Nr. 156. nboniKiiKntS'ßedlngungen: Woimement»- Preis prSnumerand»! Bierteljährl. SM» Ttt., monatl. 1,10 SKI, WSchentlich 28 Pfg. frei WZ Hau?, Einzelne Nummer s Pfg, Sonntags. nummcr mit illupriertcr SonntagZ. Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Hlonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post, ZeitunaZ- Preisliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland s Marl pro Monat. PostabonnementS iehmen an: Belgien, Dänemarl bollond, Italien, Luxemburg, Portugal, ' lien, Schweden und die Schweiz. 24. Jahrg. Crfditlnt tlillch auBtr lllsuttg». Verlinev Dolksblntt. VIe InkefNonz-Lebllhr vekägt für die sechsgespaltene Kolonef« zeile oder deren Raun, 50 Pfg., für politische und getoerlschastliche Vereins» und VersammlungZ-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Hnreigen", das erste(fett» gedruckte)»ort 20 Pfg,, jedeS weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf- ftellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen biS S Uhr nachmittags inder Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adreffe: ..Zozlsliltwollpzt Btrliu". Zentralorgan der rozialdcmokratt fchen partei Deutfchlands. Redaktion: SM. 68» Lindenetrasee 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Sonntag, den 7. Juli 1907. Expedition: SM. 68, Lindenetraeee 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. Sie„Harmonie von Dogma und Niiienichatt". Die klerikale Presse befindet sich wieder einmal in tödlicher Verlegenheit. Der vor mehr als Jahresfrist verstorbene Würzburger Theologieprofessor Schell sollte ein Grabdenkmal erhalten. Die bedeutendsten Namen des deutschen Klerikalis mus, Zentrumsabgeordnete wie D r. P 0 r s ch, der Vize Präsident des preußischen Abgeordnetenhauses und die rechte Hand des Kardinals Kopp. Publizisten wie der frühere Chef redakteur der„Kölnischen Volkszeitung" Dr. Cardauns, Bischöfe wie Dr. v. Albert und Dr. Henle von Würzburg und Regensburg, anerkannte Universitätslehrer der katholischen Theologie haben den Aufruf unterzeichnet, Gaben zu jenem Zweck zu sammeln. Der Aufruf nannte Schell den populär st enkatho- lischenTheologenDeutschlands,„einen originellen und tiefgründigen Denker, einen begeisterten und begeisternden akademischen Lehrer, einen hinreißenden Redner, einen scharf sinnigen und nimmermüden Verteidiger des Gottesglaubens, des Christentums und des Katholizismus, einen weitblickenden Geist, einen auf der Höhe der Zeit stehenden Mann der Wissenschast. einen sprachgewaltigen Schriftsteller, einen verständnisvollen Kenner des modernen Denkens und Fühlens, einen für Deutschlands Größe warm fühlenden Patrioten." Als Schell starb, hielt der Würzburger Erzbischof ihm die Grabrede. Er sei ein treuer Sohn seiner Kirche gewesen, der er die größten und schwersten Opfer gebracht habe; seine be- sondere Sorge habe darin bestanden,„für die Zögernden und Zagenden, die mit sich selbst nicht fertig werden, welche mit dem Fortschritt nicht vorwärts kommen, Wissen und Wahr heit harmonisch aneinanderzuketten. Er hat dieselben für die katholische Kirche zu halten gesucht." Ueber ein bloßes Grabdenkmal hinaus dachte das Komitee an eine Schellstiftung zur„Förderung apologetischer Studien". Doch es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht. In Wien schrieb ein Zelot und eifriger Anhänger des in der Kurie, in der Index- und Propagandakommission, im Kardinals- kollegium, am Kollegium Germanicum allmächtigen Jesuiten- klüngels, namens Cammer, eine heftige Broschüre gegen den toten Schell und die geplante Denkmalsgründung. Der Papst schlug sich, wie das für jeden tiefer Blickenden von vorn- herein feststand, auf die Seite des Pamphletisten und erließ ein sog. Breve, in dem er die geistigeHaute- volee des deutschen K l eri k a l i s mus heillos bloßstellte. In dem Papstbrief heißt es:„Es ist zu unserer Kenntnis gelangt, daß es Leute gibt, die kein Be- denken tragen, seine(Schells) Lehre zu empfehlen und ihn selbst mit Lobsprüchen so zu erheben, als ob er ein Haupt- Verteidiger des Glaubens gewesen sei... und durchaus würdig, daß seinem Gedächtnis durch' Errichtung eines Denk- mals die Bewunderung der Nachwelt gesichert werde. Freilich, die so denken, müssen als Leute gelten, die in Unkenntnis der katholischen Lehre befangen sind und der Autorität des apostolischen Stuhles Wider st and leisten." Zwei deutsche Bischöfe, die geistigen Größen des Zentrums in Unkenntnis der katholischen Lehre befangen, der Autorität des Papstes Widerstand leistend! Das ist grob. Woher dieser Ausfall? Schell war der eigentliche Begründer des häufiger erwähnten deutschen„Neforinkatholizismus". Er suchte eine Brücke zwischen Wissenschaft und Dogma, wollte das starre Weltbild der Glaubenslehre, das allen Tatsachen der Natur- Wissenschaften, allen Resultaten der historischen Bibelkritik ins Gesicht schlägt, auf dem Wege der Bibelinterpretation mit dem modernen Denken und Fühlen in Einklang setzen. Die Apologie des-Christentums war sein Zweck und Ziel, und er dachte nicht im entferntesten daran, sich von Christentum und Kirche abzuwenden. Im Gegenteil I Er tat zudem nur, was andere im einzelnen bereits vor ihm getan hatten. Aber unter der wachsenden und erdrückenden Wucht der naturwissenschaftlichen und historischen Tatsachen sprach er jenen Gedanken als theologischen Grundsatz aus. Er übersah, daß er damit das wissenschaftliche Denken als über Bibel und Lehrautorität stehend in Anspruch nahm. So maßvoll er und seine Anhänger auftraten, es war im Grunde das Prinzip des Protestantismus, das sie beherrschte. Die Kurie fühlte das heraus. Sie zwang Schell zum Widerruf und setzte seine Bücher unter die verbotenen. Schell„unterwarf sich löblich". Seine letzte bedeutendere Schrift„Christus" trägt ganz das Gepräge dieses inneren Zwiespaltes. Er er- kennt wohl die Gefahr, die dem Dogma von der Bibelkritik droht, aber er sieht ihr nicht mehr ins Auge. Er geht dem Kern der Frage aus dem Wege, indem er sie vom historischen Gebiet auf das einer moralisierenden Mystik verschiebt, wie wir seinerzeit bei der Besprechung des Buches im„Vorwärts" (Nr. 162 Jahrg. 1903) näher dargelegt haben. Der Zelotismus gegen Schell gewinnt einen um so häß- licheren Anstrich, als dieser sich um die Kurie nicht unwichtige Verdienste erworben hat. Man wird sich des T a x i l- s ch w i n d e l s erinnern. Die ominöse Miß Diana Vaughan erhielt ständige Besuche vom Teufel Bitru, der in Gestalt eines KrokodUS Klavier spielte, als Drache durch das Zimmer flog oder sonstige Allotria trieb, wie dies in einem dicken, frommen und teuren Folianten erbaulich zu sehen und zu lesen war. Der galante Teufel ließ sich sogar ein Büschel Haare aus seinen Schivanz reißen, um sie dem Kardinal Pacocchi, dem Geheim- kämmerer Leos XIII. zu verehren. Damals war es Schell, der mit unter den ersten und entschieden gegen den tollen Schwindel auftrat. So selbstverständlich dies dem vcr- nünftigen Menschen erscheint, so erforderte es doch seitens eines katholischen Gelehrten einen gewissen Mut. Denn die Taxilschen„Enthüllungen" über die Freimaurei haben nicht nur die damalige Literatur der Jesuiten über die „Dreipunktebrüder" stark beeinflußt, auch in den päpst- lichen Enzykliken über die geheimen Gesellschaften lassen sich ihre deutlichen Spuren nachweisen. Und eben ging man daran, den ganzen in einer italienischen Grenzstadt feierlich versammelten Episkopat vor Taxils Wagen zu spannen und dem Schwindler vor aller Welt den Segen und die öffentliche Anerkennung des Papstes zu erwirken. Erst im letzten Augenblick gelang es, den Abgesandten des Kölner Erzbischofs umzustimmen und ihn entgegen der Weisung seines Bischofs zum Auftreten gegen Taxil zu veranlassen. Ohne einen Zufall, der der„Köln. Volkszeitung" die Fäden des Taxil-Schwindels in die Hand spielte, wäre die tolle Farce Wahrheit geworden und Leo Taxil gelte heute vielleicht als ein Heiliger d er k a t h 0 lis ch e n Kirche. Den Männern, die damals den Papst und die Kirche vor einer Riesenblamage bewahrten, hat man jedoch diesen Schritt nie vergeben und nie vergessen. Noch lange Jahre nach der Enthüllung des Schwindels sprach der unlängst ins Kloster getretene Arrangeur der deutschen Katholikentage, der Fürst zu Loewen- stein, von den traurigen Lorbeeren der„Kölnischen VolkSzeitung" und derer um Schell. Als dieser dünn später dem römischen Jesuitcnklüngel unmittelbar auf den Leib zu rücken versuchte, hatte er die Suppe vollends verschüttet. Man entdeckte seine Irrlehren und verbannte seine Schriften auf den Index. Man begreift es. wenn die katholischen Kleriker, die auf die Clique vom Collcgium Germanicum nicht eingeschworen sind, vor Entrüstung schäumen. Bezeichnend genug, daß sie sich mit ihren Episteln in liberale Blätter flüchten müssen. „Für die deutschen Katholiken könnte das Jahr 1907 eine Be deutung gewinnen ähnlich dem von 1887". Wie auf die leptennat Opposition in der Septennatsfrage, so könnten sie jetzt auf die Haltung der klerikalen Presse gegenüber dem päpstlichen Breve verweisen, das nur geringe Zustimmung und mehr offene oder versteckte Ablehnung gefunden habe. So meint ein„her- vorragender katholischer Theologe" in den„Münchener Neuesten Nachrichten". Die guten Leute täuschen sich. Die Hetze gegen einen Toten ist gewiß nicht schön und die ganze Angelegenheit nichts weniger als sauber. Aber auch der Kampf der Kamarillen steht unter der Einwirkung historischer Gesetze, in Rom so gut wie in Berlin. Was auf den ersten Blick als ein ekeles und gehässiges Sattrspiel erscheint, ist im Grunde ein ernstes und der Sozialdemokratte willkommenes Symptom, ein Zeichen, daß die wirtschaftlichen Gegensätze, die den Klerikalismus innerlich zerreißen, auf das dogmatische Gebiet hinüberzugreifen beginnen. Das kapitalistische Eigentum fordert die sittliche Ver urteilung seitens der klerikalen Massen um so mehr heraus, je monopolistischer es sich auswächst, je drückender es sich ge staltet. Aber für die Kirche wird es mehr und mehr zur Grundlage des Daseins, zur Quelle der Existenz. Das ge saMte Ordcnswesen ist heute nichts anderes als ein religiös verkleidetcrkapitalistischcrGroßbettieb. Die Weltkirche ist eine auf Zinsen ausleihende, in Aktien und Börsenpapieren spekulierende kapitalistische Erwerbsanstalt. An dieser materiellen Grundlage hängt gegenüber den auf Trennung von Staat und Kirche ge- richteten Besttebungen die Existenz des Klerikalismus in der Zukunft. Angesichts der moralischen Auflehnung der Massen gegen das kapitalistische Eigentum besitzt die Kirche nur das Mittel, es dogmatisch zu begründen, es als Glaubensnorm vorzuschreiben. Das ist der Sinn der Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubens- und Sitten- fragen. Sie ist der theologische Ausdruck einer ökonomischen Notwendigkeit der Klerisei sowohl wie des Kapitalfeudalismus. Und da das kapitalistische Monopol den Gesetzen der bürger- lichen Warengesellschaft mehr und mehr widerspricht, fällt die kirchliche Gesellschaftsdoktrin, die über die modern- bürger- liche nicht hinaus kann und will, notwendig in die vor- bürgerliche, in die Scholastik zurück. Hier begegnet die kirchliche Ideologie den kleinbürgerlichen Schichten. die wirtschaftlich gleichfalls im Mittelalter wurzeln. Es ist nicht von ungefähr, ivenn unter dem Aufruf des Denkmalskomitees unter anderem just die bayerischen Mitglieder des Zentmms, die Daller, Orterer, Pichler fehlen. Wie die päpstliche Jnfallibilität ein Produkt der auS- gehenden kapitalistischen Gesellschaft, ist der Reformkatholizismus für das Zenttum das Erzeugnis einer polittschen Notwendig- keit. Die sozialistische Propaganda stellte die Zentrumsagitation vor die harten Tatsachen der Naturwissenschaft und der Bibel- kritik und zwang sie, sich mit ihnen abzufinden, eine Ver- söhnung zwischen Dogma und Wissenschaft zu versuchen. Auch das erwachende Klassenbewußtsein der christlichen Arbeiter� drängte nach dieser Richtung. Ist auch das religiöse Be- kenntnis die unentwickelte Form ihres Klassenempfindens, so rebelliert doch ihr moralisches Bewußtsein gegen dessen dogmatischen Ueberbau und wird dies um so mehr, je schärfer die Kirche genötigt wird, die private Natur des Eigen- tums als Sache des Dogmas aufzufassen. Daher das Lieb- äugeln gewisser Zenttumskreise mit der modernen Wissenschaft. der sogenannte Reformkatholizismus, der in den klerikalen Jndustriegegenden seinen Boden und seine Anhänger besitzt, daher die Konzessionen, die die Kaplanokratie der modernen Wissenschaft in der Agitatton unter den Arbeitern gemacht hat. Auf die Dauer wäre die klerikale Methode zwar an ihrem inneren Widersinn zugrunde gegangen. Denn was soll man dazu sagen, wenn in M.-Gladbacher Agitationsschriften beispielsweise zugegeben wird, der „göttlich inspirierte" Verfasser des mosaischen Schöpfungs- berichtes sei„ein Anhänger des altorientalischen babylonischen Weltbildes", doch habe er keine naturwissenschaftlichen Tat- fachen, sondern nur die„moralische Wahrheit" des Mono- thcismus und der Sabbatfeier vermitteln wollen? Nur vollendete Narrheit kann sich von einer derarttgen„Harmonie von Dogma und Wissenschaft" dauernd ködern lassen. Immer- hin haben wir nichts dagegen, wenn der Papst erneut in dieses Spiel hineingreift und seine Verurteilung des Reform- katholizismus unzweideutig auch auf diejenigen Kreise aus- dehnt, die lange Jahre mit dieser„wissen- schaftlichen" Methode zur höheren Ehre Gottes politische Geschäfte gemacht haben. Vom Standpunkt der speziellen deutschen Zentrumspolitik ist sein Vorgehen gewiß töricht; ebenso konsequent ist es jedoch vom- Standpunkt der allgemeinen Gesellschaftsentwickelung. Unlängst frohlockten die christlichen Gewerkschaftsführer über die Verschärfung des religiösen Moments in den Aus- einandersetzungeU innerhalb der Arbeiterklasse. Wir wiesen demgegenüber darauf hin, daß damit für den Dogmatismus nichts gewonnen fei; es handle sich vielmehr um eine Steigerung des sittlichen Urteils der klerikalen Arbeiterschaft, um eine Wirkung der historischen Dialektik, die sich wie gegen den Kapitalismus so auch gegen den Dogmattsmus selber kehre. Wir konnten damals nicht erwarten, daß Pius X. selbst uns mit seiner Verurteilung der reformkatholischen Methode der M.-Gladbacher Zentrumsagitation so bald recht geben würde._ Die trothsiche fliisrottungsttratcgie. In dem Prozeß gegen die Mannheimer „V 0 l k s st i m m e" mußte ein Afrikaner zugeben, daß tat- sächlich die berüchtigten Ausrottungsbefehle Trothas gegeben worden seien. Er behauptete aber, daß diesem Befehl gemäß nicht gehandelt worden sei, sondern daß man die hungernd zurückkehrenden Hereroweiber mit Lebensmitteln versehen habe. Ebenso behauptet ein„a l t e r A f r i k a n e r" in der„N ationalzeitun g", daß die deutschen Truppen den Befehlen Trothas nicht gehorcht, sondern— er bezieht sich hier auf einen Spezialfall vom Oktober1905— ver- fchmachtende Hereroweiber mit Wasser gelabt hätten, trotzdem kurz vorher erst eine Patrouille niedergemacht und von Hereroweibern entsetzlich verstümmelt worden sei.> Diesen dreisten Vertiischungsversnchen gegenüber ist es notwendig, die grausige Afrikawahrheit erneut dokumentarisch festzustellen! Dem wie ein Rohrspatz auf die Sozialdemokratie schimpfenden„alten" Afrikaner der„Nationalzeitung" sei vorweg entgegnet, daß der Vorfall aus dem Oktober 1905 gar nicht in Frage kommen kann, da die Trothaschen Befehle im Oktober 1904 gegeben und bereits imJanuar1905 durch Lindequist widerrufen worden waren. Für die Trothasche Kriegsführung kommen lediglich die Taten ans dem Jahre 1904 in Betracht. Die beiden Trothaschen Er- lasse lauteten: „Osombo-Windombe, den 2. Oktober 1904. Ich, der große General der deutschen Soldaten, sendet diesen Brief an das Volk der Herero. Hercros sind nicht mehr deutsche Untertanen. Sie haben gemordet, gestohlen, haben verwundeten Soldaten Ohrew und Nase und andere Körperteile abgeschnitten und wollen jetzt aus Feigheit nicht mehr kämpfen. Ich sage dem Volke: Jeder» der einen der Kapitäne an einer meiner Stationen als Gefangenen abliefert, erhält 1090 M.; wer Samuel Maharero bringt, b000 M. Das Volk der Herer» muh jetzt da» Land verlassen. Wenn daS Volk dieS nicht tut, so werde ich es mit dem Grootrohr dazu zwingen. Innerhalb der deutschen Grenze wird jeder Herero» mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Bich erschossen. Ich nehme keine Weiber und keine Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volke zurück oder lasse auf sie schiehcn. DaS sind meine Worte an das Volk der Herero. Der große General des mächtigen Kaisers. v. Trotha."> Zu gleicher Zeit erfolgte folgender Tagesbefehl an die Truppen: „Dieser Erlaß ist bei den Appells den Truppen mitzuteilen. mit dem Hinzufügen, daß auch der Truppe, die einen Kapitän fängt, die entsprechende Belohnung zuteil wird, und das Schießen auf Weiber und Kinder so zu perstehen ist, daß über sie hinweg- geschossen wird, um sie zum Lausen zu zwingen. Ich nehme mit Bestimmtheit an, daß dieser Erlaß dazu führen wird, keinen männlichen Gefangenen mehr zu machen, aber Vicht zu Greueltaten Legen Weiber ausartet. Diese werden schon fortlaufet, locftft zweimal über sie hinwcggeschossen wird. Die Truppe wird sich des guten Rufes der deutschen Soldaten bewußt bleiben DaZ Kommando. gez. b. Trotha, Generalleutnant." In diesen Erlassen wird ausdrücklich bestimmt, daß alle »nälinlichen Hereros, einerlei, ob bewaffnet oder nicht be- Waffnet, niedergeschossen werden sollen. Die Frauen sollen durch Dniberhinwegschießen zur Fortsetzung ihrer Flucht genötigt werden. Diese Erlasse haben denn auch bekanntlich nahezu zur Ausrottung der Hereros geführt. Zehn tau sende der in die Omaheke Getriebenen sind dort verschmachtet, daninter auch unzählige Greise, Franc» und Kinder! Missionar I r l e schätzt die Zahl der durch Durst und Hunger vernichteten 'Hereros auf 14 All)! Sicher noch viel zu niedrig! Er der- sichert ausdrücklich, daß ihre Flucht durch die Proklamationen Trothas bestimmt worden war. In dem s ü d w e st a f r i k a- nischen General st abswerk, also einem amtlichen Dokument, wird der grausige Untergang der Hereros schauer- lich geschildert. «Die Widerstandskraft der Hereros war völlig� gebrochen, wie die am 13. beginnende Verfolgung zeigt. Die Szenen, die sich hierbei den verfolgenden Truppen boten, spotteten jeder Bc- schrcibnng. Das Strafgericht, das über die Hereros verhängt war, hatte seinen Anfang genommen und sollte in den Sand- wüsten der Omaheke, wohin sich ihre Flucht wandte, sein Ende finden. Eine manatelange eiserne Absperrnng vollendete es. Die Berichte der deutschen Patrouillenführer geben er- schütternde Bilder davon. So berichtet Oberleutnant Graf Schweinitz von seinem Ritte:„Von Ondown ob bezeichnete eine im Omuvamba ausgetretene Fußspur, neben welcher M e n s ch e n s ch ä d e l und Gerippe den Weg, den an- scheinend die nach Nordosten entwichenen HcreroS genommen haben. Besonders in den dichten Gebüschen am Wege, wo die verdurstenden Tiere wohl Schutz vor den versengenden Strahlen der Sonne gesucht hatten, lagen die Kadaver zu Hunderten dicht neben- und übereinander. An vielen Stellen war in 13 bis 20 Meter tiefen, aufgewühlten Löchern vergeblich nach Wasser gegraben.... Alles läßt darauf schließen, daß der Rückzug ein Zug deS TobeS war...." In deni Berichte eines anderen Mitkämpfers heißt es: «Die mit eiserner Strenge monatelang durchgeführte Ab- sperrung deS Sandfeldes vollendete das Werk der Vernichtung. Die Kriegsberichte des Generals v. Trotha aus jener Zeit ent- hielten keine aufsehenerregenden Meldungen. Das Drama spielte sich auf der dunklen Bühne des Sandfeldcs ab. Aber als die Regenzeit kam, als sich die Bühne allmählich erhellte, und unsere Patrouillen bis zur Grenze des Betschuanenlandcs vorstießen, da enthüllt« sich ihrem Auge das grauenhafte Bild ver- dursteter Heereszügc. Das Röcheln der Sterbenden und das Wutgeschrei des Wahnsinns... sie verhallten in der erhabenen Stille der llnendlichkeitl" „Das Strafgericht hat sein Ende gefunden. Tie Hereros haben anfgehSrt, ei» selbständiger Bolksstnmm zu sein." Wie über diese Ausrottungsstrategie zur Zeit der Trotha- erlasse selbst, die damals freilich in ihrem Wortlaut noch nicht bekannt waren, kolonialfreundliche konservative Blätter ur- teilten, beweist folgende Auslassung des ,,R e i ch s b o t e n" vom Anfang November 1ll04: „Aus allen Meldungen geht mit voller Deutlichkeit hervor, daß die Hereros völlig widerstandsunfähig sind.... Die entmutigten Scharen hält nur e i n Gefühl ab, die Waffen zu strecken, die Hurcht�.por der Rache des Siegers. So ist �eS denn unser««, qks ch r i st-ti che r und M cvschitch detMiber- Station würdig, daß den Verführten.. Gnade gewährt werden wird. Wir würden unsere braven Soldaten nicht allein r'- zu Menschenschlächtcrn degradieren, w enn- wir sie zwingen, auf Verzweifelnde Fagd zu machen, wir würden uns selber schädigen, wollten wir die Hereros aus- rotten." Und iu einem Zirkular des Missionshauses Barmen hieß es, daß es die„Ehre des deutschen Namens" verlange, den Niedergeworfenen Schonung zuteil werden zu lassen. Wenn heute die sozialdemokratische Pvesse das gleiche sagt, wird sie von der christlichen staats- erhaltenden Presse in der niederträchtigsten Weise angepöbelt. ES versteht sich bei unserer militärischen Disziplin ganz von selbst, daß die Truppen dem ausdrücklichen Befehle des Generals Trothas damals auch gehorcht haben. Das beweisen ja auch zahlreiche Briefe von afrikanischen Schutz- trupplern, die bereits im Jähste 1904 unter Namens- n c n n u n g veröffentlicht wurden. Brachte doch der „Triersche Volksfreund" einen Brief des Sohnes des Schneidernleisters Scherr aus Trier, in dem es hieß: „Wir dürfen keine Gefangenen machen, alles, was lebend i ist und schwarze Farbe hat, wird niedergeschosien." Die„Leipz. Neue st en Nachrichten" veröfsent- lichten ähnliche Auslassungen des Tierarztes Dr. Baum- gart. Auch in einem Briefe des Leutnants Thies» m ey c r hieß es: „Was hier gefangen worden ist» ist aufgehängt ober er- . schössen worden." Und noch am 9. Dezember 4904 schrieb der offiziöse >,VerlinerLokal-Anzeiger": „Einen Beitrag zur Beurteilung der Frage, wie im übrigen mit gefangenen Eingeborenen in Südwestafrika verfahren wird� enthält die heute eingetroffene Nummer der„Deutsch-südwestafrikanischen Zeitung". Danach wurden zwei Ende November mit Waffen gefangene Hereros kriegsrechtlich abgeurteilt und gehängt. Die unbewaffnet eingebrachten wurden wieder iv e g g e s ch i ck t, um zu ihren Leuten zurückzukehren. An ver- schiedenen Wasserstellen kamen Hereromänncr und Frauen und Kinder, und versuchten, im deutschen Lager zu bleiben, in der Hoffnung, hier Kost zu erhalten. Sie wurden aber sofort wieder weggewiesen." So verfuhr man gegen eine Nation, über deren Erhebung ?er sachverständige Missionar Dassel sagte: „Durch ihr frevelhaftes Treiben gereizt, hat schließlich das ' ganze Hrrerovolk nichts anderes getan, als was Hermann der t EheruSker einstmals auch getan hat." Wir sind gespannt, ob das scharfmacherische Preßgelichter lins nun noch immer Perleumdungen vorzuwerfen wagt! „Wllger Hellten Hur- und Hsogeeecht". In dem für deutsche Ohren gekünstelt und gedrechselt klingenden Säuseldeutsch, dem jede Kraft, alle Eigenart und die Spur des Temperaments fehlt, flüstert der von weniger zitatenreichen Schmocks der bürgerlichen Presse bestaunte Haiden über alte und neue Peter- silieu. Der kronprinzliche Hoflieferant ist in seinen eigenen Augen bereits zum Klassiker geworden. Statt seine Zitatenkästcn plündert er sich selber und mimt den Propheten, dessen VorauSsagniigen und sonstige Weisheiten aufs Tsipfelchen zutrafen. Niederschmetternd muß eZ sein für den treuen Berater seines Volkes, seiner Fürsten und— sensationSkitzelsüchtigen Leser, daß noch immer in Deutsch- land Menschen zu eristieren wagen, die sich soviel Talent nicht williger unterordnen. Und doch hatte der Heldenberehrer bereits 1896, als die Begeisterung für koloniale Hurerei mit nach- folgendem Hängen im Reichstage weniger in Mode war, warnende Beschwörung erhoben: „Die ReichStag-Zabgeordueten können sich rühmen, daß sie das Ansehen deS Deutschen Reiches auf der gaiize» bewohnten Erde mehr, als irgend ein boshafter Feind c§ vermöchte, geschädigt und der jungen deutschen Kolonialpolitir für Jahre hinaus unüberseh- bare Schwierigkeiten aufgetürmt haben...." Weil sie PetcrS' Schandtaten nicht mit dem mitfühlenden Ver- ständniS freiwilliger Tropenkolleriger gebilligt hatten. Merkwürdig, daß immer noch das Deutsche Reich existiert und die unübersehbaren Schwierigkeiten des Herrn Haiden uns nicht alle dem Verderben preisgegeben haben. Schön ist auch zu wissen, daß Herr Harden, der ja früher iu feinem Potpourri auch gern sozialistische Instrumente spielen ließ, bereits 1396 feine Jdceugemcinfchaft mit allem sozialistenfeindlichen Geschmeiß tapfer bekannte: „Die Kommunarden, die Herr Bebel wie Heilige feiert, haben wehrlose Greise und Kinder nicht geschont." Schade, daß Herr Harden nicht auch als afrikanischer Sach- verständiger vernommen wurde. Sollte er mit dem Thespiskarren nicht auch einmal in irgend einem afrikanischem Nest Gastspiele ge- geben haben? Oder hat er nicht einen Vetter aus dem Osten, der in Südost alte Hosen verkauft? Lächerlich, der Manu, der über alles in der Welt Artikel geschrieben und für den Nest immer noch genug Zettelkästen hat, sollte nicht mit den Edlen und Wackeren der PetcrSkompanci gleichwertig zeugen können! Warum bat Rosenihal wenigstens nicht mit schönem Pathos diesen Satz aus der„Zukunft" von 1896 verlesen: „Junge Männer, die in Fieberlöchern Hausen, wo jede nächste Stunde sie init dem Tode bedroht und die drückende Schwüle die darbenden Sinne erhitzt, führen wahrhaftig kein Paschaleben; wenn sie gegen das Gebot strenger Sittsamkeit sündigen.. dann soll man sie nachsichtig beurteilen: denn wir selbst haben sie in die Versuchung geschickt." 2Iea culpa, nostra culpa. Tat twarn asi. Right or wrong, rny Peters. Und ähnliches.(Herr Harden hat's ausnahmsweise vergessen, das fremdsprachliche Register zu ziehen.) Leute, die länger in Afrika und in derselben Gegend waren, wie Herr Peters, haben von diesem Generalablaß keinen Gebrauch zu machen verstanden. Was müssen, nach Hördens Logik, d i e für ver- kümmerte Sinne haben und wie wenig Krast und Mut zum Hängen. Peters war doch ein anderer Kerl, der soff auch wie ein echter deutscher Main,. Hören«vir HardenS zierliche Charakteristik deS echten Kolonialhelden(diesmal von 1907): „Peters war jung, von frühem Erfolg übermütig geworden, Herr über Leben und Tod einer schwarzen, stummen Menschheit, keiner nahen Obrigkeit Untertan und gegen das süße Gift starker Tränke nicht immun. Von Zeit zu Zeit den Tyrannen heraus- zubeißen, dünkte ihn, an der Spitze einer unter hunderttausend Wilde» unansehnlichen Schar, nötig. Wenn es nicht Proben un- beugsamer Willenskraft gab, war dieses Häuflein verloren: und mit ihm das fürs Deutsche Reich Gewonnene. Das stand auf dem Spiel. Daran dachte der Reichskommisiar bei Tag und bei Nacht. Lieber Nero und Busiris scheinen, als die Flagge geschändet sehen, die das Vaterland ihm anvertraut hat. Lieber, wie Carlo Moor, pfäffischen Schreibern Räubergeschichten erzählen.... Bei Mädeln gelegen, Lümmeln das Fell gegerbt und ein spionierendes Paar, Spitzbnb und Lagerhurc, ohne Eröffnung der Borunter- s u ch«« g aufgeknüpft: ein Verbrecher! Schickt den keuschen, mit allen Sinnen abstinente» Herrn Predigtamts- . kandidaten überS Meer: und paßt auf, ob er außer dem von - Brunft � nie getrübten Jungfernblick auch noch einen befreiten LändSmän» nnd ein Kolonialreich mitbringt..PeterS sah sein Sansibar der Heimat verloren, sich selbst aus der Wirkenkinöglich- keit gedrängt und wie ein Scheusal geächtet. Nichts blieb ihm ■m' die v tfCire Gemeinde fanatisch dem Gefemten anhangender Freunde und die Geivißheit, auch von fern dem Vaterland dienen zu können. Doch in seiner Nähe schaudert's den Reinen." Diese afrikanische Philosophie, offenbar das Produkt täglichen und nächtlichen Denken?, niedergeschrieben mit der blumigen Phantasie eines zum erfolgreichen Kolportageronianerfinder Heran- gereiften, ist das würdige europäische Gegenstück zu PeterS' von starken Tränken nicht ganz unbeeinflußten Herostatcn. Herr Harden hat daS Recht deS starken Europäers, in den Tropen zu saufen, huren und zu hängen auf eine beträchtliche Weise systematisiert und psychologisch vertieft, er hat die Bedingungen erforscht, unter denen man allein befähigt wird, große Taten zu vollbringen und ein preiswerter Kolonisator zu werden. Welch ein nachträglicher Triumph aller afrikanischen Bestien. DaS Geheimnis der europäischen lieber- legenheit, hier ist es entschleiert von dem Erben Bismarcks(in Liquidation), von der Manuheit eines Schauspielerfcuilletomstcn, der sich beinahe mit einem Junker geschossen hätte: Seid Bestien mit gutem Gewissen! In der Bestialität liegt der Ursprung aller Größel poUtifcbc CUbcrflcbt. Berlin, den 6. Juli 1907. Tie Scharfmacher fühlen Obcrtvasser. Der Zentralverband deutscher Industrieller, dem, soweit wir wissen, bisher keine Buchdruckereibcsiher angehörten, hat an den Reichskanzler eine Eingabe gerichtet, in der der Reichs- kanzler gebeten wird, dahin wirken zu ivollen, daß seitens der Reichs- und Staatsbehörden und aller sonstigen amtlichen Stellen, auch der Kommunalbchördcn, im Gegensatz zu dem bisher eingehaltenen Verfahren, bei der Vergebung von Druck- fachen eine Bevorzung der Mitglieder des„Vereins" der Buch- drucker in keiner Weise stattfinden möge. Zur Begründung dieses Verlangens führt die Leitung des Zentralverbandes an: „Zu dieser Bitte sind wir durch den Umstand veranlaßt worden, daß eine Anzahl von Druckereien, von deren Inhabern die Unzuträglichleiten des neuen Tarifs und ganz besonders des mit ihm verbundenen„GarantievertrageS" erlannt Ivorden sind, in neuerer Zeit einen„Arbeitgeberverband für das Buchdruckerei- gewerbe" begründet haben. Er unterscheidet sich von dem „Verein" der Deutschen Buchdrucker durchaus nicht durch geringere Fürsorge für das Wohl der Arbeiter. sondern wesentlich dadurch, daß er die Wege, die der„Verein" angeblich im Juteresse des gewerblichen Friedens und zur Förderung des Wohles des Buchdruckgewerbes eingeschlagen hat, nicht mitgehen will. Auch der neue Arbeitgeberverband verfolgt die Losung: „Sorgt für das Wohl der Arbeiter." Aber er will unter keinen Umständen die Hand dazu bieten, der Gchülfenorganisation, dem„Verbände" der Deutschen Buchdrucker, mit dem Monopol und mit dem Koalitionszwang eine übermächtige Stellung zu verschaffe». ES ist unS auch bekannt, daß die größeren, diesem neuen Arbeitgeberverbande beigetretenen Druckereien bisher die sogenannte Tariftreue gewahrt haben und entschlossen sind, sie auch ferner so weit als tunlich zu betätigen. Wir erblicken iu der Bildimg dieses Arbeit- geberverbandeS eine im Interesse des Staats und der Gesamtheit liegende Bewegung gegen das diese Interessen entschieden ge- fährdende, die Gewerkschaft und damit die Sozialdemokratie begünstigende Vorgehen des Vereins der Dentschen Buchdrucker. Wir glauben daher, es als eine Pflicht der Reichs- und Staats- bchörden wie auch der Konmnmalverwaltuugen ansehen zu sollen, der günstigen Entlvickelung dieses Arbeitgeberverbandes zum mindesten keine Hindernisse in den Weg zu legen, keine Schwierig- leiten zu bereiten; das würde aber geschehen, wenn die mehr- genannten Behörden und amtlichen Stellen fortfahren sollten, die Mitglieder des„Vereins" Deutscher Buchdrucker in der bisherigen Weise zu begünstigen. Die„Nordd. Allgem. Ztg." druckt diese Begründung ab, ohne ein Wort dazu zu äußern. Für die durch den jüiigsten Ministersturz entstandene politische Situation ist dieses Vorgehen des Zentralverbandes deutscher Industrieller höchst charakteristisch. Die gute Fühlung mit den sogen,„maßgebenden"� Kreisen besitzenden Leiter des Zentralverdandes würden diese Eingabe nicht verfaßt haben, wenn sie nicht auf ihre Berücksichtigung beim Reichskanzler rechneten, und die„Nordd. Allgem. Ztg." würde die Begründung nicht ohne ein Wort der" Kritik zum Abdruck gebracht haben, wenn nicht beim Reichskanzler die Neigung bestände, dem Wunsche der Scharfmacher nachzukommen. Noch vor wenigen Tagen wußten büloivoffiziöse Blätter zu versichern. Bülow gedenke nun erst recht Sozialpolitik zu treiben. Die Herren vom Zentralverband müssen anderer Ansicht fein— und sie dürsten die Lage richtiger beurteilen.— Die„besondere Seite" der„Rhein.-Westf. Ztg.". Vor dem Sturz Posadowskys erschienen in dem Organ bei rheinischen Zechenbarone, der„Rheinisch-Westf. Ztg.", verschiedene scharfe Angriffe gegen den damaligen Leiter des Reichsamts des Innern. Und als dieser seinen Abschied erhalten hatte, erkor sich das Zechenblatt den Unterstaatssekretär Mermuth zum Objekt seiner Ausfälle. Alle diese Artikel bezeichnete die„Rhein.-Weftf. Ztg." als ihr von„besonderer Seite" zugegangen. Die „Germania" stellte darauf jüngst die Vermutung auf, diese„be- sondere Seite" sei kein anderer als der Regierungsrat Rudolf Martin, der Verfasser eines ziemlich wertlosen Buches über die russische Finanzlage. Zugleich forderte sie Herrn Martin auf. sich offen als Verfasser zu bekennen. Herr Regierungsrat Martin hat auf diese Aufforderung der„Germania" eine längere Zu- schrift gesandt, in der es heißt: „In den ersten fünf Tagen des Juni d. I. habe ich in der Tat der mir gesellschaftlich bekannten„beson- deren Seite" der„R h e i n.- W e st f ä l. Ztg." ebenfo wie verschiedenen anderen Herren die Mitteilung gemacht, daß ich die Stellung des Reichskanzlers Fürsten Vülow für gefährdet halte. Wenn Fürst Bülow— so führte ich aus— stürzen würde, dürfte die Möglichkeit nicht ausgeschlossen sein, daß der Einfluß des Grafen PosadowSky steigen toürde. Wir stimmten darin überein, daß Graf PosadowSky als Reichskanzler oder mit ver- stärktcr Macht eine nationale Gefahr sei, da die Fähigkeiten des Grafen PosadowSky für eine er- höhte Macht st ellung, insonderheit für den Posten des Reichskanzlers, in keiner Weife zulangen würden. Gleichzeitig habe ich den Wunsch ausgesprochen, daß es dem Herrn Reichskanzler in Erinnerung dieser nationalen Gefahr � gelingen würde, die Verabschiedung des Grafen PosadowSky- Wehner in einigen Wochen zu erreichen. Dem Wunsche, bei Bc- scitigung dieser Gefahr mitzuwirken, sind offenbar die Artikel der„Rhcin.-Westf. Ztg." entsprungen." Die„Rhein.-Westf. Ztg." bemerkt zu dieser Zuschrift: „Wir können diese Darlegungen mit einer kleinen Esiu schränlung.Wört für Wort bestätigen. Diese Einschränkung ist folgende: Der Ausdruck, Herr Regicrungsrat Rudolf Martin habe unserer besonderen Seite die Mitteilung gemacht, daß rr ..hie Stklbivg. d es. F ürsten.Wloty für gefährdet halte, könne fo kiingen, als ob der besonderen Seite damit eine Neuigkeit mit- geteilt würde. Dem ist nicht so. Ueber diese Gefährdung der Stellung des Fürsten Bülow hatte unsere besondere Seite schon vorher authentisch zu hören Ge- legenheit gehabt. Vielleicht wird übrigens auch die große Oeffentlichkeit früher oder später authentisches darüber zu hören bekommen. Sie wird dann erfahren, daß die von uns wieder- gegebene offizielle Notiz, daß schon im Februar Kaiser und .Kanzler zu der Ansicht gekommen seien, daß Graf PosadowSky für die neue Situation nicht mehr der richtige Mann wäre, im allgemeinen zutrifft, daß aber diese Ansicht Mitte Juni erst jene besondere Stärke erhielt, die dann binnen wenigen Tagen zur Verabschiedung des Grafen PosadowSky führte." Es ist von verschiedenen, zur Bülow-Clique gehörenden Blättern bestritten worden, daß gegen den Grafen PosadowSky von den Machern der rhcinisch-wcstfälischen Großindustrie intrigiert worden sei, und diese Umtriebe zu seinem Sturz beigetragen hätten. Die eigenen Aeußerungen deß Leibblattes dieser großindustriellcu Schichten beweisen, daß, wenn auch PosadowSky nicht allein über die Intrigen der Zechen- und Eiscnkönige gestolpert ist, doch diese nach Kräften mitgeholfen haben, den unbequemen„Sozialpolitiker" zu Fall zu bringen,_ Liberale Gimpel. Man sollte es nicht für möglich halten, daß selbst frei- sinnige Blätter der Petersclique auf die Leimrute deS Tucker- briefschwindels gehen. Und doch entdeckt die„B. Z. am Mittag", daß der Tuckcrbrief für die Urteile der Disziplinargerichte in Sachen PeterS eine„psychologische Beeinflussung' dargestellt habe, trotzdem die beiden Disziplinargerichte ausdrücklich in der Urteilsbegründung erklärten, daß sie die Nick texist enz des Tuckerbriefes annehme». daß sie jedoch auf die wichtigen Aussagen der Zeugen hin zu der Berurteilung gelangt seien. Trotzdem wagt die„B. Z. am Mittag" z„ behaupten, daß die Richter möglicherweise doch nicht so völlig die„Umanming der Tuckerbriefstimmung von sich abgestreift" haben möchten.... Diese sich wohl noch geistreich düukcnde Grmpeler deS frei- sinnigen BlatteS mag der Peterscligue hochwillkommen sein. An der moralischen Hinrichtung des Hängepeters und semer Freunde ändert sie freilich nicht das geringste._ Polizei und„Revolutionär. DaS anarchistische Organ„Revolutionär" teilt in seine». nenesten Nummer mit, daß sein bisheriger Drucker Artur Donat seit l1/» Jahren in engster Fühlung mit einem Polizei- k o m m i s s a r stand. Er stellte diesem die Korrekturabziigc und die erste fertige Nummer auf schnellstem Wege z u. An anderer Stelle des Blattes berichten wir über die VerHand- lung gegen den Expedienten des„Revolutionär". F r a u b ö s e und de» Redakteur Möller vor den» Reichsgericht. DaS Reichsgericht hat die Verurteilung MöllerS wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten(ver- meintlich begangen durch einen gegen die Taktik der Sozialdemo- kratie gerichteten Artikel I) bestätigt. Die Staatsanwaltschaft und da« Landgericht hatten sogar den Expedienten als Mittäter bestraft wissen wollen. Weshalb ist nicht gegen den Drucker und den Polizei kommiffar Anklage erhoben, die ja nach der Enthüllung läng st vor dem Expedienten von dem Inhalt Kenntnis hatten?! Wird übrigens gegen Donat und den Polizeikommissar nach berühmtein Muster wegen Unterschlagung. An- sliftung dazu oder wegen Hehlerei vorgegangen werden? An den Korrekturabziigen stand dem Drucker ein Verfügungsrecht nicht zu: ebensowenig gestattet das Gesetz einem Polizeibeamten Sachen, von denen er weiß, daß sie mittels einer strafbaren Handlung erlangt sind, an sich zu bringen oder andere zu Unterschlagungen anzu- stiften.— Herr Lievert renommiert noch: Herr Lieben renommiert in der„Post", daß er die beschimpfenden Ausdrücke gegen die Disziplinargerichte mit vollem Bewußt- sein augewendet habe, um die Regierung„zur Tat zu zwingen": nämlich aus den Geheimakten das v o l I st ä n d i g e Material vorzulegen. Just das gleiche verlangt ja auch die„Kölnische Zeitung", die erneut versichert, auch nach dem Ausgange des Prozesses gegen die„Münchener Post" den Verhandlungen mit großer Ruhe entgegenzusehen. Das„Reich" dagegen empfiehlt, die Peters-Akten ja„ i n d e n S ch r ä n k e n ruhen zu lassen" und der Sozialdemokratie nicht den Gefallen eines neuen Skandalprozesses zu erweisen. Das wackere Blatt befürchtet also von der Veröffentlichung der Akten eine noch ärgere Blamage der Peters-Clique I—_ Tie sächsische„Wahlreform". Wir haben schon gestern auf Gnmd der ersten kurzen Meldung über die Rede des Grafen Hohenthal auf dem Gemcindetage in Bautzen die Anficht ausgesprochen, daß beabsichtigt sei, die Hälfte der sächsischen Londtagsabgeordneten von den Gemeindevertretungen, in denen die Besitzenden das entschiedene Uebergewicht haben, wählen zu lassen. Diese Ansicht wird durch den Text der Hohenthal- schen Rede, wie ihn die„Leipz. N. Nachr." mitteilen, nach jeder Richtung hin bestätigt. Nach diesem Bericht sagte der sächsische Minister des Innern: „Die Meinung der Negierung geht dahin, nur 42 Abgeordnete der Zweiten Kammer aus solchen allgemeinen, geheimen und direkten Verhälmiswahlen hervorgehen zu lassen. Dix anderen 40 Abgeordneten sollen von den Kommunalvcrbänden gewählt werden. Die Negierung hat nämlich eine gesunde und vernünftige Ergänzung des allgemeinen Stimmrechts weder in der Berufs- noch in dcr Klasscnwahl erblicken können, weil die Fähigkeit, das gemeine Beste zu fördern und ein guter Landtagswähler zu sein, eine Eigenschaft ist, die sich nicht aus der Zugehörigkeit zu einer be- stimmten Klaffe oder zu einem bestimmten Berufe erkennen läßt. Wohl aber ist die Regierung zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Verbände der politischen Einzelbezirke, aus denen sich das Staatsgebiet zusammensetzt, Abgeordnete in die Kammer entsenden müssen, weil die Körperschaften der exemten Städte und der Be- zirke Gebilde sind, welche der Staat, je mehr sie sich bewährt haben und erstarkt sind, mit immer weiteren, wichtigen Aufgaben betraut hat, welche infolgedeffen immer größere Lasten im Interesse der Allgemeinheit übernommen und welche auf diese Weise für da? öffentliche Leben eine solche Bedeutung erlangt haben, daß ihnen ein Einfluß' auf die Bildung der Zweiten Kammer gebührt. Während also die Negierung auf der einen Seite die Kräfte der Gemeinden zu freier und immer umfäng- licherer Tätigkeit entfeffelt, ivill sie auf der anderen Seite' von dem gesunden, frischen und stark pulsierenden Blute der Selbstverwaltung auch etwas in den Körper der Volksvertretung leiten, und sie meint, da- mit den Gemeinden und der Volksvertretung in gleichem Maße zu dienen- Und wenn auch vielleicht die Wahl durch Kommunal- verbände weniger populär sein wird, so nehme ich doch den etwaigen Kampf nach dieser Richtung hin auf, getreu meiner Devise.„nicht rückwärts, sondern vorwärts" und in dem sicheren Gefühl, daß die große Mehrheit des sächsischen Volkes auf meine Seite treten wird. Denn wahrhaft volkstümliche und freiheit- liche Forderungen sind es, welche die Grundlage des neuen Wahlgesetzentwurfs bilden, das entstanden ist, un- beeinflußt durch wirtschastNche oder soziale Sonderintereffen, aus wirklich uneigennütziger Sorge um das Gedeihen der Allgemein- heit und in dem ernsten Bestreben, zu einem versöhnenden Aus- gleiche zu gelangen/ Die' letzten Sätze wirken fast verblüffend. Daß eine derartige «rzreaktionäre Maßnähme, die bestimmt ist, den Einfluß der unteren Klaffen auf den Landtag- guf ei» Minimtzu, Ul-beschränken, �n bieser- Weise als' Zugeständnis an die kommunale Selbstverwaltung, als volkstümliche, freiheitliche Forderung und großer Fortschritt be- zeichnet wird, dürfte noch nicht dagewesen sein.— Militärjustiz 1 vor dem Kriegsgericht in Dresden stand der 24 Jahre alte Zimmermann und Re serv ist Helfer wegen Beleidigung eineF Vorgesetzten. Der Angeklagte hat seine aktive Dienst- zeit in den Jahren 1903—1903 abgeleistet und war im Frühjahr zu einer mehrwöchigen- Rrserveübung eingezogen, die er beim Artillerie- Regiment Nr. 48 in Dresden absolvierte. Am Sonntag, den 2. Juni, hatte Helfer mit einigen Bekannten einen Spaziergang in die Ilm- gegend von Dresden unternommen. Seine liebung war erst am 10. Juni beendet und war somit noch Soldat. Unterwegs trafen der An- geklagte und seine Begleiter einen Unteroffizier, welchen Helfer vor- schriftsmäßig grüßte, ohne daß ihm aber vom Unter-, offizier der Gruß erwidert wurde. Ueber die Nicht- achtung eines jungen Unteroffiziers gegenüber einem älteren Reservisten war der Angeklagte äußerst empört. Er sagte deshalb nnt Bezug auf den Unteroffizier:„Wenn ich grüße, dann möchte ich auch gedankt werden I" Bon einigen vorübergehenden Zivilisten, die da« Verhalten des Unteroffiziers ebenfalls mißbiktigten, wurde dem Unteroffizier zugerufen:„Der Lausejunge kann nicht einmal danken, wenn er gegrüßt wird I" Ein Bekannter des Angeklagte» nanienS Fuchs glaubte sich nun auch in die Angelegenheit mischen zu müssen. Er rief dem Unteroffizier zu:«OuSaujunge hältst es ivohl nicht einmal für nötig zu danken, wenn Du gegrüßt wirst!" Diese Aeußerung wird aber dem Angeklagten zur Last gelegt. Dieser'bestreitet aber ganz entschieden diese getan zu haben, er gibt vielmehr an. daß Fuchs der Rufer ge- ivesen ist. Der Zeuge Fuchs gibt dann auch tatsächlich zu, den genannten Ausdruck gebraucht zuhaben. Da aber drei andere Zeugen, die sich in Gesellschaft des Unteroffiziers befunden haben, mit Bestimmtheit behaupten, der Angeklagte habe diese Worte gebraucht, so bleibt der Zeuge Fuchs un b e ei d e t. Das Kriegsgericht verurteilte den Angeklagten auch tatsächlich dem Antrage gemäß zu vier Monaten Gefängnis und nimmt ihn sofort. in Haft.—_ franfcrdcb. Zwei Blamage» Briands. Paris, 3. Juli.(Eig. Ber.) Gestern hat Herr Aristide B r i a n d zwei neue schwere Nieder- lägen erlitten. Die französische Lehrerschaft hat ihm wiederum demokratische Beweise ihrer Charakterfestigkeit gegeben, die sie da- vor bewahrt, die Wandlungen des emporgekommenen Ex- sozialistcn mitzumachen. Bekanntlich hatten Mitglieder des Departementalrats der Lehrerschaft demissioniert, nachdem der Präfckt und der Unter- richtsminister den Freispruch des Lehrers Negre im Disziplinar- Verfahren umgestoßen hatten und Negre gcmaßregelt worden war. Die organisierte Lehrerschaft stellte die Zurückgetretenen neuerdings als Kandidaten auf. Briand und seine Klientel taten alles mög- liche, um diese Protestkandidaten zu Fall zu bringen. Sie protegierten eine n a t iv n a I i st i.s ch e Liste, die vom„Echo de Paris" empfohlen worden war. Den gewerkschaftstreuen Lehrern wurde„Sabotage" und„AntiPatriotismus" vorgeworfen, mit Pressionen-aller Art suchte man sie einzuschüchtern. Aber alle Be- mühungcn sparen vergebens. Gestern wurde das Resultat der am Dienstag vorgenommenen Wahl verkündet. In 6 von den? Bezirksgruppcn.sind die zurückgetretenen Depar- tementsräte toiedergewählt worden, in einem findet eine Stichwahl statt, die den Anhängern der Gewerkschaftsfrciheit die beste Aussicht bietet. Um ganzen wurden 1370 Stimmen für die Zurückgetretenen abgegeben, 733 für die von der Regierung unterstützten nationalistischen Gcwerkschaftsfeinde. Das Wahlergebnis zeigt nicht nur den Mut der organisierten Lehrer, sondern auch, daß Briand seine Zuhörer und sich selbst schwer getäuscht hat, als er in der Kammer behauptete, hinter der Gewerkschaftsbewegung der Lehrer stehe eine ganz belanglose Minorität. Tatsächlich reicht der Einfluß der gewerkschaftlichen Agitation schon weit über den Rahmen der Organisation selbst hinaus und im Scinc-Departement sind, wie die Wähl beweist, zwei Drittel der Lehrerschaft für die Idee der unterdrückten Koalitionsfreiheit gewonnen. Die zweite Niederlage Briands ist nicht minder bezeichnend, ja sie hat noch eine besondere Bedeutung, weil sie zeigt, daß auch die Lehrerschaft der Mittelschulen das Knuten- regiment des Unterrichtsministers verurteilt. Der Bruder des gemahregeltcn Genossen Negre, ein Gymnasiallehrer, hatte eine Subskriptionsliste zugunsten des um sein Brot Gebrachten der- sendet. In einem Begleitschreiben waren die Umstände ausein- andcrgesetzt, unter denen der Seine-Präfekt den ihm unbequemen Sekretär der Lehrergewerkschaft entlassen hatte. Die Sache wurde Briand gesteckt und dieser befahl sofort ein Disziplinarverfahren gegen den Schreiber. Der Rat der Universität von Lille wird in den nächsten Tagen das Urteil zu fällen haben. Gestern kam der Fall vor der mit der Untersuchung betrauten Disziplinarko in Mission zur Verhandlung, die zu dem Schluß kam, daß Negre freizusprechen sei, da er vor allem gestrebt habe, seinem des Unterhalts beraubten Bruder beizustehen und der Begleitbrief rein privater und vertraulicher Natur gewesen und nur durch eine Indiskretion in die Oeffentlichkeit gekommen sei. Kein Gesetz aber verbiete, persönliche Meinungen in seiner privaten Korrespondenz zu äußern. Vermutlich wird der Universitätsrat diesen vom Dekan der Rcchtsfakultät gezeichneten Vorschlag befolgen. Herr Briand kann sich die deutliche Zurechtweisung, die ihm da sicherlich nicht für „Sabotage" und..AntiPatriotismus" eingenommene Universitäts- und Mittelschullehrer angedeihen lassen, hinter den Spiegel stecken. Der Achtstundentag im Bergbau. Pa r i s. 3. Juli.(Eig. Bericht.) Heute vormittag hat die Deputiertcnkammer eine Novelle zum Gesetz vom 29. Juni 1903 angenommen. Dieses hat die Arbeits- zeit für die in Kohlenbergwerken unter Tag beschäftigten Häuex auf 8 Stunden festgesetzt. Das neue Gesetz dehnt diese Bestimmung auf alle Kategorien der in Kohlengruben unter Tag beschäftigten Bergleute aus. Im ganzen sind es 89 000 Arbeiter, denen es zugute kommt. Die Einfübrung der Achtstundenarbeit geschieht staffelweise: Bis zum 1. Januar 1908 gilt ein Maximum von 9 Stunden, bis 1. Januar 1910 eines von 8V2 Stunden. Aus- nahmen sind erlaubt bei Unfällen, zu Sicherheitszwecken und aus „Gründen der nationalen Verteidigung", doch sollen die Ueber- stunden höchstens zwei Stunden täglich� betragen und nur für 14 Tage im Jahr bewilligt. werden. Die«träfe für Uebertretungen beträgt 3 bis 13 Frank für jeden Beschäftigten, bis zu einem Höchstbetrag von 300 Frank. Die Genossen B a s l y und B 0 u v e r i, die die Grubenreviere Pas de Calais und Montreaux-lcs-Mines vertreten, präzisierten den Standpunkt der sozialistischen Partei zu der Vorlage. Sie erklärten, für sie zu stimmen, sich jedoch die Einbringung eines Entwurfs vorzubehalten, der den Achtstundentag der� Gesamtheit der in Bergwerken und Steinbrüchen beschäftigten Arbeiter gewährt. Gegen die Vorlage sprach nur der Fabrikant A y n a r d, ein versteinerter Liberaler aus der Basiiatjchcn. SHuli� �. wchklagte,- daß man die Kohle,„das Brot der J'udüsttu/. Wfcäcrn wolle und behauptete, die Einführung des Achtstundentages sei eine Be-i steuerung des konsumierenden Publikums. Die Vorlage wurde mit 427 gegen 123 Stimmen angenommen. Tatsächlich waren aber keine 60 Deputierten im Saale. Daß die Regierung eS mit den Kapitalisten nicht so schlimm meint, wie man nach �er Rede Aynards glauben könnte, geht ans dem Schicksal eines Antrags hervor, den die Deputierten Mille- ra n d und Band in eingebracht hatten und der aus die Nationalisation der motorischen Kraft der Wasserläuse abzielte. Die Regierung legte einen Gegen- entwurf vor, der„die Freiheit dieser Industrie" aufrechterhält und nur eine besondere Reglementierung Vorsicht. In der gestrigen Sitzung der Kommission für hydraulische Betriebe wurde, der Antrag Millerand-Baudin mit allen Stimmen gegen eine Enthaltung der- warfen und der erste Teil des Regierungsantrags schleunig an- genommen. Man sieht, sie passen zu einander: Das Ministerium mit seinen zwei„Sozialisten" und die Radikalen, in deren Pro- gramm das„soziale Eigentum" als Endzies steht.— Rumänien. Der Proteststreik gegen die arbeiterfeindlichen Maßnahmen der Regierung hat größere Dimensionen angenommen. Die Lokale der Organisationen werden noch immer stark bewacht, es finden weitere Haussuchungen und Konfiskationen statt. Vom 11. bis zum 13. d. M. sollte in Gakatz der Kongreß der rumänischen Sozialdemokratie stattfinden. Die Tagung mußte nun natürlich abgesagt werden; ist doch über Galatz> sogar der Be- lagerungszu stand verhängt! Es ist schwierig, zurzeit genauere Informationen zu erhalten, da die Zensur nach bekanntem russischen Muster ihres Amtes waltet.— Amerika. Der Prozeß in Idaho brachte durch die jüngsten Zeugen- aussagen Beweise dafür, daß die Grubenbesitzer Detektivs an- stellten, die sich als Mitglieder in den Bergarbeiterverband aufnehmen ließen! Ihre ausdrückliche Absicht dabei war, g e- maß den Instruktionen der Grubenbesitzer die Bergarbeiter zu Gewalttaten aufzureizen! Man brauchte ja Vorwändc, um die starke Gewerkschaft zu zerstören. Es wird erwartet, daß das Gericht erst in etwa zwei Wochen zum Urteilsspruch kommen wird. Die russische Revolution. Dos Polizeidcpartement gegen die Duma. Bei ihrer Bekämpfung der revolutionären Bewegung ist die russische Administrativbehörde noch vop keinem Mittel zurück- geschreckt, um nicht nur aller„unruhigen Elemente", sondern in erster Linie des ihr unentbehrlichen schriftlichen Materials habhaft zu werden. Da aber während der Tagung der Reichsduma zwischen den Reichsdumaabgeordneten und ihren Wählern ein lebhafter Briefwechsel gepflegt wurde, der für die russische Behörde um so wertvoller war, je größer der AntagoniS- mus zwischen der Reichsduma und der russischen Regierung wurde, so verfügte das russische Polizeidepartement einfach: von„inter- essanten' Schriftstücken, zumal da ja das Briefgeheimnis in Ruß- land sowieso nicht gewahrt wird,„auf jeden Fall" eine photo- graphische Kopie herzustellen und nötigenfalls solche Schrift- stücke im Original einem besonders hierfür angelegten Geheim- archiv des Polizeidepartemcnts einzuverleiben! Das vorsorgliche russische Polizeidepartemcnt sah wahrscheinlich besser als andere die Auflösung der Reichsduma voraus, sammelte also rechtzeitig „verbrecherische" Schriftstücke und kann nun jetzt, nachdem das reichhaltige Material entsprechend gesichtet ist, die ehemaligen Reichsdumamitglieder desto leichter in Anklagezustand versetzen� da- mit sie, selbst wenn sie an dem«Komplott' oder an dem„Militär- putsch" nicht teilgenommen haben, nicht in die neu einzuberufende Reichsduma kommen können! Und das ist ja für die büreau. kratischen Tausendkünstler des Zaren— wie die Erfahrungen nach Auflösung der ersten Meichsduma zur Genüge bewiesen haben— schließlich die Hauptsache.__________ GewerkfcbaftUcbeSs Schön ist ein Zylinderhnt, Wenn man ihn besitzen tut! Der Kampf der Berliner Drahtarbeiter dauert nun übet. 13 Wochen. Bisher hatten die Streikenden sich über die Polizei nicht zu beklagen, wenngleich ihnen dieselbe natürlich auch nicht gerade beim Streikpostcnstehen behülslich war. Das sollte anders werden, als ein Fabrikant in der Köpenickerstraße sich direkt die„Hülfe" der Polizei ausbat. Sie wurde ihm natürlich gewährt und seit diesem Tage sind nierkwürdiger- weise die Streikenden, die sich vor dem betreffenden Hause aufhalten,„Verkehrshindernisse" im preußisch- Polizei- technischen Sinne. Wer wie ein Drahtarbeiter aussieht— und jeder Polizist kennt einen solchen aus der Menge auf 600 Meter!— der wird fortgewiesen. Und wer nicht pariert, wird arretiert. So ging es auch einem Streikposten mit besonders ver- dorbenem Gemüt. Man wies ihn fort, und scheinheilig fügte sich scheinbar der arge Sünder.' Aber er kam wieder, am anderen Tage freilich. Zur Feier dieses anderen TagcS und des Wiedersehens mit der Polizei hatte er seinen besten Sonn- tagsstaat an; auf dem Kopfe thronte ein Zylinder, spiegelblank und glänzend, wie ein frisch gewichster Stiefel. Der— der Zylinder nämlich, nicht der Stiefel— imponierte nun dem Sicherheitsbeamten in hohem Maße. Derselbe Schutzmann, der den Streikposten tags zuvor nicht vor dem Hause dulden wollte, hatte nichts dagegen, daß er sich heute neben ihm stellte, und auf dem Bürger st eig auf und abging! Einträchtig wandelten Zylinder und Pickelhaube die Straße hin und wieder, beide mit Eifer ihres Amtes waltend! Berlin und Nmgegend. Der Kampf im Baugewerbe. Die Bauunternehmer setzen ihre Bestrebungen, Arbeitswillige heranzuziehen, energisch fort, aber die Streikleitung weiß un- erniudlich ihre Gegenniaßregeln zu treffen, um die kaum Gelandeten wieder dahin abzuschieben, Ivo sie hergekommen sind. Von den 33 arbeitswilligen Maurern, die vor einigen Tagen mit dem Schnellzuge auf Bahnhof Friedrichstraße eintrafen, ist die Hälfte wieder abgereist. Siebzehn hatte man ans dem Neubau des Rathauses angestellt und hielt sie unter strenger Bewachung; man verweigerte sogar die Herausgabe des Arbeitsgeschirrs, als sie die Absicht kimdgaben, unter den bestehenden Ver- hältnissen nicht weiter zu arbeiten. Die 80 Arbeitswilligen, deren Ankunft zu Freitagabend gemeldet war, sind nicht eingetroffen, aber neue Transporte werden in den nächsten Tagen erwartet. Jetzt verläßt man sich hauptsächlich auf Anwerbungen im Auslände, denn man hat in deutschest Städten kläglich Fiasko gemacht; da zeigte sich überall die Macht der Orga- nisation der Arbeiter, durch die sofort die Anstrengungen der Unter- nehmer in Schach- gehalten wur-d.ew— Kr Berlin hält die Streik- kitut�ZM'WßiM�M�KWg�'Weik/Wst man weiß, daß die �GeHner m geben werde», oie Bauten mit Arbeitswilligen zu besetzen. Sehr kaltblütig- sehen die Z i m m e r e r den erneuten An- streiigimgen der Unternehmer zu, und entschlossen verharrt auch die große Masse der B a u h ü k f s a r b'e i t er im Streik. « Die Freie Vereinigung der Maurer hielt am Freitagabend eine außerordentliche Generalversammlung bei Boekcr in der Weberstraße ab. Z egl in erstattete den Situations- bericht und zeigte, daß die Lage für die Arbeiter in dem Kampfe mit dem Verband der Baugcschäfte eine günstige sei. Der Redner besprach die jüngste Baukontrolle und kündigte an, daß im Laufe des TageS die Zahl der Bewilligungen sich bereits wieder um zwei vermehrt habe, waS mit Befriedigung aufgenommen wurde. Die Taktik der Unternehmer habe Schiffbruch gelitten, trotz der tätigen Bcihülfe, welche die Polizei ihnen gewährt. Aufgabe der Arbeiter sei es nun, festzustehen und in keiner Weise den Lockungen der Unternehmer zu folgen.— Der Vorstand empfahl, daß den ver- heirateten Mitgliedern eine erhöhte Streikunterstützuiig gezahlt werde. Die Versammlung beschloß dazu das Folgende: „Jeder verheiratete Kollege, welcher Vom 28. Mai, also von Ausbruch des Streiks an insgesamt 3 Wochen strcikh und dies durch die Kontrollstempel in der Strcikkarte beweisen kann, er» hält, wenn er bis zum l. März 1907 ein Jahr Mitglied der Freien Bereinigung der Maurer Deutschlands war, eine Extra- Unterstützung von pro Woche 3 M. oder den Tag 30 Pf. Die Sätze treten vom Montag, den 8. Juli an in Kraft und er- folgt die erste Auszahlung nach den neuen Sätzen am Dienstag, den 16. Juli. Des weiteren steht die Versammlung auf dem Standpunkt, daß den unverheirateten Kollegen, soweit dieselben Berlin noch nicht verlassen haben, anheim gegeben wird, um- gehend abzureisen." Die Streikkontrollc am Freitag ergab, daß 983 Maurer der Freien Vereinigung in den Listen geführt wurden. Als Hülfskassicrer für den Wedding wählte die Versammlung Paul G ö b e l. Eine Meldung lief ein, daß am Freitagabend noch 30 Arbeitswillige auf Berliner Bahnhöfen erwartet würden. Der Vorsitzende erllärte es als Pflicht eines Jeden, in diesen Tagen doppelt wachsam zu sein. Bahnhöfe und Bauten müßten jetzt schärfer als vorher bewacht werden. Die Bewegung der Drahtarbeitcr. In der letzten Streikversammlung wurde unter anderem voift Kollegen G an dl e mitgeteilt, daß eine Firma mit 13 Arbeitern einen Tarifvertrag abgeschlossen hat. Die Arbeitswilligen, 14 an der Zahl, wurden von der Firma ohne weiteres cnt» lassen, und die ausständigen Arbeiter nahmen ihre alten Plätze wieder ein. Die Arbeitswilligen waren durchweg schlechte Ar- b e i t e r und einen Dank ftir ihre Dienste haben sie nicht erhalten. Bei der Firma Heintze in Lichtenberg legten am 4. Juli 12 Arbeiter, welche seit einiger Zeit an den Spinnmaschinen an- gelernt wurden, die Arbeit nieder mit der Erklärung, daß sie sich nicht länger als Arbeitswillige gebrauchen lassen. Herr Heintze und sein Meister sollen sehr lange Gesichter gemacht haben, als ihnen dies mitgeteilt wurde, waren sie doch um ihre besten Hoff. nungen betrogen. Erst sind die Arbeiter seit 6 Wochen angelernt, man hatte keinen Borteil von deren Arbeit, denn sie muhten sich erst einarbeiten, und jetzt, wo sie etwas leisten können,: wird man sie los. Die Situation ist für die Streikenden trotz der 13wöchent- lichen Dauer des Kampfes eine günstige und die Absicht der Unter» nehmer, die Arbeiterorganisation in der Drahtindustrie zu ver- mchten, ist nicht gelungen._ Dir Liste der Bäckermeister, welche die Forderungen der Gehülfen bewilligte, ist heute zum letzten Male im„Vorwärts" abgedruckt, und deswegen besonders sorgMig aufzubewahren, t- In Zukunft erscheinen nur noch Nachträge nach Bedarf. tle6er Mißstände im Betriebe der Firma Gär» druLhken tvlr ?n Nr. 149 einen Bericht. In diesem sind einige Irrtümer unter- laufen. Der Meister, dem die unliebsamen Arbeiter zugeschoben werden, damit sie hinausgegrault werden, heißt Schmidtgunst, nicht Schmidt. In bezug auf die Ventilation in der optischen Ab- teilung wurde bereits vor drei Jahren Abhülfe und Verbesse- rung zugesagt. Weiter muß es heißen: Aus dieser Abteilung waren im Februar 29 Mann in ärztlicher Behandlung und 7 in Heilstätten. Der Tarifvertrag der Zuschneider und Zuschneiderinnen der Herren- und Knabenkonfektion wurde bekanntlich unter der Be- dingung abgeschlossen,-daß bis zum 1. September dieses Jahres mindestens 70 Proz. der Firmen, die mindestens 3 Zuschneider oder Zuschneiderinnen beschäftigen, ihn unterschriftlich anerkannt haben. Wird dieser Prozentsatz nicht erreicht, so ist dieser Vertrag hinfällig. Selbstverständlich ist es den organisierten Zuschneidern nun nicht allein darum zu tun, jene verlangten 79 Proz. der größeren Firmen für den Tarif zu gewinnen, sondern ihn vielmehr allgemein, und auch in den kleineren Geschäften, durchzu- führen. Sie sind auf diesem Wege schon ein gut Stück vorwärts gekommen, und es ist kaum daran zu zweifeln, daß binnen kurzer Zeit jener Prozentsatz von Tariffirmen nicht nur erreicht, sondern übertroffen Wieb. Haben doch von den Firmen, die bis 3 und mehr Zuschneider beschäftigen, schon 47 ihre Unterschrift geleistet! Sträubt sich nun auch noch eine Anzahl größerer Firmen gegen die An- crkennung des Tarifs, und behaupten auch einige Unternehmer, ihre Zuschneider seien ganz zufrieden mit den alten Verhältnissen, so daß für sie kein Grund vorliege, sich um die Tarifangelegenheit zu bekümmern, so werden diese Firmeninhaber sicherlich in wenigen Tagen genötigt sein, ihre Meinung zu ändern. Im ganzen kommen für die allgemeine Durchführung des Tarifs 194 Firmen in Betracht. Es mögen vielleicht hier und da noch einige kleine Unternehmer übersehen worden sein, die dann und wann einmal eine Person als Zuschneider beschäftigen und sich stolz als Konfektionsfirmen engros bezeichnen, wenngleich sie nur in Stube und Küche arbeiten. Es ist jedoch schon Vorsorge ge- troffen, daß etwa übersehene Firmen noch aufgefunden werden. Von jenen 194 sind der größte Teil kleinere Geschäfte. 69 Firmen beschäftigen nur 1 bis 5 Zuschneider und Zuschneiderinnen; LI Firmen 6 bis 19 und nur 14 Firmen sind es, die über 19 Zu schneider und Zuschneiderinnen haben. Die Zahl der Firmen, die 3 und mehr Zuschneider beschäftigen, ist 79, sodass also die 79 Proz., die der„Verein der Herren- und Knabcnkonfcktionsfirmcn engros" als Bedingung für die endgültige Anerkennung des Tarifs verlangt hat, 49 Firmen ausmachen wüvden. Man ist also diesem Ziele schon sehr nahe gekommen. Bemerkenswert ist auch, daß die Firma Stern Gebr. u. Co., die sich lange mit der Ausrede sträubte, ihre Zuschneider verlangten gar nichts weiteres, nun ebenfalls den Tarif anerkannt hat, nach- dem sie bemerkte, daß alle ihre Zuschneider organisiert waren und ein längerer Widerstand gegen die Tarifforderungen nutzlos sein werde. Nun hatte die Ortsverwaltung deS Schneiderverbandes am Freitag wiederum bei Dräscl in der Neuen Friedrichstraße eine Mitgliederversammlung der Zuschneider und Zuschneiderinnen einberufen. Hier wurde Beschluß gefaßt über die Arbeitseinstellung bei den Firmen, die den Tarif noch nicht anerkannt haben. In dieser, übrigens zahlreich desuchten Versammlung berichtete Mähr zu- nächst über den bisher erzielten Erfolg der Tarifbewegung. So- dann wurden die Zustände und Organisationsverhältnisse in den grossen Firmen besprochen, deren Inhaber noch der Meinung sind, sie könnten ohne den Tarif auskommen. Einstimmig wurde darauf folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung beschließt: bei den größeren Firmen, die bis jetzt den Tarif nicht anerkannt haben, wird am Mon- tag die Arbeit nicht wieder aufgenommen, so- weit es der Ortsverwaltung nicht noch am Sonnabend gelingt, die Unterschrift zum Tarif zu erhalten." Die Tarifbewcgung der Herren- und KnahenkonfektionSschueider «nd-Schneiderinnen hat bereits einen immerhin bemtrtdnswerten Erfolg gehabt. Van den großen Firmen haben d, die ungefähr 899 Schneider beschäftigen, bewilligt, und zum Teil sind die Tarife schon endgültig abgeschlossen. Eine Reihe anderer Firmen hat die Vertreter tzes Verdandes zu Verhandlungen eingeladen. Die klagenden Bäckermeister. In der Klage des Ehren-ObermeisterS der Rix- dorfer Bäcker-Z Wangsinnung Stuhlmann gegen den Bäckermeister H i l m e r auf Zahlung der Konventionalstrafe von 89 M. aus dem bekannten Verpflichtungsschein, den die Innungen von ihren Mitgliedern unterschreiben ließen, stand gestern bereits zum zweiten Male vor dem Amtsgericht R i x d o r f Termin an. Der Anwalt des Klägers, Dr. P a t s ch k e, legte einen Schrift- satz bor, in dem bestritten wird, daß Stuhlmann Mitglied der Innung sei, oder im Auftrage derselben gehandelt habe. Vielmehr sei der Revers vom Arbeitgeber-Schutzverband ausgegangen, der das Bestreben habe, die Meister zur Abwehr der „unberechtigten" Forderungen der Gesellen zusammenzuschließen. Daß der Revers am Kopf die Ueberschrift:„Bäckerinnungen Berlins und der Vororte" trägt, sei rein zufälliger Natur. Im übrigen könne auch eine Konventionalstrafe zugunsten dritter bestimmt werden. Hierfür beruft Kläger sich auf— Dernburg, B. G. B. III,§ 199 4. Seite 2L1— und behauptet, daß der Revers nur für kurze Zeit Gültigkeit habe und nur eine geringe Summe als Konventional- strafe festsetze. Ebenso behauptet Kläger, der Vertrag verstoße weder gegen die guten Sitten noch gegen die Gewerbefreiheit oder gegen das öffentliche Recht, auch taste er nicht die Erwcrbsfähigkeit und Selbständigkeit oder die persönliche Freiheit in einem den guten Sitten zuwiderlaufenden Umfange an. Es wird hier wieder auf Dernburg, B. G. B. II l, 100, 191, III Nr. B und und insbesondere Gruchot Band L4, Seite 946, Band 37, Seite 964, vcr- wiesen. Da der Zweck des Vertrages der sei, die durch den Boykott abspringenden Kunden zu zwingen, zu ihren alten Bäckermeistern zurückzukehren, indem ihnen die anderen Bäcker keine Ware liefern oder verkaufen, müsse man im Interesse der durch den Boykott ge- schädigten Bäckermeister den Vertrag als etwas Nützliches, sogar Lobenswertes betrachten. � Der Vertreter des Beklagten führte dagegen aus: Wenn vom Kläger behauptet wird, daß die Innung mit dem Revers gar nichts zu � tun habe, so stehe demgegenüber fest, daß derselbe überall gleichlautend mit dem Kopf der Innungen und nach einem B e- schluss der Jnnungsvor stände Berlins und der Vor- orte ausgefertigt und den Jnnungsmitgliedern zur Unterschrift von den Vorstandsmitgliedern vorgelegt wurde. Der Arbeitgeber-Schutzverband mußte, wenn er als Kontrahent gelten wollte, sich auch den Jnnungsmitgliedern auf den Reversen kenntlich machen. Dies ist nicht geschehen, er scheide infolgedessen hier vollständig aus. Soll Herr Stuhl mann, wie in dem klägerischen Schrift- satz und in der Verhandlung behauptet wurde, bei Abfassung des Reverses aus eigenem persönlichen Interesse gehandelt haben, so sei dies nach der Spruchpraxis der Gerichte und nach ZA 252 bis 255 Strafgesetzbuches als eine Erpressung zu betrachten, durch die Kläger sich oder einem Anderen einen rechtswidrigen Vermögens- vorteil verschaffen wollte. Kläger ist Rentner und betreibt kein offenes Bäckereigeschäft, kann also durch das Abgehen von Kunden auch nicht geschädigt werden. Im übrigen gibt Kläger zu, daß der Vertrag zu dem Zweck geschlossen war. eine Einwirkung auf die Gestaltung der Lohn- und Arbeits- bedingungen im Bäckergewerbe zu erzielen. § 152 der Gewerbeordnung läßt wohl derartige Verträge und Abreden zu; es leitet sich aber niemals ein klagbares Recht daraus her. Wenn behauptet wird, der Vertrag verstoße nicht gegen die guten Sitten, da seine Gültigkeit nur von kurzer Dauer und das Objekt nur ein niedriges sei, so steht nach den Auslassungen der Jnnungsblätter, wie auch nach dem Wortlaut des Vertrages fest» daß die Absicht vorliegt, jeden Bäckermeister, der während des LohnkampfcS itn Bäckergewerbe neue Kundeft annimmt, für j e d e n neuen Kunden um die Konventionalstrafe zu verklagen. Es be- deute dies für die Meister, welche infolge ihrer Einigung mit den Gesellen boykottfrei bleiben und neue Kunden gewinnen, einen Aderlaß, der zum vollständigen Ruin führen muß. Das Gericht will nunmehr die beiden Vorstandsmitglieder der Rixdorfer Zwangsinnung, Ecke und Bollmann, darüber ver- nehmen, ob Kläger Mitglied der Innung sei, und ob die Unter- breitung der Reverse auf Beschluß resp. Anregung der Innung erfolgte oder ob sie auf persönliche Initiative des Klägers zurück- zufiihren sind. Veurkcbeg Retch. Neue Erfolge des Verbandes der Töpfer. Der Streik der Töpfer in Guben ist mit Erfolg beendet. Erreicht wurden Lohnausbesserungen von 5— 25 Proz., auch wurde die 19stündige tägliche Arbeitszeit auf 9M> Stunden verkürzt.-— Die Scheibentöpfer in Königsbrück erreichten eine durchschnitt- liche Lohnerhöhung von 15 Proz. und 1 Stunde täglicher Arbeits- zeitverkürzung.— In Naumburg a. Queis wurde nach kurzer Streikdauer«in verbesserter einheitlicher Tarif für Scheibentöpfer geschaffen. Der Erfolg hätte ein noch besserer sein können, wenn die zum Teil noch in Naumburg dominierenden„Fachahteiler" nicht als Arbeitswillige fungiert hätten.— Die Töpfer in Wittenberg erreichten Lohnerhöhungen in Höhe von 5— 9 Prozent und die Töpfer in H o f verbesserten ihren Stundenlohn von 49 bezw. 42 Pf. auf 43 bezw. 45 Pf., welcher Lohn vom März näckssten Jahres ab um weitere 3 Pf. pro Stunde erhöht wird.— Der Streik der Töpfer in Oppeln wurde erfolgreich beendet durch Schaffung eines Tarifs, der 19— 15 Proz. Lohnerhöhung enthält und Verkürzung der täglichen Arbeitszeit um 1 Stunde. Der Stundenlohn wurde um 5— 19 Pf. erhöht.— Eine Tarifbewegung der Töpfer in Stendal brachte 19— 12 Proz. Lohner�ihungen. auch wurde das Kost- und Logiswesen beseitigt. — Auch in Schmiedeberg und Neudobra wurden Lohn- aufbesserungen erzielt.— In Marienwerder ist ein Töpfer- streik ausgebrochen, weil die Unternehmer sich zu Verhandlungen nicht herbeilassen wollten.— Im übrigen streiken bezw. sind aus- gesperrt die Töpfer in Danzig. Bütow i. P.. Giesen- brügge, Crinitz, Zeven und Pölitz in Pommern. Die Kohlenarbeiter und Kutscher Lübecks haben soeben eine Lohnbewegung erfolgreich beendet. Sie erzielten eine Lohnerhöhung für Kutscher von 23 M. auf 25 M. und eine Lohnerhöhung für Platzarbeiter von 29 M. auf 22 M. Außerdem sollen die Ueberstunden, die nach 7 Uhr abends gemacht werden müssen, bezahlt werden, was bisher nicht der Fall war. Huslanck. Zum Textilarbeiterkampfe in LandeShut in Schlesien. Die Situation ist bisher eine unveränderte. Die Streikenden sind guten Mutes und hoffen, daß ihnen bei einiger Ausdauer der Ersolg werden muß. Der Aussperrungsbeschluß der Fabrikanten be- steht immer noch, und wenn nicht die am heutigen Tage(5. Juli) in Breslau stattfindende Sitzung des Verbandes schlesischer Textil- industrieller den Beschluß rückgängig macht, wird Landeshut am 15. Juli an die 3999 Arbeiter und Arbeiterinnen ausgesperrt sehen. Trotz alledem lassen sich die Arbeiter nicht einschüchtern; sie sind fest entschlossen, den ihnen aufgezwungenen Kamps aufzunehmen und durchzuführen. Mittleriveile scheinen sich die Mehrwertschlucker zu bemühen, von anderswo Arbeits- träste in ihr Garn zu locken. Schon früher waren ihre Bemühungen darauf gerichtet. Leute aus Lodz herbeizuholen. Auch jetzt scheinen sie wieder ihre Netze dort ausgeworfen zu haben. In diesem Bestreben werden sie von einem Bureau unterstützt, das sich wohl den Anschein gibt, eine ausschließlich humanitäre Tätigkeit zu entfalten, tatsächlich aber den von demselben verschickten Leuten m den meisten Fällen keinen guten Dienst erweist. In erster Linie scheint es das Bestreben desselben zu sein, solchen Arbeitgebern „Hände" zu vermitteln, die sich durch Streiks oder Aussperrungen in bedrättgttr- Lage befinden. So war eS auch im vorliegenden Falle. Zwei Arbeiter, die aus Lodz herüber kamen und sich an jenes Bureau um Arbeit wandten, erhielten folgendes Begleitschreiben aus- gehändigt: HiilfSausschuß für deutsche Rückwanderer in O st r o w o sProvinz Posen). Telegramm-Adresse: Hülfsausschuß Osirowo. Ostrowo, Prov. Posen, 2. Juli 1907. Fernsprecher 83. Journ.-Nr. 1609/97. Herren Methner u. Frahne in LandeShut. In Ueberbringern dieses überweisen wir Ihnen die Weber lhier folgen die Namen) aus Lodz(Russisch-Polen) und er- suchen Sie höflichst, selbige unterbringen zu wollen. DaS von uns verausgabte Reise- und Zehrgeld im Betrage von 14,15 M., welche Summen vom Lohne in Abzug gebracht werden können, wollen.Sie uns gefälligst nebst den bei uns üblichen Ver- mittelungsgebühren von SM. pro Arbeitskraft zur Deckung unserer Kanzleikosten einsenden. In dieser Erwartung verbleibend, zeichnet Hochachtungsvoll Der HülfSauSschuß für deutsche Rückwanderer auS Rußland. Der Geschäftsführer. I. V.: K. Ziegler. iL. S. Für(Namen) wurden 8.15 M. verausgabt. 00„ 6,99„„ Sa. 14,15 M. Also ein regelrechtes StreikbrechervermittelungSburean. das sich da aufgctan hat. Wie uns mitgeteilt wird, solle» auch während des Hafenarbeiterstreiks in Hamburg dem russischen Reich den Rücken kehrende Arbeiter den Reederprotzen verschrieben worden sein. Alles in allein genommen steht die Sache der Streikenden resp. der demnächst Ausgesperrten durchaus günstig. Hierzu trägt die beispiellos gute Konjunktur bei, die in der Leinenindustrie besteht. Haben die Unternehmer während der letzten Jahre Millionen ein- geheimst, so sind gewiß auch die darbenden Textilarbeiter berechtigt, ihr Leben etwas sonniger zu gestalten. Die Lohnstatistiken beweisen, daß der Lohn des größten Teiles der Weber sich unter 12 M. pro Woche bewegte. Wer würde es wagen, angesichts dieser Tatsache zu behaupten, die Forderungen seien ungerecht? Versammlungen. Die Bereinigung der Fliesenleger und HülfSarbeiter(Orts- verein Berlin) hielt am Freitag im„Neuen Klubhaus" eine gemeinsame Versammlung beider Abteilungen ab. Zunächst ver- handelte man über die Neuwahl der Schlichtungskommission. P u t l i tz sprach einleitend dazu. Der Tarif laufe bald ab. In vier Wochen müsse er gekündigt werden, falls dies beschlossen werde. Aber auch wenn er nicht gekündigt werde, würden Verhandlungen mit den Arbeitgebern über einzelne Punkte notwendig. Unter diesen Umständen wäre eine Verstärkung der Schlichtungskommission angebracht. Er schlage die Wahl von 5 Fliesenlegern und 2 Hülfs- arbeitern vor. Eine weitere, nachher zu entscheidende Frage wäre, ob man nicht gemeinsam mit den anderen Organisationen(Maurer- verband usw.) vorgehen wolle. Sollten diese sich beteiligen, dann müßten schließlich einige Kandidaten zugunsten der anderen Organi- sationen zurückgezogen werden.— Hierzu machte Beiersdorf den Untervorschlag, daß von den sieben zu wählenden einige als Stellvertreter gelten sollten. Das wurde akzeptiert. Die Wahl gestaltete sich so, daß vier Fliesenleger und drei HülfSarbeiter die Majorität erhielten. Gewählt wurden die Fliesenleger P u t l i tz, Herfort h, Dittmann und K u h n i e, sowie die Hülfs- arbeiter Richard, Neumann und Fritz K l i e m a n n. Der Haupliassierer der Vereinigung, Hoizwark, hat sei>< Amt niedergelegt. An seine Stelle wird Luis Kliemann gewählt. Die Wahl eines Ersatzmannes für den Hauptvorstand fiel auf N i t s ch k e. Er wurde anstelle Knöppchens gewählt, der das Amt niedergelegt hat. Der Vorstand beantragt den Aus- schluß Knöppchens aus der Organisation, weil er jetzt als„Bau- Herr"— Akkordmaurer beschäftigt. Der Ausschluß wird einstimmig beschlossen. Ueber die Frage der Kündigung deS Tarifs referierte P u t l i tz. Angesichts der bedeutungsvollen Veränderungen in den anderen Bauberufen erscheine es nicht denkbar, es bei dem jetzigen Tarif zu belassen. Die Kündigung sei notwendig geworden. Die veränderten Verhältnissen hätten schon zu einer falzchen Auslegung der Bestimmung des bestehenden Tarifs geführt, wonach Maurer, die zur Fliesenlcgerei übertreten, mindestens den Maurerlohn er- halten müssen. Selbstverständlich kämen jetzt 89 Pf. pro Stunde in Betracht. Manche Arbeitgeber könnten das aber nicht begreifen und wollten jetzt übertretenden Maurern nur 77 Pf. aeben. Be- sonders aber habe Redner die Verkürzung der Arveltszeit im Auge. Schon wieder hätten einige größere Firmen bewilligt. Mit größter Wahrscheinlichkeit sei anzunehmen, daß Maurer, Zimmerer und Bauarbeiter binnen einigen Wochen die 84b stündige Arbeitszeit allgemein errungen haben werden. Im jetzigen Fliescn- legcrtarif sei noch die neunstündige Arbeitszeit vorgesehen. Daß die jetzt nicht beibehalten werden könne, werde selbst den Unter- nehmern einleuchten. Und zwar würden die Fliesenleger und ihre HülfSarbeiter gleich die achtstündige Arbeitszeit fordern müssen sowie eine entsprechende Erhöhung der Stundenlohne. Die eigent- liche Formulierung der Forderungen und etwaige Aenderungen anderer Paragraphen wäre der Schlichtungskornmission zu über- lassen, und zwar möglichst einer gemeinsamen Sch'lichtungskommission aller in Betracht kommenden Organisationen. Darum empfehle et auch folgenden Antrag: „Um die diesjährige Lohnbewegung der Fliesenleger und HülfSarbeiter einheitlich zu gestalten, so wird hiermit die neu- gewählte Schlichtungskommission beauftragt, sich mit den Vor- ständen der außer unserer in Betracht kommenden Organisationen in Verbindung zu setzen, um eventuell die aufzustellenden Forderungen gemeinsam zu beraten und zu vertreten. Die Ver- sammlung hofft, daß dieser im Interesse der gesamten Kollegen- schaft gemachte Vorschlag bei den Kollegen der übrigen Organi- sationen Zustimmung finden wird." Dieser Antrag wurde nach einer zustimmenden Debatte ein- st immig angenommen und einstimmig wurde die Kündigung des Tarifs zum I.Oktober beschlossen. Der Vorsitzende teilte dann mit, daß dem Vorstand bereits ein Schreiben des Parteivorstandes zugegangen sei. wodurch der im„Vorwärts" angekündigte Versuch gemacht werde, in der Frage der Verschmelzung mit den Zentralverbänden sich direkt mit den Vorständen der der„Freien Vereinigung der GeWerk- schaften Deutschlands" angeschlossenen Organisationen ins Ein- vernehmen zu sehen. Die Geschäftskommission der„Freien Ver- einigung" habe bekanntlich mit Rücksicht auf die Beschlüsse des VII. Kongresses eine Verhandlung abgelehnt. Der Vorstand überlasse die Entscheidung darüber, wie das Schreiben des Partei- Vorstandes zu beantworten sei, den Mitgliedern. Der Vorstand habe seinerzeit gemeinsam mit dem Hauptvorstand bei einer Rück- frage der Geschäftskommission auf die Frage, ob die Geschäfts« kommission mit dem Parteivorstand in Verhandlungen treten solle, die den Anschluß an die Zentralverbände bezwecken, mit„Ja" ge- antwortet. Dagegen seien damals vom Vorstand die Fragen ver- neint worden:„Ist Neigung vorhanden, sich mit den Zentral- verbänden zu verschmelzen?" und:„Würde der Vorstand ohne die Geschäftskommission mit dem Parteivorstand verhandeln?"— Die Ausführungen der Diskussionsredner liefen im wesentlichen auf eine Billigung des Standpunktes der Geschäftskommission hin- aus. Die Vereinigung der Fliesenleger habe in ihren Versamm- lungen den Beschlüssen deS VII. Kongresses zugestimmt. Sie müsse sich ebenfalls daran gebunden halten, bis ein anderer Kongreß etwas anderes beschließe� In diesem Sinne soll nach einstimigem Beschluß die Antwort an den Parteivorständ ausfallen.— Im übrigen sielen in„der Diskussion einige herbe Worte, die dahin gingen, daß versucht werde, die sogenannten lokalistischen Organi. sationen, die ihre historische Berechtigung hätten, mit Gewalt den Verbänden zuzuführen. Beiersdorf meinte:„Wenn man uns später in der Partei nicht mehr will, dann werden sich noch andere finden zur Gründung einer jungen Partei. Sozialdemokrat bleibt man doch." Letzte JVacbncbtcn und DcpcFcbcn, Nachspiel zum PeterSprozeß. Altona. 6. Juli.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Gegen den Polizeiassistent Neuhaus, Zeuge im Petersprozeß. hat die Behörde Untersuchnng eingeleitet. Unwetterschäben. Frankfurt a. M., 6. Juli.(B. H.) Wie auS Diez gemeldet wird, hat gestern bort ein Unwetter, bei dem Schloffen in Taubenei- grüße niedergingen, schweren Schaden an der Ernte und den Obst- kulturen angerichtet._ Abgestürzt. Grenoble, 6. Juli.(W. T. B.) Von drei deutschen Studenten« die gestern einen Aufstieg auf einen hohen Gipfel der Grande Chartreuse unternahmen und sich dabei verirrten, stürzte einer, ein Bayer aus Landau in der Pfalz namens Steinfeld, 159 Meter tief in eine Schlucht. Seine Leiche wurde heute früh aufgefunden. Feuersbrunst auf dem Schiff. Toulon, 6. Juli.(B. H.) An Bord des Panzerschiffes„Hoche" ist eine FeuerSbrunst ausgebrochen. Das Feuer entstand in der Nähe des Pluvermagazins und es herrschte einen Augenblick lang große Gefahr. Durch das schnelle Eingreifen der Mannschaften gelang es jedoch, jede Gefahr zu beseitigen. Die Ursache deS Brandes ist noch unbekannt._ Polizeitätigkeit im SufstandSgebiet. Rarbonne, 6. Juli.(B. H.) Die Polizei nahm heute fünf Verhaftungen bor, welche im Zusammenhange stehen mit den Zwischenfällen anläßlich der Verhaftung des Bürgermeisters Ferroul. Ueber 39 Haussuchungen haben stattgefunden. Mehrere Personen, welche verhaftet werden sollten, sind flüchtig. Dockarbeiter im Ausstand. Cherbourg, 6. Juli.(B. H.) Die hiesigen Dockarbeiter sind heute in den Ausstand getreten und durchzogen unter Absingu«? revolutionärer Lieder die Straßen der Stadt. GaSarbeiteransstand in Marseille. Marseille, 6. Juli.(W. T. B.) DaS Personal der GaS» gesellschaft hat beschlossen, in den Ausstand zu treten, nur die Laternenanzünder werden heute abend noch arbeiten. Die Arbeiter verlangen Lohnerhöhung und Bewilligung eines wöchentlichen Ruhetages. Die Polizei bewacht die Fabrikgebäude. Entlassungen spionageverdächtiger japanischer Arbeiten New Bork» 6. Juli.(B. H.)„New Dork Herald" berichtet auS Manila, alle japanischen Arbeiter, welche an den Befeftigungs- werken und bei den Docks von Olongapo und gawite beschäftig« waren, sind entlassen worden. Man vermutet unter den Ver- abschiedeten zahlreiche japanische Offiziere, welche, wie seinerzeit in der Mandschurei, Arbeiterstellungen angenommen haben, um auf Rechnung ihrer Regierung Spionage zu treiben. Auch 69 Frauen stehen unter demselben Verdacht. Die Amerikaner planen in der Nähe von Olongapo kombinierte Manöver der Flotten- und Landtruppen zu veranstalten. Lerantw.Nedakt.: Carl Mermuth, BerliwRixdors. Jnserateyelantw.lTh. Glocke, Berlin. Krück».Lerlag: Vorwärts Bucl�dr. u. VerlagsaniraltPaul Siiigcr L-Cs.. Berlin S W« Hierzu IBeilagea, Ur. 156. 24. Jahrgang. 1. WM des Jotiuiitls" Ktllim DollisMntl. Somitng, 7.?iili 1907. fflaifeier und internationaler Kongreß in Stuttgart 1907. ES tvird uns geschrieben: In seinen Nummern vom 31. Mai und f. Juni hat der „Vorwärts" die Diskussion über diese Materie eröffnet. Die Artikel haben nun in Arbeiterkreisen wenig Befriedigung hervor. gerufen, da sie wenig Neues zu sagen haben. Der„Vorwärts" vegnügt sich lediglich damit, den Standpunkt einzelner Gewerk- schaftsführer ablehnend zu kritisieren und sich die Ausführungen des Genoffen Richard Fischer als Referent in Jena über die Arbeitsruhe am 1. Mai zu eigen zu machen, und daran folgende Trwartung zu knüpfen: „Sollte, wie wir hoffen, der Stuttgarter Internationale Kongreß die Beschlüsse der internationalen Kongresse und der deutschen Parteitage bestätigen, so erwarten wir, daß dann der Streit endgültig verschwinden wird." Eine Hoffnung, die seit dem Kölner Parteitag 18S3, wo die Partei den heute noch bestehenden Beschlutz betr. die Arbeits ruhe faßte, stetig wiederkehrt, aber bis heute leider noch nicht in Erfüllung gegangen ist. Damals schon schrieb„Die Neue Zeit"' (12. Jahrgang 1. B. S. 168) über die Maifcierresolution des Kolner Parteitages folgendes: „Wie die Dinge in Deutschland liegen, wird der Streit um die Arbeitsruhe am 1. Mai hoffentlich erst gar nicht wieder aust leben, der bei seiner stetigen Wiederkehr leicht dazu führen könnte� uns Deutschen die ganze Maifeier zu verekeln und aus einem internationalen Verbrüderungsfest zu einer ewigen Ursache un erquicklicher Streitigkeiten nach innen und nach autzen zu machen' Die Erfahrungen der 14 Jahre, die darüber ins Land ge gangen, haben diese Befürchtungen voll und ganz bestätigt. Wollten wir uns also lediglich mit den Hoffnungen des„Vorwärts" be- gnügen, so wird wohl allen bisherigen Erfahrungen nach trotz aller Kongretzbeschlüsse der bestehende Zustand wenig geändert werden Der„Vorwärts" bekräftigt dann seine Ausführungen noch mit folgenden Schlußsätzen:„Die Maifeier hat sich insbesondere in Rußland und in O e st e r r e i ch als ein mächtiger Hebel im Kampfe um die politischen und wirtschaftlichen Rechte der Arbeiter erwiesen. Es kann für den Stuttgarter Kongreß sich nicht darum handeln, die internationale Waffe der Maifeier zu beseitigen oder abzustumpfen, sondern sie zu einer für alle Länder Möglichst wirksamen zu gestalten." Nun sind aber die Verhältnisse in den beiden angeführten Ländern ffl grundverschieden von den unsrigen, daß man sich eigentlich hüten sollte, der Arbeitsruhe am 1. Mai in Deutschland dieselbe Wirk- samkeit zuzuschreiben. Bereits vor 1b Jahren wandte sich August Bebel, den doch sicher niemand im Verdacht revisionistischer sinnung haben wird, auf und nach dem Berliner Parteitag aufs schärfste gegen eine derartige Verallgemeinerung. Er schrieb da- malS in der„Neuen Zeit"(11. Jahrg. 1. B. S. 441):„In Deutsch land hat sich die sozialdemokratische Partei zur stärksten politischen Partei und damit der Klassenkampf in einem Umfang entwickelt, daß jede Aktion, die von der Sozialdemokratie ausgeht, politische Komplikationen im Gefolge hat, die von der einschneidendsten Be- deutung für das gesamte öffentliche Leben sind. Mit dem Wachs- tum der Partei steigt unzweifelhaft die Möglichkeit von Erfolgen aber es wächst auch die Schwere der Verantwortung im Falle von Niederlagen. Die Partei muß also nicht nur jeden Schritt doppelt und dreifach erwägen, sie darf sich auch auf kein Kampfseld drängen lassen, auf dem eine Niederlage wahrscheinlich ist. A n dercrseits sinkt die Bedeutung von Demon strationen für eine Partei in demselben Maße wie ihre wirkliche Macht wächst.... Daher werden in Ländern wie England. Frankreich und Deutschland diese Demonstrationen nicht die Bedeutung erhalten, die sie z. B. in Oesterreich besitzen, und aus diesem Grunde wird die Bereit- schaft, Opfer für solche Demonstrationen zu bringen, in den elfteren Ländern nicht in dem Maße vorhanden sein, wie dort, wo man auf die Demonstration als einziges allgemeines Kampfmittel an gewiesen ist. Es erklärt sich hiernach vollkommen aus der Grund Verschiedenheit der Verhältnisse in den beiderseitigen Länderver bänden, daß unsere österreichischen Genossen ganz anders wie wir für die Maifeier im demonstrativen Sinne eintreten. Für sie ist die Maifeier mit der Arbeitsruhc, wie schon erwähnt, der Protest Siegen all die Unterdrückung, Ungerechtigkeit und Quälerei, deren ie seitens ihrer Staatsgewalt in höherem Grade ausgesetzt sind. als die Arbeiter irgend eines anderen europäischen Landes, Ruß land ausgenommen." Und weiter schreibt Bebel: „Kommt die Sozialdemokratie, um zu agitieren, in die ent- ferntcsten Winkel des Reiches, so hat sie es nicht mehr mit ganz- lich indifferenten, politisch unberührten, politisch jungfräulichen Proletariern zu tun, sondern mit bereits durch die Gegner politisch voreingenommenen Menschen, die oftmals schwer zu ge Winnen sind. Die Gegner haben, unterstützt von Schule und Kirche, ein politisch verbohrtes und oft schwer zugängliches Proletariat er» zogen, das sich zu allerletzt für die Maifeier begeistert." Seitdem sind Partei und Gewerkschaften in ungeahnter Weise gewachsen. Und wenn August Bebel vor Ib Jahren in so treffender Weise schrieb, daß die Bedeutung von Demonstrationen für eine Partei in demselben Matze sinkt, wie ihre wirtschaftliche Macht wächst, so würde damit die Bedeutung der Maifeier als Demonstra- tion auf die heutigen Verhältnisse angewandt, eigentlich abgetan sein. Wenn wir nun den Erfolg des 17jährigen Kampfes be- trachten, so sehen wir, datz nach der Ucbersicht, die der„Vorwärts am 3. Mai 1907 über die Arbeitsruhe gegeben hat, von den sämtlichen gewerkschaftlich organisierten Arbeitern nur höchstens 19 Proz. und von den in Industrie, Handel und Verkehr über- Haupt beschäftigten Arbeitern nur 2 Proz. am 1. Mai 1907 durch Arbeitsruhe feierten. Die Schuld an dieser geringen Beteiligung den Gewerkschafts- führern in die Schuhe schieben zu wollen, hieße nicht nur ihnen bitteres Unrecht tun. sondern bedeutete auch völlige Vcrkennung der treibenden Kräfte der EntWickelung, vollständige Verleugnung der theoretischen Grundlagen des Sozialismus. Wir dürfen uns eben nicht einfach hypnotisieren lassen durch den VerS:„Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will". Datz vielen Parteigenossen der Gedanke unfaßbar erscheint, die Macht des Proletariats reiche nicht einmal hin, einen einzigen Feiertag im Jahr dem Ausbeutertum abzutrotzen, daß sie der Wunsch beseelt, rascher, schneller vorwärts zu kommen, ist menschlich durchaus be- greiflich, hilft uns aber nicht über die rauhe Wirklichkeit hinweg Haben doch alle Versuche, in der Grohindustrie die Arbeitsruhe zu erzwingen, nicht nur große materielle Opfer erfordert, sondern die Organisation in manchen Betrieben auf lange Zeit vollständig lahmgelegt, Zerwürfnisse in den eigenen Reihen und sogar die Gründung von gelben Gewerkschaften gebracht. Dort ist den Scharfmachern die Maifeier ein willkommener Anlaß geworden, die Betriebe von allen agitatorisch tätigen Genossen gründlich zu säubern. Und wer die ungeheure Arbeit, einen Betrieb zu organi- sieren, in ihrem ganzen Umfange kennt, wer ferner die Schwierig. keiten, die oftmaligen Enttäuschungen erlebt hat, die die Aufgabe mit�sich bringt, die Arbeiterschaft eines Betriebes von außen, ohne genügende Unterstützung von innen heraus für die Gewerkschaften zu gewinnen, der wird ganz gewiß von selbst dem agitatorischen Wert der Arbeitsruhe kritisch gegenüberstehen. DaS machwolle Erstarken der Unternehmerorganisationen, die umfangreichen, aus geringfügigen Anlässen provozierten Aus- Zerrungen zwingen-naturgemäß die Gcwerschaften zur größten Vorsicht bei allen ihren Unternehmungen. Bei ihrem natürlichen Bestreben, ihre gesamte Kraft möglichst auf einen bestimmten Zweck zu konzentrieren, müssen sie die Arbeitsruhe am 1. Mai in ihren stets unberechenbaren Folgen notwendigerweise als störenden Faktor betrachten und deshalb möglichst unschädlich zu machen suchen. Die immerwährende Betonung der Arbeitsruhe ruft des- halb stets neue Streitigkeiten innerhalb der Arbeiterbewegung hervor. Die Durchführung der Arbeitsruhe erfordert einen Opfermut, ein Maß von Klassenbewußtsein, wie es eben zurzeit innerhalb der Arbeiterschaft leider noch nicht vorhanden ist. Ohne den Teil der Arbeiterschaft, der in der Lage ist, die Arbeitsruhe durchsetzen zu können, veranlassen zu wollen, davon abzugehen, müssen wir für den anderen Teil eine vollwertige Möglichkeit der Betätigung schaffen.— Wir müssen versuchen, die 98 Proz. der Arbeiterschaft, die noch niemals die Arbeitsruhe haben erzwingen können, dahin zu bringen, datz sie ihren Tages verdienst vom 1. Mai für die Begründung und Erhaltung eines internationalen Kampffonds mit Begeisterung hingeben. Und wenn es nur gelingen würde, die 25 Proz. der gegenwärtig gew'erk- schaftlich organisierten Arbeiter zu diesem Opfer zu veranlassen, so würde allein die Summe von 5 Millionen Mark, die gering gerechnet allein in Deutschland aufkommen würde, nachhaltiger für die internationale Verbrüderung, den Weltfrieden, den Acht- stundentag und die gesamten Klasscnforderungen des Proletariats demonstrieren, als alle die tausende Resolutionen, die in den Maiversammlungen gefaßt worden sind. Man komme nicht mit dem billigen Einwand, datz dies dem Verschachern unserer Ideale gleichkomme. Mögen vielmehr alle diejenigen, die sich sonst darauf beschränkt haben, die Arbeitsruhe zu befürworten, erst ihre ganze- Kraft auf die Durchführung dieser, der Arbeitsruhe aeaenüber gering erscheinenden Forderung verwenden, und sie werden bald erkennen, datz es leichter ist, in hochtönenden Worten Unmögliches zu verlangen, als im Erreichbaren einen Schritt vorwärts zu kommen. Wenn der internationale Kongreß sich in diesem Sinne entscheiden würde, so hätte er endlich die feste Norm geschaffen, die jedem nach Maßgabe der Verhältnisse eine Verpflichtung auf- erlegt, der er sich nicht entziehen kann und entziehen darf. Die Resolution müßte lauten:„In Uebereinstimmung mit den Be- schlüssen der internationalen Kongresse in Paris 1889, Brüssel 1891, Zürich 1893, London 1896, Paris 1999 und Amsterdam 1994 beschließt der internationale Kongreß in Stuttgart 1997: Der 1. Mai ist das Weihefest der Arbeit, gewidmet den Klassen- forderungcn des Proletariats und dem Weltfrieden. Als die würdigste Feier betrachtet der Kongreß die Arbeitsruhe. In der Erwägung aber, daß der allgemeinen Arbeitsruhe zurzeit noch unüberwindliche Schwierigkeiten entgegenstehen, in der ferneren Erwägung, datz das organisierte Unternehmertum un- ablässig bemüht ist, der Arbeiterschaft die bereits errungenen Er- folge wieder streitig zu machen, sieht der Kongreß die Haupt- aufgäbe des klassenbewußten Proletariats zunächst darin: 1. seine politischen und gewerkschaftlichen Organisationen machtvoll zu stärken. 2. Fordert er den Teil der Arbeiterschaft, dem eS nicht möglich ist, am 1. Mai durch Arbeitsruhe zu demonstrieren, auf. als enr- sprechende vollwertige Entschädigung seinen Tagesverdienst vom 1. Mai zur Begründung und Erhaltung eines internationalen Kampffonds zu opfern, welcher in zweckentsprechender Weise zum Kampf für die der Maifeier zugrunde liegenden Forderungen ver. wandt werden mutz."— Verleihen wir also dem Maifest den Charakter eines Opfer- festes, an dem der klassenbewußte Arbeiter unter Anlehnung an uralte Volkssitten dem internationalen, völkerbefreienden Sozialis- mus ein Opfer darbringt und gelobt, solange zu kämpfen, bis sein letztes großes Ziel erreicht ist. Charlottenburg, im Juli 1997. Wilhelm Richter. Metallarbeiter. Surf man in Preußen am Sonntag eine ßibel tragen? Vorstehende Frage ist, falls die neueste kammergerichtliche Ent- schcidung über Verbreitung von Wahlaufrufen an einem Sonntage ebenso richtig wäre wie sie unbedingt unrichtig ist, zu verneinen. Das Kammergericht hatte nämlich dieser Tage über eine Re- Vision zu entscheiden, die sich gegen Verurteilungen wegen Tragens von Wahlaufrufen an einem Sonntage wendete. Hierdurch sollten die Arbeiter Genossen Eberhardt, Otto und Genossen in Neu- Gattersleben die Bestimmung der VerfrommungSverordnung über- treten haben, die„öffentlich bemerkbare Arbeiten" an Sonn- und eiertagen verbietet. Sie wurden auch vom Landgericht Magdeburg zu Geldstrafen verurteilt. Das Gericht führte auS: Die Angeklagten seien mit den Wahlaufrufen von HauS zu HauS gegangen. Jeder habe zirka 69 Aufrufe getragen, deren jeder mehrere Blatt stark war. Die einen hätten sie unterm Arm. die anderen sichtbar über dem Arm getragen. In dem Tragen der D r u ck s ch r i f t e n st ö ß e. die ein immer- hin nicht unerhebliches Gewicht hätten und in dem Verteilen von Haus zu HauS sei eine Arbeit zu sehen, denn diese Tätigkeit sei mit einer gewissen Kräfteanstrengung verbunden ge« wesen. Das Tun der Leute sei auch von jedem, der sie sah, wahr« nehmbar gewesen, so datz die Arbeit eine öffentlich bemerkbare ge- wesen sei. Die Angeklagten verwiesen in der Revision darauf, datz sie das Verteilen selbst nur in den Häusern vorgenommen hätten. Der erste Strafsenat des Kammergerichts ver- warf aber am Montag das Rechtsmittel als unbegründet. DaS Landgericht habe seiner Entscheidung die Auslegung des Begriffs der öffentlich bemerkbaren Arbeit, die ihm das Kammergericht gegeben habe, zugrunde gelegt. Allerdings würde es ein Rechts- irrtum sein, wenn daS Landgericht bei Feststellung der öffentlich bemerkbaren Arbeit auch das Verteilen in den Häusern berücksichtigt hätte. DaS sei aber nicht anzunehmen, wenn auch daS Gericht von dem Tragen „und dem Verteilen von HauS zu HauS" gesprochen habe. ES sei nicht ersichtlich, datz der Vorderrichter daS Verteilen an 'ich, das in den Häusern erfolgte, der Verurteilung zugrunde zelegt habe. Die Vorentscheidung lasse demnach einen„Rechts irrtum" nicht erkennen. Diese Entscheidung widerspricht dem Begriff„Arbeit" und dem Gesetz auf das evidenteste. Wäre sie zutreffend, so gäbe es keinen Menschen in Preutzen, der am Sonntag ausgeht uud sich nicht straf- bar macht. Die paar Flugblätter, welche die Angeklagten trugen, wogen weniger als eine Bibel oder ein Gesangbuch oder ein Rock, ja als die Stiefel, die, auch wenn sie von Magdeburger Richtern getragen, öffentlich getragen, werden,„ein immer- hin nicht unerhebliches Gewicht" haben. Die Entscheidung widerspricht auch der früheren Judikatur des Kammergerichts, wie sie insbesondere unter Beisitz des Kammergerichtsrats Häven- kein erfolgte. Freilich ist Häven st ein dann, weil eine zutreffende Ansicht der Polizei nicht be- hagte, wider seinen Willen vom Strafsenat des Kammergerichts entfernt worden. Das Tragen von Druckschriften zwecks Verteilung in den Häusern oder die öffentlich bemerkbare Verteilung von Wahlflug- blättern ist keine Arbeit. Zum Begriff der Arbeit im Sinne der Ober-Präsidialverordnung ist nach ständiger Rechtsprechung des Kammergerichts erforderlich, datz bei der betreffenden Beschäftigung Mne gewisse Anstrengung der Kräfte in Erschei- ung tritt(Entsch. d. Kammergerichts vom 1. Februar 1999. Johow, Bd. 29, C. 41). Das Tragen von Druckschriften macht nicht mehr Arbeit, als das Tragen eines Gebetbuches oder eines Gesang» buches. So wenig das Tragen eines Gesangbuches als eine am Sonntag verbotene Arbeit erachtet werden kann, ebensowenig das Tragen der Flugblätter. Die Flugblätter sind so leicht, datz nicht etwa das Tragen derselben dem Tragen einer Last gleich geachtet werden könnte. DaS Kammergericht hat nicht einmal das Tragen eines Ge» wehrS, das bei weitein schwerer ist als die gesamten Flugblätter, die ein Genosse zu tragen vermag, und das Schietzen mit einem Gewehr am Sonntag für eine„Arbeit" erachtet.(Entscheidungen des Kammergerichts vom 21. Dezember 1899. 20. Juni 1898, 24. September 1900, Johow Bd. 19, S. 324, Bd. 20, S. 116 in Sachen wider Bräuer u. Gen. und wider Haack u. Gen. vom Jahre 1903 sowie Urteil vom 11. Januar 1904.) Die gesamten Flugblätter eines schwer belasteten Verbreiters wiegen selten auch nur annähernd ein Kilo, meist weniger als eine Bibel. Und das Tragen einer Bibel hat bislang das Kammergericht noch nicht für eine„Arbeit" erachtet. Datz die Verbreitung der Flugblätter keine Handlung sein kann, die durch die Oberpräsidialverordnung verboten wäre, ergibt sich schon daraus, datz sonst auch die Arbeit von Brief» trägern an Sonntagen verboten wäre. Es wäre ferner verboten, datz jemand an den Sonntagen Einkäufe macht und die Einkäufe nach Hause bringt. Denn in all diesen Fällen geht er genau wie die Flugblattverteiler auf der Stratze, hält Pakete, die keine Lasten darstellen, unter dem Arm und geht von Laden zu Laden oder von HauS zu HauS. DaS Tragen ist nicht verboten, das Gehen ist nicht verboten und die Abgabe von Flugblättern ist ebenso wenig verboten. Letztere ist ja reichS» gesetzlich gestattet und einer Einwirkung der Polizei überhaupt entzogen. Die Polizei kann lediglich die äußere Heilighaltung bezwecken und bezweckt haben. Weder die Hingabe der Flugblätter in den Wobnungen, noch daS Gehen mit denselben auf der Stratze ist eine Tätigkeit, welche die äußere Heilighaltung des Sonntags zu stören geeignet ist und strafbar wäre. Früher bereits haben wir darauf hingewiesen, daß daS Auge des Mißtrauens gegen die Rechtsprechung des Kammergerichts offen zu halten und deshalb dringend zu empfehlen ist, die Flugblätter an Sonn- und Feiertagen verhüllt und in nicht auffallend großen Paketen zu tragen. Tritt dann dennoch eine Bestrafung ein, so ist die Ungerechtigkeit der Bestrafung um jo krasser. Nun hält freilich die Kammergerichtsentscheidung sich von der offenen Ungereimtheit fern, zu erklären: Das Tragen von Flugblättern i st stets eine Arbeit. ES sagt„nur": Da der Vorderrichter„festgestellt" hat, datz das tragen„eine gewisse Anstrengung der Kräfte" erforderte, so hat eS die„Rechts"» norm, die das Kammergericht aufgestellt hat, nicht verletzt. Ob eS eine„tatsächliche" Verkehrtheit„festgestellt" hat, habe aber daS Kammergericht nicht zu prüfen. Diese Anschauung entspricht zweifel» loS der Ansicht des Kammergerichts über die Grenzen, die die Straf» prozetzordnung kammergerichtlicher Prüfung gezogen hat. Sie widerspricht aber, selbst wenn sie dem Gesetz entspräche, dem ge- sunden Menschenverstand. Gegen solche offensichtlichen Behinderungen des Rechtes Flugblätter, insbesondere Wahlflugblätter zu verteilen, ist gesetzliche Abhülfe erforderlich. Freilich: auch die esten Gesetze können gegen derartige der Logik und Ver» nunft ins Gesicht schlagende Ansichten. wie sie der geschilderte Prozeß gezeitigt hat, nicht auf die Dauer helfen. Ent» spricht die Ansicht der Magdeburger Staatsanwaltschaft und deS dortigen Gerichts, daß das Tragen einiger Flugblätter eine„Arbeit" sei, den Gesetzen des Rechts und der Vernunft, so mutz verlangt werden, datz auch die Konsequenzen aus dieser Ansicht gezogen werden. Werden in Zukunft die Magdeburger Richter gegen Kirchgänger, die ein Gesangbuch tragen, gegen Hausfrauen, die Pakete tragen, gegen Beamte, die Perücken tragen. Anklage erheben? Vor einem Jahre, konnten wir von einer ähnlichen Anklage berichten. Da wurde eine Hausfrau wegen Sabbatschändung angeklagt, weil sie— einen Krug Wasser vom Sttatzenbrunnen ins HauS getragen hatte. Die Frau wurde freigesprochen. Allerdings hatten nicht Magdeburger Richter zu entscheiden. Wir würden die Er» Hebung der Anklage in all' den geschilderten Fällen erwarten, wenn wir annähmen, datz in Preutzen der Verfassungsgrundsatz der Gleichheit vor dem Gesetz von allen BeHorden betätigt wird. Diese Erwartung hegen wir nicht. Der von allem juristischen KrimSkramS befreite Grund der durchaus un» gerechten Anklage und Verurteilung der Flugblattttäger liegt offen» sichtlich in dem Umstände, daß die Verbreiter Arbeiter waren. Trotz deS ergangenen Urteils werden selbstverständlich auch in Zukunft Flugblatter auch deS Sonntags nicht nur verbeitet, sondern sogar— zwecks Verbreitung getragen werden. Der besprochene Prozeß zeigt aufs evidenteste, wie wenig Vertrauen zu einer gerechten Rechts- pflege Arbeiter in Preußen haben dürfen. TIiis der Partei. Parteitag in Esse«. Die Adresse des LokalkomiteeS ist: Franz Gemoll, Essen-Ruhr. Kastanienallee Nr. 70. DaS Lokalkomitee des Internationalen Sozialistischen Kon» gresseS in Stuttgart gibt bekannt, daß die Legitimationskarten nr die Herren Vertreter der Presse ab 15. Juli zur Ausgabe gelangen. Anträge auf Zuerteilung einer Legitimationskarte sind a» H. Dietz, Stuttgart, Furtbachstr. 12, zu richten. Delegiertenwahl zum Stuttgarter Kongreß. An Stelle des Genossen Grauer, der verhindert ist, dem Stuttgarter Kongreß beizuwohnen, ist vom Brandenburger Zentral« vorstand durch Los zwischen den Genossen B o e S k e und Eugen Brückner, die bei der Wahl gleich viel Stimmen erhalten hatten, Genosse Brückner als Delegierter gewählt. Jahresberichte der Organisationen. Der Sozialdemokratische Verein Magdeburg erstattet zum ersten Male seinen Jahresbericht, den für 1906, in Form einer Broschüre. Der Verein, der 1902 erst 1300 Mitglieder hatte, zählte Anfang 1906 2100. Ende 1906 3762 und zur Zeit der Abfassung des Berichtes 4S83 Mitglieder. Von den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern sind 16,7 Proz. politisch organisiert, gegen 14,8 im Jahre 1906. Von den sozialdemokratischen ReichStagSwählern sind etwa 19 Proz. politisch organisiert. Die. Volks stimme" ist von 16300 Abonnenten am 31. De» zember 190Z auf 23 100 am 15. März 1907 gestiegen. Zurzeit hat sie vier Redakteure und einen Berichterstatter. Im Herbst 1906 wurde eine 16 fettige RotationSmaschine angeschafft, ferner ist daS Grundstück, auf dem sich bislang Druckerei und Redaktion befanden, angekauft worden. Der Verein, der seit dem 1. November einen Parteisekretär hat, setzte in Gemeinschaft mit dem Gewerkschaftskartell einen BildnngS- ausschutz ein. Das von diesem entworfene Programm konnte der RcichStagSwahl wegen nicht ganz durchgeführt werden. Die Einnahmen des Vereins betragen 23 145,86 M., gegen 18 071,02 M. für 1905, was ein Mehr von 10074,64 M. ausmacht. �le Ausgaben betragen 16 344,32 SU., gegen 13 008,67 M. im ßorjalji'c, der Bestand 6801,54 M., gegen 1848,44 M. im Vorjahre. Kit Beiträgen a 30 Pf. gingen 10 958,90 M., an solchen a 20 Pf. SO M. ein; an freiwilligen Beiträgen 1686,40 M., auf Listen 74,74 Wt., in Versammlungen 1023,46 M., für die Russen »63,60 M., anr roten Sonntag 1114,20 M., am 18. März 997,90 M., .m Sekretariat 1180,71 M., an Maikarten 1030 M., an Maimarken 1127 M.— An den Parteivorstand wurden 3700 M. gezahlt. Die kosten des Parteisekretariats betrugen 3496,02 M., für Drucksachen wurden 3064,30 M., für Agitation 1319,19 M.. an den Bezirksverband 120 M. ausgegeben. Das Parteisekretariat Jena für die Wahlkreise Iltenburg, Weimar Hl und Reust jüngere und ältere Linie erstattet Bericht über das erste Jahr seiner Tätigkeit, den Zeitraum vom 1. April 1906 bis 31. März 1907, Der Bericht kann über mancherlei Erfolge in der Lokalfrage und Organisationsstärkung berichten. Der Parteisekretär Genosse Hermann Leber hielt 114 Versammlungen ab und nahm außerdem noch an 35 weiteren Versammlungen, Besprechungen!und Sitzungen teil. Die vier im Bezirk verbreiteten Parteiblätter, die„Altenburger �Zolkszeitung" in Altenburg, die„Reußische Tribüne' in Gera, die „Neussische Volkszeitung" in Greiz und die"Weimarer Volkszeitung" .n Jena hatten insgesamt 23 350 Abonnenten, woraus sich ergibt, oaß annähernd 50 Proz. der sozialdemokratischen Wähler Abonnenten der Parteipresse sind. Organisiert waren in Altenburg zu Ende des Berichtsjahres 1216 Mitglieder gegen 3442 zu Beginn des Jahres, in Reust j. L. sGera) 3396 gegen 2732, in Reust ä. L.(Greiz) 860 gegen 795, in Weimar HI 2228 gegen 1752 Mitglieder. Im ganzen Bezirk stieg . ie Zahl der Mitglieder von 8721 auf 10 700. Von den Einnahmen ,ind die wichtigsten Posten: Vom Wahlkreis Weimar IH:;; I, 600,— M. „ � Altenburg 556,„ „. Reust ältere Linie... 100,—„ „, Reust jüngere Linie... 750,—„ An Honorar für Versammlungen austerhalb des Bezirks.... 239,30„ Im ganzen betrugen die Einnahmen 2251,55 M., die Ausgaben 2146,05 M._ Der Allgemeine Arbeiterverein Gens hat sein seit mehr aks 50 Jahren innegehabtes Lokal Rue Guillaume Tells am 1. Juni 1907 verlassen und ist nach dein Quai du Seujet 15 II übergesiedelt. Der Verein bietet den nach Genf kommenden Genossen ein Heim. Auster eurer reichhaltigen Bibliothek stehen den Mitgliedern zirka 30 Tageszeitungen und Zeitschriften zur ständigen Verfügung. Auch wird für die Belehrung der Genossen Sorge getragen. Zu diesem Zwecke finden des öfteren Vorträge auf allen Gebieten des Wissens sowie jeden Dienstagabend Diskussionsstunden statt. Der Verein unterhält auch eine Pension, in der den Genossen für billiges Geld Morgen-, Mittag- und Abendessen verabfolgt wird. Die Arbeiterpresse wird um Abdruck gebeten. Der Arbeiterbildungsvercin„Eintracht', zu Baden in der Schweiz, eine seit 46 Jahren bestehende Sektion der Organisation der deutschen und östorreich-ungarischen Sozialdemokraten der Schweiz, bittet die deutschen Genossen, ihm durch Bücherspenden zu helfen, seine kleine, stark in Anspruch genommene Bibliothek etwas auf- zubessern. Hub Induftne und Ftandel* Der Kampf um den Stillen Ozean. Die japanische Schiffahrt erlangt, unterstützt durch hohe Staats- subventionen, aus dem Stillen Ozean, den Goethe einst prophetischen Blicks das„Mittelmeer der Zukunft" genannt hat, immer größere Bedeutung, und zwar nicht nur im Verkehr mit Korea, China und den Philippinen, sondern auch in der Südsee., Die„Deutsche Tages- zeituug" schreibt mit gewisser Berechtigung: „Aus dem Stillen Ozean drängen die Japaner die Amerikaner stetig und sicher hinaus. Es geht- allen amerikanischen Reedereien dort schlecht, ihr Rückschritt ist unverkennbar und nachweisbar. Die Harriman Linie hat schwer mit der Konkurrenz zu kämpfen, die Oceanic Steamship Comp, hat einen Teil ihrer Schiffe aus dein Verkehr mit Australien bereits herausgezogen und angekündigt, daß sie die übrigen auch herausziehen werde. Ein japanisches Konsortium erbot sich, sofort die Schiffe zu erwerben.— Ein anderes Konsortium machte schon vor geraumer Zeit der Union Pacific Co. Angebote auf ihre Schiffe, damals vergeblich. Die Boston Steamship Comp, hat drei Dampfer nach Asien den Verkehr einstellen lassen, und die Hoff- uungen der Great Northern Eisenbahn auf den Verkehr ihrer großen Dampfer„Dakota" und„MinneapoliS" haben sich in keiner Weise erfüllt.„Dakota" ist an der Küste Japans gestrandet und wird wahrscheinlich nicht ersetzt werden. Der Verkehr im Stillen Ozean tvird sich weiter entlvickeln, aber nicht zugunsten der Amerikaner, sondern der Japaner, die ihn heute schon im Handel ebenso be- herrschen, wie sie militärisch dort Herren sind." Ganz trM der letzte Satz nicht zu. Noch beherrscht die englische Flagge den Stillen Ozean. Aber zweifellos ist die japanische Handelsflotte auf dem besten Wege, die herrschende Stellung zu erlangen.__ Zur Einziehung des Talers, der, wie wir bereits gestern ve- richteten, vom 1. Oktober d. I. ab nicht mehr gesetzliches Zahlungs- mittel sein wird, schreibt der„Berl. Börs.-Courier":„Durch die Außerkurssetzung des TalerS wird die deutsche Münzeinheit ent- sprechend den Münzgcsetzen vom 4. Dezember 1871 und dorn 9. Juli 1873 erst vollständig durchgeführt. Die einzige deutsche Münze, welche, ohne Reichsmünze zu sein, noch Geltung hatte, wird vollständig aus dem Verkehr verschwinden. Die Taler sind währungsrechtlich nicht Scheidemünzen, sondern haben gleich den Goldmünzen unbeschränkte Zahlkraft gehabt. Nach der Münznovelle vom 1. Juni 1900 sollten sie allmählich ganz eingezogen und in Scheidemünzen umgeprägt werden. Die Einziehung wurde aber im Jahre 1903 fistiert, und aus ver- kehrstechnischen Gründen wurden bereits eingezogene Taler wieder in Umlauf gesetzt. Die deutschen Doppeltalerftücke sind seit 1877, die österreichischen Vereinstaler und BereinSdoppcltaler feit 1901 außer Kurs gesetzt. Nach dem Verschwinden dcS Talers werden in Deutschland an Silbcrmünzcn in Umlauf sein: das Fünfmarkstück, das Zweimarkstück, das Einmarkstück und das Halbemarlstück. Vor einigen Jahren war angeregt worden, ein Reichs-Dreimarkstück zu prägen. Es wurden auch einige Probestücke geschlagen, indessen sind sie nicht in den Verkehr gekommen. DaS silberne Zwanzig» Pfennigstück ist seit 1902 außer Kurs gesetzt." Neue Gründungen. Nach einer Uebersicht des„Deutschen Oekonornist" wurden im ersten Halbjahr 1907 113 neue Aktiengesellschaften mit einem Aktien- kapital von 147,54 Millionen Mark in das ZentralhandelSregister eingetragen gegen 120 Gesellschaften mit einem Kapital von 228,95 Millionen Mark im ersten Halbjahr 1906. Das durchschnittlich auf eine Gesellschaft entfallende Kapital betrug 1,31 Millionen Mark gegen 1,90 Millionen Mark. Besonders stark war im ersten Semester 1907 die GründnngStätigkeit auf dein Gebiete Metall- Verarbeitung, Maschinenbau. Es wurden nämlich 21 Gesellschaften mit 44,43 Millionen Mark gegründet gegen 20 Gesellschaften mit 28,64 Millionen Mark im ersten Semester 1906 und 34 Gesellschaften mit 55,24 Millionen Mark im ganzen Jahre 1900. Sericdtg- Leitung. Schamlosigkeiten eines russischen Staatsbcamteik. Ein schamloses Verhalten gegenüber einem jungen Mädchen wurde gestern— mit Rücksicht auf die Sittlichkeit unter Ausschluß der Oeffentlichkeit— vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte vcr- handelt. Am 22. Juni d. I. ereignete sich in einem Stadtbahn- zuge in der Nähe des Lehrter Bahnhofes ein eigenartiger Vorfall. Eine 17jährige junge Damc, die Tochter eines angesehenen In- Habers eines Speditionsgeschäftes im Norden Berlins, benutzte vom Bahnhof Alexanderplatz aus die Stadtbahn, um einer im Westen wohnhaften Freundin einen Kondolenzbesuch abzustatten. In demselben Abteil saßen noch zwei Herren, die eifrig in die Lektüre ihrer Zeitungen vertieft waren und sich um die junge Dame weiter nicht bekümmerten. Unterwegs stieg ein elegant ge- kleidcter Herr ein, der sofort das Mädchen in ziemlich brüsker Weise fixierte, so daß diese nach einiger Zeit einen anderen Platz einnahm. Der Hinzugekommene wechselte hierauf sofort ebenfalls seinen Platz und ließ sich dem jungen Mädchen gegenüber am Fenster nieder. Plötzlich stieß die junge Dame unter Tränen die Worte hervor:„Kann mich denn niemand hier beschützen?" Zu- gleich deutete sie auf ihr Visavis. Einer der Herren sprang sofort auf und bot ihr seinen Schutz an, nachdem er sich als der Kriminal- kommissar und Polizeirat Dr. Hennigcr legitimiert hatte, der zufällig Zeuge dieses eigenartigen Vorfalles geworden war. Er machte den schamlosen Hantierungen des Unbekannten durch Ver- Haftung ein Ende. Der Attentäter wurde auf dem nächsten Bahn- Hof einem Schutzmann übergeben. Es stellte sich nunmehr Hera«?, daß der Täter ein hoher russischer Staatsbeamter war, und zwar der kaiserlich russische Kollegienrat Mieeislaw Schaniawsky. Dieser bekleidete früher den Posten eines Generalgouverneurs von Turkestan und befand sich jetzt im Auftrage der russischen Regierung auf einer Reise nach Paris. Schaniawsky wurde, da er Ausländer ist und Fluchtverdacht vorlag, in das Moabiter Untersuchungs- gcfängnis übergeführt, aus dem er nun gestern dem Strafrichter vorgeführt wurde. Vor Gericht bestritt M., sich strafbar gemacht zu haben; die ganze Geschichte wäre von dem jungen Mädchen, die wahrscheinlich hysterisch veranlagt sei, erfunden worden. Schon bei der Verhaftung war übrigens das erste Wort des Angeklagten gewesen:„Das Mädchen ist hysterisch!" Die Beweisaufnahme veranlahte den Staatsanwalt, eine Gefängnisstrafe voi» zwei Monaten wegen Erregung öffentlichen Aergernisses zu be- antragen. Der Verteidiger führte aus, es handle sich um einen Exhibitionisten, der. sich in einem krankhaften Erregungszustande zu der Tat habe hinreißen lassen. ES käme sogar sehr in Frage, ob man nicht bei diesem geradezu ungeheuerlichen Vorgange an- nehmen müsse, daß hier eine krankhafte Störung der Geistestätig- keit im Sinne des£j 51 des Strafgesetzbuches vorliege. Das Ge- richt verurteilte den Angeklagten nur zu einer Gefängnisstrafe von drei Wochen, unter Anrechnung von einer Woche der erlittenen Untersuchungshaft. Wie hoch wäre wohl ein Arbeiter bestraft worden, der in gleich schamloser Weise sich benommen hätte? Ei» Anarchistenprozes? in vierter Instanz! Vom Landgericht I tn Berlin sind am 6. März der Tuch- macher Frauböse und der Maurer Möller wegen ver- meintlichen Vergehens gegen die öffentliche Ordnung(§ 130) zu je vier Monaten Gefängnis verurteilt worden, nachdem ein früheres Urteil, welches gegen F. auf neun, gegen M. auf vier Monate ge- lautet hatte, vom Reichsgericht aufgehoben worden war. Das Gericht hatte angenommen, daß in zwei Artikeln des„Re- bolutionärs" verschiedene Bevölkerungskkasscn zu Gewalttätigkeiten — durch eine Polemik gegen die politische Taktik der Sozialdemo- kratie— gegeneinander angereizt worden sindl Möller war zur fraglichen Zeit Redakteur und Verleger des genannten Blattes. In einem Zimmer Frauböses, welches zu diesem Zwecke von Möller gemietet worden war, wurde abends von letzterem die Redaktion des Blattes bewirkt. Fraüböse hatte lediglich die Briese in Empfang zu nehmen und besorgte die Expcditionsarbeiten. Das Gericht hat aber angenommen, daß auch Frauböse die Verbreitung des Blattes bewirkt und deshaw sich der Teilnahme an den Straf- taten Möllers schuldig gemacht habe.— In seiner Revision bestritt Frauböse, von dem Inhalt der Artikel Kenntnis gehabt zu haben. Auch habe er das Blatt nicht verbreitet, sondern lediglich die Expeditionsarbeiten ausgeführt. Das Reichsgericht hob am Freitag das Urteil, soweit es Frauböse betrifft, auf und verwies die Sache insoweit au daö Landgericht zurück. Nach den getroffenen Feststellungen könne nicht angenommen werden, daß F. die frag- lichcn Schriften verbreitet habe. Seine Tätigkeit stelle nur eine vorbereitende Handlung dar, durch welche die Schriften noch nicht zur Kenntnis des Publikums gebracht worden kmd. Die Revision Möllers wurde verworfen. Durch die Autodroschke gelötet. Zu der Strafe von einem Jahre sechs Monaten ist am 25. April vom Landgericht III in Berlin der Chauffeur Paul Pöggel wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilt worden. Am 24. November v. I. fuhr er mit seiner Autodroschke eine Anzahl Personen um Berlin herum. Gegen ViilO Uhr abends kam er durch Französisch-Buchholz. Hier war ein betrunkener Arbeiter auf der Straße umgefallen und zwei andere wollten ihn forttragen. DieS war aber nicht möglich, weil in demselben Augenblick die Auto- droschke des Angeklagten in wahnsinnigem Tempo angesaust kam. Der eine hülfreiche Arbeiter rief dem Angeklagten noch entgegen: „Halten Sie an, es liegt ein Mann auf dem Damme!" Aus der Droschke rief jemand:„W a s da liegt, wird überfahren!" Im selben Augenblick war auch der Daliegende überfahren. Die Räder gingen ihm über Leib und Beine. Er erlitte auch eine Gehirnerschütterung und wird wahr- schcinlich nie wieder völlig hergestellt werden. Der Angeklagte will sie erwähnten Worte nicht gerufen haben. Wenn sie von einem Insassen seiner Droschke herrühren, hat er sie sicher gehört und er hätte schon deshaw anzuhalten versuchen müssen. Das Gericht hat deshalb ein vorsätzliches Delikt angenommen und bei der Roheit dieser Handlungsweise auf die ausgeworfen- Strafe erkannt. Der Angeklagte ist nach dem fraglichen Vorfall un- bekümmert weiter gefahren und hat dann sein Auto auf � einen Steinhaufen auffahren lassen, wobei sämtliche Insassen hinaus» flogen.— Die Revision des Angeklagten wurde am Freitag vom Reichsgericht verworfen. Der Kampf um den Professorcntitek. Dr. med. Kohmann in Berlin, ein praktischer Arzt, war bor vielen Jahren Privatdozent der Philosophie an der Uni- versität Heidelberg und hatte dort 1887 den Charakter und Titel eines Großherzoglich Badischen außerordentlichen Professors der philosophischen Fakultät erlangt. Der Berliner Polizeipräsident hatte es ihm nun verübelt, daß er sich auf seinem Wohnungsschilde „Professor Dr. Koßmaun" und bei längeren Unterschriften„Groß- herzoglich Badischer außerordentlicher Professor nannte. Er sollte sich nach dem Willen des Polizeipräsidenten höchstens nennen dürfen: Vormaliger außerordentlicher badischcr Professor Phil. Durch Selbstanzeige brachte Dr. Koßmann die Angelegenheit vor das Gericht. Das Amtsgericht und als Berufungsinstanz das Landgericht sprachen ihn jedoch von der Besch uldi- gung der unbefugten Annahme eines Titels frei. Das Landgericht gestand ihm das Recht zu, den Titel in der ge- dachten Weise zu führen, wenn er auch 1890 aus dem Lehrkörper der Universität Heidelberg ausgeschieden sei. Zum mindesten aber sei dargetan, daß er den Titel im guten Glauben an das Recht dazu geführt habe.— Der zweite Strafsenat des Kammergerichts verwarf am Freitag die hiergegen von der Staatsanwalt- schaft eingelegte Revision. Es führte aus: Allerdings müsse die Revision an der tatsächlichen Feststellung scheitern, daß Dr. Koßmann in gutem Glauben gehandelt habe. Ohne den guten Glauben aber würden die Feststellungen des Landgerichts zur Freisprechung nicht ausreichen. Aus der preußischen Verfassungs- Urkunde und den Grundsätzen des allgemeinen preußischen Land- rechts sei zu entnehmen, daß in Preußen Adel, Titel, Orden usw. den preußischen Staatsangehörigen nur vom Könige verliehen werden könnten. Demnach finde der von einem anderen Landesfürsten an einen Preußen verliehene Adel, Titel usw. in Preußen nur Anerkennung durch Genehmigung und Bestätigung des preußischen Königs. Auf Freisprechung würde darum, abgesehen von dem guten Glauben, nur dann haben erkannt werden können, wenn die Genehmigung des Königs vorgelegen hätte, vorausgesetzt, daß Dr. Koßmann Preuße und nicht etwa Badenser sei. Wegen der Feststellung des guten Glaubens müsse eS jedoch beim Urteil des Landgerichts bleiben, ohne daß eine Zu- rückweisung in die Vorinstanz erforderlich sei. Ersatzanspruch eines Büdners wegen Schädigung durch Höherlegung einer Straße. Der Kreis Zauch-Belzig ließ in den Jahren 1901 unA 1902 zur Durchführung einer Chaussee durch das Dorf Frees- d o r f die Dorfstrahe höher legen. Der Büdner üffi. in Freesdorf will dadurch Schaden an seinem Wirtschaftsgrundstück erlitten haben und erhob deshalb Klage auf Schadloshaltung gegen den Kreis Zauch-Belzig. Der Schaden besteht einmal in Wirtschafts- störungen und Erschwerung der An- und Ausfahrt, sowie in Ueberschweiumung seiner Viehställe durch die Abwässer der Chaussee. Kläger stützt sich deshaw wegen Verletzung seiner Anliegergerecht- same auf§ 185 Teil I Titel 8 des A.-L.-R., weil die Erhöhung un- mittelbar an sein Gruirdstück heranreiche, und auf die gfj 907 und 909 des Bürgerlichen Gesetzbuchs wegen Verletzung seines Rechts auf Vorflut und Verletzung seines Eigentums. Die vorläufig geltend gemachten Ansprüche beziffern sich auf zirka 5000 M. Vom Landgericht Berlin wurde der Beklagte zur Zahlung von 3266 M. verurteilt. Auf die von ihm eingelegte Berufung erkannte das Kammergericht zu Berlin den Schaden nur in Höhe von 225 M. wegen der Wasserzuführung für gerechtfertigt an und wies die Klage im übrigen ab. Gegen dieses Urteil legte der Kläger Revision beim Reichsgericht ein. Der 5. Zivilsenat des Reichsgerichts kam dieser Tage zur Aufhebung des kammergerichtlichen Urteils und verwies die Sache zur nochmaligen Entscheidung an das Kammergericht zurück. Der beleidigte Lehrer. Unter Bezugnahme auf den Bericht über die Gcrichtsverhanv- lung gegen den Schuhmachermeistcr Kuhnert(Nr. 154 des„Vorwärts") bestreitet der Lehrer Habermann in einer Zuschrift an uns, daß er mit dem von ihm Verklagten auf dem Duzfuße ge- standen, ihn mehrere Male angeborgt und in engeren Beziehungen zu ihm gestanden habe, lliuieen, Sammlungen, Sehensmünligkeiten. (Zutritt ist unentgeltlich, wenn nichts anderes vermerkt ist.) Altes und Neues Museum,«lm Lustgarten. Wochentags(außer Montags): April bis September 10—4, Oktober bis März 10—3. Am Sonntag und an den zweiten Weihnachts-, Osler-, Psingsljeicrtagcn: April bis September 12— 6, Oktober und März 12—5, November und Februar 12—4, Dezember und Januar 12— 3. Am Montag und an Feiertagen(außer den zweiten Feiertagen): geschlossen. Aquarium. Unter den Linden<53o. Im Sommer: täglich 9—7, im Winter: an Sonn- und Feiertagen 9—7, an Wochentagen 9—6. Eintrittsgeld: 1,00 M., an Sonn- und Feiertagen 50 Pf.; Kinder die Halste. Am letzten Sonntag jedes Monats 23 Pf. Architettur-Mnseuui. Technische Hochschule, Charloltcnburg, Berliner- straße 131. Montag 10-3(auch ö'/j-'1/,, vom Oktober bis März), Dienstag 12-3,(auch 10-12 für Studicnzwcckc), Mittwoch 10-12, Donnerstag 12-3 (auch 10-12 sin Stiidicnzwecke. auch 5'/,— 7>/, vom Oktober bis März), Freitag 10—3. Geschlossen i Sonnabend und Sonntag. Ausstellung für Arbeiterwohlfahrt. Charloltcnburg, Fraunhoser« straße 11/12. An allen Wochentagen(außer Montag) 10—1, am DienStag und Donnerstag auch 6—9 abends. Sonntag 1—5. Baumuse» m. Stehe Vcrkehrsmuseum. Berg- und Hütteumuseum. Jnvalidcnstr. 44. Wochentags(außer Sonnabend) 12—2, am Sonntag: April bis September 12—6, Oktober und März 12—3, November und Februar 12—4, Dezember und Januar 12—3. Botanischer Garte«. Dahlem. Unentgeltlich: Dienstag, Mittwoch, Freitag 2—7, Sonntag 10—7. An Wochentagen vormittags Zutritt nur gegen Erwerbung des„Führers-(beim Psörtner). Botanisches Museum. Dahlem. Montag und Donnerstag 3—6. Mittwoch 9—6. Eisenbahnmnsenm. Siehe VerkehrSmuseum. Kaiser Friedrich-Museum. Monbijoustraße. Eröffnung: an den Wochentagen(außer Montag) um 10, am Montag um 1, am Sonntag und an den zweiten Weihnachts-, Ostcr- und Psingstseierkagcn um 12. Schluß an allen Tagen: April bis September um 6, Oktober und März um 5, November und Februar um 4, Dezember und Januar um 3. Eintritts- getd: Montag 1 M., Dienstag und Mittwoch 30 Pf. Eintritt frei: an allen übrigen Tagen. Hygieuemuseum. Hcssischestr. 4. DienStag und Freitag 10—2; Sonntag: April bis September 1—6, Oktober und März 1—5, November und Februar 1—4, Dezember und Januar 1—3. Kunstgetverbe-Musenm. Prinz Albrechtstr. 7. Besuchszeit wie beim Alten Museum. Lo»dwirtschqf(sinuseum. Jnvalidcnstr. 42. An den Wochentagen (außer Montag) 10—3. An jedem dritten Sonntag im Monat: 1t— 5. Märkisches Museum. Wegen Umzug nach dem Neubau geschlossen. Mcereskundemusenm. Gcorgenstr. 34—36. Sonnabend und Montag 11— 4, Sonntag 12—3. Natioual-Galerie. Museumsinscl, an der FriedrichSbrücke. Eröffnung: an den Wochentagen(außer Donnerstag) um 10, am Donnerstag um 1, am Sonntag und an den zweiten Weihnachts-, Oster- und Pfinastseicrtagcn um 12. Schluß, an allen Tagen: April bis September um 6, Oktober und März um 3, 0!ovcmbcr und Februar um 4. Dezember und Januar um 3. Eintrittsgeld; Donnerstag 1 M., Freitag und Sonnabend 50 Pj. Eintritt an allen übrigen Tagen sict. Naturkunde-Museum. Jnvalidenstraße«3. Montag. Mittwoch. Donnerstag, Sonnabend: April bis September 10— 4, Oktober bis März 10—3. Am Sonntag und an zweiten Feiertagen: wie beim Alten Museum. Pergamon-Muscuin. MuseumSinseh hinter der National-Galerie. Besuchszeit wie beim Alten Museum. Poft-Musruin. Leipzlgerstr. 16/18. Montag. DienStag, Donnerstag. Freitag 10—2. Am Sonntag und an den zweiten Feiertagen: 12—2. Ranch-Museum.(Werte von Christ. Rauch.) Klostersw. 76. Wochen tags: April bis September 10—4, Oktober bis März 10— 3. Rathaus. Königslraßc. Täglich(ausser Donnerstag und Freitag' 10-3, unentgeltlich. Tunnbesteigung: April bis September, täglich(auci Donnerstag und Freilag) 10—3, Eintrittsgeld 20 Pf. ReichötagSgebäude. Köniasplatz. An Wochentagen 8'/,— 9'/, vor, mittags, am Sonntag 2—4. EliiirittSgeld 50 Pf. �_ Sternwarte. Enckeplatz 8». Mittwoch und Sonnabend, im Sommer S— 11, vormittags, im Winter 10—11 vormittags. Sternwarte. Treptower Park. Täglich von 2 Uhr nachmittags ab, Im Sommer bis 12 Uhr nachts, im Winter bis 10 Uhr abends. EintrsttS. gcld: 30 Pf. für Besichtigung der Sternwarte und dcS Astronomischen MusenmS, 1 M. für Beobachtung mit dem grossen Fenirohr. Sternwarte der„Urania". Jnoalldenstr. 37/62. Täglich 7'/,— 11 Uhr abends. Eintrittsgeld 30 Pf. Urania, Sammlungen und wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 43. Täglich von 10 Uhr vormittags ab. Eintrittsgeld 50 Psennig(für Abend. Vorstellungen von 1 Mark an). Verkehrs- und Baumuseum. Jnvalidenstr. 51. Sonntag 11—4, Dienstag. Donnerstag. Freitag 10—4, Mittwoch und Sonnabend 2—3. Biilkerkunde-Musenm. Königgrätzerstr. 120. Besuchszeit wie beim Wen Museum_ Zengbaus. An der Schlossbrücke. Wochentags(außer Sonnabend): März bis Oltober 10—3, November bis Februar 10—2; am Sonntag und an den zweiten Feiertagen 12—3. Zoologischer Garten. Eingänge: Lühow-User, Krusürstendamm und Stadtbahnhof. Eintrittsgeld: an Wochentagen 1 Mark,(abends nach 6 Uhr 30 Pf.), an Sonn- und Festtagen 50 Pj.; Kinder die Hallte. Am ersten Sonntag jedes Monats 83 Pj. Müllerstr. 182-183, Ecke Sellerstr. am Wcddinj. 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Kilm des Jowirts" letlinei Kldsdlsll I IUI II........................................................................... IIIIII lllllllll lllllll Stnirtfl j, 7. lull 1907, Hgltatlons-Ealcndcr* Deutsche Rechtspflege. Januar. Genossen v. Lojewski, Redakteur der Erfurter llmonatige Gefängnisstrafe angetreten hat, eme 17. Dem .Tribüne", der„„. Dird im Gefängnis die Selbstbeschäftigung der- o e i g e r t, 13. Der„Vorwärts", gegen den ein Strnfberfahren ein- geleitet war Ivegen angeblicher Beleidigung der SKutztruppe» in Südwestafrika, veröffentlicht einen Brief des Oberstaatsanwalts I s e n b i e l, worin derselbe dem Antragsteller rät, auf die weitere Verfolgung zu verzichten. In dem Schreiben heißt es:„Es handelt sich im vorliegenden Falle nicht um vom„Vor- wärts" hämisch dargestellte und entstellte Vorkommnisse oder um selbständige gehässige Urteile, sondern um die wörtliche Wiedergabe eines Artikels der „Augsburger Abendzeitung", einer den Ordnungsparteien zugehörigen Zeitung. Da nun gegen die Quelle des„Vorwärts" selbst aus den in dem Schreiben der Staatsanwaltschaft in Augsburg vom 19. und 22. September erörterten Gründen nicht vorgegangen werden wird und diese Tatsache der Verteidigung des Redakteurs des„Vorwärts" nicht unbekannt bleiben kann, wird diese Tatsache allein schon zu scharfen Erörterungen führen. Es ist ferner in i t Sicherheit zu erwarten, daß der„Vorwärts" mit Hülfe der Parteipresse unzufriedene Elemente aus den entlassenen Afrika- kriegern ermitteln und als Zeugen zur Führung des W a h r h e i t S- be weises, der gar nicht abzuschneiden ist, stellen wird. Die von den Zeugen geschilderten Einzelheiten würden kaum durch den mir gütigst denanntcu Sachverständigen zu widerlegen sein.... Der„Vorwärts" hätte somit gegen Zahlung einer geringen Geldstrafe die ihm äußerst willkommene Gelegenheit, sich als Schutz- Patron der Mannschaft aufspielen zu können und in der Presse selbst die Beweisergebnisse für seine Zwecke aus» zuschlachte n." Das Verfahren wird hierauf eingestellt. 19. In K u l m b a ch war seit 190S infolge eines Streiks der Böttcher Hofmann lange arbeitslos. Oktober 1906 stellte ihn der Böttchermeister Neubauer ein, weil er dringende Arbeit hatte, und versprach ihm Beschäftigung bis März 1907. Aber schon nach ein paar Tagen mußte der Meister den Hofmann entlassen, weil der Böttchermeistcrverein das forderte. In letzter Linie ging dieser Terrorismus von den Brauereibesitzern aus, die gedroht hatten, sonst dem Neubauer keine Bestellungen mehr zu geben. Bei der Dar- stellung dieses Sachverhalts hätte die sozialdemokratische„Volks- tribüne" den Ausdruck„Kapitalsprotzen" gebraucht. Dafür wird der verantwortliche Redakteur Genosse Schlegel zu acht Tage» GesiingniS verurteilt. 24. In Halle hat Rechtsanwalt Suchsland wegen zweier Artikel, durch die er sich beleidigt fühlt, nicht gegen den verantwort- lichen Redakteur Genossen Molkenbuhr, sondern gegen Genossen Thiele geklagt, den er für den Verfasser hält. Genosse Molkenbuhr wird als Zeuge darüber vernommen, wer den Artikel verfaßt hat. Er verweigert die Aussage und wird vom Gericht, um daS Zeugnis zu erzwingen, mit 1S0 M. Geldstrafe belegt. Februar. IS. In Leipzig Ivird Genosse Herre, Redakteur der »Leipz. VolkSztg.", wegen angeblicher Beleidigung des OberstantS- anwaltS Böhme zu fünf Monaten GefSuguIS verurteilt. Die Be« leidigung wird hauptsächlich in der U e b e r s ch r i f t eines Artikels: „Böhme und Liman" erblickt. Daß Herre noch unbestraft ist. wird vom Staatsanwalt als Grund zur Strafverschärfung an- geführt. Zur selben Zeit werden wegen angeblicher Beleidigung des bekannten Herrn Liman verurteilt: Genosse Mehring zuLWochcn Gefängnis, Genosse Kressin zu 1 Monat Gefängnis, Genosse S e e g e r zu 25 Tagen Gefängnis. Liman selbst wird auf die Wider- klage hin zu 50 M. Geldstrafe verurteilt. 26. In dem Prozeß des Rechtsanwalts Suchsland in Halle wird Genosse D ä n m i g vom„Volksblatt" mit 100 M. Geldstrafe und Zwangshast belegt, weil er daS RedaktionsgeheimniS nicht brechen will. März. 9. Der Vorstand der Tapezierer-ZwangSinnung zu B e r l i n erläßt an feine Mitglieder einen Aufruf, worin er sie auffordert, die Forde- rungen der Arbeiter nicht anzuerkennen: einige Firnicn, die ihre Unterschriften bereits gegeben haben, werden aufgefordert, sie wieder zurückzuziehen,„da wir rm anderen Fall gezwungen sind, schärfere Maßregeln zn ergreifen".— Arbeiter sind wegen gleich- artiger Drohungen schon mehrfach auf Grund des 8 ISS der Gewerbe- ordnung vom Fleck weg verhaftet worden. 12. Zu 25 M. Geldstrafe wird in HildeSheim der Tischler Wilhelm Kraft verurteilt. Als Mitglied des christlichen Holzarbeiter-> Verbandes hatte er den Tischler Wagner, weil dieser dem christliche» Verband nicht beitreten wollte, mit einem Hammerstiel einigemal über den Kopf geschlagrn. Deswegen entlassen, überfiel er den Wagner morgens am Wege und mißhandelte ihn derartig, daß Wagner besinnungslos zu Boden stürzte. Dafür obige Strafe. IS. In Köln wurde bekanntlich der Schutzmann Weis, der in Bickenbach den Arbeiter Berndgen erschossen hatte, vom Schwur gericht freigesprochen. Auf dienstlichem Wege wird der Schutzmann nunmehr wegen unbefugten Revolvertragens mit acht Tagen Arrest bestraft. 29. In Nöbdenitz sAltenburg) wurde kurz vor der Reichstags wähl eine sozialdemokratische Versammlung von Bauern unter Führung eines Junkers und eines Pastors g e sprengt. Ei» Strafantrag wegen HauSfriedeuSbruchS wird von der Staatsanwaltschaft abgelehnt, erstens weil den Beschuldigten das Bewußtsein gefehlt habe, etwas Unrechtes zu tun, und zweitens weil „die Absiiignng patriotischer Lieder einen ruhestörenden Lärm nicht darstelle". Äeer und Flotte. Januar. 26. Wegen Ausübung des Wahlrechts angeklagt find in Hsrdecke /Westfalen) vier Reservisten, weil sie am Tage d e r K o n t r o l l- Versammlung bei der öffentlichen Stadtverordnetenwahl für einen sozialdemokratischen Kandidaten gestimmt haben. Sie werden freigesprochen, aber nur, weil die Stadtverordnetenwahl keine politische Wahl sei und weil ferner nicht nachgewiesen sei, daß die Angeklagten den Kandidaten als Sozialdemokraten g e- kannt hätten. Audcrcnsalls— so führt das Gericht auS— wärcn sie zu bestrafen gewesen wegen Ungehorsams gegen die Verfügung deS Kriegsministers, welche den Angehörigen deS HeereS jede .offenkundige Beteiligung an den Bestrebungen der Sozialdemokratie verbietet. Mörz. 2. Der Afrikakrieger August Kühne! auS Neichenbach i. Schl., der am 27. September 190S in der Trunkenheit /jeder Krieger in Südwestafrika bekommt pro Woche"h Liter Rum geliefert) einem Unteroffizier ungehorsam gewesen und ihn ge- schlagen hat, wird zu 10 Jahre» Gefängnis verurteilt. ?lus der„hohen" Politik. Januar. 1. Der Reichskanzler Fürst B ü I o w veröffentlicht seinen „Silvesterbrief" an den Vorsitzenden des ReichsverbandoS gegen die Sozialdemokratie, Herrn v. Liebcrt. Darin wird dem Liberalismus erlaubt, in Zukunft die Ausgaben für Kolonien, Heer und Flotte zu bewilligen. Die hohen Zölle seien ja ans ein Jahrzehnt gesichert und„iliancher srcisiimige Man» habe schon unter vier Auzen zugegeben, daß sie auch für die städtischen Interessen nicht ungünstig gewirkt hätten." 26. In der Nacht nach dem Wahltage finden in Berlin Straßen- demonstratio»««„nationaler" Wähler statt. Der Reichskauzler hält am Gittertor seines Palais in der Wilhelmstraße eine Rede vor einer Versammlung nationaler Wähler unter freiem Himmel. Februar. o. In der Nacht nach dem Siichwahltage finden in Berlin aber- mals Straßeiidcmoiistrationcn und zwei öffentliche Bersammluiigcn »utcr freiem Himmel statt, die eine in der Wilhelmstraße, die andere am Lustgarten. Am Lustgarten hält der Kaiser, in der Wilhelm- straße der Reichskanzler eine Ansprache über öffentliche Angelegen- heilen, nämlich über den Ausfall der Wahl. Ob die Demonstrationen und Versammlungen— wie es daS preußische Versammlungsgesetz vorschreibt— mindestens 48 Stunden vorher bei der Polizei ängemcldet und von ihr schriftlich genehmigt worden sind, ist nicht bekannt. 6. Weil der Wahlkreis Dresden-Altstadt in der Stichwahl den Sozialdemokraten verloren gegangen ist, telegraphiert der König von Sachsen an den Oberbürgermeister von Dresden: „Es ist ei» Vergnüg«», jetzt zu lebeu." 8. Der„Bayerische Kurier", ein Zentrumsblatt, veröffentlicht Briefe des Generalmajors Keim vom Flottenverein, aus denen hervorgeht, daß der Flottenverein vom Reichskauzlcramt Geld- mittel zur Wahl erhalten und bei Abfassung von Flugblättern vom Kolonialamt unterstützt worden ist. Die„Nordd. Allg. Ztg." er- klärt zwei Tage später, daß die Gelder nicht aus amtlichen Fonds, sondern von Privatpersonen stammen. März. 6. In K i e I wird zwei Volksschullehrern und einem RSalschullchrer voll der Regierung verboten, de» Arbeitern in den vom Geivcrk- schaftskartell eingerichteten Kursen Unterricht in der deutschen Sprache zu geben. 28. In Charlotten bürg wird der„Freie Kindcrgarte»" von der Regierung verboten» weil er angeblich sozialdemokratische» Bestrebungen diene. Unsere Kolonien. Februar. v. Unmittelbar nach der Wahl enchemt m der konservativen Zeitung„Das Reich" ein Artikel des bekanilten Missionars Scho Walter, welcher davor warnt, die südwestafrikanische Kolonie als ein reiches Land anzusehen. Selbst die Kaplolouie die seit mehr als 100 Jahren erschlossen ist, und das Burenland, daS UnS um SO Jahre voraus ist, leben noch teilweise bou fremdem Getreide. Die Kapkolonie leide an Pauperismus in Stadt und Land Tausende seien von dort»ach Südwest gegange», um hier eine Gegenwart zu finden statt der Zukunft, die ihnen ihr Land innner noch nur„verheißt". 18. In Berlin beginnt der Prozeß gegen den früheren Beamten des Kolonialamts P ö p l a u. Derselbe hat bekanntlich einen Teil der AmtSvcrbrechen, die von hohe» Kolonialbeamten be gangen worden sind, dem Reichskanzler gemeldet. Nachdem dieser nichts tat. hat Herr Pöplau dieselben Tatsachen einigen Reichstags abgeordneten der Freisinnigen n»d der ZentrliniSpärtei mitgeteilt. Er ist nun angeklagt der Verletzung des Amtsgeheimnisses. Er behauptet: alles, was er den Abgeordneten mitgeteilt, habe er nicht amtlich erfahren, sondern es sei ihm anonym zugeschickt worden. 23. Der Prozeß Pöplau muß abgebrochen werden, weil — nach Bekundung des Gerichtsarztcö— der Angeklagte durch die Verfolgungen, denen er ausgesetzt, derart nervös überreizt ist, daß LebeilSgcsuhr besteht. März. 2. Trotz der inzwischen erfolgten Beendigung deS Auf- r u h r S in Südwestafrika soll laut einer dem Reichstag zugeaangenen amtlichen Denlschrift eine Armee von 7400 Mau» dort bleiben. 20. Oberst Deimling meldet, daß der letzte Hotteittottcuführer, der sich seit Jahresfrist jeder Feindseligkeit enthalten hat, sich unter Wurf«, hat. Trotzdem sollen außer der um 600 Mann verstärkten Polizeilrnppe noch 4000 Mann Kolonialarmee in Siidwest bleibe», obgleich sich jetzt auch 5000 erwachsene Europäer in der Kolonie be finden. Soziales. Januar. 13. In Chemnitz ist der Konsum von Pferde- und Huud« fleisch im Jahre 1906 ungeheuer gestiegen, obwohl der Fleischkonsum im allgemeinen zurückgegangen ist. Im Schlachthof zu Chemnitz wurden insgesamt 1S8S Tiere weniger geschlachtet als 1905, und zwar: 412 Kälber 1317 Schafe 15 Ziegen 361 Schweine 2 095 weniger: Dagegen mehr: 232 Rinder 88 Pferde 3 Esel 87 Hunde Im ganzen wurden 1906 geschlachtet 1070 Pferde und 698 Hunde. DaS Fleisch von Pferden und Hunden ist um 20 Proz. teurer geworben. 23. Durch eine Explosion schlagender Wetter auf der Zeche Reden bei Neunlirchen im Saarcvier werden zirka 150 Berg- arbeiter getötet. Februar. 6. Einen Tag nach der Wahl wird in Hamburg der Bericht einer Kommission veröffentlicht, welche eingesetzt ist, um die Beamte ngehälter„neu zu regulieren". Sie schlägt unter anderein vor, die Richter und Staatsanwälte um 3000 /drei- tausend) Mark jährlich aufzubessern, die GerichtSdiener aber um 50 /fünfzig) Mark. Ebenso ist das Verhältnis bei den übrigen Beamte». 9. Im preußischen Abgeordnetenhaus verteidigt der Kultus- minister Studt den sogenannten BremSerlaß, welcher die Erhöhung der Lehrergehälter erschwert und verbietet, und hält ihn aufrecht- März. 12. Vor dem Schöffengericht in Halle ist der Aufseher Otto Rostin wegen Diebstahls angeklagt. Er hat 20 Jahre lang auf dem Rittergut Hohenturm fleißig gearbeitet und sich gut geführt. Nun ist er plötzlich entlassen und wegen Diebstahls angezeigt, weil er Weizen und Spreu im Werte von zwei Mark an sich genommen hat. St wird zu einem Tag Gefängnis verurteilt. 15. Durch eine Explosion schlagender Wetter in der Grube Klein« Rösseln in Lothringen werden zirka 80 Bergleute getötet. 16. Durch den Bruch eines Förderseiles auf dem Mathilden« schacht der GerhnrdSgrube im Saarrevier werden 22 Bergleute gc- tötet. Das Seil war erst im Februar untersucht und für gut be- fitnden worden. Vom deutschen Schulwesen. März. 17. Der amtliche„Vüto>ver Anzeiger" meldet, daß im Dorfe Berge»sin, Kreis Lauenburg in Pommern, die Kinder schon seit sechs Monaten keine Schule besuchen, weil das Schulhans derart verfallen ist, daß eS nur mit Lebensgefahr betreten werde» kann. Aus der Partei. Jannar» 25. Die NeichStagShmiptwahl bringt der Partei zirka 3 258006 Stimmen, aber nur 29 Mandate, das heißt gegen 1903 zirka 250 000 Stimmen mehr und trotzdem 27 Mandate weniger. Nach dem Verhältnis der Stimmenzahl würden ihr 117 Mandate gebühren. 31. Gegen seine Verurteilung zu drei Monaten Gefängnis hatte Genosse KliihS, Redakteur der Breslauer„Volkswacht", Revision eingelegt. Er hatte am 1. Mai ein Gedicht veröffentlicht, das un» beanstandet in anderen Zeitungen gedruckt war. DaS Gericht er« kannte an, daß daS Gedicht auch harmlos ausgelegt werden könne; aber die Leser der„Volkswacht" würden es als Anfreiznn» zu Gewalttätigkeiten auffassen.— Der ReichSanwalt hält den straf- baren Tatbestand für„annähernd festgestellt". Das Reichsgericht verwirft die Revision. 31. Den ganzen Pfarrerstand soll Genosse Thiele in Halle beleidigt habe», weil er in einem VolkSkalender ein Er- lebniS eines Pfarrers geschildert hat, von dem weder Name noch Wohnort angegeben war. Er wird zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Februar. 5. In der Stichwahl gewinnt die Partei noch 14 Mandate, so daß die Frnkion in, neuen Reichstag 43 Maiin stark ist gegen 79, die sie bei der Anflösung zählte. 11. In Mannheim wird wegen eines KarnedalSblattcS, betitelt„Schnnpstabak", das im Verlage der Buchdruckerei der „Volksstimme" erscheint, der verantwortliche Redakteur verhaftet. Gegnerische Parteien. Januar.» 1. Im Wahlkreise Gotha wird unter Zustiinmung der Frei» sinnigen der Erbprinz zu Hohenlohe- Langenburg /ehemaliger Kolonialdirektor) als gemeinsamer Kandidat aller bürgerlichen Parteien aufgestellt, trotzdem er, wie daS„Berk. Tagebl." berichtet. auf eine Anfrage über seine Stellung zu den liberalen Grund- forder un gen, insbesondere zum allgemeinen, gleichen Wahlrecht, nur»»bestimmt antwortete, ja eine Antwort sogar als überstüssig bezeichnete. Trotzdem beschloß der dortige Freisinn, diese reaktionäre Kandidatur zu unterstützen, weil nur so Aussicht sei, der Sozialdemokratie das Maiidat zu nehme». /Der Erbprinz ist denn auch am 23. Januar mit 15 719 bürgerlichen gegen 13506 sozialdemokratische Stimmen gewählt worden.) 30. Der freisinnige Wahlausschuß deS KreiseS LaudeShut- Jauer veröffentlicht eine Erklärung des Inhalts, daß der frei- sinnige Kandidat Dr. Hermes em Recht gehabt habe, sich im Wahllainpf als RegiermigSlaudidat zu bezeichnen: denn der Reichs- kanzler habe die Hoffnung ausgesprochen, ihn im neuen Reichstage wiederzusehen. Februar. 2. Im Wahlkreise Pimiebera(6. SchleSlvig-Holsteinscher) agitiert der Freisinn gegen den sozialdemokratischen Kandidaten v. Elm, weil derselbe ein Befürworter der Genossenschaften sei. Dabei wird sonst von ihnen als„Bater des GenosscnschaftS- Wesens" nnt Stolz der Freisinnige Schulze- Delitzsch bezeichnet. 8. Die„Literarische Praxis" teilt mit: Das „G o t h a i s ch e Tageblatt", ein bisber linksfreisinniges Blatt, sollte während der Wahl eine Schlvenknng machen und die Kandidatur des Erbprinzen zu Hohenlohe unterstützen. Dem Redaktenr Hermann Walter, der seit 2'/g Jahren daS Blatt leitete, wurde eine solche Berleugnung seiner politischen Ueberzeugung nicht zugemutet. Sondern der Verlag erklärte den AustellungSvertrag, der einjährige Kündigungsfrist vorsieht, auf Grund des 8 626 des Bürgerlichen Gesetzbuchs für aufgehoben und ersuchte den Redakteur durch einen Rechtsanwalt, seine Tätigkeit sofort einzustellen. 10. Durch die Enthüllungen deS„Bahr. Kurier" wird bekannt, daß auch der in Miihlhanson und in Lennep gewählte srcisinnigr Professor Eickhoff ein RegierungSkaudidat gewesen ist. 13. Im Prozeß Pöplau /siehe unter„Unsere Kolonien") soll der Zentrumsabgeordnete'E r z b e r g e r als Zeuge aussagen, was ihm in seiner Eigenschaft als RcichStagSabgeordneter Herr Pöplau mitgeteilt hat.' Erzberger verweigert die Aussage mit der Begründung) daß das Gericht laut§ 30 der ReichSverfajsung kein Recht habe, ein solches Zeugnis von ihm zu fordern. Der Prozeß wird zunächst vertagt. 16. In der weiteren Verhandlung deS Prozesses Pöplau verweigert Abg. Erzberger zunächst wieder sein Zeugnis und wird vom Gericht mit 150 M. Strafe zur Erzwingung veö Zeug- uisieS belegt. Auch soll er in Haft abgeführt werden. AIS in diesem Augenblick der Angeklagte Pöplau noch einnial— waS er schon mehreremal getan hat— erklärt, daß e r von Herrn Erzberger keine Geheimhaltung seiner Mitteilungen verlange, gibt Herr Erzberger die Immunität deS Abgeordneten preis und macht die verlangte Aussage. März. I. Bei der Nachwahl in Miihlhausen-Langensalza geht der KreiS in konservativen Besitz über. Der freisinnige Regierungskandidat Eickhoff, der am 5. Februar hier u>?t m Lennep-Mettmann gewählt war, hatte das Mllhlhanscr Mandat nieder- gelegt, weil in Lennep-Mettmann möglicheweise ein Sozialdemokrat )ätte gewählt werden können. 7, Die Konservativen de? Wahlkreises Me inel- Hehde- krug haben gegen die Wahl des Nationalliberalen Schwabach Protest erhoben. weil nach ihrer Behauptung umfangreiche Be- strchungen von Wähler» stattgefunden haben. Die nationalliberale «KönigZberger Allgemeine Zeitung" gibt zu, daß in Versammlung«, eine„harmlose Bewirtung" von Wählern borgekvmmev sei; das sei aber„in Ostpreußen etwas durchaus NevlicheS". Terrorismus-Lllgen. Februar. 22. Im anhaltischen Landtage behauptet der Minister v, Dallwitz, daß„ein junger, tüchtiger Arbeiter, der den Ab- geordneten Schräder gewählt hatte, weil er es verschmäht hat, seine nationale Gesinnung zu verheimlichen, noch am Wahltage von ozialde m akratischen LlrbeitSge nassen meuchlings mit dem Messer überfallen und so lange nsit Messerstichen bearbeitet ivorden, bis er verschied. Mit 22 Messerstichen war der Körper des un�Iüchlichen Mannes durchbohrt." Weiter sagte der Minister:„Es ist in der Tat weit gediehen in Anhalt, wenn ein deutscher Mann, ein deutscher Arbeiter, weil er seine natio- naleGesinnung frei und offen vertritt, weil er einen nationalen, noch dazu linksliberalen Kandidaten wählte, seine Gesinnungstreue und Gewissenhaftigkeit mit dem Tode büsten muh... Die moralische Verantwortung für diese Tat fällt demjenigen Teil der sozialdemokratischen Presse zur Last, deren Schreibweise zu derartigen Verbrechen geradezu anreizt. Aber auch die sozialdemokratische Partei- leitung wird sich dem Vorwurf nicht entziehen können, daß sie das genieingefährliche Treiben ihrer Orgaue nicht nur geduldet, sondern auch gebilligt und teilweise gefördert hat." Genosse V e u s erwidert auf der Stelle, dah der Mörder mit der sozialdemokratischen Partei nichts zu tun hat. Trotzdem wird die Lüge von der gesamten bürgerlichen Presse weiter getragen, darunter z. B. die„Norddeutsche Allgemeine Ztg." und die„Vossstche Ztg." 26. Ter Reichskanzler F ü r st B ü l o w erzählt im Reichstage eine Geschichte ans der„Frankfurter Ztg.", durch welche der sozial- demokratische Parteisekretär Dittmann in Frankfurt a. M. be- schuldigt wird, schon am 4. Februar ein Flugblatt versaht zu haben, welches über freisinnigen Stimmenkauf berichtete, der erst am 5. Februar(dem Stichwahltage) passiert sein sollte. Durch ein Tele- gramm weist Genosse D'ttmann nach, dah die Geschichte schon am 6. Februar in der„Frankfurter Ztg." berichtigt worden ist. 28. Die Gerichtsverhandlung in Dessau ergibt, dah der Mörder ebensowohl wie der Ermordete polnische Arbeiter aus Oberschlesien sind und zu jenen Unglücklichen gehören, die infolge Mangels jeglicher Erziehung und unaufhörlicher kapitalistischer Aus- bsutung in einem beständigen Fuselrausch dahinleben. Der Mord, der übrigens nicht am Wahltage sondern zwei Tage später passiert ist, erfolgte auS Aerger und Rachsucht wegen einer früheren Prügelei. Von politischen Motiven ist keine Rede, schon deshalb nicht, weil der Mörder überhaupt keine politischen Interessen hat und sich um die Wahl nicht gekümmert hat. Trotz dieses Ergebnisses wird die Lüge, die der Minister v. Dallwitz im anhaltischen Landtage vorgetragen hat, von bürger- lichen Blattern� auch nach der Gerichtsverhandlung noch weiter- getragen. Von unserer Polizei. Januar. 26. In der Nacht nach dem Wahltags wird eine„patriotische" Volksmenge, die Unter den Linden zu Berlin patriotische Lieder singt, von der Polizei auseinander geirieben. Ein„Herr", der dabei war, klagt dem„Berliner Tageblatt":„In dem Moment, als ich„Deutichland über alles" anstimmte, erhielt ich von einem Schutzmann einen Schlag ins Gesicht, dah ich zurücktaumelre. Mein Freund wurde am Kragen gefaht und bekam ebenfalls einen Stoß, daß er laug hinfiel. Das alles geschah, während der Kronprinz noch am offenen Fenster stand." Das„Berliner Tageblatt" empört sich darüber wie folgt: „Es ist uns ganz unbegreiflich, wie die Polizei einer Masse von Bürgern, die sich noch dazu in patriotischen Kundgebungen erging und— wohlgemerkt— nicht etwa der Hefe dcS Volkes ent- stanunte, sondern gesitteten und den besseren Ständen angehörigen Elemente angehörte, in dieser Form den Mund verbieten konnte." Der Polizeipräsident erklärt einem Vertreter des „Berliner Tageblatt", dah allerdings die Ansammlungen allmählich zur Auflösung gebracht werden sollten.„Dabei sollte natürlich, da es sich ja um patriotische Kundgebungen handelte, mit größter Milde verfahren werden."— In einer späteren Darstellung schreibt der Polizeipräsident:„Der Polizeipräsident billigt es nicht, daß in dieser Weise patriotische Kundgebungen verhindert sind, die vielleicht gut verlaufen wären... Die Erekutivbeamtcn sind in ihren Mahnahmen von der Befürchtungen geleilet gewesen, dah der Hinzutritt anders denkender Elemente leicht zu den schärfsten Konflikten und Auftritten, die verhindert werden muhten, führen konnte." Februar. 12. Am„roten Mittwoch", den 17. Januar 1906, hat die Polizei in Hamburg bekanntlich auS Anlah der Wahlrcchts- demonstrationen eine Anzahl Personen verletzt. Die Strafkammer hat im Prozeh gegen Anita AugSpurg als feststehend angesehen, dah die Polizei das in berechtigter Ausübung ihres Amtes getan hat. Nunmehr hat jedoch einer der Verletzten gegen die Polizei Zivilklage auf Schadenersatz erhoben. Bei der Verhandlung vor dem Zivilgericht sagen verschiedene Zeugen aus, dah in der Gastwirtschaft von Lunau— in welche Schutzleute eingedrungen sind und in der sie Gäste mit Säbeln bearbeitet haben, so dah auher sonstigen Verletzungen ein 76 jähriger Mann tot blieb— alles ruhig zugegangen wäre. Die Polizei wird darauf zum Schadenersatz verurteilt. Für de» Jubalt der I», ernte überuiiiiuit die Nedaktion dem Pilblikum gegenüber keinerlei Acrannvortuug. Zheater. Sonntag, den 7. Juli. Ansang 8 Uhr. NeueS kgl. Operntheater. Carmen. Ansang 7'/z Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Die Fledcr« maus. Montag: Bajazzo. Des Löwen Erwachen. Deutsches. Der Jongleur. Montag: Dieselbe Vorstellung. Swttler tt. �Wallner-Tpealer.) Carmen. Nachmittags 3 Uhr: Zar und Zimmermann. Montag: Die Zauberflöte. Schiller JH. tFriedriw Wilbelm- slädtisches Tbeatcr) Khritz-Phritz. Montag: Dieselbe Vorstellung. Neues Schauspielhaus. Nasjles. Montag: Nafsles. Kleines. Vater und Sohn. Montag: Dieselbe Vorstellung. Komische Oper. Tosca. Montag: HossmannS Erzählungen. Westen. Die lustige Witwe. Montag: Dieselbe Vorstellung. Lnstspieldans. Die Welt ohne Männer. Montag: Diesewe Vorstellung. Tbalia. Staatsanwalt Alexander. Montag: Geschloflcn. Luise». Zertretenes Glück. Nachmittags 3 Uhr: Zertretenes Glück. Montag: Geschlossen. Bernhard Rose. Der große Un- bekannte. Ansang S'l2 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Ich werde den Major einladen. Hossänger. Arbeit schändet nicht. Montag: Der große Unbekannte. Nachmittags l'/j Uhr: Blumenstrauß. Ein toller Ehemann. Arbeit schändet nicht. Bkrtropol. Der Teuscl lacht dazu. Montag: Dieselbe Vorstellung. Wintergarten. La, Tortajada. Spezialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Apollo. Der Hochzeitsgast. Spe- zialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. 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Täglich Eingang von — Neuheiten.— Den ganzen Tag Vorstellung, I ❖ t V ♦ ♦ i Sozialdetnobraliseber Wablverein für den k, Berliner Neichstags-Nahlkreib a Sonntag, den 14. Juli: Großes Sororoerfeft in folgenden Lokalen; Beylers Gesellschaftshaus, Ludwigs Park-Restaurant, Redlich(früher Holwein), Reglerheim, sämtlich in Treptow, Köpenicker Landstraße; Mentes Volksgarten, lilchtenberg, Köderstraße und Elysium, Landsberger Allee 40 bestehend in Konzert x Unterhaltungen aller Art x Kinderbelustigungen x Fackelpolonaise mit bengalischer Beleuchtung x Preiskegelschieben x Tanz. 262/5» Eröffnung 2 Uhr. Billett 20 Pf. Das Komitee. ♦♦»♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦♦♦♦»»♦»♦♦♦♦ a Sozialdemokratischer Zentral-Wahlverein fürleltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg, Sonntag, den 14. Juli 1907: Volksfest in dem an der Oberspree gelegenen, erweiterten Etablissement Hasselwerder in NiedersSchöneweide. (In 10 Minuten vom Bahnhof Nieder-Sohöneweide— Johannisthal zu erreichen.) 203/9 Doppelkonzert K Massengesänge. Turnerisehe Aufnibrungen. Eeigenlahren von Mitgliedern des Ärbeiter-Radfahrer-Bundes„Solidarität".! • Wasser-Feuerwerk.• Auftreten der Volkssänger-Gesellschaft Lewandowsky. Ball, Fackelpolonaise, Kasperletheater usw. Morg».- Uhr; OMöS IWlMM. Kachmittags um 3 Uhr: Cröffnung der Kolonial-üusstellung (Sehenswürdigkeit„allerersten" Banges). (f Die KaSeeküohe ist von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends geölinet: Jedes Kind erhält am Eingang zwei Bons, von denen der eine| 1 zur Empfangnahme einer Stocklaterne und der andere zur beliebigen Benutzung des Karussels oder der Schaukel berechtigt.— Ausführliche Programme mit Liedertexten werden an der Kasse gratis verabreicht. ¥1. Wahlkreis. Sonntag, den 14. Juli 1907: ßropes Stromer-Test im Gesamt-Etablissement„Moabiter Schützenhaus", Plötzensee. Großes Garten-Konzert — ausgeführt von zwei stark besetzten Musik- Kapellen.— Mitglieder dos Verbandes der Berufsmusiker. Auftreten des beliebten Berliner Ulk-Trio. Gesangs- Huf f ilhrungen von 23 Vereinen des Arbeiter- Sfingcrbnndes Berlins und Umgegend. rurnerlfche Hufführungen —— ausgeführt von Mitgliedern der Arbeiter Tnrnverelne.— Auftreten von Mitgliedern des Arbeltcr-Athleten-Bnndes. Vorführungen von Mitgliedern des Eertiner Hrbetter-Radfahrerverelns (Mitglied des Arbeiter-Radfahrer-Bundes„Solidarität"). Die KalTeekUche ist von 2 Uhr ab geöffnet. Von 3 Uhr nachmittags: ===== Canz*===== Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 50 Pfennige nach. jg».««« Jedes Kind erhält am Eingang zwei Bons, TUU CUC lAlllClvt** von denen der eine gegen eine Stocklaterne ' umgetauscht werden kann, während der andere zur einmaligen Benutzung der Schaukel oder des Karussells berechtigt.— II Für ausreichende Fahrverbindung ist Sorge getragen, da die Straßenbahn- Ei Gesellschaft die Linien 10, 11 und 12 an diesem Tage bis Plötzensec durch- || führt und bei Bedarf vom Rosenihaler Tor ab Einsetzwagen verkehren. Von der Haltestelle ist zwei Minuten Weg bis zum Schützenhause. Vom King- bahnhof Beusselstraße ist das Lokal zehn Minuten entfernt. Außerdem führen die Straßenbahnlinie 29 und 68 und die Omnibuslinie 45 bis in die Nähe des Festlokals. Bei etwa eintretenden Unglücksfällen steht den ganzen Tag die Arbclter- Samariter-Kolonnc gratis zur Verfügung. Der Arbelter-Schwimmcrbnnd hat am See eine Rettungswache stationiert. Billetts im Vorverkauf 20 Pf., an der Kasse 25 Pf. Anfang mittags 12 Uhr. Zu zahlreichem Besuch dieses beliebton Volksfestes ladet ein 256/10* Das Komitee. Voranzeige. Sonntag, den LI. Jnli 1907, in den gesamten Räumen des Etablissement„Karlsgarten", Rixdorf, Karls gartenstr. 6—10: Großes Kreisfest des Arbeiter- Radfahrer- Bundes„Freiheit" bestehend in Konzert, Spezialitäten-Vorstellung, sportlichen Aufführungen und Ball. Billett im Vorverk. 20 Pf.— Programme a. d. Kontrolle grat. Jedes Kind erhält zwei Bons, berechtigend zu einer Stocklaterne und zur einmaligen Benutzung der Schaukel. Für sich. Aufbewahrung der Räder wird unentgeltl. ges. Anfang mittags 12 Uhr., Das Komitee. Eintritt 25 Pf., Kinder unter 14 Jahren frei. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein Das Komitee. 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Gemeio.depolitik und Sozialdemokratie. Von Emil Nitzsche. Dresden, Kaden u. Co. Brosch. 2,50 M., gebd. M. Im Austrage des Zentral-Agitationskomitees der sozialdemo- Akratischen Partei Sachsens hat Genosse Emil Nitzsche ein lehr- reiches, übersichtlich zusammengestelltes Handbuch für Gemeinde- tvähler und Gemeindevertreter mit besonderer Berücksichtigung der� sächsischen Verhältnisse herausgegeben. Das Buch bildet ge- vissermasien eine Ergänzung des von demselben Verfasser unter stem Titel„Sächsische Politik" vor einigen Jahren erschienenen Hanoöuchs für sächsische Wähler. Bei den engen Beziehungen der Gemeinden zum Staat muhten naturgemäß gewisse Punkte, die tu dem ersten Werke bereits, gestreift sind, in der neuen Schrift nochmals behandelt worden. Wenn auch entsprechend dem Programm, das der Verfasser sich gestellt hat, in erster Linie die sächsischen Verhältnisse berück- sichtigl werden, so enthält das Handbuch doch eine solche Fülle von Material, dah auch die Gemeindevertreter aus anderen Bundesstaaten durch sein Studium auf ihre Kosten kommen dürften. Das Werk ist seiner ganzen Anlage nach für den prak- tischen Gebrauch bestimmt; lange theoretische Auseinandersetzungen werden deshalb vermieden, die Theorie wird nur insoweit berück- sichstgt, wie es zum Verständnis und zur Begründung der For- Gerungen der Sozialdemokratie nötig ist. Jedes einzelne Kapitel bringt neben einer Uebersicht über die einschlägigen landesgesetz- lichen Bestimmungen zahlreiche Beispiele aus der Praxis, so daß es unseren in den Gemeindeverwaltungen tätigen Genossen nicht allzu schwer gemacht wird, sich auf den mannigfachen Gebieten, auf die sich ihre Tätigkeit erstreckt, zurechtzufinden, sich über die verschiedensten Fragen zu unterrichten und für die Begründung shrer Anträge oder für die Bekämpfung der Argumente ihrer Gegner sich mit bauchbaren Waffen zu versehen. In der Einleitung gibt Nitzsche eine kurze, aber treffende Schilderung der Klassengegensätze, die sich erfahrungsgemäß in den Gemeindevertretungen in so scharfer und häßlicher Form zeigen. Mit Recht hebt er hervor, daß die bürgerlichen Vertreter � wohl zuweilen einiges Verständnis und guten Willen in Fragen zeigen, die ihre Interessensphären berühren, wie Baupläne, Ver- kehrsfragen und Gemeindebetriebe, daß sie aber bei den sozial- politischen Aufgaben, bei der Fürsorge für Kranke, hungernde Schulkinder, Arbeitslose, Wohnungen usw. versagen, also gerade bei den dringendsten Bedürfnissen der untersten Volksschichten. Den Grund hierfür erblickt er in der Rückständigkeit und Eng- Herzigkeit der auf Besitzvorrechten basierenden bürgerlichen Mehr- heiten in den Kommunalvertretungen, wo durch keinerlei politische Grundsätze getrübt, die Klasseninstinkte des Besitzes unverhüllt zum Ausdruck kommen und wo das Wort von der einen reaktionären Masse im schlimmsten Sinne zur Wahrheit wird. Daß dem so jst, diese Erfahrung wird jeder sozialdemokratische Gemeindevertreter mehr als einmal gemacht haben, und das wird auch bewiesen durch jedes einzelne Kapitel des vorliegenden Buches, das in seiner Gesamtheit eine furchtbare Anklage gegen die Bourgoisie bildet, die in den Gemeinden schaltet und waltet, wie es ihren eigenen Interessen entspricht und die Interessen der Ge- samtheit leider nur allzu oft denen der Besitzenden opfert. Aber nicht nur gegen die Bourgeoisie richtet sich die Anklage, sondern auch gegen den Staat, der lieber die Aufgaben der Gemeinden aufs schmählichste vernachlässigt sieht, als daß er die plutokratischen Wahlsysteme beseitigt und durch Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts dem Proletariat die ihm gebührende Stellung in den Gemeindeverwaltungen sichert. Ja, noch mehr, der Staat begnügt sich nicht damit, durch unge- rechte Wahlsysteme der Bourgeoisie die Herrschaft in den Ge- meinden zu sichern, er mißbraucht auch das ihm gesetzlich zustehende Bestätigungsrecht, um jede Spur sozialen Geistes aus den Ver- waltungen zu verwischen. Das sind bekannte Tatsachen, die allerdings von den Gegnern der Arbeiterbewegung in Abrede gestellt werden. Aber alles Ab- leugnen hilft ihnen nichts, das Anklagematerial gegen sie ist zu gewuchtig. Dies Anklagematerial sorgfältig zusammengetragen und gesichtet zu haben, ist der Hauptwert der Nitzscheschen Schrift. Es braucht nicht erst besonders betont zu werden, daß wir nicht in allen Einzelheiten mit dem Verfasser übereinstimmen. Man kann von dem glxichen Grundsatz, dem des Kommunal- sozialismus, ausgehend sehr wohl in der Beurteilung dieser oder jener Frage geteilter Meinung sein und zu einem entgegenge- setzten Schluß kommen. So scheint uns das Urteil, das Nitzsche über die Grundwertsteuer fällt, nicht ganz richtig zu fem; er ist— übrigens in Uebereinstimmung mit dem preußischen Staats- Ministerium— der Meinung, daß diese Steuer die Wirkung ge- habt hat, den Wohnungsbau zu fördern. Auch wir sind im Prinzip Anhänger der Grundwertsteuer, aber wir bestreiten, daß sie überall die von Nitzsche angenommene Wirkung hat, wir betrachten sie vielmehr als einen gerechten Akt der Besteuerung gegenüber der nach dem Nutzwert der Grundstücke und glauben, daß sie den Ge- meinden recht beträchtliche Einnahmen sichern kann, ohne die Be- sitzlosen zu belasten. Es scheint, als ob der Verfasser sich bei seinem Urteil über die Besteuerung des Grund und Bodens zu sehr von den sogenannten Bodenbesitzreformern hat beeinflussen lassen.' Auch im Kapitel„Wohnungspolitik" vertritt Nitzsche bisweilen Anschauungen, denen wir nicht beipflichten können. Wohl geben wir ihm darin recht, daß die Gemeinden verpflichtet sind, ge- nügenden Grund und Boden zu erwerben, aber daß sie an der Hand eines solchen Besitzes unter Umständen zu gegebener Zeit durch entsprechende Gegenspekulation den Bodenwucher lahm legen sollen, diese Zumutung dürfen wir nicht an sie stellen, wir müssen vielmehr mit aller Schärfe fordern, daß die Gemeinden nie und nimmer sich auf Spekulationen einlassen dürfen, sei es auch nur, um den privaten Spekulationen ein Paroli zu bieten. Etwas zu kurz behandelt Nitzsche das Kapitel„Förderung der Volksbildung". Es würbe seiner Arbeit nur zum Vorteil gereicht haben, wenn er auf diese Frage, deren Wichtigkeit für die Ar- beiterklasse er selbstredend anerkennt, etwas näher eingegangen wäre und etwas mehr Material geboten hätte, so wie er es in den anderen Kapiteln getan hat. Auf die einzelnen, von Nitzsche behandelten Fragen, einzu- gehen, würde zu weit führen. Wir begnügen uns mit dem Hin- weis darauf, daß es kaum eine Frage gibt, mit denen die Ge- meindevertreter in der Praxis zu tun haben, die er nicht be- handelt hat. Für die sächsischen Genossen ist das Buch eine wahre Fundgrube, aber auch die nichtsächsischen Genossen werden daraus recht viel lernen können. Es bedeutet zweifellos eine wertvolle Bereicherung unserer kommunalpolitischen Parteiliteratur.— ch. Dialektisches. Volkstümliche Vorträge aus dem Gebiet des proletarischen Monismus. Von Ernst Unterntann. Verlag I. H. W. Dietz. Stuttgart 1907. Das deutsche Proletariat philosophisch zu erziehen— das und nicht weniger unternimmt unser amerikanischer Genosse Ernst Unter- mann in einem Büchlein, das unlängst unter dem Titel„Dialektisches" erschienen ist. Man muß zugeben, daß diese Aufgabe keine leichte ist: sie erfordert nicht nur umfassendes Verständnis der philosophischen Probleme, sondern auch die Fähigkeit einer klaren und durchdringenden Darstellung. Beide Forderungen scheint uns aber der Verfasser durchaus nicht zu erfüllen. Was unter Dialektik eigentlich zu verstehen, weiß der, der es nicht ohnehin schon wußte, nach Lektüre dieser Schrift ebensowenig wie vorher. Der Verfasser verfällt in seiner Sorge, man könnte die Bedeutung erkenntniStheoretischer Lehren unterschätzen, in den Fehler, der Erkenntnistheorie Aufgaben zuzuweisen, deren Lösung nicht ihre Aufgabe ist. Er versucht deshalb den Nachweis, daß die Werke von Marx und Engels und ihrer Schüler viel besser ausgefallen wären, hätten sie den Lehren Dietzgens mehr Ge- wicht beigelegt. Ja, er scheint zu meinen, daß man' nur im Besitz der richtigen, das ist der Dietzgenschen erkenntnistheoretischen Methode zu sein braucht, um nicht nur wissenschaftliche Fragen, sondern auch Fragen politischer Taktik ohne weiteres entscheiden zu können. Wie dies allerdings geschehen soll, wie etwa der Streit über die revisionistische Taktik anders als auf Grund ein« dringender wissenschaftlicher Analyse der gesellschaftlichen Enttoickelungsgesetze, zu deren Kenntnis Erkenntnistheorie höchsten? Vorstufe ist, gelöst werden soll, bleibt, wie vieles in diesem Buche, unklar. Ueberhaupt liest sich das Buch wie eine Sammlung von Küchenrezepten; da aber die Speise fehlt, bleibt der Hunger des Lesers ungestillt. So erfüllt das Buch seine Aufgabe, das Verständnis für die Philosophie DietzgenS den Arbeitern zu erleichtern, keineswegs. Ab- schreckend und verwirrend für den Laien, wirkt es infolge des eigen« tümlichen Tones, der dem Verfasser beliebt, komisch für den, der sich mit der Materie schon befaßt hat. Dietzgens Anschauungen kann man besser und einfacher und vor allem anspruchsloser und genußreicher auS feinen eigenen Schriften kennen lernen. I, B. A s k e w. Reise-Anzöße 36.- 27.- 21- A ia- 15.- ,2� 3 Mi. 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Achtung! 6. Wahlkreis. Achtung! Sonntag, den 7. Juli, abends 6 Uhr, bei Wille, Brunnenstraße 188: Vensammlung. Vortrag bei Genossen Domnick über„Erziehung und Unterricht als Mittel im Klassenkampfe. Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein mit Tanz. LSS, 12»________.- Der Vorstand. Verband der baugewerbl. Hülfsarbeiter Deutschlands. Ztv�gverein Berlin und Umgegend. Dienstag, den 9. Juli, vormittags 10 Uhr, bei Frey er, Koppenstr. 29: Versammlung aller Streikenden und Ausgesperrten. Tag-S.Ordnung: Tcu Stand im fcrev Bewegung. issssss Streikkarte und Mitgliedsbuch legitimiert. 95/8 Die Zentralstreikleitung. r im- Eiii�etzer. Montag, den 8. Juli: DampferpartienJauchfangswerder Die Kollegen werden ersucht, die Billetts am Sonntag zu verrechnen, Die BczirlSversammlung für den 2, Bezirk findet am Sonntag, den 7. Juli, bei Hube statt, �_ 98/18 Zahlstelle Berlin. DienStag, den 9. Juli, adcndS 8 Uhr: Aiißeriirdkiitlicht Gciieriil- VcrsgliiiiiluW im Venerkscliaftslians, Saal 4> Engel-Ufer 15. Tages. Ordnung: 1. Nufstellung von Kandidaten als Beisitzer zum BerbandSvorstand, 2, Berichtcrstaitung vom Verbandstag. S, Bericht der Delegierten zur GewertschaftSkommisfion. 4. Wahl der Delegierten zur Gewerkichastskommission. S. Verbandsanaelegenbeiten und Verschiedenes, Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt."WS Mitglieder mit mehr als acht Wochcnrcsten haben keinen Zutritt. Die Werlstubeu-VertrauenSpersonen werden ersucht, den Mitgliedern von dem Stattfinden dieser Versammlung durch Zirkular Keiminis zu gebe». Zahlreichen Besuch erwartet 24/5 Die Ortsverwaltnng Bächcrti'Gciwfrcnfchaft„Berlin" (Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht) Zentrale: Glogauerstraße HS. Sonntag, den 1-4. Juli 1907, vormittags 10 Uhr: Hußerofdeotllche Genera!■UcrSammlung im Lokale des Herrn Krone, Liegnihcrftr. 18. TagcS- Ordnung: 1. Ersatzwahl deS Geschäftssührers und Kassierers. 2, Verschiedenes, 128/11 Der Aufsichtsrat. tt HähnelHans Deinzep. Partei- Speditionen: Zentrum I: Fritz Zinke, Mauerstr, 89, Zentrum RR: Albert H a h n i s ch, Auguslsir, 50, Eingang Joachlmstrafie L. HValilkrel», Westen: Gustav Schmidt, Bülowstr. 52, Hos, , Süden und Südwesten: Hermann Werner, Gneisenaustr, 72, Laden. S. Walilkrels: St, Fritz, Prinzenstr. 31, Hos rechts Part. 4. Walilkrels; Ost e n: Robert W e n g e IS, Rüdersdorscrstr. 3, am Küstrinerplatz.— Wilhelm Mann, Pctersburgerplatz 4(Laden). 4. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhl», Laufitzcrplatz 14/15 (Laden). 5. Wahlkreis: Leo Zucht, Keibelstr. 42(Laden). o. Wahlkreis(Meahlt und Klansavlertel): Karl Anders, Salzwedelerstr. 8, im Laden, Weddln>-: Karl Weis;«, Nazarethlirchstratze 49. Ilosenthaler und Oranienburger Vorstadt: Hermann N a s ch k e, Ackerstr, 38. Eingang Anklamerftrab«. ?3Ul 7ÖbS. Schneidermeister Sozialdemokratiseher WaMverein Jör den 8. Berliner Keiehstagsvahlkreis. Dienstag, den 9. Juli, abends S'U Uhr, im Märkische« Hof, Zldiniralstr« l8o: /leSsselllesillieke Genl-VersammliiRg. Tages-Ordnung: 1. Ein von der Generalversammlung am 4. Dezember 1906 ver- tagter Antrag des Vorstandes auf Ausschluß eines Mitgliedes. 2. Vereinsangelegenheiten, 241/10 llltgliedsbuch legitimier t. Zahlreichen Besuch erwartet ver Vorstand. JKeinriehTraneh, | Berlin N. 54, Brunnenstr. 185. Iiwenwotthlttlf �vielerNestbeftände. MfUf Gtlkgenheit |zu billigem Einkaufe! Roh-Tabak Havuna Ko. 5680 a 1.50 verzollt, feine milde O.ualität, besonders billig.* W. Hermann Müller, Berlin, Magaztnstr. 14. 'BernlCs- Kleidung Aellestes Spezial-OesChäft Z Ifiühlendamm 8 und Kotthnserdamm 05, üdolf Aecker. Verband der Sattler. --------- Ortsverwaltung Berlin.-------- Donnerstag, den 11. Juli er., abends 8'/, Uhr, in den„Zentral- Feststtlen", Alte Jakobstr. 33: General Uersittnmlung. Tages-Ordnung: 1. Geschäftliches, 2. Bericht und Mrechnung vom 2. Quartal 1-67. 3. DaS Resultat der Urabstimmung, 4, Kann für ältere nicht mehr voll erwerbsfähige Kollegen eine zweite Beitragstlasse gcjchasien werden? 5. Verschiedenes. G ökne WgliLlladuell kein AM. W Die Mitglieder werden ersucht, der wichtigen Tagesordnung wegen vollzählig zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. Sonnabend, den 13. Jnli 1907: � Sommer-f eft � in der Brauerei FricdrichShain(früher Lipps), am KönigSior. siroSss sisrlen-IIiiiuerl Boffmanns Horöfleulschen Sängern. Dirigent: Herr F. Fauther. Lebende Photographien, Kasper» Theater und Unterhaltungsspiele für Kinder. ''VAt'" Ball. OrchcBtor. PS Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach."ON Bei eintretender Cr Cacüiilnnlnnalco wozu ein jedes Kind eine Stock- Dunlelheit> uunvipUIlllluIdV, laterne gratis erhält. Eröffnung 3 Uhr. Beginn des Konzertes 5 Uhr. BillettS 35 Pf,, an der Kaste 30 Ps-: dieselben sind im Bureau sowie bei den VerttauenSleuten zu haben. 157/11 Zahlreiche Beteiligung erwartet Das Komitee. 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IS, O. Hanke. Berlichwgenftr. 1, PoloniuS. 12. Graf. Bervauerftr. 3, Schill. . 47. Finke. >, 97, Marx. Beusfelftr. 17, O. Hank«. » 7, Eckert. » 42, Languth. » 44o, Greihleill, . 66, Pohle. » 69, Schneider. . 87, Ritmer. Lirkenstr. 82, Sauer. Blücherstr. 11, O. Hanke, . 67, Berolkna. Blumenstr. 13, O. Hanken Bochumerstr. 10, Knnke. Bödickerstr. 30, Gen.-Bäckerel, Berlin. Boyenstr. 6, Benneke. . 11. L. JHl«. . 16, Jakob. Boxhage» erstr. 27, Siellng, BöUgerstr. 5. Kruppe. . 26, Duckert. Brandenburgstr. 21, Becker. Bremerstr. 57, Vesterling. . 60, Bayer. Britzerstr. 7, Toraatsch. Brunnenstr. 3, Mollwcide. , 41, Sorge. , 151, F. Hanke. , 129, Goldacker. . 154, Herrmann. Brüsselerstr. 5, de Bruyn. , 8, Gonsior. . 43, Janezeck. Duchstr. 1, Völker. BurgSdorfstr. 15, Linder. Büschingstr. 17, Grosch. Buttmannstr. 20, Hirsch. Cadinerstr. 4, Weber. Camphausenstr. 6, Zindler. Carmen Sylvastr. 155, Schiweck. ,, 157, Herde. .„ 163, Strauß. Chausseestr. 44, Goldacker. „ 105, Helberg. Chodowieckistr. 1, Müller. „ 25, Marlock. Ehristburgerstr. 35, Tank. Christianiastr. 116, Epvinger. ComeniuZplay 1, P. Hanke. Cuvrystr. 28, Plantz. Dalldorserstr. 38, Wulst. „ Markthalle, Stand 175- 176, Hönisch. Danzigerstr. 8, Conrad. „ 15, Bobel. 70, Areitag. . 72, Vondran. . 76, Vogler. Dänenstr. 5, Butzck. Demminerstr. 25, Grund. 23, Gliese. Dieffenbachslr. 27, Stcinbol». 52, Kleß. Dleffenbachstr. 58», Bethke. 70. Bock. Dolzigerstr. 36, Neimnnn. Dragonerstr. 38/40, Schräm«. DreSdenerstr. 6, Goldacker. » 17, D. Hanke. » 90, Schulz. » 104, Hanke. Dunckerstr. 2, Ezerwenka. « 75, F. Hanke. m 78, Kunze. , 80, Deinert. Dunckerstr. 90, F. Hauke. Ebelingstr. 5, Blender. EberZwalderstr. 27, Rothe. Ebertystr. 33, O. Hanke. 0 45, Ich ramm. „ 50, Bruckner. „ 54, F. Hanke. Eisenbahnstr. 8. O. Hanke. EraZmusstr. 2, Müller. Falckensleinstr. 20, Starz. 17, O. Hanke. Falkplatz 1, Günther. Fchmarnstr. 8, Bchrcnd. , 9, Vollsbrot. 20, Barz. Fehrbellinerstr. 27, Höselbarlh. . 93,.Hein. Fennstr. 48, Laddasch. Forftersk. 20, Gcnossenschast.Berlin' 48. Reich. Große Frankfurterstr. 38, Hanke. 139, Goldacker. Frankfurter Allee, Ecke Samariter- straße, F. Hanke. Franksurter Allee 40, Richter. . 176, C. Hanke. Franseckiftr. 27, Böttger. 45. Thiel. , 63, Goldacker. Freientvalderstr. 21, Gerlach. 38, Köpke. Friedrichstr. 247, Goldacker. . 27, id. Hanke. FriedrichZselderstr. 13, C. Hanke. „ 26, Hnioa. Friedenstr. 57, Becker. Friedrichsbergerstr. 16, NowodzhNsk. Fruchtftr. 2, Schulze. „ 46, E. Polenz. Fürstenbergerstr. 9, Kanz. . 15, Oßwald. Fürstmwald erstr. 7, Heinrich. Georgentirchstr. 60. Hanke. Gerichtstr. 53, Schönwicse. GipSslr. 7. O. Hanke. Gitschinerstr. 58, Heinroth. Gleimstr. 9», Jaape. 11, Gießler. 19. Pribyl. 32. Rothe. 43. Grothe. 48, Abraham. 60, Metsch. Glogauerstr. 2, Kotzan. , 17, Jautke. » 26, Schwarzer. , 28, Bäckerei- Genossen- schast Berlin. Goltzstr.»1, Goldacker. Gollnowftr. 9, OSt. Hanke. Gormannstr. 25/26, Minute Gotzkow-Zkystr. 6. Müller. 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Bäckerei. ochslr. 31, Maue. ochmeisterstr. 1, Hanke. , 20, Friedrich. Hohenlohestr. 18, Bäckerei- Genossen- schast Berlin. Holzmarttstr. 14, I. El-Zner. „ 55, Aronheim. Huselandstr. 34, Hanke. , 36, Oberreicher. 40. Kittlaub. Hübn erstr. 6, Bauer. Hussitenstt. 15. Potscher. , 20, Wlv. Wolf. » 30, F. Hanke. „ 43, Kießling. Jmmanuelkirchstr. 32, Kleiner. In sterburg erstr. 2, O. Hanke. t 5, Ihlow. . 12, Hcnnig. Jnvalldenstr. 33, Bobel. . 167, Goldacker. JablonSkistr. 1. Bode. 39. Hellwig. Jagowstr. 10, Eichstädt. Jahnstr. 21, Köhler. JaSmnndcrstr. 18, Böttcher. Kaiserftr. 46, Kalbow. Kamerunerstr. 51, Tzschetzsch. Karlstr. 26, O. Hanke. Kastanien-Allee 13/14, Pape. ,, 19, Goldacker. ,, 46, KIcpka. i, 57, Kün scher. . 83, F. Hanke. Kirchbachstr. 6, Chimelewsky. Kleine Andreasstr. 7, Hierse. Kleine Frankfurterstr. 14, Mittelstädt. Kleine MarkuSstr. t, Viedcrfich. Kochhannstr. 28, KriemS. __. 35, Deumehand. Kolbergerstr. 1, Hanke. Koloniestr. 30, Döring. » 34, Milche. 71, Schopsch. Koppenstr. 12, Bobel. . 25, Stratmeher. Kopenhagenerstr. 28, Vechtel. . 36, Räber. , 49, Kurth. 65, Weitz. Kopemikusstr. 3, Teupel u. Vichör m 9, Mellnitz. 25, Thulke. . 33, Winnenberg. Köpenickerstr. 172, Cieslik. KöSlinerstr. 1, Kästner. , 3, Gwiazdowski. Korsörerstr. 2, Surcl. „ 8, Rothe. 17, Hübner. Kotlbuser Damm 20. Protzer. Neue Königstr. 60, Goldacker. Krautstr. 4/5, O. Hanke. 22. Arndt. 41. Arndt. Kremmenerstr. 15, Marlock. Kreutzigerstr. 1. Lange. Kuglerstr. 8, Schumann. Landsberger Allee 43. Krellmann. >, 51, Jäckel. 123, JlchmailN. Landwehrstr. 12, giegler. Langestr. 13, Goldacker. , 25, Hildebrand. , 36, Guniar. Lausitzerplatz 12, KonatkowSki. Lausitzerstr. 9, Kauf. 16, Schöfisch. Lichtenbergerstr. 6, Winter. 21, Feist. Libauerstr. 22, C. Hanke. Liebigstr. 8, P. Hanke. , 31, Ba» er. . 88, I. Hanke. Liebenwalderstr. 1, Voleh. . 10, Biedermamk. 31. Jäckel. Llegnitzerflr. 6, Albrecht. „ 22, Schulz. 23. Mieth. Linienstr. 1, O. Hanke. , 26, O. Hanke. Lippehnerstr. 8, Ztbell. Litthauerstr. 14, Schneider, . 24, C. Hanke. Lortzingstr. 6, Rösener. . 17, Dahms. Lothringerslr. 34/35, Mollweide. Löwestr. 8, P. Hanke. . 13, Block. Lübeckerstr. 20. O. Hanke. . 47, Schmidt. Lübbenerstr. 10, Hacker. , 17, Gaul.. » 24, PfennigSdors. , 29, Gierz. Lüderitzstr. 60, Klitzing. Lychenerstr. 4, Schwede. » 17, BorowSkt. „ 110, Köhler. Lhnarstraße, Pawlick. Malmöerstr. 6, Hirschfeld. Malplaquetstr. 6, Schulze. „ 12, Behrcnd. . 16, Gensior. Manteiiffelstr. 61, Beckmann. . 87, Jurke. . 90, O. Hanke. „ 99, Brauer. „ 103, Wiedekind. ! Marlannenflr. 12, O. Hanke. 32, Pool Marienburgerstr. 33. Hanke. Markgrasenstr. 99, O. Hanke. MarkuSstr. 11, Schneeberger. 38. Tischer. Maxstr. 17, Laas. Memelerstr. 7. Knorcke. , 12. Drulschmann. 47. Sier. , 77, StachowSkt. 84, C. Hanke. Metzerstr. 2, Sachwitz. Mittenwalderstr. 30, Dohna!. „ 44, Schröder. Mirbachstr. 14, Volksbrot. Mulackstr. 10, Schramm. Muskauerstr. 13, Lattennann. , 15, Dürer. „ 28, Seinzelmam». 54, BicdeimaiM. Müllerstr. 10. Herberg. 28. Lüddicke. 32», Weber. 166», Hanke. Mühlcnstr. 32, Nahlk. „ 46», Franke. Münchebergcrstt. 15, Leue. Nannynstr. 1, Lippert. 7. Ficlitz. » 40, BarduhN. » 64, Heilmann. , 73, stojaczyk. Nazarethkirchstr. 39. Fibell. . 45, Schulz. Neanderstr. 23. Raubut. . 27, O. Hanke. Neue Hochstr. 31, Bcnthin. 45. Jacob. Nostizstr. 9, Bockisch. Oudenarderstr. 36, Sanier. . 44, Liebner. Ohmsir. 9, Nowosadke. Oderbergerstr. 21. Wagner. 38, Busch. , 49, Böchne. Oranienstr. 186, O. Hanke. Oppelncrstr. 4, Schenk. , 20, GolemblewZki. 24, Müller. 35, Wolf. Palisadcnstr. 2, Hanke. , 20, Kynast. , 58, Barth. 91, O. Hanke. Pankstr. 21. Kahle. 25, Günther. Pankstr. 46», Göller. , 51», Klang. „ 53», Dunkel. Pappel-Allee 7, Riedel. , 14, Hässelbarth. , 18, Gösen.. 21, Schiller. 24, Caseler. Pasewalkerstr. 8, Benthin. Pertebcrgerstr. 54, Verl. Gcn.-Bäckerei. PetcrSburgerplatz 6, Hanke. Petersburgersir. 58, Dorhauer. Pmtschstr. 4, Grützmacher. Planuser 33, vcrlmer Gen.-Bäckerei, , 92«, Blume. Plantagenstr. 7. Fuckner. Posencistr. 5, Hanke. Prenzlauer Allee 24, Goldacker. 42, Meyer. ,. 81, Hänsch. ,, 86, Nauber. ., 203. Hermann. Prenzlauerstr. 11», Goldacker. Prinzcnstr. 12, O. Hanke. Prinzessinnenstr. 31, Miehe. Prinzen-Allee 53, Löfs. 61. MchIS. ProSkauerstr. 31, F. Hanke. Putbus erstr. 11, Jaape. , 21, P. Hanke. , 24, Kunot. 46, Bloch. Ramlerstr. 24. John. , 31, Dahlenburg. „ 34, Dchmelt. . 36, Hachn. Rattborstr. 2, Bäckerei- Genossenschast Berlin. Ratiborstr. 6, Dietschmann. ., 17, Rückcr. Reichenbergerstr. 62, O. Hanke. » 88, O. Hanke. , 95», Tschentke. „ 101, Wagner. 145/146, Klautsch. Rhcinsbergerstr. 13, Scholz. . 26, Lorenz. Reinickendorferstr. 1, Benthi». » 36, Hanke. ,, 98, Dobrin. . 112, Goldacker. „ 120, Berliner Gm. Bäckerei. Rigaerslr. 4, Hanke. , 100, Spörlein. RItterstr. 15, Günter. 114, Ernst. Romintenerstr. 41, Brämer. , 44, Küster. . 57,(Sorgas. Roßstr. 11. Bobel. Rostockerstr. 31, Wagener. „ 36, Ulbrich. Rostockerstr. 40, Tschöke. , 46, Krüger. „ 51, Hering. Ruppinerftr. 8, Baake. , 12, O. Hanke. 25, Bobel. Rüdersdorserstr. 20, Güldener. 52, Haupt. Rügenerstr. 16, Höhne. . 22, Janibor. Samariterstr. 2, Fischer. . 11, P. Hanke. „ 2», Klewe. Samoastr. 22, Stege. Schenkcndorsstr. 4, Freude. Schilltngstr. 19, Osl. Hanke. Schivelbeinerstr. 4, Hußebraudd , 16, Baur. 18,«olff. Schliemannstr. 24, Reiseivitz. , 30, F. Hanke. 32, Japp. Schönhauserstr., Alte 33, Goldacker. Schönhauscrstr., Alte, 39/40, G.Schwarz. Schönhauser Allee 5, Goldacker. ,»70«, Goldackcr. ,» 150, Blume. . 188, O. Hanke. Schönholzerstr. 5, Mittelbach. Schönleinstr. 4, Müller. Schreincrstr. 57, Sicpack. Schulstr. 25, Hanke. „ 28, Schambergcr. , 37, Schmidt. , 67, Kurzmann. Schulzendorserslr. 23, Barth. Schwcdtcrstr. 32, Hanke. » 48, Löchel. „ 52, Hübner. „ 230, flumm. , 240, Schmidt Seelowerstr. 15, Baur. Sickingenslr. 76, Winter. Siementftr. 17, Mügge. Simconstr. 14, Lück. Skalltzerstr. 63/64, Dehme! „ 120, Gcrlach. „ 124, Mclzer. Sonnenburgerstr. 13, Kräfllng. Coldinerstr. 32, Rosemann. . 69, Schneider. Sorauerstr. 1, König. . 8. Kretschmar. 18, Schiller. Sparrstr. 19, Gonsior. Sprengelstr. 4/5, Wagcnknecht Stralauerplatz 13, tznida. Stallschreiberstt. 32, Hanke. » 60», Dürer. Stargarderstr. 63, Burger. „ 69/70, Fun! „ 78, Bark u. Walter. Steglitzerstr. 79, Zerbahn(Wieder- Verkäufer). Stciidalcrslr. 4/5, EortS. Stelttnerftr. 17, Kleinert » 26, Kleinert. „ 38, Hubert. » 54, Peschmann. . 56, Baniekow. Stolpischestr. 4, Badtke. „ 32, Papke. 51. Skibüo Stralsunderstr. 8. Straßburgerstr. 35, Hcllmann. Straußbergerstr. 33, Schicke. Straßmannstr. 24, Zander. 2. Hanke. Strclitzerstr. 15, v. GrabowZki. „ 64, Brauner. Stromstr. 33, Zastrow. Swiiiemünderstr. 5t, Paulitscheck. ,, 66, Becker. 80. Pruß. „ 82, Rtannel. » 93, Schubert. , 106, Kunze. . 119, Anhällser. Tegclerstr. 11, Lenzncr. 23, Dahlke. 32, Stritzke. Tieckstraße 16, Fürst. Tilsiterstr. 26, Geßner. 91, P. Hanke. Torsstr. 14, Lenz. 17, ZieSmer. Torsstr. 13, Schachner. TreSckowstr. 57, Mocrschner. Triststr. 29, Sprigadi. Türkenstr. 22, Tzschetzsch. Turtnerstr. 36, Rißmann. Turmslr. 51, Goldacker. , 54, Paul Bernau. . 67, O. Haute. Urbanstr. 1, Neubarth. 25. Brotfabrik Viktoria. , 52, O. Hanke. 104, Kruschke. Usedomstr. 4, Stollbcrg. Utrechterstr. 8, Kcrsten. Veteranenstr. 16, O. Hanke. Bottastr. 42, Eckel. Waldstr. 4, Senf. 17, Hanke. 25, Zglisch. 36, Bureck. 42, Bauer. 46, Pohl. Waldemarstr. 76, Claus. Warschauerstr. 3, Wolf u. Heinze. 16, Jarzembowskl. 64, Lüddemann. Waßmannftr. 20, Bcier. 24, Guniar. 29. Bobel. Wattftr. 1, Hanke. 21, Hostrichtcr. Weberstr. 25, Hanke. 36, Ooldackei. Wcddingstr. 7, Brendel. Weichselstr. 34. Schulz. Wcidenweg 25, Lrosin. 34, O. Hanke. 37, Eh nert. . ea 9, Ludwig. Weinstr. 7, Karras. 27, spann. Weißenburgerstr. 24, Jahn. 55, Nobillng. lichertstr. 5, KierzkowSli. Wiclcsslr. 21, Staub. 55/56. Matschke. 66, Spickermann. 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Hagemelsttt 47. Friese. Jahnstr. 41, Lutz. Rungiusstr. 3, Adamet Gharlottenbnrg. Canerftr. 19, Ulbrich. Cauerstr. 27, Genossenschaft»Pro. dultion'. Chrislstr. 13, Gcnossenschast„Pro- duktion". Danckclniamtstt. 46, Lehmann. , 55, Ulbrich. Friedbergstr. 39, Ulbrich. Grolmanslr. 14, Ulbrich.« Grünstr. 27, Bachmann. Helmholtzstr. 19. Ulbrich. Kaiser Friedrichstr. 43, Ulbrich. Kanalstr. 7, Leistner. „ 15, Heine. Kantstr. 108, ulbrich. Knobelsdorserstr. 43, Ulbrich. Krummestr. 57, Nielsche. Letbnizstr. 65, lllbrich. Nehringstr. 21, Ratzky. Pestalozzistr. 42, Leistner. 12, Walter. PotSdamerftr. 11, Bachmann. chlüterftr. 17, Krause. 42. Ulbrich. Sickingenslr. 57, A. Haiucllek. Sophie Charloticiistr. 80, Proell. 87. Ulbrich. Spandauerstr. 30, Ulbrich. preestr. 1l, Pelka. Tauroggenerstr. 10, Genossenschast .Prodilttion'. Tauroggenerstr. 45, Ulbrich. Wallstr. 85. Ulbrich. Weimarerstr. 29, Könsumvereit». Wielandstr. 4, Krätky. Wilmersdorserstr. 27, Konsumverein , 4t, Ulbrich. 163. Ulbrich. Falkcnhagen. Witwe Bock. Fricbrlchsberg» salstr. 33. Pcschle. Blumenthalstr. Kronprinzenslraße, Haistich. Rummelsburgerstr. 22, Opitz. 38. Werner. Friedrichsfelde» Berlin erstr. 66, Seiler. 102, Wölsert. Wilhelmstr. 42, Meyer. Friedenau. Lauterstr. 35, Klein. Franz. Buchholz. Pankowerstr. 28, Ulrich. Mühlcnstr. 1, Prenß. Grost-Ziethe». A. Werner. Hennigsdorf Karl Wolter. Friedrich Wolter. Wilhelm Wolter. Hermann Wotter. Albert Lücke. Wilhelm Seiler. B ehrend. Graffcnberger. Mahiilops. HermS»orf„ Berlinerstr. 16», Schaudi». Haupistr. 34, tzerrniann. Neptunstr. 36, Manie. Scebadstr. 1, Ladtvig. Heiligensee. K. Kühne. Lahrmann. Hohen-Tchöiihause«. Maihoser. Berlinerstr. 87,Wehr /Wied-rverkäuserV KoSkestr. 17. F. Müller. Karlsvorst. Dorotheenstr. 27, Eichhorn. Köpenick. Borgmannstr. 6, Bergmann. Glicnickcrstr. 2, Peter. „ 29, Hartenberg. Grünauerstr. 27, Krämer. Grünstr. 8, Hi. Ullrich. Kaiser Wilhelmstr. 100, Leischke. 104, Peter. Marienstr. 14, Msert. Müggelheimerstr. 32, Gertung. 41, Peter. Rosenstr. 2, Pelei. Rudowerstr. 25, Hein. Schönerlinderstr. 12. Kudekl. Lichtenberg. Dorsstr. 82, Mägdesrau. Eitclstr. 30, Littmins. Franksmter Allee 3, Bantsch. Friedrichstr, 7, Matwer. Gürtelftr, 11, Bienert. Hubertusstr. 53, C, Hanke. Krenstr. 17, Ncueiidouf. Jungstr, 14, Schräder. Kronprinzenstr. 1, C. Hanke. Margarethenstr. 8», Schacher. Oderstr. 25, Golsch. Psarrstr. 36, Hehler. Scharnweberstr. 8. Schubert. . 10. Peter. , 24, C. Hanke. , 34, Kopie. Weichselslr. 32, Bantsch. Wilhelmstr. 57, Jeffe. , 69, Griebe. Neu-Lichtenberg. Sophienstr. 8, Schöning. Mahlsdorf. Hönoverstr. 5, Hornig. Mariendorf. Ehausseestr. IIa, Nowack. , 12, Mendt. » 15, Papier. , 67, spiclhagen. Marwitz. Kemnitz. Finke. Nieder- Schönhause»«. Bcuthstr. II, Krügerk«. 19, Seger. Blanlenburgerstr. 1, Zugwurst. 18, Höhne. Buchholzcrstr. 8, C. Richter. Kaiser Wilhelmstr. 85, Achtenhagen. Körncrstr. 8, G. Remter. Platanenstr. 28, Hardtke. Uhlandstr. 41, Putzbach. Waldstr. 21, Lux. Ober-Schöneweid«. Edisonstr. 9, Peter. 49, Armdt. Frischenstr. 2, Peter. Luisenstr. 5, Gehler. Marienstr. 18, Kleint. Mathildenstr. la, Muchow. Nalepastr. 51, Martens. Ohmstr. 7, Timm. Rathcnaustr. 31, Peter. Petereit. Tabbertstr. 2, Peter. , 35, Seidelmann. Pankow. Berlinerstr. 79, Zadow. Brchmestr. 52, F. Hanke. Binzstr. 12,ZagclSki(Wiederverkäuser). F. Heyden. Floraftr. 41, Schneider. Kaiser Friedrich str. 67, Wieneke. Mühlenstr. 32, Möller. Ukermarkstr. 178, Stöhr. Wollankstr. 63, F. Hanke. Pichelsdorf. Scharfe Lanke 2, Kramer. Plötzensee. Charlottenstr. 12, Thiele. Reinickendorf. Berlinerstr. 5, Schmidt. 104, Nah. 134, Gottschalk. Birkenstr. 59, Gronau. Grüner Weg 51/52, Max Modrow. Markstr. 12/13, Vollmer. Provinzstr. 51, Langer. . 80, Schwarz. 129, Schneider. Residenzstr. 61, Witt«. , 105, Gleich. 118, Brase. Wilkestr. 62, Neue Berliner Genossen- jchasts-Bäckerei. Rixdorf. Allcrstr. 3. Pcrseke. . 46. Keddi. Bergstr. 12, Hanke. , 84, Schensch. Berlinerstr. 16/17, Schibgill. , 20, Voigtländer. 86, O. Hank«. Bodestr. 16, Beyer. .. 31. Topf. Neue Donaustr. 52/53, LouiS Runkel. Elbestr. 1/2, O. Hanke. , 6, Kirstädter. , 15/16, Lunkwitz. Emscrstr. 78, König. Erlangerstr. 8, Weihleder. Falkstr. 1, Bäckerei-Genossenschast .Berlin'. „ 25/26, Perfeke. Friedelstr. 3, Marmul. 27, Reich, nicht 30.(Der Inhaber der Bäckerei Nr. 30 ist einer der gröhtcn Gegner der Gc- sellenforderungcn.) Glasowstr. 32, Kunz. Hcidclbergerstr 76, O. Hanke. Hermannstr. 19, Bäckcrei-Genossen« schast.Rixdorf". Hermannstr. 28, Mertens. , 54, Hildcbrand. , 118, Bartsch. , 159a, Hagen. 170, Thaler. „ 175, Schulz. 231, Karl. Herrsurthstr. 26, Brüx. , 34, O. Hanke. , 7, Bäckerei- Genossen- schast.Rixdorf". Herrfurthplatz 10, Schnur. Herthastrahe, Hilmer. Hobrechtstr. 71, Zrocke. Hohcnzollernplatz 6, O. Hanke. . 11, Balzcr. Jnnstr. 30, Krause. Jsarstr. 7, Zech. „ 11, Bäckerei-Gen.„Berlin". Jägcrstr. 63, Jonscher. Jansastr. 7, Brien. Neue Donaustr. 52/53, Runkel. Neue Jonasstr. 33, Puls. Karlsgartenstr. 19, Vonnoch. Kaiser Friedrichstr. 25, Bartsch. . 34, Schmidt. . 245, O. Hanke. Knescbeckstr. 33, Gallert. 38. Wölk. , 41, Belzig. , 68, Richter. , 146, Dybowski. Kopfstr. 38, Bäckerei-Genossenschast .Rixdorf". Kopsstr. 45, Hoppe. Kottbuser Damm 103, O. Hanke. Köllnisches User 72, Müller. Lcssingstr. 34, Persels. Mahlowerstr. 6, Bartsch. Maizerstr. 15/16, Grunert. 56, Döbler. Mttchenerftr. 18, Böller. . 25/26,Bäckerei-Genossen- schast.Rixdorf". „ 44, Weigelt. 73, Bobel. Nasenstr. 33, Sekul. Nmctzftr. 10, Wach. Nzatstr. 32, Griebat., Pnnierstr. 4, Riemer. , 13, Frischkemuth. , 20, Junker. , 27, Maschler. , 34, Spura. , 57, O. Hanke. Mgerstr. 70/71, Linsener. ftnz Handjerystr. 58, Bartsch. 70, Schmidt. duterstr. 33, Splettstöher. 76, Bobel. 91, Lehmann. Ichardstr. 23, Ehrentraut. 63, Lüdicke. «Ichowerstr. 9, Bäckerei-Genossen« schast.Rixdorf". «ichowerstr. 23/24, Grünhagen. icgsriedstr. 48, Pinkel. sternmetzstr. 34, O. Hanke. , 39, Senstlcben. , 46, Pcrseke . 121, Löwigt. . 129, Bäckerei-Genossen- schast.Berlin". chomasstr. 38, Nehring. chüringerftr. 7, Bartsch. 18, Klein. Larthestr. 9, Ciesior. 15, Janentzki. Leichselstr. 3, Nabakowski. , 13, Hagemann. » 31, Schwarz. , 55, Frischgemuth. . 60, Gassenhuber. Leiseftr. 2, Bäckerei- Genossenschaft .Rixdorf". Leisestr. 24, Bäckerei-Genossenschast .Berlin". Seisestr. 28, Winde. 73/74. Wolf. Leserstr. 47, Bies. . 168, Vielitz. Vielandstr. 27, Reich. Lissmannstr. 7, Troffer. t, 29, Krüger. Zietenstr. 20, Bäckerei-Genossenschast „Rixdorf". Zietenstr. 41, Beyer. . 53, Bobel. Rudow. Köpenickerstr. 84, Weigt. Schöneberg. Barbaroffastr. 67, Wetzel. Belzigerstr. 61, Kernchen. Ebersstr. 42, Zeitz. Eisenacherftr. 63, Mahler. Erdmannstr. 5, Kulinski. Frankensw. 2, E. Hanke. Gustav Müllerstr. 35, Schmidt. . 48, Beck. Kaiser Friedrichstr. 4, Gertach. Kyffhäuserftr. 2, Paul. Nollendorfftr. 40, Hanke. Sedanstr. 18, Steuck. Siegsried str. 1, Gertach. Schönerltnde« Dorsstr. 59, Wege. Selchow. E. Schulze. Spandau. Achenbachstr. 6, Bühl. Steglitz. Birkbuschstr. 84, Giesemann, Mommscnstr. 59, Schröder. Schützenstr. 1, Hackbarth. Stolpe« Gutschow. Tegel. Brunowstr. 41, Rothert. Egcllsstr. 99, Mayer. Schlieperstr. 59, Schwanz. , 67, König. Schlohstr. 27, Petersohn. Schulstr. 1, Einnitz. Tempelhof. Borussiastr. 9, Schultz«. Grünkramgesch. lies, bohkottsr. Ware. Treptow. Beermannstr. 6, Fieck. Elsenstr. 38, Gest«. Kiesholzstr. 33/34, Weiser. Stralim» Alt-Stralau 49, Härtung. Waltersdorf. H. Sparr. Weitzense«. BerNnerstr. 87, Havenburg. Charlottenburgerstr. 76, Hofiman«. , 78, R. Wick. » 79, Schadwinkel. , 98, Emil Engel. Falkenbergerstr. 146, Frosch. Feldtmannstr. 164, Krien. Friedrichstr. 1, Roth. Friestckestr. 23, Thiele. Generalstr. 12. Müller. Gäblerstr. 60, Wilh. Engel. Heinersdorserweg 24, Robert Engel. » 45, Hoffmann. „ 48, LiskowSki. „ 56, Bay. König-Chauffee 72, Hoffmanu. Langhans str. 75, Räuber. Lehderstr. 1, Hoffmann. 119, Klink. Lothringenstr. 35, Hoffmann, Pistoriusstr. 8, Rassau. Rölckestr. 127, Hossmann. Strahburgstr. 20, Heise. Wilhelmstr. 23, DrewS. « 39, Schwarz, Wilhelmsrnh« Edelweihstr. 11. Lube. Hauptstr. 30, Milletat. Wilmersdorf. Brandenburgischestr. 9/10, Tannert. Sigmaringenstr. 8, Frost. Wittenau. Triststr. 74, O. Richter. Zehlendorf. Berlinerstr. 6a, Haesner. Die Bewilligung zurückgezogen resp. durchbrochen haben: llesperri sind ferner die Brotfabrik Wittler, Müllerstr. 33/34, und Danckeimamsw�i2°Bartz� Großbäckerei Slottner. Der Brotfabrikant Wittler, der die Simons' Rixdorf. brotfabrik aufgekauft hat, versucht jetzt in einem Flugblatt seinen Wort- Falkstr. Sl. Susat.(Hat diese Woche, bewilligt, aber schon wiederbrUM ZU VertU chM. zurückgezogen.) Steinmetzftr. 131, Lorenz. An kl am erste. 57, Ed er. Allensteinjtr. 9, Göhwein. Barnimstr. 5, Legier. Biesenthalerstr. 2, Mensing. Danzigeiistr. 8, Konrad. Dronlhcimerstr. 13, Barth. Feimstr. 51, Hanke. Gräsestr. 67, Brendel. ausburgstr. 26, Söder. ochmeisterstr. 20.(Will, J> _______ um die nnungsalmosen zu erhalten, im .Vorwärts" ausdrücklich als zurück- gezogen stehen.) Hochstädterstr. 23, Zahl. Langeftr. 21, Plenert. Mühlenstr. 51. Schön. Nostizstr. 49, Mörve. Pappel-Allee 85, Drehler. Slrelitzcrstr. 31, scheunemann. Weinslr. 27, Legier. Zionskirchstr. 13, Bobel. Rummelsbnrg. Kantstr. 18, Mägdefrau. Wir ersuchen die verehrten Kausfrauen und Konsumenten, ihren Bedarf nur aus bewilligten Säckereien zu beziehen! Die verehrliche Bevölkerung von Berlin und Umgegend ersuchen wir, genau auf die roten Karten zu achten, die alten Plakate sind ungültig. Liste dsrsenigen Milch» und Gemüsegeschäfte, die nachweislich Ware von uu bewill igten Bäckereien beziehen. Ackerstr. 35, Salls. Anklamerstr. 6, Tereslak. „ 53, Döring. 56, Witte. Bergstr, 17, Zaspel. Beusselstr. 79, Seehof. Boyenstr. 45, Dier. BurgSdorsstrahe(Ecke Sparrstrahe), Kllkowski. BurgSdorsstrahe(Ecke Müllerftratze), Luneoh. CHorinerstr. 58, Vleillard. Eberthstr. 38, Wiechmann. Ebertystr. 55, Kleinau. Elisabeth-User 13, Ziebarth. Fehmarnstr. 1, Karbe. Fehrbellinerstr. 39, Klath, Fruchtstr. 36, Vogt. Gleimstr. 9a, Schmidt. Gropiusstr. 2, Wolf. Hagenauerstr. 12, Meyer. Hussitenstr. 18, Karl. zussitcnstr. 22, StDbbe. imintenftr. 68, Rücke. dussitenstr. 69, Rinke. Zasmunderslr. 18a, Jordag. Jasmunderstr. 20, Friese. Kochhannstr. 2, Radke. Kockbaimstr. 13, Schütz. Kochhannstr. 27, Wegener. Kopenhagenerstr. 15, Gerhard. Köpnickerstr. 165, Burschke. Koppenstr. 63, Lehmann. Linienstr. 213, Gruber. Luisen-User 13, Ziebarth. Marieuburgerstr. 2, Kempfer. Matternslr. 7, Schulze. Müllerstr. 163, Gunsch. PcterSburgerstr. 13, Krüger. Petersburgerstr. 16, Blache. Prenzlauer Allee 200, Storch. Rostockerstr. 3, Franke. . 39, Rosner. Rhkestr. 44, Kessel. Schönflieherstr. 8, Fink, erklärt, daß er nur«nbetoilligte Ware beziehen will. Schwartzkopffstr. 18, Dien. Seestr. 68m, Schünling. Strahmannstr. 1, Haaso. Stargardterstr. 13, Hellwig. Strelitzerstr. 69, GraBmann. Tegelerstr. 15, Laue. Tilsiterstr. 84, Minkwitz. Usedomstr. 12, Jauer. Veteranenstr. 17, Bruchmüller. Weihenburgerstr. 83, StrauB. Wiclejstr. 9, Wissmann. Wiesenstr. 38, Lenz. WilhelmShavenerstr. 60, Schellin. Zionskirchsk. 55, Kuhnke. Zorndorserstr. 39, Schwarz, 52, Möbla. Zwinglistr. 14, Förster. Eharlottcnburg. Nehringstr. 29, Krüger. Lichtenberg. Frankfurter Chaussee 78, Flisohke. Reinickendorf-West. Antonienstr. 42, Lutter. Wittestr. 7, Birr. Rixdorf. Cannerstr. 15, Martin. Neue Hobrechtstr. 62, Koch. Jägerstr. 55, Oswald. , 61, Ruhnke. 71, Knobelsdorf. Kaiser Friedrichstr. 9, Schickel, Lessingstr. 22, Mangler. Prinz Handjerystr. 16, Waller. Rummclsburg-Boxhageu. Lenbachstr. 2, Hamann. Goethestr. 5, Bischof. Kantstr. 9, Taubert.; Schöneberg. Gothenstr. 3, Ernst Wartenberg, Die verehrlichen Bewohner von Berlin und Umgegend fordern wir hierdurch auf, falls iie aus bewilligten Bäckereien Ware haben wollen, in denjenigen Stadtvierteln oder Straftenzügen, wo keine bewilligt habende Bäckereien vorhanden sind, an untenstehende Knndensammelstellen ihre Adresse gelangen zu lassen und zugleich mitzuteilen» wie viel Backware und Brot sie täglich brauchen und um welche Zeit die Ware geliefert werden soll. Die- selben werden dafür sorgen, daß den sich Meldenden auf dem schleunigsten Wege die Ware ins Haus geliefert wird. Auf Wunsch der dortigen Bevölkerung haben wir folgende Kundensammelstellen eingerichtet: c. Hoehnow, Parochialstr. 36. Arnold, Spittelmarkt 3. G. Wallberg, Kaiser Wilhelmstr. 18n. W. R. Roy. Kirchbachftr. 16. Schmidt, Schwerwstr. 12, Hos IV. F. Lehmann, Grotzgörschenstr. 27. SW. Günsel. Sllte Jakobstr. 172, Hos link« I. C. Mehnert, Feilnerstr. 15. Leue, Wilhelmstr. 3, Ouergebäude IV, bei Hohmann. Krumpel, Zimmerstr. 75 und Markt- Halle III(Stand 197). K. Werner, Eylauerstr. 2. C. Müller. Nostizstr. 56. IV. nw. Gaedke, Calvinstr. 6, linker Seitenfl. I. Petermann, Birkenstrahe 28, Ecke Stephanstrahc. Eduard Rothe, Flcnsburgerstr. 24. «. 1 Wir bitten die verehrlichen Kausfrauen und Konsumenten» die kämpfenden Bäckergesellen dadnrch wirksam zu unterstützen, dah sie ihre/ A-i-mnz im Ms-Ng»ich.--ch W-.sch ,-«-» f.nt., bitte, Ware nur aus Geschäften beziehen, die Srof und Saehware von bewilligten Säehereien entnehmen. HO. Walter Sieber, Lippehnerstr. 24. O. C. Wolfs, Mirbachstr. 39, Part. Hermann Barentin, Tllstterstr. 8t. M. Hegel, Ackerstr. 2t, Part. Otto Schcllenberg, Weihenburgerstr. 57 (erbietet sich, den Kunde» boykolt- freies Brot in N., O. und 0. ins aouä zu bringen), chwcmmer, Guineastrahe, Ecke Seestrahe. Noxhagen-Rummelsburg. Hartmann, Holteistr. 11. Friedrichsberg. Ender, Kronprinzenstr. 17, Seitenfl. I. Hohen-Schönhausen. Ferdinand Krause, Berlinerstr. 66. Lichtenberg. Pühl, Psarrstr. 74. Thiesscn, Hagenstr. 56. Ober-Schöneweide. Knapp, Edisonstr. 44. Kroll, Slabystr. 17. Pankow» Emil Witte, Florastr. 45. Reinickendorf-West. Gronau, Waldstr. 65. H. Schmidt, Berlinerstr. 5, Steglitz. Otto Wedermann, Fichtestr. 71, v. I. Winkelmann, Schlogstr. 104, Hos II. Gülzow, Niederlage, Forsterstr. 23. Eeidschmidt, Niederlage, Marksteinstr. 1. lein, Niederlage, Herthastrahe. Weitzensee. Roh, Strahburgstr. 27. » Ferner die Berlanssstellen des Ber- liner Consum-Bereins: Michaelkirchplatz 4? Krautftr. 7 Zorndorferftr. 61i Liebigftr. 7' KoPernikuSftr. A3! Roftockcr straffe 35; Haveldergersir. 6 Emdenerftr. 50: Erasmus ffr. 5 Rummelsbnrg, Türrschmtdtstr.0 Lichtenberg» Frtedrichsberg. Frankfurter Chaussee 103; Krön prinzenftr.I; StralauerAlleeSOa vir die verehrliche Bevölkerung um Nachficht, aber bei der Hartnäckigkeit unserer Gegne» im energische Ausdaner. Vielfach wird das Publikum von den Bäckermeistern und Händlern in die irrige Ansicht versetzt, daß besondere Brotsorten, wie das Praschma-Brot, Pumpernickel, Schrot- und Kommisbrot, v»m Boykott unberührt sind. Wir erklären ausdrücklich, daß das Brot von Praschma und anderep unbewilligten Bäckereien als boykotiert überall zurückzuweisen ist. Achtung, Kirchhofsbesucher von Nordend! Den Kirchhofsbesuchern von Norden! teilen wir mit, daß die Bäckerei«ud Cafö von Rsmus» Nordend, gesperrt ist. Asmus weigert sich hartnäckig, die Forderungen des Verbandes zu bewilligen.' Mitbürger! Arbeiter! Hausfrauen! Unterstützt die um Lrhämpfnng ihrer ftlmschenrechte streikenden Bäckergesellen. 44/12 Die Lohnkommission. Bureau: Augupstr. 36, Tel. Amt Nl. 1243. Berantwortl. Rcdalteur: Carl Wermulb. Bcrlin-Rixdorf, Für den Inseratenteil verantw.: Th.Mcts �crlin. Druck U.Verlag: Vorwärts BuchdrUckcrei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co» Berlin SW."'' Kr. 156. 24.IahrMg. 4. KnlHt des Jimitte" Knlim MÄM. Sonntag, 7. Juli 1967. Partei-?Zngelegenkeiten. Dritter Wahlkreis. Dienstag, den 9. Fitli, abends 8% Uhr, findet im Märkischen Hof, Admiralstr. 18 c, eine außerordentliche Generalversammlung statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Ein don der Generalversammlung am 4. Dezember 1996 vertagter Antrag des Vorstandes auf Ausschluß eines Mitgliedes. 2. Ver- einsangelegenheiten. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Zentralwahlverein Teltow-BeeSkow. Die nächste General- Versammlung der Kreises findet am heutigen Sonntag. mittags 12 Uhr, im Hoppe schen Lokal. R i x d o r s. Her- mannstt. 49 statt, mtt folgender Tagesordnung: 1, Die Lehren der Reichstagswahl. Ref.: Fritz Zubeil. 2. Der internattonale Kongreß in Stuttgart. Ref.: Paul Hirsch. 3. Wahl der Delegietten zum internattonalen Kongreß. 4. Anttäge und Verschiedenes. Jeder örtliche Wahlverew ist berechttgt drei Delegierte zu entsenden. Die Delegietten müssen mtt Mandaten versehen fein. Gäste haben Zuttttt. Der Zenttalvorstand. Rixborf. Die Genosien, welche Bücher aus der Bibliothek entliehen haben, werden gebeten, dieselben der Inventur wegen schleunigst zurückzugeben. NowawcS. Arn Mittwoch, den 19. Juli, abends 8% Uhr, findet im Lokal des Herrn Schmidt(Deutsche Festsäle), Wlhelmstr. 3. die Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins mit fol- gender Tagesordnung statt: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag. 3. Be- richt von der Kreisgeneralversammlung. 4. Sommerfest. 5, Verschiedenes. Gäste, auch Frauen, haben Zutritt. Auch werden neue Mitglieder aufgenommen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Spandau. Die Generalversammlung des Wahlvereins findet «n Dienstag, den 9. d. M., bei Kumke, Schönwaldersttaßb, statt. Der hochwichtigen Tagesordnung wegen Witt» um zahlreiche Be- teiligung ersucht. Der Vorstand. berliner jVaebriebten. Gegen den BerkehrSzweckverband Groß-Berli«. Die einzige VorortSgemeinde, welche dem Verkehrsverband Berlins mit den Vorotten nicht beigetreten ist, bleibt Nieder- Schönhausen. Vor zwei Monaten hatte die dortige Gemeinde- Vertretung, wie berichtet, beschlossen, einen 99jährigen Vertrag mit der Großen Berliner Straßenbahngesellschaft zu schließen. Der Berliner Magistrat hat nun als Besitzer der Siemens u. Halske-Bahnen den letzten Schritt getan, um Nieder-Schönhausen für den Zweckverband zu gewinnen. Die Aktiengesellschaft Siemens u. Halske, in deren Rechte bekanntlich Berlin eingetreten ist, hat sich seinerzeit vorbehalten, in jeden Vertrag eintreten zu dürfen, welchen Nieder-Schönhausen mit anderen Gesellschaften zu schließen beabsichtigt. Daraufhin hat die Berliner elektrische Straßenbahn- Gesellschaft mit dem Vororte nun verhandelt.— Vorgestern befaßte sich die dortige Gemeindevertreter-Sitzung mit der Angelegenheit.— Bürgermeister Dr. Abraham stellte vorerst den erschienenen Syndikus der Großen Berliner Straßenbahn- Gesellschaft, Dr. Wussow, vor und teilte dann mit, daß die Stadt Berlin resp. die Siemens u. Halske-Bahn nur zwei neue Linien im Orte bauen wolle, während die Große Berliner Straßenbahn- Gesellschaft fünf wesentliche Verbindungen schaffen will. Der Vertrag mit der Großen Berliner biete mehr Votteile und sei somit ein Konflikt mit Berlin resp. der Siemens u. Halske? Bahn unvermeidlich. Alle Vergleichsverhand- lungen seien gescheitert und die Vertreter der städtischen Bahn behaupten, daß Nieder-Schönhausen den Vertrag mit der Großen Berliner S t ra ß enb ahn- G es e ll-� schaft nicht abschließen dürfe, weil das Recht zum Vertragseintritt teilweise ausgenutzt werden soll, was zulässig sei. Der Geh. RegierungsratDr. Eger, ein Sachverständiger, habe sich auf den Standpunkt gestellt, daß Berlin nur in den ge- samten Vertrag eintreten könne, doch sei ihm(dem Bürgermeister) und anderen Juristen nicht klar, ob der eventuelle Prozeß nicht zugunsten Berlins entschieden werden könne. Für diesen Fall würden der Gemeinde große Kosten entstehen, denn die Große Berliner Straßcnbahn-Gesellschaft werde dann die Aus- 4 gaben für die Herstellung der neuen fünf Linien von der Gemeinde zurückverlangen. Nach langer Debatte beschloß die Gemeindevertretung den- noch, den Vertrag mit der Großen Berliner einzugehen und es auf einen Prozeß ankommen zu lasten.— Der Bürgermeister ent- hielt sich der Abstimmung. Damit ist Nieder-Schönhausen endgültig aus dem BerkehrSzweckverband Berlins und der Vororte ausgetreten. Ob nach Lage der Sache nun der Berliner Magistrat den Plan, die nach der Schönhauser Mee resp. Pankow zu bauende Untergrundbahn bis Nieder-Schön- hausen weiterzuführen, festhalten wird, ist zum mindesten zweifelhaft. Die Vorortgemeinde wird durch ihren Vertrag mit der Großen Berliner wahrscheinlich viel größeren Schaden haben. als die Verlängerung von drei Linien der Großen Berliner inner- halb des OrtcS ihr Nutzen bringt. Submissionsblllten. Bei der Vergebung der Arbeiten für den Neubau des„Stadthauses" der Stadt Berlin in der Stralauer Straße sind für Fenster folgende Offerten abgegeben: F. Joost für zwei Lose zusammen b2 942 M.> E. Mayer für zwei Lose zusammen 51999 M., Gast u. Brude für zwei Lose zusammen 49 829 M. usw. Das niedrigste Gebot gab Ernst Mittag mit 32 882 M. ab. Die Differenz zwischen dem Höchst- und dem Mindestangebot beträgt demnach 29 989 M. Die Differenz zwischen dem Durchschnittspreise und der Mindestforderung noch 27 v. H. und die Differenz zwischen den beiden niedrigsten Ge. boten beträgt 15% v. H. Das von der Berliner Rettungsgesellschaft, E. V., mit dem Magifttat der Stadt Berlin getroffene Abkommen ist nunmehr durchgeführt worden. Die Zentrale und die Rettungswachen der Gesellschaft sind auf die Stadt übergegangen, die Hauptwachen (Krankenhäuser) haben sich an die städtische Zentrale im Rathause angeschlosfen. Dem Aerzteverein der Berliner Rettungsgesellschaft ist lier ärztliche Dienst in den nunmehr Städtischen Rettungs- wachen übertragen worden. Tie Rückständigkeit der Stadt Berlin erweist sich bei den verschiedensten Gelegenheiten. So hat beispielsweise die Stadt Berlin nicht das geringste Positive getan um den hohen Fleischpreisen entgegenzuwirken; man beschränkte sich auf die Absendung von Petitionen, im übrigen ließ man alles ruhig laufen. Die Forderungen der Sozialdemokraten auf Ein- richtung von städtischen Fleischverkaufsstellen sind nicht nur abgelehnt, sondern von der Mehrheit im Roten Hause in der hämischsten Weise glossiert worden, genau wie die andere Forderung auf Einrichtung städtischer Bäckereien. Daß andere Städte auf diesem Gebiete Berlin beschämen, beweist die Tat- fache, daß verschiedene Städte daran gegangen sind, städtische Fleischverkaufsstellen einzurichten. Kürzlich kam eine der- artige Meldung aus Eberswalde. Jetzt wird aus D i e d e n- Hofen berichtet: „In der Stadt Diedenhofen beharren die Metzger trotz der gesunkenen Schweinepreise noch immer auf den gewohnten hohen Schweinefleischpreisen. Da sie auch verschiedene Anfragen und Mahnungen des Bürgermeisters über diese hohen Preise unbeantwortet ließen, so schreibt jetzt nach der„Franks. Ztg." die Stadtverwaltung Lieferungen für vorläufig wöchentlich 599 Kilogramm Schweinefleisch aus, das öffentlich zum Verkauf gebracht werden soll." Wenn sich Berlin ein Beispiel nehmen könnte! Die Kanalisationsarbeiten für die Verlängerung der Kaiser Wilhelmstraße durch das Scheunenviertel sind nunmehr in Angriff genommen worden, nachdem die Freilegung der nordöstlichen Gabelung des neuen Straßenzuges beendet ist. Um die Re- gulierungsarbeiten zu beschleunigen, gelangen große Dampfbagger zur Aufstellung und werden die ausgehobenen Erdmasten auf einer anzulegenden Feldbahn fortbefördert. Gleichzeitig werden die Durchbruchsarbeiten für die nordwisttliche Gabelung der Kaiser Wilhelmstraße fortgefetzt und sind infolge der durchzuführenden Bauarbeiten die Weidinger-, Koblanck- und Füsilierstraße gesperrt. Die Freilegung des Straßenzuges kann qher erst in vollem Umfange im Oktober erfolgen, weil die Mietsverträge in den für den Abriß in Betracht kommenden Häusern in der Linien, und Lothringer- straße noch bis zum 1. Oktober laufen. Im kommenden Frühjahr wird dann noch die Regulierung des nordwestlichen Straßenzuges erfolgen und noch im nächsten Jahre mit der Bebauung der Stratzenzüge begonnen werden. Infolge des Durchbruches der Kaiser Wilhelmstraße verschwindet auch eines der wenigen noch vorhandenen alten Bäckereigebäude mit Kornkammern auf den Dachböden und den vorspringenden Straßenwinden, die durch Polizeiverfügung schon seit vier Jahrzehnten nicht mehr benützt werden dürfen. Es ist das Haus Linienstraße 232, eines der ältesten Gebäude des Straßenzuges, welches schon in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts erbaut worden ist. Der Berkehr auf den Bahnhöfen war gestern früh und mittag geradezu beängstigend. Die Züge und Schalter wurden gestürmt, wobei eS sich dann ereignete, daß Familien getrennt wurden. Kinder fuhren ab, die Eltern blieben zurück und umgekehrt. Das Reisen in diesen Tagen ist ein Vergnügen eigner Art. Ein altes Berliner Original ist gestorben: Gottlieb Lehmphul, genannt„Oller ehrlicher Seemann". Lehmphul war früher Dienst- mann, weil er aber einen prächtigen Kopf hatte, wurde er der Liebling der Maler und Bildhauer. Mit dem Südwester und der Teerjacke angetan, das kleine Seemannspfeifchen im Munde nahm er sich als„Oller ehrlicher Seemann" wie geschaffen aus, obwohl er niemals das Meer gesehen hatte. Ganz besonders stolz war Lehmphul darauf, daß er schon bei Lebzeiten„auSgehauen" und in Erz gegossen worden ist. Zu der den Schätzen der National- galerie einverleibten bekannten Gruppe„Gerettet" von Profestor Brütt, die jetzt im Freien steht, hat er als„oller Seemann" Modell gestanden. Der„Retter" ist niemand anders als er selbst. An der Fassade des Gebäude? der„Deutschen Bank" versinnbildlicht er die Handelsschiffahrt und in dem Hause einer hiesigen Archi- tektenfirma ist er sogar überlebensgroß als„oller Seemann" in Eisen gegossen zu sehen und als Ohm Krüger von Transvaal ist er im Künstlcrhause in der Bellevuestraße in Ton modelliert. In den letzten Jahren handelte er mit seinen eigenen Ansichtskarten und hatte seinen ständigen Stand vor dem Hause Friedrichstr. 169. Er ist 87 Jahre alt geworden. Um der Speichern»« zu begegnen, wird jetzt vom Magistrat ein offener, einstöckiger Schuppen am Humboldthafen zum Lagern von Mehl erbaut. Eine Statistik über die Erfüllung der Parteipflichtrn hat der hiesige Ortsverein der Handschuhmacher aufgenommen. Von zirka 179— 189 Mitgliedern haben allerdings nur 197 den aus- gegebenen Fragebogen beantwortet. Demnach gehören von diesen 197 gewerkschaftlich organisierten Handschuhmachern nur 58 der politischen Organisation an. Abonnenten des„Vorwärts" sind 81 Mitglieder. Bürgerliche Zeitungen werden von 15 Mitgliedern gehalten und 11 sollen auf gar keine Zeitung abonniert sein. Daß wirklich nur in 15 Haushaltungen die bürgerliche Klatsch- presse unterstützt wird, möchten wir billigerweise bezweifeln. Die Handschuhmacher müßten es sich daher zur Aufgabe machen, da- für zu sorgen, daß aus ihren Reihen die Parteipresse gleichzeitig mit der Parteiorganisation noch kräftiger als bisher unterstützt wird; sie schulden das sich selbst, ihren Klasseninteressen und ihrem Ansehen als Anhänger der modernen Arbeiterbewegung. Der Konkurrenzneid unter den Aerzten zeitigt recht sonder- bare Blüten. Ein Radfahrer war am Sonntag auf einer Radtour begriffen, wobei er in der Nähe des Bahnhofs Pankow-Heinersdorf eine außerordentlich schwere Verletzung erlitt, sodaß ärztliche Hülfe dringend notwendig war. Freunde brachten den Verletzten nach einem in der Nähe belegenen Krankenhaus. Der hier anwesende Arzt weigerte sich aber, einen Verband anzulegen, weil das Krankenhaus keine Unfallstation sei und verwies die Leute mit dem Verletzten an in der Umgegend wohnend« Aerzte, wobei er be- merkte, daß diese sich beschwert fühlten, wenn im Krankenhause ein Verband angelegt würde; es würde ihnen unlautere Konkurrenz gemacht. Es wurde eingewandt, daß es sehr fraglich sei, ob man die übrigen Aerzte zu Hause anträfe und es sei doch eine mißliche Sache, mit einem so schlver Verletzten ohne Hülfe umherzuziehen. Das alles konnte den Arzt aber nicht zu einem anderen Entschluß bringen. Der Ausweg, der schließlich gefunden wurde, war der, daß die Schwester sich bereit fand, einen Verband anzulegen. Der Standpunkt der Aerzte ist in diesem Falle sicher kein einwandfreier und kann zu den schwersten Folgen führen. Ein Mord und ein Selbstmord werden aus dem Hause Belforterstraße 11 gemeldet. Dort wohnte seit einigen Monaten die geschiedene Frau eines Eisenbahnbcamten, die am 4. Juli 1878 in Thüringen geborene Katharina Glockenthür. Sie unterhielt ein Liebesverhältnis mit einem 28 Jahre alten Apotheker. Er stammt aus Königsberg i. Pr., war bis vor einigen Tagen in der Marienapotheke in der Wörtherstraße 49 beschäfttgt und sollte in der Heimat eine eigene Apotheke übernehmen. Dorthin konnte oder wollte er die Frau Glockenthür nicht mitnehmen. Darüber war diese verzweifelt und beschloß, sich und den Geliebten zu er- schießen. Von ihrer Arbeitsstelle, einem Wirtshaus in der (ihorinerstraße, wo sie als„kalte Mamsell" tätig war, nahm sie aus einem Tischkasten dem Wirt zwei Browningpistolen fort und blieb dem Geschäft seit drei Tagen fern. Sie hatte schon die Ab- ficht, sich zu töten, geäußert und daher hatte eine Bekannte am Freitagmorgen bei der Hausverwalterin Frau Zieseler nach ihr gefragt. Jetzt stellte sich heraus, daß man Frau Glockenthür und den Apotheker Sander seit Donnerstag mittag nicht mehr gesehen hatte. Die Verwalterin ließ daher am Freitagnachmittag um 2 Uhr mit dem Einverständnis des 81. Polizeireviers die Wohnung öffnen. Das war eine schwierige Arbeit, weil der von innen steckende Schlüssel noch mit Zeug umwickelt war und schwer entfernt werden konnte. Ran fand den jungen Mann mit einem Schuß in den Mund auf dem Bett liegend. Vor diesem auf dem Fuß- boden hingestreckt war die Leiche der Frau Glockenthür, die eine Schußwunde in der Brust aufwies. Neben ihr wurde eine Pistole gefunden. Wann die Tat geschehen ist, läßt sich nicht genau fest- stellen, vielleicht schon am Donnerstagabend oder in der Nacht. Nach Lage der Sache scheint die Frau wegen der bevorstehenden Trennung zuerst ihren Geliebten— vielleicht im Schlaf— und dann sich selbst erschossen zu haben. Die Leichen blieben bis zur behördlichen Aufnahme des Tatbestandes an Ort und Stelle und wurden dann nach dem Schauhause übergeführt. Ein schwerer aufregender Unglücksfall im Straßenverkehr er- eignete sich vorgestern abend vor dem Stettiner Bahnhof._ Ein Radfahrer war zwischen einen Straßenbahnwagen der Linie 51 und einen Lastwagen geraten. Jeden Augenblick konnte der Ge- fährdete von der Maschine heruntergeschleudert werden. Im Augenblick der höchsten Gefahr kam auch noch der achtjährige Schüler Kurt Lützow dazwischen, und es blieb dem Radfahrer jetzt nichts weiter übrig, als sich entweder von einem der Gefährte überfahren zu lassen oder den Knaben umzurennen. Da sich auch der Kleine nicht mehr zu retten vermochte, so wurde er von dem Radier umgerissen und die Maschine ging über ihn hinweg. Ein Schutzmann trug den Verunglückten nach der Unfallstation 9, wo der diensttuende Arzt neben anderen erheblichen Verletzungen einen fchweren Untcrarrnbruch konstatierte. Die„Ordnung" in den Kirchenbüchern der Stadtsynode wird durch neue Fälle in recht krasse Beleuchtung gerückt; einen wollen wir heute zu dem gestrigen hinzufügen. Ein alter Genosse schreibt uns: „Ich bin mit meiner Frau seit 1886 aus der Kirche ausge- schieden und habe mir damals gleich eine Urkunde ausstellen lassen. 1893 kam der Kassierer nach Kirchensteuern zu mir und ich legte ihm die Urkunde vor. Derselbe berichtete an seinen Auftraggeber, daß er schwarz auf weiß gesehen habe, daß wir beide ausgeschieden sind. Nach zitta 14 Tagen bekam ich eine Zuschrift von der Synode, nach der ich laut Ausweis des königlichen Polizeipräsidiums als Protestant verzeichnet sei, und wurde aufgefordert, zu zahlen, sonst Pfändung. Ich sandte damals meine Urkunde ein und bekam in 14 Tagen dieselbe zurück mit dem Bemerken: Sie sind für das Jahr 1893/94 von der Kirchensteuer befreit. Vor zirka vier Wochen bekam meine Frau wieder ein Schreiben, innerhalb vier Wochen 2,29 M. Kirchensteuern zu entrichten." Es ist doch unerhört, in welcher Weise Berliner Steuerzahler belästigt werden. Es kann gewiß überall einmal ein Irrtum vorkommen, allein die Häufigkeit und die Art, wie dies in der Berliner Stadtsynode geschieht, ist schon keine Zufälligkeit mehr. Es wird Zeit, daß sie ihre Listen einer gründlichen Prüfung unter- zieht. Bauunfall auf dem RathauSneubau. Gestern vormittag hat sich auf dem Bau deS neuen Rathauses in der Stralauerstrahe ein bedauerlicher Unglücksfall zugetragen. Der 16jährige Maurer- lehrling Max Fromme! aus der Friedrichstr. 69 in Johannistal war in der zweiten Etage beschäftigt. Er trat plötzlich fehl und stürzte aus einer Höhe von etwa zehn Metern ab. Der junge Mensch zog sich einen Bruch des rechten Oberschenkels und des linken Unterarmes sowie schwere äußere Verletzungen zu. Er erhielt die erste ärztliche Hülfe auf der Unfallstation in der Brüder- straße und wurde sodann einem Krankenhause zugeführt. Zwei schwere Unglücksfälle durch unvorsichtiges Umgehe» mit der Schußwaffe sind vorgestern abend herbeigeführt worden. In der Gartenstraße wurde der 16jährige Heinrich Tischleger, Garten- straße 198 wohnhaft, von seinem Freunde angeschossen und schwer verletzt. Der letztere war der Meinung gewesen, sein Desching sei nicht geladen und im Scherz legte et auf T. die Waffe an. Plötzlich krachte ein Schutz und die Kugel drang dem jungen Manne kn den Mund. Sie durchbohrte den Oberkiefer. Nach Anlegung von Notverbänden auf der Unfallstation in der Eichcndorffftraße mutzte der Schwerverletzte nach der Königl. Klinik übcrgefiihrt werden.— Der zweite Unfall trug sich am WeinbergSweg 24 zu. Der hier wohnhafte Schlosser Bruno Schwabe hatte an seinem Revolver Herumhantiert und wollte eine kleine Reparatur an ihm vornehmen. Durch eine unvorsichtige Berührung mit dem Hahn ging die Waffe plötzlich los und das Geschoß bohrte sich tief in die linke Hand ein. Sch. fand ebenfalls in der Königl. Klinik Aufnahme. Die Lippe mit samt dem Bart abgebissen. Zwei bissige Gegner haben gestern in der Rhkestratze einen blutigen Kampf ausgefochtcn. Beide haben sie sich gegenseitig schwere Bißwunden beigebracht. In einem Lokal in der Rykestr. 49 waren der 32jährige Dachdecker- geselle Adolf R., Straßburgerstr. 29 und der 23jährige Stein- schläger Karl K., Puttbuserstr. 45 wohnhaft wegen einer Lage Bier in Streit geraten. Auf der Straße setzte sich der Zwist fort und bald artete er in Tätlichkeiten aus. Die beiden stürzten schließlich wie zwei Tiger aufeinander los und bissen gegenseitig zu. Dem K. wurde von seinem Gegner die linke Hälfte der Lippe mitsamt dem Barte vollständig wcggebisscn, während dem R. der rechte Daumen bis auf den Knochen durchgebissen wurde. Auf der nahen Unfallstation erhielten die beiden bissigen Kämpfer die ersten Notverbände. In der Sommerfrische Selbstmord verübt hat der hiesige Buchdruckercifaktor I. aus der Elbingerstraße. I. hatte feiner zerrütteten Nerven wegen in der Kolonie Springeberg an der Woltersdorfer Schleuse als Kurgast geweilt. Vorgestern schrieb er an seine Angehörigen, er werde sich das Leben nehmen und er gab die Stelle genau an, an der er den Selbstmord verüben wollte. Sofort eilte die Frau nach Springeberg, doch sie kam bereits zu spät. I. hatte sich in dem benachbarten Forst erhängt und seine Frau konnte ihn nur noch als Leiche wiedersehen. Eine brave Tat vollbrachte gestern mittag ein Droschkenkutscher, der sah, wie am Görlitzer Ufer ein dort spielendes Kind im Alter von etwa fünf Jahren ins Wasser fiel. Schnell entschlossen sprang der Mutige in voller Uniform in oie Flut und rettete die Kleine aus Lebensgefahr. Das Kind kam wieder zu sich und konnte selbst nach Haufe gehen. Ehestreitigkeiten veranlaßten den Mechaniker Ebel, seiner Frau. die mit einem anderen Manne ausgegangen war, in dem Haufe Friedrichstratze 97 zwei Messerstiche in den Hals beizubringen, wo- durch die Angegriffene lebensgefährlich verletzt wurde und nach der königlichen Klinik gebracht werden mußte.— Ein gleicher Grund veranlasste den Klempner Hacker aus der Swinemünder- straße 39 seine Frau so bedenklich zuzurichten, daß sie nach dem Lazarus-Krankenhause gebracht werden mutzte. Dort ist ihr Be- finBen noch heute sehr bedenklich. H. befürchtete nun, daß gegen ihn eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft eingereicht werden würde und erhängte sich auf dem Exerzierplatz an der ein- samen Pappel. An Genickstarre ist vorgestern der 26 Jahre alte Bierfahrcr Brockkurt aus der Steinstraßc 2 gestorben. Er war kaum in die Charite eingeliefert worden, als der Tod eintrat. Berliner Buchgewerbcsaal. Auch während der Sommerferien ist der Dessauerstraße 2, Vorderhaus, belegene Saal täglich von 1l— 2 Uhr geöffnet. Es sind 23 Gruppen neuer Schriftgießerei- Erzeugnisse ausgestellt; die neuesten Fachschriften sind ausgelegt und die Bibliothek kann von den Besuchern benutzt werden. Ein sehr bedauerlicher Unfall ereignete sich am Freitag nach- mittag um 4 Uhr in der Körnerstraße. Das Pferd eines im mäßigen Tempo daberfgbrenden Brauerwaacns der Viktoria» Ctttuerct wurde plötzlich icheu uns versetzte einem ungefähr Z4— Ikjahrigen jungen Manne, der unglücklicherweise mit einem Handwagen an der Bordschwelle stand, einen solchen Schlag vor den Leib, daß der junge Mann bewußtlos umfiel. Er wurde sofort nach der Unfallstation in der Steglitzerstrahe gebracht, wo ihm so- fort ärztliche Hülfe zuteil wurde. Drei große Einbruchsdiebstälile sind in der gestrigen Nacht oerübt worden. In die Kunstgieherei von Villwock u. Hennig, Köpenickerstr. 176 drang eine mehrkäpfige Einbrecherbande gewalt- 'am ein und schleppte einige wertvolle Figuren davon. U. a. tahlen die dreisten Burschen ein Modell-Nelief„Christus" dar- stellend und ein zweites„Abschied und Heimkehr" versinnbildlichend. Die bestohlene Firma ist durch den Einbruch um etwa 1000 M. ge- schädigt worden.— Reiche Beute machten Einbrecher in einem in der Zwinglistr. 11 belegenen Schlächtergeschäft. Die Bande wuhte, datz in dem Fleischerkeller grotze Vorräte an Würsten und Schinken lagerten und hierauf hatten sie gerechnet. Nicht weniger als acht Zentner Schlackwurst, 13 Seiten Speck usw. schafften die Diebe aus dem Keller heraus und unbehindert brachten sie ihre schwere Beute in Sicherheit.— Arg gehaust haben Langfinger bei einem Einbruchsdiebstahl in dem Restaurant von B. in der Berg- strahe 58. Alles was sie nur irgend wie für mitnehmenSwert hielten, packten sie ein. Zutritt hatten sich die Einbrecher dadurch zu dem Lokal verschafft, dah sie an der nach dem Hofe zu bele- genen Tür die ganze Füllung herausschnitten. Auf demselben Wege verliehen sie auch wieder den Tatort. Verschwunden ist seit dem 16. Juni der in Fürstenwalde an der Spree in der Lehre befindliche Friseurlehrling Willi Thomas Derselbe ist 1,50 Meter groh, hat dunkelbraunes Haar und war bekleidet mit einem dunkelbraun gestreiften Jackettanzug, trug schwarze Schnürstiefel und einen weihen Strohhut mit schwarzem Band. Nachrichten über den Vermihten nimmt jede? Polizeirevier sowie die Eltern desselben, Friedrich ThomaS, Rixdorf, Richard strahe 85. Portal I, entgegen. Gesperrt wird die Holzmarktstrahe von der Strahe An der Michaclbrücke(auSschliehlich Kreuzdamm) bis zur Krautstrahe (auSschliehlich Kreuzdamm) behufs Asphaltierung vom 9. d. M. ad Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird in dieser Wodje der mit zahlreichen farbigen Bildern ausgestattete Vortrag„Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat", der wissenschaftlich wie touristisch gleich interessant ist. am Sonntag und Freitag zur Darstellung gelangen. Am Montag und Donners- tag wird der ebenfalls mit farbigen Bildern illustrierte Vortrag „Im Lande der Mitternachtssonne" gehalten werden, während am Mittwoch der Vortrag„Durch Dänemark und Südschweden" wieder holt wird. Am Dienstag und Sonnabend finden Wiederholungen des Vortrages„Bon der Zugspitze bi» zum Watzmann", welcher die schönsten Gebirgsparticn Bayern? und zugleich die Königs- schlösser in Wort und Bild zur Darstellung bringt, statt. Außerdem findet am Sonnabend eine Nachmittagsvorstellung zu kleinen Preisen statt, und zwar wird der Vortrag„Durch Dänemark und Südschweden" gehalten werden. Feuerbericht. Wegen eines Dachstuhlbrande» wurde Freitag abend der 8. Zug nach der Jürbringerstraße 19 alarmiert. Dort standen Bodenverschläge mit Inhalt, die Dachkonstruktion und an- oeres in kellen Flammen. Nach tüchtigem Wassergeben gelang eS, den Brano auf den Dachstuhl zu beschränken. Die Entstehung des Fouers ist noch nicht ausgeklärt. Der Dachstuhl des Vorderhauses muh gründlich erneuert werden. In der Bülowstrahe 95 hatte die Feuerwehr mit dem Auspumpen von Wasser zu tun. Am ReichstagSufer 16 und Posenerstraße 3-4 muhten Wohnungsbränd« gelöscht werden. Mit Erfolg wurde ein Sauerstoffapparat bei einem Kranken in der Neuenburgerstraße 23 benutzt. Feueralarme liefen dann noch auS der Kovpenstraße 33, Zimmerstraße 46, Sparo strahe 14, Hcidenfeldstrahe 15 und anderen Stellen«in. Die Produktiv- und LerkaufSgenossenschaft Berliner Banbagtsten sendet un» folgende Zuschrift mit der Bitte um Aufnahme: „Nicht allen Lesern diese» BlatteS wird das B a n d a g i st e n Handwerk bekannt sein, trotzdem die Arbeiterschaft zum größten Teil zur Kundschaft der Bandaaisten gehört. In Berlin und den Vororten sind über 800 000 Krankenkassenmitglieder, deren Lieferant im Bedarfsfalle der Bandagist ist. Diejenigen nun, die genötigt sind, den Bandagisten in Anspruch zu nehmen, und oftmal» hohe Preise zahlen müssen für Artikel, die gar nicht den gewünschten Zweck erfüllen, werden sicher glauben, dah die Bandagistcngehülfen auskömmlich entlohnt werden. DaS ist aber nicht der Fall. Im Gegenteil, da» Einkommen der Bandagistengehülfen ist sehr ssering. Wenn in den letzten Jahren ihre Lage dank ihrer Organisation sich etwas gehoben hat, so stehen doch die Bandagistengehülfen in materieller Hinsicht vielen anderen Berufsarbeitern bedeutend nach. Auch in der Bandagenbranche werden die männlichen Arbeits- kräfte immer mehr durch die billige weibliche Arbeitskraft ver- drängt. Die Folge dieser billigen Arbeitskraft ist eine Schund- Produktion sämtlicher Bandagenartikel. Wohl haben in letzter Zeit die Vertreter der Krankenkassen Berlins und der Vororte den Lieferungen von Bandagen, Leib binden und dergl. die gröhte Aufmerksamkeit geschenkt, aber trotz« dem erhalten oie Krankenkassenmitglieder noch häufiss genug minderwertige Ware, die den gestellten Anforderungen in keiner Weise genügen. Am 1. Juli d. I. hat eine Anzahl organisierter Bandagisten gehülfen sich zu einer Genossenschaft zusammensseschlossen und unter der Firma:„Produktiv- und Verkaufsgenossen- s ch a f t Berliner B a n d a g i st en, E. G. m. b. H." in der Köpenickerstr. 98 b, gegenüber dem Köllnischen Park, ein Geschäfts lokal eröffnet. Das Prinzip der Genossenschaft ist, der Arbeiterschaft in allen vorkommenden Fällen nur wirklich reelle, saubere und brauchbare Arbeit zu liefern sowie eine prompte Bedienung zu sichern. Da tüchtige Arbeitskräfte zu den Genossenschaftsmitgliedern zählen, welche durch jahrelang« Tätigkeit in Berliner Geschäften über alle erforderlichen Kenntnisse in der Behandlung von Bruchleiden. Rückgratverkrümmunssen usw. verfügen, ist die Genossenschaft in der Lage, alle Aufträge reell und gewissenhaft auszuführen. Die Arbeiten werden nur in eigener Werkstatt angefertigt. Durch separate Anprobezimmer— für Damen weibliche Bedienung— ist in jeder Beziehung die größte Bequemlichkeit vorgesehen. Die„Produktiv- und BerkaufS-Genossenschaft Berliner Banba giften" richtet darum an die Arbeiterschaft Berlin» und der Vororte die herzliche Bitte, ihr die möglichste Unterstützung angedeihen zu lassen." Vorort- JVadmcbtcm Tharlottenburg. Der Magistrat der Stadt Charlottenburg teilt mit: Inder Lehrlingsvermittelung de» städtischen Arbeit»« nachweise» Charlottenburg, der mit dem freiwilligen Erziehungsbeirat in ständiger Beziehung steht, ist im Interesse einer sachgemäßen Auswahl von Lehrstellen die Einrichtung sse- troffen, daß die zur Entlassung kommenden Schulkinder zur früh. zeitigen Angabe ihre» beabsichtigten Berufes veranlaßt werden. So sind schon setzt Knaben anssemeldet, die für Michaelis 1907 eine Lehrstelle suchen und zwar nicht nur in den stet« begehrten Me. tallgewerben(als Elektrotechniker, Mechaniker, Maschinenbauer, Maschinenschlosser, Klempner) sondern auch im Baugewerbe(als Maurer, Zimmerer, Maler und Töpfer) sowie al» Tapezierer, Tischler, Konditor, Aarbier, Schneider, Schriftsetzer, Schlächter, endlich als Kaufmann und Schreiber usw. Auch haben sich eine Anzahl Mädchen gemeldet, die eine Lehrstelle als Schneiderin, Kontori st in, Buchhalterin. Per« k ä u f e r t n suchen, sowie auch solche, die bereit sind, D i e n st- bottnstellen anzunehmen, in denen sie für den häuslichen ye« ruf ausgebildet werden. Die Vermittelung km städtischen Arbeits. Nachweis Charlottenburg, Kirchstr. 5, in der Nähe der Luisenkirche, sowie in der Zweigstelle für weibliches Hauspersonal am Witten- bergplatz 4, Ecke Bayreutherstr. ö, ist für beide Teile kostenlos. Schöneberg. Drei Menschenleben vom Tode de» Ersticken» gerettet. Gestern nachmittag gegen'/� Uhr wurde der Töpfer Adolf Gebhardt, Palisadenstr. 100, der im Keller des Hause» Luitpoldstr. 21 da» Innere des eingemauerten Ofens der Zentralheizung reparierte, durch ein- dringende Gase des OfenS der Warmwasserversorgung, dessen Rohr durch den Ofen der Zentralheizung hindurch geleitet ist, plötzlich so betäubt, daß er wie leblos zusammenbrach. Zwei außerhalb deS Ofens Arbeitende, der Unternehmer Hermann Petruschle, Ackerstr. 41. und der Arbeiter Wilhelm Schmidt, Lychenerstr. 23, brachen bei dem Versuch, den Gebhardt au» dem Ofen herauszuziehen, ebenfalls bewußtlos zusammen. Hausbewohnern gelang«S jedoch, den beiden außerhalb des OfenS Liegenden ins Freie und hier wieder zum Bewußtsein zu bringen. Dagegen mußte zur Rettung Gebhardts die Feuerwehr gerufen werden, die ihn endlich aus feiner gefährlichen Lage befreite. Der bereits anwesende Arzt versuchte lange Zeit ver« geblich den Bewußtlosen mittel» Sauerstoffapparates ins Leben zurückzurufen, erst nach einer halben Stunde erhielt er das Be« wußtsein wieder. Mittels Krankenwagens wurde er nach dem Auguste Viktoria-Krankenhaufe geschafft. Die Ursache deS Unglücks« falleS scheint in der nicht fehlerlosen Ofenanlage zu liegen. Ein Straßenbahnwagen vom Blitz getroffen. Freitagabend um �10 Uhr schlug der Blitz vor dem Ringbahnhofe Schöneberg in den dort vorbeifahrenden elektrischen Straßenbahnwagen Nr. 2604 der Linie 23 ein. Der Blitzstrahl fuhr durch die FührungS- stange zur Erde. Personen sind zum Glück nicht verletzt; auch ist weder Schaden noch eine Verkehrsstörung entstanden. Die BertrauenSperson von Schöneberg schreibt un»: Da am Montag, den 8. Juli, unsere Ferienkolonie Ausflüge veranstaltet, so ergeht an die Genossen, deren Kinder dazu gemeldet sind, da» Er- suchen, dafür zu sorgen, daß sich die Kinder mittag» IL Uhr Martin« Luthrrstr. 51 in Obst Festsälen einfinden. Die Wagen der Straßen- bahn werden von der Stadt Schöneberg gestellt. Alle Genossen, die noch im Besitz von Sammellisten sind, werden, soweit e» möglich ist, um Ablieferung gebeten; auch ist«in« rege Beteiligung an der Sammlung sehr erwünscht. Rixdorf. Ein schwerer Zusammenstoß«wischen einem Straßenbahn- wagen und einem Arbeitsfuhrwerk erfolgte vorgestern in der Her- mannstraße. Ein Motorwagen der Linie 29 fuhr mit einem Ge- fährt der Firma Bade, Kopfstr. 51 so heftig zusammen, dah der Kutscher in weitem Bogen auf die Strahe geschleudert und schwer verletzt wurde. An dem Straßenbahnwagen wurde die vordere Plattform total eingedrückt und eine Fensterscheibe der Seiten- wand zertrümmert. Die Passagiere kamen glücklicherweise mit dem Schrecken davon. Groh-Lichterfelde. Der letzten Gemeinbevertretersitzung vor den Ferien lag eine sehr umfangreiche Tagesordnung zur Erledigung vor. Die Auh töfung der organischen Verbindung der ersten Lehrer, bezw. Rek> torstelle der Gcmeindeschule l mit dem Organisten- und Küster- amt an der GiesenLdorfer Kirche ist laut Vertrag, der die Ge. nehmigung der Gemeindevertretung fand, herbeigeführt worden. Der Beitrag der Handwerksbetriebe in Gro�Lichterseld« den Kosten der Handwerkerkammer im Betrage von 453,89 wurde nach einem Referat des Schöffen Lange auf den Gemeinde säckel übernommen mit der Begründunss, daß die Einziehung der erwähnten Summe mit unverhaltniSmähigen Kosten verknüpft sei In Wahrheit handelt eS sich natürlich darirm, den Handwerker oder Mittelstand durch diese» kleine Geschenk wirtschaftlich zu unter stützen— um ein Stück Mittelstandspolitik. Mit dem 1. April 1903 soll die Kramersche Mädchenschule einen Direktor erhalten, dessen Bezüge analog denen der Gymnasial- und Realschuldirektoren festgesetzt werden sollen. Infolge der neueren Judikatur bezüglich der Anlage von Straßen und Plätzen ist auch ein« Abänderung de» betr. Ortsl statuts notwendig geworden. Den letzten Punkt der Tagesordnung, der zu einer lebhaften Diskussion führte und bei dem gewissermaßen über die soziale Gewissen— haftigkeit der Gemeindevertretung von Groh«Lichtcrfelde abgestimmt wurde, bildete das Kindererholungsheim in der Albrechtstraße. In diesem Erholungsheim werden Kinder lungenkranker Eltern untergebracht, um sie zu kräftigen und widerstandsfähiger gegen die Proletarierkraniheit zu machen. Der Oberpräsident ersuchte um Mitteilung, wie sich die Gemeinde zu dieser Anstalt stelle und ob sie eventuell geneigt wäre, einen Bei- trag für diese gemeinnützige, vom sozialen, hygienischen und Humanitären Standpunkt aus jedenfalls wünschenswerte Einrich- tung zu leisten. Und die Stellung der Gemeinde. Lengner, eine nationalliberale Parteisäule, mit dankenswerter Offenheit da» au», wa» die anderen sich dachten und wa» schließlich auch die Zustimmung der übergroßen Majorität der Gemeinde- Vertretung fand. Er führte aus, dah die Gemeinde durch diese Anstalt nur Schaden haben würde; der Zuzug nach Groh-Llchterfelde würde ab» nehmen. Lichterfelde mit seinen schönen Gärten und seiner guten Luft sei sa ein Anziehungspunkt für solche Anstalten.(Nach der «cistvollen Theorie beS Redner» mühten also derartige Erholung»- eime in die verräuchertsten Fabrikgegenden mit schlechtester Luft verbannt werden. D. B.) Er müsse sich also ganz entschieden gegen die Zulassung derselben in der Gemeinde aussprechen. In dieser großzügigen, von sozialem Geist und Verständnis zeugenden Auffassung sekundierte ihm der Schöffe Dr. Domino, der noch um eine Note gröber und gescheiter sich dahin auSsprack daß Groh-Lichterfelde keine Ursache habe, seinen„guten Ruf" duo. solche Heilanstalten zu schädigen. Nur die Gemeindevertrcter Jaeger und Meyer sprachen sich in entgegengesetztem Sinne au». allerdings ohne irgendwelchen Eindruck zu erzielen. Mit großer Majorität fand der Antvag Lengner auf ab- lehnenden Bescheid Annahme. Natürlich ist auch von einer finan. ziellen Unterstützung keine Rede; der Beschluß der Gemeindever- tretung bildet ein Denkmal sozialer Rückständigkeit und Gleich. gültiakeit. SS ist hohe Zeit, dah die Arbeiterschaft von Groh-Lichterfelde endlich einmal den ihr gebührenden Einfluß im kommunalen Ver- waltungskörper erzwingt und durch schonungslose Kritik solch vor- 'intflutlicher Anschauungen den der Gemeinde so notwendigen .guten Ruf" vor der»ivilisierten und kultivierten Welt erst erwirbt. RummelLburg. TodeSsturz vom Dache während de» Gewitter». Der 2V jährige Rohrleger Hermann Kramm auS der Kantstrahe 25 zu Rummel». bürg war vergangene Nacht mit einer Taube, die er am Abend erworben hatte, nach seiner Wohnung gekommen und brachte daS Tierchen trotz des wiederholten Abratens feiner Frau nach seinem im Dachgeschoß befindlichen Taubenschlag. Dort wurde K. von dem in ver zweiten Morgenstunde anbrechenden Gewitter über. rascht; er wollte rasch den Taubenschlag noch schließen, damit der Regen nicht eindringe. Dabei muß der Taubcnfreund auf einer am Taubenschlag hervorragenden Bohle— vielleicht durch einen Blitz erschreckt— ausgeglitten und auf die Strahe gestürzt fein. Hier fanden ihn gegen L Uhr Passanten als Leiche» KriedrichSfelde. Gegen die Prügelstrafe in den Volksschulen nahm bor einigen Tagen eine stark besuchte Volksversammlung Stellung. Wie aus einer bor mehreren Tagen im„Vorwärts" veröffentlichten Notiz hervorgeht, handelte es sich um harte Züchtigungen von Kindern durch ihre Lehrer. Kein Wunder, dah in der Versammlung auch viele Frauen und einige Lehrer erschienen waren. Genosse Schulz als Referent wies darauf hin, datz die Prügelstrafe in der Schule ein barbarisches und entehrendes Züchtiaungsmittel sei und durch dieselbe nur das Gegenteil erreicht werde, was durch sie erstrebt wird. Auch mahnte er die anwesenden Eltern die Prügel aus ihrem Hause zu verbannen. In der Diskussion nahm Genosse P i n s e l e r daS Wort und legte den in Frage kommenden Fall noch einmal eingehend dar. Herr Lehrer B a ch n i ck bezeichnet den Inhalt des zur Versammlung aufsordernden Flugblattes als eine Lüge. Ihm wurde vom Genossen Gronwald ob seines Benehmens gehörig gedient. Herr Rektor M e t s.ch stellte in Abrede, daß daS in Betracht kommende Kind über Gebühr miß- handelt worden sei, da es„nicht einen Tag der Schule fern- geblieben wäre". Diese Worte lösten bei den Versammelten nicht geringe Heiterkeit aus. Desgleichen ein Brief, den eine Frau Hauk an die Versammlung richtete und in dem sie die Meinung vertritt, daß Prügel— und zwar recht viel— ein vortreffliches Erziehungsmittel feien. Genosse Schulz rechnete in feinem Schlußwort mit den Diskussionsrednern gehörig ab; leider kam er nicht zu Ende, da der überwachende Beamte wegen eingetreten» Polizeistunde die Versammlung auflöste. Tempelhof. Unter der Lokomotive zermalmt. Auf schreckliche Weise hat sich in der vorgestrigen Nacht der 24jährige Maurer Hermann Sch. umS Leben gebracht. Kurz vor der Einfahrt eines Südringzuges in die Station Tempelhof warf er sich auf die Gleise, um sich überfahren zu lassen. Der Zugführer bremste zwar sofort, er konnte aber nicht mehr verhindern, datz die Lokomotive über den Lebensmüden hinwegging. Al» zerstückelter Leichnam wurde Sch. wieder hervorgezogen. Die Motive, die den Unglücklichen in den Tod getrieben haben, sind unbekannt. Treptow-Baumschulenweg. Den Parteigenossen zur Nachricht, dah am Sonntag, den 7. Juli er., der Gesangverein„LiodeSfreundschaft" ein Waldfest in der KönigSheide veranstaltet. Für Unterhaliung usw. ist bestens gesorgt. Platz ist auch genügend vorhanden um» ist nur nötig, daß alle mit Kind und Kegel erscheinen. Bernau. Zwischen Bernau und Buch liegt die Kolonie Röntgental, die seit einiger Zeit in erheblichem Wachsen begriffen ist, und eS gibt eine Anzahl Leute, die sich zur Aufgabe gemacht haben, Röntgental noch einmal zur Weltstadt zu machen. In einem so kleinen Ort wie Röntgental es ist, ist das aber nicht ganz leicht, zumal jeder etwas zu sagen haben will. Und will der eine nicht so wie der andere, dann ist der Teufel lo». Einer der Haupt- inadatoren dieses OertchcnS ist der Lehrer Ferd. Koeppen. Neben feinem Berufe als Jugenderzieher bleibt ihm noch genügend Zeit, sich um den Ort verdient zu machen, wenigstens hat er sich das vorgenommen. Nur darf ihm da niemand in der Sonne stehen. Bisher hatte er feine„ganze Kraft" in dem Grundbesitzerverein entfaltet, bis es ihm da nicht mehr paßte und er suchte einen neuen Wirkungskreis. Er verfiel auf das Gründen und gründete einen neuen Verein, einen sogenannten Ort», und VerschönerungS- verein, und in einem Zirkular, da» er verschickt, erklärt der Herr Lehrer, dah der Verein„frei sein soll von Elementen, die jode fachliche Besprechung unmöglich machen". DaS kann nur unter Leitung eine» Vereins gefchehen, die in den Händen des Herrn Koeppen liegt. Aber wo sollen in dem kleinen Oertchcn alle die Mitglieder herkommen, wenn man sie nicht stichlt. Und so wirbt Herr Koeppen in seinem TätigkeitSdrange; er sucht dem Grund» 'besitzerverein Mitglieder abspenstig zu machen, der nun seinerseits wieder mit Herrn Koeppen in die Haare gerät. Die ganze Sache ist eine Art Familienstreitigkeit, die wir nur erwähnen, um zu zeigen, zu welch kleinlichem Frosch-Mäusekrieg kleine, enge Vcr- Hältnisse führen. Jeder möchte da so ein kleiner Gernegroß sein. Potsdam. Der neue Zweite Bürgermeister. In der letzten Stadtver« ordnetensitzung vor den Sommerfericn fand die lange und bange erwartete Bürgermeisterwahl statt. Die Mitglieder des Stadtver- ordnetenkollegiumS waren fast vollzählig zum Wahlakt erschienen. Nach Verlesung deS Wahlreglcment« wurden die vier Kandidaten> Stadtrat Dürin-Bromberg, Stadtrat Dr. Over-Potsdmn, Bürger. meister Rohde-Merseburg und Bürgermeister Rodig-Forst bekannt» gegeben. In der darausfolgenden Hauptivahl entfielen aus Dr. Over 17, auf Rodig 2V, auf Rohde 6 und auf Düring 3 Stim. men. Da die absolute Majorität bei 47 abgegebenen Stimmen 24 betrug, kamen sämtliche Kandidaten in die Stichwahl. Im ersten Dtichwahlgange wurde Bürgermeister Rodig auS Forst mit 27 Stimmen zum Zweiten Bürgermeister der Residenzstadt PotS- dam gewählt. Gegen ihn unterlag Stadtrat Dr. Over mit 20 Stim- men. Die Wahl erregte eine hitzige Wahlprotoftdebatte, in der einzelne Stadtverordnete wegen Wahlbeeinflussung, die sie in einer kurz vor der Wahl anberaumten„Sitzung" erblickten, Protest gegen die Gültigkeit der Wahl einlegten. Di« letzte WahlverrinSversammluiig beschäftigte sich unter an- derem mit der bevorstehenden Stadtverordnetenwahl. Durch die stärkere Anziehung der Steuerschraube ist die Zahl der Wahl- berechtigten bedeutend gestiegen, die Genossen gedenken daher einen Kandidaten durchzudringen. ES wäre Wünschenwert, wenn die Ge- werkschastsvorstänoe dafür sorgten, daß ihre wahlberechtigten Berufs« genossen von ihrem Rechte ohne Ausnahme Gebrauch machen. Wetter nahm die Versammlung die Abrechnung des 2. Quartal» entgegen. Die neuzuwählende Agitationstommission wurde durch die Genosse» Löwin, Köbe und Heubeck gebildet. Ende Juli soll für die Parteipresse eine größere Agitation entfaltet werden und ver- pflichteten sich die Genossen. daS Austragen der AgitationSuummern selbst zu besorgen. Aufnahmen waren 15 zu verzeichnen. Die Bersegung de» Gardi-JSqer-vataillenS au» Potsdam be« schäftigte in letzter Zeit schon vaschiedene Male die städtischen Be- Hörde». Die Kasernen in der Elisabethstraße(an drei verschiedenen Stellen) sind einstöckige Gebäude inmitten der Stadt, die in ihrem baulichen Zustanoe schon einen recht verbesserungsbedürftigen Ein- druck machen. Während man nun allgemein der Ansicht ist, daß ein eventueller Neubau der Kaserne vor den Toren Potsdam» stattfinden wird, hat der Magistrat Angst, datz diese» Bataillon au» Potsdam verlegt werden könnte. Um dem vorzubeugen, will er ein am Fuße de» Ruinenbcrge» gelegenes, vorläufig der Gemeinde Bornstedt gehörige« Terrain erwerben, in den Stadt- kreis Potsdam eingemeinden und dann dem Kriegs- Ministerium zum Bau einer Kaserne für daS Garoe- Jäger-Bataillon zur Bcrfügung stellen. Man sollte so etwas schon mit Rücksicht auf die der Stadt erst jüngst bereitete Schwierig- kette» beim Stall der Letbgendarmcrie zum Vau der Elektrischen nicht für möglich halten. Die Stadtverordneten haben denn auch diesen Borschlog in einer geheimen Sitzung abgelehnt, der Magistrat ist aber nicht zufrieden und bat in der nächsten öffentlichen Sitzung eine Kommission von sieben Mitgliedern zur nochmaligen Prüfung dieser Angelegenheit zu wählen. Wir sehen eS schon kommen 1 Die Stadt, der man vor kurzem erst durch die Heeresverwaltung Schlvicrigkeiten gemacht hat. kauft diese« Bornstedter Gelände aus den Steuergroschen seiner Bürger und verschenkt«» dann, obwohl dadurch das Bataillon doch aus der Stadt heraus kommt. Damit wird natürlich der ganze Zweck nicht erreicht, ideell sowohl wie materiell. Ueberfahren und schwer verletzt wurde in den vorgestrigen Mittagsstunden der frühere MagistratsvollstreckungSbeamte Hugow, ein Mann in den 60er Jabren. H. passierte die Ecke der Linden- und Junkerstraße, wurde von einem um die Ecke fahrenden Break nieder- zestoßcn und kam unter die Räder, wobei er eine Kopfwunde, ftippenbrüche und innere Verletzungen erlitt. BenmßtloS wurde er nach dem städtischen Krankenhaus gebracht, Hein Zustand ch besorgniserregend (Hocbcti-Spiclplan der ßerliner Cbcater. Neues königl. OPern-TH Aledermaus. Abends: Carmen. Löwen Erwachen. Dienstag:_______.... Löwen Erwachen. Donnerstag: Wiener Blut. Freitag: Carmen. Sonn- abend: Wiener Blut. Sonniagnalbmiilag 3 Uhr: Die Geisha. Abends: Di« schöne Galaihee. Montag: Wiener Blut. Deutsches Theater. Bis aus weitere« täglich: Der Jongleur. Komische Oper. Sonntag: Tosca. Montag: Hoffmanns Erzählungen. Dienstag: Tosca. Mittwoch:tzoffmanns Erzählungen. Donnerstag: Carmen. Freitag: Hossmanns Erzählungen. Sonnabend: ToSca. Sonntag: Hoff- mann« Erzählungen. Montag: Carmen. Neues Schauspielhaus. Sonntag bis nächsten Sonntag: Rassles. Rontag: Unbestimmt. Schiller-Theater O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Zar und Zimmer. mann. Slbend«: Carmen. Montag: Die Zauberslöie. Dienstag: Martha. Mittwoch: Di« Asrikanerin. Donnerstag: Der Postillion von Lonjumeau. Freitag: Don Juan. Sonnabend: Carmen. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Waffenschmied. Abends: Der Troubadour. Montag: Unbestimmt. Schiller, Theater N.(Friedrich-Wilhelm städttsches Theater.) Bis auf weiteres täglich: Kyritz-Phrih. LustsPielhauS. Bis aus weiteres täglich: Die Welt ohne Jlllamter. Kleines Theater. Bis aus weiteres täglich: Vater und Sohn. Theater des Westens. Allabendlich: Die lustige Witwe. Luisen-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Zertretenes Glück. Abends: Zertretenes Glück. Von Montag ab: Geschlossen. Bernhard Nosc-Theater. Im Garten: Sonntagnachmittag 4 Uhr: Major einladen. Hossänger. Arbeit schändet nicht. Von Ich werde den..... Montag bis Sonnabend: Slumeitstraufe. Ein toller Ehemann. Arbeit schändet nicht. Ansang 4'/, Uhr.— Im Theater 8'/, Uhr allabendlich: Der «rohe Unbelannte. Metropol'Theater. Allabendlich: Der Teufel lacht dazu. Thalia> Theater. Sonntag: Staatsanwalt Alexander. Von Montag ab: Geschlossen. ttlpollo-Theater. Allabendlich: Der HochzeitSgaft. Spezialitäten. Walhalla-Theater. Spezialitäten. RetchShallen- Theater. Stettiner Sänger. Passage- Theater. Spezialitäten. Wintergarte». Da Dortaiada. Spezialitäten. Figaro-Theater(im FolieS Caprice). Allabendlich: Geisterauto. staris. Ansang 8'/, Uhr. Carl Haverland- Theater. Spezialitäten. Gustav BehrenS-Theater. Berlin W., Goltzstr. S. Spezialitäten. Urnnia-Theater. Taubcnstrahe 48/43. Dienstag und Sonnabend, den 43. Juli: Von der Zugspitze zum Watzmann. Sonntag und Freitag: Di« Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Montag, Donnerstag und Sonntag, den 14. Juli: Im Lande der Mitternachtssonne. Mittwoch: Durch Dänemark und Südschweden. Ansangü Uhr. Vermischtes. Auf der Spur de» Juwelenräuber». Die Kriminalpolizei hat alle Juwelen, die der Schauspieler Felix Lütte dem Wiener Juwelier Herzl veruntreut hat, aufgefunden und beschlagnahmt. Der gröhte Teil im Werte von mehr als 300 000 M. wurde bei dem hier weilenden Nürnberger Juwelenhändler Silberthau ac- funden, dem Lütte die Schmucksachen unmittelbar, nachdem er die Schwester Herzls mit dem Juwelenkoffer verlassen hatte, ver- kaufte. Die Kriminalpolizei glaubt jetzt eine Spur von Lütte ge- funden zu haben. Am 28. Juni, vormittags 11 Uhr, wurde er, mit einer gelben Ledertasche in der Hand, von einem Schauspieler, der ihn von seinem BeA««r Aufenthalt her kannte, gesehen, als er, vom„Franziskaner" kommend, um die Ecke des Bahnhofes Friedrichftrahe bog. Auf die Anrede des Bekannten wehrte Lütte eifrig ab, indem er bemerkte, er habe es sehr eilig. Kurz vorher hatte er die letzten Juwelen beim königlichen Leihamt in der Jägerstratze versetzt, seinen Vater auf dem Bahnhof begrüßt, ihm einen Tausendinarkschein in die Hand gedrückt. Um 11 Uhr 38 Minuten fährt ein Schnellzug über Hannover nach Aachen mit Anschluß nach Paris und London. Es ist sehr wahrscheinlich, daß Lütte sich nach Paris gewandt hat. Abenteuer eines Berliner Professors. Aus Ofen-Pest wird dem „B.-T." geschrieben: Auf einem Bahnhof in Ofen-Pest wurde dieser Tage unter großem Zusammenlauf der Menge ein alter Herr, der in Begleitung einer jungen Dame abreisen wollte, verhastet, weil man ihn für einen Rechtsanwalt hielt, der mit Hülfe einer Dame aus der Irrenanstalt in Leopoldsfeld entwichen war. Da sich jedoch der Verhaftete als ein Berliner Professor legitimieren konnte, der mit seiner Tochter zum Besuch der Bäckerausstellung nach Ofen-Pest gekommen war, mußte der Verhastete unter Entschuldigungen frei- gelassen werden. Unter den Erbmassen begraben. Der 621jährige Erdarbeiter Bäcker wurde gestern vormittag, wie die„Stettiner Abendpost" meldet, in einem Kanalisationsschacht unter herabstürzenden Erd- massen begraben und konnte nur noch als Leiche hervorgezogen werden. DaS besonders geartete Ehrgefühl. Wie Wiener Blätter melden, hat sich Graf Hardegg, welcher wegen eines Sittlichkeitsdeliktes zu ' crlerstrafe verurteilt worden war. auf seiner einer dreimonatigen Besitzung erschossen. Ein Bich. Der Heidelberg hatte sich Verbrechens an einem 24 jährige Fuhrknecht Peter Habermeier aus gestern wegen eines bestialischen Sittlichkeits 13 jährigen Mädchen vor dem Schwurgericht zu verantworten. DaS Urteil lautete auf 12 Jahre Zuchthaus. Vergiftete Wurst. Nach einer Meldung aus Brüssel sind in Lokren fünfzehn Personen nach dem Genuß verdorbener Wurst unter Vergiftungserscheinungen erkrankt. Acht derselben liegen in den letzten Zügen. DaS lecke Unterseeboot. AuS Cherbourg wird gemeldet, daß das neue 40 Tonnen-Unterseeboot„Ruebis" sich, als es im Dock auf seine Wasserdichtigkeit geprüft wurde, völlig mit Wasser füllte und sehr beträchtliche Schäden erlitt, obwohl es sofort an die Oberfläche gebracht wurde; insbesondere sollen die elektrischen Apparate voll- ständig zerstört sein. Aehnliche Unfälle haben sich übrigens auch auf den Unterseebooten„Algerie" und„Gymnote" ereignet. ßriefkaltai der Redabtton. Tie inrlftltche Spr-chftimde findet Friedrich st r.»«, Aukaang 4. ein« Treppe(Haiidclsftntte Bellcallinncr, Durchgang auch Liudeiistr. 1<»4> «achentagltch von?>/> bis U'l, Itpr abends statt. Geöffnet 7 Uhr. eonnabends beginnt die Sprechstunde NN, a Uhr. Jeder Zlntrage ist«i» Buchstabe und«ine Zahl als Nterkzeichen beizufügen Briefliche Slutwor» wird«ich» erteilt. Eilige Fragen«rage man»n der Sprechstunde vor. G. G. 58. Blätter für Gersten-, Hopsen- und Kartoffelban, Hede- mannstr. 10 bei Paul Parey.— SSO.S. 1. und 3. Nein. 2. Militärpapiere und Geburtsurkunde genügen.— R. P. 61. 1. Wenden Sie sich an die Unserem Kollegen r-udivkx Grütcmacher zu seinem 56 jährigen Former. lubilänm am 8. d. Mts. senden die besten Glückwünsche ä3S7L Rrlii-vi'« Former. Sozialdemokratisctier Wahlvereln für don 4. Berliner Reictistags-Wahlkrels. »Landsberger Viertel.) Bezirk Nr. 400. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Maurer «JuHiis Birkholz gestorben ist. 262/4 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung'findet am Montag, den 8. d. Mts., nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Auierslehunas-KirchhoseS in Weißensee ouS statt. 2S2/S ver Vor«tai»d. Sozialdemokratischer Wahiverein das 6. Berliner Wahlkreises. Todes-Nnzcige. Am 4. Juli verstarb unser Mit- glied, der Möbelpolierer Wsldemar Haker. Ehre seinem Andenke« I Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Friedens- Kirchhofes in Nordend bei Nieder- schbnhausen auS statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 266/13 Der Borstand. Allen Freunden und Verwandten die trantige Mitteilung, daß mein lieber Mann, mein guter Vater, der Maurer Julius Birkholz nach kurzerKrankheit verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 8. Juli, nachmittag« 6 Uhr, von der Leichenhalle des AnserstehungS-Kirchhoses, Weißen- see, Lichtcnbergerstraße, au« stall. Die trauernden Hinterbliebenen. Zentral-Verband der Maurer Deutschlands. Zwelevcrcln Berlin. Sektion der Putzer. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, daß unser Mitgliev Ehntl Kaatz am 8. Juli verstorben Ist. Ehre seinem Andeitren! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 1. Juli, nachmittags l'/i Uhr, vom Auguste Viltoria- Krankenhause(Schoncberg, Thor- waidsenstraße) ou« aus dem Schöneberger Fricdhos in der Moxsiraße statt. 134/7 Die örtliche Berwnltung. I. A.: Ernst Schulze. DeulZdiei' Holzarbeiter-Verband TocfoB-Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Vergolder Xlbert Lchle�er am 4. Juli verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 8. Juli cr., nach- mittans 5 Uhr, von der Leichen- Halle des AnserstehungS-Kirchhoses am Welßensccr Weg au« statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltun». Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Mobelpollerer Waläemsr Haker am 4. Juli verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 8. Juli, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle deS Friedens- Kirchhose« in Nordend bei Nteder-Schonhousen au« statt. Rege Beteiligung erwartet 90/1 Die Ortsverwaltimg. Zentral-Verband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 5. Am Mittwoch, den 3. Juli, ver- starb unser Mitglied, der Kamerad Dsvatd Peschel. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 8. Juli, nachmittags 21/j Uhr, voti der Leichenhalle des Enimaus. Kirchhofes, Rixdors, Her- mannstraße, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 254/ l 9 Der Borstand. Verband d. baugewerblichen Külfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. Bezirk Schönhauser Borftadt. TotlvB-Annsig«. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Kollege �nton Schlegel am Mittwoch, den 3. Juli, ver- slorbcn ist. 36/7 Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 7. Juli, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des katholischen Kirchhoscs in Wilhelmsberg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Ber Zweigvereinsvorsland. Ztulral-Krauken- und StttbklmssedkrIimlNkttr. (8. H. No. 2, Hamburg.) Zahlstelle Berlin vf Am Mittwoch, den 3. d. Mi»., verstarb unser Mitglied, der Kamerad Os�gld Peschel. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags>/,3 Uhr, von der Leichenhalle des EmmauS- Kirchhofes in Rixdors, Hermann- straßc, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 259/7 Der Borstaud. fieerdigungsverein Berliner Ziinmerleute. Am 3. Juli starb plötzlich im Alter von 58 Jahren, unser Mit- glied, der Zimmerer v. PvsckvI. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, den 8. Juli, nachmittags 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des EmmauS- FriedhoseS in Britz auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 1732Ö Der Borstand. Sozialdemokratischer Wahlvereio Wilmersdorf. Am Mittwoch, den 3. d. MlS., vorm. TU Uhr, verstarb nach kurzem, schwerem Leiden unser braver Genosse, der Kaufmann Udo Dorn. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. d. Mts., nachm. t2>/, Uhr, von der Leichenhalle des allen ZionS-KirchhofeS, Weißensee, Gustav Adolfstraßc, auS statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 202/8 I»«r Foi-Mtand. Todea-Anaselge. Nach Imjcm Leiden verschied am 6. Juli unser innigst geliebter John, Bruder und Schwager Ernst. Dies zeigen tiesbetrübt an Brnst Kirchner nebst Frau und Geschwistern. Die Beerdigung findet Man« tag. den 8. Juli, nachmittag» 5 Uhr, von der Leichenhalle des St. PIuS-Kirchhoscs, Wilhelm«. berg, aus statt. 1700b Voreio Berliner Hausdiener Mitgliedschaft! des Deutsch. Transportarbeiter-Verbandes. Todes-Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege 72/19 Emst Kirchner verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 8. Juli, nachmittag» 6 Uhr, von der Leichenhalle des St. Pius-Kirchhoses in Wilhelms- berg aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Die OrtSverwaltung I. Ms Vereinioung der Bauarbeiter Berlins uimg. Todes- Anzeige. Am Donnerstag, den 4. Juli, verstarb nach schwerem Leiden am Magenkrebs unser langjähriges Mitglied �uxust kohlotf. Ehre feinem Anhenken i Di« Beerhigung findet am Mon- tag, den 8. Juli, nachmittags 3 Uhr, aus dem städtischen Fried- hos« in griedrlchSsclde statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 31/10 Der Borstand. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten VaterS (Zustav Richter sagen wir allen Freunden, Verwandten und Bekannten, insbesondere den Kollegen der A. E.-G., Abteilung Brunnen-, Bolia- und Ackersnaßc, dem Verein der Aquarien- und Terrariensrennde sowie dem Deutschen Metallarbeiter- Verbände unseren Innigsten Dank. 1718b Die trauernde«Uwe Pmiline Richter nebst Tochter. Dp. Slmmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, Mdi0Ä 10—2, 6—7, Sonntags 10—12, 2—4. Sängerschaft Fichte. (M. b. A.-S.-B.) Den Mitgliedern zur Natbricht, daß unser lieber Sangesbruder Ernst Kirchner am Freitag, den 5. Juli 1907, verstorben ist. Wir verlieren in ihm eineS unserer eisrigsten Mitglieder. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 8. Juli, nachmittag» 5 Uhr, von der Leichenhalle de» St. PiuS-KirchhoseS in Wilhelms- berg auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 66/6 Der Borstand. Danksagung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten, inslkesondere den Kollegen und Kolleginnen der Firma Gebrüder Kallmann, sagen mir uuseren herzlichsten Dank sür die letzte Ehre, die sie unserer Tochter Elvira erwiesen haben. raniHte Schlacht* Steuerbehörde direkt. Aber in der Regel dauert die Antwort etwa vier Monate. 2. Nein.— M. W. 1000. Wenden Sie sich an den Magistrat. — Schiedsmann. Die Klage ist innerhalb spätestens drei Monaten von der Kenntnis der Beleidigung ab anzustrengen. Ein Beispiel sür eine Klage finden Sie S. 600 des in den öffentlichen Bibliotheken ausliegenden „Arbeiterrechts".— F. W. 22. Nein, nur nach vorher erteiltem Eni- lassungsschein. Denselben erhalten Sie in Ihrem Falle schon jetzt durch den Rektor eventuell durch die Schuideputation.— P. S« 25. Die in Ihrem Vertrag vorgesehene Kündigungssrist muß eingehalten werden. In Ihrem Falle haftet zwar nicht Ihr Mann, aber Sie und die Einrichtung für dieMietszahlung. D. 75. 1. und 2. Ja.— H. K. Ivvv. 1. Ja. 2. Der Heimatsschein. Um Ihre Absicht zu erreichen, müssen Sie aber serner aus der bayerischen Staatsangehörigleit austreten.— O. E. 75. Leider nein, weil die Zahlung des Krankengeldes an die Kasse— auch ohne Buch— Ihre Zugehörigkeit ausrechterhaiten hätte.— P. T. 1007. Ihre vor 1905 liegenden Ansprüche sind verjährt. Die späteren können Sie mit Aussicht auf Erfolg einklage».— S. I. II. Wenden Sie sich unter Darlegung, welchem Beruf Sie an- gehören, an Sinianowski, Engel-User 15.— C. W. IN. 1. In allen AuSwanderungsangelegenheiten erteilt die amtliche Auskunftsstelle, Schelling- straße 4, Auslunst. 2. Verjährung liegt nicht vor.— Abonnent 20. 12. 05. Wenn Sie gegen das Auszahlen protestiert haben, so können Sie den entgangenen Lohn in voller Höhe mit Aussicht aus Erfolg beim Gewerbegericht einklagen. L. L. Eisenbahner. 2,50 SW. erhalten und überwiesen.— L. M. NN. Nein, über die Verhältnisse selbst erhalten Sie am besten von Ihrer Ge- werkschoft Auskunft. Frage 2 durch die gestrige Lokalnottz erledigt.— F. T. 02. Durch die gestrige Notiz erledigt. Textilarbeiterverband, ueider erscheint die Berufung aussichtslos, wenn nicht ein zur ftistlosen Niederlegung berechtigender Grund sich aus- findig machen läßt. Aus dem Fehlen der A. würde nur svlgen, daß die gesetzliche 14tägige Kündigungssrist Platz greift. Sozialdemokratischer Wahlverein für den Reichstags- Wahlkreis Brieg-Namslau.(OrtSverein Berlin.) Heute Sonntag abends 8 Uhr, Sitzung bei Emil Voigt, Grünauerstr. 3. WitterungSüberstcht vom 0. Juli ISO?, morgen« 8 Uhr. 6lali«iiin Swtnemd«. SÄ- Frankf.a.M München Wien »«UN 762 SW 763SIW 763 SW 765 SW 765 S 764 W 2 wolkig 2 halb bd. 2 bedeckt 3 wolkig 1 wolkig 2 halb bd. «« c r. * u i« Ha> SlaNenm Sc Sä Ii daparandaslbSSW Petersburg 768 SSO eilly Aberde«, Part» 763 WNW SeUn 6 halb bd. 1 wolkenl 3 halb bd. 752 WSW! 1 bedeckt 765 WSW! 2 wollen! WE e;. f- HS 13 20 13 11 Ii Wetter- Prognose für Sonntag, den 7. Juli 1007. Etwa» kühler, vtelsach heiter, jedoch unbeständig mit Regenschauer» und frischen westlichen Winden. Berliner Wetter du r»au. Wasserstand am 6. Juli vorm. Elbe bei Aussig Meier, bei Dresden— 1,21 dp.— Elbe bei Magdeburg 1,85 Meter.— Oder bei Ratibor 1,08 Meter.— Oder bei Breslau— 1,54 Meier.— Oder bei Brieg 1,56 Meter.— Neißemündung 1,24 Meter.— Kaub, 5. Juli. Rhein 8 Uhr morg. 3,08+ 0,05 Meter. Straßburg, 6. Juli. Nhein- schleuse 4,09+ 0,08 Meter. Verband d. Kürschner Berlins u. Omg. Xrachrnft j Am 29. Juni schied unser Kollege Friedrich Müller' im Alter von 89 Jahren freiwillig aus dem Leben. Ehre seinem Andenken! Ueber die Beerdigung, die Donnerstag, den 4. Juli, nachm. uf dem Städttschen Fried- Frledrichsfelde stattsanb� 3 Uhr, aus dem Städttschen hos in Frledrichsfelde sta konnte vorher keine Mitteilung erfolgen, da wir hiervon erst am Mittwochabend Kenntnis erhielten. 102/11 Der Borstand. In der Nacht zum 29. Juni verstarb unser lieber Kollege, der Kürschner 1733b Friedrieh Müller im Alter von 39 Jahren. Derselbe ist uns stets ein guter und treuer Kamerad gewesen. Wir werden seiner in Ehren ge- denken. Dae Personal der MDUenfabrlk Hermann MUller. Deutscher Holzarbeiter- Verband Sfachrnf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Gustav Balke am 3. Juli verstorben ist. Ehre seinem Andenke» i 90/2 Die Drtsverweltung. Of.ineö.Eckennan,hoAmrl,op' bish. Assist, d. Spez.-Arztea für Haut-, Harnleiden, Pranenloiden Dr. med. Scbapcr, Berlin, prakt. jetzt als Speziolarzt für Haut- und Harnleiden Frauenkrankheiten Berlin, FriedrlchstraBo 232 I, (vis-a-vis Mnrldh.) 8-10, 2-6. (Mont. 4-8), 8-9 ab., Sunt. 10-4. >G> Hygienische Bedarf sarukcl. Neuest. Katalog Da. Eonpfehl.Tiel. Aerzte u.Prof. grat. vuSs 9l/SZ. Berlin nplem.Tiel.Aerzle u.Prof. grat B. Unger, Oammiwarenl&bilk rlin NW.. Friedrich« irass» Ol Die Harnleiden Ihre Oetabren, Verhütung und Beeeittgung von Dr. med. Sohoper, BERLIN- Preis 1 Mark. '■ ites Causenh> ferls; Mm Bicttef J. Baei* BadttpÄi,. Herren- und Knaben- Moden. Berufskleidung. Paletots u. Havelocks. QroSet Lager In- und aueländischer Stoffe zur Anfertigung nach Ma6.* Allerbilllgite. streng fette Preise. Sarg-Magazin Merl Jarchinin NW., Stepbanstr. 56, NW. Fernsprecher II, 930. Großes Lager slmtlicber Sorten Särge zu den billigsten Preisen. Auf Teilzahlung;! Wöchentlich nur I Mark. 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Für den Inseratenteil vercmtw.: TH.Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW,