Ur. 158. Hbonnemcnts-Bcdingungen; STBonnctnenlä> Preis pränumerando: Vierteljährl. Z.3a Md. monatl. 1,10 Mk., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. »ummer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue SS dt" 10 Psa. Post- «donnemcnt: 1,10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitunas. Preisliite. Unter Kreuzband iür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. Postabonncments nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 34. Jahrg. (rlchtlnt tlsliit außer montags. Verlinev Volksblatt. Die Tntcrtions-Gebülfr beträgt für die sechsgespaltcne STolond. zcile oder deren Raunr m Pfg., für politische und gcwerlschaftliche Vereins- inrd BersammlttNgS-Anzeigcn 30 Pfg. „Uleine Unreigen", das erste ssett- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf ftellcn-Anzcigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nunmrer müssen bis s Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geöffliet. Telegramm. Adresse: „SoalallUmoIirat Hirtin". Zcntralorgan der foztaldemokratifchen Parte» Deutfchlands. Redaktion: SM. 68, Lindcnetraeac 69. Fernsprecher: Amt FV. Nr. 1983._ Mittwoch, den 10. Juli 1907. Expedition: SM. 68, Lindendtrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Die preuSilche Aahlrechtsichmach Die halboffiziöse Parlamentskorrespon- d e n z. die kürzlich versicherte, die Regierung denke gar nicht daran, bereits in der nächsten Session, also vor den Neu- wählen des nächsten Jahres, eine Wahlrechtsreform, und sei es auch nur das dürftigste Scheiiireförmchen, im Landtag ein- zubringen, nimmt abermals das Wort. Sie spottet über die Leichtgläubigkeit der„Frankfurter Zei- tung", die sich von der Regierung„weismachen" lasse, sie, die Regierung, werde sich in der nächsten Session ernstlich mit der Wahlrechtsfrage beschäftigen: „Die Regierung wird ja schliehlich nicht darum herum- kommen, einmal Farbe zu bekennen, und in der nächsten Session kurz vor den Wahlen werden auch die Parteien bereit sein, diese Frage besprechen zu wollen. Man hat dem Liberalismus jetzt bei dem Ministerwcchsel vor den Kopf ge- stoßen, manche Leute sprechen sogar von Foppen, deshalb ist auch die plötzliche Bereitwilligkeit der Regierung erklärlich, um den Liberalismus ein wenig zu versöhnen, und man ist huldvollst geneigt, der Sache näher zu treten. Der Liberalismus sei aber auf der Hut, daß er nicht wieder gefoppt werde. Bor den Wahlen verspricht man viel, wir verstehen deshalb- die Taktik der Re- gierung, auch den Umfäll gewisser Politiker der Rechten in den letzten Wochen. Wie wird es aber nach den Wahlen aussehen? Denn so viel ist doch jetzt schon klar, daß eine Reform er st bei den übernächsten Wahlen, also erst 1913, i n Kraft treten könnt e." Die Korrespondenz versichert weiter, daß es ein seit samer liberaler Optimismus sei, auch einem Teil der Rechten die Einsicht zuzuschreiben, daß das Dreiklassen- Wahlrecht nicht mehr haltbar sei. Dieser Teil müsse„sehr klein" fein. Gewisse Aenderungen würden wohl auch in konservativen Kreisen gewünscht, aber am System werde man nicht rütteln lassen. Die Rechte denke gar nicht daran, sich ins eigene Fleisch zu schneiden und durch Einführung des Reichstagswahlrechts die Geschäfte der Sozialdemokratie zu besorgen. Nun fabele man von einer„mittleren Linie", auf der die Reform sich nach den Absichten der Regierung be wegen solle. Die Reform könne aber höchstens in einer g e rechteren Einteilung der Wahlkreise bestehen, an eine Abschaffung des„bewährten Dreiklassen- w a h l s y st e m s" sei dagegen nicht zu denken. Sollte die Regierung aber wirklich eine Vorlage einbringen, die auf das Dreiklassensystem verzichte, so werde sie damit bei der Mehrheit des Abgeordnetenhauses, vor allem abör bei dem Herrenhause, unüberwindlichem Widerstand be gegnen. „Will übrigens die Regierung die konservativ- liberale Paarung zunichte machen und die Block- Politik einer gründlichen Niederlage aussetzen, will Für st Bülow sein eigener Leichen gröber sein, dann soll man Wahlreformen im liberalen Sinne einzuführen suchen. Daß übrigens der Liberalismus der Sache nicht so recht traut, zeigten die Aeutzerungen der liberalen Presse in den letzten Tagen, aus ihnen geht allerdings auch hervor, daß sie mit Kleinigkeiten zufrieden wären. Das„Berl. Tageblatt" preist schon jetzt den Fürsten Bülow als großen Staatsmann, weil er daran denkt, zu reformieren. Man ist doch wirklich bescheiden geworden. Vielleicht versucht eS Fürst Bülow mal mit liberaler Politik, nach dem die ultramontane verabschiedet und die Blockpolitik keine Blüten treiben will. Dann hätten wir wieder fröhlichen Ministerwechsel, denn es darf nicht über- sehen werden, daß der neue Mini st er des Innern früher Oberpräsident von Ostpreußen gewesen ist, wo man für liberale W a h l r c ch t s i d e e n kein großes Verständnis hat. Der Liberalismus sollte sich also nicht lächerlich machen mit seinen schönen Hoffnungen. Lächerlich würde er sich auch machen, wenn er sich mit einer kleinen Abzahlung abspeisen liehe. Wenn er bisher immer verlangt hat, daß das elende Dreiklassensystem durch das allein- seligmachende Reichstagssystem ersetzt werden müsse, so muß er jetzt auch Stange halten und für seine Forde- rungen kämpfen. Er möge aber nicht vergessen, daß er der Sozialdemokratie mit dieser Forderung wacker Vor- spanndienste leistet, und daß die Einführung des Reichstagswahl- rechtes in Preußen wohl die gehaßte Reaktion brechen kann, dem liberalen Adler aber keine Schwungkraft geben wird. Ein paar Mandate vielleicht mehr als� bisher wäre das Resultat für den Freisinn, die übrige Erbschaft träte die Sozialdemokratie an, denn die Einführung des Reichstags- Wahlrechtes bedingt auch eine dcmcntsprechende Wahlkreis- einteilung. Sehr fraglich wäre es noch, ob dann der Freisinn gleich stark bleiben würde wie jetzt. Er hat jetzt in Preußen 32 Sitze im Landtage, während von seinen 41 Reichstagssitzen nur 27 in Preußen liegen. Führt man in Preußen also das Reichstagswahlrecht ein, so würden die jetzigen preußischen Reichstagswohlkreise sich im allgemeinen auch mit den Landtags- kreisen decken. Wo bliebe also der liberale Gewinn?" Man sieht, der Liberalismus wird weidlich verspottet. Es wird an ihn das höhnische Ansinnen gestellt, bei der Stange zu halten und für seine prinzipiellen Forderungen zu kämpfen und gleichzeitig schreckt man ihn durch das rote Gespenst. Zugleich stellt inan Bülow bei etwaigen libe- ralen Anwandlungen eine abermalige Minister-, ja wohl gar Kanzlerkrife in drohendste Aussicht I Der dreiste Hohn der reaktionären Kamarilla zeigt lvcnigstens, wie wenig Ursache der Liberalismus hat, von der konservativ-liberalen Paarung eine auch nur halbwegs ernste Wahlrechtsreform zu erhoffen. Man braucht sich ja nur die Zusammensetzung des preußischen Landtags anzusehen, um ? sich sofort darüber klar zu sein, daßfichinderTatdie Rechte mit Nägeln und Zähnen gegen eine W a h l r e f 0 r m sträuben würde. Stützt sich doch die konservative Herrschaft auf das Dreiktassensystem, daneben aber auch auf die skandalöse Ungleichheit der Wahlkreise. Erhielten doch die K 0 n f e r- vativen 1903 nur 13,39 Proz. der Urwählerstimmen, dagegen 142 Mandate, d. h. zirka 33 Proz. aller Abgeordneten. Die Frcikonservativen fuhren noch besser. Sie erhielten nur 2,87 Proz. der Urwählerstimmen, dagegen K2 Abgeordnete, also 14 Proz. oder ein Siebentel aller Man date! Schon eine durchgreifend� Neueinteilung der Wahl kreise würde Konservative und Freikonservative zugunsten der Nationalliberalen, des Zentrums und der Freisinnigen dezimieren. Daß aber eine Regierung, die aus konservativen Kreisen stammt und im Konservatismus die festeste Stütze des Staates erblickt, diese Konservativen durch eine solche Wahlkreiseinteilung aufs schwerste schädigen könnte, kann sich eben nur ein freisinniger Paarungsfanatiker einbilden! Aber selbst, wenn das Unerhörte Ereignis werden würde — für die nichtbesitzende Klasse wäre damit noch nicht das geringste gewonnen. Die Vertretung der beiden ersten Klassen, die 1903 nur 15,43 Proz. der Gesamtwähler um faßte, hätten eine etwas andere Vertretung erhalten, die 84,57 Proz. Wähler der dritten Klasse blieben nach wie vor entrechtet. Insbesondere würde die sozialdemokratische Partei, die 1903 bereits 18,78 Proz. der Urwähler auf sich vereinigte und im nächsten Jahre mindestens ein Viertel aller Urwähler auf sich vereinigen dürfte, nach wie vor so gut wie völlig unvertreten bleiben! Daran, daß die Regierung aber dem Volke freiwillig oder etwa der liberalen Paarungsgenossen wegen das Drei klassensystem selbst opfern würde, ist vollends nicht zu denken. Der Reaktion könnte eine wirkliche Reform nur durch das unwiderstehliche Drängen der so schmachvoll ent rechteten. Volksmassen selbst entrissen werden! Herr Dr. Barth, der letzte Freisinnige, der zurzeit im freiwilligen Exil in Amerika weilt, hat noch vor wenigen Monaten den einzigen Weg zur Bähnung des poli- tischen und kulturellen Fortschritts im Reich und in Preußen gezeigt. Er riet dem Freisinn, gleich der Sozialdemokratie energisch den Kampf gegen die Reaktion zu führen. Durch die Brllskierung des Zentrums sei in dieser Partei die oppositionelle Unterströmung bedeutend verstärkt worden Diese Strömung müsse ausgenutzt, das Zentrum in Preußen gegen die Dreiklassenschmach vor wärts getrieben werden. Das wäre in der Tat das einzige Mittel, durch Entfachung eines großen allge� meinen Volkssturms gegen die borussische Reaktion die Re gierung zu wirklichen Konzessionen zu zwingen! Der Freisinn hat freilich den gerade entgegen- gesetzten Weg eingeschlagen. Er hat sich mit Haaren und Haut den junkerlichen Rückwärtslern verschrieben, hat der Regierung jeden Liebesdienst erwiesen, ihr jedes Dilemma erspart, um so„liberaler" Gnadengeschenke teilhaftig ziT werden. Das preußische Wahlrefornigeschenk dürfte aber erst 1313 fällig werden und dann günstigstensalls in einer neuen Klassenwahlschmach bestehen, die die Massen des Volkes genau so skandalös entrechtet, wie das heutige System. Und doch würde— trotz Kr Aufmachungen der zitierten Korrespondenz— der Freisinn bei der Erkämpfung des Reichstagswahlrechts für Preußen selbst nur gewinnen. Gewiß, der Freisinn hat eine seinen 7,5 Proz. Urwählern fast genau entsprechende Vertretung im Landtag. Bei den Reichstagswahlen aber erhielt er in Preußen 10,6 Proz. der abgegebenen Stimmen— ein Prozentsatz, der sich durch energische Bekämpfung der Rechten und der Nationallibe- ralen noch beträchtlich erhöhen ließe. Vor allen Dingen würde der Freisinn aber in der Sozialdemokratie, die bei den letzten Reichstagswahlen in Preußen 26.4 Proz. der Stimmen erhielt� eine Helferin für jeden freiheitlichen und Kulturfortschritt besitzen und dergestalt einen ausschlag- gebenden Faktor darstellen, während er jetzt ein völlig isoliertes, versprengtes und ohnmächtiges Häuflein im Treiklassenparlament bildet. Statt aufs Erbetteln und Erkriechen müßte sich also der Freisinn aufs Erkämpfen eines demokratischen Wahlrechts in Preußen verlegen, falls er noch einen Funken freiheitlichen Geistes und politischer Tatkraft besäße! Aber er wird auch diesmal wieder, wie stets, seine Prinzipien elend verraten! Die entrechteten Massen müssen sich selbst rühren. Ohne einen mit Anspannung aller Kräfte geführten Kampf werden sie auch in der liberalen Aera die schmählich Geprellte» bleiben! Peter; als Charlstan der Aiiienichsft und der llolenssation. Die PeterS-Cligue nmjubelt ihren HeroS. Dieses Vergnügen oll man ihr nicht stören. Wer wollte sich auch mit den Herren Liebert, Arendt, Kardorff usw. in einen Streit über den guten Geschmack einlassen! Aber die Herren haben die Dreistigkeit, der deutschen Nation den Peters als einen Mann aufzuschwatzen, vor dessen Bedeutung als— Kulturpionier, Herrenmensch, Wissenschaftler man den Hut ziehen müsse. Da hört allerdings die Gemütlichkeit auf, und eS wird geradezu eine K u I t u r p f l i ch t, der„Bedeutung" des PeterS auf allen denjenigen Gebieten nachzugehen, für die seine Verehrer ihn als kompetent, als sachverständig, alS„autoritär" hin« gestellt sehen möchten. Im Münchener Prozeß haben sich PeterS und PeterS-Genossen auch als Männer der Wissenschaft aufgespielt und für ihre Zeugen- resp. Sachverständigen-Aussagen gegenüber denen der anderen Partei ganz besondere Bcachtnng und Würdigung beansprucht. Diese Un- verfrorenheit hat gerade in den Kreisen der wirklichen Gelehrten und Sachverständige» Aufsehen erregt, umsoinehr als für diese die Frage, wie es mit der wissenschaftlichen„Autorität" des Peters, mit seiner Zuverlässigkeit als wissenschaftlicher Arbeiter bestellt ist, längst als erledigt gilt. Uns interessiert diese Seite des Wesens von Herrn Dr. Karl Peters besonders um deswillen, weil sich selbstverständlich aus der Art und Weise, wie jemand als Wissenschaftler arbeitet, aus der Zuverlässigkeit oder Unzuberlässigkeit seiner Methode, seiner Voraussetzungen, Behauptungen, Beweise Rückschlüsse auf die Ver- trauens- und Glaubwürdigkeit des Menschen machen lassen. Wenden wir diese Methode auf Herrn Dr. Karl Peters an, so schneidet dieser Mann ab als ein dreister Charlatan, der den Mut hat, seine oberflächlichen, mit dem Mäntelchcn der Wissenschaftlichkeit umhängten„Forschungen" als unumstößliche Ergebnisse klarer oder gar genialer Geistesarbeit auszugeben, wie denn überhaupt der Renommist PeterS Renommist bleibt, ob er nun seine afrikanische „Kulturtätigkeit" schildert oder ob er eine„wissenschaftliche" Arbeit fabriziert. Das ist den wissenschaftlichen Autoritäten Deutschlands von vornherein klar gewesen, wie wir nunmehr an ein paar Zitaten beweisen wollen. In den„Verhandlungen der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin" erschien im Jahre 48SVvo die Beschäftigung mit Völkerkunde einen Mann von vornherein als minderwertig oder ungeeignet im Kolonialdienst hat erscheinen lassen...." Dasselbe Heft, das Luschans Bericht als Sonderabdruck bringt, rnthält auch einen Artikel von Professor Heinrich Schäfer, dem ältesten Assistenten an der ägyptischen Abteilung des Berliner kgl. Museums. Der Artikel ist betitelt„Die angeblich ägyptische Figur a u S R h o d e s i a". Schäfer vernichtet— wie Moritz— den„Wissenschaftler" Peters bezw. dessen Buch„Im Goldland des Altertums' sMünchen 1902). Der lebhaften Phantasie des Dr. Peters wird ein gutes, seinen wissenschaftlichen Qualitäten das allerschlechteste Zeugnis ausgestellt und seine Studienmethode als fahrlässig und im höchsten Grade oberflächlich und skrupellos charakterisiert. Schäfer beweist, daß die Figur, aus deren Auf- findung Peters eine wissenschaftliche Sensation machen zu können vermeinte, nichts ist als„eine nur mäßig gelungene Fälschung".— Wir gehen auf die wissenschaftlichen Details nicht weiter ein, an Hand derer Schäfer des PeterS Gelehrten- gualität zertrümmert. Uns interessieren wiederum besonders die- jenigen Bemerkungen, die Peters' Art im allgemeinen zu be- leuchten geeignet sind. So beweist Schäfer z. B.: .. Mit ivelcher Leichtfertigkeit Herr PeterS beim Aufraffen seiner„Beweise" zu verfahren pflegt... so wirbeln denn bei ihm die S ch a s u ans Südpalästina und die S a f u aus dem Süden von Abessinien in einem tollen Durcheinander herum, das sich bei Peter« auf S. 250 ff. ansehen möge, wer Lust dazu hat. Die Schasu wären ja natürlich Herrn PercrS völlig gleichgültig. wenn sie nicht auch in einem G o I d l a n d wohnten.... Leider verdanken sie ihre reichen Schätze nur der Phantasie oder viel- mehr der Leichtfertigkeit des Herrn Peters.... Herr PeterS ist ja aber blind, s» oft daS Wort Gold ihm vor Augen kommt. Seinem Verfahren setzt die Krone ans, daß er die vereinigte» Schasn-Sas» nun noch... in die nubische Wüste setzen möchte, nur weil dort nachweislich die Goldbergwerke der alten Aeghpter lagen. Ich glaube, man braucht einem solchen Verfahren kaum noch ein Wort hinzuzufügen. ... DaS PeterSsche Buch... hat nur eine Menge von wirren Phantasien in das große Publikum geworfen, bis zu deren AuSrottimg noch lange Jahre vergehen werden, da ja stets die tollsten Irrtümer leichter angenommen werden als einfache Wahr- heiten." m*• Wir ersparen eS uns, die in der Einleitung angedeuteten Rück- schlnsse von PeterS' Leichtsinn in wissenschaftlichen Dingen ans dessen allgemeines Verhalten als Mensch und Kolonisator ein- gehender zu erörtern. Da» kann bei passender Gelegenheit nach- geholt werden. Vielleicht bei Verhandlung der B r r u f u n g, die — wie unS soeben ein Privattelegramm meldet— Genosse Gruber gegen daS Urteil vom 2. Juli eingelegt hat. Oder aber in dem Prozeß, den PeterS nunmehr gegen die»ationalliberale„Kölnische Zeitung" bezw. gegen den Verfasser deS PeterS„beleidigenden" Artikels, Gouverneur a. D. Rudolf von Bennigsen, durchzuführen gedenkt. UebrigenS kein kleiner Wagemut; denn hat man den wackeren PeterS in München mit Ruten gestäupt, so könnte er in ferneren Verhandlungen gar leicht mit Skorpionen gezüchtigt werden. Ale Zivilisierte Uber eingeborenen- llnspeltlcbungen denken. Dem englischen Parlament ist soeben eine Denkschrift über rine Auspcitschungsaffäre in B ritis ch- O st in d ien zu- gegangen. Ein Kapitän G r o g a u»vinde wegen einer von ihm und einigen Freunden an drei Eingeborenen voll- zogenen Auspeitschung zu einer erheblichen Geldstrafe und vier Wochen Haft verurteilt. Die Denkschrift deö Kolonialministers Lord E l g i n sagt über diese Bestrafung des englischen Peters: „Die Angeklagten hatten behauptet, die AnSpeitschung sei ge- rechtfertigt gewesen, weil die Eingeborenen sich Beleidigung weißer Frauen hatten zuschulden kommen lassen. Allein für solche Ver- gehen sind die schwersten Strafen im Gesetz vorgesehen. Eine Anklage ist aber weder verhängt noch abgelehnt ivorden. Obendrein war die angebliche Beleidigung höchst nn- bedeutender und in keiner Weise die Sittlichkeit verletzender Natur. ES handelte sich bei der AnSpeitschung um eine bewußte Herausforderung jeglicher geordneter Verwaltung, und die Angeklagten konnten froh sein, daß sie nicht auf Grirnb der viel schwereren Anklage des Aufruhrs und des Angriffes gegen den protestierenden Beamten abgeurteilt wurden. Für die Be- fürchtung eines Eingeborenenauf st andeS ist nicht die geringste Begründung zutage getreten. Ich inuß vielmehr bemerken, daß die Vollbringung solch' flagranter Akte der Gesetzlosigkeit und Ungerechtigkeit der sicherste Weg ist, den Ausbruch eines Ausstandcs hervorznrnfen." In der„Köln. Z t g." äußert sich ferner ein ehe- maliger Expedition Sleiter Dr. Nachtigals in Kamerun zu der durch den PctcrS-Prozeß von neuem an- geregten Frage über die Behandlung der Eingeborenen unserer Kolonien. Der Verfasser, dem auch die Gefolgschaft des Dr. PeterS Sachkenntnis nicht wird absprechen wollen, sagt darüber: „In einem Teil der deutschen Presse war während der letzten Tage die Behauptung zu lesen, daß afrikanische Verhältnisse von europäischen grundverschieden, daß von Europäern in Afrika begangene Handlungen mit ganz anderem Maß st ab als in Europa zu messen seien und daß die barbarischen Instinkte der Neger bloß durch schroffe Gcwaltmaßrcgcln im Zaunie gehalten werden könnten. Wie mögen unsere englischen Mitbewerber über dieses so mancherlei Angriffspunkte darbietende Karikaturbild ge- staunt haben I Gewiß besteht zwischen Krieg«- und Friedenszeiten in Afrika genau ebenso gut ein Unterschied wie in Europa. Aber im Krieg und im Frieden gelten für den in Afrika wirkenden Europäer genau dieselben Gesetze des AnstandeS und der Menschlichkeit wie in Europa. An« einem Grunde wird allerdings, wer nie in Afrika war, über afrikanische Dinge schwieriger urteilen können, als landeskundige Asri- lauer. Aus dem Grunde nämlich, weil ihm die angebliche Wildheit deS Landes und seiner Bevölkerung über Gebühr imponieren und weil ihm gewöhnlich auS wahren oder übertriebenen Schilderungen Phantasiebilder i in K o p f e stecken. Die Schilderimg, die als Sachverständiger General v. Liebert in München von der Negerrasse gegeben hat, mußte allerdings den Eindruck erwecken, als ob wir es mit wider- borstigen Wilden zu tun hätten. ES ist betrübend, daß ein Mann, der viep Jahre Gouverneur von Ost- afrika gewesen ist, bloß in endloser Reihen- folge angebliche Fehler und La st er, aber keine einzige Tugend des seiner Verwaltung unterstellt fewesenen Volkes aufzuzählen wußte. Es ergibt ich daraus der Schluß, daß General v. Liebert entweder sein Gutachten einseitig abgefaßt, oder aber, daß er wegen einer hinsichtlich der Beurteilung von Naturvölkern mangcl- hasten Begabung nicht der richtige Mann für dnS GouvcrncnrSamt einer deutschen Kolonie gewesen ist. Denn daß dem Neger außer zahlreichen Fehler» weit größere Tugenden innewohnen, die ihn als Arbeiter und als Soldaten zu einem der nützlichsten Mit- glieder der menschlichen Gesamtgescllschast machen, steht außer Zweifel. Vollkommen zutreffend äußerte in München Pater Acker, daß der Neger da» sei, waS man aus ihm mache... Die Liste" derjenigen Deutschen, die ruhmreich an der Er- forschung Afrikas und an der Besitzergreifung unserer Kolonien mitgewirkt haben, ist erfreulich groß, und in den Schriften weit- aus der meisten wird sich keineswegs, wie fälschlich behauptet worden ist, die Behauptung finden, daß der Neger nur mit der Peitsche gelenkt werden könne. Man denke bloß an den vielleicht größten aller deutschen Afrikaforscher, an den hochherzigen Menschen- freund Dr. Gustav Nachtig al, dem die Besitzergreifung der drei w est a fri k an i s ch en Kolonien Deutschlands z u v e r d a n k e n i st. Es ist ja richtig, daß Nachtigal bei seinen berühmten Durchquerunge» de« Erdteils bloß friedlich wissen- schaftliche Zwecke verfolgte. Aber Kamerum traf Nachtigal in kriegerischen Verwickelungen und hatte auch gegen die zähe Entschlossenheit zu kämpfen. womit sich die um ihr Handelsmonopol besorgten Ein- geborenen dem Vordringen ins Innere widersetzen. Aber der Verfasser dieser Zeilen, der als Expedition?- fübrer den Reichskommissar auf allen diesen Zügen im Kamerun- gebiet und in den Sümpfen am Niger begleitet hat, der gegen die Intrigen der Engländer die Schutzverträge mit den kriegerischen kleinen Königreichen deS KamerungebirgeS abschloß, kann be- zeugen, daß bei alledem niemaiS gepeitscht, niemals gehängt, außer in loyalem Kampfe niemals geschossen und daß durch Nachtigals gewinnende, menschenkundige Persönlichkeit mancher Kampf vermieden worden ist, der für rücksichtslosere Naturen unvermeidlich ge- Wesen sein würde." Ob Herr Liebert nun auch seinen Hymnus auf den Hänge-PeterS und die Nilpfcrdpeitsche„bedauern" wird? Cliquenwirtschaft. In der bürgerlichen Presse wird noch immer über die Ver- abschiedung deS Grafen PosadowSky, ihre Motive und ihre äußer- liche Form philosophiert. Wer von dem Kamarillatreiben am Hofe und in den Ministerien nichts weiß, wird vielleicht diese Beschästt« gung der Blätter mit dem„Grafen im Bart" daraus zurückführen, daß eS augenblicklich, in der Zeit der sauren Gurten, der Presse an interessantcrem politischen Stoff fehlte und deshalb diese mit HSiß- Hunger nach den Nachrichten greift, die über die näheren Umstände der Entlassung Posadowskys aus den Regierungskreisen durch- sickern. Diese Ansicht ist jedoch nicht viel richfiger als die andere, daß die stille Besorgnis um den Fortgang der Sozialreform die freisinnigen, nationalliberalen und konservativen Blätter zu ihrer Erörterung des„Falls PosadowSky" treibt. Tatsächlich liegt die Sache etwas anders. Der Streit um die Motive und die Bedeutung der Entlassung PosadowSky» ist gewissermaßen zu einem der Mittel geworden, durch welche die zurzeit gegen einander intrigierenden bureaukratischen Cliquen in den RegierungSkreisen ihren Strauß ausfechten. Deshalb auch die bemerkenswerte Tatsache. daß politisch»ahvcrwandte Blätter, wie z. B. die„Köln. Zeitung". die„Rhein.-Westf. Zeitung" und der„Hann. Courier", zu der Verabschiedung PosadowSky? ganz verschiedene Stellungen einnehmen. DaS eine Blatt wird nämlich von der Bülow- Sippe, daS andere Blatt von der Bureaukratencliqne, die im Freiherrn v. Rheinbaben ihr vorläufiges Ideal erblickt, das dritte Blatt vom bureaukratischen Gegner dieser Clique inspiriert— oder richtiger die Berliner Vertreter dieser Blätter erhalten auS diesen Kreisen ihre Jnformattonen. Selbst wenn man sich aber über diesen Ursprung der PosadowSky-Notizen klar ist, die einzelne Blätter sich von ihren Berliner Mitarbeitern oder von sogenannten„besonderen Seiten" schreiben lassen, verdienen manche dieser Notizen Beachtung, da sie getreu die Anschauungen der Kreise widerspiegeln, auS denen sie stammen. Recht interessant ist z. B. folgende, in vielen Punkten das Richtige treffende Leußerung de» nationalliberalen(anti-rheinbabenschen) „Hannov. Courier»": Die„Franks. Ztg." die unter dem Vorgeben, der oommunis oxinia Ausdruck zu leihen, bislang getreulich zusammengetragen hat. WaS man im Preßdezernat d e S Auswärtigen Amtes über die Entlassung des Grafen PosadowSky zu lesen wünscht, meint in einer nenerlichen, doch wesentlich ge- rechteren Darstellung: Der Kaiser und der Kanzler hätten„bei aller Anerkennung stir deS Grafen PosadowSky sozialpolitische Verdienste" mindestens von Februar an die Ueberzeugung gehabt, daß er für die neue Situation nicht mehr der richtige Mann sei. Das ist in dieser Form wohl nicht ganz zutreffend. Beim Reichskanzler— den Kaiser läßt man bei diesen Erörterungen am besten aus dem Spiele— reicht solche Ueberzeugung wohl schon erheblich weiter zurück. Vielleicht hat er sie shier und da ist es ja auch angedeutet worden, freilich nur, um den Gestürzten noch mehr zu schmähen) sogar schon Anno 1900 gehabt. Aber damals galt es noch, die Handelsverttäge abzuschließen, für die Graf PosadowSky schon von langer Hand die Vorarbeiten organisiert hatte, und es gehört nun einmal zu den Kardinaltugcnden unserer abendländischen Kultur, daß man den Mohr erst gehen heißt, wenn er seine Schuldigkeit getan hat. Die aber hatte er seit Jahr und Tag getan, und deshalb setzten seit eben so langer Frist auch die konzentrischen, periodisch wieder- kehrenden Angriffe ein. Wer erinnert sich nicht noch des Lärms im Dezember 190S, als Graf PosadowSky auS Carlyleschen Ge- dankenreihen heraus den Mangel an echtem altruistischem Sinn bei unserem Bürgertum beklagt hatte. Wie dann flugs Herr v. Rheinbaben aufstund, um die übliche KriegervereinSrcde ins hohe Haus zu schmettern; wie sogar der gute Udo Stolberg vom Präsidentensitz herunterstieg, um gegen seine sonst durchaus treuherzige Weise ordentlich bissig gegen den Grafen PosadowSky zu polemisieren; wie Herr Dr. Oertel voll überlegener Weisheit ihm vorhielt: ein Staatsmann dürfe dergleichen nie öffentlich bekennen. Der Sturm beruhigte sich dann ein wenig, um von neuem entfacht zu werden, als bei Gelegenheil der Berliner HeimarbeitSauSstellung Graf PosadowSky sein Mitgefühl mit dem hier offenbarten Elend aussprach und von der Pflicht staatlichen Eingreifens redete. Da- malS meinte Herr Delbrück im Abgeordnetenhause: man dürfe die Ergebnisse der Ausstellung auch nicht ver- allgemeinern; waS ein Hieb gegen den Grafen PosadowSky sein sollte; wie denn überhaupt die Opposition gegen ihn auS der Mitte deS preußischen MinisterkollegS immer wirksanic Förderung fand. Dann kam die Ablehnung deS Reichskolonialamts durch das Zentrum, und nun mit einen, Male begann man zu konstatieren: der Gr af im Bart sei ein besonderer Gönner, Schützer und Schützling der an noch regierenden Partei bor Mitte. Damals schrieb eine offiziöse Feder den Satz:„Kaum hatte der Kanzler Berlin den Rücken gekehrt, und schon fehlte die politische Führung." DaS war zwar handgreiflich unwahr, denn die Führung hatte in dieser Angelegenheit Fürst Bülow selbst gehabt, der biS zu seiner Abreise nach Norderney Tag für Tag Parlamentarier— auch solche vom Zentrum— empfangen hatte... ES ist eine Verdrehung der Tatsachen, die durch häufige Wiederholimg noch incht zur Wahrheit wird, wenn man jetzt erzählt: Graf PosadowSky habe mit dem Block nicht zusammen- arbeiten wollen. AuS dem Munde des Zurückgetretenen, den die Undankbarkeit der öffentlichen Meinung schmerzte, hörten wir daS Wort:„Man will nicht, daß die wahren Gründe bekannt werden". Die wahren Gründe, die zu zwei Dritteln, wie wir vermuten, auf persönlichem Gebiet lagen und zu einem Drittel trotz aller schönen Ge- lübde wohl auch auf sozialpolitischem. Denn wie wäre sonst daS Gestichel zu erklären: eS sei doch wohl kein Schade, wenn künftighin die Vexationen und die schlechte Be- Handlung der'Industrie durch den inneren Staatssekretär aufhörten?" Zu zwei Dritteln Gründe persönlicher Art, zu einem Drittel Gründe sozialpolitischer Art— besser können tatsächlich Bülow» edle Motive nicht charakterisiert werden. Politische deberlicbt. Berlin, den 9. Juli 1907. Die gestohlene Peters-Kiste. Die Arendt, Peters und Konsorten erzählten in München eine große Mordgeschichte von einer gestohlenen und geplünderten Kiste. Diese Peterskiste sei, man denke, in einem Hause der Wilhelm st raße später aufgefunden worden. Wie die„Voss. Ztg." bereits sagte, kann damit nichts anderes gemeint gewesen sein, als daß hier eine große Verschwörung nnd ein amtlicher jlisten- resp. Akteudirbstahl vorliege! In Wirklichkeit ist diese ganze Darstellung ein echter und rechter PeterSschwindel. Das Schicksal der Kiste war das folgende: Die mit Eisenbandagen versehene Kiste wurde damals von der Speditionsfirma M. L. Putzrath, Köpenickerstr. 127(jetziger Inhaber Gustav Brode u. Co.) einem Kutscher der Firma zur Spc- dition nach dem Lehrter Bahnhof übergeben. Bei der Ankunft am Bahnhof entdeckte der Kutscher, daß die Kiste verschwunden war. Da sie mit einem hohen Wer�e deklariert war, war das Entsetzen deS Kutschers kein geringes. Er machte von dem rätselhaften Ver- schwinden sofort der zuständigen Polizeiwache An- zeige. Die Firma machte den Kutscher für den Verlust haftbar. Auch suspendierte sie ihn sofort vom Dienste. Am übernächsten Morgen jedoch ging von einem Polizeirevier in der Charlotten- straße die Meldung ein, daß die Kiste Wilhelmstraße IIS aufgc- funden worden sei und dort abgeholt werden könne. Der Ver- lierer begab sich mit einem Arbeitskollegen sofort nach der angc- gebenen Stelle. Die beiden erfuhren dort von einem Droschken- k u t s ch e r. daß er die Kiste morgens 4 Uhr, als er von einer Nachtfahrt zurückgekehrt sei, im Hausflur vorgefunden habe. Die Kiste selbst war an der Stirnseite beschädigt. Man hatte sie offenbar mit Gewalt erbrochen. Der Verlierer selbst und die Firma freuten sich nicht wenig des wiedergefundenen Wert- objektes. ließen den Schaden reparieren und expedierten die Kiste nunmehr schleunig st abermals nach London. Die Angestellten der Firma waren damals der Auffassung, daß ein Kollidicb sich der besonders gekennzeichneten und als Wertobjekt deklarierten Kiste bemächtigt, sie dann aber nach der Entdeckung, daß die Wertgcgcnstände nur in Papieren bestanden, wieder schleunigst irgendwo abgeladen habe. Da sich das HauS Wilhelmstraße 115 südlich von der Anhalt st raße, also weit ent- fernt von den feudalen amtlichen Regionen der Wilhelmstraße bc- findet, ist es um so unbegreiflicher, w-e die Peters und Arendt die Dreistigkeit besitzen konnten, gewissermaßen einen amtlichen Dieb- stahl vorzutäuschen! Auch die Behauptung, daß die Kiste erst von London au? hätte reklamiert werden müssen, ist absolut unzu- treffend. Ob sich wirklich Aktenstücke des Arendt in der Kiste bc- fanden und ob sie gestohlen worden sind, ist mindestens un- wahrscheinlich! Auf Grund solcher Anklagen erheben„staatserhaltende" Parlamentarier vom Schlage des Arendt die ehrenrührigsten An- schuldigungen gegen höchste Reichsbehörden!— Liebert entschuldigt sich. Liebert bittet die„Post" um die Aufnahme nachstehender Er- klärung:„Mit Staunen lese ich soeben in den„Leipz. Reuesten Nachrichten" vom 8. d. M. eine Aeußerling. die mir über den Münchener PeterSprozeß in den Mund gelegt wird, und die mit dem Satze beginnt:„Ich weiß wohl, was auf meine öffent- liche Kritik des Urteils deS Disziplinargerichtshofes folgen wird..." Ich erkläre hiermit, daß die gesamte Aeußerung frei erfilnden ist nnd daß ich mit meinem Gutachten vor Gericht keinerlei Absicht verbunden habe. Ich habe in steier Rede meine Ansichten entwickelt und dabei ist mir der Ausdruck über„die Art der UrtcilSfindung' bei dem Disziplinar- gerichtshofe über die Lippen gegangen, dessen Schärfe Ich bedauere. Ich stand unter dem Eindruck des VerlesenS der beiden Urteile und kann nicht leugnen, daß diese verblüffend auf mich gewirkt hatten, da sie alle eigenartigen afrikanischen Verhältnisse ausschalteten." Die Beschimpfung der DiZzipimargerichte bleibt deshalb doch bestehen. Ob die Beschimpften sich mit dem sehr verspäteten Bedauern des Obersten des Reichsverbandes begnügen werden?.— Eine agrarische Korrektur amtlicher Statistik. Vor zwei Jahren hat die preußische Regierung die Ergebnisse einer Untersuchung veröffentlicht, die sie im Jahre 1903 über die Verschuldung der Eigentümer landwirtschaftlich genutzten Bodens nach dein Stande von 1302 veranstaltet hat. Diese BcrschuldungS- statistik ergab für die Rheinprovinz eine große Uebcrraschung, inso- fern sie die Durchschnittsverschuldung als die niedrigste unter allen Provinzen bezeichnete, da sie nur 9,3 Prozent betrage; die Zahl der schuldenfreien wurde auf vier Fünftel aller Besitzer angegeben. Der Landwirtschaftslammcr für die Rheinprovinz schien dieses Ergebnis nicht zu den stetigen Klagen über die schlechte Lage der Notleidenden zu passen. Sie veranstaltete also auf eigene Hand eine stichprobenweise Nachprüfung, deren Ergebnisse sie soeben in einer Denkschrift mitteilt. Die Nachprüfung hat danach ein wesentlich ungünstigeres Bild ergeben. Im Kreise I zum Beispiel beträgt die Verschuldung nicht 9,6, sondern 3.3 Proz., im Kreise II nicht 6,3, sondern 1ö,7S Proz., im Kreise III nicht 2,9, sondern 8,6 Proz., im Kreise V nicht v,ö, sondern 4,63, und im Kreise VI statt 6,7 gar 28.67 Proz. Die Unterschiede sind ganz beträchtlich. Entweder hat die amt- liche Untersuchung nicht den geringsten Anspruch auf Wert und Zu- verlässigkeit, oder aber die Statistiker der Landwirtschaftskammer haben sich des guten Zweckes wegen kleine Fehlerchen gestattet. ES wird Sache der Regierung sein, ihre Aufnahmen und die der Land- wirtschaftSkammer nachzuprüfen.— Die christlichen Gewerkschaften im Jahre RVVS. Die letzte Nummer des Zentralblattes der christlichen GeWerk- l'chaften gibt eine Uebersicht über den Stand dieser Organisationen im Jahre 1396. Die Gewerkschaftsbewegung, so heißt es darin, habe in, Berichtsjahre wieder einen bedeutenden Aufschwung zu verzeichnen, an dem auch die christlichen Gewerkschaften in erheblichem Maße be- teiligt seien. Die christlichen Gewerkschaften zählen sich gegenwärtig 336 247 Mitglieder zu. Davon kommen auf die Organisationen, die dem Gesamtverbande angeschlossen sind. 260 949, außerhalb des Gesamtverbandes stehen Organisationen mit 73 132 Mitgliedern. Die nicht angeschlossenen Organisationen— es sind das die Eisen- bahner- und Postbeamtenverbände sowie der mehr als zweifelhafte Verein zur gegenseitigen Hülfe sOberschlesien)— kommen als Ge- werkschaften nicht in Betracht, sie paradieren in der Liste der christ- lichen Gewerkschaften, um deren Anhang möglichst hoch erscheinen zu lassen. Die Mitgliederzunahme der christlichen Gewerkschaften, soweit sie dem Gesamtverband angehören, beträgt im letzten Jahre 68 369. Im einzelnen zählen die Organisasionen der Bergarbeiter im JahreS- durchschnitt 73 642, Bauhandwerker und HülfSarbeiter 36 469, Textil- arbeiter 34 681, Metallarbeiter 24 744, Hülfs- und Transportarbeiter 13 923, Holzarbeiter 19 222, Keramarbeiier 7931, Tabakarbeiter 6437 Mitglieder; die übrigen Organisationen zählen von 3690 ab- wärtS. Der Zieglerverband, der im Absterben begriffen ist. hat sich vom Gcsamtverband abgetrennt. Der Verband der Fleischer, der im vorigen Jahre mit 6999 Mitgliedern aufgeführt Ivar, ist ein- gangen. Die bedeutendsten Zunahmen hatten im Jahre 1996 die Bauarbeiter 16 993, Textilarbeiter 9694, Metallarbeiter 3932, Berg- arbeiter 8623, Hülfs- und Transportarbeiter 4510, Tabakarbeiter 8929 usw. Auf diese Zahlen können die Christlichen kaum stolz sein. Der christliche Bergarbeiterverband ist nach wie vor die stärkste christliche Organisatton; er umfaßt weit mehr als ein Viertel des gesamten Mitgliederbestandes aller dem Gesamtverbande angeschlossenen Organisationen. Ihre Hauptverbreisimg haben die Christlichen in Rheinland-Wsstfalen und von der hier tätigen, ungemein zahlreichen Metallarbeiterschaft haben sie noch nicht 26 999 zu organisieren der- macht. Genau so viel Mitglieder wie die christlichen Gewerkschaften sich insgesamt zuzählen, also mit den Verbände» der Eisenbahnen und Postangestellten, hat ein einziger Verband der freien Gcwerk- schaften: der Metallarbeiter-Verband mit seinen 836 975 Mitglieder, und er allein hat mehr an Mitgliedern im letzten Jahre zu- genommen, als die christlichen Gewerkschaften insgesamt, nämlich 75 333. Zuletzt sei noch einiges über die Kaffenverhältniffe der christ- lichen Gewerkschaften gesagt. Die Einnahmen betrugen 3 644 866, davon kommen aus die dem Gesamtverbande angeschlossenen Organisationen 3 378 333 M., die Ausgaben 2 977 733, Gesamt- verband 2 793 269 M.; der Kassenbestand beträgt 2 613 961, Gesamt- verband 2 379 782 M. Von den Ausgaben entfielen auf Streik- und Gcinaßregeltenunterstützung 863 436. Agitation 262 737, Krankengeld 266 435, Sterbegeld 136 394, Verwaltungskosten 124 977 M. Masochismus. Im PeterS-Prozeß war hier und da vom.Sadismus" die Rede, was besagen will, daß nicht wenige Kenner menschlicher Ver- irrung auf sexuellem Gebiete den»großen Afrikaner" jener ge- schlechtlichen Pcrversion für»hinreichend verdächtig" halten, die in» Rausche wilder Grausamkeit, barbarischer Züchtigung, blutiger Pein ihre Befriedigung sucht. Zum Gegenpol, dem sogenannten„MasochiSmnS", scheint Herr Dr. Arendt hinzuneigen. Ihm genügen nicht die scharfen Schläge, die ihm im Münchener Prozeß appliziert worden sind. Er lechzt wollüstig nach weiterer Züchtigung. Und die wird ihm werden, wenn sich die Nachricht bestätigt, daß er gegen unser Leipziger Bruderblatt, die„Leipziger VolkSzeitung" Strafantrag wegen Beleidigung gestellt hat.—_ Der Fall Schaufele. Der Arbeiter Schäufele in Karlsruhe hat nunmehr dem dortigen Stadtrat mitgeteilt, daß er das S t a d t- vdrordnetenmandat nicht annimmt. Dadurch ist die großherzoglich badische Generaldirektion zunächst um den Er- folg ihrer Maßregelung geprellt. Der Karlsruher Bürgerausschuß muß sich nach den Bestimmungen der badischen Stäoteordnung mit der Frage befaffen, ob die von Schäufele angegebenen Gründe wirklich zur Mandatsniederlcgung berechtigen. Tie Angelegenheit verschwindet also vorläufig noch nicht aus der öffentlichen Tis- kussion.— Nachdem bereits der Süddeutsche Eisenbahnerverband und der christliche Verband badischer Eisenbahner ihre Mißbilligung ausgesprochen haben, beschäftigte sich am Montagabend eine von fast 1999 Personen besuchte Volksversammlung, in welcher Landtagsabgeordneter Genosse Kolb referierte, mit der Sache. Vom Standpunkte der bürgerlichen Demokratie sprach sich in der Diskussion der Rechtsanwalt Dr. Haas gegen das Vorgehen der badischen Regierung aus; eS verstoße gegen den§ 18 der badischen Verfassung, der die Gewissensfreiheit garan- �iere. In der angenommenen Resolution heißt es u. a.: „Die Versammlung erblickt in dem Vorgehen der badischen Regierung gegen Schäufele einen Akt politischer Will- kür, durch welchen ein staatsbürgerliches Recht für die beim badischcn Staat beschäftigten Arbeiter und Beamten einfach bc- seitigt wird.... Sie erwartet von der badischen Volksver- tretung, daß sie Mittel und Wege findet, um die verfassungs- mäßigen Rechte der badischen StaatSarbeiter und Beamten gegen »den Umsturz von oben" zu sichern." Christliche Arbeiter über de» Lebetts«litteltvucher. Das Fachblatt der christlichen Metallarbeiter gibt in seiner letzten Nummer eine Zusammenstellung der gegenwärtigen Lebens- mittelpreise und bemerkt dazu: „Also Preiserhöhungen auf der ganzen Linie! Selbstredend leiden hierunter in erster Linie die An- gehörigen der minderbemittelten Stände, Arbeiter, Angestellte und kleine Beamte. Für letztere ist nun zum Teil durch GehaltS- crhöhung resp. Teuerungszulagen der schlimmste Mißstand be- seitigt worden, wogegen die Arbeiter, Handwerker und Pribatbeamten durchweg die Lasten allein zu tragen haben. Wenn mit Rücksicht auf die Verteuerung der Lebensmittel die Arbeiter einen Ausgleich in Form von Lohnerhöhungen fordern, dann wird über die Begehrlich- keit der Arbeiter loSgezogen, ohne zu berücksichtigen, daß diese vielfach durch die Not zu höheren Forderungen gezwungen sind." Das christliche Blatt wendet sich dann gegen die Versuche, aus der Steuerstatistik eine Besserung der Arbeitervcrhältnisse her- zuleiten: „Wenn durch die immer schärfere Anspannung der Steuerschraube etwas mehr herausgepreßt wird, dann heißt es sofort:„Die Lage der Arbeiter ist gestiegen, sie haben so und so viel Mehreinnahmen erzielt." Wer obige Zahlen aufmerksam durchliest, wird zugeben müssen, daß selbst da, wo eine kleine Lohnerhöhung eingetreten ist, diese durch Steigerung der Lebens ni ittelpreise und aller sonstigen Bedarfsartikel längst aufgewogen worden i st." Die christlichen Arbeiter fühlen den Druck genau so gut, wie die unchristlichen, und die Schwierigkeit, die Steigerung der Lebensmittelpreise mit den Lohnvcrhältnisscn in Einklang zu bringen, bleibt auch ihnen nicht verborgen. Wenn sie nur auch so viel Einsicht hätten, daß die Verteuerung der Lebensmittel nicht von ungefähr kommt, und so viel Mut, der Partei den Laufpaß zu geben, die an dem LebenSmittclwucher hervorragend beteiligt ist: dem Zentrum. ReichStagSerfabwahl. Bei der am 4. d. Mts. stattgehabten RcichstagSersatzwahl im Wahlkreise Oldenburg 3 wurden insgesamt 16 746 Stimmen abgegeben; von diesen erhielt Graf von Galen (Zentrum) 14 999, Woebken(Natlib.) 686, Hennings(Freis. Vp.) 62 und von Frickcn(Zentrum) 27 Stimmen; zersplittert waren 71 Stimmen.—_ Ocftemicb. AuS dem neuen Parlament. Wien, 9. Juli.(Abgeordnetenhaus.) Das HauS lehnte die Dringlichkeit des sozialdemokratischen Antrages, betreffend Ein- führung des allgemeinen gleichen Wahlrechts für die Landtage, ab. Der Abgeordnete Markow erhält das Wort zur Begründung des ruthenischen Dringlichkeitsantrages betreffend die Ernte- Urlaube. Der Antragsteller beginnt feine Rede in großrussischer Sprache.(Lärmender Widerspruch.) Der Vizepräsident Zacek macht de» Redner darauf aufmerksam, er möchte sich der landes- üblichen Sprache bedienen. Da Markow fortfährt, russisch zu sprechen, entzieht ihm der Vizepräsident das Wort.(Leohafter Beifall. Händeklatschen. Widerspruch bei den Ruthenen.) Schweiz. St. BureaukratiuS. Ein schofles Burcaukratenstücklein wird gegenwärtig in der gesamten Schweizer Presse ohne Parteiuntcrschicd lebhaft bc- sprachen und scharf kritisiert. Am 27. Mai d. I. verunglückte auf dem Bahnhofe in Ölten der Rangierarbciter Moser und wurde dabei getötet. Unmittelbar vor dem Unfall hatte der Verunglückte seinen Lohn für den ganzen Monat bezogen, obgleich noch vier Tage bis zum Monatsschluß fehlten. Das hat die Burcaukraten der schweizerischen BundcSbahnvcrwaltung aus'dem seelischen Gleichgewicht gebracht, und sie sahen schem den sBankcrott der Bundesbahnen vor Augen, weil der Verunglückte vor seinem plötzlichen Tode noch für vier Tage über seinen Tod hinaus den Lohn erhalten hatte. Die Kreisdirektion, die ihren Sitz in Basel hat, ordnete an, daß die Witwe den zu viel bezogenen Lohn für die vier Tage, im Betrage von 18 Frank 96 Zentimes, zurück. aeben müsse. Und so geschah es! Ein Beamter wurde zu der schmerzgebeugten Frau gesandt, die den Ernährer ihrer Kinder im Dienste der schweizerischen Bundesbahnen verloren hatte, um den Betrag zurück zu fordern!— Dazu macht nun das offiziöse Organ des schweizerischen Bundesrats, der„Bund", folgende Bemerkung:„Man traut seinen Augen kaum, wenn man so etwas liest; da steht eine arme Frau im Leben, den blutigen Leichnam ihreS Mannes hat man eben in die kühle Gruft gesenkt, mit der Mutter jammern vier kleine Kinder um den verlorenen Vater. Es klopft an die Tür, und auf höheren Befehl verlangt ein Beamter der Bundesbahnen dieser Frau die paar elenden Franken wieder ab, die ihr Mann vorausbezogen und nicht mehr abverdient hatte. Die Bundes» bahnverwaltung mag formell im Recht sein, sie mag einen Paragraphen ihres Reglements zu ihren Gunsten aufrufen können; gewiß, aber es gibt auch ein Recht der Menschlichkeit, daS verlangt, es solle der Schmerz der Armen und Zerschlagenen geehrt werden. Dieses Recht ist in vorliegendem Falle gröblich verletzt worden." Das Stückchen mutet einen an, als wcnn'S in— Preußen passiert wäre. Lelgien. Tie Klerikalen gegen das allgemeine Wahlrecht. Brüssel, 6. Juli.(Eig. Ber.) Trotzdem die Monstrositäten des„Systems der vier Infamien", wie Anseele das Pluralwahlrecht getauft hat. von allen rechtlich Denkenden im Lande immer wieder verurteilt werden, trotzdem in der jetzigen Regierung ein christlich- demokratischer Minister sitzt, der es als ein Klassenwahlrecht und als ein Wahlrecht grgcn die Armen gebrandmarft hat, trotzdem Herr Woeste, das Haupt der Klerikale», selbst ein ehemaliger Anhänger dcS allgemeinen Wahlrechts war und sich früher als Gegner des Plural- systemS bekaunte, hat die klerikale Kammermajorität den sozialdeino- kratischen sowohl wie den»milderen" liberalen Antrag auf Ein- führung deS allgemeinen Wahlrechts, desgleichen alle übrigen auf eine Umformung des jetzigen WahlinoduS abzielenden Anträge ver- warfen! DaS ist natürlich nicht weiter überraschend; denn die Mißerfolge bei den letzten Wahlen haben den Klerikalen gezeigt, daß sich ihre wackelige Existenz nur noch mit dem Schwindelwahlrccht aufrechterhält. Und die Reden der klerikalen Führer haben vollends kundgetan, daß die herrschende Partei an dein Pluralsystem nur festhält, um wie der Minister Renkin, der einstige Freund des allgemeinen Wahlrechts, sagte � das katholische Regime zu schützen! Andere Gründe zur Aufrechterhaltung des Schwindelwahlrechts hat auch aus den Reihen der Klerikalen keiner anzugeben unternommen. Wenn die Re- gierung allerdings ihre ablehnende Haltung gegenüber jeder Reform mit dem Ansfall der Wahlen von 1396 rechtfertigte, die eine An» erkennung des Pluralsystems ergeben hätten, so spottet sie ihrer selbst; denn diese Wahlen haben ja ihre Majorität von 29 auf 12 Stimmen reduziert, trotzdem sie die französischen Ereignisse der Kircheninventuren mit der ordinärsten Demagogie ausgenutzt hatte. Für die sozialdemokratische Fraktion haben es insbesondere Bandervelde und B e r t r a n d unternommen, den schwindcl- haften Charakter deS bestehenden Systems aufzuzeigen und die Forde- rung nach dem allgemeinen Wahlrecht zu begründen, wobei Bänder- Velde», a. auf die österreichische Wahlreform Bezug nahm. Auch aus Seite der Liberalen fanden sich einige kräftige Befürworter der Reform, sogar im Sinne de5 sozialdemokratischen Antrages, der das allgemeine Wahlrecht„pur ot simpls" fordert, wogegen der liberale Antrag den Familienvätern vom 36. Jahre an eine zweite Stimme zuspricht. Der liberale Antrag unter- scheidet sich auch dadurch von dem sozialdemokratischen, daß er eine Seßhaftigkeit von einem Jahre verlangt und für das aktive Wahlrecht eine Altersgrenze von 26 Jahren festsetzt, während der Antrag Vandervelde eine sechsmonatige Seßhaftigkeit und eine Altersgrenze von 21 Jahren bestimmt. Der Antrag der Sozialdemokraten fiel mit 33 gegen 33, der liberale mit 74 gegen 66 Stimmen.— Wenn die Klerikalen übrigens die»Ruhe" außerhalb des Parlaments als Grund dafür angeführt haben, daß das Land mit dem bestehenden Wahlsystem„zufrieden" sei, so könnte eS schon passieren, daß sie noch eines anderen belehrt werde».— Snglanck. Der Sieg der Arbeiterpartei. London, 6. Juli.(Eig. Ber.) ' Die Wahl in Jarrotv, die am 4. Juli stattfand, endeis mit dein Siege von Pete Currau, dem Vertreter der Arbeiter- Partei. Die Liberalen erleiden einen empfindlichen Verinst. Jarrow, das seit 1885 eine parlamentarische Vertretung besitzt, war bisher stets durch Sir C. M. Palmer, einen der bedeutendsten liberalen Unternehmer Englands vertreten. Das Wahlresultat der letzten allgemeinen Wahlen im Jahre 1906 war noch folgendes: Sir C. M. Palincr 8947, Pete Curran 5993, liberale Majorität also 2954 Stimmen. Bei der Wahl jetzt befanden sich die vier parlamentarischen Parteien des vereinigten Königreiches im Kampfe, und das Resultat dieses Kampfes ist folgendes: Pete Curran(Arbeiterpartei) 4698, P. Rote JnneS (Konservativer) 3939. S. L. Hughes(Liberaler) 3474, I. O'Hanlow(Irischer Nationalist) 2122 Stimmen. Die Liberalen haben also alle Ursache, mit dem Ausfall der Wahl unzufrieden zu sein: sie verloren in den letzten 13 Monaten 4573 Stimmen! Der Umstand, daß die irischen Nationalisten mit einem eigenen Kandidaten im Wahllampf erschienen lvaren, rief in ganz England ein außerordentliches Interesse für die Wahl wach. Ganz allgemein nahm man an, der irische Nationalist würde die Situation für die Arbeiterpartei ver» s ch l e ch t e r n, der Ausfall der Wahl bewies aber im Gegen- teil, daß Pete Curran sehr lvenige irische Stimmen verloren hat! Er erhielt gegen die Hauptwahl zwar 395 Stimmen weniger, was sich aber durch den vielfachen Umzug von Arbeitern, die anderwärtig in Arbeit traten, erklärt. Einen Stimmenverlust hat einzig und allein die liberale Partei zu verzeichnen, und das ist wohl das eigenartigste Merkmal dieses äußerst sonderbaren Wahlkampfes. Für die Arbeiterpartei ist der Sieg vor allen Dingen deS« halb so bedeutungsvoll, weil Curran zu den übcrzeugungS- treuestcn englischen Sozialisten gehört. Von Profession ein Schmied, gehörte er im Jden Verhältnissen, unter denen die Arbeiterpartei zustande kam. Die Mehrzahl der parlamentarischen Vertreter der Partei besteht aus Männern, die den größten Teil ihres Lebens dem gewerkschaftlichen. Kampfe gelvidmet haben. Sie wurden in den Strudel einer selbständigen Arbeitcrpolitik getrieben, ohne Gelegenheit gehabt zu haben, durch die sozialistische Schule zu gehen; sie wurden in eine Bewegung hineingedrängt, über deren Ziel sie sich zunächst keinerlei Vorstellungen machten. In weiten Kreisen der Arbeiterpartei herrscht nur das Gefühl, daß selbst die überzeugten Sozialisten nicht immer mit der not- wendigen Schärfe und Energie die Führung in der Partei übernommen haben. Auch das hat natürlich seine bestimmten Ursachen. Ein Teil der wirklich sozialistischen Abgeordneten ist ja verhältnismäßig jung in der allgemeinen Arbeiter- bewegung. Pete Curran aber gehört neben Keir Hardie zu den ältesten Anhängern des Sozialismus, außerdem ge- hört er, wie schon bemerkt, zu den einflußreichsten Gcwerk- schaftsführern, und daher blicken gerade die Sozialisten mit großen Hoffnungen auf Currans neue parlamentarische Laufbahn. Nachdem das Wahlrcsultat bekannt geworden war, äußerte Curran sich gegenüber einem Vertreter der Presse folgendermaßen:„Die Wahl ist ein Beweis dafür, daß die Arbeiter Englands immer mehr zu der Uebcrzeugung kommen, daß sie eine selbständige politische Arbeiterpartei bilden müssen. Ich gehe ins Parlament alü Vertreter derjenigen Arbcitcrgruppe, welche Gewerkschaften, Genossenschaften und Sozialisten in sich vereinigt. Diese drei Bewegungen bilden die Stützpunkte der englischen Arbeiterpartei." finnlancl. Di« finnländische Sozialdemokratie und die Gleichberechtigung ber Inden. In Finnland sind die Juden zurzeit aller Rechte bar. Der bedeutende Einfluß, den die Sozialdemokratie jetzt aber im sinn- ländischen Landtage genießt, gibt ihr Gelegenheit, auch mit diesem Ueberblcibscl feudaler Vergangenheit aufzuräumen und vor aller Welt von neuem den Beweis zu erbringen, daß die Sache der internationalen Sozialdemokratie auch die aller Bedrückten und Rechtlosen ist. Die sozialdemokratische LandtagLfraktion hat eine Petition zur Judcnfrage eingebracht, die folgenden Wortlaut hat: „Es ist nun schon das zweite Jahr, daß eine Stimme deS Protestes in unserem Lande erschallte, die in den VolkSmassen tiefes Mitgefühl erweckt hat. Diese Stimme des Protestes hat vor unserem Volke Zustände aufgedeckt, welche das Gefühl der Gerechtigkeit, Brüderlichkeit und Menschlichkeit des finnischen Volkes aufs tiefste beleidigen. Die Stimme der finnländische» Judenschaft hat das ganze Land wie ein Echo durchhallt; die von ihr aufgedeckten anormalen Zustände haben das finnische Volk, und insbesondere die Arbeiterklasse, veranlaßt, gegen die Will- kür und die Schwierigkeiten, die den unter uns lebenden Juden bereitet werden, energisch zu protesticrcii, besonders dagegen, daß die Willkür namens des finnischen Volkes ausgeübt worden ist. Allen Volksvertretern im Landtag ist eS wohl— wenn auch nur oberflächlich— bekannt, wie menschenunwürdig jene Lage ist, in welcher der unter uns lebende Jude sich befindet. Und wir glauben nicht fehlzugehen, wenn wir gleichzeitig unserer Uebcrzcugung Ausdruck verleihen, daß die Lage der finn- ländischen Juden absolut unerträglich ist. Die Anomalien und Einschränkungen in bezug auf die Juden zu beseitigen, ist die heilige Pflicht der finnländischen Volksvertretung, wenn auch nur in Anbetracht dessen, dah wir hierher gesandt sind, nicht um Rechtlosigkeit und Willkür gutzu- heißen, sondern um das Ideal der Gerechtigkeit und Freiheit zu verwirklichen. .... Es ist dies nicht nur unsere Pflicht, es ist auch der Wille des Volkes, das uns hergesandt hat. Schon mehr als zwei Jahre ertönt der begründete Protest der Juden in unserem Lande, und alle Schichten des Volkes haben den Bestrebungen derselben überall ihr Mitgefühl aus- gedrückt. Wenn also das Volk uns befiehlt, jenen schmach- vollen Fleck auszulöschen, den die Einschränkung der Juden be- deutet, so würden wir es als Verbrechen erachten, wenn wir nicht an die energische Arbeit zur Beseitigung dieses Uebels herantreten würden. Auf Grund des hier in allgemeinen Zügen Angeführten haben wir die Ehre, bei der finnländischen Volksvertretung zu beantragen: daß der Landtag den Senat ersuche, zur nächsten Session eine Gesctzesvorlage fertig zu stellen in dem Sinne, daß allen Juden, die hier geboren und erzogen, und allen, die eine gewisse Zeit vor Erlaß des neuen Gesetzes hier gelebt, vollste bürgerliche Gleichberechtigung verliehen wird." Rumämen. Der Generalstreik in Galatz ist in vollem Gange. Bon den Dampfern, die in den letzten Tagen im dortigen Hafen eintrafen, werden nur einige wenige entladen, und auch diese zumeist durch die eigenen Schiffsmannschaften. Mit den aus der Provinz importierten Streikbrechern sind die Ausständigen in Konflikt geraten; einige ungarische Arbeiter, die sich am Streik beteiligen, sind verhaftet worden und werden sicherlich ausgewiesen werden. Die Festnahme von Arbeiterführern dauert an. Bei den Maßnahmen gegen die Arbeiter tut sich besonders der Präfekt Atanasiu hervor, ein ehe- maliges führendes Mitglied der rumänischen Sozialdemokratie I Nachdem dieser Ehrenmann ins Regierungslager abgeschwenkt ist, leistet er nach echter Rencgatenart in der Sozialistenbekämpfung Wimderwerke, um sich„oben" lieb Kind zu machen. GewcrkfcbaftUcbef*. Der Staatsanwalt gegen die Bäckermeister! Die Ungeniertheit und Keckheit, mit der die Leiter der Berliner Bäckermeister, die nicht bewilligt haben, versuchten, ihre Kollegen durch Drohungen, Beleidigungen und andere terroristische Mittel davon abzuhalten, die berechtigten Forde- rungen der Gesellen zu bewilligen, hat einige Bäcker zu einer Strafanzeige wegen Verstoßes gegen§ 153 der Gewerbe- ordnung und§ 2c>3 des Strafgesetzbuches veranlaßt. Es wurde gegen den Bäckermeister und Herausgeber der Zeitschrift „Concordia", Fritz Schmidt,-Fruchtstr. 21, und gegen die- jenigen beantragt, strafrechtlich vorzugehen, welche an dem bekannten Beschluß der Jnnungsvorstände und des Hefesyndikats teilgenommen oder zur Kund- gebung dieses Beschlusses mitgewirkt haben. Besonders wurden auch das Flugblatt„Zur Beachtung" und Nr. 22 der„Concordia-Fachzeitschrift" als gravierend der Staats- anwaltschaft eingesendet. Diese lehnte zunächst eine Anklageerhebung ab. Allerdings verkannte der Staatsanwalt nicht, daß die Flugblätter beleidigende Vor- würfe gegen d i e Bäckermeister enthalten, welche die Forde- rungen der Bäckergesellen bewilligt haben, und ihnen geschäftliche Nachteile androhen. Aber dennoch glaubte der Staatsanwalt nicht einschreiten zu können. Gegen den ablehnenden Bescheid wurde Beschwerde erhoben. Sierauf hat der G e n e r a l st a a t s a n w a l t den Ersten taatsanwalt beim Landgericht I angewiesen, in Ermittelungen einzutreten, soweit ein Vergehen gegen Z 153 der Reichs-Gewerbeordnung in Frage kommt. ßcrUn und Umgegend« Der Kampf im Bangewerbe. Der Zentralverband der baugewerblichcn HülfSarbeiter hielt am Dienstagvormittag eine Versammlung der Streikenden in FreyerS Festsälen, Koppenstraße, ab. Der große Saal, sowie die Galerien waren dicht besetzt. Karl Heide mann referierte über den Stand der Lohnbewegung, den er als günstig schilderte. Neben anderen haben auch 52 Firmen vom Verband der Baugeschäfte schon den Vertrag unterschrieben; darunter befinden sich einige sehr große Bauunternehmer. Von Freitag bis Montag sind 18 Bewilligungen eingelaufen. Die Bauarbeiter können mit den bisherigen Erfolgen wohl zufrieden sein. Ein anschauliches Bild von der Situation geben die Feststellungen vom letzten Donnerstag. Die Bautenkontrolle vom 4. Juli umfaßte 1326 Baustellen, da- von waren fertig bis zum Keller 121, bis zum Erdgeschoß 70. zum ersten Stockwerk 46, zum zweiten Stockwerk 51, zum dritten Stock- Werk 46, zum vierten Stockwerk 25, Dachgeschoß 103. Putzbauten gab es 311, Ausbauten 449, Scharwerke 88 und 11 sonstige Arbeits- slätten. Beschäftigt waren auf diesen Bauten 6442 Lohnarbeiter, 803 Akkord-Steinträger, 714 Fahrstuhlarbciter. 804 Putzerlräger, 158 Töpferträger, 292 Zementarbeiter. Die 6442 Lohnarbeiter und 292 Zementarveiter, zusammen also 6734 Mann arbeiten zu folgen- den Stundenlöhnen: 676 zu mehr als 60 Pf. 1676 zu 60, 3157, 55. 717„ 50„ 243„ 45„ 265 fnicht zu ermitteln) 6734 Ueber die Arbeitszeit der Bauarbeiter wurde folgendes festgestellt: 803 Steinträger und 714 Fahrstuhlarbeiter arbeiten 10 Stunden- 804 Putzerträger und 158 Töpferträger s'/z Stunden. Bei den 6734 Lohnarbeitern verhält es sich wie folgt: 947 Mann arbeiten 10 Stunden, 723.. 9-/z. 2217,, 9. 2601.. S'/z. 246„(nicht zu ermitteln). Die Forderungen der Bauarbeiter sind anerkannt worden auf 973 Bauten mit 5487 Lohnarbeitern. Auf 353 Bauten mit 1247 Lohnarbeitern sind die Forderungen noch nicht anerkannt. 751 Firme» haben den Vertrag mit den Bauarbeitern unterschrieben. Die Zahl der Streikenden, die sich am Montag beim Verbände meldeten, be- trug 3214; die Zahl hat sich um 400 gegen die vorhergehende Woche vermindert. Den Unternehmern haben sich etwas über 200 Bauarbeiter nach dem 1. Juli zur Verfügung gestellt, zusammen mit Maurern und Zimmerern haben die Unternehmer nicht mehr als 517 Arbeitswillige nach dem I. Juli bis Montag gewonnen. Wenn die Unternehmer bekannt machen, daß sie allein 2000 Bau- arbeiter zur Verfügung haben, so täuschen sie damit die Oeffentlich- keit. Im„Zentralblatt für das Bangewerbe" reden sie übrigens eine andere Sprache. Da gestchen sie zu, daß sie keinen Grund haben, mit der gegenwärtigen Lage der Dinge zufrieden zu sein und daß sie auf das Ende der Bewegung sehnsüchtig warten.— Der Redner erwähnte die Notiz im„Vorwärts" über die Poliere und gedachte der Zeit, als die Poliere einen ganz anderen Stand- Punkt einnahmen und mit den Arbeitern un, Verbesserungen der Lage im Bauberuf kämpften. Heute, so erklärte er, sind die Poliere zum großen Teil Erzfeinde der Arbeitnehmer geworden und sie stellen sich mit Vorliebe den Arbeigebern zur Seite.— In der lebhaften Diskussion wurden ebenfalls die Poliere angegriffen und von einem Redner, der allgemeine Zustimmung fand, mit Guts- inspektoren verglichen. Scharf getadelt wurde, daß manche arbeitenden Kollegen mit ihren Beiträgen zum Streikfonds sehr lässig sind. Diese Beiträge sind nicht mehr als Pflicht und Schuldigkeit, denn wer heute zu besseren Bedingungen arbeitet, hat es den draußen kämpfenden Kollegen zu verdanken. In seinem Schlußwort erzählte der Referent Karl Heide- mann Beispiele, wie Streiker und Streikposten von Hauswirten und der Polizei behandelt wurden. Am Weichselplatz in Rixdorf wurde ein Verbandsniaurer, der an dem Bau vorbeiging, vom einem dort arbeitenden Akkordmaurer bedroht. Heidemann zeigte der Ver- sammlung einen halben Mauerstein. mit dem jener nach dem Vcrbandsmaurer geworfen hatte. Als dieser sich einen Schutzmann holte, um den Angreifer feststellen zu lassen, stieß er auf Schlvierig- leiten, weil man ihn für einen Streikposten hielt.— H eid eMann appellierte an die Versammelten, fest zusammen zu stehen, allen Widerständen zum Trotz, bis der Sieg errungen sei. » Der Kampf im Baugewerbe greift übrigens vielfach auch auf nicht direkt an demselben beteiligte Arbeiterkategorien über. So haben auf dem Bau Böse u. Tasse in Nieder-Schonhausen, Blanken- burgerstraße, die dort arbeitenden Ofensetzer sich mit den streikenden Bauarbeitern solidarisch erklärt und die Arbeit nieder- gelegt._ Ein Handwerkerschutzverband für Holzarbeiter, eine neue meisterwene Bereinigung. Durch große Anschläge an den Plakatsäulen wurden am Sonntag die Holzarbeiter Berlins aufgefordert, sich einem„Hand- werkerschutzvcrband" zur Wahrung ihrer Interessen anzuschließen. Die Veranlassung zu der neuen Gründung hätten die Lohnkämpfe der letzten Zeit, die zunehmende Arbeitslosigkeit und die Erkenntnis geboten, daß„durch frivol heraufbeschworene Streiks" keineswegs die Sache der Arbeiter gefördert werde. Von der frivol heraus- beschworenen Aussperrung ist keine Rede, denn das würde vielleicht einen Mißton hervorbringen in der angestrebten Harmonie mit den lieben Meistern. Es werden brave, artige Gesellen gesucht, die ihre Lohn- und Arbeitsbedingungen verbessern wollen„nicht durch gehässige Wühlereien in den Werk- stätten und leichtfertige Arbeitsein st ellungen, sondern durch gemeinsame Beratungen und eventuell vertragliche Vereinbarungen mit den Arbeitgebern". Der„Schutzverband" ver- spricht sehr viel und da? sollte einen harmloien und ein- sältigen Holzarbeiter, auf den hier gerade spekuliert wird, allein schon mißtrauisch machen. Die Arbeitslosigkeit soll für die Mitglieder zu den Ausnahmen gehören und Beschäftigung„in den besten Werkstätten" soll jederzeit unentgeltlich nachgewiesen werden. Die beste Werkstatt für die Meister ist freilich in der Regel die schlechteste für die Gesellen, und sich vor der Arbeitslosigkeit zu bewahren, ist nicht so schwer als es scheint. Man muß recht billig und willig sein; willig, als „braver" Geselle für seinen Meister langsam zu verhungern und überzeugt sein, damit nichts als seine Schuldigkeit getan zu haben, dann ist man vor der Arbeitslosigkeit gesichert.— Ein Zuschuß zum Krankengelde wird noch als Köder ausgeworfen und nur 30 Pf. Wochenbeitrag wird verlangt. Ohmstr. 3 sollen sich alle Holzarbeiter melden, denen„ihr eigenes Wohl und das ihrer Familie am Herzen liegt" und die„ein gedeihliches Verhältnis" zwischen Arbeitern und Unternehmern herbeiführen wollen. Am meisten Spaß in dem ganzen Aufrufe macht aber die folgende Stelle: „Der Schutz unserer Mitglieder gegen Terrorismus aller Art soll unsere Hauptaufgabe und Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit unsere Losung sein." Das ist mehr als gewöhnliche Bauernfängerei und man müßte sich über jeden Berliner Holzarbeiter wundern, der daraus herein- fällt._ Zum Bäckerboykott. Die Bäckermeister fahren fort, ihrem Acrger über den wirk- samen Boykott in den unflätigsten Karten und Briefen an die Ver- bandsleitung Luft zu machen, die allerdings dort nur Heiterkeit für einige Minuten auslösen. Man kennt seine Pappenheimer. Die von den Parteigenossen der einzelnen Bezirke verbreiteten Handzettel, welche sich gegen speziell namhaft gemachte Bäckereien richten, haben den Zorn der Herren vom Backtrog ganz besonders erregt und hat jetzt der JnnungsrechtSanlvalt Löwe außerordentlich zu tun, um beim Gericht„einstweilige Verfügungen" zu erwirken, die den boykottierten Bäckermeister schützen sollen. Es drohen diesmal diese einstweiligen Verfügungen für den Fall der Zuwiderhandlung nicht Geld-, sondern Freiheits st rasen von 1—2 Tagen an. Selbst den Firmenträgern des„Vorwärts", den Genossen Bebel. Singer und I e n s ch wurden derartige Liebenswürdigkeiten in Aussicht gestellt.' Obgleich diese Verfügungen bisher stets rm ordentlichen Gerichts- verfahren für nichtig erklärt wurden, kehren sie doch bei allen Kämpfen wieder, um den Boykott wenigstens vorläufig unwirksam zu machen. Der Ertrinkende greift eben nach jedem Strohhalm. Eine neue Waffe im Kampf haben eine Anzahl Bäckermeister, die sich bereits mühsam zum HauSagrarier durchgeknetet haben, ersonnen. Es wird den Mietern, welche die von„gelben" Meisterschützlingen fabrizierte Ware nicht verdauen können, mit allen Schikanen, sogar mit der Kündigung gedroht. So hat der Bäckermeister P r i e b e. Rnminelsburg, Lessingstr. 10, seinem Mieter Morgenstern die Kündigung mit der Begründung geschickt, daß er Leute, die seine Ware nicht essen wollen, in seinem Hause nicht brauchen könne. Wie sehr die Bäckermeister„Herren in ihrem Hause" sind, zeigt eine an die Verbandsleitung eingesandte Karle des Bäckermeisters Kirmes, Brunnenstr. 82 und Strelitzerstr. 33, die besagt, daß lediglich sein„gelber" Geselle schuld sei, daß er die Forderung des Verbandes nicht unterschreiben könne. Wenn sich die Herren schon unter die Vormundschaft ihrer berühmten gelben Garde stellen, dann wird eS bald mit der Meisterherrlichkeit Matthäi am letzten sein. Die JnnungZpresse ist dieweil rein systematisch bemüht, den Jnnungsmitglieder» sowie der übrigen Welt ein durch schwinde!- hafte Darstellung verzerrtes Sitnationsbild zu geben. Hatte sie vorige Woche saus kg./z Stunden. Der Mindestlohn beträgt im ersten Jahre nach beendeter Lehrzeit nicht unter 36 Pf. Vom zweiten Jahre bis zum 21. Lebensjahre nicht unter 42 Pf. Für Gesellen über 21 Jahre nicht unter 48 Pf. Für Gesellen, die die vorgenannten oder bereits höhere Lohnsätze haben, treten 10 Proz. Aufschlag in Kraft. Ferner enthält die Vorlage einen Aufschlag für Ueberstunden von 25 Proz., für Nacht- und SonntagSarbeit 50 Proz., Regelung der Montage- Zulagen u. a. Die Innung war um Rückäußeruna bis zum 1. Juli ersucht. Am 3. Juli erhielt der Gesellenausschuß seitens der Innung folgendes Schreiben: „Die am 1. Juli d. I. stattgefundene Generalversammlung der hiesigen Schlosserinnung sowie der Schlossermeister Lindens und der Vororte sowie die Mitglieder des ArbeitgeberverbandeS kamen nach sorgfältiger Beratung der einzelnen Paragraphen deS der Innung zugesandten Arbeitsvertrages zu der Ueberzeugung. daß eine Verhandlung auf Grund dieses VerwageS zwecklos ver- laufen würde. Es wurde in der Versammlung aber durchaus hervorgehoben, daß eS jedem Meister unbenommen sei, mit seinen Leuten wegen Aufbesserung der Löhne zu verhandeln. Alle anderen Puntte wurden nach längerer eingehender Debatte mit übergroßer Majorität abgelehnt. Der Vorstand der Schlofferinnung Hannover." Eine Versammlung der Schloffergesellen am 5. Juli nahm'zu dieser Antwort Stellung. Die Kollegen der einzelnen Betriebe Ivurden beauftragt, bei ihrem Arbeitgeber zwecks Anerkennung des Tarifes vorstellig zu werden. Auch dies verlief fruchtlos, so daß einer Versammlung am 6. Juli nur die Arbeitseinstellung übrig blieb. Diese wurde denn auch gegen nur 4 Stimmen beschlossen. Nunmehr scheint auch den Arbeitgebern die Tragweite ihrer Handlungsweise zum Bewußtsein zu kommen. Die Folgen deS Kampfes haben diese sich selbst zuzuschreiben. Wegen der ab- weisenden Haltung der Schlosserinnung legte der Gescllenausschuß seine Funktionen nieder. Es ward alsdann eine si'mfgliederige Kommiffion gewählt, die zu etwaigen Verhandlungen befugt ist.— ES wird dringend ersucht, Zuzug fernzuhalten. ZZuslsnd. Der Streik der holländischen Schleppdampfer-Maschinisten hat mit einem schnellen Erfolge derselben geendet. Fast alle Schleppdampfer- Reedereien in Rotterdam sowie die bedeutendsten Dordrechter Rhein- schleppdampfer haben in die Bedingungen der Arbeiter eingewilligt Letzte Nachrichten und Dcpcfchen. Hunderttausend Mark veruntreut. Arnsberg, 9. Juli.(B. H.) Die Unterschlagungen des Ren» danten Berghardt der Sparkasse zu Neheim belaufen sich, wie nun- mehr feststeht, auf 100 600 Mark. ES wurden nicht nur in der Sparkasse, sondern auch in verschiedenen kleineren Kassen erheb- liche Fehlbeträge festgestellt. Bon der Haager Borstellung. Haag, 9. Juli.(B. H.) Der Korrespondent der„Jndependance Belge" berichtet über Einbringung eines interessanten Vorschlages seitens der amerikanischen Delegierten betreffend die Gründung eines permanenten Schiedsgerichtes. Die Mitglieder diese? Schiedsgerichtes sollen ans fünf Jahre gewählt werden und eine sehr hervorragende Stellung einnehmen. Die Mitglieder, welche außerdem hervorragende Juristen sein müssen, sollen zur Aufgahe haben, die Arbeiten der zukünftig stattfindenden Kongresse vorzu- bereiten und sich mit der Schlichtung von Konflikten zwischen den Staaten befassen.» Der Vorschlag hat große Aussicht, angenommen zu werden, da er im wesentlichen den Wünschen der größten Zahl der Delegierten der Haager Konferenz entspricht. Lerantw.Redakt.: CarlWermutb. Berlin-Rixdorf. Inserate verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr.u.Berlagsanjtalt PaulSingerS-Co., Berlin LW. Hierzu2Beilagen«.Unterhaltungsblatt |t. 158. 24. 1. Kilm i>es.Fmiills" Kerlim WslilM. Mttmch.IY.ZMlM. Das liammergericht hebt llss lüecht Nshlklugvlstter zu verteilen auf. Und schuldig hörst du ausgesprochen, Wo Unschuld nur sich selber schützt. Friedrich der Zweite, König von Preußen, genannt Friedrich der Große, schenkte dem Kammergericht zur Auf stellung in seinem Sitzungszimmer ein Bild, auf dem die Strafe der Hautschindung, vollzogen an einem ungerechten Richter, dargestellt ist. Die durch diese Widmung ausgedrückte Anschauung, der Richter, der ungerecht urteilt, handle stets wider besseres Wissen, also absichtlich ungerecht, entspricht der bürgerlichen jüngst erst wieder durch den Staatssekretär Nieder ding zum Ausdruck gebrachten falschen Anschauung, ungerechte Richter seien Troddel oder Bösewichter. Es soll nicht geleugnet werden, daß auch Troddel und Bösewichter sich in richterlicher Stellung befinden können. Aber die Ungerechtigkeit der Urteilssprüche beruht in ihrer ganz überwiegenden Zahl auf der Ungerechtigkeit des Ge setzes und der UnVollkommenheit der Gerichtsorganisation. Wird das Richterkollegium nicht aus unabhängigen, allen Teilen der Bevölkerung und damit allen Jnteressenkreisen ent nommenen, durch die Gesamtheit des Volkes gewählten Richtern zusammengesetzt, so kann das Richterkollegium in allen den Fällen, in denen es über Handlungen zu urteilen hat, die den wirtschaftlichen, sozialen, den politischen Anschauungen seiner Mitglieder entgegenstehen, nicht unparteiisch, nicht gerecht urteilen. Richter, die wie Bruggemann, als Grundsatz ihrer richterlichen Tätigkeit daran festhalten: je ferner ihre eigenen politischen Ansichten denen des Angeklagten stehen, desto offener das Auge des Mißtrauens seinem eigenen Spruch gegenüber zu halten, sind sehr seltene Exemplare. Zu ihnen zählte der Kammergerichtsrat Häven st ein. Weil bei der Festhaltung an diesem Grundsatz er seine Kollegen zu Urteilen verleitete, die gerecht waren und insbesondere Uebergriffe der Verwaltung in das Recht als widerrechtliche Uebergriffe durch Ungültigkeitserklärung von Polizeiverordnungen zurückwiesen und weil dies Ergebnis strenger Unparteilichkeit der Ansicht der Mehr- heit des Kammergerichts-Präsidiums widersprach, mußte er seinen Posten verlassen, wurde gegen seinen Willen vom Straf- senat an den Zivilsenat versetzt. Er nahm dann Urlaub und ist im Kummer über diese Maßregelung wegen Unparteilichkeit gestorben. Ende Mai erklärte die Königsberger Strafkammer, wie unseren Lesern erinnerlich sein wird, diese Versetzung des unparteiischen Richters, der nach der Meinung der Mehrheit des Präsidiums des Kammergerichts unrichtig urteilte, sei ganz selbstverständlich. Auf dem Bild, das Friedrich der Große dem Kammergericht schenkte, ist die Strafe eines Richters dargestellt, der ungerecht urteilte— das Verfahren, welches gegen einen Richter eingeschlagen wird, der gerecht und unparteiisch urteilt, ist im Fall Häven st ein zum Aus- druck gelangt. Die Verwaltung hat ungeheueren Einfluß auf die Rechtsprechung— auf die Ernennung, Beförderung der Richter und auf vieles andere hat sie einen Einfluß. Es mag die Abhängigkeit des Richters von der Verwaltung und speziell der F a l l H a v e n st e i n er- klärlich scheinen lassen, wenn das Kammergericht, in dessen Strafsenatssaal übrigens das Geschenk Friedrich des Großen nicht hängt, seit der Entblößung des Strafsenats von der Havensteinschen Unparteilichkeit Polizeiverordnungen, die früher für ungültig erachtet wurden, für gültig erachtet, doch würde eine solche Erklärung höchstens halb zutreffen. Viel mehr wirkt auf die Rechtsprechung zuungunsten un- parteilicher Gerechtigkeit und gerechter Unparteilichkeit der Umstand ein, daß zu Richtern möglichst nur solche Personen ernannt werden, deren politische Anschauung den Interessen der herrschenden Klasse genehm ist, und das Streben der herrschenden Klasse, die Gerichte zu Bütteln ihrer politischen und wirtschaftlichen Interessen zu degradieren. Diese Faktoren wirken unbewußt, aber um so stärker, auf die Rechtsprechung ein. Sie sind einflußreicher als alle persönlichen Momente. Die Rechtsprechung spiegelt die politischen Strömungen fast Photo- graphisch getreu wieder. Geht diese zurzeit auf Beeinträchti- gung der Rechte der Arbeiter auf allen Gebieten, so bewegt sich infolge unseres Gerichtsorganismus naturnotwendig auch die Rechtsprechung bei der Gesetzesauslegung nach derselben Richtung hin. Und da kann es uns nicht wunder nehmen, wenn in wachsendem Maße das Wort zutrifft:„Und schuldig hörst du ausgesprochen, wo Unschuld nur sich selber schützt." Das Vorstehende macht ein am Sonnabend vom Kammer gericht bestätigtes ungerechtes Urteil erklärlich.§ 43 Absatz 3 der Gewerbeordnung sagt zur Abwehr gegen die Freiheit der Wahlausübung: Pur Verteilung von Stimmzetteln und Druckschristen bei der zu gesetzgebenden Körperschaften ist eine polizeiliche Er laubniS in der Zeit von der amtlichen Bekanntmachung deS Wahb tages bis zur Beendigung des Wahlaktes nicht erforderlich. Trotzdem wurden der Arbeiter Neumann und mehrere andere Parteigenossen angeklagt, weil sie eines Sonntags nach Ausschreibung der Reichstagswahl in einem Orte bei Oels sozialdemokratische W a h ls chriften an Passanten verteilt hatten. Sie wurden von der Strafe kämm er zu Oels auf Grund der Verfrommungs Verordnung zu Geldstrafen verurteilt, weil sie dadurch am Sonntag verbotswidrig eine öffentlich bemerkbare Arbeit verrichtet hätten. Die Bestimmung des§ 43 der Gewerbe' ordnung über das öffentliche Verteilen von Wahlschriften komme ihnen nicht zugute. Denn sie entbinde nur von dem Genehmigungszwange für die Zeit nach Fetzsetzung des Wahl- termins, nicht aber von der Notwendigkeit, die Verordnung über die äußere Heilighaltung der Sonn- und Feiertage zu beachten. Eine öffentlich bemerkbare Arbeit liege hier aber vor. Das Kammergericht verwarf die hiergegen ein- gelegte Revision. Die Vorenffcheidung lasse keinen„Rechts- irrtum" erkennen. Der„Rcchtsirrtum" liegt unseres Erachtens klar auf der Hand. Das Verteilen von Flugblättern ist keine„Arbeit" und iväre es eine Arbeit, so wäre sie durch Z 43 Abs. 3 der G-O. jeglicher polizeilicher Bevormundung auch durch Verfrommungs- Verordnungen entzogen, deren teilweise Ungültigkeit übrigens Havenstein und mit ihm das Kamniergericht früher an- erkannt hat. Das gefällte Urteil ist aber auch deshalb ein ungerechtes, weil es noch einem zweiten Reichs gesetz wider- I spricht. Die Reichspostgesetznovelle vom 20. De- jzember 1899 bestimmt im Artikel 3, letzter Absatz, daß /die gewerbsmäßige oder nicht gewerbsmäßige Beförderung von unverschlossenen politischen Zeitungen inner- halb der Gemeindegrenzen eines Ortes jedenuann ge- stattet ist,„auch an Sonn- und Feiertagen während der Stunden, in denen die kaiser- l i ch e P o st b e st e l l t." Es erhellt. daß hiernach eine Auslegung einer Oberpräsidialverordnung, nach der eine Verbreitung von Zeitungen in diesen Stunden verboten wäre, auch dies Reichsgesetz verletzt und deshalb„ohne Rechtsirrtum" für ungültig erachtet werden muß. Kann die Verbreitung von Zeitungen nach Ansicht der Reichsgesetzgebung die Festtagsruhe nicht stören, so kann der gesunde Menschenverstand nicht wünschen, wie die Verbreitung viel leichterer Flugblätter die Sonntagsruhe stören könnte. Und Rechtswahrheit sollte doch wohl mit dem gesunden Menschenverstand nicht auf Kriegsfuß leben. Immerhin werden die Genossen in Zu- kunft gut tun, den Sonntags zuverbreitenden Flugblättern den Charakter politischer Zeitungen zu geben. staun der Kolonnenarbeiter den Unter- nehmer auf Zahlung verklagen? In letzter Zeit hat das Berliner Gewerbegericht die bor- stehende Frage wiederholt zuungunsten der Arbeiter verneint. Diese Verneinung steht im Widerspruch mit der fast ständigen Judikatur der Gewerbegerichte sowie der gelehrten Gerichte und mit dem Gesetz. Auch wenn vom Unternehmer nur mit dem so- genannten Kolonnenführer der Vertrag abgeschlossen ist, so liegt doch auch zwischen den einzelnen Arbeitern der Kolonne und dem Unternehmer ein Vertragsverhältnis vor. Der Wille des Unter- nehmers geht dahin, die Arbeitskraft der einzelnen Ar- b e i t e r für sich zu verwerten, der der Arbeiter dahin, ihre Arbeitskraft sich vom Unternehmer bezahlen zu lassen. Demnach liegt ein Arbeitsvertrag(§ 611 B. G.-B.) mit den einzelnen Arbeitern vor. Das Kolonnensystem ist lediglich eine bequemere Handhabe für die Abwickelung der rechtlichen Beziehungen zwischen den beiden Parteien. Wenn nicht ausdrücklich das Vor- handensein eines Rechtsverhältnisses zwischen den Unternehmern und den einzelnen Arbeitern ausgeschlossen ist, so entspricht es der Verkehrssitte, das Vorliegen eines direkten Vertrages zwischen dem einzelnen Arbeiter und dem Unternehmer anzu- nehmen. So haben früher ständig fast alle Gerichte entschieden — auch das Berliner Gewerbegericht und das Landgericht Berlin, so in einem uns vorliegenden Erkenntnis das Gewerbegericht am 14. Dezember 1903(Stieler wider Lorenz). In der Berufungs- instanz vor dem Landgericht Berlin wendete der Beklagte ein, der Vertrag sei nur mit dem Kolonnenführer vereinbart. Es liege also ein Werkvertrag vor, aus dem allein der Kolonnen- führer, nicht die einzelnen Arbeiter klagen könnten. Diesen Ein- wand verwarf das Landgericht im Urteil vom 28. Oktoher 1994 durch folgende Ausführungen: Wenn es auch nach dem Wortlaut der oben wieder gegebenen Schreiben den Anschein gewinnen könnte, als ob lediglich mit Stieler ein Werkvertrag abgeschlossen sei, so muß unter Berücksichtigung der konkreten Verhältnisse und der Ver- kehrssitte auch der Ansicht des Gewerbegerichts beigetreten werden, daß die sämtlichen Putzer als Gegenkontrahenten des Beklagten anzusehen sind. Ist an sich schon nicht anzunehmen, daß die Mitkläger den Stieler nur mit diesem haben kontra. Hieren wollen, da er ihnen jedoch jedenfalls betreffs ihrer Lohn ansprüche weit weniger Sicherheit wie der Beklagte bot, hat sich auch in den Verhältnissen der hier fraglichen und ähnlichen Art die VerkehrSsittc gebildet, daß die Vertragsbedingungen der Einfachheit halber mit nur einem der Arbeiter festgestellt werden, daß diese Bedingungen aber für alle in Betracht kommenden Arbeiter gelten, und daß diejenigen Arbeiter, die die Arbeiten auf Grund der Bedingungen übernehmen, die Gegenkontrahenten des Bauunternehmers von vornherein werden. Diese Darlegungen des Landgerichts entsprechen gleichartigen der Gewcrbegerichte und Landgerichte zu Stettin, Königsberg, Hamburg u. a. Frühere, vor der Herrschaft des Bürgerlichen Gesetzbuches ergangene, hiervon abweichende Erkenntnisse beruhen auf dem formalistischen, vom B. G.-B. verlassenen Standpunkte. Daß das Bürgerliche Gesetzbuch darüber hinaus sogar dann den Arbeitgeber haften läßt, wenn er ausdrücklich lediglich mit dem Kolonnenführer in einem Rechtsverhältnis stehen will, ergibt ein Vorgang aus der Beratung des B. G.-B. In der Reichstags- kommission war, um auch solche Fälle zu treffen, in denen Richter aus irgend einem Grunde das Vorliegen eines Vertragsverhält- nisses etwa zwischen dem Geldmann und dem Arbeiter verneinen, von sozialdemokratischer Seite beantragt, als§ 629b einzuschalten: Ist eine Arbeitsleistung für ein wirtschaftliches oder ge» werbliches Unternehmen geleistet, so hastet für die Entrichtung des Lohnes außer dem unmittelbar Vertragschließenden der jenige, in dessen Nutzen die Arbeitskraft vom Arbeitnehmer ver wendet ist, falls er wußte oder hätte wissen müssen, daß die Arbeitsleistung von dem Vertragschließenden nicht bezahlt werden kann oder soll. Dieser Antrag wurde als entbehrlich zurückgezogen, nachdem seitens der verbündeten Regierungen ohne Widerspruch von irgend einer Seite folgende Erklärung abgegeben war:..Soweit der An- trag solche Fälle im Auge habe, in denen der Zwischenunternchmer lediglich eine vorgeschobene Person sei und die Absicht desjenigen, in dessen Nutzen die Arbeitsleistung verwendet wurde, von vorn- herein dahin gehe, daß diese Arbeitsleistung von dem Zwischen- Unternehmer nicht bezahlt werden solle, genüge zum Schutze der Arbeiter die Vorschrift des§ 819(jetzt§ 826) in der Fassung der Kommissionsbeschlüsse: denn unter den angegebenen Voraus- setznngen füge derjenige, in dessen Nutzen die Arbeitsleistung ver- wendet wurde, der aber gleichwohl unter Berufung auf die formale Gestaltung des Bertragsverhältnisses die Befriedigung der Arbeiter verweigere, diesen in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weise vorsätzlich Schaden zu. Das gleiche sei dann anzunehmen, wenn derjenige, in dessen Nutzen die Ardeitsleistung verwendet wurde, von vornherein wisse, daß der von ihm in eigen- .nützigem Interesse angenommene Zwischenunternehmer zahlungs- unfähig sei und daher die Arbeiter nicht bezahlen werde."(S. 89 des Kommissionsberichtes, Reichstags- Drucksachen der Session 1895/97, Nr. 449.) Wie kommt die Berliner gewerbliche Rechtsprechung dazu, wie- wohl selbst ein Dritter(der Gcldmann), der die Arbeitskraft aus- nutzt, Zahlung leisten muß, den Bauunternehmer dem einzelnen Arbeitnehmer gegenüber nicht haften zu lassen? Die dahin gehenden Erkenntnisse nehmen auf Grund einer(im„Reichsarbeitsblatt" Jahrgang I S. 677 abgedruckten) Entscheidung des Berliner Ge- werbegerichtö vom 19. Juni 1993 an, die Kolonne sei eine Gesell- schaft im Sinne der Z§ 799, 712, 715 B. G.-B. Der Kolonnenführer sei Geschäftsführer und insbesondere Zahlungsbevollmächtigtcr der Arbeitnehmer, seine Vertrctungsvollmacht könne aber nur von der Gesamtheit der Kolonnenarbeiter gekündigt werden. Wie schon das erwähnte landgerichtliche Urteil vom 28. Oktober 1994 zeigte, ist dieser Anschauung vom Landgericht nicht beigetreten. Auch das Gewerbe- gericht selbst hatte nach einigem Schwanken die jetzt leider wieder vom Gewerbcaericht zur Geltung gebrachte Ansicht dieses Erkennt- nisses als fafich erachtet. Das Gericht mußte diese Ansicht um so mehr als für Berlin unzutreffend verwerfen, als nach dem Tarif der Berliner Bauarbeiter die Auszahlung des Lohnes gegen Quittung jedes einzelnen Kolonnenarbeiters dnrch den Arbeitgeber zu bewirken ist. Aber auch da, wo solche Sitte nicht ausdrücklich durch Tarif oder dergleichen festgelegt ist, ist die im Urteil vom 19. Juni 1993 betätigte Rechtsanschauung, die Kolonnen stellen eine Gesellschaft dar, unhaltbar. Sie widerspricht dem Lohnbeschlag- nahmegesetz, dem Z 894 B. G.-B. und dem Begriff einer Gesellschaft im Sinne des B. G.-B. Nach§ 2 des Lohnbcschlagnahmegcsctzes ist jede Verfügung des Arbeiters über seine der Beschlagnahme entzogene Lohnforderung durch Zession, Anweisung, Verpfändung oder durck> ein anderes Rechtsgeschäft ohne rechtliche Wirkung. Eine Inkassovollmacht ist danach jederzeit widerruflich und kann nicht in der Art erteilt werden, daß sie nur mit Zustimmung aller anderen zurückgezogen werden könne. Solche Vollmacht ist nach § 2 des Lohnbeschlagnahmegesetzes rechtsunwirksam. Schon daran scheitert die Konstruktion der Kolonnenarbeiter als Gesellschaft. Die Gleichstellung der Gruppenarbciter mit Gesellschaftern im Sinne des B. G.-B. hätte aber nach den Vorschriften des B. G.-B. auch noch folgende mit den sonst das Arbeitsverhältnis regelnden Ge- setzesvorschriften unvereinbare Konsequenzen: Nur auf einstimmigen Beschluß aller der Gruppe Angehörige» könnte einem pflichtwidrig handelnden Kolonnensührer die Ver, tretungsvollmacht entzogen werden.(Z§ 712, 715 B. G.-B.) Die„Beiträge der Gesellschafter", also die von den Gruppen» arbeitern geleisteten Arbeiten, werden„gemeinschaftliches Ver- mögen der Gesellschafter"(Z 718 B. G.-B.), der einzelne Arbeiter könnte nicht über seinen Anteil an dem Gesellschaftsvermögcn (also auch über seinen Lohnanspruch) verfügen(§ 719 B. G.-B.) — der denkbar größte Gegensatz zu den Grundsätzen des Lohn- beschlagnahmegesctzes und des§ 394 B. G.-B.— Der Gruppenarbeiter hätte, wenn er Gesellschafter wäre, nach 8 723 B. G.-B. im Gegensatz zu den Vorschriften der Ge- Werbeordnung das Recht, die Gesellschaft jederzeit zu kündigen. Auszahlung seiner Anteile am Gesellschaftsvermögen könnte er nur nach Auflösung der Gesellschaft verlangen.(§ 721 B. G.-V.) Das Streben, Kolonnen- oder Gruppcnarbeiter unter den Bc- griff der„Gesellschaft" zu zwängen, ist also nach dem Begriff der Gefellschcjft, wie sie sich uns im B. G.-B. darstellt, verfehlt und scheitert an der reichen Mannigfaltigkeit des praktischen Lebens. Selbst wenn übrigens die Gruppe oder Kolonne als Gesellschaft anzusprechen wäre, so folgt daraus im Hinblick auf§ 2 des Lohn- bcschlagnahmegesetzcs noch keineswegs, daß der einzelne Arbeiter nicht in einem Vertragsverhältnis zum Arbeitgeber selbst stehe und einzeln nicht klagen könne. Das hieße geradezu Lohnschwindlern im Gegensatz zum Wortlaut und zu der Absicht des Ä. G.-B. Tür und Tor öffnen. Hoffentlich kehrt auch das Berliner Gewerbegericht bald zu der von ihm früher betätigten zutreffenden Ansicht zurück. daß auch der einzelne Gruppenarbciter seinen Lohn selbständig gegen den Arbeitgeber einklagen kann. Huö der Partei. Der internationale Kongreß zu Stuttgart dürfte, nach den bereits vorliegenden Anmeldungen zu schließen, sehr stark besucht werden. Deutschland allein stellt bekanntlich 399 Delegierte, von denen 159 auf die Partei und 159 auf die Gewerkschaften entfallen. Auch Oesterreich, Frankreich, England usw. werden stark vertreten sein. Aber abgesehen von diesen Ländern, in denen der Sozialismus schon zu gewichtiger politischer Rolle berufen ist, werden besonders die Genossen der überseeischen Länder den Kongreß diesmal recht zahl- reich beschicken. So sind aus den Vereinigten Staaten beim Bureau in Brüssel schon jetzt 25 Delegierte angemeldet, darunter zwei Frauen. Japan wird durch den Genossen Tokyiro Kato vertreten sein, Argentinien sendet drei Delegierte, von Südafrika sind bereits zwei angemeldet usw._ Bildnngswesen. lieber die Unterrichtskurse des allgemeinen ArbeiterbildnngS» institutS für Leipzig veröffentlicht der BildungSauSschuß soeben folgendes Programm: Die Unterrichtskurse beginnen Anfang Oktober. Drei Kurse mit je einer Unterrichtsstunde pro Woche laufen nebeneinander her. In Nationalökonomie und in Geschichte(speziell W i r t s ch a f t S» g e s ch i ch t e) wird Genosse Dr. Lensch, in Sozialgesetz, gebung Genosse LipinSki unterrichten. Außerdem sind für das Winterhalbjahr 1997/1998 zwei Lehrer der Parteischule in Berlin gewonnen worden, und zwar wird Genosse P a n n e k o e k von Oktober bis Dezember sechs Vorträge über h i st o r i s ch e n Materialismus halten, und Genosse H i l f e r d i n g wird in gleicher Weise von Januar bis März über Wirtschafts» g e s ch i ch t e sprechen. Jtcir Hardic, der eine Reihe von Monaten krank war, wird nun» mehr auf ärztliches Anraten zu seiner vollständigen Genesung eine größere Seereise unternehmen. Er wird in den nächsten Tagen seine Tour beginnen und Australien, Südafrika, Japan bereisen und über Amerika wieder den Heimweg antreten. potireittedes,(JcrtcbtUcbes ulw. Zu Kreuze gekrochen. Bekanntlich wurde am 23. April d. I. die „Frankfurter Zeitung" wegen Beleidigung unseres Frankfurter Partei- fekretärs, Genossen Dittmann, zu 399 M. Geldstrafe verurteilt, weil sie am Abend des ReichStagsstichwahltages einen nach Form und Inhalt für Dittmann schwer beleidigenden Artikel veröffentlicht hatte. Der Reichskanzler Fürst Bülow, der den Artikel am 27. Februar im Reichstage als Beweis für die verwerfliche Kampfesweise der Sozial- demokratie verlas, sah sich daraufhin genötigt, am 1. Mai im Reichstage zu rcvozieren. Der Artikel war nun aber von einem großen Teil der bürgerlichen Presse nachgedruckt worden. Diewcnigsten dieserBlätter sind edoch später so anständig gewesen, aus freien Stücken zuzugeben, daß sie zu Unrecht eine schwere Beleidigung weiter verbreitet hatten. Das„Solinger Kreis-Jntelligenzblatt" hatte dem Artikel sogar noch einen Schlußsatz angehängt, der eine weitere Beleidigung für Ditt- mann enthielt. Da das Blatt eine Berichtigung Dittmanns erst echs Tage nach der Zustellung abdruckte, dann von der Verurteilung der„Frankfurter Ztg.", keine Notiz nahm und iveder diese Gelegen- heit noch BülowS Rückzug benutzte, um auch seinerseits zu Wider- rufen, erhob Genosse Dittmann gegen den verantwortlichen Redakteur deS Kreisblattes, Richard Dreßler in Solingen, PrivathcleidigungZ- klage. Am letzten Montag stand in dieser Sache vor dem Solinger Schöffengericht Termin an. Vor Eintritt in die Verhandlungen kam es jedoch zu folgendem, vom Gerichtsvorsitzenden formulierten Vergleich: Angeklagter erklärt, daß er sich durch die Verurteilung der „Frankfurter Zeitung" von der Unrichtigkeit der aus der„Franks. Ztg." entnommenen und in Nr. 43 des„Solinger Kreis-Jntelligenz- blatt" veröffentlichten Artikels überzeugt habe und den Inhalt dieses Artikels mit Bedauern als unrichtig zurücknimmt. An- geklagter verpflichtet sich, sämtliche Kosten und eine Sühne von 299 Mark zu zahlen. Der Angeklagte verpflichtet sich weiter, diesen Vergleich einmal im„Solinger KreiS-Jntelligenzblatt" zu veröffentlichen. Kläger zieht die Klage zurück. Der Denkzettel, den das„Solinger Krcisblatt" durch den AnS- gang der Klage erhalten hat, dürfte dasselbe veranlassen, sich künftig etwas anständiger zu benehmen, selbst wenn es sich bei Polemiken wieder„nur" um Sozialdemokraten handeln sollte. Hus Induftnc und Handel Russische Ernteaussichteu. Nach den Angaben des zentralstatistischen Amtes des Ministeriums deS Innern wies der Getreidestand zun? 14. Juni salzendes Bild auf: Wintergetreide: sehr schleckt in 3 Gouv.. schlecht in 6 Gouv., unter mittel in 6 Gouv., mittel in 9 Gonv.. unter be- friedigend in 11 Gouv.. fast befriedigend in IS Gouv., mehr als befriedigend in 6 Gouv., fast gut in 7 Gonv., zun: Teil gut, zum Teil schlecht in 1 Gouv. Sommergetreide: schlecht in 1 Gouv.. mittelmäßig in 9, mehr als mittelmäßig in 5, unter mittel in 9, fast befriedigend in 18, über mittel in 11, fast gut in 7 Gouv. Die Gründung eines deutschen Tapetentrnsts kann, wie das ,.BerI. Tagebl." berichtet, als gesichert gelten. Neun große deutsche Tapetenfabriken, die gleichzeitig die renlabelsten fein»ollen— ihr Reingewinn präsentiert zusammen die Hälfte des Reingewinnes aller deutschen Tapetenfabriken— werden am 1. Oktober ihre Anlagen in eine neu zu gründende Aktiengesellschaft inferieren. Diese Aktien- gesellschaft, die unter der Aegide einer Großbank stehen soll, wird neben ihrem Aktienkapital auch Obligationen schaffen. Die übrigen deutschen Tapetenfabriken haben ihre Ansprüche, die sie für den Fall ihres Beitrittes zu der zu gründenden Aktiengesellschaft stellen, einer Kommission von Taxatoren eingereicht. In den Kreisen des „Zweckverbandes deutscher Tapetenindustrie', der der Mittelpunkt der Vertrustlmgsbestrebungen ist. wird angenommen, daß bis zum 1. Oktober— abgesehen von den oben erwähnten neun Fabriken— noch eine Anzahl anderer Tapetenfabriken sich dem Trust an- geschlossen haben wird. Rheinschiffahrt. In der holländischen Frachtschiffahrt ist zurzeit eine Bewegung im Gange, welche dazu angetan ist. eine völlige Umwälzung in deren bisherigen Handhabung hervorzurufen. Kapita- listen aus den Kreisen der Finanz, der Kaufleute und Reeder er- streben unter juristischem Beirat einen Zusammenschluß der Partikulier- schiffer zur selbständigen Transportübernahme in Holland, Belgien und Deutschland. Das Unternehmen ist bereits mit dem Hauptsitz in Amsterdam unter der Firma„Coöperative Vereeniging voor Binnen- landsche Brachtvaart' etabliert und eingetragen. Eine Anleihe von 15 Millionen Mark aufzunehmen beschloß am Montag der Gemeinderat der Stadt Straßburg i. E. Das Geld wird gebraucht für die Durchführung eines gewaltigen Straßen- durchbruchprojektes, welches 12 Millionen erfordert, für Wasser- leitungs-, Straßenbauten usw. Die Anleihe wird mit 4 Proz. ver- zinst bei einer Emissionsgebühr von Ich« Proz. Soziales. Geschlechtskrankheiten und Prostitution. Die Zahl der Personen männlichen und weiblichen Geschlechts, die im Jahre 1995 in den allgemeinen Heilanstalten des preußischen Staates an Geschlechtskrankheiten behandelt worden ist, weist gegenüber die voraufgegangenen Jahre eine allerdings nicht allzu erhebliche Zunahme auf. Diese Zunahme darf nicht etwa, wie es die frömmelnden Sittenrichter so gern tun, als Beweis für die toachsende Unsittlichkeit aufgefaßt werden, sie ist vielmehr nach An- ficht der Kreisärzte zurückzuführen einmal auf die mehr und mehr abnehmende Scheu vor dem Krankenhause, zum größten Teil aber auf die infolge der Aenderung des Krankenkassenversicherungs- gesctzes seit 1993 vou den Krankenkassen auch bei Geschlechtskrank- Heiken gewährte Krankenhausbehandlung. Wie in früheren Jahren sind auch diesmal wieder in den Re- gierr'ngSbezirkcn mit großen Städten die meisten Geschlechtskranken in deo Krankenhäusern behandelt worden. Obenan steht Berlin mit 43,79 auf 19 999 Einwohner, dann folgen die Regierungs- bezirke Wiesbaden(mit der Stadt Frankfurt a. M.), Köln, Schles- wig(mit den Städten Kiel und Altona), Hannover, Danzig, Breslau, Stralsund und Düsseldorf. Auch die Regierungsbezirke Potsdam, Magdebuvg und Stettin haben noch relativ hohe Zahlen, während die mehr ländlichen Bezirke Münster, Osnabrück, Allen- stein, Köslin und Sigmaringen an letzter Stelle stehen. Wie groß die Gefahr der syphilitischen Jnfektton ist, dafiir einige Beispiele In einem Ort des Regierungsbezirks Oppeln wurde durch ein Kind, das von seiner Mutter angesteckt war und zu Verwandten in Pflege gegeben wurde, eine ganze Familie mit 7 Kindern syphilitisch infiziert Im Kreise Plön bekam eine bis dahin gesunde Frau, welche aus Mitleid und Gefälligkeit ein fremdes Kind mit angeborener und unerkannter Syphilis stillte, eine Affektion an der Brustwarze mit darauf folgender allgemeiner Syphilis In einem Dorfe des Kreises Oschersleben entstand eine kleine Syphilis-Endcmie infolge Einschleppung durch einen Molkerei-Schweizer. Zwölf Fälle aus dem Dorfe wurden im Krankenhause behandelt; es wurde versucht, weitere etwa verHeim- lichte Infektionen möglichst durch ärztliche Untersuchung � aller Dorfbewohner zu ermitteln. Im Kreise Bitterfeld traten in einem Monat nahezu gleichzeitig 11 Erkrankungen an Syphilis auf, die dadurch entstanden waren, daß sich 4 junge Leute außerhalb an- gesteckt und die Seuche auf 5 Mädchen übertragen hatten. Im Interesse der Volksgesundheit ist es dringend erforderlich, daß die in Frago kommenden Behörden mehr als bisher für die Behandlung Geschlechtskranker tun. Vor allem muß man sich von der leider noch immer weit verbreiteten Ansicht frei machen, daß die Geschlechtskrankheit eine Folge der„Jugendsünden' und eine gerechte Strafe für den unehelichen Geschlechtsverkehr ist. Man hat in den unglücklichen Opfern, die sich eine Geschlechtskrankheit zugezogen haben, sei es auf welchem Wege auch immer, lediglich Kranke zu erblicken, die entsprechend den Errungenschaften der medizinischen Forschung zu behandeln sind. Es ist einzig und allein Sache des Arztes, nicht etwa der Geistlichkeit oder gar der Polizei, hier einzugreifen. Einige Städte sind mit gütcm Beispiel vorangegangen, indem sie die unentgeltliche poliklinische Unter- suchung und Behandlung geschlechtskranker, nicht unter Sitten- tontrolle stehender Personen übernehmen. Das ist u. a. der Fall in: Regierungsbezirk Frankfurt a. O. Allerdings wird hier, wenn die Gefahr der Krankheit vorliegt und auf gütlichem Wege ärzt- liche Behandlung nicht zu erreichen ist, mit polizeilichem Zwange vorgegangen. Die Poliklinik macht der Polizei Mitteilung, wenn die als krank Befundenen nicht binnen 48 Stunden inS Krankenhaus eingetreten sind. Die Äerzte sind ersucht worden, die bei ihnen zur Privatbehandlung sich meldenden Kellnerinnen auf die Poliklinik aufmerksam zu machen und die Kassenkranken ohne Mitteilung an die Polizei dem Krankenhause zu überweisen. Wenn auch diese Anordnung einen Fortschritt gegen früher bedeutet, so dürfte es doch bei fortgesetzter Aufklärung der Bevölkerung über daS Wesen der Geschlechtskrankheiten und die damit verbundenen Ga fahren dahin kommen, daß die Einmischung der Polizei gänzlich beseitigt wird. Nach den Berichten der Kreisärzte kommt für die Ver« breit ung der Geschlechtskrankheiten die öffent- liche Prostitution weniger in Betracht, als die heimliche. Als in Neumünster im September 1994 mit Schließung des Bordells die regelmäßigen ärztlichen Untersuchungen der Prostituierten fortfielen, wurde alsbald eine Zunahme der geheimen Unzucht und der Geschlechtskrankheiten beobachtet, sodaß gegen Endo 1995 der sittenärztliche Dienst wieder aufgenommen wurde. Die größte Gefahr für die Verbreitung der Geschlechtskrankheiten bedeutet das Kellnerinnenwesen. In der Stadt Tanzig wurden von 69 untersuchten Kellnerinnen nicht weniger als LI ge- schlechtSkrank befunden, im Kreise Tilsit waren von 51 einge- schriebenen Prostituierten 34 ihrer ursprünglichen Beschäftigung nach Kellnerinnen gewesen. Die Gefahr, die in dem Kellnerinnen- Wesen liegt, hat die Polizei längst erkannt. Aber sie geht weniger gegen die Inhaber von Animierkneipcn vor, die ja häufig nur'ver- kappte Bordells sind, als gegen die armen Mädchen, die von den Wirten ausgebeutet und systematisch körperlich und geistig zu Grunde gerichtet werden. In Glnt moA»« von ihren Patienten erfahren, daß sie sich bei einer bestimmten Kellnerin oder anderen Frauensperson angesteckt haben, dem Kreis- arzt Mitteilung, der wieder die Polizei auf die betreffenden Frauen hinweist. Die Namen der kranken Männer werden verschwiegen, die Mädchen aber werden nicht geschont. Aehnlich in Frankfurt a. O., wo seit 1994 die Kellnerinnen hin- sichtlich ihrer Vergangenheit und ihres augenblicklichen Verhaltens streng beobachtet und wenn angängig unter fittenpolizeilicher Kontrolle gestellt werden. Wir halten dies Vorgehen für völlig verkehrt. Sobald die Mädchen erst einmal unter sittenpolizeilicher Kontrolle stehen, ist ihnen die Rückkehr zu einem ordentlichen Leben gewöhnlich ab- geschnitten. Und doch möchte so manche von ihnen gern zurück. Aber die Polizeimaßnahmen hindern sie. Man glaube nicht, daß die Prostituierten immer jeden Schamgefühls bar und sich ihrer Menschenwürde nicht mehr bewußt find. Daß das Gegenteil der Fall ist, beweisen die Berichte aus Berlin. Hier erfolgt jetzt die Untersuchung der wegen Verdachts der Gewcrbeunzucht auf- gegriffenen Personen durch eine in Deutschland als Aerztin pro- movierte Dame. Es ist nun charakteristisch, daß die aufgegriffenen Mädchen wiederholt darum baten, sie lieber von einem männlichen Arzt untersuchen zu lassen, denn sie hätten die Empfindung, als ob Personen ihres eigenen Geschlechts sie immer wie Minderwertige oder Verworfene behandelten, was bei männlichen Aerzten, die rein sachlich mit ihnen verkehrten, nicht der Fall sei. Es ist hier nicht der Ort. auf die Frage der Ursachen der Prostitution und ihre Bekämpfung einzugehen, wir haben es hier einzig und allein mit der Frage deS Zusammenhanges zwischen Prostitution und Geschlechtskrankheiten zu tun. Es geht nun aus den Berichten der Kreisärzte mit Deutlichkeit hervor, daß die Stellung unter sittenpolizeiliche Kontrolle auch in gesundheitlicher Hinsicht ihren Zweck nicht erreicht hat. Denn wenn auch die Zahl der geschlechtskranken heimlichen Prostituierten verhältnismäßig größer ist als die der öffentlichen, so ist doch der Unterschied nicht so groß, daß er die Stellung unter sittenpolizeiliche Kontrolle recht- fertigt. In Berlin z. B. wurden von 3135 eingeschriebenen Pro- stituierten KL2 oder 19,84 Proz. krank befunden, von 2694 nicht eingeschriebenen aufgegriffenen Personen 529 oder 29,31 Proz. Rechtfertigt sich also die Stellung unter sittenpolizeiliche Kontrolle aus hygienischen Gründen nur schwer oder gar nicht, so ist sie aus sozialen Gründen gänzlich zu verwerfen. Man entschließe sich endlich dazu, mit dem System der Reglementierung zu brechen, wie es in Dänemark durch das neue Prostitutionsgesetz mit gutem Erfolge geschehen ist!_ Bundcsratsvcrordnung über Buchdrnckereicn. Die auf Grund des§ 129s der Gewerbeordnung erlassene Bundesratsverordnung vom 31. Juli 1897 über die Einrichtung und den Betrieb der Buchdruckereien und Schriftgießereien läßt in III für die bereits im Betriebe stehenden Anlagen während der ersten zehn Jahre nach Erlaß dieser Bekanntmachung auf Antrag des Unternehmers Ablveichungen von einigen Bor- schriften zu. Solche Abweichungen sind von folgenden hygienischen Forderungen der BundesratSverordnung möglich: In Arbeitsräumen, in welchen die Herstellung von Lettern und Stereotypplatten erfolgt, muß die Zahl der darin beschästtgten Personen so bemessen sein, daß mindestens fünfzehn Kubikmeter Luftraum und in Räumen, in denen Personen mit anderen Arbeiten beschäftigt werden, mindestens zwölf Kubikmeter Luft- räum auf jede Person entfallen. Ferner müssen die Räume, wenn auf eine Person wenigsten? 15 Kilometer Luft- räum kommen, mindestens 2,60 Meter, sonst mindestens 3 Meter hoch sein. Die Räume müssen mit Fenstern versehen sein, die aus- reichendes Licht und hinreichende Lüftung gestatten. Die M ö g- lichkeit, von diesen Schutzvorschriften dauernde Ausnahmenzuge st atten, wäre mitAblaufdieseS Monats erloschen. Der Bundesrat hat. wie der gestrige „ReichS-Anzeiger' meldet, dennoch durch folgenden Be- schluß vom 5. Juli die fortdauernde Möglichkeit von Ausnahme- bestimmungen geschaffen: „Die Bestimmungen unter IH der Bekanntmachung betreffend die Einrichtung und den Betrieb der Buchdruckereien und Schrift- gießereien, vom 31. Juli 1897(Reichsgesetzblatt S. 613) werden durch die folgenden Vorschriften ersetzt: Abweichungen von den Vorschriften unter I Ziffer 3 Abs. 1. 3 können aus Antrag des Unternehmers durch die höhere Ver- waltungöbehörde für solche Anlagen zugelassen werden, in welchen in der Regel nicht mehr als fünf Arbeiter beschäftigt werden, sofern die für den Betrieb benutzten Arbeitsräume bereits am 31. Juli 1897 im Besitze des jetzigen Unternehmers oder eines Familienangehörigen gewesen sind.' Gründe der sozialen und Hygienen Fürsorge sprechen entschieden gegen den Erlaß, auch Gründe der Billigkeit sind für diese Bundes- ratSverordnung nicht anzuführen, da die betreffenden Besitzer bereits seit zehn Jahren auf die Notwendigkeit, die angeführten hygienischen Maßregeln einzuführen, durch die Verordnung vom 31. Juli 1897 hingewresen waren. Im neuesten KurS wiegt aber offensichtlich Ge- sundheit der Arbeiter noch leichter, Bequemlichkeit des Unternehmer- tumS noch schwerer als vordem. Ostelbische Wohnungen in Mitteldeutschland. Die Bcrginspcktionsbeamten für den Braunkohlen- und Kali- bergbau berichten an ihre vorgesetzte Behörde von dem chronischen Arbeitcrmangel in den ihrer Aufficht unterstellten Betrieben. Gleichzeitig beklagen sie die„Unbotmäßigkeit einzelner Arbeiter' infolge des guten Geschäftsganges. Mit besonderer Genugtuung schreibt aber der Revicrbeamte für Anhalt, Herr Bergrat Schöne: „Die in: Oktober 1996 von der sogenannten Siebetier- kommission und dem Bergarbeitervcrbande Deutschlands versuchte Lohnbewegung ist hier spurlos verlaufen, da die Werksvcrwaltungen jene Verbände nicht als Vertreter ihrer Arbeiterschaft ansahen/' Der Beamte freut sich offenbar, daß eS den Unternehmern gelungen ist, die Arbeiter unter dem Drucke niedriger Löhne und den mit diesen verbundenen schlimmen sozialen Nachteilen zu halten. Oder sind die Zustände im Braunkohlen, und Kalibergbau so rosige, daß bei einer Verbesserung die Arbeiter zu üppig werden könnten? Wollen sehen. Wir haben uns in den meist von Kaliberg- lcutcn bewohnten Ortschaften Atzendorf, Egeln, Wester- cgeln, Unseburg, Staßfurt-LcopoldShall umge» sehen. Unter den Bewohnern genannter Orte waren sogar„Herzog- lich anhaltische' Bergleute, also Staatsarbeiter. Die Häuser waren vielfach in schmutzigem, baufälligem, ekelerregendem Zustand. In die überall vorhandenen Kellerwohnungen und in die Parterre der unter dem Straßenniveau stehenden Häuser drang der Schlamm hinein. Hatte man sich durch den Hausflur gearbeitet, sah man Mist und lendenlahme, wacklige Hinterhäuser aus Fach, werk, zu Viehställcn kaum zu gebrauchen. Darin wohnten Menschen. Die Stube war oft nur 3— 4 Meter im Quadrat, der Kopf stieß fast an die Decke, große Löcher in den Wänden, halbblinde, zer- brochcne Fensterscheiben, alles schwarz verrußt. Sechs, acht Menschen hockten in einem solchen Raum. Wir sahen Kammern von 2 Metel Breite und 3� Meter Länge, in denen vier Betten und mehrere Bett„kastcn' standen. Die Fenster standen weit offen. Umsonst! Der entsetzliche Geruch vom Hofe und alte Wäsche, ekelhafter Dunst und Brodcm benahm einem den Atem. In einem anderen Hause war für Quartierburschen, erwachsene Kinder beiderlei Geschlechts und Eltern nur ein Schlafraum. Mehrfach trafen wir drei und vier Personen in einem Bett! Auf einem Dorfe befanden sich in einein dunklen Räume— die Kinder machten draußen auf einer Bank vorm Miste Schularbeiten!— die Großeltern, die bei ihren Kindern wohnten. Die allermeisten Wohnungen, vorn wie hinten, bestehen nur aus Stube und Kammer. Und nicht nur vereinzelt trifft man die elenden Häuser mit den erbännlichen Wohnungen, ganze Straßen sind voll davon, die größte Hälfte der Bergarbeitcrdörfer besteht aus solchen Häusern. Die Beamten wohnen allerdings viel besser. Den Herren Direktoren hat man sogar Villen gebaut. Dadurch tritt das Elend ~u" CT* um so greller in die Erscheinung. In den mit den Sakzbergwerlen verbundenen chemischen Fabriken holt sich die Arbeiterschaft oft bösartige und ansteckende Krankheiten. Die von scharfen Laugen ausgehenden, fressenden Dämpfe zerstören die Gesichter, erzeugen übelriechende Abscesse und Geschwüre. Aber die Gesunden müssen mit den Kranken in einem Räume ausharren. Die an den Wänden zerstreut aufgehängten Arbeitskleider sind mit Chlor- und Bromdämpfcn durchtränkt. Der von ihnen ausgehende starke Geruch reizt Nasen und Schleimhäute, er ist fürchterlich. Schon beim Betreten solcher Häuser benimmt den Uneingeweihten der Geruch den Atem, er durchzieht das ganze Haus. Kein Wunder, wenn der Volksnach- wuchs verkümmert, die eingefallenen Augen in den fahlen Ge- sichtchen der Säuglinge enthalten eine einzige furchtbare Anklage! Man wende nicht ein, daß die Salz- und Kalibergarbeiter ja bessere Wohnungen nehmen könnten. Zunächst hat sich das Elend von Kind zu Kindeskind vererbt, andere Wohnungen gibt es nicht, dann aber reicht der Lohn nicht weiter! Die Wohnungsnot hat die Mieten in die Höhe getrieben, die Löhn- betragen im Durchschnitt erst 3,59 M. pro Tag. Die Lebens- Haltung ist in den dichtbevölkerten Industriezentren dabei teurer als in der Großstadt. Kräftige Nahrung, Lust und Licht sind für den in der Chlor- und Bromfabrikation tättgen Arbeiter aber unerläßlich, er geht sonst mit 35 Jahren mit zerfressener Lunge schon seinem Ende entgegen. D:e Wohnungen der Kaliarbeiter sind Stätten des Elends, das ist keinerlei Uebertrcibung. Wenn den Organen der staatlichen Auffichtsbehörde diese Brutstätten von Krankheit und Tod ver- borgen bleiben können, und an die vorgesetzte Behörde von„Un- botmäßigkeit der Arbeiter' berichtet werden kann, wenn diese den unersättlichen Kaliindustriellen einen besseren Lohn abverlangen, so charakterisiert das unsere heutige Berg- inspektion._ Landesverweisung wogen Kontraktbruchs. Aus Ostpreußen wird uns geschrieben: Bekanntlich laufen selbst die bedürsnis- und anspruchslosen russisch-polnischen Landarbeiter den ostelbischen Junkern Haufen- weise wegen fortgesetzter schlechter Behandlung fort. Der aus der konservativ-liberalen Paarung hervorgegangene neue Polizciministcr hat sich nun. wie es scheint, schon veranlaßt gefühlt, den durch das Entlaufen„bedrängten" Gutsbesitzern zu Hülfe zu kommen, denn eS sind dieser Tage Bestimmungen er- lassen worden, wonach solche Arbeiter, welche sich aus irgend einem Grunde von ihrer Arbeitsstelle entfernen mit dem Vorsatze, nicht wieder zurückzu- kehren, im Falle der Wiederergrcifung vorerst zu verwarnen und der alten Arbeitsstelle wieder zuzuführen sind. Bei einem aber- maligen Kontraitbruche oder wenn der Kontraktbrüchige seine Kollegen zur Arbeitseinstellung aufwiegelt oder wenn er keine Ausweispapiere besitzt, ist sofort die Landesverweisung als lästiger Ausländer zu verfügen und der Betreffende durch die Gendarmerie an die russische Grenze zu befördern. Sodann sollen auch schärfere Maßregeln gegen kontraktbrüchige einheimische Arbeiter in Anwendung gebracht werden. Wenn er- forderlich, sollen zu diesem Zwecke— noch mehr Beamte an- gestellt werden. Das Letztere wünschen die notleidenden Land- Wirte neuerdings dringend. Dabei hört man jetzt, in der Zeit der dringendsten Feldarbeiten, in Ost- und Westpreußen täglich von Fällen über geradezu frivole Kontraktbrüche von Gutsbesitzern ihren heimischen Arbeitern gegenüber. Bei den geringsten Anlässen ertönt der den Herrenmenschen schon zur Gewohnheit gewordene Ruf:„Binnen drei Tagen verlaßt Ihr die Wohnung." Meistens muß solch eine auf die Straße gesetzte Land- arbeiterfamilic den rückständigen Lohn, Deputat und die ausgesetzten und bearbeiteten Kartoffeln, die auf dem Felde stehen, im Stiche lassen und sich ein Obdach' suchen. Daß selten eine gegen dix Besitzer eingereichte Klage Erfolg hat, darf wohl nicht erst betont werden. Wird der neue Polizeiminister gegen den gemeingefährlichen. durch nichts begründeten Kontraktbruch der ländlichen Arbeit- geber Maßregeln ergreifen und seinen Kollegen im Reichsamt des Innern veranlassen, endlich die rechtliche Knechtung der Land- arbeiter zu beseitigen?_ Lohnzahlungspcrioden. Für wöchentliche Lohnzahlungen treten die organisierten Arbeiter Düsseldorfs schon längere Zeit ein, doch widersetzen sich dieser Forderung die Leitungen der größeren Werke, welche zumeist monatlich löhnen und halbmonatliche Abschlagszahlungen gewähren. Nachdem alle Vorstellungen seitens der Arbeiterausschüffe nichts gefruchtet, nahm sich auf Veranlassung des Gewcrkschaftskartells der Ausschutz des Gewerbcgerichts der Sache an und führte eine Aussprache zwischen den Interessenten herbei. Aber auch diese Aussprache, an welcher Vertreter der Arbeiterschaft, der Handels- kammer und auch der Handwerksmeister teilnahmen, führte zu keinem für die Arbeiter günsttgen Resultat. Die Kleingewerbe- treibenden löhnen zumeist wöchentlich, sie erklärten auch die Wünsche der Arbeiter für berechtigt, nicht so die Vertreter der Groß- industrie. Es wird geltend gemacht, daß an Lohntagen von den Arbeitern viel Geld für Getränke ausgegeben würde. Die Folge davon sei, daß am nächsten Tage eine Anzahl Arbeiter fehlten oder aber es sei ein Sinken der Leistungen deS Arbeiters zu konstatieren. Außerdem aber müsse das Personal in den Betrieben verstärkt werden, wenn man wöchentliche Lohnzahlungen einführe. Daß sich eine Anzahl Arbeiter an den Lohntagen betrinken, ist leider wahr. Nicht richtig aber ist, daß diese Zahl so groß ist, wie von den Unternehmern angegeben wird. Auch muß konsta- tiert werden, daß der Prozentsatz unter dem erzieherischen Einfluß der Organisation fortwährend sinkt. Der Hauptgrund der Weigerung ist wohl darin zu suchen. daß einige Kommiö in den größeren Werken eingestellt werden müssen, wenn mit dem alten Schlendrian gebrochen wird. Daß kurze Lohnfristen für die Arbeiter vorteilhaft sind, haben die Arbeiter erkannt und werden sie diese Frage auch in einem für sie günstigem Sinne zur Lösung bringen. Sie stellen sich auf den Standpunkt, daß, was die Großindustriellen in allen anderen Großstädten möglich gemacht haben, müsse auch in Düsseldorf ein- geführt werden können. Hus der frauenbe�vegung. Uevcrwache die Lektüre Deiner Kinder! Kinder lesen gewöhnlich alles, was ihnen in die Hände kommt, und dies umsomchr, je geistig aufgeweckter sie sind. Bei den Knaben erfteuen sich die Jndianerbücher, die in den Buchhandlungen für wenige Pfennige zu haben sind, einer ganz besonderen Beliebtheit. Mit grausigen Titelbildern versehen, locken sie die kleinen Gernegroße zu den Schaufenstern heran, und schon manchem Jungen ist durch solche schädliche Lektüre der Tatendurst ins Unendliche gestlegen, er fühlte sich als Held und ging auf die Wanderschaft, un: selbst Abenteuer zu erleben. Solche kleinen AuSreißer haben durch ihre Dummenjungenstreiche manchen Eltern bange Stunden und Tage gemacht. Auch die sentimentalen Rührgeschichten, wie sie von frömmelnden Vereinen ausgeliehen werden, sollte man den Kindern fernhalten, da sie durch diese meistens einen ganz falschen Begriff vom Leben er- halten. Durch solche Lektüre wird der Blick von der Wirklich- keit abgelenkt und in das jenseitige„Wunderland' geleitet und gelehrt, daß nicht Forschen und Wissen, sondern Glauben und nochmals Glauben das Haupterfordernis im Leben ist. Solch frömmelnder Schund wirkt genau so verkrüppelnd auf die Volksseele wie die Schund- und Schauerromane, bei deren Lektüre Groß und Klein, Eltern und Kinder in Hunderttausenden Arbeiterfamilien ihre geistige Erholung suchen. Statt nützliche, geistige Anregung zu finden, werden solche EltrrnS meistens unfähig zum Nachdenken und zun: BefteiungSkampf ihrer Klasse wie zur vernünftigen Erziehung ihrer Kinder, und in ungezählten Fällen werden diese Schilderungen von Mord und Tot- schlag, Brandstiftungen und geheimnisvollen Entführungen von den Kindern selbst verschlungen, bei denen sie wie ein furchtbares Gift wirken. Bei ein wenig Nachdenken muh jede Mutter wissen, wie fest die Eindrücke aus derKindheit für das ganze Leben hasten und dem späteren Denken und Handeln die Richtung geben—, und wer daS weih, der wird seinem Kinde n i e etwas Niedriges und Gemeines zu lesen geben. Wir wollen nicht die alten Grimmschen, die prächtigen Hauffschen oder die gemütvollen Märchen von Andersen verdammen. Gut aus- gewählt besitzen diese einen groben erzieherischen Wert, da darin meist das Gute belohnt und das Böse bestrast wird. Aber man soll den Kindern sagen, daß das nur Märchen sind. Sehr zu empfehlen sind die Bilder- und Erzählungsbücher, die der Parteiverlag D i e tz in Stuttgart seit Jahren herausgegeben hat, sowie die vom Hamburger Jugendverein herausgegebenen sorgfältig ausgesuchten Jugendschristen und das auS der Kinderbeilage der „Gleichheit* hergestellte Erzählungsbuch, welches zum Preise von 1 M. in den Parteibuchhandlungen zu haben ist. Für die gröberen Kinder bieten heutzutage die Arbeiterbibliotheken sehr viel Gutes. Da sind geschichtliche und naturwissenschaftliche Werke, die gern ge- lesen und auch verstanden werden; auch für die kleineren findet sich manche Perle darin. Allerdings kann gerade für diese in der Zu- kunst noch viel mehr getan werden. Bei der Befriedigung des Lesebedürfnisfes für das heranwachsende Geschlecht soll man ebenso wie bei den Erwachsenen stets vor Augen haben, dajj Lektüre nicht nur unterhalten, sondern bilden und belehren soll, und zwar im Sinne einer freien, fort- geschrittenen Weltanschauung, im Sinne de» Sozialismus; auch schon beim Kinde. Dabei brauchen wir dem kindlichen Charakter absolut keinen Zwang anzutur indem wir etwa den Versuch unternehmen, ihm wissenschaftlichen Sozialismus einzutrichtern; das wäre verfehlt. Aber einen gewissen natürlichen Sozialismus kann man schon in das Kinderherz einpflanzen, indem man ihm das UnterscheidungS- vermögen für Recht und Unrecht lehrt, und ihm den Mut anerzieht, unter allen Umständen für das Recht einzutreten. Dadurch werden freie, aufrechte Charaktere geschaffen. Frauen und Mütter: helft dazu! Eine Generation, welche so vorgebildet ist, wird die Sprache der Arbeiterpresse und die Forderungen des Sozialismus verstehen, und mit ihr wird unsere Partei zum Siege kommen. Zur Entlohnung der Frauenarbeit. Die vom Statistischen Amt der Stadt München bei Arbeiter» und Arbeitgeberorganisationen veranstalteten Lohnermittelungen haben in bezug auf die gewerbliche Frauenarbeit folgendes allgemeine Resultat ergeben. Von 3b29'gewerblick> tätigen Frauen— daS sind zirka ein Fünftel aller in München beschäftigten— liegen voll- ständige Angaben über Mindest-, Durchschnitts- und töchst löhne pro Woche vor. deren Verteilung nachstehende abelle illustriert: Lohnsatz M. v— 7.V 7,5-10 10—12.5 12,5-15 15-17,5 17,5-20 20—22.5 22,5— 25 Zusammen c'0 L <3 E* S SS*0» ««■SS=> oEiSQ" o"J5"2 «ö— a 447 1661 1184 40 254 43 3629 % 12,8 44,2 33,5 1.1 7,2 IL 100,0 o C � S S32 .-■gQr S O X O �— 6to La>e °/° 280 1693 1194 819 20 23 8529 S• 1?� c G, S'S s«*2 a c = 1�- wS JS-OJ, 7.9 48,0 33,8 9,0 0,6 0,7 100,0 % 76 941 1064 1076 304 45 23 2,1 26,7 30,1 30,5 8,6 1.» 0,7 3529 100,0 DaS ist ein nichts weniger als glänzendes Bild. Zusammen 81.8 Proz., das heißt über vier Fünftel aller Durchschnitts- löhne liegen zwischen 10—15 M.; nur 10,3 Proz. der befragten Arbeiterinnen verdienen in der Regel ein paar Mark mehr; über 17,50 M. geht aber der Durchschnittslohn nur bei verschwindend wenigen. Auf der anderen Seite bleiben 7,9 Proz. noch unter dem Durchschnittslohnsatz von 7,50 M. die Woche. Welche Summe von materieller Rot und sozialer Entwürdigung birgt sich hinter diesen Zahlen! Faßt man die Durchschnittslöhne in den einzelnen Erwerbs- zweigen ins Auge, so ergibt sich folgendes Bild: 7,50—10 M. wird folgenden Berufen gezahlt: Konditor-HülfS arbeiterin. Handschuhnäherin, Hülfs- Damenschneiderin(». T.), Schuh- Taglöhnerin, Buchbinder- Hülfsarbeiterin. Druckere,-Lehr- mädchen, Gummiarbeiterin von 16 bis 21 Jahren, jugendliche Wäscherin, Arbeiterin in Trockenplattenfabrik im ersten Anstcllungs jähre. 10—12,50 M. erhalten: Bautaglöhnerin, Büfettdame, Gastwirtschafts-Beschließerin und Köchin IL Klasse(ohne Naturallohn), Poliererin, Bohrerin, Packerin und Einzieherin der Bürstenbranche, Pelznäherin, HuthülfSarbeiterin und Garniererin, Damenhülfs- fchneiderin(z. T.), Bogenfängerin und Hülfsarbeiterin beim Druck, Porzellandruckerin, erwachsene Gummiarbeiterin, Arbeiterin in Trockenplattenfabrik nach einem Jahr, Wäscherin und Maschinen. büglerin, Taglöhnerin in diversen Branchen. 12,50—15 M. erhalten: Brauereiarbeiterin, Einlegerin, Falzerin, Hefterin. Goldaufträgerin. Prägerin. Schuharbeiterin, Büglerin(bes. Handbüglerin), Expedientin der Dampfwäscherei, Weichenstellerin und Schienenputzerin der Trambahn. 15—17,50 M. erhalten: Gastwirtsköchin I. Klasse(ohne Natural. lohn), Damenschneiderei-Maschinenarbeiterin, Broschiererin. gelernte Expedientin, Vorarbeiterin und Beschließerin der Dampfwascherei, Schuhstepperin(nach Arbeitgeberaussaaen). 17,50—20 M. erhalten: Damenschneiderei-Maschinenarbeiterin, l. Vorarbeiterin in Trockenplattenfabriken. 20—22,50 M. erhalten: Schuhstepperin(nach Unternehmer schaftlichen Worten: Wir Frauen sind noch mehr als unsere arbeitenden Brüder Sklaven der kapitalistischen Gesellschaft. Unser erster Schritt muß sein, uns aus dieser Sklaverei zu be- freien, indem wir aktiv teilnehmen an den gesetzgebenden Körper- schaften und dem politischen Kampf für unsere Unabhängigkeit. Wie schwer wurde es mir, mich nach des Tages Mühen auf der Farm oder der Fabrik auszubilden, während die Frauen der privilegierten Klasse ihre Zeit mit Theatergehen, kostspieligen Vergnügungen oder mit anderen Modetorheiten vergeuden. Eine einzige Mahlzeit meines früheren Arbeitgebers kostete mehr als ein Jahr der Ausbildung für mich. Nieder mit unseren Unter- drückern._ Aus einem Frauenrcich. Die Klippenbewohner von tzopi in Arizona sind beneidenS- werte Leute. Sie sind Indianer, etwa 2000 Köpfe stark, sie besitzen in ihrem Ort weder ein Gefängnis, Krankenhaus, Armenhaus, noch Polizei, und Verbrecher sind dort unbekannte Begriffe. Alkoholische Getränke kennen sie nicht. Am interessantesten jedoch ist die Stellung der Frauen. Die Hopifrauen sind ausgezeichnete Beispiele der ursprünglichen primitiven Menschheit. Sie sind kräftig und gleichmäßig gebaut und haben einen tadellosen Charakter. Ihnen gehören die Häuser, die fie selbst bauen, und alles Familieneigentum gehört der Frau, die als Vorsteherin des Haushaltes anerkannt ist. Die Erbschaft erfolgt daher stets durch die Mutter, und die Nachkommenschaft wird durch die weibliche Linie geregelt. Trotz der Freiheit und Bedeutung, die die Hopi- frau genießt, bewahrt sie ihre angeborene Bescheidenheit und Anstand. Ihr ganzes Leben ist der Sorge für ihre Kinder gewidmet. Die Heiratsgebräuche sind grundverschieden von den unseligen. Die Heiratsanträgc gehen von der Frau aus, nicht vom Manne, und sind die entstandenen Ehen die moralischsten und glücklichsten, die man sich denken kann.— 30 M. erhalten: Gastwirtschaftsköchin I. Klasse. Bedenkt man. daß die männliche Arbeiterschaft München? nach den Ermittelungen der gleichen Behörde sich zu �/z in den Lohnstufen von 20— 80 M. befand, so erhellt der ganze Abstand der Entlohnung der Frauenarbeit und der Männerarbeit. Die letztere wird durch- schnittlich gerade doppelt so hoch gewertet wie die erstere.»Die Frau verrichtet regelmäßig die einfachen mechanischen Arbeiten und steigt nur selten zu qualifizierter Arbeit auf*— lautet die all- gemeine Schlußfolgerung, die der Bearbeiter aus den Ergebnissen der Untersuchung zieht. An die mittleren Lohnstufen der Männer ragen in der Tat nur einzelne qualifizierte weibliche Arbeitskräfte heran, wie besonders geschickte Damenschneiderinnen, Vorarbeiterinnen in Dampfwäschereien, Porzellan- und Emaildruckerinnen und Schuh- stepperinnen. Am besten bezahlt werden erstklassige Köchinnen im Gastwirtsgewerbe._ Unter den sozialistischen Frauen Finnlands sind drei markante Erscheinungen: Frau Milna Sillaupda, Frau Maria Raunio und Fräulein Mimmi Kanneroo. Frau S. ist verheiratet, 40 Jahre alt und ein unermüdlicher Organisator. Sie hat Hunderte von Meilen auf dem Lande zurückgelegt, um Propagandareden zu hakten und Zweigvereine der Sozialistischen Fraucn-Union zu gründen. Sie ist die Hcrausgeberin einer sozialistischen Frauen- zcitung in Helsingfors und Vorsitzende des Zentralkomitees.— url. K., welche von Abo stammt, ist ein bildhübsches Bauern- mädchen, das sich selbst unterrichtet hat. Sie hat ein wunder- bares Rednertalent und wird von den Genossinnen, die stunden- lang unermüdet ihrer Rede folgen, bewundert. Bei einer kürzlich in Abo abgehaltenen Versammlung schloß sie mit folgenden leiden« �3eriekts-Teitung. Der beleidigte Lehrer. Unter Bezugnahme auf das Bestreiten deS Lehrer» Habermann, daß er mit dem Schuhmachermeister Kuhnert auf dem Duzfuße ge- standen, ihn angeborgt und in engerer Beziehung zu ihm gestanden habe, teilt uns der Schuhniachernieister Kuhnert mit, mit Haber- mann habe er vor der Beleidigungsklage auf dem Duzfuße ge- standen, sei von ihm angeborgt, sei von ihm besucht und habe auch mit ihm in Lokalen getanzt. Mit dieser unseren Gerichtsbericht vollinhaltlich bestätigenden Erklärung sind beide Teile zum Wort gekommen. Für uns ist damit die Sache erledigt. Wann liegt verbotener Privatposteu-Betrieb vor? Wegen Vergehens gegen die Postgesetznovelle von 1899. welche den Betrieb von Privatposten verbietet, ist am 4. April vom Land- gericht Halles. S. der Kaufmann Karl Halle zu einer Geldstrafe von 10 Mark verurteilt worden. Er betrieb früher in Halle eine PrivatbriefbeförderungSanstalt und erhielt, als er sie bei Jnkrafttteten der erwähnten Novelle aufgeben mußte, eine Entschädigung von 16 000 M. aus der Reichskasse. Nachdem am 1. Juli v. I. daS billige Ortsdrucksachenporto fortgefallen war. er- öffnete er wieder eine„Hallesche Verkehrsanstalt*, wie solche auch an anderen größeren Orten bestehen. Er befördert unverschlossene Drucksachen und Warenproben an bestimmte Empfänger, aber ohne Aufschrift von Adressen. Zur Orientierung der Boten gibt er diese» sogenannte Kontrollkarten, welche die Adressen enthalten. Diese Karten enthalten die gedruckte Mitteilung des Angeklagten, daß er dem Adressaten demnächst eine Drucksachensendung zugehen lassen werde, die er geneigter Beachtung empfehle. Angeblich werden diese Karten den Adressaten vor den Drucksachen zugestellt. Das Landgericht hat nun angenommen, daß die Drucksachen mit Adresse»versehen* seien, wenn der Bote, der sie be- stelle, die Konttollkarte bei sich führe, und deshalb fest- gestellt, daß der Angeklagte dem Gesetze zuwider Drucksachen mit den Adressen bestimmter Empfänger gewerbsmäßig verbreitet habe.— Auf die R e v i s i o n deS Angeklagten hob am Montag das Reichsgericht das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. DaS Gericht ist der Meinung, daß der Begriff deS Vergehens im Sinne der Postnovelle von 1899 verkannt ist. Zu verstehen ist unter dem„versehen mit Aufschrist* eine solche Herstellung einer Verbindung zwischen Sendung und Adresse, daß eine genügende Sicherheit nicht erst durch die Vermittelung des Bestellers herbeigeführt werden soll. Eine solche Vermittelung liegt hier bor. Nach den bisherigen Fest- stellungen hätte aber das Landgericht Veranlassung gehabt, in die Prüfung der Frage einzutreten, ob nicht die sogenannten Kontroll- karten als solche Sendungen anzusehen find, deren Ein- sammlung und Beförderung durch die Postgesetznovelle unter Strafe gestellt ist._ Körperverletzung mit tödlichem Ausgange. Ein wüster Exzeß der Trunkenheit, bei welchem der Haupt. beteiligte zu Tode kam, lag einer Anklagesache zugrunde, die gestern vor dem hiesigen Schwurgericht zur Verhandlung kam. Wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgange mußte sich der 45jährige Produktenhandler Karl H a l b b a u e r bor den Geschworenen der Tod deS H. unmittelbar darauf xintrat.— Der Angeklagte fährt' jeden Morgen in Begleitung seiner Ehefrau bei den kleineren Produktenhändlern im Norden Berlins herum, um von diesen Altmetalle und Lumpen anzukaufen. Dies war auch am Morgen deS 19. Februar der Fall. Da cS an jenem Tage sehr kalt und regnerisch war, verabsäumte daS Ehepaar nicht, die mitgeführte Schnapsflasche, in der„Schlesischer mit Luft* enthalten war, recht häufig in Tätigkeit zu setzen. Die Folge war, daß beide bald in Streit gerieten und sich auf dem Wagen eine regelrechte Prügelei entspann. In ärgerlicher Stimmung kam Halbbauer endlich am Nachmittage wieder in seiner Wohnung an. Aus einem geringen Anlaß titulierte er die Ehefrau des in demselben Hause wohnhaften 'artmann mit dem Worte„Pumpjule*. Hierüber kam es zum -treit und der Angeklagte tobte auf dem Hofe herum und stieß die Worte aus:„Einer muß heute noch heran, und wenn es mein eigenes M-- tstück oder des Teufels Großmutter ist!* Als er sich allmählich beruhigt hatte, stieg er die Treppe zu seiner Wohnung herauf. Unglücklicherweise begegnete ihm hier Hart- mann. Zwischen den beiden Männern entwickelte sich ein furcht- barer Kampf. Plötzlich ertönte ein lauter Schrei und Hartmann stürzte rückwärts die Treppe hinunter, um auf dem Podest mit ge- brochencm Genick und zerspaltenem Schädel liegen zu bleiben. Die Anklage geht davon aus, daß der Angeschuldigte den H. vor- sätzlich die Treppe heruntergeworfen hat. In der Verhandlung Plädierte Rechtsanwalt Heine auf Freisprechung deS Angeklagten, da es durch die Beweisaufnahme nach keiner Richtung hin festzu- stellen sei, daß Halbbauer den Getöteten absichtlich die Treppe hinuntergestoßen habe. Trotz der schweren Folgen, die diese Rauferei in der Trunkenheit gehabt habe, sei er freizusprechen. Die Geschworenen hielten den Sachverhalt nicht für genügend auf- geklärt und verneinten sämtliche Schuldfragen. Der An- wklagte wurde demgemäß freigesprochen und sofort aus der Interfuchungshaft entlassen._ Ein gelynchter Wurstdieb mußte sich in der Person des Hausschlächters Friedrich Heyns vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte wegen Diebstahls in zwei Fällen verantworten. Der bisher völlig unbescholtene Angeklagte verdient sich dadurch seinen Lebensunterhalt, daß er bei vcr- chiedenen Gastwirten, die vom Zcntralviehhof selbst Schlachtvieh beziehen, die Schlachtungen vornimmt und zugleich Wellfleisch, Würste und sonstige delikate Genußmittel herstellt. Hierbei fällt aewöhnlich für den HauSschlächter selbst etwas ab; in einem Falle< hatte jedoch der Angeklagte außerdem noch verschiedene Würste und Speckseiten verschwinden lassen. Am 5. Mai d. I. hatte H. bei der Gastwirtin Frau Vollbrecht in der Möckernstraße eine Schlachtung vorgenommen. Als der Angeschuldigte des Abends gegangen war, vermißte Frau V. zugleich mehrere Würste und Flcischstücke. Um den Wurstdieb zu entlarven, bestellte sie den Angeklagten einige Tage später nochmals. Die sehr robuste Wirtin hatte sich schon vorher mit einem großen Schöpflöffel bewaffnet, als sie bemerkte, daß sich der Angeklagte in verdächtiger Weise an der in: Keller gelegenen Vorratskammer zu schaffen machte. Ohne die kampfbereit auf ihn wartende Wirtin zu bemerken, stieg H. ahnungslos die Treppe wieder empor. Oben angelangt, fragte ihn rrau V., woher es denn komme, daß er plötzlich einen Buckel a b e, und im nächsten Moment polterten mehrere Würste auf den Fußboden, die den künstlichen Buckel bei ihm hervorgerufen hatten. Als sich H. entdeckt sah, schrie er angesichts des drohenden Koch- löffels um Hülfe. Im nächsten Augenblick hatte ihn die rundliche Wirtin über den Tisch gezogen und ließ so lange den Löffel auf der gewöhnlich zum Sitzen benutzten Körper st elle des Angeklagtes heruntersausen, bis sie nur noch den Stiel in der Hand hatte. Durch diese Lynchjustiz war H. derartig zugerichtet worden, daß er sofort eine Unfallstation aufsuchen mußte, wo ihm ein dicker Verband auf die schadhaft gewordene Stelle gelegt wurde.— Vor Gericht bat der Angeklagte um eine milde Strafe. Das Gericht erkannte mit Rücksicht darauf, daß der Angeschuldigte schon eine viel schmerzhaftere Strafe erlitten habe, dem Antrage des Amtsanwalts gemäß auf nur drei Tage Gefängnis. Eine öffentliche Dienstbotenverfammlnng findet statt am Donners- tag, den 11. Juli, abends 9 Uhr, in Habeis Braueret, Bergmannsw. 5— 7. Vortrag von Fräulein Ida Baar über:.Verkürzung der Arbeitszeit für Dienstboten." Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Svafferftnnd am 9. Juli vorm. Elbe bei üliststg— Meter, bei Dresden— 1,15 äp.— Elbe bei Magdeburg 1,66 Meter.— Oder bei Ratibor 1,17 Meter.— Oder bei Breslau 1,43 Meter.— Oder bei Brieg 2,66 Meter.— Neihemündunq 1,23 Vieler.— Kaub, 8. Juli. Rhein S Uhr morgens 3,36 Meter. Straßburg, 8. Juli. Rheinschleuse 3,73 — 0,64 Meter._ Berliner Marktpreise. Aus dem amtliche» Berlcht der stäbtllchen Markthallen-Dtrcltioii.(Großhandel.) Rindfleisch la 72-74 Pr. 166 Md.. IIa 66-71, Ula 61-62, Bullenfleisch la 67-72, IIa 57-66, Kühe, seit 64—62, do. mager 42—52, Fresser 56—68, Bullen, dän. 6,66, do. Holl. 6,66. Kalbfleisch, Doopellender 95—115, Mastlälber la 73-82, IIa 64—72, lila 6,66, Kälber ger. gen. 45—57, do. Holl. 6,66, dän. 6,66. Hammelfleisch Mastlämmer 74—78, Hammel la 69—73, IIa 62-68, Schase 59—62. Schweinefleisch 52—59. Rehbock la Per Pfund 6,65—6,80. IIa 0,30-6,60. Rotwild. Abschuß 0,58-0,62. Damwild, Abschuß 0,00, Wildschweine 0,36—0,45, Frischlinge 6,66. Kaninchen per Stück 6,66. Hühner, alle, per Stück 1,66—2,36, IIa 1,36—1,46, do. junge 6,56—6,86. Hamburger Külen 6,66. Tauben 6,36—6,64, italienische 6,66. Ente» per Stück 1,26 bis 2,25, do. Hamburger per Stück 2,56—3,65. Gänse per Psund 6,66—6,68, do. per Stück 2,66—4,66, do. Hamburger per Psd. 6,76—6,75, per Stck. 2,56—3,66, do. Oderbrucher per Stück 6,66. Poulets 6,56—6,96. ChalonShühncr 1,00. Hechle per 100 Psund 115—128, mittel 6,66, dito klein 6,66, dito groß 81—91. Zander 6,66. Schleie, klein 116, dito groß 6,66, do. 96-164. Aale, groß 163-117, do. klein und millrl 0,60. mittel 93-114, uns. 87-95, do. klein 81. Plötzen 6.66. do. klein 6.66. Roddow 6,66. Karpfen 89. Bleie 53—69, matt 0,66. Bunte Fische 55-78. Börse 0,00, do, matt 60—73. Karauschen 78-88. Blcifische 0,60. Weis 55—59. Aland 6,66. Quappen 6,66. Slmerltanischer Lach» la neuer, per 166 Psd, 116—136, do. IIa neuer 96—166, do, Ula»euer 66. Seelachs 16—26. Sprotten, Kieler, Wall 6,66, Dauziger, Kiste 0,66. Flundern, Kieler, Stiege la 3—6. mittel vcr Kiste 1—2, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 4—8, IIa 6,56—2,56. Bücklinge, Kieler per Wall 2—3, Slrals. 3,60—4,50. Aale, groß per Psd. 1,16—1,46, miltelgroß 6,86—1,16, klein 6,66—6.86, Heringe per Schock 5—9, Schellfische Kiste 3,60—5,66,>i, Kiste 2-2,56. Kabliau, geräuch. per 166 Psd, 6,66. Dorsch, Kiste 6,66. Goldfische, Schock 6,66. Sardellen, 1962er per Anker 98, 1964cr 98, 1965er 98, 1966er 90—95. Schottische Vollheringe 1905 0,60, largo 40-44, kuU, 38-40, med. 36-42, deutsche 37-44. Heringe, neue Matjes, per'/, To, 56—126, Sardinen, russ., Faß 1,56—1,66. Bratheringe Faß 1,20—1.40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen, Schocksaß 11, do. kleine 5—6, do. Niesen- 14. Eier, Land-, unsortiert per Schock 3.66—3,16, do. große 6,66. Krebse per Schock große 0,66, do, mittelgroße 6,66, do, kleine 4,56, do. unsortiert 6,66, do, Galtzier groß 15, do, mittel 6,66, Bulter per 166 Psd, la 166-116, lla 103-106, lila 100-102, abfallende 90-95. Saure Gurken Schock 4,56, do, neue 6—8, Pseffergurken 4,56, Kartoffeln per 166 Psund Görzer 7—8, blaue 5,56- 6,66, Rosen- 5,56 bis 6,56, Dabersche 4,66—4,56, neue Nieren- 5,56—6,56, Zerbftcr 5,56—6,56. Poree, Schock 0,50—1,00. Meerrettich, Schock 3—12. Spinat per 100 Pfund 8—10. Karotten, hiesige,! Schockbund 2,56—3,56, Sellerie, hiesige, per Schockbund 2,66—3,66, Ziviebel» grün, per Schock 6,66, do. kleine 6,66, do. hiesige lPerl-) 6,66, Eharlottcu 6,66, Petersilie, grün, Schockbund 6,75—1,66, Kohlrabi Schock 6,66—1,25,. Rettig, bayr., neue Stück 6,12—6,16, Mohrrüben Schockbund 1,56—2,66, Wirsingkohl per Schock 5,66—7,66, Rhabarber 166 Bund 6,66—3,66, Petersilienwurzeln 4,56 bis 5, Schoten per 166 Psd, 7—13. Pscfferlinge per 166 Mund 12—17. Radieschen per Schock 6,75—2,66, Salat per Schock 1,66—1,26, Stachelbeeren, per 166 Psund 16—18, grün, 7—16, Acpsel, hiesige, 6,66, do. italienische per 166 Pfund 22,66—25,66. Erdbeeren, sranzösische, 166 Psund 6,66, do, Holländer 35—56, do. Dresdener. Kanne 6,66, do, Hamburger, 166 Pfd. 36—56, do, Werdersche 6,66, do. Gubener 25—35, do, hiesige 20—40, Walderdbeeren 50—70. Blaubeeren. 100 Psd, 10—15. Johannisbeeren, 100 Psd, 12—13. Kirschen, der 100 Psund Natten 18—25, sauere 15—20, do. Gubener 11—14, do, Schlesische 8—14, do, Heidelberger 0,00, do, Werdersche 5—12, do, Glas- 15—20, do. Thüringer 5—13. Pflaumen, ital, 100 Pfd. 18—25. Aprikosen, ital., 100 Psd. 20—28, sranz. 22—30, Zitronen, Messina, 300 Stück 9,00 bis 15,00, do. 360 Stück 8,00-11,00, do, 200 Stück 6,00-12,00. Briefhaften der Redaktion. Dl« siiristische Sprechstunde findet Fried ri ch str. 10, Ailsqana ck, eine Treppe(HandelSstättc Bcllealtiaiice, a»rchga»g auch Liudenftr. 104> ivochelit-igklch tum?-/, bis!)'/, Uhr abends statt. Gevff»-« 7 Ilhr. Sonnabends beginnt dt« Sprcchftiludc»IN 0 Uhr. Jeder Jlnirag« ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beiznfiige». Brlctliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde bor. H. 11. Nein.— B. R. 12. 1. Bei der Polizeibehörde, 2, Nein.— F. R. H. Nein.— Z. 81. Ja.— O. G. 100. 1. und 2. Nein.— G. Z. 84. VorauSsichilich wird Ihr Sohn schon bei der ersten Stellung aus Grund des von Ihnen angegebenen Leidens sür dienstuntauglich er- klärt.— Schöneberg. Einbehaltene Sachen werden keineswegs durch Zeitablaus Eigentum des Einbehalters, ebenso wenig ist der Einbehaller be- rcchligt, die Sachen eigenmächtig zu verkausen. Er kann lediglich seine Forderung einklagen und dann die Zwangsvollstreckung in die einbehallenen Sachen vornehmen lassejt. Ein Verkauf oder eine Verpsändung oder der- gleichen der einbehallenen Sachen ist strafbar.— A. Z. 1000. Verjährung liegt nicht vor, Ihre Schwester muß Ihnen aber kündigen. Die Kündigung»« frist beträgt einen Monat, Verjährung würde erst im Jahre 1930 eintreten, — A. S. 100. Soweit erstchllich, sind Sie zur Zahlung verpflichtet. Tragen Sie Ihre Sache unter Vorlcgnng deS Vertrages in der juristischen Sprechstunde vor.— K. K. 88. Eine Beleidigungsklage wäre aussichtslos. — P. R. 333. Ja, aber»ach der zutreffenden Ansicht nicht HandumgS- gchülsen gegenüber.— 8. M. H. Nein, aber es kann aus das Pflichtteil '» Der-....." gesetzt werden.— ffi. B. 68. Dispen« wegen Ehebruches wird nur aus besonderen Gründen erieilt.— K. N. 60� 1. Nein. 2. Die Eröffnung des Testaments kann man unter Ueberreichung der Sterbeurkunde beantragen.— E. I. 8. Bei den Verhältnissen, unter denen Sie leben, können Sie es mit Aussicht aus Erfolg aus eine Klage ankommen lassen. — W. G. 100. 1. Eine bestinimte Wartesrist besteht nicht, 2, Da» Wahlrecht lebt wieder aus, wenn ein Jahr seit der Enilassung auS dem Krankcuhause verflossen ist.— Stettin 80. Sie allein sind unter- 'altungSverpflichtet.— K. 18. 1. Notarielle oder gerichtliche Beglaubigiing, . Die Ausschlagung ohne nähere Anführung von Gründen genügt, 3. Die Anscchtung müßte durch Klage erfolgen, 4. Die Ausschlagung muß innerhalb sechs Wochen ausgesprochen werden. Sie würden gut tun, den Fall, den Sie im Auge haben, genauer zu schildern und Ihre Fragen ohne Verallgemeinerung zu wiederholen.— E. B. Nein, — K. N. 84. 1. New. 2. Höchstens 6 Monate,— H. 39. 1. Nein, 2. Ja.— E. W. 41. 1. Ja. 2. Nein. 3. Das ist unmöglich. Dem un- ehelichen, von dem Ehemann nicht erzeugten Kinde kann der Ehemann unter Genehmigung der Mutter und des Vormundes des KindeS durch Er- klärung vor dem Standesbeamten seinen Nanien erteilen,— O. 78. Zwangsweise köimen Sie zu Ihrer Gestellung nicht angehalten werden.— 109. 1. Die Verfügung über die Sachen steht Ihnen zu. Sie können fie in eine von ihnen zu bestimmende Ehewohnung bringen. Folgt die Frau Ihnen in die Ehewohnung nicht, so können Sie zunächst auf Herstellung der ehelichen Gemeinschast und event. auf Ehescheidung klagen. 2. Keineswegs. — R. BS. 87. Kültti». Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gürtler Max Bergmann am 8. d. M. an Lungenleiden ge- starben ist. 121/17 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. Juli, nach- mittags 4 llhr, von der Leichen- Halle des HI. Kreuz- Gemeinde- Kirchhofes in Maricndorf aus statt. Rege Beteiligung erwartet llio Ortsverwaltung. Prediger geht nicht mit. Danksagung. Für die rege Beteiligung bei der Beerdigung unseres lieben Vaters, des Möbelpolierers 17Skb Waldemar Haker sagen wir allen Bekannten, Kollegen, insbesondere den Genossen des Be- zirks SSva. unseren herzlichsten Dank. Die trauernden Kinder. i-n. Am Montag verstarb nach kurzem Leiden unser Sangesbruder /Nax Eterxrrmnri. Ehre seinem Andenken l DI« Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. Juli, nach- mittaas 4 Uhr, aus dem Kreuz- Kirchhos in Mariendors statt. 66/7 Der Vorstand. Danksagung. Allels Freunden und Bekannten, insbesondere dem Zentralverband, der Zentral-Kranken- und Sterbekasse und dem Beerdigungsverein der Berliner Zimmerlcute sowie dem sozialdemo- lratischen Wahlverein des 4. Berliner Reichstags- Wahlkreises und dem Lottericverein„Hoffnung 80." sagen wir unseren herzlichsten Dank sür die letzte Ehr-, die sie unserem Vater erwiesen haben. I'sinille Teselsel. Danksagung Für die herzliche Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes Lrnst Kirchner sagen wir allen Freunden, Ver< wandten und Bekannten, insbesondere derSängerschastFichte sowie dem Verein Berliner Hausdiener, Mitgliedschast I, unseren innigsten Dank. Oie trauernden Eltern, Geschwister 1759& nebst Braut. Danksagung. Allen Verwandten und Bekannten, insbesondere den Kollegen der Firma Pflaum u. Gerlach, sagen wir sur die zahlreiche Beteiligung bei der Be- erdigung unseres lieben Mannes und Vaters unseren herzlichsten Dank. Witwe iHorie Schendel. Albert Hchendel. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Kaufmanns U?d« Dorn sage ich allen Verwandten, Freun- den und Bekannten meinen herz- lichsten Dank. Frau Itlartba Dorn, 1760B Wilmersdorf. MS Vermählte empfehlen sich: Robert Drescher Anna Drescher geb. Mohns. Wallnertheatcrftr. 2. 17576 Ctypograpbia. Die Sänger treffen sich heute abend 9 Uhr Schönhauser Allee, EckeSchwedterstr., behufs Ständchen. Der Vorstand. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. PriDzenslr.4l,fÄ 10— 2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2— 4. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters «mil Wöller sagen wir allen Freunden und Be- kannten, insbesondere den Kollegen und Kolleginnen der A. E.-G., Ab- teilung Meister Lange, dem Deutschen Metallarbeiter-Verband, dem Spar- und Kreditverein„Humanität", dem Grundbesitzerverein von Alpenberge unseren innigsten Dank. 17S2b Oie trauernde Witwe nebst Kindern. Von der Reise znrnck. 48/17» lll. Luge» Haagen. Wichtig für Bruch- leidende. 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Ein guter Vorpunkteur (Steinmetz) für die Bildhauermaschine, welcher in Alabaster schon gearbeitet, sür sofort oder sür bald gesucht, ebenso mehrere für Mabaster. 49/2« Offerten mit Lohnansprüchen sowie bisherige Stellungsangabe unter A. T. 130 an Rudolf Mosse, Berlin SW. Ächtung! Töpfer! Die Baufirma Regierungsbaumeistcr Gustav Hörnicke, Jagowstraffe 43, ist hiermit gc«|>ci-i>t. In Betracht kommt der Bau Tile Wardenbcrg- straffe 3/4, ausgeführt vom Töpfer- meister Frist Krüger, Schönebcrg, Eisenacherstraße 64. 200/5» Gleichzeittg ist der Töpfermeister Otto Raasch, Baumschulenweg, Eschenbachstraffe 3 gesperpt, welcher den Bau in Ooer-Schöne. weide, Helmholststraffe, der Bau« firma Stutterheim ausführt. Kei beiden Spemn handelt es sich um Fohnansfali. Tie Verbandsleitung. �Slchtnng� Achtung� �zcbiieil!ei'lii!iI?Meillei'iWii! Infolge Nichtanerkennung unserer bisher in friedlicher Weise gestellten Lohnforderungen sind wir genöttgl, über nachbenannte Geschäfte die Sperre zu verhängen: Hugo Hermann& Co., Spandauer- strnffe 78/80; Müller& Leopold, Svandauerstr. 18; Albert Grätz, Spandaucrstr. 16/17; Jacobsen& Israel,'Molfcnmaikt 5; Jean Pogger, Rosenstr. 15; P. Unger& Co., Neue Friedrich- straffe 37. Die dort beschäftigten Kollegen sind bereits zur Arbeitsniederlegung ge- schritten. ES wird jedem Kollegen und jeder Kollegin in ihrem eigenen und im Interesse unserer Bewegung dringend empfohlen, bei diesen Geschäften auf keinen Fall Stellung anzunehmen. Ferner bringen wir den Detail- geschästen, welche von diesen Firmen ihre Waren bezichen, dies zur Kenntnis. 165/6 Ortsverwaltung des deutschen Schncidervrrbandcs. Berantwortl. Redakteur: Carl Mermuth, Berlin-Rixdorf. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u-Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. 9r. 158. 24. Z Stilllgt jles„Ullwllüg" Atrlilttl AIIiSlllM. Mwch. 1».?l.li IM. Heute lllitwoch finäet für Kerün unä Vororte der Zafylabend statt. i Partei- Hngelegenheltcn* Schöncberg. Genossen! Am Freitag, den 12. d. Mts., abends 8'/zUhr, findet eine Volksversammlung in E.ObstS Festsälen. Meininger- stratze 8. statt. Thema: Unsere Afrikaner, persönliche Ein- drücke vom Peters-Prozctz. Referent: Redakteur Gen. Kurt Eisner. Das außerordentliche Jnterefie, das der Peters-Prozeß hervor» gerufen, bringt es mit sich, die Versammlung zahlreich zu besuchen. Der Vorstand. Lichtenberg. Sonnabend, den 20. Juli, findet in Schwarz Sommertheater, Dorfstr. 25/26 das Volks-Sommcrfest der Partei- genossen Lichtenbergs statt. Großes Konzert, Auftreten der ge- samten Spezialitäten, Kinematograph und großer Sommernachtsball. Für Kinderbelustigungen ist im reichsten Maße Sorge getragen. BillettS im Vorverkauf 20 Pf., an der Kaste 25 Pf. Billetts sind bei allen Bezirksführern zu haben. Zahlreichen Besuch erwartet Das Komitee. FranzSsisch-Buchholz. Mittwoch, den 10. Juli, abends l/ä9 Uhr, findet bei Kähne, Berlinerstr. 39 die Generalversammlung des Wahl- vereinS statt. Tagesordnung: 1. Bericht deS Vorstandes. 2. Dele- giertenwahl. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes.— Mit- gliedsbuch legitimiert. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen er- wartet Der Vorstand. Schmargendorf. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet heute Mittwoch, den 10. Juli, abends 8'/, Uhr, im Re- staurant zum Lindcnbaum, Kösenerstr. 7 statt. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Rudow. Mittwoch, den 10. Juli, abend? 8 Uhr, findet bei A. Palm die Generalversammlung deS Wahlvereins statt. Tages ordnung: 1. Bericht von der Kreis-Generalversammlung. 2. Bericht deS Vorstandes. 3. Vereinsangelegenheiten, Verschiedenes. Auch werden in der Versammlung die Billetts zum Kreisfest ausgegeben. Frau Tüftel beißt sich ärgerlich auf die Lippen. Sie fühlt berliner JVachnchteno Daran gewShnt man sich! „Guten Abend 1" „Guten Abend, gnädige Frau!" Die Inhaberin der Damenschneiderei. Frau Tüstel, erhebt sich aus einer Wolke von Spitzen, Tüll und Musselin und geht ihrer Kundin mit süßlich gespitzten Lippen entgegen.„Gnädige Frau, es wird entzückend, himmlisch, einfach himmlisch, sage ich l" Sie blickt verzückt zur Decke empor und schwelgt im eigenen Lobe. „Lassen Sie doch mal sehen, liebe Frau Tüftel I" meinte die junge, überschlanke Dame in dem schicken Promenaden- kostüm, indem sie sich nachlässig in den kleinen Divan gleiten läßt. Frau Tüftel ist indessen wieder aus ihrer Verzückung er- wacht und schlägt eine Portiere zurück. Man sieht in das Atelier, in dem eine Anzahl Frauen und Mädchen mit Nähxn, Sticken und Zuschneiden beschäftigt ist. Jetzt kommt Frau Tüftel mit einer Modellpuppe, auf der ein cremefarbenes Wollkleid angeprobt ist, zurück. „Ach ja, das wird süß, wirklich, ich bin ganz entzückt!" ruft die Dorne in fast kindlicher Freude, während sie durch die Lorgnette das Kostüm prüfend betrachtet. Mit glückstrahlendem Gesicht eilt die Inhaberin in das Atelier und kommt mit dem angefangenen Umhang und einigen Zubehörteilen zurück.„Wie wird sich der Herr Gemahl freuen!" lispelt sie der Dame lächelnd zu. Diese macht eine nachlässige Geste:„Ach der. der weiß es noch gar nicht! Aber sämtliche Damen in Norderney will ich ausstechen!" Ihre Augen blitzen siegesgewiß im Vorgefühl des kommenden Triumphs.„Und so wie abgemacht, Frau Tüftel, morgen früh um 7 Uhr ist das Kleid in meiner Wohnung!" Die Angesprochene zuckt erschreckt zusammen.„Morgen früh, gnädige Frau, das geht nicht!" „Was!" Die Dame zieht die Brauen hoch, die vorher noch so sanften Augen funkeln drohend.„Morgen früh um 7 Uhr, Frau Tüftel, oder Sie behalten das Kleid!" „Aber gnädige Frau wollten es doch erst am 10. geliefert haben!" wagt die Schneiderin schüchtern einzuwenden. „Am 9., Frau Tüftel, wenn Sie ein so schwaches Ge- dächtnis haben, so schreiben Sie es andermal auf!" Ihre feinen Nasenflügel zittern vor innerer Erregung und zornig stampft sie mit dem elegant beschuhten Fuß auf den Boden. „Aber von mir hängt es nicht ab, gnädige Frau, nur von meinen Arbeiterinnen und besonders eine kommt dabei in Betracht, einer anderen könnte ich die Arbeit nicht an- vertrauen!" „Ihre Arbeiterinnen?" Die Dame sieht die Sprecherin erstaunt, fast verständnislos an:„Ja haben denn die zu be- fehlen, oder Sie, Frau Tüftel?" Sie bricht in ein silberhelles Lachen aus.„Ich sehe schon. Frau Tüftel, Sie sind nicht die energische Person, die einem Betriebe vorstehen kann. Wenn Sie Ihr Personal untertänigst fragen, ob es mal die Güte haben will, länger zu arbeiten, da werden Sie wohl kaum eine befriedigende Antwort erhalten." „Ja, gnädige Frau, es geht jetzt schon wochenlang bis in die späte Nacht und wenn das Kostüm bis morgen früh fertig werden soll, dann müssen meine zwei besten Kräfte die Nacht durcharbeiten I" „Na, die Leute sollten Ihnen doch dankbar sein, wenn sie so viel Geld bei Ihnen verdienen!" unterbricht die vor- nehme Kundin Frau Tüftel mit naivem Lächeln.„Rufen Sie doch mal die betreffende Person her! Frau Tüftel schlägt die Portiere zurück und ruft:„Frau Lehmann!" Die Gerufene erscheint. Eine junge hochaufgeschossene, blutarme Frau, mit rot- umränderten Äugen, die durch eine Brille geschützt werden: ..Frau Regierungsrat will morgen früh um 7 Uhr das Kostüm, Sie müssen heute schon noch mal hierbleiben I" Die Angesprochene zuckt zusanimcn und mit ihren kranken Augen blickt sie bald die eine, bald die andere der beiden Frauen an.„Es geht nicht, Frau Tüftel, ich bin so schwach und habe zwei kranke Kinder zu Hause l" Halb bittend, halb trotzig hat sie die Worte bervorgestoßen. ' die Berechtigung d-s Vorwurfs, aber sie möchte es auch nicht mit der feinen, reichen Kundin verderben. Deshalb erklärt sie bestimmt und kategorisch:„Ja, es hilft nichts, Frau Lehmann, Sie müssen dableiben— anderenfalls wäre ich genötigt, mich nach anderen Kräften umzusehen." Die Frau Rcgierungsrat mischt sich jetzt lächelnd und mit mildem Klang in der Stimme ein, indem sie eine Düte mit Bonbons auf den Tisch legt:„Es wird schon gehen, Frau Lehmann, bringen Sie das Ihren Kindern, die werden sich königliche freuen. Und mit dem Längerbleiben, mein Gott, wie manche Nacht muß unsereiner aufbleiben, wenn man Gäste hat oder selbst zu Gaste ist! Ich sage Ihnen: daran gewöhnt man sich!"_ Mißgriffe der Behörden und kein Ende. Das Opfer beständiger Verwechselungen der Behörden ist der Arbeiter Hermann Handle. Am 6. Juli 1906 wurde er festgenommen, weil er eine angeblich vom Amtsgericht Berlin-Mitte rechtskräftig gegen ihn festgesetzte Geldstrafe von 5 M. zahlen oder einen Tag Haft verbüßen sollte. Er zahlte den Geldbetrog unter Vorbehalt und erhielt ihn später zurück, nachdem sich herausgestellt hatte, daß er niemals ver- urteilt, daß er mit dem Fensterputzer Hermann Handle verwechselt worden war. Im Dezember 1906 wurde Handle eine Rechnung deS Amts- gerichts Berlin-Mitte über 6 M. Strafe und 5 M. Kosten zugestellt. Er verweigerte die Zahlung und bei den daraufhin angestellten Er- Mittelungen stellte sich heraus, daß die Rechnung den Fensterputzer gleichen Namens betraf. Genau dieselbe Rechnung wurde Handle kaum zwei Monate später von neuem präsentiert. Er wandte sich durch seinen Verteidiger Rechtsanwalt Kurt Rosenfeld beschwerdeführend an den Präsidenten des Amtsgerichts Berlin-Mitte und bat diesen zugleich um Schutz gegen künftige Verwechselungen. Infolge dieser Beschwerden wurde festgestellt, daß die abermalige Zustellung der Rechnung auf einen Irrtum des Richters beruhte. Ein weiteres scheint aber der Amtsgerichtspräsident nicht ver- anlaßt zu haben. Denn schon im Mai erhielt Handle wiederum irrtümlich die Ladung zu einem Hauptverhalldlungstermin, in dem er sich wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt verantworten sollte. Auf die Borstellung des Rechtsanwalts Rosenfeld wurde der Termin aufgehoben. Es stellte sich heraus, daß Handle in derselben Sache bereits früher zu einem Hauptverhandlungstcrmin auf den 9. April 1905 geladen und daß in diesem Termin festgestellt worden war, daß Handle mit dem gesuchten Fensterputzer nicht identisch war. Alles dies hinderte nicht, daß Handle ein Jahr später wiederum ge- laden wurde. Das abermalige Verlangen des Verteidigers, Handle vor weiteren Verwechselungen zu schützen, beantwortete der Amtsgerichts- Präsident wie folgt:„Maßregeln allgemeiner Art bei allen Dienst- stellen deS Amtsgerichts zu treffen, durch welche weiteren Ver- wechselungen schlechterdings vorgebengt werden könnte, sehe ich mich nicht in der Lage." DaS sind ja nette Zustände und„unabänderlich", wie aus dem Bescheid deS Amtsgerichtspräsidenten ersichtlich. Da hat der Arbeiter Handle die unangenehme Aussicht, in Zukunft noch weiter malträtiert zu werden, und da er in vielen Fällen als Rechtsunkundiger einen Anwalt mit der Wahrnehmung seiner Rechte betrauen muß, auch die angenehme Aussicht, erhebliche Kosten für die von den Behörden be- gangenen Mißgriffe aufzuwenden. Er sollte diejenigen, die diese Mißgriffe begehen, haftbar für den Schaden machen. Die Brände in Berlin haben im Jahre 1906/07(vom I. April 1906 bis zum 31. März 1907), über das jetzt die Feuerwehr ihren Bericht erstattet hat, sich gegenüber dem vorhergehenden Jahre ver mindert. Im Jahre 1903/06 waren 14 026 Brände zur Kenntnis der Behörde gelangt, im Jahre 1906/07 belief die Zahl dieser Brände sich auf 13 333. Der Unterschied beträgt 673. Vermindert hat sich allerdings nur die Gruppe der jenigen Brände, zu deren Löschung gar nicht erst die Feuer wehr herbeigentfen wurde. Dagegen haben die Brände mit Älarmierung der Feuerwehr sich auch im letzten Jahre wieder vermehrt. Im Jahre 1903/06 war bei 103 Großfeucrn. 235 Mittelfeuern, 1700 Kleinfcuern, zusammen 2038 Feuern die Feuerwehr alarmiert worden, während bei noch 11 988 anderen Feuern von vornherein die Alarmierung der Feuerwehr unterlassen wurde. Im Jahre 1906/07 dagegen wurde die Feuerwehr alarmiert bei 112 Groß feuern, 293 Mittelfeuern, 1930 Kleinfeucrn, zusammen 2335 Feuern, und ohne sie wurden 11018 Feuer erledigt. Hier fällt die Vermehrung der Mittelfeuer und auch der Großfeuer auf. Ueberrafchend ist der Unterschied im Wasser- verbrauch der Feuerwehr, den die beiden letzten Jahre aufweisen. Auf Brandstelle waren im vorletzten Jahre nur 4 933111 Liter Wasser verbraucht worden, im letzten aber wurden 10 696 865 Liter verbraucht, das ist mehr als doppelt soviel wie im vorhergehenden Jahr. In 1905/06 war nur bei 10 Bränden der Wasserverbrauch je über 20000 Liter hinausgegangen, in 1906/07 wurde diese Zahl bei 60 Bränden überschritten. Im einzelnen betrug im vorletzten bezw. im letzten Jahre der Wasserverbrauch je 20000— 100000 Liter bei 3° bezw. 40 Bränden, je 100 000 bis 500000 Liter bei 5 bezw. 14 Bränden. Dazu kamen im vor- letzten Jahr 1 Brand mit 646 166 Liter und 1 Brand mit 923 260 Liter, im letzten Jahre aber noch 5 Brände mit je 300000-1000000 Liter und 1 Brand mit 1030 645 Liter. Ein ähnlich hoher- Wasserverbrauch wie hier für 1906/07 hatte sich für 1904/03 ergeben, 10 404 814 Liter. Damals hatte freilich der Brand eines Eisenbahnschwellenlagers am Güter- bahnhof Moabit allein die ungeheure Wassermenge von 4 342 024 Liter erfordert._ Abwendung von den Friedhöfen der Kirche! Auf dem großen Gemeindefriedhofe der Stadt Berlin, der bei Friedrichsfelde liegt, wurden im Etats- jähre 1906/07 sin Klammern die Zahlen für 1905/06) im ganzen 4484(4451) Leichen beerdigt, davon auf Kosten der Stadtgemeinde 3618(3733) Leichen, und gegen Erlegung der Gebühren 866(718) Leichen. Die Zahl der dort gegen Erlegung der Gebühren be- erdigten Leichen ist in neuerer Zeit beträchtlich gestiegen, und auch das letzte Jahr hat hier wieder eine Steigerung gebracht. Im Volksmunde heißt der Gemcindefriedhof noch heute „Armenkirchhof". Aber immer mehr entwickelt er sich zu einem allgemeinen Begräbnisplatz für alle diejenigen, die nach keiner Ruhestätte auf den Friedhöfen der ReligionSgesellschaften ver- langen. In den ersten fünfundzwanzig Jahren dieses nun seit sechsundzwanzig Jahren bestehenden Gemeindefriedhofcs wurden da draußen 6087 Personen beerdigt, für die von den» Scillh «tberdeen Pari» 702 NW 767 NW 766 SSW «euer 2 Regen 3 Regen 3 wolkig 2 wölkt 3 Del olklg deckt B-- h MS 16 16 13 10 18 8iir de« Inhal» der Inserate berniiuint die Redaktion de», Publikum gegenüber keinerlei Beranlwortung. Tlkeater. Mittwoch, den 10. Juli. Ansang 8 Uhr. Neue» kgl. Opcrntheatcr. Bajazzo. Des Löwen Erwachen. Deutsche».� Der Jongleur. «Wall Die Asrikanerin. 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Abends 8 Uhr: Kyritg-Pyrltg, Sommerpreise. Kleines Thealer. Ansang 8 Uhr. UM und Sohn. Morgen und solgende Tage: Bater und Sohm_ Theater des Westens. Abend» 8 Ubr: Die lustige Witwe. Operette in 3 Akten v. Franz Lehär. Lustspielhaus. 8 Uhr: Wiener Ensemble- Gastspiel Die Welt ohne Männer. Ptpi Glöckner als Gast._ MMMIM Gr. Krnnklurlerstr. 132. Täglich i Im Garten, Ans. i'l, Uhr: Da» erstklafftge SpeuiniittUcn- Programm. Im Theater abends 8'/, Uhr: Der groBe Unbekannte. Sommerpreise._ Metropol-Theater Anfang 8 Uhr. Grolle Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor HoUaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Riehard Schultz, Rauchen überall gestattet. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Durch Dänemark und Südschweden. Täglich ab nachm. 5 Uhr: Cirofies Miliför- Doppel-Konzert. Eintritt 1 Mk,, von abends 6 Uhr ab 60 Pt, Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. ÜtgMMMPWftfti U der Saison 18.» Glänzendes Programm. 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Wer- Stoff- Ijnt {ettift«nz« ch Mast 20 M. Tadelloser Sitz, hallbares..... t nnd ~ en, Bes Sloffllefenlng billigste Preis«. E,-anli0, Ackerstraße 143, 53871,» Ecke Jnvollhenslraße. radlstelle ScdSaederx. Donnerstag, de« 11. Juli, abend» 8'i« Uhr, Set v b ft, Meint, igerstraste Nr. S: Geueral-Uersommlung. Tage», Ordnung, OOjS 1. VorstandSbertcht, Kassenbericht und Bericht der Kontrolllommiffion. 2. Regelung des KasfierenS der Beiwöge. 3. Er-gänzungSwahl de» Dorftande». 4. VcrbandSangelegenheiten und Verschiedene». Zahlreiches Erichelnen erwartet_ Die Ortaverwaltang. f II Deatschlands.(zahmene Benm.) 3 ezirbsoer Sammlungen: Bezirk »» 1. I 3. 4. 5. Donnerstag, hlm bei Otnhlmann. den 11. Juli, nachmittag» 6 , Rordufe rfer 10. »Ihr, Freitag, den 12. Juli, nachmittag» 6 Uhr. vel Willree, Bnmnenstrnße Freitag. den 12. Juli, 5 Uhr, dei nachmittags S Uhr, \t ISS. t, nachmittags Feind, Weinstraße 11. Donnerstag,»e» 11. Juli, bei l,l«fln, Mcmelerstrnste 67. DonnerStag, de» 11. Juli, nachmittags 6 Uhr, sht, Rttterstraße 79. nachmittags 5 Uhr» bei -straße 67. 70/4 Ortsverwaltaag. tri Br»«« 6 Freitag, den 12. Juli, nachmittag » Wohlthhrt, RrientHalerstraße 67. Die Ortsvci Achtung! Achtung! Zweigvereln Berlin. Freitag, den 1Ä. Jnli, vormittags 11 Uhr, bei Koppenstratze 39: Nnsmmlmg der Aiisgesperrteii km. Streikeildkn aller zum Zweigverein KerUu gehörigen Zahlstellen und Dezirke der Maurer. Tages-Ordnung: 142/2» Der Ltsnü unserer Bewegung. - Streikkarte legitimiert.- Die Verbandaleitting. Zentral-Verband der Zimmerer Zahirtelle Berlin und Umgegend. Bureau: Engel-Ufer 15 v. in, Zimmer 33. Fernsprecher: Amt 4 Nr. 378t). Freitag, den 13. Juli, adends Uhr, Mitglieder-Versammlung bei XsIIvn(Jnh. Freyer), Koppvnstn. 29. Tages-Ordnung: 254/20* Unsere Lohnbewegung. Mitgliedsbuch legitimiert. An alle Mitglieder richten wir hiermit das Ersuchen, pünktlich zur Stelle zu sein. Her Taklstsllen-Vorstaiia. Verband der Tapezierer. Filiale Berlin. Donnerstag, den 11. Juli, abends 8'/» Uhr, bei Mendt, Beuthstraße 21: w Quartals= Versammlung. Tages-Ordnung: 178/10 1. Bericht der Ortsverwaltung. L. Ergänzungswahl der Ortsverwaltung. 3. Verbands- _ angelegenhcit.(Anträge zum Gautag.) WM" Mitgliedsbuch legitimiert.________ Ple Ort.verwaltnng. Ortsktlmkenktlsse der Mhauer, Stukkateure u. verwandt. Gewerbe zu Berlin. Bekannttnaedung. Am Mittwoch, den 17. d. M., abends 8'/. Uhr, findet im Gewerkschastshause, Engel-Ufer 15(Saal Iii) eine hKei'lii'llögtj.lieiiei'sIvei'zMlillg statt mit der Tagesordnung: „Vorlage und Beschlugsassung über einen Anstellungsverwag mit unseren Beamten gemag den Düsseldorscr Beschlüssen". 275/3 B c r l i n. den 10. Juli 1307. Pol» Vorstand. I. 81.: Fritz Waldeyer, Vorsitzender. der ir n Am 18. Juli 1907, abends 8 Uhr. findet im Lokal Annenstr. 10 eine Außerordentliche Generalyersammlung statt. 17016 Tages-Ordnung: Um 8 Uhr: Ersatzwahl eines Vorstandsmitgliedes der 8lrbeitgeber. Um S'l, Uhr: Beratung und Bcschluß- sassung über ein revidiertes Statut. . MIT" Pünktliches Erscheinen sämtlicher Vertreter ist ersorvcrlich. Por Vorstand. I. V.: Bernh, Herzer, Vorsitzender, Georgcnkirchstr. 53. Prater- Theater. Kastanien-8lllee 7/9. Flotte Weiber. Spezialltiiten 1. Ranges. Austreten der LUwenbrant TlllyBöbö mit ihren dresf. Löwen. Konzort und Ball. Ansang 41/, Uhr. Otto Pritzkow SItinzstraßo 16. t-iusstelliings- [-(St. Louis) Theater lebender Photographien. Täglich Eingang von - Neuheiten.- Den ganzen Tag VorsteUnng. Arbeitsnachweis: )0f I. Amt 3, 1239. Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Chari,estra8e 3. Hos III. Amt 3. 1937. Dounerstag, deu ll. Juli 1997, ubeuds 8 Uhr: W?" Versammlung-WE d« Melsllichleifer. Lalvanileure, IWIK- arbeiter und Urbeilerinnen im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15, Saal 4. Tages-Ordnung: 1. Jahresbericht der Kommission. 2. Diskussion. 3. Neuwahl der ge« samten Kommission. 4. Verbands-Anaelegenhcitcn. Kollegen und Kolleginnen I In 8lnbetracht der Wichtigkeit der TageS- Ordnung erwarten wir pünktliches und zahlreiches Erscheinen. Uolluerstag, deu 11. Juli 1997, ubeuds 8 Uhr: Bezirks-Versammlnng für Friedrichshttgen und Umgegend in Lerches Bürgersälen am Rundteil. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Frist Löw:„Bax Stlrner". 2. Diskussion. 3. Verbands-Angelegenheiten. Die Kollegen werden ersucht, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. 121/10 Ple Orts Verwaltung:. Bureau: Melchlorstr. 28. Filiale Berlin. Telephon; Amt IV, 4787. Donnerstag, den 11. Juli 1907, abends 8Vz Uhr: Mitgliedrr-Nersammlung im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom zweiten Ouartal 1007. 2. Verschiedenes. 125/10 Ple Ortsverwaltnng. WirtschaftsproMem gelöst! Von unermeßlichom Wort 49/1* für alle Staatsregierungen Da« WlrtschaftsMld der Gegenwart nnd der Zaknnfl ist zu beziehen durch alle Buchbandlungen(Kommissionär: Otto Webca Leipzig). Broschüre A, vollständige Ausgabe, Mk. 2.— Teil- und Volks* ausgäbe, 60 Pfg. Gegen Einsendung von Mk. 2.10, bczw. 65 Pfg.(ür das Inland, Mk. 2.20 bezw. 70 Pfg. für das Ausland, werden die Broschüren portofrei vom Verfasser Kaufmann Michael*Proeatler in WUrzburg versandt, wenn in Buchhandlungen nicht erhältlich. _ Man verlange ebendaselbst Flugschriften und Prospekte._ S« Ziehung 1. KI. 217. Kgl. Prcuss. Lotterie flebung Tom s. Juli 1007, vormittag«. So» die Gowlnao Uber 00 Mark sind den bcUcttendeo Hummern In Klnmmern beigetUgt, (Ohne Gewihr.)(Nachdruck verboten.) 142 55 77 205 408 728«1 00 838 1 000 III 333«08 710 BS 818 2280 ,03 08 520 82 800«8 800 3251 532 50 737 16 89 4 328«33 883 5 333 39»[WO] 4)3 57 343[3001 6X14 503 48 88 6X3 737 7X77 232 4X7 5X8 6X2 36 834 98U JSXSX 36X B»9 442 59X[100] 63X 730 58 810 9060 X02 288 38? 33 5X0 «7 7X4 74 898 983 10159 246 82 325 451 511 812 66 91# 11258[8001 701 818 331[100] 12479 99 828 53 1 3824 118 328 334 67[200] 439 52 703 1 4886 462 684 703 641 15350 372 840 754 822 1.6259 439 656 858 1 7031 391 400 591 36 681 738 93 1 8053 128 483 742 8ls 19326 327 43 480 515 720 843[100] , 2O012 83 298 630 832 2 1 204 331 483 551 80 83 882 753 840 91« 70 2 2655[100] 118 78 621 23291 328 95 659 731 897[ 300] 24188 95 376 812 59 99 853 2 5108 31 378 2 6 013 21 156 329 461 514 738 983 2 7398 59« 606 56 766 71 800 38 916 28102 5 420 557 60 718 874 29170 426 550 P7 708 55 884 30077 360 441 44[100] 993 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Redakteur: Carl Wermuth, Berlin-Rixdorf. ftüt denJnseratcnteil verantw.: Tl>. Glocke� 1, Ziehung 1. Kl. 217. Kgl, Preuss. Lotterie Ziehung vom 9. Juli 1907,'nachmittags. Hur die'�Oewmne über 50 Mark sind den betreflendcn Nummern In Klammem beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 60 169 311 497 514 60 840 1349 505 31 051 83 2010 184 391 707 41 898 940«6 3445 612 770 4089»72 366 462 607 728 85 5202 5.10 028 762 908 12 6l«4 25 4 350 494 708 S56 7978 383 861 62 83«00 8382 688 002 904« 150 87 202 661 889 10027[100] 104 29 838[400] 6« 840 43 86 11113 209 333 662 1 2300 453 639 889 931 13222 329 820 1 4250 471 805 064 1 5095 802 413 735 43 Sil[200] 16 981 16085 421 693 799 1 7278 863 539 79 82 937[100] 18102 424 4» 601 3 702 13 804 87 973 1O520 668 932 40 72 2O053«12 57 84 716 606 7» 21125 244 438 873 650 , 94 731 897 900 2 2100 81 579 781 72 831 80 990 23177 355 685«91 24337 572[100] 957 25812 58 26081 Ol 124 78 {200] 264 308 41 758 882 981 27177 93 255 333 77« 875 936 06 2 8110 3 4 271 34« 914 43 2 9310 96 407 81 81 762 668 959 I. 30278[ 200] 821 88 45 569 3 1 075 118 231 316 647 «7 3 2044 378 00 94[1090] 447 663 609 720 910 11[100] 3378« 3 44)21 257 595 735 900 55[400] 83 3 5067 168 587 36011 125 272[WO] 95 873 492 632 721 3 7520 3 8030 [100] 169 307 30 85 544 80 63 644 77«7 3 9236 401 24 39? 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Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckcrei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.