Ur. 143. FbonnemcntS'Bedlngungenj MonnemmtS• Preis Kränumerand« i Vierleljührl. SL0 Mt, mona». l>l0 Mk, wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nillllmer s Pfg. KannlagZ. nummrr mit illuftrierler Sonntags» Beilage»Die Neue Welt' Iv Pf«. Poft- Ndonnement: l.lv Marl vro Monat. Eingetragen in die Poft.zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Dcnlfchland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland S Marl pro Monat. PoflabonncmentS nehmen an: Belgien. Düncmart, bollond. Italien. Luxemburg. Portugal, Kuinlinien, Schweden und die Schweis 24. Jahrg. Vicht!»!»glich anStr Hlntatt. Verlinev Volksblatk. Die InlcrtlonS'GebQlfr betrögt für die sechSgespaltene Kolonelt geile oder deren Naiun bo Psg.. für politische und gewertschastliche Vereins» und PcrsammIuligS.ttnzeigen 80 Pfg. „Uieine ZZnreigen", das erste(seit» gedrutllcl Wort 2v Psg, jedes weiter» Wort>0 Pfg. Stellengesuche und Schlaf« stcllen-Anzeigen daS erste Wort 10 Pfg.» jede? weitere Wort S Pfg. Worts übe« IK Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nüchsle Nummer niüssen bis Z ll lir nachniittagS in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, rclegrainm.ildreffe: „SoxialitiDJltrit ßtrlli". Zcntfatorgan der roziatdemokrattfcbcn parte» Deutfchlands. Redaktion: 8Cd. 68, Lindenstrassc 69. aferiiftirerfirr;?l»i« IV. Mr. I!)«."». Expedition: 8öCl. 68, Lindcnstraeae 69. Skernspreicher: ülm» IV, Mr. insi. Der Kampf der Kamarillen. In den Regionen, in denen in Preußen-Deuischland Minister gestürzt und fabriziert werden— denn deutsche Minister sind schon längst Fabrikware geworden: billig und schlecht— herrscht wieder reges Leben. Es ist falsch, in Deutschland von einer Kamarilla zu sprechen. Es gibt mehrere und um die neuen Minister, die gemacht werden sollen, ist ein heißer Kampf entbrannt, in dem mindestens drei Parteien um den Sieg ringen. Der ist natürlich nur zu haben, wenn man den Träger des„persönlichen Regiments" für sich gewinnt. Denn von ihm hängen ja formell die Er- Nennungen ab, die in Wirklichkeit von der allmächtigen Bureaukratie selbst in stetem gegenseitigen Kampf ihrer Spitzen vollzogen werden. Das Parlament aber ist vollständig ausgeschaltet. Die bürgerlichen Parteien haben aus Angst, das parlamentarische Regime auch dem Proletariat einige Bewegungsfreiheit gewähren könnte, selbst an dieser Aus- schaltung mitgearbeitet. Diese tritt offensichtlich darin in Er- scheinung, daß Ministerernennungen geschehen, wenn die Parlamente vertagt sind oder richtiger, die Parlamente werden vertagt, um die kämpfenden Cliquen von jeder Möglichkeit einer Einmischung einer„Nebenregierung" der Parlamente zu befreien. Gegenüber dem Parlament sind diese Cliquen einig. Ihre eigene Macht ist ja nichts anderes als die Allmacht der Bureaukratte, die ihren äußeren Ausdruck in der Unumschränktheit des„persön- ltchen Regiments" findet. Der Kampf entbrannte, als in einem Teil der Bureau- kratte die Besorgnis austauchte, daß die B ü l 0 w- Clique die Bureaukraten-Allmacht nicht genügend zu wahren schien. Der diplomatisch-korrumpierenden Methode Bülows sollte die scharfmacherisch-brutale der Eulcnburg-Clique ent- gegengesetzt werden. Die Widerstandsregungen des Reichstages gegen die phantasttsche Weltpolitik, die dem„persönlichen Regiment" Herzenssache ist, gaben die Grundlage für die An- griffe gegen Bülow. Dieser konnte seine Stellung nur retten durch die Komödie der Reichstagsauflösung und der Hotten- tottenwahlen. Dies gelang dank der Dummheit der Liberalen. die gegen ein leeres Versprechen, das Bülow bei Strafe seines soforttgen Unterganges gar nicht halten kann, die Wahl für den Absoluttsmus und gegen die Parlaments- rechte entschieden. Aber Bülow wird seines momentanen Sieges nicht froh; er hat neben der Eulenburg-Clique einen gefährlicheren Gegner an einer dritten Clique, die wir die Minister- Clique nennen wollen. Sie ist Gegnerin der Eulenburg-Clique, deren höfisch-militärische Einflüsse sie fortwährend bedrohen. Sie fürchtet die romantischen Ein- flüfie, die zu einer Katastrophe nach innen oder außen führen könnten. Sie sieht die Ueberflüffigkeit der gewaltsamen Methode bei dem Verfall der bürgerlichen Parteien in Deutschland ein. Ihre Allmacht ist genügend gesichert durch ein Kartell der reakttonären Parteien, der Konservativen, Nationalliberalen und vor allem des Zentrums. Sie ist konsequent und wünscht für das Reich dieselbe Politik wie in Preußen. Sie haßt aber Bülow und seine diplomatischen Mätzchen, mit denen er die liberalen Parteien und was ihm wichtiger ist— die liberale Presse— pin- geseift hat. Seine Methode widerspricht nach ihrer Ansicht der borniert-preußischen, junkerlichen Traditton, die auch nur das bloße Heucheln liberaler Anwandlungen verschmäht und in der Tat bei der Bedeutungslosigkeit der Liberalen diese Heuchelei auch nicht nötig hat. Als Angriffspunkt dient dieser Cliqne vor allem Bülows fortwährende Mißerfolge in der äußeren Polittk. Seine Entfernung ist seit langem ein dringender Wunsch dieser Kreise. Sie wird aber für diese geradezu zur Notwendigkeit seit der neuesten Phase der Bülowschen Politik. Uni sich zu retten, hat Bülow dem Zentrum die Freund- schaft plötzlich gebrochen. Er hat damit gegen das Interesse der preußischen Bureaukratie gehandelt, die sich auf diese Partei stützt und stützen muß als die einzige Volkspartei außer der Sozialdemokratie. Wegen seines persönlichen Interesses an der Behauptung der durch die Eulenburg-Clique bedrohten Stellung hat Bülow eine Politik getrieben, die die Interessen der Herrschenden durch die Brüs- kierung des Zentrums verletzt hat, und seitdem herrscht der erbitterte Kampf zwischen ihm und der Minister-Clique unter Rheinbabens Banner. Das nächste Kampfobjekt ist die Be- letzung des preußischen Kultusministeriums. Es ist diese Minister-Clique, von der Herr Haiden seine Jnformattonen hat. Man darf nicht übersehen, daß Harden den Kampf geführt hat nicht nur gegen Eulenburg sondern auch gegen Bülow. Der Kampf mußte aber aus guten Gründen nach zwei Seiten geführt werden. Denn wäre Bülow allein beseitigt worden, so lag die Gefahr vor, daß nicht die Ab- sichten der Minister-Clique, sondern die der Eillenburg-Clique verwirklicht werden könnten. Die eigentlichen Bureaukraten wären so in Abhängigkeit gekommen von einer höfisch-mili- tärischen Clique, hätten also nur die Herrschaft der einen gegen die der anderen Clique vertauscht, statt die Alleinherr- schaft zu erlangen. Der Angriff auf Eulenburg diente also für sie nur als Rückendeckung. Da aber Eulenburg keine verantwortliche politische Stellung bekleidete, da er ja eine solche aus bekannten Gründen verschmäht hatte, so mußte die polittsche Frage auf das Persönliche Gebiet gespielt werden. Nur so konnte Eulenburg gefaßt werden. Die polittsche Frage wurde von Harden, dem Spezialisten für das s Grenzgebiet von Hofpolittk und Sexualität, zu einer sexuellen gemacht. Der Clique blieb nur übrig, diese Frage als eine persönliche dem persönlichen Regiment vorzulegen. Dazu bediente sie sich der Vermittelung des Krön- Prinzen, der bekanntlich die Frage:„Wie sag i ch' s meinem Vater?" erfolgreich gelöst hat. Es ist interessant zu verfolgen, wie der deutsche Krön- Prinz seinen Eintritt in die Polittk vollzieht. Das erste Mal lenkte Bebel in einer seiner Reden die Aufmerksamkeit auf den„jungen Mann". Es war der Haß gegen die Sozial- demokratte, die den Kronprinzen damals zu einem ersten Versuch in der Polittk verführte. Die Rede Bebels bewirkte bisher eine gewisse Zurückhaltung. Jetzt finden»vir ihn wieder bei einer politischen Aktion. Neben der Feind- schaft gegen den Sozialismus ist es also die eigentümliche Art. wie man in Deutschland Mini st er stürzt und macht, die denKronprinzen ein näheres Interesse an der Politik nehmen läßt. Der Stteich gegen Eulenburg war kaum geglückt, als die beiden anderen Cliquen um die Ausnützung des Sieges zu kämpfen begannen. Bülow, der jahrelang vergeblich gekämpft hatte, wollte der Oeffentlichkeit einreden, Eulenburgs Sturz sei sein Verdienst. Deswegen erinnerte er in der„Nordd. Allg. Zeitung" an seine Reichstagsrede gegen die Kamarilla. Aber gerade daraus suchte die Gegenclique Vorteil zu ziehen durch die bekannte Gegenerklärung im„Lokal-Anzeiger", wo- nach das Zugeständnis der Existenz einer Kamarilla den Kaiser beleidigen hieße. Das war eine geschickte Spekulation auf das bekannte Selbstgefühl des Kaisers. Um diese zu vollenden, mußte man aber suchen, den Skandal in der Oeffentlichkeit möglichst zu vertuschen und so zu zeigen, daß man das Ansehen des persönlichen Regiments im Gegensatz zur Indiskretion und Ruhnircdigkeit Bülows zu wahren wisse. Daher schwieg Scherl, dessen Blätter dieser Clique und nicht Bülow zur Verfügung stehen(nebenbei ein Zeichen, daß Scherl von der Stellung Bülows nicht mehr viel hält) und deshalb schwieg vor allem auch Harden in seinem Blatt und vor Gericht. Seitdem ist der Kampf der beiden Cliquen immer heftiger geworden. Im Gegensatz zu früher handelt es sich aber jetzt um weniger romantische Pläne, nämlich um die endgültige Beseitigung der Blockpolitik und damit auch Bülows— um die Wiederherstellung der Majoritätsverhältnisse, wie sie vor der Auflösung bestanden. Ob Bülow in diesem Kampfe siegen wird, ist zweifehaft. Einmal ist durch sein Auftreten im Eulenburg-Skaudal seine Stellung erschüttert. Der Kaiser wird ihm die ostentative Bloßstellung durch jene Kamarillanottz nicht verzeihen. Dann aber widerspricht die Blockpolittk sotvohl den höfischen Ge- wohnheiten, als auch den Interessen der Bureaukratie. Zunächst würde die Blockpolittk die Erfüllung ge- wisser Einschränkungen bureaukratischer Willkür bedingen. Desivegen aber hat die Bureaukratie nicht die Wahlschlacht gewonnen, um sich Einschränkungen auferlegen oder gar neue Männer aufdrängen zu lassen. Gerade diese Personalkonzessionen wären aber um so nöttger, je geringer die sachlichen Konzessionen sein können. Es widerspricht jedoch allen Tradittonen des persönlichen Regiments, sich bei der Auswahl der Minister von Rücksichten auf Parteiwünsche und gar liberale Parteiwünsche leiten zu lassen. Zudem ist eine Polittk, die das Zentrum wirklich dauernd in die Oppositton drängen würde, zu gefährlich, um mehr als eine vorübergehende Episode bleiben zu können. In der Tat ist die Blockpolittk am Verenden. Gegen das Bestteben Bülows, das Kultusministerium mit einem Menschen zu besetzen, der so unbedeutend ist. daß er unter allen Parteien steht und daher von den Liberalen als ein „beinahe gemäßigter Liberaler" in Anspruch genommen werden kann, wird ein heftiger Kampf geführt.„Nord. Allg. Ztg." und„Lokal-Anzeiger" stehen einander schroff gegenüber, das Kanzlerorgan und das Organ der Ministerclique bringen entgegengesetzte Nachrichten, alle bestimmt, das„persönliche Regiment" zu ihren Gunsten zu beeinflußen. Der Kanzler verschiebt seinen Sommcrurlaub von einem Tag zum andern. damit die feindlichen Kollegen nicht leichtes Spiel haben. Die Reisen an das Hoflager beginnen wieder, und Bülow, der so protzig dem Reichstag gegenüberzutreten weiß, wirbt devot um die Gunst des„persönlichen Regiments". Die Einheit der Regierung ist beim Teufel und vor aller Welt balgen sich die Leute, die heute die deutsche Politik allmächtig bestimmen, um ihren Anteil an der Beute, ein Schauspiel der Bureaukratenherrschast. aus dem das deutsche Volk wirklich etwas lernen kann. Die nächsten Leidtragenden werden die deutschen Liberalen sein. Der deutsche Liberalismus ist wirklich einzig. Seine Charakterlosigkeit ist nicht das Schlimmste. Sie ist ihm mit dem Liberalismus anderer Länder gemeinsam. Aber einzig ist seine politische Einfalt. So plump genarrt ist noch keine Partei worden. Die deutschen Liberalen haben nie verstanden zu kämpfen. Aber letzt verstehen sie nicht einmal mehr zu schachem. Sie haben nie sachlickie Politik zu treiben gemußt. Sie haben nie das wirkliche Kampsobjekt gekannt, auch nicht in ihrer besten Zeit, in der Zeit des Militärkonflikts« Damals hatten sie wenig- stens noch eine Doktrin; seitdem sind sie zu reinen Personalpolitikern geworden, die die Baroarossa-Legende glauben: Einst wird kommen der liberale Kaiser oder Prinz und wird den Liberalismus erlösen. Zuletzt hat, nach- dem die Bismarck-Zeit das dumme Märchen grausam zerstört hatte, Naumann die Legende erneuert und die Mar von der„Demokratie und dem Kaisertum" verkündet. Nachdem er, von den Arbeitern abgewiesen, die eigene Partei zerstört hatte, ging er zu den Liberalen und fand da neuerdings Gläubige. Und nachdem der Kaiser nicht liberal werden wollte, begnügten sich die Liberalen mit dem Minister. Sie sahen nicht, so unglaublich es klingt, daß ein Minister in Deutschland nichts als ein zufälliger, vorübergehender, stets ersetzbarer Exponent der Bureaukratenallmacht ist: ein fungibles Gut gleichsam, zu dem jeder preußische Vureaukrat gleich tauglich ist, weil er unter dem persönlichen Regiment ja eine Individualität gar nicht haben darf. Sie sahen nicht, daß jede weitere Anwandlung nichts weiter bedeuten kann, als den früher oder später eintretenden Sturz des Ministers. Sie sahen nicht, daß, da persönliches Regiment nur der not- wendige Ausdruck der Bureaukratenallmacht ist, Bureaukratie und Demokratie unvereinbare Gegensätze sind, um so unver- einbarer, je entwickelter die kapitalistische Gesellschaft. Sie sahen nicht, daß Demokratie nur möglich ist, wenn die Bu- rcaukratie gestürzt wird, daß die Selbstverwaltung erst erkämpft werden muß, bevor die Demokratie herrschen kann. So wurden sie zu dem betrogenen Werkzeug einer Bureau- kratenclique. erabcrgm Verurteilung. Vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Berlin-Mitte stanB gestern Termin zur Verhandlung in der bekannten Privatklagesache des Gouverneurs a. D. v. Bennigsen gegen den Reichstags- abgeordneten E r z b e r g e r an. Es handelt sich, wie wir bereits in gestriger Nummer berichteten, um eine vom Abgeordneten Erz- berger während des letzten Reichstagswahltampfes herausgegebene Broschüre unter dem Titel:„Warum ist der Reichstag aufgelöst worden?" Diese Broschüre enthält nach Ansicht des Klägers den Vorwurf, daß er seine amtliche Stellung dazu mißbraucht habe, sich zu bereichern. Vom Abgeordneten Erzberger ist Widerklage erhoben worden auf Grund mehrerer in der„Köln. Ztg." erschienener Ar- tikel, die vom Privatkläger herrühren sollen und persönliche Angriffe gegen Erzberger enthalten. Angekl. E r z v e r g e r gab zu. die Broschüre herausgegeben zu haben. Die Tatsachen, die er darin erwähnt habe, seien auf Grund amtlichen Materials von ihm vorgebracht worden. Er sei in der Lage, den vollen Wahrheitsbeweis anzutreten. In der Land- kommission des Reichstags sei eine amtliche Denkschrift vorgelegt worden, in der alle die Angaben, die er über die Gesellschaften ge-. macht, enthalten seien. Die betreffenden Tatsachen seien auch vom Gouverneur Leutwein und vom Herrn v. L i n d e q u i st bestätigt worden. Auf eine Frage del Vorsitzenden erklärte der Angeklagte, daß er nicht behauptet habe und nicht behaupten wolle, daß Herr v. Bennigsen selbst um eine Konzession sich bc- worden habe oder Mitglied des Kolonialrats war. Er habe erst durch eine Bemerkung des Herrn Professor v. Bornhaupt in der Land- kommission erfahren, daß Herr v. Bennigsen der Kolonialgesellschaft für Südwestafrika angehörte., Herr v. Bennigsen erklärte hierzu, daß er dem Vorstande der Kolonialgesellschaft angehört habe, aber ausgeschieden sei, weil er den Standpunkt vertreten habe, daß die Kolonialgesellschaft neben ihren eigenen Interessen auch die Interessen der Kolonie wahr- zunehmen habe, und weil diesem Standpunkte nicht entsprochen wurde., Abg. Erzberger wies darauf hin, daß auch bei Geschäften, an denen die Kolonialgesellschaft beteiligt gewesen, die Dinge sich ebenso abgespielt haben, wie er es in dem ersten Teile des inkrimi- werten Passus geschildert habe. Herr v. Bennigsen betonte seinerseits, daß eS eine irrtüm- liche Auffassung sei, wenn er als Mitglied des Kolonialrates be« zeichnet worden sei. Er sei niemals Mitglied des Kolonialrates gewesen. Auf weitere Fragen des Vorsitzenden erklärte Angeklagter Erz- berger, er habe nie gesagt, daß v. B. sich um Konzessionen beworben oder sie erhalten habe. Er habe sofort, als er gehört, daß sich v. Bennigsen beleidigt fühlte, in einer in ekwa 60 Blättern er- schienenen öffentlichen Erklärung betont, daß er gar nicht habe bc- haupten wollen, was v. Bennigsen aus der Broschüre herauslese, und daß er die Ehre des Herrn v. Bennigsen gar nicht habe angreifen wollen. Er habe in dem ersten Teile des Artikels eine allgemeine Schilderung der Landgesellschaften und ihrer Tätig» keit gegeben, und der zweite Absatz sollte in keiner Weise andeuten, daß die in dem ersten Teil enthaltenen einzelnen Daten auf die dort von ihm namhaft gemachten Personen anzuwenden seien. Der Vorsitzende regte den Abschluß eines Vergleiches an, doch wird von dem Herrn v. Bennigsen dieses Ansinnen entschieden ab- gelehnt. Abg. Erzberger erklärt nochmals, er habe nicht beleidigen' wollen und nur referiert. Was die Widerklage betreffe, so finde er die Beleidigungen in dem Inhalt zweier Artikel des Privat- klägers in der„Kölnischen Zeitung". ES heiße darin unter anderem: Abgeordneter Erzberger sei ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets daS Gute schafft; ferner: an Herrn Erzberger sei die fabelhafte Kühnheit zu bewundern, mit der dieser Benjamin der ultramontanen Fraktion alte Politiker auch der eigenen Partei abkanzele) die Partei des Herrn Erzberger werde noch böse Er, fahrungen mit ihm machen, denn er gehört seinem ganzen Charakter nach nicht zu den Jagdhunden, die sich von ihren Herren zurück- pfeifen lassen; die Selbstüberhebung führe diesen Kolonialober st reiter aus Abwege und mache ihn zum Enkant terrible seiner Partei. Der Rechtsanwalt des Herrn v. Bennigsen bc- antragie namens des Privatklägers die nachdrückliche Bestrafung des Angeklagten, der sich gewissermatzen als Retter des Staates aufspiele. Zweifellos lieg« eine schwere Beleidigung vor, denn die Interpretation des beleidigenden Passus, die der Angeklagte ge- geben, sei sehr künstlich. Wenn er sagt, daß der letzte Absatz nicht mit den ersten Ausführungen zusammenhänge, so lasse er einfach den verbindenden Mittelsatz weg. Erzbergers Verteidiger beantragte hingegen die Freisprechung des Angeklagten und die Bestrafung des Privat- klägers. Dah bei der Gründung der Landgescllschaften skandalöse Vorgänge sich ereignet haben, sei von dem Angeklagten öffentlich im Reichstage wiederholt erörtert und auch regierungsseitig anerkannt worden. Angekl. Erzberger schloß sich diesen Ausführungen seines Verteidigers an und wandte sich in scharfer Polemik gegen die Ausführungen und Angriffe des gegnerischen Anwalts, ins- besondere auch gegen die Behauptung, daß es sich um eine Wahl- mache gehandelt habe. Das sei ganz und gar nicht der Fall. Er halte jede Landkonzession in Kolonialgebieten für ein Riesengeschenk und habe im Reichstage den Kampf hiergegen mit Schärfe und auch mit Erfolg geführt. Er habe die Gründergewinne längst vor Er- scheinen der Broschüre im Reichstage festgestellt, und sie feien in der Denkschrift der Regierung zugegeben. Er habe Herrn v. Bennigsen keineswegs unlauteren Gewinn vorwerfen wollen, sondern im zweiten Teile nur einige Männer genannt, die hinter den Kolonial- gesellschaften steckten. Er habe durchaus annehmen müssen, daß Herr d. Bennigsen noch zum Vorstande der Kolonialgesellschaft für Süd- Westafrika gehört, denn sein Name sei in der Landkommission ge- nannt worden, und er habe nicht dagegen protestiert. Nachdem der Gerichtshof sich zur Beratung zurückgezogen hatte, wurde folgendes Urteil abgegeben: Ter Anzrklegte Erzberger wirb wegen Beleidigung zu einer Woche Gefängnis verurteilt, der Widerangeklagte v. Bennigsen freigesprochen. Die Kosten dcS Verfahrens werden dem Angeklagten auferlegt. Das Gericht, so erklärte der Vorsitzende, habe den Eindruck ge- Wonnen, daß der Angeklagte Erzberger beider Behauptung, daß ge- wisse Leute Riesengeschenke in die Tasche gesteckt haben, auf Herrn v. Bennigsen hatte exemplifizieren wollen. Diesem werde somit der Vorwurf gemacht, daß er in schwindelhafter Weise Riesen- gewinne sich zugeeignet habe. Das Motiv erblicke der Gerichtshof darin, daß der Angeklagte, der zum Reichstag kandidierte, auf irgendeine Weise Sensation machen wollte. Der erhobene Vorwurf sei so schwer, daß der Gerichtshof von einer Geldstrafe abgesehen habe. In den Ausdrücken, auf die sich die Widerklage stütze, habe der Gerichtshof Beleidigungen nicht erblickt. Sie Kommune der Blinzer. Paris, 18. Juni.(Eig. Per.) Seit den« Pariser„Aufstand" von 1871 hat sich die bür- gerliche Republik in keiner Situation befunden, die der jetzigen vergleichbar wäre. Der Boulangismus wie die Drey- fuskrise stellte Parteien einander gegenüber, diesmal aber ist es eine ganze Provinz, die sich wider die Zentral- regierung erhöbe» hat. Fünf Departements haben sich der vom Komitee zu Argelliers geleiteten Verbrüderung angeschlossen. Zu den vier, die sich auf den Riesenmeetings der letzten Wochen zum gemeinsamen Kampfe verbanden, ist nun auch das Departement V a r getreten, woClemenceau sein Senatsmandat erhalten hat! Auch dort demissionieren die Gemeinderäte, und die Parole der Steuerverweigerung dringt siegreich vor. Aber nun will die Regierung einschreiten und die An- fllhrer des Aufruhrs die Strenge der Gesetze fühlen lassen. Herr Clemenceau besitzt den Ehrgeiz, ein zweiter Thiers zu werden. Wie jener hat er zuerst die Aufständischen un- gestört schalten lassen, ja ihnen die Bahn geebnet: Den Mani- sestanten, die sich zum Eidschwur auf das Programm der Revolte versammelten, stellte die Regierung ungezählte Eisen- bahnzüge zur Verfügung, sie gab den Reservisten der ver- kündeten Departements am Demonstrationstag Urlaub, sie stellte sich taub, als das Komitee offen zum Gesetzesbruch auf- forderte. Jetzt, da sie die Winzer hat„schuldig werden" lasten,„übergibt sie sie der Pein".— Was die Regierung alles vorhat, weiß man noch nicht. Clemenceau forderte heute in der Kammer Blanco-Voll- macht, und er hat sie trotz I a u r d s leidenschaftlichem Einspruch erhalten. Sicher ist, daß die Staatsanwaltschaften den Auftrag erhalten haben, gegen die Mitglieder des Komi- tees die Strafverfolgung einzuleiten, wahrscheinlich, daß sie auch gegen die zurückgetretenen Bürgern, ei st er vorgehen werden. Da die Geschworenen der revoltierenden Departements„unzuverlässig" sind, so werden zweifellos die Schwurgerichte anderer, leichter zu beeinflussender Landes- teile delegiert werden. Clemenceaus Leutnant, der Unterstaatssekretär Sarraut, hat als Abgeordneter von Narbonne die Mit- Verantwortung der Beschlüsse des gestrigen Ministerrats nicht auf sich nehmen wollen und sein Amt niedergelegt. Ob da Wahlinterefsen den Ausschlag gegeben haben oder andere (Sarraut ist an der„v�pdeds cko DouIouk«" hervorragend beteiligt, und dieses Blatt hat in der letzten Zeit wegen seiner regierungsfreundlichen Haltung eine rapide Abnahme seines Verschleißes zu beklagen), bleibe dahingestellt, in jedem Fall hat die Demission im Süden den Eindruck einer Demonstration gemacht und den Entschluß zum Widerstand noch gefestigt. Wie weit aber wird dieser Widerstand gehen? Wird sich die Staatsgewalt im blutigen Kampfe durchsetzen müssen? Jedenfalls trifft die Regierung die klassischen Vorbereitungen zum ordnungsretterischen Handstreich. Gendarmenabteilungen und Truppenmasten werden in das Gebiet des Bauern- bundes gezogen. In den Garnisonen ersetzen Regimenter von der Ostgrenze die Landeskinder, die man mit großer Ve- schleunigung und in größter Heimlichkeit nach fernen De- partements dirigiert. Denn die jungen Winzer im Waffen- rock machen kein Hehl daraus, daß sie kein Verständnis für einen„Patriotismus" haben, der sie verpflichten will, auf ihre hungernden Brüder zu schießen, wenn einige Herren in Paris das so für notwendig befinden. Neue Auflehnungen, ja Revolten von Soldaten werden gemeldet und durch lahme ofsizielle Dementis eher bestätigt. Auf die aus allen Landes- teilen ergänzten, auf Kriegsfuß gehaltenen Regimenter des Ostens aber, die unter stetiger chauvinistischer Suggestion ge- halten werden, glaubt man sich auch dann verlassen zu dürfen. wenn man ihrer kriegerischen Schneidigkeit statt des„äußeren Feindes" den„inneren" als Ziel weist. Die einberufenen Reservisten der Winzerdepartements dagegen erhalten Kontre- ordre. Tie Waffenübung wird ihnen ganz geschenkt, damit sie nicht den Geist des Aufruhrs in den Kasernen noch ver- stärken. Am Freitag will Clemenceau der Kammer Rede und Antwort stehen. Bis dahin glaubt er die beschlossenen Maß- nahmen vollbracht, den Widerstand der Bauern gebrochen zu haben. Wird dies wirklich so leicht gelingen? Wird die Ver- Haftung der Führer ohne Blutvergießen vollzogen werden, wird sie die Ruhe in den Departements herstellen, die eben jetzt erst, in der gestrigen Verwerfung der Erhöhung der Zuckersteuer um 65 Franks, einen neuen Beweis des Uebel- wollens der Gesetzgebung erhalten zu haben glauben? Die Antwort müßte unbedingt bejahend lauten, wenn man nur die Massen, die Machtmittel und die Organisation der beiden Parteien vergleicht. Sie scheint aber weniger sicher, sobald man sich erinnert, welche ungeheuren sozialen Energieen ein um seine Existenz kämpfendes, vom Glauben an sein Recht erfülltes Volk entwickeln, welche gewaltigen persönlichen Potenzen es im elementarischen Ausbruch seiner Kräfte em- porschleudern kann. � � Es herrscht Ruhe in Narbonne. Paris, 19. Juni.(Eig. Ber.) „In Narbonne herrscht Ruhe/ So melden die offiziösen Berichte, und wenn es bisher auch wenig andere gibt, da die Re- gierung seit gestern die telcgraphische Verbindung mit dem Süden fast ganz anfgchobr» und Depesche» nur mit 6— 1l)ftii»digcr Ber- spätnug und Ullter Zensur durchgelassen hat, so kann man ihnen doch glauben. Genosse Dr. F e r r o u l hat sich ohne Widerstand ver- haften lassen, und wie es scheint, habe» sich auch Marccllin Albert und die anderen Mitglieder seines Komitees, die sich vor der Ankunft der zu ihrer Verhaftung entsendeten bewaffneten Macht verborgen hatten, in Montpellier der Behörde gestellt. Daß es bei dieser militärisch-polizeilichen Operation kein Blutvergießen gegeben hat. ist wobl weniger der Strategie der Regierung, als den Be- mühungen der„Aufwiegler" und dem gesunden Menschenverstand der„Aufgewiegelten" zu danken. Vor allen» ist Herr Clemenceau dem Genossen Ferroul verpflichtet, der den schon kräftig begonnenen Barrikadenbau in Narbonne zum Stillstand brachte und die Bahn 'ür die Dragoner, die ihn holen sollten, freimachte! Was nun? Bor seiner drohenden Verhaftung hat Marcellin Albert ein neues Komitee ernannt, das die Organisierung des passiven Widerstandes fortsetzen soll. Die Regierung hofft allerdings, daß die mit Regiekunst insze- nierten Maßregeln der heutigen Macht die Winzer genug ein- lchüchtern werden, um ihre Disziplin zu lockern. Auch hat Herr Clemenceau, wie eS heißt, noch andere Pfeile im Köcher. Man spricht vom Belagerungszustand in Narbonne und Um- gebung.— Wenn die abgetretenen Bürgermeister nicht weiter amtieren wollen, werden vermutlich Verwaltungs- kom Missionen für die Gemeinden ernannt werden, welche die kommunalen Finanzen enipfindlich belasten dürften. Aber wenn die Bauern fest bleiben und insbesondere die Steuerverweige- r u n g in die Tat umsetzen, wird der Regierung wohl nichts übrig bleiben, als ihnen auf irgend eine eindrucksvolle Art entgegen- zukommen, wobei ein Steuernachlaß am nächsten zu liegen scheint, der der Regierung freilich früher, ohne die kostspieligen militärischen Operationen, billiger zu stehen gekommen wäre. Herr Clemenceau hat allerdings für seine Gewaltpoliik die erneuten Lobsprüche der Kapitalistenpresse geemtet. Der„TempZ" zieht auS den Vorgängen im Süden die Lehre, daß die Regie- rung alles zu gewinnen habe, wenn sie„die Autorität nicht schwächen" lasse I— Die gemäßigten Parteien haben in der Tat recht, fich über eine Politik zu freuen, die den Kern der bäuerlichen Demokratie verletzt und die Aussicht auf ein Regiment des kapitalistischen AuSbeuteriumS mit einigen Zugeständnissen an den städtischen Kleinbürgerradikalismus immer näher rückt. Nur sind eS nicht die Sozialkonservativen, die zuletzt lachen werden; denn gerade diese Politik bereitet auch den Zusammenschluß des Proletariats mit dem ausgebeuteten Landvolt vor; sie kann also leicht der Ausgangspunkt der sozialen Umwälzung werden. N« * Dte Eroberung von Narbonne. Pari?, 19. Juni, 19 Uhr abends.(Eig. Ber.) Soeben bringt eine Extraausgabe der„Presse" die ersten aus- fiihrlichen Nachrichten über die Vorgänge bei der Verhaftung des Genoffen Ferroul. Das Telegramm war um 8 Uhr 15 Minuten aufgegeben, ist aber am späten Abcnt» zugestellt worden! Die Regierung hat offenbar die Verbreitung anderer Ve- richte als der von ihr beeinflußten heute hinionhalten wollen! I Nach der Darstellung der„Presse" hat sich die Verhaftung FerroulS keineswegs friedlich vollzogen. Wir geben hier die wichtigsten Stellen wieder: „Um'/zl Uhr nachts wurde das erste Regiment auf dem Bahnhofe auswaggoniert: das 14. Linienregiment. ES kampiert auf dem Marktplatz. Die Menge ist stürmisch, aber sympathisch gegenüber den Soldaten. Die Bewohner bringen Brot und Wein für Soldaten und Offiziere. Der Eingang des Stadthauses wird von 500 Männern bewacht, die bereit find, ihn gegen eine Welt zu verteidigen. Die Sturmglocke tönt durch die Nacht. Von Stunde zu Stunde konrmen neue Regimenter an: Das 139., das 80., das 81. und das Kürassierregiment aus Lyon. Drei Brigadegeneräle sind da! Der Rangälteste, General Ouerdrin, übernimmt das Kommando. Um Vz4. in der Morgendämmerung, nahmen die Truppen ihre Stellungen ein. Zwei Regimenter besetzen den Bahnhof und die Bahnstrecke, die anderen alle Zugänge zur Stadt ohne Ausnahme. Zwanzigtauscnd Narbouuer sind auf den Beinen nach einer schlaf- losen Nacht. Vor das Hau? des Herrn Ferroul' rücken zwei Kompagnien des 139. Regiments, eine Kürassicrschwadron und 50 Gendarmen. Sie rücken bis einige Meter vom Hause vor. Die Kürassiere sind an der Spitze, aber der furchtbare Rückstoß der Menge läßt sie zurückweiche». Ferroul erscheint auf dem Balkon, jedoch man hört ihn kaum in der allgemeinen Erregung. Er fleht:„Freunde, kompromittiert nicht eilte so gute Sache. Zieht Euch vor der Gewalt zurück. 10000 Leute habe» sie gebraucht, um mich zu verhastcu. WaS könnt Ihr machen?" Aber die Menge ruft:„Wir wolle» nicht, daß mau Dich verhafte!" Der Spezialkommissar ans Paris befiehlt den Kürassiren. vor- zugehen. Der Rittmeister fordert einen geschriebenenBefehl. Die Reiter scheinen unzufrieden und widerwillig. Auf Befehl dcS Generals Ouerdrin ziehen fich die Kürassiere zurück, unter dem Beifall der Menge. Jetzt ist ein Zug Gendarmen und Linien» Infanterie voran. Sie bemühen sich, vorzurücken und drängen die Narbonner zurück. Aber diese, in höchster Aufregung, die Frauen voran, ergreifen die Offensive und treibe« die Gcndarmc» und Soldaten zurück. Viele Soldaten werden von ihren Kameraden getrennt und von den Manifestanten in die Mitte genommen. Der Spezial- kommiflar ist sehr mißvergnügt. Die Enge der Straße erlaubt nicht, die Truppen zu entwickeln, und überdies marschlerrn die Soldaten sehr lässig. Die Offiziere begnügen sich damit, ihnen schweigend zur Seite zu bleiben. Ferroul unternimmt vom Balkon einen letzten Veschwichtigrings- versuch:„Wenn Ihr mich liebt, bezeugt mir s o Euere Freund- schaft."— Frauen und Männer weinen. Man sieht Soldaten und selbst Offiziere sich übers Auge fahre». Das Volk erklärt sich schließlich bereit, sich zurückzuziehen, aber es stellt folgende Bedingungen: Weder Polizisten noch Gendarmen sollen Ferroul verhaften, sonder» zwei Soldaten. Sonst wird angegriffen. Auch Ferroul erklärt, seine Wohnung nicht durch die Polizei beschmutzen lassen zu wollen I Ter Spezialkommissar sieht sich gezwungen, sich vor dem Willen der Narbonner zu beuge», und ist noch froh» so billig davonzu- kommen. Als Ferroul, von zwei unbewaffneten Soldaten begleitet, aus der Schwelle erscheint, beginnt eine unbeschreibliche Ovation. Die Frauen sinken ans die Knie, Arbeiter umarmen und küssen ihn. Der Spezialkomnrissar führt ihn, mit entblößtem Haupte, zum Landauer. Kürassiere nehmen den Wagen in die Milte.'Aber der Zug wird noch einmal zum Stehen gebracht, das Wagendeck herabgelassen, und Ferroul durchfährt unter endlosen Zurufen die Hauptstraßen. Die Eskorte ist genötigt, im Schritt zu reiten. Auf dem Boulevard Gambetta werden die Reiter umringt. Ein Mann springt den Pferden in die Zügel. Die Kürassiere müssen ihre Säbel ziehen, um den Wagen zu befreien. Ein Steinhagel sanft auf sie nieder. Auf dem Pont de la LibcrtS wird ein Reiter aus dem Sattel geworfen. Zwei Schwadronen müssen unter einem Regen von Geschossen zurückbleiben. Die Offiziere lassen die Säbel ziehen und von neuem die Menge angreifen. Endlich, lim Nhr früh, hat die Eskorte Narbonne verlassen und im Galopp, geht's nach Conrsan, wo Ferroul in den Sonderzug gebracht wird der ihn nach Montpellier führt." ." Eine Eisenbahnbrncke in die Luft gesprengt. Die„Presse" meldet in ihrer Extraausgabe noch: Die Brücke von Coursan, auf der Bahnstrecke von Na� bonne nach Montpellier, sieben Kilometer von Narbonne, ist heute früh in die Luft geflogen. Die Absicht der Urheber dieses Attentates war offenbar, daS Passieren des Sonderzugcs mit den Gefangenen zu ver- hindern. Aber man verniutete, daß die Verhaftung um 8 Uhr stattfinden werde, und die Brücke wurde eine halbe Stunde nachdem sie der Zug passiert hatte, zerstört.— Dies Attentat ist nicht mit dem aus die Brücke von Villedoigne zrt verwechseln, welche die Bauern in Brand gesteckt hatte,', um zu verhindern, daß die Wagen mit den Gefangenen von Argelliers den Zug erreichten. Die Wagen mußten auch einen Umweg machen. Der„Tag" erhielt folgende? Privat- Telegramm: Paris, 20. Juni, 12 Uhr 10 Min. mittags. In der Kämmet herrscht heute große Bewegung. Der Deputierte Leroy-Beaulieu kündigte ein« Interpellation an, ob eS richtig sei. daß die Zahl der Ber- wundeten in der Truppe über 150 betragt, daß nach Weigerung der Kürassieroffiziere von Narbonne, scharf feuern zu lassen, der Unter- präfett Jcard die Gendarmen hierzu beorderte und Gehorsam fand, ferner ob es richtig sei, daß noch niehr Todesopfer im Publikum sielen als die fünf offiziell zugestandenen Toten. Ferner will Leroy- Beaulieu genaueres über die Gerüchte von einer neuen Empörung im hundertste» Rcgimente erfahren. Paris, 20. Jüni. Aus Anlaß der Vorkommnisse in den Wein- baubezirken hat Präsident FalliöreS im Einverständnis mit den» König von Siam die Verschiebung der zu Ehren des letzteren an- gesetzten Festlichkeiten angeordnet. Auch daS für heute abend ge- plante Diner ist abgesagt worden.-- llrn Preußens oreiklsikeiwshlrecht. Die Schar jener, die das Dreiklasici, wohlrecht aufgeben, meljA sich. Aus freikonservativem Munde kommt schon jetzt das Zu- geständniS, daß eS unhaltbar geworden ist. Freiherr v. Zedlitz gibt seinen jahrelang vertretenen LieblingSgedanken auf. daß eine Refonn dcS preußischen Wahlsystems nur gegen die Kompensation einer IteichStagswahlrechtSverschlechterung zugestanden werden dürfe und fordert die preußische Regierung auf, im Herbste mit einer Wahl- reformvorlage vor den Landtag zu treten, die selbstverständlich„die natürlichen Autoritäten", Besitz, Bildung, Alter nach ihrer vollen Bedeutung würdigen soll. Der Grund, der den virlgewandten Freiherrn zu diesem Zugeständnis bewegt, ist, wie er selbst angibt, die Rücksicht auf die Blockpolitik, die Erwägung, daß die Blockpolitik im Reiche aufs schwerste gefährdet wird, wenn in Preußen dem Liberalismus jegliches Entgegenkommen verweigert wird, wenn er sich gezwungen sehen würde, seinen WahlrechtSantrag leidlich entschieden im Abgeordnetenhause zu vertreten. Und daß die pro- letarischc Wahlrechtsbewegung, wie sie den lang eingerosteten Wahlrechts- reformeifer des Zentrums und der Freisinnigen wieder lebendig werden ließ in den WahlrechtSanträgen des WahlwinterS 1906, dafür sorgen wird, daß er nicht wieder einschläft, das sagt Zedlitz zwar nicht in seinem Artikel, den er im„Tag" veröffentlicht, aber daS weiß er dafür u>n so besser. Daß solche Aufrüttelung deS Freisinns sehr notwendig ist, geht übrigen? aus einer Stelle des Zedlitzschen Artikels ziemlich deutlich hervor. Er deutet da an. daß die Zurückstellung deS srei- sinnigen WahlrechtSantrageS in der verflossenen Session de? Land- tageS erfolgt ist, weil die Konservativen und die Regierung großen Oert darauf legten, daß er nicht mehr verhandelt werde. Die„Lib. Korrespondenz" hat das Verfängliche dieser Feststellung sofort ge- spürt und ertlärt deshalb schleunigst, daß die Konservativen einer Verhandlung deS Antrages keinerlei Hindernisse entgegengesetzt hätten; sie sei nur unterblieben, weil die Freisinnigen selbst Zweifel über die Zweckmäßigkeit einer überhasteten Beratung unnrirtelbar vor Scssionsschlriß bekommen und daher auS eigener Initiative auf die Verhandlung verzichtet hätten. Diese Angaben stehen, wie man sieht, im entschiedensten Wider- spruch zu denen des Freiherrn v. Zedlitz, der bei seiner lebhaften Besorgnis für die Blockpolitik sicherlich keinen Anlaß hatte, dre Dinge ungünstiger für den Freisinn hinzustellen, als sie wirklich sind. Man darf deshalb dem Zedlitzschen Zeugnis mehr Glauben schenken, als den Beteuerungen dcS angeklagten Freisinns. Und zudem trifft da? Zeugnis des freikonservativen Führers zusammen mit den Ent- hüllungen, die in der„Fränkischen Tagespost", unserem Nürnberger Parteiorgan ein Berliner GeivährSuraim macht. Er teilt fol- gendes mit: Die preußische Regierung hat die freisiiririgeir Fraktionen des Abgeordnetenhauses zur Zurückstellung ihres Antrages veranlaßt, indem sie ihnen Anlaß zu der Vermutung gab, daß sie selbst im kommenden Herbste mit einer Reform des Dreiklassenlvahlrcchts hervortreten werde. Fürst Bülow beabsiäitigte aber keineswegs, eine Aenderung deS Systems borzunehmen, sondern nur eine veränderte Wahlkreiscinteilnng einzuführen, durch welche die Zahl der Libe- ralen vermehrt werden ,ollte. Amtliche Erhebungen sind zu diesem Zwecke bereits eingeleitet worden. So ist also der Freisinn geneigt, für ein Linsengericht das Recht deS Volkes zu verkaufen. Um einige Sitze im Abgeordnetenhause mehr will er ernstliche Vorstöge gegen die Drcillasscnwahl unter- lassen. So erklärt sich die freisinnige Bescheidenheit und Rücksicht- nähme am Ende der LandtagSsession. Ob der Freisinn aber die Belohnung für seinen Verrat ernten wird, daS ist zur Stunde höchst zweifelhaft. Der Gewährsmann unseres Nürnberger Parteiblattes erwähnt in seiner Zuschrift auch die Ge- rächte, daß die Stellung BülowS erschüttert sei. Die Anzeichen dafür haben sich inzwischen verdichtet. Man geht wohl nicht fehl, wenn man den Wahlrechtsartikel des Frciherrn v. Zedlitz als einen Versuch betrachtet, dem Wankenden zu Hülfe zu kommen. Die neue Ucbcrzeugung des freikonservativen Abgeordneten von der Not- wendigkeit der Aenderung des preußischen Wahlrechts ist also nur eirf Mittel zum Zwecke, eine Waffe im Kampf wider die Bülow bedrohenden Cliquen. Von dem Hin und Her der Kamarillakämpfe soll das Schicksal der preußischen Wahlrechtsfrage abhängen. Die Entscheidung über das wichtigste Volksrecht soll bestimmt werden nach dem Gange höfischer Intrigen. Ein Zustand von solch cm- pörender Art, daß das klassenbewußte Proletariat alle Kraft zu- sammennehmen muß, ihn zu beenden. poUtxfcbe üeberficbt Berlin, den 20. Juni 1907. Cliquenkämpfe. Die„Franks. Ztg.', deren politischer Vertreter in Berlin be« kanntlich engere Beziehungen zun» ReichSkanzlerpalaiS unterhält und erst dieser Tage seinem Blatte den gegen die bekannte Studt-Notiz des„Lokal-Äuzeiger' gerichteten bülow-offizivsen Abwehrartikel lieferte(vergleiche den Leitartikel der heutigen Nummer), veröffent- licht an der Spitze ihrer heutigen zweiten Morgennummer unter der Stichmarke:„Wozu der Lärm'? folgende Berliner Kor- rcspondenz: „Der Reichskanzler begibt sich morgen nach Kiel, um dem Kaiser Vortrag zu halten. Wenn wir uns recht erinnern, ist der Reichskanzler schon öfter während der Kieler Wockw zu dem gleichen Zwecke dorthin gegangen und eS ist versländlich, daß der Kaiser, bevor er seine Nordlandreise antritt, noch einmal eine Aussprache mit seinem verantwortlichen Ratgeber haben will. Man braucht also in dieser Reise garnichts Besonderes zu suchen. aber eS ist immerhin möglich, daß sie wie einzelne Blätter ver- muten, vielleicht zu einer Klärung der inncrpolitifchen Lage führt und daß dort Angelegenheiten besprochen und erledigt werden, die, wie die eine oder die andere Personalveränderung innerhalb der Regierung die Politiker und die Presse in der letzten Zeit viel beschäftigt haben. An den bevorstehenden Rücktritt deS Kultus- Ministers Herrn v. Studt wird z. B. mancher denken." Danach scheint man in den Kreisen der Vertrauten BülowS ziemlich sicher damit zu rechnen, daß des Kanzlers Reife nach Kiel Erfolg haben wird. Sollte Bülow nicht doch vielleicht seinen Einfluß überschätzt haben? Die Wege des persönlichen Regiments zeigen oft sehr eigenartige Kurven._ Die Zentrumspreffe«nd die Tumaauflösung. Nichts ist bezeichnender für die politisch-reaktionären Tendenzen deS Zentrums, als die Stellungnahme der Zentrumsblätter zu dem neuesten Staatsstreich des Zaren und der ihn beherrschenden korrupten Bureaukratenclique. Vor Jahresfrist etwa erwies der Papst Nikolaus dem Letzten einen Liebesdienst und sandte ihn, als Helfer in der Not eine Anzahl Mönche. Als das Blut des russischen Volkes in Strömen floß, segnete der Statthalter Christi und Nach- folger der Apostel den verbrecherischen Würger. Die Haltung der liberalen Presse gegenüber dem Attentat auf die sozialdemokratische Dumafraktion ist durchweg schofel und erbärmlichZgenug. Die russischen Papierchen stehen auf dem Spiel, darum bearbeitet zumal die ShudikatSpresse vom Schlage der Rheinisch-Westsälischen die öffent- liche Meinung im Sinne der Konterrevolution. Die Monopolisten wollen zudem für Deutschland denselben Absolutismus, in den Ruß- land jetzt zurückverfallen ist. Aber erbärmlicher und wider« cher als die Haltfnng der liberalen ist die der Zentrumspresse. Die größeren Blätter lasten ja eine gewiste Borsicht walten, denn auch für fromme Geldbeutel ist daS Einhandeln russischer Papierchen heute ein geivagteS Unter- fangen. Um so lebhaftere Tiraden macht die mittlere und kleinere Provinzpresse über den russischen Staatsstreich. So heißt eS in einer Anzahl dieser Mamelukenblättcr:„Da haben nun ans einmal die revolutionären Umtriebe der 65 sozialdemokratischen Duma- abgeordneten auch der zweiten Volkskammer ein jähes Ende bereitet. Diese 56 Abgeordnete» haben nach den Angaben der russischen Re- gierung eine geheime Organisation gebildet zum Umsturz der RcgierungSform durch das Mittel eines VolkSaufstandeS. Im ganzen Lande gründeten sie Geheimkomitees, sandten Agi- tatoren und aufreizende Schriften hinaus unter das Volk, besonders die Bauern und Arbeiter, erteilten genaue In- ftruktioncn. traten in Verbindung imit den(revolutionären Militär» Organisationen usw., um durch eine Revolution das Zarentum zu stürzen und die demokratische Republik an dessen Stelle zu setzen." Von dem wirklichen Sachverhalt kein Wort. WaS die Blut- Hunde der russischen RegierungSkamorra behaupten, ist für die frommen Seelen eitel Wahrheit. Daß außer den Pogromhelden. den Pnrischkewitsch(und Kruschewan, gegenwärtig in Rußland jede Parte! auf eine illegale Existenz angewiesen ist, wissen die Bieder- männer natürlich. Wen will eS wundern, wenn die gewohnheitS- mäßigen Verleumder der Sozialdemokratie wie bisher die Kom- mune, so auch die große russische Revolution verleumden?! Verleugnen diese selben Leute nicht die Grundlagen der eigenen Partei, loben sie nicht den Papst wegen seines Vorgehens gegen die christlichsoziale Gruppe in Italien? Diese beabsichtigen bekanntlich die Gründung eines italienischen Zentrums nach dem Muster des deutschen. Aber der Papst, will eS nicht, weil er keine auch nur in etwas selbständige Politik der italienischen Katholiken will. WaS in Deutschland zur höheren Ehre GotteS besteht, ist in Italien Ketzerei. Christlichsozial ist dort Unsinn gewnrden. Warum? Seit Gründung des deutschen Zentrums sind nahezu 40 Jahre Entwickelung ins Land gegangen. Politik ist heute Absolutismus oder Demokratie, Monopol oder Sozialismus. Die reichen Pfründner der Kirche in Tiara, Kardinalshut und Insul stimmen für Autokratie und Monopol. Und christlichsoziale Wortführer des Kapitalismus halten ihnen die Stange aus den, gleichen Klasteninstinkt heraus, der sie in der Verleumdung der russischen Sozialdemokratie ein gottgefälliges Werk erblicken läßt._ Das glnsdehmingsbedürfnis Hamburgs. In der Sitzung der Hamburger Bürgerschaft vom Mittwoch- abend gelangte eine den weiteren Ausbau der Hafenanlagen be- treffende Senatsvorlage zur einstimmigen Annahme. ES handelt sich um eine Forderung von 5 800000 M. zum Erwerb eines etwa 80 Hektar großen auf der Elbinsel Neuhof gelegenen, unter preußischer Hoheit stehenden Terrains. Der in Betracht kommende Landkomplex gehört zwei großen Gesellschaften. Die Verhandlungen mit Preußen wegen Uebertragung des Hoheitsrechts an Hamburg, wegen der Elb- korrektion und der Verbindung der von Elbgewässern unigebenen Landteile untereinander schweben schon seit Jahren und sind auch jetzt noch nicht zum Abschluß gelangt. Da die RatifikationSfrist für die Verttäge mit den beiden Gesellschaften am 1. Juli d. I. abläuft, mußte Hamburg zugreifen, damit wegen deS LanderwerbeS sich nicht noch neue Schwierigkeiten hiuzugesellen. Obwohl erst vor zehn Jahren neue gewaltige Hafenaulagen auf Kuhioärder und Roß ent- standen sind, haben sich infolge der riesigen Zunahme des Verkehrs in den letzten Jahren die gesamten Hafenanlagen als viel zu klein erwiesen. Selbstverständlich triit Preußen ohne Acquivalent kein Terrain ab. Welches Kompensationsobjekt da in Frage kommt, ist noch nicht bekannt, da, wie schon erwähnt, die Verhandlungen mit Preußen noch„schweben". Der den Terrainerwerb empfehlende Senator OSwald betonte in längerer Rede die große Bedeutung der Vorlage für Hamburg, das alles dransetzen müsse, um den Anforderungen deS Handels und Verkehrs gerecht werden zu können, und vor allem müsse Hamburg einer Versandung der Norderelbe vorzubeugen suchen. Wenn in der Presse und auch sonstwo behauptet worden sei, Hamburg werde bei den Verhandlungen mit Preußen den kürzeren ziehen, so müste er dem widersprechen. Er bedaure, nicht schon jetzt den Vertrag mit Preußen vorlegen zu können; der Vertrag werde aber, daS wolle er jetzt schon hervorheben, ein akzeptabler, die Interessen Hamburgs nach jeder Richtung hin wahrender sein.—> Ein zweiter Horn. Der Feldwebel der kaiserlichen Schutztruppe Franz, bisher Leiter der Nebenstelle Jkombe im Bezirk Langcuburg, hat den Andru Kerani, einen Schwarzen, der nach eigenem Geständnis in der Nacht zum 1. Januar 1005 die Stationskasse mit mehreren 1000 Rupien Inhalt gestohlen, zum Zwecke der Wiedererlangung des Geldes in grausamer Weise gepeinigt. Kerani verstarb auf dem Wege nach dem Gericht in Langenburg. Da» Kriegsgericht hat auf eine Anzeige vom Februar d. I. im Mai gegen Franz verhandelt; es hat einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Peinigung und dem Tode des Kerani nicht angenommen und den Franz wegen einfacher Körperverletzung zu einer Geld strafe von 300 M.(!) verurteilt. Der Gerichts- Herr hat gegen dieses Urteil alsbald die Berufung eingelegt, die Angelegenheit kommt daher demnächst in Berlin erneut zur Per- Handlung.—-_ Nachhülfe beim Mantellegen. Der Unteroffizier Valentin Marx von der lt. Kompagnie 7l. Jnfanterie-Negiments in Erfurt hatte am 12. Mai den Sol- baten W. seiner Korporalschaft beauftragt, sechs Mäntel vorschrists- mäßig zu legen und sobald er mit einem fertig wäre, ihm diesen zur Probe zu zu zeigen. DaS geschah. Der Unteroffizier war von dieser Probe ebenso wenig befriedigt, daß er den Mantel nahm und diesen dem Soldaten mehrmals um den Kopf schlug, wobei ein Zipfel dem Mann ins Auge traf und dieses heftig tränte. Damit war die„Instruktion" noch nicht beendet. Marx st i e ß seinen Untergebenen und trat ihn mit den, mit Schnürschuh bekleideten Fuß vor Schenkel und Schienbein; der Soldat flog dabei mit dem Kopf vor das Bett, so daß er bis zum Abend an Kopfschmerzen litt. Der so Mißhandelte meldete da« am anderen Tage, infolge dessen sich der Unteroffizier vor dem Kriegsgericht der 38. Division in Erfurt am Miltivoch zu verantworte» hatte. Der Angeklagte gab sein Vorgehe, rückhaltlos zu. Der als Zeuge vernommene Soldat W., der an dem fraglichen Tage schon eine Differenz mit seinem Vorgesetzten gehabt, an der er aber auch schuldlos war, gab an, er habe den Mantel nicht bester legen können, weil er kein Mantelmaß hatte..Das Kriegsgericht hält einen minderschweren Fall für vor- liegend, da der Mißhandelte schon am anderen Tage keine Folgen mehr davon gespürt habe und verurteilt den Unteroffizier zu drei Wochen M i t t e l a r r e st. Zu bemerken ist, daß der Verurteilte erst seit Neujahr Unterosfizier ist, aber schon einmal disziplinarisch bestraft wurde, weil er einen Untergebenen vorschriftswidrig an- gefaßt hatte._ Großer Kolonialsicg. AnS Dcutsch-Südwestafrika wird amtlich gemeldet: Am 11. d. MtS. zersprengte Hauptmann Doerschlag mit einer Kompagnie eine Werft Feldschuhträger im östlichen Groß- Namaland, wobei Unterlapitän EliaS Isaak und ein Vormann von der Bande Simon KopperS fielen, zwei Mann gefangen genommen wurde». Unsererseits sind Verluste nicht zu verzeichnen. Tie kriegSgemähe Ausrüstung. Nach neuester Anordnung soll, wie die„National-Zcitung" erfährt, bei allen Waffengattungen— ausschließlich der Kürassiere— daß weiße Lederzcug im Mobil- machungsfalle geschwärzt werden. Für den Frieden wird aber das unpraktische, die Mannschaften mit unnötiger Putzarbeit belastende weiße Lederzeug beibehalten. WeilS gar so gut aussieht!— 6cKwei2. Tie bürgerlichen Rebellen in Bulach vor dem Züricher Kantonsrat. Zürich, 17. Juni.(Eig. Ver.) Der Ucberfall auf die streikenden italienischen Bauarbeiter am 21. Mai in Dülach be- schäftigte gestern infolge einer sozialdemokratischen Interpellation den Züricher KantonSrat. Die Interpellation lautete: „Ist dem RcgierungSrate bekannt, daß am 21. Mai 1907 in Bulach streikende Bauarbeiter geprügelt und verhaftet worden sind? Ist ihm insbesondere das Verhalten der Polizeiorgane bei dieser Gelegenheit bekannt? Welche Maßregeln gedenkt er zu ergreifen, um die Wiederkehr solcher Vorkommnisse zu verhüten?" Tie Interpellation begründete Genosse Greulich. Die Ex- zesse sind vom Bürgermeister Zander und den beiden OrtSpolizisten unter Kenntnis der Kantonspolizci vorbereitet worden, wobei der Ortspolizist Nägcli sehr aktiv, nilwirkte. Unter den 13 Ex- Zedenten befanden sich 10 Handwerksmeister, die beiden Baumeister und der Ortspolizist. Drei von ihnen waren mit Revolvern, die übrigen außerdem mit Gummischläuchen und dergleichen bewaffnet, einer erschien sogar mit dem Schmiedehammer! Nachdem die wehr- losen Italiener in ihrem VcrsanimlungSIokal schändlich mißhandelt worden waren, wurden sie unter Anführung deS Polizisten Nagelt noch in die Häuser hinein verfolgt, in die sie sich geflüchtet hatten! In seiner Antwort auf die Interpellation mußte der I u st i z- direktor Nägeli die Darstellung Greulich? bestätigen. Gegen 11 Angeschuldigte ist Strafklage eingeleitet. Natürlich suchte er die bürgerlichen Exzesse abzuschwächen und durch angebliche „Drohungen" der Streikenden zu entschuldigen. Da die Bürger- lichen sich— wie gewöhnlich bei solchen Aktionen— aus- schwiegen, so ist im übrigen bei der aanzen Sache nichts weiter herausgekommen.— Dollanck. Die Wahlen z» den Provinzialstaatcn Brachte schon der erste der drei Wahltage(11. Juni) in der Provinz Süd-Holland den Liberalen eine völlige Enttäuschung, da den Klerikalen ihre Mehrheit in der Ersten Kammer durch die ersten Wahlresultate bereits bestätigt war. so vervollständigten die beiden anderen Wahltage(12. und 13. Juni) das Bild des ersten TagcS. Die holländische Sozialdemokratie kann auch aus die Resultate der beiden letzten Tage mit Befriedigung zurückblicken: sie hat auf der ganzen Linie einen weiteren bemerkenswerten Stimmenzuwachs zu verzeichnen, und es ist eine gegen alles Erwarten große Zahl von sozialdmokratischcn Kandidaten in die Stichwahl gekommen. Die Liberalen dagegen erlitten eine sie geradezu zur Machtlosigkeit herabdrückende Niederlage. Rafft der Liberalismus sich nicht auf, dann steht auch dem Siege der Klerikalen bei den Wahlen zur Zweiten Kammer im Jahre 1909— oder bei einer nicht unmög- lichen früheren Auflösung derselben— nichts mehr im Wege. Das Votum der Bourgeoisie an den drei Wahltagen bedeutete nichts anderes, als daß sie ihrer Abneigung gegen die von der Regierung beantragte Steuerreform(Verschmelzung der Ver- mögens- und Gewerbesteuer in eine der Bevorrechtung des Land- baubetriebcs ein Ende bereitende einzige Einkommensteuer), gegen die Herabminderung der finanziellen und persönlichen Militär- lasten, gegen die Alters-, JnvalidiiätS- und Krankenversicherung, gegen den Zehnltundentag, gegen die Abschaffung der Nachtarbeit, gegen den Schutz der Frauen- und Kinderarbeit, gegen eine freiere Entwickelung der in letzter Zeit sich so schnell entwickelnden Aeiverk- schaftsbcwegung und vor allem gegen da? allgemeine Wahlrecht Ausdruck geben wollte.— Diesem Votum der reaktionären Bour- geoijie gegenüber stellt sich daS der Arbeiter als Zeichen� ihrer festen Willensäußerung dar: keinen Fuß breit von der einmal er- ruugencn Position sich entreißen und ihr stetiges Vorwärtsschreiten nicht hemmen zu lassen. Die Sozialdemokratie, die sich zum ersten Male in größcrem Maßstabe an den Wahlen zu den Provinzialstaaten beteiligte, hat eS— außer dem großen Stimmenzuwachs— in 24 Wahlkreisen, von denen manche durchaus nichts aussichtslos sind, zur S � i ch- Wahl gebracht, gegenüber 8 im Jahre 1904, wovon 2 mit ihrem Siege endeten. Das Resultat ward erzielt, trotzdem die Partei mit Rücksicht auf die im Juli stattfindenden GcmeinderatSwahlen ,hre Kräfte in jeder Hinsicht schonen mußte und daher nur wenig altiv auftreten konnte. Vom zweiten Wahltage ist hervorzuheben, daß in der Provinz Groningen 9 Kandidaten in Stichwahl kamen, vom dritten Tage, daß im dritten Amsterdamer Bezirk die Genossen W i b a u t und Pothuis und im ncum-n Distrikte Amsterdams zum ersten Male bei den Provinzialwaolcn der sozialdemokratische Kandidat L l i e g e n. zu Utrecht Genosse Mendels in zwei Distrikten, zu Eilftfy'de 2, zu Lceuwardcn 4 Genossen in aussiäükvolle Stich- wähl gebracht wurden._ Christlich-antirevolutioniire Agitation. Nach einem Bericht des katholischen Blattes„Maasbode", daS in Rotterdam daß politische Christentum und die christliche Politik verficht, hat der SicgeSjubel der Klerikalen bei den Wahlen- zn den Provinzialstaaten recht lebhafte Formen angenommen. Wäh- rend die Sozialdemokraten ihre„düster-traurigen" Weisen sangen. antworteten die frommen antirevolutionären Wähler, die, auch wenn sie ihren Wahlzettel abgeben, für Gott den Herrn streiten, mit„echt niederländischen Vollsliedern" und sangen, wie der „Maasbode" schreibt: „Hängt ihn auf! hängt ihn auf! Hangt Troelstra an die Laterne! Hängt ihq auf! hängt ihn auf! Hängt Troelstra an den Baum!' Diese klerikalen Demonstranten scheinen begriffen zu haben, daß dem mächtigen Fortschritt der Sozialdemokratie, von dem die Wahlergebnisse zeugen, durch geistige und geistliche Waffen nicht beizukommcn ist.—_ Die ruMche(Revolution. Der Staatsstreich in Ziffern. Je mehr man in die Ziffern des neuen Wahlrechts ein« dringt, desto klarer wird es, daß eS ein Wahlrecht für die ver- einigte Junkerpartei Rußlands ist. Wir haben das gestern an einigen Zahlen über die Gouvernements Petersburg, Moskau. Livland und Kurland gezeigt. Wie dort, so ist in sämtlichen 53 Gouvernements des übrigen europäischen Rußlands das Stärke- Verhältnis der Wahlmännergruppcn in den Wahlversammlungen der Gouvernements vollständig zugunsten der Agrarier verschoben worden: Von den 0164 Wahlmännern der 53 Gouvernements waren nach dem alten Gesetz 1905 aus der Kurie der Großgrund» besitzer, also etwa 31 v. H. Die Gesamtzahl der Wahlmänncr ist nun nach dem neuen Wahlgesetz auf 5252 herabgesetzt, und auf diese kommen nun nicht weniger als 2047 von der zunlerlichen Kurie! Somit ist der Prozentsatz dieser reaktionärsten Wähler auf 50,4 gestiegen. Dementsprechend haben die bäuerlichen Wähler an Einfluß einbüßen müssen: Nach dem alten Wahlrecht, das auf Grund der Wahlerlasse vom 0.(19.) August und 11.(24.) Dezember 1905 bestand, hatten die Bauern unter den 0104 Wahlmännern in den Wahlversammlungen der Gouvernements 2054 Vertreter, jetzt sollen sie von den 5252 nur noch 1100 haben, ihre BetciligungS- ziffer ist also von 43 auf 22 Proz. herabgesetzt! Als besonders krasses Beispiel für die Wahlentrechtuna können die folgenden Gouvernements gelten. DaS Gouvernement Woronefch hatte früher von 105 Wahlmännern 101 Bauernvcrtreter. jetzt von 140 Wahlmänncrn nur noch 351 Im Gouvernement Wjatka wählten nach dem alten Gesetz die bäuerlichen Wähler von 200 Wahlmänncrn 148, jetzt von 109 nur 23. Wie groß das Uebergewicht der Agrarier in den Wahlver- sammlungen ist, zeigen die folgenden Ziffern: In Bessarabicn haben sie von 115 Wahlmännern 00. in Wolhynicn von 158 83, im Jekaterininschcn Gouvernement von 198 02, im Gouvernement Kursk wählen sie von 137 Wahlmännern 71 usw. Es läßt sich schon jetzt berechnen, daß in nicht weniger als 20 Gouvernements die Landjunker die absolute Majorität in den Wahlversammlungen haben werden. Wo das nicht zu erreichen sein wird, dort wird ihnen Unterstützung durch die reaktionäre HauSagrarierpartei in den Städten, die zu einer selbständigen Kurie gemacht worden ist. Zusammen mit dieser haben die Landjunkcr die Mehrheit in a l I e n europäischen Gouvernements, und da diese die große Mehrzahl der Abgeordneten in die Duma entsenden, so hat der Junker das Szepter in der Hand. Aber er bestimmt nicht nur seine Ab- geordneten, er und der Hausagrarier der Stadt wählen auch die Abgeordneten der übrigen Kurien, der Bauern und der Städter. Der Abgeordnete der Bauern wird in jedem Gouvernement nämlich nicht mehr wie bei dem alten Wahlrecht von der Kurie der bäuer» lichen Wahlmänncr gewählt werden, er wird in der gemein» samen Wahlversammlung nominiert, das heißt: da die Junker die Majorität in diesen Versammlungen haben, so werden sie den Mann wählen, welcher ihnen am besten paßt. Ebenso ist es mit der Kurie der Städter. Auch aus dieser nehmen die Agrarier gerade den, welcher ihnen am meisten zusagt. Je ein Abgeordneter aus der Kurie der Fabrikarbeiter ist obligatorisch nur in 0 Gouvernements zu wählen, und auch diese 0 Mann bestimmen die Agrarier! Die„Wahl" ist also faktisch in eine Ernennung durch die reaktionäre Kurie verwandelt worden. Vollständig unabhängig von der Agraricrpartei kann die Opposition nur die 10 Abgeordneten in den 5 Städten Petersburg, Moskau, Riga, Kiew und Odessa durchdringen, wo die Wahlen direkte sein werden.— Sturmzeichen. v». Petersburg, 29. Juni.(B. H.) Die Nachrichten aus Moskau lauten beunruhigend. Infolgedessen sind 22 Kompagnien Infanterie nach dort abgegangen. Bei der dritten Division in Kaluga soll eine meuterische Bewegung ausgebrochen sein. Petersburg. 20. Juni.(Privattclegramm des„Berl. Tagebl.") 18 Kilometer von Petersburg wurde gestern bei Ligowo eine Ver» sammlung der Vertreter aller Bahnangcstellten des Petersburger Knotens abgehalten, in der die Frage eines allgemeinen BahnstreikS diskutiert werden sollte. ES waren gegen 300 Vertreter erschienen, doch trieb die Polizei die Versammlung aus» einander und verhaftete eine Anzahl Redner. Unter de» Fabrik- arbritern beginnt die Agitation gegen da« neue Wahlgesetz bedenk- lichen Ilmsana anzunehmen. Die Sozialdemokraten. Petersburg, 20. Juni.(W. T. B. Auf der gestrigen Konferenz der Sozialdemokraten wurde die Frage, wie das Proletariat auf die Auflösung der Reichsduma reagieren solle, dahin beantwortet, daß mit Rücksicht auf die mangelnde Organisation des Proletariats jetzt ein Generalstreik scheitern würde und deshalb nicht zu veranstalten sei. In der Ver- sammlung waren die radikalen Sozialdemokraten(die Bol- kchewiki) in der Mehrzahl. Warschau, 20. Juni.(W. T. B.) Hier wurden 20 Mit- glieder eines sozialdemokratischen Bureaus verhaftet. Eine Proklamation über die Auflösung der Reichsduma wurde be- schlagnahmt. Petersburg, 20. Juni. Die zur gerichtlichen Verant- Hortung gezogenen 55 sozialistischen Abgeordneten der auf- gelösten Duma wurden veranlaßt, einen Revers zu unter- schreiben, daß sie Petersburg nicht verlassen werden. Mißernte droht. Petersburg, 20. Juni.(W. T. B.) Im Ministerium des Innern gesammelte Nachrichten besagen, daß auch im kommenden Jahre in vielen Bezirken eine schlechte Ernte zu erwarten ist. In denjenigen Gouvernements, in denen in diesem Jahre Hungersnot herrschte, sind die Ernteaussichten gut; schlecht sind sie dagegen im Süden und im Westen, wo das Wintergetreide durch Frost und das Sommergetreide durch Trockenheit gelitten hat. s. Nerbavdstag der Graveure und Ziseleure. In der Diskussion werden wieder mancherlei Angriffe gegen Brückner in seiner Eigenschaft als Redakteur des Fachblattes ge- richtet, gegen die er sich entschieden verteidigt. Alsdann kommt der wichtigste Punkt der Beratung:„Berufsverband oder Industrie- organisation?" Hierzu ist ein Referent und ein Korreferent auf- gestellt. Referent ist der erste Vorsitzende Brückner, der zunächst einen Rückblick auf die Geschichte der Arbeiterbewegung wirft und daraus den Nachweis zu führen sucht, daß die EntWickelung von selbst zur Zusammenfassung der Arbeiter in immer größeren Organisationsgruppen drängt. Er betont zum Schluß seiner Aus- sührungen nochmals, daß überall die Bestrebungen der Arbeiter dahin gehen, eine Konzentration der kleineren zu größeren Gruppen herbeizuführen, und so sollten auch die Graveure be- strebt sein, sich einer größeren Gruppe anzuschließen. Korreferent ist Thurow-Berlin. Er begründet in längeren Ausführungen seinen gegenteiligen Standpunkt. Die Diskussion über diese Frage ist eine sehr eingehende. Die beiden Referenten Brückner und Thurow verteidigen in kurzen Schlußworten nochmals ihre Stellung, worauf über die Anschluß- frage namentlich abgestimmt wird. Der Uebertritt wird mit 25 gegen 7 Stimmen beschlossen. Gegen den Anschluß stimmen außer den fünf Berliner Delegierten nur Gaschnitz-Hannover und Pückler-Solingen. Der Uebertritt soll bis spätestens 1. Oktober erfolgt sein. Die Beamten werden vom Metallarbeiterverband übernommen. Eine Kommission, bestehend aus Brückner, Streicher und Siewert-Berlin vom Zentralvorstand, Hollerbach und Schlehan von der Kontroll- kommission, dem Vertreter der Berliner Filiale, Thurow-Berlin und den Gauleitern soll demnächst mit dem Vorstand des Metall- arbciterverbandes in seinem Zentralbureau in Stuttgart zu- sammentreten, um die Uebertrittsbedingungen endgültig zu regeln. Bis zum Uebertritt behält der bisherige Vorstand seine Funk- tionen weiter. Nachdem noch als Delegierter zum Internationalen Arbeiter- kongreß in Stuttgart Brückner gewählt ist, schloß dieser mit einem Hoch auf die moderne Arbeiterbewegung die Generalversammlung. Soziales. [(Siehe auch 1. Beilage.ls Vom Elend der Wanderarbeiter. Am Mittwoch irrte auf dem Alexanderplatz ein Trupp von Männern, Frauen und jugendlichen Personen ratlos umher. Die Leute sahen abgerackert und in ihrem äußeren sehr herabgekommen aus. Die Fremdlinge erregten Aufsehen beim Publikum, konnten sich aber mit niemand verständigen, denn keiner von ihnen sprach deutsch. Da � kam zufällig ein in Berlin ansässiger Ungar des Weges. Er sah, daß die Fremdlinge Landslente von ihm waren. redete sie in ihrer Muttersprache an und fragte sie, Ivoher und wohin. ES stellte sich heraus, daß die Fremden ungarische Wanderarbeiter sind. Sie erzählten dem Landsmaune, den ihnen ein glücklicher Zufall in den Weg geführt hatte, ihre Leidensgeschichte. In ihrer Heimat waren sie durch einen Agenten angeworben als Arbeiter und Arbeiterinnen für die Ziegelei eines Herrn Paul Liege in Polenz Werder, Kreis Oberbarnin,.— Anfang März traten sie die Arbeit an. Täglich hatten sie, einige 30 Personen, ein Arbeitsquantum von 30 000 Steinen zu liefern. An Lohn erhielten die Männer pro Tag l,80 M., Frauen, Mädchen und Burschen l,30 M. Dazu wöchentlich für jeden Arbeiter 3'/z Liter Magermilch, 12 Pfund Kartoffeln, 3 Pfund Brot, l'/z Pfund Mehl, 1 Pfund Erbsen. 1 Pfund Reis. 1'/, Pfund Fleisch, 1 Pfund Schmalz. Vi Pfund«alz. Unter diesen Bedingungen arbeiteten die Ungarn auf der Ziegelei des Herrn Liege bis zum 10. Juni. So lauge sie gutes Arbeitsmaterial hatten, lieferten sie das geforderte Quantum, ohne zu murren. Nun aber sollten die Leute, nachdem sie monate- lang in Lohn beschäftigt waren, in Akkord arbeiten. Weshalb, das sollte ihnen bald klar werden. Es kam nämlich jetzt ein be- sonders schlechtes Material zur Verarbeitung. Infolgedessen zerbrachen die an der Maschine geformten Steine zum großen Teil, und deshalb war es den Arbeitern trotz aller Mühe und An- strengung nicht möglich, mehr als 5000 Steine pro Tag fertig- zustellen. Im Akkord wurde das Tausend den Männern mir 8 P f.. den Frauen und Jugendlichen mit K Pf. bezahlt. Die Männer hatten also einen Tagesverdienst von 40 Pf., die Frauen und Jugendlichen einen solchen von 30 Pf. Das war selbst den anspruchslosen un- garischen Wanderarbeiten zu wenig. Auf ihre Vorstellung er- hielten sie noch für eine Woche den ausgemachten Lohn bezahlt. Vom Montag, den 17. Juni ab, sollte dagegen unter allen Umständen in Akkord gearbeitet werden und zwar unter den an- gegebenen ungünstigen Verhältnissen. Nun riß den Arbeitern die Geduld. Es erschien ihnen denn doch als eine gar zu starke Zu- mutung, daß sie sich den ganzen Sommer hindurch— ihr Kontrakt lautet bis Ende Oktober— für Tagelöhne von dreißig bis vierzig Pfennig schinden und plagen sollten. Kurz entschlossen packten sie ihre geringen Habseligkeiten zusammen, schüttelten das Joch des Ziegeleibesiyers ab und fuhren nach Berlin. Aber was nun anfangen? Einem elenden Arbeitsverhältnis waren die Aermsten entronnen. Nun standen sie mittellos vor dem Nichts. Von den bisher verdienten Löhnen hatte der Ziegeleibesitzer jedem einzelnen 30 Mark als Kaution einbehalten. Mit leeren Händen standen die Leute in Berlin auf dem Alexanderplatz und schauten sich ratlos um. Der Mann, der sich seiner Landslente angenommen hatte, führte sie zum Rechtsanwalt Liebknecht, der sich bereit erklärte, die Rechtsansprüche der Arbeiter dem Zieaeleibesitzer gegenüber gerichtlich zu vertreten und die erforderliche» Schritte so- gleich einleitete. Hinsichtlich de? weiteren Schicksals der ungarischen Arbeitertruppe wußte der hülfreiche Landsmann derselben auch keinen anderen Rat, als daß er sie der Obhut der Polizei übergab, welche die Mittellosen wahrscheinlich per Schub an die Grenze bringen wird. H o f f e n t- lich iv erden die Leute, durch Schaden klug ge« worden, sich nicht wieder in ein derartiges Arbeitsverhältnis locken lassen. Sexverkfckaftttckes. Gewerkschaftsumziige ohne— Staatsgefährdung. Ein grelles Licht auf die Zustände in Preußen wirft schon allein die Tatsache, daß es als ein Ereignis registriert werden kann, wenn Arbeitern irgendwo gestattet worden ist, einen Festzug zu veranstalten. Und heute können wir gleich drei solcher Ereignisse mitteilen und zwar alle drei aus— Brandenburg. Eine schöne Feier begingen die Gewerkschaften in Lands- berg a. W. am Sonntag, den 16. Juni. Zum ersten Male war auch ihnen das Recht eingeräumt, was Krieger- und sonstigen Klimbimvereinen als selbstverständlich gestattet ist, einen Umzug zu veranstalten. Und so marschierten denn unter den Klängen zweier Musikkapellen über 2000 organisierte Arbeiter und Arbeiterinnen in langem Zuge und nach Berufen getrennt durch die Stadt. Besondere Gruppen bildeten in dem Zuge der Turnverein und der Arbeiter- Gesangverein. Lebhaftes Interesse rief auch die Gruppe der Texttlarbeitc- rinnen hervor.— Der Umzug hat großes Aufsehen erregt, in bürgerlichen Kreisen wußte man doch bislang nicht, wie stark organisiert die Landsberger Arbeiter sind. Die Gewerkschaften von Sommerfeld und von Schwiebus konnten am Sonntag, den 16. Juni, zum ersten Male bei ihren Gewerkschaftsfesten einen Umzug veranstalten. Mit Musik und fliegenden Fahnen zogen die Gewerkschaften der beiden Städte im geschlossenen Zuge durch die Straßen. Wäh- rend in Somnierfeld an 1100 Personen an dem Zuge teil- nahmen, waren es in dem kleineren Schwiebus etwa 300. In Schwiebus kam die Zusammengehörigkeit der Gewerk- schaften und der Partei in dem Jubel zum Ausdruck, mit dem die Festtede des Kandidaten des Kreises, Genossen Grauer- Lichtenberg, aufgenommen wurde. In Sommerfeld feierte Genosse Hund die Arbettersolidarität und den Fortschritt der Gewerkschaftsbewegung. Zur Beruhigung ängstlicher Gemüter sei noch mitgeteilt. daß die drei Städte, in denen sich am Sonntag so Furchtbares ereignet, noch auf derselben Stelle stehen. Lerlin und Umgegend. Friede im Dachdeckergewerbe. Gestern nachmittag fand zwischen den Vertretern beider Parteien vor dem Gewerbcgericht, unter dem Vorsitz des Magistrats- rat Dr. Leo, eine unverbindliche Aussprache über die durch den Fall Matz von neuem ausgebrochenen Differenzen im Dachdcckcrgewerbe statt. Die Tatsache, daß Matz ohne Bevollmächtigung seines Arbeit- geberverbandes die Vereinbarungen getroffen habe, wurde von beiden Seiten zugegeben, die Gehülfen konnten aber mit Recht ihren guten Glauben an die Bevollmächtigung des Herrn Matz nachweisen. In längerer Debatte über die Frage, welcher Tarif nun gültig sein sollte, bestanden die Arbeitgeber zunächst auf ihrem Standpunkt, die Vereinbarungen Matz nicht anzuerkennen, sondern nur auf Grund ihres letzten Gencralversammlungsbeschlusses einen Tarif abschließen zu wollen. Nachdem die Gesellen wiederholt erklärt hatten, sie halten an den Matzschen Abmachungen fest, zogen sich die Arbeitgeber zu einer internen Aussprache zurück und erklärten sich darauf bereit, mit einigen Abänderungen die Matzschen Ab- machungen im Namen des Arbeitgeberverbandcs anzuerkennen. Folgendes Abkommen wurde von beiden Seiten auf dem Gewerbe- gericht unterzeichnet: „Die Erschienenen sind einverstanden, daß der Tarif für das Dachdcckcrgewerbe Berlins, wie er von Herrn Karl Matz mit der Tarifkommission der Arbeitnehmer vereinbart ist. mit der Maß- gäbe in Kraft tritt, daß der erhöhte Stundenlohn vom 21. d. M. gezahlt wird,' daß der§ 2 des Tarifes die im Falle verzögerter Lohnzahlung eintretende Wartezeit nicht als Ucberstundcn, sondern als Ar- beitsstunden verrechnet werden und daß die Gesellen erst dann ihre Arbeitsstätten verlassen und sich den Lohn vom Arbeitgeber abholen sollen, wenn es nach Lage der Sache sichersteht, daß ihnen der Lohn nicht nach der Arbeits- stätte gebracht wird. Die Erschienenen sind schließlich darüber einig, daß der Ausstand sofort als beendigt gelten soll und daß die Unterzeichnung des neuen Tarifvertrages den Arbeitgebern und Arbeitnehmern als notwendige Formalität an einem der nächsten Tage er- folgen soll. Schließlich sind die Erschienenen darüber einig, daß bor- stehende Abmachungen zu Voraussetzungen haben, daß keinerlei Maßregelungen stattfinden dürfen, weder von Arbeitnehmern zu Arbeitgebern, noch von Arbeitgebern zu Arbeitnehmern." Achtung, Metallarbeiter! Bei der Firma Flohr, Chausseestrahe, haben die Schlosser und Bohrer wegen Abzüge die Arbeit nieder- gelegt. Wir ersuchen die Kollegen, den Betrieb zu meiden. Die Firma Flohr ist für Schlosser und Bohrer bis auf weiteres gesperrt. Deutscher Metallarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin. Lohnbewegung der Marmor-Steinmetzen und-Schleifer. Der Tarifvertrag der Marmor-Steinmetzen und-Schleifer läuft am 1. September d. I. ab. Die neuen Tarifvorschläge sollen, wie der Vorsitzende Ohngemack am Mittwoch in einer Mitglieder- Versammlung der Filiale Berlin II des Steinarbeiterverbandes ausführte, den Unternehmern in den nächsten Tagen vorgelegt werden. Verlangt wird Einführung des achtstündigen Arbeitstages und 85 Pf. Stundenlohn für die Steinmetzen, 70 Pf. für die Schleifer. Im übrigen werden einschneidende Acnderungen des Tarifvertrages nicht verlangt.— Die Diskussion zeigte, daß die Berufsgenossen einmütig hinter diesen Forderungen stehen. Es wurde noch daraus hingewiesen, daß die sanitären Verhältnisse in manchen Betrieben viel zu wünschen übrig lassen, daß aber Verbcsserungen nur möglich sind, wenn in den einzelnen Betrieben die Arbeiter selbst dafür eintreten. Deatlchco Reich, Keine außerordentliche Generalversammlung. Der Vorstand des Zentralverbandes der Schneider macht seinen Mitgliedern folgendes bekannt: Zu dem Antrag Braunschweig, Mannheim und München auf Einberufung eines außerordentlichen Verbandstages haben 84 FUialen Stellung genommen, davon haben sich 26 dafür und 58 dagegen erklärt. Nach Z 25 des Verbandsstatuts haben Vorstand und Ausschuß die Pflicht, einen außerordentlichen Ver- bandstag einzuberufen, wenn der dritte Teil der Mitgliedschaften sich dafür erklärt bczw. wenn dies vom dritten Teil der Mit- aliedschaftcn beantragt wird. Da die genügende Zahl der Filialen sich also nicht für einen außerordentlichen Verbandstag aus- gesprochen hat, Wird ein solcher auch nicht einberufen. An die klassenbewußten HandlungsgehUlfen aller Länder! Hiermit berufen wir die zweite internationale Kon- f e r e n z für die auf dem Boden des Klassenkampfes stehenden Handlungsgehülfen-Organisationen zum Mittwoch, 21. August 1307, nachmittags 1 Uhr nach Stuttgart(Deutschland) in das Restaurant „Bauhütte", Büchscnstr. 53. Tagesordnung: 1. Bericht der Jnter- nationalen Auskunftsstelle(I. A. S.). 2. Vereinigung mit der Federation Internationale des Employes", Sitz Gent(Belgien). 3.„Sozialreform oder Selbsthülfe?" Referat und Diskussion. Die der internationalen Auskunftsstelle(I. A. S.) angeschlossenen Organi- sationen werden ersucht, Delegierte zu wählen und Anträge für die Tagesordnung der Konferenz bis zum 15. Juli 1307 an den Unter- zeichneten einzuschicken. Die Anträge werden dann im„Handlungs- gehülfen-BIatt" veröffentlicht.___ Die der I. A. S. noch nicht angeschlossenen Organisationen werden ersucht, sich unverzüglich anzuschließen. Information-- Material kann vom Unterzeichneten bezogen werden. Auch die nicht angeschlossenen Organisationen werden eingeladen, Delegierte nach Stuttgart zu senden, welche an den Verhandlungen mit beratender Stimme teilnehmen können. Die gewählten Delegierten sind bis zum 1. August beim Unter« zeichneten anzumelden. Mit brüderlichem Gruß Zentralverband der Handlungsgehülfen und Gehülfinnen Deutsch» lands(Sitz Hamburg). Max Josephsohn, Hamburg 1, Besenbinderhof 57. Die Metallarbeiter der Waggonfabrik(Firma Podeus) in Wismar stehen seit dem 22. April im Streik, die übrigen Arbeiter sind ausgesperrt worden. Am 25. Mai machte die Direktion das Angebot, es solle die Arbeit wieder aufgenommen werden, und würde dann sofort eine Regulierung der Akkordpreise erfolgen. Von den besten Akkordpreisen sollten kleine Abzüge gemacht werden, während für die schlecht bezahlten Sachen kleine Zulagen zu- gestanden werden sollten. Da derartige Angebote schon häufig dazu geführt haben, daß statt der versprochenen Liegulierung neue Abzüge erfolgen, sobald die Arbeit wieder aufgenommen ist, ge- brauchten die Streikenden die Vorsicht, eine bedingte Wieder- aufnähme der Arbeit zu beschließen. Diese Vorsicht hat sich denn auch als sehr notwendig bewiesen. Es wurden tatsächlich neue Abzüge gemacht. Natürlich erfolgte nun eine neue Arbeitsnieder- legung."Zurzeit nun stehen die Dinge so, daß eine Anzahl Holz- arbeiter, Hülfsarbeiter und Hofarbeiter beschäftigt werden, die natürlich die Arbeit der streikenden Metallarbeiter nicht ersetzen können. In den Streik getreten sind 232 Metallarbeiter, als Arbeitswillige sind jetzt 13 Mann im Betriebe. Die Firma be- mühte sich nun. Arbeitswillige heranzuziehen, aber, wie diese Zahlen zeigen, ohne jeden Erfolg. ES soll nun seitens der Firma der Versuch gemacht werden, die Aufträge an andere Firmen zu überweisen. Daher ersuche ich die Ortsverwaltungen besonders in solchen Orten, wo Waggonfabriken sind, ein aufmerksames Be- obachten, und zwar ein ständiges, der in Betracht kommenden Betriebe veranlassen zu wollen. Unsere Vertrauensleute müssen dahin unterrichtet werden, daß sie jedes Vorkommnis, welches Bezug auf den Streik in Wismar haben kann, umgehend melden, und die Ortsvcrwaltungcn bitte ich, alle solche Sachen sofort an meine Adresse weiter melden zu wollen, damit zunächst dkd Feststellung möglich ist, ob es sich um Streikarbeit handelt. Stettin, 18. Juni 1307. Der Bezirksleiter. H. Rohrlack, Turnerstraße 77, Telephon Nr. 3717. Gelbe Bierbrauer. Der Umstand, daß die bisher gegründeten gelben Vereine in Augsburg auf Kosten der Unternehmer hin und wieder Freibier bekommen, hat nun auch eine Anzahl demora- lisiertcr Brauereiarbeitcr dort veranlaßt, einen gelben Verein zu gründen. Mit dem ersten Freibierabend waren diese Arbeiter, die übrigens nur für erhöhten Bierabsatz von Bedeutung sind, sehr zufrieden. Letzte JVa ehr lebten und Depcfcben» Nachwahlen für den ReichSrat. Wien, 20. Juni.(SB. T. B.) Bei den heute hier stattgehabten beiden Ergänzungswahlen zum Reichsrat im Nathausviertel und in dem Neubaubezirl siegten die Kandidaten der chrichlichsozialen Partei, und zwar der ehemalige Minister Wiktek und der Ge- nossenschaftsdirektor Pap st._ Die Revolte der Weinbauern vor der Kammer. Paris, 20. Juni.(W. T. B.) Deputiertenkammer. Aldh-Narbonne(soz.-rad.) interpelliert die Regierung über die Er- eignisse im Süden und bittet den Ministerpräsidenten, dem Hause Lluskunft zu geben. Ministerpräsident Clemcnccau erwidert, alle Haftbefehle, ausgenommen der gegen Marcellin Ztlbert, seien zur Ausführung gelangt, ohne daß die Ruhe gestört worden sei. Gestern abend aber seien in Narbonne das Gebäude der Präfektur und in Monpellier das Gcrichtsgebäude angegriffen und gegen die An- griffe verteidigt worden. Ich werde fortfahren, erklärt Clemenccau weiter, die öffentlichen Gebäude zu schützen, bis Sie mich verjagen. Ich habe den Truppen Anweisung erteilt, von der Waffe nur im Falle der äußersten Gefahr Gebrauch zu machen. Meine Pflicht war mir, wenn auch mein Herz blutete, klar vorgezeichnet, den» es handelte sich um die Einheit des Vaterlandes. Wenn die Agi» tatoren im Süden sähen, was sie getan haben, würden sie es be» dauern.(Bewegung.) Glauben Sie, daß ich unter den gegen- wältigen Umständen wünsche, aus meinem Posten zu bleiben? (Unruhe.) Die Truppen, die die Präfektur von Narbonne schütz- ten, sind, ich weiß nicht warum, mit Revolverschüssen empfangen worden.(Mulac(Rad.) ruft: Sie haben die Schüsse nicht er- widert: sie sind Helden.)(Slnhaltender allseitiger Beifall.) Cle- menceau fährt fort: Das Schießen mit Revolvern wurde fort- gesetzt; man sah Mannschaften fallen. An die Menge wurden von der Truppe zwei Aufforderungen gerichtet, den Platz zu räumen. Dann geschah, was geschehen mußte: Es gab einen Toten und etwa fünf Verwundete, darunter kleinen Schwerverletzten, und zwar hatten die Truppen mehr Verwundete als die Volksmenge. Etwa? anderes weiß ich nicht über den Vorgang; die meisten Blätter bringen unzutreffende Nachrichten. Die Beamten konnten in Nar- bonne die Straßen nicht passieren und keine Informationen ein- ziehen. Aehnliches hat sich in Montpellier ereignet. Gerichtlich verurteilte Personen befanden sich unter den Aufrührern; mehrere sind festgenommen worden. Fast alle in Montpellier verhafteten Personen sind iunge Leute, die der antirepublikanischen Liga an- gehöre«.(Beifall"links, Lärm rechts.) Clemenceau schließt: Ich werde morgen alles, was ich über die Lage weiß, sagen. Heute bin ich bereit zu zeigen, daß die Regierung im Interesse Frank- reichs und der Republik gehandelt hat.(Beifall.) Das sind nicht Winzer, sondern Apachen, die während der Nacht auf die beiden Städte und deren öffentliche Gebäude losgelassen wurden. Mögen die Republikaner über mich als einen Republikaner richten! TaS Haus beschließt hierauf unter Händeauflieben mit überwältigender Mehrheit, die sich aus der Linken und dem Zentrum zusammensetzt, die Interpellation auf morgen zu vertagen. Die Situation im Süden. Narbonne, 20. Juni.(W. T. B.) Heute nachmittag griff eine Volksmenge aus dem Rathausplatze mit Revolverschiissen einen Polizeibramten namens Guillaume an. Guillaume wurde von Kugeln förmlich durchlöchert, dann inS Wasser geworfen und schließlich fort- geschafft, ob er noch lebt, ist nicht bekannt. Als nun ein Soldaten- Posten erschien, um die Angreifer zurückzutreiben, wurde er mit Revolverschüssen empfangen. Die Soldaten schössen nun auch ihrer» seitS. Es gab viele Verwundete, mau spricht auch von Toten. Schweres Anto-Unglück. Easerta, 20. Juni.(W. T. B.) Ein Automobil, welches mit fünf Insassen aus Neapel ankam, stieß in der Nähe des Bahnhofs von Cajanello gegen einen Felsen auf. Das Zlntomobil wurde zer, trümmert, die Reisenden wurden getötet. Entgleister ArbeitSzug. Nürnberg, 20. Juni.(B. H.) Heute vormittag stürzten von einem Sandzug vier Wagen den Bahndamm hinunter. Ein Zlr. berter geriet unter einen Wagen und war sofort tot, ein anderer ist lricht verletzt._ Neue Opfer der Blntherrschaft. Warschan, 20. Juni.(B. H.) Die Polizei verhaftete das aus 20 Personen bestehende hiesige sozialdemokratische Bureau und be» schlagnahmte aufrührerische Proklamationen._ Maul Singer öiCo., Berlin LVV� Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltunasblatt verantw. Redakteur: San» Weber. Berlin. Inseratenteil verant».; Utz.>i)l»cke< Bertin. Druck u. Perlog: Vorwärts Buchdr.u.VerlagSanMI Ar. 142. 24. Jahrgang. 1. KcilM ilts, Amiirls" Serlim NoldsdlM Mlig. Imi lM. Zm Kampf im Baugewerbe. Die Situation schilderte Silberschmidt am Mittwoch in der Versammlung deZ Maurerverbandes folgendermaßen: Vor dein Kampf ivaren in Verlin 17 000 Maurer einschließlich der in Fabriken usw. arbeitenden, aber ausschließlich der Putzer sowie der Gips- und Zementarbeiter, be schäftigt. Die Zahl der Bauhülfsarbeiter ist ungefähr ebenso groß, die der Zimmerer betragt 6700.— Am Montag den 10. Juni arbeiteten 2323 Mitglieder des Maurerverbandes zu den neuen Ve- dingungen. Die Feststellungen am Montag den 17. Juni er- gaben folgendes Resultat: Zu den neuen Bedingungen arbeiten: Maurer vom Verband.... 2813 von der Fr. Vereinig.. 711 J 3617 von der christl. Org... 118 Zimmerer vom Verband.... 1803 1 9Q,7 von der Fr. Vereinig.. 1111/ Hülfsarbeiter vom Verband.. 3200 l von der Fr. Vereinig. 155 1 3355 9919 6151 Gesamtzahl Im Streik stehen: Maurer vom Verband.... 1311 von der Fr. Vereinig.. 1110 von der christl. Org... 200 Zimmerer vom Verband.... 1503 1 ogQ(, von der Fr. Vereinig.. 783 J Hülfsarbeiter vom Verband.. 1906\ von der Fr. Vereinig. 313/ Gesamtzahl 13886 Verträge für Maurer und Hülfsarbeiter sind 673, für Zimmerer 180 abgeschlossen. Unter den Arbeitgebern, welche die Fordenmgen durch Unterschrift anerkannt haben, befinden sich 23 Mitglieder des Verbandes der Baugeschäfte. Von den streikenden Mitgliedern des Maurerverbandes haben sich 1610 zur Abreise abgemeldet, etwa 2000 sind ohne Abmeldung abgereist. Der Redner erörterte die Frage: Welche Taktik haben wir ein- zuschlagen, wenn die Unternehmer die Bauten öffnen?— Vier Wochen währt jetzt der Kampf, davon kommen die ersten vier Tage auf die Aussperrung. Durch die Aussperrung wollten die Unternehmer erreichen, daß wir einen Vertrag zu den Bedingungen des vom Einigungsamt gefällten Schiedsspruches abschließen und, wenn der Kampf günstig für die Unter- nehmer verliefe, dann würden sie noch weitergehende Wünsche bezüglich einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen durchzusetzen versuchen. Die Niederzwingung der Arbeiterorganisationen sollte er- reicht werden erstens dadurch, daß große Massen arbeitslos gemacht und dadurch die Kassen ihrer Organisationen gesprengt würden zweitens dadurch, daß das Mörtelsyndikat den Betrieb einstellte und so verhindert wurde, daß aus den Bauten, die bewilligten, gearbeitet Iverden konnte. Beides ist den Unternehmern fehl geschlagen. Weder die allgemeine Aussperrung noch die Mörtelsperre konnten sie durch- Bühren. Somit sind den Unternehmern diese ihre hauptsächlichsten Waffen entfallen. Wir aber können mit diesem Stande der Dinge zufrieden sein. Nun sollen nach dem Beschluß der Unternehmer am 1. Juli die Bauten geöffnet werden. Die Unternehmer haben die Aenderung ihrer Taktik damit begründet, daß die Arbeiter von der Abwehr zum Angriff übergegangen sind. Bisher hatten sie mit nicht geringem Geschick alle Moniente benutzt, um in der Oeffentlich- keit Stimmung für sich zu machen und es so hinzustellen, als ob ihnen die Situation äußerst günstig sei. Nachrichten wurden verbreitet, worin gesagt wurde, der Kampf sei für die Arbeiter bereits ver- loren, den Unternehmern sei der Sieg sicher. Diese Verbreitung von verfrühten Siegesversicherungen erinnert an die Vorschuß- lorbeeren, die Graf Waldersee beim Beginn des Chinafeldzüges einheimste. Durch solche Nachrichten soll die Stimnmng der Arbeiter beeinflußt werden, man will dadurch solche Leute nach Berlin locken, die sich durch die Berliner Löhne anziehen lassen, und deshalb sind uutemehinerfreundliche Zeitungskorrespondenteu bemüht, die Situation so zu schildern, als ob der Kampf bereits so gut wie zu Ende sei. Alle derartigen Mitteilungen stehen aber mit den Tatsachen in schroffem Widerspruch. Die Unternehmer suchen bereits seit Wochen Arbeitswillige in Berlin und auswärts. Sie treffen bereits Vorbereitnngen, um die Bauten am 1. Juli zu öffnen und haben diesen Beschluß längst bekannt gegeben. Durch diese Taktik soll offenbar den Arbeitern Angst gemacht werden, um sie zu einem bedingungslosen Friedens schluß zu bewegen.— Wenn hier und da mal ein Unternehmer zu einem Streikenden sagt, es werde bald Frieden geschlossen werden, dann darf man sich durch solche gelegentlichen Aeußerungen nicht irre macheu lassen. Wenn die Unternehmer jetzt von Frieden reden, so denken sie nicht daran, unsere Forderungen zu bewilligen. Nach all den Vorbereitungen, die sie für den Kampf getroffen haben, nach der entschiedenen Verweigerung einer Verkürzung der Arbeitszeit würden sich ja die Unternehnier vor der Oeffentlichkeit blamieren, sie jetzt schon nachgeben ivollten. Die Arbeiter aber lassen die Forderung: Verkürzung der Arbeitszeit nicht fallen. Kein Führer der beteiligten Organisationen kann und wird den Arbeitern raten� von der Verkürzung der Arbeitszeit abzusehen. In dieser Hinsicht herrscht v o l l k o ni in e n e U e b e r e i n st i m m u n g. Angesichts dieser Sachlage können die Unternehmer gar nicht anders als, nachdem ihr erster Schlager mißlungen ist, mit dem zweiten Schlager anrücken. Sie müssen den Versuch machen, Arbeitswillige als Ersatz für die Streikenden heranzuziehen. Die Unternehmer sind in eine Sackgasse geraten und müssen nun wenigstens versuchen, der Welt zu zeigen, daß sie den Kampf so führen, ivie sie angegeben haben.— Es ist ausgeschlossen, daß in dem jetzigen Stadium des Kampfes ein Friedensschluß erwartet werden kann, denn die Unternehmer haben sich auf die Ablehnung einer Arbeitszeit- Verkürzung festgelegt und die Arbeiter werden ohne Verkürzung der Arbeitszeit den Kampf nicht beenden. ES entsteht nun die Frage, ob die Unternehmer mit ihrem ztveiten Schlager Erfolg haben können? Mit den ArbeitSIvilligen, die aus allen Winkeln Deutsch- laudS und des Auslandes zusammengesucht werden, sowie mit den Akkordmaurern und anderen Elementen, die in Berlin den Unternehmern zur Verfügung stehen, kann weder die Qualität noch die Quantität der in Berlin zu leistenden Arbeit bewältigt werden. Nur s e h r s e l t e n i st e i n M a u r e r von auswärts imstande, den Anforderungen zu genügen, die in Berlin an Menge und Güte der �Arbeit gestellt werden.— Für 12 000 Maurer müßten . die Unternehnier Ersatz schaffen. Höchstens 3000 Arbeitswillige � werden sie finden. Das sind nach der Kopfzahl erst 23 Proz., nach den Leistungen aber höchstens 15 Proz. der erforderlichen Arbeits- kräfte. Wenn die Unternehmer für diese 3000 Mann eine Woche den Lohn bezahlen und sich dann deren Leistung betrachten, dann könnte man wünschen, sie hätten recht lange nnt diesen Leuten zu tun, damit sie die Arbeitskraft der Berliner Maurer schätzen lernen. Gewisse Arbeiterkategorien, wie die Putzer, sind überhaupt nicht zu ersetzen und wenn die Unternehmer drei Monate lang danach suchen, davon bekommen sie nicht einmal 25 Proz. Die Betrachtung der Situation zeigt, daß der Kampf noch lange dauert. Wenn am 1. Juli die Bauten geöffnet werden, so können vier bis fünf Wochen vergehen, ehe die Unternehmer einsehen, daß auch dieser Schlager wirkungslos bleibt. Aber auch nach dieser Zeit muß damit gerechnet werden, daß die Unternehmer vielleicht noch andere Mittel anwenden, um den gewünschten Erfolg zu erreichen. Wir haben uns also in einein langen, hartnäckigen Kampfe zu wehren und müssen zeigen, daß wir uns nicht niederringen lassen. Für uns gibt es keinen Frieden, ehe uns nicht die Ver- kürzung der Arbeitszeit zugestanden wird. Der Stand der Bewegung ist sehr günstig, die Haltung der Streikenden gut, die ArbeitSIvilligen nach Zahl und Leistung so gering, daß sie keinen Einfluß auf die Situation aus- üben. Ein Teil der Arbeitgeber hat auch schon Bedenken, ob die Taktik ihres Verbandes die richtige ist. Sie denken mit Besorgnis an 1399. Als damals der Streik beendet und Frieden geschloffen war, konnten die Unternehmer nicht so viele Maurer bekommen, als sie brauchten, denn von denen, die während deS Streiks Berlin verlassen hatten, kam ein großer Teil nicht wieder. Das kann auch nach diesem Kampf eintreten.— Die Berliner Bauhandwerker können und werden diesen Kampf aushalten, so lange es notwendig ist. Unsere Mittel reichen aus für einen Kampf von langer Dauer. Nach Ansicht der Streikleitung ist die Situation so günstig, daß wir alle Maßnahmen der Unternehmer ruhig an uns herankommen lassen können. Die Abschlüsse von Verträgen erfolgen jetzt nur noch in geringerer Zahl. Das ist natürlich. Wer bewilligen wollte, hat es getan, wer fest zum Verband der Baugeschäfte steht, bewilligt jetzt noch nicht. Es hat sich also bei den Unternehmern die Scheidung nach diesen beiden Richtungen vollzogen. Neue Verträge sollen von jetzt ab nicht mehr durch die Kontrollstellen, sondern nur noch durch die Zentralleitung abgeschlossen werden.— An eine Abmilderung des Kampfes ist nicht zu denken, er wird mit gleicher Energie wie bisher fortgeführt, bis der Sieg unser ist. Die Diskussionsredner stimmten dem Referenten bei. Fast alle Redner berichteten über Belästigungen der Streikposten durch Polizei beamte. In manchen Bezirken wird den Streikenden der Aufenthalt in ganzen Straßen und Stadtgegenden verboten und so das Streik- postenstehen geradezu unmöglich gemacht. Einstimmig nahm die Versammlung einen Antrag der Streikleitung an, welcher besagt: Von der fünften Streik- Woche an erhallen die verheirateten Streikenden, sowohl die in Berlin wie die auswärts wohnenden, einen wöchentlichen Miets- zuschuß von 2,30 M. Diejenigen verheirateten Kollegen, welche in Berlin wohnen, während des Kampfes aber auswärts Arbeit ge- nommen haben, erhalten wöchentlich 5 M. Mietszuschuß. • Da sind sie schon I Wie wir voraussagten, so stimmt es. Schon jetzt lanciert man die Mitteilimg in die Presse, als hätten sich bereits genügend Arbeitswillige gemeldet: der„Börsen-Courier"(!) schreibt: Nach Angaben ans Nrbeitgrberkreise» sollen sich schon eine genügende Zahl von Arbeitern zur Wiederausnahme der ruhenden Bauarbeit am 1. n. M. bei den Arbeitgebern des Baugewerbes und in den Bureaus gemeldet haben, so daß die Wiederaufnahme nicht mehr zweifelhaft erscheint. Na wenn sich schon genügend gemeldet haben, sind ja weitere Meldungen zwecklos. Glaubt man denn wirklich, mit solchen auf der Hand liegenden Schwiudelnachrichten Eindruck zu machen? Köstlich ist das Eingeständnis, daß nian selbst daran zweifelt, daß die Wiederausnahme der Arbeit am 1. Juli würde erfolgen können. vertauschte Köllen. Bochum, 19. Juni.(Eig. Ber.) Vor der Strafkammer II hier spielt heute und folgende Tage ein Prozeß, bei dem wieder einmal die liebe Polizei auf die An- klagebank gehört hätte, anstatt in der Rolle des Anklägers aufzu- treten. Die Sache ist um so interessanter für die Oeffentlichkeit, als es sich um eine Polizeiverwaltuug aus dem fromm-katholischen M ü u st e r l a n d e, nämlich aus der Stadt R e ck l i n g h a u s e n handelt. Das Vorspiel ist kurz folgendes: Der Bergmann Wilhelm R ü s ch e r in Necklinghausen, der Vertrauens- mann der dortigen Zahlstelle des Bergarbeiterverbandes, hatte am 0. Mai 1906 eine Versammlung der Mitglieder der dortigen Zahl- stelle nach einem Privatlokale einberufen. Bei den Wirten war ein Lokal nicht zu haben. Als nach Eiöffnung der Versammlung der Referent Horn das Wort erhielt, erklärte der überwachende P o l i z e i k o m m i s s a r Johnen die Versammlung für a u s g e l ö st. Ms Rüscher die Angabe des Grundes verweigert wurde, entfuhr ihm das Wort: „Das ist doch eine Niedertracht!" Deswegen hat der Herr Polizeikommissar Strafantrag gestellt, und das Schöffengericht in Necklinghausen hat Rüscher für die„Niedertracht" eine Woche Gefängnis zudiktiert. Rüscher protestierte dagegen, daß er den Polizeikommissar persönlich habe treffen wollen, er habe vielmehr �das in Necklinghansen herrschende System gemeint. Die Strafkammer als Beriifungsinstanz setzte des- halb die Verhandliiug ans, um dem Angeklagten Gelegenheit zu geben, den Beweis der Wahrheit dafür zu erbringen, daß die Recklinghauser Polizei die Bekämpfung des Vergarbeiterverbandes und der sozialdemokratischen Partei systematisch durch Auf- lösung ihrer Versammlungen betreibe. Um diese Beweisführung handelt cS sich heute. Ein Abgesandter der Regierung, Bezirks- kommissar Krohn, wohnt der Verhandlung bei. Der Angeklagte R ü scher stellt in seiner Vernehmung die Sache wie oben dar und bemerkt weiter noch, daß ihn Polizeiwachtmeister Honipesch einmal gelegentlich einer Flugblattverbreitung mit zur Wache genommen und ihn ans der Wache, als er sich über die ihm widerfahrene Behandlinig beschwert, mit den Worten bedroht habe: „Warte, Vürschche»! Hier bist Tu auf der Polizeiwache. Wenn Du Dich nicht ruhig verhältst, dann gehen wir mal in ein Zimmer allein." Polizekkommissar Johnen(als Nebenkläger zugelassen) erklärt unter Eid als Zeuge, er habe ohne jede Beeinflussung seiner vorgesetzten Behörde die Auflösung vorgenomme n. Er bestreitet, gesagt zu haben, die Auflösung sei ,. V o n o b e n" angeordnet. Das Lokal, das zur Versammlung habe dienen sollen, sei „noch nie benutzt" gewesen, weil es noch nicht bnupolizei- l i ch abgenommen war. Der Zeuge will auf Vorhalte des R e ch t s a n w a l t s Heine-Berlin, der dem Angeklagteu als Ver- teidiger zur Seite steht, zunächst überhaupt nicht antworten, muß sich dann aber belehren lassen, daß er dazu verpflichtet ist. Durch Vorhalte wird festgestellt, daß das fragliche vierstöckige Haus bis oben hin bewohnt war. Unten soll es baufällig gewesen sein wegen zu schwacherTräger! Der Zustand bestand seit 5 Jahren! Rechtsanw. Heine: Diese schwache Trägerkonstruktion ist rf&ee doch erst nach der Auflösung entdeckt. Wir erklären Sie das? Zeuge erklärt, es sei das Sache der Baupolizei. Auf wieder- holte Vorhalte erklärt Polizeikonimiffar Johnen nochmals:„Irgend eine Anweisung seitens meiner vorgesetzten Behörde dahin, daß die Versniumlungen der Sozialdemokraten' anders zu behandeln seien, wie die der christlichen Gewerkschaften, ist nicht erfolgt. Ich habe vollständig aus eigener Initiative gehandelt. Daß gegen die Sozial- demokraten scharf vorgegangen wird, wenn sie nicht gesetzlich handeln, liegt in der Natur der Sache, das wird jeder Polizeibeamte so macheu." Die Auflösung habe er vorgenommen, weil er befürchtete, daß das Haus zusamiiieiistürzen könne bei einer Versammlung vieler Menschen! Bergmann Martin bekundet, daß ihm gelegentlich einer plötzlichen Entlassung von der Zeche sein Steiger gesagt habe, die Polizei wäre beim Betriebsführer gewesen und habe die Eiitlassung dcö Zeugen gefordert!— Der Steiger soll geladen werden. Der Verbandsbeamte Horn gibt aus seiner Erfahrimg a:� einer anderen Versammlung, die er in R. abhalten sollte, bekaini-, daß ihm der überwachende Beamte, nachdem er diesen auf die ungerechtfertigte Auflösung aufmerksam gemacht, geantwortet habe, er könne nicht anders und müsse so verfahren, ivie ihm be- fohlen sei. Verbandsvorsitzender Sachse: Es kommen fortwährend Berg- lente mit dem Bemerken, sie müßten auS dem Verbände austreten, sonst würden sie ausgewiesen. Auch dann, wenn sie in den ch r i st- l i ch e n Verband übertreten wollen, sei den Leuten nach ihren k*n« gaben in Aussicht gestellt, daß sie nicht ausgewiesen würden. Das System herrsche im ganzen Bezirk, denn auch ans Buer, Gladbeck usw. sind dem Zeugen solche Fälle bekannt. Es sind selbst Fälle bekannt, wo unter derselben Androhung Leute aus dem Kons um verein hinausgedrängt sind. Dem Zeugen ist vor 11 Tagen wieder eine„Versammlung" in Necklinghausen auf- gelöst worden, obwohl eS sich dabei lediglich um die zu einer Be- sprechnug eingeladenen Vertrauensleute gehandelt hat. Der Betriebsführer Nieper bekundet, daß die Polizei wohl mal sage, er möge diesen oder jenen Arbeitel „beobachten" lassen, sonst aber kann sich Zeuge nicht erinnern, daß die Polizei auch die Entlassung gefordert habe. Der Betriebsführer hat dann dem Steiger Mitteilung gemacht, sich aber im übrigen„nichts dabei gedacht", was wohl die Polizei mit dem Beobachten gemeint habe. Erster Bürgermeister Heuser gibt als Grund der Versammlungsauflösung die Baufälligkeit des Hauses an. Ein äußerst interessantes Kreuzverhör durch den Rechtsanwalt Heine bringt den Bürgermeister dazu, aus den Akten festzustellen, daß der Besitzer des fraglichen Hauses von September 1902(!) bis August 1 903(!) mehrere Male zur Abstellung der Mängel ausgefordert ist. Dann hören diese Mahnungen auf.— A u S den Akte n wird aber weiter noch festgestellt, daß sich in dem angeblich bnufälligeu Parterrernum des bis zur vierten Etage bewohnten Hauses eine Echrciuerwerkstatt befmiden hat. 1903 sind neue Anweisungen ergangen, die sich aber, wie die Beweisaufnahme weiter ergibt, auf Kleinigkeiten erstrecken und bis Mai 1906 längst befolgt waren. Durch eine Auseinandersetzung zwischen Rechtsanwalt Heine und dem Bürgermeister Heuser wird ferner festgestellt, daß die Recklinghauser Polizeiverwaltuug den Bergarbeiterverband nicht als Verein ansieht, weil er sich weigere, seine Mitgliederliste einzureichen. Die Versammlungen würden daher sämtlich als„öffentliche" be- handelt. Der„christliche" Verband, der Mitgliederliste und Statuten eingereicht, wird dagegen als Verein behandelt und ihm nichts in den Weg gelegt. Ans die weitere Frage Heines, ob der Bürgermeister die Auflösung der Versammlung am 6. Mai au- geordnet habe, erklärt dieser:„Ja, die Anordnung habe ich getroffen."(Große Bewegung.)—(P o l i z e i k o m m i s s a r Johnen erklärte unter Eid auf wiederholten Borhalt das Gegenteil! Siehe oben.) Rechtsanw. Heine: Wie kommt eS. daß man in dem angev- lich baufälligen Hause erst die Leute zusammenkommen läßt und dann die Versammlung auflöst. Bürgermeister Heuser: Die Polizei ist zur Ausstellung der Anmeldebescheinigung verpflichtet. Rechtsanw. Heine: Wenn nun aber der angeblich befürchtete Einsturz erfolgt wäre, bevor die Auflösung ausgesprochen wurde? Wen traf dann die Verantwortung? Weshalb wurde der Besitzer nicht unter Androhung von Strafe aufgefordert, bis zu einem be- stimmten Zeitpunkte die Mängel zu beseitigen? Zeuge zuckt die Achsel und— schweigt! Rechtsanw. Heine: Dürfen denn bei Ihnen in einem bau- fälligen Hause Schreinerwerkstätten, in denen doch Leute beschäftigt sind, bestehen? Zeuge— schweigt! Auf eine weitere Frage deS Angeklagten, ob der Polizei denn nicht bekannt gewesen sei, daß in einem anderen Parterreraum des baufälligen HanseS eine MöbclaiiSstelluug etabliert gewesen sei, in der das Publikum ein- und ausging, entgegnet der Zeuge, daß ihm davon nichts bekannt sei. Bau rat Bougartz: Der Vau sei nicht abgenommen, weil die Tröger zu schwach' gewesen! Rechtsanw. Heine: Und trotzdem hat das HauS bis zum vierten Stock fünf Jahre lang bewohnt werden könne»? Der B a u r a t gibt zu, daß er eine Besichtigung des Hauses mit dem Polizeikommissar Johnen vorgenommen habe, ob aber diese Besichtigung vor oder nach dem 6. Mai geiveseu ist, weiß er nicht! Zeuge gibt auf Vorhalt ferner zu, daß die Einrichtung der S ch r e i n e r w e r k st a t t vorschriftswidrig fei, cr habe aber nichts davon gewußt. Der derzeitige Dezernent sei der Banassistcnl JarowSki gewesen. Rechtsanw. Heine: Ich konstatiere, daß über den vorschrifts- widrigen Bezug der Räume nichts in den Akten steht. Kennt denn die Sicherheitspolizei den Zustand solcher baufälligen Gebäude nicht? Zeuge— schweigt! Hauseigentümer Sanders: Der Baurat habe ihm erklärt, daß auouynie Briefe bei der Polizei eingelaufen seien. Erst nachde!« daö Lokal an die freien Gewerkschaften vermietet war, sei ihm die Mitteilung geworden, daß es auf zu schwachen Trägern stehe I Seit 1903 sei er Besitzer deS Hauses. Rechtsanw. Heine: Dann'will ich feststellen, daß man den vorschriftswidrigen Zustand so lange geduldet hat, als es sich um gleichgültige Leute handelte. Erst als die freien Gewerkschaften das Lokal gemietet hatten, erinnerte man sich der Mängel. Polizeiinspektor S t ö b e r will keine Schikane gegen Sozial- demokraten und Bergarbeiterverbandsanhänger geübt haben, will auch dem Wirt Kuchen gegenüber nicht gesagt haben, daß er Bebel nicht sprechen lasse, sowie daß er in Recklinghauseu keine sozialdemokratische Versammlung dulde. Als dann aber Rechtsanwalt Heine fragt: Weshalb er keiner Strafantrag gestellt habe, da doch all diese Behauptungen bis ins einzelne im sozialdemokratischen„Volksblatt" gestanden hätten— da protestiert der Anwalt deS Nebenklägers gegen die Zulassung dieser Frage! P o l i z e i w a ch t m e i st e r Bahr soll derjenige Beamte sein, der zu dem Zeugen Horn gesagt, die überwachenden Beamten könnten nicht anders, sie handelten ans„Anweisung von oben."— Bürgermeister Heuser will diesem Beamten nicht die Er» laubuis zur AilSsage erteilen, sondern erst bei jeder Frage ent scheiden, ob der Beamte aussagen darf! Rechtsanwalt Heine: Dann verzichte ich ganz auf diesen Zeugen. Bergmann Bn fem a nn: AIS er auf Zeche»König Ludwig war, sei ihm vom Obersteiger gesagt, eS sei ein Schreiben eingelaufen bei derZeche, infolgedessenerdann entlassen sei. Wirt Kuchen kann sich an nichts Bestimmtes mehr erinnern Gelegentlich einer Theatervorstellung, die von den freien Gewerl- schaften ausging, soll er versucht haben, die Vorstellung unter Am gebot einer Entschädigung rückgängig zu machen. Er weist von alledem nichts mehr, gibt aber auf Vorhalt zu. dast er auf Anfrage nach der Hergabe seines Lokals zu Versammlungen erklärt habe, das würde wohl S ch wi e r i g k e i t e n mit der Polizei ab- geben. Einen Grund für diese Annahme kann Zeuge nicht angeben. Polizeikommissar Hompesch soll auch nur die Gc- nehmigung zur Aussage bei jeder einzelucn Frage, die der Bürger- meister erst prüfen will, erhalten. Dieser Beamte soll derjenige ge- Wesen sein, der.ruf den Wirt Kuchen zwecks Rückgängigmachung des Lokals eingewirkt hat. Er weist wohl, dast er zu Kuchen gegangen ist und mit diesem über die Vorstellung geredet hat, aber was geredet worden ist, desseu entsinnt sich der Zeuge durchaus nicht! PolizeiinspeÄor Appeldorn will keinen Unterschied zwischen Angehörigen des christlichen Verbandes und des freien Verbandes gemacht haben allster dem, dast die Versamnrlungen des freien Ver bandes als öffentliche behandelt werden. Polizeikommstfar T i ck bekundet dasselbe. Wirt Mi t ch e e l hat seine Polizeistmids verkürzt bekommen, weiß aber nicht wcs.'wlb. Ein Gesuch um Aufhebung der Verfügung ist bis jetzt erfolglos gewesen.— Dem Zeugen soll von der Polizei berichtet sein, dast die Verkürzung der Polizeistunde wieder rückgängig gemacht werde, wcun er die freien Gcwerkschaftcu nicht mehr auf lichme. Er weiß aber von alledem nichts mehr. VerbandSwigeftellter Auf der Straste: Der Wirt Mitcheel habe ihm wiederholt erklärt, daß er von der Polizei wegen der freien Gewerkschaft Scherereien habe. Butgerei Wi.'chhändler): Polizeikommisiar Johnen habe ihn aufgefordert, den noch nicht ganz 10jährigen Bangeman n zu ciitlnssc», angeblich weil er unter 16 Jahren nicht fahren dürfe. Ein volles Jahr vorher habe sich die Polizei um den Jungen nicht gekümmert. Als Zeuge wegen des Jungen fortwährend Straf- Mandate bekam, hat er ihn schlietzlich entlassen. Er hat dann einen IZjährigeu s.'j angeuourmen; darob lätzt man ihn aber un- geschoren! Die Dkcrstnähiue wird erst verständlich durch eine weitere Aussäge des Zeugen. wonach der P o l i z e i k o m m i s s a r Johnen gesagt hat: Der Lot« und der ältere Bruder des Bange- mann seien die schliminstcn Sozialdemokraten im Orte! P o! i z ei k o m m i s s a r Johnen gibt beide Acußcrungen zu, er will das wegen der Entlassung nur im Interesse des Milch- Händlers gesagt haben, imr diesen vor weiteren Strafmandaten zu bewahren. Zeuge Bock bekundet, dast ihm ein Polizeibeamter gesagt, er merke sich die Sozialdemokraten. Zeuge Entermann: Polizeiinspektor Stüber habe gelegent- lich einer VersammlnngSamnrTdung gesagt:»Nun kommt der Mann hier aus Sachsen und will Becfammlungen anmelden. Als ob wir hier nicht schon Unruhen genug hätten I Ich glaube auch nicht, dast der Wirt Stein seinen Saal hergcht." Von dem Wirt Stein selbst weist Zeuge, dast. als Stein 106' M. auf eine Streikliste während des Bergarbeiterstreiks gezeichnet, er in derselben Woche 13l) M. für polizeiliche Strafmandate zu zahben hatte. Zeuge Kassuba(Vertrciuensmmm de»„christlichen" Verbandes) gibt zu, in einer Mitghlcdervcrsammlung erklärt zu haben, die Aliverbändlcr bekämen das Wort jetzt in den christlichen Ver- sammlungen nicht mehr, weil ßonst auch die christliche» Bcrsamni- luirgen aufgelöst oder ihnen daS Lokal entzogen würde. Ein Polizei- bciunicr soll dem Zeugen diese Mitteilung gemacht haben. Zeuge Mende: Der Wirt Möller habe sein Lokal für die freien Gewerkschaften hergegeben., dann aber die Zusage wieder znrückge�ogem weil er Schlkanierimgcn der Polizei befürchtete. Wrrt Möller bestätigt, dast ihm die Kontrollversammlungen entzogen sind, weil er sein Üokal den Sozialdemokraten hergegeben haben solle. Die Bezichtigung sei aber falsch. Er sei ans das Bc- zirkSaint geladen und dorr habe man ihm eröffnet, dast von der Stadtbehörde ein Schreiben eingelaufen sei. Zeuge will den Sozialdemokraten sein Lokal nie gegeben haben, must sich dann aber vom Angeklagten nachweisen lassen, dast dies doch der Fall ist. Wirt Möller: Sobald er sein Lokal dem Verbände ge- geben habe, sei er kolossal mit Strafmandaten belästigt worden. Bei jeder eingelegten Benffung sei er freigesprochen, ichlicstlich habe er aber keine Berufung mehr eingelegt, weil ihm die Lauferei zum Gericht zuwider gewesen sei. Bergmann Neck: Sein Fahrsteiger habe ihm mitgeteilt, dast er ans vcranlassmog eines PolizrilommiffarS gekündigt und dann auch entlassen wurde, obwohl im Betriebe nichts gegen ihn vorlag. Bergmann Lützelburg bckuvdet dasselbe. Er hat drei- mal hintereinander diese Erfahrung gemacht. Auf Anfrage des Rechtsanwalts Heine gibt Bürgermeister Heuser zu, dast in den Akten ein solcher Fal! envähnt sei. ES sci loch aber auch für die Zechen von Wichtigkeit, zu wissen, ob ziel- bewußte Sozialdemokraten unter ihrer Belegschaft seien! Polizeiinspektor Appeldorn gibt die Möglichkeit einer solche» Mitteilung an die Zeche zu, aber dann sei sie nur auf Anfrage der Zeche gemacht worden. Rechtsanwalt Heine unterbreitet dem Gericht den Bescheid des Bürgermeisters Crockhaus(oder Backhans) auf eine Beschwerde, worin es heistt: Auf Ihre Beschwerde vom— teilen wir Ihnen mit, dast Ihre Entlassung nicht auf polizeiliches Ein- greifen erfolgt ist!(Bewegung im ganzen Saale.) Wirt Pill: Er habe feinem Logisgast verboten, die „Bergarbeiter-Zeitung" zu lesen, weil er daS Blatt nicht im Hause haben wolle. Zeuge gibt aber die Möglichkeit zu, dast er vorher auf dem Polizcibureau war. Zeuge Tanneböhm: Polizeisergcant Kandara habe eine öffentliche ÄoltSvcrsammlnng aufgelöst, weil eine Frau in derselben sprechen sollte. Auf Vorhalt bemerkt Bürgermeister Heuser, eS habe sich un, eine Bersamiiilung de» KonsmiivereinS gehandelt, der keine Politik treiben dürfe. ES ivird festgestellt, dast eS sich um eine als„öffentliche Bcr- sammlung" angemeldete Versammlung handelt. Zeit ungsbote Wille: Wirt Walter habe ihm auf Nach- frage erklärt daß er sein Lokal nicht hergeben könne, weil die Be- Hörde da? nicht dulde. Zeuge Chirocki erklärt, dast er von Polizeibernnteii aufgefordert sei, ans dem alten Verband onSzntrctcn und dem Christ- lichen Verband beizutreten. Der Vorfall wird von der Polizei zugegeben! Die Sitzung wird hierauf vertagt. viektei' LelisMchMtag d($ Zentral- Verbandes deutscher(Konsumvereine. Düsseldorf, den 19. Juni. 3. VerhandlungStag. Ueber die Tätigkeit des Tarifamts und die Tarifverhandlimgen mit den Gewerkschaften referiert v. Elm: Der vorjährige Stcttincr GenossenschaftStag habe den, Tarifamt die Ausgabe überlraaen, die OrtSguschläge einer Revision zu unterziehen. Die Arbeiter hätten diese Durchsicht der OrtSzuschläge vielfach als ein System angesehen, ihre Löhne herauf- zuschrauben nnd aus fast allen Orten feien Anträge auf Erhöhung de» OrtSzuschuffeS gestellt worden. DaS Tarifamt hat aber den Buchdruckertarif zum Muster genommen, dessen Bemeffung der Orts zuschlage auf der anitlichen Auskunft von 650 deulschen Städten über die Preise der Wohnungen, LebeiiSmittel und Kohlen am Orte beruht. Eine Abweichung sei nur dann zugelassen worden, wenn entweder der Verein oder die Arbeiter den Nachweis führten, dast die Auskunft der Ortsbehörde falsch sei. oder beide Teile sich friedlich über eine anderweitige Regelung verständigten. Der Tarif mit de» Tran Sportarbeiter n scheine überall anerkannt und durchgeführt zu werden. Hingegen seien Klagen über die Durchführung des BäckertarifeS miS nicht weniger als 71 Vereinen gekommen. Auf eine Anfrage hälten 24 geantwortet, sie anerkannten den Tarif materiell, nur nicht formell. Die anderen Bereine hätten zumeist geantwortet, ihre Betriebe seien noch zu klein, um die Tarisfestsetzungen über Arbeits zeit und Ferien durchzuführen. Die Bäcker haben ihren Tarif gr kündigt, weil die gelernten Bäcker im Lohne nicht schlechter stehen wollten als die Lagerarbeiter. Den Vorwurf, der aus Süd deutschland dem T a r i f a m t e gemacht, dasselbe arbeite vom grünen Tisch, weift Redner entschieden zurück. Nach dem neuen Tarif beträgt der Minimallohn 23 M., jedoch können Orte mit weniger als 10000 Einwohnern 2 M. unter diesen Mi liimallohn heruntergehen. Die Bestiminlingen haben keine An fechtungen erfahren, dagegen sind bezüglich' des A r b e i t S n a ch- weises oft Bedenken geäustert. Um Misthelligkeiten zu vermeiden, ist bei Besetzung f e st e r Slellcn der ZentralarbeitSnachweis in An- spruch zu nehmen. Der Bäckerverband habe daS gröstte Interesse, den Vereinen tüchtige und brauchbare Arbeitskräfte zu stellen, da in der Entwickelung der Konsumbäckereien die Entwickelung dcS Bäcker Verbandes liegt. Des ferneren betont v. Elm, dast die Vereine keine sich bewerbenden Arbeiter wegen ihrer religiösen oder politischen Anschauungen zurückweisen dürfen, weil dadurch die Neutralität Schaden leide. Der Zentralverband der dcntschen Konsumvereine habe durch Abschliestung der geschilderten Tarife das geleistet, was möglich war und daher sei der Vorwurf der Lagerhalter.„?>er Zentralverein sei ein Hemmschuh ans sozialpolitischem ebiet" unberechtigt und falsch. Die Tarifforderungen der Lager- Halter und Handlungsgehnlsen seien auch gar keine Forderungen, andern ein Zukunftsprogramm, welches heute, wenn der Zentralverein diese Wünsche befriedige, zum sicheren Ruin der ikonisumvereine führen niüstte und an deren Durchführung in den beteiligten Privatindustrien die beteiligten Verbände noch auf Jahre hinaus nicht denken würden. Die Zumutungen der Lagerhalter und HandlungSgehülfen feien ja sehr schmeichelhaft für die Leistungsfähigkeit der Konsumvereine, aber die Genossenschaftler könnten nicht inmitten der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ein Stück ZukunftSstaat aufbauen.(Vielfaches Bravo!) Die Ge- noffenschaftler hätten nicht Lust, als Utopisten elend zugrunde zu gehen. Nicht mit den Grostbelriebcn dürften die Konsumvereine verglichen werden, sondern mit denKrämern. Denn wirtschaftlich seien diedcutschen Konsumvereine noch Krämer. Für die Forderungen der Lagerhalter, völlige Sonntagsruhe, ein freier AuSgehctag in der Woche, Gleich» 'tellung der männlichen und weiblichen Lager- Halter, die vorgeschlagenen Mindestferien, Höchstumsätze und Mindestlöhne habe der gesamte Ausschuß des ZentralverbandeS nur ein Unannehmbar als Antwort gehabt. Die Bewilligung olcher Forderungen würde die Entwickelung der Konsumvereine elbst auch in den großen Städten, in welchen die Bewegung noch chwach ist, unmöglich machen, würden den Uebergang zur Eigen- Produktion im höchsten Mäste erschweren. Niemand kann leugnen, dast wir viel mehr für die Arbeiter geleistet haben als die Konkurrenz. Wir sind auch bestrebt, ehrlich weiter zu arbeiten an der Besserung der Lohn- und Arbeits- Verhältnisse, aber wir können die Gewinne der Konsumenten- Organisation nicht für die jetzigen locnigen Angestellten der Konsum- vereine monopolisieren lassen.(Lebhafter Beifall.) Wir warnen die Gcnossenschaftsfiihrer in ihrem eigenen Interesse, den Genossenschaften die weitere Ent« Wickelung unmöglich z u machen. Die Genossenschaft ist der Friede, aber nicht der Friede um jeden Preis, nicht der Kirchhofs- 'riebe, der alle Zukunftshossnimgen der Genossenschaften begräbt. Heute gilt es, einmal öffentlich auszusprechen, was ist. Wir sind nicht schuld an der unliebsamen öffentlichen Auseinandersetzung. Hoffen wir, dast wir recht bald wieder in Einigkeit und Frieden mit unseren Angestellten an dem weiteren Ausbau des Genossenschaftswesens wirken können.(Lebhafter Beifall.) Der Referent empfiehlt folgenden Antrag, der von ihm in Gemeinschaft mit dem Vorstand nnd Ausschuß gestellt ist, zur Annahme: »Der viert« ordentliche GenossenschaftStag des ZentalverbandeS deutscher Konsumverein« erklärt: Genossenschaftliche Lohn» und Arbeitstarife können nicht auf solchen Prinzipien aufgebaut werden, deren Durch- fiihrung bei den konkurrierenden Privatbetrieben noch in weiter Ferne liegt. Im eigenen Interesse müssen die Genossenschaften das Streben ihrer Arbeiter und Angestellten zwecks Erreichung solcher sozialwirt- schaftlichen Ziele nach Kräften unterstützen und bemüht sei», aus eigener freier Entschließung die aufgestellten prinzipiellen Forde- rungen in den genossenschaftlichen Betrieben mehr und mehr zu verwirklichen. Der GenossenschaftStag must eS jedoch ablehnen, schon heute solche Forderungen zu realisieren, welche iveit über das hin ausgehen, was die Gewerkschaften bei den privaten Unternehmern ver- langen und durchzusetzen vermögen, und durch welche unter den gegebenen Verhältnissen eine groste Anzahl genossenschaftlicher Be- triebe konkurrenzunfähig gemacht und damit ihnen sowie zugleich auch den von ihnen beschäftigten Personen die Existenzmöglichkeit geraubt würde. Bezüglich der Forderungen der Lagerhalter und Hand- gSgehülfen erklärt der GcnossenschastStag: Die eingereichten Tarifforderungen zurzeit allgemein durch- zuführen, würde den Ruin einer großen Zahl von Genossenschaften zur Folge habe». Er bedauert deshalb— bei aller Sympathie für die Bestrebungen der Angestellten in dieser Richtung dennoch den Abschluß von Tarisen auf dieser Basis ablehnen zu müssen und erwartet, dast die Angestellten und Arbeiter aus prinzipiellen, praktischen und moralischen Gründen, in ihrem eigenen Interesse und im allgemeine» Interesse des Fortschritts des Genossenschaftswesens bei ihren Tarifforderungen mehr als dies bisher ge- fchehen, die realen Verhältnisse berücksichtigen. Der GenossenschaftStag beauftragt die zu diesem Zwecke ge- bildeten Instanzen des ZentralverbandeS deutscher Konsumvereine in eventuell gewünschte Verhandlungen mit den Vertreten« jener Organisationen einzutreten. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, daß 1. die gleiche Bezahlung der Lagerhalter und Lagerhalterinnen, 2. die Fest leg nn g der Umsatzhöhe pro Ver- kaufSkra ft für die Konsumvereine des ZentralverbandeS unannehn, bar sind. Sollten die Gewerkschaften der Lagerhalter und HandlnngS- gehülfen bei der Fortsetzung der Verhandlungen auf diesen Forde- rungen beharren, so sind zurzeit die Instanzen deS Zentralverbandes deutscher Konsumvereine gezwungen, die Verhandlungen einzustellen, da alSdann der Abschluß von annehm» baren Tarifverträgen aussichtslos erscheint." Ein weiterer Antrag deS Vorstandes, daS M a n k o g e l d bei den Vereinen mit Zentrallager nicht unter 1L Proz., bei Vereinen ohne Zentrallager nicht unter 1 Proz. und für Schnittwaren nicht unter V/t Proz. des VerkaufSwerteS der belasteten Waren festzu» setzen, wurde zurückgezogen, weil die Generalversammlung des LagcrhalterverbandcS sich mit dieser Regelung nicht einver» standen erklärt hat. Der Vorstand erbittet die Ermächtigung, erneut in Verhandlungen über die Mankovcrgütnng einzutreten. luni Eine Reihe von Anträgen des ProdinzberbandeS Sachsen betrifft die Abänderung des BäckertarifeS. Da sollen die Bestimmungen über die Bezahlung der Backmeisier gänzlich entfernt und den Konsumvereinen erlaub! werden, Bäcker auch anderswoher als aus dem Arbeitsnachweis des Zeutralverbaudes zu beziehen, wenn es sich bei diesen Bäckern um eigene Mitglieder des Konsumvereins handelt. In der Diskussion erhält zunächst der gewerkschaftliche Vorsitzende des T a r i s a m t e S Dreher- Berlin(Transportarbeiter- Verband) da-Z Wort. Er versichert v. Elm. dast genau so wie dieser in den Geuossenschaften. so er in den Gewerkschaften der Prügeljunge für das Tarifamt gc- Wesen sei. Es sei auch ganz erklärlich, dast vorläufig noch auf beiden Seiten nicht das volle Verständnis für die neuen tariflichen Ein- richtungen vorhanden sei. Die Gewerkschaften ständen ganz auf dem Standpunkt, daß die Genossenschaften nickt dazu da seien. höhere Löhne und kürzere Arbeitszeit zu gewähren, als die Privatbetriebe, sie sollten nur den vorbildlichen Privatbetrieben folgen. Leider ist die Ansicht über solche Gleichstellung nicht bei allen Vereinen, betätigt, ja es sind direkt Verstöße gegen die Tarifverträge vorgekommen, inde», nian in einzelnen Orten vollständig unorgaui- sierte Arbeiter eingestellt hat. Auch must mit der Praxrs gebrochen werden, daß die gelernten Arbeiter gegen die ungelernten ausgespielt werden. Die Zuitimmung über die OrtSzisschläge haben manche Ilnzuträglichkeiten geschaffen, die im Interesse der Gcnossenschaflen sowie der Gewerkschaften besser vermieden werden. Elm habe über die 30 Proz. OrtSzuschlag in Berlin geklagt: das hätte er wohl unter- lassen, wenn er gewußt hätte. waS der TrauSportarbeiterverband in Berlin für seine Mitglieder in den Privatbetrieben durchgesetzt hat. Ein Berliner Bierfahrer erhält einen Mindestlohn von 3600 M. im Jahre, ein Mehlkutscher einen solchen von 51 M. und ein Müll- lutscher von 39,50 M. wöchentlich.(Hört! hört!) An dem langsamen Fortschritt der Berliner Genossen- schaftsbewegung seien die Gewerkschaften nicht schuld ge- wescn. Der Hemmschuh, die Bremse gegen die Berliner Genossen schaftsbewegung werde an ganz anderer Stelle angezogen, und gegen diese Stelle sollte sich v. Elm einmal recht energisch wenden. Die Konsumvereine dürsten sicherlich nicht Versorgungsanstalten für einige Angestellte oder Arbeiter werden. Aber bei v. Clin sei wohl eine Reminiszenz aus dem alten Reichstage, dast er inbezug auf die Genossenschaflen glaube, das Tempo der sozial- reform gleiche dem de» Automobils und die Kompottschüssel der Arbeiter sei voll.(Graste Heiterkeit.) Er bedauere auf- richtig, dast ein v. Elm der Reaktion auf diese Weise Material an die Hand gibt. DaS Tempo deS Aufstieges der Arbeiterklasse könne nie zu rasch sein.(Beifall.) Die Einführung der Tarife sei bei vielen Genossenschaften auf erbitterten Widerstand gestoßen. Dabei seien sie noch vielfach unbefriedigend für die Arbeiter. Aber der TranSportarbeiter-Verband werde unverbrüchlich tariftreu sein, so- lange der Vertrag gelte. Nach seinem Ablauf aber werden auch die Gcwerlschaften ihre Forderungen stellen: Denn auch sie wollten nicht den Frieden um jeden Preis. Zwei Millionen deutscher Arbeiter seien gewerkschaftlich organisiert. Von ihnen hänge der Fortschritt der deutschen Genossenschastsbewegung ab. Deshalb sollten die Genossenschaften im eigenen Interesse sich deS Goetheschen Wortes erinnern: »Mann mit zugeknöpften Taschen, Dir tut niemand was zu lieb, Hand wird nur von Hand gewaschen, Wenn du nehmen will st. so gib!" U in b r e i t- Berlin(Vertreter der Generalkommission): Alll bisher abgeschlossenen Tarife zwischen Gewerk- und Genossenschaften sind ohne Rücksicht aus die konkurrierende Privatindustrie abgeschlossen worden. Oder finden Sie austcrhalb der Genossenschaften den Acht- stundentag der Bäcker anerkannt: Bisher war es stets der Stolz der deutichen Konsumvereine, dast die Arbeitsverhältnisse in ihnen mindestens so gut sein sollten wie in den vorgeschrittensten Privat- betrieben. So muß es auch bleiben, sollen nicht die Gewerk- und Genossenschastsbewegung Angriffspunkte gegen sich schaffen. Die Resolution will eine Mauer egeu jedes weitere Vorwärtskommen errichten. >as ist für die gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft Deutschlands unerträglich. Die deutschen Konsumvereine müssen vorsichtig, aber nicht ängstlich und kurzsichtig sollen die Konsumvereine geleilet werden. Durch einige Absätze der Resolution wurde das friedliche Zusammenarbeiten zwischen Gewerkschaft und Genossenschaft gehemmt. Die Billigung dieser Vorschläge würde zu einer Gefahr für die organisierten Arbeiter werden können, da die Gewerlschasten nichl daraus verzichten können. Forderungen betreffs der Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu stellen. Die Konkurrenz könne dabei nicht berücksichtigt werden, sie könne eS schon ans dem Grunde nicht, weil die Genossenschaften als eigene Betriebe der Arbeiter an- gesehen werden, und um Theorie und Praxis mit einander in Ein- klang zu bringen, müssen einzelne Genossenschaften ihren kleinlichen Standpunkt, den sie recht oft in dieser Frage einnehmen, auf« geben. Es sprechen dann noch der Vertreter der Tabakarbeiter R ein s» d o r f. der HandlungSgehülfen I o s e p h s o n. der Bäcker All» m a n n und der Lagerhalter gegen die Annahme des vorgelegten Antrages. Betreffs der Lagerhaltcrinnen wird betont, daß gleicher Lohn für gleiche Arbeit eine Forderung der GeWerk- schaften sei, die unbedingt auch für die Konsumvereine gelten müsse. Von diesen Rednern wird durchweg hervor- gehoben, dast keine Gewerkschaft den Ruin der Konsumvereine wolle. Aber gute und gesunde Arbeitsverhältnisse zu schaffen, sei die Pflicht der Genossenschaften, wenn sie ihre Aufgabe erfüllen wollen. Nach den Gewerkschaftsvertretern ergreifen eme groste Zahl von Genossenschaftern auS allen Gegenden des Reiche» das Wort, um die Forderungen der Lagerhalter für übertrieben und unannehmbar zu erklären. Sie stellen sich durchweg vollständig auf den Boden der Resolution. Nach einem Schlußwort des Referenten v. Elm wird die vorgelegte Resolution gegen drei Stimmen ange» n o m m e n. Der Bäckertarif wird mit einigen Abänderungen, die die Ver- hältnisse der Backmeisier und die Lcmitzuug des Arbeitsnachweises betreffen, angenommen. A l l m a n ii erklärt den so geänderten Tarif für die Bäcker als unannehmbar. Damit ist auch das Tarifamt überflüssig geworden, da nunmehr bloß noch die Transportarbeiter zu tariflichen Bedingungen bei den Genosieiischasteii angestellt sind. Nach diesem sehr bedauerlichen Abschluß einer Frage, deren Lösimg trotz aller Schwierigkeiten von Konfiimvereinen. die auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehen wollen, mit der Richtung auf das Ziel der Arbeiterbewegung, nicht aber vom kleinlichen Kräinerstandpuiikt aus hätte versucht werden sollen, berichtete noch der BerbandSsckretär Kaufmann über die Eiitwickclmig der NiitcrstiißiingSkasse. Sie besteht seit Kwei Jahren, umfaßt 84 Vereine mit 1637 Ange« stellten und hat ein Vermögen von 133 946,03 M. Ziel der Unter- stiitzungSlasse ist, für die Arbeiter und Angestellten auch über die Daner des ÄrbeitsvcrhSltnisscS hinaus für den Fall der Invalidität oder des Alters sowie im Falle deS Todes für die Hinterbliebenen zu forgen._ Der Bericht wird genehmigt, ebenso die VerbandSrecknung und der Voranschlag für 1907/08. Die ausscheidenden RNtglieder deS Vorstandes und Ausschusses werden tu iederge wählt. � Der nächste Konsumverein Stag wird auf Einladung de» thüringischen Verbände? in Eisen ach stattfinden. Hus der partei Sora Fortschritt der Presse. Ausser den Genossen von Pforz- heim, deren Absicht, eine Parteizeitung für ihren Bezirk zu gründen, wir schon mitgeteilt haben, denken auch die H e i l b r o n n e r Gc- nassen sich zum t. Oktober ein eigenes Organ zu schaffen. Die Genossen in Sonneberg(Meiningen) wollen in Gemeinschaft mit den Koburgern eine eigene Zeitung gründen. Gemeindcwahlsieg. In Burg bei Magdeburg wurde der Sozialdemokrat mit 683 gegen 223 bürgerliche Stimmen ins Stadt- vcrordnetenkollcgium gewählt. Zeuge gesucht! Der Metalldrückcr Josef Spachtel, gebürtig aus Oesterreich, bis zum 2V. Februar d. I. Ivohnhaft in Jlvers- gchofen bei Erfurt, soll in einer Unfallsachc als Zeuge vernommen werden. Wir ersuchen alle Parteigenossen sowie alle Organi- sationen, die Kenntnis von dem jetzigen Aufenthaltsorte des pp. Spachta haben, uns dessen Adresse mitzuteilen. Arbeitersekretariat Erfurt. Die sozialdemokratische Partei in Ausscrsihl-Ziirich hat auf die am 36. Juni stattfindenden Wahlen des Grossen Stadtrates be- schlössen, sämtliche 43 Sitze des Kreises für sich zu beanspruchen, während sie deren bisher nur 43 hatte. Ob die Partei in den anderen 4 Kreisen einen Erfolg erzielen kann, bleibt abzuwarten. — Als Kandidat für einen in Ausscrsihl erledigten sozialdemokra- tischen KantonSratssitz wurde Genosse Stadtrat Dr. Klöti auf- gestellt. llöllü Frank Beitrag an das schweizerische Arbeitersängersest, das am 36. Juni in Bern stattfindet, hat der Berner Stadt- r a t beschlossen. Das ist nur recht und billig, denn an bürger- liche Feste werden Tausende aus öffentlichen Mitteln beigesteuert. Die sozialistische Bewegung in Portugal. Lissabon, 17. Juni.(Eig. Ber.) Die Anstrengungen, die Portugals Sozialisten seit einiger Zeit machen, um die bisher taktischer Fragen wegen zersplitterten sozia- listischen und gewerkschaftlichen Kräfte zu vereinigen, beginnen Früchte zu zeitigen. Borerst ist eS gelungen, die verschiedenen sozialdemo- kratischen Sektionen Lissabons unter einen Hut zu bringen, und eS sieht zu hoffen, dass man bald anch in Porto so weit sein wird', denn bereits haben sich die beiden gewerbchaftlichen Organisationen Portos verschmolzen. Auf einem kürzlich abgehaltenen Kongress, an welchem 63 Delegierte teilnahmen, die 32 Gewerkschaften vertraten, hat man sich über die Fragen der Organisation und der Taktik ge- einigt, und es wurde der Beschluss gefasst, einen einzigen Verband zu gründen, der den Namen„Allgemeiner Verband der Arbeiter" führen wird. Ferner geben die Genossen Portos nunmehr ein neues Blatt„A Vor do Povo"(„Die Volksstinune") heraus, das als daS Organ der sozialistischen Arbeiterpartei Nord- Portugals fungieren soll. Augenblicklich führen die Sozialisten, indem sie aus der politischen Krise Kapital schlagen, die zurzeit in Portugal wütet, einen leb- haften Kampf im Norden und im Süden des Landes. Dieser Propagandafeldzug ist sozusagen das Vorspiel zu der Konferenz, die noch im Verlaufe dieses Monats in Lissabon abgehalten werden soll. Zn dieser Konferenz sind alle Arbeiterorganisationen geladen, die aus dem Boden deS Klassenkampfes stehen und Anhänger der politischen und p a r l a m e n t a r i s ch c n Aktion der Arbeiter- Ilasse sind. Vom Gelingen dieser Konferenz hängt es ab, ob die Gründung der sozialistischen Partei Portugals cndgiltig zustande kommt, die dann alle Gruppen im Lande zu umfassen hätte, die sich zum Sozialismus bckcuuen._ Bon der japanischen Partei. Ter Genosse Katahama, der bekanntlich die japanische Partei auf dem Internationalen Kongreß zu Amsterdam vertrat, ist vor einigen Monaten, nachdem er mehrere Jahre in den Vereinigten Staaten gelebt hatte, nach Japan zurückgekehrt. Unser Partciblatt von St. Louis veröffent- licht ein Schreiben, das Katahama an den Genossen Höhn in St. Louis richtete. In diesem Schreiben wird bestätigt, daß, wie schon mitgeteilt, die japanische Regierung einen wahren Vcr- uichtunosfcldzug gegen die Sozialisten eröffnet hat. Fast alle Führer und Agitatoren sitzen im Gefängnis und zum Ucberfluss ist auch die Partei»och aufgelöst worden. Jedoch beginnt sie sich bereits aufs neue zu organisieren. Seit einiger Zeit besteht, wie Katahama schreibt, in Tokio ein Arbciterklub, der am 1. Mai seine erste grössere Veranstaltung unternahm. Katahama geht auch mit der Absicht um. ein neues Wochenblatt ins Leben zu rufen. Eine der erfreulichsten Erscheinungen sei, dass der Sozialismus auch immer mehr Anhänger in Korea und selbst in China gewinne: die Literatur der japanischen Sozialisten dringe dort in weite Kreise. Schliesslich teilt Katahama noch mit, dass die japanische Regierung neben der Peitsche auch das Zuckerbrot in Anwendung gebracht habe. Den Arbeitern in den Staatsarsenalen, Werften und Eisenbahnen ist eine Unfalls- und Lebensversicherung auf NcichSkostcn zugestanden.„Da diese Vergünstigungen aber recht mager sind und der Appetit beim Essen kommt, so hat die Rc- gierung auch hiermit nur dem Sozialismus vorgearbeitet." polireilicbes» Ocricbtliches unv. Und imiiicr wieder dir Kulmbncher Justiz. Genosse Goller in K u l in b a ch war angeklagt, eine Körperverletzung begangen zu haben. Amtsrichter Frohnauer erkannte auf 36 Mark Geldstrafe. Dagegen legte der Kulmbncher AmtSanwalt Berufung ein; weil bei der„Roheit" und„Gefährlichkeit" der Tat nicht auf eine G-fänguiSstrafe cokannt worden sei. Auf diese Berufung hob daS Landgericht Vahreuth das Urteil des Herrn Frohnancr auf und erkannte auf 3 M. Geldstrafe. Rechtsanwalt Dr. Süsshenn stellte auf Grund einer neuen Zeugenaussage den Antrag ans Wiederaufnahme deö Verfahrens zugunsten Gollers. Amtsrichter F r o h n a ii e r ivieS diesen Antrag„als unzulässig und unbegründet" zurück. Ans die Beschwerde des RechtSamvalts hin hob das Land- gericht Bahreuth den Besehluss deS Herrn Frohnancr auf. er- klärte im Gegensatz zu ihm den Antrag für zulässig und begründet, sprach Goller frei und überbürdete die Kosten der ersten und zweiten Instanz, sowie des WiedcranfnnhmeverfahrcnZ auf die Staatskasse. Soziales. Haftung deS FiZkuS für durch die Untersuchungshaft zugefügten Schaden. Der Fabrikarbeiter K. in Tlisseldorf wurde von der zweiten Strafkammer des Landgerichts in Düsseldorf im Jahre 1963 wegen Berleitiing zum Meineide iiiischuldig zu einer Zuchthausstrafe von zwei Jahren und»um Berlufte-der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Tauer von fünf Jahre» verurteilt. Auf Grund deS Wiederaus- nahmevcrsahrenS ist er aber am 10. Juni 1004 freigesprochen worden. In dem letzteren Urteil wurde die Entschädigungspflicht der Staatskasse für die unschuldig erlittene Strafhaft aus- gesprochen. K. erhielt durch den Justizminister einen Betrag von 1356 M. für entgangenen Verdienst zuerkannt. Außerdem ist ihm aus Billigkcitsgründcn ein Pausehalbctrag von 1656 M. gewährt worden. K. will jedoch auch den ihm durch die Untersuchnngshaft erwachsenen Schaden ersetzt haben, welch letzterer sich weit höher belaufe. Er klagt deshalb gegen den JustizfiskuS auf Zahlung von 7666 M. nebst 4 Proz. Zinsen, eventuell neben 1572 M. Schaden- ersatz auf Gewährleistung einer jährlichen Rente von 366 M. Durch Urteil des Landgerichts Berlin wurde Kläger mit feinen Ansprüchen abgewiesen. Die Berufung des Klägers gegen das land- gerichtliche Urteil wurde vom Kammergericht Berlin zurückgewiesen. Gegen das kammergerichtliche Urteil hatte der Kläger Revision eingelegt. Es erkannte der vierte Zivilsenat deS Reichsgerichts auf Aufhebung des kammcrgrrichtlichen Urteils und Zurllckverwcisung der Sache an die Borinstnnz. Das Reichsgericht führt in seinen Entscheidungsgründen hierzu aus: Der Verlust der Meisterstelle, den Kläger als Folge der UntersiichuiigShaft geltend macht, fällt nicht unter das Gesetz betreffend die Entschädigung der im Wieder- aufnahmcberfahrcn freigesprochenen Personen, während das Gesetz betreffend die Entschädigung für unschuldig erlittene Untersuchung?- hast erst nach Eintritt deS Schadens, im Juli 1364 in Kraft getreten sei. Das erstgenannte Gesetz aber gewähre Vcrmögensschaden nicht auch für den durch die AiitersuchnngShaft verursachten Schaden. Dahingegen aber mißt das Reichsgericht der Rcvisionsrüge Bc- deutung bei, welche die Schwächung des Gesundheitszustandes des Klägers, die damit zusammenhängende Minderung seiner Erwerbs- fähigkeit als durch die Art der Strafvollstreckung herbeigeführt er- klärte. Das Kammcrgcricht hatte hier wegen der fehlenden Substantiierung abgewiesen, und erklärt das Reichsgericht, daß dies kein Grund zur Abweisung des Anspruches sei, solange daS Gericht nicht einmal den Versuch gemacht habe, eine Ergänzung der Klage- begründung herbeizuführen, was durch Befragen möglich ge- Wesen wäre. Dies Urteil ist von weittragender prinzipieller Bedeutung. Bislang hatten die preußischen Gerichte sich energisch gegen eine Haftung deS FiskuS, insbesondere deS JustizfiskuS, fiir Schaden- ersatzansprüche gesträubt, die durch Versehen der Beamten oder durch mangelhafte Fürsorge für daS Leben und die Gesundheit der Ge- faiigenen herbeigeführt waren. Bei der Beratung deS Bürgerlichen Gesetzbuches ist leider der sozialdemokratische Antrag, der auf Haftung de-Z FiskuS gerichtet lvar, abgelehnt und lediglich eine Resolution angenommen, die Erfüllung dieser Forderung� für die Zukunft verlangte. Die Einzelstaateii. insbesondere Preußen, haben die Haftung des FiskuS völlig abgelehnt oder höchst mangelhaft geregelt. Wie es scheint hat daS Reichsgericht, dessen gedruckte Eni- scheidmig noch nicht vorliegt, aus den allgemeinen Grundsätzen deS Bürgerlichen Gesetzbuches heraus gefolgert, daß der Staat auch mangels einer a u S d r ü ck li ch e n Vorschrift für die durch die Art der Vollstreckung einer Untersuchungshaft herbeigeführten Schäden stets zu haften hat, wenn die Ge- sundheitsschädigung durch eine sorgsamere, angemessenere Art der Vollstreckung hätte vermieden werden können. Diese Entscheidung deS ReiehSgerichtS ist geeignet, einen Teil der herrschenden Miss- stände der Untersuchungshaft für die Zukunft etwas einzudämmen. Wenn alle Vorstellungen nichts helfen, hilft die Schadenersatzpflicht deS Staates und die daraus resultierende Regresspflicht gegen die Beamten. Wir erwähnen aus der Fülle der Beschwerden gegen die Art der Vollstrcckmig der Untersuchungshaft, dass kürzlich in Königsberg i. Pr. eine Anzahl Arbeiter(u. E. zu unrecht) in Untersuchungshaft genommen sind, und daß diesen Arbeitern die Bewegung in freier Luft tagelang verwehrt wurde. Den hierdurch den Arbeitern zugefügten Schaden würde nach dem oben mitgeteilten Erkenntnis der Fiskus, soweit dies durch Geld möglich ist, zu ersetzen haben. Die Berufung im Koiikiirreiizklaiisclprozcß Wcrthcira vom Landgericht zuriickgcivicscu! Im Februar erregte e-Z gewaltiges Aufsehen, dass das hiesige KmifmaniiSgerichl den Konkurrciizklauselprozess der Finna Wertheim gegen eine Lagensiin zugunsten der klägerischen Ferma entsepied. Die Beklagte war als leitende Dame in der Abteilung für Pur- fürmerien'und Seifen und als Gehülfin des Einknufers gegen ein Monatsgehalt von zuletzt 116 M. angestellt und hatte in: letzten Jahre ansserdcni 343 M. Tantieme bezogen. Durch eine Konkurrenz- klausel hatte sie sich verpflichtet, innerhalb eines Jahres nach Austritt aus der Firma Wcrtheim„Iveder bei Tietz noch bei Jandorf noch in einer Firma einzutreten, bei der die ersteren beteiligt sind". Die Beklagte hatte dennoch ein Engagement fiir daS„Kaufhaus des' Westens" gegen ein höheres Gehalt angenommen. Wcrtheim beantragte darauf, die Beklagte zur sofortigen Einstellung ihrer Tätigkeit für das„K. d. W." zu verurteilen und ihr gleichzeitig für jeden Tag deS Zuwiderhandeln-; eine H a f t strafe anzudrohen. Das Kaufmanns- gericht wies zwar den Antrag auf Erlass einer Hnftftrafe ab. ver- urteilte jedoch im übrigen iiach dem Klageantrage und drohte eine Strafe von zehn Mark für jeden Tag des Zulvider- Handelns gegen das Verbot der Tätigkeit der Beklagten an. Die Zivilkammer des Landgerichts hat jetzt die Berufung der Beklagten gegen das Aufsehen er- regende Urteil leider bestätigt. Das schriftliche Urteil wird erst in einigen Wochen vorliegen können. Wir glauben in der Annahme nicht fehl zn gehen, dass daS Landgericht durch die Rücksicht auf die fehlsame Entscheidung des KaufinannSgerichtS sich hat leiten lassen. Nach§ 74 de« Handels- gcsetzbuches ist„eine Vereinbarung zwischen dem Prinzipal und dem HaiiolmigSgchülfen, durch welche dieser für die Zeit nach der Be- endigung deS Dienstverhältnisses in seiner gewerblichen Tätigkeit beschränkt wird, für den Hnndlmigsgehülsen nur insoweit ver- bindlich, als die Beschränkung nach Zeit, Ort und Gegenstand nicht die Grenzen überschreitet, durch welche eine unbillige Erschwerung deS Fortkommens deS Handlmigsgehülfen ausgeschlossen wird". DaS KaufmannSgericht hatte in dem Urteil, daS berechtigten Unwillen bei den Arbeitern ohne Unterschied ihrer politischen Ansichten erregt hatte, ausgeführt, die Klägerin habe ein berechtigtes Interesse daran, dass die Konkurrenzfirma von dem keinen Vorteil ziehe, was die Beklagte bei ihr„erlernt und erfahren" habe. Das Landgericht scheint angenommen zu haben: wenn daS Laicngericht solche enorme Beschräiikung der Erwerbsmöglichkeit der Beklagten als keine„unbillige Erschiverung" ihres Fortkommens empfindet, so müsse eS auf diese Anschauung Rücksicht nehmen, da sie von Laienrichtern gefasst ist. ES ist daS im höchsten Grade be- dauerlich. Die min vom Landgericht gebilligte Entscheidung wäre unseres Erachtens unmöglich gewesen, wenn nicht die Mehrheit der hiesigen Kaufmanusgerichtsrichter auS Mitgliedern deS mehr für die Interessen deS Chefs als der' HandlungSgehiilfen wirkenden nationalen Verbandes der Handlungsgehülfeii bestehen würde. Die von dem Gericht gebilligte Konkurrenzklausel ist ein TerrorismuS schlimmster Art gegen Arbeitswillige und hätte als offenbar unbillig und gegen die guten Sitten verstossend für ungültig erklärt werden müssen. Derartige Beschränkungen Arbeitswilliger, deren einziges Eigentum ihre Arbeits- kraft ist, schränken die Freiheit sozial Abhängiger, wirtschaftlich Un- selbständiger ein und ziehen eine moderne Hörigkeit der davon Be- troffenen'naeh- sich. Seit Jahrzehnten treten die Sozialdemokraten für ein Verbot der Konkurrcnzklausel ein. Ihren Dar» legungen war e? zu verdanken, dass im Jahre 1834 und 1896 selbst Ratio ii alliberale bekannten, daß eine Konkurrenz- klausel bei Gehältern bis 3666 M. stets verwerflich ist. Im Jahre 1364 überzeugte sich die Konferenz für ReichSarbeitS- statistik, dass höchstens eine Konkurrenzklausel auf eine Zeitdaue» von einem Jahre und mit einer Beschränkung auf eine Entfernung von einem Kilometer der alten Betriebsstätte berechtigt sein könne Die Mehrheitsparteien im Reichstage, und voran die Anti s e m i t e n, sprachen für ein Verbot der Konkurrenzklausel, lehnten eS aber ab. als bei Gelegenheit der Wuchergesetzaebung und der Beratung des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb (im Jahre 1396) ein dahin gerichteter Antrag vorlag, ihre Worte in Taten umzusetzen. Aehnlich erging eS den sozialdemokratischen Anträgen bei Beratung des Handelsgesetzbuches. Durch die Kautschnkbestimmung des Artikels 74 des Handelsgesetz- buches(„insoweit gültig",„unbillige Erschwerung") ist die Plage der Konkurrenzklausel schlimmer geworden denn je. Wird die Gesetz- gebnng endlich eingreifen? Em Industrie und Kandel. Fanler Zahler. Die russische Regierung erweist sich für die preußischen Polizek- dicnste dankbar; sie will in Erinnerung bleiben und bleibt darum schuldig, was sie zahlen soll. Der„Tag" berichtet darüber folgendes: Russische Banknoten, die durch die Anbringung dreier kleiner Löcher als entwertet bezeichnet sein sollten, waren auf dem Bahn- trmisport nach Petersburg, wo ihre Vernichtung durch Verbrennen bestimmt war, gestohlen worden. In einer Petersburger Meldung war damals berichtet worden, daß der betreffende Posten Noten im Betrage von 56 Millionen Rubel tatsächlich eingezogen worden wäre. Dass ein Teil gestohlen worden war, wurde nicht gemeldet. Im Dezember 1366 begannen nun hier und in Krakau russische Noten der oben bezeichneten Art zu zirkulieren. Die Löcher waren zugeklebt und damit mehr oder weniger unkenntlich gemacht. Von Berliner Banken wurden sie für gültig gehalten und anstandslos in Zahlung genommen. Eine der Noten kam von hier nach Ruß- land, wurde aber mit einer von der russischen Reichsbank an- gebrachten schwarzen Stempelung wieder hierher als nicht kurs- fähig zurückgesandt. Der hiesige Agent deS russischen Finanz- Ministeriums erklärte auch jetzt noch, ihm wäre nicht bekannt, daß die Neichsbank Noten durch eine solche Durchlöcherung entwerte, und er würde, die Noten daher als gültig angesehen haben. Auf eine weitere nach Rußland gerichtete Anfrage kam aber nunmehr der Bescheid, daß die Noten, die. von den Neichsbanksilialen nach der Zentrale zur Entwertung gesandt, auf dem Transport nach PeterS- bürg gestohlen worden waren, und der Vertreter deS Attaches des Finanz- und Handelshevolsinächtigten bei der Russischen Botschaft hier klärte seine Unkenntnis von der Bedeutung der Durchlöcherung der Noten jetzt dahin auf, daß nach den von ihm in Petersburg eingezogenen Erkundigungen diese Manipulation nicht seitens der Neichsbank, sondern seitens der Reichsrentei interimistisch zur Eni- Wertung vorgenommen wäre. An der Nichteinlösung der Noten wird russischerscits festgehalten_ Sonderbare WirtschaftSpolltiker. Keine grosse Hoffnung auf die„liberale Aera" hegt der„Wegweiser für Spielwaren-Jndustrie". In einem Artikel:„Die Zukunft unserer Wirtschaftspolitik"— Nr. 484— heißt es in bczug auf die Zusammensetzung deS neuen „So erfreulich vom liberalen Standpunkt aus tn allgemein politischer Hinsicht die geänderte Zusammensetzung des Reichs- Parlaments sein mag. so sicher ist, daß auf einen frische- ren Luftzug und auf eine freiere Bewegung der Kräfte im Wirtschaftsleben wenigeroennvorhcrzurechnensein w i r d." Also es wird nichts Erfreuliches von dem Wcchselbalg ber liberal-konservativen Paarung erwartet, trotzdem, daS unfruchtbare Verhältnis ist erfreulich. Das ist doch pover.. Friede im Kalishndikat. Nach langen Kämpfen, einerseits zwischen dem Besitzer von Sollstedt, Schmidtmann, und dem Kali- shndikat, andererseits zwischen diesem und den deutschen Kaliwerken. ist es nun zum Fricdensschluss gekommen, bei dem die beiden Gegner deS Syndikats sich dessen Bedingungen im allgemeinen unterworfen haben. Die Gesellschasterversammlung des Kalishndikats genehmigte einstimmig die Aufnahme deö Kaliwerks Sollstedt in das Syndikat, ferner die Aufnahme der„Deutschen Kaliiverke Akt.-Gcs.". In der Prozdsssache des Kalisyndikats gegen Hohenfels ist, wie das Syndikat mitteilt, ein außergerichtlicher Vergleich zustande ge- kommen, welcher ebenfalls gutgeheißen wurde. Eine Untersuchung gegen die Hapag. Wie aus Washington ge« meldet wird, hat die zwischenstaatliche VerkehrSkommission be- schlössen, eine Untersuchung anzustellen über die Geschäftsführung oer Hamburg-Amerikanischen Paketfahrt-Akticn-Gcscllschaft, welche von der Schiffsmaklerfirma Peter Whright and Sons in Phila- delphia beschuldigt worden ist, einen Ring gebildet und Monopole unter Einschränkung des Handels aufrecht erhalten zu haben. Lokoravtivbcstrlluiigln dcS preußischen EiscnVahnfiSk»?. Die preußische Zentraleisenvahnverwaltimg hat am Dienstag 700 Lokomotiven bei den großen deutschen Maschinenfabriken in Auftrag ge- geben. Die Lieferung hat, wie wir erfahren, vom t. April'1363 vis Ende 1368 zu erfolgen. DaS Objekt beträgt zirka 50 Millionen Mark. Die beauftragten Fabriken sind durch die neuen Order» für 1V63 über ihre Leistungsfähigkeit beschäftigt. Höhere Schwclncprcise. Seit Sonnabend vergangener Woche sind die Preise für lebende Schweine ans dem städtischen Viehhofe um 10 Proz. gestiegen. Am Sonnabend betrug der Durchschnitts- preis 83 M., während er vorgestern(Mittwoch) 102 M. für 160 Kilo- gramm Lebendgewicht mit 20 Proz. Tara beträgt. SeeMe- VolUryng! rtixUcIi Zufuhren lehondfriseher, ständig unlcr Eis gehaltener SccUmc-Iio in eigenen Klililwaggons. Groß. Schellfiseh s im Anschnitt 80 Pf. CaliSiaii o,mc Kopf im Anschnitt 85 Pf. Seelachs 20 im Anschnitt 25 PI Pf pro Pfd. - ax imxCTiZMifVxmi faöKOTWR t At'-.vv-* 1 iiii■ i■ mrfrmm Oeulsche OampffiscIierei-GesellscM UOfdSBß" (GrUOte Ifochsecflschcrcl-Ocscllschaft Dentscblaads.) 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Ctzarlottenburg, Wieland str. 4, Krätky. Lichtenberg. Gürtelstr. 11, Bienert. Schamlvcbcrstr. 8, Schubert. Ober-Schöneweide» Nalhenaustrab«, Petercit. gtixdorf. Neue Donaustr. 52/53, Runkel. Ferner ist zu berichtigen, daß in der Sonntagiiunimer unter der Rubrik Rixdors ein Irrtum vorhanden ist. Es darl nicht heißen: FricdeisE. 3V. Reich, fondern Friedclstr. 27. Reich. Der Inhaber der Bäckerei Nr. 3V ist einer der größten Gegner der Ge- scllensorderungcn. Steglitz. Schützenstr. 1, Hackbarth. Tcmpelhof. Borussiastr. 9, Schnitze(nichtZerbahn, Steglitzerstr. 79). Die Bcwtlligttng durchbrochen haben: H. Edcr, Anklanierstr. 57. Dreszler, Pappel-Allee 85. Schenncman», Strclitzcrst. 31. Segler, Barnimstr. 5. Segler, Wcinstr. 27. Pnrschke, Köpcnickerstr. 165. Schön, Mühlenstr. 51. Otto Mörbe, Nostizstr. 49. I. Göftwein, Allensteinerstr.9. F. Dähne, Stralaiicr Allee 23. Hanke, Feiinstr. 51. E. Barth, Drontheinierstr. 13. Frd. 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Den Qenolfen, welche sich die Stelle eines nlwllii MM im„Hamburger Echo" beworben haben, teilen wir mit bestem Dank für ihre Bemühungen mit, daß die Stelle besetzt ist. Verlag des„Hamburger Echo" Nr. 142. 24. Jahrgang. 2. KnlM i>ks.Armrls" Kerlim AWIR Freitag. 21. Inn! 1907. Partei- AngelegenKeiten. Zur LokuNiste. Ter Männerturnverein„Martendorf" �Deutsche Turnerschaft) veranstaltet am Sonnabend, den 22. d. Mt-S., im Lokal von Rau. Mariendorf. Dorf- und Grotzbeerenstraßenecke, ein Vergnügen. Wir machen darauf aufmerksam, daß das genannte Lokal uns nicht zur Verfügung steht, mithin sind alle dortigen Ver- austaltungen seitens der Parteigenossen streng zu meiden. Auf wiederholte Anfragen teilen wir mit, daß die Räume der „Klosterbrauerei", Charlottenburg. Wall- u. Bismarckstrahenecke, der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung stehen. Den dortigen Kirch- Hofsbesuchern empfehlen wir das Lokal von P a p e n f u b, Spandauer- berg 22. Das Lokal„Waldhaus", Tegeler Weg 38/39, hat den Besitzer gewechselt(jetzt Jnh. Kant); dasselbe steht uns nach wie vor zur Verfügung. Bei dieser Gelegenheit weisen wir nochmals darauf hin, daß in Schmargendorf- Grunewald nur das Lokal„Ca fs Pein" frei ist, dagegen sind die Lokale„Franzensbader Garten", neben dem neuen Vergnügungspark, und der.Volkspark" mit Steh- bierhalle, Inhaber Michelmaun, für organisierte Arbeiter gesperrt. Desgleichen ist in Schmargendorf da? Lokal„Waldkater" gesperrt, frei ist das Lokal„BarthelS Wirtshaus", Waniemünderstr. S. Die Lokalkontmission. Eine öffentliche Schifferversammlung findet am Sonntag, den 23. Juni, nachmittags 3 Uhr. in Feuersteins Festsälen, Alte Jakob- straße 7S, statt. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag des Ge- nassen A. Störmer über:„Der Kampf nmS Recht". In dem Referate werden besonders die Interessen der schiffahrttretbenden Bevölkerung behandelt werden. Alle Genossen, die mit Schiffahrttreibenden m Verbindung stehen, werden ersucht, dieselben auf die Versammlung auftnerksam zu machen. Die«gitationskommission. Marienfelde und Umgegend. Am Dienstag, den 25. Juni, abends 7 Uhr, hält der Wahlverein bei Berger, Dorsstrasie, feine Generalversammlung ab. Auf der Tagesordnung steht der Bericht deS Vorstandes und sämtlicher Funktionäre. Diskussion. Vereinsaitgelegen- heilen und Verschiedenes. Der Vorstand. An dem gleichen Tage findet im selben Lokale abends 8>/z Uhr eine öffentliche Volksversammlung statt, in der Stadtverordneter Genosse G r o g e r- Rixdorf einen Vortrag über:„Der Kampf der bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokratie" halten wird. Wegen der Wichtigkeit der TageSontnung werden die Bewohner von Marienfelde und Umgegend— auch die Frauen— ersucht, recht zahlreich in der Versaminlung zu erscheinen. Der Einberufer. Trebbin. Sonntag, den 23. Juni, nachmittags 4 Uhr, findet bei W. Fromm,„SchützenhauS", eine öffentliche Versammlung statt. Die Genossen und Genvssinnen werden ersticht, zahlreich zu erscheinen. Beniner l�acbrlcbten. Eine Szene aus dem Arbeiterleben. Eine betrübende Szene spielte sich Mittwoch, den 19. Juni, in einem Hause der Rykestraße, einer Mietskaserne, ab. Am frühen Morgen gegen 8 Uhrerschiendort ein feierlich mitschwarzem Gehrock bekleideter jüngerer Herr. Ein älterer, augenscheinlich dem Beamtenstande angehörender, von riesenhafter Figur schritt ihm zur Seite. Den Schluß machten zwei Arbeiter. Man bcniühte sich über zwei Höfe nach einer im letzten Ouer gcbäude 4 Treppen hoch belegenen Wohnung, aus Stube und Rüche bestehend. Dieselbe wird bewohnt von einem Droschken kutscher utid seiner aus Frau und vier Kindern bestehenden Familie, das älteste sechs, das jüngste über ein Jahr alt, alles zarte schwächliche Kinder. Auf kräftiges Klopfen und Klingeln meldet sich niemand. Nur ängstliches Kindcrgeschrei ist hörbar. Doch Frau Themis ist nicht nur blind, sondern mit zunehmendem Alter auch harthörig geworden, oder nur manchmal? Einer der Arbeiter wird, da die Situatton sich nicht ändert, abgesandt und kehrt in kurzer Zeit mit einem Schlosser zurück, dessen geübte Hand bald Zutritt zu den ge- suchten Schätzen verschafft. Erschreckt schauen die kleinen mageren Wichre auf die eintretenden„Onkels", sogar das Schreien des Kleinsten verstummt. Hülflos schauen die Kleinen, die Mutter wohl in Vorahnung der kommenden Dinge in den dünnen Betten gelassen hat, dem Beginnen der Männer zu. „Ja dett hilft nich, de Betten müssen m'r ha'm", und behutsam werden die Fassungslosen aus dem warmen Nest gesetzt. Es ist ja Sommer I Dann beginnt ein emsiges Schaffen und Aufräumen. Die Bettstellen werden anseinandcrgcschlagen, Matratzen und allerhand ärmlicher Hauskram, auch ein strapaziertes Sofa, wird die Treppen heruntergeschafft und auf den harrenden Wagen verladen. „Jotte doch, die Kinderken dhun mer so leid," meint der eine Arbeiter zu der Nachbarin. „Det Vertikoo un det Spinde hat de Bande schon ver- kooft,"~ sagt unzufrieden der wie ein Theologe aussehende junge Herr. „Will denn der det Jelumpe noch mal für Nei verkoofen," sagt xin empörter Nachbar.„ �„ „Wat kann da noch zu bezahlen sinn? De Leite sinn ja vier Jahr vcrheirat." „Ach wat. der Kram wird verkloppt!" schneidet der riefen- hafte Bote der Dame Themis die Debatte ab. ,Mat kost'n der Rosentopp?" wendet er sich an das im Hause wohnende Blumenftäulein. Bald sind die beiden handelseinig. Der junge Herr und der Riese verabschieden sich mft elegantem Htttschivung. Jener steckt sich eine Garbaty an, gibt dem Kutscher einen Wink und humpelnd setzt sich der Wagen in Bewegung. „Ja! Ja l De Abzahlungsftitzen I" sagt der Nachbar philosophisch und geht in seine Werkstatt. Aus der leeren Wohnung ertönt das ängstliche Weinen der ratlosen Kinder. Die Gcwcrbedepiitittion des Magistrats verhandelte am Mittwoch über den Antrag des Ausschusses des Kanfiitannsgcrichts zu Berlin, welcher den Magistrat ersucht, bei den Kleinhändlern Erhebungen darüber anzustellen, ob sie mit einer Beschränkung der Bcrtanfszeit an Sinn- und Feiertagen auf die Stunden bis 19 Ubr vormittags unter Fortfall der Stunden von 12 bis 2 Uhr nachmittags einverstanden sind. Nach eingehender Besprechung erklärte sich die De- putation mit der Vornahme der beantragten Erhebungen einver- standen. Es wurde eine aus neun Mitgliedern der Gewerbedeputation ldorunter unsere Parteigenossen Stadtverordneter Borgmann und Bürgerdeputierter Tutzaner) bestehende Kommission gewählt, welche bezüglich dieser Erhebungen das weitere veranlassen und später dem Plenum Bericht erstatten soll. Bei der letzten Lohnbewegung im Tapezierergewerbe hatte die hiesige Tapezicrer-(Zwattgs>)Jnttung über die organisierten Tapezierer- gehülfen die Aussperrung verhängt und den JunungSmitgliedern, welche Mitglieder des GehiilfenverbandeS oder des FachvereinS der Tapezierer beschäftigten, Strafen angedroht.— Der Gehülfen- ausschuß der Innung beantragte daraus bei der Gewerbedeputation die Aufhebung der durch die Innung über die Gehülfen verhängten Aussperrung.— Bei der Beratung dieses Antrages wurde bedauert, daß derselbe erst jetzt nach zirka vier Monaten in der Gewerbedeputation zur Verhandlung komme, nachdem der Streik und die Aussperrung längst beendet, der Antrag also überholt sei. Das Vorgehen der Innung wurde scharf kritisiert.— Die Gewerbedeputation entschied, daß die Innung als solche nicht berechtigt war, die Aussperrung der Gehülfen zu ver- anlassen. Sowohl durch die Aussperrung der Ge- hülfen als auch durch Strafandrohung gegen die- je»igen JnnungSmitglieder, welche dem Aus- sperrungsbeschlusse nicht Folge leisteten, habe die Innung ihre Befugnisse überschritten. Wiederholt hat sich die Gewerbedeputation mit den Mißständen in der Herberge und im Arbeitsnachweis der Fleischcriunung be- schäfttgt. Ihr Vorgehen hatte den Erfolg, daß die widerspenstige Innung durch die Polizeibehörde veranlaßt wurde, die Zahl der Betten in der Jnnnngsberberge zu vermindern. Um einen geregelten Arbeitsnachweis zu führen, hatte die Gewerbedeputation die Innung ersucht, eine Liste zu führen, in welche alle arbeitsuchenden Gesellen eingetragen und bei der Ausgabe von Adressen nach der Reihenfolge der Eintragung berücksichtigt werden sollten. Obwohl sich auch eine im März dieses Jahres abgehaltene Versammlung von Schlächtergesellen mit der obligatorischen Einführung einer solcher Liste einverstanden erklärte und hiervon der Gewerbedeputation Kennwis gab, weigert sich die Innung hartnäckig, die Liste obligatorisch einzuführen. Sie will es jedem einzelnen überlassen, ob er sich in die Liste eintragen lassen will oder nicht.— Ein Antrag, die Innung durch Straf- androhung zur Führung einer Liste für alle Arbeit- suchenden zu veranlassen, wurde von der Gewerbedeputation gegen sieben Stimmen abgelehnt mit der Motivierung, daß ja der G e s e l l e n a u§ s ch u ß der F l e i s ch e r i n n u n g sich mit der fakultattven Liste einverstanden erklärt habe, da die Arbeitsnachweis- ordnung vom Gesellenausschuß unterzeichnet sei. Der Magistrat hat für das projektterte Hospital in Buch, das für 1599 Hospitaliten eingerichtet werden soll, rund 925 999 M. für das Inventar bewilligt. Vorgesehen sind dabei eine Feuerlösch- einrichtung und die Uebernahme des Bestattungswesens in Buch durch die sogenannte Betriebszentrale. Der Stadtverordneten Versammlung soll noch eine besondere Borlage zugehen. Wir macht man sich lästig? Arbeiter aus demAuSlande werden als Gäste Preußen- Deutschlands mit offenen Armen aufgenommen, wenn sie hierher zuwandern, um gegenüber den einheimischen Arbeitern die Rolle von Lohndrückern, Streikbrechern usw. zu spielen. Wer aber als aus ländischer Arbeiter bei uns sich erdreistet, soviel Lohn wie jeder ein- heimische Arbeiter zu verlangen und sogar an Käntpfen unserer Arbeiter um Gewährung besserer Löhne teilzunehmen, der wird dem Unternehmertum bald als ein sehr überflüssiger, höchst lästiger Gast erscheinen. Genügt die tätige Anteilnahme an Lohniämpfen, einen aus dem Auslande zugewanderten Arbeiter auch der Polizei als lästig erscheinen zu lassen? Oder muß erst noch irgend ein Denunziant kommen und„weiteres Material' herbeitragen, damit unsere Polizei den Gast als lästig genug empfindet und ihn über die Grenze zurückscheucht? Diese Fragen hat kürzlich in Berlin ein Emailmaler W sich vorlegen müssen, der auS Oesterreich nach Deutschland zu gewandert war, aber die Staatszugehörigkeit zu Oesterreich behalten hatte. Ganz unerwartet war ihm Ende März von der Polizei er- öffnet worden, er werde hierntit aus Preußen ausgewiesen und müsse spätestens in vier Wochen die schwarzweitzen Grenzpfähle hinter sich haben. Der Mann hatte sich lästig gemacht, mithin mußte er rauS l Wodurch er sich lästig gemacht haben sollte, das ist nicht ganz sicher festgestellt worden. W. hatte bereits seit einer Reihe von Jahren feinen Wohnsitz in Berlin. Hier heiratete er im Herbst 1995 eine deutsche Frau, die ihm ein Kind gebar. Der Besitzer deS Hauses, in dem V.. seit seiner Eheschließung gewohnt hat, bezeichnet ihn als einen ruhigen und nüchternen Mann, der mit seiner Frau eine glückliche Ehe führte. In gewerkschaftlicher wie in politischer Hinsicht stand W. auf der Seite der Arbeiter- klasse, die um ihre Befreiung aus Kapitalsfesseln ringt. Sonst hatte er nichts weiter„verbrochen", aber für einen Ausländer ist vielleicht auch das schon genug und zu viel. Als W. die Ausweisungsorder bekam und nach den Gründen forschte, fiel ihm ein, daß etliche Wochen vorher ein fremder Herr zu ihm gekommen war, der bei der allein in der Wohnung an- wesendcn Frau W. sich erkundigte, ob �hr Mann einer gewerkschaftlichen Organisation angehöre. Der Unbekannte hatte sich eingeführt mit den Worten:„Ich komme vom„Vor- w ä r t s". Sie lesen ihn doch?" Ja, das traf zu: W. las den „Vorwärts" und bezog ihn selbstverständlich durch die Spedition der Partei. Der Unbekannte schien schon Bescheid zu wissen, offenbar kam er— so sagte sich die Frau— wirklich von der„Vorwärts"- Spedition. Und nachdem sie nun Vertrauen zu ihm gefaßt hatte, durfte er sie ausfragen.„Ist Ihr Mann bei einem Verband?" „Es handelt sich nämlich," so plauderte er,„um eine statistische Auf- nähme der Gewerkschaftsmitglieder. Ihr Mann wird Ihnen gewiß schon davon erzählt haben. W. hatte ihr allerdings nicht davon erzählt", aber sie gab arglos Auskunft, ihr Mann gehöre natürlich dem Verbände seines Berufes an. Als W. am Abend nach Hause kam, erschien ihm diese Visite ein bißchen sehr verwunderlich, aber er unterließ eS zunächst, dem«Statistiker" nachzuspüren. Erst als er dann die Ausweisungsorder kriegte, wurde er stutzig und brachte sie in Zusantntenhang mit jenem wißbegierigen Fremden. Erst da gelangte die Angelegenheit auch zu unserer Kenntnis. Es wurde nun sofort festgestellt, daß der angebliche„Vorwärts"- Mann— falls der Besucher tatsächlich gesagt hat, er komme vom „Vorwärts"— weiter nichts als ein frecher Schwindler war. Auch von dem sozialdemokratischen Wahlverein deS Kreises, in dem W. wohnte, oder von der Gewerkschaft, die für ihn in Betracht kam ist ihm niemand ins HauS geschickt worden, um eine„statistische Aufnahme' zu machen. Der geheimnisvolle„Statistiker", der sich da in W/s Abwesenheit bei Frau W. einfand, um sie auszuhorchen, war zweifellos von einer ganz anderen Stelle geschickt worden. Ihm war es darum zu tun.„Material" zu be- schaffen, durch das sich„beweisen" ließe, daß der Ausländer W. sich „lästig" gemacht habe. W. ging mit der Ausweisungsorder zunächst zu seinem HauS- Wirt, um den davon in Kenntnis zu fetzen, daß er raus müsse. Gleichzeitig schilderte er, wie jener Fremde bei ihm spioniert habe. „Ei. der war ja auch bei mir!" rief da der Hauswirt. Und nun erst erfuhr W., daß damals an genau demselben Tage um un- gefähr dieselbe Zeit ein Mann auch bei dem Hauswirt vor- gesprochen habe, um über W. Erkundigungen einzuziehen. Der Fremde habe dabei erzählt, W. treibe sich nachts umher, prügele seine Frau, und so weiter. Der Wirt habe ihm ge- antwortet, wer das sage, der sei ein Lügner; er selber wisse ans eigener und genauer Beobachtung, daß W. in glücklicher Ehe lebe uud immer am Tage ausgehe und zwar mit Weib und Kind. Die Beschreibungen, die Frau W. und der Hauswirt von den beiden Be« uchern gaben, stimmten ziemlich überein. Handelte eS sich um eine und dieselbe Person? Gegen die Ausweisungsorder appellierte W. an den Ober« Präsidenten, aber das half ihm nichts. In Preußen müssen die paar Glücklichen, die bisher die Zurücknahme einer AusweisungS« order erzielt haben, mit der Laterne gesucht werden. W.S Einspruch wurde abgewiesen. Als die ihm gnädigst noch bewilligte Frist ab- gelaufen war, mußte er sein Bündel schnüren und mit Weib und Kind sich außerhalb der schwarzweißen Grenz- pfähle eine neue Heimat suchen. Womit hat er in Preußen sich lästig gemacht? Sie haben's ihm nicht gesagt; aber— keine Antwort ist auch eine Antwort. Die Heiligkeit der Ehe. Mit breitem Behagen erzählt die bürgerliche Sensations» presse jetzt Tag für Tag pikante Ehegeschichten aus der vor- nehmsten Gesellschaft von Berlin WW. Gestern war es ein bekannter Lebemann, der als neugebackener Millionärs- schwiegersohn mit seiner jungen Frau die Hochzeitsreise antrat. in Paris und Monte Carlo das Geld des Schwiegervaters mit vollen Händen ausstrettte und es auch im übrigen so toll trieb, daß die ihtn eben erst angetraute junge Gattin allein zu ihren Eltern nach Hause reiste und niemals wieder den Herrn Ge- mahl auf einer Reise begleiten will. Heute delektiert man sich an einer„sensattonellen Liebesaffäre aus den ersten Berliner Gesell- schaftskreisen", die die Gattin eines bekannten Berliner Groß- kaufmanns betrifft, die mit ihrem Herzensfreunde, einem gleichfalls den ersten Berliner Gesellschaftskreisen angehörenden Juristen, dem sie schon seit längerer Zeit in Liebe angehörte, unbekannt tvohin verreist ist. Es fiele uns gar nicht ein, den sich tagtäglich darbietenden Schmutz aus der Hautevolee auch nur mit einem Worte zu erwähnen, wenn diese Kreise der satten Tugend nnd zahlungsfähigen Moral nicht die gleichen Leutchen repräsentierte, die nicht genug über die die Ehe und Familie untergrabende Sozialdemokratie zu zetern wissen. Ist unsere Polizei prüde? O b sie eS ist! Sie steht in dem Ruf, sogar ein bißchen zu prüde zu sein. Wirklich hat sie in ihrem pflichtgemäßen Eifer, das„Schamgefühl" zu behüten, mitunter schon die„tollsten Sachen" gdmacht. Indes, sie kann auch andres. Sie kann unter Umständen sogar tolerant sein gegen„Anstößig- leiten", die fast einem„Normalmenschen" wtder den Strich gehen. Wir werden darauf aufmerksam gemacht, daß auf dem Hofe des Grundstückes Alexander st raße 57(Ecke Königsgraben) sich eine R e t i r a d e befindet, die durch keine Tür ge« schützt ist. Wer sie benutzt, der steht sozusagen auf dem freien Hof. Bei Gelegenheit haben wir uns überzeugt, daß eS in dieser Rctirade in der Tat ganz unmöglich ist, sich vor den Blicken de> über den Hof gehenden Personen zu bergen. Anscheinend wird dieser Winkel besonders von den Gästen einer Kelltterittttenkneipe benutzt, die in dem Hause betrieben wird. Das interessanteste dabei ist, daß auf dem Grundstück sich auch ein Polizeibureau befindet. Wir können uns nicht denken, daß noch nie einer der zahlreichen Polizei« beamten, die hier ein- und ausgehen, den Zustand der Retirade be« merkt haben sollte. Aber offenbar finden sie nichts dabei. Nun, uns soll's recht sein, wenn die Berliner Polizei ansangen will, sich ihre Prüderie abzugewöhnen. Hoffen wir, daß sie sich nicht daran genügen läßt, solche Unbefangenheit nur gegenüber dieser Retirade zu be« tätigen.__ Gerüsteiiisturz am Neubau des OperettetttheaterS. Schweres Unheil richtete gestern mittag am Schiffbauerdamm 25 der Einsturz eines großen LastkraneS an. Vier Arbeiter und ein Droschkenkutscher wurden hierbei zum Teil schwer verletzt. Außerdem wurde ein Pserd erschlagen. Ueber den bedauernswerten Unfall er- fahren wir folgende Einzelheiten: Ans dem genannten Grundstück wird daS Neue Operetten« t h e a t e r aufgeführt und sind die Fundamente bereits fertiggestellt. Die ganze Baufront entlang ist ein großes eisernes Krangerüst von etwa dreißig Meter Länge errichtet, da? in der Mitte den 29 Meter hohen Kran trägt. Der größte Teil dieses Gerüstes samt dem Krane stürzte nun gestern mittag ll'/z Uhr nach der Wasserseite hin ein. An jener Stelle ist aber ein Droschkenhalteplatz, der stark mit Droschken besetzt war. Der Kutscher B ö l ck e, der in seiner Droschke 5732 saß, sah das Krangerüst plötzlich wanken, sprang zum Wagen heraus und rettete sich dadurch. Allerdings erhielt er noch von einem herab« fallenden Eisenstück einen Schlag gegen den Leib, doch ist die Verletzung nicht gefährlich. Das Pferd der hinter ihm haltenden Droschke Nr. 195 wurde von einem Eisenbalken derart getroffen, daß es in einer großen Blutlache zuckend liegen blieb. Um daS arme Tier von seinen Qualen zu erlösen, erschoß man es bald darauf. Unter den Trümmern lagen vier Arbeiter begraben. Zuerst gelang eS, den Maschinisten Gustav Junghuhn zu befreien. Er hatte neben Beinbrüchen noch schtvere innere Verletzungen davongetragen. Nach längeren Bemühungen konnten auch die drei anderen Verunglückten hervorgezogen werden. Sehr schwer verletzt war nur noch einer, nämlich der Metallarbeiter Julius Ließmann ans der Hagenauerstr. 11. Die beiden anderen Arbeiter, deren Namen noch nicht feststehen, kamen mit leichteren Ver« letzungen dckvon. Alle vier fanden auf der nächsten Unfallstation die erste Hülfe. I u n g h u h n und L i e ß m a n n wurden dann nach der C h a r i t b geschafft. Die herbeigerufene Feuerwehr brauchte nicht weiter in Tätigkeit zu treten, da alle Personen schon gerettet waren. Der Bau blieb einstweilen polizeilich gesperrt. Den Aufbau des Kranes hat die Kranbaugesellschaft m. b. H. V o ß u. W o lt er, Koloniestr. 76, vollziehen lassen. Ob hierbei etwa fahrlässig ge» handelt tvorden ist oder ob andere Ursachen den Einsturz herbei« geführt haben, muß erst die eingeleitete Untersuchung ergeben. Nach einer anderen Meldung sollen zwei Personen gelötet worden sein. Als Ursache deS beklagenswerten Unfalles wird angegeben, daß das Mauerwerk, auf dem der hohe Eiscnkran ruhte und an dem eS verankert war, nicht fest genug gewesen sei. Ist diese Mitteilung über die Ursache deS Unglücks richtig, so würde dem Unternehmer deS Baues ein schwerer Vorwurf treffen. Der Bau, der noch im Grunde ist, wird von der Firma Fränkel aufgeführt, die sich Akkord- maurer geholt hat. Damit hätte den» die mörderische Akkordmauerei wiederum ein schweres Unglück mehr auf ihrem Schuldkonto. Die AuSstellutigSleltung der„Darnuka" wendet sich nunmehr, wie vorauszusehen war, gegen die auf der Protestversammlung von Ausstellern gefallenen Anschuldigungen. In der gestrigen Protestversanunlung wiederholte Herr Winter» feldt, der Vorsitzende deS AuSstellerauSschusseS. daß seine Behauptungen betreffend der Verwendung von 399 999 M. fremder Gelder auf Wahrheit beruhten. Dieser Behauptung trat jedoch daS Vorstandsutitglied der AusstellmigSleilung, Herr Werner mit den Worten entgegen, daß diese Behauptung„eine gemeine Lüge" sei, während Herr N c u b e r g vom Finanzausschuß sogar die Richtigkeit der Wernerschen Erklärung eidlich zu bezeugen sich bereit erklärte. Wahr- scheinlich hielt auch der im AuSstellelvorstande sitzende Herr Oberst« leutnant v. Rabenau d!e Verdächtigungen WinterfeldtZ in der vergangenen Protestversammlnng für nicht nnbedcnklich, da er riet, mildere Maßnahmen zu ergreifen und solch„ernste Dinge" nicht zur Kenntnis der Oeffentlichkeil gelangen zu lassen. Die Ansstellungs- leitung hat sich von Herrn Oberstleutnant V.Rabenau eine schriftliche Erklärung geben lassen, worin dieser bestreitet, daß jene Aeutzerungen, wie sie berichtet wurden, zutreffend seien. Der Bericht- erstatter müsse sich„verhört" haben. Mündlich sagte er gestern, daß seine strittigen Ausführungen jedenfalls„sinngemäß" so gelautet hätten, wie in seinem oben erwähnten Schriftstück ausgedrückt sei. Der neue Berlhter Polizeiobcrst. Der Polizeimajor Paul Hofft ist vom Kaiser zum Polizeioberst und Kommandeur der Schutz- Mannschaft von Berlin als Nachfolger des Polizeioberst Krause er- nannt worden. An, einer Bootsfahrt ertrunken ist gestern nachmittag ein un- bekannter etwa Lbjähriger junger Mann. Er hatte sich bei einem Bootsverleiher am Müggelsee in der Nähe der Rahnsdorfer Mühle eiu Boot genommen und war auf den See hinausgefahren. Der Waghalsige, der ein schlechter Ruderer war, fuhr fast bis zur Hälfte des Sees hinaus. Durch eine unvorsichtige Bewegung kam dann das Boot zum Kentern. Der Insasse stürzte in die Fluten und er- trank. Das leere Boot wurde von Ruderern ans Land gebracht. Die Leiche konnte noch nicht gelandet werden. Es ist nicht aus- geschlossen, daß der Unbekannte selbst den Tod in den Wellen ge- sucht hat. Drei große Brände machten der Feuerwehr in letzter Nacht viel zu schaffen. In der Koppenstr. 90 stand der Dachstuhl des vier- stöckigen Eckhauses mit einem Eckturme in Flammen. Da die Nachbargebäude bedroht waren, so ging die Wehr sofort über mecha- nische Leitern hinweg mit vier Schlauchleitungen vor. Mit großen Anstrengungen gelang es zwar, das Feuer auf seinen Herd zu be- schränken, doch brannte fast der gesamte Dachstuhl mit den Bodenberschlägen nieder. Die EntstehnngSursache des Feuers konnte nicht aufgeklärt werden. Ein zweiter Dachstuhlbrand war Fruchtstr. 1 zu bekämpfen. Dort ging ein größere? Kartonlager, das im Dachgeschoß untergebracht war, in Flammen auf. Die zweite Kompagnie hatte längere Zeit mit mehreren Rohren Wasser zu geben, um des Brandes Herr zu werden.— Zur selben Zeit wurde die vierte Kompagnie nach der Ouitzowstr. 62 gerufen, wo ein gefüllter Heuboden auf noch nicht ermittelte Weise Feuer ge- fangen hatte. Auch hier hatte die Wehr fast zwei Stunden zu tun, um das Feuer abzulöschen. Vom Turmwagen auf den Straßenbahnwagen geschleudert. Glück im Unglück hatte gestern der Schlosser Max Berger aus der Berg- straße 27 bei einem seltsamen Unglücksfall. B. hatte auf einem Turmwagen gestanden, während er in der Hermannstraße an der Oberleitung der Straßenbahn Reparaturarbeiten ausführt«. Als der Motorwagen Nr. 1970 daheraefahren kam, gab der Fahrer dem Schaffner das Signal, die Kontaktstange herunterzuziehen. Der Letztere beachtete jedoch nicht das Signal, und der Turmwagen wurde durch die Kontaktstange zur Seite geschleudert. Das rechte Vorderrad ging in' Trümmer, und B. wurde von der beträchtlichen Höhe herabgeschleudert. Glücklicherweise fiel er aber auf das Dach des Straßenbahnwagens und dann auf den Straßendamm hinab. Dadurch hatte sich die Gewalt des Sturzes derartig ge« mildert, daß der Verunglückte nur äußere Verletzungen davontrug. Ueber lebensgefährliche Zustände in den Häusern Danziger- straße 3/4 konnten wir in Nr. 95 berichten, und nach zirka drei Wochen feststellen, daß unser Bericht die Polizei veranlaßt habe, dem Herrn Hauswirt der genannten Häuser den Auftrag zu erteilen, schlennigst für Abhülfe zu sorgen. Es waren bekanntlich die beiden Eingänge zu den Häusern zu einer schmalen Einfahrt umgebaut worden und nunmehr sollte der alte Zustand wieder hergestellt werden. Sieht man fich jedoch die Geschickte etwas näher an, so muß man staunen, welche Rechte sich ein HauSagrarier, und noch dazu ein pensionierter Ministerialbeantter herausnehmen kann. An dem Bau des Aufganges zu Nr. 3 ist überhaupt noch kein Finger gerührt, und der Umbau deS Aufganges zu Nr. 4 liegt seit der Aussperrung der Bauarbeiter vollständig still. Die Art deS Um- baue? mutz jedoch bei jedem Fachmann Kopffchütteln erregen und fordert ganz energisch, daß um dessen Ausführung fich die Baupolizei etwas besser als bisher kümmert. Der Ein« gang zu Nr. 4 ist zu einem Goldwarengeschäft um- gebaut. ES wird mm die hinter diesem Geschäft gelegene Destillation so umgebaut, daß neben dem Restaurationsgeschäft der Eingang zu den Treppen des Vorderhauses hergerichtet wird. Zu diesen, Zwecke sind bereits von den Pfeilern auf jeder Seite etwa 30 Zentimeter weggestemmt worden, so daß der Pfeiler zur linken Hand nur noch etwa die Stärke der Brandmauer hat und nach dem Goldivarengeschäst zu noch zirka 30 Zentimeter übrig bleiben. Die Polizeivorschrift besagt nun, daß ein jeder Träger nnndestens 10 Zoll Auflage haben mutz und glaubt der betreffende Hauseigentümer, daß es genüge, wenn der Träger, der die ganze Last des fünfstöckigen Hauses zu tragen habe, zehn Zoll auf freihängendem Gestein aufliege. Daß dadurch die Gefahr deS HauSeinsturzeS heraufbeschworen wird, daran denkt der Herr wohl nicht. Inzwischen besteht für die HauS- bcwohner wie für die Beamten des Postamts 53 die Lebensgefahr ruhig weiter. Wenn dreist der Umbau in der gedachten Weise schon fertiggestellt wäre, so würde dadurch die Gefährlichkeit dieser Menschenfalle eher noch erhöht werden. ES müßten nämlich alle diejenigen, welche zu den Treppen von Nr. 3 gelangen wollen, oder nach dem Hofe gehen, doch wieder die Einfahrt benutzen; gar aus dem etwa 4 Meter langen dunklen Flur eine Tür auS dem Goldwarengeschäft nach außen auf, so kommen Passanten in Gefahr, bei etwa? schnellem Oeffnen sehr leicht an den Kopf gestoßen zu werden. Das Verbandsbuch der Maurer(Zentralverband) Nr. 2346 ist an der Grunewald- und Potsdamerstraße(Ecke) verloren worden. Der Finder wird um Abgabe gebeten an Maurer Pollnow, Bastian- straße 2. Ouergebäude II. Beim AuSflug deS poln. foz.-dcm. DiskiitierkluVS zn Rixdorf ist Sonntag, den' 16. d. M., ei» Kinder-Jackett in der Königsheide ge« fanden worden. Abzuholen beim Gen. R. KraSzewSli in Britz, Bürgerstr. 57», v. III. Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird am Sonnabend noch einmal eine 5tachmittagSvorstellung zu kleinen Preisen statt- finden und zwar gelangt der Vortrag„Durch Dänemark und Süd- ichwcden" zur Wiederholung. Abends wird der Vortrag„Bon der Zugspitze zunr Watzmann" wiederholt und am Freitag der Bortrag »Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat". Gesperrt ist die Neue Promenade— vom Hackeschen Markt bis zu ihrer Einmündung in dre Burgstraße— umfangreicher Straßen- vahnarbeiten halber.____ Vorort-JSadmchtcn. Charlottenburg. In der Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung vom Mittwoch wurde der größte Teil der Sitzung durch die Besprechung der sozialdemokratischen Interpellation über den Kampf im Baugewerbe ausgefüllt. Die vom Genossen Vogel begrün- dete Interpellation richtet an den Magistrat die Frage, ob es ihm bekannt ist, daß die Bauarbeiten an den Bauten der Höheren Töchterschule in der Danckelmannstraße und der Feuerwehr in der Suarezstraße infolge der Arbeiteraußsperrung im Baugewerbe gegenwärtig ruhen, und ob er Vorsorge zu treffen gedenkt, daß die hierdurch drohende Versäumnis der Frist zur Fertigstellung dieser dringend notwendigen Gebäude nicht zur Tatsache wird. Nachdem Genosse Vogel auf die Notwendigkeit der Fertig- stellung der Bauten hingewiesen hatte, gab Stadtbaurat S e e l i n g UN Namen des Magistrats die Erklärung ab, daß der Magistrat sich von bornherein auf den Standpunkt gestellt habe, daß, nachdem die Arbeitnehmer den Spruch deS Einigungsamtes abgelehnt haben, den Arbeitgebern die im Vertrag vorgesehenen Erleichterungen zu gewähren seien. In der Besprechung ergriff zunächst Ctadtv. Hirsch(Soz.) das Wort, der die Haltung des Magistrats einer scharfen Kritik unterzog. Der Magistrat habe einseitig den Standpunkt der Unter- nchmer vertreten; anstatt sich neutral zu verhalten und sich in den wirtschaftlichen Kampf nicht einzumischen, gab er den Arbeitern von vornherein Unrecht und konime den Unternehmern entgegen. Es sei richtig, daß die Arbeiter den Schiedsspruch nicht angenommen und sich dadurch scheinbar ins Unrecht gesetzt hätten, aber nur scheinbar, denn man dürfe nicht vergessen, daß die Arbeitgeber durch die strikte Ablehnung, über eine Verkürzung der Arbeitszeit zu verhandeln, die Arbeitnehmer schwer gereizt hätten. Die Arbeit- geber hätten die Aussperrung inszeniert, obwohl die Arbeiter gar nicht an eine Arbeitseinstellung gedacht hätten. Man müsse der- langen, daß die Stadt entweder in eigener Regie die angefangenen Bauten vollende, zum mindesten aber, daß sie die Unternehmer regreßpflichtig mache. Ueber die Haltung des Magistrats wundere er sich nicht; von einer Körperschaft, deren Mitglieder von einer ans Grund des plutokratischen Drciklassenlvahlsystcmö zusammengesetz- ten Körperschaft ernannt seien, könne man nicht erwarten, daß sie gegen die Interessen ihrer eigenen Klasse handele. Bürgermeister M a t t i n g bestritt, daß der Magistrat sich in den wirtschaftlichen Kampf eingemischt habe; es stehe fest, daß daS Einigungsamt gesprochen und daß die Arbeitnehmer sich nicht ge- fügt hätten. Tie Arbeiter hätten dadurch eine Situation ge- schaffen, die eS den Arbeitgebern wirffchaftlich unmöglich mache, weiter arbeiten zu lassen. Die dadurch eingetretene Situation habe eine frappante Achnlichkcit mit einer lorce majeure(höheren Gewalt). Der Magistrat habe sich lediglich dem Spruch deS Eini- gungsamtes gefügt; nicht er. sondern die Sozialdemokraten greifen in den wirtschaftlichen Kampf ein.(Lebhafter Beifall.) Stadtv. Dr. Spiegel(lib.) erklärte für seine Person, er könne sich der Ansicht nicht verschließen, daß die Unternehmer scharf vorgegangen seien; sie seien nicht zur Aussperrung gezwungen ge- Wesen, denn die Arbeiter hätten nach dem alten abgelaufenen Tarif ruhig weiter gearbeitet. Ebenso gut wie die Unternehmer vom 1. Juli ab wieder arbeiten lassen wollten, hätten sie auch bereits im Mai weiterarbeiten lassen können. Einen entgegengesetzten Standpunkt vertrat Dr. F r e n tz e l, der Fraktionskollege des Vorredners. Die Forderung, sich in den wirtschaftlichen Kampf nicht einzumischen, habe der Magistrat nicht erfüllen können, er mußte zugunsten der einen oder der anderen Partei seine Autorität und seine Machtmittel in die Wagschale werfen. Taffächlich habe höhere Gewalt vorgelegen, die Unter- nehmer hätten damit rechnen müssen, daß die Arbeiter den Streik erklären, und dem seien sie zuvorgekommen. Der Stadtverordnete Hirsch habe nur die Interessen der Arbeiter wahrgenommen(Zu- ruf des Stadtv. Hirsch: Und Sie die der Unternehmerl). Stadtv. Dr. B o r ch a r d t(Soz.) wies scharf darauf hin, daß vom Magistrat und den bürgerlichen Rednern wohl das Interesse der Unternehmer sehr warm vertreten werde, nicht aber das der Stadt Charlottenburg; dieses verlange strikte Jnnehaltung der Bau- fristen. Darüber jedoch setze sich der Magistrat ohne weiteres hinweg. Der Herr Bürgermeister habe für das Einigungsamt eine größere Autorität gewünscht; als aber vor kurzem von Unternehmer- seite, nämlich der Müllabfuhrgesellschaft, dem Sinne und dem Wort- laut ihres Vertrages entgegen das EinigungSamt überhaupt auS- geschaltet wurde, da habe man vom MagistratStisch nur Lobes- Hymnen für dieses Verhalten gehabt. Beim Magistrat also haben — das gehe aus diesem Verhalten deutlich hervor— die Arbeiter stets unrecht, die Unternehmer stets recht, und aus diese? Meinung folgen die Entschließungen des Magistrats, nicht auS der Erwägung, was im Interesse der Stadt notwendig sei. Ueber diese Tatsache Klarheit zu verbreiten, sei dringend notwendig. Nachdem die Stadtvv. Vogel und Hirsch wiederholt im Sinne der Interpellation gesprochen und Bürgermeister M a t t i n g sowie Stadtv. Dr. de Gruyter(lib.) nochmals das Vorgehen des Magistrats zu rechtfertigen versucht hatten, schloß die Be- sprechung. Die Debatte hat klar bewiesen, daß die bürgerlichen Parteien mit ganz vereinzelten Ausnahmen ebenso wie der Magi- strat sich als Sachwalter der kapitalistischen Interessen fühlen und daß die Arbeiter sich einzig und allein auf die sozialdemokratischen Vertreter verlassen können. Der Magistrat hat zwar die Aufnahme der Streikklausel in die Verträge abgelehnt, aber die Unternehmer brauchen nichts zu fürchten; er kommt ihnen genau so entgegen, als wenn die Streikklausel aufgenommen wäre. Mit der Vorlage betr. Vermehrung der Zahl der Magi st rat Smitglieder erklärte sich die Versammlung ein- verstanden. Es sollen ein neuer besoldeter Stadtrat und ein unbesoldeter sowie zwei weitere Magistratsassessoren angestellt werden. Die von uns bereits erwähnte Vorlage, worin der Magistrat mitteilt, daß er mit Rücksicht auf die Nichtgenehmigung der Dienst- anweisung von der Anstellung einer Jnspizientin für den HauS- haltungs- und Hausarveitsunterricht Abstand nehmen will, fand die Zustimmung aller Fraktionen. Allseitig wurde das Verhalten der Regierung, die den Unterricht schwer schädigt, aufS schärfste gemihbilligt. Von einer Beschwerde wurde wegen deren völliger Aussichtslosigkeit Abstand genommen, doch soll der Regierung mit- geteilt werden, daß sie die Folgen zu tragen habe. Nützen wird das natürlich auch nichts. Die sonstigen Vorlagen beanspruchen kein allgemeines Interesse. In der nächsten Sitzung, der letzten bor den Ferien, wird ein sozialdemokratischer Antrag zur Beratung kommen, der den Magi- strat ersucht, die Verfügung der Schuldeputation aufzuheben, durch die dem Arbciterturnverein„Freie Turnerschaft" die Turn- hallen der städtischen Volksschulen entzogen sind. Schöneberg. Die Stadtverordnetenversammlung hielt am Mittwoch eine außerordentliche Sitzung ab. Zur Beratung stand der Bericht des Ausschusses über die Besoldungsordnung für die Feuerwehrmänner und Feuer mannSanwärter. Der Ausschuh hatte empfohlen, der Magistratsvorlage, welche ein AnfangSgehalt von 1500 M. vorsieht, zuzustimmen. Von ver- schiedenen Seiten lagen Anträge vor, nach welchen der Magistrat ersucht wird, eine BetriebSkrankcnkasse für alle städtischen Beamten und Arbeiter mit einem Jahresvcrdienst von unter 2000 M. ein- zurichten. Stadtv. Oest reich(Lib.) beantragt, daS Anfangsgehalt auf 1600 M. zu erhöhen und steigend bis 2000 M. Er ver- weist dabei auf Wilmersdorf, wo schon jetzt ein AnfangSgehalt von 1650 M. gezahlt werde. Stadtv. K ü t e r(Soz.) wendet sich gegen verschiedene Bestimmungen der Dienst- und Bcsoldungs- ordnung. DaS Gehalt beantragt er mit dem der Beamten der Klasse V der Besoldungsordnung gleichzustellen, d. h. ein Anfangs. geholt von 1800 M. Redner wendet sich dann gegen die auch von den Liberalen gestellten Anträge aus Einrichtung einer Betriebs- krankenkassc. Die Antragsteller hätten sich damit ein Patent auf Rückständigkeit erworben. Ucberall strebe man danach hin, eine Zentralisation der Krankenkassen herbeizuführen, während hier eine Zersplitterung herbeigeführt werden soll. Die Betriebskrankcn- lassen sind nicht in der Lage, ihren Mitgliedern daS zu bieten, was in den Ortskrankenkassen geboten werde. Für die städtischen Arbeiter würde die Gründung einer Betriebskrankenkasse eine Verschlechterung bedeuten. Stadtv. G o t t s ch a I k(Lib.) tritt für die Gründung einer Betriebskrankenkasse ein. Kämmerer M a ch o w i c z wendet sich gegen den sozialdemokratischen Antrag, das AnfangSgehalt auf 1800 M. festzusetzen. Der Antrag geh« darauf hinaus, die ganze AesoldungSordnnng weiter hinauSzu» schieben, denn der Magistrat könne derartigen Anträgen auf keinen Fall stattgeben. Der Antrag bedeute ein über den Haufen werfen der ganzen BesoldungSordnnng. Die finanzielle Lage sei keines- wcgS günstig. Die Umsatzsteuer ist erheblich gegen die gemachten Ansätze in den letzten Monaten zurückgeblieben. Stadtv. Dr. Freund begrüßt die Einrichtung einer Bctriebskrankcnkasse und wirst dem Stadtv. Küter bor, daß er aus perjönlichen Jnteressm egen die Bctriebskrankenkasse auftrete. Redner ist auch heute noch er Meinung, daß ein großer Teil der Kranken der Ortskranken. kasse aus Drückebergern bestehe. Er weist dabei auf den Erlaß der Krankenkasse der Maurer an die Aerzte� hin. Stadtv. Lohausen(freie Fraktion) steht auf dem Standpunkt des Kämmerers und hält es für unverantwortlich, über die außer» ordentlich wohlwollende Vorlage des Magistrats noch hinauszugehen. Stadtv. 5r ü t e r(Soz.) wendet sich gegen die persönlichen An- griffe des Stadtv. Dr. Freund und sucht nochmals die mangelnde Leistungsfähigkeit der Bctriebskraittenkassen nachzuweisen. Er selbst ist 13 Jahre Mitglied einer Bctriebskrankcnkasse gewesen. Stadtv. Bartelt hält ebenfalls die MvgistratLvorlage für ent- gegcnkommcnd genug, weitergehende Forderungen entsprechen nicht der LeistunaSfähiglcit.— Der sozialdemokratische Antrag(1800 M. AnfangSgehalt) wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt, abgelehnt wird ferner mit Stimmengleichheit der Antrag der Liberalen(1600 M. AnfangSgehalt) und die Magistratsvorlage(1500 M. An- fangsgebalt) darauf mit den übrigen Bestimmungen angenom- m e n. Die Anträge aus Einrichtung einer BetriebSkrankenkasse werden einem Ausschuß überwiesen. Eine Petition der Arbeiter des städtischen Pumpwerkes verlangt die Verkürzung ihrer Arbeitszeit bis auf 9 Stunden täglich. Da der Magistrat diesem Wunsche in- zwischen von selbst Rechnung getragen hat, wird die Petition als erledigt angesehen. Stadtv. B ä u m l e r(Soz.) benutzt die Ge« legenheit, den Magistrat für die Durchführung der gemeinsam gefaßten Beschlüsse verantwortlich zu machen. Trotzdem vor Jahresfrist beschlossen sei, für die städtischen Arbeiter die neun- stündige Arbeitszeit einzuführen, habe man es nicht für nötig gehalten, den Arbeitern der Pumpstation diese Verkürzung eben- falls zu gewähren. Dort sei zum Teil bis zu 84 Stunden wöchentlich gearbeitet. Bedauerlich sei es, daß erst die Arbeiter petitionieren mußten. Redner verlangt, daß auch trotz der jetzt eingetretenen Arbeitszeitverkürzung keine Lohnrcduzierung statt- findet. Eine Petition der Lehrerinnen um Erhöhung ihrer Be» soldungen ist zurückgezogen worden. Tie Petition des Arbeiter-Turnvereins um Ueber, lassung einer städtischen Turnhalle wird dem Magistrat zur Berück» sichtigung überwiesen. Eine längere Debatte brachte der Antrag des Magistrats, der hiesigen Barbier«, Friseur- und Perückenmachcr-Zwangsinnung eine einmalige Beihülfe von 200 M. zu gewähren. Während von sozialdemokratischer Seite die Ablehnung dieses An» trage? verlangt wurde, beantragte der Stadtv. Kunze(Haus» besitzerfraktion) die Erhöhung dieser Summe auf 400 M. Angenommen wird sodann der Antrag Kunze und ein weiterer An- trag, die Zwangsinnung zu ersuchen, die Lehrlinge ihres Gewerbes nach der städtischen Fortbildungsschule zu schicken. Tie übrigen Punkte mußten wegen der eingetretenen Be- schlußunfähigkcit vertagt werden. Steglitz, Friedenau und Umgegend. Arbeiter-Bildungsschule. Am heuttgen Abend muß der Unterricht in Geschickte aussallen, da der Bortragende am Erscheinen ver- hindert ist. Wird später nachgeholt. Weihensee. Ein schwerer Aiitobilunfall hat sich gestern in der Lothringen« straße zugetragen. Der in der Parkstr. 96 in Weißensee wohnhafte Arbeiter Karl Kühlmann hatte an der Haltestelle einen Straßenbahn» wagen verlassen und wurde in dem Moment, als er nach dem Bürgersteig schrftt, von einem vorübcrkommendcn Automobil um» gerissen und überfahren. Der Verunglückte erlitt bei dem Unfall so ichwere Verletzungen, daß er in daS Auguste Viktoria-Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Hohen-Schönhausen. In der letzten Gemeinbevertreterfitzung tadelte Genosse Thiele die vom Gemeindevorsteher neu eingeführte Geschäftsordnung, nach der ein zur Beratung gelangender Antrag von einem Viertel der Gemeindevertreter unterfchneben sein muß. In seinen AuS- führungen erklärte Genosse Thiele, daß eS ihm durch die Geschäfts» ordnung unmöglich gemacht sei, als einziger Vertreter der Arbeiter die Wünsche derselben zu vertreten. Der Gemeindevorsteher ver» sprach, wieder nach der alten Geschäftsordnung zu verfahren. Nunmehr kam ein Antrag des Genossen Thiele, die Gemeinde» Vertretung um drei Mitglieder und einen Schöffen zu vermehren, zur Verhandlung. Schöffe GenSler, der gegen diesen Antrag sprach, meinte, daß eine Vermehrung nicht notwendig sei, denn die Gemeinde hätte jetzt einen Schreiber, der bis spät abends und auch Sonntag» arbeite. Bei der Abstimmung siel der Antrag mit 8 gegen 3 Stimmen. Interessant ist, daß einer der bürger- lichen Mitantragsteller eS nicht für nötig hielt» für seinen Antrag zu stimmen. Potsdam. In dem Dorfe Linde bei Schönkließ ertränkte sich die 21jährige Tochter des Bauern Radtke. Zur Sicherheit band sich die Unglück» liche einen schweren Stein um den Hals und sprang in einen hinter dem Hause ihres Vaters befindlichen Pfuhl. fitos der frauenbewegung. Frauenarbeit in Amerika. Nach einem vor kurzem e» schienenen Bericht des Zensusbureaus in Washington befinden sich unter den 303 Gewerben, welche in den Vereinigten Staaten als Broterwerb betrieben werden, nur 9, in welchen das weibliche Geschlecht noch nicht vertreten ist. In den Gewerben, in welchen seit jeher Frauen betätigt waren, wie Hausarbeit, Klcidermachen, Putzmachcn, Textilindustrie, Lehrer usw. sind die Frauen am stärksten vertreten: aber auch Arbeiten, die bis vor wenigen. Jahren als etwas ganz Unmögliches für Frauen galten, werden jetzt von Frauen ausgeübt. So ersehen wir auS den Angaben de? Berichts, daß es in den Vereinigten Staaten nicht weniger als 120 werbliche Cisenbahnbeamte gibt; Billettverkäuserinncn nicht mitgerechnet. 42 Frauen sind Kutscherinnen, 6 Schiffsbauerinnen, 2 Dach- deckcrinnen, 185 Schmiede und 508 Maschinistinnen. Den Beruf des Lotsen haben 5 Frauen erwählt. Während der zwanzig Jahre von 1880 bis 1900 hat sich die Zahl der erwerbstätigen Frauen in den Vereinigten Staaten verdoppelt. Schon im Jahre 1900 waren 4 833 630 Frauen erwerbstätig. Von diesen waren 44 Proz. unter 26 Jahren und 85 Proz. derselben waren unverheiratet. Aber auch die Zahl der erwerbstätigen verheirateten Frauen nimmt stetig zu. 55 Proz. aller geschiedenen Frauen ernähren sich vollständig oder doch teilweise selbständig. Versniuinlnngen— Veranstaltungen. Berlin. Montag. 24. Juni, 8'/� Uhr im Neuen Klubhaus, Kam» mandantenstr. 72: Generalversammlung, Genelns-Deining. Versammlung ober Sitzung? Das Gewcrkschaftökartell von Wanne hatte im vorige:. Jahtt. eine Sitzung abgehalten, in der über die Fortführung des Boykotts über eine Gastwirtschaft verhandelt wurde. Hadamitzki und Gen., Einberufer und Redner, wurden in zweiter Instanz vom Land- gericht Effen auf Grund der ßs 1 und 12 des BcreinSgesetzeS zu Geldstrafen verurteilt, weil es sich hier um eine nicht angemeldete. aber anmeldepflichtige Versammlung handele, in der öffentliche An- gclcgenheiten erörtert werden sollten. Den Einwand der Angeklagten, daß die Sitzung eine? Gewerkschaftskartells überhaupt keine„Ver- sammlung" sei, ließ das Gericht nicht gelten. Es meinte, der Be- griff der Sitzung schließe den Begriff der Versammlung nicht auS. Unter den Begriff der Versammlung im vereinsrechtlichen Sinne falle auch eine Sitzung, sobald sie unter Teilnahme einer größere» Zahl von Personen stattfinde. Tas wäre hier der Fall gewesen, denn 20 Teilnehmer seien eine nicht zu kleine Zahl. Es sei ferner anzunehmen, daß die Versammlung der Erörterung öffentlicher Au- gelegenheiten habe dienen sollen.— Tie Angeklagten legten Revision ein und rügten Verkennung des Begriffs der Versammlung.— Der erste Strafsenat des Kammergerichts hob dann auch die Vor- entscheidung auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht zurück. Es sei ein Rechts- irrtum, wenn das Landgericht meine, eine„Sitzung" entwickele sich zu einer„Versammlung" dadurch, daß sie von einer größeren Zahl von Personen besucht werde. Ta sich nicht ersehen lasse, ob nicht dieser Irrtum die ganze Auffassung von der Sache verschuldet habe, so müsse das Urteil nebst den tatsächlichen Feststelluligen aufgehoben werden, damit das Landgericht sich nochmal damit beschäftige. Ein Sittlichkeitsapostel. Der katholische Pfarrer Josef Fnch-Zberger hat als S7 jähriger mehrfache Sittlichkeitsverbrechen an Schulmädchen begangen. Das Landgericht in Augsburg verurteilte ihn deswegen unter Annahme mildernder Umstände zu zwei Jahren Gefängnis und drei Jahren Ehrenrechtsverlust,_ Termifcbtcs. Opfer des Kapitalismus. Eine Reihe Unglücksnachrichten, denen zufolge Arbeiter in AnS- �bung ihre» Berufes getötet resp. schwer verwundet wurden, sind auch heute wieder zu melden. So explodierte auf der Schiffswerft Weber». Libbertz in Rendsburg auf der Jacht„Libelle", die an der Kieler Woche teilnehmen sollte, der Motor. Dabei haben beide Inhaber der Werft sowie drei Arbeiter sehr schwere Brandwunden erlitten.— Wie aus Dortmund berichtet wird, wurden durch hereinbrechendes Gestein auf Zeche„Minister Stein" ein Bergmann erschlagen und zwei schwer verletzt. — Auf Zeche„Mont CeniS" stürzten zwei Bergleute in ein 70 Meter tiefes Abhau und blieben tot.— In den Skodawerken in Pilsen wurden durch eine Kesselexplosion zwei Arbeiter getötet, andere mehr oder minder schwer verletzt. Eine große Ueverschwemimmg ist, wie aus Athen gemeldet wird, in T r i k a l a eingetreten. Die Zahl der Opfer beträgt etwa hundert Personen. Durch die Ueberschwemmung sind die Verkehrsverbindungen teilweise unter- krochen. Durch vorzeitiges Oeffne» der Wegeschranketl wurde gestern nachmittag 123/4 Uhr auf dem westlich des Bahnhofs Wustermark gelegeneu Ueberwcge ein Langholzfuhrwerk von dem Schnellzug 103 fSteudal— Berlin) überfahren. Die Pferde wurde getötet, der Wagen zertrümmert und der Kutscher leicht verletzt. Ein Racheakt. In Bad G a st e i n tötete gestern ein aus Preußen gebürtiger Bahnarbeiter auZ RaSe zwei Kameraden und verwundete vier lebenSgefthrlich. Der Mörder wurde verhaftet. Sozialdemokratischer Lese- mid TiSkutierklub„Joliann Jaeoby". Heute abend 8'/, Uhr bei vuage, Kastanien-Allee S5: Sitzung. Berein der Lehrlinge, jugendlichen Ardeiter und Ardeitcriuneu Berlins und!!in«c»eud.(«dleilung XIII.) Sonnabend, den 2tz. Juni, abends 8 Ubr, Dersammiung bei tldols Meyer, Lderbergerstr. 39. Zeutralverdand der HasdluuaSgehülseu und Gehülfiunen Deutschlands. Bezirk Berlin. Heute abend v Uhr im Ncstaurant„Renes Klubhaus", Kommandantenstr. 72: Mitaliederversammlung. Vortrag über „Friy Reuters Leben und Wirken" mU Rezitationen, Referent: Karl Pageis. Gäste willkommen. Berliner Marktpreise. An» dem«urilichen Berich! der städlliide» Markthallen-Dieektion.(Erobbanbel.) Nindfieisch ln 67—69 pr. 100 Pfd., IIa 61 66, nu 56- 57, Bullensleisch I. 63-67, IIa, 53-61, Stühe, fett 49—57, do. mager 37—47, Fresser 50-62, Bullen, dän. 0,00, do. Holl. 0,00. Kalbfleilch, Dvppcllciider 95—115, Mastkälber I» 80-86, IIa. 68-78, ITU 0,00, Kälber gcr, gen. 45-60, do. Holl. 0,00, dän, 0,00. Hammelileiich Mastlämmer 74—78, I» 69—72, IIa 62-68, Schafe 59-62. Schiv-inesseilch 18-56. Rehwild la per Pfund 0,65-0,80. IIa 0,40-0,60. Rotwild. Abschuß la 0,55-0,59. Damwild, Abschuß 0,00. Wildschweine 0,43, Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stück 0,50. Hübuer. alle, per Stück 1,30—2,00, Na 0,80—1,20, do. junge 0,50—0,80. Wolga- Hühner 0,00. Tauben 0,30—0,50, italienische 0,00. Eulen per Sick. 1,00 bis 2,00, dito Eis- per Stück 0,00, do. Hamburger per Stück 1,75—3.25,»Sältie per Pfd. 0,70—0,78, do. per Stück 2—4,50, do. Hamb., pr. Stck. 2,00-4.50, do, Oderbrucher pr, Stck. 2,00-4,25. Poulets 0,50-0,80. Hechte per 100 Pfund 68—81, matt 67, dito klein 0,00—0 00, dito groß 0,00. Zander 0,00. Schleie, klein 0,00, dilo groß 60—61, do. CO— 83. Aale, groß 112—122, do. klein und mittel 0.00, mittel 93—115, uni, 71—87, do. klein 0,00. Plätzen 0,00, do. klein 0,00, do. matt 0,00. Roddow 46. Bleie, klein 48—58, stumpf 0,00. Bunte Fische 54— 56. Börse 73, do, matt 0,00. Karauschen 45-76. Bleisische 0,00. Weis 0,00. Zlland 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lach» la neuer, per 100 Pfd. 110—130, do. Ha neuer 90—100, do. ITa neuer 40. Seelachs 10—20. Sprotten. Kieler, Wall 0,00, Dauliger, Kiste 0,00 Flundern. Kieler, Stiege la 3—6, mittel per Kiste 1—2, Hamb. Stiege 4— 6, halbe Kiste 2—3, pomm, Ta Schock 4—3, IIa 0,50—2,50. Bücklinge, Kieler per Wall 2—2,50, Swaii. 2—3. Aale, groß per Pfd. 1,10—1,40, mittelgroß 0,80-1,10, Nein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5-9. Schellsische Kiste 3,00-5,00,>/, Kiste 2-2,50, Kabliau, aeräuch. per 100 Pfd. 15—20. Dorsch, Kiste 2,50-3,00. Goldfifche, Schock 2—15. Sardellen. lS02er per Anker 98, 1904er 93, ISOöer 98, l 906er 90—95. Schottische Bollberinge 1905 0,00, largo 40-44, füll. 38—40, med. 36—42, deutsche 37—44. Heringe, neue MatjcS, per'/, To. 50— 120. Sardinen, russ., Faß 1,50—1,60. Bratheringe, Büchse<4 Liter) 1,25-1,50, Neunaugen, Schocksaß 11, klein 5— 6, Niesen- 14. Eier, Land-, unsort. Schock 2,75— 3,00, gr. 3,50. Butter per tOOPsb. la 106-110. IIa 103-106, lila 100—102, absalleude 90—95. Saure Gurken Schock 4,50. do. neue 6—3. Pjessergurken 4,50. Skartosseln per 100 Piund maauum bonrun 3,50— 4,00, Dllbersche 3,50— 4,00, Rose» 0,00, weiße 3,25—3,75, Salaikarloffeln 0,00. Spinat per lOO Pjund 8—10, Karotten, hiesige, Schock-Bund 4,00— 6.00. Sellerie, hiesige, per Schockbund 2,00—3,00, do. pomniersche 0,00. � Zwiebeln große, per 100 Psund 0.00, do. kleine 0.00, do. hiesige(Perl.) 0 00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün. Schockbund 0,80—1,00. Kohlradi Schock 0,60—1,25. Zieliia. bayr., neue Stück 0,12—0,16. Mohrrüben Schockbd. 3,00—5.00. Teltower Rüben per 100 Pst. 0,00. Weiße Rüben, große 0,00, lleine 0,00. Rote Rüben 0,00. Blumenkobl, holländischer per Kops 0,10—0,25. Kohlrüben per Schock 0,00—0,00. Wirsingkohl Holland., per Schock 6-8. Rotkohl Holland., per Schock 0,00, Weißlohl, dän. per 100 Psd. 0,00. Noselikohl per 100 Pst. 0,00. Sprulkohl per 100 Psimd 0,00. Rhabarber 100 Bund 0,60—3,50, Bergedorfer per 100 Bund 0,00. Morcheln per Psund 0,00. Snndmorchcln per 100 Psd. 0,00. Waldmeister per Mandel 0,30—0,45. Radieschen per Schock 0,50-1,00. Salat per«chvck 0,60— 1.7a, Svarael la 100 Psd. 20-28, do. IIa 10—15, do. lila 1—8, do. unsort. 0 00, do. Beelitzer In 26-35, do. Beelitzer IIa 12-20, do. Beelitzer lila 5—10. Stachelbeeren, grün, per 100 Psd. 8—12, Holl. 7—10 Erdbeeren, stanz.. 50 Kg. 20— 60, dito Holländer Korb 0,40—0,50, dito 50 Kg. 20—70, do. Dresdener, Kanne 0,30—0,60, do. hiesige 50 Kg. 25—60, do. Beelitzer, 60 Kg. 0,00, do. Werdersche, 50 Kg. 0 00, Tangermünder 0,00, Walderdbeeren 60—80. Kirschen, franz., tu Kisten von zirka 1 Kg. Kiste 0,00, do. ital., 50 Kg 15-25, do. Gubener. 50 Ka 15—18, do. Schles. 50 Kg. 8—18, do, Heidelberger, 50 Kg. 0,00, do Werdersche 50 Kg. 12—16. Ztlrouen. Messina, 300 Stück 9,00—12,00. 360 Stück 8,50-lst00. 200 Stück 6,00—12,00. Apfelsinen, Lassa, per Kiste 0.00, Murcia 200 er Kiste 0.00, do, 300 er 0,00. Valencia 420 er Kiste 18 00—25,00, do. 714 er 22—30,00. Messina, 100er 4—7,00, 150« 5_ g.oo, 160 er 8-13,00, 200 er 7,50—12,50, 300er 0,00, Blut- 100er 0,00, 156cc 0,00, 80er 0,00, 200 er 0,00. Wctter-Prognose für Freitag, den 81. Juni 1SV7. Veränderlich, vielfach wolkig mit Regenschauern und ziemlich srischep südwestlichen Winden; Temperatur wenig verändert, Berliner Wetterbur»au. Wassersland am 20, Juni vorm. Elbe bei Aussig— Meter, bei Dresden— 133 dp.— Elbe bei Magdeburg 1,24 Meter.— Oder bei Ralibor 1,36 Meter.— Oder bei Breslau— 1,20 Meter.— Oder bei Brieg 1,98 Meter.— Neltzemündung 1,37 Meter. KS Für de» Iuiiall der Inirrate übernimmt dir Nedaktion dem Publitum gegenüber teiucrlci Neraliltvortulig. Zheater. Freitag, d e n 21. Junt: Ansang VI, Uhr. Kgl. SchnuspielliauS. Wallensteins Lager. Die Piecolomini. Neues kgl. Opernthcater. Die Geisha. Ansang 3 Uhr. Schiller»».(Wallner-Theater.) Carmen. Schiller tV.(Friedrich Kilbelm- städtisches Tbeater 1 Kyritz-Pyritz. Deutsches. Der Jongleur. iUriueö. Ein idealer Gatte. Komische Oper. HossmannS Er- Zählungen. Weste«. Die lustige Witwe. Neues Schauspielhaus. Hopfen- raths Erben. Residenz. Habe» Sie nichts zu verzollen? Lllst'vielb.lils. Die Welt ohne MSiiiler. Thalia. Staatsanwalt Alexander. Luisen. DaS Rätsel seiner Ehe. Bernliard Rose. Der große Un- bekannte. Mrtropol. Der Teufel lacht dazu. Wiiltergaeteu. La Tortajada. Spezialitäten. Slpollo. Der lustige Witwer. Spe- zialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Falles Eaprice. Geiftnanto.— Paris. Passage« SpezinIIläten. Sieichshnlle». Stettin«: Sänger. »rainn. Ta»I>eniir»ste IK/41». Die■ Gletscher der Hochgebirge und die Eiszelt unserer Heimat. Klemes Theater. Zum 210. Male: Em idealer Gatte. Ansang 8 Uhr. Sonnabend: Gastspiel Frank Wcde- Nnd. Sonntag: Gastspiel Frank Wede- kind. Tlieater des Westens. Abends 8 Ubr: Die luadjc Witwe. Operette in 3 Allen v. Franz Lchär. Urania. Wissenschaftliches Tlieater. Abends 8 Uhr: Die(Msetier ßerBoclifieliirge M die Eiszeit anserer Heioiät. Täglich nachm. 5 Uhr: Große* > Militär-Doppel-Konzert.;• Eintritt 1 Mk., von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälckte. Luisen-Theater Relchenbergerstr. 34. Vorletzte Woche deS Schauspiels: Das Kiitsel semer Ehe Ansailg 8 Uhr. Sonntag, den 23. Juni, nachm. 3 Uhr, bei halben Preisen: tteinrick tieiae. 8 Uhr: Die bedeutende» Spe- zialttäten mit Jean Elements ZirkuS-Parodie Barnum u. Beileid. Abends g>/, Uhr: tm~ Ii arts teln mit seiner Burleske: Der lustige Witwer. 1. Bild: Tas'letz'e Mal. 2. Bild: Die Folgen davon. zicßkiu-Tlw!«. Direktion Richard Alexander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: ftsden Sie nichts zu verzollen? Schwank in 3 Akten v. M. Heliiicqnin _ und P. Bcbcr. Uusivpiviksias. 8 Uhr: Wiener llnsemölc- Gastspiel: Tie Wel» ohne Mänucr. Pcpi Glöckner als Gast._ Passage-Theater. Abends 8—11 Uhr: Die Meine Rakete mit Paillette van Roy. H Schiller-Theater 0. (W» l l n e r. T b e a t e r.) Morwits-OPer. Freitag.»bendS 3 Uhr: Garine-n. Große Oper in 4 Akten von BIzet. Sonnabend, abends 8 Uhr: Zar and Zlinincnnnnn. Sonntag, nach m. 3 U b r Sei halben Preisen: Die ZeuberflSte. Sonntag, abends 8 Uhr: Oarincn. Metropoi-Theater Anfang 8 Ubr. Grolls Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaonder. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Rauchen überall gestattet. kMMWkMl Gr. Frinikfnrierstr. 132, Täglich: Ansang 4'l, Uhr. — JV ä>n(ÜDUen:"Vb— DaS glänzende Juni- Programm Paul Corradlni.— Tlie laugtry. Die Ballettschule. Sperrsitz 50 Ps. Entree 30 Pf. Abends 8'/, Uhr im Theater: Der groüe Uiibckaiuitc. Sommerpreise. Reichshallen-Tliealer. r Aniang WochentagSSIIhl Sonntags 7 Uhr. lteicbs- ballsn- Karten und Kesiaurant: Militär- Konzert. Programm. Kur noch bis Ende Juni geölliiet! volstzmuseum Fried« ichstr. 118, Nähe Oranienbiirger Tor. Anatomie! paidologlel Samarlterlcbrci Meodanlsoste Kolossalgruppen! Völkergalerle Täglich wechselnde Lichtbildervorträge über Visitkarte des Verbrechers! Vorausbcsflm- mung des GeschlechtsI Hcrma- phrodltlsmus Volks• Krankheiten etc. Cinfritt 30 u. 50 Pf., Militär 20 Pf., Kinder 10 Pf.___ 10116*� Brunnen-Theaier Ladstraße 58, Direkt.: Bsrnh. Rose. 10 neue Attraktionen 10. Derminglontruppo, Kunstradfahrer. The Eteunas,(htjmnnftifcr. Die weltberühmte TeiiselSpantomlme Eine niiriihige Nncht der phollos Guitsne Trappe. Eil; Carmen. Eil! Kasseneröfsnuiig 2 Uhr, Ans 5 Uhr. Billettvorverkaus von 10—1 Uhr an der Theaterkasse. itrjjerorufSflB, älbtf rrlb. Tut. Spezialitäten- Vorstellung. Promcimden- Konzert. Ans,: Konzert 6; BorstellpkilglUhr. tsslg?" Bei ungünstig«» Wetter Vorslellang im Thealer 8 Uhr. Kleine Sommcrprcife. Scliiller-Theater H. Frledricii-Wilhelmstädtlsohea Theater. Abends 8 Uhr: Premiere: Kyrlt®— Sommerpreise. 1 Mix Iiiems Sommer-Theater Hasenhelde 13/15. Artistische Leitung: Faul Milbitz. Mch: Gr.Kßizert, Werl a. Spemlitätn-forstcllBiiij. l Jeden llllontag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: Die beliebte« Kinderfeste. Jeden Donnerstag: Elite, Tag. Die Kaffeeküche ist täglich von I 2 Uhr ab geössnel. Msflarten-Thsatsn Bad-BehmstraSe— Bahnhof Gesundbrunnen— BellermaenetraSe. Der rechte Weg. Original- Bolksstück mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von W. Gericke. . Hierzu: DaS neue Riesen-SpezialiieD-Propnuii BolkSbelusttgungen. Belle-Alliance-Garten Herrlichster Eommergarten Berlins. Meltberiihmte Ikuminatio«. Vollständig neue Anlagen. Täglich: Elile-Variitfl-Vorstellung Ans. wochentags 6, Sonntags 4 Uhr. VI. Noaeks Thealer. DireMo»: Roh. Olli. 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Aeltestes VolkS-Theater Berlins. Heute sowie täglich daS großartige neue erstklassige Riefen-Juni-Progr. Karl Braun%0fS0Ct und die übrigen IS Kunstkräste. umfuhr: Großstndhltubrr. Ansang 4'/, Uhr. Eintritt 30 Ps. Prster-Theater. Kastanien-Allee 7/9. Täglich: platte Weiber SpralnlUfttcn 1. Rangen. Konsert nnd Ball. Ansang i'l, U|b Sanssouci, s.0r"«"'V Direktion Wilhelm Reimer. Der Garten ist geöffnet. Sannt., Wont.. DannerSt.: Hoftmanns kimii!. Singer u. Tanfski-ftnaichen. (AuSgew.Progr. Eissenible- szenen, Quart, Eonpl usw.) Sonnt, vea. ö.wochent 8U. Für nüchstr Saison sind sämtl. Gonnab. bereits beseht. Noch einige Mittwoch- ttbeude find frei._ fisthahw-yarfe Am Kflstrinor|ilatr, Rdderaaorferstr. 71 Hermann Imbs. Täglich: Großes Konzert, Theater- nnd Spezialitäten- Vorstelhmg. Otto Prltzkow HünestraBo IG. tffell-jliissleliM Biapph-cst. Louit) Theater lebender Photographie». Täglich Eingang von - Keihelten.- ♦ De« ganzen Tag Verstellung. ♦ Soeben erschien als 13. Heft der„Arbeiter« Gesnndheits-Blbliothek": gas AalterheltvelfsshTen in«ter üesullithettspfleg! S« ilkbelten. von Dr.«. ckl»Itter. -. r. Preis»0 Pf. r Wir empfehlen ferner: Heft i: Die erste Hülfe bei Unglücksfüllen von vr. Christelier. Muß in Fabriken, Werkstätten, aus Bauplätzen vorhanden sein.' Heft 2: Dkb kkstt ffllftlöjflijt•.. von vr. 5Ilherstein. Jeder jungen Mutter zur Anschaffung zu empfehlen. Heft 3: Gtfttttdheitspsttgt des NerliktiftjsttMS von l>r. tliisohlalt. Wer seine Rerven gesund erhalten will, lese diese Anleitung. Heft 4: Der Achtstllndkntag........ von vr. ladest. Eine ärztliche Begründung der sozlaldemokrat. Forderung. Heft S: Aliillhoift ltge n. Arlltittritlltstk von Dr. Eröhlich. Eine empsehleiistverie Agitationsbroschüre. Heft 6: DltS Sdjtllhttlö........ von Dr. Silberstein. Die Kinder vor Schulktankheiten zu schützen, ist Zweck deS Büchleins. Heft 7: Gtschltchtstitrdelir u. Geschlellitshratiiihtitett von Dr. Ledert. 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Stiftungsfest bestehend in i' Korso-, Reisenlahren« Ball, fSr' Antritt 20 Pf. Damen frei.— Wir laden alle Bundes- und Parteigenossen freundlichst ein. fi2it8f IVZ»» 0er Vorstand D» unu o •an II- Heute Freitag, abends S'/a Uhr, im Gewerkschaftshause, Eugel-Ufer 15: Tii�eung«ßsf On�svvntusssliung. Zur Beachtung! Die Urabstimmmtg über die Festsetzung der Bei- trüge findet Sonntag, den 30. Juni, vormittags, zu gleicher Zeit mit der Wahl des Delegierten zum internatio- nalen Kongreß statt.— Die Abstimmungslokale tverden noch bekannt gegeben._ Branche der Vergolder. llontns, den 24. Jnnl 1007, abends prUzlse 8 Uhr, in der Alhanibra, Wallnerthcaterstr. 15:, Krauchen- Versammlung. Tages. Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. PH. Busse:.Die VoNskrankhciten'. 2. Disknssion. 3. Verschiedenes. Znl-l-. Qithcs Erscheinen der Kollegen und Kolleginnen ist notwendig. 88/18_ Der Branchcnlciter. Vor Beginn der Versammlung, von 7—8 Uhr, werden die neue» Vertrauensmännerkarten ausgegeben. Sonnabend, den 13. Juli ISO?: Großes Sommer-Pest in der Brauerei Friedrichshain(früher Lipps), am Königstor. kavton Vonioi-t ausgeführt von der 30 Mann starken Künstler» UanvU JaUil&Cl», Kapelle unter Leitung des Dirigenten Herrn Albert Grabow. Austreten von MlmsMS Morddealschen Sängern. Lebende PhotograpHien, Kaspar■ Theater und Unterhaltungsspicle für Kinder. ®03Urseut?eVm GPOßeP Ball. Zwei Orchester. Herren, welche daran leilnchmen, zahlen 50 Ps. nach. Eröffnung S Uhr. Beginn des Konzertes 5 Uhr. Billetts im Vorverkauf 25 Pf., an der Kasse 30 Pf. und sind dieselben bei allen Vertrauensleuten sowie im Bureau, Engel-User 15, l, Zimmer 10, zu haben. Zahlreichen Besuch erwartet Das IComltee. Sonntag, 33. Juni, vormittags 10 Uhr, Brauerei Pahenhofcr, Turmstr. 25—26(Gariensaay: Bezirks-Bersammlung für Moabit. TageS» Ordnung: t. Vortrag des Kollegen Ahrens. 2. Diskussion, 3. Wahl der Beitrags- fammler. 4. VerbandSangelegenheiten. B Cliarlotlenlbnrg�. Sonntag, den 23. Juni, in den Gesamträumen des Volkshauses, Rosinenstr. 3: Sommerfeist des WahlTerelns. Zur Slufführung gelangen: nurnoi'istiLdle u. Gesangsvorträge, turnerische Aufführungen usw. Ferner: Großes Preiskegeln und Preisschießen. Entree 85 Pf.— Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach.— Entree 85 Pf. GIo Kaffeeküche steht den geehrten Damen von 3 Uhr an zur Verfügung. Das Komitee. B a freie Vereinipig der Maurer Deutschlands Ortsverein Berlin. _ Bureau: 0. 54. Stein-Straße 38, I.— Telephon: Amt III Nr. 3100._ Freitag, den 21. Jnni, abends Sl/Z Uhr, in den Sophien- Sälen, Sophienstr. 17/18: Mitglieder-Versammlung. TageS-Ordnung: Der Stand der Lohnbewegung. Zahlreichen Besuch erwartet_ Per Vorstand. Tischler-Verein zu Berlin. (E. H. Nr. 8g.) Sonnabend, den 22. Juni, abends S'/a Uhr, Melchiorstr. 15; AOmdcMche Gcmül-Nechiiiiiiliiiig. TageS-Ordnung: 198/18 1. Bewilligung etwa noch notweudiger Gelder zur Dampferpartie. 2. VcreinSangelegenhriten. 3. Ausgabe der Billetts zu der am 7. Juli nach Sportshaus Ziegenhals statlsindenden Dampferpartie. Der Vorstand. Sennabend, den 88. Ann!: Mondscheinfahrt Ä nach Wernsdorfer Schleuse und öosener Berge arrangiert; von der Ilanskapolle. HÄ'SS!» Schillings. Brücke. Hierzu ladet höflichst ein Pichl. _ Restaurant zum Oder-Spree-Kanal. Oustav Behrens-Theater. Berlin W., GoltzstraSe 9. Das neue exquisite uni« Programm. Schlager auf Schlager! Neu! Die Jungfrau v. Orleans. Komödie. Greifenbergcr prolongiert. Neu! Emmelino u. Erich Höchberg, Opernduett sowie die übrigen erst» klassigen Spezialitäten. Ansang 8 Uhr, Sonntags 6'/, Uhr. sommerpreise. Schweizergarten Am Königstor. Am Friedrichshain. Straßenbahn 1,2,4,17,59, 62, 63 u. 74. Dägllch: Theater-Vorstellung. Neue Spezialitäten. KinematographnndBail. Freier Damentanz. Ansang 5 Uhr. Entree 30 Ps. Neue Melt Hasenheide 108-114. Tätlich: Qr. Doppel-Konzert u. Spezialitaten-Vorstellung. » Austreten von Kunstkräften 1. Ranges Goschw. Wels, Duetlisten. Steffen Brothers, Akrobaten. Rheingold Trio. GesangSterzett. Mamptinis Weibermfihle. Gurt Ellls. Beasy Comp. Pantomime. Geschwister D'Orville, DoppeltodeSIustfahrt durch den ganz. Gart. n. b. Zähnen hängend. Anfang 5 Uhr. Entree zum Konzcrtgarten 10 Ps. ,, Theatcrgartcn 50 Ps. I�satban Wand ISS Skaliyerftr. ISS. Die schönsten 52542* Herren-Sommer- Paletots und Anzüge(ot£|�[cn Mouats-Garderobe voiiKavaliereu geiragene Sache», säst neu, für jede Figur vassend. jpeziell Bauchanzüge sind i» grober Auswahl stets zu staunend billigen Preisen zu haben. Nathan Wand B IL» Skalit.crstr. 189. I HochbaHnstation KottbuserTor. 1 Bitte aiisHauSnummer zu achten. »UWMI.UU Zwsigvsrsin Ssrlw und Umgegend. (klV 21. vormittags 10 Uhr, bei HlUggLllhAgell am Moritzplatz: Viersammlung aller ausgesperrten und streikenden Kollegen. TageS-Ordnung: Der Stand unserer Bewegung. Mitgliedsbuch und Streikkarte legitimiert. 34/18 Die Zeutral-StreikleiMng. IM M Arbeitsnachweis: Berwaltungsstelle Berlin. Hauptburea«: Hos I. Amt 3, 1239. CharitsstraOo 3. Hos HI. Amt 3, 1987. Sonntag, den 83. Juni, vormittags 10 Uhr: lllpnnt veckimliW aller in der Emaillebranche beschäftigten Kollegen und Kolleginnen im Gewerkschaftshause, Engel-User 13, Saal 5. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen I. Hartmann. 2. DiS- lnssion. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. ES ist Pflicht der Kollegen und Kolleginnen, für guten Besuch dieser Versammlung zu sorgen. 120/16 Die Ortsverwaltung. XcktunK! .AxtrtutixZ Zuschneider u. Zuschneiderinnen! Die nächste Sitzung findet Freitag, den 21. Juni, präz. 8'/, Uhr, bei Dräsel, Neue Friedrichstr. 3», statt. TageS-Ordnung: 165/4 Beschlußfassung über die Firmen, die den Lohntarif noch nicht anerkannt haben. Insbesondere werden die Kollegen und Kolleginnen, die bei diesen be« treffenden Firmen tätig find, aus diese Versammlung aufmerksam gemacht. Wir ersuchen dieselben, an diesem Abend recht vünttlich und zahlreich zu erscheinen. Vlv ttrtaveDsrsltlilix. Arbeiter-Bekleidung Größte« SpeztalgeachiUt Kohnen& Jöring Haugtgesch&ft; Alexanderstraße 12 zwiseh. Alexanderpl. u. Jannowltzbr. 2. Geschütt: Landsberger Allee 148, Ecke LangenbeckstraBe. Berufskleidung f. alleZweiged. Industrie u. Gewerkt. 12/17 „Berliner Ärteiler- Radfalirer-Iereir Mitglied deS Arbeiter» Radfahrer-BundeS »Solidarität-. Touren Sonntag, den 88. Jnnl er. zum Gaufeft im»Moabiter SchiineuhauS-. Die Anfahrt der Abteilungen und Vereine 1. bis 4. Abteilung bei Bernhard Rose, Badstraße 58. 5. bis 9. Abteilung bei Ballschmieder, Badstraße 16. Start 1'/, Uhr, die W- t eilungen'/, Stunde früher von ihren«tarts. Achtung, Genossku! Sonnabend, de» 13. Juli findet eine Ganansfahrt statt nach Witten- borg. Treffpunkt der Vereine vom 1., 2.-9. Bezirk in Treuenbrietzen. Start abends 7 und 10 Uhr. Allg. Kranken- n.Sterbehllsst der Metallarbeiter. (Eingeschr. HülsSkaffe Nr. 29, Hamburg.) Filiale Rixdorf. Sonnabend, den SS. Juni, abends 8'/, Uhr, Bergstr. 151. bei Dhtel: Versammlung, TageS-Ordnung: 1. Bericht über die General-Ver- sammlung. 2. Neuwahl der OrtSverwaltung. �"Beste Betlenlöllnng� find die vorzüglich füllende», lehr elastischen, echt chiaestlchn» Monopoldaunen («eschl. g-lchüpt) Pfund Mk. 2.83. S— t Pslmd genügen». gr. Oberbett. Vers. geg. Nachnahme. Verpackung frei. Gustav Lustig � Berlin S. Prinzenatr. 46 kGrühte» Wettfedern-Spezlal- A 0«tch4tt S»e«ttchlan»S. � Kein Laden. Kein Laden. I Wichtig für jeden Zigarrenkonsumenten! Marke Barabra 100 SlOck Mk. 0.« Hille Mk. SO.- Kleine Mexloo-Zigarre Mk. 8.— I Sumatra-Perle... Mk. 4.5© 1 Sumalra-Havana, uns. Mk. Regina...... Mk. 3. 50| Exquisit, sehr bevora. Mk. 4.05 Helena, sehr beliebt Mk 7.50 Wild-West..... Mk. 4.80 I Flor de Carola, pikant Mk. 5.— iTrltloro, fl. Aroma. Mk. 8.— Versand nicht unter 100 St einer Sorte, von 300 St an franko. Hlchtkonvenlerendes nehmen wir zurück. Rauscher& Fabisch, e.zÄs, Bei II. AasfUhrllche Preisliste franko. ferhand der freien Gast- um! Schankwirte Deiitsehlands. Ortsverwaltung Rixdorf. Den Kollegen die traurige Nachricht, daß unser Mitglied, der Gastwirt Julius Küßner am 19. Juni nach furjem Leide» im Alter von 44 Jahren ver- starben ist Ehre feinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 22. Juni, nach- mittaas 3 Uhr, von der Leichen- Halle des alten Jakobi-Kirchhojcs am Hermaimplatz aus statt. Um rege Betefiigung bittet 70/2 vor Vorstand. Doutschol Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unsere Mitglieder, der Metall- arbciter Anton Tapp und der Schloffer Nlax Lange gestorben sind. Ehre ihrem Andenke»! Bio Ortsverwaltung. IkankMignng. Für die liebevolle Teilnahme bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes, unseres guten Vaters Friedrich Franke sagen wir allen Kollegen und Freunden, sowie dem Wahlverein und dem Gc- sangverein„Vereinte Sangesbrüder Moabit- unseren herzsichsten Dan!. Witwe Franke u. Kinder. Danksagung. Für die vielen Beweise liebevoller Teilnahme und außergewöhnlich zahl- reichen Kranzspende bei der Beerdi- gung mewcs leider so früh dahin- geschiedenen unvergeßlichen lieben Mannes, deS Wettzgerbers sl371b Paul Kühne sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, dem Verband der Lederarbeiter, sowie dem Rauchklub .Zur Brüderschaft" meinen innigsten Dank. Witwe Minna Kühne. Up. Timmel 8peml-�rzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr.4I,MiX,?tz, 10—2, 5— 7. Sonntags 10—12, 2— 4. Ausflüglern empfehlen wir folgende Special-Harten der Umgebung Lerlins. Bernau-Biesenthal.Lanke-Liepnitz- und Wandlitz-Sce..... IM. Bukow u. Umgegend mit angehängtenr Führer........ 75 Ps. Eberswalde und Umgegend 75 Ps. und 1 M. Erkner und Umgegend... 75 Ps. Freienwalde-Faltenberg... 75 Ps. Freienwalde, Wriczen, Oderbcrg, Brodowin...... 1 M. Friedrichshagen, Köpenick, Grünau, Schmöckwitz..... 75 Pf. 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