Kr. 165. Hbonnements-Bedingungcn: ilbonnementZ< Preis pränumerando! Lierteljährl. 3,30 MI, monatl. 1,10 Mk, wöchentlich 28 Psg, frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Psg, Sonntags- nununer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Well' 10 Psg, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutfchiand und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl, Solland. Italien, Luxemburg, Portugal, 'nien, Schweden und die Schweiz. 24. Jahrgs krlchtlnl lilzllid auOtr lilcnfagj. Verlinev VolkesblAkk. Die Tnlertions- Gebühr beträgt für die sechSgespattene Koloneb» zeile oder deren Raum 60 Psg,, für politische und gewerlschaslliche Vereins- und VersammlungS-Anzeigen 30 Psg. „Kleine Snreigen", das erste(seit- gedruckte) Wort 20 Psg,, jedes weitere Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlaf« stellen-Anzcigen daS erste Wort 10 Psg,. jcdeS weitere Wort 6 Psg, Worte über 16 Buchslaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nununer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,,SoÄiiItlim«Ilttt killill". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: SM. 68, Lindcnstrasac 69, Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Donnerstag, den 18. Juli 1907. Expedition: SM. 68, binden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1081. Nie erobert man volksrechte? Herr Naumann verteidigt in einem längeren Artikel der„Hülfe" seine Theorie der politischen Bescheidenheit gegen unsere Angriffe. Er erklärt, den ihm von uns gegebenen Titel eines„Theoretikers der Bescheidenheit" gern akzeptieren zu wollen. Die Sozialdemokratie habe noch immer nicht die politische Fähigkeit erlernt, das Erreichbare vom Unerreich- baren zu trennen. Sie hänge noch immer dem„großen Traum nach, eines Tages alle Macht zu erstürmen, um dann alles auf einmal zu ändern". Dieser Traum mache sie un- geschickt, ihre gegenwärtige Kraft auszunützen. Er befinde sich übrigens mit seiner Politik der Bescheidenheit in guter Gesellschaft, nämlich in Gesellschaft der Gewerkschaften, die im Gegensatz zur sozialdemokratischen Partei genau zwischen Eudziel und Gegenwartsarbeit unterschieden. Wir halten es nicht der Mühe wert, uns gegen solch abgeschmackte Unterstellungen zu Verlvahren. Daß die Sozialdemokratie ein Gegenwartsprogramm besitzt, daß sie auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, im Reich, den Einzelstaaten, den Kommunen die e i f r i g st e Gegen- Wartsarbeit betreibt, sollte schließlich auch ein Mann von den politischen Erfahrungen eines Naumann wissen! Zu ihrer Gegenwartsarbeit gehört freilich auch die Er- ringung größerer politischer Rechte für die Arbeiterklasse. Die Sozialdemokratie ist sogar die einzige Partei gewesen, die auf diesem Gebiete nachdrücklichste Arbeit geleistet hat. Sie allein von allen Partei hat bisher einen allgemeinen Volks st nrm gegen die schmähliche preußische Wahlentrechtung unternommen. Der Freisinn da- gegen hat sich mit einigen parlamentarischen Anträgen begnügt. denen dann von der Reattion das verdiente Begräbnis dritter Klasse zuteil wurde. Nun behauptet Herr Naumann von neuem, die sozial- demokraftsche Kundgebung sei„WS Wasser gefallen". Die Arbeiter hätten nicht das genügende Jntereffe an der Wahl- rechtsreform bewiesen, um es„auf den K a ni p f u n d die Probe ankommen zu lassen", wie die Wiener Arbeiter. Er wolle nicht sagen, daß sie es hätten tun sollen, denn die Gefahr eines Zusammen st oßes mit Polizei und Militär sei selbstverständlich vorhanden gewesen. Er stelle nur fest:„Es gelang kein Sturm des Volkes gegenüber dem preußischen Wahlrecht." Den Freisinn selbst treffe dabei keinerlei Mitschuld. Denn selbst wenn er sich von der Demonstration ferngehalten, ja sogar dagegen geschrieben und geredet habe, sei er nicht für den sozialdemokrattschen „Mißerfolg" verantwortlich zu machen:„denn was in aller Welt kann dabei der Freisinn tun, selbst wenn er wollte?" Wir wollen diese letzte Frage des ahnungslosen Herrn Naumann mit aller gebotenen Deutlichkeit beantworten. Um- somehr, da es sich nicht um nicht wieder gutzumachende Fehler der Vergangenheit handelt, sondern die aktuelle Frage: Was kann und muß der Freisinn tun. um eine demokratische Wahlrechtsreform in Preußen erzwingen zu helfen? Herr Naumann behauptet, die sozialdemokratische Wahl- rechtsbewegung sei mißglückt. Das ist nur insofern richtig, als sie keinen unmittelbaren Erfolg hatte, als sie die Reaktion nicht zu einer Wahlrechtsänderung zwang. Der Wahlrechts- stürm hat immerhin den wahrhaftig nicht zu unterschätzenden Erfolg gehabt, breiteste Volksmassen aufzurütteln, ihnen daS Belvußtsein ihrer schmählichen Entrechtung in die Seele zu brennen und den proletarischen Kampfesorganisationen zahl- reiche neue Mitstteiter zuzuführen. Wir behaupten aber darüber hinaus, daß dem Volkssturm nur deshalb auch der direkte Erfolg versagt geblieben ist, weil die bürgerlichen Parteien, die ebenfalls die Dreiklassenschmach zu bekämpfen und das Reichstagswahlr e ch t für Preußen zu erstreben vorgeben, die sozialdeino- kratische Demonstration nicht nnr nicht«nterstütit, sonder» so- gar geschmäht, verkleinert«nd gehässig bekämpft haben! Die sozialdemokratische Arbeiterschaft bildet zurzeit nur die Minderheit des Volkes. Sie vermag deshalb so lange die Rcaktton nicht zu den von ihr erstrebten Zugeständnissen zu zwingen, als sie, ohne selbst die größere Macht im Staat zu repräsentieren, von den bürgerlichen Parteien, die sich als Anhänger des allgemeinen, gleichen, direkten und ge- Heimen Wahlrechts auch für die Einzelstaaten ausgeben, nicht unter st ützt wird. Die proletarische Wahlrcchtsbewegung in Oe st erreich konnte gerade deshalb eine unwiderstehliche Stoßkraft entfalten, weil sie von starken bürgerlichen Elenienten unterstützt wurde. Sie hätte den Widerstand der wahlrechtsfeindlicheu Reaktton wahrscheinlich nicht zu über- winden vermocht, wenn ihr wie in Deutschland das gesamte Bürgertum tells direkt feindlich, teils völlig apathisch, wo nicht mißgünstig gegenübergestanden hätte. Bei uns in Deutschland aber stand einer viel stärkeren, kampfentschlosseneren Reaktton einzig die Sozialdemokratte gegenüber: die in Frage kommenden bürgerlichen Kreise, Freisinn und Zentrum, beobachteten eine Neutralität, die nicht einmal eine wohlwollende war! Ganz anders hätten sich die Chancen des Sturms gegen das Dreiklassenwahlrecht gestaltet, wenn sich der Freisinn und das Zentrum dieser Bewegung angeschlossen hätten. � Freisinn und Zentrum repräsentieren im Reiche und auch in Preußen selbst eine nicht zu unterschätzende Macht. Sie brauchten nur zu wollen, um ihren Einfluß gewaltig für eine Demokratisierung des preußischen Wahlrechts in die Wagschale werfen zu können I Die fteisinnige Vereinigung und die freisinnige Volks- Partei brachten 1903 in Preußen 125 471 Urwählerstimmen für sich auf, davon entfielen allein auf die beiden wirtschaftlich einflußreichen oberen Klassen 41 632 Urwähler. Das Zentrum erhielt in den beiden oberen Klassen 1903 78257 Urwähler stimmen und 174 376 Urwählerstimmen in der dritten Klasse. Von insgesamt 410 456 Urwählerstimmen der ersten und zweiten Klasse entfielen auf Freisinn und Zentrum nicht weniger als 119 889 Urivähler stimmen. Dazu kämen noch 13165 Urwählerstimmen der Sozialdemokratie. In der dritten Klasse stellten Freisinn, Zentrum und Sozialdemokratte von zusammen 1 261 157 Ur- Wählern nicht weniger als 559 199 Urwähler. Hätten also Freisinn und Zentrum, wie es ihre verdammte polittsche Pflicht gewesen wäre, sich, sei es auch selbständig, an dem Proteststurm beteiligt, so hätten sie dadurch die Reaktton in die bedrängte st e Lage gebracht, sie zu Zugeständnissen genötigt! Und weiter. Freisinn und Zentrum verfügen über einen ungeheueren Prozentsah der deutschen Presse. Eine Bewegung gegen die preußische Drciklassenschmach hätte durch diese Presse enorm verstärkt werden können. Die ganze öffentliche Meinung hätte derart zugunsten der Wahlrechts- forderungen beeinflußt werden kiflinen, daß die Reaktion ganz andere Saiten aufzuziehen genötigt gewesen wäre. Ja, die Protestbewegung hätte unter solchen Umständen einen Charakter annehmen können, wie in O e st e r r e i ch. Das Volk hätte sich zur Verstärkung seiner Wahlrechts- demonsttationcn die„Straße erobern" können. Selbst wenn Freisinn und Zentrum sich vorsichttg von der Straße ferngehalten hätten, hätte es bei einer solchen Stiinniung der öffentlichen Meinung die Reaktion nicht wagen dürfen, das Militär gegen die Demonstranten aufzubieten oder gar den Säbel hauen und die Flinte schießen zu lassen! Was aber haben die Wahlrechtsfteunde des Freisinns und Zentrums in Wirklichkeit getan? Sie haben auf die Sozialdemokratie geschimpft, gegen die Wahlrechtsdemonstration gehetzt und ge- schmäht, zum Teil in einer Weise, auf die Blätter von: Schlage der„Post" und der„Tägl. Rdsch." hätten neidisch werden können. So hätten Freisinn und Zentrum damals handeln müssen, wenn es ihnen ntit ihren Wahlrechtsforderungen ernst gewesen wäre. So müßte» sie jetzt vorgehen, wenn es sich bei ihnen nicht um Durchsetzung kleinlichster Sonderinteressen handelte, bei denen die Arbeiterschaft abermals der geprellte Teil sein wird. Und die Methode, die der Freisinn nunmehr eingeschlagen hat, um die WaBlreform zu erlangen? Er hat sich der Re- aktion, den O e r t e l und Arendt an den Hals geworfen, hat uferlose koloniale Kredite bewilligt, hat seinen Kampf gegen den Brot- und Fleischwucher bis zum Säuseln herab- gestimmt. Er hat sich zum Handlanger der Reaktion er- niedrigt. Und dabei bilden sich Illusionisten vom Schlage eines Naumann noch ein, diese konservative Reattion werde für demokratische Konzessionen zu haben sein, werde auch nur der Verpfaffung und Verbyzantinisierung der Volksschulen steuern l Die preußische Wahlreform wird im günstigsten Falle der liberalen Bourgeoisie zugute kommen. Die Massen des ent- rechteten Volkes werden mit einigen kümmerlichen Almosen abgespeist werden. Dafür aber wird obendrein die zoll- wucherische und militaristische Reaktion im Reiche noch mehr gestärtt werden. Sache der Arbeiterklasse, der Entrechteten aller Parteien selb st ist es, Freisinn und Zentrum vorwärts zu treiben, oder diesen Wahlrechtsheuchlern die Larve rücksichtslos vom Gesicht zu reißen! Koloniale Hunnenmoral. Gegen die Peters-Verherrlichung des Lic theol. Rohrbach in der„Hilfe" erhebt ein Herr L i c d t k e geharnischten Einspruch in demselben Blatte. Er schreibt dort: „Mit Erstaunen, wenn nicht mit Entrüstung, werden die meisten Leser die Beurteilung gelesen haben, die der Prozetz Peters in diesem Blatt von feiten des Dr. Rohrbach gefunden hat. Selbstverständlich ist es nötig, daß sie nicht ohne Widerspruch ans dem Leserkreise heraus bleibt. Denn vom einseittgen, nicht unbeteiligten Standpunkt eines Lftikaners aus geschrieben, berücksichtigt diese in keiner Weise die Feststellung des Urteils des Schöffengerichts wie der Disziplinargerichte. Wie sieht nun die R e ch t f e r t i g u n g des PeterS nach der neuen Verhandlung aus? ES ist lediglich eine Verurteilung des Redakteurs Gruber wegen formaler Beleidigung erfolgt. Rohrbach wird doch wohl kaum geglaubt haben, daß wegen nicht zu beweisender Ausdrücke, wie«s a d i st i s ch e Perversität". eine völlige Freisprechung erfolgen würde. ES ist ferner eine Bestrafung wegen Verleumdung abgelehnt und der Schutz der Bertretung berechtigter Interessen, eine Seltenheit, zugebilligt, alles nicht schmeichelhaft für Peters. Als Ergebnis des neuen Verfahrens läßt sich hinsichtlich Peters folgendes feststellen: 1. Das Schöffengericht hat allerdings angenommen, PeterS habe geglaubt, bei der Hinrichtung der Jagodja und des Mabruk rechtmäßig zu handeln. Damit ist für Peters aber durchaus nicht viel gewonnen, denn ein solcher Glaube, ein solcher Irrtum über die Rechtmäßigkeit seines Tuns, schützt einen Angeklagten nicht vor Strafe. Peters wäre also doch straffällig. Ferner hat das Gericht betont, daß es sich durchaus kein Urteil darüber anmaßen wolle, ob in Wirklichkeit jene Hinrichtungen auch berechtigt oder auch nur angemessen gewesen seien. Außerdem hat es hervor- gehoben, daß das seiner Beurteilung zugrunde liegende Material nur lückenhaft gewesen sei, daß vor allem Zeugen ge- fehlt hätten, die im Verfahren vor den Disziplinar- behörden vorhanden gewesen seien. Jene Annahme des Schöffengerichts verliert also völlig den Wert. 2. Im Fall Mabruk hat daS Gericht die Möglichkeit des Vorliegens geschlechtlicher Motive bejaht. Die anderen Behauptungen der Peterspresse sind völlig unrichtig. Das Schöffen- gericht ist in diesem Punkte zum selben Ergebnis gekommen loie der Disziplinarhof. Auch er hat nur von einem„Verdacht" ge- sprochen und zwar auch nur im Falle„Mabruk", nicht im Falle„Jagodja". Des weiteren beschäftigt sich Liedtke noch mit den anderen Heldentaten des Peters, seinen Brutalitäten während der Emin Pascha-Expedition, wo er einen friedlichen Hirten einfach niederknallen ließ, wo er Eingeborene „irrtümlicherweise"„wie Spatzen" von den Bäumen schoß usw. Bezeichnend für die koloniale Sittenver wilde- r u n g ist es.min, daß Herr R 0 h r b a ch in einer langen, nichtssagenden Entgegnung abermals einen Hymnus auf das koloniale Hcrrennienschentum anstimmt. Er prophezeit, daß Deutschland demnächst seinen Kolonien- Eroberern nicht nur in Worten, sondern auch in„Stein und Erz" Denkmäler errichten werde. Ja,„auf die Ge- fahr hin, neuer Eiftrüstung zu begegnen", wage er die Prophezeiung,„daß von diesen Denkmälern auch dem Dr. Peters eins zuteil werden wird." „In dem einen Falle wird allein schon die Dankbarkeit gegen den. der uns Ostasrika erworben hat, dazu geneigt machen, Schwäche» des Mannes in milderem Lichte erscheinen zu lassen, und ebenso wird auf der anderen Seite der grundsätzliche Ziveifel an der kolonialen Herrlichkeit ein Stück von dem allgemeinen Mißbehagen über unsere Festlegung in Aftika auch auf da» Urteil über den„Gewaltmenschen" übertragen, der uns daS Haupt stück daran eingebrockt' hat. Aber wenn PeterS Amerika entdeckt hätte, anstatt daß er uns Ostaftika erworben, so würden ihm auch seine Feinde nach hundert Jahren alle seine Taten vergessen, so gut, ivie man sie dem Kolumbus vergessen hat, der, auch mit dem Maßstab jener Zeit gemessen, keine humaneren und liebenswürdigeren Züge an sich trug als Dr. Peters." Der ehemalige Theologe eröffnet uns da die reizendsten Kulturperspektiven. Er vertritt die waschechteste„Jesuiten- moral", daß ein Mensch nicht nach dem Charakter seiner Taten beurteilt werden dürfe, sondern nach seinen„Erfolgen". Rohrbach scheut sich auch nicht, folgenden Satz zu Papier zu bringen: „Die schonende Eingedorenenpolitik in Südwestafrika hat uns weit über tausend Soldaten und Ansiedler und beinahe eine halbe Milliarde Mark gekostet— und außerdem den HereroS ihr Land, ihr Vieh, ihre Freiheit mrd die Hälfte ihrer Volkszahl." Also die Trot hasche Ausrottungsstrategie, die die Hereros dezimierte, war„schonende Eingeborenen- bchandlung". Der schnöde Land- und Viehranb an den Ein- geborenen, ihre Mißhandlung und Entrechtlnig, alle die Rück- sichtslosigkeiten gegen die dem Schutz des Deutschen Reichs unterstellten Eingeborenen, die Herero und Hottentotten zum verzweifelten Widerstand aufreizten— all das war allzu „schonende Eingeborenenpoliti k". Der Hänge- Peters dürfte nicht verfehlen, sich diesen theologischen Verfechter der kolonialen Herrenmoral bei seinem nächsten Prozeß als„Sachverständigen" zuzulegen. Das blnttünstige Hcrrenmenschentum dieses KonquistadorcS könnte kaum einen wärmeren Fürsprecher finden!— Staatsbetriebe und Frivaflnduttrie. Aus Zürich wird uns geschrieben: Im allgemeinen verfolgen auch in der Schweiz Staat unk» Gemeinden die Tendenz, mit Rücksicht auf die Konkurrenzfähigkeit, wie man so schön und doch im Grunde so unzutreffend zu sagen pflegt, keine besseren und sehr oft schlechtere Arbeitsverhält- »ffse zu gewähren als die Privatbetriebe. Wo von dieser Regel eine Ausnahme gemacht wird, da geschieht es meistens nur unter dem Einflüsse der zu einer Macht gewordenen Arbeiterschaft und ihrer Vertretungen in den Behörden, manchmal auch auf Initiative bürgerlicher PoKtiker, die hie und da einmal gerne in Arbeiter» freundlichkeit erstrahlen möchten oder es nötig haben, ihren Sessel zu festigen. Jene Tendenz läßt sich insbesondere bei den schweizeri» schen Bundesbahnen nachweisen, zum Aergernis für alle, die von der Verstaatlichung der Eisenbahnen für deren Arbeiter und An» gestellte bessere Arbeitsverhältnisse erhofft haben. Ist doch seit Jahren immer und immer wieder z. B. darauf hingewiesen worden, daß die Arbeiter und Angestellten der Gotthardbahn, die sich noch in Privathänden befindet, sich fast durchwegs besser stehen als ihre Arbeitskollegen von den Bundesbahnen, weshalb auch ein beständiges Hin- und Herhandeln zwischen den Organen der Bundesbahnen und den verschiedenen Arbeiterkategorien«1 verzeichnet ist." Der Erfolg ist für die Arbeiter tneistenS gleich Null. Die Privatunternehmer sind natürlich über die bei den Staats- Und Gemcindcbetriebcn vorherrschende Tendenz höchlichst entzückt. Sic wachen aber auch mit Argusaugen darüber, daß die Arbeiter dieser Betriebe vor den ihrigen nichts voraushaben, und ihre Vertreter in den Behörden geben sich— wie unter anderem die Verhandlungen des Zürcher Stadtrats über den Keunstundcn- tag und den Minimallchn der Gcmeindearbciter gezeigt haben— redlich Mühe, jeden Fortschritt zu unterbinden. Die Privat- Unternehmer gehen aber noch weiter: sie scheuen sich nicht, sobald ihnen von beabsichtigten Verbesserungen der Arbeitsverhältnisse in Staats- oder Gemeindebetrieben etloaS zu Ohren kommt, direkt zu nngnnsten der Arbeiter zu intervenieren! vis jetzt hatte man aller- ding? für dergleichen Interventionen keinerlei Beweise, man konnte sie nur aus manchem merkiviirdigen„Zusammentreffen" vermuten. Der soeben erschienene Bericht deS ArveitgeberverbmrdeS schweizerischer Maschiiieniitdustrieller liesert nun aber auch den lange vermißten B e lv e i S. Dieser Bericht beschäftigt sich in längeren Ausführungen mit der Verwaltung der Bundesbahnen und beklagt sich darüber, das; diese die Existenz der Privatindustrie erschweren,„da ihnen als staatlichem Organ Konzessionen mit Rücksicht ans die Arbeitszeit natürlich viel leichter fallen als denen, die sich daran? ergebende materielle Ein- büßen persönlich zu spüren bekommen und die mitten im industriellen Wettkampf mit dem In- und Auslände stcheli". Den Grund zu diesen Klagen bildet die von den Arbeitern nach langen Kämpfen endlich durchgesetzte Einführung der'>4stündlgen Arbeits- zeit für die Werkstättcnarbeiter der schweizerischen Bundesbahnen. Diesen Schritt hat, wie aus dem Berichte hervorgeht, der Vorstand des ArbeitgeberverbandeS zu verhindern beschlossen! Glück- lichcrweisc ohne Erfolg. Der Bericht führt darüber aus:„Es ist selbstverständlich, daß die Arbeiiszcitverhültnisse in staatlichen Be- trieben eine intensive Rückwirkung ausüben auf die Kämpfe um die Arbeitszeit in der Privatindustrie, und es wäre zu erwarten, daß jene Betriebe hierauf einigermaßen Rücksicht nehmen. Wir verlangen nicht, daß der Staat im Kampfe um die Arbeitszeit sich auf die Seite der Slrbeitgeber stelle, aber wir protestieren dagegen, daß der Staat die Arbeiterorganisationen durch solche Stellung- nähme zu unaufhörlichem Kampfe um Reduktion der Arbeitszeit geradezu einlädt." Der Standpunkt, daß der Staat zur Wahrung der Jntercffen der Privatindustrie da sei, ist in ebenso unverblümter Weise in der letzten Session des N a t i o n a l r a t s zum Ausdruck gebracht worden. Die Veranlassung hierzu war folgende: Seit 1873 werden in der Schweiz sämtliche Linienbauten und Reparaturen des Tele- graphen und Telephons in staatlicher Regie ausgeführt. Man hat damit die besten Erfahrungen gemacht. Jede Linie verfügt über ständige, geschulte Arbeiter, sodaß es möglich ist, Schäden sofort zu heben. Der Bau ist ein durchaus einheitlicher, und Pfuscharbeit ist so gut wie ausgeschlossen. Dieser Regiebetrieb ist aber der Privatindustrie ein Dorn im Auge; sie möchte am Bau nnd Unter- halt der Telegraphen- und Telephonlinien auch gern etwas vcr- dienen. ES wurde deshalb in der Dezembersession von 19W anläß- lich der Budgetberatung ein Postulat gestellt und angenommen, das die Uebertragung deS Baues einiger Telegraphen- und Telephon- linien an die P r i v a t i n d u st r i e zum Zwecke hatte, unter Vor- behalt der Materiallieferung durch den Bund. Mit Botschaft vom 13. März ILM beantragte aber der Bundesrat die A b w e i s u n g deS Postulats, weil die Uebertragung des Baues an die Private Industrie die Solidität der Anlagen und die Sicherheit des Verkehrs beeinträchtigen müßte. Dieses Argument allein schon hätte genügt, die im National- rat sitzenden Privatindustriellen in Aufregung zu bringen. Die Botschaft enthält aber noch andere Argumente. Sie sagt, die Herren Unternehmer könnten, im Bestreben, möglichst rasch und möglichst viel zu verdienen, leicht Pfuscharbeit liesern. Und dann heißt es in der Batschaft wörtlich:„Der Unternehmer kennt selbstredend kein anderes Interesse als das seinige. Er wird aus jedem Unternehmen einen möglichst großen finanziellen Gewinn zu erzielen suchen, und dies wird er eben nur erreichen bei hohen Einheitspreisen und indem er sein Arbeitspersvnal besser ausnutzt oder ausbeutet, als die Borschriften Über das Anstcllungsvcr- hältniS der Telegraphen- und Telephsnarbeiter eS dieser Berwaltung gestatten. Bei ihr fällt der Untcrnehmergcwinn weg, resp. er kommt größtenteils in Form höherer Löhne den Arbeitern zugute. Denn wenn wir die Arbeitsbedingungen der Unternehmer untersuchen, indem wir die von ihnen bezahlten Löhne mit denjenigen der Tele- graphenverwaltung in Vergleich bringen, so bestätigt sich die An- ficht, daß es in der Hauptsache die starke und vorübergehende Heran- ziehung und Wiederabstoßung billiger Arbeitskräfte ist, die hohen Gewinn deS Arbeitgebers ermöglichen. Wie gezeigt, sind jedoch für die besonderen, mit Gefahren verbundenen Arbeiten der Tele- graphenverwaltung nur die besten Arbeiter gut genug. Sie sollen daher auch den verdienten Lohn für ihre Arbeit ganz erhalten und nicht eine» gewissen Prozentsatz davon einem Dritten abtreten müssen." So verständige Wahrheiten in einem amtlichen Bericht, das war für die Privatindustriellen, die vom Staate den Schutz ihrer Interessen erwarten, ein zu starker Verstoß gegen den heiligen Geist des Kapitalismus. Tie drei Größten der kapitalistischen Hierarchie, der Maschinenkönig Sulzer, der Wasserkraftverschacherer Zschotke und der Finanzkünztler Speiser, liefen Sturm gegen die einsichtigen Ausführungen, und da sie nicht glauben mochten, daß der Bundes- rat selbst sich solcher Ketzereien könne schuldig gemacht haben, so schrieben sie sie einem Beamten zu nnd verlangten energisch, daß der Bundesrat solchen„Schreibern" künftig etwas besser auf die Fingern sehe! Leider lveiß man nicht, wer die„Schuld" daran trügt, daß solche derbe Wahrheiten in einer Botschaft des schweizc- rischen Bundesrate» zu finden sind. Bundesrat Zemp gab die Ver- sicheruiig ab, daß der Passus nicht gegen die Unternehmer im allgc- meinen, sondern nur gegen die Telcgraphcnlcitungs-Akkordanten — nicht Sozialdemokrat, sondern Mit- glicd der Freisinnigen Vereinigung seit ihrer Gründung. Richtig ist, daß ich in der Stich- wähl dem Sozialdemokraten gegen den Rechtsnational«- liberalen(gemeint ist Bartling) meine Stimme gegeben habe. Um so befremdlicher erscheint der Mißgriff des Reichspost- amts. Die Stelle des hiesigen Postarztcs ist inzwischen durch den Leipziger Verband gesperrt worden." Die„Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht die Zuschrift eines konservativen Arztes, der sich durchaus für das Recht einer Behörde ausspricht, sozialdemokratische Vertrauensärzte zu maßregeln. Dieser Standpunkt ist wenigstens insofern kon- sequent, als der Arzt seinen Kollegen kein Standesvor- recht eingeräumt wissen will. Wie für die Arbeiter in Staatsbetrieben soll auch fiir die A e r z t e der Satz gelten, daß sie ihre politische„Ueberzeugung" nach den Wünschen ihrer„Brot- geber" einzurichten haben. Ist's gleich der Standpunkt des Lakaien, so hat es wenigstens Methode! Das offiziöse Hetzblatt beschönigt die Maßregelung mit dem Argument, daß ein„Parteifanatiker" als Arzt auch seine Patienten„politisch beeinflussen" könne. Danach mühte den Aerzten überhaupt das Recht aberkannt werden, eine politische Meinung zu vertreten. Oder dürfen konservative Acrzte eine politische Beeinflussung ausüben?! Das„Berliner Tageblatt" schreibt: „Es ist eine grob« Ungehörigkeit, wenn irgendein Vorgesetzter oder Arbeitgeber herumschnüffelt, um zu erfahren, wie seine Untergebenen und Beamten gestimmt haben. Bei den allgemeinen Wahlen sind auch die Beamten nicht dienstlich tätig, sondern sie erfüllen ihre stattsbüraerliche Pflicht in voller Unabhängigkeit nach ihrer eigenen lieber- zcugung. Will sich ein Vorgesetzter als politischer Kontrolleur aufspielen, so verdient er mit aller Ent- schiedenheit in seine Schranken gewiesen zu werden. Nur dann könnte sich die Behörde mit Recht beschweren, wenn irgendein Beamter seine Stellung dazu miß- brauchte, um in seiner amtlichen Tätigkeit für seine po- litische Ueberzeugung Propaganda zu machen. Sonst aber ge- bührt dem Vorgesetzten, der nach der Abstimmung seiner Unter- gcbcnen schnüffelt, ein Denkzettel. Tns sagen wir von der schärfsten Opposition, mag es sich um Zentrum oder Sozialdemokratie handeln." Das ist ja sehr hübsch. Hoffentlich setzt es aber der Freisinn im preußischen Landtag durch, daß künstig auch den Staats- arbeitern nicht mehr wie bisher das Koalitionsrecht unterbunden wird, daß auch keinerlei politische Maßregelungen mehr vor- kommen. Als Regierungspartei hat doch der Freisinn ein Anrecht darauf, seine Wünsche respektiert zu sehen!— Hanswurst nnd Menschenfreund. Die„Post" entdeckt, daß die„Sachs. Arbciter-Ztg." über Kar- funkelstern ganz anders gcurteilt habe, wie der„Vorwärts". Der„Vorwärts" habe Karsunkelstein einen politischen Hanswurst genannt, während die„Sächs. Arbeiter-Ztg." ihm jseine Menschen- frcundlichkeit attestiert habe. Wir vermögen da einen Widerspruch nicht zu entdecken. Es kann jemand ein wohlmeinender Menschenfreund sein und doch zugleich ein politischer Hanswurst. Womit wir freilich nicht be- haupten wollen, daß die politischen Hanswurste des KronSbein- Blattes nun auch Menschenfreunde wären!— Sächsischer Nationalliberalismus. Der neue sächsische Wahlgesetzentwurf hat Gnade gefunden vor den Augen— der sächsischen Nationalliberalen. Während die konservative Landtagsfraktion am letzten Sonnabend den Entwurf scharf zurück- gewiesen hat, faßte am Sonntag eine Sitzung des nationalliberalen Landesausschusses für daS Königreich Sachsen, an der auch die Land- tagsabgeordneten Gontard. Dr. Schill, Ehret, Müller. Laiighammcr, Schicck, Kretschmar, Popitz, Rühlemann, Merkel und Ncidhardt teil- nahmen, einstimmig folgenden Beschluß: „An dem am 6. Juli d. I. veröffentlichten Wahlgesetzeniwurf der Sächsischen Staatsregierung erkennt der Nationalliberale Landesverein für das Königreich Sachsen an, daß durch die Be- scitigung der Unterscheidung zwischen städtischen und ländlichen Wahlkreisen und die Sicherung einer gerechten Wahlkreisein- teilung, sowie durch die Abschaffung der indirekten Wahl zwei seiner bisherigen Forderungen befriedigt werden sollen; er erklärt sich auch, an seinem Beschlüsse vom 24. Januar 1904 festhaltend, mit einem gemäßigten Pluralwahrechte, wie es der Entwurf, wenn auch nur für einen Teil der Abgeordnetenwahlen, borsieht, grundsätzlich einverstanden, verhehlt jedoch nicht seinen Widerspruch gegen mehrere Einzelheiten. Dafür, daß durch Vcr- hältniswahlen den Minderheiten eine entsprechende Vertretung im Landtage gewährt wird, tritt er ein, hält aber den Vorschlag der Regierung für keine glückliche Lösung dieser Auf- gäbe. Vor allem aber bat er gegen die Uebertragung des einen Teils der Wahlen an die Kommunalverbände und die dadurch herbeigeführte Spaltung der Zweiten Kammer in zwei ihrem innersten Wesen nach verschiedene Gruppen von Abgeordneten so schwere Bedenken, daß er dem Entwurf in der vorliegenden Form nicht zuzustimmen vermag." Selbstverständlich finden auch die Nationalliberalen Einiges an dem Wahlrechtsentwurf auszusetzen— schon aus taktischen Gründen; im ganzen aber sind sie, wieder Beschluß erkennen läßt, mit der Hohcnthalschen Leistung einverstanden. Zieht man die Eigen- ort des Nationalliberalismus in Betracht, erscheint diese Haltung begreiflich. Die Annahme des Wahlrechtsentwurfs würde voraus- sichtlich die Wirkung haben, daß der sächsische NationallibcralismuS einige Mandate auf Kosten der Konservativen gewinnt, und diese wahrscheinliche Vergrößerung ihrer Landtagsfraktion sticht den großen GenieS, die in Sachsen�nationallibcrale Führer spielen, allem Anschein nach gewaltig in die Nase.— Zum Tucker-Bricf. Genosse Bebel sendet unS folgende Zeilen mit dem Ersuchen um Veröffentlichung: Ich lese nachträglich in der„Leipz. Volksztg.", daß der Ver- treter der„Franks. Zeitung" in New Aork seinem Blatte die Mit- teilung gemacht habe, der Afrikareisende Giesebrecht habe ihm in beziig auf den sogeuaiinten Tucker-Brief unter anderem gesagt: „Er, Giesebreckt, sei am 12. März 1896 mit einem bekannten Afrikaforscher und späteren hohen Beamte« des Kolonialamts zusammen in Berlin gewesen. Der Afrikaforscher erzählte Giesebrecht dabei, nunmehr gehe eS PeterS an den Kragen. Er habe In- iormationen des"Auswärtigen AinteS. Deren Niederschrift über- brachte Giesebrecht dem Abgeordneten Bebel und dieser habe auf Grund der darin eiithalleiieii Aeußerungen irrtümlich geglaubt, im Besitze eincS Briefes von PeterS an den Bischof zu sein, was nicht beabsichtigt war." Gegenüber dicsein Versuch GiescbrechtS, mich in dieser Affäre in einer etwas seltsamen Rolle erscheinen zu lasten, stelle ich fest, daß meine Milteilnngen in der PcterS-Assäre nicht von Giesebrecht herrühren, daß er kein Gewährsmann für mich war und daß, wie die Berichte über die ReichZtagsverhandlungen vom 13. bis 16. März 1896 ausweisen, der sog. Tucker-Brief von mir in der Form voll- inhaltlich mitgeteilt wurde, wie er mir von meinem Gewährsinanr übergeben worden war._ Ans der militärischen Ferienkolonie. Vor dem Brcslauer Oberkriegsgericht des VI. Armeekorps als Bcrufuiigsiiistanz unter Vorsitz des Oberstleutnants von Henk stand angeklagt der Pionier Walter S ch i n k e vom Schlesischen Pionierbataillon Nr. 6 in N e i s s e eines bunten Straußes von Straftaten wegen: der Gehorsamsverweigerung, Ächtungsverlctzung, Beleidigung Vorgesetzter usw. DaS Kriegsgericht der zwölften Division zu Neisse verurteilte ihn zu einem Jahre und einen Monat Gefängnis. Auf Befehle von Vorgesetzten hatte er entgegnet:„Als Mensch kommt man hierher, als Schwein 'wird man behandelt, bringt mich ins Zuchthaus oder in die Arbeiterabteilung nach Königsberg, für die Tiere gibt es einen Schutzverein, für mich nicht, ich will lieber bei Wasser und Brot sitzen als hier sein. Ich bin nicht geboren zum Militärleben, ich Hab eS satt, ich mache was ich will und fürchte mich nicht vor Vor- gesetzten." Auf eine Frage, warum seine Backe rot sei, sagte er, daS ist die Ehre des Herrn Hauptmann, er hat mir mit dem Kolben die Fresse so poliert. Zu seinen Kameraden sagte er:„Ihr seid schön dumm, Euch von Unteroffizieren so viel sagen zu lassen, wenn ein Unteroffizier reinkommt, macht Ihr die Tür auf und kriecht ihm in den Arsch, Ihr seid Scheißkerle, ich würde das nicht tun." Der Gcrichtshcrr forderte strengere Bestrafung. KricgsgerichtSrat GeiSlcr als Anklagevertreter beantragte, da der Mann die Disziplin in ganz schlimmer Weise gefährdet, e i n Jahr sechs Monate Gefängnis. Das Obcrkricgsgcricht erkannte auf die horrende Strafe von zwei Jahren Gefängnis. Wie mag der Mann, che er seinen Aerger in solchen Acuße- rungen ausließ, gereizt worden sein?— Ostelbische Schulpaläste. Aus Landsberg a. W. wird det „Frankfurter Zeitung" geschrieben: Eines Kulturstaatcs unwürdige Schulvcrhältnisse herrschen teilweise noch in der Neumark. So befindet sich in Bato(Kreis Soldin) Lehrerwohnung, Schulzimmcr und Schweinestall unter einem Dache, nur durch eine dünne Wand getrennt. Zeitweise herrscht in den Schulräumcn dadurch ein solcher Geruch, daß es Lehrer und Scküler nicht gushalten könnenl—-_ Oeftermeb. Ein Lneger'scher Bluff. Wien, 16. Juli.(W. T. B.) Im Abgeordnetenhaus be« gründete der Abgeordnete L u e g c r einen Antrag auf Einsetzung eines Jubiläumsausschusses, der über die Art und Weise, wie der Staat das einzig dastehende Jubiläum deS Kaisers mitfeiern soll, zu beraten und Bericht zu erstatten hat. Nach der Ansicht des Redners müßte diese Feier des Staates darin bestehen, daß sie allen Völkern und allen Ständen entspreche, weshalb er im Au,"- schuß beantrage, der Staat möge hundert Millionen alS Stammkapital fiir eine Alters- und Jnvaliditätsvcrsichcrung spenden. (Langanhaltender, stürmischer Beifall, Händeklatschen im ganzen Haus.) Diese Institution müsse sich auf alle arbeitenden Stände, auf das Gewerbe und den Bauernstand erstrecken(lebhafter Beifall), und solle aus ewige Zeiten mit dem Namen des Kaisers ver- Kunden sein, der allen Völkern und allen Untertanen das Wahlrecht gegeben habe. Der Kaiser solle ein Kaiser aller Völker und aller Menschen sein, welche in seinem Reiche wohnen.(Anhaltender Beifall.) Der Antrag Luegcr wird unter lebhaftem Beifall ein- stimmig angenommen. Das Haus nimmt hierauf die erste Lesung des Gesetzentwurfes betreffend die Ausprägung von Jubiläums- münzen vor. Der Abgeordnete M a l i k erklärt, die Alldeutschen hätten keinen Grund, sich der Jubiläumsstimmung anzuschließen; sie empfinden mit Groll und Verbitterung das ununterbrochene Zurückdrängen des Deutschtums in den letzten sechzig Jahren in- folge der österreichischen Ncgicrungspolitik. Die Inschrift der JubiläuinSmunze müßte heißen: i n i s u 5 t r i s c", das heißt „Ende Dcutschöstcrreichs". Der Finanzminister spricht dann unter dem stürmischen Beifall deS Hauses seine Empörung und Ent- rüstung darüber aus, daß im österreichischen Parlament eine der- artige Rede gehalten werden konnte. Der Vizepräsident Zacek erteilt dem Abgeordneten Mali! nachträglich einen Ordnungsruf wegen ungebührlichen Hereinziehens der Krone in die Debatte, wogegen Mali! am Schluß der Sitzung protestiert. Hierauf wurde der Gesetzentwurf dem Vudgctausschuß überwiesen. Die nächste Sitzung findet Donnerstag statt. Der gute Lueger versteht es noch immer meisterhaft, sich in Szene zu setzen, so meisterhaft, daß er mit seinen überraschenden Ideen ein ganzes Parlament zu verblüffen weiß. Sonst wäre eS ihm wohl schwerlich gelungen, mit seinem Hundertmillionenprojckt dem Fünfhundertmännerhau? so gewaltig zu imponieren, Norwegern Das rote Gespenst. � Das norwegische Storthing hat am S. d. M. eine viertägige Debatte beendet, in der die Furcht vor dem Sozialismus wieder einmal dazu dienen muhte, der Regierung ein Vertrauensvotum zu verschaffen, und zwar dafür, daß sie wichtige Interessen des Volkes und Staates, ohne das Storthing zu befragen, dem Ka- pitalismus preisgab!— Im September vorigen Jahres erteilte die Regierung ganz eigenmächtig der ineist mit englischem Kapital arbeitenden „Glommens Betriebsbesiper-Vereinigung" eine Konzession zur Regulierung des großen Wasserlaufs des Mjönsen und damit auch das Verfügungsrecht über das Staatseigentum SundfoZdammen. Diese Konzession soll dazu dienen, die starken Wasserfälle weit mehr als bisher zur Erzeugung elektrischer Kraft auszunutzen, wodurch die Kapitalisten, denen damit für gröhe Teile des Landes ein Monopol geschaffen wird, Millionen verdienen. Konimuuen und Privatleute, ja selbst der Staat würden nun, wenn z. B. elek- trtscher Betrieb der Eisenbahnen eingeführt werden sollte, in ihrem Bedarf an Elektrizität von jenen Kapitalisten abhängig gemacht I Wie unser Parteigenosse K n u d s e n in der StorthingSdebatte erwähnte, hat übrigens die„Glommens Wasserfallkompagnie" der Stadt Christiania schon im April vorigen JahreS ein Angebot elektrischer Kraft gemacht, bei dem die Konzxssion, die doch erst fünf Monate später erteilt worden ist, als schön gegeben voraus« gesetzt wurde! Die Kapitalisten waren also schon damals ihrer Beute sicher.— Vom September vorigen Jahres bis Ende Juni 1907 hat sich nun ein Spczialkomitee des Storthings mit der Angelegenheit be- faßt. Anfänglich waren 7 der 9 Komiteemitglieder der Ansicht, daß die Regierung die Konzession als ungesetzlich zurückziehen müsse. Dann knüpfte die Kapitalistengesellschaft mit einzelnen Komitee- niitgliedern„Verhandlungen" an und machte einige kleine Zuge- ständnisse, erklärte sich unter anderem bereit, dem Staat für Sundfosdammen 159 999 Kronen zu zahlen. Die Folge war, daß schließlich 4 Komiteemitglieder dem Storthing vorschlugen, die Kon- zession gutzuheißen, während die Komiteemchrheit nicht dafür zu haben war. Das Ministerium Michclsen, pochend auf feine durch die Unionsauflösung erlangte Popu- larität, machte aber ans der Sache eine Kabinetts- frage. In der bekannten Weise wurden diejenigen Libe- ralen, die nicht mit der Regierung gehen wollten, als Halbsozialisten hingestellt und so ist es denn schließlich dem Ministerium gelungen, sich auch bei dieser Sache wieder ein Vertrauensvotum zu verschaffen: Mit 93 gegen 99 Stimmen sprach sich das Storthing für die Anerkennung der Konzession aus! Einem Antrage unseres Genossen Erikfen: das Storthing möge sein Bedauern darüber aussprechen, daß die Regierung, ohne das Storthing zu fragen, die Konzcssion erteilte, stimmten außer den 19 Sozialdemokraten nur 38 Liberale zu; dagegen wurden 75 Stimnicn abgegeben. Uebrigens ließen unsere Genossen die liberalen Gegner des Mini- stcriums nicht darüber in Aweifel, daß sie auch von einer Linken- rcgierung keine Förderung ihrer Programmforderung erwarten.— Amerika. Zum Prozeß in Idaho wird berichtet, daß die Verteidiger deS Angeklagten Haywood beabsichtigen, die geistige Zurcchnungsfähigkeit des StaatSzeugen Orchard anzuzweifeln. Die ungeheuerlichen Be- hauptungen Orchards, feine zahlreichen Verbrechen sowie die neu- entdeckte Tatsache, baß'seine Großmutter dem Wahnsinn verfallen war, gaben die Veranlassung zu dem Vorgehen der Verteidiger.— Der Stand der Finanzen. Das letzte Fiskaljahr der Vereinigten Staaten war außer- ordentlich günstig. Die Gesamteinnahmen betrugen 965 399 134 Dollar; davon entfallen auf Zolleinnahmcn 333 239129, auf Steuer- einnahmen 279 399 333 Dollar, der Rest fetzt sich aus verschiedenen Einnahmequellen zusammen. So hohe Gesamteinahmen sind bisher noch in keinem Jahre erreicht worden. Die Ausgaben beliefen sich auf 578 399 592 Dollar, also ist das Ergebnis des Jahres ein Ueberschuß von 89 945 542 Dollar. Die Bundesschuld betrug am 39. Juni 1997 abzüglich des istl Staats- schätz vorhandenen Barvorrates 878 599 755 Dollar. Sie russische Revolution. Der verlängerte„Schutz�. Petersburg, 17. Juli.(W. Z. B. Meldung der Peters- burger Telegraphcnagentur). Ein kaiserlicher Ukas ordnet die Verlängerung des Zustandes des verstärkten Schutzes für Petersburg vom 21. Juli ab für weitere sechs Monate an. Anlcihc-Manöver. Petersburg, den 17. Juli.v a h l(Referent Genosse Wels), der Parteitag in Essen(Referent Genosse Faber), Gesinderecht (Referent Genosse Stadthagen). Anträge für die Provinzialkonfcrcnz sind bis zum 15. Augnst an Leo Zucht, Berlin. Keibelstr. 42, einzusenden. Zum internationalc» Kongreß in Stuttgart liefert die neueste Nummer der„Neuen Zeit" reichhaltiges Material, auf da? wir die Genossen besonders aufmerksam machen möchten. Bereits der Amsterdamer Kongreß hatte sich mit d.er Frage befaßt, welche Stellung das internationale sozialistische Proletariat zu der Ein- und Auswanderung zu nehmen habe, d. h. ob es sich mit dem internationalen Charakter des Sozialismus, feinem Bestreben, das Kulturniveau der Arbeiter in allen Staaten möglichst zu heben, vereinbaren lasse, für eine gesetzliche Beschränkung der Ein- Wanderung aus kulturell rückständigen Ländern einzutreten. Eine mit der Vorberatnng der Frage betraute Kommission hatte eine Resolution vorgeschlagen, die ein Eintreten für eine gesetzliche Behinderung der Einwanderung prinzipiell ablehnte. Die Delegierten Amerikas, Hollands und Australiens hatten diesen Standpunkt gegen- über den farbigen Nassen ihrer kulturellen Nückständigkeit wegen an- gefochten. Die Frage wurde vertagt und dem Stuttgarter Kongreß überwiesen, auf dessen Tagesordnung sie steht. Die „Neue Zeit" veröffentlicht mm in ihrer Nr. 41 das reichhaltige Tatsachenmaterial über„die fremden Arbeitskräfte und die Gesetzgebung der verschiedenen Länder" in Bezug auf Ein- und Auswanderung, das Genosse Schippe! im Auftrage des Parteivorstandes zusammengetragen hat. Diese Arbeit bietet auf den 94 Seiten einen wichtigen Veitrag zu dem in Frage stehenden internationalen Problem. Die Wichtigkeit der Frage und ihre prinzipiellen Seiten werden außerdem in dem gleichen Heft der „Neuen Zeit" in zwei trefflich orientierenden Artikeln von Otto Bauer(Proletarische Wanderungen) und Dr. Karl Vornberg- New Uork(Die Feinde der Einwanderung) behandelt. Allen Genossen, die sich mit der bedeutsamen Frage näher beschäftigen wollen, ist deshalb die Lektüre der genannten Arbeiten dringend zu empfehlen._ Das neue Partciheim in Halle a. S. Aus Halle wird uns geschrieben: Man muß die Anfänge der Parteibcwegung hier kennen und miterlebt haben, um die Freude der Hallenser Arbeiterschaft würdigen zu können, die sie in ihrem neuen Heim empfinden. So wie in anderen Städten, haben auch in Halle zum nicht geringen Teil Bürgerschaft und Militär zur Selbständigmachung der Ar- beiterschaft beigetragen. Wer kennt nicht die skandalösen Vcr- folgungen, die unsere Partei hier unter dem Schandgesetz zu er- leiden hatte! Selbst alle kleineren Lokale waren der Arbeiter- schaft früher verschlossen, und wenn die Parteigenossen eine Sitzung abhalten wollten, dann mußten sie gar oft— zuweilen schon, um der Polizei ein Schnippchen zu schlagen— in aller Morgenfrühe nach einem bei Halle gelegenen Wäldchen laufen. Ja, es war in den Zeiten der Verfolgung sogar soweit gekommen, daß man sich, um eine Sitzung abhalten zu können, auf der Saale eine— Gondel mietete und dann auf offenem Wasser— wir bekennen es jetzt zu„unserer Schande"— unter freiem Himmel und ohne Polizeierlaubnis„Versammlungen abhielt"! Unsere Zukunft lag auf dem Wasser. Heute ist's anders. Die Partei paßt nicht mehr in eine Saale- gondcl. Dank den Verfolgungen unserer Gegner steht sie„fest- gemauert in der Erden". Und wenn heute daS Bürgertum zetert: die Sozialdemokratie habe durch Errichtung des Parteihcims so und so vielen kleinen Gastwirten Schaden zugefügt, so sei daran erinnert, daß gerade dieses Bürgertum durch Saalentziehungen, Unterstützung des Militärboykotts u. dergl. Partei und Gewerk- schaft zur Selbständigmachung gezwungen hat. Auch in diesem Falle also waren unsere Gegner ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft. Jahrelang stand uns nur ein kleiner Saal, die Partei- historische Moritzburg, die etwa 499 Personen faßt, zur Verfügung. War dann glücklich eine Versammlung zustande gekommen, dann wurde sie häufig aufgelöst. Wie oft haben da die verstorbenen Genossen Hasenclever, Max Kayser, der alte Keßler, Rüdiger, Mittag u. a. m. die Polizei noch schützen müssen, wenn der gerechte Zorn der Arbeiterschaft einmal losbrach. Aus diesen Verhältnissen mußte die Partei hinauswachsen. Jetzt hat sie sich eine uneinnehmbare Feste geschaffen, und weitere werden entstehen.— DaS Grundstück, wie schon berichtet: 7899 Quadratmeter groß, wurde im Januar 1996 preiswert für 135 990 Mark erworben. Vor dem Beginn deS Baues hatte man versucht, es uns durch einen Geheimagenten abzutreiben! Der Vcr- such mißlang. Der Baukonscns ließ lange, lange auf sich warten. � Der 24. Oktober 1996 war ein UnglückStag; zwei Bauarbeiter kamen durch einen Gerüstfturz zu Tode und fünf wurden schwer verletzt. DaS furchtbar» Unglück berührte die Arbeiterschaft aufs schmerz-! lichste. Am 8. d. MtS. erfolgte endlich die Schlußabnahme. Vor dem Gebäude befindet sich ein herrlicher Garten von 3550 Quadratmeter Fläche. Der hintere Garten ist 2999 Quadrat-\ mcter groß und bietet eventuell Raum für die Errichtung eines, Gewerkschaftshaufes mit Zentralherbcrgc. Im Vordergarten finden 3699 Stühle nebst Tischen Platz. Tiefe, trockene Keller bieten gute Lagerräume für die Getränke dar. Das Erdgeschoß des Hauses beherbergt ein großes Nestaurant von 443 Quadratmeter\ Bodenfläche. Daran schließt sich das Büfett nebst einer vorzüglich eingerichteten Küche. Außerdem befinden sich im Erdgeschoß noch zwei kleinere Gast- und Sitzungszimmer. Ein breiter, lichter Korridor erleichtert die Passage nach allen Räumen, und zwei Treppen von 6 Meter Breite führen nach dem Obergeschoß, wo sich der Hauptsaal befindet. Er hat zusammen mit dem kleineren, von ihm nur durch zwei Säulen getrennten Nebcnfaal 779 Quadratmeter Fläche. Da auch die Galerien mit ihren vier bezw. sechs terrassenförmigen Absätzen und bequemem Blick nach der Bühne 359 Quadratmeter Fläche aufweisen, so stehen zum Hauptsaal 1129 Quadratmeter Fläche zur Verfügung. 3999 Personen finden in diesem Hauptsaal bequem Platz. Der große Raum macht in feiner Einfachheit mtt den großen, bogenartigen Fenstern aus farbigem Glas einen prächtigen Eindruck. Sämtliche Räume find mit Osmiumglühlicht— kleinen und großen Bogenlampen— beleuchtet. Die Kouzertbühne deS HauptfaaleS ist 19,39 Meter breit und 19 Mcter tief. Im zweiten Stockwerk befindet sich noch ein Saal von 219 Quadratmeter Fläche. Alle Räumlichkeiten zusammen werden weit über 19 999 Personen fassen. Der gute Geist der Halleschen Arbeiterschaft wird dafür sorgen, daß sich unser Volkspark rentiert und daß unsere Feste ein Bollwerk darstellt gegen die Mächte der Finsternis und der Reaktion. Aber auch für die Partei- und Ee- Werkschaftsgenossen deS Reiches, die sich in der schönen Saalestadt— einem Zentralpunkt— zu Kongressen und Generalversammlungen gern vereinen, ist nun gesorgt. Wenn nicht eher, so hofft die sozialdemokratische Arbeiterschaft Halles im Jahre 1999, zum 29. Parteitag nach dem Falle deS Sozialistengesetzes— der erste fand bekanntlich in Halle statt—, die Parteivertrctcr des Reiches und der internationalen Verbrüderung zu diesem Jubiläum im VolkSpark zu Halle begrüßen zu können. DaS Allgemeine ArbeiterbildungSinstitut für Leipzig ver- öffentlicht jetzt folgenden ausführlichen Plan feiner Bestrebungen: 1. UntcrrichtSkurfe.» Die UntcrrichtSkurfe in Volkswirtschaftslehre, Geschichte und Sozialgesetzgebung beginnen Anfang Oktober d. I. und sind be- rechnet auf die Dauer von bis 2 Jahren. Der Unterricht in > Volkswirtschaft und Geschichte wird Sonntag vormittags in zwei aufeinanderfolgenden Stunden erteilt, während in Sozialgesetz- gebung an einem Wochentag abends unterrichtet wird. Die Unterrichtslokalitätcn befinden sich im Voltshaus. Die Kurse werden zu Weihnachten, Ostern, Pfingsten und im Hoch- fommer durch Ferien unterbrochen, so daß im Jahre n»f jedes Fach zirka 49 NnterrichtSstunden entfallen. Die Teilnehmer, deren Zahl auf 49 beschränkt wird, müssen alle drei Kurse belegen, eine Beteiligung an nur einem oder an zwei Unterrichtsgegenständen ist nicht angängig. Der Unterricht wird nnciitgcltlich erteilt, die Lehrmittel jedoch haben die Teil- nchmer aus ihre Kosten anzuschaffen. Der Betrag hierfür wirdeinnurgeringcrscin., Die Bewerber haben sich bei ihren politischen oder ge- w e r k s ch a f tl i ch e n Organisationen zu melden, die dann gc- eignete Vorschläge an den VcrwaltungSausschuh des Instituts gelangen lassen. Die vorgeschlagenen Genossen haben eine kurze Darstellung ihres Bildungsganges an den Lorsitzcnd«! dcS Vcr- waltungsauSschusscS, G. Hennig, L.-Lindcnau, Rudolfstr. 1, II einzusenden. Für den Fall, daß die zulässige Höchstzahl von 49 Teil- nehmcrn durch die Meldungen überschritten wird, treffen die Lehrer und der VcrwaltungSausschuß eine Auswahl unter den Bewerbern. 2. VortragSchklen. Neben diesen langfristigen Unterrichtskurscn werden im Winterhalbjahr 1997/1998 zwei VortragSchklen eingc- richtet. In den Monaten Oktober— Dezember wird Genosse Pannekoek in 5— 6 Vorträgen über historischen MatcrialiS- inuS sprechen; in einem weiteren CykluS in den Monaten Januar bis März 1998 wird Genosse Hilferding das Thema„Wirt- schaftsgeschichte" behandeln. ES wird wöchentlich je ein Vortrag gehalten, die Daten werden noch bekannt gegeben. Diese Cyklcn werden in einem großen Saale, wahrscheinlich im Sanssouci, ohne Bier und Tavakgenuß, stattfinden. Die Teilnahme steht allen Organisierten gegen eine Entrichtung einer Gebühr von fünfzig Pfennigen für den ganzen CykluS zu. 3. Umgestaltung des Bibliothekwesens. Bei den UmwandlungSarbeitcn gilt als oberster Grundsatz: Alle Bibliotheken sollen allen Genossen in weitestem Maße br- schlössen werden. Dazu gehört vor allem die Schaffung von ein- hcitlichen Katalogen. ES sind bereits fertiggestellt Kataloge für die größeren Bibliotheken im Bezirk Südost, für Taucha, für Knautkleeberg. In Vorbereitung und zum Teil schon in Arbeit befinden sich die Kataloge für die Zcntralbibliothck im Volks- hauS, für die größeren Bibliotheken im Nordbezirk, für Eythra» Bösdorf, Markranstädt, Probstheida, Wachau, Sestewitz, für die größeren Bibliotheken im Südbezirk. Alle nicht genannten werden allernächstcnS in Angriff genommen werden. Die größeren Bibliotheken im Westbczirk werden ebenfalls bis zum Schluß des Jahre? einen neuen Hauptkatalog herausgeben. Damit die Gc- nossen auch außerhalb ihres speziellen Wohnortes bei Bedarf Bücher aus den Bibliotheken entnehmen können, werden Bürg- schaftsschcine von den Bibliotheksverwaltungcn ausgestellt, die die Genossen nach Erfüllung gewisser Bedingungen zur Legitimation, jedoch ohne erschwerendes Formelwesen, erlangen können. Die Bearbeitung und Herausgabe eines großen Haupt- und Schlagwortkatalogs für alle Bibliotheken wird im Jahre 1993 erfolgen. Gleichzeitig mit diesen Neueinrichtungen soll eine Einheit» lichkeit des technischen BibliothekZbetriebcS herbeigeführt werden. Die Zahl der Leser und die der ausgeliehenen Bücher wird allmonatlich für alle Bibliotheken festgestellt und dann in einem Gesamtbericht veröffentlicht werden. Die Bibliothekare werden von Zeit zu Zeit gemeinschaftliche Besprechungen abhalten, um den Ausbau und die Belebung des Bibliothekswesens allseitig zu fördern. 4. Theater. Konzert lvesen, Ausstellungen, Kunstbestrebungcn. Die Arbeiten auf diesen Gebieten sind im rüstigen Gange» jedoch konnte bei der ganz besonderen Eigenart dieser Dinge ein völlig abgeschlossener Plan noch nicht fertiggestellt werden. Die Theatervorstellungen werden mindestens in"der bis jetzt von den einzelnen Vereinen und Gewerkschaften gehabten Zahl veranstaltet werden. Der Preis der Plätze wird ebenfalls der alte bleiben. Sobald für alle diese Gebiete positive Vorschläge gemacht werden können, werden wir nicht ermangeln, cS an dieser Stelle („Leipziger Polkszcitung") zu tun. Die Genossen mögen ferner nicht vergessen, daß alle guten Anregungen, fei es für dieses oder jenes Arbeitsfeld, immer will- kommen sind._ Zu den oldenburgischen LandtagSwahlen nahmen die Genossen des Fürstentums Lübeck Stellung. Sie nominierten als Kandidaten für sie im nächsten Jahre stattfindenden Wahlen die Genossen eidler, H. Fick, Fr. Muuß und R. W i I ck e n. Während üher mit den Nationalsozialen ein Kompromiß abgeschlossen wurde. soll das diesmal unterbleiben, iveil jene bei der letzten Wahl ihr gegebenes Wort nicht gehalten haben. poUseilicKes, Omchtitchco iifw. Der Fall Muschwitz. Bekanntlich wurde in, Winter bei einer Kontrollversainmliing in Mannheim durch den Rittmeister v. Muschwitz Genosse Dr. Frank schwer keschimpft. MS Frank Keim Kriegsgericht klagte, stellte sich heraus, daß Muschwitz geisteskrank ist. Da nicht vermutet werden konnte, dab ein kranker Offizier zu Diensten herangezogen wird, so war die Kritik der Mannheimer.Volks stimme' sehr streng, aber keineswegs beleidigend sür unsere StrafverfolgungS- behörde» ausgefallen. Auffälligertveise fühlten sich aber die Karls- rnher kriegsgerichtlichen Behörden doch beleidigt, und noch auf- fälliger ward eS, als die Geschwornen wirklich den Genossen Emil M a i e r, den verantwortlichen Redakteur der.Volksstimme', für schuldig befanden und die Richter ihn zu zwei Monaten Gefängnis verurteilten. Am is. d. M. hat Genosse Maier feine Strafe im Mannheimer ömidesgefängnis angetreten. GcwcrhrcbaftUchc� Berlin und Umgegend. Achtung, Stahlinstrumentenarbeiter! Die Kollegen der Firma W i n d l e r haben die Arbeit nieder- zt. Wir bitten dringend, den Zuzug fernzuhalten. deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Ein eigenartiges Verhältnis besteht augenblicklich zwischen Ar- Zeitgebern und Arbeitnehmern im Berliner Bauklempnerberuf. Die im Mctallarbeiterverband organisierten Klempner haben mit der Innung und der freien Vereinigung der Installateure einen Tarif abgeschlossen, der eine Schlichtungskommisfion zur Beseitigung ge- werblicher Streitigkeiten vorsieht. Die Herren Arbeitgeber müssen nun wohl in einer Stunde übermütiger Laune so etwas wie KampfeSmut gespürt haben und komplimentierten die von den Ge- sellcn gewählten Vertreter aus der Schlichtungskommission heraus, mit der Motivierung, es dürsten nur im Beruf tätige Klempner Beisitzer sein. Man hat dabei wohl nicht bedacht, wie sehr man sich damit ins eigene Fleisch schneiden würde, daß man den Gesellen das Recht gab, über diejenigen Firmen, die sich eines Tarifbruchs schuldig machten, die Sperre zu verhängen. Die Gesellenorganisation mutzt« zum Mittel der Sperre greifen, um die Anerkennung des Tarifes aufrecht zu crhalSen. Es wollte nach dem Vorfall kein organisierter Geselle den Beisitzerposten zur Schlichtungskommission mehr an- nehmen und konnte demzufolge die tariflich vorgesehene Kommission nicht zusammentreten. Scheinbar soll dieser Zustand chronisch werden. In der ersten Zeit hatten die Gesellen eine Aenderung dcS betreffenden Paragraphen des Tarifes vorgeschlagen, wonach es ihnen möglich war, zu Beisitzern auch Personen zu wählen, die nicht mehr im Beruf tätig seien. Dies wurde von den Meistern abgelehnt und gedroht, die Gesellen auf Einhaltung der tariflichen Bestimmungen(Wahl der Kommission) zu verklagen. In einer Jnnungs-Gcneralversammlung kranitcn neben dem bekannten Jnnungssyndikus, Rechtsanwalt Plaschkauer, auch einige der Unternehmer ihre innersten Gcdankcnecken derart aus, datz es für jeden Einsichtigen klar war: die Herren suchten einen Vorwand, den Tarif zu umgehen!— Durch die Taktik der Gesellenorganisation ist aber dies Schelmenstückchen vereitelt. Man hat sich den Gedanken der Klagcai�strcngung ganz schön verschlagen müssen und hat, da die bereits des öfteren angctvandte Sperre über einige tarifbrechende Firmen doch äuhcrst unbequem ist, schon diverse Male bei der Orts- Verwaltung des Metallarbeiterverbandcs angefragt, ob denn nicht wieder die Schlichtungskommission zusammentreten werde. Die Klempner stehen jedoch auf dem Standpunkt, nicht eher neue Bei- sitzer zur Kommission zu wählen, bis die seinerzeit hinauSgcwiesenen von den Unternehmern anerkannt werden. Inzwischen wird wohl bis zum Abschlutz eincS neuen Tarifs der Zustand, datz trotz Tarif und vorgesehener Schlichtungskommisfion tarifbrüchige Betriebe verbandsseitig bestreikt resp. gesperrt werden, bestehen bleiben. Der Streit der Hausdiener bei der Firma A. Zahn, Schul- und Turnhallen-Einrichiungen, Wiencrstr. 10, ist durch Vcrhand- lungcn nach �-tägiger Dauer beigelegt worden, und ist eine Tarif- Vereinbarung zustande gekommen. VeuttcKes Reich. Der General von Berlin— und die Arbeitswilligen. Aus Halle a. S. berichtet man uns: Eine tragikomische Episode, durch die der Dank des Unternehmertums im Bauhandwerkerstreik recht drastisch illustriert wurde, spielte sich am Montag früh in einem Zimmer des Rathauses ab, wo eine Jnnungs-Schiedsgerichtssitzung stattfinden sollte. Es klagte der streikbrechende Polier P u ch i a s mit Gattin aus Italien gegen den Maurermeister Günther auf Weiterbeschäftigung und Erfüllung seines Ver- träges. Madame P u ch i a s hatte bei den Streikbrechern in den Baracken„als Kochfrau gewirkt" und ihr Gatte erklärte mit Tränen in den Augen, er habe in der„Blütezeit des Streiks" sehr tüchtig für streikbrechende Maurer gesorgt und jetzt habe er die Kolonne auf dem Halse. Er sitze mit Gattin und Streik- blechern auf freiem Felde und man wolle ihn und seine Kolonne nicht mehr haben. Und„Dresche tue es von die Hallenser so viel geben, datz man damit nicht arbeiten könne". Bekoinme er jetzt kein Recht, so lasse er den General von Bcrljn holen. Meister Günther er- klärte sehr gelassen, er habe den Mann, der nichts zu be- anfpruchen babe� nur aus Gnade und Barmher zigkeit beschäftigt.' Da aber durch den Streik das Fnnungs-SchicdS- gericht in die Brüche ging, mutzte der Prozetz vertagt und dem Gewerbegericht überwiesen werden. Die Klempner und Installateure in Düsseldorf haben die Arbeit niedergelegt, weil die Innung die eingereichten Forderungen abgelehnt hat. Um Fernhaltung des Zuzugs wird ersucht. Deutscher Metallarbeiterverband, Ortsverwaltung Düsseldorf. Die Bewegung der Seeleute. Nachdem die streikenden Seeleute Deutschlands im Ost- und Nordseegebiet den Streik einstweilen abgebrochen haben, scheint der Scharsmacherverband der Reeder nicht nur auf Rache gegen die bisherigen Streikenden zu sinnen, sondern er scheint auch die Reeder in einigen Häfen des OstseegebietS zum Wortbruch zwingen zu wollen. Während des Streiks haben sich z. B. die Reeder in Flensburg und Königsberg bereit erklärt, den Seeleuten eine Heuer von 05 M. für Matrosen und Heizer zu zahlen, desgleichen allen Chargen einen einheitlichen Ueberstundenlohn von SO Pf. Unter dieser Voraus- fetzung haben sich die Streikenden auf Anraten ihrer Leitung bereit gefunden, den Streik abzubrechen. Bemerkt fei, datz die Reeder auch in diesen, wie in allen Häfen des Ost- und NordseegebietS den Streikbrechern bedeutend höhere Heuern zahlen, wie sie von den deutschen Seeleuten gefordert werden. Jetzt, nachdem der Streik abgebrochen ist, weigern sich die Reeder in Flensburg und Königsberg die zugebilligten 65 M. Heuer und 40 Pf. Ucber- stundenlohn zu zahlen. Sie stehen selbstverständlich unter dem terroristischen Druck der professionellen Oberscharfmacher in Hamburg. In Kiel, Danzig und Memel werden dagegen die vorerwähnten Lohnsätze auch nach dem Streik anstandslos gezahlt. Die Seeleute in Flensburg weigern sich ganz entschieden sich dem Ansinnen der Reeder zu fügen und sind nicht gewillt für eine Heuer von 60 M. anzumustern. Da die Flensburger Reeder ihren Wort- bruch zur Tat machen und nur 60 M. Heuer zahlen wollen, ist seitens des Verbandes der Seeleute über sämtliche Schiffe, die im Bezirke der Handelskammer zu Flensburg beheimatet sind, bis auf weiteres die Sperre verhängt. Desgleichen über die Königsberger Schiffe. Der Verband fordert die Seeleute auf, sich für kein FlenS- burger. Schleswiger, Apenrader, Tönninger oder Rendsburger Schiff anheuern oder anmustern zu lassen.— In Bremerhaven Berantw. Redakt.: Carl Mermuth. Berlin-Rizdork. Inserate verantw.: scheint der Norddeutsche Lloyd Matzregelungen der bisher streikenden Seeleute vornehmen zu wollen. Es ist deshalb dringend erforderlich, datz bis auf weiteres jeder Zuzug von Seeleuten nach Bremen oder Bremerhaven ferngehalten tvird, da auch die B r e m e r Seeleute nur bereit sind sür einen Ueberstundenlohn von 40 Pf. zu mustern, während die Reeder auf einer Anzahl Schiffe nur 30 Pf. zahlen wollen. Die Seeleute, die während des Streiks in ihre Heimat gereist sind, oder die während des Streiks an Land in Arbeit getreten sind, werden aufgefordert, einstweilen noch in ihrer Heimat oder ihrer Beschäftigung am Lande zu ver- bleiben, und insbesondere die Hafenorte: Hamburg, Bremen, Bremerhaven, Flensburg und Königsberg zu meiden, um so einen übergrotzen Andrang von Seeleuten in diesen Hafen- orten zu verhüten. Die Hafenorte Memel, Danzig, Stettin, Rostock, Lübeck und Kiel sind frei. Die deutsche Arbeiter- schaft speziell im Binnenlande wird dringend aufgefordert, alles was in ihren Kräften steht zu tun. um den Zuzug von wirklichen See- leuten und Arbeitern, die Lust verspüren Seemann zu werden, nach den deutsche» Hafenorten einstweilen streng fernzuhalten. Die Spinnerinnen der Bremer Jutespinnerei und Weberei sind wegen Lohndifferenzen in den Ausstand getreten. Einen schönen Erfolg errangen in Königsberg die Konfektions- arbeiter und-Arbeiterinnen für Herrengarderobe. Durch einmütiges Vorgehen wurde ein Tarifabschlutz erreicht, der für alle Positionen im Durchschnitt eine Erhöhung von 25 Proz. brachte. Anfangs waren die beteiligten Firnien sehr unangenehm berührt und wollten durchaus keine Zugeständnisse machen. Gleichzeitig war auch die bürgerliche Presse auf dem Posten, voran die edle Hartungsche Zeitung, das Organ des politisch verkommenen Königsberger „Volks"freisinns, um den„matzloscn" Forderungen der Arbeiter entgegenzutreten. Da hietz es: die Lohnkommission der Konfektions- arbeiter verlange mit einem Schlage mehr denn hundert Prozent Aufschlag für die einzelnen Stücke; würde dies bewilligt werden, könne die Königsberger Konfektion sür Herrengarderobe nicht mehr mit anderen Städten konkurrieren und müsse zugrunde gehen usw. Man mutz nun aber die Preise vergleichen, die früher gezahlt wurden, da wäre es wahrhaftig notwendig gewesen, die sämtlichen Lohnsätze um 100 Proz. zu steigern. So wurden gezahlt für Hosen von Stoff, Buchskin oder Kammgarn 50 Pf. pro Stück, Hosen von engl. Leder, Cord, Manchester brachten 20 und 25 Pf. pro Stück, für Zwirnhoscn gab es sogar nur 15 Pf. Königlich bezahlt wurden die Leinenartikel. Für Regenmäntel gab es 1,25 M., für Staub- mäntel 70 Pf., ein Zwirnjackett brachte 60 Pf., ohne Futter sogar nur 50 Pf. und noch weniger. Für Knabenanzüge gab es bei Stoff 40 Pf. bis 1,50 M., für Zwirn 30, 40 und 50 Pf. Um einen lumpigen preutzischen Taler zu verdienen, mutzte so ein armer Schneider zehn Knabenanzüge pro Tag zusammenhauen, natürlich bei 16 bis 18 stündiger Arbeitszeit, kürzer konnte es nicht geschafft werden. Für einen Winterpaletot gab es, wenn er zweireihig war, ebenfalls 3 blanke Markstücke. Ein Schneider mutz mindestens 36 Stunden den Hungerfaden ziehen, um den Paletot fertigzu- bringen. Die Arbeiter und Arbeiterinnen wollten aber nicht länger für derartig erbärmliche Löhne schuften und die Herren Konfek- tionäre mutzten sich zu Verhandlungen bereit erklären. Vor dem Einigungsamt des KönigSbcrger Gewcrbegerichts wurde der Tarif- vertrag abgeschlossen, auf Ungewisse Dauer, aber mit dreimonat- licher Kündigungsfrist. Die Konfektionsarbeiter und-Arbeiterinnen sind im Zentralverband der Schneider und Schneiderinnen organisiert. Die Getreideträger Königsbergs, die sich im Mai d. I. mit den ausgesperrten Hafenarbeitern solidarisch erklärten,, sind noch immer ausgesperrt, obgleich beim Friedensschlutz im Hafen seitens der Reeder in Aussicht gestellt wurde, die Kaufmannschaft zu beeinflussen, auch mit den Getreideträgern einen Tarifabschlutz zu vereinbaren. Wie die Leitung des Hafenarbeiterverbandes ver- mutet, werden aber noch mehrere Wochen vergehen, bis eS zu Verhandlungen kommt. Die Getreidefirmcn beschäftigen einstweilen nur Getreidcträger Hirsch-Dunckerscher Richtung oder solche, die sich der„gelben"„christlichen Gewerkschaft" angeschlossen haben. Die Organisation der Landarbeiter im bayerischen Donau- gebiet(Nicderbaycrn) wird vom katholischen Klerus eifrig betrieben und nach Veröffentlichungen von dieser Seite soll die Organisation gute Fortschritte machen.„Für jeden Freund des Bauernstandes und wirklichen Vaterlandsfreund"— schreibt der katholische „Arbeiter", das Organ der süddeutschen katholischen Arbeiter- vereine—„war eS gleichsam Gewissenspflicht, die Bestrebungen der Landarbeiter nach Zusammenschlutz in die richtigen Bahnen zu lenken und so dem Eindringen der Sozialdemokratie mit seinen für die Landwirtschaft ver- nichtenden Folgen zu steuern." Aber„das Lenken in die richtige Bahn' wird von den dem Zentrum angehörigen Gutsbesitzern nicht begriffen, eS sind„saudumme Kerle", die an die Ehrlichkeit der pfäffischen Landarbeiter- Organisatoren ebenso glauben wie die eingefangenen Landarbeiter. Die Grotzbauern— und solche kommen dort in der Hauptsache nur in Betracht— fürchten um ihren Profit, dem die Organi- sation der Landarbeiter gefährlich werden könnte, während es den geistlichen Agitatoren nur darum zu tun ist, die Landarbeiter„in die richtigen Bahnen zu lenken", sie als Stimmvieh fürs Zentrum zu erhalten! Es war deshalb höchst töricht, datz eine Vertrauens- männerversammlung des Bauernbundes den Beschlutz fatzte, sich beim Bischof zu beschweren über den Klerus, der den Anschein er- weckte, den Landarbeitern zu helfen. Denn schliesslich wirkt auch schon der äussere Schein auf dje Begehrlichkeit der Landarbeiter anreizend. Tlusland. Der Lohnkampf dtr schweizerischen Lehrer. Ausser der offiziellen Organisation haben die schweizerischen Lehrer noch eine freiwillig- gewerkschaftliche, die kürzlich in Schaffhausen ihre Jahresversamm- lung abhielt. Diese stellte für die Gestaltung der Besoldungs- Verhältnisse folgende Forderungen auf: Volksschullehrer 2000 Frank Minimum und nach 16 Dienstjahren 3000 Frank Maximum; Real- lehrer 2800 Frank Minimum und 3800 Frank Maximum; autzerdem freie 5 zimmerige Wohnung oder entsprechende Entschädigung. Die Forderungen sind berechtigt, aber sie werden erst in jahrelangen Kämpfen durchgesetzt werden können. Die Zimmergesellen, welche dem Syndikate des Seine- departements angehören, sind in den Ausstand getreten. Serickts-�eituna. (Siehe auch 2. Beilage.) Zur Verantwortlichkeit des Arztes. Die Frau des SchuhmachermeisterS A. aus einem Dorfe bei Ulm begab sich eines TageS zu einem Arzt in Ulm, der ihr zum Schwitzen ein Kastendampfbad gab. Infolge der zu langen Ausdehnung des Schwitzbades ist die Frau an einem Ohnmachts- anfall mit nachfolgender Herzlähinung verstorben. Der Arzt wurde daraufhin wegen fahrlässiger Tötung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. In dem gegenlvärtiaen Rechtsstreit machen nun der Ehe- mann der Verstorbenen und dessen Kinder gegen den Arzt Schaden- ersatzansprüche geltend, weil der Tod der Verstorbenen durch die Fahrlässigkeit des Arztes herbeigeführt worden fei. Der Beklagte schildert jetzt den Vorgang in der Weise, datz er der Frau das Kasten- dampfbad verabreicht habe und datz er nach Ablauf der Badezeit das um den HalS liegende Tuch weggenommen und die Frau aufstehen geheitzen habe. Nachdem er noch den Deckel selbst geöffnet, habe er dann die Zelle wegen der grohen Schamhaftigkeit der Frau auf deren Bitten ver- lassen. Als er dann nach einer dem Ankleiden entsprechenden Zeit- spanne und noch einigem Warten die Zelle öffnete, habe die Frau Th. GlockelBerlin. Druck u. Verlas: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt bereits tot im Dampftasten gesessen. Demnach habe sie den Kaste»« decke! wieder heruntergeschlagen, um das Bad lveiter auszudehnen, oder sie müsse nach dem vorgeschriebenen Wannenbad nochmals in den Kasten gegangen sein, um sich zu wärmen, was beides gegen seine Vorschriften vcrstotzeu habe. Das Landgericht Ulm wie auch das Oberlandes- gericht Stuttgart nahmen jedoch ein fahrlässiges Verschulden des Beklagten an dein Tode der Frau an und verurteilten denselben zu einer entsprechenden Schadloshaltung für die Dienste, die die Frau dem Haushalte geleistet hatte. Das Ober« landesgericht führt in seiner Begründung hierzu aus, datz die Frau nach dem Gutachten der Sachverständigen nicht plötzlich durch einen Schlaganfall verstorben sei, sondern im Schwitzkasten einen Ohnmachtsanfall erlitten habe, zu dem später Herzlähinung getreten sei. Wenn der Ohnmachtsanfall rechtzeitig be- merkt und die Frau aus dem Kasten entfernt worden wäre, so wäre der Tod zweifellos verniieden worden. AIS der Beklagte die Frau aus dem Kasten gehen hietz und wieder aus der Zelle ging, hätte er unbedingt daraus achten müssen, ob sie seinen Anordnungen Folge leistete. Er hätte sich davon auch durch Klopfen oder Rufen überzeugen können. Dies habe er aber nicht getan. Dazu komme auch noch, datz er die Flammen der Heizröhre habe brennen lassen. Hicrniit habe er aber fahrlässig gehandelt. Denn er hätte damit rechnen müssen, datz das Entfernen des Tuches vom Halse und das Ausströmen der hcitzen Luft aus dem Kasten einen Ohnmachtsanfall bei der Frau hervorrufen könnte. Etwaige Erwägungen, das Scham- gefühl der Frau zu schonen, spielten hier keine Rolle. Datz die Frau das Bad benutzt habe und dann wieder in den Kasten gegangen sei, sei unwahrscheinlich, da die Badewanne keinerlei Spuren davon auf- gewiesen habe. Ebenso unwahrscheinlich sei die Einwendung des Beklagten, datz er bei der Rücksichtnahme auf das Schamgefühl der Frau den Deckel selbst geöffnet habe. Demgegenüber sei die Mög- lichkeit nicht von der Hand zu weisen, datz die Frau ohnmächtig ge- worden ist, ehe sie den Deckel öffnen konnte. Gegen dieses Urteil hatte der Beklagte Revision eingelegt. Der VI. Zivilsenat des Reichsgerichts erkannte auf Zurück- Weisung der Revision. Eue der frauenbenegung. Die organisierten Dienstmädchen Dänemarks hielten in der vorigen Woche zu Kopenhagen ihren Kongretz ab. ES waren im ganzen 13 Delegierte anwesend, und zwar aus Kopenhagen 5, aus Aarhus, Aalborg, Fredericia und Esbjerg je 2. Auch die Vorsitzende des Dienstmädchenvereins von Stockholm, Fräulein Anders son, nahm an den Verhandlungen teil, namentlich auch, um darauf hinzuwirken, datz mit der Zeit eine Verbindung zwischen den organisierten Dienstmädchen der skandmavischen Länder) samt Finnlands zustande kommt. Einer der wichtigsten Punkte der Tagesordnung war die Frage, wie die Abendarbeit der Dienstmädchen abgeschafft werden kann. Die Vcrbandsvorsitzende Marie Christensen führte hierzu aus, datz der von dem Stellennachweisbureau der Organisation herausgegebene Kontrakt in vielen Fällen nicht innegehalten wird. Nach diesem Kontrakt soll die Herrschast den Dienstmädchen von 7 Uhr abends ab sowie jeden zweiten Sonntagnachmittag von 2 Uhr ab freigeben. Die Freizeiten sucht nun manche Herrschaft trotz des Konttaktes den Dienstmädchen zu beschränken. Darum beschlotz der Kongretz, die Vorstände der Ortsvereine aufzufordern, auf diese An- gelegenheit gnau zu achten und dem Verbandsorgan darüber Bericht zu senden. Ferner wurde beschlossen, darauf hinzuwirken, datz den Dienstmädchen ausser den bereits festgesetzten Freizeiten noch ein weiterer Nachmittag jeden Mittwoch von 3 Uhr ab gewährt wird. Im übrigen nahm der Kongretz auch Stellung gegen daS dänische Gesindegesetz und besonders gegen die Bestimmung. datz jedes Dienstmädchen ein Zeugnisbuch haben soll. Uebertretungen dieser Bestinnnung sollen sowohl von der Herrschast wie vom Dienst« mädchen mit 2—20 Kronen Geldstrafe geblitzt werden. Die Polizei ist jedoch glücklicherweise nicht besonders eistig in der Verhängung der Strafen. Run beschäftigt sich eine Reichstagskommission mit dem ganzen Dienstbotengesetz. Der Kongretz beschlotz. datz. falls diese Kommission den Entwurf zu einem neuen derartigen Ausnahmegesetz für die Dienstboten vorlegen sollte, im ganzen Lande Protest- Versammlungen dagegen abgehalten werden wllen. Autzerdem beriet der Kongretz über die weitere AgitationS- tmd Organisationsarbeit unter den Dienstmädchen, deren es in Däne« mark ungefähr 126 000 gibt, von denen 20 000 auf Kopenhagen kommen. Organisiert sind bis jetzt nur ein paar Tausend. Der Kongretz wählte ein Komitee, daS dafür sorgen soll, datz im ganzen Lande Agitationsversammlungen der Dienstmädchen veranstaltet werden. Der Bericht über die Verhandlungen des Kongresses soll in 50000 Exemplaren gedruckt und im ganzen Lande als SgitattonS- schrift verteilt werden._ Letzte JVacbr icbtcn und Depefcben. Das Hochwasser in Schlesien. Breslau, 17. Juli. Die„Schlesische Zeitung" meldet: Da? Hoch- Wasser der Glatzer Reitze verursachte im Kreise Brieg einen Damm- bruch. Der Taschenberger Damm unterhalb der Stadt Loewen ist in der vergangenen Nacht gebrochen. Weite Flächen sind über- schwemmt. Andere Dämme sind in grosser Gefahr. Ein Militär- kommando ist von Brieg abgegangen. Die ganze Nacht über wird gearbeitet, um die Dämme zu schützen. Ein Familiendrama. Gießen, 17. Juli.(B. H.) In dem benacyvarten Saasen durchschnitt eine in den zwanziger Jahren stehende Ehefrau ihrem einzigen Kinde mit einem Küchenmesser die Kehle, anscheinend in einem Anfalle geistiger Störung. Nach der Tat versteckte sie sich und lictz sich abends von einem Zuge überfahren. Die Leiche wurde später aufgefunden._ Da? Schicksal eines LeibeSvisitatorS. Frankfurt a. M., 17. Juli.(50. H.) In der Angelegenheit de» Grand-Bazars, wo kürzlich 300 weibliche Angestellte nach Geschäfts» schluß einer peinlichen Leibesvisitation, zur Feststellung von evcn- tucllen Diebstählen durch die AufsichtSratSdamcn unterzogen wurden, hat der AufsichtSrat des Grand-Bazars dem Verlangen der Angestellten auf Entlassung des 1. Direktors Depierre stattgegeben. Herr Depierre, ein Belgier, wird nicht wieder auf seinen Posten zurückkehren. Wie schon früher erkbähnt, wurde in dieser Sache, auf Vorstellung des Personals auch eine Aufiichtsdame entlassen. Die Verkäuferinnen des Grand-Bazars haben außerdem, wie die Blätter melden, eine Klage wegen Freiheitsberaubung bei der Staatsanwaltschaft gegen Depierre anhängig gemacht. Ein Erpresser verhaftet. München, 17. Juli.(B. H.) Wie die Abendblätter melden, ist der ehemalige Teestubenbesttier Wölfel, welcher von einem hiesigen Rechtsanwalt über 200 000 M. erpreßt hat, gestern in Lausanne ver- haftet worden. Er wird nach Bayern ausgeliefert. Die Frau des Verhafteten hält sich in Genf auf und wird wahrscheinlich ebenfalls verhaftet werden._ Vermißter Tourist. München, 17. Juli.(B. H.) Leutnant Stöckl vom Ingo!- städter Futz-Art.-Rcg. wird seit einer Tour ins Kaisergebirge ver- mißt. Die letzte Spur von ihm datiert vom 3. Juli.____ VaulSingerLtCölHerlinLVV.HierzuSBeilagenn.Unterhaltnngsblatt Nr. 165. 24. Jahrgang. 1. Kcilqe ka Joraitta" Serlim Wllisdl«». Dmnwkg, 18. IM IM. Sie berliner Partei uns tler internationale Kongreß. Ueber die Parteiversammlungen vom Dienstag lassen wir noch folgende ausführliche Berichte folgen: Erster Wahlkreis. Der Wahlverein des ersten Berliner Rcichstagswahlkreises ver- sammelte sich in Dräsels Festsälen, Neue Friedrichstraße. Zum ersten Punkt der Tagesordnung, Bericht des Vorstandes, nahm Genosse Wolderski das Wort. Er erinnerte daran, wie bei der letzten Reichstagswahl die Genossen allerorten auf den ersten Berliner Wahlkreis blickten, der mit seiner Stimmenzahl den gehegten Wünschen und Erwartungen vieler Genossen nicht entsprach. Mit neuer Energie hat seitdem die Agitation im Kreise eingesetzt und der Vorstand blickt mit Zufriedenheit auf seine jüngste erfolgreiche Tätigkeit zurück, die mit der Kreiskonfcrenz vom 5. März einen guten Anfang nahm. Die eingesetzte Restanten- kommission hat neue Ordnung geschaffen und manches Mitglied durch geeignete Matznahmen dem Verein erhalten. Die Mitglieder- zahl hat sich in erfreulicher Weise vermehrt und ist auf 720 ge- stiegen. 7 Vorstandssitzungen fanden statt, darunter eine außer- ordentliche, der ein Ausschlutzantrag vorlag. Es gelang dem Vor- stände aber, in diesem Falle in einer versöhnenden Weise einzu- greifen, so daß der Antrag zurückgezogen wurde. Die General- Versammlung fand ihre Fortsetzung in einer Versammlung, zu der Genosse Molkenbuhr als Redner eingeladen war. Ferner wurde von den Genossinnen eine Volksversammlung veranstaltet. Bei dem Appell um Unterstützung, den die Schneider wie die Bäcker in ihrem Kampfe gegen die Unternehmer an den Verein richteten, war dieser gern bereit, seine Hülfe zu gewähren. Wolderski ge- dachte dann der Maifeier und des damit verbundenen Protestes gegen die preußische Wahlrechtsschmach, der auch im ersten Kreise wie überall seinen lebhaften Widerhall fand. 1200 Maifestzeitungen wurden im Kreise verbreitet. Wo es Bildungsbestrebungen zu fördern galt, war der Verein stets auf dem Platze. Den Funktio- nären des Vereins wurden Broschüren gratis zur Verfügung ge- stellt, damit sie über verschiedene Dinge besser orientiert seien, jeder Parteigenosse konnte dieselben Broschüren, wie auch die „Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung", zu billigen Preisen erstehen. Ties Werk von Bernstein empfahl Wolderski allen Ge- nassen aufs wärmste, ebenso den Besuch der Borträge von Maurenbrecher, Baege und Rosa Luxemburg, die im Herbst wieder aufgenommen werden. Die jungen Partei- genossen wies er auf die Arbeiterbildungsschule hin, die reiche Ge- legenheit zum Lernen bietet. Eine große Verbreitung fand Fischers bekannte Reichstagsrede im Kreise, die für eine gute Aufklärung sehr geeignet war. Der Kassierer, Genosse B i t t n e r, erstattete den Kassen- b e r i ch t über die Zeit vom 1. Januar bis 30. Juni 1907. Die Einnahmen betrugen 3497,60 M., darunter ist ein'«'eberschuß von der Reichstagswahl her im Betrage von 429,15 M. Die Ausgaben beliefen sich auf 1490,93 M., bleibt als Bestand 2006,67 M.— Auf Antrag der Revisoren wurde der Kassierer entlastet. Genosse D i e s e l e r als Mitglied der Preßkommission berichtet von Beschwerden der kleinen Plättstubcninhaber gegen die Redaktion, die sich gegen Einführung einer längeren Lehrzeit in Wasch» und Plättereibetrieben erklärt hatte und erkennen ließ, daß sie darin nur eine Ausbeutung der jungen Kräfte erblicke. Die Kommission stellte sich entschieden auf Seite der Redaktion, die kleinen Gewerbetreibenden gegenüber, auch wenn diese Partei- genossen sind, in solchen Fällen keine Rücksicht angcdeihen lassen darf.— Ein Antrag des Unterstützungsvereins der Putzer um Auf- Hebung der„Vorwärts"sperre wurde abgewiesen und die Sperre gerechtfertigt durch das Verhalten des Vereins im gegenwärtigen Kampf im Berliner Baugewerbe. Im allgemeinen seien Klagen gegen die Redaktion nicht vorgekommen, die Abonnentenzahl steige erfreulich, aber es sei darin noch viel mehr zu erreichen möglich und jeder Genosse sollte mithelfen, daß die Verbreitung des«Vor- wärts" immer größer werde. Genosse E g e, Mitglied der L o k a l k o m m i s s i o n, be- dauert, daß der erste Kreis immer noch so schlecht gestellt sei in bezug auf Versammlungshallen. In einigen Fällen wurden Lokale, die man zur Wahlzeit haben konnte, später wieder verweigert, wie Eafe Gärtner. Im Klubhaus, Krausenstraße 11, machte die Polizei Schwierigkeiten und erlaubte dem Wirt nicht, den Saal zu öffent- lichen Versammlungen herzugeben, weil bautechnische Anforde- rungen nicht erfüllt seien. Pflicht aller Genossen ist es, die Lokal- liste genau zu verfolgen und danach zu handeln. Für die Agitationskommission sprach Genosse S ch u st e r mit einigen Worten über die stetige und unermüdliche Arbeit, die in der Agitation geleistet werde; er bezog sich im übrigen auf den„Vorwärts", durch den die Genossen über die Art und Weise der Agitation auf dem Laufenden erhalten bleiben. Die Ergänzungswahl zum Borstande ergab die Wahl des Genossen Z a d u k zum Schriftführer. Die Wahl der Delegierten zur Verbands-Generalversamm- lung Grotz-Berlins am 11. August führte zu einer lebhaften Debatte. Von dem Vorschlag einer Reduktion der Zahl der Tele- gierten von 1040 auf 500, wie er der Generalversammlung gemacht lverden soll, waren viele Genossen durchaus nicht erbaut. Ein kleiner KreiS, wie der erste, habe ein starkes Interesse daran, daß man seine Beteiligung nicht zu sehr einschränke. Wolderski er- klärte, daß am 31. Juli ein Extrazahlabcnd angesetzt sei, an welchem dieser Antrag zur Beratung stehe. Von verschiedenen Seiten wurde gewünscht, daß die neuen Vorschläge im„Vorwärts" genau bekannt gemacht würden. Man verlangte, daß die Delegierten des ersten Kreises der beabsichtigten Acnderung entgegentreten sollen. Schwabedal stellte den Antrag, daß der erste Kreis verlange, daß die Generalversammlung keinen Beschluß über die Angelegen- heit fasse, ehe nicht die Kreise selbst nach einer gründlichen Beratung darüber entschieden hätten. Der Antrag wurde angenommen. Als Delegierte wurden gewählt die Genossen Z a d u I, Stiller, Eigner, Scherbe, Träger, Zahl, Wold. Janke, Kuma, Hanisch. Zum internationalen Kongreß in Stuttgart einen Delegierten zu wählen war die nächste Aufgabe der Wer- sammlung. Der Vorsitzende Wolderski besprach in großen Zügen die Tagesordnung des Kongresses und machte bekannt, daß dazu noch ein Antrag vorliegt, nach welchem sich der Kongreß energisch für die Beibehaltung der internationalen Maifeier erklären sollte. Dieser Antrag liehe sich am besten an den Punkt über Politische Parteien und Gewerkschaften anschließen, meinte Wolderski und fügte erläuternd hinzu, daß man mit zwei Strömungen zu rechnen habe, eine radikale, die unbedingt den 1. Mai und möglichst durch Arbcitsruhe feiern will, und eine andere, die in vielen Gewerkschaften ihre Stütze findet und die nur in einer bedingten Weise sich für die Maifeier erklärt. Er ver- las die Maifcicrrefolution des letzten Parteitages, die klar genug ausspreche, was die Partei wolle, und er wünschte, daß man nach dem Ausfall der letzten ReichstagSwahl wahrlich nicht von einer Abfchwächung der Maifeier reden sollte, denn dadurch könnte man nur schädigend wirken. Daraus entspann sich eine sehr angeregte Diskussion über den Wert der Maifeier sowohl, als auch über das Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaften. Mehrere Redner kritisierten scharf, daß sich die Partei mit den Gewerkschaften in der Zahl der Delegierten teilt. Dadurch erhielten, so wurde bc- hauptet, die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter ein doppeltes Wahlrecht. Genosse Schwabedal nahm sich besonders der Gc- werkschaften an, die er lebhaft verteidigte und machte auch allerlei Bedenken gegen die Maifeier geltend, was ihm aber von vielen Seiten sehr verübelt wurde. Genosse B e n a d e erklärte, daß ohne Opfer kein Kampf geführt werden könne und daß wir kämpfen, um vorzudringen und Fortschritte zu machen und uns nicht durch ängstliche Bedenken zurückhalten lassen dürfen. Ein Antrag, daß der erste Kreis dafür eintritt, die Maifeier auf die Tagesordnung des Kongresses zu setzen, wurde angenommen und der Delegierte verpflichtet, für die Beibehaltung der inter- nationalen Feier einzutreten. Die Versammlung wählte als Delegierten des ersten Kreises den Genossen Wolderski. Zweiter Wahlkreis. Die Generalversammlung deS zweiten Wahlkreises erfreute sich eines guten Besuches. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken der seit der letzten Tagung verstorbenen Wahlvereinsmitglieder in der üblichen Weise. S ch w e m k e gab einen gedrängten Bericht über die Tätigkeit des Vorstandes während der letzten vier Monate. Es haben eine Anzahl Versammlungen stattgefunden, darunter zwei aus Anlaß des Bäckerstreiks, die durchschnittlich gut besucht waren. Die Be- teiligung seitens der Genossen an den Flugblattverbreitungen da- gegen lasse öfters zu wünschen übrig. Im zweiten Kreis sei die Arbeiterbevölkerung nicht so stark wie z. B. im 4. und 6. ver- treten, und wenn auch Fortschritte zu verzeichnen seien, so sollte das die Genossen anspornen, sich mehr als bisher der Parteiarbeit zu widmen. Schmidt gibt den Kassenbericht für die Zeit vom 1. Januar bis 30. Juni er. Einschließlich eines Kasscnbestandcs von 1679,94 M. beträgt die Einnahme 20 097,81 M., die Ausgabe 18 849,99 M., so daß ein Bestand von 1247,82 M. verbleibt; 8250 M. wurden an die Verbandskasse abgeführt. Für die Reichstagswahl wurden 7100,07 M. eingenommen und 5628,01 M. ausgegeben, der Ueberschuß beträgt somit 1472,06 M. Von den Revisoren wird die Richtigkeit der Abrechnung bestätigt, eine Diskussion schließt sich dem Vorstandsbericht nicht an. Genosse Richard Fischer spricht sodann in trefflichen Ausführungen über den internationalen Kongreß in Stuttgart: Es sei selbstverständlich nur möglich, im Rahmen der heutigen Versammlung lediglich allgemeine Gesichtspunkte anzuführen, denn um die Bedeutung der internationalen Kongresse voll zu würdigen, dazu würde der Abend kaum ausreichen. Deutschland mit seiner großen ausgedehnten Arbeiterbewegung hat schon seit Jahrzehnten den Anspruch darauf, das internationale Arbeiterparlament be- Herbergen zu dürfen, wenn das aber seither nicht möglich war, dann lag es an den politischen Verhältnissen und der preußischen Polizei. Die Berliner Arbeiter würden es sich zu einer hohen Ehre schätzen, die fremden Genossen zu begrüßen, wenn das jetzt noch nicht möglich ist, der Kongreß vielmehr in dem"freieren Württemberg tage, so werde doch auch noch die Zeit kommen, zu der man speziell in Berlin die Vertreter des russischen Prolc- tariats dulden muß. Auch das sei eine Frage der Macht. Je stärker und umfassender unsere Bewegung sich gestaltet, um so eher wird sie auch auf diesem Gebiete den Widerstand zu brechen in der Lage sein. Wie man in Deutschland über die internationalen Beziehungen der Arbeiterschaft denke, zeigte am besten die Jaures-Versamm- lung. Fürst Bülow habe zwar das Verhalten unseres Genossen Jaures in der verzwickten Marokkoangelegenheit gelobt, aber doch nicht den Mut besessen. Jaures in Berlin zu den Arbeitern reden zu lassen. Bülow sagte, er wolle nicht zugeben, daß die deutsche Politik in der Hascnhcide gemacht werde. Und doch werde sie dort gemacht I Wie Caprivi für die innere Politik den Grundsatz aufstellte, daß sich die Regierung bei ihren Maßnahmen danach richte, wie sie auf die Sozialdemokratie wirken, so könne heute auch, ohne auf das deutsche Proletariat Rücksicht zu nehmen, keine auswärtige Politik gemacht werden. Das deutsche Reich glaubt ohne stehendes Heer nicht aus kommen zu können, es ist gezwungen, sich auf die Hecrcsmacht zu stützen, die sich aus deutschen Proletariern zusammensetzt, in dessen Reihen der sozialistische Gedanke eine immer weitere Ausbreitung und Festigung findet. Spiclerfürsten und Lüdriane auf dem Throne wie König Milan von Serbien sind Deutschland liebe Gäste, einen Dr. Ellenbogen oder Dr. Fröhlich, der gegen die Alkoholpest zu Felde ziehen wollte, läßt man nicht sprechen, bloß weil es sich da um Sozialdemokraten handelt. Redner geht die Tagesordnung des Stuttgarter Kongresses durch, vorausichickend, daß für die Abstimmungen das Stimmenverhältnis entsprechend dem Umfange der Partei in den einzelnen Ländern geregelt ist. Internationale Kongresse können in Spczialfragen endgültige Beschlüsse nicht fassen, sondern nur eine Verständigung über große gemeinsame Angelegenheiten herbeiführen. Jedoch bringe die EntWickelung der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse, weil sie überall auf der Ausbeutung der Arbeiterklassen beruhen, immer mehr gemeinsame Berührungspunkte hervor. Auf dem internationalen Kongreß in Amsterdam wurde angefangen d i e Frage der allgemeinen Taktik festzulegen. In dem Streit zwischen Bebel und Jaures gab dort der Kongreß für die Taktik eine Richtung an, die heute auf allen Seiten anerkannt und eingehalten wird. Die Beziehungen der Partei zu den Ge werkschaften müssen nach der Geschichte und EntWickelung geregelt werden, die beide in den einzelnen Ländern genommen haben. Was in Stuttgtrt zur Sprache kommen mutz, ist, zu unter- suchen, ob und welche Berührungspunkte zwischen Partei und Gewerkschaften in dem Bestreben der Umgestaltung deS kapitalistischen Systems vorhanden sind. In Italien und Frankreich machen sich z. B. starke Strömungen bemerkbar in gewerkschaft- lichen Kreisen, die jede politisch-parlamentarische Aktion verwerfen. hier habe dtc internationale Kongreß für Klarheit zu sorgen und ein wichtiges Stück Arbeit zu verrichten. Redner streift hierauf kurz die Forderung des Frauenwahlrechtes, das schon im Interesse der proletarischen Bewegung zu fordern ist. Zur Frage der Kolonialpolitik und des Militarismus übergehend, erläutert der Referent den prinzipiellen Standpunkt der Sozial- demokratie. Aufgabe des Kongresses kann es nicht sein, diese Wesenserscheinungcn des kapitalistischen Staates aus der Welt zu schaffen. Das kann nicht durch Resolutionen geschehen, sondern der Kongreß hat den Schwindel aufzudecken und der Brutalität der Kolonialpolitik aller Staaten den Tugendmantel hinweg- zureißen. Die in der deutschen Sozialdemokratie übliche Methode der Bekämpfung des Militarismus werde von manchem fran- zösischen Genossen, besonders aber von Herve, als zu schwach und unzulänglich bezeichnet und dafür die positive Bekämpfung, die direkt« antimilitaristische Propaganda gefordert. Redner ist der Ansicht, daß die jüngsten Vorgänge in Südfrankreich, wo anläßlich des Winzeraufstandcs ein ganzes Regiment mit dem Volke fra- ternisiertc, keinen Anlaß zur Ueberschätzung der antimilitaristischen Propaganda in Frankreich geben. Die Bedeutung liege darin, daß Clemenceau es nicht wagen konnte, den ihm zur Verfügung stehenden Militarismus gegen die„Rebellen" in Anwendung zu bringen, ohne nicht vielleicht dadurch die Republik zu gefährden. Unfcre deutsche Partei bekämpft den Militarismus, wo sich ihr Gelegenheit dazu bietet, im Parlament, in Versammlungen, in der Presse und in Broschüren. Der Erfolg davon wird sein, wenn er nicht schon tatsächlich vorhanden ist, daß die Armee aufhört, zu- verläßlich als ein Instrument gegen den sogenannten inneren Feind in Anwendung gebracht zu werden. Dazu reicht der Einfhiß der Scharfmacher nicht aus und je mehr die Arbeiterpartei wächst, um so reiflicher wird man eS sich in Deutschland überlegen, den bewaffneten Bruder gegen seinen Bruder im Arbeitskittel zu hetzen. Soweit sind wir ohne die antimilitariftische Methode gekommen. Die weiteren Ausführungen erstreckten sich auf die Ein- w a n d e r u n g s f r a g c, für die sich keine Generalregel auf- stellen ließe. Das Kapital sei bestrebt, Arbeiter aus kulturell zurückgebliebenen Ländern zur Industrie und Landwirtschaft heranzuziehen, wogegen sich besonders die Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten wehren. Vom sozialdemokratischen Stand- Punkt ist zu sagen, daß alles zu tun sei, das Kulturniveau der Eingewanderten zu heben, sie politisch, gewerkschaftlich und kulturell zu erziehen. Bei aller internationaler Solidarität kann man jedoch den Arbeitern in den vorgeschrittenen Ländern das Recht nicht streitig machen, sich gegen die Praktiken der Unternehmer, durch Heranziehung unaufgeklärter billiger Arbeitskräfte die Ge- wcrkschaften zu schädigen, energisch zur Wehr zu setzen. Hierzu wird der Kongreß einen Weg finden, wie er der internationalen Klassenbewegung entspricht. Von der Maifeier stehe es noch nicht fest, ob sie«uf die Tagesordnung komme. Werde sie aber angeschnitten, dann könne die Antwort nur sein, an den bisherigen Beschlüssen fest- zuhalten. Stände es wirklich so, daß die Gewerkschaften durch die Maifeier zu ihnen ungelegener Zeit in Kämpfe gedrängt würden, dann ließe sich über die bisherige Form der Feier reden. Aber die Gewerkschaften haben nach den bestehenden Beschlüssen voll» ständig freie Hand, ihre Maßnahmen entsprechend der jeweiligen Situation und Konjunktur zu treffen. Ist eS vom Standpunkt der politischen Klugheit geboten, nach zwanzig Jahre Arbeit von der Maifeier zurückzustehen? Sollen wir von einer Forderung ab- gehen, bloß deshalb, weil wir noch nicht stark genug waren, sie durchzuführen? Die Arbeitszeitverkürzung ist das Lebensintcresse der Arbeiter und ihrer Gewerkschaften, ohne die lebhafte Agitation für die Maifeier durch zwei Jthrzehnte wären auf diesem Gebiete keineswegs die jetzt vorhandenen Fortschritte zu verzeichnen. DaS sollten die Gewerkschaften wohl bedenken. Gibt man uns dies zu, dann kann erwartet werden, daß die übergroße Mehrheit der Kongreßteilnehmer die bisherige Form der Maifeier aufrechterhält. (Lebhafter Beifall). Inj seinen Schlußworten stellt Genosse Fischer den Stuttgarter Kongreß in Vergleich zur Friedens- konferenz im Haag. Dort werde hinter verschlossenen Türen ein diplomatisches Süppchen gekocht, zu dem wir aber in Stuttgart das Salz geben werden, um es gründlich zu versalzen. Für uns kann es nur die Losung geben, ein Volk, ein Ziel, ein Kampf, der unS befreit von der Knechtschaft des Kapitals. lStürmischer Beifalls)! Eine Diskussion wurde nicht beliebt. Es erfolgen dann die Tele- giertcnwahlen zur Generalversammlung, nach deren Erledigung die Versammlung ihren Schluß in einem brausenden Hoch auf die internationale Sozialdemokratie findet. Dritter Wahlkreis. In der Generalversammlung des Wahlvereins im drittelt Wahlkreise ging dem Hauptpunkt der Tagesordnung ein kurzer Geschäfts- und Kassenbericht, vorgetragen vom Vorsitzenden Genossen Pohl und vom ersten Kassierer Genossen Albert Harndt, voraus. Einschließlich eines früheren Bestandes von 1687 M. betrug im ersten Halbjahr 1907 die Gesamteinnahme 13 255,04 M.Z ausgegeben wurden insgesamt 12 495,10 M.. so daß ein Bestand von 759,94 M. verblieb. Einstimmig wurde Decharge erteilt. lieber die B e d e u t u n g des internationalen Kon» gresses referierte darauf der Genosse Parteisekretär Müller. Einleitend gab er der Freude der deutschen Sozialdemokratie Aus- druck, daß sie zum ersten Male Gastgeberin des internationalen Sozialismus sein könne; dabei gedachte er der Fortschritte, die seit der internationalen Tagung zu Paris im Jahre 1839 gemacht seien. Es gebe Leute auch in der Sozialdemokratie, so fuhr er fort, die da glauben, die internationalen Arbeiter- und Sozialistenkongresse leisteten mehr als Demonstration als an praktischer Arbeit. Selbst wenn dem so wäre, hätten sie ihren hohen Wert. Aber sie seien nicht bloß Demonstrationen. Die Beschlüsse früherer Kongresse und ihre Folgen hätten genugsam Zeugnis gegeben auch von der praktischen Bedeutung dieser Kongresse. Besonders nach Amsterdam zeigte sich daL in der heilsamen Wirkung auf die Genossen der Länder, wo eine Zersplitterung des kämpfenden Proletariats in mehrere Gruppen vorlag. Insbesondere sei der französische Sozia- lismuS erwähnt, der im Gegensatz zu früher diesmal als eine einzige, starke französische sozialistische Partei auf dem inter- nationalen Kongreß vertreten sein werde. Wir in Deutschland könnten stolz darauf sein, daß bei uns seit Jahrzehnten die Einheit gewahrt sei. Nicht geringen Dank schuldeten tmr in der Beziehung unserem verstorbenen JgnazAuer, der stets den Gedanken der Einheit über alles gestellt und seinen großen Einfluß stets in der Richtung geltend gemacht habe.— Zweifellos seien auf der TagcS- ordnung des Stuttgarter Kongresses eine Reihe Fragen von großer Wichtigkeit. Da sei erstens die Frage des Militarismus und der internationalen Konflikte. Es sei bezeichnend, daß die Frage zu einer Zeit auftauche, in der die Diplomaten der internationalen Welt im Haag beisammen seien. Unter Berücksichtigung der Er- scheinungcn in der Welt der Tatsachen legte Redner dar, wie un- fruchtbar diese Art internationaler Tagungen seien, und daß man kein Vertrauen haben könne zu dem, was dort gebraut werde. Er erinnert unter anderem an den japanisch-russischen Krieg, an die Burenabschlachtung sowie an die neueste Kriegserklärung des „Friedenszaren" gegen sein eigenes Volk: bie Dumaauflösung und den Bruch seiner Versprechungen durch Aufoktroyicrung des neuen Wahlgesetzes. Nun, das russische Volk werde die ihm zukommende weltgeschichtliche Mission erfüllen, unter dem Drängen des vor- wärtsstürmendcn Proletariats. Redner beleuchtete dann noch im Zusammenhange mit der Haager Friedenskonferenz die bekannte äußere Politik Bülows, seine negierende Stellung zur AbrüstnngS- frage. Das Merkwürdige sei, daß sämtliche Redner der bürger» lichen Parteien, vom Zentrum bis zum Liberalismus, im Reichs» tage Bülow recht gaben, und das zu einer Zeit, wo die Regierung weniger als je daran dachte, den Parteien einen Einfluß auf die äußere Politik zu gewähren.— Was nun unsere Stellung zum Militarismus angehe, so sei es genau dieselbe, wie sie früher von uns präzisiert worden sei und auf internationalen Kongressen zum Ausdruck kam. Immer hätten wir betont, daß wir nicht daran dächten, das deutsche Volk wehrlos irgendeinem auswärtigen Feinde gegenüberstellen zu wollen. Gerade unser« Forderung der Volks wehr sei der beste Beweis dafür, daß wir das Vaterland verteidigen wollten, ohne daß wir aber einen Militarismus großziehen ivolltcn, der auch gegen den„inneren Feind" marschiere. Gerade die Erfahrungen, die 1789 das Bürgertum Frankreichs als revolutionäre Klasse gemacht habe, müßten unS lehren, daß von einer Wehrlosmachung nicht die Rede sein könne. Auch von den Behauptungen in bürgerlichen Blättern, daß uns Liebknecht eine andere Taktik aufdrängen wolle. Kasernen- agitation mit Flugblättern und dergleichen, sei k e i n Wort wahr. Liebknecht stehe ganz entschieden auf dem Standpunkt unserer früheren Grundsätze, lind K a u t s k y habe ebenfalls deutlich zum Ausdruck gebracht, daß wir nichts zu ändern hätten und daß an kein Eingehen zu rechnen sei auf Ideen, wie sie in Frankreich von Herve propagiert würden. Auch Jaures in Frankreich sei Herve entgegengetreten.— Die deutsche Sozialdemokratie habe ferner stets unterschieden zwischen dem S y st e in des Milita» rismuö und denen, die gezwungen wären, seine Träger zu sein. Deshalb sei es auch keine Neuerung, keine Aendcrung am Prinzip, daß sie parlamentarisch für die Erhöhung des Soldes der Soldaten eingetreten sei. Verschiedentlich habe sie zur Besserung des Loses derselben gewirkt.— Liebknecht betone in seiner Broschüre, daß er durchaus auf gesetzlichem Boden bleiben wolle; daß aber die Jugend anders erzogen werden solle. Auf der anderen Seite habe er allerdings einen besonderen Ausschuß für Pro- paganda verlangt. Das sei aber auch nichts Neues; auf dem deutschen Parteitage habe schon ein solcher Antrag von Potsdam» Osthabelland vorgelegen. Die Anregung sei verworfen, weil eine solche besondere Instanz für ein bestimmtes Tätigkeitsgebiet neben dem Parteivorstande nicht angebracht sei.— Aus allen Erfahrungen, die wir in Jahrzehnten in Deutschland gemacht hätten, wurden wir festhalten an unserer Stellung zum Militarismus.— Mit der Kolonialpolitik werde sich der Kongreß auch befassen. Redner legt den prinzipiellen Standpunkt der Partei dar, wie ihn Bebel im Reichstage präzisiert hatte.— Zu dem Punkt:„Beziehungen zwischen den politischen sozialistischen Parteien und Gewerkschaften" brauche hier nichts gesagt zu werden, nachdem der Mannheimer Parteitag die Einigkeit zwischen Partei und Gewerkschaften in Deutschland besiegelt und Mißverständnisse gehoben habe. Im Zusammenhange mit jener Frage werde aber vielleicht die Maifeier zur Verhandlung kommen, zu der in verschiedenen Kreisen Anregungen ausgingen. Auch Kreise von Gewerkschaftern drängten zur endgültigen Regelung. Redner sei der Ueberzeugung, daß solche„endgültige" Regelung in Wirklichkeit keine endgültige sein würde. Schon der nächste Kongreß würde sich wieder damit beschäftigen müssen. Das internationale Bureau habe den Punkt nicht mit auf die Tagesordnung gesetzt, und dies seitens der deutschen Delegierten anzuregen, bestehe kein absolutes Bedürfnis, weil die übergroße Mehrheit der Partei in bezug auf die Maifeier wirklich nichts geändert haben wolle. Es habe keinen Zweck, daß immer wieder der alte Beschluß nach einer mehr oder minder längeren Diskussion gefaßt werde. Persönlich nehme er an, daß doch wieder derselbe Beschluß gefaßt werden würde und daß wir im nächsten Jahre über die Frage debattieren würden wie bisher. Gewiß fände er es verständlich, wenn aus gewissen Erfahrungen heraus Ge- werkschaftler und auch politisch tätige Genossen in zurückgebliebenen Gegenden usw. Aenderungen vorschlügen. Das könne aber doch nicht den Ausschlag geben, wo es sich um die Stellungnahme der Gesamtpartei Handelei Im übrigen erscheine auch dazu, die Frage der Maifeier neu aufzurollen, die Zeit keineswegs geeignet; die Zeit, wo das sächsische Proletariat in neue Wahlrcchtskämpfe ver- wickelt sei und die preußische Wahlrechtsbewegung wieder in Fluß komme. Wir müßten bedenken, daß wir in einer Zeit solcher gc> spannten politischen Atmosphäre nicht die einzige Demonstration die das deutsche Volk habe, beseitigen könnten.— Daß die F r a des Frauen st immrechts nur für sich und nicht nach dem Vorschlage der Genossin Baader im Zusammenhange mit der der Demokratisierung des Wahlrechts überhaupt vom inter- nationalen Bureau auf die Tagesordnung gebracht wurde, hält Redner für keinen Schaden. Es solle sich ja diesmal gerade um das Frauenstimmrecht handeln. Bei einer zu allgemeinen Debatte aber, die bei der Frage der Demokratisierung des Wahlrechts über- Haupt notwendig in die Breite gehen würde, könnte nicht mit der nötigen Schärfe herausgeschält werden, worum eS sich eigent. lich handele. Daß wir den Frauen gegenüber für volle Gleich bcrechtigung einzutreten hättcn,darüber bestehe bei uns in Deutsch land kein Zweifel.—> Zur Frage der Einwanderung und Auswanderung, unter der die Gewerkschaften und die politischen Parteien gewiß mehr oder minder zu leiden hätten, betont Redner als den Standpunkt der deutschen Sozialdemokratie, daß das Wort Marx':„Arbeiter aller Länder, vereinigt Euch", aufrecht zu erhalten sei auch dahin, daß durch die Gesetzgebung nichts daran geändert werden solle. Verfehlt scheine ihm der von Sozialisten in Amerika zum Teil eingenommene Standpunkt, daß man einen Unterschied machen müsse zwischen Einwanderern aus kapitalistischen Ländern und Angehörigen„inferiorer" Völker, womit man auch die Asiaten meine. Gegen diese, aber nicht gegen jene sollen gesetzliche Absperrungsmaßnahmen nach dem fraglichen Standpunkt zulässig sein. Dem könne nicht beigetreten werden. Man brauche bloß an die Japaner denken, um zu sehen, wie leicht ein Land zu einem kapitalistischen werde, wo die Arbeiter Dedürf- nisse gewännen und den Klassenkampf lernten. Auf der anderen Seite vergesse man nicht, daß beim Streik der Seeleute das Mutter land der Organisationen, England, das Streikbrecherreservoir ab gegeben habe, wenn eS auch die Hefe des englischen Volkes gewesen sei. Jedenfalls bestehe so kein Anlaß, einzelne Nationen heraus. zugreifen und in Bann zu tun. Sondern: Aufklärung des Prole- tartatS der ganzen Welt— Kampf gegen die Kapitalisten der ganzen Welt!— Zum Schluß sprach Redner die Genugtuung darüber aus, daß die deutsche Partei trotz der Hottentottenwahlen als Dreimillionenpartei den internationalen Sozialismus empfangen könne. Sie kann ihm versprechen, keinen Finger breit von dem Wege abzugehen, den sie bisher gegangen sei als Vorhut der internationalen sozialistischen Armee!(Lebhafter Beifall.) ES ist ein von der Bezirksführerkonferenz beschlossener Antrag eingegangen:«Wir halten an der bisherigen Feier des 1. Mai fest und ersuchen die Delegierten, in dem Sinne zu stimmen." Genosse Arndt empfiehlt den Antrag und führte noch auS: WaS Genosse Müller über die Maifeier gesagt habe, unterschreibe er. Er glaube aber, Referent sei zu optimistisch. Nach NcdnerS Meinung werde von Gewerkschaftern versucht werden, den Amster- damer Beschluß umzustoßen. Er erinnere an BömelburgS Aeuße- rung, auf dem nächsten internationalen Kongreß werde man sich auseinandersetzen. Ferner erinnere er an die Diskussion in Köln, nach Köln, auf der Vorständekonferenz, deren Protokoll von der «Einigkeit" veröffentlicht wurde, usw. Der Aufruf des Partei- Vorstandes in diesem Jahre habe auch einer Leichenrede so ähnlich gesehen wie ein Ei dem anderen. Irgendwelche stichhaltigen Gründe gegen die Maifeier in heutiger Art gebe es nicht. Redner tritt verschiedenen der bekannten Bedenken entgegen. Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Genosse Müller nahm in seinem kurzen Schlußwort Bezug auf die Aeußerung des Vorredners zum Ausruf deS ParteivorstandeS. Damit sei keine Aenderung in der Richtung beabsichtigt, daß etwa die ArbeitSruhe am 1. Mai aufhören solle. ES sei auch auS dem Wortlaut nicht herauszulesen. In ähnlicher Situation habe ja der Parteivorstand schon ebenso gehandelt. Auf der Generalversammlung von Groß- Berlin sei darüber ja gesprochen worden. Und auf dem dies- jährigen deutschen Parteitage werde man auch darüber Erklärungen erhalten.— Die Anregung der Schaffung eines Maifeierfonds, wie sie im„Vorwärts" gemacht fei, könnte auf dem deutschen Parteitag Gegenstand der Verhandlung sein.— Die allgemeine Resolution wurde einstimmig, der Antrag der Bczirlsführer gegen drei Stimmen angenommen. Vierter Wahlkreis. Die in„Kellers Festsälen" tagende, sehr gut besuchte außerordentliche Generalversammlung des 4. Kreises, die sich aus- schließlich mit der Tagesordnung des internationalen Kongresse? beschäftigte, wurde durch ein vorzügliches, alle Punkt« der TageS- ordnung eingehend berücksichtigendes Referat deS Genossen Hemrich Ströbel eingeleitet. In der Frage der internationalen Au», resp. Einwanderung müsse sich seder Sozialist prinzipiell auf den Boden unbedingter Freizügigkeit stellen. Die heute noch geübte Völkerverhetzung würde um so mehr verschwinden, je mehr sich das Proletariat der verschiedenen Länder durch persönlichen Verkehr kennen lerne. Das Zusammenarbeiten werde die inter- nationale Verbrüderung befestigen und dem Proletarier begreifen lehren, daß eS nur einen Feind gebe, den internationalen Kapitalismus. Redner erinnert daran, daß der Wandertrieb der deutschen Arbeiter der dreißiger und vierziger Jahre diese erst mit dem Sozialismus bekannt gemacht und den sogenannten Hand- wertSburschenkommuniSmuS erzeugt habe. Das Unternehmertum trete freilich auS einem anderen Grunde für die Einwanderung fremder»rk-ätskräfte ein, nämlich nur deshalb, um billige Arbeits- Iräfte zu bekommen. Die massenhafte Einwanderung billiger Landaroeiter aus Ungarn,•alizten, Böhmen usw. ließen sich die Slgrarier genau so gerne gefallen wie sich andere Unternehmer etwa die Einwanderung von Erdarbeitern auS Italien gefallen ließen. Sobald sich aber die organisierten Arbeiter bemühten, diese fremden Brüder für die Gewerkschaftsbewegung zu gewinnen, und diese Bemühungen Erfolg versprechen, so daß die Kapitalisten ihre willenlosen Sklaven verlieren würden, setzte eine ungeheure Hetze gegen diese rechtlosen Proletarier ein und die Behörden unterstützten dieses Borgehen durch massenhafte Ausweisungen. Es sei aber um so mehr Pflicht, bor allem der Gewerkschaftler, sich dieser Arbeiter anzunehmen, andererseits aber auch wieder darauf zu dringen, daß in allen fortgeschrittenen Ländern ein gesetzlicher Minimallohn und eine MaximalarbeitSzeit durchgeführt werde. Niemals aber dürften sich Arbeiter für ein Verbot der Ein- Wanderung erklären. Die gesetzliche Regelung eines Ausländer. rechts müsse verlangt werden, um der Vogclfteiheit der Ausländer zu steuern. Freilich stecke auch in diesen Forderungen ein Stück Zukunftshoffnung, aber das Proletariat fei allein die Klasse, die mit Kraft und Ausdauer auch weiteren Zielen zuzustreben im stände fei. Redner trat sodann sehr lebhaft für da» allgemeine Wahl recht für die Frauen ein. Die Sozialdemokratie dürfe sich nicht von opportunistischen Gründen leiten lassen, sondern müsse selbst dann für da» Frauenwahlrecht eintreten, wenn wir einen augenblicklichen Rückschritt zu erwarten hätten. Eingehend geht so dann der Redner auf die für unS so wichtige Frage„ M i l i tariSmuS Und internationale Konflikte" eilt Unsere prinzipielle Stellung zum Militarismus sei bekannt. In dem die Sozialdemokratie für die Miliz eintrete, treten wir nicht für WehrloSmachung der Nation, sondern für die einzig wirksame Volksbewaffnung ein. Nicht nur die Schweizer Miliz, sondern auch die Erfahrungen des amerikanischen Bürgerkrieges, des deutschen„Befreiungskrieges", deS Burenkrieges usw. und nicht zuletzt des südwestafrikanischen Herero- und Kaffernkrieges bc wiesen die Leistungsfähigkeit einer Volksbewaffnung. Freilich für die herrschenden Klassen sei der automatische Drill des Mili- tariSmuS die einzige Schutzwehr. Der 21. Januar 1S0S habe das wahre Gesicht der herrschenden Klassen gezeigt. Als ein Jahr später. 1307, patriotische Demonstrationen vor dem Reichskanzler- palast und dem Schloß tobten, da wurden keine scharfen Patronen verteilt und die SchutzmannSrevolver traten nicht in Aktion. WaS wir zur Bekämpfung deS Militarismus tun könnten, fei Stärkung der Jugendorganisation und unablässige Propaganda unserer Ideen auch unter den jungen Leuten, noch ehe sie in die Kaserne kämen. Kasernenpropaganda können wir in Deutschland nicht gc- brauchen, da die Opfer in keinem Verhältnis zu den Erfolgen stehen würden. Wenn aber mehr als 3 Millionen deutscher Prole- tarier sich selbst den heiligen Schwur leisten würden, unablässig für unsere Sache zu kämpfen und zu agitieren, so würden wir unser Ziel auch ohne diese erreichen. Wenn in Frankreich und Belgien usw. andere Methoden angewandt werden könnten, so läge dies an den anderen Verhältnissen. Während Genosse H e r v s in Frankreich nach einigen Monaten Aufenthalt in dem fidelen fran- zöfischen Gefängnis für politische Gefangene(in dem er Besuche empfangen, selbst ein Klavier sich halten konnte) begnadigt wurde. könnte ein deutscher Genosse wegen desselben Delikts im Zucht- haus verfaulen. Auch bei uns werde die Zeit kommen, wo die sittlichen Gebote der Elternliebe und das biblische Gebot, Vater und Mutter zu ehren, höher stehen als der Befehl auf Vater und Mutter zu schieben. Genosse Ströbel legt dann noch den Standpunkt des Genossen K a u t s k y über Gehorsamsverweigerung im Krieg. Patriotismus und Sozialdemokratie, den er teilt, ein- gehend dar. Redner weist dann auf die Schädlichkeit der Kolonial- Politik, auf die Opfer(Kolonialarmce). die der Militarismus ordert und auf die Früchte, die er zeitigt, hin. Einen glänzenden Beweis davon habe der Petersprozeß geliefert, und das Bestreben dieser Clique, die Praxis der Negerkultwierung und der Ko- lonialkriege auch auf die Behandlung der„weißen Sklaven", auch in einem eventuellen Bürgerkriege anzuwenden, sei unverkennbar. Auf die Beziehungen zwischen Partei und Gewerkschaften brauche er, nach der Klärung, die jetzt, namentlich nach dem Mannheimer Parteitage gefolgt sei. nicht weiter einzugehen. Notwendig sei's. daß diese beiden Glieder einer Arbeiterbewegung durch dasselbe Herz, von demselben Blute ernährt würden. Der sozialistische Geist müsse durch alle Adern der Arbeiterbewegung pulsieren, damit sich bei unS nicht der konservative Geist eines Nurgewerkschaftlev tum? a la England festsetzen könne. Daß wir die Maifeier nicht preisgeben könnten, halte er für selbstverständlich. Selbst die Opfer einer ev. Aussperrung müßten wir auf uns nehmen, denn die gebratenen Tauben würden uns nie in den Mund fliegen. Wir könnten von der Maifeier mit ArbeitSruhe nicht Abstand nehmen, ohne die Unmündigkeit der Ar- beiterbewegung zu dokumentieren. Redner fordert dann noch zum Protest gegen die FriedenSfarce im Haag auf, da die kapitalistischen Konkurrenzverhältnisse der einzelnen Staaten so lange den Krieg notwendig machten, bis diese Verhältnisse selbst durch den Sozialismus überwunden würden. Der lebhaste Beifall bewies, daß der Referent ganz im Sinne der Anwesenden gesprochen hatte und ohne Diskussion wurde die gestern schon veröffentlichte Resolution angenommen. Zum Punkt 2 der Tagesordnung, Anträge, wurde folgende Resolution gestellt: „Die Mitgliederversammlung des WahlvereinS für den 4. Berliner ReichStagSwahlkreis hält nach wie vor eine internatio- nale gewaltige Demonstration an einem bestimmten Tage, um den achtstündigen Arbeitstag zu erringen, für notwendig. Die Versammlung erwartet von ihren Delegierten, im Fall die„Mai- feier" auf die Tagesordnung gesetzt wird, daß sie etwaige Ver- schlechterungen, betreffend die Arbeitsruhe, zu verhindern suchen und sich auf den Boden der Resolutionen von Jena und Mannheim stellen. Begründend wurde ausgeführt, daß wir die Maifeier eher durch ArbeitSruhe zu verschärfen, als zu verwässern haben. Auch die ahlung deS ganzen oder eines Teils deS Tagelohnes in einen zu chaffeiidcn Fonds zur Unterstützung der Opfer könne keineswegs als Entschuldigung und als vollwertiger Ersatz angesehen werden. Die zur Delegation vorgeschlagenen Genossen werden aufgefordert, zu diesem Punkte sich zu äußern. Genosse H a ck e l b u s< Punkt und weist auf die präzisiert sodann kurz seinen Stand- irkung der Maifeier als Propaganda- mittel hin. Der Auftuf des Parteivorstandes sei mit. Recht von den Parteigenossen sehr mißfällig aufgenommen worden. Der dort ver- tretene Standpunkt sei zu bekämpfen. Durch diesen Aufruf sei nur Verwirrung in die Massen der Arbeiter getragen und die Arbeits- ruhe nur eingeschränkt worden. Ein von Genossen S t u m p e gestellter und begründeter Antrag, zur Erleichterung des internationalen Verständnisses den„Vor- wärt?" in Zukunft mit lateinischen Lettern zu drucken, wird auf einen geeigneteren Zeitpunkt zurückgezogen. Die hieraus vollzogene Wahl hatte dann daS gestern schon ge- meldete Ergebnis. Von 2592 abgegebenen Stimmen erhielten: Paul Hoffmann 723, Otto B ü ch n e r 567 und Richard Hackelbusch 403 Stimmen. Fünfter Wahlkreis. In der Generalversammlung deS sozialdemokratischen Wahl- vereinS im fünften Wahlkreis verlas der Kassierer, Genosse K i r st e die Namen von 66 Personen, die sich seit der vorigen Ver- ämmlung zur Aufnahme in den Verein gemeldet hatten. Ein- Wendungen wurden nur gegen einen der Verlesenen erhoben, der beim Gürtler- und Drückerstreil nicht den Grundsätzen der Arbeiterbewegung gemäß gehandelt haben soll. Diese Sache wurde dem vorstand zur Untersuchung überwiesen. Sodann sprach Genosse David söhn über den inter- nationalen Arbeiterkongreß. Von den wichtigsten Punkten der Tagesordnung, wie sie vom internationalen Bureau vorgeschlagen wird, hob der Redner zunächst die Frage des Frauenwahl. rechts hervor und bezeichnete eS als erfteulich. daß diese Frage, die aus dem Amsterdamer Kongreß angeschnitten und in einer kurzen Resolution vorläufig erledigt wurde, nun in Stuttgart gründlich behandelt werden soll. Der Redner erwähnte auch die Einführung deS politischen Frauenwahlrechts in Finnland, die er als ein Experiment bezeichnete, da man ja im Hinblick auf die Verhältnisse in Rußland nicht wissen könne, ob es bestehen bleiben werde. Die Tatsachen aber, daß die finnischen Frauen sich so außerordentlich stark an den Wahlen beteiligten, und daS Ergebnis der Wahlen: 19 weibliche Parlamentsmitglieder, unter ihnen 9 sozialdemokratische, und 80 Sozialdemokraten unter den im ganzen 200 Abgeordneten seien Beweiser Ein- und Auswanderung befürworten und dem Standpunkt einiger englischer Trade? Unions entgegentreten, die ausländische Arbeiter in ihre Organisationen nicht aufnehmen, diese dadurch zwingend, sich dem Kapitalismus auf Gnade und Ungnade zu er- geben, so wird er andererseits mit allem Nachdruck den junkerlichen und kapitalistischen Gelüsten der Einfuhr von Kontraktarbcitern. die in Massen angeworben werden, um den einheimischen Arbeitern Konkurrenz zu machen und als Lohndrücker zu dienen, entgegen- treten. DaS Proletariat mutz sich daran gewöhnen, die Klassen- gegensätze auszumerzen, die einwandernden freien Arbeiter für den Sozialismus zu gewinnen suchen. Ebenso nötig ist es aber auch, «daß jeder auswandernde deutsche Genosse im Auslande für die Ver- mitun�j der sozialistischen Lehre eintrete, um so für sein Teil zur endgültigen Völkerverbrüderung beizutragen. Dem Stuttgarter Kongreß wird es überlassen sein, neue Bahnen zu weisen zur Verwirklichung unseres Endzieles, der Er- richtung der sozialistischen Gesellschaftsordnung.— Lebhafter Beifall.— Es ist ein Antrag Halfter eingegangen, der vom Stuttgarter Kongreß die internationale Regelung der Gehaltsfrage für Beamten verlangt. Auf Antrag des Genossen Backhaus wird von einer Dis- kussion Abstand genommen und der Antrag Halfter abgelehnt. AIS Delegierte bestätigt die Generalversammlung die von der KretS- konferenz vorgeschlagenen Genossen Ernst, Freythaler und Ledebour. Nach einem zu reger Agitation anfeuernden Schlußwort des Genossen Freythaler stimmb die äußerst stark besuchte Ver- iammlung in ein begeistertes Hoch auf die völkerbcfreiende Sozial- vcmolratie ein« Soziales. Kontraktbrüchig gewordett, Unsere Vollblutagrarier sind wütend über die Treulosigkeit der landwirtschaftlichen Arbeiter. Da mühe sich so ein Edelster ab, durch Anwerbung polnischer oder russischer Arbeitskräfte daS Gespenst der Lcutcnot zu bannen; er zahle schwere VermittclungS- gebühren, und wenn er die Leute am nötigsten habe, in der Ernte, dann brenne ihm die gewissenlose Gesellschaft, Treu und Glauben unter die Füße trampelnd, durch. Der Kontraktbruch sei heute gang und gäbe; fast kein Tag vergehe, an dem nicht in der Land- Wirtschaft tätige Arbeiter den eingegangenen Vertrag in frivoler Weise brechen und auf Nimmerwiedersehen davonlaufen. Die Arbeiter hätten keinerlei Veranlassung dazu. Die Arbeit sei schon mehr eine Erholung, die Behandlung eine durchaus humane und dennoch diese Massenflucht. Uebermut der Arbeiter sei die Ursache. So und ähnlich schallt eS aus dem Blätterwald der Agrarier heraus. Zur Jllustrierung des wahren Sachverhalts möge ein der Praxis entnommenes Beispiel aus dem Kreis Linden An- fuhrung finden. Auf dem Nittergute des Herrn v. Heimburg in Eckerde, Kreis Linden, mußten unlängst mehrere Arbeiter dicht- bestandenen und ungleich gelagerten Klee mähen und zwar pro hannov. Morgen für eine Reichsmark fünfzig Pfennige. Sie ar- bciteten nun von morgens 3 bis abends 8 Uhr und brachten es dm dieser doch gewiß bescheidenen Arbeitsberechnung auf 4,60 M. Dabei beschäftigt gewesene Polen hatten nach Rechnuna oer Guts- Verwaltung indes mir 2,70 M. pro Tag verdient. Dir. Polen � lärmten, sie wollten mehr geleistet haben. Alles gütige Zureden war umsonst� Selbst die Klopfgeister, die vier Mann hoch, ihren nächtlichen Spuk trieben, natürlich nur zur Unterhaltung der fremdsprachigen Barackenbewohncr, konnten nicht verhindern, daß am vorletzten Sonntag zwei Polen und eine Polin, auf die c? die Klopfgeister besonders abgesehen, sich auf und davon machten; fiiilf andere hatten schon früher dem Gutshofe Valet gesagt. Die kontraktbrüchige Gesellschaft zog mehrere Hemden, Röcke und Hosen an, und so ausstaffiert, zog stc unter den Klängen einer Harmonika vom Hofe. Die Ausziehenden verschmähten es sogar, ihre Kaution im Betrage von je 20 bezw, 25 M. mitzunehmen. Und einer solchen blu- tigen Verhöhnung stehen die bemitleidenswerten Agrarier machtlos gegenüber. Ist eS da nicht begreiflich, wenn die„Deutsche TageS- zeitung" über unerhörte Pflichtvernachlässigung der Behörde wettert? Müßte diese nicht mit einem heiligen Donnerwetter unter die pflichtvergessenen Arbeiter fahren I Nur Lästerzungen können behaupten, daß der hier erwähnte Auf- und Fortzug nur eine Komiibie gewesen, um überhaupt fortzukommen und zwar ohne Gefahr zu laufen, wieder zurückgeführt zu werden. An dem nämlichen Tage forderten mehrere andere Arbeiter, ohne sich an die SonntagSheiligung zu kehren, ihren verdienten Lohn. Ver- geblich bat sie der Verwalter:„Schert euch vom Hofe! Montags gibts Geld, nicht Sonntags." Die Arbeiter pochten frech auf ihren Schein. Und dabei mangelte es auch an Kleingeld, um die be- gehrliche Gesellschaft befriedigen zu können. Brauchen denn Ar- beiter überhaupt Geld?„Die Hunde können vom Winde leben'." Die in Rede stehenden Arbeiter haben dieser Tage eine Fläche Gras gemäht und hierbei, obgleich sie von morgens 3 bis abends 8 Uhr mit der Senfe hantiert, in vier Tagen 14,75 M. verdient. Gewiß ein schönes Stück Geld. Dennoch gehen diese Arbeiter— es ist zum Davonlaufen I— mit der Absicht um, die gemachte Fläche nachmessen zu lassen, und haben sogar zum Ouartalswechsel gekündigt. DaS alles dürfen sich Arbeiter aus dem Gute eines Edlen erlauben, dessen noch lebender Vater Landrat des Kreises war.„Die Frivolität der Arbeiter kennt eben keine Grenzen mehr" wird die„Deutsche Tageszeitung" behaupten. Sonntagsruhe im Handelsgewerve. Für völlige Sonntagsruhe sind eine Reihe VerbandLbczirke und der VcrbandSvorstand des Zentralvcrbandes der Hcmdlungs- gehülfen und-Gehülsinnen Deutschlands in Eingaben an das ReichSamt des Innern eingetreten. In der Eingabe des Zentral- Vorstandes heißt eS: „Nachdem nunmehr volle 1b Jahre seit der reichsgcsetzlichen Regelung der Sonntagsruhe für das Handclsgewerbe verflossen sind, richten wir an das Reichsamt des Innern die dringende Bitte, durch die in Aussicht gestellte Neuregelung der betreffenden Bestimmungen der Gewerbeordnung die Einführung der völligen Sonn- tagSruhe im Handelsgewerbe in die Wege leiten zu wollen. Diese Maßnahme ist um so notwendiger, als die Kommunal- behördcn den seinerzeit in sie gesetzten Erwartungen nicht ent- sprachen haben. Der Herr Staatssekretär v. Berlepsch erklärte am 5. Mai 1801 bei der Beratung der Novelle zur Gewerbeordnung im Reichstage, daß alle die Behörden, die die Aufgabe haben, den § 105b der Gewerbeordnung auszuführen, verpflichtet seien, das Möglichste zu tun, um die Arbeit der Handlungs- gehülfen an Sonntagen zu beseitigen. Dieser Pflicht sind die Kommunalbehörden im allgemeinen nicht nachgekommen, so daß ein Eingriff durch ReichSgesctz zur unabweisbaren Not- wendigkeit geworden ist. Der Herr Staatssekretär Graf v. Posa- dowSky hat am 7. März 1005 im Reichstag ausgeführt, daß der weitere Ausbau der Sonntagsruhe im Interesse der sittlichen und geistigen Wohlfahrt unseres Voltes läge. Im Interesse der Volks- wohfahrt im allgemeinen und zum Nutzen der Handelsangestellten im besonderen erachten wir die Einführung der völligen Sonntags- ruhe im Handelsgewerbe durch Reichsgesetz als dringend er- forderlich." Die Eingabe weist sodann nach, daß die völlige Sonntagsruhe im Handelsgewerbe sehr wohl möglich ist und wiederholt nochmals den Wunsch nach baldiger Einführung der völligen Sonntagsruhe im Handelsgewerbe durch ReichSgesctz. ZZus Industrie und Kandel. Konzentration in der Landwirtschaft. Eine ähnliche Stellung wie die Krupp, Thyssen, StlimeS und Genossen in der Montanindustrie, nimmt die Firma Dippe-Ouedlin- bürg für ein begrenztes Gebiet in der Landwirtschaft ein. Die Firma besitzt bedeutende Samenzüchtereien, dazu aber auch mehrere große Güter mit Ackerwirtschast. Insgesamt beschäftigt Dippe zurzeit über 8000 Personen. In den letzten drei Jahrzehnten sind in Quedlinburg über 60 selbständige Besitzer mit über 300 Pferden verschwunden. Die meisten dieser Be- sitzungen hat sich die Firma Dippe einverleibt. Damit ist deren Aufsaugungsfähigkeit aber längst nicht erschöpft. Die Fangarme dieses großkapitalistischen Unternehmens reichen weit über Ouedlin- bürg hinaus und wissen auch Rittergütrr und Staatsdomänen zu erfassen. Ein besonderes Kapitel zum staatlichen MittelstandSschntz bietet die Vorgeschichte der käuflichen Uebernahme der früheren preußischen Domäne HauS Neindors durch Dippe. Auf diesem Gut werden zurzeit 90—100 Ausländer, Polen und Russen, beschäftigt. Die Ein- wohner deS Dorfes wandern nach Möglichkeit ans, weil die Arbeits- Verhältnisse auf dem Gute zu miserabel sind. Als vor sieben Jahre» bekannt wurde, daß die Regierung beabsichtige, daS Gut zu ver- kaufen, baten die Einwohner von Neindorf in wiederholten Petitionen um Parzellierung. Die Domäne ist 1500 Morgen groß, so daß für eine Reihe von Familien die Möglichkeit einer Existenz geschaffen werden konnte. Aber die Negierung kümmerte sich nicht um die Sorgen der armen Leute, sie fühlte nicht das Bedürfnis, ans den tagelöhnernden Einwohnern kleine Grundbesitzer und Pächter zu machen. Die Petenten bekamen die Nachricht, die Domäne werde nur als Ganzes verkauft, man könne ja bgrauf bieten I Eine solche Antwort mußten die Leute als Hohn empfinden, denn von ihnen konnte niemand als Käufer austreten, der genügend Barmittel oder Kredit hatte. Nachdem so die HoffnungSträume der Neindorfer vernichtet waren, wandte sich die arme politische Gemeinde an die Regierung mit der Bitte, ihr wenigstens zwei Morgen Land z« einem Friedhofe zu überlassen. Obwohl die Gemeinde wegen des Friedhofes in Verlegenheit war, wurde auch dieser Bitte nicht entsprochen; angeblich soll die Petition nicht mal einer Antwort gewürdigt worden sein. Bei dem öffentlichen Verkaufe ging das Gut zum Preise von 1000 Mark pro Morgen, einschließlich der aufstehenden Guts« und Wirtschaftsgebäude, also zu einem Gesamtpreise von 1'/, Millionen Mark, in den Besitz der Firma Dippe über. Nunmehr konnte die Gemeinde Gelände für einen Friedhof erhalten, aber sie mußte 2000 Mark für nacktcS Land ohne Gebäude zahlen I Dabei ist die Gemeinde so arm, daß sie nicht einmal für ordentliches Trink- und HauShaltnngSwasser sorgen kann. DaS Wasser zu Kochzwecken wird auS der Selke geholt, ick die sich mehrere industrielle Abwässer und andere Unreinlichkeiten ergießen. Haus Neindorf wird nun aber nicht von der Firma Dippe ver- waltet, sondern zusammen mit denGiiternHadcrSleben, Ditfurt und der Zuckerfabrik in HaderSleben unter einer gemeinschaftlichen Admi- nistration. Wir haben hier eine regelrechte Fusion. Ueber die Gcwlnnverrechnung sind Angaben nicht zu erhalten. Die Betriebs- kombination hat für die Unternehmer das eine Vorteilhaste— daß die Arbeitsverhältnisse überall gleich schlecht sind. Da» eine Gut fängt dem anderen nicht die Arbeitskräfte weg. Unzufriedene Ele- mente duldet man nicht. Und dabei findet man verständnisvolle Hülfe bei der Regierung. Als vor einigen Wochen zwei Russen die Arbeit verweigerten. wegen Nichterfüllung kontraktlicher Zu« sicherung, wurden sie einfach per bewaffneter Macht als last ige Ausländer über die Grenze expediert. Jeden- falls zahlt der Staat auch noch die Kosten für solche „Rechtswahrnehmung". Bei den erbärmlichen Arbeitsverhältnissen — Männer verdienen 1,60 bis 1,80 Mark, Frauen bis 1,20 Mark— wird den Einwohner»' die Liebe zur heimatlichen Scholle gründlich ausgetrieben. Wer nicht durch den Besitz eines kleinen Häuschens, die meist noch mit Hypotheken bis zum Zusammenbrechen überlastet sind, gebunden ist, wandert auS. Und die„Besitzer" würden gern ihre Hüttchen verkaufen, wenn sich nur Käufer fänden. Aber das Neindorfer Gutsparadies reizt nicht zur Seßhaft« inachung._ Die Firma Friedrich Krupp. Der zweite Teil des Jahresberichts der Essener Handelskammer enthält einige interessante Angaben über den Umfang der Betriebe der Aktiengesellschaft Friedrich Krupp. Danach waren auf der Guß- stahlfabrik im Jahre 1006 in den etwa 60 Betrieben in Tätigkeit: zirka 6500 Werkzeug- und Arbeitsmaschinen, 21 Walzenstraßen, 155 Dampfhämmer von 100 bis 50 000 Kilogramm Fallgewicht mit zu- sammen 253 275 Kilogramm Fallgewicht, 21 Transmissionshäinmer von 12 bis 400 Kilogramm Fallgewicht<4780 Kilogramm Gesamt- fallgewichlj, 74 hydraulische Pressen, darunter 2 Biegeprcssen zu je 7000 Tonnen. 1 Schmiedepresse zu 5000 Tonnen und 1 zu 2000 Tonnen Druck- kraft, 332 Dampfkessel, 530 Dampfmaschinen von 2 bis 3500 mit zusammen 50 050?3, 1361 Elektromotoren von zusammen 20 226?s, 725 Krane von 400 bis 150 000 Kilogramm Trag« fähigkeit. Die Nettokohlenfördernng ans den eigenen Zechen betrug Jahre 1906 insgesamt 2 204 272 Tonnen. Der Gesamtverbrauch der Kruppschen Werke, soweit sie von der Gußstahlfabrik versorgt wurden, betrug 1006 an Kohlen(ohne Eigenverbrauch der Zechen) 1 285 310 Tonnen(davon verbrauchte die Gußstahlfabrik allein, das heißt ohne die für Hügel und ohne die zur Abgabe an Beamte und Arbeiter bestimmten Kohlen 813 155 Tonnen, an KokS 751 810 Tonnen, an Briketts 23 581 Tonnen. Nach der Aufnahme vom 1. Januar 1007 betrug die Gesamt- zahl der auf den Kruppschen Werken beschäftigten Personen ein- schließlich 5730 Beamten 64 334<1. April 1006: 62 553 einschließlich 5063 Beamten). Von diesen entfallen auf die Gußstahlfabrik Essen mit den Schießplätzen 35 745(35 377), das Grusonwerk in Buckau 4768(4603), die Germaniawerft in Kiel 3510(3061), die Kohlen- zechen 0302(8864), die Hüttenwerke 5006(4286), Stahlwerk Aimen 891(870), die Eisensteingruben 4638(8823). Der Durchschnitt der auf der Gußstahlfabrik pro Kopf und Tag bezahlten Löhne betrug 1002 4.52 M.. 1003 4,56 M., 1004 4,83 M.. 1005 5.12 M.. 1006 5.35 M._ Ernteaussichten in Oesterreich. Nach dem soeben erschienenen Bericht des österreichischen Acker« bauministeriums kann Oesterreich auf eine recht gute Ernte rechnen. Es heißt in diesem Bericht: „Der Verlauf der Witterung in der letzten Berichtsperiode wirkte auf die Entwickelnng der Feld- und Wicsenfrnchte nieist recht günstig ein, iveShalb mindestens eine gute Mittel- ernte erhofft wird. Winterweizen und Roggen versprechen in Berücksichtigung der AehrenauSbildung eine gute M i t t e l e r n t e. Sommerweizen, Roggen und Gerste stehen durchweg gut. Winter« gerste verspricht ein geringes, Hafer ein recht gutes, Mais ein durchweg gutes Erträgnis; Kartoffeln versprechen unter allen Feldfrüchten das größte Erträgnis bei gutem bis sehr gutem Stande. Die Entwickelnng der Zuckerrüben ist recht gut und läßt eine gute Ernte erwarten. Futterrüben und Weißkohl stehen gut, ebenso Erbsen; dicke Bohne», Fisolen, Buch« Weizen und Hirse sowie Mohn befriedigend, Rapskulturen mittel- mäßig, Hopfen mittelgut bis recht gut. Klee und Heu verzeichnen eine Mittelernte. Der Weinstock wächst überall rechr kräftig heran und zeigt einen reichlichen, sehr schönen Traubenansatz. Die Obst- aussichten sind zumeist schlecht, vielfach steht eine völlige Miß- ernte in Aussicht._ Verllner Marktpreise. AuS dem amMchen Bericht der NZMIIchen Markthallen-Direktion.(Großhandel.) Rindfleisch la 72—74 pr. 106 Pfd., II» 66—71, lila 61-62, Bullensleisch la 07—72, IIa 57-66, Kühe, fett 54—62, do. mager 42—52, Fresser 56—68, Bulle», bän. 0,00, de. Holl. 0,00. Kalbfleisch, Doppellender 100—120, Masttälber la 75-84, II» 66—74, Kälber ger. ge». 47— 59, do. Holl, 0,00, bän. 0,00. Hammelfleisch Mastlämmer 76—80, Hammel la 71—75, IIa 64-70, Schafe 61—64. Schweinefleilch 54—61. Rehbock la per Pfund 0,65—0,80. IIa 0,40-0,60, Roiwild, Abschuß 0,37-0,63. Damwild, Abschuß 0,00. Wild- schlvciue 0,25—0,41. Frischlinge 0,00. Kallinchen per Stück 0,30—0,75. Hühner, alle, per Stück 1,50—2,00, IIa 0,80— 1,30, do. junge 0,10—0,75. Tattben 0,35—0,60, italienische 0,00. Enten per Stück 1,00 htZ 2,00, do. Hamburger per stück 2,90—3,00. Gänse per Pfand 0,63—0,68, do. per Slück 2,50—4,50, do. Hamburger per Psd. 0,00, per Stck. 0,00, do. Oderbrucher per Stück 0,60—0,67. PoiiletS 0,50-1,00. ChalonShühner 0,00. Hechte per 100 Pfund 112—130, matt 0,00, dito mittel und groß 93, Fander 0,00. Schleie, groß 85—90,00, mittel 0,00, do. 85—100, do.� klein 0,00. Aale, groß 93, do. klein und mittel 80—93, mittel 92—96, do. uns. 67—82, do. Nein 0,00. Plötzen, matt 42—50. Ztoddow 0,00. Karpfen 95—105. Bleie 71. matt 0,00. Bunte Fische 43 bis 67. Barle 0,00. Karauschen 90, do. matt 0,00. Bleisische 0,00. Wels 0,00. Aland 0,00. Ouappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer, per 100 Psd. 110—130, do. Na»euer 90—100, do. INa neuer 60. Seelachs 10—20. Flunder», Kieler, Stiege 1» 3—6, mittel per Kiste 1—2, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2—3, poinm. la Schock 4— 8, IIa 0,50— 2,50. Bücklinge, Kieler per Wall 2-3, Straß. 3,50—4,50. Bornh. 0,00. Aale, groß per Psd. 1,10 bis 1,40, mittelgroß 0,80—1,10, klein 0,60—0,30, Heringe per Schock 5—9. Schellfische Kiste 3,00—5,00, Kiste 2—2,50. Sardellen, 1902er per Anker 98. ISOler 98, 1005er 98, 1906cf 00—95. Schottische Vollhering« 1905 0,00, large 40—44, füll. 38— 40, med. 36— 42, deutsche 37—44. Heringe, nette Matjes, per To. 50—120, Sardinen, rttss., Faß 1,50—1,60. Bratheringe Faß 1,20—1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen. Schocksag Ii, do, Keine 5—8, do. Niesen- 14. Eier, Land», unsortiert per Schock 3,00—3,20, do. große 3,50. Krebse per Schock große 0,00, do. mittelgroße 7,50—11,00, do. kleine 1,70—3,50, do, un- sortiert 4—7, do. Gallzier groß und mittel 8,50—9,50, do, uns, 0,00. Butter per 100 Psd. la 106-110, IIa 103-100, Illa 100—102, absallende 90-95. Saure Gurken, neue Schock 4,00—5.00. Plessergmken 4,50. Kartoffeln per 100 Psd. Görzer 6—6, weiße runde 3,00—4,00, blaue 3,75- 4,50, Rosen» 2,50 bis 3,50, neu« Nieren- 3,25—4,50, Zerbster4,00— 4,50, Porree, Schock 0,50—0,75. Meerrettich, Schock 3—12. Spinal per 100 Psund 15—20. Sellerie, hiesige, per Schockbund 2,00- 3,00, Zwiebeln per 100 Psd. 7,50—3,50, do, kleine 0,00, do, hiesige(Perl-) 0,00. Charlotten 0,00, Petersilie, grün, Schockbund 0,75— 1,00. Kohlrabi Schock 1,00— 1.50,. Rcttig, bayr., neue Stück 0,07—0,10, Mohrrüben Schockbund 2,06—2,50. Karotten, hiesige, Schockbund 2,50—3,50. Wirsingkohl per Schock 5,00—8,00. Rotkohl, Schock 10—12, Weißkohl 8—12, Blumenkohl, Zittauer 100 Stück 8—14, do, Ham- burger 100 Stück 10—12, do, Ersurtcr 100 Stück 20—26. Kohlrüben, Schock 6,00. Rhabarber 100 Bund 0,60—3,00. Petersilienwurzeln, Schockbund 4,50—5,00. Schoten per 100 Psund 8—15. Pfefferlinge per 100 Pfund 8—12. Radieschen per Schock 0,75—1,00. Salat per Schock 2,00. Gurken, Zerbster, Schock 2,00—3,00. Bohnen, grüne. 100 Psd, 20—25. Stachelbeeren, per 100 Pfund 9—15. Erdbeeren, hiesige 100 Psd. 25—35, do. Walderdbeeren 60—80, do. Hamburger 30—40, do. Holländer 25 bis 30, do. Gubener 25—35. Himbeeren 100 Pfund 30—31. Blaubeeren. 100 Psd, 12—20. Johannisbeeren, 100 Psd. 8—14. Kirschen, per 100 Pfund Schlcsische 8—16, Wcrdcrsche 10—15, do. GlaS- 15—18, oo. Thüringer 5—9, Natten 26—85, sauere 20—30. Btrnen, ilal., 100 Psund, 10— 22. Pfirsiche, per 100 Psund 40-45. Aprikosen, ital.. per 100 Pfund »0—25, franz. 20—26, ungar. 18—23. Aepsel, ital., per 100 Psund 16—22. Pflaumen, ital., per 100 Psund 9—20. Zitronen, Messtna, 300 Stück 9,00-13.00, do. 360 Stück 8,00-11,00, do. 200 Stück 0,00-12,00. Bananen, gelb, 100 Psd. 10-22._ Wafferflnnd am 16. Juli vorm. Elfte bel Dresden— 0,96 dp.— Elbe bei Magdeburg 2,82 Meter.— O d e r bei Ratibor 5,37 Meter, süllt,— Oder bei Breslau— 1,18 Meter.— Oder bei Brieg 4,88 Meter.— Nelffemündung 4,78 Meter.— Rhein bei Kaub 15., 8 Uhr morgen« 8,07 4- 0.10 Met«.— Nhelnschleule drt Straßburg 15. SLS— 0.05 Meter. m 3C Hü 3C 5. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Sonnabend, den 20, Juli 1907, im Schweizer Garten am Königstor: Gr. SommersVersnüsen. Im Garten: Konzert$1 Gr. Spezialitäten-Vorstellung G Fest-Rede Massen-Gesänge. Von S'/i UTir ab im großen Saale; X cltlZ. Herren lahlen 50 Pfennig nach. DM- Die KafTecliüche tat ab 2 Uhr geöffnet."Ng Anfang des Konzerts 4 Uhr. Eintritt 30 Pf. ImVorTerkaot 25 Pf. Kinder erhalten zwei Bons, einen für Stocklaterne, einen für Schaukel oder Karussel. Programme am Eingang gratis. Um zahlreichen Besuch bittet[237|1] Das Komitee. :i □ □ n ir ji. j m 0 ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ a Sozialdemokratischer Wahberein des 6. Berliner juefetaisMUkreises Das Sommtrfeft mußte wegen schlechten Wetters verlegt im B werden und findet nunmehr am Sonntag, den 21.«fnll „Moabiter Schntzenhans" am Plötzensee statt. Das Programm bleibt dasselbe.*333? Die alten Billett», soweit dieselben noch nicht kupiert f sind, und die am Sonntag, den 14. Juli, eingetauschten Konter- W marken berechtigen znm Eintritt. 256/16+ Zn zahlreichem Besuch ladet ein Das Komitee. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦»»»♦♦♦♦»♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ B freie Verehtipm der Maurer Deutschi. (Ortsvenvattung 3erUn.) Sonnabend, den 20. Juli 1907, in Kliem� Festsälen, Hasenheide 15: 26, StlftungssPest bestehend in 130/1 Konzert u. Spezialitäten.«Mg, Irlttbe». Sisiittkiuflipng, Konzertund Spezialitäten werden von sämtlichen engagierten Künstlern ausgeführt. Gesang vom Gesangverein der Maurer Berlins(M.d.A..S..B.) unter Leitung des Dirigenten Herrn M. Ostermeyer._ HCT ÄÄÄÄ Großer tanz.-WU »xfmig 4 Uhr.- Bill-tt 35 Pf. in�—» Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 80 Pf. nach.. Programms werden an der Kontrolle ausgegeben. Daselbst erhält auch jedes Kind einen Bon für Karussel und Schaukel. Bei schlechtem Wetter verdeikter Garten,«roro Der Borstand. Anläßlich des fällt die Versammlung der Putzer am Sonntag aus ienstag, den 23. Juli, abends S'/s Uhr, bei Schräder, und findet dieselbe am Alte Schönhanserstr. 20 statt. bm—■» Sonnabend, den 20. Juli, wird in allen Zahlstellen kasfiert, ebenso ÜWr bleibt das Bureau, Steinstr. 38 bis abends geöffnet. D. O. Wahrerem Reinickendorf, fest Sonnabend, 80. Juli, im Lokal„Eichborn-Säle«, Eichbornstr. 00. _ Inhaber Max Kreutz._ Zweites Stiftungsfest verbunden mit Reigcnfahren, Olesangsaufführunge». Austretcn des Humoristen und Charakterlomikers Herrn Guörich und der Duettisten Elsa und Paul Jescheck.— Großer Festbalt.— Konzert, ausgeführt vom Kapellmeister Herrn Krücker. jfcjsäjF1- Billetts sind bei den Bezirksfübrern zu haben, Anfang 8 Uhr._[18S06] Ende? ÜBE Qrojtes �ewerkseliafts-Jest für Adlershof und Umgegend am Sonntag, den 21. Juli, in Wöllsteins Lustgarten, Bismarcbstr. 24 bestehend aus Frübbonzert unter Mitwirkung des Gesangsvereins Frohtitinu(Adlershof.) Nachmittags 3 Uhr: Großer Festzng mit Bnslk durch das Dorf. Die Aufstellung des Zuges erfolgt 21/, Uhr in der Oppenstraße. Im Garten nach Einmarsch dos Zuges: Konzert, linmorlstlscbe Vortrüge, tarncrische Auf- fUhrungon des Turnvereins Adlershof, des Athletenvereins Deutsche Kraft, Reigcnfahren der beiden Eadfahrervereine Adlershof, lebende Bilder und Fackelpolonttse bei bengalischer Beleuchtung. Von 4 Uhr ab: Großer Ball im Saale. Eintrittskarte 80 Pf. Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. 202/9 Sümtllche mitwirkenden Kräfte gehBren dem Arbeiterbunde an. Programm an der Kasse a 5 Pf. Das Festkomitee. I. A; Der Obmann des Kartells. G 3 Verband der Lederarbeiter Berlins. Filiale I. Sonnabend, den 20. Juli, im Marienbad, Badstr. 35/36: Großes Sommer=Pest verbunden mit Konzert, Theater u. Spezialitäten-Vorstellung. Im Saale:'TaSItZs - Anfang nachmittags 4 Chr.- Die Kaffeeküche steht von 3 Uhr ab zur Verfügung. Entree Im Vorverkauf 35 Pf., an der Kasse 30 Pf. Saale; KfM ZWIMIISCMSl!. nahmen', Tahltn Eo'pTna�. Das Komitee. Um zahlreichen Besuch bittet 1879b Sedes 3enetisia-Bad ein nelsterwerk deutscher Technik. — Teilzahlung!— Zwei Jahre Garantie!— Sozial-Rädar M. 60-, Sozial-Luxus- grSLi 95.-. Gebrauchte Räder billig t— Fahrradznhehtfr billig! Bitte genau auf Hausnummer.33" zu achten I 23. R Groskurth, Ma c, Mönzstr. 23. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr.�HtÄ 10—2, 5—7. 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Mal einziges Spezial-�IAg,«», Mittes gegen■ BOlflO| schnell u. sicher wirkend, zer- stört radikal den Brutherd im Fußboden, so daß gänzlich jede Brut ausgetilgt wird. Man nehme nur„Bortal" mit Marke»Tod n. Teufel" sät in den Drogerlen und bei Otto Reichel, Berlin43, Eisenbahnstr. 4 Otto Pritzkow Rünzstraßo 16. VelMusstellinigs- BjOPpIl-(St. Loul»} Theater lebender Photographien. Täglich Eingang von — Neuheiten.—• Den ganzen Tag Vorstellung. Zur g/efl. Beachtnngf! Infolge Anhäufung von Aufträgen sind wir mit Lieferungen etwas in Rückstand gekommen; die hierdurch entstandenen Gerüchte, in unserer Fabrik werde gestreikt, sind in böswilliger Weise aus der Luft gegriffen, zumal bekanntlich gerade in unserem Betriebe stets das beste Einvernehmen mit unserer Arbeiterschaft besteht! Gebr. Selowsky- Dresden. Bewährte Spezialmarken: Zenith— Askari— Bolero. 6187L' Das MesTeltow-Beeskow-StorkoW'Charlottenliurg findet am Sonntag, den 31. Jall, im Etablissement Hassclwerdcr zu Iflcder-SchOncwcldo noch einmal statt. Die noch nicht benutzten Billetts haben Gültigkeit. Morgens 6 Uhr: GpoßGS Frlih'�COltZGnL Nachmittags von 3 Uhr ab: Doppel-Konzert, Gesangsvorträge, turnerische Auffuhrungen, humoristische Vorträge, Ball, Fackelpolonäse, Kasperle-Theater etc. Die Kolonial-Ausstellung ist erweitert worden und von 3 Uhr nachmittags an geöffnet. f Die Parteigenossen, die sich als Ordner am letzten Sonntag zur Verfügung stellten, werden gebeten, sich wiederum zn denselben Stunden Hl�HI hUlflHJ a im Festbureau einzufinden. 203/11 Das Festkomitee. Volksfest Berantwortl. Nedakteur: Carl Wermutli, Berlin-Nstdorf. Für den Inseratenteil verantw.: Tb. Gsoste. Berlin. Druck u. Verlag:BorwärtS Buchdruckerei u. Verlaasanftalt Vaul Singer Lr Co.. Berlin LW. ilr. 165. 24. Jahrgang. 2. ßtilnjt i>cs Jotitiiirtf littliiitt öollislilalt. Donnerstag, 18. Juli 1907. Arbeiter. Parteigenossen Berlins! Seht die Wählerliste» ein! Wer nicht in der Liste steht, darf nicht wählen! Partei-)Zngelegenkeiten. K. Wahlkreis. Das Sommcrfcst muhte wegen schlechten Wetters verlebt werden und findet nunmehr am Sonntag, den 21. Juli, im Moabiter Schilhenhaus statt. Die alten Billetts, soweit dieselben noch nicht kopiert sind, solvie die am 14. Juli ein- gelauschten Konter marken berechtigen zum Eintritt. Das Progra in m bleibt dasselbe. An die Sänger richten wir hauptsächlich die Bitte, dies zu beachten und am Sonntag zur Durchführung des Programms vollzählig wieder erscheinen zu wollen. Das Komitee. Am Dienstag, den 6. August, findet die ordentliche Ge- neralversammlung des 6. Kreises statt. Trebbin. Sonnabend, den 20. Juli, abends Bl/i Uhr, bei Wolf: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Auf- inihnie neuer Mitglieder. 2. Abrechnung vom lehteu Quartal. Mitteilung des Vorstandes. 4. Bericht von der Kreis-Geueral- Versammlung. 5. Wahl zweier Delegierten zur Berbaudsversammlung von Grotz-Berlin. 6. Verschiedenes. Karlshorst. Vom hiesigen Wahlverein wird am Sonnabend, den 20. Juli, im Lokale von Gruhn, Prinz Adalbertstrahe, Ecke Hönower Wicscnivcg, ein Soinmcrfcst veranstaltet, zu welchem die Partei- genossen mit ihrer Familie freundlichst eingeladen werden. Die Veranstaltung nimmt nachmittags 5 Uhr bereits ihren Anfang und st auf die Kinder besonders Rücksicht genommen. Trcptow-Baumschulcnwcg. Heute abend 8 Uhr findet eine öffentliche Versammlung für Frauen und Männer in„Speers Fest- Ulm", Banmschulenstr. 78, statt. Genossin Otilie Baader hält einen Vortrag über„Das Frauenstimmrecht und der interualionale Kougrch", auch wird eine Delegiertin zum internationalen Kougrch gewählt. Zahlreichen Besuch erwartet Die Kreisvertraueuspersou. berliner �lacdricbtm Eine allgemein nützliche Stiftung. Zum Andenken an den verstorbenen Bankier Julius Bleichröder. Bruder des ehemaligen Bankiers v. B., haben die Angehörigen der Stadt die Summe von 200 000 M. überwiesen. Die Stiftung hat den Zweck, Kindern der Berliner Gemeinde- schulen beiderlei Geschlechts die Mittel zu verschaffen, um während der Ferien Reisen durch die Mark Brandenburg unternehmen zu t.';ii;cp. Diese Reisen sollen in kleineren Gruppen unter Leitung von Lchrcrn und Lehrerinnen gemacht werden und sich auf die Dauer von 0—8 Tagen erstrecken. Die Stiftung ist so gestaltet, dah neben den Zinsen auch das Kapital in Anspruch genommen wird und in einem Zeitraum von ungefähr 20 Jahren aufgebraucht werden kann. Dadurch wird die Zahl der Kinder, die alljährlich an diesen fTcifen teilnehmen können, eine verhältuiSmähig grohc werden. Die Süftuug soll durch ein Kuratorium, bestehend aus Mitgliedern der Familie und der städtischen Behörden, verwaltet werden. Die Ver- waltung ist nicht starr an daS Stiftuugsftatut gebunden, sondern sie kann auch sinugcmähe Aendcrungen desselben vornehmen. Das Arrangement der Reisen usw. liegt der Deputation für das Turn- und Badeivesen ob.' In der Stiftung kommt der moderne Gedanke zum Ausdruck, sich der Gesunden anzunehmen, ihnen Gelegenheit zu geben, dnech eigene Anschauungen ihre engere Heimat kennen zu lernen, durch Wanderungen von Ort zu Ort, durch Wald und Flur ihren 0! sichtskreis zu erweitern, Körper und Geist aufzufrischen, um den Strapazen des grohstädtischen Lebens besser Widerstand leisten zu können. Die Fürsorge für Kranke und Genesende ist gewiß eine Wohltat, die Fürsorge, Gesunde gesund zu erhalten, nicht minder. Durch diese Stiftung hat ein Teil der Millionen des Verstorbenen eine vernünftige Verwendung gefunden. Der grobe Unfug statistisch bei Männer und Franc». Die Ver- urteilungen wegen Uebertretungen werden von der Kriminalstatistik dauernd nur in Hessen und Bayern bearbeitet. Besonderes Interesse verdient deshalb deren Aufnahme in die neugeschaffenen Mitteilungen des Statistischen Amts der Stadt Verlin. Diese Statistik trennt Männer und Frauen. Auf die Männer entfielen von Ver- iirteilungen wegen Uebertretungen im Jahre 1S0S beim Amtsgericht I insgesamt 20 718, auf die Frauen dagegen nur 2322, d. i. ungefähr d.r' neunte Teil der Verurteilungen von Männern. Die Tugend der Berlinerinnen lväre also 9 mal so groß als die der Berliner. Die meisten Verurteilungen von Männern entfallen auf Straßen- und SicherheitSpolizeikontravcntionen, nämlich 0892. Fast ebenso viel, 5445 Männer, wurden wegen des berühmten groben Unfugs verurteilt. Nach§ 300, 11 wird wegen Ucbertretuug bestraft, wer nngebiihrlicherweise ruhestörcuden Lärm erregt oder wer groben Unfug verübt.... Der Berliner scheint also ein großer Krakeeler zu sein. Der Zahl der Verurteilungen wegen groben UnfugS kommt auch nicht irgend eine andere Uebertretung auch nur nahe. Noch mehr Lärm scheinen die Berliner Frauen zu machen. Auch bei ihnen bildet die Straßenpolizeikontravention die bäufigste Uebertretung. um dercutlvillen 573 Frauen verurteilt wurden. Nicht viel weniger wurden aber wegen groben Unfugs verurteilt, nämlich 533. Bei den Männern steht an dritter Stelle die Fahr- polizeikontravention mit 2714 Verurteilungen. An vierter Stelle konimen UebertretMgen des Landwehr-Kommando-Reglemcuts mit 1180 Verurteilungen. Alle übrigen Sünden der Berliner erreichen noch nicht 1000 Verurteilungen im Jahr. Im einzelnen folgen Ge- werbepolizei-Kontraveution 057, Uebertretungen des Nahrungsmittel- gefetzes 010, Schankpolizei-Kontravention 559, Führung falschen Namens und falschen Titels 391, Uebertretungen des Schulgesetzes 303, unerlaubter Billetthandcl 274, Meldcpolizci-Kontraventionen 250, Tierquälerei 233, Feld-, Forst-, Jagd- und Fischereipolizei- Kontraventionen incrlwürdigerweise 210, Führung falscher Papiere 149. Ällc übrigen Uebertretungen bleiben unter 100. Am seltensten ist die Uebertretung der DienstmannSordnuug. die nur dreimal vorlam. Bei den Frauen kommt nach dem groben Uufung gleich die Schankpolizei-Kontravention mit 370 Verurteilungen. Das Nahrungsmittel- gcsetz haben sie 183mal, die Gewcrbepolizeivorschriften 187 mal über- treten, das Schulgesetz 118mal. Die seltenste Uebertretung der Berlinerin ist die Bciseiteschaffung einer Leiche, die zweimal vorkam. Auch die Umgegend von Berlin hat unter Ueberschwemmungen zu leiden. Nicht nur Spree und Havel haben viele Wiesen unter Wasser gesetzt, auch die kleine, sonst recht zahme Ruthe, die auf dem Flämming entspringt und bei Potsdam in die Havel mündet, hat bei Trebbin und weiterhin alle Wiesen überschwemmt und das auf den großcu Flächen liegende Heu mit fortgcspült. DaS Wasser steht jetzt noch in den Niederungen außergetvöhulich hoch, so daß sie nicht betreten werden können. Seit 40 Jahren hat das Wasser im Sonimer nicht so hoch gestanden als jetzt. Die Kreisärzte von Groß-Berlin. Die königlichen Kreisärzte für die fünf Städte von Groß-Berlin sind nach einer neuen amt- lichen Mitteilung jetzt die folgenden: In Berlin selbst ist es der Geheime Medizinalrat Dr. M. Schulz, Möckernstr. 131, zu sprechen au Wochentagen von 8 bis 9 und 4 bis 5 Uhr. In Charlottenburg amtiert Medizinalrat Dr. Klein, Kautstr. 120/121, zu sprechen an Wochentagen von 9 bis 10 und 5 bis 0 Uhr. Für Schöueberg und Dcutich-Wilmersdorf ist gleichzeitig Kreisarzt Medizinalrat Dr. von Kobylecki zu Schöueberg, Mühlenstr. Oa, zu sprechen an Wochentagen von 8 bis 10 und 3 bis 4 Uhr. Kreisarzt für Rixdorf ist Dr. Dietrich, Caiiucr Chaussee 39, zu sprechen an Wochentagen von 9 bis 10 und 4 bis 5 Uhr. Als königlicher Departcmentstierarzt für den ganzen Landespolizeibezirk Berlin ist Veterinürarzt Dr. Arndt in Berlin zuständig, der an den Wocheutagen vormiltags im Dienst- gebäude am Alcxauderplatz, Eingang III, 2. Stock, Zimmer 274, zu sprechen ist. Bei diesen Herreu haben sich insbesondere die sich niederlassenden Aerzte, Zahnärzte und Tierärzte zu melden. Aber auch für manche Zeugnisse usw. ist die Inanspruchnahme des Kreis- arztcs vorgeschrieben. Der 6 Uhr-Annnhmeschlich für Frachtstückgnter wird, nach der „Zeitung der Ver. D. Eisenb.-Verw.", im Bezirk der Kgl. Eisenbahn- direktion Berlin vom 2. September d. I. allgemein ein- g e k ü h r t werden. ES ist dies notwendig, um eine schleunige und auch zuverlässige Beförderung der Güter nach den abgehenden Zügen zu gewährleisten. Man wollte in dem früheren Schlüsse der Giiieraunahme eine Härte finden, da tatsächlich einzelne Verfrachter unter Umständen weite Wege nach den Güterbahnhöfen mit be ladenen Wagen vergeblich gemacht haben. Das wird auch während der UcbergaugSzcit nach Einführung des künftigen Abnahmcschlnfses nicht zu vermeiden sein und da dürfte wohl die Verwaltung in den meisten Fällen Nachsicht üben. Nach kurzer Zeit aber würden die Versender so viel Erfahrung gewonnen haben, daß sie die Wahr scheinlichkeit, ihre Güter rechtzeitig zur Eisenbahn zu bringen, sicher abzuschätzen vermöchten. Güter, auch ganze Fuhren ein und des selben Anlieferers, mit deren Abnahme zur Schlußstunde bereits be- gönnen war. werden natürlich auch nach 0 Uhr noch sämtlich über nommen. Die sieben großen, im Innern Berlins gelegenen Güterbahnhöfe sind mit Rücksicht auf örtliche Besonderheiten einst weilen noch ausgenommen worden, sie dürften aber im nächsten Jahre folgen. Die Berliner Handelskammer hat sich nach Befragung der Interessenten mit der neuen Maßnahme ein verstanden erklärt._ Keine Zusammenlegiing der drei Berliner Landgerichte. Vor einiger Zeit hat der Z e n t r a l a u S s ch u ß Berliner kaufmännischer, gewerblicher und industrieller Vereine den I u st i z m i n i st e r in einer eingehend begründeten Eingabe um Abstellung der durch die neue Berliner Gerichts- o r g an i.s ati o n eingetretenen Mißstände ersucht, und als das hierzu geeignete Mittel die Zusammenlegung der drei Berliner Landgerichte vorgeschlagen. Die nunmehr eingegangene Antwort deS Justizministers übermittelt einen an den Vorstand der Berliner AntvaltSkammer, die in der gleichen Angelegenheit vorstellig ge worden war, gerichteten Bescheid, dem zufolge der Jnstizminister nicht die Ueberzengnug gewinnen konnte, daß im Interesse der Rechtspflege die räumliche Vereinigung der' Zivilabteilungen, der Berliner Landgerichte erforderlich sei. Der Jnstizminister ist der Ansicht, daß gegenüber den Interessen und Rechtsbeziehnngen eines Bezirkes von dem Umfange Berlins und seiner Vororte der Anspruch nicht erhoben werden könne, daß die Partei in der mündlichen Verhandlung in jeder ihrer Rechts streiligkeiten von den verschiedenen Gerichten durch denselben Anwalt verlrcien werde. Mit der Zulassung der Anwälte zu den drei Land- gerichten sei für die Justizverwaltung nicht die Verpflichtung begründet ivorden, Einrichtungen zu treffen, die mit der nencii Organisation und der darauf erfolgten Herstellung besonderer Geschäftsgebäude für die einzelnen Gerichte nicht vereinbar sein würden. Zudem sei die räumliche Trennung der drei Landgerichte in dem Zeitpunkte, in welchem die gleichzeitige Zulassung von den betreffenden Antvälten nachgesucht und erlangt worden ist, bereits eine feststehende und diesen Antvälten bekannte Tatsache gewesen, die von ihnen als eine durch die Umstände begründete Schranke für die Ausübung ihrer Berufstätigkeit erkannt und beachtet werden mußte. Wenn trotzdem ein Anwalt regelmäßig vor allen drei Landgerichten als Prozeßbevollmächtigter auftreten wolle, so werde es seine Sache sein, den Schwierigkeiten, die sich einer so ausgedehnten Tätigkeit aus der räumlichen Trennung der drei Landgerichte entgegenstellen, durch geeignete Maßnahmen zu begegnen. Im übrigen bestreitet der Jnstizminister, daß diese Schwierigkeiten zur Vermehrung der Fälle geführt haben, in denen die Berhaiidlungen wegen Verhinderung der Anwälte vertagt worden sind, wie auch von der räumlichen Ver- einigung der Zivilabteilnngcn der Landgerichte ein wesentlicher Rück- gang der Zahl dieser Fälle nicht erwartet werden könne. Dagegen ist der Justizminister bereit, eine gemeinsame Erörterung derjenigen Maßnahmen herbeizuführen, durch welche innerhalb des Rahmens der bestehenden Gerichtsorganisation und der zu ihrer Ausführung getroffenen dauernden Einrichtungen berechtigten Be- schwerden abgeholfen werden könne, mit dem Anheimgeben, entsprechende Vorschläge zunächst bei den unmittelbar beteiligten Gerichten oder bei dem Kammergcricht anzubringen. Der Jnstizminister gibt sich der Erwartnng hin, daß es dem verständnisvollen Zusammenwirken der Gerichte niit den Rechtsanwälten mehr und mehr gelingen wird, die Schwierigkeiten zu überwinden, die sich bei der Eigenart der Ver« Hältnisse von Berlin und seiner Umgebung einer sachgemäßen und prompten Förderung der Geschäfte entgegenstellen. Es wird nunmehr zunächst Sache der Anwälte sein, Vorschläge im Sinne dieses Bescheides zu machen. Ein Skandal im Deutschen Gastwirlcverband. Aufsehenerregende Enthüllungen über Unterschlagungen im Deutschen Gastwirteverband macht die„Deutsche Gastwirtc-Zeitung" in ihrer heutigen Nummer. Der Deutsche Gastwirtcverband, der kürzlich in Eisenach seinen VerbandStag abhielt, ist einer der größten gewerblichen Verbände Deutschlands und hat ein Vermögen von mehr als 100 000 M. DaS genannte Fachblatt meldet nun, der Schatzmeister des Verbandes Keck habe schon seit längerer Zeit umfangreiche Unterschlagungen begangen, die dem geschäftSführenden Ausschuß deS Verbandes auch schon zur Kenntnis gekommen, von diesem aber vertuscht worden seien. In Eisenach habe vor Eröffnung des Gastwirtetagcs eine ge- Heime Sitzung des Ausschusses stattgefunden, in der die Kasten- Wirtschaft des Schatzmeisters ans Licht gekommen sei. Die Höhe der veruntreuten Summe betrage 120 000 M. Der geschäftsführende Ausschuß deS Verbandes habe aber den langjährigen Schatzmeister decken wollen und deshalb die Sache in der Abrechnung verschleiert. 55 000 M. hätten die Freunde Kecks noch vor dem Verbandstag zur Deckung des Defizits aufgebracht und für den Rest von 05 000 M. sei eine Hypothek auf das Grundstück Kecks ein- getragen worden. Tatsächlich erscheint auch in diesem Jahre in der neuen Abrechnung des Verbandes unter den Aktiven eine Hypothek von 05 000 M., die als Barvcrmögen figuriert, während von den im Vorjahre vorhandenen Wertpapieren 41 500 M. verkauft sind. Die Abrechniing weist auch verschiedene Unklarheiten auf, die von der„Gastwirte-Zeitung" ans dem Kassenbericht hervorgehoben werden. Die.Deutsche Gastwirte-Zeitung- erhebt nun gegen den geschäfts- führenden Ausschuß des Gastwirteverbandes den Vorwurf, er sei über die Kasscnwirtschast unterrichtet, täusche aber die Mitglieder der Berliner Verbandsvereine in den Versammlungen über den wahren Sachverhalt und habe sogar Vertrauenskundgebungen für den bis- herigen Schatzmeister inszeniert. Die Angelegenheit wird jedenfalls noch ein gerichtliches Nachspiel haben. Die Fern- und Vorortzüge von Kaulsdorf nach Berlin fahren nicht mehr über Lichtenberg, sondern wie früher auf der Fernzug- strecke nach dem Schlesischen Bahnhof und von hier weiter auf dem Fernzuggleise durch Berlin. In den Kanalschacht gestürzt. Bei den Kanalbauten an der Greifswalderstraße hat sich gestern nachmittag ein schwerer Unglücks- fall ereignet. Seit mehreren Wochen sind dort Arbeiter mit der Legung des Druckrohres für die Berliner Kanalisation beschäftigt. Gestern ließ der Arbeiter Hofer, HeinerSdorfer Weg 47 wohnhaft, an einer Winde Baumaterialien von der Straße in den Schacht hinunter. Plötzlich wurde er von der Winde mit in die Tiefe ge-' rissen und kopfüber stürzte er in den Schacht. In einer Droschke wurde der Verunglückte nach dem Krankenhaus am FricdrichShain gebracht, wo bei ihm schwere Rippen- und Beinbrüche sowie innere Verletzungen festgestellt wurden. Auf dem Wege von Rixdorf nach Berlin verschwunden ist der 31jährige Kutscher Albert Henne, der längere Zeit in der Irren- anstatt in Buch interniert war. Nach seiner Entlassung fand H. bei seinem früheren Arbeitgeber, dem Kaufmann Düwel in der Pflüger- straße 09 in Rixdorf ein Unterkommen. Am nächsten Tage entfernte sich der Kutscher, um Bekannte in Berlin aufzusuchen. Dies hat er aber nicht getan und auch zu seinem Arbeitgeber ist er bisher noch nicht zurückgekehrt. Was auS dem Verschwundenen geworden ist, konnte noch nicht ermittelt werden. Die Leiche cincS jungen Mädchens ist gestern nachmittag an der Stralauer Allee ans der Spree gelandet worden. Die Tote war bereits bis zur Unkenntlichkeit in Verwesung übergegangen; sie hatte schon mehrere Wochen im Wasser gelegen.'Ucber die Persönlichkeit der Lebensmüden konnte noch nichts ermittelt werden. Die Selbst- Mörderin dürfte etwa 18 Jahre alt gewesen sein. Falschmünzer in Steglitz. Auf Veranlastung eine? Schöneberger Geschäftsmannes wurde dort gestern der im Jahre 1889 in Berlin geborene angebliche„Kellner" Willi Kickhöfer von der Polizei fest- genommeii, weil er sich durch Verausgabung eines falschen FünfniarlstückeS verdächtig gemacht hatte. Nach sorgfältigster Unter- suchung holte man noch eine größere Anzahl Fünfmarkstücke ans den Taschen und Strümpfen KickhöferS hervor. Da eS sich bei der Feststellung KickhöferS ergab, daß er sich unangemeldet bei einer Familie in der Schönebergerstraße zu Steglitz aufgehalten hat,, wurde die Steglitzer Kriminalpolizei verständigt. Polizei- kommissarHoffniann machte in der Wohnung KickhöferS die überraschende Entdeckung, daß Kickhöfer in Gemeinschaft mit dem dort wohnenden gleichaltrigen„Hausdiener und Gelegenheitsarbeiter" ZwicklinSki eine Falschmlliizcrwerkstatt unterhalten hatte. Z. wurde in dem Moment dingfest gemacht, als er mit einem Koffer die von Beamten umstellte Wohnung verlassen wollte; in dem Koffer fanden sich tinige verdächtige Werkzeuge vor. Z. wollte von nichts wissen, aber estie Leibesvisitation, an Z. förderte eine größere Anzahl in Papier- Umschläge gewickelter falscher Fünfmarkstücke zutage. Z. bequemte sich zu einem Geständnis und gab an, daß er verschiedene andere Werkzeuge und Falsifikate im Grunewald und in den angrenzenden Kornfeldern versteckt habe. Bei einem Zusammenstoß zweier Fuhrwerke schwer verletzt wurde gestern nachmittag der 32 jährige Kutscher Paul Gierschner auS der Weißenburgerftr. 41. An der Ecke der Berg- und Rosenftraße kam es durch die Unachtsamkeit der beteiligten Wagenlenker zu einem heftigen Zusanimenstoß zwischen einem Arbeitsfuhrwerk und einem Müllwagen. Infolge deS Anpralles wurde G. vom Bock des Müll- Wagens in weitem Bogen auf die Straße geschleudert. Ein Schutz- mann schaffte den Verunglückten nach dem städtischen Krankenhause in der Cannerstraße, wo bei ihm schwere Verletzungen festgestellt wurden._ Kinderspiele des Arbeiter-Turnvereins„Fichte". Gespielt wird am Sonntag, den 21. Juli: Friedrichshai» von 9— 12 Uhr vormittags, Sportplatz Behm straße(Ecke Bellermannstraße) von 9— 12 Uhr vormittags, Treptow von 8 bis 11 Uhr vormittags, Jungfern Heide von 8—11 Uhr vormittags. Die Teilnehmer treffen sich für den Spielplatz Friedrichshain um 8'/, Uhr am Kriegerdenkmal, für den Sportplatz Behm- st r a ß e ani Bahnhof Gesundbrunnen um 8'/, Uhr, am Bahnhof Wedding am Nettelbcckplatz(Urania-Sänlc) um 8 Uhr, am Bahnhof Schönhauser Allee um 8 Uhr, für den Spielplatz Jungfern- Heide am Bahnhof Beusselstraße um 8 Uhr und für den Spielplatz Treptow an der Oberfreiarchenbrücke um 7% Uhr. Willkommen sind Kinder nicht nur von Tumgenossen, sondern auch auf Kinder solcher Eltern, die dem Arbeitcr-Turnverein„Fichte" und über- Haupt der Turnsache fernstehen, wird gerechnet. Die Kinder werden nach Beendigung der Spiele wieder an die Sammelplätze zurückgeführt._ Fcuerwehrbericht. Wegen eines KüchenbrandcS wurde die Feuer- wehr nach der Wollinerstr. 15 gerufen. Möbel, Kleider und anderes mehr brannten dort. In der Nähe, Usedomstr. 10, waren Holz» abfülle, Papier und anderes in Brand geraten. Ferner hatte die Wehr noch in der Taubenstr. S, Blücherstr. 52, Pankstr. 53 und anderen Stellen zu tun. Vorort- 1>fod?ricbtem Charlottendnrg. Die Stadtverordnetcnwahlen, die im Herbst dieses Jahres stattfinden, sind für die Sozial- demokratie von größter Wichtigkeit. In der dritten Ab- teilung, die ja für die Arbeiter allein in Betracht kommt, sind 8 Ergänzungswahlen und 2 Ersatzwahlen für die aus- geschiedenen Stadtverordneten Pasche und Dr. Z e p l e r vorzunehmen. Der sozialdemokratischen Fraktion gehörten bei Beginn des Jahres 13 Mitglieder an: bei 4 anderen � Liebe, Zander, Mickler, Scharnberg— ist die Wahlperiode Ende 1907 abgelaufen. Es bleiben also nur noch 7 Sozialdemokraten übrig, und von den zu wählenden müssen mindestens 6 der sozialdemokratischen Partei ange- hören, wenn die Fraktion in ihrer alten Stärke ins Stadt- Parlament einziehen soll. Von den 19 Stadtverordneten, die zu wählen sind, müssen 5 Hausbesitzer im Sinne der Städteordnung fein. Diese Hausbesitzer entfallen nach dep vom Magistrat vorgenommenen Auslosung auf den ersten, dritten, sechsten, siebenten und achten Bezirk. Im ganzen sind also zu wählen: im ersten, siebenten und achte» Bezirk je ein Stadtverordneter für die Zeit bis Ende 1913, der Hausbesiber sein muß? im 2. und 4. Bezirk je ein Stadtver- ordncter bis Ende 1913, der nicht Hausbesiber sein braucht; im 3. Bezirk ein Stadtverordneter bis 1913, der Hausbesitzer sei» muß und ein Ersatzmann für Dr. Zepler bis Ende 1999, der die Eigenschaft eines Hausbesitzers nicht zu haben braucht; endlich im 5. Bezirk ein Stadtverordneter bis 1913 und einer als Ersatz für Pasche bis 1999. Diese beiden brauchen nicht im Besitz eines Hauses zu sein. Der Wahlkampf wird kein leichter sein; infolge des Entstehens neuer Stadtteile, die fast durchweg für wohl- habende Leute bestimmt sind, hat sich die Zahl unserer Gegner erheblich vermehrt, und es bedarf der allergrößten Anstren- gungen, wenn wir unseren alten Besitzstand behaupten und neue Mandate gewinnen wollen. Wie notwendig aber im Interesse der Arbeiterklasse eine starke sozialdemokratische Fraktion ist das beweisen die Vorgänge im Stadtparlament. Charlottenburg, das einst im Ruf einer sozialpolitisch fortgeschrittenen Gemeinde stand, ist im Begriff, diesen Ruf einzubüßen. Der Kommunalfreisinn Berliner Richtung schwingt das Szepter, ihm fehlen nur wenige Stimmen an der absoluten Mehrheit; ein anderer Teil der Versammlung steht politisch auf nationalliberalem oder konservativem Standpunkt, und wenn auch zwischen den bürgerlichen Par- teien kleine Eifersüchteleien in Personenfragen oft genug zu Tage treten, so finden sie sich doch in der Bekämpfung der Arbeiterklasse stets wieder zusammen. Nur 3 bis 4 Mit- glieder der Bourgeoisie haben sich Vorurteilslosigkeit und Gerechtigkeitsgefühl gewahrt, um im Gegensatz zu der Mehr- heit der Arbeiterklasse Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Diese weiße Raben werden natürlich bei jeder Gelegenheit überstimmt. Im Magistrat macht sich mehr und mehr ein Scharf- machertum breit. Reden gegen die Sozialdemokratie, wie sie einem Stumm seligen Angedenkens zur Ehre gereicht haben würden, sind an der Tagesordnung, unverhllllt werden die Interessen des Unternehmertums wahrgenommen. In diese sozialpolitische Rückständigkeit gilt es Bresche zu legen. Ein harter Kampf steht uns bevor, aber der Sieg wird uns sicher sein, wenn jeder Arbeiter seine Pflicht tut. Ueberzeuge sich zunächst jeder, sobald die Wählerlisten ausliegen— im Gegensatz zu Berlin erst vom 15—39. Au- gust— davon, ob er eingetragen ist! Suche ein jeder seine Arbeitskollegen von der Bedeutung der Stadtverordneten- wählen zu überzeugen! Jeder Arbeiter muß Agitator fein. Bei den letzten Wahlen sind wir nur deshalb unterlegen, weil wir zu siegesgcwiß waren und es an der nötigen Arbeit haben fehlen lassen. Das darf nicht wieder vorkommen; der letzte Mann muß an die Urne. Versetzen wir den Vertretern dcS Kapitalismus, deren Uebermut keine Grenzen kennt, eine empfindliche Niederlage! Zeigen wir ihnen,� daß die Mandate der dritten Wählcrklasse der Sozialdemokratie ge- hören! In der am 12. d. Mts. abgehaltenen Delcgiertensitzung der Charlottenburger GcwerkschaftSkommission wurde zunächst der Kassenbericht vom zweiten Quartal vom Genossen Scheible erstattet. Danach betrugen die gesamten Einnahmen inkl. Kassenbestand von 1241,92 M. am Schluß des ersten Quartals 1579,79 M., denen 727,85 Mark Ausgaben gegenüberstehen, also ein Kassenbcstand von 842,94 Mark am Schluß des zweiten Quartals verbleibt. Wegen der Tatsache, daß die Metallarbeiter im Gegensatz zu sämtlichen der GewcrkschaftSkommission angeschlossenen GeWerk. schaften sich durchaus weigern, die Extrabeiträge zu den verflossenen Gcwcrbegerichtswahlen zu begleichen, entstand eine längere Debatte. Es wurde in derselben allgemein bedauert, daß nicht allein hierzu, sondern auch zu der Erhaltung unseres VolkShauscS die Metall- arbeiter gegenüber den anderen Gewerkschaften keinen Vergleich ihrer finanziellen Leistungen aushalten können, trotzdem die Metall- arbeiter an allen öffentlichen Aemtern hervorragend mit- partizipieren. Von den Delegierten der Metallarbeiter wurde hervorgehoben, daß die Bezirksleitung Charlottenburg in den kom- hinierten Verwaltungssitzungen Groß-BcrlinS mit ihren dahin- gehenden Anträgen stets abgewiesen worden sei. den Charlotten- burger Kollegen treffe deshalb keine Schuld. Schließlich wurde auf Antrag des Genossen Gebert gegen 3 Stimmen der Beschluß gefaßt, daß, falls der Mctallarbeiterverband bis zum 1. Oktober er. seine Schuld zu den Gewerbegerichtswahlen nicht bezahlt, die Metallarbeiter von den Vertretungen der von der Gewerkschafts- kommission zu besetzenden öffentlichen Aemter auszuschließen sind. Genosse Flemming gab nunmehr als Vertreter des Kura- toriumS für den städtischen Arbeitsnachweis einen allgemeinen� Bericht, dem ein spezialisierter nach Erscheinen des gedruckten' Berichts folgen wird. Hervorzuheben ist, daß die Inanspruchnahme des Arbeitsnachweises von Arbeitnehmern wie Arbeitgebern gegen- über früher ständig zugenommen hat, trotzdem sei auf diesem Ge- biete noch viel zu tun. Eine Anregung des Genossen Gebert, ob es sich nicht ermöglichen lasse, daß eine Statistik geführt werde über die Lohnhöhe der vermittelten Stellen, wurde auf Wunsch des Genossen Flemming zunächst den Arbeitnchmervertretern über- wiesen. Eine kurze Kritik über einige Ausführungen der Genossen von Elm und Kaufmann auf dem 4. Genossenschaftstag in Düsseldorf gab Veranlassung, daß hcschlossen wurde, daß über die VerHand- lungen und Beschlüsie dcS Genosscnschaftstages in der nächsten Sitzung besonders gesprochen werden soll. Zum Bibliothekar der gemeinsamen Bibliothek, die sich jetzt in der Parteispedition, Sesen- heimerstraßc 1, parterre im Laden befindet, wurde Genosse Schie- mann bestätigt. Genosse Flemming begründete noch die Wahl einer besonderen Agitationskommission, die dem Ausschüsse der Kom- Mission zur Hand sei. In dieselbe wurden die Genossen Lewan- vowski, Mitsching, Lehmann, Fritsch und Kropf gewählt. Nicht vertreten waren: Friseure, Porzellanarbeitcr, Sattler und Steinsetzer» Stolpe. Am Sonntag, den 14. Juli, fand im Lokale der Witwe Berge- mann zu Stolpe eine öffentliche Versammlung des Wahlvereins statt, die trotz des strömenden Regens von ungefähr 89 Personen hesucht war. Genoffe Kubig-Pankow referierte über die„Rechtlosig- kcit der Landarbeiter". Redner schilderte in sehr ausführlicher Weise in einem IVzstündigen Vortrage die elenden und jämmerlichen Verhältnisse der Landarbeiter. An der sich hieran anschließenden Diskussion beteiligte sich hauptsächlich ein Berliner Genosse, der als Gast anwesend war imd emige recht drastische Sachen aus dem Mecklenburger Landarbeiterlebe», die er selbst erlebt hatte, zum beste» gab. Zum Schluß wurde noch der Fall Hermann einer Kritik unterzogen. Blankenfelde. Regierung und Schule. Die Gemeinde Blankenfelde, deren Patron und Gutsherr die Stadt Berlin ist, welcher demzufolge auch das Recht der Lchreranstellüng zusteht, hatte vor einiger Zeit be- schlössen» die AltcrSzulage der Lehrer, welche in den Berliner Vororten sonst 299 bis 259 M. beträgt, von 149 auf 189 M. zu erhöhen. Die Kgl. Regierung hat diesen Beschluß aber nicht ge- nehmigt, weil die Qrtsverhältnisse diese Erhöhung der Alters- zulagen angeblich„nicht erfordern". In der Gemeinde herrschte hierüber große Mißstimmung, weil die Lehrer, infolge der geringen Besoldung, nicht bleiben wollen und so wiederholte die Gemeinde ihren Beschluß und sandte ihn zum zweiten Male zur Genehmigung nach Potsdam. Daraufhin ist nunmehr dem Schulvorstand von der Regierung Mitteilung ge- macht worden, daß die Erhöhung der Alterszulagen von 149 auf 169 M. genehmigt werden würde, der Satz von 189 M.(pro 3 Jahre) aber unangebracht sei.— Die zwanzig Mark Erhöhung, der AlterSzulagen, welche die Regierung genehmigen will, macht für den ältesten Lehrer im Orte, der zwei Alterszulagen zu be- anspruchen hat, eine Erhöhung des Einkommens von jährlich 49 M. aus. Die Blankenfelder meinen, daß ihnen der Lehrer nun doch bei der nächsten Gelegenheit davonläuft. Nieder-Schönhaufen. In der letzten Gemeinbevcrtretersitzung machte der Bürgermeister Ahraham die Mitteilung, daß die Versicherungsgesellschaft, den beim Einbruch gestohlenen Betrag von 11843,14 M. ausge- zahlt hat. Die englische Gasanstalt hat bereits fünf Probelampen mit hängendem Gasglühlicht auf dem Kirchplatz Aufgestellt, weitere Lampen sollen demnächst noch eingerichtet werden.— Der alte HauZ- und Grundbesitzerverein hat eine Petition eingereicht, das Pfeifen der Nachtwächter abzuschaffen, Kontrolluhren einzuführen und die Anzahl der Sicherheitsbeamten zu vermehren. Der Gemcindevorstand wird sich in einer der nächsten Sitzungen mit der Angelegenheit beschäftigen.— Durch die Arbeiten an der Industriebahn sind Flurschäden entstanden. Zur Abschätzung der- selben ist der Schloßgärtner Rohrbeck als Sachverständiger ernannt worden.— Der freiwilligen Feuerwehr wurden 499 M. als Belohnung überwiesen, für diejenigen Mitglieder, die schon 19 Jahre der Wehr angehören.— Die Gemeinde trat dem Preußischen Fort- httdungSschulverein mit einem Jahrcsbetrag von 25 M. als Mit- glied bei.— Dem Gemeindevorstand wurde Vollmacht erteilt, eine rechtsverbindliche Erklärung betr. Anerkennung einer Verpflichtung der Großen Berliner Straßenbahn bei Umpflafterung der Kaiser Wilhelmstraße abzugeben.— Schon vor längerer Zeit wurde be- absichtigt, ein eigenes Elektrizitätswerk einzurichten. Da die Un- kosten aber zu hohe sind, wurde beschlossen, einen Vertrag mit der Aktiengesellschaft Berliner Elektrizitätswerke abzuschließen, betreffs Einführung elektrischen Stromes in die Gemeinde. Die Strom- entnähme soll für gewerbliche Zwecke 11 Pf. und für Beleuchtung 44 Pf. pro Kilowattstunde kosten. Die Kabellegung soll durch alle Straßen erfolgen, wenn das Bedürfnis dazu vorliegt.— Hierauf fand eine nichtöffentliche Sitzung statt. Französisch-Buchholz(Bezirk Pankow). In der Generalversammlung dcS Walilvcreins erstattete der Vorsitzende, Genosse Zinn, den Vorstandsbericht. Derselbe erstreckt sich auf die letzten fünf Monate, seit sich der Wahlverein vom Bezirkswablvcrein Pankow losgelöst hat. Es fanden in dieser Zeit statt vier Mitgliederversammlungen, eine öffentliche Versammlung und sechs Vorstandssitzungen. Die Rede des Genossen Fischer wurde in 3359 Exemplaren verbreitet. Neu aufgenommen wurden 34 Mitglieder, verzogen sind 13 Genossen, so daß gegenwärtig dem Wahlverein 149 Mitglieder angehören. Die Einnahmen betrugen mit einem Bestand von 58,99 M. des vergangenen Quartals 127,95 M., die Ausgaben 76,95 M. Als Delegierter für das nächste halbe Jahr wurde Genosse Jakob gewählt. Der Antrag, gegen die Mitglieder Penn und Jsenheim das Ausschlußverfahren ein- zuleiten, fand einstimmige Annahme. Unter Verschiedenem forderte der Vorsitzende die ledigen Genossen auf, sich bei der Behörde als Chambregarnisten anzumelden, damit sie bei der im nächsten Frühjahr stattfindenden Gcmeindewahl ihr Wahlrecht aus- üben können. Zum Schlüsse wurde vom Vorsitzenden zur Unter- stützung des Bäckerbohkotts wie zu noch inteusivcrer Agitation jür die Organisation und Presse aufgefordert. Sembts- Leitung. Einen raffinierten Schwindel hatte der Techniker, Richard Becker verübt, welcher sich unter der Anklage des Betruges gestern vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte verantworten mußte. Eines Tages Anfang Mai d. I. erschien in der Wohnung des städtischen StrafsenreinigerZ BukowSky ein besser gekleideter junger Mann, der sich als Abgesandter einer großen Wohltätigkeitsanstalt vorstellte. Im Laufe deS Gespräches wurde B. von dem Herrn befragt, ob er bei der Armcndircktion für sich eine Unterstützung beantragt habe. Als B., über diese Frage sehr verwundert, dies verneinte, bemerkte der Unbekannte, er müsse dann bei seiner Behörde sehr gute Gönner haben, denn er(B.) sei in Vorschlag gebracht worden, daß ihm aus jener WohltätigkeitS- anstalt eine Unterstützung zuteil würde, die sich auf etwa 75 bis 199 M. belaufen könnte. Zur Erklärung fügte er hinzu, es handle sich um die Hinterlassenschaft eines hochgestellten Philantropen, der ein großes Kapital zur Verfügung gestellt habe, von dessen Zinsen in Notlage geratene Arbeiterfamilien unterstützt werden sollten. Die Stiftung selbst werde von einem höheren Offizier verwaltet. Als die Frau BukowSky hinzukam, erklärte sie die ganze Sache kurz und bündig für Schwindel, da ihr wohl niemand etwas hinterlassen würde. Der angebliche Abgesandte beeilte sich, sofort das Gegenteil zu versichern. Nunmehr legte er ein gedrucktes und mehrfach zu- fammeugefaltetes Formular dem B. zur Unterschrift vor. Anstatt sich erst von dem Inhalt des Formular? zu überzeugen, ließ sich B. durch das getvandte Ausreten seines Besuchers verleiten, aufs Geratewohl zu unterschreiben. Willig erlegte er auch 1,59 M. Schreibgebühr, da ihm versichert wurde, daß die allergeringste Unter- stützung doch noch 6 M. betrage. Nach einigen Tagen sollte außer- dem noch ein besonderer Rechercheur bei B. vorsprechen. Nach etwa einer Woche erschien tatsächlich ein zweiter Herr bei B. ES war dieS aber nicht der vorher angekündigte Rechercheur, sondern der Kassierer einer hiesigen Versicherungsgesellschaft, der den fälligen Monatsbeitrag für eine von B. eingegangene Versicherung erheben wollte. BukowSky weigerte sich, da er sich in keiner Versicherung befand. Es wurde ihm nunmehr eine Polizc vorgelegt, auf der tat- sächlich sein Name stand. Jetzt erst erkannte er, daß er seinerzeit das Opfer eine? Schwindler? geworden war und in blindem Ver- trauen jene Polize unterschrieben hatte. Die Polizei ermittelte den angeblichen Abgesandten der WohltätigkeitSanstalt in der Person deS Angeklagten, der diesen Schwindel inszeniert hatte, um sich die Provision zu verdienen. Mit Rücksicht darauf, daß cS sich um einen ziemlich raffinierten Schwindel handele, beantragte der AmtSanwalt eine Gefängnisstrafe von 2 Wochen. Das Schöffen- gericht hielt dem Angeklagten feine bisherige Unbescholtenheit zu gute und erkannte unter Zubilligung mildernder Umstände des- halb nur auf eine Gelbstrafe von 39 M. cv. 6 Tage Gefängnis. Zum H 2 deS preußischen VereinSgesetzeS. Der Registrator Fiedler als Vorsitzender deS Vereins Berliner Hausverwalter sollte den§ 2 des VereinSgesetzeS durch Unterlassung der Einreichung von Statuten und der Mitgliederänderungen über- treten haben. Er wurde freigesprochen. Der zweite Senat des Kammergerichts verwarf die Revision der Staatsanwaltschaft. In der Begründung wurde ausgeführt: Der Verein bezwecke allerdings, seine Mitglieder durch Vorträge über wichtige, die Hausverwaltung betreffende Vorgänge der Gesetz- gebung, Rechtsprechung und Verwaltung zu fördern und zu belehren. In der Belehrung über diese Dinge liege aber keine Ein- Wirkung auf öffentliche Angelegenheiten im Sinne des§ 2 des VeremSgesetzeZ, wenngleich Gesetzgebung und Rechtsprechnng öffent- liche Angelegenheiten seien.§ 2 des preußischen VereinSgesetzes, der die Eiureichnng von Statuten usw. nur Vereinen auferlegt, die eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten bezwecken, sei dem- nach unanwcndbar._ Erhebliche Mängel in einem Fabrikbetricbe« Gegen den Lagcrvcrwalter Fritz Wolf der Firma E. F e i b i s ch in T r c p t o w verhandelte das Rixdorfcr Schöffen- gericht gestern eine Anklage wegen fahrlässiger Körpcrvcrletiung. Am 2. Februar 1997 sind eine Anzahl Fabrikarbeiterinnen von der nach dem Garderobenraum führenden Steintrcppe gestürzt, u. a. auch die Putzer!» Elise Wcgner. Diese zog sich schwere Ber- letzungen an Rücken und Armen zu, an deren Folgen sie noch heute leidet. Der Angeklagte bestritt die Schuld. Er behauptete, seine Geschäftszeit währe von 7— 7 Uhr, der Unfall fei dagegen schon um?t7 Uhr erfolgt. Nur innerhalb seiner Geschäftszeit beaufsichtige er die Trcppenrcinigung. Die Vernehmung der beiden Hausdiener Deitmers Und F ö l l m e r ergab, daß die Treppen für die Angestellten niemals gereinigt wurden und am fraglichen Tage mit Eis und Schnee bedeckt waren. Beide Zeugen bekunden übereinstimmend, daß am 2. Februar 1907, auch als bereits 9 Angestellte infolge Glatt- eises von der Treppe gestürzt waren, eine Reinigung derselben unterlassen sei. Erst am 4. Februar, als Herr E. Feibisch, der Fabrikbesitzer selbst, von der Treppe abgestürzt sei, ist durch Feibisch selbst die Entfernung des Eises von den Treppen veranlaßt worden. Die ZugangStreppen für die Arbeiter seien infolge der unter- lassenen Reinigung stets eine Gefahr für die Angestellten gewesen. — DaS Gericht erkannte auf 39 M. Geldstrafe. Wären die Arbeiterinnen gewerkschaftlich organisiert, so hätte wohl unmöglich eine im Interesse der Gesundheit und des Lebens der Arbeiterinnen dringend erforderliche Maßnahme ein Jahr lang unterbleiben können._ Sind Filialvereine stets vom Zentralvorstand anzumelden? Der Zentralvorsitzenbe deS Gewerlvereins deutscher JStuhl- arbeiter(Textilarbeiter Hirsch-Dunckerscher Richtung), Sitz Sprem- berg, Herr Ulrich hatte sich geweigert, die Mitglieder des Aachener OrtsvcrcinS dieses über ganz Deutschland verbreiteten Verbandes bei der Polizeibehörde in Spremberg, dem Sitz des Verbandes und Verbandsvorstandes, anzumelden. Deshalb wurde et wegen Uebertretung des§ 2 des Vereinsgesetzcs angeklagt, wonach die Vorsteher von Vereinen, welche eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten bezwecken, die bekannte Pflicht der Einreichung von Mitgliederverzeichnis und Statuten und der Anzeige von ein- tretenden Aenderungen der Mitglieder und Statuten haben. Das Landgericht Kottbus verurteilte den Angeklagten, indem es den Zentralvorstand für verpflichtet erachtete, die Mitglieder aller OrtSvereiue des Gewerkvcreins am BcrbanbSsstz in Spremberg bei der Polizei anzumelden. Der zweite Strafsenat dcS KnmmcrgerichtS hob am Freitag dies Urteil ans und sprach den Angeklagten mit folgender Be- gründung frei: Daß der Gewerlverein an sich unter den§ 2 des VereinSgesetzeS falle, sei allerdings genügend festgestellt. Im übrigen aber sei das Urteil rcchtsirrig. Gewiß könne es vor- kommen, daß der Vorstand(Hauptvorstand) eines Zentralverbandes verpflichtet sei, am Orte seines Sitzes alle Verbandsmitglieder anzumelden, wie das bezüglich des Deutschen Bergarbeitervcrbandcs ausgesprochen sei. Das sei aber nur unter besonderen tatsächlichen BorauSsctzungen der Fall, nämlich dann, wenn die Unterabteilungen deS Verbandes keine selbständigen Vereine bilden, mögen sie nun Filialen, Zahlstellen oder Ortsvereine heißen. ES komme darauf an, ob der Verband aus selbständigen Vereinen oder aus physischen Personen bestehe. DaS habe der Vorderrichter übersehen. Von sehr wesentlicher Bedeutung sei nun hier bei dem Gewerkverein der 8 19 seines Statuts, der an sich klar sei und erläutert und bestätigt werde durch andere Paragraphen. Da sei bestimmt, der Gcwcrkverein solle ganz Deutschland umfassen und er bestehe ouS alle» OrtSvercinen, welche sich auf Grund dieses Statuts bildeten. Hier sei ausdrücklich gesagt, daß der Gewerkvercin auS den einzelnen Ortsvereinen bestehe und nicht aus physischen Personen. Auch hätten diese Ortsvcreine eine genügende Selbständigkeit!. Sie hätten selbständige Zahlstellen, eine selbständige Kassenführung, hätten über die Aufnahme von Mitgliedern zu entscheiden und manches mehr. An dieser Selbständigkeit werde nichts geändert dadurch, daß der Zentralvorstand die von den Ortsvereinen vor- genommene Aufnahme von Mitgliedern allgemein zu bestätigen habe. Ohne daß es einer besonderen Feststellung in der Vor- instanz bedürfe, sei hier eine genügende Selbständigkeit der Oris- vereine anzunehmen. Wie die Dinge hier lägen, sei nicht der Zentralvorstand zup Anmeldung am Orte seines Sitzes verpflichtet, sondern die Pflicht zur Anmeldung der Mitglieder hätten die Bor- steh« der einzelnen Ortsvereine gegenüber den Polizeibehörden an ihrem Orte. Der Angeklagte Ulrich vom Zentralvorstand sei also freizusprechen._ Ne bis In idem. Vom Landgerichte Glogau ist am 2. Mai der Geschäftsreisende Hermann KalmS wegen Betrugs unter Einrechnung einer sechs- monatigen Strafe zu einer Gesamtstrafe von 19 Monaten Gefängnis verurteilt worden.— Auf die von der Staatsanwaltschaft zu seinen Gunsten eingelegte Revision hob das Reichsgericht am Dienstag das Urteil auf und stellte das Verfahren als unzulässig ein, weil sich herausgestellt hat, daß der Angeklagte wegen derselben Tat bereits vom Landgerichte Guben rechtskräftig freigesprochen war. Berkcnnnng der Notwehr. Vom Landgerichte Frankfurt a. M. ist am 16. März der jugendliche Stanzer Christian Herbert wegen schwerer Körper- Verletzung zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Der Mitangeklagte Schäfer ist ebenfalls verurteilt worden, der Mit- angeklagte Faß freigesprochen. Die beiden letzteren waren nachts aus einer Wirtschaft hinausgeworfen worden und belästigten unterwegs andere Leute. Herbert, der die Wirtschaft später ver- ließ, erhielt von Schäfer einen Schlag mit einer Latte über den Kopf. In Furcht und Bestürzung zog er sein Messer und schlug auf Schäfer ein, der zu Boden stürzte. Herbert fiel auf ihn, schlug ihn noch mit dem geschlossenen Messer und ging dann fort. Als Schäfer aufstand, blutete er heftig. Eine Niere war durch- stachen und mußte herausgeschnitten werden. Herbert war, wie daS Urteil ausführt, in Notwehr, bis Schäfer stürzte; bestraft ist er wegen Benutzung des zugeklappten Messers. Die Revision deS Angeklagten ruhte auf Berkennung der NotnMr.— Der Rcichs- anwalt erklärte die Revision für begründet. Daß Schäfer mit dem zugeklappten Messer überhaupt verletzt worden ist, fei nicht festgestellt. Da? Landgericht scheine lediglich die Verletzung der Niere, die doch in der Notwehr erfolgt sei, bestraft zu haben. DaS Reichsgericht hob das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht Wiesbaden. Vermischtes» Tie Morbaffäre Hau vor dem Schwurgericht. Karlsruhe, 17. Juli. Unter ganz außergcwöhnlichcitt Andrang dcS Publikums begann heute vor dem hiesigen Schwur- gericht die Verhandlung gegen den Rechtsanwalt Dr. Karl Hau aus Washington, der unter der Anklage steht, am 6. November 1996 in Baden-Baden seine Schwiegermutter, die MedizinalratSwitwe Molitor aus Karlsruhe, erschossen zu haben. Den Vorsitz führt Landgcrichtsdirektor Dr. Eller, die Anklage vertritt Staatsanwalt Dr. Bleicher, während LandgcrichtSrat a. D. Rechtsanwalt Dr. Dietz den Angeklagten verteidigt. Ten Verhandlungen wird wegen der interessanten Persönlichkeit deS Angeklagten, der sich in seiner neuen Heimat jenseits des Ozeans infolge seiner reichen Be- gabung und seiner hohen Intelligenz schnell einen Namen zu machen verstanden hatte, und wegen der geradezu ans Nomantische grenzenden Begleitumstände mit einem ganz außergewöhnlichen Interesse entgegengesehen. Am 6. November 1906 wurde die verwitwete Mcdizinalrätin Molitor in Baden-Badcn auf dem Wege von ihrer Villa zum Post- amtc durch einen wohlgczieltcn Schuß auf der Stelle getötet. So schnell und unvermutet der Schuß au? dem Gebüsch gefallen war, ebenso schnell war der Täter, den niemand gesehen hatte, ver- schwanden. Und 24 Stunden nach der Tat, am Abend des 7. November, wurde bereits in London im Cecil-Hotel der Schwiegersohn der Ermordeten, der jetzige Angeklagte, als mut- maßlicher Mörder verhaftet. Vergebens beteuerte er den beiden englischen Detektivs seine Unschuld— eS half nichts. Ohne daß die zahlreichen Hotelgäste merkten, was eigentlich vorging— die Detektivs hatten sich, um ihrer Anwesenheit den Charakter eine? Besuches zu geben, in elegante Fracks gekleidet—, gingen sie mit Hau, den sie unter ihre Arme nahmen, fort, gerade, als ob sie mit einem guten Freunde einen Spaziergang machen wollten. Die AuslieferungSvcrhandlung nahm keine lange Zeit in Anspruch, und nur kurze Frist nach der Tat saß Hau bereits im Karlsruher Untersuchungsgefängnis. Karl Hau, der heute erst im Alter von 26 Jahren steht, hatte sich als 19jähriger Student in die um sechs Jahre ältere Tochter der Mcdizinalrat Molitorschen Eheleute, Lina Molitor, verliebt. Seine Neigung wurde auch erwidert, das stürmisch begehrte Ja- wort aber von den Eltern Linas verweigert. Vor die Wahl ge- stellt, dem Manne ihrer Liebe zu entsagen oder das Elternhans zu verlassen, tat Lina das letztere. Sie brach die Brücken hinter sich ab und ging mit dem Geliebten nach Zürich. Der um ihre Tochter besorgten Mutter gelang es später trotzdem, die Heirat der beiden zustande zu bringen. DaS junge Paar verließ aber Deutsch- land und gründete sich in Amerika eine neue Heimat. Hau be- endete zunächst seine NcchtSstudien. Dann wurde er Privatsckretär des ottomanischen Gesandten in Washington, Dr. Schönfcld, der sein Talent entdeckte und Hau wiederholt mit wichtigen Aufträgen nach Konstantinopel schickte. Durch Dr. Schönfcld wurde Hau auch in die vornehme Gesellschaft Washingtons eingeführt. Er lernte den Präsidenten Roosevclt und die Finanzkönige Morgan und Rockefcller kennen, eine Bekanntschaft, die für ihn recht ertragreich war. Denn für einen Zivilprozeß RockcfellerS gegen die chinesische Regierung, den er zum Siegs zu führen wußte, erhielt Hau ein fast fürstliches Honorar. ES war die Zeit, wo Hau auf der Höhe seines Ruhmes stand, zumal er damals auch die für einen nicht naturalisierten Eingewanderten außergewöhnlich seltene Ver- günstigung erlangte, an der Universität Vorlesungen über deutsches Recht zu halten. Bald aber folgte der Niedergang. Hau ließ sich in türkische Finanzoperationen ein, die fehlschlugen. Zuletzt hielt er sich im Oktober 1966 in Konstantinopel auf. Seine Frau und sein Töchterchen hatten Hau auf der Ueberfahrt nach Hannover be- gleitet und waren in Baden-Baden, wohin Frau Molitor in- zwischen übergesiedelt war, abgestiegen. Dorthin kam auch von Konstantinopel Karl Hau. DaS Zusammentreffen soll ein äußerst herzliches gewesen sein, und mit den besten Hoffnungen auf ein baldiges Wiederschen trennte man sich nach einiger Zeit. Hau begleitete seine Familie nach London, kehrte dann aber nochmals nach Deutschland zurück. In Frankfurt a. M. ließ er sich unter der Angabe, Verwandte überraschen zu wollen, einen falschen Bart anstecken, fuhr dann am 6. November nach Baden-Vaden und tclephonierte dort von der öffentlichen Fernsprechstelle mit ver- stcllter Stimme und unter der Angabe, er sei ein Postbeamter, an Frau Molitor, die Nackforschungen nach dem Absender einer an sie gelangten fingierten Depesche hatte anstellen lassen, sie möge einmal auf die Post kommen, da sich alles geklärt habe. Ahnung?- los trat die alte Dame am Abend in Begleitung einer Tochter den Weg an. der ihr letzter sein sollte. Denn wenige Minuten von ihrer Wohnung entfernt traf sie der tödliche Schuß. Der Angeklagte hat ein Geständnis nicht abgelegt. ES war daher eine lange und schwierige Voruntersuchung nötig, die jetzt nach mehr denn achtmonatiger Dauer zum Abschluß gelangt ist. Die Anklage nimmt an, daß Hau sich in zerrütteten Vermögens- Verhältnissen infolge seiner Spekulationen befunden hat, und daß er vorzeitig das Erbe seiner Schwiegermutter antreten wollte, das ungefähr eine Million Mark betrug. In der Voruntersuchung spielt eine große Rolle die mysteriöse Bartaffärc sowie ein raffiniert angelegter Bankschwindel, der in Wien verübt wurde, und den die Anklagebehördc ebenfalls dem Angeklagten zur Last legt. Am 17. Oktober 1906, etwa vierzehn Tage vor dem Morde, hatte sich Hau in Wien aufgehalten, und in dieser Zeit wurde bei einer Bank ein Scheck über 400 Pfund Sterling präsentiert, und cS wurden dafür 9592 Kronen dem Rcberbringer des Schecks an- standslos ausgehändigt. Einige Tage später traf bei der Bank ein Telegramm aus London ein, in welchem angezeigt wurde, daß ein von Hau ordnungsmäßig ausgestellter Scheck gestohlen sei. Die Anklagebehörde vertritt die Ansicht, daß Hau selbst das Geld in Wien abgehoben habe und mit diesem Telegramm einen Betrug der Bank gegenüber habe vollführen wollen. Bekannt ist, daß die Ehefrau des Angeklagten erst kurze Zeit vor dem Prozeß sich bei Pfeffikon im Züricher See ertränkt hat. Auch der Vater des Angeklagten, ein früherer Reichstags- abgeordneter, Mitglied des Zentrums, hat, wie berichtet wird, vor einiger Zeit einen Schlaganfall erlitten. Der Andrang des Publikums ist ein ganz enormer. Auf einem großen Tisch steht in einem Spiritusglase das Herz der er- mordeten Mcdizinalrätin Frau Molitor. Der Verhandlung wohnt der Präsident des badischen StaatSministcriums, Freiherr v. Dusch, und Oberstaatsanwalt Duffner bei. Der Angeklagte bestreitet jede Schuld. Auf die Vorhaltungen des Vorsitzenden verweigert Hau teils die Aussage, teils gibt er überhaupt keine Antwort. Es sind gegen 80 Zeugen geladen. Neue Schäden im Hochwassergebiet. Der letzte Regen hat noch einmal zu einer Reihe von Zer- störungen durch Hochwasser geführt, über die ein Telegramm aus Breslau folgendes meldet: DaS Silsterwitzer Schwarzwasser hat fast das ganze Dorf Naselwitz im Kreise Niniptsch und die angrenzenden Felder über- schwemmt. Viele Wohnungen mußten geräumt werden. Bei Kuhnau fand ein.Dammbruch statt. Auch von einem Felssturz ist zu berichten. Mehrere Kubikmeter Schiefer lösten sich und stürzten auf die Gleise der Strecke Goldbera— Hermsdorf. In Lentsch im Kreise Neiße sind die vor einigen Jahren hergestellten Ufcrbauten größtenteils vernichtet. Die Chausseebrücke der Ratibor— Gorzueter Chaussee ist weggeschwemmt worden. Aus Thurze im Kreise Ratibor wird gemeldet, daß die hoffnungsvolle Ernte völlig vernichtet wurde. Herzzerreißend ist der Jammer der Leute. Wenn das Wasser noch einige Zentimeter steigt, müssen die armen Bewohner au'S ihren Wohnungen flüchten. Auch in Hirschberg entstand infolge starker Regengüsse in der letzten Nacht wieder Hochwassergefahr. Die Wohnungen in den niedriggelcgenen Straßen mutzten geräumt werde. Die Wasser- wehr wurde alarmiert. Aber um Mitternacht war die Gefahr vorüber. DaS Wasser fällt und heute herrscht schönes Wetter. Eine Bestie. Aus Mannheim wird gemeldet: Aus dem Neckar wurde die Leiche der 14 jährigen Amanda Lorenz gelandet, welche auS Scham über ein an ihr verübtes Sittlichkeitsverbrechen den Tod gesucht hatte. Der Täter, ein hiesiger Eierhändler, ist ver- haftet. Ein LicbcZtragSdie hat sich gestern in Greiz abgespielt. Ein Kontorist und ein Fabrikmädchcn, die ein Liebesverhältnis unter- hielten, sahen sich vor unüberwindliche Ehehindernisse gestellt und machten infolgedessen mit Opiumtinktur ihrem Leben ein Ende. Der verunglückte Lebensretter. In Emden ertrank der Sicher- hcitsbadcwärter WeSzels bei dem Versuch, einem gefährdeten Bade- gast Hülfe zu bringen. DaS kriegerische Automobil. Ein Automobil rannte gestern in London in eine von einer Uebung zurückkehrende Abteilung dcS Surrey-RegimentS. Elf Mann wurden schwer verletzt. Defraudnut verhaftet. In Verviers wurde, wie auS Brüssel gemeldet wird, der ehemalige Bankbeamte August Johnen, der im vorigen Jahre in Bonn 100 000 M. unterschlug, verhaftet. Die Pocken in Toulouse. Die Blatternepidemie in Toulouse greift in besorgniserregender Weise um sich; seit vorgestern sind 25 Fälle zu verzeichnen, von denen fünf tödlich verliefen. DaS verbrannte Automobil. In Budapest unternahm gestern der Chauffeur und ein Diener deS Grafen Almassy eine Automobil- fahrt. Der Benzinbehälter des Automobils explodierte, wodurch letzteres in Brand geriet. Der Chauffeur und der Diener wurden schwer verletzt, das Auwmobil ist vollständig verbrannt. NgitationSverein für LandSderg-Soldi». ITIfeung am Freitag, den 19. d. M., abends S1,1, Uhr, im EewcrllchnftShause. Gäste willkommen. Verband der Friscnrgehülfcn Deutschlands, Zweigverei» Verlin und Vororte. Donnerstag, den 13. d. M., abends 9l/s Uhr, Rosenthaler- strajze 11/12: Generalversammlung. Rur Mitglieder haben Zutritt. Zciitral-Krauken- und VcgräbutSkasse der Sattler u»d Berufs- genossen Deutschlands»Hossunna«iiidclsstäit« BelleaMauc«, Durchgana auch Liudcnftr. 101) wochentäglich von i1/« btS!)'/, Uhr adeudS statt. Geöffnet 7 Uhr. EounabeudS beginnt die Eprechsinnde um C Uhr. Jeder ilufrage ist ein Vnchftabe und eine tstaftl als Merkzeichen deiziifügen. Briefliche Nntwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Svrechftunde vor. I. K. 77. 1. und 2. Ja. 3. Rein. Bestreiten Sie aus etwaige Aus- sorderung zur Zahlung eine dahingehende Verpflichtung.— W. P. 999. l. Ihre Aust'aming trifft zu. Die Refiamation hätte Aussicht aus Ersolg. 2. DaS preußische Gcwcrbestcuergeseh datiert vom 24. Juni 1891.— F. B. 89. Ihre Frage, wer Geld leibt, köimen wir nicht beantworten. Wir köimen nur dringend vor solchen, die sich durch Annoncen und dergl. als Gcldverlcihcr anbieten, warnen.— 23 01.£>. Der Fall hat sich tat- sächlich so wie er geschildert ist abgespielt.— 8f. S. Die Besoldung ist bei den verschiedenen Revieren sehr verschiedenartig.— A. K. 199. Die Heirat mit dem Ehebrecher ist, auch wenn es nicht ausdrücklich im Urteil steht, fräst Gesetzes verboten. Von diesem Verbot kann aus Antrag durch die Ehcschcidungsfammer Dispens erteilt werden.— lll. I. 11. Die Pension unter 1500 M. nicht pjändbar.— C. Cr. 38. Sozialdemokraten 87, Chrlsliichioziale 66, durch Hinzutritt von 30 Deutsch-Klerikalen zur „stärksten Fraktion", der Christiichsoziaten Vereinigung, gemacht.— B. S. Ja. — Steuer. Ihr Kollege ist im Irrtum. Sie könneil aber an die Steuer- deputatlou mit Aussicht aus Ersolg ein StundungSgesuch richten.— P. 1000. Ihr Mann ist nicht hnstbar, nur Sie, fall? Sie großjährig sind. — W. L. 18. Die Klage hat Aussicht auf Erfolg. Um den Ausgang der Klage nicht von dem Eide de? Gegners abhängig zu machen, ist eS ratsam, Sie beschaffen sich ein schristlicheS Anerkenntnis.— Pfalz 3000. 1. und 2. Ja.— F. B. in C. Sie sind steuerpflichtig. Den Austritt bewirken Sie durch Anmeldung beim Amtsgericht Ihres WohnsißeS. Innerhalb 4 bis 6 Wochen nach der Anmeldung müssen Sie den Austritt zu Protokoll des Amtsgerichts erklären, auch wenn Sie eine Ladung nicht erhalten. — kl. B. N. 8. Nur wenn Sie Ihre Forderung ausgeklagt haben.— O. B. 4. Sind Sie noch minderjährig, so ist die Klage abzuweisen, sonst ist leider, soweit ersichtlich, ein durchgreifender Einmaiid gegen die Klage nicht zu erheben, da Sie trotz aller Abmahnungen unserer- seitS den Bestellschein unterschrieben haben. Die von Ihne» angeführten Sachen wird der Gerichtsvollzieher wobl nicht pfänden. — NZ. JBJ. 47. Der betreffende hat den Titel Bürgermeister.— P. H. 100. Wenn Sie klagen und der Schuldner nichts hat, haben Sie noch die Kosten zu tragen. Strafbar ist der betreffende nicht, Sie hätten sich an einen wirklichen Zahnarzt wenden sollen, um Geld und Verdruß zu sparen. Wersen Sie nicht jetzt noch Geld nach.— 108. 1. und 2. Sie müssen zabten. 3. Ja.— W. 100. Die Kinder beider Ehen erben gleich« mäßig i an Stelle eine? verstorbenen Kindes treten dessen Kinder.— A. C. 7. Nein. DaS Versahren muß von neuein eingeleitet werden. — 9t, 385. Sie müßten Beschwerde an die Armendirektion oder an den Magistrat richten.— M.>2. 19. Der Abonnentenverein, dem Herrschaften angehöre», gewährt über die Beendigung des Dienstes hinaus keine ärztliche Hülfe.- K. P. 4. In der Regel nur durch einen.— M. A. 19. 1. Etwa 15 bis 20 M. werden für angemessen erachtet werden. 2. Nein. Ei» Scheidungsgrund kann au? der Handlung abgeleitet werden.— K. H. Ä7. Stadtverordneter Hofstnann/BIuinenstr. 14.— A. A. 83. Bei monatlicher Schlafstelle oder bei monatlichem Chambregarnie kann man, wenn nichts anderes vereinbart ist, nur bis am 4.5. zum 1. kündigen, nicht am 1. zum 15. Kündigt man zum 15., so kann der Wirt den vollen Monat Miete verlangen. Ihr Zimmer können Sie stets benutzen.— 9t.®. 15. 1. ES wird zurückgenommen, oder in dem neuen Testament die Rücknahme ausdrücklich erklärt. 2. Etwa 10 M. 3. Ja. 4. Ja. Der Pflichtteil der Ehefrau beträgt des Nachlasses.— B. M. 188. Nein. — Lvttcricglück. Nein.— H. I. 97. I. und 2. Hamburg.— ff. B. 100. Der Betreffende darf Verwalter sein.— V. 80. Sie könnten lediglich aus Beseiligung der Mängel und aus Schadenersatz klagen. Je länger Sie die Anstrengung der Klage verzögern, desto schwieriger wird die Prozeßführung.— Verfehlt 387. Wenden«ie sich an die Frauen- llinik oder an die Chatitö.— kl. B. 10. Der Vertrag kann ohne Bethülle eines Rechtsanwalts oder Notars geschlossen werden, ist aber Ihrem ältere» Gläubiger gegenüber ungültig.— ist. S. 300. Prinzenstr. 66 bei Hintze. — x. K. 4. 1. Nach der herrschenden Ansicht muß das Kind am Religions- Unterricht teilnehmen und gehört zu der Kirche, der die Eltern vor ihrem Austritt angehörten. 2. Wir können Ihnen nur den Rat erteilen, sich an einen Kammerjäger zu wenden. Bestimmte Hausmittel, die sicher wirken, sind uns nicht bekannt.— V. B. Die Entscheidung, ob Sic schadenersatz» pflichtig sind, hängt davon ab, ob nach Ansicht des Richters Sie eine Per- schulduiia trifft.— M. W. 100. Verjährt mit dem 31. Dezember d. I. — H. M. 40. Beantragen Sie bei der Gewcrbedeputation, Stralauer» straße 1—3, die Kasse zur Rückzahlung zu verurteilen, event. klagen Sie beim Amtsgericht aus Rückzahlung gegen die Kasse.— A. W. 800. Wenden Sie sich an das Hostnarschallamt.— E.®. 5. Beantragen Sie bei der Polizeibehörde, der Firma die Karte abzunehmen und Ihnen zu übergeben, und klagen Sie serner beim Gewerbegericht aus vollen Schaden- ersatz und aus Rückgabe der Karte und des Buches.— P. D. 89. Das ließe sich nur durch Adoption erreichen. Zu diesem Behuse müßten Sie sich mit dem Vormund de» Kindes in Verbindung setzen.— G. H. Nein.— F. P. 88. Leider sind Sie im vollen Maße ersatzpflichtig.— Eistele. Die Beschwerde ist an die Eiscnbahndirektion zu richten.— M. M. 1879. 1. Davon, daß sich in dem Grundstein Geld befunden habe, ist uns nichts bekannt. 2. Das Asyl ist von privater Seite gestijtet.— O. W. 34. Als Agent sind Sie nicht krankeliverstcherungspflichtig. Gegen die Firma haben Eie keinen Anspruch. Witternngsaversscktt vom 17. Juli 1907. morgens 8 Uhr. Slalienen Swincmde. S s B i- 759 NNW 762 NNW 760 W Frankßa.M i763O Müiichen|763S» Wien !76lNA «elln i 2 bedeckt 3 bedeckt 2 bedeckt 1 wolkeni 4 heiter 2 bedeckt i-»« elß -r« i vi H i- Stattone» s c SS daparanda 754 NNW öetersburg 755NA Scillh Aberdcen Parti 770 NO 773 NNW 767 NNO Vetter ! 6 bedeckt 2 heiter 1 heiter 2 wölken! 14 3 wolkig s 14 «•85 -i e. ä!> 5 «& 7 21 17 Wetter. Proguoie für Donnerstag, den 18. Juli 1907. Kühl und vorwiegend trübe mit leichten Regensällm und ziemlich frischen norbivestlicheii Winden. Berliner Wetterb u renn. caa CS Für Ben Julian»er Jmorar« übeniiinmi die Nedaltion dem Publik» in gegenüber keinerlei Veraiiiworriing. Zheatcr. Donnerstag, den 18. Juli. Ansang 8 Uhr. Neues kgl. Oberntheater. Die schöne Galathse. Bajazzo. Deutsches. Der Jongleur. SNilller O. iWaltnci. Idealer.) Die lustigen Weiber von Windsor. Schiller>.(Friedrich Wilhelm. städtllcheS Tbeater 1 Kyritz-Pyritz. NeucS Schauspielhaus. RaffleS. Kleines. Vater und Sohn. Komische Oper. HoffinannS Er- zählungen. Westen. Die lustige Witwe. LnftwielliauS. Die Welt ohne Männer. Bernliard Rose. Der große Un- bekannte. Ansang 8'/, Uhr. Nachm. 4'/, Uhr: Die Schwäbin. Uuter'm Birnbaum. Arbeit schändet nicht. Bleiropol. Der Teufel lacht dazu. Slpollo. Der HochzeitSgast. Epe- zialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Folies Caprice. Geistcrauto.— Paris. Ansang S'l, Uhr. ReichShallen. Winter-Thmian. Passage. Spezialitäten. Steriunarte, Jnvalidenstr. 57/62. Schiller-Tliealer 0, (W a 1 1 n e r- T h tat er.) Morwih-Oper. Donnerstag, abe ii dS8 Uhr: Gastspiel der großh. Sosopcrnsäiigcrin Lertruil lluag« v. Hostheater in Weimar: Die lustigen Weiber von Windsor. Romant. Oper in 4 Akten v. O. Nicolai. Freitag, abends 8 Hör: Gastspiel He-Inrlch Uötcl: Her Truubndonr. Sonnabend, abend« 8 U b r: von Juan ober: Oer|telnerne Gast. Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. Uatn«nd Sohn. Morgen und solgende Tage: Vater und Soh». Tbealer des Westens. Abend» 8 Uhr: Die lutttiee Witwe. Operette in 3 Alten v. Franz Lehicr. Sej'.iüer-Inektez' N. Frledrich-WilhvImstSdtisohes Theator. Abends 8 Uhr; Lusispiaihaus. Ansang 8 Uhr. Die Welt ohne Männer. Melropol-Theaier Anfang/ 8 Uhr. Große Jahresrevua in 7 Bildern von Jnlius Freund. Musik Ton Viktor Holisonder. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schnitz. Rnnehon überall Frßbels Allerlei-Theater srüh. Piihlmaoii, Schönh. Allee 148. AeltesieZ BolkStheater Berlin». DZZp- Heute scwie täglich:-T9SS5 Der durchweg neue, erfolgreiche Juli. Spielplan. Prolongiert: Trank Gregory-Tnippe. Herrn. Mlfardo: Der I'ajitlnoa- klub. Neu! The Chamiilinis, Alt- weibermühle. The Lonos. Olga Verdi. Guatav Müller. Cund-Trla usw. Nur noch kurze Zeit: ClroßatadtzanOrr. Im Sänke: Grosser Ball. Alisang 4'/» Uhr. Enttee 30 Ps. Alle«UeJcnlRen Dltslicdor, welche auch in der nttclisten ftnlaort dem Verein angehören wollen, müssen eine dlcsboKlIgllchc OklUrnngp sofort in Ihrer Kahlstcllc aiog/cbcn. IJni- schrclbunzpcn in eine andere Zahlstelle sind nach Ab-' , holung der neuen Karten aus der bisherigen Zahlstolle nur in den Monaten Juli und August zu bewirken. Anmeldnnjgcn zur 19. und 20. Abteilung worden, soweit noch Raum vorhanden, in allen Zahlstellen an- i genommen. Das Einschroibogeld und der Beitrag(90 Pf.) ' ist bei der Anmeldung bis zur Aufnahme durch den Vor- 1 stand in der Zahlstelle zu hinterlegen. 229/12* Der Vorstand. In Vertr.: G. Winklor. wooincisrHFR Z GARTEN Täglich ab nachm. 5 Uhr: GroGcs �) Militär- Doppel-Konzert, j; 1 Eintritt 1 Mk., von abends [ 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. H Direkt a. d. Riiigbahnstatlon. Benuemsie Fahrgelegenheit n. allen Stadtricht. Dh schön! Täglich im Herr!. Garten oder gr. Saal: ' SnsziaUtätim- Theater. liamlsherger Allee T'ö— 79. allen Sh Ob Hegen! Tlie Heros phänomenale gymnastische Neuheit. Hetn« Ifener der beliebte Nckr»ten>DarstclIer»jt Mieder da I und d-s vollständig neue ferillsmte Juli-Programm. Ans. 3 Uhr. Kaffeckiiche. VolkSbelustig. aller Art. Entree 20 Ps.. Somit. 30 Pf. Rölehshslleii-Thestej'. Gastspiel des berühmten Wmtor- Tymiatt mit seiner Herren« gescllschast. Rufang 8 Uhr. 1. Aug.: Wieder« beginn der Soireen der Stett. Sänger. KKNSSOUCB, sS86r Direktion Wilhelm Reimer. Lei günstiger Witterung aus der Gartenbühne. Heute sowie jeden Sonntag und Montag: Doffmanns UM!. Sänger u. Tanzkranxchen. Stürmischer Ersolg 1 Die Frau Feldwebol. Lustspiel in einem Akt. Sonntags Beginn 8, wochenl. 8 Uhr. Ab» Uhr: DaS grosse komlsche Programm k U.a.: Iran Paul in seinen Original-Typen. Jean Clermonts ZirknS-Parodie Barnum u. Beileid. io uhr: Martstein in seiner Burleske „vor HockSsitsxsst" als OrtSvorsteher Lehmann. 0 MM» MUMM 8 Gr. Fraiikstlrterstr. 132. Im Garten, Ans. 4'/, Uhr: DaS erstklassige I n l i< P r» g r a»» m Sperrsitz 60 Pj. Entrce 30 Ps. In, Theater abend» S'l, Uhr: Der große UnbcRannte Sommerpretse. 15 Juli- Spezialitäten. Promenadoo- Koneert. Ans.: Konzert 8; Vorstellung? Uhr. BOT" Bei ungünstigem Wetter Vorslelhmg Im Thealer 8 Uhr. Kleine Sommerpretse. W. Noaclrs Theater. Direktion: Roh. Olli. Brunneiislr. 16 Vollständig neues Programm k 8'/, Uhr: Die brillante Nora BjSrkä. S'l, Uhr: Der beliebte Anten Itililaeh. 9 Uhr: Seuhers und Madelcine. O'l, Uhr: Die läe.OT-eiiburffep oder: Giu Stück Sllt-Berlw. Bei schlechtem Wetter: Vorst, im Saal. kelle> �Ilisncs-Qsrtell 6 Uhr: Konzert und BariEtS» Ringkampf. Ä»; 3««« Mk. Meldungen von Albert Sturm. Achncr, Belling. Karbinostet- DebiC, van Dht usw. usw. Volksgaileii-Tlieafsr. Bad-BehmstraSe— Bahnhof Gesum]. brunnen— BellermannstraBe. Der rechte Weg. Original- Volksstück mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von W. Gericke. Hierzu: _ DaS ncitc——~ Riesen-Spezlaiiien-Propm Bolksbelustlgnngcn. Prater- Thealer. Kastanien-Allee 7/9. Flotte Weiber. Spcnlalltaten 1. Ranges. Austreten der ff.ttwcnhrj.Ht TI1I.V BehA mit ihren dress. Löwen. Konzert im«! Kuli. Ansang i'l, Uhr. Berliner illk-Trio. Felix Scheuer I Stialieilortlt.l. lOebr. Herrnfeld- Theater. 57 Kommmidailtenstraße 57. | Sonnabend, den 3. August: Wieder- EröiTnung. Premiere von ü Opcretten-BurleSIe von Anton u. Donat Hcrrnfcld. Musik v. L. Jtal. Dazu die Separee-Afsäre § lebe das Ulebeo! Brunnen-Theater Badstrabe 58. Direkt.: Bernh. Boso. Täglich: Mit großem Erfolge: Carmen. Grstkl. Spezialitäten-Programm: The 3 Miltons. P. Vendaro. Gedr. Damm. Lurl-Luri-Trio. Artur Vlollt. Bobcrts Comp.. Schattenpant. Heute: Grostcr Elite-Ball. Kasfenerössnung 2 Uhr. Ans. 5 Uhr. Montag, 5. August: Benefiz jür Heinrich Richter. Scliweizergarten Am KSnigstor. Am Frietfrichshain. Straßenbahn 1,2,4,17,59, 62, 63 u. 74. Täglich: Tlieater-Vorstellung. Neue Spezialitäten. linematograpii und Ball. Freier Damentanz. Anfang 5 Uhr. Entree 30 Pf. s Passage-Theater. | Jeden Abend 8 Uhr: « Der große Verwandlungskünstler 2 Artaro. |Bernarfli.[ | ßerlifls schickste Soubrette| IldaPerryi 0 14 Variitt-Seneationen 14 k «rvreywerwwwwwwwwwwwwwww jstbahn-yarfe Am KUstriner|ilatz, RQdorsdorferstr. 71 Hermann Imbs. Täglich: großes Konzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstellung. JmttalonM kt Wer DÄlWds. Filiale Berlin. Freitag, 19. Iuti, abends 6'/- Ztlir, im GemerKsdiastshause, Engel-Mer 13 W-i'): JJf General-Bersammlnng. � Tages-Ordnung: 1. OnartalZberichl deZ Vorstandes. 2. Stellungnahme zur Kündigung des TariscZ von fetten der Unter- nehmer. 3. Verschiedenes. 290/8 In dieser Versammlung werden die Protokolle der 8. General-Versamnilung ausgegeben. Zahlreichen Besuch erwartet Mitgliedsbuch legitimiert. vor Torstand. Verwandten und Freunden die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau Ksrolme Karge geb. I ett k a nach langem Krankenlager ge- starben ist. Beerdigung Frcitagnachmittag 6 Uhr von der Leichenhalle des Begräbnisplatzes der Freireligiösen Gemeinde Pappel-Allee 15/17. ElmU Karge, Steinschleifer, 18335 Mantcuffelstr. 12. BocfsilPsnt'vÖndufU'ieftnbtb. Njedcr- nCMulll llnilnusitz(Verkehrslok. Partei u. Gewerkschaft;, goldsichere Existenz. zu verpachten. Offerten unter lt. l. Expedition des»Vorwärts-. 5469L hsnaäesm/äusstvSSungS'-psrh. Neu erbaut: Fcststtle, Caf6 nnd Konditorei, gedeckte Gartenballeu, Fontaine lumineuse. Dejeuners von 2,50 Mark an bis 2 Uhr nachmittags. Diners und Soupers von 4 Mark an. 32/13* Doppelkonzert. Illuminationsabeode großen Stils. Neue Welt Haseniieide 108114. Donnerstag, beu 18. Juli 1907: EliteoTag. VV Clr. Doppel-Konzert G ® Gala-Spezialitäten-Vorstellung® » Alonster Feuerwerk@ Anfang � Uhr. TanZsReunion. Anfang 5 Uhr. Auf dem Rlesenbratapparat: AtsittN van 399 Eänftn. Anschnitt Uhr. Portio» 99 Pf. Entree zum Konzertgarten 19 Pf. Entree zum Theatcrgarten 39 Pf. Allg.tnankkll-n.Sterbekaffk der Wetallarbeiler. (Eingeschr. HülsSkasse Nr. 29,Hamburg.) Filiale Wildau, kreis Teltow. Sonntag, den Lt. lul!, vorm. 10 Uhr, im Lokal von Dito Schümann: Itlitglieder-Versainiulung. Tagesordnung: Berichterstattung von der 14. ordent- lichen General-Versammlung. 1881b Die Ortsverwaltung. Max Rliems Sommer Theater Hasenheide 13/15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Wied: Gr. teert, Theater i Jeden Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste. Jeden Donnerstag: Elite-Tag. Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. 1 Unerhörte Getreideausfuhr! Warnm nimmt die deutsche Presse solchen Vorgängen gegenüber keine Stellung:? 49/15 Da« Wirtschaftsbild der Gegenwart und der Znknnft ist zu beziehen durch alle Buchhandlungen(Kommissionär: Otto VVedelj, Leipzig). Broschüre A, vollständige Ausgabe, Mk. 2.— Teil- und Volksausgabe, 60 Plg, Gegen Einsendung von Mk. 2.10, bezw. 65 Pfg> für das Inland, Mk. 2.20 bezw. 70 Pfg. für das Ausland, werden die Broschüren portofrei vom Verfasser Kaufmann Michael Proestlcr in WUrxburg vex« sandt, wenn in Buchhandlungen nicht erhältlich. Man verlange ebendaselbst Flugschriften und Prospekte« TASSI IGARETTEN sind die besten. ULLV YORK ACOSTA ■, v V--.-fr f•■•V'fw 3 Pfg. JScu-Grfcbclnungeti: Verbrechen und Proftitution als soziale Krankheitserscheinungen. Zweite, völlig umgearbeitete und vermehrte Auslage. Preis brosch. 8.— M., geb. 8.50 M. ferdinand LafsaUes „Offenes Hntwortschreiben". Durchgesehen, mit Einleitung und Anmerkungen, versehen von Eduard Bernstein. I Preis.......... 40 Ps. „ in Besserer Ausstaltimg 1.— M, Patriotismus und Sozialdemokratie von Karl Kantsky. Preis»9 Pf. DU Hgrarfrage in Rußland Die bäuerlich« CClirtrcbaftoform und die Hrbciter. Eine Untersuchung von Peter Mahlow. Preis brosch. 2.59 M., geb. 3.— M. Die Kolontalpolitik und der Zusammenbruch von Parvus. Preis 1.— M. In der russischen Baftille während der Revolution. Eindrücke, Stimmungen und Betrachtungen von Parvus. Preis brosch. 1.— M., geb. 1.50 M. Viermal entflohen von«eo Deutsch. Verkäster von„Sechzehn Jahre in Sibirien". Preis brosch. 1.59 M., geb. Z.— M. Der J�eue Rlclthalender für 1908. Preis..... 49 P. Zu beziehen durch: Sxpeäition des„Vorwärts", Berlin SM. 68, Lindcn-Str. 69, Laden. Singer Nähmaschinen. Einfache Handhabung! 5353a» Große Haltbarkeit! Hohe Arbeitsleistung! Waitausslellung CiVnnr\ Dt-iv WeltaussfellunB Paris 1900: UI auU l�riA st. Louis ,904. Unentgeltlicher lluterricht, auch in moderner Kunststickerei. Elektromotore für Nähmaschiuenbetrieb. Singer Co. jSähmaschinen 3ct.6es. Berlin W., Leipzigerstr. 92. Filialen in allen Stadtteilen. Deulseber Holzarbeiter- Verband! Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Tischler Franz Eckstein am 15. Juli verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 19, Juli, nach- mittags 6 Uhr, von der Leichen- Halle des Pius- Kirchhofes in Wilhelmsberg aus statt. 90/16 Um rege Beteiligung ersucht Oie Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 14. Juli infolge eines Un- fallcs unser langjähriges Mit- glied, der Kutscher franz Meier verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute. | Donnerstag, den 18. Juli, nachmittags 5 Uhr, aus dem Fried- Hose der Aufcrstehungsgemeindc in Weißen!« statt, 74/2 Die Ortsverwaltung II. Deutscher iMetallarbeiter-Verbandi Verwaltungsstelle Berlin. Nachrnf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Arbeiter Fritz Krüger | am 30. Juni verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 122/5 Die Drtsverwaltung. Berlins und Umgegend. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Ehesrau des Mitgliedes Murtk aus Klub»Gemütlichkeit II, 30," am 15. Juli verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am j Donnerstag, den 18. Juli, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle de? Emmaus-Kirchhoses in I Rixdorf, Hcrmannslraße, aus statt.| 3/7 Ter Vorstand. Todes- Anzeige. Am 16. Juli. 12-/, Uhr vor- mittags, verschied nach schwerem Leiden meine mnigstgelicblc Frau Minus Schlecht geb. Heyne im 62. Lebensjahre, 1872b Dies zeigt ticsbetrübt, um stilles Beileid bittend, an Karl Schlecht, Simconstr. 8, Et. Die Beerdigung findet am Freitag, den 19. d. Mts., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle der Simeons- Gemeinde in Britz aus statt, dedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Plg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.i das erste Wort (fettgedruckt) 10 Ptg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. ) Kleine Anzeigen( ANZEIGEN IQr die nächste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Llndenstrasse 69, bis S Uhr angenommen. Verkäufe. HepPlcliemttFnrbenseblernFabrtl NIederlnge(Kroße Frniifliirlerttraß« 9, parterre, kein Laden. Mauerhoff, ßt Steppdecke» billigst Fabrik Groß« Franksitrlerstraße 9, parterre. fl GardineuIiaiiS GroßeFrnnkiurler- Nraße 9. parlerre. Kein Laden. Mauerhoff. iß Herrenfahrrad, Damcnfahrrad, wie neu, 45,00. Holz, Blume» ftraße 36b._ 2515Ä» Steppdecken spottbillig, Fabrik Große Franksurterstraße 60. 2167K' Jahrräder. Teilzahlungen. In- validenstraße 20, Skalitzerslraße 40.' Teppiche t(jehlerhasle) in allen Größen für die Hälsle des Werte» im Teppichlager Brünn, Hackelcher Markt 4, Bahnhoj Börse. 261/1' Gaökocherhaus. Zweilochgas- kocher 3,00. Wohlauer, Wallnertheater- ftraße 3T_ 2534K» Pfaudtethhaus! Hermannplatz sechs. 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