Kr. 149. BbcnnfincnfS'Bcdlngungm: ■8 onnementf• Preis vrünumercmda i LierteljShrl. S30 MI,«nonatl. 1,10 SRI., wSch-ntli-b 28 Psg, frei ins H-uS. einzelne Nummer b Pfg, Sonntags- nunimer mit illustrierter Sonntags. Vellage.Die Neue Welt' 10 Psg. Post. vbonneinenl: 1,10 Marl pro Monat. Singetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband sbr Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, siir daS übrige Ausland 8 Marl pro Mona». PoslabonncmentS nehmen an: Belgien. DSncmark, Holland. Italien. Luzcniburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. A4. Jahrg. Vicht!» ttgllch itBtr ntDtus. Verltnev Volksblatt. Die TnTertlons'GebQbr vclrZgt für die sechSgespaltenc llolonel. zeilc oder deren Raum 60 Psg., sür politische und gewerlschastliche Vereins- und BersamnilungS-Anzeigen 80 Psg. „Kleine Snreigen". daS erste liest- gedrucktes Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlas- stcllen-Anzeigcn daS erste Wort 10 Psg.. jede» weitere Wort B Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer niüsseii bi» s Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist chis 7 Uhr abends geüstnet. Telegramm-Adresse: „SUlliltltlllZÜl» ßtrllB". Zcntvalorgan der rozialdemokratSfchcn Partei Deutfcblands. Redahtion: SM. 68» Lindcnstrasoe 69. Zpernlpt-eriier: Ilm» IV. Nr. ISKli. eana Sxpeditton: SM. 68, Lxndcnotraase 69. Kernsprecher: Zlnit IV. Nr. li>st4. Sie Loncloner ragung äer russischen Sozialdemokratie. Aus Petersburg wird uns geschrieben. Es ist eine für die sozialdemokratische Partei Rußlands höchst charakteristische Erscheinung, daß auf ihren Parteitagen stets ein und dieselben taktischen Fragen wiederkehren. Zum Teil hat dies einen guten Grund in der schwierigen und der- wickelten Situation, in der die Sozialdemokratie Rußlands zu kämpfen hat, und die das Auffinden der richtigen Taktik zu einer keineswegs leichten Aufgabe macht. Andererseits unterliegt es aber keinem Zweifel, daß bei halbwegs gesunden inneren Parteiverhältnissen die taktischen Fragen sich nicht so sehr in den Vordergrund drängen und Organisations- und Agitationsfragen, die nicht minder wichtig sind, genügenden Raum lassen würden. Fast vom Augenblick ihres Entstehens an, das sind nunmehr bald fünf Jahre, halten sich die beiden auf taktischen Gegensätzen begründeten Fraktionen ungefähr die Woge, ohne daß es einer von ihnen gelungen wäre, sich in der Partei dauernd das Uebergewicht zu sichern, den von ihr vertretenen Grundsätzen zu einem entscheidenden Sieg zu 'erhelfen. Auch der Londoner Parteitag hat an dieser Situ- ion nichts geändert, er hat es nicht vermocht, sich über den .aktionskampf hinwegzusetzen und der Partei mit fester and die Taktik vorzuzeichnen, die sie beobachten soll. Bis in die kleinsten Einzelheiten hinein trug der Partei- tag das Mal des Fraktionskampfes an der Stirn. Er spielte in die wichtigsten Tagesfragen mit hinein, ja er drängte sie in den Hintergrund. Man bedenke nur, daß die Kon- stituierung des Parteitages, die Berichte des Zentralkomitees' und der Dumafraktion— lauter Sachen, die auf Kongressen einer normallebenden Partei in 2 bis 3 Sitzungen erledigt werden,— in London volle 12 Tage, d. h. zwei Drittel der Verhanülungs�eit in Anspruch genommen haben! Mag aber nach außen hin ihr Resultat nur mager erscheinen— eine einfache Uebergangsformel nach dem Bericht des Zentral komitees und ein Vertrauensvotum für die Dumafraktion— die innere Bedeutung dieser 12 Tage ist nicht zu unterschätzen. In jeder lebendigen politischen Partei, die keine auf starre Dogmen schwörende religiöse Sekte ist, sind Meinungs Verschiedenheiten unvermeidlich, ja sie sind ein Zeichen des in der Partei pulsierenden frischen Lebens. Wenn aber die geistigen G»»iensätze ins Innere der Organisation hinein getragen werden, wenn nun diese organisatorische, nicht nur ideelle Spaltung, an der täglichen Arbeit der Partei, an ihrem innersten Mark zehrt, so ist dies ein schlimmes Uebel, und der Parteitag hat gezeigt, daß die russische Sozial demokratie in erschreckendem Maße an ihm krankt. Gab es denn überhaupt eine einheitliche Partei? Fast möchte man daran zweifeln. Jede Fraktion ist selbständig organisiert, ist durch innere Disziplin gebunden, hat ihr eigenes Zentral organ, das ihre Tätigkeit regelt. Gab es ein Zentralkomitee der Partei? Nein, es war nur eins der Menschewiki, die in ihm die Mehrheit hatten und ihre Beschlüsse unter Mißachtung der anders denkenden Minderheit faßten. Nichts natürlicher daher, daß nur die Menschewiki seinen Beschlüssen Folge leisteten, die Bolschcwiki aber sich nicht darum kümmerten und nur ihrem eigenen Zentralorgan gehorchten. Die Bolschewiki behaupteten auf dem Parteitag, alle Mängel der Tätigkeit des Zentralkomitees, seine Einflußlosigkeit er- klärten sich aus seiner menschewistischen Zusammensetzung. Aber hätte es auch aus lauter eingefleischten Bolschewiki be- standen— die Sache wäre nicht besser, denn es wäre immerhin kein Zentralorgan der Partei, fondsrn nur das einer Fraktion gewesen. Dasselbe traurige Bild der Zer- fahrenheit, der Bekämpfung der beiden Parteiflügel wieder- holt sich auf allen Stufen der Parteiorganisation— bis in die Dumafraktion hinein. Es war daher nur natürlich, daß die Bolschewiki auf dem Parteitag den wichtigsten Organen der Partei— dem Zentralkomitee und der Dumafraktion ihr Mißtrauen aussprachen, während die Menschewiki ein un- bedingtes Vertrauen verlangten; denn beide Organe waren Fraktions-, nicht Parteiorgane. Trotzdem kam es— zum Glück für die fozialdemokra- tische Bewegung Rußlands— nicht zum offenen Bruch. Ucber die beiden Berichte sind versöhnende Resolutionen an- genommen worden, die Zusammensetzung des neuen Zentral- komitees macht die Majorisierung einer Fraktion durch die andere unmöglich— der Friede ist gewahrt. Es ist dieses Resultat ausschließlich den Bemühungen der nationalen so- zialdemokratischen Organisationen zu verdanken, d. h. richtiger gesagt, den Letten und dem jüdischen„Bunde". Die polnische Sozialdemokratie hat sich stets auf die Seite der Bolschewiki geschlagen. Dem von den Letten unterstützten„Bunde" ist die Aufgabe zugefallen, im Gegensatz zum Fraktionsgeist den Parteigeist zu wecken, und er hat dies nach Kräften getan, ohne sich durch die Spötteleien über seine„Friedens- engelmission" beirren zu lassen. Die Annahme vermittelnder Resolutionen, die Verhinderung des Bruches, die günstige Zusammensetzung des Zentralkomitees ist dem„Bunde" im Verein mit den Letten in Anrechnung zu bringen. Unseres Erachtens nach liegt die Bedeutung des Lon- doner Parteitages nicht in den allgemeinen taktischen Re- folutionen, mögen die in ihnen behandelten Fragen noch jo wichtig sein, Der Wert aller Resolutionen aller Partei-. �tage der Welt liegt nicht in der bloßen Tatsache ihrer An- "nähme, er wird nur dadurch erlangt, daß die Beschlüsse zum Credo der Partei werden, daß sie für jedes Parteimitglied moralisch bindend sind und wirklich zur strikten Durchführung gelangen. Diese Voraussetzungen treffen für die sozialdemo- kratische Partei Rußlands nicht völlig zu. Der Sieg der Bolschewiki, wie er in den Resolutionen über die bürgerlichen Parteien und den Arbeitertag zum Ausdruck kommt, ist ein rein mechanischer, numerischer. Sie haben ihre Gegner nicht überzeugt, sondern überstimmt(zum Teil mit einer geringen Mehrheit), und bei dem Mangel an Disziplin in der Partei ist es überhaupt noch fraglich, ob die niedergestimmte Minder- heit sich an die Resolutionen strikt gebunden fühlen wird. Dasselbe kann auch in bezug auf die in der Frage des Par- tisanenkampfes besiegten Bolschewiki gesagt werden. Es scheint uns daher, daß die Bedeutung des Parteitages nicht in den von ihm gefaßten Resolutionen— sie werden zum Teil auf dem Papier bleiben—, sondern auf ganz anderem Gebiete liegt. Klar und deutlich hat der Parteitag bewiesen, daß sich die Partei als Leiterin und Anführerin des Proletariats viel mehr leisten könnte als heute, wenn ihre besten Kräfte nicht mehr in innerem Kampfe verbraucht würden. Jetzt kann ihre Taktik keine einheitliche, keine konsequente sein, sondern wird je nach dem, welche Richtung die zufällige Mehrheit auf dem Parteitag oder im Zentralkomitee hat, zwischen den Extremen der Fraktionen hin und herpendeln. Die tägliche Arbeit in den Massen, das Ansehen'und der Einfluß der Partei leiden natürlich darunter. Nur eine Entwaffnung der Fraktionen, ihr Untergehen, ihre Synthese in der höheren Einheit der Partei kann diesen Zuständen ein Ende machen. Wir sind weit davon entfernt, die ganze Schuld dem bösen Willen einzelner zuzuschieben, die tiefere Ursache liegt in den anormalen Existenzbedingungen der Sozialdemo- kratie, die eine Massenpartei sein soll und auch will, aber statt dessen in der dumpfen Luft der„Kellerarbcit" erstickt. Wohl aber ließen sich bei gutem Willen die Extreme, die unerquick- lichen Auswüchse der Fraktionsgegensätze vermeiden, wenn der Blick mehr auf die Partei, als auf die Fraktion gerichtet wäre. Den Blick der Parteimitglieder nach dieser Richtung zu lenken, den Parteigeist zu wecken, hat sich der Bund mit Hülfe der Letten zur Aufgabe gemacht. Es wäre töricht, zu erwarten, daß dieses nicht leichte Unternehmen ihnen auf den ersten Ansturm gelingen würde. Aber der erste Schritt dazu ist auf dem Londoner Parteitag durch die Verhinderung der Spaltung, durch friedliche Beilegung der ausgebrochenen Kon- flikte geschehen, und darin sehen wir ein Unterpfand dafür, daß der nun einmal geweckte Partcigeist nicht untergehen. sondern mit der weiteren EntWickelung der Partei sich immer stärker entfalten wird. Gin kehlgeichlsgener theatercoup. Um das Gericht zu beeinflussen, führen Peters und seine Freunde in München die possierlichsten Theaterszenen auf Bald geben sie sich als die großen Vaterlandsfreunde, die bereit sind, ihr Leben ohne Zagen im Dienste des Vaterlandes zu opfern, dann wieder spielen sie die Nietzschcschen Ueber- und Herrenmenschen, oder sie mimen, wenn sie sich davon im Augenblick mehr Er folg versprechen, die Sentimentalen und Hochmoralischen, denen schon der bloße Gedanke an Homosexualität die jungfräulich verschämte Röte der Scham auf die Wangen treibt. So hatten sie denn auch am Donnerstag zum Schluß der Sitzung mit unleugbarem Geschick für das theatralische Fach einen kleinen Theatercoup inszeniert, durch den der Ankläger des Herrn Peters in dessen Disziplinarprozeß, der Geh. Legationsrat Hellwig, als eine höchst zweifelhafte Person und als geheimer Mitarbeiter der„Voss. Ztg." bei ihren Angriffen gegen die Petersschen Machenschaften hingestellt werden sollte. Darauf antwortet die„Voss. Ztg." in ihrer Freitag-Abend- nummer mit folgender an die Adresse des Herrn Dr. Arendt, des Hauptakteurs im vorgestrigen Possenspicl. gerichteten scharfen Zurückweisung: Am 7. Dezember 1906 veröffentlichten»vir einen Leitartikel „Nebenregierung", der gestern in der Münchener Verhandlung verlesen»vorden ist. Nach den Berichten, die uns und anderen Blättern zugegangen sind, hat Herr Otto Arendt als Zeuge aus- gesagt, man ersehe aus diesem Artikel, mit welchem fanatischen Haß jeder von der Presse verfolgt werde, der für PeterS ein- tritt. Jedermann werde ihm Recht geben, wenn er sage, daß der Artikel nicht auS der Redaktion der„Boss. Ztg." stamme. Denn dort könne niemand eine so eingehende Kenntnis längst vergangener Dinge haben. Der Artikel müsse von einem Spezialisten herrühren. Es sei eigentümlich, daß die Fälle Kayser und Hellwig aneinandergereiht seien.„Ich habe niemals einen besonderen Haß gegen Hellwig gehabt. Ich weiß nicht, wie er zu solchen Aenhe- rungen kommt, wie sie sich in dem Artikel der„Boss. Ztg." finden. Es ist überhaupt eigentümlich, daß so hohe Beamte Wie Herr Hellwig in der Presse tätig sind." Wir wollen zugunsten des Herrn Otto Arendt annehmen, daß die Berichte ungenau sind. Wir fühlen uns von fanatischem Haß gegen die PetcrSfreunde völlig frei, zumal Herr Arendt zu unbedeutend ist, als daß er fürunS Gegen« stand des Hasses fein könnte. Wir haben nur aus- geführt, daß daS Kolonialamt ganz ähnlichen Zumutungen wie von dm Herren Erzberger und Roeren auch von Herrn Arendt und Genoffen ausgesetzt gewesen sei und sich gegen jedwede Nebenregierung zu schützen habe. Wir erhalten alle unsere Ausführungen über Herrn Arendt aufrecht. Wenn Herr Otto Arendt behauptet, der Artikel der „Vossischen Ztg." könne nicht auS deren Redaktion stammen, so wollen wir gern unterstellen, daß er dergleichen nicht unter seinem Eid ausgesagt haben wird. Der Artikel„Nebenregierung" ist. wie hiermit bündig versichert sei. in der Redaktion entstanden, ohne jede fremde Anregung, in der Ne- daktion verfaßt, ohne jeden Zusammenhang niit dem Geheimen LegationLrat Hellwig, den wir nicht die Ehre haben zu kennen, ohne jede Fühlung mit irgend einem Beamten oder irgend einer außerhalb der Redaktion stehenden Person. Wenn Herr Otto Arendt versichert, hoffentlich nicht auf seinen Eid, niemand in der Redaktion könne, eine so eingehende Kenntnis längst vergangener Dinge haben, so ist das ein schlechtes Zeugnis für seine eigene Begabung. Es genügten ein paar Viertelstunden Nachblättern in dem von Herrn Otto Arendt einstmals herausgegebenen, glücklich zu Tode redigierten„Deutschen Wochenblatt", um über seine Nebenregierung einigermaßen orientiert zu sein.... Ungefähr auf derselben Höhe wie die Betrachtungen über die Herkunft unseres Artikels steht die Behauptung des Herrn Otto Arendt, Gcheimrat Kayser habe seine Entlassung nehmen müssen, weil das von ihm Herrn PeterS gestiftete Bild mit Unterschrift be- kannt geworden sei. Bei der Verhandlung hat diese Mitteilung anscheinend gewirkt wie ein geschickterTheatercoup. In Wahrheit ist diese Darstellung abgetan. Herr Arendt hat die Fabel noch im Dezember 1906 im Reichstag wiederholt. Damals behauptete er noch, das Bild trage die Unterschrift:„ES liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen und das Erhabenem den Staub zu ziehn". Das war falsch, wie Herr Arendt in einem an uns gerichteten Brief vom 1v. Dezember zugeben mußte. Die Unter- schrist lautete:„Die wenigen, die was davon erkannt usw. Diese Widmung erfolgte am 21. Mai 1694 als Gegengabe für das Bild, das Herr PeterS am 12. Mai 1894 dem Kolonial- direktor Kayser mit /»er Unterschrist„Seinem verehrten Direktor Dr. Kayser.„L01 nspora ad astra" gestiftet hatte. Die Angriffe gegen Herrn PeterS im Reichstage erfolgten im Frühjahr 1903, darauf wurde die neue Untersuchung eingeleitetet. Daß Gehcimrat Kayser ein Jahr früher, lange bevor die Kilimandscharo-Angelcgen- heit aufgerührt und die Tätigkeit dcS Herrn PeterS festgestellt wurde, ihm sein Bild schickte, konnte ihn mithin unmöglich„un- möglich machen", also auch nicht im Oktober 1896 seinen Rücktritt veranlassen."_ Agrarische Schulferien. In der Gemeinde Harsum bei Hildcsheim beherrschen fct/fc Agrarier den Schulvorstand. Sie beschlossen die Verlegung der « S 0 m m e r f e r i e n" in den Herbst, um die Kinder beim Rüben- roden ausnutzen zu können. Unser Bruderorgan in Hannover, der „Volkswille", hatte diese agrarische Schulpolitik in schärffter Weise getadelt. Ein Mitglied des SchulvorstandeS, der Hofbesitzer Stein» mann, strengte gegen den Redakteur Genossen T h 0 m a s e r Privat- klage wegen Beleidigung an. Die Verhandlung fand am Diens- tag vor dem Schöffengericht in Hannover statt und entrollte ein allerliebstes Bild agrarischer Schulpolitik. Ms Zeugen wurden der Hauptlehrer Fischer und der Lehrer Heine aus Harsum vernommen. Elfterer ist Mitglied des Schul- Vorstandes. Das Wesentlichste seiner Schilderungen ist: Nach einer Verfügung des Ministers gibt es bewegliche und feststehende Schulferien. Die elfteren setzt der Kreisschul- i n s p e k t 0 r nach Anhörung des Schulvorstandes fest. Die Sitzung, in der die Ferien für Harsum festgesetzt wurden, fand am 19. Februar d. I. statt. Zum Schulvorstand gehören drei Lehrer und— drei Agrarier. Unter den Lehrern befindet sich der Kreisschul- inspektor selbst. In der Sitzung fehlte ein Lehrer, dagegen waren die Agrarier vollzählig erschienen. Die Sommerfcrien(!) wurden nun festgesetzt auf die Zeit vom 3. bis 19. August und vom 23. September bis zum 21. Oktober! Von dem Zeugen und von dem Kreisschulinspektor wurde in der Sitzung darauf hingewiesen, daß diese Festsetzung weder im Interesse der Lehrer,»och in dem der Eltern, noch gar im Jntereffe der Schule liege. Die Eltern seien meist kleine Leute, die Kartoffelland hätten und vor dem 23. September ihre Kinder zur eigenen Benutzung beim Ausroden der eigenen Kartoffeln gebrauchen könnten. Es sei ferner ohne Frage, daß der Unterricht in der heißen Sommerzeit wenig Erfolg habe, die Nufmerksamkeit der Kinder sei gering, ferner werde durch die Hinausschiebung der Ferien die Winterschulzeit, die die fruchtbringendste sei, so gekürzt, daß darin eine Gefahr für den Unterricht liege. Aber alle Gründe der beiden Fachmänner fanden bei den Agrariern kein Gehör. Mit drei gegen zwei Stimmen wurden die Ferien wie oben angegeben festgesetzt. Die Agrarier erwiderten, es läge im landwirtschaftlichen(I) Interesse, die Kinder zum Rübenroden frei zu haben. Wenn die Kinder noch nicht selbst arbeiten könnten, seien sie doch in der Lage, den Eltern das Esten zuzutragen. Gegen diese Auffassungen haben der Zeuge und der Kreisschulinspektor opponiert; sie seien aber nicht durchgednmgen, weil Steinmann, der früher Gemeindevorsteher gewesen wäre, zu großen Einfluß habe und des Wortes sehr mächtig sei. Auf Befragen teilte der Zeuge weiter mit, daß das Be- streben der Landwirte auf noch v eitere Hinausschiebung der.Sommer'» Ferien gehe. Zwei Jahre seien hinter- einander schon zu Pfingsten„RLdenvcrzirhfcrirn"!— ein netter schnltcchnischcr Ausdruck— von achttägiger Dauer eingeführt. Anstcrdenl würde im Sommer HalbtagSunterricht eingerichtet. ebenfalls im Interesse der— Landwirtschaft. Darüber seien die Leute sehr unzufrieden, denn die Kinder mühten «wrgcnS um 5 Uhr ausstehen, um 6 Uhr müxiru sie zur Kirche— Harsum ist katholisch— und von 7—12 dauere der Schulunterricht. AachuüttegS arbeiteten dann die Kinder bei den Landwirten beim Nübenziehen!! Ans die kleinen Leute lvcrde teinc Rickficht gc- nonimen. am allerwenigsten ans die Schule. Der Verteidiger des Genossen Thomaser hob hervor, daß der Prozeß ganz unerhörte Zustände aufgedeckt habe. Der Privatkläger habe gerade als einer der größten Grnnd- bcsitzcr egoistisch gehandelt, wenn er den pädagogischen Vorstellungen gegenüber sagte: Wir haben die Macht, deshalb nehmen wir un S das Recht! Das Gericht kam trotzdem zu einer Verurteilung. ES erkannte zwar an, daß die Festsetzung der Ferien ivcit über daS erlaubt« und angemessene Ziel hinausgehe. Die gute Absicht de? Angeklagten solle auch nicht verkannt werden, jedoch mit der Kritik sc: der Angeklagte über erlaubte Grenzen hinaus- gegangen und die Form des Artikels sei beleidigend. 30 M. Geld- strafe wurde als angemessene Sühne erachtet. Sozialdemokraten hält man für unfähig, SchnlvorstandSmitglieder zu sei», aber die ihre egoistischen Interessen rücksichtslos vertretenden Agrarier, das sind die wahr»« Hüter der preußischen Dorfschule! Den Kindern lehrt der Schnllehrcr und in jedem Kalender steht eS ailch, daß am 23. September der Sommer aufhört und der Herbst be- ginnt. Und justament au demselben Tag: beginnen m Harsum die großen— Sommerferie». vom neuen stecht der„Ordnana$"leute zur Verleumdung. DaS Landgericht Bautzen hat am Donnerstag daö Urteil des CchösfengerichtS Pulsnitz bestätigt, über das wir am 13. d. M. be- richteten. Der Kassierer des Militärvereins für Bartnig, WirtschafrS- besitzer Jörke, hatte die unwahre Behauptung verbreitet, der Kons u»l verein in Pulsnitz unterstütze die sozial- demokratische Parteikasse. Als ihm daraufhin ein auf der AuSschlnßliste stehendes Mitglied zurief: DaS ist Lüge, er- klärte er:„DaS wird so sein gemacht, daß eZ die Mitglieder gar nicht gewahr werden." DaS Schöffengericht sprach auf die von den Vorstands- Mitgliedern erhobene PrivaUlage den Borbringer der loieder- gegebenen Werleunidung frei. Es nahm an, dem Angeklaaten stehe, selbst wenn er wider besseres Wissen gchanvclt hätte, der Schutz der Wahrnehmung berechtigter Interessen zu. Vor der B e r u f u n g S k a m m e r macht« der Vorsitzende, Land- gerichtSdirektor Dr. Weingart, den Vergleichsvorschlag! der Beklagte sollte erklären, dav er die Behauptnng nicht aufrechterhalten könne, während die Kläger alle K o st e n tragen sollten. Diesen Vorschlag lehnten die Kläger eiit- schieden ab. In der Verhandlung stellte sich heraus, daß von den drei Klägern leider nur der GcichüftSführer ein Sozialdemokrat ist und daß nur etwa 1b Proz. der Mitglieder Sozialdemokraten sind. Daß die vom Beklagten aufgestellte» Vcbanptungcn der Wahr- heit widersprechen, wurde nicht bestritten. Und dennoch kam auch das Landgericht zu einer Abweisung der Kläger. ES führte in ähnlicher, dein R:chtsbewußliein entgegenstehender Weise wie das Schöffengericht aus, der Augellagte habe in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt. Der Militärvereiu habe nach seinen Satzungen Mitglieder, die einem Konsumverein mit sozialdemokratischer Leitung augehören, ausschließen müssen. Der Augeklagte sei, als er auf Befragen geäußert habe, der Konsumverein unterstütze die sozialdemokratische Kasse, nur bemüht gewesen, die MilitärvereiuSmitglieder über den Zusannnenhang deS Konsumvereins mit der Partei aufzuklären. Allerdings sei die Aeußerung geeignet, die BorstandSinitgheder deS Konsumvereins in der öffentlichen Meinung herabzusetze»; aber da die Behauptung in einer geschlossenen Mitgliederversaunnlung gefallen sei, so sei ihm der Schutz des ß 193 zuzubilligen. Es sei eine Auskunft von ihm gefordert worden, und die habe er nach Lage der Sache in durchaus angemessener Weise gegeben, indem er aussagte, waZ er in Pulsnitz gehört hatte. Die zweite Aeußerung,„das werde so gemacht, daß es die Mitglieder nicht merkten,' fei kein« neue Behaichtung, sondern nur eine Art Schlußfolgerung aus der ersten. ES verstehe sich tzon selbst, daß wenn Gelder zu sozialdemokratischen Zwecken verwendet worden wären— loa» oer Angeklagte annahm—, das in irgend einer Weise Härte verschleiert werden müssen. In der Form seiner Aeußerungen sei der Angeklagte nicht über die durch den s 103 gezogenen Grenze» gegangen. Bereits bei Besprechung deß schöffengerichtlichen Urteils haben wir hervorgehoben, daß derartige Urteilsbegründungen lediglich den neuen RcchtSsatz umhüllen: ein Verleumder ist straffrei, weil» der Verleumdete ein S«z,olde»i»krat ist. Die neue Moral der Bekämpfung der Sozialdemokraten durch Verleumdungen ist von den„OrdnnngS"- Parteien vor und im Wahlkampf betätigt. Die R-chtsprechnng drückt dieser Betätigung ihr Siegel ans und läßt dadurch klar erkennen, ob sie i» der Lage ist, Gerechtigkeit ohne Ansehe» der Person lediglich mit Rücksicht auf die Sache üben zu können. Die Zwie- spältigkeit der Strafjusliz wird durch die fast völlige Elimiinerung des fj 193 des Strafgesetzbuches gegenüber über Getverlschafts- kämpfew, Redakteuren lind Sozialdemokraten besonders augenfällig. polltlfcke deberllckt. Berlin, den 2L. Junl 1907. Miltistsrstürzerei. Die„Rhein.- Wests. Ztg." setzt ihre Bemühungen, Biilow zu der von ihm gelvünschten„Einheitlichkeit der Regierung" zu verhelfen, eisrigsi fort. Vor dem Sturz deS Grafen Posa- dowsky brachte sie von einer„besonderen Seite", die sich in Berlin zu befinden scheint und sich als inerkivürdig gut in- formiert über die Stimmungen in der Wilhelm straffe erweist. heftige Angriffe auf den bisherigeil Leiter des NeichöamtS des Innern, den Grafen Posadowsky. Jetzt, nachdem der letztere geflogen ist, kommt der Unterstaatssekretär Wermuth. der während der Abwesenheit des Staats- sekretärs v. Beihmann- Holliveg vorläufig die Geschäfte des RcichSamtes des Innern ftihrt, an die Reihe. Die„besondere Seite" schreibt nämlich all der Spitze der gestrigen Abend- JUlmmer deS Organs der Zechen- und Hüttenmagnaten: Iii den nilterrichtetsten Kreisen rechnete man damit als mit einer Gewißheit, daß der Unterstaatssekretär Wemmth ans der über- aus ungnädigen Verabschiedung des Grafen Posadowskh— es ist noch nie vorgekommen, daß ein Minister oder Staatssekretär, der so lange ün Amte war und auf vielen Gebieten so Vorzügliche» ge- leistet hat, ohne jede» Zeichen äußerer Anerkennung aus dem Dienste geschieden ist, und wenn auch nicht auf die Brillanten zum Schwarzen Adlerorden, so durfte Graf Posadowskh doch sicher »venigsteilS auf ein gnädiges Handschreiben deS Kaisers rechnen, das die Kurialieu wahrte,— daß er also aus dieser Art der Veradschiedling seine» Chefs die Konsequenzen ziehen und in sein Amt nicht zurückkehren würde. Man hat sich in dieser Aiinahme getäuscht. DaS rührt daher: Der Unterstaatssekretär Wermuth, der heute seine Geschäfte wieder übernommen hat, hat offen- bar entweder die Situation noch nicht erfaßt, oder er hofft trotz der Situation sich durchsetzen zu können. Diese Hoffnung scheint etwas kühn, da diele von den Vor- würfen, die man gegen den Grafen Posadowsky gerichtet hat, in gleicher Weife auch dem UnterstaatSfekretäl Mermuth zu mache» sind, und da dieser inSbesonders für die Zentrums- Herrschaft im ReichLamt des Innern verantwort- lich zu machen ist. Bielleicht geht fein Hoffen dahiu, daß Fürst Bülow über diese Dinge weniger orientiert ist und daß eS ihm infolgedeffen gelingen wird, den Posten eines Staatssekretärs für den abzutrennenden Zweig des Reichsamts des Innern zu er- halten.... DaS Bestreben des llntcrstaatssekretärs Wermuth wird naturgemäß darauf gerichtet sein, seinen Einfluß auf Abtrennung deS- jcnigen Teiles geltend zn machen, der ihm besonders bekannt ist. Dies wäre also vorzugsweise die handelspolitische Ab- t e i l u» g. Daß der Unterstaatssekretär Wermuth daS Reifen seiner Blütenträume erleben sollte, ist nicht sehr wahrscheinlich. Die aber mühsam hergestellte Einheitlichkeit der Acgiernng würde durch seine Einbeziehnng in diese wieder verloren gehen, denn wenn er auch wie wahrscheinlich klug gernig sein würde, die alten Beziehungen zum Zentrum nicht wieder aufzunehme» oder nach Möglichkeit zurücktreten zn lassen, so würde er doch notwendiger- weise stets zu dieser Partei hin divergieren und damit für die Blockpolitik, wenn nicht eine Gefahr, so doch sicherlich ein durchaus unzuverlässiges Element bilden. ES ist nicht anznnehmen, daß Fürst Bülow diese Gefahr übersehen wird. In Anbetracht der schönen politischen Zustände, welche die neue„ A e r a Bülow" auszeichnen, erscheint nicht auS- geschlossen, baff auch dieser Angriff der wahrscheinlich in den nächsten Tagen fortgesetzt werben wird, Erfolg hat. Daß der hinter den Kulissen arbeitende Ministerstürzer die Mache vcr- steht, zeigt sein versteckter Hinlveis ans die handelspolitische Tätigkeit de» llnterstaatssckretärS Wermuth, denn diese hat in gewissen höfisch-sendalen Kreisen manchen Anstoß erregt. Zwei kaiserliche Handschreiben. Wilhelm II. hat den beiden entlassenen Ministern, dem Grafen von Posadow'ky und Herr» von Stndt sogenannte„huldvolle Mer- höchste Handschreiben" zugehe» lassen. DaS Schreibe» an Posadowsky hat nach der„Rordd. Allgem. Ztg." folgenden Wortlaut: Mein lieber GtaolSminister Graf v. Posadowsky! Ihrem Ansnchen um Entlassung aus den Aemtern als Staats- minister und Staatssekretär des Innern habe ich durch Erlaß vom beutigen Tage entsprochen. Ich kann eS mir aber nicht versagen, Ihnen für die treue» und erfolgreichen Dienste, welche Sie mit unermüdlicher Hingebung an die Ihnen gestellten großen und schwierigen Ausgabcn-mir und dem Vätnlaiide geleistet habe», meinen wärmsten Dank noch besonders auszusprechen. Als Zeichen meines unveränderten WohlivollenS verleihe ich Ihne» meine Büste in Marmor, welche Ihnen zugehen wird. Ich verbleibe Ihr wohlgeneigter Kaiser und König gez. Wilhelm I. R. . Da? dem StaatSmimster v. Studt zugegangene Handschreiben kantet:» Mein lieber StaatSminister Dr. v. Studt! Nachdem ich Ihnen durch Erlaß vom heutigen Tage die nach- gesuchte Tieitstcntlassung in Gnaden erteilt habe, drängt es mich Ihm» meinen besten Dank für die treuen Dienste auszusprechen, die Sie in den langen Jahren Ihrer ehrenvolle» Laufbahn mir und dem Vaterlande geleistet haben. Um ober Ihre retchen Er- fahrungen und Ihre staatSmännische Einsicht dem Staate auch ferner zu erhalten und Ihnen ein Zeichen meines besonderen Vcr- trauenS zn geben, habe ich Sie auf Lebenszeit-in das Herrenhaus berufen. Ich verbleibe Ihr wohlgeneigter König gez. Wilhelm R. DaS Schreiben an Herrn v. Stndt schlägt einen weit wärmeren Ton an. Allem Anschein»ach schätzt der Kaiser dessen Verdienste höher ein. Dagegen läßt sich nichts einwenden, denn diese Ein- schatznng ist Ansichtssache. Spätere Historiker dürften sich allerdings diese Ausfassung des Kaisers ebenso wenig zu eigen machen, wie so manche seiner Urteile über Kunst und Literatur. Wahsrechtsbewegung in Hessen. Mainz, den 27. Juni 1997. Das Schicksal der hessischen Wahlrechtsvorlage darf vorläufig als entschieden gelten, wenigstens haben die Verhandlungen am Mittlvoch in der hessischen Kammer keinen Zweifel darüber gelassen, daß diese nicht daran denkt, das direkte Wahlrecht durch Konr Pete nzerlveiterung der Er st en Kammer zu erkaufen. Zwar stand am Mittwoch nicht die Wahlrechts- Vorlage selbst zur Debatte, sondern nur die Frage, ob dem verlangen der Regierung entsprechend ein Sonderausschuß mit der Beratnug betraut, oder diese dem bestehenden RechtSauSschuß überwiesen werden soll. Neber die Bedeutung dieser Frage sind die Leser des„Vorwärts' bereits orientiert. Die Kammer entschied einstimmig, daS Verlangen der Regierung abzulehnen und die Vorlage von dem bestehenden BuSschnß beraten zu lassen. Bei dieser Gelegenheit bekundeten aber sämtliche Redner der einzelnen Parteien schon ihren strikte ablehnenden Standpunkt zu der ganzen Vorlage. Zum Teil kam die Ablehnung mit äußerster Schärfe gegenüber der Regierung zmn Ausdruck. Es zeigte sich, wie erbittert die Ab- geordneten darüber sind, daß man ihnen eine Vorlage zn- mutet, in der die Regierung sich zum Handlanger der Privilegierten der Ersten Kammer macht. Genosse Ulrich sagte es der Regiernng anf den Kopf zu. er glaube garnicht, daß es der Regierung ernst sei, mit der Einführung deS direkten Wahlrechts, denn sonst hätte sie nicht diese Vorlage einbringen können, deren Ablehnung für sie ganz sicher sein mußte. DaS Ministerium Ewald stelle im Gegensatz zum früheren Ministerium Rothe in konziliantester Forin die reaktionärsten Forderungen. Auch der freisinnige Justizrat Dr. Gutfleisch-Gießen fand ungemein scharfe Worte gegen die Regierung, die nur daS tue, was die Erste Kammer ivolle. AuS diesem ersten Treffen geht hervor, daß die Wahlrechts- reforin in Hessen wiederum vereitelt ist. Während da» direkte Wahl- recht zweimal am Widerstand der Privilegierten scheiterte, hinter- treibt eSjetztzumdrittenMale dieRegierungtm Bunde mit der Ersten Kammer. � Mecklenburgische Lehrergehalts-„Reform". DI« mecklenburgische Regierung hat sich jüngst dazu anfgcrafft, die Gehälter der anf dem sogenannten Domaninm(der landeS- herrlichen Güter, deren Erträge zur Aufrcchterhaltung der Landes- vettvaltung und großherzoglichen Hofhaltung dienen) beschäftigten Lehrer etwa? zu erhöhen, eine Leistung, die von einem Teil der inecklcnbnrgtsche» Presse als Beweis allerhöchster sozialpolitischer Fürsorge gepriesen worden ist. Wie eS um diese große Reform in Wirklichkeit bestellt ist, zeigt folgende AnZeinandcrsetzung der„Preuff Lehrerzeitung": „Der ersten Freude über die Ausbesserung deS Domanial- lelzrcrgehalts auf 1100 bis 18 M. ist schnell die bitterste Eni- täuschüng gefolgt, nachdem die Regierung für die Anrechnung der Tienslländcreien die bisherigen Grundsätze sSchätzung nach der Bonität des AckerS) verlassen und für die Aufbesserung die Neu- einschätzmig der Landdotation von 1994 tSchützung nach dein wirk- lichen Ertrage) zur Grundlage gemacht hat. Die Ergnbnisse der Ncueinschätziiug sind jetzt ciwa 2ö9 Lehrern von den Aemtern mitgeteilt worden. Die Ländereien dieser 2S9 Stellen sind den Lehrern 79 696 M. höher angerechnet worden als bisher. DaS macht im Durchschnitt für jede Stelle 897 M. Wahrlich, eine billige Ausbesserung l Im einzelnen gehen die Höherschätznngen mancher Schnlsieven 699 bis 899 M. über die frühere Anrechuung hinaus, wodurch nicht wenige Lehrer nach der Gehaltserhöhung bis zu 399 M. weniger haben, als sie bisher erhielten. Vielfach ist den Lehrern die Quadrat- rute Acker nach Abzug aller Kosten auf 48 Pf. berechnet. Wenn es zutrifft, daß ein Lehrer von 4 bis 6 Hektar Äcker nach der Neueinschätzung einen Neingewinn von 699 biS 890 M. erzielen kann, so müßte ein Erbpächter bei Abrechnung sämtlicher Unkosten einen baren Gewinn von 3999 bis 4990 M. von seinem Acker haben, und ein Gutsbesitzer, der 809 bis 1999 Hektar bewirtschaftet, würde mindestens einen lieber- schnß von 70099 M. erzielen. Es ist wirklich nicht verständlich, wie dabei die Landwirte früher immer über schlechte Zeiten klagen konnten." Bei der Einschätzung der Erträge der großen Rittergüter zeigt sich die Regiernng weit weniger strenge. � Bei dem,.Lehreracker" wird der Reinertrag pro Hektar anf ungefähr 169 M. eingeschätzt? bei den großen Rittergütern gilt dagegen den Edelsten der Nation eine Einschätzung des NemcrtrageZ mit 15 M. pro Hektar oft schor als viel zn hoch.—_ „Sieg auf der ganzen Linie l" Das ist da« Resultat deS„Guerilla-Lohnkampfes" der Magistrats. Mitglieder in Franlfurt a. M., von de» wir kürzlich berichteten. Nachdem die technischen Stadträte Sch» aniann und Kölle 2699 resp. 6099 M. an Gehalt in gehctme Stadlverordnetensitzungen mehr bewilligt erhalten hatten und mit 47 000 M. resp. 20 090 M. die höchstbesoldeten MagistratSinitglieder nach dem Oberbürgermeister AdickeS geworden waren, konnte eS uidjC ausbleiben, daß früher oder später auch die übrigen Magistrats Mitglieder Mehrforderungen stellen würde». Die G-haltserhShung für sie ist nun bereits beschlossene Sache, und sie haben nicht einmal nötig gehabt, selber entsprechende Anträge zu stellen. DaS besorgten für sie die Freisinndemokraten und die National- liberalen, die Mehrheit in jenen beiden Präzedenzfällen. Ebenso sicherten diese Parteien sich von vornherein durch NamenSunter- schnften eine sichere Mehrheit für ihre Anträge. Bon 42 de: 64 Stadtverordneten unterschrieben, standen die Anträge am Dienstag im Stadtverordnctenkolleginm auf der TageSordnun DaS Gehalt des Oberbürgermeisters Adickes wird von 30 999 auf 36 900 M., also um 6009 M. das Gehalt deS zweiten Bür� Meisters Grimm von 16 999 M. anf 20000 M., also um 5000 und für die übrigen Magistratßinitglieder daS Gehalt von 12999.», auf 16 099 M.. also um 3999 M. erhöht. Die Beratung dieser Anträge im Stadtverordnetenkollegsilm gestaltete sich außerordentlich stürmisch. Nachdem ein Bertagungs- niitrag unserer Fraktion niedergcstimmt war, wurden die Tnbünen geräumt, um in nichtöffentlicher Sitzung über den Ausschluß tzer Oeffentlichkeit zu beschließen. Wiederum wurde die sozial- demokratische Minderheit, der sich einige Mittelständler und ein einziger Demokrat anschlössen, überstimmt und gsheim» Verhandlung beschlossen. Bei der materiellen Beratung führte uns« Fraktionsredner in emftündigcr. sachlicher Rede all die Gründe auf. die gegen du Gehaltserhöhungen sprechen. Er verwies besonders darauf, wie bei der Reguliernnz der Beamten- und Lehrcrgehälter und der Arbeiter- löhne der Oberbürgermeister immer und immer wieder betont habe, die„gespannte Finanzlage' lasse weitere Erhöhungen nicht zu, wie ans angeblichem Mangel an Mitteln unsere Lsnträge sozialpolitischer Art. Unentgeltlichkeit der Lehrmittel, der Beerdigung, warmes Frühstück an Schulkinder, vier Mark Minimallohn für städtische Arbeiter, Verkürzung der Arbeitszeit usw.. abgelehnt resp. zurückgestellt worden sind. Jetzt könne dagegen der laufende Etat plötzlich 26 999 Mark Mehrbelastung für die Besoldung der Magistratsmitglieder vertragen. Doch alle noch so triftigen Gründe nützten nichts. Nach zweistündiger geheimer Sitzung hatte die Mehrheit unter Anwendung von Schluß- antrügen und en bloc-Annahme ihr Ziel erreicht. Unsere Partei bringt am Sonntag im ganzen Stadtgebiet ein Flugblatt zur Verbreitung, in dem diese Verschleuderung der Steuer- geldcr beleuchtet wird: außerdem beruft sie zum Dienstag fünf große Protestversammlnngen ein.—_____ „sozialpolitisches" ans Hamburg. Beschließt das sich.Bürgerschaft' nennende Hamburger LandeSparlamcnt irgend ein Gesetz, so ist in recht seltenen Fällen gute» darüber zu melden. Vor bicrzehn Tagen berichteten wir über daS zur Beratung stehende Armengesetz. daS, entgegen den Bestimmungen de« Reichsgesetzes, den LrbeitSzwang auch gegen„bös- willige" Nährpflichtige vorsieht. In der Sitzung der Bürgerschaft vom letzten Mittwochabend suchten einzelne Bürgerschafts- juristen nochmal« mit Aufbietung ihre«„Scharfsinnes" zu beweisen, daß Hamburg zum Erlaß derartiger gesetzlicher Bestimmungen be» rechtigt sei. denn eS handele sich hierbei nicht um den Charaltcr einer Strafe, sondern um eine äquivalente Arbeitsleistung(in der ArbeitSanstalt!) für gewährte Unterstützung. Man bezeichnete diese Bcstimmnng als eine sozialpolitische Großtat,„weil unsoziale Elemente zur Pflichterfüllung ihren Angehörigen gegenüber an- gehalten werden müßten." Genosse Fischer zog nochmals kräftig gegen diesen Teil de? Gesetze« zu Felde, ebenso der keiner Fraktion angehörend- Dr. W o l f f s o n. Während die Urheber de» Gesetzentwurfs die unbegrenzte Dauer der Unterbringung in der Arbeitsanstalt fordern,„bis der Betreffende sich gebessert hat", fordern andere An- träge eine zeitliche Begrenzung. Angenommen wurde schließlich folgender Antrag: „Wenn der Unterstützte in eine Krmenarbeitsanstalt imtcrgebracht ist und die Nuterbringung ein Jahr gedauert hat, so hat die Koin- Mission, bevor sie das Fortbcstehen der Loraussetzungen für die Arbeitspflicht feststellt, dem Unterstützten durch eine mindestens sechs Monate dauernde Unterbrechung der Uaterbringnng Gelegenheit zur Erbringung de» Nachweises zu geben, daß die Vorausfetzimgen für die Bollstreckung des Beschlusses nicht mehr bestehen." Fürwahr— eine„sozialpolitische Großtat".--- Polenkrawall. Das Wolffsche Bureau berichtet auS Peine(Hannover); „Wegen der vom Gutsbesitzer Lcßmann in Oberg bei Pcint am vergangenen Montag vorgenommenen Entlassung einer An» zahl polnischer Arbeiter machte sich unter den auf dem Gute ve.r- bleibenden polnischen Arbeitern eine große Unzufriedenheit'oc- merkbar, die gestern ihren Höhepunkt erreichte. Lcßmann wurde von dcn Arbeitern, etwa 49, mit Heugabeln usw. tätlich ange- griffen und mußte flüchten. Die herbeigerufene Gendarmerie war gezwungen, mit blanker Waffe gegen die Aufruhrer vorzu- gehen, und nahm 4 Verhaftungen vor. Nach dem Abzug der Gen- darmerie gingen die Polen wieder vor und umlagerten das Haus LeßmannS, den sie in ihre Hände zu bekommen versuchten. Die wiederum herbeigerufene Gendarmerie schritt ein und wurde dann von den polnischen Arbeitern bis Peine wütend verfolgt. Dort sammelten sich die Polen vor dem Amtsgericht und ver- suchten, die Gefangenen zu befreien. Schutzmannschaft und Gen- darmerie konnten nur mit der blanken Waffe die Polen zum Auseinandergehen zwingen." Wieweit diese Angaben den Tatsachen entsprechen, wird die Untersuchung zeigen_ Soldatenschinderei. Der 19 jährige Unteroff zier B e r g e r vom Grenadier- Regiment Nr. IVO stand wegen Mißhandlung eines Unter- g e b e n e n vor dem Kriegsgericht in Dresden. Der An- geklagte hatte den Grenadier Hcnsel, weil dieser nicht schnell genug gelaufen lvar, mit beiden Händen an die Brust gepackt und ihn zu Boden geworfen. Der Soldat trug am Arm Verletzungen davon und hatte zirka vier Tage Schmerzen in der Hüftcngcgend. Das Kriegsgericht verurteilte den Soldaten- schinder nur wegen vorschriftswidriger Behandlung zu fünf Tagen mittleren A r r e ft I! Es nahm einen„minder- schweren" Fall an und glaubte die Roheit.gelinde" be- urteilen zu müssen.— Eine Verhandlung gegen einen Soldatenschinder schlimmster Art, den Unteroffizier Schmidt von demselben l urde vertagt, da sich in der Verhandlung eine Un- ».. euer Mißhandlungen herausstellte. Gegen ä l l e(!) werden dem Angeklagten ohnedies schon zur ES stellte sich weiter heraus, daß der Angeklagte die ien unter Drohungen von einer Meldung abgehalten Zeugen hat der Angeklagte sogar zu bestimmen ver- 1 ahrheit zuwider zu seinen Gunsten auszusagen. Der ider lv u r d e in Haft genommen. Die Miß liegen bis 1005 zurück; von da bis in die neueste Zeit Mensch die Soldaten geschunden.— Pc dl Besichtigung totgeschossen! Der Trainsoldat D i n t er ataillon 6 in Breslau stand angeklagt der unvorsichtige» •..'g seiner Waffe vor dem BrcSlauer Kriegsgericht -•-r ivifion unter Vorsitz des Majors Freiherrn von R ich t- K? s e n. D. wird beschuldigt, am 4. Juni auf dem Exerzierplatz ;: C nd durch Unvorsichtigkeit beim Laden des Karabiners im D' Tod des Einjährig-Freiwilligen Ritter herbeigeführt zu i L i dem Tage war Besichtigung des Bataillons. Leutnant umandierte Laden, sah die Karabinerlage nach, die i u ere revidierten, ob die Karabiner gesichert seien, da ging ei.?..- loS und der Einjährig-Freiwillige Ritter fiel tot um. nen Schuß mit einer Platzpatrone in den Hinterkopf er- er Angeklagte weiß sich nicht zu erinnern, wie das Un- . i rte. Der Verhandlungsführer, Kriegsgcrichtrat Die hl. meint, et nüsse doch Wohl den Karabiner nicht gesichert haben. Der An- gibt nur zu, daß es möglich sei, daß er den Karabiner lten habe. Leutnant Pcschre bekundet als Zeuge: Der "i',» werde leicht ängstlich. Gerichtsassessor Bertram als ■-:treter meint, D i n t e r müsse wohl bei Ladung eine v.mmuv i erfahren haben, unruhig und hastig geworden sein, und !- l! orsichtigkeit an den Abzugbügel gekommen sein. Er be- eringste Strafe, 44 Tage Gefängnis. Der Ver» i Leutnant Hoffmann meint, der Mann müsse freigesprochen w. r sei durch sein Gewissen für sein ganzes Leben hart genug- � traft. , Kriegsgericht erkannte aus Freisprechung.- fVanfcretcb. Die zweite Attacke auf Clemenceau. '??>!», 2d. Juni.(Deputiertenkammer.) Das Haus und alle Tribünen sind dicht besetzt. Bedouce, von der Partei der uni- t u Sozialisten, interpelliert wegen der Vorgänge im Süden. aus, die furchtbare Bewegung, die in vier Departements i; Notlage geschaffen sei. sei keine separatistische, denn der j.l ,ei patriotisch, sie sei vielmehr eine ausschließlich Wirt- i i ch e Bewegung. C habe zunächst geschienen, als ob die Regierung die V cgung im Süden begünstige, dann aber habe die Kieg-enmg die Bewegung plötzlich für eine reaktionäre ; en. Bedouce wirft dem Ministerpräsidenten vor, er ':' die Unterdrückung der Bewegung in dem Augenblicke > inet, wo die Bevölkerung der Süddepartements anfing. .ich zu beruhigen. Er schildert die ernsten Vorkommnisse, die h ereigneten, wirft dem Ministerpräsidenten das vergossene ftut vor und verlangt schließlich, daß an der Spitze der Re- ung ein Mann stehen müsse, auf den alle Republikaner -: n könnten.(Beifall bei den Sozialisten.) Hierauf ergreift Meunier das Wort. Er verlangt . v ein Mittel der Beruhigung die Freilassung Ulberts, Fecronls und aller Mitglieder des Komitees von Argeliers. Dänemark. Ein Erfolg der Ttraßenbahnkapttalisten. I'ie kürzlich von der Gemeindevertretung Kopenhagens be- fL liene Uebernahme der Straßenbahnen in städtischen Betrieb ist gm Montag vom Magistrat mit S gegen 3 Stimmen abgelehnt .rdenl Dafür stimmten nur die Sozialdemokraten im Magistrat: Vi■ zermeister Jensen und die Magistratsräte Klausen und ü. K n u d s e n. Die dagegen stimmten, waren drei Konserva- iwp und die drei Liberalen: Bürgermeister Marstrand und die wchstratSräts Philipsen und Hage. Sic gehören der„radi- k e n" Linkenpartei an, die auf ihrem Kongreß in Odense ein Programm mit sozialistischer Tendenz angenommen hat, wonach sie lc!.'lichtet gewesen wären, für die Kommunalisicrung der Straßenbahnen zu stimmen. Sie entschuldigen sich aber damit, daß sie nicht grundsätzlich dagegen seien, sondern nur den Zeit- Punkt nicht für geeignet hielten! Dies ist derselbe Scheingrund. den die der Linken-Reformpartei angehörenden Minister vorbringen, c nn ihnen vorgeworfen wird, daß sie die schönen demokratischen Grundsätze des Programms ihrer Partei verraten. Jene drei liberalen Magistratsmitglieder sind seinerzeit mit H lfe der Sozialdemokraten gewählt- worden, selbstverständlich in ter der Voraussetzung, daß sie in dieser wichtigen Sache nicht d s Interesse der Kapitalisten über das der Kommune stellen und u cht obendrein einen Konflikt mit der Gemeindevertretung herauf- b-schwören würden, deren liberale Gruppe in ihrer Mehrheit mit ■ n Sozialdemokraten für die Uebernahme der Straßenbahnen s>mmte. Die Gemeindevertretung wird sich nun am Montag von neuem Ii t der Sache befassen. Sie hat jedoch nicht die Macht, den Be. s luß des Magistrats umzustoßen. Sie kann die Entscheidung des inisters des Innern anrufen, wobei schwerlich etwas heraus- mmen wird. Die Verstadtlichung der Straßenbahnen ist damit brigenS nur um einige Jahre hinausgeschoben; sie wird voraus» sichtlich im Jahre 1911 erfolgen, wenn die beiden liberalen Magi- ratsräte durch andere ersetzt sein werden, die die Interessen der Stadt besser wahrnehmen. Die Sozialdemokratie wird sich, wie unser Kopcnhagcner Brudcrorgan bereits ankündigt, jetzt mit der Frage befassen, wie sie nach dieser traurigen Haltung der liberalen Magistratsmitglieder ihre kommunalpolitische Taktik gestalten mutz. Perkien. I Teheran, 28. Juni. Das Parlament sprach sich in seiner zestrigen Sitzung mit 87 gegen eine Stimme für die Entlassung des Kriegsnnnisters aus. Der gegenwärtige KriegZminister ist ein Onkel des Schahs.— In„kultivierten" Ländern wie Preutzeu-Deutschlanb haben die Vertreter des Volke» in derlei wichtigen Fragen ,,nix to scggen". Der Bremer Stichwahlkrawall vor dem Schwurgericht. Nachdem bereits am 4. und 5. April d. F. vor der zweiten Strafkammer des B r e in e r Landgerichts eine gegen mehrere Arbeiter gerichtete Anklage wegen Landfriedensbruches mit dem Resultat endigte, daß gerade die der sozialdemokratischen Partei an- gehörigen Angeklagten freigesprochen, haben am Mittwoch und Donnerstag wieder Verhandlungen wegen derselben AuS- schreitungen vor dem Bremer Schwurgericht stattgefunden, die mit demselben Ergebnis verlaufen sind. Es handelte sich bei diesen Verhandlungen um den am Stichwahltage stattgefundcnen Krawall in der Nordstraße, bei dem in dem Hause des Fuhrunternehmers Störck sämtliche Fensterscheiben mit Steinen und Eisstücken demoliert wurden. Die Menge bestand in der Mehrzahl aus den in der be- nachbarien Jntespinnerei tätigen, größtenteils ausländischen Arbeitern und Arbeiterinnen. Bei der Säuberung der Straßen durch die Schutzmannschast waren 23 Beamte durch Steinwürfe ver- letzt worden, schwere Verletzungen wurden nicht konstatiert. Wegen dieser Ausschreitungen hatten sich die Arbeiter Lamp, Katzer und Kork, der Ganzinvalide Jäger und die lcdige zwanzigjährige Arbeiterin Hechler am Mittwoch und Donnerstag vor dem Schwur- gericht zu verantworten. Lamp und Katzer sind Böhmen; Kork ist aus Braunsberg gebürtig und Mitglied der sozial- demokratischen Partei. Durch die Beweiserhebung ist er- wiesen, daß Katzer einmal mit einem Stein gegen da» Störcksche Haus geivorfen hat; die Hechler hatte ebenfalls einmal geworfen. Ob sie aber das Haus oder eine Person getroffen hat, ist nicht festgestellt. Bezüglich Kork und Jäger wurde selbst vom Staatsanwalt die Freisprechung beantragt, weil eine Beteiligung an dem Krawall nicht erwiesen sei. Ein Polizeiwacht- meister will Lanip dreimal in der Menge gesehen haben, wobei c,c einmal gegen ihn Widerstand geleistet habe. Ferner hatte ihn?. es sich im vorliegenden Falle nicht um ein politisches Vergehen handele, so(staubte doch der V o r- I i tz e n d e, Richter Dr. Abcgg. in der Begründung des Urteils der Ansicht Ausdruck geben zu müssen, daß den Ausschreitungen zwar kein politischer Charakter innewohne, daß sie aber— doch immerhin von der sozialdemokratischen Partei ausgegangen seien! Diese Be- Häuptling, die nach dem Ergebnis der Verhandlungen durch nichts et, auch mit der Ansicht des Staatsanwalts in Widerspruch eimzeichnet den Grad der politischen UnVoreingenommenheit des Borsitzenden zur Genüge. Wohl oder übel werden die Reichs verbändlcr und selbst der Reichskanzler den Krawall an der Norb straße in Bremen als ungeeigneles Material gegen die Sozial demokratie aus ihrer Skizzenmappe entfernen müssen— daS gebieten die Ergebnisse dieser Prozesse. gemeinsam unterhalten wird. Zuschuß auS Staats- respektive Konrmnnalmitteln erhalten die Sekretariate in Gotha und Bant. Die Tätigkeit der Arbeitersekretariate erstreckt sich außer der Aus- kunfterieilung, Vermittelung von Beschwerden an die Gewerbeaufsicht, Vertretung vor den Schiedsgerichten der Arbeiterversicherung und Gcwerbegerichten auch auf gewerkschaftliche bezw. politische Agitation. Der agitatorischen Tätigkeit widmen sich 64 und mit statistischen Arbeiten befassen sich 47 Sekretariate. 32 Sekretariate erteilen Aus- kunft nur an Organisierte und Organisationsunfähige sowie an deren Angehörige, während 51 Sekretariate an jedermann Auskunst erteilen. Im Jahre 1996 betrug die Gesamtzahl der Auskimfisuchenden 365 132, davon 293 694 männliche und 52 266 weibliche Arbeit- nchmer oder deren Angehörige. 15 341 selbständige Gewerbetreibende und sonstige Personen und 2267 Behörden, Vereine und Korpo- rationen. Das Elberfelder Sekretariat hat 2224 Auskunftsuchende angegeben, jedoch ohne nähere Angabe bezüglich Stand und Ge- schlecht. Bon den auskunftsuchenden Personen waren 228 165, gleich 63 Proz., gewerkschaftlich organisiert. Die Zugehörigkeit zu den politischen Organisationen wird nicht in allen Sekretariaten registriert. Angaben darüber liegen von 59 Sekretariaten vor und es beträgt die Gesamtzahl der politisch organisierten Ausknnftsuchenden dieser Sekretariate 15 267. Gewerkschaftlich und politisch organisiert waren nach den Angaben von 57 Sekretariaten 39 516 Anskiinftsucheiide. In 882 261 Fällen wurde Auskunft erteilt und davon 49 926 Fälle schriftlich erledigt. Die Gesamtzahl der Besuche und schrtst- lichen Auskunstgesuche betrug in 82 Sekretariaten 397 256. Die Zahl der AuSkunstsuchenden ist von 167 363 im Jahre 1961 auf 365 132 im Jahre 1966, und die Zahl der Fälle, in denen Auskunft erteilt wurde, von 173 548 im Jahre 1961 auf 382 261 im Jahre 1966 gestiegen. Insgesamt wurde von den deutschen Arbeiter- sekretariaten in den letzte» sechs Jahren an 1438 776 Auskunft- suchende in 1 493 556 Fällen Auskunft und Rat erteilt. Die Frequenz der Arbeitersekretariate gestaltete sich in den Jahren 1961 bis 1906 in folgender Weise: fv«? Die iuMche Revolution. Der Kaukasus! Petersburg, 28. Juni. Das Attentat in TifliS wirb als eine Vorbedeutung der Wiederaufnahme der terroristischen Kämpfe und vielleicht eines Versuches der Erhebung des ganzen Kaukasus an- gesehen- Es rumort auf dem Laude. Petersburg, 28. Juni. Aus Twer werden beunruhigende Nachrichten über beginnende Agrarunruhen gemeldet. Es wurde Militär requiriert. Gegen die Ardeiter i Petersburg, 23. Jimi. Das Ministerium des Innern beabsichtigt, zum Schutze der Direktoren vor terroristischen Attentaten in Lodz energisch gegen die Organisation der Arbeiter vorzugehen. Die deutschen Meiterlekretariate im Zahre 1906. Die soeben erschienene Nummer des„Korrespondenzblaii" eist hält als„Statistische Beilage" die Ergebnisse der Erhebungen über die Tätigkeit der Arbeitersekretariats im Jahre 1966. Der 24 Seiten, davon 18 Seiten Tabellenwerk unifassciiden Arbeit entnehmen wir. daß Ende 1906 in Deutschland 85 Arbeitersekretariatc bestanden, von denen 49 auf Preußen entfallen und zwar auf die Provinzen Ost- und Westpreußen—. Berlin 1. Provinz Brandenburg 6, Provinz Pommern 1, Provinz Posen 2. Provinz Schlesien 4. Provinz Sachsen 4. Schleswig-Holstein 1. Hannover 4. Westfalen 9. Hessen-Nassau 4. Nheinlapd 13. Von den übrigen 36 Sekretariaten kommen auf Bayern 8, Sachsen 6. Württemberg 1. Baden 4. Hessen 3, beide Mecklenburg zusammen 1. Oldenburg 1. Brannschlvcig 1. Lübeck 1, Bremen 2. Hamburg 1. Elsaß-Lothringen 1 und die Thüringischen Staaten zu sammen 6. An der Statistik beteiligt sind 83 Sekretariate. Außerdem find die Erhebungen auch auf die von den GewerkschaftSkartellen unter- haltenen AuSkuuftstellen ausgedehnt worden, deren Zahl Ende 1906 116 betrug, so daß insgesamt über 199 Institute, die sich mit Aus- kunsterteilimg befassen, berichtet wird. Der Nachweis der Tätigkeit dieser Auskimfierteilung ist eine beachtenswerte Ergänzung der Statistik über die Tätigkeit der Arbeitersekretariate, was ans folgender Zw sammenstellung sich ergibt: Im Jahre 1966 wurden Auskünfte erteilt_ In der Hauptsache sind die Gewerkschaftskartelle die Träger der ttiiterhaltmigskosten für diese Einrichtungen. Außer den 116 Auskunft- stellen, die von den Kartellen allein unterhalten werden, sind die Kartelle an 70 Sekretariaten finanziell beteiligt. 29 Sekretariate werden auch van Parteiorganisationen und 13 von den Redaktionen der Parteiprcsse und sonstigen Arbeiterunternehmungen finanziell unterstützt. Zwei Sekretariate werden von der Generalkommission unterhalten, während eines(Koburg) von Stadt und Staat Koburg Für 2769 fehlen Spezialangaben. Die im Jahre 1906 erteilten Auskünfte betrafen Arbeiter- Versicherung in 114 926 Fällen, Arbeits- und Dienstvertrag in 66 497 Fällen, Bürgerliches Recht in 112 426 Fällen, Sirafrecht in 30 667 Fällen, Arbeiterbewegung in 10664 Fällen, Gemeinde- und Staatsbürgerrecht in 42 234 Fällen. Gciverbewescn und Privat- Versicherung in 5511 Fällen, Sonstiges in 6542 Fällen. Der Prozentsatz der in Angelegenheiten der Arbeiterversichcrimg erteilten Auskünfte ist seit dem Jahre 1961 beständig gestiegen und von dem gesamten Gebiet der Arbeitcrversicherung ist es die Unfallversicherung, die die Arbeitersckretariate am meisten beschäftigt. Von den 114 926 Auskünften in bezng aus Arbeitervcrsichcrung kommen auf die Unfallvarsicherimg 76 183, Krankenversicherung 2636t, Knappschaftswesen 3476, Invalidenversicherung 26 966. Ans die Unfallversicherung entfallen also 61� Proz. der Auskünfte in bezug auf Arbeiterverstcherung. Die zunehmende Belastung der Sekretariate mit Unfallsachen und die vermmdcriie Belastung insbesondere mit Krankenkassen« migelegenheiten läßt die StMistil deutlich erkennen. Von den 1 493 556 insgesamt während der letzten sechs Jahre erteilten AuS« künflen entfallen im Durchschnitt 17,4 Proz. auf Unfall- und 5,6 Proz. auf Krankonversicherung. Während nun der Prozentsatz in Unfallsachen von 15,8 im Jahre 1961 auf 18,3 im Jahre 1900 gestiegen, ist der Prozentsatz bei Krankenkassensachen unter den Durchschnitt heruntergegangen. Die Ursachen dieser Erschernnng sind wohl hauptiächlich darin zu suchen, daß infolge des steigenden Einflusses der organisierten Arbeiterschaft auf die Verwaltung der Ortskrankenkassen eine gerechtere und humanere Handhabung des KrankcnversicherungsgesetzeS und der Kassenstatuten sich bemerkbar macht, und so immer weniger Anlaß zu Klagen gegeben wird, daß ferner auch durch die Aufklärung in den Gewerkschaften die Arbeiter mit den Bestimmungen der Versicherungs» zesetze vertrauter werden und in die Lage kommen, ihre Rechte ohne Zu- hülfenahme eines ArbeitersekretariatS zu wahren. Was aber die ge« 'ieigerie Inanspruchnahme der Sekretariate mit Unfallsachen betrifft, so liegt die Sache hier gerade umgekehrt. Einesteils scheint das Prinzip der Rentcnquetschen immer krasser zutage zu treten, während die Arbeiter, das Unrecht immer mehr erkennend, mit Hülfe der Arbeitersekretariate ihre Rechte geltend zu machen suchen. Und gerade hierbei zeigt es sich, wie unentbehrlich die Arbeitersekretariate geworden sind und wie notwendig die Errichtung weiterer derartiger Institute ist. Das Resultat der von den Sekretariaten vertretenen oder bearbeiteten Klagcsachen wurde denselben in 8871 Fällen bekannt. von denen 4831 erfolgreich, 1263 teilweise erfolgreich und 2837 erfolglos waren. Von den mit vollem oder tcilwciscm Erfolg ver- tretcnen Fällen betrafen die Unfallversicherung 2589, die Kranken- Versicherung und das Knappschaftswesen 532, die Invalidenversicherung 333, Arbeits- und Dienstvertrag 1697 und die Gewerbe- aufsicht 147. Im Jahre 1965 wurden 69 Proz. und 1906 68 Proz. der Klagesackien, von denen das Resultat den Sekretariaten bekannt wurde, mit Erfolg vertreten. lieber die Kassenverhältnisse der Arbeitersekretariate liegen von 68 Sekretariaten Angaben vor. Die Gesamteinnahme derselben be- trug 856 277 M. AuS laufenden Beiträgen der Gewerkschaften be» trugen die Einnahmen 248 913 M., auS Zuschüssen der GeWerk- 'chaften oder der Kartelle 56 956 M., ans der Kasse der General« kommisston wurden 13132 M. und von Parteiorganisationen. Re» daktionen und Genossenschaften wurden 16 689 M. aufgebracht. Die Zuschüsse aus Staats- und Konimunekassen betrugen 5336 M. Verausgabt wurden an Gehältern und persön- lichen Entschädigungen 179600 M., Bureaumiete 22166 M., Steinigung, Heizung und Beleuchtung 11 425 M., Bücher und Druck« achen 31781 M.. sonstige Ausgaben 87 553 M. Die Gesamt- ausgaben betragen 282 525 M. Die im Jahre 1966 für Arbeiter- sekretariate insgesamt aufgewendete Summe ist natürlich weit höher. öa von 15 Sekretariaten, worunter sich solche mit mehreren Angestellten befinden, wie Berlin. Hannover. Magdeburg. München. !eiiie Angaben vorliegen. Diese letzteren führen keine besondere Kasse, die Ausgaben werden aus der Kasse des Gewerkschaftskartells gezahlt. lieber den Wert der Arbeitersekretarlate besondere Betrachtungen anzustellen, erübrigt sich, da diese selbst ihre Unentbehrlichkeit schon längst nackigewicscn haben. Ein Bedürfnis für solche Institute ist in allen Orten vorhanden, in denen das gewerkschaftliche und politische Leben etwa« rege pulsiert, und diesem Bedürfnis sollten lie Organisationen der Arbeiter nach Möglichkeit Rechnung tragen. Der agitatorische Wert der Sekretariate. welcher in der Statistik nicht zum Ausdruck kommt und statistisch auch gar nicht nachzuweisen ist, darf keineswegs verkannt werden. Sollen die Sekretariate aber agitatorisch wirken, dann müssen sie auf Unterstützung seitens des Staates oder der Kommunen verzichten. Um im Interesse der modernen Arbeiter« bewegung wirken zu können, müssen sie stei und unabhängig von taatlicher Bevormundung sein. Es dürste sich aber auch empfehlen. ,?er örtlichen Verteilung der Arbeitersekretariate etwas mehr Be- achtuug zu schenken, als dies bisher der Fall gewesen zu sein scheint. Partei und Gewerkschaften müssen auch in dieser Beziehung sich ggeenseitig unterstützen und Sekretariate in solchen Orten errichten, wo sie heute noch fehlen, der gesamten Arbeiterbewegung jedoch von großem Nutzen sein lonnteiu_ Hu9 der parte!« Eiiliguilgsarbeit. LluS dem Parteibureau wird uns geschrieben: Der Parteivorstand wurde von dem Mannheimer Parteitag be- miftragt, in Verbindung mit der Generalkommission den Versuch zu machen, im Sinne der Lübecker Resolution die einheitliche Organi- sation der Gewerkschaften dadurch herbeiznfnhreu, daß den der Ge- schäftskommission angeschlossenen Gewerkschaften der Eintritt in die der Generalkommission angeschlossenen Zcntralverbände ermög- licht werde. Nachdem der Parteiborstand sich darüber Gewißheit verschafft hatte, daß die der Generalkommission angeschlossenen Verbände be- reit seien, der Aufnahme der der Geschäftskommission angeschloffenen Gewerkschaften weitgehendes Entgegenkommen zu erweisen und die Generalkommission im Interesse der Sache dem Parteivorstand die Initiative überließ, leitete der Parteivorstand Verhandlungen mit der Geschäftskommission ein. Ueber den seitherigen Verlauf der Verhandlungen berichtet die „Einigkeit" in ihrer Nr. 26 vom heutigen Datum. Der Schlußsatz des Artikels lautet: „Für uns ist die Angelegenheit hoffentlich bis zum 8. Kongreß erledigt, wenigstens haben wir nicht Lust, durch fortwährende Einignngsversuche usw. von außen her die Fortenttvickelung der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften stören und schädigen zu lassen und dabei noch selber mitzuhelfen. Wem das Programm und die Anschauungen, die in der Freie» Vereinigung vertreten und propagiert werden, nicht paßt und wer befriedigt um des lieben Friedens und anderer Gründe willen in die reformerischen Zentralverbände, die sich der Protektion der sozialdemokratischen Partei und deren gesamten Vorstande einschließlich der Kontroll- kommission erfreuen, unterkriechen will, der mag gehen. Wir stehen nach wie vor auf dem Boden der Beschlüsse des siebenten Kongresses trotz Lübeck, Mannheim und trotz Essen." Diese in schroffe Formen gekleidete Ablehnung der Geschäfts- konnnission jeder weiteren Mitwirkung bei den Einigungsversuchen, kann den Partervorstand nicht bestimmen, den ihm vom Mannheimer Parteitag gewordenen Auftrag als erledigt anzusehen. Der Partei- Vorstand wird nunmehr sich direkt an die der Geschäftskommission angeschlossenen Gewerkschaften wenden, um zu erfahren, ob die Ge- werlschasten die schroffe Ablehnung der Geschäftskommission billigen. Da wir nicht annehmen können noch wollen, daß Parteigenossen sich leichten Herzens über die Beschlüsse der Parteitage hinweg- zusetzen gewillt sind, erwarten wir für die Fortsetzung unserer Be- mühungen für die Einigung der Gewerkschaftsbewegung den besten Erfolg. Die freiwillige Disziplin ihrer Anhänger ist die Stärke der sozialdemokratischen Partei. Noch niemals ist vergeblich an die Be- obachtung derselben erinnert worden. Die Parteischule ist geschlossen. Der erste Kursus der mit dem lS. November v. I. ins Leben getretenen Parteischule ist am Freitag beendet worden. Lehrer und Schüler haben ein halbes Jahr überaus reicher Arbeit hinter sich. Und fruchtbringender Arbeit. Die Errichtung der Partei- schule war ein Gebot der Zeit und ihr erstes Schuljahr hat den Beweis geliefert, daß sie ihre Llufgabe tüchtig erfüllt. Eine schlichte Feier vereinte am Freitag Lehrer und Schüler. Im Namen des Lehrerkollegiums richtete Genosse Schulz einige Wschiedsworic an die Teilnehmer. Als er sie seinerzeit begrüßt habe, seien sich Lehrer und Schüler fremd gewesen» aber das Partei- gcnössische Band, das alle umschlang, habe beide Teile rasch ein- ander näher gebracht. Er spreche im Namen aller Lehrer, wenn er sage, daß ihnen die Tätigkeit in der Parteischule eine wirkliche Freude bereitet habe, nicht zuletzt auch deshalb, weil der Eifer bei den Schülern unverkennbar gewesen sei. Ungefähr tausend Stunden hätten sie auf den Bänken der Parteischule zugebracht. Diese Zeit sei nicht fruchtlos gewesen. Sie hätten viel gelernt, aber„Vielwissen" hätten sie trotzdem nicht gelernt. Dazu habe die Zeit gefehlt und das hätte auch dem Zweck der Schule wider- sprechen. Gerade für sozialdemokratische Arbeiterbildung gelte das Wort, daß sich in der Beschränkung der Meister zeigt. Nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität komme es an, nicht auf die Masse der Gedanken, sondern auf die Methode des Denkens. Keiner von den Teilnehmern werde denken, daß er nunmehr „fertig" sei. Eher werde mancher gerade durch die methodische Arbeit auf der Parteischule erkannt haben, wieviel zum gründlichen Erfassen einer Wissenschaft gehöre, und wieviel dem einzelnen dazu noch fehle.. Darum möge jeder auf der in der Schule er- wordenen oder dort befestigten Grundlage weiter arbeiten. Aber besser als früher werde der einzelne nunmehr doch der Partei dienen können.„Und nun," so schloß der Redner,„ziehen Sie hinaus in Ihre alte oder neue Heimat, bereiten Sie jenen eine angenehme Enttäuschung, die bisher noch den Zweck der Partei- schule verkannt haben, indem Sie sie durch Ihr Handeln, durch Ihre Tätigkeit eines Besseren belehren. Zeigen Sie, daß der theoretische Kursus der Parteischule Sie nicht ungeeignet für die Arbeit der Praxis gemacht hat, sondern daß Sie dadurch erst recht zum richtigen Beurteilen und Auffassen der praktischen Aufgaben der modernen Arbeiterbewegung befähigt worden sind. Bewahren Sie der Schule ein so gutes Andenken, wie die Lehrer stets der Schüler gedenken werden. Für die Schüler sprach Genosse M e r t i n s. Er knüpfte an die letzten Ausführungen des Genossen Schulz an. Die Lehrer Ivürden den Schülern stets in dankbarer Erinnerung bleiben. Die kurze Zeit des Unterrichts hätte zwar nicht ausgereicht, alles das zu lernen, was die Schüler gern lernen möchten, wohl aber hätten sie durch den Unterricht eine Grundlage erhalten, auf der sich fest und sicher weiter bauen lasse. Genosse Singer spricht namenS des Parteibor st andcs den Lehrern und Schülern den Dank aus für den Eiser und die aufgewendete Mühe. Der Partcivorstand sei sich von vornherein über die Schwierigkeit der Aufgabe klar gewesen, um so mehr er- fülle es ihn mit Freude, daß der erste Versuch so schön ausgefallen sei. Die Partei habe alle Ursache, mit dem Resultat der Schule zufrieden zu sein. Den Schülern gereiche es zur Ehre, daß sie, die ,n harter Arbeit aufgewachsen seien, sich so gut in die neuen Ver- Hältnisse hineingefunden hätten. Durch die Schule würde die Partei eine Reihe von Kräften erhalten, die für die Verbreitung der sozialistischen Lehren besonders vorbereitet wurden. Die Schule sei einem dringenden Bedürfnis nach solchen Kräften ent- sprungen. Die Teilnehmer des ersten Kursus hätten es in mancher Beziehung schwerer gehabt, als die künftigen Schüler es haben würden, da die jetzt gewonnenen Erfahrungen den nächsten Kursen zugute kommen würden. Auch die aus den Kreisen der Schüler- gegebenen Anregungen und geäußerten Wünsche würden ihr Teil dazu beitragen, die Schule zu vervollkommnen. Zum Schluß wies Genosse Singer darauf hin, daß die Schule erhalten werden aus den opferwillig gegebenen Beiträgen der klassenbewußten Proletarier. Der schönste Dank, den ihnen die Schüler zollen könnten, sei die eifrige Arbeit für die Sache der Proletarier. An diesem Dank wird eS nicht fehlen— dafür bürgt die Arbeit der Parteischule._ Personalien. Zum Parteisekretär für den ReichStagSwahlkreis Hagen-Schwelm wurde Genosse Konrad Ludwig- Hagen gewählt._ Leiiavtw. Redakteur: fiant Webu Bcclir Btto"»»«.« GewerkSchaftUcheg. Berlin und Umgegend. Unzulässige Klagen der Bäckermeister. Wie Herr Stuhlmann in Rixdorf, so hatte der Obermeister Liebing von der Bäckerinnung in Reinickendorf von den der Innung angehörigen Meistern einen Revers unterzeichnen lassen, durch den sich diese verpflichteten, bei einer Konventionalstrafe von 30 M. für jeden Fall der Zuwiderhandlung, ihren Nachbarn keinen unlauteren Wettbewerb zu machen und neue Kunden nicht an- zunehmen. Der Wortlaut des Schriftstückes ist derselbe, wie der Stuhlmannsche, den wir am 28. d. Mts. wörtlich zum Abdruck gebracht haben. Am Sonnabend stand in einer Klage vor dem Amtsgericht Berlin-Wedding Termin an, die Liebing auf Grund dieses Scheines gegen den Bäckermeister Brase zu Reinickendorf erhoben hatte. Rechtsanwalt Roth machte als Vertreter des Beklagten geltend, Kläger habe nicht den Nachweis erbracht, daß er selbst materiellen Schaden durch die Hand- lungsweise des Beklagten erlitten habe. Er sei demnach nicht be- rechtigt, für seine Person zu klagen. Es müsse angenommen werden, daß Kläger im Auftrage der Innung, deren Obermeister er sei, handele. Es habe aber nach§ lOOZ der Gewerbeordnung die Innung nicht das Recht, ihren Mitgliedern einen Zwang in bezug auf Festsetzung der Preise ihrer Waren oder Leistungen oder in der Annahme neuer Kunden aufzuerlegen. Der nichtige Revers sei überdies ein Verstoß gegen 8 1ö2 der Gewerbeordnung, denn er bezwecke, die Bäckermeister durch die Konventionalstrafe zu zwingen, einer Verabredung zur Nichtbcwilligung der Forde- rungen der Bäckergesellen beizutreten. Da es jedoch nach§ 152 Abs. 2 jedem, ob Arbeitnehmer oder Arbeitgeber, gestattet ist, von derartigen Verabredungen zurückzutreten, so verstoße die Ver- pflichtung gegen ein ausdrückliches gesetzliches Verbot. Ueberdies verletzte sie die guten Sitten. Aus allen diesen Gründen sei die Klage abzuweisen. Es wurde Termin zur Verkündigung des Urteils auf den 5. Juli festgesetzt. Arieiterfreundlichkeit. Zu den Betrieben, die bisher in den Kreisen der Metallarbeiter als relativ gute galten, gehörte auch die in Friedenau domizilierende Firma G o e r z. Nun versucht man auch dort mit einer gelben Garde die in freien Gewerkschaften organisierten Arbeiter mürbe zu machen. In einer am Dienstag im„Nheinschloß" zu Friedenau ab- gehaltenen Betriebsversammlung des Werkes machte sich denn auch die Empörung der Arbeiter und Arbeiterinnen über die jetzt Eingang gefundene Behandlung und die„verfeinerten" Umgangsformen in begreiflicher Erregung Luft.— Das System des Lohndrnckens ist an der Tagesordnung. Namentlich wurde über die Nntreibermethode der verschiedensten Meister Klage geführt. Macht sich jemand dadurch„lästig", daß er seine und seiner Kollegen Interesse wahrnimmt, dann wird er nach der Abteilung Schmidt versetzt und besitzt dieser Herr eine besondere Virtttosität darin, unbeliebte Arbeiter hinauslaufen zu lassen. Der Obermeister Barenh soll sehr sirm sein in„liebenswürdigen" Anreden. In hygienischer Hinsicht finden die berechtigten Wünsche der Arveiter selten Gehör. In der optischen Abteilung hat die Direktion sowie die sogenannte„Schnüffelkommission", welche täglich die Luft zu prüfen hat, bereits vor drei Wochen eine Verbesserung der Ventilation versprochen! Abhülfe ist bis heute noch nicht geschaffen. Aus dieser Abteilung befinden sich nicht weniger als 29 Arbeiter in ärztlicher Behand- lung und 7 Mann in Heilstätten! Seitens der Dreher wird das Verhalten des Meisters Nilo als grob und provozierend charakterisiert.— Es ist denn auch kein Wunder, wenn der Betrieb nach und nach zum„Taubenschlag" wird. Insgesamt werden etwa 1300 Leute dort beschäftigt, die von 62 Be- amten in„Zucht und Ordnung" gehalten werden. In den Monaten Januar und Februar traten in Arbeit— 191 Personen und 278 verließen die freundlichen Gefilde der Firma. Im April und Mai traten ein 310 und ließen sich 243 Arbeiter und Arbeiterinnen ihre Papiere geben. Es ist Sache der dort beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, durch einmütigen Anschluß an den Metallarbeiterverband diesen in den Stand zu setzen, ein energisches Wörtchen mit der Firma zu reden. Neuer Tarif. Der am t. Januar 1906 zwischen den Ofen- s e tz e r n und Unternehmern Berlins und Umgegend vereinbarte Lohntarif ist am 26. Juni seitens des Vorstandes der Berliner, Steglitzer und Spandauer Töpferinnung gekündigt worden. Der Berliner Ofensctzertarif läuft damit am 1. Oktober d. Js. ab. Als Ursache ihrer Maßregel geben die Unternehmer Mängel des Tarifs an, welche sie beseitigt wissen möchten. Sie haben bereits ihrer- seits eine Kommission ernannt und ersuchen die Gehülfenschaft, das- selbe zu tun, um sodann in Unterhandlung zu treten. Es wird ob- zuwarten sein, ob die Tarifkündigung seitens der Meister wirklich den„harmlosen" Untergrund hat, der von ihnen in den KündigungS- schreiben angegeben wird. Die Töpfer Berlins und Umgegend hatten bekanntlich in einer Verbandsversammlung beschlossen, den Tarif nicht zu kündigen. Eine Berichtigung. Wir erhalten folgende Zuschrift: Am vergangenen Sonntag, den 23. d. M., brachte der„Vor- wärts" einen Bericht über eine am 21. Juni er. bei Dräsel statt- gefundene Versammlung der„Zuschneider und Zuschneiderinnen der Konfektion". Der Referent, Herr Vordasch, behauptete mit Bezug auf meine Firma: „Mit Entlassung wurde bedroht, wer nicht miS dem Verband austritt. Neun ältere Zuschneider haben sich dadurch kleknkriegen lassen." Unter Bezugnahme auf§ 11 des Preßgesetzes ersuche ich höflichst folgende Richtigstellung in Ihre Zeitung aufzunehmen: „ES i st eine grobe Unwahrheit, daß ich meinen Zuschneidern mit Entlassung gedroht hätte, wenn sie nicht aus dem Verband austräten; im Gegenteil, eS ist versucht worden, auf mich eine Pression unter Androhung eines Streikes aus- fuüben. Die betreffenden Zuschneider haben reiwillig ihren Austritt aus dem Verband erklärt." Hochachtungsvoll Adalbert Stier. Sonderbar l Die Leute üben auf den Herrn eine Pression aus und dann erklären sie freiwillig ihren Austritt aus der Organisation. UnS fehlt die Starkgläubigkeit, um das ohne Zweifel aufzunehmen. Oeutkcbes Reich. Zum Streik der Maschinisten und Heizer der Fracht-, Schlepp- und Bugsierdampfcr deS RheinstromeS. Am 26. Juni ist der mit so zäher Ausdauer und musterhafter Disziplin geführte Streik der Maschinisten und Heizer der rheinischen Binnenschiffahrt zu einem guten Ende geführt worden. Die Wiederaufnahme der Arbeit wurde einstimmig beschlossen. Es war das ja auch schon insofern besser, iveil der Kampf bereits schärfere Formen anzunehmen begann und für die bereits errungenen Vorteile und die sich noch im Streik befindlichen Kollegen schließlich nachteilig wirken konnte. Wer Gelegenheit hatte, zu beobachten, wie das Boot„Käthe", welches die Streitleitung behufs besserer Kontrolle der auf der Reede liegenden Schleppboote gemietet hatte, von der heiligen Hermandad verfolgt wurde, der konnte denken, es handele sich um eine Jagd auf Piraten. Trotzdem wurde aber doch noch mancher Streikbrecher von Bord geholt. Die Erfolge, welche durch diese Bewegung für das gesamte Maschinisten- und Heizerpcrsonal nach achttägiger Dauer des Lohn- kampses erzielt wurden, sind nicht unwesentlich und bilden ein gutes AgitationSnnttel für die Organisation._ rii«lockt, Bfi-'i»«lm'ck u V-r'pQj V/w«ufli«ieiidi>ir u P-r'aaiooit»a Die Töpfer in Martinrode erzielten auf dem Verhandlungswege eine Tarifeinführung, welche mit 10 bis 12 Proz. Lohnerhöhung ver- knüpft ist. Die Arbeitszeit, welche bisher 11—12 Stunden täglich betrug, ist auf 10 Stunden reduziert worden.— Die Scheibentöpfer in Königsbrück i. S. erreichten auf dem Verhandlungswege eine durchschnittliche Aufbesserung der Akkordlöhne um 15 Proz. Walzwerksarbeiter! Bei der Firma Schulz-Knaud, Blechwalzwerk in Essen sRuhr) sind Differenzen ausgebrochen. Es handelt sich um Akkorddifferenzen. Zuzug fernhalten! Hu stand. Lohnkämpfe in Schweden. Eine allgemeine Aussperrung der Brauerei« arbeiter von Göteborg ist am Dienstag durchgeführt worden. Sie erstreckt sich auch aus die Bierfahrer. Die Arbeiter eines Großbetriebes sind in den Streik getreten, weil man Streik- arbeit von ihnen verlangte. Die Veranlassung zur Aussperrung war, daß in zwei Brauereien zwecks Durchführung eines neuen Tarifvertrages gestreikt wurde. Der Kampf umfaßt jetzt gegen 800 Arbeiter. Die Hafenarbeiter von Norrköping befinden sich ebenfalls im Kampfe. Sie haben seit Jahren das Löfchen und Laden der Schiffe genossenschaftlich betrieben. Sie versuchten eine Erhöhung ihrer Arbeitspreise durchzuführen, was um so mehr ge- rechtfertigt war, als die Schiffe in keinem Hafen Schwedens so billig bedient werden wie in Norrköping. Die Preis- erhöhung bot einigen Unternehmern willkommenen Anlaß zur Gründung einer Stauereigesellschaft. Man holte Streik- brecher aus England heran, um die Genossenschaft der ein- heimischen Arbeiter tot zu machen. Das ist aber bis jetzt nicht gelungen. Was aus England kam, waren meist unzuverlässige Leute, mehr aufgelegt zu saufen und allerlei Unfug zu verüben, als gewissenhaft ihre Arbeit zu tun. Ein Teil der Engländer hat denn auch schon wieder abreisen müssen. Die Genossenschaft der Hafen- arbeiter hat ihre Arbeit teiliveise schon wieder aufnehmen können. Der Kampf ist jedoch noch keineswegs beendet. Eine allgemeine Aussperrung der Kachel- und Ofentöpfer Schivedens ist Ende vorigen Monats beschlossen und nun auch teilweise durchgeführt worden. Sie ist die Antwort der Unternehmer auf eine Lohnbewegung. Die Unternehmer kämpfen angeblich um ihre„Arbeitsfreiheit". Die organisierten Kachelfabri- kanten aber haben dafür gesorgt, daß denjenigen ihrer Kollegen, die sich nicht an der Aussperrung beteiligen, der beste Rohstoff, der Upsala-Ton, entzogen wird. Jedoch liefert nun der Schwedische Ofenmacherverband diesen Fabrikanten Ton. Der Verband hat nämlich in Upsala eine Tongrube angekauft. Offizier und Oberkellner. Aus Budapest wird der„Wiener N. F. P." berichtet: In einem vornehmen Restaurant in Kaschau kam es vor einigen Tagen zu einem scharfen Wortwechsel zwischen dem Oberkellner Lukacek und einem Husarenoffizier. Die Kaschauer Kellner erklärten hierauf, daß der Oberkellner Lukacek von dem Offizier beleidigt worden sei und daß sie mit Lukacek solidarisch seien. Sie beschlossen, daß der Offizier boykottiert werde, so lange er dem Oberkellner nicht Genugtuung gewähre. Dieser Boykott be« stand darin, daß dem Offizier weder im Gasthause noch im Kaffee- hause Speise oder Trank verabreicht wurden. Die Offiziere der Kaschauer Garnison antworteten darauf damit, daß sie ihrerseits feit einer Woche sämtliche Lokale in Kaschau boykottierten. Eine Budapester Arbeiterkorrespondenz, welche den Vorfall zuerst meldete- berichtet nun, der Kampf zwischen den Kellnern und dem Offizier habe damit geendet, daß der Offizier von Kaschau v eissetzt worden sei. Die Offiziere sollen nun den Besuch der öffentlichen Lokale wieder aufgenommen haben. Eingegangene Drudtfchrtften. Im Verlag von I. H. W. Dietz Nachf. tn Stuttgart ist soed« erschienen: Die Zlgrarfragc in Rußland. Die bäuerliche Wirtfchasts- form und die ländlichen Arbeiter. Eine Untersuchung von Peter Maßlow. Autorisierte Uebersetzung von M. Nachimfon. PreiZ broschiert 8,50 SB., gebunden 3 M. Letzte JVaebriebten und Depefebea Zum Tode verurteilt. Essen a. Rhr., 28. Juni.(Privatdepesche deS.Vorwärts".) In der heutigen Verhandlung vor dem Schwurgericht wurde der Arbeiter Anton Muckel, der im Dorstener Wald einem dreizehn» jährigen Mädchen ein Fünfmarkstück raubte und das Kind er« drosselte, zum Tode verurteilt. Nationalitätenhader. Budapest, 28. Juni.(B. H.) 32 kroatische Nvgesrdtteke richW teten an die kroatische Nation eine Proklamation, in welcher sw den schärfsten Kampf gegen die ungarische Regierung wegen der einseitigen Abänderung des ungarisch-kroatischen Ausgleiches an« kündigen._ Die Weinbauern. Narbonne, 28. Juni.(W. T. B.) In einer heute in ArgellierZ abgehaltenen Versammlung von Delegierte» der Weinbauschutz» komitees wurde beschlossen, Grundlagen für eine Föderation der vier Departements zu schaffen. Die Versammlung beschloß ferner� daß die Zahlung der Steuern zu verweigern sei, daß die Gemeinde» behörden ihre Entlassung geben sollen, und daß die Freilassung der Verhafteten zu fordern sei. Schließlich wurde noch das Mindest. maß der von zugunsten des Weinbaues zu stellenden Forderungen festgesetzt._ Mit„königlichen Ehren" empfangen. Sfax, 23. Juni.(W. T. B.) Die Kreuzer„Du Ehayla" und„ D e s a i x" sind heute nachmittag mit den Meuterern des 17. Jnfantcrieregimeuts an Bord auf der hiesigen Reede einge» troffen. Torpedoboote und größere Boote haben bei ihnen ange- legt, um die Ausschiffung der Meuterer zu bewerkstelligen. Schützen, Spahls und Polizeimannschaften halten auf den Kais, auf denen sich viele Schaulustigen eingefunden haben, die Ordnung aufrecht. Zur Weiterbeförderung der Meuterer steht eiu Eiscnbahnzug bereit._ Zaristischer Wahnwitz. Odessa, 23. Juni.(B. H.) Nach der Angabe eines Polizei« offiziers sind während der Unruhen aus Anlaß der Dumaauflösnng in acht Gouvernements nicht weniger als 47 060 Verhaftungen vor, genommen worden, in Odessa allein bisher 3090. Weitere Sistie« rungen stehen bevor._ AnZ dem Kerker entkommen.> Sebastopol» 23. Juni.(W. T. B.) Während heute die Ge. fangenen auf den Gcfängnishof spazieren geführt wurden, stürzte infolge einer Explol>on einer Höllenmaschine ein Teil der Ge- füngnismauer ein. Durch sie entstandene Bresche flüchteten 20 Po- litische Gefangene. Ein Posten wurde durch Revolvcrschüsse der Flüchtenden tödlich verletzt._ Die Polizisten streiken. Konstantinopel, 28. Juni.(B. H.) Die hiesigen städtischen Polizisten sind in den Streik getreten.__ �nftSinaerkEo., Perljn S W. Hierzu 3 Beilagen«, Unterhaltungsblatt Nr. 149. 24. IahrgM L Inlaut Uta Lamärls" Knlim!I»llislilatt. Zmmdtnd, 29.|««i 1907. Der FeterS'Frozeß der Jünchener Pott'. München, 28. Juni. Der Andrang zu der heutigen vierten Sitzung war wieder sehr grch. Um ihm abzuwehren, ist vor dem Gerichtsgebäude ein Schutz- mannsaufgebot postiert worden. Ein Teil der Zeugen ist bereits entlassen. Die Abgeordneten Bebel. Dr. Arendt und Paasche sind schon gestern abend abgereist. Nochmals die„koloniale Nebenregiernng". Der Vorfitzende verliest nach Eröffnung der Sitzung ein T e l e- g r a m m des Chefredakteurs Bachmann von der„V o s s i s ch e n Zeitung", worin gegen die gestrige Behauptung des Zeugen Dr. Arendt protestiert wird, daß der Artikel der„Bossischen Zeitung" vom 7. Dezember 1906:„Eine koloniale Nebenregierung" nicht aus der Redaktion stamme, sondern von ausserhalb, von einem Spezialisten herrühre. Gegenüber der Andeutung, dah Herr Geh. Rat Hellwig der Verfasser sein müsse, erklärt Bachmann, dass der Artikel in der Redaktion geschrieben ist und keinerlei Mitarbeit von aussen dabei in Frage kommt. Weder Geh. Rat Hellwig noch irgend eine andere Person, die nicht zur Redaktion gehört, war bei der Abfassung des Artikels beteiligt. Die Drohung mit dem„Bombenattentat". In der fortgesetzten Zeugenvernehmung wird der Besitzer des Hotels„Zu den vier Jahreszeiten", Direktor Obermayer- München, vernomnien. Seine Aussage betrifft die Widerklage des Herrn G r u b e r gegen Dr. Peters. Während seines Aufenthalts in München soll nämlich, wie Dr. Peters in den„Hamburger Nachrichten" behauptet, ein Bomben- attentat gegen ihn beabsichtigt worden sein.— Zeuge Oberin a h e r bekundet, dass der Hoteldirektion damals tatsächlich ein Brief zugegangen sei, in dem sie vor Dr. Peters gewarnt wurde, sonst würde das Hotel gesprengt werden. Was sonst im einzelnen in dem Brief stand, kann der Zeuge nicht sagen. Er hat den Brief zerrissen, nachdem er sich bei der Polizei erkundigt und diese geantwortet hatte, daß dem Brief keine Bedeutung beizulegen sei.— Dr. Peters: Mir wurde vom Vorstand des „Neuen Vereins" mitgeteilt, dass ein Brief eingegangen sei, nach welchem ein Bombenattentat geplant sei.— Vert. Dr. Rosen- t h a l: Die Hoteldirektion der„Vier Jahreszeiten" war damals sehr aufgeregt. Der Brief war mit„ein Arbeiter" unter- schrieben.— Zeuge: Auch dessen entsinne ich mich nicht. Ich habe der Sache gar keine Bedeutung beigemessen.— Das Gericht beschlieht darauf, noch das Vorstandsmitglied des„Neuen Vereins", Jaffe, zu hören, dem der Direktor Obermayer den Brief gezeigt hat. Vert. Rechtsanw. Bernheim: Ich bitte nun, dass Dr. Peters sich darüber äussert, ob er die Urteile vorlegen will.— Vors.: Ich halte es für besser, wenn wir erst die kom- missarischen Aussagen verlesen. Ich möchte im Anschluh daran beide Parteien bitten, sich während der Verlesung über n o ch z u st eilende Beweisanträge schlüssig zu werden. Wenn die Parteien sich darin beschränken, hoffe ich, heute abend mit der Beweisaufnahme fertig zu werden, so dass am Montag die Plaidohers stattfinden werden.(Am Sonnabend fällt die Sitzung wegen des Peter-Pauls-Feiertages aus.) Kommissarische Vernehmungen. Die erste Aussage, die zur Verlesung gelangt, ist die der Freiin v. B ü l o w> Dornburg. Sie bekundet, dass sie auf Veranlassung des Vorstandes des„Kolonialen Frauenbundes" 1887 zur Errichtung einer deutsch-ostafrikanischen Pflegstätte nach Afrika geschickt worden sei. In Sansibar habe sie Dr. Peters getroffen und sei fast tag- lich mit ihm zusammengekommen. Sie hätten Zuneigung zuein- ander gefasst und auch gehofft, dah sie sich einst heiraten könnten, was aber wegen unvorhergesehener Schwierigkeiten unmöglich wurde. Sie habe an Dr. Peters die denkbar günstigsten Eigen- schaften kenne» gelernt. Er sei wie zum Herrschen geboren und geniehc bei Europäern wie Eingeborenen das grösste Ansehen. Von Grausamkeiten habe sie nichts wahrgenommen. Ihr Bruder, der Nachfolger des Dr. Peters wurde, habe ihr auch in seinen Briefen nur Gutes über Dr. Peters berichtet. Er habe geschrieben, die Eingeborenen liebten Dr. Peters so, dass sie sein Bild in ihren Hütten neben dem dcö Kaisers aufzuhängen pflegten. Zeuge Rechtsanwalt Dr. Scharlach-Hamburg war in der zweiten Instanz der Verteidiger des Dr. Peters. Er sei sofort von der Persönlichkeit des Dr. Peters eingenommen gewesen, wenn ihm auch manche Schilde- rungen in seinen Schriften unangenehm be» rührten. Er habe deshalb auch trotz der Verdienste des Dr. Peters davon Abstand genommen, mit ihm in persönliche Berührung zu treten. Erst als im Reichstage die Angriffe gegen Dr. Peters erfolgten, habe er ihm seine Sympathie zugewandt. Denn nach seiner Ansicht waren die Angriffe auf engherzige Fraktionspolitik zurückzuführen. Dr. Peters habe den taktischen Fehler begangen, sich durch fein offenes Auftreten und dadurch, dass er nichts ver- fchwieg, den Hätz des Zentrums und der Sozialdemokratie zuzu- ziehen. Zeuge hat geglaubt, dass, nachdem sich die Unrichtigkeit des Tuckerbriefes herausgestellt hatte, das Disziplinarverfahren aus- gehoben werden musste. Das geschah aber nicht, und der Zeuge veröffentlichte deshalb mit Unterstützung einiger Petersfreunde eine längere Verteidigungsschrift für Dr. Peters, die er dem Ge- richt mit überreichte. Er erklärt, dass er für alle darin enthaltenen Angaben den Eid auf sich nehme. Weiter erwähnt er, dass Dr. Peters die Ordensdckorationen erteilt wurden und ihm seine Wiedcrcinstellung in Aussicht gestellt sei, als die Kolonialgesellschaft, der Kaiser und der Reichskanzler die Dr. Peters zur Last gelegten Vergehen längst kannten. Was die beiden Hauptbelastungszeugen anlange, so sei Konsul Baumann bald darauf in Wahnsinn verfallen und gestorben. Er war Syphilitiker und habe schon lange vor seinem Tode über sexuelle Dinge so perverse Acusscrungen gc- tan, dass man annehmen müsse, auch seine Bekundigungcn über Peters seien nichts weiter als reine Erfindung. Der andere Haupt- belastungszeuge, Leutnant Bronsart v. Schellendorf, habe sich des schweren Vergehens der widernatürlichen Unzucht schuldig gemacht und sei aus Deutschland flüchtig geworden. Der Dis- qiplinarhof zweiter Instanz habe Peters im Fall Jagodja und im Fall der Auspeitschung der Weiber schuldig befunden, das schwerste Vergehen jedoch in der falschen Berichterstattung Dr. Peters ge- fundcn. Zu diesem Urteil konnte der Gerichtshof nur gelangen, weil er das angebotene Zeugnis von Wissmann ablehnte, weil er keine besondere Moral für die Afrikaner anerkennen wollte und lveil er sich überhaupt selbst für fähig hielt, über die fremden afrika- nisch�n Gewohnheiten zu urteilen. Das Urteil beruhe auf Irr- tümern, und wenn PctcrS nicht so energisch vorgegangen wäre, dann würde er ebenso unterdrückt worden sein wie z. B. Oberleutnant v. Bülow. Die Neger könnten nur durch ausser st e Strenge unterworfen werden. Daö sage jeder Afrikaner, auch v. Wissmann. Man könne auch von jedem Afrikaner, auch von dem so oft zitierten Major v. Wissmann, Darstellungen über geschlechtlicheDinge hören, gegen die die dem Peters zur Last gelegten Dinge ein reines Kinderspiel seien. Die Disziplinarvcrhandlungen hätten sich von dem Eindruck der Bebelschen und der Zentrumsangriffe nicht frei machen können. Dr. Peters sei cS von feiner vorgesetzten Behörde untersagt worden, etwas zu unternehmen. Sonst wäre es ihm sicher gelungen, durch leine Persönlichkeit die suggestitz« Einwirkung der Reichstagsver- Handlungen zu zerstören. Als Schriftsteller habe Dr. Peters die unangenehme Eigenart, dass er seine Person z u sehr in den Vorder- grund stellt. Dadurch habe er sich viele Feinde zugezogen. Wenn Peters in Hamburg gewesen sei, sei er stets bei ihm zu Gast ge- Wesen. Der frühere Ostafrika-Gouverneur v. Soben. Hierauf wird das Protokoll über die kommissarische Verneh- mung des früheren Gouverneurs von Ostafrika und jetzigen Kabi- nettschefs des Königs von Württemberg Exz. Frhr. v. Soden ver- j lesen. Herr v. Soden sagt darin, dass sich Peters immer darauf be- ruft, dass er ohne Mittel, ohne Beamte und ohne Soldaten seine Stellung nur durch äuherste Strenge hätte halten können. Darauf sei zu erwidern, dass ein Mann ohne die Keckheit, ohne den Ehrgeiz und ohne die persönliche Kurage des Dr. Peters gar nicht zum Kili- mandscharo gegangen, und wenn er es tat, nicht zurückgekommen wäre. Ueber die beiden Berichte, die Exz. v. Soden über Dr. Pe- ters an den Reichskanzler geschickt hat, kann er keine Aussage machen, da er nicht von der Amtsverschwiegenheit entbunden sei. Aber soviel wolle er mitteilen, dass sich sein Be- lastungSmaterial gegen Peters auf die triftigsten Gründe stützte. Er wäre schon in Afrika gegen Peters vorgegangen, wenn er die erforderlichen Zeugen zur Stelle gehabt hätte. Dass geschlecht- liche Motive für die Hinrichtung des Mabruk und der Jagodja den Ausschlag gaben, sei von der englischen Mission und dem Bischof Smithy behauptet worden. Es sei zuzu- geben, dass die deutsche Oberherrschaft am Kilimandscharo nichts weniger als gesichert war, und es sei andererseits auch durchaus wahrscheinlich, dass die englische Mission den Waffenankauf der Eingeborenen vermittelt habe. Herr v. Soden wurde bei der kom- missarischen Vernehmung vom Vertreter des Dr. Peters, Rechts- anwalt Dr. Rosenthal, gefragt, ob es wahr sei, dass er Herrn Eugen Wolf auf Anordnung des Reichskanzlers Caprivi aus Ostafrika a u s g e w i e s e n h a b e. Herr v. Soden erwiderte darauf, dass der Reichskanzler Caprivi eine solche Anordnung nie- mals getroffen hätte und dass er selbst Herrn Eugen Wolf un- ehrenhafte Handlungen auch nicht nachsagen könne. Afrikaforscher Eugen Wolf: Es handelte sich damals nicht um eine Ausweisung, sondern um ein Kü st enderbot. Reichskanzler Caprivi hat mir übrigens später persönlich erklärt, er hätte mir Unrecht getan, und bat, die Streitaxt zu begraben. Herr v. Soden hatte damals eine Verordnung»ach der anderen er- lassen. Was er erblickte, wurde mit Steuern belegt, die Palmen- bäume, die Hütten usw. Dadurch wurde ein Aufstand der Va- dingos hervorgerufen. Soden hatte eben gar keine Erfahrungen und beurteilte alles nach seiner Kenntnis der afrikanischen West- küste. Ein falscher amtlicher Bericht über PeterS. In einer Privatklage gegen Dr. Friedl-Martin hat Herr von Soden die Aussage gemacht, dass der Nachfolger des Dr. Peters, Herr v. Bülow, das Auftreten des Dr. Peters beschönigt habe. Er habe das in einem amtlichen Bericht an ihn, Soden, ge- tan. Kurze Zeit darauf sei aber ein Privatbrief Bülows ein- getroffen, worin er seinen amtlichen Bericht korri- giert und im wesentlichen die Angaben Smithys bestätigt, die da- hin gehen, dass geschlechtliche Motive bei der Hinrich- tung der Jagodja und des M a b r u k im Spiele waren. Exz. v. Soden beabsichtigte, gegen Herrn v. Bülow eine Unter- suchung wegen dieses merkwürdigen Verhaltens einzuleiten, jedoch hat der Tod des Herrn v. Bülow diese Untersuchung vereitelt. Herr v. Bülow soll auch anderen Herren gegenüber sich privatim dahin geäussert haben, er hätte seinen Borgänger und einen deutschen Beamte» nicht bloßstellen wollen. Nochmals das angedrohte„Bombenattentat". Zeuge Buchhändler Jaffe ist inzwischen erschienen und be. kündet, er habe die ganze Bombcngeschichtc als Scherz aufgefasst.— Die gleiche Erklärung gibt Schriftsteller Ruederer ab. Alle Vorstandsmitglieder des„Neuen Vereins" hätten über die gelun- gene Geschichte gelacht. Wenn er die Sache Herrn Peters erzählt hätte, würde er sie nicht als seriös hingestellt haben. In dem Ver- ein hätte man gesagt, man glaube, die Sache mit der Bombe gehe von der Dramatischen Gesellschaft aus.(Heiterkeit.)— Dr. Peters: Mir ist die Sache von mehreren Herren des„Neuen Ver- eins" erzählt worden. Ich habe gesagt, einen grösseren Gefallen könnte man mir ja gar nicht tun.— Angekl. Gr über: Sehr richtig!(Heiterkeit.) Dr. PeterS: Er halte die ganze Sache für einen dummen Versuch, ihn einzuschüchtern. Die letzte kommissarische Aussage, die zur Ver- lesung gelangt, ist die des Herrn v. Kardorff. Die Aussage ent- hält nichts Neues. Herr v. Kardorff bestreitet ebenfalls, wie es gestern Dr. Arendt getan hat, dass er die Wicdereinstellung Peters' habe erzwingen wollen.— Damit war die Verlesung der Proto- kolle beendet. Die Urteile werden vorgelegt. Dr. Peters: Ich habe mich entschlossen, dem Gerichts- Hof die Urteile vorzulegen, ich wiederhole ausdrücklich, dem Gerichtshof, nicht dem Angeklagten. Wenn ich die Urteile vor- lege, so tue ich es mit der vollen Sicherheit, dass diese Ur- teile keine raison d'etre(Existenzberechtigung) mehr haben; sie sind für mich und meine Freunde nicht mehr als rechts- gültig anzusehen, sie sind verfasst von Leuten, die von Afrika nichts wissen. Sachverständige sind zur Fällung des Urteils nicht zugezogen worden. Ganz abgesehen aber davon sind die Urteile noch wesentlich mehr erschüttert worden dadurch, dass die Glaub- Würdigkeit des Leutnants Bronsart v. Schellendorf völlig als er- schüttert gelten muss. Die Urteile wären nicht zustande gekommen. wenn die Richter damals schon gewusst hätten, welche Glaub- Würdigkeit Bronsart v. Schellendorf verdient, ja, ich halte eS für zweifelhaft, ob dann überhaupt Anklage erhoben wäre. Das Gericht beschliesst die Verlesung der Urteile und zwar soll die Verlesung in der Weise vorgenommen werden, dass der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Rosenthal und Verteidiger Rechtsanwalt Bcrnheim sich in die Aufgabe teilen. Mit der Verlesung des ersten Urteils, das von der kais. Disziplinarkammer für Reichsgebiete des Schutzgebietes am 24. April 1897 gefällt worden ist, beginnt Verteidiger Rechtsanwalt B e r n h e i m. Als Richter haben mitgewirkt Senatspräsident Roschuck, Land- gerichtsrat Delius, Landgerichtsrat Voss, Geh. Rcgierungsrat aus dem Ministerium des Innern Gruner, Geh. Regierungsrat Bumm und LegationSrat Hellwig als Beamter der Staatsanwaltschaft. Das Gericht hat den Angeklagten des Dienstvergehens für schuldig erachtet und ihn mit Dienstentlassung bestraft. Das Urteil gibt zunächst einen Abritz von der kolonialen Lauf- bahn des Dr. Peters. Er ist am 5. April 1891 eingetreten und wurde als Kommissar zur Verfügung des Gouverneurs von Ost- afrika gehalten. Sein Gehalt betrug 29009 M., wovon 9999 M. pcnsionsfähig waren. Seine Aufgabe war die Erschliessung eines Teils von Ostafrika. ES war ihm untersagt, grössere kriegerische Aktionen ohne Genehmigung des Gouverneurs zu unternehmen. Er ging zuerst nach dem Kilimandscharo. Durch Vertrag hatte er für seine persönlichen Dienste Herrn v. Pcchmann mitgenommen, der also lediglich Privatangcstcllter des Dr. Peters war. Nach dem Tagebuch des Herrn v. Pechmann erfolgte am 21. August 1891 auf der Station ein Einbruch. Das Zimmer Pcchmanns hatte nur einen Ausgang nach aussen, und keine Ver- bindung mit anderen Zimmern, vor allem nicht mit der Vorrats- kammer, die einigen Neaerweibcrn als Schlafraum diente. Nach der Ankunft des Dr. Peters hatte nämlich der Negerhäuptling Man« gara, wie das landesüblich ist, dem Dr. Peters zur beliebigen Be- nutzung zwei Mädchen geschenkt. Peters machte eines davon namens Mkuba zu seiner Konkubine, das andere krankheitsverdächtige Mädchen stellte er Herrn v. Pechmann zur Verfügung. Später hatte sich auf der Station die Jagodja eingefunden. Sie galt als Freudenmädchen. Ausserdem war auf der Station noch ein Mädchen vorhanden, das dem Sergeant Huber gehörte. Dr. Peters hat ausser mit der Mkuba und der Jagodja auch mit dem Mädchen des Huber verkehrt. In der Nacht war die Mkuba bei Dr. Peters. Dr. Peters nahm zuerst an, dah der Einbruch verübt sei, um zu den in der Vorratskammer schlafenden Weibern zu gelangen. Er er- klärte, dah er den Einbrecher, wenn er sich melden würde, milde be- strafen wolle, sonst würde er ihn, falls er gefasst werden würde, töten lassen. Am 15. Oktober 1891 lieh Dr. Peters seine sämtlichen Diener prügeln, da er in ihnen den Täter vermutete, den er noch nicht ermittcK hatte. Sein persönlicher Diener war Mabruk, ein 18 Jahre alter Negerjunge. Peters schenkte ihm ein ganz besonderes Vertrauen und lietz sich von ihm den Revolver nachtragen. Eines Tages sah ihn Herr v. Pcchmann eine Zigarette rauchen. Es war eine Zigarette des Dr. Peters. Mabruk wurde zu Hieben und Kettenhaft verurteilt. Nun schöpfte Dr. Peters Verdacht, dass Mabruk der Einbrecher gewesen. Eine Unterbrechung. Vert. Rechtsanw. Bern heim(unterbrechend): Ist es richtig, dah sämtliche Diener geschlagen wurden?— Zeuge v. P e ch- mann: Ja, weil niemand es gestehen wollte. Es gab kein anderes Mittel.— Vors.: Woran erkannten Sie, dah die Zigarette dem Dr. Peters gehörte?— v. P e ch m a n n: Sie hatte ihre eigenen Merkmale.— Vert. Rechtsanw. Bcrnheim: Jetzt wissen Sie die Vorgänge vor 17 Jahren auf einmal ganz genau. Gestern konnten Sic sich auf nichts besinnen.— Rechtsanw. Dr. Rosenthal: Ich will bemerken, dass die Feststellungen des Urteils unrichtig sind und mit dem Inhalt der Akten nicht übereinstimmen.— Vert. Rechtsanw. Bernheim: Die Urteile sind da, und ich werde mir von niemandem das Recht nehmen lassen, daraus meine Folgerungen zu ziehen.—> Vors.: Ich bitte doch die Herren, etwas ruhiger zu bleiben. Das Urteil wird dann auf Verlangen des Rechtsanw. Dr. Rosenthal vom Vorsitzenden weiter verlesen, da Rechtsanw. Beruhe i m besondere Stellen durch Betonung hervorhebt. Das Urteil fährt fort. dah Mabruk den Einbruch nicht gestand; nachdem abet. Dr. Peters der Jagodja und dem Mädchen des Huber 59 Rupien versprochen hatte, gaben diese zu, daß Mabruk der Einbrecher sei. Dadurch hielt Dr. Peters Mabruk für überführt. Er will ihn gar nicht gefragt haben, ob er zu den Weibern wollte. Dagegen gibt er zu, ihn auf das Vorhandensein geschlechtlicher Erkrankungen untersuchen haben zu lassen. Herr Dr. Peters hatte diktatorische Gewalt. Ueber d:e Strafart und die Höhe der Strafe konnte er allein entscheiden. Und so beschloß er, in diesem Falle die Todes- strafe vollziehen zu lassen. Ob er Herrn v. Pcchmann und Jahnke zu einem Gericht zugezogen hat, bleibt angesichts der schwankenden und widersprechenden Aussagen dieser Herren dahingestellt. Herr Bronsart v. Schellcndorf aber hat auf das bestimmteste bekundet, dah er mit dem Urteil nicht einverstanden gewesen sei. Er ging deshalb auch nicht zur Ab- urterlung. Der Angeklagte hat dem Zeugen Jahnke folgendes im Falle Mabruk ergangene Urteil diktiert:„Mit dem heutigen Tage wurde Mabruk wegen Einbruchs und groben Vertraucnsmissbrauchs zum Tode durch den Strang bestraft." Leutnant Bronsart von Schellendorf und Kompagnieführer Johannes hielten die Situation nicht für gefährdet. Die Missionare waren derselben Ansicht. Immerhin konnte der An- geklagte an eine Gefährdung glauben. Der Angeklagte hat be- stritten, dass sexuelle Motive für die Hinrichtung entscheidend gc- Wesen seien. Durch die Verhandlung ist aber erwiesen, dass Mabruk sich mit den Weibern eingelassen hat und daß barin Dr. PeterS den Vertrauensmißbrauch sah. Auch hat Leutnant v. Bülow an Herrn v. Soden geschrieben, Peters habe seinen Diener hinrichten lassen, weil er mit seinen Weibern Um- gang gepflogen und einen Einbruch verübt hat. Dr. PeterS hat zum Leutnant Bronsart v. Schcllendorf gesagt: eine solche Frech. heit vom Kerl, die Mkuba zu benutzen, das verdient Todesstrafe. Dr. PeterS hat weiter gesagt, Malamia würde ebensd gehandelt haben. Wenn er. Dr. Peters, anders gehandelt hätte, würde man ihm das als Schwäche ausgelegt haben. Auch Konsul Baumann hat den Eindruck, dass Dr. Peters die Hin- richtung wegen des Geschlechtsverkehrs angeordnet hat. Drei Ein- geborene haben ausgesagt, dass Dr. Peters ihnen befohlen hat, über die Hinrichtung nicht zu sprechen. .Dr. P e t e r s(erregt unterbrechend): Das ist eine u n v e r- schämte Lüge! Ich habe nie mit Negern über solche Dinge gesprochen.— Vert. Rechtsanw. Bernheim: Wir hatten ver- einbart, das Urteil nicht zu kritisieren. Herrn Peters möchte ich nur erwidern, dass eS sich im Urteil um Feststellungen handelt. In der Verlesung des Urteils wird fortgefahren: Dass der Angeklagte einen Brief an Tucker oder einen anderen englischen Bischof geschrieben hat. geht aus der Aussage Tuckcrs und der Korrespondenz, die er mit dem Bischof Smithy hatte, hervor. Am Schlüsse des Urteils über den Fall Mabruk wird festgestellt, dass die Jagodja als die Hauptbetciligte mehrfach geschlage» wurde. Vert. Rechtsanw. Bernheim: Ich möchte jetzt Herr« v. Pechmann fragen, ob er aufrecht erhält, dass die Jagodja nur einmal geschlagen ist und dass er wissen mühte, wenn es mehrfach geschehen Ware.— Zeuge v. P e ch m a n n: Ich ivciss nichts anderes. als dass es nur einmal geschehen ist. Ich war ja aber nicht immer auf der Station.— Bert. Rechtsanw. Bernheim: Gestern hat der Zeuge aber gesagt, er hätte eS wissen müssen, er hätte sich dann anders ausdrücken müssen. Das Todesurteil Jagodja, das Dr. Peters Jahnke diktierte, lautet: „Die Kcttengefangcne Jagodja wurde wegen Konspiraiione» gegen das Leben von Deutschen und wegen Verleitung zur Desertion und wegen einer Desertion aus der Kettcnhaft zum Tode durch den Strang verurteilt. Der Kaiserliche Reichs- kommissar. Dr. Peters." Wiest erhielt den Auftrag, die Hin- richtung zu vollziehen. Der Angeklagte hat erklärt, dah der Grund für die Hinrichtung die Flucht auL der Kettcnhaft gewesen sei. Die anderen Taten hätten nur mitgewirkt. In einem Bericht an den Gouverneur v. Soden erwähnt der An- geklagte von der Hinrichtung der Jagodja nichts. auch nichts von seiner Kriegführung gegen Malamia, Die Nichtberichterstattung. Vors.(unterbrechend): Herr Doktor, warum haben Sid darüber nichts berichtet?— Dr. Peters: Ich war dazu nicht verpflichtet. Ausserdcin ist daS auch nicht üblich.— Sachverständiger Generalleutnant v. L i c b e r t bestätigt diese Anschauung Peterö. Aus der Nichtberichterstattung konnten keinerlei Verdachtsmomente hergeleitet werden.— Verteidiger Rechtsanwalt Bcrnheim: Der Gouverneur v. Soden ist anderer Meinung. Er hat aus- gesagt, dass Dr. Peters die Hinrichtung verschwiegen hat, weil er Gründe dazu hatte, dass seine vorgesetzte Behörde davon nichts erfahre,• In Seth Urteil heißt eS dann weiter: Die Aussagen der Zeugen Jahnke und v. Pechmann seien mit Rücksicht auf ihre nahen Beziehungen zum Angeklagten und auf ihre Beteiligung an den strafbaren Handlungen selbst sowie mit Rücksicht auf ihr schwankendes Verhalten nur soweit berücksichtigt worden, als sie durch andere Zeugen bestätigt wurden. Was die Rechtsverhältnisse anbetrifft, so konnten die Rechtsverhältnisse für die afrikanischen «chuHgebicte nicht in Betracht kommen, da der Kilimandscharo nicht zum deutschen Schutzgebiet, sondern nur zur deutschen Interessen- sphäre gehört. Nochmals Bronsart v. Schcllendorf. Der Vorsitzende unterbricht hier die Verlesung und teilt mit, daß von einem Rittergutsbesctzcr aus dem Kreise Templin ein Eilbrief eingegangen sei. Der Schreiber teilt darin mit, daß er kürzlich vom Kilimandscharo zurückgekehrt sei und Akten- stücke zum Falle Bronsart v. Schellendorf vor- legen könne. Aus den Schriftstücken gehe hervor, daß ein Haft- befchl gegen Bronsart v. Schellendorf erlassen sei und daß ein Ver- fahren gegen ihn schwebe. Weiter seien Erklärungen des Vize- konsuls Zinta darin enthalten, wonach Bronsart v. Schcllendorf nichts Ehrenrühriges getan habe. Verteidiger Rechtsanwalt B e r n h e i m: Mir liegt ein Brief des Rechtsanwalts Andrä aus Braunschweig vor, in dem mir Kollege Andrä mitteilt, daß Bronsart v. Schellendorf zu 200 M. Geldstrafe verurteilt sei. Das, waS er getan hat, kann also nur eine Bagatelle gewesen fein. Rechtsanwalt Dr. Rosenthali Die Unterschlagung von JbOO M. ist eben nicht angezeigt worden. Verl. Rechtsanw. Bernheim: Mehrere Zeugen haben be» kündet, daß von einer Unterschlagung nicht die Rede sein könne. Im übrigen kann ich noch einmal erklären, daß wir keinen Anlaß haben, uns zum Verteidiger des Herrn v. Schellendorf aufzuspielen. Im Gegenteil, je verkommener Bronsart v. Schellendorf ist, desto willkommener ist das uns. weil Bronsart v. Schellendorf es war, der die Vollstreckung des Todesurteils ablehnte.— Dr. Peters: Ich erkläre hiermit, daß die Aussagen Bronsarts v. Schellendorf falsch sind.— Eugen Wolf: Bronsart v. Schellendorf ist ein leicht- sinniger, junger Mensch, Unterschlagungen hat er nicht begangen, er hat nur mit dem Gelde der Gesellschaft leichtsinnig gewirtschaftet. Man wirft dem Bronsart v. Schellendorf immer perverse Hand- lungen vor, und doch hat Dr. Peters 15 Jahre mitAlfred Krupp verkehrt und ihn auf seinem Zimmer besucht.(An- haltende Bewegung, Unruhe im Zuhörerraum.) Entrüstete Leute. Sachverst. Generalleutnant v. Liebert(erregt auf- springend): Ich bitte, mich nicht ferner hier als Sachverständiger zu betrachten, da ich mit diesem Sachverständigen nicht länger zu« sammenarbeiten will.(Beifall im Auditorium.)— Dr. Peters: Ich protestiere ganz entschieden dagegen, daß das Andenken meines verstorbenen Freundes hier in solcher Weise beschmutzt wird. Ich protestiere überhaupt dagegen, daß der Name in ganz ungerecht- sertigter Weise hier hineingezogen wird.— Eugen Wolf: Ich habe Herrn Alfred Krupp überhaupt nichts vorgeworfen. Ich habe nur meine Verwunderung darüber ausgesprochen, daß Herr Dr. Peters dem Bronsart v. Schellendorf immer einen Vorwurf wegen perverser Neigungen macht, während er mit Alfred Krupp ruhig weiter verkehrt hat, obwohl diesem so ähnliche Vorwürfe ge- macht wurden.— Rechtsanw. Dr. Rosenthal: Ich protestiere ebenfalls dagegen, daß man hier einen Deutschen, dessen Andenken jeden: wertvoll sein sollte, hereinzieht.— Eugen Wolf: Mir ist das Andenken Alfred Krupps auch wertvoll. Der Vorsitzende unterbricht diese erregte Auseinandersetzung und fährt mit der Verlesung des Urteils fort: Das Gericht hält nicht für gerechtfertigt, daß der Angeklagte immer seinen eigenen Willen hat durchsetzen wollen. Vermutlich ist Leutnant Bronsart v. Schellcndorf deshalb auch fortgeschickt worden. Der Einbruch des Mabruk mag richtig sein. Auch der Verkehr des Mabruk mit den Weibern. Trotzdem war die Todes st rafe nicht gerechtfertigt, denn das Gericht hat nicht einsehen können, welche Gefahr für das Schutzgebiet aus dem Einbruch des Mabruk entstehen konnte. Schon die Androhung der Todesstrafe für den Fall, daß der Täter sich nicht gleich melden würde, war ungerechtfertigt und verwerflich. Sie war nicht in Einklang zu bringen mit den Grundsätzen irgend eines zivilisierten Staates. Der grobe Vertrauensmißbruch recht- fertigt die Todesstrafe nicht. Der Gerichtshof ist der U e b e r- zeugung, daß bei der Todesstrafe über Mabruk der Geschlechts- verkehr mitbestimmend war. Sein Widerwillen über die Teilnahme von Schwarzen an dem Gegenstand seiner Unzucht geht aus ver- schiedenen Aeußerungen Dr. Peters hervor. In diesem Falle war oer Angeklagte also schuldig. In den Fällen der Kriegführung mit Malamia, der Auspeitschung der Weiber und der Verurteilung der Jagodja zu Kettenhaft und Tod konnte sich das Gericht nicht von der Schuld des Angeklagten über- zeugen. Es fragt sich nur, ob die Todesstrafe für Jagodja die richtige Art der Strafe war. Was die Auspeitschung der Weiber anlangt, so ist zuzugeben, daß die P r ü g e l st r a f e in Afrika auchanWeibernüblichist. Dagegen hat das Gericht in vollem Umfange die falsche B e r i ch t c r st a t t u n g als er- wiesen angenommen. Sie ist erfolgt zur Verschleierung des Tat- bestandes. Der Angeklagte behauptet, daß er von Malamia die Aus- lieferung eines geflohenen Mannes verlangt habe, was den Grund zur Kriegserklärung abgegeben haben soll. Er hat verschwiegen, daß es sich um drei Weiber gehandelt hat. Diese unwahren An- gaben lassen sich nicht anders erklären, als daß Dr. Peters glaubte, seine Handlungsweise vor dem Gouverneur nicht rechtfertigen zu können. Die Handlungsweise des An- geklagten zeigt eine leichtsinnige Gesinnung. Er hat das Ansehen der deutschen Beamten in Ostafrika gefährdet. Die Schwere seiner Dienstvergehen rechtfertigte die Bestrafung mit Dienstentlassung. Die kolonialpolitischen Verdienste des Angeklagten mußten außer Betracht bleiben, da sie schon vor seiner Ernennung zum Reichs- kommissar liegen und die Ernennung selbst eine Belohnung dafür war. PcterS lacht über das Urteil. Dr. Peters: Ich habe das Urteil heute zum ersten Male wieder gelesen. Damals habe ich es ärgerlich dahingeworfen, wohin es gehört, nämlich ins Feuer, heute lache ich darüber. Ich lache über diese naiven Exspektorationen der Herren, die Afrika von ihrem grünen Tisch aus in akademischer Weise betrachten. Damals war die Auspeitschung der Weiber keine cause celebrc. Wir lagen Tag und Nacht gespannt da und da ist es erklärlich, wenn die Aussagen manche Schwankungen aftf- weisen.— Vors.: Ich nehme an, daß Ihre scharfen Worte nicht die Mißachtung vor einem so hohen Gerichtshof zum Ausdruck bringen sollten.— Dr. Peters: Nein, das war ja auch gar kein Rutscher Gerichtshof! Der Rcichsdisziplinargerichtshof in Leipzig» ünter dem Vorsitz des damaligen KammergerichtSrats Brenckmann, hat in zweiter Instanz über den Fall Peters verhandelt. Das Urteil, das zur Verlesung gelangt, umfaßt 124 Seiten. Es weist zunächst in längeren juristischen Ausführungen die Einwen- düngen der Verteidigung zurück, die die Einstellung des Verfahrens beantragt hatte, weil die Angelegenheit Peters wiederholt unter- sucht und ihm durch Verleihung des Patents und durch Berufung auf einen höheren Posten Decharge erteilt sei, weil, trotzdem seine Handlungen bekannt waren, die Beamten den Verkehr mit ihm fortgesetzt haben, und weil schließlich die Handlungsweise des Peters nur ein Ausfluß seines der deutschen Regierung bekannten Prinzips einer Negrrbehandlung mit rücksichtsloser Strenge sei. Das Urteil geht dann auf die einzelnen Fälle ein. Im Falle Mabruk befindet es sich in voller U e b e r e i n st i in m u n g mit der Disziplinarkammer.... Die Behauptung des Dr. Peters verdient keinen Glauben, daß das Urteil wegen Mabruk nicht deshalb so streng ausgefallen sei, weil er Verkehr mit den Weibern gesucht habe. Der Gerichtshof stützt sich auf die ver- schiedenen Aeußerungen des Angeklagten selbst. Ein Mann von der Mldung und der Stellung Dr. Peters durfte nicht so weit gehen. Auch wenn der Gerichtshof von den Aussagen Bronsarts v. Schellen- dorf absehen würde, dann würden die Aussagen der anderen Zeugen und die eigenen Angaben PeterS genügen. Peters habe durchaus nicht das Recht über Leben und Tod. Der Einbruch sei kein todes- würdiges Verbrechen, wenn er auch seine Sühne verdient. Was das sogenannte Kriegsgericht anlangt, so sei Jahnke zu jener Zeit fieberkrank und vermutlich so geschwächt in seinem Geisteszustand gewesen, daß er ein freies Urteil nicht gehabt habe. Die beiden Personen, v. Pcchmann und Jahnke, mußten unter den obwaltenden Umständen als Strohmänner gelten. Das Gericht hat die Vernehmung afrikanischer Sachverständiger als nicht nötig erachtet. Es wisse selber, daß afrikanische Dinge anders zu beurteilen seien, als Vorgänge in einem zivilisierten Lande. Hier handelt es sich aber darum, ob Dr. Peters die Ge- rechtigkeit und den Anstand verletzt habe, und ob er seine Amts- gewalt mißbraucht habe. Für Afrika dürfe keine be- sondere Moral aufgestellt werden. Dann beschäftigt sich das Urteil mit der unberechtigten Kriegsführung und verbreitet sich hierauf ausführlich über die Bestrafung der Weiber. Der Disziplinargerichtshof ist der Ansicht gewesen, daß die Weiber nicht Bestandteile der Station waren. Es solle dem Angeschuldigten nicht zum Vorwurf gemacht werden, daß er der Landessitte folgte, es soll auch nicht untersucht werden, ob er dadurch taktvoll gehandelt hat, daß er die ihm von Häuptlingen ge- schenkten Mädchen für seine unzüchtigen Zwecke benutzte und anderen gestattete, sie zu benutzen. Es muß aber darauf hin- gewiesen werden, daß die Weiber mit dem Uebergang an den An- geschuldigten durch den Häuptling ihre Freiheit erhielten. Ein Deutscher ist nicht berechtigt, sich Sklavinnen zu halten, auch nicht zu Zwecken der Wollust. Er hat auch nicht das Recht gehabt, die Mädchen zu Wollustzwecken für sich und seine Offiziere zurückzuhalten. Die schwarzen Weiber hielten sich freiwillig in der Station auf. Der Angeklagte hatte daher auch keine unbedingte Gewalt über sie. EL mußte den Weibern frei- stehen, ob sie weggehen wollten oder nicht. Der Zweck seines Zuges gegen Malamia aber war der, die Weiber für sich und seine Ossi- ziere zurückzuholen. Bei pflichtgemäßer Ueberlegung hätte sich der Angeklagte sagen müssen, daß er das nicht durfte. Er durfte seine Machtvollkommenheit nicht in den Dien st seiner persönlichen Interessen stellen. Der Zug gegen Malamia war unberechtigt. Daher trägt der Angeklagte auch die Schuld an den kriegerischen Berwickelungen und durch das Aufgebot eines großen Teils der Besatzung hatte die Station und damit die Expedition gefährdet werden können. Der Gouverneur v. Soden hatte dem Angeklagten untersagt, eigen- mächtig kriegerische Unternehmungen zu veranstalten. Bei einer pflichtgemäßen Abwägung hätte sich Dr. Peters sagen müssen, daß er wegen der Weiber die Station nicht in Gefahr bringen durfte. Der nächste Teil des Urteils betrifft die unmenschliche Züchtigung Auch hier ist der Diszipliuargerichtshof zu einer anderen An- ficht gekommen als die Disziplinarkammer. Da der Angeklagte nicht befugt war, die Weiber zurückzuhalten, und die Weiber berechtigt waren, jederzeit das sexuelle Verhältnis zu lösen, kann von einer Desertion keine Rede sein. Der An- geklagte hat bei der Durchpeitschung also pflichtwidrig gehandelt. Es ist festgestellt, daß die Weiber stark geblutet haben. Das Schlagen auf Wunden, die noch nicht geheilt find, muß als brutal betrachtet werden, und nur derjenige ist dessen fähig. der eine Lust an solchen Grausamkeiten hat. Dadurch hat sich der Angeklagte seines Amtes unwürdig ge- zeigt. Die Hinrichtung der Jagodja wegen Konspirationen ist kaum anzunehmen angesichts der unter- geordneten Stellung der schwarzen Weiber. Die Verleitung zur Flucht ist nicht strafbar, da die Weiber weggehen durften, wann sie wollten. Die Kettenhaft war daher unstatthaft, und ebenso die Todesstrafe wegen der Flucht aus der Kettenhaft. Daß die Hin- richtung des Freudenmädchens zur Sicherung der Station not- wendig war, konnte der Gerichtshof nicht einsehen. Bezüglich der falschen Berichterstattung folgte der Gerichtshof der ersten Instanz. Die falsche Berichterstattung geschah, weil der Angeklagte die Miß- billigung des Gouverneurs fürchtete. Der Angeklagte hat damit das Ansehen des ihm anvertrauten Amtes geschmälert. Er hat sich seines Amtes unwürdig gezeigt und Handlungen an den Tag ge- legt, die einem Beamten nicht anstehen.— Die kolonialen Verdienste des Angeklagten konnten nicht in Betracht kommen. Er hat die Grundsätze der Gerechtigkeit außer acht gelassen und eS mußte mit der ganzen Strenge des Gesetzes gegen ihn ein» geschritten werden. Ein BeeinflussungSvrrsuch. Rechtsanwalt Dr. Rosenthal: Ich möchte feststellen, daß Dr. Peters soeben folgendes Telegramm zugegangen ist:„Die außerordentliche Hauptversammlung der Deutschen Kolonialgesell- schaft-Berlin verfolgt mit gespanntem Interesse und Teilnahme den Kampf, den ihr früherer verehrter Präsident gegen Haß und Verleumdung führt und spricht unter erneutem Ausdruck ihres Vertrauens die Zuversicht aus, daß Dr. Peters aus dem Münchener Prozeß als Sieger hervorgehen möge. Generalleutnant z. D. v. Alten." Verteidiger Rechtsanwalt B e r n h e i m: Und ich stelle fest, daß von behördlicher Seite Herr Dr. PeterS seit dem Jahre 1897 keinerlei Anerkennung erhalten hat. Hierauf trat die Mittagspause ein. Bei Beginn der Nachmittagssitzung erklärt Sach- verständiger Eugen Wolf, daß er mit seiner Bemerkung am heutigen Vormittag über den Fall Krupp weder Herrn Krupp, noch Herrn Dr. Peters irgendwie habe angreifen wollen. Er habe ledig- lich gesagt, daß die Gerüchte, die jetzt über den Leutnant Bronsart v. Schellendorf von Dr. Peters verbreitet würden, eine gewisse Aehnlichkeit hätten mit den Gerüchten, die seinerzeit übet den Fall Krupp im Umlauf waren. Nene Zeugen. Rechtsanwalt Dr. R o s e n t h a l teilt mit, daß vom Major v. Tiedemann ein Telegramm an Dr. Peters eingelaufen sei des Inhalts:„Ich bin zurück, stehe zur Verfügung." Dr. Rosen- thal beantragt daraufhin die Ladung des Zeugen mit Rücksicht auf die Aussagen des Abg. Bebel über die Emin Pascha-Expedition. — Verteidiger Rechtsanwalt B e r n h e i m hält die Ladung zur Aufklärung der Sache nicht mehr für nötig.— Vors.: Mir ist von Frau Direktor Kayser folgendes Telegramm zu- gegangen:„Gegenüber den ungeheuerlichen Angriffen auf meine Person bin ich trotz meines leidenden Zustandes bereit, mich ver- nehmen zu lassen. Ich werde morgen nachmittag eintreffen und bitte um Nachricht, ob ich vernommen werde. � Alwine Kayser." Ich habe zurücktelegraphiert, daß ich bereit wäre, Frau Kayser Montag früh zu vernehmen. Ich halte da» für eine Loyalität der Dame gegenüber, und stelle den Parteien anHeim, eventuell Herrn Dr. Arendt zu benachrichtigen. Verteidiger Rechtsanwalt Bernheim: Ich benenne als Zeugen den Rechtsanwalt Heine in Dessau, der mir folgenden Brief geschrieben hat: „Geehrter Herr Kollege! In der Privatklagesache Peters gegen Gruber ersehe ich aus dem„Verl. Tageblatt" vom 20. Juni, daß Dr. Peters ihm unbequeme Aeußerungen des Kon- suis Bau mann damit hat abtun wollen, daß er ihn akS gehirnkrank bezeichnet hat. Ich war 1894 bis 1895 als Dol» metschcrelcve beim deutschen Konsulat in Sansibar und lernte bei dieser Gelegenheit Baumann kennen. � Ich bin stolz auf meinen Freund. Baumann war ein verschlossener, stiller, ernster Mann voll Ehrlichkeit und Wahr- heitsliebe. Auch in einer Aussage über Dr. Peters fiel mir der große Edelmut auf, mit der er diese Aussage machte. Ich sprach daraufhin später einmal mit Baumann, und dieser sagte mir: Dr. Peters ist ein nicht unbedeutender Mann, aber roh und voll Nenommistereien.> Das Reichskommissariat ist ihm in den Kopf gestiegen. Bau- mann erzählte mir ferner, als einmal in einem Zelt ein Ein- bruch verübt war, erklärte Peters, er würde die ganzen Schwarzen dafür durchprügeln lassen. Baumann erwiderte, das sei doch nicht gut angängig, worauf Peters hochfahrend erwiderte, er mache, was er wolle. PeterS war nach Baumanns An- gaben damals angetrunken. Bei einer anderen Gelegenheit, als Peters wieder einmal angetrunken war, sagte er, die Sozial- demokratie schwelle immer mehr an. Das müsse zum Bürger- kriege führen, und dann sei seine Zeit gekommen. Tann werde er sich entweder dem Kaiser znr Verfügung stellen, die Sozial- demokratie niederschlagen und so zn hohe» Ehren kommen, oder aber, er stelle sich an die Spiye der Sozialdemokratie, verjage Kaiser Wilhelm und werde dann selbst kcaiser.(Heiterkeit.) Baumann sagte, er habe die Sache nicht sehr ernst genommen, aber Peters sei mit der Hartnackigkeit eines Trunkenen dabei geblieben. Baumann ist ein aus- gezeichneter Kenner der Duahelis gewesen und hat sich viel mit den Eingeborenen beschäftigt. Er erzahlte mir. daß es unter den Eingeborenen nur eine Stimme gäbe, nämlich, daß Dr. Peters den Mabruk wegen des Geschlechtsverkehrs habe auf- hängen lassen. Vaumann fügte hinzu, daß man solchen Ge- rüchten unter den Schwarzen zwar nicht viel Glauben beizulegen brauche, aber hier seien die Gerüchte mit außergewöhnlicher Be- stimmtheit erzählt worden. Dabei waren die Eingeborenen keineswegs von besonderem Haß gegen Peters erfüllt gewesen, denn nach arabischem Recht gelte es als ganz selbstverständlich, die Untreue bei der Frau mit dem Tode zu bestrafen. Baumann starb allerdings an den Folgen einer Geschlechtskrankheit. Auch mag in den letzten Tagen, wie das bei solchen Krankheiten vor- kommen soll, Gehirnerweichung eingetreten sein. Er hat mir aber in den letzten Tagen vor seinem Tode noch einen Brief geschrieben, der vollständig klar ist. Es ist daher eine jämmcr- liche Ausflucht des Peters, daß er Baumann damit abzutun sucht, daß er ihn als geistig krank bezeichnet, 1895 war Baumann ein geistig und körperlich vollkommen gesunder Mann. Das unglückselige Leiden hat er sich erst später geholt. Angesichts dieser boshaften Angriffe auf meinen verstorbenen Freund kann ich nicht schweigen. Wenn ich auch die Angrifse des Herrn Gruber nicht billige, so billige ich noch weniger dw des Dr. Peters. Ich bitte Sie, dafür zu sorgen, daß dieser Briei nicht in die Presse kommt." BeweiSanträge. Rechtsanw. Bernheim bemerkt, daß der Schreiber nicht identisch sei mit dem bekannten Reichstagsabgeordncten Wolfgang Heine. Soviel er wisse, sei der Schreiber sogar ein scharfer Gegner der Sozialdemokratie. Er habe Heine sofort telegraphiert, daß es bei der eingehenden Berichterstattung über den Prozeß unvermeidlich sei, daß sein Brief in die Presse kommt. Er beantrage, Herrn Heine als Zeugen zu laden. Ferner beantrage er zu laden einen Herrn Rudolf Meyer aus Bückeburg, den Stadtdirektor Tramm-Hannover und den Pastor Bonnatz-Hoyersrode. Er habe ein Telegramm erhalten des Inhalts:„Alle sind Freunde von Peters. Sie müßten be- zeugen, daß PeterS in Hannover und in Afrika wüste Exzesse be- gangen und sich dieser gerühmt hat. Hans Leutz." Rechtsanw. Dr. Rosen thal: Ich sehe eigentKch nicht ein, was damit bewiesen werden soll. Ich beantrage, wenn nun doch einmal noch Beweisanträge gestellt werden, Herrn Dr. Mathäng- Berlin zu laden, der bestätigen wird, daß daS Gespräch im Hotel Bristol nicht ernst gemeint war. und bei seiner Vernehmung vor Gericht auch gesagt hat, daß er eS nur scherzhaft aufgefaßt habe. Die Aufnahme dieses Zusatzes im Protokoll wurde aber verweigert. Ich habe außerdem noch eine ganze Reihe von Zeugen und Sachverständigen an der Hand, die sich mir gegenüber der Aussage des Majors Donath angeboten haben, Ich will damit jedoch das Gericht nicht belasten. Hierauf beginnt die Vernehmung der Sachverständigen. Sachverständiger Generalleutnant Gouverneur a. D. L i e» bert: Ich muß mich zunächst in Kürze über die ethnographische und geographische Lage am Kilimandscharo verbreiten. Es leben dort 120 009 Farbige auf einem Bananengürtel, �über den sie nicht hinauskommen können. Sie sind deshalb� sehr ängstlich um ihren Besitzstand besorgt und betrachten jeden Weißen, der zu ihnen kommt, mit Mißtrauen. 1891 ist dort die Schutztruppe des Leutnants Kwi» leckt gefallen. Diese Katastrophe war von schwerwiegender Einwir- kung auf Afrika. Wir in Berlin haben um die Kolonie gezittert. Jeder, der Afrika kennt, weih, daß eine wunderbar organisierte Negerpost durch Afrika geht. Der sonst so träge Neger ist dank seiner Neugierde bemüht, jedes politische Gerücht wie ein Lauffeuer durch ganz Aftika zu bringen. Die Niederlage KwileckiS war am Kilimandscharo bekannt. TaZ geht daraus hervor, daß Malamia dem Dr. Peters zurief: Ihr Deutschen seid Schlappschwänze. Es ist daher unbegreiflich, wie im Urteil der Disziplinarkammer be- hauptet werden kann, der Kilimandscharo sei zu jener Zeit ein ruhiges und friedliches Gebiet gewesen. Der Kilimandscharo ist der unruhigste Teil von ganz Afrika. DaS haben die Expeditionen v. Wißmann. deS Leutnants v. Scheie u. a. gezeigt. Unter meiner Gouverneurschaft gelang es dem Leutnant Johannes, noch im letzten Augenblick einen im Begriff befindlichen Aufstand zu ent- decken, und er hat 19 Häuptlinge an einem Tage hängen lassen. Der Kilimandscharo ist eine sehr gefährliche Gegend, namentlich zur Zeit, als PeterS dort war. Peters hatte nur eine kleine Mannschaft zur Verfügung und die Eingeborenen wehren sich aufs äußerste gegen den Eindringling. Dort hätten drei Kom- pagnicn hingeschickt werden müssen. Lirbert über die Neger. Nun heißt eS immer, die Neger seien Kinder. Wenn das der Fall ist, dann sind sie Kinder mit recht unangenehmen und schlechten Eigenschaften. Sie haben nur materielle Bedürfnisse, alle sitllichen Begriffe liegen ihnen fern. Der Neger teilt die ganze Welt in zwei Teile ein: in die Gegenstände, die er essen kann, und die. die er nicht essen kann. Er ist bar jeder Dankbarkeit, jeder Treue, jedes Mitleids. Milde gilt bei ihm als Schwäche. Ohne Strenge ist er nicht zu unterwerfen. Dazu kommt die L ü g e, diese charakteristische Eigenschaft der Neger. Deshalb sollten Aus- sagen von Negern vor Gericht n�cht verwertet werden, und den Zeugen Wilhelm müsse er deshalb a b- lehnen, weil er sich nur auf Aussagen von Negern stützen kann. Wir wissen ja wunderbare Tinge über die Lügen der Neger. Ich erinnere an die Erzählung aus dem Wahlkampf, wo 50 Kinder in Körbe verpackt und dann in einem Fluß ertränkt sein sollen. Ich mache dem Abg. Bebel daraus keinen Vorwurf. Aber er sollte bedenken, daß die Nachricht auS Aftika kommt. ES ist vielleicht ein Kind ins Wasser gefallen und er- trunken; daraus macht ein anderer 10 und so sind eS mit der Zeit dann 50 geworden. Der Neger hat auch nicht die geringste Achtung vor dem Leven des Nächsten. Man erschrickt förmlich, wenn man nach Afrika kommt und sieht, wie gering das Menschenleben bewertet wird. Aus purem Aberglauben werden Kinder einfach abge- schlachtet. Jeder, der unter diesen Zuständen lebt, bekommt eine ganz andere Auffassung vom Leben des Nächsten. Man wird ab» gestumpft, wenn man sieht, wie dort mit Menschenleben gespielt wird. Wir haben hier vor dem Hängen ein Grauen. Dort hat es seine Schrecken läng st verloren. Nur so ist es erllärlich, wenn der Zeuge Wiest sich nicht daran erinnern kann, ob er zwei Menschen hingerichtet hat oder nicht. Die Verhältnisse in Afrika sind eben ganz andere, als sie vom grünen Tisch aus hier zu liegen scheinen. Man sagt, Dr. Peters sei mit Grausamkeit auf- getreten. Aber man muh bedenken, dag es ohne Grausamkeit in Afrika nicht geht. Ich bin selbst kein Freund von übergroßer Strenge und ich betrachte es als einen großen Erfolg, daß vor 10 Jahren selbst der Abg. Bebel zugeben mußte, in meinem Regiment in Frank- furt a. O. seien keine Mißhandlungen vorgekommen Ich betrach- tete es eben als meine Aufgabe, den Untergebenen nicht mit strengen Strafen, sondern mit Milde und Güte entgegenzutreten. Dieses Programm habe ich nach Afrika mitgenommen. Aber da bin ich schön angekommen. Es passierte mir eine schlimme Ge- schichte. Es wurde gegen einen aufsässigen Stamm eine Straf- expedition geschickt, und man brachte mir die drei Hauptschurken nach Dar-es-Salam. Es wurde die Verurteilung der drei zum Tode verlangt, aber ich hatte einen Abscheu davor, drei Todesurteile auf einmal vollziehen zu lassen. Ich setzte durch, daß nur einer hingerichtet wurde, die zwei anderen kamen in Kettenhaft. 14 Tage fdäier waren sie ausgebrochen und hatten den Wärter erschlagen. So wurde meine Milde belohnt. In Afrika muß ein ganz anderer Maßstab angelegt werden als bei uns und ich konnte mir solche Humanität nicht wieder erlauben. Dabei saß ich noch an der Küste, wo es ziemlich ruhig zugeht, während Dr. Peters auf einem der gefähr- lichsten Posten stand. Er konnte sich solche Experimente nicht ge- statten. Er mutzte mit der größten Strenge vorgehen, sonst konnte er die Verantwortung für die ihm anvertrauten Menschenleben nicht übernehmen. Ich weiß nicht, ob es mir mit meiner Milde geglückt wäre. Aber Dr. Peters hat den Erfolg für sich, und nach meiner Meinung hat er richtig gehandelt. Als afrikanischer Sachverständiger muß ich sagen, Peters ist zu seiner drakonischen Strenge durch politische Interessen» nicht durch persönliche Momente gekommen. Herr b. Soden spricht sich jetzt viel milder über Dr. Peters aus als früher. Herr v. Soden rst ein Mann, der mitten im Leben steht, er ist ein Schwabe und wählt feine Ausdrücke nicht wie ein Bureaukrat. Wenn er von Peters sagt,„dieser Bursche", so ist das kein Schimpfwort, und wenn er von frivolen Handlungen" schreibt, so ist das auch nicht wörtlich zu nehmen. Der Unteroffizier Neuhaus hat seine Stellung entschieden falsch auf- gefaßt. Er trat hier auf, als ob er mit Peters auf Du und Du gestanden hätte. Er hätte dankbarer gegen Peters sein können, der ihm vielleicht das Leben gerettet hat. ES hat mich auf das schmerzlichste berührt, daß ein Unteroffizier meiner Truppe, durch Eitelkeit veranlaßt, den Brief geschrieben hat. Es wird in Afrika streng darauf ge- halten, daß Offiziere und Unteroffiziere getrennt leben. Das ge- schieht nicht aus Eitelkeit der Offiziere, sondern um die Kommando- gewalt zu erhalten. Bei uns in Afrika kommen sonst leicht Ver- traulichkeiten vor, die die Disziplin stören. Schmerzlich berührt haben mich auch die Urteile der Disziplinargerichte. Beide Urteile halte ich nicht nur für Justizmorde, sondern die Art der Urteils- fällung betrachte ich als einen Schandfleck für ba8 deutsche Volk. Vors.: Ich nehme an, daß der Sachverständige nicht die Richter persönlich hier gemeint hat.— Lieber i: Nein, das liegt mir fern. Aber merkwürdig ist verfahren worden. Das Urteil ist gefällt worden von Richtern, von denen keiner in Afrika war. Der An- kläger war ein Mann, dem wir weiter auf der Spur sind. Da heißt eS im Urteil, der Beamte müsse in Afrika genau so denken wie in Europa. Also keine Berücksichtigung oer afrikanischen Verhältnissei Der ganze Abschnitt von der falschen Berichterstattung Dr. PeterS ist eine wenig schöne juristische Kniffelei. Das Urteil sagt, wenn ein Menschenleben auf dem Spiel steht, müssen erst genaue Ueberlegungen angestellt werden. Ja, es ver- hall sich eben mit dem Menschenleben in Afrika anders als bei uns. Aber man hat Sachverständige vor den Disziplinargerichten nicht gehört. Weiter heißt es, die Züchtigung sei unmenschlich, die Auspeitschung grausam gewesen. Das gilt aber nur für uns, nicht für Afrika. Die Prügelstrafe ist landesüblich, so wie bei uns die Gefängnisstrafe. Das Entlaufen der Weiber hatte eine innere Bedeutung. Man hat solche Weiber nicht vor dem Feind in der Steppe und im Lager bei sich. Wenn dieWeiber ent- weichen, dann i st es nach afrikanischer Anschau- ung ein sicheres Zeichen dafür, daß es Krieg gibt; deshalb mußte Peters die Weiber zurückholen. Ich gehöre zu den jüngeren Parlamentariern und ich habe leider noch nicht die Ehre gehabt, für Dr. PeterS und für die Förderung seiner Rehabilitierung bisher tätig sein zu können. Gerade ich hätte dazu Ursache gehabt, denn wir beide sind von demselben Boden verdrängt worden, ich als Gouverneur, er als Reichskommissar. PeterS hat eine große nationale Tat getan, die noch lange nicht genug gewürdigt ist. Als Gouverneur von Ostafrika kann ich das genau beurteilen, und ich werde die Taten Dr. PeterS nie vergessen. Sachverst. v. Pechmann: Ich habe den Ausführungen des Herrn v. Liebert nicht« hinzuzufügen und kann ihnen nur beitreten. Sachverst. Afrikaforscher Eugen Wolf: Ich bin kein Parlamentarier wie Herr v. Liebert und kann daher nicht einen solchen Vortrag halten wie er. Ich will mich auf die Tatsachen beschränken. Ich bin durch dieselbe Provinz wie Dr. PeterS gezogen, habe keinen Schuß abgefeuert und auch keinen erhalten. Wir waren einmal bei Herrn v. Witz. m a n n zu Gast. Herr Kuhnert war dabei, der ein Werk Wißmanns illustrieren sollte. Nun gab es keine feinfühligere Natur als die des Herrn v. Wißmann. Als Gastgeber konnte daher Herr v. Witz- mann dem Herrn Kuhnert nicht seine wahren Ansichten über Dr. PeterS mitteilen, wenn er sich nicht zugleich auch gegen seinen eigenen Gast wenden wollte. So kommt eS, daß Herr Kuhnert vor- gestern sagte, er habe von Herrn v. Wißmann nichts Nachteiliges über Herrn Dr. PeterS gehört. Herr Kuhnert kann überhaupt nicht als afrikanischer Sachverständiger gelten, denn er war nur kurze Zeit dort. Ebensowenig Exzellenz v. Liebert. der zwar zwei Jahre Gouverneur war... v. Liebert: Vier Jahre war ich Gouverneur.— Vors.: Ich bitte die Sachverständigen, sich nicht gegenseitig zu qualisi- zieren. Eugen Wolf(fortfahrend): Wißmann hat dem Leutnant Bronsart v. Schellendorf wiederholt herausgeholfen. Wäre er damit fortgefahren, so wäre Herr v. Schellendorf vielleicht ein nützliches Glied der Gesellschaft geworden. Als die Mitteilung von der Niedermetzelung der Kwileckischen Truppe kam, war ich gerade in Dar-eS-Salam bei Herrn v. Soden. Ich telegraphierte sofort nach Berlin, aber Herr v. Soden schickte an den Reichskanzler ein Telegramm, eS sei alles ruhig, ausgenommen ein kleines Ge» fecht. So schlimm kann eS also nicht gewesen sein, wie es Dr. PeterS dargestellt hat. Dr. PeterS sagt, er habe einer Uebermacht von 120000 Eingeborenen gegenübergestanden. ES waren höchstens 5000 Eingeborene. Gouverneur v. L i e b e r t: Es waren 120 000. E u g e n W o l f: Dr. Peters will 1891 am Kilimandscharo die Gebiete durch seine Expedition für Deutschland gewonnen haben. Aber der Sansibarvertrag, der auch die Kfiimandscharofrage regelte, war schon im Januar 1890 abgeschlossen worden. Dr. Peters: Aus Grund des Vertrages bin ich ja nach dem Kilimandscharo gegangen. Eugen Wolf: Wenn«in Europäer von einem Sultan Madchen geschenkt bekommt, so sind sie in dem Augenblick, wo sie zum Europäer kommen, frei, und er muß ihnen einen Freibrief ausstellen, namentlich wenn er ein Beamter ist. Dr. Peters hat ge- sagt, auch Herr v. Wißmann habe die Prügelstrafe verhängt. Ich kann mich dessen nicht erinnern. Aber sicher hat Wißmann niemals so schwere Prügelstrafen wie Dr. Peters verhängt, so daß die Delinquenten wochenlang krank lagen. Dann wurde gesagt, die Weiber hätten Konspirationen und Landesverrat getrieben. Das ist unmöglich. So eine Station ist ganz einfach hergerichtet. Von oben herab, vom Gebirge, kann man alles sehen, was in ihr vorgeht. Ich habe nie bestritten, daß Dr. Petcrs sich große Verdienste erworben hat. Aber er selber hat auch als Kaufmann durch seine Beteiligung an der Gründung der Deutsch-Ostafrikagesellschaft kein schlechtes Geschäft dabei gemacht. Dr. P e t e r s: Ich protestiere gegen diese Unterstellung. Eugen Wolf: Ich wollte Herrn PeterS nicht damit be- leidigen. Ich halte das für vollkommen normal. Wenn Dr. Peters sich vor Spionage oder Landesverrat durch die Weiber schützen wollte, dann brauchte er die Weiber ja nur nicht herumlaufen zu lassen, oder hätte sie fortschicken können. Ich kenne keinen Usus, daß in Afrika die Untreue mit dem Tode bestraft wird. Ich bin nie ein persönlicher Feind von Peters gewesen. Als Peters be- hauptet hatte, daß er große Salpeterlager am Kilimandscharo ent- deckt habe, habe ich gesagt: Ter Petcrsfche Salpeter ist kein Salpeter. Peters telegraphierte dann weiter, er hätte Kohlen entdeckt. Es stellte sich heraus, daß keine Kohlen da waren. Auch mit der Ent- deckung des Goldlandcs Ophir war es nichts. Solche Sachen tele- graphierte Peters offenbar, um nicht vergessen zu werden. Er hatte das Bedürfnis, daß von ihm geredet wurde. Dieser sehr lobens- werte Ehrgeiz Peters hat vielleicht zu einer Rivalität zwischen Wißmann und Peters geführt. Mit Lenbach war ich sehr be- freundet. Eines Tages sagte er zu mir:«Wissen Sie, wer bei mir war? Der Peters."„Das ist ja sehr interessant!" erwiderte ich. Lenbach meinte:„Rein, hat der einen grausam enBlick! Er hat mich gebeten, ihn zu malen. Ich habe aber bloß ein Pastell- bild gemalt. Der PeterS hat einen Kopf wie ein Raubvogel, ich kann den Kerl nicht leiden!" Vors.: Ich bitte doch, etwas mehr in Afrika zu bleiben. (Heiterkeit.) Eugen Wolf: Wie feinfühlig und empfindsam Wißmann war, möge folgender Vorfall zeigen: Als der Nebellenführer Muschiri gehenkt werden sollte, und Wißmann der Exekutign beiwohnen mutzte, hat cr sich im entscheidenden Augenblick umgedreht und das Taschentuch vor die Augen gehalten. Er wollte daS nicht sehen. Wißmann hat mir, das nehme ich auf meinen Eid, das Verfahren des Dr. Peters am Kilimandscharo mehrfach als „schmachvoll" bezeichnet. Wenn er auch mit dem Disziplinarverfahren gegen Dr. Peters bielleicht nicht einverstanden war, so hat er seine Ak- tionen noch weniger gebilligt. Er hätte auch nie derartiges getan. Sachverst. Oberstabsarzt a. D. Becker-Verlin: Er rechnet sich zur Wißmannpartei und gibt eine sehr aus- sührliche Tarstellung der Verhältnisse am Kilimandscharo. Witz- mann gründete die Station Muschin, Peters verlegt sie nach Maranga. DaS war vielleicht ein Fehler, aber der Nachfolger denkt ja auch in Afrika immer klüger als sein Vorgänger. Dr. Becker schildert die englischen Intrigen am Kilimandscharo. Als das Ge- ficht gegen v. Bülow geführt wurde, das mit der Vernichtung Bülows endete, sahen englische Missionare dem Kampf in der Schlucht ruhig zu. Die englischen Missionare sind nämlich nicht nur Verkünder des Wortes GotteS, sondern vor allem auch überaus eifrige unbezahlte politische Agenten ihrer Nation. Bei der B«- kämpfung der Meris haben wir eine Menge Hinterlader, Patronen und Gewehre gefunden, da«unter englische Gliedergewehre. Zeuge Wilhelm bittet erregt umS Wort und beschwert sich darüber, daß vom Sachverständigen gesagt worden sei, die Unter- osfiziere hätten die Station verlassen. Das sei nicht loahr. Vors.: Beruhigen Sie sich doch, Sie sollten sich nicht so in die Sache verbohren und sie nicht so tragisch nehmen. Sie sind eine empfindliche Natur und könnten sonst noch viele schmerzliche Stun- den haben. Dr. Becker: Ueber Mabruk und Jagodja habe ich in Afrika kein Wort gehört. Ich bin allerdings schon im April 1892 nach Hause abgereist. Herr v. Pechmann fuhr mit demselben Dampfer. Er schimpfte über Dr. Peters, hat mir aber von den angeblichen Schandtaten nichts erzählt. Erst im Sommer 1892, als ich Pech- mann zufällig in Berlin traf, machte er mir von feiner Vernehmung Mitteilung. Für Diebstahl wird im allgemeinen nicht Todesstrafe, sondern langjährige Kettenhaft oder Prügelstrafe verhängt. Aber cs können Verhältnisse eintreten, die auch aus Prügelstrafe die Ver- hängung der Todesstrafe notwendig machen. Es ist noch gar nicht So lange her, daß auch in Deutschland der Diebstahl noch mit dem "ode bestraft wurde. Wenn die Jagodja eine Verschwörerin war, dann war die Todesstrafe gerechtfertigt. Bebel hat, wie so viele andere, Emin Pascha auf Kosten des Dr. Peters gelobt. Man kann aber zu einer Zeit ganz friedlich mit dem Spazierstock durch die Steppe wandern, während zu einer anderen Zeit ein anderer über- falle» und totgeschlagen wird. Emin Pascha schreckte durchaus nicht vor Gewalttaten zurück. Allerdings hat er anders gehandelt als Peters. Er ging nach orientalischer Sitte vor und benutzte die Hinterlist. Er ist auch von Arabern ermordet worden. Es ist be- kannt, wie er einige türkische Sklavenhändler in sein Zelt lockte und sie dann ihren Feinden, den Negern, auslieferte. Diese warfen sie den Krokodilen zum Fraß hin. Das ist die Jdealgestalt Emin Paschas. Sachverständiger Wirft. Geh. Rat Dr. Yriebl-Martin wendet sich zunächst mit großer Schärfe gegen Rechtsanwalt Dr. Rosenthal, der ihm vorgeworfen habe, daß er wegen seine? Pro- zesses mit Dr. Peters wider besseres Wissen für diesen ungünstige Ausgaben mache. Rechtsanwalt Dr. R o f e n t h a l protestiert heftig dagegen und es kommt zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen den beiden, die der Borsitzende dadurch abschneidet, oaß er eine Pause ein- treten läßt, damit sich die erregten Gemüter abkühlen. Nach der Pause erklärt Dr. Friedl-Martin, daß er schon vor seinem Prozeh mit Dr. Peters sich im„Tag" gegen Peters aus- gesprochen habe. PeterS selbst kenne er gar nicht persönlich. Wie kann jemand sagen, ein schwarzes Frauenzimmer kon- spiriere mit dem Feinde. Wenn daS im Falle Jagodja wahr gewesen ist, so ist der Wunsch des Dr. PeterS unbegreiflich, eS wäre ihm am liebsten gewesen, die Jagodja wäre gar nicht wieder- gekommen, damit er die Todesstrafe nicht zu verhängen brauche. Weshalb riefen denn die anderen Herren ihre Mädchen nicht zurück. Außerdem ist der Maler Kuhnert sehr häufig um die Station herummarschiert, die kriegerische Gefahr kann also nicht sehr groß gewesen sein. Es kann Umstände geben, die es nötig machen, nicht nur einen, sondern hundert Neger zu erschießen. Aber wenn das geschieht ouS Eifersucht oder weil Dr. Peters mit dem schwarzen Jungen das Weib nicht teilen wollte, so ist das eine schwere Sache. Nur wenn die Sicherheit der Station es erheischt, dürfen Frauen geprügelt werden. Ich selbst habe mich entgegen der ganzen öffcnt- lichen Meinung im Falle Leist auf die Seue des Beschuldigten ge- stellt. Aber die Konspiration halte ich in diesem Falle nicht für erwiesen. Sachverständiger Peter Acker von der Mission �um heiligen Herzen Jesu bei Köln: Es wird wohl keiner hier»m Saale sein, der die Verdienste Dr. PeterS um unsere Kolonialpolitik schmälern wollte. Ich selbst habe PeterS bisher stets in Schutz genommen und bin hierher gekommen, mehr zu seinen Gunsten als zu feinen Ungunsten zu sprechen. Zu meinem Schmerze aber muß ich sagen, daß ich durch den Verlauf der Verhandlung z» einem anderen Urteile gekommen bin. Ich bin mit dem Bischof Smithy, trotzdem er ein protestantischer Bischof war, intim befreundet gewesen. Ich kann nicht glauben, daß dieser Mann, der den Peters einen Mörder genannt hat. das gesagt hätte, wenn er nicht davon Äberze** tvar. Hmithy ist nicht der Mann, der sich zum Verbreiter einer Legendenbildung hergibt. Herr von Liebert hat die Schattenseiten der Schwarzen geschildert. Die Schwarzen haben aber auch Tugenden, sehr erhebliche Tugenden. Gewiß, sie müssen streng behandelt werden, aber auch die Milde und die Gerechtigkeit sollte man nicht vergessen. Das ist leider nur zu oft der Fall gewesen, und das ist die Ursache der Aufstände. Auch in dem Fall des Hauptmanns v. Bülow hat man es an Gerechtigkeit und Milde fehlen lassen. Die Soldaten hatten den Schwarzen Kartoffeln geraubt, darüber waren die Eingeborenen aufgebracht. Gewiß sind die Verhältnisse in Afrika anders wie bei uns, aber Gerechtigkeit, Anstand und Sittlichkeit sollten auch dort das oberste Prinzip sein. Dr. Peters hat gesagt, die schwarzen Häuptlinge hätten sich beleidigt gesuhlt, wenn er die Annahme der geschenkten Mädchen verweigert hätte. Nun, uns Missionaren sind noch niemals Mädchen angeboten worden.(Stürm. Heiterkeit.) Ich kenne auch andere Afrikareisende, denen keine Mädchen angeboten sind. Und dann: wir gehen doch nicht Afrika, um dort afrikanische Sitten anzunehmen, sondern um den Schwarzen Anstand, Gerechtigkeit und Sittlichkeit beizubringen. Nach afrikanischen Sitten ist Diebstahl und Kettenflucht kein genügender Grund, um ein Todesurteil zu recht- fertigen. Die Konspiration ist jetzt nicht erwiesen. Ich kann er- klären, daß am Kilimandscharo damals durchaus friedliche Zustände geherrscht haben. Ohne Prügel geht es bei den Schwarzen gewiß nicht. Aber man mutz gerecht sein. Es darf nicht geprügelt werden, bis das Blut fließt und bis die Fetzen fliegen. Damit erzielt man keine Erfolge. Nach meinen afrikanischen Kenntnissen mutz ich die beiden verlesenen Urteile als durchaus zutreffend billigen. Kunstmaler Kuhnert ergänzt seine früheren Erklärungen. Er legt dar, in welcher Weise er seine Expedition ausgeführt hat. Er sei mit dem Adler- orden 4. Klasse ausgezeichnet worden und sei letzt eben zu einer anderen Ansicht gekommen.(Zu Dr. Friedl-Martin): Im großen Afiikaneraufstande habe ich es erlebt, daß eine HäuptlingSsrau oie Anführerin gespielt hat. Was sagen Sie nun dazu?(Heiterkeit.) — V e r t. fragt den Zeugen, ob er 1895 an das Auswärtige Amt einen Brief geschrieben hat, in dem er voll Abscheu von der Hinrichtung des Mabruk und der Jagodja spricht, und den Wunsch ausspricht, daß die Nation vor dem Unglück be- wahrt bleiben möge, den Dr. Peters wieder in einer Stellung zu sehen. Maler Kuhnert gibt zu, einen Brief geschrieben zu haben, kennt aber den Wortlaut nicht mehr genau. v. Liebert und Dr. Becker treten dem Pater Acker ent- gegen, worauf dieser erwidert, er habe nicht nur seine Ansicht ausgesprochen, sondern die aller Paters aus dem Inneren. Er habe weder aus der Verlesung des Urteils noch aus den Zeugenaussagen heraushören können, daß irgendwie eine Konspiration von den Mädchen unternommen sei. Hierauf werden die Sachverständigen und Zeugen entlassen, und die weiteren Verhandlungen auf Montag vertagt. Das Gericht beschließt, am Montag noch den Major von Tie bemann, Frau Direktor Kayser und Frl. Brunn- stein zu vernehmen. Die übrigen beantragten Zeugenladungen hat das Gericht abgelehnt, da es die Sache für genügend aufge- klärt hält. Em Induftnc und ftandel* Lohn- und Leistungssteigerung. Im letzten Geschäftsbericht des Vereins für die Interessen der Rheinischen Brannkohlen-Jndustrie wird auf die Lohnsteigerungen hingewiesen. Ganz abgesehen davon, daß die Löhne absolut sehr niedrig sind, bekommt das Bild, das der Bericht malt, noch ein ganz anderes Gesicht, wenn man die Leistungssteigerung zu den Lohn« erhöhungen in Vergleich bringt. Relativ ergibt sich dann Lohn- riickgang, der pro Mengeeinheit gezahlte Lohn ist gesunken. ES ergeben sich nämlich pro Kopf der Belegschaften der angeschlossenen Werke Jahreslohn Braunkohlen Hergestellte " 5 Ml. Förderung t Briketts t 1901 943 946 231 1903 913 1125 267 1903 017 1257 812 1904 061 1353 844 1906 099 1494 883 1000 1104 1638 891 Von 1901 auf 1902 ging der Lohn um 30 Mark zurück, die Leistung pro Kopf stieg um 179 Tonnen Förderung und 36 Tonnen Briketts. Für 1906 stellte sich der Lohn gegen 1901 um 17 Proz. höher, die Förderung ist aber in derselben Zeit um 62 Proz. pro Kopf ge- stiegen, gleichzeitig wuchs die Herstellung von Briketts um 69 Proz. Die Weltfeidenproduktio». DaS Syndikat der Seidenhändler- Vereinigung von Lyon hat eine Schätzung der letztjährigen Produktion von Rohseide in aller Welt veröffentlicht. Die Gesamtmenge wird »lit 20 160 000 Kilogramm(Kilogramm--- 2'/. Pfund) angegeben, im Vergleich mit der vorjährige» Ziffer von 18 830 000 Kilogramm bezw. einem DurchschnittSergebiiiS von 19 668 000 Kilogramm für die fünfjährige Periode von 1900—1905. Europa hat im letzten Jahre 5 750 000 Kilogramm Rohseide produziert, im Vergleich mit 5 495 000 in 1905! Frankreich produzierte 605 000 Kilogramm gegen 632 000 in dem vorhergehenden Jahre. Die RohseidenauSfuhr Indiens belief sich in 1906 auf 295 000 Kilogramm im Vergleich mit 280 000 in 1905. Jntcriiationale Bcrgarbcitcrstatistik. Nach einer soeben veröffent- lichten englischen Statistik sind mehr als 5 Millionen Personen im Bergbau und in den Steinbrüchen der Welt beschäftigt und zwar in Großbritannien und Irland. 932 343 In britischen Besitzungen 843 736 In Summa 1 326 079 In allen übrigen Landern.. 8 209 732 Insgesamt 5 035 861 � Mehr als die Hälfte der Gesamtzahl sind allein im Kohlen» bergbau beschäftigt: Großbritannien...... 843 000 Bereinigte Staaten..... 626 000 Deutschland........ 648 000 Frankreich........ 175 000 Belgien......... 186 000 Oesterreich........ 119 000 Indien......... 90 000 Die Totalproduktion von Kohle ans der Erde beträgt 941 Millionen Tonne» jährlich, die einen ungefähren Wert von 805 Millionen Psund Sterling repräsentieren(6 100 000 000 Mark). Die Goldausbeute beträgt 530 037 Kilogramm. An der Eisen» ausbeute ist Amerika mit 23>/z, Deutschland mit 6 und Groß- britaimieii mit 48/j Millionen Tonnen beteiligt. Die Sterbeziffer unter 1000 Personen in Kohlenbergwerken beträgt: Großbritannien....... 1,85 Englisches Kaiserreich..... 1,84 Frankreich......... 1.04 Deutschland......... 2,05 Vereinigte Staaten...... 3.45 Alle übrigen Länder...... 2,40 In den Goldminen von 2.55 zu 3,53 Die jährliche GesamtauSbeute von Kohle. Kupfer, Gold, Eisen, Blei, Petroleum, Salz, Silber, Zinn und Zink beläuft sich auf mehr als 700 000 000 Pfd. Stert.(14 000 000 000 M). DaS„Tmle* Kalisyndikat. Die mit Ach und Krach endlich zustande gebrachte Aufnahme Sollstedts und der Deutschen Kaliwerke in da? Kalisyndikat hat zwar die drohende Katastrophe für den Augenblick vom Syndikat ab- gewandt, aber die chronische Krisis besteht weiter. Man hatte, wie der„Hannov. Kurier" hört, die Absicht, zusammen mit den beiden mächtigsten Outsiders gleich die ganze Schar der syudikatSreifeu Werke hereinzunehmen. Dieser Gedanke hat sich aber nicht durch- führen lassen. Bald werden sich also von neuen» quotenhungrige Mäuler an den Syndikatstisch drängen, die Balgerei kann wieder von vorn anfangen. Die nicht zum Konzern der Deutschen Kali- werke gehörigen Werke Ludwigshall, Neu-Bleicherode und Nord- Häuser Kaliwerke sind mit ins Syndikat aufgenommen.„Das Syndikat ist krank bis ins Mark", meinte der Vorsitzende der Deutsche!» Kaliwerke am Vorabend der Einigung.„Kein Mittel wird gescheut, um neue Werke ducken." Daß künftig mit den Deutschen Kaliwerken ein Schmimmann auf feiten des Syndikats kämpft, wird den Tanz ums goldene Kalb nicht liebenswürdiger machen. Die„Reform"ideen Schmidtmanns wie der Deutschen Kali- werke lassen eher das Gegenteil vermuten. Diese„Reformen", die beide bei ihrer Aufnahme ins Syndikat nicht durchsetzen konnten, werden sie in den nächsten Jahren. in denen sich die Frage der Erneuerung des Syndikats in den Vordergrund drängen wird, noch rücksichtsloser innerhalb des Syndikates betreiben. Welche Bestrebungen sich hier z»lr Monopolisierung des Kaliprofits ans Licht drängen, zeigen die von den Deutschen Kaliwerken aus- flehenden Vorschläge für eine Neugestaltung des Kalisyndikats, die olgendermatzen zusammenfassend formuliert wurden: 1. Eine andere Verteilung der Absatzbeteiligung unter besserer Berücksichtigung der inneren Leistungsfähigkeit der Werke. 2. Ausrüstung des Syndikats mit wirksamen Waffen zur Bekämpfung autzenstehender Werke. g. Tunlichste Beschränkung der Anlage neuer Förderschächte. Man»verde am zweckmäßigsten eine normale Feldcsgröße als solche bestimmten, die von einem Schacht aus rationell abgebaut werden könne, und hierfür einen Grundanteil festsetze»». Für den dieses Maß übersteigenden Teil des Grubenfeldes rechtfertige sich ein Zusatzanteil, bei dessen Bemessung davon auszugehen wäre, daß dem Werk lediglich ein Aequivalent gebühre für die NichtVerwertung des überschüssigeil Feldesteils, in Gestalt einer angemessenen Verzinsung seines tvirklichei» Wertes. Werde diese Zusatzbeteiligung so bemessen, daß sie eine angemessene Verzinsung der in stilliegenden Felder»» angelegten Kapitalien ermögliche, so liege darin für die Syndikats- werke ein großer Aiireiz, sich solche Felder zu erwerben und für die Zukunft sicherzustellen.(Heute bringen die teilweise meilenweiten und ungeheuer wertvollen Felder, die erworben werden, nicht um sie auszubeuten, sondern um die Konkurrenz fen»zuhalten,»veiter nichts ein!) So lvürde gleichzeitig das Entstehen neuer Werke eingeschränkt. Zur Bekämpfung außenstehender Werke sei die Bildung eines Schutz- und Trutz fonds erforderlich, der dazu bestimmt wäre, ohne Schmälerung der Erträgnisse in erster Linie die Kosten eines Preiskampfes zu bestreiten. Die endliche Verwirklichung dieses schon mehrfach aufgetauchten Planes wird als uneiltbehrlich bezeichnet, da erst durch Schaffung dieses Kampfesmittels die Wirksamkeit der„Re formen" verbürgt werde. Die Beisteuer zu einem derartigen Fonds. als Umlage auf die Beteiligungsziffer jährlich erhoben, sei für das einzelne Werk umsoweniger schmerzlich, als es an dem dadurch ge- bildeten gemeinsamen Vermögen mit seiner Beisteuer beteiligt bliebe. Diese ,.Neform"idcen legen den Widersinn der kapitalistischen Wirtschaft in ihren» Kerne bloß. Die Produktion soll unterbunden, die Anlage neuer Schächte beschränkt und ein Teil der Felder stich gelegt werden, mir damit eine monopolistische Clique sich ohne Schivierigkeilen bereichern kann. Zur Sicherung möglichst hoher Profitraten soll der Fortschritt der wirtschaftlichen Kultur.stillgelegt' werden. Und dieser Zweck heiligt natürlich das Mittel des rücksichts losesten Terrorismus, der, von bei» Arbeitern in den armseligsten Dimensionen stümperhaft ausgeübt, die Welt von kapitalistischem Entrüstungsgeschrei»viderhallen läßt. Selbstredend wird der finanziell fundierte Schutz und Trutz gegen die nichtsyndizierten Werke aber auch ein Raubzug gegen die Abnehmer sein, die ebenso dem Syndikat die Zinsen für die stilliegenden Felder berappen müßten. Unser Reforinvorschlag wäre die Ueberführung der Kalisalze wie der nationalen Bodenschätze überhaupt.in den Besitz der Ach gemeinheit._ Auch ein Zeichen der Zeit. DaS Finanzblatt unseres Bruderorgans„Appeal to Neason" hat sich seit kurzer Zeit verdoppelt. Der Finanzredakteur deckt mit unbarmherziger Hand die Methoden auf, durch die Staatsgelder der Vereinigten Staaten zur Unter- stlltzung ungesunder Privatunteruehmlingen verwandt werden. Es ist interessant, seinen Bericht mit einem der bürgerlichen Blätter zu vergleichen. Vor zirka einem Jahre erhielten die Natiol»albanken zirka sechs Millionen Staatsgelder als Deposit— hatten also freie Verfügung darüber. In diefer Zeit schössen die Banken den Eisen bahnen über eine Billion Dollar vor, die das Geld verbrauchten, ohne ihren rollenden Bestand auch nur mit einem Dollar»nehr zu belasten, Dem Publikum wurde bange und es wollte keine Eisenbahnbonds annehmen und bald darauf hatten die Banken Millionen BoirdS an Hand, aber kein Geld. In Antlvort auf die wilden Drohungen der Spekulanten, und um eine Panik zu verhüten, deponierte Mr. Shar, der Leiter des Schatzdepartements der Vereinigten Staaten, 20 Millionen Dollar Gourvernemeutsfonds als Start, Daun fing er an, auf einer großen Basis zu arbeiten und stellte 6 Millionen Pfund Sterling an Panamakanalbonds aus, für Arbeite», die bereits aus dem Staatssäckel bezahlt waren. Der Betrag wurde wiederum in die Bankbücher als Gouverneinents depositen eingetragen.— Hierauf folgte die Aldrich- Bill, die besagt, daß verschiedene Gelder, die bisher bis zmn Betrage von 60 Millionen Pfllnd— tatsächlich die gai»ze Revenue der Rc gierung— im Staatsschatz zurückbehalten waren, in Zukunft in der Nationalbank deponiert werden sollen.— So hat also eine Nation von zirka 90 Millionen Köpfen einem kleinen Kreis von Spekulanten und Ausbeutern für den Gebrauch ihres eigenen Geldes zu zahlen. Hinzu komi»lt noch, daß 36 000 Pfund in Bargeld aus dem Staatsschatz verschwunden sind, die jetzt von der Geheimpolizei gesucht»verde»». Mittlerivcile fahren die Polizeigerichte fort, verzweifelnde Männer und Frauen für Diebstahl von Lebensbedürfnissen zu bestrafen. So erhielt erst unlängst ein Arbeiter sechs Monate Zwangsarbeit für das Mitnehinen eines Paar Schuhe.— Eine allgemeine Ausstellung von Erfindungen der Kleinindustrie (räumlich kleiner Erfindungen) wird an» Sonnabend eröffnet. Täglich werden experimentelle Vorführungen über wichtige wissenschaftliche Großtateck der Neuzeit stattfinden. Nachmittags von 4 Uhr an werden u. a. die Mietheschen Farbenphotographien und die neueren Erfindungen auf dem kinematographischen Gebiete in Projektionsvorfllhrungen gezeigt werden. Hieran werden sich Expe> rirnentalvorträge über Wellen-Telephonie, Licht-Telephonie. über die Fern-Photographen»»nd Fern-Schreiber der verschiedenen Systeme, über flüssige Luft, über autogenes Schlveißverfahren, über Tesla- Ströme, über die singende und sprechende Bogenlampe u>»d über andere von der Industrie zur Anschauung gebrachte Erfindungen an- schließen. Bibliothek und Lesehalle der Korporation der Kaufmannschaft von Berlin im Börsengebäude bleiben in diesem Sommer auch im Juli abends bis 10 Uhr geöffnet. Es geschieht dies hauptsächlich im Interesse der Studierenden der Handelshochschule, deren Vor- lesungen erst Anfang August schließen,, doch dürste die Neuerung auch von den Kreisen der jungen Kaufleute mit Freuden begrüßt werden._ Deutschlands Eisen-Außenhandel im Mai. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres ist die Ein- Uhr um 97 313 Tonnen gleich 47 Proz. gestiegen, die Ausfuhr dagegen um 116732 Tonnen gleich 8 Proz. gefallen, der Ausfuhr- Überschutz mithin um 213 44S Tonnen oder 17 Proz. zurückgeblieben. Vom Januar bis Ende Mai betrug die Einiuhr in Roheisen löl 662 Tonnen (i. V. 93 399), die in Brucheisen und Eisenabfällen 71 343(80 033) Tonnen. Dagegen belief sich die Ausfuhr von Roheisen nur auf 143 114 (171 313) Tonnen, in Halbzeug auf 94 698(179 629) Tonnen. Rück- gängig ist auch die Ausfuhr von Träger- und Winkeleisen mit 177 879(209 731) Tonnen und Platten und Blechen mit 101 018 (129 633) Tonnen, was noch dadurch verschärst wird, daß von rohen Blechen diesmal 13643(gegen nur 3613) und von Weißblechen 19 434(14 333) Tonnen eingeführt wurden. Ausfuhrsteigerung da- gegen zeigt sich bei Eisenbahnschienen<158 674 gegen 127 225 Tonnen), Schwellen, Laschen und Unterlagsplatten(78 644 gegen 63 151 Tonnen), Eisenbahnachsei», Radeisen und Rädern(29 898 gegen 23 639 Tonnen) und gezogenen und gewalzten Röhren 36 792 gegen 29 614 Tonne»»). Soziales. Die Proletarierkrankheit. Trotz der Maßnahmen, die von Krankenkassen, Gemeinde- Verwaltungen und gemeinnützigen Vereinen zur Bekämpfung der Tuberkulose ergriffen werden, fordert die Proletarierkrankheit immer noch Jahr für Jahr ungezählte Opfer. In Preußen sind im Jahre 1903 nach den Mitteilungen der Medizinalabteilung des Kultusministeriums auf 10 000 Lebende 19,13 von der Tuberkulose dahingerafft. Wenn diese Zahl auch»»och erschreckend hoch ist, so ist doch ein allmählicher Fortschritt nicht zu verkennen. Im Jahre 1890 belief sich die Zahl derer, die von der Proletarier- kronkheit dahingerafft wurden, auf 84 086 oder 28,33 auf 10 000, im Jahre 1903 auf 70 323 oder 19,13 auf 10 000. Es ist also absolut und relativ die Zahl zurückgegangen. Eine richtige Verstellung vor der verheerenden Wirkung dieser Krankheit wird man sich erst dann machen können, wenn man einen Vergleich zieht zwischen der Gesamtsterblichkeit und der Sterblichkeit an Tuberkulose. Auf 100 Gestorbene kamen im Jahre 1905 nicht weniger als 9,68 Todesfälle an Tuberkulose. Mit anderen Worten: Etwa der zehnte Teil aller Gestorbenen erlag der ProletsarierkrankhKit. Die Gesamtzahl der zm Jahre 1903 an Tuberkulose Verstorbenen überstieg die Zahl der an Typhus, Ruhr. Pocken, Scharlach, Diphtherie und Krupp, Masern und Röteln, Keuchhusten und Kindbettsieber Verstorbenen (46 033) um rund 24 000, während die Zahl der Todesfälle an Lungenentzündung(36 820) nur um rund 14 000 hinter der Tuber- kulose-Sterbeziffer zurückblieb. Welche Altersklassen am meisten von der todbringenden Tuber- kulose betroffen worden, ergibt sich daraus, daß von 100 Gestorbenen im Alter unter einem Jahre nur 1,37 an Tuberkulose starben; dann steigt die Zahl rapide bis auf 43,74 im Alter von 20 bis 23 Jahren. Nachdem sie diesen Höhepunkt erreicht hat, sinkt sie allmählich, beträgt aber immer noch 33,84 im Alter von 30 bis 40 Jahren. Also gerade diejenigen Altersstufen, in denen der Mensch gewöhnlich am leistungsfähigsten ist, in denen er sich eine Familie gegründet hat, deren Ernährer er sein soll, sind am allermeisten gefährdet. Die Zahl der Männer, die an Tuber- kulose sterben, ist etwas größer als die der Frauen. In den einzelnen Regierungsbezirken ist die Sterblichkeit an Tuberkulose sehr verschieden, am höchsten war sie in den Bezirken Osnabrück, Münster, Breslau, Berlin und Köln. Obenan steht für das Jahr 1905 der Stadtkreis Berlin mit einer Sterblichkeit von 25,93 auf 10000 Lebende(gegenüber 19,13 im Durchschnitt!). Im Jahre 1904 stand Berlin erst an vierter, im Jahre 1903 erst an neunter Stelle. Eine Zunahme ist außer in Berlin noch zu bemerken in den Regierungsbezirken Aurich, Hannover, Hildesheim. Aachen. Frankfurt. Posen, Liegnitz, Magdeburg, Lüneburg. Potsdam. Bromberg, Danzig, Köslin, Königsberg, Merseburg. Marienwerder. Dabei darf man aber nicht außer acht lassen, daß die Bezirke mit einer niedrigen Tuberkulosesterblichkeitsziffer zum größten Teil hohe Sterblichkeitsziffcrn für das Kindcsalter aufzuweisen haben. Die Tuberkulose scheint demnach einen ge- wissen Ausgleich in der Sterblichkeit der Bewohner zu schaffen, indem sie dort, wo die Kinderkrankheiten verheerend gewirkt und die schwächer veranlagten Kinder dahingerafft haben, weit geringere Opfer erfordert, weil die am Leben gebliebenen Menschen ihr einen kräftigeren Widerstand entgegenzusetzen vermögen. Auf die wirtschaftlichen Ursachen, die besonders zur Tuberkulose disponiert machen und ihre Verbreitung begün- stigen, gehen die Berichte meist nicht ein. Nur aus dem Regierungsbezirk Köslin werden die schlechten Wohnungsverhältnisse und aus dem Regierungsbezirk Breslau die Beschäftigung in den Webereien, GlasKäsereien und Steinbrüchen besonders erwähnt. Ebenso ist in bin Berichten nichts darüber zu finden, welche Bevölkerungsklassen und welche Berufszweige am meisten gefährdet sind. Wir bedauern das lebhaft. Gerade hierauf muß der Sozial- hygienikcr das größte Gewicht legen, da das zur Beurteilung der Gefährlichkeit gewisser Arbeiten notwendig und zur Ergreifung sozialpolitischer Mahnahmen unerläßliche Voraussetzung ist. In den Berichten finden sich auch einige Andeutungen über die Matznahmen» die hier und da zur Bekämpfung der Tuberkulose ergriffen sind._ Viel ist es nicht, was bisher geschehen ist. und außerdem beschäftigt man sich gewöhnlich erst»nit den bereits er- krankten Personen, anstatt vorbeugend zu wirken. DaS beste Mittel zur Bekämpfung der gefährlichen Pro- letarierkrankheit besteht in der Hebung der Lage der Arbeiterklasse. Solange weite Kreise des Volkes der chronischen Unterernährung ausgesetzt, solange sie den Unbilden der Witterung preisgegeben sind, solange sie in »»»gesunden und überfüllten Wohnungen hausen müssen, wird man durch die mannigfachen Einrichtungen, die im einzelnen aufzuführei», sich an dieser Stelle erübrigt, im besten Falle die Stcrblichkeits- ziffer an Tuberkulose etwas verringern können, aber von einer wirklich durchgreifenden Bekämpfung kann unter den heutigen Verhältnissen nicht die Rede sein. Eine Arbeiterorganisation, die für ihre Berufskollegen bessere Arbeitsbedingungen erringt und sie in den Stand setzt, mehr Mittel zur Befriedigung der Kulturbedürfnisse zu verwenden, leistet im Kampfe gegen die Prole- taristrkrankheit größeres als eine Gemeinde oder ein Wohltätigkeitsverein, der sich der bereits Erkrankten annimmt. Wir wollen die Tätig- keit dieser Organe im Kampfe gegen die Tuberkulose durchaus nicht abfällig, kritisieren oder gar verurteilen, aber sie werden, so- lange es ein hungerndes und darbendes Proletariat gibt, stets nur Flickwerk leisten können. Herberge in Nürnberg. Eine Zentralherberge soll jetzt auch in Nürnberg erstehen. Der seit 1899 bestehende Volkshausvcrein. dessen Aus- gäbe eS ist, für ein später zu errichtendes großes Volkshaus die nötigen Gelder anzusammeln, hat den der Brauerei Evora u. Meyer in Fürth gehörigen Historischen Hof in der Neuengasse zu Nürn- berg gepachtet, um darin eine Zentralherberge für sämtliche GeWerk- schaften einzurichten. Zunächst sind 60 Betten vorgesehen, die in 22 hellen, luftigen Räumen untergebracht werden. Vom Polizeisenat wurde bereits die Genehmigung zum Betrieb der Herberge erteilt. Die Uebernahme erfolgt am 1. Juli, die Er- öffnung wird aber wohl erst am 1. Oktober erfolgen können. Außer den Herbergsräumlichkeiten stehen eine Anzahl besserer Fremdenzimmer, soivie Sitzungs- und Versammlungslokalitäten ür die Gewerkschaften zur Verfügung. Wenn diese auch nicht »usreichen, um allen Gewerkschaften Unterkunft bieten zu können, ü ist doch wenigstens zunächst die Herbergsfrage gelöst, die außer- »rdcntlich brennend ist, da in Nürnberg die Unterkunftsvcrhältnisse ür reisende Gewerkschaftsmitglieder sehr schlechte sind. DaS war auch der Grund, weshalb der Verein sich zu diesem Provisorium entschloß, ehe er in der Lage ist, an die Errichtung eines großen Gewerkschaftshauses zu gehen. Ein Krematorium in Leipzig. Der Rat der Stadt Leipzig hat nunmehr nach längeren Per- Handlungen unter gewissen Kautelen dein Verein für Feuer- bestattung auf dem Südftiedhofe einen Platz zur Errichtung einer Leichenverbrennungsanlage nebst den dazu gehörigen Räumlich- leiten überlassen» Hu9 der frauenbewegung. Die Dienstboteubewegung in Neu-Seeland. In der australisches Kolonie Neu-Seeland ist die Dienstbotenbewegung schon um ein gutes Stück weiter als bei uns. Die„Domestic Workers Union" hat Verträge aufgestellt, die jeder, der in seinem Hause Dienstboten beschäftigen will, zu unterzeichnen hat. Das englische„ssrvimt� (abgeleitet von„serf"= Sklave) wurde ausgemerzt, die dortigen Dienstboten betrachten sich als häusliche Arbeiter und Arbeiterinnen. Der vom Verband aufgestellte Vertrag läßt eine Arbeitszeit von 63 Stunden in der Woche zu. Die Arbeit beginnt um 6>/, Uhr »norgens und endet um 7>/z Uhr abends mit drei halben Stunden für Einnahme der Mahlzeiten und eine Stunde zum Ausruhen des Nachinittags. Donnerstag»n»d Sonntag sind Halbfeiertage, an denen die Arbeit»»m 2 Uhr nachmittags beendet sein muß. Als volle Feiertage sind freizugeben Weihnachtstag, Neujahrstag, Geburts- tag des Königs und des Prinzen von Wales, Ostertag, der Festtag der Arbeit(Labour Day) und noch eine Reihe anderer australischer Festtage. Alle obligatorischen Feiertage sind freizugeben oder die Arbeit mutz mit 1 Schilling pro Stunde bezahlt werden. Gut ventilierte und gesunde Schlafzimmer lautet eine andere Forderung. Für Doi»nerstagS fordern die Hausangestellten das Recht, bis Mitter- nacht ausbleiben zu dürfen, an anderen Abenden sind sie bereit, um 10 Uhr zurückzukehren. Gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Für die Durchführung dieses Grundsatzes hatten, wie wir seinerzeit mitteilten, die New Dorker Lehrerinnen einen energischen Kanrpf geführt, der auch von Erfolg begleitet war. Die Staatslcgislatur hatte in zweiter Lesung einem Gesetzentwurfe zugestimmt,»vonach die New Dorker Lehrerinnen nach der gleichen Gehaltsskala bezahlt»Verden sollten, wie ihre männlichen Kollegen. Diesen Gesetzentwurf hat jedoch der Gouverneur des Staates von New Dork verworfen. Die Lehrerii»nen wollen sich»nit diesem Resultat keineswegs zufrieden geben, sondern iin kommei»den Herbst mit verdoppelter Kraft ihre Agitation»vieder aufnehmen. Gelingt es ihnen, die Legislatur zum drittenmal zur Annahme der Gcsetzcsvorlage zu bewegen, so wird sie trotz des Mayors und trotz des GoilverneurS Gesetzeskraft erlangen. Versammlungen— Veranstaltungen. Berlin. Dienstag, den 2. Juli: Oeffentliche Versammlung im „Neuen Klubhaus", Kommandantenstr. 72. Genossin Ottilie Baader spricht über.Frauenstimmrecht". Wahl der Dele« giertinnen zum internattonalen Kongreß in Stuttgart. SericKts-Deining. Eine Berleumbung vor Gericht widerrufen» In zcnen Kreisen der Handlungsgehülfen, die sich als GegtteL des Zentralverbandes der Handlungsgehülfen und Gehülfinnen Deutschlands betrachten, wird seit Jahren die unwahre Behauptung verbreitet, der Zentralverband habe seinerzeit die Agitation gegen die Warenhaussteuer im Auftrage und auf Kosten der Warenhaus- besitzer betrieben. Diese Verleumdung wurde stets in so un- bestimmter Form aufgestellt, daß sie zwar genügte, um den Zentral« verband der Handlungsgehülfen anzuschwärzen, nicht aber, den Ver« breiter der Verleumdung zu fassen und ihn zu zwingen, entweder Beweis anzutreten oder zu widerrufen. Im Mai vorigen Jahre? gelang es endlich, jemanden zu stellen, der die unwahre Behauptung öffentlich wiederholt hatte., In einer vom Zentralverband der Handlungsgehülfen ein- berufenen Versammlung, welche den Zweck hatte, die Interessen der Angestellten einer bestimmten Firma zu vertreten, ergriff in der Diskussion ein Herr B a u m a n n, Mitglied des Hirsch-Duncker« schcn Ortsvereins der Kaufleute, das Wort. Er sagte, der Zentral» verband könne sich ja gar nicht als eine Interessenvertretung der Handlungsgehülfen aufspielen, denn der Zentralverband habe doch auf Kosten der Warenhausbesitzer gegen die Warenhaussteuer agi- tiert.— Andere Versammlungsteilnehmer verlangten nun, daß sich der Redner bestimmter ausdrücke und Personen namhaft mache, die als Mitglieder oder Beauftragte des Zentralverbandes auf Kosten der Warenhausbesitzer agitiert hätten. Darauf nannte Herr Baumann den Namen: Benno Maaß., Hierdurch war endlich die Möglichkeit gegeben, eine seit Jahre« kolportierte Lüge vor Gericht als Lüge festzustellen. Genosse Maaß verklagte B a u m a n n wegen Beleidigung. Vor dem Schöffen- g e r i ch t bestritt Baumann, sich so. wie angegeben, ausgedrückt zu haben. Das Gericht nahm, wie unsere Leser sich entsinnen werden, an. er habe in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt und sprach ihn deshalb frei.— Bei diesem Urteil konnte sich Genosse Maaß natürlich nicht beruhigen. Er brachte die Klage vor die Berufungsinstanz, wo sie am Freitag verhandelt wurde. Hier erklärt« sich der Angeklagte zum Widerruf bereit. Da es dein Genossen Maaß nicht um die Bestrafung des Angeklagten, sondern nur um die Feststellung der Wahrheit zu tun lvar, so ging er auf den angebotenen Vergleich ein. Derselbe hat folgenden Wortlaut: „Der Beklagte erklärt: ES hat mir fern gelegen, den Privat- kläger persönlich beleidigen zu wollen, und will und kann ich auch nicht erklären, daß der Privatklägcr oder der Zentralverband der Handlungsgehülfen und Gehülfinnen Deutschlands zu irgei»d einer Zeit im Solde oder auch nur im Auftrage der Warenhaus- bcsitzer gestanden haben und für dieselben tätig gelvesen seien. — Der Angeklagte übernimmt die gerichtlichen Kosten der zweiten Instanz. Die gerichtlichen Kosten der ersten Instanz trägt der Privatkläger. Die außergerichtlichen Kosten lverden gegencin- ander ausgehoben.— Der Privatklägcr zieht die Klage zurück." Ein schlagfertiger Arbeitgeber. Der Malermeister Bernhard Blietz hatte Ends Januar den früher bei ihm beschäftigt gewesenen Maler- g e h ü l f e n F., der»och eii»c Lohnforderung a»i ihn zu haben erklärte, auf offener Straße beschiinpft und mißhandelt. Blietz»vurde dann, nachdem F. Strafantrag gestellt»»nd die Staats- anwaltschaft Anklage erhoben hatte, Ende April vom Schöffengericht Berlin- Mitte wegen Mißhandlung und Beleidigung zu hundert Mark und zwanzig Mark, zusammen 120 Mark Geldstrafe oder ztvölf Tagen Haft verurteilt. Durch die Zeugenaussagen war erwiesen worden, daß Bl. den F. mit einem unflätigen Schimpfwort belegt und ihm den Spazierstock über den Kopf ge- hauen hatte. Die Höhe de»: Strafe wurde damals damit begründet, daß die Tat„recht roh" sei. Bl. scheint nun geglaubt zu haben, daß sich ein Gericht finden könnte, daß ihn n o ch bi l l i g e r>o e g- kommen ließe. Ain Freitag stand er vor der fünften Sttafkainmer des Landgerichts Berlin I, die als Berufungsinstanz ihm den Gefallen tu» sollte, die Strafe wenigstens zu ermäßigen. Der Vorsitzende riet ihin, die Berufung zurückzuziehen, da nach Lage der Sache auf Ermäßigung der Strafe nicht zu rechnen sei. Der An- geklagte sah das ein und sagte:„Wenn eS keinen Zweck hat, will ich doch lieber z»» r ü ck z i e h e n." Es bleibt mithin bei der über ihn verhängten Strafe, die nun Rechtskraft erlangt. erantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für de« Knscrsttnteil vcrimlw.: Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: BorwärÄ Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 149. 24. Jahrgang. 2. Kcilage Ks Jomtls" Sttliiift Itolblilntt. Zomabeud, 29. luni 1907. Zum Kampf im kaugemiA. Die große Streikbrcchersendnng. Aufregende Szenen gab es gestern(Freitag) am Anhalter Bahnhof. Obwohl man die Sache sehr, sehr geheim gehalten hatte, erhielten die Arbeiter doch Wind davon, daß in den Bormittagstunden die im Auslande angeworbenen Rausrcißer- trupps eintreffen sollten. Die Erwartungen der Unternehmer hatten augenscheinlich gefährliche Dimensionen angenommen. Eine Wagenburg war aufgefahren, Herr Heuer, der kommende Mann des Unternehmerverbandes/ leitete in höchst eigener Person die Arrangements. Das konnte allerdings einige Karambolagen nicht verhindern. Ein Wagen wurde verletzt und mußte notdürftig geflickt werden. Immerhin muß man die Aufregung entschuldigen, denn trotz aller Geheim- Haltung waren doch Streikende erschienen. Da galt es Vorsichtsmaßregeln zu treffen, denn die Haltung der Arbeiter ließ darauf schließen, daß sie etwas in Schilde führten. Nur noch ein Tag trennt von der großen Arbeitsaufnahme durch die Rausreißer, deshalb wollte man sich kein Stück von der Beute rauben lassen. Und dank der getroffenen Maßnahmen, schleppten die Arbeiter keine Abtrünnigen weg. Natürlich waren die Unternehmer nicht allein. Ein ganzer Trupp Polizeibeamte rückte an. Und es begaim ein Anordnen, Drängen, Schieben, Hin- und Herrennen. Die Beamten bildeten eine Schutzkette, bannt kein Verführer an die Arbeitswilligen herankommen konnte. Ueberall hatte die Sicherheit Posto gefaßt. Die Wagen waren geschützt, als enthielten sie die Schätze der Reichsbank. Endlich lief der Schatz- zug ein. Nochmals ein nervöses Hin- und Herrennen. Herr Heuer musterte das Schlachtfeld, ob auch alle Schutztruppen, gut verteilt, auf dem Posten waren. Tann stürzte er zum Perron. Viele Menschen drängten zum Ausgange I Und dann rapportierten die zwei Agenten. Aber was war das? Länger und länger wurde das Gesicht des Herrn Heuer! Die Agenten waren allein. Nicht einen einzigen Streikbrecher konnten sie abliefern. Und darum war es den Streikenden auch nicht möglich Arbeitswillige einzufangen. Die Maurer haben wieder eine eingehende Baulontrolle vor- genommen, auS der hervorgeht, daß sie mit dem Stande und der Entwickelung der Bewegung sehr zufrieden sein können. Von den 17 000 Maurern, die im Lohngcbiet vor dem Kampfe beschäftigt lvaren, sind nach der Feststellung 273 am Kanalbau tätig und mit denen, welche in Fabriken, Gasanstalten, Brauereien usw. Arbeit angenommen haben, dürften ungefähr 1000 Maurer zusammenkomnicn. Diese Maurer kommen für den zurzeit mit dem Verbände der Bau- geschäfte bestehenden Kampfe nicht in Frage und sind demgeniäß von der Baukontrolle nicht erfaßt und in der nachfolgenden Auf- stellung nicht enthalten. Somit ist nur mit 16 000 auf Bauten be- schäftigten Maurern zu rechnen. ES arbeiten zurzeit 6411 Maurer bei Arbeitgebern, die sich den Beschlüssen deS Verbandes der Bau- geschäfte von Berlin und den Vororten nicht unterordnen. Die Zahl der Maurer, welche unter den von den Orgamsationen aufgestellten vertraglichen Bedingungen in Arbeit stehen, ist in den zwei Wochen, die seit der letzten Kontrolle verstrichen sind, um rund 1000 gestiegen. Aber damit ist der steigende Einfluß des siegenden Gedankens der 8>/zstündigen Arbeitszeit noch nicht erschöpft, denn auf weiteren 83 Banten, die zurzeit von Arbeitswilligen oder Akkordmaurern besetzt sind, wird von 864 dieser Maurer ebenfalls der 8>/z Stundentag innegehalten. Nachstehend geben wir die statistische Zusammenstellung der Bau- kontrolle für den Maurerberuf. Die folgende Zusammenstellung läßt ersehen, wieviel Bauten in Betracht kommen und wie weit sie fertiggestellt sind: Akkordbauten. 12. Juni 26. Juni 12. Juni 26. Juni 124 689 639 887 1227 17 23 18 13 12 IS 13 13 Stilliegende Bauten, 69 66 25 21 27 12 24 26 12 12 7 14 11 16 5 16 35 31 114 114 40 26 225 172 66 37 41 32 Aus der Baukontrolle und aus der Gesamtsitnation geht hervor, daß der Stand der Bewegung zu den besten Hoffnungen be- rechtigt und der 6'/zstnndige Arbeitstag nicht mehr zurück- zudrängen ist._ Gerichts-Zeltung. Gin Maispaziergang vor dem Kammergericht« Der ArbeitersekretärScholtyssek war wegen Uebcrtretung der ZZ 9, 19 und 17 des preußischen Vereins- gesetzcs angeklagt worden, weil er an einem genehmigung- Pflichtigen, aber polizeilich nicht genehmigten öffentlichen Aufzuge teilgenommen habe. Es handelte sich nach den Fest- stellungen des Landgerichts Beuthen O.-Schl., welches auf Freisprechung erkannte, um folgenden Tatbestand: Am Sonntag, den 6. Mai 1996, kehrten von einem Ausfluge 29 bis 39 Personen zurück, die zum Teil kleine rote Schleifen am Anzug trugen. Sie gingen in weit auseinander gezogenen Gruppen von 2, 3 und 4 Personen aus der Tarnowitzcr Chaussee nach Beuthen zu und begaben sich nach Roßberg bei Beuthen, teils auf dem Steige, teils aus dem Fahrdamm. Aus den roten Schleifen erkannte das Publikum die Zu- sammengehörigkeit. Es wurden auch Rufe laut:„Jetzt kommen die Sozialdemokraten!" Unter den heimkehrenden Ausflüglern befand sich Genosse Scholtyssek. Die Freisprechung des Angeklagten begründete das Land- gericht so: Es wäre allerdings anzunehmen, daß die Gesell- schaft von einem gemeinsamen Ausfluge zurückkam, daß sie also zu einem bestimmten Zwecke zusammen gekommen war.— Aber ein öffentlicher Auszug könne nicht angenommen werden. Es fehle nämlich hier an d e r Voraussetzung, daß die Menge in einer Weise sich über die Straße bewegte, die geeignet gewesen wäre, die öffentliche Ordnung zu ge- fährden. Die Gesellschaft habe sich vielmehr in einer Weise auf der Straße fortbewegt, wie andere Passanten auch. Sie sei in weit auseinandergezogenen Gruppen ge- gangen. Bei der geringen Anzahl— 20 bis 39— hätten die Leute auch nicht durch ihre Menge den Verkehr auf der Straße gehindert. Die Staatsanwaltschaft legte Revision e i n. In der Verhandlung vor dem zweiten Strafsenat des Kammergerichts(der jetzt die auf dem Gebiete des Vereinsrechts liegenden Sachen zugewiesen erhalten hat) trat aber selbst der Vertreter der Oberstaats- anwaltschaft für Verwerfung der staats- anwaltlichen Revision ein. Das Kammergericht verwarf am Frei- tag die Revision der Staatsanwaltschaft mit folgender Begründung: Nach der tatsächlichen Feststellung, die an sich keinen Bedenken unterliege, habe es sich nicht um einen geordneten, geschlossenen Zug gehandelt. Wenn sich die revidierende Staatsanwaltschaft auf ein Urteil des Kammergerichts vom 5. Jnni 1893(Johow Band XIV.) be- rufe, so tue sie das mit Unrecht. Denn dieses Urteil be- fasse sich nur mit einem geordneten Zuge und sage, daß es bei Fe st st eilung eines solchen nicht mehr der weiteren Feststellung bedürfe, ob der Zug geeignet war, die öffentliche Ordnung zu gefährden usw. Hier sei ja aber die Menge nicht im geschlossenen Zuge marschiert. Ein derartiger Zug, wie hier sc st- g e st e l l t, könne höchstens unter das Vercinsgesetz fallen, wenn er die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gelenkt u n d die öffentliche Ordnung gestört hätte. Da aber vom Land- gericht festgestellt sei, daß er die öffentliche Ordnung nicht gestört habe, so sei es kein öffentlicher Aufzug im Sinne des preußischen Vereinsgesetzes. Die Freisprechung wäre deshalb ohne Rechtsirrtum erfolgt.— Die Staatsanwaltschaft des Beuthener Bezirks hat mithin vergeblich versucht, selbst das Recht der Arbeiter, spazieren zu gehen, von polizeilicher Genehmigung abhängig zu machen. Beschämend für Deutschlands Zustände ist es, daß solcher Prozeß möglich war und der Staatsanwalt auf Grund deS polizeistaatlichen Organismus Preußens hoffen durfte, mit seiner Ansicht durchzudringen. ZlüIsIiIeilililli'MIierVsIilvki'eiii kür den Berliner Reicbstags-Waiilkreis. tTtralauer Viertel.) Den Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß unser Genosse, der Ataurer Heinrich Kassner lEtadtbezirk 327 II) gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 30. Juni, nach- mittag 4 Uhr, von der Leichen- Halle des AndreaS-KirchhoseS i» WIlhclmSberg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 262/2 Ter Borsland. Allen Freunden und Bekannten I zur Nachricht, daß am Mltwoch, I den 26. d. MtS., nachmittags *1,5 Uhr, unser lieber guter Vater, f der Weber frlls! Weidmllller sonst entschlafen ist. Die Beerdigung findet am I 30. Juni, nachmittags 4 Uhr, von I der Halle des Wcißenseer Fried- hoseS aus statt. vi» trauormion Hinterbliebenen. Zentral-Verliaiitl üer Maurer DeutseblaDds. Zweigverein Berlin. Sektion d.Gips- u. Zementbranche. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Rabitzputzer Üeinricd Kassner am 26. Juni er. im Alter von 47 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Audenken! Die Beerdigung findet am SikNntag, 30. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle deS AndreaS-KirchhoseS in Wilhelms- berg auS statt. Um zahlreicheBcleiligung ersucht I40/1S Her Sektionavorstand. ZkickalverblUld deutscher Tertilarbeiter. Filiale Stralau-Rummelsburg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 26. d. M. unser Kollege Lrvsl Weidmüller nach langem, schwerem Leiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 30. Juni, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle deS Gemeindesricdhoses Weißensee, Rölkestraße, auS statt. Zahlreiche Beteiligung der Mit- glieder erwartet Der Vorstand. kisIUeiMllrslizcUerMvereto Nieder-Baroiin. Bezirk Weißensee. Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Weber Eirnst Weidmüller am Mittwoch gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am 30. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Halle deS Weißenseeer Fried- hoses auS statt. 18/3 Bor Vorstand. Kollegen, Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß der Former 63162 Emil Rudelt am 26. d. M. gestorben ist. Berlin, den 27. Juni 1907. Otto Reicbpietsch, Zwinglistr. 26. teilderS'Ä'Ä8� AlISSpUlHIIgN- Apparate 3,—, 5,—, 7,80 Mark, nur SanitälshauS C. Becker, Litthaueret. 6. Achtung! Da ich mein seit 85 Jahre» hier bestehendes Sehuhgeschäft j Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManneS und VaterS sagen wir allen Freunden und Bekannten unseren tiesgesühltesten Dank. 1S54b Frau Berta Gaedtke nebst Kindern. Max Schaclilioiz" Lindengarten, Köpenick. Glicnlekerutr. O(10 Min. v. Bahnhof AdlcrShof n. SpindlerSfeld.) Direkt am Walde gelegen. Angenehmster Aufenthalt im herrliche» Lindenpark für Kamillen und Vereine. Tel.: Köpenick 130. — 2 Kegelbahnen. Aufmerksame Bedienung. Zivile Preise._ ES ladet freundlichst ein Max Schlichhol/Z. zum I.April nächsten Jahres aufgebe, so beginne ich seilt mit dem UMT' Ausverkauf"HW und sehe die Preise bis auf weiteres 15 Proz. herab. Joh. Gudjons, Chartottenburg, WilmcrSdorferstr. IIS, zwischen Wall- u. 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Schiller O. iWallner-Thealer.) Die Zauberflöte. Schiller?>s.(Friedrich Wilbeliu» städllicheZ Tbeater.) Kyritz-Phritz. Neues Schauspielhaus. Hopfen- rathS Erben. Deutsches. Der Jongleur. Kleines. Ein idealer Gatte. Komische Oper. Carmen. Westen. Die lustige Witlve. Residenz. Haben Sie nichts zu verzollen i Luftipiellians. Die Welt ohne Männer. Thalia. Staatsanwalt Alexander. Luisen. Das Rätsel seiner Ehe. Bernhard Rose. Der große Un- bekannte. Nachmittags i'l, Uhr: Der Haushofmeister in tausend Aengsten. Unterm Birnbaum. Die Ballett- schule. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Wintergarten. La Tortajada. Spezialitäten. Apollo. Der lustige Witwer. Spe- zialitäten. Walhalla. Spezialitäten. FolieS Gaprice. Geisterauto.— Paris. Vassaae. Epezialiläten. ReichShallen. Stettiner Sänger. Nranin. Taubcnstrafte 48/49. Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Nachm. 4 Uhr: Durch Dänemarl und Südschwcden. Sternwarte. Juvalidenstr. 57/62. Kleines Theater. Zum 213. Male: Ein idealer Gatte. Ansang 8 Uhr. Sonntag: Nachtasyl. Montag, Dienstag, Mittwoch: Ein idealer Gatte. Tdester des Westens. Abends 8 Uhr: Die Instige Witwe. Operette in 3 Alten v. Franz Lehär. Direktion Richard Alexander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Haben Sie nichts zu verzollen? Schwank in 3 Akten v. M. Hcnnequin und P. Veber. Lustspielhaus. 8 Uhr: Wiener Ensemble- Gastspiel Die Welt ohne Männer. Pepi Glöckner als Gast. Uiisen-Msi Reichenbergerstr. 31. Abends 8 Uhr: Das Rätsel seitter Ehe. Sonntag, den 30. Juni, nachm. 3 Uhr: Das Rätsel seiner Ehe. Montag, den 1. Juli, zum ersten- ._--m£ mal: Zertretenes Äliic Nur noch 2 Tage! Mends 9'/i Uhr: wm- Harts teilt-ma in seiner Burleske: Der lustige Witwer. Vorher 8 Uhr: Die bedeutenden Spezialitäten Mit Jean Clements ZirkuS-Parodie Barnun» u. Beileid. Passage-Theater. Abends 8—11 Uhr: Die kleine Rakete mit Paulette van Roy. i Ii yiuuaiuyc ujic/tian Cwwwwwwwwwv Brunnen-Theater vadstrake 58. Direkt.: Bernh. Rosa. 10 neue Attraktionen 10. Oermlnglontruppc, Kunstradfahrer, The Eteunas, Ghmnastiker. Die weltberühmte TeuselSpantomime Eine«nruhige Nacht der Rholtes Gustano Truppe. — Carmen.~ Kasseneröfsnung 2 Uhr. Ans. 5 Uhr. Billettvorverkaus von 10—1 Uhr an der Theaterkass»- Urania, Wissenschaftliches Theater. Nachmittags 4 Uhr: Durch Dänemark u. Südschwcden. Abends 8 Uhr: Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. I Täglich nachm. 5 Uhr:% Großes Militär-Doppel-Konzert, g 1 Eintritt 1 Mk., von abends• 1 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 5 10 Jahren die Hälfte. S Metropol-Theater Anfang 8 Uhr. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Rauchen überall gestattet. Glänzendes Programm. HWETtm Gr. Franksurleritr. 132. öonnabend, den 29. Juni: Ansang i'l, Uhr. IM" Im Garten: Das glänzende Juni- Programm. Paul Corradlni.— The Laugtry. Tie Ballettschule. Sperrsitz 50 Ps. Eniree 30 Ps. Abends SV» Uhr hu Theater: Zum 25. Mgle: Der große-Unbekannte. Sommerpreise. Variete-Garten Weinbcrgswcg 19120, Nolcnth. Tor. Spezialitäten- Vorstellung. Promenaden- Konxert. Ans.! Konzert 5; Vorstellimg? Uhr. PL?- Bei ungünstigem Wetter Vorstellung im Theater 8 Uhr. Kleine Sommerpreise. Sanssouci, Straße'V. Direktion Wilhelm Reimer. Der Garten ist geöffnet. Sonnt., Moni., Donnerst.: Mitianns Nonld. Sänger ii. TanzkrUiizchcn. Morgen Sonntag, Montag und Donnerstag: Große Elite-Soireen. Hochaltuelles Programm. Sonntags Beginn 3, wochent. 8 Uhr. ReitMaHen- Idealer. iner Sinpr. Anlang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Reiohs- halloa» Garten und Restaurant: tWititär- Konzerf. Belle- Alliance-öarten Herrlichster Soinmergarteu Berlins. WeitiieriihiitteIIItliitittatilitt. Vollständig neue Anlagen.» Täglich: Dlite-Variete-Voretelluttg Aus, ivochcntags 6, Sonntags 4 Uhr. Criistav Behrens-Theater, Berlin W., GoltzstraBo 9. DaS neue exquisite UUB» Programm. Schlager auf Schlager! c u! Die Jungfrau v. Orleans. Komödie. Greifcubergcr prolongiert. Neu I Emmsüne tt. Erich Höchberg, Opernduett sowie die übrigen erst- llassigen Spezialitäten. Ansang 8 Uhr, Sonntags 6'/, Uhr, Sommervr-ile. Schiller-Iheater 0. lW a l l n e r- T h e a t e r.) Morwiü-Oper. Sonnabend, abends 8 U h r: Di« leanbsrßiit«. Große Oper von W. A. Mozart. Sonntag, nach m. 3 Uhr bei hawen Preisen: Undin«. Sonntag, a b e n d s 8 N b r: Don Juan oder: Der steinerne Gast. Montag, abends 3 Uhr: Carmen. Schweizergarten Am Königstor. Am Friedrichshain. Straßenbahn 1,2,4,17,59, 62, 63 u. 74. Täglich; Thealer-Yorslellung. Neue Spezialitäten. Kmemalograph imd Ball. Freier Damentanz. Anfang 5 Uhr. Enttee 30 Ps. Volksgarten-Theater. Bad-Behmstraße— Bahnhof Gesundbrunnen— Bellermannstraße, Der rechte Weg. Original- Voltsstück mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von W. Gericke. - Hierzu:—— Das neue (Uesen- Spezialitäten-Prograio. Bolksbclustigungcn. Max Kliems Sommer-Theater i Hasenheide 13/15. Artistische Leitung Paul Milbitz. Täglieh: Grionzert, Theater| ' ziaiitälen-ücrstElluni > Jeden Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: Die beliebte» Kinderfeste. Jeden Donnerstag: Elitc-Tag. Die Kasfcekiiche ist täglich von] 2 Uhr ab geöffnet. Prohels Allerlei-Theater (früher Pnhlmannl Ichö nliauser Allee 118 und Kastanieu-Allee»7/09. Aeltestes Volks- Theater Berlins. Sonnabend: Akschlötis-kenetiz sür Karl Braun. Gastspiel betseütendcr Kunstkräste. Im Nicsensaal: Dr. 8omm«rna«:bt»-DaIl. Ansang i'l, Uhr. Eintritt 30 Ps. Morgen, Sonntag: Lebte Vor- steUungdesRiesen-JunisPielPlails. Behliler-Theater tf. Friedrich-Wilheimslä.dtisches Theater. Abends 8 Uhr: KyrUz-Pyrltz. Sommerpreise. D A M U K A Eiitselie ÄrniEe-, Marine- am Wannseebahnhof Friedenau Heute: Großes Kinderfest. Jeder Erwachsene kann 2 Kinder frei einführen. HtäF-Doppei-Konzert. Äusstellungs-Lose a 1 M. berechtigen zum Eintritt. Im Hauptrestaurant (Hoflief. Leop. Schwarz): Täglich ,. Heilere Künstler- Abende"(Kabarett). Uobcrt Koppel. Voranzeige: In der Arena 30. Juni Internat. Olympische Spiele. W. Noacks Theater. Dliefiiotl: Roh. Dill, öuiimcnflr. 16. Große Extra-Vorstellung. Nur e i ii»i a l i g c Aufführung! 8 Uhr! Die Bettlerin oder: Die vom Blitz erblindete Mutter. Vorher u. nachher daSJuniProgramm. Bei schlechtem Wetter: Vorst, im Saal. fistbahn-yark Am Küstrinerplalz, RUdersriopforsir. 71 Hermann Imbs. Täglich: Qropes Kottzert, Theater- und Spezialitäten Vorstellung. J�cue Melt Hasenheide 108-114. Täglich: Doppel-Konzert u Spezialitäten-Vorstellung. Austreten von Kunstkräste» X. Ranges U. a.: Gesoliw. Wels, Duettistcn. Stetten Brothers, Akrobaten. Rhoingoid Trio, Gesaugsteizett. Ghamptinis Weihermühle. Gurt Ellis. Beasy Comp., Akrobaten. Geschwister D'Orville, Doppellustsahrt durch den ganzen Garten an den Zähnen hängend. Anfang 5 Uhr. < Entree zum Kouzcitgnrten 10 Ps. J,, Theatergarten 50 Ps. Prater- Theater. Kastanien-Allee 7/9. Täglich: Flotte Weiber Spezialitäten 1. Rangea. Konzert nnd Ball. Ansang i'l, Uhr._ Otto Pritzkow KiinzstraUe 16. lt-t (St. Louis) Theater lebender Photographien. Täglich Eingang von - Neuheiten ♦ Den ganzen Tag Vorstellung. ♦ Golgatha in CastRns Panoptikum 105 Friedrichstraße 165. nioz' Spezialitäten-Theater. *0®* wQ##» I.nndsbergei' Ailcc 76—76. Direkt a. d. ZiingbaHnstation. Bequemste Fahrgelegenheit n. allen Stadtricht. vb seböa! Täglich: Ob Regen! Im herrliche» Garten oder grosten Saal: Die größte Sensation der Gegenwart: 3 Röhrs Todesfahrt im drehbaren Globus. Hans Röhr, der einzige Fahrer der Welt, welcher die endlose Schleife, nur 3 Meter Durchmeffer, vertikal durchfährt.— Oarion Brothers, phäno- meualc akrobatische Neuheiten.— The 5 Astleys, die sidelen Farmer, brill. Musikakt.— Mslr. Fredo mit seinem Ueber-Zirkus: Pony,(fiel. Schwei» und Hunden. Tazn das neue»ud beste Programm Berlins. Ans. 3 Uhr. Kasfceküchc. Volksbelustigungen aller Art/ Entree 30 Pf. 'J5 Jb. Cr Sonntag;, den 36. Juni: lalsri-'tak mit Mnsik— nach Verllsdorker Gehleuse»»d Goseuer Berge. 9 mir früh j � SchiSHngsbrücke C-infachc Tour sticrzi: ladet höflichst ein Piehl, —— Rcstanrant—■— zu in Odcr-8prec-Kanal. ßestat h2|]|]] Waldkater" J""8'e,°heiie Schöner schattiger Garten X Große Kafsccküche(a Liter 60 Ps.) MitlagSttsch X Äbendtjsch ä da carte,(solide Preise X Glas Bier 10 Ps. ——— Bolfsbelustignngen aller Art.— 2lcis,hc�.|r:cvätfl8' SoraiDErDaelitsiiall und ItaliEDiseliE llaelit. (Treffpunkt ehemaliger Siemeusianer.) Bringe mich in empsehlende Erinerung illax Falloled, Tegeler Weg 40. krilnsul GrOnavt Easlwirlstlia'l F.1 BS el§B gp YBB FremienlPiis Garten X Vereinszimmer X Kaffeeküche. Speisen und Getränke in größter Auswahl zu lleinen Preisen! B®1" Auf Vielsache Anfragen zur Nachricht, daß ich keinen Saal zur Verfügung habe.__ 15626* Partei- Speditionen: ZKentrnm I: Fritz Zinke, Mauerstr. 89. Zentrum II: Albert H a h n is ch, Angnststr. 50, Eingang Joachimstraße S. IVahlRrels, W e st e n: Gustav Schmidt, Bülowstr. 52. Hos. , Süden und Südwesten: Hermann Werner, Gneisenaustr. 72, Laden. 3. Walilkrels: St. F r i p, Prinzenstr. 31, Hof rechts pari. -I. IValilkrcis: Lil e n: Robert W e n g e l s, Rüdersdorserstr. 3, am Küstiinerplatz.— Wilhelm M a n n, Petersburgerplatz 4(Laden), 4. IVablhrels, Südosten: Paul Böhm, Lansitzerplatz 14/15 (Laden). 5. Wahlkreis: Leo Zucht, Keibelstr. 42(Laden). 6. Wahlkreis(Tloabit und llansaviertel): Karl Anders, Salzwedelerftr. 8, im Laden. Weddlnx: Karl Weiße. Nazarethkirchsttaße 49. Rosonthaler und Oi-anienbiii-gcr Torstadt: Hermann Zt a s ch k e, Slckerstr. 36, Eingang Anklamerstraße. Gcsn ndbrnnncn: F. Trapp, Stettinerstt. tO. 8ehönhanser Torstadt: Karl Mars, Lychenerstr. 123. Tlt-t.llenleke: Wilhelm Dürre, Nndolverstt. 83 H. Uharlottenhni-g:: Gustav Scharnbcrg, Seseiiheunerstraße 1, Ecke Gvethestratze, Laden. Wllrnersdork-Ralensee: Georg F e e s e, Berlinerstr. 46, Laden. Ulehtenbere, Uriedrlehskelde, Wllhelmsberjj: Otto S c i k e l. Kronprinzeiistraße 50, I. Rnmmolsbnrg. Boxhagen:A. Rosenkranz, Alt-BoxHagen 56. Oriinan: Otto Schröder, Köpenickerstr. I. RixdorT: M.Heinrich, Neckarstraße 2, im Laden. 8ehmarg:endorf': Gustav K a mi n s k y, Cunostraße 2. Sehönebcrg;: Wilhelm B ä u m I c r, Martin Lutherstr. 51, im Laden. Tempelhof: M. Müller, Berlinerstr. 41/42. Ober-Schöneweide: Julius G r u n o w, Edisonstr. 10, l Xieder-Scböncweidc: Bonakowsky, Hasselwerdcrstr. R Johannisthal: Franz Hünvld, BiSmarckstr. 7. Adlershof: Erich Steuer, Hackenbergstr. 5, II. Königs- W asterhansen: Friedrich B a u m a n N, Luckenwalder- straye 4h. Köpenick: Friedrich Waick, Grünste. 4. Urledenan- Steglitz- SHdende: H. Bernsee, Schioßstr. IIS, Gnrlciihaus I. in Sieglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, DüPPelstr. 32, und Fr. S ch e I l h a s e, Zlhornstr. loa. Ilarlendorf: Paul Müller, Bcrgstr. 35, Hos I. Ranrnsehnlenw ex: Stock, Ernststr. 2, II. Treptow: Rob. Gramenz, Kicfholzstraße 412, Laden. Ten- Weißensee: Kurt Fuhrmann, Scdanstr. 103, parterre. Reinickendorf» Ost, Wllhelmsrah und 8ehönholz: P. G u r s ch, Provinzstraße 108, II. Texcel, Rorsigwalde, Wittenau, Waldmannslust, Hcrnisdorf nitb Reinickendorf-West: Paul Kienast, Borsigwalde, Räuschstraße 10. Uankow-Tledersehönhansen: G. Fr eiw a l d t, MüHlenstr. 73. Itcrnan: Heinrich B r o j e, Hohesleinstr. 74, pari. Uleliwaldc, Reuthen, Siersdorf und Ilankels A.bIaAe: Alfons Grätz, Eichwalde, Kronprinzensir. 82, I. Teltow: Wilhelm Keßler, Hohersteinweg 7. Kowawes: Wilhelm I ap p e, Priestersir. 46. 8pandan: K ö p p e n, Jagowstr. 9. Außerdem ist sänttliche Parteiliieraiur sowie alle wissenschasllichen Werke dort zu haben. Auch werden Inserate für den„Vorwärts" entgegengenommen. BV Bitte ansschnelden."90 UnerrcicH) Wohlgesfih.macl� Ciga rette (?>'gsffSttenss!ir!!(-'PO!�)rl' Dresden. geZi:1Z76. Jeder Kerrü ist oerpfliehtet, mein Angebot zu prüfen! S. 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Deutscher KetallarbeNer- Verbanä. Iluk I. Amt III. 1339. Verwaltungsstelle Berlin. Charitestraßc 3. Hanpt-Bnrean: Hol III. Amt III. 1087. Somltag, den BO.Imii, vormittags 10|(ljr, in der llfitfii Melt, siafenheide 108-114: Qeneral-Versammlimg. TageS-'Ordnung: 151/7 1. Unser Beitrag vom 1. Juli d. I. an. 2. Aufstellung der Kandidaten für die Wahl von zwei Delegierten zum allgemeinen internationalen Kongreß in Stuttgart. Olms Mitgliedsbuch kein Zutritt."HW __ Die Ortsvcrwaltung. jreie Veremipng der Sauarbeiter Berlins und Umgegend. Bureau: Stcinstraße 38 I. Telephon: Amt IN 8574. Lonntsg, den 30. Juni, vorm. 10 Uhr, bei Boeker, Weberstr. 17: tüitglieder'VerfammluDg. Tages-Ordnung: 1. Bericht über den Stand der Loliubewegung. 2. Diskussion. 3. VereiuZangelegenheiten und Verschiedenes. DM- Mitgliedsbuch und Sireikkarte legitimiert. Ohne dasselbe kein Zutritt."9® Zahlreichen Besuch erwartet Her Vorstand. _ Tie Bcrsamnilung wird Pünktlich eröffnet!__ 31/9 Allg.Krtllii;tll-u.Sterbtkasst der Metallarbeiter. sEingeschr. HülsskasseNr. 29, Hamburg.) Filiale Berlin 8. Sonntag, 30. Juni, vorm. 91/« Uhr, bei Schirms, Badstr. 19: Venssmnrfimg Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Neumahl der Ortsverwaltung. 3. Bericht der Delegierten von der Generalversammlung. 4. Verschiedenes. 1549b Tie Lrtsverwaltung. Kilon; p.Bl.DejemlierlOOO. Aktiva. Kassa-Konto.... Debitoren-Konto.. Waren-Konto... KautionS-Konto.. Utcnsilien-Konto 3804,15 Abschreibungen. 380,40 1240,39 M. 876,— 1147,37 175,- 3423,75„ 6862M M. Passiva. Kreditoren-Konto Schulden...«, 6862,45 M. Vortrag auf 1907.,.— ,06„ 6862,51 W. Gewinn- und Verlust• Konto. Debet. Utmsilicn-Konto.,. 380,40 M. Handl.-Unk.-Konto.. 5041,31„ Lohn-Konto..... 6121,90„ Vortrag... �..—,06„ Kredit. Waren-Konto.... Anteilsch.-KontoAbschreib. Garantie-Konto... Reservesonds-Konto 11543,67 M. 10022,67 M. 500.-.. 816.-., 105.—.. 11543,67 M. 17 Genossen Eingetreten in 1906 Ausgetreten„„.— Ende 1906..... 17 Genossen Gcüunthastsunune am 31.12.06 570 M. Ripdorf, den 28. Juni 1907. Bäckerei-Genossenschaft Rixdorf. Eing. Genosscnsch. m beschr. Hastpflicht. Richard lehmann. Hermann kaehse. Ausnalrniepreise Jnnl, Juli. 5? A. B. Koch � Kolileu-Groß-Haiullung Berti» 0. 34, Broiubergerstr. IE. Preise für nur la tdarken ab Plag von Iv Ztr. an:» Prima la Halbstrinc(bekannte Marken).. pr. Ztr. 8s> Pf. , la Dianin, it pr. Ztr.(110 bis 120 Stck.)... 87 Pf. . la Jlfe u Akw....»« Pf. . laRnthrazitEadsp.Ztr. L,30M. Koks, Steinkohlen usw. zu den billigsten lagespreisen. Anlieferung frei Keller je nach Quantum pr. Ztr. 10—15 Ps. mehr.— Bei Original- Waggons und gröberen Abschlüssen verlangen Sie meine �pczial-Osserte. 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Straust, Acherstr. 59. 13. Fahrotv, Ravensstr. 6. 14. Maafs, Brunnenstr. 96. 15. Lamprecht, Pnilitzstr. 10. 16. Julius Meyer, Oramen- stratze 163. 17. Grapentin, Skalitzerstr.1v2 18. Habels Brauerei, Berg- mannslrahe 5/7. 19. Wiemer, Bülowstr. 58. 26. Swinemünder Gesellschaftshaus» Swinemünderstr. 42. Für die Wahl des Delegierten für den 4. Gau sind folgende Vorschläge gemacht: Tl». Glocke» Berlin, Fr. Stufche, Berlin, und Fr. Kofsmann, Wittstock. Die Stimmzettel dürfen nur einen Namen enthalten, Stimmzettel, auf denen mehr als ein Name steht, sind ungültig. Die Abstinnnnng beginnt um 10 Uhr vormittags und endet um 2 Uhr nachmittags. Jedes Mitglied muß persönlich zur Abstimmung erscheinen und als Legitimation das Mitgliedsbuch vorzeigen. Ohne Mitgliedsbuch wird niemand zugelassen. Die Abstimmung kann jeder Kollege in dem Lokal ausüben, welches für ihn am bequemsten zu erreichen ist. Die Werkstatt-Vertrauensleute werden ersucht, den Kollegen die Mitgliedsbücher auszuhändigen. 89/11 Die Ortsverwaltung. Nachtrag zu unserer Liste der bewilligten Bäckereien« Britzerstr. 7, Targatsch. Ebcrtystr. 50, Brückner. Gr. Hamburaerstr. 33, Bobcl. Lichtenbergcrslr. 6. Winter. Liegniherstr. 22, Schulz. Pankstr. 46, Göller. Pankstr. 51a, Klang. Ziilterstr, 15, Günter, Skalitzerstr. 124, Melzer. Wabmannstr, 29, Bebel. Borsigwalde. Ernststr. 6, Etzerodt. Rcuschstr. 52, Neubauer. Friedrichsfelde. Wilhelmstr. 42, Meyer. Lichtenberg. Friedrichstr. 7, Mattner. Rixdorf. Hermannstr. 175, Schulz. Lessingstr. 34, Persike. Münchenerstr. 18, Völler. Rummelsburg. Türrschmidtstr. 40, Klemm. Liste derjenigen Bäckermeister, die wir wegen Tarifbrnchs aus unserer „Vewilligten-Liste" streichen mutzten. ' Langestr. 21, Plenert. Lpnarstr. 14, Pawlick. Mühlenstr, 51, schön. Müllerflr. 60, Krause ist versehentlich in dieje Liste gekommen. Krause hat tatsächlich noch nie bewilligt. Es ist lediglich ein Ausschlnst- antrag aus dem Berbaud der Holzbildhauer, dem St. augehört, gegen ihn gestellt worden, darum der In turn. Nostizsir, 49, Mörbe, Pappel-Allee 85, Dreßler. Wir ersuchen die vsrebrten)lsussr2uen und Zlonsumentsn. ihren Bedarf nur«us bewilligten Bäckereien zu beziehen! Anklamerstr. 57, Eder, Allensteinstr. 9, Göbwein. Barnimsir. 5, Legier. Lergstr, 2, Hönicke, Biesenthalerstr, 2, Mensing, Drontheimeritr. 13, Barth. Fennstr. 51, Hanke. Gräsestr. 67, Brendel. Hausburgstr, 26, Söder. Hochftädterstr. 23, Zahl. Hussitenstr. 43, Kiebling. Köpnickerstr. 165, Purjihke. Langestr. 25, Hildebrandt. Weinslr, 27, Legier. WilhelmShavenerstr. 69, Schellin. Zionskirchslr. 13, Bobel, Borsigwalde. Ernststr. 6, Etzerodt, Charlotlendnrg» Danckelmannstr. 12, Bartz. Rixdorf. Falkstr. 21. Susat. Kopsstr. 45, Hoppe, Steinmetzstr, 131, Lorenz. :>ln»i melsburg. Kantstr, 18, Mägdesrau. I-ists derjenigen Milch- nnd Gemiisegefchäste, die nachweislich Ware von un bewilligten Bäckereien beziehen. Ackerstr, 35. Seile. Anklamerstr. 6. Teresiak. „ 53, Döring. 56, Witte. Bergstr. 17, Zaspsl. Beusselstr. 79, Seehof. Bötzowstr. 18, Erdmann. Boyenstr. 45, Dier. Burgsdorsstratze(Ecke Sparrstraße), ttiiircWsili. Buttmannstr. 4, tteinr. Ehorinerstr. 58, Vieillard. Ebertpstr, 55, Xieinau. Elisabclh-Ujer 13, Ziebarth. Fchmarnstr, 1, Karbe. Arcienwalderstr, 24, lllgen. Fricdrichsselderstr, 37, Pulkowski. GIcimftr. 9a, Schmidt. Gropiulslr. 2, Wolf. Hausbiergslr. 8, Lasche. Hussitenstr. 18, Karl, Hussitenstr, 22, Stilbbe. Hussitenstr. 68, Rücke. Iasmiliiderstr. Iba. Jordan. JaSmunderstr. 20, Friese. Kochhannstr. 13, Schlitz. Kopcnhagcnerstr. 15, Gerhard. Köpnickerstr. 165, Burschke. Linicnstr. 213, Grubor. Lohmühlenstr. 36, Hinz. Lmsen-User 13, Ziebarth. Marienburgerstr. 2, Kämpfer. Müllersir. 163, Gunsch. Petersburgerstr. 13, Krüger. Rostockcrslr. 3, Franke. 39, Rosner. Nlikestr. 44, Kessol. Schtiemannstr, 43, Kumm. Schönstlesterstr. 8, Fink, erklärt, dast er»nr nnbewilligte Ware beziehen will. Schwartzkopssstr, 18, Dier. Schwedterstr. 51, Wischer. Secstr. 68in, Schönling. Simon Dachstr. 27, Pelersobn. Strabmannstr, 1, Haaso. Staegardterflr, 13, Hellwig. Strelitzerstr, 69, Graßmann. Tegelcrstr. 15, Laue. TWterstr. 84, Minkwitz. Uicbonifh', 12, lauer. Wieleffw, 9, Wissmann. Wiesenstr. 28, Lenz. Weisjenburgcrstr. 83, StrauB. Zorndorferstr. 39, Schwarz. 52, Möhis. Zwinglistr. 14, Förster. Charlottenburg. Helmholtzstr. 25, Kaba. Rehringsir. 29, Krüger. Lichtenberg. Frankfurter Chaussee 78, Flischke. Reinickendorf-West. Antonienstr, 42, Lutter. Wittestr. 7, Birr. Rixdorf. Eaimerstr. 15, Martin. Neue Hobrechlstr. 62, Koch, Jägerstr. 55, Oswald. , 61, Ruhnkc. Kaiser Friedrichstr. 9, Schicket. Riimmelöblirg-Boxhage». Graffenciftr. 28, Kornetzki. Stinttfn-. 18, Mägdefrau. Lenbachflr. 2, Hamann. Wühlischstr. 37, Hesse. !«» Wir bitten die verehrlichen �«UZfrausu und)l0ULUMöUleu» die. kämpfenden Bäckergesellen dadurch wirksam zu unterstützen, daß sie ihre Ware nur aus Geschaffen beziehen, die 3rot und 3achware von nur bewilligten Bächereien entnehmen. _ Tie Lohnkommission. B u r e a u: Lluguststr. 36, Amt 3, 1S43. Die Kollegen des fünften Bezirks werden darauf aufmerksam gemacht, das; der Bezirksleiter am Sonntag von 12—2 Uhr bei Wiemers, Bülowstrafte 38, an- wesend ist zur Ausgabe der Dampferfahrtbilletts. - Der Obmann. ner Hör Zahlstelle Rixdorf.. Am Sonntag, den 30. Juni findet die WaM eines Ibeleglerten*nn» Internationalen Kongreß in Stuttgart in folgenden Lokalen statt: i. Preil, Rosenstraße 24, 2. Schmidt, Berlinerstrasie 14. jjy Die Wahl beginnt um 10 Uhr vormittags und endet um 2 Uhr nachmittags. Als Legitimation dient das Mitgliedsbuch. Pflicht eines jeden Kollegen ist es, sich an der Wahl KWv ö» beteiligen. 89112» IHe OrtsTerwaltnng. 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P. S. 20,—. A. B. 20,—. Leseabcnd der Moabiter Genossinnen S.IS. Robert aus dem Osten 5,—. S. R. Wolfsohn, Köln a. R. 10,—. Von der Kranzspende für den Kollegen Räke, Eichstation A. E.-G., Ackerstraße 14.45. Verein Berliner Straßenhändler, Freie Vereinigung 5,—. Mechaniker der Firma Teuer 4,25. Von den Arbeitern der Firnra Elges 3,55. Arbeiter der Schuhfabrik E- Müller it. SchliSweg, Rungestr. 18 8,63. Von den Arbeitern der Apparaten- bau-Gesellfchaft Boma 17,—. R. 100. Butzbach, Postlag. Knappe 0,50. Verband deutscher Textilarbeiter, Filiale Göppingen, Württenr- berg 5,—. Fröhlich P. 2,—. Weitere Beiträge für daS Auer-Denkmal sind zu richten an den Kassierer Einil Boeske, Verbandsbureau, Berlin SW. 68, Linden- straße 69. Berlin, den 28. Juni 1907. Emil Boeske, Kassierer. Partei-?Zngelegenkeiten. Die Lokalliste für Berlin und die Provinz Brandenburg liegt der heutigen Nilmmer des.Vorwärts' bei und empfehlen wir dieselbe wiederum der Arbeiterschaft dringend zur Beachtung. Mit dem Eintreten der Sommerzeit und der damit verbundenen Arran- gierung von Partien durch die Arbeitervereine in die nähere und weitere Umgebung Berlins ist für uns der günstigste Zeitpunkt, unsere Genossen in den Provinzorten in ihrem außerordentlich schwierigen Kampfe um Versammlungsräume ganz wesentlich zu unterstützen. Die Lokalfrage ist für unsere Agitation und Organisation von großer Bedeutung. Dort, wo unseren Genossen kein oder nur ein kleines Lokal zur Verfügung steht, ist die Parteiarbeit doppelt schwierig und der Erfolg in den meisten Fällen nur ein geringer. Beachtet die Arbeiterschaft jedoch unseren wiederholt an sie gerichteten Appell und handelt sie streng danach, so muß es uns mit der Zeit ge- lingen, alle Lokale, die von ihr frequentiert werden, zu V e r> sammlilirgszwecken zu erobern. Wo unS aber Säle zu Versammlungen zur Berfügung stehen, bort können wir das Versammlungsrecht erst wirklich ausnützen, darum ist der Kampf um Versammlungsräume auch ein Kampf um das Versammlungsrecht.— Deshalb: „Beachtet die Lokalliste!" Des weiteren werden die Vorstände und Komitees aufgefordert, dafür zu sorgen, daß das zu ihren Vergnügungen und sonstigen Veranstaltungen notwendige Bedienungspersonal stets vom kosten- losen Arbeitsnachweis des Verbandes deutscher Gast- wirtsgehülfen(Ortsverwaltung Berlin), Große Hamburger st raße 18/19, Tel. Aint IH 1813, bezogen wird. Außerdem ist es im eigenen Interesse der Vereine selb st dringend notwendig, daß allen Verträgen mit Lolalinhabern eine Klausel angefügt wird, wonach für den Fall, daß das betreffende Lokal später für Arbeiterversammlungen v e r- weigert werden sollte, der Vertrag seine Gültigkeit verliert. Ganz besonders machen wir alle Vereine und sonstigen Korpo rationcn, welche Partien nach dem Spreewald planen, darauf auf- merlsam, daß dieselben sich recht frühzeitig an folgende Adressen wenden: Wilh. Zachow, KottbuS, Schul st r. 4, August Mafchofius, Lübbenau, Mittelste. 124, und August Klünkc, Vetschau, Bahnhof st raße. Alle Anfragen bezüglich Buckow(Märkische Schweiz) sind an den Genossen Fritz Simon, Wald-SieverSdorf, Bahn- Hof Damsdorf- Münchcberg, bezüglich Werder a./H. an den Genossen Gustav Wüstenhagen, Werder, Mosfennstraße 59, und bezüglich Freienwalde a./O. an den Genossen Wilhelm Teßmann, Freienwalde a./O., Uchtenhagenerstraße 17, zu richten. Alle sonstigen Anfragen, Mitteilungen usw. sind stets durch die in der Lokalliste angegebenen Kommisfionsmitglieder an den Ob mann der Lokalkommission zu richten, so weit Lokale Berlins und der Kreise Nieder- Barnim, Teltow- Beeskow und Potsdam- Ost Havelland in Frage kommen. Für die übrigen Provinzorte sind alle Anfragen direkt an den Obmann zu richten, in keinem Falle jedoch direkt an die Redaltion des„Vorwärts'; dies bitten wir zu beachten. Zum Schluß ersuchen wir die Parteigenossen, die jeweilige Lokal liste stets bis zum Erscheinen der nächsten aufzubewahren, sowie von allen in der Zwischenzeit eintretenden etwaigen Aenderungen Notiz zu nehmen. Für verloren gegangene Listen kann jederzeit Ersatz von allen Kommissionsmitgliedern bezogen werden. _ Die Lokalkoinmission. Achtung! Zweiter Wahlkreis! Dienstag, 2. Juli, abends ck'/z Uht, findet bei Habel, Bergmannstr. 5/7, die Bezirks- führerversammlung statt. Eine Einladung an die Bezirks- führer und Stellvertreter erfolgt nicht. Um vollzähliges Erscheinen ersucht Der Vorstand. Mahlsdorf a./Ostb. Heute Sonnabend abend 8V, Uhr findet bei Schliefe, Hönowerstraße, die Generalversammlurrg des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Käming. 2. Wahl von drei Vorstandsmitgliedern. Die Genossen werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Der Vorstand. NowaweS. Am morgigen Sonntag von 9 bis 12 Uhr vor- mittags werden die Beiträge des WahlvcreinS in folgenden Lokalen einkassiert: 1. Bezirk: Otto Hiemke, Wallftr. 55: 2. Bezirk: Karl Gruhl, Priesterstr. 69; 3. Bezirk: Paul Junger, Gr. Beerenstr. 50. Da vom 1. Juli ab der Monatsbeitrag 30 Pf. beträgt, werden die Genossen aufgefordert, vollzählig ihrer Pflicht zu genügen. _ Der Vorstand. Berliner|Sacbrichten. Ueber die neue Nord-SLb-Stadtbahn wirb noch berichtet: Vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten wird die Beibehaltung des Wannscebahnhofes als Endbahnhof auch nach der Ausführung der neuen Verbindungsbahn als not- wendig bezeichnet, so daß künftig vom Wannseebahnhof b e- sondere Schnellzüge abgelassen werden können, die natürlich dann nicht auf allen Zwischcnbahnhöfen der Wannscebahn halten. Im übrigen wird künftig die Fortführung der Wannscebahn neben dem bestehenden Wannsecbahnhof vorbei unmittelbar nach dem Potsdamer Platz und weiter erfolgen, wobei an Stelle des jetzigen Wannscebahnhofes einerseits an der D c n n e w i tz st r a ß c und andererseits unter dem Vorplatz des Potsdamer Hauptbahn- Hofes bczw. unter einem Teile des Potsdamer Platzes die Anlage von zwei neuen Haltestellen der verlängerten Wannscebahn erfolgt, die dann zur Bewältigung des gewöhnlichen regelmäßigen Wannseebahnverkehrs dienen. Achnlich liegen die Verhältnisse im Norden in bezug auf die teilweise Beibehaltung I �es bestehenden Stettiner Vorortbahnbofes als Endbahnhof f für. besondere Züge, während zwei Bahnsteigglcife des letzteren -ünftig für die durchgehenden Züge der neuen Verbindungsbahn Verwendung finden. Bei dieser Anordnung werden die Wannsee- bahnzüge, welche in den Haltestellen Denncwitzstraße und Pois- damcr Platz halten, dann weiter über die neue Verbindungsbahn einfach glatt durch Berlin hindurch nach dem Stettiner Vorort- bahnhof und darüber hinaus nach Gesundbrunnen durchgeführt werden, um dann weiter Anschluß nach Oranienburg, Bernau und Tegel zu finden, sowie umgekehrt nach Friedenau und Zehlendorf usw. Es werden auf diese Weise für die Wannseebahn und die neue elektrische Stadt- und Verbindungsbahn sowie die auschließenden drei nördlichen Vorortbahnen ähnliche einfache Betricbsverhältnisse geschaffen, wie sie sich bei den Vorortzügen auf der Berliner Stadt- und Ringbahn betriebstechnisch und im Interesse der Verkehrsbewältigung durchaus bewährt haben. Die Linienführung durch das Stadtinnere ist folgende: Vom Potsdamer Platz aus folgt die Bahn dem Zuge der Königgrätzer- straße bis zum Brandenburger Tor, wo eine weitere Haltestelle, westlich des Torbaues, vorgesehen ist, und zieht sich unter der Sommerstraße hin, aus der sie beim Hause des Reichstags- Präsidenten rechts nach dem Rcichstagsufer einschwenken soll. Unter dem Rcichstagsufer entlang erstreckt sich dann die Bahn in einem nach der Spree hin seitlich offenen Tunnel von der Neuen Wilhelmstraße bis zur Weidendammer Brücke. Unmittelbar hinter der Kreuzung mit der bestehenden Berliner Stadteisenbahn und noch vor der Unterführung der Friedrich- straße wird unter dem Reichstagsufer die Haltestelle„W e i d e n- dammer Brücke" derart angeordnet, daß sie sowohl un- mittelbar vom Bahnhof Fricdrichstraße als auch vom Reichstags- ufer an der Weidendammer Brücke mittels Treppen zugänglich ist. Die neue Bahn unterfährt weiterhin in einem nach Norden ab- schwenkenden Bogen von 150 Meter Halbmesser zunächst die Spree und gleich darauf noch stromabwärts von der Ebertsbrücke die Luisenschule der Stadt Berlin, und zwar in so beträchtlicher Tiefe, daß der Fortbestand der Schule über dem Bahntunnel ganz unbedenklich ist. Der Tunnel zieht sich dann weiter unter der 18 Meter breiten Artilleriestraße entlang. Vor der Unterfahrung der Elsasserstratze ist zwischen dieser und der Auguststratze die Haltestelle„Elsasserstraße" vorgesehen, deren Zugänge von dieser Straße aus geplant sind. Die Bahn läuft weiterhin unter der Borsigstraße, unterfährt dabei die Tieckstraße und zieht sich mit einem Bogen nach der Ausmündung der Eichendorfsstratze auf den Vorplatz vor dem Stettiner Bahnhof hin. Unter dem Vorplatz dieses Bahnhofes gabelt sich der zweigleisige Tunnel in zwei eingleisige, die beide in die Richtung der äußeren Haupt- gleise des Stettiner Vorortbahnhofes einschwenken und mittels Rampen in diese übergehen. Die gesamte Baulänge der neuen Verbindungsbahn beträgt 4250 Meter, wovon 3850 Meter im Tunnel liegen. Unter städtischen Straßen liegt der Tunnel auf 2945 Meter Länge. Die Höhenlage der Bahn ist natür- lich verschieden. Die Schiencnoberkante der Wannseebahn soll auf der Brücke über den Landwehrkanal und die Königin Augusta- straße unverändert auf-f- 39,05 N. N. erhalten bleiben. Die an die Brücke anschließende Rampe erhält eine Neigung wie die Rampe der Hoch- und Untergrundbahn am Nollendorf-Platz. Unmittelbar hinter der Haltestelle „W e i d e n d a m m e r Brücke" senkt sich die Bahn, um die Spree zu unterfahren. Die nördliche Rampe der Spree- untcrfahrung erstreckt sich unter der Artilleriestraße bis zur Johannisstraße. Am Stettiner Vorortbahnhof vermitteln zwei eingleisige Rampen den Anschluß der neuen Verbindungsbahn an die bestehenden Vorortgleise. Die stärkste vorkommende Neigung. der Bahn beträgt 33,33°/«~ 1; 30 und entspricht ungefähr der, jcnigen, die sich bei der bestehenden Hoch- und Untergrundbahn am Nollendorf-Platz und an der Königin Augustastraße als bei elektrischen Betrieben noch zulässig bewährt hat. Der höchste Punkt liegt auf der über den Landwehrkanal führenden Brücke, der tiefste im Tunnel unter der Spree. Ter größte Höhenunterschied beträgt 17,65 Meter auf der südlichen Hälfte. > Dies Projekt ist keineswegs neu. Die Stadt Berlin hat es zuerst vor einigen Jahren aufgestellt in Verbindung mit dem Plane, sämtliche Fernbahnhöfe Berlins durch eine Unterpflasterbahn miteinander zu verbinden. Diese Ringbahn scheiterte an der Erklärung des StaatsministcrS Budde, der die Linie Potsdamer Bahnhof— Stettiner Bahnhof ausgeschaltet wissen wollte, weil der Staat diese Strecke selb st'bauen wollte. Stadtbaurat Krause und die Vcrkehrsdeputation sind von dem Projekt nicht im mindesten überrascht, weit mehr die Große Berliner Straßenbahn, deren Tunnelprojett am Branden- burger Tor ganz wesentlich beeinflußt wird. Das städtische Projekt einer Nord-Süd-Bahn sowie das einer Unterpflasterbahn Rixdorf— Moabit wird von dieser neuen Verbindungsbahn weniger berührt._ Die beiden ersten Automobil-Omnibuslinien der Großen Ber- liner Straßenbahn in der Stadt werden am nächsten Montag, den 1. Juli, eröffnet. Es sind dies die Linie A Hallesches Tor— Stettiner Bahnhof und B Hallesches Tor— Alcxanderplatz. A geht durch die Friedrich-, Koch-, Charlotten-, Prinz Louis-Ferdi- nand-, Georgen- und Prinz Friedrich-Karlstraße, über die Ebcrts- brücke, durch die Artillerie-, Oranienburger-, Friedrich-, Elsasser-, Novalis- und Eichcndorfsstraße. Auf dem Rückwege fahren die Wagen durch die Invaliden-, Borsig- und Schlegelstraße. Die Wagen folgen sich Werktags in Abständen von 7� bis 10 Minuten. Werktags geht der erste Wagen vom Belleallianceplatz 7,12 Uhr früh, vom Stcttiner Bahnhof der erste 7,37 früh, der letzte vom Belleallianceplatz 10,47, vom Stettiner Bahnhof 11,12. Sonntags folgen sich die Wagen in Abständen von 20 Minuten. Der Betrieb beginnt auf dem Belleallianceplatz um 8,00 früh und endigt 9,45. Vom Stettiner Bahnhof fahren die Wagen Sonntags von 8,30 früh bis 10,10 nachts. Der Fahrpreis für die ganze Strecke beträgt 15 Pf. An Teilstrecken zu 10 Pf. sind vorgesehen: Hallesches Tor— Ebertsbrücke; Fricdrichstraße, Markthalle—Oranienburger Tor; Leipzigerstraße— Stettiner Bahnhof. Die Linie B geht durch die Linden-, Oranien-, Alte Jakob-, Neue Roß-, Wallstraße, Märkischer Platz, Waisenbrücke, Neue Friedrich-, Schickler- und Alexander- straße. Die Abfahrt erfolgt am Hallefchen Tor Werktags von 7,21 bis 10,58 alle 7� bis 10 Minuten, Sonntags 8,10 bis 9,50 alle 20 Minuten. Vom Alexanderplatz gehen die Wagen Werktags alle 1�2 bis 10 Minuten von 7,47 bis 11,30, Sonntags von 8,40 bis 10,20 alle 20 Minuten. Teilstrecken zu 10 Pf. sind hier Hallesches Tor— Blumenstraße und Markgrafenstraße— Alexanderplatz. Freigegeben ist jetzt die Durchfahrt durch den Prinz Friedrich- Leopold-Kanal ohne Zahlung von Gebühren für alle Anwohner, sofern sie sich durch eine Legitimation der Kanalmeisterei als Orts- ansässige aus den anliegenden Ortschaften ausweisen. Die Be- schwerde wegen der Erhebung von Gebühren hatte beim Landrats- amt den gewünschten Erfolg. Da die Boote der Bootsverleiher von der Gebührenfreiheit ausgenommen sind, wollen die Interessenten sich noch einmal an die Kanalverwaltung wenden, um auch für diese sreie Durchfahrt zu erwirken._ Bon unserer lieben Polizei. Daß durch Sitzen auf einer Bank die öffentliche Ruhe und Sicherheit nach polizeilicher Ansicht gestört wird, mußten am Montagnachniittag zwei Arbeiter erfahren. Die beiden Arbeiter, die durch die AussperrungSivut der Bauunternehmer zum un- freiwilligen Feiern verurteilt sind, hatten sich in bessere Klei- dung geworfen, sogar Kragen und Schlips angetan und gingen so die Straße Unter den Linden entlang. Schließlich setzten sie sich auf eine hier aufgestellte Bank, einmal( um sich auszuruhen, dann aber auch, um das Groß- stadtleben an sich vorüberfluten zu lassen. Etwa 20 Minuten mögen sie so gesessen haben, als ein Wächter der öffentlichen Ordnung in Gestalt eines Schutzmannes(Nr. 252) nahte und die Leute aufforderte aufzustehen und weiter- zugehen; sie säßen zu lange da. Die Arbeiter waren er- staunt ob solcher Aufforderung und fragten den Mann nach den Gründen seiner unverständlichen Aufforderung:„Wegen der öffentlichen Ruhe und Sicherheit" lautete die Antwort. Kopfschüttelnd über die polizeiliche Weisheit standen die Leute ruhig auf und gingen weiter. Angesichts dieser Maßnahme muß doch die Frage aufgeworfen werden:„Wie konimt die Polizei dazu, derartige Aufforde- rungen zu erlassen? Ist es nur bestimmten Leuten erlaubt, sich auf die Bänke Unter den Linden zu setzen und welche Personen kommen hier in Frage. Es wäre auch nicht un- interessant zu erfahren, welcher Zeitraum einem Spaziergänger zugebilligt wird, auf den Bänken zu sitzen. Bon welcher Minute oder Sekunde fängt das Benutzen einer Bank Unter den Linden an für die öffentliche Ruhe und Sicherheit ge- fährlich zu werden? Alle diese Fragen drängen sich einem angesichts der polizeilichen Aufforderungen, nach 20 Minuten die Bank zu verlassen, auf; hoffentlich hat die Polizei auch eine Antwort. Die Bürger wissen dann doch wenigstens Bescheid I_ Sie hat eS erreicht. Auf Grund königlicher Genehmigung ist nunmehr der Großen Berliner die Oberleitung auch auf dem Schloß- platze endgültig gestattet worden, wobei nur die lünstlerische Uin- gestaltung der Mäste den Behörden vorbehalten bleibt. Widerruflich genehmigt ist die Oberleitung auf dem Opernplatz, sowie auf den Zufahrtsstraßen zum Brandenburger Tor. Auf dem Platz vor dem Brandenburger Tor soll bei längeren Betriebsstörungen bis zu deren Beseitigung eine Notleitung angebracht werden, wofür seitens der Straßenbahn die erforderlichen Borrichtungeu bereit zu halten sind. Für den Potsdamer Platz und den Luisenplatz in Charlottcnburg ist bekanntlich die Oberleitung schon längere Zeit definitiv gestattet. Diese Genehmigung ist wiederum erfolgt unter Umgehung der städtischen Behörden. Diese erhielten erst Kenntnis von dem Autrage der Große» Berliner auf Gestattung der provisorischen Oberleitung. als die Zusage bereits erfolgt war. Das nennt man.Ausübung der Selbstverwaltung". Schimpfende Lehrer. Muß in der Schule geprügelt werden? Die Mehrheit der Lehrerschaft beantwortet diese Frage mit einem entschiedenen Ja— und weiß nicht, daß sie hiermit über sich selber ein vernichtendes Urteil fällt. Mutz in der Schule geschimpft werden? Diese Frage ist bisher noch nicht öffentlich diskutiert worden— aber uns scheint, daß auch sie eine Erörterung Verdicut. Daß in unseren Schulen auch geschimpft wird, ist bekannt. Das Gefühl für das Bedenkliche dieses„Erziehungsmittels" ist manchem Lehrer fast völlig geschwunden. Und nur zu leicht schwindet es auch den meisten der Eltern, die solchem Lehrer ihre Kinder über- lassen müssen. Ein Lehrer, der während des Unterrichts bei offenem Fenster so kräftig auf seine Zöglinge schimpft, daß sogar Bewohner eines Nachbarhauses sich dadurch belästigt fühlen, waltet seines Amtes in der 116. G e m c i n d e f ch u l e für Knaben(Hagels, b e r g e r st r a ß e) Wir find von den Belästigten gebeten worden, öffentlich auf diesen schimpfenden Lehrer aufmerksam zu machen, weil nur hiervon eine Abhülfe erwartet wird. Man versichert unS, daß der Jugendbildner, der sich durch sein Schimpfen so un- angenehm bemerkbar macht, der Lehrer R o s e n b e r g sei. Uns kommt es auf den Namen nicht an; wews beim Lesen dieser unserer Mitteilung juckt, der wird ohnedies das Bedürfnis der» spüren, sich zu kratzen. Wir wollen aber doch feststellen, daß bei den Ermittelungen, die wir pflichtgemäß— wie immer in solchen t allen— in etlichen Familien vorgenommen haben, uns von chülern des Herrn Rosenberg in Gegenwart ihrer Eltern be- stätigt worden ist, dieser Herr pflege in der Tat ein bißchen reich- lich zu schimpfen. Auch ein paar eigenartige Schimpfwörter sind uns genannt worden, doch wollen wir auf Wiedergabe verzichten. Wir hoffen, daß diese Zeilen genügen werden, den schimpfenden Lehrer nachdenklich zu machen und zur Umkehr zu bewegen. Im übrigen sollte der Rektor der 116. Schule und nötigenfalls auch der zuständige Schulinspcktor hieraus Veranlassung nehmen, dem schimpfenden Lehrer fortan etwas mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden. Es empfiehlt sich, solche Pädagogen nicht lediglich im Klassen- zimmer zu beobachten, sondern sich ihren Unterricht auch mal von draußen anzuhörem Zum Brande des BiktoriafpeichcrS. Auf der Brandstelle in der Köpenickerftraße war die Feuerlvehr auch in der letzten Nacht mit mehreren Zügen mit dem Ablöschen und dem Umlege» gefährlicher Maurerreste beschäftigt. Diese Arbeiten sollen heute fortgesetzt werden. Hierauf soll die Brandstelle den beteiligten Feuer- Versicherungen zur Zlnfränmnna usw. übergeben werden. Durch den Brand ist die Städtische Fenersozietät am ärgsten betroffen. Der Schaden, den diese zu vergüten hat, wird annähernd auf eine Million Mark geschätzt. Die HanSbesitzer werden im nächsten Jahre bei der Festsetzung der Beiträge für die Fenersozietät wohl etwas tiefer in die Tasche fassen müssen, als in den Jahren 1895 und 1898, wo in« folge mehrerer großer Brände die Beiträge ebenfalls erhöht werden mußten. Uebrigens war das Innere der niedergebranilten drei Speicher äußerst leicht gebaut. Die Zwischenwände und besonders Fußböden waren so beschaffen, wie man sie wohl nur noch in den ältesten Bauten Berlins findet. Die Decken waren weder geputzt noch verschalt. Unpünktliche Briefbestellung kann für viele Leute, speziell für Geschäftsleute inanckien Schaden herbeiführen; bezeichnend ist es aber für die Postbehörde, daß sie noch Kosten erhebt, wenn sich jemand wegen der Bummelei der Post beschwert. Einen Beitrag hierzu liefert ein Geschäftsmann durch eine an uns gerichtete Zu- schrift, er schreibt: „Ich bin Inhaber eines Blumengeschäfts in der Bensselftraße und bestellte am 23. Juni brieflich bei einer Berlin 0., Holzmarkt- straße 36g., wohnenden Finna P. D. eine Widmung zu einem Kranz, ivclche Montag, vormittags 11 Uhr abgeliefert werden sollte. Ich steckte den Brief Sonntag, nachmittags 3 Uhr, in den Brief- kästen(4 Uhr war Abholung) und Montag, vormittag? 11 Uhr, gelangte der Brief erst an seinen Adressaten. Ich frug Montag früh um'/«lO hei D. telephonisch an, ob der Brief angekommen wäre und erhielt die verneinende Antwort. Um 10 Uhr wiederholte ich die Anfrage und erhielt den gleichen Bescheid. Darauf ging ich auf unser Postamt 87 und beschwerte mich. Dafür mußte ich heute noch 20 Pf. bezahlen. Meiner Meinung nach ist es doch eine Bummelei, wenn ein Brief in Berlin so lange Zeit zur Beförderung braucht, und dafür soll man noch bestrast werden mit 20 Pf.?" Der Einsender vergißt, daß nach einer bestehenden Bestimmung eine Nachforschungsgebühr erhoben wird und diese Bestimmung ist im vorliegenden Falle nach Schema P angewendet worden. Wichtiger scheint uns der Umstand, daß ein Brief, der um die oben angegebene Zeit dem Briefkasten übergeben wird, nicht mit der ersten Post zur Ausgabe gelangte. Leider steht dieser unerfreuliche Znstand in Berlin nicht vereinzelt da, es sind schon in den verschiedensten Blättern darüber Beschwerden veröffentlicht werden, wie es nach dem vorliegenden Falle scheint, ohne den gewünschten Erfolg zu haben. Gerade die Post als Verkehrsinstitut sollte auf schnelle und gewisseichasts Beförderung der ihr anvertrauten Sendungen den größten Wert legen und nicht noch obendrein die Absender für die Bummelei der Post bestrafen. Fünf Frauen verschwunden. Die hiesige Polizeibehörde hat sich augenblicklich mit der Aufklärung über das Verschwinden von fünf Frauenspersonen zu beschäftigen. Seit dem vergangenen Sonntag wird die am 12. September 1886 geborene Anna Hafer mann, die bei einer Familie von Sch. in der Elsasserstraße So wohnte, vermißt. Die Verschwundene ist eine stattliche Erscheinung. Sie ist dunkelblond, hat blaue Augen und war bei ihrem Weggehen mit dunklem Kleid und grünem Hut mit Nosenknospen bekleidet. — Am letzten Montag sind allein drei Frauenspersonen vcr- schwunden. ES sind dies die am 22. Juli 1875 geborene Verkäuferin Therese Solomon, Petersburgerstr. 55, die am S. November 1890 geborene Elisabeth Frind, Elisabethufer 26 und die am 25. Februar 1881 geborene Schneiderin Elisabeth Siebert, Köpenickerstr. 31 wohnhaft. Was aus diesen drei Personen geworden ist, bedarf noch der Aufklärung. Bei der erst 17jährigen Frind wird angenommen, daß sie das Opfer einer Verschleppung geworden ist. Die Siebert ist anscheinend einem Unglücksfall zum Opfer gefallen. Die Solomon, die äußerst nervenkrank ist, hat sich vielleicht ein Leid angetan. Sie ist von schlanker Figur, hat blasse Gesichtsfarbe und trägt braunen Strohhut und schwarzes Kleid mit rotem Gürtel. — Ferner bedarf noch das Verschwinden der am 18. Juli 1883 ge- borcnen Ehefrau Berta Lossau geb. Kohler, Gleimstraße 9, der Auf. klärung. Frau L. wird seit dem vergangenen Dienstag vermißt. Sie ist 1,60 Meter groß, hat dunkelblondes Haar, schmales Gesicht und an der Backe eine Narbe. Ihre Kleidung bestand aus schwarzem Rock, dunkler Bluse, weißem Strohhut, Knopfstiefcln, baumwollenen Strümpfen und einem mit B. L. gezeichneten Hemd. Spurlos verschwunden ist seit einigen Tagen der neunjährige Sohn Wilhelm des in der Grimmstraße 17 wohnhaften Schutz mann? Falk. Am 24. Juni war der Knabe gegen 12 Uhr aus der Schule nach Hause gekommen und kurz darauf verließ er die elter liche Wohnung, um sich auf die Straße zu begeben, wo ihn an- geblich Schulkameraden erwarteten. Seit dieser Zeit ist der kleine Wilhelm spurlos verschwunden. Alle Nachforschungen sind bisher ohne Erfolg geblieben. Es wird angenommen, daß der Knabe ent- weder verschleppt oder verunglückt ist, da ein Grund für den Ver< mißten, die elterliche Wohnung zu meiden, absolut nicht vorliegt. Der Verschwundene ist am 27. September 1898 geboren, 1,20 Meter groß, von kräftiger Statur, hat blasse Gesichtsfarbe, kurzes hell- blondes Haar, blaue Augen und an der linken Scheitellage einen Wirbel. Bekleidet war der Schüler bei seinem Weggange mit blau- gestreifter Bluse, blauer Hose, schwarzen Strümpfen und Schnür- schuhen, eine Kopsbedeckung trug er nicht. Zwei schwere Unglücksfälle sind vorgestern durch die alte Un- fitte, Obstreste achtlos auf die Straße zu werfen, herbeigeführt worden. Der 37jährige Arbeiter Oswald iöaranowsky aus der Seestraße 34 stürzte infolge AusgleitcnS auf einem Kirschkern zu Boden und zog sich einen komplizierten Oberschenkelbruch zu. B. wurde in das Krankenhaus am FriedrichShain eingeliefert.— In der Provinzstraße verunglückte die KaufmannSfrau Benske auS der Wilkestraße in der gleichen Weife. Sie erlitt einen doppelten Arm- bruch. Ihr Unwesen treiben RowbicS seit längerer Zeit im Humboldt- Hain zur nächtlichen Stunde. Die Klagen über Belästigungen des Erholung suchenden Publikums durch Tagediebe mehren sich in er- schreckender Weise. Von gestern wird folgender Fall berichtet: In der Nähe der Brnnnenstraße wurde der Verkäufer Gustav Kessel aus Tempclfelde bei Biesenthal von mehreren unbekannten Tätern überfallen, beraubt und durch zwei Revolverschüsse schwer verletzt. Die Räuber erbeuteten 600 M. und entkamen mit dem Gelde. K. war geschäftlich nach Berlin gekommen und wollte gestern morgen wieder nach Tempelfelde zurückfahren. Vorgestern abend machte er einen Spaziergang durch den Humboldthain und setzte sich, da er ermüdet war, auf eine Ruhebank. Es dauerte nicht lange, so war er fest eingeschlafen. Erst gegen Morgen wurde er durch ein ver- dächtiges Geräusch wieder geweckt. Als er sich umsah, bemerkte er mehrere unbekannte Burschen, die sich um ihn zu schaffen machten. Als K. nach seinem Portemonnaie, das 600 M. enthalten hatte und das in der hinteren Hosentasche untergebracht war, greifen wollte, muhte er die unangenehme Entdeckung machen, daß das Geld verschwunden war. Nur noch die leere Börse enthielt die Tasche. Entrüstet wandte sich der junge Mann nun nach den Räubern um und wollte mit dem Stock nach ihnen schlagen. Im nächsten Augenblick krachten kurz hintereinander zwei Schüsse. Einer der Täter hatte sie aus einem Revolver abgefeuert. Beide Kugeln trafen den K. Die erste ging ihm durch die Kinnlade, während die zweite am Ohr in die Schläfe drang und an der Backe wieder heraustrat. Die Verbrecher ergriffen nun die Flucht und überließen ihr Opfer seinem Schicksal. Mühsam schleppte sich K. davon, bis er auf einen Schuhmann stieß. Der Bedauernswerte hatte inzwischen starke Blutverluste erlitten. Auf der Unfallstation in der Lindowerstraße erhielt er die ersten Notverbände. Leider suchte er erst gestern Abend die Station auf. Der Zustand hatte sich infolgedessen derartig verschlimmert, daß die Einlieferung des Schwerverletzten in das Virchow-KrankenhauS notwendig wurde. Im Sportpark Treptow finden am morgigen Sonntag wieder größere Radrennen statt. Arbeiter-Bildungsschule Berlin. Sonntag, den 30. Juni, Ausflug nach Zehlendorf— Klein-Machnow, verbunden mit Be- sichtigung der dortigen Schleuscnanlagcn des Teltowkanals. Abfahrt des Zuges nach Zehlendorf: Wannfsebahnhof 8,30 vormittags. Treffpunkt für Nachzügler bis 10 Uhr Restaurant B. Mieklei, Pots- damcrstr. 25, von 12 Uhr mittags ab Wilh. Micks Gesellschaftshaus, Karlstr. 12 in Zehlendorf. Teilnehmer, welche nachkommen und besichtigen wollen, müssen sich bis spätestens Ilh Uhr im zuletzt genannten Lokal einfinden, da sich für später ein Treffpunkt nicht bestimmen läßt. Das Lokal ist vom Bahnhof Zehlcndorf in zehn Minuten zu erreichen. Zahlreiche Beteiligung der Mitglieder nebst Angehörigen und Freunden der Schule wird erwartet.— Der Unterricht in Sozialer Gesetzgebung beginnt am Mittwoch, den 3. Juli, abends%9 Uhr. Die ausgefallene Unter- richtsstunde wird an diesem Abend nachgeholt. Emen erheblichen Verlust hat die Frau des Arbeiters Vesper. Sonnenburgcrstr. 13 wohnhaft, erlitten. Dieselbe verlor am gestrigen Tage in der Schönhauser Allee von der Kopenhagener bis zur Gleim- straße ein Paket mit Fedcrschwänzen im Werte von 130 M. Da die Berliererin ersatzpflichtig ist. bittet sie den ehrlichen Finder um An- gäbe der Adresse._ Vorort- JVadmefotem Tchöneberg. In einem Anfalle von Verfolgungswahn a«S dem Fenster der dritten Etage gestürzt hat sich gestern vormittag um>/zl2 Uhr die 36 Jahre alte Gattin deS Direktor der Norddeutschen Verlagsanstalt Hermann Mattenklot. Frau M. war infolge hochgradiger Nervosität lange Zeit hindurch in dem Maison de fönte untergebracht gewesen, von wo sie erst bor einigen Tagen als geheilt entlassen worden war. In einem erneuten Anfalle von Geisteskrankheit stürzte sie sich gestern aus ihrer in der Vorbergstr. 11 befindlichen Wohnung auf den Bürgersteig hinab. Die Bedauernswerte verstarb unter den Händen des herbeigerufenen Arztes. Ehnrlottenbnrg. Ein gefundenes Mitgliedsbuch Nr. 561 deS ZentrakberhandcS der Töpfer und VcrufSgenosscn Deutschlands auf den Namen Friedrich Kulick lautend, ist beim Genossen Flemming, Pestalozzistr. 13, Stfl. 4 Tr., abzuholen. Mariendorf. Eine ArbelterbildungSschuke gedenkt der Wahlberein im Herbst dieses Jahres ins Leben zu rufen. In der letzten Mitglieder- Versammlung deS Wahlvereins, in der Genosse Heinrich Schulz ein Referat über„Volksbildung und Jugendcrziehimg" hielt, wurde allgemein der Wunsch ausgedrückt, dem Bildungsbedürfnis der Genossen mehr wie bisher Rechnung zu tragen. Die Schule wird wahrscheinlich Mitte Oktober eröffnet und soll Ivöchentlich ein NnterrichtZabcnd stattfinden. Schon jetzt können sich Damen und Herren, auch NichtMitglieder des Wahlvereins, im Restaurant Reich- Hardt, Mariendorf, Chansseestr. 16, eintragen lassen. Grünau. Aus der Gemeindevertretung. Zur Beratung der aus 13 Punkten bestehenden Tagesordnung lag unter anderem auch ein Ortsstatut vor, welches den Kostenbeitrag der Grundbesitzer bei Strahenpflastcrungen festlegen sollte. Allseitige Entrüstung ent- stand, als im vorgelegten, einer anderen Gemeinde entliehenen Statut die Rede von fünf Sechstel der Gesamtkosten war. Zuerst wollten die schon so hart besteuerten und bedrückten Herrn alles auf die Kommune abwälzen, doch verstanden sie sich zum Schluß zu ein Viertel bei nochmaliger Kommissionsberatung. Die Ge- mcindearbeiter und Hülssbeamten sollen fortan in der Ortskassc angemeldet werden. Sodann wurden einige Neuanschaffungen für die freiwillige Feuerwehr beschlossen, sowie die Verschalung deS Spritzenhauses. Wegen der um ein halbes Jahr zu späten Fertig- stellung der Kanalisation hatte die Gemeindevertretung über die bauausführende Städtische Reinigungsgescllschaft eine Strafe von 3000 Mark verhängt. Es kam dieserhalb zwischen einem Vertreter der Gesellschaft und der Gemeindevertretung zu lebhaften Er- örterungen, doch einigte man sich auf 1500 Mark. Zum Schluß verlas der Gemeindevorsteher verschiedene eingelaufene Schreiben, darunter auch das vom Bureau der letzten öffentlichen Vcrfamm- lung. ES enthielt eine Resolution, worin die Versammlung um Erbaung einer Turnhalle, Einrichtung von Brausebädern, sowie Freibad im Fluß und mindestens 50 Pf. für die eststellung eines Stundenlohnes von M«meindearbeiter ersucht. Erst auf An- frage deS Vertreters Fuchs erklärte der Vorsteher, sich erst infor- mieren zu müssen. Als Herr Fuchs ersuchte, doch wenigstens zu der zeitgemäßen Frage der Freibäder für die Gemeindeschüler Stellung zu nehmen, schloß der Herr Ortsgewaltige kurzerhand die Sitzung. Lichtenberg. Eine halbe Million Mark fordert der Gemeindevorstand und die Vaukommission von der Gemeindevertretung zur Regulierung der Hohenschönhausenerstraße von der Weichbildgrcnze Berlin bis Wilhelmsberg. Der Landrat deS Kreises hat unter Androhung von Zwangsmaßregeln die Gemeinde aufgefordert, dem skanda- lösen Zustande des Strahenzugs, der von den Kirchhofsgängern stark frequentiert wird, auch einen recht erheblichen Lastwagenver- kehr aufweist, endlich ein Ende zu machen. Tie zun» Teil schwer reichen Grundstücksspekulanten als Anlieger weigern sich, bauend aus das bekannte Entgegenkommen ihrer Klassengenossen, die die Majorität in der Gemeindevertretung bilden, zu den Kosten der anbaufähigen Herstellung der Straße beizutragen. Unsere Partei- genossen hatten schon früher die Spekulation dieser„Privilegierten" auf die Taschen der Steuerzahler beim richtigen Namen genannt. In der letzten Gemeindevertrctersitzung waren es die„Kollegen vom Fach", die sich mit ungeheurer Verve gegen die„Zumutung" ssoll heißen gegen die drohende Konkurrenz) wandten. Vor und während der Sitzung polterten die führenden Geister gegen den Vorschlag des Gemcindevorstandes auf Erschließung dieses Orts- teils. Unsere Genossen beantragten und erreichten Vertagung der Vorlage, damit die feindlichen Brüder Zeit finden, sich gegenseitig kennen zu lernen. Als zweiter Punkt stand die Forderung von 36 000 M. zur Umpflastcrung des Wcißenseerweges(VerbindungS- straße zwischen Dorf- und Hohenschönhausenerstraße, Wilhelms. verg) zur Verhandlung. Hier hatten sich die Gemüter inzwischen beruhigt, die Vorlage fand, trotzdem die Verhältnisse ähnlich liegen, debattelos Annahme. Der Abänderung der Fluchtlinie deS Wiesenwegc» und damit der endgültigen Regulierung der Straße an dem Gemeinde-GaS- und Elektrizitätswerk wurde zugestimmt. Die Ergänzung der Ordnung betreffend die Freibankgcbühren and mit der Abänderung Annahme, daß nicht, wie vorgeschlagen, nur ein.Jnnunasmeister" der Flcischerinnung das Zerkleinern der der Freibank überwiesenen Tiere vornehmen darf, sondern daß ein Fleischermeister hierzu genügen soll. Die Besprechung des geplanten RathauSncubaueS wurde von der Tagesordnung abgesetzt. Der Aufnahme von Anleihen in Höhe von 1 160 000 M. wurde zugestimmt. Auch hier sind wieder die üblichen VermittlungS- Provisionen zu bezahlen, da auch die in Frage kommende Kassen- einrichtung nach der Erklärung des Gemcindevorstandes nicht zu den 700 Kassen gehört, die nach flüssigen Geldern seitens der Gemeinde befragt sind. Treptow-Bauinschnlcnweg. Ei» schwerer Bauunfall ereignete sich am Donnerstag auf dem Neubau Kiefholzstr. 21. Dort waren mehrere Maurer beschäftigt, die auf einem bis zur ersten Etage hochgeführten Baugerüst arbeiteten. Plötzlich stürzte das Gerüst auS bisher noch nicht auf- geklärter Ursache zusammen, die Maurer mit sich reißend. Zwei derselben, der 34 jährige Richard Lnckfiel aus der Dunckcrstr. 15 und der 22 Jahre alte Hermann SchwablcivSki aus der Dunckerstr. 14 er- litten schwere Verletzungen am Kopf und an den Füßen. Am übelsten zugerichtet wurde jedoch der Bauarbeiter August Seidlcr aus der Schlesischenstr. 14, der unter dem Baugerüst stand und von der schweren Last völlig verschüttet wurde. S. trug eine erheb- liche Beschädigung des Rückgrats und mehrere Rippcnbrüche davon. Alle drei Verunglückte wurden nach dem Krankenhause Bethanien übergeführt. Friedrich öfelde. Klagen über schwere körperliche Züchtigungen von Volksschülern durch Lehrer sind gegemvärtig im Ort au der Tagesordnung. So solle» beispielsweise Anfangs dieser Woche zwei Mädchen der dritten Mädchenschnlklasse von dem Klassenlehrer JlinS so gezüchligt worden sein, daß selbst der Arzt Harle Spuren der Züchtigung festgestellt bat. Genosse P i n s e I e r, als Gemeindevcrtreter, nahm in einem Falle Veranlassung, dem gerade versammelten Schulvorstand ein ge- züchtigte« Kind vorzuführen. Derselbe soll sich, wie man uns mit- teilt, nicht gerade lobenswert gegen den Lehrer ausgesprochen haben. Ilm eine öffentliche Besprechung dieser Vorkommnisse zu er- möglichen, wird am DienStag, den 2. Juli, eine öffentliche Ver- saminlung stattfinden, in welcher der auf dem Schulgebiet bekannte Genosse H. Schulz das Referat übernommen hat. Da diese Vcr- saminlung zugleich al» Proteswersammlung gegen solche Uebergriffe der Lehrer gelten soll, ist für einen guten Besuch Sorge zu tragen. Nieder-Dchönhnnsen. In der am DienStag im Restaurant„Neil-Carlshof" abgehaltenen Mitgliederversammlung deS WahlvereinS referierte Genosse Hesse über»Das Erfurter Programm". Hierauf berichtete Genosse Riß- mann über die Lokalvcrhältnisse am Ort und ermahnte die An- wesenden, sich streng nach der Lolalliste zu richten. Zum Schluß machte der Vorsitzende noch auf die am 14. Juli stattfindende Versammlung in„MönchSmühle" aufmerksam und ersuchte außerdem, für daS am Sonntag, den LI. Juli, stattfindende Sommerfest in „Neu-Carlshos" zu agitieren, da der Ueberschuß unserer neu zu gründenden Bibliothek zugute kommt. Treppenhause wurde eingedrückt, die Decke erhielt ein großes Loch und die Fenster au§ sämtlichen Stockwerken wurden auf den Hof hinab« geschleudert. In den uniliegenden Hänsern der Maricnstraße sowie der Nebenstraßen blieb kaum ein Fenster heil. Als gleich daraus eine mächtige Fcuersäule und Pulverqualm dem Raum entquoll, bemächtigte sich der Anwohner eine förmliche Panik. Glücklicherweise nahm der Brand keine große Ausdehnung an. Bald sah man Gliesmann. der seine im dritten Stockwerk beschäftigten, arg be- drohten sechs Arbeiterinnen hinab geholt hatte, ebenso wie seine beiden Arbeiter aus dem Hause kommen. Während die Arbeiterinnen unverletzt geblieben waren, mußte der eine Arbeiter mit schweren Brandwunden ins Krankenhaus geschafft werden. Auch Gliesmann selbst hatte erhebliche Verletzungen davongetragen, wogegen die beiden anderen Arbeiter nur leicht verletzt waren. Für Gliesmann dürfte die Katastrophe noch ein gerichtliches Nachspiel haben, da er mehr Explosivstoffe im Hanse zu lagern hatte, als er durfte. Mehrere hiiitdcrtimiscnd Mark unterschlagen. Wie die„Elbinger Zeitung" erfährt, hat sich der persönlich haftende Gesellschafter der Marienburger Privatbank Rudoll Wölke in Marienbnrg den, Unter- suchungSrichter gestellt mit der Angabe, daß er sich der Unterschlagung mehrerer hnnderttausend Mark schuldig gemacht habe. Die Unter- schlngmigen habe er seit dem Jahre 1883 begangen, seitdem er per- sönlich hastender Gesellschafter der Bank war. Wölke wurde sofort in Haft genommen. Die Marienburger Privatbank ist in Konkurs geraten. Zu lebcnSlZnglichcr ZuchthaiiSstrafc begnadigt. Der wegen Er- mordung deS Schlossers Danisch vom Dessaner Schwnrgcncht im Februar zum Tode verurieilte Arbeiter Galbiesch ist vom Herzog zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt worden. Der Prozeß hatte seinerzeit, weil der Mord auö politische» Motiven geschehen sein soll, großes Aussehen erregt. Gestrandet. Aus Dünkirchen wird gemeldet, daß das Fahrzeug „Violette de GravelincS" mit Mann und Maus an der Küste von Island verloren gegangen sei. An Bord befanden sich der Kapitän und 18 Matrosen. Großfrner. In Ungva wütet. Budapester Meldung zufolge, ein großer Brand. Die griechisch-katholische Kirche, die Stziiagoge und 12 HSnser sind bereits eingeäschert. Infolge Wassermangels sind die Löscharbeiten überaus erschwert. Eine heftige FeuerSbrunst hat gestern eine Fabrik bei St. Etienne vollständig zerstört. Als der Eigentümer der Fabrik die Gebäude in hellen Flammen sieben sah. überkam ihn eine derartige Erregung, daß er tot zu Boden stürzte. Der Materialschaden wird auf eine Million Frank veranschlagt. Oeffciitltche«tbliotbek«nd LekehaNc zu nnentgrltlicher ve- «ntzung für jedermann, SW., Sllexandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von 51/,— 10 Uhr abends, an Sonn, und Feiertagen von 8—1 und 3—6 Uhr. In den Lesesälen liegen zurzeit S1Z Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung au». Zprrtrrligiösc Gemeinde. Sonntag, 30. Juni, vormittags 8'/. Uhr, im Nathaujc, Eingang Jädcnsiraße, Saal 108! Bersanunlung: Freireligiöse Vorlesmig.— Vorinitlag» 10' f. Uhr in der Schule, Kleine Franliurterftt. 6: Vortrag von Fräulein Ida mtmann! Zola mid die Kiiche. Herren und Daiuen als Gaste sehr willkommen. Vermifcbtes. Eine schwere Pulverexplosion ereignete sich vorgestem nachmittag 4>/� Uhr in den Räumen_ deS Zigarrenhändlers und Feuerwerkers GlteSmann zu Hannover in der Marienstraße. Der Genannte soll mit dem Einpacken von FeuerwerkSkörpern beschäftigt gewesen sein, als die Katastrophe eintrat. Die Wand des Raumes nach dem Berliner Marktpreise. Hui dem amtlichen Bericht der städtischen Äariiballm-Diiektion.(Grofchaiidri.) Ztiiidtleisch la 70—73 pr. 100 Psd., IIa 61-60, Ula 69-C0, Bnllcnsleisch la 65-70, IIa 55-61, Kühe, fett 52—60, do. mager 40—50, giesser 54—66, Brillen, dän. 0,00, de, Holl. 0,00. Knlbsleilch, Doppellcrider 95—115, Mastkalber la 76—85, IIa 67-75, lila 0,00, Kälber ger. gen, 45-60, do, Holl. 0,00, dän. 0.00. Hammelfleisch Mastlämmer 74— 78, la 69—73, IIa 62—63, Schafe 59—62. Sihweiiicilcisch 50—67. Rehwild la Per Psund 0,65—0,83. IIa 0,50—0,60. Rotwild. Abschuß la 0,55-0.60. Damwild. Abschuß 0,00. Wild» lchweine 0,25—0.40, Frischlinae 0,41. Kaninchen per Slück 0,50—0,70. Hühner, alte, per Stück 1.30—1,80. IIa 0,90— 1,20, do. sunge 0,48—0,90. ,<">om6. Küken 0,00. Tauben 0,30—0,45, Italien. 0,00. Enten per Stck. 1,M bis 2.00. do. Hamburger per Stück 1,75—3,05, Gänse per Psd. 0,60—0,70, do, per Stück 2,50—5,00, do. Hamburger per Stck. 0,00, do. Oder brucher per Stück 2—4,00. PouletZ 0,40—0,90, ChalouShühner 0,00. Hechte per' 100 Vimid 100-112, matt 94-97, dito Nein 0,00, dilo groß 0,00. Zander 0,00. Schleie, llcin 100—122, dito groß 0,00, do. 67—76. Aale, groß 125—127, do. klein und mittel 85—104, mittel 88—114, uns. 62—76. do, llcin 0,00. Plötzen 0.00, do. Nein 0,00. Roddow 71—72. Karpfen 66—68. Bleie, 73—76, malt 0,00. Bunte Fische 72—81. Barse, klein 57. do. matt 0,00. Karauschen 0,00. Bleifijche 0,00. Wels 0,00. Aland 0,00. Onappe» 0,00. Auicrikanischcr Lachs la neuer, Per 100 Psd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. lila neuer 00. Seelachs 10—20. Sprotten, Kieler, Wall 0,00, Danziger, Kiste 0,00. Flunder», Kieler, Stiege la 3—6, miliel ver Kiste 1—2, Hamb. Stiege 4—6, dalbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 4—6, IIa 0,60—2,50. Bücklinge, Kieler per Kall 2—2,50, Strals. 2—3. Aaic, groß per Psd, 1,10— 1,40,«ittelgroß 0.80—1,10, klein 0,60—0,80. Heringe per Schock 6—9, Schcllsische Kille 3,00-5,00, Kiste 2-2.50. Kablian, geräuch, per 100 Psd, 0,00. Dorsch, Kiite 0,00, Goldfische, Schock 0,00. Sardellen. 1902» per Anker 38. 1804er 98. 1305cr 98, 1906» 90—95. Schottische Vollheringe 1905 0,00, laige 40-44, lull. 38—40, med. 38-42, deutsche 37—44. Heringe, neue MatstS, ver To. 50—120 Sardinen, russ,. Faß l,50— 1,60. Bratheringe Faß 1,20— 1 40, do, Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Reunaugen. Schockjaß 11, do. Keine 5—6, do. Riesen- 14. Eier, Land», unsortiert per Schock 2,60—3.00, do. große 3,50. Krebse per Schock große 0,00, do, mittelgroße 11,50—17,50, do, kleine 4—6, do, un- sortiert 7,50-9,00, do. Gaiizicr groß 0,00. do, klein 2,50-3,55, Bnttcr ver tOOPsd. la 106-110, IIa 103-106, lila 100-102, absallende 90-95. Innre Gurken Schock 4,50, do. neue 6—8. Picffcrgurken 4,50. Kar tosscl» vcr 100 Psund maqnum bonum 4,50. Dabersche 4,50, neue 6,00— 8,00. Porcc, Schock, 0,80—1,25. Meerrettich, Schock 3—14. Spinat p. 100 Psund 8—10. Karotten, hiesige, Schockbnnd 4,00—5,00. Sellerie, hiesige, per Schockbnnd 2,00—3,00, Zwiebeln grün, per Schock 0,60, do, kleine 0,00, do. hiesige«Perl») 0,00, Charlotten 0,00, Petersilie, grün, Schockbund 0.80—1,20, Kohlrabi Schock 0,80—1.20, Retiia, bayr,, neue Stück 0,12—0,16, Mohrrüben Schockbund 2,00—3.50. Wirsingkohl ver Schock 6,00—7,00. Rhabarber 100 Bund 0,60—3,50, Bergedorfer, per 100 Bund 0,00. Morcheln per Psund 0,00. Sand» Morcheln per 100 Psd. 0,00. Waldmeister per Mandel 0,00. Schoten per 100 PId. 10—15. Psesseriinae per 100 Plund 20—25. Radieschen per Schock 0,75—1,25. salat per Schock 1,00—1.20, Spargel la 100 Psd. 0,00, do. IIa 0,00, do. lila 0,00, do, unsortiert 0,00, do, Beelitzer la 40—55, do. Beelitzer IIa 30—35. do. Beelitzer Ula 15—20. Stachelbeeren, grün, per 100 Psd. 0,00, Holl. 00,0. Aepfel, hiesige, per 100 Psund 0,00, do. Jtal., per Kiste 25—35. Erdbeeren, stanz., 50 Kg. 0,00. dito Holländer Korb 0,00, dito 50 Kg. 35—50, do. Dresdener, Kanne 0,50—0,70, do. hiesige 60 Kg. 20—50, do. Hamburger, 60 Kg. 40—50, do. Werderiche, 60 Kg. 0,00, Tangermündcr 0,00, Walderdbeeren 50—120. Kirschen, franz., in Kisten von zirla 1 Kg. Kiste 0.00, do. ital, 60 Kg. 0,00, do. Gubener, 60 Kg. 12—16, do. Schieß 50 Kg. 6—13, do. Heidelberger, 50 Kg. 0,00, do. Wcrdersche 50 Kg. 11—15. Zitronen, Meisina, 300 St'' 360 Stück 8,50—11,00, 200 Stück 6,00-12,00.. Rück 9,00—16,00, WtttcriingsnverNckl» vom SS. Juni litt»?, morgens S Ilfi». LtaNonu, Swineinde Haniburg verlin Franks. aM München Wien L 8 e: s C C »Ä «§ «Seilet 7613 763 SD 764 S 783 SO 764 W 766 OSO 2 wolkig 2 bedeckt 2wolkenl 2 wölken! 2 wolkig 2 wölke»! a« c r» « II | w * i SlatUncn e s Ii »■= I i i« «Bellet Haparanda>7Z3SW Petersburg 761 WZW I as ii H& Scillh .'tberveeu Paris 763 W 755 SSW 762 SW 2 bedeck« 1 wölken! 3wo!kig i 12 1 wölken! 12 1 wollenl 18 Wetter-Proguose für Sonnabend, den SO. Juni 1007. Trocken und vorwiegend heiter bei mäßigen südöstlichen Winden und zunchmender Erwärmung. Berliner Detter bnreou ikvasterstand am 28. Juni vorm. Elbe bei«ufsta— Meter, bei Dresden— 1,58 dp.— Elbe bei Magdeburg 0,97 Meter.— Oder "bei Ratibor 1,87 Meter.— Oder bei Breslau— 0,56 Meier.— Oder bei Brieg 2,23 Meter.— Reißemündung 1,80 Meter. 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O. GewerkschostshouS, Odeptr. 51. Eldorado, Buschimlhlenstr. 8t. I'rkui�.-Ztnelü»«»!�. 8. KähnesGElElljchaItsh..BcrIinexst.39 Fredersdorf. 8.-8. Gasth.Wiv.ClaraGrohe u.Girkc frei. Freienwalde a. O. Bilh. Voigt, Kanalstr. 3. Osw. Schramm, Eberswalderstr. 7. Friedenan.?.-8. Wilhelm Grube. Kaifer-illlee 85. GesellschaftshauS. Rhemftr. It. Rhcinichloh. Alle anderen Lokale gesperrt. Friedersdori. T.-i. Restaurant Päntel. Fricdriclisfelde. 8.-8. Casü Hoppegarlen(BanSdors), Berlinerstr. 18. silllce 30. Franz DubcS Festfäl«, Prinzen- Gottlicb Schulz,„Lindenpark", Wilhelmstr. 11. Fntz Haberland, Wilhelmstr. 38. Friedrielisltasen. 8. 8. Brauerei St. Eidmann, Seestr. 23. Braustübl, A. Witte, Seestr. 22. Bellevue, Schmidt, Waldowsiraße. C. Conrad, Friedrichltr. 137. Eiskeller, R. Büttner, Fnedpchstr.97. Fischerbütte, Zachow. Seestr. II. GesellschastshauZ, Kieckow, Fried- richstr. 69. M.Lerche.Bürgers-ile.Frledrichst.llO F. Langseld, Köpeniaerstr. 1. Seeschlosjchen, A. Berndt, Seestr.77. Sängerhalle, Werner, Friedrichst.KI Spreeschlot). Strohe 381. Haugk. griedrichstr. 78. Waldkoter, Bredow, KSpenicker- strahe 38. WilkelmSbad, Uzkurait, Seestr. 45. SicstaurantSSaldburgamBahn- hos Hirschgarten. tt.-S. I.oliale an» Müggelsee. Miiggcliichlos». T.-B. Müggelwerder gesperrt. N.-B. Rübezahl. T.-B. Ttrandschlos, am Müggelsee T.-B. * Rest. Ravenstein gesperrt. Neu-Helgoland viS-a-viS Rahn- dors N.-B. Friedricliswerder bei Schwiebus. Zum grünen Baum, J.Zippel, frei. Fni'stenl>erg a. O. Brauerei Schleicher frei. Fürstenwalde. »Schlohkellerei".»Gesellschasts« Haus-,.Philharmonie"..Wil- helmShöhc" und„Bellevue" frei. Crnllinchen(Cottb.-Spremb.) H. Feiertag frei. (»assen(Sorau-Forst). Gasthos.Zum deutschen Hause" und Welz Berg frei. fiiatow a. d. II. P.-O.-H. Kein Lokal frei. üermersdorf b. Guben. Restaurant Schulz frei. Kiesendorf. 7.-8. Alle Lokale gesperrt. Glindow b. Werder ct. d.H. August Schmidt, Dorsstr. 12. Göhra sCalau-Luckau). Alle Lokale frei. Gosen. 7.-8. LIndenbos, Jnh. And. WieSmann Gottow bei Luckenwalde. Reichmann und Hanack frei. Gransee. Granlcer Schützcnhaus frei. Gross- Beeren. T.-B. Restaurant Fichtenwäldchen. Jnh. D. Heinze, Berlinerstr. 99. Gr.-ifesten«. d. GUrl Kahn. T.-B. Restaur. Walhalla, H. Meinicke. MIe anderen Lokale gesperrt. Gr.-üül-eig sSotsu-rorsll. Gasthos z. DeutschcnRelch, Ratlhey. Gr.-I>iehtertelde. 7.-B. Aug. Reisen, Familien-Restaurmit, EHaussecstr. 104. Carl Müller, Restaurant.Kaiser hos". Bahnhof Ost. Alle anderen Lokale gesperrt. Gr.-Zienendorf a. O. (Franksurt-LebuS) Hotel zum schwarzen Adler, Jnh. Peter Leisten. Franz Menzel frei. Gesperrt: Gustav Blnle. Gr.-Schüneheck. N.-B. W. Jung,.Gasthos zum deutschen Hause". Griinheide b. Erkner. 8. 8. Restaurant Pater Fielitz. Grunewald. T.-I. Trtl: Cafe Pein, HubertuSbader- sttatze ö(schmargendors). t�eipcrrt sind: St. Hubertus, Rest., Schmargen- dop, Hubcrtuöbaderstr. 1. Waldbaus, Jnh. Giesen, Schmor. gendop, HubertuSbaderstr. 5. Waldpark, Jnh. Michelmann(mit Kuticherkneipe), HubePusbader- strahe 2—6. FranzenSbader Garten, viS-a-vIS Waldpark, FranzenSbaderstr. Cafe Gi-uncwald, Schmargendop, Paulsbornerswahe. Schillings Restaurant, Dahlem. Wiv.'.Blacks Dorskrug,. Beelitzhos: Alle Lokale gesperrt. HI»?- Slllc übrigen Lokale des Grunewalds gelten als frei, jedoch epuchcn wir die Parteigenossen drin- zend, Vereins-, Wertstatt' oder son- stige größere Partien nicht nach »ielen Letalen zu unternehmen und empfehlen daher, bei Veranstaltung derartiger Partien diesbezügliche An- fragen recht frühzeitig an die Lotatlommifsion zu richten. Grün an. T.-B. Arbeiter« VerkehrSIokal: Zur grü- nen Ecke, ftöpeniieptr. 88, Jnh. I. Franz. Restaurant„ZurGradeloite", Jnh. I. Duchaussour, Köpenickerstr. 79. Jägerhaus, Jnh. G.Erhardt, Bahn« hos-'u. Friedrichstr.-Ecke. Caroltncnhos b.Grünau.Jnh.Raabe Ztichtershorn b.Grünau, Jnh.Mohr Alle anderen Lokale gcsperP. Guhon. Rest.„Bellevue", Schögelnerstr.21. Zur FPedenSallee, GewerkschastS- haus, Schöqelnerstrahe. Goldener Anker, Bösitzerstr. 39. Feldschlößchen, Kalten borneptraße. Zur Eintracht, Triststr. 28. Kaisergartcn, sAlte Loge) Triststr. Zinn grünen Wald.Krossenerstrahe. Wilhelmshöhe, W. Püpchcl. Gasthos zur Eisenbahn, Kupfer» Hammerstraße. Vier Linden, Psörtneptraße. Gftstebiese Vereinshaus frei. Gussow T.-B. Gasthos Hermann Schiist, frei. Hnkenfrldeb, Spandau P.O.H, H. Steinebachs Voiksgarten. Ilalonseo. T.-B. Verkehrslvlal: Bonczeck, Stur» fürjiendamm 126. Sülle anderen Lokale gesperrt. Mankols Al'l»»go. 7.-8. W. Heinrich, Seglerschloß(früher Kappel). «lavolltorg. Easö Concordia(Groß). II Ogvrntüh 1 c ß. Ebcrswalde. VerkehrSIokal: 38. Webe, Singer« mündcrstraße u. Franz Zabclow, Deutsches HauS. II«il!gt>ns«e. 8.-B. Ziekow, Dampseranlegstelle(End» ftation) gesperrt. saesperp. Tivoli, Sandhauscn, Jnh. Schröder Wilh.Ziekow,(HeiligenseerSchweiz) frei. Iloinorsdorf. 8.-B. Ltlo Neumann, Restaurant„Zum Liudengarlen", Rothenbachstr. 51 Alle anderen Lokale gesperrt. Moinrirhsfeld (Cottbus-Epremberg). Ernst Noack; Gottlicb Bnder, Gast» hos zum gold. Löwen. Helgoland. P.-O.-B. (Insel Oberhavel) frei Helinsdorf(Sorau- Forst). Joh. Pröllop frei. Hennigsdorf. P.-O.-I. frei: F. Brase. Nud. Teßmann. Gesperrt: Zum deutschen Kaiser Jnh. Böhmer. Restaurant Wald» schlößchen(Valentin). Hennickendorf. 8. 8. Rest. Zur Wachlelburg(G. Gold» gräber). Hermsdorf. 8.-B. Schulz, VerkehrSl., Berlinerstr. 21. Hcidenrcich. FarsthauS, Auguste ViktoPastr. 18. Hel-r.feidem 8.-8. entzc, Hauptstr. 57. iteinicke. Gasthos zum Kaiserhos. Hessenwinkel. B.-B. Theod. Guiich, GesellschastShauS. Schrcyer, Kaiserzcli. Hirsehgarten. 8.-8. Alle Lokale frei Hohenbindo. 8.-B. Heidcschiößchenzum SutcnBcrgfret. Hoheiinenendorf 8.-8. (an der Nordbahn) Me Lokale gesperrt. Hohensehünhansen, Aen-Hohenschönhaas. 8. 8. Alle Lokale frei. Hohenschöpping. Stein. P.-O.-H. �Hnndekehle. T.-B. »Restaurant Hundekehle. Jänickendorf (Zauch-B.-Luckenw.) Gasthos zuin deutschen Kaiser, E. Emmcrmacher, frei. lohannisfhnl. 7.-8. Rest. RttterbauS lOSkar Meyer). VerkehrSl. Alb. Gobiu. Roanstr. 2. Johanniötbaler Volksgart., Senst« leben, Friedrich» und Köpenicker- straße-Ecke. Park-Rest., Jnh.Hesse.Parkstr. 12/13. W. Krüger, Friedrich str. 10. Wendt, Friedrich str. 1. Ljndenhos, FPebrichstr. 61. Jürsfelde. 8.-8. Restaurant Döring. G. Kuhn, Haveischloß. Fr. Gumlich, KurgaPen. .Inferhog. Zum weißen Schivan, Markt und Wassermann, Grüner Weg, frei. Hagel.».-8. Gasthos zum deutschen Hause, Otto Fielitz frei. Kanntdorf (Cottbus» Svremberg). MaltheS Kanter frei. Harlshorst. 8.-8. Rest. Füplenbad, Prinz Adalbert, Jnh. Gruhn, Verkehrslokai Gesperrt: Otto Königs Festsäle, Trcskow-Allee. Otto Arlt« GesellschastShauS, llluausta ViktoPastr. 48. Me übrigen Lokale frei. Kanlsdorf. B.-B. Hamanns GesellschastShauS, Frankfurter Chaussee, Jnh. Mees. Alle anderen Lokale gesperrt. Ketsehendorf. T.-I. Frei: Gasthos Weidemann(Saal). G. Noack, Gasth. z. schwarzen Adler. Ketain». d. II. P.-0.-8. Klemmt Restaurant frei Kiekemal b. Köpenick. B.-B. Restaur. Heidekrug(Schmidt) frei Hirchhain sCalau-Luckau). Schützenbaus u. Wildes Lokal frei Kladow. P.-O.-B. Alle Lokale gesperrt. Kl.-Bcsten. T.-B. Gasthaus Aug. Puran. Klosferfelde. N.B. Alle Lokale gesperrt. Kochsdorf Cottb.-Spremb. Christian Budich frei. Kolkwlt«(Cottb.-Spremb.) Richard Meicheri, Schwarzer Adler. Kolonie Bnch. N.-B. Kaiser FPedrich-Garien frei. Kolzenbnrg b. Luckenwalde. Ww. Krüger, frei. Künigs- Wnstcr- hansen. T.-B. Gesperrt sind: Neues SchüyenhauS. Jnh. Ramin, SIm Markt.[Rofchei Hermann, Rest., Bahnhosstraße. Pfuhl« Hotel, Am Bahnhos. Lille anderen Lokale frei. Küpenick. 7.-8. Stadt-Thcater,HOtto,FPcdPchst.6 Kaiserhos, R. Hentschel, Grünstr. Wilhelmsgarlcn, L. Schecr. GesellschaftshauS, K. Seidel, Grünauerstr. Sportshaus �?.Eger.Grünauerst.61 Schweizergarten, W. Fröhlich, Lindenstr. 4 SchützenhouS, H. Schulze Goldener Hirsch, E. Schulz, FricdrichShagenerstr. Strandgarten, A. Engel, Gttten- bergstr. 59 Wilhelmohof b. Köpenick LKarienlust v. Köpenick. T.-B. Pferdebucht b. Köpenick. T.-B. frei Schmetterlingslust bei Köpenick. T.-B. Voigts Krampenburg vis-i-vis Schmöckwitz. T.-B. Wrnpcnschlost,vis-ä-vxs Grünau Wcndcnschloft-.Kolonie: Rest. Waldesruh, Jnh. Gerbert. Teufelsfee T.-B. Korbiskrng bei Gr. Besten. T.-B. Restaurant Peter Kaczmarek frei Ki-ansnick. T.-B. Gastwirt Otto frei. Paul Böttcher gesperrt. Kremmen. P.-O.-H. Papxoth. Urack. Kriescht (D. u. W.-Stemberg). letz'S Hotel und Donath gesperrt. r e i: Restaurant Igel. Knrtschiag. Wißman» frei. Kyritr,(Dosse). Stadt London, Wilhelmstr. 8. I,adelmrg. N.-B. Wilh. Wendt frei (Landsbcrg a. W. Rothenburg, Cüstrinerstr. 31. Altes Schützenbaus, Wall. Borchmeyer, FriedPchstadt. Krüger, Roßwiesenstr. 49 a. WaIdschlößchen,Heinersdopepi46. I,nngewaht b. Ketschendorf. T.-B. Gasthos Buchwald und Gasthof Slofievftcin frei. I,anke. N.-B. Stockmann, Restaur.„Waldschloß". Otttlie Wetzger,„Schioßparl". I,ankwit?.. T.-B. Herrn. Retger, Wirtsb. Zum grünen Kranz, Catandrellistr. 27, frei Alle anderen Lokale gesperrt. liCbhin bei Storkow, T.-B. 38. Lehmann frei. Lehuin. H. Taege, Hauptstr. 63, frei I-eiiioen. Sllle Lokale gesperrt. I/ichtenherg. 8.-8. Alle Lokale frei. Uchtenowb.Herzselde. 8.-8» Jähnicke frei liichterfelde. O.-B. Wilh. Lindenberg, frei lAehenwaidc. 8.-8. Verkehrslokai: Restaur. Gleinert, Berlinerstrake. ländow i. ZI. Karl Sehlbrandt, Breitestraße, und August Stacks, Breitestraße, frei LOwendorf b. Trebbin August Pintsch frei. I.nckvnwaidv. Alle Lokale frei. Ijühhcnan. Schwarzer Adler,— Baumgart,-» Stadt Berlin,— Zurgr, Linde. I.�chcn i. II, Ball, Vogelsaiigstraße. Madlow(Cottb�Sprembg.) Fritz Gronemeier frei, Mahlsdork". 8.-8. Gasthaus.Zum WilhelmStbal", Jnh, SScriiccke, Honowcrstr, Rr.S, links der Bahn. Alle anderen Lokale gesperrt. Malchow b-Weißensee. 8.-8. „Casö Tietz" frei Mal« b. Grabotvsee. 8.-8. Neubert, Waldschlößchen. Marion dort. T.-B. H. Borgseldt, Rest,„Zum Feld» schlößchen", Feidstr, 44, Nest, Ndcharbt, Chausseestr, 16. Rest,„Zum Landhaus", Inhaber Stritzke, Gr.-Bcerenstraße, am Bahnhof Aarienselde, Restaurant„Zum alten Askanier" Jnh, Pnrschke, Chausseestr. 82. Marieufelde. T.-B. N. JarnzewSki, Kiepertplatz 7. Herm. Berger, Doxiftr. 39, srei. Alle anderen Lokale gesperrt. M a rlc graf pieske bei Fürstenwalde. T.-B. Osw. Fischer, Langestr. 31. WUh, GraZnick, Laugendainmerste. Marwit«. P.-V.-ss. churbaum. I, Peschei Lessinz. Marzahn. 8.-8. Aw. Schulz, Verkehrslokai. •JMJ-ajlMun«®'sn°lhI'S'?j3lß •g-'N Jjopsnx laaa itJaB Z,vzaF sna •g-H jni.uiis VaZltjzS 310103 3M •a-M'»puapss 'loiDtoano? 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108'lßangoa 4-032) apoPJ Miersdorf. T.-B. Gesperrt: Restaurant Krüger. Rest, zur Mühle, Jnh. E. Lier, frei. Mittenwaldc. T.-B. Wilh. Kranich, Gasthos zum Kran- Prinzen. Alles übrige gesperrt. Mönchsmühle bei Schildow. M.-B. Florian Knappe frei. Gasth. z. historischen Mönchsmühlc. Mönchirinkcl. H.-B. Lenz, srei. Mückenberg B. Guben. »Neuer Grund", Schönborn, srei. Müggelheim. T.-B. Alle Lokale frei. Mühlenheek. H.-B. Ad. Baersch, WoiterSdorserstr. frei. Aug. Mayer, Bochhorsterstr. frei. Münchehofe. H.-B. Alle Lokale gesperrt. Nahmitz bei I.ehnin, August Schulze Nr. 91, frei. Nanen. P.-O.-H. Scholz. Marktstr. 16. Schützenhaus, Inhaber D. Kumke, Chausscestr. 33. Nedlitz. P.-O.-H. Bongart.„Zur Römerschaoze". Nehesdorf.(Calau-Luckau.) FischwasserS Lokal frei. Nenenhngen. H.-B. Aug. Wünsche frei. Nenhrüek. P.-O.-H. Wilh. Beckmann srei. Nen-trolm. T.-B, Gasthos Treplio srei. Nenrnühle. T.-H. Gesperrt: Pätel, Rest, zum Tiergarten. Alles übrige srei. Nen- Rnppin. Dimar, Bechliner Chaussee. Nenzelle(Guben). Gasthos zur Sonne, Bahnhofstr. Nen- Zittau, T.-B. Waldschlößchen, Schulz, Gosenersir. Rest. Friedrichshof, Jnh. Frank. Restaurant Borig srei. Niederlehme. T.-B. Gesperrt: Adolf Schmidt und Gcrisch. Alle anderen Lokale sreo Niederlehme Xbd»ll. T.-B. 5)ooi SportsHaos»Ziegenhals", M.Mörschel! Rest.„Ziegenhals", Kost. Heiß. Nieder- Nenendorf (Oberhavel) P.-O.-H. Kein Lokal srei. Nieder- iSehöneveide. T.-B. Gesperrt:„Neptonshaln".»Se- dan",.Neuer Krug". Rest. Wordt. Alle anderen Lokale sind sret. Bcrkehrslokal: Jul. Fischer, Ber- linerstraße 92. Nieder- 8ehönh»nsei». H.-B. CasäBellevue, Kaiser Wilhelmsir.ly. Ncu-Carlshof, Beuth» und Char» lottcnstr.-Ecke. Settekorn, Lindenftr. 1. Ulitz,„Schwarzer Adler", Blanken- burgerslr. 4. sstraße 18. Tunsch. Sanssouci, Kaiser WUHelm- K. Hoth, Kaiser Weg 19. StephansLindeogartenLindenst.43 Niernegk. (Zauch-B.-Luckenw.) Fleischer, Wittenbergerstraße. Nordend. H.-B. Restaurant Peter Thomsen. Friedensgarten, Jnh. I. Schüßler. Zionsgarten, Jnh. H. Bratoogel. Nossdorf.(Sorau-Forst.) StrasseS Lokal frei. Nonirnes T.-B. Max Singer, Volksgarten, Priester- straße 31. Ernst Schmidt, früher Kaiser-Saal Wllhelmstr., Ecke Fricdrichstraße. Alle anderen Lokale mit Tanzsälm gesperrt. Oh.-jSehöneveide. H.-B. Alle Lokale frei. VerkchrSloknl: E. Kaoshvlt, Wil- helmiiicohosstr. 18. Oderberg i. M. Gesperrt: 21. Jrriitz,„Zur grünen Llue" und„Schüpenhaus". Lille anderen Lokal frei. Oranienburg. H.-B. Braun, Korsürstenstr, 48(Saal). E. Schumann, Waldhaus Sand- Hausen(Saal), Schützenstr, F. Hcider, Verkchrslokal, Mühlen- straße 31. sstraße 30(Saal). Roggentin, Volksgarten, Schützen- Piltz bei Gr.-Besten. T.-B. Restaurant»Zur Dobrow' frei. Pnnkov. H.-B. Rich. Besse», Damerowstr. 19. Boge, VereinshaoS, Scholzestr. 28. Ebersbach,.Zum Korsürsten", Berlincrstr. 102. W. Warlich, Paradiesg., Kaiser Friedrichstr. 12. slinerstr. 27. Großkort,»Feldschlößchen", Ber- Zum Roland,-C. Müller, Wollank- straße 113. sstraße 3/4. Rozycki, Gesellschaftshaus, Kreuz- ReoIerS Vollsgarten, Schloßstr. 2. A. Schüßler, Willncrs Brauerei- Llusschank, Berlinerstr 80/32. Pspenherge. P.-O.-H. Restaurant Lempke u. Eichcnhaw (Donay) srei. Peitz(Cottbus- Spremberg). Ernst Stegling, Reichshallen. Lehmann, Cottbuser Vorstadt, frei. Berthold Gertys Lokal. Perleberg, Alle Lokale gesperrt. "PeteTZdorl b. letsebendf. T.-B. Gasthos Ferd. Roggisch frei. Petershngen. H.-B, Otto Bräsike sret. •Picheisberge. P.-O.-H. *H. Kühne, Rest. Kaisergarten. 'seeschloß, Haase-Braoerei. 'Schröder, Rest. Reichsgarten. Pichelsdorf. P.-O.-H. Voigts Restaurant. Pichelsn-erder. P.-O.-H. 'Wich. Rackwitz.—'P. Schmidt, Königgrätzer Gatten.—'Herrn. Bruder, Wilhelmshöhe.— 33er« kehrslokal: Freuods Joseig arten. Potsdam. P.-O.-H. Verkehrslokale: Wilh. Ladenthin, Kaiser Wilhttmstt. 38 und Georg Schulz. Elisabethstt. 18. Viltoriagarten, Alte Louisenstr.32, am Bahnhos Charwttenhos. Prenzlnn Reicherts Etablissement, Neu- brandenburgerstr. Carl Trebesch, Lln der Schnelle 67, Prenden. H.-B. Engelhardt. Pritzwalk(Ost-Prignitz). Zum Schweizerhäuschen. Pnrnpc lCottbus-Sprembg). Ww. Kuba, srei. Pntlitz.(W.-Prigmtz.) Lille Lokale gesperrt. Rndehrück b. A14- I-andsbcrg. H.-B. „Wilhelmsruh", Jnh. Schulz, srei. Rnhnsdorf. H.-B. Lille Lokale inkl. Bärenhöhl» v. Müller, amBahnhos, gesperrt. Bahnsdorfer Mühle. H.-B. Alle Lokale frei. VerkehrSl.: Gasth. v. Ww. Klemm. Bathenov. Krhstallpalast, Jnh. Stockfisch. Opvernianns Vollsgarten, Schlachthausstr. 1a. Zentral-Herberge, Waldemarsir. 9. Banchlangwerder.T.-B. Rutkowskis Waldhaus. Bauen. T.-B. Gasth. ,. Löwen. Jnh. Paul Hewze. Gasthos zum großen Stein, Jnh. Ll. Müller, sret. Beiniekendorf. H.-B. Osten. E. Kirsch,„Seepark", Markstr. 2/3. B. Lücke,„Kastanienwäldchen", Refidenzstr. 109. t. Sadau, Refidenzstr. 124. . Schorsch,„Zur Wartburg«, Kopenhagenerstr. 71. O. Knebtt, Hauptstt. 51. Echaller,»Sckönholzer Tivoli", Provinzstr. 69—72. I. Weber, Restaurant zur Eisen« bahn, Nordbahnstt. 22. H. Schiller,„Zum Storchnest", Provinzstr. 79. F.Görick-, Wirtshaus„Zur Tanne", Nvrdbahnstr. Ii. Baumaim, Hansotterstr. 55. E. Großmann,„Schönholz. Flora«, ProDmzstr. 76.■ Herm. Falk, Familien-Restanrant, Hansotterstr. 43. provin? LranSeBbui'x. �dlershot. T.-B. Gesperrt: Restaurant Rat§- k e I l e r. Lille übrigen Lokale frei. ■AJit-Belton-. P.-O.-H. Restaurant Thomann. Alt-Glienicke. T.-B. LTlle Lokale frei. Vettehrsl.: Wirtshaus»Zum gold. Stern", H.Saß, Gttinauersk. 29. Alt-Mönchn-inkei. ki.-Z. Rest. Lenz, Verkehrslokal. Ait-Banft bei Freien- •nralde a. O. Alle Lokale gesperrt. Alt-iStahnsdorf. T.-B. Gasthof 5. grün. Baum(H.Möbius). Angermünde Gasthof Wilb. Gottschalk. Berliner- straße 45 frei. Basdorf. N.-B. Alle Lokale gesperrt. Banrnschnlenireg. T.-B. Alle Lokale srei. Beelitz i. M. Gasthos zur Stadt Beelitz, Brücker- straße 285. Beetz b. Kremmen. P.-O.-H. Restaurant Wille, frei. Berkenbrück hei Fürstemraldo Gasthof Dunarski, frei. Berkenbrfick bei I,nckennalde. Gasthof Koppen srei. Bernau. H.-B. Großmann,.Schützenhaus', Mühlentor. Friedrich, Gasth. ,Z. gold. Hirsch". Hörnicke,.Elysium', KönigStor. M. Klee,.Waldkater", Wandlitzer Chaussee. Mai, Kaiser- u. Chaufieestr.- Ecke. Oberreich,»Schwarzer Adler", Berlinerstr. Wagner, am Bahnhos, Kaiserstr.82. Biesdorf. H.-B. Heins»GesellschastshauS", Jnh. W. Fengler, Dottstr. 30/31. Biesenthal. Schützenhaus, Fr. Lanck. Bindo«'. T.-B. Me Lokale gesperrt. Birkenw-erder. H.-B. H. Schulz,„Paradiesgatten". Blankenburg. H.-B. WittShauS an der Panke. 'Blankenfelde. B.-B. 'Stab frei. Blankensee bei Ißllblboelc (Züllichau-Crossen). Brauerei Buchwald, srei. Bobnsdorl. T.-B. Derkehrslokal: Carl Menzel, Re- stauraot.Falkeuruh", Villa Kahl. AIIeanderenLokalegesPerrt. Borsigwalde. H.-B. Alle Lokale frei. Bornstedt- Bornim. P.-O.-H. Llugust Schulz, Fttedr.-Wilhelmstr. R.Laas,»Schwarzer Adler", Mistel- straße 12. Bötzosv. P.-B.-H. Fr.Rhwow. Brandenburg a. d. H. Volksgarten, Bergstr. 20. Bürgerhalle, Gr. Gartenstr. 1. Cass Helgoland, WilhelniSdorfer- straße 17. Gasthos zur Mühle. Wollenweber- straße 3. Zentral-Herberge. Vettcrmann.WiIhelmsdotterstr.111 Britz. T.-B. Sänttl. Säle srei. Brnehmühie bei Alt-Landsberg. H.-B. Nagel,»Zum Prinzen Heinttch". Pikollcr. Buch. H.-B. Alle Lokale frei. Buckow bei Britz. T.-B. Vettehrslokal: R. Klein, Chaussee- straße 12. Kloxin u. Koppen, Saal« besitzer, gesperrt. Buckow.(Mark. Schweiz.) (Franksurt-LebuS) Rich. Reinsch,.SchweizerhauS". Ansragen sind zu richten an: Fritz Simon. BaTd-Simrsdarf. b. Sahnhof Simiifatt-INiidchedees. Gr-BnckowCottb.Spreinb. Matte EiiaS.(buser Chailfiee. Eduard Eisrath, Gasthos a. d. Kott- Caputh.(Zauch-Belzig.) Ernst Liesche, Weberstr. 36. Carow. H.-B. Breitlops srei. Charlottenhnrg. T.-B. A. Bartsch, Rofinensw. 3,.Volks» hauS". s„Roß-Trappe". Ferd. Müller, Spandauer Chaussee, Max Fallnich. Tegeler Weg 40, „Waldkater".(„Festsäle". E. Schulz, Kaiser Fttedrichstr. 24. W. Fiedler, Tegelerweg 63,„Pa- radiesgatten". F. Kant, Tegelerweg 33/39,„Wald- Haus". sgnügungspark". H. Höhne, Tegelerweg 74/75,„Ver« Am Spandauer SchiffahrtS» kanal: Bruno Woiths Kastanienwäldchen. MaxBroß, Gasthos„Zum deutschen Kaiser". C. H. Peters,.Klostergatten". Wiemer,.Karlshos". K. Dyck,„Deutscher Kronpttnz". Paul Ftttsche,.Heideschlößchen", Königsdamm. Ll. Fischer.„Fischersruh". F. Kühn,„Zum weißen Roß". Jul. Werner,„Zum Lindenbaum". Clettwitz.(Calau-Luckau.) Fischers Gasthof, srei. Colonie Banteide hei Alt-K.andsherg H.-B. Rest. THom. Schmidt frei. Cüstrin-Nenstadt. Jaeobi, Plantagenstraße 25/26. 3 Cottbus. Herm. Kolkwitz, KonzertbauS. A. Döring, GesellschastshauS. Kariianke, Zur Krone. Ww. Loll. Dröscher, Zur Metze. Schulz, Wachsbleiche. Bahendorf b. Zossen T.-B. Gesperrt: G. Fiedler. Me anderen Lokale frei. Bahleui. T.-B. Alle Lokale gespertt. Dahme. Restaurant zum Kaisergatten. Dahmsdorf b. Lehnin. August Bathe, frei. D.-�Vnsterhansen. T.-B. Alle Lokale gesperrt. Döhringshrück. P.-O.-H. (Ruppwer Kanal) srei. Domsdorf fSorsu-Porzt). Koal frei. Drewitz. T.-B. Llugust Puhlmann, Potsdamerstr. Alle anderen Lokale sind gesperrt. Driesen. Conr.Marx, Rittergutsgarten, frei. Brossen(O.-u.W.-Sternberg) Gasthos zur Sonne frei. Eberswalde. Restaurant.Zur Mühle", Eich. werderstr. 55.(Verkehrs- u. Ver- sammlungslokal) swalderftr. 8. Schröder» Volksgarten, Freien. Eggersdorf �Strausberg, H.-B. G. Tübbecke frei. Eiche b. Potsdam. P.-O.-I. Alle Lokale gesperrt. Eichwalde. T.-B. Wittes Waldschlößchen. Erkner. H.-B. Na« �cideustücker, Bahnyofstraße, .Klosterhos'' und.Gasthaus zur Traube" gesperrt. Alle anderen Lokale frei. Enlo(Sorau-Forst). Ll. Schulze, Braueret und Pfitz. mcnn'ä Lokal frei. Falkenberg. Nur die»Carlsburg" srei. Falkenhagen b. Seegefeld. P.-B.-H. P. Schöucbcrg. Fangsehlense. H.-B. F.Schulze, Hotel.Zum Dampsichisi'. Fr.5. irolewsky.R-stauraut Werisce. FehrheUin. P.-B.-H. Bw. Rosenttäger. Schulz. Fichtenau. H.-B. R. Hohne, GesellschastshauS. Robbe, Kurpark-Restaurant stet. Finkenkrng. P.-O.-H. Hosmeister. Finsterwalde (Calau-Luckau). Sämtl. Lokale frei. Forst. SchützenhauS, Feldschlößchen und Grand Hotel gesperrt, alle anderen Lokale srei.