Nr. 157. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pranumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Belt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungsPreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. % Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 24. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Solonel zeile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Bort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Der preußische Parteitag Dienstag, den 9. Juli 1907. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. wird zum 21. November dieses Jahres nach Berlin uns", so heißt es in dem Bericht weiter, noch nie der Illusion beaderten Boden für ihre Zwecke auszunützen: es wurden, einberufen. Nähere Angaben sowie die Tagesordnung werden veröffentlicht und den Genossen zugängig gemacht. später Die Einberufer. nehmer, die Besigenden und Herrschenden günstig zu stimmen. ,, Als die interkonfessionelle christliche Gewerkschaftsidee Trotz aller gegenteiligen Erfahrungen beharren die Christlichen bei den Arbeitern größeren Anklang fand, suchte die rheinischaber auch für die Zukunft auf ihrem Vertrauen. Wir haben westfälische Sozialdemokratie den durch die politischen Kämpfe hingegeben, daß die sozialdemokratische Ge- um die evangelischen Arbeiter von den christlichen Gewerkwertschaftsbewegung in ihrer äußeren Entschaften abzuschrecken und sie für sozialdemokratische Organi wickelung durch unsere Organisationen in fationen gefügiger zu machen, die Worte Zentrumsgewerknächster Zeit erreicht oder übertroffen werden vereine" und" ultramontane Organisationen" dem sozialtönne. Dafür fehlen noch die äußeren Vorbedingungen demokratischen Agitationsarsenal einverleibt." ( Umfang und Alter der Organisationen, Zahl der Kräfte, Das stimmt nicht. Die Sozialdemokratie hat nicht geMittel zur Agitation). Hält die Mitgliederentwickelung der wartet, bis die christliche Gewerkschaftsidee" größeren Anletzten Jahre an, so werden die sozialdemokratischen Ge- hang fand, sondern sie hat von vornherein die christlichen Gewerkschaften bald 21%, Millionen, die christlichen dagegen werkschaften als das gekennzeichnet, was sie sind: ein parteiDer Jahresbericht der christlichen Gewerkschaften, dessen zirka 500 000 Mitglieder zählen. Und diese halbe Million politisches Unternehmen des Zentrums, mit dem Zweck, die Der Jahresbericht der christlichen Gewerkschaften, dessen bildet dann den Regulator sowohl gegenüber scharfmacherischen katholischen Arbeiter von der Berührung mit den anders gestatistischen Teil der Vorwärts" bereits behandelt hat, enthält Blänen wie auch zur politischen und gewerkschaftlichen Taftit sinnten Klaffengenossen, mit den Sozialdemokraten in den Ausführungen prinzipieller und taktischer Art, die eine kurze der sozialdemokratischen Bewegung." Betrachtung lohnen. So heißt es da, daß die christlichen freien Gewerkschaften fernzuhalten, um sie nicht als Wähler Gewerkschaften auf dem Breslauer Kongreß( 1906) die Stellung Gewerkschaften weit eher 21, Willionen Mitglieder haben werden, den parteipolitischen Pferdefuß zu verbergen und weiter die Wir sehen davon ab, daß aller Voraussicht nach die freien zu verlieren. Das interfonfessionelle Mäntelchen diente dazu, ihrer Bewegung zu den verschiedenen Fragen offen und zu als die christlichen eine halbe; immerhin verdient es vermerkt ultramontanen Reihen durch evangelische Zuläufer zu ver sammenfassend dargelegt haben. Danach sind die christlichen zu werden, daß die Chriftlichen sich selber dauernd zur Minder stärken, was namentlich im gemischt bevölferten Ruhrgebiet Gewerkschaften eine selbständige Gruppe von Lohnarbeitern, heit innerhalb der Arbeiterbewegung berurteilen, zum Unterschied für den Bergarbeiterverband, die erste und stärkste christliche die die Grundlage der bestehenden Staats von früher, wo sie nicht allein den freien Verbänden gleichzukommen, Organisation, in Betracht fam. Die Mitwirkung von Leuten und Wirtschaftsordnung als zweckmäßig und Die chriftlichen Gewerkschaften.esten den Boden der bestehenden Staats- und Ge# gestärkt wird". Zur Wahlrechtsreform in Sachfen. Aus Dresden wird uns geschrieben: notwendig anerkennen. Infolge der großen Um zu Infolge der großen Um sondern die Sozialdemokratie zum Stillstand zu bringen, sie wie Behrens beweist nichts gegen den ultramontanen wälzungen, die das neunzehnte Jahrhundert gebracht, bildet" überwinden" hofften. In dieser Beziehung hat man seine Charakter der christlichen Gewerkschaften, sintemalen die wälzungen, die das neunzehnte Jahrhundert gebracht, bildet Ansprüche zu mäßigen verstanden, sonst aber ist man großer wirtschaftlichen und politischen Intereffen der Stöderlinge heute der industrielle Lohnarbeiterstand Deutschlands mit Hoffnungen voll. Durch das Erstarken der christlichen Ge- fich kaum von denen der Römlinge unterscheiden und etwaige seinen Familienangehörigen rund den dritten Teil der werkschaften", heißt es, wird den Scharfmachern der Boden religiöse Meinungsverschiedenheiten gedämpft werden durch Bevölkerung. Es erscheint daher gerechtfertigt, daß diesem abgegraben, und zwar dadurch, daß in den verschiedenen den gemeinsamen Haß gegen die Sozialdemokratie Stande auf die Gestaltung der gesellschaftlichen Ordnung ein bürgerlichen Parteien, innerhalb derer sich die christlichen Gegrößerer Einfluß eingeräumt wird... Die christlichen GeDie chriftlichen Gewerkschaftler beteiligen, die sozialpolitisch fortschrittliche Richtung wertschaften verlangen Mitbestimmung der Arbeiter bei der Gestaltung des Arbeitsvertrages, fordern ein konstitutionelles Betriebssystem. Die Klaffentämpfe, denklassen- werkschaften, also seit Mitte der neunziger Jahre, in der Wirklich? Was ist denn seit Bestehen der christlichen Gehaß mit seinem die Arbeits- und Berufs- Sozialpolitik an grundlegenden Maßnahmen geschaffen wor- Herrn v. Hohenthal, durch die das bisherige Dunkel über die WahlDie fächsische Regierung hat der Baußener Tafelrede ded freudigkeit lähmenden Einfluß lehnen die den; inwiefern ist in den bürgerlichen Parteien die sozialchristlichen Gewerkschaften ab. Eine extreme Scheidung der Lohnarbeiterklasse von den anderen Volksschichten politisch fortschrittliche Richtung gestärkt worden, und wo ist rechtsreform etwas gelichtet wurde, unmittelbar die Berhalten sie sowohl im vaterländischen Interesse wie im Intereſſe Das christliche Gerede ist um so drolliger, als es laut wird der Begründung folgen lassen. Dadurch werden der Boden, den man den Scharfmachern abgerungen hat? öffentlichung des ganzen Gefeßentwurfes samt Die christlichen Gewerkschaften lieben es von jeher, sich zu der Zeit, da Posadowsky gehen muß, ohne auch nur ver- einige Unklarheiten beseitigt, die bisher über die Art der Vervon den freien Gewerkschaften durch Betonung ihrer guten mocht zu haben, die bescheidenen Wünsche des christlich- natio- hältniswahl, die Einteilung der Wahlkreise und einige andere Gesinnung und staatserhaltenden Treue auszuzeichnen. Sie nalen Arbeiterfongresses in Frankfurt durchzusetzen. Ebenso Fragen noch bestanden. einfältig ist die Zuversicht, daß die christlichen Gewerkschaften Wie bereits bekannt geworden ist, sollen nach dem neuen berwerfen also den Klassenkampf. stellen sich auf imitande sein sollen, die politische und gewerkschaftliche Lattik sächsischen Wahlrecht 42 Abgeordnete aus allgemeinen, direkten sellschaftsordnung und wollen Frieden. der sozialdemokratischen Bewegung" zu beeinflussen. Die Verhältniswahlen mit Plural stimmrecht für alle diejenigen, die halten mit den anderen Ständen". Das hört Christlichen haben sich in dieser Beziehung ja immer unend- mehr als 1600 M. Einkommen haben, oder 120 Steuereinheiten und liest sich ja ganz nett, es hat aber nicht gehindert, daß liche Mühe gegeben. Schon in der nach ihrem ersten Kongreß zahlen, oder das Einjährig- Freiwilligen- Beugnis besitzen, hervor. die Christlichen, wo sie praktisch vorgehen, sich genau so ver-( Mainz 1899) erschienenen Programmschrift„ Christliche Ge- gehen, und zwar sollen solche Bevorzugte eine Zuschlagsstimme halten, wie die freien Gewerkschaften und daß sie den alten werkschaften"( M.- Gladbach) hieß es: Verbänden bezüglich der Organisation, der Agitation und wählt werden, und zwar 10 in den 5 großen erenten Städten Dresden, Leipzig, Chemnitz, Blauen und Zwidau, 30 innerhalb der Amishauptmannschaftsbezirke. Die Wahlen sollen in den 5 Städten die Stadträte und Stadtverordneten in gemeinschaftlicher Sibung vollziehen; in den Bezirken der Amtshauptmannschaften dagegen die Bezirksversammlungen. Bektere haben in der Regel die Aufgabe, gemeinsam mit der Amtshauptmannschaft die kommunalen Angelegenheiten zu regeln, die über den Bereich und die Straft einer einzelnen Gemeinde hinausgehen, wie gewisse Zweige der Krankenpflege, der Armenfürsorge und des Wegebaues. Gleichzeitig sind die Bezirksversammlungen Organe der Amtshauptmannschaft, die bestimmte Entscheidungen, . B. über Stonzessionserteilungen, nur mit Zustimmung der Be zirksversammlungen entscheiden darf. Zusammengesetzt wird diese Körperschaft folgendermaßen: Ein Drittel stellen die Höchstbesteuerten des Bezirkes( mindestens 300 M. Staatssteuer), die übrigen zwei Drittel die im Bezirke gelegenen Städte oder Landgemeinden in Gestalt von Abgeordneten, die fast ausnahmslos Bürgermeister oder Gemeindevorstände sind. Die Bezirksversammlung soll in der Regel aus 24 Vertretern bestehen. " erhalten. 40 Abgeordnete sollen von Kommunalverbänden ge= 3. Die sozialdemokratische Partei will die Gewerkschaftsihrer Einrichtungen alles bis ins fleinste nachmachen. Was die bewegung nur gelten lassen, wenn sie ihr dienlich ist zur Erchristlichen Gewerkschaften sind, das sind sie nur durch das langung der politischen Macht. Eine christliche Organisation Vorbild und die Vorarbeit der freien Gewerkschaften. Diese hat deshalb darauf hinzustreben, daß dieser sozialdemokratische haben durch ihre Agitation und ihre Erfolge das Organisations- Geist aus den fogenannten freien Gewerkschaften zurückbedürfnis der Massen geweckt und auch die katholischen Arbeiter gedrängt wird. Sie muß die freien Gewerkschaften immer mitgerissen in das Streben um Besserung ihrer Arbeits- und mehr dahin zu bringen suchen, daß sie sich von der Partei Lebensbedingungen. Wenn die Klassenbewußte Arbeiter- Iosjagen; fie muß zwischen den freien Gewerkschaften und der bewegung den ultramontanen Gefilden fern geblieben wäre, sozialdemokratischen Partei eine immer größere Kluft schaffen, gäbe es hier auch noch keine christlichen Gewerkschaften, und bis schließlich die ersteren dem Einflusse der letzteren völlig wenn es auf die politischen und geistlichen Vormünder der entzogen sind." katholischen Arbeiter ankäme, ruhte das christliche Proletariat Nach dieser Anweisung haben die Christlichen zu arbeiten heute noch in dem Schlummer der Gleichgültigkeit, Unter- fich bemüht. Was ist bei ihrem Bemühen herausgekommen? ordnung und Entsagung, der als christliche Tugend gilt. Und Nichts! Die Sozialdemokratie und die freien Gewerkschaften gewiß lag es auch in der Absicht der christlichen Gewerkschafts- find unbekümmert um die Christlichen ihren Weg gegangen, führer, ihre Drganisationen im Geiste der Bescheidenheit und und statt eine Kluft zwischen sich zu lassen, haben sie sich ein Versöhnlichkeit zu halten, aber es ging nicht, weil die christlichen ander genähert in dem Bewußtsein von der Untrennbarkeit Arbeiter von der Organisation praktische Erfolge sehen wollten und der wirtschaftlichen und politischen Fragen, sich gegenseitig gediese Erfolge sich nicht durch den Ausweis christlicher und fördert in der Verfolgung des gemeinsamen Bieles: der Bevaterländischer Gesinnung, sondern nur durch Stampf erreichen freiung der Arbeiterklasse aus der Knechtschaft des Kapitals. Bei den Wahlen dieser 40 Abgeordneten ist jeder Einfluß der ließen. So schwören die christlichen Führer den Klassenkampf um so lächerlicher die Anmaßung der Christlichen, als Minder- Wählerschaft, insbesondere der minderbemittelten, ausgeschaltet, ab- und die christlichen Gewerkschaften führen ihn; die heit die große, starke und selbstbewußte Mehrheit der Arbeiter- denn die sozialdemokratischen Minderheiten in den Stadt Führer wollen die Arbeiterklasse nicht von den anderen bewegung beeinflussen zu können. Wir verkennen nicht, daß verordnetenkollegien der großen Städte tönnen ausschlaggebenden Boltsschichten" trennen und müssen erleben, daß die anderen einzelne Verbände der Christlichen, so die Bergarbeiter im Einfluß nicht ausüben. In den amtshauptmannschaftlichen Bes Volksschichten" sich von den christlichen Gewerkschaften trennen, Ruhrrevier, die Textilarbeiter am Niederrhein, eine ansehn- zirken aber wählen Bürgermeister und Höchst. wenn diese mit Ansprüchen an sie herantreten; die christlichen liche Macht darstellen und als solche den freien Gewerkschaften besteuerte 30 Bertreter. Führer verkünden die Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit der zu schaffen machen können. Ihre Unzuverlässigkeit und ihre Die allgemeinen, direkten Verhältniswahlen follen in bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung, zugleich fordern Neigung zur Verräterei sind geeignet, im Falle der Not auch 42 Wahltreisen vorgenommen werden, und zwar bildet jeder die christlichen Gewerkschaften ein konstitutionelles Betriebs- eine christliche Minderheit gefährlich werden zu lassen. So der 27 amtshauptmannschaftlichen Bezirke einen Wahlkreis, system und größeren Einfluß auf die Gestaltung der Gesell- wird in gewissen Fällen und in bestimmten Gegenden eine außerdem je einen die Städte Plauen und Zwidau, in Dresden schaftsordnung Dinge also, die in den Augen der herrschenden Rücksichtnahme auf die Christlichen geboten sein, und es liegt und Leipzig sollen je 5 und in Chemnitz 3 Wahlkreise gebildet Klasse als eine Umstürzlerei höchsten Grades gelten. auch kein Grund vor, wo sie sich zuverlässig zeigen, sie als werden. Von den 656 645 WahlDer diesjährige Bericht wiederholt den früheren Hinweis, Minderheit von der Mitwirkung an der Vertretung der Ar- Das mit der allgemeinen Wahl verknüpfte Pluralsystem( siehe daß manche Scharfmacher die christlichen Gewerkschaften für beiterinteressen auszuschließen. Aber sie mögen den Wahn oben) führt zu einer Teilung der Wähler in solche erster und gefährlicher halten, als die freien Verbände, und neuerdings fahren lassen, als ob sie maßgebend sein könnten für die Rich- solche zweiter Klasse. Der weitaus größte Teil der Arbeiter gewolle man in Unternehmerkreisen beobachtet haben, daß die tung, die Taktik und das Tempo der Arbeiterbewegung. Die hört zur zweiten Klasse. Die Pluralwahl bezweckt ja auch eine christlichen die freien Gewerkschaften zu übertrumpfen suchen. Führung gebührt der klassenbewußten Arbeiterschaft, die ihre Rechtsbenachteiligung der Arbeiter. Andere Leute seien der Meinung, christliche Drganisationen politische Vertretung in der Sozialdemokratie und ihre wirt. berechtigten haben 507 702, also die erdrückende Mehrheit, ein Eins dürften Forderungen überhaupt nicht stellen, sondern schaftliche Vertretung in den Gewerkschaften hat, nicht aber tommen von weniger als 1600 M. Dazu kommen noch 3526 müßten des Christentums wegen ihre Mitglieder zu einer Sonderbewegung, die politisch nur als Anhängsel tapi- Wähler, bie nur Grundsteuer zahlen. Mehr als 1600 M. haben stiller Duldung erziehen. Endlich wird gesagt, daß talistischer Parteien in Betracht kommt und gewerkschaftlich nur 145 417 Wahlberechtigte. Diese kleine Zahl zweistimmiger Unternehmer und Behörden in der Behandlung der vorlieb nehmen muß mit dem, was andere von ihrer reichen Wähler wird nur wenig durch solche von unten verstärkt werden, christlichen Gewerkschaften ihren früheren Gepflogenheiten Ernte übrig lassen. die das Einjährigen- Zeugnis oder die mehr als 120 Steuer( Maßregelung, Verfolgung) treu geblieben feien alles Be- Der Bericht verwendet sodann viele Mühe auf den Nach- einheiten haben, denn diese werden ohnehin fast ausschließlich unter weise, daß die Christlichen auf dem Holzwege sind, wenn sie weis, daß die christlichen Gewerkschaften nicht, wie von der den 145 417 bereits zu finden sein. Die sozialdemokratische Partei glauben, durch Absage an den Klassenkampf und Anerkennung Sozialdemokratie behauptet werde, ultramontane Organisa- wird also vorwiegend mit einstimmigen" Wählern zu rechnen der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung die Unter- tionen feien haben I.-ch div A«rl,a!t«isi-schl scll ein Mittel gegen die sozial.. demokratie sein, wenigstens geht das aus der Begründung hervor. Der Minister v. Hohenthal hat seinem Proportional wähl- recht grvge Einfachheit nachgerühmt. Das ist ein sehr un- berechtigtes Seltstlob. Bisher nahm man an, bei Proportional- Wahlen auf Wahlkreise ganz verzichten zu können. Dann mutzte 'freilich der Wahlberechtigte für eine bestimmte Partei den Wahlzettel abgeben. Davon hat aber die sächsische Regierung, wie auZ der Begründung hervorgeht, nichts wissen wollen, angeblich mit Rücksicht auf die Wähler, die nicht blindlings einer Partei folgen, sondern sich vdnr Vertrauen zu einem Kandidaten bei der Wahl leiten lassen. Dieser politisch unreifen Leute wegen versucht man das Kunststück der V e rch ä l t n i s w ah l. Wie das gemacht werden soll, besagen die näheren Bestimmungen über, die Ber- hältniswahl? �. Gewählt lann nur werden, wer in einem Wahlkreise als Kandidat aufgestellt und eine schriftliche, notariell oder behördlich beglaubigte Erklärung abgibt, zu welcher Partei er sich- bekennt; niemand darf aber in unehr als einem Wahlkreise kandidieren. Wird die obige Erklärung nicht abgegeben, so sind alle auf einen solchen Kandidaten mit ursbcglaubigter Parteistellung gefallene Stimmen ungültig.' Die Stimmzettel müssen den Namen des Kandidaten enthalten und zusammengefaltet in die Urne ge- steckt werden. Nach vollendeter'Wahl hat der Wahlkommissar deS Kreises das Wahlergebnis festzustellen und binnen 24 Stunden an den Landeswahlkommissar abzusenden. Dieser stellt im Beisein von 3 bis 42 Wählern zunächst die Gesamtzahl aller gültigen Stimmen aus dem ganzen Lande fest. Alsdann teilt er die Ge- samtzahl der Stimmen durch 43(eine Ziffer mehr als die Zahl der zu wählenden Abgeordneten). Die so gefundene Zahl wird auf die nächst höhere Zahl gebracht, und diese ist die Wahlzahl. Aisdann wird(Z 41) für jede einzelne Partei ausgerechnet, wie- viel gültige Stimmen auf alle ihre Kandidaten und damit auch für die Partei abgegeben worden sind und wie oft in dieser Zahl die W a h l z a h l enthalten ist. Sovielmal die Wahl zahl in der Gesamtzahl der Stimmen enthalten ist, welche für die Kandidaten einer und derselben Partei abgegeben wurden, so- viel Kandidaten dieser Partei müssen Ab- geordnete werden. Innerhalb jeder Partei ge- bührt demjenigen Kandidaten, der eine höhere St i mmenzahl erhalten hat. der Vorzug vor deni. der die jeweils niedrigere Stimmenzahl erhielt. Gegebenenfalls entscheidet bei Stimmengleichheit das Los. Kommen durch das Verfahren noch nicht soviel Abgeordnete zusammen, als zu wählen sind, so entscheidet unter den. Restzahlen, welche für die einzelnen Parteien geblieben sind, die relative Mehrheit. Stirbt ein Abgeordneter einer Partei, so rückt der Kandidat dieser Partei als Ersatzmann ein, der bei der letzten Wahl die meisten Stimmen von den Kandidaten dieser Partei er- halten hatte. Bei diesem Verfahren ist meist für die Wahl eines Kandidaten die Grütze des Wahlkreises matzgebend, denn gewöhnlich wird ein Kandidat um so mehr Stimmen erhalten, je mehr Wähler der 5kreis hat. Das Verfahren ist aber um so bedenklicher, weil in den neuen sächsischen Lanvtagswahlkreisen die Zahl der Wähler zwischen 36 480 und 7662 schwankt. Es hat somit der sozialdemo- kratische Kandidat in dem kleinsten Wahlkreise(Stadt Plauen) keine Aussicht in den Landtag zu kommen, selbst wenn er in dem Kreise die erdrückende Mehrheit hätte, ja es wird überhaupt kaum je ein Kandidat dieses kleinen Wahlkreises in den Landtag kommen. Und dieses Schicksal der blo tz en Z ä h l k a n d i d a t u r dürfte auch den Kandidaten in den übrigen kleinen Wahlkreisen beschieden sein. Pn ihrer Begründung zur ÄZahlrechtsreform hat die R e g i e- r u n g eine Rechnung über d i e. A u s s i ch t e n der So z i a l d o in o kr a t i e bei diesser Verhältniswahl a u s g e m a ch t. Sie rechnet mit der„ungünstigen Annahme", daß 45 Proz. der sächsischen LandtagSwähler sozialdemokratisch stimmen. Das würden 285 490 sozialdemokratische Stimmen Werden. Dazu würden nach der Regierungsrechnung noch 18 882 Pluralstimmen kommen. Es würden dann, so heitzt es weiter, 344 372 sozialdemokratische Wähler 564 155 nichtsozialdemokra- tischen gegenüberstehen, weil hier in der Mehrzahl Pluralstimmen gerechnet werden können. Wenn 875 527 Stimmen— das ist zugleich ein Beispiel zur Erklärung der Feststellung des Wahl- resullais bei der Verhältniswahl— 42 Abgeordnete zu wählen haben, beträgt die Wahlzal/I Diese Zahl ist in den 314 372 sozialdemokratischen Stimmen fünf- zehnmal, in den 561 155 nichtsozialdemokratischen Stimmen siebeimndzwanzigmal enthalten. Es würden somit 15 sozial- de in akratische mnd 27 nicht isozialdem akratische Abgeordnete gewählt worden sein. Die Wahl soll aller sechs Jahre vorgenommen und der jetzige Landtag nur bis Ende der kommenden Session bestehen bleiben. Uber die Aussichten dieses Wahlrcchtswcchselbalgz lätzt sich noch noch nichts Bestimmtes sagen. Die Konservativen haben zwar bisher erklärt, unter allen Umständen an der jetzigen Wahlkreisein- teilung festhalten zu wollen, sie werden aber angesichts eines Wahl- rechtsentwurfes, der die Besitzenden dermatzen begünstigt, sich doch Wahl fragen, ob sich' ein Kampf um die Wahlkreise gegen die Re- gierung lohnt. Ohne die völlig? Wahlkreisänderung ist der jetzige Entwurf gar nicht möglich. Eine solche bedingt wieder eine Ver- sassungsänderung, die mir möglich' ist, wenn Zwcidrittel der Kamniermitglieder dafür stimmen. Die Nationalliberalen werden den Entwurf voraussichtlich akzeptieren und durch dick und dünn mit der Regierung gehen., Ueber die Haltung der Sozialdemokratie zu diesem neuen Wahlunrecht kann ja kein Zweifel herrschen. Jedenfalls wird sich Anfang August die Landeskonferenz damit beschästigen. In- zwischen werden sich die sächsischen Genossen zum Wahlrechtskamps rüsten. VZz Treiben der Petercelicque. Die Petersclique, der die Blamage ihres Peters und die Neinfälle der Arendt und L i e b e r t natürlich höchst Pein- lich sind, treibt in der Scharfmacherpresse ein tolles Spiel. Neben den läppischen„Enthüllungen" über den T u ck e r- b r i e f, dc.r bei der. derzeitigen Verurteilung des Peters .absolut nicht in Frage kam, spielt das Märchen von an- g e b l i ch g e st o h l e n e n Briefen die Hauptrolle. Arendt will nämlich einen für den verstorbenen Kolonial- direttor Dr.® a y s e r sehr belastenden Briestvechsel mit dem- selben besessen haben. Bereits 1896 drohte er mit der Ver- öfsentlichuug dieser Briese. Als er die Briefe dann aber vor- legen sollte, waren sie i» höchst mysteriöser Weise ver- schwunden. Herr Arendt erzählte in München, datz er die Briefe dem Peters gegeben habe. Dieser habe sie in eine K i st c gep.qK gehabt, die vsn dem Spediteur üatt nach w London versehentlich nach der W i l h e l m st r a ß e ge- schiclt worden sei. Als Peters die Kiste endlich wiedererhalten habe, seien die''betreffenden Schriftstücke verschwunden gewesen! Die„Voss. Ztg." bemerkt zu dieser Schauermär: „Aus dieser dunklen Geschichte ist dann in den Augen un- gezählter Petersfrcunde ein grauenvolles Verbrechen geworden. In der W i l h e l m st r a tz e ist die Kiste abgeladen worden. Dieser Name sagt genug wohl schon. Autzerdem war besagte Kiste erbrochen worden. Von wem? Zu welchem Zwecke? Nur ein Tor kann über die Antwort im Zweifel sein! Die Leute im Kolvnialamt, im Auswärtigeu Amt waren Einbrecher und Diebe. Die Briefe der Herren Arendt und Kayser haben sie gestohlen, geraubt. Es ist ein schnöder Mitzbrauch der Amtsgewalt." Also nicht nur die Richter der beiden Disziplinar- g e r i ch t e haben sich nach der vorbedachten Taktik des Herrn Liebert als Werkzeuge Hellwigs gebrauchen lassen und einen„I u st i z m o r d" an dem Hänge-Peters verübt, der „einen Schandfleck für das deutsche Volk bildet, sondern hohe Reichsbeamte dürfen von der Petersclique auch als Einbrecher und Diebe verdächtigt werden! Und die Regierung sieht diesem tollen Treiben mit aller Gelassenheit zu! Der„Voss. Ztg." erscheint ein solches Verhalten unerhört und unbegreiflich: „WaS hat die Reichsrcgierung bisher gegen diese unerhörte Kritik götan? Nichts. Was gedenkt sie zu tun? Ebenfalls nichts'?. Wenn sie in der Tat glauben sollte, schweigen und die Mitglieder ber Disziplinargerichte schutzlos lassen zu dürfen, so hätte siö krium eine Ahnung über die Wirkung, die diesc'Tätigkeit auf die Masse des Volkes aus- üben' m-ützte. Sie hat schon zu lange gesäumt und den Peters-Begeisterten das Feld frei gegeben. Es ist an der Zeit, die volle Wahrheit über den Fall Peters der O e f f e n t l i ch k e i t mitzuteilen. Ob sie ihm günstig oder ungünstig ist, bleibt jetzt einerlei; aber die volle Wahr- heit tut not, und jede weitere Geheimniskrämerei mühte ein übleres Licht auf die Regierung werfen, als alle Prcisgebung der'bisher verschwiegenen Tatsachen es vermöchte." Ob die Regierung endlich dem Rate' der„Voss. Ztg." folgen wird? Wie aber, wenn die Veröffentlichung der Ge- Heimakten dann die teilweise Rehabilitierung des Peters doppelt unbegreiflich erscheinen ließe?! Dann wären zwar die an den Disziplinargerichten beteiligten Richter gegen fernere Beschimpfungen durch die Petersclique geschützt— aber die einflußreichen F r e u n d e des Peters ständen dann am Pranger! Dies Argument führt denn auch die„Deutsche T a g e s z t g." mit schamloser Offenheit gegen die Veröffentlichung der Geheimakten ins Feld: „Nun ist es aber doch klar, datz, wenn die Geheimakten wirklich Schlimmeres enthalten, die Regierung bezw. die Ko- lonialverwaltung nicht entlastet, sondern nur be- lastet werden kann. Entlastet tonnte höchstens die angeklagte „Kölnische Zeitung" werden. Das kann selbst die ungelenkste Logik unmöglich übersehen: Die Regierung soll sich— nach An- und Absicht der„Kölnischen Zeitung"— noch mehr"- kompromittieren, um dem rheinischen Organ in seinem Privatstreit mit Herrn Dr. Peters zu helfen!" Nun, die Regierung ist auch dann, ja d a n n e r st r e ch t, kompromittiert, wenn sie die Akten nicht veröffentlicht! Wird doch jedermann annehmen, daß für sie eben die Motive deS Qertel-Blattes ausschlaggebend gewesen sind! Die„Kölnische Ztg." nennt ihren Gewährsmann. Sie teilt mit, daß ihr Berliner Vertreter, Gouverneur a. D. Rndolf v. Bennigsen, angesichts der Erörterungen, die sich an den Münchener Peters-Pxozeß angeschlossen haben, und da sein Name in Verbindung mit den Vorgängen mehr- fach in der Presse genannt worden sei, darum gebeten habe, ihn als den V e r f a s s e r des Aufsatzes in Nr. 297 der„Köln. Ztg.", dessentwegen Dr. Peters eine Beleidigungsklage gegen die„Köln. Ztg." angestrengt hat, dem Kölner Schöffengericht bekanntzugeben. ver Kongreß der itsllevliche« SyndlkaDItei. x Rom, 4. Juli.(Eig. Oer.) Die Behörden haben dem ersten Kongreh der italienischen Syndikalisten die Ehre einer brutalen unausgesetzten Verfolgung widerfahren lassen. Zunächst hat man ihnen die für jeden Kongreß sonst übliche Reiseermätzigung, die die Sozialisten immer bekamen, v�e r w e i g e r t; dann hat man das Manifest beschlagnahmt, in dem die Syndikalisten von Ferrara den Kongreß willkommen hießen! Nicht genug damit, hat man den Versaminlnngssaal ständig mit Militär und Polizei umgeben, zwei Regimenter in Ferrara zusammengezogen, die Telegramme von der Zensur aufhalten lassen, und als sich die Delegierten nach dem Kongreß in die von dem große» Landarbeiterstreil betroffene» Gegenden zerstreuten, sind die meisten von ihnen verhaftet worden! So haben die Syndikalisten die Befriedigung gebabt. sieb als Umstürzler gefährlichster Art be- bandelt zu sehe» und die Behörde zu einer Reihe provokatorischer Mißgriffe zu verleiten, wie man sie seit 1883 in Italien nicht mehr zu verzeichnen hatte. Ob die Syndikalisten wirklich die Ehre dieses Mißtrauens und dieser Angst verdienen, das zu entscheiden mutz man der Zukunft überlassen. Es könnte schon sein, daß ihr Kongreß der Sache der revoliilionären Bewegung Dienste geleistet hat, allerdings nicht in dem Sinne, in dem die Syndikalisten selber wohl meinen.— Nach den Angaben der Mandatsprüfungskommission waren in Ferrara ver.treten: 25 Sektionen der Jugendorganisation mit 140 Mitgliedern, 55 syndikalistische Gruppen' mit 1887 Mit- gliedern,' 38 Parteisekllonen mit 1350 Mitgliedern und endlicb 183'Gewerkschaftsabteilungen mit 96 038 Organisierten! Uns scheiitt es irrig, die snndikalistischen Kräfte nach diesen Zahlen einzuschätzen.;- denn viele Getverkschastsabteilungen waren aus dem Kongreß vertreten, lediglich weil der lokale Sekretär syndikalistische Sympathien hat! Auch ist man in der Anerkennung der Mandate notorisch sehr wenig streng gewesen. Wenn sich autzerdem wirklich 96 000 der in Gewerkschaften und Ärbeitskammern Organisierten— also etwa ein Fünftel von allen— zum Syndikalismus bekennen würden, so hatte sich dies auch vor dem Kongreß in der Wirtschaft- lichen Bewegung Italiens fühlbar machen müssen. Zuerst diskutierte man die Angelegenheit der. A z i o n e". Enrico Leone erklärte zunächst, datz er nicht da sei, um auf die Anschuldigungen zu antworten, die man gegen ihn geschleudert habe. Der gegen die„Azione" gerichtete Angriff sei lediglich poli- tischen Ursachen entsprungen. Bürgerliche Geldquellen hätten vor der „Azione" andere sozialistische Zeitungen, so der„Temps", lind der„ L a v o r o", gehabt, ohne datz der Parteivorstand gegen sie vorgegangen wäre! Man hätte die syndikalistische Propaganda treffen wollen und daher die Geldquelle der„Azione" verdächtigt. Zum Schlutz bat der Redner, ernstlich über die Wittel zu beraten, dem Blatte die weitere Existenz zu sichern. Es zeigten sich bei der Diskussion zwei Ansichten: Die einen wollen der„Azione" ihr unbedingtes Vertrauen aus- sprechen, auch so weit die Geldquellen in Betracht kommen; die anderen wollen nur der R e d a I t i o n die Sympathie und Solidarität der Genossen ausdrücken, ohne sich über die Frage der Geldquellen überhaupt auszusprechen! Die erste Richtung behielt die Oberhand und brockte mit arotzsr Mebrbeit foloende Taaesordnuw» druck.' „Indem der erste syndikalistische Kongreß für sich allein das Recht in Anspruch nimmt, über die Lauterkeit der Finanzquellen der Zeitung„Azione" zu enlscheiden, spricht er der Reinheit der Absichten und Handlungen der Genossen, die die Zeitung ins Leben gerufen haben, seine unbedingte Achtung aus, hebt hervor, daß die„Azione" immer die strengste und kühnste syndikalistische Richtung eingehalten hat, was die sicherste Gewähr für die Ehrlichkeit ihrer Geldquellen ist, spendet all denen, die durch finanzielle Opfer oder Mitarbeit zur Existenz des Blattes bei- getragen haben, seinen Beifall und beschließt— ohne sich darum zu kümmern, den Verleumdern mit der gebührlichen Verachtung zu antworten— die Veröffentlichung des Blattes fortzuführen um den Preis jedes Opfers, zu dem das Proletariat sicher mit Enthusiasmus bereit sein wird, weil es in der„Azione" die wuchtigste Vertretung seiner Interessen erkannt hat." Für die Beratung der Mittel, die die Existenz der„Azione" ermöglichen soll, war eine Kommission gewählt worden, deren Vor- schlagen der Kongreß beitrat. Sie machen es allen Mitgliedern der syndikalistischen Gruppen zur Pflicht, aus das Blatt zu abonnieren, ebenso allen Gewerkschaftsabteilungen, die am Kongreß teil- genommen haben und die wenigstens zwei Abonnements für jedes Hundert ihrer Mitglieder nehmen müssen. Ferner müssen alle Ar- beiter, die sich auf' dem Kongresse vertreten ließen, den Lohn eines halben Arbeitstages zugunsten des' Blattes beisteuern; es sollen Atrien a 23 Lire ä tonds perdu ausgegeben werden. Außerdem wird allen bemittelten Genossen eine je nach ihren Mittel» normierte Extrasteuer zugunsten der Zeitung auferlegt. Nach längerer Diskussion beschloß man dann noch, die Zeitung nach Bologna zu verlegen, weil sie in einem an proletarischen Organi- sationen reichen Zentrum besseres Gedeihen verspräche. Nachdem diese Frage mit größerer Ruhe erledigt war, als zu erwarten stand, ging man zum zweiten Punkt der Tagesordnung über, dem das größte allgemeine Interesse gebührt: Beziehungen der Syndikalisten zur sozialistischen Partei. De Giovanni, ein um Partei- und Gewerkschaftsbewegung verdienter Genosse, beantragte im Namen der Syndikalisten von Turin, auf die Diskussion dieses Punktes zu verzichten; es gälte jetzt, ein Aktionsprogramm zu entwerfen. Ueber die Zugehörigkeit zur Partei oder den Austritt würden die Tatsachen im der Folge entscheiden I Nach sehr lebhafter Diskussion wurde der Antrag De Giovannis abgelehnt. Man trat also in die Debatte ein, und Gegner und Vertreter der Spaltung platzten heftig aufeinander. Es standen sich zwei Tagesordnungen gegenüber. Die von P a g l i u c c a unterzeichnete. die die Spaltung verficht, hat nachstehenden Wortlaut: „In Erwägung, daß die Befreiung der Arbeiterklasse ihr eigenes Werk sein muß, in Erwägung ferner, daß die sozialistische Pariei, die aus einem Personengcmisch besteht, daö keine spezifischen Klasseninteressen vertritt, nicht imstande ist, eine Revolution durch- zuführen oder auch nur ein gesundes revolutionäres Bewußtsein im Proletarier vorzubereiten, das gegen alle Mächte, die seine völlige Besteiung verzögern oder verhindern, im Kampf steht; in der Ueberzeugung, datz die Gewerkschaft für die Arbeiter- Nasse ausreichend ist, um sich für die Erreichung ihrer End- ziele zu rüsten, konstatiert der erste Kongreß der italienischen Syndikalisten, daß das Verbleiben dieser in der Partei, ohne jene Regeneration zu erzielen, die manche wünschen, die besten Energien verschwenden würde, die sich der wirtschaftlichen Propa- ganda und Organisation zuwenden sollten; et konstatiert ferner, datz die syndikalistische Lehre sich nicht mit der ausschließlich parlamentarischen Taktik verträgt, die die sozialistische Partei— im Interesse der Politikaster und der parasitären, sich demokratisch nennenden Elemente— einzuhalten anfängt, und beschließt, einzig von dem Bestreben beseelt, dadurch der Sache des Proletariats besser zu dienen, daß die italienische» Syndikalisten aus der sozialistischen Partei austreten und ihre ' Tätigkeit den wirtschaftlichen Organisationen zuwenden, wo sie in der Agitation jene Methoden einzuhalten haben, die der Kongreß als die gceignetste