Ar. 169. flbonntmentS'Bedlnsunsen: Monnemmts- Preis pränumerando! Werteljährl. 3M ÜRt., monatl. 1,10 Mk, wöchentlich 28 Psg, frei WS HauS. Einzelne Nummer K Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZcitungS. Preisliste. Unter Kreuzband für nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, "nicn, Schweden und die Schweiz. 24. Jahrg. Gldicint täalldj außer montags. Zerliuev VolksblcM. Die TnfertionS'Gebflbr veträgt für die scchSgespaltene Koloned zeile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins« und Bcrsammlungs-Anzeigen M Pfg. „Melne Unreigcn", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist biS 1 Uhr abends geöffnet. Telcgramm-Adrcsse: „Soalaliiemolilat Billln". Zentralorgan der rozialdcmokrati leben partel Deutfchlands. Redaktion: SWl. 68, Ltndcnetraaac 69. Fernsprecher: Amt lV. Nr. 1983. Dienstag, den Ä3. Juli 1997. Expedition: SM. 68» Lindenstraeee 69. Fernsprecher: Amt IV« Nr. 1981. ßiilow und der Block. Herr Jules Huret, Mitarbeiter des„Figaro", hält sich zurzeit in Deutschland auf, um die Leser seines Blattes über die„germanische Kultur" zu informieren. Durch den sranzö- fischen Botschafter Herrn Cambon hat er auch bei dem auf Norderney weilenden Fürsten Bülow Zutritt gefunden und sich auf einem Spaziergang mit dem Reichskanzler über den deutschen Individualismus, das organisatorische Genie der Deutschen, die militärische Unterordnung der deutschen Sozial- demokraten, den konscrvativ-liberalen Block usw. unterhalten— eine jener feuilletonistis chen Kauserien, wie sie der Veranlagung des Kanzlers entsprechen und wie er sie bei verschiedenen Gelegen- heiten auch im Reichstage gehalten hat. Da wir nicht zu denen gehören, die wie Herr Jules Huret in dem Fürsten Bülow eine „Eliteerscheinung der deutschen Rasse" sehen, und da wir ferner nicht der Ansicht sind, daß die privaten Anschauungen des Fürsten Bülow über den deutschen Individualismus ihrem Gehalt nach einen �berechtigten Anspruch darauf haben, unserer Leserschaft mitgeteilt zu werden, so würden wir von der Unterredung keine Notiz nehmen, enthielte nicht das Ge- spräch eine Stelle, die recht charakteristisch für die Auf- fassung des Bülow-Kursus ist. Nach dem„Berliner Tageblatt" fragte Huret: „Und wird Ihnen die neue Majorität(ReichStagSmajorität). die aus den Wahlen hervorgegangen ist, die Führung der Geschäfte erleichtern?" Bülow:„Ich hoffe es. Wir haben jetzt auch einen„B l 0 ck", gebildet aus den Konservativen und den Liberalen." Huret:„Man sagt, das sei eine widernatürliche Ehe." Bülolo:„Die beiden sind nicht gar so ver- schieden. Gewih trennen sie sich in den ökonomischen Fragen, da die konservativen Agrarier Schutzzöllner und die Liberalen Freihändler sind. Aber da die Handelsverträge noch sechs Jahre dauern, braucht man diese trennenden Fragen nicht anzuschneiden. Ueber das übrige kann man sich ver- ständigen." Bereits früher hat der Reichskanzler sich ähnlich geäußert. wenn auch nicht so bestimmt; nach dem Kamarillaspiel im vorigen Monat, dem Ministerwechsel im preußischen Staats Ministerium und den neuerlichen gegenseitigen Anreinpelungen zwischen dem rechten und linken Flügel des Blocks über die Aenderung des preußischen DreiklassenwahlrcchtS, hat diese Meinungsäußerung über die Existenzmöglichkeit des Blocks jedoch eine andere Bedeutung als damals. Zweierlei beweist dieser Ausspruch. Erstens, daß Fürst Bülow sich nach dem sogenannten Minister-Reviremcnt unter Ausschiffung des wegen seines geistigen Uebcrgcwichts seinem hohen Chef unbequm gewordenen Grafen Posadowsky fester in seiner Stellung fühlt, als vor dem Kamarilla spiel. Zweitens aber, daß er der Ansicht ist, das konservativ� liberale Paarungsverhältnis werde sich auch nach der W i e d e r> e r ö f f n u n g des Reichs- und Landtages ruhig fortsetzen lassen, das heißt der liberale Flügel des Blocks werde sich dazu verstehen, unter denselben Bedingungen wie im Frühjahr nochmals die konservative Regierungspolitik zu unterstützen. Zwar ist die letzte Tagung des Reichstages unter dcni Zeichen des Blocks recht trübselig verlaufen; weder hat sich der „vaterländische Geist", der bei den letzten Wahlen erwacht sein sollte, zu nützlicher parlamentarischer Arbeit befähigt gezeigt, noch hat die freisinnige Partei für die schöne Disziplin. mit der sie sich den politischen Zwecken Bülows unterordnete und ihn in seiner gefährdeten Stellung stützte, den geringsten Gegendienst erlangt. Dennoch scheint der Reichskanzler ganz sicher zu sein, daß die Freisinnigen um Mugdan, Schräder und Naumann sich nochmals auf eine parlamentarische Segelfahrt im Reichstag unter konservativliberalem Panier einlassen werden— unbekümmert um das preußische Abgeordnetenhaus. Nur in ökonomischen Fragen trennen sich die Konservativen und Liberalen, meint mit dem fröhlichen Optimismus, der ihn auszeichnet, der Kanzler, sonst„sind sie nicht gar so verschieden", daß man sich nicht ver- ständigen könnte. In diesem Ausspruch liegt sicherlich eine gewisse richtige Einschätzung der Liberalen mit Einschluß der Freisinnigen. Einige Festigkeit haben sie bisher stets nur in wirtschaftlichen Fragen bewiesen, d. h. in solchen Fragen, bei denen das materielle Interesse der von ihnen vertretenen bürgerlichen Erwerbsschichtcn eine Rolle spielte; in rein politischen Fragen haben sie sich dagegen stets recht nachgiebig gezeigt. Es ist deshalb gar keine schlechte Spekulation, wenn der Reichs kanzler darauf rechnet, durch einige kleine Zugeständnisse auf wirtschaftlichem Gebiete, z. B. bei der Börsengesetzreform, den linken Flügel des Blocks nochmals vor den Regierungskarren spannen zu können. Und der größte Teil der freisinnigen Führer würde sich. vielleicht bis auf ein halbes Dutzend, für einige derartige Ge- schenke sicherlich auch recht gerne bereit finden lassen, das Konkubinatsverhältnis fortzusetzen Die Zeit, wo sie sich noch als Vertreter bestimmter politischer Prinzipien fühlten, ist längst vorüber; selbst die Zeit, wo sie als Entschädigung für die Paarung noch einige Ministerposten und konstitutionelle Garantien verlangten, ist durch ihre EntWickelung zur Real- Politik überholt. Sie tun es heute weit billiger. Aber eine andere Frage ist, pH die freisinnigen WÄler diese Art Black- Politik ihrer Führer auf die Dauer mitmachen werden, und ob ferner Für st Bülow im stände sein wird, den freisinnigen Parteien auch nur jenes kläglich bescheidene Matz an Zugeständ nissen zu bieten, das selb st die Selb st lose st en der Freisinnigen fordern— und mit Rücksicht auf ihre Wählerschaft fordern müssen? Auch für die Freisinnigen gibt es schließlich eine Grenze, wo ihr Hoffen und Harren auf die Erfüllung der ihnen gemachten Versprechungen, einer Teilnahme am staat lichen Regiment aufhört, und ihr naives Vertrauen sich in Mißmut kehrt; hat sich doch ohnehin bereits einzelner süd deutscher Kreise, die nach der Wahl von der Erneuerung des liberalen Geistes philosophierten, ein starker Unmut be mächtigt. Noch schwerer wiegt die Frage, ob Fürst Bülow selbst dann, wenn er will, deni Freisinn auch nur einigermaßen nennenswerte Zugeständnisse zu bieten vermag? Daß er will, wenn auch nur innerhalb bescheidener Grenzen, kann man für ziemlich sicher halten. Nach seiner Brüskierung des Zen trums und der von dieser Partei gegen ihn eingenommenen Haltung darf man annehmen, daß es ihin trotz seines San guinismus und seiner Rinozeroshaut nicht leicht fallen würde, wieder mit dieser Partei zu regieren— ganz abgesehen davon, daß das Zentrum voraussichtlich als Vorbedingung für seine Rückkehr in das alte Verhältnis die Verabschiedung Bülows fordern würde. Will also Bülow sich auf seinem Platz behaupten, dann muß er den Freisinn beim Block zu halten und wenigstens einige seiner Wünsche zu befriedigen suchen. Abcx werden ihn die Konservativen auf seinem Posten dulden, wenn er sich anschickt, nicht mehr nur den Lide ralen etwas zu versprechen, sondern auch einen Teil des Ver sprochencn zu halten? Sentimental ist die Junkerrasse nie mals gewesen. Durch schöne Redensarten läßt sie sich nicht bestechen. Sie will herrschen. Für die liberal-kon- servative Parung hat sie nichts übrig; die klerikal-konseo vative Paarung ist ihr lieber; jedenfalls aber hat sie nicht die geringste Neigung, zugunsten Bülows und seines Block Programms sich irgendwelche nennenswerten Opfer auferlegen zu lassen. Deutlich hat das erst vor kurzent die„Kreuz zeitung" bekundet, indem sie gegenüber dem Verlangen des süddeutschen Liberalismus nach liberalen Reformen aus führte, bisher hätte die in preußisch-konservativen Kreisen ailfgeworfene Frage, ob wirklich die Gründung des Reiches für sie ein Segen gewesen sei, nur theoretische Be deutung gehabt; leicht könne es aber, wenn die süd deutschen Liberalen in ihrer Agitation fortführen, geschehen, daß diese Frage praktische Bedeutung gewänne. �Niemals würden sich die Konservativen der Zumutung fügen. „wegen der Liberalen in Süddeutschland und imHinblick a u f d i e Pa r t e i v e r h ä l t n is s e im Reichstag die innerpreußische Politik deni Liberalismus preiszugeben". Und nicht minder zeigt der Kampf der preußischen Kon- scrvativen gegen den sächsischen Wahlrcchtsentwurf, wie wetiig sie geneigt sind, von ihrer beherrschenden Stellung irgend etwas aufzugeben und in der Frage des Drciklasscnwahlrechts Konzessionen zu machen. Nicht nur die Wahrscheinlichkeit, daß ihre sächsischen Gesinnungsgenossen etwas von ihrer heutigen Machtstellung einbüßen könnten, treibt die preu- ßischen Junker zur Entrüstung über den Hohenthalschen Entwurf, sondern nicht minder das Bedenken, daß die Wahl- reform in Sachsen gewissermaßey für Preußen die Be- deutung eines Präzedenzfalles haben könnte. Und um ihre Position zu behaupten, dazu besitzen die Konservativen nicht nur das Mittel der Opposition im Reichstage und preußischen Landtage, nicht nur das Mittel des passiven Widerstandes der mit ihnen durch tausend Fäden verbundenen preußischen Regierungsbureaukratie, sondern auch den Weg über die höfische Kamarilla. Jedenfalls wird Fürst Bülow das Fortwursteln nach dem Rezept versucht, daß er sich für seine Blockpolitik zruecht gemacht hat. Er m u ß es versuchen, denn es bleibt ihm keine andere Wahl. Sobald er sich aber einfallen läßt, dem Libe- ralismus wirkliche Zugeständnisse zu machen, dürften seine Tage als„Repräsentanten germanischer Kultur" und als deutsche„Eliteerscheinung", um mit Herrn Huret zu reden, gezählt sein. Vielleicht wirft ihn dann die Kamarilla, der er jüngst glücklich entrann. Auf diese Art abgesägt zu werden, ist ja das schöne Los der Reichskanzler im preußischen Deutschland. Ateldiiche Gutsherren und Berliner Detektio-IBora). Königsberg, den 20. Juli 1907. Im August 1905 wurden, wie seinerzeit auch der„Vorwärts" berichtete, auf dem, dem Herzog von Anhalt-Dcffau gehörigen Gut Kutkehmen im Kreise Jnsterburg von dem Inspektor Neu- fang ein Landarbeiter erschossen. Durch die Schil- derung dieses Vorfalles im„Ostpreußischen Landboten" fühlte sich damals der Pächter dieses Gutes, ein Herr Oberamtmann Besteck beleidigt, worauf der frühere Redakteur des Landboten, Genosse Vorchardt zu 300 M. Geldstrafe verurteilt wurde. Und weil Genosse Seeger in der„Leipziger Volkszeitung" das freisprechende Urteil« welches die Lvsterdnrger Ktraf- kammer in dieser Erschießungsaffäre gefällt, scharf kritisiert hatte, wurde er zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Diese Ur- teile scheinen den herzoglichen Gutspächter zu neuen Attacken gegen ahm unbequeme Leute ermutigt zu haben. In dem erstgenannten Prozeß gegen Genossen Borchardt trat auch der G a st w i r t M a h l e r aus dem dicht bei Kutkehmen gelegenen Dorf Stablacken als Zeuge gegen den Pächter Besteck auf. Dieser Zeuge hatte sich auch sonst der von dem Gute wegen schlechter Behandlung fortgesetzt flüchtenden heimischen und aus- ländischen Landarbeiter angenommen. Gegen diesen Zeugen unternahm nun der Gutspächter Besteck einen recht unsauberen Rachefeldzug, um den ihm unbequemen Nachbar zu vernichten. Er ließ sich von dem Detektivbureau„Spinx" aus Berlin den Geheimagenten S h d 0 w kommen, der bei ihm scheinbar als Gutsinspektor eintrat, in Wirklichkeit aber die Aufgabe hatte, den verhaßten Nachbar Mahler, der in Stablacken eine Gast- Wirtschaft hatte, zu beobachten und Material zu seiner Bestrafung eventuell zur Entziehung der Konzession zu sammeln. Sydow verkehrte nun fleißig in der Wirtschaft des Mahler, wobei er sich gelegentlich recht abfällig über die Zustände in 5!ut- kehmen und über die Person des Pächters äußerte. Dann insze» nierte dieser und Sydow eines Tages einen Streit, wonach der falsche Inspektor vom Gut flüchtete und sich bei Mahler, der keine Ahnung von den verwerflichen Absichten dieses konzessionierten Spitzels hatte, einquartierte. Hier mietete er sich ein Zimmer und empfing wiederholt einen zweiten von Besteck gedungenen Detektiv, einen angeblichen Zigarrenreisenden aus Berlin und einen früheren Inspektor des Besteck, mit denen er zusammen kneipte. Hierbei lenkte dann Sydow in geschickter Weise das Gespräch in Gegenwart des Gastwirts Mahler auf die Zustände in Kutkehmen und auf die Person des Besteck, um den Wirt zu beleidigenden Aeußerungen zu provozieren. Dabei machte er sich dann heimlich Notizen, schickte diese an sein Bureau in Berlin, von wo aus diese dem Besteck übermittelt wurden. Diese Notizen enthielten auch Angaben darüber, daß Mahler an bestimmt angegebenen Tagen Sydow, dessen Zechgenossen und anderen Gästen über die Polizeistunde hinaus Getränke verabfolgt haben sollte. Nebenbei aber wurde Mahler noch in recht auffallender Weise von dem Gendarm, der öfters bis nach Mitternacht in der Nähe des Gehöfts desselben angetroffen wurde, kontrolliert. Auf Grund des auf diese Weise zusammengebrachten Materials erhielt Mahler nun fortgesetzt Strafbefehle. Außerdem verklagte ihn Besteck noch persönlich wegen Beleidigung. Welchen Wert dieses recht kostspielige Material hatte, ging auS dem Urteil des Schöffengerichts zu Jnsterburg her- vor. Gegen sechs gegen ihn erlassene Strafbefehle wegen Ueber- tretung hatte der Gastwirt Mahler Berufung eingelegt. Jn� 5 Fällen wurde er freigesprochen. Gegen dieses Urteil legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Aber die Jnsterburger Straf-' kammer mußte nicht nur die Berufung verwerfen, sondern sie sprach den Angeklagten Mahler auch»och im sechsten Falle frei. Durch die Aussagen einer Anzahl Zeugen und selbst durch die kommissarische Vernehmung des Sydow, dessen Notizen als sehr. zweifelhaft bezeichnet wurden, konnte auch nicht das ge- ringste für die Schuld Mahlers beigebracht werden. Ebenso! haltlos waren die Anzeigen des Gendarmen. Deshalb 1 wurden die recht erheblichen Kosten der Staatskasse auferlegt, j Das Gericht hielt es aber auch für angemessen, die dem Ange-i klagten erwachsenen notwendigen Auslagen, wozu auchi die Kosten der Verteidigung gerechnet wurden, durch die Staatskasse zu ersetzen, da sich, wie es im Urteil heißt, die völlige Unschuld des Angeklagten ergeben habe und ihm auch sonst ein Verschulden an dem gegen ihn eingeleiteten Verfahren nicht zur Last gelegt werden kann. Bald darauf am 27. Juni d. I. hatte sich das Schöffengericht zu Jnsterburg mit der zweiten Auflage dieser unsauberen Spitzel- geschichte, dessen Urheber gleichfalls der zartfühlende, herzogliche Gutspächter Besteck war, zu beschäftigen..j Während der Zeit, als der Detektiv Sydow die Gastfreund- 1 schaft des Mahler damit belohnte, daß er diesen gegen Bezahlung i bespitzelte, verkehrte dort noch ein dritter, vom Gute des Besteck! wegen schlechter Behandlung wirklich geflüchteter Inspektor. Dieser j hatte an den Herzog von Anhalt-Dessau, den Besitzer des Gutes' Kutkehmen ein Schreiben verfaßt, in dem die durch den Pächter! Besteck verursachten Mißstände auf dem Gut und der Charakter> dieses Herrn Oberamtmann in wenig schmeichelhafter Weise ge--- schildert wurde. Der Inspektor Sch. hatte dieses Schreiben zum Zwecke der Sammlung von Unterschriften bei Mahler in Ver- Wahrung gegeben. Zufällig bekam es auch Sydow zu sehen und ließ es in seiner Tasche verschwinden, um es seinem Auftrag- geber als willkommenes Material gegen Mahler zu übermitteln. Besteck behauptete nun schlankweg, dieser sei der Verfasser oder Weiterverbreiter dieses Schreibens und verklagte ihn deswegen, sowie wegen einiger ihm von Sydow mitgeteilten Aeußerungen wegen Beleidigung. Merkwürdigerweise schenkte bei dieser Verhandlung das Schöffengericht dem Detektiv Sydow, im Gegensatz zu der Straf- kammer, vollen Glauben; trotzdem auch dieses Gericht seine No- tizen zum Beweise nicht für geeignet hielt. Auf Grund der alleinigen Aussagen dieses zweifelhaften Spitzels wurde Mahler wegen Beleidigung des Oberamtmanns Besteck zu 60 M. Geld- strafe verurteilt, während Besteck, dessen recht schwere Beleidi- gungen Mahler gegenüber durch einwandfreie Zeugen festgestellt wurden, nur mit 30 M. Geldstrafe bestraft wurde. Gegen dieses Urteil hat Mahler Berufung eingelegt. Es ist kaum anzunehmen, daß dieses Urteil opfrecht erWteu werden fam Richtiger wäre es, Mnn gegen Zie ÄerAnstalter dieser Prozesse ein Verfahren wegen wissentlich falscher Denunziation einge- leitet werden würde.• War der Charakter des Herrn Oberamtmanns durch die da- malige Gerichtsverhandlung gegen den Redakteur Borchardt noch nicht genügend gekennzeichnet, so dürften die hier geschilderten Vorkommnisse sicher das nötige dazu beitragen. Zu bedauern sind nur alle diejenigen, die unter der Herrschaft dieses Guts- gewaltigen, der auch nicht einmal seine Inspektoren besser wie seine Landarbeiter behandelt, zu leiden haben. FreiMger Slafsirechtsverrat. Zur Wahlrechtsreform in Preußen hatte die ,5!eue Politische Korrespondenz" bemerkt, daß man mehr als eine generelle Stellung zur Wahlrechtsfrage bei der nach st en Tagung des Landtages von der Regierung nicht erwarten dürfe. Dazu schreibt der Berliner Korrespondent der„Frank- surter Zeitung": „So hat man sich in unterrichteten politischen Kreisen die Sache immer gedacht. Man hat an- genommen, daß die preußische Regierung in der nächsten Landtagssession, die die letzte der Legislaturperiode ist, nicht mit dem Entwurf eines neuen Wahlrechts herbor- treten wird, daß sie aber eine Gelegenheit, an der es ja nie fehlen kann und die zum Beispiel der freisinnige Wahlrechtsantraa liefern würde, benutzen wird, um ihre grundsätzliche Stellung zur Wahlrechtsfrage darzulegen und die Grundlinien einer Reform zu kennzeichnen. Diese Reform würde dann wohl die Haupt- rolle in der Wahlbewegung spielen und das neu- gewählte Abgeordnetenhaus beschäftigen. Die Hauptsache ist, daß die preußische Regierung, was sie bisher noch nicht getan hat, sich zu der Ueberzeugung bekennt, daß das Klassenwahlrecht nicht haltbar ist. und daß sie keinen Zweifel darüber läßt, daß sie trotz der Widerstände, die von rechts her zu erwarten fein werden,«ine Reform ernstlich in die Hand nehmen will. Das ist eine Erwartung und eine Forderung nicht nur aller Liberalen, sondern auch einsichtiger Politiker auf der Rechten. Würde der gegenwärtige Reichskanzler und Minister- Präsident diese Erwartung enttäuschen, dann wäre es mit den Versuchen, die man als Blockpolittk bezeichnet hat, im Reichstage bald vorbei und es gehörte keine Prophetengabe dazu, um voraus- zusagen, daß die ReichstagSwahlen dann einen anderen Aufmarsch und ein anderes Resultat als die letzten ergeben würden." Für so bescheiden hätten wir den Freisinn denn doch nicht gehalten! Also keine Wahlreformvorlage erwartet nach dem „demokratischen" Frankfurter Organ der Freisinn, sondern nur ein Versprechen der Regierung, im neugewählten Landtag eine solche Vorlage einbringen zu wollen l Der neue Landtag würde dann abermals auf Grund des Dreiklasscn- systemS gewählt werden I Er würde auch eine dementsprechcnde Zusammensetzung erhalten und für das Zustande- kommen einer wirklichen Wahlreform keine günstigeren Aussichten bieten als der gegenwärtige Landtag l Die„Frkf. Ztg." meint freilich, der Wahlkampf werde im Zeichen der W a h l r e f o r m geführt werden können. Ja- wohl, einer Wahlreform, über die die Regierung bestenfalls einige nebelhafte Andeutungen zu machen geruhen würde. Das würde freilich den bürgerlichen Parteien, dem Zentrum uns dem Freisinn gerade passen. Sie könnten dann abermals das Blaue vom Himmel versprechen, um nachher der jämmerlichsten Flickreform ihre Zustimmung zu geben! Wäre es dem Freisinn im geringsten Ernst mit der Er- kämpfung einer wirklichen Wahlreform, so müßte er seine Zugehörigkeit zum Block von dem Einbringen einer Wahl- reformvorlage bereits in der Landtagssession abhängig machen. Er hätte dann ein w i r k l i ch e s Urteil über das Maß des Entgegenkommens der Regierung. Er böte dann seinen Wählern die Möglichkeit, ihrerseits zur Frage der Wahl- resorm Stellung zu nehmen! Weiterhin aber würde sich dann zeigen, ob die Konserva- tiven wirklich zu Konzessionen geneigt sind, und welche Stellung Nationalliberale und Zentrum zur Wahlrechtsfrage einnehmen werden! Entlarvten dabei diese Parteien ihren reaktiv- nären Charakter, so böte der Wahlkampf erst recht Gelegen- heit, diese Parteien im Zeichen der Wahlreform energisch zu bekämpfen und damit für den neuen Landtag eine günstigere Zusammensetzung zu erreichen 1 Aber der Freisinn will sich allem Anschein nach bei einer unbestimmten unverbindlichen Erklärung be- scheiden. Und selbst wenn es der Regierung zurzeit nicht am guten Willen fehlte: daß die Regierung ihre Pläne trotz aller Engagements auch wieder fallen lassen kann, beweist ja das Schicksal der Kanalvorlage. Der Freisinn steht also im Begriff, die Position der Wahlrechtsfeinde abermals z» stärken! Wollen sich die frei- sinnigen Arbeiter diese jammervolle Verrätertakttk wirklich gefallen lassen?!_ Kardorff. Wie der Telegraph aus Nieder-Wabnitz meldet, ist dort gestern der frühere Reichstags- und Landtagsabgeordnete Wilhelm von Äardorff gestorben— noch bis vor kurzem einer der tempe- ramentvollsten und bekanntesten Persönlichkeiten des politischen Lebens: ein Parlamentarier, der fast bei allen reaktionären Ge- setzen der letzten Jahrzehnte mitgewirkt hat, nicht zuletzt bei dem Zustandekommen des neuen Zolltarifs. Am 3. Januar 1828 in Neu-Strelitz(Mecklenburg) geboren, studierte v. Kardorff in Naumburg, Berlin und Halle die Rechte und fungierte dann in Naumburg und Stralsund als Referendar. Die juristische Karriere behagtc ihm jedoch nicht. Er wurde Rittergutsbesitzer und übernahm darauf 1884 das Landratsamt des schlesischen Kreises Oels. das er bis 1895 behielt. 1366 wurde er in das preußische Abgeordnetenhaus und 1367 in den Reichstag gewählt, dem er bis zur letzten ReichStagswahl angehörte. In beiden Parlamenten spielte er bald eine bedeutende Rolle. Obgleich als mecklenburgischer Adliger geboren, gehörte er nicht zu den Junkern, die auf alte Traditionen halten und in der Beschäftigung mit bürgerlichem Erwerb gewissermaßen eine Verletzung ihrer Standesehre erblicken. Er fand, daß sich der Agrarier recht wohl mit dem Großindustriellen, selbst mit dem Börsenspekulanten ver- einen lasse, und daß der Erwerb aus industriellen Gründungen und Spekulationen als Zuschuß zu dem Gewinn aus landwirt- schaftlichen Betrieben nicht zu verachten sei. Die Zeit der Eisen- bahnverstaatlichung und der Gründungen nach dem deutsch. französischen Krieg bot dem Herrn von Kardorff günstige Gc- legenheiten zur Betätigung dieser Auffassung. Er gründete und spekulierte mit und hat sich als Mitbegründer der Laurahütte einen Namen exworben. Als ihm später wegen seiner skrupel- losen Gründertätigkeit mancher Vorwurf gemacht würde, erklärte er einfach, er hätte Geld gebraucht, um sich finanziell unabhängig zu machen und die Lasten tragen zu können, die ihm seine parla- mentarischen Aemtcr auferlegt hätten. Seine Verbindungen mit der Großindustrie machten v. Kar- dorff auch zum parlamentarischen Vertreter der von dieser er- hobenen Schutzzollforderungen. In seiner Broschüre„Gegen den Strom" rief er schon 1375 zum Kampf gegen die frcihändlerische Strömung auf und die Begründung des Zentralverbandes deutscher Industrieller ist in erster Reihe sein Werk. Bei den Vorberatungen und in den Kämpfen um den deutschen Zolltarif des Jahres 1879, der die bisherige freihändlcrische Aera begrub, spielte er eine bcdeu- tende Rolle, und war auch bei den ferneren Veränderungen des Zolltarifs bemüht, einen sogenannten gerechten Ausgleich zwischen den Forderungen der Agrarier und der schutzzöllnerischen Groß- industrie, speziell der Eisen- und Stahlindustrie, zu finden. Allzu einseitigen Ansprüchen der Agrarier setzte er jedoch mehrfach Wider- stand entgegen, und als bei den Kämpfen um den Zolltarif des Jahres 1962 der Bund der Landwirte Forderungen erhob, die ihm eine Verständigung zwischen Agrariern und Großindustriellen zur gemeinsamen Ausbeutung der unteren Volksschichten auszuschließen schienen, sagte sich v. Kardorff von dem Bunde der Landwirte los. Außer auf zollpolitischcm betätigte sich v. Kardorfs hauptsäch- lich auf währungspolitischem Gebiet. Neben seinem Freund Arendt stellte er den Hauptkämpen für den Bimetallismus im Reichstage, und es gab eine Zeit, wo man sicher sein konnte, daß er seine Rede— mochte es sich nun um ein volkswirtschaftliches, rechtliches oder ethisches Thema handeln— mit der Forderung der Doppelwährung schloß. Doch auch an anderen parlamentarischen Arbeiten hat er sich hervorragend beteiligt, und es gibt vielleicht kein gegen die Arbeiter gerichtetes Gesetz, bei dem nicht dieser Hasser der sozialdemokratischen Bewegung, der sich bis in die letzten Lebensjahre eine eigenartige Draufgänger-Nüstigkcit bewahrte, mitgewirkt hat. Politilcbe Ücberlicbt. Berlin, den 22. Juli 1907. Eine neue Bedrohung der deutschen Arbeiter. Das deutsche Proletariat hat in seinem Kulturkampf um die Erringung besserer Lebensverhältnisse immer mit dem borniertesten Widerstand des Kapitalistenklüngels zu kämpfen gehabt. Und die gesamte Staatsmacht steht in diesem Kampf aus Seite der Geld- macht und hindert durch die rückständigsten Gesetze und eine noch schlimmere Verwaltungspraxis, die immer mehr zu einer unerträg- lichen Fessel aller Koalitionsbestrcbungcn wird, die Kultur- bestrebungcn des Proletariats. Aber trotz aller Hindernisse hat die deutsche Arbeiterschaft ihre gewerkschaftliche Organisation glän- zend ausgebaut, und alle Errungenschaften, die sie heute ihr eigen nennen darf, hat sie ihrer Organisation zu verdanken, an der sie trotz aller Gewaltmaßregeln der Unternehmer unerschütterlich fest» hält. � Daß diese Organisation heute noch zertrümmert werden kann, das ist ein Gedanke, der wohl selbst dem größenwahnsinnigsten Unternehmer nicht mehr ausführbar erscheinen kann. Der Einfluß der Organisation aber reicht weiter hinaus über die Zahl der organisierten Arbeiter. Selbst der unorganisierte, indifferente Arbeiter scheut in der Regel zurück vor der S ch u r k e n- tat des Streikbruchs. Vor allem aber beeinflußt das Niveau, auf dem die organisierten Arbeiter stehen, immer mehr auch die Lage der übrigen Arbeiterschaft. Unter eine bestimmte Lebenshaltung lassen sich deutsche Arbeiter nun einmal nicht herab- drücken. Das ist aber eine Situation, die der kapitalistischen Profit- Wut längst nicht mehr bchagt. Noch gibt es proletarische Schichten, die tief unter dem Niveau stehen, auf das die deutsche Arbeiterschaft der Kampf ihrer Organisationen gehoben hat. Weg also mit den deutschen Arbeitern, die nicht genug Profit liefern und keine willen- losen Sklaven, keine bloßen Automaten mehr sind! Mögen sie ver- hungern, wenn sie keine Arbeit finden! Wir aber, wir helfen uns anders. Wozu treiben wir denn Weltpolitik, wenn wir nicht mehr Herren im eigenen Hause sein sollen? Was deutsche Arbeiter sich nicht mehr gefallen lassen können, das lassen sich chinesische Kulis noch lange gefallen. Und haben wir erst genügend Kulis in Deutschland, dann wird es uns auch gelingen, die rebellischen Deutschen in Zaun zu halten, sie zur chinesischen Bescheidenheit und Demut zu erziehen. Das mag wohl der Gedankengang des Herrn B a l l i n gewesen sein, des„königlichen Kaufmanns", des Freundes des Kaisers, der angeblich soviele Verdienste und sicher sehr viel Verdienst aus unserer nationalen Kulturentwickclung hat, als er auf seine Weise die Konsequenzen aus dem letzten Streik zog. Das „Berliner Tageblatt" meldet folgendes: Der letzte Seemanns streik in den deutschen Nordsee- Häfen hat Konsequenzen gezeitigt, die eine besondere Beachtung beanspruchen dürfen. Der Norddeutsche Lloyd beabsichtigt, s ä m t- licheDampfer seinerLinien nach demLaPlata, Brasilien und Kuba mit chinesischen Heizern und Kohlenziehern zu besetzen. Die ersten 56 chinesischen Feuerleute sind bereits einge- troffen. Weitere Transporte werden mit dem Dampfer„Scharnhorst" und anderen Lloyd- Kämpfern, die vonOstasien heimkehren, folgen. Diese Maßregel wird als eine Folge des letzten Streiks der deutschen Seeleute bezeichnet. Fürwahr eine nationale Tat! Das ist echter Hottentotten- Nationalismus! Was ist für Herrn Ballin die Nation? Ein Ausbeutungsobjekt. Und der Deutsche, dessen Ausbeutungsgrad Herrn Ballin zu gering erscheint, hört damit auf Deuscher zu sein und wird in die Wüste gestoßen, wie etwa ein rebellischer Herero. Und der Chinese, der sich genügend ausbeuten läßt, wird in Herrn Ballins Augen zu einem besseren Deutschen, als ein Hamburger Seemann, der'manchmal streiken will, und nimmt daher mit Recht den Platz ein, von dem dieser verjagt wird. Ersetzung freier deutscher Arbeit durch chinesische Kontraktsklaverei, das ist das letzte Wort des Kapitalismus auf die Emanzipationsbestrebungen der Arbeiter- schaft! Aber diese nationalen Herren— und was Herr Ballin, der Freund des Kaisers und des Reichskanzlers hier ausführt, ist sehnlichster Wunsch unserer preußischen Junker— mögen sicher sein, es ist nicht das letzte Wort der Arbeiterklasse. Chinesische Kulis alsSturmböcke gegen d a s K o a l i t i o n s r e ch t in Deutschland, das gibt es nicht und das darf es nicht geben. Das wird den Herren, wenn sie es notwendig machen, noch genügend klargemacht werden. Eine Stäupung der Rcichslügenverbändler vollzieht die„Leipziger Volksztg.". Die duftige Ablagerungsstätte für die reichsverbändlerischen Erzeugnisse, die.Post", hatte fol- gende Niedertracht veröffentlicht: Immer wieder die Moral mit doppeltem Boden. Ju seiner Geschickte der deutschen Sozialdemokratie von 1993, 2. Aufl., Bd. II, S. 294, bespricht Franz Mehring das Urteil im Kölner Kommunistenprozeß(1852) folgendermaßen: „Es war der erste Sündcnfall der Geschworenen seit den Märztagen; zwischen die Wahl gestellt, einen Justizmord zu begehen oder vor aller Welt das Brandmal der Infamie auf die Stirn der preußischen Regierung zu drücken, entschieden sie sich für den Justizmord." Mehring stand damals, als er diese Worte schrieb, nicht unter dem unmittelbaren Eindruck einer aufregenden Prozeß- Verhandlung, deshalb muh man annehmen, daß er leidenschafts- los sein Amt als„Geschichtsschreiber" ausgeübt hat. ES war ihm auch nicht unbekMnt,. dgß MN in Deutschland dqmglz ziemlich deutlich mit Fingern auf Wilhelm Liebknecht zeigte, der den Kölner Kongreß berufen, und dem man die Schuld dafür beimaß, daß preußische Geschworene über 11 Kommunisten zu Gericht sitzen mutzten. Liebknecht ist erst 1867 als Reichstags- abgeordneter in das volle Licht der Oeffentlichkeit getreten. Bis dahin hatte er als Marxscher„Agent" ein nebelhaft dunkles Da- sein geführt, war überall, wo in Deutschland die Arbeiter- bewcgung sich regte, aufgetaucht und überall abgewiesen worden. DaS gleich* Mißgeschick wie in Köln war ihm schon 1859 zu Murtcn in der Schweiz begegnet, wohin er die Vertreter der deutschen Arbeitervereine geladen hatte. Sämtliche Teilnehmer wurden verhaftet, nur er nicht. Dies seltsame Zusammen- treffen mag den„Neuen Sozialdemokraten" vom 19. November 1871 in Nr. 61 veranlaßt haben, zu schreiben: „Die Herren Liebknecht und Bebel sind durch ihr Ver- hältnis zu(dem kgl. sächs. Geh. Ministerialsekretär) Peter- mann, sowie durch Liebknechts Konfpiratton mit dem Chef des österreichischen geheimen Pretzfonds, Ritter von Orges, worüber wir in unserer vorigen Nummer das wesentliche, mitteilten, eigentlich schon genügend gekennzeichnet. Bebel ist jedenfalls. Mitwisser aller Liebkncchtschen Machenschaften und umgekehrt. Wir wollen daher die sonstigen Abenteuer Liebknechts dies- mal nicht weiter berühren, z. B. den Anfang der fünfziger Jahre sehr geheimnisvoll(Mehring schreibt:„ganz ösfcnt- lich", Bd. II, S. 189) von ihm berufenen Schweizer Arbetter- kongreß, bei welchem alle Teilnehmer der Polizei in die Hände fielen, desgleichen auch nicht sein Treiben in London im Kom- munistenbunde und dem Kölner Kommunistenprozeß." Aus diesem unverblümten Hinweis geht deutlich hervor, daß der„Neue Sozialdemokrat" keinen anderen als Herrn Liebknecht für das Kölner Urteil verantwortlich macht. Trotzdem hat Herr Mehring geglaubt, in ehrlicher Ueberzeugung zu so starken Worten greifen zu müssen, um seine Entrüstung über einen ver- meintlich ungerechten gerichtlichen Beschluß auszudrücken. Um so verächtlicher ist das Treiben der sozialdemokratischen Presse, voran der von Mehring geleiteten„Leipziger Volkszeitung", jetzt diejenigen mit Schmutz zu bewerfen, die unter dem unnuttel- baren Eindruck der Verlesung des vom Disziplinargerichtshose gegen Dr. Peters gefällten Urteils sich erlauben, dieses mit scharfen Worten zu kritisieren. Die„Leipziger Volksztg." leuchtet dem Liebcrt-Gclichter daraufhin kräftig heim: „Der Biedermann, der diesen Artikel verfaßt hat. behauptet also 1., daß Liebknecht den Kölner Kongreß berufen und ver- ursacht habe, daß preußische Geschworene über 11 Kommunisten zu Gericht sitzen mußten und 2.. daß Mehring diese Tatsache gc- kannt und die Kölner Geschworenen wider besseres Wissen eines Justizmordes beschuldigt habe. Man weiß wirklich nicht, wo hier der Blödsinn aufhört und die Schurkerei beginnt oder auch um- gekehrt. Ein Kölner Kongreß hat nie stattgefunden und konnte deshalb weder von Liebknecht noch von sonst jemanden berufen werden. Den Kölner Kommunistenprozeß hat aber nicht Lieb- knccht verursacht, sondern— was die Patrioten des Reichslügen- Verbandes am Ende wissen sollten—. Se. Majestät der König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen. Dieser gottesfürchtige Monarch schrieb nach Kinkels Flucht aus dem Zuchthause in Spandau an seinen Minister v. Manteuffel:„Dies hat mich auf einen Gedanken gebracht, den ich nicht gerade unter die lauteren klassifizieren will. Nämlich den. ob Stieber nicht eine kostbare Persönlichkeit ist, dem preußischen Publikum das lange und ge- recht ersehnte Schauspiel eines aufgedeckten und(vor allem) be- straften Komplotts zu geben. Eilen Sie also mit Stiebers An- stellung und lassen Sie ihn sein Probestück machen. Ich glaube, der Gedanke ist folgenreich, und ich lege großen Wert auf seine Realisierung." Dies„Probestück" machte Stieber. indem er 11 Kommunisten vor die Kölner Geschworenen brachte, auf Grund namentlich eines gefälschten Protokollbuches, das von Liebknecht als angeblichem Schriftführer unterzeichnet fein sollte und von Stieber als echt beschworen wurde. Eine andere Be. ziehring hat Liebknecht, der damals in London lebte, zu dem Kölner Prozeß nicht gehabt, als daß der preußische Polizeirat Stieber, in Ausführung eines vom Könige geforderten„Probe- stücks" eine verbrecherische Fälschung an Liebknechts Namen vor- nahm und durch einen Meineid bekräftigte. Aber obgleich Fäl- schung und Meineid sofort aufgedeckt wurden, verurteilten die Geschworenen dennoch die 11 Kommunisten; sie zogen vor, einen infamen Justizmord zu begehen, statt die preußische Regierung. von Friedrich Wilhelm bis zu Stieber. an den Pranger zu schlagen, an den sie gehörte. Was Lieberts Rächer über die Murtener Geschichte sagt, ist aus Vogts berüchtigtem Lügenpamphlet geschöpft. Es handelte sich um eine ganz öffentliche Affäre, um einen polizeilichen Handstreich, gegen die deutschen Arbeitervereine in der Schweiz, zu dem sich die Schweiz leider durch österreichisch-preußische Drohungen bewegen ließ. Freilich, daß Liebknecht nicht verhaftet worden sei, wagte selbst Lügenvogt nicht zu behaupten; das lügt Lieberts Rächer aus freier Faust hinzu. Liebknecht wurde ebenso wie die sonstigen Mitglieder der deutschen Arbeitervereine ver- haftet und nach mehrmonatigem Gefängnis zwangsweise über die Grenze spediert. Alles das ist in dem Werke Mehrings zu lesen, mit genauer Quellenangabe. Wie macht es nun Lieberts Rächer, um die „Moral mit doppeltem Boden" herzustellen? Er reißt einen Satz aus Mehrings Darstellung und stellt diesem Satz einige Sätze gegenüber, die er aus einem Artikel reißt, den Hassclmann vor 36 Jahren im„Neuen Sozialdemokraten" veröffentlicht hat. Wir gönnen dem Reichslügcnverbande mit Vergnügen die Autorität Hasselmanns, aber daraufhin das Grab Liebknechts mit tausend- mal widerlegten Verleumdungen zu besudeln, enthüllt den Rächer Lieberts als eine Kanaille, gegen die Ehren-Stieber beinahe noch als harmloser Waisenknabe erscheint." Reichsverbands-Projette. Das von der. Magdeburger„Volksstimme" veröffentlichte Schriftstück der Ortsgruppe Magdeburg des Reichslügen- Verbandes wird von den Magdeburger Liebertmännern de- mentiert. Sie erklären in der„Magdeburger Zeitung", daß „dieses angeblich von ihnen herrührende Schreiben nicht von ihnen ist, daß besonders die unter denZiffern 1—5 gebrachten Angaben frei erfunden seien und nur der erste T e i l des betreffenden Artikels einige Absätze enthalte, die aus einem vor längerer Zeit nach Berlin gerichteten Antwort- schreiben willkürlich herausgerissen wurden, und die ouch nur durch groben Vertrauensbruch aus diesem entnommen sein könnten." Die Magdeburger„Volksstimme" erklärt demgegenüber, daß das in ihrem Besitz befindliche Schriftstück ein ungeteiltes Ganzes und von einer Hand geschrieben ist. Das Dementi des Reichsverbandes widerlegt also nicht, sondern bestätigt die Echtheit des Schriftstückes, denn wenn der eine' Teil echt ist, kann der andere nicht falsch sein. Die ungewollte Wirkung des De- mentis ist demnach, daß der Reichsverband zugibt, einen g e» setzwidrigen Plan, den Plan nämlich, im Heere po- litische Agitation zu treiben, gehabt zu haben. Wie werden die Freunde und Gönner des Reichsver- baches, die doch allesamt Hilter VW Recht und besetz sind. diese seine Venrrung auf einen Weg, hex direkt hinter Kerkermauern führt, aufnehmen?-- „Wildwest-Organisation." Die„Rheinische V o l k s st i m in e", das Blatt der Jen- trumsbauern im Westen, geht gegen die bisherige Zentrums- organisation in den ländlichen Wahlkreisen vor, wo„die fossilen Ueberreste einer Wildwe st organisation aus der guten alten Zeit noch immer ihr Dasein fristen". Das Blatt schreibt:„Damit muh jetzt endlich im eigensten Interesse der Partei aufgeräumt werden und die kleinen Eifel-Napole- o n s, wenn sie sich nicht fügen wollen, müssen einfach abgesägt werden. Denn was solche kleine Gernegroße, deren Bedeutung im umgekehrten Verhältnis zu dem Bilde steht, das sie von sich selber machen, der Partei unberechenbaren Schaden zufügen können, indem sie vor einer kecken Vergewaltigung der Majorität nicht zu- rückschrecken, das entzieht sich zwar offenbar ihrem eigenen Vcr- ständnis, muh ihnen aber nichtsdestoweniger im Interesse der Partei ein für allemal unbedingt beigebracht werden." Die„Rheinische Volksstimme" schildert nun, wie in den länd- lichen Kreisen die Zcntrumsorganisation zustande komme. Da wurde zuerst das Wahlkreiskomitee„konstruiert", dieses ernenne die Vertrauensmänner, so daß man das Haus vom Dach aus ge- baut habe.„Bei Ernennung der Vertrauensmänner— so heißt es dann weiter— konnte man natürlich die angesehensten Bauern nicht übergehen, sie wurden also als Renommierbauern mit herangezogen, ähnlich dem KonzessionSschulze in den adligen Offizierkorps der Gardercgimcnter. Dabei wurde aber natürlich darauf gesehen, daß diese ernannten Vertrauens- männer in der Minorität blieben." Das Blatt will jetzt eine Organisation von unten auf, die Wähler sollen die Vertrauensmänner und diese das Wahlkomitee wählen. Dabei wird erwartet, datz die Parteileitung den Wünschen der Bauern mehr als bisher entgegenkommt, denn es sei„geradezu frivol, den Bauernstand, den Lebensnerv der Partei, fort und fort vor den Kopf zu stoßen, weil man sich sagt: die Bauern halten ja doch treu zur Sache. Auch der treueste Hund kann einmal ver- prügelt werden." Wenn die„Rheinische Volksstimme" schon Ursache hat sich derart über die Zurücksetzung der Bauern in det Parteiorgani- sation zu beklagen, so kann man sich denken, wie erst die kleinen Leute auf dem Lande und namentlich die Arbeiter vom Zentrum behandelt werden. Wie die Wahlkrciskomitees des Zentrums gebildet werden, geigt auch eine Zuschrift an die„Kölnische Volkszeitung", worin aus einem ländlichen Wahlkreise berichtet wird, datz in dem Satzungsentwurf für einen neu zu gründenden Zentrumsverein die Bestimmung enthalten war:„Die Pfarrer der Stadt X, sowie die Dechanten und Definitoren in den übrigen Bezirken sind, wenn sie dem Zentrumsvkrcin angehören, geborene Mitglieder des Kreiswahlkomitees." Die Zuschrift glaubt nicht zu irren, daß anderswo, und zwar nicht nur in entlegenen ländlichen Bezirken, in der Zentrumsorganisation Bestimmungen bestehen, die sich in- haltlich mit der oben zitierten decken. Beim Zentrum kommt also nicht der Wille der Wähler, ebenso wenig die Fähigkeit der zum politischen Führer bestimmten Person in Betracht, es genügt die Stellung, das Amt, um in die Leitung der Partei berufen zu werden. Und fo etwas nennt sich dann„Volkspartei"!— Tie Notwehr der Polen. Das dem Gutsbesitzer Raßler gehörige, etwa 1200 Morgen tiroße Gut Eichenthal bei Bialla wurde dieser Tage für 240 000 M. an den Polen v. Muschinski aus Dresden verkaust. Es ist dies das zweite große Gut, das in letzter Zeit aus dieser Gegend in polnischen Besitz übergegangen ist. Um zwei weitere Nachbar- güter wird gegenwärtig von polnischer Seite gehandelt. Auch in der Nähe von Johannisburg beabsichtigt ein durch flottes Leben stark verschuldeter Gutsbesitzer sein Gut an einen Polen zu ver- kaufen._ Die Gemcingefährlichkeit des Privateigentums. Man schreibt uns aus dem Riesengebirge: Der Weg von Spindelmühle nach der Wiesenbaude durch den herrlichen Weitzwassergrund mit seinen natürlichen Kaskaden, seinen steilen Bergeshängen und seinem uralten Baumbestande gilt allgemein als eine Perle des Riesengebirges und wird alljähr- lich von vielen, vielen Tausenden von Touristen und Sommer- frischlern begangen. Schon im Juni hatte der Besitzer dieses Herr- lichen Stückchens Erde, der böhmische feudale Graf Deym, den Weg sperren und die zahlreichen auf ihm befindlichen Brücken abbrechen laffen, sich aber auf Vorstellungen, besonders von der Gemeinde Spindelmühle, dazu bequemt, diese wieder aufzubauen. Allerdings waren auch dann an den Zugängen zu dem Grunde Tafeln an- gebracht, auf denen der enttäuschte Tourist las: Verbotener Forst- weg. Aber die Sache wurde nicht so streng genommen und wer resolut war, kam ungefährdet durch, wenn auch der gräfliche Förster, dem man begegnete, etwas von Strafe zahlen brummte. Damals hieß es, es handele sich um die Zahlung einer Summe von etlichen hundert Gulden an den Herren Grafen, gegen die sich die Gemeinde Spindelmühle, eine der idyllischsten Sommerfrischen im Riesen- gebirge und DurchgangSziel aller Riesengebirgsbcsucher, sträubte. Der Herr Gras wolle die Gemeinde, der durch Absperrung des Weberweges, des Weges durch die Schlucht von der Schneckoppe und Wiesenbaude aus, natürlich unberechenbarer Schaden erwuchs, kirre machen. Jetzt, während der großen Ferien, in denen un- gezählte Tausende nach dem Riesengebirge strömen, in einer Zeit der Ernte für die Bewohner von Spindelmühle, kommt die Nach- richt, daß der gräfliche Privateigentümer all der Naturherrlichkeiten den Weg durch die romantische Weißwasserschlucht ganz gesperrt hat. Jetzt wird auch der wahre Grund dieser Maßnahme enthüllt. Er ist sehr bezeichnend für unsere herrliche Weltordnung mit ihrem gemeingefährlichen Privateigentum von Grund und Boden: der Herr Graf wollte Reichsratsmitglied werden, und die Gemeinde Spindelmühle hat ihm die Suppe versalzen und zu seinem Durch- fall wesentlich mit beigetragen. Dafür sollen nun die guten Spindelmühler hart gestraft werden durch Stockschläge auf dem Magen. Unter dem gräflichen Zorn soll aber auch die übrige er- holungsbedürftige Menschheit leiden, die absolut unschuldig an dem schmerzlichen Wahldurchfall des böhmischen Granden ist! Ist das nicht eine„herrliche" Illustration zu unserer herrlichen gottgewollten Weltordnung, zeigt das nicht wie mit Blitzlicht die Notwendigkeit der Aufhebung vor allem des Eigentumsrechts an schönen Gegenden, die zum Nationaleigentum erklärt werden soll- ten, damit nicht irgendein Mißvergnügter und Verärgerter viele Tausende von Menschen schädigen kann? Fast das ganze Riesen- gebirge ist bekanntlich im Besitz von einigen deutschen und öfter- reichischen Magnaten. Was heute dem Grafen Dehm einfällt, weil er durchgefallen ist, kann morgen dem Grafen Schaffgotsch ein- fallen, weil er Magenschmerzen hat usw. Wer zweifelt noch an- gesichts solcher Vorkommnisse an der Notwendigkeit, solche gdmein- gefährlichen Privateigentumsverhältnisse beseitigen zu helfen durch Herbeiführung einer gerechteren Gesellschaftsordnung? Kulturträger in Afrika. Aus Anlaß der PeterSaffäre teilt ein Leser unserem Kölner Parteiblatte, der„Rheinischen Zeitung", folgendes mit: Ich war vor zwei Jahren in Kiel in Stellung. Dabei wohnte ich im nämlichen Hause mit einem Hererokämpfer, der eben durch Ablösung aus Afrika wieder nach Kiel zurückgekommen war. Bei einem Zu- sammensein erzählte der Mann uns seine Erlebnisse, und dabei zeigte er uns unter anderen Sachen ein Ohr, das er einem von ihm erschossenen Herero abgeschnitten und als An- denken(II) mitgenommen habe. Andere Kameraden hätten Hände und Füße von Hereros mitgebracht. Dann zeigte der Held selbst aufgenommene Photographien von Hererofrauen in ver- schiedenen„Stellungen", die sicher nicht freiwilliger Art waren. Weiter erzählte er, wie man die hungernden Weiber durch Brot heranlockte, um sie dafür geschlechtlich zu berühren. Ein anderes Bild zeigte drei aufgehängte Herero s.-- 8cbwc»z. Bern, 22. Juli. Nachdem das Referendum gegen die neue Militärorganisation zustande gekommen ist, hat der Bundesrat die VolksghstiWNUng darüber auf den 3. November festgefetzt,■ franhrncb. Ein neues Klassenurteil. Paris, 21. Juli.(Eig. Ber.) In Rouen ist gestern der Syndikalist Torton zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er— Briands bekannte Aufforderung an die Soldaten, die Gewehre eher gegen ihre Offiziere als gegen die Arbeiter zu richten, wiedergegeben hat I Als Genosse P o i s s o n, sein Verteidiger, an den Staatsanwalt die Frage richtete, warum er nicht denjenigen verfolge, von dem der Ausspruch herrühre, erklärte dieser, daß er, wenn eine solche Aeußerung in seinem Amtsbezirk fiele, ohne Ansehen der Person einschreiten würbe. Worauf Poisson feststellte, daß Briand die Rede in Tocqueville gehalten hat, einem Orte, der zu dem Bezirk des Staats- anwalts fgehört, und daß Verjährung noch nicht vorliegt II Der eben noch so pathetische Staatsanwalt tat, als ob er diese Feststellungen nicht hörte.... Vor den Geschworenen von Rouen wird am 23. übrigens noch ein zweiter politischer Prozeß verhandelt werden. Das sozialistische Wochenblatt„Le Semeur"(„Der Säemann") soll nämlich gleichfalls zum„Mord" und zur Verweigerung des militärischen Gehorsams„aufgereizt" haben. Eigentümlicher- weife ist der Verfasser des Artikels, Genosse V i ch y, nicht angeklagt, sondern nur der verantwortliche Redakteur. Das angeklagte Blatt hat unter anderen Zeugen auch Briand namhaft gemacht. Daß das Gericht dem Unterrichtsminister indes die fatale Situation, in dieser Angelegenheit als Zeuge zu fungieren, ersparen wird, ist nicht zu bezweifeln.— Italien. Der Prozeß Nasi und seine Begleiterscheinungen. Rom, 20. Juli.(Eig. Ber.) Bei Nasis Verhaftung wurden sofort Stimmen laut, die diese Maßnahme als unklug bezeichneten wegen des Rückschlages, den sie in Sizilien bewirken mußte. Nun kann freilich die Justiz derartige Folgen ihrer Schritte nicht in Rechnung setzen, weil das einent Unterordnen ihres Tuns unter Volksstimmungcu gleichkäme, die mit Justiz bisweilen nichts zu tun haben. Wohl aber konnte und mußte inan mit der großen Erregung rechnen, die durch die Nachricht von Nasis Verhaftung in Sizilien hervorgerufen werden ivürde. Auf jeden Fall aber mußte man nach Nasis Verhaftung in Anbetracht der Entrüstung, die sich der öffentlichen Meinung in Sizilien ben, ächtigt hatte, wo man nun einmal Rast fiir ein Opfer schändlicher Intrigen hält, den zu erwarteten Volksbewegungen mit der größten Ruhe begegnen. Was konnte dem, sür Unheil angerichtet werde, wenn wirklich einige Zehntausend Demonstranten mit ihrem„ISvvivsi Nasi! abasso Giolitü!u durch die Straßen der sizilianischen Städte zogen?— Hatten sie genug geschrien, so forderten sie vielleicht von der städtischen Musikkapelle den Inno cki Nasi, die Nafi-Hymne, und liehen auf dem Rathaus die Büste des Exministers ausstellen— aber damit hätte sich ihr Massendelirium erschöpft. So unblutig wollte es die Regierung aber doch nicht abgehen lassen. Ueberall hat sie die Demonstrationen mit bewaffneter Hand zu verhindern gesucht, was in P a l e r m o zu sehr ernsten Zwischen- fällen führte, bei denen es Tote und Verwundete gab. Man hat hier zunächst die Unklugheit begangen, die' Demonstration überhaupt zu verbieten, sodann hat man in ganz tölpelhafter Weise versucht, sie gewaltsam auszulösen. Hierbei ist eö natürlich mehrfach zu Zusammenstößen gekommen, bei denen die Polizei mit einzigartiger Brutalität vorging: mit blanker Waffe auf die Demonstranten ein- hieb und den dicht gedrängten Massen gegenüber vom Rev olver Gebrauch machte I Ein Polizeikommissar, der Sohn des General- inspektors der Polizei, A l o n g i, schoß einfach einen Demonstranten nieder, sodaß eS nicht Wunder nehmen kann, daß die Menge sich mit Steinwürfen gegen die Angreifer kehrte und daß sogar aus den Fenstern Flaschen und andere Wurfgeschosse auf die Polizisten ge- ivorfen wurden. Am Abend des„glorreichen" Tages konnte die Polizei auf einen Toten und 20 Schwerverwuudete hinweisen, die ihren, köpf- und herzlosen Vorgehen zun, Opfer gefallen waren. Auch in Messina, Syrakus, Trapani, Callanisctta, Catania und Patli haben große Demonstraftonen fiir Nasi stattgefunden, bei denen eS wohl zu kleinen Konflikten, nicht aber zu schweren Verwundungen gekommen ist. Der traurige Ausgang der Borgänge in Palermo ivird von der Presse aller Richtungen einzig der brutalen Haltung der Behörden zur Last gelegt. Die leidenschaftliche Parteinahme seiner engeren Landsleute ver- bessert die Stellung Nasis nicht. Der Senat tritt am 23. d. M. zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, um über die Legalität der Verhafülng NasiS zu beschließen. Es besteht auch eine— frei- lich schwache— Agitation für eine außerordentliche Ein ber»lfung der Kammer, deren Privilegien durch den Haftbefehl verletzt find. Für solche außerordentliche Einberufung auf Grund parlamen- tarischer Initiative fehlt bis jetzt in Italien. jeder Präzedenzfall. Während des deutsch-frgnzösischen Krieges von 1870/71 sind zwar Schritte für eine außerordentliche Einberufung des Parlaments von einem Teil der Deputierten getan worden, aber das Ministerium hatte bereits seinerseits diese Einberufung verfügt. Nasis Verhör ist gestern abend beendet worden. So weit etwas darüber durchgesickert ist, scheint Nasi offen eingeräumt zu haben, daß nicht alles Geld für die Zwecke verwendet wurde, für die es gebucht ist. Es soll dies aber angeblich in allen italienischen Ministerien Brauch sein I Wenn xin Fonds für gegebene Zwecke er- schöpft ist, so wendet man sich im Bedarfsfalle an einen anderen Fonds. Die als Untersuchungsrichter fungierenden Senatoren sollen übrigens einen günstigeren Eindruck von dem Verhör LombardoS als von dem Nasis empfangen haben. Die Verteidiger Nasis haben auch mehrere Eisen im Feuer, um den Prozeß in die Länge zu ziehen. Unter anderen wollen sie den ScnatSpräsidenten Canonico als Präsidenten des Gerichtshofes, vor dem Nasi sich verantworten soll, ablehnen. Eininal, weil er an der Voruntersuchung beteiligt war, während die Strafprozeßordnung für den Präsidenten eines Gerichtshofes die Beteiligung an der Voruntersuchung ausschließt, denn, weil Canonico, der Justiz- beamter war, aus dieser Stellung wegen Erreichung der Alte r s- grenze— 75 Jahre— ausgeschieden ist. Wenn er also nicht mehr als für die Leitung eines gemeinen Gerichtsverfahrens geeignet gelte, so dürfe man ihm auch die schwere Aufgabe, dem Senate— als obersten Gerichtshof— vorzusitzen, nicht anvertrauen. Was die Enthüllungen betrifft, auf die Rast so oft drohend hingewiesen hat, so glaubt die Wochenschrift des Ge- tiossen M a'r v a s i, die in N e a p e l erscheinende„SointUla" einer von ihnen auf der Spur zu sein: Im Jahre 1903, als Za nardelli Ministerpräsident ohne Portefeuille und G i o l i t t i Minister der Innern war, soll Zardanelli seinen Teil des Reptilienfonds gänzlich erschöpft gehabt haben, als an ihn die Not- wendigkeit herantrat, einem edlen Neapolitanerblatte den Mund zu stopfen. Diese Operation sollte nicht weniger als 30 000 Lire kosten, um die sich der Ministerpräsident nicht an Giolitti wenden mochte, da er mit diesem verfeindet war. In seiner Not wendete er sich an — Nasi, und dieser soll ihm das Geld beschafft und die Ver- rechnung unter den verschiedenen Kapiteln mit„untergepflügt" haben. Sollte diese Enthüllung mit Dokumenten belegt werden, so würde der Eindruck im ganzen Lande sehr tief sein, da Zanardelli im Rufe großer Rechtschaffenheit stand. Korea. Die Lage auj der Halbinsel Korea wird zwar offiziös als„an- scheinend gebessert" in die Welt gekabelt, wenn man jedoch die Einzelheiten der nach Europa dringenden Meldungen verfolgt, so kann man bisher kaum ernsthaft von einer„Besserung" reden, selbst wenn man berücksichtigt, daß General Hasegawa— ein Maschinengewehr von dem Platze vor dem Palast der Hauptstadt Söul wegzuziehen in der angenehmen Lage war. Noch am Sonntag jedenfalls telegraphiert aus Söul Wolff wie folgt: Eine schwache Abteilung japanischer Soldaten bewacht zwei Regierungsarsenale und hat den Befehl erhalten, dieselben in die Luft zu sprengen, falls es ihr nicht mehr möglich sein sollte, sie zu halten. Agitatoren halten häufig Ansprachen an die koreanischen Truppen, die über Munition für»eunzigtauscnd Schuß verfügen, während Hasegawa nur 2200 Mann bei sich hat und nicht stark genug war, die Auslieferung der Munition zu erzwingen. Der japanische Oberbefehlshaber ist noch nicht imstande, die Sicherheit in den Straßen aufrecht zu erhalten. Jto ist mit der Verhängung des Standrechts nicht einverstanden, er schlägt dagegen eine möglichst weitgehertde Besetzung des Landes als Sicherhcitsmaßregel vor. Inzwischen ist der Abdankungserlaß des Kaisers Di höng bekannt geworden. Das Manifest hat folgenden Wortlaut: Der Entschluß, abzudanken, entsprang ausschließlich aus Unserem eigenen Willen und hatte nichts mit fremden Rat- schlagen oder Drohungen zu tun. Schon seit 13 Jahren hatten Wir die Absicht, dem Kronprinzen die Staatsgeschäfte zu übergeben, aber die Zeit verstrich, ohne datz Wir Gelegen- heit gehabt hätten, diese Absicht zur Ausführung zu bringen. Da Wir jedoch nunmehr den Augenblick zu ihrer Verwirklichung für gekommen erachteii, so' haben Wir aus Unserem eigenen freien Willen den Thron an den Kronprinzen abgetreten. Während diese unsere Maßregel völlig dem natürlichen Lauf der Dinge entspricht.und.ein Segen für unsere Dynastie ist. sind wir nicht ganz sicher, daß nicht einige unwissende Untertanen in Verkennung der Lage, indem sie sich nutzloser Entrüstung hingeben, einen öffentlichen Aufstand zu errege« versuchen möchten. Wir ersuchen dem- gemäß den Generalresidenten, solche Uebeltäter in Schranken zu halten und ermächttgen ihn, in Unseren Namen solchen Aufruhr, wenn nötig, mit Waffengewalt zu unterdrücken." Diesen Erlaß haben die Japaner dem alten Knaben nicht übel in die Feder diktiert, wie sie denn überhaupt sehr rigoros vorzu- gehen scheinen, falls sich die Nachricht bestätigt, daß des Thron- folgers I tschak erste„Regierungshandlung., die Bestrafung der koreanischen Haag-Deputierten sein soll. Es würde das ja be- deuten, daß die Männer für ihren Gehorsam gegen die Befehle Di höngS bestraft werden! Möglich wäre es allerdings, daß I tschak, dem nicht gerade große Gcistesgaben nachgesagt werden, um den Japanern besser zu gefallen als sein soeben abgesetzter Herr Papa, die Unterwürfigkeit unter Japans Winke bis zu einem Grade treibt, datz schließlich die Japaner selber sein rigoroses Vorgehen nicht billigen können. Soviel steht allerdings fest, daß die„Japs" sich jetzt ziemlich fest im Sattel fühlen und forscher vorzugehen wagen als bis vor kurzem, da sie noch nicht den Ver- trag mit Frankreich in der Tasche hatten. Und das„große" Ruß- land, das bis zum Kriege mit Japan den Koreanern dicht auf dem Halse saß,— die Süd-Manschurei und Nord-Korea stoßen an- einander—, muß dem Gebaren des„kleinen" Japan ohnmächtig zuschauen. So rächen sich die Sünden des wahnsinnigen Zarismus.___ Die ruMche Revolution. Die Universitätsautonomie unter Polizeiaufsicht. Dem„Russisch. Bulletin" wird aus Petersburg geschrieben: Die Regierung hat wiederum einen neuen Vqrstoß gegen die revolutionären Errungenschaften der letzten Jahre unternommen. Nach den Zuchthausmaßregeln gegen Arbeiterorganisationen und Streiks, nach der Acnderung des Dumawahlgcsetzes und nach der Knebelung der Presse ist die Reihe an die Ilniversitätsautonomie gekommen. Die soeben veröffentlichten„Bestimmungen über die Bildung von Studentcnorganisationen und die Abhaltung von Vcr- sammlungen in den Hochschulen" können als Muster der wcishcits- vollen Politik der Bureaukratie dienen. Der wichtigste Punkt dieser Bestimmungen besteht darin, daß von nun an der Polizei das Recht zusteht, in die Hochschulen einzudringen,„um Ordnung wiederherzustellen und die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen". Das ist der Endabschluß der kurzen Universitätsautonomie in Rußland. Und die Folgen dieser neuen„Reform"? Diese wer- den für die Regierung schwerlich günstig ausfallen. Die„Auto-' nomie" wurde tm letzten Jahr sehr oft von denjenigen Elementen der Studentenschaft gegen die„Linksparteiler" ausgespielt, welche auf dem„Boden des Gesetzes" bleiben wollten und dagegen an- kämpften, datz in das akademische Leben„Politik hineingetragen" würde. Die„Eroberung" der Hochschule durch die Polizei wird nun das ihrige dazu beitragen,»m den Satz in Erinnerung zu rufen, daß keine Frage des russischen Lebens ohne„Politik" gelöst werden kann. Trotzdem die neuen Regeln die Organisationsarbeit unter der Studentenschaft erschweren, werden sie die Agitation der sozialistischen Elemente nur noch mehr erstarken lassen und mög- licherweise auch die kgdettischen Elemente der Studentenschast nach links treiben.—_ Soziales. Die Teilnahme am Begräbnis naher Verwandter entschuldigt SchulversäumniS. Eltern aus Deutschendorf in der Provinz Posen hatten die schulpflichtigen Kinder zu der Beerdigung eines nahen Ber- wandten mitgenommen. Da die Beerdigung vormittags und in einem andern Ort stattfand, so wurde der Schulunterricht versäumt. Dem Lehrer hatte man cnt- schuldigend Mitteilung gemacht. Die Schulbehörde fand es nicht gerechtfertigt, daß die Kinder wegen des Begräbnisses die Schule versäumten und veranlaßte ein Straf- verfahren wegen Uebertretung der Regierungsverordnung von 1899, welche Strafen für nicht genügend entschuldigte Schul. Versäumnisse androht. Das Landgericht in Posen sprach die An- geklagten frei, weil die Teilnahme an dem Begräbnis naher Ver- wandter als ein genügender Grund zur Vcrsäumung der Schule erachtet werden müsse. Es sei als ein Gebot der Pietät nach guter alter Sitte zu betrachten, daß an Beerdigungen die Vcr- wandten des Verstorbenen teilnähmen. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein und machte u. a. auch geltend, daß darüber, ob eine Schulversäumnis genügend entschuldigt sei. nur die Schulbehörde, nicht aber der Richter zu befinden hätte. Das Kammergcricht wies die Revision mit folgender Be- gründung ab: Tie angezogene Verordnung der Regierung zu Posen fei eine Ausführungsverordnung zu§ 43 II 12 Alltze- mmen LavdpeHls und auf jeden Fall deshalb rechtsgültig in- soweit, als sie solche Eltern usw. mit Strafe bedrohe, die in bezug auf den Schulbesuch der Kinder säumig seien. Sie sei aber hier mit Recht nicht angewendet worden. Falsch sei der Stand- Punkt, daß nur die Schulbehörde matzgebend sei für die Frage, ob eine Schulversäumnis unentschuldigt und unentschuldbar sei. Es liege so: Sache der Schulbehörde sei es, zu bestimmen, ob das Mittel der Entschuldigung(z. B. der Entschuldigungszettel der Mutter oder Schwester) ausreiche. Dagegen habe stets der Richter allein die Entscheidung darüber, ob die Schulversäumnis auf Nach- lässigkeit der Eltern beruhe. Im borliegenden Falle habe nun das Landgericht diese Frage verneint und sich dabei keines Rechts- irrtums schuldig gemacht. Die Freisprechung sei deshalb aerecht- fertigt._ Bus Induftne und f)andel Der Eisenbahnverkehr im ersten Halbjahr 1907. Mit Spannung ist der Juliausweis der deutschen Eisenbahnen erwartet worden: wird die Bewegung der Einnahmen aus dem Güterverkehr die von verschiedenen Seiten schon so deutlich an die Wand gemalte Krise bestätigen oder zeigen sie weiterhin eine günstige Fortentwickelung des Güterverkehrs? Das letztere ist eingetreten: die Gesamteinnahmen aus dem Güterverkehr zeigen im Juni eine Steigerung gegenüber 1906, die nur noch hinter der Februar- steigerung zurückbleibt; alle anderen Monate brachten eine weit geringere Zunahme. In den ersten sechs Monaten zusammen betrugen die Gesamteinnahmen der deutschen Eisenbahnen 1067,01 Millionen Mark gegen 1012,31 Millionen im ersten Halbjahr 1906. Es fand also eine Zunahme von 54,70 Millionen Mark statt. Wenn iin ersten Semester 1906 die Einnahmen noch stärker gewachsen waren, so kam das daher, daß in den ersten beiden Monaten vor Einführung der höheren Zölle der Güterverkehr ganz enorm gesteigert war. 1905 dagegen war die Zunahme im ersten Semester geringer als in diesem Jahr; sie betrug nur 33,76 Millionen Mark. Die günstigere Eni- Wickelung in diesem Jahre zeigte der Güterverkehr: im Personen- verkehr haben zwei Monate einen Rückgang gegenüber 1906 gebracht, der Monat Juni sogar einen solchen von 7,72 Millionen Mark. In Millionen Mark betrugen nämlich die Einnahmen aus den» GewerKsebaMicKey. Berlin und Umgegend. Die Bewegung im Baugewerbe. Am Sonntag zeigten die Anschlagsäulen von Berlin große recht auffällig gehaltene Plakate mit einer Kundgebung des Ver bandcs der Baugeschäfte, in der die Resolution des Verbandes in der Versammlung vom 18. Juli zur öffentlichen Kenntnis gebracht wurde. Mit diesen und anderen Bemühungen will man die Wir- Zungen der sehr lehrreichen Bautenkontrollen, die von feiten der Arbeiter bisher veröffentlicht wurden, abschwächen. Man gibt sich große Mühe, die Zahlen als unrichtig erscheinen zu lassen. Ganz abgesehen von den in die verschiedenen bürgerlichen Zeitungen lancierten Märchen vom baldigen Ende des Kampfes, von mangelnden finanziellen Mitteln der Arbeiterorganisationen, werden Zweifel daran erhoben, ob so viele Baufirmen im Berliner Lohngebiet überhaupt vorhanden sind, wie in der Zusammenstellung der Maurer angegeben lverden. Die Leitung des Arbeitgeberver- bandcs mutz diese und ähnliche Beruhigungsmittel für die Mit- glieder notlvendig haben. Als ein solches kann es auch nur be- irachtet werden, wenn am Freitag plötzlich eine Erklärung von 31 Firmen notwendig wurde, die etwas ganz Selbstverständliches bc- künden mußten, nämlich, daß sie„treu zum Verbände halten" und die Forderungen der Arbeiter bisher noch nicht unterschrieben haben und auch nicht unterschreiben. In der am Donnerstag ab gehaltenen Unternehmerversammlung wird dieser Akt bestellter Ar. bcit sogar in einer Resolution besonders beweihräuchert; es heißt da: „Sie begrüßt mit Freuden die spontane Kundgebung von 30 größeren Geschäften:„treu zum Verbände zu halten" und beauftragt d-en Vorstand in ähnlicher Weise die gleiche, ein- stimmige Willensäußerung aller übrigen Mitglieder zum Aus- druck und zur Kenntnis der Allgemeinheit zu bringen." Solche„spontane Kundgebungen" werden also in den nächsten Tagen die Allgemeinheit in Staunen versetzen; nur gut, daß nun jedermann bestimmt weiß, daß sie auf Bestellung am Helgoländer Ufer fabriziert sind. In Wirklichkeit gestatten diese Dinge einen Blick hinter die Kulissen. Die große Masse der Mitglieder traut den Führern und den großen Geschäften nicht mehr; darum sind die- selben zu solchen Erklärungen genötigt, um die Unzufriedenen und die Zweifler noch auf einige Zeit zu beruhigen. Demselben Zweck soll auch ein Artikel in Nr. 29 des„Zentral- blatteS für das deutsche Baugewerbe" dienen; es heißt da: „Unsere Leser finden im Inseratenteil der heutigen Nummer eine Erklärung einer Reihe von Baufirmen, die den Ausstreu- ungen der Arbeitnehmer die Spitze abbricht, daß eine Reihe von Firmen die einseitig aufgestellten Forderungen der Arbeitnehmer bewilligt haben. Die Firmen, die dort unterzeichnet haben, re- präsentieren etwa eine Lohnsunime von 20— 22 Millionen Mark. Dieser Zahl möge einmal der„Vorwärts" die Lohnsumme der Firmen gegenüberstellen, die„bewilligt" haben." Der Schreiber des Obigen wird uns gestatten, seiner Auffordc- «tmig nachzukommen mit den uns zur Verfügung stehenden Argu- menten. Seine Zahlen können wir nicht kontrollieren und in die Bücher der Firmen, welche die Forderungen bewilligten, haben wir keinen Einblick; das weiß er und deshalb ist seine Aufforde- rung nicht nobel. An der Hand der Baukontrolle der Maurer konnte festgestellt werden, daß diese 31 Firmen 141 Bauten in Arbeit haben, auf denen Maurer beschäftigt sind. Doch haben fünf von den 31 zur- zeit gar keine Arbeit, drei hahen 2 Umbauten und 2 Schar? werke in Arbeit, und 3 sind zusammen an 9 Rohbauten und 4 Scharwerken beteiligt und nur 15 dieser Firmen haben mehr als 2 Arbeitsstellen resp. Bauten. Zum Vergleich seien hier 31 der größten Firmen herangezogen, welche die Forderungen der Arbeiter bewillig- t e n. Diese haben, wiederum nach der Baukontrolle, zusammen 159 Arbeiten resp. Bauten im Betrieb. Hieraus geht schon zur Genüge hervor, daß die Herren vom Bunde nicht so verächtlich auf die, welche die Forderungen bewilligten, herabzublicken brauchen. Daß diese 31 Firmen die Lohnsumme von 20— 22 000 009 repräsentieren, mag an sich richtig sein, aber ihre Bedeutung für die im Streik befindlichen Berufe kann damit nicht im entferntesten ermessen werden, um so mehr, als man damit das Uebergewicht den anderen Baufirmen gegenüber zum Ausdruck bringen will. Will man hier einen Vergleich ziehen, so mutz einmal der Lohn in Abzug gebracht werden, der für Arbeiter ausgezahlt wird, die in anderen Berufen tätig sind, und dann auch der Lohn, der für Arbeiten aller Art gezahlt werden muß, die außerhalb des Berliner Lohngebietes ausgeführt werden. Da ist zunächst die Firma B o s w a u u. K n a u e r, die allein ein starkes Drittel der obengenannten Lohnsumme im Jahre aus- zahlt. Davon aber mehr als die Hälfte für Arbeiten der Spezialberufe, wie der Zement- und Gipsbranche, der Branche der Fliesen und Platten aller Art sowie in der Holz- bearbeitung verwendet. Die dann verbleibende Summe wird aber nicht an Arbeiter ausgezahlt, deren Berufe zurzeit in Berlin im Streik stehen, sondern diese wird noch zur Hälfte auswärts ge- braucht, da die Firma in allen Teilen des Reiches sehr viele und sehr bedeutende Bauwerke ausführt. Aehnliches trrfft für mehrere der 31er zu. Damit reduziert sich diese Lohnsumme für die im B e r l i n e r Lohnbezirk in Frage kommenden Bauten um ein bedeutendes und geht daraus zur Genüge hervor, daß all dies Gerede und Ge- schreibe nur lediglich dem Zwecke dienen soll, der Oeffentlichkeit und vor allem den rabiat werdenden Mitgliedern Sand in die Augen zu streuen und ihnen zu zeigen, wie stark ihre großen Kampfes- brüder sind und wie fest dieselben noch stehen. Gönnen wir den Herren dieses harmlose Vergnügen. » Der folgende, an unfreiwilligem Humor reiche Brief ist sehr charakteristisch für die bedrängte Lage der Arbeitgeber, die mit allerlei süßen Worten ihre Gesellen wieder zu gewinnen suchen. Er lautet: An den Maurergesellen Herrn N. N.! Ich muß Sie ersuchen, nunmehr endlich die Arbeit wieder aufzunehmen. Es kommt mir dabei auf eine kleine Lohnerhöhung, die bis zum Wiedereintritt ge- ordneter Verhältnisse gezahlt werden kann, nicht an, wohl aber auf die Einhaltung des neunstündigen Arbeits- t a g e s. Ich gebe Ihnen zu bedenken, ob Sie sich das durch lang- jährige Arbeit in meinem Geschäft erworbene moralische Recht auf Weiterbeschäftigung in erster Reihe erhalten oder aufgeben wollen. Es soll keine Nötigung oder Maßregelung bedeuten, aber Sie werden zugeben müssen, daß ich, wenn ich fremde Leute als Nothelfer annehme, diesen nicht im Winter den Stuhl vor die Tür setzen kann. Es sollte mir unendlich leid tun, mich von meinen alten Leuten dauernd trennen zu müssen, und rufe ich deshalb noch einmal Ihr Anhänglichkeitsgefühl an Ihre lang- jährige Arbeitsstelle an. Die mir angedeutete Sorge um die zukünftige Behandlung durch die Arbeitsgenossen kann nicht so groß sein. Wenn alle einzelnen, die mir ihren guten Willen mündlich bekundet haben, als gereifte und mutige Männer sich ihr Recht auf ihre freie Entschließung nicht nehmen lassen und die Unruhe- st i f t e r fest in ihre Schranken zurückweisen, wird es schon gehen. Sie in diesem Sinne grüßend zeichnet Karl Prinx, Maurermeister. Herr Prinx verlangt von den Arbeitern den„Mut" zum Vcr- rat an ihren Kollegen; den Mut, gegen den Willen seiner sozial rückständigen Klassengenossen die Arbeitszeit in seinem Betriebe zu verkürzen, besitzt er nicht. * ' Der lebte Versuch. Der Verband der Baugeschäfte von Berlin und den Vororten erläßt heute, Dienstag, durch ein Rundschreiben an seine Mit- glieder, sowie durch Säulenanschlag, folgende Mitteilung: „In Ausführung eines bezüglichen Beschlusses der letzten Generalversammlung vom 18. Juli d. I. bitten wir unsere Mit- glieder, die während des jetzigen Ausstandcs von ihnen beschäftigten arbeitswilligen Maurer, Zimmerer und Bau- arbeiter auch nach Beendigung des Kampfes, namentlich aber in der arbeitsstilleren Zeit des Winters, in er st er Linie zu berücksichtigen, sie bei Ncucinstcllungcn von Arbeitskräften zu bevorzugen, soweit es irgend möglich ist, und dies bei Einstellung jedesmal den betreffenden Arbeitswilligen bekannt zu geben. Sollte Arbeitsmangel dennoch eine Entlassung in Zukunft nötig machen, so wolle man sich für die Unterbringung der zu ent- lassenden Arbeitswilligen in Betrieben bekannter Kollegen durch persönliches Benehmen mit diesen, eifrigst und tatkräftigst bemühen und zu gleichem Zwecke auch unserem Geschäftsamt rechtzeitig Namen und Adressen der zu entlassenden Leute aufgeben. Wir halten diese Rücksicht den Arbeitswilligen gegenüber für eine Pflicht, deren Erfüllung wir von unseren Mitgliedern unbo dingt erwarten, soweit es ihnen irgend möglich ist."— Auch das wird nicht verfangen! Der Verein der Zimmerer hielt am Sonntagvormittag eine Generalversammlung in den Jndustriesälen ab. Einige Ver einsangelcgenheitcn wurden zuerst erledigt. Der Vorsitzende empfahl, aus taktischen Gründen von einer öffentlichen Rechnungs- legung abzusehen, da man gegenwärtig keine Ursache habe, die Neugierde der Bauunternehmer über die Finanzen der Zimmerer zu befriedigen. Die Revisoren erklärten, daß die Kassen in guter Ordnung sich befinden.— Die Wiederaufnahme einiger Mitglieder, die wegen Streikbruchs vor längerer Zeit ausgeschlossen waren, kam zur Beratung. Einige Fälle wurden zurückgestellt; in anderen gab die Versammlung ihre Zustimmung, verlangte aber, daß die Beiträge nachzuzahlen seien. Ueber den Stand der Lohnbewegung referierte Fischer, der sich auf die im„Vorwärts" veröffentlichten Erhebungen bezog und an Vergleichen zehgte, wie die Situation für die Zimmerer immer günstiger wurde. So war die Zahl der Arbeitgeber, die die Forde- rungcn unterschriftlich anerkannten, von 307 in der ersten Woche aus 405 schon in der zweiten und dann weiter auf 480, auf 543, auf 570, auf 630 und 665 in der siebenten Woche gestiegen und beträgt jetzt 695. Fischer fragte, was die Unternehmer mit den großen, grünen Plakaten an den Anschlagsäulen(am Sonntag- morgen) wohl beabsichtigen mögen? Da paradieren sie bor der großen Oeffentlichkeit mit 30 großen Firmen(vorher waren es 31), die treu zum Verband der Baugeschäfte stehen wollen. Sie vcr- suchen, das Publikum zu täuschen und die Streikenden in Angst zu versetzen. Andererseits erlassen sie Rundschreiben und bitten um Geduld und Nachsicht für die bedrängten Zimmermeister. Wie die Zahl der streikenden Zimmerer abgenommen hat» kann man aus folgenden Vergleichen ersehen. Es streikten:-< vom Verein; Die Gesamtzahl ist also auf 597 gesunken; die übrigen arbeiten zu den neuen Bedingungen; etwa 1400 haben Berlin verlassen und 70 sind Streikbrecher geworden.— Man solle aber nicht glauben, der Kampf sei schon zugunsten der Zimmerer entschieden; die Agitation gegen die Arbeitswilligen mutz unermüdlich fortgesetzt werden. Der 8�-stündige Arbeitstag, wenn nicht der achtstündige, muß für die Zimmerer überall die Regel werden, nicht eher darf von einem Frieden die Rede sein. Die Versammlung erklärte sich mit der Anordnung dcS Vorstandes, die Extrasteuer von 75 Pf. auf 25 Pf. herabzusetzen, ein- verstanden: 41 Tage ä 75 Pf. mutz aber jedes Mitglied bezahlt haben.— Die bisher noch vorhandenen Kontrollstellen werden auf- gehoben und alle Kontrolle nach dem Bureau in der Dragonerstraße verlegt, wo sich die Streikenden einzufinden haben. Deutfcbes Reich. Die Lohubewegungen beS Zentralverbandes der Maurer im Jahre 1967. Die bis zum 30. Juni erledigten 488 Lohnbewegungen des Jahres 1907 wurden an 5637 Orten mit 53 314 Gesellen gegen 4058 Unternehmer durchgefiihrt. Gefordert wurden: in 251 Fällen Erhöhung des Lohnes, in 237 Fällen außerdem noch Verkürzung der Arbeitszeit. Von 368 ohne Streiks erledigten Fällen wurden 301 durch Vereinbarungen nach erfolgter Unterhandlung, 59 ganz oder teilweise Bewilligungen ohne Unterhandlung und 8 durch Zurückziehen der Forderungen beigelegt. Zu Arbeitseinstellungen kam es in 120 Fällen, und zwar zu 90 Angriffsstreiks, 10 Aus- sperrungen, 13 Angriffsstreiks und Aussperrungen und 7 Aus- sperrungen und Angriffsstreiks. Alle Bewegungen(18 mit 1458 Gehülfen ausgenommen) endeten mit Erfolg. Und zwar wurde erreicht für 13 983 Kollegen 51264 Stunden Arbeitszeitverkürzung pro Woche in 133 Lohngebicten, ferner für 51 856 Kollegen eine Lohnerhöhung in 470 Lohngebieten, die pro Stunde und Person durchschnittlich 5 Pf. beträgt. Außerdem kam es in 338 Fällen zum Abschluß von Tarifverträgen. Im Hotel Continental zu Dresden sind die H o t e l d i e n e r wegen Maßregelung eines Kollegen in den Streik getreten. Sie gehören dem Hotcldiener-Vcrbande an. Als Arbeitswillige haben sich Dienstleute und einige Hofchaisenträgcr gefunden, nachdem� die Ratschaisenträgcr es abgelehnt hatten, als Streikbrecher zu fun- gieren. Der Besitzer verlangte u. a. von den Leuten, daß sie für 10 M. monatlichen Lohn und„Station" auch einen Teil der Haus- arbeit übernehmen sollten. Nachts bekamen sie, obgleich sie Dienst hatten, nichts zu essen. Zuzug ist streng fernzuhalten. Der Verband verfügte die Sperre über das Haus. 114 dcntsche und 106 italienische Bergarbeiter sind zu Arielen- darf ini Hessischen wegen Lohndiffcrenzen ausständig geworden. Zuzug ist fernzuhalten._ Die Aussperrung der Tabakarbeiter in Gießen. In Wiesent bei Gießen fand unter freiem Himmel, weil ein so großer Saal in Gießen und Umgegend nicht vorhanden ist, eine sehr stark besuchte Versammlung der ausgesperrten Tabak- arbeiter und Arbeiterinnen statt, in welcher der Gauleiter Schnell über die Situation referierte. Er legte klar, daß dadurch, daß alle Gewerkschaften nunmehr die um ihr Koalitionsrecht kämpfenden Tabakarbeiter unterstützten, daß ferner sich hunderte von Kollegen und Kolleginnen entschlossen hätten, anderwärts in Arbeit zu treten, die Situation sich wesentlich günstiger gestaltet habe. Hätten doch die Fabrikanten geglaubt, nur 8 Tage würden die Arbeiterinnen standhalten; aber nun wären es schon 6 Wochen, daß die Arbeiter und Arbeiterinnen mit ungebeugtem Mut ihr Vereinigungsrecht verteidigten. Es wäre eine Schmach für die Fabrikanten, daß sie in dieser nichtswürdigen Weise auf ihren Geldsack pochen, auf den Geldsack, welchen die Arbeiter erst so stark füllen halfen. Nun, wo sie durch die teuren Verhältnisse gezwungen wurden, ein paar Pfennige Lohn mehr zu verlangen, verweigern die Herren nicht nur das, sondern sie wollen den Arbeitern auch das Recht rauben, sich.zu organisieren. Diese Organisationsräuber sind liberale Herren, welche in Worten mit den vielen Volksrcchten nur so herumwerfen, aber in ihren Taten sich nicht im geringsten von den ostpreußischen Junkern unter- scheiden. Die Fabrikanten suchen abgelegene Orte auf, wo sie glauben, auch jetzt noch nach Belieben schalten und walten zu können, aber wir sind ihnen auf den Fersen. Sie werden nicht lange Freude an ihren Streikbrechersilialen haben. Andererseits haben sie sich an die Fabrikanten in Westfalen gewandt, damit keiner von diesen Leute aus der Gießcner Gegend annimmt. Aber die Westsälischen Fabrikanten sind nichjt vernagelt genug, ihre Schmutzkonkurrcnten auf diese Weise zu unterstützen. Wenn sie Leute brauchen, stellen sie diese ein. In der Versammlung wurde unter heller Begeisterung einstimmig beschlossen, sich nicht be- dingungslos zu unterwerfen. Dieses Resultat wurde mit starkem Beifall aufgenommen. Ausland. Militär gegen Streikende. .Hochdorf(Kanton Luzern), 22. Juli. Im Gefolge des vov einiger Zeit hier proklamierten Metallarbeitcrstreiks brach heute der Generalstreik aus. Unter dem Vorwand, daß Ausschreitungen von Streikenden vorgekommen seien, bot die Regierung ein Bataillon Infanterie und eine Schwadron Dragoner auf.? Salzburg, 22. Juli. Unter den am Bau des T a u e r n- tunnels im Anlauftale beschäftigten Arbeitern ist eine Streik- bewegung ausgebrochen. Auch aus diesem Anlaß geht heute eben, falls Militär nach Gastein ab._ Kohlenarbciter-Aussperrung. Belfast, 22. Juli. Im Verlaufe der Streitigkeiten, die zwischen den in der städtischen Kohlenindustrie angestellten Arbeitern und ihren Arbeitgebern ausgebrochen sind, wurden die Kohlenplätze heute morgen zur Wiederaufnahme der Arbeit geöffnet. Da sich aber die Arbeiter weigerten, die Bedingungen der Arbeitgeber an- zunehmen, so wurden die Arbeitsplätze auf eine zweite Woche ge- schlössen. Man erlvartet, daß infolge der knappen Kohle viele Werke in die Zwangslage kommen werden, ihre Arbeiten im Verlause der Woche einzustellen._ Grubenarbeiterstreik in Amerika. New Kork, 22. Juli. 15 000 Grubenarbeiter des Grubenbezirks der Oberen Seen sind in den Ausstand getreten und fordern Lohn- aufbesserung sowie günstigere Arbeitsbedingungen. Die betreffen, den Gruben gehören dem Stahltrust. Letzte JNfochricbtcn und Dcpefcbca Aus den Bergen. Innsbruck, 22. Juli. Im Spronseltal fanden Hirten die stark des Statthalterei-Vizepräsidenten Frhr. v. Reden abgestürzt und erlitt schwere Berlebungen. Innsbruck, 22. Juli. Im Spronselthal fanden Hirten die stark verweste Leiche des seit dem Herbst vermißten Lehrers Schütte. Dev Kopf lag neben der Leiche. Schütte ist wahrscheinlich erfroren, Ertrunken. Gmund««, 22. Juli.(B. H.) Im hiesigen See ertranken bei einer Bootfahrt der Sohn der Schauspielerin Kramm sowie ein junges Mädchen._ Auf der Hochzeitsreise. Ebcnsee, 22. Juli.(B. H.) Auf der Frauenkircherstratze stieß das Automobil des Fabrikanten Hesselberger aus München, welcher mit seiner jungen Frau sich auf der Hochzeitsreise befindet, mit dem Automobil des Baumeisters Stiegler ans Wie» zusammen. Beide Automobile wurden gegen die Straßenmaiier geschleudert und stürzten um. Baumeister Stiegler, Fabrikant Hesselberger, dessen Frau so- wie beide Chauffeure erlitten nur leichte Verletzungen. Zum Untergang des Dampfers„Columbia". San Francisco, 22. Juli.(W. T. B. Auf deutschatlantischem Kabel.) Nach den letzten Nachrichten sind bei dem Untergange des Passagierdampfers„Columbia" infolge Kollision mit dem Dampfer San Pedro" bei Shelter Cove 150 Personen ertrunken und 8V ge- rettet worden. Einer der Geretteten gibt an, daß zu den Ertrunkenen alle Frauen gehörten, die sich an Bord der„Columbia" befunden hätte».(Siehe auch Vermischtes.) San Francisco, 22. Juli.(W. T. B.) Der Dampfer„Raa- noki" ist hier mit einer Anzahl Geretteter vom Dampfer„Columbia" und zahlreichen Leichen von bei dem Unglück Umgekommenen ein. getroffen. Wie man jetzt erfährt, gelang es nur, ein einziges der Hinteren Rettungsboote der„Columbia" zu Wasser zu bringen, be, vor das Schiff sank. Berantw.Redakt.: CarlWernuMh? BeklilMxdprf. Jnseratevdroiitw.iTH. Glocke, Bkplui- Druck u.Lerlag: PorwärtsVuchdr.u.Verlagsanjtalt.PgulSwge.rLcCs„BerlmLW. Hierzu 2 Beilagen u.Uoterhaltungsblatt |lr. 169. 3�. Jahrgang. 1. KillW»es Jwftte" Kerlim NcksdIM littist«!!, 23.?«Ii 1907. Arbeiter, Parteigenossen Berlins! Seht die Wählerliste»» ein! Wer nicht in der Liste steht, darf nicht wählen! Von öer russischen Sozialdemoltratle. Der seit dem Staatsstreich des 3.(1ö.) Juni verstrichene Monat hat bereits zu einer Klärung der Stellung verschiedener Parteien in bezug auf die dritte Duma geführt. Das größte Jntcr- esse konzentrierte sich von vornherein auf die Haltung der Sozial- demokratie; denn daß etwa die Kadetten oder die„Volkstum- l i ch e n" Parteien auf die Teilnahme an den Wahlen verzichten würden, das war von vornherein ausgeschlossen. Unter dem Ein- druck des Gewaltstreichcs, der vom Lande durch dumpfes Schweigen beantwortet wurde, begann sich in der Sozialdemokratie wiederum eine schwache Boykottströmung zu regen. Die„Boykottisten" ver traten die Ansicht, daß die Teilnahme an den Wahlen erstens als eine Sanktionierung des Staatsstreiches gedeutet werden könne und zweitens eine unnütze Kraftvergeudung wäre, da die extremen Parteien durch das neue Wahlgesetz im besten Falle zur Rolle einer verschwindend geringen Minderheit inmitten der re aktionären Mehrheit verurteilt seien. Die Boykottg e g n e r, vor allem L. Martoff in einem Brief im„Towaritsch", bekämpften diese Argumente als nicht stichhaltig. Sie sagten: Die Duma ist für die Sozialdemokratie nicht Selbstzweck, der Kampf um sie hat nicht die Erringung einer Majorität zu gesetzgebenden Zwecken zum Ziel, sie ist nur ein Mittel, um— sei es durch die Wahlbeteiligung und die damit verbundene Agitation, sei es durch die Betonung der wahren Volksinteressen in der Duma selbst gegenüber den Rcak tionären— die breitesten Volksmassen politisch aufzuklären, zu differenzieren und zu organisieren. Daß die Beteiligung an den Wahlen, wenn auch mit wenig Aussichten auf Erfolg im Sinne von Mandatserringung, doch vortrefflich geeignet ist, die Lösung dieser Aufgabe zu fördern, habe die Erfahrung mit der zweiten Duma gelehrt, und es wäre ein unverzeihlicher Fehler, sich die Gelegenheit zur intensiven Fortsetzung dieser Arbeit entgehen zu lassen. Die Boykottstimmung scheint nunmehr dauernd unterlegen zu sein. Die Bolschewiki, aus deren Reihen sich die Boykottisten vor- nehmlich rekrutierten, erklärten sich für die Wahlbeteiligung, da die einzige greisbare Losung, die ihr entgegengesetzt werden könne, die des bewaffneten AufstandeS, jetzt nicht zeitgemäß sei. Die zweite Fraktion der russischen S.-D. hat sich, ebenso wie der„Bund", von Anfang an aus den oben angeführten Gründen für die Wahl beteiligung ausgesprochen; nur über die Stellungnahme und Be schlüsse der Letten und Polen liegen noch keine bestimmte Mel düngen vor. Indessen hat sich aber das Zentralkomitee der Partei kategorisch für die Wahlbeteiligung ausgesprochen, was aus der Tagesordnung der für Mitte Juli einberufenen Parteikonferenz ersichtlich ist, deren erster Punkt lautet:-..Die bevorstehende Wahl kampagne: a) Organisation der Wahlkampagne, b) Walch Plattform, c) Walchabmachungen mit anderen Parteien." Zu diesem letzten Ipunkt liegt bereits ein Antrag des Zentralkomitees selbst vor, der auf der e r st e n Wahlstufe ein durchaus selbständiges Auftreten der Sozialdemokratie vorsieht; auf der zweiten und dritten Stufe jedoch sollen technische Kompromisse(über die Zahl der jeder Partei zufallenden Wahlmänner, Abgeordneten und so weiter) mit den linken Parteien— die Kadetten mit ein- gerechnet— gestattet sein. Eine Ausnahme bildet die Arbeiter- k u r i e, wo unter keinen Umständen Wahlabmachungen stattfinden dürfen. Außer diesen, die Wahlkampagne betreffenden Fragen, ent- hält die Tagesordnung der Konferenz den Punkt:„Partei und Gewerkschaften", ein Thema, dessen hohe Bedeutung für die praktische Arbeit der Sozialdemokratie in den Arbeiter- Massen nicht genug betont werden kann, besonders angesichts des in nächster Zukunft stattfindenden Gewerkschaftskongresses. Um die Diskussion über diesen Punkt fruchtbarer zu gestalten, wird vor der Parteikonferenz eine spezielle Besprechung der in den Gewerk- schaften tätigen Parteigenossen stattfinden. Die vorbereitenden Arbeiten für die Konferenz sind bereits in vollem Gange. Auf je 5000 Parteimitglieder, die sich an den Wahlen zum Londoner Parteitag beteiligt haben, soll ein Kon- fcrenzdelegiertcr gewählt werden, den Wahlmodus zu bestimmen, bleibt jedoch jeder nationalen Organisation selbst überlassen. So hat z. B. das Zentralkomitee des„Bund", auf den fünf Delegierte entfallen, beschlossen, die WKHlen auf besonderen, von allen voll- berechtigten Organisationen beschickten Rayonkonferenzen vor nehmen zu lassen, und zwar für je zwei Delegierte für Littaucn und Südrußland und einen für Polen. Gleichzeitig werden die Rayonkonferenzen auch über die auf der Tagesordnung der Parier konfercnz stehenden Fragen vorberaten sowie auch eine Frage dis- kutieren, die gegenwärtig in den Reihen des„Bund" lebhaft de battiert wird, nämlich:„Ueber unsere Beziehung zur Organisierung einzelner Aktionen(Massen-, Tcmonstrationsstreiks usw.) als Antwort auf Gewaltstrciche der Regierung." Es ist in der.Haupt fache die Dumaauflösung und die Wahlgesetz-„Reform", was dieser Frage ihr aktuelles Interesse verliehen hat. Das Zentralkomitee des„Bund" hat den Beschluß gefaßt, in der Wahlkampagne die Hauptaufmcrksamkcit auf die aussichts reicheren littauischcn Gouvernements zu konzentrieren, ohne na- türlich die mindergünstigen Punkte zu vernachlässigen. Für die zu leistende Arbeit sind bereits ein Zentralwahlbureau und Gouver nements-Wahlkommissionen nach dem Muster der in der vorigen Wahlkampagne konstituierten gegründet, auch haben die Registrier bureaus ihre Tätigkeit begonnen. Deren Aufgabe ist bezw. war cS. die Wahlberechtigten zur Eintragung in die Wählerlisten zu be- wegen— eine Arbeit, die auf den doppelten Widerstand der Passivi- tät der Wählcrmasscn einerseits und der Schikanierungen der Poli- zci andererseits stößt. Jedoch hat die Erfahrung der vorigen Dumawahlen gelehrt, daß die Organisation den sich ihr im Wahl- kämpfe bietenden technischen und politischen Aufgaben gewachsen ist. Daher wird sie auch diesmal ihrer Pflicht der Aufrüttelung und Organisierung der Massen gerecht werden. Hus äer Partei. Zur Frage des PreßbureaiiS. Man schreibt uns ans dem Parteibureau: Zur Förderung der Parteipresse hat der Parteiborstaud die Einrichtung einer Zentralstelle in Aussicht genommen, durch welche der Parteipresse wichtige Informationen und > Materialien besser und schneller, als das bisher möglich war, übermittelt werden sollen. Dieser Plan wurde von einer Konferenz sozialdemokratischer Redakteure mit Freude begrüßt. Die Ausführung des Planes wurde der Beschlußfassung des Parteitages vorbehalten. Der Parteivorstand hatte eine An- zahl Parteiredakteure um Gutachten über die Einrichtung und die Umgrenzung der Aufgaben dieser Zentralstelle für die Presse ersucht. Eines dieser Gutachten, das fünf Genossen gemeinsam nebst ausführlicher Begründung an den Partei- Vorstand erstattet haben, wird in Nr. 67 der Mitteilungen des Vereins Arbeiterpresse veröffentlicht. An diese Veröffentlichung hat sich eine Polemik geknüpft, wobei von der„Leipz. Volksz." und dem„Vorwärts" verlangt wurde, daß das Gutachten auch durch die Parteipresse den Genossen zugänglich gemacht würde, damit eine öffentliche Diskussion des Planes platz- greifen könne. Wir haben dazu zu bemerken, daß das durch den Verein Arbeiterpresse veröffentlichte Gutachten nicht das einzige ist und daß dem Parteivorstand von anderer Seite Gutachten vorliegen, die in sehr wesent- lichen Punkten von dem veröffentlichten Gutachten abweichen. Im Parteivorstand wurde nach Kenntnisnahme der Gutachten eine Vorlage über die zu errichtende Zentralstelle für die Presse ausgearbeitet. Diese Vorlage wird Anfang August von der Gesamt-Parteileitung beraten und dann veröffentlicht werden, so daß sie noch ausgiebig vor dem Parteitag diskutiert werden kann. Der in den Mitteilungen des Vereins Arbeiter- presse veröffentlichte Entwurf ist keineswegs identisch mit dem Entivurf, der auf dem Parteitag die Grundlage der Beratung bilden wird. Soviel einstweilen zur Aufklärung. » Ferner veröffentlicht der Vorstand des Vereins Arbeiterpresse im„Halleschen Volksblatt" folgende Er- klärung: Ein Gesuch— an die falsche Adresse. Die„Leipziger Volkszeitung" richtet an uns das Gesuch, den in den Mitteilungen des Vereins Arbeiter-Presse abgedruckten Entwurf über die Organisation eines Prcßbureaus der öffentlichen Diskussion freizugeben. Wir sind der Mühe enthoben, unS über die Zweckmäßigkeit dieses Gesuchs in Er- wägungcn einzulassen. Wir haben weder das Recht, den erwähnten Entwurf der öffentlichen Distufsion zu unterbreiten, noch haben wir die Möglichkeit, sie zu verhindern. Jener Entwurf ist, was der„Leipziger Volkszeitung" nicht hätte entgehen sollen, lediglich die Privatarbeit einiger Kollegen, welche die An- regungen der letzten vom Partcivorstand einberufenen Preßkon- ferenz auf Grund eines unverbindlichen Auftrags zu einem vorläufigen Entwurf verdichtet haben. Diese Skizze, mit der der Verein Arbeiterpresse als solcher nicht das mindeste zu tun hat, liegt dem Parteivorstand lediglich als Material für die von ihm unternommene Aufgabe vor, den Organisationsplan eines sozialdemokratischen Preßbureaus zu entwerfen. Nachdem das Zentralorgan sich dem Gesuch des Schwesterblattcs Vollinhalt- lich angeschlossen hat, scheint es uns geboten, diesen klaren, im Kreise unserer Berufskollegen allgemein bekannten Tatbestand festzustellen, und die Rufer nach einer öffentlichen Diskussion an die richtige Adresse zu verweisen: an den Partei- v o r st a n d. Der Vorstand des Vereins Arbeiterpresse hat nur pflichtgemäß jenen Entwurf in seinem unöffcntlichcn Organ wiedergegeben, um den Fachgenosscn Gelegenheit zu bieten, ihre Wünsche und Anregungen in diesen prcßtechnischcn Fragen möglichst früh und umfassend zu äußern. Wir hatten nicht die Absicht, mit dieser Aufforderung zur fachgenössischen Diskussion irgendwo und irgend wie„tief einzuschneiden". Ganz unabhängig von der dem P a rtcivorstand vorliegenden Entwurfsskizze beabsichtigen wir, auf unserer diesjährigen Generalversammlung im Kreise der Kollegen dies wichtige Fach Problem zu erörtern, wie das auch schon auf früheren Generalversammlungen geschehen ist. Wie weit sich etwa aus dieser Diskussion unserer General- Versammlung Anregungen oder Anträge an den Parteitag ergeben werden, läßt sich gegenwärtig nicht übersehen. Ter Vorstand des Vereins Arbeiterpresse. Diese Erklärung des Vorstandes des Vereins Arbeiterpresse ist um so dankenswerter, als nach den Ausführungen des diesem Vor- stand angehörenden Genossen Thiele in den„Mitteilungen des Vereins Arbeiterpresse" und dem„Hallcschen Volksblatt" die Ab- sichten des Vorstandes des Vereins Arbeiterpresse tatsächlich Miß- deutungen ausgesetzt sein mußten. Namentlich nach der Notiz des „Hallcschen Volksblatts" konnte es den Anschein erwecken, als ob Mitglieder des Vorstandes der Ansicht wären, daß die Frage des Preßburcaus überhaupt nicht als Parteiangelegenheit, sondern als rein fachliche Angelegenheit der Parteircdaktcure behandelt werden sollte. Die obige Zuschrift aus dein Parteibureau zeigt, daß der Parteivorstand gleich unS und der„Leipziger Volksztg."(inzwischen hat sich auch die„Düsseldorfer Volksztg." auf den von der„Lcip- ziger Volksztg." vertretenen Standpunkt gestellt) der Auffassung ist, daß die zu schaffende Institution zur öffentlichen Diskussion ge- stellt und dem Gutachten der Gesamtpartei unterbreitet werden soll. Der Ansicht des Parteivorstandes, daß auch im August die Veröffentlichung des Materials noch früh genug erfolgt, können wir uns durchaus anschließen. Wir gehen sogar so weit, daß wir die bereits eröffnete Diskussion in den„Mitteilungen des Vereins Arbeiterpresse" für ebenso überflüssig halten, wie die beabsichtigte Erörterung der Frage,„ob der Verein Arbeiterpresse oder die Partei Träger der Einrichtung sein solle", auf der Hauptvcrsamm- lung des Vereins Arbeiterpresse. Bietet doch die öffentliche Diskussion in der Parteipresse den Parteiredaktcurcn hin- reichende Gelegenheit, ihre Ansichten über die Aufgaben und die wünschenswerteste Form des PreßbureauS zu vertreten. Uebcrhaupt stehen wir auf dem Standpunkt, daß Parteifragen von der Beratung in den privaten Körperschaften von Partei- funktionärcn möglichst ausgeschaltet werden sollten. Arbeitcr-Bilduiigsbcstrebungcil. Allenthalben grünt und sprießt es in der Partei: Wohin man hört, wohin man schaut, geben sich unsere Genossen im Reiche redliche Mühe, die Bahn zu betreten, die der Mann- heinier Parteitag vorgczeichnet hat. Der Nachrichten über Errichtung von Bildungskursen, Einsetzung von Bildungsausschüssen sind so viele, daß es bald nicht mehr möglich ist, sie alle zu registrieren. Die organisierte Arbeiterschaft der Stadt Brandenburg ist jetzt dem guten Beispiele anderer Parteigenossenschaften gefolgt. Durch geiileinsamen Beschluß des Wahlvereins und des Gewcrksch«ftskartells wurde ein Bildungsausschuß eingesetzt. Schon am 24. d. M. wird die erste Veranstaltung, die Auf- führung von Ibsens„Ein Volksfeind", in Szene gehen. Aus der Geschäftsordnung des Ausschusses heben»vir folgendes hervor: 1. Der BildungsauSschuß besteht aus 11 Mitgliedern und zwar 5 GcwerkschaftSangehörigen, die vom Gewerkschaftskartell zu er- nemicn sind. 5 Mitgliedern des sozialdemokratischen Wahlvereins sowie dem jeweiligen Verwalter der Arbeitcrbibliothek...... Der Ausschuß ist berechtigt, in besonderen Fällen Sachverständige und Mitarbeiter zu seinen Obliegenheiten heranzuziehen. 2. Der Zweck des Ausschusses ist die geistige Hebung der Arbeiter»nd deren Angehörigen durch Veranstaltungen Wissenschaft- lichen und künstlerischen Charakters, wie: Lorträge über Themata aus den Gebieten der GesellfchaftZkunde, Geschichte, Ethik, Erziehungslehre und Naturwissenschaften, letztere unter möglichster Heranziehung deS erläuternden Lichtbildes; Veranstaltung künstlerischer Mnsik- und Dichterabende und Theatervorstellungen; Arrangierung von AuS- stellungen und Vorträgen zwecks Verbreitung guter Literatur, Jugcndschriftcn, Bildlverke usw.— Der BildungsauSschuß sucht auch Einfluß zu gewinnen auf die Veranstaltung von ArbeitervereinSfest- lichkeiten durch Nachweis zweckentsprechenden Materials für Gesangs- und sonstige Vorträge, um dadurch auch die Arbeitcrfeste immer mehr der Kulturbewegung der wirtschaftlich und politisch aufstrebenden Arbeiterklasse würdig zu gestalten.— Ferner ist der BildungS- aiisschuß mit den Funktionen einer Aufsichtskommission für die Arbciterbibliothek beauftragt. Zu den Obliegenheiten des BildungS- auSschusseS gehören demnach noch: Beschlußfassung über Anschaffung von Büchern und Inventar für die Arbeiterbibliothek, Anstellung deS Bibliothekars und etwaiger HülfSkräfte, während Kassenführung und Lokalbestimmung dem Gewerkschaftskartell untersteht. 3. Die Tätigkeit der Mitglieder des Bildungsausschusses ist eine ehrenamtliche. Entschädigungen werden nur für unumgängliche persönliche Auslagen und Arbeitsversäumnisse gezahlt. 6. Dem BildungsauSschuß ist ein jährlicher Betriebsfonds von SOO M. zur Verfügung zu stellen. Hieran beteiligt sich daS GeWerk- schaftskartell und der sozialdemokratische Wahlvcrein je mit der Hälfte deS Betrages. Sollen Veranstaltungen getroffen werden, wie Vortragszyklen usw., welche voraussichtlich den Betriebsfonds mit mehr als 100 M. in Anspruch nehmen, so ist der Vorstand des Gewerkschaftskartclls und des Wahlvereins zur Beratung und Beschluß- fassung heranzuziehen. *»* Die Erfurter Genossen haben gleichfalls einen BildungS- anSschnß eingesetzt; zu den Kosten trägt das Gewcrkschaftskartell zwei Drittel, der sozialdemokratische Verein ein Drittel bei. Der sozialdemokratische Wahlvcrein für den 8. hannoverschen Wahlkreis(Hanuovcr-Linden) hielt am Sonntag feine General- Versammlung ab. Die EntWickelung ist seit etwa l'/a Jahren so außerordentlich, daß einige Zahlen auch für weitere Partei- kreise von Interesse sind. Die Zahl der Mitglieder, die am 1. Januar 1906 4173 betrug, ist auf 11571 angewachsen. DaS bedeutet eine Zunahme von 176Pr»z.! Dieser verhältnismäßig guten Organisation schreiben die Genossen im Kreise es auch zu, daß sie bei den letzten beiden ReichStagswahlen trotz deS gewaltigen Ansturmes der Gegner, zumal der skrupellosen Agitation deS ReichSverbandes, den heiß umstrittenen Wahlkreis im ersten Wahlgang behaupteten. Als nach dem Tode des langjährigen Abgeordneten, Genossen Meister, in der darauffolgenden Ersatzwahl am 22. Juni 1000 sich eine außerordentliche Stimmenzunahme der vereinigten Gegner von 21 480 auf 30 500 ergab, denen nur eine Steigerung der sozial- demokratischen Stimmen von 20 381 auf 31 303 gegenüberstand, da sagten sich die Genossen, daß es mit dem Bewußtsein von der „Selbstverständlichkeit" des Sieges nicht getan sei, und sie arbeiteten demgemäß. Am 2S. Januar 1907 erzielten sie denn auch den schönen Erfolg, daß sie die Stimmenzahl um 4310 (von 31 803 ans 30 113) steigern konnten. Wie notwendig diese Kräfteanspannung war, ergibt sich daraus, daß die vereinigten Gegner es infolge beispielloser Agitation auf 3S 400 Stimmen brachten!— Aus den Finanzen des Wahlvcreinö ist von Interesse, daß vom 1. Januar 1900 ab betragen haben: die Einnahme n 78 080.27 M., die Ausgaben 74 733,33 M. Die beiden Wahlen 1900 und 1007 kosteten 13 183,74 M. An den Parteivorstand in Berlin sind abgeführt: 14 150,34 M., an den hannoverschen Landes- Vorstand 12 547,51 M., daneben»och 2040,83 M. für Wahlzlvccke in der Provinz. Für die Agitation iin Kreise sind 7711,02 M. auf- gewandt und 5000 M. als Pressefond angelegt. " Der Enlwickelung der Organisation entsprach auch die deS Parteiorgans„Volköwille", der seit dem 1. April 1900 in eigener Druckerei hergestellt tvird und dessen GeschäftSumfang sich ständig erweitert, so daß sämtliche Stäuine sich jetzt schon als zu klein erweisen. Neben den beiden Geschäftsführern, einer für die Expedition und einer für die Druckerei, sind vier Genossen in der Expedition tätig, außerdem eine Anzahl HülfSkräfte. Der RedaktionSstab umfaßt vier Oiednkteure und eine Anzahl ständiger Mitarbeiter. Der„Volks- Wille" erscheint täglich in Stärke von durchschnittlich 2>/, Bogen. Die Zahl der Abonnenten ist im letzten Geschäftsjahr von 17 500 auf 30 500 gestiegen! Dem entspricht die Zunahme der Inserate. Trotz des HaiiSkaufeS und der Druckerei-Einrichtung schließt da? erste Jahr nnt einem Reingelvinn von über 23 000 M. ab bei reichlich bemessenen Abschreibungen. Man wird es verstehen, wenn die Genossen des KreiseS mit Genugtuung auf dieses Resultat blicken. Die italienische Bcrtrctiing ans dem internationalen Kongreß. Rom, 20. Juli.(Eig. Ber.) Die 15 Stimmen, die das internationale sozialistische Bureau den italienischen Arbeiterorganisationen für den bevorstehenden Stuttgarter Kongreß zugeteilt hat, sind von dem Exekutivkomitee deS Parteivorstandes in folgender Weise verteilt worden: Sechs Stimmen für die sozialistische Partei, soweit sie in Rom die Mehr- heit behielt, sechs für die Konföderation der Arbeit und drei für die Syndikalisten, gleichgültig, ob sie noch der Partei angehöre» oder nicht!— In Italien, wo die Beschickimg des Kongresses nicht auf Parteikosten erfolgt, tritt au Stelle der Wahl durch die Sektionen die Bestätigimg durch den Parteivorstaud. Für die Syndikalisten hat der Vorstand eine eigene Bestätigungskommission eingesetzt, von der zwei Mitglieder außerhalb der Partei und ein dritter innerhalb der Partei stehen. Die im Anschluß an die Affäre der„Azioue" aus der Partei AuSgestoßenen sollen nach Beschluß deS Parteivorstandes nicht delegiert werden dürfen. Die zionistifch-sozialistische Partei hatte sich au das Zentralkomitee der sozialdemokratischen Partei Rußlands mit dem Autrag gewandt, in die allgemeine sozialdemokratische Delegation Rußlands auf dem Stuttgarter Kongreß aufgenommen zu Iverden. DaS Zentralkomitee lehnte diesen Antrag mit der Bcgründnng ab, daß die zioliistisch-sozinlistische Partei den Anfordernugen nicht entspreche, welche für die Zulassung zu internationale» sozialistischen Kongressen notwendig sind. Keich!tsgZMhIllrei5 nieder• Barnim. Am SonnabenÄ fand zu Rummelsburg bei Weigelt in der Türrschmidtstraße eine Generalversammlung des Kreiswahlvereins Nieder-Barnim statt. Anwesend waren 12S Vertreter, und zwar /102 Kreisdclegierte. 11 Vorsitzende der Ortswahlvereine, 1 Ver- trete: der Gemeinderatsmitglteder der Partei, 4 Mitglieder des Vorstandes, 3 Revisoren, 2 Vertreter der Prekkommission, ein Vertreter der Agitationskommission und der Abgeordnete des Kreises, Genosse Stadthagen. Da die Orte im ganzen 1W Delegierte zu entsenden haben, fehlten 23. Von Herzfelde war überhaupt kein Delegierter erschienen. Zum ersten Punkt der Tagesordnung: Der internationale Kongreß und der deutsche Parteitag, hielt Genosse F r e i w a l d t- Pankow den einleitenden Vortrag. Er wies zunächst darauf hin, daß die Sozialdemokratie von Anfang an international gewesen ist, daß der Kampf der Arbeiterklaffe international sein muß, weil ja der Kapitalismus auch inter- national sei, und selbst die Monarchen international verbündet wären. Der Redner kam dann auf die Maifeier zu sprechen, erwähnte den Jubel, den der Maifeierbeschluß des Pariser inter- , nationalen Kongreffes von 188S damals innerhalb der ausgeklärten beiterschaft hervorrief, zeigte wie sich der Gedanke mit dem der Arbeiterbewegung immew mehr Bahn gebrochen hat, und' i.'umtite sich entschieden gegen jede Abschwächung der Feier. Wenn e''"Selne Genossen behaupteten, die Opfer, die die Maifeier kostete, entsprächen nicht dem Vorteil, den sie bringe, so sei zu bedenken, d�b in der Arbeiterbewegung ohne Opfer überhaupt nichts zu erreichen'st. Der Nutzen aber überwiege die Nachteile. Auch mit Rücksicht auf den Ausfall der Reichstagswahlen sei es mindestens notwendig, das Errungene festzuhalten. Es sei gar nicht nötig, zur Maifeier besondere Anträge zu stellen, da ja die Beschlüsse der detitschen Parteitage den Delegierten die Richtschnur gäben Sollten acker auf dem Kongreß Versuche zur Abschwächung der Maifeier gemacht werden, so müsse dem entschieden entgegen- getreten werden......... Bei der Frage des Militarismus habe unbedingt der Grundsatz zu gelten: Diesem System keinen Mann und keinen Groschen Wiesenthal habe in seiner neuen„Metallarbeiter- zcitung" über die Fraktion gehöhnt und gesagt, sie handle im Plenum des Reichstags anders als in den Kommissionen, weil ibre Vertreter z. B. für eine zweckmäßige Farbe der Uniformen eingetreten seien. Das habe mit dem Militarismus aber gar nichts zu tun. Selbstverständlich hätten die Abgeordneten aber die Pflicht, die Brüder im Wafsenrock auch in dieser Hinsicht zu schützen, damit sie nicht durch glänzende Uniformen ein besonders gutes Zielobjekt abgäben. Andererseits sei er. Redner, nicht dafür eingenommen, daß unsererseits, wie jüngst durch den Genossen Noske. im Reichstag immer und immer wwder so stark betont werde, wenn daS Vaterland in Gefahr sei. werde man ohne weiteres die Flinte auf den Buckel nehmen. Man könne doch heute un- Möglich voraussagen, ob es sich, sollten die Regierung und die herrschenden Klassen wieder einmal bon einem»Angriffskrieg reden, wirklich um einen solchen bandele. Als bestes Mittel zur Bekämpfung des Militarismus bezeichnete der Redner die Erziehung der Jugend in sozialdemokratischem Geiste. Den Wehrpflichtigen Flugblätter in die Hand zu geben, oder gar die Agitation in die Koserncn zu tragen, fei ein ganz ungangbarer Weg. der dem Soldaten zu schwerem Schaden gereichen, der Sache selbst keinen Nutzen bringen könne. � � Zur Frage der Kolonralpolitik bemerkte der Redner, daß er hier wohl nicht nötig habe, näher darauf einzugehen. Es fei ja nun hinreichend bekannt, daß es sich bei der Reichstags- auflösung nicht um kolonialpolitische Fragen, sondern um Sein oder Nichtsein des Reichskanzlers handelte. Wenn man sehe, wie der Kapitalismus seine FangarMe über die ganze Welt ausbreitet. erkenne man auch, wie gefährlich diese Kolonialpolitik für die Völker wie für die ganze Arbeiterschaft ist. Zut Frage der Ein- und Auswanderung wies der Rodner auf die kürzlich in der„Neuen Zeit" erschienenen Artikel hin Bei dem Bestreben der Kapitalisten, aus aller Welt billigere Arbeitskräfte heranzuholen, müsse der Grundsatz gelten, die einheimischen Arbeiter vor solcher Verschlechterung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen zu schützen. �. m. Das Fraucnwahlrccht betreffend, äußerte der Redner, daß hierin setbstverständlich der Grundsatz des Parteiprogramms� allen ohne Unterschied des�eschlechts gleiche Rechte zu gewähren. maßgebend sein müsse und es demgemäß Ehrensache des inter- Nationalen Proletariats sei. für das Frauenwahlrecht ganz ent- schieden einzutreten. � �- Der Redner sprach sodann über die Tagesordnung des Parteitages, wobei er zunächst die Frage der gewerkschaft- lichen Lokal- und Zentralisation berührte. Es sei ganz verkehrt. zu behäupten. die Delegierten Groß-Berlins seien auf dem letzten Parteitage nicht genügend für die Rechte der Lokalorganisierten als Parteigenossen eingetreten. Die lokalorganisierten Genossen sollten aber doch ihre Sondcrvereinigungcn aufgeben und sich schon Darum den Zcntralverbänden anschließen, weil sie dann ja die beste Gelegenheit hätten, dafür zu sorgen, daß die Uebelstande, die sie rügten, beseitigt werden. m ,, Für besonders wichtig erklärte der Redner auch den Punkt: Parteischule uNd BildungsauSschuß. Hier muffe da- für gesorgt werden, daß, was die Partei in der Breite gewonnen hat, auch in der Vertiesung der Erkenntnis ihrer Grundsätze er- reicht und tüchtige Agitatoren herangebildet werden. Hinsichtlich der Maifeier sei es auch auf dem Parteitag Pflicht der politisch organisierten Genossen, dafür zu wirken, daß das bisher Beschlossene mindestens bestehen bleibe. Die letzten R e i ch s t a g s w a h l e n und die politische Lage Würden sicherlich zu starken Debatten Veranlassung geben. Es könne aber konstatiert werden, daß die Genossen bei den Wahlen allerorts ihre Pflicht getan haben. Worauf es ankomme, sei, die Organisationen weiter auszubauen, die Aufklärungsarbeit unter den Massen imm'er eifriger zu betreiben.„ �. Daß die A l k o h o l f r a g e auf die Tagesordnung des Parteitages gesetzt wurde, sei wohl hauptsächlich aus Generosität den Antialkoholtsten gegenüber geschehen. Wohl lasse es sich nicht be- streiten, daß der Alkoholismus noch immer Verwüstungen unter der Arbeiterklasse anstifte. Aber die Partei könne ja doch nicht dekretieren, daß der Alkohol verboten sei. Die Frage sei vor allem eine soziale. Werde das soziale Elend beseitigt, so verschwinde damit auch die„Alkoholpest". Es tagen der Generalversammlung u. a. zwei Anträge der Ge- «offen aus Lichtenberg bor; der eine besagte, der Parteitag möge beschliehen, den Preis des„Vorwärts" von 1,10 M. auf 1 M. herabzusetzen, der andere, der„Vorwärts" möge im Wochcnabonnement herausgegeben werden. Der Redner wies demgegenüber auf den gewaltigen Ausfall an Einnahmen, sowie die Erhöhung der Aus- gaben für die Spedition hin, die solche Beschlüsse zur Folge haben würden, und ersuchte die Genossen, sich diese Anträge doch noch ein- mal gründlich zu überlegen. In der Diskussion sprach zunächst Genosse N i l s e n- Rei- Kickendorf und äußerte sich über die Maifeier im Sinne der Partei- tagSbeschlüffe gegen jede Abschwächung der Feier. Hinsichtlich des Militarismus hob er besonders hervor, wie wichtig hier eine der- Künftige Jugenderziehung ist, wie töricht und verkehrt es ist, wenn Eltern ihren Kindern buntes Militärspiclzeug, Bleisoldaten und dergleichen in die Hand geben, als sollte ihnen gleichsam der Ge- danke des Massenmordes schon von Kindesbeinen an eingeimpft werden. Wie der Referent, erklärte sich der Redner gegen jede Sönderbündelei in den Gewerkschaften. Ferner sprach er für die Anträge auf Verbilligung und Wochenabonnement des„Vorwärts". Die geistige Kost Müsse dem Volke so billig wie irgend möglich ge- liefert werden. Man dürfe den„Vorwärts" nicht als Geschäft be- tteiben. Im selben Sinne sprach Genosse R o b st- Lichtenberg für Ver- billigung deS„Vorwärts". Der Redner wünschte, einem Antrage der Lichtenberger Genoffen entsprechend, dgß, wenn möglich, für eine noch bessere Durchführung der Maifeier gewirkt werde, und war persönlich dafür, die Genossen, die den Tag nicht feiern können, zur Opferung ihres Tagesverdienstes zu verpflichten. Hiergegen wandte sich Genosse Brühl- Lichtenberg, der aber ebenfalls für eine noch bessere Durchführung der Maiferer sprach. Zu dieser Frage selbst lagen folgende Anträge vor: 1. Der Vorstand sowie der erweiterte Vorstand des Kreis- Wahlvereins Nieder-Barnim empfiehlt der Generalver- sammlung folgende Resolution: Die Delegierten zum internationalen Kongreß in Stuttgart sind verpflichtet, in bezug auf die Maifeier sich auf den Boden der bisher auf den internationalen und deutschen Parteitagen gefaßten Beschlüsse zu stellen; sie verpflichten sich, jeder Ver- schlechterung der Maifeier entgegenzutreten. 2. Die Genossen des Bezirks Lichtenberg beantragen: Die Delegierten zum internationalen Kongreß sowohl wie die zum Parteitag sind zu beauftragen, an der bisherigen Mai- feier festzuhalten, oder aber für noch größere Durchführung der Arbeitsruhe am 1. Mai zu stimmen. 3. Die Genossen von Waidmannslust erwarten von den Parteitagsdelegierten des Kreises Nieder-Barnim, daß dieselben auf dem Parteitage jeder Abschwächung der Mai- feier entgegentreten und dafür stimmen, daß der 1. Mai in seiner bisherigen Form weiter gefeiert wird. Genosse Brühl empfahl nun der Versammlung, den Vor- standsantrag in der Weise mit dem Lichtenberger zu vereinen, daß er mit den Worten schließt:„Sie verpflichten sich nicht nur, jeder Verschlechterung der Maifeier entgegenzutreten, sondern eventuell für eine noch größere Durchführung der Arbeitsruhe am 1. Mai zu stimmen." Genosse D e n tz e r- Waidmannslust sagte, daß die Delegierten gegen jede Abschwächung der Maifeier zu stimmen hätten, daß aber die Anträge auf Verschärfung der Maifeierbeschlüsse nicht zweck- mäßig wären, da sie keine Aussicht hätten, internationale Geltung zu erhalten. In der Gewerkschaftsfrage sprach sich der Redner ebenfalls gegen die Sonderbündelei aus und hob hervor, daß die jetzt lokalorganisierten Genossen innerhalb der Zentralverbände besser in ihrem Sinne wirken könnten als außerhalb. Genosse Heises- Tegel meinte, daß in der Maifeierfrage der größte Jehler schon 1890 gemacht worden sei. Daran habe man heute noch zu tragen. Auch dürfte die Parteileitung nicht, wie 1906 und 1907, das eine Mal so, das andere Mal anders auftreten, son- dern sie müßte auf dem einmal eingenommenen Standpunkt be- harren. Der Redner sprach sich auch für Verbilligung des„Vor- wärts" aus und meinte, man könne ja immer wieder zu dem alten Preis zurückkehren, wenn man sich in seinen Hoffnungen getäuscht sähe. Ebenfalls für Verbilligung des„Vorwärts" trat Genosse I u d r i a n- Lichtenberg ein. Bei einem Wochenabonnement für 25 Pf. würden die Hausfrauen diese Ausgabe kaum spüren. Genosse Stadthagen sprach sich entschieden gegen jeden Versuch einer Abschwächung der Maifeier aus. Er schlug der Ver- sammlung vor, zu beschließen: „Die Delegierten sind verpflichtet, in bezug auf die Mai- feier im Sinne der Anträge 1, 2 und 3 zu wirken." Es sei ja noch zweifelhaft, ob die Maifeier auf dem inter- nationalen Kongreß überhaupt zur Verhandlung komme; notwendig sei es aber, die Frage zu entscheiden. Wenn behauptet wird, daß der Parteivorstand bei der letzten Maifeier abflauend eingegriffen habe, so gebe er, Redner, zu, daß dessen Aufruf wohl eine andere Fassung hätte haben können; doch sei der Aufruf lediglich im Sinne der Parteitagsbeschlüsse gemeint gewesen. Was die Frage der Lokalorganisationen betreffe, so sei ja nicht daran zu zweifeln, daß sie früher ihre historische Berechtiguna hatten. Nun aber sei es doppelte und dreifache Pflicht der lokalorganisiertmr Genossen, in die Zentralorganisationen einzutreten und hier im Sinne der Entschiedenheit und der Sozialdemokratie zu wirken. Er müsse sich aber auch entschieden dagegen wenden, sie aus der Partei aus- schließen zu wollen. Anders sei es, wenn sie sich selbst außerhalb der Partei stellten. Zu den Anträgen auf Verbilligung und Wochen- abonnement des„Vorwärts" bemerkte der Redner, daß diese Frage ja von der Generalversammlung Groß-Berlins angeschnitten sei und noch der Entscheidung harre. Ganz verkehrt wäre es, sich mit dieser Frage an den Parteitag zu wenden. Es liege ja gar keine Veranlassung vor, die Rechte der Berliner Genossen auf diese Weise einschränken zu wollen. In der Sache selbst warnte der Redner davor, die Gründe, die vielleicht für die Anträge sprechen, zu über- schätzen, die finanziellen Bedenken aber zu unterschätzen. Er legte dar, welcher Ausfall an Einnahmen, welche Unkosten durch die Verwirklichung der Anträge entstehen würden, und daß man gerade mit Rücksicht auf die Agitation in der Provinz nicht der Henne, die die Eier legt, den Hals umdrehen dürfe. Uebrigens glaube er nicht, daß durch die Herabsetzung des Abonnemcntspreises auf 1 M. auch nur ein einziger Abonnent mehr gewonnen werde. Das Wochen- abonnement sei ja, wie am Kopf des„Vorwärts" zu lesen ist, schon jetzt möglich zum Preise von 28 Pf. Genosse K u b i g- Pankow, Vertreter der Preßkommission, empfahl ebenfalls, den Anträgen auf Verbilligung des„Vorwärts" nicht zuzustimmen. Das sei Sache der Genossen von Grotz-Berlin. Der Redner erwähnte ferner die auf Wunsch der Pretzkommission veranstaltete Umfrage bei den fünf Parteiblättern, die Wochen- abonncments durchgeführt haben, von denen vier entschieden davon abrieten. Das Material über diese Fragen werde zu einer Denk- schrift verarbeitet, die den Parteigenossen zugehen und als Grund- läge für die weitere Erörterung dienen soll. Zur Frage des Mili- tarismus sprach sich der Redner namentlich dafür aus, daß auch innerhalb der Gewerkschaften für allgemeine Aufklärung gesorgt werden müsse. Hierauf trat Schluß der Debatte ein. Der Antrag Stadt- Hägens über die Maifeier wurde mit allen gegen eine Stimme angenommen. Die Anträge auf Verbilligung des„Vorwärts" wurden zurückgezogen. Als Delegierte zum internationalen Kongreß wählte die Generalversammlung die Genossen F r ei w a l d t- Pankow und Taub mann-Weißensee, als Ersatzmann L i n k- Karlshorst; als Delegierte zum Parteitag die Genossen I o h n- Rummelsburg, Lorenz- Reinickendorf und Brühl- Lichtenberg; als Ersatzmann Link- Karlshorst. Sodann sprach Genosse Jacobsen- Oberschöneweide in kurzen Worten über die Provinzialkonferenz, wies u. a. auf die Wichtigkeit der Frage des Gesinderechts hin und äußerte den Wunsch, daß auch diese Konferenz zu den besten Resultaten führen möge. Als Delegierte züb Provinzialkonferenz wurden die Genossen K u b i g- Pankow, N o l l st ä d t- Rummclsburg und K o t t e r b e- Borsigwalde, als Ersatzmann L i e s e g a n g- Oberschöneweide gewählt. Unter Kreisangelegenhetten lag eine Resolution der Genossen bon Reinickendorf vor, die eine Verpflichtung der Parteigenossen zur Beteiligung am Genossenschaftswesen zum Ziele hatte. Es wurde nach kurzer Debatte beschlossen, diese Sache auf die Tages- ordnung der nächsten Generalversammlung zu setzen. Mit Hochrufen auf die Sozialdemokratie wurde die Kreis- generalversammlung geschlossen. Sie liiordaffsre l|au vor dem Karls- ruher Schwurgericht. Der Prozeß gegen den im Staate Kolumbia in Amerika zu- gelassenen Rechtsauwalt Karl Hau vor dem Schwurgericht in Karlsruhe weist in seiner fünftägigen Verhandlung einige da? all- gemeinere Interesse wachrufende Momente auf. lieber den Beginn deS Prozesses haben wir bereits am 18. Juli berichtet. Die Art des Verhaltens des Angeklagten und deS Staatsanwalts sowie einige Zwischenfälle in dem Prozeß und die Beziehungen deS Angeklagten zu größeren amerikamschen Jndustriegesellschaften verleihen dem Prozeß ein besonderes Gepräge. Wir fassen nachstehend vaS wichtigste aus dem bisherigen Gang des Prozesses zusammen. Der 26 jährige amerikanische ReKtsanwalt auS Groß-Littgen im Rheinland gebürtig, Sohn eines früheren Zentrumsabgeordneten, steht unter der doppelten Anklage, seine Schwiegermutter, die wohlhabende Witwe des Medizinalrats Molitor in Baden-Baden am 6. November erschossen und ferner versucht zu haben, eine Wiener Bank um 4000 Mark zu Setrügen. Bezüglich des BetnigSversulhs liegt die Sache einfach. Der Angeklagte hat auf seinen Kreditbrief von der Wiener Bank 400 Pfund erhoben und dann später die Ausstellung eines zweiten Kreditbriefes in derselben Höhe verlangt, da der Kreditbrief ihm gestohlen sei. Nach dieser Richtung gibt der Angeklagte zu, daß er die 400 Pfund bereits erhoben hatte, das will er bergessen haben und ohne betrügerische Absicht einen zweiten Kreditbrief verlangt haben. Die Anklage wegen Morde? steht in enger Beziehung zu dem Vorleben des Angeklagte«. Hau lernte als Igjähriger Student in Ajaccio. wo er sich zwecks Erholung von einem Blutsturz aufhielt, die um 6 Jahre ältere Lina Molitor. die Tochter der erschossenen Witwe, kennen. Ihre Hand wurde ihm verweigert. Darauf entnahm Fräulein Molitor auf sein Zureden 2000 M. der mütterlichen Kasse. Die beiden Liebenden ergriffen die Flucht. Sie beschlossen gemeinsam in den Tod zu gehen. Hau schoß seiner Braut eine Kugel in die Brust, verwundete sie aber nur leicht, zu dem Schluß auf sich selbst fehlte ihm der Mut. Die Mutter gab dann die Einwilligung zur Heirat. Hau reiste mit seiner Frau zur Vollendung seiner Studien nach Washington, wurde Rechtsanwalt beim Obergericht in Kolumbia und las an der dortigen Universität über Recht und deutsche Sprache. Er trat zu mehreren Industrie- gesellschaften in Verbindung und suchte in den letzten Jahren als Geschäftsträger der Standard-Oil-Compagnie in der Türkei Kon- zesfion zu elektrischen Bahnen und anderen industriellen Unter- nehmungen zu erreichen. Hau stand in enger Beziehung zu hoben Würden- trägern in der Türkei und zu Redakteuren der bürgerlichen Presse. Er trat als Grandseigneur auf, gab über seine Einnahmen hinaus auS, exzedierte insbesondere nach geschlechtlicher Richtung hin und liebte es zu renommieren. Nach den Bekundungen verschiedener Zeugen hat er insbesondere in der Türkei für Damen der Halbwelt große Summen aufgewendet. Die Mitgift seiner Iran in Höhe bon 65 000 M. war längst verbraucht, die geschäftlichen Transaktionen, deren Gelingen ihm große Provisionen abgeworfen hätten» miß- langen. Das Familienleben mit seiner Ebeftau wird von den Zeugen als ein sehr glückliches geschildert. Beide Eheleute hingen an ihrem einzigen Kinde mit großer Hingebung. Seit der Geburt des Kindes fand eine geschlechtliche Beziehung zwischen den Ehe- aatten aus hygienischen' Rücksichten auf die Frau nicht mehr statt. Drei Schwestern und ein Bruder der Frau Hau sind noch am Leben. Der Bruder ist Oberleutnant. Am 6. November wurde die verwitwete Mebt- zinalrat Molitor in Baden-Baden auf einem Gange von ihrer Villa nach dem Postamt durch einen Schuß in den Rücken getötet. Ihr Nachlaß beläuft sich auf 947 202 M. Auf jedes Kind würden also 135 314 M., auf Frau Lina Hau bezw. deren Erben würden mithin nach Abzug der Mitgift noch etwa 70 000 M. entfallen. 'Gegen den Angeklagten sind nun folgende Verdachtsmomente außer seiner Vermögenslage in der Anklage und in der Verhandlung ge'ltend gemacht: Ende Oktober 1906 lebte der Angeklagte mit seiner Frau, seinem Kinde und seiner unverheirateten Schwägerin Olga in Paris. Plötzlich erhielt die alte Frau Molitor ein Telegramm des Inhalts: „Komme sofort nach Pari?, Olga sehr krank. Reise mit nächstem Zuge. Lina." Frau Molitor fuhr sofort nach Paris. Es stellte sich heraus, daß Olga kerngesund war und daß Frau Han keinerlei Kenntnis von dem Telegramm hatte, das mithin gefälscht sein mußte. Die Anklage nahm an, der Angeklagte habe das Telegramm ab- gesendet. Der Angeklagte, der überhaupt von dem Recht als An- geklagter, Erklärungen nur soweit zu machen, wie eS ihm paßt, in det Verhandlung weitgehenden Gebrauch machte, lehnte in der Verhandlung zunächst eine Er- klärung hierüber ab. Am zweiten Tage der Ver- Handlung gab er jedoch, unmittelbar vor der Ver- nehmung des Schreibsachverständigen, zu, das Telegramm habe er selbst aufgegeben. Weitere Er- klärungen über den Zweck des Telegramms' lehnte er an diesem Tage ab. Kurze Zeit nach dem Pariser Vorfall reisten die Eheleute nach London, um später nach Amerika zurückzukehren. In London erhielt Hau eine Depesche folgenden Inhalts: Kommen Sic unverzüglich nach Berlin. ThicS. Angekkagter gab in der Verhandlung zu, dies Telegramm an sich selbst veranlaßt zu haben. Wie er zunächst erklärte, wollte er sich dadurch einen Vorwand schaffen, um nach dem Kontinent zu reisen und in Frankfurt a. M. Geschäfte abzuwickeln. Seine spätere Er- klärung folgt unten. Angeklagter besorgte sich dann in London einen falschen Bart und eine falssche Perücke. fuhr nicht nach Berlin, sondern zunächst nach Frankfurt a..M., berr vollständigte dort die falsche Haartour, die aber auch nach der Be- arbeitung als falsche aufsiel und fuhr dann nach Baden Waden. Am 0. November kam er dort an. Hier telephonierte er unter der falschen Angabe, der Telephonierende sei der PostVorsteher Graf, an seine Schwieger« mutier, sie möge sofort ans Telephonamt kommen, das Aufgabeformula» deS gefälschten Pariser Telegramms habe sich vorgefunden. Frau Molilor machte sich darauf mit ihrer Tochter Olga auf den Weg zum Postamt. Auf diesem Wege, in der Nähe der Lindenstaffel, wurde sie durch eine Revolverkugel in den Rücken, die ihr Herz traf, erschossen: sie fiel lautlos zur Erde. Des Angeklagten Stimme am Telephon ist von einem Dienstmädchen der Erschossenen erkaünt. Er selbst ist in Baden-Baden von mehreren Leuten gesehen worden. Die Schwägerin Olga bekundet, daß der Täter nur ein Mann habe sein können, den sie dort am Tatort gesehen hatte, und dessen Figur große Aehnlichkeit mit der ihres Schwagers hatte. Angeklagter gab zu, mit falschem Bart und falscher Perücke in Baden-Baden gewesen und nachdem er seine Schwiegermutter und Schwägerin habe ankommen sehen. schleunigst nach dem Bahnhofe geeilt zu sein. Er lehnte aber ausdrücklich in der Verhandlung zunächst jede weitere Auskunft über die Vorgänge in Baden- Baden ab. Nach dem Tode seiner Schwiegermutter depeschierte er an seine Frau in London, daß er zurückkomme. Die ersten Worte, die er seiner Frau gegenüber nach den Mitteilungen, die diese ihren Schwestern gemacht hat, gebrauchte, waren:„Denke Dir, es«wird behauptet', ich hätte Mutter er�- mordet." Am 7. November wurde Angeklagter in London verhaftet. Seine Frau hat erst Zweifel an seiner Schuld laut werden lassen, später aber ihrem Bruder und ihren Schwestern gegenüber Aeußerungen getan, aus denen diese entnahmen, sie gebe die Schuld ihres Mannes zu. Auch in dem Testament der Frau Hau findet sich eine Wendung, die nach dieser Richtung gedeutet werden kann. Frau Hau nahm sich das Leben, weil sie ihren Mann über alles liebte und die furchtbaren Verhältnisse, in die sie durch den Mord gergton wgr, nicht ertragen konnte, In tfet Verhandlung bekundeten einige Zeugen, von Gelb- Verlegenheiten Haus könne nicht tvohl die Rede sein, da sie ihm gern 30-, 40- und 50 000 Mark ohne weitere Sicherheit geborgt hätten, wenn er an sie herangetreten wäre. Die Schwägerin, des Angeklagten, Fräulein Olga Molitor, erklärte unter ihrem Eide auf das be- stimmteste, sie habe niemals nähere Beziehungen zu dem Ange- klagten gehabt, er habe ihr auch nicht die Kur gemacht, noch habe sie je etwas wahrgenommen, was darauf schlichen liehe, dah er ihr habe sich nähern wollen. Die Schwester Lina sei allerdings. aber ohne jeden Grund, eifersüchtig gewesen. Eine andere Schwester bekundete, die verstorbene Schwester habe selbst zugegeben, dah sie keinen anderen Grund zu der Eifersucht Olga gegenüber habe als den, dah diese einige Jahre jünger sei. Am 2 0. Juli spielte in die Verhandlung ein sensationeller Zwischenfall hinein. Der Verteidiger machte die Mitteilung, dah ein früherer Referendar, jetziger Kunstmaler L e n ck, über die Sache näheres wisse. Er sei im Juni unter dem Verdacht eines Sittlichkeits- Verbrechens verhaftet gewesen, Zellengenosse des Angeklagten ge- worden, der sich unmittelbar nach dem Tode der Frau Hau ihm gegenüber über den Mordfall ausgelassen habe. L e n ck wurde darauf als Zeuge geladen und erklärte nun: er habe am vorhergehenden Tage in einem Brief an Fräulein Olga Molitor diese um eine Unterredung unter vier Augen gebeten, da er ihr Dinge zu sagen habe, die für sie und ihren Schwager wichtig seien. Fräulein Molitor habe eine Unterredung aber ab- gelehnt. Der Angeklagte habe ihm in der gemeinsamen Zelle wichtige Mitteilungen gemacht. Diese Mitteilungen habe er aber versprochen, nicht weiter zu geben, dies Versprechen bal�- er und sage deshalb nicht? aus. Der Zeuge wurde in eine Zeugniszwangsstrafe von 30 Mark genommen, blieb aber bei seiner Weigerung. Daraufhin gibt der Angeklagte Hau Plötzlich folgende Erklärung/ ab: Ich bin nach dem Kontinent zurückgekehrt, um bor meiner Abreise nach Amerika noch einmal meine Schwägerin Olga zu sprechen und zu sehen. Den eifersüchtigen Vorwürfen meiner Frau gegenüber fühlte ich mich schuldig, während freilich meine Schwägerin Olga davon absolut nichts wuhte. Ich hatte für sie leidenschaftliche Empfindungen und wollte mich ihr gegenüber aus- sprechen. Ich hatte nicht darauf gerechnet, dah meine Schwägerin meine Schwiegermutter begleiten würde. Diese Erklärungen habe ich vorher nicht abgegeben, weil sie für m,ch beschämend sind. Daß mein Verhalten ein eigentümliches war, gebe ich zu, kann ober eine nähere Erklärung darüber nicht abgeben. Nach dieser Erklärung ruft der Z e u g e L e n ck erst dazwischen, tt sei bereit, jetzt eine Aussage zu machen, erklärt dann aber, er habe nur aussagen wollen, die sehr wichtigen Mitteilungen, die er zu machen habe, seien nicht die, die der Angeklagte eben gemacht habe. Der Verteidiger erklärt, die Erklärungen deS Angeklagten feien auch für ihn neu. An- geklagter versichert wiederholt, er habe weder seine Schwieger- mutier, noch seine Schwägerin töten wollen. Mit dem Mord habe er nicht das geringste zu tun. In der Verhandlung war zur Sprache gebracht, dah ein Diener der Ermordeten, Wieland, sich in der Nähe des Tat- orte? aufgehalten! habe. Eigentümlicherweise vermochte der Staatsanwalt die Zustellung nicht zu bewirken. Der Zeuge hatte sich ordnungSmähig von Potsdam nach dem Rittergut Wahrenbeck bei Kiel, wo er in Stellung sich befindet, abgemeldet. Sein Dienstherr hatte ihm mitgeteilt, dah gegen ihn ein Verdacht der Täterschaft rege gemacht sei. Darauf erbat er seine sofortige Vernehmung. Seine Aussage ergab aufs evidenteste, dah er der Täter nicht gewesen sein könne und dah auch nicht die Spur eines Verdachts gegen ihn gerechtfertigt wäre. Zu erwähnen ist noch folgender für das Verhalten der �Staatsanwaltschaft bezeichnender Umstand: Die Staats- onwaltschaft hatte am 10. Juli in einem badifchen Bkatt der Wahrheit zuwider erklären lassen, Hau sei der Tat geständig. Gegenüber der Behaup- tung. Mitteilungen über die Anklage seien aus dem Bureau deS Verteidigers erfolgt, bekundet der als Zeuge vernommene Bericht- erstatter Schweder, dah das durchaus nicht zutreffe. Der Staatsanwalt richtete dann auch an den Berichterstatter die Frage, ob er von der Familie Molitor Bezahlung erhalte. Diese Frage verneinte der Zeuge und erklärte später: „Ich habe die Frage des Staatsanwalts so aufgefaht, als ob ich von der Familie Molitor Bezahlung erhalte. Da diese Frage mich aufs tiefste in meiner Berufsehre verletzt, ersuche ich den Herrn Vorsitzenden um Schutz und stelle an den Herrn Staatsanwalt die Frage, ob er seine Frage wiederholen will. Vors.: Sie haben keine Fragen zu stellen.— Schweder ((sehr erregt, mit erhobener Stimme): Ich erkläre die Frage des Staatsanwalts für eine niederträchtige Infamie.(Grohe Bewegung im Zuhörerraum.) Vors.: Wie dürfen Sie sich unterstehen, derartig in einer öffentlichen Gerichtsverhandlung aufzutreten?— Schweder: Die Frage des Staatsanwalts ist geradezu Unerhört. Ich schreibe für 250 Zeitungen. Wenn die Frage des Staatsanwalts so durch die Presse geht, wird meine Existenz ruiniert. Der Gerichtshof beschlieht, sich zu einer Beschluhfassung zurückzuziehen. Auf Antrag des Ver- teidigerS wird dem Journalisten Schweder noch einmal das Wort gegeben. Dieser erklärt wiederholt, dah er durch die Frage des Staatsanwalts aufs tiefste in seiner Berufsehre gekränkt sei. Er bedauere die Schärfe seines Ausdrucks, beharre aber auf seinem Standpunkt.— Vors.: Wollen Sie ausdrücklich Ihr Bedauern über den Ausdruck aussprechen?— Sch w e d e r: Ich habe das bereits getan. Das Gericht beschlieht danach, daß der Zeuge Schweder wegen Ungebühr vor Gericht zu einer Geldstrafe von 30 Mark verurteilt sei. Insgesamt sind in dem Prozeh etwa 70 Zeugen vernommen. Trotz der vielen Verdachtsmomente, die gegen den Angeklagten vor- liegen, ist es nicht ausgeschlossen, dah die völlig ungenügende Vorbereitung der Anklage, der man«ine achtmonatliche Arbeitszeit nicht anzumerken vermag, und das eigenartige Auftreten des Staatsanwalts, der wiederholt mit dem Verteidiger in Konflikt gerät, einen Freispruch der Geschworenen zeitigen wird. Die Urteilsfällung wird vielleicht noch in späterer Nacht- stunde erfolgen. Öeriebtö- Zeitung. „Sie Dreckkops" und „HaltS Maul mit keinem nervösen dreckigen Gesicht" kostet Stück für Stück fünf Mark. In Jena findet kaum eine Schöffengerichtssitzung statt, in der nicht gegen einige radaulustige Studenten wegen Beleidigung von Schutzleuten usw. prozessiert wird. Wir registrieren zwei in der letzten Woche verhandelten Fälle, die für das Be- nehmen der Studenten und die Strafhöhen charakteristisch sind. Im ersten Fall hatte ein Student im Verein mit einer An- zahl Bekannten in der Nacht vom 12. zum 13. Dezember einen so wüsten Skandal verübt, dah die Polizei einschritt. Mahnungen der Beamten, ruhig zu sein, wurden verlacht. Darauf verlangte der Schutzmann die Studentenkarte. Die Karte erhielt der Schutz- mann nicht, vielmehr stellte der Student sich kampfbereit und rief dem Schutzmann entgegen:„So, Sie Dreckkopf, Sie Dreck- köpf, nun fasten Sie mich einmal an, dann sollen Sie mal sehen". Das Urteil lautete: wegen Ruhestörung 5 M. Geldstrafe eventuell einen Tag Haft, wegen Widerstand mit Beamtenbeleidigung 15 M. Geldstrafe eventuell 3 Tage Gefängnis. Im zweiten Fall hatten zwei Schutzleute einen des NachtS stark randalierenden Studenten gebeten, sich ruhiger zu verhalten. Darauf brüllte der Musensohn einen Polizisten mit den Worten an:„Halts Maul mit Deinem nervösen, dreckigen Gesicht", dem anderen schnarrte er zu:„Sie mit Ihrem dämlichen, langen Ge» ficht müssen Ihre dumme Nase auch in alles hineinstecken". Das Urteil lautete: wegen Ruhestörung 5 M. eventuell einen Tag Haft, wegen Beamtenbeleidigung in zwei Fällen je 10 M. even- tuell 2 Tage Gefängnis. Was hätten Arbeiter zu erwarten ge- habt, die sich nur annähernd so betragen hätten? Aber es gibt keine Klassenjustiz._ Ein liebenswürdiger Schutzmann. Vor dem Schöffengericht in Köln stand der Schutz- mann Karl Müller unter der Anklage, im Dienste die Ehefrau des Fabrikanten Friedrich Boos dadurch beleidigt zu haben, daß er sie in die Wange kniff, als er füx den Fabrikanten ein Strafmandat(wegen Ueber- tretung der für Hundebesitzer in Köln gültigen Polizeiregeln) überbrachte. Hierbei fragte er die Frau, ob sie die Gattin des abwesenden Fabrikanten sei. Als das bejaht wurde, über- reichte er ihr das Papier und kniff sie in die Wange. Die mit dieser Vertraulichkeit beehrte Frau war hoch- schwanger. Der Schutzmann bestritt den von der Fabrikantin als Zeugen bekundeten Borfall. Der Staatsanwalt erklärte, die Beleidigung sei nicht ein- facher Art; wohin solle es kommen, wenn die Polizei- beamten, die von den Gerichten st etsin Schutz genommen würden(Ein bemerkenswertes Ein- geständnis. Di» Red.)» in solcher Weise vorgingen. Einem Dienstmädchen gegenüber hätte man das Vorgehen als einen allerdings nicht zu billigenden Scherz auffassen können. Er beantrage, da eine besonders schwere Handlungsweise vorliege,— 80 Mark Strafe. Das G e- r i ch t erklärte im Urteil, es sei eine nachdrückliche Strafe geboten— und erkannte auf 60 Mark Geldstrafe. Wenn ein Arbeiter einen Streikbrecher scheel ansieht, kommt er nicht so billig weg, wie der„nachdrücklich" bestrafte Schutzmann. Die beleidigte Frau kann froh sein, daß sie kein armes Dienstmädchen ist: sonst wäre gar noch gegen sie ein Strafverfahren wegen Verleumdung eingeleitet.— Es geht nichts über die Rechtssicherheit und Güte der Recht- sprechung in Preußen._ Der alkoholisierte Schlächtermeister. Vor dem Schöffengerichte des Amtsgerichts Bcrlin-Mitte hätte sich gestern der Roßschlächtermeister Wilhelm Benner wegen Tier- quälerei, Bedrohung, Widerstandes gegen die Staatsgewalt und Uebertretung der Straßenordnung zu verantworten. Am 18. April d. I. veranlatzte er in der Meyerbecrstraße durch sein unglaubliches Betragen eine turbulente Stratzenszene. Zunächst mißhandelte er sein Pferd, weil es nicht ziehen wollte, in Aergernis erregender Weise, indem er mit der linken Hand es am Ohr zerrte und mit der rechten Faust unbarmherzig auf Maul, Augen usw. losschlug. Als auch dieses Mittel ohne Wirkung blieb, zog er sein Taschen- messer und wollte auf das Tier losstcchen. Als der Kaufmann Jakob, der sich unter der angesammelten Menschenmenge befand, empört ihn von dieser Mißhandlung zurückzuhalten suchte, wandte sich der Angeklagte gegen ihn. Jakob ergriff die Flucht. Wut- entbrannt» Schaum vor dem Munde und grün und blau gefärbt, raste ihm Benner nach. Die wilde Jagd ging mehrmals um einen Möbelwagen herum, bis der Angeklagte schließlich von seinem Opfer abließ. Unterdessen war ein Schutzmann herbeigeholt worden, der nach Lage der Sache Benner zur Wache sistieren wollte. Diesen griff er auch sofort tätlich an, so daß der Beamte, nachdem B. durch das Eingreifen eines handfesten Arbeiters widerstandsunfähig ge- macht worden war, ihn fesselte mußte und ihn erst so unter großen Schwierigkeiten zur Wache zu befördern vermochte. Dort gebürdete sich B. weiter wie ein Rasender, so daß er in die Zelle gesperrt werden mußte. Nach etwa zwei Stunden holte ihn seine Frau ab. Er verließ die Polizeiwache mit gebrochenem Schlüsselbein und anderen Verletzungen, so daß sofort ärztliche Hülfe in Anspruch genommen werden mußte. Der Angeklagte behauptete, zur Zeit der Tat der- artig unter dem Einflüsse des Alkohols gestanden zu haben, daß er seiner Sinne nicht mächtig war. Durch die Beweisaufnahme wurde folgendes festgestellt: Des Morgens war er in Geschäften auf dem Zentralviehhofe gewesen und hatte von 9 Uhr morgens an mit zwei Schlächtermeistern um die Wette gezecht. Er hatte sich ge- rühmt, ebensoviel vertragen zu können, wie einer seiner Partner, ein sogenanntes„Siebenmonatskind". Bier, Branntwein und Wein wurde von den Dreien in unglaublichen Quantitäten ver- tilgt. Benner hatte sich doch mehr zugetraut, als er zu leisten im- stände war. In dem Trinkduelle blieb sein Gegner der Sieger. Dieser war großmütig genug, den Unterlegenen auf dessen Wagen zu heben und ihn nach Hause zu kutschieren. Unterwegs wurde zedoch nochmals Station gemacht und das Zechgelage begann von neuem. Hier nahm den Bezechten dessen Kutscher, der gekommen war, ihn abzuholen, in Empfang und übernahm die weitere Be- förderung. In der Meyerbeerstrahe ereigneten sich sodann die bor- her geschilderten Vorgänge. Während der Amtsanwalt für die unter Anklage gestellten Straftaten eine Gefängnisstrafe von sechs Wochen und eine Hafistrafe von 1 Woche für eine angemessene Sühne hielt, gelangte daö Gericht zu der Ueberzeugung, daß der Angeklagte tatsächlich infolge hochgradiger Trunkenheit unzurech- nungsfähig gewesen sei und sprach ihn deshalb von Strafe und Koste» frei. Hud der frauenbewegung, Als Delegierte zum internationalen Kongreß und zur Frauen- koiifercnz sind in Oesterreich- Ungarn gewählt: FrauEmmh freundlich, Mährisch-Schönberg, Frau Therese Schlesinger. Wien VI, illy Lippa, Wien XVI, Anna Boschek, Wien VI, Adelheid Popp, Wien VI. Budapest entsendet zwei Delegierte.— Für die Ge- nossinnen B a tz e r n s ist Genossin Frau Marie Greifenberg, Augsburg, gewählt worden. Versammlungen. Zur Aufklärung. In dem Versammlungsbericht vom Sonntag, den 21.' Juli vom Verband der Töpfer steht unter anderem: Die achtstündige Arbeitszeit soll allgemein eingeführt Werdern Hierzu haben wir folgendes zu bemerken: In unserem Beruf besteht iir Bauarbeit die achtstündige Arbeitszeit schon seit dem Jahre 1330, was auch tariflich festgelegt ist. Nur für Privatarbeiten lRepara- turen) besteht die neunstündige Arbeitszeit; hier kommen aber nur zirka 10 Prozent der Kollegen in Frage; aber auch von diesen arbeiten viele, wenn sie auf Privat neue Oefen zu setzen haben acht Stunden.__ Die Vervandsleitung. Vermischtes. Opfer der Grube. Im luxemburgischen Orte Esch verunglückten bei einem Grubenunglück vier Arbeiter. Wie aus Trier gemeldet wird, sind alltz vier gestorben', Merkwürdiger SchifsSuNsall. Der Schnelldampfer„Kaiser Wilhelm II.", welcher zurzeit im Kaiserhafen zu Bremerhaven liegt und heute wieder abgefertigt werden sollte, erlitt vorgestern abend einen Unfall, indem sich das Schiff beim Kohlenübernehmen Plötz- lich auf die Seite neigte, so daß durch die offenen Kohlenpforten und Seitenfenster Wasser in die Kessel-, Maschinen- und Bunker- räume eindrang und diese füllte. Die übrigen Räume, Kajüten, Wohnräume usw. sind völlig intakt geblieben und es ist in diese kein Wasser eingedrungen. Mit dem Auspumpen des Wassers tvurde sofort begonnen; das Schiff dürfte binnen kurzem wieder leer sein. Der Schaden ist durch laufende Versicherung gedeckt. Die bevorstehende Reise muß wegen der vorzunehmenden Instand- setzungsarbeitcn ausfallen. Nach dem bisherigen Ergebnis der Untersuchung ist der Unfall darauf zurückzuführen, daß der Dam- pfer bei fallendem Wasser an eine unter der Koje liegende Schlick- bank hakte und bei auflaufendem Wasser plötzlich abglitt, wodurch das Schiff sich stark auf die Seite legte und die unteren Räume durch die offenen Kphlenpforten voll Wasser liefen. Zu der von anderer Seite gemeldeten Vermutung, daß es sich bei dem Unfall um einen Racheakt handelt, liegt keinerlei Grund vor, und»>" solcher Racheakt scheint vollständig ausgeschlossen. Ein Eisenbahnunfall. Auf dem Bahnhof Neuenmarkt(Bayern) wurde der 18jährige Bahnarbeiter Beierlein aus Feuln beim Weichenreinigen vom Zuge überfahren und getötet. Eine Feuersbrunst zerstörte in der vergangenen Nacht in Brügge eine große Zigarrcnfabrik, welche an das Museum der schönen Künste anstößt. Die Zigarrcnfabrik brannte völlig nieder. Der Schaden beläuft sich auf 150 000 Frank. Ueber 100 A r b e i t» r sind obdachlos. Das Museum wurde gerettet. Abgestürzt. Aus Innsbruck wird gemeldet, dah am Sonntag ein Herr und eine Dame, die zu den Kurgästen von Jgls gehörten, vom Habicht abstürzten und lebensgefährlich verletzt wurden. Nach Züricher Meldung stürzte vom Toul-Gletscher ein U»- bekannter russischer Tourist ab. Der Tod trat sofort ein. Der Helfershelfer deS Juwelendiebes Lütte, der Schauspieler Fritz Hörschel, hat sich gestern selbst gestellt. Gestern mittag kam ein junger Mann auf das Polizeipräsidium und stellte sich im An- meldezimmer der Kriminalpolizei als der„Komplize des Lütte" vor. Als man ihn zu dem Kommissar, der den Wien-Nürnberger Juwelcnschwindel bearbeitet, führte, trat er diesem mit den Worten entgegen:„Ja, ja, ich bin der Hörschel, der mit Lütte befreundet war!" Er erzählte dann, daß Lütte ihm große Versprechungen gemacht und ihm angegeben habe, wo sie sich treffen wollten; der angebliche Freund, in dessen Auftrag er die Nichte des Wiener Juweliers Herzl hingehalten und dadurch die Verspätung der An- zeige bewirkt hatte, habe ihn aber„versetzt". Lütte hätte ihm von seiner Beute nichts gegeben, und so sei er gezwungen gewesen, von seinen früheren Ersparnissen die Ausgaben zu bestreiten, die ihm seine Verfolgungsreiscn in Frankreich, Belgien und Deutschland verursachten. Nirgends habe er den Schwindler getroffen. Mehr- fach habe er, Hörschel, seine ursprüngliche Tätigkeit als Kellner aufnehmen müssen, um zu weiterem Gelde zu kommen. Schließlich habe er sich gesagt, daß er doch der Verhaftung sich dauernd nicht entziehen könne: und so sei er zu dem Entschluß gekommen, sich selbst zu stellen. Hörschel, der gut gekleidet war und einen neuen, ele- ganten, rindlcdernen Koffer bei sich führte, hatte noch etwa 500 Mark bei sich. lieber Unwctterschädcn wird aus Königsberg unterm 22. Juli berichtet: Nach Rachrichten, die aus der Provinz vorliegen, hat das in den letzten Tagen herrschende Regenwetter und der Nordweststurm an den Sommersaaten, in Gärten und Obstkulturen erheblichen Schaden angerichtet. Infolge der anhaltenden Nieder- schlüge sind Flüsse und Seen stark gestiegen, wodurch besonders in der Gegend am Haff Ueberschwemmungen von Wiesen und Lände- reien verursacht wurden. Die Heuernte in den betroffenen Distrikten ist größtenteils vernichtet. Auch die Kartoffeln haben infolge der Nässe vielfach stark gelitten. Mehrfach wird auch über Hagelschlag berichtet. An der Frischen Nehrung kenterte die schwedische Kuff „Wilhelm", die mit einer Kalkladung nach Pillau bestimmt war. Die Besatzung konnte sich retten. Auf dem Kurischen Haff ist ein Kahn gestrandet. Von den Insassen werden, nach der„Hartungschen Zeitung, drei Personen vermißt, die vermutlich ertrunken shgd. Der Regen hat auch heute fast ununterbrochen angehalten. Bubenstreich. Gestern nacht sind nach einer Meldung aus Küstrin auf dem Güterbahnhof Werbig in verbrecherischer Absicht kurz vor Durchfahrt der Schnellzüge 6 und 13 Schwellen und Jsolierhaken auf die Schienen gelegt. Zug g fuhr auf eine, Zug 13 auf vier Schwellen auf. Verletzt wurde niemand, die Lokomotiven sind leicht beschädigt. Die Züge erlitten jeder 20 Minuten Ver- spätung. Zwei dringend verdächtige Personen, deren Hände kar- bolineumartigen Geruch-Und entsprechende Farbabdrücke aufweisen, wurden mit nächstem Zuge durch den Gusower Gendarmen dem Polizeipräsidium in Verlin zugeführt. Die verunglückten Luftschiffer. Das Lotsenboot„Scebrügge" hat in der Nordseö eitte Leiche aufgefischt, die als die des Lust- schiffers Thannay erkannt worden ist. Thannay war der Begleiter des Luftschiffers Pülkens, dessen Leiche bereits vor 8 Tagen ge- funden worden ist. Beide hatten am 24. Juni von Dünkirchen aus eine Ballonfahrt unternommen; der Ballon war in der Nordsee verunglückt. Untergegangen. San Francisco. 22. Juli. Nach hier eingetroffenen Nach- richten sind der Passagierdampfer Columbia und der Dampfer San Pedro bei Shelter Cove an der kalifornischen Küste zu- sammengestotzen. Die Columbia sank und hundert Personen er- tranken. Der Zusammenstoß erfolgte nachts bei dichtem Nebel. San Pedro, der mit Holz beladen war, spaltete die Columbia, die innerhalb einer Viertelstunde sank. SpelteriniS Alpenfahrt. Sonntag früh MIO Uhr erfolgte, wie ein Telegramm aus Zürich meldet, in Andermatt der Aufstieg SpelteriniS, der zum dritten Male die Fahrt über die Alpen an- tritt. Der Ballon faßt zirka 1700 Kubikmeter und ist mit groß- artigen Apparaten zur photographischen Aufnahme der Landschaft ausgerüstet. Ein besonders konstruierter Kinematograph wird die einzelnen Phasen der interessanten Reise so weit wie möglich im Bilde festhalten. Das Weier war so günstig wie nur denkbar. Ein schwacher Nordwest trieb den Ballon, dem eine große Zuschauer- menge das Abschiedsgcleit gab, sogleich nach dem Aufstieg in der Richtung des Gotthardpasses.> Ein Massrnunglück. Tokio, 22. Juli. �(Meldung des Rcuterschen BureauS.si Am 20. Juli fand in dem Kohlenbergwerke Tohooka in der Provinz Bungo eine Explosion statt. Dem amtlichen Bericht zufolge be- finden sich 471 Bergleute in dem Bergwerke und man befürchtet� daß die meisten von ihnen umgekommen sind. Den Spuren SpelteriniS ist ein Berliner Ballon gefolgt. Ein Telegramm aus Innsbruck meldet: Der Aufstieg des Ballons von dem Verein für Luftschisfahrt in Berlin zur Ilebcrquerung der Alpen ist gestern früh 8 Uhr bei schönem Wetter hier glatt von statten gegangen. Tragisches Ende der Knebelschen JSland-Expebition. Aus Island ist die traurige Kunde ejngetrojfen« daß der Privat-» koMt für Geologie und Paläontologie an der Berliner Universität Dr. Walter v. Lknebel zusammen mit seinem Reisegefährten, dem Kunstmaler M. Rudloff, auf seiner Expedition nach dem Innern Islands verunglückt ist. Sittlichleitsverbrechen in einem Kinberashl. Rom, den 20. Juli.(Eig. 93er.)' In Mailand und Turin erregt die gestern erfolgte Ver- Haftung der Oberin und Vizeoberin eines Mailänder Kinderashls und des dort verkehrenden Priesters Riva großes Aufsehen. Zu dieser Verhaftung ist man geschritten, da festgestellt worden war, daß von den 23 Kindern des Asyls 3 syphilitisch infiziert worden waren. Der Verdacht, die Kleinen, die im Alter von 3 bis 4 Jahren stehen, vergewaltigt zu haben, trifft den Priester Riva und seinen dieser Tage nach Amerika„gereisten" Kollegen Longo. Beide schlössen sich stundenlang mit den Kleinen ein. die der Obhut der Schwestern della Consolata anvertraut worden waren. Der von der Schwester Maria gegründete Orden war übrigens vom Erzbischof der Mailänder Diözöse nicht anerkannt, auch sind die beiden Priester nicht hier inkordiniert. Das Institut, das vom Bettel lebte, ist gerichtlich geschlossen worden Eingegangene Druchfcbriften. Von der„Neuen Zeit«(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben daZ 42. Hest des 25. Jahrgangs erschienen. Inhalt des Hestes: Theater- Publikum.— Der Staatsstreich in Rujjlaiid. Von L. Martofs.— Sieben Jahre preußischer Schulreaktion. Von Heinrich Schulz.— Der vierte Konsumgenosscnschaststag. Von Hcrm. Fleißner.— Literarische Rundschau: Dr. Fanny Jmle, Die Tarisveriräge zwischen Arbeitgebern und Arbeit- nehmern in Deutschland. Von Julius Deutsch.— Bibliographie der gc- samten landwirtschastlichcn Zeitschriftenliteratur. Von ad. br.— Dr. Käthe Kaliskh, Die Hausindustrie in Königsberg i. Pr., mit besonderer Berück- sichtigung der Lage der Arbeiterinnen. Von ad. br. Die,...........' abonniert werben. Das einzelne Hest kostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Von der„Gleichhett", Zeitschrist für die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 15 des 17. Jahr- ganges zugegangen. Inhalt: Ausruf zur Internationalen sozialistischen Frauenkonsercnz zu Stuttgart.— Um das Frauenwahlrecht.— Gegen die Kolonialgrcuel. Von g. g.— Eine sozialistische Enquete über die sofortige Einsührung des Frauenwahlrechts.— Die weibliche Arbeitskrast in der Eisen- und Metallindustrie. HI. Von W. D.— Em amerikanischer sozialistischer Dichter. Von Richard Scheid-Paris.— Aus der Bewegung: Weibliche Delegierte zu dem Internationalen Sozialistenkongreß und der Internationalen sozialistischen Frauenkonserenz zu Stuttgart.— Von der Agitation.— Ein Wort des Dankes.— Politische Rundschau. Von H. B. — Gewerkschaftliche Rundschau.— Notizenteil: Dienstbotensrage.— Frauenstimmrecht.— Frauenarbeit auf dem Gebiete der Industrie, des Handels- und Verkehrswesens.— Sozialistische Frauenbewegung im Auslande.— Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen.— Frauen in liberalen Berufen.— Fürsorge für Mutter und Kind.— Quittung.— Feuilleton: Der Jüngling kommt gegangen. Von Horace Träubel.— Viele Stimmen vereint. Von Horace Träubel. Für unsere Mütter und Hausfrauen: Lied. Von Georg Herwegh.(Gedicht.)— Die EntWickelung der Sprache beim Kinde. Von M. H. Baege.— Sonnenuntergang. Von Gottsried Keller.(Gedicht.)— Etwas vom BlutlreiSIauj. Von Dr. Hope AdamS-Lehmann.— Müßige Neugier. Von dl. H.— Die Mutter als Erzieherin.— Für die Hausfrau. — Wiegenliedchen einer Bergmannssrau. Von H. Salamon.(Gedicht.) Die»Gleichheit« erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Ps., durch die Post bezogen beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf., unter Kreuzband L5 Pf. Jahresabonnement 2.60 M. Vom„Wahren Jacob« ist uns soeben die 15, Nummer des 24. Jahrganges zugegangen. Aus ihrem Inhalt erwähnen wir die beiden farbigen Bilder„Geisterspuk aus dem Schloßplatz« und„Eine Hosgesellschast" sowie die weiteren Illustrationen»Kincmatographische Ausnahmen vom Kili- mandscharo«,»Ein feudaler Sachse«,.Portugal«,„Metzelsuppe«,»Zensur«, »Der Liberalen Saat und Ernte«,„Im Haag«,„Die Kamarilla in Ruß- land«,„Der Sieger im Rennen«,„Im Blöck-Hotel«,»Wie sich der Zar die ReichSduma wünscht«,»Oesterreichische Kapaunen«,»Glaubhast«,„Der Ministerschub« und»Abzug von der Bannmühle« I. Der textliche Teil der Nummer bringt die Gedichte„Das Asrikanergericht»,»DaS sächsische Wahl- gesetz«,„Wiegenlied«,„An den Freisinn I«,»Die Feuerwehr«,„Tösftöfs«, „Der Arbeit Lust und Brot«,„Herr Liebcrt«,»Johann, der muntere Seifen- sieder«, und außer zahlreichen kleineren Beiträgen noch die satirischen tcuilletons ,v. Bclow-Pleitenburg an v. Aruim-Schnodderheim«,„Asrikanus riumphaior«,»Pech«,„Polizeisorgen«,„Aristokraten vor Gericht«,„Der koloniale Ucbcrmensch« sowie die Humoreske»Die Autorität«. Der Preis der 16 Seilen starken Nummer ist 10 Ps. Lorenz' Reiseführer: Heiucck, Der Harz und Kyffhäuser in 12 Tagen. Mit einer guten Karte des Harzes, einer Eisenbalmkarte und 4 Spezialkartcn. Gebunden IM.— Noö, Rhein und Rheinlande von Heidelberg bis Düsseldorf in 15 Tagen. Mit 1 Uebcrsichtskarte und 7 Spezialkartcn. Gebunden 1,50 M.— Grabow, Savoyc» und die Dauphin«;. Ein Führer durch die nördlichen Westalpen und einen großen Teil der französischen Voralpen. Mit 4 Karten. Gebunden 2 M.— RoL, Die Schweiz in 15 Tagen mit Generalabonnement. Mit 7 Karten, einem Originalbcstellschein für ein Generalabomiement und einer Ucber- sichtskarte der Bahnen und Seen, auf welche» Generalabonncmcnts gültig sind. Gebunden 1,50 M.— Noe, Tirol und die angrenzenden Alpen- gebiete von Borarlberg, Salzburg und Salzkamtnergnt, sowie das bayrische Hochland und München in 20 Tagen. Mit 2 Ucbcrsichts- karten und 7 Spezialkarten. Gebunden 2 M.— Führer durch die Bo- gesen und den elsässischen Jura. Mlt 6 Karten, 3 Plänen und 1 Grundriß. Von A. Bnbillottc. Gebunden 1,50 M.— Sämtlich zu beziehen durch dui Reiseführerverlag Fr. P. Lorenz, Freiburg i. Br. WttternngSüberstcht vom 22. Juli 1907, morgens 8»Hr. Slallrncn R— - 3 S S Setter Swinemde erlin Fraiikf.aM München Wien 758W 761 WSW 760 W 762 O 762 ONO 761 NW 3 wolkig 4 wolkig 3 bedeckt 3wolrcnl Lwolkenl 1 wolleul » s c 5- S» H Tc Slalionen == 0 5? 0 Seilet 13 S C* Ä P 1? h a 1 i Haparanda: 755 NNO Petersburg 748 O L-cilly llberdce» Pari- 760 OSO 764 NNW 763 Still I 6 bedeckt 1 bedeckt! 2 halb bd. 2 wolkig| — wollend 14 13 17 12 15 Wetter-Prognose für Dienstag, den 33. Jnli 1907. Vielfach heiter, aber noch kühl und veränderlich bei mäßigen westlichen Winden; keine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. nord- Wnsterstand am 22. Juli vorm. Elbe bei Dresden 49 dp.-> Elbe bei Magdeburg 3,29 Meter.— O d e r bei Ratibor sehlt.—Oder bei Breslau 2,72 Meter.— Oder bei Bricg 4,48 ä'icter.— Neißemündung 3,58 Meter.— Rhein bei Kaub— Meter.— Rheinschlense dei Straß- bürg— Meter. Jfüi de» Inhal» der Jnierate vberniinint die Ncdattio» dem Publik»,» gegenüber keinerlei Verantwortung. Ukearer. Dienstag, den 23. JulftZ Ansang VI, Uhr. Neues kgl. Operntheater. Die schöne Galathse. Vajazzo. Ansang 8 Uhr. Deutsches. Der Jongleur. Sckiitlcr tk. tWalliier-TbenIer.) Die lustigen Weiber von Windsor. Schiller l�i.(Friedrich Wilbctin- städtisches Theater.) Kyritz-Pyritz. Neues Schauspielhaus. Raffles. Kleines. Vater und Sohn. Neues. Ein seltsamer Fall. Komische Oper. Tosca. Weste». Die lustige Witwe. Lnftspielhans. Die Männer. ivernhard Rose. Der große Un- bekannte. Ansang 8*1, Uhr. Nachmittags 41/, Uhr: Ein toller Ehemann. Sie feine Nummer. Die Gauklerin. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Slpollo. Der Hochzeitsgast. Epe- zialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Folies Caprtce. Geisterauto.— ParlZ. Ansang 8'/, Uhr. Ncichshallen. Winter-Tymian. Passage. Spezialitäten. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57/62. Ilrania. Tanbenstrafte 48/49. Die deutsche Ostsecküste. Welt ohne üleiiies Theater. Ansang 8 Uhr. Uliter llild Sohlt. Morgen und folgende Tage: Vater und Sohn. Tüeater des Westens. Abends 8 Uhr: Die Instige Witwe. Operette in 3 Allen v. Franz Lehär. �.usispivSKsus. Anfang 8 Uhr. Die Welt ohne Männer. Helropol Theater Anfang 8 Uhr. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Pround. Musik von Viktor Hollaonder. Dirigent Max Eoth. In Bzeno gesetzt von Direktor Riohnrd Schultz. Rauchen überall gestattet. Ab 8 Uhr; Das groste unübertreffliche komische Programm. U. a.: Jean Paul, Humorist. Jean ClermontS Zirlus-Parodie Bornum u. Beileid. 10 Uhr: Der Clou der Sommersaisou k Havtstetii iit seiner Burleske „Oer HocliTeZtsAsst" als Ortövorstchcr Lehman». keile« MlrnlKe-ligrtell C Uhr: Kouzcrt und Bari«;»«;. Ringkampf. ?>Ä3; 30»o Mk. Meldungen von Sllbcrt Sturm, Achner, Belling, Karbinostct, Tebi«;, bau Dyk usw. usw. Sctiilles-IUi 0. (W a l l n e r- T h e a t e r.) Morwiy-Oper. Dienstag, abends 8 Uhr: Gastspiel der großh. Hosopcrnsängerin Gerlruil Runge v. tzostheater in Weimar Die lustigen Weiber von Windsor. Komisch-Phantastische Oper in 4 Akten von Otto Nicolai. Mittlvoch, abends 8 Ubr Gastspiel Hefnefel» Bötcl: Der Tronbadonr. Donnerstag, abendS8 Uhr: Zum erstenmal: Jessonda. Schiller-Theater H. Friedrieh-Wilhelmstädtlsches Theater. Abends 8 Uhr: KljUWlM. MM iMIM Gr. Franksurterftr. 132. Im Garten, Ans. 41/, Uhr: _ Das erstklassige _J Juli-Programm. Sperrsitz 50 Ps. Eulree 30 Pf. Im Theater abends 8>/, Uhr: Der grelle Unbekannte Sommerpreise. Gebr. Herrnfeld- Theater. 57 Kommaudantenstraße 57, Sonnabend, den 3. August; Wieder- EröfTnung. Premiere v°n Operetten-Burleske von Anton u. Donat Herrnseld. Musik v. L. Jtal. Dazu die Scparee-Afsäre Bs lebe das Ulebeii! W. Noacks Theater. Direktion: Hob. Dill. Bruiiiienstr. 16. Täglich großer Erfolg I g'/.uhr- Die Reezttlbnrger oder: Ei» Stück Alt-Bcrlin. DonncrStpg, den 27. Juli: Benefiz für die Hauslapelle: Ein treues Menschenherz. Bei schlechtem Wetter: Vorst, im Saal. Fröbels Allerlei-Theater früh. Pnhlman», Schönh. Allee 143. Aeltestes VollStheater Berlins. DSO« Heute sowie täglich:'4Kt Grofteö Konzert, Theater und Spczialitüteu-Borstellung. 30 durchweg crsiklass. Kuustkräste 30 Schlager auf Schlager! Ferner: Nur noch kurze Zeit: GroflGtaiU-ianber. Im Saale: Täglich Ball. Ansang 4'/. Uhr. Euttee 30 Ps. Am 25. Juli: Bcnesiz für den Kapellmeister Sommerfeld. Achtnug!«MG Sonnabend, den 27. d. 3)1.: Gr. Sommcr- »achtsfest! Alle ausgegebenen Ehr, und Freikarten haben Gültigkeit. ren- Sanssouci, S,8" Direktion Wilhelm Reimer. Der Garte» ist geöffnet. Sonntag, Montag, Donnerstag: HolTnianns «. Tnnzkrttiizchen. Stets bochintcressantes Programm. Sonniag Beginn 5, wochent. 3 Uhr I Täglich ab nachm. 5 Uhr: Großes Militär-Doppel-Konzert. Eintritt 1 Mk., von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Passage-Theater. Jeden Abend 8 Uhr: Der große Yerwandlungsküitstler Artaro Bernardi. Berlins scbickste Soubrette Ida Perry 14 Vari6tb-Sensationen 14 )Vcue QMt Hasenheide 108-114. Täglich: Gr. Doppel-Konzert Zum Schluß: Diedel Dau. Große BurleSk-Pantomime, für die Neue Welt bearbeitet und t in Szene gesetzt von Kurt Ellis. Ansang 5 Uhr. Entree zum Konzertgarten 10 Ps. ,. Theatergarten 25 Pf. Am KQstrinerplatz, RDdersdorferstr. 71 Hermann Imbs. Täglich: Großes Konzert, Theater- und Speziatitäten- Vorstellusg. Urania. fWissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Die deutsche Ost= seeküste. j MaxKitems j Scliweizergarten Sommer Theater Hasenheide 13/15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglieb: Gr. teert, Theater 1 Jeden Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste. I Jeden Donnerstag: Elite-Xag.> Die Kaffeeküche ist täglich von! 2 Uhr ab geöffnet. Volksgarten-TWefT Bad-Behmstraße— Bahnhof Gesundbrunnen— BellermannstraOe. Der rechte Weg. Original- Volksstück mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von W. Gericke. Hierzu: ——— Das neue— ßieseD- Spezialitäten-PropiniD. Volksbelustigungen. Brunnen-Theater Badstraße 58. Direkt.: Bernh. Rose. Täglich: Mit großem Erfolge: Carmen. Das erstkl. Spezialitäten- Progr. The 3 Miltons. P. Vendaro. Roberts Comp. Neitzel-Luri-Trio. Gebr. Damm, kam. Akrobaten. Artur Wollf, Ningkamps-Parodift. Kasseneröfsnung 2 Uhr. Ans. i'/, Uhr. Montag, 5. August: Benefiz für den Obcrrcgisseur Heinrich Richter. Relchshallen-Thealer. Gastspiel des berühmten Winter- Tymian mit seiner Herren» gesell, chast. Zlnfaiig 8 Uhr. l. Aug.: Wieder- ? beginn der Soireen der Stett. Sänger. Hiez* Spezialitäten-Theater. •n»«# Landsberger Allee 76—79. Direkt a. b. Ringbahnstalion. Bequemste Fahrgelegenheit n. allen Stadtricht. Ob sehUn! Täglich im herrl. Garten oder gr. Saal: Ob Rogen k The Keros phänomenale gymnastische Neuheit I Ohne jede Konkurrenz. Maniie Pauli Trio. Heinz Hener der fiel. Nekrutcndarst. ist wieder da I Seiii Feldern die Brill. Vortragskünstlerin prolong. und das voiioiandig neue brillante Juli-Programm, Ans. 3 Uhr. Kaffeeküche. Volksbeluftig. aller Art. Entrce 20 Ps., Sonnt. 30 Ps. Paul Ohlfllos SeimeriTlÄ techsvcdtcvstr. 33 21. Jeden Dienstag im herrlichen schattigen Natnrgarten: Kr. hamorist. Solree eÄ« Korddeutschen Sänger. Alles muH lachen! Ä Stets wechselndes Programm. Entrce 10 Pf.® Reserviert 30 Pf. 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Ranges. Austreten der Löwenbrant Tllly Beb«; mit ihren drcss. Löwen. Konzert nn«l Bali. _ Ansang 4'/, Uhr. Otto Pritzkow HUnzstraßo 16. ffelt-HusstelliiDis- Biograph- es«.>.-uw Theater lebender Photographien, Täglich Eingang von — Neuheiten.— Den ganzen Tag Vorstellung. Sofastoffe Riesenauswahl aller Qualitätun. Wolle- Dncfof Rocquetts. PiDsch l»v«lC. Satteltaschen. Master b. näh. Angabe franko. Emil Lefövre, c£Äi. ISA. Olga Jacobson, Preis©• beliebige Teil, zahlung. Invaliden- atraOe 145. Wirtschaftsproblem gelöst! Vepfehlfe Spekulationen «n den nationalen und Internationalen Produkten- und EffektenbSraea führen unfehlbar zu schweren Wtrtschaftskatastrophon. Ein Verlast von mindestens 80 Prozent am Nstlonalvermören auf der einen, Lebens- mlttelprelsesteigerungen von durchschnittlich 200 Prozent auf der anderen Seite ist die natürliche Folge. Mit diesen Ereignissen muss heute gerechnet werden, weil die falschen Spekulationen(Börsenspielc) nicht aus der Welt geschafft werden können, ohne Anwendung von Gewaltmitteln und die Anwendung solcher Mittel führt selbstverständlich zu Katastrophen. Diejenigen Faktoren machen sich also eines Verbrechens an der menschlichen Gesellschaft schuldig, die ein falsches Wirtschaftssystem begünstigen, die bewusst oder unbewusst durch Verbreitung unrichtiger Ansichten und Meinungen die verkehrten Spekulationen an den Produkten- und EJTektenbttrsen unterstützen, die durch Erteilung von falschen Ratschlägen direkt oder Indirekt beitragen, einen Lebensmittelmangel, eine Hungersnot herbeizuführen, wodurch gefährliche Volksaufstände heraufbeschworen werden. Die Wirkungen und die Uebertragung der an den Börsen eich mechanisch abwickelnden Vorgänge auf das ganze Wirtschaftsgebiet können durch ein energisches, geschicktes Eingreifen bedeutend abgeschwächt werden und hiezu ist in erster Linie die Presse berufen. Von ihr hängt es also ob, die aus den genannten Ursachen mit absoluter Sicherheit hervorgehenden wirtschaftlichen Katastrophen zu ver» grOssern oder zu verringern. Aufzuhalten sind sie Jetzt nicht mehr, weil die Spekulationen schon zu grossen Umfang angenommen haben und weil die Presse viel zu spät eingreift. Je länger aber die Presse noch zuwartet, desto mehr nehmen die Spekulationen überhand, desto gefährlicher wird die Lage» desto schlimmer die Katastrophen. Wer sich für diese äusserst gefährlichen Vorgänge interessiert, wer die Mittel und Wege kennen lernen will um schwere Katastrophen von Deutschland abwenden zu können— dies sollte bei Jedem vorausgesetzt werden, der ein Menschenfreund ist, der noch einen Funken von Vaterlandsliebe besitzt— verlange, studiere und empfehle die Broschüre Proestlcr: Das Wirtschaftsbild der Gcgonwart und der Znkwnft. Je mehr sie Verbreitung findet, je mehr der Inhalt erfasst, je mehr die Tragwelte dieser Arbelt erkannt wird, je mehr die darin enthaltenen Ratschläge befolgt werden, desto geringer werden die wirtschaftlichen Katastrophen. Die Broschüre hat also grosses Interesse für Jedermann, für die ganze gesittete Welt. Sie ist zu beziehen durch alle Buchhandlungen(Kommissionär: Otto Weber, Leipzig). Broschüre A, vollständige Ausgabe, M. 2.—, B. Teil- und Volksausgabe, 60 Pfg. Gegen Einsendung von M. 2.10, bezw. 65 Pfg. für das Inland, M. 2.20, bezw. 70 Pfg. für das Ausland, werden die Broschüren portofrei vom Verfasser Kaufmann Michael Proestlcr in Würzburg versandt, wenn in Buchhandlungen nicht erhältlich. Man verlange ebendaselbst Flugschriften und Prospekte. BeißiUworU. Redakteur: Carl Wermnth. Bcrlin-Rirdorf. Ur den Jnleratenteil Vcrantw.: Tjf. Glocke, Berlin. Druck u.Vcrlaq:VorwärtsBuchdruckerei u, Berlagsanjtglt Paul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 169. 24. Jahrgang. 2. f cilagt Ks Joniiiirts" Knlmr Msblitt. WMag, 23. Inli 1907. für die Stadtverordnetenwaülen in Cbarlottenbnrg find die Wähler der dritten Klasse in acht Bezirke eingeteilt, von denen jeder alle zwei Jahre einen Stadtverordneten auf 6 Jahre wählt. Jeder Wahlbezirk der dritten Klasse ist durch drei Stadt- verordnete im Stadtparlament vertreten. In Berlin dagegen zählt die dritte Wählerklasse ebensoviel Wahlbezirke wie Stadtverord- nete, jeder Wahlbezirk zählt nur einen Vertreter. Während also in Berlin der einzelne Bezirk nur jedes 6. Jahr zu wählen hat, werden in Charlottenburg die Wähler jedes Bezirks alle zwei Jahre an die Wahlurne gerufen. Infolgedessen ist ein Vergleich zwischen den Wahlergebnissen der einzelnen Jahre leicht möglich. Die Wahlen seit 1301, wo zum ersten Mal unter der neuen Be- zirkseinteilung gewählt wurde, bieten folgendes Bild: 1301 Hauptwahl Sozialdemokrat Gegner 1. 2. S. 4. 5. 6. 7. 8. Bezirk 679 679 750 722 935 523 481 125 741 481 438 584 710 628 534 812 Stichwahl Sozialdemokrat Gegner 784 939 690 534 59, 573 Zusammen 4794 5043 1903 Stichwahl Sozialdemokrat Gegner 520 »öS Hauptwahl Aus dieser Zusammenstellung ergibt sich zunächst, daß die sozialdemokratischen Stimmen fortgesetzt gestiegen sind, von 4794 auf 5027 und auf 6424. Dagegen hat die Zahl ihrer Mandate nicht in gleichem Matze Schritt gehalten. Im. Jahre 1901 eroberte die Sozialdemokratie 4 Bezirke, im Jahre 1903 waren es 6, und bei den letzten Wahlen nur 3. Worauf ist das zurückzuführen? Ein mal auf die größeren Anstrengungen der Gegner, deren Stimmen von 1903 auf 1905 um 2351 gestiegen sind, während die Sozial- demokratie nur eine Zunahme von 1397 Stimmen zu verzeichnen hatte. Sodann aber auch darauf, daß die Genossen nicht in allen Bezirken vollzählig zur Wahl angetreten sind. Im 6. Be zirk z. B. hatten wir im Jahre 1905 bei der Hauptwahl 668 Stimmen erhalten, in der Stichwahl dagegen 786. Hätten alle diese 786 Wähler bereits bei der Hauptwahl ihre Pflicht erfüllt, dann hätten wir gesiegt, da die Gegner es nur auf 746 Stimmen gebracht hatten. In der Stichwahl dagegen gelang es den Gegnern, noch 300 Wähler an die Wahlurne zu schleppen, so daß sie mit grotzer Mehrheit siegten. Aehnlich war es im 7. Bezirk. Hier wurden für den sozialdemokratischen Kandidaten 112 Stimmen mehr in der Stichwahl abgegeben als in der Hauptwahl. Hätten wir diese Stimmen schon in der Hauptwahl gehabt, so hätten wir mit 40 Stimmen Mehrheit den Sieg davongetragen. D i e E r fahrung lehrt, daß wir in Charlottenburg in den Stichwahlen noch niemals ein Mandat errungen haben; die Gegner schließen sich dann stets, mögen sie sich auch vorher scharf befehdet haben, zum Kampfe gegen die Sozialdemo- kratie zusammen, und diesem gemeinsamen Ansturm haben wir bisher noch nie zu widerstehen vermocht. Die Statistik lehrt aber auch, daß es falsch ist, zu glauben, die Sozialdemokratie erscheine bei der Hauptwahl bis auf den letzten Mann, um ihrer Wahlpflicht zu genügen. Wir wünschten, es wäre so, aber leider ist das nicht der Fall. Noch gibt es Tausende von Arbeitern, die teils aus Verständnislosigkeit für die Forderungen ihrer Klasse, teils aus Lauheit, weil sie glauben, daß es auf ihre Stimme nicht ankommt, der Wahl fern bleiben. Wie sehr es auf jede einzelne Stimme ankommt, zeigt das Wahlrcsultat im 6. Be- zirk, wo wir im Jahre 1903 nur 2 Stimmen mehr hatten, als die Gegner zusammen. Mit dieser Gleichgültigkeit muß endlich ein mal gebrochen werden. Nur dann, wenn jeder Arbeiter seine Pflicht tut, wenn die Indifferenten aufgeklärt und aus ihrem Schlaf aufgerüttelt werden, wird die Charlottenburger Sozialdemo- kratie die Schlappe von 1905 wieder wettmachen können. Partei- Angelegenheiten. Zweiter Wahlkreis. Am Sonntag, den 28. Juli, veranstalten die Genossen des Südens einen Familicn-Ausflug nach Grünau. Abfahrt vom Görlitzer Bahnhof, früh 8 Uhr 35 Minute� Alle Genossen nebst Angehörigen ladet freundlichst ein Das Komitee. Das verregnete Sommerfest des Sparvereins„Süd" findet am Sonnabend, den 3. August, bei Dindas statt. Die gelösten Programme behalten ihre Gültigkeit. Zossen. Am Mittwoch, den 24. d. M., abends 8s4 Uhr, findet im Lokale des Herrn Schimke die Wahlvercinsversammlung statt. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. Um zahlreichen Besuch ersucht Der Vorstand. Boxhagen- Nummelsburg. Heute, Dienstag, den 23. d. M., abends 8� Uhr, findet im Lokale der Witwe Weigel, Türrschmidt- straße 45, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tages- ordnung: 1. Die Sozialdemokratie im Kampfe gegen die Reaktion. Referent: Reichstagsabgeordncter Genosse Stücklen. 2. Bericht� des Kassierers. 3. Vereinsangelegcnheitcn. Die Mitglieder werden dringend ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. Nieder-Schöneweide. Die Generalversammlung des Wahl- »ereins findet heute abend 8Vi Uhr bei Fischer, Berlinerstraße, ggtt. Zahlreiches Erscheinen erwarb Der Vorstgiid._ ßcrlmer JHacbncbtcn. „Edeldenkeude Menschenfreunde." Die„vermischte" Rubrik in den Inseraten gewisser Tages zeitungen ist von jeher eine Fundgrube für Menschenkenner gewesen, umgekehrt eine Falltür für allzu leichtgläubige Seelen Wenn man die eine Hälfte dieser Rubrik für Mumpitz und die andere für Schwindel hält, dann stimmt die Rechnung so ziemlich. Hier laden ungezählte dunkle Existenzen, die im Trüben fischen wollen, ihren Schutt ab. Kürzlich brachte die „Tante Voß" eine solche Annonce, in der weiter nichts als ein— Klavier für einen angeblich genieinnützigen Zweck er- bettelt wurde. Mit Kleinigkeiten halten sich solche bescheidenen Leute nun mal nicht auf. Das Inserat war bei einem Spediteur aufgegeben und wurde ohne jede weitere Prüfung aufgenonimen. Da kann also schließlich jeder irgend einen Wohltätigkeitsrummel vorschieben und mit geringer Mühe sein Schäfchen ins Trockene bringen. So standen seinerzeit in anderen Blättern aktuelle Inserate, in denen von ganz un bekannten Privatpersonen wohltätige Spenden für die Ab gebrannten in San Francisco und ferner für die russischen Juden erbettelt wurden. Wir haben alle Ursache zu der Annahme, daß weder die Abgebrannten noch die Juden einen Pfennig davon zu sehen bekamen. Manche Blätter sind ja in der Aufnahme solcher Inserate sehr vorsichtig, andere ebenso leichtfertig. Da durch wird dem Schwindel Tor und Tür geöffnet. Der Appell, recht kräftig in die Tasche zu greifen, ist fast stets an„edel denkende Menschenfreunde" gerichtet. So etwas kitzelt, wie die großzügig arbeitenden Professionsbettlcr sehr wohl wissen. Hundert geben auf solchen Anwurf hin, ohne lange zu prüfen, und sonnen sich in dem Gefühl, nun mit zu den„Edeldenken- den" zu gehören. Aber nicht ausschließlich an die Leichl gläubigkeit wird in solchen Inseraten appelliert. Sehr oft gehen sie von weiblichen Personen aus, die auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege Herrcnbekanntschaften zu unlauteren Zwecken anknüpfen wollen. Wer sich die Zeit nimmt, derartige Inserate zu beantworten, also scheinbar auf den Leim zu gehen, wird sicher zu dem Ergebnis komnien, daß mindestens die Hälfte der armen Bittsteller aus jungen Mädchen und alleinstehenden, das heißt geschiedenen oder getrennt lebenden Frauen besteht. Selbstverständlich wollen sie Geld haben, möglichst viel Geld, aber sie bieten dafür auch eine Gegenleistung, die meist schon zwischen den Zeilen zu lesen ist. Wenn beispielsweise eine junge, hübsche Witwe von einem cdeldenkenden älteren Herrn ein Darlehn erbittet, so weiß doch jeder, der nicht auf den Hinterkopf gefallen ist, was die Glocke geschlagen hat. In vielen Fällen bedeuten also derartige Bettelannoncen weiter nichts als eine Verschleierung der geheimen Prostitution. Sie sind daher genau so zu be- urteilen und zu behandeln, wie etwa die Ankündigungen gewisser Masseusen, Maniküren und verwandter„Berufs- genossinnen"�_ Einen guten Verlauf nahmen die Sommerfeste, die am Sonnabend und Sonntag die Parteigenossen des 5., 6. und des Teltower Kreises veranstaltet hatten. Der 5. Kreis hatte sich den Sonnabend gewählt und war im„Schweizergarten" beisammen. Er hatte es gut getroffen. Als das Fest begann, hatte sich der Himmel so gelichtet, daß die Festteil- nehmer in Kolonnen zum herrlichen„Schwcizergarten" pilgerten und durch das gebotene reichhaltige Programm bis zum Schluß festgehalten wurden. Wenn die„vom fünften" aber glaubten, mit dem Wetter es allein gut getroffen zu haben, nachdem am letzten Sonntag verschiedene Sommerfeste durch die Witterung erheblich beeinträchtigt wurden, so hatten sie sich geirrt. Die Veranstaltungen der Genossen„vom sechsten" und die von Teltow-Beeskow, die am Tage darauf ihre Feste vom Sonntag fortsetzten, waren nicht weniger vom schönen Wetter begünstigt. Es war dies zwar kein Wunder, denn wir hatten in unserer Sonntagsnummer ausdrück- lich dieses Wetter ganz kategorisch verlangt. Infolgedessen ent- wickelte sich in der sechsten und siebenten Abendstunde in Hassel- Werder, dem Festlokal der Teltower Genossen, wie im Moabiter Schützenhaus ein lebhaftes Leben und Treiben. Für alle Festteil- nehmer war gesorgt, für Groß und Klein. Zu einem guten Konzert gesellte sich ein guter Arbeitergesang. Radfahrer fuhren auf ihren prächtig ausgeputzten Rädern einen tadellos ausge- führten Reigen und Turner und Arbeiterathleten vervollständigten aufs angenehmste das Programm. Auch der kleinen Gesellschaft, die auf einem Proletarierfeste immer recht zahlreich ist, war ge- dacht. Die Kasperlebude war ständig belagert und nicht zu ver- gessen die Schaukel; hatte doch jedes Kind einen Bon zur Schaukel und einen zur Entnahme einer Stocklaterne erhalten. In dem großen Menschenmeere, das beispielsweise im Moabiter Schützen- hause in den Abendstunden hin und her wogte, passierte es öfter, daß manches Kind— in einigen Fällen waren schon recht große dazwischen— die Eltern verloren. Dann wurden sie— heulend — auf die Bühne gestellt und ausgeblasen; und bald waren sie ihren Eltern wiedergegeben. Beängstigend war es eigentlich nur im Tanzsaale. Wo so viele Menschen beisammen sind, finden sich auch zahlreiche darunter, die das Tanzbein schwingen wollen, aber ein Saal langt da nicht zu; im Saal war es manchmal nicht„mehr schön". So weit uns bekannt, ist alles gut verlaufen. Ilnglticksfälle erheblicher Natur sind nicht vorgekommen. Als der Abend herein- brach und die Teilnehmer ihren heimatlichen Penaten zustrebten, machte es ordentlich einen netten Eindruck, die Kinder mit ihren roten Stocklaternen weithin leuchten zu sehen und manches Kind sagte zu den Eltern: Das nächste Mal gehen wir doch wieder! Die Hochbahngesellschaft beabsichtigt zur Vorbereitung des Baues der Teilstrecke Spittelmarkt— Alexanderplatz— Schönhauser Allee alsbald die Seitenmauern und die Tunneldecke der Strecke zwischen der nördlichen Bauflucht der Hirtenstratze und der süd- lichen Bauflucht der Lothringerstraße herzustellen, um das spätere Wiederaufreitzen der Fahrdämme in dem neu zu' bebauenden „Scheunenviertel" zu vermeiden. Es handelt sich dabei um eine Tunnelstrecke von etwa 600 Meter Länge, einschließlich der Halte- stelle„Schönhauser Tor", welche diesseits der Lothringerstraße, etwa an der Linienstraße, geplant ist. Die Pläne für diese Teil- trecke im Herzen des„Scheunenviertels" sind von den Aufsichts- behörden bereits genehmigt worden. Voraussichtlich wird der Bau noch im Laufe dieses Herbstes in Angriff genommen Iverden. Verlegung von Straßenbahnlinien. Die beiden wichtigen Straßenbahnlinien 6 und 9, von Moabit nach dem Küstriner Platz und dem Schlesischen Bahnhof, mußten, wie berichtet, wegen des Baues der Untergrundbahn vom Leipziger Platz nach dem Spittel- markt verlegt werden. Die beiden Linien konnten nicht mehr über die Nordseite des Leipziger Platzes geführt werden, sondern machten den Umweg durch die Königgrätzer-, Prinz Albrecht- und Zimmerstratze usw. Die Arbeiten für den Anschluß der Unter- grundbahn vom Leipziger Platz an die Strecke unter dem Häuser- block zwischen der Leipziger- und Voßstraße sind so weit gefördert, daß die beioen Linien von heute an wieder ihren planmäßigen Weg von der Königgrätzerstraße über den Leipziger Platz und durch die ganze Leipzigerstpaße nehmen könne». Die neue Grundsteuerordnung der Stadtgemeinde Berlin tritt mit dem 1. April 1908 in Kraft, bis dahin hat die alte, wonach der Nutzungswert der Besteuerung der städtischen Grund- stücke zu Grunde gelegt ist, noch Kraft. Bei der neuen Steuer- ordnung tritt an Stelle des Nutzungswertes der gemeine Wert der Grundstücke. Vom nächsten Jahre ab sind danach auch Bauplätze, Ziergärten und andere Grundstücke, die bisher nur sehr geringen oder gar keinen Nutzungswert hatten und deshalb von der Grund- steuer befreit waren, zu dieser Steuer heranzuziehen. Jeder nicht in Berlin wohnende Eigentümer hat der städtischen Steuerdepu- tation einen hier wohnenden Stellvertreter für die seinen Grund- besitz betreffenden Angelegenheiten schriftlich zu bezeichnen. Diese neue Steuerordnung wird, da die Grundsteuer kontingentiert ist, einen Ausgleich in der Besteuerung der Grundstücke schaffen. Die großen Grundstücke im Westen, besonders die am Tiergarten mit ihren ausgedehnten Gärten, die einen hohen Wert repräsentieren, werden in Zukunft höher und Grundstücke mit vielen kleinen Wohnungen im Norden und Osten, die keinen so hohen Wert haben, niedriger besteuert werden. Die Feststellung des gemeinen Werts erfolgt für jedes Steuerjahr durch den aus Mitgliedern der Steuer- deputation gebildeten Steuerausschuß für Realsteuern, erforder- lichenfalls nach Anhörung von Sachverständigen. Einsprüche gegen die Veranlagung müssen innerhalb einer Frist von vier Wochen seit der Benachrichtigung beim Magistrat schriftlich oder zu Pro- tokoll angebracht werden. Diese Grundsteuer wird in Viertel- jahresraten erhoben. Beim Eigentumswechsel haftet außer dem neuen der bisherige Eigentümer bis zum Ablauf des Vierteljahres, in welchem der Eigentumswechsel stattgefunden hat, außerdem ist natürlich auch das Grundstück dinglich verhaftet. Beim Bau der Untergrundbahn verschüttet. Ein schwerer Unglücksfall, bei dem ein Arbeiter lebensgefährlich und ein zweiter leicht verletzt wurde, hat sich am Sonnabend abend bei dem Bau der Untergrundbahn am Leipzigerplatz zugetragen. Auf einem schwebenden Schienenstrang standen vier mit ausgeschachtetem Sand beladene Loren. Durch Nachgeben der Sandmassen an den Enden der Schienen kamen die letzteren plötzlich ins Schwanken und stürzten in sich zusammen. Die Loren stürzten mit in die Tiefe und zwei Arbeiter wurden durch die zusammenbrechenden Trümmer und Sandmassen verschüttet. Einer der Verunglückten, der 35 Jahre alte Arbeiter Michael Jonat, Ackerstr. 130 wohnhaft, wurde schwerverletzt wieder hervorgezogen. Der Bedauerns- werte hatte mehrere Rippenbrüche sowie innere Verletzungen er- litten und mutzte nach dem Krankenhaus Moabit transportiert werden. Der andere Verunglückte war mit äußeren Verletzungen davongekommen und konnte nach Anlegung von Notverbänden auf der Unfallstation seiner Wohnung zugeführt werden. Dreißigtausend Krebse in der Havel ausgesetzt. 30 000 schwedische Krebse wurden jetzt auf Veranlassung des Fischerei- Vereins zur Hebung der Fischzucht im Regierungsbezirk Potsdam durch Brandenburger Fischer in der Ober- und Unterhavel ausge- setzt. Es soll von neuem der Versuch gemacht werden, die Havel, die noch vor 25 Jahren zu den reichsten Krebsfangplätzen gehörte, wieder mehr als bisher mit den begehrten Krustentieren zu be- Völkern. Die in früheren Jahren ausgesetzten Krebse gingen durch die Krebspejt wieder ein. Ein Wahnsinniger im Dom. Der Gottesdienst im Dom wurde am Sonntag von einem Geisteskranken unterbrochen. Während der Predigt am Vormittag störte der 55 Jahre alte amerikanische Staatsangehörige Maschinist Henry Nordhorst aus Molin, ein ge- borener Kieler, die Andacht durch laute Zwischenrufe und Zitieren von Bibelsprüchen, wie: Tut Buße, denn das Himmelreich ist naho herbeigekommen! und andere. Dombeamte führten den Kranken hinaus und ließen ihn nach der nächsten Wache bringen, wo der Kreisarzt bei dem Unglücklichen religiösen Wahnsinn konstatierte. N. wurde als gemeingefährlich geisteskrank der Irrenanstalt Dall- darf überwiesen. Folgen des BarfnßlaufenS. In eigenartiger Weise hat der 12jährige Sohn Karl des Privatbeamten Becker aus Verlin seinen Tod gefunden. Der Knabe befand sich während der Ferienzeit bei Verwandten in Potsdam und war mit anderen Knaben nach Kaputh gegangen, woselbst die Kinder sich ihres Schuhzeuges ent- ledigten und barfuß umherliefen. Hier trat sich der kleine B. einen Glassplitter in die Fußsohle, den er mit Leichtigkeit ent- fernte, ohne die Verletzung weiter zu beachten. Obwohl sich bald darauf Schmerzen einstellten und das Bein anschwoll, verHeim- lichte der Knabe seinen Verwandten gegenüber den Unfall, bis die Schmerzen unerträglich wurden. Ein nunmehr hinzuge- rufener Arzt stellte eine weit vorgeschrittene Blutvergiftnng fest, welcher der Knabe, da eine Amputation nicht mehr vorgenommen werden konnte, nach kurzer Zeit erlag. Staatsanwalt und Jugendorganisation. Gegen den Vorsitzenden der Vereinigung der freien Jugendorganisationen ist seitens der Staatsanwaltschaft die Anklage wegen Aufreizung zu Ge- Walttätigkeiten erhoben worden. Die Straftat soll Max Peters durch Herausgabe des bekannten Liederbuches„Lieder für die arbeitende Jugend", dessen Beschlagnahme vom Amtsgericht Berlin-Mitte bereits angeordnet ist, begangen haben durch die Lieder:„Die Arbeitsmänner" von Joh. Most,„Gesang der Jungen" von Otto K r i I l e,„Ruf" von Karl R i e ck,„Auf der Landpartie" von Max Kegel und„Gelöbnis" von Karl R i e ck. Diese Lieder sind sämtlich in den verschiedensten Druckwerken seit Jahren ver- öffentlicht, ohne den Staatsanwalt zur Verfolgung des Heraus- gebers Veranlassung gegeben zu haben. Staatsgefährlich wurden die Lieder also erst, als die Jugendorganisation sie herausgab. Mit den unglaublichen Schikanen seitens der Behörden wird sich am nächsten Sonntag, nachmittags 2 Uhr, die Generalversamm- lung des Vereins im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, beschäftigen. Max Peters wird referieren über„Polizei, Staats- an Waltschaft und Jugendorganisation". Ein folgenschwerer Straßeiibahn-Zusnuimenstoß, bei welchem mehrere Personen leicht und schwer verletzt wurden, und sich in ärztliche Behandlung begeben mußten, erfolgte gestern vormittag 11 Uhr am Kottbuser Tor. Eine Frau mußte die Unfallstation Adalbertstraße 10 aufsuchen, da aus Mund und Nase das Blut her- vorquoll. Ferner ist ein Herr aus Halle a. S. an der Hand ver- letzt worden. Der Unfall geschah infolge Versagens der Bremse eines Wagens der Linie 58, wodurch dieser in den Anhängewagen eines Zuges der Linie 47 hineinfuhr und denselben derartig demo- lierte, daß er außer Betrieb gesetzt werden mußte. Selbstmordversuch auf offener Straße. Angesichts zahlreicher Passanten versuchte sich Sonntag mittag in der Reinickendorfer- straße ein Lebensmüder zu erschießen. Der 23 Jahre alte Kupfer- schmied August Sch. aus der Wiesenstr. 27 war längere Zeit in Rußland gewesen und erst kürzlich wieder nach Berlin zurückgc- kehrt. Hier wurde er dann vom Schicksal schwer heimgesucht und bald wußte er sich keinen anderen Ausweg mehr, als sich das Leben zu nehmen. Vor dem Hause Reinickendorferstr. 37 jagte er sich gestern eine Revolverkugel in die Brust und brach leblos zusammen. In hoffnungslosem Zustand fand Sch. im Kranken- haus Moabit Aufnahme. Ein schweres Verbrechen ist Sonntag nachmittag in der Koloniestraße verübt worden. Während die in der Kolonicstr. 105 wohnhafte Frau K. einen Ausgang besorgte, drang ein junger Meivstf) in die MHyuvg und. fiel über die löjährige Tochter der K. her. Der Unmensch beging an der Kleinen ein schweres Sittlichkeitsverbrechen und versuchte sie, als sie sich zur Wehr setzte, zu würgen. Als auf die Hülferufe des Mädchens Nachbarn hinzueilten, ergriff der Täter die Flucht. Der Raubmörder der SZjährigen Wirtschafterin Plath ist noch nicht gefaßt. Wohl sind schon eine Anzahl Personen in Haft ge- nommen worden, mutzten aber, da sich ihre Unschuld herausstellte, wieder freigelassen werden. Die Bluttat eines geisteskranken Baters gegen seinen Sohn rief in der Nacht zum Sonntag in der Brunnenstratze großes Aufsehen hervor. Gegen Mitternacht war der 20 Jahre alte Tischlergeselle Fritz Hartwig nach der in der Brunnenstr. 85 be- Icgenen elterlichen Wohnung zurückgekehrt. Der Vater war bei der Ankunft des Sohnes noch wach. Als der junge H. im Wohn- zimmer die Stiefel ausziehen wollte, wurde der Vater hierüber erregt und er befahl dem Sohne, nach der Küche zu gehen und dort die Stiefel auszuziehen. H. tat dies auch. Kurz darauf kehrte er wieder nach dem Zimmer zurück und meinte, er hätte die Stiefel auch ebenso gut in der Wohnstube ausziehen können. Die Erregung des alten Mannes wurde durch diese Aeutzerung noch mehr gesteigert. Er rief seinem Sohne zu:..Was, Du willst auch noch eine große Schnauze riskieren!" ergriff sodann ein Messer und fiel, während der Sohn ihm den Rücken kehrte, über den Ahnungslosen her und stach wütend auf ihn ein. Von fünf tiefen Messerstichen getroffen brach der junge Mann zusammen. Die Stiche waren ihm in den oberen Teil des Rückens und in den Hals eingedrungen. Der alte H. ließ nun seinen Sohn liegen und ging, als wenn nichts vorgefallen sei, nach dem Schlafzimmer. Ein heimkehrender Schlafbursche fand den Gestochenen später in seinem Blute schwimmend auf dem Fußboden vor. Er benach- richtigte den Vater und fragte ihn, was vorgefallen sei. Durch die Angehörigen wurde der Schwerverletzte nach der Unfallstation gebracht, wo er die ersten Notverbände erhielt. Es steht zu hoffen, den jungen Menschen am Leben zu erhalten. Der Bater wurde. da sich Erscheinungen von Geistesstörung bei ihm zeigten, nach der Irrenanstalt in Dalldorf gebracht. Ei« Motorboot gesunken. Auf dem Müggelsee hat sich am Sonntag ein seltener Unfall ereignet. Drei Mitglieder des Uacht- klubs„Müggelsee" hatten auf dem Motorboot„Elektra" eine Aus- fahrt auf dem See unternommen. In der Nähe der großen Dampferlandungsbrücke wurde das Fahrzeug plötzlich von einer mächtigen Sturzwelle erfaßt und zum Kentern gebracht. Es sank so schnell unter, daß die drei Insassen schleunigst von Bord in den See springen mußten. Da sie alle drei vorzügliche Schwimmer waren, so konnten sie sich selbst in Sicherheit bringen. Einer der Gefährdeten, der noch im letzten Augenblick ein auf dem sinkenden Motorboot liegendes Gewehr retten wollte, wäre beinahe mit in den Strudel hineingerissen worden. Das gesunkene Fahrzeug tonnte noch nicht gehoben werden. Ein schweres Unglück hat Sonnabend abend gegen 7 Uhr eine Drachenschnur angerichtek. Der Sohn eines in der Weißen- burgerstr. 43 wohnenden Herrn Liemann benutzte zum Steigen seines Drachens eine rote, mit einem dünnen Messingfaden durch- wirkte Drachenschnur. Diese Schnur verwickelte sich in einen Draht der elektrischen Oberleitung der Straßenbahn. Als nun der Knabe auf eine Straßenbahnschiene trat, erhielt er einen solchen starken elektrischen Schlag, daß er sofort umfiel und zu einem Arzt gebracht werden mußte. Dieser konstatierte eine .schwere Gehirnerschütterung und es steht um den Knaben sehr bedenklich. Diese Drachenschnur muß also nach dieser Darstellung einen guten elektrischen Leiter abgegeben haben, wodurch das Un» glück herbeigeführt wurde. Es sei deshalb besonders vor An- Wendung solcher Drachenschnüre gewarnt. Auf Kindcsmorde deuten zwei Leichenfunde hin, die vorgestern gemacht worden sind. In dem Hause Kronenstratze 58 wurde von einem Bewohner der Leichnam eines neugeborenen Knaben ent- deckt. Er war in Zeitungspapicr eingehüllt. Am Sonnabendabend war in der Nähe der Fundstätte eine Frauensperson beobachtet worden, die sich in verdächtiger Weise dort zu schaffen gemacht hatte.— Eine zweite Kindesleiche wurde am Ufer des Tegeler Sees in der Nähe des Germaniakrahnes aufgefunden. Sie war in einen Pappkarton des Schuhwarcngcschäfts von Tack u. Eo., Burg bei Magdeburg, verborgen. Um den toten Körper war eine Zeitung vom 3. Juli herumgewickelt. Durch die Obduktion wird bei beiden Leichen festgestellt werden, ob Kindesmord vorliegt. Ein energischer aber falscher Gerichtsvollzieher treibt gegen- wärtig in den westlichen Vororten sein Unwesen. Mit der blauen Aktenmappe unterm Arm spricht der Betrüger bei den Anwohnern vor und gibt sich als Gerichtsvollzieher Schulz aus Steglitz aus. Der Gauner erscheint nur in solchen Wohnungen, in denen die Männer abwesend sind. Er behauptet, zur Einziehung fälliger Gerichtskosten gesandt worden zu sein und scheut sich keineswegs, mit sofortiger Pfändung zu drohen, wenn nicht gleich bezahlt wird. Der falsche Gerichtsvollzieher, der etwa 30 Jahre alt ist, tritt äußerst energisch auf und dadurch ist es ihm auch schon in vielen Fällen gelungen, die eingeschüchterten Frauen zur Zahlung zu be- wegen. Ueberfahren und erheblich verletzt wurde gestern morgen ein Arbeiter in der Oranienstcaße am Waldeckpark von einer Droschke. Die Räder gingen ihm über beide Beine. Der Verletzte wurde nach der Unfallstation gebracht. Auf dem Soinmcrfest in Hasselwerber hat ein Invalide ein Portemonnaie mit 15 M. Inhalt verloren. Der Finder wird um Abgabe gebeten an Gustav Bierbach, Grüner Weg 114, v. IV. Radrennen fanden am Sonntag in Steglitz, in Treptow und im Sportpark Spandau statt. In Steglitz fochten 6 Fahrer um die Meisterschaft des D. R. B. über 25 Kilometer; B. Götze trug den Sieg davon. Die Bundesmeisterschaft von Preußen über j 50 Kilometer hinter Straßenmotorführung wurde ebenfalls von 6 Fahrern bestritten. O. Gesche(Seeadler) siegte in 59 Min. 54 Sek.— Die Treptower Bahn hatte sich wieder eines sehr guten Besuches zu erfreuen. In dem Stundenrcnnen mit Motor- fuhrung(603, 400, 300, 200 M.) konnte der alte Treptower Fahrer Max Heinh mit 01,080 Kilometer einen leichten Sieg über seine Gegner de Roos(Amsterdam) 59,360 Kilometer, W. Huber(Nürn- berg) 58,310 Kilometer und Habcrer(Berlin) feiern. Eine Neuheit war das Fahren über 25 Kilometer hinter kleinen Motoren(100, 80, 60, 40, 20 M.), das folgende Placierung ergab: 1. Kelbel in 26:01; 2. Elxleben 1400 Meter; 3. Rottnick 1560 Meter; 4. M. Hansen 2890 Meter; 5. Saager 3820 Meter zurück; Stabe, der sich hinter der Führung nicht zurechtfinden konnte, hatte auf. gegeben.— Ein Hauptfahren über 1200 Meter(40, 20, 10, 5 Mk.) sah Stabe als Sieger vor Kelbel, M. Hansen und Tschilpe.— Den Radrennen war ein vom Sportklub„Komet" veranstaltetcS Wettlaufen mit Schrittmachern über 1 Stunde voraufgegangen. 1. H. Müller(Komet) 16,036 Kilometer; 2. Wils(Berlin 1902) 15,595 Kilometer; 3. Klecps(Rhcnania) 15,744 Kilometer.— Der Sportpark Spandau veranstaltete zwei kleine, aber inter- cssaute Rennen. Die beiden besten Berliner Flieger, Bader und Theile, fochten einen Zweikampf in drei Läufen aus, in den zwei- mal Bader Sieger blieb und somit den Einsatz von 150 M. und die Prämie von 200 M. gewonnen hatte.— Fernerhin hatte der Amerikaner I. Bedell mit A. Huber ein Treffen über 15 und 30 Kilometer. Huber würde Sieger und gewann den Einsatz von 500 M. und die Prämie von 200 M.— Den Schluß bildete Dare Devil Schreyers Todessprung, den der Amerikaner auf dem Rade vom hohen Turmgerüft in ein zwei Meter tiefes Wasserbecken ausführt. In weitem Bogen fliegt Schleyer durch die Luft und nach einem kühlen Bade setzt er sich aufs Rad und fährt eine Ehrenrunde. Im wissenschaftlichen Theater der Urania in der Taubenstraßc findet am Mitttvoch eine Wiederholung des Vortrags„Im Lande der Mitternachtssonne", der dem Zuschauer die herrlichen Natur- szenerien Norwegens an der Hand zahlreicher farbiger Bilder vor Augen führt und einen lebenswahren Ausschnitt aus den nordischen Landen gibt, statt. Am Donnerstag wird der Vortrag„Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat", am Freitag der Vortrag„Von der Zugspitze zum Watzmann", und am Sonnabend der Vortrag„Durch Dänemark und Südschweden" wiederholt. Feuerwehrvericht. Im 4. Stock des Hauses Am Ostbahnhof 5 brannten am Sonntag um Mitternacht in einer Wohnung Betten, Möbel u. a. und gleichzeitig in der Dresdenerstr. 40 im Quergebäudc in einer Schleiferei Kästen mit Holzkohlen. Durch Ueberkochen von Fett kam ein größerer Brand in der Britzerstr. 1 zum Ausbruch. Dort brannten bei Ankunft der Feuerwehr in einem Schlächter- kcller Fenster, Balken, Schaldecken, Fett u. a. In der Rigaerstr. 14 standen nach Mitternacht in einem Zigarrenladen Regale in Flammen. Ferner hatte die Wehr in der Andreasstraße 41, Tegclerstraße 41, Karlstraße 46, Glogauerstraße und änderen Stellen zu tun. Mobilien und Immobilien brannten dort, Vorort- JVadmebtem Rnmmelsburg. Die Aufstellung der Kandidaten der Arbeitnehmerbcisider für das Gewerbegericht wurde in einer vorige Woche stattgehabten öffentlichen vom Gewerkschaftskartell einberufenen Versammlung vollzogen. Zunächst referierte Genosse Ritter über:„Die Ent- stehung und Bedeutung der Gewerbcgcrichte für die Arbeiterschaft". Hierauf erstattete Genosse Berger Bericht über die Tätigkeit des Gewerbegerichts. Er betonte, daß die meiste«? Klagen im Suhnetermin beigelegt würden, so daß es vorkommt, daß einzelne Beisitzer ein ganzes Jähr an keiner Sitzung teilzunehmen hätten. Genosse Beckmann unterstützte diese Ausführungen und be. merkte, daß hier der Kostenpunkt mitzuspielen scheine; es sei daher notwendig, für Abänderung des Ortsstatuts einzutreten. Der Vorsitzende Genosse Jbscher gab noch den Rechtsuchenden den Rat, ihre Klagen in öffentlichen Sitzungen aburteilen zu lassen. Als Kandidaten wurden folgende Genossen aufgestellt: Vergolder Otw Schulz, Kistcnmacher Gustav Sicwert, Schmied Berthold Dymke, Dreher Otto Grimm, Metallarbeiter Ernst Bügner und Hutmacher August Oehlking. Hierzu wurde noch mitgeteilt, daß sich die Genossen Gustav Tempel, Alt-Boxhagen 56, Hugo Lindner, Grünbergerstr. 10, Paul Ritter, Schillcrstr. 26, Ferdinand Halwas, Kantstr. 44, und Albert Gorgas, Neue Prinz Albertstr. 70, bereit erklärt haben, für die sich dort meldenden Wähler die Wahl- lcgitimationen zu besorgen. Am Freitag, den 26. Juli, abends 8 Uhr, findet von den bekannten Bezirkslokalen aus eine Flugblatt- Verbreitung zur Gewerbcgerichtswahl statt. Es werden die Be- zirksleiter ersucht, die Flugblätter aus der Parteispedition ab»u- holen. Mariendorf. In der letzten Generalversammlung des Wahlvereins gab der Vorstand den Bericht vom verflossenen Halbjahr. Es fanden 12 Vorstandssitzungen, 3 Mitglieder-, 2 Volksversammlungen für die Gemeindevertrcterwahl und eine für den Bäckerstreik, sowie eine Agitationstour statt. Der Mitgliederbestand ist 166. Der Kasscnbestand betrug in Einnahme 391,64 M., in Ausgabe 110,92 M.; an den Hauptkassicrer wurden 267,80 M. abgeführt. Die Maifeier schließt mit einer Einnahme und Ausgabe von 241,75 M. ab. Die Parteispcdition hatte eine � Einnahme von 3766,39 M. und eine Ausgabe von 3635,06 M. Zum 1. Vorsitzenden wurde an Stelle von Lehmann II der Genosse Hannemüller und zum Beisitzer an Stelle von Hanncmüller der Genosse Sucker gewählt. Den Bericht von der Kreis-Generalversammlung gab Genosse Hannemüller. Als Delegierte zur Generalversammlung Groß-Berlins wurden die Genossen Händel, Bethke und Hanneinüller, zur Kreis-General- Versammlung die Genossen Beck, Fischer und�Grunow gewählt. Ferner wählte die Versammlung die Genossen Sucker, Händel und Spannberg zu den Vorarbeiten, welche für unsere Ortschaften zur Gründung einer Filiale der Arbeiterbildungsschule führen sollen- Weiftensee. In der Generalversammlung des Wahlvereins erstattete Ge- nosse Taub mann Bericht aus der Gemeindevertretung. In einem einstündigen Referat ließ er alle wesentlichen Vorkommnisse, über die wir lausend berichteten, Revue passieren. An der Dis- kussion beteiligte sich Genosse S i m s o n. Der Vorstandsbericht konnte leider durch plötzliches Abrufen des Genossen Kohl nicht gegeben werden, jedoch versicherte Genosse O l e y als 2. Vorsitzender, daß alle Geschäfte ordnungsgemäß erledigt seien. Der Kassen- bericht weist eine Einnahme von 2314,72 M. und eine Ausgabe von 2025,55 M., somit einen Bestand von 289,17 M. auf. Die Maiseier erzielte einen Ueberschuß von 326,25 M., welche Summe dem Kassenbestand des Wahlvereins zugeführt wird. Des weiteren wurden der Bibliothek für Neuanschaffungen 100 M. und dem Kreise 300 M. überwiesen. Als Ersatzdelegierte für die Kreisgencral- Versammlung und für Groß-Berlin wurden die Genossen Wiese und A n d r e e gewählt. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken der verstorbenen Genossen Kempe. Kemnitz und Wcidmüller in üblicher Weise. Grünau. Tie letzte Versammlung deS Wahlvereins nahm nach einem Referat des Genossen Steinig! den Bericht des Genossen Blume über die letzte Kreis-Generalversammlung und über die letzte Gemeindcvertretersitzung entgegen. Nach dem Kassenbericht des Genossen M i tz n e r betrugen die Einnahmen im letzten Quartal 113 M. und die Ausgaben 58,90 M. Wegen restiercndcr Beiträge mutzten sechs Genossen gestrichen werden. Das Stiftungs- fest des Wahlvereins findet am 9. November bei Duchaufour statt. Der Restauratcur P ä t e l- Fredersdorf hatte mitgeteilt, daß ex sein Lokal nicht mehr zu Versammlungen zur Verfügung stellen könne, da er von allen Seiten schikaniert werde. Erkner. Der Arbeiterschaft von Erkner zur Nachricht, daß der Ge- meindevertreter Herr Albert Zernicke, Drechslermcister, nicht mehr zur sozialdemokratischen Partei gehört und deshalb die Wähler dieser Partei obengenannten Herrn nicht mehr als ihren Vcr- treter im Gemeindeparlament anerkennen. Der Sozialdemokratische Wahlverein für Erkner und Umgegend. Berliner Marktpreise. Ans dem amllichen Bericht der städtilchen Marklhallen-Dircktion.(Großhandel.) Rindfleisch la 70—72 Dr. 100 Pfd., Ha 61—69, lila 59-60, Bullenfleisch la 65-70, IIa 55-64, Kühe, feit 52— 60, do. mager 40—50, Fresser 54—56, Bullen, dän. 0,00, do. Holl. 0,00. Kalbfleisch, Doppellender 100—120, Mafikälber la 73—82, IIa 64—72, Kälber gcr. gen. 45—57, do. Holl. 0,00, dän. 0.00. Haminel- sleisch Masilämmer 74—78, Hammel la 69—73, IIa 62—68, Schafe 00—62. Schweinefleisch 58—64. Rchbock la per Pfund 0,65—0,85. IIa 0,45—0,60, Rotwild, Abschuß 0,56—0,63. Damwild, Abschuß 0,00. Wils- fchweine 0,38. Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stück 0,25—0,75. Wildenten per Stuck 0,70—1,50. Krickenten per Stück 0,45—0,60. Hühner, alle, per Stück 1,50—2,00, Ha 0,00, do. junge 0,60—1,10. Tauben 0,23—0,50, italienische 0,00. Ente» per Stück 1,60 bis 2,20, do. Hamburger per Stück 0,00. Gänse per Pfund 0,65—0,68, do. per Stück 2,00—3,50, do. Hamburger per Pid. 0,00, per Stück 0,00. do. Oderbrucher per Pfund 0,00. Poulcts per Stück 0,00. ChalonShühner 0,00. Hechte per 100 Pjund 108—117, matt 0,00, dito mittel und groß 0,00. Zander 0,00. Ätileie, groß 86, mittel 0,00, do. Holl. 0,00, do. 89—100. Aale, groß 0,00, do. klein und mittel 85, mittel 100, do. unsortiert 0,00, do. groß-mittel 0,00. Plöize», matt 0,00. Roddow 0,00. Karpfen, groß 87. Bleie 0,00, matt 64. Bunte Fische 0,00. Barse 0,00. Karauschen 80—86, do. matt 0,00. Bleisische 0,00. Wels 0,00. Aland 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer, per 100 Psd. 110—130, do. Ha neuer 90—100, do. nia neuer 60. Seelachs 10—20. Flundern, Kieler, Stiege la 3— 6. mittel der Kiste 1—2, Hamb, stiege 4—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 4— 8, IIa 0,50—2,50. Bücklinge, Küier per Wall 2—3, Strals. 8,50—4,80. Bornh. 0,00. Aale, groß per Psd. 1,10 bis 1,40, nistlelgroß 0,80—1,10, klein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5—9. Schellfische Kiste 3,00—5,00,'I, Kiste 1,50—2. Sardellen, 1902er per Anker 98. 1904er 98, ISOäer 98, 1906er 90—95. Schottische Vollheringe 1905 0,00, large 40—44, füll. 38—40, med. 36—42, deutsche 37— 44. Heringe, neue Matjes, per'/« To. 50—120. Sardinen, russ., Faß 1.50-1,60. Bratheringe Faß 1,20-1 40, do. Büchse(4 Liier) 1,40-1,70. Neunaugen, Schocksaß II, do. kleine 5—6, do. Niesen- 14. Eier, Land-, unsortiert per Schock 3,25—3,40, do. große 4,00. Krebse per Schock große 0,00, do. mittelgroße 0,00, do. kleine 0,00, do. im- sortiert 6,00, do. Galizter groß und mittel 0,00, do. uns. 0,00. Butter per 100 Psd. la 106-110, IIa 103-106. lila 100-102, abfallende 90-95. Saure Gurte», neue schock 4,00—5.00. Pfeffergurken 4,50. Kartoffeln per 100 Pfd. weiße runde 2,75-3,50, blaue 3,50-4,00. Rosen- 2,25 bis 2,50, Nieren. 3,00-3,50, Zcrbster 3,00-4,50. Porree, schock 0.50-,. 00. Meerrettich, Schock 3—12. Spinat per 100 Pfund 25— 30. Sellerie, hiesige, per Schockbund 2,00-3,00. Zwiebel» per 100 Pfd. 6,00—8,50, do. kleine 0,00, do. hiesige(Perl-) 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün, Schockbund 0,75—1,00. Kohlrabi Schock 1,00—1,25. Rettig, bayr., neue Stück 0,07—0,10. Mohrrüben Schockbund 1,75—2,00. Karotten, hlesiie, Schockbund 2,00—3,00. Wirfingkohl ver Schock 4,00—6,00. Rotkohl, Schock 10—12. Weißkohl 6—8. Blumentohl, Zittauer 100 Stück 16—17, do. Ham- burger 100 Stück 10—12, do. Erfurter 100 Stück 20—25. Kohlrüben, Schock 5,00— 6,00. Rhabarber 100 Bund 0,00. Peterstlienwurzelii, Schockbund 4,50— 6,00. Schoten per 100 Pfund 10—18. Pfefferlinge per 100 Pfund 8—12. Steinpilze per 100 Pfund 20—25. Radieschen per Schock 0,75-1,00. salat per Schock l, 00— 2,00. Gurten, Zcrbster, Schock 3,00—3,50. Bohnen, grüne, 100 Pfd. 10—13. Stachelbeeren, per 100 Pfund 8—12. Erdbeeren, hiesige 100 Pfd. 20—35, do. Walderdbeeren 50—100, do. Hamburger 30 bis 40, do. Holländer 28—32. Himbeeren 100 Pfund 27—30. Blaubeeren. 100 Pfd. 10—12. Johannisbeeren. 100 Pfd. 8—10. Kirfchen, per 100 Pfund Schlesifche 10—20, Werderfche 10—15, do. Glas- 12—18, do. Thüringer 4—15, Natten 20—30, fauere 20—24. Birnen, ilal., 100 Pfund, 13—22, Muskateller 26—28. Pfirsiche, per 100 Pfund 35—55. Aprikosen, ital., per 100 Pfund 26—28, franz. 24—35, Ungar. 0,00. Aepfel, ital., Per 100 Pfund 14—20. Pflaumen, ital., per 100 Pfund 13—30. Zitronen. Mefsina, 300 Slück 9.00—18.00. do. 360 Stück 8,00—11,00, do. 200 Stück 6,00—12,00. Bananen, gelb, 100 Pfd. 22-25. (± ♦I '♦ ♦ u Sozialdemokratischer Wablverein 4. Berliner Jleichstatjs-Wahlkreis. Sonntag, den 28. Juli: \ Großes Sommerfest � in den Lokalen; Beylers Gesellschaftshaus, Ludwigs Park-Restaurant, Redlich, Keglerheim, alle in Treptow, Köpenicker Landstraße, und Sonntag, den 18. August, in Menfes Volksgarten, Lichtenberg, Röderstr., u. Elysilim, Landsberger Allee 40. Konzert. Unterhaltungen aller Art. Kinderbelustigungen. Preiskegelschieben. Tanz. Eröffnung ä Uhr. Billett 20 Pf. Zu zahlreichem Besuche ladet ein 262/12» Das Komitee. R i ♦ M Wide* WaldschlSßcIteD, Elcliwalde, Empfehle allen Vereinen und Gewerkschaften zu Ausflügen und Parttcn mein herrlich am Wald gelegenes Lokal, lt Minuten vom Bahnhof. Groler Saal. X Schattiger Garten. X Kegelbahnen. X Ausspannung. Seaunerwohnungen und Zimmer. 426LL' Kliiiiien- inid fu'nit;(mti)mi von Robert Meyer,. nur Mnriannen-SirnKk 2. ldÄer Ausverkauf Steppdecken, Deutsche und Perser Teppiche, Portieren, Gardinen, Stores, Tischdecken, "1 Läuferstoffe, Diwandecken und Matten. 5484L Wegen Umbaues und Hinzunahme der I. Etage muß das Lokal vollständig geräumt werden, und soll das Warenlager in Höhe von zirka 150000 Mark auf das mindeste ausverkauft m n i herabgesetzt und werden. Um dieses zu erreichen,"ff neben d. früheren sind die Preise effektiv zirka deutlich vermerkt Teppiciihaus B. Hurwitz Stechbäif6!— 2. Rotes ScIlloS NaUonaLDenkmal. Sozialdemokratischer Wabloerem für den 4. Berliner Keiehstags-Wahlkreis. Dienstag, den 23. Juli, abends S'/a Uhr, in Kellers Festsälen(Inhaber Freyer), Koppenstrasze Nr. 29: Ordentliche General-Versammlttng. Tages-Ordnung:*7 1. Geschäfts-, Kassen-, Redisionsbericht und Diskussion. 2. Anstellung des zweiten Kassierers. 3. Bericht aus den Kommissionen. 4. Beratung eventueller Anträge zur Verbands- Generalversammlung und Wahl der Delegierten. 5. Ausschlußanträge. 6. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. � 262/11« Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. To2ßAk(kiiioK?ati5dK� HD| � ==zmahlvcvcin== Dienstag, den 23. Juli, abends 8 Kljr, in Hoppes Millen, Hemannstr. 49: General-Berfammlung. � Tages-Ordnung! 1. Vorstands- und Kassenbericht. 2. Bericht von der Kreisgencralvcrsaminlnng. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. 23S/L' =™«==«™™i jYiitgUcdsbuch legitimiert.— Vollzähliges Erscheinen erwartet Der Borstand. Mrckkldmi! dn Zlcimdnier DmW. --- pillsle kerlin II.=_=_= Dienstag, 23. Juli, abends 8 Uhr, im„Englischen Garten", Aleranderstr. 27 0: KjlerordentlicheWgliederversammlnng. Tagesordnung: i. Bericht über die Unterhandlungen der Lohnkommission mit den Unternehmern, l. Gewerlschafiliches. In Anbetracht der Wichtigkeit der Versammlung ist das Erscheinen sämtlicher Mitglieder not- wendig. Kein Kollege darf fehlen. 180/13 Die Ort» Verwaltung. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Freitag, den 26. Juli, abends 8'/» Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engel-Nfer 15, großer Saal: deneeaU VersammlniiL. Tagesordnung: 1907. 2. Gewerkschaftliche». 3. Verschiedenes. 142/8 1. Wrechnung vom zweiten Quartal... - Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne dasselbe kein Zutritt.- Wichtige Tugesordnnng. Ernotaelnen aller Kollegen dringend notwendig. Der Dekrionsvorstand. Am Dienstag, den Ä3. Jnli, abends 8V2 Uhr, finden Ml fersanunlüngen 265/1» statt. Für 1, Abteilung bei Obiglo, Schwedterstr. 23. . 2., in den Verolinasälen, Schönhauser Allee 28. , 3.„ bei Groterja», Schönhauser Allee 130. » 4., bei Wilke, Bruimenstr. 183. » 6., bei Tchölzel, Boyenstr. 12. . 7., Moabiter GesellschaftshauS, Wielefftr. 24. » 10., bei Blume, Schulstr. 29.(Kein Bortrag.) » 11., Swineuiünder Gesellschaftshans, Swinemünderstr. 42. Tages-Ordnung: 1. AnsstelllMg der Kandidaten ziw Delegiertenwahl sür die Verbands- General-Versammiung. 2. Vortrag und Dislussion. Referenten sind die Genossen: Engen Brückner, Giebel, Kunze, Leid, Mohs» Ritter, Schulz. Zu zahlreichem Besuch labet ein Der Vorntand. Arbeitsnachweis i Hos l.»Imi 3, 1239. Berwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Ckariwslrab« 3,_ Hos III. Amt 3, 1987. Mittwoch, den 24. Juli, abends S'/a Uhr: Allgemeine �erfammlung der Rohrer und Helfer Berlins u.(Jing. In Frankes Feststtlen, Sebastlanstr. 80.-WD Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Bah» über: Nationale Ehre— Standes- ehre. 2. Diolujsion. 3. Verbaiidsangelegenheiten. 123/11 DM- Tie Kollegen werden ersucht, recht zahlreich und pünltlich zu erscheinen._ Mittwoch, den 24. Jnli, abends 8 Uhr. Tersammiung der Drahlarbeiler Im Gcwerkschuftslianse, Engel-User 15, Saal 8. T a g e S- O r d n n n g: 1. Die letzten Ereignisse in unserem Berris und unser� weitere Stellungnahme. Reserent: Kollege Otto Handtke. 2. Diskussion. Kollegen I Mit Rücksicht daraus, daß der Kamps um die Ver- erwarten Zahlstelle Berlin. Kammacher, Mittwoch, dcn 24. Juki, abends S\U Nhr, Ut Lockcrs Festsälen, Weberstr. 17: Srsnvken- Versammlung der Kammacker S*1®1' Zelluloid-Haarschmuck- branche beschaft. Arbeiter u. Arbeiterinnen. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen R. Schmalbach über:.Wissen ist Macht I" 2. Dislussion. 3. Werlstattangelegenhellen. 4. Verschiedene». Der sehr wichtigen Tagesordnung wegen ist es Ehrenpflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Kommission. Achtung! Achtung s Bodenleger. Uli, abends 8 Uhr, in Hngel-Ufer 13(Saal I): Versammlung/. Mittwoch, dcn 34. Juli, abends 8 Uhr, im GewerlschaftShause, Engel-Ufer 13(Saal I): Die Tagesordiiung wird in der Versammlung bekanntgebt.u. Ii unbedingt nolia, dag alle Vertrauensm' In dieser Versammlung ES ig unbedingt nölil pünkllich erscheinen. Ausgabe. _ lg alleVertrauensmäimer iowie sämtliche Kollegen gelangt der neue Taris zur Die Kommission. fMll t Heiter u.-Uriierlieii DeutsebU. Lokalverband Berlin. Mittwoch, de» 84. Jnli ISO?, abends 8 Uhr, im Lokale von Boeker, Weberstr. 17; [sämtlicherBranchen. besserung unserer Arbeitsverhältnisse schon über>/« Jahr dauert, wir, dag ein jeder Kollege i» die Versammlung kommt. Mittwoch, den 24, Juli, abends 8 Uhr, Bezirksfersammlung für Rixdorf und Umgegend in Hoppes FeststUen, illxdorf, H ermann str. 49. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Stadtverordneten Genossen Groger über: Religion und Sozialismus. 2. Diskussion. 8. Ver- bandsangelegenheiten und Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet_ Die Ortsyerwaltnng. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal. 2. Wahl von 5 Mitgliedern zur Agttotionskommission. 8. Den wöchentliche» Beitrag Do» 50 Pf. auf 70 Pf. festznseben. Reserent: N. Gi-iimal. Korreserent: P. Meilchen. Um recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 73/16_ Die Ortsverwaltung. NerichilMMtl -uLnndpartitn, iarZItreine-c nur Ncuheitcn, I.ainpIons, Stocklnternen, Fnckeln, Girlanden� Dützen, Jluslk- nnd Itaduusachen spottbillig im Engros» Geschäft LH Itnffhilf Altc-lukobstraBo 03, . 11. UUllfllll, an der Seydelstrahe. Bereinen extra hoher Rabatt. Asinariiviter! tllttwech, 34. d. 31., Garten" Berlin I. abends 7'l, Ihr, Im„Englischen Alcxandcrstr. S7 e: Nah! des Gesellen-fluskhuffes. »Es ist Pflicht jedes in einem Jnnungsgeschäst arbeitenden Kollegen, zu erscheinen._ Donnerstag, den 85. d. M., abends 8'/- Uhr, ebenfalls im »Englischen Garten«, Alexanderstr. 87c: MgUeäsr- Versammlung. »Die Bedeutung des vom zweiten Quartal. TageS-Ordnung- 1. Vortrag deS Genossen Rodert Pendel über: Internationalen Kongresses". 2. Abrechnung 3. Gewerkschastliches. Mitgliedsbuch legitimiert.— Kollegen, welche ihre statistischen Fragebogen noch nicht abgeliefert haben, werden ersucht, dies in der Ver- jammlung zu erledigen.— Zahlreiches Erscheinen erwartet 180/11« Die Ortsverwaltiug. OrtskraDkenkasse der Klempner. Wir machen hierdurch bekannt, dag die in der Llprilversaunnlung be- schlossenen Abänderungen der KS 29 und 40, die am 1. Juli er. in»rast treten sollten, mit einigen Aenderungen genehmigt worden sind. Danach betragen die wöchentlichen Kassenbeilräge: t. sür Mitglieder der 1. Klasse: 75 Ps. 2.» ,,» 2.„ 57 ,, 3. ,, 0» 3.„ 42 ,, 4. ,, ,, ,, 4. ,, 33„ 6. ,,„ ,, 6. ,, 24., 1950b Der Vorstand. Erklärung. Der Nachfolger von März, Rum- melsburg, Borhagener Ehaussee 5/6, 'err Schubert, hat heute die orderungen bewilligt. 19S2b Berlin, den 22, Juli 1907. Verband der Kälber, Kon- ditoren u. verui. Kerufsgen. Deutschlands. Bezirksmitgliedschaft Berlin. J» Baes* BadstriS,. Ecke 'tPrinz.-Allee Herren- und Knaben- Moden. Berufskleidung. aletots u. Havelocks. GroSes Lager In- und ausländischer Stoffe zur Anfertigung nach Mai.* Allorbiiligsle, streng fette Preise.. 54S6L» Verband d. baugewerblichen [Hilfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. Bezirk Friedrichsberg. Vachrnf! Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß der Kollege 35/13 �tax Gnaden am Sonnabend, den 20. Juli, tot im Wasser ausgesunden wurde. Die Beerdigung hat am Man- tag, den 22. Juli, stattgesunden. Ehre seinem Andenken! 0er Zweigvereins-Vorstand. Sozialdemokrat WahlYerein für Köpenick. am Den Mitgliedern hiermit Nachricht, das} der Genosse, staurateur .Jakob Moli im Alter von 46 Jahren Freitag verstorben ist, Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Donnerstagnachmittag 5 Uhr vom Trauerhause Grünauerstr. 7 aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 7/2 Der Vorstnad. Deutscher Transportarbeiter-Verband Ortsverein Charlottenburg. Nachruf. Am 12. Juli verstarb unser Mitglied Wi!I> Reyne durch Totschlag. Ehre seinem Andenken! 74/4 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise'herzlicher Anteilnahme, sowie sür die überaus zahlreichen Blumenspenden beim Hin« scheide» meines mnigstgeliebten ManneS, unseres guten Vaters, des Kaufmanns Erleb Bnth, spreche ich allen Bekannten, sowie den Mit- gliedern des Wahlvereins des sechsten Kreises meinen herzlichsten Dank aus, Witwe Emma Uath 55042 und Kinder. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzeuslp.�HÄV 10—2, 5—7. Sonntags 10—12, 2—4. Am 20. d. M.. früh 1 Uhr, ver- starb nach kurzem, aber schwerem Leiden unser lieber Freund und Kolonist Karl Ldioeitfeld im 68. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 23. d, Mts., nach- mittags 2'/. Uhr, vom Kranken- hauS am Urban aus nach dem EmmauS-Friedhos statt, Um rege Beteiligung bittet Lauden-Kolonle„Langenfelde". Treptow, Kiesholzstr. 404. SoziaidemokratiscberVaUvereiQ des 2. Berliner Waliikreises. Bezirk 133. Am Solinabend, den 20. Juli, starb unser langjähriges Mitglied, der Steinmetz tfrilhelm Galin. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 23. Juli, nach- i mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Zenttal-Friedhoses in ! Friedrichsfelde aus statt. 239/12 > Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstaad. Zentral-Yerband der Steinarbeiter. Berlin I. Am 20. Juli starb unser Kollege !Vi?iikoin, Galin im 41. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung ersolgt am Dienstagnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in FriedrichSselde aus. Zahlreiche Beteiligung erwartet 180/12 Oie Ortsvorwaltung. Hierdurch die traurige Nachricht, dasi am Mittwoch, den 17. d. M., mein lieber Mann, unser guter Vater, Bruder, Schwager und Onkel, der Rohrleger August Heidepriem plötzlich und unerwartet aus dem Leben geschieden ist. S503L Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 24. d. Mts,, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Geihsemane-Kirchhoses (Nordend) aus statt, Oie tieftrauernden Hinterbliebenen. TodessAnzeige. Am 17. Juli verschied plötzlich ! unser Kollege, das Mitglied der Agilationskemmlssion der Rohrleger und Helfer Berlins und Um- j gegend, der Rohrleger 19576 August Heidepriem im Alter von 52 Jahren, Die Branche verliert in dem Dahingeschiedenen einen rührigen und braven Kampfgenossen, der stets zum Wohle der Kollegen- schaft tätig war. Wir werden ihm ein dauerndes Andenken bewahren l Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 24. Juli, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gethsemane- Kirchhojs, Nieder- schönhausen-Nordend, aus statt. Um zahlreiches Geleit bittet Die Agitationskommission der Rohrleger und Helfer Berlins und Umgegend. J. A.: Robert Kind. Allgemeiner Deutscher Metallarbeiter-Verband Verein Berlin und Umgegend. Hiermit unseren Kollegen zur Nachricht, dasi unser Mtglied, der Rohrleger Auxust Heidepriem geb. 20, Dezember 1855 zu Nhinow am Mittwoch, den 17. Juli 1907, verstorben ist. Als Lebensausgabt erblickte der Verstorbene die Besserstellung der gesamten Arbeiterschast und wirkte bis zum letzten Atemzuge dem- gemäß. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 24. Juli, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gelhsemane-KirchhoseS Nordend aus statt. Um zahlreiche Beteiligung an der Beerdigung bittet 280/4 0er Verstand. leulraiverband der Brauereiarbeiter Zweigverein Berlin. Sektion II. Am Sonnabend, den 20. Juli, starb nach langem Leiden unser Mitglied, der Kollege 42/10 Gustav Klauke. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den£3. Juli, vormittags 10 Uhr aus dem Gemeinde- Friedhof in FriedrichSselde statt, Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unseres Vater» sagen wir allen Freunden, Belannten und Verwandten, ins- besondere dem Personal und den Kollegen der Teppichfabril des Herrn Badee unseren herzlichsten Dank. Lcdcx Seifert nebst Geschwistern. 55012 Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Ver- wandten und Bekannten, insbesondere den Sängern, der Familie Helle, den Kollegen der Firma Holle, der Orts- Verwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes sowie de» Genossen des 710. Bezirks des Wahl- Vereins des 6. Kreises meinen besten Dank. 5500L Witwe Herda nebst Kinden). )Vai- Srlcbeuiungcn: Verbrechen und Prostitution als soziale Krankheitserscheinungen von Paul Hirsch. Zweite, völlig umgearbeitete mit) vermehrte Auslage. Preis Frosch. S.— Sil, geb. 3.50 M. Ferdinand Laffalleo „Offenes Hntwortfchreiben". Durchgesehen, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Eduard Bernsteiu. 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