Rcdahtion: bCQ. 68, Lindcnstrassc 69. Sfrnf�rrArr; Am« IT. Str. IHSS. Mittwoch, de« 3. Juli 1907. Expedition: SKI. 68, Lindcnstrasse 69. Sreritftirfrfier: Amt IT Nr. 1934. Kr. ISS. S4. Jahrg. Devlinev Volksblertt. der fosialdemokratifcken Partei veuttcklands. Sie InseMonz-eebodi' dekSgt slir die sech.gelpaltene tlollinel- zeile oder deren Raum 60 Plg., für valililche und gclverrschaslttchc ZZcreiuZ« und BerlammIungS-Rnzeigen 30 Pfg. „kleine Snreigen", das erste(fett« gedruckte) Wort 20 Psg.. sede. weitere Wort tO Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-An>cigr» dag erste Wort 10 Pfg., jede, weitere Wort 6 Psg. Worte über 16 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächst« Nummer müssen bt. k Uhr nachmittag, in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist 61. 7 Uhr abend, geöffnet, Zelegrainm- Adresse: „SoilaliKiiioliHt BtrU»". RbonnfffltntS'Bedlnsungen: AbonnemeM.• Preis pränumerando l Plerleljährl. 8,30 Mf.. monatl. 1.10 Ml., wöchentlich 23 Pfg. frei in. Hau.. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags nummer mit illustrierter konntag., Beilage.Di« Neue Weif 10 Psg. Post« Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitung.. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für da. übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Poftabonneuient« nehmen an: Belgien. Dänemar«, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Ruinänten. Schweden und die Schweiz. «chtbi Hallt kB« OHtui. Zentralorgan Peters und Merten. Der erste Peters- Prozeß hat nun sein Ende gefunden. Der verklagte Redakteur unseres Münchener Bruderblattes ist wegen formaler Beleidigung des würdigen Pioniers unserer glorreichen Kolonialpolitik zu 500 M. Geldstrafe verurteilt worden. Peters und seine Konsorten werden von diesem Strafmatz wenig befriedigt sein. Ebensowenig wahrscheinlich von dem Passus der Urteilsbegründung, der sich mit den Taten des Peters am Kilimandscharo beschäftigt. Ein kleines Pflaster hat das Münchener Gericht freilich auf seine Wunde gelegt, die seit mehr als einem Jahrzehnt vernarbt schien und just zu einer Zeit aufbrach, als die deutsche Bourgeoisie durch das Uebermatz der Kolonialschmach ab- stumpfte und die blutrünstigste Uebermcnschenmoral als not- wendiges Requisit kolonialer Tätigkeit zu betrachten sich ge- wohnte. Länger als ein Jahrzehnt zeigte sich Peters gegen alle Angriffe, die sich auf die Urteile der beiden Disziplinargerichte stützten, mit einer Rhinozeroshaut gewappnet. Da kam die Aera des Kolonialkollers, von dem auch der entartete Liberalismus befallen wurde— und jetzt, nach dem Tode wichtiger Zeugen, nach einem Zeitraum, der das Erinnerungs- vermögen der noch lebenden Zeugen mehr oder minder aus- löschte, der an einem ehemaligen Hauptbelastungszeugen, dem Maler Kuhnert, die wundersamste Sinneswandlung sich voll- ziehen Uetz, verklagt Hänge-Peters einen Redakteur, um sich von der Brandmarkung zweier Disziplinar- gerichtsurteile zu reinigen I Eine wahrhast groteske Komödie, würdig der Eideshelfer vom Schlage eines Arendt und L i e b e r t I Dieser mehr als eigenartige Reinigungsversuch findet denn auch in dem Münchener Urteil wenigstens andeutnngs- weise die verdiente Kritik. Das Urteil weist auf die ledig- lich dem postHumen Reinigung seifer des Peters und seiner Clique zuzuschreibende Lückenhaftigkeit des Beweismaterials hin. Es erklärt, datz das Gericht sich autzer auf die Beweiserhebung während der diesmaligen Ber- Handlung auch auf die Urteile jener Disziplinar- aerichte gestützt habe, die von den Herren Peters und Liebert mit den bekannten verächtlichen Ausdrücken belegt worden sind. Verwunderlich ist es da nur, datz sich das Münchener Gericht einer Beurteilung der Taten des Peters nicht vöilig enthalten hat, sondern sich in der Lage glaubte, die Urteils der Disziplinar- gerichte, die sich doch auf eine ungleich lückenlosere und zuverlässigere Beweiserhebung stützten, wenigstens teilweise zu korrigieren! So, indem dem Peters der gute Glaube bei- gemessen wurde, sich bei Vorübung seiner Untaten in der Aus- tibung rechtmäßiger Gewalt befunden zu haben. So, indem bei der Hinrichtung der Jagodja das Motiv der Eifersucht als nicht mitbestimmend anzusehen sei, wenngleich eine solche Fest- stellung im Falle des Mabruk nicht möglich sei. An sich sind das ja ziemlich belanglose Milderungsaründe. Denn die Tatsache, datz Hänge-Peters Konkubinen, über die er nicht das geringste Verfügiuigsrecht hatte, wider alles Recht und ohne jeden objektiv zurcichende» Anlaß peitschen und auf- hängen ließ, bleibt ja auch nach den vermeintlichen neuen Feststellungen des Münchener Gerichtshofes bestehen! Aber die Peters- Presse wird diese dürftigen Konzessionen heitz- hungrig aufgreifen und die erneute moralische Stäupung ihres traurigen Helden als einen Triumph ausposaunen. Wir wollen deshalb den guten Glauben der Münchener Richter nicht in Zweifel ziehen, aber die Herren dürfen sich bei der Sonderbarkeit ihres Verdiktes nicht wundern, wenn der nichts vom Kolonial- furor angesteckte Teil des Volkes die Feststellungen der Disziplinargerichte für völlig unerjchüttert und den Peters nach wie vor für einen Menschen hält, der die moralische Qualifizierung vollauf verdient hat, die ihm noch in den letzten Tagen der Angeklagte G r u b e r und der Major Donath vor Gericht"zuteil werden ließen! Peters bleibt der Hänge-Peters! Wir täuschen uns freilich keinen Augenblick darüber, daß nicht nur die Arendt und Liebert, sondern auch der größte Teil unserer Bourgeoisie sich darum nur mit um so fa- natischerer Begeffterung um den modernen Konquistador drängen wird. Die zwanzig Jahre deutscher Kolonialpolitik haben eben eine moralische Zerrüttung der an der Kolonialpolitik sei es wirklich, sei es vermeintlich inter- essierten Volkskreise erzeugt, die von dem Standpunkt der reinen Ethik nur als moral rnsanitzi, als moralischer Irrsinn angesprochen werden kann. Das hat sich bei der Ausrottung der Hereros gezeigt, das bewies wiederum das ekle Schauspiel der Beifalls- auSbrüche eines Teiles des Münchener Auditoriums. Peters hat— günstigsten Falles in jenem Verfolgungswahne, wie ihn die Aufregungen und die zerrüttenden Einflüsse des tropischen Klimas zu erzeugen pflegen, Nervenkrisen, die die Pathologie als„Tropenkoller" bezeichnet— die ungeheuer- lichsten Barbareien begangen. Er hat wegen des ab- geschmacktesten Verdachts der Spionage Weiber, mit denen er und sein Komplice bis dahin intimsten Geschlechtsverkehr ge- pflogen, auspeitschen und aufknüpfen laffen. Er hat sich mit diesen und anderen Scheusäligkeiten in der widerlichsten Weise ge- brüstet I Tut alles nichts I Der Neger mutz, um sich in das koloniale Ausbcuterjoch zu fügen und die weißen Eroberer als höhere Wesen" zu fürchten, mit eiserner Faust niedergeworfen und niedergehalten werden. Jeder Notwehrakt der Unter- jochten mutz in Strömen von Blut erstickt werden. Für jeden erschlagenen Weißen oder auch nur schwarzen Schutzbefohlenen müssen zehn, müssen hundert Eingeborene erbarmungslos zur Strecke gebracht werden. Was Pulver und Blei, was der Galgen nicht vollbringt, mutz das Feuer vollenden I Da quälten sich unsere altmodischen Historiker mit der „Doktorstage" ab, ob Karl der Große nicht sein Bild durch die Niedermetzesung der 4500 Sachsen verdunkelt habe. Unsere modernen Kolonisatoren grinsen zynisch über solche sentimentalen Marotten, über das Moralisieren am„grünen Tisch". Unsere Weltpolitiker pfeifen auf alle Moral, alles Christentum, alle Menschlichkeit. Sie wollen überseeische Ausbeutungsgebiete. Und wenn der Nigger kein Verständnis für diese eigenartiges Menschhcitsbeglückung besitzt, wenn er sich nicht Land und Vieh rauben lassen, sich nicht unter die Knute der Eroberer ducken will, dann müssen eben die Nilpferdpeitsche und der Strick in Aktion treten! Als Deutschland seine Kolonialpolitik begann, hieß es ganz anders. Damals wollte man angeblich eine „Kulturmission" erfüllen, den armen Heiden die Segnungen des Christentums bringen, die Sklaverei beseitigen u. v. m. Wie hätte man sich damals, in der Mitte der achtziger Jahre, sittlich enstüstet, wenn man den Grundsatz auf- gestellt hätte, datz die ganze Kolonialpolitik nur in der skrupellosen Bereicherung auf Kosten der Eingeborenen bestehe und datz unsere Kulturpioniere moralisch verniggcrn müßten. Wie herrlich weit haben wir's seitdem gebracht. Der famose Verteidiger des Peters, Rechtsanwalt Rosenthal, erklärte ja mit dürren Worten:„Die Missionare kommen zu den Eingeborenen, um zu geben, die Kolonisatoren, um zu nehmen." Und wenn die Eingeborenen sich nicht ausplündern lassen wollen und nach ihrer Art den Krieg führen, so haben sie die„Kolonisatoren" an Bestialität oer Krieg- führung noch zu übertrumpfen! Das sei eben „astikanischer Brauch". Afrikanischer Brauch der Weißen, der Zivilisierten, der Christen! Das kolonisatorische Herrenmenschcntum sieht denn auch danach aus. Nach den Aussagen der E n t I a st u n g s zeugen des Peters bedienen sich die großen Afrikaner der Umgangs- formen etwa der Zuhälter. Selbst die Besten unter ihnen, wie Witzmann, titulieren ihre„Freunde" in holdem Wechsel „Lumpen" und„Rind Viecher". Wenn der PetcrS Witzmann begegnet, fragt er ihn, ob er wirklich noch auf freiem Futze fei und ob er sich feine Reise- begleiter schon aus dem Zuchthause geholt habe. Die Peters und Pechmann traktieren ihre Lustsklavinnen mit Ohrfeigen. Als Gemütsmensch verschenkt der Peters seinem Freunde Pechmann eine dieser Sklavinnen, die er im Verdacht hat, geschlechtskrank zu sein. Den dann gehenkten Diener Mabruk läßt er während des„Ver- fahrens" auf eine Geschlechtskrankheit hin untersuchen— ver- mutlich um dadurch festzustellen, mit welcher der schwarzen Sklavinnen er verkehrt hat. Das ist der Peters, der Mann, den unsere Weltpolitiker als den Größten der Großen, als den eigentlichen Begründer des kolonialen„Neudeutschland" verehren. Ein„Herrenmensch", wert der Bewunderung nicht nur der Arendt und Liebert, sondern auch der Creme der„Intelligenz", der Münchener Künstlerschast, die sich ihn zu einem Vorstage nach München verschreibt. Zur Charakteristik des Peters schreibt die„Kölnische Volkszeitung": „Für die Beurteilung derjenigen Punkte, auf die eS im Prozeß ankommt, wäre weitaus das meiste vollkommen gleich- gültig. Bon den j e tz t im Vordergrunde stehenden Dingen steht überhaupt nichts darin; der vielgenannte Diener Mabruk wird nur ganz flüchtig(ld»i>ig eine» Prinzen z»lr Eröffiilmg von Kongresse», Ausstellungen nnd Veranstaltniigen mannigfachster Art oder um llebernahme von Prolcktoratcn hingewiesen Ivird. Bei der Unmöglichkeit, allen diesen Gesnchei» zi» entsprechen, habe der Kaiser beschlossen, cine Berücksichtigung nur noch in solche» Fällen eintreten zu lassen, in denen es sich um be- sonders lvichtige allgemeine nationale Interessen wirtschaftlicher oder politischer Natur handelt. Deshalb wird ersucht, auf eine Ein- schränkung derartiger Gesuche hinzuwirlen.— Die zufriedenen Nationalliberalen. In Koblenz fand am Sonntag ein nationalliberaler BezirkS-Parteitag statt. Abgeordneter Paaschs redete über die.wichtigsten Aufgaben der inneren Politik Deutschlands". Der Redner ist zufrieden»»üt den bisherigen Leistungen de» Blocks. Der Gefahr, von einem Neugierigen um den Nachweis der Leistungen deS Block» gefragt zu werden, beugt Herr Paasche dadurch vor, daß er hervorhebt, die Erfolge des Blocks lägen weniger ii» der äußerlich herbortretendei» positiven Arbeit, als in der vielen Kleinarbeit, diehi nie rdenKulissen getan werde. Auch die Lerändenlng in der Regiernng, meint Herr Paasche. sei derart, daß man niit ihr zufrieden sein könne; vor allem trete durch sie das Bestreben hervor, daß der Block nicht qlle!» im Reichstag, sondern auch»u Preuße» zusamnieugehalten werde, da Bethmann-Hollweg zugleich Vizepräsident im preußischen Stnatsministerium sei. Be- aflfltidf) der WirtschaftSpoktlk könne man getrost in die Zukunft schauen, und in der Sozialpolitik werde von allen Parteien eine ..verständige Förderung" erwartet. Was Herr Paaschs in bezug auf die Sozialpolitik denkt, das gab er nach dem Bericht der.Kölnischen Zeitung" wie folgt kund: .Ohne Sozialpolitik könne kein Politiker auskommen, aber sie müsse im weitesten Sinne des Wortes getrieben werde», nicht blost für Arbeiter, sondern auch für den Mittel st and, der oft weit mehr Not leide, als der Arbeiter, dem. in der Industrie der Tisch gedeckt sei. So müstte die Witwen- und Waisenversichcrung auch auf.Privatbeainte, kleinere Handwerker und Landwirte ausgedehnt werden. Denn hier sei der Arbeitgeber oft weit schlimmer daran als der einzelne Arbeiter, der einen festen Lohn bekomme. Posadowsky habe sich in seinem Eifer für die soziale Wohlfahrt oft von Zentrum und Sozialdemokratie zurück drängen lassen. Grundlos aber sei die Befürchtung, dich jetzt nicht mehr der Fortschritt, sondern ein Rückschritt auf diesem Gebiete eintreten werde. Es dürfe von keiner Partei ei» Haschen nach Arbeitergunst eintreten, sondern nur die lieber- zeugung, daß geholfen werden müsse, solle bestimmend für die Gesetzgebung sein. Die soziale Bewegung und die Arbeiter- beivegung dürften nicht verwechselt werden. Der Arbeiter wolle nicht nur Arbeitsbiirger, sondern Arbeitsherr sein, der den, Arbeitgeber die Bedingungen vorschreibt, unter denen er arbeiten lassen darf. D i e Ä r b e i t e r b e w e g n n g sei schon unter der falschen Fürsorge in verkehrte Bahnen gelenkt lvorden. Es liege gar nicht im Interesse des Arbeiters, das; ihm gesagt werde, er dürfe nur acht bis neun Stunden arbeiten, denn dadurch sei er verurteilt, in seiner Lage zu bleiben. Nur das Ungewöhnliche an L e i st u n g führe den Arbeiter empor, und diese Möglichkeit dürfe ihm das Gesetz nicht einschränken." In der Diskussion sprachen sich mehrere Redner für die Auf- rechterhaltung des ß 23 d e S Einkommensteuergesetzes aus, weil gerade durch ihn die Klage über das Elend und die Hungerlöhne widerlegt worden seien und weil dadurch manche leistungsfähigen Steuerzahler entdeckt und dadurch schwächere Schultern entlastet würden. Das sei gerecht und liberall Im übrigen waren alle Redner wie Herr Paasche zufrieden mit dem Gang der Dinge und diese Zufriedenheit fand in dem der Ver- sammlung folgenden Festmahl ihren würdigsten Ausdruck.— Abschiebung eines Oesterreichers. Txotz der Handeisverträge, die jedem Einwohner des Handels- dertragslandcS das Recht in Deutschland sich aufzuhalten, einräumen, fährt die preuhische Polizei mit Verhaftungen und Ausweisung von harmlosen Ausländern fort. Am Freitag erschien in der Wohnung des Buchbinders Luftig in der Rückertsirabe eine Anzahl Kriminal- beamter, durchsuchten die Wohnung und fistierten nach fruchtlosein AuS- fall der Suche den Gehaussuchten. Luftig ist österreichischer Staats- angehöriger, lebt seit 13S2 in Berlin, steht in Arbeit, ist verheiratet und Vater von 4 unmündigen Kindern. Er hat sich nichts Strafbares zuschulden kommen lassen. Trotzdem ist er seit Freitag in Polizeigewahrsam gehalten. Ihm ist eröffnet, er werde nach Oesterreich abgeschoben, weil— er anarchistischer Gesinnung verdächtig ist. Ein derartiges Vorgehen der politischen Polizei widerspricht dem Völkerrecht, den Handelsverträgen und der Gcrechtig- lest auf's entschiedenste.—_ Kein Tag ohne Hohn. Der arme Freisinn hatS schlecht. Keinen Tag lasten seine konservativen Paarungsgenossen vorübergehen, ohne sich über seine enttäuschten Blockhoffnungen in der grausamsten Weise lustig zu machen. In der heutigen Nummer des„Tag" macht sich wieder einmal der Freiherr v. Zedlitz und Nenkirch den Spatz, in einer Ab- Handlung„WaS ist für den LinkSlibcralismuS in der Wahlrechtsfrage lgemeint ist die prentzische) erreichbar?" den Freisinn blutig zu verhöhnen. Schon der erste Satz lautet vielversprechend: „Wenn die„Freisinnige Zeitung" aus meinem letzten Aufsatze die Hoffnung schöpft, datz sich Aussicht auf Einführung des Reichs Wahlrechts in Preußen eröffne, so gibt sie sich einer starken Illusion hin. ES hieße einfach einer Fata M o r g a n a nachjagen, wollten sich unsere Freisinnigen in der praktischen Politik von einer so gänzlich unbegründeten Hoffnung leiten lassen." Nationalliberale und Freikonservative seien genau so eutschlostene Gegner des Reichswahlrechts wie die Konservativen. Also— wie der Berliner sagen würde— den Zahn sollen sich die Freisinnigen nur ziehen lassen. Was aber können sie denn eigentlich erreichen? Nur so viel— meint Frhr. v. Zedlitz— wie die Konservativen be- willigen wollen. DaS sei„die feste Grenze dessen, was für die Liberalen äutzerstenfalls in der Wahlrechtsfrage erreichbar" fei. Und wieviel wollen sie bewilligen? „Prüft man nun, wozu die Konservativen sich in der feste» Absicht, die Blockpolitik im Reiche zn stützen, voraussichtlich ver- stehen möchten, so erkennt man sofort, datz dazu eine neue Wahlkreisein teil Hng nach der jetzigen Bevölkerungszahl auf jeden Fall nicht gehört, und datz demzufolge, wenn überhaupt etwas erreicht werden soll, dieser Punkt von vornherein aus der prakischen Erörterung aus- scheide» mutz." Also gleiches und direktes Wahlrecht— gibt'S nicht! Gerechte WahlkreiZeinteilnng— gibt's nicht I ES darf nicht einmal davon gesprochen werden I— WaS soll es denn für den Liberalismus geben? Möglicherweise„eine stärkere Vertretung einiger besonders volkreicher Gegenden". Für diese Konzession, die einzige, die überdies nur„vielleicht, aber nicht sicher" gemacht werden wird, soll aber„der Grundbesitz, namentlich der ländliche Grundbesitz, bei der Abstufung dcS Wahlrechts nach seiner staatSerhaltenden Bedeutung voll berücksichtigt werden". Auch die Oeffentlichkeit der Wahl soll bei- behalten werden. Und nachdem der Freiherr so die Liberalen gewarnt hat, be- kommt er es fertig zu schreiben: „So ungefähr sieht nach der derzeitigen politischen Lage das auf dein Gebiete des WahlreckilS in Preutzen für den Links- liberaliSmnS Erreichbare und also auch das Ziel ans, das dessen parlamentarische Vertretung bei der in der nächste» Tagung in Aussicht stehenden Wahlrcchtsaktion im Auge behalten»nutz, wenn anders sie praktische Politik treiben will." Wenn die Freisinnigen im Parlament und überhaupt in der praktischen Politik den Konservativen in dieser Weise den Steigbügel halten, dann sollen sie dafür daS Recht haben, mit dem Munde freisinnige Prinzipien hochzuhalten: „Wenn die freisinnigen Gruppen sich im allgemcinpolitischen wie im eigensten Parteiinteresse bereitfinden lasse», zu einer Ver- ständigung auf dieser Grundlage, wenn auch vielleicht nur indirekt. die Hand zn bieten, so wird eS ihnen natürlich u n- benommen bleiben, ihren grundsätzlichen Standpunkt zugunsten der Einführ nng des Reichs Wahlrechts vollinhaltlich weiter zu ver- trete u." Aber von dieser ihnen gnädigst gewährten„Freiheit" dürfen sie"'cht etwa zu ausgiebigen Gebrauch machen. Der Freiherr fährt fort: „Nur wirb in der A r t dieser Vertretung der Gesichts- pnnkt der konfervativ-liberalen Paarung nicht außer acht gelassen werden dürfen. Wenigstens nicht im Abgeordneten- hause. Daß die Preise stärkere Töne anschlägt, ist weniger bedenklich. Solche? Zuckerbrot wird in an d e n n u u einmal an starke Kost gewöhnte» Lesern der freisinnige» Presse auch ferner noch bieten müssen, damit sie guter Lauue«ud bei der Stauge bleiben." Es ist unseres Wissens noch nicht dagewesen, datz eine politische Partei, die immerhin eine bestimmte Schicht deS Bürgertums vertritt. in einer so ausgesucht boshaften Weife sich vcrhöhueu lasse» mutzte. Der Freisinn mutz sichs gefallen lassen. Er hat tu Deutsch- land lauge nicht die politische Macht und Bedeutung, die er haben könnte und die der von ihm vertretenen Bevölkerungsschicht tat- sächlich zukommt— er hat sie nicht, weil er seine Prinzipien verschachert hat, weil er statt gmndsatztreucr Politik diplomatische Ge- schäslchcn betreibt.—_ Prcnsjrsche G eh altsaufb esserunz en. Der Finauznnnistex und der Mimstcr des Jimern haben eine Verfügung über die Ausführung der im Staatshanshalts- akt für 1907 vorgesehenen Gehaltsaufbesseruirgen erlassen. Nach den„Verl. Pol. Nachr." enthält sie folgende Bestimmungen: „Danach ist, wenn an der Gehaltsanfbefferung beteiligte Beamte zum 1. April d. I. befördert oder aus dienstlichen Rücksichten in andere Stellen versetzt sind, der Gehalts- bemessung in der neuen Stelle derjenige Gehaltssatz zugrunde zu legen, welcher ihnen in der früheren Klasse»ach den neuen Gehaltssätzen am 1. April d. I. zustehen würde. Wenn ein Beamter, der vor dem 1. April 1907 aus einer der an der Gehaltsänderung beteiligten Beamtenilasse» in eine andere Etatsstclle übergeführt ist, beim Verbleiben in der vorher von ihm bekleideten Etatsstelle nach den neuen Gehaltssätzen am 1. April d. I. oder bei dein ersten Aufrücken in der früheren Stelle nach dem 1. April d. I. ein höheres Gehalt bezogen haben oder beziehen würde, als ihm in der jetzt bekleideten Stelle nach seinem Besoldungsdienstalter zusteht, so ist letzteres anderweitig, und zwar in der Weise festzusetzen, datz angenonuneu wird, der Beamte war? erst ain 1. April 1907 in seine jetzige Etatsstclle eingerückt. Bei diesen Ermittelungen ist stets nur auf die vor der jetzigen Etatsstclle zuletzt bekleidete Stelle zurückzugehen und nicht auch eine vor dieser etwa bekleideten Stelle in Betracht zn ziehen. Bei der Nachprüfung der Gchaltsverhältuisse werden i» der Hauptsache vormalige Gendarmen und Schutzmänner in Frage kommen, die ohne vorausgegangene Pensionierung vor dem 1. April 1997 in ihren jetzigen Elatsstellen zur Anstellung gelangt sind. Für die Gendarmen und Schutzmänner sind die Gehaltssätze vom 1. April d. I. folgendermaßen geregelt: AnfangZgehalt 1100 M., nach 3 Jahren 1S00 M., nach 6 Jahren 1600 M., nach 9 Jahre» 1700 M.. nach 12 Jahren 1800 M.. nach 15 Jahren 1900 M. Nach den vorstehenden Sätzen ist bei den anS der Gendarmerie oder Schutzmannschaft ohne vorherige Pensionierimg vor dem 1. April 1907 übernommenen Gendarmen und Schutzmännern da« am 1. April 1907 zuständige normale Gehalt der frühereu Stelle in der Weise zu ermitteln, daß a) die Dienstzeit als Gendarm oder Schutzmann feit der Erlangung des Zivilver- sorgungsscheinS, b) die Dienstzeit als etatSnüttziger Beamter der allgemeinen Verwaltung oder der Verwaltung der direkten Steuern bis zum 31. März 1907 und o) der bestimmnugsgemätz anrechmmgS- fähige Teil der dazwischen liegenden diätarischen Beschäftigung insgesamt alö Dienstzeit in der Gendarmerie oder Schutzmannschaft zugrunde gelegt wird. Nach dem in dieser Weise ennittelten Normalgehalte der früheren Stelle sind das BesotdmigSdienstalter und das Gehalt in der neuen Stelle festzusetzen. „National-Zeituug". Die Leitung der„National-Zettung" zeiizt an, datz dieses Blatt in andere Hände übergeht. Der bis- ycrige Chefredakteur, Herr Nebel, ist am 1. Juli auf seinen Wunsch ausgeschieden und Herr Paul Harms hat an semer Stelle die Chef- rcdattion endgültig übernommen. An der bekannten Zuverlässigkeit und Anständigkeit deS Blattes wird sich voraussichtlich dadurch nichts ändern, Kleine politische Nachrichten. Der sinnische Landtag ist bis zum 2. September vertagt.— Die Einführung der unentgeltliche!! GeburtShülfe ist von der Gemeinde Grafftall iin Kanton Zürich beschloffen worden.— Berichtigung. In dem Leitartikel„Der katholische G c s e l l e n v e r e i n" in der SonntagSnnmmcr de»„Vorwärts" muh es am Schlutz heißen:„Wie uns von eingeweihter Seite ver- sichert wird, soll es bei diesem Verfahren öfter vorkommen, datz der Geselle auf den Kolpingvercin, als daß er auf die Gewerkschaft verzichtet."__ Schweiz. Der Kampf um den Neunstundentag im Parlament. Zürich, 28. Juni 1907. Aehnlich wie in der Stadtverordnetenversammlung in Mannheim, so spielte sich in den letzten Tagen ini Großen Stadtrat von Zürich ein Kampf um die Arbeitszeitverkürzung der städtischen Arbeiter ab. Es handelte sich aber nicht wie in Mannheim um den Achtstundentag, sondern um die n e u n st ü u d i g e Arbeitszeit. Zürich soll nämlich eine neue Gcmcindeordmmg bekommen, in der eine Anzahl nicht unbedeutender wirtschaftlicher und sozialer Fortschritte verwirllicht werden sollen. Nach langer Debatte ergab die namentliche Abstimmung 61 Stimmen für die Festlegung des Ncunstundentages in der Gcmeindeordnung und 35 Stimmen da- gegen. Dafür stimmten neben den sozialdemokratischen Ver- trctern auch die Demokraten, d a g e g e n die„Freisinnigen", zu deren Wesen es auch in der Schweiz gehört, datz sie sich theoretisch für alle möglichen wirtschaftlichen und sozialen Fortschritte be- aeisiern, um sie in der Praxis desto ungestümer zu erwürgen. Uno sie machten nochmals den Lersuch, den Neunstundentag zn erwürgen! In der nächsten Sitzung des Stadtrats nämlich stellten die Freisinnigen einen Wiedererwägungsantrag, der aber mit 67 gegen 40 Stimmen abgelehnt wurde. Trotz dieser Nieder- läge unternahmen sie eS dann, eine weitere Errungenschaft der städtischen Arbeiter zu erdrosseln: In einer früheren Sitzung war in der Gcmeindeordnung für gelernte Handwerker ein Minimal- lohn von 5,50 Frank, für erwachsene Handlanger ein solcher von 5 Frank festgelegt worden. Auch in bezug hierauf wurde ein Wiedererwägungsantrag gestellt, doch ebenso erfolglos. Schliehlich wurde der ganzen Gcmeindeordnung in der Schlutzabstimmung der Krieg erklärt. Es ergab sich aber doch eine Mehrheit von 73 gegen 35 Stimmen. Die Vorlage wird nun etwa Ende August oder Anfang September vor das Volk kommen. Dis Freisinnigen haben ihr bereits erbitterten Kampf angekündigt. Sie stehen ganz im Banne des Bürgcrvcrbandes, einer Organisation, die— ähnlich wie der deutsche Reick, slügcnverband— den Kampf gegen die Sozial- demokratie führt. Mit welchem Erfolge, das haben die letzten Wahlen für den kleinen Stadtrat gezeigt, bei denen die sozial- demokratische Partei einen neue», den vierten, Sitz eroberte. Voraussichtlich wird die neue Gcmeindeordnung auch trotz der Gegnerschaft des„Freisinns" vom Volke angenommen werden, und dann werden also die städtischen Arbeiter endlich anstelle der bis- herigen zehnstündigen wenigstens die neunstündige Arbeits- zeit haben. Die Privatindustrie wird dann bald folgen müssen. DaS eben befürchten ja die Vertreter des Unternehmertums, und deshalb sperren sie sich auch so hartnäckig gegen die Borlage. fvaHkrekh. Eine kräftige Temoiistration« Paris, 2. Juli. Aus Toulon wird gemeldet: Nach einer neuen Verordnung hatten die Arsenalarbciter gestern zum ersten Male in jeder Werkstätte einen Vertreter in die allgemeine ArscnalbeförderungS-Kominission zu wählen. Die Arbeiter gaben aber meist lvcitze Stimmzettel ab oder solche mit Schmähworten gegen die Regierung. In einer Werkstätte wurden Marcclin Albert und g e r r o u l einstimmig gewählt I— Das Ergebnis ist, datz nur einige zwanzig Stimmzettel als gültig anerkannt und datz dje Betreffenden als gewählt proklamiert worden sind.— Snglanä. Der Kampf wider die LordZ. London, 29. Juni.(Eig. Ber.) Wer noch daran zweifelte, datz der ganze Kampf gegen daS House of Lords darauf zugeschnitten war, der Masse der Wähler plausibel zu machen, dem Oberhaus sei die alleinige Schuld zu- zuschreiben, datz es der liberalen Partei bis jetzt nicht gelungen ist, großzügige liberale Reformen durchzuführen, der ist durch die dreitägige parlamentarische Debatte eines Besseren belehrt worden. Ob aber Sir Campbell Banncrman sein Ziel erreicht hat, kann vorläufig nicht festgestellt werden. Im allgemeinen wird dieser vom Zaun gebrochene Kampf als eine Warnung an das Oberhaus aufgefatzt, mit den gesetzgeberischen Matznahmcn der Regierung etwas zarter umzugeheu. Es wäre also verfehlt, wollte man das parlamentarische Schar. mützel als die Vorboten eines ernsthaft zu beginnenden Kampfes zwecks Ausbreitung der demokratischen Institutionen betrachten. Nicht als ob es in der Negierung keine Männer gäbe, die tatsächlich an einen solchen Kampf glauben, und ohne Zweifel gehört der Premierminister zu diesen wirklichen Demokraten. Die ganze Lordsdcbatte hat aber deutlich bewicscu, datz die wirklichen Demo- kraten in der Regierung die Minorität bilden! Nur so erklärt sich der klaffende Unterschied zwischen der Rede des Premierministers und den positiven Vovschlägcn, die er im Namen der Regierung zu machen hatte. Auf diesen Widerspruch machte der Vcrtreler der Arbeiter- Partei in sehr eindrucksvoller Weise aufmerksam, als er den Antrag auf Beseitigung der LordS einbrachte: Artur Henderson bewies, daß es ein wahres Glück für die Arbeiterklasse war, datz im b?r- gaugcnen Jahre das Oberhaus noch nicht nach dem Plan der Re- gieruug„reformiert" war, sonst würde daS neue GcwerkschaftS- gesetz und das Unfallversicherungsgesetz noch nicht bestehen, da es ja nach den Vorschlägen der Regierung drei Jahre dauern kann, bis eine Vorlage Gesetzeskraft erlangt! In weiten Kreisen der Arbeiterpartei verhält man sich sehr skeptisch gegenüber dem neuen Fcldgeschrei:„Wider die Lords!" Man fürchlct, die Regierung wolle den Anti-Lordskampf als eine Bremse benutzen, um den Fortschritt einer wirklichen Sozialreforin auf die lange Bank zu schieben. Wo bleibt z. B. die d e in o- k r a t i s ch e Rcsormierung des Unterhauses? Dieses Manko wurde in wahrhaft genialer Weise von dem konservativen Ab- geordneten Lord Robert Cecil drei Tage vor der Lordsdebatte demonstriert: Er erlaubte sich den Spatz, einen Gesetzentwurf be- trcffs Rcformicrung deS Oberhauses einzubringen, und dieser Schritt verhinderte die Regierung, ihre Lordsrelolution vor dem Hause zur Debatte zu bringen. Die Sache verhält sich nämlich folgendermatzen: Die Geschäftsordnung des Unterhauses verbietet einem Abgeordneten, eine Resolution zur Debatte zu bringen über einen Gegenstand, der bereits in Form einer GefetzeSvorlage auf der Tagesordnung steht. Umgekehrt kann keine Gesctzcsvorlage Vor dem Hause debattiert werden, wenn eine Resolution über den- sclbcit Gegenstand auf der Tagesordnung steht! Im allgemeinen hat bisher die Regierung zumeist aus dieser Bestimmung Nutzen gezogen, wenn sie Debatten auS dem Wege gehen wollte, die ihr unliebsam waren. Lard Robert Cecil also kündigte seinen„Gesetzentwurf" ganz genau in den Worten der NegierungSresolution an. Man nennt das„Blocicilig Bill" oder„Dlocliing Motion". Eine solche „Blocking Motion" verhindert zum Beispiel in dieser Session eine Debatte über allgemeines Wahlrecht ohne Unterschied des Ge- schlechts, desgleichen über die Grausamkeiten in Indien. Tie Konservativen zogen nun allerdings im letzten Augenblick ihre„Blocking Li»" zurück, nachdem der Regierung zum zweiten Male das Versprechen abgezwungen worden war, die Geschäfts- ordnung umändern zu wollen. Gewitz war es den Konservativen nicht ernst mit ihrer Blotzstellung der Geschäftsordnung, die sie in ihrer Machtperiode ja selber weidlich ausgenutzt haben, aber sie lieferten doch einen eklatanten Beweis dafür, datz man auch hier mit der„Reinigung" im eigenen Hause anfangen sollte.— Ge�erKscKaMcKes. OrgnnisationSfrciheit in England. Ins„Vermischte" verweist die„Arbeitgeber-Zeitung" dle Mitteilung über einen Vertrag, der vor 10 Jahren in der britischen Maschinen- und Schiffsbauindustrie abgeschlossen und jetzt erneuert worden ist. In Beziehung auf das Organi- sationsrccht der Beteiligten sagt derselbe: „Jeder Unternehmer mag zn dem Verband lFcderation) ge- hören und jeder Arbeiter mag zn einer Gewerkschaft sTradc Union) gehören oder nicht, wie jeder von ihnen eS angebracht halten mag. Jeder Unteruchmcr mag jeden Mann beschäftigen und jeder Arbeiter mag Beschäftigung bei jedem Arbeitgeber nehmen, ob der Arbeiter oder der Arbeitgeber zu einer GeWerk- schaft bezw. dem Verband gehören oder nicht. Die Gewerkschaften empfehlen allen ihren Mitgliedern, sich nicht zu weigern, mit Nichtorganisierten Arbeitern zu arbeiten und der Verband empfiehlt allen seinen Mitgliedern, sich nicht zu lveigern, organi- sicrtc Arbeiter zu beschäftigen, aus dem Grunde, oatz sie Mit- gliedcr einer Gewerkschaft sind. Von keinem Arbeiter soll ver» langt werden, eine Erklärung abzugeben, ob er zu einer Ge- werkschaft gehört oder nicht." Daran knüpft die Arbcitgobcr-Zeitung die unsäglich alberne Bemerkung: Gibt es eine deutsche Gewerkschaft, die sich zu einer solchen, immerhin noch nicht den Gipfelpunkt dcS WünschenSlvcrten dar- stellenden Auffassung aufzuschwingen vermöchte?— Der„Gipfelpunkt des Wünschenswerten" für die„Ar- beitgeber-Zcitnng" ist nämlich, datz die Arbeiter die„Organi- sationsfreiheit" der Unternehmer, der Gelben und Jndisfc- reuten respektieren, ihrerseits aber auf diese keinen Anspruch machen. Einen Vertrag, wie den abgedruckten, würde jede deutsche Gewerkschaft ohne Besinnen unterschreiben, denn er zwingt auch die Unternehmer, die Organisationszuge- Hörigkeit der Arbeiter nicht als Anlatz zu Matzregclungen anzusehen. Eben in diesem Augenblicke erhalten wir die folgende Mitteilung: Die Porzellanarbciter in Nnterwcißbach.wurden ausgesperrt, „weil sie trotz erhaltener Aufforderung aus dem Verbände nicht ausgetreten sind". Und dieser Vorfall ist typisch für die deutschen Verhält- nisse, kein Einzelfall. Aussperrungen wegen Zugehörigkeit zu einer Gewerkschaft sind bei uns alltägliche Erscheinungen. Und gehts nicht überall mit der brutalen Offenheit, wie bei den Porzellanarbeitern in Unterweißbach, dann hinterrücks oder auf Schleichwegen. Wozu gründet man„gelbe" Gewerk» schaften? Zu dem ausgesprochenen Zwecke, die Organisationen der Arbeiter zu sprengen, die freigewerkschaftlich organisierten Arbeiter durch die eigenen Schiitzlinge systematisch zu ver- drängen. Wenn sich die deutschen Arbeiter vielfach gegen die Neueinstellung von Unorganisierten und Gelben sperren, ge- schieht dies aus Notwehr, geschieht es, um die eigene Organi- sation nicht zerstören zu lassen. An dem Tage, wo die Scharfmacherblätter sich nicht mehr im vermischten Teile für die Organisationsfreiheit in— England erwärmen, sondern eine solche an leitender Stelle ernsthaft für die Arbeiterschaft in Deutschland fordern, haben die Arbeiter keinen Anlaß mehr, sich in der Notwehr gegen das Unternehmertum die Mitarbeit von Kollegen zu verbitten, deren einziger Fehler die mangelnde Aufklärung ist. Freilich verlangen sie auch das Recht, die Indifferenten zu sich herüber- zuziehen und für die Organisation zu gewinnen. Aber s o versteht natürlich die„Arbeitgeber-Zeitung" die Organi- iationsfreiheit nicht. Die Organisationsfreiheit, die dem Scharfmachertum beim Arbeiter wünschenswert erscheint, ist ja nicht die Freiheit zur Organisation, sondern die Freiheit von der Organisation, d. h. eines regellosen Haufens von Einzelindividuen, die sich ohne Gegenwehr ausbeuten lassen! Lerlin und Umgegend. Der Kampf im Baugewerbe. In den Verbandsbureaus der Maurer, Zimmerer und Bau- hülfsarbeiter sind wieder neue Bewilligungen von Mit- gliedern des Verbandes der Baugeschäfte angemeldet worden. Die Maurer haben am t. und 2. Juli 26 Unterschriften erhalten. Soweit sich die Situation gegenwärtig überschauen läßt, ist die Zahl der Arbeitswilligen trotz der größten Anstrengungen der Unter- nchmcr kaum größer geworden als vor dem 1. Juli. Die Unter- nchmcr zählen noch eifrig und warten, daß sich die Zahl ver- mehrt, ehe sie damit hervortreten. Sie haben„Arbeits- erlaubniskarten" herausgegeben, grüne für die Zimmerer, gelbe für die Maurer und weiße für die Bauhülfsarbeiter. An die letzteren, die sonst von ihren Arbeitgebern hochfahrend behandelt werden, haben sie sehr höfliche Schreiben gerichtet und die„ge- ehrten Herren" gebeten, sich am Montag zur Arbeit zu melden und falls sie„unerwarteterweise" nicht eingestellt werden können, ihre geschätzten Namen in der Beuthstraße noch einmal zu melden. Man hat von den Hülfsarbeitern ein gut Teil mehr zur Verfügung als von Maurern und Zimmerern, kann die ersteren aber ohne die letzteren nicht verwenden. Etwa 500„Erlaubniskarten" für Bau- arbeiter hat man ausgegeben. Jetzt verläßt man sich auf die Atkordmaurer, die in einem Rundschreiben des Verbandes der Baugeschäfte den Mitgliedern eifrig empfohlen werden, aber die Unternehmer können die Akkordmaurer zum Teil nicht ge- brauchen, zum Teil wollen sie nichts von ihnen wissen, weil sie an Tüchtigkeit zurückstehen und dann ist auch die Zahl derselben verhältnismäßig nur gering. Die Zimmerer können über Zuzug von außerhalb gar nicht klagen und die Berliner Kollegen stehen fest zusammen. Sie sehen dem Verlauf des Kanipfes mit der größten Ruhe ent- gegen. Ein Mietszuschuß von 13 M. wurde den Mitgliedern des Zcntralverbandes bewilligt und der Zuschuß für die Kinder wurde erhöht, um den Familienvätern die Sorge zu erleichtern. Die Wachsamkeit der Arbeiter ist in den letzten Tagen ver- doppelt worden zum großen Mißvergnügen der Unternehmer, die für ihre Arbeitswilligen so auögiebigen Polizeischutz in Anspruch nehmen, daß die Rechte der Streikenden nicht selten dadurch ge- schmälert werden. Da regnet es Strafmandate, die in Berlin ge- wöhnlich über 36 M. lauten, während man es in den Vororten zuweilen etwas billiger macht. In Britz und Rixdorf zum Bei- spiel werden dieselben„Vergehen" mit 3 und 6 M. bestrast. Heute findet die allgemeine Bautenkontrolle statt. *> Die Versammlung des Zentralverbandes der bau gewerblichen Hülfsarbeiter am Dienstagvormittag in der„Neuen Welt" zeigte deutlich, daß das GroS der Arbeiter gor nicht daran denkt, den Lockungen der Unternehmer zu folgen und als Arbeitswillige wieder auf die Bauten zu gehen. Der Besuch war außerordentlich stark und der Vorsitzende K r i b o w wies mit Stolz daraus hin, daß die Bauarbeiter auch nach dem 1. Juli fest zu- sanunenstehen und ihre Forderungen durchzusetzen entschlossen sind. H e i d e m a n n nahm das Wort zur Berichterstattung über die gegen- wärtige Situation. Unter dem lebhaften Beifall der Versammelten machte er bekannt, daß seit Sonnabend 17 Bewilligungen eingelaufen seien, darunter sechs von Mitgliedern des Verbandes der Baugeschäfte. Jede Bewilligung bedeutet jetzt viel mehr als zehn Unterschriften zu Anfang der Belvegung, denn es handelt sich jetzt darum, daß die größeren Firmen kommen und ihren Frieden machen. Auf die Arbeitswilligen von außerhalb haben die Unternehmer vergebens gehofft, sie sind ausgeblieben! der Vertrag mit den Akkordmaurern schreckt die Ein- geweihten nicht; es sind etwa 1666 Akkordmaurer in Berlin, die meist in einem sehr schlechten Gerüche stehen und in 5—6 Bereinen sich zusammengetan haben. Wenn die organisierten Maffen der Maurer und Bauarbeiter im Streik verharren, dann kann die Arbeit nicht wieder aufgenommen werden, trotz aller Künste, die die Unternehmer probieren und trotz ver Parteinahme der Polizei für die Unternehmer. Die ausgestellten Streikposten haben über zahlreiche Belästigungen durch die Polizei zu klagen, aber sie lassen sich nicht davon abhalten, ihre Pflicht zu tun. Die Arbeiter sehen einem baldigen Siege ihrer Sache mit Zuversicht entgegen.— Die Diskussion war eine rege und zeigte, daß jedermann sich freute über den Fehlschlag der Unternehmer am 1. Juli und daß es nun als selbstverständlich gilt, auszuharren, bis die Forderungen bewilligt sind. Mit einem dreifachen donnernden Hoch auf die Bewegung der Bau- arbeiter schloß die Versammlung. Eine Weltfirmak Besonderes gewerkschaftliches Entgegenkommen zeigte dieser Tage die Direktion der Chemischen Fabrik auf Aktien vormals E. Schering. Als dort vor drei Wochen die Böttcher wegen Lohn- zulage vorstellig wurden, ist ihnen mit Hängen und Würgen eine Zulage von vier Pfennig pro Stunde(!) bewilligt worden. Aber auch das ist der Direktion bald leid geworden. Schon in der zweiten Woche nach erfolgter Lohnerhöhung erhielten die Böttcher in der Müllerstraße ihre Entlassung mit der Begründung, daß sie zu teuer seien. Wer aber weiter arbeiten wolle für 52 Pf.(den alten Lohn), der könne bleiben. Dieses Ansinnen ist von den Arbeitern rundweg abgeleynt worden. Nun erklärten sich auch die Böttcher derselben Firma Abteilung Jungfernheide-Char- lottenburg solidarisch, die ebenso wie die Böttcher aus der Werk- stelle Hinze die Arbeit sofort niederlegten. In Betracht kommen im ganzen 16 Mann. Der Zuzug von Böttchern ist von der Millionenfirma Schering streng fernzuhalten. Dcutfches Reich- Achtung! Goldleistenarbeiterk In der Kölner Goldleistenfabrik von Schulz u. Co. in Ehren- feld wurden weitere Entlassungen vorgenommen. Darauf sind sämtliche Arbeiter in den Ausstand getreten. Uuterbeamte im BcrzSa«. Die kürzlich erfolgte Gründung einer Organisation der Gruben« steiger hat die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf diese Beamten« kategorie gelenkt. Eine Statistik über die in Preußen vorhandene Zahl von Beamten und der von ihnen bezogenen Gehälter ergibt folgendes Bild: Es waren Beamte tätig im Steinkohlenbergbau im Oberberg- amtsbezirk Dortmund... Staatlichen Steinkohlenbergbau Saarbrücken....... Steinkohlenbergbau in Aachen. Liuksrhein. Braunkohlenbergbau Siegen-Nassauischen Erzbergbau Sonstigen rechtsrhein. Erzbergbau Linksrheinischen Erzbergbau.. Steinkohlenbergbau i.Oberichlesien , i. Niederschlesien Staat!. Erzbergbau am Oberharz Salzbergbau im Harz.... Braunkohlenbergbau im Ober« bergamtsbezirk Halle Kupferschieferbergbau.» Salzbergbau„, * Nur die nicht im Staatsbeamtenverhältnis stehenden Steiger. Die so amtlich berechneten Gehälter schließen die ständigen Oberhäuer, Aufseher, Fahrhauer usw. mit ein. Trotzdem ist aus den Zahlen zu ersehen, daß die Durchschnittsgehälter klägliche zu nennen sind. Am allgemeinen Aufstieg der Löhne, entsprechend der verteuerten Lebenshaltung, nahmen die Beamten nur in geringem Maße teil. Im Oberschlesischen Steinkohlenbergbau und im Halle- scheu Salzbergbau sind die Gehälter sogar gesunken. Neben den Gehältern erhalten die Beamten vielfach noch freie Wohnung, Licht, Heizung, im Braunkohlenbergbau auch Grubenfeld. Ferner erhöht sich ihr Einkommen durch das Prämiensystem. Dieses System ist ebenso verwerflich wie unwürdig. Es ist ein Ansporn, die Arbeiter zu Höchstleistungen anzutreiben. Sicherheit des Lebens und der Gesundheit gehen dabei zugrunde. Durch daS System sind die Beamten ferner ihren Verwaltungen auf Gnade und Ungnade ausgeliefert, der Willkür, Gunst oder Mißgunst einzelner Vorgesetzten preisgegeben I Hand in Hand mit dein Prämiensystem geht das „Soll". Dieses„Soll" stellt die raffinierteste Kontrolle dar, die Menschengeist je erfunden. Nimmt man noch hinzu, daß die unteren Beamten verantwortlich gemacht werden für Verstöße gegen das Berggesetz, die in Wirklichkeit dem System und den Zechen- Verwaltungen zur Last zu legen sind, daß sie oft genug ihre Bor- gesetzten decken müssen bei Unfällen, die fehlende Schutzvorrichtungen veranlaßt haben, so kann man sich vorstellen, daß die Steiger mcht auf Rosen gebettet sind. Sie haben außerdem noch zu leiden unter denen, die, ohne ge- schult zu sein, ihre„Kollegen" werden. Diese„Kollegen" haben ihre Stellung oft ergattert durch ekelhaftes Kriechen nach oben. Es sind Elemente, denen jeder aufrechte Mann gern aus dem Wege geht. Sie drücken auf die Gehälter, suchen sich anzubiedern, um fchließlich ihre„Kollegen" zu verraten und auszubeißen. Die Forde« rung der Steiger auf Zulassung nur theoretisch vorgebildeter Be- amten erscheint deshalb berechtigt. Die Emporkömmlinge be- handeln im allgemeinen dieArbeiter viel schlechter wie die geschulten Steiger. Die Programmpunkte der jungen Organisation: Zu« sammenschluß auf rein gewerkschaftlicher Grundlage, Forde- rung eines NeichSberggefetzeS, Zuständigkeit auch der Berggewerbe- geeichte für Beamte bis zu 5666 M. Gehalt, Arbeitskammern, staatliche PensionS- und Hinterbliebenen-Verficherung, sowie Abschaffung des Prämiensystems und Gewährung höherer Gehälter, auch Be- seitigung des„Soll" find zu billigen. Der Organisationsgedanke macht im Ruhrgebiete weitere Fortschritte. Ob aber im Ernstfalle die Steiger mit den Arbeitern gegen da» Kapital kämpfen werden bleibt abzuwarten. Ausland« Der Landarieiterstreik in Ferrara. R o m, den 36. Juni. Die Phantasie der bürgerlichen Reporter hat die Ereignisse in der Provinz Ferrara mit fo üppiger RevolutionS- und Schauer- romantik umsponnen, daß der wahre Sachverhalt kaum noch aus dem Wust herauszuschälen ist. Die Korrespondenzbureaus haben es sich gewiß nicht nehmen lassen, von zu Tode gepeinigten Polizisten und von dem schrecklichsten Pöbelterrorismus zu berichten. In Italien arbeitet man sogar darauf hin, über die Provinz Ferrara den Be- lagerungSzustand verhängen zu lasten und hat eine Partei- genossin, die Gewerkschaftssekretärin Guglielmini, verhaftet unter der Anklage— einen Kastrierungsversuch an einem Polizisten gemacht zu haben! Alle Seefchlangen der bürgerlichen Angst und Spitzelsucht sind losgelassen, es scheint zum mindesten, daß in der reichen Ebene von Ferrara die Revolution ausgebrochen ist. In Wirklichkeit ist nun freilich die Situation in den Streik- gegenden nicht gerade rosig zu nennen. Die Ernte- arbeiter. bis jetzt gegen 46 666. sind in den Ausstand ge« treten und fordern Erhöhung der Tarife sowie den Ausschluß des Hofgesindes und der Arbeiter im Jahresvertrag von den Ernte- arbeiten. Es handelt sich darum. 66 666 Hektar Land zu mähen, und die Unternehmer erklären, daß sie, wenn der Streik sich noch länger hinzieht, einen Schaden von 26—25 Millionen erleiden. Natürlich gestaltet sich die Situation von Tag zu Tag ernster, um so mehr als in der Streikgegend 12666 Mann Militär verteilt sind. Glut- Hitze, Untätigkeit und häufige Reibereien zeitigen nicht gerade ftied- liche Zustände— aber bis zu den Greueltaten, die berichtet worden sind, hat es doch noch weite Wege. Wo es zu Exzessen gekommen ist, haben sie die Grundbesitzer gewollt und vorbereitet. Nicht Streikbrecher, nein, Lockspitzel hat man in den Bezirk C a p p a r o eingeführt, nicht die Ernte- arbeiten, sondern die Störung der öffentlichen Ordnung hatten die Besitzer im Auge. Sie haben eS gewagt, eine vielhundertköpfige Menge von Streikenden dadurch zu provozieren, daß sie 14 mit Flinten und Revolvern bewaffnete Individuen als„Streikbrecher" einführten. Die Polizei hätte in dieser Situatton nur eine Aufgabe gehabt: die 14 Bewaffneten zu verhaften, da sie ohne Waffenschein Waffen trugen. Statt dessen hat eine Handvoll Polizisten sich gegen die Streikenden gewendet und sie mit dem Revolver bedroht. Die natürliche Folge war, daß die Stteikenden reagierten, wobei sie die Oberhand behielten. Drei Polizisten wurden dabei übel zugerichtet; sie sind im Krankenhause, aber keineswegs in Lebensgefahr. Wieviel Landarbeiter sind seit Proklamierung des Streiks übel zugerichtet worden? In Marozzo hatten sich die Streikenden auf den Boden geworfen, um der Kavallerie den Durchgang zu wehren, und der Offizier hat einfach in die Masse lebendiger Menschen hineinreiten lassen, wobei zwanzig Frauen verwundet wurden. In Lagosanto hat die Kavallerie eine Frau in den Strom gedrängt. wo sie elend ertrunken i st. In vielen anderen Orten sind die Truppen mit blanker Waffe vorgegangen. An Exzessen fehlt es also nicht, sie sind aber in der Mehrheit recht alltäglicher Art.»Rur Arbeiter' sind die Verwundeten. Die organisierten Unternehmer haben Unterhandlungen ab- gelehnt, mit den Nichtorganisierten sind welche im Gange. Eine Sroße BonifizierungSgesellschaft. die„Codigoro", hat bereits die rbeiterforderungen angenommen und bei dem Sekretariat der Landarbeiterorganisatton Italiens eine Anweisung von Arbeitern nachgesucht. Die Provokationen der Regierung dauern fort. Gestern ist das gesamte Agitationskomitee verhaftet worden. Das trägt natürlich nicht zur Beruhigung der gewaltigen Masse der Ausständigen bei. Gewerkschaften und Parte?- Aus Colorado wird gemeldet: Das Komitee des Verbandes der Grubenarbeiter der westlichen Staaten hat dem Statut der Ver» einigung einen neuen Artikel beigefügt, durch welchen der Arbeiter- verband sich der sozialistischen Bewegung anschließt. Die Führer der Arbeiter beabsichtigen, eine große politische Partei zu gründen, welche bei der nächsten Präsidentschaftswahl einen eigenen Kan- didaten ausstellen Ivird. Versammlungen. Die Verwaltungsstelle Berlin des Deutschen Metallarbeiter» Verbandes hielt am Sonntagvormittag in der„Neuen Welt" eine Generalversammlung ab, in der zunächst über die Frage beraten wurde, wie hoch vom 1. Juli ab der Beitrag innerhalb der Vor- waltungsstelle sein soll. Im Namen der Ortsverwaltung empfahl Handle, den Lokalzuschlag der männlichen Mitglieder auf 15 Pf. festzusetzen, so daß der Wochenbeitrag 75 Pf. betragen würde, während die weiblichen Mitglieder einen Ortszuschlag von 5 Pf., also 36 Pf. Beitrag zu zahlen haben. Der Redner begründete den Antrag vor allem damit, daß die Kämpfe, die die Organisation zu führen hat, sich immer mehr verschärfen, wie gerade jetzt wieder die Aussperrungen beweisen, die der Metallindustricllenverband an verschiedenen Orten über viele Tausende von Arbeitern ge- ringer Ursachen wegen verhängt hat. Mit Rücksicht auf die ab- steigende Konjunktur sei es um so mehr notwendig, von vornherein gerüstet zu sein, um derartigen Machtproben der Kühnemänner die Spitze bieten zu können. Wie sodann Cohen mitteilte, hat die Ortsverwaltung beschlossen, daß die Beitragserhöhung nur eintreten soll, wenn allen Mitgliedern Gelegenheit gegeben wurde, ihre Meinung zu äußern, weshalb sie vorschlug, den Antrag einer Nr- abstimmung zu überweisen, die über 14 Tage in 14 bis 16 Lokalen stattfinden soll. Die Generalversammlung beschloß demgemäß und erteilte ferner der Ortsverwaltung den Auftrag, vor der Ur- abstimmung ein aufklärendes Flugblatt über die Beitragsfrage herauszugeben, das in den Mitgliedcrkreisen verbreitet werden soll. Außerdem beschloß die Versammlung, daß der jetzt geltende erhöhte Beitrag, der bereits 75 Pf. beträgt, vorläufig auf 4 Wochen weiter gezahlt werden soll, worauf dann die Entscheidung der Ur- abstimmung in Kraft tritt. Nach Erledigung dieses Punktes wurden die Kandidaten für die Wahl von zwei Delegierten zum internationalen Arbeiter- kongreß in Stuttgart aufgestellt. Die Wahl selbst wird voraus- sichtlich gleichzeitig mit der Urabstimmung über die Beitragsfrage stattfinden. Als Kandidaten wurden aufgestellt: Cohen, Sellrich, Gutschc, Kühl und Wuschick. Sodann wurde folgende Resolution angenommen: „Die Generalversammlung der Verwaltungsstelle Berlin des Deuffchen Metallarbeiterverbandes beauftragt ihre De- legierten zum internationalen Kongreß, nach wie vor für Bei- beHaltung der Maifeier einzutreten.— Es ist sehr wohl möglich. die Idee der Maifeier so zu realisieren, daß den wirtschaftlichen Verhältnissen Rechnung getragen wird, ohne ihrem pro- pagandistischen Wert Einhalt zu tun." Eingegangene orueltfcdriften. Neue Gesellschaft. Hcst 1.(Herausgeber Dr. Heinrich Braun und Lilh Braun. Verlag Berlin HIV. 6. Einzelheit 10 Pf. Ernst Harcket und die Schule von A. Kick. 1 M. Verlag: A. Kröner in Stutgart. Jahresbericht des ArbeiterbildungSvereinS.Eintracht' w Zürich. '(1906.) 24 Seiten. Selbstverlag in Zürich, Neomartt 5. lieber die Nervolltoniiiinung des Menschengeschlechts von Dr. H. Mieth. 50 Pf. Verlag: 91. Fischer, Zehlcndorf. Protokoll über die Verhandlungen des 9. ordentlichen VcrbandstagcS deS ZentralverbandcS der Maurer Deutschlands. 486 Seiten. 20 Pf. Verlag: Th. Bömelburg in Hamburg. Bibliothek des allgemeinen und praktische» Wissens. Lieferung 93—95. Zum Studium und Selbstunterricht. Herausgegeben von Emanuel Müller-Baden.(Deutsches Verlagshau» Bong ä Co., Berlin W. 57.) Im Berlage von I. H. W. Dieh Rachf. in Stuttgart ist soeben erschienen: Die Agrarfrage iu Ruftland. Die bäuerliche Wittschastssorm und die ländlichen Arbeiter. Eine Untersuchung von Peter Mahlow. 9lutorisierte Ucberfetzung von M. Nachimson. Preis brofchiett 2,50 M., gebunden 3 M. DaS Schulzimmer. Vierteljahrsschau über Ausstattung und Ein- richtung der Schulräume. desLchrmittelweiens und derHygiene. Herausgegeben von H. Th. Matth. Meyer. Jährlich 4 H-ste. Jahrgang 4 M., Heft 1 M. Verlag von P. Johannes Müller. Charloitcnburg. Der Kunstwart. Rundschau über Dichtung, Theater, Musik. Heraus- geber F. Avenarius. Verlag von Georg D. 23. Calllveh in München. (Vierteljährlich 3.50 M.. Hest 70 Ps.) Der Tropenpflanzer, Nr. 7, Organ des Kolonialivirtschastlichen Komitees. Erscheint monatlich. Pro Jahr 10 M. Verlag Berlin, Unter den Linden 43. Protokoll der II. Generalversammlung der Vereinigung der Maler, Lackierer. Tüncher, Weihbinder und Anstreicher Deutschlands. 320 Seiten Verlag A. Tobler, Hamburg-Barmbeck. Letzte JVachnchtcn und Depcfchen» Wegen Blutschande verurteilt. Magdeburg, 2. Juli.(B. H.) Das Schwurgericht verurteilte in nicht öffentlicher Sitzung den 51 jährigen verheirateten Maschinen- Wärter August Hoffmann aus Marienburg bei Helmstedt wegen Blutschande, welche er seit 1898 mit seinen vier Töchtern getrieben hat zu zehn Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust. Hoff. mann hatte seine Töchter durch fortwährende Drohungen zum Schweigen gezwungen._ In den Flammen umgekommen— vom Blitz getötet.- Allenstein, 2. Juli.(W. T. B.) In Passenheim im Kreist Ortelsburg wurden durch einen Brand sechs Wirtschaftsgebäude eingeäschert. Dabei sind der„Allensteiner Zeitung" zufolge drei Kinder in den Flammen umgekommen.— Bei dem gestern über den Süden der Provinz niedergegangenen Gewitter sind drei Personen durch Blitzschlag getötet worden. Meuterei bei einem Jnfamerie-Regiment. Paris» 2. Juli.(W. T. B.) Der„TempS" meldet auS Pcrpignan: Bei dem 12. Jnfanterie-Regiment, das gegenwärtig Schießübungen im Lager von Larzac macht, soll eine Meuterei vor- gekommen sein._ Von den aufständischen Winzer«. Perpignan, 2. Juli.(B. H.) In Trouillot fand eine Winzer» Versammlung statt, an der sich über 366 Winzer beteiligten. ES wurde beschlossen, die Demission der Bürgermeister aufrecht zu er- halten» ebenso die Steuervcrweigerung. Amerikanisch-japanische Unstimmigkeiten? New Dork, 2. Juli.(B. H.) Die Bundesregierung entsendet allmonatlich ein Schlachtschiff oder einen Kreuzer in den Stillen Ozean» bis im ganzen 16 dort stationiert sind. Halbamtlich wird erklärt», die Maßregel sei schon beschlossen gewesen» lange bevor irgend welche Schwierigkeiten mit Japan bestanden. Oysterbay» 2. Juli.(W. T. B.) In der Umgebung de? Prä« fidenten Roosevelt werden die Zeitungsmeldungen als unbegründet bezeichnet, daß wegen der antiamerikanischen Bolksstimmung in Japan 16 amerikanische Schlachtschiffe vom Atlantischen nach dem Stillen Ozean beordert werden sollen, und es wird erklärt, daß Roosevelt niemals eine solche Bewegung in Erwägung gezogen habe. _ Die Zentralkommission der Vergolder Deutschlands.____ Perantw. Redakt.: Carl Mermuth, Berlin-Rixdorf. Jnserateverantw.: ID.BiSde.vertm. Krück«.Verlag: BorwänZBuchdr. v.!Lerlag»ank�KauISingerLcCo., Berlin L�V. Hierzu3Beilagen«. Unterhaltungsblatt Nr. 152. 24. Zahlgang. L Ctilajf des„ " ßttlititt ßolfehlatt. Nittl-ch� 3.|g|i 1907. Dtr PetcrS'Prozcß der.lilüncßener Polt'. (Telegraphischer Bericht.) München, den 2. Juli 1907. Die Verhandlungen wurden heute früh wieder aufgenommen. Rechtsanwalt Bernheim ist soweit wieder hergestellt, daß er sein Plaidoycr zu Ende führen kann. Die unmittelbaren Folgen des Petersprozesses werden, das kann schon jetzt mit Bestimmtheit ge sagt werden, ein Rattenkönig von Beleidigungsprozessen, Ehrengerichtsverhandlungen und möglicherweise auch Duellen sein. — Rechtsanw. Dr. Roseathal hat gestern bereits angekündigt, daß er die..Münchener Post" verklagen werde. Diese Beleidigungs- klage ist bereits durch Rechtsanw. Dr. Ä ä n tz l e r eingeleitet worden. Die„Münchener Post" hatte behauptet, daß Rechtsanw. Dr. Rosenthal Material, das er in seiner amtlichen Eigenschaft als Vertreter einer Partei in einem Ehescheidungsprozetz zur Ver- fügung hatte und an dem Sachverständiger Dr. Friedl- Martin beteiligt war, dem Dr. Peters zur Kenntnisnahme unterbreitet hat. Dr. Rosenthal fühlt sich durch den Vorwurf der„Münchener Post" daß er damit seine Berufspflichten verletzt habe, beleidigt. Auster dem hat die„Münchener Post" die Tätigkeit des Dr. Rosenthal auch noch in anderer Weise kritisiert und u. a. geschrieben, er plädiere mit Händen und Füsten. Rat Dr. F r i e d l- M a r t i n hat gegen Dr. Rosenthal Klage erhoben, weil er sich dadurch beleidigt fühlt, dast Dr. Rosenthal die Ladung von Zeugen beantragte, die über sein, Friedl-Martins, Vorleben Bekundungen machen sollten. Weiter steht eine Klage Dr. Peters gegen den Major v. D o n a t h bevor. Schliestlich hat Dr. Peters angekündigt, dast er wegen der Bc- hauptung des Majors v. Donath, dast er nicht satisfaktionsfähig sei, das Ehrengericht anrufen werde, und zum Schlutz ist noch eine Klage zu erwähnen, die Dr. Peters gegen einen Mann anhängig gemacht hat, der ihm auf der Strohe nach Verlassen des Gerichts- gebäudes„Hängepcters" nachgerufen hat. Dr. Peters liest den Mann sofort festnehmen und seine Personalien feststellen. Es soll dies übrigens der einzige Fall von Belästigung des Dr. Peters sein, und alle sonst nach außen gelangenden Meldungen gelten als übertrieben. Vor dem Gerichtsgebäude stehen mittags und abends in der Regel 60 bis 100 Personen, darunter aber sehr viele Kinder, da neben dem Gerichtsgebäude eine grohe Schule liegt. In der Hauptsache setzt sich das Publikum aus Neugierigen zu sammen, die den„großen Afrikaner" sehen wollen. Sofort nach Eröffnung der heutigen Sitzung nahm. Rechtsanwalt Bernheim das Wort. Er sprach zunächst sein Bedauern darüber aus. dast er gestern mit einem leichten Hitzschlag sein Plaidoycr nicht hatte zu Ende führen können. Zu seinem Bedauern müsse er sich auch heute etwas kürzer fassen. Er habe gestern die Fälle Mabruk, Jagodja und das Durchpeitschen der Weiber behandelt. Er habe nur noch nachzutragen, dast die Behauptung des Dr. Peters, Mabruk sei mit dem Revolver eingedrungen und habe die Mädchen bedroht, durch nichts bewiesen sei. Es seien das Behauptungen des Dr. Peters, die sich vielleicht auf Zuträgereien von Schwarzen stützten. Dabei habe Dr. Peters selbst gesagt, daß den Angaben der Schwarzen kein Glaube zu schenken sei. Da könne es Dr. Peters nicht übel nehmen, wenn wir auch ihm nur soweit glauben, als seine Angaben durch andere Zeugen bestätigt werden. Peters habe mit Emphase geleugnet, daß die Jagodja mehr als einmal geprügelt worden sei. Durch die Bekundungen der Zeugen Wilhelm und Wiest ist festgestellt, dast sie mehrfach geprügelt worden ist. Frhr. v. Soden hat erklärt, dast er das, was Dr. Peters getan hat, nur als einen Akt gemeiner Roheit bezeichnen könne. Schärfer und beleidigender hat sich auch die „Münchener Post" nicht ausgedrückt. Und Herr v. Soden kennt die Verhältnisse in Ostafrika auch. Wenn man ihn hinausgeschickt hat, so hat man ebensogut gewußt, wen man hinschickte, als man Herrn v. L i e b e r t zum Gouverneur von Ostafrika machte, dessen Gut- achten übrigens in einem offiziösen Commnnique der„Köln. Ztg." gründlich zerpflückt worden ist. Der Abg. Bebel ist gestern in cincrWeise charakterisiert worden, daß man nur sagen kann, ihm ist krasses Unrecht zugefügt. Ein so bekannter Parlamentarier wie der Abg. Bebel würde, wenn auch nur ein schwarzer Fleck auf seiner Ehre wäre, von seinen Gegnern leicht vernichtet sein. Herr Abg. August Bebel ist ein tadelloser Ehrenmann, und wenn er unter seinem Eide aussagt, die Quelle, aus der der Tuckerbricf stammt, ist eine tadellose und lautere, so ist ihm das zu glauben. Es wäre ihm auch zu glauben, selbst wenn er es ohne Eid gesagt hätte. Denn es ist, wie nochmals betont sei, auf seiner Ehre kein Flecken. Der Tuckerbrief hat in der Untersuchung gegen Dr. Peters gar keine Rolle gespielt. Es hat sich bestätigt, daß gegen die Hin- richtung Widerspruch erhoben worden ist, und dast Dr. Peters gewarnt war mit dem Hinweis darauf, daß die Todesurteile in Deutschland böseS Blut machen würden. Darauf hat Dr. Peters erwidert:„Ach was, wenn der Bursche das bei Mareale getan hätte, wäre er auch hingerichtet worden". Auf das Duell Arendt— Kahser lege ich nur geringen Wert. Ich habe nur zu beweisen, dast die Möglichkeit eines Wieder- eintritts Dr. Peters in den Reichsdienst näher lag, als allgemein angenommen wird. Einen solchen Wiedereintritt hat die „Münchener Post" als eine nationale Schande bezeichnet, und das durfte sie tun. Ob Frau Direktor Kahser, deren Aussagen den Eindruck voller Klarheit und Bestimmt- h e i t gemacht haben, sich in Sinnestäuschung bewegt, oder ob nicht viel eher Dr. Arendt sich des Vorgangs nicht mehr genau erinnert, ist für die Beurteilung des Angekl. Gruber gleichgültig. Wichtig ist nur das Zugeständnis, daß Frau Direktor Kayser die Darstellung, die sie in der..Vossischen Zeitung" von dem Besuch Dr. Arendts gegeben hat, auf ihren Eid genommen hat. Damit ist eine Haupt- bedrohung der Pctersclique, die angeblich nicht existieren soll, er- wiesen. Man hatte für Herrn Dr. Peters die Stelle eines Landes- Hauptmanns am Tanganikasee reserviert. Ob er die Stelle an- nehmen wollte oder nicht, haben wir nicht zu untersuchen. Die Partei, die ich vertrete, hat kein Interesse daran, die Fehler der Regierung zu beschönigen. Aber bis zu einem gewissen Grade erscheint es mir begreiflich und verzeihlich, daß die Regierung, ehe der Skandal zum Himmel stank, das Bestreben hatte, zu vertuschen. Wir haben uns in unseren Blättern über englische, belgische und französische Kolonialgrcuel entrüstet, und nun muß die Regierung erleben, daß einer der ihrigen durch seine Taten das alles in den Schatten stellte. lim zu zeigen, wie die Peterselique gearbeitet hat, um die Oeffentlichkcit für Dr. Peters einzunehmen, genügt es, eine einzigeStellcausderBroschüre des Herrn v. Kardorff herauszugreifen. Ein Mann von der langen parlamentarischen Erfahrung des Herrn v. Kardorff, ein jahrzehntelanges Mitglied des Reichstags und des preußischen Landtags, ein Mann, der weist, wie es in der Welt vorgeht, schreibt in dieser Broschüre, dast die früheren Untersuchungen gegen Dr. Peters mit seiner vollen Frei- sprcchung geendet hätten I Das heißt doch Sand in die Augen streuen. WaS umso verwunderlicher ist, als Herr V. Kardorff erklärt hat, für den Inhalt der Broschüre übernehme er die volle Verantwortung, er nehme die Broschüre auf seinen Eid. Dabei ist es nicht wahr, daß Dr. Peters freigesprochen worden. Man hat damals lediglich die Komplicen Dr. Pctdrs vernommen, die natürlich ihn rein- K-ilwaschen versuchten. Herr v. Wistmann hat Größeres erreicht als Dr. Peters und ist doch ganz anders vorgegangen. Seine Grund- sätze decken sich im wesentlichen mit denen des Paters Acker, dieses Mannes, der 18 Jahre in Afrika war und dessen Aussage wohl den größten Eindruck gemacht hat. Sogar Herr v. Liebert hat sagen müssen, dast er es anders wie Dr. Peters gemacht haben. würde. Und heute macht man es auch anders. Dr. Friedl- Martin sagt, wenn das festgestellt wird, was den Dr. Peters von der„Münchener Post" vorgeworfen wird, dann ist das eine Schmach. In dem Urteil ist das aber festgestellt, und Dr. Peters kann unmöglich die Feststellungen des Urteils aus der Welt schaffen. Er kann sie angreifen, weiter aber auch nichts. Selbst Oberstabs- arzt Becker, der Mann, der die ganze Zeit hindurch Dr. Peters die Stange gehalten hat, mußte erklären:„Wenn das wahr ist, was im Urteil festgestellt ist, dann würde auch er es nicht für richtig halten". Und nun das Gutachten des Paters Acker, diese zu Herzen gehenden Worte eines ehrlichen Mannes, der hierhergekommen ist, um für Peters zu sprechen, aber während der Verhand- lung ein Gegner Peters wurde. Man hat das Gutachten Eugen Wolfs angetastet, ihn einen„Globetrotter" genannt, der nichts von Afrika verstände. Dabei ist der Name Wolf weltbekannt, und es ist ihm hier in der Verhandlung bitter Unrecht geschehen. Ich halte mich für verpflichtet, festzustellen, daß Herr Wolf einfach sagen wollte, gegen Herrn Bronsart v. Schcllendorf waren Gerüchte wegen eines Vergehens gegen den K 175 im Umlauf, und ein ebenso vager Verdacht hat gegen einen anderen bestanden, ohne dast man deshalb mit diesem den Verkehr abgebrochen hätte. Der Verteidiger verliest einen offenen Brief, den Leutnant v. Elz 1892 geschrieben hat. Er verurteilt darin das Vorgehen des Dr. Peters am Kilimandscharo sehr scharf und wirft ihm vor, daß er von durchaus friedlichen Stämmen Vieh und Material geraubt habe. Er habe deshalb fortwährend Krieg führen müssen und trage die Verantwortung für die Zerstörung so vieler Dörfer und für das vergossene Blut. Dann wendet sich der Verteidiger den Charakterschilderungen zu, die die Freunde Peters über ihn gegeben hätten. Es gehe daraus hervor, daß Dr. Peters zu Renommistereien neige, ein Egoist sei und sich häufig vordränge Aus seinem Buche über die Emin Pascha-Expedition gehe sein ganzer Egoismus hervor. In diesem Buche rühme er sich bestialischer Handlungen, so der Erschießung eines friedlichen Hirten. Die Artikel der„Münchener Post" seien zwar objektiv beleidigend, aber dem Angeklagten müsse der 8 193(Wahrung berechtigter Jnter essen) zugebilligt werden. Der dritte Artikel sei eine grobe Ant wort auf einen ähnlichen Artikel des Dr. Peters in den„Ham. burgcr Nachrichten". Die Aktivlegitimation des Angeklagten, als Sozialdemokrat zu klagen, sei zweifellos gegeben. Die Urteile der Disziplinargerichte hätten dem Dr. Peters einen Stempel auf gedrückt, der ihm auch durch einen neuen Prozest nicht abgewaschen werden könne. Es folgt eine kurze Erwiderung des Rechtsanwalts Dr. Nofenthal, der beantragt, die Widerklage des Angeklagten Gruber abzulehnen, da die Angriffe in den„Hamburger Nach richten" sich nur gegen eine politische Partei richteten, und-nicht jeder Angehörige dieser Partei klagen könne. Dr. Rosenthal tritt nochmals dem Gutachten des Sachverständigen Eugen Wolf entgegen und erklärt gegenüber den Ausführungen des Verteidigers, daß Maler Kuhnert in keiner Weise beeinflußt sei. Peters sei auch kein Renommist. Das habe er bei Gott nicht nötig. In oer Ge- schichte Deutschlands werde sein Name weiter leben als derjenige der ein deutsches Kolonialreich am Indischen Ozean gegründet habe.(Beifall im Zuschauerraum.) Verteidiger Rechtsanwalt B e r n h e i m bertritt nochmals den Standpunkt, dast der Angeklagte zur Erhebung der Widerklage be. rechtigt sei. Sachverständiger P e ch m a n n protestiert gegen die Be-- hauptung, dast er aus ehrenrührigen Gründen nicht in die Schutz truppe aufgenommen sei, Hierauf nahm Dr. Peters selbst noch das Wort zu längeren Ausführungen: Die Beweisaufnahme hat im wesentlichen die Darstellung der Vorgänge am Kilimandscharo bestätigt, die ich zuerst gegeben habe. Sache des Gerichts wird es sein, zu prüfen, wieweit angesichts dieses Umstandcs die Ver lcumdungen und Verunglimpfungen der„Münchener Post" gerecht fertigt sind und welches Strafmast dafür am Platze ist. Wir haben hier juristische Erwägungen darüber angestellt, ob die Jagodja 25 oder 60 Stockhiebe bekommen hat. Es hat mich eigentümlich be- rührt, wie der Herr Verteidiger jetzt den Versuch wagen konnte, nach 16 Jahren zu untersuchen, er, der niemals in Afrika war, ob die Strafe gerecht war oder nicht. Ich hatte deutsche Jnter essen am Kilimandscharo zu vertreten und hatte die Aufgabe, die deutsche Machtstellung zu schützen. Das erwidere ich auf den vom Verteidiger verlesenen trockenen Brief des Leutnants v. Elz. Am Kilimandscharo bestanden keine deutschen Gefetze. Ich bin auch kein Jurist, und ich hatte lediglich nach meinem eigenen Ermessen zu urteilen. Mit Genugtuung und Stolz blicke ich heute auf meine Tätigkeit in Afrika, besonders aber auf die am Kilimandscharo zurück. Ich habe neun Expeditionen in Afrika unternommen, davon sind sieben friedlich verlaufen, ebenso friedlich wie die von Levingstone. ES ist so oft die Rede gewesen von meinen Grausamkeiten. Man muß immer bedenken, welche Aufgaben man hat. Wenn ich nur wissenschaftliche Forschungen unternehme, dann kann ich auch friedlich durch Afrika kommen. Anders verhält es sich aber, wenn es sich um die E r Weiterung von Machtinteressen handelt. Bei der Emin Pascha-Expedition handelte:S sich um die Entsetzung eines deutschen Landsmannes. Ich mußte meinen Weg nehmen durch ein noch völlig unerschlossenes Gebiet. Ich protestiere nochmals gegen die Auffassung, als ob ich einen Hirten ohne jeden Grund erschossen hätte. Es handelte sich um einen Kriegszug durch ein kriegerische? Gebiet. Wo die deutschen Interessen es ermöglichten, friedlich vorzugehen, habe ich es getan. Ich bin friedlich durch daS Gebiet am Zambcsi gezogen, habe mit dem Häuptling Makomba Frieden geschlossen. Ich bin ohne Krieg durch dieses Land ge- zogen, in dem ich die Köpfe meiner Vorgänger vorgefunden habe. Da handelte es sich eben um andere Aufgaben, die ein friedliches Vorgehen zuließen. Mit besonderer Genugtuung konstatiere ich, dast sämtliche Sachverständige, auf deren Urteil ich Wert lege, mein Vorgehen am Kilimandscharo gebilligt haben. Ich sehe dast dieser Prozeß im In- und Auslande das größte Interesse hervorruft. Es wäre unbescheiden, wenn ich dieses Interesse meiner Person zuschreiben würde. Es betrifft wohl wesentlich den sachlichen Teil der Verhandlungen. Es steht hier zur Beurteilung, ob die Mast- nahmen, die zur Begründung von Deutsch-Ostafrika führten, die Beschimpfungen und Verleumdungen verdienen, die die„Münchener Post" sich zu gebrauchen erlaubt hat. Meine Tätigkeit am Kilimandscharo ist nur eine kleine Episode meiner gesamten Afrika- tätigkcit. Wenn einmal meine Tätigkeit einem Schwurgcrichtshof oder einem anderen Gerichtshof zur Begutachtung unterworfen werden sollte, dann würde ich verlangen müssen, dast meine ganze Tätigkeit nachgeprüft wird.(Stürmischer Beifall im Zuhörer- räum.), Angeklagter Gruber: Auch der Angeklagte, um dessen Haut es sich hier handelt, hat das Bedürfnis, sich noch auszusprechen. Ich bin in den letzten Tagen stark in den Hintergrund gedrängt worden. Die Angriffe der „Münchener Post" waren nötig zu einer Zeit, als Peters nach München kam, um dort in Kolonialpolitik zu machen. Der Fall Peters ist durch die Beweisaufnahme in kcw anderes Licht gerückt worden, als es vorher der Fall war. Als Ergebnis der Beweis« aufnähme kann ich erklären, dast ich kein Wort von dem zurücknehme, was ich am ersten Tage hier gesagt habe. Sogar ein Freund des Dr. Peters, der als ein S ch w ä r m e r und Verehre»- hierher- gekommen, Pater Acker, mußte sagen, daß er die Tätigkeit des Dr. Peters scharf verurteile. Nach langem Kampfs sind endlich die Disziplinarurteile herausgegeben worden. Es ist nicht freiwillig geschehen, sondern erst, als der Gerichtshof es beschließen wollte. Die Urteile sind eine volle Bestätigung dessen, was in der„Münchener Post" geschrieben worden ist. Man widerlegt die Urteile nicht mit Worten wie„Justizmord" und „Schandfleck", die von Herrn v. Liebert und Dr. Arendt gebraucht worden find. Die Urteile des höchsten Gerichtshofes, an denen Beamte, die sich in den höchsten Stellen befinden, mitgewirkt haben, erschüttert man nicht dadurch, daß man sagt: es ist alles falsch. Man muß die Tatsachen widerlegen. Glauben Sie, daß Sie über diese Urteile hinwegkommen können? Ich glaube es nicht. Ich glaube es umso weniger, als die Urteile durch die Be- weiSaufnahme nur bestätigt worden find. Leider hat das Reichs« amt nicht, wie eS seine Pflicht gewesen wäre, die Altenbundel geöffnet. Wer weiß, waS da noch alles drin stecken mag. (Heiterkeit.) ES ist festgestellt worden, dast Dr. Peters die Jagodja und den Mabruk aus geschlechtlichen und persönlichen Motive» hat hinrichten lassen. So lange die Urteile bestehen, hat jeder das Recht, sich diese Feststellungen anzueignen. Danach hat Dr. Peters mit Ucberlegung eine Tötung vorgenommen. Er ist also ein Mörder. Er ist aber auch ein feiger Mörder, denn er bat nicht gewagt, darüber an Herne b. Soden zu berichten. Er hat sogar berichtet, wie die Radieschen gedeihen, aber er hat nicht erwähnt, dast er zwei Menschen hat auf« hängen lassen. Er ist also ein feiger Mörder k Dr. PeterS will gegen die Hinrichtung der Jagodja gewesen und von feinen Leuten nur überstimmt worden sein. Dr. Peters hat aber immer bestimmenden Einfluß auf Jahnke und Pcchmann aus« geübt. Er war die Herrennatur. Die AuSpeitschung der Weiber ist grausam. Frauenehre und Frauenwürde sind von ihm mit Füsten getreten worden.(Lachen im Zuschauerraum.) Sie mögen lachen, das charakterisiert Sie nur. Einige Ausdrücke der„Münchener Post" mögen nicht schön sein. Aber man muß die Artikel im Zusamnienhang nehmen und beachten, in welcher Zeit sie geschrieben sind. Es war in der Zeit, in der man gegen meine Partei mit allen Hunden hetzte. Die deutschen Wähler haben aber in ihrer Stimmenmehrheit sich aus den Stand« Punkt der Mehrheit vom 13. Dezember gestellt, und das deutsche Volk hat damit ausgesprochen, daß es mit der Kolonialpolitik eines Dr. PeterS nicht einverstanden ist. Die Re« gierung hat eine Schwäche gegen Dr. PeterS gezeigt, die sich nur so erklären läßt, dast hinter PeterS eine mächtige einflustreiche Partei stand. Diese Kolonialkamarilla, welche nach der tadellosen und bicdcrmännischcn Aussage deS Dr. Arendt es nicht gibt, hat den Kolonialdirektor Kayser aus dem Amte und in den Tod gehetzt. Diese Kamarilla wird nicht ruhen, wie daS Urteil auch ausfallen möge, Sie hat zwar einen Schlag auf den Kopf bekommen, sie wird aber immer wieder versuchen, ihren Mann anzubringen. Berücksichtigen Sie alle diese Umstände, nehmen Sie die Artikel in ihrer Gesamtheit, dann werden Sie zu einem Urteil kommen, das mir gerecht wird und dem Rechts- empfinden des Volkes entspricht.(Beifall und Zischen im Zuhörer« räum.) Vorsitzender Oberlandesgerichtsrat Mäher: Ich habe die Parteien in ihren Angriffen auf einander nicht unterbrechen wollen. Auch so weit die Aussagen von Zeugen von der einen oder von der anderen Seite kritisiert worden sind, hatte daS Gericht keinen Anlaß zum Einschreiten. Wenn aber das Urteil des Disziplinargerichts» Hofes ein Schandfleck für daS deutsche Boll genannt wird, so muß daS Gericht diesen Ausdruck zurückweisen, sowie ich ihn sofort zurückgewiesen habe, als er gefallen war. Gegen 12 Uhr zieht sich der Gerichtshof zur Beratung zurück. Nach fast l'/zstündiger Beratung erscheint der Gerichtshof wiede« und der Vorsitzende verkündet folgendes Urteil: I. Herr Dr. Karl Peters wird von der Anklage der Be- leldigung des Redakteurs Martin Gruber freigesprochen. 2. Herr Martin Gruber wird wegen fortgesetzter Be- leidigung des Herrn Dr. Karl Peters zu einer Geldstrafe von Svv M., eventnell 50 Tage Hast verurteilt. 3. Der Angeklagte Martin Grubcr wird zur Tragung der Kosten des Prozesses einschließlich der not- wendigen Auslagen des Privatklägers verurteilt. 4. Dem Privatkläger wird die Befugnis erteilt, das Urteil auf Kosten des Privatbcklagten in der„Münchener Post", den „Münchener Neuesten Nachrichten", der„Münchener All- gemeinen Zeitung", im„Vorwärts" und in der„Nord- deutschen Allgemeinen Zeitung" zu publizieren. Gründe: Bei der Würdigung der drei Artikel der „Münchener Post" gegen Dr. Karl Peters und des von Dr. Peters verfaßten Artikels in den„Hamburger Nachrichten", der Gegenstand der Wiederklage war. kam der Gerichtshof zunächst zur Freisprechung Dr. Peters. Der Artikel der „Haniburger Nachrichten" enthält scharfe Vorwürfe gegen die Sozialdemokratie und persönliche Angriffe gegen den Neichstagsabgeordnetcn Bebel, und' zwar der- artige, daß er, wenn er Beleidigungsklage erhöbe», die Ver- urtcilnng des Dr. Peters erzielt hätte. Dagegen war Herr Martin Grubcr nicht in der Lage zu klagen, denn der Artikel enthielt nur allgemeine Ausführungen gegen eine politische Partei. Dr. Peters war daher freizusprechen und Herr Gruber zur Tragi, ng der Kosten zu verurteilen. M Was die Artikel der„zviünchener Post" anlangt, so hat das Gericht zunächst zu erklären: Das Beweismatcrtal, das ihm vorgelegt wurde, ist nicht ganz lückenlos. Wichtige Aktenstücke fehlen, und das Zeugenmaterial hat trotz der Be- mühungen der Parteien nicht vollständig herbeigeschafft werden können, wie es notwendig gewesen wäre, um eine Auf- klärnng der Vorgänge am Kilimandscharo herbeizuführen. Namentlich ist zu v e r m i s s e n die Aussage des inzwischen verstorbenen Zeugen I a h n k e und eine Nachricht über die vielfach angefochtene Aussage des Zeugen B r o n- sart v. Schellendorf. Soweit das Gericht zu Fest- stellungen gelangt ist, sind diese ausgebaut auf dem Urteil der beiden Disziplinargerichte«nd auf die Aussage» der vom Ge- richt vernommenen Zeugen. Das Gericht maßt sich kein Urteil darüber an, ob Dr. Peters mit der Hinrichtung des Mabruk und der Jagodja am Kilimandscharo Maßnahmen getroffen hat, die den damaligen Umständen nach gerechtfertigt waren oder nicht. Jedenfalls hält das Gericht es für f e st g e st e l l t, daß Dr. Peters das Bcivußtsein der Rechts- Widrigkeit nicht gehabt hat. Das Gericht ist weiter überzeugt, daß bei der Hinrichtung der Jagodja geschlechtliche Motive nicht in Frage gekommen sind. Bei der Hinrichtung des Mabruk dagegen hält das Gericht es für möglich, daß der Umstand, daß Mabruk sich an die Mädchen zu drängen suchte, m i t b e st i m m e n d für das Todesurteil gewesen ist. U n- zutreffend dagegen hält das Gericht die von den Artikeln aufgestellte Behauptung, daß die Handlungsweise des Dr. Peters sich darstelle als widerrechtlich brutal, als ruchlos raffinierter Lustmord, als bestialische Perversität, als unmenschliche Grausamkeit usw. Als Schimpfwörter und widerlegt erachtet das Gericht Ausdrücke wie„Hänge-Peters",„Para- lytiker",„Gehirnerweichung",„hirnkranker Afrikaner",„feiger Mörder" usw. Die Anwendung des§ 193 erschien den Ge- richten insofern als zulässig, als bei den beiden ersten Artikeln Redakteur Gruber glauben konnte, er handele in Wahrung berechtigter Interessen, als er die Artikel schrieb. Herr Dr. Peters ist allerdings schon im Juli 1906 für einen Vortrag im„Neuen Verein" gewonnen worden. ES ist aber ein merkwürdigesSpiel des Zufalls, daß er erst im Dezember, wenige Tage nach der Auflösung des Reichstages, den Vortrag hielt. Es konnte daher für einen Parteigänger, wie Herr Martin Gruber es ist, die Ansicht feststehen, daß der Vortrag aus politischen Gründen erfolgt ist, und mit der Reichstags- Wahlbewegung im Zusammenhang stehe. Aus begreiflichen Gründen ist es ihm daher nachzusehen, wenn er glaubte, in Wahrung berechtigter Interessen zu handeln. WaS den dritten Artikel anbetrifft, der sich gegen den Artikel des Dr. Peters in den„Hamburger Nach- richten" handelt, so ist er zweifellos in Wahrung berechtigter Interessen geschrieben. Wenn der Angeklagte Gruber auch nicht berechtigt ist, als Widerkläger aufzutreten, so hat er doch als sozialdemokratischer Redakteur das Recht, auf einen so scharfen Angriff auf die Sozialdemo- kratie zu erwidern. Die Ausfälle sind also wohl anläßlich der Wahrung berechtigter Interessen geschrieben, aber nicht in Wahrung berechtigter Interessen, wie überhaupt Schimpfworte nicht als Wahrung berechtigter Interessen gelten können. Das Gericht hat nur die ßZ 185 und 186 angewendet und den Z 187(verleumderische Beleidigung) nicht angezogen mit Rücksicht darauf, daß die Artikel in der Hitze des politischen Kampfes geschrieben worden sind und auf Grund von Gerüchten, die den An- geklagten Gruber in den Glauben versetzen konnte, zu solchen Angriffen berechtigt zu sein. Bei der Abmessung der Strafe hat das Gericht mit in Berücksichtigung gezogen die politische Lage und die in dieser Beziehung dem Gericht unterbreiteten mündlichen und schriftlichen Unterlagen. Straferschwerend galt die große Zahl und die Schwere der Beleidigungen, andererseits als strafmildernd, daß es sich im wesentlichen uni allgemeine Angriffe handelte, wie sie seit zehn Jahren gegen Dr. Peters erhoben worden sind und weiter die allgemeine Gereiztheit der Sozialdemokratie gsgen Dr. Peters, die sich in der politischen Erregung anläßlich der Reichstagsauflösung noch gesteigert hatte, und daß bei der Sozialdemokratie die Sorge bestanden hat— ob be- gründet oder nicht, mag dahin gestellt sein— daß Dr. Peters wieder in ein Reichsamt berufen werden könnte. Aus allen diesen Erwägungen hat das Gericht eine Geldstrafe für angebracht erachtet und es ist daher auf 500 M. Geldstrafe bezw. 50 Tage Haft erkannt worden. Eine Publikation auch in der„Kölnischen Zeitung" schied aus, weil Dr. Peters mit dieser einen eigenen Prozeß führt, in dem die ganze Angelegenheit ebenfalls Gegenstand der Erörterungen werden dürfte.— Dr. Peters hat den, Vernehmen nach erklärt, daß er sich mit dem Urteil nicht beruhigen würde, sofern nicht auf eine Gefängnisstrafe erkannt würde. Sie Lsgelöhnei' lies sufften Georg von Schsumburg-cippe. Unser Nostocker Bruderorgan veröffentlicht einen Vertrags- entwurf, dyn die Verwaltung des dem regierenden Fürsten Georg von Schanmburg-Lippe gehörenden Guts Vietgeft bei Lolendorf (in Mecklenburg) den Tagelöhnern zur Annahme unterbreitet hat. Nach diesem Vertrag dauert die Arbeitszeit in der Zeit vom I. April bis 30. September 14 Stunden, mit 2� stündigen Pausen (IVa Mittag-, je% Stunde Frühstücks- und Vesperpause), in der cit vom 1. Oktober bis It. März vom Anbruch bis Ende des ages bei insgesamt IVa Stunden Pause. Bei dem Heu-, Raps- und Korneinfahren müssen die Leute auch über 8 Uhr hinaus solange arbeiten, bis der Vorgesetzte Feierabend gebietet. Ebenso muß zur Erntezeit auf Verlangen der Herrschaft früher begonnen werden. Der Barlohn beträgt jährlich 2Kö M. 20 Pf., abzüglich 20 M. WohnungSmiete, insgesamt also 24S,20 M. oder 4 Marl 71 Pfennig Wochenlohn. Für Kinderarbeit wird 40 Pf. für den Arbeitstag gezahlt. Die Verwaltung hat sich eine Art Gesinde- zwangSdienst durch die Vorschrift geschaffen, daß die schulpflichtigen Kinder ohne Genehmigung der fürstlichen Verwaltung nicht aus- loärts arbeiten dürfen. Auch die Frauen der Tagelöhner sind zur Arbeit verpflichtet. Sie erhalten ÖH Pf. Stundenlohn. Während der Erntezeit steigt dieser fürstliche Lohn auf— 10 Pf. für die Stunde. Der Bertrag hat folgenden Wortlaut. 8 1. Allgemeine Pflichten und Arbeitszeit. Der Tagelöhner ist verpflichtet, mit seinem Hofgänger nur bei der Gutsherrschaft auf Arbeit zu gehen und täglich, wenn nicht Krankheit es ihm unmöglich macht, zur Arbeit zu kommen. Er hat der Gutsherrschaft und ihrOi Vertretern die schuldige Treue und Gehorsam zu leisten, sowie sich ihren Anordnungen willig zu fügen. Die Arbeitszeit dauert vom 1. April bis 30. September von 6 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, wobei zu Mittag 1% Stunde und zu Frühstück und Vesper je% Stunde Zeit gewährt wird. Vom 1. Oktober bis 31. März dauert die Arbeitszeit vom Anbruch bis Ende deS Tages bei einer M-ttagszeit von 1 Stunde und Frühstückszeit von% Stunde, während Vesperpause fortfällt. Bei der Heu-, Raps- und Kornernte müssen die Leute bis 8 Uhr an der Arbeit sein. Beim Heu-, Raps- und Korneinfahren wird bis Dunkelwerden gearbeitet und zwar bis von dem Bor- gefetzten Feierabend geboten wird. Beim Einfahren haben die Leute nur 20 Minuten Frühstücks- und ebensoviel Vesperzeit. Wenn die Ernte es erfordert, ist nötigenfalls früher, je nach der Bestimmung der Herrschaft, mit der Arbeit zu beginnen. Beim Beginn und Ende der Arbeit wird durch Klingeln ein Zeichen gegeben, dieses ist stets zu beachten und maßgebend. Morgen? und mittags wird jedoch das Klingelzeichen eine Viertel- stunde vor Arbeitsbeginn gegeben, so daß die Arbeiter eine Viertel- stunde nach dem Läuten auf dem Hofe an der Arbeit sein müssen. Diejenigen, welche mit Pferden arbeiten, müssen jedoch 5 Minuten nach dem Klingeln erscheinen. � � Bezüge der Tagelöhner. Der Tagelöhner erhält: 1. Wohnung mit den nötigen Stallungen, er ist aber verpflichtet: a) kleinere Reparaturen an Gebäuden selbst zu machen, als Ausweißen, Ausbessern der Fußböden, Wiederherstellen der Fenster- scheiden, Jnstandhalten der Befriedigungen usw., doch soll ihm das nötige Material an Kalk, Holz und Steinen unentgeltlich verabfolgt werden. b) eine WohnungSmiete von 2D M. im Herbst jeden Jahres zu zahlen. 2. 60 Ruten Gartenland, 50 O) Ruten gedüngtes Kartoffel- land, 20 fD Ruten gedüngte? Leinland. Der Tagelöhner ist verpflichtet, die Befriedigung der Gärten stets im guten Zustande zu erhalten und darf die Zahl der Obst- bäume nicht vermindern. Sind die Gärten größer wie 60 Ruten, so wird das Mehr gegen das Kartoffelland im Felde aufgerechnet. 3. Jeder Tagelöhner, der einen Sohn als Knecht oder eine Tochter als Mädchen aus dem Hofe dienen hat, erhält für je ein Kind 12 Ruten Kartoffelland mehr im Felde zugemessen. 4. Die Berechtigung zur Haltung einer Kuh, welche im Sommer je nach Bestimmung der Herrschaft auf die Weide geht und im Winter dasselbe Futter, aber kein Kraftfutter, Schnitzel, Kartoffeln oder Rüben, wie die Hofkühe erhält. 5. Die Berechtigung zur Haltung von zwei Zuchtgänscn mit deren einmaliger Aufzucht. Den Gänsen wird von der Brache und ein Teil der Stoppeln zur Weide bewilligt. Ein jeder Tage- löhncr hat die zehnte GanS von der Aufzucht am MichacliStage an den Hof zu liefern. Maßgebend ist die Mitte August festzu- stellende Zahl, läßt sich diese Zahl nicht durch 10 teilen, so hat die Herrschaft das Recht, eine Gans resp. eine weitere Gans zu verlangen, wenn die überbleibende Zahl höher als 5 ist, zahlt aber für die an der Zahl 10 fehlenden Gänse 60 Pf. pro Stück, andern- falls zahlt der Tagelöhner für die überbleibenden Gänse pro Stück 60 Pf. an den Hof. Die Auswahl unter den Gänsen sieht dem Hofe zu. Fremde Gänse darf keiner nehmen, auch um die Hälfte nicht, widrigenfalls der Betreffende in eine Konventionalstrafe von 5 M. verfällt, auch diese Gänse sofort abschaffen mutz. 6. 9 M. Wollgeld für die nicht gestattete Schafhaltung. Dieser Betrag wird zur Zeit der Schafschur ausgezahlt. 7. Schweine, auch Sauen darf der Tagelöhner halten, ebenso Hühner, aber keine Enten. 8. Stroh und Kaff erhält der Tagelöhner für seine Wirtschaft nach Bestimmung der Gutsherrschaft oder ihrer Stellvertreter, und darf nichts ohne vorherige Anweisung fortgetragen werden. 9. An Brennmaterial 2 Faden(Fuder) Tannen- und 2 Faden Bruchholz. 10. Bei den zweiwöchentlichen Löhnungen folgendes Korn zu ermäßigtem Preise: 40 Liter Roggen— 3,50 M., 20 Liter Gerste— 1,26 M.. zusammen 4,76 M.. welcher Betrag bei der Löhnung in Abrechnung gebracht wird. 11. An barem Tagelohn vom 1. Juni bis 31. August 1 M., vom 1. September bis 31. Mai 80 Pf. Für Pferdefüttern erhält der Tagelöhner an Sonn- und Alltagen 25 Pf. täglich oder für das jedesmalige Füttern 8 Pf. und für andere SonntagSarbeit, z. B. Viehfuttern, den anderthalbfachen Tagelohn. Die ständigen Korn- und Düngerfäer erhalten für gutes Säen 15 Ruten Kartoffelland. § 3. Bezüge der Tagelöhner für Haltung eines Hofgängers. Der Tagelöhner erhält für die Haltung eines Hofgängers: 1. an bar: 40 M., 2. an Säekorn: 6 Scheffel Roggen und 8 Scheffel Hafer, 3. 15 Ruten gedüngtes Kartoffelland, 4. an Tagelohn für jeden Hofgängertag vom 1. Oktober bis 30. Juni 50 Pf., vom 1. Juli bis 30. September 60 Pf. Die Hofgängertage werden an- geschrieben und in der Herbstlöhnung ausgezahlt. Bemerkung: Hat der Tagelöhner nicht das ganze Jahr einen Hofgänger gestellt, so erhält er die Entschädigung von 40 M. nur dann, wenn der Hofgänger wenigstens vom 1. April vis 1. Oktober im Dienst war. Das Säekorn und das Kartoffelland wird anteil- mäßig verrechnet und hierbei die Rute Kartoffelland mit 50 Pf. bewertet. Ter Tagelöhner ist verpflichtet, bei An- und Aufnahme von Hofgängern die Erlaubnis der Gutsherrschaft einzuholen, welche dieselbe ohne Angabe von Gründen verweigern kann. 8 4- Frauen und Kinder. Die Frauen, welche zum Schafscheren, in der Heu- und Korn» ernte, zum Waschen, Schlachten, Milchen zu kommen haben, er- halte» pro Stunde d'A Pf. und während der Heu- und Kornernte pro Stunde 10 Pf., hierbei wird die Arbeitszeit gerechnet von Hof zu Hof, wenn die Frauen mit den anderen Leuten zur Arbeit kommen— morgens eine Stunde später—, kommen sie später, so wird der Gang zur Arbeitsstätte nicht mitgerechnet. Werden die Frauen während der Heu- und Kornernte zu andern Arbeiten angesagt, so erhalten sie ebenfalls 10 Pf. pro Stunde. Als Grati- fikation beim Schafscheren erhalten die Frauen pro Schaf 2 Pf. und pro Lamm 1 Pf. Hat eine Frau sich verpflichtet, ein ganze? Jahr zu melken und diese Verpflichtung erfüllt, so erhält sie 30 Pf. pro Tag und 15 Ruten Kartoffelland, sowie Anteil an der Milcherinnenprämie. Bemerkung: Für die Gesamtheit der Milcherinnen wird als Tantieme für 100 lLiter) an die Molkerei gelieferte refp. nach Molkereipreisen bezahlte Milch bezaylt bei einem Fertgehalte unter 3,40 Proz. 5 Pf., 3,40 Proz. bis 3,90 Proz. 6 Vf.. über 3,90 Proz. 1 Pf. Die Tantieme wird geteilt durch die Zahl der Millherinnen, einschließlich Mädchen, geht aber zum Anteil der nichtständigen an den Hof. Die Kinder der Tagelöhner erhalten pro Tag 40 Pf. 8 Drescherlohn. An Drescherlohn erhält der Tagelöhner von allen Kornarten: a) beim Handdrusch den 15. Teil, b) beim Göpeldrusch den 19. Teil, c) beim Maschinendrusch den 22. Teil nach Gewicht oder Scheffel ebenso gemessen, wie das zu Boden gemessene Korn. Tagelöhner, die keinen Hofgänger haben, erhalten nur zwei Dritteile des Drescherkorns, ein Drittel geht an den Hof, wogegen dieser einen Pertreter zur Maschine stellt. Ist der Tagelöhner oder sein Hof- gänger durch Krankheit oder aus anderen Gründen verhindert, zum Dreschen zu kommen, so stellt der Hof einen Ersatzmann, für den der Tagetöhner Fremdentagelohn an den Hof zahlt. 8 6. Freier Arzt und Arznei. Der Tagelöhner hat für sich, seine Frau und seine nicht kon- firmierten Kinder, sowie seinen Hofgänger in Krankheitsfällen freien Arzt und freie Arznei nach Bestimmung der Gutsherrschaft. 8?. Freier Schulunterricht. Die Kinder des Tagelöhners erhalten freien Schulunterricht. . 8 3- JahreSprämie der Hofgänger. Bei tadelloser Führung, wozu gehört, daß der Hofgänger keine Arbeit verweigert, allen Anordnungen seiner Vorgesetzten Folge leistet und alle Hofgängerarbeiten mit Einschluß des Hakens, Pflügens, Säepferdleitens gut verrichtet, wird demselben 20 M. Zulage versprochen(mitunter Pferdefüttern wird nicht extra be- zahlt und steigert die Zulage nicht), sonst nach Ermessen der Herr- schaft bis 60 M., wenn er das ganze Jahr mit den Pferden alle Arbeit gut ausgeführt und gefüttert hat und wenn er mitunter Mannsarbeit verrichtet, besonders im Sommer in der Ernte. Dem Hofarbeiter, der ständig volle Mannsarbeit verrichtet, wird eine noch höhere Prämie wie 60 Mk. versprochen. Die Hofgängerin, welche gut ladet und bindet und sich gut führt, erhält ebenfalls 20 M. Zulage. Die Bewilligung der Prämien erfolgt ganz nach dem Er- messen der Fürstlichen Verwaltung und behält diese sich die freieste Verfügung darüber vor. Sie kann nach ihrem Ermessen unter Umständen, besonders bei schwächlichen oder mit kleineren Gebrechen behafteten Hofgängern, die sich sonst gut geführt haben, einen Teil der vorstehenden Prämien bewilligen. Den Tagelöhnern oder Hofgängern steht ein Einspruch gegen den Beschlutz der Fürstlichen Verwaltung nicht zu. Die Sonntage werden den Hofgängern bei den vierzehntägigen Löhnungen zu besonderem Buch geschrieben und zwar erhalten dieselben für das Pferdefüttern 25 Pf., für das einmalige Füttern 8 Pf. und für Arbeiten, wo sie den ganzen Sonntag zu tun haben, das Doppelte des Tagelohnes. Die Auszahlung der Prämie und des Sonntagsverdienstes an die Hofgänger erfolgt am 24. Olwber oder nach Beendigung des Dienstjahres. 8 s. Aufnahme Fremder usw. Die Tagelöhner dürfen ohne Erlaubnis der Fürstlichen Ber» waltung fremde nicht zum Gut gehörende Leute nicht bei sich aus« nehmen oder zur Nacht behalte». Auch bei Aufnahme von aus- wärts lommenden Kindern der Tagelöhner ist die Erlaubnis der Fürstlichen Verwaltung einzuholen, ebenso darf ber Tagelöhner seine schulpflichtigen Kinder ohne Genehmigung der Fürstlichen Verwaltung nicht auswärts vermieten. 8 10. Gewerbebetrieb. Die Tagelöhner oder deren Hausgenossen dürfen keine Waren gewerbsmäßig verkaufen noch ein Gewerbe betreiben, auch dürfen sie ohne Genehmigung der Fürstlichen Verwaltung keine Tanz- musik veranstalten. 8 Ii. Feuerversicherung. Die Tagelöhner sind verpflichtet, ihr Mobiliar. HauS» und Wirtschaftsgerät, Borräte und Vieh gegen Feuerschaden zu ber» sichern und die darüber ausgestellten Versicherungsscheine der Fürstlichen V�waltung auf deren Verlangen vorzulegen. s 12. Verhältnis zu den Gesetze«. Die sich auS den Reichs- und Landesgesetzen ergebenden Pflichten und Rechte, ebenso die Bestimmungen und Observanzen bezüglich der Kirche und der Schule werden durch diesen Kontrakt nicht berührt. 8 13. Kündigung. Eine Kündigung deS Dienstverhältnisses steht beiden Teilen am Dienstag nach Ostern/ und den sieben darauf folgenden Tagen zu mit der Wirkung, daß das Dienstverhältnis an dem nächst- folgenden 24. Oktober oder, wenn dieser auf eine» Sonntag fällt, am 25. Oktober aufgelöst wird. Die Fürstliche«erwaltung behält sich aber das Recht vor, beim Nachweis grober Vergehen, wie Untreue, Ungehorsam, wiederholte Trunkenheit und grobe Dienst. Vernachlässigung, zu jeder Zeit ohne Einhaltung der KündigungS- frist das Dienstverhältnis aufzuheben. Sollte dieser Fall eintreten. so hat der Tagelöhner keinen Anspruch auf die fernere Benutzung der innehabenden Wohnung und Stallräume, des Feld» und Gartenlandes oder auf Entschädigung für etwa aufgewendete Kosten irgend welcher Art. 8 14. In allen Fällen, für welche in diesem Kontrakte nicht» Nähere» bestimmt ist, behält es bei dem bisherigen Gebrauch oder der be- sonderen Bestimmung ber Fürstlichen Verwaltung sein Bewendrn. Die Tagelöhner können nur die in diesem Kontrakt zugesicherten Lohn- und Naturalbezüge beanspruchen. Sollten sie für besondere Dienstleistungen oder aus besonderen Anlässen erhöht, Löhne oder andere Extravergütungen erhalten, so kann daraus für die Zukunft ein Recht nicht hergeleitet werden. 8 15. Dieser Kontrakt tritt am 24. Oktober 1907 in Kraft. Den... April 1907. Fürstlich Schaumburg-Lippische Verwaltung. Auf eine Remonstration gegen diesen Vertrag erhielten die Petenten folgende Antwort: Fürstlich Schaumburg-Lippische Hofkammer. Nr. II 736. Bückeburg, den 4. Mai 1907. Anläßlich der Immediateingabe vom 19. April cr. haben wir Ihnen, zugleich zur Mitteilung an die übrigen Unterzeichner, als Ergebnis unserer Prüfung der Angelegenheit zu eröffnen, daß sich durch den neuenKontrakt niemand beschwert fühlen kann, schon deshalb, weil er niemandem aufgedrungen worden ist, viel- mehr den einzelnen die freie Wahl gelassen worden ist, ob sie im bisherigen Verhältnisse weiterdienen oder den neuen Kontrakt annehmen wollten. Nachdem die Fürstliche Zentralverwaltung einen Teil der in der Eingabe geäußerren Wünsche bei der end- gültigen Feststellung des Kontraktes bereit? berücksichtigt hat, können weitere Zugeständnisse nicht gemacht werden. Obwohl eine gültige Kündigung seitens der Unterzeichner auf den 24. Oktober d. I. nicht vorliegt, genehmigen wir doch, daß jeder. der gehen will, sich binnen Si, Stunden feinen Schein holen kann. von Blllow. Die Möglichkeit, daß ein solcher Vertrag bestehen kann. Wider« legt hinlänglich das Märchen von der„Leutenot". Die„Mecklen- burger VolkSzeitung" erinnert daran, daß dem Fürsten Georg von Schaumburg-Ltppe auch das Gut Nienhagen in Mecklenburg ge- hört. Als der Arbeiter Martens, der 40 Jahre lang auf dem Gut gearbeitet hatte, starb, erhielt feine Frau das Altenteil, in 200 Kilo- gramm Roggen, 2 Fuder Holz, 65 Ruten Kartoffelland und 3 M. bar bestehend. Später wurde da» Altenteil in eme Rente von 60 M. jährlich umgerechnet, kürzlich um 66 M. jährlich erhöht. Die alte Frau erhält also 18 Pfennige täglich zum Lebensunterhalt. Als Genosse Herzfeld diesen Fall am 29. Januar 1906 zur Sprache brachte, erwiderte der Staatssekretär Graf von PosadowSky, ein solcher Fall sei unmöglich und versprach, Untersuchungen an- zustellen. Derartige Lohn- und Arbeitsverhältnisse müssen die Land- arbeiter zum Zusammenschluß aufreizen, um durch gemeinfchaft- liehe gewerkschaftliche und politische Arbeit solchen in Ostelbien durchaus nicht ungewöhnlichen, traurigen Zuständen ein Ende zu bereiten. Sie legen aber auch den industriellen Arbeitern die Verpflichtung zur Agitation gegen das Fortbestehen derartiger mittelalterlicher Zustande dringend ans Herz. Anternatmaltt Knchbinderkongreß. Nürnberg, 1. Juli. Im Anschluß an den Buchbinder-NerbandStag in Nürnberg tagte dortselbst am 30. Juni und 1. Juli der erste internationale Buchbinder-Kongreß, auf dem vertreten waren: Deutschland durch den Vorsitzenden deS deutschen Buchbinderverbandes, Älolh, dann durch Haueisen, Brückner und Harder-Berlin, Deutsch-Oesterreich durch Grünwald-Wien, Ungarn durch Weiß-Budapest, die Schweiz durch König-Bern. Dänemark durch Ohlsen-Äopenhagen, Schweden durch Weidenhayn- Stockholm, Norwegen durch Dietrichsen- Kristiania, Belgien durch Pladet-Brüssel. Die Delegierten ver- traten zusammen 31 000 Mitglieder. Der Kongreß hatte folgende Tagesordnung zu erledigen: 1. UntcrstützungSeinrichtungen der verschiedenen Verbände(Re- {erent Haueisen). 2. Die Möglichkeit und die Form der gegen- citigen Unterstützungen bei Lohnbewegungen(Referent Grünwald- Wien). 3. Eventuelle Errichtung einer Zentralstelle für die Gegen- seitigkcitsverbände(Referent Kloth). 4. Die Frauenarbeit in der Buchbinderei(Referent Grünwald-Wien). b. Verschiedenes. Der Kongreß wurde am 80. Juni kurz nach 2 Uhr von Kloth eröffnet, der die ausländischen Kollegen herzlich begrüßte. AuS dem In- und Auslände waren verschiedene Glückwunschtelegramme eingelaufen, die zur Verlesung gebracht wurden. Brückner wurde zum Vorsitzenden, Härder zum Schriftführer gewählt. Zu Punkt 1 wurde folgendes beschlossen. Tritt ein Mitglied eincS Verbandes in einen anderen der angeschlossenen Verbände über, so ist dasselbe vom Eintrittsgeld befreit und werden die Beiträge, die das Mit- fllied im ersteren Verband geleistet hat, in dem neuen überschrieben, o daß dem betreffenden Mitgliede die Reise und Arbeitslosen- Unterstützung in dem neuen Verbände zugute kommt. In der Sitzung vom 1. Juli, die vormittags 8 Uhr begann, nahm der Kongreß folgende Resolutionen an: «Die erste internationale Konferenz der Buchbinderverbände Europas verpflichtet die im Gegenseitigkeitsverhältnis stehenden Verbände, den Lohnkämpfen der Buchbinder in jedem Lande er- höht« Aufmerksamkeit zu widmen. Die Notwendigkeit hierzu er- gibt sich aus der unverkennbar immer mehr zunehmenden Schärfe dieser Kämpfe und aus der immer deutlicher zutage tretenden Tatsache, daß der Ausgang jedes derartigen Lohnkampfes nicht ohne Rückwirkung auf die Lohnverhältnisse der Buchbindereien der benachbarten Länder bleibt. Im weiteren erkennt die Kon- ferenz die Notwendigkeit der gegenseitigen Unterstützung der Lohnkämpfe an. Diese hat vor allem in der Verhinderung jed- weben Zuzuges von Arbeitskräften in das Lohnkampfgebict, in der tunlichsten Unterstützung jeder Art an die aus dem Lohn- kampfgebiete Zureiscnden und in der tunlichsten Verhinderung der Anfertigung von Streikarbeit zu bestehen. Bezüglich der finanziellen Unterstützung der Lohntämpfe spricht die Konferenz ihre Ansicht dahin aus, daß eS die Pflicht eines jeden im Gegen- seitigkeitSverhältniS stehenden Verbandes ist. in einen Lohnkampf erst dann einzutreten, wenn er die hierzu voraussichtlich nötigen Mittel aus eigenem aufzubringen in der Lage ist. Erst wenn diese Mittel erschöpft sind, sowie insbesondere bei Lohnkämpfen, bei denen eS sich um die Abwehr von beabsichtigten Verschlechte- rungen der Arbeitsverhältnisse handelt, ist der im Lohnkampf stehende Verband berechtigt, an das Internationale Sekretariat um die Unterstützung durch die GcgenseitigkeitSverbände heran- zutreten." ..Die Konferenz empfiehlt den vertretenen Verbänden die Errichtung eines internationalen Buchbindersekretariats, das seinen Sitz in Berlin hat. Das Sekretariat soll folgende Auf. gaben erfüllen: a) Die Verbindung zwischen den einzelnen Organisationen der verschiedenen Länder herzustellen, d) Eine gegenseitige Benachrichtigung und Verständigung über wichtige Fragen und den Abschluß von Gegenseitigkeitsverträgen zwischen den'Landesorganisationen Herbeizuführen, c) Bei Lohnkämpfen den Zuzug fremder Arbeitskräfte abzuhalten, ck) Wenn not. wendig und möglich, die finanzielle Unterstützung größerer Streiks und Aussperrungen vermitteln, e) Im allgemeinen ein sali- darischeS Zusammenarbeiten der Buchbinderverbände zu er- streben, k) Ueber die weitere Ausgestaltung, Verfassung und Verwaltung deS Internationalen BuchbindersekrctariatS wollen sich die auf der Konferenz vertretenen Verbände verständigen und den Kollegen Kloth als Vorsitzenden des Sekretariats an- erkennen, der damit auch die Pflicht hat, ein Statut aus- zuarbeiten." Der Kongreß wurde nach Annahme dieser Resolutionen gc- schlössen-__ Soziales* Zum Begriff des Betriebsunfalls. Zu den Klagen gegen bis in den letzten Jahren verschlechterie Rechtsprechung des ReichSverstcherungSamteS gehört auch die, daß der Begriff deS Betriebsunfalles imnier mehr eingeengt wird. Während in der Regel der Betrieb nicht die alleinige, sondern nur eine mitwirkende Ursache für den Unfall bildet, sucht das Reichs- verficherungSamt immer mehr den Begriff»Unfall- dahin zum Schaden der Arbeiter einzuengen, daß es öfters bei mitwirkenden körperlichen Ursachen(Bnichanlage.Hcrzschlag.Lungeiikrankheit usw.) das Borliegen eines Unfalls verneint. Daß diese Auffassung des Reichs- Versicherungsamts eine unhaltbare, gegen den Begriff eines Unfalls verstoßende ist, ist wiederholt von uns, in Berichten der Arbeiter- sekretariate und im Reichstag betont. Das Reichsgericht hat eS konsequent abgelehnt, den Spuren des Reichsversicherungs- amts nach dieser Nichtimg zu folgen. Lehrreich für die zutreffende Auffassung über den Begriff eines Betiiebunfalls ist ein dieser Tage vom Reichsgericht in einem Zivilprozeß gefälltes Urteil. Der Sachverhalt ist folgender: Die Geiverkfchaft Dorstfeld hatte den bei ihr an- gestellten Reviersteiger Bergmann bei der Kölnischen Unfall- Versicherungsaktiengesellschaft in Köln gegen Unfall versichert, und zwar auf den Todesfall für 5000 M. Nach§ 1 Absatz 1 der allgemeinen Versicherungsbedingunge» galt die Ver- ficherung als gegen die Folgen von Unsälleu geschloffen, sofern durch dieselben für sich allein und nicht beeinflußt durch irgend welche mit den, Unfall nicht in ursächlichem Zusammenhange stehende Krankheiten oder andere Umstände der Tod verursacht worden ist. Als Unfälle gelten nach Absatz 2 der genannten Verstcherungsbedingungen nur solche körperliche Beschädiguncien, von welche» der Versicherte durch plötzliche äußer« Gewalteinwirkung unfreiwillig betroffen wird. Zerreißungen, die durch einen in die Versicherung eingeschlossenen Unfall entstanden sind, gelten als Unfälle(Absatz 4), nicht aber Krankheiten. Schlag- anfalle, Temperatureinflüsse und Folgen von Ueberanstrengungen (Absatz 6). Am 5. Januar ist B. plötzlich verstorben. Nach den Be- bauptungen der jetzt klagenden Gewerkschaft infolge eines Unfalles. Er sei nach sehr onstrengeitder Tätigkeit im Dienst sehr erhitzt ge- Wesen. Trotzdem habe er sich sofort zu einer eisigknlten Entgleisungs- stelle begeben müssen, um durch kräftiges Zugreifen eines Wagens den etwa 18 Zentner schweren Wagen wieder auf die Schienen zu bringen. Hierbei sei er plötzlich umgefallen. Da er«in gesunder und kräftig gebauter Mann war, lasse sich sein Tod nur dahin er- klären. daß der Körper deS v. infolge der Uederanstrenguug und de? eisigen ZugeS nicht mehr so widerstandsfähig wie sonst gewesen und daß durch die ruckweise gewaltsame Bewegung beim Hebel- artigen Niederdrücken der«inen Wagenseite die innere Funktion deS Körpers versagt habe. Während die Klägerin die Auszahlung der SOOO M. betragenden Versicherungssumme verlangt, verweigert die Gesellschaft diese Summe deshalb, weil Bergmann nicht von einem Unfall betroffen worden, sondern infolge eines alten Herzfehlers und der Ueberanstrengungen an einem Herzschlage ge- starben sei. v»sA»ndgerichtKöln erkannte auf Abweisung der Klage. Im«lben Sinne entschied auf die Berufung der Klägerin das O b e sie ndesgericht Köln. Gegen daS oberlandeSgerichtliche Urteil hatte die Klägerin Revision eingelegt. Der VII. Zivilsenat des Reichs- gerichts kam zurAufhebung des o b er l a n d e s g e r i cht- lichen Urteils und verwies die Sache ans den folgenden Erwägungen an einen anderen Senat des Oberlandesgerichts Köln zur nochmaligen Entscheidung zurück. Das Ober- landesgericht habe nnt Recht angenommen, daß beim Auf- heben deS entgleisten, sehr schweren Kohlenwagens durch Bergmann ein Rllckdruck deS Wagens und damit eine plötzliche äußere Ge- walteinwirkung des Wagens auf den Körper des Bergmann, also„ein als Unfall sich darstellender Betriebsvorgang- statt- gefunden habe. Wenn das Berufungsgericht dann aber die Klage abweise, weil die Gewalteinwirkung nicht für sich allein, sondern durch die plötzliche Verschlimmerung deS Herz- fehlcrS den Tod des Bergmann herbeigerufen habe und weil Berg- maun an einemsHerzschlage verstorben sei. so unterliege diese Begründung rechtlichen Bedenken, die zur Aufhebung deS BerufungSurteilS habe führen müssen. Schon im Urteil voin 3. Juli 1830(III 88/30) habe der dritte Zivilsenat des Reichsgerichts folgendes ausgeführt: Der Tod fei als unmittelbare Folge eines Unfalles dann an- zusehen, wenn sich kein anderes späteres Ereignis als mitwirkende Ursache zwischen den Unfall und den Tod eingeschoben hätte. ES würde dem das Unfallversicherungsgesetz beHerr- schenden Grunds atze von Treu und Glauben zu- widerlaufen, wenn die Versicherung nur auf die Zeit normaler Gesundheit de» versicherten beschränkt und dann ausgeschlossen sein sollte, wenn diese im Laufe der Versicherungsperiode durch allmählich eintretende natürliche Zustände, wie Alter, allgemeine Krankheit, Schwäche einzelner Organe gemindert und hierdurch die nachteilige Einwirkung eines von außen kommenden Unfalles erhöht wird.— Im gleichen Sinne habe» sich das Reichsgericht in einer Reihe anderer Entscheidungen— VII 147/01. VII 300/02, VII 43/04. VI» 130/30. VII 223/00) dahin ausgesprochen, daß ein Unfall als die direkte und ausschließliche Ursache des Todes auch dann be- zeichnet werden könne, wenn eine gewisse Empfänglichkeit des Körpers für die nachteiligen Einwirkungen des Unfalles vor- Händen gewesen sei. In der neuen Verhandlung habe der BerufungS- richter deshalb zu erwägen, daß der jetzt erkennende Senat in den beiden Urteile» vom 24. Juni 1904, VII 49/04, und vom 24. Februar 1905, VII 848/04, sich dahin ausgesprochen habe, daß eine zur Zeit deS Unfalles bei dem Verletzten vorhanden gewesene„Herz- muskelschlaff hei i- und„fehlerhafte Beschaffenheit d e S H e r z e n s-, die zum tödlichen Ausgange m i t gewirkt hätten, der Annahme nicht entgegenstanden, daß der Tod auf den Unfall zurückzuführen sei._ Unzulässige Beschräiikungen im Gewerbebetriebe. Die für Nordhausen erlassene Polizeiverordnung über den Be- trieb von Restaurants mit Damenbedieuung bestimmt in ihrem§ 3, daß die Wirte als Kellnerinnen nur solche Personen annehmen dürften, die durch ein behördliches Zeugnis nachweisen können, daß sie innerhalb eincS bestimmten Zeitraumes nicht wegen Eigentums- vergehen und ähnlicher Straftaten bestraft worden seien.— Wegen Uebertretung dieser Verordnung. namentlich aber des Z 8, war in zweiter Instanz der Gastwirt Müller ver- urteilt worden, welcher in Nordhamen ein Wiener Cafö betreibt. — Das K a m m e r g e r i ch t hob dies Urteil auf und verwies die Sache an die Vorinstanz zurück, indem es den§ 3 für u n g ü l t i g erklärte. Er verstoße gegen Z 41 der Gewerbeordnung, welcher be- stimmt:„Die Befugnis zum selbständigen Betrieb eines stehenden Gewerbes begreift das Recht in sich, in beliebiger Zahl Gesellen. Gehülfen, Arbeiter jeder Art und. soweit die Vorschriften deS gegen- wärtigen Gesetzes nicht entgegenstehen, Lehrlinge anzunehmen. In der Wahl des Arbeits- und HiilfSperfonalS finden keine anderen Beschränkungen statt, als die durch das gegenwärtige Gesetz fest- gestellten I- Solche Beschränkunqen, wie der§ 3 der Polizeiverord- iimig, kenne nun die Geloerbeordnung nicht. Daraus ergebe sich die Ungültigkeit des Paragraphen. Zur Nachprüfung der eventuellen Anwendung anderer Vorschriften der Verordnung müsse die Sache nochmals an das Landgericht verwiesen werden. Steuerschraube gegen die Arbeiter. Die„Preußische Gesetzsammlung- publiziert die zum ß 23 des Einkommensteuergesetzes vom Abgeordnetenhaus und Herrenhaus beschlossene Verschärfung. Sie legt den Arbeitgebern die Ver» pflichtung auf, über das Einkommen der von ihnen beschäftigten Arbeiter der Steuerbehörde Auskunft jju erteilen. Ferner müssen die Hausbesitzer der mit der Personenstandaufnahme betrauten Be- Hörde angeben, wer der Arbeitgeber und wo die Arbeitsstätte der Arbeiter, Dienstboten und Gewerbegehülfen ist, die in ihrem Hause wohnen. Die Arbeiter haben die hiernach erforderliche Auskunft den Haushaltungsvorstäiiden zu erstatten. Den Wortlaut' dieses Paragraphen, der Fürsorge treffen soll, daß ja nicht ein Pfennig des Arbeitereinkommens unbesteuert bleibt, haben wir im„Vor- wärts" vom 14. Mai d. I. veröffentlicht. DicS neue Ausnahme- Finanzgesetz tritt am IS. Juli in Kraft. Slrbritcrquartlrre und Schlafstellen. Es ist eine bekannte Erscheimmg. daß die Arbeitgeber„ihre" Arveiter, insbesondere die vom Auslände importierten billigen Arbeitskräfte, oft in Räumen unterbringen, die weit hinter den Vieh- stallen zurückstehen. Aufgeklärte klassenbewußte Arbeiter wehren sich gegen solche„Wohnungen. Anders steht es mit den noch auf einer tiefen Stufe der Kultur stehenden ausländischen Arbeitern, die als AnSbeutungSobjekte von den Arbeitgebern nach Deutschland gelockt werden, um unbewußt ihren deutschen Kollegen in den Rücken zu fallen. Diese sind infolge der R e ch t l o s i g k e i t, in der sie durch die Gefahr der Ausweisung leben, reckt häufig gezwungen, mit den elenden Quartieren sich zu begnügen. Wie diese Arbeiterquartiere beschaffen sind, lehrt ein Blick in die von der Medizinalabteilmm des preußischen Kultus« Ministeriums veröffentlichten Berichte der Kreisärzte. So wird aus dem Regierungsbezirk Allen st ein mit- geteilt, daß es eigentliche Schnitterhäuser dort kaum gab; die Wander- arbeiter, deren Zahl keine geringe war. wurden vielfach in Scheunen untergebracht, wobei oft eine Trennung der Ge« schlechter nicht stattfand. Auch im Regierungsbezirk Potsdam genügten die Massenwohmmgen der landwirischaftlichen Arbeiter meist nicht den polizeilischen Anforderungen; Ueberbelegung. Fehlen von Krankenstuben kamen häufig vor. Im Kreise Nieder- ' arnim waren die Quartiere des Rittergutes Stolpe, auf dem eine Reihe von Cholerafällen ausbrach, stark überfüllt und hatten nicht die vorgeschriebene Krankenstube. Oft fehlte es bei den Arbeiterwohuhäusern auf den Gütern an jeder Aborts- anlage, einmal mangelte es auch bei denen einer Domäne daran. Im Regierungsbezirl Stettin wurden im Kreise Regenwalde die Hölzemen Baracken, in denen zahlreiche Bahn- streckenarbeiter untergebracht waren, auf Ersuchen der Ortspolizei- behörde vom Kreisarzt einer Revision unterzogen. Dabei fand sich, daß der S ch l a f r a u m zu stark belegt, das Lager st roh unsauber war. Wafchgelegenheit und Aborte fehlten. J>n Regierungsbezirk K ö s l, n wurden mit wenigen Ausnahmen den ausländischen Arbeitern Quartiere zur Unterkunft gebolen, die der Kreisarzt als bedenklich bezeichnet. Große Ncbelstände herrschten vielfach noch im Regierungsbezirk Bromberg, Ivo besonders dürftig die Quartiere im Kreise Wittkowo waren. In manchen Gegenden wurden die ausländischen Arbeiter nicht zusammen untergebracht, sondern auf einzelne einheimische Familien verteilt. Diesen, Verfahren ivar eine Ausbreitung der Pocke», die von Ausländern fast in jedem Jahre eingeschleppt»Verden, zu danken. Wegen der vielen Miß- stände wurde durch eine RegierungSberfügung angeordnet, unverzüglich unter Zuziehung des Kreisärzte» sämtliche U n t e r k u n f t S st ä t t e n von Wanderarbeitern einer Besichtigung zu unterziehen. Im Regierungsbezirk Breslau machten die Arbeiter- quartiere langsame Fortschritte zum Besseren, ließen allerdings auch stellenweise, besonders im Kreise Wohlau, noch viel zu wünschen übrig. Auch im Regierungsbezirk Liegnitz herrschten vielfach Mißstände, in Neudorf(Kreis Goldberg) mußte sogar ein in einer Scheune aufgeschlagenes Maffenquarticr für beim Bahnbau be- fchäftigte galizifche Arbeiter aus hygienischen Rücksichten aufgehoben werden. Die Benutzung von Räumlichkeiten, die für den Aufenthalt von Menschen völlig ungeeignet sind, steht keineswegs vereinzelt da. Wenn z. B. einem Besitzer im K r e i f e G a r d e l e g e n die Er- laubnis zur Annahme ausländischer Arbeiter mir unter der ausdrücklichen Bedingung erteilt wurde, daß er bessere Unterkunftsräume beschaffe, so kann man sich denken, wie die bisherigen Räume beschaffen waren. Aus dem Kreise Jerichow II wird ge- meldet, daß zwar die Quartiere den Anforderungen genügten, daß aber den polnischen Arbeitern daS Verständnis für Ordnung und Reinlichkeit abgehe; die frisch geweißten Räume mit ihren weißen Betten sollen nach kurzer Zeit der Gewöhnung nicht wieder- zuerkennen sein, die Aborte sollen bielfach nicht benutzt, sondern die Fäkalien in der Umgebung der Logierhäufer abgelagert werden. Im Regierungsbezirk Schleswig war es mit der Trennung der Geschlechter noch vielfach schlecht bestellt. Geradezu haarsträubend ist das, was aus dem Kreise Hadersleben berichtet wird. Hier hausten auf einem Hof in einem geräumigen Zimmer drei Ehepaare mitKindern und ein junger Mann; eine Frau war eben entbunden, während eine andere kurz vor der Entbindung stand. Im RegierungS- bezirk Arnsberg wurden durch den Talsperrenbau in Lubach und Oestcrtal im Kreil e Altena zahlreiche ausländische Arbeiter heran- gezogen, die in Baracken, Schuppen, Kellerwohnungen mangelhaft, besonders zu eng untergebracht waren. Die gleichen Mängel wie die von Arbeitgebern errichteten Ar« beiterquartiere weisen die Schlafstellen auf, die sich die Ar- beiter selbst mieten. AuS leicht erklärlichen Gründen ziehen die Arbeiter eine Schlafstelle in einer Familie dem Aufenthalt in einer Arbciterlaserne vor, aber auch um diese Schlafstellen ist eS oft recht traurig bestellt. Besonders arg scheint eS in der Stadt Posen zu sein. Hier gab es im Jahre 1305 nicht weniger als 8313 Schlafgänger in 2111 Haushaltungen, in 130 Haushaltungen waren je 3 und in 112 sogar mehr als 3 Schlafleute einquartiert. Oft wohnten Schlafgänger bei sittlich verkommenen Leuten, oft solche männlichen Geschlechts in demselben Raum mit Witwen und deren Töchtern, oft zwei männliche Schlafgänger in einem Bette. Die Räumlichkeiten waren viel zu klein, verwahrlost usw., so daß dieser Zustand zu starken Bedenken Anlaß gab und eine Polizei- Verordnung Abhülfe schaffen muß. Wir begnügen unS mit diesen wenigen Beispielen. Diese Dokumente preußtsch-deutscher Kultur im 20. Jahrhundert sind eine treffliche Illustration zu dem stolzen Worte: Preußen in Deutschland voran, Deutschland in der Welt voran! Unseren Sittlichkeitsaposteln, die nicht genug über die zunehmende Uusittlichkeit in der Arbeiter- bevöllerung zetern können, möchten wir den Rat geben, sich einmal mit diesen' Verhältnissen etwas näher vertraut zu machen. Dann müßten sie, wenn sie sich von dem Gerechtigkeitsgefühl leiten ließen, die Schuld nicht den Arbeitern in die Schuhe schieben, sondern an« erkennen, daß das auf seinen Profit bedachte Unternehmertum die einfachsten Gebote der Menschlichkeit, die Forderungen der Sittlichkeit und die Vorschriften der Volksgesundheit mit Füßen tritt. Mit bloßen Polizeivorschriften, wie sie hier und da erlassen werden, ist eS nicht getan, zumal da diese Vorschriften gewöhnlich so milde sind, daß die Unternehmer sich leicht darüber hinwegsetzen können und da ihre Uebertrctungen meist so gut wie gar nicht geahndet werden. Damit eine Wandlung zum Besseren eintrete, müßten die gesetzgebenden Körperschaften, voran der Reichstag, sich endlich ihrer Pflichten auf dem Gebiete der WohnungSgesetzgcbung bewußt werden und diese mit Energie verfolgen. Von der sozialdemokratischen Fraktion ist seit Jahren ein reichsgesetzliches WohnungSgesetz und WohnungS- lnspektion gefordert. Vermischtes. Fürstin und Diener. Das Verfahren gegen die Fürstin Wrede ist, wie dl> Zeitungen zu melden wissen, eingestellt. Diese verehrte Dame hat bekanntlich eine besondere Vorliebe für Silberzeug und Tischzeuge, und sie benutzt« den Aufenthalt in den fashionabelsten Hotels dazu, ihre Silberkammer auf dem Schloß Basedow zu bereichern. Der ehemalige Diener Glase deS Fürsten denunzierte, nachdem er aus dem Dienst entlassen, die Fürstin, woraus eine Haussuchung auf dem Schlosse vorgenommen wurde. In der Tat fand man eine Unmenge Silber vor, das aus verschiedenen Hotels in Paris und anderwärts herstammte. Die Masse des gestohlenen Silbers war so groß, daß es in mehreren Kisten und Körben nach der Pfand- kammer des Landgerichts Güstrow gebracht werden mußte. Zum Teil waren die Originalstcmpel der Hotels abgeschlagen und durch andere ersetzt worden. Man verhaftete natürlich sofort— nicht die Fürstin W., wohl aber den Diener, der der Erpressung be- schuldigt wurde. Diesem wurde der Prozeß sehr schnell gemacht, er wurde zu 3 Monaten Gefängnis und 2 Jahren Ehrverlust ver» urteilt und hürftp jetzt seine Strafe wohl schon verbüßt haben. Außerdem sollte gegen ihn noch ein Verfahren wegen Meineid ein- geleitet werden, weil er bei einer seiner eidlichen Vernehmungen behauptet habe, daß in seinem, an den Fürsten Wrede gerichteten Briefe, der ihm die Anklage wegen Erpressung zugezogen hat, aus- drücklich vermerkt gewesen sei. daß das von ihm verlangte Geld für die Armen bestimmt sein solle., Die Justiz hatte hier schnell und energisch eingegriffen. Glimpflicher wurde mit der Fürstin verfahren: Natürlich kann eine so hohe Frau nicht der gewöhnlichen Mauserei obliegen, sondern alle Welt war sich sofort darüber klar, hier müsse ein krankhafter Hang zum Stehlen, Kleptomanie, vorherrschen. Die be- rühmtesten Psychiater bemühten sich um die schwerkranke Dame und daS, was das große'Publikum sofort vorausgesetzt hatte, bestätigte sich. Die ZeitungSlescr wurden pflichtschuldigst von Zeit zu Zeit über daS Befinden der durchlauchtigsten Kleptomnnin unterrichtet. Zunächst wurde sie im Sanatorium in Lankwitz zur Beobachtung untergebracht. Später durfte sie mit Genehmigung des Gerichtes die„gewohnte ärztliche Hülfe" in Paris in Anspruch nehmen. Bald darauf wurde mitgeteilt, daß die Psychiater zu der Ueberzougung gelangt seien, daß die Fürstin geisteskrank ist. Sie soll aber nicht an Kleptomanie leiden, sondern es soll sich um einen von den verschiedensten körperlichen Krankheitserscheinungen be- gleiteten vorzeitigen Verfall der körperlichen und geistige» Kräfte mit schwer belasteter Grundlage handeln. Jetzt wird die besorgte Mitwelt endlich vollkommen über das Schicksal der Fürstin be» ruhigt. AuS Güstrow kommt, wie wir schon oben mitteilten, die Nachricht, daß die Strafkammer das Strafverfahren gegen die Fürstin Wrede und ihre Gesellschafterin Fräulein Weidig auf Grund des§ 51 des Strafgesetzbuches eingestellt hat. Die Staats- lasse trägt die Kosten des Verfahrens.— Die Einstellung des Ver- fahrenS ist wohl zweifellos aus Grund der ärztlichen Gutachten er- folgt und wir haben selbstverständlich keinen Anlaß und fühlen uns nicht berufen, den Gutachten der Psychiater den leisesten Zweifel entgegenzusetzen. Nur wünschten wir. daß allen Verbrechern eine solch eingehende gründliche Behandlung von Acrzten zuteil werde; die Gerichte hätten sicherlich nicht die Hälfte ihrer jetzigen Arbeit zu verrichten._ evaslerstand am 3. Juli von», eibe Bei Austlq— Meier. BA Dresden— 1,53 dp.— Elbe bei Magdeburg 1,(50 Meter.— Oder Bei Nalibor 1,35 Meier.— Oder bei Brctlan— 1,SS Meter.-»- Oder bei Brlcg i,SS Meier.— Neibemündung 1.1S Meter. ■'—- Typographia Gesangverein Berliner Bncbdrncker nnd SchriftgleBer. Gegr. 1879.— Chormeister Alexander Weinbaum.— M. d, Ä.-S. Sonntag, den 7. Jnll, nachmittags 4 Uhr, im Konzertgarten der Brauerei Frledrlehshaln. KSnigstor: KONZERT onter Mitwirkung des Neuen Tonküdstler- Orchesters, Dirigent: Franz Hollfelder. EintritUkarten a 30 Pf. sind zn haben in den Zigarrenhand- Inngen: Lorsch, Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer 15; Vereinshaus des Metallarbeiter-Verbandes, CharitÄstr. 3; Gottfried Schulz, Kottbnser Tor; Emil Schulz, Mittenwalderstr. 2; H. Koppe, Tilsiterstr. 45; Parske, Büschingstr. 2, sowie an der Kasse._________ Von 7 Uhr ab Im groten Saale: TANZ* •mmmmm Die Kaffeekttche ist von 3 Uhr ab geöffnet. Zahlstelle Charlottenburg.: Donnerstag, d. 4. Inli» abds. 8'/z Uhr, im Volkshause, Rostnenstr. S(großer Saal): Oeffentliche Holzarbeiter■ Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Die wklschafllichen Kämpfe der Neuzeit und welche Ausgaben stehen jmS bevor? 2. Disfusfion. Referent: Kollege Ernst Deinhart auS Stuttgart» Redafteur der »Holzarbeiter-Zeituna". DM" ES find hierzu alle am Orte wohnenden und arbeitenden Holzarbeiter eingeladen. 89/17 Der Elnberafer. Achtung! WA WU" Achtung! Zusehneider n. Zusehneiderinnen der Herren- n. Knabenkonfektion! Freitag, den 5, Juli, abends 8 Uhr, bei Dräsel, Reue Friedrichstraste 3S: Mitglieder- Urrsammlnng. TageS-Ordnung: Beschlustfaffuna über die Arbeitseinstellung b ei denjenigen Firme«, die den Tarif bis jetzt nicht anerkannt haben. Referent: Kollege Bitkr. An sämtliche Kollegen und Kolleginnen ergeht die dringende Aussorde« rung, in dieser Versammlung zu erscheinen; die Verschleppungstaktik einer Anzahl Firmen zwingt uns zum Handeln. 165/5" Tde Ortsverwaltung des Verhandes deutscher Schneider. Verband der Lederarbeiter Filiale I Berlin. Donnerstag» den 4. Juli, abends 8 Uhr, im Marienbad, Badstraste 85/36: Jftonats-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht deS Vorstandes. 2. Stellungnahme zur ErwerbSlosen-Unter- stützung von Verbands wegen. 3. Veremssachen und Verschiedenes. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen ist Pflicht. 292/16__ Der Borstand. I. A.: Franz Runge. erschienen: Die Kolonialpolitik und der Zusammenbruch. Von Parvus. 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Er hatte die Apfelnutzung einer Landstraße gepachtet und sah eines Tages, wie ein jugendliches Geschwisterpaar, Else und Karl F.. sich an einem Apfelbaum zu schaffen machten. Von einem abgebrochenen Aste nahm Else F. 10 bis LO Aepfel an sich. Oppermann rief beide herqn und meinte, das kpnne ihnen feucr zu stehen kommen; das habe Gefängnis oder Geldstrafe zur Fosge. Im Laufe des Ge- sprächs fuhr er die beiden an und drohte ihnen mit Mißhandlungen. Die Frage der beiden, ob sie die Sache nicht mit Geld abmachen könnten, bejahte her Angeklagte. Die Geschwister boten ihm nun 10 M- an und er war einberftanden. Eine Mark zahlten sie sofort; die übrigen 9 M. sandten sie mittels Postanweisung. Pje Aepfel hatten sie �natürlich sogleich wieder herausgegeben.— Auf die Revision des Angeklagten hob am Montag das Reichs- gericht dps Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht z u r s, ck. Zstr Aufhebung führte ein« pro- zessuale Peschwerde. Es erschien qber, wurde in den Gründen aus- geführt, auch fraglich, ob eine Äufnötigung des Willens vorliege oder ei» bloßes Paktiere» über Vergleichsvechandlungen. Wir erwähnen dies Urteil,»in festzustellen, dass da» Reichs. gericht doch davor zurückschreckt, den Begriff einer Erpressung, wie es ihn in Strafsachen gegen Arbeiter leider billigt, auf Strafsachen gegen andere anzuwenden. Versammlungen. Die Berliner GewerkschostSkommisfion hielt am Montag eine Delegierienversammlung ab. in der der Jahresbericht von 1903 zur Debatte stand, aus dem der„Vorwärts" am Sonntag bereits das wichtigste mitgeteilt hqt. Die GewerkschaftSfekretäre gaben nun der Versammlung einige Erläulerungcu und Ergänzungen zu de», gedruckten Bericht. K ö r st e n sprach zunächst über den Kassenbericht und wies auf den erfreulichen Vermogenszuwachs hin, den die Ge- werkschaftskommisfion im verflossenen Jahre zu verzeichnen hatte. Ferner bemerkt« der Redner, dass die Behauptung, die Gewerkschaften seien nicht volle Eigentümer des Gewerkschaftshauses, nun nicht mehr gelten könne. Die finanzielle Beteiligung der Gewerkschaften sei im allgemeinen eine gute. Man könne darauf rechnen, das neue Haus ohne bürgerliche Hvpothek hochzubringen. Durch den grösseren Sinfluss, den die Gewertschaften auf die Verwassung des HauseS ausüben, das sie nun ihr eigenes nennen können, seien auch um so gröhere Pflichten für sie erwachse». Mehr als bisher müssten sie dafür sorgen, dass das Haus frequentiert werde und die Säle nicht leerstchen. Wenn sich Mängel bemerkbar machte», müsse das ge- sagt werden, um Abhülfe zu schaffen.— Sodann äußerte sich Ritter zum Jahresbericht. Er hob zwei Dsng« als besonders er- frimlich hervor: erstens das gute Einvernehuißn zwischen der ge- werkschaftlichen und politischen Bewegung, das auch in Zukunft be- stehen bleiben möge, und zweitens, dgss man aus den schiechien Burcauverhälinissen herausgekommen fei und neue Räume zur Verfügung habe, die es möglich machten, einen Besucher nach dem anderen regelrecht zu empfangen. Ter Redner machte ferner auf einige Druckfehler im Jahresbericht aütmerksam. die für den auf- merksamen Leser leicht erkennbar sind und in den weiteren Exemplaren des Berichts richtig gestellt werden sollen.— Link sprach über den zweiten Teil des Berichts, die Tätigkeit des Ar- beitersekretamts beireffend. Er erwähnte, daß die Zähl der Aus- kunftfuchenden wieder....... 18 287 im Jahre Auskünfte kstMOss �»ub n,-, beim S-kretqriat anhängig gemachten Fällen wurde über die Hälfte zugunsten der Versicherten entschieden. Ter Redner machte sodann � vorgetzovxn wexpeu, und fprdept ferner auf, dafür zu sorgen, das; be« allen in Betracht kommenden Fällen sofort das Sekretariat in Anspruch genommen werde. In der Diskussion sprachen zunächst einige Delegierte ihr Be. dauern darüber aus, daß der Bericht diesmal so spät erschienen und Puch ihnen nicht zeitig genug zugegangen sei. um ih» vor der Ver- fammsung gründlich durchzulesen. Die Sekretäre erklärten dem- gegenüber, dass die Reichstagswahl und dann der Umzug des Bureaus zu der auch ihnen sehr unliebsamen Verzögerung des Be- richts geführt habe. Cohen sMetgllprbeiter) bemerkte, es sei vorgekommen, dass kein Sekretär im Bureau während der Bureau» stunde» amvefend war. Hier inüsse Abhülfe geschaffen werden. Wenn die Sekretäre so übeplgstdt seien, müsse man ihnen entweder andere Arbeit abnehmen oder mehr Sekretäre anstellen. Link sowie K ö r st e n erklärten, dass es wohl nur während der Reichs- tagSwahl einmal vorgekommen fei, daß kein Sekretär im Bureau war. � Im übrigen fei auch dafür gesorgt, dass stets noch eine Person da sei, um Auskunft zu erteilen. Die Ansprüche, die an die Sekre- täre außerhalb des Bureaus gestellt werden, seien allerdings so zahl- reich, dass einer immer unterwegs sei» müsse. Aus der weiteren Diskussion sind beson stellungen zum gedruckten Bericht zu erwä. lTextilarbeiter) führte aus, dass die Mitgliedpszahl seiner Organisation viel zu niedrig angegeben sei. Es sei nicht, wie die Tabelle ausweise, ein Rückgang vpn IbSI auf 1288 Mitglieder zu verzeichnen, sondern vielmehr ein erheblicher Zuwachs. Rummelsburg nicht mitgerechnet, zähle die Organisation jetzt über 1800 Mitglieder; die im Bericht angegebene Zahl für 1903 beziehe sich nur auf eine Filiale.— Ebenso stellte Werner(Handels- und Transportarbeiter) richtig, dass seine Organisation nicht 22890, sondern über 83 000 Mitglieder zählü Dieser Irrtum ist ebenfall» dadurch ent- standen, daß einzelne Filialen nicht berücksichtigt wurden.— Wie die Diskussion ergab, sind die Sekretäre nicht schuld an diesen sonders einige Richtig- Fehlern im Bericht. Die Versammlung erteilte den Sekretären guf Antrag der Revisoren einstimmig Entlastung. Für die Wahl des Ausschusses, die in der nächsten Versammlung stattfindet, wurden folgende Kandidaten aufgestellt: Ernst Brückner, Werner, Hart mann. Schade, Siering, Maass, Schumann, Oskar B ö t t g e r und Otto Handle. Das bisherige Ausschussmitglied N e u m a n n(Putzer) lehnte die Wiederwahl ab mit der Begründung, dass er infolge seiner Berufs- tätigtest nicht immer an den Sitzungen teilnehmen könne.— Als Revisoren wurden Wutzki, Leopold und H e tz s ch o l d gewählt. Eine Anfrage von May(Gemeindearbeiter), den Boykott der Pasetsahrtgesellichast»nd de» Zeitungsverjand der Gewerkschaften hetxeffend, wurde aus Vorschlag Ritters bis zur nächsten Ver- fammlung zurückgestellt, nachdem Werner darauf aufmerksam gemacht hatte, dass sich die Zustande, bei jener Gesellschaft keines- Wegs gebessert haben upd der Boykott unverändert fortdauern muss Folgende Gewerkschaften waren, wie die Verlesung der Präsenz- liste ergab nicht in der Versammlung vertreten: Bildhauer, Brauer I, Buchdruckereihülfsarbeiter, Formstecher, Glasarbeiter»ud -Schleifer, Glaser, Kürschner, Lagerhalter, Lithographen und Chemsgraphen, Marmorarbciter. Mühlenarbeiter, Porzellanarbeiter, Steinsetzer, Technisches Bühnenpersonalt Xylographen, sowie die Kartelle Rummelsburg und Tegel. Gold-«nd Silberarbcitcr. In der am 26. v. Mls. in Frankes Festsälen abgehaltenen Monatsversammlung der Gold- und Silberarbeiter Berlins erstattete Kollege H e i n e m a n» Bericht vom Berbandstage des Mctallarbeiterverbandes. Die Zahl der organisierten Goldarbeiter. Graveure n»d Ziseleure ist von 2931 im Jahre 190S auf 9810 im Jahre 1906 gestiegen, hat demnach eine Zunahme von 3849 gleich 231,30 Proz. erfahren. Ferner hat die im Herbst 1906 in acht Städten eingeleitete Lohnbewegung ganz er- hebliche Vorteile gebracht. ES wurden ArbeitSzeiwerlnrzungen durchgesetzt pro Woche für 62 Arbeiter 1'/, Stunden, für 2451 Arbeiter 3 Stunden, für 1844 Arbeiter 4 Stunden, für 2540 Arbeiter 5 Stunden und für 14 951 Arbeiter 3 Stunden. In Summa für 21 948 Arbeiter 11? 228 Stunden. Ferner wurde» an Lohnerhöhungen erreicht: In Berlin......tiir 336 Arbeiter-uk. 2226M. „ Esslingen.... „ Gmünd(schwätz.) „ Hanau...... , Mainz...... , Oberstein Idar. „ Pforzheim.... Zusammen für 15 939 Arbeiter zus. 31 603 M. 1,99 M. durchschnitti. Da? find ganz bedeutende Erfolge, durch welche die indifferenten Kollegen aufgerüttelt werden müßten sich der Organisation an- zuschliessen. Die Filiale I des Steinarbeiterverbandes beriet am Freitag im„Englischen Garten" in einer Mitgliederversammlung über die Frag« der Erhebung einer Extrasteuer zur Slärkung des lokalen Fonds. Den Anlass bieten die Ausgaben, die entstanden sind und weiter entstehen werden dadurch, dass Mitglieder i» Mit- leidenschaft gezogen ssiid durch den Kampf im Baugewerbe. In- folge dieses Ilmstandes sind in den verflossenen fünf Wochen qn Arheitsloien- und Reiseunterstützung etwas über 1000 D!. aus- gegeben worden. Der Filialvorstand wollte 50 Pf. Extrasteuer rö Woche vorschlagen. �' idat'-— amit nicht durchl Woche.— In der' Rücksicht auf die noch vorhandenen lokalen Mittel Mark— jetzt schon nötig sei, eine Extrastener zu erheben. Vor der Slbstiinmung wurde der zweite Pmstt der Tagesordnung zur Verhandlung gestellt. Er lautete:„Macht sich eine Aende- rung unserer bisherigen Stellungnahme zum Kampf im Baugewerbe notwendig?" Dazu sprach �er Filialvorsitzende Winkler. Er verwies auf die vor einige» ochen von der Filiale l angenommene Resolution und betpnte, etwa 8000 daß die Fragestellung im zweiten Punkt der Tagesordnung nicht etwa bedeute, daß der Vorstand eine Aeliderustg der in der Resolution beschlpssenen Taktik wünsche. Der Punkt sei nur auf die Tagesordnung gekpmmen, um Klarheit zu schaffen. Die R solution entspreche durchaus den Wünsche» der beim Kamps djrc beteiligten Organisationsleitungen, indem sie besag«:„Die Steu arbeiter Perlins verpssichte» sich, den ausgesperrten resp. streikenden Bauarbeitern ihre möglichste lintcrstichung zuteil werden zu lassen: 1. dprch Verweigerung derienigen Arbeiten, welche vor dem Kampfe von den Maurern resp. Hülfsarbeitern ausgeführt wurden; 2. durch Rsederlegung der Arbeit in solchen Fällen, in welchen nach Mass- gatze der beteiligten Organisationsleitungen ein Vorteil für die Ausgesperrten resp. Streikenden herausspringt; 3. durch Aus- Übung eines moralischen Druckes auf event. Streikbrecher in solchen Fällen, ist denen, ebenfalls nach Massgabe der beteiligte» Organisationsleitungen, ei»« Arbeitsverweigerung nutzlos wäre." Diese Resolution solle nach Meinung mancher Kollegen zu ver- schiedenen Ilnzuträglichkeite» geführt haben. Die Vorstandösttzung und die Sitzung der Platzvertretcr habe sich aber auf den Stand- Punkt gestellt, dass nicht die Resolution schuld habe an Unzuträg- lichkeiten, sondern das Bestreben von Kollegen, hüsfreich da ein- zugreifen, wo ihre Hülfe gar nicht gebraucht werde bezichungs- weise zwecklos wäre. Mit dem Wille» zu Solidaritätsbezeugungen sei es eben nicht getan, er müsse auch mit Zweckmässigkeit gepaart sein. Die Meinung der beim Kamps direkt beteiligten Organi- sationsleitungen gehe dahin, dass die beim Kampf nur in Mit- leidenschaft gezogenen Berufe im allgemeinen nicht in der Lage feien, ihnen zu Helsen. Deshalb beschränkten sich jene Organisationsleitungen aus die Forderung morqlischer Unter- stützung und auf die Forderung. Arbeiten zu verweigern, d i e früher von den im Kampf Befindlichen ge- macht wurden; im übrigen hätten sie von einem aktiven Ein- treten für sie abgeraten, und speziell hätten sie nicht gewünscht, dass dqs Zusammenarbeiten mit Streikbrechern verlveigert werden solle.— Die Kollegen wünschten»u» zum Teil eine andere dürfe. Beide Wege seien nicht gangbar. Einerseits könne man niemand zwingen, mit Streikbrechern zusammen zu arbeiten. Ein gegenteiliger Beschluß aus Verweigerung jede? Zusammenarbeitens mit Streikbrechern fei aus den angeführten Gründen untunlich, ausserdem aber auch schon deshalb unmöglich, weil damit gege» den korporativen Arbeitsvertrag(Tarif- Verhältnis) Verstössen würde. Wenn die einzelnen auL ihrem Moralischen Gefühl heraus eS verweigerten, dann sei das etwas anderes, denn dazu hätten sie als freie Arbeiter oas Recht.— Redner geht noch auf die Differenzeli mit der Filiale II ein und teilt noch mit. dass die Platzvertretersitzung für Aufrechtcrhaltung der Resolution ist.— In der langen Debatte wurden die Streit- punkte zwischen Filiale I und II, betreffend die verschiedene Auf- sassung von der Solidaritätsübung im Bauarbeiterkampf, eingehend durchgesprochen. 7— Es wird schliesslich Uebergang zur Tagesordnung beschlossen, wodurch festgestellt ist, daß die Resolution bis zu einer Aenderung in Kraft bleibt. Ferner aber wurde beschlossen,«ine kombinierte Platz- yertretersitzung beider Filialen einzuberufen, um ds« Differenzen zwischen Filiale I und II aus dem Wege zu räumest. Der Antrag auf Erhebung einer örtlichen Exirasteuer wurde dann angenommen, jedoch nicht einer solchen von 1 M., sondern von 50 Pf. die Woche, von der 27. Woche bis auf weiteres. Der erste Kafsierex Harlmayn, der wegen verschiedener An, griffe sein Amt niedergelegt hatte, erklärte sich zur Woiterführung des Amtes bereit, nachde« ihm einstimmig ein Vertrauensvotum ausgestellt worden wcu« Düsseldorfer Arbeit ist zu perweigern, da in Düsseldorf Streik ist._ BrUfhaften der Redaktion. Sie Jm-iftififie Svrkchstüiide findet F r i e d r i ch st r. 10, Nufgang kf etile Treppe kHandelsstiitte Äelleallianec, Tnrchgaug auch i-iiidenstr. litt, Ivocheutaglich von«'/, bis» Uhr. Jeder'Anfrage ist ein Buchstabe»nid eine Zahl ai? Merkzeichen beizufügen. Briefliche Ziiiiiuor» wird nicht erteilt. Eilige Frage»»rage man in»er Tprrchstunde vor. A. K. 418..Eine Bcstra Oifcubachcr»rankenknll« OSev 1. Zur Eileilnng des Eine Bcstramnq der Eltern könnte einlreteu.— Douuiick. :(Berlin, B'.ln»«W>WiW>> lantsmigehorigleitsausweiics Prinzeustr. KS bei Hinze).— P. K. 87. j--j/-(inij(„ Württemberg die Kreisregierungcn zu Ludwigsburg, Ellwangcn, Aeullingen und Ulm zuständig. 2. Rein. 3. Der Nachtrag genügt.— C. T. 45. Die Kündigung ist rechiögpltig.— N. R. 88. Solche Borschrist besteht nicht.— G. K. 15. Tie Anmeldung crsolgt bei der Gemeindebehörde.— iTiclfolö, Sic sind zur Zahlung verpflichtet. Die nachherige Auiuahme ist lüjlcjiloS. — H. Üf. 50, 1. Ja. 2. Bei einem Notar oder vor dem Amtsgericht. 3. Solort. 4. Die Kostcnhöhe richtet sich nach der Höhe des Objekts.— S. 86. 1. In 30 Jahre», von der letzten Pfändung ab gerechnet, verjährt eine ausgeklagte Forderung. 2. In 4 Jahren vom Ausgang des Jahres, in dem die Forderung enljtanden war, perjährt eine Forderung siir Waren, die für Geschäsiszwecke gciicsert waren. 3. In 5 Jahren.— Tr. G. 818. Das Gesetz sührt nicht bcslimmtc Gegenstände aus, die nicht gevsändct werden dürfen, sondern bezeichnet die unciitbehrlichcn Gegenstände als unpsäudbar. Was dazu gehört, ist von Fall zu Fall, zu- nächst vom Gerichtsvollzieher, dann vom Amtsgericht zu eutscheiden. — W. T. 163. 1. We»dcii Sie(ich au die Ausluiisisstellc der Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur, linke« den Linden U>, Ouergebände IIL 2. Wegen allgemeiner Schwäche, die voransfichilich beHobe» werden wird, aus ei» Jahr zurnckgcsiellt.— Spandau, St. tOO. Ja.— A. B. i« G. Wenden Sie sich schris-üch an den Parieworstand.— H. 3. 83. 1. Die Ehesrau hat als marlischc das Recht, innerhalb sechs Wochen zu wählen, ob sie nach märkischem oder nach dem Recht des Bürgerliche» Gesetzbuches erben will. Im ersten Fall stehi ihr ein Anspruch aus die Hälfte der durch Zusaimncnwcrscn des beiderseitigen Vermögens gebildeten Masse zn. itnpifon J�iiff?ctim ft<» hp« hrm»nv ffijrmptirndifpT» nith sind, ja. 2, und 3. Nein. Sie können lediglich Ihre Fordeiimz ausklagen und au! Grund des Urteils die Sachen dann versteigern lassen. — K. G. Die Ofscnbacher Krankenkasse für Frauen und Mädchen(Berlin, Prinzcnstr. 36 bei Hinze) ist zu empfehlen.— R. 777. Sie müssen sür Ihre Frau leider zahlen, weil diese aus der Kirche nicht ausgetreten ist.— SiloJ, P-............... von Ihnen WMHDWmWWWW�W�WWWWW��W und aus Sch'adcnirsatz nicht ganz' auslichtlos. Zuständig ist das Amtsgericht. Jicubicl. 1—3. Rem.— K. L. 106. Die Kündigung entspricht den gesetzlichen Erfordernissen und sft nach der Rechtsprechung beiden Ehelcmen gegenüber gültig. -/, Kiste 2—2,50. Kabliau, geräuch. per 100 Psd. 0,00. Dorsch, Kiste 0,00. Goldsische, Schock 0,00. Sardelle», l902er per'Anker 98, 1904er 98, 1905er 98, 1906er 90—95. Schottische Vollheringe 1905 0,00, largo 10—11, füll, 38— 40, med. 36—12, deutsche 37—11. Heringe, neue Matjes, ver»/, To. 50—120. Sardinen, russ., Fass 1,50-1,60. Bralheringe Fass 1,20-1 10. do. Büchse(1 Liter) 1,10-1.70. Neunaugen, Schockjass 11� do. kleine 5—6, do. Riesen- 14. Eier, Land-, unsortiert per Schock 2,90—3,10, do. grosse' 3,50. Krebse per Schock grosse 0,00, do. mittelgrosse 11. do, kleine 5—6, do. nn- sortiert 0,00, do. Aaiizkr gross 12,50—16,50, do. mittel 3,00. Bullet per 100 Psd. la 106-110, 11» 103-106, lOa 100-102, abj.ill-»de 90-95. Saure Gurken Schock 4,50, do. neue 6—3. Pscsicrgifrten 4,50. Kar« löffeln per 100 Psund mauuum bonwm 0,00, Dabersche 4,50—5, neue S,5ö— 6,00. Poree, Schock 0,80—1,25. Meerrettich, Schock 3—14. Spinal p. 100 Psund 10—12. Karotten, hiesige, Schockbund 4,00—5,00. Seyerie, hiesig«, per Schockbund 2,00—3,00. giviebcln grün, per Schock 0,60, do. kleine 0,00, do. hiesige iPerl») 0,00. Eharlollcn 0,00. Petersilie, grün, Schockbund 0,30—1,20. Kohlrabi Schock 0,75—1,00. Reitig, bayr., neue Stück 0,12—0,16. Mohrrüben Schockbund 2,00—3,00. Wirsingkohl ver Schock 6,00—7,00. Rhabarber 100 Bund 0,60—3,00, Bergedorfer, per 100 Bund 0,00. Morcheln per Pfund 0,00. Sandln orch ein per 100 Psd. 0,00. Wäldmeister per Mandel 0,00. Scholen per 100 Psd. 10—15. Psesserlinge per 100 Psund 16—23. Radieschen per Schock 0,75—1,00. Salat per Schock 1,10—1,20. Spargel la 10O Pw 0,00, do. IIa 0,00, do. lila 0,00, do. unsortiert 0,00, do. Beelitzer la 0,00, do. Beelitzer tla 0,00, do. Beelitzer lila 0,00. Stachelbeeren, grün, per 100 Psd. 20—25, Holl. 00,0. Acpsel, hiesige. Per 160 Psund QssX), do. aus»«!., per Kiste 0,00. Erdbeere», franz., 100 Psd. 0,00, do. Holländer Korb 0,00, do. Dresdener, Kanne 0,00, do. Hamburger, 100 Psd. 40—50, dö. Werderjche 0,00, do. Tangerniünder 0,00, do. hiesige 25—40, Walderdbeeren 60—90, Stgchelbcereii, 100 Psd. 20—25. Blaubeeren, 100 Psd. 30—23. Johannisbeeren, 100 Psd. 20—25. Kirschen, franz., jtt Kisten von zirka 1 Kg. Kiste 0,00, do. Gubener, 100 Psd. 11— 14, do. Schles. 7-13, do. Heide!- berger 0,00, do. Werdersche 10—14, do. GlaS- 17—20, do. Thüringer 10—14. Pflaumen, ital., 100 Pfd. 10—25. Aprikosen, ilal., 100 Psd. 25. Zitronen. Messina. 300 Stück 9.00-15.00. do. 360 Stück 8,00-11,00, do. 200 Stück 6,00—12,00._ Wtttcenugsttberstcht vom L. Juli IDO?. morgen» 8 Ith«. Sivtnenide Hamburg Berlin Franss a M München Wie» 755MNO 758 N 756 N 755 TW 755 NA 751 W 4 bedeckt Ldcdeckt 3 bedeckt 1 betzeckt 3 bedeckt Swolkenl Haparanda 751SIW Petersburg 759 SO Scilly Aberdem Paris 765 NNW 762 RNA 761 NNW 2 wolkig 12 1 woltenl 23 4 halb bd. 12 1 wolkig 4 bedeckt Wetter. Prognose iiir h. den 3. Juli 1007. Kühl und vorwiegend»übe mit leichten Negenfallen und ziemlich si-ifchen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterdurea» Für den Inhal» der Inserate iiberni»»»» die Nedaktian dein ivublit»»» gegenüber keinerlei Verantwortnng. �Kearer. Rittwoiy, den 3. Juli. Zlnsang 8 Uhr. Neues(gl. Operntheater. Carmen Süiiller O.(übaUiier-Tyealer.) Don Juan. Schiller S.(Friedrich Wilhelm. städtilcheS Thealer.1 Khr!tz-Pl,ritz> Neues Schanspielhaus. RaffleZ. Deutsches. Der Jongleur. »lrines. Ein idealer Gatte. Komische Oper. HoffmannS Q Zählungen. Westen. Die lustige Witwe. Lustivielliaus. Die Welt obne Männer. Thalia. Staatsanwalt Alexander. Luiscii. Zertretenes Glüik.' 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Zur Likalliste: In Weißenscc, König-Chaussee, steht un5 das Lotal»Zur Alpenrose", Jnh. Herr Staden, nicht zur Ber- füaung. Da das Lokal vis-a-vis dem»Schloß Weitzensee* (Sterne der) liegt, so ersuchen wir besonders die Besucher der dort stattfindenden Arbeiterfestlichleiten, obiges zu beachten. Am Sonntag, den 7. Juli, veranstaltet in Schöneberg der' Verein„Deutsche Turnerschaft' in dem gesperrten Lokale»Schwarzer Adler" ein Gartenfest. Da man eifrig bemüht ist, m Arbeiterkreisen Billetts hierzu umzusetzen, er- suchen wir. dieselben überall entschieden zurückzuweisen. Da? Lokal»Biktoria-Garten", Wilmersdorf, Wilhelmsaue 114. steht uns zu allen Veranstaltungen zur Ver- lugu�f � g-panbauer Parteigenossen teilen wir mit, daß am 7. und 8. Juli er. dortselbst das 18. Gauturnfest der „Deutschen Turner' stattfindet und zwar in dem der Arbeiter« schaft nicht zur Verfügung stehenden, jedoch vom„Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie" ganz besonders protegierten Lokal „O. Seitz' Festsäle", Schützenstraße. Wir erwarten bestimmt von der organisierten Arbeiterschaft, daß dieselbe diesen Veranstaltungen zänzlich fern bleibt. Die Lokalkommisston. Fredersdorf« PeterShagen. Den Genossen zur Kenntnis, daß unser regelmäßiger Zahlabend nach wie vor jeden ersten Donnerstag im Monat im Lokal von Max Girke in Fredersdorf stattfindet. Die Genossen werden dringend um guten Besuch gebeten; auch wollen dieselben dafür sorgen, daß der polittschen Organisation am Orte mehr als bisher gedacht wird. Berliner JVadmchten, Gemeinnützige Schwimmanstalten. Der Wert des Schwimmens, nicht nur für die Reinhaltung der Haut, sondern vor allem auch für die Kräftigung des ganzen Organismus, dessen Muskeln und Organe von ihm in geradezu idealer Weise gleichmäßig angespannt und geübt werden, ferner auch als eines vorzüglichen Abhärtungsmittels wird heute immer mehr anerkannt. Daher macht sich auch in allen größeren und mittleren Städten das Bestreben geltend, das Schwimmen auch den minderbemittelten Volksschichten durch Errichtung von Volksbädern, und zwar da, wo das Baden in natürlichem Gewässer nicht möglich oder diese Gelegenheit nicht ausreichend ist. auch durch Erbauung von geschlossenen Badehallen zugänglich zu machen. Das Statistische Amt der Stadt Aachen hat anläßlich des Projektes der Stadt, eine neue große Schwimmhalle zu errichten, einige interessante Zu- sammenstellungen über die Größe, den Besuch und die Rentabilität einer Reihe von gemeinnützigen Schwimmanstalten speziell in rheinländischey.Städten vorgenommen, denen wir folgendes ent- nehmen: � Jährliche»nzahl in offenen Schwimm« anstalte» 20 000 141 168 126107 ? \ Ast Parkverwaltung zur gutachtlichen Aeutzerung zu überweisen.— Der Verkehrsausschuß des Gesundbrunnens beantragte eine Abzweigung der städtischen Straßenbahn von der Ecke der Bernauer! und Wollinerstratze nach der Badstratze bezw. bis zum Amtsgericht Wedding. Die Deputation war nicht abgeneigt, später einmal diesem Wunsch näher zu treten, meinte aber, zunächst die Linie nach den bisherigen Plänen überhaupt erst zur Ausführung bringen zu sollen, bevor Erweiterungen ins Auge gefaßt werden.— Die Allgemeine Berliner Omnibus-Aktiengesellschaft beantragt Erhöhung des Tarifes für die bisherigen b Pfennig-Strecken der Pferde-Omnibusse unter gleichzeitiger Verkürzung dieser Teib strecken, und zwar schlägt sie vor, für die verkürzte Teilstrecke den Preis auf 7Vfc Pf. zu erhöhen und diesen Preis dergestalt zu er- heben, daß zwei Billetts für 15 Pf. und sechs Billetts für 45 Pf. verkauft werden. Der Polizeipräsident hat mitgeteilt, daß er bel reit sei, in die gewünschte Tariferhöhung zu willigen. Vom Refr reuten und den sozialdemokratischen Mitgliedern wurde ausgeführt. daß man so schlankweg, wie das gewünscht werde, der etwa 75 Proz. ausmachenden Heraufsetzung der Preise nicht zustimmen könne. Die 5 Pfennig-Teilstrecken seien seinerzeit auf eigenen Wunsch der Omnibusgesellschaft zur Einführung gekommen; sie hätten im Publikum solche Beliebtheit erlangt, daß sie jährlich von über 100 Millionen Menschen befahren würden, und zwar würden sie vor zugsweise von solchen Kreisen der Bevölkerung benutzt, denen es häufig unmöglich wäre, Blocks mit mehreren Billets auf einmal zu erwerben. Man müsse im Interesse der Bevölkerung von der Gesellschaft daher zunächst die genauesten Nachweise darüber ver langen, daß die bisher so gepriesenen 5 Pfennig-Strecken wirklich unrentabel seien und nicht weiter betrieben werden könnten. Die Deputation stimmte diesen Ausführungen zu und es wurde dem gemäß beschlossen.— Schließlich gelangte der Entwurf der Firma Siemens u. Halske für eine elektrische Verbindungsbahn zwischen der Wannseebahn und dem Stettiner Vorortbahnhof, über den an dieser Stelle bereits berichtet ist, durch den Stadtbaurat zum Vortrag. Der Plan, der die vitalsten Verkehrsinteressen Berlins berührt, wurde allseitig sympathisch aufgenommen und das technische Bureau erhielt den Auftrag, sofort die technische Prüfung des Projekts vorzunehmen. der Aachen:! Düsseldorf! Köln.,! Elberfeld, j Barme».\ Krefeld. I Dortmund. M.-Gladbach Bonn... Zusammen in geschl. Hallen 65 000 819 817 391 373 829 859 352 306 206 410 261 119 126 490 109 537 zusammen ? ? 74 320 Schwimmbäder auf 100 Einw. kommen Schwimmbäd. 85 000 56,0 460 985 182,0 520 485 121,4 329 859 202,6 852 306 225,7 206 410 187,1 261 119 148,7 126 490 208,4 183 767 224,1 2164 916 361505 2 521421 159,4 Am günstigsten steht demnach Barmen da, das 225,7 Schwimm bader auf 100 Einwohner erreichte, wobei die etwa vorhandenen Fluß- oder Teichbadeanstalten noch gar nicht berücksichtigt sind. Aachen nimmt mit nur 56 Bädern bei weitem die letzte Stelle ein; ohne dasselbe würde der Durchschnitt nicht 159,4, sondern 170,8 sein. Auch wenn man annimmt, daß nur etwa nur ein Drittel der Bevölkerung in einem Alter ist, wo man Schwimmbäder nehmen kann, so ist die Zahl von durchschnittlich etwa 5 Schwimmbädern dann pro Person jährlich doch noch recht klein. Auch der geringe Preis von 10 Pf., wie er in den sogenannten Volks badehallen üblich ist, ist eben für manchen, besonders wenn es sich um größere Familien handelt, noch zu hoch. Derartige Volksbadehallen existieren in allen den genannten Städten mit Ausnahme von Aachen und M.-Gladbach. In den anderen gemeinnützigen Bade! anstalten beträgt der Preis für das Einzelbad zwischen 25 und 50 Pf., meist 40 Pf. Daß in diesen Anstalten von vornherein eine größere Beteiligung der ärmeren Volksteile ausgeschlossen ist, liegt auf der Hand. Im allgemeinen sind die Betriebsergebnisse der gemeinnützigen, bielfach aus Stiftungen hervorgegangenen Badeanstalten nicht schlecht. Sie wirtschaften zum größten Teile noch mit einem kleinen Ueberschuß, der eine, wenn auch nur mäßige Verzinsung des auf- gewandten Kapitals darstellt. Dieser Ueberschuß betrug z. B. in Aachen 3,76 Proz. des Anlagekapitals, in Elberfeld 1,17, m Köln 6,10, in Barmen 4,28 Proz. In Düsseldorf arbeitet die eine Anstalt mit Gewinn, die andere mit Verlust, dessen Endergebnis ein Minus von 7079 M.— 0,65 Proz. ist; in Dortmund ist unter ähnlichen Verhältnissen das Resultat ein Plus von 4330 M.— 0,51 Proz. In einer Reihe anderer Städte verlangen die gemeinnützigen Schwimmanstalten allerdings Zuschüsse bis zu 50 000 M.(Berlin). Selbstverständlich darf die Frage der Rentabilität nicht diejenige sein, unter deren Gesichtspunkt die ganze Angelegenheit betrachtet wird. Es ist Pflicht der Stadtverwaltungen, in ihrem eigenen Interesse, die Errichtung von Volksschwimmbädern und die möglichste Herabsetzung der Preise anzustreben, auch wenn sich da- durch Zuschüsse aus dem Stadtsäckel notwendig machen sollten. Sie werden in wenigen Fällen so gut angebracht sein, wie hier» Aus ber Verkehrsbeputation. In der gestrigen Sitzung der städtischen Verkehrsdeputation stimmte das Plenum zunächst den Vorschlägen des Dezernenten zu, nach denen dem Wunsch des Polizeipräsidenten zufolge die Schwebe- bahn-Gesellschaft die in der Brunnenstraße geforderte Probestrecke zur Hälfte nach den Anforderungen der Verkehrsdeputation, zur Hälfte nach den des Polizeipräsidenten ausführen soll.— Die Hochbahngesellschaft hat wegen des Einbaues der Tunnel- stücke an den'Kreuzungen mit der städtischen Nord-Südlinie die Verkehrsdeputation angefragt, ob die Trace dieser Linie schon fest- stehe; wäre dies der Fall, so brauchte sie bestimmte Tunnelstücke nicht einzubauen, würde dadurch zirka 25 000 M. sparen und bereit sein, den ersparten Betrag an die Stadt zu zahlen. Vom Stadt- baurat wurden daraufhin genaue Aufklärungen über den der- zeitigen Stand des Unternehmens und der Verhandlungen mit den Staatsbehörden gegeben. Diese Unterhandlungen sind noch nicht soweit gediehen, dag die Linienführung schon endgültig festgestellt werden kann. Aus diesem Grunde kann dem Anerbieten der Hoch- bahngesellschaft auch nicht entsprochen werden.— Die Hochbahngescllschaft hat ferner ein Modell von der durch die Bahnhofsanlage notwendig gewordenen Umgestaltung des Wilhelmsplatzes übersanot. Die Deputation beschloß, dieses Modell Der Flächeninhalt des Stadtgebietes Berlin ist für das Jahr 1906 vom Vermessungsamt der Stadt auf 6352,25 Hektar berechnet worden. Von dieser Gesamtfläche waren aber nur rund Vier- Siebentel, 3666,72 Hektar, als Bauland(das bereits bebaute samt dem noch unbebauten) anzusehen. An den drei übrigen Siebenteln. 2685,53 Hektar, waren beteiligt: die Wasserläufe mit 161,70 Hektar. die Straßen und Plätze mit 1561,97 Hektar, die öffentlichen Park! anlagen mit 369,06 Hektar, die Exerzierplätze mit 76,49 Hektar. die Begräbnisplätze mit 101,61 Hektar, die Eisenbahnterrains mit 414,70 Hektar. Von den 3666,72 Hektar Bauland waren im Jahre 1906 bereits bebaut 2837,65 Hektar, dagegen noch unbebaut 829,07 Hektar. Das noch unbebaute Bauland liegt natürlich fast nur in den äußeren Stadtteilen, besonders im Nordosten und im Süden. Das Königsviertel, das den größten Teil des Nordostens umfaßt, hat bei einem Flächeninhalt von 719,70 Hektar ein Bau land von 452,47 Hektar, und hiervon waren im Jahre 1906 noch 264,53 Hektar unbebaut. Dieser Stadtteil enthielt mithin nicht viel weniger als ein Drittel alles noch unbebauten Baulandes, das im Stadtgebiet Berlin überhaupt noch vorhanden war. Auch der Wedding hatte noch 201,31 Hektar unbebauten Baulandes, während fein gesamtes Bauland 355,08 Hektar und sein gesamter Flächen- rnhalt 558,92 Hektar beträgt. In den Stadtteilen Königsviertel und Wedding ist, wie man aus diesen Zahlen ersieht, noch nicht mal die Hälfte all ihres Baulandes bebaut. Dagegen ist in allen anderen Stadtteilen die Bebauung längst soweit vorgeschritten daß überall nur noch weniger als die Hälfte ihres Baulandes un- bebaut daliegt. Der Gesundbrunnen hat 558,92 Hektar Flächen! inhalt, davon sind 223,49 Hektar Bauland und von diesen harren nur noch 86,62 Hektar der Bebauung. Für den nordwestlichen und den nordöstlichen Teil der Rosentaler Vorstadt beträgt der Flächen! inhalt zusammen 459,16 Hektar, das Bauland 241,41 Hektar, das unbebaute nur noch 87,15 Hektar. Der östliche Teil des Stralauer Viertels hat 504,64 Hektar Flächeninhalt, 275,43 Hektar Bauland nur noch 68,45 Hektar unbebautes. Im westlichen(äußeren) Teil Moabits ist der Flächeninhalt 319,78 Hektar, das Bauland 210,58 Hektar, das unbebaute 53,56 Hektar. Was sonst noch-crn bebaubarem Bauland vorhanden ist, das kommt kaum in Betracht. Es finden sich im östlichen(inneren) Teil Moabits nur noch 10,39 Hektar usw. usw., und schließlich in der Altstadt samt der Fricdrichstadt nur noch 0,97 Hektar unbebauten Baulandes. Die Frage, wieviel Bewohner in Berlin noch unterzubringen sein werden, wenn das noch bebaubare Bauland mal völlig bebaut ist, läßt sich nicht sicher beantworten. Bei der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 war für Berlin eine ortsanwesende Bevölkerung von 2040 222 Personen ermittelt worden. Legt man diese Zahl für das Jahr 1906 zugrunde, so ergibt sich, daß auf jedem Hektar bebauten Baulandes durchschnittlich 720 Personen hausten. Hiernach müßten auf 829 Hektar noch un- bebauten Baulandes nur noch knapp 600 000 Bewohner unterzu- bringen sein. Diese Zahl ist aber sicherlich viel zu niedrig gegriffen. Draußen im Nordosten und im Norden, wo die großen Baw tcrrains liegen, werden ja in den noch zu erbauenden Micts kasernen die Menschen sich sehr viel dichter zusammendrängen müssen als beispielsweise in der Friedrichstadt und im Potsdamer Viertel,_ Die BevSlkerunzSzahl Berlins hat im Mai 1907, für den jetzt vom Berliner Statistischen Amt die Monatstabellen fertiggestellt und veröffentlicht worden sind, um nur 171 Personen zugenommen. Für Ende April war die Bevölkerung« zahl auf 2 091 927 Personen berechnet worden, für Ende Mai wird sie auf 2 092 093 Personen berechnet. Die Zunahme ist diesmal ganz außerordentlich gering. In demselben Monat des vorhergehenden Jahres, im Mai 1906, hatte sie 3412 Personen be tragen. Der Unterschied zwischen dem diesjährigen Mai und dem vorjährigen ist geradezu verblüffend. Dabei hatte im laufenden Jahre schon der April bei weitem nicht die starke Bevölkerungs- zunähme gebracht, die sonst in diesem Monat die Regel bildet. Der Zuwachs aus April betrug in 1907 nur 3804 Personen, in 1906 aber hatte er 6435 bettagen. Hierzu kommt, daß die Be- Völker ungsverminderung, die alljährlich im März ein- zutreten pflegt, diesmal sich auf 11040 Personen belaufen hat, während im März vorigen Jahres die Bevölkerung nur um 7067 Personen abgenommen hatte. Das Gesamtergebnis für die drei Frühjahrsmonate März. April, Mai ist diesmal o, daß die Bevölkerungszahl von Ende Mai(2092 098) noch lange nicht wieder derjenigen von Ende Februar(2 099 163) gleichkam, ondern noch um 7065 hinter ihr zurückblieb. Im vorigen Jahr dagegen stand die Bevölkerungszahl von Ende Mai bereits wieder um 2780 über derjenigen von Ende Februar. Der Zuwachs aus dem Geburtenüberschuß ist in den Frühlingsmonaten beider Jahre ziemlich derselbe gewesen. Das für 1907 so überaus un« giinstige Ergebnis der Bevölkerungsbewegung erklärt sich Haupt- sächlich daraus, daß die Zuzugs« und Wegzugs- Verhältnisse in diesem Frühjahr ganz an dere waren als im vorigen. Für die drei Monate März, April, Mai waren biet« mal nur 73 850 Personen als zugezogen, aber 85 425 als weg« gezogen in Rechnung zu stellen, im vorigen Jahr aber 81 099 als zugezogen und 82 915 als weggezogen. Offenbar haben wir eS hier zu tun mit einer Wirkung der großen L o h n k ä m p f e, die der Berliner Arbeiterbevölkerung in der zweiten Hälfte des Winters und im Frühjahr aufgedrängt worden sind. Eine ElektrizitötSsteuer? Der MagistratsoffiziosuS weiß zu berichten:„Gutem Vernehmen nach werden im Schoze des Berliner Magistrats Erhebungen über eine einzuführende Elektrizitätssteuer angestellt, die sich auf alle Anlagen beziehen soll, welche den Strom selbst erzeugen. Die Zahl solcher Betriebe ist verhältnismäßig groß; sie dürfte etwa 500 betragen. Die Produktion dieser Be- triebe ist sehr bedeutend. Da diese Betriebe mit Ausnahme der Berliner Elektrizitätswerke, welche für die Benutzung der öffent- lichen Straßen zur Verlegung ihrer Leitungen eine Abgabe zahlen, bisher von jeder Steuer frei geblieben sind, andererseits der Maschinenbetrieb dieser großen Anlagen zum Teil recht stört, auch hygienisch schädlich wirkt, erscheint ihre Besteuerung durchaus be- rechtigt. Der Ertrag wird sich natürlich nach den Sätzen, die er- hoben werden sollen, richten, kann aber, wie wir hören, als erheblich veranschlagt werden."_ Schweres Unwetter hat am Sonntag« und Montagabend Berlin und die Vororte heim« gesucht. Am Sonntagabend nach 9 Uhr trat geradezu plötzlich ein schweres Gewitter ein und überraschte Tausende von Ausflüglern nicht wenig. Viele von ihnen sind naß bis auf die Haut nach Hause gekommen. Am Montagabend gingen zwei Gewitter nieder. Das erste und schwerste Unwetter trat gegen 10 Uhr ein und war von einem wolkenbruchartigen Regen begleitet. Ganz enorme Regen« massen gingen nieder und an zahlreichen Stellen wurden Ueberschwcmmungen herbeigeführt. Kaum hatte sich das erste Unwetter etwas gelegt, als auch schon ein zweites, nicht weniger heftiges, einsetzte. Infolge der riesigen nieder« gehenden Wassermassen konnten an manchen Stellen die Straßenbahn- wagen nicht sahren. Vom Rosenthaler Tor bis an die Veteranen« straße mußten die Wagen Halt machen, sie konnten nicht weiter- fahren. Die nachfolgenden, nach dem Gesundbrunnen fahrenden Wagen mußten umgeleitet werden und die Strecke WeinbergSweg�- Swinemünder« und Ramlerstraße wählen. Die Feuerwehr wurde in kurzer Zeit etwa dreißigmal alarmiert und war ununterbrochen unterwegs. Der Blitz hat an mehreren Stellen gezündet, u. a. in der Oranienstr. 207, wo er in einen Mast der Sttaßenbahn einschlug und mächtige Flammen hervorrief. Auch ein Kandelaber am Potsdamer Platz war vom Blitz getroffen worden. In der Pappel-Allee 5 a stand eine Kellerwohnung unter Wasser, in der Fricdrichstr. 203 war das Wasser von einem überschwemmten Balkon in die Wohnung eingedrungen. In der Charlottenstr. 95 und nicht iveit davon, Charlottenstr. 50/51, ferner in der Jägerstr. 68, PotSdamerstr. 23, Gitschinerstr. 81, Wollinerstr. 50, Stromstr. 50, Fennstr. 17, Nürnbergerstr. 70, MarsiliuSstr. 7 standen Keller unter Wasser, so daß die Feuerwehr eingreifen mußte. Ein Blitzstrahl traf das Wohnhaus der Witwe Schüler in der Chausseestraße des benachbarten Ketschendorf. Das Gebäude hat unter der Einwirkung des Elements sehr gelitten.— Durch starke Regen« fälle wurden erhebliche Ueberschwemmungen herbeigeführt. Eine mit Getreide hochangefüllte Scheune des Gutsbesitzers Mielke am Finowkanal wurde durch Blitzstrahl angezündet und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Auch die westlichen und südlichen Vororte sind durch die Unwetter stark heimgesucht worden. In einzelnen Gegenden war starker Hagelschlag niedergegangen, der die Ernte auf den Feldern strichweise vollständig vernichtete. In Eberswalde wurde der Ratskeller überschwemmt. Auf einzelnen Friedhöfen haben Regen und Hagel große Schäden angerichtet. Mehrere Kindergräber waren in sich zusammengesunken, so daß man bei einzelnen die Särge sehen konnte. Hauptsächlich haben die Bcgräbnisplätze in Eberswalde auf diese Weise gelitten. Natürlich hat auch der Baumbestand unter der Einwirkung des Unwetters erheblich gelitten. Im Betriebe der Großen Berliner Straßenbahn hat das Gewitter verschiedentlichen Schaden angerichtet. Die Verwaltung der genannten Gesellschaft meldet hierzu: Infolge des gestrigen Gewitterregens wurde der Betrieb an verschiedenen Stellen durch die angesammelten Wässer gestört. So mußte er auf der Unter« lcitung in der Königgrätzer-, Sommerstratze und am Königsplatz von 10 Uhr 18 Min. bis 11 Uhr 6 Min. nachts eingestellt werden. Die diese Strecken befahrenden Wagen wurden abgelenkt. Von 10 Uhr 45 Min. bis 11 Uhr 30 Min. abends standen in Pankow, Berliner-, Ecke Florastraße beide Gleise unter Wasser, so daß der Betrieb auf den Linien 47, 49, 51 und 57 gestört wurde. Zu wiederholten Malen schlug der Blitz in die Oberleitung. In Weißensee, LanghanSstraße, wurde der Mast vor dem Hause 124 durch einen Blitzstrahl unter Strom gesetzt und dabei verbrannten Spanndraht und AuSschaltkabel. Eine längere Störung wurde durch Blitzschlag auf dem Südring verursacht. Der feurige Strahl fuhr in einen Mast der Tempelhoferftraße, Ecke KönigSweg, und war hier» durch die Strecke von Tempelhof, Berliner-, Ecke der Dorfstraße bis Tempelhoferfttaße bis 7 Uhr vormittags stromlos. In Berlin selbst wurde der Mast vor dem Hause Oranienstr. 2, Ecke der Manteuffelstraße, durchschlagen und sprang der Blitz in die nach den Speisepunkten 49 und 60 führenden Kabel über, die nach und nach durchbrannten. Durch Zuschalten benachbarter Speisepunkte wurde die Störung, die von 10 Uhr 58 Min. bis 11 Uhr 16 Min. nachts dauerte, behoben. Auch die Niveaubahn der Berliner Hoch- und Untergrundbahnen Warschauer Brücke bis Stralauer Tor— Viehhof wurde infolge der letztgenannten Störung stromlos und es mußte der Verkehr ein« gestellt werden. Doch wurde der Betrieb nach Instandsetzung des Kabels sofort wieder aufgenommen. Eine Pücklervorstellung gegen Zahlung deS üblichen CntreeS von 20 Pfennigen sollte am Montagabend in Kellers Festsälen wieder tattfinden. Pückler, der seine vier Monate verbüßt hat, wollte und 'ollte seine Harlekinaden von neuem loslassen, kam aber nicht dazu. Der Referent teilte der Versammlung mit, daß Graf Pückler leider nicht zu Worte kommen könnte, weil er für verrückt erklärt worden 'ei. Dagegen müsse man protestieren, denn einen verrückten Menschen hätte der Staatsanwalt nicht im Gefängnis behalten dürfen. Die Versammlung, zu der nur zirka 400 Menschen er» 'chienen waren, nahm einen ruhigen Verlauf. Zu der Versammlung selbst war ein Aufruf verteilt worden, der sich durch die„bilderreiche" Sprache des Grafen ganz amüsant ausnimmt. Es heißt in diesem Aufruf:„Auf die Schanzen, deutsche Männer und Frauen. Der Polizeipräsident von Berlin hat eine von mir anberaumte Volksversammlung in Kellers Festsäle ver- boten, mit der Begründung, ich sei aus dem Gefängnis zu Moabit als geisteskrank entlassen und habe meine Strafe nicht bis Ende abgebüßt Das ist eine niederträchtige Lüge. In Wirklichkeit ver» hält sich die Sache folgendermaßen: Ich war vier Monate im Ge- fängnis und habe die ganze Strafe vom 25. Februar bis 25. Juni in Tegel und Moabit abgebüht. Während meiner Haft waren aller dings eine Menge Irrenärzte bei mir, um mich auf Veranlassung der Staatsanwälte Jsenbiel und Wachler auf meinen geistigen Zu� stand zu untersuchen. Es waren zugegen die Gerichtsärzte Dr. Hoffmann, Dr. Strauch. Dr. Stirner und der Direktor don Dall- darf, Dr. Sander. Letzterer ist jedenfalls ein Judenabkömmling, denn der Kerl sieht aus, genau wie der kleine Cohn. Von diesen dier Aerzten hat mich Dr. Hoffmann als vollständig gesund be funden; die drei übrigen Aerzte haben mich, wie ich gehört, für der rückt erklärt, obwohl sie mich nur höchstens drei- bis biermal auf eine kurze Zeit gesehen. Wie kommen diese Leute dazu, ein derartig niederträchtiges und frivoles Gutachten abzugeben? Es sind ehr- lose, von Juden bezahlte Schufte, die ein anständiger Mensch nicht mit der Zange anfassen kann. Bürger von Berlin! Laßt Euch diese unerhörten Zustände nicht länger gefallen. Ganz Deutsch land ist ein großes Zuchthaus geworden, in welchem Juden, Staats anwälte und Irrenärzte ein greuliches Unwesen treiben. An die Laternen mit dem ganzen Gesindel. Hoch Deutschland! Hoch die Stadt Berlin! Aber nieder mit den Juden, nieder mit allen gott- losen und verfluchten Leuten! Graf Pückler," Demnach ist der Herr Graf noch der alte! Im Müggelsee ertränkt hat sich vorgestern ein junger Mann. Der Unbekannte hatte sich von dem Bootsverleiher am Restaurant „Rübezahl" gegen Verpfändung seiner Uhr ein Boot gemietet und war auf die See hinausgefahren. Er lenkte das Fahrzeug nach den Wasserwerken zu und versuchte nun. es durch Schaukeln zum Kentern zu bringen. Dies gelang ihm aber nicht und so sprang er kopfüber in die Wellen und ertrank. Schwerer Automobilnnfall eines Taubstummen. Allgemeines Mitleid erregte vorgestern nachmittag in der Chausseestraße das Schicksal eines taubstummen Tischlergesellen. An der Ecke der Boyenstraße überschritt der auf der Wanderschaft begriffene Tischler geselle Heinrich Sprenger den Fahrdamm. Infolge seiner Taufr heit vernahm er nicht die Warnungssignale eines heranfahrenden Privatautomobils. Er wurde von dem Kraftwagen angefahren und ' nter die Räder geschleudert, die ihm über den Kopf hinweggingen. Mit einem schweren Schädelbruch wurde Sp. in das Krankenhaus Moabit eingeliefert, wo er hoffnungslos daniederliegt. In die Spree gestürzt. Der Selbstmord eines unbekannten Lebensmüden rief vorgestern am Schlütersteg Aufsehen hervor. Ein etwa 20 �ahre alter Ausländer, der durch sein seltsames Benehmen bereits die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hatte, entledigte sich plötzlich seines Mantels, schleuderte ihn auf den Straßendamm und stürzte sich über das Brückengeländer hinweg in die Spree. Er sank sofort unter und ertrank. In der Manteltasche fand man ein Schreiben mit dem Namen Clashausen aus Kopenhagen. Vermutlich ist dies der Name des jugendlichen Selbstmörders. Seine Leiche konnte bisher noch nicht geborgen werden. Einem Geschworenen, der in der gegenwärtigen Tagung deS Schwurgerichts am Landgericht I mitzuivirken berufen ist, ist durch einen geriebenen Gauner recht über mitgespielt worden. Der Gauner, der wohl unter der Zahl der im Schwurgerichtssaal an- wesendcn Kriminalstudenten zu suchen ist, hatte bemerkt, daß der betreffende Geschworene bei der Verhandlung gegen den Helden der„Schwarzen MaSke" ausgelost worden war und darauf schnell einen verschmitzten Plan gebaut. Während der pflichtgetreuc Staatsbürger seines Amtes als Geschworener waltete, erschien bei dessen Ehefrau ein Mann und teilte mit, daß der Ehemann sich im Gerichtsgebäude bei einem Fall seine Hosen zerrisien habe und möglichst schnell um Ersatz bitte. Fürsorglich übergab die Frau dem Fremden nicht nur ein Paar, sondern zur Auswahl zwei Paar Hosen, sandte aber zur Sicherheit ihren jungen Sohn mit. Im Gerichtsaebäude erklärte der Fremde, daß der Sohn nicht mit in den Geschworenensaal kommen dürfe, versicherte, daß er die Hose sofort abliefern werde und ersuchte, in dem Wartesaal auf seine Rückkehr zu warten. Der junge Mann wartete vergeblich— der Mann mit den Hosen war und blieb verschwunden und der Geschworene hatte gar kein Bedürfnis gehabt, seine Unaussprechl lichen zu wechseln. Im Apollo-Theater wurde am Montag das Juliprogramm er- probt. Obwohl der Abend kühl und naß wie ein Spätherbstabend war und somit nicht das richtige Milieu für ein Sommerprogramm bot, wird zweifellos die Güte und der Reichtum der Darbietungen auch den Gefahren schwüler Sommeradende zu trotzen vermögen. Auge und Ohr und auch der Humor kommen auf ihre Kosten. Körperkultur in der höchsten Potenz schwieriger und doch gefälliger Equilibristik konnte man an den Parterre- und Neckkünsten der schlanken Gebrüder DarraS bewundern. Die leichte Muse deS Tanzes war durch zwei Truppen vertreten. Ein graziöser Tänze- rinnenchor unter Führung von Frl. M a l a y a(Choreolange) führte in reizvollem Rahmen ein reichbesetztes Potpourri von Tänzen aus allen Ländern vor. Sehr anmutig war besonders der tonkinesische Tanz. Von dem bekannten Saschoff- Ensemble wurden russische Tänze, die sich zu immer schnellerem Rhytmus der Bewegungen steigern, charakteristisch vorgeführt. Ein jugendlicher Tänzer hatte viel Bravour. Ein ganz ausgefeimter Bckämpfer aller GricSgrämigkeit und Ehrenmitglied des Vereins zur Hebung der Lachlust ist I e a n P a u l. In ihm steckt noch viel von dem guten, echten Volkssängertum süddeutscher Art, das leider immer mehr ausstirbt. Seine Sachen hört man immer wieder gern, lind die Figur und der Kopf! Weiche, schwermütige Nigger- songs sangen Pete Hampton und Laura Bau mann, beide mit guten Stimmitteln begabt und dazu ein Meister der Grimasse, die aber mit den ernsteren Gesängen allzu stark kontrastiert. H a r t st e i n, ein rheinischer BurlcSkkomiker, produzierte sich als Autor und als Komiker. Leider ist„Der Hochzeitsgast" genau so aufdringlich konstruiert wie die meisten anderen VerwechselungS- passen dieser Art. HartsteinS Begabung als Komiker könnte bessere Gelegenheit brauchen, um Ulk und Humor in seinem prächtigen rheinischen Dialekt zu entfalten. Die Verrücktheiten der Automobil- raserei führte der Kinematograph mit der Wiedergabe des Taunus- rennens anschaulich vor Augen. Anf dem Bahnhof Puttlitzstraße verunglückte am Sonnabend. den S. Mai, abends 10.42 ein Arbeiter, es wurden ihm beide Beine abgefahren worauf der Transport nach dem Krankenhause Moabit erfolgte. Personen, die Zeugen dieses Unglücks waren, werden um Abgabe ihrer Adressen an Karl Hahn, Lichtenberg, Sophien- straße 26 III gebeten. Gesperrt wird die Kurfürstenstraße von 3,80 Meter von der östlichen Bordschwellenflucht der Schillstraße bis zum Hause Nr. 4g behufs Umpflasterung vom 4. d. M. ab, ebenfalls die Eldenaerstraße von der nordwestlichen Haupteinfahrt des Zentralviehhofes(aus- schließlich Einfahrt) bis zur Proskauerstraße(einschließlich Kreuz- dämm) behufs Umpflasterung vom 4. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter. Der Gesangverein„Typographia" veranstaltet am kommenden Sonntag unter der Mitwirkung deS Neuen Berliner Tonkünstler- OrchesterS im Garten resp. Saale der Brauerei Friedrichshain ein Konzert. Die Leistungen dieses Vereins verbürgen bei einem mätzigen Eintrittspreise einen genußreichen Abend. Billetts sind an den im Inserat bezeichneten Stellen zu haben. Feucrbericht. Außer den Alarmierungen zur Beseitigung von Ueberschwemmungen wurde die Wehr auch sonst sehr in Anspruch genommen. In der Markgrafenstr. 83 mußte um 11 Uhr ein Dach- stuhlbrand von der Kompagnie gelöscht werden. Als die Wehr dort ankam, stand der Dachstuhl schon in großer Ausdehnung in Flammen. Durch energisches Borgehen gelang eS indes, die Flammen auf den Dachstuhl zu beschränken. Um 11'/, Uhr kam in der Admiralstr. 18 a, angeblich durch Kurzschluß in einer elektrischen Leitung, Aeuer aus. Ei» zweiter Dachstuhlbrand beschäftigte die Wehr der in Buchholzerstraße 6. Dort brannten Verschläge, HaiiSrat, Terpentin, das Gebälk u. a. Wegen eines Brandes in einer Bäckerei rückten mehrere Züge nach der Straußbergerstraße 46 aus. In der Ebertystr. 65 brannte ein Kohlenkeller und in der Bochumer straße 21 eine Badestube. In der WilSnackerftr. 30 gingen Tapeten in Flammen auf. Außerdem lief ein Alarm aus der Schönhauser Allee 16» ein. Grober Unfug war die Ursache.— Auf dem Moritz- platz war eine Frau von einem Straßenbahnwagen überfahren und schwer verletzt worden. Die Frau wurde nach der Unfallstation gefahren. Die Feuerwehren der Vororte hatten in der letzten Nacht eben- falls tüchtig zu tun. u. a. mußte die Charlottenburger Feuerwehr um 10'/z Uhr einen großen Dachstuhlbrand in der Hultenstr. 31 löschen. Die ebenfalls dorthin gerufene Berliner Wehr konnte bald wieder abrücken, um anderwärts einzugreifen. Arbeiter-Samariter-Kolonne. Donnerstag abends 9 Uhr: 3. Abteilung in Schöneberg bei Obst, Meiningerstr. 8, und 4. AK teilung für Lichtenderg und Rummelsburg bei Lindner, Grün: bergerstraße 10. In beiden Abteilungen Vortrag und praktische Uebungen über Verbrennungen, Erfrieren, Hitzschlag, Blitzschlag und Beschädigungen durch Elektrizität. Nene Mitglieder können jeder- zeit eintreten. Die ordentliche Mitgliederversammlung findet am Montag, den 8. Juli, bei Dase, Brunnenstr. 154, statt. Das Er- scheinen aller Mitglieder wird erwartet. Vorort- J�aebnebten. Nixdorf. Weil er arieitSunfähig war, hat sich der 47 jährige Arbeiter August Neumann aus der Jägerstr. 14 das Leben genommen. Vor einer Reihe von Jahren hatte der Bedauernswerte einen schweren Unfall erlitten und an den Folgen erkrankte er später. Sein Zu- stand verschlimmerte sich schließlich derartig, daß N. vollständig arbeitsunfähig war. Dies brachte den Unglücklichen zur Ver- zweiflung, in der er sich auf dem Trockenboden erhängte. Zeugen gesucht! Am Weihnachtsabend wurde der Zimmerer Fr. Vost in der Hermannstraße zu Rirdorf durch einen Wagen der Straßenreinigung von seinem Rade gerissen und schwer verletzt. Zwei Herren haben den Verletzten nach der Unfallstation Steinmetz- straße gebracht. Die Zeugen dieses Unfalles, insbesondere die beiden Herren, die dem Verunglückten beigestanden, werden dringend um Angabe ihrer Adresse ersucht an den Zimmerer Fr. Bost, Britz, Rochowstr. 1, II. Rummelsburg. Vom Spiel in den Tod. Auf einem Neubau in der Straße Alt- Boxhagen in Rummelsburg spielten eine Anzahl Knaben und Mädchen und vergnügten sich damit, auf Balken zu schaukeln. Der 13 Jahre alte Sohn Otto des Alt-Boxhagen 29» wohnhaften Arbeiters Heppner kam hinzu und stellte sich dicht neben einer solchen „Schaukel" auf. Plötzlich sprangen die beiden Knaben von dem Balken herab und dieser selbst fiel auf den unten stehenden H. Das schwere Holzstück traf den Knaben an der Brust und Leib, so daß er besinnungslos zusammenbrach. Im Krankenhause, wohin der Ver- unglückte gebracht wurde, stellte der Arzt eine schwere Darmzerreißung fest. In der verflossenen Nacht ist der Knabe seinen Verletzungen erlegen. Wilmersdorf. Der Erlast eines Ortsstatuts über die SchankkonzessionSstcucr ist in der letzten Stadtverordnetenversammlung vor den Ferien be� schlössen worden. Die Steuer beläuft sich nach der Gewerbesteuer- tlasse auf 300 bis 1600 M. und findet nur Anwendung für neue Konzcssionsgesuche. Erwähnenswert ist noch, daß die Versammlung den Magistrat ermächtigte, mit der Handelsgesellschaft für Grund besitz bezüglich des Ringbahnhofbaucs ein Abkommen abzuschließen. Bekanntlich hat sich dieselbe verpflichtet, zwecks Anlage eines Stadt- und Ringbahnhofs im Zuge des HohenzollerndammeS am Berliner Platz an die Stadtgemeinde Wilmersdorf 150 000 M. zu zahlen. Diese Summe will die Stadt Wilmersdorf von den Besitzern der an den Bahnhof grenzenden Grundstücke einziehen. Die vom Eisenbahnfiskus für den Bau geforderten 600 000 M. bringen Schmargendorf und die dortigen Anlieger auf. Die Einteilung Wilmersdorfs in sechs Stadtbezirke ist dem Wahlausschuß über- wiesen worden«' Weiflensee. Vom Krankcnkassrnkonflikt. Der von Dr. Pape gemaßregelte Krankenkassenvorstand sah sich veranlaßt, wegen öffentlicher Be leidigung gegen Pape vorzugehen, da er die Anklageschrift gegen den Vorstand in der hiesigen und Berliner Presse veröffentlichte und auch einen Teil der Gemeindevertretung diese Anklageschrift als Recht- fertiguna zusandte. Nunmehr ist den klageführenden Mitgliedern des Vorstandes vom Ersten Staatsanwalt des königlichen Land- gerichteS III folgender Bescheid erteilt: „Betrifft Ihre Strafanzeige vom 24. November 1906. Gegen Dr. Pape im Wege der öffentlichen Klage wegen Be- leidigung einzuschreiten, lehne ich ab. Es kann unerörtert bleiben, ob bezw. inwieweit die in der Anzeige des Dr. Pape aufgestellten Behaupningen sich als unrichtig erwiesen haben. Jedenfalls hat Dr. Pape die Behauptungen im guten Glanben an ihre Richtigkeit aufgestellt. Dr. Pape hatte deS loeiteren die Strafanzeige in seiner Eigenschaft als stell- vertretender Amts- und Gemeindevorsteher, d. h. als der Orts- krankeiikasse vorgesetzte Aussichtsbehördc erstattet. Wenn Dr. Pape daneben eine Mitteilung des Wortlauts der Strafanzeige an die Schöffen und Gemeindevertreter sowie eine Veröffentlichung des Wortlauts der Strafanzeige durch Zeitungen bewirkte, so ericheint zum mindesten zweifelhaft, ob dieses Vorgehen nach Lage der Sache ein unangemessenes war. Hiernach bedarf es nicht der Prüfung der Frage, ob denn Dr. Pape hinsichtlich der Veröffentlichung der Strafanzeige nicht der Schutz des K 163 des Strafgesetzbuchs zur Seite steht, da jedenfalls, soweit in ihr eine strafbare Be- leidigung gefunden werden könnte, ein öffentliches Interesse zur Ber- solgung der Beleidigung auf Grund der oben hervorgehobenen Umstände zu verneinen ist. Es muß Ihnen daher überlaffen bleiben, sofern Sie sich davon Erfolg versprechen, den Weg der Privatklage zu beschreiten. Stachow." Mit der vor kurzem erwähnten Einstellung des Verfahren des Oberstaatsanwalts wegen Untreue gegen den Krankaffen-Vorsitzenden, den Rendanten und den Bnchdruckereibefitzer Zelter ist erwiesen, daß ich Dr. Pape auf falscher Fährte befand, daß seine Anschuldigung sich als haltlos erwiesen, so daß eine Berechtigung der öffentlichen Beleidi- jung bestand, wenn die Anklageschrift in den öffentlichen Blättern >em großen Publikum zur Kenntnis gebracht wurde. Auch hat Dr. Pape nicht als stellvertretender AmtS- und Gemeindevorstehet gehandelt, sondern als Privatperson; wäre das erstere geschehen, so müßten alle Gcmeindevertreter seine RechtfertigungS- resp Anklage- 'chrift zugestellt erhalten haben, ein Drittel der Gemeindevcrtreter und zwar die sozialdemokratischen sind von diesem Schriftstücke ver- 'chont geblieben und ist demzufolge die Handlung des Dr. Pape als private zu betrachten. Eine diesbezügliche Beschwerde an den Land- rat harrt immer noch seiner Erledigung. Nunmehr werden die Vor- tandSmitglieder der Krankenkasse beim Oberstaatsanwalt ihre Re- habilitierung nachsuchen, bevor sie den Privatklageweg beschreiten. Mariendorf. Zu dem Berichte über die letzte Gcmeindevertrctersitzung ist nach- träglich richtigzustellen, daß es sich bei Vergebung der Arbeiten am neuen Schulgebäude nicht um Marmorarbeiten, sondern um Maurer- arbeiten handelt und daß nicht der Mindestfordernde 19 000 M. und der Meistfordernde 63 000 M. verlangt hat, sondern daß der Vor- anschlag der betreffenden Arbeiten 63 000 M. betrug; der Mindest- 'ordernde verlangte 69000 M., der Meistfordernde 88 000 M. Alt-Glienicke. Eine Gemeindevertretung gegen einen Prügelpädagoge». Die emeinde vertretun g von Alt-Glrenicke hatte in ihrer letzten Sitzung Veranlassung, gegen eine Schülermißhandlung Stellung zu nehmen. Ein Lehrer der dortigen Gemeindeschule hatte auS unbedeutender Ursache einen Schüler, den Sohn eines Gemeinde« Vertreters, derart geschlagen, daß der Kleine ein geschwollenes Gesicht und bluttge Striemen davontrug. Der Vater des Gezüchtigten stellte seinen mißhandelten Sohn dem Gemeindevorsteher und mehreren Gemeindeverordneten vor. Der Fall wurde in der Gemeinde» vertrctersitznng besprochen und rief allgemeine Entrüstung hervor. Schließlich wurde die Schuldeputatton beauftragt, die Angelegenheit genau zu untersuchen, event. gegen den Lehrer vorzugehen und Vor- Jorge zu treffen, daß solche Ueberschreitungen des Züchtigungsrechtes nicht mehr vorkommen. Biel herauskommen wird dabei nicht. Einmal haben die Lehrer leider das Recht zu prügeln, nur die Ueberichreitung des Ziichtigungs« rechts ist strafbar. Der Begriff der Ueberichreitung ist aber ein sehr dehnbarer und in vielen Fällen sind Lehrer, die sich erhebliche Mißhandlungen von Schulkindern zuschulden kommen ließen, von den Gerichten freigesprochen worden. Dann aber haben die Schul- deputattonen der Geineinden in Schulfragen wenig zu bestimmen; die Disziplinargewalt steht den staatlichen SchulaufsichtSorganen zu. Will man Ueberschreitungen des Züchtigungsrechtes vorbeugen, tur man gut, für Beseitigung des Prügelrechtes in der Schule überhaupt einzutreten. Tegel. Die Schiilgcmcindevcrtretung Tegels beschäftigte sich gestern mit dem Etat für das Rechnungsjahr 1907, über den wir bereits ein- gehend berichtet haben. Der Etat, der mit 153 000 M. an Einnahme und Ausgabe abschließt, wurde genehmigt, nachdem noch besonders die Anstellung eines ziveiten Schuldieners für den neuen Flügel und eines besonderen Aussichtsbeamten für die vorhandenen drei Zentral- heiznngsshsteme beschlossen worden war. Die Schulsteuer beträgt 60 Proz. der direkten Gemeindeabgaben, das sind für die Gemeinde Tegel 139 000 M.. für Schloß Tegel 4000 M. und für Tegel-Forst- Nord 40 M. In der Gemeindcvertretersitzung, die sich anschloß, teilte Gemeinde- Vorsteher Weigert zunächst mit, daß die Berufszählung für Tegel 15 850 Einwohner ergeben hätte. Davon seien überraschender Weise 9067 männliche und 6733 weibliche Einivohner. Das Gefängnis allein mit 1200 Insassen erkläre dies nicht. ES scheine vielmehr daran zu liegen, daß in Tegel jede Industrie fehle, die weibliche Arbeiter beschäftige. Weiter wurde mitgeteilt, daß in Sachen des Seeuferprojckts em Regierungstermin an Ort und Stelle statt« gefunden habe, der ein günstiges Ergebnis für das Projekt gezeittgt zu haben scheine. Für den neuen Schulverband auf Grund deS am 1. April 1903 in Kraft tretenden Gesetzes wurde dem Vorschlag der Regierung nach erwägender Debatte zugestimmt, wonach der neue Schnlverband Gemeinde Tegel, Schloß Tegel, Tegel-Forst-Nord, Tegelgrund, Tegelsee und Schulzendorf umfassen soll. Es wird dann keine Schnlgemeindevertretnng mehr geben, sondern nur noch einen Schulvorstand und einen von der Regierung zu ernennenden Schul« Verbandsvorsitzenden. Beschlossen wurde noch, das nach Heiligensee gehörige, aber näher an Tegel liegende Drittel des Reiherwerders >ur Einickuluna vorjjuschlaaen. Vor Eintritt in die Beratung des Gemeindeetats für 1907 stellte Genosse Radicke den Antrag, die Beratung zu vertagen. Die Genieindevertrcter hätten den gedruckten Etat erst 24 Stunden vor der Sitzung erhalten und seien daher nicht in der Lage gewesen, ihn ordnungsgemäß durchzusehen. Die Gemeindevertreter Borsig und Unger waren zivar der gleichen Ansicht, glaubten jedoch mit dem Vorsitzenden, daß der Etat doch durchberaten werden könne, da er in der Hauptsache Dinge enthalte, die der Gemeindevertretung bekannt oder doch früher schon beschlossen seien. Der Antrag wurde gegen die Stimmen der Gemeindevertreter Radicke und Metzmacher ab- gelehnt. Bei der Beratung des Etat», über den wir bereits ausführlich berichteten, lvurde dann Punkt für Punkt durchgejprochen und beschlossen. In ordentlicher und außerordentlicher Verwaltung erfordert der Etat l8� Millionen. Auf Grund deS Etats wurden die Kommunalsteuern für Tegel dann folgendermaßen festgesetzt: 125 Proz. Zuschläge von der StaatSeinkommensteuer einschließlich der singierten Sätze, jedoch unter Freilassung der Steuerpflichtigen mit emem Jahres« einkommen von nicht mehr als 900 M., 250 Proz. Zuschläge der staatlich veranlagten Grund- und Gebäudesteuer, an deren Stelle 2 pro Mille Grundwertsteuer, 200 Proz. Zuschläge der staatlich ver« anlagten Gewerbesteuer, 150 Proz. der Klasse III und IV und 100 Proz. Zuschläge zur Betriebssteuer. Die Kanalisationsabgabe wurde wie im Vorjahre auf 2 Proz. vom Nutzungswert festgesetzt und für Fabrikarbeiter auf 2 M. pro Kopf und Jahr. Nieder-Schönhausen. In der lebten Gemeindcvertretersitzung machte der Bürgermeisted Abraham die Mitteilung, daß in den nächsten zwei Wochen die englische Gasanstalt auf ihre Kosten den Kirchplatz mit hängendem Gluhlicht probeweise versehen werde, es sei damit jedermann Gelegenheit gegeben, sich diese BeleuchtungSart anzusehen und sich eventuell dazu zu äußern. Der Baumschulenbesitzer Brucks teilte in einem Schreiben mit, daß beim Passieren der Straße ihm ein durch den Wind abgerissenei: schwerer Ast vor die Füße ge- fallen sei und er sich durch den erhaltenen Schreck ein Herzleiden zugezogen habe. Ein diesbezügliches Attest eines Arztes bescheinigt, daß seine Leistungssähigkeit um 30 Prozent herab- gemindert sei: er verlangt deshalb von der Gemeinde eine jährliche Rente von 2000 M. Die Kölnische Unfallversicherungsgesellschaft. bei welcher die Gemeinde versichert ist, wurde von diesem Fall in Kenntnis gesetzt. Dieselbe hat sich dahin geäußert, daß ein elementares Ereignis vorliege und die Gemeinde keine Schuld treffe, da die Bäume regelmäßig jährlich beschnitten werden. ES wurde beschlossen, den erhobenen Anspruch Brucks abzulehnen. In der Rathausangelegenheit ist noch zil erwähnen, daß die notarielle Einigung mit den Gebrüdern Brase bezüglich deS Geschenkes eines Grundstückes zum Rathausbau erfolgt ist. Der Terraingesellschaft soll deshalb mitgeteilt werden, daß die Gemeinde auf das von ihr für ein Nathans schenknngsweise angebotenes Grundstück am Bismarckplatz verzichtet. In die Baukommission wurden die Gemeindevertreter Hanger und Panntz gewählt; die Baukommission hat beschlossen, eine sechsständige Bedürfnisanstalt ans den Kirchplay aufzustellen. Für diesen Zweck waren im Etat 3000 M. bereitgestellt. Die Gesamtkosten betragen 3800 M., die Mehrkosten von 800 M. wurden nachbewilligt. Im Gemeindehause oll eine Polizeiwache eingerichtet werden. Der Mietszins beträgt 300 M., welcher von der Amtsverwaltung an die Gemeinde bezahlt wird. DaS Wachtlokal soll Tag und Nacht geöffnet sein. Der Anstaltbesitzer Engel will in der Blankenbnrgerstraße eine Privatirrenanstalt erbaue». Die hierzu nachgesuchte Bauerlaubnis wurde erteilt. Die Durchlegung der Hcrmannstraße wird bis zum nächsten Jahre verschoben, bis die Kosten dafür im nächsren Etat eingestellt werden können. Behuss Anschlusses des Wilhelmsruher Ortsteils an die Kanalisatton sollen die Rohrverlegungöarbeiten noch in diesem Jahre ausgeführt werden, wenn das erforderliche Terrain in Straße 7 der Gemeinde zur Verfügung gestellt wird. Die Anlieger sollen sich verpflichten, die Anliegerbeiträge bei Beginn der Arbeiten zu entrichten oder bei Ratenzahlungen pe mit 4 Proz. zu verzinsen. Wenn diese Bedingungen nicht erfüllt werden, oll der Anschluß erst im nächsten Herbst hergestellt werden.— Für alle Vermessungsarbeiten, die durch das VermessungSamt auf Antrag von Privatpersonen oder anderen Behörden als den hiesigen Gemeindebehörden gefertigt werden, werden Gebühren erhoben, welche der Gemcindcvorstand festsetzt. Der Eigentümer Herms beantragte. den die Kaiser Wilhelmstraße zwischen Schiller- und Uhlandstraße kreuzenden Graben überbauen zu dürfen. Die Genehmigung wurde erteilt mit der Bedingung, daß der Antragsteller den Graben auf eine Kosten einrohrt und air die Gemeinde 650 M. zahlt. Hierauf fand eine geheime Sitzung statt. Verantwortl. Redakteur: Carl Mermuth, Berlin-Rixdorf. Für den Lnseratenteil versntw.: Th. Mocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärfl Buchdrucker«! u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW«