Ur. 145« �4. Jahrg. Bbonntments-Bedlngungtn:' DW �PtrÄn?f�l��!l0•ä�I?I�n,o'",rt. MxinncmmIS- Preis pränumerando: Bga hR HCT tSl> deren Raun, r>a Nka LierlcliShrp S.M ML monctl. 1,10<021., UA DA WD //|S WK DA LW ES DA°b" bctcn r�? T,!8' w0«r»IIich 28 tM'f. frei in? Hau». B9> �SH VW|H Lk\ Dg �A �A DA DA AD polltische und gew-rlscha,llichc«ercins. Einzelne Nummer S Psg. Eonnlag».*ßSM ffTtag EM �D BB HB Hl DA DA AD DD I"7/ und BersamniIungS-Anzeigen SS. PsZ. Nummer niit illuslricricr Eonniagz. MttgsZa»i?WD Av Um �A AD AD �A WA DA AD DA DA I£/„Kleine Hnitigtn". da? erste Tictt- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pia, Post. AWZD«W WI DA DA AD DA DA DA AD AD IM oedrucktel Wort 20 Psg., jedes weitere Abonnement: t.IO Mark pro M onat. WTMB| H H AD Jn ESi\ ASLV WäLX 11 n 1 W Wort lv Psg. Stellengesuche und Echlas. vTSl'" Unier tKeuzbmM"ffij"wi H BL �1> JBk JBlV B sI.II-n.«nz.ig°n das ersie Wart 10 Psg.. Deiiischland und Ocsierrcich. Ungarn DP AM JEmX // MJ tede,«eitere Wort K Psg. Worte über 2 Marl, für da» übrige«iusland AAj�< TX«MA\ // AD lk Buchstaben zählen sur zwei Worte. S Marl pro Monat. Postaboiincment» mEMU S' B9L Inserate sür die nächste Nummer müssen nehmen an: Belgien. Düncmart. /S/f 1 f. di? S Uhr nachmittag« in der Expedition Holland. Italien. Luiemburg, PaNugal. SM, V_/l ft> adgegtben werden. Die Eipedilion ist wumamtn. Schweden und die Schweiz. S------ 7�"--■SV_yv_�" eiS7 Uhr abends geöjliiet. VrrllNLV äz«-. Zentratorgan der fozialdemokrati fchen Partei Deutfcblands. Rcdahtion: SM. 68, Ltndcnstraesc 69. {?crM(l)rfrfirr: flmt IT, Kr. 1983. es wird fortgewurstelt. Der vorläufige Abschluß, den der mit den widerlichsten Mitteln der Intrige ausgefochtene Kampf der Kamarillen durch die Kaltstellung des Grafen v. Posadowsky und des Herrn v. Studt sowie die Berufung des Oberpräsidenten v. Moltke und des Unterstaatssekretärs Holle auf die vakanten Minister- sessel gefunden hat, befriedigt, wie die Stimmen der bürger- lichen Presse zeigen, keine der an dem Kampfspiel um die Ministerposten interessierten Parteien. Das ist begreiflich; denn der Ministerwechsel bedeutet in keiner Richtung eine Entscheidung der durch die sogenannte Blockpolifik auf- gewirbelten Fragen, sondern nur eine Hinausschiebung ihrer Lösung. Bülow hat zwar gesiegt, aber sein Sieg ist n u r e i n T e i l s i e g. Er hat vorläufig seine Stellung ge- rettet; er hat den bisherigen Kultusminister v. Studt zur Strecke gebracht und ist den ihm unbequemen, seine diplo- matischen Pirouetten belächelnden Staatssekretär des Reichs- amts des Innern losgeworden, den einzigen Mann des Kabinetts, der durch sein Wissen und seine Arbeitskraft über das traditio- nelle preußische Ministermittelmaß hinausragte; aber er hat diesen schönen Sieg nur dadurch erreicht, daß er den Wünschen der hohen Bureaukratie und des persönlichen Regiments willig in weitestem Maße Rechnung trug. Ist Freiherr von Rheinbaben auch nicht, wie er seinem Alter nach beanspruchen könnte, zum Vizepräsidenten des preußischen Staatsministeriums ernannt worden, sondern der jüngere in Posadowskys bisheriges Amt einrückende Herr von Bethmann- Hollweg, so bleibt doch Freiherr v. Rheinbaben den Bureau- kraten und Konservativen als Finanzminister erhalten; und den Posten des Herrn von Studt hat kein liberal schillernder Ministcrkandidat Harnackscher Färbung erhalten, sondern ein Mitglied der höheren preußischen Bureaukratie, der bisherige Unterstaatssekretär im Ministerium der öffent- lichen Arbeiten, Herr Ludwig Holle, der sich in seiner bisherigen Karriere den halbfeudalen Ueberlicferungen der preußischen Bureaukratie vorzüglich anzupassen gewußt hat und dem die„Kreuzztg.", die zu den orthodoxen Kreisen des Kultusministeriums die besten Beziehungen unterhält, wohlwollend bezeugt, daß er„durchaus auf religiöser Grundlage" steht. Der zweite Neuberufene aber, der in das Kabinett eintritt und das bisher von Herrn v. Bethmann« Hollweg verwaltete preußische Ministerium des Innern über- nimmt, Herr Friedrich v. Moltke, ein Neste des General- feldmarschalls Grafen Moltke und ein Bruder des jetzigen Generalstabschcfs Hellmuth v. Moltke, verdankt seine Berufung zweifellos lediglich der besonderen persönlichen Gunst des Kaisers. Von allen gegenwärtigen Ministern hat er, vorausgesetzt, daß er sich die hohe Gunst zu erhalten und sich den impulsiven Sinnesänderungen des persönlichen Regiments mit Geschick anzupassen versteht, vielleicht die meiste Chance, der baldige Amtsnachfolger des vierten Kanzlers zu werden. Am zufriedensten können jedenfalls die Konservativen mit dem bisherigen Verlauf des Kamarillaspiels der letzten Wochen sein. Bedeutet die Kaltstellung Posadowskys auch, wie wir schon im gestrigen Leitartikel ausführten, in erster Reihe ein Zugeständnis an die freikonservative und nationalliberale Scharfmacherclique, deren Spezialorgan, die„Rhcin.-Westf.Ztg.", seit Wochen den ihm als Sozialpolitiker und Zentrumsfreund gleicherniaßen verhaßten Staatssekretär des Reichsamts des Innern mit den perfidesten und albernsten Verdächtigungen be- kämpfte, so sehen doch auch die Agrarkonservativen den „Eindringling" aus Posen trotz seines Verdienstes um den neuen agrarischen Zolltarif recht gern scheiden. Er störte durch seine Arbeitskraft und Intelligenz die schöne Homo- genität der höheren Bureaukratie, und seine sozialpolitischen Ansichten dünkten, so sehr sie sich auch immer mehr ver- wässerten, den Konservativen vom Schlage der Kröcher- Normann-Oldenburg höchst gefährlich für den Fortbestand der berechtigten patriarchalischen Eigentümlichkeiten Ostelbiens. Zudem aber erhalten die Konservativen durch die Berufung des Herrn Holle zum Kultusminister die Gewähr, daß bestenfalls die Vertretung der geistlichen Angelegenheiten im Dreiklassenparlament durch den neuen Minister etwas konzilianter geführt werden wird, als bisher durch Herrn v. Studt. im übrigen aber auf dem Gebiete des preußischen Kirchen- und Schulwesens im alten Gleise fortgewurstelt wird. Dennoch sind die Herren von der Rechten nicht zufrieden. Nicht weil sie fürchten, daß Herr Holle sich kurswidrige Bock- sprünge gestatten könnte, sondern weil sie selbst den äußeren Schein vermieden sehen möchten, als bedeute Studts Ent- lassung ein Zugeständnis an die Wünsche der liberalen Seite des Blocks. Selbst dieser bloße äußere Schein dünkt ihnen schon eine Beeinträchtigung ihrerpolitischen Ansprüche. Ihre Presse befolgt deshalb die Taktik, einerseits in komischen Tiraden die hohen Verdienste Studts um das preußische Schulwesen zu feiern, und andererseits zu versichern, daß er längst amtsmüde und entschlossen gewesen sei. sich von seiner aufopferungs- vollen Ministertätigkeit zurückzuziehen. So schreibt beispiels- weise die„Kreuz-Ztg.": „Der Rücktritt des Ministers Dr. v. Studt wird zweifellos als ein Erfolg der parlamentarischen Vorstöße des Liberalismus ausgebeutet werden. Dem gegenüber sei ausdrücklich betont, daß Dr. b. Studt schon seit geraumer Zeit zum Rücktritte vom Amte Dienstag, den ÄS. Juni 1!I07. entschlossen war, aber doch den Schluß der LandtagSperiode erst abwarten wollte. Wenn nun entgegen anderweitigen Meldungen der Rücktritt des Kultusministers schon jetzt erfolszt ist, so haben dabei sicherlich praktische Erwägungen mitgesprochen. Die sommer- liche ParlamentSruhe ist besonders dazu geeignet, einem neuen Minister das Vertrautwerden mit seinem Ressort zu erleichtern." Und die gleiche Taktik befolgt das Jntelligenzblatt der Landbündler, die„Deutsche Tagesztg.": »Von diesen bedeutsamen Veränderungen in. der Zusammen- setzung deS Staatsministeriums kommt der Rücktritt des Herrn Dr. v. Studt in keiner Weise überraschend. Vielmehr bestätigt die amtliche Meldung nur, was wir schon wiederholt im Verlaufe der letzten Landtagssession betont haben: Daß Herr Dr. v. Studt, der ein Alter erreicht hat, in dem nur die wenigsten Sterblichen noch den Lasten und Sorgen eines preußischen Minister- Postens gewachsen sind, mit derArbeitder vergangenen Session seineMinistertätigkeit als abgeschlossen betrachte und nach ihrem Abschluß sich in den Ruhestand zurückziehen werde." Am schlechtesten abgeschnitten haben die liberalen Blockparteien. Die Zeit ist längst vorbei, wo selbst ernsthafte libe- rale Politiker auf ein liberales Kaisertum rechneten und Herr Naumann von einem Bündnis zwischen Demokratie und Kaisertum träumte. Mehr und mehr hat der Liberalismus seine Ansprüche herabgesetzt, besonders seitdem er sich als Mit- regierungspartei fühlt. Seine Spekulation auf den liberal regierenden Kaiser reduzierte sich zur Spekulation auf den liberalen Reichskanzler; und in den letzten Wochen hatte er seine Hoffnungen und Wünsche so weit ermäßigt, daß er nur noch auf die Ersetzung Studts durch einen halbliberalen Ministers rechnete. Harnacks Berufung ins Ministerium oder auch nur eines Gelehrten Harnackscher Richtung würde in der sogenannten entschieden liberalen Presse Jubelhymnen über die Erfolge des konservativ-liberalcn Konkubinats und die durch diese begründete neue liberale Aera ausgelöst haben. So bescheiden sind die Liberalen in ihren Forderungen an die Bülowsche Blockpolitik geworden. Aber etwas, irgend etwas, mochte es auch noch so wenig sein, glaubten sie doch als Mitregierungspartei verlangen zu dürfen. Noch in letzter Stunde, am Sonnabendmorgen, mahnte dringend die„Voss. Zeitung": „Soll«S mit der„konservativ-liberalen Paarung' ernst werden. so können die natürlichen Konsequenzen nicht ausbleiben. Der Liberalismus muß dann den Einfluß auf Gesetzgebung und Verwaltung gewinnen, den schon Bennigsen für ihn verlangt hat. Daß dabei mannigfache Schwierigkeiten zu überwinden, manche Vorurteile aufzugeben sind, wer wird es verkennen?... Aber auf die Dauer kann auch der Rechten nicht zweifelhaft sein, daß der Staat, wenn er dem Liberalismus keine Zu- geständnisie machen will, um so größere und verhängnisvollere Zugeständnisse dem UltramontanismuS machen muß. Wie die Parteiverhältnisse in Deutschland liegen, läßt sich dieser Schluß nicht abweisen. Hier das Zentrum, dort die Sozialdemokratie; nach wie viel Seiten soll denn die Regierung kämpfen? Ohne den Liberalismus ist eine feste und starke Politik nicht mehr möglich. Muß aber mit dem Liberalismus gerechnet werden, so mutz man ihm auch Rechnung tragen. Das ist die„Forderung des TageS". Ihre Erfüllung darf nicht ins Ungewisse hinausgeschoben werden. Denn der Zweifel an der Dauerhaftigkeit deS»neuen Kurses" er- höht den geheimen Widerstand." Und in der festen Zuversicht, daß wenigstens ldieSmal beim Ministerwechsel etwas für den Liberalismus abfallen würde, heißt es hoffnungsfreudig am Schluß des Artikels: „Und deshalb hoffen wir, daß die Kieler Ver- Handlungen die erwartete Klärung bringen und alsbald zeigen werden, daß wir nicht einen Zickzack-KurS steuern, was heute bedeuten würde, wieder rückwärts gehen und dem Zentrum den ersehnten Triumph bereiten."/ Doch selbst diesen bis aufS Minimum herabgeminderten Ansprüchen ist die Erfüllung versagt geblieben. Um sich auf seinem Posten zu erhalten, hat Fürst Bülow ohne Bedenken die liberalen den konservativen Forde- runaen aufgeopfert. Kein liberal schillernder Politiker oder Bureaukrat ist würdig befunden worden, einen Minister- sessel zu zieren. Enttäuscht schreibt das„Verl. Tagebl." über die neuen Ministerernennungen: „Es ergibt sich daraus, daß nun allerding» der Reichskanzler den Rücktritt des Kultusministers v. Studt durchgesetzt hat. Rur wird daS Vergnügen über diese Veränderung im Kultusministerium wesentlich durch die Tatsache beeinträchtigt, daß der Nachfolger Studts, der bisherige Unterstaatssekretär im Mnisterium der öffentlichen Arbeiten Dr. Holle eine unbekannte Größe ist, von der man nicht mehr e.r wartenkann, aisdaßsie für absehbare Zeit in der reinen VerwaltungS- tätigkeit aufgeht. Zu einer kräftigen Initiative im Sinne der Blockpolitik fehlt es Herrn Dr. Holle zum mindesten an der er« forderlichen Autorität. Wir sehen ihm ohne Vorurteil ent- gegen, aber wir kommen nicht über daS unbehagliche Gefühl hinweg, daß eS sich bei ihm um eine BerlegcnhcitSkandidatur handelt, die der Krisis kein Ende macht, sondern sie nur vertagt. Noch weniger wird der Wechsel im Reichsamt deS Innern als eine beftiedigende Lösung der tatsächlich vor- handenen Schwierigkeiten angesehen werden können. Mit auf« Expedition: SM. 68» Oindenstrasse 69. ffernsvrechcr:«mt IT. Nr. 198». richtigem Bedauern wird man weit über die Kreise hinaus, die dem Grafen Posadowsky politisch nahe stehen, vernehmen, daß für ihn im Rahmen der Reichsregierung deS Bleibens nicht mehr sein sollte, und daß er deshalb sein Abschiedsgesuch eingereicht hat. Der bisherige Minister des Innern v. Bethmann- Hollweg, der an seine Stelle tritt, ist zweifellos ein Mann von geistiger Regsamkeit, er hat auch kotz seiner konservativen Grundsärbung einen modernen Zug; aber er hat doch bisher zu wenig positive Arbeit getan, als daß man in ihm einen äquivalenten Nachfolger eines Posa- dowsky erblicken könnte. Vollends wird es schwer, an eine Verwirklichung der Block- Politik in Preußen zu glauben, wenn man in Betracht zieht, daß der bisherige Oberpräsident von Ostpreußen, v. Moltke, als Bethmanns Nachfolger in das preußische Ministerium des Innern einziehen wird. Herr v. Moltke kann nicht einmal als moderner Konservativer angesprochen werden. Er ist bisher nicht viel mehr gewesen als der Neffe seines großen Oheims, ein Mann von einiger Routine, aber ohne große Gesichtspunkte." Und ebenso wenig ist die„Voss. Ztg." mit dem Minister- Wechsel zufrieden, doch tröstet sich dieses Blatt in der ihm eigenen politischen Naivetät damit, daß noch andere Er- nennungen nachfolgen und unter den Ernannten sich dann doch vielleicht eine halbliberale Bureaukratenseele befinden könnte. Für den Fall, daß aber auch diese Erwartung nicht zutreffen sollte, hat es als Ersatz die Hoffnung in petto, daß, wenn auch kein liberaler Minister berufen würde, doch des- halb immerhin noch nicht ganz ausgeschlossen sei, daß die konservativen Minister mit Rücksicht auf die liberalen Wünsche liberal regierten: „So hat denn der Personenwechsel, den der Systemwechsel er» forderte, begonnen. Erst begonnen; denn es ist kaum wahrschein- lich, daß auf die Veränderung in den leitenden Stellen nicht auch Veränderungen in einzelnen Aemtern von Direktoren folgen sollten. Daß die jetzt angekündigte Umgestaltung der Regierung äußerlich einen kräftigen„Ruck nachlinkS"an- zeige, wird niemand behaupten. Es ist kein Minister ernannt worden, den man etwa der freisinnigen Partei zurechnen könnte. Allein nicht so sehr darauf mag eS ankommen, von wem als vielmehr wie regiert wird. Und wir werden sehen, iv i e die Idee der„konservativ-liberalen Paarung" jetzt in Gesetzgebung und Verwaltung verwirk- licht wird." Das Ergebnis des KamarillakampfeS der letzten Wochen ist also, daß der alte Kurs sortgesteuert wird, nur mit dem Unterschiede, daß die minimalen sozial-politischen Dosen, die in den letzten Jahren der deutschen Arbeiterschaft gelegentlich zur Beruhigung verabreicht wurden, noch weiter herabgesetzt werden— soweit das überhaupt möglich ist. Wir haben nichts anderes erwartet; denn der heutige offizielle Regierungskurs mit seinen halben Versprechungen bald nach der liberalen, bald nach der konservativen Seite, und seiner trotz aller liberalen Versprechungen im Grunde genommen konservattven Richtung ist nicht Bülows Werk. Bülow trägt eigentlich nur für das äußere feuilletonistisch-geschwätzige Ge- präge dieses Kurses, für die renommistischen Mätzchen und diplomatischen Gespreiztheiten die Verantwortung. Die Richtung selbst aber liegt in der Tatsache begründet, daß die Regierung der Bourgeoisie aus Rücksicht auf den Staatskredit und auf die wirtschaftliche EntWickelung gewisse Zugcständniffe nicht versagen kann, andererseits aber ohne das Junkertum, das die hohe Bureaukratte und die Armee beherrscht, nicht auszukommen vermag. Wie sich geschichtlich das preußische Staatswesen— nicht ohne die Schuld des deutschen Bürger- tumS— gestaltet hat, ist heute ein rein junkerliches Re- giment unmöglich; noch mehr aber ein rein Übe- raleS Regiment. Die Folge ist ein fast stetiges Lavieren, und zwar derart, daß die Regierung den libe- ralen Ansprüchen zwar auf wirtschaftspolitischem Gebiet hin und wieder Konzessionen macht, dafür aber die eigentliche Regierungsmaschinerie und das Steuerruder den Händen der Bureaukratte überläßt, die, wenn sie hin und wieder auch ein ungünstiger polittscher Wind etwas aus dem konservativen Fahrwasser drängt, doch sofort wieder in dieses zurückstrebt. Eine Aenderung dieses Zustandes ist nur durch die Stärkung der politischen Macht und des Einflusses der deutschen Arbeiterklasse möglich, nicht dadurch, daß der Liberalismus sich zum liberal-konservativen Konkubinat bereitfinden läßt. Die Cragödle in Süd-Franhrcicl). Die Bürgermorde in Narbonne. ES ist mmmehr festgestellt, daß die Füsilladen aufs Volk nichv ein Akt der Notwehr und nicht die vorschriftsmäßige Anwendung des letzten Mittels waren, sondern von der bewaffneten Macht mit ge- wissenloser Leichtfertigkeit angerichtet worden sind. Vor der ersten Salve will der Kommissar eine„Warnung" an die Menge ge- richtet haben. Aber seine Worte waren vollständig unvernehmlich, da_ der Kommissar sie durch eine Torspalte in die um die Sons- präfektur wogende Menge hinaus schrie und keinen Trommelwirbel vorangehen ließ I Sofort darauf wurde aber schon das Feuer eröffnet, so daß es dem Volle, � auch wenn es die Mahnung gehört hätte, nicht möglich gewesen wäre, sich zu zerstreuen. Die zweite Salve, der vier Menschenleben zum Opfer sielen. wurde unter noch empörenderen Umständen abgegeben: Ein Polizist war mißhandelt und in den Kanal geworfen worden. Besonnene Bürger zogen ihn heraus und trugen ihn zur Maire, ihn gegen weitere Angriffe schützend. Das Stadthaus war versperrt. Sie pochten an. Lange rührte sich nichts. Plötzlich wurde das Tor geöffnet, Soldaten stürmten hervor, und ein Offizier kommandierte Feuer! Die Soldaten jagten die fliehende Menge durch mehrere Strafien. Dabei wurde ein Bürger, der unter de» Rettern des Polizisten gewesen war, durch einen Bajonettftisch schwer verwundet.— Besonders empörend aber ist die Geschichte des Todes des Genossen R a m o n: Ein Kürassieroffizier war in einem Cafö am Nachmittag erst nicht bedient worden und hatte dann vom Wirt laues Wasser zum Absinth bekommen. Am Abend schassen die Kürassiere durch die geschlassencn Rolläden deS Cafes! Ramon, der dort saß, bekam fünf Kugeln in den Kopf, seine Tochter wurde schwer verwundet und liegt im Sterben. Herr Clemenceau aber hat von einer..verirrten Kugel" gesprochen. Ist es schließlich verwunderlich, daß in den Regimentern des Landes der Geist der Meuterei umgeht und der Trieb hervorbricht, die an ihren Lieben verübten vielen Greuel zu rächen? Krieg gegen Kranke. Paris, 23. Juni.(Eig. Ber.) 15(XX) Mann halten Narbonne besetzt. Sie füllen die Plätze, die Straßen, die Gäßchen. Bor jedem HnuS steht ein Wachtposten mit aufgepflanztem Bajonett. Niemand darf passieren als die Liefe- ranten der Truppe. Ungeheuerlicherweise auch die Aerztc nicht! Der Aerzteverband hatte um Passierscheine ersucht, sie wurden ver- weigert, mit einer Begründung, die als Dokument militärischer Barbarei wiedergegeben zu werden verdient: Der Divisions- kommandant erklärt, das Begehren nicht erfüllen zu können.in Erwägung der fortdauernden Feindseligkeit der Bevölkerung, die den Offizieren und den Truppen Nachtlager und Nahrung verweigert. So- bald diese Feindseligkeit verschwindet, wird der Befehl geändert werden". — Der edle Kriegsmann versagt also seinen Landsleuten, was die Genfer Konvention dem.äußeren Feinde" sichert: die Pflege der Verwundeten und Kranken! Er kühlt seinen Rachedurst an diesen Wehrlosen. Man kann sich in der Tat kaum eine wirksamere Be- lehrung über das Wesen des Militarismus denken, als diejenige, welche die Städte des französischen Südens dergestalt in diesen Tagen erhalten. Die Aerzte von Narbonne haben auf die Schändlich- keit mit dem in dieser Situation gerechtfertigten Beschluß ge- antwortet, auch den verletzten Gendarmen die ärztliche Hülfe zu verweigern. Ferner werden sie den monatlichen Einberufungen zu den Aushebungskommissionen nicht Folge leisten. Herr Clemenceau und seine Leute haben die revolutionierenden Weinbauern.Apachen" tituliert. Aber gegenüber den Rettern der Ordnung und des Gesetzes zeigen diese.Apachen" selbst in ihren leidenschaftlichsten Ausbrüchen eine menschlichere Gesinnung. Die entsetzlichen„Grcneltaten", von denen die Regiernng berichtet hat, entpuppten sich hinterher zumeist als einige handgreifliche Roheiten, die durch die Dinge, die vorangegangen sind, wohl verständlich werden. Wenn man das hitzige Temperament der Südländer er- wägt, muß man sagen, daß die Winzer eine geradezu imponierende Selbstbeherrschung zeigen. Und wo wirklich einige Leute ihren grausamen Trieben die Zügel schießen ließen, fanden sich immer andere, die vermittelnd und begütigend eingriffen. Nicht eine einzige Tat ist bisher geschehen, die auf der Sache der Aufftändischen einen dauernden Fleck zurückließe. Herr Clemenceau aber kann das von seiner Gegenaktion nicht sagen. Lockspitzel als Journalisten. Am meisten haben unter dem Zorn des Volkes noch die Polizeiagenten zu leiden gehabt, die in Massen aus Paris nach dem Süden geschickt worden waren. Skandalöserweise hatte ihnen das Ministerium«couxs-fils" ausgestellt, Passierscheine, wie sie die I o u r n a l i st e n erhalten, und die Herren Spitzel stellten sich überall als„Journalisten" vor l I Natürlich hatten, als die Sache ruchbar wurde, die wirklichen Journalisten unter dem Verdachte, zu der edlen Sippe zu gehören, empfindlich zu leiden, und sie sahen sich genötigt, das Komitee der Weinbauern um Armbinden zu bitten, die sie vor der Be- völkerung legitimieren. So ist das Komitee trotz aller militärischen und polizeilichen Diktatur noch immer die einzige vom Volke wirklich anerkannte Behörde im Winzerland. Uebrigens haben die Journalisten aller Parteien gegen daS beleidigende Verfahren der Polizei Protest erhoben. Herr Clemenceau freilich wird ihn nicht verstehen. Er hat doch den Ruhm,.der erste Journalist Frankreichs" zu sein, aufgegeben, um„le premier f 1 i 0", der erste P o l y y, zu werden I Die Polizisten haben aber das Land nicht nur als Spürhunde, sondern auch als gAsnts provocateurs durchstreift. Die.Humanitü" berichtete darüber: In Narbonne, auf dem Boulevard Gambetta, rief ein Jndividunm zur Revolte auf, riet, auf die Offiziere zu schießen und den Aufftand zur m ö g l i ch st e n Entfaltung zu bringen. Da niemand den Redner kannte, forderte man seine Papiere. Er weigerte sich, begann Geschichten zu er- zählen.... Aber die mißtrauisch gewordenen Zuhörer ergriffen ihn, durchsuchten seine Taschen und fanden in seinem Portemonnaie eine auf die Pariser Zentralpolizei lautende Eisenbahnfrcikarte und eine von der Polizcipräfektur ausgestellte Legitimation! Der Mann wurde halb tot geschlagen und dann auf den Rat ruhigerer Leute zum Sitz des Winzerkomitees gebracht. Daß man ihm und anderen seinesgleichen derart mitgespielt hat, ist wirklich zu begreifen. Ein Schlachteulenker. Als die Soldaten des 17. Regiments gegen Beziers Marschierten, trat ihnen der Brigadegeneral Lacroisade mit Truppen des 81. Infanterieregiments und mit einer starken Gendarmerieabteilung entgegen. Die Begegnung fand an der Kreuzung der Reichsstratzc und des Weges nach dem"Bahnhof von Billeneuve statt. Zwei Kompagnien der 81 er hielten auf der Straße, zwei andere hatten sich in Schützenketten aufgelöst. Die Rebellen vom 17. Regiment manövrierten unter der Führung von Korporalen mit einer bewunderungswürdigen Schnelligkeit und Sicherheit. Ein Teil entfaltete sich in Schützenketten, die anderen formierten sich als Reservekolonne, um im gegebenen Moment den entscheidenden Stoß zuführen. Und die Truppen des Generals Locroisade wurden richtig umgangen! l„Nach dem Eingeständnis von Offizieren", so schreibt die nationalistische„Libertö", hat der General, strategisch genommen, die Schlacht verloren, und wenn die Siebzehner gewollt hätten, wären seine Truppen ge- fangen genommen worden. Dieses Resultat mag den Hochmut militärischer Bonzen im In- und Ausland nützlich dämpfen, und am allerwenigsten werden die Gamaschenknöpfe Deutschlands eine Schaden- freude darüber empfinden dürfen, da jener Vorfall nur die ausgezeichnete Mannschaftsausbildung einer Armee beweist, der man es anscheinend nicht hat beibringen können, auf Vater und Mutter zu schießen." Die wahre Regierung. Eine pattiotische Heldengeschichte hat Clemenceau in der Freitagssitzung erzählt, würdig, sofort in die Lesebücher der Bolls- schule aufgenommen zu werden: General Bailloud. allein in die Mitte meuternder Soldaten tretend und sie durch„die Macht seiner Beredsamkeit" zur reuigen Rückkehr bewegend l— in Wirklich- keit hat sich die Sache ganz anders zugetragen. Die Soldaten wären nämlich gar nicht zurückgekehrt, wenn man nicht ihre Bedingung erfüllt hätte, die in der Zu« sicherung bestand, daß keine individuelle Strafverfolgung eintreten werde. lind auch das wurde nicht durch den Vorgesetzten erreicht, sondern durch die Intervention der— Leiter des neuen Winzerkomitees!I Gegen das alte Komitee hat man VerhaftSbefehle erlassen und eine Armee mobilisiert, und nun appelliert man an seine Nachfolger, welche die ungekürzte Durch- führung deS Programms des alten Komitees auf ihre Fahne ge- schrieben haben, um die Disziplin dieser Armee wiederherzustellen! Gestern waren die Winzerführer„Rebellen", heute find sie patriottsche Bürger.— Nebenbei wurden die Soldaten des 17. Regiments auch sonst nicht als Aufrührer behandelt. Sie bekamen Erlaubnis, den Nach- mittag und die Nacht außerhalb der Kaserne zu schlafen. Diejenigen aber, die in die Kaserne eintraten, wurden vom Korpskommandanten General Bailloud mit einem Händedruck beehrt. Geradezu grotesk aber ist die Geschichte des Unterpräfetten L e u I l i e r. Er war in P o u l h a n, wo er die Beschädigungen der Bahngleise besichtigte, von den Bauern gefangen genommen worden. Diese verlangten zunächst von ihm, daß er:„Nieder mit Clemenceau!" und„Tod den Fälschern l" rufe. Das letztere tat er, das erstere verweigerte er in löblichem Respekt vor seinem Chef. Daraus wurde er von einigen Hitzköpfen arg geschlagen und in Gefangenschaft zurückbehalten. Der Präfekt von Montpellier hätte feinen Beamten gern befteit, wußte aber keinen anderen Weg, als Herrn Leenhardt, Mitglied des WinzerkorniteeS, rufen zu lassen und um Intervention zu bitten I Leenhardt erwiderte, er habe nicht genug Autorität bei den Bauern; am besten würde es sein, die Intervention der gefangene« Komitee- Mitglieder anzurufen. Und so geschah es! Ter Präfekt ließ Leen- Hardt ins Gefängnis sichren, und dort unterzeichneten Ferroul, Cathala und die anderen Gefangenen den Freilassungsbefehl für den Unterpräfekten! Mit diesem ausgerüstet, fuhr Leenhardt im Automobil nach Pouchan, und so erwirtte er sofott die Befteiung deS Gefangenen. Marcellin Albert. Paris, 23. Juni. Der Führer der Winzerbewegung. Marcellin Albert, fand sich heute vormittag 10% Uhr im Ministerium des Innern ein. Er wurde sofort zum Ministerpräsidenten Clemenceau gebracht, der mit ihm eine dreiviertelstündige Unterredung hatte. Nach derselben verließ Albert das Ministerium durch eine Seiten- tür, um Berichterstattern aus dem Wege zu gehen. Paris, 23. Juni.(W. T. B.) In der Unterredung, die Minister- Präsident Clemenceau mit dem Führer der Weinbauern, Marcellin Albert, hatte, sprach ersterer anfangs sehr streng und hart, indem er Albert das Gewicht der Verantwortung klar machte, die dieser sich zugezogen habe. Albert setzte die Absichten, die er gehabt habe, unter Tränen auseinander und bat Clemenceau um Ratschläge, in- dem er ausrief:„Mein Gott! Wenn ich doch alles wieder gutmachen könnte!" Clemenceau erwiderte nur:„Gehen Sie und stellen Sie sich dem Gesetz!" Er ließ dann Albert sich entfernen, ohne ihn der Polizei zu übergeben. Dem Präsidenten Falliere? erstattete Cle- menceau Bericht über den Besuch Alberts. Narbonne, 23. Juni. Die telegraphisch hier eingelaufene Nachricht von dem Besuche Marcellin Alberts bei dem Minister- Präsidenten sowie die Nachricht, daß letzterer davon Abstand ge- nommen habe. Albert verhaften zu lassen, riefen hier großen Ein- druck hervor und wurden von der Menge mit Beifallskundgebungen aufgenommen. Narbonne, 24. Juni. Marcellin Albert traf heute nach- mittag hier ein und reiste nach Argelliers weiter. Die Erregung dauert an. Toulon, 23. Juni. Mehrere tausend Weinbauern, die heute eine Versammlung abhielten, faßten einen Beschluß, in dem ausgesprochen wird, daß die Gemeindebehörden des Departements Var sämtlich vom Amte zurücktreten müßten. Perpignan, 23. Juni. Als ein Steuererheber im Ge- meindeamt von Torreilles erschien, um die Steuern einzutreiben, wurde vom Rathause Sturm geläutet, worauf die Bewohner cklit Waffen und sonstigen Instrumenten sich versammelten. Unter diesen Umständen zog es der Steuererheber vor, den Ort schleu- nigst zu verlassen. Paris, 24. Juni.(B. H.) Aus dem Süden liegen bisher keine neuen beunruhigenden Nachrichten vor. Die Deputierten Laferre und Bourrat, die sich vorgestern nach der Annahme des Weingesetzes endlich entschlossen, ihre Wahlkreise Beziers und Perpignan zu be- suchen, wurden von den Agitationskomitees schlecht empfangen, so daß sie sofort die Rückreise antraten. fln die Arbeiter aller Cänder! Als Nikolaus II. sich anschickte, die erste Friedenskonferenz ein- zuberufen, nahm seine Politik in Ostasien eine Richtung, die den Krieg mit Japan unvermeidlich machte. Im selben Augenblick, als er die Huldigungen der zweiten Haager Konferenz empfing, befahl er die Auflösung der zweiten Duma. Dies doppelte Zusammentreffen erhellt aufs beste die Komödie, die im Haag und in St. Petersburg gespielt wird. Der Hohn wird vollständig sein, wenn die dritte Konferenz in dem Palast tagen wird, der von dem Manne errichtet wurde, der als einer der ersten in den Vereinigten Staaten von Nordamerika bewaffnete Polizisten gegen die Arbeiterklasse gebrauchte und vor der Welt seine Auf- sassung vom sozialen Frieden kundgab, indem er die Arbeiter seiner Fabriken, die Schöpfer seines ungeheueren Vermögens, erschießen ließ. Seit langem hat das Proletariat die ttadittonelle Polittk der russischen Regierung, der Hauptstütze aller Reattion, aufgedeckt. Der äußere Friede, wie sie ihn versteht, das ist nicht die Unterdrückung des Krieges, das. ist die Schwächung der Gegner und die Hegemonie des Zarismus. Der innere Frieden, wie sie ihn ttäumt, das ist das vergewalttgte Volk, das ist die verewigte Autokratie. Nach der letzten Haager Konferenz ließ Nikolaus II. die Mandschurei verwüsten und die Greuel von Blagowetschensk verüben, Er brach den dem finnischen Volke geleisteten Eid und badete sich im Blute ganz Rußlands. Zu Riga stellte er die Tortur des Mittel- alters wieder her; er ließ die armen Bauern Georgiens von der Soldateska ungestraft plündern und massakrieren; er erlaubte den Sbirren des Gefängnisses von Akatoni, mit Bajonettstichen die politischen Gefangenen anzufallen und zu töten. Während des Aufstandes in Moskau ließ er die Sanitätsabteilungen beschießen und lange nach dem Kampfe töteten die Garden seiner Majestät ohne jeglichen Prozeß die Eisenbahnangestellten, die sie in ihrer Berufsarbeft überraschten. Der Zar hat gegen seine eigenen Untertanen gewütet, wie er sich schämen würde, gegen feindliche Soldaten zu handeln. Und dieses Haupt der kapitalistischen und kolonialen Räuberei gibt sich vor der Welt als das Sinnbild und die Personifikation des Rechts, das der Gewalt vorgeht, des herzlichen Einvernehmens, das an die Stelle deS blutigen Kampfe? tritt, des ewigen Friedensvertrags, der den brudermordenden Krieg verdrängt: Und wollte man zugeben, daß er aufrichtig sei, so könnte er seine Friedensabsichten nicht verwirk- lichen, weil der Militarismus nichts anderes ist als die vom Staat organisierte Bewaffnung, um die Ärbeiterklasse unter dem Wirtschaft- lichen und politischen Joch der Bourgeoisttasse zu halten— weil in der kapitalistischen Ordnung die Kriege zwischen den Staaten gewöhnlich nur die Folgen ihrer Rivalität auf dem Weltmarkte sind, weil jede Macht sich nicht nur bemüht, die Märkte, die sie befitzt, sich zu erhalten, sondern auch neue zu erobern und daS sehr oft durch die Unterjochung fremder Völker und die Beschlagnahme ihres Bodeus. Die m Haag lügende« Dchlomatea möge» ifö um» schauen. Sie werden dort die Herren WestaftikaS an der Seite der Beherrscher Indiens, die Eroberer von Madagaskar neben den Aus- beutern des Kongogebietes und die Sieger der Mandschurei neben ihren unglücklichen Gegnern finden. Die Kriege, die zudem die Vorurteile begünstigen, die von den herrschenden Klassen systematisch genährt und unterhalten werden zu dem Zwecke, die Völker gegen einander zu hetzen, erscheinen dem Proletariat als das Wesen des Kapitalismus selbst und sie werden nicht verschwinden, denn mit der kapitalistischen Ausbeutung selbst. Die Arbeiterklasse ist dagegen die natürliche Feindin der Kriege, weil sie ihr Hauptopfer ist— sie muß ihm Gut- und Blutsteuer zahlen — und weil die Kriege dem Ziel des Sozialismus wiederstreiten, der die Schaffung einer neuen Ordnung ist, die sich gründet auf die Solidarität der Arbeitenden, auf die Verbrüderung der Nationen, aus die Freiheit der Völker. Als im Jahre 1871 Deutschland Elsaß-Lothringen annektierte, protestierten die Vertteter des sozialistischen ProletanatS, Bebel und Liebknecht, gegen den Krieg und die Annexion. Als im Jahre 1304 die Staaten Rußland und Japan Tausende junger Leben opferten, vereinigten sich zu Amsterdam die Vertreter des Proletariats Rußlands und Japans in brüderlicher Umarmung. Im Jahre 1870, als die Kanonen an den Grenzen donnerten, schriebe,! die deutschen Arbeiter den ftanzösischen Arbeltern: „Wir werden niemals vergessen, daß die Arbeiter aller Länder unsere Freunde und daß die Despoten aller Länder unsere Feinde sind." Und die ftanzösischen Arbeiter antworteten den deuffchen: „Arbeiter Frankreichs I Arbeiter Deutschlands I Arbeiter Spaniens! Vereinigen wir unsere Stimmen in einem Schrei des Protestes gegen den Krieg I" Das war die Sprache der ersten Arbeiter-Jnternationale; und das ist noch heute die Sprache der neuen Arbeiter-Jnternationale! Ihre Führer haben trotz Verleumdung und Verfolgung die Idee des Friedens unter den Nationen durch Taten vertreten, in denen sie systematisch alle Militärforderungen verweigert haben, und man weiß, daß am Tage, da die Arbeiter die Herren der Armeen sind. der Krieg tot ist. Deshalb fordern sie ohne Verzug die militärische Entwaffnung der Bourgeoisie und die Bewaffnung der Arbeiter- klaffe durch die allgemeine Volksbewaffnung. Jedesmal, wenn eine drohende Wolke am politischen Horizont erschien, hat die Arbeiterklasse in den Parlamenten und auf den Straßen durch ihre Abgeordneten und Kundgebungen interveniert, und sie ist entschlossen, am Tage der Gefahr so weit zu gehen als sie vermag, um dem Kriege vorzubeugen und ihn zu verhindern. Ihre Politik wird keine Widersprüche zeigen, und wie die englischen Arbeiter gegen ihre Regierung während des Transvaalkrieges auftraten, so wird man nicht zwei Fraktionen des internationalen Proletariats in zwei entgegengesetzten Lagern stehen sehen. Stets hat die Arbeiter-Jnternationale den Grundsatz ver- teidigt, daß eine Regierung die Unabhängigkeit einer fremden Nation nicht bedrohen kann ohne Angriff auf die eigene Nation, ihre Arbeiterklasse und die internationale Arbeiterschaft. Deshalb kann die Fricdcnsidee nur Fleisch und Bein annehmen und siegen durch den Fortschritt und die Verwirklichung der sozialistischen Idee. Der Krieg findet dagegen seinen besten Boden in der Stärkung des Absolutismus. Die Auflösung der Duma bedeutet unter diesen Gesichtspunkten eine Gvfahr für ganz Europa. Sie hat niemand überrascht. Man ist gewöhnt, daß der Zarismus seine Verpflichtungen nicht hält, und an dem Tage, da er die Macht dazu besitzen wird, wird er gegen die anderen Völker handeln, wie er gegen das russische Volk gehandelt hat. Nikolaus II. hatte an einem Tage der Gefahr die Freiheit versprochen. Aber als ihm die Gefahr weniger bedrohlich er- schien, schickte er die erste Duma heim, die ihm nicht gelehrig genug schien. Er wollte ein Parlament von Lakaien. Die russische Regierung nahm vom Parlamenta- rismus das Wort, aber nicht das Wesen an. Um den Wünschen der Kamarilla und seines Herrn zu entsprechen, ließ Stolypin zu- nächst Unterdrückungsgcsetze verkünden, die Wählerliste fälschen, seine Gegner einkerkern und ritterlich erlaubte der große Minister den schwarzen Banden, Frauen und Kinder zu massakrieren. Die Ereignisse zerstörten seine ministeriellen Berechnungen. Trotz der Unterdrückung und der Gewalttätigkeiten der Behörden wurde die zweite Duma noch radikaler als die erste. Sie enthielt mehr als 100 Deputierte, die sich zu verschiedenen Nuancen des Sozialismus bekannten. Am Tage nach den Wahlen war es augenscheinlich, daß die Tage der zweiten Duma gezählt waren. Aber Stolypin wollte ein guter Kerl sein und war so freundlich, das Fortbestehen der Duma zu gestatten, jedoch unter der Bedingung, daß sie darein willigte, alles zu tun, was die Regierung wünschte. Die Kadetten waren schwach genug, diesen Einflüsterungen nur zu oft nachzu- geben. Sie stimmten gegen die Amnestie, sie weigerten sich, die amtlichen Mordtaten zu brandmarken, und sie wagten sogar nicht, ein Budget zu verwerfen, dessen Kontrolle man ihnen verweigerte. Sie baten die äußerste Linke himmelhoch, Herrn Stolypin jedes un- angenehme Wort zu ersparen und sich mit einem Lächeln auf den Lippen verfolgen und knuten zu lassen. Der Chef des Kabinetts hatte von nun an leichtes Spiel; er ließ bei den Abgeordneten Haus- suchungen veranstalten. Er ließ Telegramme fabrizieren, die im Namen des Volkes die Auflösung der Duma forderten. Er forderte Aufhebung der Oeffentlichkeit derjenigen Sitzungen, die der Prüfung des Heereskontingents gewidmet waren. Er legte Sympathie- erklärungen für die Polizei vor; er leistete sich den Luxus, Ver- schwörungen gegen den Zaren und gegen die Sicherheit des Staats zu entdecken. Er forderte Verfolgungen en bloc ohne Prüfung und auf der Stelle. Die Vertreter der Bourgeoisie hatten selbst nicht den Mut, auf diese Unverschämheit die Antwort zu geben, die sie verdiente und die Auflösung wurde ausgesprochen, ohne daß die Kadetten so glücklich gewesen wären, eine männliche Haltung ein- nehmen zu können. DaS organisierte Proletariat Rußlands hat die Aufgabe unter- nommen, die Antwort zu erteilen. Der Kampf gegen die Autokratie wird fortgesetzt werden ohne Waffenstillstand, und Sache der Ar- beiter aller Länder wird es sein, den russischen Genossen in ihrem Kampfe zu Hülfe zu kommen. Die sozialistischen Deputierten im österreichischen ReichSrat haben bereits ihre Absicht angekündigt, die Regierung über die Folgen einer Auflösung zu inter- pellieren, deren Verwickelungen man schon voraussehen kann und von denen den Interessen der fremden Nationen Gefahr droht. Die Sozialisten Frankreichs werden nicht ver- ehlen, ihrer Regierung die_ feierlichen Verpflichtungen ins Ge- zächtnis zurückzurufen, die sie in Sachen der Anleiheftage über- nommen hat. Die Sozialisten Großbritanniens, des Landes mit der parlamentarischen Tradition, werden am 14. Juli, dem Jahres- tage des Bastillesturmes gegen die Folge von Staatsstreichen manifestieren, die deren Urheber nur durch Heucheleien und Lügen zu rechtfertigen versucht haben. Die Proletarier der anderen Nationen werden es sich angelegen sein lassen, diese Bewegung zu unterstützen und ihren Mitgliedern ins Gedächtnis zu rufen, daß allein der Sozialismus der Friede ist, und daß unsere Parole jederzeit lautet: Nieder mit der Autokratie! Es lebe die russische Revolution! DaS Exekutivkomitee des internationalen sozialistischen Bureaus kehricht, Möbelstücken. Eine dieser Barrikaden erreichte die Höhe von einem Meter. So legte der Streikbrecherwagen, von Militär eskortiert, in zwei Stunden eine Strecke von 15 Minuten zurück. Dabei wurde das Militär einem wahren Steinhagel von feiten der Frauen ausgesetzt, so daß man schließlich vorzog, die Wagen wieder zurückzuziehen. Am Tage darauf erklärte sich die Direktion bereit, mit den Arbeitern zu verhandeln und bewilligte einen Teil der Forderungen. Anstatt deS bisherigen Zehnstundentages werden 9% Arbeitsstunden festgesetzt; die Regelung der Schichten wird einem Arbeiterausschutz übertragen. Tie Streikenden können mit ihrem Erfolg zufrieden sein. Von den 38 Verhaftungen, die am Donnerstag vorgenommen wurden, sind nur zwei aufrecht er- halten worden._ Generalstreik der Bäcker in Rom. Rom» 23. Juni. Infolge der Verschleppung des Gesetz« entwurfes, wonach die Nachtarbeit untersagt werden soll, haben die Bäckergesellen ganz Italiens beschlossen, morgen in den Generalausstand zu treten._ Ausstand der Minenarbeiter. Johannesburg, 24. Juni. Eine Massenversammlung der Ausständigen beschloß gestern abend, am 4. Juli alle Arbeiter aus den Minen zurückzuziehen, wenn ihre Forderungen nicht er- füllt würden oder die Regierung nicht einen obligatorischen Schieds- spruch durchsetze. Die Redner befürworteten einen Ausstand in allen Gewerben, wenn diese Resolution sich als erfolglos erweisen sollte,_ Sozialca. Krankenversicherung der land- und forstwirtschaftlichen Arveiter. Die reichsgesetzliche Krankenversicherung der land« und forst- wirtschaftlichen Arbeiter wird abermals auf die lange Bank ge- schoben. Man läßt Formulare über die Bcdürfnisfrage zurzeit bei den Oberpräsidenten zirkulieren. Die seit länger als zwei Jahr- zehnten selbst vom Reichstage als dringlich und spruchreif anerkannte Frage der Krankenversicherung ländlicher Arbeiter wünscht man nach einer Notiz in der„Vossischen Ztg." rn der Art zu regeln, daß ein Reichsgesetz die Versicherungöpflicht der ländlichen Arbeiter an- ordnen, die Durchführung aber dem Landesgesetz überlassen bleiben soll. Das wäre eine müßige und verkehrte Lösung der Versicherungsfrage. Müßig, weil ja schon heute die E i n z e l stauten gesetzliche Krankenversicherung der ländlichen Arbeiter einführen können und teilweise vorgenommen haben. Verkehrt, weil vom Stand« punkte sozialer Fürsorge aus nicht der geringste Grund für einen Ausschluß der ländlichen Arbeiter vom Reichs« recht, alles aber dagegen spricht. Ebenso notwendig ist die Einbeziehung deS G e s i n d e S in die reichsgesetzliche Kranken- Versicherungspflicht. Zurzeit sind L a n d e s g e s e tz e zur Versicherung aller in land- oder forstwirtschaftlichen Betrieben beschäftigten Per- sonen nur für Schwarzburg-Rudolstadt. Schwarzburg-SonderShausen. Sachsen, Württemberg. Baden. Hessen, Sachsen-Weimar, Braun- schweig, Sachsen-Altenburg, Bremen, Reuß j. L. und Sachsen- Meiningen erlassen. Gesinde Versicherung haben landesgesetzlich Baden, Braunschweig, Sachsen-Weimar, Hamburg, Württemberg und Lübeck eingeführt. Für den von Preußens rückständigsten An- schauungen geleiteten Geist der„Sozialpolitik" ist bezeichnend. daß die Regierungen über die Bedürfnisfrage erst noch beftagt werden sollen. In offenem Widerspruch m,t der Notwendigkeit. die Rechtsverhältnisse der Arbeiter, die mal hier mal dort Arbeit suchen müssen, einheitlich zu regeln, tritt die herrschende Richtung für ein Netz partikular-rechtlicher Gesetze für die Landarbeiter und das Gesinde ein. Ein Reich— ein Recht für die Kapitalisten. möglichst vielerlei Recht für die Proletarier zur Förderung ihrer Nechtsunsicherheit ist der nationale Schlachtruf der Agrarier, an deren Kette der Reichskanzler liegt. Eingegangene Druckfchrifteif. Protokoll der achten ordentlichen Generalversammlung des genttäh Verbandes der Glasarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. 157 Sellen. K. LaniSzewSki, Berlin 80., Elisabetb-User SS. Harckels Monismus und seine Freunde von I. Reinke. 56 Pj. Verlag I. Ambrosius Barth, Leipzig. Die Entwtckelung des Christentums von den llransängen bis zur Gegenwart. Von Dr. Otto Pfleiderer, 270 Seiten. München. I. F. Leh- mannS Verlag. Preis geh. 4 M., geb. 5 M. Letzte JVachncbten und Depefcben« Eine neue Kaiserrede. Kiel. 24. Juni.(W. T. B.) Der Kaiser hat heute morgen an Bord des japanischen Kreuzers„Tsukuba" folgende Worte ge« sprachen:„Meine Herren! Ich heiße Sie und Ihre Schiffe in meinem Namen wie im Namen meiner Flotte und meines Landes in diesem Hafen herzlich willkommen. Ich weiß die güttge Absicht Seiner Majestät des Kaisers von Japan bei der Entsendung dieses Geschwaders nach Kiel in hohem Maße zu würdigen. Ich beglück« wünsche Sie zu dem Aussehen ihrer Schiffe und ihrer vortrefflichen Mannschaften, und ich vertraue und hoffe, daß die japanische und die deutsche Flotte stets als gute Freunde und Kameraden zu- fammcnwirken mögen, sowie daß ihre Flaggen stets Seite an Seite wehen mögen, zur Erhaltung von Frieden und Ordnung in der Welt. Meineidsprozeß. Beuthen, 24. Juni.(W. T. B.) Die Frau deS vom letzten Schwurgericht wegen Mordes zweimal zum Tode verurteilten Roß. schlächters Liberia wurde heute von der Strafkammer wegen dreier wissentlicher Meineide, die sie im Mordprozctz ihres Mannes geleistet hat, zu elf Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt, unter Einrechnung der bereits wegen Beihülfe an den Morden erkannten fünf Jahre Gefängnis. Tie arme Mauer. Wiesbaden, 24. Juni.>/, MIM.«erk. Sofastoffe Riesenauswahl aller QualitSten. Wolle- Qoctaf Kocqnett«. PlUech"CStC. Satleltaschen. Muster b. näh. Angabe franko. Emil LeßTre, o�"stV. 1§8. Inhalt bei Inserate it die Rebattio» dem Nur de» übernimmt Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zhcatcr. Dienstag, den 25. Juni. Anfang VI, Uhr. Kgl. Schauspielhaus. Die Raben- steinerin. Neues kgl. Operntheater. Carmen. Ansang 8 Uhr. Schiller v.(Wallner-Thealer.) Carmen. Schiller(Friedrich Wilbelin- städtischeS Theater.) Kyritz-Pyritz. Deutsches. Der Jongleur. kleines. Nachtasyl. Komische Oper. Carmen. Westen. Die lustige Witwe. Neues Schauspielhaus. Hopsen- raths Erben. Residenz. Haben Sie nichts zu verzollen? Lnstit'ieiliaus. Die Welt ohne Männer. Thalia. Staatsanwalt Alexander. Luisen. Das Rätsel seiner Ehe. Bernhard Rose. Der grotze Un- bekannte. Me«ropol. Der Teufel lacht dazu. Wintergarten. La Tortajada. Spezialitäten. Apollo. Der lustige Witwer. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Folies Caprice. Geisterauto.— Paris. Passage» Spezialitäten. Retchshalleu. Stettiner Sänger. Urania. Tanbrnstrahe iHl49. Von der Zugspitze zum Watz. mann. Sternwarte, Jndalidenstr. 57/52. Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. Nachtasyl. Mittwoch; Gastspiel Frank Wedekind. Ans. 8-/, Uhr. Donnerstag: Ein idealer Gatte. Freitag: Nachtasyl. Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Die lustige Witwe. Operette in 3 Allen v. Franz Lehär. Resideiis-Theiiltt. Direktion Richard Alexander. Heute und solgende Tage 8 Uhr: Hsben Sie nictits zu verzollen? Schwank in 3 Akten v. M. Hennequin _ und P. Veber. Lustspielhaus. 8 Uhr: Wiener Ensemble- Gastspiel Die Welt ohne Männer. Pepi Glöckner als Gast. Luisen-Theater Reichenbergerstr. 31. Abends 8 Uhr: Das Rätsel seiner Ehe _ und solgende Tage._ Metropol-Thealer Anfang 8 Uhr. Große Jahresrate in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Rauchen überall gestattet. 8 Uhr: Glänzende Spezialitäten mit Jean Clements Zirkus-Parodie Barnum u. Beileid. AbendS 9'/, Uhr: ■wr Hartstein-mn in seiner Burleske: Der lustige Witwer. 1. Bild: Das'lebte Mal. 2. Bild: Die Folge» davon. Urania» Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. 1 AAAAAAAAAAAAAAAAM i Passage-Theater. Abends 8—11 Uhr: Die kleine, Rakete! mit « Paulette van Roy. | 14 großartige Spezialitäten.�� Otto Pri'tzkow JIünastraDe 16. [-(St. Louis) Theater lebender Photographien. Täglich Eingang von — Neuheiten.— ♦ Den ganzen lag Vorstellung. ♦ OOIOCISCHER GARTEN Tätlich nachm. 5 Uhr: Oroßeei Militär-Doppel-Konzert. 1 Eintritt 1 Mk., von abends 1 [ 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter] 10 Jahren die Hälfte. Brunnen-Theater Badstraste 58. Direkt.: BernH. Rote. 10 neue Attraktionen 10. Derminglantruppe, Kunstradfahrer. The Eieunas, Gymnastiker. Die weltberühmte Teuselspantomime Eine unrnhige Nacht der Phoites Guitano Truppe. �£11 Carmen, Kasseneröffnung 2 Uhr. Ans. 5 Uhr. Billettvoroerkaus von 10—1 Uhr an der Theaterkasse. MMMNIM Gr. Franksurterstr. 132. Täglich: Anfang 4'/, Uhr. Im Garten:"W. Das glänzende Juni- Programm. Paul Corradini.— The Laugtry. Die Ballettschule. Sperrsitz 50 Ps. Entree 30 Ps. Abends 8'/, Uhr im Theater: Der große IJnbcbannte. _ Sommerpreise. W. Noacks Theater. Direktion: Roh. Dill. Brunnenftr. 16. Konzert, Theater, Spezialitäten. Kolossaler Erfolg! Berlin, wie es bautiiiMt! Ansang 6 Uhr. Bei schlechtem Wetter: Vorst, im 8aal. Reichshallen- Theater. r Sänger. Ansang Wochentags 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Reichs. hallen- Garten und Restaurant: Militär- Konzert Scliweizergarten Am Königstar. Am Friedrichshain. Strastenbahn 1,2.4,17.59, 62, 63 u. 74. Täglich: Theater-Vorstellnng. Neue Spezialitäten. Kinematograph und Ball. Freier Damentanz. Anfang 5 Uhr._ Entree 30 Ps. I Max Kliems i Kommer-Theater i Hasenheide 13/15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglieii: Cr. teert toter ü. Spezialitäten-Vorstellung, Jeden Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste. Jeden Donnerstag: Elite-Tag. Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. Schiller-Theater 0. (Wallner-Theater.) Morwih-Oper. DlenStag, abends 8 Uhr: Grast« Oper in 4 Akten von Bizet. Mittwoch, abendS 8 Uhr: UnSlnv. Donnerstag, abendS8Uhr: _ Dl« Hngenotten. Glänzendes Programm. Walhalla T? Variete-Garten Wcinbergswcg 19/20, Roienth.Tor. Spezialitäten. Vorstellung. Promenaden- Konzert. Ans.: Konzert 5; Vorstellung 7 Uhr. DM- Bei ungünstigem Wetter Vorstellung im Theater 8 Uhr. Kleine Sommerpreise. Sanssouci, sSV. Direktion Wilhelm Reimer Der Garten ist geöffnet. Sonnt., Moni., Donnerst.: liviimMS Hordd. Sänger u. Tanzkrünzchcn, Stets neue? aktuelles Programm. Sonnt. Beg. 5, wochent. 8U. Für nächste Saison find säwtl. Sonnab. bereits besetzt. Roch einige Mittwoch Abende find frei. r Volksgarten-Theater. Bad-BehmstraBe— Bahnhof Gesundbrunnen— Bellermannstraße. Der rechte Weg. Original. Volksstück mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von W. Gerickc. ———. Hierzu: Das neue Kiesen-�eMäten-frogyniln. Volksbelustigungen Nur noch Iiis Ende Juni geöllnei! Qolltsmuseum Fried, ichstr. 11», Nähe Oranienburger Tor. Anatomie! Pathologie! Samariterlehre! Mechanische Kolossalgruppen! Vöihergalerie Täglich wechselnde bichthilcker.» vortrage über Visitkarte des 1 Vervi«chers l Vorausbestlm. i niung des Geschlechts! Herma- J püroditismus Volks• Krank*> helfen etc., Eintritt 30 u. 50 Ps.. Militär 20 Ps... Kinder 10 Ps. 1041b«, I»WWWMMWWWWWMMMMMMMM'' l�eue Melt Hasenheide 108-114. Täglich: Gr. Doppel-Konzert »- Spezialitäten-Vorstellung. Austreten von Kunstkräften 1. RangeS Geschw. Wels, Duettisten. Steffen Brothers, Akrobaten. Rheingold Trio, Gesangsterzett. Mamptinis Weibermühle. Gurt Ellis. Beasy Comp. Pantomime. Geschwister D'Orville, DoppeltodeSIustsahrt durch den ganz. Gart. a. d. Zähnen hängend. Ansang S Uhr. Entree zum Konzertgarten 10 Ps. ., Thcatergarten 50 Ps. Gustav Behrens-Theater. Berlin W., GoltzstraBe 9. Das neue exquisite Juni- Programm. Schlager aaf Schlager I ; e u! Dir Jungfrau v. Orleans. Komödie. Gretfenberger prolongiert. Neu! Emmeline u. Erich Hochberg, Opernduett sowie die übrigen erst- llasstgen Spezialitäten. Ansang 8 Uhr, Sonntags 6'/, Uhr. Sommerpreise. 8eiriiier-Tiieater N. Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater. Abends 8 Uhr: Kyrltz-Pyrltz. Sommerpreise. ; Buggenhagen Moritzplatz. Dienstag, den 25. Juni: ! Gr.Abschitds-Vorsttttung ! und Abschieds-Konzert ( der Willy Walde-Sänger \ u.d. Gust. Gottschalk-Kapelle. 4 Schlachtmusik, Fackelzug und < Familienkränzchen. < Die geehrten Gäste und Freunde. j welche den Scheidenden eine-">4- ute Erinnerung bewahren, ehren doppett durch ihr Erscheinen. Anfang 6 Uhr. Eintritt 29 Pf. dersenigen MUch- und Gemüsegeschüfte, die nachweislich Ware von unbewilligte« Bäckereien beziehen. Ackersir. 35. Belle. Anklamerstr. 6. Tereslak. 53, Döring. 5«. Witte. Bergftr, 17, Taspel. Beuffelstr. 79. Beehof. Bötzowstr. 18, Erdmann. Boyenstr. 45, Dler. BurgSdorsstraste(Ecke Sparrstraste), lliikoseski. Buttmannstr. 4, tfelnz. Cadinerstr. 2, Pieperf. Chortnerstr. 58, Vialllard. Cotheniusstr. 14, Picknik. Colbergerstr. 5, Duckert Dunckerstr. 2a, Scholz. Eberthstr. 55, Kleinau. sehmarnstr. 1, Karbe. sreienwalderstr. 24, lügen. riedrichsselderstr. 6, Sommer. 12, Heger. , 19, Friese. , 29, Freund. 37, PulkowskL Gaudystr. 39, Priebisch. GotzkowSkystr. 20, Ziemer. Gropiusstr. 2, Wolf. ' ausburgstr. 8, lasche. ochstötterstr. 27, Bruder. Hussitenstr. 22, BIllbbe. JaSmunderstr. 20. Friese. Kochhannstr. 13, Schlitz. KopenHagenerstr. 15, Gerhard, Köpnickerstr. 165, Burschke. Lmienstr. 213, Gruber. LoHmüHlenstr. 36, Hinz. Luisen-User 13, Ziebahrt Lynarstr. 25, Scheer. Marienburgerstr. 2, Kampfer. Pappel-Allee 9, Strüdinger. 53, Hein. PeterSburgerstr. 13, KrOger. Roftockerftr. 3, Franke. . 39, Rosner. Rhkestr. 44, Kessel. Schliemannstr. 10, Schröder. 43, Kumm. Schönslieherstr. 8, Fink. Schwartztopffstr. 6, Discher. Seeftr. 68, Schönling. Simon Dachstr. 27, Pefersohn, Skalitzerstr. 59a, Hallmann. Strastmannstr. 1, Hanse. «trelitzerstr. 69, Graümann. Tegelerstr. 15, Laue. Tilsiterstr. 84, Minkwitz. Usedomstr. 12, lauer. Warschauerstr. 47, Brause. Wielesstr. 9, Wissmann. Wiesenstr. 28, Lenz. Weißenburgerstr. 83, StrauB. Zorndorserstr. 39, Schwarz. 52, Möbis. Zwinglistr. 14, Förster. Charlottenbu-g. Helmholtzstr. 25, Kaba. Nehringstr. 29, Krüger. Lichtenberg. Chausseestr. 78, Flischke. Pankow. Maximilianstr. 43, Schulz. Reinickendorf-West. Antonienstr. 42, Lütter. Wittestr. 7. Birr. Rixdorf. Cannerstr. 15, Martin. Elbestr. 36, Backofen. Fried elftr. 26, Lange. Neue Hobrechtstr. 62, Koeil. Jägerstr. 55, Oswald. 61, Ruhnke. Kaiser Friedrichstr. 9, Sehfekel. Rummeloburg-Boxhage». Crcssenerstr. 28, Kornetzki. Gärtnerstr. 28, Lindicke. Kantsw. 18, Mägdefrau. Lenbachftr. 2, Hamann. Wühlischstr. 37, Hesse. Wir bitten die verehrlichen IlSUSsrauen und Xonsumenten. die kämpfenden Bäckergesellen dadurch wirksam zu unterstützen, daß sie ikre Ware nur aus Geschäften beziehen, die Srot nnd Sachware von nur bewilligten Säehereien entnehmen. Wegen ftaummangels wird die Antwort an) das Tlugblatt des Srotfabrikanten Wittler morgen erfolgen. Die Lohnkommission. Bureau: Auguststr. 36, Amt 3, 1243. Diez' Spezialitäten-Theater. liandsberger Allee 76—79. Dirett a. d. Ringbahnstation. Bequemste Fahrgelegenheit n. allen Stadtricht. Od BcbUn! 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Juni er.: Benefiz Braun. Sozialdemokratischer Wahrerem im 6. Berliner Reichstags- Vahikreis. Dienstag, den 25. Juni, abends 8Va Nhr, im Kerliner prater- Theater, SM"» �Uee 7: Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Heinrich Dunker aus Dresden. 2. Diskussion. ——————— Gäste— auch Dame»— willkommen! Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der Verstand. Am Sonntag, den 14. Juli, findet im Moabiter Schützenhaus am Plötzense« unser 8ommer-pest statt.— Billetts find bei den Bezirisführern und in den mit Plakaten belegten Geschäften zu baben. Billetts. welche an der Kafie gekauft werden, kosten 3 Pf. mehr._ Per Vorstand. Orts-Krankenkaff e der Gelb- und Zinugiester zu Berlin. Aus Grund des tz 64 des Statuts geben ww den Mitgliedern und Arbettgebern bekannt, dafi der in der Generalversammlung vom 21. März cr. beschlofiene, unter dem 7. Mai cr. genehmigte zweite Nachtrag des Kassenstatuts am Montag, den 1. Jnlt er., w Krast tritt. Zur Abänderung gelangt§ 21 Abs. 2, wo der Satz von—.nach näherer Be« sstmmung- usw. bis„TagelohnS" ge> striche» wird. 147gb Berlin, den LS. Juni 1307. __ Der Vorstand Arbeitsnachweis! Hos I. Amt 3, 1239. Verwaltungsstelle Berlin. Hanptburea«: «,»riM,tr»I« 3. Hos UI. Amt 3, 1987, Mittwoch, den 26. Juni, abends 6 Uhr: Sranchen- Versammlung der Metalldrücker Serliiis». Kmgepd im Gewe�tschastshauS» Engel-Ufer 15. Saal 1. TageS-Ordnung: 1. Bericht vom BerbandStag. Reserent: Kollege Hartman«. 2. DiS- kusfion. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. �adlreicder Peauod vird erwartet, Mittwoch, den 26. Juni, abends 8V2 Uhr: Versammlung der Wold- und SUderarbeiter vnd verwandter Kervfsgtllasstll in Frankes Fest- Sälen, Sebastian-Straste Nr. SS. TageS-Ordnung: 1. Berichterstattung vom Verbandstag in München. Referent: Kollege Frte Heynaman. 2. Dwkusfion. 3. BerbandSangelegenheite» u. Verschiedenes. Um recht zahlreiche« und pünktliches Erscheinen ersucht Rrop-Mterfelde! Steglitz! Dienstag, den 25. Juni, abends 8 Uhr: öejfenfl. Holzarbeiter- Versamtnntlunn im Birbenwüldclien, zu welcher alle Holzarbeiter eingeladen find. VesonderS die Nicht- organisierten und die Mitglieder detz«ewerkvereins(H.-D.) 89/2» Die OrtaTerwaltangen, Schönebepg. msi Holzarbeiter. � Mittwech, den 26. Juni, abends 6 Uhr, im Lokale von Obst. Meiniugrrstratze 8: Versammlung stmtt. ia der Hohiudustrik Schövebergs beschast. Arbeitkr. TageS-Ordnung: 1. Bortrag de« Redakteurs Deinbard. Thema: Die Wirtschaft- lichen Kämpfe der Reuzeit und welche Kämpfe stehen uns bevor? 2. DiSkusfion. 88/17 ES ist Pflicht jede» Holzarbeiters, zu erscheinen. Der Etnbernfer. H,& P. Uder, engd-afer1*'.| Tabak-Großhandlung und Tabaktabrik. FW-- Raacb-.Kan-.Scbnapftabake, Zigarren. Zigaretten."WM Vorteilhafteste Bezugsquelle für V/ iederverkänfer.• Größte Auswahl gelagerter Zlenrren in allen Preislagen. 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Kollege Deinhardf-Stuttgart Miter-FK und Kollege IBllUoi'MKöln. TageS-Ordnung: «1. Bortrag: Die wirtschaftlichen Kämpfe der Neuzeit und welche Aufgaben stehen uns bevor. 2. Diskussion. Die Kollegen werden ersucht, recht zahlreich in diesen Versammlungen zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. pH- mid pmcn-SlhttibiW-Kmche. Mittwoch, den SS. Juni, abends 8'/, Uhr: WGT Versammlung"MZ bei fflanschke(früher Kubat) Blumenstratze 38. Me Kollegen müssen w dieser Versammlung erscheinen. _ Die»ommisfio«. Ktodelt- und 7abriktischler und Jftodelldrechsler. Mittwoch, den SS. Juni, abends 8'/, Uhr, bei Schmidt, Gartenstratze 6: Branchen-Versammlung TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Ardeitersekretärs Genossen Unk. 2 Verbands- und Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Achtung: BodenleKSt'. Mittwoch, den LS. Juni, abends 8 Nhr, im Gewerkschastshause (Saal 7). Engel-Ufer IS: Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Die Parkettfirmen von autzerhaib als Arbeitgeber in Berlin und waS haben die Bodenleger Berlins zu erwarten? Reserent: Kollege �krea». 2. Branchenangelegenheiten und Ver- schiedeues. __ Zu dieser Versammlung werden alle Kollegen von autzerhalb, die in Berlm arbeiten, geladen und auch die, welche bei solgenden Firmen in Arbeit stehen: Karl Badmolar, Schiittke, Pumplun, Hetzer, ilefelder, Schneider und Fischer& Schütz. Die Kommlssloa. Jalousie- Apbeitep. Mittwoch» den SV. Juni, abends 8'l, Uhr: Krnnchr«- Uer sammlung im«ewerkschaftshause, Engel-Ufer IS, Saal 8. 89/4 TageS-Ordnung: 1. Branchenangelegenheiten. 2. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung halber müssen all« Kollegen erscheinen. _ Die Kommisfiou. = Kammachep= Mittwoch, den SS. Juni, abeudS präzise 8'/, Uhr: Branchen-Versammlung der Iwmkr id aller io der Wdftigteii Arbeiter und Arbeiterinnen in Dockers Feststtl en, Weberstrafte 17. TageS-Ordnung: 1. Bortrag deS Kollegen dalli» UllckcdraiiSt über: Die Wirt- schaftlichen Kämpfe in der Zukunft. 2. Diskussion. 3. Werkstatt- Angelegenheiten. 4. Verschiedenes. Der sehr wichtigen Tagesordnung wegen ist eS Ehrenpflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. _ Die Kommission. ■S" Binsetzer."MZ Mittwoch, den SS. Juni, abends 8 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27 o: Branchen- Ter sammlnng. TageS-Ordnung: 1. Wahl deS I. und II. Obmanns. 2. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Der Obmann. Kranche der Miljlkiilftrilmeüteü-Arbeiier. Mittwoch, 26. Juni, abends 8'/, Uhr, in den AndreaS-Sälen, Andreasstrafte S1: Branchen■ Iflltgllederverlammlung. Tag eS.Ordnung: 1. Die diesjährige Aussperrung in der Holzindustrie und ihre Bedeutung für die Musikinstrumenten< Arbeiter. Reserent: Kollege V. Delnhardt auS Stuttgart. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Ver- (hieben e3. Die autzerordenlllche Wichtigkeit der TageS-Ordnung ersordert dttngend deS Erscheinen sämtlicher Kollegen und Kolleginnen. Zur besonderen Beachtung! In dieser Versammlung ersolgt die Ausgabe neuer Vertrauensmännerkarten, ohne welche kein Kollege zu den nächsten VertrauenSmänne r-Versammlungen Zutritt erhält. Die Ber- ttauenslente aller Betriebe müssen sich deshalb rechrzeittg vor Beginn der Versammlung zum Umtausch ihrer Legitimattonskarten einfinden. - Mitgliedsbuch legitimiert I SozialdemokratiseherVablTereiii für den i Berilnerlleiciistags-Wablkrels. (Görlitzer Viertel.) Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, datz unser Genosse, der Holzbildhauer EmH Kessel w ohnhast Oranienstr. 186, Stadt- bezirk 85, gestvrden ist. Ehre seinem Zlndenken k Die Beerdigung findet heute nachmittag 5'/, Uhr von der Leichenhalle des neuen Thomas- Kirchhofes aus statt. Ilm rege Beteiligung ersucht 262/11 Der Vorstand. ZomldkWbratfcteMvei'elii! des 6. Todes- Anzeige. Am 22. Juni verstarb unser Mitglied, der Gerber Kus�av Beyer (Prinzen Allee 32.) Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Dienstag, nachmittags 6 Uhr, von der Halle des neuen Pauls- Kirchhofes in Plötzensee aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 256/8 Der Vorstand. WIisiillliei'ttliki'lii'jieilei'öeM? (Filiale I). Todes-Auzcigc. Allen Mitgliedern hiermit zur! Nachricht, datz am Sonnabend, den t 22. d. Mts.. unser langjähriges! und treue« VcrbandSmitglied Gustav Beyer nach langer schwerer Krankheit I verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet DienS- tag, den 25. Juni, nachmittags I 6 Uhr, von der Leichenhalle des I Pauls-Kirchhofe« Plotzensee auS statt. Zahlreiche« Geleit ist Ehrenpflicht. I 292/7 Der Vorstand. Zentrülverbüiid deutscher Krauereillldelter Zahlstelle Berlin. Sektion 1. Tode»» Anzeige. Am Sonntag, den 23. Juni, starb unser langjähriges Mitglied .loset Winkler (Spandauer Bergbrauerei) im Alter von 42 Jahren. Ehre seinem Zlndenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 26. Juni, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- halle des Virchow-Krankenhaujes, Syltersttatze, aus nach dem Hed- wigS. Kirchhos in Rcinickendors- Wck, Berlinerstt. 24/28, statt. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. Der Vorstand. 8nmIl!en!liIirnti!iiZb.M|?krW Slpalau. I. Bezirk. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Genosse, der Boots- bauer Paul purps am Freitag, den 21. Juni, verstorben ist.-222/7 Ehre seinem Andenken! Der Vorstand. Die Di-aacbciilcltaiig. Perlmutt-, Horn- u. SteiunuS-Knopfarbeiler. Mittwoch, den SS. Juni, abends 7'/, Uhr: Kranchen- Uersammwna im Gewerkschaftshauie, Engel-Ufer IS(Saal 5). Tagesordnung: 1. Vorttag. 2. Diskussion. 3. Branchen- und Verbandsangelegcnheiten. 4. Verschiedenes. Alle Kollegen werben ersucht, zu erscheinen. Der Obmann. Duiiltsogung. 1481Ö Für die Beteiligung und die vielen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, des Tischlers Emil Starrt, sagen wir allen Freunden und Be- kannte», insbesondere den Kollegen vom Holzarbeiterverband und der Firma Pjass hiermit besten Dank. Emilie Starck nebst Kindern. Dsnksaxunx. Für die vielen Beweise herzlichster Teiinahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage ich dem sozial- demokratischen Gastwtrteverein, dein Gastwirteverein„Südwest", dem Gr» sangverein und allen Freunden und Bekannten meinen besten Dank,-sloü t-'i-Uz Mchlel'ke, Gastwirt. Danksagung. Für die vielen Beweise allsrichtiger Teilnahme sowie die herrlichen Kranz« spenden bei der Beerdigung meines neben ManneS, des Gastwirts «Julms Küß uer sage ich alle» Verwandten, Freunden und Betanntcn sowie sämtlichen Ver» einen meinen innigsten Dank. Frau Wwe. 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An- fangtgehalt bis zu 2500 Mark. Bewerber wollen ihre Bewerbung bis spätestens 1. Infi an Unterzeichneten einsenden. 5275L» W. Plech. Bremen. Faulensir. g. Möbliertes Zimmer für einen Herrn. ZyttkowStt, Dresdener. stratze 128,129. Gartenhaus III. Kottbuser Tor. 1477b____ Berlin. Z-ruck u. Brrlag: BorwäM vuchdruckerei u. verlagSanMt fad Singer& So.,»erlin SW. Dr. 145. 24. Jahrgang. 2. KtilM des Jätiuättö" Kerlim Ilolliolilall. Dievstilg. 25. Juni 1907. parte!- Hngelcgenbeitem Sechster Wahlkreis. Heute abend Versammlung im Prater- Theater, Kastanienallee 7. In unsere Sonntagsnotiz hat sich insofern ein Fehler ein- geschlichen, als die Billetts zu dem am 14. Juli stattfindenden Sommerfest im Borverkauf nicht 25, sondem 20 Pf.» und an der Kasse nicht 30, sondern 25 Pf. kosten. Der Vorstand. Schöneberg. Heute Dienstag, den 26. Juni, abends 8 Uhr, findet in E. Obsts Festsälen, Meiningerstr. 8. die Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Vortrag: Unsere Volksschulen. Referent: Genosse Heinrich Schulz. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Parteigenosten! Der wichtigen Tagesordnung wegen ist das Erscheinen aller notwendig. Der Vorstand. Bei dem Stiftungsfest am Sonntag ist versehentlich ein Regen- schirm stehen geblieben. Der Finder wird gebeten, denselben bei E. Obst abzugeben. Wilmersdorf. Heute abend SVg Uhr findet im.Luisenpark', WilhelmSaue 112, die Monatsversammlung des Wahlvereins statt. Vortrag des Genosien PagelS über.Klassenkämpfe der Gegen. wart'. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Berliner JVacbncbten. Ei» Triumph der Hausbesitzer. In der gestrigen Sitzung des Stadtverordnetenausschusses zur Vorberatung der Wertzuwachssteuervorlage führte nur noch der Beschlutz erster Lesung, nach welchem in allen Fällen eine Verrechnung der Wertzuwachssteuer auf die Umsatzsteuer zu erfolgen hat, zu einer Debatte. Die Bestimmung würde nach der ausgesprochenen Absicht der Antragsteller das Ergebnis herbeiführen, datz die Ertragsfähigkeit der Steuer fast gänzlich unterbunden oder mindestens aufs äntzerste eingeschränkt wird. Von unseren Genossen sowie von den Vertretern des Magistrats wurde noch einmal betont, datz nach Einfügung dieser Bestimmung die Vorlage jeden Wert und für sie kein Interesse mehr besitzt. Aber das war's ja gerade, was die Majorität des Ausschusses erreichen wollte. Der Beschlutz erster Lesung wurde in der Abstimmung aufrecht erhalten und sodann gelangten in rascher Folge die letzten Paragraphen der Vorlage zur Annahme. Die seit fast 1'/, Jahren sich hinschleppende Beratung hat also wenigstens im Ausschutz zu einem völlig negativen Er- gebnis geführt. Die Hausbesitzer triumphieren im Ausschuß auf der ganzen Linie. Nach den Ferien hat das Plenum der Versammlung das Wort und unsere Genossen werden mit aller Kraft versuchen, dort eine andere Entscheidung herbei- zuführen. Als Köder für die öffentliche Meinung wurde zum Schluß von einem Mitglied der Majorität noch folgende Resolution eingebracht:„Die Versammlung ersucht den Magistrat, eine Aenderung der Grundwertsteuer dahin herbeizuführen, daß un» bebaute und Abritzgrundstücke zu einem höheren Prozensatz zur Grundwertsteuer veranlagt werden als die bebauten." Die Resolution wurde angenommen. Die Stadtverordueteuversammlang hat am Donnerstag eine außergewöhnlich umfangreiche Tagest ordnung zu erledigen; sie wird kaum bewältigt werden. EZ wird deshalb voraussichtlich am nächsten Freitag eine Extra fitzung der Versammlung stattfinden müssen. Auf der Tages ordnung steht u. a. die Beratung der Vorlage über die Er höhung des Honorars für die nicht angestellten, mit der Verwaltung einer Stelle beauftragten Lehrer vom t. April 1906 ab. Da die vor einiger Zeit von den Behörden an genommene Besoldungsordnung nur für fest angestellte Lehrer gilt, so sind die nicht angestellten natürlich leer ausgegangen. Aus Billigkeitsgründen hat der Magistrat beschlossen, auch den nicht angestellten Lehrern entgegenzukommen und ersucht die Stadtverordnetenversammlung um ihre Zustimmung. Fürsorge-Zöglingr i» der Heringsfischerei I Wir lesen in der.Rheinisch-holländischen Schiffahrt-Zeitung': .Mangels geeigneter Arbeitskräste auf den Loggerschiffen werden jetzt von den Heringsfischereien Versuche gemacht mit der Einstellung von städtischen Fürsorge-Zöglingen. Ein Trupp von erst- malig 60 Köpfen aus einer Berliner Anstalt ist für die Fischerei gesellschast.Neptun' in Emden eingetroffen. ES steht zu hoffen und dürste auch wohl durch die amtlichen Stellen nachkontrolliert werden, datz diese bedauernswerten, grötztenteils auch schwächlichen Geschöpfe nicht auf Gnade und Ungnade der Willkür der robusten Fischer preisgegeben werden. Solches Los wäre unmenschlich und bedeutete für diese Wesen keine Verbesserung gegenüber dem Verbleib in einem noch so verkommenen Elternhause l DaS«Ver heuern' dieser Minorennen seitens der Behörde hat übrigens auch einen starken Anstrich von Sklavenhandel und erscheint rechtlich kaum zulässig. Bemerken möchten wir, datz die m Ruhrort erscheinende.Schiffahrt Zeitung' das offizielle Organ der westdeutschen Bilineisschiffahrts BerufSgenossenschast ist Wenn die eine solche Kritik an diesem„Ver heuern' der Fürsorgezöglinge übt, so schöpft sie sicher auS guter Kenntnis der Verhältnisse. Auch wir meinen, datz auch Fürsorge zöglinge nicht als willige und billige Ausbeutungsobjekte mißbraucht werden dürfen._ Die Berkehrsverhältnisse am Bahnhof Zoologischer Garten bc» dürfen dringend der Verbesserung. Es war deshalb vom Char- lottenburger Magistrat ursprünglich in Aussicht genommen, an der Nordwestseite des Bahnhofs Zoologischer Garten eine neue Straße zu errichten. Der Minister vertrat jedoch in Ueberein- stimmung mit den übrigen Staatsbehörden die Ansicht, daß dem Verkehrsbedürfnis ausreichend entsprochen würde, wenn an Stelle der geplanten Straße auf der nordwestlichen Seite des Bahnhofs Zoologischer Garten ein fiskalischer Anfahrtsweg hergestellt würde. Nunmehr beabsichtigt der Staatsfiskus auf der Nordwestseite des Bahnhofs Zoologischer Garten eine Straße und zwecks Verbindung dieser neuen Straße mit der Verlängerung der Joachims- thaler st raßc eine Durchfahrt durch einen der Stadtbahnbogen auf eigene Kosten herzustellen. Die Ver. Handlungen haben dazu geführt, daß der Fiskus zum Abschlüsse eines diesbezüglichen Vertrages mit der Stadt Eharlottenburg jetzt bereit ist Danach will sich der Fiskus verpflichten, das ihm ge- hörige Straßenland der Joachimsthalerstraße zwischen der Horden- bergstraße und der nördlichen Begrenzungslinie der durch den Bahnhof Zoologischer Garte» anzulegenden Durchfahrt an die Stadt mit der Maßgabe abzutreten, daß die Stadtgcmcinde in die wegen der Benutzung der Joachimsthalerstraße bestehenden Ver- träge cHtritt. An diesen Verträgen find die Berliner Elektrizi» tätswerke, die Stadt Wilmersdorf, die Westliche Berliner Vorort- bahn und der Akticnverein Zoologischer Garten beteiligt. Die Aus- führung der Regulierung soll spätestens zwei Jahre nach der Ge- nehmigung des Planes seitens der Stadt Charlottenburg, die diesen Plan befürwortet, stattfinden. Legate für Blinde. Dem Magistrat sind aus dem Nachlaß des im April v. I. hier verstorbenen Rentiers Jsmar Neumann zwei Legate von je 16 000 M. für zwei segensreiche Blindeninstitute zu- gefallen. Das eine Legat ist für die städtische Blindenanstalt und das andere für das aus der Wilhelm und Ida Becker-Stiftung unter- Haltens Blindenheim in Weißensee bestimmt. Der Magistrat hat die Annahme beider Legate beschlossen. Wegen der Aufstellung eines großen Wappentieres— eines aus- schreitenden Bären— in Erz ist der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage zugegangen. DaS Wappenlier der Stadt soll in Lebensgröße einen Schmuck der großen Halle des neuen Stadthauses an der I ü d e n straße bilden, ähnlich dem Wahrzeichen Braunschweigs vor der Burg, Dankwarderode, wo der Löwe auf der Rugesäule seit 600 Jahren steht. Der Direktor Max Schlesinger, der Begründer der Berliner Unfallstationen, ist in der vorvergangenen Nacht gestorben. Erstochen. In der Nacht zum Sonntag ist das Schönhauser Stadtviertel der Schauplatz einer rohen Bluttat gewesen. Der 29 Jahre alte Töpfer Georg Benda aus der Mülhausenerstr. 3/4 wurde von dem arbeitslosen Rudolf Jacobi erstochen. Ueber den Totschlag werden folgende Einzelheiten gemeldet: In der Mülhausenerstr. 3/4 wohnt ein Arbeiter NochnSli, dessen 17 Jahre alte Tochter seit einigen Tagen in einer Gastwirt- schaft in der Linienstratze als Kellnerin tätig war. In der Sonn- tagnacht um 11 Uhr holte der 19 Jahre alte Kasimir NocynSki seine Schwester, wie üblich, aus der Wirtschaft ab. Als er auf dem Heim- wege an der Ecke der Straßburger- und Belforterstratze etwas zurückblieb, stellte der 20 Jahre alte Kutscher Walter Wille der Schwester unsittliche Anträge. Das Mädchen wies ihn ab und wurde dafür von ihm ins Gesicht geschlagen. Ihr Bruder stürzte sich auf den Attentäter und warf ihn zu Boden. Wille ging nun in die Schankwirtschaft von Völker in der Strahburgerstr. 23. Frau Nocynski ließ ihn kurz darauf durch einen Schutzmann feststellen. Wille teilte sein Erlebnis seinem Bruder Erwin und anderen jungen Leuten mit und veranlaßte sie, mit ihm die Frau N. und ihre beiden Kinder zu verfolgen, als diese drei mit dem Schutzmann das Restaurant verließen. Sie erreichten jedoch ihr Haus und schlössen die Tür ab. Die Verfolger polterten gegen die Haustür und schlugen die Scheiben ein. Der Töpfer Benda, der im ersten Stock des Seitenflügels wohnte, glaubte, daß seine beiden Brüder in eine Schlägerei verwickelt seien. Er eilte hinunter. Die Ver- folger hielten ihn für Kasimir NocynSki und fielen über Benda her. Plötzlich brach Benda, von einem Dolchmesserstich in die Brust ge- troffen, besinnungslos zusammen. Er wurde nach der Unfallstation in der Schönhauserallee gebracht, wo er unter den Händen des Arztes starb. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Verhaftet wurden Walter und Erwin Wille, ein gewisser Richter und Reinhold Ja- codi. Auf dem Transport befreit. Vor einigen Wochen war der geisteskranke Verbrecher Brösel, der in der Irrenanstalt Herzberge interniert war, ausgebrochen. Inzwischen konnte seine Wieder- festnähme erfolgen und am Sonnabendabend sollte die Ueberführung des Geisteskranken nach der Anstalt erfolgen. Die Komplicen des G. hatten wohl davon erfahren und sie faßten den Entschluß, ihn und wenn auch unter Anwendung der gefährlichsten Gewaltmittel, zu befreien. Der Transport erfolgte in einer Taxameterdroschke, in der zwei Wärter satzen. Als der Wagen über de» Röderplatz, einer etwas menschenleeren Stell« in Lichtenberg, fuhr, tauchten plötzlich drei Männer auf. Einer der Burschen fiel dem Pferde in die Zügel, während die beiden anderen an den Wagenschlag herangingen, ihn öffneten und mit vorgehaltenem Revolver die Herausgabe des G. forderten. Bei der geringsten Gegenwehr drohten die stechen Gesellen sofort zu schießen. Um die Transporteure einzuschüchtern, gaben sie einige Schreckschüsse in die Lust ab. Auch hinzukommende Passanten der« scheuchten die Täter durch Abgabe mehrerer Schüsse. Die Trans- porteure, die mitsamt dem Kutscher vollständig in der Gewalt der gefährlichen Individuen waren, mußten nun mit zusehen, wie B aus der Droschke herausgeholt wurde. Immer noch mit dem Re volver drohend entfernten sich die Unbekannten mit ihrem befreiten Gefinnungsgenossen. Bisher konnte weder von G. noch von seinen Befreiern eine Spur gefunden werden. Ein tragischer Borgang hat sich in dem Hause Wrangelstr. 14 abgespielt. Die dort wohnhaft gewesene Witwe Boye» war vor zwei Tagen gestorben und als Sonntag ihre Leiche aus dem Hause getragen werden sollte, war auch die verheiratete Tochter der alten Frau sowie die Nichte, die 17 jährige Dorothea Ritzmann im Sterbe zimmer anwesend. DaS junge Mädchen fiel der Mutter plötzlich um den HalS und rief„Adieu, liebe Mutter, leb wohl!' Im nächsten Augenblick zog die R. eine Flasche Lysol ans der Tasche und trank das Gift vor den Augen der Mutter, Erst jetzt gewahrte Frau R mit Entsetzen, was ihre Towter gemacht hatte. In hoffnungslosem Znstande wurde die Unglückliche>n das Krankenhaus am Urban ein- geliefert. Sie hat die Tat aus Liebesgram verübt. Schon vor einiger Zeit hatte sie aus demselben Grunde einen Selbstmord versuch unternommen. Sie versuchte sich damals durch Gas zu vergiften, indem sie sämtliche Gashähne im Zimmer öffnete. Flüchtiger Prokurist. Nach Unterschlagung beträchtlicher Summen ist der Prokurist Sigismund Berendt, Chausseestr. 69, der in der A.-G. Neue Silberwerke in der Chausseestraße 69 tätig gewesen, entflohen. Ein Bootsunfall ereignete sich am Sonntag auf der Havel, un- gefähr 2 Kilometer südlich von Spandau. Bei dem orkanartigen Winde kenterte Sonntag mittag lü Uhr ein Segelboot, das mit einem Insassen besetzt war. Durch einen kühnen Sprung konnte sich der Insasse noch retten, indem er sich an der Mastspitze festhielt. In dieser gefährlichen Lage befand er sich einige Minuten, bis durch seine Hülferufe ein mit zwei jungen Leuten besetztes Boot herangelockt wurde. Mit Mühe wurde er aus der entsetzlichen Lage befreit und ans Land gebracht. Im Kleiderschrank erhängt. AuS Furcht vor allzu reichem Kindersegen hat sich die 41 Jahre alte Frau Ida deS Kellners K. in der Borsigstr. 8 ums Leben gebracht. Frau K. hat bereits meh- rere Kinder und in allernächster Zeit war wieder die Ankunft eines neuen Weltenbürgers zu erwarten. Wiederholt hatte sie geklagt, daß es ihr schwer fallen würde, die vielen Kinder groß zu ziehen. Gestern mittag verübte das arme Weib während der Abwesenheit ihrcS Mannes Selbstmord. Sie erhängte sich im Kleiderschrank. Als der Ehcniann heimkehrte und die Tat entdeckte, war die Lebens- müde bereits tot. DaS Polizeipräsidium teilt mit: Bei Wittenberg aufgefundene Leiche. Vom I. bis 11. Jum d. I. wohnte im Gasthof„Weißer Schwan" in Wittcnoerg ein etwa 19 Jahre altes Mädchen, das sich Selma Beter oder Peter aus Berlin nannte; sie war 1.66 bis 1,60 Meter groß, schlank und hatte blasses Gesicht und starkes blondes Haar. Da sie ihre Schulden nicht bezahlen konnte, verließ sie heimlich ohne Hut, Schuhe und Strümpfe den Gasthof und wurde später als Leiche aus der Elbe gezogen. In den Kleidern wurden Rabattmarken verschiedener hiesiger Geschäfte und ein Zettel mit der Aufschrist:„M. B. Berlin Nr. 30, lieber Vatc-r ver. zeih mir' gefunden. Es wird vermutet, daß die Unbekannte von einem Reisenden nach Wittenberg verschleppt und dann mittellos im Stich gelassen wurde. Geeignete Mitteilungen zur Feststellung der Persönlichkeit der Unbekannten werden im Polizeipräsidium. Zimmer 249, sowie in jedem Polizeirevier zu der Tagebuch-Nummer 4607 lV/8. 07 entgegengenommen. Gesperrt ist die Zimmerstraße von der Markgrafenstraße bis zur Friedrichstraße behufs Asphaltierung. Radrennen zu Treptow, 23. Juni. Das heutige Programm wie? als Hauptnummern zwei Dauerrennen mit Motorführung über 10 Kilo- meter und über 60 Kilometer aus. Beide wurden überlegen von dem Kölner Peter Günther vor Ad. Schulze(Zehlendorf) und H. Conten et(Paris) gewonnen. Schulze leistete noch am längsten Widerstand; in dem großen Rennen wurde er durch Motorschaden behindert und mußte infolgedessen anfangs den zweite» Platz an Contenet abtreten, doch konnte er ihn beim 24. Kilometer zurück- gewinnen. Der Berliner Max H e i n y fuhr nur in dem 60 Kilo- meter-Rennen mit, vermochte aber in demselben kein Wort mitzu- sprechen. Siebenmal überrundet, fiel er von seiner Führung ab und gab beim 20. Kilometer auf. Einige interessant verlaufende Flieger- rennen vervollständigten das Programm, das ohne jeden Unfall und ohne von dem trüben, regnerischen Wetter beeinträchtigt zu werden, zu Ende geführt werden konnte. Sportpark Spandau. Das Programm am Sonntag wies in der Hauptsache Fliegerrennen auf. die durch ihre überaus zahlreiche Be- setzung mehrere Vorläufe nötig machten, um für den Endlauf die besten auszusieben. Es gab hierbei wirklich schöne sportliche Kämpfe und war besonders Ellegaard der Held des Tages, der alle Rennen an sich brachte. Die Nennen wiesen als Titel die Namen aller berühmter Berliner Rennfahrer auf und hatten eine inter- nationale Mannschaft an den Start geführt. Den„Artur Hei« mann-Preis' gewann Ellegaard leicht vor O. Meyer, Theile und Messori, welch letzterer einen mißlungenen Ausreißer- versuch»nachte.— Im„Paul Mündner-Preis' war Ellegaard Malmann und konnte mit drei Längen Vor- sprung vor Stol(30), Theile(10), Bader(0), Kudela(50), Scheuermann(10) und andere einen schönen Sieg landen. — Das Tandemfahren, den„Heimann-Mulack- Preis', brachte das Paar Ellegaard-O. Meyer vor Scheuer- mann- Wegcner, Conrad-Althoff und Kudela- Nedela an sich und gab es einen prächtigen Endkampf.— DaS Dauerrennen trug den Titel„Alfred Köcher-PreiS" und wurde in drei Läufen über 20, 80 und 60 Kilometer ausgefahren und nach Punkt- Wertung gezählt.— Hier standen sich M. Bedell(Amerika), E. Bruni (Paris). W. Mautz(Köln), H. Przyrembel(Berlin) und A. Vanderstuift (Belgien) gegenüber.— Im ersten Lauf siegt der Belgier in überlegener Weise, da er alle Gegner in glatter Fahrt überholt. Der zweite Lauf hatte als böses Vorzeichen einen dreimaligen Start, da zweimal Bruni und Mauß beim. Ablassen zu Fall kamen. Der Franzose greift den führenden Vanderstuift energisch an, wird aber abgewiesen; im Begriff, seine Führung zu wechseln, kommt Bruni zu Fall. Glücklicherweise ist nicht BöseS passiert. Auch hier siegt Vanderstuift überlegen. Der dritte Lauf hat im Anfang einen heißen Kampf zwischen dem Belgier und dem Franzosen. den Brnmi zu seinen Gunsten entscheidet. Er kommt durch zwei- inaligen Radwechsel um alle Aussichten und wird letzter. Auch Vanderstuift ist zeitweilig letzter im Felde, er kämpft aber in rasender Fahrt seine Gegner nieder und wird zweiter hinter Bedell. Przyrembel und Mauß spielen keine große Rolle, obschon sie mit- unter sehr gut fahren.— Das Endergebnis ist: 1. Vanderstuift 46 Punkte. 2. Bedell 37 Punkte. 3. Przyrembel 36 Punkte. 4. Mauß 23 Punkte. 6. Bruni 10 Punkte. Orgelkonzert. Mittwoch, den 26. Juni, abends 71/, Uhr, beschließt der kgl. Musikdirektor Beruh. Jrrgang in der St. Marien- kirche seine Orgelkonzerte vor den Ferien; eS werden im letzten Konzert mitwirken das Soloquartett: Frau Charl. Kimpel, Fräulein Julia Michaels, Herr Ludwig Schubert und Herr Harzen-Müller, sowie Herr Artur Lipsch(Violine). Der Eintritt ist frei! Parteibons find am Teltowkanal gefunden und auf dem Ver« bandsbureau abgegeben worden; sie stehen dem Verlierer zur Abholung auf dem Bureau zur Verfügung. Feucrwehrbericht. Am Sonntag früh um 8 Uhr hatte der 16. Löschzug längere Zeit auf dem Kohlenbahnhof in der Fenn- straße 22/26 zu tun, wo Preßkohlenstapel in Brand geraten waren. Durch kräftiges Waffergeben und Unipacken der Kohle» wurde die Gefahr beseitigt. Der 8. Zug wurde nach der Reichenbergerstr. 137 alarmiert, wo ein Schuppen in Flammen stand. Durch die Explosion einer Petroleumküchenlampe kain Neu-Kölln a. W. 16 Feuer aus und durch Explosion einer Spiritnslampe gerieten in der Großen Frank- furterstraße 102 Decken und Möbel in Brand. Montag früh um 3 Uhr brannten in der Kvnigstratze 66 Kleider, Türen, Decken u. a. Wegen eines Kellerbrandes rückte ein großes Löschaufgebot nach der Gräfe- straße 68 auS. Stroh u. a. brannte dort unter großer Qualm« entwickclung. Im Urbanhafen hatte der 11. Zug mit der Löschung eines Brandes zu tun. der in der Kajüte eines Kahnes ausgekommen war. In der Kleinen Andreasstr. 16 brannte eine Kabuse und die Treppe und Am Friedrichshain 26 in einer Wohnung Gardinen usw. Ferner hatte die Wehr in der Blücherstr. 8 und verschiedenen anderen Stellen zu tun.__ Vorort- JVadmcbtem Rixdorf. Wegen Berübung eines schweren RaubanfallcS auf den Rohr» leger Ueckert aus der Vannierstraße in Rixdorf sind zwei Brüder Ernst und Richard Müller aus der KarlSgartenstraße in daS Unter- fuchungsgefängniS eingeliefert worden. Pankow. Der zwischen der Berliner Weichbildgrenze und der Nordbahn» straße belegene Teil der Wollankstraße ist wegen Asphaltierung der Straße vom 24. d. M. ab, und zwar in der Richtung Pan- kow— Berlin, für den Fuhrwerksverkehr gesperrt. Der Fuhr- wcrksveriehr nach Berlin wird vom 24. d. M. ab durch die Nordbahn» und Soldiner straße abgelenkt werden. Lichtenberg. Wie die Leser auS Nr. 141 deS„Vorwärts" unter Frauen» bewegung' ersehen haben, ist man nun auch in Lichtenberg dazu gekommen seitens der wohllöblichen Polizeibehörde, sich der Frauen anzunehmen. Allerdings nur in der echt preußischen Manier, daß man versucht, die wenigen Rechte der weiblichen Bevölkerung noch mehr zu beschneiden. Es sei darum nochmals darauf hingewiesen, daß eS Pflicht eines jeden ist, insbesondere aber der F r a u e n und Mädchen Lichtenbergs, in der am Dienstag, den 26. Juni, also heute, im Lokale der Gebr. Arithold stattfindenden Protest- Versammlung zahlreich zu erscheinen. Wir dürfen nicht die Hände in den Schoß legen und ruhig zusehen, wie die wenigen den Frauen noch verbleibenden Staatsbürgerrechte ihnen genommen werden. Genosse Redakteur Düwell spricht in dieser Versammlung über: „Der Polizei knüppel und die Frauen". Also auf zur Versammlung am 25. Juni 1 Reinickendorf. Ein tödlicher Straßenbahnunfall, bei welchem ein vierjährig«. Knabe sein Leben einbüßte, hat sich vorgestern um t/26 Uhr abends in Reinickendorf zugetragen. Dort spielten in der Hauptstraße vor dem Hause Nr. 1 mehrere Kinder, die, einander jagend, den Straßen- dämm kreuzten. So lief auch der vierjährige Sohn Alfred des in der Kopenhagenerstr. 1/2 wohnhaften Arbeiters Wilhelm über den �ahrdarnm der Hauptstraße, ohne darauf zu achten, daß in diesem 'ugenblick ein Wagen der Straßenbahnlinie 36 herannahte. Obwohl der Führer des Motorwaggons die Gefahr sofort erkannte und die Gefahrbremse anwandte, gelang es ihm infolge der geringen Eni- fernung doch nicht mehr, das Unglück zu verhüten. Der Knabe wurde umgestoßen und geriet mit dem Körper unter den Schutz- rahmen. Mittels mitgeführter Winden wurde der Straßenbahnwagen angehoben und der Kleine tot hervorgezogen. Die Leiche des Kindes wurde polizeilich beschlagnahmt. Grotz-Lichterfelde. Auf die unhaltbare» Verhältnisse am Bahnhofe Groß-Lichterfelde- Ost weist eine Sonderansgabe der„Teltower Zeitung" hin, in der zunächst an den Unglücksfall vom 2. Mai d. I. auf der Lehrter Bahn bei Ruhleben erinnert wird. Wie dort, so kreuzt in Groß-Lichter- felde-Ost ein verkehrsreicher Weg die Bahn, und somit ist das Schicksal von Hunderten von der Zuverlässigkeit des Schranken- Wärters abhängig. Am 2. Mai hatte auf der Lehrter Bahn ein Versehen dieses Schrankenwärters bekanntlich den Tod von zwei Menschen herbeigeführt, und eine ganze Anzahl weiterer war mehr oder weniger schwer verletzt worden, als sie die Linie passierten, während gerade ein Güterzug daherbrauste. Der Artikel der „Telt. Ztg." weist nun daraus hin, daß bei den traurigen Verhält- nissen am Bahnhofe Groß-Lichterfelde-Ost, wo die verkehrsreiche Wilhelmstraße über den Anhalter Bahnkörper läuft und nur durch Schranken, die jeweils den Verkehr zurückhalten sollen, abgetrennt ist, mit Sicherheit schwere Unglücksfälle zu erwarten seien, wenn nicht der unangebrachten Sparwut der Eisenbahnverwaltung eine Ueber- sührung abgerungen würde, die wenigstens Leben und Sicherheit von vielen taufenden täglich dort auf jener Straße verkehrenden Menschen sicherzustellen imstande ist._ 0encht9- Zeitung Die Gerüstbausirma I. Altmann in Charlottenburg fühlte sich durch Mitteilungen im„Vorwärts" vom 8. und 18. Dezember 1308 beleidigt. Der Inhaber der Firma hat deshalb unseren verant- wortlichen Redakteur, Genossen Weber, verklagt. Infolge der Klage des Herrn Altmann erklärte sich Weber be- reit, die Wahrheit der im„Vorwärts" angegebenen T a t s a ch e n z u b e w e i s e n. Er hat auch eine große Zahl von Zeugen zu diesem Zweck namhaft gemacht. Am Montag stand in dieser Sache Termin vor dem Schöffengericht an. Der vor- sitzende Richter regte einen Vergleich an. Kläger ver- langte einen bedingungslosen Widerruf. Diesen lehnte Weber unter Hinweis auf das ihm zu Gebote stehende reiche Bcwcismaterial unbedingt ab. Schließlich kam, nach fast einstündiger Verhandlung, folgender Vergleich zustande: „Der Angeklagte erklärt, daß ihm bei Abfassung der zur An- klage stehenden im„Vorwärts" vom 8. und 18. Dezember 1306 er- schienen«» Artikel betreffend die Gerüstfirma L. Altmann in Char- lottcnburg jede beleidigende Absicht ferngelegen hat, und daß der Inhalt dieser Artikel lediglich auf Mitteilungen, die ihm von zu- verlässig erscheinender Seite zugegangen sind, beruht. Die gericht- lichen Kosten des Verfahrens trägt der Angeklagte, während die außergerichtlichen Kosten gegenseitig aufgehoben werden. An- geklagter ist verpflichtet, die Ausfertigung dieses Vergleichs binnen vier Wochen auf seine Kosten einmal im„Vorwärts" bekanntzu- machen." Hierauf beschloß das Gericht die Einstellung des Verfahrens. Der Anwalt des Klägers erklärte, sein Klient verzichte auf den Abdruck der Ausfertigung, falls der Wortlaut des Vergleichs in dem Bericht über die Verhandlung abgedruckt werde. Feldwebel und Heiratsschwindler. Am Landgericht I begann gestem eine neue Tagung des Schwur- gerichtS, unter Vorsitz des Landgerichtsrats Böse, mit der Ver- Handlung einer Anklage wegen wiederholten Betruges und Urkundenfälschung gegen den ehemaligen Feldwebel Franz Hauffe, der sich auch noch wegen unbefugter Führung des Adelsprädikats zu verantworten hatte. Der jetzt 27 Jahre alte Angeklagte besuchte seinerzeit die Unteroffizierschule in Marienwerder, trat dann in das 153. Regiment in Allenstein ein, wurde Unter- offizier und im Alter von 24V2 Jahren Feldwebel. Nach seiner Dienst- entlassung wurde er ein sehr gefährlicher Heiratsschwindler! da er kein Geld zur Beschaffung eines Zivilanzuges hatte, ging er in seiner Uniform nach Stettin und schlug sich dort eine Zeitlang in der Weise durch, daß er Bekannte anborgte und auch an weibliche Personen sich heranmachte, denen er unter dem Versprechen, sie zu heiraten, größere und kleinere Summen abnahm. Es schwebt zurzeit in Stettin gegen ihn ein darauf bezügliches Strafverfahren. Als ihm dort der Boden zu heiß wurde, verlegte er das Feld seiner Tätigkeit nach Berlin. Hier logierte er sich unter falschem Namen in einem Gasthause in der Dircksenstraße ein und bandelte mit dein dort beschäftigten Dienstmädchen an. In der kurzen Zeit von vier Tagen war er mit dieser so weit, daß er sich mit ihr ver- lobte und für das von ihr vorgeschossene Geld Verlobungsringe be- sorgte. Dann nahm er der Unvorsichtigen nach und nach ihre ganzen Ersparnisse in Höhe von über 530 M. ab, indem erihr vorspiegelte, daß er eine Stelle als Inspektor in der Meierei Bolle erhalten solle, auch sehr bald sein eigenes Geld von Hause bekommen würde, inzwischen aber Geld zur Beschaffung von Möbesn gebrauche usw. usw. Dann ließ er sich plötzlich nicht mehr sehen. Inzwischen hatte er mit noch drei anderen Mädchen angebandelt, die durch Heiratsannoncen in sogenannten parteilosen Klatschblättern ihre Geneigtheit, unter die Haube zu kommen, bekundet hatten. Bei diesen anderen„Bräuten" führte er sich unter dem Namen„Emil v. Jacobowski" ein und gab an, daß er als Bankbeamter in Dresden angestellt werden solle. Er ließ hier und da gelegentlich in seinem Portemonnaie Banknoten blicken, die in Wahrheit„Blüten" waren. zeigte ein von ihm selbst angefertigtes, mit„Oberst v. Grambow" unterzeichnetes Führungsattest vor, ferner einen gleichfalls von ihm angefertigten Befehl zur Stellung einer Kaution, der von der Reichs- bank erlassen sein sollte, endlich ein Sparkassenbuch, auf das er 50 M. eingezahlt und das er dann durch Umänderung der Summe in 17S0 M. gefälscht hatte. Er suchte nun, unter Vorweisung dieses Sparkassenbuches, von den Mädchen 1250 M. herauszuholen, indem er ihnen vorredete, er müsse eine Kaution von 3000 M. bei der Reichsbank stellen und habe nicht die genügende Summe flüssig. Die Hast, mit welcher er das Geld verlangte, machte ihn aber ver- dächtig und der Bruder des einen Mädchens, das er in der an- gegebenen Weise schröpfen wollte, ließ ihn verhaften. Das Gericht verurteilte den Angeklagten, dem die Geschworenen unldernde Um- stände zubilligten, zu einem Jahre Gefängnis. Kautionsschwindeleien engros hat der zur, zeit flüchtige Kaufmann Si.'gfr. Hirsch, Inhaber der Großdcsiillation von Gustav Voigt u. Co., Warschauerstr. 43/44, mit Erfolg ausgeübt, wie die zahlreichen Verhandlungen der von Geprellten eingereichten Massen- klagen vor dem Kaufmannsgericht ergaben. H. assoziierte sich zu- erst mit einem Destillateur Voigt, löste aber bald daraus das Sozietätsverhältnis und engagierte V. unter Beibehaltung der alten Firma als Prokuristen. Das Gehalt für 6 Monate ist ihm aber H. bis heute schuldig geblieben. Nach altem, aber leider bis- lang immer noch bewährtem Rezept, inszenierte Hirsch einen Kautionsschwindel in großem Maßstabe. Durch Inserate in bürger- lichen Zeitungen suchte er kautionssähige Filialleiterinnen. Gleich- zeitig mietete er in allen Gegenden der Stadt leerstehende Läden und pries dann den sich um eine Filiale Bewerbenden diesen oder jenen Laden als eine„Goldgrube" zur Errichtung einer Destillation an. Als„Kaution" verlangte H. 500 M., zeigte sich aber auch ent- gegenkommend, wenn die„Filialleitcrinnen" nur 2— 300 M. aufzubringen vermochten. Aus den beim Kaufmannsgericht ein- gegangenen Klageanmeldungen ergibt sich, daß über 70 Frauen und Mädchen mit insgesamt 35— 40 000 M. aus den Schwindel hineingefallen sind, zumeist arme Betörte, die ihren letzten Spargroschen in die„Goldgrube" geworfen haben. Bei vielen„Filialen" kam es erst gar nicht zur Eröffnung, da die Wirte oder die Einrichtungslieferanten rechtzeitig Verdacht schöpften, andere blieben 1— 2 Wochen geöffnet, da der Tagcsumsatz zwischen 16 und 30 Pf. variierte. Am Sonnabend ergingen gegen die feine Firma 7. gestern 14 Versäumnisurteile. In den übrigen Klagen stehen Termine noch an. Sämtliche Klagen werden aber gegenstandslos werden und die Klägerinnen dürften wohl keinen Pfennig wieder- sehen, da der„Prokurist" Voigt in der gestrigen Verhandlung er- klärt hat, er melde noch am Nachmittag den Konkurs der Firma an, da er sich anders vor dem Ansturm der Gläubiger, die ihn halbtot schlagen wollen, nicht zu retten vermöchte. Der Ausent- halt des Hauptschuldigen Hirsch ist gänzlich unbekannt. Sind kinematographische Vorführungen„theatralische Borstellung" im Sinne der Verordnungen über die äußere Heilighaltung der Sonn- und Feiertage? Diese Frage verneinte kürzlich das Kammergericht in einem Strafverfahren gegen Behlla aus Beuthen, der eine dieser Verord- nungen durch Veranstaltung einer heiteren kinemategraphischen Vorstellung am Totensonntag(in Gleiwitz) übertreten haben sollte. Es wurde ausgeführt: Wenn die Verordnung von theatralischen Vorstellungen spreche, so fielen nicht darunter kinematographische Vorführungen, denn dabei handele es sich um eine Vorstellung von Bildern, nicht um eine solche lebender Personen. Wenn auch ein Bild sich so schnell dem anderen anschließe, daß die Bilder auf der Netzhaut im Zusammenhang erschienen und der Eindruck einer Vor- stellung lebender Personen erweckt werde, so sei das doch nur Schein. Wegen Nichtanwendbarkeit der Verordnung über die äußere Heilig- Haltung der Sonn- und Feiertage müsse die Verurteilung des An- geklagten durch die Gleiwitzcr Strafkammer aufgehoben werden. Die Sache sei aber an die Vorinstanz zurück zu verweisen, damit diese nachprüfe, ob etwa§ 60a der Gewerbeordnung verletzt sei, der die Genehmigung für Lustbarkeiten im Umherziehen betrifft. Vermischtes. Verunglückte Ballonfahrt. In der Nähe des Gutes Hajde Boyzeriny in Ungarn ist Sonntagnacht ein unbekannter Ballon niedergegangen, der die Gondel verloren hatte. Als der Gutsbesitzer mit seinem Dienst- personal sich dem Ballon mit einem offenen Licht näherte, erfolgte eine heftige Explosion, da sich das Gas des Ballons entzündet hatte. Der Gutsbesitzer sowie vier Leute vom Dien st personal wurden sofort getötet, sechs andere Personen schwer verletzt. Der Ballon wurde später als ein aus Frankreich stammender festgestellt. In der Nähe des Unglücksortes fand man später die Leichen der Insassen, die auS der Gondel gestürzt sein müssen. Es waren zwei fran- zösische Offiziere sowie ein Zivilingenieur. Kurzschlußkatastrophe auf der New Dorker Hochbahn. Ein von auffallend starken Nebenerscheinungen begleiteter Kurz- schluß hat sich, wie aus New Dork gemeldet wird, dort ereignet. Gestern nacht hatte die elektrische Leitung, die für die New Aork-, Central and Hudson River-Eisenbahn den Strom liefert, Kurzschluß bei dem Viadukt über die 125. Straße. Die die Eisenbahn stützenden Säulen und Tragebalken wurden auf eine Entfernung von einer halben Meile mit Elektrizität geladen. Ungeheure Flamme«, die durch ihren Lichtschein blendeten, fegten die Schienen entlang. Geschmolzenes Eisen und Kupfer ergoß sich in die Straßen, dazu vernahm man das fortwährende Getöse von Explosionen, das eine wilde Panik verursachte. Die Feuerwehrleute wagten nicht, die Spritzenschläuche in Anwendung zu bringen, damit das Wasser nicht als Leiter wirkte und sie einen elektrischen Schlag erlitten. Der Brand dauerte, bis die Leitung abgestellt war. Da die 125. Straße in einem verkehrsreichen Teile New Jorks liegt, erregten die Folgen des Kurzschlusses große Be- stürzung. Viele Pferde scheuten und die Menschen flohen. Krepiertes Geschoß. Auf dem Schießplatz Unterlüß fand gestern ein Arbeiter einen Blindgänger und nahm ihn in die Arbeiterkaserne mit, wo das Geschoß explodierte. Ein Arbeiter, dem das Bein abgerissen wurde, ist gestorben, ein anderer, der beide Beine verlor, liegt hoffnungslos danieder, während drei Ar- beiter zwar schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt find. Di«„Schwarze Hand�. Vierzehn Italiener, Angehörige des Bundes der„Schwarzen Hand", raubten, wie ans New Orleans berichtet wird, einen acht« jährigen Knaben. Sie verlangten vergebens ein Lösegeld von 6000' Dollars. Der Knabe wurde dann stranguliert und z e r« stückelt aufgefunden. Es wurden bereits neun Perionen verhaftet, darunter eine Frau, welche ein Geständnis ablegte und weitere Mitschuldige nannte. Es wird ein Lhnchgericht befürchtet._ Erdbeben. In Essentuki bei Pjatigorsk(Kaukasus) wurde gestern früh 6 Uhr 2 Minuten ein mit unterirdischem Getöse verbundenes Erd- beben verspürt._ Sozialdemokratischer AgitationsvereU« für Arnswalde-Friede- berg. Morgen Mittwoch, abends 9 Uhr bei Locker, Wcbersttaßc 17: Ver- sammlung. Die Versammlungen finden jetzt jeden letzten Mittwoch im Monat statt. Die Mitgliedschaft Berlin des deutschen Arbciter-Stenographcn- bundes cröfsnet am Donnerstag, den 27. Juni, abends'(,9 Uhr, in Rixdorf, Herrn annstr. 49 bei Hoppe, einen neuen Kursus in der ganz vereinsachteu ArendSschen Stenographie. Bildungssrenndliche Genossinnen und Genossen sind herzlich willkommen. Näheres zu ersehen im Inserat. ßnefhaften der Expedition. Patienten in Beelitz, Buch usw. Diejenige» unserer Wonnenten die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der Ucberweisung von Freiexemplaren sosort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten?!unrmern des neuen Monats von der Post nicht geliejert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. Eingegangene DrncKfcKritten. Von der„Neuen Zeit«(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben dat. 38. Hest des 25. Jahrgangs erschienen. Es hat solgenden Inhal!- Die Duma und die Rcoolution. Von Trotzkh.— Klassenbildung. Vr. C. Korn.— Statistische Nachklänge zu den Neichstagswahlen. V- AkadcmikuS.— Eine deutsche Biographie Robert Owens. Von Henricl Roland Holst.(Schluß.)— Literarische Rundschau: Dr. Adickes, Stellur; und Tätigkeit des Richters. Von Dr. Siegfrieda. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstaltcn und Kolportcure zum Preise von 3,25 M. pro Ouarlal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Ouarl.U abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Ps. Probenummern stehen jederzeit zur Verjügung. Von der„Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 13 des 17. Jahr- ganges zugegangen. Sie bat solgenden Inhalt: Jnlernationale sozialistische Fraucnkonferenz zu Stuttgart.— Unser Patriotismus. III.— Die weibliche Arbeitskrast in der Eisen- und Metallindustrie. II. Von W. D.— Siebenundachtzig sozialdemokratische Abgeordnete. Von Adelheid Popp-Wicn.— Vom Schweizerischen Arbeiterinnenverband. Von D. Z.— Anita Garibaldi. Von Zinna Bios.— Der dritte Kongreß der Deutschen Gesellschaft zur Be- kämpsung der Geschlechtskrankheiten. I. Von Henriette Fürlh. II. Von O. R. III. Von G. L.— Aus der Bewegung: Von der Agitation.— HalbjahrcSbericht der Vertrauensperson für Frankfurt a. M.— Genossin Zictz in die Freiheit zurückgekehrt.— Zwei Monate Gefängnis für ein« proletarische Känipstrin.— Die Berliner Genossinnen im Kampfe.— Politische Rundschau. Von II. L.— Gewerlschajtliche Rundschau.— Aon Generalversammlungen und Verbandstagen freier Gclverkschaste».— Evangelisch gegängelte Arbeiterinnenorganisationen.— Brüderliche Soli- daritäl in: Streik.— Notizenteil: Dienstbotenstage.— Fraucnstimmrecht.— Sozialistische Frauenbewegung im Ausland.— Frauen in öfientlichen Aemtern.— Ouitwng.— Feuilleton: Entweder— oderl Von Friedrich v. Sollet.(Gedicht.)— Rote Ostern. Historisches Gemälde aus dem Bauernkrieg. Von Robert Schweichel.(Fortsetzung.)— Ein harmlose» Rätsel. Von Friedrich o. Sollet.(Gedicht.) Für unsere Mütter und HauSsrauen: An eine Rose. Von Friedr. Hölderlin.(Gedicht)— Etwas über die Pflege des Neu- geborenen. Von Hannah Dorsch.— Dienstboten im alten HellaS. Voo Anna Blos.— Alis einer Wanderung. Von Eduard Mörike.(Gedicht.)— Die Mutter als Erzieh erw.— Für die Hausfrau. Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Ps., durch die Post bezogen beträgt der AbonnementspretS vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Ps., unter Kreuzband 85 Ps. Jahresabonnement 2,60 M. Vom„Wahren Jacob« ist uns soeben die 13. Nummer de» 24. Jahrganges zugegangen. AuS ihrem Inhalt erwähnen wst die beiden farbigen A~- engel dcS „Don Carlos Landtagsioahlen",„Lebenslauf",„Dankgottesdienst'in Prcußen-Deutschländ für die hohen Gesteidcpreise",„Schnorrer und Verschwörer")„Straje muß sein",„Im Hamburger Hasen" und„Nächtlicher Besuch in Zarskoje Ssclo". Der textliche Teil der Nummer brwgt die Gedichte„Die Tafelrunde", „Der Besuch der englischen Journalisten",„Studt",„DaS Lied von deutscher Gastlichkeit",„Finnlands Landtag",„Reflexion",„Nur gründlich",„Heim- kehr"'(illustr.),„Die Flottenschwärmer",„Antt-Häckel",„Produktive AuS« gaben",„Die liberale Aera" und außer zahlreichen kleineren Beistägen noch die größeren satirischen Feuilletons„Das Kochbuch der Zukunft",„Die Hai- sischinsel",„Angemessene Plätze"„Die Fricdenskomödie" und„DaS Schwein" Illustr.). Der Preis der 16«eilen starken Nummer ist 10 Ps. WttteruiiaSüberNlvt vom 84. Juni 1007. mvrn-uv« Ilyr. ettflum Swinemde. « a m— = 2 B« I 762WSW 762 SW 64 WSW Berlin Franks. aM. 766 SW München 1767«W Wien 1 764S3B Bittet 3 wolkenl 4 wolkig 2 heiter 3 wolkig 2 wolkig 4 Regen » 55 e Ä Ii etalUncn 2" C 3 »? Haparaildaj7S9WNW Petersburg 759 SSW Scillh 76l SO Aberdeen Paris 752 SSW 767.SSW Bettet 4 halb bd 2bedcckt sbedeckt 1 wolkig Lwolkig Ii H& 10 16 13 12 13 Wetter-Prognose für TicnStag, den 85. Juni 1007. Zeitweise heiter, aber zien........ schauern und stischen südwestlichen Zeitweise heiter, aber ziemlich kühl und veränderlich mit Regen« .........."chen Wmden. Berliner Wetterbareau. Waficrfta»» am 24, Juni vorm, Elbe bei Zlnsfig— Meter, bei Dresden— 1,53 dp.— Elbe bei Magdeburg 1,08 Meter.— Oder bei Ratibor— Meter.— Oder bei Breslau— 1,42 Meter.— Oder bei Brieg 1,86 Meter.— Ncißemündung 1,33 Meter. 1�=� Lachmann& Scholz22� Warenhaus � Saison-Räumungs-Verkauf sroße vorteile Mag. KM, lomerstag T Assppdte jtabatt- Kirkn •) Wenige Artikel ausgenommen. vmmtwortliKer Redaktxuri Hau» Keßer, Nttlin. Lür de» Mferatentefl verantw.: Tj. Gl»cke. Nerlm. Lruiku. Verlag-Lerwärta DuSdrucserei u. VerlugSgnöalt Paul Singer& So., Berlin SW.