundern dieser Art recht angenehm absticht. DaS vom Minister des Aeußern, Pichon, französischer- serts und vom Botschafter Kurino für Japan unterzeichnete Abkommen lautet: „Die beiden Regierungen von Japan und Frankreich ver- einbaren, indem sie sich vorbehalten, in Unterhandlungen wegen Abschlusses eines Handelsvertrages einzutreten, Hinsicht- lich der Beziehungen zwischen Japan und Französisch.Jndochina folgendes: Die Behandlung als meistbegünstigte Nation wird den japanischen Beamten und Untertanen in Französisch-Jndochina zugebilligt für alles, was ihre Person und den Schutz ihres Eigentums betrifft. Die nämliche Behandlung wird den Unter- tanen und Schutzbefohlenen von Französisch-Jndochina im japa- nischen Reich zugebilligt, und zwar bis zum Ablauf des zwischen Japan und Frankreich abgeschlossenen Handels- und SchiffahrtS- Vertrages vom 4. August 1896. Die Regierung der französischen Republik und die Regierung Seiner Majestät dcS Kaisers von Japan, beseelt von dem Wunsche, die zwischen ihnen bestehenden freundschaftlichen Beziehungen zu stärken und für die Zukunft jeden Anlaß zu einem Mißverstand- nis auszuscheiden, haben beschlossen, folgende Vereinbarung zu treffen: Die Regierungen von Frankreich und Japan stimmen darin überein, die Nnabhängigkeit und Unversehrtheit China» sowie den Grundsatz der Gleichheit der Behandlung in diesem Lande für den Handel und für die Staatsangehörigen aller Nationen zu respektieren. Da sie ein besonderes Interesse daran haben, die Ordung und den friedlichen Stand der Dinge, namentlich in denjenigen Gebieten des chinesischen Reiches gewährleistet zu sehen, welche den Gebieten benachbart sind, in denen sie das Recht der Souveränität, des Schutzes oder der Besetzung ausüben, ver- pflichten sie sich, sich gegenseitig zu unterstützen, um den Frieden und die Sicherheit in jenen Gegenden sicher zu stellen im Hinblick auf die Aufrechterhaltung der rcspeltiven Lage und der Terri- torialrechte beider vertragschließenden Parteien auf dem asiatischen Festlande." Man kann, wenn man will, auch dieses Abkommen als eine Art Dreibunds- Vertrag bezeichnen, unter der Vor- aussetzung nämlich, daß China bei irgend einem zukünftigen Konflikt, der seine„11 nabhängigkeit und Unver- s e h r t h e i t" bedroht, gar leicht in seinem ureigensten In- teresse den beiden Vertragsmächten in die Arme geführt werden könnte, die sich von jetzt an des„Reiches der Mitte" so liebevoll anzunehmen gedenken. Die Chancen unternehmungslustiger deutscher Welt- und Wasserpolitiker im„fernen Osten" sind durch das neue Abkommen gründlich gedrückt, und durch gewisse amerikanische Gelüste, die nach Asien zu tendieren, gewinnen nicht gerade durch den Vertrag. Auch Amerikas Bankiers und die Finanz- leute der anderen Länder, die gern Anleihen begeben, werden an dem französisch-japanischen Bündnis keine Freude haben: denn wie die Londoner„Times" sehr richtig, bemerken, wird in Zukunft Frankreich der bevorzugte Geldmanu Japans sein! Schon freut sich Frankreichs gierige Kapitalistenschar auf den goldenen Regen, der ihr in Form von Zins und Zinses- zins aus den Taschen des japanischen Volkes in ihre nimmer- satten Kassen geleitet werden wird- Wenn neben anderen Kapitalisten auch die deutschen da? Zusehen haben iverden, so können sie sich bei ihrer lieben �Regierung bedanken, die in Kiautschou und beim Friedensschluß von Schimonoseki so prächtig im Interesse Frankreichs und anderer Länder»e- arbeitet hat.—__ Die Slterrelchiiche Cijronrcde. „Unter dem üblichen Zeremoniell"— so meldet Wolffs Bureau— fand am Mittwochmittag in der Wiener Hofburg die feierliche Eröffnung der 18. Session dcS ReichsratS statt, lieber die Beteiligung der parlamentarischen Fraltionen an der Eröffnungö- zeremonie ist auS dem offiziellen Telegramm nichts Spezielles zu ersehen, jedoch finden wir in der Wiener„Arbeiter-Zeittmg" vom Dienstag die Mitteilung, daß die sozialdemokratische Fraktion beschlossen hat,„diesmal von einem demonstrativen Fern- bleiben abzusehen" und die Teilnahme an der Thronrede-Sitzung den einzelnen Mitgliedern freizustellen. ES heißt, man wolle auf diese Weise sozusagen demonstrativ bekunden, daß die österreichische Sozialdemokratie die Absicht habe, auf keinS der ihr zustehenden Rechte ohne weiteres zu verzichten.— (In diesem Zusammenhange registrieren wir nachträglich noch, daß nach dem Bericht der Wiener„Arbeiter-Zeitung" über die erste Reichsrats-Sitzung am letzten Montag die Sozialdemokraten im Parlament sich nicht beim Kaiserhoch erst erhoben, sondern bereits die ganze Begrüßungsrede, die in das obligate Hoch auS« klang, stehend angehört und eS auf diese Weise so eingerichtet haben, bei der Ovation zu stehen, ohne doch um des Hochs willen sich zu erheben.— In den sieben großen, durchweg glänzend besuchten Volksversammlungen, die Wiens Arbeiterschaft am Abend desselben Tages abhielt und in deren jeder je zwei Ab- geordnete sprachen, ist dies Verhalten der Fraktion-- so weit wir sehen nirgends gerügt worden.) Aus der Thronrede selber heben wir folgende Stellen hervor: Nach einer allgemeinen Einleitung über die Wahlreform und ihre zu erhoffenden wohltätigen Folgen für das Land sowie nach einem Exkurs über die nationalen Gegensätze und die Sprachenfrage ivird eine Reform der Organisation der politischen Behörden und die Schaffung besserer Adnttnistrationsgrniidlagcn für die Verwaltung angekündigt. Die Thronrede weist sodann auf die unter der Re- gicrung des Kaisers durchgefilhrte Befreiung der Bauernschaft von den Grundlasten hin, auf die Schaffung voller Freiheit dcS bürgerlichen Erwerbes, welche nunmehr durch Schaffung der Alters- und JnvaliditätSversichcrung ihre sozialpolitische Ergänzung finven soll.„Auf dem Gebiete dcS ArbritcrschutzcS werden gesetzgeberische Maßnahmen namentlich in Bezug aus die Nachtarbeit der Frauen in gewerblichen Unternehmungen, desgleichen im Bergbau- betriebe notwendig sein. Hand in Hand mit der sozial- politischen Fürsorge muß aber eine wohldurchdachte energische Produktionspolitik einhergehen, die alle im Volke vorhandenen wirtschaftlichen Kräfte zu harmonischer Entfaltung bringt und die volle Nutzbarmachung der Errungenschaften des technischen Fortschritts ermöglicht. Die Verhandlungen wegen Ab- schlusseS neuer Handelsverträge sollen der Erweiterung unseres Außenhandels dienen: zugleich soll unsere Warenausfuhr durch systematische staatliche Unterstützung gefördert werden. Der steigenden Bedeutung deS Telegraphen- und Telephon- wesens wird die Regierung kraftvolle Förderung angedeihen lassen. Die Erhaltung und die gesunde EntWickelung eines lebenS- kräftigen gewerblichen Mittelstandes wird im systematischen Ausbau der Gewerbegesetzgebung in der Ausgestaltung deS Ge- werbeförderungSdiensteS und endlich durch Errichtung einer Zentral- genosienschaftSkasse Ausdruck finden. In der Erkenntnis der hohen Bedeutung der Landwirt« s ch a f t für das allgemeine Wohl wird sich die Regierung angelegen sein lassen, mit Vorschlägen zur Kräftigung der in diesem überaus wichtigen Zweige der nationalen Wirtschaft tätigen bodenständigen Bevölkerung an die Gesetzgebung heranzutreten... Die Thronrede weist sodann auf die wichtigen auf dem Gebiete deS Bergbaubetriebes zu lösenden sozialpolitischen Fragen, insbesondere auf die Reform der Bergarbciterversichcrung sowie der Bergbaugesetz- gebung, hin und erklärt, der ReichSrat werde insbesondere sich mit der Frage zu befassen haben,»b nicht der Staat im Einklänge mit den an ihn als Unternehmer gestellten Anforderungen in er- weitcrtem Umfange am Kohlenbergbau teilnehmen soll, um sich wenigstens für den Bedarf der eigenen Unternehmungen gegen alle Wechselfälle zu sichern.— Die Thronrede kündigt weiter an als eine der wirbligsten Aufgaben der Regierung die Fortführung der Aktion der Verstaatlichung der vom verkehrSpolitischen Standpunkt wichtigen Privatbahuen behufs Erhöhung der wirtschaftlichen Macht- fülle deS Staates. Die Pflege deS öffentlichen NnterrichtswcfcnS unter gleichmäßiger Berücksichtigung der Bedürfnisse aller Volksstämme sowie die För- derung der Wissenschaften wird als eine der obersten Aufgaben der Gesetzgebung bezeichnet. Die Volksschule, deren Ziel im Sinne des ReichS-VolköschulgesetzeS die sittliche und religiöse Erziehung bleibe, bedürfe vor allem einer ruhigen Entwickelung. Die Thron- rede kündigt � weiter einen Gesetzentwurf an über die Lehrer- bildung und über die Befähigung zum Lehramte und betont die Notwendigkeit einer Heranbildung der Jugend zu praktischen BerufSzweigen. einer erhöhten Pflege des landwirtschaftlichen Fort« bildungSunterrichteS, des gewerblichen und kommerziellen Fach- Unterrichtes sowie eirdlich die Notwendigkeit der Ausgestaltung deS Hochschulwesens. Nach einer Betrachtung über die österreichischen Staatsfinanzen wird darauf hingewiesen, daß geplant ist: eine Neuregelung der Gcbäudestcuer, der Erbschafts- und SchenkungSsteuern.— Im Bereiche der Justizgesetzgebung ist eine teilweise Revision des Bürgerlichen Gesetzbuchs, ferner die Vorlage eines neuen Ge- setzes über Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften, die Lösung der Frage des Kinderschutzes und der Jugendfürsorge sowie die Schaffung eines neuen Strafgesetzes zu gewärtigen. Die Thron- rede kündigt ferner an eine moderne Reform der Sanitätsgesetz- gebung, die Regelung des Jrrenwescns, die Beseitigung der im AuswanderungS Wesen zutage getretenen Uebelstände, ferner die weitere Verbesserung der materiellen Lage der S t a a t s- bedien st eten durch zweckmäßige Organisation des Personal. kreditS. Nunmehr sollen die StaatSbcdiensteten auch eine Regelung der Dienstverhältnisse erlangen, die berechtigten(!) Anforde- rungen entspricht, aber auch daS Pflichtbewußtsein und die Hin» gebung. welche die Angestellten des Staates dem öffentlichen Dienste schulden, zu verstärken berufen ist. Es folgt die übliche Versicherung vollster Friedfertigkeit und besten Einvernehmens mit allen auswärtigen Mächten, wobei ein paar freundliche Bemerkungen über Ungarn mit ein- fliehen. Selbstverständlich darf der militärische RüstungSpassuS samt seinen altbekannten Phrasen nicht fehlen. Er lautet: „Soll aber die Monarchie auch fürderhin eine Stütze des Weltfriedens sein, dann darf die Ausgestaltung der Verteidigungs- mittel nicht länger stille stehen. Die bewaffnete Macht ist die stärkste Schutzwehr der gesamten Produktion und der beste Bürge und Wächter dcS Friedens. Schon darum ist die V e r v o l l- kommnung der Wehrmacht und die Fürsorge für ihre An- gehörigen ein allen Nationen und Volksstämmen gemeinsames Jnter- esse. Im Zusammenhange mit der sachlich gebotenen, uabweislich gewordenen Steigerung der Wehrkraft wird meine Regierung darauf bedacht fein, das Heer der allgemeinen Wehrpflicht im Ein- klänge zu erhalten mit den Wünschen der Bevölkerung. In dieser Hinsicht sind insbesondere in Aussicht genommen weitere Erleichte- rungen bei Erfüllung der Wehrpflicht, die staatliche Unterstützung notleidender Familien von WaffenübungSpflichtigen sowie die weit- gehendste Berücksichtigung der landwirtschaftlichen und gewerblichen Produzenten bei Sichcrstellung der militärischen Bedürfnisse, andererseits erwarte ich bestimmt, daß der ReichSrat im Gefühle seiner hohen Verantwortung mitwirken wird, unsere Wehrmacht im Nahmen des Volkswohlstandes auf die den unerläßlichen An- forderungcn entsprechende Höhe zu bringen..." Tie Thronrede steht auf dem Niveau dcS alten Palaments. Die Arbeiten des HauseS selber werden hoffentlich deS r e g e n e- r i e r t e n Parlaments würdiger sein. politische GchcvtichT. Berlin, den 19. Juni 1907. Herr Lorenz und das soziale Königtum. Obgleich die Temperatur sich in letzter Zeit recht niedrig ge« halten hat. scheint sich doch in manchen spekulativ-philosophischen Köpfen eine bedenkliche Gedankenverwirrung einzustellen. �So hat beispielsweise Herr Max' Lorenz entdeckt, daß der„Vorwärts" sich jüngst zu der Lehre vom sozialen Königtum bekannt hat. In einer Korrespondenz unseres Budapester Mitarbeiters über den Kampf um die ungarische Wahlreform(Leitartikel der Nr. 133 des„Vorwärts") heißt eS nämlich: „Das heutige Ungarn bietet der Welt da? Schauspiel der schrankenlosen Herrschaft einer Oligarchie, eine Herrschaft, die so- gar der Milderung durch die dynastischen Interessen entbehrt Alle Macht in Ungarn ruht heute beim Reichstag, und der Reichstag ist daS Besitztum einer schmalen Oberschicht, an der die Ädelskaste den größten Anteil hat. Auch in anderen Ländern kann eine extreme Klassenherrschaft einreißen, das Haus der Gesetzgebung sich aus einem Privilegienwahlrecht bilden, WäS aber Ungarn eigentümlich ist, das ist die unbegrenzte Macht dieses Reichstages, der nicht bloß Gesetze gibt, sondern herrscht: daSLand auch regiert und verwaltet... Nachdem dann die vollständige Machtlosigkeit der Krone in Ungarn dargelegt worden ist, heißt eS weiter: „Der politische Zustand de? heutigen Ungarn ist also dieser: Auf der einen Seile die vollständige Ausschaltung der breiten Volksinassen und die fast restlose Nullifizierung der nichtmagyarischcn Nationen, welche doch fast die Hälfte der ungarischen Bevölkerung bilden: auf der anderen Seite die durch keine dynastischen Interessen(die ja unter Umständen auch auf den Volkswillen Rücksicht nehmen müssen) eingeschränkte, alsowahrhaftabsoluteMachteiner Clique, welche über die Klinke der Gesetzgebung ebenso verfügt wie über die Organe der gesamten Verwaltung." In diesen Ausführungen soll, so behauptet Herr Lorenz im Scherlschen„Tag" das Bekenntnis zum sozialen Königtum" liegen. Inwiefern? In dem Artikel wird lediglich zugestanden, daß„unter Um> ständen" ein Monarch im dynastischen Interesse gezwungen sein kann, auf den Volkswillen Rücksicht zu nehmen und dem Machtstreben einer oligarchischen Clique entgegenzutreten. Weder ist gesagt, daß dieses Entgegentreten und diese Rücksichtnahme auf den Volkswillen immer erfolgt, noch daß die Monarchen zu ihrer Haltung durch ihre Besorgtheit um das Volkswohl veranlaßt werden. Ausdrücklich wird vielmehr in dem Artikel hervorgehoben, daß eine solche Stellungnahme nur unter besonderen Um st änden vorkommt und daß diese Umstände in dem gegebenen Falle darin bestehen, daß die österreichische Krone einen größeren Einfluß auf die ungarische Landesregierung zu gewinnen sucht. ES ist also weder gesagt, wie dieS die Theorie vom sozialen Königtum behauptet, daß ein Monarch über den Parteien steht, noch daß er natur- gemäß daS Interesse der Annen vertritt, noch daß ihn dabei irgend welche moralischen Gründe leiten. Es wird lediglich festgestellt, daß im Kampf gegen eine übermütige Adelsherrschaft unter gewissen Verhältnissen die Interessen von Krone und Voll bis zu einem bestimniten Grade zusammenfallen können. Inwiefern darin der Beweis steckt, daß der„Vorwärts" sich zum sozialen Königtum bekennen soll, ist für jeden, der logisch zu denken vermag, unbegreiflich. Doch Herr Lorenz weiß sich zu helfen. Er läßt alle bedingenden Einschränkungen, die in dem Artikel er- wähnt sind, unbeachtet und setzt dann einfach die Rücksichtnahme auf den Volkswillen dem sozialen Königtum gleich. Auf diesem Wege kommt er zu folgender höchkomischen Folgerung: „Der Budapester Leitartikler deS„Vorwärts" gesteht hier also unumwunden und wiederholt ein, daß daS„dynastische Interesse" an sich geeignet sein könnte, die Standes- und Klassen- Herrschaft einer Oligarchie zu mildern, und daß eS dem„dynastischen Interesse" selber entspricht, auch auf den Volkswillen Rücksicht zu nehmen— daS heißt aber: die Dynastie. die Monarchie ist als„soziales Königtum" ein über den Standes- und Klasseninteressen die allgemeine B o l ls g e s a in t h e i t vertretender Faktor ausgleichender Gerechtigkeit" Gelegentliche Rücksichtnahme auf den Volks- willen zum Zwecke der Ausdehnung der eigenen Macht ist also über den Standes- und Klasseninteressen stehende„ausgleichende Gerechtigkeit". Mit dieser schönen Definition deS sozialen Königtums wird " Lorenz sich schwerlich die Gunst der Hohenzollern und ihrer Vcrhcrrlicher erringen— aber keiner vermag mehr aus seinem Schädel herauszuholen als er drin hat Wir billigen also gern Lorenz mildernde Umstände zu.— Ein neuer Kolonialprozest. Vor dem Berliner Schöffengericht gelangt morgen die Privat- beleidigungSklage deS Gouverneurs a. D. Rudolf v. Bennigsen, eines Sohnes des bekannten verstorbenen nationalliberalen Partei- iührerS, gegen den ReichStagSabgeordneten Erzberger zur Ver- Handlung. Herr v. Bennigsen fühlt sich beleidigt durch die Broschüre:„Warum ist der Reichstag aufgelöst worden?" die der Abg. Erzberger im Auftrage der Zentrums- parte! herausgegeben und während des letzten Reichstags- wahlkampfeS zu AgitationSzwecken in Massen unter die Wähler geworfen hat. In dieser Broschüre lehrt mehrfach der Gedanke wieder, daß alles, was das Reich für seine Kolonien aufwendet, weniger den Kolonien selbst, als vielmehr in erster Linie den Land- gesellschaften zugute kommt, da diese im Besitze dcS besten Landes sind. „Statt das Land zn kultivieren und zu heben." so heißt eS an einer Stelle der Broschüre, hindern die Landgesellschaften oft direkt die Besiedelung. 32 Proz. von der Gesamtbodenfläche Süd- westafrikaS gehört den Landgesellschasten. Nur eine Gesellichaft baute eine Eisenbahn auf ihre Kosten, S Gesellschaften haben auf dem Papier öS Millionen Marl Aktienkapital: aber tat- sächlich eingezahlt habe» sie nur 13 Millionen, Der Rest von SS Millionen_ sind fast aii-Zschließlich Gründerakticn Es ist nämlich ein sehr rentables Geschäft, sich eine Konzession geben zu lassen. Man machte eine.Eingabe an du Kolonialabteilung, bat um Ländercien und weitgehende Rechte und übernahm sehr wenig Pflichten. DaS ging alleS sehr glatt, da in Kolonialrat, der die Sache zu begutachten hatte, manchmal dir Gcsnchsteller selber saßen. Wer aber steckt hinter diesen Gesell- schaften? Lanier große Kolomalschwärmer. E-Z sind ganz bekannt» konservative und nationalliberale Männer, die sich solche Riesen- gescbenke machen ließen, so der konservative Abg. Fürst zu Hohen- lohc-Oehriugen. der Minister a. D. Möller, der ftühere national- liberale Abg. Woermann, KolonialratSmitglied Rechtsanwalt Dr Scharlach-Hambnrg, der Sohn des national liberale- AbgeordnctenGouverneur a. D. v, Bennigsen usw.' In dieser Behauptung erblickt der Privatkläger den Vorwurf. daß er seine amtlich- Stellung als Mitglied des Kolonialrats miß- braucht habe, um sich zu bereichern. Er bezeichnet die Erzberger- schen Vehaupttingen als völlig unrichtig. Der Beklagte Abg. Erzberger bestreitet die Absicht der Bc- leidigung, denn eS habe ihm nur daran gelegen, auf bestimmte Mißstände in der Kolonialvolitik hinzuweisen. Er habe nur von seinem Rechte Gebrauch gemacht, das, was er als Abgeordneter er- fahren habe, der Oeffentlichkeit zu unterbreiten. In einer Erklärung. die der Abg. Erzberger den größten deutschen Blättern übersandte. heißt es in diesem Sinne auch, daß er bei der Nennung des Namens Bennigsen in seiner Broschüre sich auf rein referierende Dar- stellungen aus den Verhandlungen der Landkommission gestützt habe. Er habe sich nur zweimal in seiner ganzen Broschüre mit Herrn v. Bennigsen beschäftigt. Außer dem oben angeführten Fall habe er an Herrn v. Bennigsens Tätigkeit in der Laiidiommission nur kritisiert, daß dieser den Aufstand in Südwestafnka als ein Glück für die Kolonie bezeichnet habe. Der Kläger v. Bennigsen erklärt, eine solche Acußcrung nicht getan zu haben. Er habe nur dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß die durch den Auf- stand hervorgerufene Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Kolonie keine vorübergehende bleiben, sondern daß. auch wenn die Tcuppenzahl bis auf einige Tausend Manu vermindert sei, die Kolonie andere Stützpunkte finden möchte. Abg. Erzberger beruft sich für die Richtigkeit seiner Angaben auf das Zeugnis des damaligen Vorsitzenden in der Landkommission, des Kolonialdirektors a. D. Erbprinzen v. Hohenlohe-Langeuburg und auf die Zeugnisse der Kommissionsmitglieder Dr. Röhde. Berlin und Major a. D. v. FranyoiS. Herr v. Bennigsen seinerseits hat,„um daS ganze Auftreten ErzbergerS und seine fabelhafte Kühnheit in der Abkanzelung auch der ältesten Politiker zu illustrieren�, sich auf das Zeugnis des Zentrumsführers Abg. Dr. Spahn berufen.—- Abgepreßte Syndikatsbeiträge. Die bürgerliche Presse spricht mit Vorliebe von den„hohen Gelverkschaftsbeiträgen", die den Arbeitern„abgepreßt" würden. Das Thema gilt zurzeit als aktuell; deshalb möchten wir, schreibt die „Bergarbeiter-Ztg.", die Aufmerksamkeit auf die Beiträge lenken, die fonnell von den Werksherren, in Wirklichkeit aber von den Arbeitern an die Unternehmersyndikate zu leisten sind. Wie hoch ist der Syndikatsbeitrag? Wir greifen eine ziemlich kleine, südliche Ruhrzeche(„Deutschland" bei Haßlinghausen) und eine große nördliche Zeche(„Graf Bismarck") zur Exemplifizierung heraus und beschränken uns nur auf die Abgabe für Kohlen. Zeche„Deutsch- land" hatte 1906 pro Tonne an das Kohlensyndikat 62 Pf. zu zahlen, bei Zeche„Bismarck" machten eS 66 Pf. pro Tonne aus. Zeche „Graf Bismarck" mutzte an Syndikatsbeiträgen 1 007 218 M. leisten! Wenn wir nur 62 Pf. pro Tonne Syudikatsbeitrag anrechnen und stellen in diese Rechnung die 44'/, Millionen Tonnen für Rechnung deS rheinisch- westfälischen Kohlensyndikats versandten Kohlen, so kommen wir zu der Riesensumme von rund 27 680 000 Mark Syndikatsbeitrag für da? Jahr 1906!! 1 Das ist aber noch längst nicht alles, denn für Koks und Briketts erhebt daS Syndikat ebenfalls„Umlage"(Bei- träge). So mutzte Zeche„Deutschland" pro Tonne Koks 1,33 M. Syndikatsbeitrag leisten I Wie kläglich niedrig find demgegenüber die Gewerkschastz- beitrage! Die Frage, wozu die ungeheuren Beitragssummen von den Werkssyndikaten verwandt werden, mag einer speziellen Darstellung vorbehalten bleiben. Nur wollen wir darauf verweisen, daß ein Direktor vom Stahlwerksverband mit 100000 M. JahreSgehalt an- gestellt wurde! Aehnliche Riesengehälter zahlen auch die anderen Syndikate, lieber die Gehälter der deutschen GewerkschastSbeamten, die durchschnittlich unter 2000 M. pro Jahr bleiben, schreit die „nationale" Syndikatspresse natürlich Zeter und Mordio. Die Syndikatsgeschäftsführer beziehen doppelt und dreifache Minister- gehälter. Auch das sind Arbeitergroschen! Wieviel Beiträge an das Syndikat der Grubenherren hat jeder Arbeiter aufzubringen? Darüber erzählt der Geschäftsbericht der Zeche„Graf Bismarck": Die Arbeiterzahl betrug 4340; der Beitrag an das Kohlensyndikat belief sich auf 1 007 218 Mark. Damit nun Freunde und Feinde augenfällig beurteilen können, wie geringftigig »ie GewerkschaftSbeiträge find, stellen wir sie mit den Syndikats- zeiträgen zusammen. Es hat pro Arbeiter betragen 1906 vöchentlich: SyndikatSveitrag(„Graf Bismarck") 446 Pf. Vollbeitrag zum Bergarbeiterverband 40 Pf. Mehr als elfmal soviel wie an seinen Bergarbeiter-Vcrband hat der Arbeiter an Beiträgen an daS Werlsherrensyndikat zu leisten! Vom Bergarbeiter-Verband bekommt daS Mitglied für 40 Pf. Wochenbeitrag eine Wochenzeitung, Rechtsschutz, Arbeitslosenunter- stützung, Krankenunterstützung, Streikunterstützung, Gemaßregelten- Unterstützung. Sterbegelder. Vom Werksbesitzershndikat werden die den Arbeitern vom Lohn abgezogenen Beiträge benutzt zur Stärkung der Werksmacht gegenüber der Arbeiterschaft. Das ist der Unter- schied I—_ Der UnterstaatSsekretär des Rcichs-KolonialamtS, Herr v. Linde- quist witd die Ausreise nach Dcutsch-Südwestafrika mit dem heute von Hamburg abfahrenden Dampfer antreten. Er übernimmt bis zum Eintreffen des Gouverneurs v. Schuckmann nochmals in vollem Umfange die Geschäfte des Gouverneurs. Voraussichtlich wird er in der ersten Hälfte des Oktober nach Deutschland zurück- lehren.—_ Wider die heilige Diszipliu. Zu drei Jahren und einem Monat Gefängnis hatte das VreSlauer Kriegsgericht der elften Division den Füsilier Hermann Fritsch vom Füsilier-Regiment 38 in Glatz wegen tätlichen Angriffs gegen Vorgesetzten. AchtungS- Verletzung. Drohung verurteilt. Dogegen legte der Verurteilte Be- rufung ein, da er sinnlos betrunken gewesen sein will. Der Vaterlandsverteidiger kam am 7. April, einem Sonntag, stark an- getrunken in die Kaserne. Dem Befehle eines Feldwebels, schlafen zu gehen, gegenüber brauchte er achtungSverletzeude Reden, schlug den Feldwebel inS Gesicht und widersetzte sich der Wache. Vor dem OberkriegSgericht deS VI. Armee- korpS in Breslau jagt der als Sachverständiger vernommene Stabsarzt Dr. Haupt, eZ sei wohl möglich, daß der Angeklagte durch de» Alkohol eine Zeit in seinem Geisteszustand gestört gewesen sein kann, wodurch die freie Willensbestimmung ausgefchlossen war. Dem widerspricht der Vertreter der Anklage, KriegSgerichlSrat Esche, der Verwerfung der Berufung beantragte. Auf diese erkannte denn auch daS Gericht, indem eS keine geistige Störung annahm, aber einen Monat Untersuchungshaft anrechnete. Hätte der Feldwebel den„Gemeinen" ins Gesicht geschlagen, würde die„Mutter der Kompagnie" höchstens drei Wochen Gefäng- niS, vielleicht auch nur drei Tage Arrest erb alten haben.— Kasernenbild. Der Oberjäger Gustav Alfred Frohn von der 1. K mp. deS Jägerbataillons Nr. 12 in Freiberg i. S. hatte sich wegen Mißhandlung und Beleidigung eines Untergebenen vor dem Kriegsgericht in Dresden zu verantworten. Am 24. April hat der Stellvertreter Gottes den Jäger Lange gelegentlich einer Schrankdurchsicht einen kräftigen Stoß mit der Faust vor die Brust versetzt, wonach der Soldat heftige Schmerzen verspürte. Bei einer anderen Gelegenheit hat ihn der Oberjäger mit Schimpf- Worten wie: Lump, Vagabonde, Spitzbube usw. be- legt. Für diese„liebenswürdige" DeHandlung erhielt der Ange- klagte 12 Tage mittU..,» Arrest. DaS Kriegsgericht glaubte den Fall„l e i ch t" beurteilen zu muffen. Kolonial-Blutopfer. Aus Südwestafrika wird gemeldet: Reiter Wilhelm Franz, geb. 21. Juli 1883 zu Klein-Pritz, Kreis Parchim, früher Grenadier-Regiment Nr. 6, ist am 13. Juni/1907 im Lazarett Aminuis an Herzschwäche nach Malaria und Typhus der- starben. Ei»«e Staatsaktion in Lothringen- Aus Metz wird uns geschrieben: Das JVöllersche Polizeisysiem hat hier mal wieder einen großen „Triumph" gefeiert. Am Abend deS 23. April wurde plötzlich das G-ewerkschaftshauS von einer großen Polizeimacht besetzt. Einem Geheimbund schlimmster Art. mit den gefährlichsten Anarchisten an der Spitze, war man auf die Spur gekommen. 15 Verhaftungen wurden vorgenommen und daS Bureau des Zcntralverbandes der Maurer nach anarchistischen Schriften durch- sucht. Neben 20 deutschen Reichspfennigen wurde auch eine An- zahl von der italienischen Sektion des deutschen Maurerverkmndes gehörigen Zeitschriften und Broschüren beschlagnahmt, tagS darauf jedoch wieder zurückgebracht. Von den 15 Verhaftungen wurden 6 aufrecht erhalten. Sechs Wochen lang saßen die„Staats- Verbrecher" hinter Schloß und Riegel, während die staatserhaltende Presse den Fang unserer Krimhiakpolizflei über den Schellenkönig lobte. Allerhand Schauergeschichten machten unter den Spieß- bürgern die Runde. Man faselte sogar von einem Anschlage auf das Leben des Kaisers, dessen Besuch zu jener Zeit gerade er. wartet wurde. Groß war deshalb die Spannung auf die Gerichts- Verhandlung. Schon lange vor Beginn der Verhandlung war der Zuhörerraum des Strafkammersaales von einer großen Zahl Neu- gieriger gefüllt. Doch welche Enttäuschung! Trotz aller An- strengungen der als Zeugen fungierenden Kriminalschutzleute konnte den Angeklagten auch nicht die geringste Gesetzesübertretung nachgewiesen werden. Damit auch der Humor zur Geltung komme, hatte man als Beweismittel ein rotes Sommerfestabzeichen des Maurerverbandes dem Gerichte vorgelegt. Aber auch daS half nichts. Der Staatsanwalt beantragte selbst die Freisprechung der Angeklagten, während die beiden Verteidiger bedauerten, daß sie, da die Angeschuldigten Ausländer, nicht in der Lage wären, eine Entschädigung für unschuldig erlittene Haft zu beantragen. Das Gericht kam denn auch nach kurzer Beratung zu einem Frcispruche und legte sämtliche Kosten, einschließlich die der Verteidigung, der Staatskasse zur Last. Wer aber nun glaubte, daß nach dem Freispruche die An. gelcgenheit ihre Erledigung gefunden hätte, hatte nicht damit ge- rechnet, daß wir hier in Klein-Rußland leben. Als die Frei- gesprochenen den Saal verließen, forderte ein Kriminalschutzmann den Gefangenenaufseher auf, sie wieder zu fesseln, was je- doch, wohl in Anbetracht der Entrüstungsrufe des anwesenden Publikum?, unterblieb. Die Leute wurden aber wieder auf weitere 24 Stunden eingesperrt und alsdann, trotz des freisprechenden Urteils, per Schub über die Schweizer Grenze gebracht!... Deutschland in der Welt voran! Tie Landtagswahlen in Sachse« sind verlegt worden. Der sächsische Staatsanzeiger, daS„Dresdener Journal", meldet, daß die Wahlmännerwahlen auf den 11., 12. und 13. September und die Abgeordneteuwahlen auf den 26, September anberaumt worden sind„iu Berücksichtigung niehrfach geäußerter Wünsche". Die bürgerliche Preffe hatte nämlich moniert, daß zur Zeit des ursprünglich angesetzten Terniins, im August, viele gut- gesinnte Wähler noch in den Bädern zu weilen pflegen. Und die Bequemlichkeit dieser Gutgesinnten mußte natürlich geschont werden. Von der Militärjuristerei. Nirgends gilt wohl mehr im Lande der vollendetsten Rechts- garantien der„Rcchrsgrundsatz":„Wenn zwei dasselbe tun, so ist es nicht dasselbe", als bei den Bürgern im Waffenrock. Als Illustration hierzu diene folgender Fall: Vor einigen Wochen ent- stand beim Stalldienst zwischen dem Unteroffizier Hinrichsen und dem Kanonier Schuld von der 4. Batterie des 45. Feldartillerie- Regiments eine„Unterhaltung", die folgenden Verlauf nahm: Unteroffizier:„Sie sind der frechste Bengel in der Batterie". Soldat:„Sol Dann werde ich Sie wie ein frecher Bengel be- handeln". Das Kriegsgericht der 18. Division verurteilte Sch. wegen Achtungverletzung usw. zu zwei Monaten Gefängnis. Auf die Berufung des Gerichtsherrn hob das OberkriegSgericht deS 9. Armeekorps(Altona) daS Urteil auf und erkannte auf vier Monate Gefängnis, während der Antrag auf fünf Monate lautete. Ob der Unteroffizier wegen der Bengel-Affäre schon bestrast worden ist, entzieht sich unserer Kenntnis. fiMnKmcb. Blutiger Ernst. Paris, 19. Juni. Die von der Regierung getrpffenen Maß- nahmen gegen die Winzerbewegung in den südlichen Departements umfassen folgende Hauptpunkte: Gerichtliche Verfolgung aller Mit- glieder des Komitees von ArgellierS, Verfolgung aller Aufwiegler mit vorläufiger Festnahme aller derjenigen, gegen welche besonders schwere Anschuldigungen erhoben werden, gerichtliche Verfolgung verschiedener Bürgermeister, Strafversetzung be3 196. Infanterie- Regiments und Verlegung einer Anzahl von Regimentern der süd- liehen Departements. BezierS, 19. Juni. Ein Polizeikommissar ist in besonderem Auftrag, begleitet von fünf Beamten und einem starken militärischen Kommando, heute nacht nach ArgellierS abgereist. Er führt den Haftbefehl gegen Marcellin Albert und 6 andere Mitglieder, deS Komitees von ArgellierS mit sich. Beziers, 19. Juni. Drei Mitglieder deS Komitees von Ar- gellierS sind in ArgellierS verhaftet worden. Albert und drei andere sind nicht zu finde»; sK werden von Gendarmen gesucht. In der Umgegend von ArgellierS ist eine hölzerne Brücke in Brand gesteckt worden. Narbvnne, 19. Juni. Der zurückgetretene Maire von Narbonne, Ferroul, ist heute früh gegen 514 Uhr verhaftet und nach dem Bahnhofe gebracht worden, von wo ihn ein Sonderzug nach Moni- pellier bringen wird. Narbvnne ist militärisch besetzt. Die Ruhe ist bis jetzt nicht gestört. Narbonne, 19. Juni. Drei Regimenter Infanterie und ein Kavnllerie-Negimcnt halten seit vergangener Nacht die Stadt besetzt. Eine johlende und pfeifende Menge umgab den Wagen, in welchem Bürgermeister Ferroul weggebracht wurde. Die Infanterie, welche mit gefälltem Bajonett vorging, zerstreute, unterstützt von Ka- vallerie, die Veranstalter der Kundgebung. Der Oberst des Kü- rassier-RcgimcntS wurde durch einen Steinwurf getroffen. Tie Einwohner mehrerer benachbarter Dörfer sind heute morgen in Narbonne eingetroffen.— Paris, 19. Juni. Aus Narbonne wird gemeldet, daß die ersten Militärzüge dort gegen 3 Uhr nachts eingetroffen sind. In den Orten zwischen BezierS und ArgellierS hielten sich die Feuerwehr- leute bereit, die Schläuche ihrer Feuerspritzen gegen das Militär zu richten. DaS gestern auf den Schienen zwischen den Stationen ColombierS und Nissan aufgefundene Paket enthielt, wie die Unter- suchung feststellte, Dynamit. Ein ueneö Klasseuurteil. Paris, 16. Juni.(Eig. Ber.) Elemenceau und Briand finden bei den Bourgeoisrichtern Ver- ständnis. Gestern haben sich auch die Geschworenen von N a n t e S als zuverlässige Ordnungsstützen erwiesen. M a r ck und A v e t o t von der Arbeitskonföderation sind von ihnen der Aufreizung zu Verbrechen, der Beleidigung des Offizierkorps und dergleichen schuldig erkannt worden. Marck erhielt ein Jahr, Avetot gar vier Jahre Gefängnis!! Tie viertägige Verhandlung darf zu den ärgsten Exzessen einer gehässigen und von Klassenhaß beherrschten Justiz gezählt werden. Die Angeklagten wurden, obwohl nicht der geringste Fluchtverdacht vorlag, in Ketten aus dem Gefängnis inS Gerichtshaus geführt! Der Vorsitzende übte sein Amt mit unverhohlener Feindseligkeit gegen sie aus. Die Entlastungszeugen wurden möglichst rasch zum Schweigen gebracht, bei den Belastungszeugen kamen Suggestivfragen dem mangelnden Wissen zu.Hülfe. Bei einem von ihnen, der angeblich dem Untersuchungsrichter schwerwiegende Aus- sagen gemacht haben sollte und jedenfalls mit seiner Unterschrift beglaubigt hatte, stellte es sich heraus, daß er nur bretonisch und überhaupt nicht französisch versteht!— Am letzten Tage kam es im Gerichtssagl zu besonders stürmischen Auftritten. Den Genossen S e m b a t» der Uvetots friedliche Gesinnung bezeugte, wollte der Präsident nicht weiter sprechen lassen, und er befahl den Gerichts- dienern, ihn gewaltsam hinauszuführen! Da diese zögerten, ohne weiteres Hand an einen immunen Deputierten anzulegen, rief der Herr Präsident ihnen schreiend zu, Sembat zu verhaften� Die Szene fand indes keine Fortsetzung, da eine andere sie verdrängte: Der als Zeuge anwesende Karikaturist Grandjouan, Herausgeber des satirischen Blattes„Assiette du Beurre", der den „libertären" Syndikalisten ziemlich nahesteht, hatte eine Bemerkung fallen lassen, die deni gleichfalls anwesenden Gendarmeriehaupt- mann G e r b o i s nicht gefiel. Dieser ordnete seineEnt- f e r n u n g an, und auf die richtige Einwendung, daß die Polizei im Gerichtssaal die Sache des P r ä s i d e n t e n sei, erklärte er, als Gcndarmeriechef des Bezirks habe er auch im Gerichtssaal des Bezirks zu befehlen! Der würdelose Präsident beeilte sich, statt die Anmaßung zurückzuweisen, den Befehl deS Gendarmen zu be- stätigen! Schließlich wurde Grandjouan in Eisen gelegt. Doch konnte seine'Verhaftung nicht aufrechterhalten werden. Die Art, wie die Verhandlung geführt wurde, ließ deutlich erkennen, daß eS sich eigentlich gar nicht um die inkriminierten Reden handle. Marck hat beim Leichenbegängnis deS von einem Gendarmen erschossenen jungen Arbeiters Victor Charles eine wirklich nicht bedeutungsschwere Ansprache gehalten, die so wenig gefährlich schien, daß erst 12 Tage nachher die ersten Zeugen vor- geladen wurden. Und AvetotS Rede nahm der überwachende Kam» missar nicht einmal auf, sondern er begnügte sich mit Aufzeich- nungen aus dem Gedächtnis! Eine Wirkung der angeblichen„Auf- reizungen" konnte auch die Anklage nicht behaupten, da unleugbar gerade nach MarckS und UvetotS Intervention der bis dahin sehr stürmische Ausstand in die Bahn der Gesetzlichkeit eingelenkt hat. Aber an Dvetot sollte nachgeholt werden. waS ehedem einige Geschworenengerichte unterlassen haben, indem sie ihn, den Ver- fasser deS antimilitaristischen„HandbüchleinS für Soldaten", frei- sprachen.—. So ist es also ein unverhüllter Tendenzprozeß gewesen, der in Nantes geführt wurde. Nicht bestimmte gesetz- widrige Handlungen, sondern die revolutionäre Gesinnung der Angeklagten und ihre ganze Propaganda sollte bestraft werden. Der ideologische Schleier, der das wahre Wesen der Justiz sonst verbirgt, ritz entzwei, und der Klassenkampf, in dem ja die Justiz eine Waffe der Bourgeoisie ist. wurde offenbar. Die Ge- schworenengerichte, die jetzt die Wortführer der Arbeiterklasse mit solcher Wut in die Kerker schicken, wirken revolutionärer, als alle von beflissenen Spitzeln erdichteten Aufreizungen wirken könnten. Jene glauben, die bürgerliche Ordnung zu retten, und sie zerstören selbst die demokratischen Illusionen, die ihre besten Stützen waren. Kelgien. Rbbs Daens gestorben. Am Montag wurde in A l o st in Flandern der bekannte christ» liche Demokrat Abbö D aenS begraben. DaenS, dessen schwindende Lebenskraft die Kirche vor Monoten, als der Abbö bereits in der Agonie lag. ausnutzte, um dem einst von ihr bitter Verfolgten eine „Bekehrung" abzuzwingen, war das geistige Haupt und die Seele der christlich-demoiratischen Partei in Belgien, der er mit großer Verve und kraftvoller Ueberzeugung in Wort und Schrift diente. Die klerikale Hierarchie und die falschen klerikalen„Volksfreunde" verlieren in ihm einen unbequemen Feind, die christliche Demokratie einen ihrer wenigen ehrlichen Bekenner. UebrigenS versichert der Abgeordnete Pierre DaenS, der Bruder deS Verstorbenen und einzig« parlamentarische Vertreter der christlich-demokrattschen Partei, daß DaenS, entgegen den Behauptungen klerikaler Blätter, getreu seiner alten, gegen die klerikale Politik und die Kirche gerichteten Ueberzeugung gestorben ist. Italien. Formelkram und kein Ende. Rom, 17. Jnm.(Eig. Ver.) ES scheint nun einmal NasiS Schicksal zu sein, baß der Formel» kram ihn in seiner Angeklagtenkarriere schützend umgibt und vor Uebel bewahrt. Gestern hat die Kammer eine ganze Nachmittags- fitzung damit ausgefüllt, sich über Formalitäten zu streiten. DaS Bedürfnis nach einer Projekrion mit allen Finesse» war in der italienischen Kammer so lebhaft, daß Genosse T u r a t i sich bemüßigt fühlte, den Justizminister um offizielle Mitteilung der Verordnung deS Kassationshofes in Sachen Rast zu ersuchen. Das war aber viel zu ein- fach: der Minister fand, daß er ohne ausdrückliche Aufforderung der Kammer kein Aiisiuhen an die Justizbehörde stellen könne.— So brachte die äußerste Linke einen Antrag ein, in dem der Minister ersucht wurde, die Justizbehörde aufzufordern, in kürzester Frist die Verordnung des KasiationShofeS in Sachen Nasi und in der Folge die Urteilsbegründung der Kammer zu unterbreite». Aber auch das war wieder zu einfach. Der eine fand, daß es keiner Aufforderung bedürfe, ein anderer, daß man eS der Justizbehörde nicht eilig machen dürfe, ein Dritter, daß die Verordnung ohne die Urteilsbegründung nichts nütze, ein Vierter, daß man nur die Be- gründung. ein Fünfter, daß man nur die Verordnung brauchte— kurz: eine Verwirrung sondergleichen. Endlich machte eS Turati ollen recht, indem er den Justizminister ersuchte, die Verfügung „in kürzester Frist" einzufordern, ebenso die bereits in der Bor- Untersuchung erlassenen Urteile, die UrteilSbegriindung aber nur„so schnell wie möglich" vorzulegen. Dabei beruhigte sich die Mehrheit, niid heute wurden alle Dorumente, außer der UrleilSbegriiiiduug, der Kammer vorgelegt. Morgen wird nun Turati eine» neuen An- »rag einbringen, um die Kammer zu nöligeu, einen Tag festzusetzen für die Diskussion der Affäre Nass So versuchen die Sozialisten, Nasi vor orn Richt-r ju bringen. Nasi selbst erklärte in einein aus Bologna datierten an die Kanuner gerichteten Telegramm, dem Urteil der Kammer mit Ruhe entgegen- zusehen. Woher diese Ruhe komnit. zeigt der„Avanti" recht gul in seiner Karilainreuecke. Da erscheint Nasi bedeckt niit einem unge« Heuren Altenband, der ihn wie ein Blitzableiter vor jedem Unweiter schützt. Auf dem Rücken des schirmenden Buches steht zu lesen: „Was meine Vorgänger taten." Auf diesen„Schirm" kann sich Nasi verlassen.— Spanien. Ter Bombenprozeff. Madrid, 16. Juni.(Eig. Ber.) Der sogenannte„Vombenprozeß" ist beendigt. Rakens, der Direktor des Blattes„El Motin"(Der Aufstand), der den Atten- täter Morral verbarg, erhielt— wie der Telegraph schon ge- meldet hat— neun Jahre Gefängnis. Zur gleichen Strafe wurden verurteilt- Jbarra und Mata, die Rakens behilflich gewesen waren. Ferrer, Mayoral, der Administrator des„El Motin", und Matas Frau wurden freigesprochen. Der Freispruch ist von der öffentlichen Meinung Spaniens sehr gut aufgenommen worden; denn wenn auch festgestellt wurde. daß Ferrer Anarchist ist, so war ihm doch nicht zu beweisen, daß er an Morrals Tat teilgenommen hat, und seiner Ansichten .vegen darf selbst nach spanischem Gesetz niemand bestraft werden. Mayorals und Frau Matas Freisprechung verstand sich von selbst; denn es wurde nachgewiesen, daß sie bei der Begegnung mit Morral überhaupt nicht wuhten, mit wem sie es zu tun hatten Die Verurteilung von Rakens, besonders aber die von Jbarra und Mata hat die Oeffentlichkeit hier in starke Bewegung versetzt. Die Schuld der beiden letzteren zumal ist und bleibt unklar. Aller- dingS haben sie geholfen, Morral zu verbergen, aber wußten sie denn, wer es war, den sie bargen?— Das ist keinesfalls be» wiesen worden. Bleibt also Rakens. Da er eingestanden hatte, daß er Morral bei der Flucht behilflich war. so mutzte er darauf gefaßt sein, streng bestraft zu werden. Berücksichtigt man aber die Besonder- hcit der Lage von Rakens, seine in der Oeffentlichkeit Wohlde- kannten Humanitären Ideen, in erster Linie aber die spanischen Anschauungen über Denunzianten und Denunziationen, so muß man begreifen, daß die öffentliche Meinung ihn ent- gegen der gerichtlichen Verurteilung freispricht. Darum glaubt man hier auch allgemein, Rakens sowohl wie Jbarra und Mata werden begnadigt werden. Wenn die Regierung Maura das täte, so beginge sie einen geschickten Streich; denn sie würde der Mög- lichkeit von Konflikten vorbeugen und auf billige Weise die öffcnt- liche Meinung beruhigen, die etwas unruhig geworden ist. seitdem das Verfahren gegen Rakens und Genossen eröffnet wurde. Die fortschrittlichen Blätter und die unabhängige Presse fordern von der Regierung die Begnadigung der drei, eine große Zahl politischer Gruppen und viele bekannte Persönlichkeiten des- gleichen. Die organisierten Arbeiter Corunnas, die dem Anarchis- mus anhängen, haben sogar, um für die Freilasiung Rakens zu demonstrieren, den Generalstreik erklärt.— Dänemark. Berstadtlichung der Straßenbahnen in Kopenhagen. Die Gemeindevertretung Kopenhagens hat am Montag mit 25 gegen 14 Stimmen beschlossen, daß die Straßenbahnen am t. August 1908 von der Stadt übernommen werden sollen. Dafür stimmten außer den 18 Sozialdemokraten 7 Liberale. dagegen die 10 anwesenden Antisozialisten und 4 Liberale. Von dem Ausschuß, der zur V o r b e r a t u n g der Angelegenheit eingesetzt war, hatte sich eine Mehrheit gegen den Antrag erklärt. Ihr Wortführer war der liberale Bürgermeister Marstrand. Ihm gegenüber sprach in einem von gründlicher Sachkennlnis zeugenden Vortrag der sozialdemokratische Bürgermeister Jensen für die Ver- stadtlichung. wobei ihm die Erfahrungen, die er jüngst auf einer Studienreise iu Deutschland gesammelt hat, zu gute kamen. Er konnte nachweisen, daß Kopenhagen die Straßenbahnen zu weil günstigeren Bedingungen übernehmen kann, als dies seinerzeit in Frankfurt a. M., Dresden und Köln der Fall war. Die Stadt wird siir das gesamte Betriebsmaterial ungefähr 14 Millionen Kronen zu zahlen haben. Die antisozialistische Presie hat alles Mögliche getan, um im Interesse des zu einem großen Teil deutschen Aktienkapitals die Verstadtlichung der Bahnen zu hintertreiben.— Huö der partei Bon der Parteipresse. Die.Märkische Volks st imme�, das Parteiblatt der Genossen des Regierungsbezirks Frank- f u r t a. O.. verläßt am 22. Juni F o r st. um nach K o t t b» S überzusiedeln. Gegründet am 1. April 1890 in Frankfurt a. O-, verlegte die.Volksstimme' am 1. April 1897 ihr Domizil nach F o r st. Bis zum 24. September 1901 erschien das Blatt dreimal wöchentlich, von da ab täglich. Die Auflage ist in den letzten Jahren auf novo gestiegen. Die Anschaffung einer Rotationsmaschine wurde notwendig. Ihre Aufstellung in den Geschäftsräumen zu Forst war wegen Platzmangels unmöglich, ebenso eine Erweiterung der Lokalitäten. Da ein Umzug nicht mehr zu umgehen war, beschloß man. auch den Ort zu wechseln. Forst hat schlechte Post- und Eisenbahn- Verbindungen. Von Kottbus aus wird die Zeitung den Abonnenten der anderen Orte weit schneller zugeführt werden können, als von Forst aus. In Forst bleibt eine ständige Filiale mit einem Expedienten. Personalien. Zum ersten Redakteur der.Schwäbischen Volkszeitung" zu Augsburg wurde der Genosse Karl Thiel m Dresden gewählt._ Gegen den Syudikalistenkongreß. Rom, 17. Juni. fEig. Der.) DaS Exekutivkomitee des Parteivorstandes veröffentlicht im „ A v a n t i" ein Communiquö, das den zum 29. Juni nach Ferrara einberufenen Syndikalistenkongreß betrifft. Es wird darin kon- statiert, daß der Kongreß einberufen wurde, um gegen das Votum des Parteivorstandes in Sachen der.Azione' zu protestieren und daß unter den Einberufen, sich Personen befinden, die in Gcmäßheit dieses Votums aus der Partei ausgestoßen wurden. Der Kongreß sei als ein Rettungsversuch der„Azione" geplant worden. Die am Kongreß teilnehmende Fraktion begnüge sich nicht damit, innerhalb der Partei für ihre Ideen zu agitieren, sondern sei direkt öestrebt, die Existenz der Partei anzugreisen. Sie überschreite da- mit die Beschlüsse des Parteitages von Rom und setze sich auch in Widerspruch zu der Resolution L a b r i o l a, die dort von den Syndikalisten vertreten wurde. Das Communiquü lenkt die Auf- merksamkeit aller Genossen auf diese Erwägungen und warnt auch die Gewerkschaften vor der Verwechselung von syndikaler fgewerk- schaftlicher) und syndikalistischer Aktion.— Nach dieser Bekannt- machung dürften die meisten organisierten Parteigenossen, die in der Partei zu bleiben gedenken, von der Beschickung des Kongresses absehen._ Die Bereinigung der Armenischen sozialdemokratischen Arbeiter- organisation mit der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands. Einer der vielen erfreulichen Erfolge des Parteitages der russischen Sozialdemokratie ist die Bereinigung der armenischen Sozialdemokratie mit der gesamten Partei. Was auf dem Vierten Vereinigungskougreß des vorigen Jahres der arinenischen Sozial- demokratie' nicht möglich war, nämlich mit den übrigen nationalen Organisationen— wie der jüdische Bund, die lettische und die polnische Sozialdemokratie— in die Partei einzutreten, das ist auf dem Londoner Parteitage gelungen. Der Vereinigungsvertrag bestimmt u. a.: Die armenische sozialdemokratische Arbeiterorganisation tritt der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands als sozialdemokratische OrganisationSeinheit bei. Sie arbeitet im armenischen Proletariat und ist autonom in ihren inneren Angelegenheiten. Im Rahmen der Beschlüsse des Parteitages und der Direktiven des Zentral- komiteeS ist die armenische Sozialdenwkratie selbständig bezüglich der Fragen der Propaganda, der Agitation und der Organisation. Die armenische Sozialdemokratie nimmt das Programm der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands an. In allen Städten, wo neben den Organisationen der sozial- demokratischen Arbeiterpartei Rußlands auch Organisationen der Armenischen Sozialdemokratie vorhanden sind, werden allgemeine Komitees gegründet, die ohne nationalen Unterschied durch alle Mit- glieder der betreffenden Stadt gewählt werden und die alle all- gemeinen Aktionen des Proletariats der betreffenden Stadt regu- licren. Alle Direktiven der allgemeinen städtischen Komitees sind obligatorisch für die Armenische sozialdemokratische Arbeiter- organisation. Der Londoner Parteitag hat den Bertrag mit großer Majorität angenommen. pollrelilcke», Gerfchtttd)» ufw. Ein Opfer des Militarismus. Am Mittwoch hatte der Genosse Emil Hauth von der Mannheimer„ V o l k s st i m m e" die im verantw. Redakteur: Haas Weber. Berlin. Inseratenteil verantt».� Dezember v. I. vom Kriegsgericht wegen angeblicher Fahnenflucht über ihn verhängte siebenmonatlige Festungs- gefängnisstrafe im Festungsgefängnis zu Köln verbüßt. Ob Genosse Hauth nun zur Entlassung kommt oder zur Ableistung der zweijährigen Dienstzeit zurückbehalten wird, darüber ist der Mannheimer„Volksstimine" noch nichts bekannt. Sie bemerkt indes zu der Meldung: .Die stark erschütterte Gesundheit unseres schwer geprüiten Kollegen läßt das letztere jedoch kaum als möglich erscheinen. Möge für ihn das Ende der Leiden nun gekommen sein I" Die beleidigenden Gänsefüßchen und die Altenbnrger Justiz. Wegen angeblicher fortgefetzter Beleidigung der Altenbnrger Justiz wurde Genosse D i ck r e i t e r, Redakteur der„Altenbnrger Volks- zeituug", zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Er halte von der Altenbnrger„Klassenjustiz" gesprochen, als er das gegen unseren Genossen Horn und gegen zwei andere Kahlaer Genossen auf je einen Monat lautende Urteil wegen angeblicher Erpressung kritisierte. D. wurde verurteilt, weil er den Nicvlern mit der Bezeichnung„Klassen- justiz" bewußte Parteilichkeit vorgeworfen habe. Aus den drei in- kriminierten Artikeln, die eine Sache behandeln und aus ihrer Tendenz wurde die fortgesetzte Handlung angenommen. Weil Horn nicht nur der Führer der Sozialdemokratie Sachsen- Alten- burgS, sondern weil Dickreiter zu Horn auch persönliche Be- zicbungen und das Interesse hatte, ihn zu rehabilitieren, hätte Dickreiter der Swiiy des§ 193 eigentlich zugebilligt werden müssen. Aber der Gebrauch von Anfnhrnnzszeichen bei den Worten „Erpressung",„Juristerei",„Leistungen der Altenbnrger Justiz" und in dem ironischen„Von Staatswegen" zeigt sich die höhnische Absicht. In allem sei nur Spott und Hohn. Wegen dieser Forin der Be- leidigung wurde D. aus§ 186 verurteilt. Nicht nur Dickreiter. sondern auch der Staatsanwalt halte Revision eingelegt. Letzterer rügte Verletzung des Z 193. Die Artikel seien ferner keine sachliche Kritik. Dazu konnne, daß ein richterliches Urteil keine Wissenschaft- liche Leistung, s!) sondern da? Resultat einer Abstimmung sei. Der Staatsanwalt beantragte, das Urteil aufzuheben und die Sache an ein anderes Gericht zurückzuweisen. Nach dem Antrage des Neichsmiwalrs lehnte der IV. Strafsenat deS Reichsgerichts Dickreiters und des Staatsanwalts Revision ab. GewerKtcKaftlidK�. Zum Kampf im Baugewerbe. Es wird weiter si stiert. Aftcht nur Streikposten, sondern auch Leute, die es nach Annahme eines Beamten vielleicht sein könnten, werden sistiert. Am Montag stand ein Mann in dem Vorderflur eines Hauses in der Nauuyustraße. in dem er seine Wohnung hat. Ein Schutzmann trat an ihn heran mit der Frage, ob er Streik- Posten stehe. Das wurde wahrheitsgemäß verneint I Damit hatte der Mann seine persönliche Freiheit aber nicht gerettet. Der Beamte forderte ihn kategorisch auf. weiterzugehen. Als der„steie Bürger" darauf bemerkte, das sei nicht seine Absicht, er wohne in dem Hause, wo er stehe, verlaugte der Schützer der Staatsbürgerrechte, er solle sich in seine Wohnung begeben. Diesem Befehle widersprach der Mann— und wurde daraufhin einfach sistiert. 2'/, Stunden mußte er auf der Wache verbringen. Aehnlich erging es zwei Arbeitern der Berliner Elektrizitäts- Werke. Sie waren zum Betriebsbureau Schiffbauerdamm be- stellt. Unterwegs trafen sie einen Bekannten, mit dem sie ein paar Worte wechselten. Flugs war ein Beamter zur Stelle und forderte zum Weitergehen auf. Als der eine be- merkte. Unter den Linden könnten ein Dutzend Mann zu- sammcnstehen und sich ungestört unterhalten, wurde er sistiert. Sein Kollege begleitete ihn. Auf der Wache wurden sie ab- geliefert mit dem Beinerken: Zlvei Streikposten! *** Die Herren Spitzbuben scheinen schon herausgefunden zu haben, daß die Polizei jetzt anderweitig beschäftigt ist. In den letzten Tagen mehren sich auffällig die Mitteilungen über ungestört ausgeführte Hausdiebstähle.. Arbeitswillige Spitz- buben haben Kirmes, freie Bürger werden sistiert! Verlin unck Umgegend. Bäckerboykott. Die Rixdorfer Zwangsimmng hat anscheinend einen Großbetrieb für Strafverfügungen gegen die Meister, welche bewilligt haben, eingerichtet. Man hat sogar den kühnen Plan ausgeheckt, die ihnen nicht willfährigen Meister für jeden während des Kampfes gewonnenen neuen Kunden auf Schadenersatz in Höhe von 30 M. zu verklagen. Man glaubt mit diesem Unsinn Gegenliebe bei den Gerichten zu finden. Als Väter dieses genialen Gedankens sollen die beiden Brüder Leina», Rixdorf, Schöneweiderstr. 9 und Berlinerstr. 85, in Betracht kommen. Der erste dieser sonderbaren Prozesse wird am Sonn- abend vor dem Rixdorfer Amtsgericht zum Anstrag kommen. Inzwischen versuchen die Berliner Jnnungshelden, sich aus einer für sie ebenso blamablen wie für das Hefesyndikat cxistenzbedrohenden Situation herauszulügen. Die„Konkordia" machte kürzlich ihrer Wut über die Meister, welche bewilligt haben, in folgender Schimpfpredigt Luft: „Für derartige Herren-- haben wir die größte Ver- achtung-- die Feder sträubt sich und empört kann man werde», wenn man sehen muß, daß diese Verräter. Ehrenwortbrecher, jetzt alles aus Angst versprechen, um es nachher nicht zu halten. Wir haben aber kein Mitgefühl mit jenen charakterlosen Wichten, die bis heute noch nicht mal gelernt hahßn und wissen, was sie wollen. Es soll ihnen aber nicht gelingen, durch ihre verräterische Handlungsweise die Meisterschaft auseinander zn reißen." Jetzt, nachdem der Schachzug der Hefefpcrre kläglich gescheitert ist, klingt die Melodie ganz anders. In der„Bäcker-Zeiwng", Organ der Germania-Jnnung vom 16. Juni cr., ist folgendes ergötzliche Sprüchlein zu lesen: „Zur Hefesperre." In einer kombinierten Sitzung der JnnungSborstände und Hefehändler am 13. Juni im Germania-Jnnungshause wurde nach lebhafter Debatte die Hefesperre für Berlin und Vororte wieder aufgehoben. Sie hatte ihren Zweck erfüllt hielt, also auf der einen Seite wieder nahm, und ztvar in Scheffeln wieder nahm, waS auf der anderen Seite in Löffeln gegeben wurde; eine Lohnskala, welche durch die Herabsetzung des Höchstlohnes von SV auf 75 M. bei den Pflegern, von 6V auf 48 M. bei den Pflegerinnen, das ältere Personal sogar noch wesentlich schlechter stellte als bisher. Und diese unter dem Anschein einer Ver- besserung vom Magistrat ausgehende tatsächliche Verschlechterung der Lage deS Pflegepersonals wurde bei der Etatsbcratung am 20. März d. I. von der Stadtverordnetenversammlung angenommen und zum Beschlutz erhoben. Vergebens wurde von sozialdemokrati scher Seite aus das Ungeheuerliche dieser„Reform" und ihre mit Sicherheit vorauszusagenden Folgen hingewiesen; nicht ein einziges bürgerliches Mitglied der Deputation ergriff bei der Beratung das Wort, um zu den Beschlüssen der Deputation zu stehen. trotzdem jene Beschlüsse vo» den sämtlichen Mitgliedern der Deputation, Magistrats- Vertretern. Stadtverordneten und Bürgerdcputierten einstimmig gefatzt worden waren. Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten fieien deren Anträge, die sich mit de» Beschlüssen der Deputation nahezu deckten, und wurde die Magistratsjkala Gesetz für das laufende Etatsjahr. Die Erregung, welche dieser Beschlutz unter dem Pflegepersonal hervorrief, war begreiflicherweise eine hochgradige und trat in Pro- testen und Kündigungen, in Bersannnlnngen, in gnsainmenkünfte» der Arbeiteraiisschüsse der Angestellten mit den Direktoren, in Petitionen an die Deputation zutage. Ja sie hat nach der Bekundung der Direktoren selbst das weibliche Personal ergriffen, welches sich bisher durch grotze«Bescheidenheit" auszeichnete, nunmehr aber auch davon spricht, zum„Verbände" zu gehen. In der Begründung der von den Arbciterausschüssen bei der Deputation neuerdings ge- stellten Anträge wird der Nachweis zahleinnätzig erbracht, wie viel schlechter diese neue Lohnordnung die Leute stellt als bisher. Nach der neuen Skala mit den dreijährigen Zulagen würde der Pfleger im ersten Jahre 10 M. mehr erhalten, aber schon nach drei Jahren 1 M. weniger, nach vier Jahren 3 M. weniger und so fort steigend auf 8. 10, 12, 14, 16. 17 M. weniger als jetzt; die Pflegerin zu- nächst ö M. mehr, aber schon nach drei Jahren 8 M. weniger und so fort bis zu 16 M. weniger erhalten als»ach der jetzigen Skala mit der Steigung von Jahr zu Jahr. Dabei ist in dieser Aufstellung noch nicht berücksichtigt, datz daS Personal bis fetzt noch alljährlich WeihnachtSzulagen bekam, im Durchschnitt 25 M., die älteren Pfleger aber bis zu 40 und 45 M., die nun ebenfalls mit diesem Jahr in Fortfall kommen. Also gerade das ältere Personal, welches nach dreijähriger AnS- bildung sich als tüchtig und geeignet für den eigenartigen Dienst erwiesen und das zu behalten die Aerzte. die Kranken, die Stadt ein besonderes Interesse haben, wird durch die neue Lohnskala noch erheblich verschlechtert gegen bisher und verlätzt den Beruf, der mit der Lohnsteigerung erst nach drei Jahren und dem Fortfall der Weihnachtsgratifikation keinen lveiteren Anreiz und keine Aus- sichten für die Zukunft bietet; können diese Angestellten doch mit diesen Löhnen in heutiger Zeit gar nicht daran denken, eine Familie zu gründen und zu erhalten. Eines wird allerdings durch die neue Lohnordnung erreicht: die Stadt spart bei dieser„Refor m" an Löhnen für daS Pflegepersonal, wie an einer Anstalt ausgerechnet worden ist, allein 12— 15000 M. gegen bisher und gegen- über den von der Deputation vorgeschlagene» Lohnsätzen weitere 15—20 000 M. Der Herr. Finanzminister der Stadt hat das Kunst- stück fertig gebracht, das Pflegepersonal„besser zu stellen" und dabei im ganzen über 50 000 M. gegen bisher(weit über 100 000 M. gegen die Vorschläge der Deputation) an Löhnen zu sparen. Gewitz eine nicht hoch genug anzuerkennende Prachtleistung des Herrn Kämmerers, welche daS Gerede von der sozial- colitischen Rückständigkeit der Stadt Verlin gegenüber ihren schah dies in Anwesenheit des Kämmerers und bekam derselbe die Meinung der Deputationsmitglieder und insbesondere deS ärztlichen Direktors von Dalldorf über die Wirkung dieser„verbesserten Lohn- skala" recht unzweideutig zu hören. Die Deputation wiederholte ihren ftüheren Beschlutz und ersuchte den Magistrat nochmals, diesem Beschlutz beizutreten. Wie wir hören, wird sich der Magistrat noch in dieser Woche mit der Sache befassen. An das Pflegepersonal der städtischen Irrenanstalten aber richten wir die Mahnung, aus dieser schmählichen Behandlung seitens der städtischen Körperschaften zu lernen. Zu lernen, datz sie nur dann auf eine Erfüllung ihrer berechtigten Wünsche seitens der Stadt zu rechnen haben, wenn sie sich zusannnenschlietzen und der Organisation der Gemeindearbeiter beitreten. Gegenüber dem einzelnen Pfleger vermag die städtische Verwaltung alles und wird weiter, wie bisher in zahlreichen Fällen, mitzlicbige Elemente, unzufriedene„Nörgler und Hetzer" rücksichtslos aufs Pflaster werfen; gegenüber einer kräftigen, möglich st alle umfassenden Or ganisation hat auch die Willkür dieses Arbeit- gebers ihre Grenzen. M Sie flndrohung des Boykotts strafbar? Vor dem IV. Strafsenate de? Reichsgerichts fand am Dienstag eine Verhandlung wegen versuchter Erpressung(§ 253 Strafgesetz- buch) und des Vergehens gegen§ 153 der Gewerbeordnung statt, die vor allem wegen des Vorstotzes von Bedeutung war, den die Staatsanwaltschaft gegen die Auslegung der Strafsenate unternahm, datz§ 153 nicht nur die Einwirkung von Arbeitern auf Arbeiter oder von Arbeitgebern auf Arbeitgeber, sondern anch die Einwirkung auf Dritte bedrohe. Es handelt sich um folgendes: Der Vorsitzende der Filiale Breslau vom Deutschen Bäckerverband(dem„sozial demokratischen", wie ihn das Urteil bezeichnet), Bäckergeselle Karl Mache, war vom Landgericht in Breslau am 9. No vember 1S06 von der Anklage der versuchten Erpressung und Ver- stotzcS gegen 8 153 der Gclverbeordnung freigesprochen worden. Er hatte an 106 Bäckermeister ein Rundschreiben gesandt, worin die Forderungen der Gesellen Breslaus enthalten waren und in dem die einzelnen Meister aufgefordert wurden, die Wünsche der Ge- scllcn durch Ausfüllung eines Verpflichtungsscheines anzuerkennen. „Sonst würde das Publikum benachrichtigt werden", damit nur bei den Meistern gekauft lvürde, die die Forderungen der Gesellen anerkannt haben. Diese Bohkottandrohung führte Mache dann durch ein Inserat in der„Breslauer Volkswacht" aus. DaS Breslauer Landgericht legte in seinem freisprechenden Urteil unter anderem dar: Versuchte Erpressung liege nicht vor. da der Angeklagte keinen rechtswidrigen Vermogcnsvorteil erstrebt habe. Offenbar habe der Angeklagte aus politischen Motiven gehandelt, um den Arbeitsnachweis der Innung zn nehmen und unter die Kontrolle des sozialdemokratischen Verbandes zu bringen. Datz er versucht habe, den Forderungen der Gesellen Geltung zu verschaffen, sei keine rechtswidrige Drohung, er habe die Wirtschaft- liche Vesserstellung seiner Mitglieder erstrebt. Das Reichs- gericht aber habe in der Entscheidung des VI. Zivil- senates vom 12. Juni 1S06 den Bohkott als nicht rechts- widrig angeschen. Mithin liege weder eine versuchte Erpressung noch ein Vergehen gegen 8 153 G.-O. vor. Gegen dieses Urteil hatte der BreSlauer StaatSanlvalt Revision beim Reichsgericht eingelegt. Der Reichs a n w a l t forderte allerdings die Aufhebung und Zurückverweisung der Sache an die Vorinstanz, aber nicht aus prinzipiellen Gründen sondern weil der Vorderrichter verabsäumt habe zu untersuchen, ob Ehrverlctzung oder Verrufserklärung vorliege. Denn der Angeklagte habe die Arbeiterschaft aufgefordert, ihre Groschen nicht zu den reaktionären übermütigen Bäckermeister» zu tragen, die die berechtigten Forderungen der Bäckergesellen nicht anerkennen. Zweifellos liege hierin entweder Ehrverlctzung oder VerrufScrklärnng.— Und nun führte der ReichSanwalt Dr. Joel prinzipiell folgendes aus: Es handele sich hier aber auch uni die Frage— nach des Staats- antvalts Auffassung—, ob die Handlungsweise des M. sich nur gegen die Bäckermeister oder auch gegen die eigenen Partei- genossen des M. richtet, die an der Lohnbewegnng nicht teilnahmen, Die vom StaatSanlvalt angezogene Entscheidung des IH. Strafsenats vom 30. April 1903, im 36. Bande der Entscheidungen(die sich mit der Frage beschäftigt: Welche Bedeutung hat die Bezeichnung „a»der e" in dein 8 153 der Gewerbeordnung und:„Sollen durch die Strafbcstimmnng dieses Paragraphen anch Unternehmer vor widerrechtlicher Nötigung durch die Arbeiter geschützt lverden?") erregt die Bedenken d e r R e i ch s a n w a l t s ch a f t. Es be- schäftigt sich jenes Urteil mit einer vom Vorsitzenden der Magde- bnrger Maurerfilialc in seiner Eigenschaft als Mitglied einer von Meistern und Gesellen gebildeten Tarifüberwachungs- k o m in i s s i o n gegen einen Unternehmer verhängten Bausperre, weil dieser den Tarif nicht anerkannt. Dieses llrtcil, auf das sich fast alle gegen die Arbeiter ausfallenden Entscheidungen wegen Vergehen gegen 8 153 der Gewerbeordnung stützen, führt unter anderm wörtlich folgendes aus:„Wenn der Vorderrichter in diesem Verhalten des Angeklagten ein Vergehen gegen 8 153 der Gewerbe- ordnung erblickt, so ist das nicht zu beanstanden. Während 8 152 die Freiheit der Koalition schützt, soll 8 153 gegenüber dieser Freiheit der Vereinigung der Freiheit der WillenSentschlietzung des ciiizelucn Schutz gewähren.... Der Wortlaut des Gesetzes: Wer einem anderem... weist auf die erweiterte Auslegung, hin, datz auch dem Arbeitgeber der Schutz des 8 153 gewährt werden mutz, wenn Arbeitnehmer zwangsweise auf den Arbeitgeber ein- wirken. Soll der 8 153 die WillenSentschlietzung des einzelnen schützen, dann ist nicht abzusehen, warum der Ar- bcituehmer, nicht aber der Arbeitgeber den Schutz des 8 153 gegen den Mißbrauch(!) des Koalitionsrechts enthalten soll. Es könne nicht eingewendet werden, datz durch eine derartige Auslegung des 8 153 der Gewerbe- ordnung den Arbeitnehmern die ihnen im 8 152 gewährte Koalitiosfreibeit entzogen lvürde. Diese bleibt ungeschmälert; verboten aber ist ihnen durch die dort bc- zeichneten Mittel, einen Zwang auf die Arbeitgeber auszuüben.... Die Entstehungsgeschichte der 8§ 152 und 153 der Gewerbeordnung stünde dieser Auffassung nicht entgegen." Hiergegen ivendet sich nun die Staatsanwalt- s ch a f t. Diese Auffassung des III. Strafsenats ergebe eine fehler- hafte Redaktion des Gesetzes. Die ganze Entstehungsgeschichte des Gesetzes spreche gegen die Auffassung des Senats. Der preutzische Entwurf vom Jahre 1866 heitze: Entwurf betreffend Verabredung von Arbeitseinstellungen. Dessen 8 2 enthalte schon den Satz:„wer andere" usw. Die Motive lassen klar erkennen, datz unter den„anderen" die gcmci"t sind, die auf derselbe n Seite stehen. Als ferner 1873 S ch u l z e- D e l i tz s ch und Becker im norddeutschen Reichsragc ihren KonlitionSgesetzcntwnrf brachten, erklärte Minister Delbrück: Es gelte die Minorität gegen Exzesse der Majorität zu schützen. Die praktische Handhabung d e S K o a l i t i o n S r e ch t S iv ü r d e l n h nr g e l e g t, w e n n e s bei der Entscheidung des III. Strafsenates bliebe. Das Reichsgerichi hob das Urteil auf und ver- wies die Sache an das Landgericht zurück. Zur Be- gründung wurde ausgeführt: Mit dem Reichsanwalt ist der Senat davon ausgegangen, datz das Urteil deshalb aufgehoben werden muh, weil nicht geprüft worden ist, ob nicht auch eine Ehrverletzung vorliegt. Es kann bei diesem Sachstande dahingestellt bleiben, in ivieweit eine Verkcnnung der Rechtsgrundlage der Drohung im Sinne des§ 153 der Gewerbeordnung in dem Urteile etwa zutage trete oder nicht, und es bedarf deshalb auch keiner Auseinander- setzung an dieser Stelle mit den Grundsätzen, die in dem Urteile des sechsten Zivilsenates aufgestellt sind, das vom Landgerichte als Grundlage der Entscheidung verwendet wird. Es war aber daneben zu prüfen, inwieweit durch die Feststellungen der Instanz etwa auch nach anderer Richtung hin die Voraussetzungen des 8 153 der Gewerbeordnung gegeben wären. Würde diese Frage bezüglich eine- Tatbestandmerkmals zu verneinen gewesen sein, so würde immerhin der staatsanwaltschaftlichen Revision Folge nicht haben gegeben werden können. Nach der Meinung des Senates schlietzen jedoch die getroffenen Feststellungen die Anwendbarkeit des 8 153 auch nach anderer Richtung nicht aus. Vom Reichsanwalt ist die Beseitigung der Entscheidung des dritten Strafsenates im 36. Bande der Entscheidungen im Wege der Plenarentscheidung in Anregung gebracht worden. Diese Anregung wird dahin aufgefatzt, datz in ihr entgegen getreten wird dem Einwände der Revision, datz unter den „anderen" im Sinne des 8 153(„Wer andere durch Anwendung körperlichen Zwanges, durch Drohungen, durch Ehrverlctzungen oder durch Verrufserklärung bestimmt oder zu bestimmen versucht" usw.) unter keinen Umständen der Gegner im Lohnkampfe verstanden werden könne. Der Senat fatzt jene Entscheidung s o auf, datz dort nur ausgesprochen worden ist, diese Ansicht, datz unter keinen Umständen der Gegner im Lohnkampfe als der„andere" betrachtet lverden könne, sei irrig, es stehe rechtlich nichts im Wege, auch den Gegner im Lohn kämpf als den„anderen" aufzufassen. ES ist deshalb nach Ansicht des Senats eine Auseinandersetzung mit dem 3. Straffcnat in bezug auf diese Frage nicht nötig, weil auch der erkennende Senat auf derselben Grundlage steht, nämlich, datz es nicht rechtsirrtümlich ist, unter Umständen unter dem„anderen" auch den Gegner im Lohnkampfe aufzufassen. Freilich ist der Senat der Meinung, datz das nicht unter allen Um- ständen, nicht unter allen gegebenen tatsächlichen Verhältnissen möglich ist. Er geht dabei von folgender Erwägung aus. ES kann auch jemand, der nicht Bcrufsgenosse des Täters ist, unter dem „anderen" verstanden werden, aber nur dann, wenn nach den Um- ständen deS Falles durch die versuchte Einwirkung die Teilnahme oder das Folgeleisten in bezug auf die Vereinigung oder Verab- redung behufs Erlangung günstigerer Lohn- und Arbeitsbedingungen erreicht werden kann und nach der Absicht deS Täters erreicht werden soll. Eine solche Boraussetzung erscheint dem Senat dann ausgeschlossen, wenn eS sich einzig und allein darum handelt, den andern, inS- besondere den Gegner im Lohnkampfe zu bewegen, Forderungen, die an ihn gestellt sind, zu be- willigen. Der Wortlaut des Gesetzes deutet schon daraufhin, datz nur solche Verabredungen und Vereinigungen gemeint sind, durch welche die Koalition zur Erlangung dessen, was durch sie erreicht werden soll, verstärkt werden soll, durch welche tatsächlich ein der Koalition Fernstehender auf ihre Seite gebracht oder dort erhalten werden soll und durch ein dem Zwecke der Koalition cnt- sprechendes Verhalten das Ziel der Koalition befördert werden soll. Diese Verhältnisse treffen bei der Bewilligung der Forderungen seitens der Gegner im Lohnkampfe nur unter besonderen Voraussetzungen zu. Das kann beispielsweise für den Fall gelten, wenn gerade die Unterwerfung einzelner Gegner im Lohnkampfe als Mittel zur Unterwerfung der Gegner in den eigenen Reihen dienen kann und soll. Derartige Unistände kommen heutzu- tage vor. Die Verhältnisse haben sich so gestaltet, datz sich Arbeit- geber und-nehmer vereinigen, um andere Arbeitgeber und-nehmer zur Teilnahme an der zwischen ihnen getroffenen Vereinbarung zu veranlassen. Gerade der Fall in Band 36 ist nach den dort ge- gebenen tatsächlichen Unterlagen so gestaltet gewesen, datz sich eine Kommission gebildet hatte ans Arbeitnehmern und-gebern, die an- dere zur Teilnahme heranziehen wollte. Auch dicS spricht dafür, datz der erkennende Senat sich nicht in einem Konflikt gegenüber der Ent- scheidung des dritten Strafsenats befindet und auf eine Pleuar- entscheidung nicht hinzuzukommen hatte. »» ♦ In der Tat wird durch die Auslegung, die der 3. Strafsenat in der Entscheidung vom 30. April 1903 und nun auch, wenn auch etivas eingeschränkt, der 4. Strafsenat dem 8 153 der Gewerbe- ordnung gegeben hat, das Koalitionsrecht, wie der Reichsanwalt zutreffend hervorhob, lahmgelegt, und, wie wir ferner hinzusetzen, der Abschlutz und Bestand von Tarifverträgen aufs ärgste gefährdet. „Andere" im 8 153 der Gewerbeordnung kann nach der EntstehungS- geschichte, dem Wortlaut und Zweck dieses Paragraphen lediglich die auf der gleichen Seite der Lohnbewegung Stehenden betreffen. So ist auch in der Judikatur wiederholt entschieden, z. B. im Urteil des Kammergerichts vom 21. Mai 1891, 15. September und 8. Dezember 1898. Eine gegenteilige Ansicht hat eS freilich in einem Urteil voni 9. April 1894 geäußert. In der Literatur ist die Ansicht geteilt. ES spreckien sich für die jetzt auch vom Reichsanwalt ver- fochtene Ansicht z. B. Bernewitz, Goldschmidt, Kavier, Liechti, Liszt, Heinemann aus, dagegen Frey, Locning, Schenkel, Schicker. Die Freiheit des Koalitions rechts ist allmählich durch die Aus- legung die die Strafsenate Strafparagraphcn mit Rücksicht auf das Koalitionsrecht gegeben haben, wie Lotmar mal trefflich sich aus- drückte, eine Vogelfreiheit geworden. Von dem Reichsgericht, das das KoalitionSrecht gar ein„strafrechtliches Privilegiuni" genannt hat, war etwas anderes nicht zu ertvarten. Wie würden die Richter. Juristen und Ordnungsleute zetern, wenn man etwa das Eigentumsrecht ein strafrechtliches Privi- legium nennen würde. Im Herbst soll ja ein VercinSgesctz dem Reichstage vorgelegt werden. Dann gilt es ein KoalitionSrecht erst zu erobern und durch strafrechtlichen Schutz gegen Auslegungen sicher zu stellen, die klar zeigen, datz dem höchsten deutschen Gericht die ökonomischen Gründe für ein KoalitionSrecht, das Gneist einst eine der Grundlagen der heutigen Gesellschaftsordnung mit Recht nannte, völlig unbekannt sind. Das KoalitionSrecht setzt den Arbeiter erst in die Lage, sein Eigentum, seine Arbeitskraft nach denselben Bedingungen zu verkaufen, wie ein Sack Kartoffeln oder Kaffee verkauft wird. Seine Ausübung durch Interpretationen ein- zuschränken, ist eine Mitzhandlnng der wertvollsten nationalen Ware und würdigt die Arbeiter zu Hörigen herab. 5. NrrblUldstllg der Grimure lind Zistlenre. In der Debatte über den Vorstandsbcricht nimmt der verlorene Leipziger Streik einen breiten Raum ein. Wegen seines Ver- Haltens hierzu werden gegen den ersten Vorsitzenden von vcrschie- denen Seiten Angriffe erhoben. Brückner verteidigt sich hiergegen und rechtfertigt seine Haltung durch Verlesung einiger Protokolle. Auch die Einberufung einer süddeutschen Konferenz aus Anlatz der Erhebung von Extrabeiträgen gibt Anlatz zu Erörterungen, sie wird auch von verschiedenen süddeutschen Delegierten verurteilt. Etler- Stuttgart hat die Empfindung, datz die Gaucinteilung eine recht überflüssige Einrichtung sei, weil die Gauleiter zugleich auch Leiter von Filialen und durch diese schon ohnehin genug in An- spruch genommen seien. Gegen den Leipziger Streik hätte der Vorstand auftreten müssen, da er in einer flauen Geschäftszeit be- gönnen wurde. Vom Redner wird ferner die Auseinandersetzung des Vorstandes mit dem Vorstand der Stoffdruckgravcurc bemängelt, die Tonart sei nicht immer die richtige gewesen. Cohen als Ver- treter der Gcneralkommission weist Vorwürfe gegen die General- kommission zurück, u. a. den, datz sie die kleinen Gewerkschaften nicht genügend berücksichtige. Wegcner-Pforzheim beschwert sich, datz die Vorstandschaft einen Streik in Pforzheim durch ein Tele- gramm an die dortige Filialvcrwaltnng untersagt habe, obwohl die Situation für die Graveure sehr günstig gelegen habe. Der Vor- stand sei schlecht informiert gewesen. Thurow-Bcrlin weist darauf hin. daß er schon längere Zeit vor Ausbruch des Leipziger Streiks in einer Dresdener Konferenz gesagt habe, dost eine Stadt allein keinen Streik unternehmen dürfe. Ter Leipziger Streik entstand aber dennoch, weil der Zentralvorstand ihn in Verkennung der Zustände bewilligte. Eichbcrg-Berlin bemängelt hauptsächlich die Einrichtung des Zentralvorftandcs, sie sei zum mindesten nicht die- jenige, die sie sein sollte. Nachdem in der Dienstagsitzung die Diskussion sich noch einige Stunden hingezogen hatte, wurde sie durch Annahme eines Schlusi- antrages abgeschnitten. Der Vorsitzende Brückner rechtfertigt sich noch in längeren Ausführungen gegenüber den verschiedenen An- griffen der Diskussionsredner. Dast der Leipziger Streik verloren ging, lag nach seiner Meinung an dem Umstände, daß er zu spät begonnen wurde. Dem Vorstand wird darauf einstimmig Entlastung erteilt. Es folgt sodann der Bericht der Preßkommission, den Greincrt- Berlin erstattet. Er verbreitet sich besonders über eine Beschwerde der Berliner Filiale wegen der Artikel„Partei und Gewerkschaften" und der Angriffe gegen die Genossin Rosa Luxemburg. Hierzu liegen von der Preßkommission Anträge vor, die darauf hinzielen, der Kommission das Recht einzuräumen, bestimmte Artikel vorher einzusehen und zu beanstanden, ferner sollen der Kommission auf Verlangen die Namen der Artikelschreiber genannt werden. Zu- nächst wird noch vom Vorsitzenden Brückner der Bericht über den Arbeitsnachweis gegeben. Er weist auf die Schwierigkeiten der Verständigung zwischen Unternehmern und Gehülfen hin und setzt auseinander, welche verkehrten Ansichten noch manche Kollegen von der Arbeitsvermittclung haben. Alsdann wird in die Diskussion über diese beiden Punkte ein- getreten. � Mit 25 gegen 7 Stimmen wurde wie uns ein Privattelegramm meldet, der Anschluß an den Metallarbeiterverband beschlossen. Vom conckoner(Parteitag der russischen Sozialdemokratie. IV.(Schluß.) Folgende Beschlüsse des Parteitages sind noch zu verzeichnen: Zum Bericht der Dumafraktion. Anfänglich wurde, wie wir berichteten(„Vorwärts" Nr. 127), beschlossen�, in die Resolution zu diesem Punkte keinerlei Direktiven für die Fraktion auszunehmen. Tags darauf wurden aber, infolge der Erklärung einer Gruppe Letten, sie hätten gegen Aufnahme von Direktiven nur deshalb gestimmt, weil darüber erst nach Erörterung allgemein- taktischer Fragen diskutiert werden müsse, tatsächlich alle weiteren Debatten über die Resolution ahm Bericht der Dumafraktion auf später verschoben. Aber auch bei der späteren Beratung gelang eS den Anhängern der Direktiven nicht, durchzudringen, und die an- genommene Resolution besagt nur, die Dumafraktion wäre„im großen und ganzen" ihrer Aufgabe,„der Vertretung der Interessen des Proletariats und der Revolution" gerecht geworden und gibt der Ucbcrzeugung Ausdruck, daß dies auch fürderhin„im Einklang mit den Direktiven und unter der Leitung des zentralen Komitees ge- schehen iverde. lieber die Polnische Narodowa Demokratha. Die Resolution kennzeichnet diese Partei als„eine Organisation der konterrevolntionärcn Elemente der polnischen Gesellschaft" und als „unversöhnlichen Feind des Proletariats und der Sozialdemokratie", als eine Partei, die bestrebt ist„durch cßauviuistische und antisemitische Agitation die rückständigeren Schickten der polnischen Arbeiter als Waffe der Konterrevolution auszunutzen" und zu diesem Zwecke „offen den Mord revolutionärer Proletarier predigt und bewaffnete Banden zur Niedermetzelung der revolutionären Kämpfer organisiert". Die Abwesenheit unmittelbarer Vertreter des polnischen Prole- tariatS in der Duma wird von der Narodowa Demokratha be- nutzt, um sich als einzige Vertreterin des polnischen Volkes aufzuspielen. Es ist daher Pflicht der sozialdemokratischen Duma- fraklion, ftir ihre polnischen Genossen einzuspringen„zur un- ermüdlichen und rücksichtslosen Aufdeckung des reaktionären und antirevolutionären Charakters der Norodowa Demokratha, der Bundesgenossin des russischen Absolutismus im Kampf gegen die Revolution". In der Duma sind Verhandlungen und Abmachungen jeder Art mit der Narodowa Demokratha unzulässig. Ueber den Partisanenkampf. Der Partisanenkampf, d. h. der Masfenterror gegen einzelne Agenten der Regierung und Vertreter der Bourgeoisie, ist eine Folge von„ökonomischer Krise, verschärftem ökonomischen Kampf und Arbeitslosigkeit"; auch die Expropriationen stehen damit in engem Zusammenhang. Diese Kampfesmethoden sind schädlich, denn sie erwecken in, Proletariat anarchistische Tendenzen und lenken seine Anfnierksamkeit Pom organisierten Kampfe ab. Daher ist die Beteiligung von Partei- Mitgliedern an solchen Aktionen, ihre Propagierung. Unterstützung und Organisation durchaus unzulässig, sie ist als vom Partei- tag untersagt zu betrachten. Den Parteiorganisationen erwächst die Pflicht,„aufs energischste gegen die Methode deS Partisanenkampfes und der Expropriationen a n z»l i ä ni p f e n". Im Anschluß daran erklärt der Parteitag die Existenz von besonderen Kampfesorganisationen für schädlich und beschließt ihre Auflösung, da sie„infolge ihres von der übrigen Arbeiterbewegung abgeschlossenen Lebens" leicht zu terroristischer Taktik neigen und so selbst zur Verbreitung der terroristischen Ideen beitragen.— Diese Resolution wurde mit 170 gegen 35 Stimmen bei 52 Stimmenthaltungen angenommen und richtet ihre Spitze gegen die Bolschewiki. Ueber die Geloerkschaften. Unter Aufrechterhaltung der Stockholmer Resolution weist der Parteitag die in Gewerkschaften arbeitenden Parteimitglieder auf die Notwendigkeit hin, danach zu streben, daß die Gewerkschaften„die ideelle Leitung der Sozial- demokratie anerkennen und sich auch organisatorisch mit ihr per- binden".— Diese Resolution wurde debattelos angenommen. Vierter Levossenichaftstag de; Zentral- verbände; deutscher Konsumvereine. Düsseldorf, den 18. Juni. Nach Eräffmmg der Versammlung gibt der Vorsitzende bekannt, baß als Vertreter des Regierungsbezirks Düsseldorf Regierungsrat Dr. Herbstlich und als Vertreter der Stadt Düsseldorf Professor Dr. Zahn erschienen sind. In seiner BearüßungS- anspräche betonte der letztere, daß er dem genossenschaftlichen Gedanken die Zukunft zuerkennt, es komme nur darauf an, diesen Gedanken so zu gestalten, daß er dem Interesse der Gesamtheit dienstbar gemacht werde. Darauf beginnt die Hauptvcrhnndlung. Der Vorsitzende R a d e st o ck erstattet den V o r st a n d ö b e r i ch t, der nur kurze Zeit in Anspruch nimmt. Redner konstatiert eine ruhige aber sichere Entwickelung deS Verbandes. Eine Anzahl Vcrbaudsarbeiten ist, um eine Uebcrlastung abzuwenden, hierfür besonders eingerichteten Körperschaften überwiesen. Es ist eine U n t e r st ü tz un g s« lasse eingerichtet und ein T a r i f a m t geschaffen. Mit dem Verbände der Handels- und Transportarbeiter sind Tarifverträge abgeschlosien. Ferner ist die Einrichtung von R evisionS-Verbands-Sekretariaten in die Wege geleitet, eine Statistik über Lohn- und Arbeitsverhältnisse der im Betriebe der Genossenschaften Beschäftigten ist aufgenommen und die Gründung einer eigenen Druckerei und Verlagsanstalt .ngebnhnt.> Den Geschäftsbericht erstattet der Verbandssekretär Kauffmann. An der Hand deS Jahr- und Adreßbuches der preußischen Zentral- GenossenschaftSkasse sei ein ziemlich genauer Ueberblick über die Bewegung innerhalb der Ge- iiosiensckiaften zu gewinnen. Die fünf Hauptgruppen— Kredit-, Verwertungs-, Arbeits-, Bezugs- und Konsumgenosienschaften haben im Vorjahre die Zahl von 25 714 erreicht mit einer Mit- gliederzahl von 3 860 143. Davon entfallen auf die Konsumgenossen- schaften 2008 Vereine mit einer Mitgliederzahl von 1 037 313. Von diesen wiederum gehören 929 Vereine mit 781 369 Mitgliedern dem Zentralverbande an. Das Wachstum hat prozentual im letzten Jahre etwas nachgelassen. Die Zahl der von den Verbands- vereinen beschäftigten Personen betrug im letzten Jahre 10 716. Die in eigener Produktion hergestellten Waren repräsentierten einen Wert von 24 803 208 M. Der erzielte Reingewinn betrug im Vor- jähre 19 370 284 M. Der Umsatz des letzten Jahres 46>/z Millionen Mark. Redner gibt weiter eine detaillierte Darstellung von der voraussichtlich weiteren Entwickelung der Genossenschaften. Er faßt seine Darlegungen über das. was in dieser Richtung zu tun sei, in folgender„Resolution" zusammen: „Der 4. ordentliche Genossenschaftstag des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine am 16. bis 19. Juni in Düsseldorf empfiehlt den Verbandsvereinen aufs dringendste, alle Versicherungen gegen Unfall, Haftpflicht, Feuerschaden, Einbruchsdiebstahl. Glasschaden, Wasierleilungsschaden und dergl. nur durch das Sekretariat des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine bei den durch dasselbe empfohlenen Versicherungsgesellschaften abzuschließen. Der Sekretär wird ferner beauftragt, an die einzelnen Ver- eine Anfragen über Feuerversicherungsverhältnisse zu richten, um eine einheitliche Ausführung sämtlicher Verncherungsdokumente herbeizuführen. Insbesondere soll nachgeprüft werden, ob nicht einzelne Vereine zu hohe Prämien zahlen. Ist dieses der Fall. so soll ihnen der Sekretär Vorschläge zwecks Ermäßigung der Prämie machen. Zur Ausführung dieser Arbeiten und Unterstützung des Sekretärs soll, so weit es erforderlich ist, die Versicherungsabteilliiig der Verlagsanstalt des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine ausgebaut werden. Mit den dazu notwendigen Matznahmen wird der Vorstand des Verbandes in Verbindung mit dem Sekretär beauftragt. Redner führt weiter aus, daß das Sekretariat voraussichtlich auch einer j u r i st i s ch e n Abteilung bedürfe, wie denn über- Haupt das Arbeitsfeld noch ein sehr ausgedehntes sei, doch könnten bestimmte Pläne hierfür noch nicht vorgelegt werden. Die Praxis werde zeigen, was noch alles erforderlich sei. Die Hanptsacke müsse sein, alle Konsumenten zu organisieren, dabei müsse jeder die Ueberzeugnng anderer achten. HülfSbereitschaft und Nächstenliebe müsse das Leitmotiv für einen Genossenschafter sein. ES könne gleich sein, ob diese Eigenschaften von religiöser oder politischer Seite ge- zeigt würden, die Hauptsache sei die Betätigung dieser Hülfs- bereitschaft. Zur Diskussion meldete sich niemand. Die Resolution gelangte darauf zur einstimmigen Annahme. Ueber den „Ausbau der Organisa t.ion deS Zentralverbandes deutscher Konsumvereine und seiner Revisionsverbände" referiert der Verbandsdirektor Barth. In großen Umrissen zeichnet derselbe ein Bild der Entwickelung des Verbandes und begründet sodann die Einzelforderungen für den Ausbau in einer drei Druckseiten starken Resolution. Da es sich hierbei lediglich um organisatorische und agitatorische Maßnahmen innerhalb des Verbandes, um eine Teilung von Funttionen usw. handelt, so gehen wir über diese Einzelheiten hinweg. In der Diskussion kritisiert F l e i ß n e r- Dresden, daß man bei Ausschreibung der Stellen für die einzurichtenden Verbandssekretariate Anforderungen an die sich meldenden Beamten stelle, die niemand ersiillen könne. Darauf sei es auch wohl zurückzuführen, daß sich fast niemand gemeldet habe. Der Referent sucht diese Bedenken zu zerstören und fordert Vertrauen zu den Maßnahmen des Vorstandes.— Schmidt- Elberfeld pflichtet jedoch Fleißner bei und betont noch, daß über diese Angelegenheit große Mißstimmung innerhalb der Verbands- kreise herrsche. Wohl gäbe es fähige Personen genug innerhalb des Verbandes, aber bei einem Gehalt von 2400 M., wie es seitens des großen sächsischen Verbandes angeboten sei, melde sich eben niemand. Es sei bedauerlich, daß man bei den gestellten Anforderungen ein solches Gehalt offerieren möge.— Der Vorsitzende R a d e st o ck findet die Aeußerungen von Schmidt unpassend und Arnold-Leipzig betont unter allgemeiner Heiterkeit deS Verbandstages, daß die Verbandsbeamten s e l b st l o S zu handeln hätten und ihre Genugtuung im Berufe finden müßten. Das Hanptpnnzip sei die Verbilligung der LebenS- Haltung der Arbeiter, da müsse von hohen Gehältern Abstand ge- nommen werden. Die Resolution gelangt sodann gegen drei Stimmen zur Annahme. Einen weiteren Punkt der Tagesordnung bildet ein Referat des Herrn S ch m i d t ch e n- Magdeburg über: „Der geni ein schaftliche Einkauf der Konsum- vereine". Redner sucht in längeren Darlegungen nachzuweisen, daß eine größere Anzahl von Verbandsvereinen dadurch ihre genossenschaft- iichen Pflichten verletzen, daß sie sich der Großeinkaufsgenossenschaft nicht anschließen und sich auch nicht am gemeinsamen Einkauf be- teiligen. Man solle die Theorie auch in der Praxis betätigen. Redner empfiehlt folgende Resolution: „Der 4. Geiiossenschaftstag des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine am 17. bis 19. Juni 1907 in Düsseldorf empfiehlt den Verbandsvereinen. sich der Großeinkanfsgesellschaft deutscher Kousuntvereine anzuschließe». Ferner wird den Verbandsvereinen die Beteiligung an den EinkanfSvereiiiiguitgen und deren gemeinschaftlichen Warenbezügen angelegeiillichst cinpfohlen. In der dauernden Beteiligung an diesen Einrichtungen liegt die beste Kräftigung der Konsuingenosienschaftsbeweguiig. Das Jnteresie der Koiisuingenossensckasteii erfordert auch, daß dem Warenbezug von der Großeinkaufsgenossenschaft mit dein besten und ernstesten Willen andauernd die größte Aufmerksamkeit zugewendet lvird." In der Diskussion erklärt B ü ch l e i n,.eS sei eigentlich be- schämend, daß in gelvisien Kreisen in Berlin eine Rückständigkcit gegenüber der Genosse, ischaftseewegung herrsche. Nach einstimmiger Annahme der Nesvluliou wird die Sitzung auf Mittwoch vertagt. Soziales. Hcimarlieiterelend in Hessen. Im Bericht der hessischen Gewerbeiitspektoren für 1906 sind auch die Verhältnisse der Heimarbeiter gestreist und in einer besonderen Tabelle speziell die Einzelfeststellimgen über die Arbeits- und Wohiiung-Zverhältnisse der Konfektionsarbeiter auS dem Bezirk Worms niedergelegt. Sehr richtig ist es, wenn die Ergebnisse dieser Tabelle als recht ungünstige bezeichnet werden. Obwohl die ineisten dieser Heimarbeiter in eigenen„Häusern" wohnen, sind die Wohiinngsverhältnisse doch äußerst ungünstig, da die Häuschen eng und baulich minderwertig sind. Der Erwerbspreis ist' ja freilich ein recht geringer, waS schon daraus er- hellt, daß zum Beispiel in Dalheim für einen solchen Proletarierpalast ganze 400 M. bezahlt wurden. ES ist da- her auch nicht zu verwundern, daß die Hälfte dieser Behausungen dem WohnungSinspektor Anlaß zu Beaiistandungen gab wegen banlichcr Mängel oder wegen Ueberfiilluiig nnd sitllicher Bedenken. Dabei sind die Stundenlöhne dieser Proletarier, die an einigen Orten, soweit sie über einiges Bargeld verfügen, noch zu den„besser situierten" Bürgern zähle», wirklich ganz erbärmliche. Von einer siebenköpfigen Familie arbeitet der Vater und drei Söhne im Alter von 21. 17 nnd 15 Jahren Hosen für ein Mainzer Geschäft. Der Reinverdicnst pro Stunde und Person waren ganze 10 Pf. Dabei kampierte diese Familie tagsüber in. einer mittelgroßen niedrigen Stube, die zugleich zum Kochen und zur Arbeit dient und nachts als Schlafraum der Eltern benutzt wird. Das ist der einzige bewohnbare Raum des Hauses. Die Kinder schlafen unter dein unverschalten Ziegeldach, durch welches es auf die Betten regnet und schneit. Es ist unter solchen Umständen kein Wunder, wenn festgestellt wurde, daß zwei Kinder am Keuchhusten starben nnd der gichtige Vater schon mehrere Male an Lungen- und Rippenfellentznndung erkrankt ist. Vielfach stellt sich der Verdienst, wie der Bericht hervorhebt, bei voller Arbeit des Mannes und zcitweiser Mithülfe der Frau ans 20 bis 30 Pf. pro Stunde für beide Personen zusammen. Dabei war der Lohn ftiiher noch geringer, denn ein Streik der Konfektions- arbeiter im Frühjahr 1906 brachte diesen Aernisten wenigstens eine fünfprozentige Lohnaufbesserung. Da auch in den weitaus meisten Fällen der Arbeilgeber keinen Kraiikenkassenbeitrag zahlt und dem- zufolge nur etwa die Hälfte gegen Krankheit versichert ist, so ist ivohl zu ermessen, wie das Elend wächst, wenn diese Widerstands- schwachen auf das Krankenlager getvorfen werden. Bei einigen der Fälle kehrt der Vermerk wieder:„Mutter an Lungenentzündung gestorben!"—„Vater ab und zu krank"—„Mutter hatte Gehirnentzündung". Auch Kindererkrankiiiigen wurden rc- gistriert— unter solchen Umständen kein Wunder. Was den Pauperismus dieser Leute hier und da etwas dämpft, ist neben dem Besitz eines eigenen Heims oder eines Aeckerchens das Halten eines Schweins oder einiger Ziegen. Hin und wieder wird auch in der Landwirtschaft mitgeholfen, Ivenn in der Schneiderei die Arbeit nach- läßt. So hilft man sich mit Hängen und Würgen durch diese Misere, die von manchen gar noch als eine Fügung des Himmels erklärt wird._ Säuglingssterblichkeit und Säuglingsfürsorge. Eine bemerkenswerte Statistik über eheliche und unehelich! Säuglingssterblichkeit hat der Königsberger Stadtarzt Dr. Ascher nach urkundlichem Material über einen Zeitraum von 23 Jahren (1877—1905) zusammengestellt. Sie bietet folgendes Gesamtbild: ES starben im ersten Lebensjahr Eheliche Uneheliche 1877-1831... 24,4 Proz. 53.6 Proz. 1882—1886... 25.8„ 50,7„ 1887—1891... 25,0„ 45,1„ 1392—1896... 25,3„ 44,1„ 1897-1901... 22,2„ 41,2„ 1902-1905... 18,9„ 34,4„ Um 1881 wurde die Polizeiaufsicht eingeführt; da? hatte ein Absinken der Mortalität der Unehelichen um 3—12 Proz. im Jahre 1901 zur Folge. Weit besser noch hat augenscheinlich die um 1901 auf 1902 eingeführte ärztliche Aufsicht und Waisen- pflege gewirkt. Sie zeitigte innerhalb eines Jahrfünfts ein Herab- gehen um 6.8 Proz. der Sterbesälle bei den Unehelichen. Man wendet eben in jüngster Zeit, heilsam aufgeschreckt durch die deutsche Gesaintsterblichkeit der Säuglinge, die bekanntlich umfänglicher ist als die jedes anderen Kulturstaates, der Säuglingspflege und-Für- sorge allenthalben mehr Aufmerksamkeit zu. Einen günstigen Einfluß auf die Sterblichkeit auch der ehelichen Kinder hat auch die all- gemeine Fürsorge ftir Säuglinge durch Milchbeschaffung, Stillprämien, Ueber wachung» st atione n.usw. ausgeübt. Gründung eines BetriebSkrankenkassenverbandeS. Der Verband der Rheinisch-Westfälischen Betriebskrankenkassen hat eine Reihe Vertreter größerer Werke aus den verschiedenen Teilen Deutschlands zu einer Besprechung zum 29. d. M. nach Eisenach in das Hotel„Der Rantenkranz" eingeladen. Dadurch soll die Grün- düng eines Verbandes in die Wege geleitet werden. Die Einberufer wollen, daß zu zwei Fragen Stellung genommen werde. Erstlich soll gegen eine vermeintliche Gefährdung des Fortbestandes der Betriebs- krankenkassen in ihrer bisherigen Forin Front gemacht worden. Leider ist diese Befürchtung der Einberufer gäuzlich un- begründet. So sehr eine Zentralisierung der Kassen unter Aufhebung der Betriebs- und Jnnungs-Krankenkassen im Interesse der Arbeiter liegt, so wenig ist Hoffnung auf eine Verwirklichung dieser Zentralisierung von der herrschenden antisozialen Strömung zu erivarten. Der zweite Punkt, der Anlaß zur Einberufung der Konferenz zwecks Gründung eines Verbandes gegeben hat, ist die A e r z t e- und Apothekerfrage. Nach Ansicht der Einberufer ist nach den Erklärungen des Staatssekretärs Graf Posadowsky und nach den vom Reichstage gefaßle» Resolutionen in der zu er- wartenden Krankenkassennovelle auch Regelung der Aerzte- und Apothekersragen zu erwarten.„Bei der Aerzteftage handelt es sich", führt der Vorstand des Verbandes der Rheinisch- Westfälischen Vctriebskrankenkassen in seiner Einladung aus,„inS- besondere darum, ob die von der Aerztcorganisalion und die von den Krankenkassen wegen ihrer schädlichen Einflüsse aus Kassen- Verhältnisse einmütig abgelehnte unbeschränkte freie Aerzte- ivahl gesetzlich eingeführt werden soll. Die. OrtSkranken- kästen haben schon vor längerer Zeit einen Zentralverband gegründet, der für ihr Vertretungsorgan anerkannt wird und die öffentliche Meinung mit Erfolg zu beeinflussen sucht. Die Aerzte und Apotheker haben sich zu großen Verbänden zusammengeschlossen und wirken durch diese systematisch auf die Oeffentlichkeit und die gesetzgebenden Körperschaften im Sinne ihrer Forderungen ein. Namentlich betreibt die Aerzteorganisation. die ein rein gew'erkschaft- licher Körper ist, mit den Mitteln der Gewerkschaft arbeitet, die Agitation im großen Stile. ES ist deshalb dringend erforderlich, daß sich auch die Betriebs- krankenkassen zusammenschließen, um ihre Auffassinigen und Wünsche bei der Reform der Krankenkassenvcrsichcrling rechtzeitig und nach- drücklich zur Geltung bringen zu könne». Der Verband Rheinisch- Westfälischer BetriebSkranIcnkassen, der gegen 360 Krankenkassen mit nahezu 600 000 Vcrsicherlen umfaßt und der den einzigen Zusammenschluß von BetriebSkrankenkassen von inehr als ort- licher Bedeutiliig darstellt, Hai es sich bis jetzt angelegen sein lassen, auch die gemeüssameu Interessen der BelriebSkrankenkassen nach jeder Richtung hin wahrzunehmen. Er hat dafür gesorgt, das; in der öffentlichen Erörterung von Krankenkassenangelegenheilcn auch der Standpunkt von Betriebskrankenkassen zu Worte kommt. In der Aerzteftage hat der Verband eine außerordentliche Denkschrift au de» Reiwstag gerichtet. Bei den bevorstehenden großen Aendernngen im Krankenkasseiuvesen werden die Stimmen der Betriebskrankenkassen Gehör finden, wenn sie vereinigt und einig vorgehen." Eue Induftnc und Kandel. Bon der Konjunktur. Die.Arbeitsmarkt- Korrespondenz' schreibt unterm 19. Inn) unter anderen:: „Je mehr die Abschlvächnng der Kauflust am Markt ftir Fertig- eczeugnisse zu ungünstigen Urteilen über die Gesamtlage des Eisengewerbes und über deren zukünftige Gestaltung verleitet, um so mehr muß darauf gesehen werden, auf Grund zuverlässiger statistischer Unterlagen nachzuweisen, daß die Lage der Eisenindustrie gegenwärtig noch nicht das geringste Symptom einer Verschlechterung erkennen läßt. Bei sorgfälliger Prüfung alles einschlägigen Materials ließ sich bisher nichts entdecken, das den Stimmen, die die Lage der deutschen Eisenindustrie bereits als erschüttert an- sehen, recht gäbe." In der Generalversammlung der A.-G. für Feld- und Klein- bahuenbedarf vormals Orenstein u. Koppel, die am 18. Juni statt- fand, äußerte der Vorsitzende: „Infolge des teuren Gcldstandes und deS an Börsen herrschenden PesfimiSnin» ist ein großer Teil von Bauprojekten zurückgestellt worden." Die„Rheinisch-Westfälische Zeitung', die zur Großindustrie gute Beziehungen unterhält, schreibt in ihrer neuesten Vczugs-Einlridung: „Der Rückgang der Konjunktur ist auch dieSinal von der „Rh.-W. Ztg." rechtzeitig erkannt und beleuchtet worden. Infolge ihrer zentralen Lage und ihrer ausgedehnten Beziehungen zu der gesamten rheinisch-westfälischen Industrie ist sie in der Lage, auch in Zukunft über alle Bewegungen des deutschen Wirtschaflslebens frühzeitig und zuverlässig ihre Leser zu unterrichten." Der 12. VcriandStag mitteldeutscher Handelskammern, der in Brandenburg a. H. tagte, beschäftigte sich u. a. mit der Frage des Eindringens weiblicher Personen in den kaufmännischen Beruf. Der Vertreter der berichterstattendcn Handelskammer Magdeburg erörterte die Ursachen des stärleren Eindringens der Frau in den kaufmännischen Beruf. Im ferneren Verlauf der Debatte äußerten sich die anwesenden Vertreter noch dahin, daß die Kenntnisse der juiigen Mädchen vielfach sehr ungenügend seien, während andererseits auch gule Erfahrungen gemacht Ivorden waren. Es kam eine einseitig gehaltene Petition des Tcntschnationalen Handlungsgehülfen- Verbandes zur Sprache, ferner die Mißstände in manchen Privathandelsschulen. Vom Kasseler Vertreter wurde ein Fall beleuchtet, in dem ein ehemaliger Kohlen- Hauer und«schlepper, der früher auch die Kühe gehütet hatle. junge Leute für den Handelsstand vorbereitet hat. Hier müsse Abhülfe geschaffen werden I Auch die Verschiedenheit bezüglich des Fort- bildungsschulunterrichts für Verkäuferinnen und Kontoristinnen wurde erwähnt; während letztere einer kaufmännischen Bildung be- dürfen, liege bei der Verkäuferin oft mehr au persönlichen Eigen- schaften, als an stfmlmäßig erworbenen Kenntnissen. ES wurde folgende Resolution angenommen: „Der mitteldeutsche Handelskammertag erklärt: 1. Daß mit der vorhandene» und möglicherweise zunehmenden Beschäftigung weiblicher Personen im Handel als mit einer Tat- fache zu rechnen ist, der auch die für die Heranbildung des kauf- männischen Nachwuchses verantwortlichen Stellen Rechnung zu tragen haben. 2. Der vorhandene natürliche Zugang wird leider aber in un- gesunder Weise vermehrt durch die künstlichen Lockmittel, deren sich ein höchst schädlich wirkender Teil der bestehenden Privathandels- schulen bedient. Der mitteldeutsche Handelskammertag begrüßt es deshalb mit Befriedigung, daß die Regierungen der behördlichen Regelung des Privathandelsschulwesens jetzt eine größere Aufmerksamkeit zu- wenden. 3. Der mitteldeutsche Handelskammertag erhebt entschieden Ein- spruch gegen die Petition des Dentschnationalen Handlungsgehülfen- Verbandes, der sich berufen fühlt, im Namen des Handelsstandes gegen die Bewilligung öffentlicher Mittel für die Ausbildung weiblicher Angestellten zu protestieren." Zur Frage der Beschäftigung ausländischer Arbeiter wurde folgende Resolution angenommen: „Der mitteldeutsche HandclSkammertag spricht sich mit Eni- schiedenheil gegen eine unterschiedliche Behandlung der Ausländer- frage in Industrie und Landwirtschaft aus. Wenn aus nationalen Erwägungen Bedenken gegen die Beschäftigung ausländischer Arbeiter geltend zu machen sind, so müssen sie gleichmäßig An- Wendung finden für beide Erwerbsgruppen. Die vorzugsweise Be- Handlung einer Erwerbsgruppe widerspricht den Grundsätzen Wirt- fchaftlicher Gerechtigkeit. Ein neues Elektrizitätswerk, besten Kosten auf IS'/z Millionen Mark veranschlagt sind, beabsichtigt die Stadt Leipzig zu erbauen. Erhöhte Verrechnungspreise. Laut„Franks. Ztg." stellt sich die von dem Stahlwcrlsverband an die Vcrbandswerke über den Verrechnungspreis hinaus zu vergütende Gewinnquote auf Produkte A für das lausende Jahr auf durchschnittlich 10— M. pro Tonne gegen nur M. im Vorjahre. Dividenden. Die Aktiengesellschast für Eisen- und Stahlindustrie „ArchimedeS" in Berlin will für das abgelaufene Geschäftsjahr 11 Proz. Dividende ausschütten gegen?'/„ Proz. im Vorjahre.— Von 12 auf 18 Proz. erhöhte sich die Dividende der Mechanischen Weberei in Zittau.— Die Generalversammlung der Fortuna A.-G. für Braunkohlenbergbau und Brikettfabritalion fetzte die sofort zahl- bare Dividende auf 9 Proz. fest.— Die Deutsche Salpetcrwerke Foelsch u. Martin hier erzielten einen Reingewinn von S 311 251 M Daraus werden 40 Proz. Dividende verteilt und 1004 309 M. auf neue Rechnung vorgetragen. Einnahmen dcS hamburgischcn Staates au? den hamburgischen Hafenanlagen. Aus der soeben veröffentlichten hamburgischen Staatshaushalt-Abrechnung über des Jahr 1905 geht hervor, daß die Nettoeinnahme aus dem öffentlilhcn Kaibctriebe lKai-, Lager-, Wiege-, Krangeld-, Ladclöhne usw.) 2,73 Millionen Mark betragen haben. AuS der Verpachtung der Kaistrecken an die großen Schiff- fahrtsgcsellschaflen(Hamburg- Amerika- Linie. Woermann-»Linie, Deutsche Ost-Afrika-Linie und Deutsche Lcvantc-Linie) sind Iverter 1,90 Millionen Mark und an Gebühren für die Benutzung der auf dein südlichen Elbufer gelegene» Anschlußgleise sowie der Gleise nach dem Petersenkai 0,18 Millionen Mark in die Staatskasse geflossen. Die aus de» Kaianlagen erzielte Gesamteinnahme beträgt deinuach 4,81 Millionen Mark, das ist luigesähr der gleiche Betrag, der im vorhergehenden Jahre eingenoinmen wurde. Unter de» sonstigen aus dem Hafenbetricbe fließenden Einnahmen des hamburgischen Staates stehen die Tonnengelder in Höhe von 2,90 Millionen Mark (im vorhergehenden Jahre 2,00 Millionen Mark) und die Gebühren für Handel und Schiffahrt, die allerdings nur zum Teil Einnahmen aus dein Hafcnbctriebe sind, mit 1,75(im Vorjahre 1,34) Millionen Mark voran. Diese letzteren Einnahmen lassen deutlich den Einfluß des steigendeii Schiffsverkehrs im Hamburger Hafen erkennen, ein Einfluß der jedenfalls in den Eiimahmcziffen: dcS JahreS 1906 noch deutlicher zum Ausdruck kommen wird. Em der frauenbe�egung. Die Frau uud der Staat. Vor einiger Zeit hat der Max Lorenz im„Tag" sich gegen jede Konzession an die Frauenbewegung ausgesprochen. Seine staatS- philosophische Begründung hat bei den Scharfmachern viel Anklang gefunden. Das zeigt, daß diese Elemente mit ihrem ganzen Empfinden und Wollen noch vollständig barbarisch beeinflußt sind oder wieder in Barbarei zurückfallen. Der M. Lorenz argumentierte nämlich: Der Staat hat nicht die Aufgabe, jedem seiner Angehörigen ein möglichst großes Maß von Wohlergehen und Wohlbefinden zu verschaffen, sondern nach außen seine Macht und Stärke zu wahren und zu erhöhen I Diesem Zweck dient die Wehrmacht. Für diese sind die Frauen untauglich, darum haben sie im Staat auch nicht mitzubestimmen. Solche Vergewaltigung der Logik wird höchstens noch übertroffen durch die Verkehrtheit der ihr zu Grunde gelegten Prämissen. Der Staat ist nicht Selbstzweck, sondern ist und soll wenigstens das Mittel sein zu den, Zwecke, seinen Angehörigen das möglichst größte Maß von Wohlergehen zu verschaffen. Angenommen, e? sei ebenso richtig wie eS falsch ist, de? Staates Aufgabe sei, seine Macht nach außen auf Kosten des Wohlergehens seiner Angehörigen zu fördern, so wäre wiederum das zur Erreichung des gedachten Zweckes vorgeschlagene Mittel vollständig verfehlt. Die Revolutionierung der Kriegstcchnik läßt die Qualität des MenschenmaterialS in der Wehrmacht nicht etwa zu einem unter- geordneten Faktor herabsinken, im Gegenteil, nicht nur an die physische Leistungsfähigkeit, sondern ganz besonders auch an die Intelligenz und an die geistige Energie werden höhere Ansprüche gestellt. Kein Staat, innerhalb der widerstreitenden, widersinnigen kapitalistischen Interessen, kann sich den Bedingungen, die aus dieser Talsache ent- springen, entziehen. Die Quantität kann die Qualität nicht ersetzen. Das in politischer Beziehung rückständige Ehina, das sich der auf die tiefste Kulturstufe und der auf die letzte Sprosse der Bedürfnis- losigkeit hinabgesunkenen Kulis erfreut, und das mehr Menschen als Kanonenfutter verbrauchen kann als ganz Europa zusammen, ist als Nationalstaat doch ein morsche?, schwaches Gebäude, es wäre noch mehr eine Ruine, eine schutzlose Festung, wenn nicht die kapita- listischen Interessen der anderen, auf höhere Stufen hinaufgelangten Kulturstaaten, das innerlich faule China mit den Erzeugnisten der modernen Kricgstechnik versorgten und auch mit Instrukteuren, die den Chinamann in der Anwendung der entwickelten Kricgstechnik unterweisen. Wenn es wahr wäre, daß deS Staates Zweck sei, seine Wehr- macht, im Verhältnis zu der der anderen Staaten, auf ein möglichst hohes Niveau zu bringen, so gäbe es vom nationalstaatlichen Stand- punkte kein schlimmeres Verbrechen, kein verbrecherisches Beginnen, als das, die Wehrmacht anderer Staaten zu stärken, und dadurch relativ die des eigenen Landes zu schwächen. Aber im Lande des Nationaldogmas und der Scharfmacherkultur gelten diejenigen als die idealsten Patrioten und Vaterlandsfreunde, die zugunsten ihres Privatgeldbeutels die Kriegsbereitschaft anderer Staaten erhöhen. Dasselbe gilt von denen, die am wütendsten sich der anderen Be- dingung zur Möglichkeit einer erhaltenden und gesteigerten Wehr- macht widersetzen: die Erhaltung einer starken, die Heranziehung einer wenn möglich noch stärkeren Generatio». Durch die rücksichtsloseste, brutale physische Ausbeutung und geistige Unterdrückung der Frau wird die Qualität der kommenden Generation aber zweifellos herabgemindert. Der Staat, der den fortgeschrittensten Bedürfnisten in den der Frau zu gewährenden geistigen und materiellen Freiheiten am weitesten entgegenkommt, hat auch die Gewähr des vollkommensten Nachwuchses. Nur Böswilligkeit und kleinlicher Egoismus kann dieser Tatsache gegenüber die Augen verschließen und in blind fanatischem Toben sich jeder notivendigcn VorwärtSentwickelung widersetzen. Die Sozialdemokratie leiten natürlich andere Motive bei der Forderung: Befreiung der Frau als Geschlecht! als die, einen ge- waltigen UnterjochuugSapparat gegenüber anderen Staaten zu schaffen. Aber es lohnte doch wohl der Mühe, einmal die Absudität jener bürgerlichen Argumentation gegen die Forderung der politischen Gleichberechtigung der Frau darzutun, unrsomehr in diesem Falle, weil der Lorenzschen Begründung der Negation, von den sich als die berufensten Staatsstützen aufspielenden Organen, als besonders ge- wichtig und durchschlagend zugestimmt wurde. Das kann man zu- gesteheu: der Lorenz ist einer der gescheitesten Scharfmacher gegen die Sozialdemokratie und gegen jede freiheitliche Entwickelung. Das sagt gegen unsere Gegner genug. PolizeisächsischeS in Lichtenberg. In der am Montag in Lichten- berg staltgefundenen Frauenversammlung erörterte die Rcfcrentin, Frau Fahrenwaldt, Erziehungsfragen und ging dabei auch auf die bekannte Trakehner Schulangelegenheit ein. In der Diskussion spann ein Redner den Faden weiter aus. Da erhob sich plötzlich der Ueberwachcnde; ohne den Vorsitzenden umS Wort zu bitten, unter- brach er den Redner mit der Bemerkung: Das gehört nicht zur Sache! Während seiner Rede kam lhm wohl der Gedanke, daß nun die Sicherheit des Staates bedroht sei, denn was er sagte, gehörte wirklich nicht zur Sache und war eine Ver- letzung der Vcrsanunlungsordnung. Der Schaden mußte repariert werden. Mit der ganzen Würde, die dem preußischen Ordnungshüter so wohl ansteht, ließ er das staatsrctterische Diktnm vernehmen: Ich löse die Versammlung auf I Die Ordnung in Lichtenberg, die Ruhe der Polizei, zwei Punkte, um welche sich doch schließlich die Welt- geschichte dreht, war gerettet und die Frauen haben einen will- kommenen Anlaß eine neue Versammlung abzuhalten. Diese findet am Dienstag, den 25. Juni, abends»Va Uhr. im„Schwarzen Adler" bei Gebr. Arnold statt. Das Thema des Vortrages lautet: Der Polizeikuüppel und die Frauen! Versammlungen— Veranstaltungen. Reinickendorf- West. Donnerstag, den 20. Juni. 8 Uhr. Vortrag, Genosse Dr. Max Schütte:„Die Urabstammung des Menschen". Britz. Donnerstag, den 20. Juni. 8>/s Uhr, bei Weniger, Britz, Rungiusstr. 3, Vortrag. Herr Dr. Zadel:„Fraueuleiden". Lichtenberg. Sonntag, den 23. Juni: Gemeinsamer Ausflug zu Klugmann, Rmmnelsburg, Köpenicker Chaussee(früher„WagnerS Ruh"). Treffpunkt vormittags 9 Uhr All-Boxhagcn. Ecke Neue Bahnhofstraße bei Tenipel. Die Neu-Lichteuberger schließen sich am Waisenhause um 9s/t Uhr an; Nachzügler im Lokale von Klugmann nachmittags 4 Uhr. Versammlungen. Warum wurde der Reichstag aufgelöst? Mit dem vorstehenden, durch die neueste Skandalaffäre wieder aktuell gewordenen Thema beschäftigten sich fünf am Dienstagabend im vierten Wahlkreis stattgefundene Versammlungen. » �« In der Versammlung für da? Görlitz er Viertel, die im Lokale„Südost", Waldemarstraße 75, stattfand, sprach Genosse E. D i t t in e r. Redner erörterte den Zusammenhang der Reichstags auflösuug mit der Hofkamarilla, von deren Treiben ja der Oeffenllichkcit neuerdings mehr als sonst bekannt geworden ist. Sckars hob er hervor, daß derartige Zustände nicht von einzelnen Menschen abhängen, sondern im System begründet sind, daß von jeher bei dem fogenannten persönlichen Regiment Personen die treibenden Kräfte Ukaren und sind, die sich hinter den Monarchen verstecken und ihn in seinen Entschlüssen zu lenken verstehen. Auf Grund verschiedener Schriften und Brehäußcrungen, Bismarcks und Hohenlohes Memoiren, Hördens Enthüllungen und Andeutungen in der„Zukunft" usw., schildert der Redner. tvie die Kamarilla bei politischen Ereignissen, bei den früheren Reichstagsauflösungen und bei der letzten, ihre Hände im Spiel hatte, und führte weiter aus, daß der Sozial- demokratie nicht darum zu tun sei, den persönlichen Schmutz auf- zurühren. der dabei zutage gefördert wurde, daß aber diese Dinge vorzüglich geeignet seien, dem deutschen Volk zu zeigen, wie und von welchen Leuten es regiert wird, und daß dem Boll nicht damit gedient sei, wenn nun Hardcn, wie früher in seiner MajcstätS- beleidiguuassache. demütigst Abbitte leistet, uud dann alles in Vergessenheit gerät. Jene Dinge zeigten wieder einmal deutlich, daß in Deutschland vor allem erst einmal ein wirklich parlamentarisches und konstitutionelles Regime geschaffen werden muß, eine Ausgabe für tvirklich liberale Leute, die ja in Deutschland nicht zu finden sind, und darum sei eS Aufgabe der Sozialdemokratie, in unermüdlicher Aufklärungsarbeit dafür, wie für den Sozialismus zu wirken. Der Vortrag fand ungeteilten Beifall. Zum Schluß forderte der Vorsitzende Genosse Klamm die Anwesenden auf, den Bäckern gegen- über in vollem Maße ihre Pflicht zu tun und bei ihren Einkäufen nur die Bäckermeister zu berücksichtigen, die die Forderungen der Ge- seilen bewilligt haben. »»• Im Elysium. Landsverger Allee, referierte Genoste D a v i d f o h n. An der Hand der Hardenfchen Enthüllungen uud der Frhr. v. Zedlitzschen Information an den Mitarbeiter der Wiener „Neuen Zeit", zerlegte er die Fäden des RänkespielS der Hofkamarilla, der sogenannten Liebenbergcr Tafelrunde, die sich rühmen konnte, durch geschickte Schmeichelei, Gesundbctcn, Spiritismus und dergleichen Hokuspokus den Monarchen in ein Netz ein- gesponnen zu haben, durch dessen Maschen so leicht niemand hindurch schlüpfen könne. Die Intrigen der Eulenbnrg-Clique liefen Ei'.de 1900 darauf hinaus, den Reichskanzler zu stürzen und liegt jetzt klar zutage, daß die Reichstagsauflösung ihren Grund in der Existenzfrage des Reichskanzlers und dessen Rat- gebcr gehabt hat. Es ist erstaunlich, in welch grober Weise das Volk getäuscht und um Sein oder Nichtsein einzelner Personen in die schiversten Konflikte hineingedrängt worden ist. Redner zeigte weiter, daß es auch in derartigen Fällen Sache der inter- nationalen Sozialdemokratie sei, durch verstärkte Propaganda ihrer Programmsätze, dem persönlichen Regiment und der sich dahinter verbergenden Hofkamarilla, wie dem von dieser unter den kramps- haftestcn Bemühungen dem Volke einzuimpfenden monarchischen Ge« fühle entgegenzuarbeiten.(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion forderte Genosse Elstereit unter Zustimmung zu den Ausführungen des Referenten zu besserer und energischer Agitationsarbeit auf. Der Borsitzende erinnerte zum Schluß die Anwesenden nochmals an den Kampf im Bäckergewerbe und ersuchte namentlich die anwesenden Frauen, zur Durchführung des Boykotts nach Kräften beizutragen. *•* In der Versammlung für das Köpenicker Viertel, die in der„D r a ch e n b ur g" stattfand, behandelte Genosse Sp lie d die Frage deS Abends. In ironisch gewürzten Ausführungen kenn- zeichnete er aufs schärfste den Schwindel, der nach der plötzlichen Reichstagsauflösung und während der Wahlzeit, namentlich mit der nationalen Phrase getrieben wurde im Kampfe gegen die Mehrheitsparteien des alten Reichstags. Deutschlands Philister seien allerdings auf den Leim gekrochen. Ueber die sozialdemokratischen Mandatsverluste jubelte das Bürgertum, und der Jubel hielt an, bis in der letzten Zeit, wie der Reif in der FrühlingSnacht, die Enthüllungen darauf fielen, die bclvicsen, weshalb der Reichstag eigentlich aufgelöst sei. Nicht die„Ncbeurcgierung" deS Zentrums, nicht die gestrichenen paar Millionen, nicht die„große nationale Frage" war die Ursache, sondern lediglich der Kampf v. Bülows um seine Reichskanzlerexistenz. Ob der Eulenburg den„Süßen" wirklich liebte und ob die Erlauchten und Edlen das Altweiberspiel deS Tischrückens übten und so selber ihre„Bildung" kennzeichneten, das solle uns wenig kümmern. Was uns aber angehe, sei die Tatsache, daß in einer Zeit, wo die politische Atmosphäre gcwitterschwanger war, wie beim Marokkokonflikt, dieser Kreis in unverantwortlicher Weise seine schmutzigen Finger dabei hatte. Zur selben Zeit, als die Marokko- frage am schlimmsten zugespitzt war, sehe man den Monsieur Lecomte von der französischen Botschaft in Liebenberg in die Möglichkeit versetzt, sich zu informieren. DaS, was darüber bekannt geworden sei, streife an Hochverrat. Aber auch nach innen habe die Kamarilla ihren unheilvollen Einfluß geltend zu machen gesucht. Fürst Bülow sollte gestürzt und durch einen robusteren Herrn ersetzt werden, der mit wenig Verstand, aber desto brutalerer Faust die anfwärtSstrcbende Arbeiterschaft niederschlagen sollte. Büloio habe sich durch ein Vabanquespiel gerettet.— Die bürgerliche Presse, die sich erst lebhaft mit der Angelegenheit beschäftigte, suche die Sache jetzt so darzustellen, baß diese Kamarilla beseitigt und nun alles gut sei. Tatsächlich hätten wir aber gar keine Aussicht, daß der Skandal dcS LiebenberaerS der letzte seiner Art sein werde. Bei den Verhältnissen in Preußcn-Deutschland. auf die der Redner näher eingeht, werde einer Kamarilla eine andere folgen: das liege in dem absolutistischen, nur etwas konstitutionell verschleierten Regiment. Für uns ergebe sich die Lehre, dieser Regierung in jeder Richtung auf die Finger zu sehen. Die Arbeiterschaft müsse sich so gut disziplinieren und so gut organisieren, daß sie schon durch die Wucht der Zahl die Herr- schendeu Gruppen in Schach halte, sowohl daS Junkertum wie daS Bürgertum.(Lebhafter Beifall.) Diskutiert wurde nicht. Unter Verschiedenem machte ein Genosse darauf aufmerksam, daß der B ä ck e r m e i st e r M a u t h e t, der dem Verein angehört und wegen Nichtbewilligung der Forderungen der Bäcker zur Rechenschaft gezogen worden sei, die Genossen beschimpft habe. Gegen ihn sei das Verfahren auf Ausschluß aus der Partei eingeleitet. Verschärfung deS Boykotts würde die richtige Antwort sein.— Ein Bäckermeister, der seinen Namen verschwieg, habe ihm unter der Bezeichnung„frische Pfannkuchen" einen ekelerregenden Stoff(Kot) geschickt und von Lumpenhunden erster Klaffe usw. geschrieben. Der Mann sei sicher ebenfalls aus dem Bezirk. » Die Versammlung flir das Stralauer Viertel fand in Litfins Saal statt. DaS Referat hielt Genosse Eugen Brückner. Er erinnerte daran, daß es seinerzeit allgemeine Verwunderung er- regte, daß der Reichstag aus einem geringfügigen Anlaß auf- gelöst wurde. Jetzt habe nun der Schriftsteller Horden einen anderen Grund für die Reichstagsauflösung angegeben, nämlich: Die Stellung des Reichskanzlers fei durch das Treiben einer Kamarilla erschüttert gewesen, und deshalb habe der Kanzler durch die Auflösung und die Neuwahlen zeigen wollen, daß er immer noch der Mann sei, der Deutschlands Politik leiten könne. Wieweit HardenS Angaben richtig sind, könne man nickt wissen. Wenn aber die regierungsfreundliche Presse dagegen einwende, das Bestehen einer Kamarilla und die Beeinflussung des Kaisers durch sie sei undenkbar, so müsse doch daran erinnert werden, daß sich am preußischen Hofe in der Vergangenheit stets eine Kamarilla breit gemacht und die Monarchen beeinflußt habe. Der Redner belegte diese Ansicht mit historischen Tatsachen aus der Regierungszeit Friedrich Wilhelms III., Friedrich Wilhelms IV. und vcrivies auch darauf, daß Bismarck einen weit- gehenden Einfluß auf Wilhelm I. hatte. Ob auch gegenwärtig eine Clique von Höflingen den Monarchen zu beeinflussen sucht, daS fei eine Frage, über die wir uns nicht aufregen brauchen, denn für das Volk sei es einerlei, ob daS Treiben einer Kamarilla oder der persönliche Wille des Monarchen die Politik beeinflußt. In einem modernen Staate dürfe das persönliche Regiment überhaupt keinen Platz haben. Die Sozialdemokratie ist die einzige Partei, die mit Entichiedenheit gegen da« persönliche Regiment kämpft und für die Verum klichung wahrhaft demokratischer Grundsätze eintritt. Wem das Wohl dcS Volkes am Herzen liegt, muß sich der Sozialdemo- kratie anschließen und in ihren Reihen für ihre Ziele kämpfen. Der Vortrag wurde niit lebhaftem Beifall aufgenommen. Anläßlich des bevorstehenden Internationalen Kongresses w Stuttgart empfehlen wir das Studium der Protokolle der IZstmultilmsIm Ardeiter-XoMese. Paris. 1889. Zürich. Mit einem Vorwort von W. Liebknecht. Berichte der Delegierten der einzelnen Länder; Abschaffung der stehenden Heere; Malseier. M.-.85 Stellung der Partei im Kriegsfälle; Agrar- frage; Generalstreik. M.—,50 London 1896. Politische Aktion; wirtschaftliche Aktion; Er- Ziehung und körperliche Entivickelung. M.—.80 Paris. 1809. Der Kampf um das allgemeine Wahlrecht; die ___„_ Eroberung der politischen Macht; Kolonial- Politik; der Sozialismus in den Gemeinden. M.-.80 Zu beziehen durch alle Parteisptditionen, Parteibuchhandlnngc« und von allen Kolporteuren, sowie durch die Expedition des„Vorwärts", Kktlm 8�., Lindenstraße«0, Laden. 234/12 1893. JOSETTI VERA CIGARETTEN haben jefcst tri® immer den Vorzug, bei denen, welche das Beste kaufen wollen. Das anerkannt höchst erreichbare, was io Cigaretten hergestellt werden kann. 10 St 30 Pfennig. Schönste Kochwald- u.j £andparzellen am 52022*| Kchiihas Snimiun d. b. Straße nach Biesdorf 7 Minuten ab Bahnhof beginnend. □ 10 Mark an. Günstigste Zahlungsbeding., Gas- u. Wasserleitung. Auskunft im Sonnenbad, Restaurant Döhring, Exuer, Gerlach in Neu-Sadowa und Restaurant Götze, 5tauISdors. Nieschalke& Niische, Berlin C., Landsbcrgerstraße 66. Eine tseitige Rotationsmaschine (Patent König u. 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Stargarderstr. 69/70, Funk. Zimmerstr. 75, Krümpel. Bri». Jahnstr. 41, 2utz. Charlottenburg. Wielandstr. 4. Krätkh. Lichtenberg. Scharnweberstr. 8, Schubert. Ober-SchSneweide« Rathenaustrage, Petereit. Rixdorf. Neue Donaustr. 52/53, Runkel. Tempelhof. Borussiastr. 8a, Schultze(nichtZerbahn, Steglitzerstr. 79). Die Bewilligung zurückgezogen haben: H. Eder, Anklamerstr. 57. Dreftler» Pappel-Allee 85. Schcuncmann» Strelitzerst. 31. Segler, Barnimstr. 5. Segler, Weinstr. 27. Schön, Mühlenstr. 51. Otto Mörbe, Nostizstr. 49. I. Göftwein, Allensteinerstr.9. F« Tähne, Stralaucr Allee 23. Hanke, Fennstr. 51. E. Barth, Drontheimerstr. 13. Frd. Susat, Rixdorf, Falkstr. 21 F.Sorenz,„ Steinmetzst.131 Zahl, Hochstädterstr. 23. Mensing, Biesenthalerstr. 2. gesperrt sind ferner die Brotfabrik Mittler, Müllerftr. 33/34, und die Großbäckerei Ilollner. Die verehrliche Bevölkerung von Berlin und Umhegend ersuchen wir, genau auf die roten Karten zu achten, die alten Plakate sind ungültig. Die vcrehrliche Bevölkerung von Berlin und Umgegend fordern wir hierdurch aus, falls sie aus bewilligten Bäckereien Ware haben wollen, in denjenigen Stadtvierteln oder Straftcnzügen, wo Keine dwilligt habenden Bäckmien vorhanden find, an untenstehende Kmiileti-Sattimetstelten ihre Adresse gelange» zu lassen und zugleich mitzuteile», wie Viel Backwarc und Brot sie täglich brauchen und um welche Zeit die Ware geliefert werde» soll. Die StreiNeitung wird dafür sorgen, daß den sich Meldenden aus dem schleunigsten Wege die Ware inZ HauZ geliescrt wird. Aus Wunsch der dortigen Bevölkerung haben wir folgende Kunden-Sammelstellen eingerichtet: Gronau. Reinickendorf-West, Waldstraße 65. H. Schmidt, Reinickendorf• West, Bcrlinerstr. 5. Otto Wcdermann, Steglitz, Fichtestraße 71, v. I. Winkelmaun, Steglitz, Schloßstr. 104, Hos II- Gülzow, Steglitz, Forsterstraße 23, Niederlage. Heidschmtdt, Steglitz, Marksteinstraße 1, Niederlage. Klein, Steglitz, Herthastratze, Niederlage. Roii, WeiOensee, Straßburgstr. 27. Ferner die Verlaussstellen des Ber- liner Konsum-Vereins: Michaelkirchplaft 4; Krautstr. 7; Zorndorferstr. 61; Liebigstr. 7; Koperniknsstr. B3; Rostockerstraste 3S; Havelbergerstr. 6; Emdenerftr. SV; ErasmuSstr. v. Hoehnow. Parochialstr. 36. Arnold. Spittclmarkt 3. G. Wallberg, Kaiser Wilhclmstr.18n. W. R. Roy» Kirchbachstr. 16. Schmidt, Schwcrinstr. 12, Hos IV. F. Lehmann, Großgörschenstr. 27. Günsel, Mte Jakobstr. 172, Hos l I. C. Mchnert, Feiinerstr. 15. t. Michaelis, 2ankwitzstr.5,Stfl.NI. eue, Wilhelmstr. 3, Ouergeb. 4 Tr. bei iiokmann. Krnmpel, Zimmerstr. 75 und Marlt- halle HI(Stand 197). K. Werner, Eylauerstr. 2. C. Müller, Nostizstr. 56. IV. Gaedke, Calvinstr. 6, linler Seiten- flügcl l Tr. Pctcrmann, Birkcnstraße 23, Ecke Stcphanstraße. Eduard Rothe, Flensburgerstr. 24. H. Zieph, Camphausenstr. 5. Walter Siever, Lippehnerfir. 24. «. C. Wolff, Mirbachstr. 39. Part. Herm. Barenti», Tilsiterstr. 81. V. Hegel, Ackerstr. 21, Part. Otto Schcllenberg, Wcißenburger- straße 57(erbietet sich, den Kunden boylottsreics Brot in dl., O. und 0. ins HauS zu bringen). Ender, Friedricksberg, Kronprinzen- straße 17, Seitenflügel I. Hartmann, Boxhagen-Rurnntelsburg, Holteistr. 11. Ferdinand Krause, Hohen•Schön- hausen, Bcrlinerstr. 66. Puhl, Lichtenberg, Psarrstr. 74. Thiessen, Lichtenberg, Hagenstr. 56. Knapp, Ober-Schönewelda, Edison- straße 44. Kroll, Ober-Schöneweide, Slabh- ■ 5' RummclSburg, Türrschmidtstr.V; Lichtenberg-FriedrichSberg, Frankfurter Ehaussee 1V3? Kron- priuzenstr. 1; Stralauerallee 20a. straße 17. Emil Witte, Pankow, Florastr. 45. Bäckermeister, die gewillt sind, auch für weitere Touren Lieferungen zu übernehmen, bitten wir. ihre Adresse im Verbandsbureau niederzulegen. Falls bei der Lieferung im Ansang nicht alles nach Wunsch gehen sollte, bitten wir die verehrliche Bcvöllerung um Nachsicht, aber bei der Hartnäckigkeit unserer Gegner um energische AnSdauer. Die Sohnkommission. 44/12 BerbandSburcau: Augustftr. 36, Tel. Amt III. 1243. »Isdss Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition, Llndenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Teppiche milFarbenseblernFabrll- Nlederlngr Wmv.e Fimikiiirlrtiii aße 9, parterre kein Laden. Maucrhoff. II Steppdecke» billigst Fobrit Äroße Franksuriergraße 9. parterre fl Garbinend»»»(ineiitrti nnfurvier- straße 9. pariert«. Kein Laden. Mauerhosf._ sf Teppiche!(sebierbailc) in allen Grüße» jür die Hälfte des Weltes tut Zeppithlnger Lrüiiti, Hacketcher Markt i, Babitbvl Börie. 255/2* Fahrräder, Teilzahlungen. 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Er, der sein ganzes Leben hindurch die Sache der Enterbten und Entrechteten vertreten, der sein Alles eingesetzt hat für den wirtschaftlichen und politischen Befreiungskainpf des Prole tariats, der in überreichem Maße am eigenen Leibe die Machtmittel des Polizeistaates zu spüren bekoinmen hat, er ist bis zum letzten Atemzuge der Sache treu geblieben, der er sein Leben geweiht hat. Jgnaz Auer, der Kämpfer und der Held, wird von dem Proletariat niemals vergessen werden, sein Gedächtnis wird fort leben im Herzen aller derer, die seinen Bahnen folgen und das BefreinngSwerk vollenden helfen, dessen Krönung dem Verblichenen zu sehen nicht vergönnt sein sollte. Die Treue, die er uns gehalten, wollen wir ihm über daS Grab hinaus bewahren. Dankbar für all daS, was er uns gegeben wollen wir auch den kommenden Generationen sein Bild vor Augen führen, das Bild eines bei aller Größe bescheidenen Mannes. eines Sohnes des Volkes in des Wortes wahrster Bedeutung. Um der Dankbarkeit des Proletariats auch äußerlich Ausdruck zu verleihen, haben die Parteiinstanzen von Groß-Berlin beschlossen dem Verstorbenen ein einfaches, schlichtes Grabdenkmal an seiner letzten Ruhestätte zu setzen. An Euch, Genossinnen und Genossen, in erster Linie an die politischen und gewerkschaftlichen Organisationen, wenden sich die Unterzeichneten, die in das Denkmal-Komitee gewählt sind. mit der Bitte, Euer Schcrflein beizutragen, damit der Plan möglichst bald in die Tat umgesetzt werden kann. Wir sind überzeugt, daß Ihr unserem Rufe folgen und freudigen Herzens den Zoll der Dankbarkeit unserem Jgnaz Auer darbringen werdet. Alle Geldsendungen sind an den Kassierer des Komitees Emil B ö S k e, Berlin S W. 68, Lindenstr. 69, alle Zuschriften an den Vo-sitzenden Eugen Ernst. Berlin SW. 68, Lindenstr. 69. Buch druckcrei Vorwärts, zu richten. An die Adresse des Vorsitzenden wollen sich auch die Künstler wenden, die Entwürfe einzureichen beabsichtigen. Berlin, den 19. Juni 1907. Eugen Ernst, Vorsttzender. Emil B ö S k e. Kassierer. Paul Hirsch, Schriftführer. Die Vorsitzenden der acht KreiS-Wahlvereiu«: 1. Kreis: Hugo WolderSky, Brücken-Allee S. 2. KreiS: Fritz Schwemke, Grimmstr. 26. 3. Kreis: August Pohl, 80. 26, Raunynstr. 80. 4. Kreis: Paul H o f f m a u n, 80. 33. Oppelncrstr. 47. 6. Kreis: Willy Friedlaender, Elsasierstr. 25. 6. Kreis: Wilhelm Freythaler. N. 31, Gartenplatz 1. Teltow-Bccskow: Paul Hirsch, Charlottenburg. Spiel hagenslr. 12. Nieder- Barnim: Georg Freiwaldt, Pankow. Mühlew straße 73.__ Wilmersdorf. Den Genossinnen und Genossen zur Nachricht, daß am Freitag. 2l. Juni, abends Vz9 Uhr. eine Besichtigung der Einrichtungen(speziell auch der modernen Bäckerei) des Char- lottcnburger Konsumvereins stattfindet. Zahlreiche Betcilignug speziell der Frauen wird erwartet. Treffpunkt pünktlich um die angegebene Zeit Charlottenburg. Weimarerstraße 29. ________ Der Vorstand. Berliner J�acbricbtem Schulversäumnisstrafen werden über die Eltern der Kinder, die ohne genügenden Grund dem Unterricht fernbleiben, immer nur nach sorgfältig- st er Recherche verhängt. Sa sagen es die freisinnigen Bürger, die überall in den Schulkommissionen die Mehrheit haben und in manchen dieser Kommissionen sogar völlig unter sich sind. Wir haben erst vor etlichen Tagen darüber berichtet, daß infolge einer Personcnvcrwcchsclung eine Schulversäumnisstrafe gegen einen Mann festgesetzt worden war, dessen Sohn bereits das 32. Lebens- jähr hinter sich hatte, und daß jener Mann schließlich die Strafe sogar hat absitzen müssen, weil er nicht rechtzeitig erkannt hatte. wie verhängnisvoll solche Verwechselung für den davon Betroffenen werden kann. Noch ist nicht hinreichend aufgeklärt, wie jene Ver- wcchsclung zustande gekommen ist. Wir hoffen, daß vom Rathause aus die notwendige Aufklärung herbeigeführt werden wird. In- zwischen möchten wir aber unseren Lesern einige Zahlen aus der Statistik der Schulversäumnisstrafen vorlegen, damit sie sich ein Urteil darüber zu bilden vermögen, wie hoch der Grad der Sorg- falt sein kann, mit der in Schulversäumnissachen von den Schul- kommissionen recherchiert wird. Diese Statistiken sind ja im„Vor- wärts" oft genug mitgeteilt worden, wohl Jahr für Jahr; doch es kann nichts schaden, wenn sie aus Anlaß dieser Verwechselungs- affäre hier noch einmal wiedergegeben werden. Zahlenangaben über die Schulversäumnisstrafen fanden sich bisher in den Verwaltungsberichten der Schuldeputation. Da aber in diesen Angaben die Gruppierung nicht alljährlich dieselbe war, so wollen wir uns auf die vorletzten Jahre 1902/63, 1903/04, 1904/05. 1905/06(immer vom 1. April bis zum 31. März) be- schränken, für die eine einheitliche Berichterstattung beliebt worden ist. In diesen vier Jahren wurden 5310, 6913, 8505, 10 242 Straf- Verfügungen wegen Schulversäumnisse verhängt. Nimmt man dazu die noch unerledigt gebliebenen Verfügungen je aus dem Vorjahre, so waren im ganzen 7315, 8495, 10 159, 12 599 Verfügungen zu bc- arbeiten. Es konnten aber je bis zum Jahresende nur 5732, 6841, 7302, 9854 Verfügungen erledigt werden. Die weitaus meisten erl digten sich dadurch, daß ohne ger' htliche Entscheidung die Geld- strafe bezahlt oder die entsprechende Haft abgesessen wurde. In den übrigen Fällen wurde die Strafe entweder nach Anhörung der Rektoren und Schulkommissioncn wieder zurückgenommen bezw. wegen Verjährung. Tod usw. niedergeschlagen, oder es wurde gegen die Verfügung die gerichtliche Entscheidung beantragt, die dann teils zur Verurteilung, teils zur Freisprechung führte. Uns interessiert im Augenblick besonders die Zahl der Fälle, in denen die Ver- fügung zurückgenommen werden mußte oder das Gericht auf Freisprechung erkennen mußte. In den vier Jahren wurden nach Anhörung der Rektoren und Schul- kommissionen 402, 493, 606, 701 Verfügungcn wieder zurückgenom- men, und es wurde von den um Entscheidung angegangenen Gc- richten in 170, 226, 251, 373 Fällen auf Freisprechung erkannt. Das ergibt zusammen 512, 619, 857, 1079 Fälle, d. h. von je 100 1 erledigten Fällen 10, 9, 11, 11, bei denen man sich fragen muß, mit welcher Sorgfalt wohl die betreffenden Recherchen ausgeführt wot den sein mögen. Es versteht sich von selber, daß gegen Eltern, die I leichtfertig ihre Kinder vom Schulunterricht zurückhalten, mit aller Strenge eingeschritten werden muß. Dabei wird es dann auch nicht ganz zu vermeiden sein, daß mal übers Ziel hinausgeschossen wird. Wenn aber die Nachprüfung ergibt, daß 9— 11 P roz. aller Verfügungen nicht aufrecht erhalten werden können, dann muß man doch stutzig werden. Wir möchten fast vermuten, daß auch in den 4296, 5373, 5845, 7440 Fällen wider spruchsloser Zahlung der Geldstrafe sowie in den 418, 407, 374. 520 Fällen widerspruchsloser Verbüßung der Haft noch manche Zurücknahme bezw. Freisprechung erfolgt wäre, wenn in sämtlichen Fällen die betreffenden Personen sich gewehrt und eine Nachprüfung durchgesetzt hätten. Merkwürdig ist übrigens die Steigerung der jährlichen Zahl der Strafvcrfügungen von 5310 in 1902/03 auf 10 242 in 1905/06, die doch in gar keinem Verhättnis zu der gleichzeitigen Steigerung der Zahl der Gemeindeschulkinder(von rund 213 000 nur auf rund 225 000) steht. Das Jahr 1905/06 brachte fast doppelt soviel Straß Verfügungen wie das Jahr 1902/03; auf je 1000 Gemeinde- schulkinder kamen in 1902/03 nur 25 Strafver- fügungen, in 1905/06 aber 46 Strafverfügungen. Wer wird glauben wollen, daß inzwischen die Neigung, Kinder leichtfertig vom Schulbesuch fernzuhalten, um so viel stärker geworden sei? Muß man nicht annehmen, daß die Strenge, mit der die Organe der Gemeindeverwaltung die ihnen obliegende Pflicht der Schulbesuchskontrolle erfüllen, einem starken Wechsel unterworfen ist? Die Verwaltung der Berliner Rieselfelder hat umfangreiche Versuche angestellt, um Werte, die bisher bei der Bewirtschaftung verloren gingen, für die Landwirtschaft zu retten. In der Haupt- fache handelt es sich um die Ausnutzung der Rieselfelder, den An- bau von Gras, um neue Verfahren zum Trocknen de? Rieselgrases, um die Ausnutzung dieses Rieselheues zu Mastzwecken und schließ- licki um eine bessere Fleischversorgung der Großstädte mit Riesel- feldwirtschaft. lieber die Versuche wird berichtet: Die Produktion des frischen Nieselgrases war und ist auch noch abhängig von der Absatzmöglichkeit, die, obgleich ein Versand mit der Eisenbahn mög- lich ist, immerhin eine beschränkte sein wird. Die Verwendung von Grünfutter bietet große Vorteile, ist aber nicht immer durchzu- führen. Um Rieselheu zu gewinnen, wurden im vorigen Sommer seitens der Gutsverwaltungen Versuche mit etwa 25 000 Kilogramm Rieselgras angestellt, u. a. mit einem Trockenapparat in Groß- Beeren, dann mit einem sogenannten Naturtrocknungsverfahrcn oder Brennheuverfahrcn und schließlich mit dem Trocknen auf Ge- rüsten, 2 Meter hohen Rauten, sog. Hiefel, daher der Name Hiefel heu. Alle drei Heusorten erhielten schließlich den Namen„Krafi heu", wegen ihres hohen Nälirstoffgehaltes, der den des gcwöhw lichen Wiesenhcues im wichtigsten Bestandteil, dem Protein, säst um das Doppelte übersteigt. Um festzustellen, ob die Untersuchungs> ergebnisse der Chemiker für die Praxis zutreffen, wurden Fütte rungsversuche mit je 12 zweijährigen Stieren und je 20 Schafen von den Gntsverwaltungen gcniacht. Außerdem sind solche Versuche mit Milchkühen vorgenommen. Die Ergebnisse lassen die Hoff- nungen berechtigt erscheinen, die man daran geknüpft hat. Die Wertbemessung des gewonnenen Heues hat nicht getrogen. Ein erster Preis wurde dem mit Hiefelhcu gemästeten Schafe zuerkannt, während das„Kunsthcuschaf" einen zweiten Preis erhielt. Die Sonderausstellung bekam noch 5 Preise für lebende und 2 Preise für geschlachtete Schafe. Bei der Klassifizierung der ausgeschlach teten Stiere standen die der Hcufuttergruppcn an erster Stelle. Besonders beweiskräftig waren die Ergebnisse der Milchviehfütte rung. Nach diesen hat eine Gabe von 8— 10 Kilogr. Nieselhcu mit der Beifüttcrung von 40 Kilogr. Rüben pro Kopf und Tag mindestens die selbe Milchmenge erzeugt als die gewöhnliche aus Rüben, Wiesem Heu und Kraftfuttermitteln bestehende Futtermischung. Bewertet man die Rüben mit 120 M., das Wicscnheu mit 4 M.. Stroh mit L'/h M. pro Doppclzentner, die Kraftfuttermittel nach dem Markt- preis, so ergibt sich eine Verwertung des Rieselheues mit im Mittel rund 8 M. für den Doppelzentner. Linienumlcnkung der Straßenbahn. Infolge des Baues der Untergrundbahn werden von der Städtischen Kanalisationsver- waltung in der Jägerstraße und Oberwallstraße zurzeit Kanal- bauten ausgeführt. Deshalb werden vom 22. d. M. ab für die Dauer der Arbeiten die Linien 17 und 63 von der Werdcrstraße nicht durch die Kur- und Jägerstraße, sondern über den Werderschen Markt und durch die Oberwallstraße umgeleitet. Vom Dach abgestürzt. Ein tödlicher Unglücksfall hat sich gestern nachmittag in der Pjrgstraße zugetragen. Der 24 jährige Dachdecker Max Henrich aus der Ackerftr. 6 hatte auf einem Dach in der Berg- straße Reparattirarbciten ausgeführt. Als er am Dachrand entlang chritt, verlor er das Gleichgewicht und stürzte in die Tiefe. Be wußtlos trugen Passanten den Verunglückten nach der Unfallstation in der Eichendorffstraße. H. hatte einen schweren Schädelbruch er- litten und fand in hoffnungslosem Zustande im LazaruS-Kraulen- hause Aufnahme. Beim Pflücken von Seerosen ertrunken. Vor den Augen eines Freundes hat der Maurer Paul Rothe aus der Weimarschcn- traße 12 den Tod in den Wellen gefunden. R. hatte mit einem Kollegen, dem Maurer B. einen Ausflug nach Heegcrmühle bei Eberswalde unternommen. Die beiden machten eine Bootsfahrt auf dem Mäkersee und R. versuchte von dem Kahne aus See- roscn zu pflücken. Er beugte sich dabei zu weit über den Rand des Fahrzeuges hinweg, verlor plötzlich das Gleichgewicht und stürzte in den See. Der Freund sprang dem Ertrinkenden sofort nach und versuchte ihn zu retten; leider bemühte er sich vergeblich. R. konnte nur noch als Leiche dem Wasser entrissen werden. Es steht faul in der Deutschen K-l-nialauSstcllung. DaS kam deutlich zum Ausdruck in einer von etwa 450 AuS- stellen, der Deutschen Armee-, Marine- und Kolonialansstellung in der GKiirgsschänke des Ausstellungsplatzes abgehaltenen Protest- Versammlung. Es wurden schwere Vorwürfe gegen die Leitung und die Beamten der Ausstellung erhoben, die voraus- ichtlich weiterhin die Gerichtsbehörden beschäftigen werden. Vom Vorstandstische herab sprach u. a. Oberstleutnant v. Rabenau und erklärte, daß die Regierung zwar anfangs die Absicht gehabt habe, sich offiziell an der Ausstellung zu beteiligen, davon aber Abstand genommen habe; es müßten deshalb wohl höhere Gründe vorliegen, welche eine Beschickung dieser Ausstellung von Regierungsseite nicht angängig erscheinen ließen. In der Tat lägen auch so viele Beschwerden von allen Seiten vor, durch die die leitenden Behördenin das bedenklichste Licht gestellt würden. Er rate, bei dem Kronprinzen, als dem Protektor der Ausstellung, vorstellig zu werden, ehe die Oeffentlichleit von eriisteren Dingen Kenntnis erhalte. Der Rechtsbeistand der Versammlung stimmte nicht für einen Versöhnungsvorschlag, weil die Ausstellungsdirettion auch ihn brüskiert habe; er riet vielmehr, die Staatsanwaltschaft anzurufen, da er Verschleierungen in den Verträgen zwischen Ausstellern und der AuöstellungSleitung für vorliegend er- achte. Es müsse Klage auf Anfechtung der Verträge angestrengt werden, weil ein Verstoß gegen die guten Sitten nach ß§ 138, 817, 826 des Bürgerlichen Gesetzbuches vorliege. Niemand wisse, mi wen er sich zu halten habe, obgleich zahlreiche Regreß- ansprüche gegen dieAusstellung bereits erhoben seien. Der Vorsitzende protestierte in heftigen Worten gegen die Komiteeverfügung, wonach 300000 Mark fremde Gelder als Reinertrag der Ausstellung schon jetzt an den Jnvalidendank ab» geführt worden seien, trotz der Regreßansprüche, oder vielmehr, um ihre Befriedigung zu vereiteln. Dieser Betrag sei Vermögens- bcstandteil einer' Gesellschaft und dürfe, solange eine Bilanz nicht endgültig abgeschlossen werden könne, nicht entäußert werden. Der Inhaber des Ausstellungsbergwerkes, Herr En gel, empfahl unter stürmischer Zustimmung sämtlicher Versammelten, die Aus- stellung sofort zu räumen und ihre Pavillons zu schließen, um die renitente Leitung zu anderen Maßnahmen zu zwingen. Moralisch sei sie ja längst gerichtet. Er arbeite täglich mit 130 M. Zubuße, andere Aussteller machten Schäden in Höhe von 15 000 M. gellend.. Noch andere sehen ihren wirtschaftlichen Ruin mit dieser Ausstellung voraus. Zum Schlüsse wurden von Ausstellern Briefe von der Ausltellungöleitung verlesen, die der allereinfachsten Höflichkeitsformen entbehren, ja Ausfälle von Grobheit und Roheit enthalten. Bei der Verlesung entstand ein großer Tumult. Ein Großindustrieller beklagte sich, von einem AuSstellungs- Wärter mit dem Zurufe: Nun halten Sie Ihre Schnauzet gemaßregelt worden zu sein. Ein Ingenieur hob hervor, daß schon einmal die Gefahr des ErfaufenS der Haupthalle im Regen sehr nahe gewesen wäre. Gerügt wurde besonders, daß das Komitee einem gewissen Molling die AuSstellungslose in Höhe von zwei Millionen Mark gegen ein geringfügiges Entgelt verkaust habe. Das sei eine Spekulation auf Kosten der Aussteller. Aber auch die Besucher fänden dabei keineswegs ihre Rechnung; auch sogar die Tageseinnahmen seien bereits ander« weitig zediertl Das Ausstellungsunternehmen habe also keine Aktiven, sondern nur Passiva. Am Abend sah man bereits Aussteller ihre Stände abbrechen und räumen._ AuS dem zweiten Stock aus dem Fenster gesprungen ist gestern nachmittag in der Oudenarderstiaße der dreizehnjährige Sohn des pensionierten Lokomotivführers Pätzold. Der Knabe erlitt schwere Verletzungen, das Rückgrat ist ihm gebrochen, und wurde er nach dem Kaiser und Kaiserin Friedrich-Kiuderkrankenhaus gebracht. An seinem Auskommen wird gezweifelt. Ueber die Ursache zu diesem Schritt wird Mißhandlung seitens des Vaters angegeben. Weil der Knabe die Schule versäumt hatte, soll ihn der Barer unbarmherzig geschlagen haben, schwere Striemen wurden von den Aerzten im Krankenhause festgestellt. Um sich vor weiteren Mißhandlungen zu retten, wählte der Knabe den Weg durchs Fe»ster aus die Straße, der zu seinem Tode führen kann. DaS Publikum. daS Zeuge des Vorfalles war, war im Begriff, den Vater zu lynchen. lieber eine LicbeStrngoorr wird berichtet: Gestern vormittag 11 Uhr versuchten sich der Sanitätssoldat Leonhardt vom Lazarett zu Potsdam und seine Braut Anna Grögcr in der Wohnung der letzteren, Brandenburgstt. 59, mittels Salzsäure zu vergiften. Während seine Braut sofort bewußtlos wurde, stürzte sich Leonhardt vor chmerzen aus dem vierten Stockwerk auf den Hof hinab und zog sich schwere innere und äußere Verletzungen zu. Ein Streiflicht auf unsere gesellschaftlichen Zustände wird durch die folgende Eleudsnotiz geworfen:„Gegenüber dem Portal der Apostel Paulus-Kirche an der Grunewaldstraße hat sich gestern der 67 Jahre alle Kaufmann Franz Feortti vergiftet. Der alle Mann war schon seit langem stellungs- und wohnunaSlos. Seine karg- lichen Mittel reichten nicht dazu aus, um sich dafür Lebensunterhalt zu verschaffen, geschweige denn WohnungSgcld davon zu entbehren. So durchwanderte der Aermfte arbeitsuchend Berliy und die Vor- orte, bis er schließlich in Schöneberg landete. Nur noch wenige Groschen waren sei» Besitztum. Er verwandte sie dazu, um sich Lysol zu kaufen. Auf einer Bank vor dein Portal der Apostei Paulus-Kirche trank der Verzweifelte das Gift und brach bald leblos zusammen. Ein Schutzmann fand den Bedauernswerten auf und brachte ihn in einer Droschke nach dem Auguste Viktoria- Kranken- Hause." Solche ElendSnotizen gehen fast täglich durch die Blätter, ohne sonderlich beachtet zu werden; es gehört ja zu unserer von„Gott gewollten" Gesellschaftsordnung, daß zu dem übergroßen Reichtum und Luxus Mastenarmut und Massenelend die Gegenpole bilden. Es heißt zwar: ES ist infolge einer sozialen Gesetzgebung für alle Lagen dcS Lebens gesorgt; wer aber all. krank und arbeitslos wird, spürt an dem eigenen Leibe die wirklichen„Segnungen" dieser Gesetzgebung. Wird der Arbeiter alt, entläßt man ihn, hunderte junge Kräfte ivarten auf seine Stelle. Dann fällt der Arme höchstens noch der Armenverwaltung zur Last und was er da bekoimnt, ist zum Saitesscn zu ivenig, zum Verhungern zu viel. Heinrich Heine charakterisierte die Zustände treffend mit folgenden Worten: Hat man viel, so wird man bald Noch viel mehr dazu bekommen, Wer nur wenig hat, dem wird Auch das Wenige genommen. Wenn du aber gar nichts hast, Ach, so lasse dich begraben— Denn ein Recht zu leben, Lump, Haben nur, die etwas haben. schrecklich verbrannt. Der 25jährige Drogist 11.. Gl eh ernS der Prinz-Regentenstr. 66 zu Wilmersdorf, der in der Drogerie von Ewcrt in der Köpcnickerstr. 80/81 angestellt ist, wurde Diens- tag abend bei einem Brande lebensgefährlich verletzt. Als er in dem hinter dem Verkaufsladcn belegenen Laboratorium Chcmi- kalten kochte, um eine bestimmte Mischung herzustellen, geriet die Flüssigkeit in Brand. Die brennenden Teile flogen nach allen Richtungen durch den Raum und überschütteten den Drogisten förmlich. Im Nu glich er einer Feucrsäule und hülferufend stürzte er durch den Laden nach der Straße. Ein im selb-m Hause wohnender Gastloirt sprang mit verschiedenen Gästen hinzu und warfen den in Flammen gehüllten Drogisten zu Boden. Dann zogen sie ihre eigenen Jacketts aus und erstickten damit die Flammen. Gley war fürchterlich zugerichtet. Die Kleider waren ihm fast vollständig heruntergebrannt und an einzelnen Körper. teilen löste sich die Haut ab. Die mittlerweile eingetroffene Feuerwehr schlug den Verunglückten in Decken ein und schaffte ihn schleunigst nach dem Krankcnhause Bethanien. Gestern mittag war er noch nicht vernehmungsfähig und gilt sein Zustand als besorgniserregend. Das in dem Laboratorium entstandene Feuer konnte von der Wehr bald abgelöscht werden. Während der Nacht hatte die Feuerwehr noch an drei Stellen Wasser zu geben, nämlich Gottschcdstr. 10, Wilhelmstr. 23 und in der Webcrstr. 61. Es handelte sich hierbei um Keller- und Wohnungsbrände. Eingebrochen wurde in der Nacht zum 19. Juni in der Bild- Hauerei von Franz Kunath, KönigSbergerstr. 9. Zivei Bildhauer- gehiilfen ist dabei daS Werkzeug und dem Inhaber ein vollständiger Sab ßobcl gestohlen worden. Den Gehülfen erwächst insofern ein uroker Sckindeii, da sich neues Werkzeug nicht so schnell herber- schaffen läßt und eine längere Zeit dazu gehört, um mit selbrgem arbeiten zu können. AuS Schwimmerkreisen wurden uns zu unserem Bericht über das internationale Schwimmfest in Charlottenburg einige charakte- ristische Mitteilungen über den in diesem Bericht erwähnten Char- lottcnburger Schwimmverein von 1887 gemacht, die es uns wert erscheinen lassen, einige Angaben zu verössentlichen. Der Char- lottenburger Schwimmvcrein von 1887 ist einer der bürgerlichen Aereine, welche es als ihre Aufgabe betrachten, den Arbeiter- vereinen Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Dieser Verein hat eö durchgesetzt, dast dem dem Arbeiterschwimmerbund ange- hörigen Bundesverein„Freie Schwimmer" in Charlottenburg die Badeanstalt Kochsee zur Veranstaltung von Schwimmfesten ver- weigert wird. Der Besitzer der Badeanstalt ist Mitglied de? Charlottenburger Schwimmv-reins von 1887. Ferner ist nachgewiesen, daß der genannte Verein die Triebfeder war, daß dem Arbcitcrschwimmvercin sogar das st ä d t i s ch e Hallenbad sowohl für Uebungs- als auch für Festzwecke verschlossen wurde. Erst nach jahrelangen Bemühungen und Protesten durch unsere Ge- nassen in der Stadtverordnetenversammlung wurde den Schikanen ein Ende bereitet. Die Badeanstalt„Kochsee" bleibt dem Arbeiter- Schwimmerbund nach wie vor verschlossen; hat doch der S ch w i m m- verein von 1887 sogar damit gedroht, die Badeanstalt zu meiden, wenn dort auch Arbeitervereine Vergünstigungen erlangen, resp. dort Feste und Schauschwimmeu veranstalten wollen. Anschließend an diese Zeilen bittet uns der Arbeiter- S ch w i m m e r b u n d um Aufnahme folgender Notiz: Für Schwimmer und solche, die es werden wollen, sei darauf hingewiesen, daß in Berlin, Charlottcnburg, Nixdorf, Tegel, Obcr-Schöncweide, Reinickendorf, Breslau, Leipzig, Elberfeld und Dresden Zweigvercine des Arbciterschwimmerbundes bestehen. Ueberall wird an Arbeiter und Arbeiterkinder beiderlei Geschlechts unentgeltlicher Schwimmunterricht erteilt, im Sommer an allen, im Winter nur an mehreren Tagen in der Woche, auch werden Wanderpartien und belehrende Vorträge veranstaltet. In Groß- Berlin sowie in Elberfeld bestehen gut eingeübte Rcttungsmann- schaften, welche sich allen Arbeitervereinen, welche Vergnügungen veranstalten in am Wasser befindlichen Lokalen, unentgeltlich zur Verfügung stellen. Gerade der Arbeiter sollte es nicht versäumen, so oft als möglich Schwimmbäder zu nehmen, um den von schwerer Fron zerrütteten Körper und Geist zu erfrischen. Nur in einem gesunden Körper kann eine gesunde Seele wohnenl Darum auf! Werdet Mitglied im Arbeiterschwimmverein! Näheres bei E. Gcrstmann, Rixdorf, Bergstr. 59. Dem Zoologischen Garten ist es gelungen, eine Zibet- Hyäne zu erwerben, von der wohl noch nie ein Exemplar in eine deutsche Sammlung lebender Tiere gelangt ist. Dieser eigenartige Bewohner Ost- und Südafrikas hat in seiner äußeren Erscheinung Aehnlichkeit mit einer gestreiften Hyäne, ist aber viel kleiner und von zierlicherem Körperbau, während Nacken und Rücken mit einer riesigen Mähne geziert sind. DaS merkwürdigste an der Zibet- Hyäne ist der sehr kleine Schädel mit schwachen Kiefern. Sie lebt von größeren Insekten und anderen kleineren Tieren und ist nicht imstande, wie die echten Hyänen. Knochen zu zerbeißen. Wegen seiner scheuen und ungemein versteckten Lebensweise ist dieses Tier nur wenigen Afrikareisenden bekannt, und daher ist die Möglich. keit, es hier lebend in der Nähe betrachten zu können, um so höher zu bewerten. Vorort- I>sadmd)ten. Wilmersdorf. Gegen den Straßenhandel wird weiter mobil gemacht. In Wilmersdorf ist er zwar schon so gut wie erdrosselt, der Polizei- Präsident hat bereits zahlreiche Straßen für den Straßenhandel gc- sperrt. Während man aber bisher sich immer noch hinter„Verkehrs- rückstchten" verschanzte, haben eine Anzahl kleinerer Ladenbesitzer eine jetzt eingereichte Petition auf Erlaß des Verbotes des Straßenhandels in der Güntzelstraße und auf dem Ludwigkirchplatz damit zcgründet, daß sie sich durch die Feilhaltung der„teilweise villigeren" Waren benachteiligt fühlen. Die„Wilmersdorfer Zeitung" befürwortet dieses Verbot und wünscht, daß die »e�eichnete Straße und der Platz zu den vom Polizei- räsidenten verbotenen Straßen und Plätzen hinzukommen mögen. Wir müssen unS ganz entschieden gegen eine derartige Maß- »ahme wenden. So richtig eS sein mag, daß die kleinen Geschäfts- leute schwer ihr Durchkommen finden, so richtig ist eS auch, daß auch jie kleinen Händler ein Recht haben, ihren Beruf auszuüben. Und wenn letztere in der Lage sind, die Waren billiger abgeben zu können, so entspricht das einem Bedürfnis der großen Masse der Bevölkerung. Uebrigens täuschen sich die kleinen Ladenbesitzer, weim sie glauben, ourch ein Verbot des Straßenhandels einen Vorteil zu haben. Den alleinigen Borteil haben die Hausbesitzer, die durch Steigerung der Mieten eine etwaige Mehreinnahme der kleinen Geschäftsleute wieder welt machen, sogar mehr als weit machen. Wenn also die kleinen Geschäftsinhaber für ein Verbot des SrraßenhandelS eintreten, be- sorgen sie nur die Geschäfte der Hausbesitzer. Schöneberg. An der„Blanken Hölle" überfallen. Ein schwerer Ueverfall ist m der gestrigen Nacht an der„Blanken Hölle" in Schöneberg verübt worden. Mehrere galizische Arbeiter fielen über den polnischen Arbeiter Peter Kossan her und richteten ihn schrecklich zu. Mit Messer» stachen die Täter auf ihr Opfer ein und brachten ihm am Kopf eine ganze Reihe schwerer Verletzungen bei. K. mußte zu einem Arzt gebracht werden. Tenipelhof. I» einer am 12. Juni stattgefundenen Mitgliederversammlung dcS Wahlvereins referierte Genosse Kurt Heinig über„den Wert der Bildung und des Wissen» für den Arbeiter". Nach dem beifällig ausgenommenen Vortrage wurde ein Antrag deS Mariendorfer Wahlvereins auf Errichtung einer Filiale der ArbeiterbildnngSschule für Tempelhof, Mariendorf und Marienfelde einstimmig angenommen. Zur KreiSgeneralversammUmg wurden die Genossen S ch i e r i tz, L e n t s ch u und BudzynSki delegiert. Zum Schluß wurde ersucht, daß eine Kundeusammelstelle für Backwerk errichtet werden möge, da kein hiesiger Bäckermeister die berechtigten Forderungen der Gehülfen bewilligt hat. Tegel. Die Tegeler Gemeindevertretung nahm in ihrer Sitzimg am Montag die Mitteilung entgegen, daß die landespolizeiliche Ge- nehmigung für den Erweiterungsbau deS GemeindewasserwerkeS erteilt worden fei. Die Aufnahme einer Anleihe von 100 900 Mark für Gemeindebauten von der Kreissparkasse wurde beschlossen. Da- gegen stimmten allein unsere Genossen Lichtenberg und Rodeike. Sie koimten sich nicht damit einverstanden erklären, daß die Summe statt in bar in Papieren genommen werden muß, so daß beim Ver- kauf ein etivaiger ZinSverlust zu tragen ist. Die Kreis- fparkaffe hat auch die Anleihe von 600 000 bis 700 000 Mark für die Kreisbahn- und Hofenbauten in Aussicht gestellt. In der auS Anlaß eines Einzelfalles aktuell gewordenen Frage der Verpachtung koinmunaler Platze als Rummelplätze drückte die Gemeindevertretung den Wunsch aus, daß eine solche Verpachtung von Gemeindeland nur jenseits der Bahn erfolgen solle; der zu dem Zwecke beantragte Gemciiideplatz zwischen Hermsdorfer- und August Müllcrstraße wurde abgelehnt. Bezüglich des Seeuferbefesliguiigs- Projektes wurde beschlossen, den mit den Vorarbeiten und dem Eut- Wurf betrauten Wasserbausachverstäudigen zu ersuchen, vorläufig feme Arbeit einzustellen, das Material aber aufzubewahren, bis die in Sa-ben der Kreisbahn- und Hafenankagcn schwebenden Fragen er- ledigt sind. Einen längeren Raum nahmen dann die Beratungen über den Realscvulbau ein. Für ihn ist zurzeit ein Gelände jenseits der Kremmciier Bahn nahe am Tegeler Gemeindesriedhof in Ans- ficht genommen. Wie sich herausgestellt hat, wird aber das an- fänglich vorgesehene Längsteil des Grundstückes sick deswegen nicht eignen, weil es nur 4280 Quadratmeter groß ist. Die Regierung verlangt aber für eine Realschule ein Grundstück von 5— 6000 Quadratmeter Größe. So mußte sich die Gemeinde- Vertretung für das Eckgrundstück entschließen. Uni Entwürfe für den Bau zu erhalten, schlug das Kuratorium und der Gemeindevorstand nun vor, ein Preisausichreiben zu veranstalten. Die Preise sollten 1000 M., 700 und 500 M. betragen. Das hierzu gut- achtlich gehörte Gemeiudebaiiaint hat sich für ein Preis- ausschreibe» für das Eckgrundstück ausgesprochen und 1200 Mark, 800 Mark und 600 M. als Preise, sowie je 200 Mark zum Ankauf von zwei weiteren Entwürfen und 500 M. für Preis- richtergebühren vorgeschlagen. Die Gemeindevertretung war sich darin einig, daß der Bau würdig und zeitgemäß errichtet werden müsse. Die Mehrheit war auch für ein Preisausschreiben. Unser Genosse Lichtenberg sprach allein dagegen. Er war der Meinung, daß die vom Gemcindebauamt geforderten 3500 M. unnötig aus- gegeben seien. Gerade dazu hätte Tegel ja jetzt einen Gsmeiiidebamneistcr. Ihm wurde erwidert, daß dieser jetzt schon so belastet sei. daß ihm keine weitere Arbeit zugemutet werden könne. Er, der Gemeindebaumeister, wünsche, daß ihm Entwurf und Ausführung übertragen würde, es müsse aber daran gedacht werden, welche guten Erfahrungen gerade Tegel mit Preisausschreiben gehabt hätte. Beschlossen wurde dann, ein Preisansschreiben, wie vom Gemei, idebauamt vorgeschlagen, zu erlassen. Der Gemeindebaumeister solle sich dagegen um einen Preis bewerben dürfen. Dagegen stimmten die Genossen Lichtenberg und Rodcike. Die Kosten des Baues werden sich auf 350—400 000 Mark für den Bau, 80—90 000 Mark für das Grundstück und 50 000 Mark für innere Einrichtung belaufen. Die Frage der Verteilung der Sitzplätze an die Gemeindevcrtreter wurde wieder um ein Jahr zurückgestellt. Es steht im nächsten Jahre bevor, daß infolge de§ Wachsens der Einwohnerzahl die Zahl der Schöffen von drei auf vier, die der Gemeindevertreter von 12 auf 15 erhöht wird. Dann ist auch die Aenderung des Sitzungssaales beabsichtigt. In nichtöffentlicher Sitzung wurde über die Eingabe des Maurer- Verbandes(Zahlstelle Tegel) verhandelt. Der Verband beantragte, daß die Gemeinde die angefangenen Gemeindebauten in eigene Regie übernehmen solle und den Verband mit der Fertigstellung derselben beauftrage. Von unseren Genossen wurde der Antrag gestellt, diese Sache in öffentlicher Sitzimg zu behandeln, was gegen drei Stimmen abgelehnt wurde. Der Antra'g des Maurerverbandes wurde, wie bei der jetzigen Zusammensetzung der Gemeindevertretung nicht anders zu erwarten war, mit dem Bemerken abgelehnt, daß trotz ailgeu- blicklichen Stillstandes die Bauten zur rechten Zeit fertiggestellt sein werden. Französisch-Buchholz(Bezirk Pankow). In der letzten Mitgliederversammlung des WahlvereinS wurde zunächst für den verzogenen Genossen D a l ch a u Genosse Max Radzei zum Schriftführer gewühlt. Danach gab Genosse Jakob den Bericht von der Generalversammlung Groß-BerlinS; mit den Beschlüssen derselben erklärten sich nach kurzer Diskussion die Mit- glieder einverstanden. Da vom 1. Juli an nur noch 30 Pf,-Marken geklebt werden, sind die restierenden 25 Pf-Beiträge schleunigst an die Bezirkskassierer zu entrichten. DaS Volksfest am 5. Mai ergab einen Ueberschuß von 29,10 M.; die Summe wird der örtlichen Verwaltung überwiesen. Die Anwesenden wählten sodann an Stelle des Genossen Neumann den Genossen Albert B e r n d t als Bezirks- kassicrer für den Bezirk Roientaler-, Schönhauser- und Garten- straße. Unter Verschiedenem wies der Vorsitzende noch auf den Bäckerboykott hin und ersuchte um strenge Durchführung desselben. Potsdam. Die Leichen der bei dem BootSunfall auf dem Sacrower See ums Leben gekommenen Personen konnten trotz eifrigen Euchens noch nicht gefunden werden. Die Frau und Mutter der Verunglückten bleibt vorläufig noch in Sacrow. Gerichts-Leitung. Ein Amtssekretär und ein AmtSbicner auf der Anklagebank. Unter der Anklage der Bestechung standen gestern der Amtssekretär Richard Golz und ver Amtsdiener Richard Häusler aus Eichwaldc vor der 1. Strafkammer des Landgerichts II. Beide wurden beschuldigt, im Herbst 1903 als Beanite für eine in ihr Amt einschlagende, an sich nicht Pflicht- widrige Hanolung Geschenke angenommen zu haben. Beide waren ferner der Beleidigung, Golz außerdem des Hausfriedensbruchs angeklagt. Golz war infolge besonderer Verhältnisse in Eichwaldc mit den Amtsgeschäften außerordentlich vertraut. Ihm wurde ein ganz bcdeutendckt Einfluß auf den Amtsvorsteher nachgesagt. Man raunte sich im Orte zu, daß sich der Amtssekretär„spicken" lasse und man sich ihn zum Freunde halten müsse, wenn man etwas durchsetzen wolle. Nun wurde der Molkereibesitzer Müller in Eichwalde fortgesetzt durch Strafverfügungen belästigt. Gegen die fortgesetzten Drang- salierungen wußte er sich keinen anderen Rat, als daß er sich eines Tages nach dem Amtsbureau begab und sich dort über diese ewigen Strafbefehle beschwerte. Müller behauptet, daß der Ange- klagte Golz ihm darauf unter bezeichnender Bewegung zweier Fingerspitzen gesagt habe: DaS liegt nur an Ihnen; Sie find zu knickrig! Die B u r e a u b e a m t e n wollen auch leben! Als Müller das Amtsbureau verließ, drückte er auf dem Flur dem Amtssekretär 5 Mark in die Hand, da er aus dem Ge- sprach mit diesem den Eindruck gewonnen hatte, daß es möglich sei, durch eine Geldzuwendung den einflußreichen Golz zu einem freundlichen Verhalten ihm gegenüber zu bewegen. Die Straf- anzeigen, die vielfach von Häusler erstattet wurden, hörten jedoch nicht auf und so ritz denn Herrn Müller die Geduld und er er- stattete die Strafanzeige gegen beide Angeklagte. Er beschuldigte nämlich auch den Häusler, daß er ebenso wie Golz Milch und Kartoffeln ohne Bezahlung von ihm bezogen und ihm auch kein Fuhrgeld für das Zlifahren von Abbruchholz aus Zeuthen bezahlt habe. Als Müller seine Strafanzeige erstattet hatte, erschienen beide Angeklagte auf dem Gehöft des Müller und beleidigten ihn in einem erregten Wortwechsel. Golz soll sich hierbei auch des Haus- friedcnsbruchs schuldig gemacht haben. Beide Angeklagte wurden f. Z. vom Amte suspendiert, der Landrat v. Stubenrauch hat aber die Amtssuspension wieder aufgehoben, weil er an eine Schuld der beiden Beamten nicht glaubte. Im gestrigen Termin bestritt Häusler jedwede Schuld und wies die Behauptung des Müller, daß er Milch und Kartoffeln gratis von ihm bezogen, energisch zurück. Golz gab zu, daß ihm Müller beim Verlassen des Amtsdurcaus die Hand gereicht und er die Dummheit gemacht habe, d i e 6 Mk., die er alsdann in seiner Hand vorfand, in die Tasche gesteckt zu haben. Er sei dann krank geworden und habe die Rücksendung des Geldes verabsäumt, doch stehe es dem Müller jederzeit zur Verfügung. Im übrigen habe er gar keinen Einfluß auf den Erlaß oder Nichtcrlaß von Strafverfügungcn und von einer Bestechung könne gar keine Rede sein. Er habe dem Müller nicht gesagt:„Die Beamten wollen auch leben", sondern ihm geraten:„sich so zu bewegen, wie cS sich gehört, dann werde er auch keine Strafmandate bekommen." Aus der umfangreichen Beweisaufnahme zog der Staatsanwalt den Schluß, daß im Amtsbezirk Eichwalde traurige Verhältnisse obgewaltet haben und der Angeklagte Golz der passiven Be- stechung schuldig sei. Der Staatsanwalt beantragte gegen Golz wegen der Bestechung 1 Jahr 6 Monate Gefängnis und 2 Jahre Ehrverlust und wegen der übrigen Delikte 3 0 Mk. Geldstrafe, gegen Häusler wegen Beleidigung 2 0 Mk. Geldstrafe. Das Gericht nahm an, daß der Zeuge Müller wohl gedacht habe, der Amtssekretär sei vermöge seiner im Orte bekannten einflußreichen Stellung in der Lage, den Amts- Vorsteher zu Gunsten Müllers zu beeinflussen, damit die sortgesetzten Strafmandate aufhörten. Der Gerichtshof hat den Eindruck ge- wonnen, daß dem Angeklagten in der Tat ein weitgehender Ein» flutz eingeräumt worden war, der aber darauf beruhte, daß der alte Amtsvorsteher gestorben war und der Nachfolger sich erst ein- arbeiten mußte Aber das Gesetz weist eine solche einflußreiche Stellung einem Amtssekretär nicht zu. Was Golz prästiert hat, enthielt nicht die Ausübung eines Amtes, sondern er hat sich über sein Amt hinaus in Sachen gemischt, die ihm nicht zukamen. Dies mag vielleicht disziplinarisch zu beanstanden sein, für eine straf- rechtliche Ahndung ist kein genügender Anhalt gegeben. Deshalb ist unter Freisprechung von der Anklage der Bestechung Golz nur wegen Beleidigung und Hausfriedens- bruchö zu 50 Mk., Häusler wegen Beleidigung zu 2 0 Mk. Geldstrafe verurteilt. Beide Beamte sind außerordentlich milde bestraft. Nahm daS Gericht an, daß Spicken sei nicht strafbar, weil die 5 Mk. für eine nicht in das Amt des Sekretärs fallende Handlung gegeben war, so hätte cS wohl auch prüfen müssen, ob denn in der Handlung des Angeklagten nicht ein Beck rüg lag. Grober Unfug. Ueber den Begriff dcS„groben Unfugs" hatte daS Kammergericht Gelegenheit, sich in folgendem Straffalle auszu- sprechen: Als in einem Militärverein der AmtSvorstcher als Vorsitzender eine Rede hielt, wurden einzelne Teilnehmer aus dem Zuhörerkreise dadurch gestört, daß der Angeklagte in mutwilliger Weise hinein redete. Er wurde deshalb wegen groben Unfugs angeklagt und verurteilt. Das Kammergericht hat das Urteil auf- gehoben und den Angeklagten sofort freigesprochen. Wie aus dem �.Bl. f. Rpfl." zu ersehen, führt das Kammcrgericht in seinem Urteil auS, daß die dem Angeklagten vorgeworfene Hand- lung den Tatbestand des groben Unfugs nicht erschöpft. Unter dem Begriff des groben Unfugs falle nicht jede irgendwie unge- bührliche Handlung, die eine Belästigung des Publikums zur Folge gehabt hat, oder haben kann, sondern nur eine solche Handlung, die gleichzeitig eine Störung oder Gefährdung des äußeren Be- standes der öffentlichen Ordnung enthält. Wenn auch unbedenklich der um den Redner versammelte Verein als Publikum angesehen werden könne, so rechtfertige der Sachverhalt doch nicht die weitere Annahme, daß dieses Publikum durch das Hineinreden des Ange- klagten in seinem berechtigten Anspruch auf Ruhe gefährdet worden ist. Eine Störung dcS äußeren Bestandes der öffentlichen Ordnung oder eine Gefährdung derselben könnte dann vorgelegen haben, wenn die Festlichkeit durch das Verhalten des Angeklagten gestört worden wäre. Dies sei aber nicht der Fall gewesen, da der Fest- redner daS Verhalten des Angeklagten nicht bemerkt hat und überhaupt nur zwei Personen die Worte deS Angeklagten gehört haben. Der äußere Bestand der öffentlichen Ordnung sei mithin durch den Angeklagten nicht gestört worden. Die bloße Möglich- keit, daß dieser Erfolg hätte eintreten können, reiche zur An- Wendung des§ 360 Ziffer 2 nicht aus. Die Entscheidung des Kammergerichts entspricht den wieder- holt vom Reichsgericht betätigten Rechtsgrundsätzen Mgitationsverei» für Landsderg-Soldin. Sitzung am Freitag den LI. d. M., im GewerkschastSb-iuse. Gäste willkommen. Verband der Friseurgehülfen Deutschlands, gweigveretn Berlin und Umgegend. Heute abend S'/, Uhr Rosenthalerstraße 11/12: Ver- samnilnng._ Vermischtes. Pellizza f. In seinem Heimatsorte V o l p e d o hat der italienische Maler Pellizza seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. Obwohl von der offiziellen Kritik angefeindet und totgeschwiegen, war Pellizza doch zweifellos einer der bedeutendsten Maler des heutigen Italien. Aus einer Bauernfamilie stammend, hat er sich ganz als Autodidakt gebildet. Seine ersten Schritte in der Kunst machte er als Nach- eiferer S e g a n t i n i S, aber bald ging er eigene Wege. Pellizza lvar ein Meister der Form und von großer packender Realistik. Als bedeutendste Werke sind zu nennen:„II quarto stato"(„Der vierte Stand"), der sich jetzt in der Ausstellung in Rom befindet,„Der Weg deS Lebens",„Die Sonne", die von der Nationalgalerie in Mailand angekauft wurde, und die ergreifende Stcrbeszene, in der sich ein Priester über einen auf einem Heuschober sterbenden Land- streicher beugt, während draußen eine in Sonne gebadete Frühlingslandschaft lacht. Pellizza war Parteigenosse. Kummer um den Tod seiner Frau trieb den erst 3Sjährigen kraftvollen Mann in den Tod. Seine beiden kleinen Kinder hatten in der Nacht nach Essen gerufen; der schmerzgebeugte Vater hatte für die Kleinen gesorgt und dann Hand an sich gelegt. Am nächsten Morgen fanden die alten Eltern die schon erkaltete Leiche._ Der Pankgras als Heiliger. Die ehr- und tngendsaine Kumpanei der Pankgrafen, die alle Jahre ihre Bierbäuche, affenfeuerlichen Kostüme und Rieseudurst in Deutschland spazieren führen und so für die intern-deutsche Völkerverbrüderung erkleckliches leisten, haben ihrem Ehrgeiz neue Ziele gesteckt. Bisher begnügten sich die Vieledlen zu koniumieren, viel zu konsumieren und jedermann durch ihre Narreteien zu erfreuen und sich von sonst nnbeichästigten Bürgermeistern als Vertreter Berliner Kultur an- toasten zu lasse». Jetzt produzieren sie sich als Maecenalen und stiften dauernde Erinnerungen ihrer Hanswurstereien. Nach berühmten Mustern stiften sie Denkmäler. Das liebliche Nüdesheim. allwo de» Wein so teuer und selten geworden ist, darf sich rühmen, diese neueste Kulturepoche zu eröffnen. Dort wird nächste» Donnerstag die Statue eines echten Pankgrnfen im vollen Ornat mit adlcr- geschiniicktem Wams und kühnem Wallensteinhut, de» Pokal in de» Rechten(und Linken), eingeweiht werden, Sie steht auf einem alten Brunnen, wo früher ein— Heiliger stand. Der Paukgraf ist damit zu einem Symbol neudeutscher Kulturherrlichkeit geworden. Typhus-Epidemie. In Rheydt teilte der Bürgermeister in der gestrigen Stadl- verordneteusiyung mit, daß bei der TyphnSepidemie insgesamt 100 Krankheitsfälle gemeldet wurden. Die Epidemie sei jetzt in slarkcm Rückgang begriffen._ Ncbcrsall durch eine Räuberbande. Eine wahrscheinlich ans Rnssisch-Polen gekommene Räuberbande überfiel in Grodek den Guispächter Hansel, erpreßte von ihm unter TodeSdrohmigeii eine große Geldsumme und erschoß dann den Gutöpächler R o t m a n n, knebelte deffen Frau und raubte die Wohnung aus. Der Gendarmerie ist eS bisher nicht gelungeu. die Räuberbande zu verhaften. Lnefkaften der Redahtion. Tie inriftNch- Evrechftnnv« finde» Krtedrichftr. IN,>U»»a»»n eine Treppe tidandelsftättc Pdlcalliance, Turchaaua auch Liudenilr. 101) >v»che»iäaNch von t'h die O'/i UOr«deud« statt. Uküitn« 7 Uhr. Souiinbcitdl drainnr die»prcchstnude»ui U Uhr. Jeder dlufraae ist ein Buchstabe und eiuc:!abl als wirrljoichcu deijiitügcu. Bnesliche Itutlvort wird»ich» erteilt, i�ilifle Fragen trage man in der Sprechstunde vor. G.«. 3».«ilbelmstr. 16.— I. Sl. 1 00. 1. Ja. 2. Jimerhalb eines Jahres kam» gckl igt werden. 3. Nur die vorhandenen Briese sind herauszugeben.— I. St. 21. Nein.— M, 3. 14. Nein.— BS. N., Lothrdigerstrahe. 1. ga, wenn mi5 6en Stakuien nicht daZ Vegenleil erhellt. 2. Nein.— 100. W. B. UnS ist kein zuverlässiges Mittel be- tnnnt.— F. B. 100. Die Brüder sind im Unrecht, lieber dns Eich- begräbni» hat Ihre Frau zu versügen. Der Zutritt mutz natürlich den Verwandten gestattet werden.— B. E. 23. ip02.— F. SO. Die Kündigung ist zu Unrecht ersolgt. Sie können nur bis am 15. zum Ersten kündigen. Den Besuch müssen Sie zulassen. nur brauchen Sie keinen Mißbrauch sder Wohnung zu gestatten.— O. N. 100. Nein. — Kacinsby. Sie können aus Herstellung der Wohmuig und aus vollen Schadenersatz beim Amtsgericht klagen.— 9». R. 4. Ja, aber der in die Rrankbeitsveriode entsallende Teil des Lohnes dars gegen verauslagte Kur und PerpslcgungSkostcn leider ausgerechnet werden.— M. W. 100. Bc> antragen&e bei dem Gewerbcgericht, die ZwangSvcllstrelkung zu veranlassen oder Ihnen ein vollstreclbarcS Urteil zu erteilen, aus Grund dessen Sie dann selbst den Gerichtsvollzieher mit der Vsöndung bcaustragen.— 2C. B. 10. 1. Die Klage kann innerhalb 30 Jahren angestellt werden. 2. Nein. Die Sachen werden keineswegs durch Zeitablaus Ihr Eigentum. Klagen Sie aus Zahlung des Arbeitslohnes gegen Herausgabe der Sachen. O. K. 50. Nein.— R. G. 7. LS. Die Ausrage ist nicht verständlich. — L. P. Tegel. Ihre Geburtsurkunde, Ihre Militärpapiere und die TodcSurkunden der beiden Frauen sind ersorderlich. sind die Kinder minderjährig, so müssen Sie sich noch an das VornumdschastSgericht mit dem Antrage wenden, Ihnen den AuScinandersctzungSschcin zu erteilen. — C. St. Nur Ihre Frau und Ihr Slind wären erbberechtigt. Es empsiehtt sich aber, jcdensallS ein eigenhändiges Testament zu machen. An- leitung und Bci picl zu einem solchen finden Sie in dem dem Arbeiterrecht angehängten Führer durch das Bürgerliche Gesetzbuch aus den letzten Zeiten.— 100. X. 1. Nein. 2. Beide sind versicherungspflichtig. Es besteht kein strenger Unterschied zwischen beiden Bcgriiscn.— W. 14. Nach Z 88 des Handelsgesetzbuches steht Ihnen die Provision nach Eingang der Zahlung nach dem Verhältnis des eingegangenen Betrages zu.— U. 22. 1. Stein. 2. Voraussichtlich werden Sie dem Antrage gemäsi verurteilt werden. 3. Ja. Die Ansprüche Ihrer Frau und Ihrer ehelichen Kinder gehen allerdings vor. Wieviel danach psändbar ist, entscheidet das Gericht. — H. M. 12. Ja, aber zweckmäsiiger ist es. nicht die Beiträge zurück- zusordern, sondern weiterzukleben. Zum Weiterkleben genügt es, wenn mindestens für je zwei Jahre 40 Marken geklebt werden.— ffi. Z. 17. Stcucrpflicht besteht für solchen Fonds nicht.— L. W. 14ä. Ja, falls nicht ctlva Ihr Vertrag Gegenteiliges besagt.— R. B. 70. Wenden Sie sich an einen Kammerjäger.— C. M. Rirdorf KS. Eine nochmalige Reklamation wäre leider-rsolglos, da nach dem Gesetze das Gesamt- einkonimcn von Mann und Frau besteuert wird.— W. G. 70. Wenden Sie sich an die Osfeubachcr Kasse für Frauen und Mädchen, Berlin, Prinzenstr. 66 bei 5�intz. f. N. W. 1. Nein. 2. Der Betreffende ist strasbar. SIrasanzelge ist ie StaatSanwaltschast zu richten. 3. Ja. Die Betreffenden mögen sich an die Versicherungsanstalt wenden.— R. Z. 82. Leider ist die Gesell- schast im Recht, Sie sind nicht berechtigt, einseitig von dem Bertrage zurück- zutreten. Der Vertrag ist durch Ihren An trag und Annahme deS Ver- traaeS durch die Gclcttschajt geschlossen.— C. I. 35. 1. Ja. Der Vater mühte Rückgabe der Urkunde verlangen oder daS Aufgebot der Urkunde herbeisührcn. 2. Für die letzten vier Jahre. 3. Ist die Urkunde als Pfand übergeben, so kann der jetzige Inhaber aus Realisierung durch daS Erbteil klagen. 4. Auf Herausgabe der Urkunde kann geklagt werden.— To. 50—120. Sardinen, ruff.. Faß 1.50— 1,60. Bratheringe. Büchse(4 Liter) 1,20—1,40. Neunaugen, Schockfaß 11, klein 5— 6, Riesen- 14. Eier, Land-, unsort. Schock 2,75— 3,10, gr. 3,50. Butler per 100 Psd. ia 106—110, II» 103-106, III» 100-102. abfallende 90—95. Saure Gurken Schock 4,50, do. neue 6—8. Pseffergurken 4.50. Kartoffeln ver 100 Psund magnum bontun 3,50—4,00, Dabersche 3,50—4,00, Rosen 0,00, weiße 3,25—3,75, Salatkarloffeln 0,00. Spinat ver 100 Pfund 8—12. Karotten, hiesige, Schock-Bund 4,00—6,00. Sellerie, hiesige, per Schock 2,00—3,00, do. pommersche 0,00. Zwiebeln große. Per 100 Psund 0,00, do. kleine 0.00, do. hiesige(Perl-) 0,00. Cbarioiien 0,00. Petersilie, grün, schockbund 0,80—1,00. Kohlrabi Schock 0.60—1,25. Rettig. bayr., neue Stück 0,12— 0,16. Mohrrüben Schockbd. 3,00—5,00. Tcltower Rüden per 100 Psd. 0,00. Weiße Rüben, groß« 0,00, kleine 0,00. Rote Rüben 0,00. Blumenkohl, holländischer per Kops 0,10—0,20. Kohlrüben per Schock 2,50—3,50. Wirsingkohl holländ., ver Schock 0,00. Rotkohl Holland., per Schock 0,00. Weißkohl, dän. per 100 Psd. 0,00. Rosenkohl per 100 Psd. 0,00. Sprutlobl per 100 Psund 0,00. Rhabarber 100 Bund 0,60—3,50, Bergedorfer per 100 Bund 0,00. Morcheln per Psund 0,00. Sandmorcheln per 100 Psd. 0,00. Waldmeister per Mandel 0,30—0,45. 'Radieschen per Schock 0,50—1,00. Salat per Schock 0,60—1,75, Spargel Ia 100 Psd. 20—28, do. IIa 10—15, do. Iii» 1—8, do. unsort. 0,00, do. Beelitzer Ia 26—32, do. Beelitzer IIa 12—20, do. Beelitzer IUa 5—10. Stachelbeeren, grün, per 100 Psd. 8—12, Holl. 8—10. Erdbeeren, franz., 50 Kg. 20—100, dito Holländer Korb 0,40— 0,50, olto 50 Kg. 20—30, do. Dresdener, Kanne 0,30—0,75, do. hiesige 60 Kg. 25—60, do. Beelitzer, 50 Kg. 0,00, do. Wcrdersche, 50 Kg. 0,00, Tangermündcr 0.0Y, Walderdbeeren 60—80. Kirschen, franz., in Kisten von zirka 1 Kg. Kiile 10—30, do. ital., 50 Kg. 15—35. do. Gubener, 50 Kg. 15—20, do. Schlcs. 50 Kg. 3—20, do. Heidelberger, 50 Kg. 15—35, do. Werdersche 50 Kg. 20—30. Zitronen. Meisina, 300 Stück 0,00—12,00, 360 Stück 8,50-11,00, 200 Stück 6,00—12,00. Slpfelsinen, Jaffa, Per Kiste 0,00, Mnrcia 200 er Kiste 0,00, do. 300 er 0,00, Valencia 420 er Kiste 18,00—25,00, do. 714 er 22-30,00, Messina, 100er 4-7,00, 150er 5-8,00, 161 er 8-13,00, 200er 7,50-12,50, 300« 0,00, Blut- 100er 0,00, 150 et 0,00, 80 et 0,00, 200er 0,00. Wtttcruiigvaberstckit vom 19. Juni 1007, morgens 8 Ith«. Stationen L S ? 2 3| c r: »= S 2 e« Hamburg Berlil, Settel Zwinemde 758S Itcbccft f758WSW 3 bedeckt 1 bedeckt 3 wolkig 5 bedeckt — Dunst erlin 758 ZW Frants.a M 761 SW München'762 22 Wien! 761 Still e U glf w 3> Stationen Q« C 5 »= i I )avaranda 756 W Petersburg 760 W 'eaasa Scillh Aberdeen Paris 763 WSW 755 SW 765 NW Teller 2 wolkig 2 bedeckt 2 wolkig 1 wolkig 3bedeckt »35 Sii 5' S fo 14 15 13 12 U Wetter-Prognose für Donnerstag, de» 2V. Juni 1907. Ziemlich warm und vielfach heiter, aber veränderlich mit ctwaS Regen und mäßigen südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Für veu Jubalt der Jnierate iideruimuli die Redaktion dem Vublikrim gegenüber tetuerlei Ncraiit>uort»»g. TLbcater. HonnerStag, den 20. Juni: Ansang 71/, Uhr. Kgt. SchnnipirlhauS. Fcenhände. Neues kgl. Operntheater. Die Fledermaus. Anfang 8 Uhr. Tiiiiller(Wallner-Thealer.) Martha. Schille.(Friedrich«ikbeli». städinche» Tbeatcr) Drei Paar Schuhe. Deutsches. Der Jongleur. .Kleines, Gastfp. Frank Wedekind. Stoiniiche Oper. Carmen. Westen. Die lustige Witwe. Neues Schauspielhaus. Hopsen- raths Erben Residenz. Haben Sie nichts zu verzollen? ijnftivietdaiiS. Die Welt ohne Männer. Dlnilia. Slaatsanwail Alexander Luiir». DaS Rätsel seiner Ehe Bern bar» Rose. Der große Uli- belannle. Nachm. ill, Uhr: Die Schwäbin. Der Gelmtfe deS Teufels. Die Ballettschule. ».»i>i«oi>v Der Teusel lacht dazu. Winerrgarle». Da Dortajacka. SpeztalitSlen. -t. ü. Der wsttge Witwer. Spe- zialiläten. Walbalta. Spezialitäten. Folies Eaprice. Geisterauto.— Pari». V»i>»ge. Zpezialttäten. Reichstalte», Stellinn Sänger. • hui T-i»,» ,iße l e-,!> Von der Zugspitze zum Watz. mann. iileines Theater. Abends 8 Uhr: Gastspiel Frank Wedekind. Freitag: Ein Idealer Gatte. Sonnabend: Vorletztes Gastspiel Frank WedeNnd. Sonntag: Letzte» Gastspiel Wedekind. Frank Krjiiiclis-Thtatcr. Direktion Richard Alexander. Heute und solgcnde Tage 8 Uhr: Gaben 8!e nichts zu verzollen? Schwant in 3 Akten v. M. Hemiequln und P. Bebet. Urania, Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. ZOOtOCISCHER GARTEN Heute nachmittag 5 Uhr; OlIHlNpivI des Musikkorps der kaiserl. 4. Matroson-Ärt.-Abt. If aiserl.Musikdir. F.»tolle. Hintritt 1 Mk., von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10.lahren die Hälfte. Theater des Westens. Abend» 8 Uhr: I>ie luMlgc Witwe. Operette in 3 Akten v. Franz Lchär. 8 Uhr: Wiener Ensemble- Gastspiel Die Welt ohne Männer. Pepi Glöckner als Gast Luisen-Theater Reichen bergerftr. 34. Vorletzte Woche deS Schauspiels: Das Rätsel seiner Ehe Ansang 3 Uhr. ponnlag. den 23 Juni, nachm. 3 Uhr. bei halben Preisen: Heiiu-ich Heine. Passage-Theater. Abends 8—11 Uhr: Die kleine . Rakete mit Paulette van Roy. 14 groSartige SpezialiiEten. irwww* Schiller-Theater 0. (Wallner-Tbeater.) Mortvih-Oper. Donner»tag, abendS8Nhrt «setlia oder: lZor Uarkt ru Mobmonli. Romanlifche Oper in 4 Akten von Fr. v. Flotow. Freitag, abends 8 Uhr: C»»rmen. Sonnabend, abends 811 6 r; Zar nud Ziuimormnnn. tvMVUÄIMI Gr. Fiiiufsmlcrftr. 132. Täglich: Anlang i'l, Uhr. Im@oi ten: Das glänzende Juni- Programm. Paul Corradini.— The Lauytry. Sperrsitz 60 Pf. Enlrce 30 Ps. Abends 8'/, Uhr im Theater: Der eroße Unbekannte. Sommerpi eise._ Melropol-Thealer Anfaiis 8 Uhr. Große Jaliresrevuo in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Koth. In Szone gesetzt von Direktor Richard Schultz. Ranohen überall gestattet Sanssouci, s�e5" Dtreklion Wilhelm Reimer. Bei günstigerWiticrung aus der Gartenbühne. Sonnt., Moni, Donnerst.: Itotirans liörilii. Sänger u. TnEiiskrttiixciicii. Jubelnder Lachcrsolg I Zu Beteht, Herr Leetiaiit. Posse in 1 Akt. Sonnl. Bcg. 5,wschtnt.3U. Zja-x' 3peÄ»UtStsn- Tuviler. «VW J.andabei'ger Allee 76— V». Direkt a. d Ringbahnstation. Bequeinsle Fahrgelegenheit n. allen Stadtricht. Dh»elitin! T Ii g I i c h: Ob Hegen! Im herrliche» Garie» oder großen Znal: Die gröszte Sensation der Gegenwart: 3 Röhrs Todesfahrt im drehbaren Globus. Hans Röhr, der einzige Fahrer der Welt, welcher die cndlore Schleife, nur 3 Meter Durchmesser, vertikal durchfährt.— Oaeton Brsfhers, phänomenale akrobatische Neuheiten.— The S Aetley«, die sidelcn Farmer, brill Musikakt— ß4»tr Fredo mil seinem Ueber-ZirkuZ: Ponny, Esel. Schwein und Hunden. Dazu bat»cur nud beste Programm Berlins. Ans. 3 Uhr. Kaffceküche. Volksbelustigungen aller Art. Entree 30 Pf. 4 Amold Scöolz Neue Well Hasenbeide 108 114. V DonncrStag. den 20. J«ni 1907» G Or. Doppel-K onzert M/ • Gala- Spezialitäten• Vorstellung.* D Gr. Brillant-Kunst-Feuerwerk. H vrateu von drei ganzen Schweinen auf d. Riesenbratapparat. Anschnilt 6'/, Uhr. Portio» 75 Ps. 'kanz-Keunion. Anfang deS Konzerts 5 Uhr. Gntree znm Konzertgarten 19 Pf. Glitree zum Dhcntergarten 59 Pf. 8 Uhr: Die bedeutenden Spe- zialitätcn mit Jea» Clements ZirkuS-Parodie Barnnm N.Beileid. Abends 9'/, Uhr: tmr ilnrlMteill-»a mit seiner Burleske: Der luftige Witwer. 1. Bild- Das'levie Mal. 2. Bild: Die Folgen davon« Var ete flauer vruei»rgTay7), skoitmvlöv. Speziaiilfitcn- Vorstellung. Prunienatlon- Konzert. Ans: Konzert 6; Vorstellung 7 Uhr. nmtr Bei ungünstigem Wetter Vorsioilvng im Thoslee 8 Uhr. Kleine Otto pritdiow Münzstraße 16. ffelt-Amtelliings- Biograpli-ist. i.°ui.) Theater lebender Photographien. TSgiicb Eingang von ------ Neuheiten.------ 6 Den ganzen lag Vorstellung. ♦ W. Noacks Theater. Direktion; Rod. Olli. Brnnnenstr. 16, Große Extra-Vorstellung. Der Wildschütz oder: Die schuldlose»«chnldbcwiisitcn. Dazu das große Juni- Programm l Ans. 7 Uhr. Entree SO Ps. Bull. Bei schlechtem Wetter: Vorst. Im Saal. Fröbels Allerlei-Theater (srühcr l'nlilinunn) Schön hauser Allee 148 mid Kasianten-Allee 97/99. AcltesleS VolkS-Theater Berlin». Heute sowie täglich das großartige neue erstklassige Nicsen-Juni-Progr. Karl Braun und die übrigen 15 Kunstkräste. um�-uhr- Sroßstadtiauber. Ansang 4'/, Uhr. Eintritl 30 Ps. erstei�TTiesiter. Kastanien-Allee 7/S. Täglich: plotte Weiber kzvezialittlten l. Ranxea. Konzert nud Ball. _ Ansang i'U Uhr._ Schweizergarten Am KSnigstor. Am Frieilrichshaln. Straßenbahn 1,2,4,17,59, 62, 63 u. 74. Täglich: Theater-Vorstellung. Neue Spezialiläten. Kinematograph und Ball Freier Damsntanz. Ansang 5 Uhr._ Entree 30 Ps. Reichsliallen-Tltealer. rl Antang WochcntaaSSllhi Sonntags 7 Uhr. Roiehs» hallen- Larion und Restaurant: Militär- Konzert. GKHOEATGSSSSSSÄG« Ifreie Volksbühne e Ordnersitzung, sEH5ö WAT» AHt« diejenigen Mitgliedep, welche anch In der nUchnten Saison dem Verein anxehvren wollen, mliaucn eine diesbexöglichc Urklörnn», in ihrer ZahlBtcIle abgeben, liimchreibnngen in eine andere Zahlstelle sind nach Abholung der neuen Karten aus der bisherigen Zahlstelle nur in den Monaten Juli und August zu bewirken. Anmeldungen zur 19. und 20. Abteilung werden in allen Zahlstellen angenommen. Das Einschreibegeld und der Beitrag(80 Pf.) ist bei der Anmeldung bis zur Auf-( nähme durch den Vorstand in der Zahlstelle zu hinter- I legen. 229/9 G Neue Zahlstellen beenden«oh: „„ Dnnlin H bei Kriedemann, Zigarrenladen, Star- w fNo. 87. Del tili n. garders trade 74. Panlil» SJ W bei Morsch II, Zigarrenladen, Charit�-, No. 24. sJtl lill H HI. straße 3(Verbandsgebäude der Metallarbeiter). .. Tonts!(Borsigwalde), Berlinerstraße 92, Zigarren- No. 41. Icycl laden. no. 40. Nieder- aud Oberschöneweide: EpT Restaurant, Eeuloauxstr. 22. no. ss. Wilmersdorf-Friedeuaa: lumenSS: 1 ühlandstr. 97. ' No. 27. SehÖneberg. Moldenhauer, Barbarossastr. 75. No. 39.(Mariendorf) leNpelbvk: �BmUne'rs?r4lU Zwelgvcroln Berlin nnd lingogcnd. SektlonäerHiesenlesG�Külfsarheifor. VW" Am Sonntag, de» 23. Jnni 1907:"SBO Familien- Aussing nach den MÄgSeütergen. Trcsspunft mitlunS 12 Uhr am Bahnhof Grünau. 34/17* Zahlrclchc Bcteiligung erwartet Die Gektlonslritnug. fgiMös»Nl! KisSösöigsdöilgs, Mitglieder des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes. Sonnabend, den 22. Jnni 1907, � tat Schönholzcr Kastanienwäldchcn von U. Ramlow(Endstation der- Straßenbahnlinien 36 und 37, 3 Minuten vom Bahnhos Schönholz) Sommer- Vergnügen bestehend in Konzert Herren-, Damen- und Kinderspielen. Im Saale: Großer Ball.___ Um 9 Uhr abends: SKT Fnckelzag für Kinder. M/H Ansang nachm. 4 Uhr. Die Kassecküchc ist von 2 Uhr an geöffnet. Arbeitslose Kollegen haben nach Vorzeigen der LegitimatlonS- karte freien Eintritt. 120/14 _ 9 999C<39999O9e99999909999999O»9099999999999 Seliillsr-Theaier N. Frlotirich-Wiiholn'.alädiischos Theater. WbeudS 8 Uhr: Drei Paar Schuhe. _ Sommerprcise._ Brunnen-Theater Ladstrastc 58. Direkt.: Bernh. Rose. 10 neue Attraktionen 10. Oerihingiontruppe, Kunstradfahrer. The Eteuaas, Gymnastikcr. 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Juni er., nach- mittags 4'/, Uhr. von der Leichen- Halle des EmmauS-KirchhoscS ml Rixdors, Hermanustraßc, aus stalt. j Rege Beteiligung erwartet 88/15 Die Lrtsverwaltung, 1 iwiäliimliki'Lliscbei'FMmeiiii kür dsn t. Sei'iiiisi'beiLbsiszs-MIki'eis. (GörliNer Piertet.) Den Mitgliedern zur Kennini?, datz unser Genosse, der Tischler �iixiist Heine (Stadtbezirk 110) wohnhast Wienerstraße 57 gestorben ist. Ehre seinem Andenke» I Die Beerdigung findet am Freitag, nachmiltag? 4'/, Uhr. von der Leichenhalle deS EmmauS. KirchhoseS aus statt. Um zahlreiche Betetltgiing ersucht 244/19 Der Vorstand. ArarlhriRk! Am Sonntag, den 10. Juni, verschied unser Parteigenosse, der Maurer tLarl Bose Eisenbahnstr. 13. Ehre seinem Andenre« t Der Vorstand. 8o!läil!eilillkrsliscbel'ÄMei'eiii des 6. BerliDer Wahlkreises. Todes- Anselge. Am 17. Juni verstarb unser Mitglied, der Ofensetzer Emil Sebastian Drontheim crsw. 9. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des neuen Pauls- Kirchhofes in Plötzcnsee auS statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 256/S Bei» Vorstand. Deutscher Transportarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin II. Den VcrbaiidSlollcgen zur Nach richt, daß unser langjährige? Mit. glied, der Martlhallcuarbciter Klemens Knetet 18. d. MiS. im Alter am von 40 Jahren am Typhus ge- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 21. o. Mts., nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle deS Pius- KirchhoseS in WilhelmSberg aus statt. 72/14 Die Verwaltung II. Tanksagung. Für die Teilnahme bei der Bc- erdignng meines lieben Mannes. deS Arbeiters B250St Karl Schulz sage ich allen Freunden nnd Be- kannten, besonders den Kollegen der Firmen Degner und Ravens sowie dem Deutschen Transportarbeiter- verband und dem 684. Bezirk des 6. Berliner Wahlkreises meinen in- nigsten Dank. Frau Schulz neust Kinder«. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung unserer lieben Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante .Akim» Kichter sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten unseren besten Dank. Ernst Richter Reickenberaerstr. 49. S249L -G»tfygieni$chk Empfahl. viel Aonieu Prot grat-tUj ropii_ H. Dnser, umnnuwiioauion* Berlin NW- Friedncluira»»« 9D8B vkMtsortlicher Iflefcaftc«« fiosl tittrr, Berlin. Für dk» Lnseratenteil veravtw.: Th. Glscke, Berlin. Knick u. Verlag: LorwSrt» vnchdruiterei u. Berlagsanstalt Paul Singer& To., Berlin SW,