Kr. 153. It&onneffltnti'Bdnnanngen: llbonnknientß- Prei» pränumerando! Virrteljährl. S.S0 IM, monotL 1,10«l, Ivöchrntlich 28 Sfg. frei in« Hau«. EinzeMe Rumnier t Pfg, Sonntag«. mimmer mit illustrierter Sonnlog», Brilage.Die Neue Weit' 10 Pfg, Po». «bonnemeni: 1,10 Marl pro Monal. iktiigctragen in die Posl-geituna«. Preisliste. Unter Kreuzband für Icatschland und Oesterreich. Unoarn Z Mark, für da» Obrig» Hudond 8 Marl pro Monat. Postabonnemem» »chinen an: Lelgien, Dänemark, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, iiumänien, Schweden und die Schwei«. S4. Jahrg. Ullis in» Doitan. Berliner VolKsblnkk. Zcntralorgan der fozialdcmokratifchcn Parte! Deutfchlatidd. Ol« fnKrtlons'GtbQbr Itlrägt für die lechzgespaltene Kolon». Geile oder deren Raum 80 Psg.. slir politische und gewerkschaslllche Vereins. und«ersammInngZ.Unzeigen 80 Psg. „Kieine Bnzelecn", da« erste lsetl. gedruSIe) Wort 20 Psg, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf. flellen-ilnieigen da« erste Wort 10 Psg, jede« weiter« Wort 8 Psg. Worte über 18 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für dle nächste Hummer müssen tl< S Ilde nachmittag» in der tzpeditio» »dlrgeben werden. Die Cipcdition ist di« 7 Uhr abend« geöffnet. Telegramm-Kdreffe: ,£Hlil-- Flagellanten. Wie einst in Pestzeiten Haufen geistig Verwirrter, die Flagellanten(Geißelbrüder) hordenweise das Land durch- zogen, um sich in wollüstiger Ekstase den Leib zu zerfleischen, so begehen jetzt im Zeichen der Kolonialpest die PeterS- Flagellanten wahre Orgien moralischer Selbstauspeitschnng. Aus München wird zum Beispiel gemeldet: Zu Ehren deS ReichskommiffarS a. D. Dr. Karl Peters ver- anstalteten gestern abend im Festsaale des„Bayerische» HofeS" in München zahlreiche Vereine, darunter die Deutsche Kolonialgesellfchaft, der Alldeutsche Verband, der Allgemeine deutsche Sprachverein. der Deutsche Flottenverein, der Flotte nb und deutscher Frauen.(II) der Verein deutscher Studenten einen �estkommerS, der au« allen Ständen Münchens zahlreich beiucht war. Im Mittelteil des Saales hatten die studentischen Korporationen Platz genommen. Die Studenten waren in großen Scharen angerückt und begrüßten Dr. Peter« bei seinem Erscheine» mit akademischen Beifalls- gctrampel. Der Kommers wurde von dem Generalleutnant Exzellenz v. Keller, dem Vorsitzenden der München« Ortsgruppe des Deutschen Flottcnverein«, eröffnet, der Dr. Peterö in herzlichen Worten willkommen hieß, worauf sich Dr. PeterS zu einer Ansprache erhob, in der er „Enthüllungen" über de» Tncker-Brlef machte. Ebenso äußerte sich Dr. PeterS über seinen Streit mit der„Kölnischen Zeitung", der demnächst vor dem Kölner Schöffengericht zum AuStrag gelangen wird. In beziig auf den Tuckcr-Brief führte er aus, daß der Abgeordnete Bebel sich bekanntlich geweigert hätte, seinen Hinteruiann zu nennen, der unbedenklich diesen Brief in die Oeffentlichkeit lanziert hat, um ihn, Dr. PeterS, im Deutschen Reiche unmöglich zu machen. Die Ehre hat cS dem Ritter ahne Furcht und Tadel, Ivie Bebel noch dieser Tage von einem sozial- demokratischen Blatt genannt wurde, nicht erlaubt, einen Ver- lenmder, der eine ordinäre Lüge in die Welt gesetzt ha», zu brand- Marlen. Herr Bebel decke noch jetzt seinen b l a» k e n S ch t l d über die Ehre seines Hintermannes,» Ich kenne aber den Man». (Große Bewegimg.) Ich kenne die Leute, die den Tuckerbrief am 12. März 18W in einem Berliner Cass zufanimen geschrieben. Ich kenne die beiden Leute, die am nächsten Morgen gingen und ihm das Material brachten. Bebel hatte zwar bereits das Material, das der Abgeordnete v. Volimar 1895 veröffentlicht hatte, aber der Tuckerbrief sollte den Schlußstein bilden, um den Kram mit Effekt in die Welt zu schleudern. So kam der alte ergraute Ehrenmann zu seinem Material. Mir ist das alles unter Diskretion mitgeteilt worden. Ich kann die Namen in der Tat nicht nennen. Zufällig ist es aber dahin gekommen, daß einer der beiden seine Kenntnis von der Sache und seinen Komplizen um bare 19 009 M. verkaufen wollte.(Bewegung.) Ich sagte, daß ich ntir erst das Zeug ansehen müsse, gab ihm aber das Ver- sprechen, die Sache geheim zu halten, bis ich die 10 099 M. auf den Tisch des Hanfes niederlegen würde. Der andere Ehrenntann ging nach London und dann in die wette Welt hinaus mit genauer Personalbeschreibung hinterher. Er scheint irritiert zu sein durch seine Mithelfer, die zum Teil Leute in guter gesellschaft- licher Stellung sind.(Bewegung.) Ehe er von England weiter ging, brachte er das ganze Material in einer Broschüre unter und wollte sie ohne Bezahlung veröffentlichen. Er hatte die Broschüre einer Firma vorgelegt und diese Leute arbeiten nicht unter Dis- kretion. Ich bin jedoch durch mein Versprechen gebunden, glaube aber mit Bestimmtheit, daß wir in der nächsten Zeit etwas mehr davon zu hören bekommen werden. Ich habe das Gefühl, daß nächstens etwas mehr Aufklärung über die ganze Sache kommen wird und ich fürchte, daß sogar einer oder der andere, der heute abend noch mit größter Seelenruhe zu Bette geht, späterhin nicht mehr so gut schlafen wird. Ich nehine auch an, daß in meinem Prozeß mit der.Kölnischen Zeitung"' weitere Ausdeckung erfolgt. Dr. PeterS brachte dann ein Hoch auf die im Saale ver- vereinigten nationalen Körperschaften aus, worauf der Vorsitzende Generalleutnant v. Keller eine große Reihe von Begrüßungs- schreiben und Telegrammen zur Verlesung brachte, u. a. ein Tele- gramm der.Deutschen Nachtigallgesellschaft" in Berlin, daß sie in alter Treue und Dankbarkeit zu Dr. Peters stehe. Der Verein deutscher Studenten übersandte in einem Telegramm„dem tapferen Streiter in Ostafrika" herzliche Grüße.(Beifallsgetrampel der Studenten.)— Weiterhin gratulierte der Jungliberale Verein Berlin zu„der vollkommenen Rehabilitierung" des Dr. Peters.— .Heil zum Siege Ihrer gerechten Sache" telegraphierte Wilhelm I a h n k e, der Bruder des verstorbenen Begleiters Dr. Peters auf der Kilimandscharoexpedition. Weiterhin gratulierten Berliner Freunde vom Kilimandscharo zu der Verurteilung des Martin Gruber. Ferner waren Glück Wunschtelegramme ein- gangen aus Köln, Dresden, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Koburg, Nordhausen, Lübeck, Hildesheim, Honnef. Unter den Gratulanten befand sich auch der Stadtdirektor von Hannover Tramm und der Nationalliberale Verein Han- n o v e r. Eine humoristische Huldigung ging von einem Berliner Klub aus: .Du schufft uns einst auf Deinen kühnen Reisen Ein neues Deutsches Reich mit Blut und Eisen. Herr Eugen Wolfs reist stets nur ohne Flinte, Denn was er tat, tat er mit Maul und Tinte. � Erst in später Stunde erreichte der KommerS fein Ende. Die Kulwrhiftoriker späterer Zeiten werden diese Orgien der Selbstentwürdigung als Dokumente für Deutschlands tieffte Schmach verzeichnen! Die Mordgeschichte des Hänge-Peters selbst wirkt dagegen nur belustigend. Die Albernheit des Peters, Bebel wegen seiner Diskretion in Sachen des obendrein für die Beur- teilung des Peters absolut gleichgültigen Tuckerbriefes in demselben Atemzuge anzupöbeln, in dem er für sich selbst das Recht der Diskretion in Anspruch nimmt, ist geradezu himmelschreiend I Zudem mutz von jedem anständigen Menschen eine Beschiinpfung durch die Peters und Petersgenossen als Ehre empfunden werden. Riii' steine Vertuschung! DaS„Verl. Tage 61." erklärt den Peters und seine kolonisatorischen Methoden durch den Münchener Prozetz fiir gerichtet, aber es setzt mit frommem Augenaufschlag hinzu, datz diese Methoden ja jetzt überwunden seien. In der Tat: während zu Peters Zeiten am Kilimandscharo das Blut der Eingeborenen in Bächen flotz, ist es in neuester Zeit in Südwest- und Ostasrika in Strömen geflossen I Wenn die Methoden des Peters überwunden sind, so nur darin, datz die individuellen und begrenzten Kolonialexzesse weitaus zurücktreten hinter einem System rücksichtsloser Eingeborenenvertilgung, das früher unbekannt war. Trotha hat keine Konkubinen hängen lassen— aber er trieb durch seine Erlasse erbarmungs- los ein ganzes Volk in den Tod des Verschtnachteus. Sein Charakter weist keine Züge kleinlicher Brutalität auf: seine Strategie war von grandioser Grausamkeit, wie die eines Cäsar, als er Gallien unterwarf. Aber ist diese klassische Grausamkeit deshalb nicht weit entsetzlicher als alles, was Peters verübt hat? Und sollen wir das„Verl. Tagebl." an die Konzen- trattonslager in Südwestafrika erinnern, an das M a s s e n- st e r b e n der Herero und Hotteritotten in Swakopmund und auf der Haifischinsel? Und sind nicht während der letzten Kämpfe in Ostafrika mit Dynamit gefüllte Gewehr- Patronen ausgestreut worden, um die Eingeborenen nach Art der Raubzeugvertilgung zu vernichten? l Wer Kolonialpolitik will, bekenne sich wenigstens auch ehrlich-brutal zu den Mitteln dieser Polifik der Ein- geb'orenenvergewalfigung! Nur keine feige Vertuschung! Duz Kongoproblem und die belgliche Sozialdemokratie. Außerordentlicher Kongreß der belgischen Partei. Brüssel. 1. Juli.(Eig. Bei.) Der außerordentliche Parteitag, der am Sonntag im Brüsseler „Maison du Peuple" unter dem Vorsitze de Broucköres tagte, war fast ausschließlich mit den Beratungen über das Kongo- Problem beschäftigt, sowie es sich jetzt, in seiner letzten Phase, nach der Kammerabstimmung und seiner prinzipiellen und praktischen Bedeutung für die belgische Sozialdemokratie darstellt. Die Debatte brachte eine lebhafte Auseinandersetzung über die verschiedenen Auf- sassungen innerhalb der belgischen Partei gegenüber der Kolonial- und Annexionssrage und es gab, zumal zwischen Vandervelde, Ans eele und de Broucksre ein regelrechtes Turiiktr mit den temperamentvollsten Kämpferstellungen. Vandervelde als erster Berichterstatter führte etwa aus: Der internationale Standpunkt, in dem vom Genossen Denis ver- faßten Bericht ausgesprochen, verwirst das Prinzip der kapitalistischen Kolonisation, die die Menschenrechte dem Staatsiuteresse unter- ordnet. Drei Möglichkeiten, die Kongofrage zu lösen, kommen in Betracht: Vorerst die glatte Ausgabe der Kongokolonie, ehte Lösung, die Vandervelde für die unwahrscheinlichste hält, nachdem sich die Kammer durch ihre Abstimmungen bereits vielfältig engagiert hat. Dann der Standpunkt Anseeles, der die Kolonie unter den Schutz der Großmächte gestellt wtffen will: Die„Jnternationa- lisierung" de? Kongo. Dies wäre das Ideal, aber derzeit aussichtslos und nach den Erfahrungen von Marokko, China und Makedonien unter den gegenwärtigen Regierungen nicht einmal zu wünschen. Der dritte Standpunkt ist: die llebernahme des Kongo mit Garantien für Belgien und die ein- geborene Bevölkerung. Vandervelde erhofft eine Verbesserung des Loses der Neger durch die parlamentarische Kontrolle, die dermaßen wertvoll gemacht werden köimte, daß er unter dieser Bedingung die Uebernahme durch Belgien lieber sähe, als den gegenwärtigen Zustand, obwohl Belgien einstweilen sein Geld für soziale Reformen im eigenen Lande nötig genug brauche. Zum Schluß empfiehlt Vandervelde folgende Haltung im Parlamente: Gibt die Regierung keine genügenden Garantien, so wäre das Projekt Schritt für Schritt zu bekämpfen. Im anderen Falle aber würde er, Bandervelde, sich der Abstimmung in der Kammer enthalten! Vor die Notwendigkeit gestellt, eine seinem Gewissen zu- widerlaufende Haltung einzunehmen, würde er sich der Partei- disziplin beugen, aber es seinem Nachfolger überlassen, die Stimme abzugeben I Der durch Krankheit am Erscheinen verhinderte Abgeordnete Genosse Louis Bertrand spricht sich w einem Briefe an den Kongreß als Gegner der Uebernahme und als Anhänger der Jnternationalisierung der Kolonie aus.— Lafontaine spricht für die Jnternationalisierung in d e m Sinne, daß Belgien die.Vormundschaft" über den Kongo unter Aufsicht der Großmächte übernehme. Auch er ist also kein Anhänger der Uebernahme, aber die Partei hat, so führt Lafontaine aus, die Verpflichtung, für den Fall der Annexion, die Garantien zu diskutieren, welche die Eingeborenen zu fordern berechtigt sind. Im übrigen meint er, der Kongreß solle den Abgeordneten die Freiheit zu handeln lassen. Terwagne wünscht für die sozialistischen Deputierten das Recht, für die Uebernahme des Kongo zu stimmen. Er glaubt nicht daran, daß d i e Lösung, den Kongo zu einer inter- nationalen Kolonie zu machen, bald Aussicht auf Verwirklichung habe und betont zum Schlüsse: man solle den Abgeordneten die Freiheit lassen, für die Uebernahme zu stimmen, falls zivilisatorische und parlamentarische Garantien geboten würden. Hins greift Vandervelde heftig an: Mit der Kongo-Ueber- nähme würden auch die europäischen Schwierigkeiten für Belgien beginnen. Die Deputierten sollten gegen die Uebernahme zu stimmen verpflichtet worden. Anseele tadelt eS, daß Vandervelde die Möglichkeit seiner Demission in die Debatte geworfen hat. Er(Anseele) habe sich einem Parteivotum gebeugt und es hätte ihm nichts geschadet! — Er polemisiert sodann gegen die Rede Vanderveldes: Die inter- nationalen Vereinbarungen machen auf allen Gebieten Fortschritte. Es genüge nicht, die internationale sozialistische Kolonialpolitit nur theoretisch aufzuzeigen; durch das System der Jnternationali- sierung schwände auch jede Kriegsgefahr und für die Kongobewohner Iväre der Vorteil einer derartigen Lösung der, daß sich in jedem Parlament zu ihren Gunsten Stimmen für Reformen erhöben. Wenn das auch nur Minoritäten wären, ihr Lärm würde die Greuel und Missetaten doch verringern helfen. De Broucköre erklärt sich als Gegner der Kolonisation, weil sie nur die Ausbeutung einer sogenannten niedrigeren durch eine höhere Raffe ist und sein kann. Heute profitiert Leopold von den Greueln, nach der Uebernahme werden mehr oder weniger alle Belgier Nutzen daraus ziehen! Die Kolonialpolitik treibt auch zum Militarismus: Wenn der Kongo wert ist, genommen zu werden, muß er auch wert sein, verteidigt zu werden! Seit dreißig Jahren entspringen ja alle Kriege kolonialen Ursachen. De Broucksre verlangt schließlich, daß die Parteideputierten gegen die Uebernahme stimmen. Vandervelde verwahrt sich dagegen, daß er durch seine Aeußerung über eventuelle Mandatsniederlegung eine Pression auszuüben beabsichtigte; er habe sich nur seine Freiheit wahren wollen. In bezug auf die kapitalistische Kolonisation seien alle einig, eS handle sich nur darum, ob die Stimmenthaltung zulässig ist. Er wünsche die Freiheit bezüglich des endgültigen Votums in der Kammer und hoffe auf die Zustimmung des Kongreffes. De Broucköre verlangt vom Kongreß eine klare Eni- scheidung. Vandervelde hält ein Z w a n g s m a n d a t für ein noch nicht vorgelegtesGesetz nicht für zulässig.— Dann kommt der Kongreß zur Abstimmung. Die prinzipiellen Fest- legungen des Berichtes Denis' finden einstimmige Annahme. Der Vorschlag Lombard, die endgültige Entscheidung über daS Regierungsprojekt an die Plenarveria ittmlttng des Generalrats oder an einen neuen Kongreß zu verweisen, wird abgelehnt. Die Tagesordnung Landervelde wird mit einem Amendement De Broucköre angenommen. Die Tagesordnung lautet in ihrem wesentlichen Teile:- „In Erwägung, daß die Sozialisten an den kolonialen Unter« nehmungen bürgerlicher Regierungen nur teilnehmen könnten, indem sie einen Teil der Verantwortung über die Ausbeutung, deren Opfer unvermeidlich die Eingeborenen in den kapitalistischen Kolonien werden, übernähmen; in fernerer Erwägung, daß andererseits die Prinzipien- erklärung der Arbeiterklaffe es den Sozialisten zur Pflicht macht, die Unterdrückten ohne Unterschied der Rasse zu verteidigen, erklärt der Kongreß, datz die sozialistischen Deputierten sich in Widerspruch setzen würden mit den auf nationalen und inter- nationalen sozialistischen Kongreffen ausgesprochenen Prinzipien, wenn sie bei einer Abstimmung über das Kongo-AnnexionSprojekt nicht ein verneinendes Votum abgeben würden. Im Falle der Kongo Übernahme fordert der Kongreß die sozialistischen Deputierten auf. für die Anerkennung der p a r l a- mentarischen Rechte Belgiens, für die Ab- schaffung des Absolutismus und der Zwangs- arbeit und für einen wirksamen Schutz für die Ein- geborenen zu kämpfen." politifcbe dcberlicbt. Berlin, den 3. Juli 1907. Peters-Possen. Nachdem das blutige Schauspiel kultureller Schmach, in dem der europäische Kannibalismus Orgien feierte, vor dem Münchener Gericht sich abgerollt hat, beginnt die burleske Poffe in ihr altverbürgtes Daseinsrecht zu treten. Waren die Enthüllungen des Petersprozesses geeignet, bei allen, die den Ehrennamen Menschen noch verdienen und nicht im sadistischen Taumel der Brutalitäts- anbetung sich als Pseudoherrentiere aufspielen, Entsetzen und Empörung zu wecken, so kommt nunmehr unverholen das Satyr- spiel zutage. Die eigenartigen Münchener Kreise, die sich so gern als Intellektuelle gebärhen, ohne mit der Intelligenz für �»iese allzu kompromittierliche Beziehungen zu unterhalten, wollen nun auch ihre langersehnte Gaudi haben. Der Fasching ist für sie angebrochen. Kleine Schichten in München hatten all die blamablen Massenpsychosen der letzten Jahre: die Barfuß! änzerei, den Madeleineschwindel und wie die in regelmäßigen Perioden wieder- kehrenden Verrücktheiten der Leute von Welt und ohne Intellekt sonst heißen mögen, nicht mitgemacht. Sie erhofsten Bedeutenderes. Nietzschenaturen Gemäßeres. Ihre Sehnsüchte sind endlich erfüllt und sie sind die Leithammel für die allzuvielen geworden, die jeden Humbug von gesellschaftlichen Qualitäten mitmachen. Die erlesene Petersschutztruppe, die das Auftreten des wilden Mannes in einem für rein künstlerische Zwecke gegründeten Vereine und noch dazu als Düpierte der Bülowschen Wahlmache veranlaßten, hat die Nervenpeitsche, die sie so heiß begehrte. Ob sich mmtcher von ihnen jetzt schämt? Das Verhalten der jungen Akademiker vor Gericht, die Sympathiebeweise von Dichtern, die in Peters den Helden entdeckt zu haben glauben, den sie in ihren kläglichen Theaterstücken vergeblich zu bilden versucht hatten, und manches andere spricht freilich nicht dafür. Die Nervenkrise will sich bis zu ihrem schalen Aschermittwoch austoben. Und Held Peters wird gefeiert. Die berufsmäßigen Kolonialenthusiasten, alles, was„Deutsch" sich nennt: der„All- deutsche" Verband, der sich politischer Neutralität rühmende allgemeine deutsche Sprachverein, natürlich auch der hurrahpatriotische Verein deutscher Studenten haben ihren Festrummel begangen. Und. mit den Deppen und Simpeln der nationalen Phrase machten sich die Geister gemein, die dem Untermenschen Peters vor Gericht die bedeutende Persönlichkeit attestierten, die dem gänzlich gleichgültigen Krupp in ihrer schnellen Bekehrung zum Nationalkultus ihre Verehrung aussprachen und die in Bausch und Bogen anbeteten, was sie— ohne den furor afrtcanus— sonst weit von sich gewiesen hätten. Die Münchener Intellektuellen feierten Peters, das war ihre Rache dafür, daß sie das mutige Eintreten der Pariser Intellektuellen für die Freiheit und gegen die nationalistische Vergiftungsepidemie in der Affäre Trehfus einst begrüßt hatten. Sie wollten auch ihre Affäre haben und erhielten mit Freuden— die Affäre Peters. Es wurde getrampelt, getoastet, gesoffen. Wo immer ein Stammtisch kleiner Möchtegern-Peters sich alkoholisch enthusias- mierte, war ein Begrüßungstelegrantm an den„großen" Mann abgegangen, der die Neger wie Spatzen schoß. Deutsche Kultur...! Aber die Münchener müßten nicht Münchener sein, wenn sie nicht auch den landesüblichen Humor mitreden ließen. Die „Allotria"— datz ich nicht lach'— trat auf die Böhne und dekretierte, daß ihr bisheriges Mitglied Eugen Wolf nicht mehr in den heiligen Hallen, allwo tarockt und Bier getrunken wird. mittun dürfte. Heilige Einfalt, was ist in die harmlose Svietzer- Künstlergesellschaft gefahren, die zu kommandieren Lenbachs Privatvergnügen war? Herr Wolf mag sich beruhigen, das Bier war nicht besonders gut bei den Allotrialen, und tarockt wird anderswo ebensogut. Auch Herr Rosenthal, der kleine lebendige Petersanwalt, wollte sein in den pathetischen Posen vor Gericht so lange unterdrücktes Recht auf Witz wieder beleben. Er hat die „Münchener Post" u. a. auch verklagt, weil sie ihm vorgeworfen habe, er hätte mit Händen und Füßen plädiert. Ja, wo«ut hat Herr Rosenthal denn nicht plädiert? Alle Münchener Karnevale nehmen ein Ende, auch da» PeterS- festspiel mit seinem Possengefolge wird vorübergehen. Zurück- bleiben wird nur eine stattliche Reihe unsterblich blamiert« Europäer I—_ „Der unzüchtige Rubens und van Dyck." Zu welchen hochkomischen Folgen der von manchen Polizei- behörden und Staatsanwälten betriebene Kampf gegen die.Un- sittlichkeit in Wort und Bild" führt, zeigt folgender von der.Franks. Zeitung' berichtete Vorfall. Im Mai erhob der Erste Staatsanwalt in vreSlau folgende Anklage: Der Kaufmann Emmo Delahon zu Breslau, Tascheustr. 2, geboren am 14. März 1877 zu Breslau, evangelisch, verheiratet, Wehrmann, unbestraft, wird angeklagt, im April 1907 in Breslau unzüchtige Abbildungen an Orten, welche dem Publikum zu- gänglich waren, ausgestellt zu haben.(Vergehen gegen K8 184 Nr. 1, 40 des Strafgesetzbuchs.) ErmittelungSergebniS. Der Angeschuldigte hat in einem Schaukasten seiner Papier- Handlung die Blatt 2 der Akten befindlichen vier Ansichtspostkarten öffentlich ausgestellt und dieselben ain 25. April 1907 an einen Polizeibeamten verkaust. Die Postkarten find Reproduktionen von Gemälden, und zwar: 1.„Das Urteil des Paris" von Peter Paul Rubens. Die eine der Göttinnen ist ganz nackt dargestellt: ihr schwellender Busen und ihr Geschlechtsteil find deutlich sichtbar. Die beiden anderen Göttinnen drehen dem Beschauer die Seite beziehungsweise den Rücken zu. Auch fie find zum größten Teil nackt. 2.„Ruhende VenuS" von Palma V e ch i o. Auf diesem Bilde zeigt sich Venus ganz nackt. Brust und Geschlechts- teil sind deutlich zu sehen. 3.„Marchand d'Eselave'von Girand zeigt im Vordergrunde ein nacktes Mädchen, im Hintergründe wenig be- kleidete Mädchen. Bei allen treten die Brüste deutlich hervor. 4.„Danae" von von(!) D y ck ist die Darstellung einer ausgestreckten nackten Frauengefialt, bei der nur das eine Bein und der Geschlechtsteil verhüllt sind. Zwar find diese Karten Reproduktionen berühmter Künstler. aber die Art und Weise, wie die Karten öffentlich aus- gestellt worden sind, ist zweifellos lediglich darauf berechnet, durch die Darstellung nackter weiblicher Körper die Sinnlichkeit der Beschauer zu erregen. Beweismittel: 1. Zeugnis des Kriminalkommissars Geßwein, hier; 2. die bei den Akten befindlichen Karten. Es wird beantragt, das Hattptverfahren zu eröffnen und die Verhandlung und Entscheidung der Sache vor der Strafkammer des hiesigen königlichen Laudgerickts stattfinden zu lasse«. I. Ä.: gez. Müller. Beglaubigt. Breslau, de» 17. Mai 1907. Ludwig, Gerichtsschreiber des Königlichen Landgerichts. Zugleich wurde die Dresdener Staatsanwalts chaft von der Breslauer aufgefordert, gegen die Firma vorzugehen, die jene und ähnliche Ansichtskarten herstellt. Die Dresdener Staatsmtivaltschaft war mit dieser Einschätzung der Werke trotz des Zeugnisses des Herrn Kriminalkommissars Geßwein nicht einverstanden. Sie faßte vielmehr folgenden Beschlutz: Es wird abgelehnt, gegen die Beschuldigten wegen Ver« breitung unzüchtiger Abbildungen,§ 134, Ziffer 1 des Strafgesetz- buches, strafrechtlich einzuschreiten, denn die bei ihnen von der Polizei beschlagnahmten Ansichtspostkarten können als unzüchtig im Siime des angezogenen Strafgesetzes n i ch-t angesehen werden. Diese Ansichtskarten enthalten verkleinerte Reprodttkttotvul>L» Gemälde: Das Urteil des Paris von P. P. Rubens de Bachus von Rouvier und das Urteil des Paris von H. mit'ixi Werff. Die Originale dieser Nachbildungen sind bekannt�' AHM werke, Oenen_ die Eigenschaft unzüchtiger Bilder zweifellos nicht zukommt. Sie haben anerkanntermaßen nur den künstlerischen Zweck, die Schönheit des unverhüllten, weiblichen und männlichen, menschlichen Körpers zur Darstellung zu bringen. Eine solche Darstellung ist nicht unzüchtig an sich: vergleiche Eni- scheidungen des R.-G. Bd. 24 Seite 865 ff. Deshalb ist auch die Nachbildung eines solchen Kunstwerkes an sich nicht unzüchtig, und fie würde eS nur werden, wenn besondere Unistände hinzu- treten, die geeignet wären, die natürliche Darstellung des mensch- lichen Körpers zu einer unsittlichen oder schamlosen Erscheirmng umzuwandeln. Solche Umstände liegen nicht vor. Die Nachbildungen sind künstlerisch und tragen den Charakter der Originalkunstwerke, sie sind sogar wie diese farbig gehalten. Ihr Zweck ist, Reisenden als Andenken an die Originale, deren Anblick fie in Museen ge- nassen haben, zu dienen. Sie würden auch dann nicht unzüchsig werden, wenn sie von den Beschuldigten zu dem Zwecke der Erregung geschlechtlicher Lüsternheit feilgehalten worden wären. Denn nach der oben an- gezogenen Entscheidung des Reichsgerichts ist es auSgeschloissen, daß ein an sich nicht unzüchtiges Bild durch die subjektive SöillenSrichtung des Verbreitenden zu einem unzüchtigen werde. Wenn das Urteil der ersten Strafkammer des Landgerichts Breslau vom 26. Februar 1967 in der Sache gegen Fiedler, J. 1097/06, die entgegengesetzte Ansicht vertritt, so setzt es sich mit den vom Reichsgerichte entwickelten Grundsätzen in Wider- spruch. sVergl. auch das Urteil der dritten Strafkammer deS Landgericht? Dresden vom 14. November 1902 in Sachen gegen Exner.) Dresden, den 25. April 1907. Königliche Staatsanwaltschaft. Brendler. Die Dresdener Staatsanwaltschaft scheint noch nicht den(Mipfel preußisch- staatSanwaltschastlicher KunstverstSndigkeit erreich» zu haben.—_ Noch ein Hunnenpastor. Wer von der Kolonialpolitik ißt, geht daran moralisch zu- grutlde. Das haben wir an dem ehemaligen Pastor Kau- mann erlebt, der sich den Namen Hunnenpastor erw-arb, weil er zur Zeit des Chinakreuzzuges die Auffassung ventrat, daß es den deutschen Truppen gestattet sein müsse, ge- fangene Chinesen, deren Transport unmöglich sei, einfach über die Klinge springen zu lassen. Herr Naumann ist im Privatleben sicher kein Barbar, aber seine weltpolitischen Schrullen zogen ihm damals einen sollchen Anfall der moral i n s a n i t � zu, daß er, der TheoSloge, die politische Hunnenmoral proklamierte. In ähnlicher Seelenverfassung befand sich offenbar �crrn Naumanns theologischer und nationalsozialer Kollege, der Lic. thcol. Rohrbach, als er in der letzten Nummer der „Hilfe" für das bestialische Herrennienschentum des Peters eine Lanze brach. Herr Rohrbach feiert den Peters alti den Gründer Deutsch-Ostafrikas, entschuldigt seine Grausamkeiten und versteigt sich dabei zu den Sätzen: .Man kann gegen die innere Stellung, die Gemütsverfassung, mit der Peters sich öfters in seinen Werken über die Eingeborenen und das Eingeborenenproblem in Afrika äußert, sowohl aus Gründen des persönlichen Empfindens als auch aus praktischen Erwägungen ganz ausgesprochene Bedenken haben; aber es ist darum doch elend und kleinlich, zumal von Leuten, denen nie der Gedanke gekommen ist, ihr Leben in Aftika, sei es an eine nasionale Aufgabe, sei eS auch nur an die Befriedigung persönlichen Ehrgeizes zu setzen, sich über Peters sittlich zu entrüsten, weil eic zur Aufrcchterhaltung seiner Autorität als ExpedilionSführer gegen einen uiwetfchftwtcn Dorfhäuptling, einen diebischen Diener und ein schwarzes Freudenmädchen mit Pulver und Blei und mib dem Strick durchgegriffen hat.... Der größte Fehler, den man in Afrika den Eingeborenen gegenüber begehen kann, ist unter allen Umständen eine Handlungsweise, die jenen als Schwäche erscheint. So« wie diese Gefahr vorliegt, gilt in Wahrheit der Satz: Weier etwas Blut vergießen vmbeugender Art, als hinterher ein Gemetzel großen Stils unter den Eingebor e.nen oder der Untergang der ganzen Expedition, wenn der durch die gezeigte Schwäche heraufbeschworene Llagriff der Wilden kommt. Wenn Peters nicht stets nach diesem Grund- satz gehandelt hätte, so wäre er und seine Leute weder vom Viktoriasee noch vom Kilimandscharo je zurückgekoinmen— aber er könnte sich ja dann im Jenseits damit trösten, daß ihn nieinand einen„feigen Mörder" nennen darf. Und wir hätten höchstwahr- scheinlich keine Kolonie Dcutsch-Ostafrika." Man erkennt an den Fällen Naumann und Rohachach deutlicher noch als am Falle Peters selbst, welch entsetz- lt che Kulturgefahr die weltpolitische Raubpolitik unßeres Kapitalismus darstellt. Der Wille zur Kolonialpolitik ver- wandelt selbst die harmlosesten Menschen, die unter anderen Umstanden wackere Pastoren geblieben wären, in Verfechter der zügellosesicu Konguistadorenmoral! Denn vom Stemd- # Punkt des„vorbeugenden" Blutvergießens waren die bei iliren Raub- und Eroberungszügcn noch ganz anders gefährdeten Cor�ez und Pizarro, deren Namen die zivilisierte Welt mit Schaudern nennt, humane Kolonisatoren und untadelige Ehrenmänner!— Sachverständiger Generallentnant a. D. von Liebort. Wenn eine Persönlichkeit im Münchener Petersprozcß eine gründliche Blamage erlitten hat, dann ist es der wortgcwaltige einstmalige Gouverneur von Ostafrika und jetzige Stratege, des Rcichsverlcumdungsvcrbandes, Herr Generalleutnant v. Lickbert. Sein Auftreten im Münchener Gerichtssaal hat selbst in der kolonialfreundlichen konservativen Presse scharfe Zurückweisungen erfahren— nur das bekannte Organ der Bergwerks» und Hütten- Magnaten, die„Rhein.-Wests. Ztg.", flicht ihm begeistert Lorbeeren um sein Tenkerhauvt—, und nun meldet sich obendrein ein wirk- licher Kenner ostafrikanischer Verhältnisse nach dem anderen und weist nach, daß der ehemalige Gouverneur von Deutsch-Osta�rika zwar- n recht ansehnliches Quantum Phantasie besitzt, von den ethuo jgischeu und geographischen Verhältnissen des ehemals von ihm verwalteten Schutzgebietes aber ungefähr so viel versteht wie ein Volksschülcr vierter Klasse von der Integralrechnung. Nachdem schon Professor Dr. G. Volkens vom Votanischen Museum in Dahlem-Stcglitz nachgewiesen hat, wie gründlich Herr v. Liebert im Kilimandscharogebiet Bescheid weiß, kommt jetzt auch der Missionsinspektor der Rheinischen Missionsgesellschaft, Postor Haußleitcr in Barmen, und schreibt in der„Köln. Ztg.": „In seiner Beschreibung der politischen Verhältnisse am Kilimandscharo ist der Sachverständige Generalleutnant a. D. v. Liebert, wie Sie bereits gezeigt haben, nicht glücklich, ge- Wesen. Auch in geographischer Beziehung entsprechen seine An- gaben nicht den Tatsachen. Wenn er in den Verhandlungen vom 28. Juni'nach den Zeitungsberichten sagte, daß Neuhaus von der Marangustation am Kilimandscharo in einer Hängematte „T a u s e n d e" von Kilometern weit an die Küste geschleppt werden mußte, so kann sich jedermann durch Nachmessen auf der Karte davon überzeugen, daß Marangu nur 250 Kilometer in der Luftlinie, also etwa 400 Kilometer in der Wc gelänge von Tanga entfernt ist." Die Angaben des Herrn v. Liebert über Ostafrika sind danach ?enau ebenso zuverlässig wie die politischen Notizen der Ki?rre- spondenz sein-!? ehrepwerteii Reichsverbgndes.— Wandlungsfähig. Herr RegierungSrat Rudolf Martin, Verfasser eines ziemlich geringwertigen Buches über die russische Finanz- und Wirtschafts- läge, hat sich jüngst, wie berichtet, einen wesentlichen Anteil an dem Sturze des Grafen Posadowsky zugeschrieben. Er hat nämlich dem Fürsten Bülow eine Beschwerd: über einen ihm vom Grafen Posadowsky wegen seines Buches erteilten Verweis eingereicht, und diese Beschwerde hat nach seiner Meinung Bülow zum Vorgehen gegen Posadowsky bestimmt. Diese. Renommisterei veranlaßt einen Mitarbeiter des„Hannov. Couriet", den Herrn Rudolf Martin und seine politische Wandlungsfähigkeit etwas näher zu kenn- zeichnen. Er schreibt seinem Blatt unter Uebernahme der vollen Verantwortlichkeit für die Richtigkeit seiner Erzählung: „Im Jahre 1903 zu Beginn der Wahlbewegung meldete sich auf dem Zentralbureau der nationalliberalen Partei zu Berlin Herr Regierungsrat Rudolf Martin, der damals noch im Reichs- amt des Innern Dienst tat. Er erklärte dem Generalsekretär der nationalliberalen Partei, er fühle und denke nationalliberal und bitte, ihn als nationalliberalen Kandidaten aufzustellen! Herr Generalsekretär Breithaupt hat den Fremdling, wie sich das gehörte, höflich empfangen und nach verbindlicher Unter- Haltung erklärt, er wolle von den Ansichten und Absichten des Herrn Regierungsrats gern Vermerk nehmen. Nach acht Tagen kam Herr Martin abermals auf das Zentralbureau und meinte, Herr Generalsekretär Breithaupt möge sich nicht weiter bemühen; er habe soeben eine Depesche des Parteiführers der sächsischen Konservativen, deS Geh. HofratS Dr. Mehnert, erhalten, in der ihm dieser eine konservative Kandidatur in einem sächsischen Wahlkreise zusichere. Binnen acht Tagen war Herr Martin also aus einem Nationalliberalen ein Konservativer der besonderen sächsischen Spielart geworden." Vom Nationalliberalismus Bassermannscher Färbung bi» zum Konservatismus ist zwar nicht allzu weit; aber für acht Tage ist der Weg doch ein Bissel weit.— Vom deutschen Dattelhai«. Unsere Kapitalisten wissen nicht, wohin mit den ungeheuren Reichtümern, die sich in ihren Händen in immer höherem Maße an- sammeln. Der alkumulierende Mehrwert drängt gewaltsam nach Anlage. Während da? Kapital durch seine AuSraubungS- Politik die Konsumfähigkeit der breiten Massen des eigenen Landes mehr und mehr herabdrückt, gießt eS Goldströme über das Ausland, steckt es Millionen und Abermillionen in unfruchtbare Kolonien. Je wüster und öder diese sind, um so lieber sind sie unseren Kapitalisten, denn um so größere Anlagemöglichkeiten er- öffnen fie. Genosse ParvuS hat dies in seiner letzten Broschüre treffend ausgeführt. Wie recht er hat, zeigt folgender Brief aus unserer herrlichen Dattelkolome: Lüderitzbucht, 31. 5. 07. ... Nach Eröffnung deS Reichstages wurde hier von Tag zu Tag gespannt die Depesche erwartet über die Bewilligung der Bor- läge(betreffend den Bahnbau). Endlich kam dieselbe an, worauf gleich schwarz-weiß-rot geflaggt wurde. ES dauerte auch nicht lange, da kam schon Material an. Momentan sind wir schon sest am Bauen. Die Bahn von hier bis Aus ist mit dem 1. April dem Betriebe übergeben worden. Die Ver- woltung derselben behält, solange wie weiter gebaut wird, die Firma Lenz. Die Bahn von hier bis AuS sollte vertraglich am 26. Oktober 1906 senig sein, wurde aber noch 16 Tage früher fertig. Was wir da leisten mußten, ist umnenschlich. Mit Ver- zweiflung hatte man in den meisten Fällen seinen Dienst aus- geführt infolge des Sandsturmes und des Mangels an Wasser. In diesem Jahre soll die Bahn weiter gebaut werden bis Feld- schuppen 145 Kilometer, und im kommenden Jahre bis KetniannShoop— 75 Kilometer. Der Bahnhof Aus liegt 1445 Meter hoch. Der höchste Punkt wird bei 30 Kilometer erreicht in einer Höhe von 1600 Meter. So könnt Ihr Euch vor- stellen, wie wir zu klopfen haben mit unserem Dampfroß, nament- sich bei den vielen eintretenden Hinderniffen. Mit dem Wasser ist eS schlecht bestellt. In letzter Zeit sind schon teilweise.Züge ausgefallen wegen Wassermangels. Der Kondenser ist vergrößert worden. Ob er in der Lage sein wird, auf die Dauer genügend zu liefern, ist sehr fraglich. Es soll zwar in Kuibib, Buchholzbrunn, Kcßlerbrunn und Sandoerhaas etwas Wasser sein; ob es hinreichend ist, bleibt ab- zuwarten. An verschiedenen Orten sind Bohrver- suche gemacht worden bis zu 65 Meter, doch ver- g e b l i ch. In Aus ist ja an verschiedenen«stellen Wasser— fünf Brunnen, da hier eine Ader sich befindet. Sie liefern in 24 Stunden 100 Kubikmeter. Der Kondensator machte durch- schnittsich 60 Kubikmeter, jetzt nach der Vergrößerung gibt er120Kubik- meter. Der Preis pro Kubikmeter beträgt 10 M.; wenn von einem Wasserdampfer, die von Kapstadt kommen, 30 M. Man kann rechnen, daß ein Wasscrdampfer 20 000 M. kostet. Wir verbrauchen von hier bis Aus-durchschnittlich 24 Kubikmeter, von Aus bis hier 5 Kubikmeter. Nun verkehren jeden Tag 3—4 Züge herauf und herab. Ihr könnt Euch also vorstellen, was das kostet, allein an Wasser, dazu die teuren Kohlen, von den übrigen Materialien ganz abgesehen. Es muß eben Geld verpulvert werden. So auch bei den Lohrversuchen. An verschiedenen Stellen, weil kein Wasser da, wird aufgehört und das teure Material bleibt in der Erde und verrostet. Und so geht es auch mit den Sanddünen. Im Kampf mit ihnen wird gleichfalls viel Geld verpulvert. Man macht schon lange, lange Versuche, ihnen Einhalt zu tun durch Anpflanzungen. Aber es nützt alles nichts, mit diesen Naturgewalten ist nicht Schritt zu halten. Ein Sturm, und die Sache ist mitsamt dem Pferdedung ver- weht und überweht, und bekonimen die Pflanzen kein Wasser, so verbrennen sie an der Sonne in dem puren Sand. Barrikaden werden gebaut au? Steinen oder Brettern; sie nützen insofern, als der Sand an weniger und kleineren Stellen durch- weht. Bei Sturm muß das Geleis frei gemacht werden. Es ist mir schon passiert, daß ich vier Stunden lang einzeweht war und nicht von der Stelle kam; meto Arbeitshände waren nicht imstande, soviel wegzuschaufeln als eingeweht wurde. Erst Mann an Mann sozusagen brachlen wir es feriig, die Bahn frei zu machen. Es sind dieses gewisse Stellen in den Sanddünen. Was wir infolge des Sandes für Arbeit haben, wie er auf die Maschinen wirkt und was er an ihnen für Abnützung verursacht,, davon macht Ihr Euch keinen Begriff, ich will auch nicht näher daraus eingehen. Die Steuer, vielmehr der Zoll, kam uns im Anfang schlecht an. Jetzt bekommen wir, die wir an der Bahn sind, wieder zoll- freies Bier, Tabak usw. Wir beziehen dies nur durch die Firma und diese wieder von einigen größeren und älteren Stores. Was sagt Ihr dazu, daß man hier sin Lüderitzbucht und AuS die Hundesteuer eingeführt hat? 30 M. I Im Laufe der Zeit werden wohl mehr derartige Sachen folgen, damit das furchtbare Land wenigstens etwas einbringt. Aufsonst was ist doch keine Hoffnung. Der Aufschlag auf Bier betrug pro Flasche 50 Pf.; früher kostete die Flasche Bier 1 M., jetzt 1,50 M. So gehts mit Schnaps und Tabak und Zigacren ebenfalls. Ich hatte im vergangenen Monat für 45 M. Zigarren geraucht. Das Geld spielt hier keine Rolle. Bei einem Vergleich zwischen dort und hier kann man ruhig 10 Pf. einer Mark gleichsetzen. Erst hat man die ledigen Schwarzen von der Haifischinsel nach dem Burenkamp befördert. Wie.ich gestern erfahren habe, hat man jetzr auch die verheirateten Schwarzen von der Haifisch- insel getan. Sie sind also jetzt alle davon. Dadurch wird ihr Leben etwas verlängert. Mit der Zeit gehen doch alle hinüber, weil das hiesige Klima nicht dar- nach angetan ist, sie lange am Leben zu er- halten.... Nachrichtendkenst für die Kolonie«. Bisher lag der gesamte Nachrichtendienst für die Kolonien in der Hand des Reuterschen Bureaus. Da dieses sich nach Ansicht der deutschen Regierung jedoch lediglich durch den Eifer aus» gezeichnet, womit es deutschfeindliche oder wenigstens den deutschen Interessen abträgliche Nachrichten verbreitete, so schweben, wie die„Deutsche Zeitung" erfährt, Verhandlungen zwischen dem Aus-. wältigen Amt und dem Reichskolonialamt, um einen deutschen Depeschendienst für unsere afrikanischen Küsten— vielleicht unter Zuhülfenahme deS ReichSmarineamtS— ein» zurichten. Deutschfreundlicher werden dadurch die Telegramme ja sicher- sich werden, ob aber auch zuverlässiger-- daS ist noch sehr zweifelhaft.—_ Herr Dr. Otto Arendt will Frau Kahser verklagen. Er wartet, wie er der„Post" mitteilt, nur den authentischen Wort» laut der Aussagen der Frau Kayser in München ab. um dann in einer Erklärung dazu Stellung zu nehmen und gleichzeitig der königlichen Staatsanwaltschaft die Angelegenheit zu unterbreiten, da eS sich um zwei sich gegenüberstehende be- schworen« Zeugenaussagen handelt, von denen nur eine richtig sein kann. Wetttz Herr Arendt sich nur nicht nachträglich«och besiMtt— franferdeb. Die Bewegung im Süden. Pari«, 2. Juli.(Eig. Ber.) Die Anklagekammer von Montpellier hat das Gesuch Marcellin AlbertS, FerroulS und der anderen verhafteten Winzerführer um Entlaffung aus der Untersuchungshaft abgelehnt. Sie hat damit offenbar den Willen der Regierung vollzogen, die ihren Autoritätsdünkel befriedigen will, mag auch das Land darüber zugrunde gehen. Juristisch ist der Bescheid schon gar nicht zu rechtfertigen: Fluchtverdacht kann bei Leuten nicht an» genommen werden, die die Gerichtsboten mit ihrem bewaffneten Hülfskorps ruhig erwartet oder sich sogar dem Gerichte selber gestellt haben. Kolsusionsgefa hr ist ebensowenig vorhanden; denn was die Verhafteten wollten, daS liegt klar und offen, von ihnen selbst ausgebreitet, zutage. Und Wiederholung der inkriminierten Tat?— Die wäre freilich zu befürchten, aber die Aufrechtcrhaltung der Haft ist kein Hindernis für sie; denn was das alte Komitee anordnete, daS predigt daS neue mit gleicher Energie und mit gleichem Erfolg, ungestört von der Regierung! Die Ablehnung der Entlaffung ist also ein rein politischer Akt, ein Akt jener schlechten, hirnverbrannten Politik, durch die das Ministerium einen rein wirtschaftlichen Notstand zu einer all- gemeinen Krise deS nationalen Lebens gemacht hat. Daß die Entscheidung deS Gerichts in Montpellier die Volks- leidenschaft wieder anfachen wird, ist vorauszusehen. Auch der Beschluß des heutigen Ministerrats: die Zurückbehaltung der dew Jahrgang von 1903 angehörenden Meuterer vom 17. Regiment vom Parlament zu fordern, wird in diesem Sinne wirken, und da die rechtzeitige Entlassung auch der anderen Mannschaften dieses Jahrganges bei den von ihren Garnisonen nach dem Süden ver» legten Truppen technische Schwierigkeiten hervorruft, will der Kriegsminister auch hier den vom Senat beschlossenen EntlassungS- termin des 12. Juli aL bloßen Anfangstermin akzeptieren, was bei den betroffenen Soldaten und auch sonst im Lande weitere Unzufriedenheit erregen muß. So gerät die Regierung von einer Verlegenheit in die andere, so kompromittiert sie den ihr nach- trollenden Radikalismus immer gründlicher. Nicht unwitzig be- merlt ein Blatt, daß Clemenceau seinem Berufe als Minister». stürzer treu geblieben sei; denn er stürze nicht nur sich, sondern sogar schon seinen Nachfolger! Sehr erfreulich ist es, daß die Sozialisten des Südens in der jetzigen Bewegung ihr Klassenbewußtsein zu bewahren und sich von einem naheliegenden Konfufionismus fernzuhalten wissen. Am Sonntag haben die Vertreter von 16 Arbeitsbörsen der Weinbau- region in BezierS eine Konferenz abgehalten, die mit der ein» stimmigen Annahme folgender Resolutionen endete: 1. Indem die Arbeiter sich bestreben, die Krise des Wein- bauS im Maße der Möglichkeit auf jede Art zu bekämpfen. bereiten sie wirtschaftliche Bedingungen vor. die für eine Eni- Wickelung der Situation der Arbeiterschaft und ihrer gewcrk- schaftlichen Organisationen günstig sein werden. 2. Die Arbeitsbörsen des Südens erklären, daß das Proleta- riat den ausgestandenen Weinbauern seine Solidarität und seine Sympathien bekunden muß. indem es den Versammlungen, die die ArbeitSlonföderation organisiert, eine möglichst große Be- deutung verleiht. Sie erklären aber auch, daß, welches immer die Palliativmittel seien, die in der bürgerlichen Gesellschaft an- gewendet werden, die Leiden des Proletariats erst durch die Er- richtung des gesellschaftlichen Eigentums vermittelst des Generalstreiks verschwinden werden. Die Ankündigung der Regierung, daß sie die Arbeits- konföderation wegen ihres Plakats„Die Mordregierung" ver- folgen werde, hat die Folge gehabt, daß sich 72 Vertreter der Ge- wcrkschaften, die dem VcrbandSvorstand angehören, als Mit- Verfasser gemeldet haben I Wird die Regierung sie alle vor Gericht stellen? Oder wird sich Clemenceau doch vor der unausbleiblichen Blamage scheuen? Wenn aber dieses Manifest verfolgt wird. so ist auch die Verfolgung des von der ge ein igten Partei herausgegebenen, viel schärfer stilisierten, kaum zu umgehen. Die Regierung müßte dann die Auslieferung aller Deputierten der sozialistischen Fraktion verlangen. Herr Clemenceau hat also nur die Wahl, auf welche Art er sich lächerlich machen will: durch einen Prozeß mit sicherem Freispruch oder indem er vor den sich ihm darbietenden Guthcißcrn der Meuterei davonläuft, wie seine zur Blindheit kommandierten Gendarmen vor Rgocillin Albert.— Italien. Eine Amnestie für politische und Preßvergehen plant die Re. gierung aus Anlaß der Jahrhundertfeier der Geburt Garibaldis. Anarchisten sollen jedoch von dem..Gnadenakte" ausgeschlossen bleiben.-- Australien. Melbourne, 3. Juli. DaS Bundcsparlament ist heute mit einer Rede des Generalgouverneurs eröffnet worden, in der eS heißt, das Parlament werden die Vorschläge zur Verbesserung deS Torifwesens zu beraten haben, um den heimischen Industrien eine gesunde und feste Grundlage unter gerechten Bedingungen zu geben. Ferner kündigte der Gcneralgouverneur einen Gesetz. entwurf an. durch den die Förderung neuer Industrien durch Zahlung von Prännen bezweckt wird.— Sie russliche Revolution. Di» Regierung gegen die Juden. Petersburg, 3. Juli. Das Handschreiben des Ministers deS Innern, daö dem Administratipchef vorschreibt, die Ausweisung solcher Juden, die sich vor dem 14. August 1906 in Gegenden an» jixdMNt w denen sie nicht das Wohnrecht beMn. zn ighibiexes. ist derart dunkel gehalten und so diplomatisch abgefaßt, daß selbst mit der Judenfrage vertraute Juristen nicht ganz erfassen, was die Regierung beabsichtigt! Jedenfalls ist dem Administrativ- chef die Möglichkeit eingeräumt worden, den Inhalt des Rund- schreibenS ganz willkürlich anzuwenden. Außerdem ist die Einstellung der Ausweisungen von so und soviel Fragen ab- hängig gemacht, die den Polizisten die Möglichkeit geben, Willkür zu üben, so daß die praktische Bedeutuna des Rundschreibens für die Juden ganz illusorisch wird. Bauernblut. Petersburg, 3. Juli. Das Kriegsgericht in Riga verurteilte acht Bauern zum Tode. Zliis der Partei. DaS Lokalkomitee de» Internationalen Sozialistischen Kon- gresseS in Stuttgart gibt bekannt, daß die Legitimattonskarten für die Herren Vertreter der Presse ab 15. Juli zur Ausgabe gelangen. Anträge auf Zuerteilung einer Legitimationskarte sind an H. Dictz, Stuttgart. Furtbachstr. 12, zu richten. Internationaler Sozialistischer Kongreß, Stuttgart 1907. Es ist dringend erforderlich, daß die Delegierten zum Jnter- nationalen Kongreß sich beim Lokalkomitee lH- D i e tz in S t u t t- gart, Furtbachstr. 12), zwecks Beschaffung von LogiS bis zum Ib. Juli spätestens anmelden. Wünsche über den Preis der Logis sind mitzuteilen. Jeder Angemeldete erhält eine Bestätigung und später die provisorische Legitimation, auf der seine Wohnung angegeben ist. Dadurch dürfte ein kaum zu bezwingendes Durcheinander in den Ankunftstagen ver- hindert werden. Für Nichtdelegierte kann eine Unterkunft vom Lokalkomitee nicht beschafft werden. Eintrittskarten zu den Plenarsitzungen de» Kongresses werden für das Publikum erst zur Feit der Tagung ausgegeben. Vorher- bcstellungen müssen unberücksichtigt bleiben. Auf alle Fälle ersuchen wir die Partei- und Gewerkschafts- delegierten dem Ersuchen des Stuttgarter Lokalkomitees betreffs WohnungSanmeldung sofort nachzukommen. Der Parteivorstand. Di« Partei- und Gewerkschaftspresse wird um wiederholten Ab- druck gebeten._ Verpufft! Mannheim, 3. Juli.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) Im„Schnupftabak-Prozeß" hat die erste Strafkammer heute alle sechs Angeklagte außer Verfolgung gesetzt!-» Hatschi!_ Die beleidigten Südwestafrikaner. Mannheim, 3. Kuli.(PrivabTelegramm �8es„Do» wärts".) Das Schwurgericht sprach soeben den Genossen Oskar Geck wegen des Negerhinrichtungsbildes mit Text, veröffentlicht in der Mannheimer„Volksstimme" im Januar d. I. während der Wahlbewegung,, nach 8 185 des Straf- gesetzbuches schuldig der„Beleidigung unserer Süd- westafrika-Truppe n". Die Strafe lautet auf einen Monat Gefängnis.— Der„Ueberschriftenprozcß" der„Leipziger BolkSzritung". Am IS. Februar d. I. wurde Genosse Herre, Redakteur der„Leipziger Volkszeitung", wegen angeblicher Beleidigung des bekannten Leipziger Oberstaatsanwalts Böhme sowie des AmtS- richters H ä n e l und der Assessoren Franke und Lange von der 6. Strafkammer des Landgerichts Leipzig zu b Monaten G e f ä n g ni s verurteilt. Die gegen das Urteil eingelegte Revision stand am 2. Juli vor dem IV. Strafsenat deS Reichs- gcrichts zur Verhandlung. Die Beleidigung hatten die klagenden Diener der Justiz in der U c b e r s ch r i f t deS Berichtes über den Prozeß deS Genossen Seger von der„Leipziger VolkSzcitung"(„Die Leipziger Justiz auf der Anklagebank") gefunden. Böhme außerdem noch in dem Artikel der„VolkSzcitung" vom 23. Oktober IllOS, betitelt„Böhme und Liman." Der Antrag deS Verteidigers, Genossen Dr. Karl Liebknecht, den Prozeßbericht zu verlesen, da ja ohne Kenntnis deS Artikel i n h a l t S die Artikel Überschrift unverständlich sei, wurde damals abgelehnt, ebenso die Vernehmung der Rechts- anwälte Dr. Drucker und Hübler und deS Genossen Stadthagen, welche bekunden sollten, daß die Verhandlung in dem Prozesse gegen Seger für die Justiz tatsächlich ungünstiger verlief als für den Angeklagten, daß die Ucberschrift also nichts anderes sei als die knappste Wiedergabe des Inhalts. Die Ablehnung dieser Beweisanträge bildete neben einigen prozessualen Rügen den RevisionSgrund. Vor dem IV. Strafsenat wies Genosse Liebknecht nach, wie unumgänglich notwendig die Per- lesung des ProzeßberichteS sowie die Vernehmung der Zeugen fei. Der RcichSanwalt hielt die vorgebrachten Einwände für un- beachtlich, der Senat schloß sich dieser Auffassung an und ver- warf die Revision. Bemerkt möge noch werden, daß die angebliche Beleidigung der Richter durch den Genossen Seger mit 2 Monaten Gefängnis ihre Sühne fand, indes sich bei dem völlig unbestraften Genossen Herre S Monate als„notwendig" erwiesen.— Der ArbeiterbilbungSverein„Eintracht" in Zürich hat nach seinem soeben im Druck veröffentlichten Jahresbericht 1906 eine erfreuliche Weiterentwickelung erfahren. Der Mitgliederbestand ist auf 870 gestiegen. Die Einnahmen betrugen 12 219,85 Fr., die Ausgaben 12 089,19 Fr. Der Verein hat in seinem Lesezimmer 54 Zeitungen und Zeitschriften aufliegen: in- und ausländische, politische und gewerischaftliche; die Bibliothek zählt 1588 Bände, von denen 1347 an die Mitglieder ausgeliehen wurden. 11 öffent- liche Vorträge behandelten verschiedene Fragen, ebenso die Dis- kussionsabende. Ucber Nationalökonomie war ein zusammen- hängender Kursus veranstaltet worden. Die Mitglieder genießen in bestimmten Geschäften Preisermäßigungen. An Kranken- Unterstützung wurden 6872,85 Fr. ausbezahlt. Die Speisegenossen- schaft erzielte bei einem Umsatz von 181 813,97 Fr. einen Ueber- schuß von 1278,28 Fr. Der so vielseitig wirksame Verein ist, wie au» den Angaben hervorgeht, in blühender EntWickelung be- griffen. GewerhrcbaftUcbe� Welches Land hat die meiste« Streiks? Wenn die vor einigen Tagen von der„Norddeutschen Allgemeinen" aufgestellte Behauptung, in Deutschland nehme die Zahl der„frivolen" Streiks erschreckend zu und es würden „Luxusstreiks" inszeniert, die Stimmung andeuten soll, der die Sozialpolitik von regierungSwegcn zukünftig unterliegen Perantw.Npdakt.: EarlWcrmuth, Bexlin-Nixdorf. Jnscrateverantw.� wird, so trifft eS sich gut, daß gerade jetzt ein Buch heraus- kommt, daß die Streiks und Aussperrungen im In- und Auslande systematisch untersucht. Der Ver- fasser, Dr. Maximilian Meyer, ist alles andere, nur kein Sozialdemokrat; er bezeichnet zum Beispiel die gewerkschaftliche Streikstatistik als tendenziös und benutzt die anitliche. Dadurch gewinnen seine Ausführungen für die Beurteilung des Geschreis über das Umsichgreifen der Streiks anläßlich der„jsrivolen sozialdemokratischen Hetze" bedeutend an Wert. Auf Grund seiner Zählungen kommt Dr. Meyer zu dem Ergebnis, daß Deutschland das streikärmste Land ist. Der Ver- fasser gruppiert die Zahlen der Streikteilnehmer und berechnet sie auf pro 1000 Erwerbstätige des betreffenden Landes nach der jeweils letzten Zählung. Da die amtlichen Erhebungen in den Ländern nicht in gleichen Zeiträumen und nicht nach dem- selben Schema vorgenommen werden, so ist Meyer genötigt, diesen Unterschieden durch Anmerkungen Rechnung zu tragen. Seine Zusammenstellung gestaltet sich wie folgt: Durchschnittliche Es kommen Zahl der Streikende Streikenden auf je 1888 pro Jahr Erwerbstätige Deutschland 1988-1984 86 212 8.1 Oesterreich 1988—1984 55 582 13 Frankreich 1980—1984 176 226 22 Belgien 1080—1984 28 187 12 Italien 1988—1903 146 059 28 England 1900—1904 102 596 8,3 Vereinigte Staaten von Nordamerika 1896—1988 281 275 24 Die stärkere Beteiligung der englischen erwerbstätigen Bevölkerung an Streiks gegenüber der deutschen ist das sozialpolitisch interessanteste Merkmal der Statistik. Allgemein herrscht die Meinung vor, in England mit seinen zahlreichen (freiwilligen) Einigungsämtern und seiner geringeren sozial- demokratischen Bewegung würde die Arbeiterschaft weniger von Streiks ergriffen wie in Deutschland. Meyer weist nach, daß das Gegenteil richtig ist. Hervorgehoben zu werden verdient auch: in England stagniert die Mitgliederzahl der Trade UnionS seit 1900. Dagegen hob sich die Zahl der freigewerkschaftlich organisierten Arbeiter in Deutschland 1900— 1904 von 680 427 auf 1052108. Wäre die Behauptung der„Norddeutschen Allgemeinen" zu- treffend, so müßte die Meyersche Zählung eine enorm stärkere Streikbetciligung der deutschen Erwerbstätigen im Gegensatz zu England ergeben, weil die angeblich„sozialdemokratischen Streikvereine" eine kolossale Ausbreitung erfuhren. Auch hinsichtlich des Umfanges der einzelnen Streiks stellt sich nach der Meyerschen Zählung eine ge- ringere Streikbeteiligung in Deutschland heraus. Es entfielen auf jeden Streik Teilnehmer in: Die ausnahmsweise hohe Zahl in Deutschland für 1905 resultiert lediglich aus dem großen Ruhrbergmannsstreik mit 231 453 Beteiligten. Im übrigen bleibt Deutschland bezüglich der Zahl der Streikteilnehmer weit hinter den anderen Ländern zurück. Die Behauptung der Scharfmacher, in Deutschland würden„immer größere Machtkämpfe" von den „sozialdemokratischen Streikvereinen" inszeniert, ist also durch- aus unwahr. Mcye» konstatiert:„Die Streiks hatten in Deutschland die geringste Ausdehnung." An fast"/« aller Streiks waren nur bis 50 Arbeiter beteiligt. Da im selben Zeitraum die Gewerkschaften die bedeutendste Ausdehnung erfuhren, hat die Arbeiterorganisation nicht die Wirtschaftskämpfe verbreitert, sondern ein- geschränkt. Das geht auch hervor aus einer von Meyer mitgeteilten, auf Veranlassung des„Deutschen Handelstages" veranstalteten Streikzählung für die Periode 1864 bis Mai 1873. Diese Statistik wurde zu dem Zweck veranstaltet, Material gegen das 1869 gewährte VereinLrecht(Gewerbeordnung) zu sammeln. Die Zählung ergab, daß damals a/» der Streiks mehr als fünfzig Teilnehmer hatten. Der Umfang der Einzelstreiks war demnach damals erheblich größer wie 1900/1904. Ganz anders sieht es mit den Aussperrungen aus I Dieses von den Generalsekretären der Unternehmerverbände besonders lebhaft propagierte Kampfmittel hat in Deutschland eine gewaltige Ausdehnung erfahren. Es betrugen die Aussperrungen Zahl der Ausgesperrten 1899 28 5208 1903..... 96 83 273 1905..... 263 118 685 Wenn eine Gefahr für das Wirtschaftsleben Deutschlands besteht, so droht sie nicht von den Arbeiterorganisationen, sondern von den Untcrnehmerverbänden. Die Gewerkschafts- führer drängen immerfort auf Verhandlungen mit den Unter- nehmern, bevor überhaupt ein Streik proklamiert wird. Ent- gcgengesetzt drängen Sekretäre der Untcrnehmerverbände mit fanatischem Eifer zur Ablehnung jeder Verhandlung, Nicht- anerkcnnung der Arbeiterorganisationen und reizen die Mit- gliedcr der Arbeitgeberverbände zu immer größeren Aus- sperrungen auf. Wer unter diesen Umständen als„gewerbs- mäßiger Hetzer" bezeichnet werden darf, kann dem Beobachter der Wirtschaftskämpfe nicht zweifelhaft geblieben sein. ßtrltn und Umgegend. Betrübte Lohgerber. Der Verband der Baugeschäfte scheint jetzt selbst einzusehen. daß es mit der Eröffnung der Bauten Essig ist. Betrübt sieht man den Profit dieses Jahres davonschwtmmen und rettet eilig noch, was zu retten ist. Die neueste Kundgebung deS Verbandes in der bürger- lichen Presse lautet nämlich: Die Aussperrung im Baugewerbe Grosi-BcrlinZ ist aufgehoben; dagegen weisen wir ausdrücklich darauf hin und machen hierdurch öffentlich bekannt, daß der von den Maurern, Zimmerern«nd Bauarbeitern Berlins und der Vororte am 26. Mai erklärte Streik fortbesteht. Die in den Bauverträgen vorgesehene Streikklausel entbindet den Unternehmer während der Dauer des Streit« von der Verpflichtung zur Förderung der durch den Streik be- troffencn Arbeiten. Soweit in den Bauverträgen Fristen und Termine festgesetzt sind, werden dieselben um die Dauer de» Streiks verlängert bezw. hinausgeschoben. _ Verband der Baugcschiift« von Berti» und de» Vororten._ Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: VottväctsBuchdr.u.VerlagSanstalti Das ist ein, wenn auch widerwiMgeS Zugeständnis der Tatsache, daH die neue Taktik vom 1. Juli die Mitglieder deS Verbandes der Bcmgeschäste nicht in die Lage versetzt hat, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Die Arbeit ruht auf ihren Bauten nach wie vor. Ge-ht nun auch der Gelvinn zum Teufel, so will man doch die direkten Verluste vermeiden, welche aus etwa vorgesehenen Kimvcntionalstrafen bei Verzögerung der Fertigstellung drohen. In- dern die Herren das öffentlich kundtun, entschlüpft ihnen aber gleich- zeitig das Geständnis, daß sie bisher nicht berechtigt waren, sich auf die sogenannte Streikklausel zu berufen. Nur für die Frist vom 1. Juli an entschuldigt sie der Streik, für größere Verzögerungen haben die Herren aufznkommen. Und da die Bauarbeiter aller Branchen feststehen, dürfte es ihnen kaum gelingen, das Versäumte naöhzuholen. Damit schwinden alle Hoffnungen, daß ihre Publikation ihnen irgend welchen Nutzen bringen könnte. Nur als Notschrei aus gepreßtem Herzen hat sie für die Oeffentlichkeit Interesse. Achtung, Friseurgehülfco! Die vom Lokalverband erfolgte Aroßjebung der Sperre über die Firmen Lipz, Huttenstr. 36, Leupold, Wiclefstr. 21 und Henke, Frankfurter Allee 177 ist ohne unsere Zustimmung und Kenntnis erfolgt. Genannte Firmen sind für unsere Mitglieder nach wie vor gesperrt. Vorband der Friseurgehülfen Deutschlands, Rosenthalerstr. 57 I. A.: Paul Liere. Veutkcbes Kelcb. Eine Aussperrung der Werftarbeiter geplant? Wolffs Telegraphenburcau meldet aus Kiel: Wegen des auf der Germaniawerft ausgesprochenen Streiks hat gestern in Hamburg eine Versammlung der Gruppe deutscher Seeschiffs- werkten stattgefunden, in der das Vorgehen der Gcrmaniawerft einstimmig gebilligt und ebenso einstimmig beschlossen wurde, in den nächsten Tagen durchgreifende Maß- rageln im ganzen Bereich der deutschen Seeschiffswerften zu ergreifen. Km merkwürdigen Gegensatz zu dieser Einleitung, die SchlfimmeS ahnen läßt oder lassen soll, lautet der Schluß der Depesche: Die Mitglieder des ehemaligen ArbeiterauSschusscS der Nieter der Germaniawerft wurden gestern auf ihren Wunsch von der Direktion empfangen, bei welcher Gelegenheit der Standpunkt der Direktion nochmals klargelegt und die Angelegenheit der Nieter eingichend besprochen wurde. Man darf hoffen, daß es in den nächsten Tagen zu einer Einigung kommen wird. Die Bauschlosser und Konstruktionöarbeiter Leipzig? sind in eine. Lohnbewegung eingetreten. Sie fordern bei neunstündiger Arbeitszeit 45 Pf. Minimallohn. In Betracht kommen 1588 Per- soll cht, Bueland* Fortschritte der englischen Gewerkschaften. Der Jahresbericht der Oeaersl-k'eckeration ok Drucke Union» (Allgemeine Verbindung der Gewerkschaften!, der heute, Donner?- tag, der Jahresversammlung deS Generalrats der Gewerkschaften in Kork vorgelegt wird, zeigt eine Zunahme der Mitgliederzahl um 129 623 oder 25 Proz. und eine Erhöhung der Reserve- font« um 15 Proz. Die gesamte Mitgliederzahl beträgt 638 933 gegen 581 299 im vergangenen Jahre und in den Reserve- fondS liegen 152 141 Pfund Sterling.— In einem Bericht über das Problem der Arbeitslosigkeit wird die Abschaffung oder Be- schoämkung der Ueberstundenarbeit empfohlen und ferner verlangt, daß in Zeiten wirtschaftlichen Niederganges nicht Massenent- lassuingen von Arbeitern stattfinden, sondern ein System kurzer Arbeitszeiten eingeführt werden soll. Diese Forderungen sind in Uebereinstimmung mit dem parlamentarischen Komitee der Ge» werkschaften, mit der Arbeiterpartei und der Verbindung der Ge- werkschaften ausgearbeitet worden.— Für den nächsten GeWerk. scha/tskongreß, der im September in Bath abgehalten werden soll. ist oine Reihe von Resolutionen in Vorbereitung zugunsten eines allgemeinen Achtstundentages, einer AlterLverstcherung uyd er- höhter BildungSgelcgenheit für die Arbeiter. Streiks in Schwebe«. Ein Textilarbeiterstreik ist in Norrkäpikig ausgebrochen. 388 Spinncreiarbeiter legten dort Ende voriger Wölpe die Arbeit nieder. Inzwischen haben über 788 Weberei- arbeiter wegen Mangel an Garn die Arbeit einstellen müssen, so daß der Kampf jetzt mehr als 1888 Personen umfaßt. 558 Papierarbeiter, das ganze Arbeitspersonal der Papierfabrik in Domnarfvet, sind in den Streik getreten. Sie verlangen Lohnerhöhung und Arbeitszeitverkürzung. Für den größten Teil der Arbeiterschaft besteht noch die 12stündige Tag» und Nachtschicht._ In New-Aork streiken die Straßenkehrer; der Schmutz auf den Straßen hat sich dadurch seit wenigen Tagen so angehäuft, daß er zu einer Gefahr für die Gesundheit der Bürger wird, die von allen Seiten energisch auf AbHülse dringen,> Letzte J�acbnchten und Depefcben, Eine Karbonitexpl-flon. Köln, 3. Juli.(W. T. B.) Ein MenghauS einer Karbonit- fabrik in Schlebusch flog heute nachmittag in die Lust. Eine An- zahl Arbeiter wurde verletzt, vier Mann getötet. Der ausgebrochene Brand wurde von der eigenen Feuerwehr gelöscht. Nnwetterschäben. Wien, 3. Juli.(B. H.) Seit gestern abend herrscht in der Wiener Gegend sowie auch in dem Alpengebiete ein mit einem staeüen Wettersturz verbundener orkanartiger Sturm. Die Tem- peaatur ist von 33 Grad auf 18 Grad gesunken. In dem Vororte Favariten riß der Sturm ein Gerüst um, wobei zwei Arbeiter durch heriatbslürzende Balkrn lebensgefährlich verletzt wurden. Zahlreiche Fensterscheiben wurden zertrümmert. Bäume umgestürzt und Dach- zicgel herabgewcht. Der angerichtete Schaden ist enorm. DaS Ende des Brünnrr TextilarbeiterstrcikS. Brünn, 3. Juli.(W. T. B.) In den drei vom Ausstand be- troffienen Textilfabrikcn ist beute die Arbeit wieder aufgenommen, weZhalb die angedrohte Aussperrung unterbleibt- Eine Ehrung Garibaldis. Rom, 3. Juli.(W. T. 58.) Am Schluß der heutigen SenatSsihung erinnerte der Präsident an die Hundertjahrfeier des GeburtS- tages Garibaldis. Er gedachte seiner in warmen Worten und schlwg vor, morgen keine Sitzung abzuhalten.(Lebhafter Beifall.) Der Finanzminister schloß sich im Namen der Regierung dem An» tröge an._ Gewaltsame Maßnahmen gegen die streikenden Landarbeiter. Mailand, 3. Juli.(B. H.) Die Regierung geht cncrgisch vor, den Laadarbeiterstreik in denjenigen Orten der Provinz Ferrara, wo er noch nicht abgenommen hat, zu unterdrücken. In Copparo wurden nicht weniger als 260 Bcrhaftungcn vorgenommen. Hafenarbeitcr-AuSstand. " Bukarest, 3. Juli.(B. H.) In Galatz erklärten die Hasen- arbeiter den GenerawuSstand.__ aul'SingcrüiCo.,Bcrlin SW. Hierzu LBcilngcn n.kklltcrhaltungSblatt Nr. 153. 24. Jahrgang. 1, KnlM Ks Lsmiirls" Serlisn Aldsdlall Donnerstag, 4. Inli IM. Kuq InduftTte und Handel Aussichten der amerikanischen Baumwollernte. Das landwirtschaftliche Bureau in Washington hat gestern seinen amtlichen Monatsbericht über den Stand der Baumwollsaaten der- üffentlicht, der, da die amerikanische Ernte über die Lage des inter- nationalen BaumwollmarkteS entscheidet, auch für die deutsche Textil- industrie von größtem Interesse ist. Dem Berichte zufolge hat sich -war der Saatenstand seit dem vorigen Moncit etwas gebessert, stellt sich aber immerhin noch beträchtlich schlechter als in den drei letzten Iahren, denn das Bureau beziffert ihn nur mit 72,0, während sich zur gleichen Zeit des Vorjahres die Schätzung auf 83,3 und in den beiden Jahren ISOö und 1904 auf 77,0 bezw. 88,0 stellte. Gewöhnlich sind die amtlichen Schätzungen des BaumwollstandeS etwas zu niedrig und das wird auch diesmal zutreffen; aber auf eine günstige Baumwollernte ist in keinem Falle mehr zu rechnen. Die Steigerung der Lebensmittelpreise und ihre Wirkung im Arbeiterhaushalt. In den.Mitteilungen des Statistischen Amte? der Stadt Dresden"<» Uhr. Jeder Zlnsrage ist-in Buchstabe und eiue Kahl alS Merkzeichen beizufügen. Brietliche slntwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. K. S. 10. I. Nein. 2. Offcnbacher Krankenkasse, Prinzeiistrasse 65 bei Hinz.— W. W. 48. Sie sind zur Zahlung nicht vcrpsiichtel. weil Sie kein Verschulden trisst.— M. R. 30. Sie können Zahlung sür die volle Woche verlangen.— G. M. 96. 1. Ja. 2. Nein; aber wenn sie im Vertrage unterschrieben haben, die Sachen seien Ihr Eigentum, könnte Anklage wegen Betruges gegen Sie erhoben werden.— A. B. 13. 1. Doch. 2. Ja. 3. Nein.— Charles 30. 1. und 2. Nein.— R. St. 7. Wenden Sie sich an den Verband der Handels« und Transportarbeiter, Engel-User 15.— Heilmittelverkauf. 1. Erlaubnis ist nicht erforderlich. Jedoch würde schwindelhaste Anpreisung als Betrug erachtet werden können. 2. Nein. 3. Keine. 4. Ja, aber siehe 1. 5. Ja, durch die Zollbehörde. S. Ja.— Ff. 8. 75. Der Vertrag und die Vereinbarung über Kündigungs- srist ist gültig. Kommt keine gütliche Vereinbarung zu stände, so kann erst zum 1. Oktober gekündigt werden.— Sch. 33. Ihre Erklärung würde vom Gericht als gültige Kündigung ausgesatzt werden.— Ch. 40. Ihre Klage hätte sehr wenig Aussicht aus Erfolg. Suchen Sie dein Anerbieten Ihrer Frau entgegenzukommen.— Atartin M. Nein. — 133. C. I. 1. Ja.— P. D. 131. Ja: eine Frist kennt da? Gesetz nicht.— G. S. 100. 1. Ja, der Anspruch ist nicht verjährt. 2. Wenden Sie sich an eine Hundezüchterei.— W. C. 100. Das Gericht kümmert sich um Nachlätzsachen nur, wenn Minderjährige in Betracht kommen oder Erben daS Gericht anrufen. Eine einfache schristltche Erbtellung genügt.— E. Sch. 3100. Der Blitz.- A. R. 73. Ein Unterschied ist nicht vorhanden. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Martlhallen-Dtrettion.(Großhandel.) Rindfleisch la 70—72 pr. 100 Pfd., na 64-69, Uta 59—60, Bullenfleisch la 65—70, Da 55—64, Kühe, fett 52—60, do. mager 40—50, Fresser 54—66, Bullen, däu. 0,00, do. Holl. 0,00. Kalbfleisch, Doppellender 95—115, Mastkälber la 73—82, IIa 64—72, Ma 0,00, Kälber ger. gen. 45—57, do. Holl. 0,00, dän. 0,00. Hammelfleisch Mastlämmer 74—78, Hammel la 69—73, Ha 62—68, Schase 59—62. Schweinefleisch 49—56. Rehbock la per Pfund 0,70—0,86. IIa 0,50-0,60. Rotwild. Abschuß la 0,57—0,66. Damwild. Abschuß 0,00. Wild- sch weine 0,00, Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stück 0,60. Hühner, alte, per Stück 1.30—2,25. Ha 1,00—1,20, do. junge 0,45-1,10. Hamb. Küken 0,00. Tauben 0,35—0,70, stalten. 0,00. Enten per Stck. 1,20 bis 2,00, do. Hamburger per stück 2,50—3,10, Gänse per Psd. 0,65—0,73, do. er Stück 3,50—4,00, do. Hamburger per Pfd. 0,75, per Sick 3,50—4,35, o, Oderbrucher p. Stück 3,75—4,25. PouletS 0,50—0,60. Perlhühner 0,00. Hechte per 100 Pfund 99-107. matt 81—96, dito Netn 0,00, dito groß 0,00. Zander 0,00. Schleie, klein 0,00, dtto Holl. 0,00, do. 83— 92. Aale, groß 122—123, do. groß und mittel 0,00, mittel 115-117, uns. 85—94, do. llew 83—85. Plötzen 0.00, do. klein 0,00. Roddow 0,00. Karpfen 0,00. Bleie 0,00, matt 0,00. Bunte Fische 46—67. Safte 0,00, do. matt 0,00. Karauschen 67—78. Bleifische 0,00. WelS 00. Aland 00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer, per 100 Pfd. 110—130, d». Ha neuer 90—100, do. Ma neuer 60. Seelachs 10—20. Sprotten, Kieler, Wall 0,00, Danziger, Kiste 0,00. Flundern, Kieler, Stiege la 3—6, mittel per Kiste 1—2, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 4—8, IIa 0,60—2,50. Bücklinge, Kieler per Wall 2—3, Ettals. 3,50— 4,60; Aale, groß per Psd. 1,10— 1,40, mittelgroß 0,80—1,10, llew 0,60—0,80. Heringe per Schock 5—9. Schellfische Kiste 3,00—5,00,'/, Kiste 2—2,50. Kabliau, geräuch. per 100 Psd. 0,00. Doftch, Kiste 0,00. Goldfische, Schock 0,00. Sardellen, 1902er per Anker 98, 1904er 98, 1g05er 93, 1906«: 90—95. Schottische Vollhertnge 1906 0,00, large 40-44, lull. 38-40, med. 36—42, deutsche 87—44, Heringe, neue Matje», per•/, To. 60—120. Sardinen, russ.. Faß 1,50—1,60. Bratheringe Faß 1,20—1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen, Schocksaß 11, do. kleine 6—6, do. Riesen- 14. Eier, Land-, unsortiert per Schock 2,80—3,25, do. große 3,50. Krebse per Schock große 30,50, do. mittelgroße 12,50—16.50. do. kleine 4,50—5,50, do. unsoriiert 7,50—10,50, do. Gaiizier groß 0,00, do. mittel 0,00. Butter per 100 Psd. la 106—110, Qa 103—106, ma 100-102, abfallend- 90—95. Saure Gurken Schock 4,50, do. neue 6—8. Psestergurten 4,50. Kar- tossein per 100 Psund mamiun bonnm 0,00, Dabeftche 4,50—6,00, neue 5,50—6,60. Porte, Schock 0,80—1,25. Meerrettich, Schock 3—14. Spinat p. 100 Psund 10—12. Karotten, hiesige, Schockhund 4,00—5,00. Sellerie, hiesige, per Schockdund 2,00—8,00. Zwiebeln gritn, per Schock 0,60, do. kleine 0,00, do. die, ige(Perl.) 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün, Schockbund 0.80—1,20. Kohlrabi Schock 0,75—1.00. R-itii,, bahr., neue Stück 0,12—0,16. Mohrrüben Schockbund 2,00—3,00. Wirsingkohl per Schock 5,00—7,00. Rhabarber 100 Bund 0.60—3.00, Bergedorfer, per 100 Bund 0,00. Morcheln per Psund 0,00. Sand- morcheln per 100 Psd. 0,00. Waldmeister per Mandel 0,00. Schoten per 100 Psd. 10—13. Psesserlinge per 100 Psund 12—20. Radieschen per Schock 0,75—1,00. Salat per Schock 1 10—1 20 Stachelbeeren, grün, per 100 Psd. 0,00, Holl. 0,00. Aepsel, hiesige. per 100 Psund 0,00, do. australische per Kiste 0,00. Erdbeeren, sranzöstsche, 100 Psd. 0,00, do. Holländer Korb 0,00, do. Dresdener. Kanne 0,00, do. Hamburger, 100 Psd. 40—50, do. Werdeftche 000 do. Tangermünder 0,00, do. hiefige 25—40, Walderdbeeren 60—85 Stachelbeeren. 100 Pfd. 20—25. Blaubeeren, 100 Psd. 13—22. Johannis. beeren, 100 Pfd. 20—25. Kirschen, franz., in Kisten von zirka 1 Kg. Kiste 0,00, do. Gubener, 100 Pfd. 11—14, do. Schles. 6—13, do Heidel- berger 0.00, do. Werdeftche 10—14, do. GlaS. 17—20, do. Thürinaer 10—14. Pflaumen, ital., 100 Pfd. 22—25. Slpritosen, ttal., 100 Psd. 26—28 Zittonen, Messina. 300 Stück 9,00—15,00, do. 360 Stück 8,00—11,00, do. 200 Stück 6,00— 12,00.''' Todes-Anzeige. Am Dienstag, den 2. Juli, starb nach schwerer Krankheit mein lieber Mann und unser guter Vater, der Droschkenkutscher Karl Vogeler im 49. Lebensjahre. Die Beerdigung findet Freitag. den 5. Juli, nachmittags l'/t Uhr. vom Trauelhause. Blumenstr. 18, aus nach dem Markus-Kirchhos, Wilhelmsberg, statt. Frau Stelmi» Togeier 16756 nebst Kindern. Danksagung. Für daS. zahlreiche Geleit Bei der Beerdigung meines lieben Mannes und unseres Vaters, des Putzers Helnrleli KaBner, sagen allen Freunden und Belamiten und den Vereinen herzlichen Dank. 1674b Ottilie KsBner und Tochter Emma. Danksagung. Für das zahlreiche Geleit und die M reichstem Maße dargebrachten Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben SohneS, Bruders Schwagers und Onkels Heinrich Weigt sagen wir allen Freunden und Bekannten, sowie den Kollegen der Fräserei der Deutschen Telephon- werte der Firma Stock u. Co. Miseren innigsten Dank. 1671b Die Eltern«nd Geschwister, i Sozialdeinokrat. Wahlvereio Nowawes. Den Mitgliedern zur Nachricht, j daß der Tischler, Genosse �rnst Memrick am Montag, den 1. Juli ge- starben ist. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet amj Donnerstag, den 4. Juli, nach- mittags 3'/s Uhr, in Brandenburg vom Altslädtischen neuen I Friedhos aus statt. 203/3 Der Borstand. 8etiönztk ZioeMil- u. £andparzellen am 52022* Kchihiif Sntaii! a. d.«traße nach Biesdorf 7 Minuten ab Bahnhos beginnend. □ 10 Mark an. Günstigste ZahlpngSbcding., GaS- u. Wasserleitung. Austimst im Souiieubad, Restaurant Döhring, Exner, Gerlach in Neu-Sadowa und Restaurant Götze, Kaulsdoft. Nissvyilö& Nitsche, Berlin C., Landsbergerstraße 66. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Vublitnm gegenüber keinerlei Berantwortung. Theater. Donnerstag, den i. Juli. Ansang 8 Uhr. Neues tgl. Operntheater. Wiener Blut. Deutsches. Der Jongleur. Schiller O.(Wallner. Thealer.) Freischütz. Schiller>.(Friedrich Wilhelm- städlilches Tbeater.s Kyritz-Phritz. Neues Schauspielhaus. Raffles. Kleines. Vater und Sohn. Komische Oper. Tosca. Westen. Die lustige Witwe. Lustsbielliaus» Die Welt ohne Männer. Thalia. Staatsanwalt Alexander. Luisen. Zertretenes Glück. Bernhard Rose. Der graste Un- bekannte. Ansang 8'/, Uhr. Mrtrouol. Der Teusel lacht dazu. Wintergarten. La Tortajada. Spezialitäten. Apollo. Der HochzeitSgast. Epe« zialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Folies Caprice. Geisterauto.— Paris. Ansang 8'/, Uhr. ivassage. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Tanbrnstrasze 48/40. Durch Dänemark und Süd- schweben. Sternwarte, Jnvalidenstr. 67/62. Kleines Theater. • Zum i. Maie- Vater und Sohn. Lustspiel in 3 Akten von Gust. ESmann. Anfang 3 Uhr. Freitag, Sonnabend und Sonntag: Batet und Sohn. Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Die lästige Witwe. Operette in 3 Alten v. Franz Lehiir. Lustspielhaus. 8 Uhr: Wiener Ensemble. Gastspiel Die Welt ohne Männer. Pepi Glöckner als Gast. Luisen-Theater Reichenbergerstr. 31. AbendS 8 Uhr: Zertttlkiits Glück. Morgen: Dieselbe Vorstellung. 8 Uhr: Die neuen erstklassigen Spezialitäten mit Jean Paul und Jean ElermontS ZirkuS.Parodie Barnum«. 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Juli, mittags IS Uhr, im Hoppeschen Lokal, R t x d o r f. Hermannstraste 49: General- Uersammlung. Tages-O rdnung: 1. Die Lehren der NeichstagSwahl. Referent: Genosse Vrltn X ab eil, 2. Der internationale Kongreß in Stuttgart. Referent: Genosse Panl Hlrach. 8. Wahl der Delegierten zum internattonalen Kongreß. 4. Anträge und Verschiedenes. Jeder örtliche Wahlverein ist berechtigt, drei Delegierte UMZ zu entsenden. Die Delegierten müssen mit Mandaten ver«-MS sehen sein. Gäste haben Zutrittl-ME Der Sontralvorutana. 202/7 I. A.: KarlWollermann, Charlottenburg, Rofinenstr. 3. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Durch Dänemark und Südschweden. ZOOIOCISCHER GARTEN Täglich ab nachm. 5 Uhr:]\ Großes Militär-Doppel-Konzert. Eintritt 1 Mk., von abends 6 Uhx ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Glänzendes Programm. 2\I7alhalla. _ T? Variete-Garten Weinbergsweg 19/20, Roienth. Tor. Reue Juli-Spezialitäten. Promenaden- Konzert. Ans.: Konzert 5; Vorstellung? Uhr. Bei ungünstigem Wetter __ Bei ungünstigem Vorstellung im Theater 8 Uhr. «leine Sommerpreise. Sanssouci, ÄT Direktion Wilhelm Reimer. Bei günstiger Witterung aus der Gartenbühne. Heut« sowie jeden Sonntag und Montag: Hothnanns Hordii. Sänger u. Tanzkrrftnzchen. Stürmischer Erfolg l Alleles ± Einbreelier. Posse. ä Sonntag Beginn 6, wochent. S Uhr. MaxRIiems Sommer Theater i Hasenheide 13/15. Artisttsche Leitung: Paul Milbitz. fäglieli: Gr. Konzert Theater 1 u. Spezialitäten-Vorsteliiing.> I Jeden Montag: Sommerfest. � Jeden Mittwoch; Die beliebten Kinderfeste. I Jeden Donnerstag: Elite-Tag. | Die Kaffeeküche ist täglich von| 2 Uhr ab geöffnet. Bnnmen-Theater Badstraste 58. Direkt.: Bernh. Rose. Das glänzende Juli-Programm. Eine unruhige Macht. Phoites Guitano Truppe. Derminglontruppe— Loro-Quartett. Adolf Böcke. Mit neuer Ausstattung t Carmen. Heute: Großer Elite-Ball. Kasseneröffnung 2 Uhr. Ans. 6 Uhr. fistbahn-park Am KDstrinerplatz, RUdersdorferstr. 71 Hermann Imbs. 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Konzert nnd Ball. Ansang 4'/, Uhr._ Otto Pritzkow HUnzstraBe 16. t-lassteliongs- Dh-(8t. Louis) Theater lebender Photographien. Täglich Eingang von — Neuheiten.— Den ganzen Tag VorsteUnng. Volksgarten-Theater. Bad-hehmstraBe— Bahnhof Gesundbrunnen— BellermannstraSe. Der rechte Weg. Original- VolkSstück mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von W. Gericke. —— Hierzu: Das neue kieseß-GpeziMeg-krggrM. Bolksbelustigungeu. Zweigverein Berlin. Dolinerstlig, den 4. Juli 1907, abends 8� Uhr, bei Frey er, Koppenstraße 29: = Außerordentliche= General-Tersammlung aller zum Zweigverem gehörigen Zahlstellen und Bezirke der Maurer. Tages-Ordnung: Bericht über den Stand unserer Lohnbewegung. Mitgliedsbuch legitimiert, Ohne dasselbe kein Zutritt, mmasa �0/ro__ Die Terbandalcitunff. Maurer! Ssi freie Vereinigung der Maurer fientscblands Ortsverein Serlitt. Freitag, den 5. Juli, abends 8V2 Uhr. bei Boeker, Weberstrahe 17: 123/13 Atzeisiikilllilljt Geiml-VtchWlWz. TageS-Ordnung: 1. Der Stand unserer Lohnbewegung. 2. Erledigung der in der letzte« Versammlung ein- gelaufeneu Anträge. 3. Wahl eines HülfSkafsterers für den Bezirk Wedding. Zu dieser Versammlung sind die Putzer und Backofeumaurer, ebenso die in der Zementbranche tätigen Kollegen verpflichtet zu erscheinen. UV Mitgliedsbuch legitimiert. TBffl Der Vorstand. MMB»» Die Kontrollstellenleiter werden ersucht, sich am selben Tag S Uhr nachmittags im Bureau einzufinden._ D. O. Belle- Alliance-Garten Herrlichster Sommergarten Berlins. MeltberuhmteIlinnmiation. Vollständig neue Anlagen. Täglich i Elite-Tariete-Vorstellung Ans, wochentags 6, Sonntags 4 Uhr. r Deut Reue fifelt Hasenheide 108— 114. Jeden Donnerstag; Dr. 1 SpeziaiMorsteUung n Tanz-Reunion. Ant. 5 Uhr. n| Versammlung beider Abteilungen. Pröbels illerlei-Theater Schönh. Allee 148. Kastan.-Alle- 97/93, AellesteS Voltstheater Berlins. 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Wir ersuchen die Kollegen, aus dieses Inserat hin keine Arbeit zu nehmen. 39/9* Der Borftanb. 9t. 153. 34. 2. Wm des Jimäris" Kcrlim NslksdlÄ. DonnerstG, L lnli 1907. Partei- Angelegenheiten. Zentralwahlverein Teltow-BeeSkow. Die nächste General- Versammlung der Kreises findet am Sonntag, den 7. Juli, mittags 12 Uhr, im Hoppe schen Lokal, R i x d o r s, Her- niannstr. 49 statt, mit folgender Tagesordnung: 1. Die Lehren der Reichstagswahl. Ref.: Fritz Zu beil. 2. Der internationale�ongreß in Stuttgart. Ref.: P a u l Hirsch. 3. Wahl der Delegierten zum internattonalen Kongreß. 4. Anträge und Verschiedenes. Jeder örtliche Wahlverein ist berechfigt drei Delegierte zu entsenden. Die Delegierten müssen mit Mandaten versehen sein. Gäste haben Zutritt, Der Zenttalvorstand. Stralau. Unsere Generalversammlung findet am Sonntag, den 7. Juli, nachmittags L Uhr. im Lokale.Perle von Stralau", Alt« Stralau 21, statt. Auf der Tagesordnung steht u. a.: Vortrag des Genossen Stadtverordneten Dr. Alfred Bern st ein- Berlin über: Die Wettzuwachssteuer. Pünktliches Erscheinen aller Genossen ist Pflicht. Der Vorstand. Berliner Nachrichten. Ueber die neueste Stencrblüte, die Einführung einer Elektrizitätssteuer, wird bettchtet, daß der Magistrat sich mit dem Plane noch nicht beschäftigt habe.„Die erste Anregung soll, wie das„Berliner Tageblatt" zu melden weiß, von einem städttschen Beamten stammen, der als Fachmann auf dem Gebiete der. Elektrotechnik gilt; sie wurde schon zu jener Zeit gegeben, als die Frage der Verttagsregelung zwischen der Stadt und den Berliner Elektrizitätswerken akut geworden war. Bei den Verhandlungen mit den Berliner Elektrizitätswerken wurde von dem erwähnten Fachmann der Meinung Ausdruck gegeben, daß die Blockstationen mit der Abgabe von Strom doch ein gutes Geschäft machten und bei weitem besser weg- kämen als die Berliner Elektttzitätswerke. die für die Be- Nutzung der Straßen eine erhebliche Abgabe an die Stadt zu zahlen haben. Diese Anregung fiel bei einer maßgebenden Stelle im Magisttat auf ftuchtbaren Boden. Der erwähnte Fachmann erhiell den Auftrag, ein Gutachten über diese Frage zu erstatten. ebenso haben sich zwei Stadttäte. von denen der eine ein technisches, der andere das steuettechnische Dezernat bearbeitet, zu der Frage einer Elektttzitätssteuer ge- äußert. Weiter ist die Angelegenheit noch nicht gediehen. Daß in einem so frühzeittgen Stadium eine offiziöse Nottz aus dem Rathause in die Oeffentltchkeit flatterte, beweist, daß diejenigen Stellen, die dieses Projett betteiben, sich ihrer Sache nicht recht sicher find." Wir haben die Nachricht von der Einführung einer Elektttzitätssteuer lediglich als einen Fühler angesehen. Wir glauben nicht, daß man mit diesem Plane Glück haben wird. wenn er wirttich im Magisttat Annahme finden sollte. Ein- nahmen kann die Stadt gebrauchen, da liegen aber andere Steuerobjekte. wie die Einführung einer Wertzuwachssteuer, viel näher, aber nicht etwa eine solche, wie sie der Wert- zuwachSsteuerauSschuß beschlossen hat. Pvlizei-Allmacht? WaS gilt die Freiheit eines Bürger? gegenüber dem Macht- bewußtsein der Polizei?! Ein Schutzmann darf auf der Straße einen Passanten, der keinem zu nahe tritt, wegweisen oder fest nehmen, wenn er ihn für einen Streikposten hält. Ein Schutz. mann darf im Morgengrauen sich Zutritt zu einer Wohnung der- schaffen und statt des gesuchten Gesetzesübertreters, den er darin vermutet, einen harmlosen Menschen herausholen und zur Wache schleppen. Im Südosten der Stadt hat am Dienstag die allmächtige Polizei sich dieses Stücklein geleistet. In einem Hause der Schlesischen Straße erschienen morgens nach 4 Uhr zwei Schutzleute, um auf einen gewissen S. zu fahnden, der dort wohnen sollte. Man sagt, der Mann habe noch eine Strafe abzumachen gehabt. ES kann aber auch sein, daß es sich nur darum handelte, ihn zu einer Vernehmung nach dem Polizcibureau einzuladen. Die Polizei scheut ja nicht davor zurück, auch aus solchem Anlaß die Leute aus den Betten zu holen. Die beiden Schutzleute bc gaben sich nach der im Seitenflügel gelegenen Wohnung des Schlossers B. und klingelten. Die Familie, die aus dem Ehe- paar und vier erwachsenen Kindern besteht, war nicht wenig er- staunt, zu so früher Stunde aus dem Schlaf geschreckt zu werden. Frau B. fragte, wer denn da sei.„Polizei!" lautete die Antwort. Polizei!? Selbstverständlich mußte nun geöffnet werden, sonst hätten die Besucher wahrscheinlich Gewalt angewendet. Als Einlaß gewährt worden war. fragte der eine der Schutzleute:„Bei Ihnen wohnt ja wohl S.?"„I wo!" antwortete Frau B., und verdrossen über die Störung fügte sie hinzu:„Bei uns wohnt überhaupt niemand, wir vermieten nicht an Schlafburschen." Der Schutzmann behauptete:„Er ist hier g e m e l d e t."„Ist ja nicht wahr," ver. sicherte Frau B. Aber der ungebetene Gast wollte sich nicht ab- weisen lassen und blieb dabei:„Doch ist er hier gemeldet." Erst als den Schutzleuten gesagt worden war, daß ein Mann namens S. im Quergebäude wohne, verließen sie B.S Wohnung. Sie gingen nach dem Ouergebäude, doch kamen sie bald zurück, ohne S. ge. fundcn zu haben, und verließen nach einigem Zögern das Haus. Dabei wohnte S. tatsächlich im Quergebäude, und die im Flur hängende Mtetertafel enthielt auch seinen Namen, allerdings mit einem kleinen Druckfehler. Nicht lange nachher klingelte es zum zweiten Male an B.S Wohnung. Wieder waren die Schutzleute da und forderten Einlaß. „Es ist schon richtig," sagten sie,„er ist hier gemeldet." Sic achteten jetzt nicht mehr auf die Versicherung, das sei unmöglich. Die beiden Söhne, denen das erste Zimmer als Schlafraum diente, wurden ausgeforscht, um festzustellen, ob etwa einer von ihnen der Gesuchte sei. Auch in den zweiten Raum, in dem die beiden Töchter lagen, guckte einer der Schutzleute hinein. Schließlich wurde der eine der Söhne aufgefordert, mit zur Wache zu lammen. Der Vater hielt eS für ratsam, seinen Sohn zur Wache(C u b r y st r a h e) zu begleiten. Dort forderte er. man solle ihm mal im Mclderegister zeigen, daß S. bei ihm„gemeldet" sei. Die Beamten blieben ihm diesen Nachweis schuldig. Sie ver- sicherten aber, ihr Auftrag habe gelautet, den bei B. wohnenden S. zu suchen. Als B. erklärte, er werde sich über den Mißgriff beschweren, bekam er die kurz angebundene Antwort:„Dagegen können Sie gar nichts machen." Er durfte hierauf seinen Sohn wieder mit nach Hause nehmen. Nach 7 Uhr begab zFrau B. sich zum Polizeibureau. Die Beamten waren jetzt ziemlich �kleinlaut geworden und hatten nicht viel auf die Vorhaltungen � zu erwidern, die ihnen von Frau B. gemacht wurden. Um �-9 Uhr kam dann ein Schutzmann zu Frau B. in die Wohnung und er- zählte in freundlichem und fast höflichem Ton, S. sei tatsächlich als Aftermieter bei B. gemeldet. Er, der Schutzmann, habe der Frau W., der Besitzerin des Hauses, soeben die Anmeldung— so verstand ihn Frau B.— gezeigt, Frau W. habe aber erklärt, die Unterschrift sei nicht die ihre. Der Beamte unterließ es, der Frau B. die Anmeldung zu zeigen. Spätere Ermittelungen haben er- geben, daß er auch der Frau W. keine Anmeldung vorgewiesen hat. Frau W. hat ihn dahin verstanden, es sei eine Anmeldung da, und er soll dann noch etwas von der Möglichkeit einer Fälschung geredet haben. Hiernach erscheint die Anmeldungs- Affäre noch sehr dunkel. Um die Sicherung der Freiheit des Bürgers ist es wahrlich schlecht bestellt, wenn in dieser Weise ein unbescholtener Mann durch Schutzleute aus seiner Wohnung und aus dem Kreise seiner Angehörigen trotz aller Proteste herausgeholt werden kann, obwohl der Gesuchte, für den er gehalten wird, nie etwas mit ihm und der ganzen Familie zu tun gehabt hat. Was ist's mit der„An- Meldung", von der die Schutzleute geschäftig erzählt haben? Her- auS mit der Sprache! Wird das Polizeipräsidium es für nötig halten, der Oeffentlichkeit Rechenschaft darüber zu geben, wie dieser Mißgriff möglich geworden i st? Am Alexanderplatz lieben sie's, rasch zur Feder zu greifen. wenn es irgend eine Nebensächlichkeit zu„berichtigen" gibt. Aber auf schlimme Vorwürfe, die im„Vorwärts" Organen der Polizei oft genug gemacht worden sind, haben sie dort keine andere Ant- wort gehabt als— S ch w ei g e n. Was wird das Polizeipräsidium diesmal antworten?_ Wie Dienstmädchen„unkrmichbar" werden, da? zeigen manchmal in sehr lehrreicher Weise die Dienstbücher. Wir sind häufig in die Lage gekommen, hineinzuschauen in die Dienstbücher von Mädchen, die von Herrschaften drangsaliett worden waren und sich nun hülfesuchend an uns gewandt hatten. Da ist uns vielfach aufgefallen, daß auf eine lange Reihe guter Zeugnisse plötzlich ein einzelnes Zeugnis folgte, das geradezu miserabel war. Wir haben manches Zeugnis dieser Art. durch das ein Mädchen nach einem Jahrzehnt tadelloser Führung raschfertig zu einer unbrauchbaren Person gestempelt wurde, mit Kopsschütteln gelesen. Kürzlich ist unS wieder mal ein Dienstbuch mit einem solchen Zeugnis vorgelegt worden. ES handelt fich um ein Frl. Minna N., das auS einem kleinen Orte in Thüringen gebürttg ist und elf Jahre hindurch teils in Sachsen und Thüringen, teils in Berlin ge dient hat. Ueber Minnas ersten Dienst schrieb die Frau des Dienst Herrn folgendes Zeugnis:.Inhaberin dieses Buches hat sich zu meiner Zuftiebenheit betragen." DaS Zeugnis über den zweiten Dienst lautete:„Führung und Fleiß sehr gut." Der dritte Dienst Herr bescheinigte:„Ich war in jeder Hinsicht mit ihren Leistungen zuftieden." Minna R. ging mm nach Berlin, aber sie mutzte dort ihren ersten Dienst wegen Erkrankung bald wieder aufgeben. Das Zeugnis lautete:„Wurde krankheitshalber entlassen. Fleitzig und arbeitsam." Sie kehrte dann nach Thüringen zurück. In der Familie eines Majors, wo sie Stellung fand. blieb sie über l'/i Jahre. Als sie ausschied, schrieb die Frau Major ihr ins Buch:„Minna R. hat zu unserer Zufriedenheit selbständig gekocht, ist im Plätten und Nähen bewandert, war treu, ehrlich und fleitzig." Frl. R. trat dann bei einem Hauptinann in Stellung und siedelte später mit dieser Familie von Thüringen aus nach einem Berliner Vorort über. Als sie den Dienst aufgab, bekam sie folgendes Zeugnis:„Minna R. ist ehrlich, fleißig und ordentlich, kocht gnt. Tritt auf eigenen Wunsch aus dem Dienst." Sie kehrte kurz darauf wieder in diesen Dienst zurück. Als sie zum zweitenmal ausschied, bescheinigte ihr der Dienstherr:„Minna N. ist, mit Unterbrechung von einem Monat, Jahre in meinem Hause als Köchin tätig gewesen. Sie ist fleitzig, ehrlich, kocht selbständig und recht gut und ist in Hausarbeit erfahren. Sie verlätzt den Dienst auf eigenen Wunsch. Ich war mit ihren Leistungen jederzeit zufrieden." Mit solchen Zeugnissen ttat Frl. N. am 1. Mai 1007 bei einer Familie ein. deren Oberhaupt nach Ausweis ihres Dienstbuches ein „Dir. GlittS mann., Kolonie Grunewald, Königsall e e 7s." ist. Hierblieb aber Minna nur acht Wochen; schon Ausgang Juni fand der Dienst ein rasches Ende. Das von Frau GuttSmann geschriebene Zeugnis lautet kurz und bündig:«Ihr Betragen lietz häufig zu wünschen übrig." So ivird die lange Reihe befriedigender und guter Zeugnisse abgeschlossen durch ein Zeugnis, das mit einem Federstrich alles vernichten zu sollen scheint, WaS an anerkennenden Empfehlungen dem Mädchen von früheren Herrschasten mitgegeben worden ist. Ver- geblich sucht man in diesem letzten Zeugnis nach einem einzigen Wort über Fähigkeiten und Leistungen des Mädchens, über Ordnungsliebe, Fleiß, Ehrlichkeit usw. Frau GuttSmann weiß un« zu melden, daß das Betragen, wie gesagt, häufig zu wünschen übrig gelassen habe. Weiter nichts! Ist es nicht merkwürdig, daß ein Mädchen, dem alle früheren Herrschaften nur Gutes nachrühmten, sich so ganz plötzlich in sein Gegenteil verwandelt haben soll? Man hat uns versichert, daß es für ein Dienstmädchen überhaupt ein schweres Stück Arbeit sei, mit der Frau Direktor fertig zu werden. Da wäre ja dann auch das Zeugnis zu begreifen. Es gibt leider mehr der Damen, mit denen kein Dienstmädchen auskommen kann— mehr, als manche«Gnädige" in ihrem Mangel an Selbsterkenntnis es glauben will. Jede„Gnädige" sollte, ehe sie über ein Dienstmädchen urteilt, zunächst mal sich selbst prüfen. Doch von dieser Pflicht der Herrschaft steht nichts in dem Gesetz, das die Dienst- «nädchen in die Gesiudesklaverei hinein zwingt. Die freisinnige»„Arbeiterfreunde", die im Magistratskollegium der Stadt Verlin das große Wort führen, haben endlich wieder mal einen Schritt vorwärts getan. Der Magistrat hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, daß für die Parkarbeiter der Schluß der Arbeitszeit von 7 Uhr abends auf 6 Uhr ver- legt werden soll. Die Parkarbeiter hatten das seit langem gefordert, und sozial- demokratische Stadtverordnete hatten in der Parkdeputation wie in der Stadtverordnetenversammlung diese Forderung eifrig unter- stützt. Bei der Parkverwaltung war bisher noch die elfstündige Arbeitszeit üblich gewesen, nicht das ganze Jahr hindurch, aber wenigstens in einigen Sommermonaten. Früh um 0 Uhr wurde begonnen, abends um 7 Uhr wurde aufgehört, für Mittag- essen, Frühstück und Vesper wurden zwei Stunden gewährt— macht 11 Stunden Arbeit. Eine Arbeitszeit von elf Stunden, das war geradezu eine Schmach für unsere Stadtgemeinde! Die Parkdcputation, in deren Verwaltungs- gebiet diese Rückstänbigkeit immer noch konserviert worden war, hat zum Vorsitzenden den Bürgermeister Reick«, das„Schreckenskind" des Magistrats, der in unverwüstlicher Naivität die blamabelsten Geheimnisse auszuplaudern Pflegt. In der Stadtverordneten» Versammlung hat Herr Reicks den sozialdemokratischen Stadt- verordneten mehrfach erwidert, man müsse doch auch be- rücksichtigen, daß diese Arbeiter, für die die Arbeitszeit so lang und dabei der Lohn so gering ist, in der Regel nur noch beschränkt arbeitsfähig seien. Es ist ein freisinniger Grundsatz, daß sogar die Gemeinde sich nicht scheuen soll, aus solchen Arbeitern durch eine um so längere Arbeitszeit womöglich doch noch die volle Arbeitsleistung herauszuschinden. Hieraus erklärt sich auch der bisherige Widerstand gegen den Wunsch, daß für die Parkarbeiter der V Uhr- Feierabend eingeführt werde. Dieser Wunsch ging nämlich aus von der Voraussetzung, daß dann die Arbeitszeit auf zehn Stunden verkürzt werden müsse. So dachten es sich die Parkarbeiter, und so forderten es die sozial- demokratischen Stadtverordneten. So schien schließlich sogar die Parkdeputation es zu wollen, als sie im letzten Winter endlich sich für den 6 Uhr- Feierabend erklärte. Was aber hat jetzt der Magistrat hierzu beschlossen? Er bewilligte den 0 Uhr-Feier- abend und unter Kürzung der bisherigen Pausen! Die Mittagspause soll eine Stunde dauern, wie bisher; aber für Frühstück und Vesper werden die bisherigen Pansen von je Vs Stunde auf je V» Stunde heruntergedrückt. Um 6 Uhr morgens wird begonnen, um 6 Uhr abends wird aufgehört— niacht bei l'/z Stunden Pause eine Arbeitszeit von 10'/g Stunden. Man sieht: der „eine Schritt vorwärts", den der Magistrat da tut, ist nicht mal ein ganzer Schritt, sondern nur ein halber. Zu ganzen Schritten langt es ja bei unseren freisinnigen„Arbeiterfrrunden" nicht. Es fiel schon auf, daß der Magistrat nur zögernd daran ging, Stellung zu nehmen zu dem Beschluß der Parkdeputation, sodaß die in der Parkdeputation sitzenden sozialdemokratischen Stadtverordneten Gottfr. Schulz und Zubeil teils in der Stadtverordnetenversammlung teils in der Parkdeputation baldigste Ausführung jenes Beschlusses fordern mutzten. Im Rathause unserer Stadt Berlin pflegt, was lange währt, nicht gut zu werden, sondern schlecht. Der Magisttat hat übrigens gleichzeitig über die Arbeiter der Pattverwaltung noch einen anderen Beschluß gefaßt, der geradezu einen Rückschritt bedeutet. Die Saisonarbeiter sollen fortan nicht mehr gegen Tagelohn, sondern gegen Stundenlohn be- schästigt werden. Das läuft hinaus auf eine schäbige Lohn- knappserei, die um so empörender ist, da sie die schlcchtestgestellten Arbeiter trifft. So betätigt sich die k o m m u n a l- f r e i s i n n i g e „Sozialpolik", wenn es sich um Arbeiter handelt l Der VcrkchrSzweckverlxind Groß-Berlin. Im Rathause fand gestern vormittag unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Kirschner eine erneute Sitzung von Vertretern der Stadt Berlin und der Vorortgemeinden statt, in der der Eni» wurf der Statuten, wie ihn die zu diesem Zweck eingesetzte Kommission festgesetzt hat, angenommen wurde. Der„Kommunalvcrband von Groß-Berlin in Verkehrsangelegenheiten", wie der Zweckverband offiziell heißt, dürfte jedoch, wie wir hören, erst Anfang nächsten Jahres seine Wirksamkeit beginnen. Der jetzt angenommene Statutenentwurf geht zunächst an die einzelnen Gemeindevertretungen von Groß-Berlin— auch der Kreis Teltow ist hierbei vertreten—, die sich bis zum 1. Dezember 1007 über die Statuten äußern sollen. Nach dem bisherigen Gang der Verhandlungen ist kaum daran zu zweifeln, daß auch die Gemeindebehörden sich mit den Satzungen des Kommunalverbandes einverstanden erklären werden. Ende dieses Jahres soll dann in einer neuen Sitzung der Gemeindcvertreter die endgültige Konstituierung des Verkchrszweckverbandes erfolgen. Der Magistrat von Rixdors beabsichtigt, die in der Kaiser Friedrichstraße liegenden Gleise mit denen des Kottbuser Dammes in Berbinbmig zu bringen, um die Straßenbahnlinien vom Hermann- platz nach der Kaiser Friedrichstraße überführen zu können. Never die verhängnisvollen Wirkungen des vorgestrigen Unwetters gehen uns heute noch weitere Hiobsposten zu. Der Schaden, der durch die letzten Gewitter. Hagelschlag und Regenfälle in der Um- gebung Berlins herbeigeführt worden ist, ist noch weit bedeutender, als man bisher angenommen hat. Fast in sämtlichen Nachbarorten sind in den Straßen und Hänsern große Uebtrschwemmungen herbei- geführt worden. Ueberall waren die Feuerwehren in regster Tätig- reit. In vielen Kellerwohnungen schwammen die Möbelstücke in den unter Wasser gesetzten Zimmern, und an einzelnen Stellen mußten die Bewohner aus den schwimmenden Betten heraus gerettet werden. Da in den Vororten zum Teil noch keine Notauslässe vorhanden sind, so konnten die andringenden Wassermengcn nnnüialich abfließen. DaS Schmerzenskind von Rummelsburg bei Ueberschwemmungen, der Bahnhof Rummelsburg-Ost stand wieder vollständig unter Wasser. In der Langhansstraße in Wcißensee wurde ein Neubau völlig unter Wasser gesetzt. Durch die Grundmauern hindurch drang das Wasser in die Nebcnhänser. Einige Bauten sind durch die Einwirkung der lleberflutungen in Einsturzgefahr gebracht worden. In den Lauben- kolonien und Gärtnereien ist durch Hagelschlag ganz bedeutender Schaden hervorgerufen worden. DaS Obst ist stellenweise vollständig von den Bäume» heruntergeschlagen worden. Besonders einpfinde» diesen Uebelstand die Werderschen Obstznchter. Infolge der unauf- hörlichcn Niederschläge schwillt daS Wasser in den Flußlänfen stark an und es wird befürchtet, daß bei»och längerem Anhalten der Rcgenperiode die Fluten an vielen Stellen aus den Ufern treten. Die Genirinde Lankwitz hat die Durchführung der Straßenbahn Groß-Lichterfetde— Lankwitz— Tenipelhof nach Berlin, und zwar mög- lichst bis ins Innere, bei den städtischen Behörden beantragt. Einen besonderen Automobilbahnhof hat die Große Berliner Straßenbahn für ihren neueröffneten Omnibusbetrieb in der Stadt eingerichtet. Es ist zu diesem Zweck der alte Bahnhof in der Brandenburgstraße von den elektrischen Wagen vollständig geräumt worden. In der großen Wagenhalle haben die Automobile der „Großen Berliner Motor-Omnibusgesellschaft" Platz gefunden. Die hinter der Halle liegende Werkstätte dient auch jetzt ihren bisherigen Zwecken. Der interessanteste Teil der neuen Anlage sind die Vor- richtungen zur Aufbewahrung und zur Füllung des Betriebsstoffes, des Benzins. Man hat mitten im Vorhofe des BohilhofeS nnter der Erde einen Behälter verlegt, der nicht weniger als 20 000 Liter Benzin faßt. Die Einrichtungen zur Füllung und Entleerung dieses Behälters sind mit Rücksicht auf die Fenergefährlichkeit des Benzins so getroffen, daß der Brennstoff mit Luft nicht in Berührung tritt. Es wird daher unter Druck stehende Kohlensäure dazu verwendet, um daS Benzin in den Tank und aus demselben zu befördern. Die erforderliche Kohlen- säure wird in Flaschen bezogen wie sie auch für die Mineralwasser- bereituna Verwendung finden. Dieselben Einrichtungen bestehen auch in den Automobildepots der Allgemeinen Omnibus-Gesellschaft. Beim Brande des Viktoriaspeichers hat die Anlage ihre Feuerprobe glänzend bestanden. Selbst das riesige Feuer hat oem Benzinvorrate nicht den geringsten Schaden getan. Kurzschluß in einem Kabclschacht. Auf dem Hausvogteiplatz. unmittelbar an der Ecke der Oberwallsttaße, entstand gestern früh in der sechsten Stunde Kurzschluß in einem sogenannten Kabelschacht der Berliner Elektttzitätswerke. Dadurch wurden sämtliche Licht- k a b e l desekr und eine hohe Stichflamme schoß aus dem Erdreich hervor. Sttgßenpassanten sorgten für die sofortige Benachrichtigung der EleltrizitittSwerke, die denn auch den Strom nach diesem Schachte absperrte. Noch im Laufe des Vormittags erschienen dann zwei Arbeiterkolonnen an der Unfallstelle, um die Reparaturarbeiten vor- zunehmen. Es stellte sich heraus, daß die unter den Lichtkabeln liegenden Telephonkabel nicht besonders in Mitleidenschaft ge- zogen waren, da sie gut isoliert sind. Nur in wenigen Telephon- lntungen der Niedenvallstratze traten Störungen ein. Die Reparatur- arbeiten sind noch nicht beendet. Bis zum Abend konnten erst zwei Kabel wieder betriebsfähig gemacht werden. Acht Stränge liegen noch stromlos da. Die Ausbesserungsarbeiten werden noch mehrere Tage in Anspruch nehmen, da der Brand in weitem Umkreis des Kabelschachtes zerstörend gewirkt hat. Nackt ausgesetzt. Gestern morgen um 2'/« Uhr wurde von zwei Schutzmännern des 27. Polizeireviers im Köllnischen Park ein nacktes, lebendes Kind gefunden. Erst eine Viertelstunde vorher waren die Beamten an der Stelle vorbeigegangen, wo sie dann durch das Geschrei des erst wenig Stunden alten 5knaben, daZ aus dem Gebüsch dicht an der Volksbadcanstalt zu ihnen drang, aufmerksam wurden. Wann das Kind ohne jedweden Schutz bei dem buchstäblich strömende» Regen an dem Fundort gelegt worden ist, läßt sich nicht beurteilen, da es in dem Gebüsch schon gelegen haben kann, als die Schutzmänner das erste mal dort vorbeigingen. Die Beamten brachten das arme Geschöpf in einer Droschke nach der Charito, wo es sich bald erholte und gestern mittag noch am Leben war. lieber die Mutter ist noch nichts ermittelt. Ei» großer Flcischdiebstahl ist bei dem Schlächtermeister Honich in der Allensteinerstr. 12 verübt worden. Gegen Mitternacht drang eine mehrköpfige Einbrecherbande in die Lagerräume und stahl für mehr als 1200 M. Wurst- und Fleischwaren. Sie schleppte 3S0 Pfund Schlackwurst, zwei Zentner Speck, l'/z Zentner Schinkenspeck, 125 Leber Würste usw. fort. Die dreisten Täter können ihre schwere Beute nur auf einem Gefährt wegtransporttert haben. Eine Fiiilfpfcnnigmiirke war das ganze Besitztum eines Mannes, dessen Leiche gestern an der von der Heydt- Brücke' aus dem Schiffahrtskanal gelandet wurde. Der Lebensmüde ist etwa 25 Jahre all gewesen und hat seiner Kleidung nach den besseren Ständen an- gehört. In der Hosentasche fand nian ein Portemonnaie, daS nicht eineil Pfennig, wohl aber eine Fünfpfennigmarke enthielt. Ver- mutlich hat der Unglückliche in der Not seinem Leben ein Ende be- reitet. Allen Badenden möge ein trauriger Unfall zur Warnung dienen. der sich ans dem Heinersdorfer See ereignet hat. Der ISjährige Malergehülfe Karl Elbing, der ein vorzüglicher Schwiminer war, hatte kurz nach dem Mittagessen ein Bad genommen. Mit vollem Magen ging er in das Wasser hinein und schwamm in den See hinaus. Plötzlich sank er lautlos in die Tiefe. Eine Stunde später »vurde die Leiche des jungen Mannes geborgen. E. hatte die Unvor- sichtigkeit, mit gefülltem Magen zu baden, mit dem Tode büßen Müssen. Ein Herzschlag hatte seinem Leben eine Ende bereitet. Ein braver Parteigenosse ist in der Person des Krankenkassen» angestellten Otto Rasche dahingegangen und gestern zur letzten Ruhe getragen worden. Obwohl erst 50 Jahre, gehörte Rasche zu denjenigen Genossen, die geräuschlos und unauffällig, aber desto intensiver und wirksamer schon frühzeitig für die Partei warben und wirkten. Schon in den Tagen des Schandgesetzes, zu einer Zeit, in der das Wirken für unsere Partei mit großen Gefahren für die Be- teiligten verbunden war, stand Otto Rasche seinen Mann; auch später erlahmte er nicht, als er seine freie Zeit mehr der Förderung des Freiheitsliedes zuwandte. Er gehörte mit zu den Gründern des Arbeiter-SängerbundeS und stand seit der Gründung in seiner Eigenschaft als Kassierer im Mittelpunkte der freiheitlichen Sanges- bestrebungen.— Otto Rasche war gewissermaßen das Faktotum der Sänger Berlins und der Umgebung. Kein Sängerfest des Bundes war denkbar ohne Otto Rasche. In gleich eifriger Weise war er tätig in seiner Eigenschaft als Mitglied der»Lieder- gemeinschaft" und noch anläßlich der Pfingsten im Gewerkschaftshause tagenden Generalversammlung der»Liedergemeinschaft' wurde von den verschiedensten Delegierten deS damals durch seine Krankheit am Erscheinen verhinderten Rasche anerkennend gedacht. Otto Rasche versimpelte aber nicht im Gesangswesen, immer wirkte er, wenn es galt und wo er konnte, für die Partei, die er voran stellte. In der selbstlosesten und uneigennützigsten Weise hat Rasche für die Partei und für den Arbeitergesang gelebt und gestrebt und daß dieses sein Streben Anerkennung gefunden, bewiesen die zahlreichen Kranz- spenden, die ihm Partei- und Sangesfreunde als letztes Liebeszeichen auf seinen Sarg legten. Am Billettschalter vom Tode überrascht. Auf dem Bahnhof Zoologischer Garten hat sich gestern ein trauriger Vorfall ab- gespielt. Das in der Koloniestr. 16/17 wohnhast gewesene Fräulein Drews war an den Billettschalter herangetteten, um eine Fahrkarte nach dem Gesundbrunnen zu lösen. Mit dem Geldstück in der Hand brach sie plötzlich leblos zusammen und verschied nach wenigen Sekunden. Man brachte die Aermste nach der Unfallstation 20, wo aber der diensttuende Arzt nur noch den infolge Herzschlag ein- getretenen Tod feststellen konnte. Im Luisentheater gelangt bis Schluß der Woche»Zertretene« Glück", Schauspiel in fünf Akten nach einem Roman des L. Corony von Hugo Busse zur Aufführung. Hugo Busse, der Hausdichter des Luisentheaters, hat damit sein hundertstes Stück herausgebracht; zugleich mit diesem Jubiläum feierte er das seiner 25jährigen Wirk- samkeit als Schriftsteller. Ueber das Stück selbst ist nicht allzu viel zu sagen: Es ist ein dramatisierter Liebesroman im Gartenlauben- slile der Marlitt und Heimburg. Der Held des Stückes ist ein junger Baron, dessen früh verstorbene Mutter von bürgerlicher Herkunft und einmal Schauspielerin war. Im Streite mit einem stets Raufhändel suchenden Ritter v. Kielmannsegg, der ihm seine Mutter herabsetzt, vergreift er sich an ihm und erschlägt bei dieicr Gelegenheit unab- sichtlich den Raufbold. Das verzeiht ihm sein Onkel, Freiherr von Nordeck nicht. Lothar zieht von bannen, nicht ohne vorher seiner Braut, der Tochter einer russischen Gräfin, einer Nachbarin seines Onkels, das Gelöbnis abgelegt zu haben, sie heimzuholen, wenn er sich eine selbständige Existenz gegründet habe. Sein Vetter, der ein Auge auf seine Braut geworfen hat, sucht nach seinem Fortgange eine Vereinigung beider Verlobter zu verhindern und bringt es durch verschiedene Intrigen fertig, das Mädchen als seine Gattin zu erklären. Als später Lothar heimkommt, um die Geliebte zu seinem Weibe zu machen, muß er erfahren, daß es zu spät ist; schließlich stirbt auch die junge Frau, die den Seelenschmerz nicht verwinden kann, auf offener Bühne. Gespielt wurde gut, besondere Anerkennung verdienten Herr Barkel als Lothar und Antonie Jückel als betrogene junge Frau. Zeugengesuch. In der Nacht vom 16. zum 17. Juni ist in der Potsdamerstratze, zwischen Karlsbad und Lützowstratze, der Droschken- kutscher Aug. Grimmer mit seiner Droschke von einer elettrischen angefahren worden. Zeugen des Vorganges werden gebeten, dem Schwerverletzten ihre Adresse nach Drontheimerstr. 40, Ouergeb. I, mitzuteilen. Feuerwehrbericht. Gestern früh um 6 Uhr wurde die Wehr tvegen eines Brandes nach dem Hausvogteiplatz gerufen. Dort war an der Oberwallstratzen-Ecke durch Kurzschluß, entstanden durch Arbeiten bei der Verlegung von Kabeln aus Anlaß des Baues der Untergrundbahn, in der Telegraphen- und Fernsprechleitung des Postamtes Feuer ausgekommen. Die Feuerwehr be- seitigte die Gefahr und benachrichtigte das Postamt. Nachts um VU Uhr, als es in Strömen goß, wurde die zweite Kompagnie nach der Köpenickerstraße 160 alarmiert. Grober Unfug war die Ursache. Der Täter, Arbeiter Berthold Wiedemeier, Zossenerstr. 42, wurde ergriffen und der Polizei übergeben. Er hatte sich aus dem Staube machen wollen, wurde aber ergriffen und festgehalte». Ein Wohnungsbrand Be- schäftigte die Wehr in der Blumenstr. 46, Spiritus, Betten, Möbel und anderes brannten dort. Um Wasser auszupumpen, rückte die Feuerwehr nach dem Metropol-Theater, dem Schultheitz-Restaurant am Potsdamer Platz, Schillstr. 10, Markgrasenstr. 58 und anderen Stellen aus. Bienen wurden in der Poststt. 6 und anderen Orten beseitigt. Außerdem brannte es in der Buckowerstt. 14, Huttenstr. 11, Köpenickerstt. 135 usw. Vorort- J�admcbtern Pankow. Die Gemeindevertretung beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung nochmals mit der Aufhebung der Lustbarkeitssteuerordnung; da bei der Etatsberatung kein formeller Beschluß gefaßt wurde, die Steuer aus zuheben, wurde diese Formalität nachgeholt und hat nunmehr der Kreisausschuß zu beschließen, ob er sich der Aufhebung der Steuer anschließt. Ein Gesuch des Vereins für Wohlfahrtsmarken um eine Beihülfe wird einstimmig abgelehnt. Nachbewilligt werden die Mittel für die Anschaffung einer dritten Pumpe auf der Vump> station, für welche bereits 40 000 M. in den Etat eingestellt sind; es werden 15 000 M. nachbewilligt.— In der höheren Mädchenschulen, welche von der Gemeinde übernommen ist, sollen zwei Schulbaracken mit vier Klassen jjur Aufstellung gelangen, des gleichen soll die zehnstufige Schule eingerichtet werden, das heißt, daß die Schülerinnen zehn Klassen zu absovieren haben. Die Kosten belaufen sich auf zirka 25 000 M. ohne die permanenten Ausgaben für die Lehrkräfte. Nach sehr heftiger Debatte, in welcher festgestellt wurde, daß die Schulkommission von den Vor beratungen gar nicht unterrichtet war, wurde auf Antrag deS Ge- nosien Kubig die Angelegenheit an die Schuldeputatton zurück- verwiesen; es soll in der erneuten Vorlage eine vollständige Ueber- ficht über die entstehenden Kosten enthalten sein.— Eine Petition an die Postverwaltung um Einrichtung einer Rohrpostverbindung nach Pankow ist von der Oberpostdirektion abgelehnt worden, da- gegen scheint in absehbarer Zeit die Errichtung eines zweiten Postamtes in Aussicht zu stehen. Rixdorf. Die Freie Turnerschast veranstaltet auch in diesem Jahre wieder an den Sonntagvormittagen während der Schulferien Kinderspiele für Knaben und Mädchen. Dieselben beginnen am Sonntag, den 7. Juli, und werden auf dem dem Verein gehörigen, an der Grenz- allee sKolonie Wiesengrund) belegenen Turn- und Spielplatz ab- gehalten. Sammelpunkte sind: 1. Berg- und Richardstraßen-Ecke f s 5» 14 22 12 12 11 Wetter-Prognose für Donnerstag, den 4. Juli 1007. Wärmer, zunächst aufklarend bei mäßigen südöstlichen Winden: später wieder zunehmende Bewölkung und etwas Regen. Berliner Wetterbureau. «vasterftand am 3. Juli vorm. Elbe bei flüssig— Meter, bei Dresden— 1,33 dp.— Elbe bei Magdeburg 1,11 Meter.— Oder bei Raiibor 1,22 Meter.— Oder bei Breslau— 1,42 Meter.— Oder bei Brieg 1,88 Meter.— Neißemündung 1,32 Meter. AeiSsitwortf, BM/te.Upl Ks.rl WtMÜA BerlineBizdorf. Füx tzpnJnsergtentM PfiSBttOji ZHGlockrtB.epM, Dlitck jl-PLklagiPprwgptS Buchdruckern u- Pxrlagsanstglt Pgul Singer& Co,/ Brxlis LÄ»/