Ur. 161s. RbonnemtnU'Bedlnaungdu Abonnements> Preis pränumerando i Lierleljährl. S.M Ml. monitl. l,I0 Ml. wöchentlich LS Psg. frei ms HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. SonniagS- nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitunas. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Rolland. Italien, Luxemburg. Portugal, llänien, Schweden und die Schweiz. 24. Ilchtv Die InlertlonS'Getiabr beträgt für die sechSgespaltenc Kolones geile oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VersaminlungS. Anzeigen 00 Pfg. ,. Kleine Hiiieigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- ftellcn-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort b Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nunimer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. «chfloi ttgii» sulitk Elontags. Nevlinev VolksblKtt. Telegramm-Adresse! «SozlzliltmoliM RcrllD" ?> Zentralorgan der fozi aldem ohrati feben parte! Deutfchlande. Rcdahtlon: 8 AI. 68, Llndenstraeac 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag» den 46. Jnli INO?. Expedition: 8Al. 68» Lindcnstraese 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Sacrifizlo dell' intclletto. Von sachverständiger Seite wird uns geschrieben: Wie unsere Leser wissen, fand die Angelegenheit des Schcll-Denkmals eine unerwartete und auf den ersten Blick verblüffende Fortsetzung. Die Offiziösen des Vatikans ver- öffcntlichten in den letzten Tagen ein Schriftstück, aus dein sie einen Geheimbund, ein Komplott der deutschen Zcntrumsführer wider die Kurie herauslasen. Ein geheim verbreitetes Zirkular. das zu einer Petition an den Papst zwecks Aenderungen der kirchlichen Schriftenzcnsur aufforderte, war der Stein des Anstoßes. Es handelte sich nicht etwa um die völlige Be- seitigung der päpstlichen Büchcrschnüffelei, sondern nur um jene Milderung der Praxis für Deutschland, die im politischen Interesse des Zentrums geboten war. Denn dieses braucht das Mäntclchen moderner Wissenschaft gegenüber seiner Ar- beitergefolgschaft, und wenn dabei Konflikte mit dem starren Dogma trotz aller Eiertänze nicht ganz vermieden wurden, so lag das in der Natur des Geschäfts wie der Sache. Die Forderung, die Handhabung des Index zu mildern, wird nicht zum erstenmal erhoben. Von Pius V. wurde die Jndexkongregation 1571 eingesetzt, um auf Grundlage der zehn Regeln, die das Tridentinum in betreff der zu verbietenden Schriften entworfen hatte, zu entscheiden, welche Bücher »gegen Glauben und Sitten" verstoßen. Benedict XIV. faßte 1758 alle diese Kongregation betreffenden früheren Be- stiminungen zu einer„Konstitution" zusammen, die zugleich das Verfahren regelte. Sie ist noch heute in Kraft und somit 80 Jahre älter als das Landrecht des„großen Fritz", und das will immerhin schon etwas heißen. Darum beantragten mehrere Bischöfe Deutschlands. Frankreichs und Mittel- italiens beim vatikanischen Konzil, auch die Regeln des Index einer Revision zu unterziehen. Nicht allein in gemischt konfessionellen Gebieten, nirgends niehr könnten sie wegen der veränderten gesellschaftlichen und literarischen Vcrhältniffe im strengen Sinne gehandhabt werden. Zugleich äußerten die Bischöfe den Wunsch, die Zensurierung neuer Bücher nicht zu promulgieren, bis man den geistlichen Vor gesetzten des Verfassers gehört habe,„auf daß der Verfasser auf seine Irrtümer aufmerksam gemacht, sie, Ivcnn er guten Willens sei, widerrufen könne und dann die Publikation zur Schonung seiner Ehre ganz entbehrlich werde". Also genau das, was diesmal die klerikalen Laien. Geistlichen und Pro sessoren beabsichtigten. Pius IX. gab jenem Antrage nicht statt. Immerhin waren eS Bischöfe, die ihn stellten,„Nachfolger der Apostel", die sich mit dem Papst in die kirchliche Verwaltung teilen. Laien und niedere Geistlichkeit haben da nicht hcreinzureden, vielmehr „jede Anordnung des apostolischen Stuhles so anzusehen, als ob sie durch den Mund des heiligen Petrus selbst bekräftigt wäre". Dieser Grundsatz ist Fundament der Kirchen� Verfassung und wenn die römische Camarilla die beabsichtigte Petition der deutschen Klerikalen als Angriff auf die Hierarchie und die kirchliche Disziplinargclvalt hinstellt, so kann sie sich dabei auf die Elementarsätze des geltenden Kircheuregiments berufen. Ebenso recht hat sie, wenn sie den Index als ein wesentliches Glied der Kirchenzucht hinstellt, die sich damit nicht nur auf die katholischen Priester, sondern sehr wirksam auch auf die„gebildeten" Laien erstreckt. Auch der Vorwurf „katholischer Freimaurerei" ist vom Standpunkte fanatischer Römlinge nicht so ganz unberechtigt. Es hat Zeiten gegeben, wo die klerikale Presse selbst— und in den rückständigen ländlichen Gegenden tut sie cS noch heute — alles als„Kult des Menschentums", als„Götzen dienst der Humanität", als tatsächliche oder grund sätzliche Freimaurerei anschwärzte, was sich nicht un bedingt dem starrsten Autoritäts- und dem wahnwitzigsten Aberglauben beugte. Der Liberalismus ist Freimaurerei, der Sozialismus ein Erzeugnis der Freimaurer, wie dies letztere Leo XIH. in seinen Enzykliken allen Ernstes ausgesprochen und damit zur Päpstlichen Lehrmcinnng gestempelt hat. Die moderne Wissenschast mit ihrem„Unglauben", die„atheistische" Hochschule gilt dem Klerikalismus noch heute allerwege als ein Produkt des Satans und der Freimaurer. Warum soll man nicht die geringen Konzessionen, die das Zentrum in den Jndustriegegenden an die Wissenschaft macht, warum soll man nicht diese„reformkatholische" Methode Freimaurerei heißen? Wenn das Zentrum nicht seine Vergangenheit und seine Agitationsweise verleugnen will, kann es dagegen gar nichts einwenden. Der Coup der päpstlichen Offiziösen ist sehr geschickt, er entspricht durchaus der Psychologie, auf die die klerikalen Massen durch das Zentruni selber gestimmt sind. Und man fährt sehr grobes Geschütz auf, man spricht von geistlichen Banden- sührern und der Leugnung kirchlicher Dogmen. Das ist rund und nett der Vorlvurf der Apostasie, der Häresie, der Ketzerei und des Abfalls von Glauben und Kirche. Das ist die schwerste Anklage, die sich einem gläubigen Katholiken ins Gesicht schlendern läßt, wie sich schon daraus ergibt, daß die Häresie ohne weiteres exkonlinunizicrt, daß kein Priester, kein Bischof, kein Patriarch und kein Kardmal von dieser„Sünde" lossprechen und das räudige Schaf wieder in den alleinselig- machenden Stall zurückführen kann. Das vennag nur einer, der Papst. Erschwert wird diese Anklage noch durch dm Lorwurf der Freimaurerei. Der Abtrünnige und Irrtum und Unverstand, der Söldling und Parteigänger der Ketzer mögen sündigen aus Freimaurer aber gilt als des Teufels.„Diese traurige Sekte findet jetzt freien Spielraum, um die Geister und die Herzen zu verführen und zu verderben, und sie ist dabei ebenso ingrinunig und verstockt wie der Geist des Bösen, der sie erzeugt hat." So sagt kein geringerer als der Vorgänger Pius X. Und diese Vortviirse werden geschlendert gegen die führenden Personen dcö deutschen Zentrums, und die Stelle, von der sie kommen, bürgt den päpstlichen Offiziösen dafür, daß sie in den klerikalen Massen Beachtung finden, und ihre Wirkung tun. Angesichts dieser Tatsachen wird nmn einräumen müssen, daß die Kurie mit ihrem Vor st oß bestimmte politische Ziele verfolgt. Welches sind diese Ziele? Seinerzeit versuchten italienische Klerikale die Gründung einer politischen Partei nach dem Muster des deutschen Zentrums. Wir wollen hier nicht auf die divergierenden Strömungen des italienischen Klerikalismus eingehen. Genug, Pius X. machte durch die Rechnung einen dicken Strich. Er dekretierte, christliche Demokratie ist, wenn die Wähler tun, >vas die Bischöfe wollen. Murri, der„junge Priester der Marken", den die„Köln. Volkszettung" und die M.-Gladbacher Zentralstelle in der Presse und in Broschüren als den kommenden Mann des italienischen Klerikalismus priesen, wurde kaltgestellt, der Besuch des einberufenen Kongresses der Christlichsozialen vom Papst verboten. Damals schrieben wir, es sei dies eine grundsätzliche Ablehnung des Zentrums st andpunktes, im Prinzip eine Kriegserklärung an das Zentrum. Man konnte im Zweifel sein, ob diesem Schritt eine Auseinandersetzung mit dem Zentrum folgen würde. Die Neigung dazu war gelviß auf beiden Seiten keine große. Aber die Verhältnisse sind stärker als der Wille des Menschen, auch des„unfehlbaren". Die ablehnende Haltung gegen die Christlichsozialen Italiens entsprang dem instinktiven Haß gegen die Arbeiter bewegung. Ihm entspringt auch im letzten Ende die Fehde mit dem Zentrum. Wir wiesen»viederholt darauf hin, daß die Kirche immer mehr dem Kapitalismus als der Grundlage ihrer Existenz verfällt. Daher muß, sie je länger je mehr, jede Arbeiterbewegung vcrpönen, in welcher Form immer sie aus treten mag. Die christliche Arbeiterbewegung liefert zudem den Beweis, daß sie kein Damm und kein Schutzmittel wider den Sozialismus, sondern nur dessen Vorfrucht ist. Es ist das Schicksal herrschender Klassen, daß sie, da sie an den Ver hältnisscn nichts ändern wollen, die Symptome bekämpfen, die Erscheinung für die Sache und die Wirkung für die Ursache nehmen. Die christliche Arbeiterbewegung selber kann Pius X. nicht mehr wie in Italien unterbinden. Darum richtet sich der Angriff der Kurie gegen die Agitationsform und den Personen kreis, denen die Schuld an dem Entstehen jener zugeschrieben wird. Ueber den Reformkatholizismus haben wir uns bereits ausgesprochen. Gegen wen richtet die römische Clique ihren Angriff? Gegen den Erzbischof von Würzburg, der sich zwar bei den letzten Wahlen gegen die Unterstützung der Sozial' demokratte aussprach, im übrigen aber als das Haupt der fortschrittlichen Theologen und Universitätslehrer seiner Diözese gilt. Die klerikale Presse hat ihn gelobt, als er Grandinger die Ausübung seiner liberalen Heimatskandidatur gestattete, in Rom jedoch stieß er damit zweifelsohne an. Gegen Hertling, das Haupt des Münchener Kreises, gegen Cardauns mit seinem Bonner und Kölner Anhang, gegen Porsch und die BreSlauer, gegen die von Münster, in deren Mitte Hitze steht— alles Träger und Befürivorter der christlichen Arbeiterbewegung, Iveil sich nur mit ihrer Hülfe noch im Industriegebiet die Position des Zentrums vorübergehend behaupten läßt. Dieser selbe Personenkreis aber ist es, mittels dessen der Agrar- und Kapitalfeudalismus im Zentrum seine Herrschaft ausübt. Wohl umfaßt die Zentrumsfraktion Vertreter aller wichtigen Interessengruppen, jedoch keine von ihnen besitzt die Majorität. Zwischen die widerstreitenden Interessen schob man als Puffer und Zünglein an der Wage einen Kreis von Intellektuellen, deren besondere Nützlichkeit die„Köln. Volks- zeitung" ja unlängst noch in beredten Worten pries. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß es die Kurie auf die Schwächung dieser Gruppe, auf ein Zurückdämmen ihres Ein- flusses abgesehen hat. Und daß es ihr ernst ist, beweist der Vorlvurf der Häresie, der das Zentrum an seine? verwund- barsten Stelle trifft. Denn einem Häretiker kann kein katho- lischer Priester Wahlhülfe leisten, wenn er nicht suspendiert und exkommuniziert, aus Amt und Brot hinausgeworfen werden will. Daniit aber arbeitet die Kurie der Ver- schärfnng der wirtschaftlichen Gegensätze im Zentrum und ihrer schließlichen Befreiung in die Hände zum Beweis dafür. daß auch diejenigen, die den historischen Materialismus als Bewcgungsgesetz der menschlichen Gesellschaft leugnen, un- bewußt unter seinem bestimmenden Einfluß stehen. Eine Verschärfung der wirtschaftlichen Gegensätze im entrum will die Kurie gewiß nicht,»venu sie sich auch als olge ihres Vorstoßes ergibt. Aber auch sie handelt aus ihrem Lebensinteresse. Sie fühlt den Einfluß der Kirche auf die Wählennassen im Schwinden begriffen. Wenn sie darüber noch im Zweifel war, müßten die letzten Wahlen ie eines Besseren belehren, als trotz des Widerspruchs der Bischöfe die klerikalen Wähler an der Unterstützung der Sozial- demokratie festhielten. Hler haben wir jedenfalls den tieferen Grund zu suchen» der die Kurie zu ihrem Vorgehen veranlaßte. Der Wiederholung dieser Vorfälle soll vorgebeugt, der politische Einfluß der Bischöfe auf das Zentrum gestärkt werden. Es soll in Deutsch- land Wahrheit werden, was in Italien Wahrheit ist, daß die Wähler ihre politische Direktive von den Bischöfen empfangen. Es ist offenes Geheimnis, daß die Kurie von dem Bruch zwischen Zentrum und Regierung peinlich überrascht war, daß die Bischöfe sich bemühen, trotz der ver» änderten politischen Konstellation die guten Beziehungen zur Regierung misrecht zu halten. Sacrifizio dell' intelletto— Opfer des Verstandes: das Wort gewinnt hier eine tiefere politische Bedeutung. Es die Frage, was das Zentrum röniische Kamarilla hat geschickt jede Opposition von vornherein Es bleibt dem Zentrum nur noch der Weg„löblicher" Unter- werfung. Das Verhalten der Zcntrumspresse, die sprachlos vor Schmerz und Staunen, zeigt das deutlich genug. Das reaktionäre Zentrum ist der Kurie noch nicht reaktionär genug. Aber damit greift sie an die Lebcusfaser der Zentrums» Politik, deren Prestige von der Kurie so gründlich wie nur möglich vernichtet worden ist. Auch hier zeigt sich, daß der kämpfenden Partei des Proletariats alle Dinge zum besten dienen. Denn wir werden die lachenden Erben sein. ist gar nicht mehr etwa tun wird, die genug operiert, um schachmatt zu setzen. Zentrum und preußische Wahlrecht;- schwach. Endlich beschäftigt sich auch das Zentrilm init der Frage der preußischen Wahlrechtsreform. Die„Kölnische Volks- zeitung" meint, man habe allen Grund zu der Annahme, „daß wir am Vorabend einer preußischen Wahlrcchtsbewcgung stehen". So viel sei gewiß, die nächstjährige Landtagsivahl werde im Hinblick auf die gesamte iunerpolitische Lage eine ganz ungewöhnliche Bedeutung erlangen. Die Mahnung des die Abg. Naumann, schon jetzt kommenden Laudtagswahlen so ernst als möglich ins Auge zu fassen, könne auch sie, die„Kölnische Volkszeituiig", nnr auf das nachdrücklichste den eigenen Parteigenossen wciter-geben. Die Zentrumspartei könne die Vorbereitung dieser Wahlen nicht früh und unisichtig genug in die Hand nehmen. Zu der Behauptung Naunianns, die Sozialdemo- kratie habe dem preußischen Landtagswahlrccht gegenüber nichts auszurichten verniocht, es sei vielmehr der Liberalismus, um desscntivillcn die Wahlrechtsfrage aufgerollt iverden solle, bemerkt die«Kölnische Volkszeituiig": „Warum nun gerade der Liberalismus die ans eine Neform des Landtagswahlrechts abzielende Bewegung in Fluß gebracht haben soll, ist»ins nicht recht vcrstkndlich. Die Zentr u nr Spartet hat mindestens ebensolange und ebenso energisch auf diese Neform ge» d r u 11 g e 11, als die Linksliberalen." Wir wollen nicht untersuchen, ob der Freisinn oder das Zentruni„energischer" auf eine Wahlrechtsreforni gedrungen hat. Tatsache ist, daß beide Parteien so gut wie gar nichts zur Bekämpfung der preußische» WahlrcchtSschmach getan haben I Der Freisinn hat ein paar Mal Anträge auf Einführung des allgemeinen gleichen und direkten Wahlrechts für Preußen ge- stellt und diese Anträge in einer Forni begründet, die alles andere, nur keine Energie verric ten. Das Zentrum hat nicht einmal diese Anstandspflicht erfüllt. Noch im vorigen Jahre erklärte es, daß es nicht daran denke, im Landtage den Antrag auf Wahlrechtsreform zu stellen: d a S sei Sache der Regierun gl Im Januar 1907, als es sich durch die ihm widerfahrene Brüskicrung durch die Regie- rung und den neuen konservativ-liberalcn Regierungsblock schwer e kränkt fühlte, brachte es dann doch noch einen Antrag auf ünsührung des Reichstagswahlrechts in Preußen em. Aber diese verspätete und zudem h ö ch st platonische Kundgebung vermag die Tatsache nicht aus der Welt zu schaffen, daß das Zentrum vordem jahrzehntelang keinen Finger gerührt hat, um die preußische Wahlrcchtsschniach zu beseitigen l Im Gegenteil, als im Jahre 1908 ein freisinniger Antrag aufWahlrcform eingebrachtwurde, erklärte derZentrums- abgeordnete Porsch als Frakflonsredner, für das Zentrum sei es ziemlich gleichgültig, nach welchem System gewählt werde! Und als im Reichstage eine Resolution eingebracht wurde, durch die die Regierung aufgefordert wurde, auf die Einführung des allgemeinen gleichen und direkten Wahlrechts in Preußen hinzuwirken, verschanzte sich das Zentrum, das zu feig war, ich gegen die Einführung des Reichstagswahlrechts in Preußen auszusprechen, hinter fadenscheinige K 0 m- ictenzbedenken: der Reichstag sei nicht k 0 m- i e t c 11 t, derartige preußische Angelegenheiten zu erörtern. So sieht es in Wirklichkeit um das„energische" Drängen des Zentrunis ans eine durchgreifende Wahlreform in Preußen aus. Und bis heute hat das Zentrum noch nichts getan, um von seinen Unterlassungssünden auch nur das geringste gutzumachen. Statt seine Wähler Massen, von denen ein großer Teil in Preußen ebenfalls entrechtet ist. zum Sturm gegen die Dreiklasscnschmach aufzurufen, sieht es vollständig tatenlos dem Laufe der Dinge zu und beschränkt sich auf die Aufforderung, beizeiten zu der nächsten Landtagswahl zu rüsten! Aus Sem Kölner KommiwÄmmpf. Um Sonnabend hat man in K ö l n an Stelle des am 1. Oktober auS dem Amte scheidenden Oberbürgermeisters Wilhelm Becker, der bekanntlich Vizepräsident des preußischen Herren- Hauses ist. den jetzigen rheinische« Oberpräjidialrat Max W a l l r a f gewählt. Der neue Mann, der durch die prcustische Bcamlcnschule gegangen, zweimal Landrat und ferner Polizei- Präsident in Aachen gewesen ist, wird kaum eine besonders hohe Meinung von dem Selbstverwaltungsrecht der Kmnmuncn haben. Parteipolitisch ist er bisher nicht hervorgetreten. Er wurde von der liberalen Mehrheit und der Zcntrrrmsfraktion ein- stinimig gewählt. Die„Liberalen" hatten es hier in der Hand, an die Spitze der drittgrößten Stadt Preußens einen Bürger- meistcr zu stellen, der tatsächlich den vielgerühmtcn„modernen, wirklich liberalen Geist" in das Vcrwaltungs-, das Schul- und sonstige Gemeindewesen hineingebracht hätte. Statt dessen er- klärten die Herren, von ihrer Mehrheit keinen Gebrauch machen, sondern einen Mann wählen zu wollen, der beiden Parteien genehm sei. Eine politische Selbkastration, wie sie nur bei„Liberalen" möglich ist. Das Zentrum würde, wenn es in der Mehrheit wäre, sich keinen Augenblick besonnen haben, an die Spitze von Köln einen waschechten Klerikalen zu stellen. Der Abschied deS bisherigen Oberbürgermeisters ist eigentlich kein ganz natürlicher. Ursprünglich sollte Herr Becker, der zwar schon bejahrt, aber dennoch recht rüstig ist, erst in einigen Jahren mit Ablauf seiner Amtszeit ausscheiden. Aber infolge der mehr- fach in Köln vorgekommenen Skandale, die seine Verwaltung aufs ärgste bloßstellten, hat er eS für ratsam gehalten, so bald wie möglich zu verschwinden. Der schlimmste dieser Skandale sind die Vorkomninisse auf dem E i n w o h n e r k o n t r o l l a m t der Stadt Köln, das nian seit länger als einem Jahrzehnt regelmäßig zu Zeiten der Stadtverordnetenwahlen in ein nationallibcrales Wahl- burcau umgewandelt hat. Die Sache beschäftigt zurzeit noch eine von der Stadt- verordneten- Versammlung eingesetzte„Untersuchungskommission": aber die Leitung der Zcntrumöpartei glaubt, der Kommission etwas auf den Schwung helfen zu müssen, da die Befürchtung be- stehe, daß nur einige Subalternbcamte für die Schuld ihrer Vor- gesetzten in die Wüste geschickt werden sollen. Die„Kölnische Volkszeitung" bringt in ihrer Nummer vom letzten Sonntag eine» langen Bericht, worin sie die schwersten Anklagen gegen die städtische Verwaltung erhebt und„einflußreiche Kreise" der Absicht des Vcrtuschens beschuldigt. Das Blatt bezichtigt den jetzigen Oberbürgermeister von M.-Gladbach, Herrn Piecq. der seinerzeit Beigeordneter in Köln war, sowie den heutigen Kölner Bei- geordneten Schmitz, von der Auslieferung des städtischen Ein- wohnerkontrollamts an die liberalen Agitationslciter gewußt zu haben. Es fragt, wie es möglich gewesen sei, daß so lange Jahre das Kontrollamt trotz des BcämtenwcchsclS stets nur mit Leuten besetzt worden sei, die der liberalen Partei so vollständig ergeben Waren, daß sie sich zu jenen unerhörten Handlungen hergaben. Wie die„Kölnische Volkszeitung" behauptet, ist der Sieg der Liberalen in der zweiten Wählerabteilung durch Fälschung der Wählerliste und durch sonstige Manöver herbeigeführt worden. Plan habe im Jahre 1903 sieben volle Seiten mit 2!8 Wählern, und im Jahre 1905 neun volle Seiten mit 282 Wählern fälschlich den geringeren Steuer st ufen zugezählt, um den Aufstieg von 47 Wählern der dritten in die zweite Wählcrklasse zu verhindern. Ein Sekretär habe zu einem Stadtsekrctär gesagt: „Wenn wir das nicht gemacht hätten, wäre nicht einmal Kyll(ein Liberaler) gewählt worden!" Seit 1893 seien auf dem Einwohner- kontrollamt von den Beamten genaue Listen der zweiten Abteilung mit der aus der Abstimmung sich ergebenden Partei- stcllung sowie mit der Konfession geführt worden, die man vor den ZentrumSleutcn geheim gehalten, den liberalen Agitatoren aber unbeschränkt zur Verfügung gestellt habe. Zum besseren Ver- ständnis sei hier eingeschaltet, daß es bei den Wahlen in der zweiten Klasse, die darifber entscheiden, ob das Zentrum oder die Liberale» tm Rathause die Mehrheit haben, nur von einer ge- ringen Anzahl von Stimmen abhing, ob die eine oder die andere Partei siegte. Ferner weiß die„Kölnische VolkSzcitung" zu berichten, daß zwei Kopisten, die schon längere Jahre auf dem Einwohneramt be- schäftigt waren, bekundet haben, daß ein Angestellter der liberalen Partei zu Wahlzeiten vom Beginne der Arbeiten zur Aufst-lluttg der Wählerlisten ständig auf dem Amt verkehrt habe und dabei eine besondere Tür habe benützen dürken, um ungesehen zum Vorsteher zu gelangen. Der liberale Parteiangestellte habe nach ihrem Ein- druck alles bekommen, was er für seine Wahlzwecke gebraucht habe. Soweit die sensationellen Mitteilungen des Zentrumsblattes. Der Gerechtigkeit halber muß jedoch daran erinnert werden, daß in dem großen Prozesse des Kölner Zentrum sführers ZilkcnS festgestellt worden ist. daß auch Herr Zilkens, der die Wahlagitationsleitung des Zentrums in der Hand hatte, an einen Angestellten deS Einwohnerkontrollamtes herangetreten ist. um ihn zu bestechen, damit er ihm hinter den Rücken seiner Vorgesetzten einige Wochen vor der Auslegung der Wähler- liste heimlich eine Abschrift der Liste beschaffe. Allem Anscheine nach hat die„Kölnische Volkszcitung" nur aus Rache über diese Bloßstellung ihres Führers die oben gc. kennzeichneten skandalösen Praktiken des Einwohnerkontrollamtes herausgebracht. Die beiden Parteien sind demnach einander würdig, wie der Rabbi und der Mönch. Zur irischen Agrarfrage. London, 13. Juli.(Eig. Bei.) Trotzdem die jetzige liberale Regierung in ihren Bemühungen, Irland dem übrigen England gleichberechtigt zu machen, bis dato Schiffbruch erlitt, hat sie ihre Hoffnungen doch nicht ganz auf- gegeben, und unter den Gesetzesentwürfen, die in dieser Session das Unterhaus passieren werden, befindet sich— wie an dieser Stelle bereits mitgeteilt wurde— ein irischer Agrargesetz- entwarf, der, sollte er wirklich zum Gesetz erhoben werden(was man bis jetzt nicht weiß, da man die Stimmung der Lords noch nicht kennt) auf dem Wege der endgültigen Lösung der irischen Landsrage ein gutes Stück nach vorwärts bedeuten würde. Irland ist ein Agrarland im eminenten Sinne des Wortes, aber man darf nicht annehmen, daß etwa natürliche Verhältnisse die Schuld daran sind, daß bis heute moderne Kultur und industrielle Eutwickelung sich in Irland nicht ausbreiten konnten. Die Wirt- schaftliche und kulturelle Rückständigkcit ist einzig und allein das Resultat des englischen Regimes in den letzten sechshundert Jahren. und das Unbegreifliche an diesem ganzen Jammer ist, daß es bis heute nicht möglich war, diesen Zustand zu verändern. England, „der Vorkämpfer auf dem Gebiete der Kolonisation", ist nicht im- stände gewesen. Irland zu beleben.„Auf allen Gebieten des irischen Lebens findet man noch heute eine Unsumme von Uebcrliefcrungen, die Zeugnis ablegen von siebenundeinhalb Jahrhunderten Dumm- heit und Ungerechtigkeit"— so schreibt ein Engländer(Mr. Brooks) in einer vor einigen Tagen erschienenen Schrift �The Soul of Irelsnd".(„Die Seele JrjaM"). 7—'\ M..... Die irisch« Junkcrklasse gehört zu dtn brutalsten und g?äll- samsten der ganzen Welt, und das Bauerntum lebt daher unter den ärmlichsten Verhältnissen. Die Landjunker haben ihre aus- gedehnten Landflächen in Parzellen eingeteilt, welche an die Land- bevölkerung zu schier unerschwinglichen Pachtprcisen abgegeben werden. So besteht denn ein unerbittlicher Landkrieg, der zu Zeiten schon ganz fürchterliche Dimensionen angenommen hat. In diesem Kriege zwischen Landlord und Pächter haben die englischen Nc- gierungen früherer Zeiten stets rücksichtslos Partei für die Land- l 0 r d s genommen, und die unglücklichen Bauern wurden mit den brutalsten Mitteln unterdrückt. Im Jahre 1881 wurde zum ersten Male ein Versuch gemacht, den Dingen eine Wendung zu geben. Gladstone bescherte den Jr- ländern ein Landgesctz, wonach sogenannte Landtribunale eingesetzt wurden, deren Aufgab" es war, überall da, wo ein Streit zwischen Landlord und Pächter über die Höhe der Pachtsumme cnt- stand, den Landflcck zu untersuchen und die Höhe der zu zahlenden Pacht zu normieren. Die Wirkung dieses Gesetzes war eine sehr günstige: Von 1881 bis 1899 wurde in 328 729 Fällen die Ent- scheidung der Landtribunale angerufen, welche die Gesamtpacht- summe von 9 725 999 Pfund Sterling auf 5 329 999 Pfund Stcr- ling heruntersetzte. Im Jahre 1896 ging das konservative Ministerium unter Salis- burh einen Schritt weiter: cS schaffte das irische Landankaufs- gesetz. Dieses wollte den Bauern den llebergang von Pächtern zu Eigentümern ihrer Parzellen erleichtern. Der Erfolg dieser Maßregel war aber sehr gering. Erstens deshalb, weil das Gesetz nur dann an Kraft trat, wenn Landlord und Pächter sich „freiwillig" zu einem Kaufe geeinigt hatten. Zweitens aber deshalb, weil der zu zahlende Kaufpreis von den Landtribunalen festgesetzt werden mußte, der aber den LandlordS in den allermeisten Fällen zu gering lvar! Das konservative Ministerium Balfour machte dawn mit seinem Landgesetz von 1993 einen weiteren Schritt vorwärts. Dieses Gesetz gab den Landtribunalen das Recht, unverpachtetes Land aus Staatsmitteln anzukaufen und es dann an die Bauern zu ver- kaufen. Die jährliche AbzahlungSratc für den vom Staate geleisteten Kaufvorschuß übersteigt nicht den üblichen Pachtsatz. Aber auch diese? Gesetz hat seine Wirkung verfehlt. Trotzdem die Landtribunalc in den letzten drei Jahren 89 999 Acres Land erwarben, sind sie noch lange nicht so weit, der Nachfrage nach Land gerecht zu werden. Wie die Regierung vor einigen Tagen im Parlament mitteilte, fühlt sie sich nicht imstande, mit dem staatlich erworbenen Land neue Eigen- tümer zu schaffen, sondern befindet sich in der Zwangslage, dieses Land benutzen zu müssen, um die Parzellen der bereits g e- schaffencn Eigentümer zu vergrößern, da dieselben mit ihrem jetzigen Besitz unzufrieden sind. So hat sich z. B. kürzlich folgendes abgespielt: Ein Landtribunal hatte ein größeres Stück Land erworben und setzte nun eine Anzahl landlose Bauern darauf; dieselben wurden aber einfach von den benachbarten Parzellen- Hauern vertrieben, da diese meinten, s i e hätten ein größeres Anrecht auf das Land als ganz fremde Leute, und außerdem sei ihre Parzelle zum Leben zu klein! Die Regierung verlangt also vom Parlament weitere Mittel. Sie will die Parzelle des kleinen Bauern vergrößern und die land- losen Bauern in den Besitz von Lmid setzen. Die Landgesehe der letzten 25 Jahre zeigen aber, daß man auf dem Wege der„Frei- Willigkeit" nicht vorwärts kommt. Deshalb verlangt die Rc- gierung eine Art Expropriation der Expropriateure. Ihre„Lvietec! Tenand Bill*(Gesetzentwurf betreffend die vertriebenen Pächter) verlangt, daß die Pächter, welche durch ihre LandlordS von ihren Parzellen gesetzlich vertrieben wurden, weil sie die hohen Pachten nicht erschwingen konnten, gesetzlich nicht nur wieder in ihre Par- zellen eingesetzt, sondern mit Hülfe des Staats zu Eigentümern derselben gemacht werden. Wie die Regierung mitteilt, haben sich nämlich bei den Landtribunalen mehr als 8999 vertriebene Bauern gemeldet! Der Entwurf verlangt, daß die Landtribunale das Recht haben sollen, im Notfalle diejenigen Landlords, die sich weigern, ihr Land freiwillig zu dem von den Tribunalen festgesetzten Preis zu verkaufen, zu enteignen. Eine Berufung gegen die Ent- scheidungcn der Landtribunale ist nicht vorgesehen. Tie geplante Neuregelung bedeutet natürlich nicht der Weisheit letzten Schluß, doch ist sie vom Standpunkte der liberalen eng- lischen Regierung aus immerhin nicht unverständig. poUtilcke deberNcbt. Berlin, de» 13. Juli 1907. Konservative nnd Wahlkreiscintcilung. Die„Kreuz-Zeitung" findet, daß der neue sächsische Wahlreformentwurf allzu große Un gleich h«iten in der Wahlkreiseinteilung aufweise. Die Amtshauptmannschaft Chemnitz enthalte 36 499 Wahlberechtigte, die AmtShauptmannschaft Oschatz nur 9251 Wahlberechtigte. Diese Ungleichheit sei doch zu groß. Es ist sehr seltsam, gerade in dem führenden konservativen Organ einer Klage über die Ungleichheit der Wahlkreise zu begegnen. Sind doch die Ungleichheiten bei der R e i ch s t a g S w a h l viel schlimmere. Da hat beispielsweise 1993 Berlin VI mit KSK 908 und Teltow- BeeSkow mit 989 444 Einwohnern nur je einen Abgeordneten wählen dürfen, während Berlin I mit 81 959, die Ost-Prignitz mit 97 392 Einwohnern das gleiche Wahl« recht besaßen, von den beiden Echaumburg-Lippeschen Wahlkreisen mit je 44000 Einwohnern gar nicht zu reden! Wie kommt eS, daß die„K r e u z- Z e i t 11 n g*, die sich über diese himmelschreiende Ungleichheit der ReichStagSwahlkreise noch niemals aufgeregt hat, diese schmachvolle RechtSverkinzmig der städtischen und industrielle» Wahlkreise vielmehr ganz in der Ordnung findet, sich über die Ungleichheit in Sachsen entrüstet? Weil dort nicht jeder Wahlkreis einen Vertreter entsenden soll, sondern weil nach einem von un» bereits geschilderten Proporz- system jede Partei so viel Abgeordnete erhalte» soll, als auf ihre Gesamtstimmenzahl entfallen. Die Konservativen würden deshalb auch kein Mandat weniger erhalten, als bei einer anderen Wahlkreiseinteilung, aber eS wäre möglich, daß einige in den kleineren Wahlkreisen aufgestellte extreme Agrarier nicht ge- wählt würden. Deshalb der Jammer des JunkerorgauS. Der st ä d t i s ch e n Bevölkerung, dem Jndustrieproletariat mag das bitterste Unrecht widerfahren— aber die Interessen der Brot- und Fleischwucherer sollen um jeden Preis gewahrt bleiben! Der Kampf nm die sächsische Wahlreform. So erzreaktionär auch das neue sächsische Wahl- recht nach der Vorlage der Regierung aussehen»vürde, einen so erbitterten Stnrmlanf haben doch die sächsischen Kon- s e r v a t i v e n dagegen bereits begonnen. Und die preußischen Konservativen sekundieren dabei ihren sächsischen Gcsinnungs- genossen höchst energisch. Die konservative Fraktion der Zweiten sächsischen Kammer hat einmütig eilte Reihe von B e- denken gegen die Wahlresorrn formuliert. Sie finden cS un- gerecht, daß eine Reihe von Wahlkreisen mit geringer Stimmenzahl einen Abgeordneten überhaupt nicht erhalten würden. Die bisherige Einteilung des Landes in städtische und ländliche Wahlkreise, durch die dem Lande das Uebergewicht gesichert ivurde, habe sich„durchaus be- währt." Die Verhältniswahl bringe zudem die Ge- fahr mit sich, daß die Zahl der sozialdemokratischen Abgeordneten nicht ans 15 beschränkt bleibe.(Wir haben bereits dargelegt, daß selbst dann, wenn die 76 Proz. proletarischer Wähler mit weniger als 1600 Mark Einkommen sämtlich für die Sozialdemokratie stimmen würden, die Sozialdemokratie höchstens 25 Mandate von 82 erobern könne! Diese skandalöse Vergewaltigung der proletarischen Wählcrniassen durch die 24 Proz. mit mehr als 1600 Mark Einkonimen genügt aber den Herren Konservativen noch nicht!) Des weiteren äußert die Fraktion das Bedenken, daß der Rc- gicrnngsentwurf jede einzelne Partei geradezu zlvinge, in jedem einzelnen Wahlkreise des Landes Kandidaturen auf- zustellen. Es werde dadurch„ein Kampf aller gegen alle" proklamiert, der„in seinem Endeffekte nur der Sozialdemo- lratie nütze." Auch die Wahlen durch Kommunalverbände gc- fallen den Konservativen nicht. Sie befürchten, daß dadsirch den Vertretern des mobilen Kapitals ein U e b e r- gewicht über die Agrarier verliehen werden könnte. Wenn zudem die Regierung dergestalt in die komniunalen Körperschaften die Politik hineintrage, so dürfe sie auch künftig nicht mehr sozialdemokratischen G e- meindcvorständen usw. die Bestätigung vorenthalten. Schließlich behält sich die Fraktion vor, selbst einen Entivurf vorzulegen, der sich an das Wahlrecht von 186L anlehne, aber mit cutsprcchcudc» Kanteten gegen die lieber- flntnng der Kainnier durch die Umstnrzpartci versehen sei. Die Konservattvcn wollen also die ausschlaggebende Partei bleiben. Sic wollen das gleiche Wahlrecht für sich, um sich gegen den plntokratischcn Einfluß der liberalen Kreise zn sichern. Zu- gleich aber soll dieses„allgemeine»nd gleiche" Wahlrecht durch besondere Kanteten für das sächsische Proletariat beseitigt werden! Gimstiger äußerte sich der Landesausschuß der sächsischen Nationallibcralcn über die Wahlrechtsreform. Eine Resolution gelangte zur Annahme, welche die Verhältnis- wähl im Prinzip billigt. Gegen die Uebcrtragung eines Teils der Mandate an die K 0 m m u n a l v e r b ä n d e und die Landwirtschaft(soll heißen die letztere!) wurden allerlei Bedenken erhoben. In der vorliegenden Form könne die Partei dem Entwürfe nicht zustimmen. Konservative und Liberale bieten also ihren Einfluß auf, um ein Wahlgesetz zustande zu bringen, durch das sie sich gegenseitig übers Ohr hauen können. Züir darin sind sie sich einig, daß dem Prolctariate das Wahlrecht noch mehr verkümmert werden mnsi, als der Regiernngsentwurf selbst beabsichtigt!— Auch ein Zentrumsabgeordneter. Die Berliner Richtung der katholischen Arbeitervereine hatte sich jüngst gerühmt, daß der einzige Wahlkreis, den das Zentrum den Sozialdemokraten abgenomnicn habe, der Wahlkreis Neu» r 0 d e- R c i ch e n b a ch fei, wo der Vcrbandssekretär der Berliner Arbeitervereinler, Dr. Fleischer, in der Stichwahl über den Sozialdemokraten siegte. Die„Westdeutsche Arbeiterzeitung", das Organ der Gladbacher Richtung, gönnt den Berlinern die Freude nicht. Sie zeigt, daß durchaus kein Grund zum Triumphieren vorliegt, sondern daß Dr. Fleischer nicht durch die Werbekraft der Berliner, sondern durch eine besonders günstige, aber zufällige Gestaltung der Verhältnisse in den Reichstag gekommen ist. Das Blatt legt dar, daß die Reichstagsauflösung das bisherige Bündnis der Konservativen und Zentrumslente gesprengt habe, da ersterc zum Block, letztere zur Opposition gehörten.„Wenn der Wahl- kreis aber trotzdem der Sozialdemokratie abgenommen werden sollte, mußte ein geeigneter Kandidat gefunden werden, der demNamen nach zum Zentrum gehörte, um so dessen Stimmen zu erhalten, andererseits aber auch auf die Unterstützung der zentrumsgegnerischen Blockparteien rechnen konnte. Daß Dr. Fleischer dazu auserschcn wurde und sich dazu hergab, ist seine eigene Angelegenheit." Nach der Ansicht des Gladbacher Blattes gehört also Dr. Fleischer nur dem Namen nach zum Zentrum. Weiter legt die „Westdeutsche Arbcitcr-Zcitung" dar, daß der Sozialdemokrat in der Stichwahl dennoch hätte siegen müssen,„wenn die Verhält- nisse den normalen Verlauf genommen hätten", d. h. wenn nicht Dr. Fleischer den Blockparteien die schriftliche Erklärung gegeben hätte, für die bisher vom Zentrum abgelehnten Forderungen zu stimmen. So sei der Wahlkreis Neurode-Reichenbach den Sozial- demokraten verloren gegangen. Mit der Werbckraft der Berliner Arbeitcrvcreinler habe der Ausgang der Wahl nichts zu schaffen, denn, so schließt das Blatt:„trotz des Bestehens von starken Arbeitervereinen wählte in den fast rein katholischen Jndustrieorten des Kreises Neurode die Mehrheit sozialdemokratisch." Die Gladbacher und die Berliner sind einander spinnefeind, und wenn sie sich, was öfter vokommt, in die Haare geraten, er- fährt die Welt allerhand Erbauliches aus dem Kulisscnreich des Zentrums. Die neueste Uebcrraschung ist ein Zentrums- abgeordneter, der nur„dem Namen nach zum Zentrum gehört".— Die Bandcrolenstcuer. Wir haben schon kürzlich berichtet, daß zur Vermehrung der Einkünfte des Reiches im Rcichsschatzamt die Absicht bestehe, einige alte, abgelegte Steuerprojckte wieder aus der Raritätenkammer hervorzuholen und teilweise neuaufgcputzt dem Reichstage vorzulegen— darunter vornehmlich die B a n d e r 0 l e n- steuer auf Zigarren. Tic„Mil.-pol. Korrcsp." hat darüber näheres erfahren. Sie schreibt: „Die Bandcrolcnsteuer auf Zigarren, die mit anderen Steuerentwürfen unlängst von der„Mil.-pol. Korresp." für den kommenden Herbst angekündigt wurde, liegt in ihren Grund- zügcn schon fertig vor. Nach vorläufigen und allgemeinen Schätzungen soll der Rohertrag dieser Steuer etwa 45 bis 55 Millionen Mark jährlich bringen. Nur die Frage, ob die Sorten bis zur F ü n f p fe n n i g- Z i g a r r e steuerfrei gelassen werden, ist allein noch offen. Die Entscheidung dürfte aber dahin fallen, daß diese billigsten Zigarrenarten, zu deren Herstellung nur inländischer Tabak verwendet wird, zunächst noch steuerfrei bleiben sollen." Auch die abgelegte Quittungssteuer soll, wie eS heißt, wieder herausgesucht werden. In Anbetracht des Steucrkurses der Bülowschen Aera ganz begreiflich. Das große mobile und im- mobile Kapital muß selbstverständlich geschont werden. Deshalb verzichtet die Regierung in ihrer Fürsorge für das Wohl der Kapitalisten großmütig auf die Reichsvcxmögenssteuer und die Ex, höhung dir Neichsexbjchaftsiteuer.—/ Christlich-gewerkvereinliches Liebeswerben. Der Geschäftsbericht des Gewerkvereins christlicher Bergleute �at sich bekanntlich lobend über den'„guten und mäßigen- den Einfluß deß Kohlenfyndikats" ausgesprochen und dabei hervorgehoben, ein wie großes Interesse die Bevölkerung im Industriegebiete an einer auskömmlichen Entlohnung der Arbeiter hat, und„diese auf die Dauer nur möglich ist, wenn auch die Industrie mit entsprechendem Gewinn arbeitet". Tie kapitalistische Prcsie hat es natürlich mit Freuden vermerkt, daß es eine Arbeiterorganisation ist, die hier dem Kohlen- wuchershndikat den Segen erteilt. Tic„Kölnische Zeitung" druckt jenen Passus aus dem Geschäftsbericht des christlichen Gcwerk- Vereins zur höheren Ehre der Syndikatshcrren aus dem Kohlen- lande ab, worauf dann das Stöckcrblatt„Das Volk" bemerkt: „Nachdem die„Kölnische Zeitung" und die hinter ihr stehenden Großindustriellen sich davon überzeugt haben, daß die christlich-nationalen Arbeiter den Unternehmern einen guten Verdienst gönnen und die von den Arbeitgebern gebildeten Vereinigungen, Syndikate usw. als berechtigte Jnter- ejsenvcrtretungen der Unternehmer anerkennen, darf man gc- rcchterweise verlangen, daß endlich auch die Arbeitgeber den christlichen Gewerkschaften gegenüber sich einer wohlwollenderen Haltung be- fleißigen und sie nicht mehr so bitter bekämpfen, wie das bisher fast überall der Fall war." Soweit wir die Zechenherren kennen, sind sie aus anderem Holze geschnitzt, als die Christlichen annehmen. Sie werden sich. weil die Christlichen ihre Wucherpraktiken loben, auch nicht zu einem Pfennig mehr Lohn und einer Minute weniger Arbeitszeit verstehen, und Herrn Kirdorf wird es nicht im Traume einfallen, seine bekannte Meinung über die christlichen Gewerkschaften zu korrigieren, so lange diese wagen, gelegentlich noch Ansprüche an den Geldsack des Unternehmertums zu stellen. Immerhin bleibt die Gesinnungslosigkeit der Christlichen, die hier um die Gunst der Scharfmacher betteln, bestehen. Was man tun mutz, um den Beifall des Scharfmachertums zu erringen, zeigt die,.DcutscheArbeitgeber-Zeitun g", die in ihrer letzten Nummer Notiz nimmt von der Aeutzerung des Papstes Pius X., der sich auf eine Anfrage belgischer Klerikalen gegen den Achtstundentag ausgesprochen hat, da„kein menschliches und kein göttliches Gesetz dem gesunden und fleißigen Manne verbieten könne, statt zehn oder zwölf nur acht Stunden zu arbeiten".„Damit hat," so bemerkt die„Arbeitgeber- Zeitung".„PiuS X. ebenso wie sein Vorgänger verstanden, sozialpolitische Fragen in echt christlichem G e i st e zu b e h a n d e I n". Die Christlichen müssen wie der Papst„sozialpolitische Fragen in echt christlichem Geiste behandeln"; sie müssen auf jede eigen- willige Verkürzung der Arbeitszeit und Erhöhung des Lohnes ver- zichtcn und ruhig alles hinnehmen, was die Autorität des Arbeit- gebers über sie verhängt— erst dann werden sie der Gunst des Unternehmertums für würdig befunden werden.— Zwnngsdeutsche oder Rnstveisung. Die von uns in Nr. 16l mitgeteilte Aufforderung an junge, kn Lothringen lebende Franzosen, sich naturalisieren zu lassen oder aus dem Lande zu gehen, stützt sich auf a l t e B e st i m m u n g e n aus dem Statthaltererlaß von 1884, die sich auf Söhne von �m Reichslande ständig wohnende Familien französischer Nationalität beziehen, soweit sie das wehrfähige Alter erreicht haben. Die Aufforderung selbst lautete: Auf Befehl der Kreisdirektion vom 26. Juni haben Ihre Söhne Charles und Eugene binnen acht Wochen das Land zu verlassen, falls sie sich nicht sofort naturalisieren lassen wollen. Also mit einer fast 2b Jahre alten, heute noch ungerechteren Bestimmung als damals, die aus den finsteren Zeiten des Diktatur- Paragraphen stammt, will man Franzosen zu modernen Germanen pressen. Welches Geschrei würde sich wohl in der Hurrapresse Deutschlands erheben, wenn die französische Republik ähnliche Matz- nahmen gegen in Frankreich lebende junge deutsche Staatsangehörige erheben wollte._ Ein ganz gefährlicher Vorgesetzter ist der Sergeant E r n st H o ch st e i n von der 10. Kompagnie des Futzartillcric-Regiments Nr. 13. Gelegentlich einer Ucbung bei der Festung B r e i s a ckf hatte er Ziele zu stellen. Dies schien ihm jedenfalls zu langweilig; er verließ seinen Posten, ging in eine Wirtschaft und betrank sich derart, daß er dienstunfähig wurde. Als er zu seinem Kommando zurückkam, wurden infolge eines Miß- Verständnisses acht Kanonenschlägc gelöst. Hochsteui wurde deshalb von einem Offizier zur Rede gestellt und dann fortgeschickt. Zornig und ärgerlich hierüber kühlte er nun seinen„Mut" an einem Kanonier. Er befahl diesem, daß er die Hände vorzeige, schlug auf diese, dann dem Manne inS Gesicht und versetzte ihm einen solchen Faust schlag auf den Kopf, daß der Helm herunter- fiel. Doch nicht genug damit. Er zog sein Seitengewehr und st a ch und hieb blindlings auf den Kanonier ein, wo- durch dessen Rock am Acrmel und an der Brustseite durchbohrt wurde. Nur einem glücklichen Umstände ist es zu verdanken, daß der Mann nicht verletzt wurde. Als dem Mißhandelten ein Kamerad zu Hülfe kam, der dem Sergeanten das Seitengewehr abnahm, griff dieser nach dem Seitengewehr seines Opfers, doch gelang es ihm nicht, dieses herauszuziehen. Er verließ dann mit dem miß- handelten Kanonier den Platz, wobei er ihn immer noch schikanierte. Für alle diese Schandtaten, die der„Stellvertreter Gottes" in sinn- loser Trunkenheit begangen haben will, diktierte ihm das Kriegsgericht der 31. Division fünf Monate Gefängnis zu. Es ist geradezu unbegreiflich, daß man diesen Soldatcnschinder, der selbst nach dem Zeugnis seines Kompagnicchefs ein sehr u n z u- v e r l ä s s i g c r Unteroffizier ist, im Vorgesetztenverhältnis gelassen hat und daß man nicht auch auf Degradation erkannte! frankreick. Demonstrationen gegen die Regierung. Paris, H. Juli.(Eig. Bor.) Die atiläßlich des Natioualfcstes von der Arbeits- Konföderation veranstalteten Protestversaininlnngen haben, so- weit bis jetzt Berichte vorliegen, einen bedeutenden Erfolg gehabt. Die Pariser Versammlung war von über 3000 Personen besticht. Große Entrüstung erregten die drei P o l i z i st e n, die zur Ucberwachung entsendet worden waren. Seit dem Kaiserreich hat man das System der polizeilichen Ueberwachung nicht mehr angewendet. Der Gesellschaft Clemenccau-Briand war es vorbehalten, jenes System zu erneuern. Auch sonst hat es die Polizei übrigens an ebenso gehässigen wie nutzlosen Schikanen nicht fehlen lassen. In den Provinzstädten wurden überall die Ver- sammluugs-Plakate von der Polizei abgerissen, ohne irgend einen Rechtsgrund, bloß weil der Regierung die Ver- sammlimgcn nicht paßten. In Brest wurde die Arbcitsbörse vom Militär besetzt. In demselben Augenblick, als die Soldaten eindrangen, ward im oberen Stockiverk des Gebäudes ein Banner gehißt, das die Aufschrift trug:„Es lebe das 17. R c g t ni c n t!" Heute veranstaltete H e r v 6 mit seinen engeren Freunden unter anarchistischem Zuzug eine Demonstration gegen die von der Truppcnrevue in LongchanipS zurückkehrenden Falliöres und Clemcnccau. Hervö hat sich in seinem Wochenblatte «Gucrre sociale" in seiner aufgeregten Art darüber geäußert, daß sein Aufruf zu dieser Manifestation in Parteikreisen keinen Anklang gefunden hat. Aber die Parteigenossen haben ihre guten Gründe gehabt, eine Kundgebung nicht mit- zumachen, die der kapitalistischen Presse ihren unsauberen Kniff, den sozialistischen Antimilitarismus mit dem konfus-anarchistischen„AntiPatriotismus" zu identifizieren, nur erleichtern konnte. Man mag über den Nutzen von Militärparaden sehr skeptisch denken, aber darum wird der Versuch, eine Veranstaltung zu stören, die tatsächlich in der Haupt- fache nichts weiter ausdrückt als die Freude einer harmlosen Menge an einem bunten Spiel, doch als ein fragwürdiges Propagandamittcl erscheinen müssen. Wo heute die„Kund- gcbuugen" der Herve-Lcute laut wurden, haben sie zumeist den Aerger eines gar nicht politisch gestimmten Publikums hervorgerufen, das in seiner frohen Laune nicht gestört werden wollte.— Giu Narrenstreich. Paris, 14. Juli.(W. T. B.) Die Truppenschau in Longchamp verlief äußerst glänzend. Die Ankunft des Präsidenten Falliercs erfolgte um 8 Uhr. Unter Bcgrützungskundgebungcn fuhr der Präsident in Begleitung des Ministerpräsidenten Clemcnccau in einem a la Daumont bespannten Wagen die Front ab und nahm dann auf der Präsidententribüne Platz. Unmittelbar darauf be- gann der� Vorbeimarsch der Truppen. Das Militärluftschiff Lebaudy fiihrte während der Truppenschau über dem Hippodrom Uebungcn aus. Als bei der Rückfahrt ins Elysee der Wagenzug des Präsidenten in die Avenue de Marigny einbog, gab ein Mann zwei Rcvolvcrschüsse ab. Es wurde niemand getroffen. Der Mann wurde verhaftet, er scheint irrsinnig zu sein. Paris, 14. Juli.(W. T. B.) Die Polizeipräfektur teilt mit, daß der in der Avenue de Marigny verhaftete Mann in einer Ent- fernung von 15» Metern vom Wagen des Präsidenten in die Luft schoß. Paris, 14. Juli.(W. T. B.) Der in der Avenue de Marigny verhaftete Mann, welcher bei der Rückkehr des Präsidenten Falliercs von der Truppenschau mehrere Rcvolverschüsse in die Luft abgab, ist ein in der letzten Nacht aus Roucn hier eingetroffener ein- geschriebener Seemann namens Leon Marie Mgille. Paris, 1ö. Juli. CW. T. 58.) Der Mann namens Maille, der angeblich ein Attentat auf den Präsidenten Falliercs ausgeführt hat, hat zuerst als Kanonier in der Kriegsmarine und dann als Matrose in der Handelsmarine gedient. Er erklärte auf dem Polizeikommissariat, er habe weder auf den Präsidenten Falliercs noch sonst jemand geschossen, sondern lediglich die öffentliche Auf- mcrksamkeit auf sich lenken wollen. Er sei durch mehrere Prozesse, die er ungerechter Weise verloren habe, ins Elend geraten. Man nimmt an, daß Maille an Verfolgungswahnsinn leidet. Die ab- gefeuerten Geschosse sind bisher nicht aufgefunden worden. Paris, 15. Juli. Den heutigen Morgenblättcrn zufolge kann von einem Attentat auf den Präsidenten FalliereS keine Rede fein. Der Revolver, welchen der Verhaftete Maille bei sich trug, war eine vollkommen ungefährliche Waffe(Kaliber 5 Millimeter). Heute werden Aerzte bezeichnet werden, die den Verhafteten auf seinen Geisteszustand prüfen sollen. Die Nachricht über den Zwischenfall war von auswärtigen Korrespondenten augenscheinlich b e- deutend aufgebauscht worden; denn von verschiedenen Staatsoberhäuptern trafen bereits Telegramme ein, worin der Präsident beglückwünscht wird,„einem Attentate entgange» zu sein", Englancl. Das Proletariat gegen den ZarismitS. London, 15. Juli.(B. H.) Der Kundgebung, welche von den Sozialdemokraten gestern veranstaltet wurde, wohnten über 4000 Personen bei. Mehrere sozialistische Redner hielten auf dem Trafalgar-Square heftige Ansprachen. Es wurden mehrere Resolutionen angenommen, worin gegen ein eventuelles russisch- englisches Abkommen Einspruch erhoben sowie gegen die Auflösung der Duma und Abänderung des russischen Wahlsystems protestiert wird. Nach dem Meeting versuchte ein gewisser William, eine sozialistische Kundgebung vor dem Auswärtigen Amte sowie vor der russischen Botschaft zu organisieren. Ein Zug begab sich nach der Downingstreet. Dort eingetroffen, versuchte William, eine neue Ansprache zu halten, wurde jedoch von der Polizei daran verhindert. Es kam zu einem Zusammenstoß zwischen den Kundgebern und der Polizei, wobei dreizehn Personen, meist Fremde, verhaftet wurden. William konnte sich auf eine Straßenbahn retten und entkam. Die Polizei zerstreute dann die Kundgebcr.— DoUancl. Die GemeinderatS-Stichwahlen zu Amsterdam fanden am Freitag statt. Die Genossen H. H. W o l l- ring und F. M. W i b a u t wurden im S. Wahlbezirk, wo sie mit zwei Freisinn-Demokraten in Stichwahl standen, gewählt. während Genosse I. Oudcgeest im 2. Wahlkreis mit 40 Stimmen hinter dem Liberalen zurückblieb. Der Amsterdamer Gemeinderat hat jetzt 6 Sozialdemokraten. Auch zu Winschotcn wurde der sozialdemokratische Stichwahl- kandidat, Genosse Kenter, gewählt.-» Rumänien. Das schwarze Kabinett. Bukarest, 12. Juli.(Eig. Ver.) Zur Bekämpfung der jungen sozialdemokratischen Arbeiterbclvegung Rmnäniens glaubt die Regierung dieses Landes sich jedes Mittels bedienen zu dürfen und schert sich den Teufel darum, ob es mit Verfassung und Gesetzen in Ein- klang steht. So haben die Agrarunruben der„liberalen" Regierung zum Vorwande gedient, das Briefgeheimnis all- gemein unsicher zu machen- und es scheint dieser Zustand zur bleibenden Staatseinrichtung erhoben werden zu sollen. Am meisten leiden darunter unsere Bukarester Genossen. Die Briefe werden mit deutlichen Spuren unbefugter Eröffnung übergeben, ganze Reihen von Korrespoiidenzen gehen verloren, und ebenso verschwinden die Beiträge, die unserem"Drgan, der„Ramania Muncitoare" von ihren Mitarbeitern ein- gesandt werden. � Tieselben Wahrnehmungen machen die Genossen an anderen Orten des Landes sowie auch Personen, die mit der sozialistischen Bewegung in gar keiner Berührung stehen. Aber der beste Beweis für die Existenz dieses Kabinetts sind die plötzlich über den einen oder den anderen Genossen hereinbrechenden Verfolgungen, polizeilichen Ueberwachungen und Ausweisungen. Der Sekretär der rumänischen Gewerkschaftskommission in Bukarest sah sich daher gezwungen, alle Genossen deZ-Jn- und Auslandes aufzufordern, ihm nur eingeschriebene (rekonnnandicrte) Briefe zugehen zu lassen, da selbige sonst der mit der Post alliierten Polizei zum Opfer fallen i „Voisichtsiimsiregeln." Galutz, 14. Juli.(B. H.) Wegen der heute erfolgten Er- öffnnng des Sozialistenkongresses und der Zunahme der Streik- bewegiing haben die Behörden außerordentliche Borsichts- maßregeln ergriffen, um eventuelle Unruhen, die befürchtet werden, gleich im Keime zu ersticken. Bukarest, 14. Juli. Da in der Umgebung von Poschkan nenerdiugs Agrariiunihe� ausgebrochen sind und die Bauern sich weigern, die Feldarbeiten auszuführen, tvnrden vier Jäger- Bataillone dorthin entsandt. Vle russssche Revolution. Die Scnistwowahlen. Dank der revolutionären Rolle, welche die Agrarfrage im rufst» scheu Leben gewonnen hat, vollzieht sich die Verwandlung der Semstwos in einen Hort der adeligen Reaktion mit immer größerer Schnelligkeit. Bei den letzten Wahlen in einigen Gouvernements siegten wiederum die rückständigsten, reaktionärsten Elemente des Junkertums. Dagegen weisen die Wahlen der wenigen Bauern, die in die Landschafsvcrwaltung gewählt werden dürfen, ein ganz anderes Bild auf. Während bisher die Bauernverordnctcn in den SemstwoS auf Kommando der Landhauptlcute stimmten, haben die Bauern jetzt scharf ausgeprägte oppositionelle Elemente gc- wählt. Im Kreise Nowousensk z. B. wurden die früheren Mitglieder der ersten Duma Pustowoitow und Schcllhorn von den Bauern nur deshalb nicht gewählt, weil sie seinerzeit das Wyborgcr Manifest nicht unterschrieben hatten! Im Kreise Samara wurden Gerüchte ausgesprengt, daß die Bauern„für jeden wünschenswerten Semstwoverordneten 20 Rubel be- kommen würden". Dessenungeachtet hatte dieses Wahlmanöver der Junkerpartei keinen Erfolg: die Bauern ließen alle „wünschenswerten" reaktionären Kandidaten durchfallen. Trotzdem die Bauern bloß eine geringe Minorität(zirka 20 Proz.) in den Scmstwovcrsammlungen bilden und deshalb deren Tätigkeit nicht beeinflussen können, sind diese Wahlen den- noch von großer symptomatischer Bedeutung. Nene Opfer. Kiew, 14. Juli.(W. T. B.) Das Kriegsgericht hat von den 101 wegen Teilnahme an der Meuterei vom 17. Juni angeklagten Soldaten 6 zum Tode verurteilt, 12 zu lebenslänglicher Zwangs- arbeit, 20 zu Zwangsarbeit von verschiedener Länge, 17 zur Ver- setzung auf drei Jahre in ein Strafbatailwn, 30 zu vier Monaten MilitärgefängniS, 14 zu Disziplinararrest, 2 wurden freigesprochen. VertiischnngSversiiche. Die„unvorsichtigen" Angaben des zentralen statistischen Amtes über die Erntcaussichten für 1007 haben die Regierung in große Aufregung versetzt. Der Zar zeigte urplötzlich außerordentliches „Interesse" für den Getreidestand und ließ sich vom Minister dcS Innern hinsichtlich desselben berichten. Nach allen Richtungen wurden gleichzeitig telegraphische Instruktionen an die Gouverneure versandt: einerseits über den Stand der Ernte reguläre Berichte einzusenden, andererseits Vorbereitungen zu treffen, damit die Verpflegungsaktion möglichst reduziert werde I Und siehe— wie auf Kommando verwandelten sich in den neuen Berichten der Gouverneure schlechte Ernten in„befriedigende", mittelmäßige in„gute"— alles„infolge der nun ein- getretenen guten Witterung und dcS reichlichen Regens". Nach den letzten Angaben des Ministeriums war die Lage zum 14. Juni in 17. Gouvernements„ernstlich Besorgnis erregend" gewesen. Nach den„Ergänzungsberichten" der Gouverneure sind jetzt die Aussichten plötzlich in 6 bis 0 dieser Gouvernements„dank der günstigen Witterung" radikal umge- schlagen und„berechtigen zu den besten Hoffnungen!" ES kann bei der rühmlichst bekannten„Tüchtigkeit" der russischen Gou- verneure erwartet worden, daß weitere„Ergänzungsberichte" über den Stand der Ernte die bevorstehende Mißernte zum größten Teil aus der Welt schaffen werden, wenigstens auf dem Papier. Das Regierungsblatt„Rowoje Wremja" leistet schon jetzt das Bestmöglichste auf dem Gebiete dieser Vertuschungspolitik, es hat aber stets das Pech, mit den Spczialbcrichtcn anderer, nicht minder konservativer Blätter in Kollision zu geraten. So brachte jene am ö. Juli ein Spczialtclegramm aus W o r o n e f ch, wonach„im ganzen Gouvernement eine nie dagewesene Ernte von Winter- gctreide und in den südlichen Bezirken eine starke Ernte von Kulturpflanzen bevorsteht". Zwei Tage früher jedoch hatte die „Petersburger Wjedomofti"— gleichfalls ein konservatives Blatt — die Nachricht aus dem Gouvernement Woronesch gebracht, daß im ganzen Gouvernement eine furchtbare Lcbcnsmittelteueruug herrscht,„während die Winter- und Sommersaaten im allgemeinen in allen Bezirken(insbesondere in den südlichen) schlecht sind!" Die angeführten VertuschungSversuche gewinnen ein ganz be- sondcreS Interesse in Anbetracht der jüngst in der deutschen Presse aufgetauchten Meldung, wonach infolge der Hoffnungslosigkeit einer französischen Anleihe„gleich nach Klärung der Ernte- aussichten" bei deutschen Bankiers angeklopft werden soll! Eue der Partei. 1. welmarischcr Wahlkreis. (W e i m a r-- A p o l d a- I l m e n a u.) Die Jahresversammlung der Partei fand am Sonntag in Butd. städt stall. Beschlossen wurde, die Beiträge von 20 auf 30 Pf. pro Monat zu erhöhen. Im letzlvcrflossenen Jahre sind sieben neue Vereine gegründet. Zum Parteitag in Essen sowie zum inter- nationalen Kongreß in Stuttgart wurde Genosse V a n d e r t delegiert. Die Kceisleitmig verbleibt in Weimar; als deren Bor- sitzender wurde Genosse Beck wiedergewählt. Es war dies die bisher am stärkste» beschickte Kreisversammlung. Der 13. sächsische NcichstagSwnhlkrcis( L e i p z i g- L a n d> hat zu seiner Generalversammlung am 14. Juli seinen Jahresbericht er- stattet, der unter anderem eine intercssanle Statistik enthält, der wir folgendes entnehmen: Im Berichtsjahre— 1. Juli 1006 bis 1. Juli 1007— ist die Zahl der angeschlossenen Ortsvereine von 55 auf 61. die Zahl der Mitglieder von 14 067(darunter 1189 weibliche) ans 20 711(darunter 2435wcibliche>gestiegeii.DieGesamtmitgIiedcrzahlsticg um 47 Proz., die der männlichen allein um 42, aber die der weibliche» Mitglieder um 104 Prez. l Von 56 712 sozialdemokratischen Wählern im Jahre 1907 sind 35 645 Leser der„Leipziger V o l k S z o i t u n g gleich 62 Prvz. Gewerkschaftlich organisiert siiid73 Proz. aller Mitglieder, wobei bemerkt werden muß. daß eine größere Zahl von Mitgliedern ans Francii oder solchen Genossen besteht, die selbständig, also für Gclverkschaften nicht organisationSfähig sind. Die Gesamteinnahmen betrugen 32 296 M., die GcsamtanSgaben-25 464 M. In den fünf großen Bezirken dcS Wahlkreises haben die sächsische Staats- angehörigkeit 59, 55, 67, 73 und 59 Prozent der Mitglieder, wäh- rend nur 38, 31, 46, 52 und 47 Prozent Bürger oder Gemeiudc« Wähler find. Zum Parteisekretär für Lripzig-Land ist Genosse Karl Ryssel gewählt worden. Ryssel ist zurzeit Beamter der Leipziger Orts- kraiikenkasse und steht seit Jahren in der Leipziger Partei- und Arbeiterbeivegmig._ Im eigenen Heim. Aus Halle a. S. berichtet man nnS: Eine erhebende Feier wurde hier durch die Einweihimg des Volksparks nnt seinem Prachtbauwerk am Somiabend begangen. Petrus, der feine Schleusen so weit wie möglich geöffnet hatte, ver- mochte cS nicht, die Arbeiterbataillone ihrem Feste fernzuhalten. Die Wcihrcde hielt Genosse Ad. Thiele, der alle» denen, die zum Zustandekommen des Werkes beigetragen haben, den Dank des Hallenser Proletariats aussprach. Der Rcichstagskandidat des Kreises, Genosse K u n e r t, beglückwünschte die Arbeiterschaft zu dem prachtvollen Werke und gab ein Entwickelungsbild der Parteibcwegung Halles. Ein vom Genossen Ernst D ä n m i g verfaßtes allegorisches Festspiel:„Die Weihe deS Hauses", Konzert und Gesangs- vortrüge der vereinigten Arbeitergesangvereine rundeten die schöne gMer ab. WaS lzanz allgemein freudig üderraschts und auch von Fachkennern bestätigt wird. ist. dast der große Saal eine ganz aus- gezeichnete Akustik hat. Die imposante Feier wird den Tausenden, die an ihr teilnahmen, stets eine angenehme Erinnerung und ein Ansporn zur Weiterarbeit bleiben._ Ins österreichische Abgeordnetenhaus wurde am Sonn- abend Genosse Karl Höger gewählt. Bei den Hauptwahlen war Genosse R e s e l im vierten steirischen Wahlbezirk(Graz) sowohl wie in Marburg durch- gekommen. Resel nahm in Marburg an, und so wurde im vierten Steirer Bezirk Nachwahl nötig. Hier nun erhielt «de- alte Höger" am Sonnabend 5206 Stimmen, während sein Gegenkandidat, Dr. Gürker, mit 1107 Stimmen„glänzend durchfiel". Bei der ersten Wahl hatte Genosse Resel 6883 Stimmen, der Deutschnationale 1471 und derChristlichsoziale 1462 Stimmen erhalten. Eine rumänische Monatsschrift. Vom l.(14.) August d. I. an erscheint in Jassy eine wissenschaftliche Monats-Zeitschrift in rumä- nischer Sprache unter dem Namen„Vutorul Social"(„Die Soziale Zukunft"). Diese Revue wird alle Tagesfragen des In. und Aus- landcs vom Standpunkte des internationalen Sozialismus be- handeln. Daß die rumänischen Genossen gerade jetzt— in einem Moment, da sie von der Regierung aufs brutalste verfolgt werden, daran gehen, ihrem Arsenal eine neue Waffe einzuverleiben, stellt ihrer Energie und ihrem Kampfesmute das beste Zeugnis aus. pollreiticbes, Cericbtitcbcs uftv. Ei» Grundstücksspekulant darf nicht Stadtverordneter sei«. Diese Lehre sollte aus einem Prozeß gezogen werden, der am vorigen Sonnabend gegen den Karlsruher„Bolksfreund" bezw. gegen den Genossen Stockinger vor dem Pfnrzheimer Schöffengericht an- hängig war. In der badischen Goldivarenstadt herrscht eine wilde Grundstücksspekulation. Mit seinen 65 000 Einwohnern hatte Pforz- heim im Jahre 1906 1800 Besitzveriinderungen zu verzeichnen, die Großstädte Mannheim und Karlsruhe aber nur 1200 und 800. 200—300 Neubauten werden jährlich hergestellt.— Wie gut auf diesem Felde der Weizen der Spekulanten blüht, dafür erbrachte nun obige Verhandlung den Beweis I In dem Bericht über eine stürmische Sitzung des Bürgerausschusses war dem früheren Bäcker« meister und jetzigen Grundstücksspekulanten Wagner, der im Stadt- verordnetenkollegium sitzt, vorgeworfen worden, er habe ein gewisses Gelände deswegen erworben, weil in die Nähe dieses Geländes der städtische Schlachthof verlegt werde; im Kollegium werfe er sich zum Be- schiitzer der Spekulantengruppe auf und betrachte sein Mandat unter l diesem Gesichtswiiikel. Nun konnte Stockinger zwar nicht beweisen, daß Wagner von der Verlegung des Schlachthofes bereits gewußt habe, als er sein Gelände erwarb, und er wurde deshalb auch mit 100 M. Geldstrafe belegt, aber festgestellt wurde, daß Wagner und seine Freunde alltäglich die Peripherie der Stadt durch- streifen, um auszukundschaften, wo sich neues, zu Spekulations- zwecken verwendbares Gelände erschließen lassei Die Zeugen- aussagen des Pforzheimer Oberbürgermeisters und der geladenen bürgerlichen Stadtverordneten lauteten übereinstimmend: Ein Stadt- verordneter darf keine Grundstücksspekulation treiben, andern- falls hat er sein Mandat niederzulegen! Da das Gericht in seiner Urteilsbegründung ausdrücklich feststellte, daß Wagner Grundstücksspekulant ist, so bleibt abzuwarten, ob er die Konsequenzen aus dem richterlichen Erkenntnis zieht.— Gewerhrcbaftllcbe#* Berlin und Qmgegend* Die Bewegung der Bauarbeiter. Der Verband der b a u g e w e r bl i ch e n HülfS- arbeit er hielt am Sonntagvormittag eine Mitgliedervcrsamm- lung bei Freher in der Koppenstraße ab. Karl Heide mann referierte über den Stand der Lohnbewegung und wies auf die im „Vorwärts" veröffentlichten Zahlen hin, die sich fortwährend in einer günstigen Weise verändern So zeigte die letzte Woche, daß 5505 Bauarbeiter auf 1049 Bauten zu den neuen Bedingungen arbeiten, die von 837 Firmen anerkannt worden sind, und nur 1662 Bau- arbeiter arbeiten auf 311 Bauten zu schlechteren Bedingungen. Das Bild, das im„Vorwärts" von den Zimmerern über den Kleinkrieg mit den Arbeitswilligen entrollt wurde, treffe ebenso auf die Bau- hülfsarbeiter zu. Die Taktik verbiete es gegenwärtig, manchen inter- essanten Vorgang, der sich hinter den Kulissen abspielt, preis- zugeben, aber man könnte der Oeffentlichkeit später manches Licht darüber aufstecken, wie Streikbrecher gewonnen werden.— Der Kampf ist noch in vollem Gange und erfordert ungeheure Mittel. Das sollten sich besonders die arbeitenden Kollegen gesagt sein lassen. Die Beiträge zum Streikfonds müssen' pünktlich und regelmäßig abgeliefert werden. Es handele sich da nicht um freiwillige und gelegentliche Beisteuern. sondern um pflichtgemäße, statutarisch fe st gesetzte Beiträge. Diesen Verpflich- tungen muß zedes Mitglied der Organisation nachkommen. Bis Ende voriger Woche haben die Bauarbeiter allein 390 000 M. in diesem Kampf verausgabt, wozu noch etwa 48 000 M. kommen, die in der laufenden Woche fällig werden. Trotzdem besteht durchaus kein Mangel an Geldmitteln, und es wird um so weniger davon die Rede sein, wenn die Mitglieder ihre Pflichten erfüllen; denn jede Woche treten neue Hunderte in Arbeit. Wenn die Bauarbeiter mit Zähigkeit ihr Ziel weiter verfolgen, kann ihnen der Erfolg auch nicht fehlen.— In der Diskussion wurde vieles in der Bewegung kritisiert und unter anderem gefragt, ob unter der großen Zahl der abgeschlossenen Verträge nicht mancher Scheinvertrag bestände. Heidcmann erklärte demgegenüber, daß es von vornherein die Taktik der Leitung gewesen sei, allen Schiebungen beim Ab- schluß von Verträgen strikt entgegenzutreten. Man erwartet dabei die Mithülfe der Vcrbandsmitglieder, um etwaigen Unregelmäßigkeiten sofort auf die Spur zu kommen. Ein Redner appellierte an die Bauhülfsarbeiter, die auf Akkordlohn ar- beiten, daß sie die lange Arbeitszeit einschränken möchten. Es sei nicht zu billigen, daß viele noch zehn Swnden pro Tag arbeiten.— Mit dem Stande der Lohnbewegung erklärten sich die Redner im allgemeinen wohl zufrieden. � Die Freie Vereinigung der Bauarbeiter hielt zu iierselben Zeit bei Boeker in der Weberstraße eine Generalversamm- lung ab, in der zunächst die Abrechnung vom zweiten Quartal vor- gelegt wurde, die durch ihren günstigen Abschluß bewies, daß auch diese Organisation durchaus imstande ist, ihren Teil an den Opfern des nun seit acht Wochen dauernden Kampfes im Baugewerbe zu tragen. Dann berichtete Baum über den Stand der Lohn- bewegung. Seine Ausführungen bestätigten nur die bekannte Tat- fache, daß die Lage sich immer mehr vorteilhaft für die Bauarbeiter- schaft gestaltet. Für die Maurer und Bauarbeiter war die Zahl der Unternehmer, die die Forderungen bewilligt haben, auf 845 gestiegen, unter ihnen 88 Mitglieder des Verbandes der Baugeschäste. Der Redner bezeichnete es zwar als eine betrübende Tatsache, daß sich 2339 Personen für die Bauhülfsarbeit als Arbeitswillige gemeldet haben, fügte aber hinzu, daß unter diesen aus allen möglichen Be- rufen stammenden Leuten eine große Anzahl ist, die besser mit der Schnapspulle als mit Schippe und Molle umzugehen wissen. Ferner teilte der Redner mit, daß in den am Sonnabend im„Vorwärts" unter dem Titel„Das Fiasko des Verbandes der Baugeschäfte" ver- öffentlichten Zahlen insofern ein Irrtum enthalten ist, als die Zahl der Mitglieder der Freien Vereinigung der Bauarbeiter, die zu d e n neuen Beding ungen arbeiten, nicht 192, sondern Lviaotw.AÄiill-1 EarlMvomtht BeMkNi�derl- 661 beträgt, wodurch sich im selben Maße die Gesamtzahl de? zu den neuen Bedingungen arbeitenden Bauberufsgcnossen erhöht. Die Zahl 192 ist die derjenigen Mitglieder, die im Laufe der Be- wegung in anderen Berufen Arbeit angenommen haben. Inzwischen sind weitere Bewilligungen eingelaufen, und damit ist auch die Zahl der arbeitenden Mitglieder wiederum gestiegen, während sich die Zahl der streikenden verminderte. In der verflossenen Woche hat die Freie Vereinigung an 302 Mitglieder Streikunterstützung gezahlt, jedoch an nur 214 für die ganze Woche. Die übrigen Streikenden konnten im Laufe der Woche zu den neuen Bedingungen wieder in Arbeit treten und erhielten demgemäß nur für einen oder einige Tage Unterstützung. Wie bei den übrigen Berufen, so wird auch bei den Bauhülfs- arbeitern der Kampf durchaus einmütig geführt. Demgemäß sind in der verflossenen Woche zwischen den Vorständen der Freien Ver- einigung und des Verbandes der Bauarbeiter neue Vereinbarungen über die Taktik getroffen worden, die der Redner bekannt gab. Die Vereinbarungen beziehen sich auch darauf, daß Mitglieder der Vor- einigung oder des Verbandes, die ihrer Beitrags- und Streik- beitragspflicht nicht nachgekommen sind, nicht von der einen in die andere Organisation übertreten können, um sich jener Pflichten zu entziehen. Wenn der Verdacht vorliegt, daß sich Mitglieder der- artiger betrügerischer Manipulationen bedienen, so wird die Sache untersucht, und bei Bestätigung des Verdachtes wird die Aufnahme abgelehnt oder, wenn sie irrtümlich schon erfolgt ist, rückgängig ge- macht. Mit diesen gegenseitigen Vereinbarungen war die Versammlung durchaus einverstanden. Der Redner empfahl der Versammlung, die Kontrollstellen von Rixdorf und Weißcnsee aufzuheben, da für diese beiden Orte nur noch 10 bis 12 streikende Mitglieder in Betracht kommen, und die Arbeit und Unkosten dieser Kontrollstellen erspart werden können, wenn diese Streikenden sich in den nächstliegenden Kontrollstellen melden.— Die Versammlung nahm auf Vorschlag deö Vorstandes folgende Resolution an: „In Erwägung, daß der Kampf im Berliner Baugewerbe für die Arbeitnehmer sehr günstig steht, da die Forderungen der Ar- beiterschaft schon von 845 Firmen— darunter allein 88, die dem Verband der Baugeschäfte angehören— anerkannt sind, und daß die Arbeitsgelegenheit dadurch günstiger geworden ist, beschließt die Generalversammlung, daß die Kollegen, die arbeitslos werden, also dort gcarbeitef haben, wo die Bauten fertig geworden sind, vom 13. Juli an nicht mehr in die Streiklisten eingetragen werden. Diese Kollegen haben dann, wie üblich, Mittwochs und Freitags ihr Buch zur Arbeitslosenabstcmpelung vorzulegen. Sollten jedoch Kollegen aus irgendeinem anderen Grunde arbeitslos werden, so ist dies im Bureau zu melden. Des weiteren beschließt die Versammlung, daß die Kontrollstellen Rixdorf und Weihensee aufgehoben werden und daß sich die Kollegen aus diesen Orten vom Montag, den 15. Juli, ab in den ihrem Wohnort am nächsten liegenden Kontrollstellen zu melden haben, und zwar in der Zeit von 10 bis 12 Uhr vormittags. Diese Zeit der Abstempelung ist auch für alle anderen Kontrollstellen maßgebend. Ferner beschließt die Versammlung, daß solchen Kollegen, denen Arbeit nachgewiesen wird, die diese aber nicht aufnehmen, die Streikunterstützung entzogen wird. Schließlich fordert die Ver» sammlung ganz entschieden von den zu den neuen Bedingungen arbeitenden Kollegen, daß sie zum Streikfonds beitragen und die Extrabeiträge pünktlich zahlen. Wer sich den gefaßten Beschlüssen nicht fügt, hat die daraus entstehenden Konsequenzen zu tragen." Unter Vereinsangelegenheiten verlas der Vorsitzende ein Schreiben des Parteivorstandes, worin die Vereinigung auf- gefordert wird, mit Rücksicht auf die Beschlüsse des Lübecker und Mannheimer Parteitags die Frage der Verschmelzung mit dem Vor- bände eingehend zu prüfen. Dieselbe Aufforderung ist an die übrigen der Geschäftskommission der freien Gewerkschaften an- geschlossenen Organisationen ergangen. Die Versammlung beschloß- einstimmig, dem Parteivorstand zu antworten, daß die Freie Ver- einigung der Bauarbeiter an den Beschlüssen des 7. Kongresses der freien Gewerkschaften festhalte und vor dem 8. Kongreß keine bindende Erklärung abgeben könne, es besonders auch wegen der Lohnbewegung nicht für zweckmäßig erachte, sich jetzt mit der Frage zu befassen._ Achtung, Mitglieder des Metallarbeiterverbandes! Die am Sonntag, den 14. d. M. vorgenommene Ab- stimmung über die zu zahlenden Beiträge und die Delegation nach Stuttgart hatte folgendes Resultat: Abgegeben sind für die Bei- tragszahlung insgesamt 12 038 gültige Stimmen. Die verlangte % Majorität für 75 Pf. Beitrag ist nicht erzielt. Es wird dem- nach von der 31. Woche an ein Beitrag von 70 Pf. pro Woche gezahlt. Für die Delegation nach Stuttgart zum internationalen Kongreß sind abgegeben: 11 955 gültige Stimmen. Stimmen haben erhalten: Cohen 7735, Gutsche 5656. Sellrich 5631, Wuschick 4139 Stimmen. Cohen und Gutsche sind demnach gewählt. Die Ortsverwaltung. Achtung. Metallarbeiter! Die Rolandswerke in Weißensee, Langhansstraße, sind für Metallarbeiter aller Branchen gesperrt. Deutscher Metallarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin. Deutscher Bnchbinderverband. Zahlstelle Berlin. Die am Sonnabend, den 13. Juli 1907 erfolgte Wahl der Bei- sitzer zum Verbandsvorstand ergab folgendes: Baesler 780, Brückner 1188, Friedling 399, Herzog 674, Hieber 770, Hoffmann 1009, Jünemann 620, Schade 1061, Schewe 110, Schneider 1470, Schreihart 962, Siegrist 1117, Sommer 105, zersplittert 6 Stimmen. Abgegeben sind 1794 Stimmen. Die absolute Majorität er- hielten und wurden gewählt: Eugen Brückner, Paul Schade, Paul Schneider, Minna Schreihart, Paul Siegrist. Als Revisoren wurden gewählt: Fritz Freudenreich, Felix Mariuse, Richard Schneider._ Die Ortsverwaltung. Die Bildhauer der Modellbranche sollen nach der bürgerlichen Presse aus Anlaß der Bewegung im Baugewerbe beschlossen haben: „Wenn aus Anlaß des gegenwärtigen Streites die Partei der Arbeitnehmer oder Arbeitgeber von ihren Kartellorganisa. tionen gezwungen werden sollten, an Streiks oder Sperren teil- zunehmen, so soll das nicht als Bruch des gegenwärtigen Tarif- Vertrages angesehen werden." In Wirklichkeit handelt es sich dabei um einen Vorschlag, den der Vorsitzende des GcwerbegerichtS, Herr Dr. W ö l b l i n g. Unternehmern und Arbeitern unterbreitete. Die Bildhauer lehnten diese Klausel aber ab, da sie strikte auf dem Boden des Tarifver- träges stehen. Die Stukkateure nahmen sie an, legen ihr aber keine besondere Bedeutung bei. Achtung. Sattler! Die Differenzen in der Militäreffektenfabrik von Franz P r e tz e l wurden durch Vergleich beigelegt. Die OrtSvcrwaltung Berlin des Verbandes der Sattler. Ter Arbeitsnachweis der Berliner Fleischer-Jnnung als Streik- brechervermittelungSbnreau. In der Fleischwarenfabrik Sauermann, Kulmbach (Bayern) sind sämtliche Gesellen und Arbeiter in den Streik ge- treten. Die Firma versucht nun überall Streikbrecher zu be- kommen. Hier in Berlin geht man dabei mit den merkwürdigsten Mitteln vor. Mit der Lockung, Arbeit im Auslande zu haben, versucht der Sprechmeister D r ä b e r t die sehr zahlreichen arbeits- lösen Gesellen zu fangen. Sogar 1 M. Vermittelungsgebühr müssen die Leute, die sich anwerben lassen, noch zahlen. Die Papiere nimmt man ihnen einfach ab, um so die Unerfahrenen zu zwingen, als Streikbrecher nach Kulmbach zu fahren. Die arbeiterfreundliche Presse wird ersucht, von obiger Mit- teilung Notiz zu nehmen., Zentralverband der Fleischer und Berufsgenossen Deutschlands. _ Ortsverwaltung Berlin._ kÄ-MckktLuM. Druck U-Lttlaa: LertvärtsLuLdr.u.LLrIa2slviLalt Auf dem Wege zur Eiilheitsorganisatio«, Am 14. Juli fand im Berliner Gewerkschaftshause eine ge» meinsame Sitzung der Zentralvorstände und Ausschüsse der Ver- bände der Sattler und Portefeuiller statt. Nach eingehender Be- ratung wurde folgender Antrag einstimmig angenommen: Die am 14. Juli 1907 in Berlin tagende Sitzung der Zentral- vorstände und Ausschüsse der Verbände der Sattler und Porte- feuiller beauftragt die leitenden Körperschaften beider Verbände, mit aller Entschiedenheit die Durchführung der Verschmelzung an- zustreben. Die Agitation für die Verschmelzung ist in der Presse im weit- gehendsten Maße zu führen. Die Agitatoren und die Ortsverwal- tungen sollen ersucht werden, im selben Sinne zu wirken. Im Jahre 1909 findet in Köln eine gemeinsame General- Versammlung beider Verbände statt, in der die Verschmelzung als erster Punkt auf die Tagesordnung gesetzt wird. Bei allen bis dahin auftauchenden Lohnbewegungen handeln die beiden Verbände nach der Resolution, die auf dem letzten Ver- bandstage der Portefeuiller angenommen wurde. Bei Tarif. abschlüssen werden beide Verbände bestrebt sein, die Heimarbeit einzuschränken und so viel wie möglich abzuschaffen. Oeutfches Reich. Die Holzarbeiter der Firma Köhn in Husum sind in einert Streik eingetreten.— Zuzug ist fernzuhalten. »Im Zeichen des Klüngels." Der Arbeitgeberverbaud für das Maler- und Anstreichergewerbt. in Rheinland und Westfalen hatte in diesem Frühjahr in fast 40 Städie» eine Aussperrung der Gehülfen vorgenommen, die mit dein Abschluß eines Tarifes endete. Während der Aussperrung gebürdeten sich die Macher des ArbeitgebervcrbandeS so, als ob sie die ganze Welt mit ihrem Verbände einreißen könnten. Nächste Woche hält nun der Verband seinen VerbandStag ab. Sicher wird da auch wieder in den höchsten Tönen der Verband gepriesen werden. Aber es sieht damit doch recht faul aus, denn an die Mitglieder ist folgendes Rundschreiben ergangen: Arbeitgeberverband für daS Maler- und Anstreichergcwerbe und verwandte Barmen, den 8. Juli 1907. in Rheinland und Westfalen. Sehr geehrter Herr Kollegel Wir macheu wiederholt darauf aufmerksam, daß es zur Er- stattung eines Geschäftsberichts unbedingt notwendig ist, daß die einzelnen Orlsverbände dem Hauptvorstande die nötigen Unterlagen liefern. Der Verbandstag findet in 14 Tagen statt und ist deshalb keine Minute mehr zu verlieren. Ebenso kann von einer Aus- Übung des Stimmrechts nur dann die Rede sein, wenn die fälligen Beiträge bezahlt sind. Soll denn nun auch in unserem Verbände sich die alte traurige Wahrheit bestätigen, daß man von unseren Kollegen nur dann etwas haben kann, wenn ihnen das Messer an die Kehle gesetzt wird? Soll gleich der erste VerbandStag unter dem Zeichen des Klüngels stehen? Wir richten deshalb zum letzten Male die dringende Bitte an Sie, die in unserem letzten Rundschreiben verlangten Unterlagen umgehend an den Hauptvorstand gelangen zu lassen, da sonst die Erstattung eines Geschäftsberichts und eine ordnungS- mäßige Beschlußfassung auf dein Verbandstage Dinge der Un- Möglichkeit sind. Mit kollegialischem Gruß I. A.: Ernst Wenner. Dieser Einblick in eine Unternehmerorganisation ist nicht ohne Interesse. Nicht einmal die fälligen Beiträge sind bezahlt worden und von einer ordnungsmäßigen Beschlußfassung auf dem unter dem Zeichen des Klüngels stehenden Verbandstage ist keine Rede. Trotz- dem wird aber die Unternehinerpresse berichten, daß der Verbands- tag ein Beweis für die große Opferwilligkeit und den Eifer der Arbeitgeber für ihre Interessen ist. Die Scharfmacher werden den faulen Zauber ihrer Organisation schon in glänzende Zustände um- zuschwindeln verstehen. eingegangene DruchrcbHften. Der Kttnstwart. Rundschau über Dichtung, Theater. Mustk. Heraus« geber: Ferdinand Avenarius. Verlag von Georg D. W. Callwev in München. (Vierteljährlich 3,50 M.. das einzelne Hest 70 Pf.) „Der ArbettSmarkt--, Nr. 20. HalbmonatSschrist der Zentralstelle sür SlrbeltSmarktberichte(Herausgeber Pros. Dr. I. Jastrowl. Verla» von Georg Reimer. Berlin W. 35. LtXztc JVacbncbtcn und Dcpefcbca Sie küssen die Rute, die sie züchtigt.? Dresden, 15. Juli. Kaldstr. 3 i. Porzellanarbeiter.»Die Ameise". Charlottenburg, Rosinenstr. 3. Sattler..Sattler-Zeiwng". Berlin 80. 16, Adalbert, Waffe 56. SchisfSzimmerer.»Der Schiffszimmerer'. Hamburg?, Banksstr. 144. Schirmmacher.„Mitteilung". Hamburg 3. Eichhol, 17. Schmiede..Schmiede-Zciwng'. Hamburg 1, Besen- binderhos 57—66. Schneider.»Fachzeiwng sür Schneider'. Berlin 80. 16, Köpenickerstr. 126. Schuhmacher.„Schuhmacher-Fachblatt". Gotha. W. Bock. Sccieutc.»Der Seemann". Hamburg 1, Besenbindcr« hos 57-66. Dteinarbcitcr.»Der Steinarbeiter'. Leipzig, Zeitzer» straffe 32. Steinsetzer..Allgemeine Stewsetzer- Zeiwng'. Berlin NW. 21, Wiclesstr. 16 I. Stuttateurc..Der Stukkateur'. Hamburg 22, Feffler« straffe 9 II. Xabakarbeiter.»Der Tabalarbeiter'. Leipzig, Tauchaer« straffe 19/21. Tapezierer..Correspondenzblatt sür Tapezierer'. Berlin 30� 16, Michacilirchplah 1. Textilarbeiter..Der Textilarbeiter'. Berlin O. 27, AndreaSsir. 61. Töpfer..Der Töpser". BerNn30. 16, Engcl-User 15 IN. Transportarbeiter..Der Courier", Berlin 80. 16. Engel-User 21..Allgemeine Fahr-Zeiwng", Berlin SW. 12, Schützenstr. 58.„Der Straffenbahner", Berlin 80, 16. Engel-Uscr 21. Wäschearbeitcr.»Der Wäschc-Bote". Berlin NO. 43, Neue Königstr- 7, Hof. Zkylographen..Zeitschrist sür Zylographen". Schöne- berg- Berlin, Hauptstr. 110 I. Zigarrcnsortierer..Der Organisator'. Hamburg 1, vesenbinderhos 57—66. Zimmerer..Der Zimmerer'. Hamburg 1, Besenbinder- hos 57-66. Zivilmusiker..Fachzeiiung sür Zivilmusiker'. Ham» bürg 13, Hellkampstr. 33 III. Für die in Zentraivcrbänden Organisierten erscheinen serner in italienischer Sprache»lVOxoraio Italiano", Berlin SO. 16, Engel-Uscr 15, und in polnischer Sprache „Oswiata", Posen, Schieffstr. 3. ß. Blätter anderer Gewerkschaften«nd sonstige? Organisationen. Berlin.»Der abstinente Arbeiter", Organ des deutschen Arbeiter-AbstinentenblmdeS, 3. 42, Luiscn-User 55. Re» dakiion: NO. 65, Pasteurstr. 13. »Die Einigkeit", Organ der freien Vereinigung deutscher Gewerkschasten. 0. 54, Alte Schönhauser- straff- 20 1. „Deutscher Metallarbeiter", PublikationZorgan deS All« gemeinen deutschen Mctallarbciterverbandcs. Stein- straffe 38. »Die arbeitend« Jugend'. 80. 26, Waldemarstraff« 75. »Der freie Gastlvirt". 3. 59, Schönleinstr. 6. .Kürschnerwachl". NO. 43, Gollnowstr. 5. „Deutscher Zeichner. NO. 55, BrauiiSbergerftr. 12 III. »volkstümliche Zeitschrist sür praktische Arbeiterversichc- rmtg", Organ des Verbandes der BerwaltungS» bcamtcn der Krankenkaffen, Berussgcnoffcnschasteu usw. N. 58, Schönhauser Mee 27. Redaktion: Magdeburg, Wittenbergerstr. 30. Elberfeld.„Zeitschrist sür Graveure der Stoffdruck- Industrie", Neue Gersienstr. 20- Leipzig.»Der Lithograph". L.-Nenstadt, Marktstr. 1 b. Mannheim.Die junge Garde", Organ des Verbandes junger Arveitcr. Q 5, 1. Redamoii 0 2, 4. Nürnberg.„Süddeutsche Eisenbahncr-Zeltung", Au- straffe 3 II- WilmerSdorf.„MonatSschrist deS Vereins für die Jntereffe» der Hausangestellten". Kaiscrplatz 17. '.' Obige Zusammenstellung veröffcnllichen wir zu Be« inn jedeS Quartals. In der Zwischenzeit sich ergebende ldreff- oder sonsttge Veränderungen bitten wir uns zur Vormerkung mitteilen zu wollen. Berlin, den 12. Juli 1907. Der Psrkelvorstaud. Die 4. Konferevz der„Freien Dereimgvng der Kranken- Kassen der Provinz Krandenbiirg" tagte am Sonntag unter guter Beteiligung im grossen Saale deS „Gewerkschaftshauses". Den Geschäftsbericht der Verwaltung erstattete E. S i m a- nowski: Die„Freie Vereinigung" ist im verflossenen Geschäfts- jähre 1996/97 von 39 Krankenkassen mit 79 338 Mitgliedern aus 34 Kaffen mit 73 896 Mitgliedern angewachsen. Zwar seien damit nicht die im Vorjalhre gehegten Hoffnungen erfüllt. Aber es sei doch zu erkennen, oass die Einsicht für die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses der Kassenvorstände wachse. Hierzu hat der Ilmstand beigetragen, daß sich die Herren, für die die Kranken- lassen Einnahmequellen bildeten, die Aerzte und Apotheker, nicht bloss provinziell, sondern über ganz Deutschland organisierten. Die Preise der Aerzteschaft seien bedeutend in die Höhe gegangen, und wie verlautet, wollten die Herren in Zukunft einen weiteren Vor- stoss unternehmen.— Das Ergebnis der bei den Krankenkassen über ihr Geschäftsgebaren, namentlich über das Verhältnis zu den Aerzten und Apothekern vorgenommenen Umfrage des Aus- schusses der„Freien Vereinigung" befriedige durchaus nicht. Von 638 Orts-, Betriebs-, Gcwerks- und Hülfskaffen in der Provinz hätten nur 51 die Fragebogen ausgefüllt. Und von 299 Kassen in Berlin und den Vororten hätten auch nur 193 geantwortet. Für die Ortskrankenkassen seien spezielle Fragen dahin gestellt worden, inwieweit die Ortskrankenkasscn die Beschlüsse des Düsseldorfer Kongresses des Verbandes deutscher Ortskrankenkassen über die Einführung des TarifeS für die Angestellten durchgeführt hätten. Von oen antwortenden Ortskrankenkassen aus der Provinz Brandenburg hätten sie nur vier durchgeführt, und zwei zum Teil. Von 43 Berliner Ortskassen hätten die Düsscl- dorfer Beschlüsse 16 durchgeführt. Einzelne stände» noch in Unter- Handlungen, andere hielten sich an die Münchener Beschlüsse. Von 15 Vorortskassen haben 5 den Tarif nach den Beschlüssen von Düsseldorf voll, vier teilweise durchgeführt.— Bezüglich der Fragen über das Verhältnis zu den Aerzten fei zu erwähnen, dah die meisten der berichtenden Kassen im der- flossenen Jahre ihre Verträge neu abgeschlossen hätten und den Forderungen der Aerzte nach Erhöhung der Honorare zum grössten Teile entgegen gekommen seien. Aus einer Notiz in der„Lcip- ziger Volkszeitung" sei nun zu ersehen, daß die Aerzte von Leipzig und Umgegend, dem Zcntralsitz der Acrzteorganisation, einstimmig beschlossen hätten, die Krankcnkassenärzte sollten ver- suchen, möglichst die Minimnltaxe der Gebührenordnung mit dem 1. Januar 1998 in Kraft trete» zu lassen. Das beweise, daß die Kassenärzte aufs neue vorgehen wollten. Die Krankenkassen würden gut tun, sich unter einander zusammen zu schließen und zu verständigen. Bei einzelnen Kassen seien die Forderungen der Aerzte wiederholt so gestiegen, daß die Kassen verschiedentlich in die Lage gebracht wurden, die Beiträge zu erhöhen, nicht etwa um bessere Leistungen für die Mitglieder bieten zu können, sondern um die immer höher steigenden Forderungen der Aerzte und auch der Apotheker befriedigen zu können. Trotzdem habe der preußische Handelsminister vor einiger Zeit an die Aufsichtsbehörden ver- fügt, ein strenges wachsame? Auge darauf zu haben, daß überall dort, wo das Zehntel zum Reservefonds nicht zurückgelegt werden könne, die Beiträge erhöht würden. Darüber müsse man seine Verwunderung aussprechen, namentlich angesichts der vorher kon- staticrten Tatsachen. Die Krankenkassen ständen im allgemeinen auf dem Standpunkt(das sei auch bei den Berufsgcnossenschaften der Fall), daß man das fragliche Zehntel als Betriebsfonds be- halten müßte. Die Aufsichtsbehörden hätten keinen Anlaß, so schroff vorzugchen. Es würde genügen, den Krankenkassen nahe zu legen, den Reservefonds zu ergänzen. Ucber die Vertragsfrage mit den Aerzten und Apothekern werde noch in besonderen Punllcn verhandelt werden. Hinsichtlich der Apotheker möchte er noch auf einen Punkt hinweisen. Die Apotheker gingen jetzt vor, eine gewisse Sonntagsruhe(2 Uhr mittags bis 7 Uhr früh) einzuführen. Im Südosten Berlins hätten sich z. B. fünf Apotheken zusammengeschlossen, um den Angestellten in vieren gleichzeitig eine solche Sonntagsruhe zu gewähren. Abwechselnd habe eine von den fünf Apotheken am Sonntag offen: welche, sei an den Eingängen der Apotheken zu ersehen. Aehnlich werde in Provinzorten, wo mehrere Apotheker seien, demnächst wohl auch vorgegangen werden. Gegen ein derartiges Einführen der Sonn- tagSruhe wäre nichts zu sagen. Die Krankenkassen hätten den Apothekern darin entgegen zu kommen, damit den Gehülfen wenigstens eine gewisse Sonntagsruhe zugute komme.— Der Kassenbericht ergibt eine Gesamtcinnahme von 1233,17 M. und eine Gesamtausgabe von 1975,48 M. Aus den vorverflossenen Geschäfts- jähren blieben noch zusammen rund 1998 M. Mindereinnahme zu decken, nach Abzug der jetzt vorhandenen 157,69 M. also rund 919 M. Er müsse darum bitten, daß alle Beteiligten ihrer Ver- pflichtung zur Deckung von Unkosten prompt nachkämen.— Nachdem die Revisoren die Abrechnung für zutreffend erklärt hatten, erfolgte einstimmig Decharge. Ucber die Tätigkeit beS Bezirksamts(Bezirks-Tarifamts) berichtete Ernst Brückner. Das Bezirksamt hat sich(auf Grund der Düsseldorfer Beschlüsse) am 2. März konstituiert. Bis jetzt sind sechs Tarifangelegenheiten von ihm zur Verhandlung gekommen. Zwei Fälle können als erledigt betrachtet werden, vier schweben noch. Redner teilt einige Einzelheiten auS d-n VerHand. lungen mit. In dem einen Falle hatte der in Betracht kommende Angestellte keinen Antrag gestellt, sondern die Kasse hatte vom Ab. schluß von Anstcllungsvcrtragen dem Bezirksamt Mitteilung ge. macht und gleich mitgeteilt, daß das AnstellungsvcrhältniS nicht gcnau den Bestimmungen des Düsseldorfer Doriss entspreche. Mangels eines Antrags des Angestellten konnte keine Entscheidung gefällt werden; die Kasse erhielt aber einen Bescheid, daß, wenn auch hier kein Streitfall, sondern ein Einverständnis des Beamten vorliege, doch empfohlen werden müsse, die volle Durchführung deS Tarifs nach den Düsseldorfer Beschlüssen zu bewirken. In dem zweiten erledigten Falle mußte daS Bezirksamt dem bcschwerdc- führenden Angestellten recht geben und entscheiden, daß der Vor- stand ersucht werde, bei der nächsten Delcgiertenvcrsammlung der Kasse dahin zu wirken, daß den Bestimmungen deS Tarifs voll entsprochen werde.— DaS Bezirksamt sei, so fährt Redner fort, zur Ueberzeugung gekommen, daß ein großer Teil der OrtS- krankenkassen sich nicht in wünschenswerter Weise bemühe, die in Düsseldorf festgestellten Tarifsätze durchzuführen, wobei zu bedenken sei, daß eS sich noch dazu nur um Mindestsätze handele. Und doch habe man alle Veranlassung, als Arbeitgeber der Angestellten im modernen Krankenkassenwesen dahin zu trachten, daß hier die Lohn- und AnstellungSverhältnisse sich den Anforderungen der modernen Zeit anpaßten. Wir müßte» Verhältnisse schaffen, die auch nach außen hin anderen Arbeitgebern als nachahmenswert erschienen. Deshalb möchte er auch an dieser Stelle die versammelten Vor- standsmitglieder auffordern, entschieden auf Durchführung der Düsseldorfer Tarifnormen zu wirken.(Beifall.) Hamann als erster Diskussionsredner ist der Meinung, daß die Verhältnisse in den einzelnen Kaffen verschieden seien. ES ließe sich wohl öfter eine direkte Anlehnung an die Beschlüsse von Düsseldorf nicht durchführen. Bei seiner Kasse habe daS Höchst- gehalt eineS bestimmten Beamten bisher 2999 M. betragen, nach dem Tarif müßte eS auf 2599 M. festgesetzt werden. Er behaupte, daß man solchen Sprung einer Kasse kaum plausibel machen könne. Die Beamten müßten sich damit abfinden, daß das nicht auf einen Schlag gehe. Weise tritt dem Vorredner entschieden entgegen und betont, die angenommene AnstellungS- und Besoldungsstaffel müsse auf jeden Fall durchgeführt werden. Er findet verschiedene Kassen- verstände mehr als rückständig. Einen Vertrag, der ihm bekannt ist, bezeichnet er als reinen Hohn auf die beschlossene Tartfgemein» schaft. Bedauerlich sei. daß unter den rückständigen Vorstands- Mitgliedern solche seien, die in der modernen Arbeiterbewegung eine Rolle spielten. DaS Schiedsgericht werde seine Aufgabe darin sehen müssen, unter allen Umständen die Tarifgemeinschaft durch- zuführen. Arbeitersekretär Bauer vom Zentralsckretariat wendet sich ebenfalls gegen Hamann. Gegenüber einer Aeutzerung desselben stellt er fest, daß in Düsseldorf nicht die angestellten Beamten den Tarif beschlossen hätten. Alle Vertreter, soweit sie Kassenbeamte waren, hätten sich der Abstimmung enthalten. Nur die Vorstands- Mitglieder hätten mit gewaltiger Majorität den Tarif angenommen. Wenn Hamann weiter meinte, die Kassenbeamte» seien im Ver- hältnis zu den Gewerkschaftsangestellten zu hoch gestellt, dann fei er auf dem Holzwege. Eine solche Differenz würde höchstens beweisen, daß die fraglichen Gewerkschaftsangestellten zu niedrig bezahlt würden, Klber in der BeMhfting der Gewcrkschaftsbegmtcn seien in den letzten Jatzren erhebliche Verbesierungen eingetreten. Im übrigen hätten die Krankenkassen vorbildlich zu wirken, genau so, wie eS z. B. von den Konsumgenossenschaften verlangt werde. Auch er müsse es sehr bedauern, daß gewerkschaftlich organisierte und gut geschulte Arbeitnehmer, wenn sie selbst Arbeitgeber würden, sich auf einen rückständigen Standpunkt stellten. Wie man daS auch wieder auf dem KonsumvereinStage gesehen habe, wo v. E l m «inen Standpunkt eingenommen hätte, den man nicht für möglich halten sollte. Wenn das soziale Verständnis bei einer größeren Anzahl gewerkschaftlich organisierter Arbeiter in Vorstandsstellen bei Krankenkassen fehle, dann würde mal ein Gewerkschaftskongreß ein Machtwort dahin sprechen müssen, daß es für gciverkschastlich organisierte Arbeiter nicht angängig wäre, eine Tarifgemeinschaft yu mißachten.— Die Debatte ist damit geschlossen. Die Neuwahl der Mitglieder im Bezirksamt hat zum Resultat: Rambow, Nürnberg, Ernst Brückner, Rosenberger- Frankfurt a. O., F e l l b e r t- Fürstenwalde, R u p e- Rathenow. Nervenarzt Dr. D. Munter behandelte dann in einem Vortroge die Nervenleiden nach Unfällen. Im Laufe seiner Ausführungen erklärte er den Standpunkt „extremer Männer der Wissenschaft" als übertrieben, welche die meisten oder fast alle nervöse Erscheinungen nach Unfällen außer Zusammenhang mit dem Unfall erklären und die einzige Erklärung darin finden, daß infolge der BerficherungSgesetzgebung im Kampfe um die Rente sich Begehrungsvorstellungen bemerkbar machten. In den meisten derartigen Fällen liegt nach Auffassung deS Referenten ein mittelbarer Zusammenhang mit dem Unfall an sich vor. Gerade für solche Nervenkranke spiele das Vertrauen zum Arzt eine noch größere Rolle wie sonst. Die Versuche der Berufsgenossenschaften, solche Krankheiten in eigens hergerichtcten Anstalten zu behandeln, versagten. Gerade an dieser Stelle sei von ärztlicher Seite be- sonders hervorgehoben, daß namentlich das große Heer derjenigen Unfall-Nervenkrankheiten, bei deren Behandlung die persönliche Einwirkung des Arztes(die sogenannte Psychotherapie) einen großen Heilfaktor abgebe, sicherlich einen größeren Prozentsatz von Heilungen und Besserungen zeigen würde, wenn diesen bis zur Erledigung des RentenvcrfahrenS stets Gelegenheit gegeben wäre, von einem sachverständigen Arzte ihres Vertrauens behandelt zu werden. Daß er mit der Behauptung sich auf dem Boden der Wirklichkeit befände, bewiesen die Erfahrungen, die daS Zentral- Arbeiterfekretariat zum Wohle der Versicherten bei der Zuziehung völlig unabhängiger Aerzte zur Beratung in strittigen Unfallsachen gemacht habe. In einer nicht geringen Anzahl von Fällen, in denen diese Aerzte nach gründlicher Untersuchung zu der gewissen» haften Ueberzeugung kamen, daß die Ansprüche unberechtigt seien, beruhigten sich die Betreffenden schnell und fügten sich in die Not- wendigkeit, im Bewußtsein, völlig unparteiisch beurteilt zu sein.— � Redner, der sich auch gegen die übertriebenen Simulationsverdächti- gungen wendet, gab noch einige Anregungen, wie Kassenvorstände solche Unfallverletzten, wie sie der Vortrag namentlich meint, vor dem Verlust der Rente bewahren könnten.— Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Arbeitersekretär Bauer: Es berühre iud bahnen oder Dampferlinien anzulegen, ausgenommen solcher Linien. mit denen sie zum Zwecke der Schaffung eines Durchgangsverkehrs in Verbindung stehen. ES widerspreche der allgemeinen Politik und den Gesehen, daß Eisenbahnen sich die Kontrolle verschaffen über konkurrierende oder Parallellinien, und letzteren sollte eS ver- boten sein, gemeinsame Direktoren oder Beamte zu haben. Es sei die Zeit gekommen, wo eine vernünftige Regelung für die Ausgabe von Papieren solcher Eisenbahnen, die am zwischenstaatlichen Handel beteiligt seien, eintreten müsse. Die Einleitung eine? gerichtlichen Verfahrens gegen die Harri- manlinien schlägt die Kommission nicht vor; doch hält man für wahrscheinlich, daß Präsident Roosevelt und der Chef dcS Justiz. departementö sich für eine gerichtliche Verfolgung entscheiden werden. Amerikanischer Zolltarif. Die„Frankfurter Zeitung" meldet aus New gork, daß der Zensusdirektor North, der als Tariffachmann in Deutschland war, sich für den Doppeltarif ausgesprochen habe. Der gegenwärtige Dmgleytaris solle daS Maximum bilden, während das Minimum etwa 20 Proz. niedriger sein solle. North habe ferner erklärt, er habe in letzter Zeit mit vielen hervorragenden Persönlichkeiten ge- sprechen und den Eindruck gewonnen, daß der nächste republikanische Nationalkonvent zweifellos das unzweideutige Versprechen der Tarif- rcvision sofort nach der Präsidentenwahl durch eine Extrasession des Kongresses geben müsse._ Massengräber im österreichischen Bergbau. In der Kohlenproduktion der Welt steht Oesterreich an vierter Stelle. Es kommt erst in weitem Abstände hinter Deutschland. Tie Förderung betrug in Millionen Tonnen 1890 1900 1905 1906 Deutschland... 89 149 173 193 Ocsterreich-Ungarn. 27 89 41— Trotz der verhältnismäßig geringen Produktion hat auch Oester« reich seine Grubenkatastrophen gehabt. In der Zeit von 1890 bis 1905 sind 22 Unglücksfälle zu verzeichnen. Die größten Katastrophen, die Oesterreichs Bergbau gesehen hat, fanden 1892 bei dem Grubenbrand in den Blei- und Silberbergwerlen zu Przibram in Böhmen und 1894 durch Schlagwetterexplosionen in den Stein- kohlengruben zu Karivin statt, 572 Bergleute kamen bei diesen Massen- Unglücken ums Leben, 420 Witwen und 1026 Waisen be- trauerten den Tod ihrer Ernährer. Die Jahre 1897, 1893, 1901, 1903 und 1904 waren frei von Katastrophen. Außer den beiden obengenannten weist das Jahr 1900 zwei Katastrophen, eine Kohlenoxydgasexplosion in der Frisch-Glück-Zeche bei Dux und eine Schlagwelterexplosion auf den Plutoschächten bei Wiesa auf. 70 Tote hinrerließen 46 Witwen und 108 Waisen. 1902 kamen durch 4 Katastrophen 78 Mann umS Leben, die 55 Witwen und 131 Waisen hinterließen. Die 4 Katastrophen bestanden in einem Wassereinbruch am Jupiterschacht in Kommern(Böhmen), einer Brandgas- und Kohlen- staubexplosion am Dahlhofschacht in Madlau(Böhmen), einer Schlag- wetterexplosion in der ErdwachSgrube I in Borpslaw(Galizieu), einer Kesselexplosion am Rudolfschncht in Jwarzno(Galizien). Bei den 22 Massenunglücken, die sich von 1890—1905 ereigneten, wurden 934 Mann getötet, die 663 Witwen und 1560 Waisen hinter- ließen. Im Verhältnis fordert Oesterreichs Bergbau nicht so viel Opfer wie der deutsche. Während eö in bezug auf die Berginspektion dort genau so traurig bestellt ist. wie in Deutschland, ist die Gesetzgebung den Forderungen der Bergleute wenigstens insoweit entgegen- gekommen, als sie die neunstündige Arbeitszeit gesetzlich festgelegt hat. Hu9 der Frauenbewegung. Die Parteigenossinnen Leipzigs haben nach einem Referate der Genossin Käte D u n k e r auS Dresden unsere Rosa Luxemburg als Delegierte zum internationalen Kongreß nach Stuttgart gewählt._ Versammlnngen— Berauftaltungen. llharlottenburg. Mittwoch, den 17. Juli, abend» 8� Uhr, Versammlung im VolkshauS, Rosincnstr. 3. Herr Raschle über: „Die Seife und ihre wirtschaftliche Bedeutung". Martendorf. Mittwoch, den 17. Juli, Versammlung de» Frauen- und Mädchenbildungsvereins bei Reichardt, Chaussecstr. 16. Vortrag. Britz. Donnerstag, 13. Juli bei Weniger, Versammlung des Frauen- und Mädchenvereins. Gen. Kurt Heinig über: „Arbeiterin und Bildung". Es sei noch darauf hingewiesen, daß am Sonntag, den 28. Juli die Familienpartie nach Johannisthal stattfindet. Abmarsch vormittags 10 Uhr vom Buschkrug. Gäste willkommen. Trcptow-Baumschnlenweg. Die Generalversammlung fällt in diesem Monat der öffentlichen Versammlung wegen aus und findet nächsten Monat statt. Mittwoch, 24. d. M. Kinderfest bei Speer, Baumschulenstr. 78. Weißensee. Mittwoch, den 17. Juli Ausflug nach„Tegelort", Restaurant zum Schwan. Abfahrt pünktlich um 8 Uhr morgens vom Schloß Weißensee mit der Straßenbahn. Pankow. Donnerstag, 13. Juli, Versammlung bei Großkurt, Ber- linerstr. 27_ ßericbtö- Zeitung. «Grober Unfug" im Wahllokal. Die ReichStagSwahl am 25. Januar hatte für den Wähler Hubener zu Linum ein Verfahren wegen groben Unfugs zur Folge. Als er im Wahllokal in Linum wählen wollte, wurde ihm vom Wahlvorsteher bedeutet, daß er schon gewählt hätte. Er bestritt daS mit aller Entschiedenheit. Darauf zeigte man ihm einen ent- sprechenden Vernierk in der Wählerliste. Nun wurde H. sehr auf- geregt und erklärte im lautesten Tone, er habe noch nidst gewählt, er habe das Lokal mit keinem Fuße vorher betreten. Wiederholt stampfte er mit den Füßen auf. Es gelang nicht, ihn zu beruhigen; man führte ihn hinaus. Das Schöffengericht sprach den Angeklagten frei, das Landgericht Neu-Ruppin verurteilte ihn jedoch wegen groben Unfugs zu einer Geldstrafe von 15 M. In der Begründung wurde darauf verwiesen, daß sich im Wahllokal eine größere Zahl von Personen befand. Wähler und solche, die amtlich mit der Wahl zu tun hatten. DaS Verhalten des Angeklagten sei geeignet gewesen, in erheblichem Maße die öffentliche Ruhe und Ordnung zu stören und daS Publikum zu belästigen, und cS habe auch diesen Erfolg gehabt.— Hiergegen legte der Angeklagte Rcvision durch Rechtsanwalt Th. Liebknecht ein. Die Revision rügt die Ver- kcnnung des Begriffes grober Unfug. Sie wurde aber am Freitag mit folgender Begründung verworfen: Ein Rechtsirrtum liege nicht vor. Im Sinne des Gesetzes sei daS Wahllokal öffentlich. Jeder- mann, der wählen wolle, habe Zutritt. Das wäre ein ganz un» bestimmter Kreis von Personen. Festgestellt sei, daß Angeklagter durch Schreien und Aufstampfen mit den Füßen mehrere der An- geklagten belästigt habe und daß er sich dessen auch bewußt gewesen sei. Man habe ihm in der Liste gezeigt, daß er gewählt habe. Wenn er sich trotzdem in der festgestellten Weise benahm und schließlich hinausgeschafft werden mußte, so sei er mit Recht wegen groben Unfugs bestraft worden. Borsicht vor vcrsm>i«rn! Wie dringend notwendig Schutz Minderjähriger gegen Ver- führung ist, offenbarte in erschreckender Deutlichkeit die HandlungS- weise des Gelegenheitsarbeiters Otto Wieke, welcher gestern aus der Untersuchungshaft der 4. Ferienstrafkammer dcS Land- gericht» I vorgeführt wurde, um sich wegen Verführuiii, einer Minderjährigen und Zuhälterei zu verantworten.— Am Silvester- tage v. I. ging die damal» dreizehnjährige Elisabeth K., die Tochter eines in Moabit wohnhaften Arbeiters, in Begleitung ihrer Freundin, der vierzehnjährigen Mcta W., spazieren. Unterwegs wurden sie von zwc» Männern angesprochen, welche die beiden ziemlich früh entwickelten Mädchen zu einem Glase Bier einluden. Die Mädchen weigerten sich anfänglich, willigten jedoch schließlich ein. da ihnen die beiden Männer vorhielten, es wäre doch weiter nichts dabei, wenn sie als„junge Damen" auch einmal eine Stunde länger wie sonst wegbleiben würden. In einer kleinen Schankwirtschaft in Moabit traktierten die beiden Verführer die Mädchen mit Bier und verschiedenen Likören, biß diese alles willenlos mit sich geschehen ließen und den beiden Burschen zum Opfer fielen. Da» eigentliche Ziel der beiden Männer, es waren dies der jetzige Angeklagte und ein zweiter unbekannt gebliebener Mann, ging jedoch noch viel weiter. Der Angeklagte verabredete mit den Mädchen eine zweite Zusammenkunft und redete ihnen vor, wie herrlich und in Freuden sie leben könnten, wenn sie seinem Vorschlage folgen würden. In unglaublich kurzer Zeit brachte eS der schändliche Verführer dahin, daß sich die noch in den Kinderschuhen steckenden Rädchen auch anderen Männern Hingaben, die ii ihnen zuführte. Nunmehr hatte er die beiden Opfer völlig in den Händen. Er veranlaßte sie, ihren Eltern davonzulaufen und zwang sie schließlich, auf der Straße aufMännerfang auszugehen. DenVerdienst mußten die beiden unglücklichen Geschöpfe ihrem Pciniger abliefern, der sie häufig in rohester Weise schlug und ihnen drohte, sie„kalt zu machen", wenn sie ihn verraten würden. Dieses scheußliche Treiben währte längere Zeit, bis die Mädchen eines Tages von der Sittenpolizei aufgegriffen wurden. Nunmehr erst fanden die beiden Verführten den Mut, ihre LeidenSgeschidste zu erzählen. Die Folge war, daß der gemeingefährliche Verführer und Zuhälter verhaftet wurde.— Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. DaS Gericht hielt mit Rücksicht auf das gemeine Treiben eine exemplarische Strafe für angebracht und erkannte gegen den An- geklagten auf ein Jahr und drei Monate Gefängnis und zwei Jahre Ehrverlust. Außerdem wurde die Ueberweisuug an daS Ar- beitShauS gegen den Angeklagten verhängt. EI» ungetreuer Postbote, Welcher längere Zeit Briefe mit Wcrtinhalt und Warenproben ver- untreut hatte, stand gestern bor der 3. Ferienstrafkammer deS Landgerichts II. Wegen Unterschlagung im Amte mutzte sich der frühere Postbote, jetzige Musiker Alfred Kuberzig verantworten. Der Angeschuldigte stand seit dem 18. September 1905 in den Diensten der Postbehörde. Seit mehreren Monaten wurde er bei dem Postamt 1 in Rixdorf als Briefträger und Sortierer be- schäftigt. Anfang dieses Jahres liefen bei dem Postamt eine große Anzahl Beschwerden über verloren gegangene Briefschaften ein. ES wurde eine umfangreiche Untersuchung in die Wege geleitet, die anfänglich zu keinem Resultat führte. Zufällig wurde eines TageS der Angeklagte dabei beobachtet, wie er beim Briefsortieren einen Brief, in dem sich anscheinend ein Gegenstand befand, sehr genau befühlte und ihn sodann beiseite legte. Nunmehr lenkte sich der Verdacht auf den Angeklagten, zumal an demselben Tage bei der Postbchörde ein anonymer Brief einging, in welchem K. der Briefunterschlagung bezichtigt wurde. Durch den Postinspektor Jmmermann wurde deshalb ein Brief mit einer fingierten Adresse angefertigt und in der Weise durch Einlegen eines Zweipfennig- stückeS präpariert, daß man schon von außen das Geldstück fühlen konnte. Dieser Brief wurde dem Angeklagten in die Hände ge- spielt, der auch tatsächlich in die Falle ging und den Brief ver- schwinden ließ. Als er sich bald darauf nach dem Abortraume be- gab, um hier den Brief zu öffnen, folgte ihm der Postinspektor dorthin und überraschte ihn dabei, wie er gerade im Begriff war, verschiedene unterschlagene Briefe zu öffnen. Der Angeschuldigte legte sofort ein offenes Geständnis ab, welches er in der gestrigen Verhandlung wiederholte. DaS Gericht erkannte auf eine Ge- sängniSstrafe von fünf Monaten. Der Staatsanwalt hatte sechs Monate beantragt._ Was ist ein Lehrling im vereinSrcchtlicheu Sinne? Nach§ 8 dcS preußischen VereinSgesetzcS dürfen Lehrlinge be« kanntlich nicht in Vereine aufgenommen werden, welche bezwecken. in Versammlungen politische Gegenstände zu erörtern. EmukalSki, der Vorsitzende eines polnischen Turnvereins, welcher statutcn- gemäß auch politische Zwecke verfolgt, war vom Landgericht Posen wegen Aufnahme eines„Lehrlings" in den Verein auf Grund dcS 8 8 zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Das eigenartige des Falles war, daß der Aufgenommene bereits 19 Jahre alt und auS- gelernter Kaufmann war, zur fraglichen Zeit aber in der Absicht. den Beruf zu wechseln, bei einem Fleischermcistcr auf Grund eines Vertrages die Fleischerei erlernte.— Der Angeklagte legte Re- Vision ein und mackste geltend, ein solcher Mann könne nicht mehr als Lehrling im Sinne des Vereinsgesetzes angesehen werden.— Der zweite Strafsenat des Kammergerichts verwarf jedoch am Freitag das Rechtsmittel mit folgender Begründung: Der in dem Verein aufgenommene R. sei Lehrling im Sinne des Vereins- gesetzeS gewesen, denn wenn er auch vorher als Kaufmann auS- gelernt hatte, so habe er doch zur fraglichen Zeit bei einem gleischermeister gelernt. Freilich sei nicht jeder als Lehrling im vereinsrechtlichen Sinne anzusehen, der später einen anderen Beruf ergreife und ihn erlerne. Z. B. könne er dann nicht mehr als Lehrling in diesem Sinne gelten, wenn er zur strittigen Zeit da? Alter der Wahlfähigkeit erreicht habe. Bei jugendlichen Personen wie R., der„erst" 19 Jahre alt war. �sei daS etwas anderes.— Zur Bestrafung dcS Angeklagten genüge eS, daß er fahrlässig handelt«, als er R. aufnahm.— Früher hatte daS Kammergericht angenommen, selbst ein Vierzigjähriger, der als Lehrling einen anderen Beruf ergreift, sei Lehrling im Sinne der reaktionären Vorschrift dcS preußischen VereinSgesetzcS. Gestank vor Gericht. Vor dem Rixdorfer Schöffengericht mußte sich gestern der Chauffeur Bruno Schneidcr-Berlin verantworten. Der Angeklagte haitc von der Polizei ein auf 5 M. lautendes Strafmandat erhalten, weil sein Auto bei der Fahrt über den Hermannplatz zu Rixdorf einen so stinkenden Dampf hat entweichen lassen, daß dadurch die Passanten belästigt wurden. Gegen diese Verfügung hatte Schneider gerichtliche Entscheidung beantragt. DaS Schössen- gericht Rixdorf war der Ansicht: wenn die Polizeibehörde seinerzeit das" stinkenden Dampf ausstoßende Automobil behördlich abgenommen und dem öffentlichen Verkehr übergeben habe, so sei sie nicht berechtigt, wegen der Mängel Bestrafung zu beantragen, die sie selbst durch die polizeiliche Abnahme gewissermaßen genehmigt habe. Da» Gericht sprach deshalb den Angeklagten frei. eingegangene Druchfcbriften. von der„Nene» Zeit"(Stuttgart. Paul Singer) ist soeden da« 4t. Hcst de» 25. JabrgangS evschtenen. Inhalt des HestoS: Der Fall PetcrS.— Proletarilche Wanderungen. Von Otto Bauer.— Die Feinde der Einwanderung. Von Dr. Karl Börnberg(New gorf)-— Histoiilch. materialistische LIleratur. Bon Franz Mehring.— Literarische Rundschau: Max Onarck, Prosit und Arbeit in der chemischen Äroszinduslric. Bon ov. — Notizen: Die Lohndrücker des Auslandes und die Internationale. Die.Nene Zeil" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstallen und Koiporlenre zum Preis« von S,«l» M. pro Ouarlal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Oes! tostet LS Pf« Probenummern stehen jederzeit zur Versügung. Soeben beginnt der 2. Halbjahrgang der illustrierten Romanbibliothek „In Freie» Timiden- zu erscheinen. Derselbe bringt als Hauptroman Joh. Schcrrs historische Novelle.Die Pilger der Wildnis", eine Srzäblung. die man init Recht al« das Interessanieste Erzeugnis dieser Art bezeichnen kann. Daneben bringen die Hesie eine Erzählung der berühmte» schwc« blichen Schrislsiellerin Seima Lageriös„Die Henenhossage" sowie ein Netne» Feuilleton, enthaltend Unterhaltendes und Belehrendes, Witz und Scherz. .In Freien Stunden" erscheinen tn Wochenheften a t0 Ps. IL Heller = 15 Cent. Die Hefte können in jeder Partetbuchhandluna und bei jedem Kolporteur bestellt iverden, auch nimmt jede Postanstalt Bestellungen ent- gegen. Preis pro Quartal 1,20 M.«xl. Bestellgeld. „Blut und Elsen.-' Ueber MfUtariSmuS, Krieg und Kriegertum und dessen verderblichen Silifluß aus da» Kulturleb«» der Kölker in aller und neuer Zeit belehrt un« das von ber Buchhandlung Vorwärt» unter obigem Titel herausgegebene Werk, in dessen Vorwort der Verfasser lagt! .... AuS all dem können wir lernen, daß dle Sozlaldemonatle auf dem richtigen Wege ist. wenn si» den MiltiartSmu», nicht nur tnsowett er eine der Arbeiterklasse seindliche Macht, sondern auch insosen, er ein Wehr. Prinzip ist. bekämpft und eine volkstümliche, demokratische«ehrverfassimg fordert. Die Sozialdemokratie will da» stehend- Heer durch eine BoltsmUr, ersetzen. Ein aus demokratischer Grundlage stehende» Voltsheer schützt die Nation vor dem Kriege, denn für die frivolen. weltpollNschen Abenteuer der kapltalistiichcn Prv itsucht ist c» ein höchst untaugliche» Instrument. E» schützt aber auch die Ration besser als der MilitanSmu» Im Kriege, wenn cS ein Kampf um die Existenz und Scidständigteit de» Volke» ist. Dies» Lehre zu iesliacn, ist der Zweck diefe» Werke»." In jeder Woche erfchcmt eine reich illustrierte Lieferung zum Preise von 20 Pf(in Oesterreich 24 Heller), die durch jede Buchhandlung bezogen und von Kolporteuren geliefert wird. „Kommunale PrnxlS". Dochenfchrlft für Kommiinalpolltlk und G-meindclozialismuS. Verlag: Buchhandlung«ovwärlS, verlin 8W.«8. K»r de» Jnvnlt der Jujernte übernimmt die Redliktion den, Vublitnm geßenüber keinerlei Beranimortnng. Theater. Dienstag, den IS. Juli. Ansang 8 Uhr. Neues kgl. Operntheater. Wiener Blut. Deutsches. Der Jongleur. Schiller O.«WnNner. Theater.) Postillon von Lonjumeau. Schiller S.(ffrieDrirtt Wilbelm- städtllcheS Tbeater) Kyrttz-Pyritz. Neues Schauspielhaus. Rassles. jtlrtnes. Vater und Sohn. Komische Oper. HoffmannS Erzählungen. Weste». Die lustige Witwe. ituftspielhaus. Die Welt ohne Männer. Beruhard Rose. Der grohe Un- bekannte. Anfang 8'/, Uhr. Metropol. Der Teufel lacht dazu. »lpollo. Der Hochzeitsgast. Spe- zialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Folics Caprtce. Geisterauto.— Paris. Ansang 8>/a Uhr. Retchshalleu. Winter-Tymian. Passage. Epezialiläten. Sternuiarte. Jnvalldenstr. S7/S2. illeioes Ikesler. Ansang 8 Uhr. Unter und Sohn. Morgen und folgende Tage! _ Vater und Sohn. Tluster des Westens. Abends 8 Uhr: Die lustige Witwe. Operette in 3 Alten v. Franz Lehär. Lustspielhaus. Ansang 8 Uhr. Die Welt ohne Männer. Metropol-Thealer Anfang 8 Uhr. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max ,Botb. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Rauchen überall gestattet. IIb 8 Uhr: Das grofte komische Programm! U.a.: Jean Paul in seinen Original-Typen. Jean ClermoutS Zirkus-Parodie Barnum u. Beileid. 10 Uhr: Hartstein in seiner Burleske „Der Hochzeitsgast" als Ortsvorsteher Lehmann. Gebr. Herrnfeld- Theater. 67 Kommandantenstrasze 57. Sonnabend, den 3. August;] Wieder- Eröflnung. Premiere»cn e Operetten-BurleSke von Anton u. Donat Herrnseld. Musik v. L. Jtal. Dazu die Scparcc-Afsäre h lebe tos Uleben! kMMMksM Gr. Frankfurter str. 132. Täglich i Im Garten, Ans. 4'/, Uhr: Das erstklassige 8pv«ialititten- Urngrarnni. Sperrsitz 50 Ps. Eiilrce 30 Ps. Im Theater abends S'/j Uhr: Der große Unl><>knunte. Sommerprelse. Passage-Theater. Jeden Abend 8 Uhr: Der große Yerwandlungskiinsüer Artaro Bernardi. Berlins schickste Sonhrette IdaPerryj 14 Variith-Seneationen 14 Schiller-Theater 0. (Wallner-Tbeater.) Morwitz-Oper. Dienstag, abends 8 Uhr: Gastspiel Ilelnrleh Iliitel: Der Postillion von Lonjumeau. Komische Oper w 3 Akten v. Ad. Adam. Mittwoch, abendS 8 Uhr: Carmen. Donnerstag, abendS8Uhr: Gastspiel der grotzh. Hosopernsängerin Gertrud Runge: Die lustigen Weiber von Windsor. Sehlller-Ihsstei' N. Frledrich-Wilhelmstildtjsches Theater. AbendS 8 Uhr: Kyritz-UyNtz. Zoouiciscitcli CMiUH 1 1 Täglich ab nachm. 5 Uhr: S Großes || Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 Mk., von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. J�cue(öclt Hasenheide 108-114. Täglich: Gr. Doppel-Konzert UNd Spezialitäten-Vorstellung. Zum Schluß: Rau Diedel Dau. Grone BourleZque- Pantomime, für die Neue Welt bearbeitet und in Szene gesetzt von stvrt filia. Ansang 5 Uhr. Entree zum Konzertgarten 10 Pf. ,. Thcatergarten 25 Pf. Jeden Mittwoch: Erntefest. Jeden Donnerstag: Monster. Fciierwerk.____ Schweizergarten Am KSnigstor. Am Friedrichshain. Strabcnbahn 1,2,4, 17, 59, 62, 63 u. 74. Täglich: Theater-Vorstellung. Neue Spezialitäten. Kinematograph und Ball. Freier Damentanz. Anfang 5 Uhr._ Entree 30 Pf. ßsthahn-yark Am KUstrinerplatz, RBdersdorferetr. 71 Hermann Imbs. Täglich: Großes Konzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstellung. Variete-Garten Weinbergsweg 19/20, Nosenth.Tor. 15 Juli-Spezialitäten. Promenaden- Konzert. Ans: Konzert 5; Vorstellung 7 Uhr. BV Bei ungünstigem Wetter Vorstellung im Theater 8 Uhr. Kleine Souiinerpreise. W. Noacks Theater. Direktion: Roh. Oill. Brnnnenftr. 16. Große Extra-Dorstellung. Vollständig neues Programm. Zum ersten Male: s'/.uhr: Die Keetenburger, oder: Ein Stuck Alt-Berlin. Bei schlechtem Wetter: Vorst, im Saal. Pröbels Allerlei-Theater früh. Pnhlmann, Schönh. Allee 148. Sleltestes Volkstheater Berlins. Heute sowie täglich:-Mg Der durchweg neue, erfolgreiche Juli-Spielplan. Prolongiert: Frank lZregor�-Truppe. Herrn. Milarde: I>er Pantinen klub. Neu 1 The Champtinis, Altweibermühle. The lunas. Olga Verdi. Gustav Müller. Cund Trio usw. Nur noch kurze Zeit: Großntadtzauker. Im Saale: Groster Ball. Ansang 4'/, Uhr. Entree 50 Pf. Prater- Theater. Kastanien-Allee 7/9. Flotte Weiber. Spezialitäten 1. Ranges. Auftreten der I.iiwenbrant Tllly B6b«5 mit ihren dress. Löwen. Konzert und Hall. _ Ansang 4'/, Uhr._ Volksgarten-Thealer, Bad-BehmstraBe— Bahnhof Gesundbrunnen— BellermannstraBe. Der rechte Weg. Original- VolkSstück mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von W. Gericke. Hierzu: ——— Das neue— IliCMii- Spszialitäteii- Progränun. Volksbelustigungen._ Reichshallen-Thealer. Heute: ErsteS Gastspiel des berühmten Winter- Tymian mit seiner Herren- gcsellschast. Anfang 8 Uhr. 1. Aug.: Wieder« beginn der Soireen der Stett. Sänger. belle- �lliance-Gaften 6 Uhr: Konzert und Variötö. kiNKkampk. Konkurrenz.»ckHckstFH /VTlr Gcsamtpreise:«VVW lkttk. Meldungen von Albert Sturm, Achner, Belli»«, Karbinostet, Tebi6, van Dyk usw. usw. fllez* Spezialitäten-Theater. «V«» I-andsberger Allee 76— SÖ. Direkt a. d. Ringbahnstation. Bequemste Fahrgelegenheit n. alle» Stadtrlcht. Od»odiin!"Täglich im herrl. Garten oder gr. 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B Paul desebeek« st Heft Nr. ist erschienen. Preis tß Pfennig. Brillante Schlager. In allen Buch-,Papier> und Musitalicn-Hand- lungen zu haben. > Verlag Berlin hl,. �Gethsemanestr. 3. Perlederger Straße 26. Artushof, Letzter Tag der groBen internation. Ringkampf-Konkurrenz, Albert Hein-Berlin gegen Hans Roszaclt-Pofcn. Gerungen wird bis zur Entscheidung, nach dem Preisverteilung. Vorher: Das neue Spezialitäten- Programm. Ansang 6'/, Uhr. Ring- lamps 9 Uhr. Entree 30 Ps. Klmiren- nnd Kranftinderti von Hoher! Moser,. nur Mluiiulutn-Siruße 2. Klmen- und Krauzbinderei von Aug. Krause Wienerstraße 7. Verelnskränze.Palmen-ArrangementS, Guirlandenujw. lieserezudeubilligsten Preisen. Aoähmöprklsö Honat Juli. X i. B. Koch X Roblen-Grolt-Handliino Berlin 0. 34, Brombergerstr. l». Preise für nur la Harken ab Platz von IV Ztr. an:• Prima la Halbstcine(bekannte Marken).. pr. Ztr. 8ö Ps. , la Diamant pr. Ztr.(110 bis 120 Stck.)... 87 Ps. . la Ilse n. Akw.... 9v Pf. , IaAnthrazttCadip.ZIr.L,Z0M. 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GreisSwalderstr. 19t, Bartz. Gr. Franksurterstr. 90. Gebr.SIabenow. Grünauerstr. 8, Kühn. Grüner Weg 52. Karschunke. Gürtelstr. 29, Borchart. Jnvalidenstr. 87, Grünkramgeschäst. Jagowstr. 24, Langner. Kajtanicn-Allee 68, Geistler. Kesselstr. 8, Kluge. , 42, Tauer. Koppenstr. 3, Dornseid. , 4, Gericke. Kochhannftr. 1, Ragowky. Königsbcrgcrstr. 23, Schröder. Körnerslr. 23, Siewert. KöSllncrstc. 6, 2inkc. 2andSbcrgerstr. Il3, Buchwald. 2ausitzerplatz 12, Milchgeschäft Lchrierstr. 43, Versick. 2iegnitzcrstr. 36, Juritz. 2ortzingstr. 39, Schöiifcld. Markgrascndamm 6, Wähmer. Mariannenplatz 22, Konatkowskh. Maxstr. 13. Milchgeschäft. 13e, Herzsprung. Mühlenstr, 61, Niens. Müllerstraste. Ecke Türkenstraste, Teuer- kauf. Müllerstr. 56, Grülling. , 61, Gabronn. , 131, K. Kühn. , 133a, 2orenz. Oldenburgcrstr. 7. Schulze. Oppelnerstr. 10, Beruer. Puttbuserstr. 12, Milchgeschäst 56, Ramlerstr. 25, Brenner. Rathenowersir. 27, Strehmet Reichenbergerstr. 78, Rest. Rehländer. „ 127, Kohlmann. Ritterstr. 117, Milchgeschäst. .. 122. Romlnteneritr. 16, Veller. Schönhauser Allee 26, Milch_ Schwartzkopfsstr. 20, Schneider. 37, Milchgeschäst. Schwedterstr. 252, Milchgeschäst. 268, Geschäft. Skalitzeritr. 147a, Grünkramgeschäst Slallschreiberstr. 4, Kreburg. Slephanslr. 39, Paschkewitz. Slrastmannstr. 17, Kleinod. Tilsilerstr. 23, Dörnfeld. TreSckowftr. 49, Milchgeschäft Usedomstr. 32, Milchgeschäft. Peteranenstr. 5, Milchgeschäst. . 9, Gerlach. . 17, Bruchmüller. Waldcmarstr. 75, tzaase. Weidenwcg 27, Davidsohn. Weistenburgerstr. 54, Franke. 84, Rabe. WilhelmShavenerstr. 41, Kroll. , 49, Biclo. . 54, Franke. Wrangelstr. 30, Gebr. Lange. HO, Biehler. Wasscrtor- Ecke Fürstenstrahe, Geschäft eorndorserstr. 12, Rademacher. winzlistr. 11, Marowskh. Ebenso sämtliche Filialen der grasten Buttergeschäste von Astmai,». Holz- Klawe, Ladcwig. Gebr. ManuS, Schröter. Zander und Vallentiu beziehen nach wie vor Kommistbrot aus der gesperrten Brotfabrik von Heinrich Wittler, Müllerstr. 33/34. 45/11 Rügenerstr. 23,©ander. Diese Liste wird noch erweitert. Die Lohnkommission der Bäcker. Bureau: Auguftstr. 3«. F.-A. III. 134». Wir bitten die verehrlichen �SUSsrauen und Zkonsumentön» die kämpfenden Bäckergesellen dadurch wirksam zu unterstützen, daß sie ihre Ware nur aus Gesehäffen beziehen, die Srot und Sachware von bewilligten Sachereien entnehmen. Vielfach wird das Publikum von den Bäckermeistern und Händlern in die irrige Ansicht versetzt, daß besondere Brotsorten. wie das Praschma-Brot, Pumpernickel, Schrot- und Kommißbrot, vom Boykott unberührt sind. Wir erklären ausdrücklich, daß das Brot von Praschma und anderen unbewitligten Bäckereien als boykottiert überall zurückzuweisen ist. Lerantwortl. Redakteur: Saft Mermuth, Berliv-Rirdork. sftir den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Vcrlaasanstalt Paul Sinoer& Co., Berlin SW. Dt. 163. 31. 2. DeW des Jotwiirls" ßttliittt KIKsM. Dlknstag, 16. Juli 1907. Arbeiter, Parteigenossen Berlins! Seht die Wählerlisten ein! Wer nicht in der Liste steht, dars nicht wählen! Partei- Angelegenheiten. Achtung! Heute Dienstag, den lk. Juli, pünktlich 8'/s Uhr abends, finden in den sechs Berliner Wahlkreisen die Ver- samnilungen statt, welche sich mit dem internationalen Kongreß in Stuttgart und den hierzu nötigen Delegiertenwahlen be- schäftigen und zwar 1. Kreis bei Dräsel, Neue Friedrichstr. 35, 2.„ Bockbranerei, Tempelhofer Berg, 3.„ Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer 15, 4.„ Keller, Koppenstr. 29, 5.„ Altes Schntzcnhans, Linienstr. 5, 6.„ Gerniania-Säle, Chausseestr. 193. Mitgliedsbuch des Wahlvereins legiti- miert zum Eintritt. Zahlreiches Erscheinen erwarten Die Borstande. Donnerstag, den 18. Jnli, von 7 Uhr abends an, findet gleichfalls nur in den sechs Berliner Kreisen von den bekannten Stellen aus die Flugblattverbreitung statt, welche zur Einsichtnahme in die G e m e i n d e- Wählerliste auffordert. Die Genossen werden gebeten, so frühzeitig als möglich und Mann für Mann anzutreten, damit die Verbreitung sich prompt und schnell erledigt. _ Der Zcntralvorstand. Rixdorf. Vom heutigen Tage an stehr den Mitgliedern deS Wahlvereins die Bibliothek in der Spedition, Neckar- straße 2, wieder zur Verfügung. Die Bibliothek ist geöffnet von K— 8 Uhr.— An die säumigen Leser richten wir die ernste Mahnung, die entliehenen Bücher einzuliefern, anderenfalls in der nächsten Generalversammlung dieselben namhaft gemacht werden.— Aus die heute abend stattfindende Volksversammlung bei Hoppe, Hermannstratze, machen wir die Mitglieder nochmals aus- merksam und ersuchen um rege Beteiligung. Der Vorstand. Trltow-BceSkow. Eine Wiederholung deS Kreis- fest e s findet am nächsten Sonntag im Etablissement Hasselwcrdcr zu Nieder-Schöneweide statt, beginnend mit einem Frühkonzert morgens um 6 Uhr. Die Parteigenossen werden ersucht, für einen regen Besuch des Festes zu wirken. Eintrittspreis 25 Pf. Die noch nicht benutzten Billetts haben Gültigkeit. Das Fest-Konntee. Weißcnsee. Auf die heute abend 8Vz Uhr im Prälaten, Lchder- straße 122 stattfindende Generalversammlung wird hiermit nochmals 'aufmerksam gemacht. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Alt-Glienicke. Am Mittwoch, den 17. Juli, abends 3 Uhr. findet eine öffentliche Versammlung für Männer und Frauen im Lokale deS Herrn Fröhlich, Friedrichstr. 66 statt. Genosse Störmer referiert über.Arbeiterschaft und Kirche". Arbeiter, Parteigenossen sorgt für guten Besuch der Versammlung. Der Einbcrufcr. Ho hen-Schöiihause». Heute Dienstag, den 16. Juli, findet abends 8>/z Uhr im Lokale des Genossen Herschlcb, Berlinerstr. 93, die Generalversammlung des Wahlvcreins statt. 1. Vortrag über die politische Lage. 2. Bericht deS Vorstandes. 3. Vcreinsangelegen- heiten. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Tegel. Heute, Dienstagabend 8'/, Uhr findet bei dem Genossen Götz. Schloßstr. 7/3, die Generalversammlung deS Wahlvcreins statt. Tagesordnung: Vortrag des Genoffen Julian Borchardt über.Ge- danken über das Kommunistische Manifest". Aufnahme neuer Mit« glieder. Abrechnung deS Kassierers. Vercinsanqelcgeuhciten und Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht _ Der Vorstand. Berliner JNteebriebten� Bom Wetter ungünstig bcrinflnsst wurden die Sommerfeste, die unsere Parteigenossen im 4. und 6. und im Teltower Kreise am Sonntag arrangiert hatten. Als am Sonnabend der Regen fortlvährend hcrniederströnite, hatte schon niancher Festteilnehmer die Hoffnung auf den Sonntag aufgegeben. Am Sonntagvornuttag wurde man aber angenehm enttäuscht. In der Nacht zum Sonnabend hatte der Regen aufgehört, bald kam die Sonne durch und bis gegen Mittag konnte man die Hoffnung habe», daß die Wetterprognose für Sonntag:.vorwiegend rrube, kühl und regnerisch bei ziemlich frischen wcstlickien Winden" zuschanden werden und die Genossen mit ihren Sommerfestcn wieder einmal .Schwein" haben würden. Aber das Frohlocken war zu frühzeitig. Gegen 2 Uhr setzte ein Nassauer ein, der manchen, der beabsichtigte, sich nach den Festlokalcn zu begeben, bestimmte, mm doch noch zu Hause zu bleiben. Der Regen ließ bald toicder nach, wiederholte sich aber wieder, wenn auch weniger intensiv. Zwischen 5 und 6 Uhr entlvickelte sich in den Fcstlokalen trotz der Ungunst der Witterung ein immerhin recht erheblicher Verkehr, wenn mich die Massen, auf die man bei dem ganzen Arrangenrenl rechnen mußte, nicht kamen. Die Festteilnehmer selbst ertrugen die Launen deS Wettergottes mit dem üblichen Humor. Die Programme konnten natürlich nur teilweise ihre Erledigung finden. So konnten im 6. Kreise, der in dem schön gelegenen Moabiter Schützenhause bei« sammen war, die Radfahrer nicht ihre Künste zeige», da die Bahn schlüpfrig war; die Athleten mußten verzichten, ihre Kräfte an den Geräten zu probieren, und die Turner desgleichen. Nicht viel anders war es im 4. Kreise. Im Teltower Kreise suchte man, so gut es ging,.programmäßig" zu verfahren, wenn mau sich auch genötigt sah, den Liadfahrern den Saal als Fahrbahn anzuweisen. Unter diesen Umständen beschlossen die Festkomitees, das Sommer- fest zu iviederholen, um auch denjenigen, die den Wunsch und da« Bedürfnis haben, mit den Kampfesgenoffen einmal gesellig bei- sammen zu sein, Gelegenheit dazu zu geben. Im 6. Kreise und im Tcltower Kreise findet diese Fortsetzung am nächsten Sonntag in denselben Festlokalen statt, im vierten Kreise stehen leider nicht alle Lokale nächsten Sonntag wieder zur Verfügung und wird noch eine bestimmte Mitteilung darüber erfolgen. Hoffentlich macht der nächste Sonntag gut. was am letzten zu wünschen übrig blieb. Für die allgemeine Ausstellung von Erfindungen der Klein- industrie, die in der Ausstellungshalle am Zoologischen Garten stattfindet, stehen den Gewerkschaftsmitgliedern ermäßigte Ein- trittslartcn(30 Pf. stgtt bv Pf.) mi Verfügung. Ebenfo sind ngöh wie vor ermäßigte Eintrittskarten zur Ausstellung der Sezession (25 Pf. statt 1 M.) zu haben. Diese ermäßigten Karten können von den Beauftragten der Organisationen im Bureau des„GeWerk- schaftShauses" oder der Berliner Gcwerkschaftskommission in Empfang genommen werden. Submissionsblüten. Bei der Vergebung der Arbeiten für den Neubau der Schule am Tempelhofer Weg verlangten für die äußeren Eingangswände und Glaswände die Firmen Grün u. Hcllwig: 14 438 M.. H. Hoffmann 12 368 M.. bis herab zu 8425 M., die Ernst Mittag-Berlin verlangten. Der Durchschnitt zwischen der höchsten und niedrigsten Forderung betrug 11233 M. Die Firma Mittag ist danach 25 Proz. unter dem Durchschnitt geblieben. Bom Sturm in die Spree geriffen wurde die 28 Jahre alte Schiffseigncrfrau Anna Stengel mit ihrem zweijährigen Töchterchen. Vor dem Hause Schleusenuscr 5 ankerte der Schiffseigner Karl Stengel aus Prankau a. O. Als seine Frau zum Einkauf der Tagcsbedürfnisse mit ihrem einzigen Töchterchen auf dem linken Arm, den Korb auf dem rechten das nasse Laufbrett nach dem Land zu überschritt, wurde sie mit dem Kind durch einen Windstoß in das Wasser geworfen. Auf ihre Hülferufe eilten drei fremde Schiffer mit ihren Kähnen herbei, deren einer Frau Stengel alsbald retten konnte. Die beiden anderen bemühten sich um das den Armen der Mutter entrissene Kind, konnten aber nur dessen Leiche unter einem Kahn hervorholen. Zwei Aerzte mußten Frau Stengel wieder in das Bewußtsein zurückrufen, die Kindesleiche wurde vom 70. Polizeirevier nach dem Schauhause gebracht. Bon einem Wüstling verschleppt wurde das 12 Jahre alte Mädchen Martha K., das bei der Mutter in der Dragoncrstraße wohnte und plötzlich verschwunden war. Die Mutter meldete das Kind als vermißt bei der Polizei, und diese konnte es nach Verlauf von zwölf Tagen in der Fruchtstraße aufgreisen und der Mutter wieder überliefern. Die Mutter nahm das Kind in ein strenges Verhör, und auf Grund der dabei zutage getretenen Tatsachen be- schäftigte sich die Kriminalpolizei näher mit der Angelegenheit. Bis- her liegt der folgende Sachverhalt vor: Am Tage des Verschwindens befand sich Maria K. in Gesellschaft der etwas älteren Rosa R. in der Neuen Fricdrichstraße vor einem Kincmatographentheater. Dort näherte sich dem Kind ein angeblicher Kaufmann Wolfs, nahm es mit in das Theater, kaufte ihm Näschereien und veranlaßte eS zunächst, bis zum Schluß der Vorführung zu bleiben. Nach Be- cndigung der Vorstellung um 11 Uhr nachts wußte der Mann die Angst des Kindes wegen der späten Rückkehr nach Hause zu ver- scheuchen, führte es durch mehrere Straßen und nahm es schließlich in seine angeblich im Hause Große Frankfurterstr. 119 im zweiten Stock belegene Wohnung mit. Dort behielt er das kleine Mädchen bis zum nächsten Morgen, gab ihm den Rat, nunmehr nach Hause zu gehen, schenkte ihm 80 Pf. und begleitete es auf die Straße, nachdem er eine zweite Zusammenkunft für den nächsten Tag ver- abredet hatte. Merkwürdigerweise hatte Martha K. sich nicht selbst überzeugt, in welcher Straße sie war. Nachdem sie nun allein war, trat wieder Furcht vor der mütterlichen Züchtigung in den Vordergrund, und sie trieb sich weiter umher und fiel dabei noch zwei gewiffenlosen Männern in die Hände. Die Wohnungen dieser beiden Schurken kann sie auch nicht angeben.— Die Ermittelungen der Kriminalpolizei haben ergebe», daß im Hause Große Frank- furterstraße 119 ein Kaufmann Wolff überhaupt nicht wohnt. Der Wüstling ist ein Mann in mittleren Jahren mit dunklem Haar und Schnurrbart, der von demselben Ort auch schon andere Mädchen an sich zu locken versucht hat. Er geht danach mit Absicht auf die VerÜbung von Verbrechen an Kindern aus und scheint sich den Verkehr an den„Kientöppcn" für seine Zwecke gewählt zu haben. Martha K. wurde vorläusig bei ihrer Großmutter auf dem Lande untergebracht. Zahlreiche BootSuufiillc, die leider auch zwei Menschenleben gefordert haben, sind am letzten Sonntag auf den Gewässern der Umgebung Berlins durch de» starken Sturm herbeigeführt worden. Auf den Seen hatte sich ein un- gewöhnlich reger Ruder- und Seglerverkchr entwickelt und durch die heftigen Windstöße, die von Zeit zu Zeit gewaltige Dimensionen annahmen, wurden die Bootsinsassen in die größte Lebensgefahr ge- bracht. Fortgesetzt wurden Fahrzeuge zum Kentern gebracht und bis auf zwei Unfälle gelang es, die Verunglückten zu retten. Einen traurigen Abschluß fand ein BootSunfall, der sich gestern nachniittag auf dem Waunsee ereignete. Drei Herren aus Berlin hatten sich ein Ruderboot gemietet, daS infolge eines starken Windstoßes plötzlich zum Kentern kam. Die Insassen stürzten in die Fluten und es gelang, nur zwei derselben zu retten. Der dritte ertrank. Auch auf dem Seddinsee bei Schmöckivitz hat sich ein bedauerlicher Boots- unsall zugetragen. Dort kenterte ein mit zwei Personen besetztes Ruderboot. Nur einer der Gefährdete» konnte sich durch Schwimmen retten. Der andere war des Schwimmen?»»kundig und mußte ertrinken. Bei SpindlerSfelde kippte ein mit drei Personen be- setzteS Boot um. Die Insassen wurden in die Fluten geschleudert und nur dem Umstand, daß in allernächster Nähe ein Motorboot kreuzte, hatten sie es zu verdanken, daß sie gerettet werden konnten. Die Mannschaften des Motorfahrzeuges Ivarfcn den Gefährdeten Rettungsringe zu und zogen sie dann glücklich an Bord. Auf dem Müggelsee trugen sich mehrere BootSunfälle zu, die aber glücklicher- weise sämtlich noch einen günstigen Verlauf nahmen. Auf dem Seddinsee kenterte ein Segelboot eines Berliner Seglerklubs, wobei drei Mitglieder des Klubs in die größte Gefahr des Ertrinkens ge- rieten. Schließlich konnten auch sie durch andere Ruderer in Sicher- heit gebracht werde». Auf dem Müggelsee hat sich am Sonntag abend ein schwerer Bootsunfall zugetragen. Fünf Mitglieder des Berliner Ruder- klubs„Teutonia" hatten mit einem Viersitzer eine Bootsfahrt unternommen. Das Steuer wurde von dem Bankbeamten Karl Marten aus der Ale;andrinenstraße gehandhabt. Als das Boot im südlichen Teile des Müggelsees durch die Wellen schnitt, wurde es plötzlich infolge eines gewaltigen Windstoßes gleich oiner Nuß- schale auf die Seite gelegt. Die fünf Insassen stürzten sämtlich in den See und M. kam unglücklicherweise unter das Boot. Der Unglückliche mußte Hülflos ertrinken. Die anderen vier Ruderer wurden durch die Besatzungsmannschaften des Personendampfers „Freya" gerettet. Die Leiche des ertrunkenen M. ist gestern ge- landet worden. M. war die Stütze seiner betagten Mutter gewesen. Es mag an dieser Stelle einmal darauf hingewiesen werden, daß die Warnungszeichen, die seit einigen Jahren bei eintretendem stürmischen Wetter von den Rettungsstationen am Müggelsee ge- geben werden, von den meisten Ruderern nicht beachtet werden. Auch am vergangenen Sonntag waren die Warnungsbälle, die an- zeigen sollten, daß die See stürmisch und für den Nndcrverkchr gefährlich ist, hochgezogcn. Aber trotzdem herrschte ein starker Rudcrverkehr auf dem Gewässer. Ein Zusammenstoß im Straßenbahnbetriebe hat gestern mittag an der Ecke der Koch- und Wilhelmstraße stattgefunden. Der Kutscher Wilhelm Hoffmann, Cotheniusstr. 14 wohnhaft, wollte zwei Fahrgäste nach dem Anhalter Bahnhof bringen. Als er mit seiner Droschke von der Koch- in die Wilhelmstraße einbog, stieß das Gefährt mit solcher Gewalt gegen einen entgegenkommenden Straßenbahnwagen der Linie 63, daß sowohl der Kutscher als auch die beiden Fahrgäste auf die Straße geschleudert wurden. Während die letzteren glücklicherweise ohne Verletzungen davon- kamen, blieb H. bewußtlos liegen. Er wurde nach der Unfallstation in der Kronenstraße gebracht, wo der diensttuende Arzt einen Schädelbruch und eine schwere Gehirnerschütterung feststellte. In äußerst bedenklichem Zustande fand der Verunglückte im Kranken- haus Moabit Aufnahme.' Ein schwerer Unglücksfall hat sich gestern nachmittag in der Leipzigerstraße ereignet. Beim Ueberschreiten des FahrdammeS in der Nähe der Wilhelmstraße wurde die Rentiere Goldammer, Kaiscrplatz 16 wohnhaft, von einer vorübereilendcn Droschke niedergerissen und überfahren. Die Räder gingen der Bedauerns- werten über den ganzen Körper hinweg und schwerverletzt fand Frau G. in der Rettungswache in der Mauerstraße Aufnahme. Es hat geholfen. Kürzlich fragten wir, ob unsere Polizei prüde ist. Der Anlaß hierfür war die uns zugegangene Mit- tcilung, daß sich in dem Eckgebäude Alexanderstraße und Königs- graben, wo das örtlich zuständige Polizeibureau residiert, auf dem Hofe gleich hinter dem Hausflur ein Abort befinden sollte, der in keiner Weise geschützt ist. Wir hatten uns überzeugt, daß die Angabe den tatsächlichen Verhältnissen entsprach. Auf Grund unserer Bemerkungen über die Angelegenheit ist nun inzwischen Abhülfe geschaffen worden, der beste Beweis, daß die Kritik wieder mal im Recht war. Der Abort hat zwar nicht eine volle Tür er- halten, wohl aber ein etwa 10 Fuß hohes und l'A Fuß breites Schutzbrett, welches das Ausflußbccken vor den Passanten deS Hofes verbirgt. Damit kann man sich allenfalls zufrieden geben. Der bereits angekündigte Prozeß gegen die Frau Dr. Else Bergmann wegen Mißhandlung ihrer Stieftochter sollte gestern unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors v. Haugsdorf vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts II zur Verhandlung kommen. Es stellte sich jedoch heraus, daß eine Hauptzcugin, die Schulvorstehcrin Dörstling, nicht erschienen war. Außerdem stellte Rechtsanwalt Dr. Schwindt als Verteidiger der Angeschuldigten mehrere Beweisanträge, die dahin gingen, die Unglanbwürdigkcit der Hauptbelastungszeuginnen, die sich zumeist aus ehemaligen Dienstmädchen der Frau Dr. B. rekrutierten, nach- zuweisen. Die Verhandlung wurde deshalb bis zum September vertagt. Ein solgenschwercs Automobilunglück, bei dem zwei Personen schwerverletzt wurden, hat sich in der Ticrgartenstratze zugetragen. Die Chauffeure Langkanski, Landsberger Allee 123, und Gietz, Gipsstraße 4 wohnhaft, waren auf einem Auwmobil der Automobil- A.-G. nach dem Kurfürstendamm zu gefahren, um ein neues Rad dorthin zu bringen. In der Nähe des Kämperplatzes kam der Kraftwagen infolge deS schlüpfrigen Pflasters plötzlich ins Rutschen >lnd der Chauffeur verlor die Gewalt über das Gefährt. Mit voller 'Wucht rannte das Auto gegen einen Lindenbaum. Der Anprall erfolgte mit solcher Heftigkeit, daß die beiden Chauffeure vom Bock herunter auf die Straße geschleudert wurden. L. blieb be- wußtlos liegen. Der Bedauernswerte hatte eme schwere Gehirn- crschüttcrung sowie erhebliche innere Verletzungen erlitten. Auch G. hatte sich bei dem Sturz nicht unerhebliche Verletzungen zuge- zogen. Nach Anlegung von Notverbänden auf der Unfallstation in der Kronenstraße wurde L. in das Krankenhaus Moabit eingeliefert. Sein Zustand gibt zu ernsten Besorgnissen Anlaß. Das Automobil wurde bei dem Zusammenstoß fast vollständig zertrümmert. Die Berletiungen, die der Kutscher Reimann am Donnerstag durch den Hufschlag eines Pferdes erlitten hat, sind glücklicherweise weniger schlimmer Natur als anfänglich angenommen wurde. immerhin ist ihm der rechte Oberarm gebrochen. Das Pferd soll, wie uns der Fuhrherr Ferger mitteilt, sonst ein ganz fromme» Tier sein und besondere Sicherheitsmaßregeln beim Putzen über» flüssig gemacht haben. A»S LiebeSgram in den Tod gegangen ist die 23jährige Schneiderin Frida K. aus der Landsberger Allee. Das junge Mädchen hatte am Sonntag einen Streit mit seinem Bräutigam gehabt, den es sich sehr zu Herzen nahm. Es konnte die ganze Nacht über sich nicht beruhigen und äußerte der Mutter gegenüber wieder- holt Selbstmordgedanken. Während die K. mit ihrer Arbeit an der Nähmaschine saß, wurde sie plötzlich wieder von ihrem Liebes- schmerz übermannt, eilte in einem unbewachten Augenblick zum Fenster und stürzte sich aus dem 4. Stockwerk auf den Hof hinab. Schrecklich entstellt und fast leblos wurde das unglückliche Mädchen hier aufgefunden: sie verschied, noch che ein Arzt ihr Hülfe bringen konnte. Zwei große Brände beschäftigten die Feuerwehr am Sonntag in der Neuen Königstr. 32 und in der Hasenheide 50. An der ersten Stelle stand bei Ankunft der Löschzüge aus dem zweiten Hofe im Quergcbäude ein Fourageboden und in der Hasenheide 50 der Dachstuhl des Ouergebäudes in erheblicher Ausdehnung in Flammen. Hier wie dort gab es für die Löschmannschaften viel Arbeit. Es dauerte stundenlang, bevor rtuf beiden Brandplätzen die Gefahr mit insgesamt sieben Schlauchleitungen beseitigt war. Von dem Futterboden und dem Dachstuhl konnte nichts mehr gerettet werden. � Außerdem brannte gestern in der Kastanien- Allee, Ecke der Schwedterstraße, eine Arbciterbudc. Die öffentliche Lesehalle der deutschen Gesellschaft für ethische Kultur, Münzstr. 11, ist für einige Tage infolge notwendiger Maler- arbeiten geschlossen. Die neu hergerichteten Räumg werden wie bisher Wochentags von 12—3 Uhr und 6— 10 Uhr, Sonntags von WO— 1 Uhr und 5—10 Uhr unentgeltlich für jedermann geöffnet sein. Gesperrt. Die Kleine Alexandcrstraße von der Hirtcnstraße bis zur Linicnstraße wird Kanalisationsarbeitcn halber vom 17. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. DaS Gebrüder Hcrrnfeld-Theatcr eröffnet Sonnabend, den 3. August d. I., seine 15. Spielsaison. Während der Monate Juni und Juli ist das neue Haus dekorativ vollständig neugestaltet worden. Anton und Donat Herrnfeld haben während ihrer Ferien- zeit eine Operetten-Burlcske geschaffen, deren Premiere am Abend der Wieder-Eröffnung in Szene geht. Die Titel der Novität ist „Madame Wig-Wag". Bei dem am Sonntag, den 14. d. M. stattgefundencn Sommer- fest deS 4. Kreises in M e n t e s V 0 l k s g a r t e n ist ein Damen-Portemonnaie mit 15 Pf. Inhalt und eine Korallenkette gefunden worden. Die Gegenstände können die Verlierer in den Buteaustunden vormittags von 9 bis 2 und nachmittags von 5 bis 8 im Bureau des Wahlvcreins, Tilsitcrstr. 81 I, in Empfang nehmen. Radrennen am 14. I u l i. Die Ungunst des Wetters machte die Abhaltu.'g der Reimen sotvphl in Spandau, wo ein 100 Kilo» meter-Rennen auf dem Programm stand, wie in Steglitz, wo die Bahnrennen des Gau 20(Berlin) des Deutschen Radfahrer-Bundes abgehalten werden sollten, und endlich auch in Treptow nicht gut ausführbar, da bei den öfter einsetzenden Regengüssen an eine glatte Abwickelung des Programms nicht zu denken war. Die Rennen in Spandau sind auf den IS., die in Steglitz auf den 21. Juli verlegt. Die diesjährige Regatta des Rudervcreins„Vorwärts" in Gc- meiiischaft mit dem Rudervercin„Collegia"-Spandau fand am Sonn- tag in Stralau statt. Die Strecke war die alte. 1600 Meter. Start: Eisenbahnbrllcke. Ziel: Schwanenberg. Außerdem wurde in diesem Jahre zmn ersten Male ein Achterrenncn für Damen veranstaltet, ivelcheS allseitiges Interesse bei den Zuschauern hervorrief. Leider wurden die gefahrenen Zeiten durch die ungünstige Witterung be- einträchtigt, doch find sie zufriedenstellende. DaS Ergebnis ist folgendes: 1. Doppelzweier für Senioren. Boot„Kleeblatt". Schulz, Henschel. Steuer Hesse. 6 Min. 5 Sek.— 2. Vierer für Juniore ir. Boot„Müggel". Gruuow I. und II., Witte, Schneider. Steuer Gurr. SMin. 31 Sek. — 3. Achter für Dame n. Boot„Vorwärts". Frl. Kreisch- mann. Dienert, Wenzel, Licht. Volkmann, Kadler, Reich, Schulze. Steuer Pohling. i Min. 5 Sek.— 4. Doppelvierer 1 u t Junioren. Boot„Collegia". Haase, Fielitz, Sander, Bcttin. Steuer Thaler. 6 Min. 21 Sek.— S. Einer. Boot„Kehrwieder. Römer. 6 Min. 41 Sek.— 6. Achter für Junioren. Boot„Grillenberger". Kersten, Hüttner, Howe, Withe, Hoppe, Schneider, Schidzick, Münchcnhagen. Steuer Fromm. S Min. 18 Sek.— 7. Vierer für Senioren. Boot„Dahme". Jähnicke, Henschel, Rodlo, Wille. Steuer Sternfeld. S Min. 32 Sek.— 8. Doppelzweier für Junioren. Boot „Kleeblatt". Sander, Bettin. Steuer Schulz 5. 6 Min. 1 Sek.— 9. Vierer für Anfänger. Boot„Jugend". Darchmin, Nowack, Kornatz, Seidel. Steuer Kubik. ö Mi». 48 Sek.— 10. Achter für Senioren. Boot„Grillenberger". Jänicke, Henschel, Radlo, Engel, Groß, Bettili, Wenzel, Römer. Steuer Stemfeld. 6 Min. 18 Sek. Vorort-)Vacbricfotcm Charlottenlinrg. Der RcichSverband zur Verleumdung der Sozialdemokratie will sein VerlenmdungShandwerk sogar in sozialdemokratischen Versamm- lungen betreiben. Um dies erfolgreich tun zu können, verfolgt er die Taktik, den VersammlnngSsaal recht frühzeitig durch„zuverlässige Freunde der nationalen Sache" schon vor der festgesetzten Zeit besetzen zu lassen. So hatte er zu der gestern in Charlotteuburg angekündigten Versammlung besonders vertrauliche Zirkulare verbreitet: RcichSverband gegen die Sozialdemokratie Hauptstelle Berlin, Dessauerstr. 30. den 13. Juli 1907. Eilt sehr! Streng vertraulich! Au unsere werten Mitglieder! Am Montag, den 15. d. Mts., abends 8'/? Uhr, findet in Charlotteuburg, Volkshaus. Rosinenftr. 3, eine sozialdemokratische VvlkSvcrsainnilung statt, in der der Redakteur Kurt Eisncr aus Nürnberg über„Unsere Afrikaner", Eindrücke vom PeterS-Prozeß sprechen wird. Wenn irgend möglich, wird von maßgebendster Stelle(!) des NcichSverbaudes— zugleich eine der bekanntesten fach- männischen Autoritäten unserer Kolouialpolitik— dem Redner cnt- gegen getreten werden. Wir ersuchen Sie daher hierdurch, sowohl selbst bestimmt zu erscheinen, wie auch an zuverlässige Freunde nationaler Richtung diese Einladung weiterzugeben. AuS taktischen Gründen ist eS dringend erforderlich, schon vor der festgesetzten Zeit sich im Saale einzufinden. Mit deutschem Gruß in vorzüglicher Hochachtung RcichSverband gegen die Sozialdemokratie. gez. Dr. Bovenschen. Daß der RcichSverband sich dabei eine Abfuhr holt, wie er sie verdient, bedarf keiner besonderen Hervorhebung. Wir wünschen nur, daß er seine Absicht von dem Besuch sozialdemokratischer Versamm» lungen beibehält; unsere Genossen müssen auch einmal Gelegenheit bekommen, dieses Lügengcsindel Aug' in Aug' kennen zu lernen. Wir glauben nur nicht an Ausdauer auf diesem Gebiete. Vielleicht findet sich die Gesellschaft in der heute in Nixdorf stattfindenden Versammlung, in der über daö gleiche Thema referiert wird, auch ein. Tchöneberg. „Unsere Afrikaner" lautete das Thema eines Vortrages, daö Genosse Kurt Eisner in einer am Freitag bei Obst stattgesundenen öffentlichen, gut besuchten Versammlung behandelte. Die Versamm» liuig bot äußerlich ein anderes Bild, als eS sonst öffentliche Versamm- lungen zu bieten pflegen, da diesmal auch Angehörige deS Bürger- tumS in derselben ziemlich stark vertreten waren.— Der Referent wieS zunächst auf die wüste Agitation unserer Gegner zu den Januarwahlen hin und besprach dann die Ursachen, welche angeblich zur Auflösung deS alten Steichstages geführt haben sollten. Jetzt sei der Schleier gelüftet; heute lvisse alle Welt, daß nicht die Verlveigcrung der Afrikakredite durch daS Zentrum und die Sozialdemokratie der Grund zur Auflösung war, sondern die Existenz Bülolvs als Reichskanzler. Redner kommt im weiteren Verlauf seiner Rede auf den PcterS-Prozeß zu sprechen und gibt die persön» lichen Eindrücke wieder, die er in diesem gewonnen hat. Dieser Prozeß habe so recht gezeigt, wie geistig heruntergekommen und polnisch verlottert die herrschende Clique ist. Besonders sei eS ihm ausgefallen, wie ivenig gesunde, freie, ehrliche Menschen unter den Prozeßbcleiligten der Afrikaverteidiger sich befunden hätten. Eine rühmliche Ausnahme hiervon hätten gemacht: Der Vorsitzende, Pater Acker und Frau Direktor Kayser. Der Referent schildert die gehässige Art und Weise der Arendt und Liebert gegen alle die Zeugen und Sachverständigen, die zu uu- glnisten PetcrS' ausgesagt hätten. Die Liebertsche maßlose Kritik an dem Peters-Urteil, da» von höchsten Gerichtsbeamten des Reiches gefällt worden ist und daS man nach jeder Richtung hin nur ein gerechtes nennen könne, zeige uns, daß c» für diese Sippe keine Gesetze gibt, sobald ihre Interessen dabei in Betracht konmien. Dieser Prozeß werde für lange Zeit ein BelvciS für die Sittlichkeit lind die Moral dieser Schichten sein. Starken Beifall zollten die Anwesenden dem Referenten während und nach dem Vortrage für seine trefflichen Ausführungen. Eine Diskussion fand nicht statt. Trotz des Hinweises des Vorsitzenden, falls einer der anwesenden Gegner daS Wort wünsche, ihm ungehindert Redezeit zuzubilligen, meldete sich niemand zum Wort. Genosse Rethfeldt konstatierte das und meinte, keine Antwort sei auch eine Antwort. Er forderte nunmehr alle diejenigen auf, die ihren Beifall und ihre Zustimmung zu den Ausführungen gegeben hätten, auch konsequent zu sein und offen dafür einzutreten, daß solche, des Deutschen Reiches unwürdige Taten nicht ruehr geschehen könnten. DaS sei aber nur möglich durch Anschluß an die Sozialdemokratie und durch Eindringen in das Wesen des Sozialismus. Die Gelegen- heit dazu werde geboten im sozialdemokratischen Wahlverei» und durch die sozialdemokratische Presse. Steglitz. Aus der Suche nach— Dumme» ist ein Schwindlerpärchen jetzt in Steglitz angelangt. Dieser Tage erschien ein junges Mädchen in der Wohnung ciiieS Genossen und bat die Wohnungsinhaberin, für die abwesende Flurnachbarin ein Pfund Kakao, das in Teugelniann» Kaffeegcschäft bestellt sei, abzunehmen und den Betrag von 1.60 M. auszulegen. Die Frau unseres Genossen dankte für das Geschäft und verwies das Mädchen nach einer anderen Familie, bei der die gesuchte Flurnachbarin öfter verkehrt. Das Mädchen klingelte denn auch dort und nachdem es erfahren, daß die angebliche Bestellerin nicht anwesend sei, versuchte eS auch hier, allerdings vergebens, die 1,60 M. zu erhalten. Kmimehr klingelte sie nochmals bei unserem Genossen und bat, ihr doch den doppelten Weg zu ersparen; ihr Bruder sei Radfahrer bei Tengelmann und habe so viel zu tun, daß er die Bestellungen nicht alle erledigen könne, weshalb sie ihm helfen müsse. Die liebenswürdige Schwester mußte jedoch unvcr- richtetcr Sache abziehen. Auf eine Anfrage im Tcngelmannschen Geschäft stellte es sich heraus, daß die hülfsbereite Schwester eine Schwindlerin ist, die anscheinend mit ihrem„Bruder" arbeitet, dem es schon in mehreren Fällen geglückt ist. mit demselben Trick leickt- gläubige Frauen hineinzulegen. Bei Oeffnung der Pakete erwies sich der Kakao als— Sand. Dem„Bruder" gelingt der Schwindel deshalb leichter, weil er angeblich mit der Mütze der Tcngelmanuschcn Hausdiener bekleidet ist.— Also: Vorsicht I Friedrichsfelde. Eine Feriensitzling der Gemeindevertretung fand am Freitag statt. Den Hauptpunkt der Tagesordnung bildete die Aufnahme eines Darlehens in Höhe von 1 400 000 M. Das Geld soll mit VA Proz. verzinst und mit% Proz. amortisiert werden. Es sind ferner zu zahlen 1 Proz. Abschlußprovision und Proz. Vcr- mittelungsprovision. Die neue Anleihe soll dazu dienen, schwebende relv. gekündigte Tarlehen zurück zu zahlen, welche beim Kanalisationsbau aufgenommen sind, auch sollen davon die Rest- baukosten der Kanalisation bestritten werden. Ferner müssen Mittel bereit gehalten werden für Anschlüsse rcsp. Umbauten der Klosettanlagcn auf den Gemeindcgrundstücken und der Zuschuß für den Krankenhausbau in Höhe von 90 000 M. Es wurde einstimmig beschlossen, das Darlehen in obiger Höhe und unter den gestellten Bedingungen aufzunehmen. Unter Mitteilungen gab der an Stelle des auf Urlaub befindlichen Gemeindevorstehers den Vorsitz führende Schöffe Rcschke bekannt, daß die seinerzeit beschlossene Einrichtung eines selbständigen Standesamts im Ortstcil Karls- Horst vom Oberpräsidentcn genehmigt ist, ferner daß für Karlshorst die Nachtverbindung mit der Rettungsgesellschaft durch Herrn Weihrich, Dönhofstratze, Amt Oberschönewcidc Nr. 344,' her- gestellt wird. Nieder-Schöneweide. Im Gas erstickt. Ein trauriges Ende hat der 20jährige Haus- diener Julius Weher aus Berlin, der bei dem Drogisten Klink in der Grünauerstr. 3 in Nieder-Schöneweide augcstelli war, gefunden. Der junge Mann hatte erst vor zwei Tagen seine dortige Stellung angetreten. Als er gestern morgen geweckt werde» sollte, gab er keine Antwort. Da aus dein Schlafzimmer starker Gasgeruch herausdrang. ließ man die verschloffene Tür gewaltsam öffnen. Die Stube war vollständig mit Gas angefülll und in seinem Bette lag W. als Leiche, der Aermste war an Gasvergiftung gestorben. Er hatte am Abend den Gashahn versehentlich geöffnet statt geschlossen. Trebbi«(Kreis Teltow). Seht die Stadwerordnetcu-Wählerlisten ein! Für die im Herbst d. I. stattfindenden Stadtvcrordnctenwahlen in Trebbin liegen die Wählerlisten in der Zeit vom 13. bis 30. Juli im Rathaus während der Dienststunden aus. In dieser Zeit kann jeder, der hier seinen Wohnsitz hat, gegen die Richtigkeit der Listen Einwendungen schriftlich oder zu Protokoll beim Magistrat anbringen; später ein- gehende Erinnerungen werden nicht mehr berücksichtigt. Die Genossen Stahmann und TrebuS sind bereit, für diejenigen, denen es nicht möglich ist, Einsicht in die Wählerliste» z» nehmen, diese Arbeit zu übernehmen. Man versäume im eigenen Interesse nicht, sich zu melden. Spft»da«. Auf dem Aussterbeetat soll, wie vor längerer Zeit das„Span- daucr Tageblatt" ausposaunte, die sozialdemokratische Stadt- verordnctcnsraktion stehen. Das hindert genanntes Blatt aber nicht, schon jetzt für die Reichsverbändler die Werbetrommel zu den im November dieses Jahres stattfindenden Stadtverordneten-. wählen zu rühren. „Ein wirklicher Wahlkampf," bemerkt das Blatt,„wird bei diesen Wahlen nur bei der dritten Abteilung bevorstehen, wo die bürgerlichen gegen die sozialdemokratischen Kandidaten in Frage kommen. Die Sozialdemokraten werden mit allen nur denkbaren Mitteln die ihnen im Jahre 1905 bereitete Niederlage wieder wctt zu machen suchen und die bereits verlorenen Mandate wieder erobern wollen, was ihnen selbstverständlich kein Mensch verdenken kann. Sache der bürgerlichen Partei wird es sein, die nötige Agitation in der dritten Abteilung zu entfalten und die Wähler über die Ziele der Sozialdemokratie aufzuklären. Die widerwärtigen Szenen, wie sie zu Niegers Zeiten an der Tagesordnung waren, sind in der Stadtverordnetenversammlung seit dem Weggänge Riegers nicht mehr vorgekommen, denn mit den jetzt noch in der Stadtverordnetenversammlung befindlichen Sozialdemokraten läßt sich ruhig und sachlich verhandeln. � Wenn auch ein gewisser Herr P. mitunter die Zügel schießen läßt und sich persönlich etwas reiben möchte, namentlich wenn er es mit Kollegen zu tun hat, die ihm geistig überlegen sind, so dient das höchstens einmal zur Erheiterung, an welcher es bei den sonst ernsten Verhandlungen so wie so fehlt."— Der Spandauer Schleifstein scheint bereits zu ahnen, daß das Sterbcglöcklein für die Spandauer Sozialdemokratie noch nicht läuten wird. Immerhin müssen auch unsere Genossen bereits in die Agitation eintreten und beweisen, daß die Sozialdemokratie aus dem Reichstagswahlkampfe gekräftigt hervorgegangen ist. Vermiscbtes. Unwctternachrichten. DaS Unwetter der letzten Tage hat überall erheblichen Schaden angerichtet. Zu der Dammrutfchung auf der Fernzugstrecke Schlesischer Bahnhof— Kaulsdorf sind Sonnabend abend noch weitere Rutschungen an derselben Strecke vorgekommen. Auch ist Sonntag morgen auf der alten Ostbahnstrecke das Gleis von Kaulsdorf nach Biesdorf infölge Dammrutfchung unfahrbar geworden. Es ist des- halb der planmäßige Verkehr der Stadtbahnzüge zwischen Lichten- bcrg und Kaulödorf eingestellt, und wird zwischen Lichtenberg und Biesdorf der Stadtbahnvcrkchr durch Pendelzüge, die wegen der Glcisuntcrbrcchung nicht über Biesdorf hinausfahren, aufrecht- erhalten. Aus Breslau wird vom 15. Juli gemeldet: Die Mittagsblätter incldcn: Die Ncisse ist infolge anhaltenden RcgenS aus den Ufern getreten, große Strecken sind völlig überschwemmt. Der Roß- markt, der Holzplan und das Schützenhaus sind schwer bedroht. Jnfanteriemannschaftcn und Feuerwehr arbeiten unausgesetzt an der Absperrung der Fluten. Auf den genannten Straßen steht das Wasser meterhoch. Der Stadtbahnhof kann nur mit Kähnen erreicht werden. Durch Kähne wird auch der Verkehr auf den Straßen ver- mittclt. Äiele Gehöfte außerhalb von Glatz sind durch die Fluten völlig zerstört. Die gesamte Ernte scheint vernichtet. In den Fluten der Weistritz ist bei Rucckcrs gestern ein Schulknabe er- trunken, ein Mann wird vermißt. Auch aus dem Riesengebirge lauten die Nachrichten trostlos. Das Dorf Straupitz bei Hirschbcrg ist völlig abgeschnitten. Das Gelände zwischen Straupitz und Hirschbcrg bildet eine wogende Wasserfläche. Auf der Schneekoppe muhten wegen des herrschenden furchtbaren Sturmes sämtliche Fensterläden geschlossen bleiben. Den ganzen Tag brannten die Lampen. An dem Acußcrn der Gebäude wurde großer Schaden angerichtet. Die Oderstrombauvcrwaltung teilt amtlich mit: Infolge bc- deutender Rcgcnfälle im Ouellgebiet der Oder und ihrer links- seitigen Nebenflüsse sind alle diese Flüsse bedeutend gestiegen. In der Oder ist noch größeres Hochwasser zu erwarten.— In Ratibor erreichte der Wasserstand heute vormittag 4,83 Meter und wird voraussichtlich 6 Meter Pegel Höhe übersteigen. In den oberen Strecken der Glotzer Ncisse, der Weistritz, der Katzbach und des Aobcr fällt das Wasser wieder. Ein Privat-Telegramm aus Dresden meldet: In Sachsenbrachte der gestrige Sonntag große Regenmasscn und schweren Sturm, Elbe und Weistritz haben Hochwasser. Die Ernte ist stark bc- schädigt. Ter Bahndamm bei Station Rad.bor ist gerutscht; der Verkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. Auch in Posen hat der Sturm Schaden angerichtet. Einem Privat-Telegramm aus Posen zufolge stürzte infolge andauernden Regens bei Tirschticgel eine Brücke der im Bau begriffenen Bahnstrecke Bentschcn— Btru» bäum ein. Mehrere Arbeiter wurden schwer verletzt. In Oester- reich regnet es weiter. Aus Wien wird berichtet: Der Gußregcn dauerte den ganzen Tag an, hielt des nachts an und erneuerte sich heute früh, wenn auch nicht so stark. Außer den Gärten, Anlagen und Parks haben die Getreidefelder und Weingärten in der Um- gegcnd Wiens stark gelitten, das bereits geschnittene Getreide auf den Feldern ist vernichtet. Auf dem Semmering, dem Schnceberg und der Rax liegt ver Schnee meterhoch. Die Zahnradbahn auf den Schnceberg mußte den Verkehr einstellen. Im Wiener Stadtpark, im Pratcr, in Schönbrunn und anderen Parks sind zahl» reiche Bäume durch den orkanartigen Sturm entwurzelt worden. Auf dem Schnceberg wurden durch die Verkehrsstörung auf der Zahnradbahn zahlreiche Wiener Touristen durch den gestrigen Sturm und Schneefall in dem dortigen Hotel eingeschlossen. Fürstin und Diener. Vor 14 Tagen teilten wir mit, daß das Verfahren gegen dir Fürstin Wrede wegen Silbcrdicbstahls durch Beschluß des Land- gcrichts zu Güstrow i. M. eingestellt worden ist, weil die Fürstin zurechnungsunfähig ist. Daß die Geisteskrankheit der Fürstin, die in den Jahren 1903 bis 1906 in Berlin, München und Paris Hoteldiebstähle und im Jahre 1905 einen Einbruaisdiebstahl in Basedow begangen haben soll, erst jetzt und aus Anlaß ihrer Ver- folgungsmöglichkeit auf 4 Jahre rückwärts konstatiert ist. ist eine merkwürdige Erscheinung, die uns aber nur zu der Forderung ver- anlaßt, alle Diebstahlsverdächtigen einer gleich fürsorglichen ärztlichen Untersuchung zu unterwerfen. Nun wird aber mit- geteilt, auch die Gesellschafterin Weidig und der Fürst Wrede selbst seien wegen der Anklage der Hehlerei, Begünstigung oder Beihülfe außer Verfolgung gesetzt. Als Grund wird die kuriose Deduktion geltend gemacht: nach§ 51 St. G. B. sei, wenn ein Zurcchnungsunfähiger stiehlt, eine„strafbare Handlung nicht vorhanden", mithin könne auch von einer Begünstigung oder Hehlerei dieser Handlung nicht die Rede sein, da zu dem Tatbestand einer solchen Straftat das Erlangen der Sache durch eine straf- bare Handlung— die nach§ 51 St. G. B. nicht vorliegt — gehört. Eine eigenartige Deduktion, für die sich das Güstrower Landgericht auf die Ansicht des Reichsgerichts(Band 35 S. 73) bc» ruft. Wir lassen dahingestellt, ob mit Recht. Es liegt uns auch fern, die vielen Streitfragen, die sich an den Wortlaut des Z 51 St. G. B. knüpfen, hier zu erörtern. Wir möchten nur darauf hinweisen: ist der Standpunkt des Güstrower Gericksts richtig, so wäre jemand, der einen Zurechnungsunsähigen zum Diebstahl an» stiftet, nicht strafbar, da ja— nach Ansicht des Gerichts in Güstrow —§ 51 St. G. B. besagt, daß der Diebstahl eines Zurechnungs- unfähigen keine Straftat sei. Es eröffnen sich für gcwerbs- mäßige Diebe aus der Deduktion des Güstrower Gerichts noch weitere Perspektiven für die Art, das Diebes- und Hehlergeschäft straflos zu betreiben. Wir möchten kaum annehmen, daß das Oberlandesgericht, an das sich die Staatsanwaltschaft mit einer Beschwerde gewendet haben soll, die juristische Ansicht des Land- gcrichts billigen wird. Fast noch auffälliger ist, daß die Gesell- schafterin Wcidig wegen des ihr zur Last gelegten Meineides(in dem Prozeß gegen den Diener Glase) außer Verfolgung gesetzt ist, weil sie zwar objektiv Unwahres bekundet hat, aber kein Anlaß zu der Annahme vorliegt, daß sie wissentlich oder fahrlässig einen Meineid geleistet habe._ Entgleiste Züge. Wie aus Pilsen berichtet wird, sind infolge vorzeitiger Weichenstellung gestern um Mitternacht zwei Wagen eines Per- sonenzuges entgleist. Elf Reisende erlitten leichte Verletzungen.— Saarbrücken, 15. Juli. Amtliche Meldung. Gestern abend 7 Uhr 10 Min. ist der Eilzug Saar- brücken— Trier zwischen Ponten— Besseringen und dem Mettlacher Tunnel mit allen Achsen entgleist, so daß beide Gleise gesperrt sind. Ein einziger Reisender war leicht verletzt. Ursache vermutlich Nichtbeachtung aufgestellter Langsamfahrsignalc. Personen- und Gepäckverkehr wird unter Benutzung von Landfuhrwerk zwischen Mettlach und Ponten— Besseringen aufrechterhalten. Die Wieder- aufnähme des Betriebes auf einem Gleis ist heute nachmittag zu erwarten. Aus der Luft inS Wasser. Die Leiche des Pariser Luft- schiffers Bulken, der am 24. Juni bei dem Volksfest in Dünkirchen mit dem Ballon„Florcal" aufgestiegen und seitdem verschollen war, ist nach Pariser Meldung an der Küste bei Ostcnde aufgefischt worden. Der Leichnam seines Begleiters, namens Taunay, ist bis». her trotz eifriger Nachforschungen nicht aufgefunden worden. Erdbeben. Das meteorologische Zentralburcau in Mexiko meldet, daß am 12. d. M. an verschiedenen Orten des Staates Euerrero schwere Erdbeben stattgefunden haben. Um- gekommen sei niemand. Schiffszusammcnstoss. Londoner Melduung zufolge stieß der englische Torpedobootzerstörer„Lee" gestern früh mit dem hol» ländischcn Kreuzer„Friesland" in der Nähe von Tor Bay zu- sammcn. Der Torpedobootzerstörer, der in Dcvonport angekommen ist, hat ein großes Loch am Schiffsrumpf davongetragen. Per» unglückt ist niemand. Die Pest. In Alexandrien sind in einem Hotel sechs Pcstfälle festgestellt worden. Von den Erkrankten sind 5 Europäer. In- folgedessen sind Hcrkünfte aus Alexandrien einer dreitägigen Quarantäne unterworfen._ Tozialdcmokratischer Lese- und Diskutierklub„Karl Marx". Sitzung jeden 1. und 3. Mittwoch im Monat bei Greulich, Uwechtersw. 9. Nächste Sitzung am MitUvoch, den 17. Juli, abends 81/, Uhr. Gäste will- lommen. Deutscher Zlrbeitcr-Zlbstincntcnbnnd. Ortsgruppe Berlin. Mitt» looch, den 17. Juli, abends 81/, Uhr, im Englische» Garten, Alexander- straße 27o: Verjammlung. Vortrag. Diskussion. Verschiedenes. WitternugSüdersscht vom 15. Juli 1997. morgens 8 liste. Wetter-Prognose für DicuStag, den 16. Jnli 1907. EiwnS wärmer, oielsach heiler, aber»och veränderlich, mit leichten Negeilschanern und»läßigcu nordöstlichen Winden. Berliner Wctterbureau. Wasserstand am 15. Juli vonn. Elbe bei Ausssg— Meter, bei Dresden— 2,00 dp.— Elbe bei Magdeburg 1,01 Meter.— Oder bei Ratibor— Meter.— Oder bei Breslau— 0,S0 Meter.— Oder bei Brieg 3,04 Met«. )Sc«- Brfcbdnungen: Verbrechen und Prostitution als soziale Krankheitserscheinungen. Zweite, völlig umgearbeitete und vermehrte Auslage. Preis brosch. 8.- M.. geb. S.SV M. ferdinand Lassalles „Offenes Hntwortschreiben". Durchgesehen, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Eduard Bernstein. Preis.......... 40 Pf. „ In besserer Ausstattung 1.— M. Patriotismus und Sozialdemokratie von Karl KantSky. Preis SV Pf. Die Agrarfrage in Rußtand Die bäuerliche ÄHrtlchafteform und die Hvbeitcr. Eine Untersuchung von Peter Maftlotu. Preis brosch. S.SO M.. geb. 3.- M. Die Kolonialpolitik und der Zusammenbruch n von ParvuS. Preis I.— M. \ In der russischen Baltille (während der Revolution. Eindrücke, Stimmungen und Betrachtungen von Parvus. Preis brosch. 4.— M., geb. I.SO M, | Viermal entflohen v°n Leo Deutsch. Verfasser von„Sechzehn?ahre in Sibirien". Preis brosch. I.SO M., geb. S.-» M. Der s>seue Meltkalender für 1908. Preis..... 40 P. Zu beziehen durch: Sxpeäition des„Vorwärts", Berlin SM. 68, Ltnden-Str. 69, Laden. Lebensmittelpreise steigen! Warum greift die deutsche Presse nicht ein? Das WlrtschaftsMld der Gecrenwart and der Zakonft ist zu beziehen durch alle Buchhandlungen(Kommissionär; Otto Weber, Leipzig). Broschüre A, vollständige Ausgabe, Mk. 2.— Teil- und Volks« ausgäbe, 60 Pfg. Gegen Einsendung von Mk. 2.10, bezw, 65 Pfg. für das Inland, Mk. 2.20 bezw. 70 Pfg. für das Ausland, werden die Broschüren portofrei vom Verfasser Kaufmann Michael Proestlcr in Würzburg ver« eandt, wenn in Buchhandlungen nicht erhältlich. _ Man verlange ebendaselbst Flugschriften und Prospekte._ Ceserzl.i tGeschüta jAssr glGARETTEN sind die besten. U.LLY YORK ACÖSTA .ifak Jeden Montag, Mittwoch und Donnerstag i ljMiilei'-fmeü-kiilü'teii n°ch VenttSorler Schleuse und Goseoer Berge. Abs. zirka 10 7, Hin und zurüc Nso"� 1 ab ScKillingsbrüche Hierzu ladet P|a|*|—— Ilestanrant—— höflichst ein■ iBiilj min Oder-Sprcc-Knnnl. Faul Lilfms Restaurant u. Festsäle Amt VII Nr. 1075. Mciuclersti-aüc 67. Saal mit Bühne und Nebenräumen, 500 Personen, kleiner Saal mit Parkettboden, 150 Personell fassend, sowie Bercinsziinmer mit Pianino stehen den geehrten Vereinen und Gesellschaften qur Abhaltung von Versammlungen und Festlichkeiten, auch Sonntags, zur Verfügung. ES find noch Tonn- nbendc und Sonntage im Herbst und Winter zu vergeben.* Um gütigen Zuspruch bittet Paul Litfitl. Manzen, straSe 92, Waldcmarstr. Mciiivalion und Hotten ncbst Brut vertilgen sicher meine Sper.lnlinlttel. Eisolg garantiert. DofiS 50 Ps., 1 u. 3 M. Nur echt bei M. Zchlveikart, Klanleustel. 64 und Rsictiandergeralr 55. 4835£» Sozialdemokratischer Vahiverein des 6. Berl. Reichstagswahlkreises. Mittwoch, den 17. Juli, abends 8'/, Uhr- Mitglieder-Verfammlung (der 8. Abteilung) bei ISIrseliliOHvnlcl, Beusselstrafze 9. Tages-Ordnung: 1. Ausstellung der Vorschlagsliste zur Wahl der Delegierten für die Vervandsgcncralversammlung Groh-BerliuS. 2. Bortrag des Genossen Wilhelm Kubig. 3. Diskussion._ IM- Zutritt nur gegen Borzeigung des Mitgliedsbuches.-TVOä 256/17* Der Voratand. Deutsclier Holzarbeiter-Verband. ■ Zahlstelle Rixdorf.— Donnerstag, den 18. Juli, abends 8'/, Uhr, im Lokale des Herrn Thiel. Bergstr. 151-153; General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Wrechnung vom 2. Quartal. 2. Regelung der Krankemmterstützung. 3. NcrbandSangelegenhcitcn. 90/15 Die Ortsvcrwnltnng. Arbeitsnachweis: AerwaltungSstclle Berlin. Hauptburean: Hos I. Llmt 3. 1239. Chariifcstraße 3. Hos III. Amt 3. 1SS7. MtliUg! l Kürtlsr. � Mittwoch, den 17. Juli, abends 6 Uhr, im großen Saalc des Gelverkschaftshanscs, Eugcl-Ufcr 13: Allgememe Verzammlung der in Gürtlereien beschäftigten Kollegen und Kolleginnen. TagcS'Ordnung: 1. Bürgerliche und proletarische Sozialpolitik. Nesercnt: Sekretär Karl Giebel. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Branchenangelcgenheitcu. Zahlreichen Besuch enoartet Die 6rtsver,vnltiinx. PortefeuiBSer und Ledergalanterie-Arbeiter u.-Arbeiterinnen. Zahlstelle Berlin. Mittwoch, den 17. Juli 1907, abends 8'/, Uhr, bei Qranmann, Nanuynstrahe 37: Ordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: Bericht der Ortsoerwallung, des Kassierers und der AgltalionSkommIssion; Wahl eines Beisitzers und t angclegenhciten; Verschiedenes. Zahlreichen Besuch moartet der Revisoren; Verbands- Die Ortsvcrwnltanff, Achtung! Den Mitgliedern zur Kenntnis, das! sich das Bureau vom Sonn- abend, den 30. Juli, in der Sebastianstrahe 4. vorn I befindet. Das Bureau ist geösfnet von 9—1 und von 4—7 Uhr. ArbcitSloscn-Kontr-olle nur von 9'/,— 10'/, Uhr. 100'S D O Mittwoch, de» 17. Juli, abends 8'/, Uhr. im Englischen Garte», Alcxandcrstrajie 27 0: MigUkSsr-Verssmmlung. TageS» Ordnung: t. Abrechnung vom zweiten Quartal 1S07. 2. Unsere Lohnbewegung. 3. Gewerkschaftliches. isg/g Zahlreichen Besuch erwartet Der Borstaud. .&P.Uder, Berlin S«. 16, engel-Ufcr 5. Fabrik-Lager sämtlicher gangbarer Kautabake. il; Nordhäuser Kautabak stets frisch zu billigsten Engros-Proisen. 5316L* 'Amt 4, 3014. Max Kliems Sommer-Theater Hasenheide 13/15. Artistiichc Leitung: Paul Milbitz. � Wieb! Cr. Konzert, Theater| SpezialitäteD-Vorstellung. I Jeden Montag: Souiiucrsrst. Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste. Jeden Donnerstag: Elite-Dag. Die Kasfecküche ist täglich von 2 Uhr ab geüssnet. M-MAd- Otto Pritzkow HUnzstraße 16. füiograpo-ist. louis) Tüeater lebender Photographien. Täglich Eingang von - Neubcltco.— Don ganzen Tag Vorstellung. Von der Reise zurück 1851 b, Dp. Gebert, LieileDstraße 6, Spezialarzt für Haulieiden usw. i Sozlaldcmokratf fchcr TA Z*»* � �42 = mahlvcrdn= MIAIlClfil# Dienstag, den 16. Juli, abends 8 Uhr, im Lokal des Herrn Uoppe, Hermannstraße Nr. 49: llolks-Versammlung. TageS-Orhnung: Unsere Afrikaner. Persönliche Eindrücke vom Peters-Prozeft. Nesercnt: Genosse Kliff Bisnef-Nuruberg. Diskussion. Zahlreiches Er-scheinen erwartet Der Vei-stantl. s 235/7» ß tUKH VKUR VR VN Mclchiorsir. 38. Filiale Berlin. Berlin, Fernspr. Amt 4. 4787. Tonnerstag, den 18. Jnli 1007, abends 8'/z Nhr, im Gewerkschaftshause, Engcl-Uscr 15: Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: Fortsetzung der Diskussion der vorigen Versammlung. Wahl eincS HauSkasfiererS(Ersatzwahl). Abrechnung zlvciten Quartal 1907. VerciiiSangelcgenhciten. Mitgliedsbuch legitimiert. llle OrUvsewallong. Das diesjährige Soniiucrfest findet am 37. Juli in der Brauerei FriedrichShatu statt. 125/21* Wir ersuchen die Kollegen, sich rege daran zu beteiligen. D. O. vom Fraiieii-Bil'iunpeFEin frieiienaii. ß Sonnadcmd. den 13. Juli, ver- � i starb unser Mitglied frau M Miethling. Die Beerdigung findet Dienstag, l den 1k. Jirii, ö Uhr, von der Leichenhalle des Friedenauer Kirch- s Hofes statt. 18486 Um 1 sucht. rege Beteiligung wird er- Der Borstaud. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher und inniger Teilnahme beim fmr- scheiden meines lawen MamicS sage ich alle» Freunden, Bekannten und Verwandten soloie de», Lotterievcrein „7 bewährt fig» und den Kollegen der Firma A. Jandors u. Co., Grotze Jranlsurtcrstratze, meinen b esten Dank. �Vitr/e bt<.:h»!>illt Ten',,e>Hos 1845b Friedrich Äiihclmstr. 28. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und hie reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, uasercr guten Mutter sage ich allen Freunden, Bekannten und Verwandieii, insbesondere den Genossen des 18«. Bezirks des vierten Wahlkreises und den Sängern der »Kreuzberger Harmonie" sür den erhebenden Gesang meinen innigsten Dank. 1847b Im Namen der Hinterbliebenen �Vllhelm Jach. Danksagung. 164Kb Für die herzliche Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes, Bruders. Schwagers und Onkels Paul Gierke sagen wir allen Freunde», Verwandten und Bclannlcn, insbesondere den Kollegen der Daimler-Motorwcrke, Maricnscldc, sowie dem K. Wahlkreis und dem Deutschen Metallarbeiter- Verband unsern innigsten Dank. Die trauernde» Hinterbliebenen c>ür die Beweise aufrichtiger Teil- O»ahme bei der Beerdigling meines lieben Mannes Etinil Senkbeil sagen allen Verwandten, Freunden und Bekannten unscren herzlichsten Dank. 54568 Wwe. M. Senkbeil und Kinder Danks agung. Für die rege Teilnahme und die reichen Kranzspenden bei der Beerdi- gung meines lieben Mannes sage ich allen Teilnehmern meinen herzlichsten Dank. Insbesondere seinen Kollegen von der Finna Zt. Bosse u Co., sowie den Kollegen vom Dculschc» Mclallarbeiter Verband, den Genossen vom Wahl verein und den Patienten der Heil slütte Jnngsernheide. 54818 tau Margarethe Hennig. Or. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, 10—2, 5—7. Sonntags 10—12, 2—4 �Hygienische Beatniarnkel. Neuest. Katalo« ID Empfehl.vioi. Aerzte u.Prof. grat. udX H. ünger, Qammiwarenlabnk BerUn Nw.. Priedrichstrass e 91/92, Auf Teilzahlung! Wöchentlich nur 1 Mark. Uhren jeder Art so- wicGoldwar., Zithern Phonograph., Platteir sprechmaschinen, Har Monikas, Mandottnen, Geigen usw. G roste Auswahl in Platten, echte Edison-Apparate und Walzen zu Original-Preise» iuhre& König, Warschanerstr. 73, I. Etage. Reinlckendorserstr. 101, I.Etage. i Mark. 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Wolle- Pacfof Wocqnctts. PlUsch-UCalC. Sattcltaschen. Mustor b. näh. Angabe franko. Emil LelöFre, o" nÄ. 188. des 6. Berliner Walireises. Todrs-Anzrige. 9tm Sonntag verstarb unser Mitglied, der Zigarrcuhändler ZLolZept MtGLy Kopcnhagcnerstr. 31. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Gethsemane- Kirchhofes' in Nordend aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 256/13 Der Vorstand. ZenW-Warnl te ilarer DeiUM. 3'Ä"" Bezirk SiUl-Wcstcn. Am 14. Juli verstarb unser altes Mitglied �elnkold l�enneck 47 Jahre alt, an der Proletarier- lranthcit. Ehre seinem Andenlenl Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 17. Juli, nach- mittags 3>/, Uhr, von der Leichen- balle des Hl. Kreuz-Kird>hoseS in Mariendorf, Fcldstraste, ans statt. Um rege Beteiligung ersucht 142/4 Der Borsiand �entrsi-Verbsni! der Maurer Zsvelftverein Berlin. Sektion der Putter. Unsere» sowie den Mitgliedern des Gesangvereins zur Nachricht, daß am 13. d. Mts. unser Ver- bandsmitglicd Pmil Bittstre> im Alter von 44 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 17. Juli, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Gethsemane-Kirchhofes in Nordend auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 134/9 Der Vorstund. Verein der Zimmerer Berlins und Umgegend. Todes» Anzeige. Am Sonnabend, de» 13. Juli, starb unser Mitglied Heinrich Köhler (Zahlstelle Schöncbcrg). Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 18. d. Mts., nach» mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Schöneberger Friedhofes in der Maxstrnste aus statt. Rege Beteiligung crlvartet 257/15 Der Vorstand. Am 12. Juli, abends 8 Uhr, verschied nach schwerem Leiden mein innigstgeliebter Mann, unser treusorgcnder Vater, Schwiegcr- söhn. Bruder, Schwager und Onkel, der Gastwirt Hermann Thiele im 41. Lebensjahr. Dies zeigt tiesbctrübt um stilles Beileid bittend an 545SL Frau Berta Ibiele geb. Kulilman» nebst Kinder». Rixdors, Richardplatz 10. Die Beerdigung sindet am DIenS- tag, den 16. Juli, nachm. 3 Uhr, von der Kapelle des Fricdhoscs der Heilig- Kreuz. Gemeinde, Maricndors, Feldstrastc, aus statt. Misi-Vkiband der Töpfer Deutschlands. Filiale Berlin. Am Sonnabend, den 13. Juli. verstarb nach langen Leiden der Kollege Heinrich 8ucker (Bezirk Schönhauser Vorstadt.) Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 18. Juni, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Gethsemane- Kirchhofes in Nieder-Schvnhausen- Nordend aus statt. 208/3 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Verband sozialdemokratischer Wahlvereins lirilüs ni üacegeni. Dienstag, den 16. Juli 1907, abends S1* Uhr: Versammlungen der sechs Serltner Wahlvereine. 6. Ilreis. Dreisel, Neue Friedrichstraße Nr. 3Z. Tages-Ordnung: 1. Vorstanösbericht. 2. Ergänzungswahl zum Vorstände. 3. Wahl der Delegierten zur Verbands-Generalversammlung Groß-Verlins am August. 4. Der internationale Kongreß in Stuttgart 18. bis 11 84. August. 5. Wahl des Delegierten. 6. Vereinsangelegenheiten. 2° Kreis. Bock-Brauerei, Am Tempelhofer Berg. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes und Kassierers. 2. Diskussion. 3. Der internationale Kongreß in Stuttgart. Referent: Reichstagsabgeordneter Genosse Rieksrcl Fischer. 4. Diskussion. 5. Wahl der Delegierten. 6. Wahl der Delegierten zur Verbands-Generalversammlung. 7. Verschiedenes. Kreis- Gewerkschaftshans, Engel-Ufer Nr. 15. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes und Kassierers. 2. Der internationale Kongreß. Referent: Parteisekretär Genosse Ilermunn kilüller. 3. Wahl des Delegierten. Zu alten Versammlungen legitimiert das Mitgliedsbuch des Wahlvereius!'"MSS ZaliBreiches Erscheinen der EWitgiieder erwarten Die Vorstände- 4, Kreis. Keller(Jnh. Freyer), Koppenstraße 29, Tages-Ordnung: 1. Der internationale Kongreß in Stuttgart. Referent: Genosst IHeinrich Ströbel. 2, Beratung eventueller Anträge und Diskussion 3. Wahl der Delegierten. 4. Verschiedenes. 5. Kreis. Altes Schützenhaus, Linienstraße 5. Tages-Ordnung: 1. Der internationale Kongreß. Referent: Genosse(ZeorK Davids söhn. 2. Diskussion. 3. Wahl des Delegierten. 4. Wahl der Delegierten zur Verbands-Generalversammlung Groß-Berlins. 5. Partei- und Vereins' Angelegenheiten._ @. Kreis. Germania-Prachtsäle, Chausseestraße 103. Tages-Ordnung: 1. Der internationale Kongreß. Referent: Reichstagsabgeordneter Genosse Lredehonr. 2. Diskussion und eventuelle Anträge. 3. Wahl der Delegierten. 4. Verschiedenes. mumiu Jedes Wort 10 Pfennig. Das cnte Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen ANZEIGEN flir die nächste Nummer werden In den Annahmestellen fUr Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Espedition, Lindenstrasse 09, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. TePblchemilFnrbiiilkhIctnFnbrlf. Nliderlnge ßlioftc Fronmirlerlunde 9, polierte, fein Laden. 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Eisenacherslrabe 64. 200,5» Gleichzeitig ist der Töpfermeister Otto Raasch, Baumschulenweg, Eschenbachstrabe 3 gesperrt, welcher den Bau in Ober-Schöne- weide, Helmholüstrafte, der Bau- firma Stutterheim ausführt. Kei beiden Sperren hondklt es sich um Lolinansfall. Die Verbandsleitung. Deutseber Holzarbeiter-VertiaiiD ZahrRelle Berlin. Wegen Streik und Differenzen ist gesperrt: für Bergolder u. Leisteupolierer die Firma BlescheiKsvB, Ritter- strabe 47. 86,17» Für Bodenleger gesperrt der Bau Paulsbornerstrabe, Ecke Schweidnitzer- strabe, Firma C. Badmeier. Bau Schillerstr. 121/122. Firma Mittag. Für Korbmacher bei Schmidt, Dresdenerstr. 82. Die Ortsverwaltuug. KerantW-ctl. LtedMLri Ssrl Wermullh Keclih.MHM.. g.äi deiHnsexstcvtejl pxpgyttv,: Th, Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruiferci u. Ve.rlagsMstalt Paus Singer& Co., Berlin SW./