Ur. 159. HbonnementS'Bedingunsen: tOonncmcntä. Preis pränumerando: Ticrteljährl. 3.30 Mk.. monatl. 1.10 Mk.. wöchentlich W Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Psg. SonntagS- nuinmer mit illuiirierler Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" lv Pfg. Post- «bonnement: l,I0 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitung»- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn L Mark, für das übrige Ausland 8 Mark pro Mona«. Postabonnement» nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. T4. Jahrg. CrMiilnt tlg»» uStr Dlontag». Verlinev VolksblÄkl. Dlt Tnlcrtlons-Gebübs beträgt für die sechSgespaltene Kolonet- zeile oder deren Raum 50 Pfg., fflt politische und gewerkschaftliche Verein»' und VersammlungS-Anzeigen V> Pfg. „Kleine Hnseigen", das erste(fettgedruckte) Wort 20 Psg., jede» weite» Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stcllen-Anzeigen das erste Wort l0 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte übe». 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditton ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „Soiialdtmolirat Rtrlln". Zentralorgan der rozialdemohrat» fchcn Partei Deutfchlands. Redaktion: 8Äl. 68, Lindenetrasac 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. Quittung. Im Monat Juni gingen Bei dem Unterzeichneten folgende Partoibciträge ein: Groh-Berlin a Konto seiner acht Wahlkreise IS 000,—(darunter Rabitzputzer Bau Bechstein, Grünauerstraße 12,—, Bau Hotel Adlon, Firma Krause 5,—, Nogke 0,75, Arbeiter der Firma Krüger u. Co.. Köpenick 54,05, von den organisierten Arbeitern der Brauerei Patzen- hoser m 26,60, Alt 15,—, P. Sch. 0,50, I. St. 0,35, R. H. 0,60, H. L. 0,60, Kranzüberschuß Engelmann, Bezirk 520 7,65, A. B. Mister 1,—, Bierprozente Bau Fürstenhof von den Rabitzputzern der Firma F. Aug. Kraus 10,—, von den Kollegen der Metallgießerei A. Borsig, Tegel 36,90, Verlorene Wette, Rollers Fabrik, durch Nagel 5,—, Monatsbeitrag H. Raschle 10,—, Bierprozente Bau Adlon durch Hill 5,—, Schr., Parteifonds 20,—, M. H. Karl Bamberger 10,—, Buchdruckerei-Hülfsarb. des .Vorwärts", Rotationssaal 5,—, Sattlerwerkstatt Demuth 1,—, von Mitgl. der U.-Dr. 7,30, Liste 15902 d. Siewert aus Schweden 9,25.) Berlin, diverse Beiträge: Sechs Hutmacher, Konigstr. 28 15,—. Uebersch. von der Märzkranzspende d. Arb. u. Arbeiterinnen der Fa. Bosse u. Co. 21,15. Uebersch. der Kranzspende f. Gen. Auer vom Personal der Fa. Siegfried Scholem, Schöneberg 1,85. Von den Koll. d. Fa. Guggenbichler Nachf. Vohte 5,20. Arbeiter der Fa. C. Sandmann, Kottbuserstr. 8 12,—. Uebersch. d. Kranz- spende für Gen. Auer v. d. Arb. u. Arbeiterinnen der Firma C. P. Goerz, Friedenau 57,45. Von den Koll. der Firma B. Borchard Nachf., Ritterstr. 77/78 5,75. Andreas B. 20,—. Uebersch. der Kranzsp. sür Gen. Auer ges. v. d. organisierten Koll. und Kolleginnen der Fa. Mix u. Genest 68,15. Dr. Sieg- srieda 5,—. Kranzübersch. von den Koll. von S. I. Arnheim, Badstraße 6,—. Machetes 5,—. Personal von Ullstein u. Co., Falzerei-Bbt. 29,15. Emmerich 20,—. Bierprozente vom Bau Fürstenhof v. d. Arb. d. Fa. Wagenknecht 7,—.„Bombe" 0,50. Die Kontobucharbeiter vom Wedding 5,—. Dr. L. A. 100,—. Gutenberg 37.70. Knabe 12.—. Aus der Sechserkasse der„Knorr- bremse" 10,—. P. S. 50,—. A. B. 50,—. Baden-Baden, Wahlkreisbeitrag 1, Quart. 07 31,55. Butzbach, C. K. 4,50. Bremen, sozial- demokratischer Berein 4683,—. Buxtehude, v. d. Alten durch Weber 2,—. Bern 50,—. Brandenburg-Westhavelland, Kreisorganisation 700,—. Bernburg, 2. anbnltischer Wahlkreis 102,—. Beuthen(Oberschl.), Wahlkr. Bcuthen-Tarnowitz, 5treiSorg. 1. 1. 07 bis 30. 6. 07 50,—. Düsseldorf, durch P. B. 25,—. Düren-Jlllich, Volksverein 12.—. Dresden-Land, 6. sächs. Reichstagswahlkr. 2000,—. Emden, Wahl- verein des 1. hannov. Wahlkr., 1. u. 2. Quart. 07 88,85. Falken- berg(Oberschl.) 3,—. Forst i. L., Kreisverein Sorau-Forst 150,—. Friedenau, E. A. 5,—. Grafenstaden, Wahlkr. Erstein-MolShcim, 2. Halbjahr 06 33,56. Grünsfeld i. Baden, Beitrag des 14. badischen Wablkr. 10,—. Gumbinnen, Wahlkr. Jnsterburg-Gun, binnen, 4. Quartal 1906 16,50. Groß- OtterSleben, sozialdemokratischer Verein für den Wahlkreis Wanzleben, 1. Halbjahr 1907 200,—. Gleiwitz, sozialdemokrat. Verein, Beitrag sür zwei Quartale 7,75. Hamburg, 1. Wahlkreis 6000.—. Hamburg, 2. Wahlkreis 5000,—. Hamburg, 3. Wahlkreis 18 000,—. Harburg, 17. hannov. Wahlkreis 4. Quart. 1906/07 487,02. Hannover, besonderer Beitrag des achten hannov. Wahlkr. 4000,—. Itzehoe, sozialdemokr. Zentralwahlverein f. d. 5. schlesw.-holst. Wahlkr. 202,92. Köln a. Rh.. Reg. W. 20.—. Kiel-Neumünster, 7. schlesw.-holst. Wahlkr. 1000,—. Katlowitz (Oberschl.), sozialdemokr. Verein April— Juni 35,—. Königsberg- Land-Fischhansen, Wahlkr.-Beitrag bis Juni 1907 73,50. Karlsruhe, 10. badischer Reichstagswahlkr. 200,—. LudwigShafen, Gau Pfalz: 1. Wahlkreis Ludwigshafen a. Rh.- Speyer 376,53; 2. Wahlkreis Landau- Neustadt 75,51; 3, Wahlkreis Germersheim 16,36; 4. Wahlkr. Pirmasens-Zweibriicken 95,79; 5. Wahlkr. Homburg 4,44; 6. Wahlkr. Kaiserslautern 61,38. Luckenwalde, Rufus 5,—. Limmer, 9. hannov. Wahlkr., 1. Halbjahr 07 530,—. Leipzig, 13. sächs. Reichstagswahlkr. 2000,—. Limbach i. S., sozialdemokr. Kreisverein f. d. 15. sächs. Wahlkr. 400,—. Memel-Heydekrug. Wahlkr. v. 19. 2. bis 12. 5. 07 7,60. Magdeburg, sozialdemokr. Verein, 2. Quartal 600,—. Minden- Lübbecke, sozialdemokr. Verein für den Wahl- kreis, 3. Quartal 1906/07 142,45. München, Waldläufer 5,—. München- Au, Arche 3,—. Mariendorf, Ueberschutz d. Fabrik- ausschußkasse der Fabrik Hintz 5,40. Nürnberg. Gau Nord- bayern: 1. Wahlkreis Oberpfalz, Regensburg 21,15; 2. Wahl- kreis Oberpfalz Amberg 4,86; 2. Wahlkr. Obersranken Bayreuth 126,57; 4. Wahlkr. Oberfranken Kronach 30,66; 3. Wahlkreis lvkirtel- franken Ansbach 60.—; 4. Wahlkr. Mittelfranken Eichstätt 10,29; 5. Wahlkr. Mittelfranken Dinkelsbühl 13,47; 6. Wahlkreis Mittel- franken Rothenburg 9,81; 5. Wahlkr. Unterfranken Schweiufurt 47,52; Diverse 0,67. Nordhausen, sozialdemokratischer Verein sür den Wahlkreis Nordhausen. Grafschaft Hohenstein. 1. Quart. 07 131,83. Qberlangenbielau. Extrabeitrag aus dem Eulcngebirge 100,—. Offenbach a. M., Landesorganisation d. Großherz. Hessen 3062,25. Pößneck, 1. und 2. meiningischer Wahlkreis, 1. Quart. 07 232,40. Stettin, Provinz Poinmern 1000,—. Sulz(Oberels.) Rckzhl. 7,—. Stargard i. P., 4. Quartal 06 und 1. Quartal 07 18,16. Ueberschuß der Fraktionskasse 7000,—. Vegesack, sozialdemokr. Kreiswahlv. f. d. 18. hannov. Wahlkr. 180,30. Lorwärts-Buchhandlung 50 000,—. Wiesbaden. 2. nassauischer Wahlkr., 1. Quart. 07 127,28. Zeitz, Wahlkr. Zeitz-Wcißenfels-Naumburg 1200,—. In der Quittung über Eingänge im Monat November v. I. in Nr. 290 des„Vorwärts" vom 13. Dezember 1906 befindet sich unter München, F. E. Str.— l, ein Betrag von 51,— M. Diese 51,— M. sind gegeben vom Verein„Vorwärts" in Melbourne(Australien.) Berlin, den 9. Juli 1907. Für den Parteivorstand: A. G e r i s ch. Lindcnstr. 69. ISülom Sozialpolitik. Die erste Nummer aus dem sozialpolitischen Programm deS Fürsten Bülow hat das Licht der Welt erblickt. Äülow und St»zialpolitik, das sind freilich zwei Worte, die zum Lachen reizen würden, wenn die Sache nicht so verflucht ernst wäre. Aber Bülow hat in der Thronrede und in seiner Reichstagsrede angekündigt, daß er etwas treiben will, was er Sozialpolitik nennt, also kann er sich nicht ganz passiv verhalten. Daß aber das. was er Sozialpolitik nennt, den W ü n s ch e n der L e u t e entsprechend wird, die ihm daK Geld zur Wahl- agitation gegeben haben, das lag auf der Hand. Freilich hatte er bisher mit einem Hindernis zu rechnen. Wenn Graf Posadowsky auch unter der Kanzlerschaft des Fürsten Bülow dazu verurteilt war. nichts Positives zu leisten, so konnte er doch Verschlechterungen hindern. Jetzt ist dieses Hindernis beseitigt und Fürst Bülow kann das treiben, was er nach seiner Meinung für Sozialpolitik aus geben kann. Eine Forderung der Scharfmacher ist die Beseitigung des durch die Novelle von 1900 geschaffenen§ 34 des Gewerbe- UnfallversicherungSgesctzes. Dieser enthält die Vorschrift, daß ein Reservefonds am gesammelt werden soll, um etwas Kapitaldcckung für die fortlaufend steigenden Lasten zu haben. Da vorläufig noch nicht so viel Verletzte und Witwen sterben, als zukommen, so wird die Belastung voraussichtlich noch bis zum Jahre 1939 steigen, dann würde voraussichtlich der Beitrag für jeden Ver sicherten 20 M. betragen. Dieser Belastung der Zukunft soll durch Ansammlung des Reservefonds vorgebeugt werden. Jede gewerbliche Berufsgenossenschaft soll, vom elften Jahre ihres Bestehens ab, in den ersten drei Jahren 10 Proz. ihrer Jahreseinnahme und dann von je drei zu drei Jahren ein Prozent weniger dem Reservefonds zuweisen, bis ein Ver mögen von 600 bis 700 Millionen Mark an gesammelt ist, aus dessen Zinsen dann ein erheblicher Bruchteil der alten Verpflichtungen gedeckt werden kann und dadurch der Beharrungszustand viel früher eintritt. Diese Maßregel war ans zwei Gründen verhaßt. Erstens werden vorläufig die Umlagen höher. 1904 waren es rund 16 Millionen Mark, die dem Reservefonds zugewiesen wurden; und zweitens sah man, ob mit Recht oder Unrecht, das mag dahingestellt bleiben, in dem Reservefonds die Brücke, über die man zur Zusammenlegung der drei Bersicherungszwcige kommen kann. So lange die Berufsgcnosscnschaften rund eine Million Rentenempfänger, aber kein Kapital zur Zahlung der laufenden Renten haben, wäre es ein Unrecht, die Unfallversicherung mit der Jnvaliditätsvcrsicherung, die mehr als ausreichende Deckung für die laufenden Renten hat, zu verschmelzen. Die Sache stand so: entweder man läßt den Unternehmern die Unfall- Versicherung und läßt alle die Nachteile, die mit der jetzigen Organisation verknüpft sind, b e st e h e n, oder man nimmt den Unternehmern die Forderungen der Rentenempfänger ab und überträgt sie an die allgemeine Versicherungskasse. Der§ 34 des Gewerbe-Unfallversicherungsgesetzes wirkt hier ausgleichend. Reichlich 215 Millionen sind schon angesammelt, und voraus- sichtlich würde 1931 eine Art Beharrungszustand eintreten. Es würde dann für einen erheblichen Teil der Renten Deckung vorhanden sein. Von Jahr zu Jahr kamen die Unternehmer und baten, man möge die Reservefondsansammlung wieder aufgeben, weil die Industrie dadurch un- gebührlich belastet werde. Jährlich 16 Millionen Mark für acht Millionen Versicherte zurücklegen, das bedeute eine Er- höhung des Arbeitslohnes von rund Zweidrittel Pfennig pro Tag. Dadurch Würden der In dustrie gewaltige Ka- pitalien entzogen. Posadowsky, der nicht zu den dummen Leuten gehörte und von diesen Dingen erheblich mehr versteht als die Herren Bülow und Rheinbaben, ließ sich durch die Jammerei der Unternehmer nicht ver blüffen und erklärte deren Behauptungen rund heraus für Schwindel. In einer Denkschrift, die er am 17. April 1903 als Antwort auf die Klagen der Unternehmer dem Reichstage zugehen ließ, hieß es: „Wie bisher die Umlagebeiträge zur Unfallversicherung gleich den Lohnbeträgen bestritten worden sind, so werden auch die Reservefondsverstärkungcn, welche weiter nichts als VersicherungS- beitrage sind und wie diese erhoben werden, aufzubringen sein. Es wird dadurch der Industrie nicht arbeilendes Kapital entzogen. Vielmehr werden die Beiträge zu den Reservefonds der Berufsgenossenschaflen weder vom Standpunkte der Volkswirtschaft noch von dem der Privatwirtschaft aus dem Kapitalstock gezahlt, sondern sie bilden einen Teil der Produktions- kosten und werden normalerweise wie alle anderen Betriebs- nlisgabcn vom Unternchmer ausgelegt, um sie zuziiglich deS Unter- iichniergewiiines von den Abnehmern seiner Erzeugniffe in deren Preise erstattet zu bekommen." Die Antwort war so deutlich, daß man mit einiger Sicherheit sagen konnte, so lange Posadowsky im Reichsanit des Innern die Leitung hat, wird diese Bestimmung bleiben. Freilich paßte den Unternehmern diese Behandlung nicht. Nun tagt in Mannheim der 21. Berufsgenossen- s ch a f t s t a g. Dort kam die Frage gleich nach Eröffnung zur Beratung, und da Posadowsky nicht mehr Staatssekretär ist, will man gleich bei seinem Nachfolger sein Glück versuchen. Es wurde vorgeschlagen, dem Nachfolger Posadowsktis die Klagen in einer Audienz vorzutragen. Aber schneller fast, als sie hoffen konnten, war schon ein günstiger Bescheid da. Der Präsident des Ncichsversicherungsamtes Kauf- mann, der an den Verhandlungen teilnahm, teilte mit:. „daß dos Reichsamt des Innern eine GcsctzeSobändcrung anstrebt, wo n och die Belastung der Bcrufsgenossen- schaften mehr als bisher nach Maßgabe der desteheiiden Rentenverpstichtung geregelt werden soll". Also der Reservefonds von 215 Millionen Mark kann entweder wieder aufgebraucht werden, oder es hört doch die weitere Verstärkung auf l Die Berufsgenossenschaften können wieder die Zukunft belasten, und wenn dann einst„Schreier" den„phantastischen und perfiden" Plan der Vereinheit- lichung der Arbeiterversicherung durchsetzen wollen, dann mögen sie auch die in den Berufs- genossenschaften angesammelten Lasten über- nehmen! Es mag dieser Vorschlag der von Bülow eingeleiteten Blockpolitik entsprechen. Sicher ist, daß die Leiter der mehr zünftlerischen Baugewerks-Berufsgenossenschaften und die Scharfmacher der schweren Industrie die. Beseitigung des§ 34 gefordert haben. Der Paragraph ist aber nicht von der Regierung geschaffen, sondern aus der Initiative des Reichstages hervorgegangen und die Väter dieser Be- sümmung gehören zum Block! Der§ 34 des Gewerbe- Unfallversichcrungsgesetzes ist nämlich eine der wenigen sozial- polifischen Taten der Freisinnigen Volkspartei. Er ipurde auf Antrag des Abg. Schmidt-Elberfeld ge- schaffen. Nun, da Bülow anfängt, sich mit Sozialpolitik zu befassen, schlägt er zuerst das vor, was seine Blockfreunde iu die Gesetze hineingebracht haben! Was werden die Freisinnigen tun, wenn diese Vorlage kommt? Werden sie als gehorsame Diener der Reaktion ihr eigenes Kind schlachten und begraben? Es sind Prüfungen, >vie sie einst an Abraham gestellt sind? Gleichzeitig ist der Vorgang charakteristisch für die Sozialpolitik des Fürsten B ü l 0>v. Seine erste„positive" sozialpolitische Tat ist die Beseitigung einer Bestimmung der Sozialgesetzc, durch die ein Zustand geschaffen wurde, der eine Vereinheitlichung der Versicherung ermöglichte. In dieser Richtung hatte die Bestimmung einen Wert. Ferner ist sie von Nutzen. weil der Beharrungszustand voraussichtlich 20 Jahre früher eintritt und dann jede weitere Steigerung der Lasten durch Vermehrung der Rentenempfänger aufhört, wodurch die Umlagen um einige Mark niedriger bleiben, als sie ohne Reservefonds im Beharrungszustand sein würden. Sicher ist: wenn die Unternehmer nunmehr die Beseitigung des Reservefonds verlangen, so haben sie für diese fünf Jahre schon erheblich mehr herausgeschlagen, als ihnen die Wahlen gekostet haben!_ Lille eigenartige Berufung. Wie unseren Lesern noch in Erinnerung sein wird, wurde de: e n o s s e Zimmermann Adolf Hermann in der Nackt vom 22. zum 23. September 1906 zu Stolpe von dem endarnierieivachlmeister Jude erschossen. Das aus Anlaß des Vorfalles gegen Jude eingeleitete Verfahren wurde seitens der Militärbehörde bis zur Eutscheidung über das gleichzeitig gegen die damalige» Begleiter des Erschossenen(Sperling und Ge- nossen) wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt. Körperverletzung und ruhestörenden Lärms anhängig gemachte ErmiNelungSverfahren eingestellt. DaS Ermittelunasverfahren gegen Sperling und Genossen führte zunächst zur Einstellung ivegen Wider st andes und Körperperletzung, da die Gendarmen nicht im Dienst gewesen seien. Dagegen wurde gegen die sämtlichen in Frage kommenden Personen seitens des Amtsgerichts Oranienburg ein Strafbefehl in Höhe von drei Mark wegen— ruhestörenden Lärms erlasten. Auf den seitens der sieben Angeklagten gegen den Strafbefehl erhobenen Ein- fpruch wurden sämtliche Angeklagen am 26. März vom Amts» gericht in Oranienburg freigesprochen. Gegen das Urteil hatte die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Jnsolgedessen hatten sich gestern vnr der Strafkammer des Land- gerichis III abermals wegen angeblich ruhestörenden Lärms folgende sieben Genossen zu verantworten: 1. Zimmermann Rcinhold Hermann, 2. Tischler Adolf Sperling, 3. Arbeiter Gustav Höft, 4. Glaser Richard Knopf, 5. Schriftsetzer Karl Seifsert, 6. Arbeiter Wilhelm R 0 g g e, 7. Maurer Karl K n ü t t e r. In der Verhandlung schilderte der zuerst vernommene Angc- klagte R e i n h 0 l d Hermann, der Bruder des Erschossenen� den Hergang folgendermaßen: Wir, sämtliche Angeklagten, sowie niein Bruder kamen in der Nacht vom 22. zun: 23 September 1906 gegen Va3 Uhr morgens von einem Diskutierabeud, den ivir im Bergemannschen Lokale in Stolpe abgehalten hatten und unterhielten uns in ruhiger Weise über unsere Verhandlungen. Die Nacht war sehr dunkel und konnten wir kaum die Hand vor Augen sehen. Vor dem Borgfeldschen Lokale wird der Fußweg durch tief herabhängendes Geäst alter Bäume noch mehr verfinstert und durch eine Hecke sowie eine Pumpe eingeengt. Kurz hinter dieser Stelle stieß ich unwillkürlich au eine Person an, die ich vorher nicht bemerken konnte, und entschuldigte inich. Die Person stand im Dunkeln mitten im Wege. Nachdein einer aus unserer Mitte ei» Streichholz angerissen, sah ich, daß die Person ihre Not- dürft verrichtete, und einer von uns rief:„ D a s i st j« der Gendarm Jude in Zivil." Der Angestoßene schimpfte:„Das ist ja eine Flegelei"— und andere Worte, die mir nicht erinnerlich sind. Wir gingen ruhig misereS Weges und haben uns über den Vorfall unter- halten. Nachdem wir etwa 250 Schritte von dem Orte des Vor- falles entfernt waren, kamen Jude und Gendarm Tietz plötzlich hinter uns und her schlugen mit den Worten:„Da haben ivir Euch Schweinebande ja!", mit einem Ochsenziemer und einem eichenen Knüppel auf uns ein. Wir entwanden, nachdem die meisten unserer Begleiter entflohen waren, den beiden Gendarmen die Stöcke. Kurz darauf krachte ein von Jude ab- gegebener Schuß, der meinen Bruder in den Ilnterleib traf. Nach Abgabe des Schusses entflohen die beiden Gendarmen. Wir haben, weder ruhestörenden Lärm verübt, noch die Gendarmen angegriffen, sondern sind ganz unmotiviert von ihnen überfallen worden. Die übrigen Angeklagten bestätigen diesen Hergang. Zeuge ZiegeleibesitzerPagels-Stolpe bekundet: In der Nacht stand ich mit dem Forstaufseher Haase und den in Zivil- kleidung befindlichen Gendarmen Tietz und Jude vor dem Borg- feldschen Lokal auf dem Fußweg. Wir wurden von Leuten, die vorbeikamen, angerempelt, ob absichtlich, kann ich nicht bekunden. Ebensowenig weiß ich, ob Jude seine Notdurft verrichtet oder ge- schimpft hat. Bon den weitergehenden Leuten hörte ich etwas schimpsen. Es wurde laut gesprochen, aber keiuSwegs gebrüllt. Als ruhestörenden Lärm oder überhaupt als Lärm habe ich die Aeußerungen nicht auffassen können. Als ich mich der- abschiedete, was kurz darauf erfolgte, hörte ich überhaupt kein Tchimpfen oder Lärmen mehr. Ob seitens des Gendarmen Schimpf- tvorte gefallen sind, kann ich mich nicht entsinnen. Der Forstauf- seher Haase bekundet im wesentlichen in gleicher Weise und be- tont auf Vorhalt des Verteidigers Rechtsanwalt L i e b k n e ch t, daß er am 14. November 1906 vor dem Amtsgericht in Lübben erklärt habe, die Personen seien singend und lärmend entlang gegangen; diese Behauptung habe ich nicht aufgestellt, jeden- falls kann ich sie nicht aufrecht erhalten. Gendarm Jude bekundet: Ich befand mich in Zivil im Dienst. Der Gendarm Theilig hatte sein Rad bei Borgfeld eingestellt und wollte es heraus- holen. Wir warteten. Ich stand mit Pagels und Haase zusammen. Möglich ist es, daß ich die Notdurft verrichtete. Ich hörte die Leute kommen und wurde von einem so stark angerempelt, daß ich taumelte. Allerdings war es sehr dunkel. Ich nehme an, daß absichtlich gerempelt war und folgere das aus der Heftigkeit des Stoßes. Ich sagte: das ist eine Flegelei. Die Leute gingen weiter. Bestimmte Schimpfworte habe ich nicht gehört. Einer sagte:Das war ja der Gendarm Jude. Als die Leute etwa 30 Schritte entfernt waren, lärmten sie. Als Tietz zu» kam, sprachen wir über die Sache. Tietz meinte, wir wollen die Leute feststellen. Tietz ging voran. Als ich etwa 150 Schritt entfernt die Leute einholte, war mein Kollege in Schlägerei mit einem Knäuel. Ich hieb mit e i n e m e i ch e n e n K n ü p p e l dazwischen. Der Stock wurde mir entrissen, ich erhielt auch ganz gehörige Schläge. Durch mein Zwischenhauen hatte ich den Knäuel getrennt. Als mir der Stock entrissen war, schlug ich mit dem Revolver. Die Schilderung des weiteren Vorfalles hält das Gericht für unerheblich, da es sich nur darum handelt, ob v o r dem Nachlaufen durch die Gendarmen ruhestörender Lärm vorgelegen habe. Der Zeuge bekundet, es haben mehrere geschimpft. Der Anrempelnde hatte sich nicht von den anderen entfernt. Aus eine Bemerkung des Vorsitzenden, daß der Zeuge ja einen ruhigen Eindruck mache, legt der Verteidiger Rechtsanwalt Liebknecht dem Zeugen die Frage vor: Haben Sie geäußert, es s e,i Ihnen schon das zweite Mal passiert, daß Sie infolge eines Schusses einen Menschen getötet haben? Das Gericht lehnt die Zulassung der Frage ab, weil sie nicht zur Sache gehöre. Der Gendarm Tietz bekundet: Wir waren im Begriff nach Hause zu gehen oder viel- mehr wollten noch die anderen Dörfer durchpatrouillieren, weil Obst- und Kartoffeldiebstähle vorgekommen waren. Ich war bereits einige Schritte mit dem Rade voraus, ich hörte Jude sich äußern und hörte auch die Worte eines der Vorübergehenden, das ist ein Gendarm oder dergleichen. Die Rempelei habe ich nicht bemerkt. Als ruhestörenden Lärm kann ich den Vorgang nicht bezeichnen. Ich empfand es aber als eine Frechheit der Vorbeigehenden, erst anzurempeln und wiewohl die Leute nach der Bemerkung wußten. daß eS sich um einen Gendarm handelte, noch zu schimpfen. Ich meinte, hierin liege ein grober Unfug. Des Lärms wegen bin ich nicht gefolgt. Ein Angeklagter hält dem Gendarmen Jude noch vor. daß er ja mitten im Wege gestanden und dann sich umgedreht und die Notdurft verrichtet habe. Der Gendarm gibt die Möglich- keit zu, seine Notdurft dabei verrichtet zu haben, bleibt aber dabei, aus der Heftigkeit der Anrempelung sei deren Absicht zu folgern. Er bestreitet entschieden, gesagt zu haben: Jetzt haben wir ja die Schweinebande! Der Staatsanwalt: Ob die Anrempelung beabsichtigt war. laste ich dahingestellt. Jedenfalls hat nicht dieie, sondern ruhestörender Lärm und grober Unfug die Gendarmen zum Versuch der Feststellung veranlaßt. Ob die Störung der öffentlichen Ruhe tatsächlich eingetreten ist, kommt nicht in Betracht, die Erhebung der Anklage wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung ist unterlassen, weil kein Beweis hierfür zu führen war, wer geschlagen hat. Bei dem ruhestörendcn Lärm oder dem groben Unfug kommt es nicht darauf an, wer gelärnit hat. Wer sich trotz des Lärms nicht von dem Haufen entfernte, ist selbst schuldig, er ist mitverantwortlich. Er beantragt gegen jeden Angeklagten 3 M. Geldstrafe event. 1 Tag Haft. Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht beantragt die F r e i s p r e ch u n g der Angeklagten und darüber hinaus von der Befugnis Gebrauch zu machen, auch die den Angeklagten erwachsenen notwendigen Auslagen der Staatskasse aufzuerlegen. Dieser Antrag ist gerechtfertigt, führt er aus.weil die Angeklagten völlig unschuldig sind und bei hinreichenden Vorbereitungen der Anklageermittelungen Anklage überhaupt nicht hätte erhoben werden können. Der Verteidiger setzt in längerer Rede auseinander, daß auch nicht der Schatten einer strafbaren Handlung gegen irgend einen der Angeklagten vorliege. Nachdem durch den Schuß des Gendarmen Hermann getötet war, hätte der sofort erstatteten Anzeige gegen den Gendarm Folge ge- geben werden sollen. Statt dessen ist der Spieß umgedreht. ES ist zwar gegen den Gendarm Jude ein Verfahrest wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang eingeleitet, jedoch wurde dies Verfahren zunächst ausgesetzt und die Angeklagten, die in dem Ver- fahren gegen den Gendarm als Zeugen zu vernehmen waren, aus die Anklagebank gebracht. Umgekehrt hätte, wenn nian überhaupt gegen die Angeklagten vor- gehen wollte, mit dem Verfahren gegen ste erst begonnen werden dürfen, wenn das Verfahren gegen Jude endgültig abgeschlossen war. Der durch die Beweisaufnahme erwiesene Sachverhalt ergibt die völlige Hinfälligkeit der durch die Anklage gegen die Angeklagten erhobenen Vorwürfe. Der Vorgang hat sich in einem Dunkel zu- getragen, in dem niemand sehen konnte. Wenn nun die auf dem Wege Stehenden hörten, daß mehrere Personen herankamen, so hätten sie aus dem Wege gehen oder sich bemerkbar machen sollen. Wenn lemand in der Dunkelheit gegen irgend einen Gegenstand anläuft, so verursacht dies immer einen heftigen Stoß. Daraus eine ab- sichtliche Rempelnug zu folgern, ist völlig verfehlt. Es hat keinerlei Grund für ein Einschreiten der Gendarmen vorgelegen. Das blinde Hineinhauen in eine Schar friedlich ihres Weges gehender Leute beweist, daß die Beamten äußerst aufgeregt waren. Es hat aber mit Ausnahme Judes niemand einen ruhestörenden Lärm bekundet. Es gewinnt allen Anschein, als ob die Angelegenheit nur deshalb, nachdem gegen den Gendarm Jude wegen Totschlages Anzeige erstattet war. gegen die Angeklagten eingeleitet ist, um dem Verfahren gegen sich selbst eine andere Wendung zu geben. Statt z u n ä ch st das ichwcre Delikt, dessen der Gendarm beschuldigt ist, zu verfolgen, hat man die einzigen, die für dies Delikt als Zeugen fungiere» können, auf die Anklagebank gebracht. Auch von dieiem Gesichtspunkte aus ist es gerechtfertigt, dem Antrage stattzugeben, auch die notwendigen Aus- lagen der Staatskasse aufzuerlegen. Das Gericht fällte folgendes Urteil: Die Berufung der Staatsanwaltschaft wird verworfen, die den Angeklagten erwachsenen not« wendigen Auslagen werden der Staatskasse auf- erlegt. Nach dem Ergebnis der heutigen Verhandlung, führte der Vor- sitzende aus, ist folgendes erwiesen: Die Angeklagten gingen bei dem Borg feldschen Lokale vorbei. Daß sie dabei gelärmt oder gesungen hätten, ist widerlegt. Infolge der Dunkelheit kam es zu einer An- rempelung mit den Zeugen Pagels und Jude, die auf dem Wege standen. Es gab darauf einen Wortwechsel. Jude stellte den An- rempelnde» zur Rede und sprach auch von Flegelei. Da in- zwischen durch Anzünden des Streichholzes die Gendarmen be- kannt geworden waren, machten einige der Angeklagten ihren Gefühlen Luft. Zur Anklage steht nicht die Rempelei, sondern lediglich der angebliche Lärm. Nach dem Ergebnis der Beweis- aufnähme nmß die Behauptung, daß die Angeklagten ruhe- störenden Lärm verübt haben, als widerlegt er- achtet werden. Es mögen einige Schimpfworte gefallen sein, aber keineswegs so laut, daß sie das Publikum als solche ge- hört haben können. Schon aus diesem objektiven Grunde fällt die Anklage, ganz abgesehen davon, daß nicht festgestellt werden kann, wer eigentlich gelärmt haben soll. Was die Kosten anbetrifft, so ist das Gericht von der Ansicht aus- gegangen, daß der Sachverhalt bereits in erster Instanz klar die Unschuld der Angeklagten er- geben hat, so daß die Staatsanwaltschaft Veranlassung zur Berufung nicht gehabt hat. Es wurde deshalb von der Befugnis, auch die notwendigen Auslagen, die de» Angeklagten erwachsen sind, zu erstatten, Gebrauch gemacht. « Damit ist denn nun freier Lauf für die endliche Ver- folgung des Gendarmen Jude wegen der Erschießung des Genossen Hermann geschaffen. Wird die Militärbehörde nun endlich Anklage erheben? Die Art des Vorgehens oder viel- mehr NichtVorgehens gegen den Gendarmen Jude ist eine ganz eigenartige. Anstatt schleunigst wegen Mordes oder Tot- schlages gegen ihn das Verfahren einzuleiten, wird der Witwe mitgeteilt, die Ermittelungen schweben noch. Dann wird versucht, gegen die Belastungszeugen vorzugehen, deren völlige Unschuld sich gestern zum zweiten Male erwiesen hat. Zwischendurch suchte man auch wegen —„Verleuindung" deS Gendarmen Jude gegen den Genossen Stadthagcn Anklage zu erheben. Stadthagen wurde vcrant- wortlich vernommen, weil er durch eine Rede, in der er von dem Mörder Hermanns sprach, diesen verleumdet haben soll. Stadthagen erwiderte, so habe er sich nicht nur in der Rede, sondern schon bei der Bestattung des Erschossenen geäußert. Nicht nur Totschlag, sondern Mord liege vor: das folge aus dem Davonlaufen der Gendarmen nach Ver Übung der Tat. Er sehe der Anklage mit Seelenruhe entgegen, er werde im Termin den Beweis für seine Behauptung führen. Bald darauf erhielt Stadthagen die amtliche Nachricht seitens der Staatsanwaltschaft— das gegen ihn eingeleitete Verfahren sei eingestellt worden. Wir werden auf das militärgerichtliche Verfahren, das, wie wir im Gegensatz zu dem Bericht einiger Zeitungen mitteilen können, noch nicht abgeschlossen ist, noch näher ein- zugehen haben. Wird der oben geschilderte Prozeß die militärische Anklagebehörde bald zu einer Anklageerhebung veranlassen? Uebrigcns wird der Sachverhalt in jedem Fall, mag die Militärbehörde wie immer entscheiden, die Zivilgerichte noch beschäftigen. Es hat, soviel uns bekannt, sowohl die Krankenkasse wie die Witwe ihre Zivilansprüche gegen den Gendarmen geltend gemacht. lfcchttsglkhez zum Peters-Schwindel. Die„Vossische Zeitung" kommt in ihrem heutigen Leitartikel nochmals ausführlich auf den T u ck e r b r i e f zurück, von dem die Petcrs-Clique ein solches Wesen macht. Sie weist zunächst nochmals nach, daß die Behauptungen der Petcrs-Clique, der Tuckerbrief habe den eigentlichen Anlaß zur Verurteilung des Peters gegeben, dreiste Unwahr- heiten darstellen. Wohl habe der Tuckerbrief den Anlaß zur Einleitukng des Disziplinarverfahrens gegeben, allein für die Verhandlungen und die Urteile der Disziplinargerichte sei er absolut nicht in Frage gekommen. Weder in erster noch in zweiter Instanz sei der Tucker-Brief als vorhanden angenommen worden; für den Inhalt der Disziplinarurteile sei es vollkommen gleichgültig gewesen, ob und was jemals Dr. Peters an den Bischof Tucker geschrieben habe. „Weil der Tuckerbrief den äußeren Anstoß zu einer eingehenderen Untersuchung gab, als sie bis dahin stattgefunden hatte, machten sich die Freunde des Herrn Peters bald die Theorie zurecht, es sei nichts Neues vorgebracht worden als der Tuckerbrief, der Tuckerbrief sei gefälscht, also hätte das Verfahren eingestellt werden müssen. So Herr Otto Arendt. Zwar am 19. März 1896 sagte«c noch in seinem „Deutschen Wochenblatt", die neue UntersuHung gebe Ge- währ dafür,„daß die volle Wahrheit ans Licht gezogen, und wenn eine Schuld vorhanden, diese unnachsichtig Strafe finden wird." Am 23. April verlangte er eine„schnelle Erledigung der Disziplinaruntersuchung". Aber am 23. Juli 1896 war er nicht mehr der Meinung, daß die volle Wahrheit aus Licht gezogen werde, sondern verlangte, der„ReichSanzeiger" solle bekannt machen,„daß, da der Brief an Bischof Tucker so wie jeder Brief des Dr. PeterS ähnlichen Inhalts sich als Erfindung erwiesen, alle übrigen An- schuldigungen aber vorher wiederholt unter- sucht und als falsch erachtet sind, von der Einleitung einer Disziplinaruntersuchung oder eines gerichtlichen Vorgehens gegen Dr. PeterS abgesehen werden konnte." Diesen Gefallen tat der Reichskanzler dem mächtigen Herrn Otto Arendt um so weniger, als die früheren Untersuchungen nicht in einem förmlichen Disziplinarverfahren erfolgt lvaren und für die neue Niitersuchung noch anderes Material und andere Be- weise vorlagen als früher. Die auch von der Verteidigung im Disziplinarprozeß geltend gemachte Anschauung, daß durch die ersten Untersuchungen„Entlastung" erteilt sei, wurde vom Gerichtshof zurückgewiesen, da er ohne Rücksicht aus die Ergebnisse, zu denen andere Behörden ge- kommen seien, sein Urteil aus Grund des von ihm fest- gcstelltea Sachverhalts zu fällen haue." Des weiteren weist die„Voss. Ztg." der Peters-Clique mehrere neue Unwahrheiten nach. Peters habe in München erklärt, den Brief an den Bischof S m i t h i e, der möglicher- weise mit dem„Tucker-Brief" identisch sei, bereits im Jahre 1896 in einer Broschüre seines Verteidigers Scharlach veröffentlicht zu haben. Offenbar aber handele es sich um einen ganz anderen Brief des Peters an den Bischof, da der Wortlaut mit dem des in München verlesenen Brieses keineswegs übereinstimme! In dem 1896, zum Teil in der Scharlachschen Broschüre, zum Teil in dem Arendtschen„Deutschen Wochenblatt" veröffentlichten Brief heiße es: „Ihre Berichte sind vollständig entstellt! rS ist nie- mals ein Man» oder ein Weib auf der Kilimaudscharo-Statio» wegen Ehebruchs durch«ich zum Tode verurteilt. Es ist ein anderes kleines Mißverständnis in Ihrem Briefe, weicyes ich zur Kenntnis zu nehmen bitte. Sie schreiben, ich hätte gestern vorgeschlagen, nach Ihrer Station zu komme n. So weit ich mich erinnere, habe ick nur gesagt, ich hoffte Sie heute zu sehen. Es ist durchaus nickt meine Gewohnheit, Leuten anzubieten, sie zu besuchen, die ich absolut nichr kenne. Ich habe die Ehre, Ihr sehr ergebener Karl Peters." Aus diesem Briefe geht hervor, daß tatsächlich der Bischof S m i t h i e sich einen Besuch des Peters ver- beten haben muß! In dem in München verlesenen Briefe des Peters findet sich aber weiter folgende Stelle, die mit dem fett- gedruckten Passus seines anderen Briefes in s ch r o s f sr e m Widerspruch steht: „Es haben am Kilimandscharo zwei Hinrichtungen stattgefuudc», die eine im O k to b e r 1891, die andere im Früh- jähr 1892; beide selbstverständlich nach vorhergegangener Unter- suchung und nach öffentlicher Verkündigung des Urteils. Was den F a l l v o>n O k t o b e r 1891 betrifft, so war der Schuldige ein Massaibursche, der einen nächtlichen Diebstahl unter er- schwerenden Umständen ausgeführt hatte. Außerdem hatte er che- brcchcrischc» Umgang mit rincr der weibliche» Dienstboten. Diese Dienerin war nicht von mir, aber sie gehörte einem anderen Herrn der Station. Bezüglich der letzteren hat eine Untersuchung nicht statt- gefunden. Ich wollte sie mit 23 Peitschenhieben bestrafen. Das Mädchen hat aber keine Strafe erhalten. Da» Urteil ist ergangen in Uebereinstimmung mit allen Herren der Station s?), die wegen der schwierigen Ver- hällnisse, in deuey wir uns befanden, sich sämtlich mit der Todes- strafe einverstanden(?) erklärt haben. Der zweite Fall vom Anfang Januar betrifft eine Frauensperson. Es handelte sich um ein Komplott gegen die Sicherheit der Station. Das Frauenzimmer hielt es mit einigen feindlichen Häuptlingen. Von einem Ehebruch war in diesem Falle keine Rede. Meiner Ansicht nach werden beide Fälle durcheinandergeworfen." Für den Fall Mabruk bestätigt also hier Peters das Mithineinspielen des geschlechtlichen Moments, das er in dem anderen Brief glatt leugnet! Und noch eine weitere Unrichtigkeit der Pftinchener Aussage des Peters:„Herr Peters irrt auch, wenn er versichert, er habe den Brief nicht abgeschickt. Denn sein Verteidiger Scharlach berichtet in der Broschüre. Herr Peters habe in Veranlassung einer Besprechung mit dem englischen Major Kenrick diesem den Brief an den Bischof Smithy übergeben. Der genannte Major habe später den Brief dem Auswärtigen Amt zur Verfügung gestellt." Man sieht aus alledem, auf wie gespanntem Fuße der Peters und seine Kronzeugen mit der Wahr» h e i t stehen! Die Doppelseele des Herr» Liedert. Unter der Stichmarke„General v. Liebert über die Neger� wird der„Köln. Ztg." geschrieben: „Als ich in der„Köln. Ztg." und an anderen Stellen die Aussage des Generalleutnants v. Liebert im Prozeß Peters über die Neger in Ostafrika sah, griff ich mir erstaunt an den Kopf und las die Mitteilung noch- mals. Ich habe nämlich vor einiger Zeit einem Vortrage des genannten Herrn in einem Kolonialverein bei- gewohnt, in dem er natürlich auch der Neger gedachte. Aber wie ganz anders lautete damals sein Urteil über die Neger. Während er in München diesen Menschen jede bessere Eigenschaft abstritt und kein gutes Haar an ihnen ließ, sprach er in jenem Vortrage von manchen guten Eigenschaften der Ureinwohner und hob hervor, daß sie bei richtiger Behandlung brauchbare Menschen seien. Mit fast dramatischer Deutlichkeit schilderte er. um ein Beispiel der Behandlung anzugeben, die Anwerbung von Schwarzen zu einem großen Zuge ins Innere. Schaurig nannte er das. wenn ich nicht irre. Und hierbei lobte er den Neger als zu- verlässig, wenn er mal Vertrauen gefaßt. Noch mehr! Von den Somali sprach er mit einer Wärme, die beinahe an Rührung streifte, und gebrauchte, dessen erinnere ich mich deutlich, den Ausdruck:„Meine lieben Somali". Und nun halte man hiergegen die scharfe Be- urtcilung der Neger im Prozeß Dr. Peters l Man kann doch nicht sagen:„Ja, Bauer, das ist etwas anderes". Die Neger des Dr. Peters sind doch auch die Neger des Hern» v. Liebert." politiscbe debcrficbt. Berlin, den 10. Juli 1907. Das Oertel-Blatt verdächtigt weiter! Durch unsere gestrigen Feststellungen über die ge» stohlene Peters- Kiste zeigten wir. mit welch u u- glaublicher Skrupellosigkcit die Peters-Clique die höchsten Reichsbehörden des gemeinsten Diebstahls zu verdächtigen wagt. Die„Deutsche Tages- Zeitung" bringt es sogar heute, nach unseren Feststellungen über die Peters-Kiste, fertig, unserer Darstellung über den damaligen Vorgang folgende neue Verdächtigungen folgen zu lassen: „Die Aufklärung hat nur leider ein Loch: Gerade das Verschwinden der Briefe, die Dr. Arendt mit höchsten Reichsbeamten gewechselt hatte, wäre doch kaum da- durch erklärt; immerhin wäre es aber denkbar, daß der „Kollidieb" diese Briese behalten hat, weil er glaubte, sie viel- leicht eines TageS verwerten zu können." Das Oertel-Blatt setzt den Kollidicb in Gänsefüßchen, es gibt damit also zu verstehen, daß es nicht a* einen einfachen Diebskahl glaubt! Auch wäre ja sonst 0ie Annahme geradezu absurd, ein gemeiner Spitzbube besäße den politischen, ja geradezu diplomatischen Riecher, Dokumente in der Absicht zu stehlen, sie„vielleicht eines Tages verwerten zu können". Und zwar durch Ver- hökerung an eine hohe Behörde! Denn niemand anders als das Kolonialamt selb st hätte ja ein Interesse an der Vernichtung dieser Dokumente haben können! Außerdem aber traut dabei das Oertel-Blatt den: Dieb eine Ansicht von den moralischen Qualitäten höchster Reichsbeamter zu, die zu vertreten bisher der Vorzug der„staatserhaltenden" Peters-Clique, speziell auch der„Deutschen Tages-Zt g.", war. Diese Muster- Patrioten trauen ja, wie wir gesehen haben, einem Kolonial- dircktor ohne weiteres Diebstahl und Hehlerei zu. Ein ge- wöhnlicher Verbrecher besitzt aber wohl schwerlich den Grad zynischer Menschcnverachtung, solch hohe Beamte ohne weiteres für seines Gleichen zu halten. Man muß schon eine so profunde Kenntnis des Treibens innerhalb der höchsten Rsichsämter besitzen, wie die Arendt, Oertel und Konsorten, um den Spitzen der Behörden die Bereitwilligkeit zuzutrauen, sich mit dem ersten besten Spitzbuben in einen verbrecherischen Handel einzulassen I Uns kann diese Art der Peters-Clique, das Ansehen der obersten Behörden zu untergraben, schon recht sein. Ebenso recht kann es uns sein, daß die amtlichen Organe nicht einmal einen Tintentropfen verspritzen, um solch' infamen Ler- dächtigungen entgegen zu treten! Und wir wollen uns all' diese Dinge merken für den Fall, daß wieder einmal eine Behörde einen Staatsanwalt gegen einen Sozialdemokraten mobil zu machen für nötig hält!— Faule Ausreden! Nach einer offiziösen Mitteilung der„Münch. Neuesten Nachr." wllen in den maßgebenden Kreisen lcbhafle„Erwägungen" darüber schweben, ob man die P e t e r s- A t t c n endlich der. Oeffcntlichkeit unterbreiten solle oder nicht. Eine Entscheidung sei noch nicht ge- troffen. Sie sei auch nicht so leicht, da in dieser Angelegenheit „viele und wichtige Momente allgemeiner Natur, sowohl Rück- sichten auf die auswärtige wie die innere Politik" mitspielten. Welche Rücksichten auf die„auswärtig e" Politik obwalten (ollen, ist uns völlig rätselhaft. Selbst wenn die Frage der ehemaligen englisch-deut scheu Rivalitäten in Ostafrika ge- streift werden sollte, so liegen diese Dinge doch V/j Jahrzehnte zurück! Warum also auf einmal so zimperlich, da man sich doch sonst so wenig aus internationalen Konflikten macht! Dagegen finden wir die Rücksichten auf die innere Politik be- greiflich. Einen so getreuen Handlanger wie ihren Arendt möchte die Regierung natürlich schonen. Auch möchte sie wohl die teilweise Rehabilitierung des Peters nicht gern noch in sonder- barerem Lichte erscheinen lassen, als es ohnehin der Fall ist. Frei- lich wird sie auch bei einer weiteren Vertuschung keine Seide spinnen! Weiter meldet das Münchener Blatt, daß die A n g r i f f e a u f die Disziplinargcrichtshöfe nicht ungeahndet bleiben würden, sofern von der beleidigenden Seite„nicht Rcmedur erfolge". Durch das verspätete Bedauern des Liebert könnten die Beleidigungen schwerlich als erledigt angesehen werden. Doch nicht? Wir glaubten schon, daß die Schimpffreiheit des Liebert sich nicht nur auf die Sozialdemokratie erstrecke. Warten wir es also ab. Es verlautet schließlich in der Presse, daß Wilhelm II. selb st sich die Peters- Akten habe vorlegen lassen.—_ Die borussisch zu zähmende Wissenschaft. Ihrem scheidenden Kurator v. Moltke, der zum preußischen Minister des Innern ernannt worden ist, hat die Königsberger Universität ein Abschieds essen gegeben, bei welcher Gelegenheit der neue Minister einen bemerkenswerten Speech gehalten hat. Der Nachfolger Bethmann-Hollwegs verbreitete sich nämlich ins besondere über die Aufgaben der akademischen Jugend e r z i e h u n g. Der Wissenschaft als solcher fehle der„sichere und gewisse Stützpunkt", sie sei ein„Turmbau" ohne festes Fundament. Um kein„Turmbau von Babel"' zu werden, dürfe ihr„der Zusammenhang mit der konkreten Wirklichkeit" nicht verloren gehen. Sie müsse sich immer auf dem Boden„geschichtlicher Entivickelung" halten. Nichts sei schwerer zu behandeln, als der„unbändige mensch liche Geist in seiner Beweglichkeit." Die Wissenschaft müsse sich daher„mit weisem Zielbewußtsein in der Richtung vaterländischer Bildung" zusammenfinden. Der neue Minister des Innern schloß mit den Worten: „Mein Sckwauengesang sei die Bitte, daß Sie die Vera» t- Wartung für diese Ausgabe nicht so leicht nehmen wollen. Wir gehen vielleicht schweren Zeiten entgegen, mögen aus Ihrer Hand sich Männer finden. welche würdig unserer Vorfahren als gute Preußen und Deutsche ihr Wissen und Walten und, wenn eZ sein muß, ihr Herzblut herzu- geben bereit sind für die Große und für den Ruhm des Vaterlandes." Der„ R e i ch s b o t e" ist begreiflicherweise entzückt von dem„christlichen Ernst" dieser Ministerrede und namentlich von,,, der Betonung der geschichtlichen Kontinuität. Das„Berl. Ta gebl." meint im Gegenteil, eine solche Kontinuität errege bei dem Halbabsolutismus Preußens die schwersten Bedenken. Gerade in Preußen gelte es m o dernc Zustände einzuführen, das Volk aus den Fesseln des innerlich längst überwundenen„ P o l i z e i st a a t e s" zu befreien I Diese platonischen Forderungen des Liberalismus sind ja sehr hübsch, aber näher läge es doch, sich energisch von einer Blockpolitik loszusagen, die zur Ver wirklichung der„liberalen" Aera in Preußen einen so reaktionären Beamten ausersehen hat! Denn daß der neue Minister des Innern nicht nur„nicht liberal" ist, wie das euphemistisch jüngst die liberale Presse ausdrückte, sondern ein ausgesprochener Real tionär, ein Mann nach dem Herzen der Oertel und Stöcker, das bo weist ja deutlich genug sein Königsberger„Schwanengesang", der die Wissenschaft beschwört, die akademische Jugend, von deren„unbändigem Geist", von dem andere Leute noch nicht den leisesten Hauch verspürt haben, zu quictisieren und borussisch zu zähmen!_ Wie das Zentrum arbeitet. Der Wahlkreis Geilenkirchen-HeinSberg-Erkelenz /Regierungsbezirk Aachen) gehört zum bombensicheren Zentrums- besitz. Von 25 171 Wahlberechtigten stimmten bei der letzten Reichstagswahl 32 026 für das Zentrum; S73 Stimmen fielen auf einen„Nationalkathvliken", 73 auf den Sozialdemokraten. Das Zentrum braucht hier also auf absehbare Zeit nichts zu fürchten. Nichtsdestoweniger ist es eifrig an der Arbeit. Vorige Woche fand in Geilenkirchen eine Konferenz der Geschäftsführer des katholischen Volksvereins im Kreise statt. Der Referent Dr. Sonnenschein IM.-Gladbach) stellte fest, daß von 27 Pfarreien des Kreises Geilenkirchen 23 den Bolksverein besitzen, die 24. wird denmächst folgen. Der Redner begründete die Notwendigkeit dieser Organisationsarbeit wie folgt: Der Kreis Geilenkirchen zeige eine starke Entwickclung von einem rein ländlichen zu einem immer mehr industriellen Charakter. Schon jetzt seien starke Teile seiner Arbeiter- schaft in der Textilindustrie beschäftigt, teils innerhalb, teils außer- halb des Kreises. Ton- und Dachziegelindustrie sei gleichfalls im Kreise vertreten und eine große Zahl Bergarbeiter sei im Landkreise Aachen beschäftigt, auch nehme die Heimarbeit langsam aber stetig im Kreise zu. Alles das beweise, wie unrecht' diejenigen hätten, welche glaubten, daß es sich hier noch um rein ländlich abgeschlossene und durch sich selbst geschützte Gegenden handle. Es soien infolge der wirtschaftlichen EntWickelung auch die anderen Ver- hältnifie in.der Umformung begriffen, eine andere Lebensart, andere Ideen, eine neue Vergnügungssucht und damit neue Schwierigkeiten der Jugenderziehung und der Seelsorge stünden an der Türe und seien stellenweise schon in den Kreis eingedrungen, dazu erfordere die enge Beziehung der auswärtsarbeitenden und auswandernden Ar- beiter zu den Industriezentren ernste Aufmerksamkeit. Diese Leute, die die diese genossen hatten, zu den besten Vorkämpfern für christliche LebenSanschaiiungen in den Jndustriegegenden gemacht werden. Aus allen diesen Gründen könne man sagen, die erfreuliche Ausbreitung und Vertiefung der Volksvcreinsarbeit im Kreise Geilenkirchen cnfc spreche durchaus der Notwendigkeit der Lage. DaS geschah wohlgemerkt in einem Wahlkreise, wo die Sozial demokratie noch nicht hundert Stimmen ausbringt. Man muß ge stehen, daß das Zentrum die Zeichen der Zeit zu deuten und das Wort zu beherzigen weiß: Beuge vor!— Ultramontane Rentenquetsche. Die zentrumsagrarische„Rheinische V o l k s st i m m e" jammert über das Anwachsen der Lasten aus der land- wirtschaftlichen Unfallversicherung. Mit dieser Einrichtung habe die Landwirtschaft die betrübende Erfahrung ge macht, daß sie geschaffen worden sei zum Wohle einer Bevölkcrungs klaffe, der ländlichen Arbeiter, dagegen eine andere Bevölkerung� klaffe, die Besitzer, unverhältnismäßig schwer be� I a st e. Die Wohltat gegen die einen sei ein harter Druck gegen die anderen geworden. Deshalb fordert das Blatt, daß bei einer Schmälerung der Erwerbsfähigkeit von weniger als 20 Proz. in der Landwirtschaft die Rente in Wegfall komme. Die Regierung habe sich wohl auf die Anregung des Abgeordneten Schmedding(Zentrum) Hin mit dieser Frage beschäftigt und zur Fesfftellung der Ursachen für das„ungewöhnliche Anwachsen der Lasten aus der landwirtschaftlichen Unfallversicherung" Stichproben angeordnet. Eine solche Stichprobe habe jüngst in, Kreise Mayen stattgefunden, wo sich herausgestellt habe, daß vielfach Renten bc willigt worden seien, wo entweder die gesetzlichen Voraussetzungen überhaupt fehlten oder ein erheblich geringerer Prozentsatz hätte ge� zahlt�werden müssen. So das Zentrumsblatt, das hier mal wieder deutlich die klerr kale Arbeiterfrcundlichkeit offenbart. In jeder Zentrumsflugschrift wird es den Sozialdemokraten vorgehalten, daß ihre Vertreter im Reichstage gegen die Versicherungsgcsetze gestimmt haben, davon aber verraten sie nichts, daß es Zentrumsleute find, die lieb bemühen. den Arbeitern die Rente zu quetschen.— Behinderung der Verteidigung. Gestern und vorgestern fand in Königsberg ein Wieder- aufnahmcverfahren in einem BeleidignngSprozeß gegen den früheren Redakteur des eingegangenen Königsberger Witzblattes„Japper" statt. Am 1. Dezember 1004 wurde Beselin als Verantwortlicher Redakteur � des„Japper" wegen Beleidigung des Konsistorialrats Kries in einem Falle, des KönigSbcrger Polizeipräsidenten v. Kanne- wurff in drei� Fällen und der Gräfin K a y s e r l i n g k in einem Falle im ganzen zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt. Die Beleidigungen wurden in mehreren Gedichten gefunden. Während Beselin die über ihn verhängte Strafe in, Aliensteiner Gefängnis verbüßte, gelang es ihm durch Vermittelung guter Freunde, sich Material für die Durchsetzung der Wiederaufnahme des Prozesses, soweit er die Gräfin Kayserlingk betrifft, zu verschaffen. Eine Beleidigung der Gräfin Kayserlingk hatte daS Gericht im Urteil vom 1. Dezember 1904 in zwei Gedichten, betitelt „Der Benusberg am Paradeplatz" und„Geschichten aus dem Benusberg" gesehen, in denen deutlich zu verstehen gegeben wurde, daß Herren und Damen der Königsberger„besseren" Gesellschaft (darunter mich die Gräfin Kayserlingk) im Thcaterrestaurant zu sammcngckommen seien und hinter verschlossenen Türen in den Cfiamdros separöes der Völlerei und Unzucht obgelegen hätten. Der Wahrheitsbeweis, den Angeklagter Beselin angetreten hatte, war ihm nicht gelungen. Gräfin Kayserlingk hatte beschworen, sie sei nie mit einem Herrn allein in den Cfiambros separees deS Theater rest auran ts gewesen, sondern stets in Gesellschaft ihrer Kinder, oder der Erzieherin der Kinder, oder ihres Mannes, oder anderer Herren und Damen. In der Verhandlung im jetzigen Wiederaufnahmeverfahren stellte der Verteidiger RechtSanivalt Schwarz gegen den aus dem Russeiiprozeß bekannten Vorsitzenden Schubert Ablehnungsanträge wegen Besorgnis der Befangenheit. Das Gericht verwarf die Ab- lchnuuaSanträge, weil der abgelehnte Richter geäußert hatte, er sei nicht befangen. In der Verhandlung wurde die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Mehrere Beweisanträge des Anwalts wurden abgelehnt. Ein Antrag des Verteidigers.kdie Gräfin Kayserlingk mit dem Zeugen Reiter zu konfrontieren, wurde abgelehnt, ebenso ein weiterer Alltrag des Verteidigers, einen pensioiiiertcn Hauptmann aus Weimar zu laden, der dieselben Bekundlmgen machen könne, wie sie im Gedicht des„Japper" behauptet wurden. Als Rechts- anwalt Schwarz noch eine Reihe weiterer Beweisaniräge stellte, bemerkte der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Schubert, es mache den Eindruck, als ob der Verteidiger die Verhandlung verschleppen wolle. Daraufhin legte Rechtsaniv alt Schwarz die Ver- teidigung nieder und verließ den Saal.— Angekl. Beselin erklärte, daß er die Niederlegung des Mandats seines Verteidigers unter den obwaltenden Umständen nur billigen könne. Er selbst verzichte darauf, vor diesem Gerichtshof noch etwas zu sagen. I» der Sache selbst hielt das Gericht das Urteil vom 1. Dezember 1004 aufrecht. Die Bemerkung des Vorsitzenden gegenüber dem Verteidiger zeigt, daß die Besorgnis des Angeklagte» gegen die Unparteilichkeit dieses Vorsitzenden völlig berechtigt war. Der Vorsitzende hatte weder einen Anlaß, noch ein Recht zu der Bemerkung, die er wohl, wenn sie i h m gegenüber angewendet wäre, als beleidigende Unter« stellung aufgefaßt hätte._ Eine Folge kapitalistischer Profitwut. AuS dem oberfchlefischen Jndustriebezirk wird uns geschrieben: Ein großer Teil unseres volkreichen Bezirks steht vor der furchtbaren Gefahr, demnächst kein Trinkwasser oder richtiger überhaupt kein Wasser mehr zu haben. Der Stadt- und Landkreis Kattowitz, wie die Stadt Beuthen und mehrere große Jndustricorte des Landkreises Beuthen mit zusammen etwa% Milli onen Menschen erhalten ihr Waffer aus der sogenannten Kreis Wasserleitung, welche aus früher reichlich fließenden Quellen der verlassenen Rosaliengrube, dicht an der russischen Grenze gelegen, gespeist wird. Die starke Zunahme des Wafferkonsums infolge schneller Vermehrung der Bevölkerungszahl zeitigte schon in den letzten Jahren, besonders im heißen und trockenen Sommer 1004, in höher gelegenen Orten des Bezirks oft tagelangen völligen Wassermangel. Dieser Mangel an Wasser bedroht neuerdings je- doch den ganzen Bezirk und zwar in der allerbcdenklichsten Weise, denn während die Anforderungen an die Wasserleitung beständig steigen, sinkt seit Monaten die Ergiebigkeit der Quellen der Ro- saliengrube fortdauernd in starkem Maße. Während das Wasser- werk früher täglich durchschnittlich 26 000 Kubikmeter Wasser hob, betrug in letzter Zeit die Leistung kaum noch- etwa 11000 Kubik. meter. Der Wasserspiegel des Bassins hatte sich von 24 auf 10 Meter gesenkt und wenn neuerlich umgehende Gerüchte wahr sind, ist der Spiegel in den letzten heißen Tagen wieder ganz be- deutend gesenkt und hat nur noch ein paar Meter Höhe. Die Ursache dieser Erscheinung suchen die Sachverständigen darin, daß das Wasser der Rosaliengrube durch den erweiterten Abbau be- nachbarter russischer Eteinkohlengruben in diese abgelenkt, bon diesen gewissermaßen verschluckt wird. Gelingt es nicht, wie seit kurzem versucht wird, durch Er- bohren tieferer im Muschelkalkgebirge liegender Wasseradern die Quellen der Rosaliengrube wieder genügend stark fließen zu lassen, bisher erfahrungsgemäß mit unglaublicher Leichtigkeit dem Sozialismus Quellen der Rosaliengrube wieder genügend stark fließen zu lassen. w die Finger fielen, könnten bei der guten katholischen Erziehung,« dgnn steht die gröbere Hälfte des operschlejijchen Jndustriebezirks bor der Gewißheit, demnächst kein Wasser mehr zu haben mit all den furchtbaren, gar nicht auszudenkenden Folgen dieser Er- scheinung. Denn irgendein nennenswerter Ersatz ist in kurzer Zeit, selbst in vielen Monaten nicht zu beschaffen. Die Unterwühlung des Erdinncrn durch den Bergbau hat im ganzen Jndustriebezirk die Quellen und Brunnen, ja die Bäche und Flüsse versiegen lassen, ihre Wasser von der Oberfläche abgeleitet in die durch den Abbau der Kohle usw. geschaffenen Hohlräume des Erdinnern. Schon vor einem Jahrhundert beklagten die beteiligten oberschlesischen Ge» meinden den)o verursachten Wassermangel, um dessen Beseitigung die schuldigen Grubenbesitzer sich wenig kümmerten. Erst als die furchtbaren Opfer der in den siebziger Jahren in Oberschlesicn grassierenden Typhus- und Eholeraepidemien die Gefahren völlig unzureichender und schlechter Wasserversorgung weitesten Kreisen offenbarten, ging man an den Bau großer Wasserleitungen. Der preußische Staat ließ im Norden und Nordwesten des Bezirks ge- waltige Wasserquellen erschließen und damit einen großen Teil des Jndustriebezirks versorgen, während mehrere Gemeinden sich von der für den ganzen Bezirk schon damals nicht zureichenden fiskalischen Wasserleitung unabhängig machten, indem sie die so- genannte Kreiswasserlcitung von der im Nordosten des Bezirks ge- legenen Rosaliengrube aus erbauten, die nunmehr wie gesagt, mehr wie die Hälfte des ganzen Jndustriebezirks zu versorgen hat. Während aber der Staat die Quellen seiner Wasserleitungen schützte durch die Schaffung eines ausgedehnten Schutzbczirks, innerhalb dessen Grenzen jede Ausbeutung der im Inneren der Erde vor- handenen Schätze verboten ist— unter lebhaften jahrelangen aber erfolglosen Protesten der ausbcutungsgierigen Grundbesitzer— ist ein solcher Schutzbezirk für die Rosaliengrube nicht geschaffen worden, schon weil man keinen Einfluß auf die Dinge im dicht an- grenzenden Russisch-Polen ausüben konnte. Nachdem man längere Zeit der EntWickelung tatenlos gegen» über gestanden— obwohl Sachverständige schon seit langem darauf hingewiesen, daß es nicht rätlich sei, sich bei der Wasserversorgung eines so großen volkreichen Bezirks auf Grubenquellen allein zu verlassen— rührt es sich jetzt angesichts der drohenden Gefahr großen wenn nicht völligen Wassermangels überall. In den Bürger- vereinen, in städtischen und staatlichen Körperschaften des ge- fährdeten Bezirks wird getagt und beraten, wie der Gefahr zu begegnen. In der Tat aber gibt es. wenn die Erbohrung tiefer gelegener Quellen in der Rosaliengrube versagt, keiuMitiel.sckmell und in irgend ausreichendem Matze das fehlende Wasser zu beschaffen. Der angeblich beratene Plan, eine zentrale Wasserversorgung des ganzen Bezirks von der Oder aus durch Talsperren und Hebewerke zu beschaffen, kann, wenn überhaupt, so doch erst in Jahren das nötige Wasser schaffen. Bis dahin kann der gewaltige oberschlesische In- dustricbezirk zu einem erheblichen Teile längst zugrunde gerichtet, zu einer Wüste geworden sein, ein furchtbares Beispiel wahnsinnige» kapitalistischer Ausbeutungsgier.—. Aufgehobenes Kriegsgerichtsurteil. Zu einem Jahr«nd sechs Monaten Gefängnis hatte das Kriegs gerichr der zwölften Division in Neisse den Militärgefangenen Paul S i g m u n c z w k des FestungSgefängnisses Neisse wegen Achtnngs- Verletzung. Drohung. Beleidigung Vorgesetzter usw. verurteilt. Der Gerichtsherr forderte in seiner Berufung höhere Strafe, der An- geklagte mildere, da er unzurechnungsfähig sei. In einer Berhaiidlung vor dein Oberkriegsgericht des 6. Armee- korps in Breslau untersuchte Stabsarzt Dr. Haupt den Mann und meinte, bei Begehung der Tat könne man ivohl eine Störung des Geisteszustandes, die eine freie Willens- bestimmung ausschloß, annehmen. Der Verteidiger beantragte eingehende Beobachtung. Das OberkriegSgericht hielt in einer früheren Sitzung das ärztliche Gutachten für zu schwerwiegend, um ein Urteil zu fallen und vertagte die Sache behufs Beobachtung des Angeklagte» in einer Jrrcnanstalt. Dies ist in Tost geschehen. Der Overarzt Dr. med. Schmidt sagt als Sachverständiger in der neuen Verhandlung am 9. Juli aus, S. habe die Bergehen in Nn» zurcchiliingSfähigkeit begangen, bei ihm dürfte Verfolgungswahn oder Epilepsie ausbrechen, eine schärfere Disziplin dürfte feine Krankheit verschlimmern, in der Freiheit draußen dürfte er sich noch eine Weile über Wasser hallen, zum Militärdienst sei er völlig untauglich. Nachdem der Anklagevertreter Kriegs- gerichlsrat P r u ck beantragt, beide Berufungen zu verwerfen, der Verteidiger für Freisprechung plädiert, erkannte daS OberkriegSgericht auf Freisprechung. S. verbüßt jetzt in Neisse eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren vier Monaten(Ehrverlust auf drei Jahre. Ver- setzung in die zweite Klasse des Soldatenftandes) wegen Brand- st i f t u n g, Fahnenflucht usw.! Ein Wiedcraufnahmeversahreo dürste jetzt wohl selbstverständlich sein I Die Geheimnisse der Kaserne. In Augsburg hat bor einigen Tagen ein« Soldatenmißhandlung großes Aufsehen erregt. Die gesamte Presse machte davon Mit- teilung und verlangte vom Kommando des Regiments Ausllärung. Nun ist den Mannschaften des Regiments unter Androhung von Strafen verboten worden, außerhalb der a ferne über die Sache etwas zu äußern.-- Man hat, wie es scheint, allen Grund dazu!— ftolland. tAemrinderatswahlels. Amsterdam, 7. Juli.(Eig. Ver.) Alle zwei Jahre im Monat Juli finden in allen Gemeinden Sollands die Gemeindcwahlen zur Erneuerung eines Drittels der Sitze statt. Der größte Teil der diesjährigen periodischen Wahlen fand, soweit es die Hauptwahl betrifft, im Laufe der letzten Woche seinen Abschluß. Die im Juli stattgehabten Wahlen zu den Provinzialstaaten hatten schon einen sehr bemerkenswerten Erfolg für die Sozial» demokratie gezeitigt, und nun haben die Gemeinderatöwahlen dieses Resultat nicht nur in jeder Hinsicht bestätigt, sondern sie ergaben für die Sozialdemokratie einen kaum erwarteten Aufschwung auf der ganzen Linie. Die bürgerlichen Parteien konnten in vielen Wahlkreisen nur mit Hülfe des verdeckten Zensuswahlrechtes und der für sie zugeschnittenen Wahlkreiseinteilung und in für sie g e» fährdeten Wahlkreisen nur durch gegenseitige Unterstützung und durch Verschachcrung von Sitzen ihren Besitzstand zum Teil vor dem Andränge der Sozialdemokratie schützen, zum anderen Teile verloren sie einzelne Sitze an letztere, zum Teil müssen sie in Stich- wählen mit ihr um viele ihrer bisherigen Sitze kämpfen. Und eine nicht unerhebliche Zahl dieser Stichwahlen ist' für die Sozialdemo- kratie recht aussichtsvoll. Unser Stimmenzuwachs ist gegenüber der Wahl im Jahre 190b ein gewaltiger. Alle ausscheidenden sozialdemokratischen Gemeinde. ratsmitglicdcr sind entweder wiedergewählt oder stehen in aussichtsvoller Stichwahl, ausgenommen zu Doetinchem, wo daS ausscheidende Mitglied nicht wiedergewählt, aber von einem zweiten sozialdemokratischen Kandidaten schon bei der Hauptwahl wieder ersetzt wurde. Im dritten Amsterdamer Wahlkreis wurde Genosse P. L. T a k wiedergewählt, Genosse S. I. P o t h u i« hinzugewählt. Im 9. Amsterdamer Wahlkreise stehen die zwei Genossen F. M. W i» baut und H. H. Wollring zum ersten Male bei einer Ge- mcinderatSwahl in Stichwahl, ebenso im 2. Wahlkreise Genosse I. Oudegeest. der Schriftführer des Nieder ländlichen ver, bandeS der Gewerkschaften.— In den 5 Rotterdamer Wahk kreisen stehen— zum ersten Male in allen zugleich— unsere Genossen, 6 von den 15 unserer Kandidaten, in Stichwahl; zu ll t r e ch t 8, während Genosse Mendels schon vor zwei Wochen in der H a u p t w a h l gewählt wurde; in Groningen stehen 4. in Leeuwarden 4, im Haag 2, in Dordrecht2, in Enschede 3, in Haarlem 2, serner in vielen kleineren Ge meinden 1 bis 3 Genossen in Stichwahl. In der Gemeinde Goar, deren Rat aus 11 Mitgliedern besteht, zählt die sozialdemokratische Fraktion nunmehr 5 Mitglieder. Soweit die Resultate der Hauptwahl vorliegen, geben folgende Zahlen einen ungefähren lleberblick über den Sturmlauf der Sozial demokratie auf die von der liberalen und klerikalen Bourgeoisie bis� her zum gröszten Teile als sichere Festungen zum Schutze ihrer kapr talistischen Interessen innegehabten Gemeindeparlamente: In 54 Gemeinden, zusammen 99 Wahlkreise zählend, waren 177 sozialdemokratische Kandidaten aufgestellt worden, darunter 17 ausscheidende. Von letztgenannten wurden 8 sofort wieder- gewählt, einer fiel aus(wurde aber ersetzt), 8 sind in Stichwahl. Die Gesamtzahl der gewählten Sozialdemokraten ist 14, wäh- rend 97 ausfielen; aber nicht weniger als 66 stehen in Stichwahl! JeeinneuerSitz wurde erobert in Amsterdam, Meppel, Goar, Utrecht, Wormerveer. In hoffnungsvoller Erwartung, den Nachteilen des Wahlrechts zum Trotz, sind die Genossen mit durch diese Ergebnisse angefeuerter Kampfeslust sofort allerorts schon wieder in Aktion getreten, um mit den Stichwahlen der Bourgeoisie wenigstens noch so viel von den der Sozialdemokratie Rechtens zukommenden, ihr aber vorenthaltenen Gemeinderatssitzen zu entreißen, als das den übergroßen Teil der Arbeiter ausschließende Wahlrecht mit seinen Schlingen ermöglicht. Dänemark. Kopenhagens Kampf um die Straßenbahn. Nachdem der Magistrat Kopenhagens trotz des wiederholten Beschlusses der Gemeindevertretung: die Straßenbahnen in städti- schen Betrieb zu übernehmen, auf seinem ablehnenden Stand- Punkt verharrte, hat die Gemeinoevertretung nun Ende voriger Woche beschlossen, die Entscheidung des Ministers des Innern anzu- rufen, die, soll die Kündigung des Vertrags mit der Straßenbahn- gesellschaft rechtzeitig erfolgen, vor dem 1. August vorliegen muß. Inzwischen hat der Konflikt zwischen Magistrat und Gemeinde. Vertretung zu einer Spaltung der liberalen Gruppe geführt. Die 7 von den 13 liberalen Stadtverordneten, die für die Uebernahme der Straßenbahn stimmten, sind aus der Gruppe ausgetreten und haben eine„Radikale Linkengruppe der Bürgerrepräsentation" ge- bildet, womit sie zu erkennen geben, daß sie an dem Programm der radikalen Linkenpartei festhalten wollen, das unter anderem auch die Uebernahme monopolisierter Unternehmungen durch Kln ßtgat oder die Kommune verlangt. Huö der Partei. Warnung! Der Deutsche Arbeiterverein zu Basel in der Schweiz bittet NnS um Aufnahme folgender Mitteilung: Letzte Woche stellte sich bei uns ein gewisser L. P a w l i k, Schlosser und Monteur aus Wien, als„politischer Flüchtling" vor. Wir haben durch den Landesausschuß beim Partei- Vorstand in Wien angefragt und telegraphisch die Nachricht erhalten, daß L. Pawlik ein Schwindler ist.— Vermutlich hat derselbe von hier aus seine Schritte nach Deutschland gelentt. Wir haben daher sofort die süddeutschen Städte benachrichtigt und ersuchen Sie, wenn möglich, auch im Innern Deutsch- lands die Parteigenossen vor diesem Schwindler zu warnen. Ausschluß ans der Partei. Wie in der Generalversammlung des Sozialdemokratischen Ortsvereins Leipzig-Connewitz mitgeteilt wurde, hat das in Sachen des ehemaligen Geschäftsführers des Leipzig-Connewitzer Konsumvereins, Bock, eingesetzte Schiedsgericht dessen Ausschluß aus der sozialdemokratischen Partei verfügt. Die letzte Prise. Mannheim, 10. Juli.(Privat-Dep. des„Vorw.".) Im objektiven Verfahren gegen das Witzblatt„Schnupf- t a b a k" beschloß die Strafkammer heute, die Nummern und die Platten des Blattes seien zu vernichten. Sie stellte sich auf den Standpunkt: es liege nicht eine Verspottung des Stadtrats wegen seines Byzantinismus vor, sondern eine Be- leidigung des großherzoglichen Ehepaares.— Die lleberwachung sozialdemokratischer Versammlungen. Mit was für geistigen Fähigkeiten manchmal die zur Ueber- wachung sozialdemokratischer Versammlungen beauftragten Beamten ausgestattet sind, zeigte ein äußerst interessanter Beleidigungsprozeß, der vor dem Landgericht Dresden seinen Abschluß fand. Genosse Haupt ist der Leiter der Ortsgruppe Gruben bei Meißen des dortigen sozialdemokratischen Vereins. Ueber den Gasthof zu Gruben war schon das zweite Mal das Militärverbot verhängt worden und das veranlaßte den Genossen Haupt, in einer von ihm ge« leiteten Versammlung der Arbeiterschaft die Unterstützung dieses Lokals angelegentlichst zu empfehlen. Dabei gab er seiner Meinung Ausdruck, daß die Berhängung des Militärverbots nur eine Folge einer ge« meinen Denunziation sein könne, daß diese Denunziation aber ein Schurken st reich sei. Der überwachende Beamte, Gemeinde« Vorsteher Lerche von Gruben, schrieb schlankweg in das Protokoll: Haupt habe gesagt, die Berhängung des Militär- Verbots sei ein Schurken st reich! Haupt wurde zur Staatsanwaltschaft bestellt und klärte die Sache auf. Der Staats- anwalt glaubte ihm da« und sagte zudem, für so dumm halte er keinen Sozialdemokraten l Die Darstellung Haupts wurde denn auch von Zeugen bestätigt und das Verfahren gegen den Genossen Haupt eingestellt.. In der Monatsversammlung der Ortsgruppe Gruben im Gast- hos zu Gauernitz am 1. Dezember v. I. brachte Haupt die gegen ihn eingeleitete Aktion und das Ende derselben zur Sprache und fügte hinzu, daß eS doch höchst bedenklich wäre, wenn Gemeindevorständen, denen die geistigen Fähigkeiten dazu fehlten, daS Amt eines Ueberwachenden bei sozialdemo- kratischen Versammlungen von der Amtshauptmannschaft übertragen würde. DaS bedeute eine Gefahr für den Referenten. Der Gemeindevorsteher von Gauernitz, Schlechte, fungierte in dieser Versammlung als Ueberwachender. Aus dem einige Wochen später stattfindenden Gemeindetage bat er den Amtshauptmann von Meißen, ihn von der lleberwachung sozialdemokratischer Versammlungen zu entbinden. Er begründete dies mit der Behauptung. Haupt habe in jener Versammlung gesagt, die Gemeindevorsteher seien viel zu dumm, um sozialdemo- kratische Versammlungen überwachen zu können! — Darauf stellte die Amtshauptmannschaft gegen Genossen Haupt Strafantrag wegen Beleidigung, und Haupt hatte sich nun vor dem Schöffengericht in Meißen im Osfizialverfahren zu verantworten. Er wurde sogar auf die beeidete Aussage des Gemeindevorstehers hin zu 2S Marl Geldstrafe verurteilt I Haupt legte Berufung ein und führte durch eine ganze Reihe in ihren Aussagen übereinstimmender Zeugen den unanfechtbaren Nachweis, daß die Aussagen des Gemeindevorstehers Schlechte ebenso falsch sind wie die seines Kollegen Lerche. In der Beweisaufnahme wurde festgestellt, daß Haupt die ihm zur Last gelegte Aeußerung nicht getan hatte und daß der überwachende Gemeindevorsteher während der Versammlung—— geschlafen hätte! Die Ausrede des Gemeindevorstandes, er habe„nur die Augen geschloffen, weil das Zimmer von Tabaksqnalm erfüllt gewesen sei", wurde durch die Zeugen zu einer Unwahrheit gestempelt, denn sie bekundeten einstimmig, daß gerade in dieser Versammlung das Rauchen mit Rücksicht auf den etwas leidenden Referenten untersagt und so ziemlich eingestellt wurde I Ein Zeuge erklärte sogar, daß er bei seinem schweren Asthmaleiden der Versammlung nicht hätte beiwohnen können, wenn mehrere Teilnehmer geraucht hätten. Nach diesem Resultat der Beweisaufnahme gab selbst der Staatsanwalt seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß die beleidigende Aeußerung nicht gefallen sei und der Gemeindevorftand sich „geirrt" habe. Der Angeklagte wurde kostenlos freigesprochen; man nahm an, daß sich der Gemeindevorftand einer„ S e l b st- täuschung" hingegeben habe: Er habe.aus den Worten Haupts den Schluß gezogen, daß er zu dumm sei. eine sozial- demokratische Versammlung zu überwachen, und er glaubt nun, Haupt habe dies auch geäußert!-- polireilrcbes, HerichtUchca ulw. Allzu stürmisch, so berichtet man nnS aus Halle a. S., ging am Dienstag hier eip Staatsanwalt vor der Strafkammer gegen einen unserer Parteigenossen ins Zeug: Genosse Reicherdt von Bock- Witz bei Elsterwerda war vom Schöffengericht wegen Beleidigung eines Gendarmen zu 106 M. Geldstrafe verurteilt worden. Die Torgauer Strafkammer hob das Urteil auf und verfügte die Frei- sprechnng. Das Oberlandesgericht kassierte die Freisprechung und verwies die Sache zur erneuten Verhandlung an das Landgericht Halle. Hier ging der Staatsanwalt kräftig ins Geschirr, indem er ausführte: eine Geldstrafe würde doch nur von der Parteikasse ge- trogen. Zwei Monate Gefängnis würden viel passender erscheinen!— Das Gericht stellte nun aber fest, daß seitens des Anklägers gegen das erstinstanzliche Urteil gar keine Berufung eingelegt worden war!— Der Staatsanwalt nahm darauf mit etwas errötetem Gesicht auf seinem Stuhle Platz und„begnügte" sich mit den 166 M., auf die daS Gericht erlannte.— Blinder Eifer schadet nur._ Die Presse vor der Revisionsinstanz. Ein Artikel in Nr. 97 der„Königsberger Volkszeitung" vom 19. April 1966 brachte unserem Genossen Artur Crispien die Verurteilung zu 566 M. Geldstrafe. Strafantrag hatte der Breslauer Polizeipräsident gestellt. Der betteffende Artikel unterwirst die Vor- gänge bei den bekannten Krawallen in Breslau einer gebührenden Kritik und bringt zum Ausdruck, daß nicht die Arbeiter, sondern die Polizei gewalttätig gegen Personen vorgegangen sei, und daß die Breslauer Unternehmer gegen den§ 153 der Gewerbe« ordnung verstoßen und dadurch Anlaß zu den Ausschreitungen der— Polizisten gegeben hätten. Alle Ve Weisanträge Crispiens wurden abgelehnt mit der Begründung: Der Artikel enthalte den Vorwutf, daß die Polizei als Organ der Ruhe und Ordnung gegen Ruhe und Ordnung tätig gewesen fei, und der Vorwurf des Land- friedensbruches richte sich nicht gegen e i n z e l n e Polizisten, sondern gegen die ganze Breslauer Polizei. Selbst lo e n n aber ein- z e l n e Beamte Ausschreitungen begangen hätten, so doch nicht die ganze Polizei. Crispiens Revision wurde vom II. Strafsenat des Reichsgerichts verworfen. ,. Krankenvehandliing im Detmolder Krankcnhause. Genosse Karl Hoffmann, verantwortlicher Redakteur der„Bielefelder Bolkswacht", hatte als 13. September einen Artikel mit obiger Ueberschrift ver- öffentlicht. In dem Artikel wird geschildert, daß zwei Deutsch- amerikaner— Bruder und Schwester— zum Sommeranfenthalt gekommen seien und die Schwester, die plötzlich erkrankte, ins Det- molder Kranlenhaus gebracht werden mußte. Da kein Kranken- Wärter da gewesen wäre, hätten der Bruder und ein Oberkellner die Kranke auf die Station gebracht. DaS Deponieren von 166 M. sei schneller abgewickelt worden. Die Kranke, die in hohem Fieber lag, habe während ihrer Behandlung weder Medizin noch Bäder, noch Eis erhalten. Als sie eines NachtS im Fieber ans dem Fenster springen wollte, sei sie erst in ein« Sicherheitszelle und am nächsten Tage in die Nervenheilanstalt gebracht worden I Ob- gleich die Kranke schwarz auf weiß vom Krankenhausarzt als „Irre" bezeichnet worden war, habe der Direktor der Irrenanstalt sofort erklärt:„Was wollen Sie denn?. Die Kranke ist nicht nervenkrank, da hätte sie in Dettnold bleiben können." Transport- fähig war sie aber nicht mehr und— starb. Die Sektton ergab als Todesursache:— Unterleibstyphus III Genosse Hoffmann hatte mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß drei Aerzte in 7'/z Tagen nicht den Typhus bemerkt hätten und gefragt:„Was da wohl einem Naturheilkundigen passiert wäre I" Da Hoffmann habe zum Ausdruck bringen wollen— so meint das Urteil des Landgerichts in Bielefeld—, daß die Aerzte eine große Torheit begangen hätten, weil sie den Typhus nicht erkannten, weil«r ferner den Tod auf die KrankenhauSbehandlung zurückgeftihrt, die Gleichgültigkeit der Aerzte gerügt habe und das Vertrauen auf sie in der Oeffentlichkeit erschüttert habe. deshalb find 366 M. Geldstrafe und Versagung des Schutzes des § 193 angemessen.— Der fünfte Strafsenat des Reichsgerichts verwarf HoffmannS Revision. GewerhrchaftUcbe�. Berlin und ümgegencl. Großschiffahrtsweg und Gewerkfchastsorganisatio». In einer öffentlichen Hafenarbeiterversammlung, die dieser Tage in Charlottenburg stattfand, sprach der Bezirksleiter des Hafenarbeiterverbandes Decker aus Magdeburg über den Einfluß, den der Bau des Großschiffahrtsweges Berlin- Stettin auf die Gewerkschaftsbewegung haben werde. Er führte aus, daß angesichts der Tatsache, daß im Zusammen- hang mit dem Kanalbau ein großer neuer Hafen in Berlin gebaut werde, unbedingt notwendig sei. für den weiteren Aus- bau der Organisation zu sorgen. Es würden mit Eröffnung dieser Betriebe beim Laden und Löschen der Massengüter für Berlin wesentlich an- dere Betriebsformen Platz greifen. Das Großunternehmertum werde sich der Sache bemächttgen und da sei es Pflicht der Hafenarbeiter, auf der Hut zu sein, damit man nicht dent Unternehmertum an Händen und Mßen gebunden gegenüber stünde. Leider inüsse mit Bedauern konstatiert werden, daß eine gesunde Entwickclung der' Organisationsverhältnisse dadurch gestört werde, daß andere Orgaitisattonen alle die Mitglieder, die wegen ihrer Meinung nach zu hohen Beiträge oder zu vieler Extrasteuern oder zu wenig Uitterstützungseinrichtungen aus der Hafenarbeiterorganisation ausscheiden, oder was noch schlimmer ist, wegen irgend welcher Vergehen ausgestoßen werden, diese ohne weiteres als Mitglieder aufnehmen. Selbst wenn ein Zusammenschluß der verwandten Organs- satioticn in den nächsten Jahren bevorstehe, halte er es doch für selbstverständlich, daß die eittzelncn Berussgruppen zuttächst in sich gefügt sein müßten. Nur dann habe der Zusammen' schluß die Bedeutung, die man ihm beimesse. Achtung! Former, Kernmacher und Gieherriarbeiterk Die Kollegen von der Firma Aichele u. Bachmann, Brunnenstr. 115, haben wegen Differenzen mit der Firma die Arbeit niedergelegt. Wir ersuchen die Kollegen, den Betrieb zu meiden; derselbe ist bis auf weiteres gesperrt. Die Differenzen bei der Firma Cyklop, Pankstraße, sind durch Verhandlungen beigelegt. Die Sperre ist hiermit aufgehoben Deutscher Mctallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin- Achtung, Steinarbeiter Berlin I und ll! Wegen des Streiks det Düffeldorfer Marmorarbeiter ist die Firma Harzheim, Hagen u. Jakob i, Generalvertreter Fritz Joerrisfen, Eisenacher- straße 22, welche hier am Orte Marmorarbeiten ausführt, für sämt- liche Kollegen gesperrt. Die Ortsverwaltungen. DeuttcKes Reich- u Protzentum. Der Seemannsverband hat an den Verein Hamburger Reede! ein Schreiben gerichtet, worin er sich erbietet, den Streik sofort ab- zubrechen, wenn die Reeder eine Erhöhung der Ueberstundenlöhne für die transatlantische Fahrt auf 56 Pf. und für die Nord-Ostsee- fahrt aus 46 Pf. zusichern und sich ferner bereit erklären, nach Ab- lauf des Streiks mit einer Kommission von Seeleuten, unter Vorsitz einer unparteiischen Körperschaft, etwa der Handelskammer oder der Deputation für Handel und Schiffahrt, in Unterhandlungen zu treten, um die weiteren Wünsche der Seeleute auf ihre Berechtigung zu prüfen und eventuell Abhülfe zu schaffen. Der Vorstand des Reedervereins beschloß, keine Antwort zu erteilen, da er jede Ver- bindung mit dem Seemannsverband ablehne. Die Lohnbewegung der Straßburger Holzarbeiter endete mit einem schönen Erfolg der Arbeiter. Ohne Streik gelang es, je einen Tarif für die Möbeltischler und für die Bau- t i s ch l e r abzuschließen. Der Tarif für die Möbeltischler sieht eine ü'/zstündige Arbeitszeit bei einer fünfprozenttgen Lohnerhöhung vor. Die Minimallohnsätze für Möbeltischler über 23 Jahre betrage» 42 Pf., über 25 Jahre 45 Pf. Die Akkordsätze erfahren eine Er- höhung um 15 Proz. Um dem noch oft üblichen Blaumachen vor- zubengen, sieht der Tarif eine Strafe in der Höhe eines halben Tagelohnes vor, andererseits soll die Wartezeit bei der Lohnzahlung vergütet werden. Auswärts beschäftigte Arbeiter erhalten eine Lohn- zulage von 1,56 bis 3 M. pro Tag, Ueberstunden sollen mit 16 Pf., Nackt- Arbeit mit 15 Pf. Lohnzuschlag vergütet werden. Dieser Tarif tritt am 1. August in Kraft. Im Tarif für die Bautischler wird die Arbeitszeil auf zehn Stunden festgesetzt. Arbeiter über 23 Jahre erhalten einen Mindestlohn von 46 Pf., über 25 Jahre 44 Pf., im nächsten Jahre einen Pfennig mehr. Die Akkordsätze werden um 5 Proz. erhöht. Dieser Tarif tritt am 1. September in Kraft. Beide Tarife gelten zwei Jahre. Huslsnd. Ministerielle Warnung vor KinderimSbeutung in deutschen GlaS- fabrikrn. Der holländische Minister deS Innern hat an die RegierungS- kommisiare verschiedener Provinzen des Landes ein Rundschreiben gerichtet, worin sie auf das Treiben von Agenten aufmerksam ge« macht werden, die für deutsche Glasfabriken in Holland Arbeitskräfte, zumeist jugendliche und weibliche. anzuwerben suchen. Es heißt in dem Rundschreiben: „Kürzlich stand im.Limburger Kourier" eine Annonce, in der bekannt gemacht wurde, daß in einer deutschen Glasfabrik Jungen von 14 bis 16 Jahren Stellung erhalten könnten. Reflektanten sollten sich bei einer hierzulande wohnenden Zwischenperson melden, über die dem Minister auf amtlichem Wege sehr ungünstige Aus- künfte zugegangen sind. Auch ereignete eS sich, daß zu Amsterdam ein Junge ohne Wisien und gegen den Willen seiner Eltern fiir eine Fabrik in Bielefeld angeworben wurde und erst zurückkehrte, nachdem fich die Polizei mit der Sache befaßt hatte." Der Minister fordert sodann die Regierungslommisiare auf, innerhalb ihrer Provinz die Bürgermeister zu ersuchen, auf die An- Werbung jugendlicher tind weiblicher Personen für ausländische Be« triebe zu achten und sich zu vergewissern, ob die Zwischenpersonen vertrauenswürdige Leute sind und in welche Position die ange- wordenen Arbeiter und Arbeiterinnen kommen. Sind die Bürger- meister auf Grund ihrer Jnformattonen der Meinung, daß es für die in Betracht kommenden Personen nicht ratsam ist, auf das An- gebot der Agenten einzugehen, so haben sie öffentlich befatytl zu machen, daß es zweckmäßig ist, sich vorher beim Bürgermeister Auf» llärung zu verschaffen._ Eingegangene Druchrcbriftai. Der deutsche Außenhandel 1966. Jahresbericht über dle Lag« des Geschästsvertehrs mit dem Auslande. 255 Seiten. Herausgegeben vom Handclsocrttagsverein. Verlag: Liebheit u. Thiesen, Berlin, Niederwall- straße 15...... Urheberrecht, Band 2, an Werken der bildenden Künste. Von Müller- Meiningen. Broschiert 5,56 M., gebunden 6,56 M. Verlag: ß. Schweitzer (A. Sellier) in München.._ Zur elsaß-lothriugischen Berfafsungsfrage. Von Rechtsanwalt Dr. Uth.«o Ps. Verlag, F. Walter. Berlin W. 30. Was lehrt uns der Fall Joseph? 16 Seiten. 56 Ps. Verlag: H. Walther. Berlin W. 30., Protokoll der 2. ordentlichen G-neralversammlima des deutschen Arbeiter-Abstinenten-BundeS. 64 Seiten. Verlag: I. Michaelis, Berlin, Luisen-Ujer 55. Letzte JVachncbtcn und Dcpelcbcn, Eine zerrüttete Verwaltung. Narbonne, 16. Juli.(B. H.) Einer amtlichen Mitteilung zu- folge sind augenblicklich von 2'/« Millionen Frank fälliger Steuern nur!>/, Millionen eingetrieben. Die finanzieller Folgen der Amtsniederlegung der Bürgermeister würden für die Gemeinden, Beamten, Lehrer usw. sowie verschiedenen Wohl» tätigleitSinstitute sehr verhängnisvoll, da keinerlei Gelder ans- gezahlt würden. Die Schulden der Gemeinden würden noch dadurch vermehrt, daß bei späteren Steuerzahlungen noch 5 Proz. Zinsen hinzukommen. Die Standcsanitsaktcn sind vernachlässigt, insbesondere keinerlei Geburten eingetragen, so daß später die Akten durch gerichtliche Eintragung geregelt werden müssen. Seit 10. v. M. ist leine einzige Ehe geschlossen worden. Arbeiterausstand. Lcsaneon(Frankreich), 10. Juli.(B. H.) 1100 Arbeiter bei hiesigen großen Seifenfabrik sind in den Ausstand getreten, um gegen die Entlassung zweier Arbeitsgenossen zu protestieren. Eine Ortschaft durch Feuer zerstört. Kauschau, 16. Juli.(B. H.) Die Ortschaft Ostia ist durch eini FeuerSbrunst fast gänzlich zerstört worden. Ein dreijähriges Kind fand den Tod i« de» Flammen. Der angerichtete Schaden ist be- deutend._ Dynatmitcxplosion. Johannesburg, 10. Juli.(W. T. B.) Hier sind noch weiten. Dynamitanschläge verübt worden, die große Beunruhigung hervor- gerufen haben. Nahe bei dem Schacht der Cassonminc explodierten zwei Blechbüchsen mit Dynamit, ohne Schaden anzurichten. Ferner irnirde ein fruchtloser Versuch gemacht, de» Schacht der New Modder- jontcinmine z» zerstören.(Siehe auch Vermischtes.) Berantw. Redalt.; S»r1Wer«ui?7Berlis.Rixdorf, Inserate L!luitu.B«lag;BattvärtsBuAr.u.PerlagSan!t.gltK.aalSingeröiSo,.BerlinLW. Hierzu 2 Beilagen«.Unterhaltungsblatt Nr. 159. 24. Jahrgang. L SkilM Ks Jotioirls" Inlinet KIKsdlÄ Donnerstag, 11. Juli 1907. Sie rlliiiiche(Revolution. Bauernunrnhen. PeterSiurg, 10. Juli. Zu den Bauemunruhen im Gebiete des Ladogalanals wird gemeldet: Etwa 200 Bauern hatten ein Seil über den Kanal gespannt, um den Verkehr der Schleppdampfer zu verhindern. Die Orts- Polizei wurde durch Steinwürfe vom Seil ferngehalten und der Führer der Polizei tätlich angegriffen. Als dieser feuern ließ, flohen die Bauern, von denen zwei getötet und 20 verwundet wurden. Vier Verwundete sind gestorben und sieben befinden sich noch in Lebensgefahr. Auch an den Kanälen von Bjelostroff in« Gouvernement Nowgorod sollen gleiche Unruhen ausgebrochen sein. Auch hier habe es Tote und Verwundete gegeben. Endlich reif zur Legalisierung! Petersburg, 10. Juli. Wie ein hiesiges Blatt meldet, wird ein Mitglied des Kabinetts Stolypin ein Memorandum überreichen, in dem die Legalisierung der Kadetten- Partei als zeitgemäß und als ungefährlich dargestellt wird. Die Kadetten sind so zielbewußt von links nach rechts gekrochen, daß sie sich das Attest der„Ungesährlichkeit" für den Zarismus redlich verdient haben. Hosiales. Klagen au» dem Kolonnenakkord im Baugewerbe. Die Firma„Baugeschäft H. Käse u. 6ie." hatte mit dem Putzer Gläser, einem sogenannten Kolonnenführer, Vertrag auf Fertigstellung der Putzarbeiten auf einem Bau in der Völkerstratze und einem anderen Bau in der Amsterdamerstratze geschlossen. Diese Verträge lauten dahin, daß die Putzarbeit zu dem und dem Akkordsatz pro Meter Putzfläche„dem Putzer Gläser" übertragen wird. Es folgen unter anderem Bestimmungen über die üblichen Abschlagszahlungen und die Schlußvcrrechnung nach vollständiger Fertigstellung. Im Vertrage heißt es ferner:„Die Arbeiten sind nach Kräften zu fördern und es ist ein willkürliches Unterbrechen der Arbeit zu oermeiden."— Selbstverständlich ist bei solchen Ver- trägen gemäß der praktischen Ucbung die stillschweigende Voraus- sctzung der Zusammentritt einer Gruppe von Arbeitskräften, einer sogenannten„K o l o n n e". Auf beiden Bauten trat denn auch die Kolonnenarbeit in die Erscheinung. Gläser wirkte aber auf keinem dieser Bauten, sondern überließ die Kolonnenführerschaft dem Putzer Link. Zwei Prozeffe aus den erwähnten Verträgen beschäftigten am Mittwoch die Kammer 2 des Berliner Gewerbcgerichts unter Voo sitz Dr. Prerauers. Sämtliche Kolonnenmitglieder vom Bau Völkerstratze klagten gemeinsam gegen H. Käse u. Cie. auf Auszahlung eines Akkord restes—„Nachschusses"— von 403 M. Die Kläger hatten den Kolonnenführer Link bevollmächtigt. Herr Käse als Vertreter der Gesellschaft H. Käse u. Cie. machte prinzipiell gegen die Klage aller Kolounenmitglieder geltend, daß er nicht mit ihnen, sondern nur mit Gläser als seinen Kon- trahenten zu tun habe. An diesen habe er aber einen größeren Schadenersatzanspruch wegen Unterbrechung der Putzarbeiten am Bau Amstcrdainerstraßt. Abgesehen davon aber fehle ihm das Aufi mah der regulär fertiggestellten Arbeit am Bau Völkcrstraße, da fein Geschäftsführer— nicht mehr bei ihm sei. Mit Bestimmtheit betonten der letzten Behauptung gegenüber die Kläger, daß das Aufmaß stattgefunden habe und daß die Rechnung als richtig anerkannt worden sei. Sie sprachen ihr Ed staunen über die eigenartige Tatsache aus, daß Herr Käse über das Aufmatz und über die Verrechnung der Vorschüsse immer noch nicht informiert wäre, obwohl seit Fertigstellung der Arbeiten am Bau Lölkerstraßc schon eine ganze Reihe von Wochen verstrichen sei. Festgestellt wird noch: Der Beklagte Käse hat die Rüstungen für das Putzen vorgehalten, er hat die Putzerträger gestellt und er hat die Versicherungsbeiträge, soweit sie gesetzlich auf den Arbeit- geber fallen, getragen. Der„Kontrahent" und Kolonnenführer Gläser hat keinen Zwischenverdienst erzielt. Die Kammer nahm in dieser Sache folgenden Standpunkt ein Nach den Feststellungen und dem Inhalt des Vertrages sei der Be- klagte Käse der Arbeitgeber der Itolonnenmitglieder und nicht Gläser. Es hätten deshalb sämtliche Mitglieder der Kolonne gegen Käse klagen können. Anders wäre es, wenn Gläser selbständiger Arbeitgeber wäre. Im Falle Link und Genossen sei danach Be- klagler zur Zahlung des Nachschusses an sich verpflichtet.— Da aber die Höhe des Anspruches nicht vom Beklagten anerkannt werde, so müsse zu ihrer Feststellung ein neuer Termin anberaumt werden. Es seien die Aufmaße und eine Aufstellung der Abschlagszahlungen einzureichen. Die Firma„H(einrich) Käse u. Cie." hieß ursprünglich „Heinrich Käse", dann„Marie Käse". Gerade solcher Firma gegen- über, deren Name und Inhaber öfter wechseln, wäre das Festhalten an der Konstruktion der Kolonne zu einer sogenannten Gesellschaft von besonders verderblicher Wirkung gewesen. Es ist erfreulich, daß das Gewerbegericht diesen von uns bereits besprochenen Stande Punkt nicht aufreckst erhalten hat. Käse u. Cie. wider Gläser(den oben genannten„Vertrags kontrahenten") hieß der zweite Prozeß. Es handelte sich um den Bau Amsterdamerstratze. Die von einer Kolonne auf Grund des mit Gläser geschlosirnen Vertrages dort begonnenen und ein Stück geförderten Putzarbeiten sind infolge der bekannten Vorgänge im Baugewerbe liegen geblieben und harren noch der Vollendung. Tie Putzer hatten die Arbeit niedergelegt. Herr Käse will dadurch einen nach Tausenden zählenden Schaden haben. Er beruft sich auf die Vertragsbestimmung, daß ein„willkürliches Unterbrechen der Arbeit zu vermeiden" ist. Ein solches nimmt er an und be. antragt gegen Gläser, daß dieser verurteilt werde, ihm vorläufig. gleichsam als Abschlag, eine Entschädigung von 2000 M.— zweitausend Mark— zu zahlen.— Gläser macht geltend, er habe sich Mühe gegeben, Putzer zu bekommen, nachdem die Kolonne den Bau verlassen hatte. Es seien aber gar keine zu haben für jene Arbeit. Und daß er allein persönlich dort putze, habe Käse selbst für nutzlos erklärt. Die Kammer erklärte cS für korrekt, daß sich Käse wegen seines Schadens aus der Niederlcgung der Arbeit durch die Kolonne auf oem Bau Amsterdamcrstrahe an Gläser als seinen Vertrags- kontrahenten halte. Dem Grunde nach sei der Schadenersatz- anspruch auch gerechtfertigt, denn privatrechtliche Verpflichtungen würden durch Lohnkämpfe nicht berührt. Wer Käse müffe seinen Schadenersatzanspruch suhstanzieren. DaS werde ihm hiermit auf- gegeben. Wenn er es getan habe, werde neuer Termin von Amts wegen anberaumt werden. )Zus Inäultrie und ftondel Der Nordatlantische Dampferring. Kürzlich brachten Berliner Blätter die Londoner Meldung, daß die Erneuerung deS ZwischcndeckpoolS der transatlantischen Dampfer- linien gescheitert sei. Die Delegierten der deutschen Reedereien wären von London abgereist, nachdem die Verhandlungen crgebniS- los verlaufen seien. In Wirklilbkeit sind die Vertreter der deutschen Gesellschaften allerdinas aus London abgereist; aber die Verhandlungen zur Erneuerung des Pools sind, wie der„Hainburg. Corresp." erfährt, hierdurch nicht abgebrochen worden. Vielmehr haben sie, von ihrem Beginn an einen durchaus befriedigenden Verlauf gehabt und sind soweit gefördert worden, als das den in London versammelten Vertretern der am Pool beteiligten Reedereien nach Lage der Sache möglich war. Der bei diesen Unterhandlungen zur Erneuerung stehende Pool, genauer der Nordatlantische Dampferlinienverband wurde im Jahre 1892 gegründet, nachdem schon 187S zwischen der Hainburg-Amerika- Linie und dem Norddeutschen Lloyd ein Vertrag geschlossen und 1885 unter Führung der Hamburg-Amerika-Linie die ersten gemeinsamen Konferenzen der Passagicrlinien abgehalten waren. Dem Nord- atlantischen Dampfcrlinicnverband gehören an die Hamburg-Amerika- Linie, der Norddeutsche Lloyd, die Sloman-llnion-Linie, die Holland- Amerika-Linie in Rotterdam, die Red Star Line in Antwerpen, die französische Compagnie Gsnvrale Transatlantique, die Vereinigte Dampfschiffahrtsgcsellschaft in Kopenhagen und die White Star Line. Durch den Nordatlantischen Dampferlinienverband wird der Zwischendecksverkehr auf die einzelnen an ihm beteiligten Linien verteilt. Die Eiulünste aller Linien aus diesem Geschäft fließen in eine gemeinsame Kasse und werden am Jahresschluß nach dem vertragsmäßigen Verhältnis unter die Mitglieder verteilt. Ergibt es sich, daß eine Linie weniger an dem Zwischcndecksverkehr teilnimmt, als im Vertrag für sie vorgesehen, so kann sie die Passage- preise herabsetzen, um eine stärkere Anziehungskraft auf die Ans- Wanderer auszuüben, wie das ja in letzter Zeit mehrfach der Fall gewesen ist. Die in London gestern und am Sonnabend abgehaltenen Verhandlungen wurden dadurch veranlaßt, daß sich Verschicbungen innerhalb des Dienstes der englischen Linien eingestellt hatten, die eine automatische Verlängerung des am 30. Juni d. I. abgelaufene» Verbandsvertrags unmöglich machten. Internationaler Eisenmarkt. Die Abschwächung am internationalen Eisenmarkt im zweiten Quartal eines Jahres ist eine so regelmäßig wiederkehrende Er- scheinung, daß sie allein nicht hinreicht, um aus ihr einen so»n- günstigen Rückschluß auf die weitere EntWickelung der Konjunktur im Eisengewerbe zu ziehen, wie es bereits vielfach geschieht. Ver- gleicht man nämlich die Situation, wie sie im Vorjahre und auch 1905 zur Hochsommerszeit am internationalen Eisenmarkt lag, mit der jetzigen, so nimmt man in allen drei Jahren ganz die gleichen Erscheiiningen wahr: eine Ermattung der Kauflust, ein Weichen oder doch Schwanken der Preise. So beweisen die Preisnotierungen für Eisen in Philadelphia, daß in jedem der drei Jahre gegen Ende Juni die Preise für Roheisen vereinzelt fielen; sie beweisen deS weiteren, daß der Rückgang in diesem Jahre am schwächsten war. Der Preis für die wichtigsten amerikanischen Eisensorten stellte sich nämlich in Philadelphia am 1. Juni Verlarmnlungen. 28. Juni Dollar Dollar 1905 16,50 16,25 1906 13,50 18,25 1907 23.50—25 23,25 1905 15,50 14,75 1906 16,25 16,25 1907 22-22,50 22-22.50 1905 12,00 12,00 1906 13.25 13,25 1907 20-20,50 Die Preisbewegung für amerikanisches Roheisen, die wärtig Gegenstand vieler ungünstiger Betrachtungen ist, ist diesem Jahre weniger fallend als i» den beiden Vorjahren Nr. 2 Northern foundry Grey sorge Nr. 2 Southern foundry Zu- oder Abnahme Dollar —0,25 —0,25 —0,25 -0,75 0 0 0 0 0 gegew also in Die Knappheit an Roheisen besteht unverändert fort, trotzdem die Ein fuhr englischen Roheisens andauernd stark ist. In Großbritannien ist die günstigere Preisbewegung in diesem Jahre deutlicher als in Amerika. Während 1906, im Jahre des Ausschwuugs, gegen Ende deS ersten Semesters die Preise an allen wichtigeren Eisenniärkten fielen, sind si ein diesem Jahre in der letzten Juniwoche nur in London und für einzelne Sorten noch in Glasgow gesunken. In Middles- borough dagegen sind die Preise verschiedentlich in der gleichen Zeit hinaufgegangen. Es ist mehr noch die Unsicherheit über die zukünftige Gestaltung der Marktlage als die gegenwärtige Ermattung der Kauflust, die Preiszugeständnisse der Verkäufer Herbeigeführt hat. Denn die Werke arbeiten noch so flott, daß die Beschäftigung zurzeit keine Lücken aufweist. Die Zurückhaltung, die die Käufer aber in der Erteilung »euer Austräge beobachten, wird von Spekulanten ausgenutzt, um eine Abivärtshewegung der Preise zu veranlassen. Ende des ersten Se- mcsterS 1906'machte sich die Zurückhaltung der Käufer in gleichem Grade geltend; in Sheffield wurden in der letzten Juniwoche so gut wie keine neuen Geschäfte abgeschlossen; in Birminghani hielt sich das Geschäft ebenfalls in engen Grenzen. Auch in MiddleSborough wich das Gepräge des Marktes um nichts von dem der anderen Märkte ab._ Huö der frauenbewegung. Gesetzlicher Schutz der weiblichen Ladenangestellten in der Schweiz. Wir berichteten vor mehreren Monaten, daß der zürcherische Re gierungsrat Locher eine Enquete über die Verhältnisse der Laden- angestellten im Kanton Zürich vornahm und zu diesem Zwecke eine Versammlung der weiblichen Ladenangcstellten abhielt, um ihnen gewissermaßen einen Jnstruktionskurs für die Mitwirkung bei der Enquete zu geben. Die Ergebnisse haben nun bereits zu einer gesetzgeberischen Aktion geführt, indem die Regierung bczw. der Chef der Volkswirtschaftsdirektion, Regierungsrat Locher, eine Vorlage zur Revision des kantonalen Arbciterinnenschutzgesetzes ausgearbeitet hat, das auf die weiblichen Ladcnangestcllten ausgedehnt werden soll. Es soll daher auch für alle kaufmännischen Bureaus gelten, in denen weibliche Angestellte gegen Lohn arbeiten, sowie für alle Laden- und Ablagegeschäfte, Verkaufsmagazine und Warenhäuser, in welchen weibliche Personen gegen Lohn als Verkäuferinnen zur Bedienung der Kunden beschäftigt werden. Für die kaufmännischen Bureaus mit weiblichen Angestellten wird die tägliche Arbeitszeit auf 8 Stunden festgesetzt, die nur ausnahmsweise für die Tage des kaufmännischen Jahresabschlusses und der Inventur- aufnähme bis zu 2 Stunden täglich, aber nicht über 8 Uhr abends hinaus verlängert werden darf. Diese Ueberzeitarbeit muß be- sonders entschädigt weroen. Für die weiblichen Ladenangestellten gilt wie für die Arbeiterinnen in anderen Betrieben der Zehn- stundentag, an den Vorabenden von öffentlichen Ruhetagen der Neunstundentag. Die Arbeitszeit muß im Sommer in die Tages- zeit von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, im Winter von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends verlegt werden mit entsprechenden Zwischenpausen, wovon die Mittagspause Ith Stunden betragen soll. Im Monat Dezember können die Ladengeschäfte ohne weitere behördliche Bewilligung bis abends 8lA Uhr offen gehalten werden. jedoch ist die Ueberzeitarbeit den Angestellten besonders zu be- zahlen. Die Vorlage schreibt auch die Beschaffung ausreichender Sitzgelegenheit für das Ladenpersonal vor. Für die Regelung der Sonntagsruhe gilt das am 1. Juli in Kraft getretene neue Sonn- tagsruhegesctz und für die übrigen Seiten des Arbeitsverhältnisses gelten die Bestimmungen des bestehenden Slrbcitcrinnenschutzgcsetzcs. Wir begrüßen den vorgeschlagenen Fortschritt auf dem Gebiete des gesetzlichen Schutzes der weiblichen Arbeitskraft und wünschen, daß er nach dem Antrage der Vorlage am 1. Januar 1908 ver- wirklicht werde»- Der Wahlverein des dritten Kreises hielt am Dienstagabend im„Märkischen Hof" eine außerordentliche Generalversammlung ab. Es handelte sich hauptsächlich um den von der General- Versammlung am 4. Dezember 1906 vertagten Antrag auf Aus- schlutz des Mitgliedes Dr. Friedeberg. Der Vorsitzende Pohl erläuterte zuerst die Gründe, warum die Erledigung der An- gclegenheit so lange verzögert wurde. Zuerst trat die Reichstags- wähl, dann Friedebergs Aufenthalt in der Schweiz dazwischen, und auf seinen Wunsch habe man die Sache bis jetzt vertagt. Pohl las die Erklärung Friedebergs(die im„Vorwärts vcröffent- licht war) und die dem Parteitag vorgelegte Resolution in bezug auf die Anarchosozialisten vor und meinte, durch seine Erklärung habe sich Friedeberg selbst außerhalb der Partei gestellt. Der Vorstand habe ihn zu einer Sitzung eingeladen, in der Friede- berg selbst sagte, es würde besser sein, wenn er der Partei den Rücken kehre, aber er wolle nicht freiwillig scheiden; darum sei der Vorstand gezwungen, mit einem Ausschlußantrage vor die Generalversammlung zu treten. Pohl ließ den Verdiensten und Fähigkeiten Friedcbergs Gerechtigkeit widerfahren und er» klärte, daß er mit Bedauern feststelle, daß die Partei in ihm einen Mann verliert, der sich so weiter Sympathien und vieler Schätzung erfreue. Dr. Friedeberg nahm dann das Wort zu einer längeren Ansprache. Seine bekannte Erklärung sei durch die Resolution über die Anarchosozialisten veranlaßt worden. Er maß sich nicht das Recht an, aus der Partei auszutreten, es sei Sache der Ge» nosscn, ihn a u s z u s ch l i e ß e n. Er wolle kämpfen für die Jnter- essen des Proletariats und er denke nicht daran, diesen Kampf ein- zustellen oder aufzugeben. Wenn man ihn aber fortwcist, weil er in verschiedenen Dingen anderer Meinung sei, so müßte doch vielen Genossen klar werden, daß in der Partei eine EntWickelung stattgefunden hat, die zu einer scharfen Kritik herausfordert. Er spreche für sich allein, habe keine Partei, keine Gruppe hinter sich, wenn er auch nicht anstehe, sich theoretisch für den Anarchismus zu erklären. Er verloahrt die Anarchosozialisten gegen die Auffassung, daß sie nur mit einem Teil der Gewerkschaftsbewegung, der lokalistischcn, den Zusammenhalt pflegen. Ihr Kampf richte sich ausschließlich gegen die Partei und sie geben der Partei die Schuld, wo die Gewerkschaftsbewegung zu wünschen übrig läßt. Friede- berg bespricht d.en Anarchismus, als dessen schärfsten Ver- treter er S t i r n e r nennt, der die volle Souveränität des In- dividuums in seiner ganzen Konsequenz vertritt. Diese Souveränität müsse aber in einer Gesellschaft Ein- schränkungen erleiden, und er erinnert an Krapotkin» Lehre und führt als sehr lehrreiches Werk von ihm an:„Gegen- seitige Hülfe als Faktor der EntWickelung". Aus den Lehren des kommunistischen Anarchismus könne man nicht gut einen Unter» schied vom Sozialismus konstruieren, außer wenn sich die Sozial- demokratie allein als Vertreterin des Sozialismus hinstellt. Diese leite alle EntWickelung im Kulturleben aus den ökonomischen Grundbedingungen ab und schlägt die Taktik ein, sich der politischen Macht zu bedienen, und um diese Macht zu erkämpfen und zu be- sitzen, geht die Partei Wege, die bedenklich seien.— Redner kritisiert Marx und bezeichnet es als einen Irrtum, daß Marx die ökonomische Struktur der Gesellschaft für alles verantwortlich macht, was innerhalb der Gesellschaft geschieht. Nicht die ökonomischen Kräfte allein, sondern auch die sehr wirksamen psychischen müßten berücksichtigt werden. Marx weise immer nur auf die Umwelt hin, während er die Innenwelt als mächtigen Faktor übersieht. Vielleicht lege der Anarchosozialist heute zuviel Gewicht auf die psychologische Seite der EntWickelung, aber jedenfalls betone die Sozialdemokratie auf der anderen Seit die ökonomischen Mächte zu stark. Dadurch werde die Er ziehung zur Persönlichkeit nicht in dem notwendige» Maße gefördert, sondern im Gegenteil zurückgehalten. Für de» ökonomischen Kampf haben wir ja die Gewerkschaften, die Parte muß aus dem psychologischen Gebiete arbeiten. Als der Rednc dann von der Machtlosigkeit der großen deutschen Partei sprich und behauptet, sie sei im Auslande zum Spott und Gelächter ge worden, wurde die Versammlung, die bis dahin aufmerksam zu gehört hatte, sehr unruhig und es erhob sich ein sehr starker Wider spruch. Der Klassenkampf sei verflacht, behauptete der Redne. weiter. Dann greift er den Parlamentarismus an und spricht vor einem Gegensatz des Führertums in der Partei zu den Geführten Daß die Religion Privatsache sein soll, daß man den antr militaristischen Bestrehungen nicht Vorschub leistet, daß man so vie Wert auf Wahlerfolge lege, das alles findet er bedenklich und er klärt, daß die Partei nicht mehr der schärfste, stärkste und kraft vollste Ausdruck des proletarischen Gedankens sei. Wo immer de» Kampf für die Sache des arbeitenden Volkes ernsthast geführt werde, da wolle auch er mitkämpfen und würde stets da zu finden sein. Die Diskussion wird eröffnet. Genosse Braun wünscht. daß die Versammlung sich nicht für den Ausschluß von Dr. Friede- berg erklären möge, man könne sonst noch manchen anderen aus- schließen und manchen Schuldigen finden. Er tritt den Aus- führungcn des Redners über den Parlamentarismus entgegen, ge- steht aber zu, daß man an dem Programm der Partei vieles ge- rechterweise kritisieren könne. Gegen Friedebergs Theorien wolle er nicht streiten, da er sich ihm aus diesen Gebieten nicht ge- wachsen fühl«, aber er könne sich damit auch nicht einverstanden erklären. Genosse Gehrmann meint, wenn jemand selbst erkläre, daß er auf dem Standpunkt der Partei nicht länger beharren könne, so sei es selbstverständlich, daß er nicht mehr zur Partei ge» hören könne. Unser Programm müsse eingehalten werden und er frage, warum Genosse Friedeberg nicht Acnderungen bean- tragt habe, wenn er dies für so unbedingt notwendig hält. Friedeberg sollte einsehen, daß wir die Massen des Volkes erst zum eigenen, selbständigen Denken erziehen müssen, und dazu seien wir gezwungen, so vorzugehen, so die Agitation einzurichten, Ivie es tatsächlich geschieht. Die Partei arbeite auf politischem, die Gewerkschaft auf dem wirtschaftlichen Gebiete und in dieser Art werden auch Fortschritte gemacht, werden Erfolge erzielt. Gehrmann, wie fast sämtliche Redner, äußerte den Wunsch, daß Friedeberg in aller Ruhe seinen Austritt hätte erklären sollen und es nicht auf den Ausschluß ankommen lassen müßte. Genossen Kahn will es scheinen, als wolle Friedeberg eine Extrawurst gebraten haben. Er wendet sich gegen die theo- retischen Ausführungen des Redners und erklärt, für die Genossen gelte es heute, praktisch Hand ans Werk zu legen, damit der Junkerstaat gestürzt werde und ein demokratischer Volksstaat ent- stehe, in dem stder Arbeiter sein volles Recht erhalte. Man könne heute nicht von einem Generalstreik reden, ohne die Massenorgani- sation vorbereitet zu haben. Dazu müsse Friedeberg bei- tragen, wenn er mithelfen wolle, die Dinge zu ändern, und dann hätte er alle Hände Poll zu tun. Friede berg wisse nicht. Ivie der Proletarier lebt und leidet, er sehe die Dinge aus der Ferne. Unter den Anarchisten herrsche eine große Meinungsverschieden- heit und es sei nicht leicht zu verstehen, was sie wollen. Unsere Partei biete jedenfalls ein Tätigkeitsgebiet, auf dem jeder praktisch mitarbeiten kann, damit unsere Hoffnungen und Wünsche sich er» füllen. Genosse Gottfried Schulz glaubt nicht, daß der An- archismus jemals die Welt erobern werde. Wir müßten unsere Bestrebungen auf dem Boden unseres Programms einrichten. Der Parlamentarismus sei nicht zu verwerfen; die Wahlen sind jedes- mal ein Barometer für uns. das sehr nützlich ist. F r i c d e b c r g könnte eine tüchtige Kraft sein für die Partei; aber da er mch, mehr mit uns gehen will, sollte er wenigstens selbst scheide» Genosse �ru»«T hält Friedeberg, der Mit der Sprache herausrückt, für ehrlicher als manchen Genossen vom rechten Flügel. Der Grundsatz, datz derjenige, der das Programm nicht voll aner- kennt, die Partei verlassen mutz, ist aufrechtzuerhalten. Derselben Meinung ist Genosse Moebius. der grobe Verstötzs gegen das Programm in Friedebergs Verhalten erkennt. Dr. Friedeberg nimmt noch einmal das Wort und wendet sich gegen die verschiedenen Angriffe in den Ausführungen der Tis- kussionsrcdner. Er wolle keine Extrawurst gebraten haben, et habe überall praktisch mitgearbeitet, aber er habe dabei gelernt, datz das Proletariat aus der Offensive in die Defensive gedrangt worden ist. Der Parlamentarismus mag einmal unentbehrlich gewesen sein, ist es aber nicht mehr. Die Macht der Partei sei jetzt soweit vorgeschritten, datz andere Kampfformen notwendig geworden sind. Als Redner meint, datz er grotze Hoffnungen auf die Gewerkschafts- bewegung setzt, erinnert ihn Gottfried Schulz an die Un- fruchtbarkeit der englischen Gewerkschaften und fragt ihn dann, was es nütze, in der Ecke zu stehen Und laut zu protestieren, wenn sich doch niemand darum kümmere. Folgen wir Friedeberg, so kommen wir zur Scktiererei und werden keinen Schritt mehr vorwärts tun können. Nach einigen kurzen Auseinandersetzungen zwischen Braun, Gehrmann und Dr. Friedeberg, die sich gegenseitig in einigen Punkten mitzverftanden hatten, stimmt die Versammlung über den Antrag des Vorstandes ab, der angenommen wird. In das nun den Fall Friedeberg übernehmende S ch i e d s- g e r i ch t wurden gewählt: Gehrmann, Moebius, Krake» und als Ersatzmann Braun. Unter Vcreinsangclegenheiten wurde den Genossen der Spruch des Schiedsgerichts, dem ein AuSschlutzantrag gegen einige Genossen vorlag und die Entscheidung der Kontroll- kommission unterbreitet. Ter Vorstand hatte wegen Bohkottüruch (in einem gesperrten Lokal) den Ausschluss beantragt. Das Schicds- gcricht lictz einige Milderungsgründe gelten und war nicht für den Ausschluss. Der Vorstand rief darauf die Kontrollkommission an, die sich für eine strenge Rüge in diesem Fall erklärte. Die Versammlung nahm einen Antrag an, der sich mit dem Vorgehen des Vorstandes einverstanden erklärte. Für de» Inliall der Juirrnle übernimmt die lUedakiio» dem Publikum gegenüber keinerlei Be>„»tworluiig. Theater. Donnerstag, den ll. Juli. Zlnfmig 8 Uhr. Neues kgl. Operntheate». Wiener Blut. Deutsches. Der Jongleur. Tanllr, O.(i&nfiiiei. Jftenier Der Postillion von Lonjumeau. Schiller(ftnebiKV Mlbeti». städlliche» Tlieaier> Kt Neues Schauspielhaus. Kleines. Vater und Sohn. Komische Oper. Carmen. Westen. Die lustige JBllroe. «iisliblelliiiiiS. Die Welt ohne Miliiner. Leiiilund Rose. Der groste Un- bekannte. Aiisalia 8'/� Uhr. Nachmittags 41/, Uhr: Blumtn- siraust. Ein toller Ehemann. Arbeit schändet nicht. Kietrovoi. Der Teufel lacht dazu. Wiiitrrgaeie». La Tortajada. Spezialitäten. »lpoila. Der Hochzcltsgast. Spe- aiaiitclie». Walhalla. Speziallläten. Folieo Eaprire. Gelsteranto.— Paris. Ansang 8'/, Uhr. Paiiiige. SpezialNälen. itieichohulie». Stcltiner Sänger. iiraUia. Tnnbriisieas-e>t>. Im Lande iwr Mitteruachtssoime. GteefiWiirte, JiwalideiMr. S7/VL. Kleines Thealer. Ansang 8 Uhr. Nlitkr mid Soli». Morgen und folgende Tage: Pater«nb Sohn. liieNiez' des Wesleas. Abend? 8 Uhr: »ie iiiHtlffc Witwe. Ovcrclic in ü Allen n. Franz Lehhr. L�sispiefilisiKss. 8 Uhr: Wiener En femble- Maftshiel Die Welt oh»« Miinncr. Pcpi Glöckner als Gast. Schiller-Theater 0. (W a l l n e r- T h e a t e r.) Bkorwih-OPer. Donnerstag, abe» ds8Uhr: Gaststlel IlelniEeki li.itel: Der Postillion von Lonjumeau. Komische Oper in 3 Akten v. Ad. Adam. Freitag, abends 8 Udr: von Juan oder: Der steinerne Gast. Sonn abend, abends 8 U h r: Carmen. Schlller-Tliealer S. Friedrioli-Wilhalmsfädtisehes Theater. Abends 8 Uhr i Kyritz-Pyrlt». Sommer preise. Urania. WiBsenschaftliches Theater. Abetlds 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne Tätlich ab nachm. 5 Uhr: Z tiroßea Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 Mk., von abenda 6 Ubr ab 60 Vf., Kinder unter 10 Jahren die Hallte. Passage-Theater. Jeden Abend 8 Uhr: Der groSe yemantllüngskünstlrr Arluro iernardi. Berlins scMckste SüOlretie Ida Perryf 14 VariötASensationen 14 Ab 8 Uhr: Tie neiic» hervor- ragende» Dpezialitttten.' U. a. Zca» Paul, Humorist. Jean tSlrr mont mit seiner Zirkus-Parodie Bariulm». Beileid. lV Uhr: In seiner Burleske „Oer als Ortsvorsteher Lehmann. DWMUTM Helropol-Thealer Anfnnff 8 Chr. Große.1 ahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaondor. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Kicbnrd Schulte. Rauchen überall gestattet. Eile tr Selsen IS. Jell. Glänzendes Programm. Brunnen-Theater Babslrahe 58. Direkt.: Beruh. Rose. Taglich: Carmen. Spezialitäten 1. Ranges: Oepplnglonkruppe, Aflup Wolff. Adolf Bockel. Lord-Quartett. Die wcllbcrühmte TcuselspantoniiMe der PhoiteS Gnitans Comp.: Eine«»ruhige Uacht. Heute: Grosser Elite-Ball. Kalienerössmlng 2 Uhr. Ans. 5 Uhr. f f Gr. Fraiiksurterstr. 132. Xiigkich i L, Im Gaden, Ans. 4'L Uhr — i Tao erstklassige hlnoKlnlllftte»- l'rocramtn Sperrsitz 50 Ps. Enlrcc 30 Pf. Im Theater abends 8'/, Uhr: l>«ie Ai'NlZv Cnhe-ltunntv. _ Sommerpreise. W. Hoacks Theater. Direkilon: Rod. Olli. Brimnenslr. Ifl. Auf Vielsachen Wunsch I Unbedingt letzte Ausführung: Die Bettlerin oder: Die vom Blitz erblindete Multer. ??? 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Abendkasse findet nicht statt. 17766 Da» Komitee. feue Welt llasEHlieiile !08 114. Jeden Donnerstag: MA" EII o» t e 1*t«>g;i>»»»>,> Berlins, u. o. i llrothcr» Dearweli», phänomenaler Melange-Akt. Original down Dolli, Miniatur-ZirkuZ. U. a.: 50 Mark Prämie demjenigen, welcher den Esel Michel dreimal um die Bühne herumreitet. Dartoa Brother», sensnlionellc akrobatische Neuhoiten. liargUrltt& Dcttniar, Comedian Dams and Parodist. The 5 Awtley», die fidelen Farmer, brillanter musi- kalischer Akt.— Und vieles ander«. Ans. 3 Uhr. Kastecküchc. Volksbelnstlg. aller Art. Cnwee 20 Ps., Sonnt. 30 Ps. Perlebergerstraße 26. Fortsetzung der großen internationalen Ringkampt-Konkurrenz. Georg Altmann, Berlin, gegen Georg Tittmann, Brandenburg. kntsckeiäun�s-�inxkampt zwischen Reinh. Petitjean, Berlin, und Albert Hein- Berlin. Ansang 6'/, Uhr, Ringkampf 9 Uhr. StT" Borher: Theater. Singer Nähmaschinen. Einfache Hniidhabnng! S353L« Grosse Haltbarkeit! 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Gegen Einsetidlitig von Mk. 2.10, bezw. 65 Pfer. für das Inland, Mk. 2.2U bezw. jfO Pfgi ffir das Ausland, werden die Brasehürco portofrei vom Verfasser Kaufmann Michael Proestler in Würtburg TCf- sandt, wenn In Buchhandlungen nicht erhältlich. Mao verlange ebendaselbst Flugschriften und Prosoekt«. Sciiweizargarlen Am Kdofgätor. Am Friedriehshaln. Strassenbahn 1,2,1,17,69, 62. 63 u. 74. Tägltch: Thealer-Vorstellang. Neue Spezialllätäii. KioeGialograpiiuiulBa!}. Freier Damentanz. Ansang 5 Uhr. Eutree 30 Pf. Max Kliems| Sommer-Tizeater � Hasenheide 10/15. Artistische Lritung: Raul Milbitz. läniicl: Gr. Konzert. Theater ü. Spemlileü-lfCiSteüyng. Jeden Muniag: Tommerfeft. Jeden Mitt>voch: Die beliebten«inderfeste. Jeden Donnerstag: Elite>Tag. M Die Kasferküche ist täglich von BS 2 Ubr ab geöffnet. J Voiksgarlen-TheaterT Bad-BehmslraOo--- Bahnhot Gosund- brunnen— BellermannslraBe. Der rechte Weg. Original- Volksstück mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von W. Gerlcke. 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Unserem Genossen Wlllrsiffl Rogenberg nebst Frau zum»5 sührlgeu Ehejubiläum ei» donnerndes Hoch I Tie Geuosten des IL. Bezirks tRixdorfi. SezIaldeillokFailzelreFV/slilvLFelri ckea 2, Berliner Wahlkreises. Bezirk 135. Am Montag, den 8. Juli, ver- starb an Lungenleiden unser Mit- glied, der Gürtler Max Bergmann. Ehre seinem Andcnkenl Die Bcerblgmig stndct heute Donnerslag, den 11. Juli, nach- miltags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Hl. Krenz-Kirchhoscs in Mariendor/ aus statt. 239/11 Um rege Beteiligung wird ge- ! beten. D«»» Voraiand. Montagabend 71/, Uhr verschied plötzlich mein lieber Mann, Sohn, Bruder, Schwiegersohn, Schwager Und Onkel Heinrich Schmidt im 32. Lebensjahre. Dies zeigen ücsbewübt und um stille Teilnahme bittend an vis trauernden Hinterbliobonoii. Die Beerdigung findet heute 6 Uhr von der Leichenhalle des neuen Tempclhoser Kirchhose», Britzer Weg, aus statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine« lieben Mannes sagen allen Freunden und Bekannte» unseren tiesgesühlten Dank. 54342 Die trauernde Witwe Johanna Birkholz nebst Tochter. vanksaxunx. Für die herzliche Teilnahme und die Kranzspenden bei der»eerdtgung meines lieben Manne» und guten Vaters Paul Haase sagen wir allen Freunden. Ver- wandten und Bekamiten, insbesondere den Chess nnd den Kollegen der Firma Schacht u. Müller und dem zweiten Berliner Wahlkreis unseren innigsten Dank. Auguste Haase nebst Sohn. Kochwald und Landparzcllen direkt a. tgl. Forst 14 Bricse-Fließ, s�W. von 10 Ntk. an Hohen-Neuendorf Gas. kNordbaht» und Wafscrieiiung am Ort. Verkäufer täglich in unserem Ver- kauispavillon direkt am Bahnhos. Wieschalke& Xlt»che, 5356S* Landsbergerstr. 66. Otto Pritzkow MUnrstrnUe 10. Welt-Jtusstellunys- BiograplHs«- Theater lebender Photographien. Täglich Eingang von - Nenheiten.---- Den ganzen Tag VoretoU'ung. 6eserzI./\öa3diBla jAssr 'ZIGARETTEN sind die besten-, 3 Pfg. ULLV YORK ACOSTA Achtung! Achtung! Zweigverein Berlin. Freitag, den IS. Juli, vormittags 11 Uhr, bei Freyer, Koppenstratze S9: DtchmnilW der A«sgkspkrrtkn heM. Stlkikenkil aller zum Zweiguerein Kerlm gehörigen Zahlstellen und Kezirke der Maurer. TageS-Ördnung! Der Stand unserer Bewegung. Li. Streikkarte legitimiert.- Die Verbandsleitung. Mä Maurer! Ds- Jreie Vereinigung der Maurer Seotseblauds v ris se rein SsrUn. 120 20 Freitag, den 158. J«li, abends B'/a Uhr, bei Baeker, Weberstraste IV: �HtgHeder»Versammlung Tages- Ordnung: Der Stand der I�ohnhewegiang. _ Um zahlreiches Erscheinen stsucht__ Per Vorstand. Zentral-Verband der Zimmerer Zablftelle Berlin und Unigegend. Bureau: Eugel-Nfer 1» v. III, Zimmer 3?8. Fernsprecher: Amt 4 Nr. 3T89. Freitag, den 13. Juli, abends 8'|2 Uhr, Mitglieder- veriswwluog bei lltsUvr'(Jnh. Freyer), �VpWGnsts'. 2Z. Tages-Ordnungi 254/20* Unsere Lohnbewegung. Mitgliedsbuch legitimiert. Zalilatelle Berlin. Sitzmöbel-Branche! iÄ An alle Mitglieder richte» wir hiermit das Ersuchen, pünktlich zur Stelle zu sein. Der ZahlstellencVorstand. Meß-oadM-Ztiseliidihsse iler Sdifieiier Berlins und verwandte» Bernfägenossen. Saniiad�iiN,«1. I». 4al1 er., abcnds 9 Uhr, � Außerordentliche W Generalversammlung im Klubhaus, SVommanbmitcnftr. 72. Tages- Ordnung i 1. Abrech, i»Ug Dom erste» und jlDCtten Cmaital. 2, Wahl des Ssten« danicn. 3. SfalutcnBcvatung. 4. Staffen. aiigclcaclihcitc». 6. Verschiedenes. Mltgliedöbuch legitimiert. I»vr Vnr>«taii,I. MZ. Die Unterstützilnae» werden vom l. Null ab Eugel-llfer>2 Mit- wochabends von 3—10 Uhr ausgezahlt, eBenfo finden auch dort die Krankinelömigen statt. t783b 1W Die Herrenva» tie findet am Sonnabend, den S7. Juli, nach dein Tpreewald statt. Trestounkt: Görlihcr Bahnhof abends 12 Uhr. + Hygienische BeUftrlsartikäl..Neuest. Kntalog nuBmplehl.Tiol.Aerale u.Prof. grat.u4r H. Ungar, fiununiwaranfabttir Bariin NW.. Priedriohstrags« 91/92. Donnerstag, den 11. Juli 1907. abcnds 8'/« Uhr, bei Donath, Schönlclnstr. 6: Vertranensmäuner-Versammlung. DM- Möbelfabriken, wo Stuhlmacher befchästlgt find, müsjen auch Der- treten fein. Tagesordnung wird in der Verfammlung bekanntgegeben. Die«ommissto». Spiegelrahmen'Svanche I Donnerstag, den 11. Jnlt, abends 8>/, Uht. bei Ilorhonnhl, Andreasstr. 23 1 Versammlnttll aßer in der Spitgtlrahmenlirtinchr beschästigten Koßtgtn. MF~ Sämtliche Kollegen dicfcr Branche haben zu erscheinen."ME jO/ö* Die OrtSverwaltung. Jdagazinarbeiter. Moni»«, den 15. Juli 1907, abcnds 6'/, Uhr. in Franke« FestsSl«», Sebastinnstrahe 39- Seffentliehe Versammlung aller in Möbelgeschäften beschäftigten Tischler, Polterer, Beizer sowie HtilfSarbeiter. Tagelördnung: 1. Der abgefchroffeiic Tarifoertrag der Berliner Holz- arbeitcr Und wie kann derselbe für die Maaazinarbciter ooN Porteil sei» V ZIescrent: Kollege Albrrt Schreiber. 2. Welcher gewertschaflllchen Orga« nifation Kaden sich die Magazinarbeitcr anzufchliesien, um ihre Lage zu oerbcffern? «oliegen l Die überaus traurigen Berhälintste In unserer Branche dedürfen dringend»er Anfbesseruiift. Deshalb t» eS beschäftigten Kollegen Die Kommission. notwendig, dast sämtliche in Möbelgeschäften pünktlich erscheinen. Selftönelberg'! Freitag, 12. Juli, abdS. 8'/3 Uhr, in S. Obst'« FestsSlen, Mrininzerstr. 8: Volksversammlung. Thema: Unsere Alrihster. Änele z�off. Kurt Eisner. Die Genossinnen und Genossen werden ersucht, dlt Versammlung zahlreich zu besuchen, j�/2]®et Borstand. I. R. Kater. Bo» der Meise znrült. 43/17* Gs.LllgeiiNaagen. Usiiksn /+ u. Brut tötet mit unfehlbarer- Sicherheit Itclchcl'a vci-Ntilrktcn Wunr.onflnid. Nicht fleckend, nicht seuergesährlich. Kehi UblerGoruch, nachhaltigeWirkung Fl. 50 Pf., 2.—, 3.—, SiTteifl. 5,-. Sprühabsiaraie ooN 50 Pf. an. Einzig eckt und garantiert nur mit Plarltf Tod und Iriifrl. Otto Reichel, EisÄnä:«. Fcvnspv..Slnjch�üsic_ A. IV. 4751, Orts-Krankenkasse der Gelb- n. Zinngießer zu Berlin. Am Donnerstag, de« 18. Juli 1907, abends 8 Uhr. findet im llokal des Herrn NolleediSgee, Adalbert- strasie 21, eine ZW?- Austerordentliche Leneral- statt, wozu die Bertretcr hiermit cn» geladen sind. TageS-Ördnung: t. Verlesung der Protokolle. 2. An- trag des PorsiandeS ans Abänderung heS Z 30 des Statuts. 3. Neuwahl für 2 ausgeschiedene VorftandSMil- glieder. 4. Verschiedenes. Bcrli«, den 10. Juli 1907. 11726 Der Vorstand. ABia Wanzen werden nebst Brut durch mein Milicl bollständig oci-tilgt.- Fl. 50 Pf. u. 1,99.— Ebenso Schwabe», Nuskett, eranzosen, Blattläuse ulw. Schachiei 0 Ps. 09 Vf. u. 1,00. 4984ß* - Zahlreiche Anerkennungen.—» 1000 Mark Belohnung zahle demjenigen, der mir einen Aichlersolg nachweist. Nur allein echt bei Boso Bni-th, Drogerie, jetzt Brumienstr. 14, früher Nr. 81. Spe�ialkaus Emil Lefevre, Berlin Sfid. Seit 1882 nur Oranienslr. 158 "�nirgends Filialen! ßelegenheitskaufl Ersatz für Oeckbeil «SM |jlS|jSO Scilla Weck en 1™ 2® in«an Farben rol, blau, oliv ganz dick iÄMIÖ" Practil- Katalog iÄ™0 ZW- gratis und franko. JVeu erfebienen: Die Kolonialpolltik und derZusammenlirucli. Bon Parbus. Preis I Mark. Ferner empfehlen wir: 6t!ltl' politisch« Massenstreli und die Sozialdemokratie. Sktti�tiN! verschiedenen Formen des Wirtschaftslebens. öklinn, 5'• Tie Frauen lind die Politik.... 20 Ps. BitlzgkN! idie Ankunft der Sozialdemokratie.. 20 Ps. (SiH'lt* a3>ki)kl« entWickelung........ so Ps. Sozialreform und soziale Revolution. 40 Ps. «m Xage nach»er sozialen Revolution 30 Ps. pllMltjilltK! Der Kampf der Arbeiter..... 20 Ps. GtWjtednKcrIiilcrArbtitcrbwcWg Herausgegeben von Eduard Bernstein. I. Teil- Vom Jahre 1848 bis z«m Erlast des Sozialistengesetzes. Illustriert mit Bildern und Dokumenten aus der Zeit. i!> Preis in Leinen geb. 9,39 M., halb/rz. geb. 7,59 M....... Expedition des„Vorwärts", Berlin SV/. Linde, istr. 99, Laden. 284/16* Verein für die Interessen der Haasangestellten. Donnerstag, den 11. Juli, abends 9 Uhr: Oeffentliche Versammlung in Habels Brauerei, Bergmannstrabe 5—7. Relerentin Frl. Ida Haar über: Verkürzung der Arbeitszeit für Dienstboten. Danach Diskussion. 1774b Hausangestellte, Dienstmädchen, kommt alle zu dieser Versammlung! Die Einbcruferin. D»». Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr.41,Mdicr« 10— 2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2— 4. Zigarren, Zigaretten?peiiaU Marken sind allen Rauchern sehr zu empfehlen Alfred Dieek, Berlin 0. 17, Koppenstr. 72, Eckhaus Grüner Weg. 2. Ziehung I. KI. 217. Kgl. Preuss. Lotterie Ziehung vom 10. Juli 1907, yormittags. Vor die Gewinne Uber 50 Mark«Ins den belreffeoden Nummern in Klammern bcigekUgt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 69 261 301 430 35 67 981 SS 95 1 013 419 503 685 2033 >44 54 373 872 921 3127[MO] 345 491 99[100] 526 43 54 749 930 4019 IIS 399 887 760 095 S050 130 263 435 534 [3000] 724 887 906 6101 71 73 221 348 417 755 836 38 7081 94 294 611 80 905 8097 253 8 4 643 51 731 953 9111 323 433 94 763 864 19033 201 423 800 62 65[100] 98 11397 413 17 72 [300] 523 058 1 2030 935 82 83 90 1 3113[200] 87 313 [200] 532 85 872 906 50 1 4075 86 230 47 811[100] 15005 412 535 1 6077 155 668 82 83 760 803 900 1 7032 137 263 372 507 604[100] 41 831 13004 4 4 64 7 4 329[300] 460 738 63 818 24 1 9263 64 488 583 642 79 981 20195 219 340 465[400] 755 2 1 206 46 320 648 2 2 313 423 550 82 640 49 723 50 23129 253 412[100] 515 21 «03 2 4020 65 170 271 337 472 696[200] 947 63 96 2 5 099 105 303 517 823 2 6038 209 573 664 936 80 2 7139 229 50 «8 548[100] 651 28 257 300 401 861 29101[300] 612 700 53 30116 012 4 7 891 3 1 009 10 304 436 77 533 802 62 918 3 2 013 53 35 111 398 451 61 33 093 3 3 088 246 339 74 453 556[100] 636 746 870 914 3 4294»30 524 3 5115 3 6330 449 593 95 810 3 7033 63 30 54? 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Ziehung I. Kl. 217. Kgi. Preuss. Lotterie Ziehung vom 10. Juli 1907, nachmittags. Nur die Gewinne über 50' Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 13 98 368 98 426 561 803 973 98 1020 60 83 130 343 772 847 2017 150[ 46000] 227 318 710 9-7 71 3112 83 235 435 502 6 70»13 60 747 54 931 82 4010 17 51 81 160 202 85 490 5273 834 49 57 648[100] 921 6301 577 659 80 84 739 92 813 711« 391 467 597 052 877 8018 215 57 05 402 83 614 16 73 707 801 9007 33 267 930[200] 40[100] 10491 547 071 78 11027 58 276[100] 338 599 794 12095 552 060[100] 729 936 13034 376 424 53 687 803 958 62 1 4028 163 459 704 20 1 5062 186[100] 304 612 740 835 57 990 1 6084 148 231«81 728 83 1 7ll0 331 417 010 707 1 8302 600 901[100] 19 151 586 029 40 SO032 30 52 72 201 404 8[100] 48 49 937 98 2 1 291 560 748 60 69 91 825 61 2 2095 157 92 316 50 410 37 53 610 54 846 2 3 029 104 75 593 2 4383 407 2« 59[100] 609 864 923 84 97 2 5331 43 435 655 91 723 29 955 2 6018 130 [100] 221 37 91 92 580 672[100] 84 722 94 818 91 27012 19[100] 286 583 969»1 2 8555 71 81 622 47 97 2 9019-475 551 625 33 988 30112 60 307 27 48 583 713 873 3 1 055 50 06 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518 Die Ziehung der>. 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Inl! 1907. Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste. In Trebbin(T.-B.) steht uns das Lokal »Schützenhaus". Jnh. SB. Fromm, zu den bekannten Be° dingungen zur Verfügung. Berichtigung. In der Lokalliste muß es unter Neu- Zittau anstatt: Rest. F r i e d r i ch s h o f. Jnh. Frank. Nestau- r a n t Burig, heißen: Restaurant Friedrichshof, Jnh. Frank, Solouie Burig. Die Besucher des Luther-Kirchhofes in Lankwitz, Marien- felderstraße. machen wir darauf aufmerksam, daß uns dortselbst das Lokal Paul Ebels Wirtshaus, früher Bergers Wirtshaus, zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung steht, worauf wir auch die Lankwitzer Genossen besonders hinweisen wollen. Die Lokalkommission. Rixdorf. Im Interesse unserer Bibliotheksleser ersuchen wir 'ie Mitglieder, die aus der Bibliothek Neckarstraße 2 e n t- liehenen Bücher bis spätestens Sonnabend, den 13. Juli, da- selbst abzugeben. Der Vorstand. Berliner Nachrichten. Reisezeit. Welchem Berliner schlägt das Herz nicht höher, wenn .om Reisen gesprochen wird? Der Wunsch, einmal heraus- zukommen aus dem beengenden Häusermeer, aus den dumpfen Straßen mit ihrem hastenden Jagen und Rennen, einmal, wenn auch nur auf kurze Zeit, dem ohrenbetäubenden Ge- klinge!, Gebimmel und Getute der verschiedensten Vehikel zu entrinnen und fern vom brausenden Weltstadtgctricbe, dem Rauschen uralter Haine, dem monotonen, schläfrigen plätscher der Wellen am Strande der See zu lauschen, beseelt wohl jung und alt. Die Umgegend Berlins mit ihren anmutigen Wäldern und Seen in allen Ehren, aber das Auge möchte doch auch mal was anderes und zwar längere Zeit sehen; weite wogende Kornfelder mit fernem unbegrenzten! Ausblick; sanft ansteigende Hügelketten, trotzige Bergriesen mit wild romantischen Seitentälern, in denen schimmernde Sturzbäche sich mit zornigem Getöse ihren Weg über Felsgeröll bahnen oder auch das Meer, in seiner grandiosen, überwältigenden Schönheit, auf dessen Wellen sich unzählige Möven tummeln und riesige Schiffe in majestätischer Ruhe ihrem Ziele zusteuern. Gehen wir jetzt, in diesen Tagen, nach den Fernbahn� Höfen, so bietet sich uns ein eigenartiges Bild. Ein einziger Blick auf das Reisepublikum erinnert uns daran, daß die Bcr liner Reisesaison angebrochen ist. Schon die Hast und Un ruhe, das unsichere Hin- und Hcrrennen und nervöse Frage stellen unterscheidet die Sommerfrischler von den Geschäfts und Gewohnheitsreisenden. Neberwiegcnd sind natürlich jene, an deren Wiege die launische Göttin Fortuna Pate gestanden hat, oder die es verstanden haben, durch— na, wie liest man es doch immer so hübsch in den bürgerlichen Zeitungen? Nichtig— durch„Fleiß und Sparsamkeit" sich ein stattliches Vermögen zu erwerben. Prächtige Juckergcspanne und elegante Automobile fahren an die Bahnhofsrampe heran und Gepäckträger reißen dienst beflissen die Wagentüre auf, dem die Herrschasten mit Grandezza entsteigen. Koffer, Kasten, Hutschachteln folgen hinterher, denn diese AuSerwählten reisen mit allem Komfort und besonders die Damen haben sich mit der weltbewegenden Toilettenfrage das arme, kleine Hirnchen zcrmartet, daß ihnen schon aus diesem Grunde ein längerer Aufenthalt in Helgo land oder Heringsdorf not tut. Sie benutzen D- und Luxus' züge mit Schlaf- und Speisewagen, überhaupt alle Errungen schaften der Neuzeit in der Rcijebeförderung stehen ihnen zur Verfügung. Erst in zweiter Linie kommt der Mittel- und Beamten stand, der sich noch mal was leistet und den anderen go treulich abguckt, wie sie sich räuspern und wie sie spucken. Sie benutzen Schnellzüge und suchen Badeorte bescheideneren Ranges auf. Zwischendurch sieht man Frauen, denen der Kampf ums tägliche Brot deutliche Spuren ins Antlitz gedrückt hat, mit ihren blassen, schwächlichen Kindern. die in ihren adretten, saubereu Waschkleidchen mit großen Augen dem ungewohnten Treiben zusehen. Vater muß zu Hause bleiben, muß arbeiten, schon um seine Stelle nicht zu verlieren, und nur der Mutter mit den Kindern ist es vergönnt, bei den Groß eltcrn in dem weltabgeschiedenen Hommerschen Dörfchen sich zu erholen. Aber den Kindern, diesen bleichen, blutarmen Großstadtpflänzchen eröffnen sich ungeahnte Perspekttven, und in kindlicher Ungeduld streben sie dem neuen, fremden Ziele zu. Wie werden sie sich mit den braunen, kräftigen Dorf lindern auf den weiten, abgemähten Wiesen tummeln, ihre schmächtigen Körperchen dem schmalen Dorfbach sorglos an vertrauen und eine Welt neuer, ungekanntcr Eindrücke in sich aufnehmen. Aber selbst diese bescheidene Abwechselung ist nur wenigen armen Familien möglich, nur jenen Glücklichen, die noch liebe Verwandte oder Bekannte auf dem Lande besitzen und deren Verhältnisse ihnen eine solche Extravaganz gestatten. Tausende und Abertausende aber müssen ununterbrochen in die Tret mühle und sich mühen und placken, um das nackte Leben zu fristen. Kein Sonnenstrahl, kein Lichtblick fällt in das Dunkel ihres Daseins. Morgens, oft genug noch mit krankem, siechem Körper, in die Fabrik oder zur Arbeitsstelle, abends zurück in die dumpfe, muffige Hofwohnung; keine Erholung, keine Ab wechselung! Nur in Zeiten der Arbeitslosigkeit, da gibts— Ferien und— leere Töpfe und Frau Sorge grinst durch die Fenster in die kalte Stube. So will's die göttliche Weltordnung und wehe! Räuber und Mörder über den, der sich in die Reihen der Klassenkämpfer stellt, um diese Zustände zu ändern und auf den Trümmern der heutigen Gesellschaftsordnung eine sitt- liche, gerechte aufzubauen. Nur wird sich die klassenbewußte Arbeiterschaft nicht abhalten lassen, die einmal beschrittene Bahn weiter zu verfolgen, einer lichten, frohen, sonnigen Zu- fünft entgegen l•_ Wie Lebemänner ende». Vor zehn Jahren war Paul Sch. ein gesuchter und geschickter Rechtsanwalt. Geschickt, weil er in den westlichen Bororten gewaltige Terrainspekulationen„schob" und spielend Summen verdiente, um die ihn die Kollegen beneideten. Spielend gab er den Mammon wieder aus, lvarf ihn mit vollen Händen durchs Fenster. Wie bei I so vielen | Leichtsinn. talentvollen Menschen, war sein größter Fehler der Und der Leichtsinn artete bald in kompletten Größenwahn aus Für eine Droschkenfahrt von Kranzler bis zum Brandenburger Tor zahlte er regelmäßig zwei harte Taler. Die Droschkenkutscher in der Friedrichstadt kannten ihn alle und rissen sich darum, den noblen Rechtsanwalt zu fahren. Diners oder Souper? bei Dreffel oder Hiller, natürlich in holder Begleitung, mit Rechnungen, von deren Beträgen ganze Familien monatelang leben konnten, waren ihm Kinderspiel. Er trank auch, und er vertrank sich zuletzt den Verstand. Zahllose Liebschaften aus allen Kreisen halfen ihm das Geld klein- machen. Er war nicht wählerisch, der Rechtsanwalt Paul Sch., wenn das Mädchen nur schön war. Denn Schönheitssinn besaß er. Ob eine wirkliche Dame, ob Verkäuferin, Konfektioneuse, Schenkmamsell oder Dienstmagd, es lvar ihm egal. Eines Tages hatte er ein Ver- mögen bei sich, ftemdes Geld, das er irgendwo Unter den Linden deponieren sollte und wollte. Da führte ihm der Satan in der Passage ein blutjunges, bildhübsches Lärvchen in den Weg. Er kam, sah und siegte. Vergessen war das Vennögen, vergessen das Depot, vergessen bald auch die Standesehre. Von Dressel ging es zu Hiller, von Hiller zum Ballokal, vom Ball nach Hause. Und als der Rechtsanwalt am späten Vormittag mit wüstem Kopf erwachte, war das süße Lärvchen futsch, aber auch das Vermögen. Es war ein hübscher Groschen Geld gewesen, über fünfzigtausend Mark. Noch einmal hatte er Glück. Nach sechs Woche» bekam er das Geld wieder. Bis auf eine» lumpigen„Grauen", den das Mädel, ein noch ziemlich Iveltunerfahrenes Ding gewechselt und verpulvert hatte. Aber die Sache war doch ruchbar geworden. Sie kam an die große Glocke. Paul Sch.„schlidderte". Von nun an gings rasch bergab. Vom Sekt zum Bier, vom Vier zum Schnaps. Pom Rechts- anwalt zum Linksanwalt, vom Linksanwalt zum—„Penner". Eine häßliche Krankheit verzehrte den gesunkenen Mann. Sein'Geist der« wirrte sich immer mehr. Ruhelos pendelte er hin und her zwischen Krankenhaus und Obdachlosenasyl, zwischen Hungerleiderleben und bitterster Rot. Und zuletzt kam das Irrenhaus, das ihn nicht mehr herausgibt. Für diese Welt vollständig fertig, nicht mehr fähig, sich ein Stück Brot zu verdienen, befindet sich Paul Sch., der ohne die Liebe und den Alkohol heute eine hochangcsehene Stellung bekleiden würde, bettelarm als Geisteskranker schon bald zwei Jahre in einer der städtischen Irrenanstalten Berlins. Einem schimpfenden Lehrer, dem Herrn Rosenberg von der 116. Knaben-Gemeindeschule(Hagelsberger- strahe), widmeten wir in Nr. 14g des„Vorwärts"(2g. Juni) ein paar Zeilen, in denen wir auf die eigenartigen Umgangs- formen dieses Jugendbildners aufmerksam machten. Um diese öffentliche Festnagelung waren wir gebeten worden von Bewohnern eines der Schule benachbarten Hauses, die sich durch den bei offenem Fenster schimpfenden Lehrer Rosenberg belästigt fühlten. Wir hatten ihren Wunsch schon deshalb erfüllen zu sollen geglaubt, weil wir Lehrern wie Eltern das Gefühl für das Bedenkliche solcher„Erziehungsmittel" schärfen wollten. Daß Herr Rosenberg tatsächlich zu schimpfen pflegte, das war von einigen seiner Schüler, die wir aufgesucht und in Gegenwart ihrer Eltern hierüber befragt hatten, uns bestätigt worden. Die Notiz, die wir daraufhin veröffentlichten, schloß mit der Mahnung:„Im übrigen sollte der Rektor der 116. Schule und nötigenfalls auch der zuständige Schulinspektor hieraus Veranlassung nehmen, dem schimpfenden Lehrer fortan etwas mehr Aufmerksamkeit zuzu- wenden. ES empfiehlt sich, solche Pädagogen nicht lediglich im Klassenzimmer zu beobachten, sondern sich ihren Unterricht auch mal von draußen anzuhören." Die„Pädagogische Zeitung" greift nun diese beiden Schlußsätze auf, gibt nur sie im Wortlaut wieder und sagt dazu: „Der„Vorwärts" hat gegen Schnüffelei und Denunziantentum sonst kräftige Worte gehabt; aber es fällt mancher hier und da aus der Rolle. Immerhin ist eine öffentliche Aufforderung zum „Horchen an der Wand" etwas ungewöhnlich. Im übrigen finden wir, daß der„Vorwärts" unseren Rektoren und Schulinspektoren eine Auffassung ihres Amtes zumutet, die diese mit ganz ver einzelten Ausnahmen dankend ablehnen." Das ist alles, was dieses Organ der Berliner Gemeindeschullehrer hierzu zu bemerken hat. Wir finden, daß die Antwort nicht sehr glücklich ausgefallen ist. Es ist nun mal so, daß man schimpfende Lehrer i» all ihrer Ur, wüchsigkeit nur von draußen wird beobachten können. Oder gibt es Lehrer, die gleichmütig weiterschimpfen, wenn der Rektor oder der Schulinspektor das Klassenzimmer betritt? Das möchten wir denn doch bezweifeln. Der Hinweis auf„Schnüffelei u n d D c n u n z i a n t e n tu m" ist hier wohl nur eine Verlegen' heitsphrase. Wir glauben nicht, daß Rektoren und Schulinspek toren, die ihre Pflicht ernst nehmen, durch solchen Schwatz sich da' von abhalten lassen werden, Uebcrgriffe von Lehrern festzustellen und ihnen entgegenzutreten. Herr Rosenberg hat übrigens, wie wir nachträglich durch Anfrage festgestellt haben, seine Schimpfereien nur noch bis zu dem Tage fortgesetzt, an dem wir ihn festnagelten. Schon voin nächsten Schultage ab ist er bemüht gewesen, sich der Schimpf Worte zu enthalten. Aufgefallen ist das nicht nur Schülern von ihm, sondern auch Bewohnern des Nachbarhauses. Nach den Ferien wird sich zeigen, ob die Wirkung vorhält. Wir hoffen es im Interesse der Kinder, die Herrn Rosenberg anvertraut sind. Ente Protcstversammlnng der Berliner ZeitungSverkäufcr und Druckschriftenhändler fand vorgestern unter starker Beteiligung im„Englischen Garten", Alexanderstraße, statt. Die Druck' schriftenhändler auf der Straße, meist kleine Leute, die von der Hand in den Mund leben, führen einen verzweifelten Kampf gegen die Untergrabung ihrer Existenz durch den großkapitalistischen Betrieb. Neuerdings ist ihnen eine besonders gefährliche Kon- kurrenz in einer Gesellschaft entstanden, die seit einigen Tagen Zeitungen und Zeitschriften von uniformierten jungen Leuten in den Straßenbahnen vertreiben läßt und gegen dieses Unternehmen richtete sich in erster Linie die vorgestrige Protestkundgebung. Von dem Referenten Wieloch wurde ausgeführt, die vierzehnjährigen Jungen, die bei der Gesellschaft angestellt seien, beschränkten sich nicht darauf, in der Straßenbahn ihre Zeitungen zu vertreiben, sondern sie stellten sich auch, entgegen der Vorschrift, auf den Straßen auf, um den alten Händlern die Kunden wegzufangen. Nach behördlicher Vorschrift dürften aber Personen unter 24 Jahren gar keine Erlaubnisscheine für den Straßenhaudel erhalten, man w-rde deshalb bei der in Frage kommenden Behörde gegen die Ge- scllschaft Schritte unternehmen müssen. Die jungen Leute be- kämen ein wöchentliches Gehalt von 7,S6 M., dafür müssen sie von morgens a>V2 Uhr bis nachmittags 3 Uhr arbeiten. Zluf Antrag des Referenten wurde von der Versammlung einstimmig beschlossen, eine Deputation zum Polizeipräsidenten zu senden, die dahin vor- tellig werden soll, daß der Zeitungsvertrieb durch junge Leute in ?er Straßenbahn verboten werden soll. Zum Schluß wurde noch eine Protesterklärung gcgeti das neue Unternehmen einstimmig angenommen. Eine Frucht des vorjährige» Bierkrieges ist eine Brauerei- gründung des Vereins Berliner Gastwirte. Als im Vorjahre der Kampf zwischen den Ringbrauereien und den Gastwirten wegen Abwälzung der Braustcuer tobte, entschloß sich der Verband der Gast- und Schankwirte Berlins, seinen Vorstand mit der Errichtung von Produktivgenossenschaften zu beauftragen, um eine wirksame Abwehr übermäßiger Forderungen der Ringbrauereien zu schaffen. Mit den Weißbierbrauern waren die Gastwirte schneller fertig, schwieriger war das schon mit den Lagerbierbrauereien. Mit dem Ankauf einer Lagerbierbrauerei hatte es auch seinen Haken und so kam der Vorstand nach vielen Schwierigkeiten zu dem Resultat, eine seit Jahren leer gestandene Brauerei zu erwerben, sie ent- sprechend zu renovieren und in Betrieb zu nehmen. Das ist nun geschehen durch die Inbetriebsetzung der Genossenschaftsbraucrei „Nordstern" in der Veteranenstraße 8. Gestern fuhren die ersten schmucken Brauerwagen mit Musik vom Hof der Brauerei und hernach vereinigten sich die Gastwirte, die als Genossenschaftler eingetragen sind, zu einer Bierprobe. Bierkenner versichern, daß das Produkt der„Nordstern"-Brauerei sich ruhig sehen lassen kann und dem erster Brauereien in nichts nachstehe. Die Betrieseinrichtungen sind so erweitert, daß sich mit Leichtig- keit ohne besondere bauliche und sonstige Einrichtungen eine Pro- duktion von 66 666 Hektoliter erzeugen läßt. Die Arbeits- bedingungen, unter welchen die Arbeiter beschäftigt werden, ent- sprechen, wie uns dort Beschäftigte versicherten, denen der übrigen Brauereien. Herr Dernburg auf der Uebungsreise. In vielen Abteilungen der A. E.-G.-Werke(Ackerstraße) wird schon seit 3 bis 5 Monaten wegen Arbeitsmangels bis 4 Uhr gearbeitet, auch ist der größte Teil der Beschäftigten entlassen worden, so daß die meisten Plätze leer stehen. Dienstag nun beehrte der große Märchenerzähler Dernburg mit seinem Stabe die A. E.-G.Werke mit seinem Besuch. Flugs ging man daran, dem Gast eine Komödie vorzuspielen. Die Arbeitszeit wurde bis bsh Uhr festgesetzt und an die leerstehenden Bänke und Plätze stellte in an Leute aus gutbesetzten Ilbteilungen als Statisten. Auf diese Art streut mau den Besuchern Sand in die Augen.— Herr Dernburg wird bei seiner Afrikareise gut tun, daran zu denken, daß dort der Sand noch eine größere Rolle spielt als bei uns!_ Im Fernzuge überfallen und schwer verletzt wurde vorgestern nachmittag der Arbeiter Stanislaus Kubak. K. war auf der Fahrt von Posen nach Westfalen begriffen, um dort in den nächsten Tagen Hochzeit zu feiern. Zwischen den Stationen Schlesischer Bahnhof und Alexandceplatz kam es zwischen ihm und einigen Russen zu einer kleinen Auseinandersetzung, die aber durch andere Fahrgäste auf gütlichem Wege beendet wurde. Zlls der Zug die Station Friedrichstraße verlassen hatte, stürzten die Russen plötzlich über K. her und bearbeiteten ihn mit dem Messer. Sie richteten ihr Opfer furchtbar zu. Im Gesicht brachten sie ihm lange, tiefe Messerstiche bei und einer der Täter biß dem Ueberfallenen sogar die eine Hälfte der Lippe ab. Auf dem Bahnhof Zoologischer Garten wurden die Täter aus dem Zuge herausgeholt und der Polizei übergeben. K. wurde zunächst nach der Unfallstation 26 eingeliefert, wo ihm die schweren Verletzungen verbunden wurden. Er fand dann in einem Krankenhause Aufnahme. Ein schwerer Automobilunfall hat sich vorgestern abend in der Hofjägcr-Allee im Tiergarten zugetragen. Der Schüler Max Sauer aus der Utrechterstraße 8 überschritt eine Tasche tragend den Fahrdamm, als plötzlich ein Droschkenautomobil in rasendem Tempo hcrangcfahren kam. Der Kleine wurde verwirrt und an» statt auf die Promenade zurückzulaufen, rannte er nach vorn und lief direkt gegen den Kraftwagen, dessen Räder ihm über die Brust hinweggingen. In bewußtlosem Zustande wurde S. nach der Un- sallstation am Zoologischen Garten gebracht, wo der Zlrzt schwere innere Verletzungen und mehrere Rippenbrüche feststellte. In äußerst bedenklichem Zustande wurde der Knabe in das Elisabeth- Krankenhaus gebracht.— Ein zweites Unglück ereignete sich vor dem Hause Friedrichstraße 16. Dort, an der Haltestelle der Straßenbahn, flieg ein junges Mädchen von der Straßenbahn, als eine Autodroschke zwischen Straßenbahn und Bürgersteig schnell durchfuhr: das junge Mädchen wurde vom Auto erfaßt und über- fahren. Schwer verletzt wurde die Bedauernswerte nach der Un- sallstation gebracht. Unter dem schweren Verdacht, ein Sittlichkeitsverbrechen an det 16 Jahre alten Tochter des Maschinenarbciters W. verübt zu haben, wurde am 8. d. M., abends, der Möbelpolierer H. Gast, Tilsiter- straße 73a, verhaftet. Gast, dessen Frau seit Wochen in der Sommer- ftische weilt, hatte das noch sehr unentwickelte Kind nach seiner Wohnung genommen. Nach l1/« Stunden entließ er das Kind mit zerzauster Kleidung, nachdem er es mit 75 Pf. beschenkt hatte. Der Vater erstattete Anzeige, worauf die Polizei zur Verhaftung schritt. Als Möbelpolierer hat sich Gast stets in Gegensatz zu seinen Kollegen gestellt; er bekleidete des öfteren sogenannte„Vorkarrcr"stellcn. Bei der letzten TischlerauSsperrung erwies er sich als„nützliches Element", indem er seinen Kollegen in den Rücken fiel. Bei der Verhaftung suchte der Vater des Kindes persönlich Rache zu üben' er mußte mit Gewalt zurückgehalten werden. Ter gestohlene Nikolaus. Dienstag abend wurde bei dem Schluß der Nationalgalerie die Entdeckung gemacht, daß aus einem Goldrahmen ein Oclgemälde herausgedrückt und gestohlen war. Das auf Pappe gemalte Bild stellte den Kaiser Nikolaus l. in großer russischer Generalsuniform auf einem braunen galop- pierendcn Pferde dar. Hinter dem Zaren sah man ein großes militärisches Gefolge. Der Wert des Gemäldes dürfte mehrere tausend Mark betragen. Von dem Täter fehlt jede Spur. Eine eigene Zahnklinik eröffnet am 1. Januar die Landes- Versicherungsanstalt Berlin. In dieser Klinik soll die Herstellung künstlicher Gebisse für die Berliner Arbeiterschaft bewirkt werden. Die Aufwendungen, welche die Versicherungsanstalt jetzt für diese Zwecke macht, belaufen sich auf über 166 666 M. jährlich. Für die Erhaltung der Erwcrbsfähigkcit und die Verhütung vorzeitiger (Invalidität) Dienstunbrauchbarkeit ist diese Maßnahme der Vcr- sicherungsanstalt von größter Bedeutung. Mit der vorläufigen Leitung der K l i n i k ist der Zahnarzt Dr. med. Dürr betraut worden. Die Klinik seihst wird im Verwaltungsgebäude der Ver- sicherungsanstalt am Köllnischen Park eingerichtet. Zeugen des Unfalls, der am Sonntag, den 7. Juli, vormittags VAO Uhr auf der Trcptower-Chaussec durch ein durchgehendes Fuhrwerk der Firma Schmidt, Lohmühlenstr. 26, verursacht und wobei ein Mann überfahren wurde, werden ersucht, ihre Adresse bei Schnur, Pücklerstr. 16 vorn 3 Treppen, abzugeben. Fcucrwchrbericht. In der letzten Nacht um 6>/z Uhr wurde der 11. Zug nach der Bliicherstr. 15 gerufen, wo Gardinen, Kleider, Wäsche, Möbel u. a. brannten. Gegen Mitiernacht hatte derselbe Zug in der Johannitcrstr. 13 zu tun. Dort war von Hausbewohner» starker Gasgeruch bemerkt worden. Die Feuerwehr sperrte die Gas- leitung ab und fand schließlich, daß der Hahn einer Gasleitung vor dem Bodcneingang nicht geschlossen war. Der 5. Zug rückte nach der Wusterhausenerstr. 14 aus. Dort war ein Pferd mit dem Wagen über die Ufermauer in die Spree gestürzt. ES gelang, den Gaul wieder gesund aufs Trockene zu bringen. Ein gefährlicher Brand beschäftigte die Wehr in der Mühlenstr. 21. Dort standen Futter- Vorräte, Heu, Stroh usw. auf einem Boden in großer Ausdehnung in Flammen. Diese hatten schon das Dach ergriffen. Durch tüchtiges Wassergeben mit mehreren Schlauchleitungen gelang es 'chließlich, den Brand zu löschen. Die Entstehung wird auf Nnvor- ichtigkeit zurückgeftihrt. Der 16. Zug mußte einen Küchcnhrand in der Weddingstr. 1 löschen. Auf mehreren Bahnhöfen brannten Stapel von Preßkohlen und Eisenbahnwagen. Außerdem kamen noch mehrere Wohnungsbrände zur Meldung, ohne daß die Feuer- wehr in Tätigkeit trar. Vorort-]Vacbrlcbtem Charlottenburg. Im Festzug schwer verunglückt. Bei dem Umzug, der Dienstag nachmittag aus Anlah des I7Sjährigen Bestehens der freien Schlächterinnung zu Charlottenburg stattfand, hat sich ein bedauer- licher Unglücksfall zugetragen. An der Lichtensteinbrücke stürzte der Schlächtergeselle Hermann Blum aus der Sophie Charlottenstr. 88 von einem geschmückten Festwagen herunter und zog sich dabei so schwere Verletzungen zu, daß er in das Charlottenburger Kranken- Haus eingeliefert werden muhte. B. war durch die historische Tracht, die ihn in seinen Bewegungen behindert hatte, zu Fall ge- kommen. Schöneberg. Der hiesige Arbeiter-Turnverein hat seit seiner Ostern erfolgten Gründung mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Es ist nicht möglich gewesen, zur Abhaltung der Turnübungen vom Magistrat eine Turnhalle zur Benutzung zu erhalten. Um nun mehr aus eigenen Füßen stehen zu können, soll ein Gerätefonds geschaffen werden. Diesem Zwecke dient ein Schauturnen mit Konzert und nachfolgendem Tanz, das der Arbeiter-Turnverein am Sonnabend, den 20. Juli, in Obst's Festsälen arrangiert hat und wozu Freunde des Turnens fteundlichst eingeladen werden. Nixdorf. Unter ciastürzenden Erdmasien verschüttet wurde der Rohr- leger Schmidt, Zictenstr. 11 wohnhaft. Sch. war bei den Rohr- legungsarbeiten, die gegenwärtig am Bahnhof Hermannstratze aus- geführt werden, beschäftigt. Während er sich in einer tiefen Bau- grübe befand, stürzten die Seitenwände plötzlich ein und Sch. wurde unter den zusammenbrechenden Erdmassen begraben. Arbeits- kollegen sprangen bald hinzu und förderten den Verunglückten wieder ans Tageslicht. Leider hatte Sch. aber bereits schwere Ver- letzungen und Quetschwunden davongetragen. Nummelsburg. Ein schweres Unglück wurde gestern durch das scheu gewordene Gespann eines G-�chäftswagens in dem benachbarten Rummelsburg herbeigeführt. Gegen 2 Uhr nachmittags spielten mehrere Kinder vor einem unbebauten Grundstück in der Gärtnerstraße, als Plötz- lich aus der Seumestraße ein mit zwei Pferden bespanntes Ge- schäftsfuhrwerk herangesaust kam, dessen Kutscher die Herrschaft über die Tiere verloren hatte. Das Gefährt geriet auf den Bürger- steig und die Pferde rasten auf die spielende Kinderschar zu. Dem sechsjährigen Oswin Lorenz, Seumestr. 21 bei den Eltern wohn- Haft, gelang es nicht mehr, sich zu retten; er wurde von den Hufen der Pferde erfaßt, niedergerissen und unter den nachschleifenden Wagen geschleudert, dessen Räder dem Kinde über die Brust hin- weggingen. Dem Kleinen war der Brustkasten zertrümmert worden, so daß sein Tod auf der Stelle eintrat. Das Fuhrwerk wurde so- dann zum Stehen gebracht. Die Freie Bereinigung der Variiere, Friseure und Perücken- macher von Köpenick und Unigegend beschloß in einer in Rummels- bürg abgehaltenen Agitationsversammlung, für Rummelsburg und Umgegend den Preis für Rasieren auf 1ö Pf. und für Haarschneiden auf 3S Pf. zu erhöhen. Trebbin(ftrds Teltow). Große Erregung rief am Dienstag ein blutiger Zusammenstoß zwischen dem Stadtverordneten Henkel und dem Ackerbürger Lorenz unter der hiesigen Bevölkerung hervor. Bereits seit längerer Zeit klagt H. mit seinem Nachbar wegen der zwischen den beiden Grundstücken liegenden Zufahrtstraße. Als Lorenz am Dienstag bis zum gerichtlichen Entscheid die Zufuhr durch einen Zaun umziehen wollte, erschienen Henkel und Sohn, um den Zaun wieder zu be- seitigen. Lorenz und Frau suchten diesem Vorgehen entgegenzu- treten, worauf sich ein Wortwechsel zwischen beiden Parteien ent- spann. Der Sohn des Henkel eilte davon und erschien bald mit einer Dungforke, die er gegen Lorenz und Frau in Tätigkeit setzte. Beide wurden am Kopfe und HalS schwer verletzt. Das bmtale Borgehen deS jungen H. dürfte für ihn noch ein gerichtliches Nach- spiel haben. Bei der am 12. Juni stattgefundenen GewerbezShlung wurden 1781 mannliche und 1810 weibliche, zusammen 3S21 Personen fest- gestellt. Zur Ausfüllung gelangten 916 Haushaltungslistcn. 107 Forst- und Landwirtschaftskarten, 61 Gewerbebogen und 276 Gewerbeformulare. Am 1. Dezember 1905 waren 1812 männ- liche und 1862 weibliche, zusammen 3661 Personen vorhanden. Die Einwohnerzahl der Stadt Trebbin hat sich demnach um 10 ver- ringert, die Zahl der Haushaltungen ist um 79 gestiegen. GencKts-Zeitung. Die Herabsetzung der Polizeistunde auf Grund allgemeiner Er- wägungen ist unzulässig. In Königsberg i. Pr. haben eine Anzahl Restauratcure im selben Hause, wo sich ihre Restauration befindet, noch eine so- genannte Destillation, in der namentlich Schnaps verkauft und ausgeschänkt wird. Bei einzelnen dieser Betriebe kann man über den Hausflur von der Destillation in die Restauration kommen; bei den meisten ist der Uebergang nur dadurch möglich, daß die Gäste die Lokalität der Destillation durch die Tür nach der Straße verlassen und dann von der Straße die Restauration durch deren Tür betreten. Die Polizeistunde für die Destillationen war im all- gemeinen 9 Uhr abends, die für die fraglichen Restaurationen 11 und 12 Uhr nachts. Eines Tages setzte der Polizeipräsident etwa 20 Gastwirten, die einen solchen Doppelbetrieb haben, die Polizei» stunde auch für ihre Restaurants auf 9 Uhr abends herab, darunter auch mehreren mit großem Sommergartcn und Saalgeschäft. Er ging von der Erwägung aus, daß nach Schluß der Destillation deren Gäste leicht den Restaurationsbetrieb desselben Wirts auf- suchen und dort weiter Schnaps trinken könnten.-- Der Obcr- prüsibcnt als Beschwerdeinstanz billigte das Borgehen des Polizei- Präsidenten: Es wäre kein Zweifel, daß die Festsetzung der Polizei- stunde auf 9 Uhr für Destillationen geeignet sei, den Gefahren vor- zubcugen, die durch zu vielen Schnapsgenuß am späten Abend entstehen. Dieser polizeiliche Zweck werde verfolgt. Der Erfolg der Maßregel werde aber in Frage gestellt, wenn die Besucher der Destillation nach deren Schluß ohne Unbequemlichkeit in das be- nachbarte Restaurationslokal gelangen und dort weiter Branntwein trinken könnten. Deshalb rechtfertige sich die Herabsetzung der Po- lizeistunde auch für die Restauration des Destillationinhabcrs. Sechzehn der betreffenden Gastwirte(Brocks, Schultz, Bajohr und Genossen) klagten nun im Verwaltungsstreitverfahren. Das Oberverwaltungsgcricht gab am Montag ihren Klagen statt und setzte die Verfügungen des Polizeipräsidenten, durch die ihnen die Polizeistunde für ihre Restaurationen auf 9 Uhr abends herabgesetzt worden war, außer Kraft. Begründend wurde aus- geführt: Den Klägern sei auf Grund der für Königsberg geltenden Polizeiverordnung, die der Polizei für die Festsetzung der Polizei- stunde nach pflichtgemäßem Ermessen einen gewissen Spielraum gebe, früher für ihre Restaurationen eine bestimmte Polizeistunde gegeben worden(11 Uhr, 12 Uhr). Diese wolle der Polizeipräsident jetzt verkürzen, und er glaube, dies auf Grund allgemeiner Erwä- gungen tun zu können, die er seinem Ermessen zugrunde lege. Das ' sei nicht zulässig. Wenn durch Polizeivcrordnung der Polizeibehörde ein Ermessen gegeben werde, die Polizeistunde festzusetzen, so liege das doch anders, als wenn eine einmal festgesetzte Polizeistunde Verändert iverden solle. Eine solche Verkürzung wäre nür möglich, wenn in jedem konkreten Falle bestimmte Tatsachen(objektive poli- zeiliche Momente) vorlägen, auf Grund deren die Verfügung ergehe. Das liege hier in keinem einzigen Falle vor. Vereinzelte Strafen wegen Gewerbepolizeikontravention schieden schon deshalb aus, weil sich die Polizei gar nicht auf sie stütze. Für die Poliezi sei nur maß- gebend gewesen die allgemeine Besorgnis, daß durch die Verbindung der Restauration und Destillation, durch ihr nahes Beieinander- liegen im selben Hause die Möglichkeit gegeben sei, Gäste der Destillation könnten nach 9 Uhr übergehen in die Restauration. Diese bloße Möglichkeit rechtfertige nicht die Verfügungen.-- Das ObervcrwaltungSgericht hält also gegenüber Herab- sctzungen der Polizeistunde an seinem alten Standpunkt fest. Haftpflicht bei mangelhafter Beleuchtung von Fabriktreppen. Die Stepperin M. in KottbuS war am 22. Dezember 1902 kurz nach 7 Uhr morgens bei dem Tuchfabrikanten N. in Kottbus, der in dem Hause der Handelsgesellschaft O. u. St. den ersten und'dritten Stock teilweise gemietet hatte, damit beschäftigt, einen Ballen Tuch vom dritten Stock in den ersten zu tragen. Auf der Treppe vom dritten zum zweite» Stock übersah sie die untersten Stufen des Treppenabsatzes infolge der herrschenden Dunkelheit und kam mit der Last zu Fall, wobei sie sich an der linken Hüfte verletzte. Von der Textil-Berufsgenossenschast erhielt die Verunglückte die Voll- rente im Betrage von 30,80 M. pro Monat. Sie klagte nun die Differenz zwischen dem Schaden und der Vollrente gegen die Handelsgesellschaft O. u. St. als Inhaberin des Grundstücks mit der Behauptung ein, der Unfall sei durch das Fehlen der ihr ob- liegenden Treppenbeleuchtung herbeigeführt worden; ihre Ansprüche sind neben einem Schmerzensgeld von 600 M. auf eine monatliche Rente von 20 M. berechnet. Nachdem das Landgericht Kottbus die Klägerin abgewiesen hatte, wurde ihr Anspruch vom Kammergericht dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt. Das Kammergericht nimmt an, daß die Beklagte zur Beleuchtung der Treppen verpflichtet war. Wenn sich dann die Beklagte zu ihrer Entschuldigung darauf berufe, daß sie ihren Werkmeister mit der erforderlichen Beleuchtung der Treppen beauftragt habe, so nimmt das Kammergcricht aber doch an, daß die Beklagte die im Verkehr erforderliche Sorgfalt bei der Beauftragung und Ueberwachung ihres lässigen Werkmeisters außer acht gelassen habe. Da sie aber verpflichtet sei, für die Verrichtungen ihres Beauftragten Sorge zu tragen, so habe sie durch die unterlassene Ueberwachung den Unfall der Klägerin ver- schuldet. Diese Feststellungen billigt der VI. Zivilsenat des Reichsgerichts auf die Revision der Beklagten hin, erklärt aber die Feststellungen des Berufungsgerichts über die Verneinung des eigenen Ver- schuldens der Klägerin für nicht ausreichend. Laut des land- gerichtlichen Tatbestandes habe die Klägerin selbst angegeben, daß sie zu Fall gekommen sei, weil sie in der Dunkelheit die Zahl der Stufen nicht habe erkennen können. Dieses Vorbringen dränge aber zu dem Rückschluß, daß die Klägerin die gebotene Vorsicht außer acht gelassen habe. An sich deute es schon auf eine gewisse Gedankenlosigkeit, wenn die Klägerin, auch ohne die Zahl der Stufen des Treppenabsatzes inne zu haben, den sie täglich mehr- mals auf- und abgestiegen ist, sich nicht um eine, sondern um zwei oder drei Stufen geirrt hat. Abgesehen hiervon pflege jeder, der eine dunkle Treppe hinabsteige, insbesondere derjenige, der eine Last trage, mit dem Fuße nach dem Rande der Stufe zu tasten und ebnso mit dem Fuße vorzufühlen, ob er ihn ungefährdet auf die nächste Stufe setzen könne. Durch diese jedermann geläufige Vor- sichtsmaßregel behüte man sich stets vor dem Abstürzen, insbesondere aber dann, wenn man, wie Klägerin es getan haben will, das Ge- länder erfaßt. Wer die bezeichnete Behutsamkeit aber nicht be- obachte, verletze, wie das Reichsgericht schon öfters in ähnlichen Fällen ausgesprochen habe, die im Verkehr erforderliche Sorgfalt. Da das Kammergericht diesen Punkt außer acht gelassen hatte, wurde das kammergerichtliche Urteil vom Reichsgericht aufgehoben und die Sache noch einmal ans Kammergericht zur Prüfung hier- über zurückverwiesen. Es soll in der erneuten Verhandlung be- sonders der Zustand der Treppe an der Unfallstelle und das Gewicht und der Umfang eines Tuchballens, wie Klägerin ihn getragen hatte, festgestellt werden.(Urteil vom 10. Juni 1907. Akt, Z. VI. 28./07.)_ Fünf Schulstreikprozesse kamen am Dienstag vor dem Reichsgerichte zur Verhandlung. In dem einen hatte das Landgericht Ostrowo am 26. April auf Frei- sprechung des Vikars ArkadiuS Lisiecki und fünf weiterer Personen von der Anklage aus§ 110 St.-G.-B. erkannt. Das Gericht hat nicht als erwiesen angesehen, daß einer der sechs Angeklagten die Eltern polnischer Kinder veranlaßt hat, sich dem Schulstreik an- zuschließen. Die Angeklagten haben nur die Schulstreikzettel an diejenigen Schulkinder abgegeben, die sie von ihnen verlangten. Personen, die bereits zum Ungehorsam entschlossen sind, können nach Ansicht deS Gerichts nicht noch dazu im Sinne deS 8 110 St.-G.-B. aufgefordert werden.— Den letzteren Satz bezeichnete der Staatsanwalt in seiner Revision als rechtsirrtümlich. Eine Förderung der Streikabsicht der Eltern sei festgestellt.— Der Reichsanwalt vertrat hingegen die Ansicht, daß der subjektive Tat- bestand einwandfrei verneint sei. Die Angeklagten hätten den Eltern, die ihnen Schulstreikzettel brachten, bei der Ausfüllung Hülfe geleistet: das sei aber nicht strafbar.— Das Reichsgericht erkannte auf Verwerfung der staatsanwaltschaftlichen Revision. In den folgenden Sachen wurde die Revision der' aus Z 110 verurteilten Angeklagten verworfen: Redakteur Kasimir ZiolkowSki (erste Instanz: Posen, 8. Februar zwei Urteile), Redakteur Stanis- laus Paszlinski(Graudenz, 21. März) und Redakteur Johann Tcska und Genossen(Gnesen, 13. April). Vmmfcdtes. 500 Personen verbrannt. Das Marseiller Blatt„Echo de Chine" meldet, daß daS in dem Weichbilde von Kanton gelegene Theater von Samkong während einer Vorstellung in Brand geriet. 500 Personen seien verbrannt und mehrere hundert schwer verletzt. Fernbeben. Die Apparate der Hamburger Hauptstation für Erd- beLenforschung zeichneten gestern abend wiederholt ein heftiges Fernbeben von fast zweistündiger Dauer auf, das in einer Eni- fernung von mehr als 13 000 Kilometer von hier stattgefunden haben muß. Wenn das Beben kein Seebeben gewesen ist und wenn es bewohnte Gebiete der Erde getroffen hat. muß eS eine äußerst zerstörende Wirkung gehabt haben. Es begann 8 Uhr 3 Minuten 27 Sekunden abends; der Anfang der Hauptbewegung war gegen 3 Uhr 10 Minuten, der stärkste Stoß kurz vor 8 Uhr 63 Minuten mit einem Ausschlag von fast 6 Millimetern. Das Beben endete bald nach, 10 Uhr abends. Ein Orkan hat in dem Ausstandsgebiet der italienischen Land- arbeiter großen Schaden angerichtet. Die Ernte ist größtenteils ver- nichtet. Nebcrflüsfige Bravour. lieber den gemeldeten Absturz der drei Landauer Studenten gibt Professor Morillot in Grcnoble, der Leiter der von zahlreichen deutschen Studenten besuchten Ferienkurse, im „Temps" eine eingehende Schilderung. Er betont, mit welchem Mut und mit welcher Ausdauer Weimer seinem Freunde Stempel in den Abgrund folgte und ihn bis zu seinem Tode Pflegte, während er seinen zlveiten Freund Fischer durch. Zurufe und Ermunterungen vor dem Absturz bewahrte. Im Schlafwagen nach Japan. Petersburger Meldung zufolge organisiert die internationale Schlafwagcngesellschaft einen direkten Verkehr durchlaufender Schlafwagen von Europa nach Tolio. Dl« Wagen gehen auf der sibirischen Bahn über Charbin, Mulden und Widschu nach Fusan, von dort per Dampfer bis Schimonoseki und von Schimonoseki nach Tokio mit der Bahn. Raub im Eisendahnznge. Ein verwegener Raub wurde im Kölner Zuge zwischen Lüttich und Löwen begangen. Die Räuber drangen in den Postwagen ein und schnitten die nach England be- stimmten Vriessäcke auf. Welche Bedeutung dem Raube beizumessen ist, steht noch nicht fest. Straßenvahnmifall. In Wien stießen infolge Vcrsagens der Bremsvorrichtung zwei Wagen der elektrischen Straßenbahn zu- sammen. Fünf Personen wurden verletzt, darunter zwei schwer. Dynamitcxplofiou. Wie aus Johannesburg gemeldet wird, ist das Hotel zur Krone in Boksburg gestern nacht durch eine Dynamit- explosion zerstört worden. Die Explosion wurde in ganz Johannes- bürg gehört. Mehrere Bewohner wurden eine Strecke weit fort- geschleudert, ohne ernste Verletzungen zu erleiden. Verband der Friseurgchülfeu Teutschlands, Zweigverein Nix» dorf. Donnerstag, den 11. Juli, abends 10 Uhr. bei Schmidt, Berliner- strasje 14: Versammlung. Tagesordnung: Wahl und Anträge zur Kon- serenz. Ausschupwahl. Kontrollkarten und Mitgliedsbücher sind mitzubringen. Erscheinen aller Mitglieder nötig.— Zweigverei» Berlin- Wetsieasee. Den 11. Juli,'/jlO Uhr, Versammlung bei Content, Lchdechtr. 5.— Zahlstelle Eharlottcnburg. Sitzung Donnerstag, 11. Jnli. Verband denrfcher Barbiere, Friseure und Pernckenmacher- Gehülfen, Berlin. Am Donnerstag, den 11. d. M., abends 10 Uhr, Versammlung im Lokale Dircksenstratze 16, Restaurant Wegner. eingegangene Dnichfcbriften. Neue Gesellschaft. Hest 2.(Herausgeber Dr. Heinrich Braun und Lily Braun.) Verlag Berlin 6/.Charitestr. 3. Einzelheit 10 Ps. „Nolaud", Monatsschrift für jreihcitliche Erziehung in Haus und Schule. Herausgegeben von einer Verewigung Bremischer Lehrer. Hest 7. Halbjährlich 2 Dt. Einzelhcst 10 Ps. Verlag: A. Janssen, Hamburg. Gcsnndheits- Kalender 1908. von Dr. Boeler, Dr. Prager und Dr. Landsniann, erschcinesid im Etlmgerschen Verlag(Wilhelm Ott) in Würzburg. Preis 50 Ps._ Bricfkaften der Redahtion. Tic juristisch- Svrcchstnnde findet Friedrich st r. Iß, Slufanil« 4. eine Trcpvc(Haildetsstätte Bellcallianee, Turchgang auch iiindenstr. 101) wochenräglich von?>/, biS V>/, Uhr abends statt. El-önnet? Uhr. Sonnabends beginnt die Svreckistnnde um ß Uhr. Jeder Aufrage ist ein Blichstabe lind eine tlahl als Aierkzeichen bcijufiigcii. Briefliche Antwort wird nicht erteil». Eilige Fragen»rage man in der Sbrechstunde vor. E. M. 97. Vorzugsbilletts für die Grotzc Kunstausstellung werden nicht ausgegeben. Jäger. 1. Eine Krankenversicherungspflicht lag nicht vor. 2. Ja. 3. Leider ist die Frist endgültig versäumt.— Pankow Ivv. Sie können ein wechselseitiges Testament eigenhändig errichten. Anleitung und Beispiel für ein solches finden Sie aus den letzten Blättern des dem„Arbeiterrecht" angehängten Führers. Das Buch liegt in den vflentlichen Lesehallen aus. — 100 E. K. Eine Ersatzpflicht würde das Gericht schwerlich anerkennen. Es müßte Ihnen ein Verschulden nachgewiesen werden.— G. ist. 76. 1. Ja, aber die Klage müßte innerhalb sechs Wochen nach Kenntnis an- gestrengt werden. 2. Ja. 3. Nein.— E. 4». 109. Das Gewerbe ist bei dem Magistrat in Berlin bei der Verwaltung der direkten Steuern anzumelden. Die einfache schristliche Anzeige genügt. Gewerbcstcuersreiheit liegt vor, wenn weder das Betriebskapital 3000 Mark, noch der Jahresarbeitsverdienst 1500 Mark überschreitet.— T. T. 100. Nein. Bcrltner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Dtrcktion.(Großhandel.) Nindilcisch la 72—74 pr. 100 Pfd., Ilu 66—71, lila 61-62, Bullenfleisch la 67—72, IIa 57—66, Kühe, fett 54— 62, do. mager 42— 52, Fresser 56— 68, Bullen, dän. 0,00, do. Holl. 0,00. Kalbfleisch, Doppellender 95— 115, Mastkälber la 73—82, IIa 64—72, lAa 0,00, Kälber ger. gen. 45—57, do. Holl. 0,00, dän. 0,00. Hammelfleisch Mastlämmer 74—78, Hammel la 69— 73, IIa 62—68, echafc 59—62. Schweinefleisch 52—59. Rehbock la per Pstmd 0,65—0,80. IIa 0,30—0,60. Rotwild, Abschuß 0,58—0,62. Damwild, Abschuß 0,00. Wild- schwcine 0,30—0,39, Frischlinge 0,40. Kaninchen per Stück 0,40, Hühner, alte, per Stück 1,60—2,20, IIa 1,30—1,50, do, junge 0,30—0,85. Hamburger Küken 0,00. Tauben 0,30—0,45, italienische 0,00. Enlcn per Stück 1,30 bis 2,25, do. Hamburger per Stück 2,50— 3,05. Gänse per Pfund 0,60—0,70, do. per Stück 2,00—4,00, do, Hamburger per Psd, 0,70—0,75, per Stck. 2,50—3,00, do, Oderbrucher per Stück 3,00— 4,30. PouletS 0,50—0,90. Chalonshühner 1,00. tz-chte per 100 Pfund 110—121, matt 107, dito klein 0,00, dito groß 95. Zander 0,00. Schleie, mittel 91—93, dito 91—104, do, klein 0,00, Aale, groß 105—112, do. klein und mittel 0,00, mittel 100— 113, do. uns. 81—91, do. klein 94— 106. Plötzen 0,00, do, llem 0,00. Roddow 0,00. Karpfen IIa 63—71. Bleie 51, malt 0,00. Bunte Fische 67—73. Barse Nein 0,00, do. matt 0,00. Karauschen 73-99. Bicisische 0,00. Wels 50—55. Wand 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer, per 100 Psd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. lila neuer 60. Seelachs 10—20. Sprotten, Kieler, Wall 0,00, Danziger, Kiste 0,00. Flundern, Kieler, Stiege la 3—6. mittel ver Kiste 1—2, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 4— 8, IIa 0,50— 2,50. Bücklinge, Kieler per Wall 2-3, Strals. 3,50—4,50. Aale, groß per Psd. 1,!0— 1,40, mittelgroß 0,80—1,10, klein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5—9, Schellfische Kiste 3,00-5,00,'/, Kiste 2-2,50, Kabliau. geräuch. per 100 Psd, 0,00. Dorsch, Kiste 0,00. Goldfische, Schock 0,00. Sardellen, 1902er per Anker 98, 1904er 98, 1905er 93, 1906er 90—95, Schottische Vollhering« 1905 0,00, larZo 40— 44, füll. 38—40, med. 36— 42, deutsche 37—44. Heringe, neue MatjcS, per'/, To. 50—120. Sardinen, rufl,. Faß 1,50-1,60, Bratheringe Faß 1.20— 1 40, do, Büchse(4 Liter) 1,40—4.70. Neunaugen, Schocksaß 11. do. Keine 5—6, do. Riesen- 14. Eier, Land-, unsortiert per Schock 3,00—3,10, do. großck 0,00. Krebse per Schock große 0,00, do, mittelgroße 16, do. kleine 4,00—5,50, do. unsortiert 8,50—9,50, do. Galtzier groß 0,00, do, uns. 0,00. Butler per tOO Psd, la 106—110, IIa 103-106, lila 100-102, abfallende 90—93. Saure Gurken schock 4,50, do. neue 6—8. Pfeffergurken 4,50. Kartoffeln per 100 Pjund Görzer 7—8, blaue 4,50—7,00, Rosen- 4,50—5,00, Dabersche, alte 4,00—4,50, neue Nieren- 4,00—6,50, Zcrbster 6,50. Porcc, Schock 0,50—0,73, Meerrettich, Schock 3—12. Spinat per 100 Pjund 8—10. Karotten, hiesige, Schockbund 2,50— 3,50. Sellerie, hiesige, per Schockbund 2,00—3,00. Zwiebeln grün, per Schock 0,60, do, kleine 0,00, do, hiesige(Perl-) 0,00. Charlotten 0,00, Petersilie, grün, Schockbund 0,75—1,00, Kohlrabi Schock 0,60—1,25,, Netiig, bahr,, neue Stück 0,12— 0,16. Mohrrüben Schockbund 1,50—2,00. Wirsingkohl per Schock 4,00— 7,00. Rhabarber lÄiBund 0,60—3,00. Pcterstlieiiwurzcln. Schockbund 4,50—5,00, Schoten per 100 Psd. 7—13. Psefferlinge per lOOPiund 12—16. Radieschen per Schock 0,75—1,00. Salat per Schock 1,00—1,20, Stachelbeeren, per 100 Psund 10—15. Erdbeeren, hiesige 100 Psd. 20—40, do. Walderdbeeren 40—70, do. Hamburger 30—50, do. Holländer 34—33, do. Gubener 25—35. Blaubeeren, 100 Psd. 10—14. Johannisbeeren, 100 Psd. 9—12. Kirschen, Gubener, per 100 Pfund 11—14, do. Schlepsche 7—14, Werdersche 5—12, do. GlaZ- 15—13, do. Thüringer 5—13. Pfirsiche, 100 Psund 20—40. Aprikosen, Ual.. 100 Psd. 20-28, sranz. 22—30, ungar. 18—25. Zitronen, Messtna, 300 Stück 9,00—15,00, do. 360 Stück 8,00—11,00, do. 200 Stück 6,00—12.00. Wttterniigsadersicht vom 10. Juli 1S07, morgens« Uhr« d Ä f iuf H 3> 13 13 13 9 16 Wetter-Prognose für Donnerskug, den 11. Juli ISO?. Ziemlich heiter, ein wenig wärmer bei schwachen südwestlichen Winden: keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbuream Wasserstand am 10. Juli vorm. Elbe bei Slusflg— Meter, bei Dresden— 1,21 dp.— Elbe bei Magdeburg 1,58 Meier.— Oder bei Rattbor 1,54 Meter.— Oder bei Breslau 1,34 Meter.— Odc. bei Brieg 2,28 Meter.— Neißemündung— Meter.— Kaub, 9. Juli. Rhein 8 Uhr morgens 3,26— 0,10 Meter. Straßburg, 8. Juli. Nheiuschleuse 3,73 — 0,04 Meter. löerantwortl. Redakteur: Carl Mermuth, Berlin-Rixdorf. Für denJnseratenteil veiantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW.