Ur. 167. flbonnemf nts-Bedingungen: «domikmentS- Preis pränumerando i Bierteljährl. ZLV m., monatl. 1,10 Mk, WSchenlIich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer K Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Vellage.Die Neue Welt- 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post. geitunas- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn x Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, DSnemarl, öolland, Italien, Luxemburg, Portugal, 'nien, Schweden und die Schweiz. 24. Jahrg. CrMtint tZg»» luBtr Clontagt. Verlinev Volksblatk. Die InlertlonS'Gebflljr betrügt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum M Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Meine Anreigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort b Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijf bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „Sozlaldemohrat Rcrlln". Zentralorgan der rozialdemokratifchen parte» Oeutfchtands. Redaktion: SÄl. 68. Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 19S3. Sonnabend, den 20. Jnli 1007. Expedition: SM. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Die Internationale. DaS Internationale Sozialistische Bureau zu Brüssel hat die für den Stuttgarter Kongreß bestimmten Berichte aus den verschiedenen Ländern nunmehr veröffentlicht. In einem stattlichen Bande von über 400 Druckseiten liegen in fran zösischer Sprache die Berichte vor aus den verschiedenen amerikanischen Staaten, aus Frankreich, Spanien, Belgien, Holland, aus Großbritannien, Dänemark, Norwegen, Deutsch land sowie aus der Schweiz, Bulgarien, Serbien, Ungarn und Böhmen. Ein zweiter Band soll die Berichte aus Schweden, Italien, Rumänien, Oesterreich, Polen, Finnland und Ruß land enthalten. Eingeleitet wird das Werk durch eine gut orientierende Vorrede des Genossen Vandervclde, die wir nachstehend in deutscher Uebersetzung wiedergeben. Genosse Vandervelde schreibt: „Um die Fortschritte des Sozialismus seit drei Jahren ab- Zuschätzen, muß man die dem Amsterdamer Kongreß vorgelegten Berichte mit denen vergleichen, die wir in diesem und einem folgenden Bande aus Anlaß des Stuttgarter Kongresses vcröffent lichen. Im Jahre 1904 hatten unsere deutschen Genossen soeben einen glänzenden Sieg HioMr sich, glänzender vielleicht als er je gewesen wäre, wenn die Schuhzollpolitik der Regierung nicht die Volksmassen erbittert hätte. In der Schweiz und in Italien war die Zahl der sozialistischen Vertreter in den Parlamenten größer als heute. In Frankreich dagegen waren die sozialistischen Kräfte gespalten. In Belgien hatte der Mißerfolg des Generalstreiks für das allgemeine Stimmrecht(1902) auch Mißerfolge bei den Wahlen nach sich gezogen, die freilich die Arbeiterarmee unberührt ließen, aber ihre Vertretung im Parlament ein wenig verringerten. In England war unser Genosse Keir Hardic der einzige Ver teidiger der Prinzipien der Arbeiter-Jnternationale im Hause der Gemeinen. In Schweden wie in Oesterreich gestattete das be- schränkte Wahlrecht der Arbeiterklasse nur eine lächerlich geringe Vertretung. In Rußland gaben die Kämpfer des Sozialismus weitgehenden Hoffnungen Ausdruck, aber der Zarismus hatte keineswegs abgedankt; die Revolution, die sich vor unseren Augen abspielt, hatte kaum begonnen. Wie anders ist es seitdem geworden, sowohl hinsichtlich der Eroberung politischer Rechte durch die Arbeiter, als auch Hinsicht- lich des Wachstums der sozialistischen Kräfte bei den Wahlen. Allerdings Belgien ist sein Pluralwahlrecht noch nicht loS; dazu muß erst die schon sehr zusammengeschrumpfte klerikale Mehrheit vollkommen verschwinden. Holland hat immer noch ein sehr beschränktes Wahlrecht. Preußen scheint nicht am Vorabend der Abschaffung des Dreiklassenwahlrechts zu stehen. Aber die ungarische Regierung hat das allgemeine Wahlrecht versprechen müssen. Das schwedische Parlament hat es soeben im Prinzip angenommen. Es ist zum Gesetz erhoben worden in Finnland, in Oesterreich, in ganz Süddeutschland; und wenn die russische Revolution nur erst halb vollendet ist, wenn der Zarismus seine letzten Kräfte erschöpft, um vorübergehende reaktionäre Gegen> schlüge zu versuchen, so ist es doch heute bereits sicher, daß in diesem riesenhaften Kampfe die Nation daS letzte Wort behalten wird. Vom demokratischen Standpunkte aus können wir uns also freuen. Vom sozialistischen Standpunkte aus ist unsere Be- friedigung nicht geringer. In Frankreich hat sich unmittelbar nach dem Amsterdamer Kongreß die sozialistische Einigung vollzogen, und einige Monate darauf haben die allgemeinen Wahlen die Zahl der Vertreter des geeinten Sozialismus auf 52 gebracht. In England wurden im Januar 1905 die Konservativen zerschmettert, die Liberalen kamen wieder zur Macht, und von den 50 Handarbeitern, die in das Haus der Gemeinen einzogen, gehörten 29 zur Arbeiterpartei (Labour Party), wovon zwei Drittel sich zum Sozialismus zählen. In Belgien stieg die Zahl der Abgeordneten der Arbeiter- Partei von 23 auf 30, unter 166 Mitgliedern des Parlaments; in Dänemark von 16 auf 23, unter 114 Mitgliedern; in Schweden von 4 auf tö; in Norwegen von 3 auf 40. Endlich in den Ländern. wo die Arbeiterklasse zum ersten Male Gelegenheit hatte, ihre Kraft zu zeigen, in Finnland, in Rußland und jüngst in Oester- reich, errang der Sozialismus einen stärkeren Anteil an der Volksvertretung, als in jedem anderen Lande. Neben diesen Siegen haben wir freilich auch einige Nieder- lagen zu verzeichnen. In Italien, in der Schweiz, in Deutschland sind uns die letzten Wahlen nicht günstig gewesen. Die Zahl der sozialistischen Stimmen ist gewachsen, aber die Zahl der Ge- wählten ist gesunken. Besonders haben die letzten deutschen Wahlen in gewissen Kreisen einen bedeutenden Eindruck gemacht. Seit den nun schon fernen Zeiten der Ausnahmegesetze gegen die Sozialisten war die Sozialdemokratie in Deutschland von Siegen zu Siegen geschritten. Im Lager unserer Freunde wie in dem unserer Gegner hatte man sich gewöhnt, die Zunahme der sozialistischen Stimmen als etwas Unvermeidliches anzusehen. So hat die Tatsache, daß diese Zunahme stockt oder doch wenigstens die Zahl der sozialistischen Stimmen nicht im gleichen Verhältnis wächst wie die der bürgerlichen, den Konservativen genügt, ein Triumphgeheul anzustimmen und überall zu erzählen, daß es um den deutschen Sozialismus geschehen sei. Wir werden unseren deutschen Genossen nicht den Schimpf antun, solchen Prophezeiungen mehr Bedeutung beizulegen, als sie verdienen. Die Wahrheit ist, daß, wenn die flottierenden Elemente— ein paar tausend Mitläufer— sich augenblicklich von der Sozial- demokratie abgewandt haben, wenn andererseits die bürgerlichen I Parteien alles aufgeboten haben, um ihre letzten Reserven heran- .zuziehen, die Arbeiterorganisation in Deutschland— wie ander» wärts— gegenwärtig ungeheure Fortschritte macht. Drei Viertel der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter in Deutschland gehören zu den Gewerkschaften, die auf dem Boden des Klassenkampfes stehen und die in diesen letzten Jahren die Zahl ihrer Mitglieder wie folgt haben wachsen sehen: 1903: 387 693, 1904: 1 052 103, 1905: 1 344 803. Nun ist es aber für jeden zielbewußten Sozialisten zweifellos, daß die Entwickclung der gewerkschaftlichen Organisationen für die Arbeiterklasse ungleich wichtiger ist als die Eroberung einiger Sitze im Parlament. Es gab eine Zeit, wo— in einigen Ländern— der politische Sozialismus alles war, die gewerkschaftliche Organisation nichts oder fast nichts. Heute dagegen erscheinen die Gewerkschaften als einer der wesentlichen Faktoren im Kampfe des Proletariats gegen den Kapitalismus, und in allen Ländern— es genügt, die Berichte für den Stuttgarter Kongreß zu lesen, um sich davon zu über- zeugen— sehen wir einen ungeheuren gewerkschaftlichen Fortschritt. Das ist ohne Zweifel die wichtigste Erscheinung, die in der Welt des Sozialismus seit dem Kongreß von Amsterdam ein- getreten ist. Die Internationale ist nicht mehr nur ein Bund politischer Parteien; sie erscheint mehr und mehr als der Zusammenschluß aller Kräfte der Arbeiterklasse, welche die politische wie die gewerkschaftliche Aktion betreiben, um die Arbeit zu befreien und den Kapitalismus zu enteignen. vum-Sum-Iiiiltur. Während von der Haager.Friedenskonferenz' leeres Stroh ge- droschen wird, liefert ein deutsches freisinniges Blatt einen vollwichtigen Beitrag zu der.Kultur" und.Humanität" unseres Militarismus. Im englischen Unterhause waren Bedenken gegen die neuen Spitzgeschosse ausgesprochen worden, die von Deutschland und Frankreich eingeführt worden sind. Man bezeichnete diese Geschosse ihrer darin dem Dum-Dum-Geschoß ähnelnden furchtbaren Wirkung Ivegen als inhuman. Die„Vossische Zeitung" bringt nun gegenüber diesen englischen Einwendungen aus der Feder ihres militärischen Mitarbeiters einen Artikel, der die Inhumanität der neuen deutschen und französischen Geschosse unumwunden zugibt, sie aber für militärisch notwendig erklärt I Die Zuspitzung des neuen deutschen L-GeschosseS sei notwendig gewesen, um die Schußleistung ohne Verkleinerung des Kalibers zu steigern, da durch die Zuspitzung der Luftwiderstand geringer ge worden sei. Der Mitarbeiter der„Vossischen Zeitung" führt dann weiter aus: „Die durch Spitzgeschosse hervorgerufenen Verwundungen können allerdings als schwerer angesehen werden als die durch ältereGeschosse gleichen Kalibers, weil sie länger sind und damit eine Querstellung im Schußkanal leichter statt- findet; demnach läßt sich annehmen, daß die größere Länge des franzosischen Geschosses<40,5 Millimeter) größere Zerstörung be- wirken kann als das kürzere deutsche L-Geschoß<28,0 Millimeter). Damit sei aber nicht das deutsche Geschoß dem französischen gegenüber in ein besseres Licht gestellt. Hier wollen wir nur zugestehen, daß das deutsche L- Geschoß auf allen Entfernungen schwerere, auf den nahen Entfernungen erheblich schwerere Ver- letz un gen als daS bisherige deutsche Geschoß 83 verursacht, auch als das russische Geschoß von 7,62 Millimeter Kaliber, und daß eS im stände ist, noch auf 2000 Meter die großen menschlichen Röhrenknochen voll- st ä n d i g z u z e r s p l i t t e r n. Diese Wirkung kann vom mili- tärischen Standpunkt lediglich als ausreichend bezeichnet werden, denn wir teilen nicht die Ansicht derer, die Gewehre gut nennen, die im Krieg„nicht töten". Es gibt solche I Das sind die mit einem kleineren Kaliber als dem deS russischen 7,62 Millimeter-Gewehres. Fast jeder Schlachten- bericht ans dem letzten Krieg in Ostasicn meldete von gering- fügigen Verletzungen durch die„humanen" japanischen Geschosse vom Kaliber 6,5. Der Russe fürchtete daher die Geschosse der japanischen Linieninfantcrie viel weniger als die 8 Millimeter- Geschosse, mit denen die japanischen Reserven feuerten. Die natürliche Folge der geringen Verwundungsfähigkeit der kleinen Kaliber war die baldige Wiederher st ellnng der Verwundeten und ihr Wiedereintreten in den Kampf. So wurde bei sechs russischen Divisionen einwandftei festgestellt, daß am 1. Mai 1905 bereits 44 Prozent von Ver- wundeten in die Front zurückgetreten waren I Sie kämpften weiter. Der Krieg wurde verlängert, die schließliche Ent- scheidung wurde hinausgezogen, die Leiden durch den Krieg wurden vergrößert. Wer mag dies als wahrhaft human zu bezeichnen?... Geht man gegen die zwei jetzt eingeführten Spitzgcschosse— — von denen ballo D ivegen seiner größeren Länge zerstörender wirken kann als das S-Geschoß— im Haag vor, dann beweisen die Antragsteller lediglich, daß sie kein Verständnis für die zum Kriegführen geeigneten Mittel be- sitzen. Ist ein Krieg, trotz Haag, wieder einmal ausgebrochen. dann muß das Heer Waffen in der Hand haben, mit denen es nachdrücklich und möglichst tötend den Feind so rasch wie tunlich niederwerfen kann." Der militärische Mitarbeiter deS freisinnigen Blatte? vertritt also den„humanen" Standpunkt, daß eine Verwundung den Gegner nicht nur zeitweilig außer Gefecht setzen, sondern „möglichst töten" oder doch wenigstens so verstümmeln muß(durch Knochenzersplitterung noch auf 2000 Meterl), daß er überhaupt nicht mehr an späteren Gefechten teilnehmen kann I Dieser Forderling wird dadurch ein humanes Mäntelchen umgehängt, daß behauptet wird, Geschosse, die nicht sofort töteten und verstümmelten, verlängerten nur wegen der Wiederverwendungsmöglichkeit geheilter Verwundeter die Kriegsdauer I Als ob die Dauer eines Krieges überhaupt in erster Linie davon abhinge, daß ein Prozentsatz der Verwundeten vielleicht noch einmal diensttauglich wird. Bei einem Kriege mit Frankreich würde durch diesen Umstand das ausschlug- gebende Kräfteverhältnis nicht im geringsten verschoben werden, und Rußland besäße im Falle eines Krieges mit Deutschland so enorme Reserven, daß es anf die abermalige Verwendung Verwundeter wahrhastig nicht angewiesen wäre. Die Attslassungen des liberalen Strategen beweisen eben nur aufs neue die völlige Unvereinbarkeit von Mili- tarismus und Menschlichkeit! KolontoluMchsst. Die Verwaltung Kiautschous, Deutschlands schöner Pachtung am Gelben Meer, gehört nicht zum Ressort des Kolonial-, sondern des Marincamtes, und vielfach, fast kann man sagen meistens, findet man in der deutschen bürgerlichen Presse die Ansicht vertreten, daß die Verwaltung des Kiautschouer Pacht- grundstückes durch das Marineamt sich weit besser bewährt hat, als die Verwaltung unserer afrikanischen und ozeanischen Kolonien durch das Kolonialamt. Nähere Nachrichten über die Verhältnisse in Kiautschou, die sich hin und wieder nach Deutschland verirren, zeigen indes, daß die Vcrwaltungspraxis auf dem China gewaltsam abgepachteten Landfetzen genau auf derselben Stufe der Leistungsfähigkeit steht, wie in den afrika- nischen Schutzgebieten, und daß, wenn weniger Nachteiliges über Kiautschou in die Ocffcntlichkeit dringt, das einesteils an den geringer entwickelten Verkehrsverhälftüssen, andernteils an den relativ größeren Geldmitteln des Reichsmarineamts liegt. die es der Marineverwaltung gestatten, flotter darauf loszu- wirtschaften und unnütze Ausgaben zu verdecken. Erfordert doch bekanntlich das Pachtland am Gelben Meer einen jährlichen Zuschuß aus Reichsmitteln von 12—15 Millionen Mark, das heißt ungefähr das Zwölf- und Fünfzchnfache, was die Verwaltung au Erträgen aus Steuern. Landverkäufen, Abgaben usw. einnimmt. Wie gut man auch in Kiautschou— mit Reichszuschüsscn U wirtschaften versteht, zeigen einige Mitteilungen, die Otto 'orbach, früher Leiter eines Zeiwngsunternehmcns in Tsingtau, in der vom Albert Langcnschen Verlage herausgegebenen Halbmonatsschrift„März" veröffentlicht. Er schreibt, nachdem er geschildert hat, wie er erst als Redakteur vom Gouverneur freundlich aufgenommen wurde, dann aber, als er sich nicht von der Vorzüglichkeit aller Einrichtungen zu überzeugen ver- mochte, gehen mußte: „Was in China Aergernis erregt, das ist keineswegs die deutsche Herrschaft in Kiautschou an und fiir sich, sondern die Art und Weise, wie sie dort geübt wird. Aergernis erregte und erregt es, wenn früher außerhalb des Schutzgebietes Kasernen gebaut und Truppen stationiert wurden, wenn ReichSmarineamt und Aus- wärtigeS Amt in Berlin die Provinz Schantung zum Schauplatz von Kompetenzftreitigkciten machten, wenn Missionare im Innern politischen Einfluß ausüben durften, wenn deutsche Offiziere sich im Verkehr mit Mandarinen chinesische Titel und Würden zulegen imd alle Augenblicke Tsinanfu und das Innere von Schantung heim- suchen, wenn chinesischen hohen Würdenträgern beim Aufenthalte in Tsingtau mit größter Taktlosigkeit unter die Nase gerieben wird, daß sie auf„deutschem Boden" weilen, wenn überhaupt nach dem Kom- mando von Marineoffizieren der Handel TsingtauS sich entwickeln und die Provinz Schantung wirtschaftlich erschlossen werden soll. Was hat denn die Marineverwaltung in Tsingtau geleistet? Der Handel des Platzes ist abhängig von künstlichen Verkehrsadern. Die erste Voraussetzung für seine Blüte bildete die Schantung- Eisenbahn. Sie ist völlig unabhängig vom Reichsmarineamt ent- standen. Ebenso selbständig entwickelte sich der deutsche Bergbau in Schantung. Dem Entstehen deS großen Hafens haben die Organe der Marincverlvaltung amr müßig zuzusehen brauchen. WaS diese in eigener Regie ausführten, das hatte gewöhnlich immer wenigstens einen großen Mangel. Mehr als fünf Jahre stand an der Spitze der Bauverwaltung Baurat Gromsch. Der baute den kleinen Hafen. Als er fertig war, zeigte es sich, daß er für den Zweck, dem er dienen sollte, ein Provisorium für den großen Hafen abzugeben, gar nicht geeignet war. Dazu stellte sich noch heraus, daß für die Landungsbrücke eine Mörtel- Mischung vorgeschrieben worden war. die allen fachmännischen Regeln Hohn sprach. Nicht lange dauerte cS, da hatte das Seewasser die Fundamente unterspült, die Pfeiler ausgewaschen; daS stolze Bauwerk war eine Ruine. Bei einer anderen Brücke, die unter der Oberleitung desselben Beamten zustande kam, wurde ein Pfeiler bei einer Hoch- flut unterwaschen. Millionen gingen durch solche und ähnliche Konstruktionsfehler verloren. Und weil an den leitenden Stellen immer die Menschen fehlten. die das praktische Leben und seine Erfordernisse zu be- urteilen verstanden, wurden die meisten großen Anlagen in Tsingtau den Bedürfnissen, die sie befriedigen sollen, oder jemals zu befriedigen brauchen, nicht angepaßt. Tsingtau hat eine gigantische Regenwasserkanalisation, von der noch heute niemand weiß, wozu sie eigentlich nütze sei, ein Seemannsheim, bei dem nicht einmal die Kosten der Beleuchtung durch die Einnahmen gedeckt werden, ein Schlachthaus, bei vom selbst d!e Schlveineställe mit b e Ii a u e II e Ii Grantt- steinen an-Zgelegt sind, daZ infolgedessen zu kostspielig und verschivenderisch ausgestattet ist, um sicki jemals verzinsen und amorti- sieren zu können. Im Rahmen der Stadtanlage ist für eine meiste Bevölkernnz von Zehntausenden Platz, trotzdem nicht daran zu denken ist. daß sich unabhängig v o n N e i ch s z u s ch ii s s c n in ab- sthbarer Zeit auch nur tausend L?ciste dort ernähren könnten." Eine nette Wirtschaft aus— NeichSmittcln. Hsis dem„unterirdischen" Rußland. Die?isfäre Kasanzelv beschäftigt nach den Enthüllungen der sozialrevolutionären Partei andauernd die öffentliche Meinung in Rnstland. Es unterließt nun keinem Zweifel mehr, dast der er- mordete Kasanzelv, eins der tätigsten Mitglieder des Verbandes de? russischen Volkes, unter Begünstigung und Mitwirkung hoch- stehender Persönlichkeiten, unter denen Graf Bobrinsky ge- nannt tvird, das Attentat auf den Grafen Witte inszeniert und den Mord des früheren Dnmaabgeordneten Dr. Jollos organisiert hat. Er bediente sich zu diesem Zweck einiger junger revolutionär gesinnter Arbeiter, in deren Vertrauen er sich einzuschleichen ver- stand. Cr siel dann von der Hand eines dieser Arbeiter, der sich nach Aufdeckung des wahren Sachverhalts an ihm rächte und darauf alle kinzelheilen der grausigen Affäre der Oeffentlichkcit übergeck. Die NegiernngSpreffe schäumt vor Wut über die für den Ver- band des russischen Volkes und sein« Hintermänner äußerst kom- promittierenden Enthüllungen. StolhpiuS Leiborgan,„Nossija*, sticht die Angelegenheit dadurch abzutun, dast eS die revolutionären Parteien beschuldigt, die Arbeiterschaft zu einer„Brutstätte aller Laster" gemacht zu heben. Die zutage geförderten Beweise sind eben so gravierender Rntur, dast auf Grund der veröffentlichten Angaben eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet werden muhte. Ob diese jedoch die hohen Gönner und Auftraggeber KasanzewS entblöste» wird, das ist nach dem Prozest Herzenstein mehr als zweifelheft.... Was der ganzen Affäre ihr charakteristisches Gepräge verleiht, ist die Art, wie Kasanzelv sei» provokatorisches Mordhandwerk trieb: Den Tätigkeitsdrang junger, unerfahrener Arbeiter, denen er sich unter der MaSke eines„Parteimanne»" näherte, nutzte er für die dunklen Ziele des„Verbandes des russischen Volkes" ans, um nachher die Möglichkeit zu haben, die auf sein Anstiften verübten Morde den Revolutionären in die Schuhe zu schieben! Nicht umsonst schrieb die„Rnstkoje Snamja" nach der Ermordung des Dr. Jollos, dast dieser Mgrd von Revolutionären verübt worden sei, und nicht umsonst wiederholt jetzt Dnbrowin diese Ve- schuldignng auf den VerbandSversammlnngeu in Petersburg.— ES ist nicht daS erste Mal, dast AegieriingSagenten„Expro- priationen" und sonstige Gewalttaten organisieren, um dann die Mit- schuldigen dem Henker zu überliefern. Doch in s o grausiger Form wie jetzt ist die Provokation doch noch nicht hervorgetreten. Ein wahrer Abgrund dcS Schreckens tut sich auf. Die von Kasanzelv irregeleiteten jungen revolutionär gesinnten Arbeiter fühlen den Drang in sich, mitzuhelfen am BesrciungSkampfe des Volkes und diesem alle ihre Kräfte zu widmen. Doch die legale Tätigkeit ist ihnen verschlossen, jede? freie Wort, jede Berührung mit der„Politik" ist strenßstenS versagt. Die organisatorische, auftläreiid« Tätigkeit per Arbeiterpartei wird von der Regierung gehcnimt, ihr erzieherischer Emflnst konn sich deshalb auf die breiten Schichten der Arbeiterschaft nicht tu entsprechender Weise erstrecken. Ringsum aber feiert die Reaktion ihre blutigen Triumphe, herrscht Not und Arbeitslosigkeit in den Arbeitervierteln— was Wunder also, wenn junge, im- erfahrene Burschen dem Lockspitzel in die Hände fallen und seine Aufträge ausführen, voll heiligen Glaubens, dast sie„für die Partei", für die Freiheit arbeiten? Was Wunder weiter, dast sie den Spitzel in Stücke schneiden— wie es Kasanzew geschah—, nachdem sie erfahren, dast ihre heiligsten Gefühle mit Fristen ge- treten, dast sie, statt für die Revolution zu arbeiten, Helfershelfer der schwarzen Hunderte gewsen sind?— Die besten Elemente der Arbeiterklasse führen schon seit Jahren unter Leitung der Sozialdemokratie den Kampf gegen die terroristischen Tendenzen und sonstigen Exzesse, die am Anfang der Bewegung und zu revolutionären Zeiten überall anzutreffen sind. Sie führen diesen Kampf trotz aller Schwierigkeiten auch jetzt: denn sie wollen nicht in E i n z e l k ä m p f e n verbluten, sondern sie haben den organisierten M a s s e n k a m p f als Ziel erkoren. Und wenn cS trotzdem unter der Arbeiterschaft noch Elemente gibt, die von diesem Wege abweichen, so fällt die Schuld dafür voll und ganz auf die dmiklen Mächte der Reaktion, die nicht nur jede politische Betätigung des Volkes im Keime ersticken, sondern sogar durch gedungene Agenten terroristische Akte provozieren._ poUtifcbe Oebcrftcbt. Berlin, den 19. Juli 1907. Die Basis der Kvlonialpolitik. Die moderne KoloiiialerwerbungSsucht treibt die seltsamsten Blüten. Dutzendweise erstehen die eingebildeten„Herrenmenschen", die nach dein Vorbild ihres Kolonialheroen, des Karl PeterS, in der Dnrchpciischnng einiger Negerdirnen oder der Ausknüpferei einiger Trägerjnngen die höchste Betätigung deutscher Rassenüberlegeuheit sehen und über die Einfältigkeit deutscher Richter räsonnieren, die an solche Aeuhernngen überschäumender germanischer Kraftgenialität den Maststab deS Strafgesetzbuches anlegen. Doch wie wortgewaltig auch die Seelenverwandten der Arendt, Kardorff, KronSbein und Konsorten in der Fülle ihres gewaltigen KraftgesühlS hinter schönen Rotspon- flaschen über das natürliche Recht der Herrenmenschen ihres Schlages philosophieren mögen; ihre Leistungen werden bei weitem von einem Generalmajor o. D., einem Herrn Baron Heinrich v. Puttkamer, übertrumpft, der ans dem Kurort Vaden-Baden eine grausame EntrüstungSepistel über die Urteile der Potsdamer Disziplinarkammer vom Stapel lästt— und zwar in Maximilian Hardens„Znknnft". Dieser Herrenmensch schreibt nämlich: „Unsere überseeischen Gouverneure werden mit Recht ver- antwortlich gemacht für die Sicherheit der Lebens- und Erwerbs- bedingnngen in unseren Kolonien. Und da erkennt die Potsdamer Disziplinarkainmer auf Dienstentlassung gegen einen Gouverneur, weil er einen diebischen, verstockten Eingeborenen an einen Mast binden liest(diese Strafart ist auch in der deutschen Marine und im deutschen Heer in Kriegszeiten gesetzlich zulässig) und weil der Eingeborene zufällig bald danach gestorben ist! Da beantragt in Potsdam ein Staatsanwalt Dienstentlassung, weil ein in zwanzig- jährigem Kolonialdienst ergrauter Gouverneur einem in kolonialen Dingen unerfahrenen Richter seines Bezirkes über die Bewertung der Aussagen der Schwarzen sehr vernünftige Anweisungen erteilt hat. Diese Juristen(der Disziplinarkammer und der zu solcher Entscheidimg berufenen Landgerichte) sollten so bald wie möglich auf ein Jahr zur Dienstleistnng in die Kolonien kommandiert werden; dann würden sie ihre Auffassungen wunderbar schnell berichtigen. Wenn wir die zum gröhten Teil arbeitscheuen und hinter- listigen Schwarzen den Weisten gleichstellen wollen, dann dürfen wir keine Kolonien halten: denn die ganze Kolonialpolitit basiert darauf, dast wir Europäer den minderwertigen Eingeborenen fremder Erd- lekke mit roher Gewalt ihr Land abgenommen haben und uns mit Gewalt dort b e h a n'p t e n.... Wann wird nian endlich erkennen, dqst wir durch fortgesetztes Ausgraben und Ansbanichen von kleinlichen„Kolonialskandalen" der gedeihlichen EntWickelung unserer Kolonien nicht nützen, sondern nur schaden und dast wir durch solche Kolonialpolitik vor dein Auslände, das schadenfroh zusieht, uns nur lächerlich machen? Was schadet e S dem gesunden A>»s blühen unserer Kolonien, wenn wirklich einmal ein Eingeborener etwas rauh angefaßt wird, wenn nach althergebrachter dortiger Landessitte ein farbiges Mädchen gekauft wird oder wenn ein Ossizier oder Beamter niiserer Kolonien, der im Dienst de-? Vaterlandes täglich sein Leben in die Schanze schlägt, nicht mönchisch keusch lebt? Nur heuchlerische Bierstubenphilister machen darüber ein grostes Geschrei. JnGrostbritannien und in den Ver- einigten Staaten sind ähnliche Dinge einfach undenkbar. Dazu haben unsere angelsächsischen Vettern viel zu praktischen Patriotis- muS und zu viel aommon-ssnss. Beides ist in der pffenilichen Meinung unseres lieben Baterlandes leider noch vit zu vermissen. Möge eS in der neuen Zeit, die für unsere Kolonien zn dämmern scheint, anders werden." Die Kraftgcnialität ist bei dem Herrn Generalmajor stärker ent- wickelt als die Logik. Vielleicht geht es ihm wie so manchen Tier- arten, bei denen auch die Herausbildung gewisser körperlicher Eigen- schaften eine Verkümmerung der geistigen Eigenschaften zur Folge gehabt hat. Wenn alles als erlaubt gelten soll, was in Afrika nach „althergebrachter Landessitte" gestattet ist, dann inüstten verschiedene ReichSgesetze sofort wieder abgeschafft werden, z. B. daS Gesetz betreffend die Bestrafung des SklavenranbeS und des Sklavenhandels vom 23. Juli 1835; denn es ist ganz zweifeilos, daß in vielen Gegenden Afrikas Sklavenranb wie Sklavenhandel zu den „althergebrachten LandcSsitten" gehören. Doch wir wollen mit Herrn v. Puttkamer und seiner puttkame- runischen Moral nicht rechten. In einem Punkte stünmen wir ihm unbedingt zu. nämlich wenn er erklärt, dast die ganze Kolonialpolitik darauf beruht, den Eingeborenen„mit rohcr Gewalt" ihr Land ab- zunehmen und mit Gewalt zu behaupten. DaS haben wir inimer gesagt— aber die politischen Freunde deS Herrn Generalmajors a. D. haben eS heuchlerisch bestritten. Wir akzeptieren willig das Zu- geständiiiS.—_ Christliche Arbeiter über die Lebensmittelteuerung. Der„Deutsche Metallarbeiter", ein christ- liches GelverkschaftSblatt, gibt in seiner letzten Nummer einen Teil des Artikels aus der wirtschaftlichen Korrespondenz Richard Calwcrs wieder, worin n. a. behauptet wird, die Er- höhung des LohliiiwcauS der letzten Jahre sei so kräftig ge- wescn, daß der größte Teil der Arbeiterbevölkerung seine Lebenshaltung noch merklich vermehren und verbessern konnte. Das christliche Gcwerkschaftsblatt bemerkt, daß es sich den Calwcrschen Ausführungen nur zum Teil anschließen könne, worauf cS fortfährt: „Wir geben zn, dast dort, wo die Arbeiter durch ihre Organi- sation in der Lage waren, die günstige Konjunktur auszunutzen und dementsprechend höhere Löhne zu erringen, die Preissteige- rungen ziemlich ausgeglichen sind, dort aber, wo diese Vor- bedingnngen nicht erfüllt sind, haben dieArbeitersa Milien sehr schwer unter der Verteuerung zu leiden und wird dieses auch noch langer der Fall sein. Calwer hat allein Anscheine nach bei seinen Feststellungen be- treffend die Lohnsteigerung nicht unterschieden, ob die Mehreinnahmen aus'Lohnerhöhungen oder aus Ueber- arbeit stainmen. Nach unseren Erfahrungen ist meistens das letztere der Fall. Sobald die wirtschaftliche Hochkonjunktur nach- kätzt, fällt, die Ikebcrarbeit weg und wird dann die Teue- rung doppelt fühlbar werden, besonders dort, wo die Arbeiter nur schwach organisiert sind." Das Blatt stellt sodann die Frage, wie es um die Arbeiter aussehen würde, wenn sie nicht ihre Organisationen hätten, da die Unternehmer nicht freiwillig die Löhne erhöhten, sondern durch die Gewerkschaften dazu gezwungen werden müßten. Dann heißt es: „Eine wirtschastliche Besserstellung ist leider mit den gewerk- schaftlichen Erfolgen noch nicht erreicht, bis heute haben die Organisationen nur für die Aufbringung der Mehr- ausgaben infolge der anhaltenden Berte ue- r n n g aller Lebensbedürfnisse kämpfen müssen. Eine Riesenarbeit bleibt mithin noch zn leisten übrig. Dazu bedarf eS jedoch der Mitarbeit aller Arbeiter, der Opferwilligkeil und des Gcmeinsinns sämtlicher Berufskollegen durch Eintritt in die gewerkschaftliche Organisation. Dabei darf aber auch nicht vergessen werden, aus politischem Gebiet die Staats- b ü r g e r r e ch t e wahrzunehmen und die Interessen des Arbeiierstandes zu vertreten. Denn was nützen uns die geWerk- schaftlichcn Erfolge, w e n n das Errungene durch Preis- jletgerungen aller Bedürfnisse wieder ver- s ch l u Ii g« n wird." DaS sind gewiß sehr vernünftige Worte. Wenn es aber darauf ankommt, sie in die Tat zu übersetzen, dann tun die christlichen Gewerkschaften just das Gegenteil davon: sie laufen dem Zentrum«ach und «Uterstützen diejenige Partei, die in erster Linie für die Lebens- mittelverteuerniig verantwortlich z» mache» ist!— Das Verdienst des Nichtstuns. Die eigenartige Zurückhaltung deS NeichSschatzsekretärS Freiherrn v. Stengel bei der letzten Retchsfinanzreforin, die schließlich zur willenlosen Uebcrlasstmg der Führung an daS Zentrum und die Nationalliberalen führte, hat damals manchen Spott hcrauZgefordert. Die stille Ergebenheit und Hülflosigkeit, mit der Herr v. Stengel sich in dem vom Zentrum im trauten Verein mit den Rational- liberalen getakelten Stcnerkntter treiben liest, ohne zn wissen, wohin ihn der Wind tragen werde, erregte nicht nur auf der änstersten Linken, sondern auch bei den Konservativen mitleidiges Staunen. Niemand dürfte damals angenommen haben, dast diese Hülflosigkeit noch eines Tages Herrn v. Stengel als sein grösttes Verdienst um Deutschlands Wohl angerechnet werden würde, als eine Tat. die das Ansehen der Deutschen im Auslande fördern würde. Die„Köln. Zeitung" bringt jedoch auch diese journalistische Leistung fertig. In einem Artikel zur Feier des 70. Geburtstages leistet sie sich olgende komische Lobeshymne: „Mit grostcm Geschick, stets sachlich und objektiv bleibend, Wichte er in taktvoller Z n r ü ck h a l t n n g zu nehmen, waZ zn erlangen war. und so eine Mehrheit für den Stenerplan im allgemeinen zn bilden. ES war weder leicht, die Einzclstaaten zum Verzicht ans die eigenen Erbschaftssteuern zn bewegen, noch einfach, den Widerstand der Konservativen gegen diese Steuer zu über- winden, und doch hat selbst Graf Limburg-Stirum dem Freiherrn v. Stengel daS Zeugnis gegeben, dast er einen„so tüchtigen, sachlichen und ausgezeichneten Staatssekretär des ReichSschatzamtS in seiner langjährigen politischen Tätigkeit nicht erlebt habe". Freiherr v. Stengel Wichte aber auch dem Drängen der radikalen Parteien nach einer noch nicht zeitg ein ästen Reform der Branntwein st euer und der Einführung einer R e i ch S e i n k o m m e u- und Vermögens st euer mit Geschick zu wider st ehe n. Wie sein süddentschcr Vetter im Gedichte ging er Schritt für Schritt seines Weges und nahm dabei manchen Pfeil mit in den Kauf. Man denke nur an den Lärm der Einspruchsversammlungen und-Kundgebungen der Industrien, die vestenert werden sollten. ES war zu jener Zeit am Steuerruder des Reiches wirklich eben nur ein Mann zu brauchen mit Eigenschaften, wie sie Frhr. v. Stengel besitzt. Vom redlichsten Willen beseelt, die Finanzen des Reichs zn bessern, wußte er auch die Wege dazu zn finden, darum ist ihm der Dank des Kaisers geworden und darum gebührt ihm am heutigen Tage der Dank des Volkes. Denn wenn der Deutsche im Anlande und Auslände heute stark, mächtig und geachtet ist, so dankt er das Einrichtungen, die schliestlich nur durch gute Finanzen zu ermöglichen sind."_ Ei» Junker als„Feind" der freien Liebe. Der Besitzer R. aus dem Kreise Marienburg in West« preusten begegnete auf einsamer Landstraste mit seinem Fuhrwerk einem Mädchen. Er lud es freundlichst zu sich auf den Wagen. Das Mädchen nahm an. Run entwickelte der galante Besitzer aber eine Liebenswürdigkeit, die dem Mädchen unheimlich wurde. Es sprang vom Wagen. Ter Besitzer hinterdrein. Seine sinnlichen Gelüste hatten ihn derart übermannt, dast er jede Selbstbeherrschung ver- lor. Er rist das Mädchen zu Boden und versuchte es zu verge- waltigen. Das Mädchen wehrte sich und schrie aus Leibeskräften. Der Besitzer drohte, das Mädchen umbringen zn wollen, wenn es sich nicht füge. Die lauten Hülfcrufe erstickte er durch ein Fischer- netz. In dieser höchsten Not scheuten die Pferde des Besitzers,-der sein Fuhrwerk im Stiche gelassen hatte. Sie wollten durchgehen. Ter Besitzer sprang auf, um die Pferde zu bändigen. Das Mädchen war gerettet.— Als der Besitzer wieder zur klaren Besinnung ge- kommen war, packte ihn die Furcht vor den Folgen seiner bösen Tat. Er ging zum Vater des von ihm Überfallenen Mädchens und spendete 300 M. Damit sollte die Schweigepflicht erkauft werden. So bewertete dieser„edle Junker", der Familienvater ist, die Ehre eines Mädchens aus dem Volke mit einigen lumpigen Groschen. Im letzten Wahlkampfe konnten die Besitzer, besonders im Marien- burger Kreise, sich nicht genug tun im Schimpfen auf die Sozial- dcmokraten, denen nichts heilig wäre, nicht einmal die Ehe. Sogar körperlich misthandelt wurden unsere Flugblattverbreiter in mehreren Fällen aus Anstiftung des Junkertums. Hier sehen wir aber wieder einmal, welche Auffassung„Staatserhaltende" von der Heiligkeit der Ehe haben. Erst fällt man wie ein Tier auf einsamer Lckndstraste über ein wehrloses Mädchen her, dann ent- rüstet man sich moralisch über die Sozialdemokratie.— Disziplinaruntersuchung. Gegen den Rcgierungsrat Martin ist, wie die„Nordd. Allgem. Ztg." mitteilt, das förmliche Diszi- plinarvcrfahren eingeleitet worden. Zugleich wurde er vorläufig vom Amte enthoben. Der EröffnungSbcschlnst gründet sich darauf, dast Herr Martin sich in der Presse über seine dienstlichen Vor- gesetzten, insbesondere über den Grafen v. Posadowsky, in einer mit Amtsdisziplin nicht zu vereinbarenden Weise geäußert, daß eine von ihm an den Reichskanzler gerichtete Eingabe, die sich aus einen ihm vor zwei Jahren erteilten Verweis bezog, in der Presse auszugsweise veröfscntlicht, dast er serner eine von seinem direkten Vorgesetzten erforderte Auskunft über die Urheberschaft von Prest- angriffen ans den Grafen v. Posadowsky mit Bemerkungen abgelehnt hat, die gegen die Amtsdisziplin verstosten. Herr Martin hat. wie wir vor einiger Zeit mitteilten, nämlich an die, /Germania" ein Schreiben gerichtet, in dem er«gibt, der„besonderen Seite" der„Rhein.-Westf. Ztg.", die in diesem Blatt die Hetze gegen Posadowsktz betrieb, sehr nahegestanden und sie informiert zu haben.—_ Städtische Sozialpolitik in Dresden. Wenn man alles, was im Laufe der letzten zehn Jahre übel. das soziale Verständnis Dresdener Kommunalgewaltigen im Reiche bekannt geworden ist, zusanmienfastt, dann erscheinen einem die vier Worte der Ueberschrift als eine arge Ironie. Auch mit der famosen Arbeiterordnung, die jahrelang in der öffentlichen Diskussion stand, hat sich der Dresdener Stadtrat kein Ruhmesblatt in seinen sozialpolitischen Kranz geflochten. Als vor Jahren diese Spottgeburt, gezeugt aus Sozialistenfurcht und Krämer- ei'ghcrzigleit, das Licht der Oeffentlichkeit erblickte, erhob sich ein Hohngelächter überall da, wo man einen Funken sozialpolitischen Verständnisses sich aufbewahrt. Besonders waren eS seinerzeit zwei Paragraphen, die Dresdens Kommunal» regierung, so weit das überhaupt noch möglich war. auf imnier in den Geruch sozialpolittscher und politischer Rnckständigkeit erhalten werden. Lor allem war eS die Bestimmung, dast„ständiger Arbeiter" nach zehnjähriger Dien st zeit nur werden kann, der das cldcSstattlichc Gelübde künigstreuer Gesinnung zuvor ablegt! Zweitens das Verbot, einer Genossenschaft bei- zutreten! Selbst die evangelischen Rrbeitervereinlcr. denen man doch ziemlich viel bieten kann, che sie eS merken, empörten sich gegen derartige Zumutungen und wiesen in einer Eingabe daraus hin, daß durch die verlangte eidesstattliche Versicherung der Königs- treue die Gefahr der Gesinnung S Heuchelei erzeugt werde, andererseits wxrde in den Kreisen der städtischen Arbeiter die Aeustcrung köiiigstreuer Gesinnung dem Verdacht preisgegeben, dast sie nur um der den ständigen Arbeitern der Stadt in Aussicht ge- stellten Vorteile willen erfolge. Ebenso wandten selbst diese Leute sich gegen das Verbot, einer Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaft anzugehören. Die letztere Bestimmung zeigte so recht den klein- lichen Krämergeist, der alles nur unter dem Gesichtswinkel seiner geschäftlichen Interessen ansah. An der erstercn Bestimmung hat die reaktionäre Mehrheit der städtischen Kollegien, ganz besonders einem Herzenswünsche des StadtoberhaupteS Beutler folgend, krampfhaft fe st gehalten. trotzdem gerade gegen sie sich der Hohn aller nicht oonz mit Blind- heit geschlagenen Politiker richtete. Dagegen ist das Verbot, einer Genossenschaft anzugehören, gefallen. Man hatte schon früher zugelassen, dast die Frau Mitglied sein konnte. Diese Milderung war aber wertlos, weil die unteren Vorgesetzten trotzdem diejenigen — allerdings vielleicht aus anderen„Gründen"— entließen. deren Frau usw. weiterhin Mitglied eines Konsumvereins blieb. Im übrigen hängen die Vergünstigungen, die einem sog. ständigen Arbeiter nach zehnjähriger Dienstzeit— wenn er überhaupt so lange auShält— zustehen, vollständig in der Luft. Eine besonders schlimme Bestimmung, eine richtige Fußangel für die modern organisierten Arbeiter, ist die folgende: „Es ist den Arbeitern bei Strafe sofortiger Ent° l a ss u n g verboten, Mitarbeitern wegen ihrer Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu einer Gewerkschaft oder ähnlichen Vereinigung Vorwürfe zu machen oder sie aus diesem Grunde in irgend einer Weise zu belästigen." Auf den ersten Anblick hat dieser Paragraph etwas Bestechendes an sich. Man kau» sich aber die Anwendung nach allem, was man über die sächsische Haupt- und Residenzstadt und ihre Arbeiterpolitik gehört, wohl denken. ES ist vielleicht Zufall, dast immer Angehörige der modernen Organisationen von diesem Paragraphen zur Strecke gebracht werden, niemals aber Mitglieder der „nationalen" oder evangelischen Bereinel In der Beziehung sind die Arbeiter auf das schlimmste gefaßt, zumal die unteren Vorgesetzten oft selbst diesen gelblich schillernden Orga- nisationen angehören. Am 11. Juli ist diese sozialpolitische Großtat in Kraft getreten, und schon kann man die lebhaftesten Klagen nach der Richtung hin hören. Was wird noch mit diesem Paragraphen für Unheil angerichtet werden! Dresden hat aber feinen Ruhm, die sozialpolitisch rück- ständigste Stadtverwaltung zu besitzen, aufS neue mit dieser Arbeiterordnung befestigt l— Militärische Rechtspflege. Wegen Rekrutenmißhandlungen in 17 Fällen stand der U n t e r- »ffizier Otto Manns von der S. Kompagnie des Infanterie- regiments Nr. 91 in E i s e n a ch vor dem Kriegsgericht der 88. Division in Erfurt. F a u st s ch l ä g e, Fußtritte. Schläge mit dem Spaten waren die Spezialitäten dieses militärische« Erziehers, doch tat es auch eine Hose, die er einem Rekruten umdenKopsschlug oder dieser diente einem Stiefel als Zielscheibe. Ein Soldat mußte sich auf den Boden legen und der Unteroffizier stellte den Fuß aus das Gesäß. Die Anzeige über diese Mißhandlungen ging von einem Zivilisten aus. Von den als Zeugen vernommenen Rekruten sagte einer aus, sie hätten die Meldung unterlassen, weil sie es nicht noch schlechter beim Militär haben wollten. Der Unteroffizier kann sich natürlich auf viele Fälle nicht mehr besinnen, und die Entlastungszeugen stellten die Mißhandlungen als harmlos hin. Es wurden gegen den Angeklagten 3 Monate Gefängnis beantragt, das Urteil lautet auf li Wochen M i t t e l a r r e st, nachdem von den 17 Fällen drei ganz ausgeschieden, drei weitere aber nur als„vorschriftswidrige Behandlung" angesehen wurden. Bemerkensivert ist, daß als straferschwerend in Betracht ge- zogen wurde, daß in der Kompagnie die Unteroffiziere dreimal im Monat ermahnt wurden, ja keine Mihliandlungen zu begehen. Das Verhalten des Unteroffiziers stellt also auch eine wiederholte Verletzung eines gegebenen Befehles dar, für die er, einschließlich der verbleibenden 11 Mißhandlungsfälle, sehr milde Richter gefunden hat. Als strafmildernd wird ihm angerechnet, daß er sich oft über die Mannschaft geärgert und er die Mißhandlungen daher im Asfekt begangen habe. In derselben Verhandlung kam ein Kanonier vom 55, Feld- artillericregiment in Naumburg zur Aburteilung, der auf der Mannschaftsstube einen Brief gefunden, von demselben die noch nicht abgestempelte Briefmarke entfernt und in seinem Nutzen verwendet hatte. Der später bei ihm im Spind vorgefundene Brief wurde zum Verräter. Daraus entstand die Anklage wegen Fundunterschlagung und Diebstahl, und wegen der 19 Pf. muß der Angeklagte 14 Tage strengen Arrest verbüßen.— Zum Lothringer Fricdhofskonflikt teilt der„Lorrain" mit, daß von der bischöflichen Behörde kein Einspruch gegen die bekannte Verfügung des Bezirkspräsidenten erhoben worden sei, wonach eine konfessionelle Trennung auf den Friedhöfen solcher Gemeinden, wo nur eine kirchliche Gemeinde besteht, nicht vorgenommen werden dürfe. Fernerhin bleibt es für die klerikale Toleranz be- zeichnend genug, daß überhaupt der Erlaß einer solchen Verordnung nötig war.— �_ Karuffel und deutsche Truppenehre. Gelegentlich einer Verhandlung vor dem Kriegsgericht in Metz gegen einen Kanonier der 12. Kompagnie des rheinischen Fuß-Artillerie-Negiments Nr. 8 wurde offenbar, wodurch das An- sehen einer militärischen Truppe geschädigt wird. Der Soldat, der schon mehreremale vorbestraft ist, erhielt die hohe Strafe von 3 Monaten Gefängnis, weil er trotz wiederholten Verbots aus dem Arbeitssaal des Festungsgefängnisses in Straßburg in die Fenster der Verheiratetenwohnung gesehen hatte, anstatt auf seine Arbeit. In seinem Strafregister standen auch 3 Tage Mittelarrcst, weil er das Ansehen seiner Truppe geschädigt hatte. Wodurch? Auch das Gericht war neugierig und ver- langte von dem Angeklagten Auskunft.„Was haben Sie denn ge- macht, Sie Unglücksmensch?"„Ich habe auf der Messe Karussell gefahren!" Das also hat das Ansehen der Truppe geschädigt. Der deutsche Militarismus ist doch ein merk- würdiges Gewächs. Da werden Soldaten nach allen Regeln der Kunst geschunden, tausende strammer Vaterlandsverteidiger spielen im Offiziershaushalt das„Mädchen für alles", Duelle werden aus- gefochten wegen militärischer Eheirrungen usw. usw.— das alles schädigt das Ansehen der Truppe nicht. Wenn aber ein harmloser preußischer Kanonier sich auf dem Karussell im Kreise dreht, dann ist die Ehre des ganzen Heeres verletzt!—, fpanhrdcb. Eine Blamage der Streberpädagogen. . Paris, 18. Juli.(Eig. Ber.) Briand, dem die unabhängige Lehrerschaft Niederlage auf Niederlage zugefügt hat— so ist z. B. auch im Departement V a r vor einigen Tagen eine Liste gewerkschastsfreundlichcr Lehrer in den Departementsrat gewählt worden— verdankt nun auch seinen übereifrigen Getreuen eine Blamage. Ein Pariser Schul- direktor, der offenbar das Bedürfnis hatte, sich bei seinen Oberen Liebkind zu machen, veranstaltete ein„Referendum" über eine von ihm aufgesetzte Entrüstungsrcsolution gegen die Arbeitskonföderation, den„Äntipatriotismus" und die Gutheißung der„Meuterei" von Bäziers. Die ganze Sache lief auf eine ordinäre Gesinnungs- schnüffelet hinaus, und die a n st ä n d i g e n Lehrer beschlossen, ihr keinen Vorschub zu leisten. So kam es. daß nur 108 Antworten einliefen. 234 Schulen haben den vordringlichen Macher gar keiner Antwort gewürdigt I In den 198 eingelaufenen Kouverts fanden sich 835 Zustimmungen. Aber die Lehrerschaft des Seine-Departe- mcnts zählt über 3909 Mitglieder! Briand hat bekanntlich seinerzeit erklärt, hinter der Gcwerk- schaft stehe nur ein minimaler Bruchteil der Lehrerschaft. Nu» hat er den Beweis, daß für die von ihm patronisterte Hetze gegen die Gewerkschaft fünf Sechstel der Lehrerschaft nur ver- achtungsvolles Schweigen haben. England. Sozialistischer Wahlsieg. London, 19. Juli.(B. H.) Bei der Ersahwahl in Colne-Valley wurde der sozialistische Kandidat Grayson gegen den liberalen und unionistischen Kandidaten ins Unter- haus gewählt. Kroatien. Der ungarisch-kroatische Konflikt. Aqram, 17. Juli. sEig. Ver.) Die magyarische Uebermacht in Kroatien, aufgebaut auf dem Hader der Bruderstämme, Kroaten und Serben, kulminierte unter dem Tyrannen Khnen Hedervary. Die zwanzig Jahre seiner Herr- schaft hindurch existierte die kroatische Verfassung nur auf dem Papier. Da gab eS keine Spur von Preßfreiheit, Koalitionsrecht, Ver- sammlungsfreiheit oder gar von Garantien der persönlichen Freiheit- Schwer lastete der Druck des Tyrannen auf den Völkern Kroatiens, doch keines hatte den Mut, sich aufzulehnen! nur zu murren wagten sie. Schließlich aber nahm die kleine, kaum organisierte, materiell schwache sozialdemokratische Partei den Kampf auf gegen das System des ewigen Belagerungszustandes. Einer ihrer Führer nach dein anderen wurde auf viele Monate in den Kerker geworfen, um— wieder frei— den Kampf noch heftiger zu führen, so lange er nicht krank und gebrochen an den Folgen der Kerkerhast dahinsiechte. Die bürgerlichen Parteien, die sich viele Jahre hindurch nicht zu rühren wagten und sich blindlings von dem„Allmächtigen" gegen einander ausspielen ließen, lernten der Sozialdemokratie endlich ihre KampfeStveise �>b. und nachdem sie sich 1302—93 noch gründlich gegeneinander ausgetobt hatten, beschlossen sie im Jahre 1396 in einem Aufall von FrühlingSstimmung die sogenannte„Fiuinaner Resolution". ES war dies ein Bündnis der„fortschrittlichen" kroatischen und serbische» Parteien mit der ungarischen 48er Partei, ein Bündnis, welches ei» Zusammengehen der Kontrahenten gegen „den gemeinsamen Feind"— Oesterreich— verbürgen sollte. Die Kroaten sollten für ihre Hülfe im Kampfe ihre ihnen verfassungs- mäßig gebührenden autonomen Rechte, die Khnen niedergetreten hatte, zurückerhalten. Wieder einmal waren die Ungar» auf dem Rücken der Kroaten in die Höhe gestiegen, und die saubere Kompagnie Kossuth-Polony war auf ihren Ministersesseln kaum warm geworden, als sie auch schon einen Vernichtungskampf gegen alle nicht zur Koalitionssippe schwörenden Elemente des Volkes begann. Nebst den„Nationali- täten" wurden natürlich auch die Sozialdemokraten als Staats- Verräter erklärt und mit sden unsaubersten Gewaltmitteln bekämpft. Und die Kroaten nahmen bald Lehre an: Hatte im Beginne der kroatisch-serbischen Koalition die kroatische Fortschritts- Partei das führende Wort gehabt, so ging es jetzt an die k l e r i- kale Rechtspartei verloren! Die Fortschriitler hatten mit den Sozialisten kokettiert, jetzt aber begannen die blutigen Sozialistenjagden und Verfolgungen von neuem, z. B. die Wer- gewaltigung der Feldarbeiter im März dieses Jahres. Als die Herren Magyaren Kroatien wieder von innerem Zwist zerrissen sahen, wollten sie die gute Gelegenheit ausnutzen und sich der Notwendigkeit entziehen, ihre schönen Versprechungen einzuhalten. Die Gelegenheit glaubten sie gekommen, als das Eiseubahnerstlaven- gesetz, oder wie s i e es nannten:„die neue Eiseubahnpragmatik" zur Verhandlung kam. Bei dieser Gelegenheit wollten sie den ver- sassungstvidrigen Usus der magyarischen Amtssprache auf den kroatischen Linien Gesetz werden lassen, Doch das ist ihnen bisher nicht gelungen. Weder fruchtete die Vertagung des kroatischen Land- tages, noch die gewaltsame llnterdriickimg der Volksversammlungen durch Polizei und Gendarmerie. Die Kroaten, die diesmal entschieden im Rechte sind, haben mächtige Bundesgenossen gefunden an der magyarischen und kroa- tischen Sozialdemokratie(letztere bekam von der Regierung Pejacsevich knapp vor deren Fall endlich die Bewilligung zur gelverkschaftlichen Organisierung) und aller österreichischen Parteien, Der Kampf ivird von den Kroaten mit aller Schärfe geführt: Schon ist über alle ungarischen Produkte der Boykott verhängt und die kroatischen Parteien sinnen auf neue Mitlel. Wieder ist die Sozialdemokratie Kroatiens der Lehrer der bürgerlichen Parteie», indem sie in ihnen endlich das Verlangen nach dem allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht wachgerufen hat als der einzigen soliden Grundlage zu gesunder Eutwickelung. k�orea. Söul, 19. Juli.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Der Kaiser hat in einem heute nachnüttag erschienenen Erlaß seine Abdankung kundgegeben. Er gibt in dem Erlaß seinem Be- dauern darüber Ausdruck, daß während seiner 44jährigen Rc- gierungszeit nationale Unglücksfälle rasch einander gefolgt seien. Das Unglück des Volkes sei jetzt so groß geworden, daß er es an der Zeit erachte, die Krone geinäß dem Brauche der Vorfahren dem Kronprinzen zu übertragen.— Kaiser Ui häng von Korea ist damit dem Drängen seiner Minister gefolgt. Er hat sich zu dem schweren Schritt entschlossen. weil Japan auf diplomatischem Wege sowohl wie durch drohende Maßnahmen anderer Art Ai höngs Abdankung forderte,- denn den Vorwand, daß Korea durch Entsendung seiner Sonderdelegation zur Haager Konferenz den mit Japan abgeschlossenen Protektorats- vertrag gebrochen habe, ließen sich die schlauen Japaner natürlich nicht entgehen. Der unkluge Schritt kam ihnen wie gerufen: sie hatten nun die längst ersehnte Gelegenheit, Korea zu„fassen". Die Bevölkerung Koreas— etwa 19 Millionen Menschen— dürfte den Regierungswechsel zuerst mit Unruhe aufnehmen, sich aber bald in die neue Situation fügen. Die Dynastie Ui regiert seit dem Jahre 1332! Ihre Un- abhängigkeit von China wurde zuerst durch— Japan(1876), später durch die Vereinigten Staaten von Nordamerika und die europäischen Großmächte, zuletzt— im japanisch- chinesischen Frieden von Schimonoseki(1835)— auch von China anerkannt. Der jetzt abgedankte Kaiser steht im 55. Lebensjahr. Der Thronfolger I tschak ist 33 Jahre alt. Ob Japan ihn zur Re- gierung lassen wird, das steht wohl noch dahin,-r» Sie russische Revolution. Die heilige Polizei. MoSko», 19. Juli. T« Gencralgoubcrncur hat neuerdings mehrere Moskauer Blätter mit hohen Geldstrafen belegt, weil sie polizeiliche Maßnahmen abfällig kritisiert hatten. Mendelssohn nnd der Verband des rnssischcn Volkes. „Wcstminster Gazette" brachte vor einigen Tagen die Nach- richt, daß die russische Regierung durch Mendelssohn eine aus- ländische Anleihe vorbereite! Wie zur Bestätigung dieser Nach- richt öffnet die„Rußkoje Snamja"— das Zentralorgan der Schwarzen Hundert— dem neuen Bundesgenossen ihre Arme. Das Blatt schreibt: „Ohne ausländische Juden kommen wir jetzt nicht durch; denn Geld ist nötig. Ist es denn dann nicht einerlei, ob wir das Geld von Pariser, Londoner oder Berliner Juden nehmen? so könnten die treuesten und patriotischsten Söhne Rußlands fragen. Darauf entgegnen wir unseren Lesern: Nein, das ist durchaus nicht einerlei. Wenn es schon darauf ankommt und unser armes zerrissenes Vaterland gezwungen ist, neue Aus- landsanleihen abzuschließen, so ist es dennoch besser, dies in Berlin zu tun als in Paris und London. Denn erstens ist Mendelssohn überhaupt nicht Jude! Der jetzige Leiter des be- rühmten Berliner Bankhauses ist ein Urenkel des genialen Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy, der bekanntlich das Christentum nicht aus persönlichen Berechnungen, sondern auS Ueberzeugung angenommen hat...." Nach dieser Reinigung des Mendelssohnschen Stammbaumes spendet das Pogromistenblatt Herrn Mendelssohn selbst das höchste Lob, dessen es fähig ist: „Als eifriger Lutheraner der vierten Generation ist Mendelssohn nach dem Statut berechtigt, in de» Verband des russischen Volkes aufgenommen zu werden, wo Juden unter keiner Bedingung Eintritt finden." Nun folgt ein Passus, in dem der Schwerpunkt der ganzen „Beweisführung" liegt: „Deutschland ist außerdem(I)' ein durch und durch monarchisches Land. Der Berliner Geldmarkt wird, un- geachtet des Uebcrwiegens jüdischer Elemente auf demselben, solche Forderungen an uns nicht stellen, wie sie, obwohl nicht offiziell, in Paris und insbesondere in der französischen radikalen Presse gestellt wurden...." Man sieht: Es ist nicht leicht, die Offiziöse einer Regierung zu sein, die bald hier, bald dort um Geld zu betteln hat. Die Korruption. In der berüchtigten Gurko-Lidwal-Schwindelaffäre waren zwar alle betrügerischen Manipulationen und alle Durchstechereien von vornherein so gut wie bewiesen, aber es fehlte bisher an Dokumenten, mit deren Hülfe man den Schwindel hätte a k t e n m ä ß i g festnageln können. Nunmehr aber sind unsere russischen Genossen in den Besitz eines Geheimdokuments gelangt, aus dem mit wünschenswerter Deutlichkeit hervorgeht, W i e sich der Herr Ministergehülse a. D., Kammerherr uixd Wirkl. Geheimrat Wladimir Jossifowitsch Gurko durch den Getreide-„Lieferantcn" Lidwal bestechen ließ. DaS geheime Dokument ist nur an die iL.Senatoren des KagationSdeMtemeots im Senat gegeben und vom Oberkurator des Krimlnat-KassationSdepartementS des Re- gierenden Senats, P. Kempe, am 14..(27.) Apxil 1397 unter- zeichnet. Es wird unter anderem bewiesen, daß eine Kupplerin, die „Inhaberin" eines„Damenchors", die Bekanntschaft zwischen Gurko und Lidwal vermittelte und dafür 59 999 Rubel erhielt und dergleichen mehr. Es wäre auch gar zu merkwürdig, wenn dem verfaulenden Zarismus anständige Menschen dienten. Em der Partei. Liegt ein Partciiiitcrcsse vor? Zu der gestern von uns unter Znstiiiimung wiedergegebenen Notiz der„Leipz. Volksztg." über einen Entivurf zum Ausbau der Pärteiprefse schreibt das Hallesche„Volksblatt": „... Dann fordert die„Leipz. Volksztg.", der Verein Arbeiter- presse solle den jetzt vorliegenden nnd den Vereinsnütgliedern zu Gegennußeruiigen unterbreiteten Entwurf über die Maßnahmen zum Ausbau der mittleren und kleinen Parteipresse zur öffent- lichen Diskussion stellen. Sie schreibt, der Entwurf könne„für die Zukunft der Parteipresse von verhängnisvoller Bedeutung werden" und lalife darauf hinaus,„die Befugnisse des Partei- Vorstande; zngnnsten des Vorstandes des Vereins Arbeilerpresse einzuschränken." Beide Behauptungen bleiben ohne jede Be- gründung und sind mit das stärkste, lvaS sich die„Leipziger Volks- zeitung" in Sachen übelwollender Polemik geleistet hat. Um einen Grund für ihren Alarmrnf zu finden, behauptet die„L. V.", die Veröffentlichnng des Entwurfs sei nötig, damit der Parteitag auf ihn vorbereitet sei. Nun denkt aber niemand daran, die Maßnahmen zum Ausbau unserer Parteipresse zum Gegenstand eingehender Er- örterung ans dem Parteitage zu machen. Das ver- bietet sich sogar von selbst. Wir können unsere Gegner in derartige Details nicht ein w eih en. Erörtert soll der Entwurf nur werden aus der G e u e r a l v e r s a m m l u n g de S Vereins Arbeiterpresse am 14. u n d 15. S c p- tember in Essen.— Was die„L. V." mit ihrem Alarmruf bezweckt hat, ist in der Tat unerfindlich. ES gibt im vorliegenden Falle wirklich nichts vor parteiverderblicheu Bestrebungen zu warnen, sondern alle Maßnahmen zum Ausbau unserer Partei- presse haben lediglich den Zweck, solchen Parteiorten, in denen Partciblätter erscheinen, die aber nicht imstande sind, so große Mittel für ihre Redaktionen aufzuwenden, wie etwa Leipzig, mög- lichst unter die Arme zu greifen. Das ist das einzige, was„von vcrhängnisvvller Bedeutung" werden könnte." Da wir dje Anffassnng der„L. B." zu unserer eigenen gemacht haben, trifft dje gereizte Abwehr deS Halleschcn„Bolköblattes" auch unS. Wir müsse» deshalb kurz darauf entgegnen. lieber den Inhalt des Entwurfs können wir uns erst dann äußern, wenn der Einwurf zur öffentlichen Diskussion gestellt wird. Nur der imbegreiflich irrigen Ansicht des Halleschen„Volksblatts" möchten wir schon heute entschieden entgegentreten, daß das Projekt so sehr rein technischer Natur und so bedeutungslos nnd gleichgültig für die Partei sei, daß diese die Sache eigentlich gar nichts angehe und sie es ruhig dem Verein Arbeiterpresse überlassen könne, die ihm gutdünkendcn Einrichtungen zu treffen. Die Veröffentlichung des Entwurfes würde zeigen, daß die Partei selbst nicht nur das Siecht, sondern auch die Pflicht hat, das Projekt gründlichst zu prüscn nnd in ihrem Sinne zu gestalten. Wenn das Hallesche„Volksblatt" beruhigend versichert, niemand denke daran, die Angelegenheit zum Gegenstand der Erörterung des Parteitage? zu machen, so wissen tvir Ivirllich nicht, mit welchem Rechte es gewissermaßen im Namen der Allgemeinheit sprechen zu können glaubt. Denn selbst wenn die Verfasser des Entwurfes die Meinung unseres Halleschen VruderblatteS teilten, so wäre das immer erst die Privatansicht einiger Genossen, der zu widersprechen da? gute Recht jedes anderen Genossen wäre und über deren Be- rechtigung die Parteiinstanzen selbst zu entscheiden hätten. Wir sehen also wirkich nicht ein, warum das Hallesche„Volksblatt" sich über die„übelwollende Polemik" und den„Alarmruf" der»L. B." entrüstet. DaS Hallesche„Volksblatt" stellt schließlich auch die befremdende Behauptung auf, der Parteitag könne sich schon deshalb nicht mit den im Entwurf angeregten Maßnahmen zum Ausbau unserer Pärteiprefse beschäftigen, iveil wir die Gegner nicht in derartige Details einweihen könnten. Demgegenüber möchten wir denn doch, schon damit die„L. V." nicht in de» Verdacht deS„Verrats militäri- scher Geheimnisse" kommt, die Freund wie Feind beruhigende Ver- sichernng abgeben, daß in dem Entwurf auch nicht ein Satz steht, der nicht der denkbar breitesten Oeffentlichkeit ohne den geringsten Schaden für die Partei zugänglich gemacht werden könnte. Arheiter-Bildmigsschule oder BildungSauSschiiß? Die Frage, ob die Befriedigung des Wissens-»nd Kmistbedürfnisscs der Arbeiter in Slettiu auch in Zukunft der Arbeiter-Bildnngsschnle als Aufgabe zufallen soll, oder ob eS vorteilhafter wäre, einen von der Partei und den Gewerkschaften zu unterhaltenden Vildiingsausschnß ins Leben zu rufen, wurde am Dienstag in der Mitgliederversammlung der Stettiuer Arbeiler-Bildimgsschule eifrig diskutiert. Die Meimingeu waren geteilt, doch einigte man sich schließlich ans eine kombinierte Sitzung, in welcher die Vorstände aller Organisationen zu diese Frage gehört werden sollen. Der zweite rnmiinische Sozialistcnkougreß ist jetzt beendet. Aus der Debatte über das Zentralorgan der Partei„ttomania Mimei- toare" ist die vom Genossen Dr. Racovski rühmend hervorgehobene interessante Tatsache nachzutrage», daß von den im letzte» Jahre im Zentralorgan veröffentlichten Beiträgen mehr als 509 von Ar- bcitcrn geschrieben sind. Zum internationalen Kongreß in Stuttgart wurden vier Vertreter delegiert. Richtigstelliiiig. In der DonnerStagnummer brachten wir einen Artikel über„DaS neue Parteiheim in Halle a. S.". In diesem Artikel wurde unter den bereits verstorbenen Genossen neben Hasenclever, Keßler usw. auch R ö d i g e r genannt. Rödiger war während der 6. Legislaturperiode(1884�-1887) sozialdemokratischer ReichStags-Abgeordncter für Reich jüngere Linie. Er ist— wie u»S seine Verwandten mitteilen— noch am Leben und weilt in Amerika. Soziales. (Siehe auch 1. Beilage.) Grenzen einer Polizeivcrordnung für Friseurgefchäfte. Eine Verordnung, betreffend den Betrieb in Barbier- und .'riseürgcschäften Frankfurt a. M., bestimmt in ihrem§ 1, daß in >en Geschäftsräumen der Barbiere und Friseure stets peinliche Sauberkeit herrschen müsse. Diese Bestimmung sollte der Barbier Haup übertreten haben, weil der Laden bei einer Revision sich im unsauberen Zustande befand und Haare in einer Ecke zusammengekehrt lagen. Weiter wurde ihm Uebertretung der Bc- stimmung vorgeworfen, daß Rasierschalen,-Pinsel,-Messer usw. nach jedem Gebrauch zu reinigen seien. Der Revisor fand zwei Schalen mit Schaum im Laden vor. Das Landgericht sprach den Angeklagten frei. Es führte aus, die Verordnung sei ungültig, weil es sich hier um den Schutz gegen gemeingefährliche Krankheiten handele, diese Materie aber in dem gegen gemeingefährliche Krankheiten erlassenen Reichs- gesetz und dem entsprechenden preußischen AusführungSgesetz er« schöpfend geregelt sei. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein. — Das Kammergericht wies dieRevision aus anderen Gründen zurück. In der am Dienstag gefällten Entscheidung heißt es: Wenn das Landgericht die ganze Verordnung ohne weiteres für ungültig erklart, so gehe es zu weit. Es müsse viel- mehr in jedem einzelnen Falle geprüft werden, ob die an- gewandten Bestimmungen der Verordnung dahin gingen, daß sie den Schutz des Publikums vor ansteckenden Menschenkrankheitcn bewirken sollten und demgemäß ungültig wären, oder ob ein anderer Schutz bezweckt sei, der der Polizei zukäme. Eine Be- stimmung, wie z. B. die, daß es verboten sei, auf Wunden den Finger zu setzen oder den Schwamm zu drücken, solle doch Zweifel- tos nur einer Verunreinigung der Wunde schlechthin vorbeugen, ohne daß gerade notwendig an eine von einem Vordermann her- rührende ansteckende Krankheit gedacht zu sein brauche.— Im vorliegenden Falle wäre indessen die Verwerfung aus folgenden Erwägungen auszusprechen. Die Bestimmung, daß in den Barbier- und Friseurstuben„peinliche Sauberkeit herrschen" solle, könne a l S Strafbestimmung überhaupt nicht gelten. Es sei daö eine allgemeine Redensart, unter der man alles mögliche der- stehen könne. Wegen dieser Unbestimmtheit sei sie, unan- wendbar. Auch die weitere Bestimmung, daß Seifenschalen, Rasiermesser und-Pinsel usw. nach jedem Gebrauch zu reinigen wären, könne nicht angewendet werden. Sie sei nicht so gefaßt, daß sie eine Verurteilung rechtfertigen könnte, wenn man beim Betreten des Barbier- und Friseurgeschäfts einen Napf mit Seifenschaum stehen sehe. Die Bestimmung sage nur:„nach jeder Benutzung". Etwas anderes wäre es noch, wenn es hieße:„sofort nach usw."— Die Revision der Staatsanwaltschaft sei demnach zurückzuweisen, weil die beiden gegen den Angeklagten heran- gezogenen Bestimmungen nicht notwendigerweise so auszulegen seien, daß sie zur.Bestrafung führen könnten. öewcrhrcbaftllcbca. Berlin und Umgegend« Achtung! Partei- und Gewerkschaftsmitglieder! In Ausführung des Beschlusses der General- ko m Mission derGewerkschaftenDeutschlands für die ausgesperrten und streikenden Tabakarbeiter all- gemeine Sammlungen zu veranstalten, werden vom Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission von Montag, d e n 22. I u l i ab Sammellisten herausgegeben. Dieselben sind zu haben im Bureau der Kommission, Engel-Ufer 15 l, Zimmer Sir. 1, und zwar werktäglich von 11—1 Uhr vormittags und von 6— 7'/g Uhr nachmittags. Gelder mit der Post sind persönlich an den Genossen Alwin K ö r st e n ebenfalls unter oben angegebener Adresse zu richten. Wir ersuchen die Genossen sich an dieser Sammlung zahl- teich zu beteiligen. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission. Der Kampf im Baugewerbe. Wider Gesetz und Recht werden in unserem preußischen Klassenstaat nur zu oft Arbeiter behandelt, die mit dem Unternehmertum im Kampfe liegen. Die Behörden, die über Gesetz und Recht zu wachen haben, sehen in der Regel streikende oder ausgesperrte Arbeiter als Menschen an, die zu allerlei Ausschreitungen neigen, während sie in den Unter- nehmern und ihren getreuen Arbeitswilligen die vor allem schütz- bedürftigen Träger aller staatsbürgerlichen Tugenden erblicken. Eine solche Auffassung muß selbstverständlich zu allerlei Ungerechtig- leiten und gesetzwidrigen Maßnahmen gegen streikende Arbeiter führen. Das zeigte sich auch wiederum deutlich bei dem Kampf im Baugewerbe, wenn es auch nicht überall gleich scharf hervor- tritt. Ob Streikposten mehr oder minder stark von der Polizei belästigt werden, hängt ja zum Teil von den maßgebenden Be- amten der einzelnen Reviere ab. Beamte, die häufig als Ueber- wachende an Arbeiterversammlungen teilnehmen, den ernsten Be- ratungen aufmerksam zuhören, werden, wenn sie hinreichend mit Intelligenz und Gerechtigkeitsgefühl begabt sind, gewiß zu der An- ficht kommen, daß organisierte Arbeiter auch sozusagen Menschen sind, ja Menschen und Staatsbürger, die in ihrem Kampfe um bessere Lebensbedingungen besonders bestrebt sind, jede Gesetzes- Verletzung zu vermeiden, sich aber auch ihre gesetzlichen Rechte nicht nehmen lassen, und darum um so mehr Achtung verdienen. Solche guten Lehren scheinen u. a. auch die Beamten des Polizeireviers 107 in der Utrechterstraße nicht empfangen oder nicht oerstanden zu haben. Auf Hunderte von Metern wird der Um- kreis eines Neubaues in der Seestraße für„Streikgebiet" erklärt, das nach der Anordnung des Leutnants von Streikenden nicht betreten werden darf. Da wird Tag für Tag frisch darauf los verhaftet. Streikposten und Leute, die man als solche ansieht, werden wie Verbrecher nach der Wache transportiert. Ein Geheimer, der bald mit rundem Stroh- Hut, bald mit steifem Filzhut erscheint, ist dabei besonders eifrig tätig, hält es aber nicht einmal für nötig, sich zu legitimieren. Ein Streikpostenkontrolleur, der also selbst nicht als Streik- Posten tätig war. führte seinen vierjährigen Sohn an der Hand, den er wegen Abwesenheit seiner Frau nicht zu Hause lassen konnte. Er mußte mit dem Kinde nach der Wache.„Tag. Onkel." sagte der kleine Junge, und reichte dem Wachtmeister ver- traulich die Hand, nichts ahnend von den groben Anschnauzereien, denen sein Vater hier ausgesetzt war. Die Streikenden sind nicht so dumm, sich durch die? Vorgehen irgendwie provozieren zu lassen. Sie kennen überdies ihre gesetz- lichen Pflichten und Rechte, handeln danach und tragen sogar die wichtigsten Bestimmungen in der Tasche, um gesetzesunkundige Beamte, wenn möglich, belehren zu können. Aber eben darum lassen sie sich auch nicht einschüchtern und erfüllen trotz aller un- gerechten Polizeiverfolgung tapfer ihre Pflicht. Ob nicht solche llnerschrockenheit und Pflichttreue doch eine gewisse Achtung bei den Beamten erweckt, die doch wohl früher ein- mal gelernt haben, die Tapferkeit als eine der vornehmsten Tugenden des Mannes anzusehen?— Lohnbewegung der Fliesenleger. Der OrtSverein der freien Vereinigung der Fliesenleger und Hülfsarbeiter hatte eine Ver- sammlung beider Abteilungen am Donnerstagabend im Neuen Klubhause, Kommandantenstraße, veranstaltet, um die Vorschläge der Schlichtungskommission, die Lohnforderungen betreffend, zu beraten. P u t l i tz, als Obmann der Kommission, erstattete Bericht über die mit Vertretern der Maurer- und Bauhülfsarbeiter- organisationen gepflogenen Verhandlungen. Auch die christliche Organisation war vertreten. Die Kommission hatte die vier Haupt- punkte des Tarifs durchberaten und legte der Versammlung vor, daß der Stundenlohn für Fliesenleger 05 Pf. bei achtstündiger Arbeitszeit betragen soll.(Die Arbeitszeit ist jetzt 9 Stunden.) Für den Neueintretenden in der Branche bleibt der Lohn in den ersten drei Monaten der freien Vereinbarung überlassen, soll jedoch nicht weniger betragen als der jeweilige Maurerlohn. Für die Hülfs- arbeiter werden im ersten Vierteljahr 60 Pf., nach dieser Zeit 70 Pf. verlangt, ebenfalls bei achtstündiger Arbeitszeit, jetzt 9)4« stündiger. Wo bei Neueintretenden die freie Vereinbarung gilt, soll nicht weniger gezahlt werben als der jeweilige Bauarbeiter« ' lohn. Die Arbeitszeit dauert von 7>£ Uhr morgens bis 5 Uhr ! nachmittags. Die Frühstückspause wird beibehalten, dagegen fällt die Vesperpause aus. An den Sonnabenden wird um 4 Uhr, an ' den Tagen vor den hohen Festen um 2 Uhr Feierabend gemacht, ohne Lohnabzug. Die Regelung der Fahrgelder, wie sie die Kam- Mission aufgestellt hatte, fand eine Aenderung, indem die Ver- sammlung an Fahrgeld für die Stadt- und Ringbahn 20 Pf. pro Tag verlangte und außerhalb des Ringes entsprechend mehr. Ein Mitglied der Kommission wurde in der Versammlung scharf kritisiert und das Verlangen gestellt, daß dies Mitglied sich zurückziehen möchte. Mit den Vorschlägen der Kommission war die Versammlung bis auf die Fahrgeldangelegenheit einverstanden.— ES wurde dann noch beschloffen, Extrabciträge von 25 Pf. pro Arbeitstag zur Unterstützung für die Streikenden im Bau- gewerbe zu erheben; auch wurde der Vorstand ermächtigt, im Falle eines Unterstützungsgesuches der kämpfenden Gewerkschaften sofort Hülfe zu gewähren. Die Sektion der Fliesenleger vom Zentralverband der Maurer beschäftigte sich ebenfalls am Donnerstagabend mit der bevorstehenden Lohnbewegung, und zwar in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Gewerkschaftshaus. Der Sektions- Vorsitzende Max Anton berichtete über die gemeinsamen Be- ratungen der Tarifvorschläge mit den Vertretern des Ortsvereins der Fliesenleger, an denen der Redner sowie B r e i s k e als Ver- treter der Sektion teilgenommen hatten. Die Kündigung des Tarifvertrags wurde dann von der Versammlung einstimmig be- schloffen. Den neuen Forderungen, soweit sie in den gemeinsamen Sitzungen vorberaten worden waren, stimmte die Versammlung ebenfalls zu, dem Stundenlohn von 95 Pf. jedoch gegen eine starke Minderheit, die dafür war, 1 M. Stundenlohn zu verlangen. Außerdem wurden aus der Versammlung noch einige andere Wünsche laut, wie der, daß die Fahrgeldvergütung auch auf die bisher davon ausgeschlossenen inneren Stadtteile Berlins aus- gedehnt werde, was vor allem damit begründet wurde, daß sich gerade hier, wo die vielen großen Geschäftshäuser gebaut werden, die Fliesenlegerarbeit häuft, die Arbeiter sich aber immer mehr gezwungen sehen, in entfernten Stadtteilen oder außerhalb wohnen, wodurch ihre Ausgaben für Fahrgeld steigen, ohne daß Ersatz dafür erhalten. Beschlüsse wurden hierüber nicht gefaßt. Die Versammlung beschloß, daß Anton und B r e i s k e auch fernerhin als Vertreter der Sektion in der gemeinsamen Tarifberatungskommission tätig sein sollen. Zum Widerstand gerüstet. Die Töpfer stehen in einer Lohnbewegung. Ihr Tarif ist zum 1. Oktober von den Unternehmern gekündigt worden, um die Lohn- Verhältnisse zu verschlechtern. In der Generalversammlung gestern abend im Gewerkschaftshause nahmen die zentralorganisierten Töpfer hierzu Stellung und erklärten, daß sie einer Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen nicht nur entgegentreten werden, sondern eine Verbesserung erstreben, unter anderem verlangen sie die Einführung des achtstündigen Arbeitstages, wo gegenwärtig noch neun Stunden gearbeitet wird. Der Vorstand empfahl die folgende Resolution, die einstimmig angenommen wurde: „Die heute, am 19. Juli, im Gewerkschaftshause tagende Generalversammlung des Zentralverbandes der Töpfer und Be- rufsgenossen Deutschlands, Filiale Berlin, nimmt Kenntnis von der Kündigung des Tarifs seitens der Unternehmer und erblickt darin die Absicht einer Reduzierung der Löhne.— Die neugewählte Lohnkommission wird beauftragt, mit den Unternehmern in Unter- Handlung zu treten und gleichzeitig eine prozentuale Aufbesserung der schlechtbezahlten Positionen, wie Veltener Arbeit usw., zu fordern, da bei der letzten Lohnbewegung diese Positionen nur einen sehr minimalen Aufschlag erhalten haben und die Löhne mit der immerwährenden Steigerung der Lebensmittel und sonstigen allgemeinen Teuerung nicht in Einklang zu bringen sind.— Die Versammelten verpflichten sich, mit allen Mitteln gegen jede Redu- zierung der Löhne Stellung zu nehmen und die gestellten Forde- rungen durchzusetzen." Deutfches Reich. Die Arbeiterbewegung in Danzig. Wieweit die politische Schulung der gewerkschaftlich organi- sierten Arbeiter in Danzig vorgeschritten ist, darüber gibt eine Statistik Aufschluß. Es wurden 4000 Fragebogen an die Gewerk- schaften ausgegeben. Von diesen kamen 1605 ausgefüllt zurück. Das ist eigentlich wenig. Man kann aber wohl annehmen, daß sich das aus den 1605 Fragebogen gewonnene Bild relativ kaum ändern dürfte, selbst wenn noch einmal soviel Bogen zurück- gekommen wären. Das Hauptgewicht wurde darauf gelegt, fest- zustellen, wer von den Gewerkschaftlern politisch organisiert und Abonnent der Arbeiterpresse ist. Gefragt wurde auch, wer bereit wäre, eine eventuelle sozialdemokratische D a n z i g e r Zeitung zu abonnieren. Jetzt erscheint die„Königsberger Volkszeitung" für Ost- und Westpreußen. Das Resultat sieht so aus: Insgesamt kommen 16 Berufe mit ca. 17 264 Arbeitern in Betracht. Von diesen gehören 4172(24,2 Proz.) den freien Ge- werkschaften an, 922(5,3 Proz.) gehören Hirsch- Dunckerschen, christlichen und polnischen Gewerkschaften an. Von den freien Gewerkschaftlern haben 1605(38,5 Proz.) die Fragebogen beant- wortet. Von den Beantwortern der Fragebogen sind 129(8 Proz.) sozialdemokratisch organisiert. 5(0,1 Proz.) find Mitglieder in Krieger- und Bürgervereinen. Zeitungsabonnenten sind von den Beantwortern der Fragebogen 801(49,9 Proz.). Von diesen Abonnenten halten 169(10,5 Proz.) die Arbeiterzeitung und 632 (39,4 Proz.) halten bürgerliche Zeitungen. Keine Zeitungen haben 804(50,1 Proz.) abonniert. Von den Nichtabonnenten sind 472 (58,7 Proz.) verheiratet, 328(40,8 Proz.) ledig. Bei 4 fehlt hier- über die Auskunft. Von den 1605 Beantwortern der Fragebogen sind 783(48.8 Proz.) für eine eventl. sozialdemokratische Danziger Zeitung: 283(17.6 Proz.) sind dagegen. Nicht geantwortet auf diese Frage haben 539(33,6 Proz.). Gut organisiert sind die Bauarbeiter mit Ausnahme der Hülfsarbeiter, bei denen von ca. 2000 nur 746 dem Zentral- verband angehören. Von ca. 1000 Maurern gehören dagegen 827 dem Zentral. verband an. Die Fragebogen haben 390 beantwortet. Von diesen sind 42 sozialdemokratisch organisiert: 35 sind Abonnenten der Arbeiterzeitung, 169 haben bürgerliche Zeitungen abonniert, 136 sind Nichtabonnenten. Für eine sozialdemokratische Danziger Zeitung sind 167, dagegen 90. Nicht geantwortet auf diese Frage haben 133. Von ca. 470 Zimmerern gehören 450 dem Zentralverband an. Die Fragebogen haben 159 beantwortet. Von diesen sind 22 sozialdemokratisch organisiert: 26 sind Abonnenten der Arbeiter- zeitung, 70 hoben bürgerliche Zeitungen abonniert, 63 sind Nicht- abonnenten. Für eine sozialdemokratische Danziger Zeitung sind 81, dagegen 14. Nicht geantwortet auf diese Frage haben 64. Sehr gut organisiert sind auch noch die Maler, die Kupfer- schmiede, die'Töpfer, die Steinsetzer, Stukkateure, Tapezierer und, wie natürlich, die Buchdrucker. Von ca. 500 Malern gehören 400 dem Zentralverband an. Die Fragebogen haben 174 beantwortet. Von diesen sind 8 sozial- demokratisch organisiert; 19 sind Abonnenten der Arbeiterzeitung, 81 haben bürgerliche Zeitungen abonniert, 74 find Nichtabonnenten. Für eine sozialdemokratische Danziger Zeitung find 101, dagegen 18. Nicht geantwortet auf diese Frage haben 55. Von ca. 74 Kupferschmieden gehören 50 dem Zentral- verband an. Die Fragebogen haben 17 beantwortet. Von diesen ist keiner sozialdemokratisch organisiert; 4 sind Abonnenten der Arbeiterzeitung, 6 haben bürgerliche Zeitungen abonniert, 7 sind Nichtabonnenten. Für eine sozialdemokratische Danziger Zeitung sind 11, dagegen 3. Nicht geantwortet auf diese Frage haben 3. Von ca. 152 Töpfern gehören 103 dem Zentralverband an. Die Fragebogen haben 47 beantwortet. Von diesen sind 8 sozial-� , demokratisch organisiert; 3 sind Abonnenten der Arbeiterzeitung, 29 haben bürgerliche Zeitungen abonniert, 15 sind Nichtabonnenten. Für eine sozialdemokratische Danziger Zeitung sind 31, dagegen 12. Nicht geantwortet auf diese Frage haben 4. Von ca. 70 Steinsetzern gehören 62 dem Zentralverband an. Die Fragebogen haben 17 beantwortet. Von diesen ist einer sozialdemokratisch organisiert; 1 ist Abonnent der Arbeiterzeitung, 8 haben bürgerliche Zeitungen abonniert, 8 sind Nichtabonnenten. Für eine sozialdemokratische Zeitung sind 7, dagegen 4. Nicht ge- antwortet auf diese Frage haben 6. Von ca. 31 Stukkateuren gehören 21 dem Zentralverband an. Die Fragebogen haben 13 beantwortet. Von diesen ist keiner sozialdemokratisch organisiert; keiner ist Abonnent der Arbeiter- presse, 8 haben bürgerliche Zeitungen abonniert, 5 sind Nicht- abonnenten. Für eine sozialdemokratische Danziger Zeitung sind 9, dagegen 2. Nicht geantwortet auf diese Frage haben 2. Von ca. 88 Tapezierern gehören 81 dem Zentralverband an. Die Fragebogen haben 41 beantwortet. Von diesen sind 7 sozialdemokratisch organisiert; 7 sind Abonnenten der Arbeiter- zeitung, 16 haben bürgerliche Blätter abonniert, 18 sind Nicht- abonnenten. Für eine sozialdemokratische Danziger Zeitung sind 27, dagegen 8. Nicht geantwortet auf diese Frage haben 6. Von ca. 274 Buchdruckern gehören 260 dem Zcntralverband an. Die Fragebogen haben 104 beantwortet. Von diesen sind 10 sozialdemokratisch organisiert; 13 sind Abonnenten der Arbeiter- zeitung, 41 haben bürgerliche Zeitungen abonniert, 44 sind Nicht- abonnenten. Für eine sozialdemokratische Danziger Zeitung sind 76, dagegen 10. Nicht geantwortet auf diese Frage haben 18.— Bei den Buchdruckern ist geradezu verblüffend die Zahl der N i ch t- abonnenten. Selbst wenn man in Rechnung setzt, daß eine größere Anzahl von Buchdruckern ein Gratisexemplar der Zeitung erhält, an der sie tätig sind, bleibt eine so große Ziffer von Nichtabonnenten gerade unter den Buchdruckern rätselhaft. Schwach organisiert sind die Hafenarbeiter, die Transport- arbeiter, die Schneider; aber auch die Holzarbeiter mit nur 320 organisierten bei 1200 Berufsangehörigen, und die Metallarbeiter, die von 8000 Berufsgenossen nur 450 organisiert haben. Diese Statistik lehrt, wieviel noch zu tun ist, um die gewerk« schaftlich organisierten Arbeiter aufzuklären. Das geschieht denn auch in Danzig eifriger und planmäßiger als bisher. Die Fest- stellungen der Statistik, die in den Monaten April und Mai d. I. getroffen wurden, würden, wenn sie heute nach etwa 2 Monaten erfolgten, bereits günstigere sein. Auch hier zeigt sich die Werve- kraft der sozialdemokratischen Lehre als unbesiegbar und ewig jung. Der Spibenweberstreik in Grimma beendet. Und mit Erfolg für die Arbeiter. Die Streikursache war, daß einer der dort be- schäftigten„Aucharbeiter" den Versuch gemacht hatte, einen seiner Kollegen aus ganz kleinlichen Gründen beim Staatsanwalt zu denunzieren. Die anderen Seidenwcber weigerten sich, mit diesem zusammen zu arbeiten. Nunmehr hat der Fabrikant den Denun- zianten entlassen. Der Fabrikant, der sich geweigert hatte, mehrere bestimmte Personen wieder in den Betrieb aufzunehmen, hat auch diese Ansicht revidiert. Ausland. Die„Gelben" von Zürich.*.. Fünfzehn Wochen kämpfen nun die Klempner von Zürich Und wollen vom Neunstundentag nicht ablassen. Das wird den Meisterw immer unbequemer. Sie versuchen es nun mit den Gelben. Das Sekretariat des Gewerbcverbandcs posaunt in die Welt hinaus, es sei im Klempnerstreik eine Wendung eingetreten, indem sich die Arbeitswilligen zu einem neuen Fachverein zusammengetan haben, der auch bereits schon mehr als 30 Mitglieder habe. Der- selbe Verein hätte schon einen Arbeitsvertrag mit 9(6 stündiger Arbeitszeit und Lohnerhöhung mit dem Meisterverein abgeschlossen« Es wird auf starken Zuzug von auswärts gehofft; der Verein werde sich rasch vergrößern und damit werde dann der Streik zu Ende gehen.— Nach dieser Mitteilung könnte man meinen, 30 Streikende hätten Verrat geübt und einen neuen-Fachverein geründet, dem ist nicht so. Die Meister haben aus den„schönen Seelen", die nie in den Streik traten, den Handlangern usw. einen Verein gebildet. Von denjenigen, die in den Streik getreten sind, ist kein ein- ziger abtrünnig geworden. Die Klempner Zürichs stehen noch heute auf ihren Posten. Die gelbe Gesellschaft ficht sie wenig an. Zuzug von Klempnern ist von Zürich unter allen Umstände« fernzuhalten._\ Letzte IVacfmchtcn und Dcpefcbcn, Bootsunglück auf der Oder. Breslau, 19. Juli.(B. H.) Wie der„Generalanzeiger� meldet, ereignete sich heute nachmittag ein schweres Bootsunglüd auf der Oder. Ein mit 6 Personen, einer Dame und 5 Herren besetztes Segelboot geriet in das Wehr am Zoologischen Garten und wurde zertrümmert, wobei alle 6 Personen in das Wasser fielen. Es konnten nur drei Personen gerettet werden, von der Dame und den beiden anderen Herren fehlt jede Spur. Wie das genannte Blatt weiter meldet, ist der Oderdamm am Zoologischen Garten stark gefährdet, über 50 Arbeiter sind beschäftigt, ihn zu halten. Die gefährliche Stelle befindet sich oberhalb des Gasthofes„Zum grünen Schiff", wo der Damm schmal wird. Das Hochwasser von 1903 brach den Damm an dieser Stelle, die Dörfer, welche zwischen der Oder und der Ohle unweit Breslau liegen, sind völlig unter Wasser gesetzt. Der Verkehr mit der Stadt von den Dörfern ist völlig unterbrochen. In großer Gefahr. Hamburg, 19. Juli.(B. H.) Der im Stuclcking-Dock in Reparatur befindliche Seeschlcpper„Möwe" fiel beim Herunterlassen im Wasser um und sank. Etlva 50 Arbeiter wurden dabei ins Wasser geschleudert, jedoch bis auf den Koch Niebert gerettet. Große Hitze in Schottland. Glasgow, 19. Juli.(B. H.) In ganz Schottland herrscht seit einigen Tagen eine unerträgliche Hitze. Aus mehreren Städten werden bereits zahlreiche Todesfälle an Hitzschlag gemeldet. Die Borgänge in Korea. Tokio, 19. Juli.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Ob« gleich große Sympathie für den Kaiser von Korea zum Ausdruck gebracht wird, macht sich doch das Gefühl großer Erleichterung geltend, da der Kaiser, der als großer Intrigant angesehen wurde, von nun ab vollständig entwaffnet ist. Man glaubt, daß die Beziehungen zwischen Japan und Korea keine Störung erleiden werden. Große Anerkennung wird dem mutigen Verhalten des koreanischen Kabinetts während der Krisis gezollt. Mehrere japanische Minister befürworteten eine lebenslängliche Ber« bannung des Kaisers von Korea nach Japan. Soeul, 19. Juli(W. T. B.) Gegen abend versammelten sich an verschiedenen Punkten der Stadt erregte Bolksmengen an, unter die in heftigen Worten gehaltene antijapanische Druck- fachen verteilt wurden.(Siehe ausländische Politik.)� Eine Revolte. New Aork, 19. Juli.(W. T. B.) Ein.Telegramm au» Guahaquil meldet: Bei Tagesanbruch wurden vier Kasernen gleichzeitig von„Jndepententen" genannten Revolutionären an- gegriffen. Die Jndepententen wurden zurückgeschlagen, einige� von ihnen wurden getötet. Auch der Wohnsitz des Präsidenten Alfaro ist angegriffen worden. Ueber Guahaquil wurde infolge, dessen der Belagerungszustand verhängt._ verantw. Redakt.: Carl Mermuth, Berlin-Rudorf. Inserate verantw.: Th. Glacke, Berlin. Druck u. Bering: Vorwärts Buchdr.u.BerlagSanstalt Paul SingerLrCo., Berlin LW. Hicrzu2Beilagenu.Unterhaltungsblatt it. 167. 24. ZahtglMg. 1. KkilM des„ÖMiüärts" Serlim öollislilstt. SmiiM,20.|nlil907. Die DeiAchM der Bächerinnungen. Die„Bäckerzeiwng". Organ des Zentralverbandes deutscher Näckerinnungen„Germania", veröffentlicht in ihrer Nr. b7 vom 14. Juli 1907 ein unter dem 25. Juni d. I. an das Kaiserlich Statistische Amt, Abteilung für Arbeiterstatistik, gerichtetes Schreiben in dem, wie ausdrücklich bemerkt wird— die Geschichte und der Verlauf des vom Verbände der Bäcker und Berufsgenossen herbei- geführten Streiks von den Innungen in einwandfreier(I) Weise geschildert wird.— Da angenommen werden mutz, datz die bürger- liche Presse sich mit Wollust über diese„einwandfrei— erlogene" Kundgebung hermachen und dieselbe gegen die Organisation der Bäcker ausschlachten wird, fühlen wir uns veranlatzt, die Ver- drehungen der Jnnungsdenkschrift auf den wahren Sachverhalt zurückzuführen. Bemerken wollen wir auch noch, datz die Organi- sation der Bäckergesellen dem Statistischen Amt eine Denkschrift über„die Geschichte und den Verlauf des diesjährigen Kampfes im Bäckergewerbe" unter Hinzufügen der dazu gehörigen Tatsachen und Beweismaterialien zusenden wird, welche dann wohl eher ge- eignet sein dürfte, einwandfrei genannt zu werden und nicht ver- feblen wird, die Lieferanten von Material zu Arbeiterknebelungs- gesetzen auch den Behörden gegenüber ins rechte Licht zu setzen.— Als durch den Streik von 1904 die Herrlichkeit der Backtrog- protzen in bezug auf unumschränkte Ausbeutungsmöglichkeit einen gewaltigen Knax bekommen hatte, befürchteten die Herren, datz ihnen ein neuer Kampf wiederum erheblichen Schaden bringen würde und sie legten sich bei der Lohnbewegung 1906 aufs Par- lamentieren. Nach den im Laufe der Zeit sich herausstellenden Tatsachen haben sie dies jedoch schon mit dem Bewutztsein getan, die zwischen ihnen und den Gesellen getroffenen Vereinbarungen nach Möglichkeit zu durchbrechen. Nach Ablauf der gepflogenen Ver- Handlungen hatte ein vom 3. Juni 1906 lautender Vertrag Gültig- Zeit, dessen 1. Passus lautete: „Kost und Logis darf den Gesellen nicht mehr vom Meister gewährt werden. Ausnahmen sind nur auf ausdrücklichen Wunsch der Gesellen zulässig." Hätten die Gesellenvertreter eine Ahnung von der Gesinnung Bei Meister gehabt, sie hätten sich niemals darauf eingelassen, den im zweiten Absatz vorgesehenen Ausnahmezustand gelten zu lassen. In der Denkschrift der Innung heitzt es: „Ihre(der Abmachungen) Durchführung führte bald zu mannigfachen Zwistigkeiten." Die Abschaffung von Kost und LogiS war es zunächst, welche tie Meister zu umgehen versuchten. In Nr. 03 der„Bäckerzeitung" vom S. August 1906 veröffentlichte der Vorsitzende der„Sprech- und Herbergskommission" Rau eine Bekanntmachung, welche, ohne datz die Schlichtungskommission danach gefragt worden wäre, den Sprech- meistern(Arbeitsvermittlcrn) folgende Anweisung in bezug auf den im Tarifvertrag vorgesehenen Passus 1. erteilte: 1. Der Geselle kann den Sprcchmeistern seinen Wunsch, beim Meister in Kost und Logis zu sein, zum Ausdruck bringen. 2. Der Meister kann bei den Sprechmeistern anfragen, ob ein Geselle da ist, der den Wunsch hat, bei dem Meister in Kost und LogiS zu fein; wenn dies nicht der Fall ist, hat der Meister einen solchen zu nehmen, der autzer Kost und Logis ist.— DaS heitzt in die Praxis umgesetzt:— Wer noch Gesellen in Kost und Logis haben will, kann sie jederzeit bekommen. Denn, gemessen an den Geschäften, die die Bogel und Konsorten machen, ist die weitgrötzte Mehrzahl der Bäckergesellen zufrieden, nach mehr- wöchiger Arbeitslosigkeit wieder eine Stelle zu erhalten und sei eS auch nur für ein Bäckerjahr(5— 6 Wochen), um die beim Ar- beitsvermittler oder Herbergswirt gemachten Schulden zu begleichen. ES war daher auch gar kein Wunder, datz nach Abschluß des Tarifcs das Kost- und Logisunwesen nicht nur bestehen blieb, sondern die arbeitsuchenden Gesellen in vielen Fällen zwangsweise für dieselbe begeistert wurden. In der Schlichtungskommission waren die dem Verbände angehörigen Gesellenvertreter zur Machtlosigkeit ver- urteilt, weil der von der Innung gestellte Obmann wie auch die Vertreter der Gelben jederzeit mit den Vertretern der Meister in eine Kerbe hieben. Trotzdem richteten sie gegen die innungsherrliche Mackination an die Adresse des Vorsitzenden, Obermeister Fritz Schmidt, einen scharfen Protest, der aber bei der stets zutage tretenden Seelen- Verwandtschaft der Arbeitgeberbeisitzer unter den Tisch fiel. Hatte man schon vorher die Gründung der sogenannten „Gelben" oder meistertrcuen Organisation durch Geldmittel in die Wege geleitet, so bewies die Hinzuziehung der„Leitung" der Gelb. linge, deren Mitgliederzahl ein„Bäckerdutzend" noch nicht überstieg datz hier lediglich ein Schachzug gemacht worden war, um nach Wunsch Störungen in die Verhandlungen hineinzutragen und um sich willige Prügelknaben für zukünftige Tarifbrüche zu schaffen, Die Schlichtungskommission war klugerweise folgendermatzen zu- sammengesetzt: 15 Vertreter der Innungen, 12 Mitglieder der di- Versen Gesellenausschüsse(auf deren Ausammensetzung die Meister einen nicht unerheblichen Einflutz ausübten), zwei Vertreter des mehrere tausend Mitglieder zählenden Bäckerverbandes, und zwei Vertreter der„Gelben", deren Organisation mit dem Gelde der Meister gegründet war. Es wird wohl niemand wundernehmen, wenn in den Kreisen der freiorganisierten Gesellen das grötzte Mitztrauen gegen die Recht- sprechung dieser Schlichtungskommission aufwuchs und beweisen ja die schriftlich und öffentlich eingereichten Proteste, datz die Ver- bandsmitglieder alles andere als gewillt waren, sich die Machi- Nationen der Meister und ihrer gelben Schützlinge ruhig gefallen zu lassen. Nach dem Wortlaut der tariflichen Abmachungen war auch eine Zentralisation des Arbeitsnachweises, welcher einer aus Meistern und Gesellen zu gleichen Teile zusammengesetzten Kom- Mission unterstehen und am 1. April 1907 in Kraft treten sollte, in Aussicht genommen. Es war dieser Zentral-Arbeitsnachwcis von den Gesellenvertretern nach dem Muster der in anderen Be- rufen bestehenden paritätischen Arbeitsnachweise gedacht und lietz man die Innungen über diese Ansicht auch nicht im Zweifel. Die Jnnungsdenkschrift lügt diese Tatsache einfach nach ihrem Gutdünken um und erklärt: „Der neue Arbeitsnachweis sollte wohl einer aus Meistern und Gesellen gleichmätzig zusammengesetzten Kommission� unter- stellt sein, im übrigen aber sollten als Träger der Arbeitsnach- weise die Innungen bestehen bleiben." Vernunft wird Unsinn! Es soll ein paritätischer ArbeitSnach- weis geschaffen werden, die Innungen bleiben aber nach wie vor Träger der(?) Arbeitsnachweisel— Wie ehrlich die Innungen aber ihre tarifliche Abmachungen zu halten beabsichtigen, bezeugt ein Passus in dem Statut der„Gelben", welches unter Mitwirkung der Jnnungsmeister zusammengestöppelt wurde und besagt: „Tie Meisterschaft ist gehalten, ihre Gesellen möglichst nur von den„gelben" Vereinen zu beziehen". Mitte September 1900 waren die Leiter des Bäckerverbandes in der Lage, den Innungen die Beweise für ihre Heuchelei und ihren Ehrenwortbruch um die Ohren zu schlagen. In einem „Verrat"!! überschriebenen Artikel wird von der Verbandslcitung der strikte Nachweis geführt, datz die Innung gar nicht an die Schaffung des paritätischen Nachweises denke, vielmehr wurden die „Gelben" in die Lage versetzt, sich einen eigenen Stellennachweis zu gründen und die Jnnungsmeister verpflichtet, diesen Nachweis HU benutzen mit dem Hinweise, datz die von ihnen gewünschten „Gelben" durch die JnnnngssprcchbnrcauS bevorzugt würden! Die JnnungSdentschrift sucht allerdings diese Darstellung zu entkräften, indem sie sagt: „Diese Behauptungen sind allerdings völlig aus der Luft gegriffen und ihre llnhaltbarkeit wird augenblicklich durch einen Belcidigungsprozctz des einen Sprechmeistcrs gegen die Verbands- leitung erwiesen." Dieser Sprechmeister, Herr Vogel, wäre aber wohl heil froh, wenn er sich niemals hätte zur Anstrengung der Klage verleiten lassen. Wenn nach dem Vorhergesagten sich die Leitung des Verbandes und dessen Mitglieder weigerten, zum Tank für die Hinnahme der Tarifbrüche auch noch von dem von den Meistern als Vermittlerin in Vorschlag gebrachten Jnnungsschiedsgericht die Narrenkappe auf- setzen zu lassen und den Oberbürgermeister von Berlin als Ver- mittler vorschlugen, so wird jedem Einsichtigen dles als ein Akt der Klugheit, aber auch der Friedfertigkeit erscheinen. Zudem wissen ja auch die gewählten Vertreter der gewerkschaftlichen wie politischen Organisation, datz die Leiter deS Bäckerverbandes alles mögliche versucht haben, um auf friedlichem Wege die Jnnehaltung des anerkannten Tarifes zu erreichen. Nachdem alle gangbar scheinenden Wege vergebens eingeschlagen waren, es offensichtlich zu Tage lag, datz die Innungen den 5tampf wollten, um der ver- hatzten Gesellenorganisation mit Hülfe der„Gelben" das Rück- grat zu brechen, wäre es töricht gewesen, hätten die Gesellen sich irgendwie im Kampf um kulturelle Forderungen Reserve auferlegt. Rücksichtnahme auf einen solchen Gegner wäre hier Dummheit ge- Wesen, und so zeigt sich im Verlaufe der wenigen Wochen, datz namentlich die Forderung eines freien Tages resp. einer solchen Nacht von den Gesellen mit Begeisterung verfochten und in der Folge auch von der Mehrzahl aller in Berlin existierenden Meister unterschriftlich anerkannt worden ist. Die Denkschrift sagt dazu: „Eine derartige Belastung kann der Kleinbetrieb nicht aus- halten und deshalb war diese Forderung von vornherein uner- füllbar." Sie rechnet in bekannter Weise bor, datz der Kleinbetrieb jede Woche 2 bis 4 Aushülfen einstellen müsse und es soviel arbeitslose Bäckergesellen in Berlin gar nicht gebe. Dabei ist den Schreibern der Denkschrift genau bekannt, datz die Kleinbetriebe nach dem dem Tarif zu Grunde liegenden Spruch des Einigungsamtes des Berliner Gewerbegerichts bei zwei Gesellen alle vler und bei vier Gesellen alle zwei Wochen einen freien Tag zu geben haben. Nur von den Grostbctrieben wird der freie Tag in jeder Woche gefordert. Aber auch einige Wahrheiten, freilich unfreiwillige, enthält die Jnnungsdenkschrift. Nachdem unzähligemale behauptet wurde. die 500 inx Verband organisierten Gesellen hätten die in Berlin anwesenden 5500 Meistertreuen terrorisiert und in den Streik ge- hetzt, bequemt man sich dazu, einzugestehen, datz in der den Streik beschlietzendcn Versammlung 1900 organisierte Gesellen anwesend waren, welche mit allen gegen 4 Stimmen für die neu einzureichen- den Forderungen votierten. Die zweite Wahrheit ist die, daß eine Schwierigkeit in der Versorgung der Bevölkerung mit Backware sich nirgend gezeigt habe!— Das ist erklärlich! In erster Linie hat das Publikum auf die von Streikbrechern angefertigte Backwarc verzichtet und die übrigen für die Arbeiterkundschaft in Frage kommenden Meister zogen es vor, so schnell als möglich, die Forde- rungen der Gesellen zu bewilligen. lieber das Schildbürgcrstückchen der Hefesperre gleitet die Denkschrift mit einer nichtssagenden Verlcgenheitsphrase hinweg. Sie sagt: „Da die Anwendung dieses Mittels in der Praxis mit großen Schwierigkeiten verbunden ist, wurden damit nur vorübergehend Erfolge für die Meisterschaft erzielt!" Man könnte lachen, wenn es nicht so bitter ernst und tief betrübend wäre, datz es in der Stadt der Intelligenz Berlin noch Leute gibt, die in ihrer reaktionären Blasiertheit sich jedwedem Kulturfortschritt, der sogar von der bürgerlichen Presse als not- wendig anerkannt wird, cntgegenzustcmmcn versuchen und mit den ungeheuerlichsten Lügen die Welt glauben machen wollen, es seien unerhörte, nie durchzuführende Forderungen, welche von ihren noch unter den mittelalterlichsten Verhältnissen arbeitenden Gesellen ge- stellt worden seien. Jedenfalls ist zu erwarten, datz die vom Bäcker- verbände einzureichende Denkschrift dem statistischen Amt die Meinung eines bürgerlichen Blattes verständlich machen wird, datz ein Gewerbebetrieb, der derartige im Interesse des Kulturfort- schritts unumgänglich nötige Forderungen nicht auf sich nehmen kann, ein parasitärer ist, der keinerlei Existenzberechtigung habe und deshalb im Interesse der Nation, wie der Volkswohlfahrt gut und gern verschwinden kann. Sozialed« Ist der zu Unrecht des Diebstahls bezichtigte Angestellte berechtigt, sofort den Dienst zu verlassen? Die Beantwortung dieser Rechtsfrage unterlag gestern der Entscheidung der fünften Kammer des Kaufmannsgcrichts. Die Verkäuferin Lina M. hatte bei dem Flcischermeister H. Schulz in der Winterfeldstratze sofort ihre Llrbeit niedergelegt, weil ihr der Vertreter des Meisters in Gegenwart von Zeugen vorgeworfen hatte, sie habe gestohlen. Als Begründung dieses Vorwurfs führte der beklagte Fleischermeistcr an, datz Frl. M. trotz seines ausdrücklicher. Verbots, Fleisch- und Wurstivarcn zum Abendbrot aus dem Geschäft mitzunehmen, sich dennoch am 18. Mai Wurst und Schinken abgeschnitten und mitgenommen habe. Er mache die seitens seines Geschäftsführers ausgesprochenen Worte voll- ständig zu den seinigcn und habe für die Handlungsweise der Klägerin keine andere Bezeichnung als„Diebstahl". Die Zeugen- Vernehmung ergab, datz früher das Mitnehmen des Abendbrots im Geschäft des Beklagten üblich war, während nach dem Verbot nur noch im Geschäft das Abendbrot verzehrt werden sollte. Das Verbot war aber weder zu Ohren der Kläacrin noch zu denen einer Mitangcstelltcn F. gekommen. Als ein Geselle die Klägerin auf das Verbot aufmerksam machte, wollte sie sich auch sofort durch Rückfrage beim Meister Gewitzheit darüber verschaffen, traf ihn aber in seiner Privatwohnung nicht an Zur Mitnahme des Abendbrotes sah sich die Klägerin nur veranlatzt, weil sie im Ge- schüft keine Zeit zum Essen hatte.— Das Kausmannsgericht verurteilte den Beklagten zur Zahlung des Nestgehalts von 85 M. Es handle sich im vorliegenden Falle höchstens um eine Uebertretung der Anordnung des Prinzi- pals, nicht um einen D i e b st a h l. Der Vorwurf des Diebstahls sei unberechtigt und gebe der Klägerin begründeten Anlatz zur Auflösung des Dienstverhältnisses. Beiträge zur Säuglingssterblichkeit. Die hohe Sterblichkeit der Kinder im ersten Lebensjahre hat eine Reihe von Gemeinden veranlatzt, endlich aus ihrer früher an den Tag gelegten Gleichgültigkeit zu erwachen und Massnahmen zur Bekämpfung der Säuglingssierblichkeit zu ergreifen. In erster Linie versucht man es mit Mitteln, die nichts kosten, beschreitet den Weg der Belehrung. Es werden auf den Standesämtern an diejenigen Personen, welche Geburten anzeigen, Merkblätter über die Ernährung und Pflege der Säuglinge verteilt! unberücksichtigt lätzt man, ob die Eltern auch in der Lage sind, die Vorschriften zu be- folgen. Daneben sucht man durch Kreisärzte, Aerzte, Hebammen und Pflegerinnen oder auch durch öffentliche Vorträge die Mütter zu belehren. Solche Ratschläge und Vorträge können ja recht lehrreich sein, aber leiher werden die meisten Mütter dadurch allein noch nicht in die Möglichkeit versetzt, ihren Kindern die Pflege und Aufwartung zuteil tverden zu lassen, die im Interesse der Volks- gesundheit notwendig ist. Was die praktische Fürsorge betrifft, so ist man jetzt mehr als bisher bestrebt, die Wochenpflege durch Ausbildung von Wochenpflegeriuucn u»d durch Bereitstelluiigcu von Körben mit Gegen- ständen, Wäsche'nsw. für die Wochenpflege zum Ausleihen an bedürftige Wöchnerinnen, sowie durch Ausbildung von Hauspflcgcriunen zur Unterstützung der Wöchnerinnen in der Hausarbeit zu fördern. Daneven ist in einer Reihe von Städten die Begründung von Mütter« und Säuglingsheimen, von Kinderashlen und Säuglingskrankenaustaltcn vorbereitet. Man ist bestrebt, in allen derartigen Slnstaltcn in erster Linie die natürliche Ernährung darzubieten. Für Wöchnerinnen, welche ihr Kind längere Zeit hindurch stillen, werden Stillpcämien gegeben, auch sucht man Hebammen, in deren Praxis sich die meisten stillenden Mütter finden, durch Prämien zu belohnen. In einer Anzahl gröberer Stadtgcmeinden sind Fürsorgestcllcn eingerichtet, in denen die Mütter und Angehörigen der Säuglinge ärztlichen Rat über die Er». nährung und Pflege der Kinder erhalten, und eine einwandfreie Kinder» milch teils unentgeltlich an die Armen, teils zu ermäßigten Preisen a» die Bedürftigen abgegeben wird. In anderen Städten sind seitens der Gemeinden eigene Anstalten zur Beschaffung guter Kindermilch errichtet. Auch der Ueberwachung der Haltekinder wird seitens der Behörden eine grössere Aufmerksamkeit als früher ge« schenkt. So gut und schön alle diese Massnahmen gemeint sein rnvzen, viel werden sie nicht helfen, solange nicht die gesamte Lebenshaltung des Proletariats gehoben wird. Gerade die Kinder des Proletariats werden am ehesten dahin gerafft. Die Ursachen liegen nahe: enge dumpfe Wohnungen ohne Licht und Luft, Zwang der Mütter, selbst noch in hochschwangerem Zustande ihrem Erwerb nachgehen und bald nach der Entbindung wieder im Dienste des Kapitalismus zu frouden, die Unmöglichkeit vieler Mütter, ihre Kinder selbst zu stillen und oft genug die Notwendigkeit, den Tag über ihre Kinder fremden Händen anvertrauen zu müssen. Es ist kein Zufall, datz die Sterb« lichkeit an Brechdurchfall, die ja die meisten Opfer fordert, i» den ö st l i ch e n Regierungsbezirken im allgemeinen weit höher ist als in den westliche» und datz in den grossen Städten und den Ortschaften mit dicht gedrängt wohnender Arbeiter« bevölkerung zahlreiche Kinder an Brechdurchfall starben, während auf dem Lande, wo gute frische Milch leicht zu beschaffen ist, und besonders dort, wo die Kinder fast durchweg an der Mutter- brüst ernährt werden, diese Erkrankungen nur selten waren. Ebenso erklärlich ist eS. datz z. B. im Kreise Oels im Regierungsbezirk Breslau amtlichen Berichten zufolge die Säuglings st ervlich« keit infolge Brechdurchfall unter den Kindern der Landarbeiter sechsmal so gross war als unter denen der selbständigen Landbewohner und Städter. Auch � aus dem Regierungsbezirk Potsdam wird berichtet. datz in Orten mit vorherrschender Industrie, wie Brandenburg an der Havel, Luckenwalde, Spandau, wo auch die Mütter einer gewerblichen Tätigkeit ausserhalb deS Hauses nach« gehen, die regelmässige Ernährung der Kinder auf Schwierigkeiten stösst. In Stettin, wo der Brechdurchfall trotz Abnahme der Säuglingssterblichkeit noch zahlreiche Opfer forderte, zeichnen sich gewisse an der Peripherie der Stadt gelegene Bezirke durch eine besonders hohe Säuglingssterblichkeit aus. Charakteristisch ist es übrigens, doss die Vertreter der Bour» geoisie, die früher den sozialdemokratischen Bestrebungen auf Be» kämpfung der Säuglingssterblichkeit gegenüber sich vielfach ablehnend verhielten, seit einiger Zeit förmlichen Sport damit betreiben. Mit- bestimmend mag hierbei der Grund sein, dass am 15. November 1904 die deutsche Kaiserin die Notwendigkeit der Bekämpfung der Säuglings- stcrblichkeit in einem Schreiben an den Vorstand des Vaterländischen Frauenvereins betont hat. Wann verstösit ein Bierabnahmevertrag gegen die gute» a Sitten? � Der§ 134 B. G.-B. bestimmt, datz ein Rechtsgeschäft, daS gegen ein gesctilicheS Verbot vcrstötzt, als nichtig anzusehen ist, wenn sich nicht aus dem Gesetz ein anderes ergibt. SIls solch ein gesetzliches Verbot hatte das OberlandeSgcricht Naumburg die Bestimmung des§ 10 der Gewerbeordnung bezeichnet, welche Gewcrbeberech- tigungen, sowie Zwangs- und Bannrechte, die durch die Gewerbe- ordnung aufgehoben oder für ablösbar erklärt werden(Z 8 Ziffer 2 G.-O.) nicht mehr zulätzt. ES handelte sich hierbei um eine Klege der Erben des BrauercivesitzerS Trcitfchke in Erfurt gegen einen gewiffen O. und dessen Ehefrau dortselbst. Die Deklagten hatten im Sommer 1904 ein Grundstück erworben, in dem eine Schank- Wirtschaft betrieben wird. Gleichzeitig nahmen sie von dem Bier- brauer T. ein Darlehen von 13 000 M. auf und bestellten ihm dafür eine Hypothek. In der Hypothekenbestellungsurkunde wurde be- stimmt, datz dieses Darlehen von den Beklagten nicht früher als für den 1. Juli 1916 gekündigt werden könne, dagegen wurde dem Dar. Ichirsgläubiger das Recht eingeräumt, ohne Kündigung sofortige Rückzahlung verlangen zu können, wenn eine Zinszahlung um mehr als einen Monat verzögert oder auf dem Grundstücke der Beklagten vertragswidrig anderes Bier als wie im Vertrage ausgemacht, zum Ausschaut gebracht werden oder wenn das Grundstück veräußert werden sollte. Für die Einhaltung der Verpflichtung, datz auf dem Grundstücke der Beklagten nur Bier deS T. oder seiner Geschäfts- Nachfolger zum Ausschank komme, wurde von dem Deklagten eine Sichcrungshypothck in Höhe von 3000 M. bestellt und für den NüS- schank von jedem Hektoliter verbotenen Bieres eine Strafe von 5 M. ausbedungen. Die Biercntnahmeverpflichiung wurde dann noch dahin eingeschränkt, datz neben dem Bier des DarlchnSgläubigerS echt bayerisches Bier und Lichtenhaincr ausgeschenkt werden dürfe. Schon im Dezember 1904 erhoben die Kläger die jetzige Klage aus Zahlung von 300 M.(Vertragsstrafe für 60 Hektoliter), da ver- botencs Bier in der betreffenden Wirtschaft verschänkt worden sei. Die Beklagten erhoben Widerklage mit dem Slntrage, festzustellen» daß den Klägern überhaupt nicht das Recht zustehe, eine Kon- ventionalstrafe zu verlangen, da der Darlchnsgläubigcr selbst gegen den Vertrag verstoßen und durch diesen Verstoss zum Bezug fremden Bieres genötigt habe. Das Landgericht Erfurt wies die Widerklage ab und erkannte nach dem Klageantrage. Sluf die Berufung der Beklagten erachtete aber das Oberlandesgericht Naumburg einen Verstoss gegen die 88 8 Ziffer 2 und 10 der Gewerbeordnung für vorliegend und gab dem Widerklagcairtrag unter Abweisung der Klege statt. Dieses Urteil wurde vom II. Zivilsenat des Reichsgerichts aus- gehoben und die Sache zur andcrweiten Verhandlung und Eni- scheidung an den II. Zivilsenat des Berufungsgerichts zurückverwiesen, weil zwar der§ 10 der Gewerbeordnung nicht anwendbar sei, eine Prüfung nach der Richtung aber nicht stattgefunden habe, ob der Bertrag gegen die guten Sitten verstosie. In der erneuten Verhandlung nahm das Oberlandesgericht Naumburg an, dass der betreffende Vertrag gegen die guten Sitten vcrstohe und wies die Klage wiederum ab unter Stattgcbung des Widcrklageantragcs. Und zwar gelangte der Berufungsrichter zu der Uebcrzeugung, dass der Vertrag die wirtschaftliche und gewcrb- liche Freiheit und Selbstbestimmung der BcNagtcn in nnznlässiger- weise beschränke und unterbinde, und daß deshalb der g 138 Absatz 1 B. G.-B. Slnwendung zu finden habe. Die unzulässige Beschränkung der Beklagten wird besonders in der mindestens ISjnhrigcn Dauer der Bindung der Beklagten erblickt, während das von T. gegen Sicherung gegebene Darlehen beim Bezug fremden BiereS ohne Kündigung rückzahlbar sei und die Vertragsstrafe verfalle, ohne daß dadurch die Bicrbezugspflicht gemindert werde. Sluf feiten des Bier» lieferanten findet der Berufungsrichtcr eine Häufung von Vorteilen und Zwangsmitteln, während die Kläger selbst lediglich die gesetzliche Pflicht auf sich genommen hätten, ohne dass die Beklagten ein Mittel besäßen, in besonders eindringlicher Weise gegen Ver» fehlungeir der Kläger hinsichtlich der Lieferung und der Preis- bemessung sich zu schützen. Die von neuem gegen das oberlandesgCrichiliche Urteil eingelegte Revision wurde vom II. Zivilsenat des Reichgerichts zurück« gewiesen._ Zur Haftpflicht der Lehrer. Die Osnahrücker Stadtverwaltung beschloß, die Schadloshaltung der Lehrer bei eintretenden Fällen von Haftpflicht bei Schulaus, klugen zu übernehmen. Ein verständiger Beschluß, dessen AuS» oehnung auf andere Gemeinden und dessen Verallgemeinerung dahin zu wünschen wäre, daß die Gemeinden die Haftung für alle Schäden übernehmen, die den Kindern infolge des Schulbesuchs lz. B. beim Turnen, Baden oder durch Entwendung von KleidunaS- stücken) erwachsen. Leider haftet nach dem Gesetz der StadtfisluS für die wenigsten solcher Fälle. Hue Induftnc und f)andcL Die Verschuldung deS Dresdener subhastierten Grundbesitzes. Der SpekulationZkrach im Dresdener Hausbesitz, der durch die letzte Wirtschaftskrise heraufbeschworen wurde, veranlaßte den Rat der Stadt Dresden, das städtische statistische Amt mit einer Unter- suchung der Verhältmsse des Dresdener subhastierten HauS« und Grundbesitzes zu beaustragen, die nun in einer ausgezeichneten Untersuchung deS DireltorS Dr. Schäfer in den Mitteilungen des Statistischen AmteZ der Stadt Dresden vorliegen und die Zwangs- Versteigerungen der Jahre 1904 und 1905 zur Unterlage haben. Das interessanteste Kapitel der Untersuchung bildet wohl das über die Verschuldung des subhastierten HauZbesitzeS. Der amtliche Taxwert de» subhastierten HauZbesitzeS, der vor dem Jahre 1900 von seinen letzte» Besitzern erworben wurde, betrug 27 511000 M., seine Hypothelenschulden beliefcn sich auf 30 170 000 M. Seine Verschuldung berechnet sich also auf 110 Proz. des Taxwertes. Letzterer wird festgestellt unter Berücksichtigung voller Vermietung der Häuser, ist also sicher und anerlanntermaßen nicht zu ungünstig. In der Tat sind die Mieten um etwa 5 Proz. seit 1900 gefallen, mithin ebenso der Ertragswert. Nimmt man aber gar 10 Proz. an. so bleibt schon für 1900 eine Verschuldung von rund 100 Proz. übrig. Damit charakterisiert sich der subhastierte HauSbesitz als Scheinbesitz, der in Wirklichkeit nur ein Kollektivbesitz der Hypothekengläubiger ist. Geht man die Art der Hypetheken durch, so findet man nicht weniger als 15,2 Proz. Kaufgelderhypotheken, allein durch den Besitzwechsel hat die SpekuIationüber14Mill. Mark, verdient". Zudem sind abernoch ein Teil der im Grundbuch als Kaufgeldhhpotheken geführten Hypotheken in DarlehnShypotheken umgewandelt worden und infolgedessen zur Auszahlung gelangt. Durch den Krach sind von ihnen mindestens 3 Millionen Mark an unrealisierbaren Spekulationsgewinnen für die letzten Besitzer verloren gegangen, das übrige haben die Mieter aus- zulöffeln. An dieser totalen Ueberschuldung ist nicht nur der neuere Besitz in den Vororten beteiligt, sondern auch„der alte solide Dresdener HauSbesitz". Durch das Hinzuströmen der Bevölkerung ist nämlich die Bautätigkeit so gut wie gar nicht angeregt worden, wohl aber der Grundstückshandel, der 1895 bis 1897 um 80 Proz. stieg, während die Bevölkerung Dresdens im ganzen Jahrfünft 1895/1900 um 14,4 Proz. anwuchs. Auch die nichtverkaufenden Hausbesitzer, die nachher mit ihren Häusern der Subhastation verfielen, werteten die Entwickelung der Wertsteigerung für sich um, kapitalisierten die höheren Mieterträge und die marktmäßige Wertsteigerung ihres Besitzes und realisierten sie gleich als Darlehenshypotheken, deren Geld in ihre Taschen auf Nimmerwiedersehen verschwand. Gelegentlich der Subhastationen wurde dann immer nur festgestellt, daß das Geld nicht mehr vorhanden war. Nur selten wurde ein Teil zu Umbauten und Erneuerungen benutzt, wie auch die Statistik der Bau- tätigkeit ausweist. Bon den 890 subhastierten HauSgruudstücken waren 07 Proz. überschuldet; bei 403---- 03 Proz. ging die Ueberschuldung über den Durchschnittssatz von 110 Proz. hinaus und erreichte in 10 Fällen 200 Proz. und mehr des Taxwertes l Mit den Ueber- beleihungen sind fast nur private Geldgeber hereingefallen, während die Banken. Institute und Stiftungen fast nur erststellige Beleihungen vorgenommen hatten. Aus den Zahlen ergibt sich ferner, daß von den 448 bebaut er- wordenen Grundstücken, die zur Subhastation gelangten, 73 Proz. beim Uebergang an ihre letzten Besitzer bereits überschuldet waren, davon 41 in solchem Grade, daß die Schulden den Wert der Grund- stücke bedeutend überstiegen. Bei den HauSverkäufen aus dem Jahre 1894 und früher handelte es sich mit wenigen Ausnahmen nur um Grundstücke mit normaler Beleihung; in diesen wenigen Fällen ist alter, ursprünglich solider HauSbesitz verunglückt. Der in den Jahren der'Hochkonjunktur 1895 biS 1899 erworbene und 1904/5 sub- hastierte HauSbesitz war bei Veranschlagung seines damaligen Ertragswertes zur Hälfte, nach seinem heutigen Wert zu 00 Prozent überschuldet. Den Ausschlag für die Subhastationen gaben aber die auch an Zahl beträchtlich überwiegenden HauSkäufe aus den letzten Jahren(seit 1900) mit nur 15 Proz. normal be- lasteter Grundstücke.„Wie jemand in den Zeiten einer schweren, allgemeinen Wirtschaftskrise hoffen konnte, mit einem derart über» schuldeten Grundbesitz noch ein Geschäft zu machen, muß geradezu unbegreiflich erscheinen. Der Volksmund sagt auch in bezug auf die Grundstücksspekulation: Den letzten beißen die Hunde, und daS Schicksal dieses HauSbesitzeS hat ihm nur zu recht gegeben". Noch schliminer als bei dem eben erwähnten sind aber die Ver- hältnisse bei den seit 1900 hergestellten subhastierten Neubauten. Die hierher gehörenden 443 HauSgrundstücke wurden von den letzten Be- sitzern als Baustellen erworben und nachträglich bebaut. Die bei der Zwangsversteigerung noch unfertigenfallen auS der Statistik heraus. Von den 332 übrigbleibenden waren nicht weniger als 95 Proz. überschuldet, bevor ihre Besitzer überhaupt daran denken konnten, sie rentabel zu machen! DaS charakterisiert den Leichtsinn, mit welchem in den letzten Jahren in Dresden gebaut und spekuliert wurde. Die Baustellenbesitzer können sich gar nicht über ihre Lage getäuscht haben und über die Chancen, die ihnen ihre Bautätigkeit noch bieten konnte. Dr. Schäfer sagt, daß viele, ja die meisten von ihnen gebaut haben dürften, weil sie die Zinsen für ihre Baustellenkäufe nicht aufbringen konnten, weil sie bauen mußten, um eine sofortige ZlvangSvollstreckung in ihren Landbesitz zu vermeiden. Sie haben gebaut mit ftemdem Gelde ohne jede begründete Aussicht auf baldige ausreichende Verzinsung der Häuser, lediglich um dem Glück nochmals die Hand zu bieten. Daö Ende war trotzdem die Subhastation. Ei» feines Geschäft. Wie die„Kölnische Zeitung' erfährt, hat die Internationale Bohrssesellschaft Erkelenz anstatt der ursprünglich vorgesehenen und an die Rheinisch-Westfälische BergwerkSgesellschast Mühlheim an der Ruhr für den Betrag von 35 Millionen Mark verkauften 250 Koblenfelder noch weitere 25 Felder erbohren können, die ebenfalls von der Rheinisch- Westfälsschen BergwerkSgesellschast übernommen werden. Der Kaufpreis von 36 Millionen Mark erhöht sich dadurch um weitere 2'/, Millionen Mark, die ebenfalls der Internationalen Bohrgesellschast zufließen. Letztere bat damit in der kurzen Zeit von zwei Jahren zu den 50 Feldem, die sie bereits er- bohrt hatte, weitere 225 Felder erbohrt. Öericdts- Reitling. Cchadeaersatzverpflichtung au? einem Mietsvertrag. «Ziese Frage ist durch die nachstehend wiedergegebene Ent» scheidung des Reichsgerichts bejaht worden. Die Stcrnbrauerri in Kray stellte dem Gastwirt und Flaschenbierhändler Schmidt für den Handel mit ihrem Flaschenbier ein Fuhrwerk zur Verfügung. Infolge eines morschen RadcS. welches beim Ueberkabren eines Bahnüberganges orach, ist S. vom Wagen gefallen und hat dabei einen Beinbruch erlitten. Er machte daraufhin gegen die Stern- brauerei Schadenersatzansprüche in Höhe einer vierteljährlichen Geldrente von 0000 M. und 2000 M. Schmerzensgeld geltend, indem er sich auf die für den MirtSvertrag geltende Bestimmung deS Z 533 des Bürgerlichen Gesetzbuches berief. Der Z 533 deS Bürgerlichen Gesetzbuches berechtigt den Mieter, wenn die ver mietete Sache mit einem Mangel behaftet ist, der ihre Tauglichkeit zu dem vertragsmäßigen Gebrauch aufhebt oder mindert, Schaden- ersatz wegen Nichterfüllung zu verlangen. Die Schadenersatzpflicht tritt nicht ein, wenn der Mieter den Schaden gekannt hat oder bei einiger Sorgfalt hätte erkennen müssen. Die beklagte Brauerei bestreitet, daß ein Mietsvertrag zustande gekommen sei; sie beruft sich darauf, daß sie dem Kläger ihr Fuhrwerk ganz unentgeltlich zur Verfügung gestellt habe. Ihr selbst sei der Mangel nicht be- kannt gewesen und habe sie ihn nicht entdecken können. Dagegen aber treffe den Kläger eigenes Verschulden, weil er den Wagen in schlechte Obhut genommen und ihn monatelang nicht geschmiert habe. Auch hätte er den Mangel des Wagens gewahr werden müssen. Das Landgericht erkannte auch auf Abweisung des Klägers. Dahingegen änderte das OberlandeSgericht Hamm auf die Be- rufung des Klägers das landgerichtliche Urteil dahin ab, daß es den Anspruch deS Klägers mit Ausschluß des Schmerzensgeldes dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärte. In seinen Ent scheidungsgründen führt das OberlandeSgericht auS: Der Ansicht deS Vorderrichters, daß die Beklagte Pferd und Wagen zum Be- triebe des Flaschenbierhandels nur unentgeltlich verliehen habe, und deshalb nur grobe Fahrlässigkeit zu vertreten hätte, sei nicht beizutreten. Wenn die Beklagte auch kein Entgelt für die Be- Nutzung des Fuhrwerks sich auSbedungen habe, so habe doch die Ueberlassung desselben keineswegs unentgeltlich stattgefunden, sondern sei mit Rücksicht auf den BierlieferungSvertrag. der mit dem Verleihen des Fuhrwerks verbunden war, zu einer vertrag- lichen Ueberlassung des Wagens geworden. Danach müsse an- genommen werden, daß auch bezüglich der Ueberlassung von Wagen und Pferd ein nach MietSvcrhältniS und Miete zu beurteilendes ähnliche? VertragSverhältniS vorliege. ES sei nun aber festgestellt, daß der den Bruch verursachende Zustand deS RadeS schon vorher dem Vertragsabschluß vorhanden gewesen war und habe deshalb die Brauerei als Vermieterin für diesen Zustand und die von ihm verursachten Folgen aufzukommen. Für das eigene Verschulden deS Klägers, daß dieser den Zustand deS Wagens gekannt oder sonst herbeigeführt habe, liege kein Anhalt vor, namentlich stehe auch nicht fest, daß daS Rad deS Wagens durch übermäßig schnelles Fahren gesprungen sei. Unbegründet allein sei nur der Anspruch auf Schmerzensgeld, weil dieser nur bei Verletzung des§ 323 deS Bürgerlichen Gesetzbuches durch außervertragliches fahrlässiges Verhalten Anwendung finde. Die von der Beklagten gegen das oberlandesgerichtliche Urteil beim Reichsgericht eingelegte Revision wurde zurückgewiesen. Die in diesem Prozeß angewendeten Vorschriften über Schadenersatzpflicht finden auch auf Mietsverträge über Wohnungen Anwendung. Leider begibt sich aber der Meter in der Regel, insbesondere in größeren Städten, durch Unterschrift unter ein MietSvertragSformular dieses Rechtes. Trotz der Unter- schrift bleibt der Vermieter für die Mängel in vollem Umfang schadenersatzpflichtig, die er arglistig verschwiegen hat. Habt auf Kinder Acht! Der 35jährige Kaufmann Gustav F a r i n a mußte sich gestern vor der 5. Strafkammer des Landgerichts I verantworten. Der Angeklagte ist italienischer StaatSuntertan und im Kreise Bologna geboren. Am 4. März beobachtete der Schuhmachermeister Kersebohm den Angeschuldigten, wie er sich in verdächtiger Weise einer Schar Kinder näherte, die in der Königgrätzerstraße in der Nähe deS ASkanischen Platzes spielten. Nachdem F. sich einige Zeit mit der zehnjährigen Schülerin Hedwig B. unterhalten hatte, packte er daS Kind am Arme und zog eS mit sich fort. Trotz des heftigen Sträubens der Kleinen gelang es dem Angeklagten, daS Mädchen gewaltsam in einen Hausflur hineinzuziehen. Der Zeuge dieser Szene, Schuhmachermeister Kersebohm, folgte dem ungleichen Pärchen sofort in den Hausflur und überraschte den Angeklagten gerade in dem Moment, als er das Mädchen wiederholt küßte. Als Kersebohm dem Attentäter Vorhaltungen über sein Tun machte, zeigte sich dieser noch sehr empört und es fehlte nicht viel, so wäre es noch zwischen beioen zu Tätlichkeiten gekommen. Da sich mittlerweile eine größere Menschenmenge angesammelt hatte, sah der Kußräuber ein, daß eine Flucht unmöglich war und folgte dem Schuhmachermeister deshalb zur nächsten Polizeiwache. Gegen Farina wurde Anklage wegen Nötigung und Beleidigung des Mädchens erhoben. Das Schöffengericht hielt mit Rücksicht auf die Schwere der Straftaten eine Geldstrafe nicht als eine aus- reichende Sühne, sondern erkannte auf eine Gefängnisstrafe von 2 Wochen. Hiergegen legte der Angeklagte Berufung ein. DaS Berufungsgericht hielt die Strafe der ersten Instanz für durchaus gerechtfertigt, da es sich um einen gemeingefährlichen Exzeß handele, der häufig genug der Vorbote schlimmerer Verschlungen sei. Eue der frauenbenegung. Eine Kreisversammlung der proletarischen Frauen deS Kreise? Teltow-VeeSkow-Storkow-Charlittenburg, zu der auch die Frauen Niederbarnims eingeladen waren, tagte am Donnerstag in Speers Festsälen zu Baumschulenwcg unter dem Vorsitz der KrciSvcrtrauenSperson Genossin Thiel» Tempelhof. DaS Referat hatte Genossin Ottilie Baader übernommen. ES handelte sich um die Stellungnahme zum internationalen Kongreß, der sich bekanntlich auch mit dem Frauen st imm- recht beschäftigen wird. Somit trat diese Frage auch im Vortrag in den Vordergrund. Die Rednerin behandelte sie im Zusammen. hange mit der EntWickelung der ökonomischen, sozialen und politischen Verhältnisse, wobei sie nachwies, daß allen Veränderungen der so- zialcn und politischen Zustände, sie bedingend, die Veränderungen der Produktion vorangehen. Emer treffenden Schilderung der Stellung der Frauen in der kapitalistischen Gesellschaft� folgten Ausführungen über die zwingende Notwendigkeit der Erkämpfung politischer Rechte für die Frauen. Die Forderung sei heute heraus. gewachsen auS dem Bedürfnis, auS der Not der Zeit. Die Frauen brauchten die politischen Recht«, um die Unterdrückung zu beseitigen. um sich andere Rechte zu sickern, die st« erst in die Lage setzten, sich zu wehren. DaS legte Rednerin näher dar und zeigte dann die Unterschiede zwischen den bürgerlichen Frauenrechtlerinnen und den vorwärts strebenden proletarischen Frauen Jene seien bereit, die heutig« Gesellschaft zu stützen, während diese daS Wahlrecht auch als Mittel im Kampfe gegen die kapitalistische Gesellschaft nutzen wollten, neben seiner Verwertung zur Durchführung von Re formen, die ja übrigen» auch den Weg zum großen Ziele deS So- zialiSmuS ebneten. Die Aussprache über daS Frauensbmmrecht auf dem internationalen Kongresse sei von großer Bedeutung. Nicht handele eS sich um die Aufstellung der Forderung. Sie s e i aufgestellt in allen Ländern mit kapitalistischer Produktion. Aber die Mahnahmen zur Erreichung de« Frauenstimmrechts müßten erwogen und festgestellt werden, damit überall klar und entschieden für daS Frauenwahlrecht eingetreten werden könne. Wenn hier und da Genossen befürchteten, die Frauen würden noch in der Masse reaktionär wählen, wenn sie heute schon daS politische Wahlrecht erlangten, so sei daS unbegründet. Man könne nicht heranziehen die Erfabrunaen. die die Arbeiterklasse seinerzeit erst habe machen müssen. Die große Aufklärungsarbeit seitdem habe auch ihre Wirkung geübt auf die Proletarierinncn und übe sie fort und fort. Sie erinnere auch an das Beispiel Finnlands, wo die Frauen tapfer in den Kampf eingegriffen und gleich im ersten Ansturm neun Ge- nossinnen in das Parlament geschickt hätten.— Nicht nur von der Beteiligung der Frauen am Kongreß, sondern auch von der damit verbundenen internationalen Fraueilkonferenz wäre Ersprießliches zu erwarten. Die deutsche Frauendelcgation dürfe nach Vereinbarungen bis zu 12 Delegiertinncn umfassen. Sie empfehle, hier eine Delegierte zu wählen, und zwar solle sie(mit Ausnahme der- jcnigen Berlins) die proletarischen Frauen der ganzen Provinz Brandenburg vertreten. Bei der Wayl ständen natürlich im Vorder- gründe die Kreise, die schon eine größere Frauenbewegung hätten.— Rednerin betonte dann noch die Bedeutung der anderen Punkte der Tagesordnung des internationalen Kongresses und schloß ihren mehrfach durch Beifall unterbrochenen Vortrag mit einem warmen Appell an die versammelten Frauen, ihre Pflicht zu tun in der großen proletarischen Bewegung. Minister stürzten, andere tauchten auf, wie die Puppen im Marionettentheater. � Aber unsere Bewegung werde ungebrochen weitergehen. Wir würden das Frauen- stimmrecht erringen und schließlich werde das Proletariat auch den Kapitalismus aus den Angeln heben.(Lebhafter Beifall.) Die Genossinnen Frau Je e tz e. Rixdors und Frau Thiel. Tempelhof schilderten die Leiden der besonders stark ausgebeuteten proletarischen Frauen der verschiedenen Länder und gingen auf einige der Angelegenheiten ein. die den internationalen Kongreß beschäftigen werden. Genossin Thiel machte speziell darauf auf- merksam, daß hinsichtlich der Maifeier noch viel Aufklärungsarbeit unter den Frauen zu leisten sei. weil sie vielfach noch dazu neigten. aus kleinlichen Erwägungen heraus den Mann von der Feier durch ArbeitSruhe abzuhalten.. Die Versammlung wählte einstimmig die Genossin Thiel- Tempelhof zur Delegiertin mit der Maßgabe, daß sie die Provinz Brandenburg vertrete. Darauf trennte man sich mit Hochrufen auf die internationale völkerbefreicnde Sozialdemokratie. Gewerkschaftliche Lehrkurse für Arbeiterinnen werden ab 1. Oktober in Nürnberg eingerichtet. Als Lehrstoffe sind zunächst vorgesehen: Die Gewerkschaftsbewegung; Unternehmerverbände; Arbeiterschutzgesetze. Die Lehrabcnde. zu denen die Gewerkschafteil die ihnen geeignet erscheinenden weiblichen Mitglieder zu ent- senden haben, finden zweimal monatlich statt. Die sozialdemokratischen Frauen der Provinz Schleswig- Holstein wählten zur Delegiertin für den internationalen Sozia- listenkongreß die Genossin Lina Baumann in Altona. Lriefkalten der Redaktion. alt lurtftllch« eprcihNuild« flitfcel Friedrichs»». 1«, Slukgau» 4. eine Treppe(Handelsstiitte Belieatltance, Tiirchgang auch Liiwenstr� tv41 wocheiiliiglich von 7>/, bis Ö'/j uvr abends ftnit"* iDOcqtiiingnn) von i'tt VI» Vit>>ar notiio. II»,».©eäffnrt 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde NM a Ilhr. Feder Rnkragr ist et» «uchftab» und eine Lahl aiS Merk, eichen beizusiigeu.«riefliche Zlntwor, wird nicht ertetil. Stlig« Fragen trag- man m der Sprechstunde dar. M. F. 1. Eine strasrechllich versolgbare Handlung liegt tn dem von Ihnen Geschilderlen nicht. Stellen Sie die Klage aus Rückzahlung des Ge- borgten sowie ans die Alimente baldigst zu Protokoll des Amtsgericht» an. — P. L. 17. Zweck» Aufgebot müssen Sie die beiderseitigen KcburtS- Urkunden, Ihre MUitärpapicre und saus die Braut noch uicht 21 Jahre Ist, auch die polizeilich beglaubigte Einwilligung de« Vaters beibringen. Die Anmeldung kann nach Wahl der Verlobten bei dem Standesamt der Braut oder dem des Bräutigams stattfinden. In der Regel genügt eS, daß einer der Brautleute die Anmeldung vornimmt. Der Aushang dauert 14 Tage. — P. 50. Auch ohne ausdrücklichen Vertrag leben Sie außer Güter- gemeinfchast. ES ist indessen zweckmäßig, vor der Heirat einen Ehevcrtrag zwecks Ausschlusses der Verwaltung der Nutznießung und zwecks möglichster Sicherstellmig des Eigentums der zukünfttaen Frau zu schließen. Der Ver- trag muß genchilich oder notariell gefchlossen werden und ist dann tn das GütcrrcchtSregister einzutragen. Ein Beifptel sür«wen solchen Vertrag finden Sie aus Seite 225 Nr. 22 de« dem Arbeitcrrecht belgesügten Führers. Das Buch liegt in den össeniltchen Bibliotheken aus.— — P. 10. 1. Eltern hasten für vollen Ersatz de? durch Ihre noch nicht 18 Jahre alten Sprößlinge angerlchtetcii Schadens, sosern nachgewiesen wird, daß Sie die Ihnen als Eltern obliegende Aussichlspsllcht vernachlässigt haben und angenommen wird, daß bei Erfüllung der AussichlSpflicht der Schaden nicht entstanden wäre. Die Frage ist also von Fall zu Fall durch das Gericht zu entscheiden. 2. Leider wäre eine Klage gegen die Firma aussichtslos.— Parteigenosse 6. Nehmen Sie mit dem dortigen Amts- vorfteher Rücksprache. Die Pachtung müßten Sie von dem Eigentümer er- wirken.— G. D. 21. Sie haben die Vermlttewngsgcbühr aus Grund deS§ 652 des Bürgerlichen Gesetzbuches zu beanspruchen. I. K. 1809. Ihre Frage ist ohne Einsicht in die AusrcchnunaSbcscheintgungen nicht zu beantworten. Die Höhe der Invalidenrente hängt von der Anzahl und der Klasse der geklebten Marken ab.— 12 M. 1. und 2. Nein.— R. 16. Wenden Sic sich an das Bezirkskommando.— A. Z. 100. Ist ungewiß. — Kreuz. 1. Leider müssen Sie seit dem Jnkrasttreien deS Gesetze» vom Juli 1905 zahlen. 2. Für den KirchenauStritt Ihrer Frau Ist da« Amts. gericht Berlin-Schöneberg, Grunewaldstr. 94)95, zuständig.— F. 3. 255. 1. Sie würden nur aus Hinterlegung klagen können. 2. Sie können sowohl beim Amtsgericht Danzig, wie bei dem Ämtsgericht des jetzigen Wohnsitze- des Schuldners klagen. 3. Das wäre das zweckmäßigste. ES können avcr die übrigen Erben auch einem Erben Vollmacht erteilen.— O.®. 100. Ja. — F. F. 00. 1. Nein. 2. Sie müßten einen Ehevertrag notariell oder gerichtiich abschließen.— R.®. 38. 1. bis 3. Ja.— K. 16. Wenden Sie sich an die AuSkunstSstelle der Deutschen Gesellschaft sür ethische Kultur, Unter den Linden 16. Ouergcbäude III.— E.®. 56. 1. Ja. 2. Die Pfändung ist möglich. Aus erhobene Klage der Ehefrau müssen aber die Sachen, die nachweislich ihr Eigentum sind, wieder frei gegeben werden. 3. Der Vertrag ist ungültig. Es wäre ein notarieller oder gettcht. ltcher Vertrag erforderlich, aber auch dieser Vertrag hätte rückstcht- tich der schon vorbandenen oder drohenden Gläubiger kein« Gültigkeit. — 1873. Grundsätzlich müssen wir-» ablehnen, bestimmte Fabriken zu empfehlen.— W.®.«3. Keineswegs sind Sie verpflichtet, sich operieren zu lassen. Ob die Ihnen auserlegte Strafe zu Recht ergangen ist, läßt sich ohne Kenntnis deS Wortlautes der Slrasveisügung�nicht sagen. ES scheint, daß eS sich nicht um eine Strafe im gewöhnlichen sinne, sondern um eine Geidstrasc als ZwangSmtttel zwecks Erscheinens im Termin handelt. Wieder- holen Sie eventuell die Anfrage unter genauer Darlegung de» Jach- verhalt« und wörtlicher Mitteilung der Verfügung.— M. Z. A.®. Die Gebühren richten sich in einem Prozeß nicht nach der Anzahl der Termine, sondern danach, ob Beweisaufnahme stattgefunden hat, ob verhandelt ist und ob ein Urteil ergangen ist. In Ihrem Falle werden die reinen Ge- bühren(Gerichts- und Anwaltsgebühren), wenn Beweisausnahme statt- gesunden hat und ein Urteil ergangen ist. etwa 39 Mark bewogen. Hinzutreten Zengengebühren. Schreibgebuhren usw.- W. 21. 1. 9.30 M. 2. Ossenbacher Krankenkasse, Prinzenstraße 66 bei Hinz.— M. 1009. Ja. zu Berlin. Wir bringen hierdurch den Bestimrnnngen tmseres Kassenstatuts entsprechend zur Kenntnis, daß die in der ordentlichen Generalversammlung vom 24. März d. j. beschlossene 14. Abänderung des Kaasenstatuts die behördliche Genehmigung erhalten hat... Diese Abänderung bezieht sich auf 8 11 Abs. 8, das Krankengeld für die in Heilanstalten beflndlichen Knssenmitglieder bo trefkend.— Dem§ 12 ist eine neue Bestimmung angmügt, nach welcher der Vorstand Uebemahme von Bade- oder Kurkosten aussprechen kann.— Der§ 21 ist dahin erweitert, daß erkrankten Mitgliedern die Berufung an ein von allen Vertrauensärzten ge bilde tos Aerztekollegium zusteht, wenn sie durch die Maßnahmen versamininng aui iuu iviitgiioder einen Vertreter, mo aroeit- geber auf je 200 von ihnen beschäftigte Kassenmitglieder ebenfalls einen Vertreter zu wählen haben.— Die§§ 45. 47 und 62 enthalten neue Vorschriften über die ordnungsmäßige Einberufung der Generalversammlungen.— Die e§ 53, 1» und 58 enthalten die dem Bendanten für seine Geschäfteführung vorgeschriebenen Bestimmungen. Druckexemplare der vorstehenden Abänderung können im Kaesenlokal woehentäglich von 8— 3 Uhr in Empfang genommen werden. 875)6 Berlin, den 19. Juli 1907. Der Vorstand. Joh. Blenz. Vorsitzender. Otto Wooitzkli Schriltfühiex. USr den Inhalt»er Inserate uderuin»»« die Redattion drin Vnblituin ftegrniiber teiueriei ?lkra»>wark»NG. �Keater. Sonnabend, den 20. Juli. ilnfmig 8 Uhr. NcneS kgl. Overnlheater. Die Geisha. Deutsches. Der Jongleur. SitiiNer«.(Wulliiei-Thtaler.) Don Juan. Schitt-r N.(ftrledrich Wildelm. stlidtliibe« Tbeaier; Kyritz-Pyritz. Neues Schauspielhaus. Raffles. ZileiueS. Vater und Sohn. NeueS. Ein seltsamer Fall. komische Oper. HossmcmnS Er. zählunqen. Westen. DI- h e Witwe. le Welt ohne Der große Un« iiiisttNtelhanS. Männer. Bernhard Rose. bekannte. Ansang 8'/,'Uhr. Nachm. 41/« Uhr: Die Schwäbin. Unter'm Birnbamn.DieGauklerk. wletropol. Der Teusel lacht dazu. SU'ollo. Der Hochzeitsgast. Epe- zialitäten. Walhalla. Spezialitäten. FolieS Caprice. Geisterauto.— PariZ. Ansang 81/, Uhr. RctchShallen. Winter-Tymian. Passage. Spezialitäten. Sternivarte. Jnvalidenstr. 57/82. Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. Unter und Sohn. Morgen und folgende Tage: Bater und Sohn. 'sdesler öes Vestens. Abend« 8 Uhr: Die Instige Witwe. Operette in 3 Akten v. Franz Lehär. Helropol-Thealer Anfang 8 Uhr. Grolle Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor HoUaendor. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Rauchen überall gestattet. Ab 8 Uhr: Das große komische Programm! U. a.: Jean Paul in selnen Orlgiiwi-TyPeN. Jean Elermonts Zirkus-Parodie Barnum u. Beileid. to uhr: Hartstein In seiner Burleske „Oer Hochzeitsgast" als Ortsvorsteher Lehmann. Passage-Theater. Jeden Äbend 8 Uhr: Der große Verwandlungskünstler Artaro Bernardi. Berlins sclilckste Sonbrette Ida Perry �839 14 Varlhti Sensationen 14 SSi ' yy»o» Gebr. Herrnfeld- Theater. 67 Kommandantenstraße 57. Sonnabend, den 3. August: Wieder- Eröflnung. Premiere von Operetten-Burleske von Anton u. Donat Herrnseld. Musik v. 2. Jtal. Dazu die Separee-Affäre k W Jas Milehen Max Rliems ! Sommer-Theater Hasenheide 13/15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. iTMeh; Cr. teert Wer .'v-MlMtK-MleW. I Jeden Montag: Sommerseft. I Jeden Mittwoch: . �ie beliebten Kinderfeste. Zr>.» Vonnersiaa:«lite-Dag. I Die Kasfeektiche ist täglich von � Uhr ,d geöffnet. Sehiüer- Thealer 0, (W a l l n e r- T l> e a t e r.) Morwitz-OPer. Sonnabend, abend« 8Ubr: von lusn oder: Der steinerne Last. Große Oper von W. A. Mozart. Sonnlag. nachm. 3 Uhr bei halben Preisen: iiiiielln«. Sonntag, abends 8Uhr: Gastspiel der großh. Hosopcrnsängertn lZertruö llunge: Dnavlst«,.(Die Kamellenilanie.) Montag.abendS 8 Übe: Gastspiel Heinrich BUtel: Der Postillion von Lonjumeau. Sehiller-Thsater 8. Friedrlch-WllhelmstSdtlscIies Theater. Abend« 8 Uhr: Kyritz-KyNtz. Isxlicd ab uacbm. S llbr: 4-8 Uhr: _ Promenaden-Konzerte g>/, Uhr: Monster> Konzert. io>/, ühr. GroßerZapfenstreich mit Tamboor-Korps usw. Eintritt 1 M. Militär u. Kinder 25 Pf. Ausstellungslose ä I Mark berechtigen täglich zum Eintritt. Schweizergarten Am Königstor. Am Friedrichshain. Straßenbahn 1,2,4,17,59, 63, 63 u. 74. Täglich: Thealer-Yorslellung. Neue Spezialitäten. Rinematograph und Ball. Freier Damentanz. Anfang 5 Uhr._ Entree 30 Pf. W. Noacks Thealer. Dtreltto»' Roh. Olli. Brunnen str. 16, Große Extra-Borstellung. Nur einmalige Ausführung I 8'/, Uhr: Ein fideles Gefängnis. Dazu die vorzügl. Spezialitäten. Ans. k Uhr. Kaffcckllche v. 3 Uhr ab. Bei schlechtem Wetter: Vorst, im Saal. Fröbels Allerlei-Theater früh. Puhlinann, Schönh. Allee 143. AeitesteS Bolkstheater Berlins. Tommerfcst des Vereins der Stein» druckcr und Lithographen. Der neue große Juli-Spielplan. Prolongiert: Frank Oregorzt-Troppe. sterrn. Mllardo: Hei» Bantlncn- lilab. Neu! The Ohemptlnl», MI- welbermühl«. The l-onas. Olga Verdi. Lustav Möller. Ouns-Trle ufw. Nur noch furze Zeit: CIi'oßata«It«aabcr>. Im Saale: Großer Ball. Ansang i'lt Uhr. Entree 30 Pf. Brunnen-Theater vadstraße 58. Direkt.: Bernh. Rose. Täglich: Mit großem Erfolge: Carmen. vollst, neues Spezialitäten-Progr. The 3 M Iltens. P. Vendaro. Gebr. Damm. Neltzel-Lurl-Trio. Robert« Comp., Schattenpaut. Artur Wollt, Ringkampf-Parodift. Knffeneröffmmg 2 Uhr. Ans. 4'/, Uhr. Jeden Donnerstag und Sonntag! Grolier Giite-Ball. Montag. 5, August: Benefiz für den Oberregtsseur Heinrich Richter. gsibahtvp�k AmKOstrlnerplalz, Rlldersdorferitr.71 Hermann Imbs. �Täglich: ßroßss Konzert, Theater- nndSpezialltäten- Vorstelinsg. Lusispielhaus. Ansang 8 Uhr. Die Well ohne Hinner. sDMMMII (Bv.!7ranksnrterstr. 132. Im Garten, Ans. 4'/, Uhr: DaS erstklassige Jnli-Brograin m. Sperrsitz 50 Pf. Enlree 30 Pf. Im Theater abend« 8'/, Uhr: Bei' große(JnboKunnte. Sommerpreise. iJSkuc Melt J Hasenheide 108-114. < Täglich: j ör. Doppel-Konzert und Spezialiföten-Vorstellung. Zum Schluß: viectol Vau. Große BurleSk-PanIomIme, für die Neue Welt bearbeitet und in Szene gesetzt vo» Kurl Elfis. . Anfang 5 Uhr. ( Entree zum Konzertgarten 10 Ps. t,, Theatergarten 25 Ps. i Jeden Mittwoch: Erntefest. Jeden Donnerstag: Monster- t Feuerwerk. � rwwwwwiwwwawwwaw> Belle- Alliance-Qarten 6 Uhr: Konzert und BariStS. Ringkampf. Ä» 3000 Mk. Meldungen von Albert Sturm, Nchner, Belling. Karbiuostet, DebiS, van Dyk usw. usw. Releh8halleii- Theater. Gastspiel des berühmten Wmter- Tymia« mit seiner Herren- gesellschast. Anfang 8 Uhr. 1. Aug.: Wieder- beginn der Soireen der Stett. Sänger. Vsnete Gaiiei; ßergSweg 19/20, Nolenih.Tor. 15 Juli-Spezialitäten. Promenaden- Konzert. Ans.: Konzert 5; Vorstellung? Uhr. OnV Bei ungünstigem Wetter Vorstellung Im Thsater 8 Uhr. Kleine Sommerprrise. rrsler-Thenler. Kastanien-Allee 7/9. Flotte VVeiber. 8pezlalltilten 1. Hangen. Austreten der LUwcnbrant Tllly Bebe mit ihren dress. Löwen. Konzert nnd Ball. _ Ansang 4'/, Uhr._ Sanssouci, Kottbuser Strafle S. Direktion Wilhelm Reimer. Der Garte» ist geöffnet. Sonntag, Montag, Donnerstag: Bofftnannn Norddeutsche Sänger u. TanzkrUnzchen. Stets hochinteressantes Programm. Sonnt. Leg. 5, wochcnt. 8 U. Morg. Sonntag: Qr.Elite-Soiree. Tanz. Otto Pritzkow BUnzstraße 10. (St. Lsuls) Theater lebender PbotograpblcD. Täglich Eingang von — Neuheiten.— Den ganzen Tag Vorstellung. Volksgarten-Thsater. Bad-Behmstrafia— Bahnhof Gesundbrunnen— BellermannstraBe. Der rechte Weg. Original- PolkSslück mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von W. Gericke. Hierzu: DaS neue kieM-SpezizliM-l'i'UM. BolfSbelnstigungeu._ Achtung! Hassel verder, Nleder-Sehöneveide. Inhaber: Albert Schorncb. Jeden Dienvtag Großes Kinderfest. Jedes Kind erhält eine Kopf« bebeaung und Los gratis. Kasperle- Theater, Faokelpolonaise, Verlesung und Frei-Tanz. Entree 10 Pf. Vom Schlesischen Bahnhos btS Nieder- Schöneweide 10 Pf. Um geneigten Zuspruch bittet b477L» Albert Schoraeh, Castans?anoptieum � 165 Frtodrlchntraße 165. Neu! Der Kampf in den Lüften. Neu! Crol�atha. Plastinfhc Kolonnalgrappe. Diez •' Spezialitäten'Theater. I-andzberger Allee 76—7». Direkt n. d. Ringbahnstation. Bequemste Fahrgelegenheit n. allen Stadtricht. Ob schUn! 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Warum bektimmern sich die FolksTertreter nicht um die das deatsche Volk schwer schädigenden Vor�ünso im Wirtschaftsleben f 49/16* Das Wlrtsehaftshlld der Gearenwart nnd der Zukunft ist zu beziehen durch alle Buchhandlungen(Kommissionär: Otto Webe� Leipzig). BroichQre A, vollständige Ausgabe, Mk. 2.— Teil- und Volks» ausgebe. 60 Pfg. Gegen Einsendung von Mk.. 2.10, bezw. 65 Pfg. für das Inland, Mk. 2.20 bezw. 70 Pfg. für das Ausland, werden die Broschüren portofrei vom Verfasser Kaufmann Michael Proestler in WUrsburg TCO San dt, wenn in Buchhandlungen nicht erhältlich. Man verlange ebendaselbst Flugschriften und Prospekte. Seder Herr!! ist oerpflicbtet, mein Angebet zu prüfen! S. 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Tagesordnung: l. Halbjährlicher Kassenbericht. 2. Verschiedene Kassen-Angelegeni heiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Um zadlreichcS und pünltlicheS Er« scheinen der Mitglieder ersucht 293/7*_ Der Vorstand. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, ay;«, 10—2, 5—7. Sonntags 10—12, 2—4. Ausnaiimepreise Konat.lall. X Ä. B. Koch X Rolilen-Groß-Handiung Berlin 0. 84, Brombergerstr. 15 Preise für nur I« Marken ab Platz von 10 Ztr. an:• Prima la Halvsteine(bekannt. Marken).. pr. Ztr. 85 Ps. . la Diamaut pr. Ztr.(tl0 bi« 120 Stck.)... 87 Pf. . la Jlfe u. Akw.... 90 Pf. . laAnthrnzttCadSp.ZIr. 8,Z0M. KokS. Steinkohlen usw. zu den dlilinnien Tagespreisen. Anlieserung frei Keller je nach Quantum pr. Ztr. lO— 15 Ps mehr.— Bei Original- Waggon« und größeren Abschlüssen verlangen Sie meine Spezial-Lssene. Eine Mark wschmtlvde ZeBtut&mg Urser« el-egeiu« krtige ins« ffemn-Slnienlien . Ersatz skr viesz. Julius f adiun, SchWckdermristrr: Kr. franttiMsh. 37." Eingang Erraugverger Platz. »«»«»»»»«»»»»»«»»««v Die Genossen dcS 5K1. Bezirks bringen ihrem BezirkssKhrer Genossen �uxtist Seeger ZUM heutigen 50. Wiegenfeste ihre herzlichsten Glückwünsche dar. Möge er mit derselben Frische UNS noch lange der»Alte" bleiben. 1902b Ein dreifaches Hoch l I. A.: per �ahlsbomtalrt. Unserem Bezirkssührer Felix Wöllner zum HochzeitSseste Gliilkwiinsch e. Die Genossen vom 90. Stadtbezirk. die herzlichsten ö48KL Am Mittwoch, den 17. d. M., verstarb nach qualvollem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Sohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Gelbgiester Max Herda im Alter von 40 Jahren. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 21. d. M., nach- mittags t'/z Uhr, von der Leichen- Halle des Philippus-Apostel-Kirch- hoses, Müllerstr. 44/45, aus aus dem städtischen Friedhofe statt. vis trsuerncksn Hinterbliebenen. Soziaidemckratiscber WaiMÖl des 6. Berliner Walreises. Todes- Anzeige. stm 17. d. M. verstarb unser Mitglied, der Gclbgießcr Max Herda Müllerstr. 162. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet am Sonntag, mittags 1'/, Uhr, von der Halle des Phllippus-Apostel- Kirchhoses, Müllerstr. 44/45, aus aus dem städtischen Friedhose statt. Um rege Beteiligung ersucht 256/20 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todcs-Anzcige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gelbgicher Max Herda gestorben ist. 122/6 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 21. Juli, mittags VI, Uhr, von der Leichenhalle des Philippus-Aposte! Kirchhofes, Müllersir. 44/45, aus aus dem städtischen Friedhose statt. Rege Beteiligung erwartet 0le Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter, sage ich allen Feunden. Bekannten und Verwandten, insbesondere dem Rauchklub»Gemütlichkeit L. v. II", der Krankengeldzuschust- und Be- gräbniskasse der Berliner Knops- arbeiter, den« Lotterieklub»Fette Rümmer" sowie dem Verein der Schankwirte Nord-Ost-Berlin meinen innigsten Dank. 5485L A. Kurth, Schankwirt, Wrangelstr. 105. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser IiSQ Haselriie am 17. d. M. gestorben ist. Ehre feinem Andeuten! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 21. Juli, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Katholischen KirchhoseS in Reinickendorf, Humboldtstraste, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 122/7 Ole Ortsverwaltung. Zentralverband der firauereiarbeiter. Zweigverein Berlin. Sektion II Am IL. Juli starb nach schweren Leiden unser langjähriges Mit- glied, der Mitsahrer Vilhelm Lange Deutsche Bierbrauerei) an der roletarierkrankheit. 42/9 Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung erfolgt am Sonntag, den 21. Juli, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Heilands-Kirchhoses in Plötzensee aus. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Tie Ortsvertoaltung. Z © ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Sozialdemokratischer Wahlverein © des 6- Berliier Jlnchstapmblkreises Das Soromerfdt mußte wegen schlechten Wetters pp" verlegt-WD Im werden und findet numnehr am Sonntag, den 21. Juli „Moabiter Schtttzenhaus" am Plötzensee statt. Das Programm bleibt dasselbe. Wgjj Die alten Billetts, soweit dieselben noch nicht kupiert I sind, und die am Sonntag, den 14. Juli, eingetauschten Konter-• marken berechtigen zum Eintritt. 256/16+ Zu zahlreichem Besuch ladet ein Das Komitee. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦♦♦♦ s tZ- Am Donnerstag früh verschied nach langen Leiden meine liebe Frau und sorgende Mutter i�uxuste Ldmlz geb. Kölsch. Die Beerdigung findet am Sonntagnachmittag 3>/, Uhr von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhoses aus statt. 1908b Blohard Scholz, Klempner, Schlesischestratze 14. Verband d. Schneider a. Schneiderinnen. Filiale Berlin. Todesanzeige. Den Mitgliedern geben wir Hier- mit bekannt, daß die Kollegin, Frau Angnale Schulz am 18. Juli gestorben ist, Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am 21. Juli, nachmittags 3'/, Uhr, aus dem Friedhose der Emmaus- Kirchengemeinde in Britz, Her- maunslratzc, von der Halle aus statt. 165/9 Oie Ortsverwaltung. (Eingeschriebene Genossenschaft mit beschränkter Hastpflicht.) Ueiaiclcenäori(Ost), Willcestr. 62. Sonuttbend, de» 3. August, abeuds 8V2 Uhr, im Kontor der Bäckerei: yesonMcIlo General-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht über daS verflossene Gejchäjts-Halbjahr. 2. Anträge. 3. Verschiedenes. Der Vorstand. 128/16__ Engel. Marachel, Von der.liichaclbrUcke: Heute, Sonnabend, "ÄÄ?" W»Mki«schrt»" Miiggelwerder. Daselbst Tanzkränzchen. DM- Abfahrt: AbcndS 10 Uhr. Fahrpreis: Hin- und zurück 50 Pj. KM- Sonntag. 31. Juli: Gr. Extrafahrt nach Wolters- dorfer Schleuse. Einfache Fahrt 50 Ps., Kinder 25 Ps. G. Zachow. ♦JPljk llluwtrterte Prclwllwte kowtcnlowS 3865L» S||)l|(Maus und Heise. SSSp Centrale für Spiritus-Verwerthung Berlin NW. 7, Frledrlchstr. 96, gegenüber dem Centrai-Hotel. jeder Art, Augusta-Bad, Köpenickerstr. 60.• Jeder Arbeiter, jeder Handwerker sollte zur Hrbeit die Lederbose Herknies tragen. Allein-Berkaus. Sehr starkes Leder in praktischen grauen u. braunen Streifen, auch einfarbig. Am Bund aus einem Stück gearbeitet. Sehr feste Kapp- nähte. Haltbarste Pilot. Taschen. Große Flicken umsonst. Die Herkules- Hose Alt. 80 Monteur- Jackett.Edison", echtblau Köper oder Drell 2 M. 05 Monteur- Hose.Edison", cchtblau Köper oder Drell 2 M. 25 Manchcsier-Hoscn.. 10,50, 6 M. 75 Gesütt. 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Textilarbeiter, Filiale Stralau-Ruminels- bürg 15,—. Arbeiter der Möbelfabrik Milens u. Neumann 12,50. Wolf 1.—. Bezirk 200 5.—. Bezirk 490 3,50. Dr. H. 50.—. Wolfgang Heine 20,—. Wehner, Knudsen, Goller 3,—. S. Bentler d. Zapf 5,50. Arbeiter der Firma Lütges u. Co. 9,—. Arbeiter Alfons Ludcwig u. Co. 5.—. Brelterträger Seeligsohn Rixdorf 2,50. Lederfabrik Solomon, Rixdorf 7,60. Seckiserkasse Tischlerei Sänger, Mauerstrabe 10,15. Ausgesperrten streikenden Böttcher der Firma Schering 3,10. Adolf Braun. Wien 8,—. Kollegen Stockfabrik Gebrüder Goldmann 5.—. Kollegen der Firma Goliasch, Rixdorf 10,55. Organisierten Brauereiarbeiter, Schultheih-Brauerei 10,50. Arbeiter d. Firma Pahnke 5,—. Von den Genossen der Firma von Bienen u. Fischbein 3,30. Von den Arbeitern des Medizinischen Warenhaus 25,—. Verband der Sattler, Ortsverwaltung Berlin 25.—. Lergnügungskomitee der Sattler Berlins 25,—. Technisches Bühnenpersonal Schiller-Theater Charlottenburg 7,45. M. G'S. Friedenau 5,—. Sparverein„Gute Einlage" 5,—. Wahlbezirk 215, Teil II 5,—. Wahlbezirk 211, Teil II 3,—. Stadtbezirk 164 5,—. Arbeiter der Deutschen Telephonwerke, Köpenickerstrahe, Saal I 9,35. Ge- sammelt von Gürtlern und Schleifern, Westphal u. Reinhold 5,25. Kreiswahlverein Guben durch Vetter 15,—. Kollegen der Möbel- fabrik Riesel u. Käne, Boxhagenerstrahe 12,—. Lederarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands 25,—. Kranzspende organisierter Brauerei- arbeiter Berliner Bockbrauerei 3,20. In Summa 484,20 M. Weitere Beiträge für das Auer»Denkmal sind zu richten an den Kassierer Emil BoeSke, Verbandsbureau, Berlin SW. 68, Lindenstt. 69. parte!- Angelegenheiten. Achtung! 5. Wahlkreis. Auf das heute nachmittag 4 U h r im Echweizergarten stattfindende Sommerfest des Wahlvereins fei noch- mals aufmerksam gemacht. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Lichtenberg. Heute Sonnabend, den 20. Juli, findet in Schwarz' Sommertheater, Dorf st r. 25—26, das Volks- Sommerfest der Parteigenossen Lichtenbergs statt, bestehend in Konzert, Auftreten der gesamten Spezialitäten, Kinematograph und groher SommernachtSball. Für Kinderbelustigungen ist im reichsten Mahe Sorge getragen. Billetts im Vorverkauf 20 Pf., an der Kaste 25 Pf. Zahlreichen Besuch erwartet Das Komitee. Friedrichshagen. Sonnabend, den 20. Juli, abends 9 Uhr: Wahlvereinsversammlung im Restaurant„WilhelmSbad", Seestr. 45. Tagesordnung: 1. Vortrag über.Sozialpolittsche Gesetz- gebung'(2. Teil: Unfallversicherung). 2. Diskussion. 3. Vereins- angelegenheiten und Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes Und Fragekasten. Arbeiter, Parteigenosten I Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen erscheint zahlreich in dieser Versammlung. Der Vorstand. Neuenhagen und Umgegend. Die Mitgliederversammlungen des Wahlvereins finden nicht mehr am Sonnabend nach dem 15., sondern am letzten Sonntag jeden Monats statt. Der Vorstand. Friedenau. Sonntag früh 7'/z Uhr Flugblattverbreiwng von den Bezirkslokalen aus. Die Parteigenossen iverden ersucht, sich zahlreich an der Flugblattverbreitung sowie an der heute abend bei Grube stattfindenden Versammlung zu beteiligen. Der Vorstand. Teltow-Bceskow. Das große Volksfest des Kreises findet morgen im Etablissement Hasselwerder an der Oberspree sBahnstation Nieder-Schönewcide-Johannisthal) statt. Die alten Billetts, so weit dieselben noch nicht kopiert sind, haben Gültigkeit. Morgens von 6 Uhr ab: F r ü h l o n z e r t. Beginn des Konzerts usw. nachmittags um 3 Uhr._ Berliner J�acbricbten, Das Freibad am Wannsee. Seit einiger Zeit hat der Landrat des Kreises Teltow die versuchsweise Einführung eines Freibades am Wannsee seine Zustimmung gegeben und wochentags wie an Sonntagen entwickelt sich da draußen ein lusttges Leben und Treiben. An Ort und Stelle zu kommen, lösen wir uns eine Karte bis Nikolassee. Der Zug führt uns aus den engen Häuserreihen hinaus in das Seengebiet des Grunewaldes, an dem idylli- schen Schlachtcnsec vorbei nach unserem Ziel. Wir wenden uns. nachdem wir den Bahnhof verlassen, rechts und gehen hinter dem eingezäunten Grundstück den kleinen Pfad entlang. Würziger Waldduft empfängt uns und unsere Lungen atmen begierig diese wohltuende Luft ein. Wir verfolgen weiter diesen Pfad geradeaus, gehen über die Chaussee hinweg und befinden uns gleich darauf wieder in wenig be- gangenem Gelände. Nach etlichen Minuten weiteren Manderns lichtet sich der Wald und wir bleiben überrascht stehen. Vor uns liegt in seiner majestätischen Pracht der Wannsee und an seinem Strand bietet sich uns ein ungewohntes Bild. Männer, Frauen. Kinder tummeln sich hier in der freien Natur, von allem Lästigen entblößt, im Flußsande und im Wasser. Wir steigen von dem hier steilen Abhang hinab und mischen uns in diesen Trubel. Ueberau sehen wir fröhliche Gesichter und von jeder falschen Scham freie Gruppen, die sich angelegentlichst dem Spiel widmen, turnen, oder auch mützig im Sande liegen, um sich von den Strahlen der über Gerechte und Ungerechte scheinenden Sonne bräunen zu lassen. Hier herrscht wirkliche Freiheit, kein polizeiliches Auge wacht und trotzdem—. ja trotzdem wickelt sich bei den nach Tausenden zählenden Badegästen alles glatt ab. Einige besonders gebräunte Gestalten, die auf„Stammgäste" schließen lassen, versichern uns, daß noch nicht die geringste Kleinigkeit vorgekommen ist. Geht wirklich ein unbekleideter Unkundiger über die polizeiliche Grenze hinaus, so genügt ein freundliches Mahuwort, diesen sofort wieder in das„Terratorium" zurückzurufen. Das dem Auge sich bietende Bild wirkt auf jeden Vorbeigehenden wohltuend und jeder, der mit Badehosen versehen, wird in der Hitze das lässige Zeug von sich werfen, um sich in den Fluten abzukühlen. 1 Segler streichen hier dicht an den Schwimmenden vorüber, von �jubelnden Zurufen begrüßt, Kinder plantschen, aller Kleider , bar im Wasser und auch das weibliche Geschlecht geniert sich nicht, in dem nassen Element zu tauchen. » Um sich der behördlichen Vergünstigung recht lange zu erfreuen, wird von den ständigen Badegästen an die Besucher folgendes Flugblatt verbreitet:„Das Baden ist nur in Badcbekleidung ge- stattet und nur innerhalb des durch Tafeln gekennzeichneten Raumes. Der Aufenthalt außerhalb dieses Bezirkes ist verboten. Bei Uebertretung ist zu befürchten, daß die Badeerlaubnis seitens der Behörden wieder zurückgezogen wird. Im Interesse unseres gesunden Sports wird höflichst gebeten, alles zu vermeiden, was den Behörden Grund zum Einschreiten geben könnte, insbesondere jugendliche Personen von der VerÜbung von Unfug zurückzuhalten, Damen, welche baden wollen, nicht durch Anstarren zu belästigen, gegen unlautere Elemente energisch Front zu machen, keine Flaschen und kein Papier wegzuwerfen! das Wegwerfen von Flaschen verbietet sich schon von selbst wegen der damit verbundenen Gefahr, und wenn jeder von den vielen Tausenden Zeitungen und Stullenpapier wegwirft, so wird unser schöner Badestrand bald wie ein Müllabfnhrplntz aussehen. Alle Naturfreunde Iverden gebeten, dafür zu agitieren, daß ähnliche Freibäder auch in der übrigen Umgegend von Verlin errichtet werden."_ Der Magistrat hat gestern zu Abteilungsvorstehern am städti- schen Gesundheitsamt den Prof. Dr. med. G. Sobernheim, Privat- dozent an der Universität Halle a. S.. und Dr. Georg Fendler, erster Assistent und Leiter der Abteilung für Nahrungsmittelchemie am pharmazeutischen Institut der Universität Berlin in Dahlem, gewählt. Prof. Sobernhcim-Halle ist für die bakteriologische Ab- teilung und Dr. Fcndler-Dahlem für die chemische Abteilung ge- wählt worden. Unter der NiederwaUstrnße kann man schon spazieren gehen, wenigstens vom Spittelmarkt bis über die Krcuzstraße hinaus, etwa 110 Meter weit. Hier wird gegenwärtig ein Pumpenschacht angelegt, um die Wasserhaltung nach dem Hausvogteiplay hin zu verlängern. In der Baugrube sieht es freilich noch etwas wüst aus i auf Arbeits- gleisen wird bei elektrischem Bogenlicht der ausgehobene Boden mittels Drahtseilbahn über den Spittelmarkt nach der Ladestelle am Wasser geschafft. Zwischen den beiden Eckhäusern ist die Passage freilich eng, nur etwa 5 Meter breit, weil hier erst durch Beseitigung der Fundamente des im Abbruch befindlichen(vorstehenden) Hauses Niederwallstr. 23 Raum geschaffen werden mutz. Der Sturm am Donnerstag hat auch in den Vororten viel Unheil angerichtet. An dem Eckhause der Ringbahn- und Augusta- stratze in Wilmersdorf lockerte der Sturm die Zinkblechbekleidung einer Mansarde derart, daß das Blech wie Papier hin und her flatterte und die Gefahr bestand, daß das Metall beim Herab- stürzen Personen verletzten könnte. Die Wilmersdorfer Feüer- wehr mußte schließlich eingreifen, um das drohende Unheil abzu- wenden. Der Blechbelag wurde nach erfolgter Absperrung von Feuerwehrleuten mit Beilen abgeschlagen; eine Arbeit, die auf dem hohen Dach bei dem tosenden Sturm nicht ganz gefahrlos war. Die Verlegung der Berliner Sternwarte wird beabsichtigt. Wie der Direktor Prof. Dr. Struve berichtet, sind in einem provisorisch erbauten Turme in Babelsberg über die Bildschärfe und Durch- sichtigkeit der Luft Beobachtungen angestellt worden, die sich vor- nehmlich auf enge Doppelsterne— anerkanntermaßen der beste Maßstab für die Beurteilung der Bildschärfe— auf Beugungsbilder Heller Sterne, ferner auf Planeten und Sternhaufen er- streckten. Mit der Güte der Bilder wurde zugleich deren Ab- hängigkeit von Azimuth und Zcnithdistanz untersucht, um einen etwaigen Einfluß der Nähe der Havclseen auf die Bildbeschaffenheit festzustellen. Die Versuchsbeobachtungen waren dem neuen Obser- vator Dr. Guthnick anvertraut, der an die Stelle des Prof. Dr. V. Knorre getreten ist. Vergleichende Beobachtungen über die Bild- schärfe und Durchsichtigkeit der Luft wurden gleichzeitig an der Berliner Sternwarte gemacht. Zur Untersuchung über Boden- erschütterungen, wobei namentlich die in 1,5 Kilometer Entfernung von der Station vorübergehende Berlin— Potsdamer Eisenbahn in Frage kam, wurde ein Queckfilberhorizont benutzt, der in ver- schiedenen Höhen, sowohl über, wie auch unter dem Niveau des Erdbodons aufgestellt wurde. Bei der außerordentlich großen Empfindlichkeit.dieses Apparates und dem Fehlen hinreichend solider Jsolierpfeiler ließ sich zwar nicht mit Sicherheit entscheiden, ob die kleinen Wellen, die im Spiegelbild gelegentlich zu erkennen waren, in Windstößen auf die Pfeiler, Bewegungen des Beobachters und ähnlichen Ursachen oder in Fernwirkungen ihren Grund hatten. Jedenfalls ließ sich aus diesen Versuchen schließen, daß ein dcut- lich nachweisbarer Einfluß der Berliner Eisenbahn und der Fabriken in ihrer Nähe nicht vorhanden ist. Ueber die Ergebniste dieser Versuchsbeobachtungen wurde ein ausführlicher Bericht dem Mini- sterium eingereicht, besten spätere Veröffentlichung, da er auch einige Fragen von allgemeinem Interesse berührt, vorbehalten ist. Der bisherige NiedcrschlngSreichtum des diesjährigen Juli ist beispiellos. Während für den Juli nach langjährigem Durch- schnitt eine Niederschlagshöhe von 72,6 Millemeter normal ist, ist in diesem Jahre bereits in der ersten Hälfte des Monats eine Höhe von 193,2 Millimeter erreicht worden. Nur einmal, im Jahre 1858, hat der Juli eine größere Niedersckilagshöhe erreicht, nämlich 229 Millimeter. Wenn die zweite Hälfte des Monats nicht sehr trocken bleibt, was man allerdings im Interesse der Getreide- ernte wünschen könnte, so wird der diesjährige Jnli eine Rekordziffer erreichen. Am nächsten kamen ihm, abgesehen von 1853, die Jahre 1882 mit 183, 1860 mit 172 und 1855 mit 169 Millimeter Regenhöhe, während seit 1843, dem Beginn rcgel- mäßiger Beobachtungen, am trockensten waren die Julimonate der Jahre 1872 mit 24, 1863 mit 25, 1869 mit 26 und 1874 mit 28 Millimeter. Es sei dabei bemerkt, daß der Juli überhaupt der niederschlagreichste Monat deS JahreS ist; seine Niederschlagsmenge ist normalerweise nahezu doppelt so groß als die des September, auch als die des Januar, Februar und April.— Die auslösende Ursache des Regenreichtums der letzten Tage war eine Depression. die im Laufe des Sonnabends voriger Woche sich von Westrnßland nach Ostdeutschland verlagerte, wo sie am Sonntag früh nach starker Vertiefung mit einem Kern unter 750 Millimeter lag, um alsdann süd- wärts nach Ungarn und der Adria zu ziehen, wobei sie sich rasch verflachte. Dieser Weg der Depression verdient meteorologisch ein ungewöhnliches Interesse, da er die berühmte und wegen ihrer häufigen Unwetter berüchtigte„Zugstraße Vb" darstellt, aber in genau umgekehrter Richtung, als sie von den Lustdruckwirbeln sonst regelmäßig und bisher wohl ausnahmslos zurückgelegt wurde. Die unwetterreichen Minima der Zugstraße Vb erscheinen sonst stets zuerst auf der Adria oder in Oberitalien und wandern dann langsam in einem nach Nordwest leicht geöffneten Bogen nordwärts. Diesmal nun wurde der Weg umgekehrt zurückgelegt. Umso interessanter ist die Fest- stellung, daß die Wirkung auf die Witterung Deutschlands und Oesterreichs in beiden Fällen genau die gleiche ist. Ein Raubmord ist in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag verübt worden.. Die bei dem Variötödirektor Hermann Elsner in der Schmid« straße 42 bedienstete Frau Amanda Plath geb. Preuß ist gestern nacht gegen 12 Uhr von ihrer heimkehrenden Herrschaft ermordet aufgefunden worden. Bereits der erste Augenschein zeigte, daß ein Raubmord vorliegt, da die Behältnisse der Herrschast und die des Mädchens erbrochen und durchwühlt und die dort vorgefundenen Gegenstände entwendet worden find. Als Täter kommt ein zirka 22jähriger gutgekleideter Mann in Betracht, in dessen Begleitung das Mädchen vorgestern abend um 8/49 Uhr die Wohnung be- treten hat. Ueber die Einzelheiten der Tat wird berichtet: Als Donnerstag abend gegen 12 Uhr der Direktor des Theatcr-Variöts„Brillant", Herr Hermann Elsner, von seinem Theater nach Schluß der Vor- stellung in seine Wohnung. Schmidstr. 42, zurückkehrte, schlugen, ent- gegen sonstiger Gewohnheit, seine beiden Hunde laut an, namentlich der Foxterrier war nicht zu beruhigen, sondern lief fortwährend in der Wohnung hin und her. Dadurch beunruhigt, leuchtete auf Drängen seiner Frau Herr Elsner seine Wohnung ab. Als er in das nach der Straße gelegene Wohnzimmer kam, machte er eine grausige Entdeckung. Vor der geschlossenen Seitentür lag seine Bedienstete, die 53jährige Amanda Plath, mit dem Gesicht gegen den Boden und rührte sich nicht. Erst glaubten die Eheleute, daß die Person ohmnächtig geworden und hingeschlagen sei. Als sie jedoch näher hinleuchteten, sahen sie zu ihrem Entsetzen, daß sie mit einer starken Schnur an der Türklinke aufgeknüpft worden war. Elsner lief sofort nach dem 55. Polizeirevier in der Neanderstraße, dessen Vorstand unverzüglich mit mehreren Beamten nach der Wohnung eilte. Hier wurde ohne weiteres festgestellt, daß ein schweres Verbrechen vorlag und die für derartige Kapitalver- brechen eigens bestimmte sogenannte Mordkommission zur weiteren Ermittelung herbeigerufen. Kurz nach 1 Uhr traf denn auch schon der Chef der Kriminalpolizei, Oberregierungsrat Hoppe, mit den beiden Kriminalkommissaren Wannowski und Klinkhammer ein. Die Ermittelungen der Polizei haben folgendes Ergebnis ge> habt: Donnerstag abend gegen 9� Uhr sah die Portierfrau des Hauses Schmidstr. 42, Frau Fleischer, wie die Plath mit einein jungen Manne, den sie als etwa 22jährigen gutgekleideten Menschen beschreibt, auf der Hintertreppe in die Wohnung von Elsner ging. Sie war gerade beschäftigt, das neben der Hintertür befindliche Licht anznstecke», als die beiden an ihr vorbeigingen, und hat sich ganz genau den jungen Mann angesehen, da ihr die Sache von Anfang an schon nicht ganz geheuer vorkam. In der Küche, die die beiden betraten, zog die Plath ihre Schuhe aus, legte Pantoffeln an und setzte die Markttasche hin. Dann gingen sie durch die gesamte Wohnung nach dem auf der Straße zu gelegenen Wohnzimmer. Hier haben sich beide auf das Sofa gesetzt. Haare, die man an der Lehne des Sofas fand, und der zerwühlte umgeschlagene Fußbodenteppich lasten darauf schließen, daß de» Täter schon hier versucht hat, sein Opfer zu würgen. Es ist nun noch nicht genau festgestellt, ob die Plath hier schon erwürgt worden ist oder ob sie, wie der Befund auch annehmen läßt, erst durch einen Schlag ans die Nase betäubt worden ist und dann erst an der Tür- klinke aufgehängt wurde. Das Gesicht ist über und über mit Blut bedeckt, das Blut ist aus Nase und Mund hervorgequollen und die Zähne sind fest in der Zunge verbissen, was darauf schließen läßt, daß die Ermordete erst, als sie schon tot war, an die dem Soso gegenüberliegende Tür geschleift und dort aufgeknüpft worden ist. Der Verbrecher hat dann im Schlafzimmer des Elsnerschen Ehepaares die Nachtkästchen und den Waschtisch durchsucht und dort einen mattgoldenen Damenanhänger mit einem Saphirstein und einer kleinen weißen Perle, zwei Busennadeln, eine goldene Uhren- brosche mit grünen Steinen sowie einen dreiteiligen Damenring geraubt. Dann hat er im Zimmer der Ermordeten das Bett durch- wühlt, wahrscheinlich um nach einem Sparkassenbuch zu suchen, dessen beliebter Aufbewahrungsort bekanntlich bei Dienstmädchen das Bett ist, und eine Kommode mit einem spitzen Gegenstand erbrochen. Es fehlen von Gegenständen der Ermordeten ein Porte- monnaie mit 5 M. Inhalt, eine doppelkapselige goldene Remontoir- uhr mit ausgeschnittenem Deckel, die wahrscheinlich an einer schwarzen Schnur befestigt ist, ferner ein Damensiegelring mit braunen Steinen und ein Damenschlangenring mit zwei Köpfen. Der Täter hat, wie die abgebrannten Streichholzenden beweisen, seinen Rückweg wieder über die Hintertreppen genommen, da auch die dorthin führende Tür nur eingeklinkt und nicht verschlossen war, während die vordere Tür noch doppelt verschlossen geblieben ist. Der mutmaßliche Täter wird als ein 22 jähriger junger Pann geschildert, etwa 1,63 bis 1,75 Meter groß, init schmalem, blassem Gesicht, blonden Haaren und einen�, Anflug von Schnurrbart. Er ist gut gekleidet. Schon vor einigen Tagen hat man gegen 12 Uhr nachts einen Mann das HauS verlassen sehen, auf den die Be- schreibung der Portierfrau so ziemlich paßt. Diesem jungen Manne sah die ermordete Plath aus dem Fenster ihrer Küche nach,»nid es ist nicht ausgeschlossen, daß sie mit dem Verbrecher schon längere Zeit bekannt war. Die Ermordete war 53 Jahre alt, sah aber noch sehr gut auS, so daß man sie ohne weiteres für Mitte der dreißiger Jahre halten konnte. Man kannte ihre Vorliebe für die Männerwelt, die ihr nun zum Verhängnis geworden ist. Sie ist am 25. Juli in Kasekow, Kreis Stettin, geboren und war früher verheiratet. Angehörige besitzt sie nicht in Berlin. Man fand auch keine Briefe, sondern nur ein von ihr ab- geschriebenes Liebesgedicht. Die Mordkommission fand auf dem Tffche im Wohnzimmer die herausgerissene Rocktasche liegen, in der wahrscheinlich das Portemonnaie gesteckt hat. Gestern früh wurden photographische Aufnahmen des Tatortes und der Lage der Leiche gemacht. Die Kunde von dem Raubmord wurde gestern morgen durch die bekannten roten Plakate des Polizeipräsidiums verbreitet, und 1000 Mark Belohnung denjenigen Personen ans dem Publikum zugesichert, die zweckdienliche Angaben zur Sache machen können. In der Gegend des Tatortes und des AlexanderplatzcS klebten diese roten Bekanntmachungen schon um 1l.ß Uhr an den Säule». Gestern vormittag erschien die Gerichtskommission an der Mord- stelle; als der Vertreter der Staatsanwaltschaft beschlagnahmte Staatsanwalt Töpfer die Leiche und alle in Betracht kommenden Gegenstände, während als Ermittelungsrichter Gerichtsassessor Hentschel fungierte. Zahlreiche photographische Aufnahmen machte die Kri- minalpolizei unter Leitung des Vorstehers des Erkennungsdienstes. Kriminalkommistarius CellariuS. Die Leiche wurde gegen 12 Uhr nach dem Schaubause gebracht. Ein vielhundertköpfiges Publikum hatte sich auf der Schmidstcaße angesammelt, und nur durch ein großes SchutzmannSaufgebot konnte die Passage frei gehalten werden Eine nochmalige Durchsuchung der Wohnung führte zu dem Ergebnis, daß in einem Spind in der Badestube unter Wäsche versteckt mehrere Schmucksachen der Plath gefunden wurden. Die Schmucksachen und die geraubte Uhr mit der Nummer 3S277, auch noch drei Ringe und Ohrringe hat die Ermordete erst vor einigen Tagen von einer Weichenstellerfrau am Baumschulenweg abgeholt, wo sie sie wegen einer Schuld von 27 M. hinterlegt hatte Dort befindet sich auch ein Koffer mit Briefschaften. Betten und Wäsche der Plath. Dem Täter glaubt die Polizei auf der Spur zu sein. Mehrere Zeugen wollen in dem jungen Mann, der die Frau Plath in die Wohnung begleitete, einen früheren Hausdiener des Direktors Elsner erkannt haben, dessen Aufenthalt aber noch nicht ermittelt worden ist. Eine internationale AutomobilauSstelluna soll nun doch noch Ende dieses JahreS in der Ausstellungshalle des Zoologischen GartenS abgehalten werden. ES ist noch nicht lange her, daß dieselbe Ausstellung geschlossen wurde Einen» Opfer der Klassenjustiz, dein Mechaniker Schäwe, der kurz nach seiner Entlassung aus dem Zuchthause sein Leben aus hauchte, ist im Einverständnis mit dein Schäwekomitee ein Denk mal gesetzt worden. Was sich Prediger des Christentums alles herausnehmen, beweist wieder einmal ein VorkonimniS, das sich ain Mittwoch auf dem Kirchhof der StephanSgemeinde ereignete. Mitglieder des Leder orbeiterverbandes geleiteten einen verstorbenen Kollegen zur letzten Ruhestätte. Der Prediger der StephanSgemeinde benutzte die Gelegen� heit, die Anwesenden, deren Gesinnung ibin sicher gilt— vielleicht zu gut— bekannt ist, in seiner Grabrede in der unerhörtesten Weise an- znrempeln. So sagte er unter andern mit den, Hinweis auf die Treue: Leider sei die schöne Tugend der Treue unter den Arbeitern dem Brotherrn gegenüber immer mehr i»n Schtviuden begriffen; bei jeder Gelegenheit würde dein Arbeitgeber das Handiverkzeug vor die Füße gelvorfen usw. Die Arbeiter sahen sich ob dieser Provokation des Geistlichen verdutzt an und konnten es gar nicht verstehen, wie ein Prediger eS fertig bringt, in dieser Weise den Friedhof zur An- pöbelung von Arbeitern zu gebrauchen, da er auch obendrein der Lederfirma Emanuel Malier hohes Lob zollte. Run muß man wissen, wie diese Finna ihren Arbeitern die Treue bewahrte. Es ist noch gar nicht so lange her, daß diese Firma Leute, die 20— 25 Jahre in ihren Diensten gestanden, einfach auf das Straßen- Pflaster warf. Dafür wurde dem Fabrikanten noch ein Lorbeer- �ranz gewunden, während die Arbeiter die seelsorgerischen Worte wie einen Schlag ins Gesicht empkanden. Wenn diese den Prediger bei diesen Worten nicht allein stehen ließcn und ihm den Rücken kehrten, so nur aus Rücksicht auf den toten Kameraden. Verhehlen wollen wir nicht, daß der reiche Fabrikant Mayer zu den höchsten Steuer- zahlern in der Rirchengemeinde des Pastors gehört und daß diese Kirchengemeinde unter liberaler Herrschaft steht. Die Arbeiter, die hier moralisch mißhandelt wurden, haben sich gelobt, die für die Kirche nicht angenehinen Konsequenzen aus dieser Grabrede des Pastors zu ziehen. Im Vebdinsee angeschivemmt wurde gestern der schrecklich per- stümmelte Leichnam des am Sonntag bei einer Bootsfahrt er- trunkenen Kaufmanns Wagner. Bekanntlich hatte W. mit zwei anderen Aiitgliedern eines hiesigen Theatervereins eine Rudcrfahrt auf dem Scddinsee unternommen, wobei er den Tod in den Wellen fand. Gestern ist die Leiche des Ertrunkenen bei Müggelheim ans Ufer gespült»vorden. Sie war fast vollständig verstüminelt. ES rührt d,es zweifellos von Tampferschrauben her. Mit kochendem Wasser begossen. In der Küche eines Hotels ZugcS nach Tegel: Stettiner Vorortbahnhof 8,05, Gesundbrunnen 8,11 Uhr. Treffpunkt für Nachzügler, sowie Teilnehmer, welche die Straßenbahn benutzen, bis 10 Uhr vormittags im Restaurant Otto Rasum, Tegel, Berlinerstr. 102(Endstation der Straßen- bahn); von 12 Uhr mittags ab Trillers Restaurant„Hubertus", Jnh. Mlosch in Schulzendorf. Rege Beteiligung wird erwartet. Das Wissenschaftliche Theater der Urania wird am Sonntag wieder eröffnet und zwar wird der mit zahlreichen farbigen Bildern ausgestattete Vortrag„Von der Zugspitze zum Watzmann" zur Dar- stellung gelangen und am Freitag noch einmal wiederholt werden. Am Montag und Sonnabend wird der Vortrag„Durch Dänemark und Südschweden", am Dienstag der Vortrag„Die deutsche Ostsee- lüfte*, am Mittwoch„Im Lande der Mitternachtssonne" und am Donnerstag der Vortrag„Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Hciinat" gehalten werden. Die Eldcnaersiraße von der Liebigstraße(einschl. Kreuzdamm) bis zur nordwestlichen Haupteinfahrt des Zentralviehhofcs ein- schließlich und die Liebigstraße vom Weidenwcg(ausschließlich Kreuzdamm) bis zur Eldcnaerstraße(ausschließlich Krcuzdainm) tvird behufs UmPflasterung vom 22. d. M. ab bis auf weitere» für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Das Polizeipräsidiuin teilt mit: Am 16. Juli wurde eine un- bekannte ca. 20— 25 Jahre alte Frauensperson als Leiche aus der Spree gelandet und nach dein Schauhause geschafft. Bekleidet»var dieselbe»nit weißer Bluse, schivarzein Rock, Gummigürtel mit weißer Schnalle, graukariertem Unterrock, schwarzen Strümpfen und schwarzen Schnürschuhen. Personen, die Auskunft über die Person- lichkeit geben können, wollen sich im Polizeipräsidium, Zimmer 320, melden. Feucrwehrbericht. Gestern abend wurde die Feuerwehr wegen eines WohnungSbrandcS nach der Rüdersdorferstr. 50 gerufen, wo Betten, Eimer, Besen, Fußböden, Türen, Wände Schaldecken usiv. brannten. Die Arbeiterin Marie Sprung fiel vor Schreck in Ohnmacht und Krämpfe. Sie wurde vom 7. Zuge nach der Unfall- station gebracht. Die Flammen konnten bald gelöscht iverdcn. Abends um 10 Uhr mußte ein Ziininerbrand in der Paulstr. 33 gelöscht werden, der durch Unvorsichtigkeit entstanden war. In der Friedrichstr. 233 mußte der 17. Zug einen Schornstein umlegen, der infolge des Sturmes umzustürzen drohte. Gegenüber in der andelsstätte Belle Alliance, Friedrichstr. 14/15, ivar in einem eller Hausrat in Brand geraten.— In einer Gießerei in der Chausseestr. 46 wurde Holz u. a. ein Raub der Flainmen. Ferner liefen noch Alarme aus der Taubcnstr. 6, vom Gesundbrunnen und anderen Orten ein. Vorort- JVaebnebtem Weistensee. Aus der Gemeindevertretung. Auf verschiedene Anfragen an die zuständige» Behörden betreffs Regulierung der Greifs>valderstraße zwischen Weißenseer Bahnhof und der Ortsgrenze ist nunmehr der Bescheid vom Oberpräsideuten ergangen, daß noch in diesem Jahre die Regnlierung in Angriff genoinmen wird, wenn die Enteignung Iveier Grundstücke erledigt ist. Die Zuteilung des Ortes zu einer öhere» Scrvisklasse»vurde beschlossen beim Reichstage zu be- antragen. Unser Ort gehört bisher der Scrvisklasse 2 an. DaS Ortsstatut des Gewerbegerichts wurde in zwei Punkten geändert. Bisher bezogen die Beisitzer eine Entschädigung von 5 M. für den ganzen und 2,50 M. für den halben Tag Ver- äumnis. Nunmehr sollen für VormittagSsitzungen 6 M. und für NachmittagSsitzungen 8 M. gezahlt werden. Die Gebühren sind um etlvaö erhöht»vorden und zivar bei eiirem Gegeirstande im Werte bis 20 M.= 1 M.. von mehr als 20 M. bis 50 M.--- 1,50 M., von mehr als 50 bis 100 M.----- 2 M. Die ferneren Wertklasse» teigen um je 100 M., die Gebühren»»m je 2 M. Die höchste Ge- »ü......... Vorlesung.— Vormittags 10'/, Uhr in der Schule, Kleine Frankfurlerstr. 0: Vorwog von Herrn M. H. Barge:„Die Mutationsiheorie und ihre Bedeutung sür die Entwickcüingslehre".— Herren und Dainen als Gäste sehr willkommen. Nllgcineine Kranken» und Sterbekasse der Metallarbeiter (E. H. 29.) Mitgliederversammlungen: Filiale Berlin 3. Heute abend 81/, Uhr bei Kavier, Reichenbergcrslr. 157.— Filiale Berlin 4. Heute abend bei' Mcrkswski, Andreasstr. 26.— Filiale Berlin 9. Heute abend 9'/, Uhr bei Gimdlach, Waldemarstr. 24.— Filiale Rixdors. Heute abend 6'/, Uhr bei Thiel, Bergstr. 151. Verein jugendlicher Arbeiter. Heilte abend findet bei Grube, Friedenau, Kaiser Alle 85, eine öffentliche Versammlung für alle jugendlichen Arbeiter von Friedenau, Steglitz und Umgegend statt. Tagesordnung: Der Llugend Rechte und Pflichten. Rescrcnt: Kollege Majchle. Um zahlreiches Erscheinen ersucht_ Der Einb eruser. Vermifcbtes. Wasser Übergossen und schwer verbrannt in das Krankenhaus Moabit eingeliefert. K. hatte mit einem der Abwaschmädchen etwas in Feindschaft gelebt. Als er gestern in die Küche hinunterkam, geriet er wieder mit ihr aneinander und»n der Wut ließ sich das junge Mädchen dazu hinreißen, einen großen Topf»nit kochendem Soda» lvasser über K. hinwegzugießen. Mit furchtbaren Brandivunden an den Armen und am ganzen Körper 4vurde der Bedauernswert nachdem er auf der Unfallstation in der Kronenstraße die erste ätzt- liehe Hülfe erhalten, in das Moabiter Krankenhaus gebracht. Opfer des Berufs. Vom eigenen Fuhrlverk überfahren und lebensgefährlich verletzt wurde vorgestern nachmittag der 34 jährige Kutscher Gustav Grahl, Stettinerstr. 24»vohiihaft. G. war mit seinein Wagen durch die Wollankstraße gefahren. An einer noch nicht regulierten Stelle versank das Gefährt plötzlich tief in die Radrillen, die infolge der letzten Regen gebildet»vorden sind. Der Kutscher fiel durch die heftige Erschütterung vom Bock herunter und kam unglücklichcrtvcise unter den Wagen zu liegen. Die Räder gingen über den Bedauernswerten hinweg. In schwerverletztem Zustande wurde er nach der Unfallstation gebracht, wo er über starke Schmerzen in der Brust und im Unterleib klagte. G. fand im Vircholv-ftrankenhaus Aufnahme.— In den Humboldthafen ge- stürzt und ertrunken ist der Kutscher Max Stössel aus der Brunnen- stratze. St. hatte mit seinem Fuhrlverk eine Ladung Baumaterialien vom Kahne abholen wollen. Beim Verladen fiel er plötzlich, das Gleichgewicht verlierend, hintenüber in den Hafen und sank sofort unter. Schiffer unternahmen sofort Rettungsversuche, die aber keiyen Erfolg mehr hatten. Die Leiche des Ertrunkenen konnte gestern geborgen werden. Die Knssennffäre im Denpschen GastwirtSverband. Wie wir berichteten, hatte die„Deutsche Gastwirtezeitung" veröffentlicht, auf dein diesjährigen Berbandstage deS Deutschen Gastwirtsverbandes habe der Ausschuß des Verbandes einen» beschränkten Kreise von Delegierten mitgeteilt, daß der Schatzineister des Verbandes. Herr F. Keck, eine Summe von 120 000 M. aus der Verbandskasse ver- ilntreut hätte. Freunde des Schatzmeisters hätten 55 000 M. zur Deckung des Defizits beigesteuert; der Rest von 65 000 M. sei als Hypothek auf ein Grundstück des Herrn Keck eingetragen worden. Gegenüber Viesen Angaben der„Deutschen Gastwirte-Zeitung" teilt uns jetzt der Vorstand des Deutschen Gastwirtsverbandes folgendes mit: „Nach dem Bericht deS beeidigten Bücherrevisors Herrn Paul Voigt, Berlin» Leipzigerstr. 57, schuldete der Schatzmeister des Deutschen Gastwirtsvcrbandes, Herr F. Keck, am 28. 2. 1907 dem Verbmid einen Betrag von 63 138,02 M. Zur Deckung dieses Betrages verschaffte sich der Geschäftsführende Ausschuß eine Hypothek von 65 000 M., eingetragen auf Grundstücke des Herrn Keck. Diese Mahnahme wurde vom Gesamtvorstand und den Bevoll- »nächtigten deS Deutschen Gastwirtsverbandes auf dem 34. Deutschen Gastwirtstage in Eisenach, zu dem sämtliche Bevollinächtigten ordnungsgemäß eingeladen waren, gut geheißen und als hinreichende Deckung anerkannt." Auf der Treptow-Sternwarte spricht Direktor Archenhold am Sonntag, den 21. Juli, nachmittags 5 Uhr, über:„Astronomie für jedermann", um 7 Uhr über:„Die Bewohnbarkeit der Welten". Am Montag, den 22. Juli, abends 0 Uhr, behandelt Dir. Archen- hold das Thema:„Unser Wissen voin Fixsternhimmcl". Sämtliche Vorträge sind mit zahlreichen Lichtbildern ausgestattet.— Mit dein großen Fernrohr wird am Tage die„Sonne", abends der„Mond" beobachtet. »gen um ,e luv M., ou Äevuyren um ie yr beträgt 60 M. Das Ortsstatut wegen Heranziehung der Anlieger bei Straßenumpflasterungen beschäftigte wieder die Sitzung; es wurden kleinere Aenderungen seitens der AufsichtS- behörde vorgeschlagen, die nach längerer Diskussion zum Teil an- genoinmen wurden. Der Gemeindevorstand empfahl, im Anschluß an die Gemeinde- Turnhalle einen Neubau auszuführen, in welchem verschiedene BureauS uflv. untergebracht werden sollen; der übrig- bleibende Teil soll an Beamte, Lehrer usw. verinietet werden. Die Interessen der Hausbesitzer schienen gefährdet, weil»nan befürchtete, einige Wohnungen auf dem Halse zu behalten, und schien es an- sänglich, daß diese Borlage uuter den Tisch fallen sollte. Nach lange»» Hin und Her wurde dennoch der Beschluß gefaßt, diese» Bau zu errichten. Wohnungen zu errichten sei daS Privileg des Grund- besitzers, war die Parole und man müsse jede Mittel für solche Zioecke veriveigern. Ein Kriminalbeainter auS Berlin schuldet für seinen Sohn 35 M. Schulgeld; trotz wiederholter Mahnung ist Zahlung nicht erfolgt mid wird daher beschlossen, die Klage anzu- strengen. Borsigwalde. Ein Postamt III. Klasse wird hier in der Spandauerstraße zum 1. April nächsten Jahres eröffnet. Es sind geeignete Räume dafür auf fünf Jahre im Hause der Firma Zimniermann u. Buchlvh ge- mietet. Die Fadriknciibauten in der Umgebung von Borsigwalde gehen jetzt ihrer Vollendung entgegen. Die Waffen- und Munitionsfabrik Aktiengesellschaft wird am 1. Oktober eröffnet werden, während Belter u. Schneevogel an der Wittestraße ihren Betrieb bereits voll eröffnet haben. Die große Maschinenhalle, die Flohr auf dem Gelände zivischeu Witte« und Seidelstraße errichten ließ, ist in ihrem Aeußeren auch fast vollendet, so daß auch hier schon Nebenbaute» angefangen »verden. Lankwitz. Eine» erheblichen Verlust hat am Sonnabend, den 13. Juli, in der Zeit zlvischcn 4—5 Uhr nachmittags ein Arbeiter erlitten, der auf dem Wege vom Rcalgyinnasillm Lankwitz zum Bahnhof sein Portemonnaie mit 42,30 M. Inhalt, seinen gesamten Wochenlohn, verlor. Der Verlierer ist Vater von 7 Kindern. Der etwaige Finder wird um Abgabe gebeten an Karl Hanke, Lichtenberg, Mainzerstr. 25, 8 Treppen. Französisch- Buchholz(Bezirk Pankow). Der letzte WahlvcreinS-Vcrsaiiiiiillingöbericht ließ irrtümlich den Genosse» Zinn den Vorstaiidsbericht geben. Es muß heißen Genosse W i e s b e r g. Genosse Zinn ist vor kurzem verstorben, weshalb die Versammlung vor Eintritt in die Tagesordnung das Andenken des Verstorbenen durch Erheben von den Plätzen ehrte. Teltow. Die Wählerlisten zur ErgänzungSwahl der Stadtverordneten- versmnmlung liegen im Lokal des Hern» Dertz, Zehlendorferstr. 4 zu jedermanns Einsicht ans. Es ist dringend erforderlich, daß stch jeder durch Einsichtnahme überzeugt, ob er in der Wählerliste steht. Wer nicht verzeichnet ist, darf nicht wählen; also tue jeder seine Pflicht. Potsdam. Für den gegen die Bürgermeifierwahl vom 5, Juli eingelegten Protest wegen Wahlbeeinflussung hat der Potsdamer Regierungs- Präsident den Regierungsrat Schuhmann als Kommissar ernannt. Die ersten Vernehmungen haben bereits stattgefunden. Oeffentlilbe Bibliothek uud Lesehalle z„ unentgeltlicher Be- Nutzung sür jederinaiil», SW., Alexandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von 5'/,— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 und 3—6 Uhr. In den Lesesäle» liegen zurzeit bis Zeitungen und Zeitschristen jeder Ar» und Richtung aus. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag. im Rathause, Eingang Jüdcuftraße, saal 109: Versanunlung Arbeiter-BildnngSschule Berlin. Am Sonntag, den 21. Juli, Familienausflug nach Tegel-Schulzendorf. Abfahrt des_ Verantwortl, Redakteur: Carl Mermuth, Berlin-Rizdorf. Für den Inseratenteil verantw.: TH.Glocke, Berlin. Druck u. Verlag»Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. 21. Juli, vormittags 8«/, Uhr, Freireligiöse BootSungliiik. Wie die in Breslau erscheinende„Schlesischb Zeitung" meldet, wurde auf der Oder am Zoologischeri�Garteu gestern nachmittag nach Vi 3 Uhr ein mit fiinf Insassen besetztes Segelboot über eine Strauchwehr getrieben und schlug uin. Zwei Personen konnten geretlet werden, ein dritter starb, nachdem er lebend aus dein Wasser gezogen war. Zwei Personen, ein Herr und eine Daine, wurden von den Fluten forrgetragen. Ein weiteres Opfer. Der Feuerwehrmann Scheibe, der bei dem vorgestrigen Chemnitzer Unglück auf dem Hofe der Hauptfeuerlvache einen Schädelbruch erlitt, ist gestern nacht gestorben. Schiffbruch. Nach einer Meldi»ng aus Santiago de Chile hat der Dampfer„Toro" Schiffbruch erlitten. 17 Personen sollen dabei umgekommen sein. Die Hitze in Philadelphia. Die Zahl der Menschen, die bei Ge- legenheit eines festlichen Umzuges von der Hitze so sehr mitgenommen wurden, daß sie ärztliche Hülfe in Anspruch nehmen mußten, wird nach den neuesten Schätzungen auf 2500 angegeben. Die Menge, die sich auf den Straßen drängte, um den Umzug zu sehen, zählte mehrere Hunderttausend. Der Adel von San Marin». Die winzige Republik von San Marino beirieb seit ungefähr einem Jahrhundert einen zwar nicht sehr republikanischen, aber um so profitableren Handel mit Adels- Prädikaten. Sie verlieh Grafen-, MarquiS- und Herzogstitel, die zlvar kein Adelskalender gelten ließ, die aber doch wegen ihrer dekorativen Wirkung sehr gesucht waren. Dieser groteske Handel soll jetzt aufhören. Ain 14. d. hat der hohe Rat von San Marino beschlossen, alle Adelstitel abzuschaffen und keinen weiteren zu ver- leihen. Gleichzeitig»vurde die Abschaffung aller militärischen Titel festgesetzt, so daß das aus siebzig Fußgängern bestehende„Heer" von San Marino künftighin keine Majore und Obersten mehr haben wird. So ist die kleine Republik um eine Lächerlichkeit änner und scheidet als Konkurrent auf dein Markte der Eitelkeiten aus. Eingegangene OnieKfchriften. .PlutuS-'. 8,50 M. Verlag (Herausgeber: G. Bernhard.) 29. : Verliii-Charloltenburg, Goethestraße Vierteljährlich «erltuer Marktpreise. kluS dem amtlichen Bericht der stSdttlcheu Marklballen-Direklion.(Großhandel.) Rtndfleilch la 72-74 pr. 100 P(b., Ha 66-71. Ma 61-62, Bullenfleisch la 67-72, IIa 57-66, Kühe, fett 54— 62, do. mager 42—52, Fresser 56—68, Bullen, dän. 0,00, do. Holl. 0,00. Kalbfieisch, Doppellcnder 100—120, Mastkälber la 75—84, Da 66—74, Kälber gcr. gen. 47—59, do. Holl. 0,00, dän. 0,00. Hammelfleisch Mastlämmer 76—80, Hammel la 71—75, IIa 64—70, Schafe 61—64.«chiveineffessch 55—62. Rehbock la per Pfund 0,65—0,85. IIa 0,40-0,60. Rolwild. Abschuß 0,59. Damwild. Abschuß 0,00. Wild. schwetne 0,00. Frischlinge 0,40—0,45. Kaninchen per Stück 0,35. Wildenten per Stück 0,00. Krickenten per Stück 0,45. Hühner, alle, per Stück 1,50—2,00, Ha 1.00— 1,40, do. jung« 0,50—0,81. Tnuben 0,40— 0,60, italienische 0,00,«nten per Stück 1,00 bis 2,30, do. Hamburger per Stück 2.00—3,00. Gänse per Pfund 0,83—0,70, do. WW■"' amburger per Psd. 0.70—0.75, per Stück 0,00. .66— 0,68.---- tm---- ouletS 0,40—1,00. EhalonShühner matt 0,00, dito mittel und ander 0,00.' Schleie, groß 0,00, mittel 0,00, do. Holl. 80—96, do. klein und mittel 83—90, per Stück 2,00—4,80, do. do. Odcrbrucher per Psnnd 0,00. hechte per 100 Psnnd 113-126 groß 113. Zander 0,00. Schb do. klein 0,00. Aale, groß 91—1 mittel 92—100, do. unsortiert 72—80, do. klein 0,00. Plötzen, matt 0,00. Roddow 75. Karpsen, groß 82. Bleie 63—70, matt 0,00. Bunte Fische 70 Bars« 09. Karauschen 75—90, do. matt 0,00. Bleisische 0,00. Wels 0,00. Aland 77—80. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer, per 100 Psd. 110—130, do. üa neuer 90—100, do. Ula neuer 60. Seelachs 10—20. Flundern, Kieler, Stiege la 3—6, mittel ver Kiste 1—2, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 4— 8, IIa 0,50— 2,50. Bücklinge, Kieler per Wall 2—3, Strals. 3,50—4,50. Bornh. 0,00. Aale, groß per Psd. 1,10 bis 1,40, mittelgroß 0,80—1,10, klein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5—9. Schellfische Kiile 3,00-5.00, Kiste 2-2,50. Sardellen. 1902er per Anker 98. 1904er 98, 1905er 98, 1906er 90—95. Schottische Vollhertnge 1905 0.00. large 40-44, füll. 38—40, med. 86—42, deutsche 87—44. Heringe, neue MatjeS, per'/, To. 50—120. Sardinen, russ., Faß 1,50-1,60. Bratheringe Faß 1,20-1.40, do. Büchse(4 Liter) 1,40-1,70. Neunaugen, Schocksaß 11, do. kleine 6— 6, do. Riesen. 14. Eier, Land», unsortiert per Schock 3,00—4,00, do. große 4,00. Krebse per Schock große 0,00, do. mittelgroße 12,— 17,50, do. kleine 2,70—3,50, do. unsortiert 4,00—7,50, do. Galizier groß und mittel 0,00, do. uns. 0,00. Butter per>00 Psd. la 106-110, IIa 103-106. III» 100-102, abfallende 90-95. Saure Gurke», neue Schuck 4,00—5.00. Pfeffergurken 4,60. Kartoffel» per 100 Psd. Görzer 0,00, weiße runde 2,75—3,25, blaue 3,50-4,00, Rosen, 1,50 bis 2,50, Nieren- 3,00-3,50, Zerbsler 3,00—4,50. Porree, Schock 0,50-1,00. Meerrettich, Schock 3—12. Spinat per 100 Pfund 20—25. Sellerie, hiesige, per Schockbund 2.00-3,00. Zwiebeln per 100 Psd. 7.00-7,50, do. kleine 0,00, do. hiesige(Perl.) 0,00. Thariotten 0,00. Petersilie, grün, Schockbund 0,75—1,00. Kohlrab» Schock 1,00—1,50,. Retllg, bayr., neue Stück 0,07—0,10. Mohrrüben Schockbund 2,00—2.50. Karotten, hiesige, Schockbund 2.50—3,50. Wirsingkohl per Schock 4,00—6,00. Rotkohl, Schock 10. Weißkohl 8—10. Blumenkohl, Zittauer 100 Stück 17—13, do. Ham» burger 100 Stück 10—12, do. Erfurter 100 Stück 20—26. Kohlrüben, Schock 5,00—6,00. Rhabarber 100 Bund 0,00. Petcrsilienwurzeln, Schock» bund 4,50—6,00. Schoten per 100 Psnnd 6—15. Psefferltnge per 100 Pfund 7—10. Radieschen per Schock 0,75—1,00. Salat per schock 1,00—2,00. Gurken, Zerbster, Schock 2,00—3.00. Bohnen, grüne, 100 Psd. 10—30. Stachelbeeren, per 100 Psnnd 7—12. Erdbeeren, hiesige 100 Psd. 20—35, do. Walderdbeeren 60—80, do. Hamburger 30—40, do. Holländer 25 bis 35, do. Gubener 0,00. Himbeeren 100 Psnnd 28— 30. Blau» beeren, 100 Psd. 6—12. Johannisbeeren, 100 Psd. 8—10. Kirschen, per 100 Psnnd Schlesische 6—20, Werdersche 10—15, do. Glas» 12—18, do. Thüringer 3—15, Natten 25— 35, sauere 14— 25. Birnen, ilat., 100 Psund, 13—22. Pfirsiche, per 100 Psnnd 45—60. Aprikosen, ital., per 100 Psund 25—26, sranz. 26—29, ungar. 18—23. Aepscl, ital., per 100 Psund 18—25. Pflaunicn. ital., per 100 Psund 23—30. Zitronen. Messiua, 300 Stück 9,00-13,00, do. 360 Stück 8,00-11,00, do. 200 Stück 6,00-12,00. Banane». gelb. 100 Psd. 20-22._ Witternngsüberttcht vom 10. Juli 1007, morgens S Ilhe. aiuet » c c r. » II L? »< i Swtnemde 757 33 Hamburg 760WI verlin 760 W Franff.o TO. 768 N München 7639!® Wien>762 NW 2 bedeckt 8 bedeckt 4 wolkig 3 bedeckt 3 wolkig 2 halb SlatUnen S 5 i- £3 B 0 -c Havaranda■ 758 Still Petersburg 754 0 Scillh Aberdee» Paris 765 ONO 767 NO 765 NO Beiln -halb bd. 1 bedeckt Ihalbbd. 1 heiter 2bedcckt WK «i* s• s? M& 18 14 17 11 12 BSetter- Prognose für Sonnabend, den SO. Juli 1007. Zeitweise heiter, ein wenig wärmer, aber noch veränderlich mit leichten Negensällen und mäßigen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterbureaa. BSafferstaud ain 19. Juli vorm. Elbe det Dresden 78 dp.— Elbe bei Magdeburg 3,34 Meter.— O d e r bei Ratibor—,—,— Oder bei Breslau 4- 2,28 Meter, steigt überall.— Oder bei Brieg 5,77 Meter.— Neißemündung 5,07 Meier.— Rhein bei Kaub 2,00—0,08 Meter.— Rhein» schleuse ftei Snaßburg 3,39—0,07 Meter._