Ur. 166. nbonnementS'Bedtngungen: Wonncments< Preis pränumerando: Vierteljährl. 3L0 Ml., monall. l.lv Ml.. wöchentlich'LS Psg. frei ins HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. SonntagS- nunimer mit illustrierter Sonntags« Beilage.Die Neue Well" 10 Pf«. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs« Vreisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien, Luxeniburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 24. Jahrg. CrlchtlDt täslid) atßcr montags. Verlinev Volksblakk. Die TnlertlonS'Gebübr beträgt für die sechSgespaltcnc Kolonel- geile oder deren Raum BO Pfg., für politische und gewerlschaslliche BereinS- und Versammlungs-Anzeigen 30 Psg. „Aleine sgnrelgen", daS erste(fett- gedruckte) Wort 20 Psg., jedcS weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstabe» zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnicr müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adreffc: „SMialtkiMral Berlin". Zentralorgan der fozialdemokrat» fchen Partei Deutfchlands. Redaktion: 8W. 68, Lindcnstrassc 69, Fernsprechcr: Amt IV, Nr. 1983. Freitag, den 19. Juli 1907. Expedition: SM. 68, Lindcnatraaae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Der Kampf gegen den Militarismus. Man schreibt uns: Es liegt im Wesen des heutigen Militarismus, daß es nicht gelingt, seine Auswüchse, deren häßlichster und verabscheuungswürdigster unstreitig die Soldatenmißhandlungen sind, zu beseitigen. Die Soldaten- Mißhandlungen bilden die dunkelste Seite in dem Sünden- register unseres Militärstaates, und Empörung überkommt denjenigen, der die Berichte und Militärgerichtsurteile in Sachen der Soldatenmißhandluugen verfolgt. Kaum der- geht ein Tag, der nicht haarsträubende Einzelheiten an die Oeffentlichkeit bringt. Bände könnte man füllen, wollte man auch nur die markantesten Fälle aufzählen, ganz abgesehen davon, daß viele Fälle infolge des berühmten und berüchtigten „öffentlichen" Gerichtsverfahrens, das, sobald die„militärische Disziplin gefährdet" erscheint, die Oeffentlichkeit ausschließt, unbekannt bleiben. Und wie viele der mißhandelten Soldaten verschweigen ihre Erlebnisse. Ist es doch häufig vorgekommen, daß sie vor Gericht sunter Eid erlittene Mißhandlungen leugneten aus Furcht vor der Rache der in Betracht kommenden Vorgesetzten. Auch die Zahl der Selbstmorde, die zum überwiegenden Teile auf das Konto der geschilderten Zustände zu setzen sind, weisen eine erschreckende Höhe auf. In Italien und Frankreich kennt man solche Vorkommnisse, wenigstens in dieser krassen Form, nicht. In diesen Ländern weht eine demokratischere Luft und die Heere dort haben nicht die traditionell gepflegte preußische Zucht und bis zum Uebermaß eingebläute Lehre vom blinden Gehorsam. Deshalb ist man auch bei uns ängstlich bemüht, die Kasernen gegen jedweden freiheitlichen Hauch hermetisch abzuschließen und die eventuell doch eingedrungenen Samen- körner mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln zu per- Nichten. Ja, von Zeit zu Zeit werden sämtliche Zimmer und Spinde nach„gefährlichen", aufreizenden Schriften durchsucht, obgleich es der deutschen Sozialdemokratie noch nicht im Traume eingefallen ist, auf diese Weise Aufklärung unter den Soldaten zu verbreiten. Aber trotzdem sind die Offiziere angewiesen, den'Rekruten Grauen vor den bösen Sozis einzuflößen und sie auf die „verwerflichen",„törichten" Bestrebungen und Ziele dieser Vaterlandslosen aufmerksam zu machen. Wie dies geschieht, möge ein eigenes Erlebnis belveisen. Es war einige Tage, nachdem die Rekruten eines in der Stadt der reinen Vernunft garnisonierenden Regiments ein- gekleidet worden waren. Eine Abteilung davon übernahm ein blutjunger, aber sonst nicht übler Leutnant. Die be treffenden Rekruten waren zusammengesetzt aus Berlinern, Ostpreußen und Schleswig-Holsteinern. Die letzteren stammten durchweg vom Laude. Nachdem nun der Leutnant in aus- führlichcr Weise die Ruhmesgeschichte der preußischen Herrscher und die„unvergänglichen" Heldentaten des Hohenzollerngeschlechts geschildert hatte, Hub er an:„Weiß einer von Euch, was die Sozialdemokratie ist?" Alles schwieg I Die Berliner blinzelten verschmitzt. Die Landsöhne blickten ver- ständnislos vor sich hin. Da keine Antwort erfolgte, ergriff der Vorgesetzte äußerst befriedigt das Wort.„Dann will ich Euch das erklären. Die Sozialdemokratie will den Umsturz. Auch teilen wollen die Sozialdemokraten. Ich will Euch dies an einem Beispiel erklären. Wir nehmen an, Müller hätte sich 50 M. gespart, Schulze nicht. Nun kommt Schulze und will 25 M. davon haben. Die versauft er. Dann will er auch die anderen 25 M. teilen. Auch dieses Geld würde er versaufen. Dann hätte er wieder nichts. Also: da seht Ihr am besten, daß die Sozialdemokratie Unsinn ist l" Wir brauchen nun freilich eine solche„Aufklärung" nicht zu fürchten. Aber wie kommt es, daß ein erwachsener Mensch von 20—25 Jahren sich schlagen, treten, ja anspeien läßt, die unglaublichste, demütigendste Behandlung erträgt, ohne zu mucksen, ja ohne sich auch nur zu beschweren? Die Vorschrift besagt, daß der Vorgesetzte drei Schritte Abstand von seinem Untergebenen zu nehmen und jede Berührung zu vermeiden hat. Im Dienstbuch aber steht wörtlich: Unwürdige Behandlung kann im beleidigenden Schimpfen, Stoßen, Schlagen liegen. Nicht jedes derbe Wort oder grobe Anfassen ist Grund zu einer Beschwerde. Hier hebt also eine Bestimmung die andere auf! Ferner soll der Soldat mit Sie angesprochen werden, dies geschieht aber keineswegs immer, und gewöhnlich läßt er sich das entehrende, jedes Manncsgefühl verletzende Du gefallen. Dabei trifft es sich nur zu oft, daß der Untergebene älter ist, als der Vorgesetzte und vielleicht schon Land und Leute kennen gelemt hat, während jener mit beschränktestem Wissen und ohne jede Lebenserfahrung aus der militärischen Dressuranstalt kommt. Teilen wir nun die Rekruten in drei Klassen: 1. Die aus der Großstadt, 2. die aus der Kleinstadt und 3. die vom Lande. Die erste Kategorie wird beim Militär relativ noch am besten, man kann sagen, am vorsichtigsten behandelt. Hört man doch oft genug von den Unteroffizieren sagen: Die Kerls aus Berlin Hab' ich im Magen. Die haben meist .11 Fabriken gearbeitet und sind zu ausgekocht. Die vom Lande sind mir die liebsten!— Gerade diese und die Klein- tädter, deren Gesichtskreis beengt, deren politisches Ver- iändnis unentwickelt ist, sind es auch, die am meisten unter den Roheiten und Brutalitäten eines Teils der Vorgesetzten zu leiden haben. Dazu kommt noch, daß durch die völlige Abschließung von der Außenwelt während der ersten Zeit. durch die ungewohnte Kleidung und Umgebung, durch den barschen, schroffen Ton, besonders aber durch die Ver- lesung der furchtbaren Kriegsartikel die jungen Leute der- maßen eingeschüchtert werden, daß sie die ersten Monate wie im Taumel dahin leben und kaum zur Besinnung kommen. Ziehen tvir noch zuletzt den Mangel an Selbstgeftihl, an Eharakterstolz in Betracht, dann haben wir die Antwort auf unsere Frage. Tatsächlich gibt es Soldaten, die durch ihr Vorleben, ihre soziale Lage so abgestumpft sind, daß ihnen, wenn sie geprügelt werden, die ganze Schwere der Schmach nicht zum Bewußtsein kommt. Allerdings sind das keine Leute, die sozialistische Luft geatmet und begriffen haben, daß Ehrgefühl und Charakterstärke die erste Bedingung ist, um die Menschheit aus den Banden barbarischer Unkultur zu befreien und einem höheren Ziele zuzuführen. Unsere Aufgabe muß es unter solchen Umständen sein. die sozialistische Weltanschauung auch schon unter der heran- wachsenden Jugend zu verbreiten und unablässig durch Wort und Vorbild für unsere Ideen zu wirken. Nicht indem man die jungen Leute niit politischen Schlagworten vollpfropft: sondern indem man sie allmählich und planmäßig in unsere Ideenwelt einführt und in ihnen die glühende Begeisterung für das große Kulturziel des Sozialismus erweckt, indem man ihnen soviel Selbstbewußtsein und Ehrgefühl einflößt, bei un- tvürdigcr Behandlung stets von dem Beschwerderecht, so um- ständlich und ungenügend dies auch ist, Gebrauch zu machen. Vor nicht allzu langer Zeit wurde ein Fall in der Presse lebhaft besprochen, wo ein Seekadett, der abends auf dem Nachhausewege von einem Soldaten einen Stoß erhielt und sich nicht zu revanchieren vermochte, sich aus gekränktem Ehr gefühl das Leben nahm. Welcher Kontrast zeigt sich hier zwischen den Anschauungen über das Ehrgefühl zwischen den Söhnen der obersten Klassen und denen des Volkes Dort ein fast krankhaft ausgeprägtes Selbstbewußtsein, hier ein stumpjes, duldendes oder ohnmächtig knirschendes Sich' fügen l Und keinem der gewaltättgen Vorgesetzten steigt die Scham- röte ins Gesicht, wenn er seine Opfer malträttert und Peinigt, keinem kommt es zum Bewußtsein, daß derjenige Vorgesetzte. der sich an einem wehrlosen Untergebenen vergreift, den Gipfel der Feigheit erreicht. Welchen Anschauungen man sogar in manchen Offizierskreiscn huldigt, zeigt der Ausspruch eines blaublütigen Vertreters dieser Klasse, den derselbe in seiner Eigenschaft als Verteidiger eines mißhandelten Soldaten tat: Das wäre noch schöner, ivcnn man nicht mal mit der Faust dreinschlagen dürfte, die Kaserne ist doch keine höhere Töchterschule l. Untersucht man, wie es kommt, daß die Soldaten- Mißhandlungen trotz der allerdings ebenso spärlichen, wie fruchtlosen Erlasse nicht von der Tagesordnung verschwinden, so finden wir die Beantwortung der Frage in den ver- schiedensten Ursachen. In erster Linie ist es die milde Be- strafung der Soldatenschinder, die im schroffsten Gegensatz steht zu den drakonischen Strafen, die über den„gemeinen" Sol- baten verhängt tverden, sobald sich ein solcher der geringsten Widersetzlichkeiten oder gar eines Angriffs auf einen Vorgesetzten schuldig macht. Zweitens die Ausschaltung der Oeffentlichkeit bei Gerichtsverhandlungen, die nur allzu häufig hinter verschlossenen Türen stattfinden. Drittens der umständliche und mangelhafte Beschwerdeweg, und zuletzt die Verneinung des Rechts der Notwehr. Auf diesen Gebieten muß gründlicher Wandel ge- schaffen werden. Die eiserne Disziplin und der blinde Kadavergehorsam sind die Merkmale unseres Militarismus. Ganz offen erklären seine verknöcherten Anhänger, daß darauf die Stärke und Zuverlässigkeit des Militärs beruhe, besonders auch im Kampfe gegen den„inneren Feind". Der heuttge Militarismus ist der letzte Rettungsanker der Herr- schenden Klassen, und unter seinem Schutze schwingt der Kapitalismus seine Geißel über das darbende und frondende Volk. Erst wenn die sozialdemokrattsche Aufklärung es dahin gc- bracht hat, daß auch der Mann in der Uniform sich als Bürger fühlt, sind die Schranken gefallen, die der besitzlosen Klasse den Aufstieg zu politischer und sozialer Gleichberechtigung verwehren I Die Nbriistung der flbriistiingsldee. Die Haager Friedenskonferenz hat sich, wie vorauszusehen, ihres NcmenS wenig würdig erwiesen. Von einer Förderung und Sicherung des internationalen Friedens war bisher kaum die Rede: die bisherigen Verhandlungen befaßten sich vielmehr mit der Regelung der Kriegsgebräuche. Auch das könnte ja— die internationale Einhaltung solcher Vereinbarungen voraus« gesetzt!— seine Verdienste haben, allein mit dem Frieden hat eine solche Regelung so wenig zu tun, wie die Vereinbarung der Bedingungen für einen Zweikampf mit der Be- kämpfung des Duells! Nun hat ja Amerika den Vorschlag gemacht, einen ständigen internationalen SchiedSgerichtShof einzusetzen, der in jedem drohenden Konfliktsfalle den Kriegsausbruch zu verhüten bemüht sein solle. Aber ob ständiger Gerichtshof oder jedesmaliges besonderes „Schiedsgericht": die Sache ist die, ob sich zwei Großmächte dem Schiedsspruch fügen, ja ob sie nur den ordnungsmäßigen Verlauf des Sckiiedsaerichtsverfahrens abwarten würden! UebrigenS; wird zweifellos auch diesmal die Verpflichtung, sich einem SchicdSgerichtSspruch zu unterwerfen, abgelehnt werden. Bei den schiedsgerichtlichen Bestimmungen, die bei der vorigen„Friedens- konferenz" vereinbart wurden, nur dann in ein— zudem unver- bindlichen— SchieeSgerichtsverfahren zu willigen,„sofern ei die Umstände erlauben", wird ei auch diesmal sein Be- wenden haben! Auch dürfte die Bestimmung bestehen bleiben, daß die Annahme der Vermittclung niemals die Wirkung habe, „Truppen Mobilisierung und andere Maßregeln zur KriegSvorbereitung zu unterbrechen." Die eigentliche Abrüstung Sidee wird vollends inS Wasser fallen. Das verhehlen sich auch die englischen Staatsmänner nicht, von denen die Initiative zu einer Abriistungsdcbatle auf der Haager Konferenz ausgegangen ist. lieber die Aeußerungen zweier Mitglieder des englischen Kabinetts zur Abrüstungsfrage wird gemeldet: London, 17. Juli. Premierminister Sir Henry Campbell- Bannerman empfing heute nachmittag eine Abordnung der britischen Gruppe der Jnterparlainentarische» Vereinigung, die ihm die kürzlich von dieser Gruppe angenommene Resolution zur Haager Friedenskonferenz niitteilte. Bannerman erwiderte, was den scheinbaren Mangel an Fortschritten auf der Konferenz anbetreffe, so müsse man daran denken, daß die Gegen- wart von Vertretern so vieler Staaten, obwohl sie an und für sich nützlich sei, doch die erreichten Fortschritte hemme. Es wäre zu bedauern, daß die Frage der Einschränkung der Rü st un gen keinen hervorragenderen Platz in den Beratungen der Konferenz einnehmen würde. Aber Schwierigkeiten, die mehr in llmständen als in dem Gegen stände selbst lägen, ständen im Wege, und so wäre eö möglich, daß das äußer st e, was bei dieser Gelegenheit getan werden könnte. wäre. frühere Resolutionen von neuem zu bestätigen. Er, Baiinermaun, glaube, daß die britischen Delegierte» an den Arbeiten der Konferenz lebhaften Anteil genommen hätten, und zwar in der rechten Richtung, und daß sie durch- aus das Vertrauen des Landes verdienten. Bannerman schloß seine Rede mit der Erklärung, daß es selbstverständlich einer einzelnen Delegation unmöglich sei, ihre Ansichten auf der Konferenz zur Geltung zu bringen, und daß die Delegierten, um praktische Resultate zu erzielen, sich dazu verstehen müßten, sich den Ansichten ber Konferenz an zu- passen. Wenn sie nicht eine Politik verfolgten, die in Ueberein- stimmuug mit der anderer Nationen stände, so könnten sie leicht den Erfolg gefährden in Materien, in denen vermutlich eine Einigung zu erzielen sei. Staatssekretär Sir E. Grcy, der gleichfalls an- wesend war, führte aus, daß die Regierung der Ansicht sei, daß alles, was nur im Bereiche der Möglichkeit liege, getan lv erden sollte, um die öffentliche Meinung für die Fragen der Abrüstung und der B e r»1 i» d e ru»ig der Kriegsgefahren reif zu machen und diesen Fragen Eingang zn verschaffen, und ihnen einen Weg zu bahnen für eine günstige Aufnahme dieser Frage auf zukünftigen Konferenzen. Wenn die Kon- ferenz eine ständige Einrichtung werden sollte, sei es von Bedcuwng, daß ihre Verhandlungen in Harmonie verlaufen. Er hoffe, daß die Frage der Schaffung und Vervollkommnung eines Verfahrens zur Re- gelung ähnlicher Zwischenfälle, lvie eS der bei der Doggerbank gewesen sei, ein gut Teil gefördert werden würde. Redner fügt hinzu, wenn der Fortschritt auf der Konferenz bisher nicht so schnell gewesen sei oder nicht so deutlich zutage tretend, wie man gehofft hätte, so glaube er doch, daß im weiteren Verlauf der Konferenz ihre Arbeit mit größerer Schncllig- keit erledigt werden würde. Nach der ablehnenden Haltung speziell Deutschlands war a auch nichts anderes zu erwarten. Und es ist ein sehr schwäch- licher Trost, wenn Sir G r e y erwartet, daß durch die Be- arbeitung der öffentlichen Meinung eine künftige Friedens- konferenz in der AbrüstuugSfrage zu wirklich positiver Arbeit „reif" gemacht werden könne. England ist kolonialpolitisch gesättigt, eS möchte seinen Besitz in Ruhe verdauen. ES würde gern auch seine Flottcnrüstungen ein- stellen, wenn nicht daS fieberhafte Rüsten der anderen Staaten seine maritime Position ständig bedrohte. Aber andere Staaten stehen erst im Beginn ihrer imperialistischen Expansion und denken deshalb gar nicht an Abrüstung oder auch nur einen Stillstand ihrer Rüstungen. Dabei betont jeder Staat— und er mag es dabei im Augenblick auch ganz ehrlich meinen—. daß er gar nicht an einen Angriff denke, daß er nur seine Defensivkraft stärken wolle. Aber kein Staat traut dem anderen— und so nimmt denn daS Weit- rüsten in immer beschleunigterem Tenipo seinen Fortgang! Nur eine Form der Bearbeitung der öffentlichen Meinung kann an diesem im Wesen des Kapitalismus begründeten Verhängnis- vollen Zustand etwas ändern: die sozialistische Propaganda I Erst dann, wenn die wirkliche Demo kr atie herrscht, wenn die koloniale Raubpolitik keinen Vorwand mehr gibt zum aber- witzigen Rüsten und zur Anzettelung frivoler Kriegsabenteuer: erst dann wird auch daS unausrottbare Mißtrauen der Nationen schwinden und der Abrüstungsgedanke verwirklicht werden!— Die vechsstung des Exminillers liafi. Rom, 16. Juli.(Eig. Ber.j Nast hat sich, vom ersten Lautwerden der Anklagen gegen ihn an, von einem furchtbaren Grauen vor der Untersuchungshaft be- herrschen lassen: Er war der festen Ueberzeugung, daß er nicht imstande seine würde, eine längere Untersuchungshaft zu überstehen. Darum ist er drei Jahre flüchtig gewesen, so schädlich daS auch für seine Verteidigung war. Erst die völlige Gewißheit, daß alle Rechts- Handlungen in der Strafsache gegen ihn durch die Inkompetenz- erklarung der gemeinen Gerichte null und nichtig wurden, hat den Exinimster veranlaßt, wieder in sein Vaterland zurückzukehren. Allem fühlte sich Rast gewachsen, nur nicht der Pein der Unter- suchungShaft... Wie geht es nun zu, daß man gestern avend zilr Verhaftung dcZ Angeklagten geschritten ist? Hat man Rast und seine Verteidiger, hat man die Presse und die öffentliche Meinung geflissentlich falsch informiert, um Nasi ins Netz zu locken, oder ist die Vcr- Haftung nicht zu Recht geschehen?— Wir zögern nicht, uns der zweiten Ansicht anzuschließen. Der Scnatspräsident ist'mit allen richterlichen-Befugnissen ausgestattet und kann alle Maßnahmen treffen, die ihm zur Feststellung der Wahrheit nützlich erscheinen. Er kann also ohne Zweifel auch Haftbefehle erlassen. Aber trotzdem hat er— ebensowenig wie die gemeinen Gerichte— das Recht, einen Deputierten während der K a m m e r s e s s i o n verhaften zu lassen! Die ohne Autorisation der Kammer erfolgte Verhaftung Nasis halten wir demnach für eine Verletzung der parlamentarischen Privilegien. Nun hat allerdings das italienische Parlament vor drei Jahren bereits die Autorisation zum Strafverfahren gegen Nasi und zu seiner Verhaftung gegeben. Durch diese Autorisation wurde die Reihe von Maßnahmen eröffnet, die in der Jnkompetenzerklärung der gemeinen Gerichte ausliefen. Aber diese Jnkompetenzerklärung hob alle Rechtsakte auf, die zu ihr geführt hatten, auch die von der Kammer erteilte Autorisation. Wollte man das in Abrede stellen, so wäre das fernere Verhalten des Parla- uients nicht zu erklären. Denn wenn die damals erteilte Autori- sation noch heute in Kraft wäre, dann könnte die Kammer noch heute— ungeachtet der Jnkompetenzerklärung— Nasi den gemeinen Gerichten übergeben. Statt dessen hat die Kammer aber den Fall einer neuen Prüfung unterzogen und ihn aus Grund dieser neuen Prüfung dem Senat zur Aburteilung überwiesen. Von einer neuen Autorisation zur Verhaftung war nicht die Rede. Die alte ist offenbar von der Kammer selber zurückgezogen worden, indem diese von der Ueberweisung an die gemeinen Gerichte absah. Somit ist Nasi, trotz seines Parlamentsmandats und ohne„bei frischer Tat ertappt" zu sein, während der Session verhaftet worden, im Widerspruch zu den Bestimmungen der Verfassung. Eine Stunde später als Nasi wurde auch Lombards verhaftet, sein Privatsekretär, der des Ministers böser Geist gewesen sein soll. Die Verteidiger Nasis haben sofort bei der Senatspräsidentschaft beantragt, daß der Verhaftete entweder im Senatsgebäude oder auf der Engelsburg gefangen gehalten werde, da alle vor dem Senat Angeklagten bisher an einem dieser beiden Orte in Haft gehalten wurden, nicht im allgemeinen Gefängnis. Heute hat die Wer- teidigung sodann den Antrag auf Haftentlassung gegen Kaution gestellt. Man mag über die Rechtmäßigkeit dieser Verhaftung denkenswie man will,— jedenfalls ist es erfreulich, daß durch den Nasi-Prozeß die ungeheuerliche Korruption in der italienischen Regierung wieder einmal öffentlich zur Sprache kommt.— Rom, 18. Juli. Der Senatspräsident und die beiden Senatoren, die mit der Einleitung des Prozeßverfahrens gegen den früheren Minister Nasi betraut sind, haben im Gefängnis Regina Coeli zunächst den früheren Kabinettschef NasiS, Lombards, vernommen. Nasi selbst wird heute nachmittag vernommen werden. Rom, 18. Juli.(B. H.) Wie aus Sizilien berichtet wird, nimmt die Aufregung infolge der Verhaftung des früheren Ministers Nasi immer mehr zu. Es soll die Absicht bestehen, das Beispiel der französischen Winzer zu befolgen und die Steuerzahlung zu verweigern sowie das politische Leben zu unterbinden. Politische Geberficbt. Berlin, den 18. Juli 1907. Blockpolitik und Wahlrechtsreform. Während sich der Freisinn auf halbe und u n- verbindliche Versprechungen der Regierung verläßt und geduldig des Gnadengeschenkes harrt, das ihm Fürst Bülow in Gestalt eines preußischen Wahlreformgesetzentwurfes dar- bringen soll, überbieten sich die Konservativen täglich in Drohungen und Einschüchterungsversuchen. So schreibt eine konservative Korrespondenz: „Es ist jüngst gesagt worden, die Wahlrcchtsfrage müsse in Preußen die Fahne sein, um die der Liberalismus sich sammele und die er verteidigen müsse. EA scheint, als wollen die liberalen Parteien eine Kabinettsfrage hieraus machen und den Kampf den anderen Parteien aufdrängen. Auch die Regie- rung in Preußen scheint eine merkwürdige Schwäche zu beweisen und will den liberalen Forderungen entgegen- komme n. Unter diesen Umständen ist es nützlich und gut, die Frage zu stellen: Wohin soll der Kurs für die Zukunft gehen? Der Liberalismus verspricht sich viel von einer Wahlrechts- äuderung in Preußen. Wir haben jüngst versucht, auseinander- zusetzen, wie gering seine Vorteile wären und wie sehr er die Geschäfte der Sozialdemokratie besorgen würde. Zweifellos wird beabsichtigt durch Wahlrechtsände- rungen in Preußen die Kraft der Parteien der Rechten zu brechen. Eine solche Absicht ist klar und muß bei einem Bundesgenossen v e r st i m m e n. Auch die R e g i e r u n g soll nicht davor zurück- schrecken wollen, den festen Boden dieser Parteien zu erschüttern; damit ve r t i e f t sie, wie man in Sachsen beobachten kann, die Kluft zwischen Konservatismus und Liberalismus. Blockpolitik ist eine zarte Blume, sie ward geboren am 2ö. Januar, geboren aus einem Zufallssicg, der so manchen verblüfft hatte. Diese Blockpolitik hatte bisher niemanden recht befriedigt, von beiden Seiten wurden Opfer verlangt. Zur Not bestand sie drei Monate im neuen Reichstage, aber an eine neue Aera glaubte niemand. Die nächste Tagung wird größere sozialpolitische Auf- gaben bringen, Aufgaben, die den Blockparteien manche Nuß zu knacken geben werden. Die neuen Gesetze sollen liberalen Wünschen angepaßt werden, und konservative sollen, um die Ein- tracht nicht zu stören, selb st los zurückgestellt werden. Diese Politik der Festigung konservativer Ideen soll noch in Preußen durchgeführt werden. Wohlan, wohin dies führen muß, ist klar. Die Blockidee geht kläglich in die Brüche, einmal mutz es doch so kommen, eine Wahlrechtsreform würde diesen Bruch aber beschleunigen. Ist der Bruch erst ein- mal vollzogen, so liegt die weitere Existenz der Dinge klar vor Augen. Die konservativen Parteien, werden dem alten Bundesgenossen, de mZentru in, indieArmege- trieben. Eine wirkliche Feindschaft zwischen ihnen bestand nie, dazu ist die Zentrumspartei im allgemeinen eine zu konservative und staatserhaltendc Partei. Es dürfte denn auch die Frage auf- tauchen, wäre es nicht besser, wieder nach der früheren Marschroute zu marschieren, nachdem das Zentrum aus seiner dominierenden Stellung verdrängt, nachdem das von der Regierung selbst aufgelegte Zentrumsjoch gebrochen war?" Die linksfreisinnige„V o l k s- Z t g." entgegnet darauf: „Der Liberalismus, der sich durch solche Mätzchen und durch solche„Drohungen" davon abhalten ließe, einen energischen Vorstoß gegen das Dreiklassen- Wahlrecht zu unternehmen, wäre nicht wert, zu existieren." Sehr richtig! Aber es wäre nun auch allerhöchste Zeit, daß der Freisinn solch eineu�„energischen Borstoß" uuteruähiue! Bisher hat er doch nur der skeptischen Welt vcr- kündet, daß die Regierung gnädigst geruhen wolle, eine Wahlreforin zu bescheeren— wobei das Wann und W i e völlig im Dunkel gelassen worden ist! Es wäre in doppelter Beziehung geboten, daß der Frei- sinn nun auch seinerseits energisch ins Zeug ginge und einen Wahl rechts st ur m inszenierte! Einnial bewiese das der Regierung, daß der Freisinn nicht wieder die Rolle des GenaSführten spielen will, und eine solch unzweideutige Willensbeknndung wäre den konservativen Eiuschüchterungs- versuchen gegenüber nur zu sehr am Platze. Zweitens aber böte die Entfesselung einer Wahlrechtsbewegung im Volke dem Freisinn die Möglichkeit, auch das Zentrum für die Wahl- resornt derartig zu engagieren, daß den Konservativen gar nicht die Möglichkeit bliebe, sich wegen eines Wahlrechtskonflikts mit dem Zentrum gegen den Freisinn zu verbinden! Ob der Freisinn sich endlich der Situation gewachsen zeigen wird?—_ Polen-Auskauf. Der Negierung scheinen die Erörterungen der Presse über die für die nächste Tagung des preußischen Landtages be- stimmte Ostmarken-Vorlage sehr unbequem zu sein; denn die „Verl. Pol. Nachr." veröffentlichen folgende offiziöse Notiz: „An den jetzt wieder hervortretenden Erörterungen der Presse über die angebliche Gestalt der schon in der Thronrede bei der Eröffnung der letzten Landtagstagung angekündigten weiteren Vorlage zum Schutze des Deutschtums in den Ostmarken ist so viel richtig, daß von den zuständigen Behörden in den zweisprachigen Landesteilen im Interesse wirksamer Fortführung der Ansiedelungspolitik die Gewährung eines erweiterten Enteignungsrechts für die Aufgaben der Ansiedelungs- kommission befürwortet worden ist. Ueber diese Anregung sind einflußreiche Politiker der verschiedensten Richtungen in beiden Häusern des Landtages sondiert worden. Das Ergebnis der Er- Mittelungen war den Absichten der erwähnten Behörden in den Ostmarken nicht g ü n st i g. Es ist daher nicht nur von der Ein- bringung der zuerst in Aussicht genommenen Vor- läge für die nach st e Tagung Ab st and genommen, es ist auch die Wahl eines anderen Weges zur Förderung der Landpolitik der Regierung als der der Verstärkung des Eni- eignungsrechtes, wie er von der Ansiedelungskommission angeregt worden, in Aussicht genommen. Die rechtlichen und praktischen Schwierigkeiten, die mit der Wahl einer solchen anderen Sach- behandlung notwendig verknüpft sind, haben nach einer Mitteilung des Landwirtschastsministers in der Budgetkommisfion des Ab- geordnetenhauses auch den Ausschlag zur Verschiebung der Vor- läge bis zur nächsten Tagung gegeben. So liegen die Dinge. ES ist daher kein ausreichender Grund vorhanden, sich, wie es in einem Teile der Presse geschieht, jetzt wegen der in der n ä ch st e n Tagung zu gewärtigenden Vorlage aus Gründen der inneren und der äußeren Politik zu beun- ruhigen." Die„Verl. Pol.�Nachr." sagen nicht, daß die Entcignungs- Pläne aufgegeben sind, auch nicht, welcher Art der gewählte „andere Weg" zur Förderung der von der Regierung be- triebenen Antikarnickelpolittk ist; sie weiß nur, daß kein Grund zur Beunruhigung über den von der Regierung für die nächste Landtagstagung bestimmten Gesetzentwurf vorliegt. Ein Dementi, das an Naivität nichts zu wünschen übrig läßt. Abschiebung eines Oesterreichers. Wir teilten kürzlich mit, daß ein Oesterreicher, der Buchbinder Luftig, polizeilich sistiert und ihm die Abschiebung angedroht wurde. Lustig ist verheiratet, lebte seit 18S2 in Berlin, stand zur Zeit der Verhaftung in Arbeit und ist Vater von vier un- m ü n d i g e n K i n d e r n. Strafbares hat er sich n i ch t zu- schulden kommen lassen. In Polizeigewahrsam wurde er lediglich deshalb genommen, weil— er anarchistischer Gesinnung ist. Dieser Tage ist nun Luftig, wie uns mitgeteilt wird, nach Oesterreich abgeschoben worden. Er wurde, von zwei Polizeibeamten eskortiert, nach Oderberg gebracht, dort von der österreichischen Polizei in Empfang genommen und nach Chrzarnow, seiner Vatergemeinde, gebracht. Auf die gegen die Verhaftung und die Androhung einer Abschiebung von der Ehefrau eingelegte Beschwerde ist bis heute noch kein Bescheid erteilt. Die Gemeinsamkeit des Vorgehens der österreichischen und preußischen Behörden läßt die Ungerechtigkeit des geschilderten Vorgehens noch krasser hervortreten. Es scheint, als ob gewisse spiritistische Kreise das Gespenst einer internationalen Anarchistengefahr zur Verdeckung reaktionärer Pläne notwendig gebrauchen!—_ Die Kultur-Liga. Der von der vatikanischen Presse der„Freimaurerei" und der Untergrabung der Autorität des sogenannten heiligen Stuhles be- schuldigte„Katholische Kulturbund" zu Münster hat wider Er- warten doch den Mut gefunden, sich gegen die erhobenen An- schuldigungen zu wehren. Allerdings sehr weit reicht dieser Mut nicht; im wesentlichen beschränken sich die„Kulturbündler" auf die Versicherung, daß ihnen jeder Angriff auf die Autorität der Kirche, d. h. Roms, fernliegt. In der von ihnen an verschiedene Zeitungen gesandten Erklärung heißt es: 1. Aus den bisher veröffentlichten Schriftstücken und Er- klärungen ergibt sich ohne weiteres, daß es eine Entstellung der Wahrheit ist, wenn man uns die Absicht einer Trennung von der Autorität der Kirche unterschiebt. 2. Unsere Absicht, gemäß dem dringenden Rate wohlunter- richteter Fachthcologcn, die Bittschrift nicht nur zunächst den Bischöfen, sondern gleichzeitig auch Seiner Heiligkeit in Rom zu überreichen, kann um so weniger befremdlich erscheinen und ist um so korrekter, als a) der unmittelbare Weg zum hl. Vater bislang jedem Katholiken jederzeit von Rechts wegen zustand und b) angesichts der Beteiligung verschiedener Diözesen und Länder Rom als die einzige gemeinsame Instanz aller von vorn- herein notwendig mitberücksichtigt werden mußte. 3. Jeder Katholik, der Geistliche und auch der Laie, hat nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte. So ist jeder Laie unter anderem berechtigt, zu erlaubten Zwecken mit anderen Laien zusammenzutreten, ohne grundsätzlichen Ausschluß des Klerus die Pflege des Laien-Apostolats zum Gegenstand seiner Pläne und Unternehmungen zu machen, als Sohn der heiligen Kirche vertrauensvoll Bittschriften an den heiligen Vater vorzubereiten und durch Organisation das Gewicht der für seine Anliegen ge- sammelten Unterschriften zu erhöhen. Jede Verkümmerung dieser Rechte liegt der kirchlichen Auwrität fern und widerspricht ihrem Lebensintcresie. Es muß also schon der Versuch, unser Vorgehen als unrechtmäßig hin- zustellen, als ein völlig unkirchliches Unterfangen zurückgewiesen werden.... 4. Aus der Geheimhaltung des ganzen Unternehmens lann irgend ein begründeter Vorwurf nicht hergeleitet werden, denn .lchSv pje Mxxigen Wgxn des ullv.e rantsoxtl-che n, gewissen- und charakterlosen Vertrauens- b r u ch s müssen jeden Einsichtigen mit zwingender Notwendig- keit davon überzeugen, daß durch die Auslieferung an die Oeffent- lichkeit eine schwere Schädigung kirchlicher Interessen ein- getreten ist. 5. Jede sachliche Kritik ist uns in der vorhandenen der- aniworiungsvollen Lage besonders willkommen und wird der endgültigen Fassung der Bittschrift zugute kommen. 6. Wir erklären uns in allen unternommenen schrillen solidarisch und bemerken, daß nur diejenigen öffentlichen Er- klärungen und Ausführungen von uns stammen, welche aus- drücklich als authentisch bezeichnet oder aber mit unserem vollen Namen versehen sind. 7. Endlich bitten wir um positive Mitarbeit auf der bereits gewonnenen breiten und stets kirchlich korrekt gebliebenen Basis. Münster, den 16. Juli 1907. Justizrat Hellracth.'Assessor Dr. ien Hompel._ Professor Dr, Plaßmanu. Schmcddiug, Mitglied des Hauses der Ab- geordneten. Prof. Dr. Schwering- Klassengegensätze im Zentrum. Im„Bayrischen Vaterland" hat sich jemand im Sinne des Zentrumsabgcordneten Heim für die Organisierung der Landarbeiter ausgesprochen. Daraus antwortet in demselben Blatte ein Bauer wie folgt: „So große Achtung und Verehrung ich für Dr. Heim habe, mit dieser Idee bin ich ganz und gar nicht einverstanden, denn unsere heungen Dienstboten sind ohnehin schon organisiert, von denen ist einer allein schon eine ganze Bande. Solche Dienstboten, wie Dr. Heim im Sinne hätte, organisatorisch heranzuziehen, treue und ordentliche zur Herrschaft hallende Dienst- boten, findet Dr. Heim in einem Bezirksamt nicht so viele zu- sannnen, daß er auch nur einen ganz kleinen Verein gründen kann... Die Bauern getrauen sick, zu ihren Geistlichen über diese Idee selten etwas zu sagen, weil die Bauern erstens auf Dr. Heim und zweitens auf die Geistlichen, welche ans Dr. Heim schworen, große Stücke halten. Aber Dr. Heim sollte einnial seine eigenen Bauern hören, wenn sie unter sich sind, wie sie da. Bauern zu Bauern, über die Idee des sonst auch von mir hochverehrten Dr. Heim loSziehen." So äußern sich ZentrnmSbauern gegenüber Organisationen, die von vornherein auf den Streik verzichten und versichern, daß ihre Vestrcbmigen sich in den bescheidensten Grenzen halten sollen. Es ist doch schön bestellt mit der„ausgleichenden Gerechtigkeit" und der„christlichen Bruderliebe" im Zentrum. So hatten, wie die„Kölnische Volkszeituiig" mitteilt, im RegenSburger Bezirk einige im christlichen Hülfs- und TranSportarbeiter-Lerbande organisierte Landarbeiter, die bisher in» Winter 1.39 bis 1,50, im Sommer 1,50—1,90 M. verdienten, gewünscht, daß im Winter der Durchschnittslohn 1,50, im Sommer 1,80 M. betragen solle, wobei natürlich die heute bezahlten höheren Löhne bestehen bleiben sollten. Es handelte sich also, wie ausdrücklich hervorgehoben wird, nicht um eine Lohnerhöhung, sondern um eine Lohuregelung. Nichtsdesto- weniger lehnten die Gutsbesitzer im frommen RegenSburger Lande jede Verhandlung mit den Arbeiten! ab. Zentrumsparade. Der nächste Katholikentag wird durch das Lokalkomitee zur Vor« bereitung„der 54. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands" zum 25. bis 29. August nach Würzburg einberufen. In dem völlig im bekannten Redestil der Katholikentage gehaltenen bilderreichen Aufruf heißt es: „Glanzvoll, einem machtig anschwellenden Strom gleich, haben sich die Generalversammlungen der letztvergangenen Jahre in Straßburg und Essen gestaltet; die altberühmte Hauptstadt unserer Reichslande und die gewaltige Zentrale deutschen Jndustrielebens in den Rheinlanden hatten ihre ganze Kraft aufgeboten, um bei erstmaliger Abhaltung der Versammlung in ihren Mauern alle früheren zu überflügeln. Ein gewisses Bangen mußte sich deshalb in unserer Stadt Würzburg unwillkürlich der vorberatenden Kreise bemächtigen, ob man es mit unseren viel bescheideneren Kräften werde wagen dürfen, die unmittelbare Nachfolge zu übernehmen. Allein der vielfach ausgesprochene Wunsch nach emer Versammlung, die weniger kolossal in der äußeren Gestaltung, um so mehr der ruhigen Weiterarbeit an ihren inneren Aufgaben gewidmet sein sollte, verlieh den Mut, das ehrenvolle Ansinnen gerne an- zunehmen.... In unaufhaltsam fortschreitender Bewegung, bielfach mit wahrer Sturmsgewalt vollzieht sich die E n t w i ck e l u n g d e s modernen Lebens nach allen Richtungen hin. Aber bei aller Größe dieser Erscheinungen und Errungenschaften wird die sinnende Menschenseele unwillkürlich nur um so mehr von Sehnsucht nach dem Bleibenden und Ewigen erfüllt, und wie nun eben gegenüber der wechselnden Flucht der irdischen Erscheinungen auch diesen» Gedanken vom Standpunkt unserer christlich-katholischcn Welt- und Lebensanschauung aus zu seine»» unveräußerlichen Rechte zu verhelfen sei, um die geheimnisvollen Fäden, die Zeit und Elvigkeit mit einander verbinden, nicht zerreißen zu lassci», das bildet, wie in erster Linie die Aufgabe unserer kirchlichen HeilSordnung, so auch in innigem Zusammenhang damit den un- erschöpflich reichen und vielseitigen Gegenstand des Gedanken- auStauscheS auf unseren Generalversammlungen." Unter dein Aufruf fehlen die Namen dreier Mitglieder des Lokalkomitees, nämlich der Universitätsprofefforen Dr. Hehn, Dr. Kiefl und Dr. Merkte. Sie haben es, wie ans Würzburg ge- meldet wird, in Anbetracht des Papstschreibens an Commer für richtiger gehalten, aus dem Komitee auszutreten. Fnsangels Rache. Dem Papst ist in seinem Kampfe gegen die„Kultur-Liga� ein Helfer erstanden. Johannes Fusangcl, der ehemalige ZcntrumSabgeordncte, bringt in seiner„Westdeutschen Volks- zeitung" den Nachweis, daß er ein treuerer Anhänger der päpst- lichen Autorität»st. als die führenden Leute des Zentrums, die ihn kalt gestellt haben. In einem Artikel, überschrieben„D e r F e l S Petri", heißt cS: „Einen ganz eigenartigen Eindruck macht die Stellung- nahm« fast der gesamten katholischen Presse gegenüber den» Ein- schreiten Roms in der Münsterschen Angelegenheit. Zuerst war man geneigt, die unangenehme Geschichte überhaupt in Abrede zu stellen, da dies nicht weiter angängig ist, stellt man sich auf den Standpunkt des„Viel Lärm um nichts". Hierin liegt ein sehr schwerer Vorwurf gegen die kirchlichen Organe, welche den Papst zum Einschreiten veranlaßtcn. Der hl. Vater macht nicht„viel Lärm um nichts"! Er hat sehr wohl ge. wüßt, was er tat, als er die„Kulturgesellschaftcr" zur Ordnung rief, und es ziemt sich nicht für die katholische Presse, wenn auch nur verhüllt, gegen die Ent- scheid ung des Pap st es Stellung zu nehme». Die Wühlerei dauert schon weit über ein Jahr; die Be- lvegung hat weitere Kreise ergriffen als das katholische Volk ahnt; ein Teil seiner Führer, darunter vielgenannte Abgeordnete, Schriftsteller, Professoren. Richter, Acrzte usw., ist an der Intrige beteiligt." FuSangel nennt es eine bedauerliche Ucberhebuug, wenn sich die geplante Organisation als„Kulturgescllschaft" bezeichne. Hüterin und Trägerin der Kultur sei seit den Tagen der Völkerwanderung die Kirche, sie sei dieser Aufgabe bis heute nicht untreu geworden, und es bedürfe zur Pflege der Kultur keiner besonderen Gesellschaft. Außerordentlich peinlich berühre außerdem der Umstand« daß die Geistlichkeit von der Organisation ausgeschloffen bleiben solle, offenbar, weil man mit der Möglichkeit feindlicher Zusammenstöße mit Papst und Bischöfen rechvc. „Eine Gesellschaft, die so offen den Kampf gegen die höchsten nrchlichcn Autoritäten organisiert, darf keinen Platz finden im SeSotze der Kirche. Der Papst hat recht, wenn er gegen solche Bestrebungen schon in ihren Anfängen mit größtem Nachdruck einschreitet." Fusangcl rächt sich, wie man sieht, für Arnsberg-OIpe- Meschede. Die Führer des Zentrums haben ihn als Abgeordneten kalt gestellt, indem sie an seiner Parteitreue zweifelten. Dafür schleudert Fusangel den Bann gegen die Zentrumsführer und denunziert sie als Verräter der höchsten kirchlichen Autorität. Eine schöne Seele,_ Oeftcmicb. Lutgers„Jubiläumsantrag" ist einem 26gliedrigen Ausschuß überwiesen. Wie wir aus dem Berichte unseres Wiener Bruder- blattes ersehen, muß der christlich-soziale Parteiführer seinen Antrag in reichlich reaktionärer Weise begründet haben, denn die „Arbeiter-Zeitung" schreibt: „Lueger... schilderte die Reform in einer Weise, die einer Feindseligkeit gegen die Versicherung der Arbeiter ziemlich nahe kam.. Man kann in der Tat die„schöne Geste" Luegers bewundern, ohne von dem Drum und Dran entzückt zu sein. Schreibt doch sogar die„Neue Freie Presse" das folgende: „Es wäre gewiß ein glücklicher Gedanke, wenn ein Werk, wie die Alters- und Invalidenversicherung, mit dem sechzigjährigcn Regierungsjubiläum des Kaisers verknüpft werden könnte. Wir fürchten nur, daß bei dem heutigen Stande der Vorarbeiten die zur Verfügung stehende Zeit physisch nicht ausreicht. Der Vor- schlag des Abgeordneten Lueger aber erscheint als dilettanten- haftcr Agitationsantrag, der nur den Zweck hat, vor den Massen zu flunkern, dem aber jeder praktische Wert abgesprochen werden muß." Und fürwahr! Wcrs ehrlich mit den arbeitenden Ständen Meint, der braucht nicht das Mjährige Regierungsjubiläum eines Monarchen abzuwarten, um einer«Franz Josef-Stiftung" für greise und invalide Opfer des Kapitalismus das Wort zu reden. lind was sind schließlich— so groß sich die Summe anhört— einhundert Millionen Kronen? Kaum ein Tröpflein auf den heißen Stein des Proletarierelends; denn man darf doch nicht vergeffen, daß nur die Zinsen der Summe verwendet werden können, wenn wirklich— wie Lueger so schön sagte— die„W o h l t a t"(!) auf „ewige Zeiten(!) in Wirkung bleiben soll. Uebrigens werden bereits offiziöse Depeschen lanziert, die darauf berechnet sind, die Enttäuschung über die„Segnungen" des „Jubiläumsantrages" nicht allzu plötzlich in die Halme schießen zu lassen. Eine jener Meldungen lautet: Wien, 18. Juli. Lueger erklärte bezüglich seines Antrages, betreffend eine Stiftung von hundert Millionen Kronen für die Alters- und Jnvaliditätsvcrsicherung, der Staat solle in staat- lichen Wertpapieren hundert Millionen Kronen erlegen und habe lediglich die Aufgabe, die Kupons dieser Papiere zugunsten der Institution einzulösen. Womit nicht allzu viele Tränen getrocknet werden dürften.— Dänemark. Die Negierung der Kapitalisten. Am Montag abend ist die Entscheidung des Ministers des Innern in dem Konflikt zwischen Bürgerrepräsentation und Magistrat Kopenhagens wegen Verstadtlichung der Straßenbahnen eingetroffen. Sie ist im Sinne der MagistratSmchrheit und der Straßcnbahnkapitalisten ausgefallen! Minister Sörensen sucht die Begünstigung des Privatkapitalismus und die Mißachtung des Willens der vom Volke gewählten Gcmeindevertreter mit der Be- hauptung zu verschleiern, daß die Regierung auf Grund der Kommunalverfassung von 1857 nur in dringlichen Fällen, die sofort erledigt werden müssen, über Streitigkeiten zwischen Gemeindevertretung und Magistrat zu entscheiden habe. Das ist jedoch Flunkerei. Tatsächlich haben die Liberalen der fünfziger Jahre die hier maßgebende Bestimmung getroffen, damit in Kon- fliktsfällcn der wiederholte Beschluß der Gcmeindevertreter auch gegen den Willen des Magistrats Geltung erhalten sollte. Aber die jetzige„liberale" Regierung muß doch ihr reaktionäres Treiben auf irgend eine. Weise vertuschen.— Die ministerielle Entscheidung sowie die Begünstigung des PrivatkapitaliSmuß durch die Liberalen im Magistrat und zum Teil auch in der Gemeindevertretung bieten im übrigen unseren Parteigenossen eine neue Handhabe zur Bekämpfung der Reaktion in Staat und Stadt. Sie werden dafür sorgen, daß über drei Jahre, wenn der Vertrag mit der«traßcnbahngesellschast wiederum gekündigt werden kann, Magistrat und Bürgerrepräsentation so zusammengesetzt sind, daß man einer ministeriellen Entscheidung nicht mehr bedarf. ScKweclen. Klassenjustiz. In Sandö im schwedischen Nordland kam es am HimmelfahrtS- tage zu einer großen Demonstration gegen eine Anzahl Streik- brccher, die einem Sägewerksunternehmer dazu dienen sollten, seinen alten Arbeitern�das Koalitionsrecht zu rauben. Herausforderndes Benehmen der Streitbrecher verleitete die Demonstranten zu Aus- schrcitungen. Man unternahm einen Angriff auf die Streikbrecher- kasernc. Die Polizei kam herzu, und da geschah das Unglück, daß der Polizeioberst durch eine Holzlatte, die irgend jemand geworfen hatte, verwundet wurde. Massenverhaftungen und ein langwieriger Strafprozeß waren die Folge. Gegen 27 der 31 Angeklagten wurde Ende voriger Woche das Urteil gesprochen, und drei von ihnen, die das Gericht als die Anführer des Auflaufs ansah, wurden zu der ungeheuerlichen Strafe von acht Jahren Strafarbeit verurteilt, acht Angeschuldigte zu Strafarbeit von zwei bis zu acht Monaten, acht weitere zu Gefängnisstrafen und ebenfalls acht, von denen vier über einen Monat in Untersuchungshaft geseflen hatten, wurden frei. gesprochen. Vier Angeklagte harren noch ihres Urteils, sind jedoch, soweit sie verhaftet waren, auf freien Fuß gesetzt. Die barbarischen Strafurteile, in deren Wortlaut deutlich her- oorgehoben wird, daß die Ursache des Auflaufes, die Streikbrecher gur Arbeitsniederlegung zu veranlassen, als ein sehr er- schwelender Um st and angesehen wurde, können schließlich nur dazu dienen, die Arbmterschaft über die Natur der Klaffen- Herrschaft immer gründlicher aufzuklären, sie anzuspornen, mit zweckmäßigen Mitteln, aber um so größerem Eifer ihren Kampf fortzuführen.«_ m» t Die ruffilche Revolution. Die Mordregieruug. Moskau, 13. Juli.(Rufs. Korr.) Graf Buchshödden, Beamter für besondere Aufträge beim hiesigen General- gouvcrneur. hat, wie ich zuverlässig erfahre, vor dem Unter» suchungsrichter zugegeben, daß Kasanzew, der Anstifter des Mordes von Jollos, sein Agent gewesen sei.„um revo- lutionäre Attentate zu verhindern".— Er habe ihm auch G e l d e r gegeben.— Ferner erfahre ich, daß dokumentarische Beweise vorhanden sind, aus denen hervorgeht, daß das hiesige Schwarze Hundert mit Erlaubnis der Regierung Waffen, Re- »olver, Dolche und Säbel, ausgeliefert erhielt und alsdann an seine Mitglieder verteilte. Dia Wahlbewegnng. Petersburg, 13. Juli. Der Verband echt russischer Leute be- ginnt in die Wahlbewegung einzutreten. Durch eine Deputation an den Zaren, an der die berüchtigten Führer Duvrowin und Gras Konownitzi» sowie Prodinzgeiftliche teilnahmen, soll erneut die Potronoge des Staatsoberhauptes für den Verband öffentlich erhärtet werden! Unter Borsitz von Kouownitzin und Kruschewan soll am 21. Juli hier die erste große öffentliche Wählcrversammlnng stattfinden. Ans dem Osten gelangen überaus beunruhigende Nachrichten von chinesischen Rüstungen hierher. In einzelnen Gegenden iin Osten ist die Beunruhigung so groß, daß die Kaufleute ihre Ge- schäfte liquidieren. Ein Jahr später— Petersburg, 17. Juli. Nach Beendigung der Vorlintersuchimg durch den Untersuchungsrichter ist heute wegen des von Deputierten der ersten Neichsduma am 23. Juli 1906 in Wiborg verfaßten Auf- rufeS an das Volk beim hiesigen Appellhof Klage erhoben worden. Nach der Anklageschrift werden 169 Exdcpuiierte unter der An- schuldigung, ein Staatsverbrechen begangen zu haben, gesetzlich verfolgt. Hekatomben. Petersburg, 13. Juli. Gestern sind 312 politische Ge- faugene, darunter 33 Matrosen und Soldaten, nach Sibirien in die Verbannung abgesandt worden. Finauzuöte. Die vom russischen Finanzministerium gewäblte besondere Kom- Mission beschloß soeben, die elektrische Energie und das Leuchtgas zu besteuern. Der„Tyrann des Mittelalters". Der Telegraph brachte die Nachricht, daß in Alcxandropol am 16. d. M. auf den General Alichanoff ein Boinbenattentat ans- geübt worden ist, wobei dieser getötet wurde. Dieser Anschlag ist Kennern der Verhältnisse in dem noch immer brodelnden Kaukasus keineswegs überraschend gekommen, denn Alichanoff, auf den bereits vor einem Jahre ein Boinbenattentat verübt wurde, hat sich als Vertreter des Statthalters Grafen Woronzoff-Daschkoff schon seit längerer Zeit durch sein unglaublich scharfes Vorgehen unmöglich gemacht. Wie sehr sich in dieser Beziehung der General Alichanoff „auszeichnete", das geht daraus hervor, daß er nicht anders als „Tyrann des Mittelalters" genannt wurde.— Alichanoff hatte in der letzten Zeit u. a. eingeführt, daß man ihn mit tiefer Verbeugung begrüßen mußte; wer dies unterließ, wurde von den zahlreichen Kosaken, die ihn stels begleiteten, zum Krüppel ge- prügelt. Wo die unter dem ZerstörungSwerk der Slrafexpeditioneu noch seufzenden Bauern rückständige Steuern zu zahlen hatten, er- schien Alichanoff plötzlich selbst und hielt an die versammelte und von Kosaken umzingelte knieende Menge nachfolgende stereotype An- rede:„Ich rede zu Euch mit Worten und erkläre Euch: Falls Ihr in drei Tagen die Stenern nicht bezahlt, dann wird der Oberst Gawriloff kommen und mit Kanonen zu Euch sprechen!" Doch nicht nur gegen das einfache Volk zeigte sich General Alichanoff so rabiat, sondern er machte auch höheren VerwaltungS- bcamten gegenüber kein Federlesens. So ließ er einmal den Eon- verneur von Kutais, Offezky, dafür verhafte», daß dieser die An- sichten AlichanoffS in bezug auf die wegen politischer Vergehen Inhaftierten nicht teilte! Die unter der Leitung OsjezkhS tagende Kommission war nämlich zu dem Entschluß gekommen, daß alle Personen, die ohne jeglichen gesetzlichen Grund in Gefängnissen schmachte», freigelassen werden müssen. General Alichanoff lehnte jedoch alle Beschlüsse ab. und als Offezky Einwendungen dagegen wagte, wurde er einfach für verhaftet erklärt und sofort in Arrest genommen. Selbst dem Stadthalter Grafen Woronzoff-Daschkoff kostete es viel Mühe, diesen peinlichen Konflikt wieder gut zu machen. Alichanoff aber führte seine Geßlerrolle im Kaukasus trotz der ihm häufig gewordenen Drohungen fort, bis die Bombe sein Leben endete. Hud der Partei. Die„Leipziger Volkszeit, mg" schreibt: Ein Gesuch. In Nr. 66 der„Mitteilungen bcS Vereins Arbeiterpresse", die vor einigen Wochen erschien, war ein in der Forin ebenso ungehöriger wie in der Sache grundloser Angriff aus den Parteivorstand enthalten. Darauf erteilte der Parteivorstand im„Vorwärts" eine ebenso be- rcchtigtc wie gepfefferte Antwort. In der Nr. 67 der „Mitteilungen" veröffentlicht nun der Vorstand des Vereins Arbeiterpresse eine längere Auseinandersetzung, die damit schließt, dem Verfasser der Notiz, dem Genossen Thiele, einen formellen und sachlichen Tadel zu erteilen, zugleich jedoch zu bedauern, daß„der Parteivorstand in so ver- letzender Weise öffentlich im„Vorwärts" den Angriff zurückgewiesen" habe und dann noch hinzuzufügen: Der Vorstand des Vereins Arbeiterpresse hält die Mit- teilungen für ein vertrauliches Organ, lediglich für einen engeren Parteikreis bestimmt. Er muß sich dagegen wenden, daß Artikel der Mitteilungen, bei deren Abfassung der Verfasser unter dem Eindruck steht, nicht für die Oefsentlichkeit zu schreiben, ohne weitere» zum Gegenstand öffentlicher Diskussion gemacht werden. In derselben Nummer der Mitteilungen veröffentlicht die Redaktion der Mitteilungen nun aber einen Entwurf, � der für die Zukunft der Parteipresse von verhängnisvoller Bedeutung werden kann und„namentlich" darauf hinaus- läuft, die Befugnisse des Parteivorstandes zugunsten des Vorstandes des Vereins Arbeiterpresse einzuschränken, von dem beiläufig an anderer Stelle gesagt wird, daß seine Zu- samnicnsetzung dein Zufall zu verdanken sei. Die Redaktion der Mitteilungen bemerkt zu ihrer Veröffentlichung: Wie veröffentlichen nachstehenden Entwurf mit der Absicht, die darin berührten Fragen in den Mitteilungen zur klärende» Diskuffio» zu stellen und gleichzeitig der Hauptversammlung unseres Vereins vorzuarbeiten, auf der die Fragen eingehend er- örtert werden sollen. Der Vorstand ist bereit, zur Förderung der 'Aussprache die Mitteilungen bis zur Hauptversammlung des Vereins in schnellerer Folge erscheinen zu lassen; die Kollegen werden gebeten, sich eingehend über den Entwurf auszulassen. Wieder an anderer Stelle in dieser Nummer der Mit- teilungen wird die Hauptversammlung des Vereins Ar- beiterpresse für den 14. und 15. September nach Essen einberufen, mit der ganz neuen Bestimmung, daß den auswärtigen Mitgliedern des Vereins, die den am 15. Sep- tcmber böstinnenden Parteitag besuchen, 10 M. Diäten aus Vereinsimtteln gewährt werden, wenn sie schon am 14. Sep- tembcr den Verhandlungen der Hauptversammlung ibei- wohneit. Wir versagen uns einstweilen jedes kritische Wort über den Entwurf, da der Vorstand des Vereins?lrbeiterpresse die Artikel der Mitteilungen nicht«ohne weiteres" zum Gegenstand öffentlicher Diskussion gemacht wissen will. Da- . gegen sind wir der Ansicht, daß sofort„weiteres" zu ver- anlassen, das heißt, der Entwurf zu veröffentlichen ist. Es widerspricht allen Ueberlieferungen der Partei, daß solche bis ins kleinste ausgearbeiteten und tief in die Organi- , sation der Partei einschneidenden Entwürfe„vertraulich" s und in„engerem Kreise" Wochen- und selbst monatelang vorbereitet, dann am Vorabend des Parteitages„eingehend erörtert" und nun sofort dem Parteitage selbst vorgelegt werden, dessen Mitglieder in ihrer großen Mehrzahl— D wegen der techmscheu Natur der Fragen, die dabei cufc scheidend mitspielen—- gar nicht in der Lage sind, aus der Stelle ein sachverständiges Urteil zu fällen. Wir ersuchen deshalb den Vorstand des Vereins Arbeiterpresse, den in Nummer 67 der Mitteilungen cnt- haltcnen Entwurf durch Veröffentlichung in der Partei- presse der Gcsamtpartci zur sorgfältigen Prüfung zu unter- breiten: wir rechnen um so sicherer darauf, als wir nicht daran zweifeln, daß der Entwurf nur entstanden ist, um nach bestem Wissen und Gewissen das Interesse der Partei zu fördern, und als die Redaktion der Mitteilungen selbst eine„klärende Diskussion" wünscht, die unseres Erachtens eben nur in der Oefsentlichkeit der Gesamtpartei und nicht in den„vertraulichen" Beratungen eines„engeren Partei- krcises" vorgenommen werden kann. � Wir schließen uns den Argumenten unseres Leipziger Brndcrblatts gegen die nichtöffentliche Diskussion deS die Gcsamtpartei sehr stark berührenden und interessierenden Ent- wurfs völlig an._ Mit dem internationalen Kongreß beschäftigten sich zwei Parteivcrsammlungen in Frankfurt a. M. Das einleitende Referat hielt Genosse Parteisekretär Rudolph; in der Diskussion sprachen u. a. die Genossen Quarck, Göllcr, Dißmann, Quint, Thomas, Hütt- mann und Heiden. Alle Redner wünschten eine planmäßigere und schärfere Bekämpfung des Militarismus vom Klaffcnstand- punkte des Proletariats aus. vor allem durch eine sozialistische Er- ziehung und Belehrung der Jugend.— lieber die Maifeier» frage gingen die Meinungen bezüglich der Möglichkeit der Arbeits- ruhe zwar etwas auseinander, im allgemeinen aber wurde die in Frankfurt seit Jahren herrschende Ansicht vertreten, daß die Arbeits- ruhe einen wesentlichen Bestandteil der Maifeier bilde und daß an ihre Beseitigung nicht gedacht werden dürfe.— In bezug auf die Kolonialfrage herrschte Einmütigkeit über die Ver- urtcilung der Kolonialgreucl und ihrer Ursache, des kapitalistischen Systems der Kolonisation.— Zum Thema:„Einwanderung und Auswanderung der Arbeiter" wurde die Not- wendigkeit betont, für Schutzmaßnahmen gegen da« Streikbrecher- und Lohndrückertum kulturell tief stehender oder indifferenter AuS- länder zu sorgen, damit Vorkommnisse wie beim Hafenarbeiter- und SeemannSstrcik in Hamburg unmöglich gemacht werden.— Die Forderung des F r a u e n st i m m r e ch t s wurde allseitig als eine Selbstverständlichkeit behandelt. Ein Antrag, die Frage einer internationalen Hülfssprache� auf die Tagesordnung des Kongresses zu setzen, wurde angenommen. Als Delegierte wurden die Genossen GewerkschaftSsekretär Dorschu und Parteisekretär Dittmann gewählt. Der zweite sozialistische Kongreß Rumäniens tagt gegen- wärtig in Galatz. 87 Delegierte vertreten zirka 7000 Mit- glieder. Das Zcntralorgan„Roinunia Huncitoaro" hatte vor den Vauernunruhcn eine Wochcn-Auflage von 5500 Exemplaren. Infolge der Schikanierungen durch die Regierung und deren Handlanger sank die Auflage auf 4000. Die Einnahmen fürs Organ betrugen im letzten Jahre 8800 Frank, die Ausgaben 8400 Frank. Die Staatsknnst der„liberalen" Regierung kühlt ihr Mütchen an der Sozialdemokratie des Landes. Der Kongreß beschloß, dem Internationalen sozialistischen Bureau zu Brüssel folgendes Telegramm zu übermitteln: „Der 2. sozialistische Kongreß Rnmäniens sendet durch Ver- Mittelung des internationalen Bureaus seine herzlichen Grüße dem Proletariat der ganzen Welt." Dieses harmlose Telegramm wurde vom Bnkarester Telegraphenamt aus„Gründen der Staatsräson" nicht weiter- befördert!! Auch sonst wurden dem Parteitag Schwierig- ketten in den Weg gelegt, so z. B. durch das polizeiliche Ver- bot einer zu Ehren der Delegierten geplanten Aufführung des Theaterstücks„Der Arbeitcrstreik". So sieht's in Rumänien — wie auf dem Kongreß hervorgehoben wurde— nach 41 Jahren„konstitutionellen" Regimes auS!— Sozialed» Die sechste Konferenz der internationale» Vercinigimg gegen die Tuberkulose, an deren Spitze Leon Bourgeois-Paris und Ministerialdirektor Althoff-Berlin stehen, findet in der Zeit vom 19. bis 21. Sep» tembcr in Wien statt. Den Haupigcgenstand der Verhandlungen wird die Frage der I n s e k t i o n s w e g e bilden. AuS dem Mit» gliederkreise werden zu diesem Gegenstände außer dem Hauptbericht- erstatter Professor W e i ch s e l b a u in- Wien referieren: V.Behring- Marburg, Calmette- Lille, F l i ck- Philadelphia. Flügge- Breslau, B. F r ä n k e l, Berlin, Kirchner- Berlin. Kra uS- Berlin, Orth- Berlin, R a w- Liverpool. Schütz- Berlin, S p r o n ck- Utrecht, U ii t e r b e r g e r- St. Petersburg. Ferner stehen auf der Tagesordnung die Anzeigepflicht für Tuberkulose(Referenten: R a w- Liverpool, Biggs- New Aork, H o ni b o e- Christiania). gerner die Frage der Heilstättenkosten(Referenten: P a nn w i tz- Berlin, Freund- Berlin, R u m p f- Ebersteinburg) und die Vorbereitungen für den Internationalen Tuberkulosekongreß in Washington 19 03(Referent: Flick- Philadelphia). Außerdem enthält das vorläufige Programm der Konferenz folgende Vorträge: Kayserling:„lieber Tudcrkulosemuseen als Mittel der Volks- belehrung."— Ncubccker:„Die Tuberkulose nach ihren juristischen Beziehungen in rechtsvergleichender Darstellung." Werner:„Armee- Tuberkulöse und Notes Kreuz." Anfragen i» betreff der Konferenz find an den Generalsekretär der Vereinigung Professor Dr. Pannwitz- Eharlotteuburg. Knesebeckstt. 29, zu richten._ Leibesvisitation in einem Warenhaus. Im Grand Bazar in Frankfurt a. M. ereignete sich am Mitt» lvoch voriger Woche ein Vorkommnis, welches die unwürdige Stellung des weiblichen kaufmännischen Personals in kapitalistischen Riesenbetrieben drastisch illustrierte. Auf Anordnung de» ersten Direktors der girnm. eines' früheren belgischen Obersten Depierc, wurden sämtliche 300 Verkäuferinnen beim Verlassen des Geschäfts einer Leibesvisitation unterzogen. Von zwei Auffichtsdamen wurden ihnen die Taschen visitiert, Blusen und Mieder geöffnet, Unterkleider und Strümpfe, ja sogar die Hemden untersucht und befühlt. Das geschah zum Teil in Gegenwart des Portiers, in dessen Zimmer die empörende Massenprozedur vor» genommen wurde, die bis gegen 10 Uhr abends dauerte. Nur ganz vereinzelt wagte eö eine der Verkäuferinnen, gegen die entwürdi- gende Behandlung zu protestieren. Irgend ein Resultat förderte die Untersuchung übrigens nicht zutage; es wurden bei keinem der Mädchen uno Frauen Gegenstände, die dem Geschäft gehörten, ge- fundcn. Bezeichnend für die bürgerliche Presse Frankfurts war die Tatsache, daß kein einziges Blatt es wagte, den Skandal sofort an die Oefsentlichkeit zu bringen. Anscheinend fürchtete man den Ver. Inst der großen Jnseratenaufträge des Geschäft». Erst nachdem die „Volksstimme" diese Tatsache festgenagelt und der allgemeine Un- Wille der Bevölkerung gegen die Pascha-Allüren der Geschäftsleitung sie dazu zwang, nahmen„Frankfurter Zeitung",„Kleine Presse" und die übrigen Lokalblätter Notiz davon. Die kaufmänni- schenOrganisattoncn nahmen in mehreren Versammlungen Stellung zu den Vorgängen. Eine der Auffichtsdamen, die sich bei den Verkäuferinnen besonders verhaßt gemacht hatte, ist dann auf Grund gepflogener Verhandlungen entlassen worden; es heißt ferner, daß der Direktor Tepiere von einem angetretenen Urlaub nicht zurückkehren werde. �AnschMend handelt es sich bei dieser Versicherung aöer nur um ein Äanöber, die Erregung zu vesän� tigen. Bisher verlautet noch nichts darüber, daß die Staatsanwalt- schaft im öffentlichen Interesse gegen diese tätlichen Massenbeleidi- gungen in Verbindung mit Nötigung und Freiheitsberaubung ein- geschritten sei. Im Lande der„vollendetsten Nechtsgarantien" scheint man das Ehrgefühl und die Menschenwürde armer Prole- tarierinnen nicht zu den zu beschützenden Gütern zu zählen. Das Vorkommnis selbst wäre wohl unmöglich gewesen, wenn die Ver- käuferinncn ihrer gewerkschaftlichen Verpflichtung durch Anschluß an den Zentralverband der Handlungsgehülfen und-Gehülfinnen nachgekommen wären. Die erlittene Unbill wird inzwischen manche der bislang der Gewerkschaft Fernstehenden zur Ueberzeugung von der Notwendigkeit des Anschlusses an den Verband überzeugt haben. Kolonne eine Gesellschaft? Der Putzer Tietz und drei weitere Putzer, die zusammen eine Kolonne gebildet hatten, machten beim Gewerbegericht gegen die Baufirma Hiller u. Puhlmann Lohnanspriiche aus einem der be- kannten Akkordverträge geltend. Jeder von ihnen hatte aber für sich geklagt und jeder beanspruchte durch seine Klage den Betrag, der nach seiner Rechnung auf i h n fiel. Die K a m m e r HI des Berliner Ge Werbegerichts, vor der am Mittlvoch die Sache zur Verhandlung kommen sollte, erachtete es aber für unzulässig, daß Kolonnenmitglieder einzeln klagen. Den Klägern wurde geraten, daß jeder seine Einzelklage zurücknehmen möge und daß sie dann gemeinsam als Kolonne klagen möchten. Der Vorsitzende Dr. Prerauer bemerkte: Die Kolonne sei nach bürgerlichein Recht eine Gesellschaft. In einen anderen Rahmen lasse sich die Kolonne nicht hineinbringen. Das Gesetz schreibe aber vor, daß beim Vor- liegen einer Gesellschaft entweder von allen Mitgliedern der Gesell- schaft oder von ihrem Geschäftsführer— das würde hier der Kolonnenführer sein— die Ansprüche geltend zu machen seien.— Die Kläger zogen hierauf ihre Einzelklagen zurück, um in der an- geratenen Weise vorzugehen. Die Zurücknahme der Klage mag den obwaltenden Umständen entsprochen haben. Die Ansicht des Gewerbegerichts, die Kolonne sei eine Gesellschaft, ist aber aus den von uns wiederholt lzuletzt am 10. Juli) dargelegten Gründen unhaltbar und führt, wie der beschriebene Fall zeigt, zu einer Rechtsverweigerung. Die von dem Vorsitzenden des Gewerbegerichts in Uebereinstimmung mit früheren Erkenntnissen verfochtene Anschauung beruht auf dem fehlsamen Streben, jede Vereinigung oder Mehrheit von Personen unter die Gebilde„Verein" oder„Gesellschaft" im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuchs zu subsumieren. Dieser Konstruktionsversuch muß aber an der reichen Manniglaltigkeit des praktischen Lebens scheitern. Das Gesetz schafft nicht die Wirtschaft- lichen Verhältnisse, sondern diese sind das ursprüngliche, maßgebende und dürfen nicht in die Schablone von Rechtsbegriffen gepreßt werden, die auf einem völlig anderen wirtschaftlichen Grunde beruhen. GcwerhlcbaftUche**. Zur Einigungsfrage. Der Parteivorstand wandte sich bekanntlich in einem vom 28. März 1907 datierten Schreiben an die Geschäftskommiffion der Freieil Vereinigung deutscher Gewerkschaften mit der An- frage, ob dieselbe geneigt wäre, mit dem Parteivorstand und eventuell der Generalkomniission in Verhandlungen darüber zu treten, Grundsätze zu vereinbaren, auf deilen ein Anschluß der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften an die Zentralverbände ausführbar erscheint. Die Geschäftskommission hat daraufhin bei sämtlichen Organisationen eine Umfrage veranstaltet, und als Grundlage derselben, unter Beifügung des Parteivorstandsschreibens, folgende drei Fragen aufgestellt, die hier der Klarstellung halber noch einmal wiederlwlt zu werden verdienen: 1.„Soll die Geschäftskommission im Sinne des Partei- Vorstandsschreibens überhaupt in Verhandlungen eintreten?" 2.„Ist in Eurer Organisation Neigung vorhanden, sich mit dem zuständigen Zentralverbande zu verschmelzen?" 3.„Werdet Ihr unter Umgehung der Geschäftskommission in Verhandlungen treten, die den Anschluß Eurer Organisation an die Zentralverbände bezwecken?" Die drei gestellten Fragen beantworten zuerst fünf Ge- werkschaften mit ja, eine mit bedingungsweise, eine überläßt es der Geschäftstommission und eine weitere will zu den Fragen erst später Stellung nehmen. Alle anderen ant- warteten mit nein. Frage 2 und 3 wurde nur von zwei Ge- werkschaften bejaht. Dies ist das Resultat der Umfrage bei 30 Gewerkschaften. Die Geschäftskommission der Freien Vereinigung hielt nun mit dieser Umfrage ihre Mitwirkung an der Verwirk- lichung dcS Mannheimer Parteitagsbeschlusses für erledigt. weigerte sich auch, dem Parteivorstand d i e Gewerkschafteil zu nennen, die eventuell unter Umgehung der Geschäfts- kommission eine Einigung erstreben würden, und überließ es diesen, sich selbst zu melden. Jetzt veröffentlichen nun der Ausschuß und die Geschäfts- leitung der Freien Vereinigung der Zimmerer in der«Einig- keit" eine Erklärung, in der es beißt: „Um nun innerhalb unserer Vereinigung keine falschen Ge- rüchte auftauchen zu lassen, und vor allen Dingen das Gefühl der Unsicherheit zu beseitigen, sei von dieser Stelle aus mitgeteilt, daß die von der Geschäftskommission gestellten drei Fragen sowohl als das Parteivorstandsschreiben der Geschäftsleitung vorgelegen, und diese dieselben mit j a beantwortet hat. Nachdem nun die Einigungsfrage durch die„Einigkeit" in der breitesten Ocffent- lichkeit aufgerollt ist. liegt kein Grund mehr vor, den Mitgliedern vorzuenthalten, was in dieser Angelegenheit bisher geschehen ist. und was die Geschäftsleitung veranlaßt hat, die 3 Fragen in be- jahendem Sinne zu beantworten. Noch ehe der Parteivorstand an die Ausführung seines ihm vom Mannheimer Parteitag gewordenen Auftrages herangegangen war, gingen von mehreren auswärtigen Organisationen Schreiben bei der Geschäftsleitung ein, in denen bestimmt ausgedrückt wurde, daß ihre örtlichen Verhältnisse, sowohl wie auch unsere beruflichen Verhältnisse im allgemeinen es erforderlich machen, auf dem Wege der Verständigung mit dem Zentralverbande die Möglichkeit einer Einheitsorganisation in unserem Berufe herbei- zufuhren suchen. Zwei dieser Organisationen taten noch ein weiteres und wandten sich direkt an den Partei- v o r st a n d mit dem Ersuchen, den Beschluß des Mannheimer Parteitages bezüglich der Einigungsfrage baldmöglich st zur Ausführung bringen zu wolllen. Auf Grund dieser Tatsachen, und um der Wahrheit die Ehre zu geben, um aber auch zu verhüten, daß das Gesamtgebildc der Organisation nicht zerrissen wird, sah sich die Geschäftsleitung veranlaßt, die Fragen zu 1 und 2 wie angeführt zu beantworten. Ueber die Bedeutung der Frage 3 war sich die Geschäftsleitung keinen Augenblick im Zweifel, nur hat dieselbe eine andere Auslegung erfahren als wie es in obigem Artikel(der„Einigkeit") geschehen ist. Der Geschäftsleitung ist nicht be- kannt, daß auf allen bisher stattgefundenen Konferenzen u n d K o n g r e s s e n ein Beschlutz ge- faßt worden ist. jeder Einigungsverhandlung mit den Zentralverbänden grundsätzlich aus dem Wege zu gehen, wenn solche von autori- sierter Seite aus angebahnt würden. Es wurde mit der Möglichkeit gerechnet, wenn die Geschäftskommission eS ablehnen sollte, was jetz. geschehen ist, mit dem Parteivorstand in Verhandlungen einzutreten, daß letzterer sich an die einzelnen Organisationsleitungen wenden würde. Daraus geht klar und deutlich die Beantwortung der Frage 3 hervor. Keineswegs ist sie in dem Sinne beantwortet worden, daß unter Umgehung der Geschäftskommission die Organisationsleitung bei dem Partei- vorstand dieserhalb vorstellig werden will, wie es in besagtem Artikel empfohlen wird. Inzwischen ist vom Partcivorstand ein Schreiben bei der Geschäftsleitung eingegangen, gleichen Inhalts, wie es in der Nr. 27 der„Einigkeit" vom 6. Juli nachzulesen Ist, in dem sich der Parteivorstand bereit erklärt, unter Hinweis auf die Beschlüsse des Lübecker und Mannheimer Parteitages Einigungsverhandlungen zwischen den beiden Berufsorganisa- tionen sowohl zu vermitteln, als wie auch unter seiner Leitung zu führen. Die Geschäftsleitung wird nun, ohne ihre Machtbefugnisse zu überschreiten, zu ge- gebener Zeit, das heißt, wenn der Kampf im Baugewerbe beendet sein wird, mit dem Partei- vorstand in Verbindung treten. Die Geschäftsleitung wird aber auch nicht versäumen, diese Angelegenheit, sobald sie greifbare Gestalt angenommen hat, allen zur Vereinigung der Zimmerer Deutschlands gehörigen Organisationen zur endgültigen Entscheidung vorzulegen. Bevor dies nicht geschieht, darf auch nichts geschehen, was die Einmütigkeit und Geschlossenheit inner- halb unserer Vereinigung beeinträchtigen könnte." Hoffentlich bringt dieses Vorgehen der Vereinigung der Zimmerer die Gewerkschaftsbewegung einen Schritt näher zur Einheitsorganisation. Gerade der gegenwärtige Kampf im Berliner Baugewerbe zeigt uns, wie bitter not der deutschen Gewerkschaftsbewegung eine solche ist. Berlin unck Nmzegenck. Der Kampf im Baugewerbe. Das Ergebnis der letzten Bautenkontrolle der Maurer, jene ge- wissenhaft und auf Grund sorgfältiger Feststellungen ausgearbeitete Tabelle, die kürzlich der„Vorwärts" veröffentlichte, hat scheinbar in den Kreisen des Unternehmervcrbandes die Besorgnis erregt, daß das Beispiel der vielen, die bewilligt haben, nur allzu bald von einer noch weit größeren Zahl der Mitglieder befolgt werden könnte. Darum bemüht man sich nun um so eifriger, die Feststellungen der organisierten Bauarbeiterschaft als Schwindel hinzustellen, und bringt Notizen in die bürgerliche Presse wie die, daß, wenn man die angeführten Zahlen der Unternehmer, die bewilligt haben, und die, die nicht bewilligt haben, zusammenrechne, über 60 Proz. Baufirmen mehr herauskämen, als in Berlin überhaupt vorhanden seien. Nach einer solchen Notiz soll es neben den 600 organisierten nur 400 un- organisierte Baufirmen geben, und diese 400 werden als solche hin- gestellt, die nicht kapitalkräftig seien und überhaupt nicht recht mit- zählten. Das alles ist nichts als ein Versuch, die öffentliche Meinung irrezuführen. Die Vertreter der Maurerorganisation erklären sich demgegenüber bereit, auf dem Bureau im Gewerkschaftshaus jedem, der sich für die Sache interessiert, das Material zur Einsicht vor- zulegen, das den Beweis für die Richtigkeit der im„Vorwärts" ver- öffentlichten Zahlen enthält. In einer anderen Zeitungsnotiz, die z. B. die„Deutschen Nach- richten" und der„Neichsbote" bringen, wird behauptet, der Kampf imBaugewerbe sei nun beendet, und zwar soll dies des- wegen der Fall sein, weil einesteils die Fahrstuhlarbeiter ihre Forderungen nicht vollständig durchführen, und andernteils, weil die lokalorganisierten Bauhülfsarbeiter am Sonntag beschlossen haben, ihre jetzt arbeitslos werdenden Mitglieder, soweit für sie der Streik erledigt war, nicht mehr in die Streiklisten aufzunehmen, sondern als arbeitslos gemeldet zu verzeichnen. Beide Tatsachen haben jedoch auf die Weiterführung des Streiks nicht den mindesten Ein- fluß, wie jedermann weiß, der die EntWickelung der Bewegung ver- folgt hat und die Verhältnisse kennt. Einige Blätter fabeln auch davon, daß die Kampfeslust unter den Streikenden abgenommen, habe, daß die Streikposten weniger Eifer zeigten, und daß den Organisationen wohl das Geld ausgehe. Auch hierbei ist der Wunsch der Vater des Gedankens gewesen. Die Streikenden und ihre Organisationen sind moralisch und finanziell so gestellt, daß der Kampf noch auf unabsehbare Zeit mit unver- minderte! Kraft fortgesetzt werden kann, zumal ja die Zahl der Be- willigungen immer mehr wächst, die Zahl der unterstützungsbedürf- tigen Mitglieder immer geringer wird. Einen sonderbaren Eindruck macht eine große Annonce, die gestern in verschiedenen Blättern stand, in der genau 31 Firmen erklären: „daß sie die von den Arbeitnehmern einseitig aufgestellten Arbeitsbedingungen bisher nicht unterschrieben haben, auch nicht unterschreiben, sondern die Beschlüsse des Verbandes der Baugcschäfte nach jeder Richtung streng innehalten werden." Von den 31 besagt die Annonce, daß sie„überwiegend dem Verbände der Baugeschäfte als Mitglieder angehören", also nicht einmal alle. Wenn sich gleichwohl nur 31 Firmen bereit gefunden haben, diese Erklärung zu unterzeichnen, dann muß es ja viel be- denklicher in den Mitgliederkrciscn des Unternehmerverbandcs aus- sehen, als man bisher annehmen konnte. Einige Terrorismusgeschichten machen auch wieder einmal die Runde durch die bürgerlichen Blätter, und die„Post" schreit von neuem nach einem Zuchthausgcsetz gegen streikende Ar- beiter. Vor einem Neubau in der Müllerstraße 22a sollen nach Darstellung der„Volkszeitung" sich Hunderte vonPersonen versammelt haben, un, den Bau zu stürmen. Ein mit Revolver bewaffneter Polier soll beim Verlassen des Baues von Streikenden bedroht worden sein, seinen Revolver gezogen und damit den Streikenden das Signal zum allgemeinen Angriff gegeben haben.— Was an diesem Schauerroman wahr ist, das ist, daß an jener Stelle eine Menschenansammlung stattgefunden hat und daß der Polier mit seiner Mordwaffe drohte, wenn er Lust dazu verspürte. Der Auflauf ist, wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, dadurch entstanden, daß von drei Akkordmaurcrn mit Mauersteinen nach Streikposten geworfen wurde, andere Personen getroffen wurden. Daß sich oei solcher Gefährdung der öffentlichen Sicherheit Menschen ansammelten, ist leicht begreiflich. Daß diese versucht haben sollten, den Neubau zu stürmen, mag man kleinen Kindern erzählen. Streikende waren an dem Auflauf überhaupt nicht beteiligt, und die Streikposten nahmen ebensowenig daran teil. Sie haben besseres zu tun und sind genau darüber unter- richtet, wie sie sich im Rahmen der Gesetzgebung zu verhalten haben. Die Personen, die hierbei verhaftet wurden, haben mit dem Streik nichts zu tun.— Eine Schlägerei soll infolge des Bauarbeiter- streiks in der Gerichtsstr. 23 stattgefunden haben. Auch hier waren Streikende nicht beteiligt, aber auch hier sollen Streikhrechcr die üble Gewohnheit haben, mit Mauersteinen nach vermeintlichen Streikposten zu werfen. Die Streikposten wissen das und sehen sich deshalb vor. So passierte es denn auch an dieser Stelle, daß harmlose Passanten von dem gefährlichen Wurfgeschoß der Herren Streikbrecher belästigt wurden. Wenn die„Post" von„schimpflichen Exzessen Streikender" kalauert, sollte sie sich lieber einmal ihre Lieblinge, die Streikbrecher, etwas genauer ansehen.— Die oben erwähnten Pretzäuherungen, bestimmt, die Ergebnisse der Bautenkontrolle als Schwindel hinzustellen, sollten jedenfalls auch dazu dienen, noch kurz vor der Generalversammlung des Ver- bandes der Baugeschäfte den Mitgliedern den Glauben beizubringen, als stünde ihre Sache wer weiß wie günstig. Der Bericht, den der Unternehmcrvcrband der Presse über diese Versammlung zu- kommen ließ, sucht natürlich dieselbe Täuschung zu verbreiten. Es wird darin in Aussicht gestellt, daß außer den dreißig auch die anderen Mitglieder des Verbandes in ähnlicher Weise erklären werden, daß sie„treu zum Verbände halten". Man wird eS abwarten müssen. Der uns von einer bürgerlichen Korrespondenz zugestellte Bericht lautet: Der Verband der Baugeschäste von Berlin und den Vororten hatte zu gestern(Donnerstag) abend nach dem Architiktenhause eine neue Generalversammlung einberufen, die sehr stark besucht war. Als Vorsitzender des Verbandes erstattete Bau- meister V a h l einen kurzen Situationsbericht. Er führte auS, daß sich die Zahl der Arbeitswilligen von Tag zu Tag vergrößere, so daß der Bedarf völlig gedeckt sei. Die Bauten, die zum 1. Ok. tober fertiggestellt sein müßten, habe man zuerst mit Arbeits willigen besetzt; die Arbeiten seien dort in vollem Gange, so das der Bautermin innegehalten werden könne. In der Diskussion nahmen fast alle Vertreter der größeren Firmen das Wort. Sie gaben durchweg die Erklärung ab, daß sie unter keinen Umständen jetzt nachgeben würden, koste es auch, was es wolle. Zum Schlui- gelangte folgende Resolution zur Annahme: „Die heutige Generalversammlung des Verbandes der Bau. gcschäfte nimmt mit großer Befriedigung von dem für die Arbeit- geher dauernd günstigen Stand des Streiks Kenntnis. Sie begrüßt mit Freude die spontane Kundgebung von dreißig größeren Ge- schäften:„treu zum Verbände zu halten" und beauftragt den Vorstand, irr ähnlicher Wbise die gleiche, einstimmige Willens- Meinung aller übrigen Mitglieder zum Ausdruck und zur Kenntnis der Allgemeinheit zu bringen. Die Versammelten erblicken in diesem einmütigen Zusammenhalten aller treuen Verbandsmit- glieder die sicherste Gewähr dafür, daß die Arbeitnehmer mit ihrer Forderung auf Verkürzung der täglichen Arbeitszeit nicht durch- dringen werden und versichern auf das bestimmteste, daß sie nach wie vor energisch auf den bisher eingenommenen Standpunkt be- harren werden. Sie erkennen die Opferfreudigkcit der einzelnen Mitglieder an und sprechen ihnen für die treue Pflichterfüllung ihre vollste Sympathie aus; sie hoffen, daß die Behörden, das bauende Publikum und andere Auftraggeber auch fernerhin das bisher bewiesene Entgegenkommen bewahren werden. Unter diesen Aussichten glaubt die Generalversammlung an eine baldige und erfolgreiche Beendigung des Kampfes." Huslartck. Partei und Gewerkschaften in Rußland. Das Zentralorgan des Petersburger Gcwerkschaftskartells-» der„Gew. Anzeiger"— nimmt in Nr. 9 Stellung zur Frage der Beziehungen zwischen den Gewerkschaften und der sozialdemo- kratischen Partei und konstatiert, daß„ungeachtet des Fehlens von Organisationsbezichungen zu dieser oder jener Partei(die nominelle Vertretung der sozialistischen Parteien im Gcwerkschaftskartell kommt hier nicht in Betracht) unsere Gewerkschaften sich von der allgemeinen Klassenbewegung des Proletariats nicht losgelöst haben."„In allen Fragen, welche sowohl die Interessen eines be- stimmten Berufes betrafen, als auch in denen, welche die Interessen der Arbeiter als Klasse betrafen, nahmen die Gewerkschaften, stets neutral bleibend, eine ganz bestimmte Klassenposition ein. So war es während der Tätigkeit der ersten Duma wie auch während der Wahlen für die zweite Duma. Es bedarf der Erwähnung nicht, daß das Verhalten der Gewerkschaften in bczug auf die Maifeier und auf Fragen des Arbeitcrrcchts und der Arbeitergesetzgebung die gleiche war." Auch in der bevorstehenden Wahlkampagne für die dritte Duma werden die Gewerkschaften ihrem Klassenstandpunkt treu bleiben. Auf der Sitzung des Petersburger Gcwerkschafts- kartclls am 25. Juni wurde u. a. die Frage der Wahlkampagne erörtert. Aus den Berichten der Gewerkschaftsvertreter war er- sichtlich, daß die Stimmung der Arbeiter in den bedeutendsten Gewerkschaften für Anteilnahme an den Wahlen ist. Nach Er- örterung dieser Frage wurde beschlossen, allen Gewerkschafts- Mitgliedern zu empfehlen, sich schleunigst in die Wahllisten ein- tragen zu lassen.—_ Eingegangene Druchrchrifteii März. 2. Julihest. Halbmonatsschrift für deutsche Kultur. Heraus- gegeben von L. Thoma. H. Hesse, A. Lange und K. Aram. Vierteljährlich S M.. Einzeihest 1,20 M. Verlag: A. Langen in München. Hohe TNucr«. G. Frevtags Touristen-Wanderkarte. Blatt 12. Preis 2,50 an., aus Leinwand 3,50 M. Verlagsanstalt G. Frehtag u. Berndt, Wien VII 1, Schottenfeldgasse 62. Deutschlands Polcnpolitik von HanS v. Fehrentheil. SO Ps. Modernes Verlagsbureau C. Wigand, Berlin. Kaiser Wilhelm ll. und König Ednard VU. von RegierungS. rat. Rudolf Martin. Berlin, Verlag: Dr. Wedekmd u. Co. G. m. d. H. 2 SB., geb. 3 M. Architektur> Konkurrenzen. Band 2. Heft«. Herausgegeben von Horm. Scheurembrandb Verlag: E. Wasmuth A.-G.> Berlin W., Marknrasen str 35. Fachblatt für Holzarbeiter. Hest 7 des zweiten Jahrganges, Juli 1907. Herausgegeben vom Deutschen Holzarbeiter-Verband, Stuttgart. Nr. I. Ältoholfrage, Dr. G. v. Bunge.— Nr. 14: Lebensgenuß ohne Mkohol, Dr. I. Gaule.— Nr. 15: Wir Fronen gegen den Alkohol. Dr.-''~"~ m"'- Dr. Nr. 44 edwig Maser.— Nr. 18: Altohol in öffentlichen Anstalten, Prosessor Bleuler.— Nr. 33: Gefahren des Bicrgenusses, Dr. H. Hoppe.— Wie soll man Trinker behandeln und heilen? Prosessor Dr. Altoholfreie Wirtschaften. Frau S. Orelli.— Verlag: Schriststelle des Alkoholgegnerbundes in Bleuler.— Nr. 45: Einzclhestchen 10 Ps. Leopoldshöhe, Baden. Monatsschrift für christliche Sozialresorm. Julihest. Pro Jahr 6.40 M. Verlag: Baeßler, Drcxler u. Co., Lottstetten, Amt WaldShut (Baden)._ Letzte JVachnchtcn und Dcpcfchcn« Arbeiterausstand. Frankfurt a. M., 18. Juli.(B. H.) Die Tarifverhandlunge» der Bau- und Kunstschlosser mit ihren Prinzipalen haben sich zer- schlagen. Infolgedessen sind heute früh 609 Schlossergesrllen in den Ausstand getreten._ Dreifacher Selbstmord. Hannover» 18. Juli.(B. H.) Ei« dreifacher Selbstmord ist in dem Villenvorort Kleefeld aufgedeckt worden. Die Familie des Privatiers Ranzow, bestehend aus dem Vater und zwei er- wachscnen Töchtern, hatte dort eine Villa bezogen zwecks Errichtung eines Pensionats. Infolge Nahrungssorgen haben sich alle drei mittels Kochgases vergiftet. Die Tat muß schon vor 14 Tagen er- folgt sein, da die Leichen schon stark in Verwesung übergegangen waren._ Unzuchtsbestien. M.-Gladbach, 18. Juli.(93. H.) In Odenkirchen wurde ein Dienstmädchen, nachdem der Begleiter, ein Kutscher, niedergeschlagen worden war, von acht Burschen überfallen und vergewaltigt. Bier der Täter sind verhaftet wordem_ Ein vcrirrter Instrukteur. Tarmstadt, 13. Juli.(B. H.) Wegen einer Reihe von sitt- lichen Verfehlungen an Untergebenen wurde der Unteroffizier Orlemann von der 6. Kompagnie des 118. Jnfanterie-RegimentS gestern vom Kriegsgericht der 25. Division zu Worms zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis und Degradation verurteilt. FenerSbrunst. Sigmaringcn, 18. Juli.(W. T. B.) Heute nachmittag ist in Sigmaringen(Dorf) eine Feuersbrunst ausgebrochen, deren Ent- Wickelung infolge des ungünstigen Windes zurzeit noch gar nicht abzusehen ist. Es sind jetzt, 6 Uhr abends, bereits 10 Häuser und Speicher den Flammen zum Opfer gefallen. Der Schaden ist schon ein bedeutender._ Maffendemission englischer Schullchrer. London, 18. Juli.(B. H.) 200 Schullchrer des Stadtviertels West-Ham haben ihre Demission eingereicht, weil sich die Behörden geweigert haben, eine Deputation des nationalen Schullehrer- Verbandes zu empfangen._ Die Hitze in Amerika. Philadelphia, 18. Juli.(W. T. B.)(Auf dcutsch-atlantischcm Kabel.) Infolge der herrschenden hohen Temperatur wurden über 1000 Personen, die einem Fcstzuge beiwohnten, von der Hitze über- Die Hospitäler sind überfüllt. ._----------------------—---------------....„--- 0 wältigt._—„...................—-_ Berantw. Redakt.: Carl Mermuth, Berlin-Rixdorf. Jnserateverantw.:Th.Gl»cke, Berlin. Druck u. Verlag: VorwsrtsVuchdr.u. Verlagsanstalt Paul SingerL-Co.,BxrlinLW. Hierzu 2 Beilagen u.UiUcrhaltungsblatt Hr. 166. 24. laljrgaug. tillige des.AMIs" l!»�?«Ii IM. vie MeiKbeelingimgen der Konlurovereine. Iii. DaS Bochumer„Volksblatt" brachte sin Nr. 1S7 vom 10. Juli) den Artikel des Genossen v. Elm zum Abdruck und gab ihm folgende Einleitung: „Auf dem Genossenschaftstag in Düsseldorf... vertrat Genosse Elm den Standpunkt, dag die Konsumvereine mit der bürgerlichen Konkurrenz zu rechnen hätten, deshalb auch in der Bewilligung der Forderungen ihrer Angestellten nicht allzuweit über dasjenige hinausgehen könnten, als auch ldie Privatgeschäfte zahlten. Diese Auffassung, die jeder, der die Verhältnisse halbwegs kennt, vollau unterschreibt, wurde in einem Teil unserer Parteipresse scharf an- gegriffen und machen diese Angriffe jetzt in entstellter Form die Runde durch die schwarz-blaue Ünternehmerpreffe. Wir hatten nicht vor, uns in den Streit zu mischen, wollen es auch jetzt nicht, halten es aber doch für angebracht, eine Entgegnung Elms auf die An- griffe zu bringen, sie enthält so viel, das; der Leser sich selbst das Urteil über die Streitfragen bilden kann." Eine Erwiderung auf den Elmschen Artitel(den wir am Sonntag auszugsweise wiedergegeben haben) bringt die Düffel- d o r f e r„Volkszeitung" in ihrer Nr. ISO vom S. Juli. Der Artikel ist überschrieben:„Theoretische Verwirrung". Sein Gedankengang ergibt sich aus folgenden Sätzen: .. Genosse v. Elm redet des langen und breiten über die „Existenzbedingungen" der Konsumvereine. Wirtschaftlich seien die meisten derselben„Krämer". Wir lassen den Vergleich gelte». Aber wenn man„Krämer" sein will, so handele man auch danach. 5er lebten wir der Ueberzeugung, es sei ein unschönes Privilegium verer von Bildung und Besitz, für Minister, Oberbürgermeister usw. Gehaltserhöhungen von etlichen Tausenden übrig zu haben und unmittelbar darauf die Unmöglichkeit zu bejammern, den Arbeitern und unteren Angestellten eine geringe Lohnerhöhung zuzubilligen. Wo man so tief in den Kränierschuhen steckt, hätte man doch das rechte Gefühl für den peinlichen Eindruck vermeiden sollen, den neben der Ablehnung der Arbeitersorderungen die Heraufsetzung der Höchstgehälter von 10 auf 12 000 M. machen muffte. Im übrigen wiederholt v. Elm in polemischer Färbung nur die Gedankengänge, mit denen er auf dem Düsseldorfer Tage bereits brillierte. Wir kennen die Melodie, die uns von bürgerlicher Seite täglich ein Dutzend mal in die Ohren klingt. Wenn wir uns im Folgenden nochmals damit beschästigen, so nur, um ein zweites Mal den Nachweis zu führen, daff der in unserem ersten Artikel�serhobene Vorwurf theoretischer Ver- wirrung— von„theoretischen Wirrköpsen", wie uns Genosse v. Elm sagen läfft, ist dort nicht gesprochen— auf den Genossen V. Elm zutrifft.... ... In der kapitalistischen Gesellschaft kann man nur kapi- talistisch produzieren. Unsere Parteibetriebe ruhen auf dieser Grund- läge und die Genossenschaften nicht minder. Darum gibt es in diesen Betrieben auch einen Kapitalnutzen, einen„Profit". In den Parteibetrieben dient er der Einführung vorbildlicher Arbeits verhältniffe über die tariflichen Bestimmungen hinaus und kommt im übrigen der Gesamtpartei und ihrer Propaganda Zugute: in den Konsumvereinen wird er nach Bestreitung der Handlungsunkosten an die Mitglieder verteilt. Und da Genosse v. Elm ein so fürtrefflicher„Gcschichtsmaterialist ist, sollte er uns den Profit der Konsumvereine nicht an anderer Stelle seines Artikels wegdisputieren wollen. Die sogenannte Dividende sei nichts weiter als eine Rückvergütung, meint er. So weit es sich hier nur um einen anderen Namen handelte, hätte die Sache keine Bedeutung. Ob 3, 12, 300 oder 3000 sich in den Ge> winn teilen, ob ich ihn Profit oder Rückvergütung nenne, ändert am Wesen der Sache nichts. Aber wenn Genosse v. Elm behauptet, die Dividende sei lediglich eine Rückvergütung der beim Kauf gezahlten Mehrkosten über die Selbstkosten und es sei bei den Konsulnvereinen von einem Profit„gar keine Rede", so ist das positiv unrichtig. ES wird nunmehr die Stelle zitiert, wo v. Elm den Gegensatz macht zwischen den Arbeitern, welche die Waren verteilen und denen, die sie anfertigen, und dann fährt der Artikel fort: „Der Genosse v. Elm hat einmal etwas läuten hören, aber er weiff offenbar nicht mehr, wo die Glocken hängen. Sein Irrtum wäre unmöglich, wenn er über das Wesen des KaufmaunS kapitals in der heutigen Gesellschaft überhaupt Klarheit besäffe. Der kommerzielle Arbeiter produziert nicht direkt Mehrwert. Aber der Preis seiner Arbeitskraft ist durch den Wert seiner Arbeitskraft, also deren Produktionskosten, bestimnit, während die Ausübung dieser Arbeitskraft wie bei jedem anderen Lohnarbeiter keineswegs durch den Wert seiner Arbeitskraft begrenzt ist. Sein Lohn steht daher in keinem notwendigen Verhältnis zu der Masse des Profits, die er dem Kapitalisten realisieren hilft. Was er dem Kapitalisten kostet und ivas er ihm einbringt, sind verschiedene Gröffen. Er bringt ihm ein, nicht indem er dirett Mehrwert schafft, aber indem er die Kosten der Realisierung des Mehrwertes vermindern hilft, soweit er zum Teil unbezahlte Arbeit verrichtet." So Marx im„Kapital". Also auch hier Ausbeutung, unbezahlte Arbeit... Mag v. Elm die Konsumvereine noch so sehr„Krämer" nennen, daS Bewegungsgesetz des KaufmannSkapitals wirkt auf sie zurück und hat auf das BeHaben einzelner Leute ganz bedenklich abgefärbt, wie die Düsseldorfer Tagung jedem beweist, der Augen hat zu sehen. Daß diese Allüren nicht die Oberhand gewinnen, dafür werden schon unsere Arbeiter sorgen. Vielleicht erkennt aber auch v. Elm jetzt, daff eS unrichtig und theoretische Verwirrung ist, zu behaupten, es würden in den Dividenden lediglich Rück- Vergütungen der von den Mitgliedern gezahlten Ueberschüsse über die Selbstkosten bezahlr. In den Rückvergütungen wird mit verteilt die unbezahlte Mehrarbeit der An- gestellten. Welches Anrecht besitzen darauf die übrigen Mit- glieder des Konsumvereins? Das Recht des Arbeitgebers auf un- bezahlte Mehrarbeit, d. h. gar k e i n s. Es ist demnach lächerlich, wenn v. Elm von einer Privilegierung der Angestellten und einer Monopolisierung der Ueberschüsse durch sie redet. Daff für die Konsumvereine die Situation keine leichte, daff sie trotzdem manches für die Angestellten getan haben— wir sind die letzten, es zu bestreiten. Daff die Notwendigkeit, die Konkurrenz aufzunehmen, Wünschenswertem hinderlich sein mag, leugnen wir nicht. Zumal so lange die kapitalistische Produktionsweise dauert, ist jene unbezahlte Mehrarbeit nie ganz aus der Welt zu schaffen. Aber wir verlangen, daff daL mit zur Verteilung gelangende Matz derselben ein möglichst geringes sei, daff nicht ein Grund« geholt von 1320 Mark als Utopisterei und Zu- lunftsstaatstraum bezeichnet werde, daß man nicht das Maß der unbezahlten Arbeit steigere, indem man die gleiche Leistung bei Mann und Frau mit verschiedener Elle mißt. ... Der Gewerkschaftler v. Elm wird wohl ohne weiteres ein- sehen, wie leicht nian von seinem Gesichtspunkt aus zur Ablehnung der gewerkschaftlichen Bewegung in diesen letzteren sden warcuverteilcuden) B e- rufen überhaupt kommen könnte. Industrielle und Handlungsarbeiter unterscheiden sich wohl in bezug auf die Mehr- tvertproduktion. Trotzdem unterliegen sie der gleichen Ausbeutung auf Grund des Marktgesetzcs von Angebot und Nachfrage, daS eine Mal bei der Produktion von Mehrwert in der Fabrikation der Waren, das andere Mal bei der Realisierung von Mehrwert in der Rückverloandlung der Ware in Geld. Pom Staudpirnktc j der Arbeiter begebt zwischen beiden kein Unterschied und der Angriff 1 der Gewerkschaften richtet sich daher in gleicher Weise gegen beides...„DaS liegt scyon in dem ganzen Wesen der Produktiv- genosscnschaften, daß die Arbeitsbedingungen günstigere sein müssen, wie in anderen Betrieben. Wo die Genossenschaft die Forderungeir nicht zu erfüllen iinstande ist, sagen sich die bei ihr beschäftigten Mitglieder, hat sie keine E x i st e n z b e r e ch t i g u n g".„Eine Genossenschaft kann gegen ihre angestellten Mitglieder nicht so ver- fahren, wie ein ausbeutender Kapitalist gegen seine Arbeiter." „Natürlich darf eine GewinnbeteiltgMig nicht etwa a u f K o st e n der gezahlten Löhne gewährt werden, indem man vorher nnnmt, was man nachher als„Gewinn" den Arbeitern wieder zukommen läßt. Die Löhne müssen in der Höhe gezahlt lv erden, die von der Gewerkschaft festgelegt ist, die Arbeitszeit darf keineswegs länger ausgedehnt werden, als anderswo." So schreibt ein„hervorragender Genossenschaftler." Daff die Augestellten nur insolveit Forderungen stellen dürfen, als die„Konkurrenz" und ausgesprochen die rückständigste des Kleinkrämertums sie anerkennt, davon sagt er kein Wort.— Genoffe v. Elm wird den Biedern zweifelsohne kennen, und wir verlangen, daff der Konsum- vereinler v. Elm gelten läfft, was der Gewerkschaftler v. Elm für selbstverständlich hält. Nicht mehr, aber auch nicht weniger." Abgesehen von der kurzen Notiz am Schluß unseres vorigen Artikels hat der„Vorwärts" in dieser ganzen Angelegenheit bekanntlich nur referiert. Wir haben unsere Leser einfach über den Verlauf der Diskussion auf dem Laufenden erhalten. Trotzdem brachte der „G e n o s s e n s ch a f t S p i o n i e r" in Nr. 13 vom 0. Juli— also acht Tage bevor unser erster Artikel erschien, d. h. zu einer Zeit, wo eine eigene Meinungsäußerung von uns überhaupt noch nicht vorlag— eine Notiz von S. K., die zwar an sich höchst un- bedeutend ist, aber als Symptom mitgeteilt zu werden verdient. Sie lautet: „Unsozial." „Die Monatsversammlung des Verbandes der Lager- Halter hat, wie der„Vorwärts" berichtet, gegen den Genossen- schaftstag des Zcntralverbandes deutscher Konsumvereine und ins- besondere gegen den Vertreter der Konsumvereine im TarifauSschuff, den Genossen v. Elm, scharfe Angriffe gerichtet und ihnen in der angenommenen Resolution unsoziale Anschauungen nachgesagt. Wir finden darin die alte Einseitigkeit, mit der ein Teil der Angestellten seit längerer Zeit, ohne die Entwickelungs- fähigkeit der Vereine und die Jnteresien der in ihnen organisierten Proletarier zu berücksichtigen, ihre Forderungen vertreten. Gewiß sind diese Forderungen an sich im ganzen nicht zu beanstanden, und unser aller Streben geht noch viel weiter. Aber die Genossenschafts- Verwaltungen, die ja nicht mit eigenem Gelde, sondern mit an- vertrauten Arbeitergroschen arbeiten, sind verpflichtet, keine Be- willigungen zu machen, die weit hinausgehen über das nicht allem, was von kapitalistischen Betrieben erfüllt, sondern auch das, was von deren Arbeitern gefordert wird. Dem Genossen v. Elm zumal, der mit einer Selbstlosigkeit und Entschiedenheit, die fast einzigartig sind, seit Jahrzehnten seine wertvolle Arbeits- kraft im Dienste der politischen und der gewerkschaftlichen wie der genossenschaftlichen Arbeiterbewegung verbraucht hat. den Vorwurf ainisozialcr Gesinnung zu machen, ist einfach unwürdig. Dank erwartet ja niemand von uns, aber den lautersten" Kämpfern solche Vorwürfe zu machen, weil sie nicht unverantwortlich genug blindlings mit allen For- derungen durch dick und dünn gehen— die„VorwärtS"-Rcdaltion kann sich diesen LnxuS ja gestatten, sie trägt keine Verantwortung oder empfindet sie wenigstens nicht— das ist nicht nur unedel. sondern auch töricht und gegen die eigenen dauernden Interessen der Angestellten selbst. 8. k.« Wir wiederholen: der„Vorwärts" hatte bis dahin nur erst die Resolution der Lagerhalter veröffentlicht. Das genügt S. X. schon zu dieser blindwütigen Anrcmpelung I WaS will 8. X. eigentlich? Sollte der„Vorwärts" die Resolution, weil sie einen Angriff gegen v. E l m enthielt, unterdrücken? Oder will er gesagt haben, daff v. Elms Düsseldorfer Ausführungen eine öffentliche Erörterung nicht vertragen?— ßcnchts- Zeitung. Wenn Angehörige der„besseren Gesellschaft" verurteilt tverden, geht ihr monarchisches Empfinden in die Brüche. Ein interessanter Prozeß wurde dieser Tage vor dem Schöffen- geeicht in Augsburg verhandelt, in dem ein„reines Hemde" und „monarchisches Empfinden" eine seltsame Rolle spielten. Die Tochter eines ehrsamen Bürgers der Stadt Wertingen kam eines Tages wegen eines Zivilstreites auf die Kanzlei eines dortigen Rechtsanwalts. Dem Rechtsanwalt gefiel das Gesicht seiner Klientin besser als deren Rechtsstreit. Was dann in dem Bureau des Rechtsanwalts vor sich ging, bleibt„Berufsgeheimnis" des Rechtsanwalts. Festgestellt wurde vor Gericht nur, daß die Mutter des Mädchens diesem nach der ersten Sprechstunde Vor würfe machte darüber, daß es zum Besuche des Herrn Rechts: anwalts kein reines Hemde angezogen habe. Bei den weiteren Besuchen des Mädchens auf dem Bureau deS Rechtsbeistandes sorgte die Mutter stets für reine Wäsche— wegen des Anstandes. den ein gut bürgerlich erzogenes Mädchen stets beobachten müsse. Weiter wurde vor Gericht festgestellt, daß der Rechtsantvalt dem Mädchen auch Gegenbesuche machte, aber erst nach Eintritt der Dunkelheit und noch dazu in Gemeinschaft mit einem Freunde, einem Kameralpraktikantcn, für den Gesellschaft in der Person einer anderen Bürgerstochter beschafft worden tvar. Die Sache ward ruchbar und die Hausfrau, d. h. jene ehrbare Bürgersfrau, die auf reine Wäsche schaut, wurde wegen Kuppelei in Anklagczustand ver- setzt. Jene beiden Herren sagten in der Voruntersuchung aber als Zeugen aus, daß die Hausfrau von den nächtlichen Besuchen keine Kenntnis gehabt habe, denn sie hätten als„Angehörige der besten Gesellschaft Wertingens" peinlichste Vorsicht walten lassen, um nicht gesehen zu werden. Darauf wurde daS Verfahren gegen die Bürgersfrau eingestellt.— Der Staatsanwalt leitete ein neues Verfahren ein, aber in umgekehrter Weise, in der Richtung gegen die beiden„Angehörigen der besten Gesellschaft" und gegen die andere Freundin. Die Anklage war so aufgebaut: Die beiden Herren und die andere Freundin haben im vorigen Verfahren als Zeugen bekundet, daß die Hausfrau von den nächtlichen Besuchen in ihrem Hause nichts gewußt habe— die dreie sind also zur nächt- lichen Zeit widerrechtlich in dieses Haus eingedrungen, haben also nach§ 123 deS Strafgesetzbuches Hausfriedensbruch begangen. Das Verfahren gegen die drei wurde eröffnet. In der Verhandlung waren die beiden„Angehörigen der besten Gesellschaft" aber auf einmal anderer Ansicht geworden. Denn im Gegensatz zu früher agten sie nun als Zeugen, die Alte müsse doch etwas gewußt haben, auS verschiedenen Umständen gehe die? deutlich hervor; ölgedesscn könne von einem Hausfriedensbruch keine Rede sein. Der Staatsanwalt beantragte gegen die Herren 10 und 8 Tage Gefängnis, für die Freundin einen Verweis. Der eine der„An- gehörigen ies Mtsa VeMMt' WlM tob die MAMW Drohung, das), wenn er verurteilt würbe» sein monarchisches Empfinden schwer beeinträchtigt werben müsse. Das Gericht verhütete ein solches Unglück. Es sprach alle drei Angeklagten mit der Begründung frei, eS nehme an, daß die An- geklagten sich nicht bewußt gewesen seien, widerrechtlich in das Haus eingedrungen zu sein. „Heilkundiger" oder Schwindler? Vor der 3. Strafkammer des Landgerichts III stand gestern iti der Berufungsinstanz unter der Anklage des Betruges der„Natur- heilkundige" Fritz Westphal aus Lehnitz, der schon wiederholt die Strafgerichte beschäftigt hatte.— Der Angeklagte macht durch allerlei Prospekte und Annoncen bekannt, daß es ihm möglich sei, sämtliche Krankheiten, auch sogenannte unheilbare» mittels eines von ihm erfundenen Natur- und Pflanzenhcilverfahrcns zu heile» und zwar ohne eine persönliche Untersuchung, lediglich durch brief- lichc Behandlung. Auf Grund eines derartigen Prospektes meldete sich der in der Lausitz wohnhafte Schneidermeister Lehmann, der an einem chronischen Herztlappenfehler litt. Wegen dieses Leidens war L. schon im Jahre 1890 vom Militär als Ganzinvalide ent- lassen worden. Außerdem befand sich in seinen Händen ein Attest eines Kreisarztes, nach welchem sein Leiden unheilbar war. Der Angeklagte bekam es fertig, dem B., als er sich an ihn wendete, völlige Heilung zu versprechen, obwohl dieser schon zahlreiche Aerzte konsultiert hatte, die sämtlich die Unhcilbarkeit der Krankheit er- kannt hatten. Westphal verordnete Massage und kalte Abreibungen, insbesondere aber die Anwendung eines von ihm erfundenen aus verschiedenen Kräutern bestehenden Tees, der angeblich ein Allhcil- mittel sein sollte. In Wirklichkeit hatte der Tee nur eine blut- reinigende und laxierende Wirkung, die auf das Leiden des L. keinerlei Einfluß hatte. Nachdem L. 4 Monate lang diesen Tee, der ziemlich teuer war. geschluckt hatte, verspürte er keinerlei Besserung. Es hatte sogar den Anschein, als ob sein Leiden schlimmer geworden war. Er mußte sich deshalb sofort wieder in ärztliche Behandlung zurückbegeben Gegen den Naturdoktor wurde Anklage wegen Be- truges erhoben. Das Schöffengericht Oranienburg hatte den An- geklagten zu einer Gefängnisstrafe von 2 Wochen zusätzlich zu einer kurz vorher gegen ihn wegen unlauteren Wettbewerbs erkannten zweimonatige» Gefängnisstrafe erkannt. Hiergegen legte W. Be- rufuiig ein. DaS Berufungsgericht hielt es durch die erneute Be- Weisaufnahme für festgestellt, das) der Angeklagte wahrheitswidrige Angaben gemacht hatte, indem er behauptete, unheilbare Leiden durch seine Methode heilen zu können. Tie Berufung wurde des- halb unter Bestätigung des ersten Urteils auf Kosten des Ange- klagten verworfen._ Ein tragischer Unglücksfall, der durch verschiedene Nebenumstände besonders ergreifend Wirkt. lag einer Anklage wegen fahrlässiger Tötung zu Grunde, die gestern vor der 1. Strafkammer des Langerichts II zur Verhandlung kain. Auf der Anklagebank mußte die 15jährige Schülerin Berta Roth Platz nehmen. Vor einigen Monaten verstarb die in Duisburg wohnhaft gewesene Mutter der jugendlichen Angeklagten. Das junge Mädchen, das nunmehr allein auf der Welt stand, fand in der Familie ihrer Schwester Zuflucht, die mit einem in Köpenick wohn- haften Kaufmann Hopf verheiratet ist. Wenige Tage darauf ver- starb auch die Mutter des H. Am Morgen des 14. Mai d. I. erhielt Herr H. ferner noch ein Telegramm, in welchem ihm mitgeteilt wurde, daß sein einziger Bruder verstorben war. Zu diesen drei- fachen Todesfällen gesellte sich nur einige Stunden darauf noch ein weiterer entsetzlicher Unglücksfall. Während Herr H. sich mit seiner Gattin im Wohnzimmer anfhielt, beschäftigte sich die Angeklagte in der Küche mit dem L�-jährigen einzigen Kinde ihres Schwagers. Sie hatte das Kind ans das breite Fensterspind gehoben, damit es auf den Hof hinaussehen konnte. Auf dem Küchcnheerd kochte plötzlich ein Topf mit Kartoffeln über, sodaß das Gas verlöschte. Die Angeschuldigte drehte sich schnell um, in der Absicht, den Gas- Hahn zu schließen. Nur auf einige Sekunden ließ sie das Kind allein auf dem Fensterbrett stehen. Diese kurze Spanne Zeit genügte, um ein überaus trauriges Ereignis herbeizuführen. Das Kind stürzte durch einen an dem Küchcnfenster angebrachten Drahtgazerahmcn hindurch und stürzte zwei Treppen hinunter auf dcu Hof»' wo es mit zerschmetterten Gliedern liege» blieb.— Gegen das junge Mädchen wurde eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben. Vor Gericht machte der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Röster, geltend, daß der höchst bedauerliche Unglücksfall auf eine Verkettung unglückseliger Umstände zurückzuführen sei, mit denen die Ange- klagte hei ihrer Jugendlichkeit keinesfalls rechnen konnte. DaS Gericht nahm ebenfalls an, es liege ein strafbares Verschulden der Angeklagten nicht vor und erkannte auf kostenlose Freisprechung. Eine Rabenmutter. Die Postbotenfrau Berta Bork, geb. Klapper, zu Nixdorf. Fuldastraße wohnhaft, wurde gestern wegen fortgesetzter grausamer Mißhandlung ihres noch nicht dreijährigen vorehelichen Mädchens vom Schöffengericht zu 4 Wochen Gefängnis verurteilt. Der Staatsanwalt hatte 0 Monate Gefängnis beantragt. Wahrnehmung berechtigter Interessen. Vom Landgericht Elberfeld ist am 19. Dezember v. I. deL praktische Arzt Dr. med. Daniel Orthmann wegen angeblicher Be- leidigung des Kreisarztes Dr. W. zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Er ist Vertreer der Naturhcilmethode und wurde auf Ver- anlassung des Dr. W. von der Acrztekammcr mit einem Verweis bestraft. Diese Strafe wurde von der oberen Instanz aufgehoben. Sie war über ihn verhängt worden, weil er die Patienten der Frau Garschagen beraten hatte, die später für ihre Privatkrankenanstalt die Konzession erhielt. Eine ähnliche Verbindung knüpfte der An- geklagte mit dem Naturheilkundigen Gustav Nadtke an, welcher in Elberfeld eine elektrophysische Heilanstalt betrieb. Am 27. März 1900 erstattete Dr. W. deswegen gleichfalls Anzeige gegen Dr. Orthmann, weil sein Verhalten standesunwürdig sei. Dr. O. hatte nun aber kurz darauf seine Beziehungen zu Radtke gelöst und die Tätigkeit bei Frau Garschagen wieder aufgenommen, als diese die Konzession mit der Weisung erhalten hatte, einen approbierten ?lrzt anzustellen. Am 18. Juni erstattete dann Dr. W. eine drille Anzeige an die Acrztekammcr, weil er für Frau G. tätig sei. was gegen die Standcsehre verstoße. In der Rheinischen Aerztekorre- spondenz erschienen inzwischen eine Reihe von Artikeln, welche die Tätigkeit des Dr. O. bei Frau G. einer scharfen Kritik unterzogen und Dr. O. als Kurpfuscher bezeichneten. Dr. Orthmann war der Ansicht, daß diese Veröffentlichungen direkt oder indirekt auf Dr. W.-, den Kreisarzt zurückzuführen seien. Dr Orthmann richtete nun eine Eingabe an die Regierung zu Düsseldorf, fn welcher er sich über den Kreisarzt beschwerte. Er legte den Sachverhalt klar und"schrieb dann:„Trotzdem wird denunziert. Wenn den Unter- zeichneten auch die wiederholten zum Teil direkt den Tatsachen widersprechenden Denunziationen des Kollegen W. beim ärztlichen Ehrengerichte sehr kalt lassen, so wäre es doch sehr angebracht, wenn die ewigen unfruchtbaren Anzeigen des Dr. W. gegen diese Anstalt eine Beschränkung erfuhren, was zu veranlassen der Unterzeichnete hiermit gebeten haben möchte." Der Regiernngspräsideut erblickte hierin eine Beleidigung des Dr. W. und stellte Strafautrag. In der Hauptverhandlung erklärte der Angeklagte, er verstehe unter denunzieren: anzeigen auS Gehässigkeit. DaS Gericht trat dieser Auslegung bei und verurteilte den Angeklagten wegen Verwendung des Wortes denunzieren, indem es annahm, daß der Angeklagte zwar berechtigte Interessen wahrgenommen, aber durch die gewählte Form die Llbsicht der Beleidigung zu erkennen gegeben habe.— ~ ic Revision des Angeklagten wurde vom Rcichsanwalt für be- gründet erklärt. Wenn der Angeklagte, so führte er aus, den Dr. W. für einen Denunzianten, d. h. für einen Rann hielt, der aus Schikane Anzeigen erstattet, wie sollte er denn da? anders auZ- drücken? Das Landgericht hat vollständig Form und Inhalt ver- wechselt.— Das Reichsgericht hob am Donnerstag das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Kann das Auf- und Abspringen von der Straßenbahn durch Polizei- Verordnung unter Strafe gestellt werden? Durch Regierungs-Polizeiverordnung vom 7. August 1900, erfassen für den Regierungsbezirk Düsseldorf, wird bei Strafe ver- boten, von der Straßenbahn abzuspringen und auf sie herauf zu springen, während sie sich in Bewegung befindet. Wegen Ueber- tretung der Verordnung war Frau Melerska angeklagt worden. Sie war beim Verlassen eines Wagens der elektrischen Straßenbahn zu Düsseldorf, der noch fuhr, zu Fall gekommen und ein Stück mit- geschleift worden, wobei sie sich Kopf und Hand verletzte. Das Land- gericht Düsseldorf als Berufungsinstanz verurteilte sie wegen Neber- trctung der Verordnung zu einer Geldstrafe, und der erste Straf- scnat des Kammergcrichts verwarf ihre Revision mit folgender Be- gründung: Polizeiverordnungen, welche bei Strafe verbieten, die Straßenbahn zu betreten oder zu verlassen, wenn sie sich tn der Bewegung befinde, seien rechtsgültig. Hätten sie nur den Zweck, den einzelnen, der dazu Neigung habe, zu schützen vor den damit verbundenen Gefahren, dann wären sie wohl nicht gültig. Denn das würde vielleicht nicht Gegenstand des polizeilichen Ver- ordnungsrechts sein. Aber sie seien im wesentlichen deshalb er- lassen, weil das Aufspringen und das Abspringen von der Straßen- bahn Verkehrshindernisse zur Folge haben könne. Zum Beispiel neige der Schaffner, der sehe, daß jemand dabei zu Falle komme, dazu, schnell halten zu lasten. Dies unvorhergesehene Anhalten könne Karambolagen mit anderen Gefährten herbeiführen. Auch andere Personen könnten durch das Abspringen während der Fahrt der Bahn gefährdet werden, indem jemand sein Automobil, sein Rad usw. schnell ablenken müsse. Es handele sich somit um giiltige verkehrspolizeiliche Vorschriften.— Uebrigens besteht für Düsseldorf die weit besser als die(auch für Berlin gültige) Straf- vorfchrift wirkende Einrichtung, daß jeder, der auf die Straßenbahn aufspringt, veranlaßt wird, den Wagen wieder zu verlassen, und auch bei der nächsten Haltestelle denselben nicht wieder benutzen darf. Die Strafvorschrift wirb fast nur den Personen gegenüber zur Anwendung gebracht, die durch das Auf- oder Abspringen persönliche Nachteile haben._ Hue Induftm und Handel Die Steigerung der Lebensmittelpreise. Die Lebensmittelpreise zeigen in jüngster Zeit wieder eine so deutlich ansteigende Tendenz, daß die Frage angebracht erscheint, ob denn das Preisniveau der Lebensmittel gegenüber dem Jahre 1906 gar noch eine Erhöhung erfahren habe. Da ergibt sich denn wirklich die Tatsache, daß von 26 Lebensmitteln, für die sich Vergleiche an- stellen lasten, mehr als die Hälfte, nänilich 14. nach ihrem Preis- stand Mitte Juli noch eine Verteuerung gegenüber der Vergleichs- zeit 1906 aufweisen, von 1905 gar nicht erst zu reden. Nur acht Lebensmittel sind etwas im Preise gesunken, bei vier ist der Preis gegenüber 1906 stabil geblieben. Es ist nicht nur Getreide, für dessen Verteuerung die bisher ziemlich unbefriedigenden Ernteaussichten ins Feld geführt wurden, im Preise äußerst erheblich gestiegen, sondern auch eine Reihe von der Ernte 1907 210 200 195— 205 170 103,25 der Körnerfrüchte ganz unabhängiger Lebensmittel tsl teurer ge- worden. Am schärfsten ist die Spannung zwischen den dies- und vorjährigen Preisen bei Getreide, insbesondere bei Roggen. Steht doch der Roggenpreis am Berliner Markt gegenwärtig um nicht weniger als 30 Prozent über dem vorjährigen, wie aus nachfolgender Zusanunenstcllung erhellt. Eine Tonne kostete nämlich in Berlin Mitte Juli Mark: 1906 Weizen........ 181'/z Roggen....... loo Hafer........ 182 Gerste(Posen)..... 152 Mais(New Vor!).... 98,40 Ganz so erheblich wie bei Roggen ist der Aufstieg bei den andern Getreidesorten nicht; Gerste bleibt mit einer Preissteigerung von 12 Proz. weit dahinter zurück. Den Getreidepreisen folgend haben die Mehlpreise äußerst kräftig angezogen; bei Weizenmehl beträgt die Steigerung von Mitte Juli 1906 auf Mitte Juli 1907 fast 20, bei Roggenmehl aber gar 30 Proz. Der Preis für Roggenmehl ist also mit ganz genau der gleichen Intensität gestiegen wie der Roggenpreis. Roggenmehl kostet jetzt pro 100 Kilo 25,20—27,50 M., zur selben Zeit 1904 aber erst 17,40—13,30 M. Außer der in der Ge- treidepreissteigerung begründeten Verteuerung der Mehlpreise ist aber die erhebliche Erhöhung zu nennen, die der Kartoffelpreis in diesem Jahre erfahren hat. Während 1 Doppelzentner Kartoffeln Mitte Juli 1906 in der Provinz Brandenburg erst 2—7 M. kostete, steht der Kartoffelpreis jetzt auf 5,50—13 M. I Er hat sich also innerhalb eines Jahres gerade verdoppelt. Wie 1906 ging er auch in diesem Jahre von Juni auf Juli rapid hinauf. Von anderen Lebensmitteln, deren Preise sich in diesem Jahre gegenüber 1906 noch verteuert haben, sind Hülsenfrüchte, Niiböl, sodann Fische zu nennen. Von den Hülsenfrüchten sind es besonders Erbsen und Linsen, die kräftig im Preise gestiegen sind. Ungarns Ernte. Der amtliche Saatenstandsbericht vom 15. Juli schätzt den Er- trag von Weizen auf 32, von Roggen auf 10,16, von Gerste auf 12,63, von Hafer auf 11,10 Millionen Meterzentner gegen 33,12 Millionen Meterzentner Weizen, 10,30 Roggen, 12,81 Gerste und 11,27 Hafer nach dein Ausweis vom 1. Juli. Der Rückfall wurde durch Hitzschlag verursacht, welcher die Körner zu schnell zum Reifen brachte. Die Hackfrüchte, Mais, Rüben und Kartoffeln entwickeln sich gut. Die Obsternte ist schwach, der Weinstock steht überwiegend schwach._ Deutschlands Außenhandel hat im ersten Halbjahr 1907 wiederum nicht unbeträchtlich zugenommen. Die Einfuhr Deutschlands erreichte im ersten Halbjahr einen Wert von 4350,5 Millionen Mark, wovon auf Edelmetalle 85,4 Millionen Mark entfallen, während die Ausfuhr einen Wert von 3350,3 Millionen, Mark hatte, wovon auf den Edel- metallverkehr 39,3 Millionen Mark entfallen. Gegen das Vorjahr macht die Zunahme der Einfuhr 67,4— 1,6 Proz.,-die Ausfuhr 435,7— 14,9 Proz., gegen 1905 jene 977,2— 29 Proz., diese 706,4---26,7 Proz. aus. £Ius der frauenbe�egung. Der Frauen Erwachen in Japan. Äis vor wenigen Jahrzehnten war bei den Japanern die FraA noch vollständig von allem öffentlichen Leben ausgeschlossen. Mädchen erhielten so gut wie gar keine Schulbildung, sondern wurden nur daheim von ihren Müttern in der Hausarbeit und den kunstvollen japanischen Handarbeiten unterwiesen, und auch als Erwerbsarbeit stand ihnen keine andere Art der Tätigkeit offen. Wenn ein Mädchen das heiratsfähige Alter erreicht hatte, so wurde ihr von ihrer Familie eine Gatte ausgesucht, dessen absolutes Eigentum sie wurde. Nach ihrer Verheiratung härte jede Berührung mit der Außenwelt auf. Die rapide industrielle Eutwickelung Japans hat nun aber dort, wie überall, die Stellung der Frau bedeutend verändert. Die Einführung des Fabritsystems und der Maschinen hat Taufende von Mädchen zur selbständigen Erwerbs- arbeit veranlaßt und sie somit aus ihrem engen Kreise aus weitere Gebiete menschlicher Tätigkeit hinausgeführt. Aber nicht bloß die Frau der Arbciterkreise, sondern auch die Mittelklasse und die reichen Japanerinnen werden von dem Geist der neuen Zeit beeinflußt und nehmen moderne Ideen in sich auf. Neben den Fabriken mußte man der weiblichen Bevölkerung auch die Schulep öffnen. Heute sind schon viele Frauen in Japan als Lehrerinnen, Aerztinnen und Schriftstellerinnen tätig, Frauenklubs Ivcrden in allen größeren Städten gegründet. In Tokio erscheint jetzt sogar eine Frauenzeitung, welche sich stolz„Die Frau des 20. Jahr- Hunderts" nennt, die Redakteurin dieser Zeitung ist Uta I in a i. Diese Dame hat eine gründliche Bildung genossen, sie ist eine fähige Journalistin, deren Artikel auch in anderen japanischen Zeitschriften mit Vorliebe aufgenommen werden, sie ist außerdem eine feurige Rednerin. Mit Leidenschaft vertritt sie in Wort und Schrift das Ideal der weiolichen Gleichberechtigung und kämpf: für die Aufklärung und Befreiung der solange geknechteten Frauen ihres Volkes. Sie spricht neben ihrer Muttersprache fließend englisch, interessiert sich, wie ein amerikanisches Parteiorgan mit- teilt, wie alle denkenden Menschen, deren Tätigkeit auf dem sozialen Gebiete beruht, auch für den Sozialismus und hat angefangen, wissenschaftliche sozialistische Werke zu studieren.— Bei der schnellen Eutwickelung, welche der Kapitalismus in Japan nimmt, wird es nicht allzu lange dauern, bis wir auch von eine: sozialistischen Frauenbewegung hören werden. Versammlungen— Veranstaltungen. Pankow. Montag, 22. Juli, Ausflug nach Birkenwerder. Abfahrt Pankow(Nordbahn), morgens 8 Uhr 12 Minuten. Treffpunkt: H. Schulz, Paradiesgarten. Nachmittag 3 Uhr Kaffeekochen in der Unterförsterei Briese. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter (E. H. 29, Hamburg). Filiale Rummelsburg. Sonnabend,' den 20. Juli, abends Sh. Uhr, bei Guft. Tempel, Mt-Boxhagen bö: Mitglieder- Versammlung._______ Zvasierstand am 17. Juli vorm. Elbe be! Dresden— 0,86 dp.— Elbe bei Magdebiug 3,23 Meier.— O 5 e r fiel Ratibor—,—.— Oder bei Breslau-tz 1,50 Meter, steigt überall.— Oder bei Brieg 5,79 Meter.— Ncißeniünduiig 5,17 Meter.— Rhein bei Kaub 2,98— 0,09 Meter.— Rhein- fchleufe bei Straßburg 3,46—0,09 Meter. Für de» Juliatt der Juierale übernimmt die Nedattion dem Publitrn» gegenüber teiuerlri Aeraiitwortung. Theater. Freitag, den 19. Juli. Ansang 8 Uhr. Neues kgl. Operntheaier. Carmen. Deutsches. Der Jongleur. So,«Her O.«Watluer-Thealer.) Der Troubadour. Schitlcr S.(Friedrich Wilbelin- städiiichcS Theater.) Kyritz-Pyritz. Neues Schauspielhaus. Rassles. KleiiicS. Vater und Sohn. Komische Oper. Figaros Hochzeit. Westen. Die lustige Witwe. Liistivlelhaiis. Die Welt ohne Männer. Bernhard Rose. Der große Un- bekannte. Ansang S1/2 Uhr. Nachm. 41/j Uhr: Die Schwäbin. Untec'ni BirnbnUm.DicGauIlerin. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Apollo. Der Hochzeilsgast. Spe- zialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Foltes Caprice. Geisterauto.— Paris. Anfang S'h Uhr. ReichShallc». Winter-Thmiml. Paisagr. Spezialitäten. Steri-niarte, Jlwaiideustr. 57/62. iüöiiiö8 Thealer. Ansang 8 Uhr. Nlltkk M Söll». Morgen und folgende Tage: Bater und Sohn. 7ilea!er des Westens. Abends 8 Uhr: IHv Inctige Witwe. Operette in 3 Alten v. Fran, gehltr. Lustspielhaus. Ansang 8 Uyr. Die Welt ohne Männer. Metropol-Theater Anfang 8 Uhr. Große Jahresbevue in 7 Bildern von Julius It'reund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Eoth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Rauchen überall gestattet. Varietä-Garten WelnbergSweg 19/20, Rofenth.Tor. 15 Jult-SPezialitSten. Promenaden- Konzert. Ans.: Konzerts; Vorstellunglllhr. HM Bei ungünstigem Wetter Voestsllung im liiesisr 8 Uhr. Kleine Sommerpreise. Täxlidi ab nachm. 3 Uhr: Großen Militär- Doppel-Konzert. 1 Eintritt 1 Mk., von abends | 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter J 10 Jahren die Hälfte. Schiller-Ttieater 0. (W a l l n e r- T b e a t e r.) Morwitz-OPer. Freitag, abends 8Nbr: Gastspiel'Helni-ich Itötel: Der Tronbadonr. Große Oper in 4 Akten v. G. Verdi. Sonnabend, abends 8 Uhr: Eon Juan oder: Der steinerne Gast. Sonntag, nach in. 3 Uhr bei halben Preisen: Undine. Sonntag, abends 8 Uhr: ! Gastspiel der großh. Hosopernsängerin lerirml Hange v.Hosthe er in Weimar: Travlatu.(Die Kameliendame.) Ab 8 Uhr: Tas groste komische Programm! U. a.: Jean Paul in seinen Original-Typen. Jean ClermontS Zirlus-Parodie Barnum u. Beileid. io uhr: Ifsii'tstein in seiner Burleske „Der Hochzeitsgast44 als Ortsvorsteher Lehmann. ERHimOUTilEST Gr. Frankfnrterftr. 132. Im Garte«, Ans. 4>/. Uhr: Das erstklassige _J Jnli-Programm. Sperrsitz 50 Pf. Enlree 30 Pf. Im Theater abends 8»/, Uhr: Der xroße Unbelcunnte. Sommerpreise. Gebr. Herrnfeid- Theater. 57 Kommcmdantenstraß« 57. Sonnabend, den 3. August; Wieder- EröfTnung. Premiere»on II-! Operetten-BurleSke von Anton u. Donat Herrnfeid. Musik v. L. Jtal. Dazu die Separee-Asfäre ZetHHer-Tdeater N. Friedrich-Wühelmstädtisches Theater. Abends 8 Uhr- KijNtz-jlyNh. 5 Passaoe-Theater. Jeden Abend 8 Uhr: Der große VeiMMngMMr Arturo Bernardi. Berlins sclilckste Soubrette Scliwelzergaiten Am KSnigstor. Am Friodrichshain. Straßenbahn 1,2,4,17,59, 62, 63». 74. Täglich: Theater-Vorstellung. Neue Spezialitäten. SiuematograpI) und Ball. Freier Damentanz, Anfang 5 Uhr. Entree 30 Pf. Volksgarten-Ttieater. Bad-BehmstraSe— Bahnhof Gesundbrunnen— BellermannstraOe. Der rechte Weg. Original Volksstück mit Gesang und Tanz m 4 Bilden» von W. Gcricke. Hierzu: - Das neue> erster-Idesler. Kastanien-Allee 7/9. platte Weiber. Spczialltäiton 1. Ranges. Austreten der l,«wcnbraat Tilly mit ihren dreh. Löwen. JKon'/iert und Ball. Anfang 4»/, Uhr. 1 Max Kliems| s Sommer-Theater Hasenheide 13/15. Arttstische Leitung: Paul Milbitz. Meli: Cr. Konzert, Merl i i Jeden Montag: Sonimerfest. Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste. Jeden Donnerstag: Elite-Dag. Die jlafsceküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. I W. Noacks Theater. Direktion: Hob. Olli. Bruimenstr. t6 Vollständig neues Programm: 8'/, Uhr: Die brillante Nora Bjorkä. 8"/, uhr: Der beliebte Anton Hildaeh. 9 Uhr: Souhors und Madotetne. 9'/, Uhr: Die Itcexenbnrarer oder;(gilt Stück Alt. Berlin. Bei schlechtem Wetter: Vorst, im Saal. TrShels Ällerlei-Theaier früh. Puhlmann, schönh. Allee 148. SlcltesteS Volkstheater Berlins. Heilte sowie täglich:-�Wd Der durchweg neue, erfolgreiche Juli-Ipielplan. Prolongiert: krank Gregery-Truppe. Herrn. Milardo; Der Pniitlncn- klnb. Neu! The Champtinis, Altweibermühle. The Lunas. Olga Verdi. Gustav Müller. Cunö-Trio usw. Nur noch kurze Zelt: Großstadtzaubcp. Im Saale: Großer Ball. Ansang i'l, Uhr. Enlree 30 Pf, Riesen- Spezialitäten-Prograniffl. BolkSbelustigungen fikz' Spezialitäten'Theater. w 4»»äs I,nu«l»berger Allee 76—'S1!!. Lirelt a. d. Ringbahnstation. Bequemste Fahrgelegenheit n. allen Stadtrtcht. Od scliüu! Täglich im herrl. Garten oder gr.'Saal! Od IleAeo! TIi© Heros phätiomenale gymnastische Neuheit. Mein« Ifen er der deliebte Rekruten-Darsteller ist wieder da k und das voüotzndig neue brillante Juli-Progromm. Ans. 3 Uhr. Kaffeeküchc. Volksbelustig. aller Art. Enlree 20 Pf., Sonnt. 30 Ps, Sanssouci, SeS86r Direktion Wilhelm Reimer. Der Garte» ist geöffnet. Sonntag, Montag, Donnerstag! Hoffknann» Norddeutsche Sänger u. Tanzkrilnzchen. Stets hochintcrcssankes Programm. Sonnt. Beg. 5, wochent. 8 U. Brunnen-Theater Badstraße 58. Direkt.: Bernh. Rose. Täglich: Mit großem Erfolge: Carmen. ErstN. Spezialitäten-Programm: The 3 8 Ilten». P. Vendaro. Gebr. Damm. Lurl-luri-Trio. Artur Wollt. Hobepts Comp., Schattenpant. Heute: Großer Elite-Ball. Kassenerössnung 2 Uhr. Ans. 5 Uhr. Montag, 5. August: Benesiz jür Heinrich Richter. hrdetter-Lelltejäullg GrUßtcs Spezialgescbütt Kohnen& Jöring Hauptgeschäft: AlexanderstraBe 12 zwisch. Alexanderpl. u. iannowltzbr. 2. Geschäft: Landsherger Allee 148, Ecke LangenbeckstraBe. 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Danksagung. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben MamicS sage allen Verwandten, Freunden, Bekannten, auch Herrn Julil sowie den Genossen des 548. Bezirks des 6. Wahlkreises, ins- besondereHerrnGrunwaldt.Schwcdter- straße, mit seinen werten Gästen, welche mir, wo das schwerste über mich hereinbrach, so treu zur Seite standen, meinen innigsten Dank. Ww. Pauline Rieß, (jetzt) Stolpischestr. 14 bei Becker. Verband der Hafenarbeiter u. verw. Berufsg. Deutschlands. Hitgliedschaft Derlin. Sonntag, den 81. Juli, vormittags 10-/z Uhr, im Königstadt-Kasino. Holzmarktstr. 72: Mitglieder-Versammlung Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom Et. Quartal 1907. 2. Verbandsangelcgenhciten. 3. Verschiedenes und Ausnahme neuer Mitglieder. Der wichtigen Tagesordnung wegen wird ersucht, die Versamm- lung recht pünktlich und zahlreich zu besuchen. 19/7 Der Vorstand. y- r SIob Moutag» de« SS. Juli, abends präz. 8'/a Uhr: General- Versammlung bei Meier, Sebastianstrahe 30. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom zweiten Quartal. 2.»Ziel und Weg'. Genosse Dr. A. Südekum. 8. Gewerkschaftliches. Eintritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltnng. Referent: 173/19 Clfchler-Vcreln Ii. 89) Sonnabend, den 20. Juli 1907, abends 8V2 Uhr, Melchiorstr. 15; General-VersammBung. Tagesordnung: Bericht vom zweiten Quartal 1307. Bericht und Wahl der Bibliothekare. Vercinsangelegenheiten. 133/1 Das Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Montag, den 29. Juli, Sommerfest in der»Neuen Welt': Konzert, Spezialitäten, Feuerwerk, Ball. Billetts a 25 Pf. in der Versammlung zu haben. D. O. Warimug. Es ist das Gerücht verbreitet, dast ich für de» Bau der kathv lischcn Kirche in Zehlendorf Maurer an» Schlesien herbeigeholt habe. Ich warne hierdurch jeden vor Weitcrverbreitung diese» Gerüchts, da ich mich sonst veranlasst sehen würde, strafrechtlich gegen die Verbreiter vorzugehen. 1835S Carl Reichel, Zehlendorf, Gasthof zur Sonne. Vsrtanck der Sattler Ortsverwaltung Berlin.== Den Kollegen und Kolleginnen zur Nachricht, daß die Branchen-Versammlmtgelt an folgenden Tagen stattfinden: Geschirrbranche:.Englischer Hof', Neue Roßstraße 3, Mittwoch, den 31. Juli 1907. Trcibriemenbranche: bei I. Wohlsnhrt, Rosenthalerstraße 57: Montag, den 22. Juli. Taschen-, Kosfer- und Galauteriebranche: Graumanns Festsäle, ßtaunhnstraße 27: Donnerstag, den 25. Juli. Militärbranche: Gewerkschastshaus, Engel-Ujer 15, Saal 7: Sonnabend, den 20. Juli. Linoleumleger und Teppichnäher: beiFe>d.Engel,Sel)delItr. 30: Donnerstag, den 25. Juli. Wageubranche: bei Julius Meyer, Oranienstr. 103: Donnerstag, den 25. Jnli. Eisenmöbel- u. Lcdcrstuhlpvlsterer: bei Paul Walter, Adalbertstraße 62: Donnerstag, den 25. Juli. Sektion Charlotteuburg: Vollshaus, Rosinenstraße 3: Montag, den 22. Juli. Die Versammlungen werden pünktlich um 8'/, Uhr abends eröffnet. 157/13 Zahlreichen Besuch erwarten Die Dranehenleltnngen. VeM lr HtigsInleD der Hemn i. eeriilspnscliieD Hsem. Bezirkögruppe: Berlin-Brandenburg u. Mecklenburg. Sountag, den St. Juli, vorm. 10 llhr, in den Musiker- Sälen, Kaiser Wilhelmstr. 18m: Bezirkstag in Berlin. TageS-Orduung: 293/8 1. Vortrag des Kollegen Paul Rückert:»Eine notwendige Erweiterung unseres Verbandes.' 2. Diskussion. 3. Bericht von der Konserenz der Krankenkassen der Provinz Brandenburg. 4. Verband» angelegenheiten. Zahlreiches Erscheinen erwartet_ Der Vorstand. Kieler Lotterie. Ziehung am 8. und 9. August 1907. 6400 Gewinne im Scsamtbetrage von — 263 OOS Mark= ■V barm Oaldgmwlnnm ohnm Abzug,"mm 10000 .. 75000 .« 20000 ix 5000 5000 20 X ODO- 10000 B X fOOO= «00 x 100 200 x BO- 10 000 600 X 20 so 10030 45000 4500 X 10--- 72 Oewlaae Im Oosamtwart* von 78 000 Mark. Lose 3 Mark Porto und Liste SV Psg. extra, empfiehlt: (Eissen Ruhr) Fernsprecher 412 sowie(ämlliche I.ose- und Zlgarren-OeBcIittfle. ÄIMIM G. Mte, H. Zimmermann Berlin SO. Juwelier Osgliimls. 206 Gold- und Silberwaren-Fabrik, Uhren-Großhandlung. 5361L» Eigene Werkstatt für Neuarbeit u. Roparatur. Streng reell.— Billigste Preise. Zentralverband der Maurer Deutschlands. Zweigvmm Berlin. Sektion der Gipss und Zementbranche. Gruppe: Zementierer. Sonntag, den 21. Juli 1907, vormittags 10 llhr, fm Gciverkschaftshause, Engel-User 15, Saal 1: IftitgUeder-Versammlung. Tages-Ordnung: I. Bortrag. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. Zahlreichen Besuch der Kollegen erwartet __ Der Gruppenvorstand. 142/7 » ii Zahlstelle Berlin. Heute Freitag, abends 8>/z Nhr, im Gcwerkschastshause, Engel-Nfer 15: Sitzung der Oetsveewaltung. Maschinenarbeiter. Montag, den 88. Juli, abendS 8 Uhr: Vi* ancken- Versammlung in den Audreas-Festsülen. Andreasstraße Rr. 21. Tagesordnung: I. Vortrag deS Gewerkschaftssckrclärs Ad. Ritter über: Die politische und gewerkschaftliche Arbeiterbewegung«ild ihre Gegner. 2. DiS- kuffion. 3. Branchcnnngelegenheiten und Verschiedenes. Erscheinen jedeS Kollegen ist Pflicht. Mitgliedsbuch mitbringen I 00/17» Die Branchenkommtssio«. Am 16. Juli, nachmittags 6 Uhr, verschied nach langem, schwerem ! Leiden mein lieber Mann, unser I guter Vater, Bruder, Schwager und Onkel, der Gastwirt Ulbert Fincke I im 59. Lebensjahre. 54762- Dics zeigt licsbetrübt, um stilles Beileid bittend an Aoguste Fincke geb. Gadegast und Söhne. Goßlerstr. 19. Die Beerdigung findet am Somitag, den 21. d. Mts.. nach» ! mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Jerusalems-KirchhoscS w der Hermannstraße aus statt. für den 4. BerliGBPÜeiciistags-WaMkpeis. (Stralauer Viertel.) Bezirk Nr. 328 III. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Nestau� ratmr /Udert Fincke gestorben ist. 262/10 Ehre seiucm Andenken k Die Beerdigung findet am Sonntag, den 21. d. Mts., nach mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Jerusalems- Kirchhofes in Nixdorf, Hermannstraße, aus stall. Der Vorstand. SnÄMemnIsssUkMircrelll des Haehrnf. Am Donnerstag, den 11. Juli, I verstarb unser Mitglied, der Kauf- i mann Emil Huth Wollinerstr. 5. Die Beerdigung fand aus dem | Friedhos der ZiouSgememde statt. Ehre seinem Andenken! f 256/19_ Der Vorstand. Verhanil derlltliograiihEn, Stein- tlruckef und verwandten Berufe. Todes- Anzeige. Am Dienstag, den 16. Juli, verstarb unser Kollege und Mit- glicd, der Steindrucker kiednrä Thiemaim im Alter von 53 Jahren am Herz- Ichlag. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 19. Juli, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Reinickendorfer Friedhofes, Hnmboldistraße, aus statt. 293/9 Die Verwaltung der Filiale I. Invaliden-lliiterslzijiigste MnSMernMMßen. Die Beerdigung de? am 16. Juli verstorbenen Steindruckcrs Rielrard Tliiemann findet heute Freitag, den 13. Juli, nachmitiagS 4 Uhr, vom neuen Reinickendorfer Friedhos, Humbold- straße, auS statt. 1836b Das Komitee. Verwandten und Freunden die traurige Nachricht, daß unser Vater, der Weber Otto Seifert plötzlich amHerzschlag verstorben Ist. Beerdigung Freitag nachmittag 5 Uhr von der Halle des Aus- erstchungssricdhoscs zu Weißenfee, Lichtenbergcrstraße. Die Hinterbliebenen. Am 17. Juli verstarb nach kurzen schweren Leiden unser einziger geliebter Sohn Erich Pawelleck im 6. Lebensjahre an der Hin:- Hautentzündung. Die Beerdigung findet am Sonn- abend, den 20. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobi-Kirchhoses, Her- mannstraße, aus statt. Die tlcsbctrüblen Eltern Edmund Pasvclleck 54748 und Frau. Kklinktn-Merstützungs- n. Ktgllilinislitreln der Kau- ii.gtwtllillchknsiiilfsiubtlttr ---- Berlins«nd Umgegend.---- Sonntag, den 81. Juli ISO?, vormittags 10'/, Uhr, Langestr. 65: General- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom II. Quartal 1907. 2. Vcreinsangelegenhciten und Vcr» schiedenes. NR Arbeiter jeden Berufe«, welche das 16. Lebensjahr erreicht und das 50. Jahr nicht überschritten haben, werden in der Versammlung aus- genommen. Die Mitglieder werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. S7/tz Der Vorstand« Sozialdemokratischer Wahberein 4. Berliner Iteicbstags-Wahlkreis. i Das Sommcrfcst welches des schlechten Wetters am 14. Juli teilweise nicht statt» finden konnte, findet für die Lokale Beylers Gesellschaftshaus, Ludwigs Park-Restaurant, Redlich(früher Holwein), Reglerheim, sämtlich in Treptow, Köpenicker Landstraße am Sonntag, den 28.«Füll, statt, und für die Lokale Mentes Volksgarten, Lichtenberg, Röderstraße, und Elysium, Landsberger Allee 40 am 8oimta|£9 den 18. August. --------- Pro gramm bleibt anTcrttnndert.== w EröSnung S Uhr. Billett 20 PI." Zu zahlreichem Besuche ladet ein Dns Komitee, n ■ k i Blitz Blitz Blitz Blitz Biltz Blitz Blitz Blitz| Deutschlands grüestes Jüt Bettfedern Erste Betttedernfab. m. elekt. Botriebe Gustav Lustig BERLIN S. Prinzenstr. 46 Btfienbet geg. 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Gegen Einsendung von Mk. 2.10, bezw. 65 Pfg. für das Inland, Mk. 2.20 bezw. 70 Pfg. für das Ausland, werden die Broschüren portofrei vom Verfasser Kaufmann Michael Procstler_in Wünburg ver* sandt, wenn in Buchhandlungen nicht erhältlicha Man verlange ebendaselbst Plugschriften und Prospekte. kiÄchtlge Gdcbenhe liegen dem Veilchenseilenpulver „Marke Kaminfeger� bei, nur nützliche Gegenstände, die viel Freude machen. 202/10* In den meisten Geschälten a 15 Ps. zu haben. Vorsicht beim Einlaus l Man achte aus die.Schutzmarke Slaminfeßer* l Fabrikant: Carl Gvatavr, Gvpplagsva. Aiieinverkaui für Berlin and Umgegend: Andreas Caspar, Berlin SO., Josephstr. II. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Plg. Sfellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfo-i das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. 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Mm des Jmmttf Kerlim SsIMitt. ftfitag, 19.|«li 1997. partci- Hngckgcnbeiten. Reichstagswahlkreis Nieder-Barnim. Am Sonnabend, den 20. d. M., abends 8 Uhr, findet in Rummelsburg, Türrschmidtstr. 45 bei Weigel, eine General- Versammlung des Kreiswahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Der internationale Kongreß und der deutsche Parteitag. 2. Wahl von Delegierten. 3. Die Provinzialkonferenz für die Provinz Brandenburg. 4. Wahl von Delegierten. 5. Kreisangelegenheiten. Pünttliches Erscheinen der Delegierten, welche mit Man- baten versehen sein müssen, ist erforderlich. _ I. St.: G. Freiwaldt. Achtung! Fünfter Wahlkreis. Das Sommerfest findet morgen Sonnabend, nachmittags 4 Uhr, im Schwcizergartcn am Königs- tor statt. Für ein vorzügliches Programm, Gratis- Kinder- beluftigungen usw. ist Sorge getragen. Wir bitten um recht zahlreiche Beteiligung. Der Vorstand. 6. Wahlkreis. Das Sommerfcst mußte wegen schlechten Wetters verlegt werden und findet nunmehr am Sonntag, den 21. Juli, im Moabiter Schützenhaus statt. Die alten Billetts, soweit dieselben noch nicht kopiert find, sowie die am 14. Juli ein- getauschten Kontermarken berechtigen zum Eintritt. Das Programm bleibt dasselbe. An die Sänger richten wir hauptsächlich die Bitte, dies zu beachten und am Sonntag zur Durchführung des Programms votfc zähttg wieder erscheinen zu wollen� Das Komitee. Am Dienstag, den S. August, findet die ordentliche Ge» nesralversammlung des ö. Kreises statt. Friedrichshagen. Montag, den 22. Juli, abends 8'/z Uhr, im Restaurant Wilhelmsbad, Seestr. 45: Versammlung des Frauen- und Mädchen-BildungsvereinS. Vortrag des Genossen Stürmer über:„Der Bau und die Funktionen des menschlichen Körpers". Gäste willkommen. Der Vorstand Nieder-Schönhausen. Der Wahlverein hält sein diesjähriges Sommerfest am Sonntag, den 21. Juli, in dem Eta- blissement deS Herrn Mauke,„Neu-Karlshos", Ecke Beuthund Charlottenstratze, ab. Das Programm ist sehr reichhaltig und werden die werten Besucher einen genußreichen Sonntag bei uns verleben. Wir laden die Genossen herzlich dazu ein. Krausnick. Sonntag, den 21. Juli, nachmittags 2 Uhr, findet bie Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Recht pünkt- liches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Marienborf. Der Wahlverein Mariendorf veranstaltet gemein- «chäftlich mit dem hiesigen Arbeiter-Gesangverein nächsten Sonntag, >en 21. Juli, einen Ausflug nach Blankenfelde(Zossener Bahn). Abfahrt 8,20 Uhr von Marienfelde, bis Mahlow fahren, zu Fuß bis Blankenfelde. Für Nachzügler Treffpunkt: Gasthof Schröder, Blankenfelde.(Abmarsch 8 Uhr Großbeeren- und !Zo r f st r a ße n- E ck e.)s ivß, r i Reinickendorf-West. Heute abend SVa Uhr findet im Lokal des 'ierrn Engel, Eichbornstraße, eine außerordentliche Mitgliedervcr- ammlung statt. Tagesordnung: 1. Anträge zum Parteitag, der nternationale Kongreß. 2. Neuwahl des Vorsitzenden und Schrift- lührerö. 3. Parteiangelcgenheiten und Verschiedenes. Erscheinen ller Parteigenossen ist Pflicht.— Ganz besonders verweisen wir roch auf daS am 20. I u l i stattfindende zweite Stiftungs- i-e st des Wahlvereins in den neuerbauten prächtigen Eichbornsälen, 'aS unter Mitwirkung des Gesangvereins und der Radfahrer statt mdet.> Der Vorstand. Oranienburg. Den Mitgliedern des Wahlvereins zur Nach- �icht, daß am Sonntag, den 21. Juli, nachmittags 3 Uhr, bei Braun, iurfürstenstratze, die regelmäßige Mitgliederversammlung statt- indet. Die Tagesordnung lautet: Abrechnung, Bericht von der Ireisgeneralversammlung und Stellungnahme zu den kommenden Stadtverordnetenwahlen. Gleichzeitig werden die Genossen ersucht, Einsicht in die Wählet liste zu nehmen, denn nur derjenige kann sein Wahlrecht ausüben, der in der Liste steht. Die Genossen Emil Schumann, Schützenstraße, und Fritz Heidcr, Mühlenstraße, sind bereit, für diejenigen, welche persönlich verhindert sind, Einsicht in die Wählerliste zu nehmen berliner jVaebnebten* Das Wahlrecht zur Stadtverordnetenwahl kann derjenige leicht loswerden, der es versäumt, die Wählet listen einzusehen. Obwohl diese erst einige Tage— seit dem 15. Juli— ausliegen, hat sich schon bei der bisherigen Eiw ichtnahme gezeigt, daß die Listen große Mängel aufweisen fine ganze Anzahl von Personen, die wahlberechtigt sind, iehen nicht in der Liste, während es sich in anderen Fällen erausstellt, daß Irrtümer in der Namensschreibung oder im leruf vorhanden sind. In allen diesen Fällen muß ein An mg auf Aufnahme in die Wählerliste bezw. Berichtigung der llben gestellt werden. Diese Berichtigung muß in der Zeit rfolgen, in der die Liste auslicgt, also spätestens bis30. Jnli; zätere Anträge bleiben unberücksichtigt. Wie notwendig diese Einsichtnahme ist, geht aus Mitteilungen hervor, nach denen Genossen, die viele Jahre auf ein und derselben Stelle »ohnen und immer in der Liste standen, diesmal fehlen. Lau denke an die Mangelhaftigkeit der Reichstags- Wählerlisten und daran, daß bei der Reichstags- wähl zahlreiche Wähler nicht wählen durften, weil sie nicht in der Liste standen. Viele hatten es damals versäumt, recht- zeitig die Liste einzusehen und kamen dadurch um ihr Wahl- :echt. Das muß bei den im Herbst stattfindenden Stadt- lerordnctenwahlen verhütet werden. Auf jede Stimme kann s ankommen! Wer nicht selbst die Zeit hat, die Liste einzusehen, beauf- rage einen Genossen mit der Einsichtnahme. In den einzelnen iezirken sind Plakate ausgehängt, die anzeigen, daß an diesen stellen für andere die Listcneinsichtnahme besorgt wird. Auf du gestern zur Verbreitung gelangten Flugblättern sind zahl- rche Adressen von Genossen angegeben, die sich zur Einsicht- nhme für Behinderte bereit erklärt haben. Versäume also kein Parteigenosse den jetzigen Zeitpunkt, sie sein Wahlrecht zu sichern. Wer nicht in der Wählerliste stel, darf nicht wählen!_ Wucherische AuSbentnng der Schande. Zn der Berliner Halb- und Lcvewelt bildet zurzeit der ökonomische Zusaimenbruch eines ihrer bekanntesten weiblichen Mitglieder das Tagigespräch. Der Fall, der sonst nur einen Twus der kapita- l listischen Prostitution darstellt, wird auch für weitere Kreise dadurch besonders beachtenswert, daß über ihn dokumentarische Be- weise ans Licht kommen, die erneut die ungeheuerliche Ausbeutung belegen, in die die höhere und niedere Prostitution durch den Kapitalismus hineingezwungen wird. Bei diesem besonderen Fall find es überdies sehr bekannte Berliner Modehäuser, die sich eine unerhörte wucherische Aus- beutung nachweisen lasten müssen. Ein hiesiges Mittwochblatt, die „Große Glocke", hat die Sache zunächst an die Oeffentlichkeit gebracht, und wir selbst sind in der Lage, diese Darstellung noch in einem wesentlichen Punkte zu ergänzen. Nach dem genannten Blatte näm- lich hat z. B. das Fräulein, deren Name hier nichts zur Sache tut. bei einem einzigen Berlin erModesalon nicht weniger wie 4 5 W e ch s e l von über 5000 Mark einzulösen gehabt. Diese Wechsel waren alle so kurzfiistig, daß alle zwei bis drei Tage einer fällig wurde! In vier Wochen so 1100 Mark, dann wieder in ebenso viel Wochen 1076 Mark. Der betreffende Mode- salon, der Kleider gegen diese Wechsel geliefert hat, hat natürlich ganz genau den„Berus" des Fräuleins gekannt, er hat auch genau gewußt, aus welchem Gewerbe seine Wechsel bezahlt werden. Mit Recht folgert die„Große Glocke": „Wenn er von ihr verlangt, daß sie ihm im Laufe von vier Wochen 1100 M. zahlen soll, so heißt das unseres Erachtens nichts anderes, als sie auf die Straße treiben, sie zur niedrigsten Art der Prostitution anhalten I" Der Name dieses Modesalons, um den es sich hier handelt, wird von der„Großen Glocke" verschwiegen, wir unserer- seits wollen ihn nennen: es ist der Modesalon Hermann Behrens, Charlottenstraße, um den es sich hier handelt, der die Kleiderlieferung der Berliner Halbwelt fast monopolisiert hat; in welcher Weise zeigt dieser eine Fall von vielen. Weiter kommt für diesen Fall und für ähnliche Fälle und Ver- Hältnisse der Modesalon Hausdorff, Bcllevuestraße, in Frage, der im borliegenden Falle wie folgt berfichr. Er ließ sich auch über Tausende von Mark Wechsel geben, die in vierzehntägigen Terminen mit mehreren hundert Mark fällig gemacht wurden. Dabei erfährt man wieder nicht bloß, wie die Halbwelt zahlen muß, sondern auch was sie zahlen muß. Für 14 Hüte von Hausdorff wurden etwa 3000 M. gezahlt, für vier Federboas über 1000 M., für einen Hermelinmuff 800 M., für einen Hcrmclinkragen 1700 M., Summen, von denen eine oder mehrere Arbeiterfamilien ein Jahr leben müssen I Alles bei Hausdorff I Bei der Auktion, zu der eS derselbe HauSdorff brachte, wurden dann für die 14 Hüte 100 M. gezahlt, für den Hermelinmuff 30 M. und in demselben Abslande weiter I Und daS schönste war, daß derselbe Hausdorff sie wieder kaufte, um sie erneut weiter zu verkaufen, wie das im kapitalistischen System gang und gäbe ist. Für die heuchlerische Moral der besitzenden Klassen ist es übrigens noch charakteristisch, daß die feudalste Gesellschaft ans Berlin W nun diese Sachen der verkrachten Halbweltdame mit Wollust zu„herabgesetzten" Preisen erstehen wird, um dann mit den Kostümen und Hüten zu prahlen, auf deren frühere Besitzerin solche Gesellschaft sonst verächtlich herabzusehen pflegt. Vorsicht vor der Postkarten-Mission! Ein neuer Weg, um den Leuten,„die nicht alle werden", das Geld abzunehmen, wird jetzt von einem„frommen", aber recht geschäftskundigen Unternehmen in großem Matzstabe beschritten. Nach den vorliegenden Anzeichen wird in nächster Zeit ganz be sonders Berlin das Operationsfeld dieser— Postkarten-Mission sein. Dieses„menschenfreundliche" Unternehmen wird von Görlitz aus in die Wege geleitet. In Zirkularen, deren stilistische Mangel- haftigkeit und schwülstiger Ton wohl durch die aus jeder Zeile schreiende Frömmigkeit verdeckt werden sollen, werden nämlich Leute gesucht, die sich für den Vertrieb frommer Ansichtskarten inter effieren. Die Ansichtskarten, die in Serien erscheinen, stellen nach dem Wortlaut des Prospektes„packend und wahrhaftig das dar, was Gott uns letzten(!) Menschen lehrt, durch fein Zeugnis und sein Wort, um uns vollkommen zu machen und ewig zu erhalten; denn wir werden vollkommen-- Haleluja I-- ewig in seinem Reiche!" Wir bitten unsere Leser um Entschuldigung, wenn wir ihnen zumuten, die Eigenart dieses von Frömmigkeit triefenden Satzes zu genießen; wir haben ihn aber absichtlich ganz abgedruckt. damit uns die Frommen nicht tendenziöser Entstellung beschuldigen. Sicht man sich nun derartige Ansichtskarten frommer Phantasien an, dann findet man irgend eine dunkle Stelle der Bibel in noch dunklerem Sinne und recht unvollkommener zeichnerischer Aus- führungsform dargestellt. Der Mystizismus feiert in diesen An- sichtskarten der neuartigen Mission geradezu Orgien! Die Tendenz jeder Karte ist nun die, den auf den Weltuntergang vorbereiteten Erwerber noch schnell, bevor dieses schrecklich-schaurige Ereignis wirklich eintritt und damit aller Postkarten-Mission ein Ende macht, zum Erwerb der nächsten Karte der betreffenden Serie zu veranlassen. In dieser Karte, die z. B. an Hand von zwei Versen aus der Offenbarung Johannis nachweist, daß wir seit dem Jahre 1844 mit dem„Gericht"(also Weltuntergang) zu rechnen haben, ist ein nicht besonders schön ausgefallener: Engel zu sehen, der in der erhobenen Rechten ein plumpes Schwert hält, während an seinem Gürtel ein Apparat zu sehen ist, der wie eine gewaltige Klistierspritze anmutet. Die Karte trägt die verlockende Mahnung: „Wer sich von der Nichtigkeit zu überzeugen wünscht, der fordere die nächste Karte, diese stellt ein Wunder dar, das sich vor aller Augen offenbart." Diese Wunder-Offenbarung kostet natürlich wieder 10 deutsche Rcichspfennige! In ähnlicher Weise findet sich auch auf anderen Karten der Hinweis auf die Wichtigkeit der folgenden Karte aus der betreffenden Serie. Die für die Gewinnung von Kolporteuren bestimmten Zirkulare besagen, daß die Postkarten-Mission 1000 solcher Karten gegen 30 M.(natürlich nur gegen Voreinsendung oder Nachnahme, damit infolge des zu erwartenden Weltunterganges der schnöde Mammon noch rechtzeitig in den Besitz des geschäftstüchtigen Unternehmers kommt) zu beziehen sind. Und nun wollen wir wieder den frommen Mann zu Worte kommen lasten:„20 biö 100 Stück und mehr setzt ein fleißiger Kolporteur am Tage um, das sind mindestens 1000 Stück in einem Monat einzeln verkauft. So erlangt er monatlich eine Einnahme von 2 7 0 Mark, jetzt aber wird sein Umsatz bedeutend durch die Nachbestellungen vermehrt, was seine Einnahme bedeutend erhöht. Er lobe und preise Gott für seine Hülfe." Der Erwerb dieser Karten wird natürlich als ein Gott wohl- gefälliges Werk hingestellt. Wenn wir auf diese neueste Blüte der Frömmelei warnend hinweisen, so geschieht dieses darum, weil der Absatz mit Hinweis auf den wohltätigen Zweck in Szene gesetzt werden soll, und da dürfte sich mancher die Karten nicht so genau ansehen und nur, um den Kolporteur loszuwerden, seinen Nickel opfern. Der wohltätige Zweck besteht aber in Wahrheit im wesentlichen darin, die Taschen des Unternehmers, der diese Post- karten-Mission erfunden hat, und seiner Kolporteure zu füllen! Also Vorsicht, wenn diese„Mission" naht! Der Grundwasserspiegel in Berlin und Umgebung ist in den letzten Tagen infolge der ungewöhnlich zahlreichen Niederschläge in diesem Monat ganz bedeutend gestiegen und hat sogar zu Ueber- schwemmungen einer Anzahl tief liegender Keller geführt. In geradezu auffälliger Weise ist dies der Fall in Köpenick, wo selbst solche Keller, die über der Wasserhöhe der Spree belegen sind, durch Grundwasser überschwemmt wurden. Vielfach ist der Grundwasser- spiegel auch zutage getreten, so beispielsweise bei den Wiesengeländen zwischen Spandau und Nauen, wo ausgedehnte Terrains über- schwemmt sind. Bei Oranienburg mußte die öffentliche Badeanstalt geschlossen werden, weil infolge Ueberschwemmung der vorgelagerte» Wiesen die Annäherung an die Anstalt nicht möglich ist. Empfindlich in Mitleidenschaft gezogen sind die Bauarbeiten an der nordlichen Industriebahn, da der Bahndamm an verschiedenen Stellen unter Wasser gesetzt ist. Zum Zwecke der Fortführung der Arbeiten mußten Pumpen aufgestellt werden, um die znlünftige Bahnstrecke frei zu legen. Das Hochwasser der Spree war bemerkenswerterweise bis jetzt noch unbedeutend und erreichte noch nicht den Durchschnitts- hochwasterstand des Frühjahres. Dagegen dürste in den nächsten Tagen ein bedeutendes Anschwellen der Fluten zu erwarten sein, da ein erheblicher Hochwasserstand von der Oberspree und dem Spree- Wald gemeldet ivird. Da auch die Oder erheblich steigt, hat der Fluß aus dem Oder-Spree-Kanal noch einen bedeutenden Wasser- Zuwachs zu erwarten._ Erinnerungen an die Stichwahlnacht werden bei dem wachgerufen, der jetzt einmal über den Schloßplatz geht und das Gerüst wahrnimmt, daß am Schloß zum Zweck einer Reparatur aufgestellt ist. Es dürfte noch bekannt sein, daß in der Stichwahlnacht eine Anzahl siegestrunkener Leute nach dem Schlosse zogen, um den Kaiser herauszurufen. Dieser erschien auch und wollte eine Rede halten. Die Tücke des Schicksals fügte es, daß das große Altanfenster trotz aller Anstrengungen der Diener nicht zu öffnen war und so sah sich der Kaiser veranlaßt, von einem kleinen Nachbarfenster aus zu reden. ES war die bekannte Rede von dem Niederreiten. Um nun für zukünftige Fälle ge- rüstet zu sein, wird jetzt das Fenster einer gründlichen Reparatur unterzogen. Das Fenster soll in der Mitte geteilt werden, daß es sich in Zukunft bequemer öffnen läßt. Es ist nur eine große Frage, ob sich zu einer solchen oder ähnlichen Rede wie in der Stichwahlnacht wieder ein Anlaß bietet. TodeSsturz eines Schuhmannes im Dom. Im königlichen Dom hat sich gestern vormittag in der zwölften Stunde ein bedauerlicher Unglücksfall zugetragen. Der Schutzmann Kannenberg vom zweiten Polizeirevier war genieinsam mit einem Kollegen im nördlichen Flügel des Gotteshauses am Schloßplatz die Treppeuhalle hinauf- gestiegen, um an der Decke befestigte Beleuchtungskörper in Augen- schein zu nehmen. Oben angelangt sah K. plötzlich in die Tiefe und dadurch wurde er schwindelig. Er verlor das Gleichgewicht und stürzte kopfüber in den Schacht hinab. Mit dem Kopf schlug der Unglückliche auf die Sieinfliesen, so daß der Schädel vollständig' zer« schmettert wurde. Ein Dombcamter holte sofort einen Arzt von der Unfallstation in der Brüderstraße herbei, der aber nur noch den Tod bei dem Verunglückten feststellen konnte. Kannenberg hatte sich erst vor kurzem verheiratet. Ueber das Schicksal des AnfmarschtcrrainS am Krcuzberg ver- lautet wieder etwas. Das Garnisonbauamt hat für dieses Gelände, das seit mehr als Jahressrist wegen Ncuansamung von GraS durch einen Drahtzaun für daS Publikum abgesperrt ist, einen Bebauungs- plan ausgearbeitet, der dem Magistrat zur Genehmigung unter- breitet werden wird. Nach diesem Plane sollen über daS Gelände zwei neue Straßen führen, und zwar die eine von Norden nach Süden parallel mit der Katzbachstraße und die andere von Westen nach Osten als Verlängerung der Monumentenstraße. Wie erinner- lich, haben die Anwohner des Kreutbergs jahrelang dahin peti- tionicrt, das Gelände, das für militärische Zwecke nicht mehr ge- braucht wird, entweder zu einer Erweiterung des Bittoriaparkes zu verwenden oder es der Bebauung zu erschließen. Die Ein- zäunung ist ebenfalls auf Ansuchen der Adjazenten geschehen, da sich auf dem Gelände viele kahle, sandige Stellen gebildet hatten und von diesen aus bei Ostwind große Staubmassen gegen die neuen Häuser der verlängerten Katzbachstraße getrieben wurden. ebenso wie bei Westwind in den Viktoriapark. lieber vier schwere Unglücksfälle im Straßenbahuverkehr wird uns heute berichtet. In der Jnvalidenstraße in der Nähe des Stettiner Bahnhofes haben sich gestern zwei Unfälle zugetragen. Der 02 jährige Kaufmann Wilhelm Schubitt, Chauffeestr. 117 wohn- Haft, wurde auf dem Wege nach dem Stettiner Bahnhof von einem Straßenbahnwagen der Linie 61 umgerissen und schwer verletzt. Auf der Unfallstation in der Eichendorffstraße, wo der Verunglückte hingebracht wurde, stellte der diensttuende Arzt einen Schenkelhals- bruch sowie schwere Kopfverletzungen fest.— Kurz darauf wurde in der Jnvalidenstraße der lvohnungSlose Arbeiter Wilhelm Rohde von einem Straßenbahnwagen überfahren und erheblich verletzt.— Beim Abspringen von einem in der Fahrt befindlichen Wage» der Linie Charlotteustraße-Tegel kam in der Chausscestraße die 42 jährige Ehefrau Emma Basaktz ans Hamburg zu Fall und zog sich einen schweren Schädel- bruch zu. Frau B. war von Hamburg gekommen und war in einen falschen Straßenbahnwagen eingestiegen. Als sie der Schaffner hierauf aufmerksam machte, sprang sie während der Fahrt von der Plattform herunter und stürzte auf die Straße. In bedenklichem Zustande wurde sie in das Augusta-Hospital eingeliefert.— Auf der König« Chaussee in Weißensce fand gestern zwischen einem Straßenbahnzug und einem Fuhrwerk ein heftiger Zusammenstoß statt. Der Kutscher eines mit zwei Pferden bespannten Wagens des Fuhrherrn Schink, Falkenbergerstr. 140, wollte sein Gejährt' auf der Straße umlenken. In diesem Augenblick kam der Straßen« bahnzug Nr. 2366 der Linie 01 herangesaust. Es kam zu einer Karambolage, bei der die Pferde niedergerissen und übereinander« geworfen wurden. DaS unten liegende Tier wurde erdrückt, wäh- rend daS obere mit Verletzungen davonkam. Auch der Kutscher, der vom Bock herabgeschlcudert wurde, zog sich äußcre Verletzungen zu. Unglück auf der Straße. Beim Abspringen von einem langsam fahrenden Mörtelwagen geriet gestern der Rcichenbergerstratze 134 wohnende 30 jährige Kutscher Gustav Schwefel vor dem Hause Grünauerstraße 30 mit einem Fuß in den Zugstrang und fiel zu Boden. Das linke Vorderrad des Wagens ging über ihn hinweg und er erlitt einen Bruch beider Unterschenkel. Nach Anlegung eines Notverbandes auf der Rettungswache Görlitzer Bahnhof wurde er nach dem Krankenhaus Am Urban gebracht.— Der 5 Jahre alte Sohn Eugen des MalzbicrverlegerS Feuer- Herd, Mantcuffelstr. 61, lief in der Dresdener Straße neben einem im Schritt fahrenden Heuwagen her, um Heu herauszuziehen. Hierbei kam der Knabe zu Fall und das linke Hinterrad des Wagens, dessen Besitzer und Kutscher unbekannt geblieben ist, ging ihm über die Brust hinweg. Er sprang auf und lief zu seiner Mutter, die auf dem Hofe DreSdenerstr. 103 mit Malzbier handelte. Der hinzukommende Vater brachte den Jungen, der über Brust- 'chmcrzcn klagte, mittels Droschke nach der Unfallstation Alexan- »rinenstr. 31. Dort ist er infolge Brustquctschung und innerer Verblutung gestorben.— Als der 60 jährige Kassenbote Friedrich Steinmeyer, Franzöjischestr. 60/01 wohnhaft, dicht an der Bord- schwelle vor diesem Hause mit einem anderen Manne im Gespräch stand, wurde er durch einen leeren Plattenwagen, dessen Kanten wohl über die Bordschwelle hinwegragten, umgestoßen; ein Rad ging ihm über den linken Oberschenkel und Fuß. Auf der Unfall- station in der Kronenstraße stellte der Arzt eine Quetschung der ganzen linken Körperseite und Bluterguß im linken Fuß fest. Nach Anlegung von Notverbänden wurde der Verletzte von seinem Sohn nach seiner Wohnung gebracht.— In der vergangenen Nacht gegen 4 Uhr wurde der Kellner Paul Herbst, 35 Jahre alt, Eriedrichstr. 2 wohnhaft, an der Kreuzung der Friedrich- und eipzigerstraße in dem Augenblick, als er von einem Omnibus stieg, von einer Automobildroschke erfaßt und über beide Beine ge- fahren. Nach Aussage des Arztes der Unfallstation Kronenstratze hat er einen Bluterguß im linken Knie erlitten. Er wurde in einer Droschke nach seiner Wohnung gefahren. Aus der Selbstmordchronik. Wegen unglücklicher Liebe hat gestern die 27jährige Arbeiterin Marie Mehnert aus der Neuen Stemmetz- straße Selbstmord verübt. Die Lebensmüde erhängte sich in ihrem Wohnzimmer. Bei Entdeckung der Tat war der Tod bereits ein- getreten.— Die Leiche einer Unbekannten ist vorgestern nachmittag an der Stralauer Allee aus der Spree gelandet worden. Die Tote ist etwa 25 Jahre alt gewesen und hat sich bereits vor mehreren Tagen ertränkt. Die Leiche wurde zur Rekognoszierung dem Schauhause zugeführt.— Mit Lysol vergiftet hat sich die Ehefrau des Kauf- manns Ferger aus Schöneberg. Frau F. brachte bor der Ausführung der Tat ihre Kinder zu Verwandten nach Berlin. Sie schrieb dann an ihren Mann einen Brief und teilte ihm darin mit, daß sie in den Tod gehen werde. Während sich nun F. auf der Suche nach seiner Frau befand, trank die letztere in der Wohnung Lysol. Im Auguste Viktoria Krankenhause liegt sie jetzt hoffnungslos danieder.— Die Leiche einer Unbekannten wurde nach einer dem hiesigen Polizeipräsidium zugegangenen Mitteilung in einem Gebüsch an der Bahnstrecke der Spindlersfelder Bahn aufgefunden. Der Tote, ein etwa LOjähriger, anscheinend dem Arbeiterstande angehöriger Mann, hatte keinerlei Ausweispapiere bei sich. Aus dem Taschentuche war das Monogramm herausgeschnitten. In der Tasche hatte er ein Portemonnaie mit 2 M. und einen Geldbeutel mit 8 M. Inhalt. In der Schausammlung des Zoologischen Museums ist neuer- ding? Platz geschaffen für die neu aufzustellende Südpolargruppe. Unter den Geschenken erwähnen wir das Gipsmodell des ersten ini Berliner Aquarium ausgestellten Gorilla(Widmung von Dr. Hermes». Die Sammlungen haben sich außerordentlich vermehrt, vor allem durch die Ankäufe großer Sammlungen, wie die von C. G. Schillings (Ostafrika), Professor O. Neumann(Nordostafrika), die Behnsche Vogelsammlung, die vom Reiche auf der Kolonialausstellung in Marseille ausgestellte Gruppe von Südpolartieren und eine wichtige Sammlung ostafrikanischer Säugetiere von Oberleutnant Weiß. Die zum großen Teile durch Spenden eines Museumsfreundes er- möglichten Neuerwerbungen haben der Säugetiersammlung eine solche Bereicherung gebracht, daß sie, namentlich für afrikanische Arten, die bisher allein noch bedeutendere Londoner Sammlung überflügelt haben wird. Der Zuwachs umfaßt 3726 Gegenstände. Die Besucherzahl des Museums für Naturkunde betrug 54 587. Die Folies Capricc Theatcr-Gcscllschaft m. b. H. ist durch Kauf in die Hände der Direktoren Herren Hugo Schreiber und Ludwig Mertens aus Breslau übergegangen, wodurch diese Herren Pächter des Folies Caprice Theaters bis 1914 geworden find. Die neuen Direktoren werden das Theater vollständig renovieren. Das Genre der Vorführungen bleibt dasjenige wie bisher. Das Polizei-Präsidium teilt mit: Vermißt wird seit dem 20. Juni d. I. der Schüler Gustav Buchholz, am 19. November 1892 in Berlin geboren, Hagclbcrgerstr. 56 bei den Eltern wohnhaft gewefen.— Er ist klein und von schlanker Gestalt, hat dunkeb blondes Haar, niedrige Stirn, braune Augen, zwei defekte Ober zähne und gesunde Gesichtsfarbe. Besonoere Kennzeichen: Am linken Unterschenkel eine große Narbe.— Bei seinem Fortgang war der Vermißte bekleidet mit schwarzem, weichen Filzhut, dunklem Jackettanzug, schwarzen Schnürschuhen, schwarzen Strümpfen, wollener Wäsche, weißem Stehkragen, rotweißer Krawatte.— Furcht vor Strafe dürfte der Grund seines Verschwindens sein.— Nach- richten über den Verbleib dcS Vermißten werden in jedem Polizei- revicr und bei der Kriminalpolizei, Alexanderstr. 3/6, 2 Treppen, Zimmer 334, schriftlich oder mündlich zu Tagcbuchnummcr 4733. IV. 11. 07 entgegengenommen.— Am 9. d. M. ist im Jagen 92 der Jungfcrnheide ein ca. 40 Jahre alter unbekannter Mann erschossen aufgefunden und nach der Leichenhalle in Plötzensee geschafft worden.(Selbstmord.) Er hatte hochgekämmtes rötliches Haar, einen rötlichen Schnurrbart und am linken Mittelfinger zwei Narben. Bekleidet war er mit einem dunkelgrauen Jackettanzug, wollenem Hemd und Unterhose, grauen Strümpfen, Zugstiefeln, Serviteur und rotem Schlips. Bei der Leiche wurden ein Revolver mit 5 Patronen, sowie eine Kette mit 6 Schlüsseln vorgefunden.— Personen, welche über den auf- gefundenen Toten Auskunft geben können, werden gebeten, ihre Wahrnehmungen der Kriminalpolizei oder einem Polizeirevier mündlich oder schriftlich zu den Akten 5017 IV./33. 07 mitzuteilen. Verband der Fabrik-, Land-, HiilfSarbciter und Arbeiterinnen Deutschlands(Zahlstelle Berlin). Am Dienstag, den 16. Juli, abends zwischen, 9 und 10 Uhr, verlor ein Hülfskassierer auf dem Wege Hohenstaufcnstraße, Winterfeldplatz bis zur Jahnstraße sein Notizbuch, in dem 50 Marken ä 45 Pf. des Fabrik-, Land- und Hülfsarbeiterverbandes enthalten waren. Der ehrliche Finder wird gebeten dasselbe im Bureau des FabrikarbeiterberbandeS, Linienstr. 215, Quergeb. III, abzugeben. der Parteipresse und Eintritt in den Wahlverein aufgefordert, ging die Versammlung unter Hochrufen auf die Sozialdemokratie aus- einander. Schöneberg. Ein schweres Brandunglück, bei dem eine Person lebensgefährlich und eine zweite schwer verbrannt wurde, hat sich gestern mittag in dem Hause Goltzstraße 17 ereignet. Die bei dem dort wohnhaften Lehrer Liede angestellte Wirtschafterin Anna Ehlert hatte auf einem Spirituskocher etwas zubereitet. Sie wollte auf den Apparat noch Spiriws hinzugießen und tat dies, unmittelbar nachdem sie die Flamme ausgeblasen hatte. Durch die noch zurückgebliebene Hitze entzündete sich aber der Spiritus, und im nächsten Augen- blick explodierte sowohl der Kocher als auch die Spiritus- flasche. Die Flammen trafen die Kleidung der E. und in wenigen Sekunden stand das Mädchen in hellen Flammen. Auf die Hülferufe der Brennenden eilte der Lehrer hinzu und versuchte die Flammen zu ersticken. Er zog sich aber dabei schwere Brandwunden an den Händen und an den Armen zu. Durch Ueberwerfen von Tüchern gelang es endlich, den Brand an der E. zu ersticken. Inzwischen war die alarmierte Feuerwehr hinzugekonimen, die den Zimmcrbrand löschte. Die Samariter der Wehr nahmen sich der Verbrannten an und legten ihnen die ersten Notverbände an. Während L. in der Wohnung bleiben konnte, mußte die E. in einem Krankenwagen nach dem Schöneberger Krankenhaus gebracht werden. Die Bedauernswerte hatte am ganzen Körper sowie an den Armen und Beinen so schwere Brandwunden erlitten, daß an ein Auskommen nicht zu denken ist. Steglitz. Einsam verstorben ist der in der Bergstraße wohnhaft gewesene Gemeindearbeiter Wilhelm Schulze. Frau Sch. ist mit ihren drei kleinen Kindern seit einiger Zeit verreist. Den Hausbewohnern fiel es wohl auf, daß der Verstorbene vorgestern nicht zu sehen war, doch ahnte niemand etwas Besonderes, da es bekannt war, daß er allein hauste. Als jedoch auch gestern in der Wohnung noch alles ruhig blieb, schöpfte man Verdacht und ließ schließlich die Türe durch einen Schlosser öffnen. Die Eintretenden fanden Schulze tot auf einem Stuhle sitzend. Nach Aussage des Arztes ist der erst 36 Jahre alte Mann an Herzlähmung gestorben. Inwieweit um- gehende Gerüchte über eine spezielle Ursache dieser Herzlähmung auf Wahrheit beruhen, läßt sich vorläufig nicht feststellen. Die bedauernswerte Frau, die ihre Besuchsreise aus so schrecklicher Ver- anlassung unterbrechen mußte, wird durch den plötzlichen Tod des Mannes um so schwerer getroffen, als sie noch um eine blühende Tochter trauert, die ihr das Schicksal vorigen Herbst entriß. Das Kind erlitt beim Turnunterricht einen Unfall, an dessen Folgen es verstarb.— Hoffentlich erleichtert unsere Gemeindebehörde, in deren Diensten der jetzt so plötzlich Verstorbene stand, der so schwer geprüften Frau in etwas die Sorge um ihre drei noch un- erzogenen Kinder. Lankwitz. Am 16. d. MtS. fand in dem nunmehr freien Lokal von P. Ebel die erste öffentliche Versammlung statt, die sich eines starken Besuchs zu erfreuen hatte. Genosse Zubeil sprach über„Die bürgerlichen Parteien im gegenwärtigen Reichstag." Seine Ausführungen fanden reichen Beifall.' Nachdem wurde das Verhalten der Gemeinde ge- geißelt, welche trotz wiederholter Aufforderung, zur Beilegung der Bausperre auf den hiesigen Schulbauten etwas zu unternehmen, sich bisher passiv verhielt. Eine Resolution, in der dieses Verhalten der Gemeinde aerjjgt wurde, fand einstimmige Annahme. Stralau. Von der Verlosung auf unserem Volksfest am 14. Juli sind 5 Gegenstände auf die Nummern 795, 137, 915, 939, 962 abzuholen. Gegen Vorzeigung der Gewinnummern können diese beim Gcnoffen Wessel, Markgrafendamm 7» in Empfang genommen werden Vermilcbtes. Vorort- JVadmebtett» Nixdorf. Kinderspiele der Freie» Turnerschaft„Nixdors- Britz". Gespielt wird während der Feriensonntage auf dem dem Verein gehörigen, in der Grenz-Allee(Kolonie Wiesengrund) gelegenen Turn- und Spielplatz, und zwar in der Zeit vormittags von 8Va— U1/» Uhr. Die Teilnehmer treffen sich um 8 Uhr 1. Abteilung Richard- und Berg> straßen-Ecke(Denkmal), 2. Abteilung am Bahnhof Rixdorf(Berg straße). Willkommen sind auch Kmder solcher Eltern, die dem Verein fernstehen.� Den Angehörigen unserer Mitglieder ist auch der Spielplatz an den Wochentagen zugänglich. Wenn verschlossen, wende man sich an den auf der Kolonie anwesenden Generalpächter Herrn Pätsch. Eine überfüllte Versammlung, in der Genosse E i S n e r über das bereits bekannte Thema„Unsere Afrikaner" referierte, fand am Dienstag in Hoppes Festsälen statt. Unsere Genossen hatten sich schon früh eingefunden. Die Versammlung verlief, da sich entweder die Reichsverbändler nicht hervorwagten oder aber auch nur spärlich eingefunden hatten, in bester Ordnung. Insofern hatte daS ver- trauliche Rundschreiben deS Rcichslügenverbandes seine Wirkung gänzlich verfehlt. Zwei Kriminalbeamte, die sich eingefunden hatten, verschwanden, noch ehe der Vorsitzende dieselben aus die Ueber- flüssigkeit ihrer Anwesenheit aufmerksam machen konnte. Der Referent behandelte alsdann in großen Zügen das Thema. Die Zielscheibe seines Spottes war besonders der im PetcrSprozeß als Sachverständiger fungierende ReichSoerbandsgeneral v. Liebert. Aber auch alle sonst im Prozeß bemerkenswerten Personen und Momente fanden die gebührende Würdigung deS Redners. Zum Schluß geißelte er den großen politischen Einfluß jener Clique vom Schlage Dr. Arendt, Liebert usw. und meinte, Aufgabe des Proletariats müsse es sein, daß jene Leute aus dem Reichstag verschwinden. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Trotz wiederholten Aufforderungen meldete sich niemand zum Wort. Die Generalversammlung des Wahlvereins findet am 23. Juli bei Hoppe statt, wo die Delegierten von Groß-Berlin aufgestellt werden. Nachdem der Vorsitzende Genosse Zirkel noch zum Lesen In dem Karlsruher Mordprozeß gegen den RechtSantvalt Hau wurde gestern die Zeugenvernehmung fortgesetzt. Bemerkenswert ist, daß der Angeklagte schließlich zugab, das Pariser Telegramm geschrieben zu haben. Ueber»den Ausgang der Verhandlungen werden wir berichten._ Die Hochwasserverwüstungen in Schlesien. Ueber den bereits in unserer gestrigen Nummer gemeldeten Taschenberger Dammbruch meldet die„Schlesifche Zeitung": Der Damm ist auf eine Strecke von 25 Meter gerissen. Vorlaufig ist es unter großen Schwierigkeiten gelungen, weitere Brüche zu ver- hindern. Jenseits der Löwener Brücke sind die Häuser vollständig von Wasser umgeben, das bis Rauske eine wogende See bildet. Der Verkehr ist nur mittels Kähnen möglich. Wie die„Schlesifche Zeitung" weiter meldet, ist der Boberdamm bei Oberleschen zwischen Licgnitz und Sagan gebrochen.— Laut„Schlesischer VolkSzeitung" erklärte der Schlesifche Bauernverein, daß er den durch Hochwasser geschädigten Besitzern durch Verlängerung der Zahlungsfristen für die Lieferung von Futter, Saat- und Düngermitteln zu Hülfe kommen werde. Wie die königliche Eifenbahndircktion in Breslau mitteilt, ist infolge eines Dammrutsches die Strecke zwischen Patschkau und Ottmachau bis auf weiteres unfahrbar. Die Frachten für Ottmachau, Neisse und die dahinter gelegenen Stationen sind um? zuleiten. Weiteren Meldungen zufolge ist die Betriebsstörung auf der Strecke Hirfchberg— Grünau seit vorgestern abend beseitigt. Auf der Strecke Grünau— Boberroehrsdorf wird die Störung noch ein bis zwei Tage dauern. » Mittwoch ging in Wien und Umgebung ein heftiger Wolken- bruch nieder, wodurch sich gewaltige Wassermengen aus dem über- wölbten Alsbache in die Täler von Ncuwaldegg,. Dornbach und Hcrnals ergossen. Die betreffenden Straßenteile wurden inner- halb weniger Minuten bis zu einem halben Meter überschwemmt. Kellcrrstume sowie die Erdgeschosse von Häusern standen unter Waffer, besonders in Ncuwaldegg bestand große Gefahr, so daß zahlreiche Häuser geräumt werden mußten. In den Stallungen kam viel Vieh ums Leben. Der Straßenverkehr war Stunden hin- durch unterbrochen. Zahlreiche Häuser mußten gestützt werden. Der Ueberschwemmungskatastrophe sind zwei Menschenleben zum Opfer gefallen. Ein Berliner abgestürzt. Von der Grohmann-Spitze ist nach einer Meldung aus St. Ulrich Dr. Ernst Schneider auS Berlin abgestürzt und blieb tot.,. Opfer ihre? Berufes. In Chemnitz brach während einer Uebung, welche die Berufsfeuerwehr gestern früh auf dem Hofe der Hauptfeudrwache abhielt, der oberste Teil einer Magirus- Drehleiter, auf welcher sich eine Anzahl Mannschaften befand, plötzlich ab und stürzte mit drei Feuerwehrleuten in die Tiefe. Einer der Verunglückten war sofort tot, ein anderer erlitt einen Schädelbruch und ist lebensgefährlich verletzt. Der Dritte scheint mit einer leichten Beinverletzung davongekommen zu sein. Im Schlafe erschossen. Die„Brcslauer Zeitung" meldet au Losnowice, daß gestern nachmittag der Musikalienhändle Botusch in seiner Wohnung während des Mittagsschlafes von einer Unbekannten erschossen worden ist. Der Täter ist entkommen. Die Pocken in Frankreich. Nach einer Meldung aus Paris is auch in Dijon eine Blatternepidemie ausgebrochen. Bisher sin 5 Todesfälle zu verzeichnen. Im Sturm gekentert. In Marstrand kenterte gestern nacht während eines heftige Unwetters ein Segelboot mit 15 Insassen. Nur einer wurde g« rettet. Einer Londoner Meldung zufolge kenterte an der Küste de Grafschaft Calwcy in Irland ein Dampfer, an dessen Bord si, 28 Personen befanden. 8 derselben sind ertrunkei Auch aus Donaghaden(Irland) kommt die Nachricht, daß ar hoher See ein Boot mit 5 Personen kenterte. Die In fassen ertranken. Bmfkafteti der Redaktion? Die juristische Eprechstunde findet Fricdrichstr. 16, Zlufqaiiq 4 eine Treppe(SinndelSstntte Bellealliaucc, Turchgang auch Liiidenstr. 164 wocheinäglich von 7>/, bis j>Vz Uhr abends statt. Geöffnet 7 Nht EonnabendS broinut die Eprechstnndc»>» 6 Uhr. Jeder Aufrage ist ei Vnchstabc und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Äricflichc'klutwor wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. _ Straßeliaboilnent. Wir können nicht alle Einzelfälle über falsch Sirahenschrcibung veröffentlichen.— Mahlitz, Adlershof. Wir könne: solche Anzeigen leider nicht veröffentlichen.— G. 2. 13. Wegen de Papiere mügten Sie sich an den Standesbeamten wenden.— H. 190 Wende» Sie sich an ein Vorstandsmitglied Ihrer Gewerkschaft.— ji. 2. 28 1. Der Abflndungsvertrag hat keine Güttigleit, wenn er nicht vom Vor mundschastsgericht genehmigt wird. 2. Der Großvater kann die Klein nicht adoptieren, weil er eheliche Kinder hat.— Z. 1. 1. Eine ander Kasse wäre erheblich teurer. 2. Leider sind Sie zur Zahlung verpslichtel Sie können aber mit Aussicht aus Erjolg bei dem Magistrat, Steuer dcputation, unter Darlegung Ihrer Verhältnisse Herabsetzung beantragcr — Nt. K., Weigandnfer 32. Die im Acker gefundenen Steine sind di zertrümmerten Reffe ehemaliger Gebirge. Sie stammen aber oft voi weither, z. B. von Skandinavien, sie sind zum Teil mit dem Eise in de Gletscherzeit hierher verschlagen. Steine„wachsen" nicht. Sie sind vulkani schen Ursprungs(Lava, Basalt) oder durch Niederschläge im Waffe: gebüdet(sedimentäre steine, z. B. Sandstein).— VS. B. 1. und 2. Ja Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtlsche Markthallen-Direltioii.(Großhandel.) Rindfleisch In 72—74 vr. 100 Psd IIa 66-71, Dia 61—62, Bnllcnsleisch la 67—72, IIa 57—66, Kühe, fei 54—62, do. mager 42— 52, Fresser 56— 68, Bullen, dän. 0,00, do. hol 0,00. Kalbfleisch, Doppellender 100—120, Mastkälber la 75-84, II 56—74, Kälber gcr. gen. 47—59, do. Holl. 0,00, dän. 0,00. Hamme! fleisch Mastlämmer 76—80, Hammel la 71— 75, IIa 64— 70, Schgs 61—64.«rchweineflelsch 55—62. Rehbock la per Psund 0,65—0,85. II 0,40—0,60. Rotwild, Abschuß 0,35-0,62. Damwild. Abschuß 0,00. Witt schweine 0,25—0,47. Frischlinge 0,00. Kaninchen per stück 0,30— 0,Sk Wildenten per Stück 0,50—1,40. Krickenten per Stück 0,30—0,60. Sühne alte, per Stück 1,50—2,90, IIa 1,00, do. junge 0,40— 1,1( Tauben 0,35—0,60, italienische 0,00. Enten per«tück 1,00 bi 2,20, do. Hamburger per Stück 2,00—3,00. Gänse per Psund 0,63—0,68, di per Stück 2,00—4,00, do. Hamb, per Psd. 0,69—0,70, per Litück 2,75—3,51 do. Oderbrucher per Psund 0,63—0,67. Poulets 0,60—0,90. ChalonSbühnc 0,00. Hechte per 100 Psund 113—123. matt 0,00, dito mitlcl un groß 0,00. Zander 0,00. Schleie, groß 93, mittel 0,00, do. 80—9' do. klein 0,00. Aale, groß 93, do. llein und mittel 81— 3> mittel 92, do. unsortiert 72—82, do. klein 61. Plötzen, malt 0,0. Roddow 0,00. Karpfen 0,00. Bleie 0,00, matt 0,00. Bunte Fische k Barse 0,00. Karauschen 75—92, do. matt 0,00. Bleisische 0,00. Wels O.C Aland 0,00. Quappen 0,00. Amerilanischer Lachs la neuer, per 100 Ps 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. lütt neuer 60. Seelachs 10-*- 1. Flundern, Kieler, Stiege la 3—6. mittel per Kiste 1—2, Hamb. Stiege 4— halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 4—8, IIa 0,50—2,50. Bücklinge, Kieler p Wall 2-3, Strals. 3,50-4,50. Bornh. 0,00. Aale, groß per Psd. 1,1 bis 1,40, mittelgroß 0,80—1,10, tiein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5— Schellfische Kiste 3,00-5,00,'/, Kiste 2-2,50. Sardellen. 1902» per Sinti 98, 1904er 98, 1905er 98, 1906er 90—93. Schottische vollbertni 1905 0,00, large 40-44, fnll. 38—40, med. 88—42, deutsche 87—4 Heringe, neue Matjes, ver'/, To. 50—120. Sardinen, russ., Fc 1,50-1,60. Bratheringe Faß 1,20-1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40-1,7 Neunaugen, Schocksaß 11, do. kleine 5— 6, do. Riesen« 14. Hie Land-, unsortiert per Schock 3,00—3,20, do. große 3,50. Krebse pi Schock große 18,50—23,60, do. mittelgroß« 16,50, do. kleine 2—4, do. u> sortiert 4,50—5,50, do. Galizier groß und mittel 6,50, do. uns. 0,00. Butti per 100 Psd. la 106—110, IIa 103—106, lila 100—102, abfallende 90-9 Saure Gurken, neue Schock 4,00—5,00. Pseficrgurken 4,50. Kartoffel per 100 Psd. Görzer 0,00, weiße runde 3,00—3,50, blaue 3,75—4,50, Rosen- 2,5 bis 3,00, Nieren- 3,25—4,50, Zerbffer 3,00— 4,00. Porree, Schock 0,50—1,0 Meerrettich, Schock 3—12. Spinal per 100 Psund 15—20. Scllcrl hiesige, per Schockbund 2,00—3,00. Zwiebeln per 100 Pfd. 7,00—7,5 do. kleine 0,00, do. hicfige(Perl.) 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grll Schockbund 0,75—1,00. Kohlrabi Schock 1,00—1,50,. Reltig, bahr., ne» Stück 0,07—0,10. Mohrrüben Schockbund 2,00—2,50. Karotten, hiesig Schockbund 2,50-3,50. Wirsingkohl per Schock 5,00-8,00. Rotkohl, Sch.i 10—12. Weißkohl 8—12. Blumenkohl, Zittauer 100 Stück 17—18, do. Harr bürg er 100 Stück 10—12, do. Erfurter 100 Stück 20—26. Kohlrübe: chock 6,00. Rhabarber 100 Bund 0,60—3,00. Petersilicnwurzcln, Schot. Bund 4,50— 6,00. Schoten per 100 Psund 8—15. Pscsjerlinge per 100 Psun 7—12. Radieschen per Schock 0,75—1,00. Salat per Schock 2, Ol Gurken, Zerbster, Schock 2,00—3,00. Bohnen, grüne, 190 Pfd. 20—2*2 Stachelbeeren, per 100 Pfund 7—15. Erdbeeren, hiesige 100 Psd. 25—3: do. Walderdbeeren 40—60, do. Hamburger 35—45, do. Holländer 30 bi 35, do. Gubener 0,00. Himbeeren 100 Psund 30—31. Blau beeren, 100 Psd. 8—14. Johannisbeeren, 100 Psd. 8—12. Kirsch er per 100 Pfund Schlesifche 7—18, Werdcrsche 10—15, do. Glas» 12—11 do. Thüringer 3—8, Natten 25—35, sauere 14—30. Birnen, ilal., 100 Pfunt 10—22. Pjirsiche, per 100 Psund 40— 45. Aprikosen, ilal., per 100 Psun 20—25, stanz. 20—30, ungar. 18—23. Aepsel, ilal, per 100 Psund 18—25 Pflaumen, ttal., per 100 Psund 9—20. Zitronen, Messina, 300 Stü 9.00-13.00. do. 360 Stück 8,00-11,00, do. 200 Stück 6,00-12,00. Aamiixr, gew. 100 Psd. 10-22._ Wttternugsüverficht vom 18. Juli 1907, morgens 8 litte. SlaNnen Slvinemde. 'erlin Franks.a.M. München Wien S s ~ s 1° 7S1WSW 757 NW 755 38 761 NW 761 W 757 W vellee 5�bedeckt 8 bedeckt 4 bedeckt 4 bedeckt 4 wolkig 4wolkig c S U O � Hb SlaNonen l| BS aparanda: 743 ONO 'eterSburg 752 323 Scillh Aberdeen Paris 767 N 768 NNW 765 NNO Heller 6 wolkig 2 wolkig 1 heiter 2bcdcckt 2 bedeckt «i TS. Ii es- ö 4 8 2 3 Welter-Prognose für Freitag, den 19. Jnli 1997. Zeitweise aufklarend, vorwiegend trübe und kühl mit Rcgensällcn in frischen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterbureou. Zentralverband der Brauereiarbeiter Zweigverein Berlin. Sektion I. Am 17. Juli d. I. starb nach langem schwerem Leiden unser langjähriges Mitglied, der Kollege Nieliael Stauber (Viktoria-Brauerei II Stralau.) Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung erfolgt am Sonnabend, den 20. Juli, nach- mittags ä'/j Uhr, von der Leichen- halle des Michacl-Kirchhoscs in Süd ende, Mariendorser Weg. Um zahlreiche Beteiligung ersucht _ KuchlMdinng Vmvnrts Berlin SW. 68. Lindenstrafie& fZiclc und Tlege -- Erläuterungen= der Cozialdemohratirchen Gegenwartsforderungen I Unter Mitarbeit von Hugo Urni | mann, Max SUBheim, Friedrii Stampfer und Klara Zetkin herausgegeben von — r Adolf Braun— o I Preis 20 Pf.» Porto 5 ff. Berantworffl. Redakteur: Earl Mermuth. Berlin-Rixdorf. Für denJnseratenteil verantw,: Th, Glocke. Berlin, Druck«.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u- Verlagsqnstalt Paul Singer& Co.. Berlin SV