Nr. 164. Ndonnemenk-kecklngungen: Abonnements- Preis pränumerando z Vierteljährig Z,M TOt,, monatl. 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg, frei inS HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. EonntagZ» nummer mit illustrierter Sonntags Beilage.Die Neue Welt" 10"'~" Abonnement: 1,10 Mark pro Post- onat. Eingetragen in die Post-ZeiwnaS- Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland S Mark pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, " nänien, Schweden und die Schweiz. Criittint liglich»Btr montags. Verltnev VolksblcM. 24. Jahrg. Die Intcrflons- Gebühr deträgt für die sechsgefpaltene Kolonef« zeile oder deren Raum 50 Pfg., fü* politische und gewerkschaftliche VereiilZ. und VersammlungS-Anzeigcn 30 Pfg. „Uleine Sn-eigen", daS erste fsctt- gedruilte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stcllcn-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis SUHrnachmittagSinder Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „Ssalalileil>»l!ral Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Dcutfchlands. Redaktion: 850. 68, Lindenetraese 69. Fernsprecher: Amt LV, Nr. 1983. Mittwoch, den 17. Juli 1907. Expedition: 850. 68, Lindcnstraese 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. tninionstätiglseit in Afrika. Nicht die Kolonialgreuel, wie die klerikale Presse noch heute glauben machen möchte, führten bekanntlich zum Bruche zwischen Zentrum und Regierung, sondern die Wistnba-Affäre. Ihren tieferen Grund fand sie in dem Gegensatz, der zwischen den Missionaren einerseits, den Vertretern der Handels- und Landgesellschaften andererseits in den Kolonien selber bestand. An diese Verhältnisse wurde man durch das Auftreten des Paters Acker im Pcters-Prozeß erinnert. Es dürfte zum Verständnis der letzten Reichstagswahlen beitragen, wenn wir einmal kurz auf die Tätigkeit der katholischen Missionen speziell in Afrika eingehen. Wer die Schriften der Afrikaforscher einigermaßen kennt, der weiß, daß die Schilderungen von den Gefahren, denen die Missionare dort um des Evangeliums willen ausgesetzt sind, vielfach an starker Uebcrtrcibung leiden. Die Gefahren sind meist keine anderen, als wie sie das Klima mit sich bringt, von denen jeder unterrichtet ist, bevor er sich in jene Gegenden begibt. Der Naturmensch ist mit wenigen Ausnahmen ziemlich friedlichen Charakters, so lange man nicht seine Un- Zufriedenheit herausfordert. Zumal der Ndgcr wird von der großen Mehrzahl der Reisenden als sorglosen Gemüts ge- schildert; selbst bei harter Behandlung verläßt ihn nicht leicht die angeborene Munterkeit. Darum ist auch die §llhl der Missionare, die unter dem Pfeil und dem Peer der„Wilden" fielen, keine allzu große; wo man sich an ihnen vergriff, fielen sie weniger der Grausamkeit der„Wilden", als den Sünden der Kultnrpioniere zum Opfer. Unrichtig ist ferner die Annahme, die Missionare lebten in ihren Stationen ohlte allen Komfort. Durchweg liegen die Missionsstationen an Handelsstraßen und sind von der Küste erreichbar.„Die den Patres und ihrem Gaste vorgesetzte Mahlzeit bestand aus ebenso viel Gängen wie in einem Pariser Hotel ersten Ranges geboten werden, und sie waren fast mit ebenso viel Kunst zubereitet, obwohl die Umgebnrg keineswegs die- selbe war. Ich bin dessen gewiß, daß die Patres außer dem Verständnis für Potagen und Entrees auch noch jenes haben, ihren Geist mit der Flüssigkeit anzuregen, die Horaz, Hafiz und Byron so gepriesen haben. Der Champagner— man denke sich Cliquot in Ostafrika I— Lafitte, Larose und Burgunder waren von bester Oualität; die sanften, demütigen Blicke der Patres leuchteten hell auf unter deni Einflüsse des Weines. Jawohl, diese Patres verstehen das Leben und wissen seine Dauer zu schätzen! Ihre reiche Tafel treibt das afrikanische Sumpffieber von ihrer Tür fort und mildert den Trübsinn und das Gefühl der Verlassenheit.. So schilderte Stanley zu Beginn der 7t)er Jahre auf der Ausreise nach Livingstone einen Besuch in der katholischen Mission zu Bagamoyo, und schlechter haben sich seitdem die Verhältnisse für die dortigen Patres gewiß nicht gestaltet. Doch auch fern von der Küste verfügen die Missionare über einen den Umständen nach nicht unbeträchtlichen Komfort, wie übereinstimmend alle Reisenden zu berichten wissen. Die Kirche verbindet mit der Missionstätigkcit sehr reale, materielle Zwecke. Noch stets, wenn ihr an einer Stelle das Wasser abgegraben wurde, wußte sie an anderer Stelle sich neue Brunnen zu erschließen. So z. B. zur Zeit der Refor- mation. In der neuen Welt schuf sie sich vor allem im Bunde mit den spanischen und portugiesischen Junkern, denen sie das aufstrebende Bürgertum des eigenen Landes nieder- treten half, ein großes Kolonisationsgebiet. Der mittels Sklaverei betriebene Plantagcnbctrieb war die Form, mittels der sie dasselbe aussaugte. Angesichts der gegen die Kirche-gerichteten Bewegung der Mafien hat auch die heutige Missionstätigkeit den Zweck, der Kirche neue ökonomische Hülfsquellen zu verschaffen. Auch die katholische Misfionsstation von heute ist Plantage und zu ihrer Bebauung verwendet man Eingeborene, die zwar nach deutschen Rechtsbcgriffen freie Leute, im Rahmen der afrikanischen Rechtsverhältnisse aber Sklaven sind. Wohl leiteten Ende der achtziger Jahre der Papst und Kardinal Laviqerie eine Agitation gegen die„Greuel der Sklavenjagden und den Negerhandel" ein. Wohl benutzte das Zentrum da- nials die Gelegenheit, Bismarck entgegenzukommen, in die Welt- und Kolonialpolitik einzuschwenken und in einem An- trage Windhorst zu fordern. Afrika„der christlichen Gesittung" zu gewinnen, wozu zunächst„die Bekämpfung des Neger- Handels und der Sklavenjagden notwendig" sein werde. Aber man schonte dabei sorgfältig die Haussklaven und schont sie noch heute. Ein Reichsgesetz bedroht zwar den Sklavenraub und den„Betrieb" des Sklavenhandels mit schweren Strafen. Aber da es nichts gegen den Sklaven besitz sagt, blieb es un- wirksam und mußte es bleiben. Gegen den Sklavenbesitz aber tat das Zentrum nichts; hier begnügte es sich mit papierenen Resolutionen, wonach man es dem Haussklaven erleichtern soll, durch Arbeit binnen bestimmter Zeit oder Zahlung ge- wisser Geldsummen die Freiheit zu erwerben. Da sogar die Nationalliberalen und Freikonscrvativen, die Helden des Hottentottenrummels für solche Resolutionen zu stimmen pflegen, weiß man ohne weiteres, welchen Wert sie besitzen. Die Zahl der Missionsstationen scheint keine geringe zu sein. Vom Kongo berichtet der Hauptnmnn v. Fran?ois, daß ihre Tätigkeit nicht zu unterschätzen, die Gcsanitzahl aller Missionen größer sei als die der Regierungs- stationen. Die Reisenden stimmen darin überein, daß die Missionsstationen durchweg trefflich geleitete und in Stand gehaltene Plantagen sind. Nur wenige Stimmen zum Beweis. So sagt der oben erwähnte Stanley von der Station in Bagamoyo: Die französischen Missionare„streben ihren zahl- reichen Konvertiten nicht nur die Grundsätze des Glaubens beizubringen, sondern sie erziehen sie auch für das praktische Leben. Sie lehren die jungen Zöglinge verschiedene nützliche Handwerke, bilden sie zu Landleuten, Zimmcrlcuten, Schmieden, Schiffbauern und Mechanikern aus. In ihren Lehranstalten wirken tüchtige und fleißige Lehrer und ihre Werkstätten geben den Fremden einen sehenswerten Anblick. Ihre große Missionsanstalt befindet sich auf dem Festlande in Bagamoyo. Die dabei befindliche Landwirtschaft, die von Zöglingen besorgt wird, ist eine Musteranstalt und ihre Pro- duktc sind mehr als ausreichend, um die Mission mit Lebens- Mitteln zu versorgen. Ueber zweihundert Konvertiten und Zöglinge stehen unter ihrer Leitung." Auch der Afrikaforschcr Dr. W. Junker rühmt die Station und den„herrlichen Garten, der wahrlich an einen fürstlichen Park mit den kost- barsten tropischen Nutzpflanzen niahnt." Fast alles, was in den englischen Missionen iniportierte Arbeitskräfte leisteten, wurde von den katholischen selber ausgeführt; die in den Handiverken ausgebildeten Neger wurden dann zur Einrichtung und zum Bau weiterer Stationen im Innern verwandt. Der Land- und Forstbau, sagt er bei der Schilderung der Station Bugumbi südlich des Victoria Nyanga, werde rationell betrieben.„Die Erwachsenen werden in Kolonien bei den einzelnen Stationen angesiedelt, heiraten, bebauen eigenes Feld und können nach einer Zeit des vor- läufig nötigen Arbeitszwangcs später brauchbare, freie Neger werden." Also eine Klostcrwirtschaft mit Hörigen und Leib- eigenen, wie sie im Mittelalter auch in Deutschland bestand. Bei der Station Meogoro in Ukami fand er neben Feld- und Gartenbau umfassende Kulturen von Ananas und Vanille, die zu Handelszwecken angelegt waren. Und nicht anders lauten die Urteile aus den übrigeu Teilen Afrikas. So besuchte der Greifswalder Gelehrte Buchholz auf seiner Forschungsreise in Wcstafrika die Station zu Plateau bei Gabun. Die Kulturanlagen nennt er aus- gedehnt und prächtig.„Die Sauberkeit und praktische Anlage aller Einrichtungen erschien bewundernswert. Sie haben alle möglichen Haustiere und Geflügel in reicher Fülle in den schönsten Stallungen und Gehegen. Eine große Kaninchen- zucht befindet sich in einer untermauerten Grube; die träch- tigen und mit Jungen versehenen Tiere in besonderen Käfigen. Ferner gibt es da eine Brutanstalt für Hühner, Enten, Truthühner usw.; große Schweinezucht einer großen europäischen Rasse; schöne Kühe vopi Kongo, welche 10 Liter Milch täglich geben" usw. Die Chinaverwickelungen haben es dem deutschen Volke recht nachdrücklich zu Gemüt geführt, daß es nicht immer die besten Eingeborenenelcmente sind, die sich des Schutzes der Missionen erfreuen. Diese streben nach einer Sonderstellung und dem Asylrecht. Darin schon liegt begründet, wenn sich ihnen zweifelhafte Existenzen anschließen. Auch für Afrika trifft das zweifelsohne in ntancher Beziehung zu. Als die Deutschen Ostafrika besetzten, glaubte der kurz zuvor zur Regierung ge- langte Muanga von Buganda von den Christen unter seinen Untertanen für sein Leben fürchten zu müssen und schloß das Land den Karawanen, das unter dessen Vater Mtesa der Engländer Speke auf seiner Expedition zur Entdeckung der Nilquellen jenen wie den Missionaren zum erstenmal eröffnet hatte. Ein Zögling der Mission in Chartum war der berüchtigte Jdris Woad After, einer der gewalt- tätigsten Zeribcnbesitzer am oberen Nil, der sein gut Teil mit dazu beigetragen hat, die Eingeborenen der ägyptischen Aequatorialprovinz durch Sklavenjagden, Elfenbeinraub und Plünderungen zu entvölkern und in, Bunde mit der türkischen Mißwirtschaft dem späteren Mahdistenaufftande die Wege zu bahnen. Genosse Parvus hat in seiner letzten Broschüre mit Recht auf die Verschiedenheit des Auftretens und der Mittel hin- gewiesen, mit denen Pfaffen- und Laicnkapitalisten in den Kolonien ihre wirtschaftlichen Ziele verfolgen. Das Gesagte wird genügen zum Erweis, daß die Verschiedenheit des Ge- barens mit diktiert ist von Rücksichten der Konkurrenz. Das Börsenkapital scheut in dem Kapital der Kirche einen geschickten und gerissenen Wettbewerber, dessen es sich entledigen oder dem es doch möglichst viele und große Hindernisse in den Weg türmen möchte.____ KeicHsvcrbands-IProjellte. Der Magdeburger„Volksstimme" ist ein Schriftstück des Reichslügenverbandes auf den Redaktionstisch geflogen, das schätzenswerte Aufschlüsse über die Organisationspläne der Liebert- männer liefert. Es ist ein Schreiben der Ortsgruppe Magdeburg des RcichsverbandcS an die Hauptleitung in Berlin. Im ersten Teil des Schreibens werden Mitteilungen gemacht über die in Magdeburg in Aussicht genommene Arbeit. Es sollen patriotische Familienabende veranstaltet werden, um die Frauen zu kapern, und zwar will der Reichsverband die vereinigten bürgerlichen Parteien veranlassen, diese Sache in die Hand zu nehmen. Das würde gleichzeitig„erziehend auf die Parteien selbst einwirken und dje immex wieder auitreteuden.Gegensätze dkMischell bellen", Jährlich sollen sechs Flugblätter, die politische Tagesfragen be« handeln, verbreitet werden. Man will jedoch nicht„die ganze Masse der Arbeiterschaft mit Flugblättern überschwemmen, sondern die Knallroten und andererseits die National-Sicheren von der Pro- paganda ausschließen". Zu dem Zweck soll„eine gutgeglicdertc Organisation über die ganze Stadt" geschaffen werden, von der man hofft, daß sie„eine wertvolle Kernorganisation für künftige Wahlen" werden wird. Durch eine bis ins kleinste gegliederte Organisation mit Obleuten und Vertrauensmännern will man die Leute feststellen, die bearbeitet werden sollen. So soll eine „planmäßige persönliche Bearbeitung" angebahnt werden aber nur bei den Indifferenten,„bei eingcschworcncn Sozialdemokraten wären Arbeit und Kosten verschwendet", ein Zeugnis, auf das unsere Genossen stolz sein können. Der zweite Teil des Schreibens enthält Vorschläge der Magdeburger Ortsgruppe, die diese der Hauptleitung zur Erwägung unterbreitet. Sie sind wichtig genug, um hier im Wortlaut wiedergegeben zu werden: 1. Von Dr. Liebknecht wird eine stärkere sozialdemokratische Propaganda im Heere befürwortet. Sollte der Reichsverband seine Aufklärungsarbeit nicht auch auf dies Gebiet übertragen, sei es durch Flugblätter, oder noch besser durch ein besonderes, vielleicht 14täglich erscheinendes Blatt, das an sämtliche Regimenter verschickt würde? Diese Agitation wäre gewiß recht wirkungsvoll, da der gute Same hier auf jungfräulichen oder doch wenig bearbeiteten Boden fiele. Vielleicht lassen sich die Militärbehörden für diesen Plan gewinnen oder doch dahin bringen, daß sie diese Agitation wohl- wollend übersehen. 2. Nachdcni der Sozialdemokratie in den Städten starke Gcgcnorganisationcn erwachsen sind, wird sie mehr als bisher die ländlichen Kreise zu gewinnen suchen. Es erscheint daher wünschenswert, schon jetzt mit einer starken Gegenagitation auf dem Lande einzusetzen. Ein gute Mittel dazu dürften kleine Volkskalender sein, wie sie die Sozialdcmo- kraten verbreiten. Diese sind den Dienstherren mit der Bitte zuzustellen, sie in der Gesindcstube aufzuhängen. 3. Rücksichtsloser Kampf gegen die sozialdemokratische Lokal- presse sollte allen Ortsgruppen anempfohlen werden. Zunächst tv ü r d e c s darauf ankommen, die Firmen, die in gegnerischen Blättern inserieren, von ihrem der nationalen Sache schädlichen Treiben abzubringen. Es dürfte zu erwarten sein, daß auch Leute' mit weitem nationalen Gewissen das Inserieren einstellen, wenn sie sich grundsätzlich beobachtet fühlen. Sodann müßte ein Presse- fonds aufgesammelt werden, der es ermöglicht, allen Abonnenten sozialdemokratischer Blätter das betr. bürgerliche Blatt in dem Quartal vor der Reichstagswahl gratis zuzustellen. 4. Die Ortsgruppen sollten die Kaufleute und Kleinhändler in ihrem Kampfe gegen die sozialdemokratischen Konsumvereine unterstützen, indem sie die bürgerlichen Elemente, die in unentschuldbarer Gedankenlosigkeit Mitglieder sind, abzusprengen suchen. Die Vorschläg- betreffs der Bekämpfung der sozialdcmo- kratischen Presse und der Konsumvereine lassen zwar erkennen, daß des guten Zweckes wegen dem Verfasser jedes Mittel, auch terroristische, recht sind; aber diese Vorschläge bergen immerhin noch keine Gesctzcsvcrletzung in sich; mit dem Vorschlage de: Agitation im Heere aber setzt sich der Reichsverband über alle Ge. setze hinweg. Politische Agitation ist im Heere verboten. Nicht nur, daß der Reichsverband selber trotzdem diese ungesetzliche Agitation begehen will— er will auch noch die Militärbehörden zur Beteiligung bei diesen ungesetzlichen Handlungen veranlassen oder sie mindestens zur Duldung derselben bewegen. Zweifellos weiß der Jünger des großen Liebert, der diesen Vorschlag macht. daß er damit zu Gcsetzesverlctzungen auffordert. Man liest es deutlich zwischen den Zeilen. Doch da, wie die verflossene Reichs. tagswahl bewiesen hat, der Reichsverband die schmutzigsten Mittel nicht verschmäht, schreckt er auch vor offenen Ungesetzlichkeiten nicht zurück, zumal er ja hohe Gönner hat. Unseren Genossen mag das Schriftstück, da? ein Beweis füt die unablässige Wühlarbeit des Reichslügenvcrbandes ist, eine Mahnung sein, mit verdoppeltem Eifer die Werbearbeit für die Sozialdemokratie zu betreiben.-» Kommt das Polen-entelgnungsgcletz? Dem„ B c r l. T a g e b l." wird aus Frankfurt a. M. ge- meldet: Der Entwurf der neuen Ostmarkenvorlage, der bereits in der verflossenen Session des preußische» Landtages be- absichtigt war, soll, so erfährt die„Frankfurter Zeitung", einigen Parteiführern desAbgeordnetenhauses und des Herrenhauses vertraulich mitgeteilt worden sein. Dabei hat sich herausgestellt, daß. ganz abgesehen von den F r e i- sinnigen, 0ie einen solchen Schritt nie mitmachen werden und können, auch angesehene Politiker, die sonst im allgemeinen der Regierung nahestehen, namentlich zahl- reiche Mitglieder des Herrenhauses, diejem Ge« danken der Enteignung so ernste grundsätzliche Be- denken entgegenstellten, daß wohl hauptsächlich deshalb und wohl auch mit Rücksicht auf die allgemeine politische Situation von der Einbringung dieser Vorlage damals Abstand ge- Nammen worden ist. Wie eS in der Meldung weiter heißt, scheine der Gedanke der Enteignung keineswegs aufgegeben zu sein, sondern eine e n t- sprechende Vorlage drohe vielleicht schon für die nächste Session, eine„Sorge, die. wie wir zufällig wissen, auch von Staatsmännern geteilt wird, denen unsere auswärtigen Beziehungen am Herzen liegen." Was dann die von einem Berliner Polenblatt aufgestellte Behauptung betrifft, daß der frühere Obervräfidcnt von SÄeiiev der Reichs taasabaeordnet»' Filrst Hatzfeld, Herzog von Trachenverg, die letzten Bedenken des Kaisers gegen die genannte Gesetzesvorlage zerstreut habe, so sei diese in jeder Beziehung falsch und beweise eine vollständige Unkenntnis der Anschauungen des früheren Oberpräsidenten von Schlesien über die Polenpolitik." Das„Verl. Tagebl." bestätigt die Mitteilungen des Frankfurter Blattes über die Anschauungen Hatzfelds, Außerdem meint es, es sei zurzeit noch völlig unentschieden, ob die Enteiguungsvorlage überhaupt kommen tverde, obtvohl im L a n d w i r t s ch a f t s m i n i st e r i u m seit längerer Zeit Erörterungen über eine entsprechende Vorlage stattfänden. . Wenn das unglaubliche Ausnahmegesetz gegen die Polen nicht kommen sollte, so schtverlich deshalb nicht, weil der Freisinn seine Mithülfe verweigert. Konservative, Frei- konservative und Nationalliberale brächten das Gesetz ja auch gegen Zentrum und Freisinn zustande. Die Sache hat einen anderen Haken. Die Konservativen s e l b st haben in dem Enteignungsgesetz ein Haar gefunden. Sie schützen vor, daß durch eine solche Enteignung die Erpropriationsgelüste der Sozialdemokratie gewissermaßen legalisiert würden. Aber das ist nicht der wahre Grund. Die Herren Junker befürchten vielmehr, daß durch eine solche Zwangsenteignung der rapiden Steigerung der GrnndstiickSprcise im Siedclnngs- gebiet Einhalt geboten werden würde I Bisher fuhren ja die braven Junker bei der Siedelnngspolitik brillant. Die Siedclllngskommission kaufte ja nicht nur aus Polnischer Hand Güter auf, sondern sie nahm auch unseren germanischen Junkern ihre Güter oder Teile derselben zu den exorbitanten Preisen ab, die durch die Siedelnngspolitik ä tont prix geschaffen worden waren. Ja, dieser oder jener deutsche Ritterguts- besitzer schlug sein Land sogar um einen Wucherpreis an die polnische Landbank oder ihre Mittelsmänner los! Die Junker machten also ein brillantes Geschäft. Da aber dies Geschäft durch ein Zwangscntcignnngsgesetz verdorben werden würde, schützen sie auf einmal moralische Bedenken vor! Wahrscheinlich wird es also bei der bisherigen Polen- Politik bleiben. Der preußische Staat bewilligt Hunderte von Millionen zu Siedeluiigszwcckcn, damit auch für unsere verschuldeten Junker etlvas abfällt! fehlgeburtt-ll'si'lzmeotsrkmiit. Brüssel, 14. Juli.(Eig. Ber.) JDie belgische Kammer wächst sich zu einer ganz eigenen Spezialität aus. Nach langwierigen Debatten, die ausgefüllt waren eon der landesüblichen Redcschwelgerci, aber auch vorwärtsgebracht durch eine ernste, unermüdliche Arbeit von feiten der Freunde der Reform, hat der König seinerzeit das endlich zustande gebrachte Mincngesetz, dank der Intrigen der Rcformgegner, mit einem Feder st rich vernichtet. Wochen parlamentarischer Arbeit, Monate des Fleißes, die einzelne Deputierte, so unser Genosse Denis, auf das Studium dqr einschlägigen Arbeiten verwendeten, waren in den Wind geblasen, zugleich aber auch der Anflug sozialer Hoffnungen, den Taufende von Bergarbeitern an den moralisch- prinzipiellen Wert des Gesetzes geknüpft hatten. Und nun die neue Regierung! Sie war mit der lex Core- in a n s belastet, einer Gesetzesvorlage, die sozusagen die Sprachen- frage der Mittelschulen regeln, die Forderungen der B l ä m c n in bezug auf den Anteil ihrer Sprache im Unterricht zur Geltung bringen sollte. Der Kampf im Parlament und in der Presse ge- mahnte im entsprechenden Verhältnisse lebhaft an die Sprachen- fragen in Oesterreich. Jedenfalls war es eine richtige„nationale" Debatte mit allen ihren Ucbertreibnngen, aber auch mit ihrer Kulturberechtigung, und die Presse führte mit dem auch hier in der nationalen Frage üblichen hitzigen Temperament je nach ihrer Zugehörigkeit die Sache der„FlamingantS", der Vlämisch- Nationalen, oder der Wallonen. Auch hier hat die Sozial» demokratie ihre Aufgabe darin gesehen, das Volk in seinen nationalen Rechten und in seiner nationalen EntWickelung zu be- schützen, ohne sich zu den Extremen zu schlagen, welcher Vorwurf ihr allerdings von der blinden Gehässigkeit der„Anti-Flaminganten" oft genug gemacht worden ist.(Von dem Gesetz selbst, das an Korn pliziertheiten nichts zu wünschen übrig läßt, soll noch die Rede sein, wenn es— wirklich angenommen ist.) Wiederholt also hat die Kammer wochenlang debattiert. Man muß wirklich bei den Oestcrre'ichern in die Schule gegangen sein, um sich in dem Wust von sich widersprechenden, sich aufhebenden', sich entgegenarbeitenden Amendements, in denen das Gesetz ertränkt wurde, zurechtzufinden, die e i n m a l für das V l ä m i s ch e, ein« m a I für das Französische Recht schaffen wollten. Zuletzt blieb von dem ganzen Gesetz Core m ans nur ein ganz arm- seliger entseelter Zipfel übrig. So endete die erste Abstimmung, bei der alle Amendements schließlich verworfen wurden. Bei der zweiten Lesung schritt das Choas mächtig weiter, bis am Donnerstag der Präsident das ganze unglückselige Amendements- Material samt dem Rumpfe der lex Coremans einer Kommission zu überweisen beantragte. Der Gegenstand ist nun also von neuem von der Tagesordnung gestrichen, und alles war wieder für die Katz. Eine Fehlgeburt, wie beim Minengesetz, mit diesem treffenden Schlagwort bezeichnet der„Pcuple" die parlamentarische RegierungS- kunst der Klerikalen. Jetzt ist die Regierung mit der Kongo-Annexion guter Hoffnung. Nun, es wird sich bald zeigen, wie sie diese Frucht auströgt und ob die belgische Kammer sich wirklich als das FlHI- geburts-Parlament unter den europäischen Gesctzgebungskörpern etablieren wird.—_ politifcbe öeberlicht, Berlin, den 16. Juli 1907. Zentrums-Herre«. Fast widerlicher noch als das Verhalten der Zentrums» presse gegenüber den heftigen Anklagen aus dem Vatikan ist die Feigheit, mit der die an der Abfassung der geplanten Jndex-Adresse beteiligten Zentrumsfiihrer sich von der Mit- schuld rein zu waschen suchen und sich gegenseitig der Ver- führung und der Intrige zeihen. Keiner der beschuldigten für„Freiheit, Wahrheit und Recht" kämpfenden führenden Größen des Zentrums hat den Mut. offen die Verantlvortung für sein Vorgehen zu übernehmen. Auf den Versuch des Freiherr,, v. Hertling, sich als unbeteiligt an der Index Adresse hinzustellen, erlassen die„Mutigen" von Münster folgende Erklärung: Münster, 12. Juli. Ueber die Beteiligung dcS Frhrn. von Hertling an der Aktion in der Jndcxfrage gehen neuerdings so irreführende Darstellungen durch die Presse, daß bei aller sonst gebotenen Zurückhaltung eine kurze Darstellung der betreffenden Verhandlunge» im Interesse der Wahrheit unabweisbar erscheint. Herr Baron von Hertling hatte im Frühjahr vorigen JahreS den Entwurf der Bittschrift und der OrganisationSgrundlaaen nach Berlin zugestellt erhalten. Kurz darauf fand in Berlin eine Konferenz statt, an welcher außer Herr» von Hertling noch drei Herren des Komitees teilgenommen habe». In dieser Konferenz brachte Herr von Hertling verschiedene Aendenmgen an dem Wortlaut der Bittschrift in Vorschlag, die allseitigen Beifall fanden. An die Besprechung der Bittschrift knüpfte sich eine kurze Erörterung über die OrganisationSgrundlagen. Dabei wollte Herr Baron v. Hertling die Anregung, den Ehrcnvorsitz zu übernehnien, zuerst zum Gegenstande seiner Erwägung machen, da er die Organisation zurzeit noch nicht genug übersehen könne. Es wurde ihm dann der Vorschlag gemacht, seinen Namen in da? alphabetische Ver zeichniS der übrigen Beteiligten zu setzen und bei der Werbung um weitere Teilnehmer auf seine Mitarbeit besonders hinweisen zu dürfen? dazu gab der Herr Baron seine Ein- loilligung mit den Worten:„Dagegen habe ich nichts einzuwenden." Im weiteren Verlauf der Unter- redung sprach Herr v. Hertling für die in den OrganisationS Grundlagen geübte Rücksichtnahme auf die Görres Gesellschaft sichtlich erfreut, seinen verbindlichen Dank anS. Hiernach wurde da? ganze Material in Münster unter Berücksichtigung der Hertling scheu Aiiregnngeu einer erneuten Durcharbeitung unterzogen. Bei dieser Redaktion wirkten außer mehreren anderen geladenen Herren die drei Teilnehmer der Berliner Konferenz mit. nunmehr das gesamte Material unter anderen auch dem Herrn Baron von Hertling streng vertraulich zur weiteren Prüfung und Beratung der Absprache gemäß zugegangen war, antwortete er, er bitte, seinen irrtümlich eingefügten Namen aus den OrganisationS- grnndlagen und den Hinweis auf seine Mit- arbeit fortzulassen. Nach weiterer brieflicher Aussprache gab Herr Baron v. Hertling ausdrücklich zu, daß die Ver- Wertung seines Namens möglicherweise auf seine eigenen Er- klärungcn zurückzuführen, der Irrtum mithin wohl durch ihn selbst veranlaßt sei. Er könne nach Lage der Sache heute nur noch die Bittschrift mitunterzeichnen. Diese letzte Uiitcrschriftszusage erfolgte, nachdem Herr Baron von Hertling das neu gedruckte Gesamtmaterial erhalten hatte, worunter sich der Entwurf der nunmehr veröffentlichten Bittschrift befand Als ihm dann von Münster aus auheiingegeben wurde, zum wenigsten doch in der alphabetischen Reihenfolge unter den Namen der Organisationsvertreter zu bleiben, erfolgte die end giltige Absage seiner Unterschrift für das ganze Untcniehmen einschließlich der Bittschrift mit dem Hinweise darauf, daß die Zeitverhältnisse für die Verbindung der Bittschrift und Organisation Ivie auch für die Bittschrift allein ungünstig seien, auch eine Jnter- csscnkollision mit der Gvrres-Gesehschaft zu besorgen sei. Dies geschah in den Tagen, als der Brief Sr. Heiligkeit deS PapsteS an Professor Commer bekannt wurde. Unmittelbar darauf wurde von der Absage des Herrn v. Hertling sämtlichen bis dahin Beteiligten Kenntnis gegeben mit der Anfrage, ob auch sie von der weiteren Verfolgung der Sache lieber absehen wollten. Sie er- klärten aber, daß sie auch ohne Hertling für dieFort- sctznng des Unternehmens(Bittschrift und Organisatioi, seien; einzelne wollten sogar der Sache wegen von kleineren Wünschen und Ausstellungen Abstand nehmen. Im übrigen»,uß nochmals darauf aufmerksam genmcht werden, daß, wie sich ans vorstehend geschilderten Tatsachen ergibt, die ganze Sache noch nicht zum Abschluß gebracht war, sich vielmehr noch im VorbereitimgSstadiiim befand. Es liegt auf der Hand, daß die Verhandlungen mindestens, so lange sie nicht abgeschlossen waren, sekret behandelt werden mußten. Umsomehr ist zu bedauern, daß inzwischen durch einen unbegreiflichen VertranenSbruch die Sache an die Oeffentlichleit gezerrt worden ist. Justizrat Hellraeth. Assessor Dr. ten Hompel. Schmedding, Mitglied des Hauses der Abgeordneten. Universttätsprofessor Dr. Schivering. Auf diese Charakteristik seines heldenhaften Rückzuges, „als der Brief Sr. Heiligkeit des Papstes bekannt ivurde", antivortet der große Zentruinsführer Hertling mit folgenden albernen Ausflüchten: Er habe, als er sich zuerst an dem sogenannten„Kulturbund" zu beteiligen gedachte, irrtümlich die Bittschrift und das Organisationsstatnt nicht als untrennbar aufgefaßt. Das Ziel der Bittschrift, die Reform des Index, habe er gebilligt, Ivenn auch ohne große Hoffnungen auf Erfolg. Die Organisation sei ihm jedoch in ihren Zielen unverständlich, wegen des großen Apparates und der Geheimniskrämerei unsympathisch gelvescn. Eine bindende Erklärung über die Stellung der Görres-Gesellfchaft habe er nicht abgeben können. Eine Aenßcrung in der Vorbesprechung sei lediglich eine unverbindliche freundliche Redelvendnng. Die Er- wähnnng der Görres-Gescllschaft in den Organisations- grnndlagen habe ihn peinlich berührt. Folglich hätte er sich schließlich zur Absage genötigt gefühlt usw. Ein komischer Heros l_ In den Haaren liegen sich beide. Aus Sachsen wird uns geschrieben: Seit Jahrzehnten sind in Sachsen die Konservativen und die Regierung Hand in Hand gegangen und fast in allen Fragen eines reaktionären Sinnes ge Wesen. Freilich spielte in dieser politischen Ehe die kon� servativeLandtagsfraktiondie Rolle des Stärkeren, und die Regierung wußte diese Macht auch einzuschätzen und sich danach zu richten. Unter solchen Verhältnissen wuchs die kon- servativ-agrarische Clique um Mehnert und Opitz zu einer Neben- regierung heran, die ihren unheilvollen Einfluß in großem Umfange ausgeübt hat. Freilich— Mißstimmungen hat es zeit- weise in dieser Ehe gegeben, aber wenn es sich um Maßnahmen gegen das Volk, insbesondere gegen die organisierte Arbeiterschaft handelte, war die Einmütigkeit geradezu rührend. In schlimmster Weise ist das bei der Aufoktroyicrung des jetzigen Dreiklastcn- Wahlrechts zutage getreten, das von Anfang an ein Produkt ge- m einsamer Arbeit der Konservativen und der Regierung war. Wenn sächsische Polizeitaten Gegenstand der Erörterung waren, konnte die Regierung mit Sicherheit auf die Unterstützung der Konservativen rechnen; das hat'sich am deut- lichstcn bei dem Crimmitschau er Streik gezeigt, wo die Sünden der polizeilichen Säbclwirtschaft klar zutage traten. Dieses harmonische Verhältnis hat noch im letzten Landtage bc- standen. Nur der Streit um die Umsatzsteuer störte zeitweilig etwas das gute Einvernehmen; sonst aber waren Regierung und Konservative ein Herz und eine Seele. Mit dem Weggange des Herrn b. Metzsch scheint dieses reaktionäre Gcgenscitigkeitsverhältnis aber einen Riß bekommen zu haben. Besonders deutlich trat das in der Versammlung des konservativen Vereins zu Dresden zutage, die sich mit dem Wahlgesetz- entwurf beschäftigte, in der der L e g a t i o n s r a t v. N o st i z, der für einen Vertrauten Hohenthals gilt, den Hohcnthalschcn Wechselbalg verteidigte und sich mit großer Schärfe gegen den agrarischen Flügel der konservativen Partei wandte. Er sprach bekanntlich von einer Nebenreaierung, die diese Partei bisher ausgeübt habe, ohne einen Rechistitel hierzu zu haben, und von dem großen Schaden, der dadurch angerichtet worden fei. Auch die Hauptmacher der angegriffenen Clique scheinen keinen Augenblick darüber im Zweifel gewesen zu sein, daß der Seiten- hieb von der Regierung selbst kam. Sie kündigten eine Jnter- p e l l a t i o n im Landtage an, um die Regierung zur Aus- kunst über die Nebenregierung zu veranlassen. lieber den Wert eines solchen Scheinmanövers kann niemand im Zweifel sein. Aber diese Vorfälle offenbaren doch, daß daS harmonische Verhältnis zwischen der sächsischen Regierung und den sächsischen Konservativen in die Brüche gegangen ist; Herrn v. Hohenthal scheint die konservative Ncbenregierung unbequem geworden zu sein. Sein Bestreben geht offenbar dahin, die Kon- s e r v a t i v e n, die ja schon längst in einen agrarischen und einen industriellen Flügel zerfallen, zu teilen, den letzteren für sich zu gewinnen und ersteren nach Möglichkeit zu schwächen. Die Rede dcS LcgationSrates v. Nostiz sollte offenbar ein Vorstoß in dieser Richtung sein. Tie agrarische Clique hat aber eine solche Stärke im Landtage, daß ohne ihre Zustimmung keine Vorlage Gesetz werden kann, vor allem keine solche, die, wie der Hohenthalsche Wahlunrechtscntwurf, einer Zweidrittelmehrheit bedarf. Ein ernster Versuch zur Schwächung dieser Clique könnte aber nur eine Landtags- auflösung sein, die nach verschiedenen Behauptungen von der Regierung für den Notfall auch geplant wird. Inzwischen hat ja die konservative Fraktion zum offenen Kampfe gegen Herrn v. Hohenthal und seinen Wahlgcsetzcntwurf geblasen. In den„Dresdener Nach- richten" veröffentlicht sie eine lange Erklärung, die im wescnt- lichen besagt, der Hohenthalsche Wahlgesetzentwurf ist von der konservativen Fraktion, bei Abwesenheit einiger Vertreter, ein- stimmig abgelehnt worden, weil er den Sozialdemokraten zuviel Konzessionen macht und weil uns die Wahlen durch die Kommunalvcrbändc nicht passen. In dieser Erklärung versteigen sich die Konservativen sogar zu der Behauptung, sie wollten ein Wahlrecht mit schaffen helfen, das Gewähr für eine wahre Volksvertretung biete. Das ist natürlich nichts als erlogene Heuchelei, von der sie sich bei den bevorstehenden Wahlen einiges versprechen. Diesen politischen Schädlingen ist es niemals um etwas anderes als ihre Macht und ihre Sonderinteressen zu tun gewesen. Der Kampf ums sächsische Landtagswahlrecht verspricht, wie man sieht, sehr interessant zu werden. In der Hauptsache ist das, was sich zwischen der Regierung und den Konservativen abspielt, ein Zank der Wahlrechtsfeinde verschiedenen Kalibers um die Frage, wie das Volk am besten und jedes politischen Ein- werden soll.— niedergehalten flusses beraubt Zengenfchaft a»f Gegenseitigkeit. Herrn Arendt ist ein verspäteter Zeuge in seiner eigen- artigen Angelegenheit in Sachen Kayser erwachsen— der Peters! In der„Post" bezeugt er seinem Intimus Arendt, daß er für Arendt und gegen Frau Kayser(und die Briefe ihres Mannes!) zeugen könne. Arendt habe ihn nämlich nach seinem Besuche bei Kayser besucht und die Unterredung so dar- g e st e l l t, wie sie Arendt in der Presse und vor Gericht ge- schildert habe. Eine ulkige Zeugenschaft! Peters bezeugt Arendt, dm; Arendt schon früher seinen Hinauswurf geleugnet habe. Ein Kronzeuge!—-_ Kammergericht gegen HakatismuS. Zu den ärgsten Ungeheuerlichkeiten in dem von Dreschern nationaler Phrasen geführten Kampf zur„Germanisierung" der polnischen Landcsteile zählt der Versuch, die Schulstreik- bewegung dadurch lahm zu legen, daß man Vätern der am Streik beteiligten Kinder die elterliche Gewalt über die Kinder entwg und die Kinder der Fürsorgeerziehung überwies. Dieser Versuch wurde von uns und ini Reichstag als ein gröblicher Verstoß gegen die Reichsgesctze und die Elternrechte gekennzeichnet. Dieser Tage hat nun. wie die „Frkf. Ztg." mitteilt, das Kammergericht die gegen das Erzichungsrecht der Eltern gerichteten Verfügungen des Vormundschaftsgcrichts aufgehoben. Der Vormundschafts- richter hatte auf Grund des§ 1666 des Bürgerlichen Gesetzbuches, der lautet: „Wird das leibliche oder geistige Wohl des Kindes dadurch gefährdet, daß der Vater daö Recht der Sorge für die Person des Kindes mißbraucht, da? Kind vernachlässigt oder sich eines ehr- losen oder unsittlichen Verhaltens schuldig macht, so hat das Vor- mundschaftSgeÄcht die zur Abwendung der Gefahr erforderlichen Maßregeln zu treffen. Das Vormundschaftsgericht kann ins- besondere anordnen, daß das Kind zum Zwecke der Erziehung in einer geeigneten Familie oder in einer Erziehungsanstalt oder einer Bessernngsaustalt untergebracht wird." deduziert: Der Vater hat das Recht der Sorge für die Person seines Kindes dadurch mißbraucht, daß er es zur Teilnahme am Schulstreik veranlaßte; damit hat er das geistige Wohl des Kindes gefährdet; die Voraussetzungen für die Anordnung der Fürsorgeerziehung sind also gegeben. Eine solche Auslegung wäre unmöglich gewesen, wenn seinerzeit der Reichstag den sozialdemokratischen Antrag nicht abgelehnt hätte, nach dem die politische oder religiöse Ansicht oder Bc- tätigung der Eltern keinesfalls zur Begründung eines Be- schlnsses auf Entziehung der Elternrechte geltend gemacht werden dürfe. Die Reichstagsmehrheit nahm an, ein Miß- brauch, dem vorzubeugen der Antrag bezweckte, würde nie getrieben werden. Jetzt hat erst das Kannner- gericht diesen dennoch eingetretenen Mißbrauch durch seinen Beschluß in dem polnischen Einzelfalle beseitigt. Es hat erklärt, es gehöre nicht zu den Aufgaben des Vor- milndschaftsgerichts, gegen polnische AgitationSbestrcbungcn anzukämpfen; maßgebend sei allein, ob ein schnldhafter Miß- brauch der Sorge für die Person des Kindes und eine wirk- liche Gefährdung seines leiblichen oder geistigen Wohls vor- liege, die eine vollständige Zuchtlosigkeit oder eine allgemeine ittliche Verwahrlosung befürchten lasse. Wenn aber die Kinder im Elternhanse sorgsam verpflegt und erzogen werden, so dürfe man sie nicht wegen bloßer Mängel in der Schul- disziplin ihren Eltern entziehen. Diese Ausführungen sind durchaus zutreffend. Sie waren möglich, weil nicht der Strafsenat, sondern der Zivilsenat als letzte Instanz in der Vormundschaftssache zu entscheiden hatte. Trotz der Klarheit des Kammergerichtsbeschlusses vermögen wir uns der Hoff- nung nicht hinzugeben, daß den Versuchen, den§ 1666 des Bürgerlichen Gesetzbuchs zu politischen Zwecken zu mißbrauchen. endgültig und mit dem Erfolg ein Riegel vorgeschoben wäre. daß ein Beamter, der einen dahin gerichteten Versuch unter- ninimt, wegen Rechtsbeugung zur strafrechtlichen Verantlvortung gezogen werden würde._ 1300 Menschenleben und eine halbe Milliarde. Der Grsamtvcrlust der Schutztruppe in Sudwrstafrita während der Kämpfe in den Jahren 1904 bis 1007 stellt sich nach der amt- Hdjcn Iufainmtnstellimg im sechste»(Schluß-) Hefte der vom Große» Generalstabe herausgegebene» Denkschrift über die Kämpfe der deutschen Truppe» in Südwestafrika wie folgt: A. Gefechtsverluste und Unglücksfälle: Offiziere Unteroffiziere Sanitätsoffiziere und Summe Bemme Mannschaften Tot;::;; S2 614 676 Vermißt.»« 2 74 86 Verwundet �_ 89_ 818 907 Summe 153 1506 1659 B. An Kraukheften gestorben: 26 663 639 Wenn man die Vermißten als tot rechnet, so ergibt sich als Gesamtsumme der Toten: 96 Offiziere und 1305 Manuschastcu— 1491 Mann. Das sind die Opfer, die das deutsche Volk für den Uebermut und die schmähliche Ausbentnugswirtschaft gegenüber den Ein- geborenen hat bringen müssen. Den Vorteil davon haben die Woermann, T i p p e l s- kirch, Podbielski und Konsorten gehabt. Und in Zukunft vird der Gewinn für die ungeheueren Opfer an Gut und Blut »ner Handvoll Kolouialagrarier, etlichen Eisenbahn- und Siedelnugs- Gesellschaften zufallen! Das Volk selbst aber ivird für dies herrliche„Nen-Deutfchlaud" ührlich weitere 30—40 Millionen zu blechen haben I— Schuckmann, der Kolonialpionier. Aus A r n s w a l d e wird einem Berliner Blatt gemeldet: »Gouverneur v. S ch u ck m a n n hat das bei Arnsivalde ge- .egene Vorwerk Ferdinandshof, das er vor zehn Jahren für 110 000 M. angekauft hatte, an einen Herrn Wille aus Samter für 190 000 M. verkauft." Ob Herr v. Schuckmann nimmehr sein sich trefflich verzinsendes Kapital in unserem herrlichen Südwestafrika kolonialagrarisch an- regen wird?—_ Entweder— oder. Ue6er die Chancen der Blockpolitik hielt der Reichstags- und Zaudtagsabgeordnete P a y e r auf dem Soimnerfest der Süd- eutschen Volkspartei Württembergs folgende staats- väumsche Eutivcder— odcr-Rede: Im Reichstag sei die Partei in die bedeutsame, aber ver- antwortungsvollc Stellung des Z ü n g l e i n s an der Wage gekommen. Der Wunsch der Partei sei das nur zu einem kleinen Teil gewesen. Dem Zusammengehen mit der Rechten und der Regierung stehe die Volkspartei noch immer mit dem Rest des alten BauernabcrglaubenS gegenüber, daß mit großen Herren nicht gut Kirschen essen i st.(Heiterkeit.) Aber die Volkspartei sei mittlerweile auch im Umgang mit großen Herren etwas gewandter geworden und werde dafür sorgen, daß ihr die Kirschkerne nicht ins Gesicht geworfen werden.(Heiterkeit.) En» verdienstliches Werk und auch eines Opfers wert sei eS, d a S Z e n t r» m aus seiner a u s s ch l a g« g e b e n d en S t ei lu n g verdrängt zu haben. JmHerbst n i ch t l a n g e n a ch d e in Z u s a m m e u t r i t t d e s R e i ch s- t a g e s w e r d e d i e E n t s ch e i d u n g f a l l cn m ü s s e n. Eni- weder gelinge es dem Reichskanzler, mit der Linken einen wirk- I i ch e n F o r t s ch r i t t für den Liberalismus zu erreichen, dann sei der Vernich nicht umsonst gewesen, oder es gelinge ihm nicht, und er müsse auf seine Politik verzichten. Dann nehme die VolksparteiihrcbisherigeTaktik und denKampf in altcrWeise wieder auf, und sie sei überzeugt, daß er, wenn nicht jetzt, dann später zum Siege führe. Eine nette Politik, die so und auch anders kann, die entweder M i t Regierung und Agrariern oder auch gegen sie! Und wenn nachher die wackere Freisinn- Demokratie als die Geprellte zur »nnentlvcgtcn" Opposition zurückkehren muß, hat sie zugleich die Massen um soviel hundert Millionen Steuergroschen für Kolonial- abenteuer geprellt!—_ Erwache» die freisinnigen Arbeiter? Die„Westdeutsche Post", das Organ der Hirsch- Dnnckerschen Gewerkvcreine des RheinlaudeS, schreibt: »Wir wünschen, daß der L i n k§ l i b e r a l i s m u S Herrn Bülolv wirklich über die Klinge springen läßt, damit die unehrliche Politik der Gegenwart endlich e i n E n d e hat. Lieber ein vollkommen reaktionäres Regime, als der jetzige Zustand. Dann würde wenigsten« Klarheit geschaffen und dem Volle die Augen geöffnet werden. Mit schönen Worten dürften denkende Arbeiter kaum mehr gewonnen werden könne», sie wollen Taten sehen." Die„Deutsche Tageszeitung" versichert, daß die Furcht vor der stumpfen Klinge dcS LiukSliberaliSmuS dem Reichskanzler die Ruhe dcS BadelebenS schwerlich stören werde. DaS glauben wir freilich auch. Ja wir glaube» sogar, daß die frei- linnigen Parlamentarier sich durch solche Aeußerungen ihr sommerliches ckoleo fcrr niente kaum stören lassen werden. Wollen die freisinnigen Arbeiter Gehör für sich finden, so müssen sie selbst »Taten sehen lasse n"._ Die„Norddeutsche Allgemeine"»nd der Fall Tchänfcle. Aus Baden wird uns geschrieben: Das Scharfmachcrgeschwätz der norddeutschen Bcschwichtigungs- kante hat in der tonangebenden bürgerlichen Presse Badens, mit Ausnahme einiger Zcntrumsorgane, kein vernehmliches Echo gc- funden. Die liberalen Blätter erklären seelenruhig, von der süd- deutschen Politik verstände das offiziöse Organ nichts, und die angeblich zum Massenstreik der Eisenbahner auffordernde Rede L e g i e n s hat unser Karlsruher Parteiorgan als direkte Fälschung nachgewiesen. Die badischc Regierung hat so wenig Verständnis für das innere Leben der Sozialdemokratie bekundet, daß sie sogar aus dem Mannheimer Partei tagsprotokoll falsch zitiert hat. Soweit gut; aber die„Nordd. Allg. Ztg." versucht der badischcn Regierung bcizuspringcn und verfährt dabei in einer Weise, die nicht unwidersprochen bleiben darf. Sie sagt: „Die Angelegenheit würde in Baden auch schwerlich viel Aufsehen gemacht haben, wenn nicht Schäufele unbeanstandet Mitglied des Bürgcrausschusses der kleinen Vorortgemeinde Rintheim hätte fein dürfen. Diese Nach- s i ch t i g k c i t zeigt immerhin, wie wohlwollend die Rc- zierung Schäufele bislang behandelt hat, und läßt darauf schlichen, daß eben jetzt sein agitatorisches Verhalten das Maß überschritten hat, welches auch eine sehr langmütige Regierung ihne Schädigung ihrer Aktionskraft nicht überschreiten lasten darf." Da? heißt den Tatsachen denn doch stark Gewalt antun. Wir stellen fest: Schäufele war volle 10 Jahre Mitglied dcS Rintheimer Bürgerausschusses, und man tritt ihm nicht zunahe, wenn man erklärt, er ist nicht einmal im Bürgerausschuß des kleinen Rintheim besonders hervorgetreten. Am 1. Januar 1907 wurde Rintheim der Residenz Karlsruhe angegliedert und mit der Tätigkeit Schäuseles im Bürgerausschuß von Rintheim war es vorbei. Es bot sich ihm nicht die geringste Gelegenheit, sein bisheriges„agitatorisches Verhalten" zu überbieten. Er ist seit dieser Zeit niemals als Redner öffentlich aufge- treten. Von der Langmut der Regierung brauchte Schäufele somit nicht zu profitieren, denn sie hatte keinerlei Anhaltspunkte für seine agitatorische Tätigkeit. Also nicht deswegen hat der Fall Schäufele in Baden großes Aufsehen erregt, nicht deswegen haben die gesamte politische Presse Badens und nicht minder fast alle politischen Körperschaften zu der Angelegenheit Stellung gc- nommcn. Man mußte vielmehr in der neuesten Aktion der badischen Regierung einen Frontwechsel gegennber der Sozial- demokratie erblicken, gegenüber derselben Partei, mit der man bei der Landtagsstichwahl 1905— nicht ohne Zustimmung der Re- gierung— sine Zcntpnmsmehrhcit vom Landtage ferngehalten hat. Denn der Regierung war damals wie heute bekannt, daß in der Karlsruher Eisenbahnwerkstätte Sozialdemokraten in großer Zahl tätig sind, sie wußte damals wie heute, das etwa 30 Bürgeraus- schußmitgliedcr der Landgemeinden in der Hauptwerkstätte ihre Beschäftigung haben. Das neue Ministerium Bodman hat mit der beabsichtigten Maß- regelung des Sozialdemokraten Schäufele seine Visitenkarte bei den Scharfmachern abgegeben. Aber es hat einen Umstand übersehen: Minister kommen und gehen, die Sozialdemo- kratie bleibt. Sie ist sogar berufen, in den künftigen Kämpfen zwischen den badischen Nationalliberalcn und dem sich auch in Baden immer mehr Einfluß sichernden Zentrum das Zünglein an der Wage des politischen Lebens des Musterländchcns zu spielen.—_ Terrorismus der Eisenbghuverivaltnng. Königsberg, 15. Juli. Eine für den Eisenbahnfiskus sowie für das reisende Publikum gleich unangenehme Begleiterscheinung der Fahrkartensteuer ist die U e b e r f ü l l n n g der vierten W a g e n k l a s s e. Während die dritte Wagenklasse größtenteils nur mit wenigen Zivilpersonen, in der Hauptsache mit den sehr billig fahrenden Militärpersonen be- setzt ist, sind auf den Bahnstrecken im Osten die Wagen vierter Klasse stets überfüllt. Konnte man nun bisher durchaus nicht alle Fahr- gäste in den überfüllten Wagen hineinstopfen, dann wies man den Fahrgästen mit Fahrkarten vierter Klasse, die wenig oder gar kein Gepäck hatten, Plätze in der dritten Wagenklasse an. Neuerdings sucht man nun durch einen durchaus unzulässigen Druck ans daS Publikum dieser Kalamität abzuhelfen. Auf der Strecke Eydtkuhncn- Berlin ist es wiederholt vor- gekommen, daß die Schaffner Fahrgäste vierter Klasse, die sich nicht wie Gänse in die vollgepfropften Wagen hineinstopfen lassen wollten, in die dritte Wagenklaste hineinuötigten. Kurz vor Abgang des Zuges wurden diese Fahrgäste dann aber auf- gefordert, zum Ausgleich des Fahrpreises einen Zuschlag zu ihrer Fahrkarte nachzuzahlen. W�e r s i ch w e i g e r t e, mußte hinaus. Und wollte er nicht den Zug versäumen, schnell sich in einen der überfüllten Wagen vierter Klasse hineinzwängen, ganz gleich, ob anstatt der vor- geschriebenen 11 Personen bereits 14 und 16 Personen die Steh- Plätze eingenominen hatten. DaS geht natürlich nicht so gemütlich und geräuschlos ab, besonders wenn StationS- und Zugbeamte nervös veranlagt sind. Auf den kleinen Stationen mit kurzem Aufenthalt haben die Züge mit der über- füllten Wagenklasse fast jedesmal Verspätung. Wenn unser Verkehrsminister alle die Flüche und Verwünschungen hören würde, die in der vierten Wagenilasse jetzt gegen die Eisenbahnvertvaltung ausgestoßen werden, er müßte BülowS RhinoszeroShaut haben, wenn er nicht für schleunige Abhülfe dieses Mißstandes sorgen würde.—_ Eine Acnderung des Wahlrechts zur Lübecker Bürger- schaft beschäftigte am Montag wieder einmal die gesetzgebende Körperschaft des kleinen Freistaates Lübeck. Diese Wahlrechts- änderung ist bereit» die dritte innerhalb eines Zeitraumes von fünf Jahren. Sie ist jedoch im wesentlichen redaktioneller Na- tur. Es wurde beschlossen, daß zur Teilnahme an den Wahlen alle Bürger berechtigt sind, die das 25. Lebensjahr vollendet, seit dem vierten der Wahl vorangehenden Steuerjahre ihren Wohnsitz dauernd im Lübeckischen Staatsgebiete gehabt und während dieser Zeit mindestens soviel an Einkommensteuer gezahlt haben, als für ein Einkommen in Höhe de» niedrigsten steuerpflichtigen Betrages 1600 M.) von ihm zu entrichten war. Im Jahre der Wahl muß dem Erfordernis der Einkommcnsteuerzahlung für die Zeit biS zum 30. September entsprochen sein. Bei außerordentlichen Ersatzwahlen tritt an die Stelle dieses TageS der letzte Tag desjenigen Kalender- Vierteljahres, welcher zur Zeit der Bestimmung dcS Wahltages durch den Bürgerausschuß abgelaufen war. Die beiden letzten Sätze sind dem bestehenden Gesetze neu hinzugefügt. Im Laufe der Beratung ge- lang eS, ein bei der letzte» BürgerschaftSwahlrechtSänderung be- schlostencS Unrecht wieder gut zu machen. Damals wurden nämlich diejenigen Bürger, Ivclche sich ihr Wahlrecht— wie das früher ver- fastungSmäßig war— durch Geldcrkanfen mußten, ohne weiteres mit entrechtet, wenn sie nicht für vier Jahre Steuern gezahlt hatten. Jetzt ist der Beschluß gefaßt worden, daß diese Leute auch dann wählen können, auch wenn sie keine Steuern entrichten. Im Laufe der Debatte kritisierten unsere Genossen es scharf, daß die sich Volksvertretung nennende Bürgerschaft sich der Tragweite ihrer Beschlüsse nicht einmal bewußt ist, indem sie es zugegeben hat, daß ihr das Recht genommen wurde, Initiativanträge zu stellen. Die vom ScuatStische hiergegen gemachten Aeußerungen ändern an der bedauerlichen Tatsache nichts. Ein Redner nannte das bestehende Wahlrecht zum Lübecker Parlament elend; er tvurde dafür zur Ordnung gerufen, was nur für die Richtigkeit dieser Behauptung spricht.—_ Italien. Nasi. Rom, 13. Juli. Infolge einer Verfügung des Staats- gerichtshofes ist der frühere Minister Nasi hente nachmittag in seiner Wohnung durch den Polizeipräfektcn verhaftet und in das Gefängnis gebracht ivordcn. Rom, 15. Juli. Jni Laufe des heutigen Abends wurde auch der frühere Kabinettschcf des Ministers Nasi, Jgnace L o m b a r d o, auf Grund einer Verfügung des Staats- gerichtshofes verhastet und in das Gefängnis abgeführt. Englancl. London, 16. Juli. Von den gestern verhafteten 13 Personen. welche an der Kundgebung zugunsten der russischen Revolutionäre teilnahmen, sind zwei unter Stellung von Kaution auf freien Fuß gesetzt worden. Gegen den Organisator des Meetings, William, ist ein Haftbefehl erlassen.— Bulgarien. Sofia, 14. Juli 1907.(Eig. Ber.) Hente ist Alexander Petrow, der Mörder des ehemaligen Ministerpräsidenten Dimiter Petkow, zum Tode verurteilt worden. Er wurde von einem außerordcnt- lichen, für den speziellen Fall zusammenernannten Feldgericht ver- urteilt, welches durch das Ausnahmegesetz„gegen die Anarchisten und Attentäter wider die Existenz des Staates" nach dem 11. März, dem Datum der Mordtat, für zulässig erklärt wurde! DaS war natürlich eine flagrante Verletzung der Bersassmig, die die Feld- gerichte nur für Kriegszeiten vorsieht. Der Prozeß vor dem durch die interessierte Regierung selbst er« nannten Feldgericht gestaltete sich zn einer bulgarischen DreyfnS- affäre. Ganz abgesehen von der Verurteilung PetrowS wurden die sogenannten zwei„Mittäter" Jkonomow und Chranold, obwohl gegen sie keinerlei Beweis vorlag, ja im Gegenteil alle Zeugenaussagen für sie günstig lauteten, als Mithelfer zn 15 bezw. 20 Jahren Kerker verurteilt I Die Rachcgesühle der bulgarischen Regierung sind eben zn stark entwickelt, als daß sie sich's in solchen Fällen an einem Opfer genügen ließe. *** Sofia, 16. Juli. Das Todesurteil an Petrow ist heute hier vollstreckt worden. Die russische Revolution. Die„Schwarzen". Petersburg, 16. Juli.(Russ. Korr.) Die Tätigkeit des Ver» bandes des russischen Volkes nimmt ständig an Regsamkeit zu. Die Anträge werden immer kühner. Schitomir, das zurzeit ein Zentrum des Schwarzen Hunderts ist, beschloß: vollkommene Be» gnadigung aller wegen Pogrome Verurteilten zu verlangen! Besondere Beunruhigung erregt es hier, daß in allen Sommer« Wohnorten bei Petersburg Abteilungen des Schwarzen Hunderts gebildet werden. ««» Die sozial-revolutionäre Partei setzt ihre Enthüllungen be- züglich der Ermordung des Dr. JolloS fort und veröffentlicht im Zcntralorgan„Snamja Truda" eine ganze Reihe von Schrift- stücken, die für verschiedene Persönlichkeiten, darunter für solche von hohem Rang, überaus kompromittierend sind. Besonders schwer sind die gegen den Grafen Bobrinskij, den bekannten Re- aktionär und Führer des»Verbandes wahrhaft russischer Leute", gerichteten Beschuldigungen: Die Sozialrevolutionäre behaupten, daß Bobrinskij den berüchtigten Kansanzew, der die Ermordung des Dr. Jollos inszeniert hat und später selbst ermordet wurde, wiederholt besucht und ihn auch zu verschiedenen Mordtaten her» leitet beziehungsweise entsprechend„vorbereitet" hat.»» Hirn der parte!« Zum Parteitag. Eine Resolution gegen die Unterstützung des Freisinns wurde von der Jahresversammlung der Genossen des Wahlkreises Wcimar-Apolda-Jlmenau einstimmig angenommen. Die Rcso» lution lautet: „Da der Freisinn bei der letzten Reichstagswahl sich offen als ein Teil der gemeinsamen reaktionären Masse entpuppte, indem derselbe eine Anzahl Wahlkreise den reaktionärsten Volksfeinden auslieferte, beschließt die Jahresversammlung: Bezüglich der Taktik bei den Reichstagswahlen wolle der Parteitag in Essen beschließen, bei Stichwahlen zwischen Freisinn und einer bürgcr- lichen Partei enthält sich die sozialdemokratische Partei der Stimmenabgabe."_ Parteiliteratnr. Der in seinem 32. Jahrgang vorliegende Nene Welt-Kaleuder für das Jahr 1908(Hamburger Buchdruckerei und Vcrlagsanstalt Auer u. Co. in Hamburg) enthält: Kalendarium.— Postwcsen.— BcachtenSwerts Adressen.— Statistisches.— Rückblick.— Messen und Märkte.— Im Kreislauf des Jahres.— NahrungSmittel- verfälschung und Volksernährung. Von Emanuel Wurm.— Die Saiten meiner Laute. Gedicht von Fred Mcyer-Balte.— Der Norweger. Erzählung von Wilhelm Schäfer(mit Illustrationen).— Vor dem Streik. Gedicht(mit Illustration). — In einer kleinen Gemeinde. Von Dr. Albert Südekum.— Winterwandcrung. Gedicht von Ernst Preczang.— Revolutionen in der Erdrinde. Von Dr. Bruno Borchardt(mit Illustrationen). — Sprüche.— Die Frau im alten Rechte. Von Alwin Adö.— Sklavenlos. Gedicht von Hans Hart.— Eine merkwürdige Sonnenfinsternis. Von Felix Linke(mit Illustrationen).— Goldene Worte.— Die Kompottschüssel. Eine Rentengeschichte von Eduard Graf(mit Illustrationen).— Zur Praxis der sozialistischen Kindererziehung. Von Heinrich Schulz.— AuS meiner Londoner Zeit. Erinnerungen von F. I. Ehrhart(mit Porträts).— Unser LoS. Gedicht von Ludwig Lessen.— Einiges aus der Gewerbe-Hygiene. Von Dr. R. Silberstein(mit Illustrationen).— Mein Lied. Gedicht von Karl Petersson.— Unsere Toten(mit Porträts).— Fliegende Blätter.— Ein saurer Tag.— Für unsere Rätsellöser.— Trächtigkeitsund Brütekalender.— Außerdem vier Bilder: Wasserträgerin— Am Sonntag— Verlorener Streik— Steinschiebcr.— Ein Vierfarbendruck auf Knnstpapier: Wahldebatte im Dorfkrug.— Ein Wandkalender. AuS dem Wahlkreise Randow-Greifenhagen. Am 14. d. MtS. fand eine von 45 Delegierten besuchte KreiS» Generalversammlung des Wahlvercins in Stettin-Grabow statt. Aus dem Bericht des Vorstandes fei hervorgehoben, daß die Mit- gliedcrzahl sich auf 2060 gegen etwa 1200 im Vorjahre belauft. Seit dem 1. d. MtS. wird eine zweimonatlich erscheinende Agitationsschrift, betitelt„Der S o z i a l d cm o k r a t", für den Wahlkreis herausgegeben, die dem Bedürfnisse nach prinzipieller Vertiefung Rechnung tragen soll. Dieselbe wird unentgelt» l i ch abgegeben. Die Delegierten konnten von einem erfreulichen Aufschwung der einzelnen Abteilungen berichten. Gewünscht wurde allerseits eine scharfe Bekämpfung der bürgerlichen Klimbimvercine, die uns viele Arbeiter abspenstig machten. Nach einem Referat des Kandidaten dcS Kreises, Genossen K ö r st e n- Berlin, über»Die politische Lage" wurden die Anträge verhandelt und unter anderem ein Antrag angenommen, der die Wahl von Delegierten zu Parteitagen usw. durch Urwahlen vorsieht. DaS Vorschlags. recht soll der Kreis-Gencralversammlung zustehen. Ein„Prestsünder". Genosse Schnettler in Zittau, Re» dakteur des„Armen Teufel", war vom Redakteur der freisinnigen „Zittauer Morgenzeitung" wegen Beleidigung verklagt worden. Der Herr hatte eS übel genommen, daß„Der arme Teufel" die jammervolle Haltung des FreisinnsblatteS richtig kennzeichnete. Gr» nosse Schnettler wurde zu 750 M. Geldstrafe verurteilt. GewerkfcbaftUcbes« Wie die TerroriSmiiscrzählnngtn entstehen. In irgend einem kleinen Winkel, irgend einein Kreis» blättchen oder noch minderen Organ werden sie geboren, ihr Lebenslauf läßt sie die Blätter der verschiedensten arbeiter- feindlichen Parteien durchivandern, bis sie schließlich in der großen Kloake, in der„Post", verenden. Ein Wunder wär's, wenn der große Kampf im Berliner Baugewerbe nicht neue Terrorismuserzählungen zeitigen würde, Erzählungen natürlich nicht von dem TerrorismuS der Unternchmcr. die Taufende arbeitswilliger Bauproletarier einer Kulturforderung wegen auf die Straße ivarfen, sondern von angeblichem Terrorismus der brutal vergewaltigten organisierten Arbeiterschaft. Man schickt uns blau angestrichen die„Lichtenberger VolkSzeitung" zu. die unter einem schlecht gespielten Aufwand sittlicher Entrüstung folgende Schauergeschichte erzählt: »Wie organisierte Arbeiter einen nicht organisierten Kollegen aus Lohn und Brot zu drängen bereit sind, beweist folgender hier geschehener Vorfall. Auf dem Neubau Weichsel- straße 2/3 in Lichtenberg arbeitete der nicht organisierte Maurer W. Schilling aus Berlin. Diese Tatsache erregte den Zorn seiner Kollegen und so trat denn der Maurer Paul Kubcnz mit dem Ersuchen an ihn heran, dem Verbände beizutreten. Sollte er, dies nicht tjtN. jo würde Man ihn Mingen. die Arbeit nieder, zulegen, mit anderen Worten, man würde ihn auf die Straße setzen, brotloS machen und ihn so unter Umständen dem Elend preisgeben. Man sieht, ein wahrhaft erschütterndes Beispiel edler Brüderlichkeit und Nächstenliebe. Sch. kam dieser un- verschämten Forderung natürlich nicht nach, sondern arbeitete ruhig weiter. Hierauf ging Kubenz zu dem Maurerpolier Fritzsche und forderte ihn auf, den Schilling sofort zu entlassen, andernfalls die Maurer die Arbeit niederlegen würden. Schilling ist dann auch tatsächlich entlassen worden. Infolge dieses un- erhörten Vorgehens des Kubenz sah sich der also Gcmaßregelte veranlaßt, die Hülfe der Polizei zur Feststellung der Personalien � seilies Bedrückers anzurufen. Als der Polizeibeamte auf dem Bau erschien, wechselte der tapfere und schneidige Vertreter der sozialdemokratischen Freiheit schleunigst die Taktil. Trotz mehr- facher Aufforderung seitens des Beamten weigerte er sich, seine Personalien anzugeben. Als sich der Beamte infolge dieses feigen und auch gesetzwidrigen Verhaltens des K. genötigt sah, ihn anzufassen, um ihn zum hiesigen Amt zu� transportieren, stemmte er die Füße gegen den Erdboden. Es gelang dem Beamten nur mit größter Mühe, ihn bis in die Mitte der Bau- bude zu führen. Hier aber wurde er plötzlich von den anderen Arbeitern umdrängt, so daß er durch dies gewaltsame Vorgehen verhindert war, den Namen des Schuldigen festzustellen, die Arbeiter ließen sich sogar hinreißen, den Beamten in seiner Eigenschaft als solcher in beleidigenden Ausdrücken verächtlich zu machen und es gelang ihnen auf diese Weise, ihren Kollegen zu befreien, so daß er flüchten und sich einstweilen der Fest- stellung seiner Personalien entziehen konnte." Die Lichtenberger„Volkszeitung" hat hier in ihrer Sucht, ben organisierten Arbeitern etwas anzuhängen, die Tatsachen wild durcheinander gewirbelt. K u b e n z ist Vertrauensmann der Maurer auf dem Bau. Als dort ein Maurer Schmidt, nicht Schilling, anfing, fragte er denselben nach seinem Verbandsbuch. Der neue Kollege gab jedoch an, Im Polierverein organisiert zu sein, ohne Lust zu bezeigen, sich darüber irgendwie- auszuweisen. Zu einem schärferen Konflikt aus diesem Aulatz kam es aber nicht; denn der Polier schickte, um Weiterungen zu vermeiden, den S ch m i d t (nicht Schilling) nach einem anderen Bau in allernächster Nachbarschaft, wo er vermutlich noch arbeitet. K u b e n z hat also niemanden brotlos gemacht im Gegensatz zu den Bauunternehmern, deren Interessen das Lichtenberger Blatt vertritt; er hat in loyaler Weise seine Pflicht als Bauvertrauensmann getan, als er in dieser Zeit des Kampfes sich über die Organisationszugehörigkeit eines anfangenden Kollegen erkundigte. Jnr übrigen liegt ja die Sache auch umgekehrt: nach den„Arbeitswilligen" lecken sich die Unternehmer überall ihre zehn Finger; das Eindringen von solchen auf Bauten, die von organisierten Maurern besetzt sind, bedeutet aber für diese Desorganisation und in deren Folge Brotlosigkeit und Elend. Der andere Vorfall mit dem Polizeibeamten spielte sich zivar an demselben Tage, aber ohne eigentlichen oder höchstens in mitzvcrständlichem Zusammenhange mit der Tätigkeit des K u b e n z als Vertrauensniann des Manrervcrbaudes ab. An demselben Tage nämlich, an dem der Maurer Schmidt nicht entlassen wurde, wurden aber entlassen zwei Bau arbeitsleute, mit denen K u b e n z in keiner Weise irgend etwas zu tun gehabt hat. Einer von diesen hatte nun das sonderbare Bedürfnis, K u b c n z polizeilich feststellen zu lassen. Ein Beamter kam zu diesem Zweck mit dem betreffenden Bauarbeiter gemeinsam auf die Baustelle und lietz es den Arbeitern gegenüber an leder Form fehlen. K u b e n z verwies den Beamten an den Polier, welcher ihm die geforderten Auskünfte geben werde. Im übrigen behandelten die Arbeiter den Herrn genau so. wie er sie behandelte! Diese Kordialität der Arbeiter hat dem Beamten nicht geschadet. Er oerlictz ungefährdet und ungehindert den Bau; aber auch ungezwungen, nicht einer Ueber- macht weichend, wie das Lichtenberger Weltblatt es beamten- beleidigenderweise darstellt! Ein preußischer Polizeibeamter stirbt, aber er ergibt sich nicht! Daß im übrigen der Beamte zur Feststellung der Personalien einer Sistierung gar nicht bedurfte, beweist ja die Tatsache, daß das Lichtenberger Denunziantenblatt den Namen des Bauvertrauensmannes genau kennt. Die Quelle, aus dem die Lichtenberger angeb- liche„Volkszeitung" schöpfte, stand auch der Polizei offen! LerUn unck llmgegenck. Neue Maßregelungen bei der Großen Berliner. Nachdem Anfang vorigen Monats erst eine Anzahl Angestellter der Großen Berliner Straßenbahn plötzlich entlassen worden war, wurde Ende desselben Monats auf den Bahnhöfen davon gesprochen, daß demnächst noch weitere SO Mann in derselben Weise aus dem Dienst gejagt werden sollten. Dies ist denn auch so ziemlich ein- getroffen. Diesmal sind in den Kündigungsschreiben— sie datieren meist vom 8. Juli— Gründe nicht angegeben. Einem der Ge- kündigten, der nach den Gründen fragte, wurde die Auskunft ver- weigert. Ihm wurde gesagt:„Genau so gut wie Sie den Betrieb verlassen können, ohne uns die Gründe anzugeben, genau so gut können wir Sie ohne Angabe der Gründe entlassen." Anständig ist 'ms zwar nicht, auf eine derartige bescheidene Anfrage die AuS- kunft zu verweigern, und ein Angestellter., oder Arbeiter, der seine Stellung freiwillig verläßt, wird wohl im allgemeinen auf eine der- artige Frage von Unternehmerseite die Antwort nicht schuldig bleiben. Aber was kümmert solcher Anstand und gute Sitte die Herren von der Großen Berliner, wenn sie Leute entlasten, die jahrelang, ja wie diesmal bis zu 18 Jahren getreu und tadellos ihre Pflicht erfüllt, und ein gut � Teil beigetragen haben zu den hohen Dividenden der Aktionäre, den hohen Gehältern der Herren an der Spitze des Unternehmens! Man enthebt sie ja ihres Dienstes, man schmeißt ihnen ja ihren Lohn hin für die Kündigungsfrist, wo sie nicht mehr zu arbeiten brauchen, nicht mehr arbeiten dürfen! Das scheint den Herren vielleicht noch nobel gehandelt. Die Gründe können sich die Entlassenen selbst ausgrübeln. Natürlich richten sich die Entlassungen wieder einmal gegen die selbständige Organisation der Angestellten oder gegen die„hetzerische Agitation", wie sich die Direktion sonst in holder Uebereinstimmung mit anderen ebenso rückständigen Unternehmern auszudrücken pflegte. Eine sorgfältige Auswahl hat man auch diesmal nicht ge- troffen; Verbands- wie Vereinsmitgliedcr sind unter den Ent- lassenen. Das ausgedehnte Spionagesystem scheint noch immer ziemlich unzuverlässig zu funktionieren, obwohl man es nach Polizei- spitzelmanier organisiert hat. Wird uns doch von glaubwürdiger Seite berichtet, daß die Spitzel der Direktion als Pastagiere, ja sogar in schäbiger Kleidung die Straßenbahnwagen besteigen, um Schaffner und Fahrer mit Hülfe eines Trinkgeldes auszuhorchen, sie womöglich noch zu Schimpfreden gegen die Direktion aufzuhetzen, ganz wie die Achtgroschenjungen der Polizei ihr lichtscheues Hand- werk zu treiben pflegen. Auf diese Weise jagt die Direktion einen Teil ihrer tüchtigsten altbewährten Angestellten aus den Dienst. Auf einzelnen Bahnhöfen, so wird uns berichtet, haben Bahnhofsvorsteher mit Tränen in den Augen von den Leuten Abschied genommen, mit denen sie lange Jahre gern und freudig zusammengearbeitet hatten. Daß es sich um einen Kampf gegen die Organisation der An- gestellten handelt, geht auch daraus hervor, daß die Entlassenen größtenteils Vertrauensmänner der Organisation, Delegierte der Ruhegehalts- oder der Krankenkasse waren, eben Leute, die die Direkiion als unbequem ansah. Zwar hat der Ministerialdirektor M i ck e einmal gesagt:„Organisieren Sie sich soviel Sie wollen und wo Sie wollen", aber nun sieht man wieder, daß das nicht ernst ge- meint ist. Ileberfluß an Personal hat die Große Berliner keineswegs, man könnte Wohl vielmehr von einer Art Lcutenot reden. Sonst würde man ja nicht die noch nicht rausgeschmissenen Angestellten an den ihnen zustehenden freien Tagen fortdauernd zum Dienst heran- ziehen. Es ist eben so, daß unabhängige Leute, die ihr Glück bei der Gesellschaft versuchten, nur zu bald im Zorn über die erbärm- lichen Verhältnisse auf und davongehen und oft genug ihrem nächsten Vorgesetzten noch derb die Meinung sagen, wenngleich dieser ja in der Regel unschuldig an den Zuständen ist. Daraus ist es auch zu erklären, daß die Direktion sich so eifrig bemüht, aus dem Militär- dienst entlassene Personen heranzuholen. Da denkt vielleicht manch einer, der die Lust Soldat zu sein gründlich ausgekostet hat, was er für ein Glückspilz ist, daß er bei der Großen Berliner auf Empfehlung seines Herrn Offiziers eine schöne Stellung findet, denkt es so lange, bis er erfahren hat, was damit los ist.— Uebrigens irrt sich die Gesellschaft, wenn sie glaubt, mit ihren fortgesetzten Maßregelungen den Verband innerhalb ihres Bc- triebes totmachen zu können. Das wird ihr sicherlich nicht gelingen. Schafft sie doch gerade dadurch Leute, die nun unabhängig und frei von der Fuchtel der Großen Berliner das ihre dazu beitragen werden, um den Verband in den Reihen ihrer alten Kollegen immer mehr zu stärken. Da mögen sich die führenden Personen im Direktionsverein noch so bemühen, zu denunzieren und die Böcke von den ganz geduldigen und willenlosen Schafen zu sondern, der Sieg muß und wird doch schließlich auf feiten der unabhängigen Organisation bleiben. Deutfebes Reich. Die Schmiedegesellen Hamburg-Altonas befinden sich seit dem 8. Juli im Streik. Es kommen in Betracht Huf- und Wagen- schmiede, Schiffsschmiede und Nagelschmiede, Kesselschmiede. Zuzug ist fernzuhalten. Alle Arbeiterzeitungen werden um Abdruck gebeten. Die Streikleitung. Die Aussperrung der Tabakarbeiter in Gießen und Um- gegend dauert bereits volle fünf Wochen und wird weiter andauern, da die organisierten Zigarrenfabrikanten keinen Frieden wollen. Sie bestehen auf ihrer Forderung, Austritt aus der Organisation, und weigern sich, ihr gegebenes Versprechen einzulösen, wonach in diesem Jahre eine Lohnaufbesserung ge- währt werden sollte. Die Aussperrung erstreckt sich auf 11 Orte mit 2g Betrieben, in welchen 14g Tabakarbeiter und 1384 Tabak- arbeiterinnen beschäftigt wurden. Ausgesperrt sind davon 123 Ar- beiter und Illlg Arbeiterinnen. Die Haltung der Ausgesperrten ist eine musterhafte, trotz aller Anstrengungen einiger Fabrikanten und Fabrikantensraucn, Uneinigkeit unter den Kämpfenden zu stiften. Die Fabrikanten haben diese Geschlossenheit nicht erwartet und fügen, wie sie selbst zugeben, sich großen Schaden zu. Bis zum 13. Juli war die Produktion nach gewissenhafter Schätzung um 10 00g Mille Zigarren verringert und daher ein Schaden angerichtet, der den Fabrikanten, die sowieso mit ihren Lieferungen im Rückstände waren, wehe tun wird. Viele Zigarrenfabrikanten anderer Orte sympathisieren nicht mit den Fabrikanten, die bis heute mit Hülse der niedrigen Löhne eine so drückende Konkurrenz ausüben konnten. Die von der Aussperrung betroffenen Firmen heißen: O.Ackermann. Bindewald, Bock u. Comp., Fr. Egly, C. Em melius, F. Fießer, Ph. Gail, L. Georgi. I. Hahn Nachf.. W. Meyer, A. Müller. I. Nattmann. I. B. Noll, Gebr. Pietz, L. Scheit, Gg. Schirmer. sämtlich in Gießen; I. D. Haas, Dillen- bürg; Gebr. Plöger, Greven, Wests.; Rinn u. Cloos, Heuchelheim.— Die Firmen PH. Gail und G g. Schirmer in Gießen und I. D. H a a s in Dillenburg führen außer Zigarren auch Rauch- und Kautabak. Die Ausgesperrten ersuchen alle Kollegen, diese Firmen streng zu meiden. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Wieder ein neues Organ für die Gelben. Max Lorenz, Lebius und wie sonst die Ehrenmänner alle heißen, haben eine neue Konkurrenz erhalten. Ein früherer Freund der Sozialdemokratie, nachheriger Antisemit, dann prin- zipienfester Liberaler und neuerlicher Freund der gelben Arbeits- willigenvereine, der Journalist Eduard Ossenbrunner in Augsburg, der beim Auftauchen der Gelben seinem Wochenquatsch- blättchen„Augsburger Stadtfraubas" damit auf die Beine half, daß er in jeder Nummer einen von den Großindustriellen bezahlten Schmähartikel gegen die moderne Arbeiterbewegung schrieb, hat für die Gelben ein neues Organ„Die Wehr" gegründet. Er hat sich zur Aufgabe gestellt, dem ihm als Berichterstatter der liberalen „Augsburger Abendzeitung" zugänglichen Papierkorb jeden Tag auszusuchen nach als etwa zu schmutzig weggeworfenen Korre- spondenzen des Reichsverbandes, um diese dann womöglich noch mit eigener Jauche übertüncht in seinem neuen Organ abzudrucken. Die erste Nummer haben die Großindustriellen Augsburgs in einer Auflage von IS 000 vor den Fabriken verteilen lassen. Der weiteren Unterstützung durch die Industriellen sicher, wird der Mann ein gutes Geschäft machen, wenigstens vorläufig. Wenns dann nicht mehr rentabel ist. dann wird sicki schon wieder etwas anderes finden, denn er kann schreiben links und kann schreiben rechts, wies gerade steht. TiusUnd. Kellnerstreik in Stockholm. In einer Anzahl der größten Hotels und Restaurants der schwedischen Hauptstadt haben die Kellner die Arbeit eingestellt. Die Restaurateurvereinigung von Stockholm hat darauf beschlossen, eine allgemeine Kellneraussperrung durchzuführen. In den vom Streik betroffenen Betrieben sucht man nun mit Aufwartefrauen auszukommen, jedoch sollen auch bereits Agenten unterwegs sein, um in Deutschland und namentlich in Berlin Kellner zu Streikbrecherdien st en anzuwerben. Die deutsche Kellnerorganisation muß also genau achtgeben, daß von hier aus keine Kellner unter falschen Vorspiegelungen nach Schweden verlockt werden. Gegen die Streikbrechertätigkeit der Aufwartefrauen hat Stockholms Frauenorganisation eine Erklärung erlassen. Die Streikenden verlangen Erhöhung des Monatslohnes von 10 auf 20 Kronen, anständige Kost und Behandlung sowie Ab- schaffung verschiedener Mißstände. Der bisher geltende Tarif- vertrag ist in vielen großen Geschäften nicht innegehalten worden. Manche Kellner klagen darüber, daß sie um ihren verdienten Lohn betrogen worden sind. Der zur Schlichtung von Arbeitsstreitigkeiten angestellte Staatsbeamte des Stockholmer Distrikts versucht, Verhandlungen zwischen den Parteien anzuknüpfen. Die Aussperre der Handschuhmacher in Prag, über welche bereits kurz berichtet wurde, hält an. Sie erstreckt sich auf zirka 12M Gehülfen, doch werden aus anderen Jndustricplätzen, so aus dem Erzgebirge und Wien, zahlreiche Arbeiterentlassungen ge- meldet. Die kleine, keine zweitausend Mitglieder zählende Organisation der Handschuhmacher Oesterreichs hat also gegen- wärtig rund 7S Proz. ihrer Mitglieder als Gemaßrcgeltc bezw. Arbeitslose zu unterstützen, ein Umstand, von dem die Unter- nchmcr die baldige Niederlage der Organisation erwarten. Um diese zu vermeiden, hat das internationale Sekretariat die ihr angeschlossenen Vereine aufgefordert, einen regelmäßigen Beitrag auf die Dauer der Aussperre nach Prag abzuführen. Nach einer vorige Woche abgehaltenen außerordentlich stark besuchten Ver- iammlung zogen die Ausgesperrten in friedlicher Demonstration durch die Stadt— die Handschuhindustrie ist eine der ältesten und bedeutendsten Industrien Prags—, wurden aber trotzdem auf dem Wenzelsplatz von der Polizei auseinandergetrieben. Zm internationale» Kongreß in Stuttgart nahmen gestern Versammlungen in allen sechs Berliner Reichs« tagswahlkreisen Stellung. In den Versammlungen wurde auch überall die folgende Resolution angenommen s Die Versammlung erhebt eingedenk der internationalen Pflichten des Proletariats entrüsteten Protest gegen den neuesten Gewaltakt der zarischen Reaktion, die rechtswidrige Auseinander- sprengung der Duma, die Entrechtung des russischen Volkes durch das neue Wahlgesetz und die nichtswürdigen Verfolgungen der sozialistischen Volksvertreter. Sie spricht dem gegen den Ab- solutismus und seine Schergen sowie die verräterische Bourgeoisie heldenhaft weiterkämpfenden russischen Proletariat seine Bewunderung und Sympathie aus und gelobt ihm in seinem schweren Kampfe auch fernerhin die tatkräftigste Unter- stützung in der Erkenntnis, daß die Sache der russischen Frei- heitskämpfer die Sache des Proletariats aller Länder ist. Sie protestiert zugleich mit allem Nachdruck gegen die speziell von deutschen Behörden der russischen Reaktion geleisteten Hand- langerdienste. Sie ist der freudigen Zuversicht, daß der ver- frühte Jubel der internationalen Reaktion über den Scheinerfolg der russischen Konterrevolution an der heroischen Haltung der russischen Vorkämpfer der Freiheit zuschanden wird. Des weiteren erheben die Versammelten Einspruch gegen die klägliche Haltung der sogenannten Friedenskonferenz im Haag. Die kleinlichen Ränke und Schachzüge der dort ver» sammelten Vertreter der Klassenregicrungen beweisen von neuem den Mangel an gutem Willen und Fähigkeit der herrschenden Gewalten, wahrhaft freundschaftliche und friedliche Beziehungen zwischen den Nationen herzustellen. Im Interesse des wahren Kulturfortschrittes und des friedlichen Einvernehmens der Völker untereinander erheben die Versammelten erneut die Forderung der demokratischen und sozialen Umgestaltung von Staat und Gesellschaft, die es einzig ermöglicht, die Welt- politischen Konflikte auszuschalten, den Militarismus durch eine wahrhafte Volkswehr zu ersetzen und dem Volke selbst die Ent» scheidung über Krieg und Frieden zu sichern. Die Versammelten verpflichten sich, den proletarischen Klassenkampf zur Verwirk. lichung dieser Ziele mit aller Tatkraft fortzuführen, und ver- sichern die Proletarier aller Länder bei dem gleichen Kampfe ihrer unverbrüchlichen Solidarität. Die Delegiertenwahlen hatten folgendes Ergebnis: Zweiter Wahlkreis: Die Genossen Köckeritz und Schwenke. Dritter Kreis: Den Genossen Harndt, Ersatzmann Genosse Börner gewählt. Vierter Kreis: Die Genossen Hoffmann, Buchner und Hakelbusch. Fünfter Kreis: Genosse Zucht. Sechster Kreis: Die Genossen Ledebour, Ernst und F r e i t h a l e r._ Eingegangene Druchrcbriften. Reclams ttnivcrsalbibliothek. Nr. 4911 und 4912. Ferdinand Freiligrath. Gedichte. Gebunden 80 Vs.— Nr. 4913. Gut, de Mau. Passant, Ausgewählte Novellen. V. Bändchen.— Nr. 4917. Rudolf Grcinz. Das Stadtjubiläum, Schwank.— Nr. 4915 und 491S. Fritz Reuter, De Reis' nah Billigen. Gebunden 89 Ps.— Nr. 4918. Dramatische Zwiegespräche. Für das Berusstbeater und die Dilettanten- bühne. VII. Bändchen.— Nr. 4918. Aus Bogumil Goltz' Schriften. II. Teil: Slus.Charakteristik und Naturgeschichte der Frauen.— Nr. 491g. Theodore Roosevclt, Amerilanismus. Schriften und Reden. Was will der Zionismus? Herausgegeben von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. 37 Seiten. Verlag der„Jüdischen Rund- schau", Berlin dl. 54. Zehn Jahre Zionismus. Flugschrist vom Zionistischen Zentral. bureau in Köln. 39 Seiten. Verlag:„Die Welt" in Köln, Ubicrring 23. Bericht des Verbandes der Ortslrankenkasscn in Elsatz- Lothringen 1906/07. 43 Seiten. Straßburger Volksdruckerei Paul Singer, Straß» bürg i. E.. Finkmattstaden 2. Wirtschaftliche Gisenbahn-Grkundigiingcn im mittleren mid nörd- lichen Deutsch-Ostasrika von Paul Fuchs. 211 Seiten. Herausgegeben vo« Kolonialwirtschastlichen Komitee, Berlin, Unter den Linden 43. Die Einheitlichkeit des Weltalls von Julius WilmS. 40 Seite,» Preis: 1 M. Selbstverlag des Verfassers in Ebbing, Neust. Wallsw. 13. Bei C h a r l e S H. K e r r u. C i e. in Chicago erschienen: ..Q'wpltwlilst»Utk l-aborer"(Kapitalist und Arbeiter) vo» John Spargo. „The rieht to he lasy"(Das Recht auf Faulheit) sund ander, Studien) von Paul Lasargue, ins Englische überwagcn von Charles H. Kero „HtactoUvu»"(Der Sozialismus) von Robert Rio es ia Monl. Letzte J�acbricbtcn und Depefcbca Die Beamtcnvorlage in der zweiten Kammer angenommen. Stuttgart, 16. Juli.(W. T. B.) Die zweite Kammer hat henke die Beamtcnvorlage, die neben beamtenrechtlichen Verbesserungen Gehaltsausbesserungen mit einer dauernde» Mehrbelastung des Etats im Betrage von jährlich 7VL Millionen Mark bringt, mit sämtlichen 77 abgegebenen Stimme» angenommen. Das Hochwasser. Brünn, 16. Juli.(B. H.) Das Bad Luhatschewitz ist von Hochwasser bedroht. Die Fluten überschwemmen das ganze Tal und demontiereu den Kurpark und die Kolonnaden. In Luhatsche- Witz selbst hat das Hochwasser großen Schaden angerichtet; es be- finden sich zurzeit dortselbst 1566 Kurgäste. Königgrät!, 16. Juli.(B. H.) Die Elbe steht 4,1 Meter»bc, normalem Wasserstand. Die ganze Elbebene ist überschwemmt und devastiert. Die Kommunikationen sind vielfach eingestellt. DaS Hochwasser gestaltet sich für die Gegend geradezu katastrophal. Eine FeuerSbrunst im Grubenfchacht. MonS, 16. Juli.(B. H.) Eine Fenersbrunst ist in der ver- gangcnen Nacht in dem Schacht der Grube„Grand Hornu" aus- gebrochen. Die Arbeiter mußten alle den Schacht verlassen. Die Arbeit wurde eingestellt;»iber tausend Arbeiter sind be, schästigungslos._ Bootsunfall. London, 16. Juli. IB. H.) Auf dem Rudhardsee kippte ein Boot um. worin sich drei Personen befanden. Zwei ertranken, während es gelang, den dritten Insassen zu retten. Ter Kornladcr-AuSstand in Antwerpen. Antwerpen, 16. Juli.(B. H.) Der Streik der Kornberlader hat einen großen Umfang angenommen. Es streiken die Arbeiter an Bord von 15 mit Getreide beladenen Dampfern. Eine Ver- sammlung, die von tausend Arbeitern besucht war, beschloß die Fort, setiung des Streiks.__ Der Polizeisttbel aus dem Friedhof. Riga, 16. Juli.(B. H.) Gestern nachmittag kam eS bei de« Bceroigung eines Arbeiters der Eisengießerei Poule auf dem Fried, Hof zu einem Zusammenstoß zwischen Arbeitern und der Polizei. Die Polizei nahm Verhaftungen vor und trieb die demonstrierende» Arbeiter mit Waffengewalt auseinander. ülUyegeycUIS» ooez üct Ottauigmunc muicu, cuuu Vit. Ulls vcm___________________________________. i■ verautw.Nedatt.: CarlMrmMbs Berlin-Nirdort. Lnlerateverantw.: Tb. Glocke. Berlin. Dlmck u..Verlag: Vorwärts Buchdr.u.VerwgsKnMt PaulSingerLtEo.Aerlin SW. Hierzu 2 Beilugen UtNnterbultvngSblatt Nr. 161. 24. IahrMg. 1. Dalagt i>ts„Danrärts" Irtlintt Dollislilatt. Mittlvoch. 17. IM 1907. Sturmlauf der Kalkermeijttr gegen den Kilckerei- Arbeiterschnh. Die Reaktionäre wittern Nachtluft. Wiederholt haben wir darauf hingewiesen, wie die Bäckermeister unter Verdrehung des iatsächlichen Sachverhalts gegen die Bäckereiarbeiterschutzverord- nungen Sturm laufen. Insbesondere hat es ihnen die Bundes- ratsverordnung vom 4. Mai 1896 und die Vereinbarung des Bundesrats vom 10.' Oktober 1906 über den Erlaß von Polizei- Verordnungen zum Schutz der Konsumenten und Arbeiter(vergl. „Vorwärts" Nr.'263 von 1906) angetan. Auf dem Branden- bnrgischen Bäckerverbandstag, der vom 14. bis 16. Juli in Guben von dem Zweigverein Brandenburg des Zentralverbandes der Bäckcr-Jnnungen Deutschlands„Germania" abgehalten wurde, kam das besonders zum Ausdruck. Dem Verband gehören 99 Innungen mit 5957 Mitgliedern an, die insgesamt 7492 Gesellen, 2505 Lehr- linge und 114 Konditoren beschäftigen. Von den Meistern arbeiten nach dem vom Sekretär Jung erstatteten Bericht 464 ohnx Hülfe, 246 mit einem. 132 mit 2, 31 mit 3 und 2 mit 4 Lehrlingen. Die übrigen Meister beschäftigen 1—8 Gesellen. Das Referat über: „Die neue Verordnung für Bäckerelanlagen" hatte Obermeister Fritz Schmidt- Berlin. Er hob eingangs her- vor, daß die Bäckermeister im letzten Jahre nicht weniger als acht Verordnungen erhalten hätten. Die jetzige Verordnung sei die neueste. Sie stamme vom grünen Tisch. Es sei kaum zu hoffen, daß sie abzuwehren sei. Im Ministerium sei ihm gesagt worden:„Wir haben jetzt sechs Jahre daran gearbeitet, nun wird nichts mehr geändert. Eigentlich sei die Zeit zu schade, die ganze Verordnung vorzulesen. Er wolle nur, um den Geist des ganzen zu zeigen, einen Punkt erwähnen. Es heiße da:„Das Bearbeiten des Teiges mit den Füßen ist verboten. Das zum Streichen des Brotes benutzte Wasser muß in hell emaillierten Gefäßen aufbewahrt und täglich erneuert werden." Die Regierung, die solches erlasse, müsse die Bäckermeister für Schw.... halten, da es seit alters Brauch sei, das Wasser bei jedem Stoß Brote zu erneuern. Das Bearbeiten des Teiges mit den Füßen sei seit undenklichen Zeiten von den Meistern selbst abgeschafft.(!) Die Ausführungen wurden wieder holt durch zustimmenden Beifall unterbrochen. Der Redner legte folgende Resolution vor, die nach kurzer Debatte ein- stimmige Annahme fand: „Die auf Grund des gemeinsamen Ministerialerlasses vom 10. Oktober 1906 zurzeit erlassenen Polizeiverordnungen für das Bäckerhandwerk sind auf das tiefste zu beklagen. In den ge nannten Verordnungen finden sich Vorschriften, gegen die auf das heftigste protestiert werden mutz, da sie etwas verbieten, was überhaupt nicht vorkommt, wie das Bearbeiten des Teiges mit den Füßen, die Unterlassung der Reinigung von Armen und Händen vor Beginn der Arbeit und ähnliches. Die Bäckermeister begrüßen aufs freudigste jede behördliche Fürsorge für öffent- liche Reinlichkeit und Gesundheit, sie müssen aber aufs schärfste dagegen Einspruch erheben, daß solche Bestimmungen nur für das Bäckerhandwerk ganz besonders nötig seien. Weiterhin bringen die genannten Verordnungen aber auch außerordentlich scharfe baupolizeiliche Vorschriften, die, streng durchgeführt, auf eine große Schicht des selbständigen gewerblichen Mittelstandes geradezu vernichtend wirken und zugleich die großkapitalistische Entwickelung im Bäckerhandwerk begünstigen. Sie machen die Bäckermeister unbilligerweise verantwortlich für bauliche Mängel in Bäckereien, die nicht s i e verschuldet haben, sondern die Bau Polizei, welche sie zugelassen und jahrzehntelang geduldet hat. Es darf deshalb unter keinen Umständen den Verordnungen, wie es teilweise schon geschehen, rückwirkende Kraft beigelegt werden Soweit ohne Verschulden in solcher vernichtenden Weise in die Existenz einzelner Meister eingegriffen werden sollte, wird die Rechtsgültigkeit der Verordnung mit allen Mitteln angefochten werden." Auch der Schutz der Kinder gegen gewerbliche Ausbeutung miß- behagte den Meistern. Ueber „Das Kinberschutzgesetz" referierte Obermeister E ck e r t- Potsdam. Er schilderte bor allem die für die Bäckermeister unangenehmen Folgen, die sich im Mangel an Austragepersonal überhaupt zeigen. Seitdem die Kinder der Mutter nicht mehr helfen dürfen, trägt diese nämlich auch nicht mehr aus, da ihr der Lohn zu gering für die Mühe ist. So muß meist die Frau des Meisters und sein ermüdetes Personal selbst austragen. Obwohl in der Debatte die Meinung laut wurde, es sei zwecklos, nahm dse Versammlung doch fast ein st immig folgende Resolution an: „Der Verbandstag sieht sich gezwungen, an den Bundestag die Bitte zu richten, die Ausnahmebestimmungen des § 8 Abs. 2 gütigst wieder zum Gesetz zu erheben, und zwar dahingehend, daß es fernerhin gestattet sein möge, Kinder rm Sinne des Gesetzes eine Stunde bor Beginn des Vormittags- Unterrichts mit dem Austragen von Gebäck zu beschäftigen." Ueber „Die Schädigung des Gewerbes durch die Konsum- und Rabatt- Bereine" referietren Schi mach-Forst i. L. und Rau- Berlin. Sie be- referierten S ch i m a ch- Forst i. L. und Rau- Berlin. Sie be- „Die anwesenden Bäckermeister ersehen aus der Denkschrift des geschäftsführenden Vorstandes über das Wachsen der Konsum- und Gcnossenschaftsbäckereien eine so große Gefahr resp. Kon- kurrenz für das Bäckereigewerbe, daß es fast vollständig zugrunde gerichtet wird. Sie sprechen ferner ihr Bedauern und ihre Eni- rüstung aus, daß der Reichstag, an den diese Denkschrift als Petition des Verbandes gesandt war, in seinem Antwortschreiben an den geschäftsführenden Vorstand trotz der klaren Beweise und des reichlichen Materials angibt, kein genügendes Material in Händen gehabt zu haben, um eine Aenderung der Gesetze der- anlassen zu können. Der Verbandstag ist der festen Ueber- zeugung: 1. daß das Bäckereigewerbe an der jetzigen Handhabung des Konsum- und Genossenschaftsgesetzes zugrunde gehen mutz; 2. daß das Gewerbe dem Gewerbetreibenden zu seiner Existenz erhalten bleiben muß; 3. daß die Beamten und Arbeiter kein Recht haben, durch Genossenschafts- tznd Konsum-Bäckereien die bestehenden Bäckereien zugrunde zu richten; 4. daß, um den Mittelstand zu erhalten, es dringende Notwendigkeit ist, das Ge- setz dementsprechend zu ändern, und 5. daß der Verband Deutscher Bäcker-Jnnungen„Germania" genug Beweise und Material her- gebracht hat, um dem allgemeinen Verlangen stattzugeben." Obermeister D e m o h n- Eberswalde kämpfte gegen den so- genannten Maximalarbeitstag an. Bekanntlich gewährt die auf Grund des§ 120e der Gewerbe- ordnung erlassene Bundesratsverordnung vom 4. März 1896 den in Bäckereien und Konditoreien beschäftigten Arbeitern einen kleinen aber recht ungenügenden Schutz. Es ist eine Maximalarbcitsschicht von 12 Stunden festgelegt, aber durch Ausnahmen vielfach durch- löchert. Hierzu tritt eine außerordentlich laxe Handhabung dieser Schutzvorschriften. Sie werden enorm überschritten— 860 Betriebe hatten nach der vom Bäckergesellenverband im Jahre 1904 heraus- gegebenen Statistik den nicht einmal durch Sonntagsruhe unter- brochenen Maximalarbcitstag bis zu fünf Stunden täg- lich überschritten. Längst haben verständige Meister eine kürzere Arbeitszeit als die in der Bundesratsverordnung vor- geschriebene mit den Vertretern der Gesellenschast vereinbart. Es existieren ferner an etwa 300 Orten Verträge der Gesellenschaft mit der Meisterschaft, in denen die Meister sich verpflichten, den zwölfstündigen Maxmmlarbeitstag streng durchzuführen. Wer aber annehme, der Brandenburgische Bäckerverbandstag werde eine Er- Weiterung der Schutzvorschriften anregen oder der unsinnigen Agitatton gegen die Verordnung entgegentreten, wurde gründlich enttäuscht. Der Referent vermochte trotz elfjährigen Bestehens der Bäckereivcrordnung nicht einen Fall anzuführen, in dem Bäcker durch die gesetzliche Festlegung der Arbeitszeit existenz- unfähig geworden sind, desto mehr arbeitete er mit dahin gerichteten abgedroschenen Behauptungen über schädliche Wirkungen der Maximalarbeitsschicht und schlug folgende Resolution vor: „Der Zweigverein Brandenburg, der etwa 6000 Mitglieder umfaßt, ersucht den hohen Bundesrat, die Bäckereiverordnung vom 4. März 1896 aufzuheben, da diese nicht den geringsten Nutzen, jedoch unendlich viel Schaden im Gewerbe gebracht und demoralisierend unter den Gesellen und Lehrlingen ge- wirkt hat." Der Vorsitzende B e r n a r d- Berlin teilte hierzu mit, die Arbeiterschutzkommission(es ist nicht verständlich, wen der Redner hiermit meint. D. R.) des alten Reichstages habe vor der Auf- lösung über die Umwandlung des Maximalarbeitstäges in eine minimale Ruhezeit mit Handwerkskammersyndikus Dr. Röhl und ihm konferiert. Jetzt habe ich nichts mehr darüber gehört. Die Debatte war sehr lebhaft im Sinne des Referenten. Renner- Rixdorf war mehr für ein Backverbot von Sonntag bis Montag früh. Petersohn- Tegel glaubt nicht, daß es den Gesellen möglich sei zu schikanieren, sobald ein Produktionsbuch festläge, was in der Zeit hergestellt worden sei. Die Resolution wurde angenommen! Die Bäcker- und Konditor-Jnnung Rathenow hatte sodann den Antrag gestellt, zu den „Gesellenforderungen" Stellung zu nehmen. Obermeister H e i d e r- Rathenow trat für Regelung des L e h r l i n g s w e s e n s in der Weise ein, daß der Meister zwei Lehrlinge halten dürfe, bei drei Lehrlingen müsse er einen Gesellen, bei vier Lehrlingen zwei Gesellen haben. Kost und Logis im Hause sei für die jüngeren Gesellen gut, vom 24. Lebensjahre ab aber könne das mehr Selbständigsein durch Kost und Logis außer dem Hause wohl in den Innungen befürwortet werden. Gegen den 36stündigen Ruhetag aber müsse prote st iert werden, da er nur die Großbetriebe stärken würde. Er schlug namens der Bäcker- und Konditor-Jnnung Rathenow folgende Resolution bor: „In Erwägung, daß der Maximalarbcitstag im Bäckereil gewerbe. nicht aufgehoben wird, auch die Einführung einer M i n i m a l r u h e z e i t als Ersatz des Maximalarbcitstages ebenfalls nicht zu erhoffen ist, vielmehr die Forderungen der Ge sellen auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet immer weit gehender sich gestalten, indem ein Ruhetag von 36 Stunden in jeder Woche angestrebt wird, wenn auch vorläufig nur aus freier Vereinbarung und in den Großstädten, so wird dies zweifellos nur eine Frage der Zeit sein, wo die Gesellen- verbände den gesetzlichen Ruhetag mit allem Nachdruck verlangen werden. Der in Guben tagende Zweigverband Brandenburg erklärt schon heute, daß ein 36 stündiger Ruhetag die kleinen und mitt- leren Betriebe viel mehr schädigen wird, als es der Maximal- arbeitstag getan hat; ja, es würde die gesetzliche Festlegung eines 36 stündigen Ruhetages in jeder Arbeitswoche dem Großbetrieb bezw. dem Großkapstal die denkbar günstigste Handhabe bieten zur schnelleren Vernichtung der kleineren und mittleren Existenzen. Sollte die hohe Staatsregierung eine weitere Ein- schränkung der freien Entschließung auf wirtschaftlich-sozialem Gebiet in Erwägung ziehen, indem ein 36 stündiger Ruhetag für das Bäckereigewerbe gesetzlich festgelegt wird, so erklären wir weiterhin mit allem Nachdruck, daß der freie zu be- stimmende Ruhetag undurchführbar ist, auch keines- Wegs dem einzelnen Individuum als Ersatz der Sonntagsruhe gelten kann. Wir fordern dann bielmehr ein allgemeines gesetz liches Backverbot von Sonntag früh 8 Uhr bis Montag früh 6 Uhr unter Aufhebung des Maximalarbeitstages, und können wir dies als aus- reichenden Ersatz der Sonntagsruhe bezeichnen und eventuell als durchführbar anerkennen." In der Debatte waren die Ansichten geteilt. Die Berliner Redner sprachen fast alle dagegen. Die Resolution wurde, nachdem auch der Vorsitzende erklärt hatte, der Polizei- Präsident von Berlin habe gelegentlich der Frage des Backens an Feiertagen ein B a ck v e r b o t für ausgeschlossen erklärt, m i t großer Majorität abgelehnt. Aus den weiteren Verhandlungen ist üoch die Stellung- nähme zur Hefcfrage von Interesse. Der Referent Schleich- Berlin empfahl, den Be- strebungen der Hefesyndikate gegenüber, sich durch Gründung von Hefckasscn auf genossenschaftlichem Wege selbst zu helfen. Der Ver- bandstag stimmte dem durch Beifall z u. Bei der Wahl des Vorstandes kam es zur Wiederwahl des gesamten Vorstandes unter Vorsitz von Ehrenobermeister Bernard-Berlin. An Stelle des verstorbenen Obermeisters Vogler-Berlin wurde Rabsahl-Berlin gewählt. Damit schloß der Verbandstag der Bäckermeister, die ebenso wie die Hausbesitzer glauben, die Zeit sei geeignet, jetzt für Be- seitigung des germgen im Interesse der Konsumenten und Arbeiter ergangenen Schutzes mit Erfolg agitieren zu können. Um so not- wendiger ist der Zusammenschluß der Arbeiter behufs Einwirkung einer Ausdehnung von Schutzvorschriften, die nötig und möglich sind. Hus Xnduftnc und Kandel. Beschäftigung in der Textilindustrie. Der Beschäftigungsgrad in der Textilindustrie ist noch immer ein recht guter. Wird auch so angestrengt wie in den Frühjahrs- monaten nicht mehr gearbeitet, so ist doch Mangel an Beschäftigung nirgends vorhanden. Die Veränderung beruht vielmehr darin, daß die Arbeitskräfte nicht mehr so über alle Maßen in Anspruch ge- nommen sind, sondern wieder eine regelmäßige Arbeitszeit mit den erforderlichen Ruhepausen eingehalten wird. In der Wupper- taler Textilindustrie ist die Beschäftigung sogar noch so reichlich, daß noch" immer ein Arbeiterinangel empfunden wird. So- wohl in den Fabriken als in der Hausindustrie könnten mehr Webstühle in Tätigkeit sein, wenn eS nicht an Händen fehlte, ie zu bedienen. Teilweise ist sogar noch Nachtarbeit erforderlich, um dringende Arbeiten zu erledigen. Am lebhaftesten ist die Tätigkeit nicht in der Fabrikation selbst, sondern im Versand. Im nieder- rheinischen Bezirk ist die Beschäftigung vielleicht um einen Grad ichwächer als im Wuppertal, aber trotzdem noch voll aus- reichend und verschiedentlich sogar stärker als zur gleichen Zeit 1906. sfiir die lebhafte Tätigkeit in den niederrheinischen Banmwoll- pinnereien ist es bezeichnend, daß die Abrufe auf alte Kontrakte flott erfolgen, daß also an der Erledigung der laufenden Aufträge tatsächlich intensiv gearbeitet werden muß, um den über- nommenen Verpflichtungen gerecht zu werden. Auch in den Imitat- pinnereien des Niederrheins ist der Abruf äußerst stark, tvaS angesichts der Tatsache, daß die vorliegenden Aufträge bis in das zweite Quartal des Jahres 1908 hineingehen, auch für die Zukunft gute Beschäftigung verspricht. Weniger günstig sieht es allerdings in den nieder- rheinischen Wollgarnspinnereien aus, nicht etwa, weil die Be- schäftigung zurzeit schon zu wünschen übrig ließe, sondern vielmehr deshalb, weil in den Webereien die Tätigkeit ziemlich merklich nach- gelassen hat und deshalb der Verbrauch an Wollgarnen in der nächsten Zeit einen Rückgang erfahren dürfte. Von den Webereien des niederrheinischen Bezirks sind allerdings nur die Woll- Webereien schwach beschäftigt, in den verschiedenen Gattungen de« Baumwollweberei dagegen hat sich der Beschäftigungsstand auch setzt noch, in der toten Saison, auf einer bedeutenden Höhe erhalten. Die Nesselwebereien erfreuen sich eines besonders flotten Beschäftigungs- grüdes. Die Abschwächung der Marktlage ist gerade hier am aller- ivenigsten zu bemerken, mit dem Abruf auf alte Kontrakte weit- eifert vielmehr der Eingang von neuen Aufträgen. In den weiter- verarbeitenden Branchen der Textilindustrie ist die Tätigkeit eben- falls zurzeit äußerst lebhast. So gibt es in der Plauenschen Weiß- warenindustrie im Gegensatz zum Vorjahr gegenwärtig nur wenig ruhende Maschinen._ Japans Außenhandel befindet sich in stetigem Ausschwung. Es hat nach amtlicher Statistik im Jahre 1906 für 423,8 Millionen Den <1 Aen— 2,06 Mark) Waren ausgeführt und für 418,8 Millionen Den Waren eingeführt. Hauptsächlich beteiligt waren an diesem Handelsverkehr folgende Staaten: Ausfuhr Asien: China...... Korea...... ©ongfonö••«• Britisch-Jndien.. Niedcrländisch-Jndien Asiattsches Rußland. Europa: Großbritannien., Frankreich.... Deutschland. i,. Italien..... Amerika: Vereinigte Staaten. Kanada..... Australien 117 779 533 25 209 796 27 061 326 . 10 351836 1 393 536 10 494 077 22 553 409 40 288 876 8 396 132 11 807 567 125 964 408 3 953 051 4 225 662 Einfuhr Insgesamt Werte in Den 57 396 737 175 176 270 8 205 942 684 743 60 315 034 23 519 320 1 407 230 101 311362 4 997 159 42 500 013 636 173 69 943 631 1 002 320 4 128 051 33 415 738 27 746 069 70 666 870 24 913 356 11 901 307 123 864 771 45 286 035 50 896 145 12443 740 195 913 089 4 955 371 8 353 71? öcricbtö- Zeitung* Fahrlässige Tötung. Auf die schwierigen Verkehrsverhältnisse in dem Engpaß der Kommandantenstraße in der Gegend der Alten Jakobstratze ist ein Unglücksfall zurückzuführen, der gestern ein gerichtliches Nachspiel vor der 4. Ferienstrafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Oppermann II hatte. Wegen fahrlässiger Tötung war der Omuibuskutscher Wilhelm Heinzke angeklagt, welcher seit mehreren Jahren bei der Allgemeinen Omnibus-Gesellschaft angestellt ist. Seitens des Oberinspektors Wagner wird dem Angeschuldigten das Zeugnis eines ruhigen. sicheren und nüchternen Fahrers ausgestellt, der sich bisher nicht das geringste hat zuschulden kommen lassen. Der Schauplatz, an dem sich der der Anklage zugrunde liegende Vorfall ereignete, ist der bekannte Engpaß in der Kommandantenstraße, in der sich oft Unglücksfälle und Zusammenstöße ereignen. Der Straßen. dämm ist an jener Stelle nur wenige Meter breit. Trotzdem liegen dort zwei Stratzenbahngeleise, so daß nur sehr wenig Platz an beiden Seiten für die übrigen Fuhr- werke vorhanden ist. Am 22. Januar d. I. fuhr der Angeklagte in mäßigem Tempo durch die Kommandantenstraße. Dicht hinter der Alten Jakobstratze hielt ein Straßenbahnwagen, durch welchen schon vorher die Pferde des Angeklagten unruhig geworden waren. Als H. versuchte durch den Engpatz hindurchzufahren, faßte, der Omnibus den an der Bordschwelle stehenden Schneider Friedrich Tanke. Der 49 jährige Mann wurde zu Boden geschleudert und erlitt eine schwere Verletzung des Rückenmarks, die nach einigen Tagen seinen Tod zur Folge hatte.— Der Staatsanwalt hielt den Angeklagten einer Fahrlässigkeit für überführt und beantragte eine Gefängnisstrafe von drei Monaten. R.-A. Fabian machte als Verteidiger geltend, daß der Unfall lediglich durch die äußerst ungünstigen Verkehrsverhältnisse an jener Stelle entstanden sei. Das Gericht fand jedoch darin eine Fahrlässigkeit des Angeklagten, daß er, anstatt an einer besonders efährlichen Stelle zu halten, weitergefahren war, obgleich der Straßenbahnwagen noch hielt und jepen Engpaß bildete. Mit Rücksicht darauf, daß durch diese Fahrlässigkeit eine Familie ihres Ernährers beraubt worden war, erkannte die Strafkammer aus zwei Monate Gefängnis.— Der eigentlich Schuldige dürfte nicht der Kutscher, sondern die Verkehrsbehörde sein, die für Beseitigung des Engpasses Sorge zu tragen unterlassen hat Zur Haftpflicht der Eisenbahnen. Die Frage, ob das Scheuen von Pferden durch den Anblick einer Lokomotive ein Unfall sei, für den die Eisenbahn hafte, ist kürzlich vom VI. Zivilsenat des Reichsgerichts rücksichtlich des außerhalb des Eisenbahnbetriebes Verletzten in verneinen- dem Sinne entschieden. Es handelte sich um einen Anspruch der Brandenburgischen landwirtschaftlichen Be- rufsgcnossenschaft gegen die Märkische Straßenbahngesell- schaft. Der Ackerbürger W. war am 13. Mai 1903 mit einem mit zwei Pferden bespannten Fuhrwerk die Kreischaussee nach Joachims- thal entlanggefahren. Parallel mit der Chaussee läuft die Märkische Straßenbahn. Als W. eine Eisenbahnunterführung der Staatsbahn massierte, scheuten die Pferde feines Fuhrwerks plötzlich und gingen durch; W. wurde aus dem Wagen geschleudert und schwer verletzt. Die Berufsgcnossenschaft klagt auf Ersatz des durch Zahlung de, Unfallrente ihr erwachsenen Schadens. Während der Verunglückt« angibt, baß seine Pferde vor dem Zuge der Märkischen Straßenbahn gescheut hätten, macht diese geltend, daß der Zug still stand, um Dampf zu sammeln, wie es gewöhnlich 60— 90 Meter vor der Brücke geschehe, damit die Lokomotive die dortige Steigung nehmen könne. In der zweiten Instanz berief sich die Klägerin noch darauf, daß die Maschine aber trotzdem Dampf abgegeben habe und die Pferde deshalb gescheut hätten, wofür Beweis angetreten werden sollte. Das Landgericht Pr e n z l a u und das Kammergericht hatten auf Abweisung der Klage erkannt. Die gegen das. kammcrgerichtliche Urteil eingelegte Revision wurde vom Reichsgericht zurückgewiesen. Der erkennende Senat führt aus, es sei ein Unterschied zu machen zwischen innerhalb und außerhalb des Betriebes stehenden Personen. Hier handle es sich aber um eine außerhalb des Betriebes stehende Person und sei es dann für die Anerkennung eines Betriebsunfalles nötig, daß der Betrieb sich nach außenhin erkennbar erweise. Wenn sich der Betrieb aber nun in einem Zustande zeige/als wenn er ruhe, trotzdem er stattfinde, so sei das anzusehen, als wenn kein Betrieb stattfände. Was die nochmals von der Revision-gerügte Rauch- entwicklung anlange, so habe das Berufungsgericht dahin entscheiden, daß die Pferde allein durch den Anblick der Lokomotive gescheut hätten. Gegen diese Feststellung des Berufungsgerichts lassß sich in der Revisionsinstanz nicht ankämpfen. Vorsatz oder Bummelei? Wegen Urkundenfälschung im Amte ist am 14. Februar vom Landgericht Elberfeld der frühere Pollsiehungsbegmte Albm Schmidt in Ohligs zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Er hatte rückständige Beiträge zur Ortskrankenkasse einzuziehen, unterließ aber oft die Pfändung, wenn die Leute versprachen zu zahlen. Eine Frau E. wollte auch aui nächsten Tage zahlen und er" machte dann einen entsprechenden Vlcistiftvermerk auf dem PfändungsbcfehL Am nächsten Tage sandte Frau E. das Geld— 5,17 M. nebst 60 Pf. Gebühr— in die Wohnung des Angeklagten und erhielt von der Ehefrau desselben die vorher von ihm ausgestellte Quittung. Frau Schmidt vergas; aber, ihrem Manne das Geld abzuliefern. Dieser nahm nun später an, das Geld sei nicht bezahlt und reichte das nunmehr fertiggestellte Pfändungsprotokoll seiner Be- Hörde ein. Als später nochmals Einziehung versucht wurde, zeigte Frau E. die Quittung des Angeklagten vor. Dieser lieferte nun das Geld sofort ab. Das G e r i cht hat angenommen, daß er das Pfändungsprotokoll vorsätzlich falsch ausgefüllt habe.— Auf seine Revision hob� das Reichsgericht am Montag das Urteil auf und verwies die Sache an das Land- zcricht Düsseldorf. Gegen die Annahme des Vorsatzes und ?es Bewußtseins von der Urkundenfälschung ergaben sich erhebliche Bedenken. Der Angeklagte hat nach Ansicht des Reichsgerichts vielleicht bummelig, aber nicht vorsätzlich gehandelt. Aus„besseren" Kreise». Wegen Erpressung hatte sich dieser Tage der praktische Arzt Dr. Weißbrod aus Düsseldorf vor der dortigen Strafkammer zu verantworten. Der Anklage lag folgender Vorfall zugrunde: Durch ein Inserat im„Berliner Tageblatt" suchte der Amtsgerichtsrat Dr. Heymuth in Bialla, Ostpreußen, ein vermögendes, junges Mädchen als Lebensgefährtin. Dr. Weiß- brod las die Anzeige und„offerierte" dem Amtsrichter die 22jährige Tochter des NcchnungSrates Karl Link aus Frankfurt a. M. gegen eine Bermittlergcbühr von 10 000 M. Das Geschäft wurde perfekt, der Amtsrichter besuchte auf seiner Hochzeitsreise im Oktober vorigen Jahres den Arzt in Düsseldorf und zahlte gegen Quittung 6000 M. Trotzdem Weißbrod im der Quittung bescheinigt hatte, daß er keine Forderungen an dem Amtsrichter Mehr habe, bombardierte er denselben schon einige Tage nachher mit Briefen, in welchen er die Restsummc von 4000 M. und das übliche Geschenk von 2000 M. forderte. Als der Amtsrichter ihm mitteilte, daß die Sache erledigt sei, versuchte er, durch Drohungen die Summe locker zu machen. Er stellte eine Zivilklage und Mitteilung des Sach- Verhalts an den Landgerichtspräsidcnten in Lhk in Aussicht. Gleichzeitig teilte er drei Rechtsanwälten wiU daß. Dr. Heymuth ihm auf Ehrenwort 10 000 M. versprochen, aber sich jetzt weigere, zu zahlen. Dadurch kam die Anklage auf Erpressung gegen den„praktischen" Arzt zustande. ES sollte die Verhandlung am 22. März d. I. stattfinden. Doch einige Stunden vor dem Termin ließ sich der Hauptzeuge, der Amts- gcrichtsrat, auf dem Bahnhofe in Düsseldorf von einem Schnellzug überfahren. Als Grund des Selbstmordes wurde übertriebenes Ehrgefühl und Furcht vor einem sich eventuell aus der Verhandlung ergebenden Disziplinarverfahren angegeben. Die Verhandlung wurde vertagt, um andere Zeugen zu vernehmen. Dem An- geklagten Weißbrod gelang der Beweis für seine Behauptung, es wären ihm 10 000 M. versprochen worden, nicht. Auch sprach sein bewegtes Leben— Weißbrod war in Meineids-, Wucher- und Betrugsprozesscn verurteilt gewesen und auch bestraft worden— gegen ihn. Auf Grund der Beweisaufnahme wurde Dr. Weißbrod zu einem Jahre Gefängnis und fünf Jahren Ehrverl u st verurteilt. Der Staatsanwalt, der fünfzehn Monate Gefängnis beantragt hatte, erklärte, daß 10 000 M. eine außerordentlich hohe Bezahlung sei, auch habe der Angeklagte wissen müssen, daß nach§ 656 des Bürgerlichen Gesetzbuches ein solcher Maklerlohn nicht cinklagbar sei. Die Erwiderung des Angeklagten, daß bis zu 40 000 M. gezahlt würden und daß es wenig Juristen gebe, die ohne Vermittler eine Heirat eingehen, rief eine lebhafte Erregung unter den amtierenden Richtern hervor. �ermiscbtes. Hue der frauenbewegung. Die Kreisversammlung der proletarischen Franen des Kreises Teltow-Becskow-Storkow-Charlottenburg findet am Donnerstag, den 18. d. M., abends 8 Uhr, in Speers Festsälen, Baumschulenwcg, Baumschulenstr. 78, statt. Tages-Ordnung: Vortrag der Zentrnl-Vcrtrauensperson Genossin Ottilie Baader über:„Das Frauenstimmrecht und der inter- nationale Kongreß". Diskussion. Wahl einer Delcgiertin zum internationalen Kongreß. Zahlreichen Besuch von allen Orten des Kreises erwartet Die KreiZvertrauensperson. 1. 2 3' Die Hochwasscrkatastrophe in Schlesien. Abermals ist Schlesien von einer furchtbaren Hochwasser- katastrophe heimgesucht worden. Durch den ungeheueren Regen der letzten Tage sind die Gebirgsflüsse gewaltig angeschwollen und haben über weite Strecken Verheerungen angerichtet. In Hirschberg ist der Hochwasserschaden ganz enorm. Die Dinglingersche Kammgarnspinnerei erlitt für 10 000 M. Materialschaden. In der Papierfabrik Weltende ist ein Gebäude unterspült. Die Gärten sind weggerissen und die großen Maschinen stehen 1 Meter tief im Wasser. In mehreren Fabriken sind Hunderte von Fässern weggeschwommen. In einigen Fabriken ist der Betrieb unterbrochen. Der Gartengasthof„Berliner Hof" ist vollständig zerstört. Die Gärtnereien Kriege!, Hoffmann in den Sechsstätten sind stark be- schädigt, alle Anlagen sind verwüstet. In die Straßen und Wege sind Löcher gerissen. Die vom Jägerbataillon neuerbaute Hindernis- bahn ist zerstört. Viele Wohnungen sind durch die Ueberschwemmung vorläufig unbewohnbar. Viele Keller liegen noch unter Wasser. Der Schaden an der Talsperrenmauer ist wider Erwarten nicht erheblich, da die Sperrmauern ausgehalten haben. Dagegen ist die Baugrube überflutet Und der Materialschaden groß. In Walters- darf wurde die hölzerne Notbrücke weggerissen. In der Um- gegend sind die Felder versandet, die Wege und Stege teilweise weggerissen und beschädigt. Die Ernte ist größtenteils vernichtet. Auch der Sturm richtete an Häusern, in Wäldern und Gärten großen Schaden an. Der Wasserstand des Bober hat wie im Jahre 1683 eine Höhe von 4,06 Meter erreicht. Der Fluß steigt weiter. Die Boberaue ist bollständig überflutet. Der Fischer- und der Mllhlenwerder stehen unter Wasser. Die Bobcrmühlen und das Hüttenwerk Eulau- Wilhelmshütte sind außer Betrieb gestellt. Der Verkehr mit dem linken Boberufer ist unterbrochen. Wie die„Schlesische Zeitung' meldet, schlug vorgestern in Löwenberg bei den Hochwasserabwehrarbeiten ein Ponton mit neun Wasserwehrleuten um; zwei von ihnen konnten sich retten, fünf f l ü ch t e t e n a u f e i n e n B a u m. wo sie, nachdem die zu ihrer Rettung tätigen Mannschaften sechzehn Stunden mit der Hochflut gerungen hatten, gestern vormittag gerettet wurden. Zwei Mann ertranken. An den Rettungsarbeiten beteiligte sich in hervorragender Weife das hier auf einem Uebungs- marfche befindliche Kommando der Kriegsakademie. Die beiden Ertrunkenen sind der Tischler Lemberg und der Ofensetzer S ch i f f n e r. Die VreSlauer Oderstrombauverwaltung teilt vom gestrigen Tage mit, daß in Ratibor inzwischen der höchste Wasserstand mit 6,48 in der Zeit von 3 bis S Uhr vormittags eingetreten fei. Um 8 Uhr war der Wasserstand 6,44. Auch die Glatzer Neiße erreichte ihren höchsten Stand mit 4,10. Die Neißewelle wird also nur kurze Zeit vor der Oderwelle an der Mündung eintreffen und so zur Ver- stärkung des Hochwassers der Oder wesentlich beitragen. In Bad Neinerz ist durch die Gewalt der Weistritz außer vielen Brücken auch ein Sommerhaus fortgerissen worden, in dem sich ein Kurgast befand, der sich nur mit knapper Not retten konnte. In Altstadt auf der böhmischen Seite des Riesengebirges ist ein H a u S von den Fluten fortgeschwemmt worden. Nach einer Meldimg aus Gleiwitz ist beim Herausfischen von Holz aus der hochangeschwollcnen Klodnitz ein Arbeiter vor den Augen seiner Frau ertrunken. Die Leiche ist ge- borgen. Dem„Berliner Tageblatt" wird zu der Hochwafferkatastrophe aus Glatz geschrieben: Die letzten Tage brachten der Grafschaft ein Hoch- Wasser, wie eS seit 27 Jahren nicht dagewesen ist. Seit Wochen regnete es in Glatz ummterbrochen, in der Nacht zum Sonnwg enüvickelte sich das leichte Geriesel zu einem starken Regen, der besonders in der Gegend von Thanndorf und Neißbach lNeißequelle), nicht weit vom Glatzer Schneeberg, zu wahren Wolkenbrüchen ausartete. Wald und Wiesen konnten kein Wasser mehr auf- saugen und so stürzten sich seit Sonntag früh die Wassermassen von den höher gelegenen Bergen Thanndorfs und von Neißbach mit unheimlicher Wut nach der Stadt Mittelwalde und den umliegenden Ortschaften, besonders Lauter- b a ch. Einige Straßen von Mittelwalde wurden in wilde Flüsse umgewandelt und durch Gärten und Häuser rauschte das Wasser nach den tiefer gelegenen Stellen. Die Neiße schwoll Unheimlich an. Die meisten Brücken wurden um- gerissen und über die anderen spülte da? Wasser hin- weg. Die Keller fast aller Häuser füllten sich mit Wasser, nnd die Feuerwehr wurde alarmiert, um aus den ge- fährdetftcn Häusern Hab und Gut zu retten. Die Wehr mutzte sich dabei eines KahneS bedienen. Die Chaussee nach Rosenthal und bis Lauterbach stand bald tief unter Wasser. Ungefähr 12 Uhr mittags hörte der Regen auf und die Gefahr schien vorüber. Nach- mittags begann jedoch der Regen mit erneuter Heftigkeit, die Neiße schwoll wieder an und führte Baumstämme und mächtige Felsen fort. Sie setzte die Bahnstrecke nach Habelschwerdt und weiter hin unter Wasser und ritz mehrere Häuser ein. Auch aus mehreren Bezirken Mährens werden Ueberschwemmung«! gemeldet. Die Stadt Mährisch-Weißkirchen steht teilweise unter Wasser. In mehreren Gemeinden des Bezirkes Ungarisch-Brod wurde durch das Hochwasser großer Schaden an Feldem und Ge- bäuden angerichtet.__ WaS Dummheit und Aberglaube fertig bringen! Der Karusielgehülfe Bach aus dem Städtchen Wasungen im Werratale, stand vor der Strafkammer in Meiningen wegen Körperverletzung unter Anklage. Er war vom Schöffengerichte in Wasungen wegen der Geschichte zu sechs Monaten Ge- f ä n g n i S verurteilt worden und hatte gegen das Urteil Berufung eingelegt. In der Verhandlung wurde nun der ganze Vor- gang, der sich wie eine Erzählung aus dem Mittelalter anhört, aufgerollt.— Seit Jahren hatte in Wasungen der Turm- Wächter König die Wahrnehmung gemacht, daß auf dem Friedhofe in der Silvesternacht ein Licht hell aufleuchtete. Natürlich konnte dies nach des Turmwächters Ansicht nur von einem„ G e- f p e n st" herrühren. Diese Meinung vertrat er auch am 31. Dezember in der Wohnung des Angeklagten. Er wollte gleich 20 Liter Bier verwetten, wenn nicht die kommende Nacht wieder ein„Gespenst" auf dem Friedhofe umgehe. Der Angeklagte wollte nun der Sache einmal auf den Grund gehen. Kurz vor Mitternacht machte er sich in Begleitung seiner zwei Schwestern, seines Bruders und des Kellners Schellenberger auf den Weg. Sie hatten sich wohl ans- gerüstet. Bach hatte einen geladenen Revolver bei sich, während Schellenberger mit einem alten Säbel bewaffnet war. Als es 12 Uhr vom Turme schlug, da tauchte plötzlich in nächster Nähe ein Helles Licht auf. Die Schwestern des Angeklagten kriegten eS mit der Angst zu tun und rückten aus. Die drei Männer aber gingen auf das vermeintliche Gespenst loS. Bach schoß feinen Revolver ab, aber es blieb mäuschenstill. Nun rief der An- geklagte:„Alle guten Geister lobe» Gott den Herrn I Bist Du ein Geist oder eine Person?" Nichts regte sich, wiederholt rief der Angeklagte: „Bist Du ein Geist oder eine Person; bist Du ein Mensch, so gieb Antwort l" Immer noch blieb eS still. Nunmehr riß der An- geflagte Bach dem Kellner Schellenberger den Säbel aus der Hand und hieb kräftig auf das„Gespenst" ein. Jetzt plötzlich meldete sich der als Zeuge anwesende Gunkel aus Wasungen und sagte:„Warum schlagt Ihr mich?"— Derselbe hatte nämlich schon seit Jahren um die Mitternachtsstunde in der Silvesternacht sich einen Kreuzdornenzweig geholt. Schon von seinen Eltern hatte er es gehört, daß ein solcher Zweig eine Wunderkraft ausübe, daß Mensch und Vieh von jeder Krankheit verschont bleibe, wenn der Zweig stillschweigend abgebrochen und ohne daß ein Sterbenswörtchen über die Lippen komme, glücklich nach Hause gebracht werde.— Deshalb hat der Zeuge auch nicht auf das Anrufen geantwortet.— Da er aber zum Schaden noch den Spott hatte, machte er Anzeige und das Resultat waren für den Angeklagten, trotzdem derselbe lebhaft bedauerte, daß er gar keinen Grund gehabt habe, den Günkel zu verhauen, sondern geglaubt habe, er schlage auf ein Gespenst loS, sechs Monate Gefängnis wegen gefährlicher Körperverletzung. Die Wette mit dem Turmwächter hat er natürlich gewonnen.— Daß an solchem noch weit verbreiteten Aberglauben die falsche Er- ziehung die Schuld trägt, das lehrt auch dieser Fall wieder. Unser warmer Freund, der Ofen. Vom Westerwald wird der„Franks. Ztg." berichtet: Die abnorm kühle Witterung des heurigen„Sommers" macht sich auf den Höhen des WcsterwaldeS so unliebsam bemerkbar, daß in vielen BureauS, so z. B. in Montabaur allen Ernstes die Oefen geheizt werden. Ein Arbeiterzug entgleist. Lissaboner Meldung zufolge ist ein Arbeiterzug bei Coimbra entgleist; neun Arbeiter sind schwer verletzt worden. Fiir de» Jupnlr der Ziijerate iidcruliiinit Sie Nedattio» Sei» P»blik»n> gegenüber keinerlei Aerantworlniig. Zheater. Mittwoch, den 17. Juli. Anjalig 8 Uhr. NencS kgl. Overnthcater. Ca- valleriu rusticana. Vorher: Galathöc. Deutsches. Der Jongleur. Sswilier O. sWaliiier-Theaier.) Carmen. Schiller lV.(Friedrich Wilhelm. ftädiiiches Tbealer l Khritz-Ppritz. Neues Schauspielhaus. Rasjles. kleines. Vater und Sohn. Komische Oper. Carmen. «Äcste». Die lustige Witwe. LnstipiellianS. Die Welt ohne Männer. Bernhard Rose. Der große Un- bekannte. Ansang 8'/, Uhr. Nachm. 4'/, Uhr: Die Schwäbln. Unler'm" Birnbaum. Arbeit schändet nicht. Mctropol. Der Teufel lacht dazu. Stpollo. Der Hochzeitsgast. Spe- zialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Foliee Caprtce. Geisterauto.— Parts. Ansang 8'/2 Uhr. ReichShalle». Winter-Tymian. Passage. Spezialitäten. Steriuoarte, Jnvalidenstr. 57/62. Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. Unter mi> Sohn. Morgen und folgende Tage: Bater und Sohn. TMer des Vestens. Abends 8 Uhr: Die lustige Witwe. Operette in 8 Akten v. Franz Lehär. Schiiler- Thealer 0. (W a l l n c r< T b e a t e r.) Morwih-Oper. Mittwoch, a b e n d s 8 U h r: Carmen. Große Oper in 4 Sitten von Bizet. Donnerstag. abends8Ubr: Kastspiel der großh. Hosapcrnsängerin Gsetriui llungon.Hosthcaterin Weimar: Die lustigen Weibervon Windsor. Freitag, abends 8 Uhr: Gastspiel Illeiuriel» Riiteli Der Tronbadour. Sehiller-Thealer H. Friedrich-Wilhelm städtisches Theater. AbendS 8 Uhr: KyNtz-Pylltz. Lustspielhaus. Ansang 8 Uhr. Die Welt ohne Männer. Melropol Thealer Anfang 8 Chr. Große Jahresrevue in 7 Bildern von JaHus Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Koth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Rauchen überall gestattet. Ab 8 Uhr: DaS große komische Programm! U. a.: Jean Paul in seinen Original-Thpcn. Jean ElcrmoutS ZirkuS-Parodie Barnum u. Beileid. io uhr: Martstein in seiner Burleske „Oer Hochzeltsgast" als Ortsporstrher Lehmann. oolvcizctttk !\ Täglich ab nachm. 5 Uhr: j I <> Großes•• || Militär- Doppel-Konzert.| Eintritt 1 Mk., von abends 6 ühr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. MWMTM Gr. Franksiirterstr. 132. Täglich: Im Garten, Ans. i'h Uhr: Das erstklassige �ne«lalitttten- l'rogramm. Sperrsitz 50 Pf. Enircc 30 Pf. Im Theater abends 8'/, Uhr: Der große CnbeRaaate. S ommcvpveifc._ W. Hoacks Theater. Direktion: Roh. Dill. Snimienftr. 19. Bollständig neues Programm: 3'/, Uhr: Die brillante Nora Björkü. 8«/, Uhr: Der deliebte ilnlon Nildaeb. 9 Uhr: Seuhors und Madeleine. 91/, Uhr: Die Beexenbnrger oder; Ein Stück Alt-Berliu. Bei schlechtem Wetter: Vorst, im 8>»> Max Kliems Kommer Theater i Hasenheide 13/15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. fäglieli: Op. Konzert Theater 1 n. Spezialitäten-Verstellung. 1 Jeden Montag: Sommersest.' Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste, Jeden Donnerstag: Elite-Dag. Di« Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. Gebr. Herrnfeld- Tlieater. 57 Kommandantenstraße 57. Sonnabend, den 3. August: Vieder- Eröflhung. Premler© von im- Operctten-BurleSIe von Anton u. Donat Herrnseld. Musik v. L. Jtal. Dazu die Separee-Assäre Es lebe das Weben! Brunnen-Theater Badstraße 58. Direkt.: Bernh. Rose. Täglich; Mit großem Ersolge: Carmen. Spezialitäten ersten RangeS: The 3 Millens. P. Vendaro. Gebr. Damm. Lurl-Luri-Trlo. Artur Wolff. Roberts Comp., Schattenpant. Kasseneröfsnung 2 Uhr. Ans. 5 Uhr. Montag, 5. August: Benefiz für Heinrich Richter._ Sanssouci,"oT Direktion Wilhelm Reimer. Der Garte» ist geöffnet. Sonntag. Montag, Donnerstag: RoITmaiia» Norddeutsche Sänger u. TnnEhrttnuchen. StetS hochinteressantes Programm. Sonnt. Beg. 5, wochent. 8 U. ?0l0l0gI0V-lMeM > Das Stück 3 bis 10 Pfennige Ueberau käuflich I Fabrik„Epirus", Dresden Hasenhcide 108—114. Jeden Mittwoch: Ernte-Fest. Kinderbelustigungen, Puppentheater, Bonbonregen, Erutescstzug, Kinematograph, Ktndersackelzug. Gratisverlosung: I. Preise: 1 goldene Damenuhr. „ 1 goldene Herrenuhr. Kl. Doppel-Konzert. Spezialitäten-Vorstellung. Tanz«Reunion. Ansang 4 Uhr. Sntree 15 Ps. frSbels inerlei-TItealef früh. Puhlmann, Schönh. Allee 148. AeltesteS Volkstheater Berlins, DM- Heule sowie täglich:"VS Der durchweg nene, erfolgreiche Juli-Spielplan. Prolongiert: Prank Gregory-Truppe. Herrn. Milardo; Der Pantinenklub. Reut The Champtini«, Altweibermühle. The Lunas. Olga Verdi. Gustav Müller. Cunä-Trio usw. Nur noch kurze Zelt: <«roß»tn«U«nnber. Im Saale: Grosser«all. Ansang i'lt Uhr. önhree 30 Ps. fisthak-yark Am Kfistrinerplatt, Rüdersdorferstr. 71 Hermann Imbs. Täglich: Qroßes Konzert, Theater- unti Spezialitäten- Vorstellung. Relcbsbatlen-Theater. Gastspiel des berühmten Wmter- Tymion mit seiner Herren« gcsellschast. Anfang 8 Uhr. 1. Aug.: Wieder» beginn der Soireen der Stett. Sänger. Otto Pritzkow mUnEBtraße 16. felt-iDsstellongs- Biogpiiph- es». Louis) Tbeater lebender Pbotograpbien, Täglich Eingang von — Neuheiten.— Den ganzen Tag Vorstellung, Prot.; S.K.K.H. d. deutsche Kronpr. u. S.H.Herz. Joh.Albr. z Mecklog. Musik-Fest — 10 Kapellen— dos Gardekorps. Große Konzerte...... ..,.. Vergnügungspark Heute Eintritt 50 Pfennig. Militär und Kinder 25 Pf. Ausstellungslose ä I Mark berechtigen täglich zum Eintritt. . A AAi&A A A AAAAA A«. Passage-Theater. Jeden Abend 8 Hbr: Artaro Bernardi. I Berlins seliickste Sonlirette Ida Perry 14 Varidtt-Sensationen 14 Schweizergarten Am KSnigstor. Am Friedrlchihaln. Straßenbahn 1,2,4,17,59, 62, 63 u. 74. Tiiglich i Idester-Vorslellvllg. Helle Spezialitäten. Kisematograph und Ball. Freier Damentanz. Anfang 6 Uhr. Entree 30 Ps. Portrftt-Zlgrarette. Alfred I>ieck Berlin-Dresden, Fabrillager Berlin 0. 17, Koppenstraße Nr. 72 Ferner erhättlich bei: A. PreuB, Straußbcrgcrstr. 6. P. Pirl, Fürslenwalderstr. 18. A. König, Siraußbergerstr. 34, W. Lock, Grüner Weg 46. A. Mitsolling, Stralauer Platz 21. 8. Krüger, Mariannen-User 9. E. Moritz, Landsberg erstr. 23. T. Olscha, Llchtenbergerstr. 11. G. Kohl, Reichend ergerstr. 118. A. Muhe, Grünaucrftr. 13. G. Karras, Reichenbergcrstr. 188. B. Tietz, Landsbergerplatz 4. G. Noak, Gr. Frantsurterstr. 128. E. Schonert, Stralau, Parallelweg. F. Schimmel, Langestr. 37. C. Felske, Lausitzersrr. 26. F. Lehmann, Palisadenstr. 81. A. Tappert, Lebuserstr. S. F. Rosin, Lebuserstr. 2. H. Stutz, Engel-User 7. K. Lang, Fricdenstr. 45. J. Paul, An der Schlllingsbrllcke 1. Vi. Müller, Siraußbergerstr. 23, F. Demant, Koppenitr. 19. H. Fischer, Llchtenbergerstr. 20. C. Risch, Koppcnstr. 13. P. Hoffmann, Andreasstr. 34._ Ich fertipi nach Mi von 20 Mir k Oranitnbargtr Varietd-Garfen Weinbergsweg 19/26. Rosenth.Tor. IS JnIi-IpezialitSten. I�roinva»d«a- Koiiizsrt. Ans.: KonzertS; Vorstellung 7Uhr. NIM Bei ungünstigem Wetter Vorstellung im Theater 8 Uhr. Kleine Tommerpreite. Prster-Idester. Kaswnien-Allee 7/9. k�otte Weiber. Speslallt&ten 1. Ranges. Austreten der I.Jiwcnbraut Tllly mit ihren drcss. Löwen. Koii�vrt nack Bali. Ansang 4'/, Uhr._ Belle- Alliance-Garf en 6 Uhr; Konzert und BariHtH. KinKkampk. Konkurrenz.«AftAH ML- Gesamtpreise:«»WV illK. Meldungen von Albert Sturm, Achner, Belling, Karbinostet, DebiS, Vau Dyk usw. usw._ Volksgarten-Theater. Bad-BehmstraBe— Bahnhof Gesundbrunnen— BellermannstraBe. Der rechte Weg. Original- Volksstück mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von W. Gericke. Hierzu: - Das neue——— Riesen-SpeziaMteii-PropmE Volksbelustigungen. Heute Mittwoch: = Große Solree= der Willy Waide-Sänger. Nach der Vorstellung: IW" Famillen-Krttn�chen.-ML Sonntag, d. 21. Juli: Unter Mitwirkung des Gesangvereins „Friedrichsherger Liederlalel", Dirigent P. Gienow: Künstler- Konzert und Spezialitäten. Aiss' LpvÄsMÄeN'TIiesier. l,«.acksb«i'g;«r AIl«v 70—70. Direkt a. d. Ringbahnstation. Bequemste Fahrgelegenheit n. allen Stadtricht. Ob seltvQ 1 Täglich im herrl. Garten oder gr. Saal: Ob Rvsva l Vbe Illeres phänomenale gymnastische Neuheit» Hein» Hener der beliebte Rekruten-Darsteller ist wieder dal und da? vollständig neue brillante Juli-Programm. «nf. 3 Uhr. sKasfeeküche. Volksbelustig. aller Art. 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SparsondS- Einlagen. 6. Eventuelle Antrage der Genossen. 7. Verschiedenes. Genossen! Der Wichtigleit der Tagesordnung wegen ist eS.Pflicht eine» jeden, zu erscheinen. niemand darf fehlen!"MS MBU» Nur Mitglieder haben Zutritt! Ohne Mitgliedsbuch kein Einlast l- Die Bilanz nebst Gewinn- und Verlustrechnung sind in der Geschäfts, stelle, SO., Kottbuser User 44, Hos rechts 1 Tr. ImtS, in den Kassen- stunden(vormittags 8— tv und nachmittags 4'/,— 7'/, Uhrs einzusehen.— Etwaige jAntrSae der Mitglieder müssen vis spätestens Dienstag» den SS. Juli, schristlich beim Borstande, eingegangen sein. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet! Der Toratand. 128/14 P. D p p e n b o r n. G. Dorn er. P. M ü l l e r._ m r Berlin. Donnerstag» den 18. Juli, abends 81/, Uhr, im Reuen Klubhause. Kommandantenftraße 72: lZsmewsNme Versammlung dsiSvr KdtsUungsn. TageS.Ordnung: 1. Beratung der Vorschläge der SchlichtungS kommission bezüglich unserer Lohnsordcrungcn. 2. Vereinsangeiegenheiten. 3. Ver/chiedeneS. 293/6 Kollegen, in dieser Versammlung sollte kein Mitglied fehlen, um unsere Forderungen möglichst einstimmig aufzustellen. Die Vorstände, Mekchiorstr. SS. Filiale Berlin. Berlin. Feruspr. Amt 4. 4787. DonuerStag» de« KS. Juli 1007, abends 8'/, Uhr, im Gewerkschastshause, Sngel-Ufer IS: Mitglieder-Uersammlung. Tagesordnung: Fortsetzung der Dislusflon der vorigen Versammlung. Wahl eines HauSlassiererZ(Ersatzwahl). AbrechMMg zweiten Ouartal 1967. VerelnSangelegenheiten. Mitgliedsbuch legilimiert oom Tagesordnung: ' ifa,"- __________„. en. Mitgliedsbuch legilimierL Die Ortsverwaltung. Das diesjährige Sonimcrfost flndel am 27. Juli in der Brauerei FriedrlchShain statt. 125/214 Wir ersuchen diu Kollegen, sich rege daran zu beteiligen. SoiisISemolirstizeller WahlTerein des 6. Berl. Reichstagswahlkreises. Mittwoch, den 17. Juli, abends 8>/, Uhr t Mitglieder-Ycrfamtnluna (der 8. Abteilung) bei Klrschkowskl, Beusfelftraste 9. TageS-Ordnung: 1. Ausstellung der Vorschlagsliste zur Wahl der Delegierten für die Verbandsgeneralversantmlung Groß-Bcrlins. 2. Der neue Reichstag. Vortrag des Genossen Wilhelm Kubig. 3. Diskussion. KW?- Zutritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches. 256/17« Der Vorstand. Zlrbcitsnnchweis: Hos I. Amt 3. 1239. Verwaltungsstelle Berlin. Hanptbureau: Charit6straBe 3. Hos HI. Amt 3, 1987. fldltung! Hthtima! Donnerstag, den 18. Juli 1007, avendS 5'/« Uhr: AllMkiiie Mcixßiirbklilliikrslimliliig für Reimckendorf-Mest, Korflgwalde nnd Mitttilau im Etablissement Eichborn-Säle, Rctnickendorf-West, Eichbornstr. 60. TageS-Ordnunß:'''' 1, Vortrag beS Kollegen P. Pawlowitsch über: Arbeitgeber- einigkeit nnd Arbcitnehmerstreittgkeit. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die Kollegen und Kolleginnen folgender Beiriebe: Deutschs Watten- und Munitionswerke, Detter& Schneevogel, Zimmermann A Buchloh, Stolzenberg und Bartsch A Weher sind zu dieser Versammlung ganz be- sonders eingeladen. Pünktliches und vollzähliges Erscheinen wird erwartet. Donnerstag, den 18. Juli 1907. abendS 8>/, Uhr: Sranchru-Versammtung der Elektromontenre und Mlfsmontknre Berlins und Umgegend tn Fraukes Festfälen. Sebastianstr. 39. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen A. Pagets über: Moderne Klassenkämpfe. S. Diskussion. 3. Verbandsaiigelegenheiten und Berschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet 122/4__ Die OrtsTerwnltnng;. Bmchandwerker-Krankenkasse fitr Berlin und Umgegend. (Eingeschriebene Hüisskasse Nr. 118.) Freitag, den»«. Juli, abends 8 Uhr, bei WUke, Brunnenstraste 188: ,, AvßttiirdrMihe Gc>ittiil-Mrsitt!»iilli»z. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung de« Kassierer» vom ersten Halbjahr 1967 und RevistonS- bericht. 2. Wahl sämtlicher HÜIsSkalsicrer. 3. Innere Kassenangclcgenhelten. — Mitgliedsbuch legitimiert.-— 38/3»_ Der Vorstand. Heinrich Metzle. Achtung! Achtung! Zuschneider u. Zuschneiderinnen! Die nächste Sitzung findet Freitag, den 19. Juli, abends 8'/, Uhr, bei Drftael, Neue Friedrichstrafte 35, statt. TageS-Ordnung: 1. Beratung über den gegenwärtigen Stand unserer Lohnbewegung. 2. Verschiedene». 165/8 Die Kollegen und Kolleginnen, die Vertrauensleute sowie die Lohn- kommission werden dringend ersucht, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. _ Die Ortsverwaltung. Zweig verein Berlin. Lektion der Fliesenleger. Donnerstag, den 18. Juli 1907, abends 8'/, Uhr, Außerordentliche Mitglieder-Versammlung im GewerkschaftShaus«. Engel-User 15, Saal 8. TageS-Ordnung: i. Stellungnahme zu unserer Lohnbewegung» 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Erscheinen aller Mitglieder notwendig. 142/3 Der Vorstand. I. Sl.: Max Anton. Die Genoffe« des 730. Bezirks bringen zur heutigen Wernen Hoch. zeitsscier ihrem Genossen 1864b Conralt Kühl und Frau die herzlichsten Glückwünsche dar. Unfc cm Freunde, dem Dachdecker Hermann HauB, Jahnstr. 17, j« seinem 70. Geburtstage sowie zu einem bOISHrigen Gesellcnjubilätim, ie herzlichsten Glückwünsche, 1870b Mehrere Freunde. Zentral-TeM der Maurer Deutschlands. Am 14. Juli verstarb im Mer von 61 Jahren an Lungenleiden unser langjähriges Mitglied t)sksr Kröger Bezirk Osten I. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 17. Juli, nach- mittags 5'/. Uhr, von der Leichen- Halle des st. AndreaS-Kirchhoses in Wilhelmsberg auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 142/6 Die Verbandsleituug. Meinen werten Gästen, Ver« wandten, Freunden und Be- kannten die traurige Mitteilung, daß meine liebe Frau, unlere gute Mutter, Schwicaer- und Groß- niutter 5465L Berta Kurth, geb. Gnndlnch am 15. Juli nach langen, schweren Leiden verstorben ist. Die trauernden Hinterbliebenen. A. Harth, Schankwirt, Wrangclstr. 106. Die Beerdigung findet Donners- tagnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle de» EmmauS-Kirch- hoseS aUS statt. Todeft-�Lnzelge. Am 16. Juli, 12'/, Uhr vor- mittags, verschied nach schweren Leiden meine mnigstgeiiebtt Flau Minna Schlicht geb. Heyne im 62. Lebensjahre.> 1872b DicS zeigt ttesbetrübt, UM stilles Beileid bittend an Karl Schlicht S t m e o n st r. 8 Ii. Die Beerdigung findet am Freitag, den 19. d. MtS., nach- mittags 4�Uhr, von der Leichen- Halle der Simeons- Gemeinde in Britz aus stalt. c>ür die vielen Beweise herzlicher LJ und Inniger Anteilnahme, welche mir und den Meinen von Rah und Fern, anläßlich de» Tode» und Be« gräbniste« meiner unvergeßlichen Frau zu teil ivurden. sage ich allen, allen, insbesondere den Beamtinnen und Beamten der Ortslrankenkasse Schöne- berg und den Mitgliedern dos Gesang- Vereins»Nord« in meinem und der Meinigen Namen ttesgesühlten Dank. 54642 Carl Botry,«ffÄ" Danksogimg. Für die vielen Beweise herzllchet Teilnahme bei der Beerdigung meines geliebten Manne» IHchurtl Lindner sag« ich allen Freunden und Be« kannten, sowie den Kollegen der Firma HariS u. Scheiden und dem Deutschen Holzarbeiteroerband meinen innigsten Dank. 1874b Die trauernden Hinterbliebenen. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir.*1, SÄ, 10—2, 6—7. Sonntags 10—12, 2—4. D.O. Nur kurze Zeit für Damen Gelegenheit. Um total zu räumen sollen meine gesamten kolossalen Bestände der Saison, darunter wahre Prachtstücke in Mänteln, Jacketts, Capes, Saccos, Kostümen, Röcken, Blusen, Oumml'Staubmänteln in allen Größen, seibat für allerstärkste Figuren äußerst billig; abgegeben werden. hMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMck l Besonders für die Reise Geeignetes wvwmmmmwmmmwwwmmmwwwmwmwmmmmmwwwmmmmi 1 in 8 Serien 12 3 4 5 6 9 8 früh, bis 19 M. 25 M. 34 M. 48 M. 69 M. 84 M. 118 M. 162 M. jetzt«.SO M. 8,50 M. 12 M. ISM. 19,50 M. 28 M. 36 M. UAL Engposhaus���'�ÄÜI' Westmann � 0- i AM| Sehr großes Trauermagazin. »WWMWMWWWWMMWMWWMMMMWMMW WWWWWMMMMMWMMW pjcu- Crlckemungen: Verbrechen und proftitution als foziale Krankheitserscheinungen. 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Mao verlange ebendaselbst Flugschriften und Prospekte. Orts- Krankenkasse Die in der Deneralversammlung vom 25. April d' I. beschlossene Ab- änderung der§K 13, 14, 29 und 38 des Statuts, welcher laut Beschluß des Bezirksausschusses zu Potsdam unterm 25. Juni d. I. die Genehmi- gung erteilt ist, tritt mit Montag, den 20. Juli d. I. in Kraft. I. Der§ 13 Ziffer 3 erhält an Stelle seines bisherigen Wortlautes nachstehende Fassung: Im Falle der Erwerbsunsähigleit vom dritten Tage der Erkrankung ab für jeden Ka- Irndertag ein Krankengeld. II. Der§ 14 Absatz 2 erhält sol- genden Zusatz: Während unverheiratete Mitglieder des sür ihre Klasse sestgesetzten Krankengeldes sür sich er- halten. III. Der§ 29 Absatz 1 u. 2 wird gestrichen und erhält dafür folgenden Wortlaut: Die Kassenbeiträge be- tragen 3'/, Prozent des im§ 12 sestgesetzten durchschnittlichen Tagelohnes d. h. wöchentlich sür Mitglieder der I. Klasse 72 Pf. »». H.. 60, »»» HI.. 48, . IV.. 30. Der letzte'Absatz des§ 29 bleibt bestehen. 275/4 IV. Der erste und zlveite ülbsatz des§ 38 erhält an Stelle seines bisherigen Wortlautes nachstehende Fassung: Der Vorstand besteht aus 9 Mitgliedern. Die Wahl erfolgt durch die Generalversammlung in der Weise, daß in getrennter Wahlver- sammlung 6 Mitglieder von den in der Generalversammlung stimm- berechtigten Kassenmitglieoern aus ihrer Mitte und 3 von den der Ge- nerawersammlung angehörigen Ar- beitgebern gewählt werden. Boxhagen-Rummelsburg, den 15. Juli 1907. Der Borstand. I. A.: Brehmer. 8pe?islltst «lotiiig für Bruchleidende. Meine Bruch- blinder __ mit u. ohne Feder, sowie meine Leibbinden sind die bestsitzenden n. verursachen keine Beschwerden. Anßerd. empfehle mein Lager von Bettunterlagen, Gummistrümpfen, Suspen- sors, sowie sämtl. Ausspül-Apparate, Hygienische Schutzmittel. A.REICHE, Bandnglst, Lieferant sämtl. Krankenkassen etc. Berlin C., Seydelstr. 15. Tel. I, 3256. Jedes Wort 10 Pfennig. 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Botenfrauen finden dauernde und sehr lohnende Beschäftigung Pols» damerstraffe 33(Eingang: Lützow- straffe). 50/7» Im Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten SO Pf. die Zeile. Bautischler. Tüchttger Bautischler, welcher selb ständig arbeiten bezw. als Vorarbeiter vorstehen kann, sofort gesucht. Lohn- sorderung erbeten. 185Sb J. D. Stfrensen, Baugeschäst. Apenrade. Aehtang! Töpfer! DieBausirma Reglerungsbaumeister Gustav Höruicke, Jagowstrahe 43. iit hiermit zresperrt. In Betracht kommt der Bau Tile Wardenberg- strafte 314, ausgeführt vom Töpser- meisler Frift Krüger, Schöneberg, Eisenacherstraffe 64. 200/5* Gleichzeittg ist der Töpfermeister Otto Raasch, Baumschulenweg, Eschenbachstraffe 3 gesperrt, welcher den Bau in Ober-Schöne- weide, Helmboltistrafte, der Bau- sirma Stutterheim ausführt. KeibeidtiiSptrrrnhaudtlt es sich um Lohuansfall. Die Verbandsleitung. Achtung: Achtung: Zuschneider und Zuschneiderinnen! Sperre verhängen wir über nach- benannte Geschäste wegen Nicht« nnerkennung unserer Lohnforderung: Hugo Hermann u. Co., Span- dauersir. 78/80. Müller u. Leopold, Spandauerstr. 18. Albert Gräft, Spandanerstr. 16/17. Jaeobsen«. Israel, Molkenmarkt 5. Paul lluger«. Co.. Neue Friedrichs�. 37. Jean Popper, Rosensir. 15. 165/7� Es dalff dort kein Zuschneider Stellung annehmen. Ortsverwaltung d. deutschen Schneiderverbandes. Bmiabme-Stellen für„kleine Anzeigen", Zonfmm: Fritz Zinke. Mauerstr. 89. A. Hahntsch, Auguststt. 50. Weste»: G. Schmidt, Büiowstr. 52. Osten: W. Mann, Petersburgerplatz S. R. Wengels, Rüdersdorserstt. 3, Gustav Bogel, Koppenftr. 63. MTordosten; 8. Zucht, Keibelftr. 42. I. Renk, Barnimsir. 42. Rorden: H. Raschle, Ackerstr. 36. F. Trapp, Sieittnerstr. 10. Karl Mars, Lychenerstr. 123. Karl Weifte, Nazareihkirchstr. 49. L. Dechand, Rnheplatzstr. 24. H. Vogel, Lortzingstr. 37. Ä. Tieft, Jnvalidenstr. 124. Aierdtvestea: Karl Anders, Salzwedelerstr. 8. W. Schrolle, Gotzkowskystr. 29. Südwesten: H. Werner, Gneijenaustr. 72. H. Schröder, Hagelbergerstr. 27. Süden: St. Frift, Prinzenstr. 31. F. Gutschmidt, Kottbuser Damm 8. Südosten: Paul Böhm, Lausitzer Platz 14/15. P. Harsch. Engel-User 15. Charlottenbnrg: G. Scharnderg, sesenheimerstr. 1. Erledrlelisherx: O. Seikel, Kronprinzenstr. 50. lUixdorP: M. Heinrich, Neckarstr. 7. Conrad, Hermannftt. 50. Rnmmelsbnrg: A. Rosenkranz, Alt-Boxhagen 56. 8el»ünel»ere: Wilh.Bäumlcr.MarttnLutherstr.SI. Weivensee: K. Fuhrmann, Sedanstr. 105. Jnl. Schillert, König-Chaussee 33a. elnlettendork: P. Gursch, Provinzstr. 108. Treptow: rep R. Gramenz, Kiesbolzstr. 419. Beranhv.Redalt.: Si»p.lWermuth« Bexüil-Rixdorf. Jnserateverantw.; TH�Glocke, Berlin. Knick».Berlag: B.orwörtsBuchdr.u.BerlagsanstaltPaulSingerLcCo.,BerlinLW. 9,164. 2. Seilte des„NllMlilts" Kttlilltl AldsIllM Mm«. 17. MIM. Klugblattverbreitung in den sechs Berliner Kreisen von den bekannten Stellen ans. Parteigenossen, tut Eure Schuldigkeit! Stadtverordneten'Blal)l 1907. Im Herbst dieses Jahres finden die regelmäßigen LrgRnLUNgLwsklen zur Stadtverordneten- Versammlung statt. Deshalb richten wir an die Wähler die dringende Auf- forderung: Seht die Wählerlisten ei«! Wer nicht in der Wählerliste steht, darf nicht wählen. Die Listen liegen in der Zeit vom 15. bis einschl. 3V. Juli an den Wochentagen von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 3 Uhr und an den Sonntagen von vormittags 0 Uhr bis nachmittags t Uhr im städtischen Wahlbureau. Poststr. 16, 2 Treppen. Zimmer 57. zu jedermanns Einsicht öffentlich aus. Wahlberechtigt ist jeder selbständige Einwohner, der Preuße und 21 Jahre alt ist, wenn er seit mindestens einem Jahre in Berlin wohnt und im letzten Jahre keine Unterstützung aus öffentlichen Mitteln erhalten hat und wenn er mindestens zur zweiten Steuerstufe(669 bis 999 M.) eingeschätzt ist und die Steuern — sofern er über 999 M. eingeschätzt ist— bezahlt hat. Der Unterstützung aus öffentlichen Mitteln gleichgcachtct wird die eigene Krankenhausbehandlung oder die Ver- pflegung Angehöriger im llrankenhause. für deren Unterhalt der Betreffende zu sorgen hat. Selbständig ist jeder, dereinen eigenen Haushalt oder die selbständige Verfügung über einen Raum hat. Chambregarnisten stnd wähl- berechtigt, Schlafburschen nicht. Wahlberechtigt ist aber nnr. wer in der Wählerliste steht. Deshalb darf kein Parteigenosse, kein Arbeiter versäumen, die Wählerliste einzusehen. Wer die Voraussetzungen der Wählbarkeit erfüllt und trotzdem nicht in die Wählerliste ein- getragen ist. der erhebe in der Zeit vom 15. bis 30. Jnli Einwendungen gegen die Richtigkeit der Wählerliste. Spätere Einwendungen als in dieser Zeit gemachte bleiben un- berücksichtigt. Wer die Liste nachsieht, nehme die letzte Steuer- quittung mit. Arbeiter! Parteigenoffen Berlins! In einer gründlichen Vorbereitung des Kampfes liegt das Geheimnis des Sieges! Wer nicht in der Lage ist, die Liste selbst einschen zu können, der beauftrage dazu einen der auf dem morgen zur Verbreitung gelangenden Flugblatt verzeichneten Genossen, welche sich gern der Mühe unterziehen wollen. Erfülle jeder seine Pflicht und iiberzeuge sich, ob sein Recht gewahrt und er eingetragen ist! Partei- Angelegenheiten. 6. Wahlkreis. Das Sommcrfcst mutzte wegen schlechten Wetters verlegt werden und findet nunmehr a,n Sonntag, den 21. Juli, im Moabiter Schüheuhaus statt. Die alten Billetts, soweit dieselben noch nicht kopiert sind, sowie die am 14. Juli ein- getauschten Kontermarken berechtigen zum Eintritt. DaS Programm bleibt dasselbe. An die Sänger richten wir hauptsächlich die Bitte, dies zu beachten und am Sonntag zur Durchführung des Programms voll- zählig wieder erscheinen zu wollen. Das Komitee. Am Dienstag, den S. August, findet die ordentliche Ge- neralversaminlung des 6. Kreises statt. Groß-Lichterfclde. Donnerstag. 18. Juli, abends 8 Uhr, im Restaurant Aug. Reisen, Chausieestr. 104, öffentliche Versammlung. Tagesordnung; Unsere Afrikaner. Persönliche Eindrücke vom Petersprozetz. Referent Genosse Kurt E i s n e r. berliner Nachrichten. Auf dem Tempclhofer Felde. Während des„Drills" ist das Betreten des Feldes unter- sagt und Schutzleute, die mit bärbeißiger Miene würdevoll auf ihrem ungeduldig stampfenden Rosse sitzen, sorgen mit unerbittlicher Strenge dafür, daß kein profaner Fuß die ge- heiligte Stätte betritt. Gegen 11 Uhr aber, wenn die rauhen Kommandorufe verstummt sind und das Militär das Feld geräumt hat, ent- wickelt sich hier ein reges Leben. Scharenweise überfluten Männer und Frauen, voran die liebe Jugend, die weite Fläche. Decken werden ausgebreitet und kleine Kinder daraufgesetzt. Andere schlagen Zelte auf, um sich vor den sengenden Sonnenstrahlen zu schützen, und verkriechen sich darunter. Wieder andere setzen sich mit Vorliebe der Sonnenglut aus, als Ersatz für Sonnenbäder. Links, im Schatten des kleinen Wäldchens, haben sich Familien gelagert und Picknicks veranstaltet und lassen es sich trefflich munden. Männer liegen mit dem Gesicht auf dem Rasen und schlafen, daneben inszenieren halb- wüchsige Burschen Ringkämpfe und wälzen sich keuchend und stampfend am Boden. Fußballspieler schleudern den großen Ball durch einen vehementen Stoß mit der Fußspitze in weitem Logen durch die Luft, während nicht weit davon drei Arbeits- lose, im Grase liegend, einen„gemütlichen Skat dreschen". Links unten liegt der Franzosenpfuhl, der sonst als„Badeort" eine starke Frequenz an Badegästen, die sich aus der Welt der Kleinen rekrutierten, aufzuweisen hatte, jetzt aber mit Neid ansehen muß, wie ihm ein neuer Rivale den Rang streitig macht. Durch die wolkenbruchartigen Regengüsse in der letzten Zeit hat sich nämlich an einigen tiefer gelegenen Stellen Regenwasser angesammelt, das aus der Ferne kleinen Seen gleicht. Natürlich lassen sich die Kinder, besonders jetzt in den Ferien, nicht die Gelegenheit entgehen, darin herumzupatschen und-watscheln, was ihnen eine herzerquickende Freude gewährt. Einige Jungen haben sich der äußeren Hülle ganz entledigt und steigen nun man wale sich das heillose Entsetzen aller Mucker aus, wenn sie davon hören—„barfuß bis an den Hals", in die„Fluten". die ja so wie so unter den schmachtenden Blicken der Juli- sonne bald wieder verschwinden werden. Ganz unten, in Tempelhof, sausen die Züge der Wüsten- bahn vorbei und links, an der Rixdorfer Grenze, recken sich hohe Mietshäuser und kahle Rohbauten empor. An der Peripherie, bis zum Kreuzberg hin, ziehen sich die Gebäude mehrerer Brauereien hin, mit hohen, finstern Schornsteinen, aus deren Innern sich dicke, schivarze Rauchwolken wie Riesen- schlangen winden. Am Himmel türmen sich gigantische Wetterwolken mit schwefelgelben Streifen auf und verkünden das Herannahen eines Gewitters. Ein Wirbelsturm fegt über das Feld und führt mit Papierfetzen einen wilden Tanz auf. Alles flieht in eiliger Hast. Die ersten, schweren Tropfen fallen, lieber dem' Haupte grollt es dumpf und drohend.— Jetzt ein greller, zuckender Blitz, ein krachender Donnerschlag und prasselnd, in Strömen rauscht der erquickende Regen auf die lechzende Erde nieder I Verlegung von Straßenbahnlinien. Zwei wichtige und lange Linien der Straßenbahnen Groß-Bcrlins mußten wegen Asphalticrungsarbeiten verlegt werden. Es sind dies die Linien 39 und 90, Treptow und Schlesischer Bahnhof— Wilmersdorf. Die beiden Linien gingen bisher durch die Lipaer und Günfcclstraße bis zur Uhlandstratze. Sie machen jetzt nicht mehr diesen Weg, sondern durch die Kaiser-Allce und die Pariser Straße zur Fasanenstratze. Die Verlegung ist schon ausgeführt worden und dauert bis zur Beendigung der Arbeiten, die noch nicht festgesetzt ist. Der Erhaltung der Gletscherphänomcne in den Nübersd»r,er Kalkbergen wird in der„Vossischen Zeitung" durch folgende Zuschrift das Wort geredet:„Wieder droht ein Zeuge aus der Entwickelungs- geschichte unserer Erde in der Nähe von Berlin und zwar ein solcher von hohem wissenschaftlichem Wert zu verschwinden. An der Nord- ostwand des AlvcnSlebcnbruches in den Nüdcrsdorfer Knlkbcrgcn ist bisher ohnehin als einziger von ehemals vielen ein Gletschertopf erhalten worden. Bekanntlich sind das Strudcllöchcr, welche in der Tertiärzeit während der Vereisung der norddeutschen Tiefebene durch die Schmelzwasser der Gletscher entstanden sind. Außer in den Gletschcrtöpfen zeigen sich die Wirkungen des Inlandeises auch auf den Schichtenköpfen des Kalklagcrs. Gerade auf Grund dieser Glazialerschcinungen in den Rüdersdorfer Kalkbergen wurde der Schwede Torell veranlaßt, seine jetzt allgemein anerkannte Glazial- thcorie aufzustellen. Die Wirkungen auf den Schichtenköpfen be- stehen zunächst aus einer Abhobelung derselben, indem die Schichten gerade abgeschnitten und gerundet und geglättet wurden. Daneben macht sich überall in deutlichster Weise ausgebildete Schrammung bemerkbar, welche sich über die ganze Fläche fortsetzt. Durch Messungen konnte festgelegt werden, daß in Rüdersdorf zwei sich kreuzende Schrammensystcme vorkommen, von denen das ältere von NNW nach SSO, das jüngere von O nach W gerichtet ist. Das jüngere System zeigt sich in Gestalt von breiten und tiefen Furchen, das ältere i» ganz feinen, parallelen Linien. Beide zeigen die Bewegung des Eises an. Wenn man nun nickit gewillt ist, einen Teil der Gletschcrschliffc zu erhalten, da der Abbau bis an die im Osten angrenzende Chaussee ausgedehnt werden soll— obgleich Bei gutem Wille» auch dieses möglich wäre, da im Tiefbau bereits hinreichend Vorrichtungsarbeiten ausgeführt sind, um den Betrieb nicht aufhalten zu müssen—, so sollte man doch wenigstens mit Rücksicht auf den wissenschaftlichen Wert den einzigen Gletschertopf schonen, zumal da absolut kein zwingender Grund für eine Be- seitigung vorliegt. Leider scheint dazu wenig Aussicht vorhanden, da derselbe bereits unterminiert ist und schon in der allernächsten Zeit stürzen soll. Im Interesse der Geologie der Mark wäre es von größtem Werte, wenn der Gletschcrtopf erhalten bliebe, da wir ja so wie so nicht allzu reichlich mit geologisch interessanten Punkten gesegnet worden sind. Hoffentlich tragen diese Zeilen zur Erhaltung bei. Gerade für Exkursionen von Studierenden der Geologie bildeten die Gletscherphänomcne bisher den Hauptanziehungspunkt in den Rüdersdorfer Kalkbcrgen." lieber die Ursache» des nassen Sommers 1907 schreibt dem „Berliner Tageblatt" Professor Martius aus Halcnsee:„Im erfien Drittel des Mai hatten wir ungewöhnlich hohe Wärme. Die Hitze löste das Eis im nördlichen Eismeere und ließ die Gletscher Islands und Grönlands auf ihrem geneigten Talbodcn schneller ins Meer hinabgleiten, so daß sie durch den Auftrieb des Wassers(wenn er durch die vermehrte Menge des noch nicht schwimmenden Eises stark genug geworden war) in großen Mengen abbrechen mußten. Die Meeresströmungen führten die Eisschollen und Eisberge nach Süden. Schon vor mehreren Wochen kam die Nachricht, daß die nördlichen Häfen Rußlands und Norwegens durch andringende Eis- schollen verstopft seien, und kürzlich hatte der Schnelldampfer„Krön- Prinz Wilhelm" des Norddeutschen Loyd auf seiner Fahrt von Bremen nach New Dork im Atlantischen Ozean um Mitternacht einen Zusammenstoß mit einem Eisberge, wobei zwei abgespaltete große Eisfplitter aus das Verdeck niederstürzten. Die im Atlantischen Ozean treibenden EiLmasfcn verbrauchen zum Schmelzen große Mengen Wärme, die sie außer dem Wasser der darübcrstreichenden Luft entziehen. Die täglichen Wetterkarten zeigten, daß die ab- gekühlte Luft wochenlang als Westwind kam mit sieben oder neun Grad nach Irland, Schottland und England, mit zehn oder elf Grad nach Frankreich, wenig mehr von der Sonne wieder aufgewärmt nach Deutschland und dem nordwestlichen Rußland. Verschont blieb nur Ungarn. Irrig ist die Meinung, daß der jetzt der Erde un- gewöhnlich nah? Planet Mars Einfluß auf das Wetter habe. Da die Erde fortwährend in 24 Stunden sich um ihre Achse dreht, müßte der Mars auf die ganze nördliche Halbkugel die gleiche Wirkung ausüben. Das Wetter ist aber nur stellenweise in Europa kühl." Erntezelt für Pilzfrcunde. Die letzten Regentage haben für die in Berlin recht zahlreich vertretenen Pilzliebhaber eine er- treuliche Wirkung gehabt. Die Pilze sind infolge der ausgiebigen Regenfälle überall hervorgeschossen— wie die Pilze nach dem Regen. Bei dem schönen Wetter am Montag wimmelten denn auch die Wälder in der Umgebung von Pilzsuchern, und auch gestern konnte man gewaltige Scharen von Berlinern nach der Zehlendorfer Heide, der Tegeler Forst und all den anderen Stätten pilgern sehen, die als Pilzliefcrantcn einen gewissen Ruf genießen. Be- sonders die würzigen Pfeffcrlinge sind diesmal in außerordentlich großer Zahl vertreten. Der Quantität entspricht allerdings nicht die Qualität, denn der allzu reichliche Regen hat dazu geführt, daß die Pilze ziemlich wässerig und deshalb zum Dörren wenig geeignet sind Die Berusssucher, Frauen und Kinder aus den Vororten, wandern schon in frühester Morgenstunde mit großen Beuteln in die Heide, um die besten Exemplare zu ernten und dann auf den Wochenmärkten feilzubieten, aber auch der Pilzsucher aus Passion kommt noch auf sein? Rechnung, zumal gerade die feineren Pilze, wie Reizger, Grünlinge und Steinpilze weniger bekannt sind und deshalb an abgegrasten Stellen vielfach noch zu finden find. Ein Erweiterungsbau für das Polizeipräsidium gelangt jetzt auf dem Terrain des ehemaligen Olympia-Theatcrs in der Magazinstraße zur Ausführung. Dortselbst befindet sich schon die Zentrale der berittenen Schutzmannschaft, die jedoch bei der ständigen Vermehrung der Dienststellen den erforderlichen Ansprüchen nicht mehr genügt und dringend einer Erweiterung bedarf. Zu diesem Zweck wird jetzt das schon vor längerer Zeit von dem Magistrat an- gekaufte Borgelände in der Magazinstraße bebaut werden. In dem aufzuführenden Neubau werden auch andere Dienststellen, so die Abteilung für die Feuerwehr, untergebracht werden. Auch die Errichtung eines neuen Postamts wird noch in diesem Jahre auf dem ausgedehnten Terrain in Angriff genommen. Das umfangreiche Gelände an der Ecke der Magazin- und Alexander- straße, welches zurzeit als Lagcrstelle für Fcrnsprcchkabeln benutzt wird, wird noch im Laufe des Sommers geräumt, weil im Herbst mit dem Neubau eines Postamts, verbunden mit Posthalterei, be»- gönnen werden soll. Den in dem kleinen Ladengebäude in der Alexanderstraße wohnenden Mietern ist deshalb zum 1. Oktober gekündigt worden. Ein seltsames Zusammentreffen schwerer Unfälle gab es vor- gestern ani Kottbuserdamm. Ein Kutscher der Möbelfabrik Emmler, Kottbuserdamm 25, war im Begriff gewesen, einen unbespannten Wagen vom Grundstück auf die Straße zu fahren. Er gab auch den vorüberfahrenden Kutschern Warnungssignale, aber ein Rosselenker der Firma Jnhoffen, Kreuzbcrgstr. 30, achtete nicht darauf. In» folgedessen fuhren die beiden Wagen zusammen und der erster« Kutscher wurde mit solcher Gewalt mit dem Köpf gegen sein Ge» fährt geschleudert, daß er bewußtlos zusammenbrach. Es hatte sich natürlich bald eine große Menschenmenge angesammelt. Als der Kolonialwarenhändler Modiqucl, Kottbuserdamm 72, ebenfalls yinzutreten wollte, um sich nach der Ursache deL Menschenauflaufes zu erkundigen, wurde er von einem hcransausenden Straßenbahnwagen der Linie 29 umgerannt und überfahren. M. blieb gleich» falls besinnungslos liegen, und er wurde, nachdem er in der Unfall- station die ersten Notverbände erhalten, nach dem Krankenhaus am Urban gebracht. Er hatte ebenso wie der Kutscher sehr schwere Verletzungen davongetragen. Neber die Dächer. An die Flucht des Raubmörders Hennig erinnert die eines GasthofdiebeS, der gestern Morgen über eine Reihe von Dächern hinweg entkommen ist. Im„Gasthof zum roten Löwen", Neue Königstraße 01, kehrte vorgestern abend um 8 Uhr ein Gast ein, der angeblich von auswärts zugereist war und sich als Arbeiter Bruno Wartmann, am 31. Januar 1883 in Verlin geboren, in das Fremdenbuch einschrieb. Als der Gastwirt Spiel- mann, der wegen der Abreise von Güsten schon früh auf den Beinen sein mußte, um 5 Uhr über den Flur ging, sah er den angeblichen Wartmann aus dem Zimmer kommen, in dein der Pferdehändler Max Unger aus Potsdam und der Reisende Nehler aus Breslau schliefen. Als diese beiden Personen um 7 Uhr munter wurden, vermißte Herr Unger seine goldene Uhr mit Kette und die Geld- tasche mit 80 M. Jetzt erinnerte sich der Wirt der Begegnung init dem„Wartmann", in dessen Zimmer man auch gleich unter dem Sofa das Taschenmesser Ungcrs fand. Durch einige kräftige Maulschellen ließ sich denn auch Wartmann bestimmen, Uhr und Geld aus der Revolvertasche seines Beinkleids herauszuholen, dann wurde er einem Schutzmann des 19. Polizeireviers übergeben, der ihn ungcfesselt nach der Wache in der Gcorgcnkirchjtraßc 30 n ahführte. Ter Dieb folgte willig, bis er auf der untersten Stufe der zur Wache führenden Treppe nach Art des Raubmörders Hennig dem Schutzmann einen Stoß versetzte und mit affenartiger Ge» schwindigkcit die Treppe hinauf durch die Bodenluke auf daS Dach entkam. Als der Schutzmann ihm nacheilte und andere Beamten hinzugekommen waren, hatte der Flüchtling seinen Weg über die Dächer nach dem Gcorgeniirchplatz und nach der Neuen Königstraße genommen und war plötzlich von der Bildfläche vcrschivunden. Wohin er geklettert ist und wo er etwa einen Ausweg gefunden hat, konnte man nicht genau beobachten. Nach und nach sammelte sich eine große Menge an, die den Bewegungen der über die Dächer hinweg kletternden Schutzmänner mit großer Spannung folgte. Alle Bemühungen der Beamten, sich des kühnen Flüchtlings zu versichern, blieben indes erfolglos. Bon einem beklagenswerten Geschick ist der 27 jährige Mit- fahrer Bruno E. aus der Chausseestr. 54 betroffen worden. E. war in einer hiesigen Brauerei tätig gewesen und vor einigen Wochen hatte er das Unglück, von einem Pferd geschlagen zu werden. In- folge de" schweren Verletzungen, die ihm zugefügt wurden, befand er sich längere Zeit in ärztlicher Behandlung und am Sonnabend sollte er wieder gesund geschrieben werden. Inzwischen hatte sich aber der seelische Zustand des jungen Mannes verschlechtert und die Aerzte befürchteten, daß Geiste skrankheit ausbrechen könne. In der vorgestrigen Nacht machte nun der Bedauernswerte seinem Leben ein gewaltsames Ende. Er schnitt sich mit einem scharfen Küchen- messcr die Kehle durch und starb auch bald darauf. Seine Leiche wurde dem Schauhause zugeführt. Ein Akt brutaler Rohheit brachte Montag abend Hausgenossen des im Hause Buttmannstr. 4 wohnhaften Gelegenheitsarbeiters Wilmar gegen diesen auf. W. mißhandelte seine Frau in einer geradezu scheußlichen Weise und ergriff dann die Flucht, weil Haus- bewohner ihn zu lynchen drohten. Frau W. wurde in hoffnungs- losem Zustande in daS Lazarus-KrankenhauS eingeliefert. Die Eingeweide waren ihr durch die heftigen Fußtritte schwer verletzt worden. An den Haaren hatte der Trunkenbold seine Frau in der Stube umhergezerrt. Dadurch hatte sie auch eine Gehirnerschütterung erlitten. Aus dem Fenster gesprungen. Die elfjährige Schülerin Mar- garete Tremer, die bei der Witwe Bauch, Buttmannstr. 20, in Pflege war, stürzte sich Montag gegen Mittag aus dem dritten Stock auf den asphaltierten Hof hinab. Das Kind wurde nach dem Rudolf Virchow-Krankcnhause gebracht, wo ein Schädelbruch sowie Haut- abschürfungen am rechten Arm und an den Beinen festgestellt wurden. Der Vormund des Kindes wollte dieses aus seiner Pflege- stelle abholen und in eine neue Pflegestelle bringen. Aus Anast vor diesem Wechsel hat das Mädchen die Tat begangen. Das in unserer Notiz über die Rechtschreibung der Berliner Straßenschilder gerügte Schild„Potsdammcr Str." ist durch ein richtig geschriebenes ersetzt worden. Ob infolge unserer Notiz, wissen wir nicht; jedenfalls war das unkorrekte kurze Zeit bor der Niederschrift der betreffenden Notiz noch am bezeichneten Platze und kann die Umänderung erst vor ganz kurzer Zeit erfolgt sein. Mit brennenden Kleibern. Gestern vormittag gegen QVt Uhr tvostte die in dem Putzgeschäft von Fritzi Zipler. Potsdamerstr. 97, tätche Direktrice Elisabet Votz. Brünhildstr. 14 wohnhaft, ihren Rock mit einem Spiritusbügeleisen glätten. Die Flammen schlugen aus dem Eisen heraus und sofort standen der Rock und die Kleider in Flammen. In ihrer Angst lief die Direktrice auf die Straße. wo die Flammen von Passanten erstickt wurden. Fräulein Voß hatte schwere Brandwunden an den Armen, Brust und Beinen er litten und muhte von der Unfallstation nach dem Elisabethkranken Hause gebracht werden. In der Panke ertrunken. Der fünfjährige Sohn Kurt des Reisenden Barchewitz, Kesselstr. 15. kletterte beim Spielen mit mehreren anderen Kindern auf das Geländer der Pankebrücke in der Kesselstraße, verlor das Gleichgewicht und stürzte ins Wasser Er wurde durch die starke Strömung fortgerissen und konnte nicht mehr gerettet werden. Seine Leiche wurde am Schlütcrsteg ge- landet. Gesperrt. Die Rittergasse wird behufs Legung einer Gas- Zuleitung für den 22. d. M. für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Wer ist der Tote? Am 13. d. M., abends gegen lO�H Uhr, betrat ein ca. Kl) Jahre alter, anscheinend dem Arbeiterstande an- gehörender Mann das Schanklokal von Max Kegel, Langestr. 27, und fiel, ohne daß er etwas genossen hatte, in Ohnmacht. Er wurde durch einen Schutzmann des 94. Polizeireviers mittelst Droschke nach der Unfallstation VIII, Grüner Weg 17, geschafft, woselbst der Arzt aber nur noch den inzlvischen anscheinend infolge Herzschlags eingetretenen Tod feststellen konnte. Die Leiche ist dem Schauhause überwiesen worden. Die Identität hat sich bisher nicht feststellen lassen. Der Verstorbene ist ca. 1,79 Meter groß, schlank, hat graumeliertes Haar, ebensolchen Schnurrbart ustd war bekleidet mit dunkelblauem Jakett, braungestreifte Hose, blau- gestreifter Unterjacke, grauen Strümpfen und Zugsticfel. Meldungen von Personen, die über den Verstorbenen Auskunft geben können, nimnit jedes Polizeirevier sowie die Kriminalpolizei in Zimmer 324 des Königl. Polizeipräsidiums zu 5)575 IV 41 07 entgegen. Arbciter-Samaritcr-Kolonne. Donnerstag abend 9 Uhr: 3. Abteilung in Schönebcrg bei Obst, Meiningerstr. 8, und 4. Ab- teilung in Lichtenberg-Rummeisburg bei Lindner, Grünberger- straße 10. Vortrag über Ertrinken, Ersticken und verschiedene Formen der Bewußtlosigkeiten. Daran anschließend praktische Hebungen. Neue Mitglieder können jederzeit eintreten. Gäste haben einmaligen freien Zutritt. Radrennen zu Spandau, 15. Juli. Die am Sonntag verregneten Rennen konnte» nunmehr am Montagabend bei schönstein Wetter und gutem Besuch abgehalten werden. Trotz der Verkürzung des Programms faude» die Neunen erst nach 9 Uhr bei beginnender Dunkelheit ihren Schluß. Der Jniienrmim der Bahn zeigte das Bild einer Ueberschwenunung im kleincii: di« Rummenitafeln standen vereinsamt in den Fluten,»nd die Anschreiber mußte» jedesmal, um ihres Amtes zu walten, das Wasser durchwaten. Das Hauptereignis, der. Golde neKranzvonSpan da u", ein Stundenrennen mit Motorführung, 2500, 2200, 1800, 1600, 1400 M., wurde von dem Kölner Peter Günther, der in diesem Jahre von Sieg zu Sieg schreitet, überlegen gewonnen: erlegte ohne Windschutz 82,140 Kilometer zurück: 2. A. Huber, 77,890 Kilometer; 3. Salzmann. 73,580 Kilometer; 4. Guignard, 68,720 Kilometer. Der Amerikaner MennS Bedell hatte beim 44. Kilo- mcter wiederholter Motordefekte wegen aufgegeben. Günther wurde anfangs von dem Franzosen Guignard arg bedrängt; aber dieser erlitt Motorschaden und kam dadurch weit inS Hintertreffen, doch holte er zum Schluß von feinem Verluste bedeutend wieder auf; auch Hnber und Salzmann blieben nicht von Störungen verschont. Der Todeösprung dcS Amerikaners S chreyer, der mit seinem Rade von einem 35 Mcter hohen Gerüst fährt, unterivegS, die Arme ausbreitend, in rasender Schnelligkeit das Rad verläßt und dann in ein Wasserbecken springt, verfehlte nicht, auf die Zuschauer seine packende Wirkung auszuüben. Vorort- �aclmcbten. «Unsere Afrikaner." Persönliche Eindrücke vom P e t c r s p r o z e ß. Zu der Volksversamnilung im Charlotten- burger..VolkShanS" am Montag, wo Genosse Kurt Eis» er über diese? Thema sprach, hatte sich eine sehr zahlreiche Zuhörerschaft ein- gefunden. Obwohl die Tische entfernt wurden, mußten sich viele, um einigermaßen genügend Raum zu schaffen, mit Stehplätzen be- gnügcn. Auch Gegner waren anwesend; sie waren aber trotz des „sehr eiligen" vertraulichen Rundschreibens dcS Rcichsverbandcs gegen die Sozialdemokratie nicht so zahlreich, um die Versammlung majorisicren zu können. Auch war es dem RcichSverband offenbar nicht gelungen,„eine der bekanntesten fachmännischen Autoritäten unserer Kolonialpolitik" heranzuholen. Genosse Eisncr behandelte sein Thema im Zusammenhang mit dem ganzen Elend der politischen Zustände in Deutschland. Einleitend führte er auS, daß wir tatsächlich keine Oeffentlichkeit in der Politik haben. Die bürgerliche Presse, von der konservativen bis zur freisinnigen, wandert beständig nach der Wilhelmstraße, um sich dort sagen zu lassen, was das deutsche Bürgertum zu denken hat. Wohl besteht eine Oeffentlichkeit der Politik in der Sozialdemo- kratie, aber sie ist mehr als in anderen Ländern abgesperrt von den Quellen der Information. Daraus erklärt es sich, daß man erst jetzt die Beweise dafür hat, daß cS sich bei den Reichstagswahlen nicht um die Kolonialpolitik, sondern um den Sturz eines an sich wertlosen Rcichsbeamten handelte, was man vorher Wohl wußte, aber nicht beweisen konnte. Wollte man sich auf den Standpunkt stellen, daß unsere Kolonialpolitik wirklich wertvoll ist, so erscheint es um so frecher, daß sie zum Vorwand der ReichstagSauflösung gemacht wurde. Etwas Oeffentlichkeit der Politik tritt in Deutsch- land nur zutage, wenn sich wieder einmal ein Skandalprozeß ab- spielt. Während aber in Frankreich der DrcyfuSprozeß zu einer Umgestaltung der Politik führte, gehen die zahlreichen Skandal- Prozesse in Deutschland spurlos vorüber. Der Prozeß in München war ein Stück Oeffentlichkeit, bei der der Vorhang nicht im rechten Tugenblick fiel. Zum ersten Mal kam die herrschende Clique der deutschen Politik an die Oeffentlichkeit und zeigte sich in ihrer Moral, Religion und ihren Sitten. Merkwürdig für den Nord- deutschen ist es, daß in diesem Prozeß gegen einen Sozialdemo- kraten auch die sogenannten Entlastungszeugen anständig behandelt wurden, ja daß sich der OberlandeSgerichtsrat Mayer in den Pausen ganz gemütlich mit Sozialdemokraten unterhielt.— Nach diesen Ausführungen und nach trefflicher Charakterisierung der Peters- clique und der Rolle, die sie in der inneren Politik spielt, schilderte der Redner einige besonders wichtige und ergreifende Szenen aus dem Prozeß, unter anderem, wie ein Unteroffizier in einer Auf- Wallung sittlicher Empörung seine Aussagen machte und sie so machte, daß man sich sagen muhte: Der Mann spricht die Wahr- heit; wie dann aus der Zuhörerschaft EntrustungSrufe ob der furchtbaren Grausamkeiten erschallten, der Gerichtsvorsitzcnde aber keineswegs den Saal räumen ließ, sondern erklärte, daß alle unter dem furchtbaren Eindruck der Zeugenaussage ständen, mit milden Worten zur Ruhe mahnte und sich so inmitten der Afrikaner als Mensch zeigte. Auch schilderte der Redner den Eindruck, den das Auftreten und die Aussagen der Witwe des Kolonialdirektors Kahser machten, jener Dame, die, wie Dr. Arendt unter seinem Eide ausgesagt hatte, schwer krank, verrückt sein und an Halluzinationen leiden sollte, die aber nun, wiederhergestellt nach einem Jnfluenzaanfall, in strotzender Gesundheit dastand und fiir ihre Zeugenaussagen sogar beweiskräftige Schriftstücke mitgebracht hatte. Festgestellt muß übrigens werden, daß der Zeuge Dr. Arendt kein Sozialdemokrat, kein Arbeiter ist, und sich noch immer der Freiheit erfreut, bemerkte der Redner hierzu. Zum Schluß seines inhaltreichen, fesselnden Vortrages führte der Redner aus, daß die Leute von der PeterSclique ihre Ansicht, daß es zweierlei Menschen gäbe, auch auf die innere deutsche Politik übertragen; eine Socke Mienschen, die ausbeuten, und eine andere, dazu da, sich aus- beuten zu lassen. Wie jene Leute die Neger mit allen Untugenden und Schändlichkeiten ausstatten, so stellen sie auch die deutschen Arbeiter als den Ausbund aller Schlechtigkeit hin, das heißt, soweit die Arbeiter zur Kultur erwacht sind. Kann man sie auch nicht mehr mit der Peitsche traktieren, so sucht man sie niederzureiten, niederzuhetzcn. Heute kennt man die führenden Personen recht genau. Sie sollen ihr Spiel nicht weiter treiben, die deutschen Eingeborenen nach afrikanischen, Rezept zu bcbandcln. Nach dem Vortrage, der lebhaften Beifall fand, sprachen zu- nächst die Genossen Basin und Frau Flasing, die ihrer Entrüstung über das Treiben des Peters und seiner Clique Ausdruck gaben. Dann meldete sich ein Redakteur Sommerburg aus Berlin W. zum Wort, offenbar ein Rcichsvcrbändler, wenn auch keine „Autorität". Der redete wohl dreiviertel Stunden lang um die Sache herum, wollte auf jeden von ihm selbst provozierten Zwischen- ruf aus der Versammlung recht lang und breit antworten, und-ils der Vorsitzende, Genosse Will, sich die Eingrisfe in sein Amt und die Abweichungen von der Tagesordnung wiederholt verbeten hatte, verlangte der Redner den„Schutz" des Vorsitzenden gegen die Zwischenrufe, wie:�,Z:lr Geschäftsordnung" und„Schluß", die er scheinbar als schwere Angriffe auf seine werte Person ansah. Er schloß sein Geschwätz mit einer Verhimmclung der deutschen Sozialpolitik, ganz in der Manier der ReichSvcrbändlcr, wobei auch nicht der schöne Gedanke fehlte, daß die sozialdemokratischen Arbeiter in ihrer Undankbarkeit und schrankenlosen Begehrlichkeit daran schuld seien, wenn die herrschenden Klassen nichts mehr von Sozialpolitik wissen wollten. Nach diesem Reichsvcrbandlcr kam ein HandlungSgehülfe Finger zun, Wort, ein zunger Mann, der den Eindruck eines aufrichtigen Kolonialfanatikers machte, dessen Rede sich aber durch anerkennenswerte Kürze auszeichnete. Er glaubte mit einem Hinweis auf die Kolonialpolitik des politisch gereiften englischen Volkes die deutschen Kolontalgrcucl recht- fertigen zu können. Selbstverständlich war es dem Genossen Eisner ein leichtes, solches Gerede zu widerlegen, zumal ja erst kürzlich ein englisches Blaubuch und Vorgänge im englischen Parlament bewiesen haben, daß man in England ganz anders mit solchen Leuten umgeht, die sich Kolonialgreuel zuschulden kommen lassen. Ebenso machte es �>cm Referenten keinerlei Mühe, das Geschwätz jenes Reichs- verbändlers in seiner ganzen Hohlheit aufzudecken. Jener hatte n. a. behauptet, sein„Kollege" Eisner hätte am Freitag in Schöne- berg viel schärfer gesprochen und habe sich nun in Charlottenburg tvohl mit Rücksicht auf die hier anwesenden Gegner in seinen Aus- drücken gemäßigt. Eisner erwiderte hierauf, daß er die Gewöhn- heit habe, frei und ohne schriftliche Notizen zu sprechen, er sich deshalb wohl in Schöneberg anders ausgedrückt haben könnte als hier. Doch habe man ihm gerade in Schönebcrg vor seinem Vor- trage gesagt, daß eine Masse von Gegnern anwesend wäre. Habe er dort derbere Redewendungen und Ausdrücke gebraucht, so wolle er sie gerne hier wiederholen. Auch auf den sonstigen reichs- verbändlerischen Phrasenschwall des Herrn Sommerburg ließ es der Referent an einer treffenden Antwort nicht fehlen. Die Versammlung schloß mit Hochrufen auf die Sozial- demokratie. Rixdorf. > Einbrecher auf dem Friedhof. Den neuen Luisenkirchhof in der Hermannstraße haben in der gestrigen Nacht Diebe heimgesucht. Die Bande hatte cS auf die an der Leichenhalle angebrachten wert- vollen Zinkgosscn abgesehen. Sie scynitt dieselben fast sämtlich ab und entkam ungehindert mit ihrem Raub. Rntnmelsbtirg. In einer heute abend SVi Uhr im Saale der Wwe. W e i g c l Türrschmidtstr. 45, stattfindenden öffentlichen Gewerkschafts- Versammlung wird Genosse Ritter über:„Die Bedeutung der Gewerbegerichte für die Arbeiterschaft" referieren. Da in dieser Versammlung zugleich die Aufstellung von sechs Kandidaten für das hiesiege Gcwerbegericht vorgenommen werden soll, ist zahl- reiches Erscheinen der Partei- und Gewerkschaftsgenossen dringend notwendig. Zehlendorf. Ein Loblied auf die„soziale Fürsorge" unserer Gemeindever- tretung fühlt sich Herr Rektor Hoffmeister zn singen berufen. Anlaß dazu gibt ihm die Kritik, die Ivir über die letzte Gemeindevertreter- itznng zu bringen für unsere Aufgabe hielten und in welcher wir zeigten, wie wenig die Herren Gemeindevertreter die Interessen der Gemeindeschüler wie der arbeitenden Klasse überhaupt wahrzunehmen geneigt sind. Dabei sollen uns nun, wie uns Herr H. in einer Zu- chrift mitteilt,„verschiedene Unrichtigkeiten" unterlaufen sein. In einem trifft das zu, und zwar, daß dem Berichterstatter eine Ber- wechselnng des Namen der Volksschule unterlaufen ist, indem er die Gemeindeschule I als Schönower Schule bezeichnete. Wir halten indes aufrecht, daß, wenn eS sich um die Kinder der Wohlhabenden handelt, der Belvillignngseifer der Zehlendorfer Gemeindevertretung groß ist. von demselben aber nichts zu spüren ist, sobald Arbeiterkinder in Frage komnien. Das beweist am besten der Beschluß in der Gemeindcvertrctnng vom 28. Mai d. I., in derber notwendige Volksschnlneubau wegen Mangel an Kleingeld auf ein Jahr vertagt wurde. Des weiteren meint Herr H., ein altes Gymnasium habe hier nie bestanden. Nun dies ist nur ein Streit nm Worte, jedenfalls waren die Gymnasinlklassen schon verschiedene Jahre vor Neubau desselben in dem Gemeindeschnlhaus unter- gebracht, also war eS doch vorhanden. Auch rühmt Herr H., daß die Gemeinde in diesem Jahre bereits 500 M. fiir Ferienkokonien vorgesehen habe und nachdem der Schularzt weitere Mittel gefordert, diese sofort bewilligt worden seien. Wahrlich eine große sozial- politische Tat! Es bedurfte erst des Herrn Rektors H., um den Ge- meindevertretern dafür besonderes Lob auszusprechen. Demgegen- über aber erlauben wir uns in Erinnening zu bringen, daß bereits zweimal Gelder ans allgeineinen Stenermitteln dem hiesigen Krieger- verein, insgesamt 700 M., für Trinkgelage usw. bewilligt wurden. Er- wähnung verdient ferner, daß von gewisser«cite bereits seit I V, Jahren immer wieder versucht wird, den Beitritt der Gemeinde zum Verein für Schiilerrudern zu erwirken, wofür ein einmaliger Beitrag von 5—7000 M. und eine jährliche Beihülfe von 1700 M. gefordert wird. Hier kommen aber nur 14—16 Schüler der oberen Klassen des Gymnasiums in Frage, deren Eltern den wohlhabenden Kreisen angehören. Dabei wird von Sitzung zn Sitzung der Widerstand gegen diese unerhörte Forderung schwächer! Soll zuletzt nochmals auf das jedem Gerechtigkeitsgefühl hohnsprechende Verhalten der Gemeindevertretung in Sachen des Fürstenhof verwiesen werden. Hier zeigt eS sich zur Genüge, daß reine Klasseninteressen das Leitmotiv der Geineindcpolitik jener Herren bilden. Der Hymnus des Herrn H. kann nur den Zweck haben, den Herren Gemeindcvertretern für die nächstjährigen Gemeindcwahlen einen guten Ramen zu machen und der Arbeiterschaft Sand in die Augen zu streuen. Das wird sich jedoch als fruchtlos« Mühe er- weisen. Wahrhafte Gcmeindepolitik wird nur getrieben von den Vertretern des Proletariats, für das heute Misere Besitzenden nur selten etwas zn tun geneigt sind. Steglitz. Einen schaurigen Fund machte gestern ein Arbeiter im Teltow- kanal. An der Brücke in der Nähe der Brüderstraße in Steglitz entdeckte er am User teibend ein Paket und beim Oeffnen fand er darin die Leiche eines neugeborenen Knaben. Der tote Körper war bereits teilweise in Verwesung übergegangen. Hohen- Schönhanse». Sieben entwichene Fürsorgezöglinge sind auf einen Schlag in Hohen-Schönhausen aufgegriffen worden. Aus der Anstalt in Lichtenberg waren kurz hintereinander je zwei Insassen entflohen und zu gleicher Zeit entwichen auch aus der Erziehungsanstalt in Falkenberg zwei Burschen. Die Flüchtlinge sollten sich nicht langer Freiheit erfreuen. Noch vor Berlin wurden sie erkannt und fest- genommen. Polizcibeamte in Hohen-Schönhausen griffen sie auf. VermifcKtes. Grohfeuer brach einer Dortmunder Meldung zufolge gestern abend in Derne in der großen Oelfabrik von Krämer u. Dahlmann aus, dem der geräumige Lagerschuppen und ein Oelkcssel zum Opfer fielen. Auf den Zechen Zollern II und Nhein-Elbe fanden je ein Bergmann in der Ausübung ihres Berufes den Tod. Zermalmt. Auf dem Hauptbahnhof in Halle wurde der Eisenbahnangestellte Mickgmann von einem einfahrenden Schnellzug zermalmt. Feuer auf eineni Schiff. Aus Brest wird gemeldet: An Bord dcS deutschen Dampfers Neustein, der mit Salpeter beladen, von Ham- bürg kommend, nach dem Atlantik unterwegs loar, brach Feuer aus. Der englische Dampfer Warwik, der ihn im Golf von Gascogne antraf, schleppte das Schiff nach Brest. Die hintere Kommando- brücke und die Boote sind vollständig verbrannt. Luftballoncxplosion. Nach einer Meldung aus R o u b a i x explodierte in A S c q infolge Unvorsichtigkeit eines Rauchers ein Luflballon, der im Begriff stand, zu landen. Zwanzig Per- sonen sind hierbei verletzt worden, darunter zehn schwer. Eiseubahuungluck. Wie aus New Jork gemeldet wird, erfolgte in der Nähe von Knoxville im Staate Tennessee ein Zusammenstoß zweier Eisenbahnzüge. Sechs Passagiere wurden ge- tötet, zwanzig verletzt. Eine FeuerSbrunst zerstörte, Pariser Meldung zufolge, in der vergangenen Nacht mehrere Werkstätten des Stadtviertels Man- treux. Unter den Bewohnern der benachbarten Gebäulichkeiten entstand eine große Panik. Viele Personen mutzten durch die Fenster gerettet werden. Ueber 50 Familien sind ob- o a ch s l o s. Der angerichtete Schaden bcläuft sich auf über eine Million Frank. Die FeuerSbrunst dauert noch fort. Lese,«nd DIekutierklub„Südost". Heute abend 8'/, Uhr bei Tolksdors, Görllhersw. 58: Gencralversnmmlung. Lese- und Tiskutirrklnb„Heinrich Heine". Heute abend 8'/, Uhr bei Bolze, Rodenbeigstr. 8: Sitzung. Vortrag.— Gäste willkommen. Eingegangene Druchrdmften. Süddeutscher Poftillon. Rr. 15 liegt vor, die mit der bitterbösen Satire: Neudeutsche Strateait beginnt. Das Mittclbild zeigt den ollen ehrlichen OppositionSmann Clcmenccau. Im Schlichbild überrascht sich Bülow mit drei Schlagschatten.— Peter», den unvergleichlichen Astikaner. besingt das Leitgedicht, Glossen beleuchten den Pelcrsprozcß.— Freunde iu der Not, eine Szene aus Peteihos.— Diplomatie(Geb.).— Neue» von Dcrnburg.— Miiiistcrabschied(Geb.).— Warum der Asrikareisende die Welte gewoimen.— Zivil und Unisortn(Geb.).— Prügclstatistil(Geb.)— Die Umlaufftener.— Tropenkoller, Illustrationen usw. Preis 10 Pf. Neue Gesellschaft. Hcst 3.(Herausgeber Dr. Heinrich Braun«Mb Lilh Braun.) Verlag Berlin NW. 6, Chart töstr. 3. ßriefbaften der Redaktion. Itd) vo» 1*1, Dt« VI, Uhr ahruvs statt. c»costl>«'/»or. HS begiunt die Sprechstunde u« 0»Hr. Jeder Anirage ist eist »nd ciur ctnhl nl» Vlerkzeichen deizniiigc». Ivrictliche Zlntwor» > erteilt. Eilige Fragen«rage mau l» der Sprcchftnnd« vor. Tie juristische Sprechstunde findet Frtedrichftr.»«, Anfgang 4, eine Treppe(Haildeloftäiie Bellcalliancc, Durchgang auch Liudenstr. 1»4> wiichcmiiglich von 7ll, dit> VI, Uhr abcttdS statt. Geöffnet 7>Ihr. Sonnabends' Vachsiabe i wird nicht> A. D. 47. 1. ES gibt in Berlin eine ganze Anzahl solcher Schulen. Fragen Sie einmal bei der Vorsteherin der Aubertschen höheren Mädchen- schnie und Mittelmädchenschule nebst Seminar Fr. Prosessor Aubert, HIV 23, Brückcn-Allce 23, nach; vielleicht können Sie da daS, was Sie wünschen, erfahre». 2. Wenden sie sich an die Buchhandlung Vorwärts.— E. Sch. 85. 1. Rein. 2. und 3. Durch 1 erledigt. 4. Zum Teil ja.— H. St. 24. Eine solche Ausstellung hat im vorigen Jahre ftaltgefmiden; daß in nächster Zeit eine solche geplant ist, ist uns unbekannt.— M. S. 34. 1. Das erfahren Sie in der Cdaritg: Sie können auch im 1. Teil dcS Adreßbuches nachschlagen. 2—5. Rezepte zu geben, müssen wir ablehnen. — S. 47. Ihre Frage wird am besten durch solgende Bekanntmachung beantwortet: Die Gehaltssätze für die Nntcrbcamten der Schutzmannschast in Berlin, Charlottenburg, Schöneberg und Rixdors betragen: sür Schuh- männer 1400—1900 M., steigend von drei zu drei Jahren um je 100 M., für SchutzmannSwachtmeislcr 1600—2100 M., steigend von drei zu drei Jahren um zweimal je 150 M. und zweimal je 100 M., und für Abtei» IimgSwachtmetster 1700—2400 M., steigend von drei zu drei Jahren um zweimal 200 M. und zweimal je 150 M. Die Stellenzulage ist in Fortfall gekommen; der Wohnungsgeldzuschutz beträgt 360 M. jährlich. — PH. 100. Nein, e» muß ein neuer Antrag gestellt werden.— G. Z. 51). Beantragen Sie beim Gericht'Abschrift des AuseinanderfetzungSPr-otokoll», das vor der zweiten Heirat gerichtlich ausgenommen ist. Sie müssen dabei angeben, wann die Heirat stattgefunden hat.— B. 57. 1. und 2. Ja.— H. 37. und Hannover G. Sch. Das Versahre» ist nicht zulässig, es müßte der durch ein solches Verfahren getroffene Arbeiter aus Zahlung dcS ihm nach dein Gesetz Zustehenden klagen.— L. 53. Die Tauben müssen ohne Entschädigung herausgegeben werden.— St. 18. Die Ausschlagung der Erbschajt kann nicht von einem Dritte», sondern nur von dem AuS- schlagenden selbst z.B. wegen Drohung angcsochten werden, der andere Erbe kann nicht die Ausschlagung des ersten Erben ansechtcn. Im Wege der Klage kann er stets darlegen, daß die Ausschlagung rcchtsungüllig sei, daß Nachlaßgcgenstände herausgegeben werden sollen usw. Diese Klage ist an die Frist von 6 Wochen nicht gebunden.— L. 14. Am 14. April 1902. — Schadenersat» it. V. Wenn ein Verlobter von dem Verlöbnis zurück» tritt, so hat er dem andern Verlobten und dessen Eltern sowie dritten Personen, die an Stelle der Eltern gehandelt haben, den Schaden zu er- setzen, der daraus entstanden ist, daß sie in Erwartung der Ehe Sluf- Wendungen gemacht haben oder Verbindlichkeiten eingegangen sind. Dem Verloblen ist auch der Schaden zu ersetzen, der dadurch enlsteht, daß injEr- Wartung der Ehe sein Vermögen oder seine Erwerbsstellung berührende angemessene Maßnahmen getroffen waren. Eine Ersatzpslicht tritt nicht ein, wenn ein wichtiger Grund vorlag. Außer diesem Schadenersatz, der nach tz 1298 B.®. B. zu leisten ist, ist auch wegen dcS Schadens, der nicht Ber» rnögeliSschaden ist, nach§ 1300 eine billige Entschädigiiug in Geld zu zahlen, wenn ein intimer Verkehr stattgesunden hat.— S. 13. Beantragen isie bei Gericht Abschr-ist des Urteils und lassen Sie dieses durch einen Gerichtsvollzieher dem gegnerischen Anwalt zustellen. Wenn inner-halb eines Monals Le» rusung nicht eingelegt wird, so ist das Urteil erster Instanz rrchtslrästig. Sie müssen dann den Gegner zum EideSIeistuiigsteriiiin lade» lassen. Wird insolge der Nichtleistung des EidcS der Beklagte verurteilt, so habe» Sie Ihre Kosten mit zu liquidieren. irSttteeiiugsüderstcht vom IS. Juli IS07, inorgens« UV«. Skollonen L S i 1 B S 3f 66 NN® 68»«» 767»«® »elt« 2 wolkcul 2 heiter 2 bedeckt 1 wolkig 2 wollen! 1 heiter m s c• » 0 H 20 19 19 17 16 16 Slationen || B? Haparanba' 761 N Petersburg 758 WSW 77t O 775 O 769 NNO Swwembe E amburg erlin 767 WN® 2 bedeckt 19 Scilly Fraiits.a M. 768 N 1 wolkig 17 elberde»« Mün che» t767SW 2 wollen! 16 Paris Wien s 765 NW Wetter- Prognoie für Mittwoch, den 17. Juli 1007. Etwas tühler. veränderlich, vielfach wolkig mit leichten Regenfälle» und ziemlich fnjchen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. »Ale, 6 wollig 1 Regen 3 heiter 1 wolkenl 3bcdcckt c% 1- Hi 11 19 17 18 16 Waflerstaiid am 16. Juli vorm. Elbe bei Dresden— 0,49 dp.— Elbe bei Magdeburg 2,18 Meter.— O d e r bei Ratibor 6 44 Meter, fällt.— Oder bei Breslau 0- 0,30 Meier.— Oder bei Brieg 4,18 Meier.— Neisscinündung 4,20 Meter.— Rhein bei Kaub 15., 8 Uhr niorgenS 3,17 -f- 0,03 Meier.— Rheinschleusc bei Straßburg 15. 3,60— 0,07 Meter. Lexantwortl. Redakteur: Carl Wermuthi Berlin-Rixdorf. Für denJnseratenteil verantw.: TH.Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Vcrlagsanstalt Paul Singer Lc Co.. Berlin LW,